Gewissens-Buch: Von PROCESSEN Gegen die Hexen An Alle Hohe Obrigkeiten in Teudtsch- landt auß nothtringenden moti- ven geschrieben. Jnsonderheit Den Raͤhten vnd Beicht-Vaͤteren der Fursten / den Inquisitoren, Brandt-Meiste- ren/ Richteren/ Advocaten: Beicht-Vaͤteren der Armen Beklagten vnd Gefangenen: Pre- digeren auch anderen Leuten sehr nuͤtzlich vnd nothwendig zu lesen. Anfangs Ohne Nahmen in Lateinischer Spraach Außgangen/ Jetzo Jn die Teudtsche Vbergesetzet/ Durch JOHAN SEIFERTEN von Vlm/ der zeit Schwedischen Feld- Prediger. BREMEN/ Jn verlegung Jost Koͤhlers/ Buchhaͤndelers. Gedruckt bey Jacob Koͤhler. 1647. Der Koͤnigl. Mayst. zu Schwe- den/ ꝛc. Hoch-wolbestalten Gene- ralen vnd Gouverneurn dero Ertz- vnd Stif- ter Bremen vnd Voͤhrden: wie auch Obri- sten zu Roß vnd Fuß/ ꝛc. Deme Hoch-wolgebornen Herꝛen/ Herꝛen/ Hans Christoff von Koͤ- nigsmarck/ meinem gnaͤdigen Herꝛn. G Ottes Schutz in Gefahr: beystand gegen die Feind: gluckliches wolgedeyen zu gutem vorhaben: vnd al- les anderß ersprießliches an Leib vnd Seel. Hoch-wolgebohrner General/ Gnadiger Herꝛ: Bey gegenwertigem Hexen-streit/ daß ich nicht an meinem End/ vnd noch mehr an dem Jungsten Tag/ ein vnvermeidliche Straff Gottes em- pfinden muͤsse/ wenn E. Excellentz ich nicht bericht gebe/ in denen dingen/ * ij in wel- in welchen Sie informirt zu sein/ etwa noͤtig haͤtten. Solchem Vnheil vorzubawen ist dieses Buͤchlin von mir zum offent- lichen gebrauch/ in vnser Mutter- sprach befoͤrdert worden. Ewer Excell. woͤllen ja gebetten bleiben: vnd von diesen grewlichen secretioribus vnd entsetzlichen dingen eher nicht vrtheilen/ sie haben denn zuvor/ den Inhalt dieses Buͤchlins 1. Im Capittel-Register. 2. In der 50. 51. Streit-red/ dem Anhang/ vnd dann 3. der ordnung nach/ von vor- nen her biß hinden auß gantz gelesen. Ich hab darumb die materi so eng eingezogen/ daß die dem vngestudir- ten Leser/ verhinderliche allegata: ver- drießliche art zu Philosophiren/ ver- gebenes Rhetorisiren, verwirꝛende Ju- risten/ vnd anderer Scribenten jhre nahmen/ vnd was sonsten vnbegreif- licher prolixitet ist: nit allerhand auff- haltens machte. Ich hab mit * die Blaͤtter zahl der Lateinischen edition, auß Herꝛn Petri Lucii/ Rintel. Acad. Buchtruckers/ Exem- Exemplar von An: 31. den Gelehrten zum besten darumb vnten an die pagi- nam gesetzet: daß etliche das Lateini- sche Exemplar liessen kauffen/ eß le- sen theten/ vnd sonderlich andere/ die eß noch nicht gelesen/ auch sucheten. Eß wird das Buͤchlin selbsten oh- ne mich genug red-wieder-red vnd antwort/ einem jeden warheit lie- benden Leser geben: wer eß mir mit Augen recht ansehen/ sein vbel gefa- stes vorurtheil cassiren: ein von Pas- sionen gegen mir/ oder dem Autor/ oder die Richtere/ oder die schuldige/ gesaubertes gemuͤth/ hinein bringen wird. Gute Wein beduͤrffen keinen Crantz/ vnd werden durch den Wein- ruͤffer verboͤseret/ vnd nicht verbesse- ret: also insonderheit diese Sachen/ so in dem Buͤchlin begriffen/ doͤrffen keines ruͤhmens/ wenn die Christen/ sonsten in allen Staͤnden/ das Ge- wissen zu raht ziehen wollen. Eß mag mir feind sein wer will/ so muß ichs leiden/ vnd Gott fuͤr jhn bitten: Vnterdessen muß ich doch * iij meins meins Ampts vnnd Gewissens nicht vergessen. Ich will nit hoffen/ daß jemanden mir dise that/ werde fuͤr eine eigen- nuͤtzigkeit/ oder ehrsucht zu messen. Gott kennet dißfallß mein intention am besten. Ich muß gleichwol consi- deriren, daß man im feld nicht gantze Bibliothecas kan mit fuͤhren/ so hat di- ser streit zu allen zeiten/ viel der Ge- lehrtesten vnd geuͤbtesten so Theolo- gen: als Juristen exerciret. Viel nach- dencklicher decisionen sein bey Gelehr- ten leuten von disem handell in schrif- ten. Allein niemand doͤrff es wegen der boͤsen Maͤulerwagen/ daß er et- was davon an den tag gebe. So ist Augustin Lercheimers Buchlein võ diser sachen/ auch nicht mehr zu be- kommen. Darumb aber ist das ex- empel von Ahasverimandato revocatorio in der Bibel angezeichnet: daß inson- derheit/ wir Feldt-Prediger/ vnsern Obrigkeiten/ bey gelegenheit/ solches grossen Herꝛn/ seine moderation, sollen zu erkennen geben. Er war ein Herꝛ vber 127. Koͤnigreich vnd laͤnder: er war war von Haman vberlistet: vnnd Gott eroͤffnet jhm durch Hester/ das vngluͤck: deme zu danck er das vori- ge mandat cassiret: vnnd damit ruhm bey allen leuten verdienet hat. Wel- ches denn wie gesaget/ fleissig muß vntersuchet werden. Wolan eß sey genug mit diesem: Gott erfuͤlle an E. Excell. seyn gnaͤ- digstes gedeyen: An vnß allen seine Barmhertzigkeit. E. Excellentz aber wollen Gottes vnnd jhrem armen Diener bestaͤndig gewogen zu sein auch fuͤr dißmahl in vnterthaͤnigkeit gebeten verbleiben. Perscriptum den 7. Tag Se- ptembr. An: 1647. Ewerer Excellentz vnd H. G. Gn. D. vnd G. Gfl. Johannes Seifertus. * jv Vor- Vorred deß Autoris selbsten. A N die Obrigkeiten Teut- schen Landes/ habeich diß Buͤchlin geschrie- ben: an die jenigen die es nicht lesen werden vielmehr/ alß die es werden lesen. Vrsach ist: Dann welche Obrigkeiten so viel sorgfalt werden tragen/ daß sie werden meinen/ eß seye noth daß man dieses lese/ was ich in sachen der Hexerey hierinne beschrieben/ die haben schon so viel/ warumb sie dieses lesen solten: Nemblich/ fleiß vnd gewissenhaffte sorgfalt diese sachen recht zu eroͤrtern vnd zu richten/ also ists nit noth lang dar- darvon zu lesen/ wo mans wolle hernehmen. Die aber so Sorgloß seyn/ daß sie diese Dinge weder lesen oder groß achten werden: die ha- ben gewißlich eben am aller noͤ- tigsten hierinnen zu lesen/ vnnd hierauß zustudiren/ was jhnen zu thun vnnd zu lassen sey: daß sie auß diesem Buch lernen sorg- faͤltig handlen. Also moͤgens die lesen/ die es nicht lesen werden: die andern habens zu lesen nicht einmahl vonnoͤhten. Eß lese es aber wer da woͤll/ so bitte ich/ er woͤlle nur die 51. Streit-reden/ mit dem Anhang zum wenigsten lesen/ vnd in allen puncten wol examiniren. * v Regi- Register der Streit-reden dieses Buchs. i. O B auch warhafftig Hexen vnd Vn- holden seyn? Pag: 1. ii. Ob dañn deren mehr in Teutsch- land/ dann anderstwo an andern oͤr- tern? 3 iii. Was fuͤr ein grosse Malifi tz-that dieses sey? 7 iv. Ob es vnter die exceptirte gehoͤre: vnd was Crimina excepta? 7 v. Ob man gegen die excepta nach belieben den Proceß moͤg anstellen? 8 vi. Ob die Teutschen Fuͤrsten wol daran thun wenn sie mit der schaͤrffe gegen die Hexen Procediren. 10 vii. Ob diß vnzifer zur genuͤge durch stren- gen weg; oder sonsten durch andere mittel koͤnne außgereutet werden. 11 viii. Wie vorsichtig hohe Obrigkeiten/ vnd dero bedienten: in diser peinlichen sachen zu ver- fahren schuldig seyen? 12 ix Ob grosse Herꝛen jhr gewissen genug ent- binden: wenn sie sich wenig mit disem werck be- kuͤm- kuͤmmern/ vnnd alles nur auff jhre Ministros schieben? 20 x. Ob zu glauben/ daß Gott werde zulassen/ daß je etwan vnschuldige mit eingemenget wer- den? 30 xi. Ob zu glauben/ daß in vnserem streit sichs in der that befunden: daß auch vnschuldige leut mit zu grund gangen. 31 xii. Ob man denn daß Brandtmeisters In- quisitional-proceß wider die Hexen/ soll ein- stellen: wenn es erfindtlich: daß viel vnschuldige de facto dadurch vmb daß leben vnnd jhre ehre seyn gekommen. 35 xiii. So nun aber vnschuldigen leuten ohne mein gefaͤhrden/ mit disem Proceß einige gefahr zuwuchse: soll ich darumb auffhoͤren die Recht- schuldigen zu verfolgen? 38 xiv. Obs recht: daß man hohe Obrigkeiten anhetzet/ den Inquisitional-proceß gegen die Hexen zu fuͤhren? 41 xv. Was doch vornemblich dasjene fuͤr Leute seyen: welche bey den Obrigkeiten einen solchen Hexen-krieg anrichten? 42 xvi. Wie ist jhme denn zu thun: daß man im Hexen-Proceß/ sich an vnschuldigen leuten nicht vergreiffe? 45 xvii. Mag man auch denen von Hexerey wegen verhaffteten leuten/ die defension zulas- sen/ vnd jhnen einen Advocaten zustatten? 52 xviii. xviii. Was fuͤr anmerckungen auß vorer- zehlten dingen zu nehmen? 56 xix. Ob jemand von Hexereywegen gefan- gen wurde/ soll man denn alsobalden præsumi- ren: er musse nothwendig schuldig seyn? 61 xx. Von der Tortur oder Peinbanck: ob auch zu foͤrchten/ daß die vnschuldigen/ so daran kommen/ sich selbs moͤchten manchs mal verkuͤr- tzen/ vnd also gegen sich selbst/ vnd gegen andere die vnwarheit sagen. 67 xxi. Ob eine von Hexereywegen angeklagte Persohn zum oͤffteren muͤge torquiret wer- den? 77 xxii. Warumb viel Richter zu diser zeit die beklagten/ also schwerlich los lassen/ wenn sie schon durch die außgestandene tortur sich pur- giret? 81 xxiii. Wie jhme doch zu thun: daß man sich mit einigem prætext, bey offt wiederholter fol- ter zu schuͤtzen? 82 xxiv. Wie mans machen soll: wo keine newe indicia vorhanden/ man doch gleichwol deren zu fortsetzung der tortur keinen mangel habe? 84 xxv. Ob ein verzeubertes stillschweigen ( ma- leficium taciturnitatis ) fuͤr ein newes indici- um zu halten: vnnd man deßwegen die tortur continuiren koͤnne? 86 xxvi. Was fuͤr zauberey zeichen von vner- fahrnen vnd vngewogenen Richteren præten- di ret werden? 89 xxvii. xxvii. Ob die tortur ein gnugsahmes mit- tel seie/ damit die warheit zu erfahren? 92 xxviii. Argumenten derer jenen: welche meinen es sey alles alsobald war/ was in der tor- tur bekant wird? Auch dero widerlegung. 93 xxix. Ob die tortur in hoc passu, weil es damit so gefaͤhrlich hergehet/ wol gaͤntzlich abzu- schaffen? 97 xxx. Instruction fuͤr die Beichtvaͤtter/ die an die gefangenen mussen deputiret werden/ wie sich die zuverhalten. Ein nothwendige lehre. 97 xxxi. Obs recht: Daß man vor der tortur, den beklagten weibsbilderen/ die haar durch den Hencker laͤsset abschneiden? 104 xxxii. Auß was fundamenten man zu der tortur schreiten moͤge? 105 xxxiii. Bey weme das vrtheil stehe/ außzu- sprechen: daß die indicia von gnugsahmen qua- lit aͤten? 107 xxxiv. Ob allein daß gemeine geschrey/ wenn sonsten keine andere vnd gnugsahme in- dicia vorhanden/ ein gnugsahmes indicium zu der tortur seye? 108 xxxv. Ob nicht bey so beschaffenen sachen der Obrigkeit gebuͤhre/ sich gegen die verleumb- der vnd Calumnianten, mit ernst vnd mit der execution zu legen? 114 xxxvi. Ob auff den fall: daß fama im rech- ten gegen eine besagte Persohn gnugsam erwei- set: solches genug seyn zum indicio ad tortu- ram: ram: weil man sonsten schwerlich koͤnte zum beweißthum gelangen: vnd es ein Crimen ex- ceptum betrifft? 116 xxxvii. Ob dann die probationen: so in gemeinen Criminal sachen nicht gnug zur tor- tur seyn: insgemein genug seyn in exceptis oder hauptlasteren? 119 xxxviii. Von dem satzspruch der Richte- re: Ob man dann in verborgenen Criminal haͤndlen: da die beweißthumen schwaͤr fallen/ nicht ehender zu der tortur moͤge schreiten/ denn sonst in anderen? 122 xxxix. Ob man eine Persohn: die in der tortur nichts bekant/ mit vrtheil vnd recht koͤnne zum tod vervrtheilen? 124 xl. Ob jemand erstens die Malefi tz that der Hexerey bekennet: vnd aber auff dem Richtplatz sein bekaͤntnis wiederruffet: mag auch solche re- vocation gelten? 130 xli. Was von den jenen zu mutmassen/ wel- che in der gefaͤngnis todt gefunden worden? 136 xlii. Was man dann fuͤr zeichen muß ha- ben/ daraus man mit sicherem gewissen schliessen koͤnte: es sey ein solche todtgefundene Persohn vom teuffel erwuͤrget: oder man hab sich selbsten den todt in der gefaͤngnis aus verzweiffelung angethan? 140 xliii. Vom Stigmate oder Hexen-zeichen/ darvon so viel sagens: ob dasselbe ein indicium zur zur tortur: oder auch zu dem todes vrtheil sein soll vnd koͤnne? 142 xliv. Ob man also groß auff die ( denun- ciationes ) besagung/ in Criminal sachen der Hexerey zum fangen vnd torquiren sich fussen koͤnde? 145 xlv. Es hat Medea Glyzerium fuͤr eine Hexe besaget: Medea wird darauff zum fewr verdammet/ Glyzerium leugnet die that: Me- dea bekehret sich vor jhrem ende vnd thut busse: soll ich nicht Glyzerium deßwegen fangen vnd torquiren koͤnnen/ weil dise als ein bußfertige Suͤnderinne/ jhre gethane bekaͤntniß mit jhrem todt versigelt? 152 xlvi. Ob dann endlich dem besagen zu tra- wen: wann man vnzweifelich gewiß ist: die Be- sagerinne ( denuncians ) habe sich warhaftig be- kehret? Sie wird ja anders nichts dann die war- heit reden? 154 xlvii. Ob denn dex teuffel in seinem Hexen- Convent, auff dem Haͤwberg/ zu Oxenhausen/ Blocksberg/ ꝛc. vnschuldiger leuten gestalt also præsentiren koͤnne: daß man meinen muͤsse/ sie seyn warhafftig da gewesen? Vnd was hiervon zu halten. 156 xlviii. Examen der argumenten, mit welchen man sich vnternimmet zu behaupten: daß der teuffel vnschuldige leut im Hexen-tantz nicht præsentiren koͤnde? 157 xlix. Examen der jenen argumententen: da da welche erstreiten wollen: man soll der Hexen Besagen ( denunciationibus ) kurtzvmb glau- ben: vnd die Besagten darauff zu torquiren diß ein gnugsames indicium seye? 164 l. Wessen sich ein Richter hierbey zu resol- viren/ daß er sicher gehe? Ob ein mittelweg zu finden? Oder ob er meiner oder gegentheils par- thei soll zufallen/ ꝛc. 176 li. Summarische erzehlung/ von den pro- cessen, wie sie heut zu tag gegen die Hexen ge- fuͤhret werden. Ein Capittel wol zu lesen. 178 Appendix I. Von nachdruck vnnd vermoͤgen der tortur, vnd deß besagens: was dise beyde ding außrich- ten koͤnnen. 193 ii. Beschluß an den Leser/ von noch neun hochbedencklichen Streitfragen/ die zu eroͤrtern vnd zu bedencken seyn. 199 Ende des Registers. Gewis- Gewissens-noͤhtige ver- wahrung/ in Peinlichen Sa- chen der Hexerey. Die Erste Streit-rede. Ob auch Hexen/ Zauberinnen vnnd Vnholden seyen? O B ich woll weiß/ daß ettli- che daran gezweiffelt/ auch von Hoch-gelehrten vnd Catholischen/ die mit Namen zu nennen nicht noͤ- tig: Obwoll auch etliche/ nicht auß frevelmuth/ argwohnen/ eß seyen woll eher in der Kirchen die Zeiten also bewand gewesen/ zu welchen man von Coͤrperlicher zusammenkunfft der Hexen gezweiffelt: Obwollen ich selber auch/ der ich viel hierzu hab muͤssen/ bey verschiedenen dieser malefiz- that beschuldigten Personen/ in Gefaͤngnuͤssen/ mich lassen brauchen/ vnd dahero mit vorsorg/ auffmerckung/ nachdencken/ will nicht sagen auß vorwitz/ mich dermassen in Ge- dancken vertieffet/ daß ich endlich/ was hiervon zu glauben/ garvnweiß worden. Dennoch aber/ wenn ich der verwirreten Gedancken schluß end- lich soll geben/ waß er seye: So sage ich endlich/ man muß darvor halten/ Pag: 2. daß in der Welt war- A haff- hafftig solche malefiz- Personen sich finden/ vnd daß deren etliche seyen/ solches koͤndte ohne fre- vel-muth oder groben vnverstand nicht gelaͤug- net werden. Man besehe die jenen so hiervon ge- schrieben/ alß Remigium, Del’Rio, Bodinum, \&c. Das jhrer aber so viel/ vnd alle die jenen schuldig seyen/ die hierinnen verdaͤchtig vnd ver- brennet werden/ das glaub weder ich/ noch viel andere Gotts-foͤrchtige Maͤnner mit mir/ soll mich deß auch niemandt so leicht bereden/ der nicht mit vngestuͤmmen schreyen/ oder blinder authorit aͤt gegen mich stehen/ sondern mit ver- nunfft vnd nachdencken das werck beleuchtigen will. Derentwegen ich dem Leser bezeuge/ durch die Liebe vnsers Gesetz-gebers Christi/ welche Er vnter den Seinen will in acht genommen haben: Hat jemand eyffer vnd kirret wieder diese male- fiz- that der Hexerey/ der woll sich doch nur so lang selbst zwingen/ biß er mit wissenschafft vnd nachdencken/ so villeicht noch bey jhme nicht/ gnugsam sich verwahret hat. Aller Eyffer ist nicht Tugend: etlicher ist nur auß der Natur. Tugend ist bescheiden vnd langsam/ hat auch beliebung zu leh- ren/ fuͤrchtet nicht deßwegen gerin- geret zu werden/ wenn sie sich belehren laͤsset. Wowir aber vngestuͤmm herein platzen/ wenn wir schon alles annehmen/ daß wir ein ding wissen/ vnd wollen doch nicht lernen/ waß ists wun- wunder daß vns die warheit in vielen dingen ent- laͤufft? Nun so woͤll der Leser doch gebeten blei- ben/ mit aller bescheydenheit mir nur langsam nachzufolgen an die oͤrter/ da ich jhn hinfuͤhren will: Eß soll jhn nicht gerewen/ viele dinge mit solcher langmuth vnd gedult betrachtet zu haben. pag. 3. Die 2. Streit-rede. Ob denn mehr Hexen/ Zaͤuberinnen/ vnd Vnholden/ in Teutschland alß anderstwo? A Ntwort: Daß ist eine Frag/ die ich nicht verstehe: will doch kurtzweil halber nur sa- gen von dem jenen/ waß jetzund vorlauffet. Dahero hat es nur das ansehen vnd den wahn/ daß jhrer mehr in Teutschland/ denn anderstwo gefunden werden. Vhrsach: Dann in Teutschland brennets alles von Holtz-hauffen/ dieses Vnzieffer außzu- reuten: Ist ja ein heller beweiß/ daß alles mit hexerey vergifftet sey: vnd also vnsere Ehr nicht wenig deßwegen bey vnseren Feinden geschaͤndet werde/ vnd wir nun vor Pharao vnd alle seinem Volck stinckend worden. Darnach so vnterbawen wir diese opinion, von vielheit der Hexen/ bey vns/ mit zweyen sehr mercklichen stuͤtzen. i. Mit des tummen Poͤfels vnerfahrenheit A ij vnd vnd aberglauben: Welches ich also beweise. Die Naturkuͤndiger erweisen/ daß viel dinge auff das aller natur-maͤssigste geschehen/ welche doch das anfehen haben/ daß sie etwas von dem gemeinen lauff der Natur bey seyt springen/ vnd wol wieder- natuͤrlich heissen moͤchten: alß die Wolcken-bruͤch/ vnverhoffter Hagel-stuͤrm/ schwaͤre Reiffen/ Donnerschlag bey heiterem Himmel/ ꝛc. pag. 4. Die Medici lehren/ daß das vieh so woll alß die menschen/ den Kranckheiten/ nach seiner complexion, eben so woll vnterworffen: Eß fin- den sich im Menschen vnd Vieh eben gleich newe vnd vnerhoͤrte zufaͤll/ die man nicht gnug erfor- schen koͤnne: Es seyen viel ding in der Natur verborgen/ die taͤglich sich mit verwunderung derer Leuten eroͤffnen/ welche der reichthuͤmen Natuͤrlicher Heimligkeiten vnerfahren seyn: Es haͤtten die gelehrtesten Leuth von vielen hundert Jahren hero solche dinge nicht genug ergruͤn- den koͤnnen/ ꝛc. So reden diese. Last nun in Teutschland eins dergleichen kund werden: last ein Vieh-sterben einfallen: last vngestuͤmme vnd vngewoͤhnliche wetter kommen/ der Medicus soll in die kranckheit sich nicht finden koͤnnen/ oder die kranckheit soll wegen langwirigkeit nicht wol- len der kunst weichen: last endlich ein Vngluͤck kommen was da woͤlle/ wann es nur vngewohnt ist/ kommen wir nicht alsobalden/ ich weiß nicht was vnd wie vnbedachtsamb/ aberglaubisch vnd vnwissend hergeplumpet: Ruffen wir nicht al- sobald sobald vber Hexen vnd zauberey? Da tobet man/ ja nun haben wirs funden: da ruffet man/ nun ist man zu der Brunquell des Vnglucks kommen: Gehet etwan eine vorbey/ stehet sie bey vns still/ kommet sie ohngefehr zu vns/ pag. 5. saget sie es seyn ohngefehre haͤndel/ da faͤllet man flux zu (da doch nothwendig dieses nicht nachbleibet) deutet die woͤrter/ vñ meinung anderst/ vnd muß sie alsobald nach vnserer boͤßheit arth/ in alle nachbarschafft verschreyet werden. Ist also nicht wunder/ daß inner wenig Jahren/ das jmmer wachsende ge- schrey/ vns mit so vielen Hexen hat vberschwem- met: bevoraus/ weil die Geistlichen sich hier auch mit einmischen/ vnd dapffer auffgiessen/ vnd man noch keine Magistraten von vns Teutschen ge- funden/ welche mit jhrem eyffer diesen teufflischen diffamationen wiederstanden weren/ davon vn- ren in der 35. Streit-rede mit mehrerem. Andere Natio nen gehen viel behutsamer/ ist schand daß sie vns in diesem vbertreffen: dann/ wenn bey jh- nen etwan ein Kind oder Vieh abgehet/ das Wet- ter einen baum schlaͤgt/ der hagel das getreyd ver- derbet/ die lufft vergifftet wird/ maͤuß vnd hew- schrecken daß feld verwuͤsten/ so messens andere Gott vnd der Natur zu/ vnd ehe sagt man nichts von Hexerey/ alß man habe es hand-greifflich al- so befunden/ daß die Natur/ auß der Gelehrten aussag/ in jhren gesetzen nicht sey gebliben. ii. Hier ist abermahl der Poͤfel/ wegen seines A iij ney- neydes vnd boßheit schuldig: pag. 6. welches ich also erklaͤre. Keine Nation leugnet/ daß nicht alle- zeit leut seyen/ welche Gott vor anderen in zeitli- chen Guͤteren mehr was gesegnet/ die nicht mit verkauffen besser zu recht kommen als andere/ die nicht im kauffen anderen bevor gehen/ vnd also eher reich werden als etwan ein ander: Hoͤre hier vnseren Teutschen Poͤfel! flux kompt ein Nach- bar der zuruͤck bleibet/ der steckt den kopff mit seines gleichen zu hauff/ man fanget an muncke- len/ eß gehe mit hexerey zu: erstlich entstehet ein argwohn/ dieser waͤchset/ so man einen in der Kirchen andaͤchtiger siht beten/ ꝛc. Ich schaͤ- me mich dieses von vns selber zu sagen/ welches bey anderen Nationen doch gar nicht vblich/ vnd man dahero so viel von hexerey bey jhnen nit weiß/ alß bey vns. NB. Ich sage nicht/ daß keine Hexen bey vns sein: Ich will zugeben/ daß wel- che seyn: Allein das will ich reden/ daß wenn man so will procedi eren alß man jetzo thut/ so ist nicht moͤglich/ daß vnter so vielen nicht etliche Vnschuldige solten verbrennet worden seyn/ vnd also auß vnserem proceduren zu beweisen/ p. 7. daß man noch nicht mit recht dargethan/ wer schuldig oder vnschuldig gewesen. Die Die 3. Streit-rede. Was doch die Hexerey fuͤr ein schweres Laster sey? A Ntwort. Daß groͤßlichste/ schwehre- ste/ vnd gar aller abscheulichste: weil in dem selben zu hauff kommen/ die vmbstaͤn- de der groͤßlichsten Laͤstere: alß des Abfalls von Gott/ Ketzerey/ Kirchen-schaͤndens/ Gotts- laͤsterens/ Todtschlags/ vnd Blut-freunds moͤr- dereye/ ꝛc. Item andere suͤnden/ die man sicherer schweiget vmb der Jugend willen. Besiehe Del’- rium lib. 5. sect. 1. \&c. Die 4. Streit-rede. Ob die Hexerey vnter die Excepta gehoͤre? E Reylich Ja! Dann man muß mer- cken/ daß die Juristen/ alle malefiz- haͤndell/ in zwo Partheyen abschei- den. pag. 8. Etliche heissen sie gemeine/ alß Diebstall/ Tod- schlag/ ꝛc. andere halten sie fuͤr groͤßlich vnd ab- schewliche/ als die mehr wieder Gemeine woll- fahrt schreiten/ vnd solche gar zu entsetzlich an- tasten: alß das Crimen læs. Majestatis, der Ketzerey/ der Hexerey/ der Verraͤhterey/ der falsch- Muͤntzerey/ deß Strassen- vnnd Seeraubs/ ꝛc. A jv Solche Solche heissen Excepta, auß der vhrsachen/ weiln sie nicht nach gemeiner Ordnung der ge- schriebenen Rechten/ geurtheilet werden/ also daß nicht vonnoͤhten sich an ordentliche proceß deß Rechtens hierinnen zu halten/ sondern er- laubet ohn sonderliche ordinari processen, we- gen dero abschewligkeit/ dargegen zu verfahren. Vhrsach: weil sie extra-ordinari schaͤdt- lich/ also man auch mit extra-ordinari Mit- teln jhnen muß entgegen gehen. pag. 9. Die 5. Streit-rede. Ob man dann wieder Exceptirte ma- lefiz thaten moͤge den Proceß nach belieben formalisiren vnd durchsetzen? I Ch sage lauter Nein darzu: Auß vrsach. Die geschriebene Gesetz haben sie zwar fuͤr so Excepti ret gemachet/ doch ist nicht erlaͤubet/ daß Gesetz der Natur vnd der Ver- nunfft darbey auff eine seyten zu setzen. Man formalisi re nun in oder ausserhalb geschriebenen Rechtens einen proceß darwieder wie man wol- le/ so muß er doch also staffiret sein/ daß nichts daran zu tadlen/ alß ob es gesunder Vernunfft zu wieder: diß ist fuͤr sich selbst klar/ vnd darff keins beweisens: Eß wird ja niemand sein/ der da wird sagen/ man moͤge wieder gesunde ver- nunfft handlen. Diß muß ich darumb erinneren/ weil ich sehe/ daß etliche Richtere/ in diesem pro- ceß ceß gar zu freywillig verfahren/ mehr alß Recht ist/ sagende: Eß sey ein Crimen Exceptum. Dannenhero/ NB. wenn sie schon elende indi- cia haben: wenn sie in der peinlichen Frag sich verstossen: wenn sie zu leichtglaͤubig gewesen: wenn sie die defension versaget/ ꝛc. welches doch alles wieder die Vernunfft streitet/ so ist das jhr schirm vnd schild/ das es hißt: Es ist ein Exce- ptum, pag. 10. man doͤrff deßwegen darinnen nach be- lieben procediren, wie ich diß forthin offt an- deuten werde. Allein wenn wir nicht gern wollen wieder alle billigkeit stehen/ so solten alle Gerichts- personen dieses zu jhrer haupt-regull vnnd vn- fehlbaren Wegweiser/ sich selbsten allzeit hierin- nen fuͤr augen stellen: NB. daß in keinerley ma- lefiz- haͤndeln/ sie seyn wie sie wollen/ keinem Menschen erlaubt sey/ anderst/ alß nach gesunder Vernunfft/ den proceß zu formalisi ren. Zum andern ist es gantz falsch/ daß man solte in den Exceptis alles ferneres nachdencken dabey also doͤrffen zu ruͤck setzen. In etlichen Exceptis ists erlaubt/ aber nicht in allen: dann/ anderst wird niemanden auß einigerley Rechts-Buͤcheren schliessen koͤnnen: daß man dannenhero sich vber die Vnerfahrenheit vieler zu beklagen/ vnd Fa- rin. q. 37. n. 90. also recht lehret/ NB. daß die meinung/ man doͤrffe in Exceptis nach belieben procediren, vnnd allen ordentlichen weg deß Rechtens fallen lassen/ sehr falsch sey: vnd muͤsse A v allein allein dann zumal gelten/ wenn man von der Straff/ nicht vom vorgehenden proceß redt/ vnnd man nicht weiterer inquisition von thun hat/ sonder die that erweiset worden/ vnd also woll die straff etwan herter sein koͤndte/ alß sie sonsten in den geschriebenen Rechten angedeutet. Be- siehe Mascard. Vol. 3. Concl. 1311. Ist sich also nicht laͤnger hier auff zuhalten. pag. 11. Die 6. Streit-rede. Ob die Teutschen Fuͤrsten recht thun/ wann sie gegen die Hexerey mit der stren- ge verfahren? D As sey ferne von mir/ daß ich der Obrig- keit hierinnen einbruch thun solte/ wenn sie wieder dieses peinliche Laster sich mit gewaldt aufleinet: Eß will Gott selbst/ daß die Obrigkeit vns gebiete/ vnd wir jhro sollen gehor- chen. Dero Raͤthe die haben jhre bewegliche vr- sachen/ durch die Sie dazu gezwungen werden. i. So reinigt man (sagen sie) daß Land von einer boͤsen plage/ die sonsien wie der Krebs vmb sich frisset/ vnd erblich schadet. ii. So kommen sie dem schaden vor/ wel- chen zu vollbringen/ die Hexen dem Teuffel sich verbunden. iii. So thun sie jhrem Ampt vnd Beruff ein genuͤgen darmit/ p. 12. Rom. 13. so gar/ daß/ wo sie solches vnterliessen/ sie sich schwaͤrlich versuͤndig- ten/ ten/ vnd frembder Suͤnden theilhafftig wurden: weren auch schuldig allen darauß entstandenen schaden von dem jhren eygenen zu ersetzen/ wie man diß auß der Juristen Buͤcher/ zur volligen genuͤge/ sattsamlich zu erweisen hat. iv. So lassen sie jhren eyffer sehen/ den sie haben vmb Gottes Ehr zu beschirmen/ wenn sie wieder dessen Haupt-feinde also mit fewer vnnd schwerdt grassieren. Dann die Zauberinnen soll man nicht leben lassen. Exod. 23. v. 18. \&c. Die 7. Streit-rede. Ob diß Vnzieffer durch strengen weg zur genuͤge/ oder sonsten durch andere mittel/ koͤnne außgereutet werden? E S moͤgen Fuͤrsten/ brennen wie sie wol- len/ so werden sies doch nimmermehr außbrennen/ sie woͤllen dann jhr gantzes Land verbrennen: man hat gesehen/ daß man mehr damit verderbet/ pag. 13. alß der Krieg verherget/ vnd doch nichts außrichten koͤnnen/ daß eß woll mit blut zu beweinen. Nun seyn/ die einen gelin- dern weg vorzuschlagen sich vnternommen: dar- unter D. Tanner mich beduncket anderen weit vorzuziehen sey: wolte man jhme folgen/ eß solte niemanden gerewen. Fuͤr meinen theil/ hab ich dem handel vielfaͤltig nach gesonnen/ wie ich doch ja etwas erfinden moͤchte/ welches hierzu dienlich genug waͤre/ hab auch Gott mehrmahlen darob ange- augeruffen/ vnd weiß daß es andere auch gethan haben/ ob doch sein Barmhertzigkeit vns mit den strahlen seiner Guͤte erleuchten wolte/ damit die- se so schaͤdliche finsternuß auß Teutschland moͤcht vertrieben werden. NB. Allein ich sehe einen sol- chen zustand vnserer zeiten/ daß wenn eß schon das ansehen haͤtte/ alß ob ein Mittel hierzu gefun- den were/ solches doch vnsere Obrigkeiten gar nicht wurden beobachten. Dannenhero kan ich mich nach der zeit nicht erkuͤhnen/ daß ich etwas offenbahrte/ welches ich nicht weiß also zu seyn/ daß nicht die bestellte Brandmeistere/ mich nicht solten selber angreiffen vnd verfolgen. So aber ja ein Obrigkeit were/ die diese geheimnuß zu er- forschen belieben wolte tragen/ vnd eß auff Gott vnd die gemeine wollfahrt wagen/ meinen Raht auff die prob stellen/ vnd nur ein Jahr mit gedult solchen experimenti ren/ pag. 14. ob es muͤglich jhre Lande in solcher zeit von alle diesem Vngluͤck zu entfreyen/ so solte woll etwas darbey vorgenom- men werden/ daß nicht vnfruchtbar waͤre/ wor- von dieses Buͤchlin insonderheit zu handlen/ von mir ist geschrieben. p. 15. Die 8. Streit-rede. Wie vorsichtig Hohe Obrigkeiten vnd dero Bedienten in dieser Peinlichen Sache zu verfahren schuldig seyn. G Leich wie Hohe Obrigkeiten nicht vbel thun/ so sie ernstlich wie der diese malefiz that pro- cedi- cedi ren: Also handlen Sie auch sehr vbel/ wann Sie nicht hoͤchster Vorsorg/ Klugheit vnd nach- denckens sich hier bey befleissen. So gar/ daß nicht nur vnfleissiger vnnd vngezimter hierin zu pro- cedi ren/ weiln es ein exceptir ter handel/ verbot- ten/ sondern viel einer mehreren wachsame vnd sorgfalt/ alß bey anderen peinlichen klagen/ von- noͤthen/ daß der proceß nicht vnfoͤrmlich/ vn- verantwortlich/ vnnd vnrechtmaͤssig gefuͤhret werde. Derhalben/ last vns das nachgeben/ daß hier- bey in etlichen stuͤcken erlaubet seye/ etwas eyffe- riger zu handlen/ dann sonsten in anderen/ die nicht excepti ret sind. So wiederspreche ich doch/ das man die freyheit nehme/ gantz vnvorsichtig vnd vnbehutsam nur nach muthwillen zu hande- len/ wie man sonsten bey den non exceptis zu thun pflegt: Dann ich erforderte hier ein sonder- lichen fleiß im procedi ren/ ein sonderliche auff- merckunge/ vorsorg vnd behutsamkeit/ alß son- sten bey keinem anderen dinge. Vrsach ist: i. Diß ist eins von den verborgnesten Laste- ren/ vnd wie alle gestehen/ so wirds bey nacht ge- trieben/ im finsternuß vnd vnter den geistern: da- hero grosse vorsichtigkeit vnd nachdenckens von- noͤhten/ daß es mit rechter mannier ans liecht komme. pag. 16. ii. Wir sehen/ daß solch angefangener pro- ceß offt etliche Jahr dauret/ vnd damit die zahl der Hexen vermehret worden/ so gar/ daß gantze Doͤrf- Doͤrffer im rauch auffgangen/ vnd doch nichts außgerichtet worden sey/ alß das alle Register noch voller nahmen stehen/ von noch anderen/ die auch daran sollen: solte man denn fortfahren/ so kaͤme man nimmermehr zu ende/ biß das gantze Laͤnder drauff giengen: ist auch kein Herꝛ gefun- den/ der nicht endlich hat muͤssen auffhoͤren/ vnd so hat biß dato ein jeder selbst ende gemachet/ vnd daß ende nicht gefunden/ welches weil es ein schwerer vnd allzuweit aussehender handel ist/ sol- te man wol so gnugsamen fleiß darbey thun koͤn- nen/ daß nicht etwan ein irthum viel vnschuldi- ge damit verwickelte? Sonderlich weilen wo nur ein eintzige erstens sich verstrickt befindet/ sie also- bald zu mehreren anzufassen nothwendig vrsach geben muß/ wie vnten mit mehrerem gezeiget wer- den solle. iii. So es nu kommt/ daß aus vnvorsich- tigkeit auch vnschuldige mit diesem Sturm hin- gerissen werden/ so muß nohtwendig groß vnheil im Land entstehen: Nemblich so vieler Leute todt/ infamation, verschmaͤhung/ nicht allein auch vieler Edlen familien, pag. 17. sondern der Christlichen Religion selbsten/ sonderlich wann man auch auf die jene zugreiffet/ welche sonsten fuͤr andaͤchtiger gehalten worden alß andere. Ich habe newlich muͤssen mir die ohren reiben lassen/ daß an theil orthen/ der wahnwitz auch woll vornehmer leuten also groß worden: daß/ NB. wo jemand bey den Catholischen sein Pater noster fleissiger betet/ sich mit mit dem Weyhwasser oͤffter besprenget/ andaͤch- tiger zur Kirchen gehet/ vnd sonsten seine devo- tion mehr sehen laͤsset/ denn andere/ er sich da- mit also balden der Hexerey verdaͤchtig mache/ alß wann die Hexen auß noth/ daß sie vor dem Teuffel fried gewinnen/ dieses alles thun muͤsten. Dahero es kommet/ daß an theil orthen sich die Leut jetzo sehr behutsam in diesen dingen halten/ vnnd viel Meßpriester selbst in jhrem Ampt sehr nachlaͤssig werden/ damit sie selbst nicht in ver- dacht kommen. pag. 18. Also kompts/ daß da man vn- ter dem schein der gerechtigkeit so vnvorsichtig ge- het/ man zu dem atheismo vnd allem boͤsen dem Teuffel die thuͤr mehr oͤffnet als verschliesset/ vnd darumb erforderen wir ein sonderlichen fleiß in diesem stuͤck von den Obrigkeiten. iv. So seyn es gemeiniglich Weiber/ gegen die man den proceß anspannet. Aber von was qualit aͤten? gemeiniglich laͤppische/ naͤrꝛische/ thoͤrichte/ plauderhafftige/ leichtfertige/ vnbe- dachtsame/ vnbestaͤndige/ betruͤgliche/ luͤgenhaff- te/ ꝛc. welche/ wenn sie warhafftige Hexen seyn/ von jhrem meister zu aller boͤßheit abgerichtet wor- den. Zu welcher verhoͤr vnd examini rung eine besonders grosse klugheit erfordert wird/ wo man nicht in tausendfaͤltigen labyrinth sich verstuͤr- tzen soll. Eß hat mir newlich ein Jurist bezeuget/ er finde so viel difficult aͤten bey diesem handell/ daß es jhme vnmoͤglich ohne grossen exceß dar- innen fortzufahren/ vnd wann er einmal davon abweh- abwehre/ eß solt jhn sein tag kein Mensch mehr dazu bringen/ vnd wolte keinem Herꝛen rahten/ daß er sich mit diesem spiel verunruhigte. v. So hoͤre ich/ NB. daß an theil orthen/ den Inquisitoren, Brandmeisteren vnd Schoͤpffen/ ein gewiß salarium, vnd nemlich 4. oder 5. Thal. von der person zu vrtheilen/ alß ein Kopff-geldt gesetzet seye. pag. 19. Wer siehet hie nicht/ daß vmb die- ser eintzigen vhrsach willen groͤsser vigilantz von noͤhten/ damit nicht etwan die begierd zu gewin- nen den proceß vitios mache? da desto leichter eine wird muͤssen ein Hexe seyn/ je mehr gewinn man jhrent wegen zu hoffen. Ist warlich ein auß der massen wichtiger vnd ertz-gefaͤhrlicher handel: wir seyn nicht alle also heilig/ daß nicht unser ge- muͤth von dem brand der gewinnsuͤchtigkeit solte beruͤhret werden koͤnnen/ da denn eusserste gefahr hernachmahls folgen muß/ welche nicht kan ver- mitten werden. vi. Eß soll aber nichts der Obrigkeit die Au- gen ehen der oͤffnen/ alß das/ wann man einmahl sich in diesen processen hat anfangen verstossen/ man sich schwehrlich wieder zu recht finden kan: da in anderen faͤhlern jmmer ein weg zur restitu- tion verhanden/ hie aber alles verlohren bleibet. Das beweise ich dahero: Dann in anderen jrr- thuͤmen finden sich allewege etliche/ welche die fehlende kluͤglichen jhres verstossens vnd mit gu- tem nuͤtzen erinneren koͤnnen/ vnd auch ohne jhres nahmens beschmitzung solches zu thun vermoͤ- gen: gen/ allein in vnserem handel ist diß/ als ich sehe/ gantz vnmoͤglich. pag. 20. Sintemal einer sey wer er wolle/ so er sich mund- oder schrifftlich auch auff daß aller vorsichtigste hierinnen angiebet/ etwas gutes zu rathen/ NB. so wird er alsobald ver- spuͤren/ daß man jhme einen klicker anhenget/ er foͤrchte sich der seinen/ das sie Hexen seyn/ oder sey wol selbsten schuldig/ oder woͤlle den todt de- ren rechen/ die jhn angehoͤren/ vnd verbrennet worden seyn. Item/ er muß ein Hexen Patron heissen/ ein vorbitter der grausamsten laster: daß heist die welt reformi eren: allein woͤllen klug sein: ob man denn meine/ daß so groß gelehrte Gerichts-verwalter geirret haben: es sey eine in- juria wider die hohe Obrigkeiten/ ja er wird sich zum gefaͤhrligsten bey den Potentaten verfux- schwaͤntzet/ vnd jhme alle wort zum nachtheilig- sten verdraͤhet worden sein/ befinden. Wer ist nun so resolut, der der warheit zu stewr/ sich/ sein vnd der seinen Ehr in die schantz hierob zu setzen einen heldenmuth zu nehmen nicht beden- cken tragen muste. Darumb ists mit rathen vnd verbesseren verlohren/ so bald man in disem pro- ceß hat angefangen zu irren: solchem nun vor- zukommen/ will ein gut gewissen forderen. vii. Die taͤglich new anwaxende difficul- taͤten gebehren vnter den gelehrten/ so geist-als weltlichen gantz wiederspaͤnstige vrtheil. Delrius vnd Binsfeld haben gemeinet/ sie habens getrof- fen: p. 21. Aber jetzo kommen andere/ die jhnen jhre B par- particularia zum schaͤrffesten vmbstossen muͤs- sen: NB. Mann findet daß sie sich auff die Fa- beln vnnd auff die mit der tortur erpreßten con- feßionen zu viel fund iret: mann findet bey jh- nen gar zu gestrenge resolutionen: Item daß es den Richteren zu viel nachgeben: mann muß an den Hexentantz zweiflen: oder auß Tannero be- finden daß nit alles daran war seye: weil befind- lich einkommen/ daß viel verblendung sich mit eingemenget: die Indicia sein falsch/ oder son- sten nicht ohne argwohn: haben kein genugsam fundament \&c. Wer sihet hie nit/ daß einer grossen auffmerckunge mehr dann sonsten von noͤhten? NB. Einred. Wenn ich einen approb ierten Scribenten hab/ den ich darvon liese/ waß doͤrfts denn viel difficult irens? Es sagen ja die Theo- logen, wenn bey zwistigen sententien beyder- seitig gute fundament en seyen/ so koͤnte mann woll dem einen vnnd dem anderen auch glauben vnd folgen/ ja woll gar von einer mehr gesicherten meinung propter autoritatem alterius abtret- ten: probabilit aͤt heissen sie auch da ein nit gerin- ge motiva anhanget: autorit aͤt aber an diesem ort restring ieren sie auff eines mans Person/ welcher vortreflicher vñ beruͤmter als andere ꝛc. pag. 22. Antwort. 