Karl Peter Thunbergs , Ritters des Koͤniglichen Schwedischen Wasaordens, Doctors der Arzneyge- lahrtheit, Professors der Botanik zu Upsala , und Mitgliedes verschiedener, einheimischer und auswärtiger Akademien und gelehrter Gesellschaften, Reise durch einen Theil von Europa , Afrika und Asien , hauptsaͤchlich in Japan , in den Jahren 1770 bis 1779 . Aus dem Schwedischen frey uͤbersetzt von Christian Heinrich Groskurd , Rector des Gymnasiums zu Stralsund . Mit Kupfern . Zweyter Band . Berlin bey Haude und Spener , 1794 . Vorrede des Verfassers . D ieser zweyte Band meiner Reisebeschreibung enthaͤlt die Reise von Batavia nach Japan , den Aufenthalt auf der Insel Dezima , die Reise nach Jedo , der Hauptstadt von Japan , den Auf- enthalt daselbst, die Ruͤckreise nach Dezima , mannichfaltige Nachrichten von diesem Lande und dessen Einwohnern; Ferner meine Ruͤckreise nach Batavia , Nachrichten von Java , die Reise nach Ceylon , einige Reisen laͤngs den Kuͤsten dieser Insel, Nachrichten von Ceylon , und meine Zuruͤckreise uͤber Cap durch Holland , England Deutschland nach Schweden . Auch diesem Bande habe ich einige Abbil- dungen, und zwar von verschiednen japanischen Gegenstaͤnden, beygefuͤgt. a 2 Vorrede des Verfassers. Japan , von welchem in diesem Bande vor zuͤglich die Rede ist, ist, in Vergleichung mit andern euro- paͤischen Laͤndern, in vielen Ruͤcksichten ein ganz be- sonderes Land! Die Regierungsverfassung ist dort seit sehr langer Zeit unveraͤndert dieselbe; die Gesetze sind strenge und unwandelbar; die Polizey in Staͤdten, Doͤrfern und auf den Landstraßen ist unverbesserlich; die Kleider- tracht, Putz und Art das Haar zu tragen ist durchaus gleichfoͤrmig und, so wie die Sitten, Gewohnheiten und Gebraͤuche, seit Jahrhunder- ten unveraͤndert; eine unzaͤhlige Menge von Ein- wohnern lebt dort ohne Partheyen, ohne Zwie- spalt und Uneinigkeit, ohne Misvergnuͤgen, Elend und Auswanderung; der Ackerbau ist im bluͤhend- sten Zustande; die Erde gebauet und benutzt wie in keinem andern Lande der Welt; alle Beduͤrfnisse sind, im Lande selbst, in solchem Ueberfluß vorhan- den daß kein auswaͤrtiger Handel noͤthig ist; doch fast moͤchte ich sagen: wer kann die Vorzuͤge und Vortheile dieses gluͤcklichen Landes alle zaͤhlen? — Weder bey dem Monarchen, noch bey seinen Unter- regenten findet man Thron, Scepter, Krone, noch irgend sonst etwas von dem Prunk, der bey uns die Augen des Haufens blendet; nicht Hof- staat, nicht Hofjunker, nicht Hofdamen; keine Vorrede des Verfassers. große, praͤchtige Marstaͤlle, keine Menge von Pfer- den, Elephanten und Stallmeistern. Man kennt keine Equipagen und Wagen; keine Reu- terey; keinen Krieg; keine Gesandten, keine Be- amte oder oͤffentliche Staatsdiener, die zu ihrem Amt und Geschaͤft nicht taugen oder es nicht kennen; keine Gilden, keine Monopolien; keine Zoͤlle; keine Spiel- und Kaffeehaͤuser; keine Weinkeller, Bier- und Brantweinkruͤge; keine privilegirte, von oͤffentlichen Lasten und Abga- ben ausgenommne Landguͤther und andre liegende Gruͤnde; kein ungebauetes Land, keine Wiesen und Aenger; keine National- oder Staatsschuld, kein Papiergeld, weder Wechsel noch Wechsel- cours. Man trinkt nicht Wein, nicht Bischof, nicht Punsch, nicht Brantwein, nicht Kaffee, nicht Chokolade. Und — Land und Einwohner sind gluͤcklicher, als wo man dies alles hat und thut: Java und Ceylon , von denen dieser Band gleichfalls handelt, gehoͤren zwar in Ansehung ihrer Lage in einem warmen Erdstriche, der vor- zuͤglichen Fruchtbarkeit des Bodens, und der gehoͤrigen, sich jaͤhrlich gleichen, Menge Regen zu den gluͤcklichern Inseln; aber die Regierung in diesen Laͤndern ist doch wenn gleich von mehr als a 3 Vorrede des Verfassers. einer Art, durchgaͤngig despotisch und die Reli- gion meistens mahomedanisch. Daher ist und bleibt das Volk dumm und aberglaͤubig, kriechend und aufruͤhrisch, arm und faul, — frey- lich das alles nicht uͤberall in gleichem Grade — aber doch ohne Ausnahme mitleidswuͤrdig. Dies Elend ist um so viel druͤckender fuͤr sie geworden, da die handelnden Europaͤer, in den letzten Jahrhun- derten von der Aufklaͤrung, von der Religion und der Menschlichkeit, deren sie sich ruͤhmen, keinen Gebrauch gemacht haben, um den Zustand dieser Leute zu verbessern und ihre Ketten ihnen leichter zu machen; sondern da sie im Gegentheil durch ihre Habsucht und unersaͤttliche Geldbegier ihr Joch vervielfaͤltiget, und nicht nur die Menge sondern auch die Arten ihrer Lasten vermehrt haben. Wie sollten auch wohl die Leute in einem Lande gluͤcklich seyn koͤnnen, wo es keine Gesetze, sondern nur Gutduͤnken und Willkuͤhr giebt; wo der Menschen Leben dem Leben der Thiere gleich ge- achtet wird; wo keine Sicherheit, kein Eigen- thumsrecht, kaum irgend ein Begriff von Frey- heit und edlen Handlungen Statt hat? Von der Anwendung und dem Nutzen so mancher Naturproducte jener fernen Laͤnder ist Vorrede des Verfassers. auch in diesem Bande getreulich Auskunft mitge- theilt. Um jedoch dem Leser eine unnoͤthige Wieder- holung zu ersparen, will ich davon hier nichts im Vor- aus erwaͤhnen, sondern auf die eigne Lesung die- ser Bogen verweisen. Zum Schluß sey es mir erlaubt, von mir und meinen Schriften hier noch einiges hinzuzufuͤgen, das fuͤr die Litterargeschichte brauchbar seyn kann. In den neun Jahren, die ich in fremden Laͤn- dern zubrachte, habe ich mannichfaltige Gelegen- heit gehabt, neue, vorher unbekannte Schaͤtze der Natur zu entdecken und zu sammeln. Was ich davon bisher habe naͤher bestimmen, in Ord- nung bringen und beschreiben koͤnnen, macht eine nicht unbetraͤchtliche Summe. Die neuen Thiere belaufen sich auf vierhundert, die neuen Geschlechte von Pflanzen auf fuͤnf und siebenzig, die besondern Arten oder Gattungen aber auf funfzehnhundert; alles das nicht mitgerechnet, was ich bisher noch nicht genau habe untersuchen koͤnnen. Als ich im April 1779 nach Stockholm kam, hatte ich die Ehre zuerst beym Lever, hernach in einer besondern Audienz, unserm großen und guten Koͤnige von meinen Reisen, von den merkwuͤrdig- a 4 Vorrede des Verfassers. sten Sachen und Vorfaͤllen, besonders dem so wenig bekannten Japan , von meinen eignen Schick- salen, und von meinen etwanigen Entdeckungen Bericht abzustatten. Waͤhrend meiner Abwesenheit war ich im Jahr 1777 vom Kanzler der Universitaͤt Upsala , Reichs- rath Rudenschoͤld , zum Demonstrator der Bota- nik daselbst ernannt; bey meiner Ruͤckkunft empfieng ich aus der Hand meines Goͤnners, Archiater Baͤck , die Bestallung dazu. Als Professor Linnee 1781 eine Reise außerhalb Landes antrat, wurde ich zum Aufseher des dasigen botanischen Gartens be- stellt; auch wurden mir die mit diesem Amte ver- bundenen oͤffentlichen Vorlesungen aufgetragen. In eben demselben Jahre ward ich zum außeror- dentlichen Professor mit Vermehrung meines Ge- halts ernannt. 1784 wurde ich als ordentlicher Professor der Medicin und Botanik angesetzt. 1784 erwies man mir die Ehre, mich zum Praͤses der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm zu er- waͤhlen. 1785 wurde ich zum Rector der Univer- sitaͤt gewaͤhlt, und bald darauf vom Koͤnige zum Ritter des Wasaordens ernannt. Auch haben verschiedne auswaͤrtige Societaͤ- ten der Wissenschaften mir die Ehre erzeigt, mich Vorrede des Verfassers. zu ihrem Mitgliede zu ernennen, nemlich: 1771 die kaiserliche Naturae curiosorum; 1772 die Nor- wegische; 1773 die physiographische zu Lund ; 1777 die Upsalasche; 1780 die Stockholmsche; 1781 die Haarlemmer und die Amsterdammer; 1782 die vaterlaͤndische oͤkonomische zu Stockholm ; 1784 die zu Montpellier ; 1785 die Pariser Gesellschaft des Ackerbaues; die Zeelaͤndsche zu Vlißin- gen und die Berlinische Gesellschaft naturforschen- der Freunde; 1786 die Societas naturae studio- sorum und die medicinische zu Edimburg ; 1787 die Florentinische, die Akademie der Wissenschaften zu Paris , und die hallische Gesellschaft der Na- turforscher; 1788 die Societaͤt der Wissenschaften und die Societas Linnaeana zu London ; 1789 die medicinische eben daselbst, und die Societaͤt der Wissenschaften zu Batavia ; 1791 die Pariser Gesellschaft der Naturgeschichte und die Akademie der Wissenschaften zu Philadelphia ; und 1791 die naturhistorische zu Koppenhagen . Die von mir nach meiner Zuruͤckkunft her- ausgegebenen Schriften sind folgende: Die Beschreibung meiner Reise in 4 Theilen, Upsala 1788 bis 1793, wovon nicht nur die deut- sche, sondern auch zu London eine englische und zu a 5 Vorrede des Verfassers. Paris eine franzoͤsische Uebersetzung erscheint. Des Sprengelschen Auszuges aus den ersten drey Theilen in deutscher Sprache nicht zu gedenken. Ferner: Tal vid praesidii nedläggande Stockholms- ka Vetenskaps Academien, om Japanska Na- tionen, (Rede bey Niederlegung des Praͤsidiums in der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm , Nachrichten von der japanischen Nation enthaltend, den 3. November 1784, ins deutsche uͤbersetzt von Stridsberg , Frankfurt 1785. Åminnelse-Tal öfver Assessoren och Pro- vincial-Medicus Doctor Montin , (Gedaͤchtniß- rede auf den Assessor und Provinzialmedicus Doctor Montin ), Stockholm 1791, 8. Flora Japonica, Lipsiae, 1784, 8., mit 39 Kupfertafeln. An akademischen Disputationen habe ich geschrieben. 1. De venis resorbentibus, Praes. C. v. Linné , 1767. 2. De Ischiade, Praes. J. Lidrén , 1770. 3. De Gardenia, Resp. Djupedius , 1780. 2 Tabb. (recen- sirt in den Zeitungen der gelehrten Societaͤt zu Upsala 1781 Nr. 49.) 4. De Protea, Resp. Gevalin , 1781. 5 Tabb. 5. Oxalis, Resp. Haft, 1781. 2 Tabb. 6. Nova plantarum genera, P. 1. Resp. C. Hornstedt 1781. 1 Tab. 7 Novae insectorum species, P. 1. Resp. Caßström 1781. 1 Tabb. Vorrede des Verfassers. 8. Nova plantarum genera, P. H. Resp. Sahlberg 1782. 1 Tab. 9. Iris, Resp. Ekman 1782. 2 Tabb. 10. Novae Insectorum species, P. II. Resp. Ekelund 1783. 1 Tab. 11. Nova plantarum genera, P. III. Resp. Lodin 1783. 1 Tabb. 12. Ixia Resp. Rung , 1783. 2 Tabb. 13. Novae Insectorum Species, P. III. Resp. Lundahl , 1784. 1 Tab. 14. Novae Insectorum Species, P. IV. Resp. Engeström , 1784. 1 Tabb. 15. Gladiolus Resp. Ajmelaeus , 1784. 2 Tabb. 16. Nova genera planrarum, P. IV. Resp. Berg 1784. 17. Nova Genera plantarum, P. V. Resp. Blumenberg 1784. 1 Tabb. 18. Insecta Svecica, P I. Resp. Borgström 1784. 1 Tabb. 19. Alöe Resp. Hesselius 1785. 20. Medicina Africanorum Resp. Berg . 1785. 21. Erica Resp. Struve , 1785. 6 Tabb. 22. Ficus Resp. Gedner , 1786. 1 Tab. 23. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. I. Resp. Radloff 1787. 24. — — — — P. II. Resp. Holmer 1787. 25. — — — — P. III. Resp. Ekeberg 1787. 26. — — — — P. IV. Resp. Bjerken 1787. 1 Tabb. 27. — — — — P. V. Resp. Gallén 1787. 28. Moraea Resp. Zach. Colliander , 1787. 2 Tabb. 29. Museum naturale academiae Upsaliensis i , P. VI. Resp. Schalén 1788. 1 Tab. 30. Restio Resp. Petr. Lundmark , 1788. 1 Tab. 31. Arbor toxicaria Macassariensis Resp. Ajmelaeus 1788. 32. Moxae atque ignis in medicina rationali usus, Resp. Hallman 1788. 33. Myristica Resp. Radlof 1788. 34. Cariophylli aromataci Resp. Hast . Vorrede des Verfassers. 35. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. VII. Resp. Branzell 1789. 36. Characteres generum insectorum, Resp. Törner 1789. 37. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. VIII. Resp. Rademine 1789. 38. Novae Insectorum species, P. V. Resp. Noraeus , 1789 1 Tab. 39. Muraena et Ophichtus Resp. Ahl . 1789. 2 Tabb. 40. Remedia non nulla indigena, Resp. Holmer 1790. 41. Museum naturale academiae Upsaliensis, Append. I. Resp. Lundelius 1791. 42. — — — — App. II. Resp. Yman 1791. 43. — — — — P. IX. Resp. Ekelund 1791. 44. Novae insectorum species, P. VI. Resp. Lagus 1791. 45. Museum naturale academiae Upsaliensis, P X. Resp. Kugelberg 1791. 46. Flora Stregnesensis Resp. Carlson 1791. 47. Insecta Svecica, P. II. Resp. Bechlin 1791. 1 Tab. 48. — — — — P. III. Resp. Åckermann 1792. 49. — — — — P. IV. Resp. Sebaldt 1792. 1. Tab. 50. Genera nova plantarum, P. VI. Resp. Ström 1792. 51. — — — — P. VII. Trafvenfeldt 1792. 52. Museum naturale academiae Upsaliensis, P. XI. Resp. Sjöberg 1792. 53. — — — — P. XII. Resp. Lindbladh 1792. 54. — — — — P. XIII. Resp. Feretius 1792. An Societaͤten der Wissenschaften habe ich folgende Abhandlungen, uͤber verschiedne Gegen- staͤnde, eingesandt: An die Akademie der Wissenschaften zu Stockholm . 1. Händelse, as Blyhvit af förseende blifvit brukadt i mat (Vorfall, da Bleyweiß durch ein Versehen ans Essen ge- braucht worden), 1773. 1 Quartal, S. 29. Vorrede des Verfassers. 2. Beskrifning på en besynnertig och obekant Svamp, Hydnora Africana. (Beschreibung eines besondern und unbekannten Schwamms, Hydnora Africana ), 1775. 1 Qu. S. 69. 1 Kupfertafel. 3. Beskrifning på et nitt Genus i bland Jnsecterne, Pneu- mora. (Beschreibung eines neuen Geschlechts von Insecten, Pneumore), 1775. 3 Qu. S. 254. 1 K. T. 4. Rothmannia, et nytt Örte-Genus. (Die Rothmannie, ein neues Pflanzengeschlecht 1776), 1 Qu. S. 65. 1 K. T. 5. Beskrifning på et nytt Örte-Genus kalladt Raderma- chia. (Beschreibung eines neuen Pflanzengeschlechts, Ra- dermachie genannt), 1776. 3 Qu. S. 250. 6. Anmärkningar vid Hydnora africana. (Anmerkungen zur afrikanischen Hydnore), 1777. 2 Qu. S. 144. 1 K. T. 7. Beskrifning på en Bezoar Equinum. (Beschreibung ei- nes Pferdebezoarsteins), 1778. 1 Qu. S. 27. 8. Et nytt och Til Sitt slägte för obekant Grüs, kalladt Ehrhardta. (Eine neue und in Ansehung ihres Geschlechts bisher unbekannte Grasart, Ehrhardte genannt), 1779. 3 Qu. S. 216. 1 K. T. 9. Anmärkningar vid Canelen, gjorde på Ceilon . (Be- merkungen uͤber den Kaneel, auf Ceilon gemacht.) 1770 1 Qu. S. 55. uͤbersetzt und in die Abhandlungen der vli- ßingschen Societaͤt der Wissenschaften, 12 Th. 1 Adth. S. 296., eingeruͤckt von Doctor Houtuyn . 10. Beskrifning på Weigelia Japonica, en sälsynt örl fran Japan . (Beschreibung der japanschen Weigelie, eines sel- tenen Gewaͤchses aus Japan ) 1780. 2 Qu. S. 137. 11. Beskrifning på nagra varme Bäden i Africa och Asien (Beschreibung einiger warmen Baͤder in Afrika und Asien .) 1781. 1 Qu. S. 72. 12. Beskrifning på tvänne nya Jnsecter. (Beschreibung zweyer neuer Insecten), 1781. 2 Qu. S. 168. 13. Noctua Serici, enny Silkes-malk. (Die Seideneule, Noc- tua Serici, ein neuer Seidenwurm), 1781. 3 Qu. S. 240. 1 K. T Vorrede des Verfassers. 14. Beskrifning på tvänne Species äkta Muskot ifrån Öen Banda . Beschreibung zweyer Arten aͤchten Muskats von der Insel Banda ), 1785. 1. Qu. S. 46. 1 K. T. 15. Några anmärkningar vid Ornithologion. (Einige or- nithologische Bemerkungen), 1782. 2 Qu. S. 118. 16. Beskrifning på et nytt Örte-Genus Fagraea Ceilanica. (Beschreibung eines neuen Pflanzengeschlechts, die ceilon- sche Fagraͤe), 1782. 2 Qu. S. 132. 1 K. T. 17. Om Cajoputi Oljan och deß nytta Medicinen. (Vom Kajoputioͤl, und dessen Nutzen in der Medicin), 1782. 3 Qu. S. 223. 18. Nipa, et nytt Genus ibland Palmträden. (Nipa, ein neues Geschlecht der Palmbaͤume), 1782. 3 Qu. S. 231. 19. Om Palmträden i almänhet och i synnerhet om Li- cuala Palmen. (Von den Palbaͤumen uͤberhaupt, und der Likualapalme insbesondre), 1782 4 Qu. S. 284. 20. Beskrifning på Houtuyiana cordata, et Japansk Örte-Genus. (Beschreibung der herzfoͤrmigen Houtuyiane, eines japanschen Pflanzengeschlechts), 1783. 2. Qu. S. 149. 1 K. T. 21. Ytterligare Anmärkningar om Asterier. (Weitere Be- merkungen, die Sternblume betreffend), 1783. 3. Qu. S. 224. 22. Beskrifning på Ön Ceilons Mineralier och ädla Ste- nar. (Beschreibung der Mineralien und Edelsteine auf der Insel Ceilon ), 1784. 1 Qu. S. 70. 23. Anmärkningar om Foglar af Loxiae-Slägtet på Go- da-Hopps-Udden. (Bemerkungen, betreffend einige Voͤ- gel aus dem Geschlechte der Kernbeißer am Vorgebirge der guten Hoffnung ), 1784. 4. Qu. S. 206. 24. Anmärkningar och Beskrifning på Albucae örte- slägte. (Anmerkungen, das Pflanzengeschlecht der Stift- blume betreffend und Beschreibung desselben), 1786. 1. Q. S. 57. 25. Anmärkningar vid de växter, som kallas Orchides. Vorrede des Verfassers. (Anmerkungen uͤber diejenigen Gewaͤchse, welche Ragwurz heißen), 1786. 4. Qu. S. 254. 26. Beskrifning på några sälsynta och okanda Ödlor (Beschreibung einiger seltnen und unbekannten Eidechsen), S. 1787. 2. Qu. S. 123. 27. Beskrifning på trenne Sköldpaddor. (Beschreibung dreyer Schildkroͤten), 1787. 3. Qu. S. 178. 28. Beskrifning på Wildenovia, et synnertigt och nytt Gräs-slag. (Beschreibung der Wildenowie, einer beson- dern und neuen Grasart), 1790. 1. Qu. S. 26. 1 K. T 29. Beskrifning på tvänne Fiskar ifrån Japan . (Beschrei- bung zweyer Fische aus Japan ), 1790. 2. Qu S. 106. 1 K. T. 30. Wahlbomia indica beskrefven. (Die ostindische Wahl- bomie beschrieben), 1790. 3. Qu. S. 215. 1 K. T. 31. Tvänne utländska Fiskar, Gobius patella och Silu- rus lineatus. (Zwey auslaͤndische Fische, der flache Gruͤn- del, und der schmalgestreifte Wels), 1791. 3. Qu. S. 190. 6 K. T. 32. Tvänne japanske Fiskar, Callionymus japonicus, och Silurus lineatus. (Zwey japansche Fische, der ja- pansche Schellfischteufel und der schmalgestreifte Wels, 1792. 1. Qu. S. 29. 1 K. T. 33. Beskrifning på okände Fiskar perca sex-lineata och picta. (Beschreibung unbekannter Fische, des sechslinirten und des bunten Baͤrschlings), 1792. 2. Qu. S. 141. 5 K. T. An die gelehrte Gesellschaft zu Upsala . 1. Cycas Caffra. 1775. c. fig. Vol. II. 2. Kaempferus illustratus. P. 1. 1780. Vol. III. 3. Cussoniae genus 1780. c. figg. Vol. III. 4. Novae Species insectorum Sveciae. 1783. c. figg. Vol. IV. 5. Kaempferus illustratus. P. II. 1783. Vol. IV. 6. Curculio Cycadis. 1783. Vol. IV. 7. Descriptiones insectorum Svecicorum. 1792. Vol. V. pag. 85. Vorrede des Verfassers. 8. Observationes in linguam Japonicam. 1792. Vol. V. pag. 258. An die phisiographische Gesellschaft zu Lund . 1. Retzia capensis. 1776. c. figg. 2. Montinia et Papiria. 3. Aloe-kådans libredning i Africa (Zubereitung des Aloegummi in Africa . 4. Aitonia capensis. 5. Falkia repens. 6. Syngnathi nova Species. An die norwegische Gesellschaft zu Drontheim . 1. Hypoxis. 2. Cliffortiae genus. An die Societaͤt der Wissenschaften zu Harlem . 1. Observationes thermometricae in Japonia habitae. 2. Cryptogamarnm fructificatio in Cycade et Zamia. An die Societaͤt der Wissenschaften zu London . 1. Nachrichten von meiner Reise nach Japan . 2. Oekonomischer Nutzen und Zubereitung des Citodium, oder der sogenannten Brodfrucht. An die kaiserliche Societaͤt naturae curiosorum. 1. Crassulae novae species 28. 2. Mesembryanthemi species novae 21. An die Dilatris genus. An die Societas historiae naturalis zu Paris . 1. Ein neues Pflanzengeschlecht, Boscia undùlata. 