Oden Hamburg . 1771 . Bey Johann Joachim Christoph Bode . Inhalt . Erstes Buch . Dem D rloͤser. 1751. Fuͤr den Koͤnig. 1753. Die Genesung. 1754. Dem Allgegenwaͤrtigen. 1758. Das Anschauen Gottes. 1759. Die Fruͤhlingsfeyer. 1759. Der Erbarmer. 1759. Die Gluͤckseligkeit Aller. 1759. Die Genesung des Koͤnigs. 1759. Die Welten. 1764. Die Gestirne. 1764. Dem Unendlichen. 1764. Der Tod. 1764. Die hoͤchste Gluͤckseligkeit. 1764. Der Vorhof und der Tempel. 1765. Das grosse Halleluja. 1766. Schlachtgesang. 1767. Zweytes Buch . Der Lehrling der Griechen. 1747. Wingolf. 1747. An Giseke. 1747. An Ebert. 1748. Bardale. 1748. An Fanny. 1748. Heinrich der Vogler. 1749. An Bodmer. 1750. Der Zuͤrchersee. 1750. Friedrich der Fuͤnfte. 1750. Friedrich der Fuͤnfte. An Bernstorff und Moltke. 1751. Die todte Clarissa. 1751. Friedensburg. 1751. An Cidli. 1751. Die Koͤnigin Luise. 1752. Hermann und Thusnelda. 1752. Fragen. 1752. An Young. 1752. Die beyden Musen. 1752. An Cidli. 1752. An Cidli. 1752. Cidli. Cidli. 1752. An Gleim. 1752. An Cidli. 1752. Der Rheinwein. 1753. Cidli. 1753. An Cidli. 1754. Drittes Buch . Das neue Jahrhundert. 1760. Aganippe und Phiala. 1764. Kaiser Heinrich. 1764. Die Zukunft. 1764. Siona. 1764. Der Nachahmer. 1764. Sponda. 1764. Thuiskon. 1764. Der Eislauf. 1764. Der Juͤngling. 1764. Die fruͤhen Graͤber. 1764. Schlachtgesang. 1765. Braga. 1766. Die Sommernacht. 1766. Skulda. 1766. Selmar und Selma. 1766. Der Bach. 1766. Wir und Sie. 1766. Unsre Fuͤrsten. 1766. Die Choͤre. 1767. Die Barden. 1767. Teone. 1767. Stintenburg. 1767. Unsre Sprache. 1767. Die Kunst Tialfs. 1767. Der Huͤgel und der Hain. 1767. Hermann. 1767. Mein Vaterland. 1768. Vaterlandslied zum Singen fuͤr Johanna Elisabeth von Winthem. 1770. Elegien . Die kuͤnstige Geliebte. 1747. Selmar und Selma. 1748. Rothschilds Graͤber. 1766. Erstes Erstes Buch. Dem Erloͤser. D er Seraph stammelts, und die Unendlichkeit Bebts durch den Umkreis ihrer Gefilde nach Dein hohes Lob, o Sohn! Wer bin ich, Daß ich mich auch in die Jubel draͤnge? V on Staube Staub! Doch wohnt ein Unsterblicher Von hoher Abkunft in den Verwesungen! Und denkt Gedanken, daß Entzuͤckung Durch die erschuͤtterte Nerve schauert! A uch du wirst einmal mehr wie Verwesung seyn, Der Seele Schatten, Huͤtte, von Erd’ erbaut, Und andrer Schauer Trunkenheiten Werden dich dort, wo du schlummerst, wecken. D er Leben Schauplatz, Feld, wo wir schlummerten, Wo Adams Enkel wird, was sein Vaker war, Als er sich jetzt der Schoͤpfung Armen Jauchzend entriß, und ein Leben dastand! A 2 O O Feld vom Aufgang bis, wo sie untergeht Der Sonnen letzte, heiliger Todten voll, Wenn seh ich dich? wenn weint mein Auge Unter den tausendmal tausend Thraͤnen? D es Schlafes Stunden, oder Jahrhunderte, Fließt schnell voruͤber, fließt, daß ich aufersteh! Allein sie saumen! und ich bin noch Diesseits am Grabe! … O helle Stunde, D er Ruh Gespielinn, Stunde des Todes, komm! O du Gefilde, wo der Unsterblichkeit Dieß Leben reift, noch nie besuchter Acker fuͤr ewige Saat, wo bist du? L aßt mich dort hingehn, daß ich die Staͤte seh! Mit hingesenktem trunkenem Blick sie seh! Der Erndte Blumen druͤber streue, Unter die Blumen mich leg’, und sterbe! W unsch grosser Aussicht, aber nur Gluͤcklichen, Wenn du, die suͤsse Stunde der Seligkeit, Da wir dich wuͤnschen, kaͤmst, wer gliche Dem, der alsdann mit dem Tode raͤnge? D ann mischt’ ich kuͤhner unter den Throngesang Des Menschen Stimme, saͤnge dann heiliger Den meine Seele liebt! den Besten Aller gebohrnen, den Sohn des Vaters! Doch D och laß mich leben, daß am erreichten Ziel Ich sterbe! Daß erst, wenn es gesungen ist Das Lied von dir, ich triumphirend Ueber das Grab den erhabnen Weg geh! O du mein Meister, der du gewaltiger Die Gottheit lehrtest! zeige die Wege mir, Die dann du gingst! worauf die Seher, Deine Verkuͤndiger, Wonne sangen. D ort ist es himmlisch! Ach, aus der Ferne Nacht, Folg’ ich der Spur nach, die du gewandelt bist, Doch faͤllt von deinen Strahlenhoͤhen Schimmer herab, und mein Auge sieht ihn. D ann hebt mein Geist sich, duͤrstet nach Ewigkeit, Nicht jener kurzen, die auf der Erde bleibt; Nach Palmen ringt er, die im Himmel Fuͤr der Unsterblichen Rechte sprossen. Z eig mir die Laufbahn, wo an dem fernen Ziel Die Palme wehet! Meinen erhabensten Gedanken lehr ihn Hoheit! fuͤhr ihm Wahrheiten zu, die es ewig bleiben! D aß ich den Nachhall der, die es ewig sind, Den Menschen singe! daß mein geweihter Arm Vom Altar Gottes Flammen nehme! Flammen ins Herz der Erloͤsten stroͤme! A 3 Fuͤr Fuͤr den Koͤnig. P salter, singe dem Herrn! geuß Silbertoͤne, Laute Jubel herab! und ruf zur Stimme Deiner Feyer Gedanken, Welche Jehova, den Schoͤpfer, erhoͤhn! D u bist herrlich und mild! Du gabst, du Geber! Dem gluͤckseligen Volk, in deinen Gnaden, Einen weisen Beherrscher, Daß er die Ehre der Menschlichkeit sey! P reis und Jubel und Dank dem grossen Geber! Heil dem Koͤnige! Heil dem Gottgegebnen! Segn’ ihn, wenn du herabschaust, S chau unverwandt, o Jehova, herab! Schau herunter, und gieb ihm langes Leben, Sanftes Leben, du Gott der Menschenfreunde! Giebs dem Theuren, dem Guten, Ihm, der die Wonne der Menschlichkeit ist! Den D en wir lieben! Er ists! Er ist der Jubel Unsrer Seele! Dir rinnt die Freudenthraͤne! Heil dir! Weh dem Erobrer, Welcher im Blute der Sterbenden geht, W enn die Rosse der Schlacht gezaͤhmter wuͤten, Als der schwillende Held nach Lorbern wiehert! Stirb! So tief sie auch wuchsen, Fand sie des Donnerers Auge doch auf! F luͤche folgen ihm nach! Ein lauter Seegen Jauchzt dem edleren zu, der dieses Nachruhms Schwarze Freuden verabscheut, Sich zu der bessern Unsterblichkeit schwingt! D ann bald hoͤher empor zum Gipfel aufsteigt, Spricht zum Ruhme: Du kennst die Aussenthat nur! Edel handelt! zum Lohne Selbst nicht den Beyfall des Weisen begehrt! R eines Herzens, das seyn! Es ist die letzte, Steilste Hoͤhe von dem, was Weis’ ersannen, Weisre thaten! Der Zuruf Selber des Engels belohnet nicht ganz E inen Koͤnig, der Gott sein Herz geweiht hat! Kaum gebohren wird ihm das Kind schon lallen! Und, geschaffen vor Eden, Sieht ihn der Seraph, und nennt ihn vor Gott! A 4 Einen E inen Christen, ich sah den Weisen sterben, Einen Christen, zur Zeit der neuen Heiden! Liebend wandt’ er sein Auge Gegen den Enkel, und laͤchelte so: E rst sey dieses mein Dank, der ewig daure, Daß mein Schoͤpfer mich schuf, und nun mich wegwinkt, Von der Schwelle des Lebens, Zu dem unsterblichen Leben empor! U nd dann bet’ ich ihn an, daß dieß mein Auge Noch den Menschenfreund sah, den uns sein Gott gab! Gott, Gott segne, ja segn’ ihn! Wende dich nicht, ach, und weine nicht, Sohn! G ott, Gott segn’ ihn! Hier wird der Tod mir bitter, Hier nur! Denn nun erblickt mein todtes Auge Meinen Koͤnig, den besten, Ach! den geliebtesten Koͤnig, nicht mehr! D u, mein gluͤcklicher Sohn, du wirst ihn lange, Lange wirst du ihn sehn, noch, wenn sein Alter Ihn, mit silbernen Haaren, Und, mit der Wonne des Lebens, bedeckt, A ch! der Wonne, vor Gott gelebt zu haben! Gute Thaten um sich, in vollen Schaaren, Zu erblicken! Sie folgen Juͤngling! ihm nach in das ernste Gericht! Vieles V ieles sah ich. Ich weiß, was groß und schoͤn ist In dem Leben! Allein das ist das hoͤchste, Was des Sterblichen Auge Sehn kann: Ein Koͤnig, der Gluͤckliche macht! S ey du wuͤrdig, von Ihm gekannt zu werden! Lern bescheidnes Verdienst; Er wird dich kennen Nun .. Gott segne, ja segn’ ihn! Segne der Koͤnige Besten! .. Er starb. A 5 Die Die Genesung. G enesung, Tochter der Schoͤpfung auch, Obwohl der Unsterblichkeit nicht gebohren, Dich hat mir der Herr des Lebens und des Todes Vom Himmel gesandt! H aͤtt’ ich deinen sanften Gang nicht vernommen, Nicht deiner Lispel Stimme gehoͤrt; So haͤtt auf des Liegenden kalter Stirn Gestanden mit dem eisernem Fusse der Tod! Z war waͤr ich auch dahin gewallet, Wo Erden wandeln um Sonnen, Haͤtte die Bahn betreten, auf der der beschweifte Komet Sich selbst dem doppelten Auge verliert; H aͤtte mit dem ersten entzuͤckenden Grusse Die Bewoner gegruͤßt der Erden und der Sonnen, Gegruͤßt des hohen Kometen Zahllose Bevoͤlkerung; J uͤnglings Fragen gefragt, Antworten Mit den Fragen gleiches Maasses bekommen, Mehr in Stunden gelernt, als der Jahrhunderte Lange Reihen hier entraͤthseln. Aber A ber ich haͤtt’ auch hier das nicht vollendet, Was schon in den Bluͤthenjahren des Lebens Mit lauter suͤsser Stimme Mein Beruf zu beginnen mir rief. G enesung, Tochter der Schoͤpfung auch, Obwohl der Unsterblichkeit nicht gebohren, Dich hat mir der Herr des Lebens und des Todes Vom Himmel gesandt! Dem Dem Allgegenwaͤrtigen. D a du mit dem Tode gerungen, mit dem Tode Heftiger du gebetet hattest, Da dein Schweiß und dein Blut Auf die Erde geronnen war; I n dieser ernsten Stunde Thatest du jene grosse Wahrheit kund Die Wahrheit seyn wird So lange die Huͤlle der ewigen Seele Staub ist. D u standest, und sprachst Zu den Schlafenden: Willig ist eure Seele, Aber das Fleisch ist schwach! D ieser Endlichkeit Looß, die Schwere der Erde Fuͤhlt auch meine Seele, Wenn sie zu Gott, zu dem Unendlichen Sich erheben will. A nbetend, Vater, sink ich in den Staub, und fleh, Vernimm mein Flehn, die Stimme des Endlichen, Gieb meiner Seel’ ihr wahres Leben, Daß sie zu dir sich zu dir erhebe! All- A llgegenwaͤrtig, Vater! Schliessest du mich ein! Steh hier, Betrachtung, still, und forsche Diesem Gedanken der Wonne nach. W as wird das Anschaun seyn, wenn der Gedank ' an dich Allgegenwaͤrtiger! schon Kraͤfte jener Welt hat! Was wird es seyn dein Anschaun, Unendlicher! o du Unendlicher! D as sah kein Auge, das hoͤrte kein Ohr, Das kam in keines Herz, wie sehr es auch rang, Wie es auch nach Gott, nach Gott, Nach dem Unendlichen duͤrstete: K ams doch in keines Menschen Herz, Nicht ins Herz deß, der Suͤnder Und Erd’, und bald ein Todter ist, Was Gott, denen, die ihn lieben, bereitet hat. W enige nur, ach! wenige sind Deren Aug’ in der Schoͤpfung Den Schoͤpfer sieht! Wenige, deren Ohr Ihn in dem maͤchtigen Rauschen des Sturm- winds hoͤrt, I m Donner, der rollt! oder im lispelnden Bache, Unerschafner! dich vernimmt! Weniger Herzen erfuͤllt, mit Ehrfurcht und Schauer, Gottes Allgegenwart! Laß L aß mich im Heiligthume Dich, Allgegenwaͤrtiger, Stets suchen, und finden! und ist Er mir entflohn, dieser Gedanke der Ewigkeit; L aß mich ihn tiefanbetend Von den Choͤren der Seraphim Ihn, mit lauten Thraͤnen der Freude, Herunter rufen! D amit ich, dich zu schaun, Mich bereite, mich weihe, Dich zu schaun In dem Allerheiligsten! I ch hebe mein Aug’ auf, und seh, Und siehe der Herr ist uͤberall! Erd’, aus deren Staube Der erste der Menschen geschaffen ward; A uf der ich mein erstes Leben lebe, In der ich verwesen werde! Und auferstehen aus der! Gott wuͤrdigt auch dich, dir gegenwaͤrtig zu seyn. M it heiligem Schauer, Brech’ ich die Blum’ ab! Gott machte sie, Gott ist, wo die Blum’ ist. Mit M it heiligem Schauer, fuͤhl’ ich der Luͤfte Wehn, Hoͤr ich ihr Rauschen! Es hieß sie wehn und rauschen Der Ewige! … Der Ewige Ist, wo sie saͤuseln, und wo der Donnersturm die Ceder stuͤrzt. F reu dich deines Todes, o Leib! Wo du verwesen wirst Wird Er seyn Der Ewige! F reu dich deines Todes, o Leib! in den Tiefen der Schoͤpfung, In den Hoͤhen der Schoͤpfung, wird deine Truͤm- mer verwehn! Auch dort, Verwester, Verstaͤubter, wird Er seyn Der Ewige! D ie Hoͤhen werden sich buͤcken! Die Tiefen sich buͤcken, Wenn der Allgegenwaͤrtige nun Wieder aus Staub’ Unsterbliche schaft. W erft die Palmen, Vollendete! nieder, und die Kronen! Halleluja dem Schaffenden, Dem Toͤdtenden, Halleluja! Halleluja dem Schaffenden! I ch hebe mein Aug’ auf, und seh, Und siehe der Herr ist uͤberall! Euch, Sonnen, euch, Erden, euch, Monde der Erden, Erfuͤllet, ringsum mich, seine goͤttliche Gegenwart! Nacht N acht der Welten, wie wir im dunkeln Worte schaun Den, der ewig ist! So schaun wir in dir, geheimnißvolle Nacht, Den, der ewig ist! H ier steh ich Erde! was ist mein Leib, Gegen diese selbst den Engeln unzaͤhlbare Welten! Was sind diese selbst den Engeln unzaͤhlbare Welten, Gegen meine Seele! I hr, der Unsterblichen, ihr, der Erloͤsten Bist du naͤher, als den Welten! Denn sie denken, sie fuͤhlen Deine Gegenwart nicht. M it stillem Ernste dank ich dir, Wenn ich sie denke! Mit Freudenthraͤnen mit namloser Wonne Dank’ ich, o Vater! dir, wenn ich sie fuͤhle! A ugenblicke deiner Erbarmungen, O Vater, sinds, wenn du das himmelvolle Gefuͤhl Deiner Allgegenwart In meine Seele strahlst. E in solcher Augenblick, Algegenwaͤrtiger, Ist ein Jahrhundert Voll Seligkeit! Meine M eine Seele duͤrstet! Wie nach der Auferstehung verdorrtes Gebein, So duͤrstet meine Seele Nach diesen Augenblicken deiner Erbarmungen! I ch liege vor dir auf meinem Angesichte; O laͤg ich, Vater, noch tiefer vor dir, Gebuͤckt in dem Staube Der untersten der Welten! D u denkst, du empfindest, O du, die seyn wird, Die hoͤher denken, Die seliger wird empfinden! O die du anschaun wirst! Durch wen, o meine Seele? Durch den, Unsterbliche! Der war! und der ist! und der seyn wird! D u, den Worte nicht nennen, Deine noch ungeschaute Gegenwart Erleucht’, und erhebe jeden meiner Gedanken! Leit ihn, Unerschafner, zu dir! D einer Gottheit Gegenwart Entflamm’, und befluͤgle Jede meiner Empfindungen! Leite sie, Unerschafner, zu dir! B Wer W er bin ich, o Erster! Und wer bist du! Staͤrke, kraͤftige, gruͤnde mich, Daß ich auf ewig dein sey! O hn’ ihn, der sich fuͤr mich geopfert hat, Koͤnt’ ich nicht dein seyn! Ohn’ ihn waͤr deine Gegenwart Feuereifer, und Rache mir! E rd’ und Himmel vergehen; Deine Verheissungen, Goͤttlicher, nicht! Von dem ersten Gefallnen an Bis zu dem letzten Erloͤsten, D en die Posaune der Auferstehung Wandeln wird, Bist du bey den Deinen gewesen! Wirst du bey den Deinen seyn! I n die Wunden deiner Haͤnde legt’ ich meine Fin- ger nicht; In die Wunde deiner Seite Legt’ ich meine Hand nicht; Aber du bist mein Herr und mein Gott! Das Das Anschaun Gottes. Z itternd freu ich mich, Und wuͤrd’ es nicht glauben; Waͤre der grosse Verheisser Nicht der Ewige! D enn ich weiß es, ich fuͤhl es: Ich bin ein Suͤnder! Wuͤßt’ es, und fuͤhlt’ es, Wenn auch das Gotteslicht H eller mir meine Flecken nicht zeigte: Vor meinen weiseren Blicken Nicht enthuͤllte Meiner Seele Todesgestalt! M it gesunkenem Knie, Mit tiefanbetendem Erstaunen, Freu ich mich! Ich werde Gott schaun! F orsch ihm nach, dem goͤttlichsten Gedanken, Den du zu denken vermagst, O die du naͤher stets des Leibes Grabe, Doch ewig bist! B 2 Nicht N icht daß du wagtest, In das Allerheiligste zu gehn! Viel unuͤberdachte, nie gepriesne, nie gefeyrte, Himmlische Gnaden sind in dem Heiligthume. V on ferne nur, nur Einen gemilderten Schimmer, Damit ich nicht sterbe! Einen fuͤr mich durch Erdenacht gemilderten Schim̃er Deiner Herrlichkeit seh ich. W ie groß war der, der beten durfte: Hab ich Gnade vor dir gefunden; so laß mich Deine Herrlichkeit sehn! So zum Unendlichen beten durft’, und erhoͤrt ward! I n das Land des Golgatha kam er nicht! An ihm raͤcht’ es ein fruͤherer Tod, Daß er Einmal, nur Einmal nicht glaubte! Wie groß zeigt ihn selbst die Strafe! I hn verbarg der Vater In eine Nacht des Berges, Als vor dem Endlichen voruͤberging Des Sohnes Herrlichkeit! A ls die Posaun’ auf Sinai schwieg, Und die Stimme der Donner! Als Gott Von Gott sprach! Unein- U neingehuͤllt durch Nacht, In eines Tages Lichte, Das keine Schatten sichtbarer machen, Schaut er nun, so halten wirs, Jahrhunderte schon; A usser den Schranken der Zeit, Ohn’ Empfindung des Augenblicks, Dem der Augenblick folgt, Schaut er nun D eine Herrlichkeit, Heiliger! Heiliger! Heiliger! N amloseste Wonne meiner Seele, Gedanke des kuͤnftigen Schauns! Du bist meine grosse Zuversicht, Du bist der Fels, auf den ich tret’, und gen Himmel schaue; W enn die Schrecken der Suͤnde, Des Todes Schrecken Fuͤrchterlich drohn, Mich niederzustuͤrzen! A uf diesem Felsen, o du, Den nun die Todten Gottes schaun, Laß mich stehen, wenn die Allmacht Des unbezwingbaren Todes mich ringsum ein- schließt. B 3 Er- E rheb, o meine Seele, dich uͤber die Sterblichkeit, Blick auf, und schau; und du wirst strahlenvoll Des Vaters Klarheit In Jesus Christus Antlitz schaun! H osianna! Hosianna! Die Fuͤlle der Gottheit Wohnet in dem Menschen Jesus Christus! K aum schallet der Cherubim Harfe noch, Sie bebt! Kaum toͤnet ihre Stimme noch, Sie zittert, sie zittert! H osianna! Hosianna! Die Fuͤlle der Gottheit Wohnet in dem Menschen Jesus Christus! S elbst damals, da einer der Gottesstrahlen auf unsere Welt, Jene Blutweissagung heller leuchtet’, erfuͤllt ward, Da er verachtet, und elend war, Als kein anderer Mensch verachtet, und elend war; E rblickten, nicht die Suͤnder, Aber die Engel, Des Vaters Klarheit In dem Angesichte des Sohns! Ich I ch seh, ich sehe den Zeugen! Sieben entsetzliche Mitternaͤchte Hatt’ er gezweifelt! mit der Schmerzen baͤngsten Anbetend gerungen! I ch seh ihn! Ihm erscheinet der Auferstandne! Seine Haͤnde legt er in des Goͤttlichen Wunden! Himmel und Erde vergehen um ihn! E r sieht die Klarheit des Vaters im Angesichte des Sohns! Ich hoͤr’, ich hoͤr’ ihn! er ruft, Himmel und Erde vergehen um ihn! er ruft: Mein Herr! und mein Gott! B 4 Die Die Fruͤhlingsfeyer. Nicht in den Ocean der Welten alle Will ich mich stuͤrzen! schweben nicht, Wo die ersten Erschaffnen, die Jubelchoͤre der Soͤhne des Lichts, Anbeten, tief anbeten! und in Entzuͤckung ver- gehn! Nur um den Tropfen am Eimer, Um die Erde nur, will ich schweben, und anbeten! Halleluja! Halleluja! Der Tropfen am Eimer Rann aus der Hand des Allmaͤchtigen auch! Als der Hand des Allmaͤchtigen Die groͤsseren Erden entquollen! Die Stroͤme des Lichts rauschten, und Sieben- gestirne wurden, Da entrannst du, Tropfen! der Hand des All- maͤchtigen! Als ein Strom des Lichts rauscht’, und unsre Sonne wurde! Ein Wogensturz sich stuͤrzte wie vom Felsen Der Wolk’ herab, und Orion guͤrtete, Da entrannst du, Tropfen! der Hand des All- maͤchtigen! Wer sind die tausendmal tausend, Wer die Myriaden alle, Welche den Tropfen bewohnen, und bewohnten? Und wer bin ich? Halle- H alleluja dem Schaffenden! Mehr, wie die Erden, die quollen! Mehr, wie die Siebengestirne, Die aus Strahlen zusammen stroͤmten! A ber du Fruͤhlingswuͤrmchen, Das gruͤnlichgolden neben mir spielt, Du lebst; und bist vielleicht Ach! nicht unsterblich! I ch bin heraus gegangen anzubeten, Und ich weine? Vergieb, vergieb Auch diese Thraͤne dem Endlichen, O du, der seyn wird! D u wirst die Zweifel alle mir enthuͤllen, O du, der mich durchs dunkle Thal Des Todes fuͤhren wird! Ich lerne dann, Ob eine Seele das goldene Wuͤrmchen hatte. B ist du nur gebildeter Staub, Sohn des Mays, so werde denn Wieder verfliegender Staub, Oder was sonst der Ewige will! E rgeuß von neuem du, mein Auge, Freudenthraͤnen! Du, meine Harfe, Preise den Herrn! B 5 Um- U mwunden wieder, mit Palmen Ist meine Harf’ umwunden! Ich singe dem Herrn! Hier steh ich. Rund um mich Ist Alles Allmacht! und Wunder Alles! M it tiefer Ehrfurcht schau ich die Schoͤpfung an, Denn Du! Namenloser, Du! Schufest sie! L uͤfte, die um mich wehn, und sanfte Kuͤhlung Auf mein gluͤhendes Angesicht hauchen, Euch, wunderbare Luͤfte, Sandte der Herr? der Unendliche? A ber jetzt werden sie still, kaum athmen sie. Die Morgensonne wird schwuͤl! Wolken stroͤmen herauf! Sichtbar ist der kommt der Ewige! N un schweben, und rauschen, und wirbeln die Winde! Wie beugt sich der Wald! wie hebt sich der Strom! Sichtbar, wie du es Sterblichen seyn kannst, Ja! das bist du, sichtbar, Unendlicher! D er Wald neigt sich, der Strom fliehet, und ich Falle nicht auf mein Angesicht? Herr! Herr! Gott! barmherzig und gnaͤdig! Du Naher! .... erbarme dich meiner! Zuͤrnest Z uͤrnest du, Herr, Weil Nacht dein Gewand ist? Diese Nacht ist Seegen der Erde. Vater du zuͤrnest nicht! S ie kommt, Erfrischung auszuschuͤtten, Ueber den staͤrkenden Halm! Ueber die herzerfreuende Traube! Du zuͤrnest nicht, o Vater! A lles ist stille vor dir, du Naher! Rings umher ist Alles stille! Auch das Wuͤrmchen mit Golde bedeckt, merkt auf! Ist es vielleicht nicht seelenlos? ist es unsterblich? A ch, vermoͤcht’ ich dich, Herr, wie ich duͤrste, zu preisen! Immer herrlicher offenbarest du dich! Immer dunkler wird die Nacht um dich, Und voller von Seegen! S eht ihr den Zeugen des Nahen den zuͤckenden Strahl? Hoͤrt ihr Jehova’s Donner? Hoͤrt ihr ihn? Hoͤrt ihr ihn, Den erschuͤtternden Donner des Herrn? H err! .... Herr! .... Gott! .... Barmherzig, und gnaͤdig! Angebetet, gepriesen Sey dein herrlicher Name! Und U nd die Gewitterwinde? Sie tragen den Donner! Wie sie rauschen! wie sie die Waͤlder durchrauschen! Und nun schweigen sie. Langsam wandelt Die schwarze Wolke. S eht ihr den neuen Zeugen des Nahen, den flie- genden Strahl? Hoͤrt ihr hoch in der Wolke den Donner des Herrn? Er ruft: Jehova! Jehova! Jehova! Und der geschmetterte Wald dampft! A ber nicht unsre Huͤtte! Unser Vater gebot Seinem Verderber, Vor unsrer Huͤtte voruͤberzugehn! A ch! schon rauscht, schon rauscht Himmel, und Erde vom gnaͤdigen Regen! Nun ist, wie duͤrstete sie! die Erd’ erquickt, Und der Himmel der Seegensfuͤll’ entlastet! S iehe, nun kommt Jehova nicht mehr im Wetter, In stillem, sanftem Saͤuseln Koͤmmt Jehova, Und unter ihm neigt sich der Bogen des Frie- dens! Der Der Erbarmer. O Bewunderung, Gottes Bewunderung, Meine Seligkeit! Nein! wenn sie nur bewundert, Hebt sich die Seele zu schwach! Erstaunen! himmelfliegendes Erstaunen! Ueber den, der unendlich ist! O du der Seligkeiten hoͤchste, Ueberstroͤme meine ganze Seele Mit deinem heiligen