1. Die autorit aͤt allein kan die- sem handell auß dem fundament vnnd zur ge- nugsamen sichere nit helffen/ wenn die autores des gegentheils meinung nit zur genuͤge wieder- leget leget haben. Denn ob schon die vnerfahrnere von jhnen besser presum iren; gleichwoll wenn hernach andere bessere fundamenten anzeigen/ so muͤssen sie gleichwoll auch gehoͤret vnnd exa- min iret werden/ daß man also sehen konne/ wer an dem besten vnter jhnen bestanden: darumb man nit nur mit den alten sich so leichtsinnig kan schutzen/ sonderen die moderni oder newen muͤs- sen auch mit grossem fleiß durchsehen werden/ ꝛc. Zum 2. Ob zwar mann ins gemein darfuͤr will halten/ waß ob eingeredet seye war: pag. 23. So ex- cipiren doch die Theologi außdrucklich darge- gen/ vnnd sagen: Solches sey alsdann erst war/ wenn dem Naͤchsten kein gefahr oder schaden darauß entstehen koͤnne (welchs mich wundert/ daß so gelehrte Leut/ wie etliche sein wollen diß nit consider iren) darumb in vnserer sachen/ weyl gefahr dabey man nit auff autorit aͤt/ sonder auff daß gewissen muß sehen/ vnnd woll bedencken/ waß man wolle schliessen/ weme man wolle folgen damit man nit sein eigene Seele gefaͤhrde: Es laͤst sich hie nit so hinein platzen/ sorg vnnd forcht muß vns hie munter machen. Auß welchem allem end- lich folget daß jene/ waß ich mich vnternommen zu beweisen/ daß nemlich in proceß wieder die Hexen/ wegen der gefahr eines vnwiederbringli- chen Seelen/ Leibes/ Ehren/ Gutes vnd Landes schadens/ mann ein extraordinari vorsorg vnd weit vmb sich sehende wachsamkeit muß gebrau- chen/ damit wir vns nit mit vnserer frevellmuͤtig- B ij keit keit gewissens schaͤdlich verstricken. Welches ich darumb also hart einem jeden einbinden muß/ weil die heutige Brandtmeister in dem wahn ste- hen/ sie koͤnnen nicht jrꝛen: weil sie meinen/ daß jhre gefangene alle Geistlichẽ betriegen koͤnnen: sie aber vnd jhre beysitzer von den Laͤyen-Richteren/ weren dessentwegen quasi privileg iret ꝛc. pag. 24. Die 9. Streit-rede. Ob grosse Herꝛn jhr gewissen genug entbinden/ wenn sie sich wenig mit diesem werck bekuͤmmern/ vnd alles nur auff jhre Ministros verschieben? I Ch ruͤge dieses/ weil kurtzens ein Herr sich eben damit entschuldigen woͤllen: Er hett seine Raͤth/ die solten zu sehen. Antwort. Es ist der sachen hiemit nit genug gethan: sondern mann muß selbsten dran/ vnnd Gott vmb weißheit vnd verstandt an- ruffen. Vrsachen sein dieses. i. Ein Herꝛ ist seiner leuten/ wegen jhrer gewissenhafftigkeit/ vnd experientz nicht allzeit genugsam versicheret: viel sein offt vnerfahren/ vngestuͤmm/ vnd vnfromm: welche wenn sie jren Herꝛen sehen einen Christlichen eiffer gegen die Hexerey haben/ so wollen sie alsobald sich woll be- dient machen/ es werde von jhnen gleich Christ- oder hundisch gegen die verhafftete verfahren: p. 25. Darumb ligt einem Herꝛen auff seinem ge- wissen/ wissen/ das er ein theil der sorg auff sich nehme/ vnd nicht alles auff frembde schulteren lade. ii. Bey der Haußhaltung/ Jagt/ Federspiel ꝛc. Schieben die Herꝛen nicht alles auff andere/ sondern woͤllen alles hievon auff das genaweste wissen: vergessen auch offtmals jhrer autorit aͤt nicht wenig darbey: Lassen woll darzu wichtige Regiments geschaͤffte veralten. Hierauß folget/ daß sie sich nicht werden da- mit genug vor Gott koͤnnen verantworten/ weil sie in so geringen dingen so fleissig vnnd sorgfaͤltig sein: Wann sie inn sachen Seel/ Leib/ Guth/ vnd Ehr betreffend so fahrlaͤssig vnnd sorgloß sich be- zeigen. iii. So pfleget Gott/ von dem alle Oberkeitli- che gewalt allein herkomt/ sonderlich die Fuͤrsten fast ins gemein/ mit einer besonders begabten hochweisen discretion zu zieren: daß wo sie selb- sten im Regiment zu sehen/ es auß sonderer schic- kung Gottes/ mit allen dingen glucklicher vnnd schleuniger daher gehet: daß ist das talent/ wel- ches sie anzulegen verbunden: von deme sie auch einis muͤssen Rechenschafft geben. pag. 26. iv. So sein Fuͤrsten von Natur eines gelin- den humeurs/ vnnd zu Christlich woll anstaͤndi- ger clemenz mehr als andere geneiget/ so auch von Gott herkommet. So sie nun vnterweilen vom Elenden stand der gefangenen sich liessen et- waß fleissiger inform iren: so sie daß aͤngstigliche seufftzen der armen leuten hoͤreten: vnd nicht nur B iij mit mit frembden augen vnnd ohren jhrer bedienten die processen verhandlen liessen: so ist kein zweif- fel/ es wuͤrde manchsmahl viel besser darmit her- gehen/ vnnd menschenblut nit also wie das wasser vergossen werden. NB. Es moͤgen auß den offi- cianten die leut so vnbarmhertzig vnd grawsam sein wie sie wollen/ so sollens die Herꝛen doch nit sein: Ihre eigenschafften sollen sein leutseeligkeit vnd gnad allzeit heuffig an sich sehen lassen/ nim- mermehr sollen sie vngestuͤmm sein: welche deß- wegen/ so sie solten/ die heut zu tag vnmenschliche art der peinlichen fragen selbsten/ doch heimlich vnd vnwissend der jhren anschawen/ oder durch gewissenhaffte Leut eygentlich sich darvon lassen inform iren vnd zu gemuͤth fuͤhren/ so solte man viel weniger Hexen in Teutschlandt zehlen. Da doch die strenge der tortur kein zaal in infinitum daran machet. pag. 27. Es mag diß zwar eine straff vnserer suͤnden mit sein/ daß vns Gott so verstoe- ket: doch so suͤndigen die Herꝛen selbst damit/ wen sie vns dessen/ so jhnen mitgetheilet ist/ vns damit zu schutzen vnd zu schirmen solcher gestalt berau- ben/ in dem sie vmb vnser vngluck/ mit jhren gna- den augen sich selbst zu bemuͤhen/ vnnd mit jhren leutseeligen ohren solches selbs/ vns zu entsetzen sich nit bekuͤm̃eren woͤllen. Ich pfleg zu sagen/ daß groͤsseste Elend der armen gefangenen/ seye/ NB. daß sie des angesichts jhres Herꝛen muͤssen berau- bet sein: in deme mann sie in solche loͤcher verste- cket/ in welche ein Herꝛ nimmermehr seiner augen strah- straalen schiesset/ der nur durch gefaͤrbte glaͤser v- bell affection ierter Leuten/ die einen solchen schein von sich geben/ wie sie selbsten seind/ vnnd daß liecht der warheit verdunckeln. Der eintzige Herꝛ aller Herꝛen/ vnd Koͤnig aller Koͤnige/ vn- ser Heyland hat sich gefunden/ vnd hat vnser E- lend vnnd gefaͤngniß angesehen/ wie wir in vnse- rem blut lagen/ ist zum liecht worden denen die da sassen im finsterniß vnd schatten des todes: Hat sich vnser jammeren vnd von hertzen Erbarmen lassen/ daß wir nemlich ann jhme einen solchen Fuͤrsprecher bey dem Vatter hetten/ der in allem versuchet were. iv. Wenn die Officianten spuͤren/ daß ein Herꝛ sich in hoc passu an nichts kehret/ so muͤssen sie nothwendig nachlaͤssig vnnd frecher werden. NB. Es ist diß aller menschen natur/ daß mann in abwesen der Herꝛschaft vnfleissig ist. NB. Daß wissen alle Herꝛen woll: Darumb suͤndigen sie schwer/ wenn sie aller sorgen sich entbinden: wenn sie alle Acten vnd processen in einem so wichti- gen handell nit staͤts selbsten examin iren: nicht mahnen: treiben: nit vorsorg heissen brauchen: daß niemandt zu kurtz geschehe. pag. 28. Ein Herꝛ ist ge- halten/ mit feinem Exempell der seinen fleiß zu schaͤrffen: jhnen allegelegenheit zu benehmen/ von deren den vnschuldigen ein schaden zu wachsen koͤnne. Er muß inquir iren/ ob/ wann/ wie offt/ von weme die gefangenen/ vnnd auff waß man- nier sie besucht werden: Ob daß gefaͤngniß so ein B iiij ver- verwahrung sein soll scheußlich/ stinckendt ꝛc. Ob etliche viel zeit gesessen mit kaͤlte vnnd hitze geplagt werden: Ob sie verhoͤret werden zum todt oder le- ben: Wie es bey der tortur hergehe: Wie mann die leut befrage: Waß die geistlichen darbey fuͤr experienz vnnd moderation heissen brauchen: Ob auch einem jeden seine genugsahme defensi- ons mittel verstattet werden: Ob man sich vber die Commissarien zu beklagen: Ob sie geitzig/ vnfreundlich: Ob auch vnter allen inquisitoren einer zu finden/ der ehe der beklagte convinc iret/ vielmehr den armen gefangenen verbitte als ver- damme: Ob er auch sich mercken lasse/ Er sehe lie- ber der gefangene were vnschuldig: Item so einer vnschuldig befunden ob der Inquisitor darob sich erzuͤrnet oder gefrewet: pag. 29. Ob jemand im ge- faͤngniß gestorben: wie jhme geschehen: ob mann jhne vnter der galgen vergraben/ waß fuͤr indicia man darzu gehabt vnnd dergleichen. Item ein Herꝛ muß inquir iren waß man von dem Hexen handell vrtheile: Er laß jederen frey davon vor sich discur iren: Er besehe die Protocolla vnnd lasse sich darauß vorlesen/ ob der gefangenen ex- ceptiones auch verzeichnet: Er mache daß werck disput ierlich/ vnd laß darvon vor sich disput iren: Er glaub nit also bald alles waß man jhme pro- pon iret/ er laß ein ding woll examiniren von de- nen die daß obstat zu halten sich erbieten/ so kom- met die warheit desto mehr an den tag: Es soll jhm kein ding so vngereimt fuͤrkommen: NB. Er laß laß es genug examin iren: waß isit aber heut mehr vngereimt/ als daß nit so viel Hexen sein/ als man saget? vnd dannoch so koͤnte man dieses waar sein wol erweisen/ wenn nur ein Herꝛ so viel patientz wolt nehmen/ daß er die rationes hoͤrete/ vnd sich belehren liesse: Es ist nicht alls goldt waß glaͤntzet/ vnd ist nicht alles vnwahr waß wir nicht glauben koͤnnen: pag. 30. viel ding ist verborgen/ daß man solte er- forschen/ vnd Herꝛen stands Persohnen entde- cken: nichtes schadet der warheit so sehr/ als ein hartnaͤckig gefaßtes vorurtheil. Doch gnug von der fuͤnfften vrsach. vi. Des jenen selbsten/ welche in diesem proceß einem solchen eifer haben/ vnnd sich bey dem Poͤfell damit groß machen/ woͤllen den na- men haben/ daß sie glauben: Es sollen jhre Her- ren selbsten grossen fleiß hierbey thun. Dann vn- langst ein gar Nachweyser auß jhrem mittell in diese wort außgebrochen: vnsere Teutschen Fuͤr- sten lassen jhren eifer gegen die Hexerey tapfer se- hen/ wer derff dann mit D. Tannero vnd seinem anhang vorgeben/ Gott laß zu/ daß auch vnschul- dige Leut ins spiel kommen? Nota, diß bindet nichts. Dann wenn ich dargegen ein wende/ sol- che Herꝛen thun selbst nichts zur sach/ vnnd lassen allein jhre leut nach gefallen darinnen schalten vñ walten/ so ligt alles pralen. pag. 31. Ich will sagen/ daß Tannerus vnd andere gewissenhaffte leute/ viel selbst mit augen gesehen/ vnd mit ohren gehoͤret/ vnd auß den Protocollen angemercket vnd mit scharf- scharffer meditation erwogen/ welches solchen Fuͤrsten nur auch nit gar zum halben theil/ veren- derlich/ verstuͤmlet/ vnd so vielfaltig verkehret ist referiret wuͤrden/ als viel der Referenten ge- wesen/ da ein jeder daß seine dazu gethan. Dahero wenn sie wollen etwaß beweisen/ so muͤssen sie hier- auff gezwungens bekennen: daß es nothwendig sey/ daß Herren selbst eigen auffsicht allhier brau- chen. Fuͤrsten heissen viel gutes verrichten/ weil sie aber nit fleissig genug den jenen in die haͤnd se- hen/ denen sie es befehlen/ so verhenget Gott zur straaff vber solchen vnfleiß wie in anderen/ also auch in dieser sach viel mehr etwas/ daß man nit glaubet. Ist also dises argument fuͤr/ nit wieder mich. vii. Die Ministri præsuppon iren ja selb- sten/ daß jhre Herꝛen sie vnd jhre conscientien gar sehr in dieser sach grav iren. Dann wenn wir Geistliche/ die Herren Officianten bitten: sie sol- ten doch vorsichtig verfahren ꝛc. So heist es flux. Mein Herꝛ dringt zu hart auff vns/ wir muͤssen woll. pag. 32. Daher vnlangst einer also sich entschul- digt: NB. Ich weiß/ daß bey vnseren processen auch vnschuldigen Leuten zu viel geschicht allein vnser Herr ist sehr gewissenhafft: der wills so ha- ben/ er wirds ja wissen zu verantworten: er ver- stehts am besten: ich laß jhn sorgen: ich muß pa- r iren ꝛc. Vnd also woͤllen die kluͤgsten sich hie- mit entbinden. Ist ein feiner handell: der Herꝛ ist sicher hierbey/ graͤmtsich nichtes/ hat gute muß: schiebs schiebs auf den Diener vnd dessen gewissen: dieser eben so auff sein Herren A auff B vnd B auff A. o Gott! o Gott! viii. So elend gehets nun heut zu tag in dieser so schweren sachen/ daß wo Herꝛen nit selb- sten zusehen/ oder geheimbde auffseher bestellen/ so koͤnnen sie hier nit hinder die warheit kom̃en. pag. 33. Denn sollen sie von jhren Officianten vnnd de- ren Adjuncten etwas hoffen/ da doch diese woll auff daß jhrige sehen/ vnd keiner den anderen ver- rahten doͤrff also auch nit kan/ jeder der nimt mit seiner portion von dieser suppen vorlieb. Bevor- auß weyl man an theil oͤrten/ nicht nur den Welt- lichen Richteren sondern auch den Beicht-Vaͤt- tern kopfgeldt hierinnen hat gesetzet: So halten sie auch mit den Brandmeisteren jhre convivia/ sie pocal iren mit einander alles auß dem blut der verurtheilten: ist woll gefochten. Von anderen wird ein Herꝛ die warheit zu erforschen kein mit- tell haben. Denn wer woll zu so einem gefaͤhrli- chen werck sich lassen brauchen? Solts einer auß schuldigkeit Christlicher liebe waagen/ so wird man hinderen/ daß er nicht gehoͤrt werde/ oder wann man jhne hoͤret/ so werden die jenen/ so den Curs der Iustitien angefangen haben zu hem- men/ bald ruffen: mann sey selbst verdaͤchtig wie droben schon angedeutet. NB. Welches D. Tannero wiederfahren/ weyl Er mit seinem schreiben dieser leuten jhre stuͤcklein etwaß genaw vntersuchet/ pag. 34. daß zweene Brandtmeister sich ge- gen gen mir verschworn/ wenn sie seiner koͤnten maͤch- tig werden/ so wolten sie jhne selbst eben darumb lassen an die folter bringen. Solte einẽ Herꝛen nit daß blut hierob erstarꝛen? nun man dencke der ju- stiti en/ die man so vnbedachtsam vnd gewissenloß gegen so Armseelige elende leut brauchet/ deren wolte man auch gerne gegen die jenen brauchen/ die solchen haͤndeln wiederstreben. pag. 35. Ich hab mich mehr als 1000 maal bedacht: Ob ich soll in dieser sachen fortfahren/ vnnd hett auch alles fallen lassen/ wenn mich nicht mein or- den/ daß ich ein Geistlicher bin/ vnd mein gewis- sen hetten zu continu iren gezwungen. Ich thue aber nichts anders/ alß daß ich nur bloß daß boͤse verwerffen/ vnd daß gute erwehlen lehre. pag. 36. 37. ix. Werden Herꝛen stands Persohnen jhr ampt hierinnen seumig thun: So werden sie/ wenn sie schon gerne wolten hernach nit resolv i- ren koͤnnen/ sonderen sich selbs noch mehr verwir- ren/ weil solche formulen zu reden gefuͤhret wer- den/ die man anders nicht als nur auß der praxi lehrnen muß/ vnnd in keinen Buͤcheren jhre be- deutnuͤß kan finden. Als: 1. Gaiæ defension ist gehoͤret/ aber sie hat nit genug gethan. 2. Wir haben schwere indicia gegen sie: 3. Wir proced iren secundum allegata \& probata. 4. Sie hat sich schuldig bekent ohne tortur. p. 38. 5. Sie 5. Sie hat was sie in der tortur bekandt/ gut- willig ratific iret vor der gerichtsbanck. 6. Viel haben in der Beicht vnnd darnach auff sie bekent/ vnd sein drauff gestorben. 7. Titia hat alle puncten vnd vmbstaͤnd/ eben wie selbige von jhren angeberinnen refer iret/ be- kandt. 8. Sempronia hat durch Zauberkunst in der tortur geschwiegen. 9. Sie in der tortur nichts empfunden/ hat gelachet/ hat geschlaaffen. 10. Sie ist confront iret vnnd vberzeuget in jhr angesicht/ vnd ist doch vnbußfertig geblieben. 11. Sie ist in gefaͤngniß todt gefunden wor- den/ der Teuffel hats gethan/ vnd hat jhr das ge- nick abgedraͤhet ꝛc. NB. Hie muß der leser diese articull eher nicht ponder iren/ biß daß er folgende Capittull/ vnnd sonderlichen auch den Anhang gelesen/ sonsten kan er sich nicht in den handell schicken/ dann all diese articull ein ander noch an jhrem ort werden vorkommen. pag. 39. Diese arten zu reden kan kein Gelehrter mir außlegen/ ich kans in keinem Buch finden/ son- der muͤsse sie auß der praxi der processen lehr- nen/ wo nit so muß ich mich nothwendig auff daß gewissenloseste verstossen. Darumben in folgen- den Capitteln/ nach gelesenem Appendice der leser achtung gebe/ denn fast die hauptsumma hierinnen bestehet. Die pag. 40. Die 10. Streit-rede. Ob zu glauben: daß Gott werde zu lassen/ daß je etwan vnschuldige mit ein- vermenget wurden? E Tliche sagen Nein: Darunter Binsfeld setzet es haben die Freundt vnnd Kinder Gottes des wegen ein sonderlichs privi- legium. 1. Wegen Goͤttlicher ver- heissungen/ deren er viel auß der Bibell pag. 354 zusammen heufftet. 2. Hab mann die Exem- pell Susannæ Athanasii vnd des H. Bisschoffs Sylvani. p. 41. 3. Schreibt S. Cyprianus von sich/ daß vor seiner bekehrung Er sey ein Zauberer ge- wesen/ vnnd hab weder mit des Teuffels Rath/ noch der Zeuberey koͤnnen ein Jungfraw zu An- tiochien zur Vnzucht bringen/ ꝛc. Delrius vnd andere haltens hierinnen auch mit Binsfeldio. Ich Antworte aber: p. 42. Die opinion gilt nicht: Dann sie eroͤffnet den Richteren Thuͤr vnd Fen- ster zur fahrlaͤssigkeit/ daß sie nicht nach notturfft vnd gewissen handlen: Vnd ebner massen lax iret sie den Fuͤrsten jhre gewissener auch/ daß sie sich wenig in jhrem ampt bekuͤmmeren/ waß fuͤr gute oder erfahrne/ verstaͤndige/ oder vnweise Raͤth sie hier zu brauchen: vnd denn so wiederstrebt diß alles auch der warheit/ auß folgenden Vrsachen: i. Dann warumb solt Gott nicht zu dieser Zeit eben das verhaͤngen/ was er vor diesem hat ver- verhaͤnget? da/ wie vnten im Anhang zu sehen/ viel heil. Martyrer/ den grauwsamsten peinlich- keiten seind vntergelegen/ die man auch alß Zau- berer hat getoͤdtet. Wo bleibt nun Binsfeldius mit seinem schluß? ii. Gott verhaͤnget woll groͤssere ding/ alß diese: alß daß er hat lassen seinen Sohn Creutzi- gen: die Juden Zauberey mit/ auff Paͤbstische weiß consecrirten oblaten treiben/ ꝛc. War- umb solt er nicht zugeben/ daß viel geringere ding geschehen? Wo sein hie siegell vnd brieff? NB. p. 43. Hie sihet der leser selbst Binsfelden be- weistumb nichts sein: Ists dem teufel verbotten/ so ists doch vnbehuͤtsamen vud gewissen losen Richtern noch nicht verwehret/ wie vnten wei- ter erhellen wird. p. 44. Die 11. Streit-rede. Ob zu glauben/ daß in vnserm streit/ sichs in der that befunden/ daß auch vnschul- dige leut mit zu grund gegangen? B Insfeldius vnnd Delrius scheinen der meinung sein: es sey nicht geschehen. Antwort: Ich aber sag ja: abermal auß vrsachen: (1) Tannerus hat vie- ler Theologen zeugnuͤssen/ p. 45. die bey den Hexen gebraucht worden/ vnd befunden vnd bey jhrem gewissen außgesaget: daß vnschuldige mit ein vnd vmbkommen seyn. (11) So bin ich auch mit mit vielen Geistlichen vnd PP. SS. Th. die als Beicht-Vaͤter hierinnen gebraucht worden/ vmbgangen/ die auff diese meine meinung mir mit ja geantwortet. NB Ich kenne einen Herꝛn/ welcher nach dem er eine geraume zeit hefftig wider die Hexen lassen procedi eren: seinen Priester der sie zum todt muͤssen fuͤhren gefraget: ob er auch meine/ daß jemands vnschuldiger darbey vmkomme? Vnnd dieser mit zusamen gezogenen schulteren/ auch mit einem Eydt bey seiner seelen bezeuget/ daß er nicht anders koͤnne dann mit ja antworten: daß derselbe Herꝛ solches so schwer zu gemuͤth ge- zogen/ dann er alsobalden inhibition thun las- sen. (3) wolte der leser mich etwas lassen gelten/ so kan ichs eben so hoch bethewren/ p. 46. daß ichs der ich jhrer auch welche zum todt muͤssen begleiten/ eben so woll auß vielen vnabstoͤssigen vmbstaͤn- den wargenommen: p. 47. Ich zeuge Gott wie schwer mir daß hertze darob ist. So dann (4) auch die jenen/ so sothanen proceßen vorstehen muͤssen/ vnerfahren vnd boͤßhaftige leut/ zu sein befunden werden: Item/ die grausame vnd offt widerhol- te torturen: gefaͤhrliche oder liederliche indicia: der modus zu procediren wider alle gesunde vernufft vnd gute gesetze/ wie vnten angedeutet werden soll/ betrachtet wird/ wer will mich in mei- ner meinung straffen? Verstoßt man sich doch offtmahl/ wann man schon meinet/ man habe woll zu gesehen: (5) so hat Tannerus, daß vor we- wenigen Jahren zween Hencker/ die betrug hier- innen gebraucht/ durch die Iuristi sche facultæt von Ingoll-Statt sein zum todt deß wegen ver- urtheilt. Anders zu geschweigen. (6) Hat man doch exempel/ das auch gerichts Persohnen selb- sten endlich angegeben/ vnd lebendig verbrennet worden. NB Der teufel kan nichts erwuͤnschters als dieses spil haben/ Teutsch-Land in noch mehr blutschulden zuvertieffen/ dann/ daß ist ein nicht geringes mittel sein reich zu vermehren. Darumb o jhr Herꝛen! gebet doch etwas acht auff eurer bedienten jhr leben. Ich begehr keinen in vn- gnad zu bringen: doch machen mir etliche ge- richts Persohnen/ mit jhrem vbeln wandel noth- wendig bang. Sols woll wahr sein/ daß man jhrer viel selten in der kirchen sihet. NB. Sein sie zu gegen/ so lesen sie advisen, kauffbrief/ lachen/ plaudern mit einander: Sehen sie ein Weibs- persohn andaͤchtig beten/ da gehets an ein fragen/ ob man doch nichts von deren gehoͤret/ ob kein argwohn von jhr. Solche leut gehen gar zu frey- sinnig/ sein hoffertig/ geitzig/ vnerfahren/ grim- mig/ vnvernunfftig vnd grob ꝛc. Ich hab an- dere davon also hoͤren reden/ meinen kopff auff die erden gehangen/ doch hernach befunden/ ich moͤcht mich dessen schaͤmen oder nicht/ daß es gleichwol also wahr were. NB (Fit hoc plu- ries.) Da dann mir newlich (7) Ein glaubwuͤr- diger Mann/ von einem hencker/ vnd seinem stuͤcklein solche dinge auch erzehlet/ die so viel pag. 48. p. 49. C ver- vermoͤchten/ daß man sich vorsehen muß/ daß nicht etwa hencker solche kunsten brauchen/ mit denen sie dle leut/ zu sagen was man wil/ vber- tauben. p. 50. NB. Darumb ists kein Euangelium/ das etliche mit Del’rio sagen: So jemands vnschul- diger gefangen wird/ daß Gott sein vnschuld al- so balden werde offenbahren. Ja freylich/ wenn die aschen albereyt auff der Donaw biß zu grund gesuncken. Dannenhero (8) gnugsahm erhellet/ daß auch vnschuldige lent de facto koͤnten an- gegeben/ vberschnellet/ vnd zum todt gebracht werden. Es laͤst sich nicht alles zur hand offen- bahren/ weil nunmehr kund/ daß woll gar E. B. ist mit angegeben worden. So wil ich (9) auß Delrio vnnd Binsfeldo meine meinung selbst erhalten: NB. Dann sie recht sagen: die Wasserprob sey vnrecht: wer darauff gehe: der procedire vnrecht. So muß folgen: wer wegen der Wasserprob ist verurtheilt worden/ dem ist vnrecht geschehen: dann so lang soll einer fuͤr vn- schuldig gehalten werden/ biß man daß contrari- um vber jhm einbringet. Nun koͤnnen sie nicht leugnen/ daß mann auff solche verbottene proeb procediret, vnnd noch procedire/ darumb so kommen noch viel de facto vnverschuldt vmb jhr Leben Seel vnd Ehr. Also woͤllen auch Del’Rius vnd Binsfeld, daß die proeb des Hexenzeichens falsch sey: Item/ daß man auff ein oder anderes bekentniß gegen die leut nicht sollen fuͤssen/ weder p. 51. zur zur tortur/ oder zum verdammen: ist aber solches nit offt geschehen? geschichts nit noch? vnd man soll noch muͤssen vber vnsere fraag viel disput i- ren: da mann die leut doch auß der taͤglichen v- bung genugsam belehret: waß soll man noch mehr thun? pag. 52. Die 12. Streit-rede. Ob man dann den Brandtmeisters Inquisitional proceß/ wieder die Hexen soll einstellen: wenn es erfindlich: daß viel vnschul- dige mit der taedt selbsten dardurch vmb das Leben/ vnnd jhr Ehr kommen? E S ist gleich erst num. 2. eines Fuͤrsten ex- empell nit den Gaͤnsen zum besten/ ange- zogen: der auß dieser vrsach hat heissen inn halten. Daß aber ein eifer-suͤchtiger nicht mit mir zor- ne/ so muͤssen wir vns einer distinction halber mit einander vergleichen. Da der proceß we- gen zweyfaͤltiger faͤllen auch auff zweyerley ver- scheidene weiß/ gefuͤhret werden muß. NB. i. Muß man so behutsam vnd sorg- feltig nach den geschribenen gesetzen/ vnd der ver- nunfft gesunden rath gehen: daß wann wir ge- gemelte dinge beyde zugleich fassen/ so hats kein gefahr/ daß vnschuldige solten etwa benahet werden. C ij ii. Man ii Man kan auch wol so vnvernuͤnfftig mit den geschribenen gesetzen/ gegen alles gesundes fuͤhlen vnd weisen rath verfahren/ daß auch noth- wendig vnschuldige leut muͤssen in die eusserste gefahr vnd vnvermeidentlich verwickelt werden. Muͤssen bey des besehen. pag. 53. Antwort. i. Der letzten art zu proced iren muß man sich gaͤntzlichen entschlagen: mit der er- sten hats kein gefahr/ weil nichts daran zu tadeln. Allein ( ii ) muß man in exceptis nicht nur/ son- der auch in non exceptis anderst gehen. Vhr- sachen sein diese: alß (1) Weil also zu procedi eren allzeit vnrecht vnd verwerfflich. NB. Dann. Es ist wieder rechtlich/ daß du einen groͤßlich gefaͤhrdest/ der es nicht verschuldet hat. ii Der so gehet: thut ein todt suͤnd: Dann/ er stuͤrtzt sich in die gefahr einer todt suͤnd: der nun also procediret, was thut er anders ꝛc? p. 54. Hie fol- get nothwendig man soll nachlassen: es sey der Malefitz handel von was qualitæten er ja im- mermehr woͤlle. Einrede. (1) Es ist gleichwol dem gemeinen wesen sehr nuͤtzlich/ daß es von disem vngezifer gereinigt werde: hie ist ja vhrsach genug fort zu fahren/ wens auch schon vnschuldige trifft? Antwort: Wens auff deinem gewissen/ vnd verantwortung nit were/ vñ durch dein verschul- den nit kaͤme: so moͤcht mans auff ein paar oder 2. wagen. Nun suͤndigestu doch/ der du wissende/ auff auff ein versuch jhnen die gefahr vervhrsachest. Soll man dann boͤses thun/ daß gutes drauß folge? NB Wags mit nur wenigen/ du wirst jhrer mehr als zu viel kriegen. Heisset daß/ daß gemeine Wesen vom vnkraut saͤuberen? Du suchest daß du nicht findest/ vnd findest daß dei- ner seelen vnd gewissen wehe thut! Such dro- ben Streitrede. 8. n. 3. vnd stoß dich doch daran. Drumb so groß vnheil nicht soll gnug sein zu dei- nem vorhaben/ weil du dein seel vnd ehr/ mit an- derer vnschuldiger leuten gefahr beschwerest. Einrede (2) So muß man auch nicht krie- gen/ weil du Feldt-Prediger wol weissest/ daß mehr vnschuldige/ alß schuldige mit getroffen werden? Antwort: Reim dich; oder ein anders. Dann da kanstu hinter dem ofen her/ nicht darvon re- den. pag. 55. Im krig kommen die leut vmb per indi- rectum, vnd werden nicht infamiret/ du aber thust viel ergers/ vnd wir wissen wol/ was wir den vnserigen sagen. Dieses infamiren/ daß du begehest/ ist schwerer als der todt selbsten/ vnd schadet dem gemeinen wesen mehr alß der krieg: da ich vmb mein leben vnd ehr mich noch wehren oder mit geldt loͤsen/ oder mit entschuldigen frey machen/ oder mit Recht absolviret, oder mit Vorbitt wider darvon kan. Wiltu mit deinen gewissen-losen thaten den Krieg schmaͤhen? Es soll dir einmal etwas kosten! Eß soll dein geistli- cher Titul dir nicht zu stewr kommen. Im Krieg C iij ver- verliert man das Leben vnd behaͤlt die Ehr/ du nimmst vnschuldigen Leuten beydes/ vnd dazu Tyrannisch. Denn du schmaͤhest gantze fami- lien, Edell vnd Vnedell/ auff ewige tage: Du infami rest gantz Teutschland/ vnd die Christli- che Religion, vnd deines infami rens ist kein ende/ wie vnten Dubio 20. n. 12. soll erhellen: Laß seyn/ du habest noch recht wegen des Kriegs. So ist doch in particulari wider dich die gleich- nuß Christi/ Matth. 13. vers. 24. usque v. 31. Darvon ich also balden handlen will. p. 56. Die 13. Streit-rede. So nun aber Vnschuldigen Leuten ohn mein gefaͤhrden/ in diesem Proceß eynige gefahr zuwuchse: soll ich darumb auffhoͤren die Recht-schuldigen zuver- folgen? D Ein meinung hat noch wenig statt. Ich hab im vorigen Capittell vnterscheid ge- macht/ doch weil von newen in genere gefragt wird/ so muß ich doch antworten: Sage deßwegen also: Hastu Hohe Obrigkeit schon nicht schuld/ so soltu doch darumb nicht lassen fortfahren: wei- len wie D. Tannerus schliesset: p. 57. NB. Erstlich im Alten Testament Gen. 18. Abraham selbsten gegen Gott davon vers. 24. 25. protesti ret. NB. ii. NB. ii. Gott aldar selbsten Abrahams pro- testation mit seinem Jawort versiegelt. iii. Im Newen Testament Matth. 13. sol- ches wie obangezogen bekraͤfftiget wird. Denn da mercke: Christus sagt nicht: Daß jhr nicht außrauffet: sondern er setzet zwey zusammen/ vnd sagt: NB. auff das jhr nicht zugleich den Weitzen mit außrauffet/ so jhr das Vukraut außgettet/ ꝛc. Nemlich/ man soll ja daß Vnkraut nicht außgetten/ wenns mit gefahr des Weitzens geschiehet: besiehe den gantzen Text woll. Daß jhr nicht villeicht (hat versio vulgata ) diß ist woll in acht zu nehmen. pag. 58. Nun ist hie kein vnterscheid gesetzet/ wer vrsacher der gefahr were/ sondern schlechts vmb der ge- fahr willen. So will der Haußvatter auch nicht leyden/ daß seine Knechte sich deren theilhafftig machten. Einred. Dieses deuten die Ketzer vor sich/ vnd die Kirche kehrt sich doch nicht dran. Antwort: Die Ketzer deutens Vnrecht: dann daß ist das fundament: ob man auff die consideration der gefahr soll gehen oder nicht. Ich disputire hie nicht von Ketzeren/ die der Kirchen schon wissend seyn. Ich rede von Leuten die du vnd ich/ noch niemand kennet/ was sie seyn. Von Ketzern zu reden laß ichs dabey bleiben/ was Augustinus mich vnterschiedlich gelehret. Hoͤre Thomam 22. q. 10. art. 8. ad 1. text. Non C iv pos- possunt. Eß kan nicht alles Ergernuß auß der welt außgereutet werden: pag. 59. NB. das meiste muß man toleri ren/ weil man nicht alles bequemlich kan außreuten. Ist rathsamer 30. vnd noch mehr Ehrlich machen/ alß einen vnschuldigen Vnehr- lich. Augustinus contra Lit. Petiliani. lib. 3. c. 3. So lang man die Sprewer vnter den Wei- tzen hat/ soll man sie biß zur gelegenen zeit des sich- tens nicht absonderen: sondern vmb der from- men willen/ soll man sich auch mit den boͤsen be- tragen/ alß das man solte/ wider die Liebe gegen den Frommen vmb der boͤsen willen/ sich ver- suͤndigen/ ꝛc. So ist es iv. ein Vnzeitiger eyffer/ wenn jeder- man so ruffet: die Hexerey sey ein allergeheimeste that: der Teuffell auch viele zu schlimm vnnd ver- schmitzt zum betrug/ auch gegen die jenen die all jhr lebtag bey dem Geistlichen Stand gewesen: vnd dannoch ein solch hoch-gefaͤhrliches werck zu handtieren/ p. 60. vnd mit dem verschlagenesten geist darob zu kaͤmpffen man nur vngelehrten vnd vn- geuͤbten Leyen vnd Welt-leuten vertrawet: hie hat man nichts auß der Bibell/ damit man diese vnordnung behaupten koͤndte. Gott hatt frey- lich gebotten daß man die Laster/ aber wenn sie be- kand genug seyn/ solle straffen: wann man schul- dige vor vnschuldigen kan vnterscheiden: Vom Vnkraut vnnd Weitzen ist schon vorher geredet: Lassets beydes mit einander auffwachsen biß zur zeit der erndte/ so werdens denn die Engell auß ein einander lesen/ vnd das vnkraut ins fewer hin- werffen. Lassets biß dahin stehen. Oder sein wir so klug/ daß wirs/ wir vngehobelte/ vngeuͤbte/ vnd vnerfahrne Leut thun koͤnnen/ vnd eß so woll zu treffen wissen/ NB. waß ruffet vnd pralet man dann: Eß sey ein so geheimes werck? Viel andere malefiz -thaten finden sich/ wo bleibt aber da der so hoch geruhmte eyffer? Vnd wenn auch schon kein gefahr hierbey were/ so heist es doch das Roß vnter dem arß auffgezaͤumet: wenn man die no- torietet haͤtte/ liesse sie fahren/ vnd fieng im fin- steren an zu mausen. NB. Woll thun/ meines erachtens/ die je- nen Republ. welche/ pag. 61. wann sich etwas von der Hexerey kund geben will/ solches alsobalden auß- reuten: allein/ daß sie solten mit gefehrlichen mit- teln verborgene dinge forschen/ das halten sie gar zu schaͤdlich. Daß man aber diß Buͤchlin nicht gar wegwerffe/ so will ich nun andere seyten auffziehen. Die 14. Streit-rede. Obs rathsam/ das man Hohe Obrig- keiten anhetze/ den Inquisitional-Proceß gegen die Hexen zu fuͤhren? A Ntwort: anderst nicht/ alß das man sie zugleich derer hievorher erinnerten faͤllen halber informire: gleichwie es nicht tau- get/ daß du einen in einem schlupffrigen ort fuͤh- C v rest/ rest/ vnnd jhne im gehen nicht leiten woltest. Ich hab wol Clamanten von den Cantzlen gewaltig hoͤren jhr meisterstuͤck hierinnen pro- biren. So hab ich auch in privat discursen eben dergleichen/ von eyfferigen vngehaltenen Leuten gehoͤret. pag. 62. p. 63. p. 64. Ich straffe diß nicht absolut: ja ich haltes fuͤr hoch noͤhtig: daß man mit hindan setzung aller affecten je bißweilen auff Vnvernuͤnfftiger Brandmeister jhre vngegruͤndete Processen ein scharff einsehen hette: daß man der vorangedeu- teten vnd folgenden gefahr nicht so gar vergessen thaͤte/ vnd obangezogene Parabell/ die vns von Christo nicht vmbsonst hinterlassen/ nicht also liederlich auß den augen stellete. pag. 62. p. 63. p. 64. Einred: Du sagst/ man soll mich nicht hoͤ- ren/ ich sey ein Hexen-Patron/ ꝛc. pag. 62. p. 63. p. 64. Antwort: Eß darff nicht viel scheltens/ man siehet woll/ waß ich mit der Parabell Christi woͤlle/ darbey bleib ich vnd doͤrff nicht vieler wor- ten darzu/ die folgende Streit-rede soll vns an- fangen scheiden. Die 15. Streit-rede. Waß doch vornemlich das jene fuͤr Leut seyen: welche bey den Obrigkeiten/ einem solchen Hexenkrieg anrichten? A Ntwort: Es seind ohngefehr viererley sorten/ wir wollen sie aber fein ordentlich nach einander besehen. Die Die ersten sein von Theologen vnd Præ- laten/ welche in der besten ruh auff jhren stu- dir -stuͤblin in den allertieffest- vnnd subtil isten speculationibus sich content iren: waß aber ausserhalb geschehe: waß gefaͤngnissen seyen: die schwerigkeit der banden: die instrumenten der tortur: daß seufftzen der gefangenen ꝛc. Daß ist jhnen eitell verborgenes wesen: an solche oͤrter a- ber zu gehen ist vber jhre wuͤrdigkeit: waß solten denn diese Leut nuͤtzlichs hierbey wissen zu ver- richten? In diese zaal gehoͤren Geistliche Ordensleut/ die aber aller haͤndell eben so woll vnerfahren sein/ also koͤnnen sie wegen jhrer einfalt der inquisi- toren vnnd Brandtmeister boͤßheit nicht erfor- schen. Dannenhero wann jhnen der armen Hexen zu hauff gepaussete fabell-thaten vorkommen/ so ist alldar eitell zetter vnd fewr/ so groß ist der eifer/ daß sie abangezogene parabell Christi nicht ver- stehen. Die anderen sein von Iuristen die jenen al- lein/ pag. 67. welche bey diesem handell auff den gewinst sehen/ die wissen denn daß werck so zu spielen daß man sich darob zu entsetzen. Die dritten sein der tolle/ vnsinnige/ vnd vnge- haltene poͤfel: diese haben das privilegium alles mit laͤsteren auff das gifftigste zu erbreiten vnd zu ergroͤsseren/ davon vnten Dubio 34. diese weder die Obrigkeit/ mit sengen vnd brennen nit anhalt/ wissen wissen sie auff das leichtfertigste solches an zu zie- hen: ja sagen sie: sie sein selber Hexen-geschlechts/ ꝛc. warumb laͤst sich aber die Oberkeit von die- sem vngezifer also durch die hechell ziehen? Die vierdten seind zwar auch auß dem Poͤfell/ allein sein warhaffte Hexen. pag. 68. p. 69. p. 70. NB. Daß sie nun allen argwohn von sich ableinen/ so schelten sie auff die Hexerey an den allergifftigsten. Da komtst doch endlich daß sie selber zum fewr muͤs- sen tantzen/ vnnd mir dannenhero newlich ein Brandtmeister bekandt: NB. wenn er jemand hoͤre so vnmaͤssig auff die Hexerey schelten pag. 68. p. 69. p. 70. so sey es jhme ein gewisses indicium daß solche Per- sohn schuldig seye. Dieses ist ein sehr vngereimte rede/ ich wolte kuͤhnlich sagen/ daß die allermeiste von den Hexen Brandmeisteren selbsten mit der Zauberey beflecket/ vnd mit jhren wuͤten sich nur so kluͤglich durch jhre vnrichtige proceduren auß dem spiel karten. Allein still hiermit! Vnd daß ists daß mann daß vnkraut nicht will kennen lehrnen. pag. 68. p. 69. p. 70. Die Parabell Christi vom vnkraut: so sie ein gebott ist/ warumb wird sie nicht in acht genom- men? Ist sie ein rathgebung/ warumb wird sie nicht besser bedacht? NB. Eins ist hie nicht zu vergessen: daß offt auch vnschuldige/ daß sie daß Hexen brennen mit jhrem maul so hitzig befoͤr- dert/ auß grosser marter der gepeinigten noth- wendig muͤssen angeben/ vnnd mit jhrem wohl verdienten soldt bezahlet werden: da sie sich denn selbs selbs von der tortur vberwunden befinden/ vnnd pein zu vermeiden wissentlich auch andere vn- schuldige angeben. Jeder mercke diß wol waß ich sage. Diese betriegerey hat man in Spannien vnd Italien schon langsten angemercket/ vnnd darumb sein diese Nationen hierinnen viel be- huͤtsamer als wir. pag. 72. Die 16. Streit-rede. Wie ist jhme dann zu thun: daß man in processen wider die Hexen sich an vnschul- digen Leuten nicht vergreiffe? A Ntwort: Es koͤndte woll etlicher massen daß werck vermoͤg folgender Reglen ge- fuͤhret werden: Cautela. 