2. Beschreibung von dreyzehn japanschen und vier und drei- ßig capschen, bisher unbekannten Pflanzengeschlechten. Upsala , den 4. Maͤrz 1793. Carl Peter Thunberg . Inhalt. Karl Peter Thunbergs Reisen . Zweyten Bandes erster Theil, welcher des Verfassers Reise von Batavia nach Japan , seine Reise in diesem Lande als Hollaͤndischer Gesandtschafts-Medicus an den Hof des Kaisers zu Jedo , seinen Aufenthalt daselbst, so wie in Japan uͤberhaupt enthaͤlt. Inhalt . Erste Abtheilung . Reise von Batavia nach Japan , und Aufenthalt im Hafen von Nangasaki und auf der Insel Dezima . Abreise von Batavia . Nachricht von den beyden dahin ge- henden Schiffen. Amt und Bestimmung des Verfassers. Schiffs- Officiere. Sklaven zu ihrer Bedienung, und freye Bekoͤstigung. Straet Banca . Pulo Sapato . Chinesische Kuͤste. Sturm. Ungluͤck des andern Schiffs. Einige Muschelarten und derglei- chen. Fieber unter den Matrosen. Phosphorischer Schein auf Krebsen und Blackfischen. Chinesische Fischerboͤte. Formosa . Ehemahlige Herrschaft der Hollaͤnder uͤber diese Insel. Aber- mahlige Stuͤrme. Auf der Reise nach Japan verungluͤckte Schiffe. Insel Meaxima . Seite 1 bis 8. Hafen von Nangasaki . Japanische Vorposten. Einpacken der Bibeln und Gesangbuͤcher. Musterrolle des Schiffsvolks. Bette zum Sitzen fuͤr die Japanischen Beamten. Ankunft ei- nes Boots von Dezima . Großer weiter Rock des Capitains. Fahrt bis zum Ankerplatze. Seite 8 bis 10. Besuch am Bord. Verboth des weiten Rocks. Gebrauch desselben zum Behuf des Schleichhandels. Ankunft Japanischer Beamten und andrer. Deren Geschaͤfft auf dem Schiffe, und Bewirthung. Ueberlieferung der Buͤcher, des Gewehrs und der Ammunition an die Japaner. Musterung. Wachschiffe. Inhalt . Mitgebrachtes Schlachtvieh der Hollaͤnder, und dessen Fuͤtte- rung. Ausladung des Schiffs. Strenge Visitirung der Perso- nen und Sachen Japanischer Arbeiter und Ruderer. Anfang der neuen Ladung. Schwierigkeit, an oder vom Bord zu kom- men. Besuch von den Gouverneuren. Tod und Beerdigung eines Matrosen. Seite 10 bis 18. Freyheit von Zollabgaben. Strenge Aufsicht auf alles, was an Land kommt; scharfe Visitirung. Ursache davon. Kunst- riffe der Hollaͤnder beym Schleichhandel. Haß der Japaner gegen sie. Privat-Handel. Strafe des Schleichhandels. Pack- haͤuser. Japanische Dolmetscher. Deren Verrichtungen und Beschaͤfftigung mit der Arzneykunst. Des Verfassers Bekannt- schaft mit ihnen. Dessen Ansuchen um Freyheit zu botanisiren, und endliche Bewilligung derselben. Japanisches Woͤrterbuch. Seite 18 bis 26. Beschreibung des Hafens. Japanische und Chinesische Fahr- zeuge. Einziger Einlaufsort fuͤr fremde Schiffe. Beschreibung d er Stadt Nangasaki . Gouverneur und Stadt-Regierung. I nsel Dezima . Factorey und Aufenthalt der Hollaͤnder auf der- elben. Uebrige Haͤuser. Aufsicht und Wache. Gegend um die Stadt. Begraͤbnißplaͤtze. Aufsammeln des Mists. Gaͤr- ten. Europaͤische Gartengewaͤchse. Des Verfassers Beschaͤffti- gung in der Zwischenzeit; Unterweisung der Dolmetscher in der Medicin. Herrschende Diarrhoͤe. Entlaufung und scharfe Auf- suchung eines Sklaven. Seite 27 bis 33. Ruͤckreise des Schiffs. Abfahrt nach Papenberg . Wieder- e m pfang der bey der Ankunft abgegebenen Sachen. Vollendung de r Ladung. Spatzierfahrten nach den kleinen Inseln umher. Beschreibung der Inseln. Merkwuͤrdige Gewaͤchse: Chinawur- zel , Pfefferstrauch und andre. Abgang des Verfassers vom Schif- fe zuruͤck nach Dezima . Seite 34 bis 38. Inhalt . Ruͤckkunft einiger Japaner aus China und Batavia . Neu- jahrsfeyer der Hollaͤnder. Gluͤckwuͤnschungs-Besuche der Ja- panischen Beamten bey ihnen. Feyerliche Bewirthung derselben, Japanische Lustmaͤdchen dabey. Leichtigkeit, das Japanische Frauenzimmer zu sehen. Allgemeine Geldauszahlung an die Hollaͤnder. Botanische Wanderungen des Verfassers. Gefun- dene Gewaͤchse: unter andern Erdaͤpfel, Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Buchweitzen, Ingber, Spanischer Pfeffer, Tobak, Kalmuswurzel, Bamborohr u. a. Lebensart der Hollaͤnder auf Dezima : Einsamkeit und Eingeschraͤnktheit; Zeitvertreibe; Ja- panische Bedienung; Speisen; Fischgerichte; (von einem gif- tigen Fische); Wohnung; Tisch und Ausgaben; Gebrauch und Unterhaltung Japanischer Lustmaͤdchen aus der Stadt. Von Europaͤern erzeugte Kinder. Kaͤlte und Einheitzungsart, Seite 38 bis 47. Japanischer Handel der Hollaͤnder. Kurze Geschichte des- selben. Ehemahlige Ausdehnung, Freyheit und Eintraͤglichkeit. Allmaͤhlige und jetzige Einschraͤnkung, und geringer Ertrag. Abgaben an die Stadt. Verlust am Gelde. Handel der Par- ticuliers. Waaren, welche die Hollaͤnder von Japan ausfuͤh- ren: besonders Kupfer, Kampher, Porcellain. Sachen, deren Ausfuhr verbothen ist. Waaren, welche die Hollaͤnder hierher bringen. Oeffentlicher Verkauf der mitgebrachten Waaren. Dies jaͤhriger Preis des Einhorns und der Ninsiwurzel. Art der Bezahlung des Verkauften. Tauschhandel. Chef der Hollaͤn- dischen Handlung. Seite 48 bis 56. Japanischer Handel der Chineser. Ehemahlige Freyheit und jetzige Einschraͤnkung, und geringer Ertrag desselben. Ver- schiedenheit der Japaner und Chineser an Sprache, Sitten u. s. w. Gegenstaͤnde ihres Handels. Oeffentlicher Verkauf ihrer Waaren. Abgaben. Art der Bezahlung. Chinesische. Fahrzeuge. Seite 56 bis 59 Inhalt . Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima nach Jedo . Zuruͤstung. Mitgenommene Geschenke. Absendung des Gepaͤckes zu Wasser. Abschied vom Gouverneur. Visitirung. Abreise. Reisegesellschaft. Anfuͤhrer. Art der Reise. Be- schreibung der Norimon oder Portchaisen. Transport der Ba- gage. Was wir zur Bequemlichkeit und Erfrischung mit uns fuͤhrten. Auf- und Anzug unsrer Japaner. Ehrenvolles und Angenehmes der Reise. Seite 61 bis 65. Aufnahme im ersten Logis. Vorschuß der kleinen Reiseko- sten. Reise bis Sinongi ; andrer Weg dahin zu Kaͤmpfers Zeit. Warmes Bad zu Orissino . Fabriken fuͤr große irdene Kruken zu Swota . Provinz Fisen ; ihre Beschaffenheit und Einwohner. Vortreffliches Procellain. Stadt Sanga ; Taisero . Provinz Tsikudsen . Hoͤflichkeit der Japaner uͤberhaupt, und der Pro- vinzial-Fuͤrsten insbesondere, gegen die Hollaͤnder. Stadt Koku- ra . Zimmer und Schlafstelle fuͤr die Hollaͤnder in den Herber- gen. Merkwuͤrdige Kraͤuter und Gewaͤchse. Reise zu Wasser nach Simonoseki ; Aufenthalt daselbst; Beschreibung der Stadt. Gebrauch einer Art Tang. Seite 66 bis 73. Anfang der großen Wasserreise. Dreywoͤchentlicher Auf- enthalt zu Kaminoseki . Gebirgige Gegend. Einiges von der Stadt. Fernere Wasserreise bis Fiogo . Menge kleiner Inseln. Wilde Enten. Hafen bey Fiogo . Aufnahme zu Osaka . Kosten der Seereise. Beschreibung der Stadt Osaka . Reise bis Mia- ko . Loͤffelgaͤnse. Seite 74 bis 81. Aufenthalt zu Miako . Beschreibung der Stadt. Audienz bey den Befehlshabern. See bey Oits . Lachse. Große Bruͤ- cken bey Tsetta . Provinz Omi . Angekommene Kranke. Pro- Inhalt . vinz Ist. Unreinlichkeiten an den Landstraßen. Reise an der Kuͤste von Jokaits an. Bettelnonnen. Provinz Owari . Stadt Kwana . Wasserreise bis Mia . Beschreibung der Stadt. Pro- vinz Mikawa . Stadt Okasaki . Sehr große Bruͤcke. Stadt Array . Scharfe Visitirung daselbst. Gefaͤhrlicher Weg durch den Fluß Ojingawa . Bergige Gegend. Fluß Fusikowa . Ho- her Berg Fusi . Bettelknaben. Reise uͤber den Berg Fakonie . See Fakonie . Thujabaum. Japanische Cedern. Ahornbaͤu- me. Merkwuͤrdige Kraͤuter, Stauden und Straͤuche. Gedoͤrr- te Eidechsen. Abermahlige Visitirung. Beyde letzte Tagerei- sen. Staͤdte Banningawa und Totska . Benutzung einiger See- gewaͤchse. Vorstaͤdte von Jedo . Hafen. Neugierige Zuschauer. Ankunft zu Jedo . Logis der Hollaͤnder daselbst. Gluͤcklich voll- endete Reise. Durchreisete Provinzen. Kaͤmpfers Reise. Jaͤhr- lich nach Hofe reisende Fuͤrsten; Beschreibung solcher Reisen. Verboth der Besuche bey den Fuͤrsten. Besuch eines Fuͤrsten bey den Hollaͤndern. Witterung waͤhrend der Reise. Seite 81 bis 103. Dritte Abtheilung. Aufenthalt zu Jedo . Besuche der Vornehmen und Gelehrten bey den Hollaͤndern. Besuche zweyer Astronomen. Besuche verschiedner Aerzte; Un- terredungen mit ihnen; naͤhere Nachrichten von ihnen; vom Verfasser ihnen ertheilter Unterricht; ihre Buͤcher. Audienz beym Kaiser, dem Kronprinzen und den Großen. Zug dahin. Beschreibung der Kaiserlichen Residenz. Anwesenheit des Kai- sers in einem der Vorzimmer. Audienz-Zimmer. Cerimonie der Audienz. Audienz beym Kronprinzen, den Reichsraͤthen und andern Großen. Aussicht uͤber die ganze Stadt. Abschieds- Audienz. Geschenke des Hofes an die Hollaͤnder. Witterung. Seite 104 bis 113. Inhalt . Beschreibung der Stadt. Haͤuser. Regierung. Feuer- anstalten. Nachtwache. Seite 113 bis 114. Ein Wolf. Frauen mit geschornem Kopfe. Fortschritte der Schuͤler des Verfassers. Der Verfasser bekommt eine Kaiserli- che Prinzessin zur Patientin. Vom Verfasser seinen Schuͤlern ertheiltes Testimonium. Merkwuͤrdige Baͤume und Pflanzen. Nahmen des Kaisers und des Kronprinzen. Seite 115 bis 119. Vierte Abtheilung. Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . Abreise. Anstalten zu einer großen Reise des Kaisers. Conchylien zu Kauf. Ein merkwuͤrdiger Fichtenbaum. Reise uͤber den Berg Fakonie . Eine merkwuͤrdige Vanille. Berg Fusi . Botanische Merkwuͤrdigkeiten. Von Rohr geflochtne Sachen. Schutz gegen die Muͤcken des Nachts. Gebrechliche Leute. Seite 120 bis 125. Aufenthalt zu Miako . Merkwuͤrdige Gewaͤchse. Stink- kaͤfer. Besuch beym Oberrichter und den Gouverneuren. Ge- schenke von ihnen. Besuch des Leibarztes des Dairi beym Ver- fasser. Tempel zu Miako . Beschreibung des Tempels und der ungeheuern Statuͤe des Daibud. Tempel des Quanwon und Menge der dasigen Gottesbilder. Seite 125 bis 128. Aufenthalt zu Osaka . Comoͤdien und Ballette daselbst. Vo- gelsammlungen. Botanischer Garten. Kupfer-Schmelzhuͤtte, und Verfahren beym Gießen des Kupfers in Staͤbe. Medici- nischer Gebrauch der Moxa. Einige botanische Bemerkungen. Seite 129 bis 134. Seereise. Leuchtende Kaͤfer. Ankunft zu Nangasaki und Dezima . Vorsicht bey Mitbringung von Muͤnzen und Land- karten. Seite 135 bis 136. Inhalt . Fuͤnfte Abtheilung . Allgemeine Bemerkungen und Nachrichten, Japan und die Japaner betreffend. Erster Abschnitt . Von der natuͤrlichen Beschaffenheit des Landes. Lage. Entdeckung durch die Portugiesen. Gebirgige Be- schaffenheit. Berge. Boden und Fruchtbarkeit. Erdbeben. Hitze und Kaͤlte. Witterung. Stand des Thermometers. Me- teorologische Beobachtungen. Nachlese merkwuͤrdiger Natu- ralien. Seite 137 bis 154. Zweyter Abschnitt . Beschaffenheit und Character der Japaner. Leibesbeschaffenheit und Bildung. Character im allgemei- nen Verstande. Freyheitsliebe. Hoͤflichkeit und Unterthaͤnig- keit. Neugier und Wißbegierde. Natuͤrliche Geschicklichkeit und Induͤstrie. Sparsamkeit und Frugalitaͤt. Reinlichkeit. Gute Gemuͤthsart. Gerechtigkeitsliebe und Entfernung von Eroberungssucht. Ehrlichkeit. Neigung zum Argwohn. Aber- glaube. Stolz und hohe Meinung von sich. Tapferkeit und kriegerischer Muth; verschiedne Anekdoten davon. Unversoͤhn- lichkeit und kaltbluͤtige Rachsucht. Unzucht. Seite 154 bis 166. Dritter Abschnitt. Haͤuser und Hausgeraͤth . Besondre Bauart der Haͤuser, und ganz eigne innere Ein- richtung derselben. Abtheilung der Zimmer durch papierne Inhalt . Rahmwaͤnde. Ziegel- und Schindeldaͤcher. Hervor stehende Daͤcher. Seitenbedeckung der Haͤuser. Papierne Fenster. Fuß- boden-Matten. Tapeten. Stockwerke und Hoͤhe der Haͤuser. Gebrauch der vordern und der hintern Zimmer. Hofplatz. Ein- richtung zum Baden. Kuͤche; Herd; Abtritt. Feuerfreyes Nebengebaͤude. Mangelhaftigkeit der Japanischen Haͤuser. Bauart der oͤffentlichen Gebaͤude. Bauart, Groͤße und Unter- schied der Staͤdte und Doͤrfer. Haͤuser in den Doͤrfern, um den Urin und dergleichen zu sammeln. Art des Heitzens der Zimmer. Seite 166 bis 173. Mangel an Meubeln in den Zimmern. Art zu schlafen, zu sitzen und zu essen, und was die Stelle der Betten, Stuͤhle und Eßtische vertritt. Kleine Toilett-Schraͤnke. Metallne Spiegel. Schirme. Seite 173 bis 175. Vierter Abschnitt. Kleidung und Putz . Eigenthuͤmlichkeit der Kleidertracht. Lange weite Talare, und Art sie zu tragen. Tracht der geringen Leute bey der Ar- beit. Kurzes Obergewand und Beinkleider der Vornehmen. Festliches Oberkleid. Arten der Zeuge: seidne, baumwollne Zeuge; Hanf- und Nessel-Leinwand; Zeug aus einer Art Maul- beerbaum-Rinde. Vorzuͤge und Unbequemlichkeiten der Japa- nischen Tracht. Kamaschen. Socken. Stroherne und hoͤlzerne Schuhe. Oberschuhe. Schuhe der Hollaͤnder. Art das Haar zu tragen und zu schmuͤcken. Reisehuͤte. Weibermuͤtzen. Son- nen- und Regenschirme. Reisemaͤntel. Wapen auf den Klei- dern. Schnupftuͤcher. Faͤcher. Frauenzimmer-Schminke. Schwarze Zaͤhne und ausgerissene Haare der Augenbraunen bey den Frauen. Seite 175 bis 187. Inhalt . Fuͤnfter Abschnitt. Muͤnzen und Gewicht . Gewicht. Art das Geld zu rechnen. Nur klingende Muͤnze. Waͤgen des Geldes. Gangbare Muͤnzsorten. Goldne. Silber- ne. Kupferne, messingne und eiserne. Seltne Muͤnzen. Goldne. Silberne. Seite 188 bis 191. Sechster Abschnitt. Zeitrechnung und Feste . Monathe. Aere. Zwoͤlf himmlische Zeichen. Mondenjahr. Auszug aus dem Japanischen Kalender. Ruhetage. Art die Stunden zu zaͤhlen. Luntenuhren. Pulveruhren. Oeffent- liche Anzeige der Stunden. Art das Alter der Kinder zu rech- nen. Allgemeine Abrechnungs- und Zahlungs-Termine. Neu- jahr. Neujahrs-Gratulation. Cerimonie, da Crucifix und Marienbild mit Fuͤßen getreten werden. Jaͤhrliche Feste. Jahr- maͤrkte. Seite 192 bis 197. Siebenter Abschnitt . Uebrige Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Japaner. Familien-Nahmen und Vornahmen. Titel. Ordnung der taͤglichen Mahlzeiten. Miso-Suppe. Die Japaner schlachten auf der See kein Thier. Eingemachte Fruͤchte. Nudeln. Reiß- kuchen. Gebrauch des Zuckertangs zum Essen und bey den Geschenken. Bohnenmehl statt Seife. Lichte von Firnißbaum- Oehl. Leuchter. Lampen. Oehl zum Brennen. Große Lichte fuͤr den Hof zu Jedo . Feuerzeug. Zunder. Versiegeln mit Papier. Seile und Taue von Nessel. Oehlpressen. Schnupf- Inhalt . tobak. Wapen auf den Meubeln und andern Sachen. Kar- tenspiele. Gaͤnsespiel. Art Zither oder Davids-Harfe. Ge- schenke bey den Besuchen, und sonst. Zinsen. Behandlung der Frauen. Oeffentliche Maͤdchenhaͤuser; deren Menge, Einrich- tung und Ursprung. Erziehung der Kinder; Schulen. Oef- fentliche Baͤder. Warme Baͤder. Landstraßen. Schuhe der Pferde. Art zu reisen. Einrichtung der Tragsaͤnften, und Art sie zu tragen. Raͤder-Fuhrwerk. Seite 197 bis 214. Achter Abschnitt. Von der Japanischen Sprache . Vergleichung der Japanischen Sprache mit der Chinesischen. Schwierigkeit fuͤr Fremde, sie zu lernen. Mangel an Woͤrter- buͤchern. Einige allgemeine Anmerkungen uͤber die Japanische Sprache. Probe eines nach dem Alphabete, und zugleich nach Abstammung und Verwandtschaft der Woͤrter geordneten Japa- nischen Woͤrterbuchs. Seite 214 bis 242. Erste Abtheilung. Reise von Batavia nach Japan , und Aufenthalt im Hafen von Nangasaki , und auf der Insel Dezima . D er 20. Junius 1775 war es, als ich Batavia ver- ließ, und mich an Bord des Schiffes begab, das mich nach Japan bringen sollte. Dies Schiff war einer von den nach diesem Lande bestimmten Dreydeckern, und fuͤhr- te den Nahmen Stavenisse. Die Hollaͤndische Ostin- dische Compagnie hat schon seit langer Zeit jaͤhrlich nur zwey Schiffe nach Japan geschickt. Die Regierung zu Batavia sucht diese Schiffe aus. Gewoͤhnlich sind bey- de, wenigstens aber eins, große Dreydecker, und zwar von denen, welche der Provinz Seeland zugehoͤren, weil man die Fahrt von Java nach Japan fuͤr eine der aller- gefaͤhrlichsten in ganz Ostindien haͤlt. Waͤhrend dieser Reise war ich auf dem Schiffe als erster Chirurgus an- gestellt. Nach gluͤcklicher Ankunft in Japan , war mei- ne Bestimmung, ein Jahr da zu bleiben, und in der Eigenschaft eines Legations-Medicus den Hollaͤndischen Ambassadeur an den Kaiserlichen Hof nach der Haupt- stadt Jedo zu begleiten. Dies war meine Station im Dienste der Compagnie. Außerdem aber hatte ich mich zu Amsterdam anheischig gemacht, fuͤr den dasigen me- Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. A Erste Abtheilung. dicinischen Garten und einige vornehme Privat-Perso- nen in diesem Lande, so weit ich Freyheit und Gelegen- heit dazu haben wuͤrde, lebendige Gewaͤchse und Sa- men, besonders von Straͤuchen und Baͤumen zu sam- meln, und mit zuruͤck gehenden Schiffen nach Europa zu schicken, wo man sie pflanzen wollte. Das Schiff wurde vom Capitain van Eß gefuͤhrt. Als alles zur Ab- reise fertig war, kam Herr Feith an Bord, der jetzt zum vierten Mahl die Stelle eines Chefs des Japanischen Han- dels und eines Abgesandten an den Kaiserlichen Hof an- trat, und den Supercargeur Haringa , nebst vier Assi- stenten, als Gehuͤlfen beym Handel, bey sich hatte. Das andre Schiff, das fertig war, uns Gesellschaft zu leisten, war etwas kleiner, und ein Supercargeur und ein Assistent befanden sich darauf. Alle Schiffs-Offi- ciere Officiere heißen auf diesen Schiffen der Capitain, die Supercar- geure, die Assistenten, der Secretair und der Arzt oder Doctor. Es ist ihre gewöhnliche Benennung. Dies ist wegen des Gebrauchs des Worts Officiere im Folgenden, zu merken. hatten einen oder mehrere Sklaven mit sich am Bord, zu ihrer Bedienung, so wohl auf der Reise, als waͤhrend ihres Aufenthalts in Japan , wo sie ein Jahr bleiben sollten. Dies haben die Japaner vor mehr als hundert Jahren erlaubt, obgleich die Sklaven nicht au- ßerhalb der Factorey, oder der dabey belegenen Stadt Nangasaki kommen duͤrfen. Am folgenden Tage lichteten wir die Anker, loͤseten die Kanonen, und giengen von Batavia unter Segel, legten uns aber hernach nicht weit von diesem Orte wie- der vor Anker, um alles zu der bevor stehenden Reise in Ordnung zu bringen. Den Officieren machte indessen ihre Verproviantirung nicht viel zu schaffen, weil der Chef jetzt so wohl als waͤhrend der ganzen Reise, theils auf Reise von Batavia nach Japan u. s. w. seine, theils auf der Compagnie Kosten, ihnen allen freyen Tisch gab, und sie mit Liqueuren, Bier und Wein versorgte. Erst nach sechs Tagen segelten wir weiter. Wir kamen theils mit wenig Wind, theils mit der Fluth in die Meerenge Banca ( Straet Banca ), die beynahe so breit ist, als der Kanal zwischen Frankreich und England . Zur Linken sahen wir Sumatra, das einen ebenen und flachen Strand hat, zur Rechten Java : beyde prangen mit haͤufigen Waldungen. Uebrigens lagen wir hier ei- nen Tag still, um das andre Schiff zu erwarten, das langsamer segelte und zuruͤck geblieben war. Am 30. kamen wir aus dem Sunde gluͤcklich in die offne See. Beyde Schiffe begruͤßten einander mit Kanonenschuͤssen, und man wuͤnschte sich Gluͤck zur Reise. Den 3. Julius passirten wir die Linie. Nach acht Tagen sahen wir die Klippe Pulo Sapato , die an- fangs in der Ferne wie ein Schiff, hernach in der Naͤhe wie ein quer abgeschnittener Schuh aussieht; der Nah- me bedeutet auch Schuhinsel. Pulo heißt in der Malayi- schen Sprache Insel und Sapato Schuh. Den 10. zeigte sich das Chinesische Land. Der Anblick erweckt auf dieser Reise allezeit Freude, weil man dann ganz sicher weiß, wie weit man gekommen ist. Auf dieser Hoͤhe hat man fast immer Sturm. Uns gieng es auch so. Unser Capitain, ein sehr kluger und vorsichtiger Mann, machte deswegen so gleich Anstalt, daß die Segel groͤßtentheils fest gebunden, die Spitzen der Masten gestrichen, und die Naaen herunter genom- men wurden. Dieser Vorsicht bediente man sich her- nach allezeit, so bald sich boͤses Wetter und Sturm