Feuer! Und laß sie, du Seligkeit, So oft, und so hoch die Endliche kann, Aufflammen in Entzuͤckungen! Du warst! du bist! wirst seyn! Du bist! Wie soll ich dich denken! Meine Seele stehet still, erreicht es nicht! Vater! Vater! So soll meine Seele dich denken, Dich empfinden mein Herz! Meine Lippe dich stammeln. Vater! V ater! Vater! Vater! Fallt nieder, betet an, ihr Himmel der Himmel! Er ist euer Vater! Unser Vater auch! O ihr, die einst mit den Himmel Bewohnern Erstaunen werden! Wandelt forschend in diesem Labyrinth der Wonne, Denn Jehova redet! Z war durch den rollenden Donner auch Durch den fliegenden Sturm, und sanftes Saͤuseln; Aber erforschlicher, daurender, Durch die Sprache der Menschen. D er Donner verhallt, der Sturm braust weg, das Saͤuseln verweht, Mit langen Jahrhunderten stroͤmt die Sprache der Menschen fort, Und verkuͤndet jeden Augenblick, Was Jehova geredet hat! B in ich am Grabe noch? oder schon uͤber dem Grabe? Hab ich den himmlischen Flug schon gethan? O Worte des ewigen Lebens! So redet Jehova: K ann die Mutter vergessen ihres Saͤuglings, Daß sie sich nicht uͤber den Sohn ihres Leibes erbarme? Vergaͤsse sie sein; Ich will dein nicht vergessen! Preis, P reis, Anbetung, und Freudenthraͤnen, und ewiger Dank, Fuͤr die Unsterblichkeit! Heisser, inniger herzlicher Dank Fuͤr die Unsterblichkeit! H alleluja in dem Heiligthume! Und jenseits des Vorhangs In dem Allerheiligsten Halleluja! Denn so hat Jehova geredet! W irf zu dem tiefsten Erstaunen dich nieder, O du, die unsterblich ist! Geneuß, o Seele, deine Seligkeit! Denn so hat Jehova geredet! Die Die Gluͤckseligkeit Aller. Ich legte meine Hand auf den Mund, und schwieg Vor Gott! Itzt nehm’ ich meine Harfe wieder aus dem Staub auf, Und lasse vor Gott, vor Gott sie erschallen! Wenn dem Tage der Garben zu reifen, Gesaͤt ist meine Saat; Wenn gepflanzt ist im Himmel meine Seele, Zu wachsen zur Ceder Gottes; Wenn ich erkenne, Wie ich erkennet werde! Schwing dich uͤber diese Hoͤhe, mein Flug, empor! Wenn ich liebe, wie ich geliebet werde! Von Gott geliebet! … Anbetung, Anbetung, von Gott! Ach dann! allein wie vermag ich es hier Nur fern zu empfinden! Was ist es in mir, daß ich so endlich bin? Und dennoch weniger endlich zu seyn! Duͤrste mit diesem heissem Durste? Das ist es in mir: Einst werd’ ich weniger endlich seyn. Wie W ie herrlich sind, Gott, vor mir deine Gedanken! Wie zahllos sind sie! Wollt’ ich sie zaͤhlen; Ach ihrer wuͤrde mehr, wie des Sandes am Meere seyn! Einer von ihnen ist: Einst bin ich weniger endlich! O Hofnung, Hofnung, dem Himmel nah, Vorschmack der kuͤnftigen Welt! Hier schon hebst du meine Seele Ueber ihrer jetzigen Endlichkeit Schranken! D u Durst, du heisses Verlangen meines muͤden Herzen: Mein Herr und mein Gott! Preisen, preisen will ich deinen herrlichen Namen! Lobsingen, lobsingen deinem herrlichen Namen! W enn begann er? und wo ist er? Der, wie Gott, wuͤrdig meiner Liebe sey! Die Ewigkeiten, die Welten all’ herunter Ist keiner! Q uell des Heils! ewiger Quell des ewigen Heils! Welcher Entwurf von Seligkeiten, Fuͤr alle, welche nicht fielen! Und fuͤr alle, die fielen! T ausendarmiger Strom, der herab durch das grosse Labyrinth stroͤmt: Reicher Geber der Seligkeiten! Sie gebaͤhren Seligkeiten! Einst gebiert das Elend auch! C Pfeiler, P feiler, auf dem einst Freuden ohne Zahl ruhn, Du stehst auf der Erd’, o Elend! Und reichest bis in den Himmel! Auch um dich stroͤmet der ewige Strom! G ott, du bist Vater der Wesen Nicht nur, daß sie waͤren; Du bist es, daß sie auf ewig Gluͤckselig waͤren! W elche Reihen ohn’ Ende! Wenn meine reifere Seele Jahrtausende noch gewachsen wird seyn, Wie wenige werd’ ich von euch, Ihr Mitgeschafnen kennen! S chaaren Gottes! ihr Mitanbeter! Ach wenn dereinst auch ich, Neben euren Kronen, Eine Krone niederlegte! G ott, mein Vater! … Aber darf ich noch laͤnger mich unterwinden Mit dir zu reden? Der ich Erde bin? V ergieb, vergieb, o Vater! Dem kuͤnftigem Todten Seine Suͤnden! seine Wuͤnsche! Seinen Lobgesang! Wesen W esen der Wesen! Du warst von Ewigkeit! Dieß vermag ich nicht zu denken! In diesen Fluten versink’ ich! W esen der Wesen! du bist! Ach Wonne! du bist! Was waͤr ich, Wenn du nicht waͤrst! D u wirst seyn! Auch ich werde durch dich seyn, O du der Geister Geist! Wesen der Wesen! E rster! ein ganz Anderer, Als die Geister alle! Obgleich sie der wunderbare Schatten Deiner Herrlichkeit sind. W arum, da allein du dir genung warst, Erster, schufst du? .. Zahllosen Schaaren Seliger Wolltest du der unerschoͤpfliche Quell Ihrer Seligkeit seyn! W urdest du seliger dadurch, daß du Seligkeit gabst? Eine der aͤussersten Schranken des Endlichen ist hier. Schwindeln kann ich an diesem Hange des Ab- grunds, Aber nichts in seinen Tiefen sehn. C 2 Hei- H eilige Nacht, an der ich stehe, Vielleicht sinket, Nach Jahrtausenden, Dein geheimnisverhuͤllender Vorhang. V ielleicht schaft Gott Erkenntniß in mir, Die meine Kraft, und was sie entflammt, Wie viel es auch ist, und wie groß, Die ganze Schoͤpfung mir nicht geben kann! D u mein kuͤnftiges Seyn, wie jauchz’ ich dir entgegen! Wie fuͤhl’ ich es in mir, wie klein ich bin! Aber wie fuͤhl’ ich es auch, Wie groß ich werde seyn! O du, die steigt zu dem Himmel hinauf, Hofnung gegeben von Gott! Ein kurzer, schneller, gefluͤgelter Augenblick, Er heisset Tod! dann werd ich es seyn! V on diesem Nun an, schwing’ ich mich Selbst uͤber die hoͤchste der Hofnungen auf! Denn selig sind von diesem Nun an, Die Todten, die dem Herrn entschlafen! E r ist der Suͤnde Lohn, der Augenblick, der Tod heißt! Aber seine gefuͤrchtete Nacht Zeigt auch heller das himmlische Licht, Welches dicht hinter ihr strahlt! Laß L aß den fliegenden Augenblick, Du, der mit ihm in das wahre Leben fuͤhrt, In einer Stunde deiner Gnaden, Herr des Lebens, mich toͤdten! E r komm’ in sanfteren Saͤuseln, Oder mit Donnertritte, Laß nur in einer Stunde deiner Gnaden Ihn zu der Auferstehung mich aussaͤn! W elch ein Anschaun welcher Triumph wird es mei- ner Seele seyn, Wenn sie mit Einem Blicke nur auf der Erde noch weilt, Mit diesem Einem, zu sehn, Daß ihre Saat gesaͤt wird! W elcher Gedank’ ist der Dem, der ihn zu denken vermag, Welcher hoͤhere Triumphgedanke: Jesus Christus ist auch gestorben! ist auch be- graben! C 3 Die Die Genesung des Koͤnigs. Laßt dem Erhalter unsers Geliebten uns freudig danken! Du hasts allein gethan, o du des Lebens Herr! und Herr des Todes! Dir sey der Ruhm, der Dank, der Preis, die Ehre, Grosser Erhalter unsers Geliebten! Thraͤnen der Wonne, dankende Thraͤnen seyn unser Opfer! Mit diesem Opfer fallet tiefanbetend Vor dem Throne nieder, Von dem des Rettenden Befehl’ erschollen: Leben, ja leben soll mein Gesalbter! Wunderbar hast du, Vater des Schicksals, uns ihn erhalten! Zu viel zu viel Barmherzigkeit, o Vater, Hast du uns gegeben! Steig oft, und stark, Gebet, viel ist der Gnade! Steige mit Wonne auf zu dem Geber! Men- M engen erlagen, aber ihn ruͤhrte sanft deine Hand nur. So sanft, daß wir sogar, wer kann hier danken? Nicht einmal erschracken! Zu viel, zu viel Barmherzigkeit, o Vater, Gab uns die Stunde deiner Errettung! A ch, den wir lieben, Vater, er lebet! und auch wir leben! Der in der Stunde deiner reichen Gnade, Da du ihn erhieltest, Da ruͤhrtest du auch uns mit sanfter Hand an. Vater, die Erde bebt’, und wir leben! H err! da die Erde unter uns bebte, scholl deine Stimme, Nicht deines Zornes, deiner Liebe Stimme Scholl, uns aus dem Staube Zu rufen, und gen Himmel schaun zu lehren, Auf zu des Lebens Herrn, und des Todes! N och mit Entzuͤckung hoͤr’ ich der Erde gelindes Rauschen! Des Richters Arm, der uͤber andre Voͤlker Fuͤrchterlich sich ausstreckt, Die Staͤdt’ erschuͤttert, daß sie voll Entsetzens Donnern, und fallen, unterzugehen! D er itzt die Voͤlker, daß es sie wuͤrge, dem Schwerte zufuͤhrt, Der Arm wird uͤber unserm Haupt erhoben, Ach, damit er segne! Und daß wir auf des Segens Fuͤlle merken, Wecket er sanft uns auf von dem Schlummer. C 4 Fallet F allet mit Jauchzen vor dem Erbarmer aufs Antlitz nieder! Laßt Aller Herz das Halleluja singen! Herr, Herr, Gott, barmherzig! Du Dulder! du Getreuer! Gnadenvoller! Ehre dir! Preis dir! Dank dir, Erbarmer! G ing nicht des Herrschers Herrlichkeit sichtbar vor uns voruͤber? Laßt uns anbetend ihr von ferne nachsehn! Ja, in unsrer Seele Soll dieses Heils Erinnerung ewig bleiben, Bleiben, ein Nachhall dessen, was Gott that! S agt es den Enkeln, Vaͤter, und lehrt sie gen Him- mel schauen! Vernimms, der Enkel Sohn, und lerne danken! Und kein Greis entschlummre, Der nicht noch Einmal Dank, wenn er entschlummert, Gott aus des Herzens Innersten stammle. D aß wir dir danken, Vater, o gieb uns auch diese Gnade! Herr, Herr! Preis, Ehr’, und Ruhm sey, und Anbetung Deinem grossen Namen! Im Himmel oben hubst du deinen Arm auf, Herr! uns zu segnen! Herr! uns zu segnen. Die Die Welten. Groß ist der Herr! und jede seiner Thaten, Die wir kennen, ist groß! Ocean der Welten, Sterne sind Tropfen des Oceans! Wir kennen dich nicht! Wo beginn ich? und ach! wo end’ ich Des Ewigen Preis? Welcher Donner giebt mir Stimme? Gedanken welcher Engel? Wer leitet mich hinauf Zu den ewigen Huͤgeln? Ich versink’, ich versink’, und geh In deiner Welten Ocean unter! Wie schoͤn, und hehr war diese Sternennacht, Eh ich des grossen Gedankens Flug, Eh ich es wagte, mich zu fragen: Welche Thaten dort oben der Herrliche thaͤte? Mich! den Thoren! den Staub! Ich fuͤrchtet’, als ich zu fragen begann, Daß kommen wuͤrde, was gekommen ist. Ich unterliege dem grossen Gedanken! Weniger kuͤhn, hast, o Pilot, Du gleiches Schicksal. Truͤb am fernen Olymp Sammeln sich Sturmwolken. C 5 Jetzo J etzo ruht das Meer noch fuͤrchterlich still. Doch der Pilot weiß Welcher Sturm dort herdroht! Und die eherne Brust bebt ihm, E r stuͤrzt am Maste Bleich die Seegel herab. Ach! nun kraͤuselt sich Das Meer, und der Sturm ist da! D onnernder rauscht der Ocean als du, schwarzer Olymp! Krachend stuͤrzet der Mast! Lautheulend zuckt der Sturm! Singt Todtengesang! D er Pilot kennt ihn. Immer steigender hebst, Woge, du dich! Ach die letzte, letzte bist du! Das Schif geht unter! Und den Todtengesang heult dumpf noch fort Auf dem grossen, immer offnem Grabe der Sturm! Die Die Gestirne. Es toͤnet sein Lob Feld, und Wald, Thal, und Gebirg, Das Gestad’ hallet, es donnert das Meer dumpf- brausend Des Unendlichen Lob, siehe des Herrlichen, Unerreichten von dem Danklied der Natur! Es singt die Natur dennoch dem, welcher sie schuf, Ihr Getoͤn schallet vom Himmel herab, laut preisend In umwoͤlkender Nacht rufet des Strahls Gefaͤhrt Von den Wipfeln, und der Berg’ Haupt es herab! Es rauschet der Hain, und sein Bach lispelt es auch Mit empor, preisend, ein Feyrer, wie er! Die Luft, wehts Zu dem Bogen mit auf! Hoch in der Woͤlke ward Der Erhaltung und der Huld Bogen gesetzt. Und schweigest denn du, welchen Gott ewig erschuf? Und verstummest mitten im Preis’ um dich her? Gott hauchte Dir Unsterblichkeit ein! Danke dem Herrlichen! Unerreicht bleibt von dem Aufschwung des Gesangs Der D er Geber, allein dennoch sing, preis’ ihn, o du Der empfing! Feyrendes Chor um mich her, ernst- freudig, Du Erheber des Herrn, tret’ ich herzu, und sing In Entzuͤckung, o du Chor, Psalme mit dir! D er Welten erschuf, dort des Tags sinkendes Gold, Und den Staub hier voll Gewuͤrmegedraͤng, wer ist der? Es ist Gott! es ist Gott! Vater! so rufen wir an; Und unzaͤhlbar, die mit uns rufen, seyd ihr! D er Welten erschuf, dort den Leun! Heisser ergießt Sich sein Herz! Widder, und dich Capricorn, Pleionen, Scorpion, und den Krebs. Steigender waͤgt Sie dort Den Begleiter. Mit dem Pfeil zielet, und blitzt D er Schuͤtze! Wie toͤnt, dreht er sich, Koͤcher, und Pfeil! Wie vereint leuchtet ihr, Zwilling’, herab! Sie heben Im Triumphe des Gangs freudig den Strah- lenfuß! Und der Fisch spielet, und blaͤst Stroͤme der Glut. Die D ie Ros’ in dem Kranz duftet Licht! Koͤniglich schwebt, In dem Blick Flamme, der Adler, gebeut Ge- horsam Den Gefaͤhrten um sich! Stolz, den gebognen Hals Und den Fittig in die Hoͤh, schwimmet der Schwan! W er gab Harmonie, Leyer, dir? zog das Getoͤn Und das Gold himmlischer Saiten dir auf? Du schallest Zu dem kreisenden Tanz, welchen, beseelt von dir, Der Planet haͤlt in der Laufbahn um dich her, I n festlichem Schmuck schwebt, und traͤgt Halm’ in der Hand, Und des Weins Laub die gefluͤgelte Jungfrau! Licht stuͤrzt Aus der Urn er dahin! Aber Orion schaut Auf den Guͤrtel, nach der Urn schauet er nicht! A ch goͤsse dich einst, Schaale, Gott auf dem Al- tar, So zerfiel Truͤmmer die Schoͤpfung! es braͤch des Leun Herz! Es versiegte die Urn! toͤnte Todeston Um die Leyer! und gewelkt saͤnke der Kranz! Dort D ort schuf sie der Herr! hier dem Staub naͤher den Mond, Der, Genoß schweigender kuͤhlender Nacht, sanft schimmernd Die Erdulder des Strahls heitert! in jener Nacht Der Entschlafnen da umstrahlt einst sie Gestirn! I ch preise den Herrn! preise den, welcher des Monds Und des Tods kuͤhlender, heiliger Nacht, zu daͤm- mern, Und zu leuchten! gebot. Erde, du Grab, das stets Auf uns harrt, Gott hat mit Blumen dich bestreut! N euschaffend bewegt, steht er nun auf zum Gericht, Das gebeindeckende Grab, das Gefild der Saat, Gott! Es erwachet, wer schlaͤft! Donner entstuͤrzt dem Thron! Zum Gericht hallts! und das Grab hoͤrts, und der Tod! Dem Dem Unendlichen. Wie erhebt sich das Herz, wenn es dich, Unendlicher, denkt! wie sinkt es, Wenns auf sich herunterschaut! Elend schauts wehklagend dann, und Nacht und Tod! Allein du rufst mich aus meiner Nacht, der im Elend, der im Tod hilft! Dann denk ich es ganz, daß du ewig mich schufst, Herrlicher! den kein Preis, unten am Grab’, oben am Thron, Herr Herr Gott! den dankend entflammt, kein Jubel genug besingt. Weht, Baͤume des Lebens, ins Harfengetoͤn! Rausche mit ihnen ins Harfengetoͤn, krystallner Strom! Ihr lispelt, und rauscht, und, Harfen, ihr toͤnt Nie es ganz! Gott ist es, den ihr preist! Donnert, Welten, in feyerlichem Gang, in der Po- saunen Chor! Du Orion, Wage, du auch! Toͤnt all’ ihr Sonnen auf der Strasse voll Glanz, In der Posaunen Chor! Ihr Welten, donnert Und du, der Posaunen Chor, hallest Nie es ganz, Gott; nie es ganz, Gott, Gott, Gott ist es, den ihr preist! Der Der Tod. O Anblick der Glanznacht, Sternheere, Wie erhebt ihr! Wie entzuͤckst du, Anschauung Der herrlichen Welt! Gott Schoͤpfer! Wie erhaben bist du, Gott Schoͤpfer! Wie freut sich des Emporschauns zum Sternheer wer empfindet Wie gering er, und wer Gott, welch ein Staub er, und wer Gott Sein Gott ist! O sey dann, Gefuͤhl Der Entzuͤckung, wenn auch ich sterbe, mit mir! Was erschreckst du denn so, Tod, des Beladnen Schlaf? O bewoͤlke den Genuß himmlischer Freude nicht mehr! Ich sink’ in den Staub, Gottes Saat! was schreckst Den Unsterblichen du, taͤuschender Tod? Mit hinab, o mein Leib, denn zur Verwesung! In ihr Thal sanken hinab die Gefallnen Vom Beginn her! mit hinab, o mein Staub, Zur Heerschaar, die entschlief! Die Die hoͤchste Gluͤckseligkeit. Wie erhoͤht, Weltherrscher, Deine Bewundrung den Geist des Staubs! Denket er dich, Herrlicher, welches Gefuͤhl Flammt in ihm! welcher Gedank’ hebt ihn, denket er dich! Ist ein Mensch gluͤckselig? Einer der Waller am Grabe das? Du! der es ist, rede, dich frag’ ich allein! Nennest du, wuͤrdigest du etwas Seligkeit dann, In dem Staub’ hier, droben, Dann noch zu nennen, wenn Gottes Wink Wonnegefuͤhl seiner Volkommenheit dir Sandt’, und du freudig erschrackst uͤber Gott, wie in Traum, Vor dem Anschaun selig? Fluͤge durch Welten? Ein Freund zu seyn Derer, die schon Ewigkeit hinter sich sehn, Dachten, und thaten? .. Es ist nur Gluͤck- seligkeit auch D Der Der Vorhof und der Tempel. Wer ermuͤdet hinauf zu der Heerschaar der Gestirne, In die Hoͤhen zu schaun, wo der Lichtfuß sich herabsenkt, Wo den Blitzglanz Fomahant und Antar, wo des Leun Herz Sich ergeußt, ins Gefild hin, wo die Aehr’ und die Winzerinn strahlt! Mit Graun fuͤllt, und Ehrfurcht der Anblick, mit Entzuͤckung Das Herz deß, der sich da freut, wo Freud ist, nicht allein ihn Ihr Phantom taͤuscht! Ich steh hier im Vorhof der Gottheit. Befluͤgelt von dem Tod’ eilt mein Geist einst in den Tempel! Mitternacht, hoͤre du meinen Gesang, Morgenstern, Finde du preisend oft, dankend mich, Thraͤnen im Blick, Bote des Tags! Wirst du darauf Abendstern, find’ auch dann Ueber Gott, den erstaunt, welcher sein Heil nie begreift! Das Das grosse Halleluja. Ehre sey dem Hocherhabnen, dem Ersten, dem Va- ter der Schoͤpfung! Dem unsre Psalme stammeln, Obgleich der wunderbare Er Unaussprechlich, und undenkbar ist. Eine Flamme von dem Altar an dem Thron Ist in unsre Seele gestroͤmt! Wir freun uns Himmelsfreuden, Daß wir sind, und uͤber Ihn erstaunen koͤnnen! Ehre sey ihm auch von uns an den Graͤbern hier, Obwohl an seines Thrones letzten Stufen Des Erzengels niedergeworfne Krone Und seines Preisgesangs Wonne toͤnt. Ehre sey und Dank und Preis dem Hocherhabnen, dem Ersten, Der nicht begann, und nicht aufhoͤren wird! Der so gar des Staubes Bewohnern gab, Nicht aufzuhoͤren. Ehre dem Wunderbaren, Der unzaͤhlbare Welten in den Ocean der Unend- lichkeit aussaͤte! Und sie mit Heerschaaren Unsterblicher fuͤllte, Daß Ihn sie liebten, und selig waͤren durch Ihn! D 2 Ehre E hre dir! Ehre dir! Ehre dir! Hocherhabner! Erster! Vater der Schoͤpfung! Unaussprechlicher! Undenkbarer! Schlacht- Schlachtgesang. Mit unserm Arm ist nichts gethan; Steht uns der Maͤchtige nicht bey, Der Alles ausfuͤhrt! Umsonst entflammt uns kuͤhner Muth; Wenn uns der Sieg von dem nicht wird, Der Alles ausfuͤhrt! Vergebens fliesset unser Blut Fuͤrs Vaterland; wenn der nicht hilft, Der Alles ausfuͤhrt! Vergebens sterben wir den Tod Fuͤrs Vaterland; wenn der nicht hilft, Der Alles ausfuͤhrt! Stroͤm’ hin, o Blut, und toͤdt’, o Tod Fuͤrs Vaterland! Wir trauen dem, Der Alles ausfuͤhrt! Auf! in den Flammendampf hinein! Wir laͤchelten dem Tode zu, Und laͤcheln, Feind’, euch zu! Der Tanz, den unsre Trommel schlaͤgt, Der laute schoͤne Kriegestanz Er tanzet hin nach euch! D 3 Die D ie dort trompeten, hauet ein, Wo unser rother Stahl das Thor Euch weit hat aufgethan! D en Flug, den die Trompete blaͤst, Den lauten schoͤnen Kriegesflug Fliegt, fliegt ihn schnell hinein! W o unsre Fahnen vorwaͤrts wehn, Da weh auch die Standart hinein, Da siege Roß und Mann! S eht ihr den hohen weissen Hut? Seht ihr das aufgehobne Schwert? Des Feldherrn Hut und Schwert? F ern ordnet’ er die kuͤhne Schlacht, Und jetzo da’s Entscheidung gilt, Thut ers dem Tode nah. D urch ihn, und uns ist nichts gethan; Steht uns der Maͤchtige nicht bey, Der Alles ausfuͤhrt! D ort dampft es noch. Hinein! hinein! Wir laͤchelten dem Tode zu! Und laͤcheln, Feind’, euch zu! Zwey- Zweytes Buch. D 4 Der Der Lehrling der Griechen. Wen des Genius Blick, als er gebohren ward, Mit einweichendem Laͤcheln sah, Wen, als Knaben, ihr einst Smintheus Anakreons Fabelhafte Gespielinnen, Dichtrische Tauben umflogt, und sein maͤonisch Ohr Vor dem Laͤrme der Scholien Sanft zugirrtet, und ihm, daß er das Alterthum Ihrer faltigen Stirn nicht sah, Eure Fittige lieht, und ihn umschattetet, Den ruft, stolz auf den Lorberkranz, Welcher vom Fluche des Volks welkt, der Eroberer In das eiserne Feld umsonst, Wo kein muͤtterlich Ach baͤnger beym Scheidekuß, Und aus blutender Brust geseufzt, Ihren sterbenden Sohn dir, unerbittlicher Hundertarmiger Tod, entreißt! Wenn das Schicksal ihn ja Koͤnigen zugesellt, Umgewoͤhnt zu dem Waffenklang, Sieht er, von richtendem Ernst schauernd, die Leich- name Stumm und seelenlos ausgestreckt, Segnet dem fliehenden Geist in die Gefilde nach, Wo kein toͤdtender Held mehr siegt. Ihn laͤßt guͤtiges Lob, oder Unsterblichkeit Deß, der Ehre vergeudet, kalt! Kalt der wartende Thor, welcher bewundernsvoll Ihn großaͤugigten Freunden zeigt, D 5 Und Und der laͤchelnde Blick einer nur schoͤnen Frau, Der zu dunkel die Singer ist. Thraͤnen nach besserem Ruhm werden Unsterblichen, Jenen alten Unsterblichen, Deren daurender Werth, wachsenden Stroͤmen gleich, Jedes lange Jahrhundert fuͤllt, Ihn gesellen, und ihn jenen Belohnungen, Die der Stolze nur traͤumte, weihn! Ihm ist, wenn ihm das Gluͤck, was es so selten that, Eine denkende Freundin giebt, Jede Zaͤhre von ihr, die ihr sein Werk entlockt, Kuͤnftiger Zaͤhren Verkuͤnderin! Win- Wingolf. Erstes Lied . Wie Gna in Fluge, jugendlich ungestuͤm, Und stolz, als reichten mir aus Idunens Gold Die Goͤtter, sing’ ich meine Freunde Feyrend in kuͤhnerem Bardenliede. Willst du zu Strophen werden, o Haingesang? Willst du gesetzlos, Ossians Schwunge gleich, Gleich Ullers Tanz auf Meerkrystalle, Frey aus der Seele des Dichters schweben? Die Wasser Hebrus waͤlzten mit Adlereil Des Celten Leyer, welche die Waͤlder zwang, Daß sie ihr folgten, die die Felsen Taumeln, und wandeln aus Wolken lehrte. So Nach der Mythologie unsrer Vorfahren, eine Untergoͤttin, welche Freya, die erste der Goͤttinnen, mit ihren Befehlen aussandte. Iduna, auch Idun, bewahrte in einer gold- nen Schale Aepfel, womit die Goͤtter die Unsterb- lichkeit erhielten. Schoͤnheit, Pfeil, und Schrittschuh unterschei- den ihn von den andern Goͤttern. S o floß der Hebrus. Schattenbesaͤnftiger, Mit fortgerissen folgte dein fliehend Haupt Voll Bluts, mit todter Stirn, der Leyer Hoch im Getoͤse gestuͤrzter Wogen. S o floß der Waldstrom hin nach dem Ocean! So fließt mein Lied auch, stark, und gedankenvoll. Deß spott’ ich, der’s mit Kluͤglingsblicken Hoͤret, und kalt von der Glosse triefet. D en segne, Lied, ihn segne beym festlichen Entgegengehn, mit Freudenbegruͤssungen, Der uͤber