5. Am allerfordersten muß man zu diesen processen nehmen recht qualifi- c ierte Leute: als Wollgelahrte: Vorsichtige: Fromme: Sanfftmuͤtig- vnd Barmhertzige: daß sie nichts auß vnerfahrenheit/ nichts auß boßheit: Item nichts auß geitz/ grausamkeit/ vnachtsah- me vnd vngestuͤmmigkeit verhandlen. Diß derff nit viel probirens. Ich beschmitze hiemit niemanden/ allein ich kan daß mit warheit vber vieler vnerfahrenheit klagen/ daß ich mich fort vnd fort verwunderen muͤsse/ wie solche Leut offt schwartz fuͤr weiß vnnd contra annehmen. NB. Daß man aber etwa einen Hochgelehr- ten ten vnd Hoch gradu irten Theologanten darzu nehmen solte/ finde ich gantz vnrathsam/ weyl sein hochmuth pag. 73. p. 74. (1) mit seinem titul allein gegen alles anderes pro autoritate ohne einige consi- deration durchdringet: sonst hat man jhne vnd den Fuͤrsten zum feindt. (2.) So ist offtmahls bey den leuten die Ehr vnd autorit aͤt ohne ca- pable qualitaten (3.) So last die hochheit denen leuten nicht zu: daß sie solten die gefangenen be- suchen/ sie mit Vaͤtterlicher sanfftmuth troͤsten/ vnd sich sonsten zu dem werck nach notturfft in allen dingen genugsam demuͤtigen (4.) diese Leut woͤllen auch zu dem grossen namen/ ein gros- se besoldung haben: dahero man an theil orten mit dem Hexen brennen in helt/ NB. weil mann keine reiche Leut mehr hat/ daß man sich konne darvon bezahlt machen (5.) So ein solcher au- torisi erter mann denn noch darzu vngestuͤmm ist/ so ist es desto schaͤdlicher: denn damit wirfft er alles in einander. Cautela ii. Es muͤssen aber die jenen so zu diesem proceß kommen/ pag. 73. p. 74. sich eussersten fleisses bearbeiten: Daß wo jrgendt einige difficult aͤt verfaͤllet: Sie nit nur vnbeweglich auff die blosse geschriebene rechten pochen: besonder vielmehr gute gesunde vernunfft/ vnnd reglen der natur vnd billigkeit zu huͤlff ziehen/ vnnd so lang alles dunckell/ sich mehr als Patronen des gefangenen denn seine verderber in allem bezeigen. Allein man verstosset sich wider diesen punc- ten ten alles seitig vngleublich: mann wuͤtet gegen die arme gefangene wider alle billigkeit: mann stuͤrmet auff sie ein: daß jhnen nichtes zu huͤlff kommen muß noch mag: es sey ein ding gleich so vngereimt befunden wie es woͤlle. NB. Niemand doͤrff fuͤr jhre vnschuld daß geringste propon i- ren: pag. 75. p. 76. ja sie selbsten muͤssen zu allen dingen schwei- gen: alles muͤssen sie approb iꝛen/ waß man jh- nen aufftringet: als wann alle leut sich muͤßten lassen anklagen/ aber alle defension verbotten were. Dahero wird alles per fas \& nefas ver- handelt: pag. 75. p. 76. wer diß hindert/ der lasse sich nur nicht ein/ er muß sonst auch dran/ da ist das murren/ gruͤntzen vnd zuͤrnen so groß/ daß es nicht auß- zusprechen: da man sich doch vielmehr frewen solte. Heisset daß gewissenhafft gehandelt? O wehe jhr Obrigkeit! NB. Vnlangst hab ich einem die obangezo- gene Regell mit vielen worten vorgehalten: der mich beantwortet: ja ich muß woll mit der stren- ge hindurch: mann drucket mich mit vberheuff- ten mandat en vnd stehe schier in sorgen/ mann moͤcht mich selbs greiffen ꝛc. O wehe! ist daß Teutsch gehandelt? NB. pag. 75. p. 76. Mercket hier jhr Fuͤrsten: dieser hat kein gewissen gehabt/ sonst hett er daß maul auff- gethan: solte ein solcher etwaß redliches rahten/ denn jhr also zum gewissenlosen mann machet: dencke doch o Leser/ waß ist daß gehandelt? Mit einem wort Fuͤrst vnd Raht sein gewissen loß: vnd also also keine Christen: daß ist ein stuck welches macht/ daß vnser Regiment muß umfallen. Cautela. iii. Man muß alles auß dem weg thun/ dessen die inquisitoren vnd Brandtmei- ster/ zu jhrem vortheil sich gebrauchen konnen: daß die gelegenheit sie nit verleite: Zum exempell mann muß keine Kopffgelder von den gefange- nen geben/ sonder den Richteren sonsten jhren bestendigen sold machen. Diß ist sonst Henckerisch/ auch in der peinli- chen halßgerichtischen ordnung/ Art. 205. ver- botten. NB. pag. 77. Wenn aber Fuͤrsten/ der verurtheilten guͤter zu confisc iren sich lassen bereden/ hierinnen bedencken sie jhre ehr sehr wenig: ich mein es gibt dieser handell anlaß zu den aller schmaͤhlichsten discursen, daß auch woll pasquillen darvon gemacht werden. So lassen sich die Brandt- meister mit einem honorario bestellen: stellen sich denn alß wolten sie den proceß caß iren: da muß man jhnen daß honorarium verehren: vnd geschicht denn/ daß mancher etwaß darzu gibt seinem nachbahren zu trotz/ wenn denn die Leut vmb jhr gelt genug vexiret worden/ so macht man der Tragedi doch ein end. Cautela iv. weylen man vermoͤg 1. Caut. nit eben also woll qualific ierte Personen haben kan: vnd wann solches auch schon moͤglich were/ hette mann sich doch einer grossen diversit aͤt in denn Vot iren zu befahren: vnd causir ete solches ein ein vngleichheit der processen: wie nicht weni- ger allerhandt ergernuͤß vnd verwirꝛung bey dem Regiment. pag. 79. Bevorauß weil in dieser halß sa- chen nunmehr taͤglich newe difficult aͤten vor- fallen/ deren mann sich vor alters nicht versehen: vnd dannenhero die Carolina Prax. Crim. nicht gnuchsam/ also wehre zu wuͤnschen: daß J. Kaͤyserl. Mayest. in hoc puncto mit con- sens des gantzen Reichs eine newe vnd besondere constitution, in welcher alles woll vorgesehen were/ zu verfassen beliebete: NB damit durch sothanes mittel/ daß wenigste in der Richter ei- gener willkuͤhr gelassen/ vnd alle gelegenheit zu pecciren abgeschnitten wurde. Cautela v. Weilen aber seine M. wegen kriegs mit vielen anderen geschaͤfften beladen: so were es nicht vntaͤuglich/ besondern hoch noͤtig: vnd den Fuͤrsten sampt dero Raͤthen gewissens- halber obligende: daß mitlerzeit/ so ja ein ge- neral inquisition gegen die hexerey von jeman- den angestellet werden wolte: er zuvor ein speci- ale Criminal constitution verfassen/ vnd sie von seinen zu solchem hexenhandel deputirten Geist- vnd Weltlichen lesen/ vnd sich darnach zu halten ver obligiren liesse. Delrius vnnd Tannerus sein beyde auch mit mir in disem handel einig. Dann dieses ein allerhoͤchst noͤtiges erfordern ist: Weiln von den meisten heut zu tag so vnrechtmaͤssig hierinnen procediret wird: redt man dargegen: so muß p. 80. D man man hoͤren: hæc est hodie praxis. Damit solls genug sein: aber o gewissen gewissen! NB man soll ein solche praxin haben/ die nicht nur auff autorit aͤt auff den blossen buchstaben/ son- dern auff gleich/ recht/ billigkeit/ vernunfft vnnd erfahrenheit gegrundet sey/ daß andere inter- essenten sich deren auch zu behelffen. Caut. vi. Zu verfassung einer solchen Cri- minal Constitution, were ferner von noͤhten: daß man sie nicht nur von Iuristen, sondern auch von Theologen vnd Medicis ließ revidiren: in diesem meinem buͤchlein solle noch viel vorfal- len/ so darzu dienlich. pag. 81. Wenn sie nun fertig/ solt man sie vorhin etlich Academien zu ventiliren vnd zu disputiren vbergeben: darnach erst rati- ficiren/ vnd die Richtere daran verbinden/ mit erinnerung: so jnnerhalb jahrzeit etwaß vorfiele von newen/ vnd nicht gnugsam eroͤrteten diffi- cult aͤten/ oder dero dingen etwaß/ daß man zu enderen/ zu vermehren/ oder zu verminderen fuͤr noͤtig funde/ sie solches anzeigeten/ damit dẽ werck nach notturfft rath geschaffet werden moͤchte. Diese Regull were der beste vnd sicherste weg/ vnd deswegen noͤtig/ daß man an Ihr Kaͤyserl. Mayest. vnnd daß gantze Reich darob suppli- cirte Sonsten siehe ich nicht: daß ein Obrigkeit mit gutem gewissen koͤnne fortfahren/ sonder soll aufhoͤren/ vnd wer nit angefangen/ soll wegen der vnfoͤrmlichen proceduren nit anfangen/ daß er sein gewissen nicht verletze/ vnnd vnschuldig blut nicht nicht auff sich vnd seine nach kommenschafft lade. Wer anders rahtet/ der weiß vnd verstehet nicht waß er sagt oder thut. Cautel. vii. p. 82. Weylen auch von vielen will darfuͤr gehalten werden/ daß den Richteren zu viel durch die finger gesehen werde/ vnnd dannen- hero sich viel gewissenlose that handlungen ent- spinnen: so solten die hohe Obrigkeiten vorsorg thun/ daß sie moͤchten erfahren/ warinnen von jhren Gerichts-halteren in hoc puncto pec- ciret werde. Vnnd wo sie betretten wuͤrden/ auch der vnaußbleiblichen straaff gewaͤrtig sein muͤßten. Zum exempell: so mann jemandt ohne genugsahme indicia hett lassen an die tortur bringen/ man die Richter deswegen ließ mit recht besprechen vnnd sie redlich abstraffen/ auch zu wuͤrcklicher satisfaction parti læsæ zu thun per modum severæ executionis zwingen. Da wuͤrde denn erfolgen: wenn/ sie/ die Gerichts-per- sohnen sehen vnnd foͤrchten muͤssen jhre faͤhler/ wehren einer vnvermeidlichen ernstlichen straaff vnterworffen/ sie behuͤtsanier sich wuͤrden hal- ten/ ꝛc. Diß were eins von den gesichertesten/ vnnd al- ler durch dringendesten remedien. p. 83. Allein wer will hier der katzen die schellen anhencken? Es haben vnlangst 2. vornehme vom Adel von der sachen also discuriret: NB. Ihr Landts- Herꝛ soll jhnen vollmacht geben/ gegen die Brandtmeister mit eben denen proceduren zu D ij ver- verfahren/ mit denen sie Brandtmeistere gegen die Leut handelten/ sie woltens gewiß sein/ daß sie Brandtmeistere selber die ergesten Hexenmeister befunden wuͤrden/ des wolten/ sie die Edlen/ Ihr leben zu pfandt setzen. Ich verpflichte neben den Edelleuten mich mit ebenmaͤssiger obligation solches gar leicht zu erhalten. Allein man hoͤrets woll: vnnd niemandt achtets: vnnd die Herren Beicht-Vaͤtter schweigen auch still: nun so wird Gott darein sehen/ vnnd auch Richten vnnd Straffen. p. 84. Die 17. Streit-rede. Magman auch denen von Hexerey- wegen verhaffteten Leuten/ die defension zu lassen/ vnd jhnen einen Advocaten verstatten? A Ntwort: Schaͤmen muß ich mich dieser frag halben/ wegen der grossen vngerech- tigkeit/ die jetzo in dem schwang gehet: vn- erfahren (ja boßhaffte vnnd vngerechte Richtere) woͤllen hierinnen/ weyl es ein excep- tirter handell den Leuten alle defensions mittell kurtz vmb abschneiden: allein (1.) wenn alle sa- chen in crimine excepto mit jhren notoriet aͤ- ten klaer sein/ so ist freylich kein defension zu ver- statten. p. 85. NB. Denn wenn eine sagt: ja es ist die Hexerey ein Freye-Kunst/ oder ich bin vom Teuffel verfuͤhret/ oder darzu gezwungen ꝛc. So ist ist solche entschuldigung von vnkraͤfften. Allein hievon ist kein streit. Darumb (2) wenn daß laster der Hexerey nit zur genuͤge ist erweiset/ so soll man die Leut zur defension vnnd zum Advocaten zu brauchen nicht hinderen/ wie solches auß vielen stattlichen Iuristen, vnnd vieler Academien ih- ren statuten zu erweisen. Aber waß doͤrffts vie- ler zeugnissen? pag. 86. Es ist ja natuͤrlichen rechtens/ welches kein vernuͤnfftiger leugnen kan/ daß man sich mag defendiren, wenn mann nicht ist vber- weiset. So dann eine verhafftete/ die that nicht entschuldiget/ sonderen von sich schiebet vnd sich schuldig zu sein leugnet/ die mann jhr auffdringen will/ so soll mann jhr jhre vollstaͤndigste defen- sion vnd also auch einen Advocaten zu lassen/ auch den besten denn sie kriegen mag. Ja so gar ist es waar/ daß man nicht prætend iren mag/ es sey ein Crimen exceptum/ daß vielmehr eben vmb des willen der gefangenen Person ein Ad- vocat zu geben/ ja fast auffzutringen ist. Vr- sachen sein: i. Es ist laͤcherlich/ daß mann ruffet: Es sey ein Crimen exceptum/ eher mann die gefange- ne dessen vberzeuget. Oder laß also sein: womit hastu die Persohn vberweiset/ daß sie der that schuldig seye? Oblind theit! ii. Es ist natuͤrlichen rechtens/ daß mann niemanden seine nothwendige defension soll versagen/ so gar/ daß wann er selber nicht genug darzu geschicket/ mann jhne einen qualific ierten D iij mann mann darzu verstatten soll: pag. 87. waß aber natuͤrlichen rechtens ist: NB. Soll in exceptis \& non exceptis ohne vnterscheid observiret werden: drumb ist dieser Streit auch nichtsen. iii. Ist diß nun natuͤrlichen rechtens/ daß mann niemanden seine nothwendige gegenwehr versagen soll/ so soll mann sothane defension jh- me desto weniger versagen/ je noͤtiger sie jhm zu sein erhellet/ vnd je groͤsser die aufflag ist/ darwie- der er sich schuͤtzen muß. Zum exempell: Im na- tuͤrlichen recht ist mir erleubet mich wieder einen Messerstoß zu wehren: wie viel mehr doͤrff ich mich wieder einen Schuß beschirmen? So fol- get nun: weil die natur mir die rechtliche defen- sion in einer geringen Rechtens anspraech ver- stattet/ so verstat tet sie mir die defension noch vielmehr in einer grossen/ sonderlich die so schwer ist/ als hie die Zauberey: vnd also je schwerer man einen zum Rechten bespricht/ je besseren Advo- caten jhme daß natuͤrliche Rechtrahtet. iv. Eben daß erforderet auch die Christliche liebe: deren natur ist nicht allein an deiner defen- sion dich nicht zu verkuͤrtzen/ sonder dir vielmehr zu helffen/ vnd hilffsmittell an die handt zn geben: ja je groͤsser die gefahr ist/ je groͤssere vnd eilendere huͤlff die Christliche liebe thun/ vnnd dir selbst vn- gebeten in die hand geben will. Hierauß folget/ daß wer diesem wiederspricht: Der stoͤsset alles natuͤrliche Recht vmb/ vnd verleugnet gewissen- loser weise die Christliche Liebe. Wo bleibt nun der der Brandtmeister jhr Eiffer? Ein Kindt soll vmb seine Puppen mehr verstandt/ dieselben zu behalten anwenden/ als diese Leut vmb daß Chri- sten blut. Doch mann schont nunmehr auch der Geistlichen nicht. v. Diese absurdit aͤt/ vnvernunfft/ vnerfah- renheit/ vnd boßheit desto besser auß zu streichen/ so last vns von dem handell noch mehr reden 1. Einer sagt: ich sey ein Dieb: daß ist nun ein grosse injuria. pag. 90. Nun diese gute Herren werden mir also balden gerne die defension verstatten. 2. einer sagt: ich sey ein Ehebrecher: diß ist noch viel er- ger: noch gonnen sie mir ein Advocaten 3. So mich einer denn der Hexerey beschuldiget: daß ist ja daß ergste von allen: vnd denn so muß ichs las- sen Recht sein/ vnnd mich nicht verantworten/ e- ben darumb/ daß es der groͤffesten laster eines ist: wie so der klaͤger leugt? So muß ich doch schwei- gen: es ist ein exceptum: pfuy der vnvernunff- tigen grobheit! p. 91. vi. Ein Teutscher Fuͤrst hatte etliche Jahr wider die Hexen ge rumoret: Es wird ein Geist- licher auch angegeben vnd eingezogen/ seine Col- legen halten vmb daß defensions mittell an: der Fuͤrst sagt nein: er fraget seine Raͤhte: sie sagen ja: er laͤßt sich von Academien belehren/ die sa- gen auch eben woll ja: pfuy elendt: sagt der Fuͤrst/ soll ich die defension muͤssen verstatten/ ach wie viel hab ich denn deren/ die vnschuldig verbrandt sein! D iiij O O wieviel hat dieser gewissens vergessener Herꝛ consorten. O Ihr Geistlichen vnd Hoffpredi- ger wo ist ewer beruff! waß thut ewer gewissen! Ihr soltet diß wissen/ vnd bereden. Aber/ aber/ ꝛc. darumb hat erstgemelter Fuͤrst noch nicht nach- gelassen/ mit vorwenden: NB. pag. 91. Er wuͤrde damit alle vorhin vnterschriebene vrtheil muͤssen caßiren, daß sey seiner ehren zu nahendt: biß ei- ner den Zoren mit disen worten jhme gestillet: so man findet daß man vnrecht gethan hat/ so soll man darumb nit fortfahren/ sonst werden suͤnden mit suͤnden geheuffet: vnd die ersten suͤnden wer- den mit den letzten nicht gebuͤsset sonder vergroͤs- seret. Die 18. Streit-rede. Waß fuͤr anmerckungen auß dem vorigen Capittell zu behalten. D Ieses thue ich zu dem ende/ daß der leser die wichtigkeit einer so gefaͤhrlichen han- delung/ desto tieffer zu hertzen nehme. i. Ich sag es sey vnrecht/ wenn eine nicht vberweiset ist/ vnd sie leugnet daß sie eine Hexe sey jhr kein Advocaten wollen geben. ii. Ja man soll jhr viel mehr den besten vnd den allergeschicktesten schaffen: ja einen den sie selbs beliebet. iii. Wo sie es nicht weiset/ oder vor angst nicht darann gedencket/ oder nit verstehet: so soll mann mann sie dieses privilegii erinneren/ vnnd sie darzu bereden. iv. Ja mann soll jhr viel mehr in der defen- sion beyspringen/ als daß man sie hindere. v. Mann soll sich frewen/ vnd nicht zoͤrnen/ wenn mittel zur vnschuld an den tag kommen. vi. Je schwerer die klag ist/ je groͤsser ists ge- suͤndigt/ wenn mann die defension benimt: vnd also versuͤndiget man sich hie am schweresten. vii. Komt jemand in verhafft/ so soll mann jhm zuvor etliche tag zeit geben zur defension, ehe mann jhne ferners vornimt: dann es ist vn- recht die leut also balden mann sie eingesetzet an die tortur dahin zu reissen. Dann mit solchem vber eilen verduͤstert mann die Leut/ daß sie jhrer selbs zu jhrer defension nicht maͤchtig sein: Da doch weder daß Recht der natur/ oder Christliche liebe/ oder gesunde vernunfft/ von den Richteren hie will observ iret werden. viii. Es ist nothwendig/ daß man den ge- fangenen ein Copia der indiciorum geb/ die wider sie einkommen: Dann wie mann die de- fension vnd Advocaten nicht kan verwehren: also folget daß man auch die indicia soll herauß geben. pag. 93. Doch soll man die zeugen namen nit eroͤffnen/ es were denn kein gefahr dabey. ix. Mann soll denen jenen/ so die gefange- ne sprechen wollen/ solches nicht wehren/ besiehe die peinliche halßgerichts ordnung. Art. 4. Da- hero sein daß vngerechte Leut/ die diesem wider- p. 94. D v spre sprechen/ vnd hinderen daß nicht etwa ein gelehr- ter mann jhnen hinder die spaͤn kommen: oder den armen gefangenen einen guten rath gebe/ da mann doch den Leuten/ so viel muͤglich zu jhrer vnschuldt verhelffen solte. NB. Als ohnlangst ein Geistlicher/ doch ins geheimb/ den Richteren einen faͤhler auß jhrem Protocoll, exofficio \& conscientia gezeiget/ so haben sie die gefangenen eilendes lassen mit dem schwert Richten/ dem Priester aber die gefangenen zu Visit iren verbot- ten/ vnnd muß ich vernehmen: daß eben derglei- chen vnterschiedlich geistlichen widerfahren. x. Ein Richter ist selbsten schuldig/ die vor- sorg zu thun daß den gefangenen kein Advocat mangle. xi. Daß sein vnweise Advocaten/ die inn diesen sachen nicht wollen dienen: vnnd andere davon abschrecken. Doch ich befinne mich besser: sie sein kluͤger denn ich: die vrsach ist: sie solten woll selber eingezogen werden/ wie mann solches D. Tannero gerne thun wolte. pag. 95. xii. So kan der gefangene gegen die de- cretirte tortur appell iren/ wie auß den Iu- risten erhellet. xiii. Faͤhret der Richter/ dessen ohnange- sehen mit der tortur fort/ vnnd er zwingt etwaß darmit: so ist solche aussag von vnkraͤfften. xiv. Wann indicia zur tortur einkommen: vnd aber bessere gegen- indicia zur vnschuld vor- handen/ so soll man mit der tortur nicht proce- p. 96. d iren: d iren: also auch in widerwertigen præsumptio- nen \&c. Aber wer gibt hierauff achtung? xv. Daß sein gewissens vergessene Leut: die sich stellen als wenn sie den beklagten die defen- sion verstatteten/ vnnd doch nichts wenigers thun. Diß muß man also erlehren. p. 97. NB. Der Brandtmeister last die gefangene Persohn vorstellen: spricht: sie wiß woll war- umb sie in verhafft seye: die vnd die indicia we- re gegen sie einkommen: Soll sich also drauff verantworten/ vnd waß zu jhrer vnschuld dienet einbringen. Wann sie nun antwortet/ vnd alles fleissig ableinet/ daß man nichts mehr gegen sie hat/ vnd man die vnschuldt mit haͤnden greiffen muß (ich red auß erfahrenheit) da folget dann weiters nichts/ als daß mann sie heist wieder hin ins gefengniß gehen/ vnd ist eben als hette sie mit einem todten bild geredt/ mann zeichnet jhre wort specifice nicht an: niemandt berahtet sich darob waß zuthun oder zu lassen: jhr sagt man: sie soll sich besser bey jhr selbs bedencken/ ob sie bey dem negiren woͤll bleiben: mann werde sie vber etli- che stunden wider einforderen/ ꝛc. wann sie nun wegk gefuͤhret wird: so schreibt mann also ins Protocoll: NB. Gaja gefraget: leugnet noch: darumb ist beschlossen sie zu torquiren ꝛc. Wenn sie nun widerkomt/ so heist es: Gaia, jhr seid vor vns gewesen/ vnd habt geleugnet/ nun wir haben euch bedenck zeit geben/ jhr solt euch eines besseren besinnen/ vnnd die verstockung fal- len len lassen. Waß ist nun ewer antwort hierauff? Seid jhr noch in der vorigen meinung? leugnet jhr noch? wolt jhr so bleiben? sehet: waß stehet hier im protocol: Man hat euch die tortur zu erkandt. Leugnet sie dennoch eins/ so wandert mann mit der armen Gaia nach der peinbanck: aber waß sie zu jhrer vnschuldt eingebracht/ dessen gedencket man nicht mit einem Buchstaben/ als wens so muͤste sein/ daß man sich nichts mit jhr muͤste sprechen/ ist also gleich viel: sie habe sich verantwortet oder nicht. pag. 98. Solcher processen sein viel/ die also gehan- tieret werden: damit bringt mann J. F. Gn. daß Protocoll, darinnen stehet: Gaiæ defension ist gehoͤret/ sie leugnet/ thut vns aber nicht gnug/ darumb ist jhr die tortur zu erkandt/ ꝛc. Hier sehet zu jhr Fuͤrsten/ ewer vn- achtsamkeit hat schuldt/ daß vnglaublich viel vn- schuldige also bedrucket werden. Gott will euch einmall zur rechnung forderen. xvi. Vnd ob mann gleich auff allegata vnd probata an seiten der Richter sich beruffet/ so fehlet mann doch eben auch mit diesem argu- ment groͤblich. p. 99. Da denn Fuͤrsten vnnd jhre Raͤhte hie die augen woll auff thun solten: waß es mit den indiciis fuͤr ein beschaffenheit habe: ob dieselben gantz oder halb-genug zum beweiß: waß die beklagte Persohn antworte/ diß solte man fein alles fleissig lassen notiren/ wenn mann in allen sachen nicht so grob sich verstossen soll. Gewiß hie ge- gehets mit grosser vnvernunfft her. Darumb Gott hoch zu bitten stehet/ daß er vns doch Fuͤr- sten gebe/ die ein begierdt haben/ die warheit sol- cher dinge zu lernen. xviii. Weil auch Geistl. Personen/ auß fal- schen indiciis geferdet werdẽ/ so sol man hie auch durch K. M. autorit aͤt sich jrer besser annehmen. xix. So soll man auch den leuthen die frey- heit lassen/ p. 100. p. 101. wenn sie zum todt gehen/ einen Beichtvatter nach eygner willkuͤhr zu wehlen. xx. Auch so jemand guten nahmens/ auß dem Gefaͤngniß entkaͤme/ daß demselben erlau- bet wurde/ vor dem Kaͤyser/ oder einem anderen vnverdaͤchtigen Oberhaupt sich zu verantwor- ten/ ꝛc. mit condition, wo er sich denn nicht mit ordentlichen mittlen purgir te/ er seine straff doch außstehen solte. * Die 19. Streit-rede. Ob jemand wegen Hexerey gefangen wurde/ soll man denn alsobalden præsu- miren: er muͤsse nothwendig schul- dig seyn? NB. E Iner moͤchte dencken ich sey ein Narꝛ/ daß ich diese frag mag mo- viren. Allein die meisten Geistli- chen mit jhrem vnvernuͤnfftigen ei- fer/ oder einfalt/ daß doch ein lautere vnwissen- heit vnd vnverstand ist/ geben mir zu solchem vhrsach vhrsach. Dann deren etliche/ wenn sie die gefan- genen besuchen/ fahren mit den vorhin aller be- truͤbtesten leuten so vbell/ drenglen/ zwingen/ vexiren, sollicitiren vnd leiten sie zu bekennen daß/ so sie woll nie moͤchten gedacht haben: dar- auß man schliessen muß sie habens vest bey sich beschlossen: niemanden fuͤr vnschuldig zu halten. NB. Es moͤgen die armen leut winseln vnd wehklagen wie sie woͤllen/ sie muͤgen sich entschul- digen wie sie koͤnnen/ sie muͤgen fundamenta jhrer vnschuld allegiren was die auch seyen/ sie muͤgen so elend flehen pag. 102. alß es immer sein kan/ daß man sie nur reden lasse: sie muͤgen trost su- chen von solch einem Geistlosen Mann oder nit/ sie muͤgen sich einbilden: jhnen sey erlaubet ins geheim alß mit Beicht-Vaͤtern zu reden/ trost vnd rath zu suchen/ vnd bey solchem jhrem gros- sen elend ja vnfehlbar zu empfangen/ vnd was sonsten diser armen leuten hoffnung sein mag. So finden sie doch an solchen Beicht-Vaͤtern nichts als to dte goͤtzen/ oder mit sinnen vbel ver- wahret/ oder nur darzu lebende: daß sie von nichts anders denn nur von hexerey wissen sollen: von nichts anders reden/ vnd die sitzenden fuͤr solche leute zu beschuldigen/ auch gar woll mit schmaͤhworten sie darfuͤr schelten: da heist es sie seyn verbolgt/ hartnaͤckig/ schandhuren/ vom teufel besessen/ der teufel schein jhnen auß den au- gen/ teufels kinder/ stumme kroͤten ꝛc. NB. Hierzu kommet: daß meine Herꝛen bey dem dem Richter/ Stockmeister/ Hencker/ ꝛc. nichts anders thun/ denn daß man darauff setzen soll mit fragen/ foltern vnd peinigen/ ꝛc. diese oder je- ne sey sonderlich verhaͤrtet/ der Teuffel hab sie ohnzweiffelich besessen/ er scheine jhr auß den au- gen/ er woll sein leben verwetten sie sey ein gewisse Hexe/ vnd was der vngetemperirten woͤrter vnd reden/ auß mehr denn Cyclopi schen vnverstand weiters herauß gestossen wird. Dahero man weisset/ daß etliche Personen/ NB. sich verneh- men lassen/ sie wollen lieber den Hencker selbs/ denn so einen Geistlichen zu sich lassen kommen: Er der Pfaff hab jhnen mehr molesti gemachet/ als der Hencker mit der Peinbanck: vnterdessen seind die Richter darob sehr lustig/ daß sie einen solchen stattlichen geistlichen præsidenten be- kommen/ welcher jhren eifer nicht allein wuͤste nit zu straffen oder zu hinderen/ sonder mehr zu schaͤrffen. Derer Gesellen hab ich selbs viel ge- kennt vnd gesehen/ vnd ist jhrer ein gute zahll: den so mann sich anderst anstellet/ so ist mann bey den Brandtmeisteren nicht genehm/ moderation vnd vorsorg/ daß ist eine zagheit: allein solche vn- gehaltene vnd vngestuͤmme Marterhansen vnd Hencker-Leutenandten/ p. 103. die doch im geringsten nichts wissen/ verstehen/ erfahren oder gelehrnet/ also vagiren/ sauffen/ schmorotzen/ bettelbrodt- fressen/ vnd dergleichen/ daß sein Leut/ die mann befoͤrderen muß/ die gelten etwaß ꝛc. Nun schicke ich mich die frag zu beantworten/ p. 104. von von deren ich diß Capittell angefangen/ vnd sage: von denselben also wollen argwohnen/ vnnd mit jhnen de facto so wollen procediren/ wie vor erwehnet: daß ist gar zu vnverantwortlich gehan- delt: vrsachen. i. Droben ist schon erweiset Dub. xi. daß auch vnschuldige leute mit verwickelt werden. ii. Drunten Dub. 39. will ich darthun: daß auch die Richter selbs mit mir einig seyen. iii. Alle Iuristen vnnd Theologen sein darinnen einig/ daß eher mann einer sachen ge- wiß/ so soll mann jmmer des besten hoffen: dann solches sey dem gesetz der liebe/ vnnd auch den ge- schriebenen Rechten gemaͤß l. 17. C. de Accu- sat. Ein Bauren einfalt ist es: daß mann meint es seyen die Richter so vnschuldig/ daß sie nicht jrren solten. Hieher gehoͤren die wort auß einer Postill auff Ioh. Baptæ. Der ist nicht also baldt ein schalck den man gefangen setzet/ da doch from- men leuten mehrfaͤltig durch falsche anklag zu kurtz geschehen ꝛc. Item: Oberkeiten vnnd Fuͤr- sten mißbrauchen offtmals jhres gewalts. iv. Einem Priester gehoͤret hierinn sanfft- muͤtig vnd Christ-mitleidentlich zuverfahren. v. Laß sein: daß eine schuldig were: so wirstu sie doch mit deiner vnvernunft nur noch verstock- ter machen. Woͤllen sie mit guͤte nicht: Ey pa- tientia! sein sie gewiß schuldig so rede auß Got- tes wort/ von Gottes zoren/ doch so: daß sie nicht pag. 104. pag. 106. meinen meinen du woͤllest sie des vberweisen daß dir nicht zukomt. pag. 107. vi. Ist aber eine vnschuldig/ so bringt man sie muthwillens in verzweiflung. Die schuldt dieser importunit aͤt kommet daher: daß mann auß jrꝛ- thumb manchsmall meinet/ mann sende einen verstaͤndigen mann/ daß doch nicht geschiehet: wehe denen die so handlen! vii. Wie wiltu toller debacchant fahren: p. 108. wenn du mit deiner vngestuͤmen vrsach bist: daß sie luͤgenen sagen: siehe da jhr Seel/ vnnd aller Seelen die sie falsch angibt/ vnnd deren die diese angeben/ sein dir auff deinem Poltergeists gewis- sen vnd kopff. Du verleitest Hencker vnnd jeder- mann zur grausamkeit/ die muͤssen denn auch hin zum teuffel. Wie werdet jhr einander am juͤng- sten tag ansehen? Ich will hie etwaß abermahl erzehlen/ daß ich auß der erfahrenheit habe. Ein solcher Geistli- cher/ wie droben beschrieben sein/ hatte den brauch das er in der beicht zu den gefangenen sagte: wo sie daß vor jhm nicht wider wolten bekennen/ waß sie in der tortur bekandt/ so woͤll er sie nicht ab- solviren/ vnd nit communiciren/ sie solten ster- ben wie ein Hundt ꝛc. Vnd dieser war mir noch als ein behender mann hochgeruͤhmet ꝛc. Solchs hat mir vrsach gegeben/ daß ich nach- mall/ selbs anfangen die gefangenen visitiren: aber ach wehe/ waß hab ich fuͤr grewell erfahren/ p. 109. E daß daß freylichen waar ist/ waß Salomon in Predi- ger Cap. 4. vers. 1. ꝛc. klaget. Vnd dannoch fin- det man solcher geistlichen viel. ix. Ists gar vngereimt von einem Geistli- chen: vor dem gefangenen solche discurs fuͤh- ren. Dann 1. ists ein grobheit 2. ists ein vrsach zu grewlicher tortur/ vnd endlich zur gefahr leibs vnd seelen vieler/ auch des Beichtvatters. 