ein- stellten, und der Erfolg lehrte, daß sie sehr nuͤtzlich war. Dagegen sahen wir, daß das andre Schiff, welches et- A 2 Erste Abtheilung. was zuruͤck geblieben war, noch vor vollen Segeln ging, bis die Spitzen der Masten vom Winde herab gewor- fen wurden, bey Fortdauer des Sturms der eine Mast nach dem andern verlohren ging, und das Schiff vom Hin- und Herwerfen so beschaͤdigt und zugleich so leck wurde, daß es im Hafen von Macao mit Muͤhe vom Sinken gerettet wurde. Von Macao brachte man es hernach nach Canton , wo es ausgebessert wurde. Die Reise nach Japan konnte es nicht fortsetzen. Die La- dung, welche meist aus Puder-Zucker bestand, war fast ganz verdorben. Nach einigen Tagen hatten wir wie- der schrecklichen Sturm, dem gewaltige Orkane folgten, die zwey Tage und Naͤchte, zwar mit vielem Regen, aber doch ohne Gewitter, anhielten. Als der Sturm sich gelegt hatte, sahen wir ein umgeworfenes Chinesi- sches Fischerboot in die See treiben. Die Fischer wa- ren umgekommen. Den 22. bekamen wir das Chinesische Land aber- mahls zu Gesicht. Vier Fischerboͤte kamen mit Fischen mehrerer Gattungen zu uns. Ich fand darunter die schoͤne und durchsichtige Muschelart ( Ostrea pleuro- nectes ), deren eine Schale weiß, die andre roth ist, da- her die Hollaͤnder ihr den Nahmen Mondmuschel ( Maan- Mossel ) gegeben haben. Auch waren Blackfische ( Se- pia ), einige Taschenkrebse, und der Schwanenkrebs ( Cancer Mantis ), darunter. Man verkaufte uns die ganze Ladung, durch Tausch gegen Reiß und Arrak: Waaren, welche die Fischer ungemein gerne nahmen. Seit unsrer Reise von Batavia hatten kalte Fie- ber unter den Matrosen sehr stark geherrscht, aber so bald mit dem starken Winde die Kaͤlte zunahm, hoͤrten sie auf. Bontius sagt, zu seiner Zeit seyen die kalten Fie- ber in Ostindien sehr rar gewesen; jetzt sind sie von allen Reise von Batavia nach Japan u. s. w. Arten sehr allgemein. Der Unterschied des Grades der Waͤrme war indessen bey schoͤnem Wetter nicht von Erheblichkeit. Zu Batavia stand das Thermometer von 80 bis 86, und auf der noͤrdlichen Hoͤhe, die wir jetzt hatten, 78 bis 79 Grad nach Fahrenheit. Auf den letzten Sturm folgte starker Regen, die- ser war uns nicht weniger beschwerlich, als die Orkane. Denn alles, was wir zur Hand hatten, war naß, und mußte heraus gelegt, und getrocknet werden; manches war ganz verdorben. Die Krebse und Blackfische, die ich mir ausge- sucht hatte, um sie zu trocknen und aufzubewahren, ga- ben mir gegen Abend, so bald es dunkel wurde, den schoͤn- sten Anblick, indem jene stellenweise, diese beynahe ganz und gar, meine kleine Kajuͤte mit einem blaͤulichen phos- phorischen Lichte erhelleten. Dieser Schein hatte das Sonderbare, daß er, besonders an den Krebsen, nur hie und da zu sehen war, aber keinen Theil des Koͤrpers ganz bedeckte, so daß auf der einen Seite des Schwan- zes ein Fleck leuchtete, auf der andern nicht. Der Schein blieb zwey Tage lang, wenn aber das Thier am Tage aufs Verdeck genommen wurde, war nichts von Schein zu sehen. Mit bloßen Augen konnte ich weder See-Ungeziefer oder sonst etwas, das die Ursache des Scheins seyn konnte, entdecken. Wenn ich eine leuch- tende Stelle mit dem Nagel rieb, blieb der Schein, oh- ne sich zu vermindern. Die Chinesischen Fischerboͤte sind sehr groß und lang, aber von duͤnnen Planken gebauet, haben ein Verdeck, und sind an beyden Enden abgestutzt. Der Hintertheil ist viel breiter, als der Vordertheil, und beym Steuer offen. Sie haben einen Mastbaum, aber nur ein einziges Segel. Mit solchen Boͤten gehen vier bis Erste Abtheilung. fuͤnf Mann Tag und Nacht weit in die See, um zu fischen. Unsre Officiere, die verschiedne Mahl hier vor- bey gesegelt waren, erzaͤhlten mir, daß diese Fischerboͤ- te bey gutem Wetter bisweilen in solcher Menge bey ein- ander gefunden werden, daß sie den Horizont beynahe verdunkeln. Nachdem wir die Insel, welcher die Hollaͤnder den Nahmen Met zyn Gat (mit ihrem Loche) zu geben pfle- gen, passirt waren, kamen wir in der Meerenge bey Formosa an. Den 29. erblickten wir die Insel Formo- sa , die vor diesem der Hollaͤndischen Compagnie gehoͤrt hat. Sie ist lang, groß und sehr fruchtbar. In vori- gen Zeiten legten die nach Japan gehenden Schiffe hier an. Dies machte die Reise bequemer und sicherer, da- gegen sie jetzt, selbst bey Stuͤrmen, keinen Hafen zum Einlaufen haben. Der damahlige Gouverneur Coyet uͤbergab die dasige Citadelle Zeeland im Jahr 1662 nach einer neunmonathlichen Belagerung dem aufruͤhrerischen und von den Tataren aus China vertriebenen Chinesen Coxinja . (Die Geschichte hievon findet man in Het Verwaarloozd Formosa , door C. E. S. (das verwahr- losete Formosa .) Amsterdam , 1675. 4.). Jetzt steht die Insel wieder unter Chinesischer Botmaͤßigkeit. Auch in diesen Tagen hatten wir verschiedne Stuͤr- me mit Regen auszustehen, die aber doch bald voruͤber gingen. Nur einer hielt volle drey Tage an, er war sehr heftig, und mit vielem Regen begleitet. Die See ging sehr hoch und war in solcher Empoͤrung, daß das Wasser auf das Schiff herab fiel, als wenn es bestaͤndig regnete. Officiere und Schiffsvolk behielten zuletzt kaum trockne Kleider, um sich umzuziehen, und man hatte viel Muͤhe, das Schiff gegen Wind und Wellen auf- recht zu halten. Mir ging es auch sehr uͤbel. Bey Reise von Batavia nach Japan u. s. w. den heftigen Stoͤßen und stetem Hin- und Herschwanken des Schiffs hielt ich mich meistens auf dem Verdecke in freyer Luft auf. Zum Schutz gegen das heran stuͤrmen- de Wasser hatte man an einer Seite ein Segeltuch auf- gespannt, das auch wirklich etwas schuͤtzte. Dagegen erfuhr ich sehr bald eine andre große Unbequemlichkeit da- von. Bey einem heftigen Stoße wurde ich von dieser Seite uͤber das rund erhabne schluͤpfrige Verdeck nach der andern Seite geworfen, und das mit solcher Gewalt, daß ich Gefahr lief, uͤber Bord zu fallen: zum Gluͤck war die Brustlehne, wie auf allen Ostindischen Schiffen, sehr hoch. Beynahe haͤtte ich aber doch das rechte Bein ge- brochen, weil der Stoß gegen den Bord so heftig war; nun kam ich noch mit einer großen Beule davon. Nach Verlauf einiger Tage uͤberfiel uns zum fuͤnften Mahl Sturm und Regenwetter, das vier und zwanzig Stun- den dauerte. Hieraus kann man sehen, wie beschwerlich und ge- fahrvoll die Reise nach Japan , und wie unruhig und stuͤrmisch das Meer auf beyden Seiten von Formosa ist, und zwar selbst in der besten Jahrszeit, der einzigen, da Schiffe drey bis vier Monathe in einem Japanischen Hafen mit Sicherheit liegen koͤnnen. Eine umstaͤndliche und ausfuͤhrliche Beschreibung der Stuͤrme in diesen Fahrwassern findet man beym Kaͤmpfer . Die Com- pagnie rechnet von fuͤnf hieher gehenden Schiffen, eins fuͤr verlohren. Daß dies mit einer mehr als hundertjaͤh- rigen Erfahrung uͤberein stimmt, kann man aus dem vor- handnen Verzeichnisse der verungluͤckten Schiffe sehen, von denen man zum Theil gar nicht weiß, wo sie geblie- ben sind. In folgenden Jahren naͤmlich sind, in je- dem ein Schiff verlohren gegangen: 1651, 1652, 1653, 1658, 1659, 1664, 1668, 1670, 1671, Erste Abtheilung. 1697, 1708, 1714, 1722, 1724, 1731, 1748, 1758, 1768, 1770, 1772, 1775. Im Jahr 1642 und 1669 sind zwey und 1719 gar drey verun- gluͤckt. Dazu kommt eins, das 1770 nach China ge- hen mußte, ohne seine Reise fortsetzen zu koͤnnen, weil es leck geworden war, und eins, das 1660 in einem Gefechte mit den Chinesern in die Luft flog. Das letzte war das mit uns abgegangene zweyte Schiff, das so schadhaft geworden war, daß es in einen Chinesischen Hafen einlaufen mußte, wo es ausgebessert wurde, und von da es nach Batavia zuruͤck segelte. Den 13. August fruͤh zeigte sich die Insel Meaxi- ma mit ihren hohen und spitzen Bergen. Am Nachmit- tage sahen wir schon Japanisches Land. Abends um neun Uhr gingen wir beym Eingange in den Hafen von Nangasaki vor Anker. Hier bilden die hohen Berge einen runden Binnenhafen, der wie ein halber Mond gestal- tet ist. Auf den Bergen umher sahen wir verschiedne Vor- posten stehen. Diese werden auf Befehl der Japani- schen Regierung dahin gestellt, und mit Fernroͤhren ver- sehen, damit sie die Schiffe von weitem entdecken und dem Statthalter zu Nangasaki so gleich von ihrer Ankunft Nachricht geben koͤnnen. Jetzt zuͤndeten diese Schild- wachen mehrere Feuer an. Auf unserm Schiffe waren wir heute auch sehr ge- schaͤfftig. Die Matrosen mußten ihre Bibeln und Ge- sangbuͤcher hergeben; diese wurden in einen Kasten ge- packt, und der Kasten zugenagelt. Dieser wird her- nach den Japanern in Verwahrung gegeben, die ihn bis zur Abreise behalten, da denn jeder sein Buch wieder bekommt. Die Absicht ist, zu verhuͤten, daß keine christlichen oder katholischen Buͤcher ins Land kommen. — Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. Auf dem Verdecke schlug man ein Bett mit einem Him- mel, aber ohne Gardinen, auf. Dies war fuͤr die an- kommenden Japanischen Beamten bestimmt, darauf zu sitzen. — Auch verfertigte man eine Musterrolle von der ganzen Besatzung, die ungefaͤhr hundert und zehn Mann und vier und dreyßig Sklaven ausmachte. Eines jeden Alter wird in einer solchen Rolle angegeben, aber nicht das Vaterland, weil alle fuͤr Hollaͤnder angesehen werden; diesmahl waren verschiedne aus Schweden , Daͤnnemark , Deutschland , Portugal und Spanien darunter. Sie wird hernach den Japanern eingehaͤndigt, die unmittel- bar nach ihrer Ankunft, und in der Folge jeden Mor- gen und Abend an den Tagen, da das Schiff geloͤschet oder geladen wird, und die Fahrt zwischen dem Schiffe und der Factorey offen ist, die ganze Besatzung nach Inhalt derselben mustern. Hierdurch wissen sie gewiß, daß oh- ne ihr Vorwissen oder Erlaubniß niemand heimlich ent- kommen, oder aus der Factorey zuruͤck bleiben kann. Am folgenden Tage gingen wir wieder unter Segel. Kaum hatten wir die Anker gelichtet, als wir ein Boot vom Lande uns entgegen kommen sahen. Unser Capitain zog deswegen einen blauen, mit Silber besetzten, seidnen Rock an, der sehr groß und weit ausgestopft, und vorn vor dem Bauche mit einem großen Kissen versehen war. Dieser Rock war ehedem seit langer Zeit dazu gebraucht, Contrebande heimlich einzubringen, und auszufuͤhren, weil der Chef und der Capitain die einzigen waren, die nicht visitirt wurden. Der letztere machte in diesem ganz voll gepfropften Rocke jeden Tag gewoͤhnlich dreymahl den Weg vom Schiffe nach der Factorey, und zwar manch- mahl mit Waaren so bepackt, daß ihn unter jedem Ar- me ein Matrose unterstuͤtzen mußte, wenn er ans Land stieg. Dies brachte ihm jaͤhrlich ansehnliche Summen, Erste Abtheilung. bisweilen mehrere Tausend Thaler ein, nicht nur durch das, was er fuͤr eigne, sondern auch fuͤr Rechnung der Officiere mitnahm. In dem gedachten Boote kamen von der Factorey, im Nahmen des dasigen Chefs, ein Supercargeur und drey Assistenten an, um uns zu uns- rer Ankunft Gluͤck zu wuͤnschen, und sich nach den Schiffen, der Ladung, Neuigkeiten von Batavia und dergleichen zu erkundigen. Mittlerweile waren auf dem Schiffe mancherley Arten Flaggen und Wimpel aufgezogen, um unsre Ein- fahrt in den Hafen glaͤnzend zu machen. So bald wir uns den beyden an jeder Seite des Hafens befindlichen Kaiserlichen Wachen, deren eine des Kaisers, und die andre der Kaiserin Wache heißt, naͤherten, feuerten wir die Kanonen ab, um sie zu salutiren. Waͤhrend dieser ganzen Fahrt in einem langen und krumm her- um gehenden Hafen hatten wir die schoͤnste Aussicht von der Welt: rund umher sahen wir Berge und Huͤgel, die bis in die Spitze angebauet waren: ein Anblick der in andern Laͤndern selten ist. Endlich kamen wir beym Ankerplatze selbst an. Hier ließen wir froh die Anker nieder, und blieben einen Buͤchsenschuß weit von der Stadt Nangasaki und der da- bey liegenden kleinen Insel Dezima , auf welcher die Hollaͤndische Factorey ist, liegen. Nachdem die von der Factorey an uns abgeschick- ten Personen sich wieder an Land begeben, und die Brie- fe der Compagnie so wohl als andre, mitgenommen hat- ten, kam bald nachher der dies Jahr in Japan zuruͤck gebliebene Chef an Bord. Er hielt sich nur kurze Zeit auf, und nahm den neu angekommenen Chef, den Ca- pitain, den Supercargeur und die Assistenten mit nach der Factorey. Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. Die Neuigkeit, welche er uns mitgebracht hatte, war uns sehr unangenehm. Vom Hofe waren sehr scharfe Befehle angekommen, um allen ferneren Schleich- handel zu hemmen. Der Chef so wohl als der Capitain sollen von nun an, ohne Unterschied wie jeder andre, visitirt werden, welches bis dahin nie geschehen war; der Capitain solle sich in Zukunft wie andre kleiden, und den weiten Oberrock, der bisher zur Befoͤrderung des Schleichhandels gedient habe, ablegen, entweder bestaͤn- dig an Bord bleiben, oder, wenn er an Land gehen wol- le, nicht die Erlaubniß haben, waͤhrend der ganzen Zeit seines Aufenthalts daselbst, mehr als zweymahl von da sich auf das Schiff zu begeben. In Ansehung dieses letzten Punctes gab man indessen sehr nach. Der Capilain durfte schon am dritten Tage wieder an Bord gehen, um das Schiff vor zwey Anker zu legen. Die Erlaubniß hiezu gab der Gouverneur zu Nangasaki , theils auf Bit- ten, theils durch die Drohung bewogen, daß, wenn das Schiff Schaden naͤhme, solches fuͤr des Kaisers Rech- nung seyn, und, wenn dem Kaiser das gleichguͤltig seyn sollte, die Compagnie es gewiß raͤchen wuͤrde. Die Veranlassung zu diesem strengen Befehle hatte die im Jahr 1772 gemachte Entdeckung gegeben, da das von den Hollaͤndern verlassene Schiff an die Japanische Kuͤste angetrieben kam, und man beym Ausladen fand, daß es viele, besonders dem Chef und dem Capitain zugehoͤri- ge, verbothne Waaren, mit sich fuͤhrte. Dies Schiff war auf der Reise hieher so leck geworden, daß man es verließ, und so gewiß glaubte, es muͤsse binnen einigen Stunden untergehen, daß man es nicht in Brand steck- te, welches sonst in solchem Falle, dem Befehl der Com- pagnie gemaͤß, geschehen muß. Dessen ungeachtet war es verschiedne Tage nach dem Lande hin umher getrieben, Erste Abtheilung. da denn die Japaner es entdeckt, und in den Hafen von Nangasaki bogsiert hatten. Da hatten diese nun alle Ecken und Winkel durchsucht, und eine Menge, den vor- nehmsten Officieren gehoͤrende, mit den am schaͤrfsten verbothnen Waaren angefuͤllte, und mit ihren Nahmen bezeichnete Kisten entdeckt. Besonders waren sie uͤber eine dem Chef zugehoͤrige Kiste aufgebracht worden, die mit falschem Som, oder Ginsengwurzel, welche durch- aus nicht eingefuͤhrt werden darf, angefuͤllt war, und daher außerhalb des Wasserthors der Factorey mit allem, was sie enthielt, verbrannt wurde. Außerdem, daß es fuͤr den Chef ein Schimpf ist, visitirt zu werden, ver- lieren der Schiffs-Capitain und alle Officiere jaͤhrlich ei- nen betraͤchtlichen Gewinn auf ihre Waaren, und der erstere auch noch eine ansehnliche Summe dafuͤr, daß er die Waaren der letzteren mitnahm. Vor diesem hatte der Capitain nicht nur den weiten Oberrock, sondern auch große weite Hosen an, die ebenfalls mit Contreban- de angefuͤllt waren, aber diese waren verdaͤchtig gewor- den, und man hatte sie schon vor mehreren Jahren able- gen muͤssen; nun mußte man den Rock, diese letzte Zu- flucht, auch fahren lassen. Uebrigens sah es gar laͤcher- lich aus, wie die meisten Japaner unsern, nunmehr an Dicke den gewoͤhnlichen Menschen aͤhnlichen Capitain mit vieler Verwunderung ansahen, da sie sich vorher immer eingebildet hatten, alle unsre Schiffs-Capitaine waͤren so dick und fett, als sie sie zu sehen gewohnt waren. Kaum war das Schiff vor Anker gelegt, und Nan- gasaki von unsern Kanonen begruͤßt, als zwey Japanische Oberbeamte (Banjosen) und einige Unterbeamte (Un- terbanjosen) nebst Dolmetschern und Bedienten an Bord kamen. Die Banjosen nahmen ihren Platz auf der auf- geschlagnen Bettstelle ein, worauf eine dicke Japanische Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. Matte von Stroh, und daruͤber eine cattunene Decke lag. Vor dem Bette stand ein Fußschemel, damit man bequem hinauf kommen konnte. Das Ganze war gegen den Regen mit einem Zelte von Segeltuch bedeckt. Nachdem sie die Schuhe ausgezogen hatten, stiegen sie hinauf und setzten sich, nach Landessitte, auf die Fersen, und die Fuͤße untergeschlagen. Da sie dieser Art zu sitzen gewohnt waren, konnten sie es lange aushalten; daß es ihnen aber endlich unbequem wurde, konnte man daraus sehen, daß sie dessen bisweilen uͤberdruͤßig wur- den, und sich eine Weile auf Europaͤische Art setzten. Das Geschaͤfft dieser Banjosen war, waͤhrend der ganzen Zeit, da das Schiff auf der Rhede lag, dahin zu sehen, daß alle Personen und Guͤther, die an Land gebracht wur- den, oder aufs Schiff kamen, genau visitirt wurden; die Befehle vom Gouverneur in der Stadt anzunehmen; alle Paͤsse und Papiere, womit Leute versehen werden mußten, zu unterschreiben, und dergleichen. Ihr Zeit- vertreib waͤhrend ihres langen und ermuͤdenden Sitzens war, Tobak zu rauchen, bisweilen ein Paar Worte mit einander zu sprechen, Thee zu trinken, und ein Glas Europaͤischen Branntwein zu nehmen. Zu diesem En- de ließ der Schiffs-Capitain zwey krystallne Flaschen mit verschiednen Liqueuren, und zwey geschliffne krystall- ne Glaͤser, wie auch Confect auf einem Teller, auf- setzen, wiewohl sie nicht viel Liqueur trinken, sondern meist nur davon probiren. Als alles Salutiren mit den Kanonen vorbey war, sollte nach Gewohnheit das uͤbrige Pulver, nebst den Kugeln, allem Gewehr, und der oben gedachten Buͤ- cherkiste den Japanern in Verwahrung gegeben werden. Man uͤberlieferte ihnen eine gewisse Quantitaͤt Pulver, sechs Kisten mit Kugeln, sechs Musketen, sechs Pisto- Erste Abtheilung. len, sechs Saͤbel und sechs Bajonette, und bildete ih- nen ein, dies sey unser ganzer Vorrath von Ammunition. Es wurde in einem Packhause verwahrt, bis das Schiff bey seiner Ruͤckreise die Rhede verließ, da die Japaner es von selbst zuruͤck gaben. Auch das Schiffs- boot und die Sch a lupen nahmen sie in sichere Verwah- rung, und weder Personen noch Sachen konnten anders als mit Japanischen Boͤten und Japanischen Seeleuten hin- und herkommen. Diese Maaßregeln befolgen die Japaner bey jedem Hollaͤndischen Schiffe. Vor diesem nahmen sie so gar auch das Steuerruder, die Segel und die Kanonen mit an Land ins Packhaus, welches ihnen aber unsaͤgliche Last machte; jetzt sind sie so vernuͤnftig, diese Sachen nicht anzuruͤhren. Wenn nun die Japa- ner uns voͤllig entwaffnet zu haben glauben, lassen sie die Musterung auf dem Schiffe das erste seyn, die sie her- nach an den Tagen, da geloͤscht oder geladen wird, Mor- gens und Abends wiederhohlen. Sie zaͤhlen dabey nur bis zehn, und fangen immer wieder mit Eins an, eben so zaͤhlen sie bey Guͤthern und Sachen. Jedesmahl wird genau angeschrieben, wie viel Mann an Land gegangen, wie viele krank, und wie viel auf dem Schiffe anwe- send sind. An allen den Tagen, da etwas ein- oder aus- geschiffet wird, sind Oberbanjosen, Unterbanjosen, Dol- metscher, Schreiber und Besucher am Bord, bis gegen Abend, da sie saͤmmtlich ans Land gehen, und den Eu- ropaͤern auf dem Schiffe Freyheit lassen. Bey solchen Gelegenheiten laͤßt man allezeit die