Wingolfs hohe Schwelle Heiter, im Hain gekraͤnzt, hereintritt. D ein Barde wartet. Liebling der sanften Hlyn, Wo bliebst du? koͤmmst du von dem begeisternden Achaͤerhoͤmus? Oder koͤmmst du Von den unsterblichen sieben Huͤgeln? W o Scipionen, Flaccus und Tullius, Uhrenkel denkend, toͤnender redt’, und sang, Wo Maro mit dem Kapitole Um die Unsterblichkeit muthig zankte! Voll Der Tempel der Freundschaft. Die Goͤttinn der Freundschaft. V oll sichern Stolzes, sah er die Ewigkeit Des hohen Marmors: Truͤmmer wirst einst du seyn! Staub dann! und dann des Sturms Gespiele, Du Kapitol! und du Gott der Donner! W ie oder zoͤgerst du von des Albion Eiland heruͤber? Liebe sie, Ebert, nur! Sie sind auch deutschen Stamms, Uhrsoͤhne Jener, die kuͤhn auf der Woge kamen! S ey mir gegruͤsset! Immer gewuͤnscht koͤmmst du, Wo du auch herkoͤmmst, Liebling der sanften Hlyn! Vom Tybris lieb, sehr lieb vom Hoͤmus! Lieb von Britanniens stolzem Eiland, A llein geliebter, wenn du voll Vaterlands Aus jenen Hainen kommst, wo der Barden Chor Mit Braga singet, wo die Telyn Toͤnet zum Fluge des deutschen Liedes. D a koͤmmst du jetzt her, hast aus dem Mimer schon Die geistervolle silberne Flut geschoͤpft! Schon glaͤnzt die Trunkenheit des Quells dir, Ebert, aus hellem entzuͤcktem Auge. Wohin Auch Bragar, der Gott der Dichtkunst. Die Leyer der Barden. Sie heißt noch jetzt so in derjenigen neuern celtischen Sprache, die am meisten von der aͤltern behalten hat. Der Quell der Dichtkunst und der Weisheit. Wohin beschwoͤrst du, Dichter, den Folgenden? Was trank? was sah ich? Bautest du wieder auf Tanfana? oder, wie an Dirce Mauren Amphion, Wathalla’s Tempel? Die ganze Lenzflur streute mein Genius, Der unsern Freunden rufet, damit wir uns Hier in des Wingolf lichten Hallen Unter dem Fluͤgel der Freud’ umarmen. Zweytes Lied. Sie kommen! Cramern gehet in Rhythmustanz, Mit hochgehobner Leyer Iduna vor! Sie geht, und sieht auf ihn zuruͤcke, Wie auf die Wipfel des Hains der Tag sieht. Sing noch Beredsamkeiten! die erste weckt Den Schwan in Glasor schon zur Entzuͤckung auf! Sein Fittig steigt, und sanft gebogen Schwebet sein Hals mit des Liedes Toͤnen! Die deutsche Nachwelt singet der Barden Lied, (Wir sind ihr Barden!) einst bey der Lanze Klang! Sie wird von dir auch Lieder singen, Wenn sie heran zu der kuͤhnen Schlacht zeucht. Schon Ein Tempel der Deutschen. Sie ist Braga’s Frau. Ein Hain in Walhalla, dessen Baͤume goldne Zweige haben. S chon hat den Geist der Donnerer ausgehaucht, Schon waͤlzt sein Leib sich blutig im Rheine fort, Doch bleibt am leichenvollen Ufer Horchend der eilende Geist noch schweben. D u schweigest, Freund, und siehest mich weinend an. Ach warum starb die zaͤrtliche Radikin? Schoͤn, wie die junge Morgenroͤthe, Heiter und sanft, wie die Sommermondnacht. N imm diese Rosen, Gieseke; Lesbia Hat sie mit Zaͤhren heute noch sanft benetzt, Als sie dein Lied mir von den Schmerzen Deiner Gespielin der Liebe vorsang. D u laͤchelst: Ja, dein Auge voll Zaͤrtlichkeit Hat dir mein Herz schon dazumal zugewandt, Als ich zum erstenmal dich sahe, Als ich dich sah, und du mich nicht kanntest. W enn einst ich todt bin, Freund, so besinge mich! Dein Lied voll Thraͤnen wird den entfliehenden Dir treuen Geist noch um dein Auge, Das mich beweint, zu verweilen zwingen. D ann soll mein Schutzgeist, schweigend und unbemerkt Dich dreymal segnen! dreymal dein sinkend Haupt Umfliegen, und nach mir beym Abschied Dreymal noch seyn, und dein Schutzgeist werden. Der Der Thorheit Hasser, aber auch Menschenfreund, Allzeit gerechter Rabner, dein heller Blick Dein froh und herzenvoll Gesicht ist Freunden der Tugend, und deinen Freunden Nur liebenswuͤrdig; aber den Thoren bist Du furchtbar! Scheuch sie, wenn du noch schweigest, schon Zuruͤck! Laß selbst ihr kriechend Laͤcheln Dich in dem strafenden Zorn nicht stoͤren. Stolz, und voll Demuth, arten sie niemals aus! Sey unbekuͤmmert, wenn auch ihr zahllos Heer Stets wuͤchs’, und wenn in Voͤlkerschaften Auch Philosophen die Welt umschwaͤrmten! Wenn du nur Einen jedes Jahrhundert nimmst, Und ihn der Weisheit Lehrlingen zugesellst; Wohl dir! Wir wollen deine Siege, Die in der Fern dich erwarten, singen. Dem Enkel winkend stell’ ich dein heilig Bild Zu Tiburs Lacher, und zu der Houyhmeß Freund, Da sollst du einst den Namen (wenig Fuͤhreten ihn) des Gerechten fuͤhren! Drittes Lied. Lied, werde sanfter, fliesse gelinder fort. Wie auf die Rosen hell aus des Morgens Hand Der Thau herabtraͤuft, denn dort koͤmmt er Froͤlicher heut und entwoͤlkt mein Gellert. Dich D ich soll der schoͤnsten Mutter geliebteste Und schoͤnste Tochter lesen, und reizender Im Lesen werden, dich in Unschuld, Sieht sie dich etwa wo schlummern, kuͤssen. A uf meinem Schooß, in meinen Umarmungen Soll einst die Freundin, welche mich lieben wird, Dein suͤß Geschwaͤtz mir sanft erzaͤhlen Und es zugleich an der Hand als Mutter D ie kleine Zilie lehren. Des Herzens Werth Zeigt auf dem Schauplatz keine mit jenem Reitz, Den du ihm gabst. Da einst die beyden Edleren Maͤdchen mit stiller Großmuth, E uch unnachahmbar, welchen nur Schoͤnheit bluͤht, Sich in die Blumen setzten, da weint’ ich, Freund, Da flossen ungesehne Thraͤnen Aus dem geruͤhrten entzuͤckten Auge. D a schwebte lange freudiger Ernst um mich. O Tugend! rief ich, Tugend, wie schoͤn bist du! Welch goͤttlich Meisterstuͤck sind Seelen, Die sich hinauf bis zu dir erheben! D er du uns auch liebst, Olde, komm naͤher her, Du Kenner, der du edel und feuervoll Unbiegsam beyden, beyden furchtbar, Stuͤmper der Tugend und Schriften hassest! E Du, Du, der bald Zweifler, und Philosoph bald war, Bald Spoͤtter aller menschlichen Handlungen, Bald Miltons und Homerus Priester, Bald Misanthrope, bald Freund, bald Dichter, Viel Zeiten, Kuͤhnert, hast du schon durchgelebt, Von Eisen Zeiten, silberne, goldene! Komm, Freund, komm wieder zu des Milton Und zu der Zeit des Homer zuruͤcke! Noch zween erblick ich. Den hat vereintes Blut, Mehr noch die Freundschaft, zaͤrtlich mir zugesellt, Und den des Umgangs suͤsse Reitzung Und der Geschmack mit der hellen Stirne. Schmidt, der mir gleich ist, den die Unsterblichen Des Hains Gesaͤngen neben mir auferziehn! Und Rothe, der sich freyer Weisheit Und der geselligen Freundschaft weihte. Viertes Lied. Ihr Freunde fehlt noch, die ihr mich kuͤnftig liebt! Wo seyd ihr? Eile! saͤume nicht, schoͤne Zeit! Kommt, auserkohrne, helle Stunden, Da ich sie seh, und sie sanft umarme! Und du, o Freundin, die du mich lieben wirst, Wo bist du? Dich sucht, Beste, mein einsames Mein fuͤhlend Herz, in dunkler Zukunft, Durch Labyrinthe der Nacht hin suchts dich! Haͤlt Haͤlt dich, o Freundin, etwa die zaͤrtlichste Von allen Frauen muͤtterlich ungestuͤm; Wohl dir! Auf ihrem Schoosse lernst du Tugend und Liebe zugleich empfinden! Doch hat dir Blumenkraͤnze des Fruͤhlings Hand Gestreut, und ruhst du, wo er in Schatten weht; So fuͤhl auch dort sie! Dieses Auge, Ach dein von Zaͤrtlichkeit volles Auge, Und der in Zaͤhren schwimmende suͤsse Blick, Die ganze Seele bildet in ihm sich mir! Ihr heller Ernst, ihr Flug zu denken, Leichter als Tanz in dem West und schoͤner! Die Mine, voll des Guten, des Edlen voll, Dieß vor Empfindung bebende sanfte Herz! Dieß alles, o die einst mich liebet! Dieses … geliebte Phantom ist mein! du, Du selber fehlst mir! Einsam und wehmuthsvoll Und still und weinend irr’ ich, und suche dich, Dich Beste, die mich kuͤnftig liebet, Ach die mich liebt! und noch fern von mir ist! Fuͤnftes Lied. Sahst du die Thraͤne, welche mein Herz vergoß, Mein Ebert? Traurend lehn’ ich auf dich mich hin. Sing mir begeistert, als vom Dreyfuß, Brittischen Ernst, daß ich froh wie du sey! E 2 Doch D och jetzt auf Einmal wird mir mein Auge hell! Gesichten hell, und hell der Begeisterung! Ich seh in Wingolfs fernen Hallen Tief in den schweigenden Daͤmmerungen D ort seh ich langsam heilige Schatten gehn! Nicht jene, die sich traurig von Sterbenden Loshuͤllen, nein, die, in der Dichtkunst Stund’ und der Freundschaft, um Dichter schweben! S ie fuͤhret, hoch den Fluͤgel, Begeistrung her! Verdeckt dem Auge, welches der Genius Nicht schaͤrft, siehst du sie seelenvolles, Treues, poetisches Auge, du nur! D rey Schatten kommen! neben den Schatten toͤnts Wie Mimers Quelle droben vom Eichenhain Mit Ungestuͤm herrauscht, und Weisheit Lehret die horchenden Widerhalle! W ie aus der hohen Druͤden Versammlungen, Nach Braga’s Telyn, nieder vom Opferfels, Ins lange tiefe Thal der Waldschlacht, Satzungenlos sich der Barden Lied stuͤrzt! D er du dort wandelst, ernstvoll und heiter doch, Das Auge voll von weiser Zufriedenheit, Die Lippe voll von Scherz; Es horchen Ihm die Bemerkungen deiner Freunde, Ihm Ihm horcht entzuͤckt die feinere Schaͤferin, Wer bist, du Schatten? Ebert! er neiget sich Zu mir, und laͤchelt. Ja er ist es! Siehe der Schatten ist unser Gaͤrtner! Uns werth, wie Flaccus war sein Quintilius, Der unverhuͤllten Wahrheit Vertraulichster, Ach komm doch, Gaͤrtner, deinen Freunden Ewig zuruͤck! Doch du fliehest fern weg! Fleuch nicht, mein Gaͤrtner, fleuch nicht! du flohst ja nicht, Als wir an jenen traurigen Abenden, Um dich voll Wehmuth still versammelt, Da dich umarmten, und Abschied nahmen! Die letzten Stunden, welche du Abschied nahmst, Der Abend soll mir festlich auf immer seyn! Da lernt’ ich, voll von ihrem Schmerze, Wie sich die wenigen Edlen liebten! Viel Mitternaͤchte werden noch einst entfliehn. Lebt sie nicht einsam, Enkel, und heiligt sie Der Freundschaft, wie sie eure Vaͤter Heiligten, und euch Exempel wurden! Sechstes Lied. In meinem Arme, freudig, und weisheitsvoll, Sang Ebert: Evan, Evoe Hagedorn! Da tritt er auf dem Rebenlaube Muthig einher, wie Lyaͤus, Zevs Sohn! E 3 Mein M ein Herze zittert! herrschend und ungestuͤm Bebt mir die Freude durch mein Gebein dahin! Evan, mit deinem Weinlaubstabe Schone mit deiner gefuͤllten Schaale! I hn deckt’ als Juͤngling eine Lyaͤerin, Nicht Orpheus Feindin, weislich mit Reben zu! Und dieß war allen Wassertrinkern Wundersam, und die in Thaͤlern wohnen, I n die des Wassers viel von den Huͤgeln her Stuͤrzt, und kein Weinberg laͤngere Schatten st reckt. So schlief er, keinen Schwaͤtzer fuͤrchtend, Nicht ohne Goͤtter, ein kuͤhner Juͤngling. M it seinem Lorbeer hat dir auch Patareus, Und eingeflochtner Myrthe das Haupt umkraͤnzt! Wie Pfeile von dem goldnen Koͤcher, Toͤnet dein Lied, wie des Juͤnglings Pfeile S chnellrauschend klangen, da der Unsterbliche Nach Peneus Tochter durch die Gefilde flog! Oft wie des Satyrs Hohngelaͤchter, Als er den Wald noch nicht laut durchlachte. Z u Wein und Liedern waͤhnet der Thore dich nur Allein geschaffen. Denn den Unwissenden Ist, was das Herz der Edlen hebet, Unsichtbar stets und verdeckt gewesen! Dir Dir schlaͤgt ein maͤnnlich Herz auch! Dein Leben toͤnt Mehr Harmonien, als ein unsterblich Lied! In unsokratischem Jahrhundert Bist du fuͤr wenige Freund’ ein Muster! Siebendes Lied. Er sangs. Jetzt sah ich fern in der Daͤmmerung Des Hains am Wingolf Schlegeln aus dichtrischen Geweihten Eichenschatten schweben, Und in Begeisterung vertieft und ernstvoll, Auf Lieder sinnen. Toͤnet! da toͤneten Ihm Lieder, nahmen Geniusbildungen Schnell an! In sie hatt’ er der Dichtkunst Flamme gestroͤmt, aus der vollen Urne! Noch Eins nur fehlt dir! falt’ auch des Richters Stirn, Daß, wenn zu uns sie etwa vom Himmel koͤmmt Die goldne Zeit, der Hain Thuiskens Leer des undichtrischen Schwarmes schatte. Achtes Lied. Komm, goldne Zeit, die selten zu Sterblichen Heruntersteiget, laß dich erflehn, und komm Zu uns, wo dir es schon im Haine Weht, und herab von dem Quell schon toͤnet! E 4 Ge- G edankenvoller, tief in Entzuͤckungen Verlohren, schwebt bey dir die Natur … Sie hats Gethan! hat Seelen, die sich fuͤhlen, Fliegen den Geniusflug, gebildet. N atur, dich hoͤrt’ ich durchs Unermeßliche Herwandeln, wie, mit Sphaͤrengesangeston, Argo, von Dichtern nur vernommen, Strahlend im Meere der Luͤfte wandelt. A us allen goldnen Zeiten begleiten dich, Natur, die Dichter! Dichter des Alterthums! Der spaͤten Nachwelt Dichter! Segnend Sehn sie ihr heilig Geschlecht hervorgehn. An An Giseke. Geh! ich reisse mich los, obgleich die maͤnnliche Tugend Nicht die Thraͤne verbeut, Geh! ich weine nicht, Freund. Ich muͤßte mein Le- ben durchweinen, Weint’ ich dir, Giseke, nach! Denn so werden sie alle dahingehn, jeder den andern Traurend verlassen, und fliehn. Also trennet der Tod gewaͤhlte Gatten! der Mann kam Seufzend im Ocean um, Sie am Gestad, wo von Todtengeripp, und Schei- ter, und Meersand Stuͤrme das Grab ihr erhoͤhn. So liegt Miltons Gebein von Homers Gebeine ge- sondert, Und der Cypresse verweht Ihre Klag’ am Grabe des Einen, und kommt nicht hinuͤber Nach des Anderen Gruft. So schrieb unser aller Verhaͤngniß auf eherne Ta- feln Der im Himmel, und schwieg. Was der Hocherhabene schrieb, verehr’ ich im Staube, Weine gen Himmel nicht auf. Geh, mein Theurer! Es letzen vielleicht sich unsere Freunde Auch ohne Thraͤnen mit dir; Wenn nicht Thraͤnen die Seele vergießt, unweinbar dem Fremdling Sanften edlen Gefuͤhls. E 5 Eile Eile zu Hagedorn hin, und hast du genung ihn um armet, Ist euch die erste Begier, Euch zu sehen, gestillt, sind alle Thraͤnen der Freu d e Weggelaͤchelt entflohn, Giseke, sag’ ihm alsdann, nach drey genossenen T a- gen, Daß ich ihn liebe, wie du! An An Ebert. Ebert, mich scheucht ein truͤber Gedanke vom blin- kenden Weine Tief in die Melancholey! Ach du redest umsonst, vor dem gewaltiges Kelchglas, Heitre Gedanken mir zu! Weggehn muß ich, und weinen! vielleicht, daß die lindernde Thraͤne Meine Betruͤbniß verweint. Lindernde Thraͤnen, euch gab die Natur dem mensch- lichen Elend Weis’ als Gesellinnen zu. Waͤret ihr nicht, und koͤnnten ihr Leiden die Men- schen nicht weinen, Ach! wie ertruͤgen sie’s da! Weggehn muß ich, und weinen! Mein schwermuths- voller Gedanke Bebt noch gewaltig in mir. Ebert! … sind sie nun … alle dahin! deckt un- sere Freunde Alle die heilige Gruft; Und sind wir … zween Einsame … dann von allen noch uͤbrig! … Ebert! … verstummst du nicht hier? Sieht dein Auge nicht bang um sich her, nicht starr ohne Seele? So erstarb auch mein Blick! So erbebt’ ich, als mich von allen Gedanken der baͤngste Donnernd das erstemal traf! Wie du einen Wanderer, der, zu eilend der Gattin, Und dem gebildeten Sohn, Und Und der bluͤhenden Tochter, nach ihrer Umarmung schon hinweint, Du den, Donner, ereilst, Toͤdtend ihn fassest, und seine Gebeine zu fallendem Staube Machst, triumphirend alsdann Wieder die hohe Wolke durchwandelst; so traf der Gedanke Meinen erschuͤtterten Geist, Daß mein Auge sich dunkel verlor, und das bebende Knie mir Kraftlos zittert’, und sank. Ach, in schweigender Nacht, ging mir die Todtener- scheinung, Unsre Freunde, vorbey! Ach in schweigender Nacht erblickt’ ich die offenen Graͤber, Und der Unsterblichen Schaar! Wenn nicht mehr des zaͤrtlichen Giseken Auge mir laͤchelt! Wenn, von der Radikinn fern, Unser redlicher Cramer verwest! wenn Gaͤrtner, wenn Rabner Nicht sokratisch mehr spricht! Wenn in des edelmuͤthigen Gellert harmonischem Leben Jede Saite verstummt! Wenn, nun uͤber dem Grabe, der freye gesellige Rothe Freudegenossen sich waͤhlt! Wenn der erfindende Schlegel aus einer laͤngern Ver- bannung Keinem Freunde mehr schreibt! Wenn in meines geliebtesten Schmidts Umarmung mein Auge Nicht mehr Zaͤrtlichkeit weint! Wenn Wenn einschlummernd sich Hagedorn unser Vater ent- fernet; Ebert, was sind wir alsdann, Wie Geweihte des Schmerzes, die hier ein truͤberes Schicksal Laͤnger, als Alle sie ließ. Stirbt denn auch einer von uns, mich reißt mein banger Gedanke Immer naͤchtlicher fort! Stirbt dann auch Einer von uns, und bleibt nur Ei- ner noch uͤbrig; Bin der Eine dann ich; Hat mich dann auch die schon geliebt, die kuͤnftig mich liebet, Ruht auch Sie in der Gruft; Bin dann ich der Einsame, bin allein auf der Erde: Wirst du, ewiger Geist, Seele zur Freundschaft erschaffen, du dann die leeren Tage Sehn, und fuͤhlend noch seyn? Oder wirst du betaͤubt fuͤr Naͤchte sie halten, und schlummern Und gedankenlos ruhn? Aber wenn du bisweilen erwachtest zu fuͤhlen dein Elend, Banger, unsterblicher Geist? Rufe, wenn du erwachst, das Bild vom Grabe der Freunde, Das nur rufe zuruͤck! O ihr Graͤber der Todten! ihr Graͤber meiner Ent- schlafnen! Warum liegt ihr zerstreut? Warum liegt ihr nicht in bluͤhenden Thalen beysam- men? Oder in Hainen vereint? Leitet Leitet den sterbenden Greis! Ich will mit bebendem Fusse Gehn, auf jegliches Grab Eine Cypresse pflanzen, die noch nicht schattenden Baͤume Fuͤr die Enkel erziehn, Oft in der Nacht auf biegsamen Wipfel die himmli- sche Bildung Meiner Unsterblichen sehn, Zitternd mein Haupt gen Himmel erheben, und wei- nen, und sterben! Grabet den Todten dann ein Bey dem Grabe, bey dem er starb! Nimm dann, o Verwesung! Meine Thraͤnen, und mich! … Finstrer Gedanke, laß ab! laß ab in die Seele zu donnern! Wie die Ewigkeit ernst, Furchtbar, wie das Gericht, laß ab! die verstummen- de Seele Faßt dich, Gedanke, nicht mehr! Bar- Bardale. Einen froͤhlichen Lenz ward ich, und flog umher! Diesen froͤhlichen Lenz lehrete sorgsam mich Meine Mutter, und sagte: Sing, Bardale, den Fruͤhling durch! Hoͤrt der Wald dich allein, deine Gespielinnen Flattern horchend nur sie dir um den Schattenast; Singe dann, o Bardale, Nachtigallen Gesaͤnge nur. Aber tritt er daher, welcher erhabner ist, Als die Greise des Hains, kommt er der Erde Gott, Sing dann, gluͤcklicher Saͤnger, Toͤnevoller, und lyrischer! Denn sie hoͤren dich auch, die doch unsterblich sind! Ihren goͤttlichsten Trieb lockt dein Gesang hervor. Ach, Bardale, du singest Liebe zu, den Unsterblichen! Ich von Barde, hieß in unsrer aͤlteren Sprache die Lerche. Die Nachtigall verdients noch mehr, so zu heissen. I ch entflog ihr, und sang, und der bewegte Hain Und die Huͤgel umher hoͤrten mein floͤtend Lied! Und des Baches Gespraͤche Sprachen leiser am Ufer hin. D och der Huͤgel, der Bach war nicht, die Eiche selbst War der Gott nicht! und bald senkte den Ton mein Lied. Denn ich sang dich, o Liebe, Nicht Goͤttinnen, und Goͤttern nicht! J etzo kam sie herauf, unter des Schattens Nacht Kam die edle Gestalt, lebender, als der Hain! Schoͤner, als die Gefilde! Eine von den Unsterblichen! W elch ein neues Gefuͤhl gluͤhte mir! Ach der Blick Ihres Auges! Der West hielt mich, ich sank schon hin! Spraͤch die Stimme den Blick aus; O so wuͤrde sie suͤsser seyn, A ls mein leisester Laut, als mein gesungenster, Und gefuͤhltester Ton, wenn mich die junge Lust Von dem Zweige des Strauches In die Wipfel des Hains entzuͤckt! A ug’, ach Auge! dein Blick bleibt unvergeßlich mir! Und wie nennet das Lied? singen die Toͤne dich? Nennt’s dich, singen sie: Seele? Bist du’s, das die Unsterblichen Zu Z u Unsterblichen macht? Auge! wem gleich’ ich dich? Bist du Blaͤue der Luft, wenn sie der Abendstern Sanft mit Golde beschimmert? Oder gleichest du jenem Bach, D er dem Quell kaum entfloß? Schoͤner erblickte nie Seine Rosen der Busch! heller ich selber nie Mich in einem der Baͤche, Niederschwankend am Fruͤhlingssproß. O was sprach itzt ihr Blick? Hoͤrtest du, Goͤttinn, mich? Eine Nachtigall du? Sang ich von Liebe dir? Und was fliesset gelinder Dir vom schmachtenden Aug’ herab? I st das Liebe, was dir zaͤrtlich vom Auge rinnt? Deinen goͤttlichsten Trieb lockt ihn mein Lied hervor? Welche sanfte Bewegung Hebt dir deine beseelte Brust? S ag, wie heisset der Trieb, welcher dein Herz bewegt? Reitzt ohn’ ihn dich Iduns goldene Schaale noch? Ist er himmlische Tugend? Oder Freud’ in dem Hain Walhalls? O gefeyert sey mir, blumiger Zwoͤlfter May, Da die Goͤttinn ich sah! aber gefeyerter Seyst du unter den Mayen, Wenn ich in den Umarmungen F Eines E ines Juͤnglings sie seh, der die Beredsamkeit Dieser Augen, und euch fuͤhlet, ihr Fruͤhlinge Dieser laͤchelnden Minen, Und den Geist, der dieß alles schuf! W ars nicht, Fanny, der Tag? wars nicht der Zwoͤlfte May, Als der Schatten dich rief? wars nicht der Zwoͤlfte May, Der mir, weil ich allein war, Oed’ und traurig voruͤberfloß? An An Fanny. Wenn einst ich todt bin, wenn mein Gebein zu Staub Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nun Lang’ uͤber meines Lebens Schicksal, Brechend im Tode, nun ausgeweint hast, Und stillanbetend da, wo die Zukunft ist, Nicht mehr hinauf blickst, wenn mein ersungner Ruhm, Die Frucht von meiner Juͤnglingsthraͤne, Und von der Liebe zu dir, Meßias! Nun auch verweht ist, oder von wenigen In jene Welt hinuͤber gerettet ward: Wenn du alsdann auch, meine Fanny, Lange schon todt bist, und deines Auges Stillheitres Laͤcheln, und sein beseelter Blick Auch ist verloschen, wenn du, vom Volke nicht Bemerket, deines ganzen Lebens Edlere Thaten nunmehr gethan hast, Des Nachruhms werther, als ein unsterblich Lied, Ach wenn du dann auch einen begluͤckteren Als mich geliebt hast, laß den Stolz mir, Einen Begluͤckteren, doch nicht edlern! F 2 Dann D ann wird ein Tag seyn, den werd ich auferstehn! Dann wird ein Tag seyn, den wirst du auferstehn! Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen; Die du einander, Natur, bestimmtest. D ann waͤgt die Wagschaal in der gehobnen Hand Gott Gluͤck und Tugend gegen einander gleich; Was in der Dinge Lauf jetzt misklingt, Toͤnet in ewigen Harmonieen! W enn dann du dastehst jugendlich auferweckt, Dann eil’ ich zu dir! saͤume nicht, bis mich erst Ein Seraph bey der Rechten fasse, Und mich, Unsterbliche, zu dir fuͤhre. D ann soll dein Bruder, zaͤrtlich von mir umarmt, Zu dir auch eilen! dann will ich thraͤnenvoll, Voll froher Thraͤnen jenes Lebens Neben dir stehn, dich mit Namen nennen, U nd dich umarmen! Dann, o Unsterblichkeit, Gehoͤrst du ganz uns! Kommt, die das Lied nicht singt, Kommt, unaussprechlich suͤsse Freuden! So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist. R inn unterdeß, o Leben. Sie kommt gewiß Die Stunde, die uns nach der Cypresse ruft! Ihr andern, seyd der schwermuthsvollen Liebe geweiht! und umwoͤlkt und dunkel! Hein- Heinrich der Voͤgler. Der Feind ist da! Die Schlacht beginnt! Wohlauf zum Sieg’ herbey! Es fuͤhret uns der beste Mann Im ganzen Vaterland! Heut fuͤhlet er die Krankheit nicht, Dort tragen sie ihn her! Heil, Heinrich! heil dir Held und Mann Im eisernen Gefild! Sein Antlitz gluͤht vor Ehrbegier, Und herrscht den Sieg herbey! Schon ist um ihn der Edlen Helm Mit Feindesblut besprizt! Streu furchtbar Strahlen um dich her, Schwert in des Kaysers Hand, Daß alles toͤdtliche Geschoß Den Weg voruͤbergeh! Willkommen Tod fuͤrs Vaterland! Wenn unser sinkend Haupt Schoͤn Blut bedeckt, dann sterben wir Mit Ruhm fuͤrs Vaterland! Wenn vor uns wird ein ofnes Feld Und wir nur Todte sehn Weit um uns her, dann siegen wir Mit Ruhm fuͤrs Vaterland! F 3 Dann D ann treten wir mit hohem Schritt Auf Leichnamen daher! Dann jauchzen wir im Siegsgeschrey! Das geht durch Mark und Bein! U ns preist mit frohem Ungestuͤm Der Braͤutgam und die Braut; Er sieht die hohen Fahnen wehn, Und druͤckt ihr sanft die Hand, U nd spricht zu ihr: Da kommen sie, Die Kriegesgoͤtter, her! Sie stritten in der heissen Schlacht Auch fuͤr uns beyde mit! U ns preist der Freudenthraͤnen voll Die Mutter und ihr Kind! Sie druͤckt den Knaben an ihr Herz, Und sieht dem Kaiser nach. U ns folgt ein Ruhm, der ewig bleibt, Wenn wir gestorben sind, Gestorben fuͤr das Vaterland Den ehrenvollen Tod! An An Bodmer. Der die Schickungen lenkt, heisset den froͤmmsten Wunsch, Mancher Seligkeit goldnes Bild Oft verwehen, und ruft da Labyrinth hervor, Wo ein Sterblicher gehen will. In die Fernen hinaus sieht, der Unendlichkeit Uns unsichtbaren Schauplatz, Gott! Ach, sie finden sich nicht, die fuͤr einander doch, Und zur Liebe geschaͤffen sind. Jetzo trennet die Nacht fernerer Himmel sie, Jetzo lange Jahrhunderte. Niemals sah dich mein Blick, Sokrates-Addison, Niemals lehrte dein Mund mich selbst. Niemals laͤchelte mir Singer, der Lebenden Und der Todten Gesellerinn. Auch dich werd ich nicht sehn, der du in jener Zeit, Wenn ich lange gestorben bin, Fuͤr mein Herze gemacht, und mir der aͤhnlichste, Nach mir einmal auch seufzen wirst, Auch dich werd ich nicht sehn, wie du dein Leben lebst, Werd ich einst nicht dein Genius. Also ordnet es Gott, der in die Fernen sieht, Tiefer hin ins Unendliche! Oft erfuͤllet er auch, was das erzitternde Volle Herz kaum zu wuͤnschen wagt. Wie von Traͤumen erwacht, sehn wir dann unser Gluͤck, Sehns mit Augen, und glaubens kaum. Dieses Gluͤcke ward mir, als ich das erstemal Bodmers Armen entgegen kam. F 4 Der Der Zuͤrchersee. Schoͤn ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht Auf die Fluren verstreut, schoͤner ein froh Gesicht, Das den grossen Gedanken Deiner Schoͤpfung noch einmal denkt. Von des schimmernden Sees Traubengestaden her, Oder, flohest du schon wieder zum Himmel auf, Komm in roͤthendem Strale Auf dem Fluͤgel der Abendluft, Komm, und lehre mein Lied jugendlich heiter seyn, Suͤsse Freude, wie du! gleich dem beseelteren Schnellen Jauchzen des Juͤnglings, Sanft, der fuͤhlenden Fanny gleich. Schon lag hinter uns weit Uto, an dessem Fuß Zuͤrch in ruhigem Thal freye Bewohner naͤhrt; Schon war manches Gebirge Voll von Reben vorbeygeflohn. Jetzt entwoͤlkte sich fern silberner Alpen Hoͤh, Und der Juͤnglinge Herz schlug schon empfindender, Schon verrieth es beredter Sich der schoͤnen Begleiterin. Hal- H allers Doris, sie sang, selber des Liedes werth, Hirzels Daphne, den Kleist zaͤrtlich wie Gleimen liebt, Und wir Juͤnglinge sangen, Und empfanden, wie Hagedorn. J ezt empfing uns die Au in die beschattenden Kuͤhlen Arme des Walds, welcher die Insel kroͤnt; Da, da kamest du, Freude! Volles Maasses auf uns herab! G oͤttinn Freude! du selbst! dich, wir empfanden dich! Ja, du warest es selbst, Schwester der Menschlichkeit, Deiner Unschuld Gespielinn, Die sich uͤber uns ganz ergoß! S uͤß ist, froͤhlicher Lenz, deiner Begeistrung Hauch, Wenn die Flur dich gebiert, wenn sich dein Odem sanft In der Juͤnglinge Herzen, Und die Herzen der Maͤdchen gießt. A ch du machst das Gefuͤhl siegend, es steigt durch dich Jede bluͤhende Brust schoͤner, und bebender, Lauter redet der Liebe Nun entzauberter Mund durch dich! L ieblich winket der Wein, wenn er Empfindungen, Bessre sanftere Lust, wenn er Gedanken winkt, Im sokratischen Becher Von der thauenden Ros’ umkraͤnzt; F 5 Wenn W enn er dringt bis ins Herz, und zu Entschliessungen, Die der Saͤufer verkennt, jeden Gedanken weckt, Wenn er lehret verachten, Was nicht wuͤrdig des Weisen ist. R eizvoll klinget des Ruhms lockender Silberton In das schlagende Herz, und die Unsterblichkeit Ist ein grosser Gedanke, Ist des Schweisses der Edlen werth! D urch der Lieder Gewalt, bey der Urenkelinn Sohn und Tochter noch seyn; mit der Entzuͤckung Ton Oft beym Namen genennet, Oft gerufen vom Grabe her, D ann ihr sanfteres Herz bilden, und, Liebe, dich, Fromme Tugend, dich auch giessen ins sanfte Herz, Ist, Goldhaͤufer! nicht wenig! Ist des Schweisses der Edlen werth! A ber suͤsser ists noch, schoͤner und reizender, In dem Arme des Freunds wissen ein Freund zu seyn! So das Leben geniessen, Nicht unwuͤrdig der Ewigkeit! T reuer Zaͤrtlichkeit voll, in den Umschattungen In den Luͤften des Walds, und mit gesenktem Blick Auf die silberne Welle, That mein Herze den frommen Wunsch: Waͤ- W aͤret ihr auch bey uns, die ihr mich ferne liebt, In des Vaterlands Schooß einsam von mir verstreut, Die in seligen Stunden Meine suchende Seele fand, O so bauten wir hier Huͤtten der Freundschaft uns! Ewig wohnten wir hier, ewig! Der Schattenwald Wandelt’ uns sich in Tempe, Jenes Thal in Elysium! Frie- Friedrich der Fuͤnfte. Welchen Koͤnig der Gott uͤber die Koͤnige Mit einweihendem Blick, als er gebohren ward, Sah vom hohen Olymp, dieser wird Menschenfreund Seyn, und Vater des Vaterlands! Viel zu theuer durchs Blut bluͤhender Juͤnglinge Und der Mutter und Braut naͤchtliche Thraͤn’ erkauft, Lockt mit Silbergetoͤn ihn die Unsterblichkeit In das eiserne Feld umsonst! Niemals weint’ er am Bild eines Eroberers, Seines gleichen zu seyn! Schon da sein menschlich Herz Kaum zu fuͤhlen begann, war der Eroberer Fuͤr den Edleren viel zu klein! Aber Thraͤnen nach Ruhm, welcher erhabner ist, Keines Hoͤflings bedarf, Thraͤnen geliebt zu seyn Vom gluͤckseligen Volk, weckten den Juͤngling oft In der Stunde der Mitternacht, Wenn der Saͤugling im Arm hoffender Muͤtter schlief, Einst ein gluͤcklicher Mann! wenn sich des Greises Blick Sanft im Schlummer verlor, jetzo verjuͤngert ward, Noch den Vater des Volks zu sehn. Lange L ange sinnt er ihm nach, welch ein Gedank’ es ist! Gott nachahmen, und selbst Schoͤpfer des Gluͤckes seyn Vieler tausend! Er hat eilend die Hoͤh erreicht, Und entschließt sich, wie Gott zu seyn! W ie das ernste Gericht furchtbar die Wage nimmt, Und die Koͤnige waͤgt, wenn sie gestorben sind, Also waͤgt er sich selbst jede der Thaten vor, Die sein Leben bezeichnen soll! I st ein Christ! und belohnt redliche Thaten erst! Und dann schauet sein Blick laͤchelnd auf die herab, Die der Muse sich weihn, welche das weiche Herz Tugendhafter und edler macht! W inkt dem stummen Verdienst, das in der Ferne steht! Durch sein Muster gereizt, lernt es Unsterblichkeit! Denn er wandelt allein, ohne der Muse Lied, Sichern Wegs zur Unsterblichkeit! D ie vom Sion herab Gott den Messias singt, Fromme Saͤngerinn, eil’ itzt zu den Hoͤhen hin, Wo den Koͤnigen Lob, besseres Lob ertoͤnt, Die Nachahmer der Gottheit sind! F ang den lyrischen Flug stolz mit dem Namen an, Der oft, lauter getoͤnt, dir um die Saite schwebt, Singst du einst von dem Gluͤck, welches die Tugenden Auf dem freyeren Throne lohnt! Da- D aniens Friederich ists, welcher mit Blumen dir Jene Hoͤhen bestreut, die du noch steigen mußt! Er, der Koͤnig und Christ, waͤhlt dich zur Fuͤhrerin, Bald auf Golgatha Gott zu sehn. Frie- Friedrich der Fuͤnfte, an Bernstorf, und Moltke. Eingehuͤllet in Nacht, jetzt, da die beeisten Gebirge, Und der einsame Wald Stumm und menschenlos ruhn, jetzt eil’ ich, gefluͤgel- ter eilen Meine Gedanken euch zu, Wuͤrdige Freunde des Besten der Koͤnige! Leiseren Lautes Sang ihn mein furchtsames Lied; Aber euch sag’ ich sie ganz des vollen Herzens Em- pfindung, Wie das Herz sie empfand, Ohne des Zweifels versuchenden Ton; so offen ich sage, Daß dem Sieger bey Sorr Julianus zum Muster zu klein, und, ein Christ zu werden! Wuͤrdig Friederich ist. Aber das ist ein Gedanke voll Nacht: Er wird es nicht werden … Da sein Freund ihm entschlief, Und, entflohen dem Labyrinthe, gewiß war, es herrsche Jesus! und richte die Welt! Blieb der laͤchelnde Koͤnig sich gleich. Zwar weinte sein Auge Um den Freund, der ihm starb! Oft, da dem Todten sein Moos schon begann, ging Frie- drich noch seitwaͤrts, Ohne Zeugen zu seyn. Ernste Muse, verlaß den wehmuthsvollen Gedanken, Der dich traurig vertieft, Wecke Wecke zu Silbertoͤnen die Leyer, die frohere, wenn sie, Scandinaviens Stolz, Auch der Deutschen, besingt. Der nennt der Mensch- lichkeit Ehre, Welcher Friederich nennt! Voͤlker werden ihn einst, den Liebenswuͤrdigen, nennen, Und der denkende Mann Wird mit richtendem Blick sein schoͤnes Leben betrachten, Keinen finden, wie ihn! Dann wird, jenen furchtbaren Tag, den die Muse des Tabor Jetzo stammelnd besingt, Wenn im Tempel der Ehre die Lorbeern alle ver- welkt sind, Und kein Ruhm mehr beschuͤtzt, Ach den Tag wird dann der sanften Menschlichkeit Lohn seyn, Wie ihr Leben einst war! Die Die todte Clarissa. Blume, du stehst verpflanzet, wo du bluͤhest, Werth, in dieser Beschattung nicht zu wachsen, Werth, schnell wegzubluͤhen, der Blumen Edens Bessre Gespielin! Luͤfte, wie diese, die die Erd’ umathmen, Sind, die leiseren selbst, dir rauhe Weste. Doch ein Sturmwind wird, o er koͤmmt! ent- flieh du, Eh er daher rauscht, Grausam, indem du nun am hellsten glaͤnzest, Dich hinstuͤrzen! Allein, auch hingestuͤrzet, Wirst du schoͤn seyn, werden wir dich bewundern, Aber durch Thraͤnen! Reizend noch stets, noch immer liebenswuͤrdig, Lag Clarissa, da sie uns weggebluͤht war, Und noch stille Roͤthe die hingesunkne Wange bedeckte. G Freu- F reudiger war entronnen ihre Seele, War zu Seelen geflogen, welch’ ihr glichen, Schoͤnen, ihr verwandten, geliebten Seelen, Die sie empfingen, D aß in dem Himmel sanft die Liedervollen Frohen Huͤgel umher zugleich ertoͤnten: Ruhe dir, und Kronen des Siegs, o Seele, Weil du so schoͤn warst! S o triumphirten, die es wuͤrdig waren. Komm, laß uns wie ein Fest die Stunde, Cidli, Da sie fliehend uns ihr erhabnes Bild ließ, Einsamer feyern! S ammle Cypressen, daß des Trauerlaubes Kraͤnz’ ich winde, du dann auf diese Kraͤnze Mitgeweinte Thraͤnen zur ernsten Feyer Schwesterlich weinest! Frie- Friedensburg. Selbst der Engel entschwebt Wonnegefilden, laͤßt Seine Krone voll Glanz unter den Himmlischen, Wandelt, unter den Menschen Mensch, in Juͤnglingsgestalt umher. Laß denn, Muse, den Hain, wo du das Weltgericht, Und die Koͤnige singst, welche verworfen sind! Komm, hier winken dich Thaͤler In ihr Tempe zur Erd’ herab. Komm, es hoffet ihr Wink! Wo du der Ceder Haupt Durch den steigenden Schall deines Gesangs bewegst, Nicht nur jene Gefilde Sind mit lachendem Reiz bekraͤnzt; Auch hier stand die Natur, da sie aus reicher Hand Ueber Huͤgel und Thal lebende Schoͤnheit goß, Mit verweilendem Tritte, Diese Thaͤler zu schmuͤcken, still. Sieh den ruhenden See, wie sein Gestade sich, Dicht vom Walde bedeckt, sanfter erhoben hat, Und den schimmernden Abend In der gruͤnlichen Daͤmmrung birgt. G 2 Sieh S ieh des schattenden Walds Wipfel. Sie neigen sich. Vor dem kommenden Hauch lauterer Luͤfte? Nein, Friedrich koͤmmt in den Schatten! Darum neigen die Wipfel sich. W arum laͤchelt dein Blick? warum ergiesset sich Diese Freude, der Reiz heller vom Aug herab? Wird sein festlicher Name Schon genannt, wo die Palme weht? G laubst du, daß wir auf das, was auf der Erd’ ihr thut, Nicht mit forschendem Blick wachsam herunter sehn? Und die Edlen nicht kennen, Die so einsam hier unten sind? D a wir, wenn er kaum reift, schon den Gedanken sehn, Und die werdende That, eh sie hinuͤbertrit Vor das Auge des Schauers, Und nun andre Gebehrden hat! K ann was feyrlicher denn uns wie ein Koͤnig seyn, Der zwar feurig und jung, dennoch ein Weiser ist, Und, die hoͤchste der Wuͤrden, Durch sich selber, noch mehr erhoͤht? H eil dem Koͤnig! Er hoͤrt, rufet die Stund ihm einst, Die auch Kronen vom Haupt, wenn sie ertoͤnet, wirft, Unerschrocken ihr Rufen, Laͤchelt, schlummert zu Gluͤcklichen Still S till hinuͤber! Um ihn stehn in Versammlungen Seine Thaten umher, jede mit Licht gekroͤnt, Jede bis zu dem Richter Seine sanfte Begleiterin. G 3 An An Cidli. Lang in Trauren vertieft, lernt’ ich die Liebe, sie Die der Erden entfloh, aber auch wiederkehrt Zur geheimeren Tugend, Wie die erste der Liebenden Voller Unschuld im Hauch duftender Luͤfte kam, Und mit jungem Gefuͤhl an das Gestade trat, Bald sich selbst mit den Rosen Von dem Hang des Gestades sah. Die erschien mir! O Schmerz, da sie erschienen war, Warum trafest du mich mit dem gewaltigsten Deiner zitternden Kummer, Schwermuthsvoller, wie Naͤchte sind? Jahre trafst du mich schon! Endlich (das hoft’ ich nicht) Sinkt die traurige Nacht, ist nun nicht ewig mehr, Und mir wachen mit Laͤcheln Alle schlummernde Freuden auf! Seyd ihrs selber? und taͤuscht, taͤuschet mein Herz mich nicht? Ach ihr seyd es! die Ruh, dieses Gefuͤhl so sanft Durch das Leben gegossen, Fuͤhlt ich, als ich noch gluͤcklich war! Als A ls … Wie staun’ ich mich an, daß ich itzt wieder bin, Der ich war! wie entzuͤckt uͤber die Wandlungen Meines Schicksals, wie dankbar Wallt mein freudiges Herz in mir! N ichts Unedles, kein Stolz (ihm ist mein Herz zu groß!) Nicht betaͤubtes Gefuͤhl; aber was ist es denn, Das mich heitert? O Tugend, Sanfte Tugend, belohnst du mich? D och bist du es allein? oder (o darf ichs auch Mir vertrauen?) entschluͤpft, Tugend, an deiner Hand Nicht ein Maͤdchen der Unschuld Deinen Hoͤhn, und erscheinet mir? S anft im Traume des Schlafs, sanfter im wachenden, Daß ich, wenn es vor mir eilend voruͤber schluͤpft, Stamml’, und schweig’, und beginne: Warum eilst du? ich liebe dich! A ch, du kennst ja mein Herz, wie es geliebet hat! Gleicht ein Herz ihm? Vielleicht gleichet dein Herz ihm nur! Darum liebe mich, Cidli, Denn ich lernte die Liebe dir! D ich zu finden, ach dich, lernt’ ich die Liebe, sie, Die mein steigendes Herz himmlisch erweiterte, Nun in suͤßeren Traͤumen Mich in Edens Gefilde traͤgt! G 4 Die Die Koͤniginn Luise. Da Sie, ihr Name wird im Himmel nur genennet! Ihr sanftes Aug’ im Tode schloß, Und, von dem Thron’, empor zum hoͤhern Throne, In Siegsgewande trat, Da weinten wir! Auch der, der sonst nicht Thraͤnen kannte, Ward blaß, erbebt’ und weinte laut! Wer mehr empfand, blieb unbeweglich stehen, Verstummt’, und weint’ erst spaͤt. So steht mit starrem Blick, der Marmor auf dem Grabe; So schautest Du Ihr, Friedrich, nach! Ihr Engel sah, als er zu Gott Sie fuͤhrte, Nach deinen Thraͤnen hin. O, Schmerz! stark, wie der Tod! … Wir sollten zwar nicht weinen, Weil Sie so groß und edel starb! Doch weinen wir. Ach, so geliebt zu werden, Wie heilig ist dieß Gluͤck! Der Koͤnig stand, und sah, sah die Entschlafne liegen, Und neben ihr den todten Sohn. Auch er! auch er! O Gott! o, unser Richter! Ein Friedrich starb in ihm! Wir W ir beten weinendan. Weil nun nicht mehr ihr Leben Uns lehrt; so lehr uns denn ihr Tod! O himmlische, bewundernswerthe Stunde, Da Sie entschlummerte! D ich soll der Enkel noch, du Todesstunde, feyern! Sie sey sein Fest um Mitternacht! Voll heiliger tiefeingehuͤllter Schauer, Ein Fest der Weinenden! N icht diese Stunde nur, Sie starb viel lange Tage! Und jeder war des Todes werth, Des lehrenden des ehrenvollen Todes, Den Sie gestorben ist. D ie ernste Stunde kam, in Nebel eingehuͤllet, Den sie bey Graͤbern bildete. Die Koͤniginn, nur sie, vernimmt den Fußtritt Der kommenden! nur sie H oͤrt, durch die Nacht herauf, der dunkeln Fluͤgel Rauschen, Den Todeston! da laͤchelt sie… Sey ewig, mein Gesang, weil du es singest, Daß sie gelaͤchelt hat! U nd nun sind Throne nichts, nichts mehr der Erde Groͤssen, Und alles, was nicht ewig ist! Zwo Thraͤnen noch! die eine fuͤr den Koͤnig; Fuͤr ihre Kinder die, G 5 Und U nd fuͤr die liebende, so sehr geliebte Mutter: Und dann wird Gott allein geliebt! Die Erde sinkt, wird ihr zum leichten Staube; Und, nun entfchlummert sie… D a liegt im Tode sie, und schoͤn des Seraphs Auge, Der Sie zum Unerschafnen fuͤhrt. Indem erblaßt die Wang’, und sinkt; es troknen Die letzten Thraͤnen auf! S choͤn sind, und ehrenvoll des Patrioten Wunden! Mit hoͤhrer Schoͤne schmuͤckt der Tod Den Christen! ihn die letzte Ruh! der sanften Gebrochnen Augen Schlaf! N ur wenige verstehn, was dem fuͤr Ehren bleiben, Der liegt, und uͤberwunden hat, Dem ewigen, dem gottgeweihten Menschen, Der auferstehen soll! F leug, mein Gesang, den Flug unsterblicher Gesaͤnge, Und singe nicht vom Staube mehr! Zwar heilig ist ihr Staub; doch sein Bewohner Ist heiliger, als er! D ie hohe Seele stand vor Gott. Ihr grosser Fuͤhrer, Des Landes Schutzgeist, stand bey ihr. Dort strahlt’ es auch, um sie, an ihrer Seite, Wo Carolina stand. Die D ie grosse Tochter sah vom neuen Thron herunter, Sah bey den Koͤnigen ihr Grab; Der Leiche Pomp. Da sah sie auf den Seraph; So sprach die Gluͤckliche: M ein Fuͤhrer, der du mich zu dieser Wonne fuͤhrtest, Die fern von dort, und ewig ist! Kehrst du zuruͤck, wo wir, zum Tod’, itzt werden, Dann bald unsterblich sind: K ehrst du dorthin zuruͤck, wo du des Landes Schicksal, Und meines Koͤnigs Schicksal, lenkst; So folg’ ich dir. Ich will sanft um dich schweben, Mit dir, sein Schutzgeist seyn! W enn du unsichtbar dich den Einsamkeiten naͤherst, Wo er um meinen Tod noch klagt; So troͤst’ ich seinen Schmerz mit dir! so lispl’ ich Ihm auch Gedanken zu! M ein Koͤnig, wenn du fuͤhlst, daß sich ein sanfters Leben, Und Ruh, durch deine Seele gießt; So war ichs auch, die dir, in deine Seele, Der Himmel Frieden goß! O , moͤchten diese Hand, und diese hellen Locken, Dir sichtbar seyn; ich trocknete, Mit dieser Hand, mit diesen goldnen Locken, Die Thraͤnen, die du weinst! O, O , weine nicht! Es ist, in diesem hoͤhern Leben, Fuͤr sanfte Menschlichkeit viel Lohn, Viel grosser Lohn! und Kronen bey dem Ziele, Das ich so fruͤh ergrif! D u eilst mit hohem Blick, doch laͤnger ist die Laufbahn! Mein Koͤnig, diesem Ziele zu! Die Menschlichkeit, dieß groͤßte Lob der Erde! Ihr Gluͤck, ihr Lob ist dein. I ch schwebe jeden Tag, den du, durch sie, verewigst, Dein ganzes Leben, um dich her! Auch dieß ist Lohn des fruͤherrungnen Zieles, Zu sehen, was du thust. E in solcher Tag ist mehr, als viele lange Leben, Die sonst ein Sterblicher verlebt! Wer edel herrscht, hat doch, stuͤrb’ er auch fruͤher, Jahrhunderte gelebt! I ch schreibe jede That, hier wurd ihr Antlitz heller, Und himmlischlaͤchelnd stand sie auf, Ins grosse Buch, woraus einst Engel richten; Und nenne sie vor Gott! Her- Hermann und Thusnelda. Ha! dort koͤmmt er mit Schweiß, mit Roͤmerblute, Mit dem Staube der Schlacht bedeckt! so schoͤn war Hermann niemals! So hats ihm Niemals vom Auge geflammt! Komm! ich bebe vor Lust! Reich mir den Adler Und das triefende Schwert! komm, athm’, und ruhe, Hier in meiner Umarmung Aus von der donnernden Schlacht! Ruh hier, daß ich den Schweiß der Stirn abtrokne, Und der Wange das Blut! Wie gluͤht die Wange! Hermann! Hermann! so hat dich Niemals Thusnelda geliebt! Selbst nicht, da du zuerst in Eichenschatten Mit dem braͤunlichen Arm mich wilder faßtest! Fliehend blieb ich, und sah dir Schon die Unsterblichkeit an, Die nun dein ist! Erzaͤhlts in allen Hainen, Daß Augustus nun bang mit seinen Goͤttern Nektar trinket! Daß Hermann Hermann unsterblicher ist! War- W arum lockst du mein Haar? Liegt nicht der stumme Todte Vater vor uns? O haͤtt’ Augustus Seine Heere gefuͤhrt, Er Laͤge noch blutiger da! L aß dein sinkendes Haar mich, Hermann, heben, Daß es uͤber dem Kranz in Locken drohe! Siegmar ist bey den Goͤttern! Folg du, und wein’ ihm nicht nach! Fra- Fragen. Veracht ihn, Leyer, welcher den Genius In sich verkennet! und zu des Albion Zu jedem edlern Stolz unfaͤhig, Fern, es zu werden, noch immer nachahmt! Soll Hermanns Sohn, und, Leibniz, dein Zeitgenoß, (Des Denkers Leben lebet noch unter uns!) Soll der in Ketten denen nachgehn, Welchen er kuͤhner voruͤber floͤge? Und doch die Wange niemals mit gluͤhender Schamvoller Roͤthe faͤrben? nie feuriger, Sieht er des Griechen Flug, ausrufen: Wurde nur er ein Poet gebohren? Nicht zuͤrnend weinen, weinen vor Ehrbegier, Wenn ers nicht ausrief? gehn, und um Mitternacht Auffahren? nicht, an seiner Kleinmuth, Sich, durch unsterbliche Werke, raͤchen? Zwar, werther Hermanns, hat die bestaͤubte Schlacht Uns oft gekroͤnet! hat sich des Juͤnglings Blick Entflammt! hat laut sein Herz geschlagen, Brennend nach kuͤhnerer That gedurstet? Des D es Zeug’ ist Hoͤchsted, dort, wo die dunkle Schlacht Noch donnert, wo, mit edlen Britanniern, Gleich wuͤrdig ihrer grossen Vaͤter, Deutsche den Galliern Flucht geboten! D as Werk des Meisters, welches von hohem Geist Gefluͤgelt hinschwebt, ist, wie des Helden That, Unsterblich! wird, gleich