3. ists vor verstaͤndigen leuten despectirl ich 4. verste- hen diese Leut nicht waß irregularitas seye. NB. Vnlangst wuͤrd mir einer/ dergleichen geruͤhmet: Pag. 110. derselbe wuͤste selbs die Leut an zu ge- ben/ hiesse sie fangen/ torquiren/ kein alter anse- hen: dieser oder jener sey alt gnug zum Fewr: man soll fort machen mit jhme ohne ferneres scrupu- liren: es sey kein besserung zu hoffen: er hab sel- ber welche angezeichnet: item er wohnet der tor- tur fleissig bey: hat in terrogatoria bey sich die er den Richteren vberreichet: weisset die Hencker meisterlich an zu frischen. Allein dieser machet/ daß sich einer schaͤmet fuͤr ein geistlichen Mann auß zu geben: andere moͤ- gen jhne ruͤhmen wie sie jmmer wollen. Beicht- Vaͤter werden jhre instruction vnten Dubio 30. finden. Die p. 111. Die 20. Streit-rede. Von der Tortur oder Peinbanck: Ob auch zu fuͤrchten: daß vnschuldige/ so sie daran kommen/ sich selbs moͤchten manches mal verkuͤrtzen/ vnnd so von sich selbs/ als auch von anderen die vnwar- heit sagen? A Ntwort: Es ist gemeiniglich hiermit also bewandt: daß wann ich bedencke/ waß ich etwan gelesen/ gesehen/ gehoͤret vnd ange- mercket/ vnd nachgesonnen: ich nicht an- derst schliessen kan: als daß vnschuldigen Leuten die eusserste gefahr viel vnd manchsmall/ durch die Tortur angewachsen: vnnd die mutter seye/ so vngleublicher vieler Hexen durch Teutsch- land: vnd aller derer orten/ die es dem Teutsch- landt nach thun wurden. Vrsachen sein nach- folgende: i. Die Tortur ist aller orten all zu groß: vnd verursacht vntraͤgliche schmertzen: diese sein er- ger als der Todt: also ist hie schon gefahr genug allerseitig zu foͤrchten. ii. Diß ist so gar wahr: daß sie auch dem staͤrcksten vnerleidentlich: ich habs von denen die sie außgestanden hochbetheurlich hoͤren sagen: daß sie lieber 10. mall den Todt wolten leiden/ vnd eher alles bekennen waß man sie fraget: vnnd ob woll exempel etwan vorhanden/ daß leut in der p. 112. E ij tortur tortur bestendig verblieben/ so sagen doch die ge- schriebene Rechten: Daß es ein gebrechlich vnd gefaͤhrlich thun darmit seye. Befrage die Rechts- buͤcher. pag. 103. iii. Daß erscheinet auch daher/ weylen etli- che auß gewissens forcht/ in der beicht bekennen/ sie haben einigen leuten vnrecht gethan/ dieselben seyen vnschuldig ꝛc. Helt man nun bey jhnen an/ sie sollen ad bancum justitiæ wiederruffen: so ist da zitteren vnd zagen/ mit vermelden/ so muͤs- ten sie wieder an die pein/ eher woͤllen sie jhre see- len Gott befehlen/ der wisse daß sie auß schwach- heit gesuͤndiget ꝛc. O Fuͤrsten! Richter! Beicht- vaͤter! iv. Ich bekenn mein theil von mir: moͤchte aber gerne wissen/ wie alsdann meiner seelen zu rahten were. O Fuͤrsten! o Richter! o Beicht- vaͤter. v. Waß wollen wir nun in puncto der He- xerey von einer Elenden zarten vnd aller arbeit vngewohnten Weibs-Person sagen? vi. Weyl man auch so gar auß leichten vhr- sachen/ mit dem Torturali Decreto/ woll ge- gen wollbenahmte Manns-persohnen fulmi- niret: als: indicia sein jhr seid angegeben: jhr seidt verschreitꝛc. vii. So gebraucht man in vnserem casu newe art zu torquiren/ welches doch von gewis- senhafften Jctis/ verworffen wird. viii. Item: daß man sich kein gewissen ma- chet: chet: NB. weder zeit/ wie lang/ oder modum wie hart zu torquiren sey zu beobachten: Dahero ich weiß/ daß etliche in der tortur sterben: Etliche zu kroͤppell werden: etliche daß man sie im außfuͤh- ren/ eher sie zu der Richtstatt gebracht/ hat man muͤssen exequiren lassen ꝛc. O Fuͤrsten! o Rich- ter! o Beicht-Vaͤtter! o Gewissen! Dann betreffendt die zeit wie lang : so helt man nichts mehr von der alten weiß/ die war ein viertell stundt: etliche brachtens gar auf ein stund: jetzo so muß es lenger denn ein stund wehren: oder mann nimt zwey halbe stunden/ darvon drunten Dub. 23. mit mehrerem. Wer ist nun so starck? wer ist so bestaͤndig? solt einer nicht lieber alles bekennen? daß aber et- liche je vnterweylen außhalten/ kommet daher: NB. daß sie mit falscher bekendtniß auf sich vnd andere vnschuldige/ jhr seel nicht woͤllen in gefahr setzen: doch machet mans also grausam/ daß auch niemandt mehr bestehen kan/ ich mein da ist ein jammeren: da suchen die Leut trost/ vnd der trost will nicht hafften: da ist daß gewissen Toͤdtlich verwundet. O wer mir hie selbsten Rath gebe/ wie solchen leuten zu helffen! O Fuͤrsten! o Richter! o jhr Beicht-vaͤter! reddite rationem villicationis vestræ! Ja jhr Beicht-vaͤter ent- schuldiget euch nit mit der vnwissenheit/ werdet demuͤtig/ mitleidig/ sanfftmuͤtig/ im Geist arm/ vorsichtig/ befleisset euch der warheit/ jhr werdet vielerlehrnen/ daß jhr vorhin nicht gewuͤst. E iij ix. Diese ix. Diese gefahr wird dannenhero vermeh- ret: daß ob wol die tortur vnmenschlich/ dannoch deroselben grausamkeit weder von Richteren/ o- der anderen Recht will betrachtet werden. Denn daß hie groͤsse vnbarmhertzigkeit mit vnerfahren- heit gebraucht werde/ daß befinde ich auß einer jhnen sehr gemeinen art zu reden: NB. Wann sie von etlichen sprechen: sie haben gutwillig vnd ohne tortur bekennet. Denn so hab ich etliche mall nit nur Gerichts persohnen/ sonderen auch geistliche Leut hoͤren von der sachen reden: ja sie seyen ohne zweiffel Hexen ꝛc. pag. 119. Aber komm mein lieber leser/ nimme die gedult/ vnnd examinire jhr phrases buch/ daß ich dir fein beschreiben will: darumb ich droden Dub. 9. n. 9. diese phrases außgesetzet. NB. Sie haben ein Preß/ die ist von eisseren/ deren vorderste tafel/ mit scharffẽ striis oder tieff außgearbeiteten holl kaͤlen eingeschnit- ten. Darein schrauben sie die schienen der fuͤsse/ weil sie am aller empfindtlichsten sein/ dieses dru- cket hinten daß fleisch zu samen wie einen kuchen: fornen aber spritzet daß blut herauß/ worvon ein solcher schmertzen entstehen muß/ daß auch der starckiste Kerls solchen nicht vberstehen kan: vnd daß heisset jhnen: Man hab ohne tortur (scili- cet nach der alten/ aber nicht nach dieser newen/ wenig bekandten weiß) bekendt/ daß schreyet man auß in die Welt: daß schreibet man an den Fuͤr- sten: dieser mit den seinen Raͤhten kehrt sich auch nicht weiter dran vmb bekuͤmmeret zu sein waß p. 120. man man thue. Vnd also muß die tortur keine tor- tur sein. Waß sollen woll alle Criminal scri- benten hiervon sagen? Sonst sprechen sie: die forcht der tortur sey der tortur selber gleich/ dar- umb man niemandes leichtlich/ mit der tortur bedrowen soll. x. p. 121. Die gefahr davon dieser titulus redet wird auch vermehret/ weil wir kein vnterscheid der Persohnen heut zu tag bey der tortur in acht nehmen. Die Heyden haben nur allein die leibeigenen Knecht lassen torquiren. Waß aber jhre knech- te fuͤr voͤgell gewesen seyen/ wissen die gelehrten auß der Hey den jhren Poeten vnd anderen Buͤ- cheren. Vnd wir Christen thun erger als Hey- den/ respecti ren wegen vnsers Decreti tortu- ralis kein geschlecht/ persohn/ alter/ stand ꝛc. xi. p. 122. Ist hie niemandt/ der da die all zu viele grausamkeit der Hencker zaͤmete. Ich stun- de in der meinung: NB. Einem Hencker solt nit ein woͤrtlin zn reden in der folterung vergonnet sein/ sonderen er muͤsse sich einem gemaͤssenen be- fehlgemaͤß verhalten. Vnd so ist es in den Reichs Staͤtten gebraͤuchlich. Allein jetzund gehets an theils orten viel anderst/ in dem sie bey der tortur daß præ haben. NB. Sie treiben/ fragen/ preß irẽ stuͤpflen die armen Suͤnder/ bedrowen sie mit den schroͤcklichsten worten/ strengen auch die folter nach belieben/ biß sie mit jhrer grausamkeit end- lich die leut erstritten. Dahero werden sie nicht E iiij allein allein geruͤhmet/ sonder sie ruͤhmen sich auch selb- sten/ vnd sagen: wenns jhnen verguͤnnet wuͤrde/ sie wolten machen/ daß alle Hexen an den oder je- nen ort musten zusammen kommen ꝛc. xii. pag. 123. Hierzu kommet nun auch der Præ- sidenten jhre gewissenlossigkeit: in der Juristen buͤcheren ist verbotten/ daß man keinem/ den man peiniget/ einigen namen vorlese/ weder dessen oder eines anderen mitschuldigen. NB. l. 1. ff. de Quæstion. Const. Crimin. Carel. art. 13. vnd weil dieses der vernunfft gemaͤß ist/ so solte mans auch in den Criminibus exceptis gelten lassen. Allein heut zu tage so gehets anders/ man fragt Gaia: hastu Titiam nicht bey dem tantz gesehen ꝛc. Sagt sie nein/ so wird sie/ auß des Præsiden- ten geheiß/ so lang gemarteret/ biß sie ja saget: da- mit faͤhrt man fort/ man nent woll eine die schon vnd vielleicht auch vnschuldig gestorben/ sagt: sie hat auff dich vnd Semproniam auch bekennt/ ist Sempronia auch eine ꝛc. Hencker fahr fort/ der Teuffel heist sie schweigen/ vnd so fortan/ biß daß sie gleich woll bekennt. NB. Dahero vnlangft/ als etliche gewissen- haffte Juristen einen Brandtmeister inhibiti- on gethan/ daß er von niemandes Persohn mit namen fragte/ haben die leut sich halb im Him- mell zu sein deswegen geschaͤtzet. Ach wehe jhr Hoffprediger! Ihr Beichtvaͤtter! Ihr Consi- liarii/ daß jhr dieses so gar nit wisset/ vnnd nach sol- solchen dingen so gar nicht forschet! O thut noch die augen offen! pag. 126. Dahero ich nun selber endlich befunden/ daß man den Leuten alles mit allen orten/ mit al- len vmbstaͤnden also lang auff besagte vnredliche weiß vnd gewissenloser peinigung vorhelt/ biß sie bekennen/ vnd die Protocollen mit Acten voll schmieret/ als werens eitell Euangelia/ darnach so schicket man daß Protocoll ein. Ich geschwei- ge: daß ein Prælat mit zoren einem Brandtmei- ster empfangen: weil derselbe in der tortur ver- gessen zu fragen: pag. 127. ob auch Dorff Pfarrherꝛ oder andere gemeine Pfaffen in der Hexen-zunfft seyen? Ja Herꝛ Prælate/ last euch so peinigen/ jhr solt von euch selbsten alles boͤses bekennen/ vnd endlich von Pabst selbsten! Darauff auch new- licher zeit ein anderer Fuͤrst expresse verbotten keiner Geistlichen Persohn weder in genere noch in specie zu gedencken. Aber es ist nicht observiret worden. Darumb were gut daß man wie Dub. 15. am end erwehnet worden/ geheimb- de inspectores verordnete/ weil ohnlangst ein Brandtmeister in der ersten frag/ pag. 128. vnter weh- render pein/ einer armen Persohn vorgehalten/ sie soll bekennen: NB. Ob sie nicht auch einige auß den Rahts-Persohnen selbigen ortes/ in jh- rem Convent gesehen/ auff daß: wenn die Hirten hinwegk! man desto vngehinderter mit der Rath- losen Herd nach gefallen proced iren moͤge. E v xiii. xiii. pag. 129. Dieser modus procedendi wirdt nunmehr auch von den Henckeren selbsten/ eben auff vorerzehlte weiß in allen vmbstaͤnden pra- cticiret/ vnnd solche Meister/ soilicet, haben noch daß lob: daß sie die kunst den Hexen recht- schaffen abgefraget: darnach schreibt man ins Protocoll: sie habe diß vnd jenes mit den vnnd allen vmbstaͤnden/ ohngefragt bekennet. Mercke: man schreibts nicht darzu daß man sie gefraget: wie man sie gefraget: oder wer sie gefraget: oder waß sie anfangs geantwortet ꝛc. xiv. p. 130. So es dann kommet/ daß nur an- fangs eine eintzige vnschuldige von der tortur v- berwunden wirdt: hilff Gott waß fangt sie nicht an von vnd auff sich vnd andere liegen/ vorauß wann sie etwa die grausamkeit der ersten tortur schon vberwunden gehabt: Nun die heutigen Richter fast kein ander indicium nehmen: als daß angeben vnd aussagen in der tortur/ in soei- nem schweren gewissens handell kein weiter nach- dencken nehmende: so heist es: Gaia du hast ja auff dich in der tortur bekennet/ sag was hastu fuͤr gespielen/ ist nicht die oder jene auch mit ꝛc. Gaia weil sie jhrer selbst nicht mehr maͤchtig/ wie wills gehen: wie will sie andere verschonen? daß sie vermeintlich jhr gewissen nicht beschwere so gibt sie eine an/ die schon vorhin beschreit ist: die- se wird gefangen/ vnnd gehet man mit jhr eben vmb/ wie mit Gaia/ so macht sie es auch so/ daß sie der marter entgehe. Wenn wirds dann ein end? ende? Ich weiß wer diß lieset/ der wird bestuͤrtzet werden/ daß er nicht wird wissen waß er glauben oder nicht glauben soll/ vnnd dannoch bin ich ein Narr gewesen/ vnd hab nicht allein Remigium, Delrium/ vnd Binsfelden gelesen/ sonderen jh- nen schier auch geglaubet. O waß fuͤr schreckli- che grewell/ werden einmall an den juͤngsten Tag offenbahr werden! xv. Hat nun eine einmall anfangen wollen schuldig sein/ so ist fuͤrters kein mittel mehr vbrig daß sie wider erloͤset werden koͤnnen. Dann eben darumb/ daß sie hat anfangen (doch auß pein) bekennen/ so mnß sie zum anderen mall daran: hilffts noch nicht: so muß sie zum drittenmall daran: wiewoll es vnmoͤglich daß sie den dritten kampff außstehe/ weil durch die grimmigkeit der Richter die tortur vngleublicher weiß gescherffet wird. Vnd wenn sie auch schon die dritte tor- tur außstunde/ weil sie die erste bekandtnuß leug- net/ so kan sie doch/ wegen etlicher gewissenlosen Scribenten, die noch weiter zu fahren anlaß ge- ben/ keines weges erloͤset werden: vnnd wenn sie schon auß gewissenhafftigkeit vor dem holtzhauf- fen/ wenn sie jetzo auff daß Fewr sollen/ wieder- ruffen/ so muß doch solches von vnkraͤfften sein: sonder daß bekandtnuß muß gelten/ daß sie judi- cialiter sc. in der so offt wie derholten tortur ge- than hat/ vnnd darnach schreibt man ins Proto- coll: sie hats mit jhrem todt versiegelt. xvi. p. 133. Weyl man nun siehet: daß ob schon p. 134. eine eine den sturm der ersten tortur außgestanden/ sie doch damit nit ledig wirdt/ sonder daß recken/ daß Peitschen/ daß schrauben/ daß reittlen wird so lang vnd viel angestrenget/ biß man endlich sie mit peinigen vbermeisteret: dann der Richter will nicht vnrecht gethan haben. pag. 135. NB Vnlangst hat ein Geistlicher die frag sei- ner Obrigkeit vorgeleget: sie solten jhme doch ein resolution geben/ wie doch ein vnschuldig ange- gebne Persohn sich selbs vnd andere retten koͤnte? Man hat woll viel bedenck zeit genommen/ allein jhme mit antwort kein satisfaction thun koͤn- nen. Niemand denck daß man hierauff antwor- ten muͤge/ eher daß er zuvor durch erfahrung ge- lehrnet/ waß man verhandelt. Ja der in guten tagen ob den Buͤcheren sitzet/ oder gar sein zeit in muͤssiggang zubringet/ vnd selber zu solchen din- gen nicht kommet/ oder nicht mit Leuten redet/ die neben mir solche mordliche grewell gesehen/ der soll mir hievon reden/ wie der blinde von den farben. NB. Darumb jhr Herren Richter: greiffet Capuciner, Iesuiten vnd alle Religiosen an/ procediret so mit jhnen/ sie werden sich alle an- geben/ will einer nicht/ torquiret jhn auff ewer weiß so lang biß er bekent: oder so er noch faͤst ste- het/ so excommuniciret jhn/ last jhn exorcisi- ren/ saget er hab den Teuffell/ so muß er endlich doch vnten liegen. Gehet darnach fort so zu pro- cediren mit dem Prælaten, Canonicis, Do- cto- ctoribus \&c. Die werden auch woll muͤssen bekennen. Wolt jhr noch mehr leut haben? ich will euch selbs bey den koͤpffen lassen nehmen/ vnd mit euch so procediren, wie jhrs den ande- ren gemacht habt: last jhr mir auch so machen/ so werden wir alle gar miteinander zu Hexenmeiste- ren werden. Einred: die gesetz verbieten aber: daß man die tortur solcher gestalt repetire: sie geben ja ein andere maͤssigung/ also scheinest du falsch geredt haben? NB Antwort: ich frag nicht waß die guten gesetz gebieten/ oder verbieten: ich frag: ob mans ob- servire, vnd sage nein darzu. Ein anders ist es: daß ein ding in den Buͤcheren stehet/ Ein anders: daß mans nicht helt. pag. 138. Die 21. Streit-rede. Ob eine von Hexerey wegen ange- klagte Persohn/ zum offteren moͤge tor- quiret werden? H Ier muß man vorher woll vnterscheiden/ vnd die frag/ in 2. Hauptstuͤck abtheilen: i. Ist die frag: Ob eine/ die in der er- sten tortur bekand hat/ vnd darnach re- vociret/ wieder vnnd zum anderen mall moͤge torquiret werden? ii. Ist die frag: Ob eine einmall ist torqui- ret worden/ vnd hat gantz nicht bekennt/ ferner moͤ- moͤge torquiret werden. Wir muͤssen beydes besehen. Antwort: die erste frag: hat jhre richtig- keit bey den rechts gelehrten: deren einer zu sagen pfleget: NB Wenn man der ersten tortur we- gen solt ablassen/ so wurden galgen vnd rad zu witwen werden: doch daß man vber die dritte tortur, wenn sie die andere vnd dritte revoci- ren nicht gehe/ dann solches sey henckersch/ sagt Delrius. Ich vermeine/ wer auß guten funda- menten die andere tortur mit antwort vmb- stiesse/ den solt man zum dritten mal nicht mar- teren. Koͤnte doch einer nicht zusehen/ daß man ein katze/ sie moͤcht gleich stehlen wie sie wolte also zerfleischen solte. Laß deinen jaghund also tra- ctiren, vnd sihe zu ob dich seiner nicht werde jam- mern? Antwort ii p. 140. Ich will auß vielen appro- birten Rechts-gelehrten darthun/ daß man/ wer eine tortur außgestanden/ vnd gantz nichts be- kennet/ solche Persohn nicht weiter soll folteren: es sein dann argumenta evidentiora daß ist mercklich gnugsahme vnd grosse beweistthumen verhanden. Delrius will newe/ starcke/ vnd von verscheidener art bewehrte indicia haben/ sagt: man soll warnehmen/ ob die Person von leib vnd gemuͤth so kraͤftig daß sich gleichsahm auff ferne- res foltern gehaͤrtet. Denn die erste indicia/ ob sie gleich wichtig/ sein durch die erste außgestandene tortur vntuͤch- tig tig gemacht. So gar/ daß man auch ins ge- mein vielmehr schliesset: Daß vollstaͤndige be- weißthumen/ durch die erste tortur koͤnnen vmb- gestossen werden. So muß man nun sagen: entweder/ man moͤg einen jeden ohne vhrsache torquiren; oder man muß bey der anderen tortur vn disputir- liche beweißthumen haben; welches dann ver- nunfftige Rechten also auch erforderen: vnd diß muß woll nachgedacht werden. NB. Zudem weil die andere tortur viel schwaͤrer faͤllet/ so ge- hoͤren billigen weges auch schwaͤrere vnnd staͤr- ckere beweißthumen zum werck. Vnd muß man guter erfahrenheit des Rechtens brauchen/ da dann indicia nicht nur evidentiora, pag. 141. son- dern auch von verscheidener art bewehret/ von den Iuristen erforderet werden. NB. Zum exempel: bey der ersten tortur hat man gesehen auff deß beklagten boͤsen leumuth/ oder daß er in feindschafft mit dem gestanden den er belei- diget haben soll/ hat aber hierauff nichts in der er- sten tortur bekandt: Es komt darnach ein zeu- ge der sagt: Er hab gesehen/ daß beklagter e. g. den erschlagenenen hab verwundet/ oder er hab ein entbloͤsseten degen gehabt ꝛc. daß heissen newe indicia, vnd haben von den anderen/ entweder in jhrem wesen/ als verwunden/ oder form/ als ein blossen degen haben. Wenn aber beklagter zeugen fuͤhrete: daß er gutem leumuths seye/ vnd wehre doch als ein anrichtiger torquiret, vnd p. 142. hette hette nichts bekant/ so kan man jhne nicht wider torquiren: wenn auch schon andere zeugen sein vnschuld meldeten/ so hiessen es darumb nicht newe indicia, sonder ein newe prob der ersten vnschuld. Vnd also schliest Farinacius. Weil nun dieses der billigkeit/ den gesetzen/ vnd gesun- der vernunfft gemaͤß/ so soll mans billigen wegs auch in den criminibus exceptis gelten lassen: allein die jetzige gewissenlose praxis thut gantz daß gegenspiel. p. 103. Wie Farinacius hierinnen auch uͤber sich selbsten klaget: mit vermelden er habe uͤbel gethan. So jemand ein todtsuͤnd thut: wenn er seinen nechsten 6. oder 7. wunden in den leib mit einem Schwert oder Kolben schlaͤget: wie viel groͤssere todtsuͤnde ist es/ dem nebenmenschen/ so vnge- gruͤndeter weise/ in ein solche grausame pein zum andern oder drittenmahl dahin reissen? Ist es ein todtsuͤnd einen beyde haͤnd abhawen/ wie viel- mehr wirds ein todtsuͤnd sein: ohne gnugsahme vrsachen einen in die andere tortur liferen/ sagt Farinacius quæst. 42. num. 14. p. 104. Einrede. So eine alsobald soll absolvi- ret werden/ wenn sie durch die erste tortur nicht bezwungen wird/ so werden wir ohne Hexen vnd processen sein? Antwort: Diese gewissenlose narren-rede hat so viel in den mund: Wann wir nicht thun/ was wider gesunde vernunft vnd die billigkeit lauffet/ daß ist wann wir nicht wider daß gewissen suͤndi- gen/ gen/ vnnd die leute von newem folteren/ so haben wir keine Hexen zu brennen: Nun muͤssen wir gleichwol zu brennen haben/ es gehe gleich wie es woͤlle ꝛc. Allein wir woͤllen diese tyrannen folgender Streit-rede besser examiniren. p. 146. Die 22. Streit-rede. Warumb viel Richter zu dieser zeit die beklagten so schwerlich loß lassen/ wenn sie schon in vnd durch die tortur sich purgiren. D Aß man meinet der justitien eifer thue dises/ daß ist gar weit gefehlet. Wir muͤssen gleichwol vrsachen haben/ wel- ches meines erachtens nachfolgende: i Es muͤssen hexen sein/ die man zu verbren- nen hab/ vnd solt es 1000. mal per fas \& nefas geschehen. ii. Der Richter will die schand nicht haben/ daß er ( i ) præcipitant vnnd ( ii ) vnrecht zu der captur vnd tortur geschritten. Ich habs erlebt/ daß man vnlangst ein solche arme Gaiam/ darumb/ daß jhr jederman feind wahr hat gefan- gen vnd torquiret. 147. Diese bekent auff Titiam/ die wird auch gefangen vnnd torquiret: allein Titia stehet alle marter auß. Gaja kommet zum Fewr: revociret nach gethaner beicht/ mit ver- melden/ Titia sey falsch von jhr angegeben/ daß woͤll sie mit jhren todt bezeugen. Gaja muß F bren- brennen. Titia eben so wol. Warumb. Ey mur- melten die Richter/ daß were vns ein schand weñ sie loß kaͤme/ vnser leichtfertigkeit moͤcht an tag kommen. O weh des vnchristlichen procedi- resn! iii. Des Henckers ehr/ moͤcht auch peri- clitiren/ denn er moͤcht bey dem handtwerck in verachtung kommen/ als wenn ers nicht recht ge- lehrnet. iv. Weil man an theil orten kopfgelt/ so wol an seiten des Richters/ als des Henckers zu ge- warten: So wuͤrden diese Leut jhres gewinstes beraubet. Laß jhnen kopfgeld fuͤr jedere vnschul- dige geben/ sie werden viel fangen/ wenig tor- quiren/ vnd etwa vnter 200 nit eine/ vnd auch diese nur pro forma verbrennen. Ich geschwei- ge anderer dingen/ davon doch in folgender streit- red mit etwaß. Die 23. Streit-rede. Wie jhm doch zu thun: daß man sich mit einigem prætext, bey wiederholter ofterer folter schuͤtzen koͤnne? A Ntwort: da ist gut rath zu: p. 149. Dann ( i ) hilfft jhnen Bartolus der Jurist: der stellt solches der Richter willkuͤhr anheim. Also thun auch Baldus vnd andere mehr. Daß ist ja recht fuͤr vnsere Herꝛen Richter. Der Richter aber aber will sich auff kein gesunde vernunfft geben/ sonder bleibt darbey/ ꝛc. Darnach ( ii ) Wann die erste tortur insuf- ficient gewesen: vnd daß stehet abermahl bey Richterlicher willkuͤhr: NB Clarus sagt: man muß ins Protocoll setzen/ man last dich los/ mit der mas/ daß wir dich wider wolten lassen an- strengen. Ist auch gut fuͤr die Richter. Bekent er so ists gut: wonicht so muͤgen wir jhn wider anspannen/ vnd zwar so offt wir woͤllen: dann die tortur war insufficient (3) wir haben sehr starcke indicia: da doch die meisten Dd. anders statuiren, so haben wir sehr starcke indicia (4) wir muͤgen woll die tortur continuiren biß auff fuͤnff-virtell stunden. Aber diß streitet wider alle gesunde vernunfft/ darumb so torquiren etliche 2. halbe stunden/ auff zwei zeiten. Dieses marte- ret den menschen viel erger/ NB dann wann die pein ohne auffhoͤren hette continuiret (5) bekrefftigen dieses Sprenger vnd sein gesell/ die also schreiben: mann soll die folter nicht iteri- ren wiederholen; sondern nur continuiren, ergaͤntzeren/ vnd ins Protocoll soll man diese wort: pag. 153. Vndwir Richtere setzen dir N. N. den vnd den tag/ die folter zu continuiren, daß man die warheit auß deinem eigenen mund hoͤre. O teufelskinder mit ewerer distinction! (6) so viel missethat einer begangen/ so viel mahl kan er tor- quiret werden: vnd darnach absonderlich we- gen seiner mit consorten. Der leser befrage sich F ij hierob hirob mit Rechts-verstaͤndigen/ aber gewissen- hafften leuten. pag. 155. Die 24. Streit-rede. Wie ein Scheinheyliger Frommer Richter es machen soll/ daß wenn keine newe in- dicia vorhanden/ man doch gleichwol deren zu fortsetzung der tortur keinen man- gel habe? Z V diesem handell/ haben tieffsinnige leut drey sonderliche modellen erdacht/ daß sie den bellenden hund jhres boͤsen gewissens stillen koͤnden. Daß i. modell. Wer 1. 2. 3. oder 4. mahl tor- quiret ist/ vnd hat reinen mund gehalten/ den steck in ein finsteres/ kaltes tieffes loch/ laß jhne mit schwereren banden belegen/ daß er sich im koth vnd in der einsamkeit mit seinen grillen vnd außgestandenem elend in kuͤmmerniß seines hert- zens plag. Laß damit ein zimlich geraume zeit vor- bey gehen. NB Procedire in dessen gegen andere mit gefaͤngniß vnd tortur/ befrag sie alle auff die bey seits gesetzte Persohn/ ob sie mit intereßiret so vnd so seye? es muß gewiß etwaß kommen/ daß zu deinem vortheil ist: halts wie droben Dub. 20. n. 11. 12. ist angedeutet worden/ hiemit kanstu also baldt ein newes indicium haben: daß proponir der erst gefangenen: torquire die Persohn von newem. Ja dein gewissen ist darwieder? Ant- wort: hæc hodie est praxis. Oder in deme du vn- vnterschiedliche abfragest/ so wird doch endlich ei- ne/ auff die erst gefangene/ daß sie kein vnschuldi- ge angebe/ bekennen/ p. 157. NB. also examinire auch auff die/ welche du auff caution loß gelassen: dann es were dir ein schand/ daß du nicht soltest Rath finden/ wie du dieselben/ deine processen zu bescheinen/ vnd deine ehr zu behalten/ wieder ins netz zogest. Dann auch dieses heut zu tag in praxi also herkommen. Sihe! Daß ii. Modell. Gehet daß erste nicht an/ so procedire also: nimm auß den jenen/ die auff die erste bekennen/ eine: confrontire sie mit de- ren/ die du noch nicht vberstritten/ du vnnd der Hencker muͤssen jhr aber sagen: NB. wo sie nicht daß jene/ waß sie von der anderen bekandt hat/ deroselben ins angesicht frey hinein sagt/ fo woͤl- stu so vnd so mit jhr verfahren ꝛc. Wenn sie nun vor einander stehen/ so schilt du die angegebene fuͤr halßstarrig ꝛc. Da stehe jtzund eine/ die jhr jhre thaten ins angesicht vorsagen werde/ darumb soll sie bekennen: wende dich zu der angeberinne: vnd frag? hastu nicht daß vnd daß gesagt ꝛc. diese weißt schon/ wenn sie nach deinem willen nicht redet/ waß fuͤr ein hoͤlle jhr bereitet/ darumb so redt sie waß du begehrest. p. 158. Thut sie es mit leiser forchtsamer stimme/ mit seufftzen vnnd wehmuth/ nieder geschlagenem kopff vnnd abge- wendeten augen/ vnnd allen denen geberden auß denen erscheinen kan/ daß sie es vngerne thue: die andere aber fanget an zu excipiren vnnd sich F iij zu zu purgiren/ so reiß du denn proces ab/ mach an daß examen ein end/ laß die angeberin ohne fer- nere audienz flux an jhren ort bringen: expo- stulire mit der angegebenen auff daß bitterste: sag jhr/ sie muͤsse wieder an die pein/ vnd wenn sie schon nicht bekenn/ so wollstu sie als ein halßstar- rige lebendig lassen brennen/ (daß heißt hernach confrontiret ) spargire die aussag vnter den poͤf- fel/ schreib sie ins Protocoll/ sag aber nicht wie du es gemacht hast/ laß ein consilium vber dein confrontiren stellen: gewiß alle Theologen vnd Doctores muͤssen dich absolviren. Nun Gott weiß es/ daß mans also practiciret. Hæc est hodierna praxis. Daß iii. Modell: Nimm daß newe also extorquirte indicium alsdann zu huͤlff/ laß den Teuffel an deren die sich nicht daran kehren will beschweren: endere denn ort der gefengniß/ foltere von newen/ so hastu die verzauberte still- schwiegenheit ja vberwunden. Hæc est hodi- erna praxis. Die 25. Streit-rede. Ob ein Verzaubertes stillschweigen fuͤr ein newes indicium zu halten: vnnd man deswegen/ die tortur wieder vornehmen oder continuiren moͤge? E In Verzeubertes stillschweigen/ heissen sie daß: wenn man sich mit verbottenen vnd boͤ- sen sen kuͤnsten/ gegen die empfindlichkeit der tortur verhaͤrtet: pag. 160. 161. Darumb wenn heut zu tag je- mand die tortur ein vnd ander mall/ mit bestaͤn- digem stillschweigen außstehet/ so sagen sie flux: sie brauch Zauberey: der Teuffel sitz jhr auff der zungen: darumb sey sie ein Hexe ꝛc. Diesen han- dell muͤssen wir auch besehen. Antwort: wegen des maleficii taciturnitatis ist nicht recht/ daß man deswegen weiter torqui- re. Vrsachen. i. Es ist nicht wahr/ daß Titia zwey oder drey torturen mit huͤlff der natur nicht solt vber- standen haben/ dann noch viel in der natur/ daß etliche an sich haben verborgen. pag. 162. ii. Nun so hat sie es gleichwoll außgestan- den: entweder mit der huͤlff Gottes/ oder mit des Teuffels. So hat man ja ergers mit jhr vorge- nommen als eines menschen natur hett ertragen koͤnnen. Weil man nun dieses gethan. So ist auß den Juristen erweißlich/ daß man weder zur tortur noch zum Todt weiters Recht an sie hat. iii. * Es ist aber dieses ein newes indicium? Dann sie ist so gepeiniget worden/ daß jhr entwe- der Gott oder der Teuffel hat muͤssen helffen: so hat man sie zur Zauberey: oder Gott zum wun- derwerck bewogen. Daß verdammet den Rich- ter/ daß er so ein vnmensch geworden/ dann vn- verdiente starcke tortur probiret nichtes. F iv iv. Ti- pag. 163. iv. Titia hat die erste tortur außgehal- ten: daß hat sie gethan mit Gott: oder mit dem Teuffel: So muß der Richter eins vnter beyden gelten lassen. Ist daß erste: so hat der Richter Gott versucht ist daß andere/ so muß es der Rich- ter probiren. Daß erst kan sein: daß Gott der vn- schuldt hat woͤllen helffen: daß schilt der Richter fuͤr Teuffels werck: vnnd kans nicht darthun. Doch es sey also: fo ist doch kein novum indici- um vorhanden. Dann daß keins da war/ dar- umb hat man sie torquiret: vnd der Richter hat noch nicht erweiset/ daß es Teuffels werck seye. v. Wiederumb: bekennet Titia zum ande- ren mall nicht/ wer will sie beschuldigen? bekennet sie: so ist es klaar/ wir wollens woll auß jhr brin- gen. Du Narꝛ so vervhrteil sie flux zum ersten mahl/ auff diese deine meinung/ so kommet sie der marter ab. O jhr Beicht-vaͤter! jhr seidts die jhr selber ewer disput ierkunst/ mit diesen fall stricksweiß verknuͤpfeten reden wolt sehen lassen/ vnd vngerechte Richter damit staͤrcket. Denn waß gewinne man hiemit? nichtes. Daß ich auß den Rechten wol darthun wolte. vi. Die Juristen sagen: mann brauch die tortur/ vmb die warheit zu erfahren. Wenn man nun auff jhr hodiernam praxin gehet: p. 165. so sage mir: folget anders als dieses? NB. Ein jede die daß erste mall auff die tortur kommet/ ist vnd muß ein Hexe sein/ denn/ wie oben erweiset/ so foltert man ja so lang/ biß sie es zu mall beken- net net. Es ist ja vnmoͤglich bey diesen procedu- ren vnschuldig erfunden werden/ weylen vn- muͤglich solche grausame/ so offt wiederholete marter zu vberwinden. Vnd noch muß es heis- sen: man hab secundum allegata \& probata gehandelt. Einred: pag. 166. wenn aber die Titia in der tortur nichts empfindet/ wenn sie lachet/ wenn sie ein- schlaͤfft/ wenn sie gepeitschet wird/ vnd kein bluth fleusset ꝛc. Daß muß ja Teuffels werck sein? also hab ich auch newe indicia. Antwort: es ist auch nichts: wollen aber eine newe red davon anfangen. Die 26. Streit-rede. Waß fuͤr Zauberey zeichen/ von vn- erfahrnen Richteren/ prætendiret werden? D Aß eine nicht bekennet/ daß ist nun ver- gessen/ wir mussen deswegen auff ande- re zeichen gedencken. Daß p. 167. i. Sie sagen etliche lachen vn- ter der tortur! dieses hoͤr ich woll: aber es ist nichs darhinder. NB Denn wann jemandt in der pein/ an allen seinen kraͤfften nun sincket/ so beis- set er die Zaͤn zusammen/ die lefftzen zerdehnen sich von einander/ er ziehet den odem mit gewalt an sich/ so/ daß jhm die red vor den schmertzen ver- gehet/ vnnd doch die pein vberwindet: daß heist hie gelachet. Warumb? der Hencker sagts: Ey Rich- Richter schaͤme dich doch deines zeugen. O du Teuffels grobe vnerfahrenheit/ soll dich Gott nit einmall straffen! p. 168. Daß ii. Sie sagen: etliche verstummen vnd schlaaffen ein. NB. Sie koͤnnen woll verstummen: aber daß sie einschlaffen/ daß glaub ich nicht/ es were denn mit beglaubten vnnd aydlich verhoͤrten zeugen dargethan. In ein sehr schwere ohnmacht fallen jhrer viele vnter der pein. Ich hab woll gesehẽ daß sie dann die augen zugethan/ vnnd den kopff sin- cken lassen: daß muß schlaaffen heissen: diese: weñ sie zu sich selber kamen/ musten doch zu letzten der schweren pein weichen/ vnd sich fuͤr vberwunden bekennen: daß heist geschlaaffen? p. 169. NB. Die Medici gebens nach/ daß etliche vor schmert- zen so erstarren/ daß man meine sie seyen Raag Todt. Heist daß geschlaffen! Ich muß diesen leuten eiu wenig vom schlaaff zur wachsamkeit helffen. NB. Ein gutes einfaͤltiges Dorff-Pfaͤfflein/ saß bey der tortur in vnserem casu: der hat den Richteren gerahten sie solten von einer anderen materia reden/ vnd den armen suͤnder gewehren lassen. Der armen suͤnder kommet ein weinig zu sich selbsten/ daß siehet der Pfaff. O ho rufft er gewonnen jhr Herꝛen! Damit so muß ich den Teuffel auß jhn beschweren/ vnd denn frisch wie- der an jhn. Dieser Rath stehet keinem Hencker/ will geschweigen einem Prediger oder Geistli- chen chenzu. Ja man soll dem Hencker nicht ein wort/ sonder ordre zu reden verstatten. pag. 170. NB. Es machen auch etlich mall die Hen- cker einen tranck/ worauß/ daß sagen sie niemand/ mit diesem machen sie die Leut redendt. Daß weiß ich/ daß die jenen/ die jhne genossen/ mir be- kandt/ sie hetten also balden nichts als grosse schaaren Teuffel vmb vnd bey sich geschehen. Al- so wenn sie keine Hexen sein/ so muß man sie mit diesem tranck mit gewalt zu Hexen machen. Daß iii. Sie sagen: daß etliche/ wenn sie an der folter hangen/ so man sie mit ruten peitschet/ kein blut geben. Ich glaub daß auch nicht/ biß es mir mit obangeregter weise qualificirten zeu- gen/ verificiret werde. Deswegen da ich sie zur prob getrieben: da sagten sie/ NB. Ey es sey et- waß weniges/ doch nit viel bluts geflossen. Nicht viele heisset denen Leuten nichts. Ich hab Me- dicos daruͤber consuliret/ die sagen mir: Daß vor angst vnd schmertzen/ daß gebluͤth in etlichen/ gantz inwendig zu dem hertzen lauffe. So siehet mans/ daß forchtsamen Leuten im a der lassen/ wenn schon die ader getroffen/ daß blut nicht will fliessen. Einred: wens aber erwiesen wurde: daß je- mands in der tortur were vnempflndlich gewe- sen. Solte daß nicht ein groß indicium sein/ jhne fuͤr ein zauberer zu halten? Antwort. Es ist gesagt/ vnd noch nicht erwei- set/ daß ers durch hexerey gethan habe. Es sein jetzund jetzund buͤcher von verbottenen kunsten vorhan- den/ die werden auch von grossen leutẽ gebraucht/ darinnen stehen recept: zu blut stellungen/ daß Fieber zu vertreiben: daß dich eine lieb hab: daß du Waffenhart seyest/ ꝛc. Gehe hin/ vnd sag: daß diß zauberey sey/ du solt schon anlauffen. Vnge- schickter! Es sein verbottene vnd Christen vn- anstaͤndige Kuͤnsten: vnd nichts bessers/ auch nichts ergers. Die 27. Streit-rede. Ob die tortur ein bedienliches mittel seye/ vmb die warheit zu erfahren? E S ist sehr gefaͤhrlich hierauff zu ant- worten; auß vrsachen: ( i ) sagstu ja: dann etliche wollen lieber die warheit sa- gen/ dann leiden. Wie laut den das/ daß auch das contrarium sich findet? pag. 174. ( ii ) Vnd weil daß beides wahr ist/ woran kendt man denn/ wer wahr redet; oder leuget. ( iii ) Deren die in der tortur liegen/ soll ein groͤsserer hauffen sein/ darumb: daß der todt dem menschen leichter vorkommt als die tortur, bey des als der todt/ vnd auch nur als ein einbildung/ welche sehrer vor den gegenwertigen tormen- ten erschrickt/ alß vor dem todt. ( iv ) Schuldig vnd vnschuldig/ werden gleich bestaͤndig in der tortur: ja je lasterhafftiger/ also auch auch desto frecher/ da ein frommer eher soll ge- wonnen geben/ als der es nicht gewohnet. ( v ) Die vnschuld aber wird nicht zulassen/ daß einer liege? o weh! die tormenten sein viel zu schwehr: Gott thut nicht alle tag wunder/ wie an den Maccabeeren; oder an Daniel im fewr- ofen. ( vi ) Es ist noch nicht erwie sen/ daß secun- hadiernam praxin der Richter damit zu friden: wenn jemand auch in der anderen tortur sagte er sey vnschuldig. Besihe vnd bedencke/ was Au- gustinus lib. 19. De Civitate Dei. §. quid cum in sua causa \&c. klaget/ so wirstu sehen/ daß ich nichts newes vorbringe. O jhr Herꝛen geist- lichen wie stellet jhr ewere/ vnd ewerer Obrigkeit seelen in so grosse gefahr! Die 28. Streit-rede. Was die argumenten seyn derer jeni- gen; die da meinen es sey alsobald alles fuͤr ein warheit zu halten: was in der tortur be- kennet wird? G Rosse Scribenten, pag. 177. vnd nicht nur Herꝛ omnes, sein thoren/ vnd fuͤllen jhre buͤcher voll fablen vnd maͤhrlin/ derer aussagen/ die in der tortur geschehen seyn/ wir woͤllen jhre argumenten hoͤren/ vnd darauff ordentlicher weise antworten. Daß i. Argument. In der tortur auff sich liegen/ liegen/ oder auff andere/ in peinlichen sachen/ ist ein grosse suͤnde. Darumb ists nicht glaublich/ daß jemand daß thun werde. Antwort: Besihe Lessium lib. 2. de Just \& Jure Cap. ii. Dub. 7. n. 41. Ich moͤcht wissen/ ob der leser vergessen hat/ was er nun weisst aus vor erzehlten dingen? Ich wuͤnschete auch einen außfuͤhrlichen bericht vnd belehrung der The- ologen. Suche auch vnten Dub. 30. n. 17. So machet man die leut auch mit der heutigen tortur gantz desperat, daß sie alles bekennen/ damit man an jhnen die tortur nicht iterire, NB Ich solt sagen/ continuire. Darumb ist diß argument zu schwach. Daß ii. Argument. Wann daß nicht war ist/ was in der tortur bekandt worden/ so muͤsten leiden viel vrtheil/ auff schwachen fuͤssen stehen. p. 180. 181. Antwort: I daß ists eben/ darvor ich jeder- man gerne wolte warnen/ aber hodierna praxis vnnd secunda acta \& probata hiessen mich schweigen. Daß iii. Argument: Die erfahrung be- zeugt aber/ daß waar sey/ was man in der tortur bekennet; dann die circumstantien sein gleich- stimmig. NB Nimm ein exempel: Sempro- nia bekennet peinlich/ sie habe Gracho vor drey Monaten ein Kuh verhexet; item vor zwei Jah- ren hab sie jhm ein kind vmbracht ꝛc. Nun daß findet sich so. Was wiltu nun sagen? p. 180. 