Flaggen auf dem Schiffe so wohl, als auf der Factorey, wehen. Wenn beyde Schiffe gluͤcklich angekommen sind, wird auf jedem einen Tag um den andern gearbeitet. Damit weder die Hollaͤnder selbst vom Schiffe, noch die Japaner dahin kommen koͤnnen, um, besonders Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. des Nachts, unter Beguͤnstigung der Dunkelheit, und da keine Japanischen Officiere am Bord sind, heimlich Handel zu treiben, werden verschiedne große Wachschiffe in einiger Entfernung rund um das Schiff gelegt, und außerdem muͤssen mehrere kleine Boͤte bey Nachtzeit alle Stunden sehr nahe um das Schiff herum rudern. Unter dem ersten, das an Land gebracht wurde, waren die von Batavia mitgebrachten Kaͤlber, Ochsen, Schweine, Ziegen, Schafe und Hirsche. Die Japa- ner haben gar keine Schafe, auch keine Schweine. Ochsen und Kuͤhe sind auch etwas seltnes, und dazu un- gemein klein, werden auch nur bisweilen zum Ackerbau gebraucht; das Fleisch isset der Japaner nicht, auch macht er sich die Milch auf keine Art zu Nutze. Weil daher die Europaͤer hier diese Arten Vieh zum Schlach- ten nicht kaufen koͤnnen, sehen sie sich genoͤthigt, so wohl zu frischer Provision, auf der Factorey, als auch zum Behuf der Schiffe bey der Abreise, dergleichen mitzu- bringen. Dies Vieh steht bestaͤndig auf der Insel auf dem Stalle, der im Sommer offen, im Winter zuge- schlossen ist. Es wird mit Gras und Laub gefuttert, das taͤglich dreymahl von Japanischen Knechten rund um die Stadt gesammelt und hergebracht wird. Des Winters besteht das meiste Futter in etwas Reiß und in Zweigen von Baͤumen, auch Stroh von ausgedroschnem Reiß. Ich pflegte dies Futter, jedesmahl so wie es gebracht wurde, zu durchsuchen, und die darunter befindlichen seltnen Gewaͤchse heraus zu nehmen, die ich hernach trocknete und in Herbarien sammelte; denn auf dem Felde durfte ich dergleichen selbst nicht sammeln. In den folgenden Tagen wurden die Kleidungs- stuͤcke und Meublen der Officiere, nebst ihrem Vorrath von Eßwaaren, Wein, Bier, und was sonst Privat- Erste Abtheilung. Personen gehoͤrt, und nicht verkauft werden soll, an Land gebracht. Dies muß allezeit besonders geschehen, ehe irgend etwas von Handelswaaren ausgeladen werden darf. Man pflegt es in den drey ersten Tagen zu thun. Den 4. September wurde das Schiff von den Ja- panern visitirt, nachdem alles, was nicht verkauft wer- den sollte, ans Land geschafft war. Alle von Privat- Personen zum Verkauf bereits angegebene Waaren, wur- den heute abgeschickt; vergaß jemand in der Eile etwas, so durfte er es hernach nicht ans Land bringen, noch ver- kaufen. Die Visitation geschah allenthalben, und zwar sehr genau, außer ganz unten und in der Pulverkam- mer. Der uͤbrige Theil dieses Monaths wurde zum Loͤ- schen der Waaren der Compagnie angewandt. Beym Ein- und Ausladen zu helfen, wie auch die Boͤte hin- und herzurudern, sind eine Menge Arbeits- kerl ( K u li ) bestellt, nebst andern, die uͤber diese die Auf- sicht haben. Diese Leute haben zur Gewohnheit, alle- zeit, wenn sie etwas aufheben oder tragen sollen, im- gleichen wenn sie rudern, zu singen, und zwar jedes- mahl nach einem gewissen Tacte, in einem gewissen Tone und mit anpassenden aufmunternden Worten. In vo- rigen Zeiten nahmen die Hollaͤnder sich die Freyheit, die- se Arbeitsleute, die von der geringern Volks Classe sind, fuͤr begangne Fehler abzustrafen und zu schlagen; jetzt aber ist dies, als etwas, das die Nation fuͤr schimpflich haͤlt, gaͤnzlich und bey schwerer Strafe von der Regie- rung verbothen. Wenn ein Europaͤer vom Schiffe ans Land geht, oder umgekehrt, er habe Sachen mit, oder nicht, so geht allezeit ein Bedienter mit, und er muß ei- nen Paß bey sich haben, worauf sein Nahme, seine Uhr und was er sonst bey sich hat, aufgeschrieben ist. So Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. So bald das Schiff zur Haͤlfte geloͤschet war, fing man schon wieder an zu laden, und zwar Kupfer in Staͤ- ben, das in hoͤlzernen Kisten lag. Dies Jahr, da nur ein Schiff hieher gekommen war, brachte man in dassel- be anderthalb so genannte Lasten Kupfer, oder 6700 Ki- sten, jede ein Pikel oder 125 Pfund schwer. An den Tagen, da keine Ein- oder Ausschiffung geschieht, kommen weder Japanische Beamte noch andre Japaner an Bord. Auch die Hollaͤnder selbst kommen an solchen Tagen weder nach dem Schiffe, noch davon. Das Wasserthor der Stadt ist alsdann auch verschlossen. Wenn eine wichtige Ursache es nothwendig macht, daß ein Officier, zum Beyspiel der Capitain oder der Doctor, sich nach dem Schiffe begeben muß, welches man vom Schiffe durch Aufziehen der Flagge zu erkennen giebt, so muß die Erlaubniß dazu vom Gouverneur in der Stadt gesucht werden. Wird sie gegeben, so wird den- noch das Wasserthor nicht geoͤffnet, sondern man wird von Dolmetschern und Beamten durch einen kleinen Theil der Stadt nach einer kleinen Bruͤcke begleitet, von wo man, nach vorgaͤngiger sehr genauer Visitation, in einem Boote nach dem Schiffe gebracht wird. Jene Leute steigen jedoch nicht selbst mit aufs Schiff, sondern warten in ihren Boͤten, bis man sein Geschaͤfft verrichtet hat. Alsdann wird man auf gleiche Art und auf dem naͤmlichen Wege wieder nach der Factorey gefuͤhrt. In der Stadt sammelt sich waͤhrend dieses Aufzuges allezeit eine Menge Volk, den Europaͤer zu beschauen, und ein zahlreicher Schwarm Kinder, die uͤber die großen run- den Augen desselben, durch ihr Geschrey Hollanda O-Me ihre Verwunderung bezeigen. Einmal bekamen wir auf dem Schiffe Besuch von einigen Fuͤrsten und beyden Gouverneuren der Stadt. Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. B Erste Abtheilung. Neubegierde trieb sie zu uns, unser Admiral-Schiff zu be- sehen, das ein sehr großer und zugleich sehr schoͤner Drey- decker war, dergleichen seit vielen Jahren in Japan nicht gewesen war. Einer der Dolmetscher behauptete, waͤh- rend der dreyßig Jahre, die er auf der Factorey gedient, habe er nie ein so großes und praͤchtiges Hollaͤndisches Schiff gesehen. In diesen Tagen geschah es auch, daß wir einen unsrer Matrosen verlohren, der nebst andern Kranken in das auf der Insel befindliche Krankenhaus gebracht war. Man zeigte dem Gouverneur von Nangasaki den Todes- fall an, und bekam Erlaubniß zur Beerdigung. Die Leiche wurde von dazu verordneten Japanern sehr genau visitirt, darauf in einen breternen Sarg gelegt, und von den Japanern selbst auf die andre Seite des Hafens ge- bracht, und in die Erde gegraben. Einige wollten be- haupten, solche Todte wuͤrden von den Japanern wieder ausgegraben und verbrannt; ich habe hievon aber nichts gewisses erfahren koͤnnen. Zoͤlle kennt man in Japan nicht, weder im Lande, noch an den Kuͤsten; und Zollabgaben werden niemahls, weder von ein- noch ausgehenden Waaren, weder von Fremden noch Einheimischen gefordert. Ein sehr wich- tiger Vorzug, den dies Land vor so vielen andern hat. Damit aber keine verbothne Waaren heimlich eingebracht werden moͤgen, wird die strengste Aufsicht gehalten, und Menschen und Sachen so genau durchsucht, daß es alle Vorstellung uͤbertrifft. Geht ein Europaͤer ans Land, so wird er zuerst auf dem Schiffe, und hernach, so bald er ans Land kommt, visitirt. Diese gedoppelte Visitirung ist sehr scharf. Man befuͤhlt die Taschen, und streicht mit den Haͤnden an den Kleidern den Leib und die Lenden herab; nicht genug: bey geringen Leuten durchsucht man Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. so gar die heimlichen Oerter, und bey den Sklaven die Haare auf dem Kopfe. Auf gleiche Weise werden auch alle Japaner, die an Bord kommen, visitirt, und nie- mand ist davon ausgenommen, als die Ober-Banjosen. Alle Sachen, die ein- oder ausgeschifft werden, sind eben einer solchen zwiefachen Durchsuchung, am Bord naͤmlich und auf der Factorey, unterworfen, nur große Kisten nicht; diese werden auf der Factorey ausgepackt, und so genau untersucht, daß man so gar gegen die Breter schlaͤgt, ob sie etwa hohl sind. Die Betten werden nicht selten aufgeschnitten und die Federn umgeruͤhrt; in die Buttergefaͤße und Confituͤr-Kruken werden duͤnne ei- serne Stangen gesteckt; oben in die Kaͤse wird ein vier- eckiges Loch geschnitten, und mit einem langen spitzigen Eisen von da der ganze Kaͤse nach allen Seiten durch- stochen. Ihr Argwohn ging diesmahl so weit, daß sie von den Eyern, welche wir bey uns hatten, eins und das andre nahmen und entzwey schlugen. Eben diese Strenge wird beobachtet, wenn man von der Factorey nach dem Schiffe, oder aus der Stadt Nangasaki nach der Insel Dezima , und umgekehrt, geht. Die Uhr muß man aus der Tasche ziehen und vorzeigen, und sie wird jedesmahl angeschrieben. Bisweilen wird auch der Hut visitirt. Geld und Muͤnze darf von Particuliers gar nicht eingefuͤhrt werden, sondern es wird meistens bis zur Abreise in Verwahrung genommen. Briefe duͤrfen nicht einmahl versiegelt nach oder von dem Schif- fe geschickt werden, sondern man oͤffnet sie, und die Dol- metscher muͤssen sie so gar bisweilen lesen; das geschieht auch wohl mit andern Papieren. Religions-Buͤcher, besonders mit Kupferstichen, einzubringen, ist sehr gefaͤhr- lich. Buͤcher andrer Art koͤnnen die Europaͤer zu ihrem eignen Gebrauche, so viel sie wollen, einfuͤhren; in An- B 2 Erste Abtheilung. sehung dieser war das Visitiren am wenigsten genau: sie sahen nur einige an. Lateinische, Franzoͤsische, Schwe- dische und Deutsche Buͤcher gehen uͤberhaupt besser, als Hollaͤndische, durch, weil die Dolmetscher sie nicht ver- stehen. Waffen und Gewehr duͤrfen zwar nicht einge- bracht werden; man erlaubte uns aber doch noch, unsre Degen mitzunehmen. Uebrigens sitzen am Wassertho- re von Dezima , wenn etwas aus- oder eingeschifft wird, eben so als auf dem Schiffe, allezeit Ober- und Unter- Banjosen, und Ober- und Unter-Dolmetscher, vor deren Augen alles durchsucht wird. Und damit die Europaͤer nicht im Stande seyn moͤgen mit den Besuchern Bekannt- schaft zu machen, werden diese so oft umgewechselt, daß dazu keine Gelegenheit ist. An diesem uͤbertriebenen Visitiren, dessen Strenge bey verschiednen Gelegenheiten so zugenommen hat, daß sie nun zu ihrer groͤßten Hoͤhe gestiegen ist, sind die Hol- laͤnder selbst Schuld. Die weiten Hosen und der unge- heure Rock des Capitains, und hundert andre Kunst- griffe wurden angewandt, verbothne Sachen heimlich nach der Factorey zu bringen, und die Dolmetscher, die vormahls gar nicht visitirt wurden, brachten die Contre- bande-Waaren allmaͤhlig nach der Stadt, wo sie fuͤr baares Geld verkauft wurden. Oft machte man dies so fein, daß man dergleichen Sachen vorn in die Hosen und in die Haare steckte. Vor einigen Jahren fanden die Japaner bey einem Schiffs-Unterbedienten einen Pa- pagey in den Hosen, wo er waͤhrend der Visitirung an- fing zu sprechen, und dadurch entdeckt wurde. Dies- mahl traf man bey einem Assistenten in den Unterhosen verschiedne Thaler und Dukaten versteckt. Hiezu kommt der Hochmuth, den einige unverstaͤn- dige Officiere gegen die Japaner auf eine sehr unvorsichti- Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. ge Art blicken lassen, indem sie ihnen zur Unzeit wider- sprechen, sie uͤber die Achsel ansehen, sie auslachen und ihnen veraͤchtlich begegnen. Dies erzeugt bey den Ja- panern Haß und Verachtung: diese Verachtung nimmt sehr zu, wenn sie sehen, wie unfreundschaftlich und un- hoͤflich die Europaͤer nicht selten mit einander selbst um- gehen, und wie barbarisch sie ihre Matrosen mit Fluchen, Pruͤgeln und andern Grausamkeiten behandeln. Dies alles hat denn die Japaner von Jahr zu Jahr mehr ge- reitzt, die Handelsfreyheit der Hollaͤnder einzuschraͤnken, und sie so genau und scharf visitiren zu lassen, daß sie mit den ausgedachtesten Kniffen kaum im Stande sind, Leuten von einer so wachsamen Nation die Augen zu blenden. Alle diese Anstalten sollen gleichwohl nur den eigent- lichen Schleichhandel, nicht aber den Privat-Handel hindern, sondern jedermann kann alles, was verkauft wer- den darf, und wozu sich Kaͤufer finden, ja so gar solche Sachen, die nicht verkauft werden duͤrfen, einbringen, wofern es nur nicht heimlich geschieht. Nur mit Suma- traschem Kampfer und mit Schildkroͤten-Schalen duͤrfen Privat-Personen nicht handeln, weil das ein ausschließen- des Recht der Compagnie ist. Die Ursache, warum Particuliers solche Waaren, deren Verkauf in oͤffentlicher Auction nicht verbothen ist, so gern heimlich herein brin- gen, ist die, daß sie fuͤr das, was vermittelst der Auction verkauft wird, kein baares Geld bekommen, sondern an- dre Waaren zur Bezahlung nehmen muͤssen. Diese be- stehen entweder in Porcellain, oder in lackirten Sachen, und sind, weil dergleichen jaͤhrlich mitgebracht werden, zu Batavia so wohlfeil, daß man bisweilen weniger da- fuͤr bekommt, als man dafuͤr bezahlt hatte. Hingegen wenn die Sachen heimlich verkauft werden, so bekommt Erste Abtheilung. man oft noch einmahl so viel als sonst, und zwar in klin- gender Goldmuͤnze. Vor einigen Jahren, da der Schleichhandel noch im Flor war, wurde zwar das meiste durch die Dol- metscher von der Factorey nach der Stadt gebracht; manchmahl warf man aber auch die Waaren uͤber die Mauer von Dezima und nahm sie in einem dazu bestell- ten Japanischen Boote in Empfang. Verschiedne Mahl sind Dolmetscher und andre Japaner hiebey ertappt und meistens am Leben gestraft. Auch die Hollaͤnder haben von jeher, wenn man Schleichhandel entdeckt hat, an- sehnliche Geldstrafe bezahlen muͤssen, die in neuern Zei- ten so erhoͤhet ist, daß ein Europaͤer, wenn er betroffen wird, zwey hundert Katjes Kupfer erlegen muß, und auf immer Landes verwiesen wird. Ueberdem werden fuͤr Rechnung der Compagnie alsdann zehn tausend Kat- jes Kupfer abgezogen, und wenn die Sache entdeckt wird, nachdem das Schiff schon die Rhede verlassen hat, muß so wohl der Chef als der Capitain zwey hundert Katjes Kupfer Strafe geben. Die Waaren der Compagnie sind keinem Visitiren unterworfen, sondern werden so gleich nach den Packhaͤusern gebracht, welche von den Japanern versiegelt werden, und wo sie liegen bleiben, bis man sie abhohlt, um sie zu verkaufen. Die Dolmetscher sind alle gebohrne Japaner und sprechen mehr oder weniger fertig Hollaͤndisch. Keinem Auslaͤnder erlaubt die Regierung, die Sprache zu ler- nen, damit niemand in den Stand gesetzt werde, irgend Kenntniß des Landes zu bekommen. Dagegen haͤlt sie vierzig bis funfzig Dolmetscher, die auf der Factorey beym Handel und andern Gelegenheiten die Hollaͤnder bedienen muͤssen. Sie werden gemeiniglich in drey Clas- Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. sen getheilt. Die aͤltesten, welche das Hollaͤndische am be- sten sprechen, bekommen den Nahmen Ober-Dolmetscher; die, welche es nicht so gut sprechen, heißen Unter-Dolmet- scher; und diejenigen, welche es noch weiter lernen muͤs- sen, nennt man Lehrlinge. Vor diesem unterrichteten die Hollaͤnder selbst die Japanischen Lehrlinge; besonders war dies das Geschaͤfft des Arztes; jetzt aber bekommen sie den Unterricht von den aͤltern Dolmetschern. Die Lehrlinge hatten ehemahls auch die Freyheit, nach Belie- ben auf die Factorey und in die Zimmer der Hollaͤnder zu kommen; allein nunmehr duͤrfen sie nicht eher und oͤfter hinkommen, als sie wirklich gebraucht werden, und alsdann gehen allezeit ein oder zwey Ottona mit. Auch haben sie allezeit etliche Schreiber mit sich, die an- schreiben, was ein- und ausgeladen wird, und Paͤsse und dergleichen schreiben muͤssen. Die Dolmetscher ovan- ciren so wohl im Range als in Einkuͤnften nach der An- ciennitaͤt, ohne zu andern Bedienungen genommen zu werden. Ihre Amtspflicht ist, daß, gewoͤhnlich einer, bisweilen zwey, von jeder Classe zugegen seyn muͤssen, wenn die Japaner und Hollaͤnder, es betreffe den Handel, oder andre Gegenstaͤnde, etwas mit einan- der abzumachen haben. Sie dolmetschen entweder muͤndlich oder schriftlich, wenn beym Statthalter, bey den Beamten oder andern, etwas zu suchen, zu klagen, oder sonst anzubringen ist. Auch muͤssen sie bey den Visiti- rungen auf dem Schiffe so wohl, als auf der Factorey zu- gegen seyn, ingleichen auf der Reise nach Hofe mitge- hen. Von den aͤlteren unter ihnen sprechen einige das Hollaͤndische, wenn von gewoͤhnlich vorkommenden Ge- genstaͤnden die Rede ist, ziemlich fertig und verstaͤndlich. Weil aber die Japanische Sprache in Ausdruͤcken so wohl als in Wortfuͤgungen von den Europaͤischen so sehr ab- Erste Abtheilung. weicht, so hoͤrt man gar oft von ihnen recht laͤcherliche Ausdruͤcke und sonderbare Redensarten. Manche ler- nen es nie richtig sprechen. Wenn sie Hollaͤndisch schrei- ben, gebrauchen sie statt der Feder ihren gewoͤhnlichen Pinsel, ihren Tusch und ihr eignes Papier, schreiben aber doch nach Europaͤischer Art von der Linken zur Rech- ten, und zwar meistens sehr ansehnliche und schoͤne Ita- liaͤnische Buchstaben. Die Dolmetscher sind sehr große Liebhaber von Eu- ropaischen Buͤchern und verschaffen sich deren jaͤhrlich eins oder mehrere von den ankommenden Kaufleuten. Sie besitzen sie nicht nur, sondern lesen auch fleißig darin, und behalten sehr gut, was sie daraus gelernt haben. Ueberhaupt lassen sie es sich sehr angelegen seyn, von den Europaͤern etwas zu lernen, und nach allem, besonders was ins medicinische, physikalische und naturhistorische Fach schlaͤgt, zu fragen: sie fragen so unglaublich viel und so mancherley, daß man dessen oft sehr muͤde wird. Die meisten legen sich foͤrmlich auf die Arzneywissen- schaft; diese sind auch die einzigen, welche sie nach Eu- ropaͤischer Methode und mit Europaͤischen Arzneymitteln ausuͤben. Hiedurch bekommen sie nicht nur Gelegenheit Geld zu verdienen, sondern erwerben sich auch etwas mehr Ansehen. Bisweilen nehmen sie so gar Schuͤler in dieser Wissenschaft an. So wohl ihre Kenntnisse als die Arzneyen bekommen sie von den Hollaͤndischen Aerzten. So bald ich ans Land gestiegen war, ließ ich meine erste Sorge seyn, mir die Bekanntschaft der Dolmet- scher zu verschaffen, und mich, so viel moͤglich war, bey den Beamten, welche sich sehr oft auf unsrer kleinen Handels-Insel einfanden, in Gunst zu setzen. Dies ge- lang mir auch. Denn mein Betragen gegen die Japa- Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. ner war sehr freundschaftlich und aufrichtig. Als Arzt aber hatte ich besonders verschiedne erwuͤnschte Gelegen- heiten dazu. Es traf sich oft, daß ich ihnen oder ihren zu Hause gelaßnen Kranken, Angehoͤrigen und Freun- den mit nuͤtzlichem Rath und heilsamen Medicamenten an Hand gehen konnte. Den Nutzen meiner medicini- schen Kenntnisse sahen sie noch mehr ein, als ich nach und nach unter den in ihrem eignen Lande wild wachsenden Gewaͤchsen verschiedne sehr wirksame Arzneymittel ent- deckte. Und weil ich nicht zu der handelnden Classe ge- hoͤrte, war ich weniger verdaͤchtig als andre. So wohl durch die Dolmetscher als die auf der In- sel oft befindlichen Beamten suchte ich mir eine Freyheit zu verschaffen, die sonst keinem Europaͤer ertheilt wird, naͤmlich auf dem Felde um die Stadt zu botanisiren. Anfangs schien meine Bemuͤhung ziemlich zu gluͤcken, und ich erhielt wirklich die Erlaubniß des Gouverneurs; in kurzem aber wurde sie wieder aufgehoben. Die Ursa- che davon war sehr laͤcherlich. Die Japaner sind in Ruͤck- sicht auf die Europaͤer sehr argwoͤhnisch, und der Statt- halter scheuet sich ungemein, ihnen etwas zu bewilligen, wovon man vorher noch kein Exempel hat. Wie ich nun um Verstattung botanischer Excursionen ansuchte, sahe man in den Tagebuͤchern nach, ob ein Hollaͤnder ir- gend vorher dergleichen Freyheit gehabt habe. Man fand, daß vor langer Zeit, als viele Krankheiten grassirt, und es an Arzneymitteln zu fehlen angefangen hatte, ein Chirurgus in der Gegend der Stadt umher gewandert war, um dergleichen zu suchen, und bewilligte mein Ge- such ohne Bedenken. Hernach aber bey genauerer Un- tersuchung zeigte es sich, daß jener nur Unter-Feldscher gewesen sey, mir also als Ober-Feldscher dergleichen Er- laubniß nicht zu Theil werden koͤnne. Ein so kleiner Um- Erste Abtheilung. stand ist oft sehr bedeutend in den Augen der Japaner, die mit dem moͤglichsten Eifer ihre Pflichten zu erfuͤllen suchen, und den Gesetzen ihres Regenten blinden Gehor- sam leisten, ohne in ihren Sinn einzudringen, sie gehoͤ- rig zu erklaͤren, und nach Beschaffenheit der Umstaͤnde zu aͤndern oder neue zu machen. Fuͤr mich war jener Umstand auch von nicht geringer Erheblichkeit. Von allen mir bisher zugestoßnen Widerwaͤrtigkeiten hatte ich keine so sehr gefuͤhlt, als diese. Ich ließ indessen noch nicht alle Hoffnung sinken, so sehr ich mich auch graͤmte, daß der Herbst vielleicht ungenutzt vorbey gehen wuͤrde. Mittlerweile munterte ich die Dolmetscher, welche ich taͤglich in der Medicin und Chirurgie unterwies, auf, aus der ganzen Gegend von allen Gewaͤchsen, Blaͤtter, Blu- men und Samen zu bringen. Auch suchte ich so wohl sie, als die Beamten zu uͤberzeugen, daß zwischen einem Ober- und Unter-Feldscher wenig oder gar kein Unterschied sey, daß ein Ober-Feldscher vorher Unter-Feldscher gewe- sen seyn muͤsse, und daß, so bald jener sterbe, dieser so gleich seinen Platz einnehme. Dies wirkte so viel, daß ich die Verguͤnstigung des Gouverneurs wieder bekam, aber so spaͤt, daß ich nicht eher, als im Anfange des Fe- bruars Gebrauch davon machen konnte. Waͤhrend dieser Zeit suchte ich mir einige Kennt- niß der Japanischen Sprache zu erwerben, obgleich dies scharf verbothen ist, und die Schwierigkeiten dabey ge- genwaͤrtig weit groͤßer, als je vorher waren. Ich erkun- digte mich daher bey den Dolmetschern, ob keine gedruck- ten Woͤrterbuͤcher oder andre Huͤlfsmittel dazu vorhanden waͤren. Nach vielem vergeblichen Nachfragen trieb ich endlich ein altes Lateinisch-Portugiesisch-Japanisches Dictionnaire auf, wobey die Portugiesischen Geistlichen Calepins bekanntes Lexicon zum Grunde gelegt hatten. Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. Das Titelblatt fehlte ganz, und ich konnte die Jahrzahl des Drucks nicht ausfindig machen. Aus der Vorrede aber sahe ich, daß die Societas fratrum Europaeorum simul et lapanicorum es in Japan gemeinschaftlich aus- gearbeitet hatte. Das Buch war in Quart, auf Ja- panisches Papier gedruckt, und enthielt außer dem Titel- blatte, und dem letzten Blatte, worauf die Druckfehler standen, 906 Seiten. Es sah alt aus, und war auch an einer Ecke etwas verbrannt. Einer der aͤlteren Dol- metscher besaß es als ein Erbstuͤck von seinen Vorfahren in der Familie. Es mußte wohl eine gar große Raritaͤt seyn, weil weder ich noch der Hollaͤndische Chef auf kei- ne Art und fuͤr keinen Preis es durch Tausch oder Kauf an uns zu bringen im Stande waren. Nun einige topographische Nachrichten. Der Ha- fen von Nangasaki ist ungefaͤhr eine Meile lang, und vier Buͤchsenschuͤsse breit, und kruͤmmt sich an der einen Sei- te etwas ins Land hinein. Er erstreckt sich von Suͤden nach Norden, hat Modergrund, und ist so tief, daß die Schiffe sich in der Naͤhe eines Flintenschusses gegen die Factorey legen koͤnnen. Ebbe und Fluth ist im Ha- fen sehr stark. Die Berge umher sind sehr steil, und der Strand ist abschuͤssig. Im Hafen trifft man eine Menge großer und kleiner Japanischer Fahrzeuge an, manchmahl uͤber hundert, die große Anzahl aus den um- her liegenden Gegenden dahin kommender Fischerboͤte un- gerechnet. Bey unsrer Ankunft fanden wir auch eilf Chinesische Fahrzeuge ( lonke ), die so dicht am Lande la- gen, daß sie zur Zeit der Ebbe nur den Schlammgrund unter sich hatten. Einige bekamen bald hernach ihre La- dung und segelten ab; aber sieben blieben den Winter uͤber liegen. Jedes dieser Fahrzeuge ist gewoͤhnlich von einer großen Menge Leute besetzt, manchmahl von sieb- Erste Abtheilung. zig bis achtzig. Daher kommts, daß des Winters hier jaͤhrlich ungefaͤhr sechs hundert Mann zuruͤck bleiben, die sich auf einer zur Seite der Hollaͤndischen Factorey außer- halb der Stadt liegenden Insel aufhalten. Der Hafen bey Nangasaki ist der einzige im ganzen Reiche, wo fremde Schiffe vor Anker gehen duͤrfen. Wird ein frem- des Schiff durch Sturm oder Ungluͤcksfaͤlle an die Japani- sche Kuͤste getrieben, oder ist es genoͤthigt, anderswo einzu- laufen, so wird davon so gleich Bericht an den Hof zu Je- do abgestattet, und das Schiff nach Nangasaki gewiesen. Die Stadt Nangasaki ist eine von den fuͤnf so ge- nannten Reichsstaͤdten, und durch ihren Handel mit Auslaͤndern eine der ansehnlichsten Handelsstaͤdte im Rei- che. Sie gehoͤrt dem weltlichen Kaiser allein, die Ein- kuͤnfte aus derselben fließen in seine Schatzkammer, und ein Statthalter uͤbt in seinem Nahmen den Oberbefehl darin aus. In ehemahligen Zeiten residirten hier zwey Gouverneure; heutiges Tages sind zwar auch allezeit zwey bestellt, aber nur einer ist am Regiment, und sie loͤ- sen einander jaͤhrlich im October ab. Der dienstfreye rei- set jedesmahl nach Jedo , und bringt seine muͤßige Zeit da- selbst bey seiner Familie zu, die waͤhrend seiner Anwesen- heit zu Nangasaki , allezeit als Unterpfand seiner Treue, da bleiben muß. Die jaͤhrliche Besoldung eines Statthalters betraͤgt ungefaͤhr zehn tausend Thaler, wozu noch manche außerordentliche Einnahme kommt. Indessen kann er, theils wegen der Geschenke, die er bey Hofe machen muß, und andrer Ausgaben, die er da hat, theils wegen der Men- ge hoher und niedriger Bedienten, die er auf eigne Kosten halten muß, nicht viel davon eruͤbrigen. Der Gouverneur hat den hoͤchsten Befehl nicht nur in der Stadt, sondern auch uͤber die beyden, die Hollaͤndische und die Chinesische, Factoreyen. Die Stadt selbst ist auf allen Seiten land- Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. waͤrts mit hohen, nach dem Hafen sich herab senkenden Bergen umgeben, und von ganz ansehnlichem Umfange. Die Stadt ist offen, und hat weder Wall und Graben, noch eine Citadelle. Die Gassen sind krumm. Durch die Stadt gehen einige Kanaͤle, die das Wasser von den umliegenden Bergen sammeln und ableiten, und sich ganz bis zum Hafen herab erstrecken. An jedem Ende der Straßen ist ein hoͤlzernes Thor, das zugeschlossen und dadurch alle Gemeinschaft mit andern Straßen abgeschnit- ten werden kann. Des Nachts sind diese Thore allezeit verschlossen. Die Straßen sind selten laͤnger als dreyßig bis vierzig Laden, und enthalten auch eben so viel Haͤuser. Ueber jede Straße ist ein Beamter zur Aufsicht angesetzt, so wie auch jede Straße ein Haus hat, worin ihre Ge- raͤthschaften zum Loͤschen des Feuers aufbewahret werden. Die Haͤuser sind selten zwey Stockwerke hoch; das zwey- te Stockwerk ist auch gemeiniglich niedrig. Das Stadt- regiment fuͤhren vier Buͤrgermeister, die eine hinlaͤngliche Anzahl Stadtbedienten von verschiednem Rang und An- sehen ( Ottonas ) unter sich haben, und wodurch Ordnung und Sicherheit in so hohem Grade, daß man es bewun- dern muß, erhalten wird. Ehe die Portugiesen hieher kamen, war Nangasaki nur ein kleines Dorf; hernach aber hat es sich dadurch, daß um des Handels willen im- mer mehr Leute dahin gezogen sind, zu seiner jetzigen Groͤ- ße allmaͤhlig ausgedehnt. Die Insel Dezima wird von der Stadt an die Hol- laͤndische Compagnie vermiethet, und nur wie eine zur Stadt gehoͤrige Straße angesehen. Die Stadt laͤßt da- her alle Wohnhaͤuser auf derselben bauen, unterhaͤlt sie auch, und bessert sie, wenn sie baufaͤllig sind. Indessen muß jeder Bewohner auf seine Kosten Fensterrahmen ein- setzen, und das Haus weißen lassen, auch das Dach und die Erste Abtheilung. Waͤnde mit Tapeten versehen, und andre Einrichtungen zu seiner Bequemlichkeit selbst machen lassen. Die Insel haͤngt mit der Stadt und dem festen Lande zusammen, und ist bey niedrigem Wasser bloß durch einen Graben da- von getrennt; nur bey hohem Wasser ist sie eine Insel. Gemeinschaft mit der Stadt hat sie vermittelst einer Bruͤ- cke. Ihre Groͤße ist unbetraͤchtlich; sie hat etwa 600 Fuß in die Laͤnge und 240 in die Breite. Rund umher ist sie mit einer Planke eingeschlossen. Sie hat zwey Tho- re, eins nach der Stadt bey der Bruͤcke, das andre nach der See. Dies letztere wird nur an solchen Tagen geoͤff- net, da das Schiff geloͤscht oder geladen wird; das erste- re wird am Tage stets von einer Anzahl Japaner bewacht, und des Nachts zugeschlossen. Zugleich steht ein Wach- haus dabey, worin die Ein- und Ausgehenden visitirt werden. Laͤngs am Strande sind zu beyden Seiten ver- schiedne Packhaͤuser und Krankenhaͤuser fuͤr die Compa- gnie, und mehrere Haͤuser zur Wohnung fuͤr ihre Bedien- ten angelegt. Diese sind zwey Stockwerke hoch, wovon nur das obere bewohnt, das untre aber zu Buden, Staͤl- len und statt andrer Nebengebaͤude gebraucht wird. Zwi- schen diesen Haͤusern laufen zwey Gassen hin, die sich in der Mitte durchkreutzen. Außer den großen feuerfreyen Packhaͤusern sind die Gebaͤude alle von Fachwerk mit Lehm, mit Ziegeln gedeckt, und nach Landessitte mit pa- piernen Fenstern, und Strohmatten auf dem Fußboden versehen. In neuern Zeiten haben einige von Batavia entweder kleine Glasfenster oder einzelne Fensterscheiben mitgebracht, um ihren Zimmern mehr Licht zu geben, und Aussicht zu bekommen. In der Naͤhe des Wasserthors stehen allerhand Geraͤthschaften zum Feuerloͤschen bereit. Am andern Ende ist ein Lust- und Kuͤchengarten, und ein, zwey Stockwerke hohes, ansehnliches Lusthaus befindlich. Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. Zur steten und genauen Aufsicht auf die Hollaͤnder sind verschiedne Beamte, Dolmetscher und Leute zur Wache bestellt. In drey Ecken stehen Wachhaͤuser, worin roaͤh- rend der Zeit, da die Schiffe auf der Rhede liegen, Wa- che gehalten wird; nach ihrer Abreise wird bloß eins da- von gebraucht. Die Wache geht wie eine Nachtwache, nicht nur bey Nachtzeit, sondern auch am Tage, ver- schiedne Mahl auf der Insel herum. Die Dolmetscher haben ein ansehnliches Haus, das ihr Collegium genannt wird, und wo die Handelszeit uͤber, eine betraͤchtliche An- zahl, aber wenn keine Schiffe da sind, einer oder zwey, taͤglich sich aufhalten, die alle vier und zwanzig Stunden von andern ordentlich abgeloͤset werden, welches gemeinig- lich Nachmittags geschieht, damit die Abgehenden vor Abend zu Hause kommen koͤnnen. Ein andres Haus ist fuͤr die Ottona (der Nahme sagt ungefaͤhr so viel als Rapportir-Buͤrgermeister), deren sich, so lange die Han- delszeit waͤhrt, mehrere hier versammeln, außerdem aber nur einer oder zwey da sind. Sie werden, wie die Dol- metscher, abgeloͤset; sie haben die Aufsicht auf alles, was auf der Insel vorgeht, und muͤssen dem Gouverneur Be- richt davon abstatten. In dem kleinen Bezirke dieser In- sel muͤssen uͤbrigens die Hollaͤnder ihre Zeit zubringen: ei- ne Einschraͤnkung, die denen, welche das Jahr uͤber hier bleiben, nicht wenig laͤstig ist. Um die Stadt her auf den Anhoͤhen und an den schoͤn- sten Stellen stehen Tempel in großer Menge. Bey den Doͤrfern und Hoͤfen in der Nachbarschaft der Stadt fin- det man meist auf den Anhoͤhen und am Wege eine große Menge in die Hoͤhe stehender Grabsteine von allerhand Ge- stalten. Man sagte mir, jedem Verstorbenen werde ein sol- cher Leichenstein errichtet. Vor diesen Steinen fand ich oft ein oder zwey dicke Bamboroͤhre hingesetzt, die mit Wasser, Erste Abtheilung. laub oder Blumen angefuͤllt waren. Die Steine sind zum Theil roh, sehr haͤufig aber mit Kunst gehauen, theils mit, theils ohne Inschrift, diese letztern auf eini- gen vergoldet, auf andern nicht. Der vielen in die Hoͤhe ragenden Grabsteine wegen kann man diese Begraͤbniß- plaͤtze oft in sehr weiter Entfernung sehen. — An den Wegen traf ich auch hie und da große ausgegrabene Loͤcher an, worin der Landmann den Urin und den Unrath des Viehes sammelt. Dergleichen sammelt man hier mit vie- ler Sorgfalt, um hernach den Acker damit zu duͤngen, verursacht aber dadurch den Vorbeypassirenden einen haͤß- lichen und nicht selten unausstehlichen Gestank. In den Gaͤrten in und vor der Stadt fand ich verschiedne Europaͤische Kuͤchengewaͤchse, die man hier bauet, und wovon ich bereits einen Theil an Bord des Hollaͤndischen Schiffes und nach der Factorey hatte brin- gen sehen: rothe Ruͤben, die hier roͤther sind, als ich sie irgend sonst außer Europa gesehen habe; Moͤhren oder gelbe Wurzeln; Fenchel, Dill, A ni s, Petersilie; Spar- gel; verschiedne Sorten Zwiebeln, als Porre, Zipollen; Ruͤben; Lactue, Cichorien, Endivien, und mehrere andre. Da Amtsgeschaͤffte fuͤr mich sehr selten vorfielen, brachte ich meine Zeit mit Sammlung, Untersuchung und Aufbewahrung von Insekten und Gewaͤchsen, in dem Umgange mit den Dolmetschern, und, als ich erst Er- laubniß dazu hatte, mit Botanisiren zu. Die Dolmet- scher nahmen bey mir Unterricht in verschiednen Wissen- schaften, besonders in der Kraͤuterkunde und der Arzney- kunst. Mir machte diese Beschaͤfftigung Vergnuͤgen, und sie bewiesen sich als wißbegierige und gelehrige Schuͤler. Verschiedne von ihnen hatten unter meiner Anfuͤhrung eine ausgebreitete und eintraͤgliche Praxis in der Stadt. Eini- ge brachten mir verschiedne schoͤne, seltne, mir bis dahin ganz Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. ganz unbekannte, und diesem Lande eigne Gewaͤchse, die sie theils selbst gesammelt, theils durch ihre Freunde aus den inneren Provinzen bekommen hatten. Zugleich ver- schaffte ich mir durch ihre Huͤlfe allmaͤhlig zuverlaͤssige Nachrichten, die Regierung, Religion, Sprache, Sit- ten, Haushaltung des Volks und dergleichen betreffend. Auch erhielt ich durch sie unterschiedliche Buͤcher und an- dre Seltenheiten. Im October und November herrschten so wohl auf dem Schiffe, als zu Nangasaki Diarrhoͤen mit starkem Stuhlgangszwang ( Tenesmus ). Unter dem Schiffs- volke entstand diese Krankheit von der starken Tageshitze und naͤchtlichen Kaͤlte. In der Stadt kam noch eine Ursache hinzu, naͤmlich das haͤufige Essen der Persimone oder Kaki ( Diospyros Kaki ), die um diese Jahrszeit reif ist und verkauft wird, angenehm schmeckt und mit gelben Pflaumen Aehnlichkeit hat. Nicht lange nach meiner Ankunft betraf mich ein unvermutheter Unfall, der anfangs von keiner Bedeu- tung zu seyn schien, aber doch viel Laͤrm, und mir viel Verdruß verursachte. Da zu Batavia meine Umstaͤnde mir nicht erlaubt hatten, mir einen eignen Sklaven zu kaufen, und nach Japan mitzunehmen, war einer von den Supercargeuren so gefaͤllig, mir einen von seinen Sklaven so lange zu leihen, bis er uͤbers Jahr wieder hie- her kommen wuͤrde. Dieser Kerl, welcher zu Batavia eine Frau zuruͤck gelassen, und sich bis jetzt mit der Hoff- nung geschmeichelt hatte, dies Jahr zu Hause zu reisen, und die Seinigen zu sehen, wurde hieruͤber sehr mißver- gnuͤgt und zuletzt milzsuͤchtig. Endlich fiel ihm ein sich zu verstecken, und er verschwand, ohne daß jemand wußte, wo er geblieben waͤre, oder was ihn dazu angetrieben ha- ben moͤchte. Anfangs ließen wir ihm durch die andern Thunbergs Reise 2. Bandes 1. Theil. C Erste Abtheilung. Sklaven nachsuchen, aber wir konnten ihn nicht auffin- den. Am folgenden Tage spuͤrten die Dolmetscher und die uͤbrigen auf der Insel befindlichen Japaner selbst ihm noch genauer nach, aber auch vergeblich. Am dritten Tage kam endlich auf Befehl des Gouverneurs aus der Stadt eine große Menge Dolmetscher, Ober- und Un- ter-Banjosen, nebst vielen andern Leuten, um noch ge- nauere Nachsuchung anzustellen. Auch diese fanden ihn nicht eher, als gegen Abend, und zwar in einem alten Packhause. Haͤtte man ihn heute noch nicht angetroffen, so waͤre am folgenden Tage auf Befehl des Statthalters noch strengere Visitation uͤber die ganze Insel und in allen Zimmern der Haͤuser angestellt worden. Waͤre auch dies umsonst gewesen, so wuͤrde uͤber das ganze Land der Be- fehl ergangen seyn, den Entlaufnen aufzusuchen, und die Sache haͤtte nach Hofe muͤssen berichtet werden. Von einem so geringen Vorfalle machen die Japaner gewalti- ges Aufheben, aus Furcht, es moͤchte sich jemand ins Land einschleichen, welches doch kaum auf irgend eine Art moͤglich ist. Der Sklave wurde hernach mit Stockschlaͤ- gen bestraft und in Ketten geschlossen, und damit war der ganze große Laͤrm zu Ende. Den 24. October wurde das Hollaͤndische Schiff von der Stadt nach dem so genannten Papenberge ge- bracht. Hier sollte es vor Anker liegen und den ruͤckstaͤn- digen Theil der Ladung einnehmen. Meine Obliegenheit brachte es mit sich, mitzugehen und an Bord zu bleiben, bis mein Vorgaͤnger, der hernach mit diesem Schiffe nach Batavia gehen sollte, mich abloͤsen wuͤrde. Es wird naͤmlich, einige Tage nachdem das Schiff bey seiner Ankunft im Hafen sich vor Anker gelegt hat, vom Statt- halter der Tag fest gesetzt, da es wieder absegeln soll. Die- ser Befehl muß schlechterdings befolgt werden, und wenn Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. der Wind auch noch so stark, oder gar Sturm ist, muß das Schiff dennoch ohne Einwendung hinaus. Wir hatten heute auch in der That widrigen Wind, der so heftig wehete, daß das Schiff mit mehr als hundert gro- ßen und kleinen Boͤten hinaus bogsirt werden mußte. Alle diese, in verschiedne lange Reihen gestellten, kleinen Fahr- zeuge, die ein ungeheuer großes Schiff durch Huͤlfe lan- ger Taue fortschleppten, gaben einen gar sonderbar auf- fallenden Anblick; lustig war dabey das aufmunternde Freudengeschrey der mehreren hundert Japaner, die jene Boͤte ruderten. Ehe das Schiff die Rhede verlaͤßt, wird das zu An- fange ihm abgenommene Schießpulver, Gewehr und Buͤcherkasten wieder ausgeliefert. Auch werden die Kran- ken aus dem Hospitale vorher aufs Schiff gebracht. Mitt- lerweile das Schiff aussegelt, werden die Kanonen geloͤset, um die Stadt und die Factorey, und hernach die beyden Kaiserlichen Wachen zu salutiren. Unter dem Papenberge liegen auch die Chinesischen Fahrzeuge vor Anker, nachdem sie einen Theil ihrer La- dung eingenommen haben, bis sie mit gutem Winde ab- segeln koͤnnen. Waͤhrend der Zeit nun, da das Schiff hier liegen blieb, wurde der uͤbrige Theil des Kupfers und des Kam- pfers, wie auch die den Privat-Personen gehoͤrigen Waa- ren und andere Sachen umgeladen. Dies geschieht aber nur einen Tag um den andern. Alsdann muͤssen so wohl die Japanischen Beamten als die Dolmerscher diesen, eine ganze Meile langen Weg zu Wasser machen, um auf dem Schiffe zugegen zu seyn. Hier wird auch das, was das Schiff auf der Ruͤckreise gebraucht, besonders Was- ser in