ihr, den Lorber Maͤnnlich verdienen, und niedersehen! An An Young. Stirb, prophetischer Greis, stirb! denn dein Pal- menzweig Sproßte lang schon empor; daß sie dir rinnen, stehn Schon der freudigen Thraͤnen Viel im Auge der Himmlischen. Du verweilst noch? und hast hoch an die Wolken hin Schon dein Denkmal gebaut! Denn die geheiligten, Eresten, festlichen Nachte Wacht der Freigeist mit dir, und fuͤhls, Daß dein tiefer Gesang drohend des Weltgerichts Prophezeyhung ihm singt! fuͤhlts, was die Weisheit will, Wenn sie von der Posaune Spricht, der Todtenerweckerin! Stirb! du hast mich gelehrt, daß mir der Name Tod, Wie der Jubel ertoͤnt, den ein Gerechter singt. Aber bleibe mein Lehrer, Stirb, und werde mein Genius! H Die Die beyden Musen. Ich sah, o sagt mir, sah ich, was jetzt geschieht? Erblickt’ ich Zukunft? mit der britannischen Sah ich in Streitlauf Deutschlands Muse Heiß zu den kroͤnenden Zielen fliegen. Zwey Ziele graͤnzten, wo sich der Blick verlor, Dort an die Laufbahn. Dieses beschattete Des Haines Eiche, jenes weitre Wehende Palmen im Abendschimmer. Gewohnt des Streitlaufs, trat die von Albion Stolz in die Schranken, so wie sie kam, da sie Einst mit der Maonid’, und jener Vom Kapitol in den heissen Sand trat. Sie sah die junge bebende Streiterin; Doch diese bebte maͤnnlich, und gluͤhende Siegswerthe Roͤthen uͤberstroͤmten Flammend die Wang’, und ihr wehend Haar flog. Schon hielt sie muͤhsam in der empoͤrten Brust Den engen Athem; hing schon hervorgebeugt Dem Ziele zu; schon klang des Herolds Silberton ihr, und ihr trunkner Blick schwamm. Stolz S tolz auf die Kuͤhne, stolzer auf sich, bemaß Die hohe Brittin, aber mit edlem Blick, Thuiskons Tochter: Ja bey Barden Wuchs ich mit dir in dem Eichenhain auf; A llein ich glaubte, daß du gestorben waͤrst! Verzeih, o Muse, wenn du unsterblich bist, Verzeih, daß ichs erst jetzo lerne; Aber am Ziele nur will ichs lernen! D ort steht es! doch o siehst du das weitere, Und seine Kron’ auch? diesen gehaltnen Muth, Dieß stolze Schweigen, diesen Blick, der Feurig zur Erde sich senkt, die kenn’ ich! D och eh der Herold dir zu gefahrvoll toͤnt, Sinn’s nach noch Einmal. Bin es nicht ich, die schon Mit der an Thermopyl gestritten? Und mit der hohen der sieben Huͤgel? S ie sprachs. Der grosse, richtende Augenblick Kam mit dem Herold naͤher. Ich liebe dich! Sprach schnell mit Flammenblick Teutona, Brittin, ich liebe dich mit Bewundrung! D och dich nicht heisser, als die Unsterblichkeit, Und jene Palmen! ruͤhre, dein Genius Gebeut ers, sie vor mir, doch faß’ ich, Wenn du sie fassest, dann gleich die Kron’ auch. H 2 Und U nd o! wie beb’ ich! o ihr Unsterblichen! Vielleicht erreich’ ich fruͤher das hohe Ziel! Dann mag, o dann, an meine leichte Fliegende Locke, dein Athem hauchen! D er Herold klang! Sie flogen mit Adlereil. Die weite Laufbahn staͤubte, wie Wolken, auf. Ich sah: Vorbey der Eiche wehte Dunkler der Staub, und mein Blick verlor sie! An An Cidli. Unerforschter, als sonst etwas den Forscher taͤuscht, Ist ein Herz, das die Lieb’ empfand, Sie, die wirklicher Werth, nicht der vergaͤngliche Unsers dichtenden Traums gebahr, Jene trunkene Lust, wenn die erweinete, Fast zu selige Stunde kommt, Die dem Liebenden sagt, daß er geliebet wird! Und zwo bessere Seelen nun Ganz, das erstemal ganz, fuͤhlen, wie sehr sie sind! Und wie gluͤcklich! wie aͤhnlich sich! Ach, wie gluͤcklich dadurch! Wer der Geliebten spricht Diese Liebe mit Worten aus? Wer mit Thraͤnen? und wer mit dem verweilenden, Vollem Blick, und der Seele drinn? Selbst das Trauren ist suͤß, das sie verkuͤndete, Eh die selige Stunde kam! Wenn dieß Trauren umsonst Eine verkuͤndete; O dann waͤhlte die Seele falsch, Und doch wuͤrdig! Das webt keiner der Denker auf, Was vor Irren sie damals ging! Selbst der kennt sie nicht ganz, welcher sie wandelte, Und verfehlt sie nur weniger. Leise redets darin: Weil du es wuͤrdig warst, Daß du liebtest, so lehrten wir Dich die Liebe. Du kennst alle Verwandlungen Ihres maͤchtigen Zauberstabs! Ahm den Weisen nun nach: Handle! die Wissenschaft, Sie nur, machte nie Gluͤckliche! Ich gehorche. Das Thal, Eden nur schattete, Wie es schattet, der Lenz im Thal Wei!t dich! Luͤfte, wie die, welche die Himmlischen Sanft umathmen, umathmen dich! H 3 Rosen Rosen knospen dir auf, daß sie mit suͤssem Duft Dich umstroͤmen! dort schlummerst du! Wach, ich werfe sie dir leis’ in die Locken hin, Wach vom Thaue der Rosen auf. Und … noch bebt mir mein Herz, lange daran verwoͤhnt, Und … o wache mir laͤchelnd auf! An An Cidli. Zeit, Verkuͤndigerin der besten Freuden, Nahe selige Zeit, dich in der Ferne Auszuforschen, vergoß ich Truͤbender Thraͤnen zu viel! Und doch kommst du! O dich, ja Engel senden, Engel senden dich mir, die Menschen waren, Gleich mir liebten, nun lieben Wie ein Unsterblicher liebt. Auf den Fluͤgeln der Ruh, in Morgenluͤften, Hell vom Thaue des Tags, der hoͤher laͤchelt, Mit dem ewigen Fruͤhling, Kommst du den Himmel herab. Denn sie fuͤhlet sich ganz, und gießt Entzuͤckung In dem Herzen empor die volle Seele, Wenn sie, daß sie geliebet wird, Trunken von Liebe, sichs denkt! H 4 Cidli. Cidli. Sie schlaͤft. O gieß ihr, Schlummer, gefluͤgeltes Balsamisch Leben uͤber ihr sanftes Herz! Aus Edens ungetruͤbter Quelle Schoͤpfe die lichte, krystallne Tropfe! Und laß sie, wo der Wange die Roͤth’ entfloh, Dort duftig hinthaun! Und du, o bessere, Der Tugend und der Liebe Ruhe, Grazie deines Olymps, bedecke Mit deinem Fittig Cidli. Wie schlummert sie, Wie stille! Schweig, o leisere Saite selbst! Es welket dir dein Lorbersproͤßling, Wenn aus dem Schlummer der Cidli lispelst! An An Gleim. Der verkennet den Scherz, hat von den Grazien Keine Mine belauscht, der es nicht fassen kann, Daß der Liebling der Freude Nur mit Sokrates Freunden lacht. Du verkennest ihn nicht, wenn du dem Abendstern, Nach den Pflichten des Tags, schnellere Fluͤgel giebst, Und dem Ernste der Weisheit Deine Blumen entgegen streust. Laß den Lacher, o Gleim, lauter dein Lied entweihn! Deine Freunde verstehns. Wenige kennest du; Und manch lesbisches Maͤdchen Straft des Liedes Entweihungen! Lacht dem Juͤnglinge nicht, welcher den Flatterer Zu buchstaͤblich erklaͤrt! weiß es, wie schoͤn sie ist! Zuͤrnt ihn weiser, und lehrt ihn, Wie ihr Laͤcheln, dein Lied verstehn! Nun versteht ers; sie mehr. Aber so schoͤn sie ist, So empoͤrt auch ihr Herz deinem Gesange schlaͤgt: O so kennt sie doch Gleimen, Und sein feuriges Herz nicht ganz! H 5 Sei- S einen brennenden Durst, Freunden ein Freund zu seyn! Wie er auf das Verdienst deß, den er liebet, stolz, Edel stolz ist, vom halben, Kaltem Lobe beleidiget! L iebend, Liebe gebeut! hier nur die zoͤgernde Sanfte Maͤßigung haßt, oder, von Friederichs, Wenn, von Friederichs Preise! Ihm die trunknere Lippe trieft, O hne Wuͤnsche nach Lohn; aber auch unbelohnt! Sprich nur wider dich selbst edel, und ungerecht! Dennoch beuget, o Gleim, dir Ihren stolzeren Nacken nicht D eutschlands Muse! .. In Flug’ eilend zum hohen Ziel, Das mit heiligem Sproß Barden umschatteten, Hin zum hoͤheren Ziele, Das der Himmlischen Palm’ umweht, S ang die Zuͤrnende mir; toͤnend entschluͤpfete Mir die Leyer, als ich drohend die Priesterin, Und mit fliegendem Haar sah, Und entscheidendem Ernst! sie sang: L ern des innersten Hains Ausspruch, und lehre den Jeden Guͤnstling der Kunst; oder ich nehme dir Deine Leyer, zerreisse Ihre Nerven, und hasse dich! Wuͤr- W uͤrdig war er, uns mehr, als dein begluͤcktester Freyheitshasser, o Rom, Octavian zu seyn! Mehr als Ludewig, den uns Sein Jahrhundert mit aufbewahrt. S o verkuͤndiget’ ihn, als er noch Juͤngling war, Sein aufsteigender Geist! Noch, da der Lorber ihm Schon vom Blute der Schlacht trof, Und der Denker gepanzert ging, F loß der dichtrische Quell Friedrich entgegen, ihm Abzuwaschen die Schlacht! Aber er wandte sich, Stroͤmt’ in Haine, wohin ihm Heinrichs Saͤnger nicht folgen wird! S agts der Nachwelt nicht an, daß er nicht achtete, Was er werth war, zu seyn! Aber sie hoͤrt es doch. Sagts ihr traurig, und fodert Ihre Soͤhne zu Richtern auf! An An Cidli. Cidli, du weinest, und ich schlummre sicher, Wo im Sande der Weg verzogen fortschleicht; Auch wenn stille Nacht ihn umschattend decket, Schlummr’ ich ihn sicher. Wo er sich endet, wo ein Strom das Meer wird, Gleit’ ich uͤber den Strom, der sanfter aufschwillt; Denn, der mich begleitet, der Gott gebots ihm! Weine nicht, Cidli. Der Der Rheinwein. Odu, der Traube Sohn, der im Golde blinkt, Den Freund, sonst Niemand, lad’ in die Kuͤhlung ein. Wir drey sind unser werth, und jener Deutscheren Zeit, da du, edler Alter, Noch ungekeltert, aber schon feuriger Dem Rheine zuhingst, der dich mit auferzog, Und deiner heissen Berge Fuͤsse Sorgsam mit gruͤnlicher Woge kuͤhlte. Jetzt, da dein Ruͤcken bald ein Jahrhundert traͤgt, Verdienest du es, daß man den hohen Geist In dir verstehen lern’, und Catons Ernstere Tugend von dir entgluͤhe. Der Schule Lehrer kennet des Thiers um ihn, Kennt aller Pflanzen Seele. Der Dichter weiß So viel nicht; aber seiner Rose Weibliche Seele, des Weines staͤrkre, Den jene kraͤnzt, der floͤtenden Nachtigall Erfindungsvolle Seele, die seinen Wein Mit ihm besingt, die kennt er besser, Als der Erweis, der von Folgen triefet. Rhein- R heinwein, von ihnen hast du die edelste, Und bist es wuͤrdig, daß du des Deutschen Geist Nachahmst! bist gluͤhend, nicht aufflammend, Taumellos, stark, und von leichtem Schaum leer. D u duftest Balsam, wie mit der Abendluft Der Wuͤrze Blume von dem Gestade dampft, Daß selbst der Kraͤmer die Geruͤche Athmender trinkt, und nur gleitend fortschift. F reund! laß die Laub’ uns schliessen; der Lebensduft Verstroͤmet sonst, und etwa ein kluger Mann Moͤcht’ uns besuchen, breit sich setzen, Und von der Weisheit wohl gar mit sprechen. N un sind wir sicher. Engere Wissenschaft, Den hellen Einfall, lehr uns des Alten Geist! Die Sorgen soll er nicht vertreiben! Hast du geweinte, geliebte Sorgen, L aß mich mit dir sie sorgen. Ich weine mit, Wenn dir ein Freund starb. Nenn ihn. So starb er mir! Das sprach er noch! Nun kam das letzte, Letzte Verstummen! nun lag er todt da! V on allem Kummer, welcher des Sterblichen Kurzsichtig Leben nervenlos niederwirft, Waͤrst du, des Freundes Tod! der truͤbste; Waͤr sie nicht auch die Geliebte sterblich! Doch D och wenn dich, Juͤngling, andere Sorg’ entflammt, Und dirs zu heiß wird, daß du der Barden Gang Im Haine noch nicht gingst, dein Name Noch unerhoͤht mit der grossen Fluth fleußt; S o red’! In Weisheit wandelt sich Ehrbegier, Waͤhlt jene. Thorheit ist es, ein kleines Ziel Das wuͤrdigen, zum Ziel zu machen, Nach der unsterblichen Schelle laufen! N och viel Verdienst ist uͤbrig. Auf, hab es nur; Die Welt wirds kennen. Aber das edelste Ist Tugend! Meisterwerke werden Sicher unsterblich; die Tugend selten! A llein sie soll auch dieser Unsterblichkeit Nur wenig achten! … Athme nun auf, und trink. Wir wollen viel von grossen Maͤnnern, Eh sich der Schatten verlaͤngt, noch reden! An An Cidli. Der Liebe Schmerzen, nicht der erwartenden Noch ungeliebten, die Schmerzen nicht, Denn ich liebe, so liebte Keiner! so werd ich geliebt! Die sanftern Schmerzen, welche zum Wiedersehn Hinblicken, welche zum Wiedersehn Tief aufathmen, doch lispelt Stammelnde Freude mit auf! Die Schmerzen wollt ich singen. Ich hoͤrte schon Des Abschieds Thraͤnen am Rosenbusch Weinen! weinen der Thraͤnen Stimme die Saiten herab! Doch schnell verbot ich meinem zu leisem Ohr Zuruͤck zu horchen! die Thraͤne schwieg, Und schon waren die Saiten Klage zu singen verstummt! Denn ach, ich sah dich! trank die Vergessenheit Der suͤssen Taͤuschung mit feurigem Durste! Cidli, ich sahe Dich, du Geliebte! dich Selbst! Wie standst du vor mir, Cidli, wie hing mein Herz An deinem Herzen, Geliebtere, Als die Liebenden lieben! O die ich suchet’, und fand! Drit- Drittes Buch. J Das Das neue Jahrhundert. Weht sanft auf ihren Gruͤften, ihr Winde! Und hat ein unwissender Arm Ausgegraben den Staub der Patrioten, Verweht ihn nicht! Veracht’ ihn, Leyer, wer sie nicht ehrt! Und stammt’ er auch aus altem Heldenstamme, ver- acht’ ihn! Sie entrissen uns der hundertkoͤpfigen Herrschsucht. Und gaben uns Einen Koͤnig! O Freyheit! Silberton dem Ohre! Licht dem Verstand, und hoher Flug zu denken! Dem Herzen groß Gefuͤhl! O Freyheit! Freyheit! nicht nur der Demokrat Weiß, wer du bist, Des guten Koͤnigs gluͤcklicher Sohn Der weiß es auch. Nicht allein fuͤr ein Vaterland, Wo das Gesetz, und Hunderte herschen, Auch fuͤr ein Vaterland, Wo das Gesetz, und Einer herscht, Ersteigt, wem diesen Tod sein grosses Herz verdienk, Ein hohes Thermopylaͤ, Oder einen andern Altar des Ruhms, Und lockt sein Haar, und stirbt! J 2 Uns U nsterblichkeit dir! Mit Biumenkraͤnzen umwindet Die Muse dein heiliges blutiges Haar! Und weinet Mutterthranen dir nach! S uͤß und ehrenvoll ists, sterben fuͤr das Vaterland! Fuͤr Friederich! Und fuͤr des grossen Vaters Gluͤckliche Kinder, sein Volk! I ch seh’, ich seh’, ein Geist der Patrioten Entflammet der Krieger Schaar! Du fliessest, du fliessest, Blut fuͤr das Vaterland! N amen jetzt nicht bekannter, als andre Namen sind, Fliegen wie Adler empor! Die Mutter und die Braut troknen die bebende Thraͤne schnell, Denn des Todten Verdienst entweihten Thraͤnen! A llein mit Weisheit, die maͤnnlicher, Mit Vaterliebe, die edler, als Muth zu kriegen, ist, Haͤlt Friederich sein Schwerdt zuruͤck. Europa donnert! er schweigt. D ank dir! unser Vater, Daß wir dein Fest, und unser Fest, Unter des segentriefenden Friedens Beschattenden Fittigen feyern! Nicht N icht mit der laͤrmenden Pracht Der Freude, die nur schimmert, und toͤnt, Nein, deiner wuͤrdiger, Friederich, Mit tiefanbetendem Preise des Weltbeherrschers, D er uns dich, und deine Vaͤter gab, Mit stiller Ruh feyern wir, Mit Freude tief im Herzen, Und ihrer entzuͤckenden Thraͤne! E ntschlafnes Jahrhundert! Hebe dein niedergesunkenes Haupt noch einmal empor, Und gib dem neuen Jahrhundert Den Segen, den du hattest! E s hebt aus seinem Grabe sich auf, Und segnet: Nur Friederich und Christian Sollen das neue Jahrhundert begluͤcken! D as flehen wir, und unsre Kinder, Vorsehung an! dich, Dich an, die jetzt die Voͤlker Machtig erinnert, sie herrsche! H oͤrt ihr der Herrscherin donnernde Wage nicht klingen? In ihren furchtbaren Klang Schreyen Blut und Elend! Nur wenige singen von Frieden darein! J 3 Die D ie donnerde Wage toͤnet fort, und waͤgt! Ein Sandkorn mehr, jetzt in die Eine, Dann in die andere Schaale, Ist Sieg voll Blut und Elend! N och werden der Krieger Stolzeste sagen: Nicht deine bruͤllende Tode Schrecken mich, nicht deine Wetter, Schlacht! Aber das Sinken und Steigen der goͤttlichen Wagschaal, Und ihr Todeston schrecken mich! O Vorsehung, beschleuß doch endlich, Endlich die blutigen Wieder besiegten Siege, Mit Einem, der Friede gebeut! S o wollen unser Vater, und wir, Er, daß er uns liebet! Wir, daß wir ihn lieben! Ohne Wehmuth uns freun! W ie gluͤcklich sind wir! Weht uͤber der Patrioten Gebeinen, ihr Winde, sanft! Auch an Friedrichs ungehinderter Gnade Haben sie Theil! O du, das uns mit jeder froͤhlichen Hofnung umlaͤchelt, Festliches erstes Jahr! Mit dem Fluͤgel der Sommermorgenroͤthe, Schwebst du dem Tage voran! Aga- Aganippe und Phiala. Wie der Rhein durchs hoͤhere Thal fern herkommt Rauschend, als kaͤm Wald und Felsen mit ihm, Hochwogig erhebt sich sein Strom, Wie das Weltmeer die Gestade Mit erhobner Woge bestuͤrmt! Als donnr’ er, Rauschet der Strom, schaͤumet, stuͤrzt sich herab Ins Blumengefild, und im Fall Wird er Silber, das empor staͤubt. So ertoͤnt, so stroͤmt der Gesang, Thuiskon, Deines Geschlechts. Tief lags, Vater, und lang In saͤumendem Schlaf, unerweckt Von dem Aufschwung und dem Tonfall Des Apollo, wenn, der Poet Achaͤa’s, Phoͤbus Apoll Lorbern, und dem Eurot Gesaͤnge des hoͤheren Flugs In dem Lautmaaß der Natur sang, J 4 Und Der Quell des Jordans. U nd den Hain sie lehrt’, und den Strom. Weit- rauschend Halltest du’s ihm, Strom, nach; Lorber, und du Gelinde mit lispelndem Wehn, Wie das Echo des Eurotas. U nd Thuiskons Enkel entsprang tieftraͤumend, Eiserner Schlaf, dir nicht … eiserner Schlaf! Dir nicht, und erhabner erscholl Aus den Palmen um Phiala D och ihm auch Prophetengesang! Kaum stammelnd Hoͤrt’ er ihn schon! Fruh sang, selber entflammt, Die Mutter dem Knaben ihn vor, Und dem Juͤngling, daß er staunte! M it dem Schilfmeer braust’ er! erscholl vom Grisim, Donnert’ am Bach Kison, toͤnt’ auf der Hoͤh Moria, daß laut von dem Psalm Vom Hosanna sie erbebte! A n dem Rebenhuͤgel, ergoß die Klage Sulamiths sich, Wehmuth, uͤber dem Graun Des Tempels in Truͤmmern, der Stadt In der Huͤlle des Entsetzens! Kai- Kaiser Heinrich. Laß unsre Fuͤrsten schlummern in sanftem Stuhl, Vom Hoͤfling rings umraͤuchert, und unberuͤhmt, So jetzo, und im Marmorsarge Einst noch vergeßner, und unberuͤhmter! Frag nicht des Tempels Halle, sie nennte dir Mit goldnem Munde Namen, die keiner kennt; Bey diesen unbekraͤnzten Graͤbern Mag der Heralde, sich wundernd, weilen! Laß dann, und jetzt sie schlummern! Es schlummert ja Mit ihnen der selbst, welcher die blutigen Siegswerthen Schlachten schlug, zufrieden, Daß er um Galliens Lorbern irrte. Zur Wolke steigen, rauschen wie Leyerklang Der deutschen Dichter Haine, Begeisterer Wehn nah am Himmel sie. Ihr selbst auch Fremdling, durchdrang er die Lorberhoͤh nicht. J 5 Schnell S chnell Fluß, und Strom schnell, stuͤrzen, am Ei- chenstamm, In deinem Schatten, Palme, die Quellen fort. Nicht mit der Rechte schoͤpft der Dichter, Feuriger, leckt er die Silberquellen! W er sind die Seelen, die in der Haine Nacht Herschweben? Ließt ihr, Helden, der Todten Thal? Und kamt ihr, eurer spaͤten Enkel Rachegesang an uns selbst zu hoͤren? D enn ach wir saͤumten! Jetzo erschrecket uns Der Adler keiner uͤber der Wolkenbahn. Des Griechen Flug nur ist uns fuͤrchtbar, Aber die Religion erhoͤht uns W eit uͤber Hoͤmus, und, Aganippe, dich! Posaun’, und Harfe toͤnen, wenn sie beseelt; Und tragischer, wenn sie ihn leitet, Hebet, o Sophokles, dein Kothurn sich. U nd wer ist Pindar gegen dich, Bethlems Sohn, Du Hirt, und o du Sieger des Dagonit, O Isaͤide, Saͤnger Gottes, Der den Unendlichen singen konnte! H oͤrt uns, o Schatten! Himmelan steigen wir Mit Kuͤhnheit. Urtheil blickt sie, und kennt den Flug. Das Maaß in sichrer Hand, bestimmen Wir den Gedanken, und seine Bilder. Bist B ist du, der Erste, nicht der Eroberer Am leichenvollen Fluß? und der Dichter Freund? Ja, du bist Karl! … Verschwind, o Schatten, Welcher uns mordend zu Christen machte! … T rit, Barbarossa, hoͤher als er empor. Dein ist des Vorfahrs edler Gesang! Denn Karl Ließ, ach umsonst, der Barden Kriegshorn Toͤnen dem Auge. Sie liegt verkennet I n Nachtgewoͤlben unter der Erde wo Der Moͤncheinoͤden, klaget nach uns herauf Die farbenhelle Schrift, geschrieben, Wie es erfand, der zuerst dem Schall gab I n Hermanns Vaterlande Gestalt, und gab Altdeutschen Thaten Rettung vom Untergang! Bey Truͤmmern liegt die Schrift, des stolzen Franken Erfindung, und bald in Truͤmmern, U nd ruft, und schuͤttelt, hoͤrst du es, Cellner, nicht? Die goldnen Buckeln, schlaͤgt an des Bandes Schild Mit Zorn! Den, der sie hoͤret, nenn’ ich Dankend dem froheren Widerhalle! Du Karl der Grosse, der sich bisweilen auch mit Erfindung neuer Alphabete beschaͤftigte, ließ die Lieder der Barden, die man bisher nur durch muͤndliche Ueberlieferung gekannt hatte, zuerst aufschreiben. Der englische Geschichtschreiber Paris hat noch Handschriften dieser Lieder gesehn. D u sangest selbst, o Heinrich: Mir sind das Reich Und unterthan die Lande, doch mißt’ ich eh Die Kron’, als Sie! erwaͤhlte beydes Acht mir und Bann, eh ich sie verloͤre! W enn jetzt du lebtest, edelster deines Volks, Und Kaiser! wuͤrdest du, bey der Deutschen Streit Mit Hoͤmus Dichtern, und mit jenen Vom Kapitol, unerwecklich schlummern? D u saͤngest selber, Heinrich: Mir dient, wer blinkt Mit Pflugschar, oder Lanze, doch mißt’ ich eh Die Kron’, als Muse, dich! und euch, ihr Ehren, die laͤnger, als Kronen schmuͤcken! Die Die Zukunft. Himmlischer Ohr hoͤrt das Getoͤn der bewegten Sterne; den Gang, den Seleno und Pleione Donnern, kennt es, und freut hinhoͤrend Sich des gefluͤgelten Halls, Wenn des Planets Pole sich drehn, und im Kreislauf Walzen, und wenn, die im Glanze sich verbargen, Um sich selber sich drehn! Sturmwinde Rauschen, und Meere dann her! Hesperus Meer, Meere des Monds, und der Erd’, ihr Sanfter, allein wie erhebt sichs im Bootes, O wie thuͤrmt es empor! Hochwogig Donnerts am Felsengestad! Lauter noch schwebt dort der Altar, und die goldne Koͤnigin dort, mit dem Palmzweig in der Rechte! Lauter schwingt sich der Schwan, und lauter Wehet die Rose daher. Psalmen- P salmengesang toͤnet darein! Die erhabnen Feyrer am Thron, die Gerechten und Vollkomm- nen Singen Jubel und Preis! Anbetung! Danken, sie koͤnnen es, Gott! A hndung in mir, dunkles Gefuͤhl der Entzuͤckung, Welche den Staub an dem Staub einst unaus- sprechlich Troͤsten soll, o Gefuͤhl, Weissager Inniger ewiger Ruh, L ispel, entflohn jenem Gesang der entflammten Soͤhne des Heils, o, besuch oft die beladnen Erdewanderer, komm mildthaͤtig, Trockne des Weinenden Blick! S trahlendes Heer, Welten! ist auch ein Erschaffner Irgendwo noch, wie der Mensch, schwach? Es er- schreckt uns Unser Retter, der Tod! Sanft kommt er Leis’ in Gewoͤlke des Schlafs; A ber er bleibt fuͤrchterlich uns, und wir sehn nur Nieder ins Grab, ob er gleich uns zur Vollendung Fuͤhrt, aus Huͤllen der Nacht hinuͤber Nach der Erkenntnisse Land! Von V on der