181. Antwort: Sempronia hat diß alles woll gewist/ gewist/ allein die grewliche schmertzen habens jhr in mund gelegt/ da man mit torquiren conti- nuiret hat. Hie faͤhlets denn vnachtsahmen Richtern an dem 60. Articul der peinlichen halsgerichts ordnung. Car. v. da gesagt wirdt: NB alsdann soll man der gepeinigten glauben/ wenn sie daß sage/ daß kein vnschuldiger gewist hat/ oder hat wissen koͤnnen ꝛc. Gracchi kind ist vor zwey Jahren an der schwind sucht gestorben/ daß weißt ein gantzes kirchspiel: die Kuh ist vor drey Monaten vmbgefallen ꝛc. So gehets auch mit anderen articulen der peinlichen fragen/ vnd doch heists man hab alles ad Bancum juris sc. der reckleiter referiret ꝛc. Daß iv. Argument: Wann aber Sem- pronia Gracchum angibet/ daß er auff dem Hexenplatz mit dieser oder jener in solch vnd sol- chem Kleid getantzet ꝛc. Sie hab daß zu der vnd der zeit von jhme gelehrnet ꝛc. Grachus gefan- gen/ getorquiret bekennet es eben so. Waß sagt man hier zu? p. 183. Antwort: i. lieber leser ersiehe dich daroben Dub. 20. per totum. So wird sich es baldt finden/ daß mans jhnen so hat vorgelesen/ vnnd die marter hats auß jhnen gezwungen. ii. Hats der examinator nicht so gemacht/ so hat er es den Hencker thun lassen. Ich wolt woll ein anderen mann mit nahmen nennen/ der den Hencker vnd examinatoren dieser muͤh-v- berhebt. Such droben Dub. 20. rat. oder num. 11. iii. Ha- iii. Habens denn weder examinator, noch hencker/ noch Commentariensis gethan/ so ist es also ergangen. Die gerichtspersonen/ vnd geistlichen sein dar- bey vngehaltene leut gewesen/ vnd haben heuti- gen mißbrauch nach/ die heimligkeiten auß vnter den poͤfel geplauderet/ daher ists Graccho kund worden/ was man von jhm halte/ weil er nun die marter nicht mehr muß stehen koͤnnen/ vnd Sem- pronia in der confrontation Dub 24. Mod. 2. jhn ins angesicht vberzeuget/ in massen ad bancum Iuris also ihm vorgehalten worden/ so hat ers bekennt. Daher die verschreyeten Leut nun Rath suchen: ob sie fliehen sollen/ weyl es also gehet. iv. Last man auch vnverstaͤndige Kinder/ ja offtmahl vnverschaͤmtes Frawen-zimmer/ heim- lich zu der tortur/ jhre augen an jhren Feindinnen zu speisen/ doch heimlich gelangen/ die darnach alles nachklappern. v. Sein noch mehr dergleichen sachen: auff die einer jeden hohen Obrigkeit/ sonder respect dieser oder anderer prætendirten/ doch nicht producirten/ oder woll gar falsch allegirten privilegien. Deren man offt in præjudicium innocentis mißbrauchet/ von gewissens gefahr wegen/ inquisition zu thun gebuͤhret/ vorhan- den/ die man aber dißmall in jhren wuͤrden stehen lasset. NB Eine Fraw hat muͤssen gefangen werden/ tor- torquiret, vnd verbrennet/ nur darumb/ daß sie jemands gerathfraget: sie sey angegeben/ ob sie flihen sollen: vnd daß sie nicht geflohen/ weil sie vnschuldig war/ so hat sie dran gemuͤst. p. 186. Die 29. Streit-rede. Ob die Tortur in hoc passu/ weyl es dar- mit so gefaͤhrlich hergehet/ woll gaͤntzlich abzuschaffen? S O offt man ein Mißbrauch/ der grosse gefahr auff sich hat entdecket: so offt ver- dient man nur vndanck. Jeder gehe in sein eigen gewissen/ vnd betrachte: daß einem jeden vergolten werden wird nach dem Er gehandelt hat bey leibes leben/ es sey gutes oder boͤses. Man hat Academien/ man hat Theo- logen/ man hat Juristen/ die moͤgen rahten: es ist mir genug daß ich die Leut/ von vnchristlichen proceduren informire: Ich sage: wo gefahr dem weitzen wil zu wachsen/ so sagt Christus/ man soll daß vnkraut stehen lassen ꝛc. Die 30. Streit-rede. Waß der Beichtvaͤtteren hier- bey ob liege. NB. B Ey den Evangelischen wills auch faͤhlen/ vnd faͤhlet auch manchesmal wann die Richter allzuviel privile- G girt girt sein/ vnd der Geistliche HERR etwan we- nig erfahrenheit. Darumb so will ich des autoris meinung hersetzen/ er nennts Documenta. Ist ein discurs Jungen Predigeren nothwendig zu wissen. pag. 189. Document i. Zu diesen handell muß man Leut haben/ die jhr ampt woll verstehen/ mit dem Geist Christi begabet/ gelind/ sanfftmuͤtig/ eines scharffen verstandes/ beruͤhmter andacht vnnd maͤssigkeit/ gewissenhafftig/ Gott mehr ehrende als die Welt/ geschicket bekuͤmmerte hertzen zu handtieren: die nicht vngestuͤmm seyen/ nicht hochtrabendt/ nicht einbildisch/ nicht jhren eige- nen affecten ergeben: welche alles nach dem ge- wissen vnnd gesunder vernunfft examiniren: daß nichts præcipitanter vnd im eifer/ oder im trunck/ oder vmb gunst ꝛc. von jemanden ge- schehe. p. 190. Document ii. So sie sollen zu den ge- fangenen gehen: so gehoͤret ein andaͤchtiges gebet darzu/ daß Gott sie selbst mit seinem Geist wolle regieren. Insonderheit sollen sie Gott fuͤr die ar- me gefangene/ vorhero zu hauß bitten: So man zu denselben kommet/ soll man sein mitleiden be- zeigen: sich nicht lassen mercken/ daß man wissen- schafft vmb jhr verbrechen habe: NB. Am we- nigsten solcher massen mit jhnen procediren/ daß man sie jhr verbrechen der Obrigkeit zu be- kennen solte anstrengen/ dann dieses noch gar zu fruͤhe zeittig/ vnd den Geistlichen nit anstaͤndig. Hier Hier muß man mit Spruͤchen vnd Erempeln der Heyligen Schrifft: von Gnaden-reicher verge- bung der suͤnden/ von Rechtfertigung des armen suͤnders vor Gott/ von dem Mittler Ampt Chri- sti ꝛc. wollgefasset sein/ (Besiehe M. Erasm. Winther. Thesaur. Consol. in Casib. trag. \& inop. aliis parte secunda, \& alios ) die Rich- ter muͤssen immerdar so viel muͤglig/ von den geistlichen/ der tortur halber nicht angefrischet sonder ja immer zu ruck gehalten werden: geist- liche Leut sollen sich aller vnbarmhertzigen dingen enthalten: nicht vngestuͤmm gegen die gefange- nen sein: sie nicht staͤtigs mit vnfreundlichen wor- ten molestiren: von jhrem verbrechen noch zur zeit in jhrer præsenz nicht reden: sie nicht schel- ten: oder mit vngestuͤmme verunruhigen: sonde- ren jhre halßstarrigkeit auß Gottes wort/ mit sanfftmuth brechen. pag. 194. Document. iii. Daß aber die meisten Beicht-vaͤter/ nur einig vnd allein auff die beicht tringen: vnd wenn sie die erhalten/ fast darob tii- umphiren/ daß gefaͤllt mir gar nichtes: dann so jemandt warhafftig die Hexerey getrieben/ so muß er von wahrer buß besser instituiret werden ꝛc. Nota, der Autor ist ein Papist/ darumb hab ich hie seine wort nicht alle gesetzet. Document. iv. Der Beichtvatter soll sich des wercks nit vnternehmen/ man hab jhm dann genugsamm versicheret/ daß die Persohnen schuldig. G ij * Do- pag. 195. Document. v. Mann mag woll auch vorher/ der halßstarrigkeit vorzubawen/ auß Got- tes wort mit den gefangnen handlen/ doch soll man nur in generalibus verbleiben. Document. vi. Ein Beichtvatter soll sich vor aller æquivocation huͤten/ daß er wo solche offenbahr/ sein ampt nicht despect irlich mache. Sie stehet auch einem Richter nit zu. Document. vii. Huͤten soll sich der Beicht- vatter/ daß er ja nicht von der tortur rede/ wie sie anzustrengen: denn das ist Henckermaͤssig: zur milterung mag er woll ein vorbitt thun. NB. Document. viii. Offentlich soll er bey der tortur nicht sitzen: heimlich/ daß es nicht so Teufflisch zugehe/ wie obgemelt/ solte man jhne ja lassen zu sehen/ jhm ein mittleiden gegen die ge- fangene zu erwecken. Document. ix. Daß ist auch wegen des Richters von noͤhten/ damit man jhme zu reden moͤge. pag. 198. NB Docum. x. Kein Geistlicher soll auff sich nehmen/ daß endvrtheil den malificanten anzudeuten. NB Docum. xi. Dann darumb heisset Er Beichtvatter: ist ein schweres Ampt/ daß viel auff sich hat/ darumben mann nur geistreiche Leut dar- zu foͤrderen solte. * Document. xii. Er soll die gefangenen versicheren/ daß waß er mit jhnen handtlet/ nie- mandt mandt erfahren soll. Vnd daß ist er auch zu hal- ten schuldig. Docum. xiii. Dann er ist ein botte Gottes an die menschen/ aber nicht an die Richtere/ jh- nen auch nur daß geringste zu offenbahren. Er hat daß exempell Christi/ der Apostell/ vnnd wah- ren Kirchen Vaͤtter vor sich ꝛc. pag. 201. NB. Document. xiv. Viel Beicht-vaͤt- ter machen mit jhrer importunit aͤt/ daß etliche deswegen sich schuldig bekennen/ die doch vn- schuldig/ davon Dub. 19. num. 4. 5. item: Daß sie foͤrchten sie muͤssen wider an die tortur: dar- umb frag sie in der Beicht waß du wilt/ sie werden zu allen dingen ja sagen: daß bring darnach auff die Cantzell ꝛc. o Elendt vber alles Elend. NB. Docum. xv. Wenn der Beichtvat- ter daß maul nit halten kan: pag. 205. so causirt er den gefangenen 1. ein newe tortur: vorauß wenn man von der Cantzell fein lustig herunter donnert 2. staͤrckt er den Richter in seiner gewissenlosen vnachtsamkeit/ wie vnlangst einer sich geruͤhmt: er habe niemand brennen lassen/ er hette es denn an dem Beichtvatter gemercket/ daß die Persohn nicht vnschuldig. 3. macht man die beicht hie- mit despect irlich/ vnd setzen darnach andere ein mißtrawen in einem jeden Beichtvatter. NB. Vnlangst hat einer sich hoͤren lassen: Man soll nur getrost mit brennen fortfahren/ p. 216. er wiß daß noch keine gebrandt sey/ die nicht war- G iij hafftig hafftig eine Hexe gewesen. Wo gehoͤrt daß ding auff die Cantzell? woher weist er daß? Aber solche heylose Leut will man gerne haben. Es hat mir einer wegen derselben Predigt so viel zu verstehen geben: wenns jhm frey stunde/ er wolte erweisen/ daß die meisten vnschuldig gewesen: allein er muͤste sorgen man wurd jhn selbsten angreiffen/ oder doch so bedrengen/ daß er lieber auß dem Landt were. Ich weiß woll warumb ich mich nit nenne. p. 209. Docum. xvi. Wenn der Beichtvatter/ auß gewisen anmerckungen verspuͤret: daß je- mandt waarhafftig vnschuldig/ welches nach Tanneri meinung woll muͤglich/ so soll er den Richter ins geheim erinneren. Dann daß heis- set jhne Salomo: NB. In den spruͤchen capit. 24. v. 11. Errette die/ so man toͤdten will/ vnnd entzeuch dich nicht von denen/ die man wuͤrgen will. Sprichstu: wir verstehens nicht. Meinstu nicht/ der die hertzen weiset/ merckets? vnnd der auff die seelen acht hat kennets vnnd vergilt dem menschen nach seinem werck. Daß sein keine Sil- logismi. NB Er mag den Richteren dieses in geheimbden sagen/ vnd eben so reinen mund hal- ten/ denn sonsten in der Beicht. Vnd der Richter soll nicht zuͤrnen: zuͤrnet er/ so laß man jhne den 58. vnd 82. Psalmen lesen/ vnnd legs jhm fein sel- ber auß/ daß er sich nicht entschuldigen koͤnne. Merck waß Paulus saget: 1. Cor. 6. v. 3. wisset jhr nicht/ daß wir vber die engell Richten wer- den/ ꝛc. NB. p. 210. NB. Docum. xvii. So jemandt beich- tet: er hab vor grossem schmertzen der tortur vn- schuldige Leut angegeben/ will aber auß forcht ei- ner newen tortur nit wiederruffen/ besiehe Dub. 40. drunten/ so soll jhn der Beichtvatter doch so viel muͤglich/ mit aller sanfftmuth versuchen/ zu disponiren/ daß er solche revocation vor dem endturtheil thue: kans zu letzt nicht anderst sein/ so laß jhm doch vor dem todt revociren vnd de- preciren. Hat denn gleich der Richter kein ge- wissen/ daß mustu Gott befehlen. Consulæ Ca- sistas. p. 211. Docum. xviii. Wenn nun jemand/ al- so bloß vor seinem Todt wiederrufft/ vnd solches vorhin auß forcht der pein nicht hat thun doͤrf- fen/ dieser widerruff ist kraͤfftig/ vnnd wenn die Richtere/ die vnschuldig angegebne nit loß lassen/ so sein sie Todtschlaͤger. NB. hie soll denn daß Ministerium hernachmal daß maul auffthun! p. 213. Docum. xix. Ich kan es mit einem eydt zu Gott bezeugen/ daß ich noch nie keine zum todt begleitet von deren ich sagen koͤnte/ nachdem ich alle heimlichkeiten zu erfahren/ so grossen fleiß an- gewendet/ daß sie waarhafftig oder doch so grob schuldig gewesen. Denn setz einen fall/ nimm ein malefiz that welche du wilt/ vnd laß die proces- sen so formalisiren/ wie du nun vnterrichtet bist/ es sollen darinnen mehr Maleficanten/ als in der Hexerey befunden werden. Aber genug mit diesem. G iv Die pag. 214. Die 31. Streit-rede. Ob es Recht: daß man vor der tortur, den beklagten Weibesbilderen die Haar durch den Hencker laß abschneiden. D Ieses geschicht/ wie sie sagen: daß kein Zauberey darunter stecke. Allein 1. Chri- sten solten sich dessen schaͤmen 2. ists mit gefahr der keuschheit/ 3. mag der schelm der Hencker daß Weibsbild nach muthwillen be- tasten/ 4. ist es einem Weibsbildt vnehrlich so schaamloß mit dem Hencker/ in einem schandt- gewoͤlb allein stehen muͤssen/ 5. hat man noch nie- mahls etwaß mit diesem mittel außgericht. 6. Warumb thun sie daß nicht auch an den maͤn- neren/ doch duͤrfftens vielleicht die Boͤßwichter woll endlich an den ephebis versuchen woͤllen. 7. Warumb geschichts mehr an Jungen als an Alten? 8. so koͤndte solches die Henckerin an den Weibsbilderen verrichten. 9. ist es eben so eine grosse heimliche schandt/ als der Roͤmer geheime Bacchanalia bey dem Livio. 10. Ists res mali exempli \&c. O Teutschland: sag ja nichts ge- gen der Italiener Florentini sche Hochzeit: oder der Spanier Ziegen-sehandtlust! mercket diß jhr Richtere! Die pag. 218. Die 32. Streit-rede. Auß waß fundamenten man zu der tortur wuͤge schreitten? A Ntwort. Weylen es so ein gefaͤhrlich vnd vnvberwindtlich ding/ secundum alle- gata \& probata vnser gewissens-verges- senen Brandtmeister/ vmb die tortur ist: so soll man sich nicht so furiosè darzu resolvi- ren: sonder mann muß indicia haben/ die daß maaß/ also zu reden/ gar vberfluͤssig voll machen. Indicia heissen alle die dinge/ auß welchen man schliessen/ nicht nur muthmassen kan/ daß ein mensch/ diese oder jene Malefiz that begangen. Deren seind nun dreyerley. Grosse: Groͤssere: vnn die Allergroͤssesten. Hiebey woͤllen wir bese- hen/ welche genug seyen/ 1. zum fangen/ 2. zur tortur/ 3. zum verurtheilen. i. Zur verhafftung gehoͤren grosse indicia: dann auß geringen vrsachen jemand mit gefaͤng- niß belegen/ daß ist ein grosse vnbilligkeit/ vnnd je wuͤrdiger die Person ist/ je groͤsser ist die schmaech: darumb vber wuͤrdige Persohnen man groͤsserer indicien von noͤhten. ii. Zu dem verurtheilen/ muß man die aller- groͤsseste indicia bey der handt haben/ es muͤssen probationem sein klaͤrer als die sonne/ sie muͤs- sen nottrungenliche sachen sein/ sie muͤssen die be- klagten p. 219. zur vollen gnuͤge vberweisen/ vnd jhnen G v jhre jhre schuldt also vnter die augen stellen/ daß man nichts dagegen finden kan. Daß wo solche indi- cia vorhanden/ man der tortur aller dings nicht benoͤtiget seye: man heist es auch woll probatio- nes per excellentiam \&c. iii. Zur Tortur, ists nicht gnug/ daß man habe indicia magna. Weil die tortur vielfal- tig beschwerlicher/ als die verhafftung: maxima hat man nicht von noͤthen/ sonderen man kan majora annehmen: doch daß sie von solchen qua- lit aͤ ten seyen/ daß ein weiser mann nicht billich einen zweiffel muß dran haben/ sondern sich dar- auff verlassen koͤnde: werden den groͤssesten nicht wenig sondern fast gleich geschaͤtzet/ halb- oder schier-vollkommene beweißtumen: daß ist/ die al- so beweisen/ daß sie einen doch nicht gar vberwei- sen/ doch gar nahend einer vollenkommenen pro- bation gleich sein: als wie der Mon/ wenn er bald voll ist: pag.. 220. vnd man muͤsse befahren/ es habe einer daß jene begangen/ dessen man jne bezuͤchtet/ vnd zu voller gewißheit gar nichts mehr mangle/ als des beklagten bekandtnisse. Besiehe die Ju- risten. NB. Solche indicia muͤssen auch/ durch zween beglaubete zeugen beschworen sein: wie die Juristen lehren. Die pag. 221. Die 33. Streit-rede. Bey weme daß Vrtheil stehe: auß zusprechen: daß die indicia von genug- samen qualitaten? A Ntwort: es ist ein schwerer handell: dar- umb gewissenhaffte Richter die indicia zu legitimiren an Academien zu ver- schicken pflegen/ wiewoll hierinnen auch schon grosse gefaͤhrdung einschleichen will. Einred: daß nimt all zu viell zeit/ vnnd vnko- stung: daß will sich nicht schicken ꝛc. 222.. Antwort: 1. Die red ist hie von einer sehr zweiffelhafften tortur, vnd sehr disputir lichen indiciis: die der interessent noch vmbstossen kan. 2. Oder thu du das/ prætendir privile- gia, gib kein indicium herauß/ laß niemand zu dem Gefangenen/ der jhm einen guten Raht ge- be/ vnd practicire, was droben Dub. 24. per tot. vorgeschrieben/ so ist die Sach klar. 3. Ich rahte aber daß du gedult nehmest vmb desto siche- rer zu gehen! Wiltu lieber gefahr vnd Seelen- schaden/ deiner vnd der interessenten veruhr- sachen/ oder wiltu lieber gedult haben? Deine Einred ist wider Christliche Liebe/ vnd gesunde Vernunfft. Soll man so marteren vnnd bren- nen? NB. Gott weiß es/ du wilt vnter dem schein deiner Justitz den Erdbodem ohne Leut machen/ die Hoͤll fuͤllen/ 223. vnd selbs auch mit hinein. Vn- Vnlangst sagte ein Brandtmeister zu mir: wir solten ja deinem Raht folgen: Aber so fallen vnsere processen in den brunnen: Es ist gnug das es also practici ret wird/ was sollen wir erst viel scrupuli rens zulassen/ ꝛc. NB Hierauß kan ein jeder selbst schliessen/ was solche Leuth heut zu tag fuͤr ein Gewissen haben. Ist so viel gesagt: Wenn die Leut die augen auff- theten/ so koͤndten sie sehen: daß sie aber nicht se- hen/ so muß man die augen auffzuthun jhnen nit verstatten. Ist das nicht schroͤcklich/ das man keine andere alß nur diese kahle/ obangezogene entschuldigung in einer solchen sachen hat? Wer ist der mich zum Blutrichter in dieser Sachen will setzen/ so will ich mit dieser entschul- digung/ vnd mit obangezogenen vnd genug an die Handt gegebenen processen zu Hexen ma- chen/ welche ich will. Will die Hohe Obrigkeiten vor ersten angreiffen/ daß sie meinen mißbrauch in allegandis \& ne producendis quidem privilegiis nicht straffe/ darnach in jederman wuͤten/ wie droben Dub. 18. Coroll. 15. zu se- hen/ so ist ja der handell klaar/ vnd was doͤrffs viel maͤuß/ ich bin ja die Katze? Die 34. Streit-rede. Ob allein das gemeine geschrey/ wenn sonsten keine andere vnnd gnugsame indicia vorhanden/ ein genugsames indicium zu der tortur seye? A Ntwort: i. Julius Clarus, vnd andere/ de- ren ren Er genugsam citiret, sagen allzumahl nein darzu. Vrsachen 1. Theologen vnnd Juristen seyn hierinnen gleich einig: daß sie sagen: daß Fama allein in criminalibus nichts probire, wiewol es eine halbe anklag seye. Nun kan nie- mand auff blosse anklag/ ohne eingebrachten be- weiß torqui ret werden/ E. 2. Fama weiset den Richter nur an/ vmb besseren beweißthumb zu suchen. 3. ist Fama sehr mißlich vnd betriglich. 4. will Farinacius: daß die indicia zur tor- tur nit nur einen schein der sach sollen haben/ son- deren sie sollen schwer/ durchtringend/ gewis/ lau- ter vnd klar sein. Besihe Dub. 32. pag. 226. p. 227. Antwort ii. Es ist dieses auch also waar/ daß man auch in crimine der Hexerey/ das dif- famiren, wann schon andere indicia darzu kom- men/ nit soll annemmen. Ist auch sonsten heut zu tag wider aller Rechts-verstaͤndigen vrtheil: auß vrsachen NB. 1. Weil jetzige verschreyung/ meistens herkommet/ vom hader/ zanck/ schelten/ vbell nachreden/ boͤsem argwohnen/ frevlem vor- urtheil vnd splittergericht/ verbottenem waarsa- gen/ neidt/ haß/ mißgunst/ leichtfertiger Jugend/ vnglaublicher begierde zu klapperen/ vnd vnge- zimter lust schand vnd schaden anzurichten. Die- ses/ weil es niemanden hinderet oder bestraffet/ oder außzureuten sich vnternimmet/ so breitet eß sich nah vnd ferne/ alß eine grosse Sturm-flut/ die Teich vnnd Damm durchgebrochen hat auß. Vnnd also gibts die gesunde Vernunfft an die hand/ hand/ daß man nichts darauff fussen koͤndte. Ich verwundere mich offt/ wenn ich vnsere aller-ver- derbteste zeiten betrachte/ in welchen alles voller falschen angebens/ p. 228. vnd boßhaftigen verleumb- dens. So/ daß wann vns ein wenig etwas vn- gluͤck anstosset/ so haben wir flux einen argwohn auff diese oder jene/ sie hab vns verzaͤubert oder verhexet/ da laufft man zu den Christall sehern/ die sagen vns/ was wir wollen/ da muͤssen sich die vornehmste Matronen in argwohn stellen lassen/ das gifft der freveln vorurtheil vnd verdamlichen splitter gerichts breitet sich desto vngehewrer in der finsterniß fort/ je haͤrter die Obrigkeiten/ sol- che klafferey zu straffen/ in tieffen schlaaff der conniven tz still bleiben. Daß lisplen vnd muͤn- ckeln kreuchet von hauß zu hauß heruͤmber/ der wascher steg/ braw-bach-wasch-hauß/ badtstuben/ alle maͤrckt/ bier-wein-brandwein-met-haͤuser/ Tabacks-rauchstuben/ alles erschallet darvon. Ja vnseren tisch vnd bett lassen wir selbs von weib vnd Kinderen/ alß mit angenehmen spielleuten/ darmit besingen. Hiemit waͤchset der argwohn/ vnd kommt zu einer vermeinten gewißheit. Noch will die Obrigkeit nicht auffwachen/ daß sie solten in die ersten anfaͤnger dieser pestilentzischen ca- lumnien inquiriren. Doch die geistlichen theils/ van der Cantzell Canonisiren diß. O vn- verstandt! solte man daß lose Lumpengesindtlein nicht antasten/ fangen/ (heist es) solten wir diese oder jene nicht torquiren/ solten sie vnschuldig sein sein koͤnnen/ sie sein Hexen vnd bleiben Hexen? O vnvernunfft: diese gifftige zungen solt man vor erst hemmen/ die vrheber solchen geschreyes straffen/ jhnen die zungen auß dem nacken reissen/ vnd an den pranger/ kaacken vnnd schandtseulen haͤfften/ vnd denn/ so man ein schock zungen het- te so geraͤucheret/ waß gilts daß laͤsteren solt nach- bleiben. So muß eine Fama oder diffamation/ wann sie fuͤr ein indicium zur tortur gelten p. 229. soll NB. 2. mit zweyen vn-umbstoͤssigen zeugen Eydtlich bewehret sein: die man vorher belehren muß/ auff waß fuͤr einen schweren puncten sie den eydt werdenmuͤssen ablegen: waß vnd wie schwer der eidt seye: vnd daß sie ein gutes fundament jhrer wissen schafft haben. Diese meine redt will ich mit mehr als 50. Rechtsgelehrten beweisen ꝛc. Nun aber geschicht daß hie nicht/ waß soll mann dann zur captur oder tortur auff ein solch heilloß fundament bawen? [ NB Ich will einen vorschlag thun: p. 230. man las aller Brantmeister protocollen 1. exami- niren, ob aller verurtheilten Fama solcher gestalt judicialiter sey probiret worden. Delrius ci- tiret vornehme Iuristen, welche von jhren zei- ten schreiben/ sie wisten nicht/ daß die fama je- mahls judicialiter sey probiret worden. Doch dieses argument aus Del’rio doͤrfften gewissen- lose Richter wol fuͤr sich als præscriptionem longi temporis anzihen. 2. Wenn man nun dis urgiret, so bekomm ich die antwort: hæc est ho- hodierna praxis: pag. 231. p. 233. NB solten wir so fahren wie du wilt/ so hetten wir keine Hexen/ so weren keine processen \&c. Nun muͤssen wir proces- sen haben/ Hexen torquiren vnd brennen ergo: so muß die gantz vngegruͤndete diffamation ge- nug sein zum beweis ad torturam \&c. ] 3. fol- get endlich/ daß der solcher massen ist gefolteret/ daß: sein bekaͤntnus weder gegen jhm selbsten/ o- der gegen andere gantz nichsten gilt: daß ein Rich- ter zum vnverantwortlichsten suͤndiget/ wenn er aus solchen vngegruͤndeten indiciis torquiren lasset/ vnd ein todtschlaͤger wird: daß Obrigkeiten ein vnverantwortliche suͤnd mit jhren mandatis processuum auff sich haben: vnd auff andere la- den. Meines Amptes ist erinneren: daß gehoͤrt sich auß Christlicher liebe zu thun: der hasset seinen Naͤchsten/ der jhn wegen der gefahr nicht warnet/ wenn ers besser verstehet vnd doch schweiget. Ich kan etwaß begreiffen/ daß nicht ist: ich kan etwaß vnd nicht wenig jrren/ weylich nun etwaß finde daß vnrecht ist/ so soll ich auch nicht schweigen. * Einred i. man hat aber neben der Fam, noch mehr indicia/ vermoͤg deren man proce- diret. Antwort: wann man solche indicia bey der Fam hat/ daß sie vor sich selbsten gnug zur tortur sein/ so hat es seinen weg. Wann aber die indi- cia nicht genug sein/ sondern muͤssen jhren nach- druck von der Fam nehmen so procediret man vbell vbel noch gegenwertiger Fam, vnd ist der pro- ceß von vnkraͤfften. Einred 2. Es gilt in der Hexerey sagt Bins- feld. p. 619. gleichviel: dann daß es also seye/ daß verstehet sich ohne daß genug. Antwort: die Fama soll judicialiter beschwo- ren vnd außgefuͤhrt sein/ daß es nicht gehe/ wie droben num. 1. in diesem Capittel ist geklaget worden. Einred 3. Die Richter sagen: was sie nach diesem Pfaffen geschrey zu fragen: es seyn schul- fuͤxische disputationen: Sie haben praxin ho- diernam vor sich/ vnd den Jesuitam Del’rio, der sey der geuͤbteste meister in disen sachen/ der verstehe auch etwas/ ꝛc. Antwort: 1. Ich sehe nicht auff die praxin, sonder auff argumenten, die aus gesunder ver- nunfft gefllossen seyn 2. die Fuͤrsten lesen Del- rium selber nicht: sonst wurden sie es sinden : daß Delrius eben das in puncto famæ haben will/ was ich erfordere 3. so ists nicht genug/ daß man sagen muß: ja so werden die Herꝛen hinder das liecht gefuͤhret 4 hilffts nicht/ daß man sprechen will: ein Fuͤrst last seine Raͤth darfuͤr sorgen. Al- lein hie mangelts an den Geistlichen/ die man nit hoͤren will/ wenn sie schon reden/ so werden sie verachtet vnd verlachet. Interim sihet man daß es also hergehet. 1. Es ist nit noth/ daß man ein rechtlich oder gerichtlich beschwornes indicium famæ habe. p. 235. H 2. Vnd 2. Vnd gleichwoll proced iret man/ allersei- tig ex indicio famæ/ gegen die Hexerey in Teutschland. 3. Man kan fast nicht finden/ daß fama in diesen processen jemal sey legitimè probiret worden. 4. Wann fama legitimè probiret wuͤrde/ so koͤndten die Richter nit procediren. 5. Es mag niemandt die Richter des vnrech- tens halber/ wenns schon waar ist/ straffen: Man muß woll glauben/ daß alles richtig zu gegangen: die fuͤr ein Hexe erklaͤret worden/ die ist vnd bleibt ein Hexe: wers anderst redt/ ist selbs ein Hexen- meister: wer anders erweiset: kommet in ver- dacht/ vnd muß gewertig sein/ daß man auch mit jhm spielt/ wie oben in der 24. Streitred/ vnnd sonsten anßgefuͤhrt: waß soll man den thun? p. 237. Die 35. Streit-rede. Ob nit bey so beschaffenen sachen: der Obrigkeit gebuͤhre/ sich gegen die verleumbder vnd Calumnianten mit ernst vnd der ex- ecution zu legen? I Ch sage ja: aus vhrsachen 1. weil dises vnchristliche laster allzuweit eingerissen/ so gar/ daß etliche nunmehr lieber in der Thurkey wohnen wolten/ weil man ge- gen die leut also ex puncto famæ procediret. NB Ohnlaͤngst ward ein Staͤttrechner/ oder kaͤm- kaͤmmerey Herꝛ ex l. repetundarum, wegen seiner vnredlichen gemeinen geldts verwaltung angesprochen: diser reiset zu dem lands-Fuͤrsten/ vnd infamiret seine Statt: pag. 238. 239. Sie sey voller Hexen/ vnnd darumb daß er dagegen geredt/ so muͤß er leyden/ der Fuͤrst ist ein kind/ vnd glaubts/ vnd schicketeinen Brandmeister dahin/ also blieb diser redlich. Dis ist der beste weg zur eigenen raach. Darnach 2. warumb inquiriret man ultrò so hefftig in die Hexen? Vnd nicht auch auff falsche maͤuler? Hett dieser Fuͤrst gemach gethan/ vnd vor die andere parthei auch gehoͤret/ daß were recht gewest. Also 3. wie man aus der blossen fam, welches man jetzo anfanget leugnen/ gegen die Hexen/ mit gefaͤngnus/ tortur, feur vnnd todt inquiriret vnnd procediret, so solt mans gegen falsche zungen auch so machen 4. damit wurden/ die heutigen processen nicht we- nig an sich selbsten geseubert werden. Es sollen aber die Lehrer vnd Prediger/ 5. hie nicht selber die leute angeben: nicht selber in den heusern ver- schrauffte reden fuͤhren/ sonderen 6. wie jhrer et- liche vnbedachte discursen von der Hexerey in jhren Predigten fuͤhren/ also sollen sie vielmehr aus Gottes wort/ die verleumbder straffen: so duͤrffte man nicht sagen/ was bey dem Ezech. stehet. cap. 9. vers. 6. pag. 238. 239. NB Fahet aber an an meinem heyligthumb [ich finde: daß solche vntugent kommet aus vnwissenheit. Wer hat Wierum de præstigiis Dœmon: gelesen? Wer H ij Gœ- Gœdellmannum? Niemand kennet Tanneri schrifften von disen sachen] NB Ist nun 6. et- wan daß gemeine geschrey vber ein armes weib/ die ist zu schlecht/ hat keinen helffer/ wie alle arme verlassen sein: ists ein reiche die so infamiret wer- den will/ komt man von jhrentwegen vnd klaget: wens wol gehet/ so heist es: es sein kinderpossen/ interim bleibet der schimpff auff jhrem mann/ kindern/ vnd der gantzen freundschafft. O wehe dir Obrigkeit/ mord vnd todtschlag wird noch darans kommen/ vnd niemand will das betrach- ten/ vorkommen/ vnd die diffamanten straffen. Ja ob auch 7. jemand reicher sein ehr/ pag. 142. 143. mit rechtens ausspruch erhielte: so ist doch der sachen nicht zu helffen: dann der einmal angehengte schandflecken bleibet: darumb schlies ich: NB daß ein Obrigkeit schuldig/ nemine urgente, wegen dieses diffamirens executivè in die dif- famanten, vnd zwar mit dem strengsten ernst zu verfahren/ so were grossem vnheil noch woll vor- zukommen. pag. 142. 143. Die 36. Streit-rede. Ob auff den fall: daß Fama im rech- ten gegen eine beklagte Persohn gnugsahm er- weiset: solche genug sey/ zum indicio ad tortu- ram: wenn man sonst schwerlich kan zum beweis- thum gelangen: vnd es ein crimen exce- ptum betrifft? I Ulii Clari schluß/ aus vielen Rechtens al- lega- legaten scheinet sein: daß er sage ja. Vrsach: in atrocissimis moͤge man die Rechten vber- schreiten/ pag. 245. 247. vnnd die erforderte solenni taͤten außlassen: quia in his ordo sit, ordinem non servare, es sey hie recht/ daß man nach keiner- ley rechtens formul sich richte. So gar libe- ral reden sie. Meine meinung ist gantz anders aus denen vrsachen: i. Wo die gesetz keinen vnterscheid machen/ da soll man auch keinen tichten: es zwinge vns dann die grosse noth darzu: wenn nun die pro- bationen gar liederlich/ so folget man lieber vnd gewisser den gesetzen/ denn solchen grausamen autorit aͤten. ii. Daß gesetze der Rechten will haben: die probation soll also vergnuͤglich sein/ daß fast nichtsen/ als nur eigne bekentnuͤs mangele. So nun daß nicht vorhanden/ so hat man noch kein recht zu torquiren. iii. Sein viel Doctores meiner meinung/ pag. 245. 247. als auch Delrius selbsten: NB der sagt: es sey zu grausam vnd wieder rechtlich/ wenn man/ nur bey loser leuten aussag verbleibe/ vnd sonst nichts habe: vnd Farinaceus schelte sie billich: darum- ben man in hexerey/ aus der blossen Fam nit soll procediren. iv. Daß lehret vns auch die gesunde ver- nunfft: dann weil die tortur ein vber die massen grosse beschwernus/ vnd deswegen sehr gefaͤhr- H iij lich: lich: so soll man ja mit so geringen indicien sich nicht vbereilen. v. Vnd dieses hat insonderheit auch statt in Criminibus exceptis: weil schmertzen vnd ge- fahr der tortur, secundum hodierna allegata \& probata: \& hodiernam praxin nit gerin- ger: sonder viel groͤsser seyn. Darumben muß man nit so gegen alles Recht vnd gesunde Ver- nunfft streiten. vi. Warumb soll Fama in exceptis genug seyn: da sie doch in levioribus nicht genug? was ist das fuͤr eine newe Philosophia? Ists denn alsobald waar/ was die Leut liegen: So kan man des Richters eygne Frawen/ seine Toͤchtere/ seine Soͤhne/ vnd denn jhn selber letztlich also angeben/ vnd tractiren sie alle/ wie droben Dub. 18. \& Dub. 24. auch sonsten außgefuͤhret. Herꝛ Rich- ter/ last mich mit euch vnd den eweren: secun- dum vestra allegata \& probata, per praxin hodiernam also procediren! Wollan/ was einer nicht will/ das man jhm mit vnrecht thue/ daß soll er auch an anderen zu thun/ ein bedencken tragen. vii. In gemeinen malefiz -thaten: soll Fa- ma ein allzuweit gesuchtes indicium sein. War- umb nit noch weiter zu holen in exceptis? War- umb nit gefaͤhrlicher? Wol/ wir wollen dieses weiter examini ren. Die p. 251. Die 37. Streit-rede. Ob dann die probationen: so in gemei- nen Criminal sachen nicht genug zur tortur sein: ins gemein genug seyen in exce- ptis oder hauptlasteren? A Ntwort: p. 251. es mag subtilisiret werden/ waß will/ so hab ich vrsachen zu sagen/ Nein: i. Dann erstlich hat gegentheil kein fundament. Denn waß den Rechten vnd ge- sunder vernunfft nicht gemaͤß/ daß verwirffet Farinacius in hoc puncto mit mir/ eben dar- umb daß es kein fundament hat. ii. Die gefahr lebens vnd der ehren ist ja in exceptis/ sonderlich in der Hexerey groͤsser: dar- umben Hippolitus Rim. Cons. 88. vnnd son- sten also redet: NB. Je groͤsser ein Criminal sachen ist/ je groͤssere/ vnd staͤrckere probationen muß man/ gefahr zu vermeiden/ bey der handt haben. iii. Ists denn genug/ daß ich sag: es ist ein grewlichs laster/ sie muß es gethan haben/ daß kan ich weißlich mich bereden? soll ich nicht viel m ehr daß contrarium hoffen/ wenn nur die blosse dif- famation vorhanden. iv. Soll man in verborgenen dingen/ neben der betrieglichen diffamation: auff muthmas- sungen vnnd einbildungen gehen? in geringen H iv haͤn- haͤndeln will man mit muthmassungen nicht be- stehen/ wie dann in groͤsseren? Einred: wer daß besser nicht kan haben/ der nimt daß geringer. Antwort: 1. Sprichwoͤrter probiren nichts/ die Jungen moͤchten dich fuͤr ein Hexen-Meister schelten: Kinder vnnd Narren sagen die warheit vnwissendt/ ergo nimb vorlieb. Ist also 2. ge- faͤhlet/ daß man mit geringem eben daß erhalte/ waß mit dem besseren. 3. Kan dein argument woll gelten weiters nach zu fragen/ aber/ zu tor- quiren/ zum verurtheilen/ zum todt/ da ist es zu schwach: wasser kan den durst lesschen/ hat aber kein tugendt zu naͤhren wie daß bier/ viel weniger die krafft die der wein hat. Es gilt hier leben/ seel/ vnd ehr/ dir vnd den deinen so woll/ als den ge- fangenen: dann gehe hin vnnd lehrne den 82. Psalmen woll verstehen/ vnd besiehe waß Exod. cap. 20. v. 5. stehet. v. Gegentheil schliesset also: daß laster ist zu groß: darumb muß man auch einen den aller- gestrengsten ernst sehen lassen/ daß auch kein schatten dar von nachbleiben. pag. 225. Ich antworte: 1. je groͤsser daß laster/ vnnd je noͤtiger daß auß- rotten/ je mehr soll man doch/ daß Euangelium Matt. 13. nicht vergessen. So hat man auch 2. desto groͤssere vnnd bessere fundamenten zu der tortur vnnd verurtheilung von noͤhten 3. so ist doch darbey nicht erlaubet ohne recht/ ohne ge- sunde vernunfft/ ohne Christliche liebe/ den naͤch- sten sten mit præcipitirter tortur/ mit vnertraͤgli- cher wiederholung/ doch ich solt sagen continui- rung derselben/ wider alles gewissen/ nur dein autoritet zu erhalten/ an ehr/ gesundtheit/ leben vnd seeligkeit/ so vnverantwortlichen zu kraͤncken. vi. Last vns ein exempell nehmen: Titia hat auff Semproniam bekendt sie sey ein Hexe. Ergo so ist es wahr. In welcher schul gilt diese Dialectic! zeugen aussag/ haben sie jhre krafft auß den worten? Ich mein M. Iacobus Honol- dus werde dir in seinen Canonibus Logicis Lib. Dial. 1. cap. ultim de Testim. humano, einen knaben von 14. jahren zum schullmeister ge- ben. Es ist bey allen in der disputir kunst erfahr- nen dieses bekandt: daß man die zeugen aussag nicht ex quantitate der woͤrter/ sonder equali- tate des deponenten zu æstimiren pfleget. Ach in die schull mit solchen leuten. Einanders ist ein rechnung stellen: Item geltpracticken erdencken: vnd weit einanders/ in Criminal sachen/ daß ziel treffen. So hoͤre ich woll ein Hex oder Dieb sollen eben so gut zu der warheit sein/ als ehrliche leute! O laͤcherliche bossen/ ja zu lachen were es/ wenns etwa einen Jaghund oder ein pferd golte/ da doch diese muthwillens vmbzubringen Rom. 8. vers. 19. seqq. ein Mensch bedencken nehmen soll. p. 256. Wir woͤllen dieses also erleuteren: Hexerey ist groͤsser als der Diebstall. Ein vberwiesener Dieb sagt: Titius ist ein Dieb/ E. so soll man p. 257. H v jhn jhn auch fangen/ denn er hat mir helffen stehlen. Hie sprichstu es sey dieses indicium nicht starck genug. Ein vberzeugete wahre Hexe/ sagt Sempro- nia ist auch ein Hexe: sie hat mit mir gehexet ꝛc. Da ruffstu ja sie soll mit fort. Nun last sehen. Titia die wahre Hexe/ hat sie nicht erger gelebt/ vnd gehandelt als ein Dieb? ist sie nicht nur ein Weibsbildt? Ist nicht Titi- us ein Mann: ist er nicht respectivè besser als ein Hex. Nun weiß mir auß deiner Dialectic wie ich mich in diesen handell solle schicken: dann jetzo will ich vngelehrte Richter fahren lassen. Leichte ding leicht glauben: vnnd schwere ding schwerlich glauben ist natuͤrlich. pag. 259. Die 38. Streit-rede. Von dem Satzspruch der Richter ob man dann in verborgenen Criminal haͤn- deln: da die beweißthumen schwer fallen/ nit ehender zu der tortur moͤge schreit- ten: denn sonsten in an- deren? A Ntwort: diese regull ist waar/ wann man sie recht erklaͤret. 1. Ohne ein fast volle probation (absque ferè vel semiple- na) kan dieses nicht geschehen/ wie dro- ben genug außgefuͤhret worden. 