Menge, eingenommen. Wachschiffe liegen auch hier, um auf die Hollaͤnder ein Auge zu haben; groͤßten- C 2 Erste Abtheilung. theils aber doch in ziemlicher Entfernung. Und da in dieser Gegend verschiedne große und kleine Inseln liegen, so duͤrfen die Hollaͤnder, ohne von den Japanern daran gehindert zu werden, mit ihrer Schaluppe, die sie nun- mehr auch wieder bekommen haben, sich zu ihrem Ver- gnuͤgen mit denselben hinrudern lassen. Verweilen sie aber lange daselbst, besonders auf den großen unter diesen Inseln, die bewohnt sind, so kommen Wachschiffe nach, jedoch ohne daß die darauf befindlichen Beamten, die alsdann den Hollaͤndern nur Gesellschaft leisten, sie im geringsten hindern, umher zu gehen. Kommt man auf solchen Spatziergaͤngen zu einem Dorfe, (die Doͤrfer sind zum Theil sehr groß), so stroͤmt eine unglaubliche Menge Leute und Kinder herbey, die mit großem Ge- schrey die in ihren Augen gar sonderbaren Europaͤer be- schauen, und sich vorzuͤglich uͤber ihre großen runden Augen lustig machen, und daher allezeit Hollanda O-me rufen. Papenberg ist eine kleine Insel, die ganz bis an den Strand hin von einem spitzigen Berge bedeckt wird, der auf zwey Seiten so allmaͤhlig herab geht, daß man ihn da besteigen kann, welches gemeiniglich in Zeit einer Vier- telstunde geschieht. Auf den beyden andern Seiten ist er sehr steil. Die Insel soll ihren Nahmen davon bekommen haben, daß die Japaner damahls, als sie die Christen und Portugiesen verjagten, wie man erzaͤhlt, viele von den Portugiesischen Moͤnchen von diesem Berge ins Meer gestuͤrzt haben. Zur Seite von Papenberg liegt die Fi- scher-Insel , welche nur aus einem, wiewohl etwas laͤng- lich rundem Berge besteht, womit sie bis an den Strand bedeckt ist; sie ist wie jene ganz unbewohnt. Ich ermangelte nicht, so lange ich mich auf dem Schiffe aufhalten mußte, alle Gelegenheit zu benutzen, Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. auf diesen Inseln und Bergen zu botanisiren. Auch sam- melte ich wirklich diesen Herbst verschiedne Samen von selt- nen Kraͤutern, Straͤuchen und Baͤumen, die ich mit dem abgehenden Schiffe nach Batavia schickte, von da sie wei- ter nach Amsterdam befoͤrdert werden sollten. Unter den Gewaͤchsen, die ich hier antraf, bemerke ich folgende: Die Chinawurzel ( Smilax China ) waͤchst hier uͤberall in Menge. Dessen ungeachtet kaufen die Japaner jaͤhrlich fuͤr ansehnliche Summen eine große Quantitaͤt von den Chi- nesern. Die Wurzel wird in Decoct als ein blutreinigen- des Mittel, und in vielen Krankheiten, sehr haͤufig ge- braucht. Die Japanischen Dolmetscher freueten sich sehr, von mir zu hoͤren, daß dieses nuͤtzliche Gewaͤchs in ihrem eignen Lande waͤchst, welches sie bisher nicht gewußt hat- ten. — An den Steinhaufen und Mauern sah ich haͤufig so wohl zwerg- als hochstaͤmmige Feigenbaͤume ( Ficus pumila, erecta ) stehen, die zwischen den Steinen sich hindurch schlaͤngelten. Die Feigen werden gegessen, sind aber so klein als Pflaumen. — Die dreylappige Trichterwinde ( Ipomoea triloba ) waͤchst so wohl wild als gebauet. Die Wurzeln sind entweder weiß oder schwarz, die letztern werden als ein abfuͤhrendes Mittel gebraucht. — Der Pfefferstrauch ( Fagara piperita ) steht hier allenthalben. Die Beeren waren jetzt reif. So wohl die Blaͤtter als die Fruͤchte haben einen gewuͤrz- artigen Geschmack, hitzen sehr, und haben zugleich etwas unangenehmes. Die Huͤlse der Frucht, oder die Kapsel, treibt die Blaͤhungen und ist bisweilen wirksam gegen die Kolik. Nicht nur diese, sondern auch die Blaͤtter wer- den allgemein statt Pfeffers in den Suppen gebraucht. Die Blaͤtter allein, und mit Reißmehl zu einem Brey gestoßen, werden anstatt Spanischer Fliegen auf Ge- schwuͤre und Stellen, wo man rheumatische Glieder- Erste Abtheilung. schmerzen fuͤhlt, gelegt. — Die herzblaͤtterige Faͤrber- roͤthe ( Rubia cordata ), gebraucht der Landmann hier zum Faͤrben, eben wie die gemeine Faͤrberroͤthe ( Rubia tinctorum ). — Auch waͤchst hier eine Menge verschied- ner Arten Nesseln. Aus dem Samen der schneeweißen ( Urtica nivea ) preßt man Oehl. Nachdem ich verschiedne Monathe unter Papenberg mich am Bord aufhalten muͤssen, wurde ich endlich im Anfange des Novembers von dem bisherigen hiesigen Arzte abgeloͤset, der nunmehr nach Batavia zuruͤck gehen mußte, um mir, der ich die Absicht hatte, wenigstens ein Jahr hier zu bleiben, Platz zu machen. Gegen Neujahr kamen zu Nangasaki zwey Kauf- fahrteyschiffe ( Jonke ) von China an, welche verschiedne Japaner mitbrachten, die durch Sturm an die Chinesische Kuͤste getrieben waren. Diese Japaner wurden so gleich nach ihrem Geburtsorte gebracht; denn kein Japaner darf sich von seiner Heimath wegbegeben. Eben so hatte unser Chef vor einigen Jahren einen Japaner von Bata- via hieher gebracht, der beym Fischen auf der See vom Winde verschlagen war, und sich verschiedne Jahre außer seinem Vaterlande aufgehalten hatte. Endlich war er nach Batavia gekommen, ging wie ein Maleye gekleidet, und redete die Maleyische Sprache fertig. Am ersten Januar 1776 feyerten wir unsern Neu- jahrstag, und viele von den Japanern trugen dazu bey, ihn feyerlich zu machen. (Die Kaͤlte war sehr stark und empfindlich; Schnee lag gar nicht.) Gegen Mittag kamen nach Gewohnheit die meisten von denjenigen Japa- nern, welche mit dem Hollaͤndischen Handel irgend etwas zu thun haben, als Ober- und Unter-Banjosen, Ottonas, Ober- und Unter-Dolmetscher, Aufseher, Voͤgte und der- gleichen, nach der Factorey, um uns ein gluͤckliches Neu- Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. jahr zu wuͤnschen. Sie hatten ihre Feyerkleider an, leg- ten bey dem Chef einen feyerlichen Besuch ab, und wur- den hernach von ihm zum Mittagsessen gebethen. Das Essen war meistentheils auf Europaͤische Art zubereitet, daher waren der Gerichte wenige, wovon die Japaner kosteten. Indessen ging doch alles darauf. Von der Suppe aßen alle; von den andern Gerichten aber, als: gebratnen Ferkeln, Schinken, Salat, Kuchen, Tor- ten und anderm Backwerk, nahmen sie wenig oder nichts. Statt dessen wurde von jedem Gerichte ein Stuͤck auf ei- nen Teller gelegt, der, wenn er voll gepackt war, mit einem Blatte Papier, worauf der Nahme dessen, dem er gehoͤrte, geschrieben war, zugedeckt, und nach der Stadt geschickt wurde. Dies geschah mehreremahl nach einander. Gesalzenes Fleisch und dergleichen, das die Japaner nicht essen, heben sie auf und brauchen es als Medicin. Eben so machen sie es mit gesalzner Butter, wovon ich ihnen oft auf ihr Bitten etwas mittheilte; sie machen Pillen daraus, und geben davon den Schwindsuͤchtigen und andern Kranken taͤglich eine gewisse Anzahl. Nach der Mahlzeit wird mit warmen Sakki (dem bekannten von Reiß praͤparirten Getraͤnke) tractirt, das aus lackir- ten hoͤlzernen Tassen getrunken wird. Bey dieser frohen und festlichen Gelegenheit laͤßt der Chef auch verschiedene galante Maͤdchen aus der Stadt nach der Insel bitten, deren Bestimmung ist, theils den Sakki-Trank zu serviren, theils zu tanzen und den auf der Insel bereits befindlichen Maͤdchen Gesellschaft zu leisten. Diese tractirten auch nach Mittage die Japaner mit verschiednen Gerichten des Lan- des, die auf kleinen viereckigen Tischen standen, welche sie mit kuͤnstlichen Fichtenbaͤumen geschmuͤckt hatten, de- ren Blaͤtter von gruͤner Seide gemacht, und hie und da mit kleinen Zoͤpfen weißer Baumwolle, die Schnee vor- Erste Abtheilung. stellen sollten, bestreuet waren. Das Sakki bothen die Maͤdchen nie stehend, sondern nach Landessitte sitzend, an. Abends tanzten sie auf Japanische Art. Um fuͤnf Uhr nahmen die Gaͤste ihren Abschied. Dies war jedoch nicht das einzige Mahl, daß ich von den Toͤchtern des Landes welche zu sehen bekam. Denn da das weibliche Geschlecht bey den Japanern nicht einge- schlossen gehalten wird, war es mir sehr leicht, auf den Straßen in der Stadt und selbst in den Haͤusern sie in Augenschein zu nehmen. Den 20. Januar wurde Geld fuͤr Rechnung der Hollaͤnder ausgezahlt, und alle ihre Assignationen liqui- dirt, welches nur einmahl im ganzen Jahre geschieht. Zu diesem Ende fanden sich auf der Rent-Kammer in der Stadt Dolmetscher, Bediente, Kaufleute, Compradore und alle andre, die etwas zu fordern hatten, ein. Jeder, der Geld empfangen soll, muß selbst zugegen seyn, sonst wird nichts fuͤr ihn aus- gezahlt. Den 7. Februar wanderte ich zum ersten Mahl in der Gegend der Stadt umher, um zu botanisiren, nach- dem ich endlich so gluͤcklich gewesen war, vom Gouver- neur dazu die Erlaubniß zu erhalten. Mich begleiteten verschiedne Ober- und Unter-Dolmetscher, Ober- und Un- ter-Banjosen, Compradore, und eine große Menge Unter- bediente. Dies zahlreiche Gefolge hinderte mich zwar nicht, auf allen Bergen und Huͤgeln nach Herzenslust umher zu streifen; machte aber meine Excursionen sehr kostbar. Denn meine Schuldigkeit war, ihnen gegen Abend, wenn sie muͤde waren, in einem Wirthshause etwas vorsetzen zu lassen, wovon die Kosten jedesmahl sechszehn bis achtzehn Thaler betrugen. Dessen ungeachtet bediente ich mich woͤchentlich ein- oder zweymahl der be- Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. kommenen Freyheit, bis die Reise nach dem Hofe des Kaisers den Anfang nahm. Auf den Anhoͤhen vor der Stadt sah ich bey allen Doͤrfern ganze Strecken mit Bataten oder Erdaͤpfeln ( Convolvulus edulis ) bepflanzt, die locker und ange- nehm von Geschmack waren. Die Stauden lagen sammt den Stengeln und Blaͤttern an der Erde, und hatten keine einzige Blume. Diese Erdfrucht ist weit wohl- schmeckender und leichter zu verdauen, als die Kartoffeln, deren Bau man hier auch versucht hat, die aber nicht gut arten wollen. — Hin und wieder fand ich Wachholder ( luniperus communis ), der gewoͤhnlich im noͤrdlichen Europa zu Hause ist: indessen war er nur selten; mei- stens traf ich ihn nahe an den Tempeln. — Die Kal- muswurzel ( Acorus calamus ) waͤchst hier auch, und zwar an nassen Stellen, wild. Wegen ihres starken aromatischen Geschmacks sehen die Japaner sie zwar als ein kraͤftiges Heilmittel an, kennen aber doch ihren rech- ten und eigentlichen Nutzen nicht. — Ferner waͤchst hier eine Art Ingber ( Amomum Mioga ), wiewohl nur an einigen wenigen Stellen, und sehr sparsam, wild. Die Wurzel ist ziemlich heiß und scharf, und beynahe so gut, als der gewoͤhnliche Ingber, statt dessen er auch von den Einwohnern bisweilen gebraucht wird. — Epheu stand an mehrern Orten im schoͤnsten Gruͤn. An- fangs schien er mir von dem gewoͤhnlichen Europaͤischen unterschieden zu seyn, denn er hatte sehr haͤufig ganze und ungetheilte Blaͤtter. Hernach aber sah ich, daß er sich in Ansehung der Gestalt und Groͤße der Blaͤtter sehr ver- aͤnderte. — Buchsbaum ( Buxus virens ) ist nicht selten. Man trifft ihn so wohl wild als gepflanzt an. Von sei- nem feinen und schoͤnen Holze macht man Kaͤmme, die mit rothem Firniß uͤberzogen, und vom Frauenzimmer Erste Abtheilung. zum Schmuck in den Haaren getragen werden. — Das Bamborohr ( Arundo bambos ), diese einzige Grasart, die zu der Hoͤhe eines Baums hinan waͤchst, findet man an vielen Stellen, und von sehr ungleicher Hoͤhe und Dicke. Die Wurzel davon wird hier, so wie auf an- dern Indischen Inseln zu Atjar gebraucht, das heißt mit Essig eingemacht. Die dicken Staͤmme gebraucht man Lasten zu tragen, und die einzelnen Zweige zu Pinselstielen, und zerschnitten zu Faͤcherstaͤben und mancherley anderm Behufe. — In der Naͤhe einiger Hoͤfe und besonders bey den Tempeln, fand ich einen sonderbaren Busch, drey bis vier Ellen hoch, vom Geschlechte der Celaster ( Ce- lastrus alatus ), der laͤngs der Zweige hervor stehende, ab- gebrochne und zusammen geballte Kanten hat, und jetzt voll reifender Fruͤchte stand. Man erzaͤhlte mir, die Freyer bedienten sich der Zweige, um sie vor der Thuͤr desjenigen Hauses, wo sie sich eine Braut zu nehmen ge- daͤchten, zu befestigen. — Den bisamartigen Gaͤnsfuß ( Chonopodium scoparium ) gebrauchen hier zu Lande einige als ein Arzneymittel. — Die Rosenpappel ( Al- cea rosea ) und die Stockrose ( Malva mauritiana ) hat man hier ihrer großen schoͤnen Blumen wegen sehr haͤufig in den Gaͤrten. — Die Pfeffermuͤnze ( Mentha pipe- rita ) waͤchst an vielen Stellen wild. — Die krause Basilie ( Ocymum crispum ), welche noch die Huͤgel schmuͤckte, gebraucht man zu einem Thee ( Infusum ) gegen Erkaͤltungen und Fluͤsse. Das Kraut giebt gekocht einen rothen Decoct, womit die Japaner die Rettiche und Ruͤben zu faͤrben pflegen. — Von suͤßen Potatos ( Dios corea ) wachsen mehrere Arten wild. Ich bemerkte aber nicht, daß sie zur Nahrung gebraucht werden, au- ßer eine Gattung, die im Systeme die Japanische heißt, deren wohlschmeckende Wurzeln man in Scheiben schnei- Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. det und kocht. — Hanf waͤchst nicht nur wild, sondern man bauet ihn auch. — Von Spanischem Pfeffer traf ich zwey Arten, meistens gebauet, an. Die jaͤhrige Beißbeere ( Capsicum annuum ) ist die gewoͤhnlichste. Die Japaner selbst machen wenig Gebrauch davon, son- dern verkaufen sie gemeiniglich an die Sklaven auf der Factorey. Die andre ist das Capsicum grossum . Diese zieht man in Toͤpfen, hindert sie mit Gewalt, groß, und zwingt sie, ganz ungestalt zu werden: eine Gewohnheit, welche die Japaner, mehr als irgend ein andres Volk, bey vielen Gewaͤchsen lieben. — Tabak sah ich hie und da, aber nirgend große Pflanzungen davon. Dies Ge- waͤchs haben die Portugiesen zuerst hieher gebracht, und es ist fast das einzige, was man von ihnen im Lande noch aufzuweisen hat. Die Japaner haben keinen eignen Nah- men dafuͤr, sondern nennen es auch Tabaco. Sie rau- chen den Tabak aus sehr kleinen metallnen Pfeifen, und schneiden ihn so fein, als Haar. — Ein Thalkraut oder Zauken ( Convallaria laponica ), sah ich mit Frucht be- setzt. Die Knollen an den Wurzeln macht man mit Zu- cker ein, und so gebraucht, werden sie so wohl von den Chinesen, als den Japanern als ein herrliches Mittel in Krankheiten geruͤhmt. — Buchweitzen, so wohl den gemeinen ( Fagopyrum ), als den vielblumigen ( multi- florum ) trifft man in der Naͤhe der Hoͤfe und an hohen Stellen nicht selten an; den ersteren bauet man, der letztere waͤchst wild. Aus jenem bereitet man Mehl, woraus kleine Kuchen gemacht werden, die man gewoͤhn- lich faͤrbt und an geringe Leute verkauft. Die Wurzel des letzteren soll herzstaͤrkend seyn, und wird zu dem Ende ganz roh genossen; in Asche gebraten schmeckt sie barsch. — Große Gartenbohnen ( Vicia faba ), Erbsen ( Pisum fativum ), nebst einigen Arten Tuͤrkischer Bohnen, naͤm- Erste Abtheilung. lich die gemeine ( Phaseolus vulgaris ) und die gestrahlte ( radiatus ) traf ich bey den Bauern als allgemeine Gar- tengewaͤchse an, welche sie nicht nur nach der Stadt, sondern auch nach der Hollaͤndischen Factorey zu Kauf brachten. Das Leben, welches die Hollaͤnder auf ihrer Insel fuͤhren, ist hoͤchst einsam, langweilig und eingeschraͤnkt; nicht viel besser als buͤrgerlicher Arrest. Man denke sich vierzehn Europaͤer mit einigen Sklaven und Japanern, in den Bezirk der kleinen Insel eingeschlossen und nicht nur von der ganzen Christenheit, sondern vielmehr von der ganzen uͤbrigen Welt abgesondert! Ist nicht der Euro- paͤer, welcher hier zuruͤck bleibt, und ein Jahr aushalten muß, wie in einem Winkel der Erde begraben? Man erfaͤhrt hier weder Neues noch Altes, weder Gutes noch Boͤses; man bekommt weder Zeitungen noch Briefe. Die Seele kann nur eine ihrer Hauptkraͤfte gebrauchen: den Verstand; der Wille ist ganz unthaͤtig; denn fuͤr den Europaͤer giebt es keinen andern Willen, als den Willen der Japaner, der in allen Stuͤcken puͤnktlich be- folgt werden muß. Uebrigens ist die Lebensart der Europaͤer hier mei- stentheils dieselbe, als an andern Orten in Ostindien , uͤp- pig und unordentlich. Auch macht man hier, eben so als zu Batavia , jeden Abend Besuche, am oͤftersten beym Chef. Vorher pflegt man ein- oder zweymahl, die beyden Straßen auf und nieder, auf der Insel umher zu spatzieren. Die Abendbesuche waͤhren von sechs bis eilf oder zwoͤlf Uhr in der Nacht, und geben einen erbaͤrm- lichen Zeitvertreib; nur wer in die Tobakspfeife sein groͤß- tes Vergnuͤgen setzt, befindet sich wohl dabey. Zur Bedienung ihrer Person gebrauchen die Hol- laͤnder ihre mitgebrachten Sklaven. Zu allen andern Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. Diensten fuͤr sie aber sind Japaner bestellt, als Compra- dore, oder Schaffer von verschiedner Art, welche die Eßwaaren und was sonst in der Haushaltung gebraucht wird, herbey schaffen; Koͤche, die das Essen auf Hollaͤn- dische Weise zurichten; und Bediente, die zwar gebohrne Japaner und dabey keine Dolmerscher sind, aber doch das Hollaͤndische sprechen gelernt haben: von diesen letzteren bekommt der Chef vier, der Secretair einen und der Doctor einen, welche zusammen die Reise nach Hofe ma- chen. Hat man Handwerksleute aus der Stadt noͤthig, so bekommen diese vom Gouverneur Erlaubniß nach der Insel zu kommen. Die Hollaͤnder essen hier, so wie zu Batavia , viel Reiß, es wird aber doch zu ihrem Gebrauche in der Stadt Weitzenbrot gebacken, und taͤglich frisch nach der Insel gebracht. Fischspeisen essen die Hollaͤnder hier haͤufig. Einige von den Fischen, die auf unsern Tisch kamen, schienen mir merkwuͤrdig, Unter andern: ein Fisch aus dem Ge- schlechte der Umberfische ( Sciaena ), dessen Bauchflossen aus einer dicken, mit vielen Graͤten versehenen Zacke be- stehen, und dessen Haut sehr hart und knochenartig ist; die Haut wird abgezogen, und der Fisch gekocht: er hat festes und wohlschmeckendes Fleisch; wie auch huͤbsch aussehende Barsche mit sieben schmalen Strichen. — Auch isset man hier eine sehr große und dabey sehr laͤng- liche Art Austern, die hier zu Lande fallende Austern heißen, weil sie nicht wie andre an den Klippen fest sitzen. Sie schmecken gut; weil sie aber so groß sind, werden sie meistens gekocht oder gestobt, und mit etwas Bruͤhe gegessen. — Ferner bereitet man hier etwas, das sich mit Kaviar vergleichen laͤßt, auch, wie dieser, roh geges- sen wird. Es sieht wie ein Stuͤck Kaͤse aus. Ich hielt Erste Abtheilung. es fuͤr Fischrogen, den man eingesalzen, etwas gepreßt und hernach gedoͤrret hatte. — Vor der Seeflasche ( Tetrodon hispidus ) muß man sich hier in Acht neh- men. Er ist so giftig, daß er denen, welche davon essen, nicht selten den Tod zuzieht. Die Japaner haben ihm deswegen auch einen Nahmen gegeben, welcher so viel sagt, als dieser Fisch mache Norden dem Menschen zum Kopf- kissen, weil unter ihnen der Gebrauch allgemein ist, daß, wenn jemand mit dem Tode ringt, der Kopf allezeit nach Norden gekehrt seyn muß. Die Officiere, naͤmlich der Secretair, der Doctor und die Assistenten bewohnen jeder zwey oder drey schoͤne Zimmer, und zwar umsonst, außer daß sie Tapeten, Meublen und Hausgeraͤth selbst anschaffen muͤssen. In den Packhaͤusern haben sie ihre Sachen liegen. Die Of- ficiere speisen auch Mittags und Abends unentgeldlich beym Chef am Tische der Compagnie. Ihre gewoͤhnlichen Ausgaben betragen daher wenig, wenn sie nicht unter einander oft kostbare Gesellschaften halten und zu Abend tractiren, oder auch Geld an das schoͤne Geschlecht