Geduld steinigem Pfad’ in ein heitres Wonnegefild! Zur Gesellschaft der Vollkommnen! Aus dem Leben, das bald durch Felsen Zoͤgernder fliesset, und bald F luͤchtiger da, wo, zu verbluͤhn, die bekraͤnzten Fruͤhling’ ihr Haupt in des Thaus Glanz und Geruͤchen Schimmernd heben; es spiel’ hinunter, Oder es saͤume, Geschwaͤtz! Siona. Siona. Toͤne mir, Harfe des Palmenhains, Der Lieder Gespielin, die David sang! Es erhebt steigender sich Sions Lied, Wie des Quells, welcher des Hufs Stampfen entscholl. Hoͤher in Wolken., o Palmenhain, Erblickst du das Thal, wie der Lorberwald! Und entsenkst Schatten, herab auf den Wald, Dem Gewoͤlk, welches dich deckt, Palme, mit Glanz. Tanze, Siona, Triumph einher! Am Silbergelispel Phiala trit Sie hervor! schwebet in Tanz! fuͤhlts, wie du Sie erhebst, Religion dessen, der ist! Seyn wird! und war! Der Erhabnen weht Sanft Rauschen vom Wipfel der Palme nach. An dem Fall, welchen du toͤnst, reiner Quell Des Krystals, rufen ihr nach Berge Triumph! Feuri- F euriger blickt sie! Ihr Haupt umkraͤnzt Die Rose Sarona, des Blumenthals. Ihr Gewand fliest, wie Gewoͤlk, sanft um sie, Wie des Tags Fruͤhe gefaͤrbt, Purpur und Gold. L iebevoll schauet, o Sulamith Siona, mein Blick dir, und freudig nach! Es erfuͤllt Wehmuth und Ruh, Wonn’ erfuͤllt Mir das Herz, wenn du dein Lied, Himm- lische, singst. H oͤrt ihr? Siona begint! Schon rauscht Der heilige Hain von dem Harfenlaut! Des Krystalls Quelle vernimmts, horcht, und steht; Denn es wehn Lispel im Hain rings um sie her. A ber itzt stuͤrzt sie die Well’ herab Mit freudiget Eil! Denn Siona nimmt Die Posaun’, haͤlt sie empor, laͤßt sie laut Im Gebirg’ hallen! und ruft Donner ins Thal! K Der Der Nachahmer. Schrecket noch andrer Gesang dich, o Sohn Teutons, Als Griechengesang; so gehoͤren dir Hermann, Luther nicht an, Leibniz, jene nicht an, Welche des Hains Weihe verbarg, Barde, so bist du kein Deutscher! ein Nachahmer Belastet vom Joche, verkennst du dich selber! Keines Gesang ward dir Marathons Schlacht! Naͤcht’ ohne Schlaf hattest du nie! Spon- Sponda. Der Deutschen Dichter Hainen entweht Der Gesang Alcaͤus und des Homer. Deinen Gang auf dem Kothurn, Sophokles, Meidet, und geht Jambanapaͤst. Viel hats der Reize, Cynthius Tanz Zu ereilen, und der Hoͤrer belohnts; Dennoch hielt lieber den Reihn Teutons Volk, Welchen voran Bragor einst flog. Doch ach verstummt in ewiger Nacht Ist Bardiet! und Skofliod! und verhallt Euer Schall, Telyn! Triomb! Hochgesang, Deinem sogar klagen wir nach! O Sponda! rufet nun in dem Hain Des ruinentflohnen Griechen Gefaͤhrt, Sponda! dich such’ ich zu oft, ach! umfonst; Horche nach dir, finde dich nicht! K 2 Wo, in der Sprache der Angeln und Sachsen das Lied des Dichters, noch ohne Musik, Sang- gliod, mit Musik. Trompete, nach einem sehr alten Glof- sarium. Hymnus, zu Otfrieds Zeiten. W o, Echo, wallt ihr toͤnender Schritt? Und in welche Grott’ entfuͤhrtest du sie, Sprache, mir? Echo, du rufst sanft mir nach, Aber auch dich hoͤret sie nicht. E s draͤngten alle Genien sich Der entzuͤckten Harmonie um ihn her. Riefen auch, klagten mit ihm, aber Stolz Funkelt’ im Blick einiger auch. E rhaben trat der Daktylos her: Bin ich Herscher nicht im Liede Maͤoons? Rufe denn Sponda nicht stets, bilde mich Oft zu Homers fliegendem Hall. U nd hoͤrte nicht Choreos dich stets? Hat er oft nicht Sponda’s schwebenden Gang? Geht sie denn, Kretikos toͤnt’s, meinen Gang? Dir, Choriamb, weich’ ich allein! D a sang der Laute Silbergesang Choriambos: Ich bin Smintheus Apolls Liebling! mich lehrte sein Lied Hain und Strom, Mich, da es flog nach dem Olymp. E rkohr nicht Smintheus Pindarus mich Anapaͤst, da er der Saite Getoͤn Lispeln ließ? Jambos, Apolls alter Freund, Hielt sich nicht mehr, zuͤrnt’, und begann. Und U nd geh nicht ich den Gang des Kothurns? Wo … Baccheos schritt in lyrischem Tanz: Stolze, schweigt! Ha, Choriamb, toͤntest du, Daktylos, du, toͤnt’ ich nicht mit? M it leichter Wendung eilten daher Didymaͤos, und Paͤone daher: Floͤge Thyrs’ und Dithyramb schnell genung, Rissen ihn nicht wir mit uns fort. A ch, Sponda! rief der Dichter, und hieß In den Hain nach ihr Pyrrhichios gehn. Fluͤchtig sprang, schluͤpft’ er dahin! Also wehn Bluͤthen im May Weste dahin. D enn, Sponda, du begleitest ihn auch Der Bardiete vaterlaͤndischen Reihn, Wenn ihn mir treffend der Fels toͤnt’, und mich Nicht die Gestalt taͤuschte, die sang. K 3 Thuis- Thuiskon. Wenn die Strahlen vor der Daͤmmrung nun entfliehn, und der Abendstern Die sanfteren, entwoͤlkten, die erfrischenden Schim̃er nun Nieder zu dem Haine der Barden senkt, Und melodisch in dem Hain die Quell’ ihm ertoͤnt; So entsenket die Erscheinung des Thuiskon, wie Sil- ber staͤubt Von fallendem Gewaͤsser, sich dem Himmel, und kommt zu euch, Dichter, und zur Quelle. Die Eiche weht Ihm Gelispel. So erklang der Schwan Venusin Da verwandelt er dahin flog. Und Thuiskon ver- nimmts, und schwebt In wehendem Geraͤusche des begruͤssenden Hains, und horcht; Aber nun empfangen, mit lauterm Gruß, Mit der Sait’ ihm und Gesang, die Enkel um ihn. Melodieen, wie der Leyer in Walhalla, ertoͤnen ihm Des wechselnden, des kuͤhneren, des deutscheren Odeflugs, Welcher, wie der Adler zur Wolk’ itzt steigt, Dann herunter zu der Eiche Wipfel sich senkt. Der Der Eislauf. Vergraben ist in ewige Nacht Der Erfinder grosser Name zu oft! Was ihr Geist gruͤbelnd entdeckt, nutzen wir; Aber belohnt Ehre sie auch? Wer nannte dir den kuͤhneren Mann, Der zuerst am Maste Segel erhob? Ach! verging selber der Ruhm dessen nicht; Welcher dem Fuß Fluͤgel erfand? Und sollte der unsterblich nicht seyn, Der Gesundheit uns und Freuden erfand, Die das Roß muthig im Lauf niemals gab; Welche der Ball selber nicht hat? Unsterblich ist mein Name dereinst! Ich erfinde noch dem schluͤpfenden Stahl Seinen Tanz! Leichteren Schwungs fliegt er hin Kreiset umher, schoͤner zu sehn. Du nennest jeden reizenden Ton Der Musik, drum gieb dem Tanz Melodie! Mond, und Wald hoͤre den Schall ihres Horns Wenn sie des Flugs Eile gebeut. K 4 O O Juͤngling, der den Wasserkothurn Zu beseelen weiß, und fluͤchtiger tanzt, Laß der Stadt ihren Kamin! Komm mit mir, Wo des Krystalls Ebne dir winkt! S ein Licht hat er in Duͤfte gehuͤllt, Wie erhellt des Winters werdender Tag Sanft den See! Glaͤnzenden Reif, Sternen gleich, Streute die Nacht uͤber ihn aus! W ie schweigt um uns das weisse Gefild! Wie ertoͤnt vom jungem Froste die Bahn! Fern verraͤth deines Kothurns Schall dich mir, Wenn du dem Blick, Fluͤchtling, enteilst. W ir haben doch zum Schmause genung Von des Halmes Frucht? und Freuden des Weins? Winterluft reizt die Begier nach dem Mahl; Fluͤgel am Fuß reizen sie mehr! Z ur Linken wende du dich, ich will Zu der Rechten hin halbkreisend mich drehn. Nimm den Schwung, wie du mich ihn nehmen siehst. Also! nun fleug schnell mir vorbey! S o gehen wir den schlaͤngelnden Gang An dem langen Ufer schwebend hinab. Kuͤnstle nicht! Stellung, wie die, lieb’ ich nicht, Zeichnet dir auch Preisler nicht nach. Was W as horchst du nach der Insel hinauf? Unerfahrne Laͤufer toͤnen dort her! Huf’ und Last gingen noch nicht uͤbers Eis, Netze noch nicht unter ihm fort. S onst spaͤht dein Ohr ja alles, vernimm Wie der Todeston wehklagt auf der Flut! O, wie toͤnts anders! wie hallts, wenn der Frost Meilen hinab spaltet den See! Z uruͤck! Laß nicht die schimmernde Bahn Dich verfuͤhren, weg vom Ufer zu gehn! Denn wo dort Tiefen sie deckt, stroͤmts vielleicht, Sprudeln vielleicht Quellen empor. D en ungehoͤrten Wogen entstroͤmt, Dem geheimen Quell entrieselt der Tod! Glittst du auch leicht, wie dieß Laub, ach! dorthin; Saͤnkest du doch, Juͤngling, und stuͤrbst! K 5 Der Der Juͤngling. Schweigend sahe der May die bekraͤnzte Leicht wehende Lock’ im Silberbach; Roͤthlich war sein Kranz, wie des Aufgangs, Er sah sich, und laͤchelte sanft. Wuͤthend kam ein Orcan am Gebirg’ her! Die Esche, die Tann’, und Eiche brach, Und mit Felsen stuͤrzte der Ahorn Vom bebenden Haupt des Gebirgs. Ruhig schlummert’ am Bache der May ein, Ließ rasen den lauten Donnersturm! Lauscht’, und schlief, beweht von der Bluͤthe, Und wachte mit Hesperus auf. Jetzo fuͤhlst du noch nichts von dem Elend, Wie Grazien lacht das Leben dir. Auf! und wafne dich mit der Weisheit! Denn, Juͤngling, die Blume verbluͤht! Die Die fruͤhen Graͤber. Willkommen, o silberner Mond, Schoͤner, stiller Gefaͤhrt der Nacht! Du entfliehst? Eile nicht, bleib, Gedankenfreund! Sehet, er bleibt, das Gewoͤlk wallte nur hin. Des Mayes Erwachen ist nur Schoͤner noch, wie die Sommernacht, Wenn ihm Thau, hell wie Licht, aus der Locke traͤuft, Und zu dem Huͤgel herauf roͤthlich er koͤmmt. Ihr Edleren, ach es bewaͤchst Eure Maale schon ernstes Moos! O wie war gluͤcklich ich, als ich noch mit euch Sahe sich roͤthen den Tag, schimmern die Nacht. Schlacht- Schlachtgesang. Wie erscholl der Gang des lauten Heers Von dem Gebirg in das Thal herab, Da zu dem Angriff bey dem Waldstrom das Kriegslied Zu der vertilgenden Schlacht und dem Siege den Befehl rief! Mit herab zu grosser Thaten Ernst! Zu der unsterblichen Rettung Ruhm! Die am Gebirg uns bey dem Strom stolz er- warten, Und im Gefilde der Schlacht mit dem Donne: in dem Arm stehn, O Tyrannenknechte sind sie nur! Und vor dem Drohn des gesenkten Stahls, Vor dem Herannahn, und dem Ausspruch der Freyen, Die sich dem Tode gelassener heiligen, ent- fliehn sie! Braga. Braga. Saͤumst du noch immer an der Waldung auf dem Heerd’, und schlaͤfst Scheinbar denkend ein? Wecket dich der silberne Reif Des Decembers, o du Zaͤrtling! nicht auf? Noch die Gestirne des krystallnen Sees? Lachend erblick’ ich dich am Feuer, in des Wolfes Pelz, Blutig noch vom Pfeil, welcher dem entscheidenden Blick, In die Seite des Eroberers schnell Folgte, daß nieder in den Strauch er sank. Auf denn, erwache! Der December hat noch nie so schoͤn, Nie so sanft, wie Heut, uͤber dem Gefilde gestrahlt! Und die Blume von dem nachtlichen Frost Bluͤhte noch niemals, wenn es tagte, so! Neide mich! schon, von dem Gefuͤhle der Gesund- heit froh, Hab ich, weit hinab, weiß an dem Gestade gemacht Den bedeckenden Krystall, und geschwebt Eilend, als saͤnge der Bardiet den Tanz. Unter U nter dem fluͤchtigerem Fusse, vom geschaͤrften Stahl Leicht getragen, scholl schnelleres Getoͤne der Bahn! Auf den Moosen in dem gruͤnlichen See, Floh mit voruͤber, wie ich floh, mein Bild. A ber nun wandelt’ an dem Himmel der erhabne Mond Wolkenlos herauf, nahte die Begeistrung mit ihm, O wie trunken von dem Mimer! Ich sah Fern in den Schatten an dem Dichterhain B raga! Es toͤnet’ an der Schulter ihm kein Koͤcher nicht, Aber unterm Fuß toͤnete, wie Silber, der Stahl, Da gewandt er aus der Nacht in den Glanz Schwebt’, und nur leise den Krystall betrat. S ing, es umkraͤnzete die Schlaͤfen ihm der Eiche Laub! Sings, o Bardengesang, schimmernder bereifet war ihm Der beschattende glasorische Kranz! Golden sein Haar, und wie der Kranz bereift! F eurig beseelet er die Saiten, und der Felsen lernts, Denn die Telyn scholl! Tapfere belohnte sein Lied, Und den Weisen! von den Ehren Walhalls Rauscht’ es in freudigerem Strophengang. H a, wie sie blutet’, und den Adler aus der Wolke rief Meine Lanze! … Sangs, schwebte voruͤber den Tanz Des Bardiets wie in Orkanen, izt schnell Langsamer jetzo, mit gehaltnem Schwung. Schla- S chlaget, ihr Adler, mit den Fittigen, und kommt zum Mahl! Trinket warmes Blut! … schwebete den Tanz des Bardiets In dem schimmernden Geduͤfte! So schoͤn Schwang sich Apollo Patareus nicht her! L eichtere Spiele der Bewegungen begann er jezt, Leichtern Bardenton: Lehre, was ich singe, den Hain! An dem Hebrus, wie der Grieche das traͤumt, Ueber der Woge von Krystall erfand D iese Befluͤglungen des Stahles, der den Sturm ereilt, Thrazens Orpheus nicht! eilete damit auf dem Strom Zu Euridice nicht hin! Walhalla’s Saͤnger, umdraͤnget von Enherion, I ch, der Begeisterer des Barden und des Skalden, ich, Toͤn’ es, Telyn, laut! hoͤr’ es du am Hebrus! erfand, Vor der Lanz’ und vor dem Sturme vorbey Siegend zu schweben! Und den schoͤnen Sohn Siphia Die Helden in Walhall. S iphia lehrt’ ich es! Wie blinken ihm sein Fuß und Pfeil! Lehrts Tialf, dem nie einer in dem Laufe voran, Wie des Zaubernden beseeltes Phantom, Toͤnte! Da roͤthete der Zorn Tialf! L ehrt’ es den tapfersten der Koͤnige des hohen Nord; Dennoch floh vor ihm Russiens Elissif! Haͤtt ihn Denn geflohen der Unsterblichen Stolz, Nossa denn, Thoͤrinn? … Er entschwebt, sein Kranz R auscht wie von Westen, und es wehet ihm sein goldnes Haar! Seiner Ferse Klang fernte sich hinab am Gebirg, Bis er endlich in der Duͤfte Gewoͤlk Unter dem Hange des Gebirgs verschwand. Die Uller. Thorrs Begleiter, der mit dem Geiste des Riesen einen Wettlauf hielt. In Harolds Liede steht: Ich bin ein Krieger, mein Roß zu zaͤhmen ist mir ein Spiel, ich schwimme, ich laufe auf Schritt- schuhn, ich werfe die Lanze; und das russi- sche Maͤdchen liebt mich nicht! Eine Untergoͤttinn, die schoͤnste aller Goͤt- tinnen. Wenn die Barden und Skalden den Begriff von Anmuth und Reitz erhoͤhn woll- ten; so nannten sie Nossa. Die Sommernacht. Wenn der Schimmer von dem Monde nun herab In die Waͤlder sich ergießt, und Geruͤche Mit den Duͤften von der Linde In den Kuͤhlungen wehn; So umschatten mich Gedanken an das Grab Der Geliebten, und ich seh in dem Walde Nur es daͤmmern, und es weht mir Von der Bluͤthe nicht her. Ich genoß einst, o ihr Todten, es mit euch! Wie umwehten uns der Duft und die Kuͤhlung, Wie verschoͤnt warst von dem Monde, Du o schoͤne Natur! L Skulda. Skulda. Ich lernt’ es im innersten Hain, Welche Lieder der Barden ah! In die Nacht deines Thals sinken, Untergang, Welch auf den Hoͤhen der Tag bleibend um- strahlt. Ich sahe, noch beb’ ich davor! Sah der richtenden Norne Wink! Ich vernahm, hoͤr’ ihn noch! ihres Fluges Schlag, Daß bis hinauf in des Hains Wipfel es scholl! Gekuͤhlt von dem wehenden Quell Saß, und hatt’ auf die Telyn sanft Sich gelehnt Braga. Jezt brachte Geister ihm, Die sie, in Naͤchten des Monds, Liedern ent- lockt, Die Norne Werandi, und sie Hatt’ in Leiber gehuͤllt, die ganz Fuͤr den Geist waren, ganz jeden leisen Zug Sprachen, Gebilder, als waͤrs wahre Gestalt; Zehn Untergoͤttinnen, Skulda, der Zukunft, Werandi, der gegenwaͤrtigen Zeit. Z ehn neue. Sie kamen. Nur Eins Hatte Minen der Ewigkeit! Vom Gefuͤhl seines Werths schoͤn erroͤthend! voll Reize des Juͤnglings, und voll Staͤrke des Manns! M it Furchtsamkeit trat es herzu, Als es stehen die Norne sah, Die allein nach des Tags fernen Huͤgeln fuͤhrt, Oder hinab, wo die Nacht ewig bewoͤlkt. N achdenkender breitete schon Skulda schattende Fluͤgel aus; Doch es sank nieder noch ihr der Eichenstab, Dessen entscheidender Wink Thoren nicht warnt. D ie Neune betraten den Hain Stolz, und horchten mit trunknem Ohr Dem Geschwaͤtz, welches laut Stimmenschwaͤrme schrien, Und von dem wankendem Stuhl Richter am Thal. S ie schreckte das Laͤcheln im Blick Skulda’s nicht, und sie schlummerten Noch getaͤuscht, ahndungsfrey auf den Kraͤnzen ein, Welche jetzt gruͤnen ihr Traum, welken nicht sah. L 2 Ah A h Norne! … Sie hub sich in Flug, Schwebt’, und wies mit dem ernsten Stab In das Thal! Taumellos endlich, schlichen sie Kuͤrzeren, laͤngeren Weg, aber hinab! D em Einen nur wandte sie sich Nach den schimmernden Huͤgeln hin! Es entfloß Lautenklang ihrer Fluͤgel Schwung, Da sie sich wandt’, und der Stab Ewigkeit wies! Sel- Selmar und Selma. Weine du nicht, o die ich innig liebe, Daß ein trauriger Tag von dir mich scheidet! Wenn nun wieder Hesperus dir dort laͤchelt, Komm’, ich Gluͤcklicher, wieder! Aber in dunkler Nacht ersteigst du Felsen, Schwebst in taͤuschender dunkler Nacht auf Wassern! Theilt’ ich nur mit dir die Gefahr zu sterben; Wuͤrd, ich Gluͤckliche, weinen? L 3 Der Der Bach. Bekraͤnzt mein Haar, o Blumen des Hains, Die am Schattenbach des luftigen Quells Nossa’s Hand sorgsam erzog, Braga mir Brachte, bekraͤnzt, Blumen, mein Haar! Es wendet nach dem Strome des Quells Sich der Lautenklang des wehenden Bachs. Tief, und still stroͤmet der Strom; tonbeseelt Rauschet der Bach neben ihm fort. Wohllaut gefaͤllt, Bewegung noch mehr; Zur Gespielin gab dem Herzen ich sie. Diesem saͤumt, eilet sie nach; Bildern folgt, Leiseren Tritts, ferne sie nur. Mir gab Siona Sulamith schon An der Palmenhoͤh den roͤthlichen Kranz Sarons. Ihr weiht’ ich zuerst jenen Flug, Der in dem Chor kuͤhn sich erhebt. Nun N un rufet seinen Reihen durch mich In der Eiche Schatten Braga zuruͤck. Huͤllte nicht daurende Nacht Lieder ein, Lyrischen Flug, welchem die Hoͤhn D es Lorberhuͤgels horchten; o schlief In der Truͤmmer Graun Alcaͤus nicht selbst: Ruͤhmt’ ich mich kuͤhneren Schwungs! toͤnte, stolz Ruͤhmt’ ichs, uns mehr Wendung fuͤrs Herz, A ls Tempe’s Hirt vom Felsen vernahm! Und der Kaͤmpfer Schaar am Fuß des Olymp! Als mit Tanz Sparta zur Schlacht eilend! Zevs Aus des Altars hohem Gewoͤlk! D er grosse Saͤnger Ossian folgt Dem Getoͤn des vollen Baches nicht stets! Ferne, zaͤhlt Galliens Lied Laute nur; Zwischen der Zahl, schwankt und dem Maaß D er Britte; selbst Hesperinn schlaͤft! O sie wecke nie die Sait’ und das Horn Braga’s auf! Floͤgen sie einst deinen Flug Schwan des Glasoor, neidet’ ich sie! N achahmer, wie Nachahmer nicht sind, Du erwecktest selbst, o Flaccus, sie nicht! Graue Zeit waͤhret’ ihr Schlaf! O, er waͤhrt Immer, und ich neide sie nie! L 4 Schon S chon lange maß der Dichter des Rheins Das Getoͤn des starken Liedes dem Ohr; Doch mit Nacht decket’ Allhend ihm sein Maaß, Daß er des Stabs Ende nur sah. I ch hab’ ihn heller blitzen gesehn Den erhabnen, goldnen, lyrischen Stab! Kraͤnze du, roͤthlicher Kranz Sarons, mich! Winde dich durch, Blume des Hains. Wir Bey unsern Alten volle Harmonie eines Gedichts. Wir und Sie. Was that dir, Thor, dein Vaterland? Dein spott’ ich, gluͤht dein Herz dir nicht Bey seines Namens Schall! Sie sind sehr reich! und sind sehr stolz! Wir sind nicht reich! und sind nicht stolz! Das hebt uns uͤber Sie! Wir sind gerecht! das sind Sie nicht! Hoch stehn Sie! traͤumen’s hoͤher noch! Wir ehren fremd Verdienst! Sie haben hohen Genius! Wir haben Genius, wie Sie! Das macht uns ihnen gleich! Sie dringen in die Wissenschaft Bis in ihr tiefstes Mark hinein! Wir thun’s! und thaten’s lang! Wen haben Sie, der kuͤhnen Flugs, Wie Haͤndel Zaubereyen toͤnt? Das hebt uns uͤber Sie! Wer ist bey ihnen, dessen Hand Die trunkne Seel’ im Bilde taͤuscht? Selbst Kneller gaben Wir! L 5 Wenn W enn traf ihr Barde ganz das Herz? In Bildern weint er! Griechenland, Sprich du Entscheidung aus! S ie schlagen in der finstern Schlacht, Wo Schiff an Schiff sich donnernd legt! Wir schluͤgen da, wie Sie! S ie ruͤcken auch in jener Schlacht, Die Wir allein verstehn! heran. Vor Uns entfloͤhen Sie! O saͤhn Wir Sie in jener Schlacht, Die Wir allein verstehn! einst dicht Am Stahl, wenn er nun sinkt, W enn unsre Fuͤrsten Herrmanns sind! Cherusker unsre Heere sind, Cherusker, kalt, und kuͤhn! W as that dir, Thor, dein Vaterland? Dein spott’ ich, gluͤht dein Herz dir nicht Bey seines Namens Schall! Un- Unsre Fuͤrsten. Von der Palmenhoͤhe, dem Hain Siona’s, Kommen wir her, wir des Harfengesangs Geweihte, daß Christen noch einst Wir entflammen mit dem Feuer, Das zu Gott steigt! Hier in dem Hain, wo Eichen Schatten, erschallst schoͤner, Telyn, auch du, Wenn Schoͤne des Herzens voran Vor der Schoͤnheit des Gesangs fleugt! Mit Entzuͤckung, wall’ ich im Hain der Palmen, Dichter, mit Lust, hier, wo Eich’ und ihr Graun Uns daͤmmert, das Vaterland euch, Mich hinauf rief, ihm zu singen. O bekraͤnzet froh euch das Haupt, Thuiskons Enkel! empfangt Braga’s heiliges Laub! Er bringt es den Huͤgel herab, Wie es glanzvoll von dem Quell traͤuft! Mit M it des Stolzes Toͤnen erschallt, ihr wurdet, Dichter, sein Stolz! Braga’s freudiges Lied! Ihr tranket mit ihm aus dem Quell Der Begeistrung und der Weisheit; U nd ihr saͤumt noch? Singet ihm nach! Ihr siegtet Ueber die Zeit! Deutschlands Fuͤrsten … sie rief Kein Stolz, euch zu leiten, herzu; Und allein schwungt durch die Hindrung I hr mit edler Kuͤhnheit euch auf! So werde Euch denn allein auch unsterblicher Ruhm! Der Name der Fuͤrsten verweh, Wie der Nachhall, wenn der Ruf schweigt. A us dem Hain Thuiskons entflieh kein sanftes Silbergetoͤn hin zum parischen Maal, Das keiner besucht, und das bald, In den Staub sinkt der Gebeine. O wie festlich rauschet der Hain! Ich sehe Fliegenden Tanz! Braga fuͤhrt den Triumph! Unsterblichkeit! rufet das Chor, Und der Hain rufts in den Schatten! P yramiden sanken! Der Wandrer findet Truͤmmer nur noch! Lobschrift, welche die Burg Des Fuͤrsten nur kannte, sie schlaͤft In dem Goldsaal, wie im Grabe! Pyra- P yramiden, liegt ihr! und schlaf, des Schmeichlers Werk, in dem Goldsaal begraben! Uns macht Unsterblich des Genius Flug Und die Kuͤhnheit des Entschlusses, V on des Lohns Verachtung entflammt! Einst konntet Fuͤrsten, ihrs thun! Baut von Marmor euch jezt Die Maale, vergessen zu ruhn! Denn es schweigt euch in dem Haine. Die Die Choͤre. Goldener Traum, du, den ich nie nicht erfuͤllt seh, Strahlengestalt, wie der Tag schoͤn, wenn er auf- wacht, Komm du dennoch zuruͤck, und schwebe Mir vor dem trunkenen Blick! Decken sie denn Kronen umsonst, daß des Traumes Himmlisches Bild sie ins Daseyn nicht verwandeln? Soll ihr Marmor sie auch schon decken, Wenn die Verwandlung geschieht? Koͤnigessohn! Edelster! dir, ja die schoͤnste Leyer ertoͤnt zu dem schoͤnsten der Gesaͤnge Dir, der einst es vollfuͤhrt! Dein warten Ehren der Religion! Ließ mich das Grab; saͤng ich von dir! Zu der schoͤn- sten Leyer ertoͤnt mein Gesang nicht; doch