2. wann aber dergleichen vorhanden/ vnd der verhaffteten per- son, son, oder deren interessenten schrifftliche copia in gewisser zeit sich davon zu purgiren eingehaͤn- diget worden/ wie dieses dem recht: der natur: deinen ehren: deinem gewissen/ vnd tragenden hochverantwortlichen Ampt/ bey gefahr deiner seeligkeit gemaͤß ist: so kanstu freylich daß recht der tortur zu huͤlff nehmen/ allein 3. muß man solche indicia/ alle exceptionen zu verwerffen/ wenn die verhafftete Persohn/ vnd dero interes- senten nichts beweißlichs in contrarium mehr auff jhrer seiten haben: mit sampt der excipi- renden jhren exceptionen/ von Academien ventiliren lassen/ dannenhero niemandt sich 4. mit verweigerung die indicia herauß zu geben/ durch einige prætendirung habender privile- gien/ mit ehren vnnd gutem gewissen schutzen kan. Dann bey so gestalten sachen: wird man nicht leichtlich eine probationem plenam er- halten. Allein man huͤte sich vor aller præcipi- tanz/ vor aller vnachtsame/ vor aller vngestuͤme: will nicht sagen vor aller dolosit aͤt: etwan seine autorit aͤt zu erhalten/ daß man nicht die schandt habe/ man hab sich verstossen/ oder man sey zu weit gegangen: man sehe woll zu daß man vor Gott vnd in seinem gewissen verwahret sey: man hab allen muͤglichen fleiß gethan/ probationes plenas zu erhalten/ vnd hab doch nicht darzu kommen koͤnnen. Nim ein exempell. Titij cri- minal sachen ist sehr dunckell. Auff Sempro- nium soltestu ehre koͤnnen beweißthum einbrin- gen: gen: Du hast von beyder wegen probationes semiplenas: Also kanstu auch mit beyden an die Tortur: doch mit dem bescheid: daß du mit Sempronio nicht noth hast zu eylen/ wegen hof- nung/ es moͤchte dir vnfeilbar/ mit gelegenheit der zeit noch ein bessere probation einkommen. Allein mit Titio kanstu lassen fortfahren/ weyll seine sachen/ wieder alle vorher gebrauchte mittel so intricat sein/ daß dir keine hoffnung weiters ohne tortur auß dem handell zu kommen. Darumb heist es auff die sache recht sehen: vnd rechts-spruͤch recht woll examini ret: Es sein nicht alle koͤch/ die grosse versilberte messer tra- gen/ ꝛc. p. 263. Die 39. Streit-rede. Ob man eine Persohn: die in der tortur nichts bekandt/ mit vrtheil vnd recht koͤnne zum todt verurtheilen? I. I Ch setz daß zum vorauß: daß niemandt kan noch soll vervrtheilt werden/ er sey denn gewiß vberweiset. ii. Vnschuldige soll man nicht toͤd- ten/ vnd schuldige soll man nit leben lassen. iii. Ein jeder wird so lang fuͤr vnschuldig gehalten: so lang man daß contrarium nit von jhme weist. iv. Hierzu zu kommen/ sein zween weg: wenn der der beklagte entweder mit recht zur bekandtnuß gebracht: oder durch sonnen klare beweißthumen der that vollentkommentlich vberfuͤhrt worden. 5. Eins vnter diesen beyden ist genug zum vrtheil des todes. 6. Denn daß beyde zusamen kommen muͤs- sen/ ist ein vberfluß. Hierauff antworte ich: wer in der tortur nicht- sen bekennet hat/ den kan man aus gesunder ver- nunfft/ vnd salvâ æquitate zum todt nicht ver- vrtheilen. Wie woll man ut hodie fert praxis viel mahlen dieses anjetzo/ ohn einige conside- ration vberschreitet. Ich sage von solchen pro- ceduren noch ein mahl: daß sie vnrechtmaͤssig seyen: dann pag. 264. i. So seyen solche Leut noch nicht gnugsam außfuͤhrlich vberweiset gewesen. ii. Ich moͤcht von solchen Leuten gerne wis- sen/ zu was end sie der Richter haͤtt lassen foltern? daß die tortur jhre missethat villeicht straffe? oder das er den weg zur warheit dardurch funde? Wieder die Rechten ists/ daß man missethaten durch die tortur straffe. Zudem ist hie noch keine missethat vorhanden/ weil man sie mit der tortur gesuchet vnd nicht gefunden. Daß ist ja ein Teuf- felische grausamkeit. p. 265. iii. Ists vonnoͤhten gewesen/ daß solche leut bekennen/ oder ists ohne noth gewesen? Wars vonnoͤ then/ vnd sie haben nicht bekandt: warumb hat erdie Leut lassen verbrennen? Waͤrs aber nit von vonnoͤhten zu bekennen/ so ists ein grawsamkeit/ daß man die Leut zum todt prædestiniret, sie seyen gleich schuldig oder nicht/ vnd sie noch vor- hin so grewlich in der marter lassen tractiren. NB. Einred: Ey sie seyn torquiret, nicht die warheit zu suchen/ sonderen zu confirmi- ren/ daß man des handels desto gewiser seye. Antwort: Vbell vnnd vnerfahren heist das secundum hodiernam praxin verfahren. Dann ein solcher vnmensch kan seine rede vnd thaten auß den Rechten nimmermehr behau- pten/ oder verantworten: alle Theologen vnd Rechtsgelehrten/ stehen gegen diese procedu- ram odiosam vnd stossen diese einrede vber ein hauffen. Ja ein solchen Richter schelten sie nicht allein fuͤr einen Narren/ sonderen reden noch haͤrter darvon. NB. iv. Durch die tortu ren/ pag. 266. werden alle indicia vnd auch die probationes plenæ auff- gehoben: das wenn beklagter/ in vnd nach der tortur, die that bestaͤndigster massen verneinet/ man jhne absolviren soll/ wie Delrius vnd Fa- rinacius selbst bekennen. p. 267. Nun weiß ichs ge- wiß/ das vnterschiedene torquiret seyn/ nichts bekand/ vnd doch daran gemuͤst haben: da sie doch vor jhrem todt noch wieder den Richter protestiret. NB. Dann was man ohnmittelbar vor seinem letzten ende redet/ das ist nicht von geringer consideration. NB. Es koͤnnen etli- che doch schuldig seyn. Doch soll mann den mehr mehr sicheren weg/ deß loßgebens gehen/ vnd lie- ber zehen schuldige gehen lassen/ auß forcht/ eß moͤcht etwa ein vnschuldige Person sein. Allein crepant \& nil præstant. Was will so ein ver- derbeter Richter am Juͤngsten Tag thun? wie muß jhm an seinem letzten end zu muth sein? doch vber die geistlichen/ das denen die augen jhrer conscien tz also gebunden sein/ muß ich mich zum hoͤchsten entsetzen. pag. 268. Dann jhrer etliche dießfals nicht nur blind sein/ sondern ohn Gottes forcht fahren/ dessen ich ein Exempel dem Leser fuͤr au- gen stellen will/ so ich selbsten gesehen. Es wurd ohnlaͤngst eine zu dem todt verdampt/ daß man sie darumben lebendig verbrennen solte: weil sie bey außgestandener grewlicher marter/ vnd erlit- tener vieler importunitaͤt des zu jhr gesendeten vnbesonnenen Beichtvatters/ gleichwohl vaͤst darauff bestanden/ daß sie vnschuldig seye. Wie nun dis arme opffer vor dem holtz-hauffen in sei- ner vnschuld stehet/ (dann anderst soll man nit von jhnen vrtheilen/ wenn sie die tortur außge- standen/ vnd darbey nichts erweißliches auff sie einkommen) so faͤngt der Pfaff an die grawsam- keit des Fewrs jhr zu erzehlen/ vnnd macht jhr hoffnung eines gnaͤdigern Vrtheils/ sie soll sich doch schuldig bekennen/ hiemit laͤsst sie sich doch endlich bereden/ vnd sagt: NB. Ach! ich bin schuldig: weiter aber redet sie nicht: hiemit springt das Herꝛlein herzu/ vnd absolvi ret sie fluxs auff vnser weise. Darauff haͤlt man innen: Er laufft zum zum Richter/ vnnd bittet vmb ein gnaͤdigers vr- theil/ weil sie bekent hette: der Richter wird vnge- stuͤmm/ vnd sagt nein: die gnaden zeit seye auß/ sie hab zu lang gewartet/ man soll fort fahren/ da- mit muͤste sie gleichwoll lebendig gebrennt wer- den. Es ist nicht auß zusprechen/ wie dieser geist- liche hernach/ von der Cantzell vnd in allen zu- sammenkuͤnfften dieses wissen herauß zu strei- chen/ waß nemlich die Hexerey fuͤr ein grewli- ches laster waͤre/ man soll ja keiner Hexen mehr trawen/ ꝛc. Wir muͤssen dem einfeltigen leser zum nach- richt/ sein gewissen informiren/ vnd dieses geist- lichen seine grosse faͤhler andeuten: Es sein aber ohngefehr diese: 1. waß hat er vrsach gehabt sie per fas \& nefas mit allem hinterlist/ auff ein sol- che antwort zu bringen/ die man doch viel mehr fuͤr vnschuldig haͤtt sollen halten? Dann auß sei- ner gesunden vernunft/ haͤtt er 2. sie sollen fuͤr vn- schuldig halten: weyl sie nullo modo convin- ciret worden/ weyl sie durch die torturen sich purgiret/ weil sie in der heimlichen beicht jhm nichts offenbahret/ vnnd weyl sie vor dem Holtz- hauffen/ nach angehoͤrtem endt-vrtheil schon ge- standen/ vnd noch von jhrer vnschuldt protesti- ret. Vnd haͤtt er 3. schon gewiß gewuͤst/ sie haͤtt in der beicht gelogen/ so wer jhm doch/ als einem Priester/ sozu procediren nicht erlaubet. Heist daß seine Theologiam gestudiret? Auch siehet man auß allen vmbstaͤnden 4. daß sie der hoff- pag. 269. nung nung eines gnaͤdigen vrtheils/ vnnd des impor- tun irenden geistlichen/ so vielem anligen endlich ist mit diesen so verschraufften worten gewichen. Sintemal sich 5. jhre wenige wort noch draͤhen lassen wie man will. Da dann zum 6. sein vn- verstandt noch viel groͤblicher darauß erhellet: p. 230. daß gesetzt/ sie seye schuldig gewesen/ er nicht et- waß gute zeit verzogen/ biß er sie besser im gewis- sen examiniret/ vnd darnach auß Gottes wort informiret hette: so hoͤr ich woll/ es ist weiters nichts noͤtig gewesen/ als nur zu dem Richter zu lauffen/ vnnd vmb eine enderung des vrtheils an zu halten: Es stunde jhre seele mit Gott/ wie sie immer wolte. Dann es 7. ein vnverstandt war/ daß einmall ratific ierte vrtheil geendert wollen haben. Vnd wenn 8. es were geenderet worden/ vnd man hett moram gegeben/ vnd daß medium daß gewissen zu examiniren vnd auß Gottes wort zu informiren gebrauchet/ so were sie vielleicht zu jhr selber kommen/ vnd bey der er- sten bestaͤndigkeit verblieben. Damit hett 9. der Richter den schimpff behalten/ vnd der geistliche Herꝛ von der Hexen boßheit/ auff gut Schullfu- xisch nichtes zu Rhetorisiren gehabt. Wie woll 10. der Richter selbsten auch grewlich hierinnen gesuͤndiget/ vnd der Beichtvatter 11. noch am ergsten/ daß er den Richter/ auff zu halten/ gnad zu geben/ zeit zu ertheilen/ vnd daß mittel besserer information zu befoͤrderen/ mit betrawung des zorens Gottes/ nicht per Euangelicam autori- J ta- tatem/ ampts vnnd gewissens halber versuchet auffs eusserste zu bereden: ja im widrigen fall hett er 12. daß vmbstehende volck coram Deo pro- testando zum zeugen nehmen/ vnd stante pede wieder den Richter ad supremum Magistra- tum appelliren, vnnd der privilegien so die geistlichen haben nicht vergessen/ oder aber 13. daß jus migrandi lieber erwehlen/ als einen solchen solæcismum begehen sollen. p. 271. Die 40. Streit-rede. Ob jemandt vorhin die Malefiz that bekennet: vnnd aber an der gerichts stell sein bekendtnuß wiederruffet: sothane wie- derruffung gelten soll. P Raxis sagt nein darzu: Ich aber antwor- te: Ein verstaͤndiger Beichtvatter kan mercken/ ob eine wahre Bußfertigkeit vor- her gegangen: So er nun rechte Bußzei- chen verspuͤret/ so ists gewiß/ daß man solch wie- derruffen nicht verwerffen soll: sonderlich wenn sie bezeugen: sie hetten vnschuldige Leut angege- ben. Rationes sein diese: i. Die Natur gibts: daß man von sterben- den præsumirt, sie bedencken jhre seele: vnnd werden nun nit liegen. p. 272. Einred: Vnholden sein keine Heyligen/ vnd sein im kopff verwirꝛet. Antwort: Beydes ist nicht absolut waar: denn denn erstlich ist die fraag/ ob die wiederruffenden/ waarhafftige Hexen seyen? Also muß man nicht schliessen sie sein Hexen/ darumb soll man sie nit hoͤren. Sonder so solt man schliessen. Sie wiederruffen zu der zeit/ da sie fuͤr Gottes Richterstuel muͤssen/ solten sie nicht jetzo mercken/ waß jhnen bevor stehet? darumb ist zu zweiflen/ daß sie Hexen seyen. ii. Wann man diese revocation verwirfft/ warumb muß es gelten/ wann sie jemandts ange- geben/ daß man sagt: sie haben solch angeben mit jhrem Todt versiegelt? pag. 273. Doch wenn sie daß mit dem Todt verfieg- len/ daß fuͤr den Richter ist/ so sein sie bey jhrem verstandt/ vnd contra so Regieret sie der Teuffel! quæ, qualis, quanta! iii. So will die Peinliche Halßgerichts ord- nung: Caroli V. Artic. 90. daß man im fall solches wiederruffs in halten/ vnd daß werck noch mehr beleuchtigen soll. p. 274. Tannerus schliest recht/ man soll die wort dieses angezogenen 90. Articuls nicht fallen las- sen/ so werde man finden/ daß solche revocation anzunehmen/ wann auch nur gesucht wurd den gerichts zwang zu hinderen. Einrede. i. Sie sein gemeiniglich im Kopff verwirꝛet. Antwort: daß gegentheil ist vielmehr waar/ daß bezeuget die erfahrung. Einred. ii. Die importunit aͤt derer/ so J ij von von jhnen angegeben worden/ macht sie im Kopff verwirꝛet. p. 277. Antwort: wer hats denn diesen Leuten ge- sagt/ daß sie angegeben seyen. Thut es der Rich- ter/ vnd oͤffnet die Acta/ so ist er meineydig/ daß er daß gethan/ thut es der Beichtvatter/ so ist er noch viel meineydiger/ denn er nicht darzu bestelt/ daß er auß der Beicht schwatze. So soll man die angegebenen/ sonderlich bey dem außfuͤhren zum Todt/ nit zu den verurtheilten verstatten. Kompt aber jemands freywillig/ auß boͤsem gewissen/ den soll man woll verwahrlich zu ruck halten. Drumb heist es/ siehe woll zu/ wer mit den gefangenen außgehet. NB. Doch praxis hodierna ist sel- ber so klug/ daß sie auch Kinder zu den Elteren/ vnd Maͤnner zu jhren Weiberen nicht verstattet/ auch zu der zeit/ da noch nichts erweißlichs einge- bracht. Einred. iii. Die erste bekandtnuß ist ju- dicialiter geschehen: die revocation aber nicht: darumb gilt diese nicht. p. 277. Antwort. Ich sag nicht/ daß man den wie- derruff/ der ersten bekendtniß vorziehen/ sonder den 90. Artic. Const. Crim. Carol. beobachten soll. Allein die Herꝛen koͤnnen nichts mehr auff diß excipiren/ als: waß gehts den Pfaffen an/ er hat Jura vnd Leges nicht gestudirt ꝛc. Nein lie- ben Herꝛen/ man soll noch woll daß contrarium bey etlichen finden/ thaͤtet jhr die augen recht auf/ so hettet jhr dieses erinnerens nit von noͤten. Ein- Einred. iv. Des sterbenden wort gelten nit/ daß man einen anderen darauff soll torquiren: nicht im Todtschlag: nicht wieder den Richter/ als hett er falsch geurtheilt/ nicht im Diebstall/ ꝛc. daß ist die praxis. Also gilt auch solche revoca- tion nicht/ daß erste bekantniß vmbzustossen/ ꝛc. Antwort: daß heist die Leges citiret, wie der Teuffel den Psalter l. si in gravi §. 1. ff. ad Sct. Syllan. Dann in selben ort stehen die woͤrter: so ein verwundeter/ auff dem Todt sagt: Titius hab jhne verwundet/ so glaubt mans nicht/ biß auff besseren beweiß. Zu dem: waß gehoͤret diß hieher: Gajus hat ein Toͤdtliche wunde/ sagt Ti- tius habs gethan. Sempronia soll vons Hen- ckers Handt stertzen/ ist noch bey vollen kraͤfften/ spricht/ sie hab auß grosser pein vnschuldige Leut angeben/ koͤnne mit gutem gewissen also nicht sterben. O schuͤtzen knaben auß der schull her/ daß sie dieses argumentexaminiren: so doͤrffen wir nicht Art. 28. Const. Crim. Car. V. allegi- ren. NB. pag. 279. Sagt doch Binsfeld selbsten/ daß ein solcher wiederruff ein grosses vor Gott gelte/ vnd auch vor den menschen/ ob sie zwar die erste vhr- gicht nicht koͤnne vmbstossen/ weyl die sterbende Persohn exculpire/ die sie vorhin beschuldiget habe. Einred. v. Warumb hat sothane Persohn/ jhr gewissen nicht erleuteret/ da jhr die Confeßi- on ad bancum Juris/ nach der tortur zu ratifi- J iij ciren, ciren, oder vmbzustossen/ ist vorgehalten wor- den. Antwort: 1. daß ist baldt gesagt/ laͤst sich a- ber vor euch nicht practisiren. NB. Dann so muͤste man 2. flux wieder an ewer nicht repetir- te sonder continuirte tortur. Besser biß hie- her gespart/ daß man nicht so grewliche Marter muß außstehen. Ich habs ja gesehen/ daß man die Leut so viel mal gemarteret/ daß sie vor dem banco juris der revocation endlich vergessen. Dann zu mahl schreibt man ins protocol: NB. hat freywillig vor dem banco juris bekendt. Nun sieht der leser/ waß bancum juris ist/ nemlich die hoͤll. Vnsinnig wer einer/ der vor dieser Banck anderst vorthin redete/ als daß/ waß der Richter will. NB. pag. 281. Ich kenn einen Brandmeister/ wann der die Leut will exequiren lassen/ so last er sie des vorher erinneren mit vermelden/ sie sollen daß revociren auß lassen/ oder von newem tor- quiret/ vnd doch denselben tag noch verbrandt werden/ er thuts auch/ daß weiß ich. Eben er sagt den Beichtvaͤtteren/ sie sollen niemandt/ der revociret, absolviren, ja sagen den Leuten/ wo sie revociren/ so sollen sie lebendig brennen. Ec- ce homo! ecce conscientiam confeßario- rum! Mocht einer sagen: daß wissen die hohe Obrig- keiten nicht: Darumb sein sie entschuldiget: wuͤsten sie dieses/ sie soltens hart genug straffen. Trau- Trauwen ja/ ich geb daß gerne zu: aber daß sie deswegen entschuldiget seyen/ da sag ich nein dar- zu. Wann sie selbs wolten/ so koͤnnen sie frey- lich woll nicht nur dieses/ sonder noch ein meh- rers wissen. Dann woher wissen sie gantze Volumina von der Hexerey zusamen zu lappen? Doch moͤgen die anderen Richter/ daß erst angezogene exem- pell in acht nehmen/ vnd es practiciren/ so koͤn- nen sie mir mein Buͤchlein am besten wiederle- gen. Die Herren Beichtvaͤtter des gleichen/ wenn sie alles thun/ waß man sie heisset/ so bleiben sie in gnaden. p. 283. Ich muß noch ein kunst stuͤcklein/ des vor- gemelten Brandtmeisters erzehlen: wann er eine torquiren laͤst/ so laͤst er sie/ auff die so schon ver- brandt ist abfragen: weyl sie nun ohne daß gerne auff die todten außagen/ daß sie nicht muͤssen le- bendige vnschuldige angeben/ so komts ohn dif- ficultiren/ daß man auff die/ so da revociren wollen/ ein bekendtnuß erhellt: daß lieset man ad bancum juris mit grossem pralen/ vnd vnerhoͤr- ter verlaͤsterung der nun abgescheidenen vor/ mit vermelden/ da sehe man jetzo jhre vnschuldt ꝛc. da stehet denn der Poͤfell/ vnd meint es seyen lauter Euangelia. p. 283. NB. Es ist nicht genug daß man die wun- den entdecket: man muß auch mit der Cur darzu? Antwort: Obrigkeiten solten inquiriren lassen/ vnd gewisse Leut darzu privilegiren/ so wuͤrden J iv die die vngerechten Richter anfangen lauffen/ da solt dann ein gerichts zwang den anderen die hand bieten/ vnnd solche Voͤgell in keine protection nehmen/ so were der sachen zu helffen. pag. 284. Die 41. Streit-rede. Waß von denen jenen zu muthmas- sen/ welche in den gefaͤngnissen Todt gefunden worden? A Ntwort. So die verstorbene mit bestaͤn- digen Rechtsmittlen nicht vberfuͤhret we- re: so soll man von jhrentwegen muthmas- sen/ sie sey eines natuͤrlichen Todts ver- fahren: es wehre dann daß contrarium auß ge- wissen merckzeichen zur genuͤge darzu thun. Die- ses ist abermahl contra praxin vieler vnerfahre- nen geredet: wir wollen sie vberweisen: i. Theologen, Juristen, vnd Jus naturæ seind so ferne einig: daß sie sagen: so lang man vnehr auff jemandt nicht bestaͤndiglich kan mit guten fundamenten bringen/ so lang soll man sich aller ehren zu jhme vermuten. Also muß es hie auch gehalten werden E. ii. Die Rechten vermoͤgen/ daß wo jemand im gefengniß Todt gefunden wird/ man nit wieder den Todten p. 285. sonder den Stockmeister zu præ- sumiren. Damhand. prax. Crim. cap. ii. iii. Hier sein immerdar vrsachen/ welche vns einen natuͤrlich/ vnd ehrlichen Todt rahten: 1. Ist 1. Ist sie wegen pein der tortur verschmach- tet. Daher Augustinus sagt: daß es moͤglich sey/ nach außgestandener Pein zu verschmach- ten. 2. Die schweren eysin vnd banden haben sie ohnkraͤfftig gemacht. 3. Der gestanck vnnd abschewligkeit des ge- faͤngniß hat jhr zum todt geholffen. 4. Sie ist vor trawmuth versuncken/ welche auch einen mann toͤdten kan/ vnd offt grosse Leut mit dem end vbereylet. 5. Sie ist ohn allen Trost gewesen: der Prie- ster/ zu deme sie sich alles gutes haͤt versehen sol- len/ hat jhr villeicht mehr vulusts gemacht alß der Hencker. Darumb/ wenn man jemands todt findet/ vnd keine sehr merckliche kennzeichen/ das contra- rium weisen/ so sollen jetzt erzehlete vhrsachen gelten: Es waͤre dann jemand so boßhafftig/ daß er meinete/ die fuͤnff erzehlete stuͤck waͤren nicht gnug/ ein armes/ elendes/ gebrechliches gefaͤß vnd schwachen werckzeuch/ in scherben vnd stuͤc- ker zerbrechen/ vnd jhr die arme/ verhungerte/ vnd verkummerte Seel/ mit gewaldt auß dem Leib zu treiben. pag. 286. NB. Ich bin etwa vor zwey Jahren/ bey ei- nem vornehmen Herꝛen zu gast gewesen: vnter dem mittags Imbiß/ kompt des Stockmeisters Knecht/ vnd laͤsst andeuten/ eß waͤre jemand von den gefangenen Hexen todt im Gefaͤngniß ge- J v fun- funden/ der Teuffel haͤtt jhr den Halß vmbgedre- het. Ein Medicus saß mit an der Taffell/ vnd wir haͤtten eben angefangen/ von solchen mate- rien reden. Nach vielem disputiren/ daß man nicht auff die einige autorit aͤt des Henckers (welchem man allein ohne ferneres nachdencken allzuviel glauben ohne wiedersprechen/ mehr als einem ehrlichen Mann/ zuzustellen pfleget) sich muͤste fundiren/ so gehet der Herꝛ selbsten mit/ vmb den Coͤrper zu besehen. Sie kommen wider/ mit vermelden: NB. ja es sey nicht anderst/ der Teuffel habs gethan/ der gantz leib sey starrendt/ der Kopff falle hin vnd her auff beyde axlen. Ich lachte der vnwissenheit/ mit vermelden/ wenn daß genug ist/ so hat der Teuffel allen vnseren Elteren die haͤlß gebrochen. NB. Der Hencker hat all sein tag/ keinen natuͤrlich entleibeten Coͤrper sehen handtieren/ da doch an allen Todten Coͤrperen alle glieder starr vnd steiff/ allein der Kopff fuͤr sich vnnd an alle seiten wo man jhn hangen laͤst/ hinfaͤllet. Ihr habt selbs auch daß Hertz nicht ei- nen Coͤrper anzuruͤhren/ oder darbey zu sein/ weñ man jhme daß Todtenkeidt anleget/ vnd sonsten zur letzten ruh bereitet. Also verstehet jhr alle nichtes. Der steckenknecht hat ja selber gesagt: die Persohn/ sey gesteren vnertraͤglich gepeiniget worden. Dessen vngeachtet hat man den Coͤr- per doch vnter den galgen begraben. pag.. 289. Hierauß siehet man/ wie die Gerichts-Per- sohnen so vnachtsahm sein/ vnd zu allen absurdi- taͤten taͤten/ von den Henckeren sich bereden lassen: jhr gewissen verfahrlaͤssigen/ vnd jhres ampts/ auch aller Christlichen liebe/ gesunder vernunfft/ vnnd natuͤrlicher eingebung vergessende. O wie ein schweren standt werden solche Leut an jhrem end haben! Einer gedenck bey diesem exempell. i. Dieser verstorbene ist mit dem geringsten ordentlichen rechtens mittell nicht vberwunden. ii. Viel weniger ein Teuffels zeichen/ oder ein anmerckung eigner handtanlegung an jhm befunden. iii. Ist bewust/ daß er vnertraͤgliche pein/ in der tortur außgestanden: gleichwoll so begehet man ein solche Todtsuͤnde an jhm/ vnnd beraubet jhne nit allein der ehrlichen begraͤbnuͤß: sonder vielmehr iv. Muß jhn der Hencker vnter den galgen graben/ vnd damit/ daß ja vnfugs genug began- gen seye: so wird er v. Hiemit als schuldig verurtheilt. vi. Vnd sein gantze freundtschafft/ damit zu gleich geschmaͤcht: welchs desto schwehrer zu achten je ehrlicher daß geschlecht. Ja wer kan daß alles wissen! ey so soltestu es bedencken/ vnd von anderen lehrnen. Die pag. 291. Die 42. Streit-rede. Waß man dann fuͤr zeichen muß ha- ben/ darauß man mit sicheren gewissen schliessen koͤnne/ es seye einer vom Teuffel vmbgebracht/ oder hab sich selbsten den Todt in der ge- faͤngniß angethan? I Ch antworte: daß kan man auß nachfol- genden kennzeichenvrtheilen: 1. Es wird sich der strick noch an dem halß finden. 2. Oder wenn der Kopff gar vmgedraͤhet ist/ daß das Angesicht nach dem rucken geradt ab- warts/ vnnd nicht nur auff ein oder ander seiten stehet. Welches woll zu mercken. 3. Muß man einen hochverstaͤndigen Medi- cum lassen zusehen: ob auch am Halß herumber/ einige zeichen vnd linien vorhanden/ welche man also befindet/ daß sie gantz new/ vnnd des vorigen tags nicht daran gewesen. So kan man finden ob der Teuffel den strick hinwegh genommen. 4. Wann/ welches ohne grossen gewallt nicht geschehen koͤnnen/ die erste vertebra oder wirbel- bein im genick auß jhrem ort oder schuͤssell gantz vnd gar/ also verrucket/ daß das vnter oder ober- theil/ als abgescheiden/ vnnd mit gewalt versetzet: mercklich vnd greifflich herauß raget. 5. Wenn wieder den Stockmeister vnd Hen- cker nicht zu præsumiren/ daß sie etwaß dabey ge- gethan: [vnd da muͤssen die guten Herꝛen nicht zornig werden/ dann man auß Historien woll er- wiesen kan/ daß vngerechten Richteren zum be- sten/ woll ergere dinge von jhres gleichen gesche- hen:] Wenn aber diese vnnd andere dergleichen zei- chen nicht vorhanden/ so soll man den Coͤrper fuͤr Ehrlich vnd Natuͤrlich abgeleibet sein/ erklaͤh- ren. Es kan der Teuffell jemandt erwuͤrgen/ vnnd auch kein zeichen hinterlassen/ doch sollen vnnd koͤnnen wir solches ohne zeichen/ pag. 292. nicht sicherli- chen glauben. Darumben beist es: alles fleissig vorbedencken/ denn hie ist kein reftitutio wenn einmal pecci- ret worden. Vnlangst hat man eine grewlich genug ge- marteret: vmb ein wenige zeit/ eher sie die ersten schmertzen vergessen/ holet man sie von newens an die folter/ sie stirbet/ vnd im hinfallen/ so bleibt jhr der halß auff der seiten bestehen. Da rufft flux der Herr Beichtvatter: o der Teuffel hat dieser losen Hexen den Halß vmbgedruͤhet. Sagt her- nach: er haͤt gesehen/ daß der halß gantz gebrochen gewesen seye. Daß hat darnach von seinetwegen jedermann fuͤr ein Euangelium gehalten. Allein ich sag: Geistliche Leut sollen sich solcher sachen gantz vnd gar enthalten. Die pag. 296. Die 43. Streit-rede. Von dem Hexenzeichen/ darvon so viel sagens: Ob daß selbige ein indicium zur tortur, oder zu dem Todes vrtheyl sein soll/ vnd koͤnne? I Ch antworte: wenn man kein halbvolle prob hat/ so soll man von dem Hencker/ der seine lust darinnen buͤssen kan/ ein Weibsbildt nicht lassen beruͤhren. Hat man aber semiplenam probationem so schreit- tet man mit besseren ehren zu der tortur. Ohne probation/ ein Welbsbildt ab infami scurra so entbloͤssen lassen/ ist mancher Persohn erger/ als der Todt. Es stehet hie alles auff des Hen- ckers parol, sein tag ist noch mit bestandt der warheit/ von eydlich beschwornen Ehrlichen Leu- ten/ nicht erweiset worden/ daß so ein zeichen seye. In die protocolla mags gezeichnet sein ex ore carnificis/ der muß daß oraculum sein. Daß man sich doch endlich einmal lehrnete solcher boͤ- sen haͤndell schaͤmen! Zum andern eher man dem Hexen zeichen glau- ben zustellet/ soll man nachfolgende considera- tionen wol beobachten: p. 297. i. Daß man dem hencker/ weilen er hiebey zu prosperiren allein nicht trawe: weil sie offt- mals selbsten zeuberer sein: NB. ja man will mit fleiß an jhnen haben/ daß sie zeuberen koͤnnen. Hoc docet nos praxis. [In einer vornehmen Re- Republiq, hat ein Superintendens, einem hen- cker zu wegen bringen woͤllen/ daß dessen Sohn/ weil er schoͤner gestalt/ vnd eines aus der massen stattlichen ingenii gewesen/ ehrlich gemacht wurde per rescriptum Cæsaris/ vnd allerdings studiren moͤchte. Der Vatter hat den Sohn darzu gehalten/ der knab war damal von 16. Jah- ren/ vnd wurd von menniglichen sehr beliebet/ aber sihe! haud ignota loquor: die benachbar- ten Hencker haben mit incantamentis so viel ge- spensterey gemacht/ daß man den knaben in sei- nem besten curs hat muͤssen von der schul hin- weg nehmen/ die anmuͤtigkeit der gestalt ist ver- fallen/ vnd er am gemuͤt gantz geenderet worden] daß mag der leser mercken. ii. Muß man nicht ein jedwederes natuͤrli- ches maal/ oder flecken/ wenn es schon natuͤrlich/ fuͤr ein Hexen zeichen halten/ denn hier von ver- staͤndigen Medicis genugsame vrsachen koͤnnen eingeholet werden. iii. Daß maalzeichen muß man nicht suchen/ weyl die arme suͤnderin noch in der tortur han- get: daß nicht der schrecken daß blut auffhalte/ wie bey etlichen in der aderlaͤsse geschehen. iv. Man soll auch ein verstaͤndigen Medi- cum daruͤber hoͤren. v. Man soll auch auff daß alter/ vnd die ge- stalt der Persohnen achtung geben. vi. Mann soll auch dem Hencker woll auff die finger sehen/ so wird der betrug sich gewiß fin- den. vii. vii. Es wehre besser/ daß man ohne des Henckers vorbewust/ wenn er sagt er habs gefun- den/ woll merckete den ort/ welchen er gezeiget/ vnd darnach ein vnberuͤchtigte frawen/ die viel bey geburtsnoͤhten gewesen/ den ort wieder bese- hen vnd befuͤhlen liesse: der betrug wuͤrde sich ge- wißlich eusseren. viii. Man soll wol zusehen/ daß der hencker/ niemanden/ dolosé an seinem fleisch mortifi- cire: od er nur ein wenig mit der suchnadell stup- fe: oder sich nur stelle: als wann er gestupfft het- te/ wie ohnlaͤngst ein boͤsewicht gethan/ vnd doch geruffen er hab das zeichen gefunden/ worauff man hernach zur tortur præcipitiret. ix. Man soll die stupffnadeln dem hencker geben/ vnnd jhne besuchen/ daß er keine verzau- berte/ eigene/ im gefaͤngniß verborgen herfuͤr lange: oder in den kleideren bey sich verstaͤcket tra- ge: auch daß sie nicht mit kunst bereitet sein/ zu stechen/ oder den stachel zu bergen/ wie man bey den Gauckleren dergleichen instrumenta findet damit sie die Bauren vexiren. pag. 298. x. Daß der Hencker kein wissenschafft von Zauberischer blutstellung habe/ sie geschehe mit beschwaͤhrung oder aber sonsten: daß fleisch blut- loß vnd hart zu machen/ welches wegen ein Hen- cker betretten/ vnd selbsten verbrennt worden. xi. Daß die Richter genugsahme funda- menten haben: daß weder durch des Teuffels/ oder oder der waaren Hexen/ oder des Henckers list/ den frommen solche zeichen koͤnnen angethan werden. xii. Darumb folget nicht: Gott wird es nit zu lassen. E. So wirds auch nit geschehen: dann solcher schluß ist zu schwach. Davon vnten Dub. 48. Argum. 6. soll gehandlet werden. xiii. Der Teuffel muͤste gar ein Narꝛ sein/ daß er solt seine schaaff zeichnen/ daß man sie ken- nete vnd abschlachtete. Darumben gehoͤret ein mehrers darzu/ als daß. man auff diese signaturen also bloß gehen soll Delrius verwirffts mit mir/ auch Binsfeld. p. 300. Die 44. Streit-rede. Ob man also groß auff die aussag der mit-Consortinnen/ in Criminal sachen/ der Hexerey/ zum fangen/ vnnd torqui- ren sich fussen koͤnne. A N diesem ort kommen wir mit Binsfel- dio zu streiten: muͤssen sehen wie wir/ daß ziel treffen: p. 301. Mein antwort ist: Man helt zwaar darfuͤr: daß ordinariè man auff 3. oder 4. vhr- gichten auff eine Persohn/ mit der captur vnnd tortur koͤnne procediren/ wenn jemandt schon sonsten guten Leumuths were gewesen. Allein/ wenn es auch noch mehr weren/ so sein solche vhr- K gich- gichten/ oder besagungen/ falsch/ betrieglich/ arg- woͤhnisch oder verdaͤchtig. Ratio. i. Tannerus beweiset meine mei- nung/ auß gar vielen Juristen/ daß sie nit new sonder alt vnd vielmehr approbat seye. ii. So findet man vor solchem besagen/ fuͤr meine wiedersacher nichts in der Peinlichen halß- gerichts Ordnung. iii. Ists vngereimt: daß vnehrliche Perso- nen/ wie viel deren auch weren/ eine ehrliche vber- zeugen sollen. iv. Wann die angeberinne kein Hexe wehre/ wie solt sie denn wissen wer Hexen seyen. Die tor- tur zwinget sie/ zu sagen/ waß man jhr vorlieset. Ist sie eine Hexe/ so kan sie dem Teuffel nicht bes- ser/ denn auff diese weiß/ bevorauß so sich zu trug/ daß sie auch drauff sturbe/ dienen. Die Auto res Mallei sein mit mir eins/ vnd sagen: jhrem ange- ben wehre nicht zu glauben/ weyl der Teuffel ein luͤgner: wenn nicht zugleich andere indicia vnd zeugen aussag de facto darzu gekommen waͤren. v. Anrichtige leut koͤnnen zur zeugen aussag nicht produciret werden: Hexen werden fuͤr infam gehalten. E. Einred. i. Gaja ist ein Hexe/ vnnd ist dessen mit recht vberzeuget: diese sagt Sempronia ist auch ein Hex. Nun ist Gaja de facto \& jure infamis: also kan ich jhr nicht glauben. Wenn sie nun torquiret wird auff Semproniam/ vnd sie bestehet: so ist sie wider ehrlich/ vnnd darumb kan sie die warheit zeugen. Ant- Antwort 1. Sie bleibt gleichwoll ein Hex/ al- so bleibt sie infamis. 2. Keyser Carol. V. weist nichts von solchen einreden in seiner Constitut. Crimin. 3. Die vnerweisete anklag/ die wirdt woll durch die tortur aboliret/ aber wo man ein mal mit recht beschuldigt worden/ so ist die infa- mia vnaußloͤschlich. 4. vnnd wenn sie schon nach der tortur so bleibet in jhrem bekendtniß: so ist sie doch schon ein Hex/ vnd kan jhrem Meister dem Teuffel kein besseren dienst/ dessen reich zu vermehren/ als diesen leisten. p. 306. Einrede. ii. Es ist heut zu tag im rech- ten herkommen: daß man auch personas infa- mes/ auß noth in Exceptis Criminibus ad- mittiret. Dieses probiret Binsfeld/ auß vie- len Scribenren. Antwort: 1. Es ist natuͤrlichen rechtens/ nit allein/ sonder auch Juris positivi: daß anruchti- gen Persohnen in zeugen aussag nicht geglaubet wird 2. muß man wissen/ daß etliche nur mit boͤ- sem wandell/ als fressen/ sauffen/ spielen ꝛc. Sich zu infamibus machen: andere aber infamiret werden mit der that/ als Dieb/ vnnd noch mehr vberweisete Hexen. Die ersten werden im noth- fall zu zeugen verstattet: die anderen koͤnnen nit/ weil all jhr autorit aͤt gantz vnd gar vernichtet ist. Nun ein waarhafftig vnd mit recht vberwiesene Hexe/ dieselbe ist ein Persohn die all jhren credit verschertzet. Drumb kan man auff jhr aussag mit recht nicht gehen. K ij Ra- pag. 308. 309. Ratio vi. Bettler/ jtem sonsten Lump- haffte Persohnen/ Narꝛen/ wahnwitzige/ thorhaf- te Leute/ werden in allen rechten bey der zeugen verhoͤr verworffen. Dann solches gibt vns auch die gesunde vernunfft/ vnd die natur an die hand/ daß man an solche Leut/ wie auch an der besessenen jhre wort in Criminal sachen/ vnd keinerley son- sten soll sich kehren. Dieses findet sich aber fast all- zeit bey denen Hexen/ die man anfaͤnglich einzie- het/ biß daß sie grosse Leut/ auch auß neydt/ oder marter/ wenn man jhnen die nahmen vorhero vorgelesen/ angeben. So soll man jhnen sonder- lich inder tortur nicht glauben. pag. 308. 309. Ratio vii. Alle Theologen vnd Juri- sten seind darinnen einig/ daß man auch in Ex- ceptis den Todtfeinden nicht soll glauben. Daß aber warhaffte vnnd vberzeugete Hexen des menschlichen geschlechtes Todtfeindinne seyen/ solches leugnet niemandt. NB. Tannerus sagt hiervon gar deutlich: wann auß dem natuͤr- lichen rechten/ oder sonsten ein feindseeligkeit des anklagers kan erweiset werden/ oder zu præsu- miren were/ das der zeug also beschaffen/ so faͤllt daß indicium verlohren. Solten wir daß nicht auch von den Vnholden sagen/ die als nicht-hold jhren nahmen von jhrer Todtfeindtschaft tragen/ daß mann auff jhr angeben niemanden torqui- ren soll. pag. 308. 