wenden. Hiezu hat man hier so viele und bequeme Gelegen- heit, als irgendwo in Europa . In den meisten Japani- schen Staͤdten sind in einer gewissen Straße mehrere Wei- berhaͤuser eingerichtet. Nangasaki ist hievon nicht aus- genommen. Selbst die Hollaͤnder und Chineser koͤnnen Antheil an diesen Anstalten nehmen. Wuͤnscht man sich in seiner Einsamkeit weibliche Gesellschaft, so giebt man es einem gewissen Manne zu erkennen, der zu diesem Ende alle Tage auf die Insel kommt. Gegen Abend schafft dieser ein Maͤdchen her, die eine kleine Aufwaͤrterin bey sich hat, welche Kabro heißt, und taͤglich aus der Stadt alles hohlt, was ihre Herrschaft zum Essen und Trinken Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. gebraucht, auch das Essen und das Theewasser fuͤr sie kocht, alles rein haͤlt und Gewerbe bestellt. Eine solche Gesellschaft muß man wenigstens drey Tage behalten; man kann sie aber auch laͤnger behalten, so lange man will, waͤre es auch ein oder mehrere Jahre. Auch hat man Freyheit, uͤber kurz oder lang zu tauschen. Allein jeden Tag muß das Maͤdchen, wenn sie laͤnger als drey Tage bleibt, sich am Stadtthore zeigen und den Banjo- sen melden, ob sie laͤnger bleibt, oder nicht. Fuͤr jeden Tag werden acht Mas an den Herrn des Maͤdchens be- zahlt; sie selbst aber muß nicht nur in allem frey gehalten werden, sondern man muß sie auch bisweilen mit seidnen Kleidern, Guͤrteln, Kopfputz und dergleichen beschenken. Merkwuͤrdig ist es, daß selten eins dieser Maͤdchen von einem Europaͤer ein Kind bekommt. Geschieht es, so wird, (wenn es anders wahr ist, was man hier glaubt), zumahl wenn es ein Knabe ist, ums Leben gebracht. Andre haben mich dagegen versichern wollen, daß man solche Kinder genau bewache, bis sie funfzehn Jahr alt sind, und alsdann mit den Hollaͤndischen Schiffen nach Batavia schicke. Ich kann indessen nicht glauben, daß zu dem ersteren die Japaner unmenschlich genug seyn sollten; und von dem letzteren hat man kein Exempel. In der Mitte des Octobers wurde es auf unsrer Insel schon empfindlich kalt, besonders ruͤhrte dies von den starken Ost- und Nord-Winden her, die jetzt weheten. Wir fingen daher nun auch schon an einzuheitzen. Dies hilft aber nicht sehr viel, weil weder Thuͤren noch Fenster recht dicht sind. Das Einheitzen selbst verrichteten wir mit Kohlen, die aus der Stadt gehohlt, und in einem großen kupfernen Topfe mit breitem Rande mitten ins Zimmer gestellt wurden. Dies muß aber oft wiederhohlt Erste Abtheilung. werden, weil das Zimmer dadurch jedesmahl nur auf ei- nige Stunden warm wird. Nun ist noch uͤbrig, von dem hiesigen Handel der Hollaͤnder und Chineser einige Nachricht zu geben. Die Hollaͤnder und Chineser sind bekanntlich die einzigen Voͤl- ker des Erdbodens, die Erlaubniß haben, mit ihren Schiffen hieher zu kommen, und hier Handlung zu treiben. Die Portugiesen, welche die ersten Entdeckungen in Ostindien gemacht haben, waren es auch, welche die Ja- panischen Inseln entdeckten, und zwar durch einen Zufall, als sie ums Jahr 1542 durch Sturm an die Kuͤsten ver- schlagen waren. Sie wurden wohl aufgenommen, und trieben hier beynahe hundert Jahr lang den eintraͤglichsten Handel. Als Portugal und Spanien hernach unter ei- nem Regenten vereinigt waren, nahmen die Spanier Theil daran. Auch die Englaͤnder handelten einige Zeit hieher. Endlich wurden die Hollaͤnder zufolge eines schrift- lichen Tractats mit dem Kaiser im Jahr 1601 ausschließ- lich die Besitzer des so sehr bereichernden Japanischen Han- dels, der anfangs noch sehr ergiebig fuͤr sie war, hernach aber von Zeit zu Zeit eingeschraͤnkt und wenig eintraͤglich wurde. In den ersten Zeiten hatten sie ungleich mehr Freyheit als jetzt. Sie durften mit ihren Schiffen in den Hafen Finandos einlaufen, mehrere Schiffe, oft fuͤnf, bisweilen so gar sieben, hieher schicken, und eine Menge Silber, Gold und andre Waaren ausfuͤhren, deren Aus- fuhr jetzt gaͤnzlich verbothen ist. Auch war keine gewisse Summe fest gesetzt, uͤber die ihr jaͤhrlicher Handel nicht hinaus gehn durfte, sondern sie hatten darin unbegraͤnzte Freyheit. Endlich wurde ihnen im Jahr 1641 befohlen, ihre Factorey auf der Insel Dezima , bey der Stadt Nan- gasaki anzulegen; eine gewisse Summe wurde bestimmt, uͤber Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. uͤber welche der Belauf ihres jaͤhrlichen Handels nicht stei- gen sollte; und nur drey Schiffen jedes Jahr sollte ver- stattet seyn, hieher zu kommen. Im Anfange des jetzi- gen Jahrhunderts wurde diese Zahl gar auf drey herun- ter gesetzt. Ueberhaupt ist seitdem die Freyheit der Hol- laͤnder und die Anzahl ihrer Handelswaaren allmaͤhlig mehr und mehr vermindert, so daß man jetzt nicht mehr als ein Paar Millionen Gulden in dem hiesigen Handel anwendet, da vorher gewoͤhnlich fuͤr mehrere Millionen umgesetzt wurde. Im Jahr 1685 kam, nachdem die Flotte mit einer reichen Ladung im Hafen eingelaufen war, vom Hofe der strengste Kaiserliche Befehl, daß die Hollaͤnder zwar, der ihnen gegebnen Erlaubniß zufol- ge, alle und jede Waaren, nach Belieben, und in so großer Menge als sie wollten, nach der Factorey einbrin- gen duͤrften, daß aber von nun an jaͤhrlich fuͤr nicht mehr als drey hundert tausend Thails oder Thaler verkauft, sondern der Ueberrest bis zum folgenden Jahre aufbe- wahrt werden sollte. Dies war ein sehr empfindlicher Stoß fuͤr ihren Handel. Außerdem aber ersann ein den Hollaͤndern eben nicht guͤnstiger Gouverneur noch zwey andre Mittel, den Gewinn, welchen sie von ihren Waa- ren haben konnten, noch mehr zu vermindern, einen Theil davon den Beamten der Stadt zufließen zu lassen, und den Einwohnern selbst auch einen sehr ansehnlichen Vortheil zuzuwenden. Der eine Kunstgriff bestand dar- in, daß die Kaufleute, welche Hollaͤndische Waaren kauften, davon, ehe sie sie wieder verkauften, gewisse Prozente, funfzehn und daruͤber, als eine Abgabe an die Stadt entrichten sollten. Dies Geld heißt Fannagin (Blumengeld) und wird unter die Magistrats-Personen und Buͤrger vertheilt. Weil nun diese Abgabe hernach auf die Waaren geschlagen werden mußte, so war die Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. D Erste Abtheilung. natuͤrliche Folge, daß die Japanischen Kaufleute nicht mehr so viel als sonst dafuͤr bezahlten, und die Hollaͤn- der einen betraͤchtlichen Verlust erlitten. Der andre war der, daß der Werth des Geldes fuͤr die Hollaͤnder erhoͤhet wurde, so daß ein Kobang, der sonst im Lande allgemein 60 Mas gilt, ihnen zu 68 berechnet wurde. Dadurch verlohren sie auf jeden Kobang 8 Mas, und dieser Verlust wurde ein bedeutender Gewinn fuͤr die Stadt, ihre Einwohner und einige ihrer Beamten. Wenn also die Compagnie das Recht hatte, fuͤr 300000 Thail von ihren Waaren zu verkaufen, so bekam sie in der That nicht mehr als den Werth von 260000 Thail dafuͤr. Die fehlenden 40000 Thail wurden daher den Particuliers, welche bisher ebenfalls ihre Waaren in beliebiger Quantitaͤt und zu dem moͤglichst hohen Prei- se hatten verkaufen duͤrfen, zugelegt; so daß diese Sum- me unter die Chefs, Kaufleute, Schiffs Capitaine, Assistenten und andre vertheilt wurde. Auch fuͤr die Particuliers war der Japanische Handel vor diesem viel eintraͤglicher als nun. Er brachte ihnen so viel ein, daß man nur vorzuͤgliche Guͤnstlinge als Chefs hieher schickte; und wenn ein Chef zwey Reisen hieher gemacht hatte, hielt man ihn fuͤr so reich, daß er von seinen Kapitalien leben koͤnne, und einem andern Platz machen muͤsse. Nunmehr kann ein Chef die Reise verschiedne Mahl ma- chen; sein Gluͤck ist doch nicht mehr beneidenswerth, und seinen Gewinn schaͤtzt man sehr geringe. Jetzt schicken die Hollaͤnder jedes Jahr nicht mehr als zwey Schiffe hieher, die zu Batavia im Junius aus- geruͤstet werden, und gegen Ende des Jahrs dahin zu- ruͤck kommen. Kupfer und roher Kampfer sind die vor- nehmsten Handelswaaren, welche die Compagnie hier auf- kauft und ausfuͤhrt. Das Kupfer betraͤgt den groͤßten Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. Theil. Es wird fuͤr besser, goldhaltiger und feiner, als alles andre Kupfer gehalten. Die Hollaͤnder verkaufen es meistentheils auf der Kuͤste Koromandel, und zwar mit gutem Vortheile. Es ist allezeit in Stangen oder Staͤben, die einen halben Fuß lang und einen Finger dick, auf der einen Seite flach, auf der andern rund erhaben sind, und eine schoͤne glaͤnzende Farbe haben. Jeder wiegt ungefaͤhr ⅓ Pfund. Diese Staͤbe werden in bre- terne Kisten, jede zu einem Pickel oder 125 Pfund, ge- packt, und jede Schiffsladung besteht aus 6 bis 7000 solcher Kisten. Naͤchst Kupfer wird auch roher Kampfer in Menge ausgefuͤhrt; man packt ihn in hoͤlzerne Faͤsser. Das uͤbrige besteht in großen seidnen Schlafroͤcken, die mit seidnen Watten unterlegt sind, etwas wenigem Por- cellan, Soja, eingemachten Fruͤchten und dergleichen. Das Kupfer wird aus entlegnen Gegenden des Landes hieher gebracht, und in einem besondern Packhause ver- wahrt. So bald ein Theil der Ladung des Schiffes ge- loͤschet ist, wird mit Einschiffung des Kupfers angefan- gen. Es wird alsdann in Gegenwart Japanischer Be- amter und Dolmetscher, und Hollaͤndischer Supercar- geure und Assistenten gewogen, und in den oben beschrieb- nen Kisten von Japanischen Knechten ( Kuli ) nach der Bruͤcke getragen, von da es weiter an Bord geschafft wird. Beym Tragen gehen allezeit einige Matrosen mit, die darnach sehen muͤssen, daß die Traͤger unterweges nichts stehlen; denn das thun sie, wenn sie koͤnnen, so viel lieber, da sie das gestohlne Kupfer an die Chineser verkaufen koͤnnen, welche es besser, als die Hollaͤnder bezahlen. Das Porcellan wird in Stroh gepackt, und zwar so gut und fest, daß auf der Reise selten etwas da- von beschaͤdigt wird. Bekanntlich ist dies Porcellan gar nicht schoͤn, sondern plump und dick, und die Mahlerey D 2 Erste Abtheilung. taugt vollends nicht. In diesen Stuͤcken kommt es also mit dem Chinesischen, das von Canton gebracht wird, sehr uͤberein, es hat aber doch den Vorzug vor diesem, daß es von der Hitze, so gar von gluͤhenden Kohlen, nicht leicht springt. — Folgende Sachen duͤrfen, einem sehr strengen Verbothe gemaͤß, gar nicht, weder von Privat- Personen, noch von der Compagnie, ausgefuͤhrt werden: Japanisches Geld, Japanische Landkarten und Risse von Staͤdten, und Japanische Buͤcher, besonders solche, die Nachrichten vom Lande und dessen Regierung enthalten; ferner alle Arten von Waffen und Gewehr, insonderheit aber ihre vortrefflichen Saͤbel, die an Guͤte und Staͤrke, so wie an Werth, alle Saͤbel, die sonst irgendwo verfer- tigt werden, uͤbertreffen. — Die Waaren, welche dies Jahr von Particuliers gekauft und mitgenommen wurden, bestanden meistens in großen braunen irdenen Kruken, worin sich das Wasser gut haͤlt; Soja in ir- denen Gefaͤßen; Sakki; Faͤchern; Japanischen seidnen weiten oder Schlafroͤcken; lackirter Arbeit von verschied- ner Art; grobem und feinem gemahlten und weißen Porcellan; schmalen seidnen Zeugen und Sowas-Arbeit; auch feinem, in papiernen Paketen pfundweis eingepack- tem, Reiß. Unter den Waaren, welche die Officiere dies Jahr zum Verkauf nach Japan brachten, war besonders Kam- pfer, feines Rohr, Schildkroͤten-Schalen, Hoͤrner von Einhornfischen ( Monodon monoceros ) oder so genanntes Einhorn ( Unicornu verum ), Glaswerk, große und klei- ne Taschenuhren, Chitze, Safran, Theriak, Lakritz, Ninsiwurzel, und Nuͤrnberger Arbeit, als Spiegel und dergleichen. Auch hatten sie Hollaͤndische Buͤcher aus verschiednen Wissenschaften mitgebracht; diese wurden aber nicht so wohl in der gewoͤhnlichen Auction verkauft, Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. als vielmehr mit ansehnlichem Gewinn an die Dolmet- scher gegen andre Sachen vertauscht. Wenn alle von den Hollaͤndern mitgebrachte, so wohl der Compagnie, als Privat-Personen gehoͤrige Waaren visitirt, und nach den Packhaͤusern gebracht sind, und dem Kaufleuten im Lande Nachricht davon ge- geben ist, so wird mit dem Verkauf derselben der Anfang gemacht. Vor diesem wurden die Waaren in oͤffentli- cher Auction verkauft. Jetzt geschieht es auf folgende Art: Die Kaufleute besehen im Hause des Gouverneurs zu Nangasaki Proben von allen Waaren, und thun dar- auf ihr Geboth, so wohl in Ansehung der Quantitaͤt, die sie haben wollen, als des Preises. Hernach kommen sie selbst oder ihre Commissionaire nach der Insel, um sie mehrere Tage hindurch in den Packhaͤusern noch genauer in Augenschein zu nehmen. Darauf zeigen gewisse dazu ernannte Commissarien den Hollaͤndern ohne zu fragen, was sie fuͤr ihre Waaren begehren, an, wie viel sie fuͤr jede Sorte geben wollen. Das erste Geboth pflegt sehr geringe zu seyn: kann es nicht angenommen werden, so wird zum zweyten Mahl etwas mehr gebothen. Wird auch dieses geweigert, so biethen sie zum dritten Mahl. Ist der Verkaͤufer hiemit noch nicht zufrieden, so wird gefragt, was er fuͤr seine Waare verlangt. Dieser pflegt alsdann vorzuschlagen, damit die Kaͤufer noch etwas ab- dingen koͤnnen. Ist es nun den Japanern darum zu thun, so wird gemeiniglich von ihnen noch etwas zugelegt, und von jenem etwas abgelassen. Wenn nicht, so wird die Waare entweder bis zum folgenden Jahre aufbe- wahrt, oder nach Batavia zuruͤck genommen. Die Japaner biethen allezeit nach Mas und nicht nach Kat- je, zum Exempel fuͤr ein Mas Einhorn acht Mas Sil- ber, und dergleichen. Nach geschloßnem Handel wer- Erste Abtheilung. den die Waaren gewogen und nach der Stadt gebracht, wo jene Aufkaͤufer sie an die Kaufleute im Lande theuer wieder verkaufen. Dieser oͤffentliche Verkauf heißt Kambang, welches ungefaͤhr so viel als bey uns Markt bedeutet. — Einhorn wurde dies Jahr auf dem Kambang ziem- lich theuer verkauft. Vor diesem wurde es gewoͤhnlich heimlich herein gebracht, und mit unglaublichem Vortheil abgesetzt. Die Japaner haben eine uͤbertriebne Mei- nung von dem medicinischen Nutzen desselben in Verlaͤn- gerung des Lebens, Staͤrkung der Lebensgeister und des Gedaͤchtnisses, und Heilung aller Kraͤmpfe. Dieser Handelszweig ist den Hollaͤndern erst vor einiger Zeit, und zwar durch einen Zufall bekannt geworden. Ein nach Europa zuruͤck gegangner Chef des hiesigen Handels schick- te einem seiner Freunde unter den Dolmetschern nebst an- dern Seltenheiten ein großes und schoͤn gewundnes Groͤn- laͤndisches Einhorn, und dieser Mann wurde durch den Verkauf desselben ein ungemein reicher Mann. Seit dieser Zeit haben die Hollaͤnder aus Europa alles nur aufzutreibende Einhorn verschrieben, und in Japan sehr viel darauf gewonnen. Im Anfange wurde jedes Katje oder 5/4 Pfund fuͤr 100 Kobang oder 600 Thaler ver- kauft, hernach ist der Preis allmaͤhlig bis 70, 50 und 30 Kobang gefallen. Da dies Jahr der weite Rock des Capitains abgelegt werden mußte, und nicht heimlich eingebracht werden konnte, sah man sich genoͤthigt, alles auf dem Kambang zu verkaufen, da jedes Katje zu 136 Thaler angebracht wurde, 1 Mas Japanisches Sil- ber fuͤr 8 Mas und 5 Coederyn Einhorn gerechnet. Konn- te man auf dem Schiffe ein oder andres Einhorn heim- lich verkaufen, so wurde es mit 15 bis 16 Kobana be- zahlt. Die 37 Katje, 4 Thail und 6 Mas Einhorn, die Reise von Batavia nach Japan u. s. w. ich mitgebracht hatte, wurden mir daher mit 5071 Thail und 1. Mas gut bezahlt, und ich kam dadurch in Stand meine vorher gemachten Schulden zu bezahlen und zugleich auf meine Lieblingswissenschaft hier 1200 Thaler zu verwenden. Die Ninsiwurzel, welche bey den Japanern Nisii und bey den Chinesern Som heißt, wird hier nicht weni- ger theuer bezahlt. Die Chineser sind die einzigen, wel- che die aͤchte und unverfaͤlschte Sorte davon hieher brin- gen. Sie waͤchst im noͤrdlichen Theile von China , haupt- saͤchlich in Corea . Eine unaͤchte Gattung bringen die Hol- laͤnder nicht selten her. Diese wird gebraucht, die aͤch- te zu verfaͤlschen und zu durchmengen. Man sagt, daß die Franzosen sie aus Amerika nach China bringen, und vielleicht ist es die Ginsengwurzel. Die aͤchte Ninsi wurde dies Jahr das Katje fuͤr 100 Kobang verkauft, wenn sie groß und von alten Wurzeln war. Die kleine war wohlfeiler. Die unaͤchte, wovon die besten Stuͤcke die zweygespaltnen und weißen sind, ist hier als Contreban- de scharf verbothen; sie darf fuͤr keinen Preis verkauft, sondern muß, um allem Unterschleife und Betruge vor- zubeugen, ganz und gar verbrannt werden. Das Kambang-Geld, oder die Summe, welche man fuͤr die gleichsam auf dem Markte verkauften Waa- ren zu gut hat, wird nie in baarer Muͤnze ausgezahlt, (denn Geld darf nicht aus dem Lande gebracht werden), sondern man assignirt nur darauf, und zieht Wechsel auf alles, was man nicht nur das Jahr uͤber, sondern auch hernach, auf dem Markte der Insel kauft. Dies Kam- bang-Geld ist, wie man es zu nennen pflegt, viel leichter, oder am Werth geringer, als baares Geld, so daß man mit diesem Gelde, das man assignirt, alles beynahe doppelt bezahlen muß. Alle durch solche Assignationen Erste Abtheilung. gemachte Kambang-Rechnungen werden nicht eher, als wenn die Japaner Neujahr haben, bezahlt. Ehe die Schiffe absegeln, wird jedes Rechnung aufgesetzt, und im Collegium der Dolmetscher vorgezeigt und acceptirt, worauf die Buͤcher abgeschlossen werden. Alles was man nach Neujahr noͤthig hat, nimmt man auf Credit fuͤr das ganze folgende Jahr. Wenn die Hollaͤnder hier nicht fuͤr baares Geld kau- fen oder verkaufen, so ist ihr Handel nicht viel anders als ein Waaren-Tausch. Zu diesem Ende wird vierzehn Ta- ge vor Musterung des Schiffs und seiner Abreise nach Papenberg gleichsam ein Markt gehalten, da gewisse Kaufleute mit Erlaubniß des Gouverneurs und gegen ei- ne gewisse Abgabe ihre Waaren dahin bringen und in aufgeschlagnen Buden zu Kauf haben. Der Chef der Hollaͤndischen Handlung wird jaͤhr- lich abgewechselt, so daß jedes Jahr einer von Batavia ankommt, und einer dahin zuruͤck reiset. Vor diesem, da die Handlung noch eintraͤglicher war, machte ein Chef die Reise hieher selten mehr als zweymahl; jetzt kann er diese gefaͤhrliche Fahrt wohl drey- und mehrmahl machen, ohne dennoch so große Reichthuͤmer, als ehemahls, sam- meln zu koͤnnen. Herr Feith , der dies Jahr hieher kam, machte jetzt als Chef seine vierte Reise; diesmahl war er Herrn Armenaults Nachfolger. Außer dem Chef blei- ben nach Abgang der Schiffe zwoͤlf bis dreyzehn Euro- paͤer, die Sklaven nicht gerechnet, hier, und von die- sen machen drey die Reise nach dem Hofe des Kaisers zu Jedo . Die Chineser haben seit den aͤltesten Zeiten nach Japan Handel getrieben, und sind vielleicht das einzige Asiatische Volk, das dies je gethan hat. Vor Zeiten lie- fen sie mit ihren Fahrzeugen im Hafen Osakka ein, so ge- Reise von Batavia nach Japan u. s. w. faͤhrlich er auch seiner Klippen und Sandbaͤnke wegen ist. Die Portugiesen lehrten sie zuerst den Weg nach Nanga- saki , wo sie nunmehr allezeit einlaufen muͤssen. Anfangs stieg die Zahl ihrer Kauffahrtey-Schiffe auf hundert bis zwey hundert, davon jedes mit funfzig Mann und druͤ- ber bemannt war. Obgleich die Chineser die naͤchsten Nachbaren der Japaner sind, unterscheiden sie sich doch in verschiednen Stuͤcken von ihnen. Jene tragen Busa- ronen, oder ein weites Wamms und weite lange Hosen; diese