begeistert Saͤng’ ich! schoͤpft’ aus der Freude tiefsten Stroͤmen, Vollfuͤhrer, dein Lob! Groß G roß ist dein Werk! jezo mein Wunsch. O es weiß der Nicht, was es ist, sich verlieren in der Wonne! Wer die Religion begleitet Von der geweihten Musik, U nd von des Psalms heiligem Flug, nicht gefuͤhlt hat! Sanft nicht gebebt, wenn die Schaaren in dem Tempel Feyrend sangen! und, ward dieß Meer still, Choͤre vom Himmel herab! T aͤusche mich lang, seliger Traum! Ach ich hoͤre Christengesang! Welch ein Volkheer ist versammelt! So sah Kephas vordem fuͤnf Tausend Jesus auf Einmal sich weihn. H oͤrt ihr? Den Sohn singet sein Volk! Mit des Herzens Einfalt vereint sich die Einfalt des Gesanges! Und mehr Hoheit, als alle Welt hat, Hebt sie gen Himmel empor! W onnegefuͤhl hebt sie empor, und es fliessen Thraͤnen ins Lied! Denn die Kronen an dem Ziele Strahlen ihnen! Sie sehn um Sion Palmen der Himmlischen wehn! O ben beginnt jezo der Psalm, den die Choͤre Singen, Musik, als ob kunstlos aus der Seele Schnell sie stroͤmte! So leiten Meister Sie, doch in Ufern, daher. Kraft- K raftvoll, und tief dringt sie ins Herz! Sie ver- achtet Alles, was uns bis zur Thraͤne nicht erhebet! Was nicht fuͤllet den Geist mit Schauer! Oder mit himmlischem Ernst. H immlischer Ernst toͤnet herab mit des Festes Hohem Gesang. Prophezeihung! und Erfuͤllung! Wechseln Choͤre, mit Choͤren. Gnade! Singen sie dann, und Gericht! A ch von des Sohns Liede beseelt, von der Heerschaar Sions entflammet, erheben sie ihr Loblied! Eine Stimme beginnet leise, Eine der Harfen mit ihr. A ber es toͤnt maͤchtiger bald in dem Chor fort! Choͤre sind nun in dem Strom schon des Gesanges! Schon erzittert das Volk! schon gluͤhet Feuer des Himmels in ihm! W onne! Das Volk haͤlt sich noch kaum! Die Po- saunen Donnerten schon! und izt donnern sie von neuem! Aller Choͤre Triumph erscholl schon! Schallt, daß der Tempel ihm bebt! L aͤnger nun nicht, laͤnger nicht mehr! Die Gemeine Sinket dahin, auf ihr Antlitz zum Altare! Hell vom Kelche des Bundes! eilt, eilt! Stroͤmt in der Choͤre Triumph! Ruhet R uhet dereinst dort mein Gebein, an der Tempel Einem mein Staub, wo der Chorpsalm den Ge- meinen Toͤnt; so bebet mein Grab, und lichter Bluͤhet die Blume darauf, W enn, an dem Tag, als aus dem Felsen der Todte Strahlte, der Preis in dem Jubel sich ihm nach- schwingt! Denn ich hoͤr’ es, und Auferstehung! Lispelt ein Laut aus der Gruft. M Die Die Barden. Ihr Dichter! ihr Dichter! es huͤllt Nacht die Leyer der Barden ein! Der am Quell Mimer oft Braga’s Leyer schwieg, Wenn die Erfindung, im West schlummernd, gebahr Erhabneren Geist, und Gestalt Schoͤn wie Knaben im Kriegestanz, Daß entzuͤckt, wenn sie sah, was gebohren war, Ihr des beseelteren Blicks Trunkenheit schwamm. Leicht springt er, ein Genius, auf, Spielt am Sprosse des Eichenhains! Den Allhend geht sein Gang! seiner Tritte Ton Rieselt daher, wie der Bach, rauscht wie der Strom. Ihr Dichter! ihr Dichter! wo sank Unsrer Filea Leyer hin? Ah es truͤbt, sinn’ ich nach, was die Truͤmmer deckt, Mir den beweinenden Blick wuͤnschender Schmerz! Teone. Die vortreflichsten unter den Barden, wel- che die juͤngeren unterrichteten. Teone. Still auf dem Blatt ruhte das Lied, noch erschrocken Vor dem Getoͤs’ des Rhapsoden, der es herlas, Unbekannt mit der sanftern Stimme Laut’, und dem vollerem Ton. Dicht an Homer schrie sein Geschrey! Auf den Dreyfuß Setzt’ ihn sein Wahn, und verbarg ihm, daß Achilles Leyer sank, und des Maͤoniden Genius zornig entfloh. Aber o lern, Saͤngerinn selbst, von Teonens Zaubernder Kunst, wenn dem Inhalt sie wie Wachs schmilzt, Und der Seele des Liedes gleiche, Schoͤne Gespielinnen waͤhlt. Hoͤrst du, wie sie, an der Gewalt des Rhapsoden, Raͤchet das Lied! wie dem Ohre sie es bildet! Sind nicht, Saͤngerin, dieser Toͤne Wendungen auch Melodie? M 2 Ja J a Melodie, aber verwebt von des Herzens Feinstem Gefuͤhl! nicht die Haltung, wie die Floͤte Toͤnet, oder wie deine Stimme Ueber die Floͤte sich hebt. S age, warum bebst du? was stuͤrzt dir die Thraͤne Eilend herab? was besaͤnftigt nun dein Herz dir? Thats Teone nicht auch? und ruͤhrt dich Etwa der Dichter allein? H oͤre, fuͤr sie dichtet’ er! hoͤr’, auch die kleinste Kunst des Gesangs ist Teonen nicht verborgen! Folg ihr, wie in des stolzen Rhythmus Tanz, sie mit Leichtigkeit schwebt! P flanze fuͤr sie Blumen im Hain an dem Bache, Nossa, daß ich, wenn melodisch sie vielleicht einst Meiner Saite Gesang begleitet, Kraͤnze Teonen ihr Haar! Stin- Stintenburg. Insel der froheren Einsamkeit, Geliebte Gespielin des Widerhalls Und des Sees, welcher izt breit, dann, versteckt Wie ein Strom, rauscht an des Walds Huͤ- geln umher, Selber von steigenden Huͤgeln voll, Auf denen im Rohr die Moraͤne weilt, Sich des Garns Tuͤcke nicht naht, und den Wurm An dem Stahl, leidend mit ihm, ferne beklagt. Fluͤchtige Stunden verweilt’ ich nur An deinem melodischen Schilfgeraͤusch; Doch verlaͤßt nie dein Phantom meinen Geist, Wie ein Bild, welches mit Lust Geniushand Bildete, trozt der Vergessenheit! Der Garten des Fuͤrsten verdorrt, und waͤchst Zu Gestraͤuch, uͤber des Strauchs Wildniß hebt Sich der Kunst meisterhaft Werk daurend empor. M 3 Neben N eben dir schattet der Sachsen Wald, Ihr Schwert war entscheidend, und kurz ihr Wort! Und um dich glaͤnzeten nie Schilde Roms, Sein Tyrann sendete nie Adler dir zu! R uhiger wandelt’ in deinem Thal Der Goͤttinnen Beste, die sanfte Hlyn. Es erscholl freudigen Klangs Braga’s Lied Um dich her, mischte nicht ein Rufe der Schlacht. U eber dem stolzeren Strome nur, Der Ham sich voruͤber ins Meer ergießt, Da umgab Blut den Bardiet, ließ den Speer Mit des Lieds schreckendem Drohn fliegen der Gott! A ber wenn Hertha zum Bade zog, So eilete Braga zu dir zuruͤck, So begann Lenzmelodie, ließ der Gott Bey des Lieds Tanze dahin sinken den Speer. S eines Gesanges erschallet noch; Mich lehret er aͤlteren deutschen Ton, Wenn entwoͤlkt wallet der Mond, und es sanft Um das Grab derer ertoͤnt, welchen er sang. H orchend dem lehrenden Liede, saͤng Ich deinen Besitzer, o Insel, naͤhm Ich des Hains Fluͤgel, und eilt’, heilig Laub In der Hand, Ihm, wo der Ruhm ewiget, nach! Aber A ber entweihet, entweihet ward Die Leyer, die Fluͤge des Lobes flog! Dem Verdienst selten getreu, rauschte sie Um das Ohr deß, der an That duͤrftig, ver- schwand. L eyer des heiligen Bardenhains, Verwuͤnsche des Ehreverschwenders Lied, Der zuerst, truͤgenden Glanz, den besang! Und der That lautes Verbot, das nicht ver- nahm! K uͤhner Verschwender, nun glauben sie Der edleren Dichter Gesaͤnge nicht; (Es verweh, so wie der Staub jenes Maals, Deß Ruin sinket, es geh unter dein Lied!) T aͤuschen sich, kaͤltere Zweifler noch, Wenn jeden gefluͤgelten Silberton, Der den Schwung uͤber des Hains Wipfel schwingt, Das Verdienst dessen gebot, welchen ihr sangt. J a du Verschwender! nun stroͤmt mein Herz In hoͤheren wahren Gesang nicht aus! Es verweh, so wie der Staub jenes Maals, Deß Ruin sinket, es geh unter dein Lied! M 4 Unsre Unsre Sprache. An der Hoͤhe, wo der Quell der Barden in das Thal Sein fliegendes Getoͤne, mit Silber bewoͤlkt, Stuͤrzet, da erblickt’ ich, zeug’ es, Hain! Die Goͤttin! sie kam zu dem Sterblichen herab! Und mit Hoheit in der Mine stand sie! und ich sah Die Geister um sie her, die den Liedern entlockt Taͤuschen, ihr Gebild. Die Wurdi’s Dolch Unschuldige traf, die begleiteten sie fern, Wie in Daͤmmrung; und die Skulda’s maͤchtigerer Stab Errettete, die schwebten umher in Triumph, Schimmernd, um die Goͤttin, hatten stolz Mit Laube der Eiche die Schlaͤfe sich bekraͤnzt! Den Die Norne der vergangnen Zeit. So nennt sie der Sachse, ein Dichter aus Ludewigs des Frommen Zeiten, und versteht das Schicksal dadurch. In der Edda wird sie Urd genannt. D en Gedanken, die Empfindung, treffend, und mit Kraft, Mit Wendungen der Kuͤhnheit, zu sagen! das ist, Sprache des Thuiskon, Goͤttin, dir, Wie unseren Helden Eroberung, ein Spiel! O Begeistrung! Sie erhebt sich! Feurigeren Blicks Ergiesset sich ihr Auge, die Seel’ in der Glut! Stroͤme! Denn du schonest deß umsonst, Der, leer des Gefuͤhls, den Gedanken nicht erreicht! W ie sie herschwebt an des Quells Fall! Maͤchtiges Getoͤn, Wie Rauschen in den Naͤchten des Walds ist ihr Schwung! Draussen im Gefilde braust der Sturm! Gern hoͤret der Wandrer das Rauschen in dem Wald! W ie sie schwebet an der Quelle! Sanfteres Getoͤn, Wie Wehen in dem tieferen Wald’ ist ihr Schwung! Draussen im Gefilde braust der Sturm! Gern hoͤret im Walde der Wanderer das Wehn. D ie der Fremdling nicht entweihte, (Teutonien erlag Nur Siegen, unerobert!) o freyere, dich Wagte der Geschreckten Fessel nicht Zu fesseln! Die Adler entflogen, und du bliebst M 5 Die D ie du warest! An dem Rhodan klirret sie noch laut Die Kette des Eroberers! laut am Ibeer! Also, o Britanne, schallt dir noch Der Angel und Sachse mit herrschendem Geklirr! S o bezwang nicht an des Rheins Strom Romulus Geschlecht! Entscheidungen, Vergeltungen sprachen wir aus, Rache, mit des Deutschen Schwert, und Wort! Die Kette verstummte mit Varus in dem Blut! D ie dich damals mit erhielten, Sprache, da im Forst Der Weser die Erobererkette versank, Schweigend in der Legionen Blut Versank, sie umhuͤllt die Vergessenheit mit Nacht! A h die Geister der Gesaͤnge, welche sie zur Schlacht Ertoͤneten dem zuͤrnendem Vaterlandsheer, Folgen mit der Todeswunde dir! Ha Norne, dein Dolch! Wirst auch diesen, der sie klagt D ie vertilgten, du vertilgen? Geister des Bardiets! Ihr Schatten! ich beschwoͤr’ euch, ihr Genien! lehrt, Fuͤhret mich den steilen kuͤhnen Gang Des Haines, die Bahn der Unsterblichkeit hinauf! Die D ie Vergessenheit umhuͤllt’, o Ossian, auch dich! Dich huben sie hervor, und du stehest nun da! Gleichest dich dem Griechen! trozest ihm! Und fragst, ob wie du er entflamme den Ge- sang? V oll Gedanken auf der Stirne hoͤret’ ihn Apoll, Und sprach nicht. Und gelehnt auf die Harfe Walhalls Stellt sich vor Apollo Bragar hin, Und laͤchelt, und schweiget, und zuͤrnet nicht mit ihm. Die Die Kunst Tialfs. Durch Wittekinds Barden: Wliid, Haining und Wandor. Wliid. Wie das Eis hallt! Toͤne nicht vor! ich dulde das nicht! Wie der Nacht Hauch glaͤnzt auf dem stehenden Strom! Wie fliegest du dahin! Mit zu schnellem Flug Scheuchest du Nossa weg! Haining. Sie schwebet schon nach! Bardenliedertanz Hascht Pfeile wie der Juͤnglinge Bogen sie entfliehn! Wie rauschet ihr Gefieder! Ereile sie vor mir! Nossa schwebet schon nach! Wliid. Pfeilverfolger, reize sie nicht! Verachtet kehrt sie nicht um! Ich seh es, halt inn, ich seh es, sie zuͤrnt! Das Woͤlkchen Laune Daͤmmert schon auf ihrer Stirn. Hai- Haining. S iehest du sie kommen bey dem Felsen herum In dem hellen Dufte des schoͤnsten der December- morgen? Wie schweben sie daher! Besaͤnftigen soll Mir Hlyda die Zuͤrnende! Wliid. W er ist es? Wer koͤmmt? Wie verschoͤnen sie Den fchoͤnsten der Decembermorgen! Ha rede, du Beleidiger der Goͤttin! Wer sind sie, die daher in dem weissen Dufte schweben? W ie des Jaͤgers Lenzgesang aus der Kluft zuruͤck, Toͤnt unter ihrem Tanze der Krystall! Viel sind der Schweber um den leichten Stuhl, Der auf Stahlen wie von selber schluͤpft. U nd Sie, die, in Hermeline gehuͤllt, Auf dem eilenden Stuhle ruht, Und dem Juͤngling horcht, der hinter ihr Den Stahlen der Ruhenden Fluͤgel giebt? Haining. U m des Maͤdchens willen beleidigt’ ich Nossa, darum versoͤhnt sie die Goͤttin mir! Der Juͤngling liebet das Maͤdchen, sie liebet ihn. Sie feyren heute des ersten Kusses Tag! O O du in die Hermeline gehuͤllt, Und du mit dem Silberreif in dem fliegenden Haar, Wir tanzen ihn auch den Bardenliedertanz! Und feyren euer Fest mit euch! Wandor. W illkommen uns! Ihr tanztet ihn schoͤn Am sauselndem Schilf herab! Nur Ein Gesez: Wir verlassen nicht eh den Strom, Bis der Mond am Himmel sinkt! W eit ist die Reise zum Tanz in der Halle, Der mit dem sinkenden Monde beginnt! Ihr muͤst euch staͤrken. Die Lauscherin hier Liebt fluͤchtigen Stahl. D u Schweber mit der blinkenden Schaale dort: Den der Winzer des Rheins kelterte, Den! und die Schaale voll bis zum Rand’ herauf! Im Fluge geschwebt! doch kein Tropfen fall’ auf den Strom! S o rund herum, und dann der Hoͤrner Schall Nach altem Brautgesangestritt! Zu diesem Braga’s fluͤchtigsten Reihn Auf dem Sternkrystall! Hai- Haining. E r sangs, und die weisse Hlyda glitt Auf dem Zuge des Stroms; die Hoͤrner toͤnten hinter ihr her. An den beyden Ufern eilten um sie die Beglei- tenden, Und wogen sich leicht auf der Schaͤrfe des Stahls. W ie glatt ist der schimmernde Frost! Schall dort umher In dem Felsen, nicht hier, mit dem Strom hinab, Hau droben im Walde, verwuͤstendes Beil! Wir sangens, und lehnten uns rechts an den warmenden Strahl. O Bahn des Krystalls! Eh sie dem Schlittner den Stachel reicht, Eh sie durch Schaͤrfung den Huf, durch den Eis- sporn den Wanderer Sichert, erstarr, erstarr an der Esse die Am- boshand! Wir sangens, und lehnten uns links an die leisere Luft. W ir sangen der Eisgangslieder noch viel. Vom Weste, dem Zersioͤrer, ach! Wenn die Blume des naͤchtlichen Frostes welkt! Von der Tuͤcke des verborgnen warmen Quells, Da D a der schoͤne Juͤngling sank! Er schwung sich her- auf, sein Blut Faͤrbte den Strom, dann sank er wieder, und starb! Von dem braͤunlichen Hirten, der schneller die wartende Braut ereilt, Getragen auf dem Fluͤgelschwunge des Stahls, H ier die hundertfarbige Pforte vorbey, dem siegen- den Winter Auf der Gletscher Hoͤh wie Bogen der Triumphe gebaut, Dort den Klee des Thals vorbey, Und das weidende Lamm. V on der bahnvernichtendem Flocke! Ach sie verscheucht den Waller, auf bestirntem Krystall, Wie der Gewitterregen Den Waller in durchbluͤmtem jungen Grase. V on des Normanns Sky. Ihm kleidet die leichte Rinde der Seehund; Gebogen steht er darauf, und schießt, mit des Blizes Eil, Die Gebirg’ herab! Arbeitet dann sich langsam wieder herauf am Schneefelsen. D ie blutige Jagd trieft ihm an der Schulter, allein den Schwung, Die Freude, den Tanz der Lehrlinge Tialfs kennt er nicht! Oft schleudert ein Orkan sie, als in Schwindel vor sich her, Am voruͤberfliegenden Felsengestad’ hinab. Schnell S chnell wie der Gedanke, schweben sie in weitauskrei- senden Wendungen fort, Wie im Meere die Riesenschlange sich waͤlzt! Noch sangen wir vom ersten Tritte, mit dem auf den Teich Ida Zitterte. Klein war ihr Fuß, und blinkend ihr Stahl. S ie hatte des Stahles Band mit silberbereiftem Laube Und roͤthlich gesprengten fliehenden Fischen gestickt. Die Lieder sangen wir, jetzo dem Widerhalle der Waͤlder sie, Jetzo den Truͤmmern der alten Burg, U nd tanzten fort, bald wie auf Fluͤgeln des Nords Den Strom hinunter gestuͤrmt! Bald wie gewehet von dem sanften Weste. Nun sank, ach viel zu fruͤh! der Mond am Him- mel herab. W ir kamen zum regelreichen Tanz in der lichten Halle, Und dem laͤrmenden Heerd, auf dem die junge Tanne sank. Wir kosteten nur mit stolzem Zahn von der Halle Tanz, Und schliefen, zu der Nacht den Tag, gesunden Schlaf. N Der Der Huͤgel und der Hain. Die Singenden sind: Ein Poet, ein Dichter, und ein Barde. Der Poet. Was horchest du unter dem weitverbreiteten Fluͤgel der Nacht Dem fernen sterbendem Widerhalle des Bardenge- sangs? Hoͤre mich! Mich hoͤrten die Welteroberer einst! Und viel Olympiaden, hoͤrtet ihr Celten, mich schon! Der Dichter. Laß mich weinen, Schatten! Laß die goldene Leyer schweigen! Auch meinem Vaterlande sangen Barden, Und ach! ihr Gesang ist nicht mehr! Laß mich weinen! Lange Jahrhunderte schon Hat ihn in ihre Nacht hinab Gestuͤrzt die Vergessenheit! Und U nd in oͤden dunkeln Truͤmmern Der alten Celtensprache, Seufzen nur einige seiner leisen Laute, Wie um Graͤber Todesstimmen seufzen. Der Poet. T oͤne dem Klager, goldene Leyer! Was weinst du in die oͤde Truͤmmer hinab? War er der langen Jahrhunderte meines Gesanges werth; Warum ging er unter? Der Dichter. D ie Helden stritten! Ihr nanntet sie Goͤtter und Ti- tanen. Wenn jezo die Aegis nicht klang, und die geworfnen Felsenlasten Ruhten, und Jupiter der Gott, mit dem Titan Enceladus sprach; So scholl in den Kluͤften des Pelion die Sprache des Bardengesangs! H a du schwindelst vor Stolz An deinem juͤngeren Lorbeer! Warf, und weißt du das nicht? auch ungerecht Nicht oft die Vergessenheit ihr Todesloos? N 2 Noch N och rauschest du stets mit Geniusfluge die Saiten herab! Lang kenn’ ich deine Silbertoͤne, Schweig! Ich bilde mir ein Bild, Jenes feurigen Naturgesangs! U numschraͤnkter ist in deinem Herrscherin, Als in des Barden Gesange die Kunst! Oft stammelst du nur die Stimme der Natur; Er toͤnet sie laut ins erschutterte Herz! O Bild, das jezt mit den Fittigen der Morgenroͤthe schwebt! Jezt gehuͤllt in Wolken, mit des Meeres hohen Woge steigt! Jezt den sanften Liedestanz Tanzet in dem Schimmer der Sommermond- nacht! W enn dich nicht gern, wer denket, und fuͤhlt, Zum Genossen seiner Einsamkeit waͤhlt; So erhebe sich aus der Truͤmmern Nacht der Bar- den einer, Erschein’, und vernichte dich! L aß fliegen, o Schatten, die goldene Leyer Den maͤchtigsten Flug, Und rufe mir einen der Barden Meines Vaterlands herauf! Einen E inen Herminoon, Der unter den tausendjaͤhrigen Eichen wandelte, Unter deren alternden Sproß ich wandle. Der Poet. I ch beschwoͤre dich, o Norne, Vertilgerin, Bey dem Haingesange, vor dem in Winfeld die Ad- ler sanken! Bey dem liedergefuͤhrten Brautlenzreihn: O sende mir herauf Einen der Barden Teutoniens, einen Herminoon! I ch hoͤr’ es in den Tiefen der Ferne rauschen! Lauter toͤnet Wurdi’s Quell dem Kommenden! Und die Schwaͤne heben sich vor ihm Mit schnellerem Fluͤgelschlag! Der Dichter. W er kommt? wer kommt? Kriegerisch ertoͤnt Ihm die thatenvolle Telyn! Eichenlaub schattet auf seine gluͤhende Stirn! Er ist, ach er ist ein Barde meines Vaterlands! Der Barde. W as zeigst du dem Uhrsohn meiner Enkel Immer noch den stolzen Lorber am Ende deiner Bahn, Grieche? Soll ihm umsonst von des Haines Hoͤh Der Eiche Wipfel winken? N 3 Zwar Z war aus Daͤmmrung nur! … Denn ach! er sieht In meiner Brust der wuͤtenden Wurdi Dolch! Und mit der Eile des Sturms eilet voruͤber der Augenblick, Da ich ihm von der Barden Geheimnisse singen kann! Der Poet. T oͤne, Leyer, von der Grazie, Den leichten Tritt an der Hand der Kunst gefuͤhrt, Und laß die Stimme der rauhen Natur Des Dichters Ohre verstummen! Der Barde. S ing, Telyn, dem Dichter die schoͤnere Grazie Der seelenvollen Natur! Gehorcht hat uns die Kunst! sie geschreckt, Wollte sie herrschen, mit hohem Blicke die Natur! U nter sparsamer Hand toͤnte Gemaͤhld’ herab, Gestaltet mit kuͤhnem Zug; Tausendfaͤltig, und wahr, und heiß! ein Taumel! ein Sturm! Waren die Toͤne fuͤr das vielverlangende Herz! Der Poet. L aß, o Dichter, in deinem Gesange vom Olympus Zevs donnern! mit dem silbernen Bogen toͤnen aus der Wolkennacht Smintheus! Pan im Schilfe pfeifen, von Artemis Schulter den vollen Koͤcher die Rehe scheuchen. Der Der Barde. Ist Achaͤa der Thuiskonen Vaterland? Unter des weissen Teppichs Huͤllen ruh auf dem Frie- denswagen Hertha! In blumenbestreutem Haine walle der Wagen hin, Und bringe die Goͤttinn zum Bade des einsamen Sees. Die Zwillingsbruͤder Alzes graben In Felsen euch das Gesez der heiligen Freundschaft: Erst des hingehefteten Blickes lange Wahl, Dann Bund auf ewig! Es vereine Loͤbna voll Nossa’s Reizen, und Wara Wie Sait’ und Gesang, die Lieb’ und die Ehe! Bra- ga toͤne Vom Schwert, gegen den Eroberer gezuͤckt! und That Des Friedens auch, und Gerechtigkeit lehr’ euch Wodan! N 4 Wenn Einem Haine alter Heiligkeit steht ein Priester in weiblichem Schmucke vor. Ein Roͤmer wuͤrde die Goͤtter dieses Hains Castor und Pollux nen- nen. Sie heissen Alzes. Sie haben keine Bild- nisse, werden auch durch keinen auslaͤndischen Got- tesdienst, aber doch als Bruͤder und als Juͤng- linge verehrt. Tacitus. Die erste soͤhnt die Liebenden aus; die zweyte bestraft die Ungetreuen. W enn nicht mehr in Walhalla die Helden Waffenspiel Tanzen, nicht mehr von Braga’s Lied’ in der Freude Suͤsse Traͤume gesungen, halten Siegesmahl, Dann richtet auch die Helden Wodan! Der Dichter. D es Huͤgels Quell ertoͤnet von Zevs, Von Wodan, der Quell des Hains. Weck’ ich aus dem alten Untergange Goͤtter Zu Gemaͤlden des fabelhaften Liedes auf; S o haben die in Teutoniens Hain Edlere Zuͤge fuͤr mich! Mich weilet dann der Achaͤer Huͤgel nicht; Ich gehe zu dem Quell des Hains! Der Poet. D u wagst es, die Hoͤrerin der Leyer, Die in Lorbeerschatten herab Von der Hoͤhe faͤllt des Helikon, Aganippe voruͤber zu gehn? Der Dichter. I ch seh an den wehenden Lorber gelehnt, Mit allen ihren goldnen Saiten, O Grieche, deine Leyer stehn, Und gehe voruͤber! Er E r hat sich gelehnt an den Eichensproß, Des Weisen Saͤnger und des Helden, Braga, Die inhaltsvolle Telyn! Es weht In ihren Saiten, und sie toͤnt von sich selber; Vaterland! I ch hoͤre des heiligen Namens Schall! Durch den Saiten rauschet es herab: Vaterland! Wessen Lob singet nach der Widerhall? Koͤmmt Hermann dort in den Naͤchten des Hains? Der Barde. A ch Wurdi, dein Dolch! Sie ruft, sie ruft Mich in ihre Tiefen zuruͤck, hinunter, wo unbeweinbar Auch die Edlen schweben, die fuͤr das Vaterland Auf des Schildes blutige Blume sanken! N 5 Her- Hermann. Durch die Barden: Werdomar, Kerding, und Darmond. Werdomar. Auf diesem Steine der alternden Moose, Wollen wir sizen, o Barden, und ihn singen. Keiner tret’ hervor, und blick hinab uͤber das Ge- straͤuch, Das ihn verdeckt den edelsten Sohn des Vater- lands. Denn dort liegt er in seinem Blut Er, selbst da, der geheime Schrecken Roms, Da sie mit Kriegestanz und Floͤtenspiel des Triumphs