309. Drumb kan ich nicht sehen/ wie Binsfeld mit mir zu recht komt: daß er lehret 1. man soll eines eines Todtfeinds besagen nicht annehmen 2. Es seyen die Hexen aller menschen feindinnen/ vnnd 3. doch will erstreitten/ jhr besagen soll koͤnnen gelten. Jeder vrtheile selbs heruͤber. Ratio viii. Es ist ein gemeines vrtheil/ wenn ein Perfohn gleichen lasters mit der ande- ren/ die andere angibet/ hat aber viele defecten an sich/ als sie ist Lumphafftig/ veraͤchtlich/ mein- eydig/ ein scholderer ꝛc. So mag man auß jhrem besagen/ kein indicium auff die tortur/ nicht zur captur am wenigsten zur special inquisition nehmen. Dann auch ein einiger von diesen de- fecten/ daß besagen vernichtet: wie wenn sie denn alle zu hauff kommen? Waß aber waarhafftige/ mit bestaͤndigem grund des rechtens vberweisete Hexen fuͤr einen credit oder gute qualit aͤten ha- ben/ daß verstehet der geringste mensch. Einrede. i. So muß man mit torquiren alle diese defecten hinwegh nehmen? pag. 310. Antwort. 1. Ich sehe nit wo dieses mar- teren hinauß will. So ist 2. droben schon er- weiset: daß die Hexen mit dieser bestaͤndigkeit in der tortur jhrem meister sein Reich bawen. Vnd 3. daß infamia autorizate nicht abolirt wirdt per torturam. 4. ist es Kindisch die Leut sol- cher gestalt in jhrer boßheit zu staͤrcken. Fahr a- ber 5. fort mit dem torquiren, non repete, secundum praxin hodiernam: sed continua, meinestu der Teuffell hab als denn deß Heiligen Geistes krafft in seinen Schlavinnen/ daß sie be- K iij ste- stehen werden: da doch vnschuldige vber marty- ret werden/ wenns zu viel kommet. Einrede. i. D. Goehausen PP. Rintelen- sis sagt: es seyen die defecten der Hexen zu vn- terscheiden/ vnnd subtilisiret gar seltzam in seim Buch Processus Juridicus contra Sagas pag. 99. \& 100. Antwort: 1. Er probiret nichtsen. 2. die au- torit aͤt der eintzigen Doctoren von Freyburg im Bryßgaw ist zu schwach. Weylen sie 3. selb- sten sich zum vnverantwortlichsten/ in Hexen processen/ mit allerhandt faͤhleren verstos- sen. 4. so muß einer der ein verraͤhter/ todtschlaͤ- ger/ chebrecher vnd gifftbereiter/ so vnredtlich nit sein/ weyl er in einem casu zugleich/ alles dieses be- gangen/ als wenn er diß jahr eins/ vber 2. Jahr daß ander/ vber 1. Jahr wieder eins/ vnd so fort begangen hette/ doch diese absurdit aͤt gibt sich selbs kundt. Einrede. ii. So hette man dann gar keinen zeugen? Antwort: vnd darmit gibt man auch verloh- ren. Doch Dub. 49. Argum. 1. \& 3. drunten weiter. Ratio ix. Wenn der Richter den Beicht- vatter zu den Hexen schicket/ so muß man erst des Richters schuͤler werden/ der kompt mir dann auß der Rhetoric, per Tropos \& omnes Fi- gures, vnd ich muß all mein studiren fallen las- sen/ vnnd hoͤren: Wie er mich vor der Hexen jh- p. 314. rem rem liegen warnet: daß ich mich ja nicht vberre- den laß von jhnen/ sie seyen vnschuldig. Da ist kein waarheit in jhnen per omnia genera cau- sarum. Nota! Wann er sie aber so lang torqui- ret/ daß sie vor schmertzen/ sich deren zu liberi- ren zu allem ja sagen/ waß er jhnen laͤst vorhalten: sie kommen ad bancum juris zu ratificiren: sie wissen wenn sie revociren: daß sie von newem daran muͤssen: waß sie denn sagen/ daß sie an den ort der folterqual nicht wiedermuͤssen/ daß ist alles wahr. O Elendt! soll ein Prediger von diesen Blutschuldeneren erst lehrnen/ waß Hexen boß- heit sey. Du soltest vom Prediger lehrnen waß vngerechtigkeit/ vnd deine proceduren seyen. Wenn aber die geistlichen selbs blind vnd blinde leiter werden/ waß kan denn Fruchtbahrliches folgen. Ich sage: der diesen haͤndeln recht in der forcht Gottes nachdencket/ den mocht sein hertz darob zerschmeltzen. Einrede. i. Man procediret heut nicht nur auff daß besagen: sonder es kommen andere in- dicia darzu. pag. 317. Antwort: 1. des Teuffels vnd seiner glieder aussag/ 2. die eintzige fama, die doch droben Dub. 34. auß jhrer nichtigkeit beschrieben wor- den: vnd also omni jure 3. dahin gefallen 4. ho- dierna praxis: bancum juris: \&c. daß sein die schoͤne indicia, die examinir ad Dub. 24. droben. K jv * Ein- pag. 318. Einred. ii. Wie wenn sich eine bekehrte/ \&c. Antwort: davon woͤllen wir jetzundt handlen. Die 45. Streit-rede. Es hat Medea, Glyzerium fuͤr ein Hexen besa- get: Medea wird darauff zum Feur verdammet. Glyzerium leugnet: Medea bekehret sich vor jhrem todt vnd thut buß: soll ich nicht der an- deren an den halß mit captur vnnd tortur konnen/ weil diese vor jh- rem endt sich bekehret? A Ntwort: Also wolten freylich gerne etliche die vorhin vinbgeworffene Dubia wider auffrichten: Aber es gehet doch nicht an: wie man leichtlich finden kan: dann i. So wird 1. die besagung in das proto- coll geschrieben/ eher man die Person/ derer buß so hoch æstimiret werden will/ verurtheilet: da doch 2. freylich nach D. Tanners rath/ sol- ches nicht solt geschehen/ daß man sie befragte vmb jhre mit gespielen/ biß sie daß endurtheil nit allein hette gehoͤret/ sonder sich auch zu rechter buß geschicket. 3. solt man jhr gar keine mit nah- men genennet haben/ sonder jhr solches in jhr ge- wissen schieben. Allein: den Richteren dienet dieses nicht: vnd Fuͤrsten vnd Herꝛen lesen nicht: Fromme Raͤth muͤssen auch schweigen/ daß sie die jhren nicht in ge- gefahr setzen: ja nicht gar selbs verdacht werden. Praxis will es also haben. ii. Wann die besagung fuͤr den Richter ist/ vnd zu seinem vortheil gehet: so wird die Persohn pro verè pœnitente gehalten/ wo aber nicht: so ist sie ein betriegerin: der Teuffel redet die revo- cation auß jhr/ sie ist nicht bey sinnen. Vnd muß daß ein Euangelium sein: waß eine gar verstock- te Hexe saget. NB. Wie noch ohnlangst mit einer geschehen/ die auch gar nicht beten wollen/ vnd vnschuldige Leut/ dem Teuffel ohn zweiffel zu willen/ besaget. In summa: der wuͤrffel fall wie erw olle/ so hat ein solcher Richter recht/ vnd bleibt jhme recht vber. O thorheit! iii. pag. 323. So sie rechte Hexen sein: so ist es zu foͤrch- ten/ es sey mit der pœnitenz ein spielwerck/ daß weist jeder verstaͤndiger gahr woll. Dann die Brandt-Meister geben diese cautelam denn Beichtvaͤteren ja selber an die Handt/ mit jhrer instruction. Dub. 44. num. 9. Darnach so wissen wir daß auß der Richter mund/ wann eine revociret/ so soll man jhr nicht glauben. So glaubt man denn Beicht-Vatter nicht/ wenn er schon Tausendtfaͤltig bezeuͤgen koͤnne/ sie hette recht buß gethan. In foro Ecclesiæ glaubt man dem Richter nicht/ wenn er von der buß will vr- theilen/ dann er greiffet Gott in sein ampt/ der Richter will dem Beicht-Vatter auch nit glau- ben: waß soll man denn auff die buß koͤnnen fuͤs- sen/ weyl sie von allen in zweiffell gezogen wirdt? K v iv. iv. Ist Titia ein rechte Hexe/ so kan sie dem Teuffel den groͤssesten/ dienst thun/ so sie sich hey- lig stellet/ vorauß/ wenn man jhr hoffnung ma- chet: so sie bestandig in dem besagen verbleibe/ so soll sie nicht lebendig brennen: also auch ein vn- schuldige/ damit sie nit noch einmall vom Richt- platz an die marter muͤsse. Darvon hiernaͤchst. p. 326. Die 46. Streit-rede. Ob dann endlichen dem Besagen zu trawen: wann man vnzweifelich gewiß ist/ die Besagerinne hab sich waarhafftig be- kehret/ vnd woͤlle nur die waar- heit reden? A Ntwort: dieses hat wol einen schein: kan aber weder mir/ noch einem anderen weit aussehenden mann ein genuͤgen thun. Vr- sachen sein: i. Die Richter lassen sie/ wo sie revociren/ wiederumb an die marter bringen/ daß muß jhr der Hencker vorher/ seiner art nach bitter-betroͤw- lich andeuten: Waß soll man hierzu sagen? Sie muß doch einmal dran. Soll sie dann wieder an die tortur? Menschliche schwachheit last sie die marter nit wider erwoͤhlen. Etwaß revociren sie etwan/ vnnd daß/ waß sie meinen/ daß es dem Richter nicht mißfalle/ anderst doͤrffen sie/ anderst koͤnnen sie auch nicht: also wuͤtet der Richter de- sto vngestuͤmer vnd vnverhinderter. Ja er helt auch auch diese gestuͤmmelte revocation fuͤr nichtig. Hierauff kan kein grosse Dame, die nur in wollu- sten sitzet/ vnd fuͤr zaͤrtligkeit Deut. 28. jhren fuß nie auff die erden gesetzet/ oder deren jhr tag kein finger weh gethan/ ein vrtheil sprechen. ii. So koͤnnen meine wiedersacher nit leug- nen/ vnd Tannerus vberweiset sie: daß die He- xen nicht allzeit waarhafftig dahin kommen/ wo sie woll meinen/ auch nicht allzeit waarhafftig daß sehen vnnd treiben/ wie sie es zwar meinen/ weyl der Teuffel jnen solche blendtnissen machen kan/ deren exempell genug vor handen. Ich weiß woll daß sie schwoͤren sie hetten diß vnnd daß ge- sehen/ wissens auch nicht anderst/ koͤnnen auch v- berweiset worden/ daß sie nicht auß gewesen/ weñ mann heimlich den Coͤrper verwachet/ dessen wan genug exempell hat/ da man jhnen mahlzei- chen geschlagen/ vnd sie doch nicht darvon auff- gewachet. Waß hat dann jhr besagen fuͤr fun- damenta? Bedencke hierbey/ waß von Natur fuͤr thoͤrin- nen/ vnd zur thorheit disponirte arme Weiblin vnter den Hexen sich finden/ denen der Teuffell daß gehirn zuverwirꝛen/ gute gelegenheit hat. Liß darvon Wierum de præstigiis Dæmonum, die edition in quarto, mit columnis distin- guiret zu Basell vor diesem gedrucket. iii. Wie denn: Titia ist doch warhafftig auff dem Hexen tantz gewesen. Ich sag ja: Gib es vollkommentlich nach/ frag aber: sag mir Ti- tia tia hat Gajam auff dem Hexen-Tantz gesehen? Wie wenn der Teuffel die Persohn Gajæ repræ- sentiret hette? pag. 331. Die 47. Streit-rede. Ob deñ der Teuffell/ in seinem Hexen convent/ auff dem Haͤwberg/ zu Oxenhausen/ Blocksberg ꝛc. Vnschuldiger leut gestalten præsentiren koͤnne/ so: daß man mei- nen muͤß/ sie seyen/ waarhafftig da gewesen? A Ntwort: pag. 331. Ich sage ja/ vnd nicht nur stillsitzende/ wie etliche meinen/ sondern gar/ daß sie auch mit dantzen/ vnd alles mit treiben/ was die andern thun. Dann i. so hat man dessen gnugsame exem- pell. Die Hexen haben einen frommen religi- osen angegeben/ daß er die vnd die nacht/ mit deren vnd deren/ bey jhnen auff dem convent getantzet hab/ vnd ist doch befunden worden/ daß er in derselben stund mit anderen ordensleuten im Chor gewesen/ vnd seinen Gottesdienst ver- richtet. So haben die Hexen entwed er auff jhm gelogen aus pein der tortur/ oder aus boͤßheit: oder der teufel hat sein gestaldt auff dem tantz præsentiret. Ja ich wolt gar Fuͤrstliche Perso- nen nennen/ auff welche die Hexen bekennet ha- ben ii. so kan sich ja der teuffel in einen Engel des liechts verstellen iii. wer dises leugnet/ der muß muß es mit guten fundamenten, die dem ge- wissen genug thun/ vmbstossen iv. die wider- sacher sagen: der teuffel kans nicht thun: vnd be- wehren es mit jhren bluͤtigen processen: so muß ichs jhnen in jhr gewissen schieben/ zu beantwor- ten: daß es nicht so seye wie ich sage: drumb will ich dises nicht weiter außfuͤhren/ sonder anderen uͤberlassen/ biß mein gewissen eines anderen uͤber- zeuget werden kan. pag. 335. Die 48. Streit-rede. Von den Argumenten, mit welchen man sich vnternimt zu behaupten: das der teu- ffel: vnschuldige leut im Hexentantz nit representiren koͤnne? A Rgument. i. Der teuffel koͤnte diß thun: wenns jhm Gott zu liesse: daß es aber Gott zu gelassen/ nemlichen in der Hexerey/ hab ich noch nie gehoͤret oder gelesen. Last es Gott aber zu/ so oͤffnet er doch den betrug bald/ entweder wegen jhrer suͤnden/ sie dar- mit zur buß zu locken/ oder sie desto vnschuldiger/ vnd glorificirter zu machen. So sagt Delrius. Antwort: p. 336. i. Eh ist nicht genug diser oder je- ner/ hat diß oder jenes nicht gelesen E. So ist nichts dran Zum ii. hierauß kan ich alles vmbstossen/ was die Brandtmeister/ mit der vnertraͤglichen mar- ter in der tortur, aus den leuten erpressen: wann ich ich sag: Ich hab mein tag nichts darvon gehoͤrt vnd gelesen. Sagen sie Gott laß es zu/ daß die ding gesehen/ die sie in die protocoll schmiren. Trawen ja: so lest er auch zu/ daß der teuffel vn- schuldige leut præsentiret: denn was ich euch muß nachgeben/ daß koͤnt jhr mir nit vmbstossen. Zum iii. die besagt werden/ die helt man fuͤr schuldig/ sie werden torquiret, man helt darfuͤr sie seyn Coͤrperlich vnd warhafftig aldort gewe- sen: man torquiret sie so lang/ biß sie es beken- nen: seind dann welche die alle tortur vberwin- den/ so brennet man sie lebendig/ als verstockte Hexen/ dann durch den banck hinweg/ muͤssen sie alle schuld haben/ was ists denn wunder: das Delrius niemal gehoͤret/ vnd gelesen/ daß der teuffel vnschuldige leut in Hexentantz præsen- tiret? Wiltu iv. sagen: pag. 337. Es ist nit waar/ was ich hoͤre/ man laßt die vnschuldigenwider loß. Be- ne, so hett es Delrius wol hoͤren vnd lesen sollen/ daß dise vnschuldige seyn præsentiret gewesen. Argum. ii. Der teuffel begehrets nicht zu thun. Denn er weiset aus der heil. Schrifft: daß Gott die außerwehlten nicht laßt versucht wer- den/ als zu jhrer prob, vnd zum guten. Antwort: i. wo bleibet die historia Hiobs? Hat er nicht in seiner noth vielfaltig gesundigt? Ists zum guten geschehen/ so wird sich der teuffel wenig darumb bekummert haben: aber eben da- mit muste man Hiobs vnnd aller menschen schwachheit sehen. Ant- Antwort: ii. Es ist noch nicht gnugsam mei- nem gewissen mit disen argument geholffen/ dann es verwirret mehr alß es beweiset. Argum. iii. Binsfeld sagt: kein vnschuldi- ger ist in seinem gewissen bekummeret/ daß jhm der teuffel werde præsentiren. Darumb so kan der teuffel solchs auch nit. Antwort: 1. Kein vnschuldiger foͤrchtet sich/ daß er von Hexen verzaubert werde: vnd solches geschicht offt mannichsmal/ daß fromme leut von den Hexen anstoß leiden. Zum 2. So seyn die frommen ohne forcht/ weil sie glauben/ wenn sie schon vom Teuffel præsentirt werden/ so soll es jhnen doch nicht schaden: wenn sie aber auß diesem Buͤchlein ewre proceduren: sic hodie fert praxis wer- den lesen/ so muͤssen sie sich nun foͤrchten. Vnd dessen versichere sich jedermann/ daß es schon so weit kommen/ daß jhrer viel vor der jetzi- gen Richter Tyranney in nicht wenige forcht ge- rahten: Man hat sich deswegen mit mir bespro- chen: die zu mir kommen sein hat man gefangen: als verdaͤchtige/ die da hetten wollen fliehen: Gott hab sie gezwungen wider zu kehren: man hat sie zu keiner defension verstattet: ich weiß daß jhrer etliche bey sich selbsten resolviret/ sie wollen/ der tortur zu entgehen/ sich fuͤr schuldig bekennen/ sie haben mit sich meditiret: waß sie sagen woͤllen/ daß man die tortur an jhnen nicht continuire: pag. 338. Mann Mann hat mich gefragt: ob man auß forcht der tortur: oder in der tortur/ wann der schmertzen einen Menschen vberwunden/ daß er vnschul- dige besaget: auch ein Todtsuͤnde begehe/ vnnd sein seeligkeit verschertze? vnnd waß dieser gewis- sens gefaͤhrdungen mehr sein/ in deren etlichen ich mir selber nit kan helffen/ vnnd es schier nicht waagen darff auß zu reisen/ vmb der boͤsen Maͤu- ler willen. Darumb moͤchten Binsfeld vnnd sei- nes gleichen/ als in Criminal sachen vngeuͤbte Leut/ mit solchen Argumenten besser inne halten. Argum. iv. Es ist niemal/ oder selten/ auß beharꝛlichen oder bestaͤndigen besagnissen erhel- let/ daß vnschuldige Leut seyen præsentiret wor- den: die experienz gibts nicht E. Antwort: Binsfeld sagt viel vnd beweist nichts Wehe dem/ der einmal in der Richter haͤnde kommt. Er muß an die tortur: die vberwindet jhne. Vberwindet er aber die tortur: so ist er/ wie sie sagen mit dem Teuffel besessen/ vnd muß lebendig auffs fewr. Dahero sag ich: NB. Daß wir nicht alle Hexen-Meister sein/ daß machts daß man vns nicht alle torquiret. Es hat sich NB. ein Brandtweister ohnlengst in Trunck ge- ruͤhmet/ wenn er den Pabst in seine gewalt bekaͤh- men/ er wolte denselben zum Hexen Mann ma- chen. So wolt ich Binsfelden darzu machen: ein anderer mich/ vnd so fortan. p. 341. Argum. v. Wann der Teuffel vnschul- p. 342. dige bige Leut kan auf dem Hexen-tantz præsentiren: so kan er sie auch bey morthaten/ im Hurenhauß/ im Ehebruch ꝛc. præsentiren. Darmit so kan sich darnach ein solcher vbelthaͤter entschuldigen: er sey es nicht gewesen/ der Teuffell habs ge- than/ ꝛc. Antwort: Man muß die Casus vnterscheiden: Dann wann ein bestimter ort were/ an wel- chem man wuͤste/ daß zu bestimmten zeiten/ aller- handt wunderliche gespaͤnster/ in allerhandt selt- zamen gestalten/ mit allerhandt verlarfftem gau- ckellspiel/ erschienen/ vnnd affen possierlich alles mit einander thaͤten/ waß sonsten/ rechte men- schen thun/ die keine gespaͤnster sein. Es kaͤme aber Sempronius/ vnnd verklagte Grachum/ daß er jhne eben an dem ort der gespaͤnster/ eben zu der zeit vnnd stundt/ haͤtt gesehen ein Todtschlag begehen/ so muͤste freylich/ ein verstaͤndiger Rich- ter zweiflen: ob es waarhafftig Gracchus gewe- sen seye: oder ob nit sothanes werck mit eitell ge- spaͤnsterey zugegangen/ wenn er nun keine andere indicia haͤtt: als ob jrꝛgendt ein Todtschlag all dort geschehen ꝛc. Vnd erkennete dem Graccho nur auß diesem fundament die tortur zu/ solt er woll daran thun? Daß aber viel gespaͤnsterey/ mit allerley larven/ von allerhandt dingen/ thieren/ speisen getraͤnck/ bulschafft/ Music \&c. auff dem Hexenplatz vor- gehe: daß kan Binsfeld nit leugnen. Solte denn der Teuffell nicht auch einen menschen/ der an der pag.. 343. L He- Hexerey vnschuldig/ aber sonsten in Todtsuͤnden stecket/ præsentiren? Darumb wo etwaß geschicht: da keine gespaͤn- ster erscheinen: so kan man sich auch mit dem Teu- fell nicht entschuldigen. Argum. vi. Gott wirds dem Teuffel woll nimmermehr zu lassen/ daß er vnschuldige Leut præsentire. pag. 345. Antwort: woher weist man daß gewiß? wo bleibt denn die Historia von Samuel/ 1. Sam. 28? waß siehet man nicht bey den Christall scha- weren/ vnd anderen waarsageren? Hat nicht ein Abt von Trittenheim Keyser Maximiliano I. alle Patriarchen des alten Testaments/ neben etlichen Helden der Griechen vnnd Roͤmer gezei- get/ vnd in einem Saal præsentiret? p. 346. Einred: wenn der Teuffel solcher gestallt vnschuldige Leut præsentiren kan/ so muß groß vnheil darauß folgen. Antwort: i. Ist es dann beweiset/ daß Gott dem Teuffell wehret groß vngluck im Regiment zu stifften? Waß ist denn daß/ waß Dan. cap. 10. V. 13. stehet? Daß ist ja viel ein groͤssers. Laͤst doch Gott dem Teuffell zu/ daß er den Hexen daß gifft gibet: Item daß man mit consecrirten ho- stien Zuͤuberey treibet/ ꝛc. Antwort: ii. Freylich muß grosse vnrichtig- keit in gemeinen wesen entstehen. Denn auß ewe- rem schluß: Laͤsset Gott solches nicht zu/ daß vn- schuldige præsentiret werden: Also muͤssen euch alle alle schuldig sein/ die man daselbsten gesehen wor- den sein besaget: Die muͤssen gefangen/ mit ite- rirter: Ich soll sagen mit continuirter tortur zum bekennen gezwungen/ eben darmit vom re- vociren vor jhrem lebens endt abgeschroͤcket o- der als halßstarrig lebendig verbrennet/ ja gar zu ruck vorhin wieder zur tortur gerissen werden. Sonsten hab ich Binfelden droben auch auff seine weißheit Dub. 10. geantwortet. NB. Ohn- langst hat ein Herꝛ mit seinem Geistlichen vatter [ohne noth die Leut zu nennen] vnter der malzeit hefftig vber diesen puncten disputiret: vnd nach langer red/ dem guten Herꝛen die Acta vor die au- gen legen lassen/ da es jhme dem Geistlichen allzu fruͤe waar worden/ daß der Teuffel auch die jenen præsentire/ die daß Hexenwerck niemahlen ge- trieben. p. 349. Argum. vii. Es sein gleichwoll grosse Doctores der meinung/ der Teuffell koͤnne die- ses nicht. Antwort: Wenn man vnsere meinung nur wird anfangen examiniren: so wird sichs baldt geben. Wir streitten auß gutem grundt gesun- der vernunfft: vnnd nicht mit autoritatibus: noch weniger nehmeich die autorit aͤt der Hexen fuͤr genug. Christus spricht im Euangelio: wenn ich von mir selbs zeuge/ so ist mein zeugniß nicht wahr: diß argument Binsfeldi will er streitten: wenn der Teuffell von sich selbs durch die Hexen zeuget/ so ist sein zeugniß wahr. Man sihets ge- L ii nug: nug: wenn erstlich nur ein eintzige vnschuldige be- saget wird/ so macht hodierna praxis baldt vn- zehlich viel schuldige. In summa: wir wollen die waarheit muthwillens nicht wissen. Gewiß es gehoͤret viel beweisens darzu: daß man mich v- berrede/ es sey alles wahr/ waß auch die Rechten Hexen/ auff sich selbsten bekennen. p. 351. Die 49. Streit-rede. Waß man fuͤr Argumenten hat/ an seiten derer jenen/ welche erstreitten wollen: man soll der Hexen jhrem Besagen/ oder Angeben/ kurtzumb glauben: vnnd die Besagten oder Angegebenen zu torquiren/ seye die- ses ein genugsames indi- cium? E S wird viel zeugs auff die bahn gebracht/ so aber also baldt faͤllt/ wenn mans recht examiniret. Argum. i. Der Richter ist schuldig/ ein malefiz -Persohn in hoc crimine/ vmb jhre gesell-vnd gespielschafft zu fragen: vnd die befrag- ten sein schuldig andere anzusagen/ vnd man soll den befragten glauben. Denn sonst were frag/ vnd antwort nit noͤtig. Antwort: i. Es ist an anderen orten zur ge- nuͤge gezeigt/ daß in hoc passu daß besagen/ selbs zu erzwingen/ nit noͤtig seye. Antwort ii. Gesetzt: der Richter ist solches zu zu thun schuldig: darauß folgt noch nicht/ daß er die waarheit hoͤren werde/ bevorauß sic hodie tenet praxis. Es muͤssen solche neben proba- tionen darmit vnd darneben einkommen/ daß man sehen kan es ist kein betrug darhinder. Waß aber in acht zu nehmen/ das ist schon anderst woh angedeutet. Argum. ii. Es ist waar: daß man keinen vber anderer Leut thun vnd lassen peinlich fragen kan: aber in der Hexerey/ weyl es ein crimen ex- ceptum, so muß es sein. Sonst were kein vnter- scheidt in Malefiz- haͤndeln zwischen Exceptis/ hauptlasteren: vnnd anderen gemeinem lastern. pag. 353. Antwort. i. Es ist nicht recht distingui- ret. Dann so solt man reden: daß in exceptis nicht alle rechtens formulen solten muͤssen ge- braucht werden: da doch anderstwo daß contra- rium erweiset. Aber den vngegruͤndeten besa- gungen glauben muͤssen/ daß ist wider gute gesetz/ wieder gesunde vernunfft/ wieder daß recht der natur/ vnd gute sitten. Antwort ii. In anderen exceptirten Ma- lefiz -haͤndeln/ mag man etwa den besagungen glauben. Aber in Hexerey sachen/ haben wir be- sondere fundamenten gezeiget/ warumb solches nicht sein koͤnne. Argum. iii. Die rechten sagen L. fin. C. de malef. \& mathem. man soll die Malefican- ten vmb jhre gesellschafft befragen: vnnd jhrer L iij aus- aussag glauben. Ich denck nicht daß man dieses vmbstossen kan. p. 354. Antwort. i. Man soll ja nicht von den Rechten weichen: sed ostendendo fallaciam: nun hab ich fauten genug gezeiget/ welche guter raison zu wiederlauffen/ also repetir ichs nicht weiter. Antwort. ii. Es kan auff zweyerley weiß von den Hexen dißfalls gefragt werden 1. waß sie fuͤr mit consorten gehabt/ wenn sie Leut vnnd vieh mit gifft vmbgebracht/ wenn sie sonsten greifflichen schaden gethan haben. 2. aber von jhren conventen/ tantzen/ wer darbey gewesen/ waß sie fuͤr kurtzweil dabey gehabt/ ꝛc. Von der ersten sort moͤgen die rechten zuver- stehen sein/ so ferne: wenn dergleichen vmbstaͤnde mit vnterlauffen/ die einem verstaͤndigen gewis- senhafften mann satisfaction thun: als das man der sachen in der tortur nicht zu viel thue/ ꝛc. Al- lein von der anderen sort sie zu fragen/ ist nit rath- sam/ weyl sie die waarheit zu sagen verhindert werden/ auß vrsachen/ die wir genug außgefuͤhret haben. Ob wol aber Binsfeld dieses nicht an- nehmen wolte: so ist er droben Dub. 37. num. 7. zur genuͤge abgeweiset. Ich also nicht noͤtig sol- che ding zu repetiren. Argum. iv. Man glaubt aber anderen Ma- leficanten/ wenn sie jhre mit consorten an- geben. Antwort: Es ist der vnterscheidt zwischen den Cri- Criminal- haͤndeln vnnd der Hexerey/ sampt nothwendigen erinnerungen droben mehrfaͤltig außgefuͤhret/ ist also hie vnnoͤtig. Argum. v. Man soͤll dem glauben der die waarheit redet: die erfahrung bezeugt/ daß die Hexen die waarheit sagen/ wie mans auß den processen darthun kan. Antwort eins ist wahr: daß ander aber falsch. Waß die processen an- langet/ besiehe vnter anderen/ die 48. Streitrede Arg. 1. resp. 3, vnd Arg. 4. Argum. vi. Nota, es ist in der prob dem er- sten gleich/ also nit noth zu setzen. Such die ant- wort Dub. hoc bey dem ersten. Argum. vii. Es ist aber Praxis Ecclesiæ, daß man den Hexen glauben soll: denn zu allen zeiten haben die Richtere jhren inquisitional- proces hierauß angefangen. Antwort i. Etliche vnd die meiste thun daß/ aber nit alle: wie anderstwo erwiesen. Antwort ii. Laß sein/ daß wir ein anders/ zei- geten: eben darumb weil wir einen besseren weg finden vnd zeigen/ soll man vns nit verwerffen. Antwort iii. Der Richter praxis muß nicht praxis Ecclesiæ genennet werden. Dann die Kirchen muß gewissenlose processen nicht be- maͤntlen. Soll man die wasserprob auch praxin Ecclesiæ heissen/ die man so vnterschiedlich falsch hat gefunden? Argum. ix. Es stimmen aber die besagun- gen jhrer vielen: all auff eine Persohn. pag. 358. L iv Ant- Antwort: daß thut der sachen auch nicht genug. Entweder so sein sie rechte Hexen gewesen: oder solche die man mit continu irlicher tortur, sic hodie habet praxis zur aussag gezwungen. p. 359. So es waarhaffte Hexen sein gewesen. NB. Also haben sie sich 1. miteinander auß boß- heit auff eine gewisse Persohn koͤnnen bereden/ daß/ wo sie einmahl der Obrigkeit kundt wur- den/ vnd in verhafft kaͤmen/ so wolten sie einstim- mig/ in allen vmbstaͤnden auff eine gewisse person bekennen/ dessen genugsame exempell: 2. So hat der Teuffell koͤnnen ein vnschuldige Persohn præsentiret haben/ da den die vielheit der Besa- gerinnen abermahl vngrundtlich: 3. so hat der Teuffel jhnen selber koͤnnen alles also eingege- ben/ vnd befohlen haben/ daß ja vnschuldige Leut gefaͤhrdet werden. Sein sie aber keine waare Hexen gewesen/ so ist die vielheit des gleichaussagens desto schwaͤcher. Dann wo 1. viel also grewlich torquiret vnnd befraget werden/ so kan auch ohngefehr gesche- hen: daß jhrer viel alle auff eine Person stimmen: bevorauß wenn man jhnen so zusetzet. Zu dem 2. weyl die vnschuldigen keine andere wissen/ so denominiren sie gemeiniglich die jenen/ welche am Meisten verschreyet sein/ weylen 3. die Rich- ter selber an meniglich daß/ waß in geheimen ver- handelt worden außpraͤdtlen: daß nun sich eine von der tortur loͤse/ so bekendt sie auff solch eine p. 360. die die schon etwa auch gefangen gesessen/ vnnd daß gehet denn auff der reigen also fort. Nun jhr Obrigkeiten jhr koͤndt hier gar keines weges entschuldiget werden/ daß sie so ein weites gewissen haben/ vnnd solche proceduren nicht hemmen. Es ist ja dieses so ein faͤhler den man woll konte corrigiren/ vnd Richteren wie auch Christlichen/ daß nachklapperen abwehren/ daß nicht ein gantze Stadt/ mit fingeren auff die Leut die angegeben sein/ zu weisen habe: so muß mans aber gehen lassen/ so kan man vber ein jahr ex fa- ma den inquisitional proces anfangen. Vnd daß ist hernach ein eifer/ daß boͤse auß zu reutten. Ich will nicht sagen: daß man auß raachgier 4. selber oder durch den Hencker den leuten vorliset/ auff wen/ vnd waß sie bekennen sollen. Wie sol- ches an anderen orten genug angedeutet. Argum. ix. Man siehet ja auß den Crimi- nal processen, daß gemeiniglich alle besagte/ sich selbs endlich in der tortur angeben/ darumb muß man solch angeben nicht fuͤr vngrundtlich hal- ten. NB. Antwort: dieses argument will ich so hart nicht straffen/ wie jener wilder vnsinniger Fuͤrst: welcher seine raͤth/ wenn sie einem die tor- tur zu erkandt: vorher mit gewalt eine halbe stundt an die folter hat spannen lassen. Dann er hat gesagt: sie wissen nit was sie decretiret: So muͤsten sie es von der erfahrenheit lehrnen. Naͤrrisch were eine/ wann sie einmal angege- pag. 361. L v ben ben worden/ die sich nicht also balden fuͤr schuldig bekennete/ weyl man sie doch mit der tortur dar- zu zwinget. Vberstehet sie die tortur/ so muß sie den Teuffel haben/ verstockt sein/ vnnd lebendig/ auch ohne pulversack verbrennt worden. Wer nicht weitter als 4. oder 6. schuh/ von seinen Vat- terlandt kommen/ der weist viel drumb/ wie es ausserhalb zu gehet. Der leser repetire hie Dub. 28. Argum. 4. Argum. x. ist D. Goehausens. P. P. Rintelen- sis, vnd hat den verstandt: Man siehet waß man fuͤr arbeit muß haben/ biß mans darzu bringet: das eine die andere solte besagen/ dann der Teuf- fel hinderet dieses mit macht darumb/ daß mit der straaff sein reich nicht gemindert werde/ vnd also andere sich abschroͤcken lassen. pag. 363. Derowegen soll man desto gewisser darfuͤr halten/ daß diese denuntiationes oder besagungen waar seyen/ weyl wir wissen/ daß sie invitißimo dæmone/ wieder allen willen des Teuffels geschehen/ vnd darumben so nennen sie so gerne die schon Todt sein. Antwort: i. dieses argument ist fuͤr/ vnd nit wider vns. Dann ad majorem. i. Der Teuffel ist (invitißimus) gar vnge- halten/ daß seine Dienerinnen solten die recht- schuldigen angeben/ er laͤst ihnen nicht zu: so muß er ja nicht invitißimus sein: daß die rechtschul- digen verschwigen/ vnd andere an dero stell ange- geben werden/ wird sich volentißimum darzu er- erklaͤren. Also schließ ich vor mich hierauß/ sie werden mit besten belieben jhres Meisters viel eher vnschuldige besagen: als wieder seinen willen die rechtschuldigen melden. ii. Der Teuffell/ wie D. Goehausen/ an ei- nem anderen ort will/ verbeutet mit dem eydt- schwur/ denn er von den seinen nimmet/ daß sie einander nicht sollen verrahten/ daß schweret ein jeder newe Hexe auff dem Tummellplatz. Im gegentheil/ so nimmt er keinen eydt vber die vn- schuldigen. Warumb solten denn seine vnter- thaͤnigste Dienerinnen/ jhren eydt nit halten. iii. Wenn sie rechte Hexen angeben/ so wirdt des Teuffels reich geminderet. So sie andere angeben/ so wirdt es nicht geminderet. Ist denn des Tenffels reich vnter sich so vneins/ daß sie sol- ten sich selbs verrahten? pag. 364. iv. Wenn sie sich selbs nennen/ so werden andere abgeschroͤcket. Wenn sie vnschuldige nennen/ so werden die schuldigen gestercket/ weyl sie sehen/ daß die raach nicht jhr eigene/ sonder ein andere herdt triffet. Einredt: dieses argumentes sinn ist verkeh- ret. Dann ich will so viell sagen: wann die He- xen vnschuldige benahmten/ so wuͤrden sie solchs ohne tortur woll thun. Nun thun sie nichst oh- ne tortur, so muß ja folgen/ daß sie die recht-schul- digen benennen. Antwort: Ohne weiten wort-streit/ droben Dub. 44. rat. 5. ist diß schen erleuteret: darumb diß diß argument zu erhalten/ so muß man immer- fort vnd fort torquiren, so haben wir immer Hexen vollauff. O elend vnd vnachtsamkeit et- licher Gelehrten! Nochmehr antwort; pag. 366. auff daß x. argu- ment: die jenen/ so andere angeben sollen: sein ent- weder waare Hexen: oder werden nur also genen- net/ ob sie zwar keine sein/ sonder vi tormento- rum daß bekennet/ daß nicht waar ist. So es wa- re Hexen sein: so ist die folgerey oder nochtruck deß arguments falsch. Dann ich retorquire dises also/ die rechte Hexen/ so sie angeben muͤssen jhre mit Consor- ten, so werden sie bereit willig sein nur vnschul- dige anzugeben: welchs D. Gœhausen nicht in abred ist: nun aber alle die jetzund andere deno- miniren, die sein nicht bereit willig darzu. Ergo die jetzunder andere angeben/ die sein keine waare Hexen. Also faͤllet zu nicht daß/ so im argument stund: daß die Hexen darumb nur allein die todten angeben. Es were gut/ daß man woll waar nehme/ was ich jetzund sagen will. Die meisten Richter sein sorgloß/ vnerfahren/ viel auch geldtgeitzig/ vnd boßhafftig: die reissen mit gewalt zu jhrem vortheil/ auß den liederlich- sten indicien, die leut ins gefaͤngniß/ vnd lassen sie torquiren: die gewalt der tortur ist ein mut- ter derer Hexen/ die keine Hexen sein: weil aber Hexen Hexen sein mussen: so mussen dise jhre lehrmeiste- rinnen nennen/ jhre juͤngerinne/ vnd mittgespie- len. Dieses nun gibt dem gewissen viel zu schaf- fen: darumb so wollen sie nicht daran biß man sie Peiniget/ vnd bekennen ehr nichts/ biß die viel- heit der tortur jhnen zu schwer vnd vnertraͤglich faͤllet: wenn sie nun also die Pein nicht mehr be- stehen koͤnnen/ so nennen sie die jenen/ mit wel- chen sie jhr wort moͤgen beglaubt machrn/ vnd jh- nen doch so viel moͤglich nicht schaden: der leib ist zwar vberwunden/ aber daß gewissen/ daß stehet noch vest/ darumb nennen sie die jenen/ so schon gestorben/ oder als Hexen schon verbrennet sein. Nun noͤtiget man sie weiter/ so nennen sie auch dir noch leben/ vnd zwar solche/ die genug schon diffamiret sein: die von anderen sein angege- ben/ oder schon gefangen/ oder deßwegen gefan- gen gewesen ꝛc. NB sag ich mit willen die vn- warhait: so thue mir Gott diß vnd daß. NB Ver- ba autoris latina: Id enim ita passim fieri, si sciensfallo; tum Pater omnipotens adigat me fulmine ad umbras: Ich weis aber was ich rede: vnd woher ichs wisse/ daß wil ich den Obrig- keiten am juͤngsten gericht gnugsahm zeigen/ sie werdens auch wol innen werden/ weil sie es jetzo wissen solten/ vnd nicht wollen/ wie sie dann von vielen vnschuldigen anitzo dahin citiret werden. Wer daß lieset der mercke drauff/ waß ich sage! Argum. xi. Soll man dem Besagen nit glauben/ so hat man kein mittel die Hexen zu ertap- pag. 367. pen/ pen/ vnd außzurutten: so mag daß gemeine wesen von boͤsen weibern nit geseubert werden. Darum so muß man dem besagen glauben. Antwort. i. pag. 369. Es ist nicht wahr/ denn es sein noch andere vnnd bessere indicia vnd mittel/ die such bey Tannero, \&c. Einredt: Obwolln indicia etwa weren/ so fin- det man nur gemeine Hexen: aber man kan also an jhre Oberhaͤupter nit kommen. Dann man hat nie keine vornehme Hexen sehen daß thun/ was die dorff-Hexen mit jhren ceremonien? Antwort: ii. * Was ligt daran? soll ich dar- umb gewissenlose mittel vnd weg brauchen? Ent- weder hat man gewissens gegruͤndete mittel/ oder keine. Hat man jene/ so brauch man sie: hat man aber jhrer keins/ so rath ich man soll nachlassen. Wer zwinget die Leut zu solchen gewissens losen mitteln. Antwort iii. Es ist kein anders mittel: Ergo so ist das besagen ein gutes mittel. Ist eben so viel/ Ich soll Meß halten/ hab keinen Wein/ so ist der Essig gut darzu/ dann er ist ja naß. Einred: daß heisset den Hexen den rucken gehalten. Antwort: das kan mir der Bawr sagen: Ich gehe mit guten rationibus meine meinung zu behaupten/ vnd nicht mit Sophiste rey. Tan- nerus sagt: das heist nicht den Hexen/ sondern den vnschuldigen huͤlff thun. Ant- Antwort iv. Ich will nachgeben/ daß man dem besagen glauben soll/ so folget: i. Man hat mit dem betrieglichsten mittel/ ohnglaublich viel Hexen gemacht. ii. Alles ist voller Hexen: warumb? die He- xen vnd der Teuffel bezeugen das. iii. Binsfeld streitet/ man koͤnne kein gewis- ses indicium haben/ als die denunciationen: andere sagen wir haben schwaͤre indicia. iv. Wir folgen der gemeinen praxi, so koͤn- nen wir nicht faͤhlen. v. Der gemeine mann meint: Es seyen die Richter-Stuͤl mit eytel reinen Engelen besetzet. Woher? Die Hexen sagens. vi. Ich halts fuͤr ein schmach dem Teutschen nahmen/ auß einem solchen fundament, die processen zu rechtfertigen. vii. Noch aͤrger ists/ daß man auch der geist- lichen in hoc passu nicht schonet. viii. Vnd das man so weit kommen/ daß auch Hohe-Fuͤrstliche Personen/ vngescheucht/ mit solchem Besagen beschmitzet werden. ix. Item: daß man bettel-jungen zu Zeugen arglistiger weise dinget: die muͤssen denn daher sagen/ sie haͤtten diß vnd jenes gesehen/ ꝛc. x. Newlich ist eine entronnen/ vnd mit einem Landsknecht davon gezogen: So haben die Rich- tere gesagt: Der Teuffel hab sie geholet. Solche maͤhrlein werden protocolli ret. Die pag. 376. Die 50. Streit-rede. Wessen ein Richter sich hierinnen zu resolviren/ daß er sicher gehe: Ob ein mittel- weg zu finden: oder ob er der andern Parthey soll beyfallen: oder aber vnserer meinung folgen: die das besagen oder ange- ben der Hexen gantz ver- wirffet? A Ntwort: Er kan mit Gegentheils mei- nung nicht sicher gehen: auß vhrsachen/ wie folget i. Eß muß in allen zweiffelhafften Dingen der sichere Weg gegangen werden. ii. Ich hab mit gutem Exempeln geweiset/ gegentheils Meinung koͤnte nit stehen: Also muß man mich widerlegen vnd besseres zeigen/ oder aber mir folgen. iii. Die Rechten wollen/ daß man (in du- biis) da man zu zweifflen hat/ mehr auff deß be- klagten Seiten sey/ denn auff deß Klaͤgers. iv. Ein Richter soll securiorem interpre- tationem ein mehr gesicherte außlegung anneh- men. Juxta cap. ad audientiam \&c. signifi- casti 2. de Homicidio. Einred: Binsfeld rufft aber/ auff die weiß werde dem gemeinen wesen nicht geholffen: Antwort: pag. 376. Eß ist ein vergebnes geplaͤrꝛ: Ich mein man kan auß nunmehr außgefuͤhreten Streit- Streitreden gnugsam colligiren, wann man dem Besagen so viel autorit aͤt soll muͤssen zu- messen. So werde man den Weitzen der vnschul- digen mit dem vnkraut außgetten. So hoͤr ich woll: das heisset das Land saͤuberen/ wann man so gefaͤhrliche Mittel brauchet: daß auch schwer- lich der aller vnschuldigste sicher were? Alle Inquisitoren, die ruffen vnd schreyen: die Hexerey sey ein aller geheimestes Laster: Ob es aber so geheimb sey/ da das Mittel deß besa- gens/ so hoch autorisiret were/ daß sicht ein Kind wol/ daß solch jhr ruffen vnd toben Thorheit ist. Einred ii. Nit ohn ist es/ deine Meynung/ die ist wegen deß besagten etwas gelinder: Allein die andere ist wegen deß gemeinen besten vnnd deß gantzen Landes viel nutzlicher: Dann auff diesen Weg werden die Processen befoͤrdert/ vnd erleich- teret man die execution der Processen/ sagt D. Goͤhausen P P. Rintelensis. Antwort: Vnser Meynung ist freylich gelin- der/ aber auch viel sicherer/ wegen deß Angebers/ vnd des besagten/ vnd deß Landes. Dann der Besagte kompt auß der gefahr: vnd der Besager eben so wol/ so er vnschuldig: so wird das Land auch nicht verwuͤstet/ wenn man etliche wenige boͤse geduldet: daß man den From- men nicht schaden thue. pag. 377. So ist die promotion deß Justitien wesens/ wann man sie so durchtrei- ben will dem Landt mehr schaͤdlich als fuͤrtraͤglich besihe drob. Dub. 8. n. 3. M Einred Einred iii. Gib boͤsen Buben Gnad: vnd sich was daß den Frommen schad? Mit dieser Gnad kommen viel zu kurtz idem Rintelensis. Antwort: Das reimt sich hiehero nicht. Ich red nicht von Leuten die mit Recht/ vnd ex pro- priis factis uͤberfuͤhret seyn: Sondern von de- nen/ die man auß deß Teuffels/ vnd seiner instru- menten Luͤgenmund/ oder vnschuldiger/ mit Pein Erzwungener/ vnd mit Forcht erpresseter Vhrgicht: oder auß leichtfertiger Leuten diffa- miren, mit gewalt perfas \& nefas will zu Hexen machen. Der ist viel mehr grimmig/ der ut hodie sicfert praxis, argumentiret als ich. Ist gar zu Kindisch von so einem grossem Doctor. pag. 178. Die 51. Streit-rede. Eine kurtze Erzehlung/ wie heut zu Tag die Processen/ gegen die Vnholden oder He- xen in Teutschland/ angefangen/ formalisiret, fortgesetzet/ vnd bey den meisten geendiget wer- den: Ein Handel deme wol vnd fleissig nachzudencken? A Ntwort: Es haͤtte der Leser/ das gantze Werck ohne mich/ auß diesem tractat zur genuͤge koͤnnen colligiren: Weil aber ei- nen Summarischen begriff zu verfassen mir viel behaͤnder faͤllet/ so will jhne her zusetzen ich mich nicht lassen ver driessen/ wiewol viel auß wird gelassen/ welches auch nicht fuͤglich haͤtte mit mit einkommen moͤgen: worob man sich auß denen Dingen/ so bißher gezeiget worden zur ge- nuͤge belehren kan/ vnd ein jeder selbst der Sa- chen weiter nachdencken. i. Der erste considerations -puncten beste- het darinn: daß in Teutschlandt (vnter den Ca- tholischen am allermeisten) bey dem gemeinen Poͤfel/ dessen man sich wol schaͤmen muß: Ein vnglaͤublich vnd vnsaͤglicher Aberglauben/ Neyd/ Verlaͤumbdungen/ boͤses Nachreden/ gifftiges Ohrenblasen vnd Klapperwerck/ vnd was dar- auß folget/ uͤblich. Die Obrigkeit strafft nicht: Die Prediger eyferens nicht/ Verstaͤndige verachtens nicht. pag. 379. Darauß entstehet am aller ersten der Argwohn von der Hexerey. Was GOtt den Leuten boͤses in seinem Wort bedrowet/ wenn es kommet/ so sagt man: das kompt von Hexen her. So gar/ daß Gott vnd die Natur nichts mehr thun: son- dern allein die Hexen die muͤssen mit gewalt alles gethan haben. ii. Daher ruffet jederman mit Vngestuͤm- me: Ein Obrigkeit soll ein einsehen thun: man soll nachfragen/ wer doch die Hexen seyen/ deren keine als durch boͤse Maͤuler gemachet/ vor- handen. iii. Hierauff so kommen Befelch auß den Hoff-Cantzeleyen: Richter vnd Raͤth follen Pro- cessen gegen die Hexen anstellen. iv. Diesen wissen dem Werck keinen Anfang M ij zu ge- zu geben: Vrsach sie haben keine indicia, vnnd probationen: Das Gewissen sagts jhnen ge- nug/ man soll in hoc passu nichts freventli- chen vornehmen. v. In dessen kommen Befehl uͤber Befehl/ sie sollen fortfahren. Der gemeine Poͤfel ruffet vnd schreyet: daß solches Verzoͤgeren etwas an- ders hinder sich habe. Vnd die Herꝛen lassen sich endlich selbst auff eine solche Meinunge bringen. vi. Daß man aber jhnen nicht solt obsequi- ren, vnd jhr Vngnad auff sich laden: Das haͤlt man fuͤr ein schweres Ding in Teutschlandt: Fast alle Geistlichen seyn gemeiniglich in diesem vnd andern Stuͤcken heuchler/ vnd heissen alles gut was jhre Fuͤrsten haben wollen: pag. 380. geben keine achtung drauff/ von weme jhre Herꝛen/ die von Natur Fromb seyn/ auffgehitzet werden. vii. Also pariren denn endlich die Herꝛn Raͤth/ Richter/ ꝛc. Vnd findet sich denn etwa so obenhin ein Weg zum Anfang. viii. Oder so sie ja noch hæriren, vnd so ein gefaͤhrliches Werck nicht angreiffen woͤllen/ so sendet man einen Insonderheit darzu deputir- ten inquisitoren oder Brandtmeister. Welcher wann er mit der Vnerfahrenheit bekleidet ist/ vnd mit eiffersichtiger vngestuͤmme beguͤrtete: wie es dann bey Menschlichen affecten gehet/ so muß es in dieser Sachen kein Zornmuͤtigkeit heissen/ sondern enderet sein boͤsen Anhang/ vnd wird ein Gottseliger Eyffer genennet: Solcher ver- vermehret sich durch gewinnsuͤchtigkeit: alles vn- ter den schoͤnen Nahmen der Justitien: bevor- auß wann er eine hungerige Muͤcke vnd darbey geitzig ist/ vnd das Hauß voller Kinder hatt: da man dann jhme von jeder Hexen/ die er Richten lasset/ etliche Thaller aßigniret, beneben daß er seine accidentien sonsten darbey als ordentliche Collecten vnd Contributionen zu heben hat/ darzu jhme die Dorffschafften/ vmb der Hexen/ wie sie beredt seynd loß zu werden/ gutwillig helffen. ix. Wann nun ein Ertzverboͤster Landtbub etwan ein Wort hat lassen fahren/ oder sonst etwa ein boͤses Geschrey/ uͤber ein arme alte verachtete Gaja (dann andere indicia oder famam pro- batam hat man nimmermehr) er gehet/ so muß die Alte dran/ vnd die erste werden. x. Daß es aber den Nahmen nicht habe/ man gehe nur bloß auff daß gemeine Geschrey/ ohne Respect andere indicia auch zu brauchen: siehe pag. 381. so findet sich flux ein Zwickmuͤhlin: dann die alte Gaja ist eines boͤsen verruchten lebens: oder sie ist fromb vnd einfaͤltig. Ist sie boͤß gewesen: so sagt man: daß ist ein groß indicium: dann von Boßheit auff Boß heit zu præsumiren ist jeder- man sehr geneiget. Ist sie fromb: Ja heists/ also gehets/ so muͤssen sich die Hexen bergen/ daß man sie nicht kenne/ sondern fuͤr ehrlich halte. xi. Damit so faͤhrt man mit Gaia zum Loch: Da ist eine newe Zwickmuͤhlin bey der M iij Hand. Hand. Dann entweder stellet sie sich forchtsamb: oder aber keckmuͤtig. Ist sie forchtsamb/ weil sie offt gehoͤret/ wie grawsamb die Vbelthaͤter in der tortur hantieret werden/ das ist schon ein indi- cium: jhr Gewissen klaget sie an/ sagen sie. Ver- laͤst sie sich auff jhr Vnschuld/ vnd ist getrost: daß ist das rechte indicium: dann das ist proprii- simum, das eigentlichste Zeichen/ daran man die Hexen kennet/ daß sie auff jhr Vnschuld sich be- ruffen/ vnd sich fuͤr fromb außgeben. xii. Daß aber den Inquisitoren an andern indicien nichts mangle: so haben sie jhre eigene bestelte Leut darzu/ gemeiniglich rechte Landt- schelmen vnd Lotterbuben (dann ein ehrlich Ge- muͤth soll lieber hungern vnd das Brod betteln/) die muͤssen auff der Gaiæ gantzes Leben biß zuruͤck hinauff in dero kindliches Alter inquiriren: pag. 382. da es dann vnmoͤglich/ daß nicht etwas vorfalle von Worten oder Thaten/ welches von uͤbel-Außle- gern/ nicht auff die Hexerey solt koͤnnen gezogen werden/ dañ da muß sich alles biegen vnd draͤhen lassen/ wie es die Leut selbst wollen haben: vnd so hat man ja wieder einen Weg zu indicien. xiii. Hat sie nun Mißgoͤnner bißhero gehabt/ so ist diß ein außerlesenestes Mittel jhr auffs eu- serst zu schaden: dann da ist kein schonen/ man laͤ- stert/ verlaͤumbdet vnnd leuget das sich die Bal- cken biegen moͤchten: vnd da muß es aller orten lauten/ man finde sie mit grossen indicien be- schwehret. xiv. Deß- xiv. Deßwegen flux 80. Stuffen im Thurn/ in den Keller hinab: den Marterspiegel her/ her- fuͤr mit den Schweininen-schuhen/ Daumen- schranffen/ ꝛc. Wo man sie nicht gleich den er- sten Tag schon/ da sie in verhafft kam an die Folter hat gebracht. xv. Dann da muß man kein Advocaten verstatten: Es muß einer jeden die Defension jhrer Ehren nicht verstattet werden/ vnnd Gaia hat nichts: So ist es ein Crimen exceptum, in welchem wo einer Advociren will/ vnd die De- fension vornchmen/ so wird er selber verdaͤchtig: Dann auch ein jeder der die Richter zu erinneren sich annimmet/ das sie behutsam gehen sollen/ fuͤr ein Hexenmann gescholten/ vnd fuͤr ein Hexen- patronen traduciret werden muß. Also werden jedermann die Maͤuler gestopffet/ vnnd die Schreibfedern auß der Hand gerissen/ daß nie- mandes reden oder schreiben doͤrff. xvi. Daß es aber einen Nahmen habe/ man habe jhr die Defension nicht versaget: So stelt man sie zum Schein fuͤr/ vnd liset jhr die indicia vor: ob man aber jhre Gegenantwort anzeichne/ das weiß ich nicht/ scheinet man hoͤret sie nicht viel. xvii. Oder ob man sie hoͤret/ vnd sie alles zu dem reinesten ablehnet/ vnd zu den lautersten wi- derleget/ da gibt man kein Achtung auff: Viel we- niger wirds protocolliret: es bleibt alles ande- res in vorigen Valor, sie moͤg es haben gruͤnd- M iiij lich lich vmbgestossen/ wie sie immer woͤlle: damit heist man sie wieder in das Loch fuͤhren/ mit ver- melden/ sie soll sich eines besseren bedencken/ ob sie so Halßstarrig woͤll verbleiben: Dann darumb/ daß sie sich wol verantwortet/ so heist man sie verftocket. xviii. Wann sie sich nun bedacht: so kom- met man/ vnnd stellet sie einen andern Tag wie- derumben vor: damit liset man jhr fuͤr: die tor- rur sey jhr zuerkant: als wann sie gar vorhin nichtsen sich verantwortet haͤtte. xix. Eher man sie aber an die Marter fuͤhret/ so bringet sie der Hencker beyseits: vnd daß sie nit Zauberey wider die Folter bey sich habe/ so ziehet sie der Hencker nackend auß: schneidet vnd schiret ihr die Haar aller orten ab: O schand uͤber schand an vns Catholischen/ da man Exempel hat/ das solches meist an jungen Weibspersonen veruͤbt worden/ da man sie mit Henckersfingern ich weiß nicht wo hat lassen schand- vnnd schamloß befuͤh- len! Es ist gleichwol niemal bey keiner dergleichen was gefunden worden/ dannoch muß man der Geilheit eines ehrlosen Henckersbuben solche schandthat verstatten. xx. Aber man hat solches auch an Geistli- chen/ nicht nur Alten: sondern jungen Personen/ wider alle jhre privilegia: an Mannspersonen lassen veruͤben/ ꝛc. xxi. pag. 384. Wann man nun Gaian Kahl ge- macht/ vnd allesan jhr befuͤhlet vnd besuchet/ so wird wird sie dann gepeyniget/ daß sie die Waarheit bekenne. Das ist sie soll ohne fernere außred/ sich fuͤr eine Hexen bekennen. Was sie anderst wird sagen/ das muß gelogen seyn/ es ist kein War- heit dran. xxii. Das ist nun die erste Art/ nemlich et- was gelinders mit der tortur verfahren: das muß man so verstehen/ ob wol diese tortur bitter genug ist/ so ist sie doch in respect der andern folgenden/ so sie in der ersten nichts bekennet/ fuͤr gelinder zu halten. Dahero/ wann sie das erste- mal flux bekennet/ so spargiret man auß/ sie hab gutwillig ohne tortur bekent. xxiii. Wann nun solches gen Hof berichtet wird/ vnd vnter die Leut kommet/ wer solt nicht meinen/ daß Gaia schuldig sey/ weil sie ohne tor- tur hat bekent? xxiv. Also nimpt man weiter kein Gewissen/ sie an die Gerichtsstatt zu bringen vnnd zu ver- brennen/ dann sie ist ein Hex/ vnd muß ein Hexe sterben/ sie sey es oder nicht. Dann wann man einmal mit der tortur hat angefangen/ so ist es mit Gaia gethan/ sie kan nicht loß kommen/ fort muß sie/ da hilfft nichts dargegen. xxv. pag. 385. Dann entweder so bekennet sie: oder sie bekennet nicht. So sie bekennet/ so ist der han- del klaar/ vnd hat die Tragœdi ein end: Vnnd sie wird gerichtet/ darnach verbrent: Alles revo- ciren ist vergebens/ wie droben/ an andern Or- ten weitlaͤufftig erweiset worden. So sie aber nit M v bekent/ bekent/ so repetiret continuiret man die tortur 1. 2. 3. 4. ꝛc. mal: Dann weil es ein ex- ceptum Crimen, so ist hie alle Grausamkeit er- laubet/ man bedenckt kein Zeitlaͤnge/ kein schmer- tzen/ kein andern vmbstand/ so gar/ daß man nicht Grimmigkeit zu ersinnen weiset. Die Richter meinen daß sie hier nichtsen sich im Gewissen versuͤndigen/ sonder meinen allein das Schonen/ moͤchte sie beschwehren/ xxvi. Wann nun einen gefunden wird/ so die tortur etlichmal uͤberstandẽ/ vnd doch reinen Mund gehalten: wann sie in der tortur die Au- gen verkehret/ oder gar ohnmaͤchtig wird/ ꝛc. Da ruffen die Henckersknecht: sie lache/ sie schlaaffe/ sie sey gegen die tortur vom Teuffel verzauberet: vnd seye aͤrger als keine. Der Richter laͤst sie deß- wegen lebendig verbrennen: deren Exempel ja ge- nug vorhanden. Vnd das scheinet deßwegen zu geschehen/ daß man den andern damit einen schrecken einjage: dann was kan den Menschen sehrer erschrecken als der Todt deß Fewers? xxvii. Vnd daß heissen dann vnsere Geist- lichen vnd Beichtvaͤter: ohne Buß/ in Halß- starrigkeit/ vnnd Verstockung dahin gestorben seyn: man hab sich nicht wollen bekehren/ sie hab jhren beyliger den Teuffel gesehen/ dem hab sie wollen trew berbleiben. Vnd davon muß man dann auch auff der Cantzel reden. xxviii. Begibt es sich aber/ das eine von so vieler grawsamer tortur jhr Seelaußblaset: so sa- so sagen sie: der Teuffel hab jhr den Halß abge- draͤhet: Vnd da brauchen sie so ein schoͤnen be- weiß zu/ pag. 386. daß wann er gelten solte/ jedermann eines so boͤsen Todes muͤst gestorben seyn/ wie droben schon erweiset worden. xxix. Darumb so ists billich/ daß der Hen- cker solchen Coͤrper hinauß schleifft/ vnnd vnter- den Galgen begrabe. xxx. Stirb nun Gaia nicht: ist etwan einer mit widerholung/ ich soll sagen Continui rung der tortur Scrupulos, vnd wolt gerne newe in- dicia haben/ will sie auch nicht brennen/ weil sie nicht bekant: so last er sie doch nicht loß/ sondern behaͤlt sie in der Gefaͤngniß? vnd lasset sie haͤrter schliessen/ vnd in allem uͤbler dann zuvor tracti- ren: kein Mensch muß zu jhr kommen/ Nie- mand als ein vngestuͤmmer Geistlicher muß sie troͤsten/ sie mag also Jahr vnd Tag dahin ligen/ ob sie also/ als im Essig gebeitzet/ koͤnt uͤberwun- den werden. xxxi. Dann sie mag so biel torturen auß- stehen als sie immer kan/ so kan sie sich nicht dar- mit purgiren/ oder das einmal auffgebuͤrdete La- ster ablegen. Es moͤgen die Rechten gleich dar- von statui ren/ was sie immer wollen. Es were ja den Brandtmeistern ein schand/ das sie eine also solten loß lassen. Sie muß perfas \& nefas schuld haben/ weil sie einmal in verhafft kom- men. xxxii. Indessen gebraucht man allzeit/ vn- ersah- erfahner Geistlichen jhrer Visiten, man nimmet vngeschlachte/ vngestuͤmme/ vnbarmhertzige Leut/ die den Gefangenen mehr beschwerlich seyn/ als die Hencker selbsten: deren Ordre vnd Ampt ist: die Gefangene auff das vnschlindigste zu importuniren, biß sie sich zu letzt sie sey ein Hex oder sey keine fuͤr schuldig angiebet: will sie sich fuͤr keine bekennen/ so sagen die Pfaffen: sie koͤnten sie nicht beicht hoͤren/ sie koͤnten nicht see- lig werden/ man koͤnte jhnen das Sacrament nicht reichen. xxxiii. pag. 387. Man siehet sich aber zum fleisig- sten vor: daß nicht etwan geistliche Leut/ die von etwas Verstand sein zu diesen actionen kom- men/ dann sie moͤchten auß der Schul schwetzen. So muß auch sonst niemand zu den Gefangenen verstattet werden/ der jhr bestes wissen/ jhnen Ra- then/ helffen/ vnd das Werck an den Landsfuͤr- sten bringen koͤnte. Darumben so muͤssen der Jungen Herꝛn Hoffmeister/ vnd der Alten jhre Beichtvaͤtter zu diesen spiel zu kommen/ weit weit abgehalteu werden. Dann man nichts mehrers/ als das foͤrchtet/ das Spiel moͤcht an den Tag kommen: Darumb wann die Gefan- genen solche Leut zu sich/ auß alter kundschafft/ bitten/ so schlaͤgts mans jhnen ab. Ja es haben die Brandtmeister sich vernehmen lassen: es soll ein Fuͤrst/ als turbatores justitiæ, solche Leut abschaffen/ vnd jhnen das Land berbieten. [Der Autor siehet mit diesem Articul auff vornehme Leut/ Leut/ Edle/ Cantzler/ dero Soͤhne/ ꝛc. welche ich weiß von solcher Furie auch hinweg gerissen worden seyn] der Leser frag nur der Sachen weiter nach. xxxiv. Damit nun Gaia auch lebendig ver- brent werden muͤsse/ so schickt man Sothane Acta, wie oben außgefuͤhret an Academien. Dieselbe wissen vmb die heimlichkeiten nicht- sen/ vnd also heist es: wir thun niemands Vn- recht/ die Acten seynd mit dem Vrtheil von der Academien wieder kommen. xxxv. Etliche aber/ pag. 388. daß sie alles erfuͤllen/ lassen bey den Catholischen einen Exorcisten zu der Gesangenen holen: da fuͤhrt man sie in ein ander Gefaͤngniß/ dann im vorigen so wohnet der Teuffel/ im newen Ort beschweret man den Teuffel/ er soll nicht mehr hinderniß an der Justi- tien machen/ da solt einer ein Spiel sehen. Ihr narren enderung deß Orts wird den Teuffel nit außtreiben! Setzet Gaia auff den Altar/ so jhr sie wegfuͤhret/ kann er nicht wieder in sie fahren/ es were dann Sach/ daß jhr die Henckerey auff dem Altar/ zu Entweyhung der Heyligen Oerter/ woltet an jhr mit allen schand Ceremonien treiben lassen: Daß heisset das maleficium ta- citurnitatis, oder die verzauberte Stillschwie- genheit vertreiben. So daß auch nicht hilfft/ so verbrent man sie lebendig als ein Eigenthumb deß Teuffels: sag mir einer durch Gottes Barm- hertzigkeit/ wo ist doch hierbey eine Hoffnung/ daß daß auch die vnschuldigste Person koͤnte darvon kommen? O du aller armeste Gaia, waß hastu gehoffet? warumb hastu den ersten Fußtritt zum Gefaͤngniß nicht alsobald gesagt: du seyest eine Hexe? O du aller elendestes weibliches Ge- schlecht/ warumb bistu so naͤrrisch/ daß du nicht einen Todt/ fuͤr so viel grawsames nicht-sterben koͤnnen/ erwehlest? Folg doch gutem Rath/ vnd sag: duseyest schuldig. Vnd stirb: dann das will der vnsinnige Teutsche Justitien -eyffer einmal fuͤr allemal von dir haben. xxxvi. Dann wann eine vor Schmertzen/ sich einmal faͤlschlich hat schuldig geben/ so ist jhr Elend nicht mehr außzusprechen. Dann es ist hie gantz kein mittel mehr/ wieder ledig zu kommen. Sie mus jhre Gespielen angeben/ deren sie doch keine hat vnd kennet/ vnd die man jhr doch in der tortur vorliset: welches stuͤcklein ohnlaͤngst ein Lutrischer Prediger auch von den Catholischen gelernet: oder der Hencker gibt jhr ein/ welche sie besagen soll: oder sie saget selbst welche an/ die vorhin verschreyet oder verbrennet/ oder einmal wegen Hexerey gesessen/ vnd auff Caution vnd andere weg wieder loß kommen: dieselben muͤssen dann auch andere: jene wiederumben andere/ vnd so fort angeben: Wer siehet hie nicht/ daß das Spiel in infinitum will hinauß lauffen? xxxvii. Darumben muͤssen die Richter ent- weder diese Processen vnnd boͤse Kuͤnsten ein- stellen/ pag. 389. oder sich vnnd alle die jhrigen vor- her her selbsten verbrennen lassen: dann daß betrieg- liche besagen/ so lange daß torquiren wehret/ alle Menschen nothwendig zu Hexen machen muß. xxxviii. Vnd also muͤssen zu letzten die je- nen/ auß gerechten Vrtheil Gottes selber auch dran/ die das Fewer am ersten auffgeblasen. xxxix. Wiewol nach so vnwiederbringli- chem Ehren-Seelen-Leibs- vnd Gutsschanden/ den Leuten ein wenig einmal die Augen auffge- hen wollen. xl. Es koͤntens ja die Richter nichtlaͤugnen/ daß sie blos auff das besagen gehen. Ich hab sie dessen nun vorhin Dub. 39. genug auß jhrem Maul uͤberweiset. Mit der Fama, vnd Hexen- zeichen kan man auch nicht bestehen/ vnd nimpt mich wunder/ daß das Hexenzeichen/ als ein Henckers Schelmenstuͤcklein/ von niemanden noch ist auff die rechte Prob zu setzen/ versucht/ oder als ein Ertzbetrug vermercket worden. Es ist ja der Handel an sich selbsten schwer genung: vnd were nicht noth jhn so leicht zu machen. xli. In dessen nun alle processen so hitzig fortgehen/ pag. 390. vnd das Fewer nimmer außlischet/ da eine die andere anzugeben kein auffhoͤrens. So muß; waß im geheim bey der peinlichen Verhoͤr ist vorgangen alles außkommen. Dann daß ist der Weg zu den newen indicien. Wann nun jemand fliehet/ so gibt er sich schuldig: fliehet er nicht/ vnnd ist besaget/ so ist er doch schuldig: Dann Dann der Teuffel will jhne nicht lassen fliehen/ sagen sie: vorhin sagten sie/ Gott reisse die Leut zur Straff: jetzo kommen sie/ vnd sagen: der Teuffel halte die schuldigen/ daß sie nicht flihen koͤnnen. xlii. Noch mehr/ wann man will wissen ob man besaget sey: vnd zu den defensions- Mit- teln greiffen/ so nimpt der Brandtmeister die Leut bey den Kopff/ sagt sie haben ein boͤses Ge- wissen. Daß mus ein indicium zur captur seyn. xliii. Hiermit/ pag. 391. wann er schon noch nicht torquiret wird/ so kompt er doch den Leuten in die Maͤuler/ in einem paar Jahr/ so ist die Fama so hoch gestiegen: daß man sie zum indicio ad torturam braucht/ ob sie schon auß einem fal- schen fundament, deß besagens herkommen. xliv. Eben also gehets auch denen/ welche durch boͤser Leute Maͤuler in Verdacht kommen. Dann fangen sie mit den Calumnianten an zu Rechten: So muͤssen sie schuld haben: lassen sie es: so seyn sie auch schuldig/ dann sagt man sie haben ein boͤses Gewissen. xlv. So ist nun nichts gefaͤhrlichers/ als daß diese Leute nicht auch in der tortur besagt werden. xlvi. Darumb wer nur einen Feind hat: er sey wer er wolle/ der wiß fuͤr gewiß/ er muß zu der stundt dem Brandtmeister in die Hand/ zu welcher ers nicht gemeint haͤtte. Merck dieses Leser. Nun Nun ich wuͤnschete/ daß einer sich uͤber dieses Buͤchlein/ vnserem Vatterlandt zum besten/ setzte vnd es Teutsch machte. Gott wird an jenem Gerichtstage noch mehr grewel offenbahren. APPENDIX . Von nachtrucken vnd Krafft der tortur: vnd deß besagens: was diese Ding außrichten koͤnnen. pag. 393. A Ntwort: Fast gar alles. Daher newlichs einer gesagt: die tortur ist allmaͤchtig. Es seyn Exempel verhanden/ daß Leut auff sich selbst bekaͤnt haben: daß sie haͤtten die- sen vnnd jenen den Todt angethan/ seyn auch drauff gebrennet: uͤber etlich Zeit hat man die Leut noch lebendig gesehen/ von denen bekant war/ sie seyen zu Todt gehexet. Ich hab das Papier mit solchen dingen nicht moͤgen verklickern/ dann das kan ein jeder: vnnd weil die noch lebenden die Schand nicht wolten haben/ daß jhrer gedacht wuͤrde. Ein einiges will ich doch allhero setzen/ welches ein vnglaubliche menge Menschen be- greifft/ vnnd wundert mich/ daß man noch nie- maln solches besser beobachtet hat. Ein merckens-wuͤrdige Geschicht. Zum Zei- ten Kaͤyser Neronis ward zu Rom ein Fewers- N brunst: brunst: obs ohngefehr/ oder durch desselben Herꝛn anstifften geschehen/ ist noch zweifflig: liß Taci- rum, Suetonium, Dionem, Sulpitium, Ba- ronium, andere/ ꝛc. pag. 394. Daß bestaͤndigste Ge- schrey hat auff Neronem gelautet/ er hat aber die schuld flux auff die Christen geschoben: deren lies er flux/ weil sie damal als lasterhaffte Leut/ vnd vnredliche Personen vom Poͤfel geachtet worden/ etliche fangen/ vnnd peinigen. Diese durch die Pein uͤberwunden/ haben auff sich selbst bekennet: haben auch andere besaget: Also daß hiervontwe- gen in schneller eyl ein sehr grosse Menge ist ange- geben worden/ vnd uͤberzeuget geblieben: daß sie nicht allein schuld an den Brandt/ sondern auch an allen andern vnmenschlichen Thaten haͤtten. Also wurden sie darob als Mordbrenner/ vnd Feind menschlichen Geschlechts auff mancherley weiß hingerichtet: Dann etliche wurden in wilde Thiers-haͤuten genaͤhet/ vnd von Hunden darinnen zerrissen: andere wurden ge- creutziget: etliche verbrennet: etliche wurden an statt der Nacht-pfannen die Gassen zu beleuchten/ in der Nacht angetzuͤndet: da man sie auff den Schawspiel-plaͤtzen auff Pfaͤl vnd Pfeiler oder pilarem gebunden/ mit einem Strick erwuͤrget vnd darnach angezuͤndet: wann man sie vorher mit Haartz vnd Pech an den Kleidern uͤber vnd uͤber begossen: Also verbronnen sie wie Nachtlich- ter: darauff Juvenalis in seinen Spottgedicht/ Sat. 1. gespielet: Pone Pone Tigillinum: tæda lucebis in illa Qua stantes ardent, qui fixo gutture fu- mant. Daß ist es soll ja keiner das Hertz nehmen/ vnnd Tigillini Sodomitische Vnzucht/ mie deren er seinen Leib/ dem Neroni verkauffet/ mit pas- quilli ren antasten: oder man werde einen zum Nachtlicht machen. Cornelij Taciti eines vn- verwerfflichen Scribenten Wort/ von oberzehl- tem handel lauten lib. 15. Annalium zu vnsern Teutschen also: pag. 395. Darumb ließ Nero das Ge- schrey/ so von jhm gienge/ von sich zuschieben/ an- dere beschuldigte einschieben: vnd mit den graw- samsten Straaffen die jenen hinrichten/ welche vmb jhrer Laster willen dem gemeinen Mann ver- hast waren/ die man sonsten Christen nennet/ ꝛc. Weiter: Erstlich hat man welche gefangen: die bekanten. Darnach ist durch jhr angeben ein grosse Menge/ nicht so sehr vmb deß Brands wegen als anderer Thaten menschli- chem Geschlecht zuschaden odio gene- ris humani uͤberzeugt worden. Diese wurden im Todt geschmaͤhet/ in deme man sie mit wilden Thiers-haͤuten bekleidet/ vnd den Hunden zu zer- reissen vorgeworffen: oder man hat sie an Creutze gehaͤfftet: oder sie musten brennen/ da man sie an statt der Nachtlichter gebrauchet. So viel Tac. Bey diesem Exempel woͤll der Leser/ auff nach- folgende Stuͤck achtung geben/ vnnd sie wol be- trachten: N ij i. Ne- i. Neronis Proceß/ gegen ein solche Menge ist auff folgenden indiciis oder probationibus bestanden: 1. auff der Fam, da man dann das aͤrgste von den Christen geredet/ 2. auff eigener Bekaͤntniß/ so man durch die tortur erpresset/ 3. auff Leuten/ die dem besagen faͤstiglich ge- glaubet: Dann diß war daß letzte/ damit man deß Brands vnnd Todt-feindschafft gegen das menschliche Geschlecht/ die vnschuldigsten Leut uͤberzeuget. ii. Gott hat zugelassen/ daß nicht nur etliche wenige/ sondern ihre viel/ vnd ein grosse Menge so zu grund giengen. iii. Alle diese/ welche solcher massen uͤber- zeuget worden/ hat die Kirchen fuͤr Maͤrtyrer er- klaͤret/ vnd feyret jhnen zum gedaͤchtniß Jaͤhrlich im Junio einen Tag zu Ehren. Vide Missale Romanum. pag. 397. In dem Martyrologio Ro- mano schreibet man also von jhnen: NB. Diese alle waren der Apostel Juͤngere/ vnd Erstlinge der Maͤrtyrer/ NB. welche die Roͤmische Kir- chen/ ein fruchbahrer Acker der Maͤrtyrer/ vor der Apostel Todt zum He rꝛn uͤbergesendet. iv. Es hat der Ehr deß Martyrij nicht ge- schadet: daß sie auß Pein der tortur auff sich vnd andere zum Todt gelogen. Dann das Martyro- logium nennet sie alle gleich durch ohne exce- ption Maͤrtyrer. Ja das Martyrologium be- rufft sich auff Tacitum, vnnd nimmet seine Wort Wort zum Zeugniß/ daß mans ja nicht von an- dern verstehe. Besiehe auch Annales Baronij Anno Christi 66. \& Sulpit. Severum lib. 2. v. Nun hat sich in diesen Maͤrtyrer/ Juͤngern der Aposteln/ vnd besten eifferigsten Christen/ bey der tortur kein solche Bestaͤndigkeit gefunden/ welche genug were gewesen wider die tortur vnd das Besagen/ solche zu uͤberwinden/ vnd von andern zu schweigen/ oder sich selbst nicht anzu- geben. vi. Vnd das ist Neronis absehen gewesen/ daß sie in der tortur solten bekennen. Wann das nicht heut zu Tag auch vnserer rortur intention ist/ was hat man dann fuͤr andere intention? manzeig mirs. Bedenck was oben gesagt ist. vii. Laß seyn: pag. 397. die Richter hatten ein an- dere intention als Nero. Ist dann der Schmertzen vnnd Empfindligkeit bey vnsern zei- ten in der tortur geringer/ als zu den zeiten Ne- ronis? Wann auch indicien genug da weren/ so werden sie den schmertzen nicht ringern. Nun gleich wie damal das Besagen/ vnd die tor- tur maͤchtig genug gewesen/ jedermann zu uͤber- winden: Also hat es mit der Zeit vnd an andern Personen/ in diesen dingen sein Krafft noch. Seyn jetzund warhafftig die jenen schuldig/ die man jetzo ex hoc fundemento besagen lasset: so muͤsten die andern zu denselbigen Zeiten auch rechtschuldig an allem dem gewesen seyn/ dessen N iij man man sie bezuͤchtet. Gewißlich die Richter wusten vmb Neronis intention nichtsen/ vnnd doch musten die Leut nach jhrem Vrtheil streben. viii. Weil Nero mit der tortur vnnd Besagen ein solche grosse Menge so vieler heiligen Leuten/ zu Vbelthaͤtern gemacht: so ist kein zweiffel wann er lust haͤtte gehabt fort zu fahren/ er haͤtte kein end gefunden/ es were auch an die Heyden kommen/ darumb hat er muͤs- sen nachlassen/ daß der andern Vnschuld nicht außkaͤme. Dann wie so ein grosse Menge/ mit der tortur vnnd Besagen ist uͤberzeuget worden/ also haͤtten die andern alle nothwendig auch muͤssen uͤberzeuget werden: vnd das ist die Vrsach/ daß so lang wir dem Besagen heut zu Tag trawen/ vnd also fortfahren/ so kommen wir zu keinem ende. Einrede: Baronius meinet Tacitus hab auff die Christen gelogen: daß jhrer etliche vor schmer- tzen der tortur, auff sich vnnd andere bekennet haͤtten. Antwort: Andere die sich besser auff die tortur verstehen/ dann solche Leut/ die mit dieser Einred angetretten kommen/ es hab Tacitus nicht gelo- tzen. Dann die tortur vnd Senten tz seyn alles ju- dicialiter ergangen/ welches nicht zu glauben/ daß man contra inconfessos procediret: dañ das haͤtte Neronem nicht geholffen/ sonder vor vor seinen eigenen Richtern beruchtiget. So ist Taci- Tacitus in dieser Sachen/ den Christen mehr zu- gethan/ als Neroni: lise nur den textum recht: so merckestu/ daß er die Christen fuͤr vnschuldige Leut in dieser Sachen haͤltet. Sonsten doͤrff sich Baronius uͤber solche heylige Leut gar nicht ver- wundern: Dann wann man heut zu Tag die hei- ligsten Leut solte also tractiren, wie man ex mandato Cæsareo Neronis, damal mit den Leuten ist vmbgangen/ sie solten auch Succum- biren. Vnd daß muß ein jeder von seiner eigenen Person bekennen: wann jhme verguͤnstiget wuͤr- de/ allen Dingen/ in der tortur beyzuwohnen. Ach der Juͤngste Tag: der wird viel der er- schroͤckligsten Dingen offenbahren/ an die jetzt kein Mensch gedencket. Leser gehab dich wol/ vnd dencke denen Sachen nach: vnnd lerne Gott foͤrchten. Beschluß an den Leser. E S were zu wuͤnschen/ das einer/ an diese hier nachfo lgende Streitt-reden/ weil der auctor Todt/ sich machte/ vnd sie er- oͤrterte. i. Ob die Obrigkeiten/ wann sie Regalien von der Roͤm: Kaͤys: Majestaͤt empfangen/ vnd deß Reichssatzungen eydlich beschwoͤh- ren/ Krafft desselben juraments, in jhren Ober vnd Niedern/ Hoff- Landgerichten/ gehalten seyen vorsehung zu thun: das wie die an- dern ordentlichen Criminal- Richter schuldig seyn den Eyd abzu- legen/ welcher vornen an in der Peinlichen Halßgerichts-Ordnung Caroli V. stehet: selbigen auch die Brandmeister/ oder Inquisito- ren uͤber die Hexerey/ ebener massen vorhero ablegen/ eher sie ad- mittirt werden. ii. Vnd so die Inquisitoren solches biß dato nicht præstiret, vnnd sothane Constitution Carol. V. gaͤntzlich vorbey in jhren Processen gegangen: Ob sie auch deßwegen entschuldiget seyen. iii. Vnd iii. Vnd wo dann die Vnterthanen/ welche von so gemeiten Processen/ sich eusserst gravirer befinden/ das gantze Laͤnder dadurch verwuͤstet werden/ jhre Klag wol anstellen solten. iv. Ob die Nieder vnd Landrichtere in den gemeinden/ welche hochgemelte Constitution beschwoͤhren/ gehalten seyen/ selbige auch in Crimine der Hexerey zu observiren: oder welches eins ist: Ob das Crimen Magiæ von gemelter Constitutione Carolina except. v. Vnd daß man hier nicht irre: Ob/ wie/ wann vnd wo der Kaͤyser dagegen/ auch durch wene excipiret. vi. Ob die exception durch ein andern pro auctoritate, ohne den Kaͤyser geschehen koͤnten: vnd weil solches nicht erlaͤubet/ wie vnd was gestalt ein solcher rechtlich zubesprechen. vii. Vnd weil etliche von der Hexerey wegen gefangen worden/ angeklagt werden/ daß sie auß dem Gefaͤngniß gebrochen: sie aber klagen daß von den Inquifitoren auff das widerrechtlichfte gegen sie procediret worden/ vnd sie sich erbieten: sie wollen jhr Vn- schuld oͤffentlich an den Tag geben/ wann mans jhnen nur ver- statten wolle. Ob sie sollen gehoͤret werden. viii. Vnd wann sie sich belehren lassen: ob sie hieroben sollen ein Supplication vnd Apologia senden an die fuͤrstliche Obrigkei- ten/ in deren Bottmaͤstgkeit sie auß den banden entgangen: oder ob sie viel mehr immediate an sein Kaͤyserl. Majestaͤt oder den Pabst/ sie seyen gleich geist- oder aber weitlichen Standes/ jhre Vn- schuld außfuͤhren/ was doch am besten dißfals jhnen zu rathen? ix. Vnd dann anlangend geistliche Personen: wann dieselben sich in hoc puncto nicht allein von den Inquisitoren. sondern auch den Obrigkeiten selbst graviret befunden/ vnd dasselbe außzufuͤh- ren sich erboͤten/ jhrem Orden zum favor zu hoffen: wann sie jhre Klagen immediatè an den Kaͤyser oder Paͤbstliche Heil. dirigi- reten \&c. Ich hoffe es soll jemand gefunden werden der sich hier- an machen solte wollen. Gott stehe den Vnschuldigen bey/ vnd eroͤffne den Obrigkeiten jhre Augen. ENDE.