Seine Thusnelda fuͤhrten. Blikt nicht hin, ihr weintet; Saͤhet ihr ihn in seinem Blute liegen! Und nicht Thraͤnen soll die Telyn toͤnen; Sie soll den Unsterblichen singen! Kerding. Hell ist noch mein Juͤnglingshaar, Umguͤrtet ward ich heut mit dem ersten Schwert, Gewafnet das erstemal mit der Lanz’ und der Telyn; Und ich soll Hermann singen? Fodert F odert nicht zu viel von dem Juͤngling, Vaͤter! Ich muß mit der goldenen Locke zuvor Troknen meine heisse Wange, Eh ich singe den groͤsten der Soͤhne Mana’s. Darmond. T hraͤnen wein’ ich der Wut! Und will sie nicht troknen! Fließt, fließt die gluͤhende Wang’ herab, Thraͤnen der Wut! S ie sind nicht stumm. Du vernimmst, was sie rauschen! Fluch ists! Hoͤre sie, Hela! Keiner der Verraͤther des Vaterlands, die ihn toͤdteten, Sterb’ in der Schlacht! Werdomar. S ehet ihr den Waldstrom stuͤrzen Hinunter in der Felsenkluft? Stuͤrzen mit ihm gewaͤlzte Tannen Zu Hermanns Todtenfeuer? Bald Sie herrscht in denen traurigen Gegenden, wo die- jenigen nach dem Tode sind, die nicht in der Schlacht sterben. B ald ist er Staub, und ruhet Im Gefaͤß der Begraͤbnifse, Und in dem heiligen Staube das Schwert, Bey dem er Untergang dem Eroberer schwur! W eil’, o du des Getoͤdteten Geist! Auf deinem Wege zu Siegmar, Und hoͤre, wie heiß von dir das Herz Deines Volkes ist! Kerding. V erschweigts Thusnelden, verschweigts, Daß hier in Blut ihr Hermann liegt! Sagts dem edlen Weibe, der ungluͤckseligen Mut- ter nicht, Daß ihres Thumeliko Vater hier in Blute liegt! I hr nicht, die schon vor des stolzen Triumphs Fuͤrchterlichen Wagen in der Fessel ging! Du hast ein Roͤmerherz, Der das der Ungluͤckseligen sagen kann! Darmond. U nd welcher Vater zeugte dich, Ungluͤckselige! Segestes auch Roͤthet’ in der finstern spaͤten Rache sein Schwert! Flucht ihm nicht! ihm hat schon Hela geflucht! Wer- Werdomar. L aßt den Namen Segest den Gesang nicht nennen! Weihet ihn schweigend der Vergessenheit, Daß uͤber seine Asche sie Ruhe mit schwerem Fittig! D ie Saite, die den Namen Hermanns bebt, wird entehrt, Wenn sie auch nur mit Einem Zornlaut Verurtheilt den Verraͤther! H ermann! Hermann! singen dem Widerhall, Dem geheimen Graun des Hains, den Liebling der edelsten! Die Barden in vollem Chor, dem Fuͤhrer der Kuͤhnsten In vollem Chor, den Befreyer des Vaterlands! S chwester Cannaͤ’s! Winfelds Schlacht! Ich sah dich mit wehendem blutigen Haar, Mit dem Flammenblick der Vertilgung, Unter die Harfen Walhalla’s schweben! V erbergen wollte Drusus Sohn Dein vergaͤngliches Denkmaal: Der Ueberwundnen weisses Gebein In dem oͤden Todesthal! Wir W ir duldeten es nicht, und staͤubten den Huͤgel weg! Denn auch dieses Maal sollte Zeuge der grossen Tage seyn, Und hoͤren bey dem Fruͤhlingsblumentanz, Der Ueberwinder Triumphgeschrey! D er Schwestern mehr wollt’ er Cannaͤ geben, Gespielin Varus in Elysium! Ohne der Fuͤrsten neidenden uͤberrufenden Rath- schluß, Ward Varus Gespiele Caͤcina! I n Hermanns heisser Seele war Lang ein groͤsserer Gedanke! Um Mitternacht, bey dem Opfer Thorrs, und dem Kriegsgesang, Bildet’ er sich in ihr, und schwang sich entgegen der That! A uch dacht’ er ihn, wenn er tanzen ließ bey dem Mahl Unter den Lanzen der Juͤnglinge, Und umher um dem kuͤhnen Tanz Blutringe warf, den Knaben ein Spiel. D er Sturmbesieger erzaͤhlt: In dem Ocean des fernen Nords ist ein Eilandsberg Der flammenverkuͤndenden Dampf, als waͤlz’ er Wolken, waͤlzt, Dann stroͤmet die hohen Flammen, und meilen- lang krachende Felsen wirft! So S o verkuͤndete Hermann durch seine Schlacht, Entschlossen, zu gehn Ueber die schuͤzenden Eisgebirge! zu gehn Hinunter in die Ebnen Roms! Z u sterben da! oder in dem stolzen Kapitol, Dicht an der Wagschaal Jupiters, Zu fragen Tiberius, und seiner Vaͤter Schatten, Um ihrer Kriege Gerechtigkeit! D as zu thun! wollt’ er tragen Feldherrnschwert Unter den Fuͤrsten, da zuͤckten sie den Tod auf ihn! Und im Blute liegt nun der, in dessen Seele war Der grosse Vaterlandsgedanke! Darmond. H ast du sie gehoͤrt, o Hela, Meine zuͤrnende Thraͤne? Hast du ihr Rufen gehoͤrt, Hela, Vergelterin? Kerding. I n Walhalla wird Siegmar, unter der goldnen Aeste Schimmer, Siegeslaub in der Hand, umschwebt von Taͤnzen der Enherion, Von Thuiskon gefuͤhrt und von Mana, Der Juͤngling den Juͤngling empfangen! Wer- Werdomar. S iegmar wird, mit stummer Trauer, Seinen Hermann empfangen. Denn nun fragt er nicht Tiberius, und die Schatten Seiner Vaͤter an der Wagschaale Jupiters. Mein Mein Vaterland. So schweigt der Juͤngling lange, Dem wenige Lenze verwelkten, Und der dem silberhaarigen thatenumgebenen Greise, Wie sehr er ihn liebe! das Flammenwort hin- stroͤmen will. Ungestuͤm faͤhrt er auf um Mitternacht, Gluͤhend ist seine Seele! Die Fluͤgel der Morgenroͤthe wehen, er eilt Zu dem Greis’, und saget es nicht. So schwieg auch ich. Mit ihrem eisernen Arme Winkte mir stets die strenge Bescheidenheit! Der Fluͤgel wehet’, und meine Leyer schimmerte, Und begann von selber zu toͤnen, allein mir bebte die Hand. Ich halt es laͤnger nicht aus! Ich muß die Leyer nehmen, Fliegen den kuͤhnen Flug! Reden, kann es nicht mehr verschweigen, Was in der Seele mir gluͤht. O schone mein! dir ist dein Haupt umkraͤnzet Mit tausendjaͤhrigem Ruhm! du hebst den Tritt der Unsterblichen, Und gehest hoch vor vielen Landen her! O schone mein! … Ich liebe dich, mein Vaterland! O Ach A ch sie sinkt mir, ich hab es gewagt! Es zittert die Hand mir die Saiten herunter; Schone, schone! Wie wehet dein heiliger Kranz, Wie gehst du den Gang der Unsterblichen daher. I ch seh ein sanftes Laͤcheln, Das schnell das Herz mir entlastet; Ich sing es mit dankendem Freuderuf dem Widerhall, Daß dieses Laͤcheln mir ward! F ruͤh hab ich dir mich geweiht! Schon da mein Herz Den ersten Schlag der Ehrbegierde schlug, Erkohr ich, unter den Lanzen und Harnischen Heinrich, deinen Befreyer, zu singen. A llein ich sah die hoͤhere Bahn, Und, entflammt von mehr, denn nur Ehrbegier, Zog ich weit sie vor. Sie fuͤhret hinauf Zu dem Vaterlande des Menschengeschlechts! N och geh ich sie, und wenn ich auf ihr Des Sterblichen Buͤrden erliege; So wend ich mich seitwaͤrts, und nehme des Bar- den Leyer, Und singe, o Vaterland, dich dir! D u pflanzetest dem, der denket, und ihm, der handelt! Weit schattet, und kuͤhl dein Hain, Steht, und spottet des Sturmes der Zeit, Spottet der Buͤsch um sich her! Wen W en scharfer Blick, und tanzende gluͤckliche Stunden fuͤhren, Der bricht in deinem Schatten, kein Maͤrchen sie, Die Zauberruthe, die, nach dem helleren Golde, Dem neuen Gedanken, zuckt. O ft nahm deiner jungen Baͤume das Reich an der Rhone, Oft das Land an der Thems’ in die duͤnneren Waͤlder. Warum sollten sie nicht? Es schiessen ja bald Andere Staͤmme dir auf! U nd dann so gehoͤrten sie ja dir an. Du sandtest Deiner Krieger hin. Da klangen die Waffen! da toͤnte Schnell ihr Ausspruch: Die Gallier heissen Franken! Engellaͤnder die Britten! N och lauter liessest du die Waffen klingen. Die hohe Rom Ward zum kriegerischen Stolz, schon von der Woͤlfin gesaͤugt; Lange war sie Welttyrannin! Du stuͤrze test, Mein Vaterland, die hohe Rom in ihr Blut! N ie war, gegen das Ausland, Ein anderes Land gerecht, wie du! Sey nicht allzugerecht. Sie denken nicht edel genung, Zu sehn, wie schoͤn dein Fehler ist! O 2 Ein- E infaͤltiger Sitte bist du, und weise, Bist ernsten tieferen Geistes. Kraft ist dein Wort, Entscheidung dein Schwert. Doch wandelst du gern es in die Sichel, und triefst, Wohl dir! von dem Blute nicht der anderen Welten! M ir winket ihr eiserner Arm! Ich schweige Bis etwa sie wieder schlummert; Und sinne dem edlen schreckenden Gedanken nach, Deiner werth zu seyn, mein Vaterland. Vater- Vaterlandslied zum Singen fuͤr Johanna Elisabeth von Winthem. Ich bin ein deutsches Maͤdchen! Mein Aug’ ist blau, und sanft mein Blick, Ich hab ein Herz Das edel ist, und stolz, und gut. Ich bin ein deutsches Maͤdchen! Zorn blickt mein blaues Aug’ auf den, Es haßt mein Herz Den, der sein Vaterland verkennt! Ich bin ein deutsches Maͤdchen! Erkoͤre mir kein ander Land Zum Vaterland, Waͤr mir auch frey die grosse Wahl! Ich bin ein deutsches Maͤdchen! Mein hohes Auge blickt auch Spott, Blickt Spott auf den, Der Saͤumens macht bey dieser Wahl. Du bist kein deutscher Juͤngling! Bist dieses lauen Saͤumens werth, Des Vaterlands Nicht werth, wenn du’s nicht liebst, wie ich! O 3 Du D u bist kein deutscher Juͤngling! Mein ganzes Herz verachtet dich, Der’s Vaterland Verkennt, dich Fremdling! und dich Thor! I ch bin ein deutsches Maͤdchen! Mein gutes, edles, stolzes Herz Schlaͤgt laut empor Beym suͤssen Namen: Vaterland! S o schlaͤgt mirs einst beym Namen Deß Juͤnglings nur, der stolz wie ich Aufs Vaterland, Gut, edel ist, ein Deutscher ist! Elegien . O 4 Die Die kuͤnftige Geliebte. Dir nur, liebendes Herz, euch, meine vertraulich- sten Thraͤnen, Sing ich traurig allein dieß wehmuͤthige Lied. Nur mein Auge soll’s mit schmachtendem Feuer dur irren, Und, an Klagen verwoͤhnt, hoͤr es mein leiseres Ohr: Ach! warum, o Natur, warum, unzaͤrtliche Mutter, Gabst du zu dem Gefuͤhl mir ein zu biegsames Herz? Und ins biegsame Herz die unbezwingliche Liebe, Daurend Verlangen, und ach keine Geliebte dazu? Die du kuͤnftig mich liebst, (wenn anders zu meinen Thraͤnen Einst das Schicksal erweicht eine Geliebte mir giebt!) Die du kuͤnftig mich liebst, o du aus allen erkohren, Sag, wo dein fliehender Fuß ohne mich einsam itzt irrt? Nur mit Einem verrathenden Laute, mit Einem der Toͤne, Die der Frohen entfliehn, sag es, einst Gluͤckliche, mir! Fuͤhlst du, wie ich, der Liebe Gewalt, verlangst du nach mir hin, Ohne daß du mich kennst; o so verheele mirs nicht! Sag es mit einem durchdringendem Ach, das meinem Ach gleicht, Das aus innerster Brust Klage seufzet, und stirbt. Oft um Mitternacht wehklagt die bebende Lippe, Daß, die ich liebe, du mir immer unsichtbar noch bist! Oft um Mitternacht streckt sich mein zitternder Arm aus, Und umfasset ein Bild, ach das deine vielleicht! Wo, wo such ich dich? wo werd ich endlich dich finden? Du, die meine Begier stark und unsterblich verlangt! O 5 Jener Jener Ort, der dich haͤlt, wo ist er? wo fliesset der Himmel, Welcher dein Aug umwoͤlbt, heiter und laͤchelnd vorbey? Werd ich mein Auge zu dir einst, segnender Himmel, erheben, Und umarmet die sehn, die aufbluͤhen du sahst? Aber ich kenne dich nicht! Es ging die fernere Sonne Meinen Thraͤnen daselbst niemals nicht unter und auf. Soll ich jene Gefilde nicht sehn? Fuͤhrt nie dort im Fruͤhling Meine zitternde Hand sie durch ein bluͤhendes Thal? Sinkt sie, von suͤsser Gewalt der maͤchtigen Liebe be- zwungen, Nie mit der Daͤmmerung Stern mir an die beben- de Brust? Ach, wie schlaͤgt mir mein Herz! Wie zittern durch meine Gebeine Freud und Hofnung, dem Schmerz unuͤberwindlich dahin! Unbesingbare Lust, ein suͤsser begeisternder Schauer, Eine Thraͤne, die mir still von den Wangen entfiel; Und, o ich sehe sie! mitweinende, weibliche Zaͤhren Ein mir lispelnder Hauch, und ein erschuͤtterndes Ach; Ein zusegnender Laut, der mir rief, wie ein Schatten dem Schatten Liebend ruft, weissagt, dich, die mich hoͤrete, mir. O. du, die du Sie mir und meiner Liebe gebahrest, Haͤltst du Sie, Mutter, umarmt; dreymal geseg- net sey mir! Dreymal gesegnet sey mir dein gleich empfindendes Herze, Das der Tochter zuerst weibliche Zaͤrtlichkeit gab! Aber laß sie itzt frey! Sie eilt zu den Blumen, und will da Nicht von Zeugen behorcht, will gesehen nicht seyn. Eile Eile nicht so! Doch mit welchem Namen soll ich dich nennen, Du, die unaussprechlich meinem Verlangen gefaͤllt? Heissest du Laura? Laura besang Petracha in Liedern, Zwar dem Bewunderer schoͤn, aber dem Liebenden nicht! Wirst du Fanny genannt? Ist Cidli dein feyerlicher Name? Singer, die Joseph und den, welchen sie liebte, besang? Singer! Fanny! Ach Cidli! ja Cidli nennet mein Lied dich, Wenn im Liede mein Herz halbgesagt dir gefaͤllt! Eile nicht so, damit kein Dorn der verpflanzeten Rose Deinen zu fluͤchtigen Fuß, wenn du eilest, verletzt; Daß kein schaͤdlicher Duft des werdenden Fruͤhlings dich anhaucht; Daß sich dem bluͤhenden Mund reinere Luͤfte nur nahn. Aber du gehest denkend und langsam, das Auge voll Zaͤhren, Und jungfraͤulicher Ernst deckt dein verschoͤnert Gesicht. Taͤuschte dich jemand? Und weinst du, weil deiner Ge- spielinnen eine Nicht, wie von ihr du geglaubt, redlich und tu- gendhaft war? Oder liebst du, wie ich? Erwacht mit unsterblicher Sehn- sucht, Wie sie mein Herz mir empoͤrt, dir die starke Natur? Was sagt dieser erseufzende Mund? Was sagt mir dieß Auge, Das mit verlangendem Blick sich gen Himmel er- hebt? Was entdeckt mir dieß tiefere Denken, als saͤhst du ihn vor dir? Ach, als saͤnkst du ans Herz dieses Gluͤcklichen hin! Ach Ach du liebest! So wahr die Natur kein edleres Herz nicht Ohne den heiligsten Trieb derer, die ewig sind, schuf! Ja, du liebest, du liebest! Ach wenn du den doch auch kenntest, Dessen liebendes Herz unbemerket dir schlaͤgt; Dessen Seufzer dich ewig verlangen, dich bang vom Geschicke Fodern, von dem Geschick, das unbeweglich sie hoͤrt. Weheten doch sanftrauschende Winde sein innig Ver- langen, Seiner Seufzer Laut, seine Gesaͤnge dir zu! Winde, wie die in der goldenen Zeit, die vom Ohre des Schaͤfers Hoch zu der Goͤtter Ohr flohn mit der Schaͤferin Ach. Eilet, Winde, mit meinem Verlangen zu ihr in die Laube, Schauert hin durch den Wald, rauscht, und ver- kuͤndigt mich ihr! Ich bin redlich! Mir gab die Natur Empfindung zur Tugend; Aber maͤchtiger war, die sie zur Liebe mir gab. Zu der Liebe, der Tugenden schoͤnsten, wie sie den Men- schen In der Jugend der Welt staͤrker und edler sie gab. Alles empfind ich von dir; kein halb begegnendes Laͤ- cheln; Kein unvollendetes Wort, welches in Seufzer verflog; Keine stille mich fliehende Thraͤne, kein leises Verlangen, Kein Gedanke, der sich mir in der Ferne nur zeigt; Kein halb stammelnder Blick voll unaussprechlicher Re- den, Wenn er den ewigen Bund suͤsser Umarmungen schwoͤrt; Auch Auch der Tugenden keine, die du mir sittsam verbirgest, Eilet mir unerforscht und unempfunden vorbey! Ach, wie will ich, o Cidli, dich lieben! Das sagt uns kein Dichter, Selbst wir entzuͤckt im Geschwaͤtz trunkner Bered- samkeit nicht. Kaum, daß noch die unsterbliche selbst, die fuͤhlende Seele Ganz die volle Gewalt dieser Empfindungen faßt! P Sel- Selmar und Selma. Meine Selma, wenn aber der Tod uns Liebende trennte? Wenn dein Geschick dich zuerst zu den Unsterbli- chen ruft? Ach, so werd ich um dich mein ganzes Leben durch- weinen, Jeden naͤchtlichen Tag, jede noch truͤbere Nacht! Jede Stunde, die sonst in deiner Umarmung vorbey floß, Jede Minute, die uns, zaͤrtlich genossen, entfloh! Ach, so vergehen mir dann die uͤbrigen Jahre voll Schwermuth, Wie der vergangenen keins ungeliebt uns entfloh. Ach mein Selmar, wenn kuͤnftig der Tod uns Lie- bende trennte, Wenn dein Geschick dich zuerst zu den Unsterb- lichen ruft; Ach, dann wein’ ich um dich mein ganzes uͤbriges Leben, Jeden unbrauchbaren Tag, jede mir schreckliche Nacht! Jede Stunde, die sonst, mit deinem Laͤcheln erheitert, Unter dem suͤssen Gespraͤch zaͤrtlicher Thraͤnen ent- floh! Ach so vergehen mir dann die uͤbrigen Tage voll Schwer- muth, Wie der vergangenen keins ungeliebt uns entfloh. Meine Selma, du wolltest nach mir nur Tage noch leben? Und ich braͤchte noch die Jahre voll Traurigkeit zu? Selma, Selma, nur wenig unbrauchbare truͤbe Mi- nuten, Bring ich, bist du erblaßt, neben dir seelenlos zu! Nehme Nehme noch Einmal die Hand der Todten, kuͤsse dein Auge Einmal noch, in die Nacht sink ich, und sterbe bey dir. Selmar, ich sterbe nach dir! den Schmerz soll Sel- mar nicht fuͤhlen, Daß er sterbend mich sieht. Selmar, ich sterbe nach dir! Bringe dann auch nur wenig unbrauchbare truͤbe Mi- nuten, Bist du, Selmar, erblaßt, neben dir seelenlos zu! Blicke noch einmal dich an, und seufze noch einmal: Mein Selmar! Sink an die ruhende Brust, zittr’ und erblasse daselbst! Selma, du stuͤrbest nach mir? den Schmerz soll Sel- ma nicht fuͤhlen, Daß sie sterbend mich sieht. Selma, du stirbst nicht nach mir! Selmar, ich sterbe nach dir! Das ist es, was ich vom Schicksal Laͤngst schon mit Thraͤnen erbat. Selmar, ich sterbe nach dir! Ach wie liebest du mich! Sieh diese weinenden Augen! Fuͤhle dieß bebende Herz! Selma, wie liebest du mich! Meine Selma, du stuͤrbest nach mir? du fuͤhltest die Schmerzen, Daß du sterbend mich saͤhst? Selma, wie liebest du mich! Ach wenn eine Sprache doch waͤre, dir alles zu sagen, Was mein liebendes Herz, meine Selma, dir fuͤhlt! Wuͤrde dieß Aug und sein Blick, und seine Zaͤhren voll Liebe, Und dieß Ach des Gefuͤhls, das mir gebrochen entfloh, P 2 Doch Doch zu einer Sprache der Goͤtter, dir alles zu sagen, Was mein liebendes Herz, meine Selma dir fuͤhlt. Ach, wenn doch kein Grabmal waͤre, das Liebende deckte, Die einander so treu, die so voll Zaͤrtlichkeit sind! Aber weil ihr denn seyd, ihr immer offenen Graͤber, Nehmet zum wenigsten doch nehmet auf einmal uns ein! Hoͤrest du mich, der zur Liebe mich schuf? Ach! wenn du mich hoͤrest; Laß mit eben dem Hauch Selma sterben, und mich! Selmar, ich sterbe mit dir! Ich bete mit dir von dem Himmel Diese Wohlthat herab. Selmar, ich sterbe mit dir! Roth- Rothschilds Graͤber. Ach, hier haben sie Dich bey deinen Vaͤtern begraben, Den wir liebten, um den lange die Thraͤne noch fließt; Jene treuere, die aus nie vergessendem Herzen Kommt, und des Einsamen Blick spaͤt mit Er- innerung truͤbt. Sollt um seinen entschlafenen Koͤnig nicht Thraͤnen der Wehmut Lange vergiessen ein Volk, dessen Wittwe nicht weint? Ach, um einen Koͤnig, von dem der Waise, des Dankes Zaͤhren im Aug’, oft kam, lange nicht klagen sein Volk? Aber noch wend’ ich mich weg, kann noch zu der Halle nicht hingehn, Wo des Todten Gebein neben der Todten itzt ruht, Neben Luisa, die uns des Kummers einzigen Trost gab, Die wir liebten, der auch spaͤtere Traurigkeit rann! O ihr aͤlteren Todten, ihr Staub! einst Koͤnige, fruͤh rief Er den Enkel zu euch, der die Welten beherrscht! Ernst, in Sterbegedanken, umwandl’ ich die Graͤber, und lese Ihren Marmor, und seh Schrift wie Flammen daran, Andre, wie die, so die Aussengestalt der Thaten nur bildet, Unbekannt mit dem Zweck, welchen die Seele verbarg. Furchtbar schimmert die himmlische Schrift: Dort sind sie gewogen, Wo die Krone des Lohns, keine vergaͤngliche, strahlt! Ernster, in tieferer Todesbetrachtung meid’ ich die Halle Stets noch, in welche dem Thron Friederichs Truͤmmer entsank! P 3 Denn Denn mir blutet mein Herz um Ihn! O Nacht des Verstummens, Als die Aussaat Gott saͤte, wie traurig warst du! Aber warum wank’ ich, und saͤume noch stets, zu dem Grabe Hinzugehen, wo Er einst mit den Todten erwacht? Ist es nicht Gott, der Ihn in seine Gefilde gesaͤt hat? Ach, zu des ewigen Tags dankenden Freuden gesaͤt? Und, o sollte noch weich deß Herz seyn, welcher so Viele, Die er liebte, verlor, Viele, die gluͤcklicher sind? Dessen Gedanken um ihn schon viel Unsterbliche sam- meln, Wenn er den engeren Kreis dieser Vergaͤnglich- keit mißt, Und die Huͤtten an Graͤbern betrachtet, worinn die Bewohner Traͤumen, bis endlich der Tod sie zu dem Leben erweckt! Diese Staͤrke bewafne mein Herz! Doch beb’ ich im Anschaun? Ach! des Todten Gebein! unsers Koͤnigs Ge- bein! .... Streuet Blumen umher! Der Fruͤhling ist wiederge- kommen! Wiedergekommen … ohn’ Ihn! … Bluͤthe be- kraͤnze sein Grab! Daniens schoͤne Sitte, die selbst dem ruhenden Land- mann Freudighoffend das Grab jaͤhrlich mit Blumen bedeckt, Sey du festlicher jezt, und streu um des Koͤnigs Ge- beine, Auferstehung im Sinn, Kraͤnze des Fruͤhlings umher! Sanftes, Sanftes, erheiterndes Bild von Auferstehung! Und dennoch Truͤbt sich im Weinen der Blick, traͤufelt die Thraͤn’ auf den Kranz? Friederich! Friederich! ach, denn dieses allein ist von Dir uns Uebrig! ein Leib, der verwest, bald noch zerfall- nerer Staub! Schweigendes Grabgewoͤlbe, das seine Gebeine beschattet, Schauer koͤmmt von dir her! langsam auf Fluͤ- geln der Nacht Schauer! Ich hoͤr’ ihr Schweben. Wer seyd ihr, See- len der Todten? … Gluͤckliche Vaͤter sind wir! segneten, segneten noch Friederich, als der Erde wir Erde gaben! Wir kommen Nicht von Gefilden der Schlacht! … Ferne ver- liert sich ihr Laut, Und ich hoͤr’ ihr Schweben nicht mehr; allein noch bewoͤlkt mich Trauren um Ihn! Ach, da schlaͤft er im Tode vor mir, Den ich liebte! Wie einer der Eingebohrnen des Landes Liebt’ ich Friedrich, und da schlaͤft er im Tode vor mir! Bester Koͤnig! .... Es klagt Ihm nach der Muse Gespiele Und der Weisheit! Um Ihn trauert der Lieb- ling der Kunst! Bester Koͤnig! .... Der Knabe, der Greis, der Kranke, der Arme Weinen, Vater! … Es weint nah und ferne dein Volk! Von des Hekla Gebirge bis hin zum Strome der Weser Weinet alle dein Volk, Vater, dein gluͤckliches Volk! Kann Kann dir Lohn Unsterblichkeit seyn; so beginnet die Erd’ ihn Jetzt zu geben! Allein ist denn Unsterblichkeit Lohn? Du, o Friederichs Sohn, du Sohn Louisens, erhabner Theurer Juͤngling, erfuͤll unser Erwarten, und sey, Schoͤner, edler Juͤngling, den alle Grazien schmuͤcken, Auch der Tugend, sey uns, was dein Vater uns war! Heiliger kann kein Tempel Dir, als dieser voll Graͤber Deiner Vaͤter, und nichts mehr Dir Erinnerung seyn, Daß es alles Eitelkeit ist, und Thaten der Tugend Dann nur bleiben, wenn Gott auch von dem Throne Dich ruft! Ach! im Tod’ entsinkt die Erdenkrone dem Haupte, Ihr Schimmer umwoͤlkt bald der Vergaͤnglich- keit Hand; Aber es giebt auf ewig die ehrenvollere Krone Jenen entscheidenden Tag seiner Vergeltungen Gott!