gehen allezeit in weiten Roͤcken wie unsre Schlafroͤ- cke. Jene brauchen Stiefeln von Leinwand und Schuhe mit Oberleder; diese gehen mit bloßen Beinen, und haben nur Socken und Sohlen an. Ihrer beyder Sprache ist eben so wesentlich verschieden, als ihre Grund-Religion. Dagegen sind sie einander an Farbe und Bildung gleich; sie schreiben auf Eine Art, und haben mehrere Reli- gions-Secten und Sitten gemein. Auch sind von alten Zeiten her Auswanderungen von China nach Japan ge- schehen, besonders nach den suͤdlichen Inseln, die Liquejo heißen, und unter Japanischer Herrschaft stehen, aber doch dem Kaiser in China jaͤhrliche Geschenke geben. Die Freyheit, deren sie hier ehemahls im Handel genossen, ist ebenfalls jetzt sehr eingeschraͤnkt, seitdem man sie im Verdacht hat, sie moͤchten den katholischen Missionairen in China ergeben seyn, und seitdem sie die Unvorsichtigkeit begangen haben, in China gedruckte, katholische Buͤcher nach Japan zu bringen. Heutiges Tages werden sie eben so argwoͤhnisch und strenge, und in einigen Ruͤcksichten noch strenger, als die Hollaͤnder be- handelt. Man schließt sie auf eine kleine Insel ein, und visitirt sie genau, wenn sie kommen und weggehen. In- dessen haben sie den Vorzug vor den Hollaͤndern, daß sie in der Stadt zur Verrichtung ihres Gottesdienstes ei- Erste Abtheilung. nen Tempel haben und besuchen duͤrfen, auch zu taͤgli- chen Ausgaben Japanische Muͤnze haben, weswegen sie auch am Thore das, was sie zu ihrem Unterhalte gebrau- chen, selbst kaufen koͤnnen. Wenn ein Fahrzeug von China hier angekommen, und im Hafen vor Anker ge- gangen ist, werden alle Leute, die es an Bord hat, ans Land gebracht, und sie duͤrfen sich von der Zeit an mit dem Schiffe gar nicht eher wieder befassen, als bis alles zur Abreise fertig ist. Die Japaner laden selbst alles aus, und bringen hernach das Schiff naͤher ans Land, wo es waͤhrend der Ebbe ganz trocken auf dem Grunde liegt. Im folgenden Jahre laden sie ihnen andre Waaren wie- der ein. Den Chinesern wird nicht verstattet, eine Reise an den Kaiserlichen Hof zu machen. Hiedurch ersparen sie ansehnliche Summen, welche die Hollaͤnder theils auf der Reise, theils zu Geschenken an den Hof und die Vornehmern anwenden muͤssen. Japanische Dolmet- scher haben sie bey ihrer Handlung eben so noͤthig, als die Hollaͤnder, weil ihre Sprache von der Japanischen so sehr abweicht, daß beyde Voͤlker einander nicht verstehen. Die Chineser duͤrfen zwar eine doppelt so große Summe, als die Hollaͤnder, hier verhandeln; allein da ihre Reise hieher weder so weit noch so gefaͤhrlich ist, so hat man sie auch genoͤthigt, zum Vortheil der Stadt Nangasaki viel mehr beyzutragen, als jene. Sie muͤs- sen an 60 Prozent Fannagin oder Blumengeld bezahlen. Zoll und andre Abgaben fordert man aber auch von ih- nen nicht. Ihre Waaren, welche gemeiniglich auf siebzig Schiffen hieher gebracht werden, verkaufen sie jaͤhr- lich zu drey verschiednen Mahlen. Der erste Markt ist im Fruͤhlinge, da sie die Ladung von zwanzig; der zwey- Reise von Batavia nach Japan , u. s. w. te im Sommer, da sie die von dreyßig; und der letzte im Herbste, da sie die von den uͤbrigen zwanzig Schiffen verkaufen. Kommen in einem Jahre mehr, als so viele Schiffe, so muͤssen die uͤberzaͤhligen zuruͤck segeln, ohne einmahl etwas ausladen zu duͤrfen. Der groͤßte Handel der Chineser besteht in roher Seide, und ver- schiednen Droguen, die zu Medicamenten eingebracht werden, als Ninsiwurzel, Terpenthin, Myrrhe, Ka- lumbakholz; ingleichen Zink nebst einigen gedruckten Buͤchern, die aber erst die Censur zweyer Gelehrten pas- siren muͤssen, ehe sie verkauft werden. Obgleich ihre Reisen hieher weit weniger kostbar sind, als die der Hollaͤnder, und sie auch nicht noͤthig haben, hier einen Directeur und andre Bedienten zum Behuf der Handlung zu halten, so ist doch ihr Gewinn wegen der mehreren Prozente, die ihnen abgezogen wer- den, viel geringer, als der Gewinn der Hollaͤnder. Und da sie nunmehr auch kein baares Geld mitnehmen duͤrfen, muͤssen sie ebenfalls Japanische Waaren auf- kaufen, um sich bezahlt zu machen, als: Kupfer, lackir- te Arbeit und dergleichen. Wenn ihre Fahrzeuge die voͤllige Ladung haben und zur Abreise fertig sind, werden sie von einer Menge Japanischer Wachschiffe nicht nur aus dem Hafen, son- dern auch eine gute Strecke weit in die offne See beglei- tet, um zu hindern, daß sie ja nichts von den Waaren, die sie unverkauft wieder mitnehmen muͤssen, an Schleich- haͤndler verkaufen koͤnnen. Die Chinesischen Fahrzeuge sind duͤnn und leicht gebauet, sehr hoch und mit noch hoͤhern Gallerien verse- hen, die an den Enden, besonders am Vordertheile, sehr in die Hoͤhe ragen. Nach hinten sind sie sehr offen. Steuer und Segel sind groß und unbehuͤlflich. Erste Abtheilung. Reise von Batavia u. s. w. Unter den Droguen, welche die Chineser als Arzney- mittel hieher bringen, ist auch etwas, wovon die Japa- ner glauben, es sey des Sommers ein kriechender Wurm, des Winters aber ein Gewaͤchs. Selbst die Dolmet- scher stehen in diesem Wahn. Zuerst verschaffte ich mir eine Abbildung davon, und hernach die Drogue selbst. Da sah ich denn deutlich, daß es nichts anders war, als eine Schmetterlings-Larve, die gegen die Zeit ihrer Ver- wandlung in eine Puppe, in die Erde gekrochen war, und sich da an die Wurzel eines Gewaͤchses fest ge- setzt hatte. Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima nach der Kaiser- lichen Residenz-Stadt Jedo . D ie Gesandtschaft selbst macht die Reise nach Jedo zu Lande. Ein großer Theil Sachen aber wird zur See nach Simonoseki , Fiogo und andern Oertern ge- schickt. Wir luden daher in ein ziemlich großes Fahr- zeug verschiedne Kisten mit Wein auf Bouteillen, Li- queuren, Bier auf Bouteillen, allerley Hausgeraͤth und einige leere Kisten zum Einpacken der im Lande zu kaufenden Handelswaaren. Dies Fahrzeug sollte zu- erst nach Simonoseki gehen, und nach unsrer Ankunft daselbst, auch unsre Personen nach Fiogo uͤberfuͤhren. Hierauf besorgten wir die mitzunehmenden Geschenke, die in Tuch von verschiedner Farbe und Feinheit, in Chit- sen, seidnen Zeugen und dergleichen bestanden. Diese Geschenke waren fuͤr den regierenden weltlichen Kaiser, den Kronprinzen, die Reichsraͤthe und andre vornehme Herren am Hofe bestimmt. Wir packten sie in große Kasten; wagten es aber nicht sie Wind und Wellen Preis zu geben, sondern sie mußten den ganzen Weg ei- ne Strecke von 320 Meilen getragen werden. Den 25. Februar ging unser Chef, von einigen Supercargeuren, Assistenten und Dolmetschern begleitet, nach der Stadt, um vom Gouverneur Abschied zu neh- men. Einige Tage darauf wurden unsrer aller, welche die Reise mitmachen sollten, Kasten und Koffer, die Medicin-Kiste nicht ausgenommen, auf der Insel visi- tirt, und so gleich hernach von unsern Zimmern nach ei- Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima nem Packhause gebracht, wo sie bis zum Tage der Abrei- se versiegelt stehen blieben. Den 4. Maͤrz 1776 begab sich die Ambassade von der Insel Dezima auf den Weg. Der 15. oder 16. Tag im ersten Monathe des Japanischen Jahres, ist zum Antritt dieser Reise ein fuͤr allemahl fest gesetzt. Hol- laͤnder, welche sie machten, waren nur drey: der Am- bassadeur als Chef der Handlung, Herr Feith ; ich als Doctor oder Legations-Medicus; und ein Secretair, Nahmens Koͤhler . Der uͤbrige Theil unsrer ansehnli- chen beynahe aus zwey hundert Menschen bestehenden Gesellschaft waren alle Japaner: Beamte, Dolmetscher, Bediente, Aufwaͤrter. Ein Banjos war abseiten des Gouvernements zu Nangasaki Anfuͤhrer der ganzen Reise-Gesellschaft, und hatte den Befehl in allen Stuͤcken. Er wurde in einem großen Norimon getragen, und vor ihm her trug man eine Pike zum Zeichen seiner Wuͤrde und Befehlshaber- schaft. Zur Ausfuͤhrung seiner Befehle waren verschied- ne Unter-Banjosen verordnet. Der oberste Dolmetscher (gemeiniglich ist dies ein bejahrter Mann) wurde in ei- nem Kango getragen. Dieser ist auf der Reise Verwal- ter der Casse, besorgt und veranstaltet alles was zur Rei- se gehoͤrt, bezahlt im Nahmen der Hollaͤndischen Com- pagnie alle Kosten, und zwar meistentheils mit so ge- nauer Sparsamkeit und Vorsicht, daß er selbst dabey an- sehnlich gewinnt, und eine solche Reise allezeit fuͤr sehr eintraͤglich gehalten wird. Um das Essen fuͤr den Am- bassadeur und die an seiner Tafel essenden Hollaͤnder zu- zurichten, gehen zwey Japanische Koͤche von der Facto- rey mit. Ferner werden sechs Japanische Bediente, die Hollaͤndisch sprechen, zur Aufwartung fuͤr die Hollaͤnder mitgenommen, außer denjenigen, welche der Gouver- nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . neur zu ihrer Bedienung mitschickt, die aber die Hollaͤn- dische Sprache nicht verstehen. Die Koͤche reiseten alle- zeit eine Meile voraus, um das Essen fertig zu haben, wenn wir in der Herberge ankaͤmen. Sie nahmen zu- gleich den noͤthigen Proviant, einen Feldtisch, drey Feld- stuͤhle, Tischtuch, Servietten und Tischgeraͤth mit, wel- ches alles wir in Ordnung fanden, so wohl wenn wir zu Mittage als zu Abend eintrafen. Mit den Koͤchen gin- gen außer den Kerlen, welche diese Sachen trugen, ei- nige Schreiber, um in unserm Logis das Noͤthige fuͤr die ganze Suite zu besorgen, und die Ausgaben anzu- schreiben. Der Ambassadeur, der Arzt und der Secretair, reiseten saͤmmtlich in großen, schoͤnen, lackirten Nori- mon. Zu Kaͤmpfers Zeiten mußten die beyden letzteren reiten, und Kaͤlte, Regen und Wind sich gefallen las- sen. Die Norimon oder Portchaisen sind aus duͤnnen Bretern und Bamborohr verfertigt, laͤnglich viereckig, und so wohl vorn als zu beyden Seiten mit Fenstern versehen. Die Seitenfenster sind in der Thuͤr befindlich, deren auf jeder Seite eine ist. Ueber die Decke geht eine lange eckige Stange, womit dieser Tragsessel von den Traͤgern auf der Schulter getragen wird. Er ist so geraͤumig, daß man mit Bequemlichkeit darin nicht nur sitzen, son- dern auch, wiewohl mit etwas zusammen gezognen Fuͤ- ßen, liegen kann. Auswendig ist er mit mancherley Zierrath geschmuͤckt, und inwendig mit Sammet und seidnen Stoffen aufs kostbarste uͤberzogen. Auf dem Boden liegt eine, mit Sammet uͤberzogne Matratze. Hinten und auf beyden Seiten haͤngen laͤngliche eben- falls mit Sammet uͤberzogne Kissen. Auf dem Sitze liegt ein rundes, in der Mitte mit einem Loche ver- sehenes Polster. Auch findet man eine los liegende Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima duͤnne Decke, gleichfalls von Sammet, oder anderm kostbaren Zeuge, zu beliebigem Gebrauch. Vorn sind ein oder zwey Breter, um Schreibkasten, einige Buͤ- cher und andre Kleinigkeiten hinzusetzen. Die Seiten- fenster kann man niederlassen, wenn man frische Luft schoͤpfen will; und will man nicht gesehen werden, so kann man sie mit seidnen Gardinen und einem Rouleau von Bamborohr zumachen. In dieser Saͤnfte reiset man mit vieler Bequemlichkeit, und das lange Sitzen darin ermuͤdet selten. Die Zahl der Traͤger, welche sie auf ihren Schultern tragen, richtet sich nach Stand und Wuͤrde dessen, der darin sitzt: ihrer sind von sechs bis zwoͤlf, und daruͤber; sind ihrer mehrere, so gehen ei- nige los zu beyden Seiten, um sich von Zeit zu Zeit ab- zuloͤsen. Wenn mehrere zugleich tragen, so singen sie oft dazu, um alle gleichen Schritt zu halten. Diejenigen von unsern Sachen, die nicht zu Schiffe weggeschickt waren, wurden theils von Pferden, theils von Leuten getragen, naͤmlich unsre kleinen Kleider- Koffer, Leuchten im Dunkeln zu gebrauchen, ein Vor- rath Wein zum taͤglichen Gebrauche, Bier und derglei- chen, nebst einem Japanischen Geraͤthe zu Theewasser, worin man dasselbe so gar waͤhrend des Marsches kocht, und immer so oft man davon gebrauchen will, zur Hand haben kann. Wir Europaͤer bedienten uns indessen sel- ten dieses den Magen erschlaffenden Getraͤnks, und tran- ken lieber ein Glas rothen Wein oder Hollaͤndisches Bier, von welchen beyden wir stets eine Bouteille bey uns fuͤhr- ten, die wir, nebst einer laͤnglichen lackirten Buͤchse, worin ein eben so laͤngliches doppeltes Butterbrot steckte, zu den Fuͤßen in unsern Norimon stehen hatten. Jeder wer hier im Lande reiset, fuͤhrt allezeit sein Bett mit sich; dies mußten auch wir auf der ganzen Hin- und Herreise thun. nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . thun. Und da zur Behauptung des Ansehens der Hol- laͤndischen Compagnie, die Pracht in allem groß seyn muß, mußten auch unsre Bettdecken, Kissen und Ma- tratzen mit dem kostbarsten durchbrochnen Sammet und seidnem Stoffe uͤberzogen seyn. Die Japaner, welche entweder zu Fuß gingen, oder den Weg zu Pferde mach- ten, waren mit einem kegelfoͤrmigen, unter dem Kinn fest gebundnen Hute; einem Faͤcher, der zugleich zum Wegweiser gemacht war; einem Sonnen- oder Re- genschirme; und zum Theil mit einem Regenmantel ver- sehen, der aus in Oehl getraͤnktem Papier verfertigt, sehr weit, und wie eine Feder leicht war. Die, welche zu Fuß wandern mußten, als: Knechte, Aufwaͤrter und dergleichen, hatten sich auch mit duͤnnen Kamaschen und verschiednen Paaren stroherner Schuhe versorgt, und ihre weiten, unsern Schlafroͤcken aͤhnliche, Roͤcke auf- geschuͤrzt. Diese aus so sehr vielen Menschen bestehende, und auf so ungleiche Art einher ziehende zahlreiche Caravane, gab in der That einen schoͤnen Anblick. Uns Europaͤern war die Reise gar angenehm und behaglich. Allenthalben begegnete man uns mit eben der Achtung und Ehrenbe- zeigung, wie den Großen des Landes selbst. Dazu sorgte man so fuͤr unsre Sicherheit in jeder Ruͤcksicht, daß uns unmoͤglich ein Unfall begegnen konnte, und man bediente uns so, daß wir uns um nichts mehr zu bekuͤm- mern hatten, als ein Kind, das an der Mutter Brust liegt. Unsre ganze Beschaͤfftigung bestand darin, zu essen, zu trinken, zu schlafen, uns aus- und anzuziehen, zu unserm Vergnuͤgen zu lesen oder zu schreiben, und uns tragen zu lassen. Als wir bey der Bruͤcke, welche die Stadt Nanga- saki mit der Factorey verbindet, an die Wache kamen, Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. E Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima wurden wir sehr genau visitirt, unsre Koffer und andre Sachen aber, die vorher untersucht und versiegelt waren, gingen jetzt frey durch. Zugleich wurden wir von den auf der Factorey befindlichen Hollaͤndern, und denjenigen Japanern, welche daselbst im Dienst standen, oder et- was zu thun hatten, und eine große Anzahl ausmachten, durch die Stadt begleitet. Die letzteren gaben uns bis zu einem draußen vor der Stadt stehenden Tempel das Geleit, wo wir eine Weile ausruheten, und unsre muntre Gesellschaft mit Sakki tractirten. Als wir hernach unsre Reise von hier weiter fortsetzten, hatten alle diese Japa- ner, welche sich nun von uns trennen sollten, sich zu beyden Seiten des Weges, den wir zu nehmen hatten, mehr als eine halbe Meile in die Laͤnge, haufenweise, nach Stand, Rang und Wuͤrden, hingestellt, welches nicht nur ungemein schoͤn aussah, sondern von uns auch mit Recht als die groͤßte Ehre angesehen wurde. Es waren die Ottona der Stadt und der Insel, Ober- und Unter-Dolmetscher, nebst Dolmetscher-Lehrlingen, Ober- und Unter-Compradore, Ober- und Unter-Banjosen, Kuli und viele andre, die mit den Hollaͤndern in einiger Verbindung standen. Am ersten Tage reiseten wir uͤber Fimi und Jagami , bis Isafaga , wo wir das erste Nachtlager bekamen. Dieser Weg betrug sieben Meilen Ohne Zweifel sind hier Japanische Meilen gemeint, ob aber groͤßere, deren vierzig; oder kleinere, deren drey und dreyßig und ein Drittheil auf einen Grad des Aequators gehen, kann ich, in Ermangelung einer Charte von Japan , nicht bestimmen, vermuthlich sind es die kleinern, weil nach diesen gewoͤhnlich gerechnet wird. A. d. Uebers. . Zu Jagami , wo wir zu Mittag aßen, wurden wir von unserm Wirthe auf eine so hoͤfliche und dienstfertige Art aufgenommen, als ich es bisher an keinem Orte der nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . Welt erlebt hatte. Es ist hier zu Lande allgemeine Sitte, daß der Wirth den Reisenden eine Strecke entgegen kommt, sie mit den tiefsten Ehrenbezeigungen willkom- men heißt, und darauf sich geschwind wieder nach Hause begiebt, um seine ihm nachkommenden Gaͤste eben so ehr- erbiethig in Empfang zu nehmen. Als wir im Hause an- gekommen waren, brachte man uns auf einem kleinen nie- drigen viereckigen Tische ein unbedeutendes Geschenk, dar- auf Thee, und Tobak und Pfeifen; die letztern gebrauch- ten wir nicht. Dann fuͤhrte man uns in die fuͤr uns zurecht gemachten Zimmer, wo wir unsern Tisch gedeckt fanden, unser Glas Branntwein nahmen, unser Mit- tagsessen und unsern Kaffee uns gut schmecken ließen, dann, so viel unsrer rauchten, unsre Pfeifen ansteckten, und uns wieder auf den Weg machten. Hier bekamen wir auch auf Rechnung der Compagnie funfzig Japanische Thail, welche ungefaͤhr eben so viel Hol- laͤndische Thaler betragen, um damit die kleinen Ausgaben zu bestreiten, die einem jeden von uns besonders bey vor- kommenden Gelegenheiten unterweges zustoßen moͤchten, und so genau berechnet waren, daß davon nichts uͤbrig bleiben konnte. Dies war die erste Japanische Muͤnze, die in unsre Haͤnde kam. Die erste Ausgabe bestand in Neujahrsgeschenken an unsre Aufwaͤrter und Knechte auf Dezima , und auch an unsre Norimons-Traͤger, welche fuͤr meinen Theil uͤber zehn Thaler betrugen. Am folgenden Tage gingen wir uͤber Omura nach Sinongi , wo wir uͤbernachteten. Heute waren wir acht Meilen gereiset. Als Kaͤmpfer im Jahr 1691 diese Reise machte, nahm die Gesandtschaft einen andern Weg nach Sinongi , naͤmlich uͤber den Meerbusen bey Omura . Um diesem auszuweichen, nahmen wir jetzt den Umweg uͤber Isafaja , jedoch ohne von da, wie Kaͤmpfer 1692 E 2 Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima bey seiner zweyten Reise, uͤber die große Bucht bey Si- mabara zu segeln. Am Tage darauf kamen wir nach einem Wege von zehnthalb Meilen uͤber Orissino , Takkiwo , Swota , Oda , nach dem Orte unsers Nachtlagers Otsinsu . Zu Orissino ist ein schwefelhaltiges warmes Bad. Wir besahen es. Es ist siedend heiß, umher eingeschlos- sen, und mit einem schoͤnen und bequemen Hause fuͤr die Kranken, welche es gebrauchen, versehen. Das heiße Wasser wird nach verschiednen Stellen abgeleitet und vertheilt, wo die Kranken sitzen, und selbst, so wohl heißes, als kaltes Wasser, welches letztere durch Kunst hieher getrieben wird, fuͤr sich abzapfen koͤnnen. Außer- dem sind verschiedne Einrichtungen vorhanden, nicht nur nach dem Baden sich niederzulegen und auszuruhen, son- dern auch spatzieren zu gehen. Alles ist hier sehr nett und reinlich. Swota ist der sehr großen Kruken wegen, die da verfertigt werden, (gewiß die allergroͤßten in der Welt), merkwuͤrdig. Sie sind von braunem Thon, sehr gut ge- brannt, und so groß, daß sie mehrere Zuber enthalten. Die Hollaͤnder kaufen jaͤhrlich eine Menge davon, und neh- men sie mit nach Batavia , wo sie, so wohl als an andern Oertern in Ostindien , mit Vortheil verkauft, und, Was- ser darin stehen zu haben, gebraucht werden. Das zum taͤglichen Getraͤnk bestimmte Wasser haͤlt sich darin kalt, und schlaͤgt alle Unreinigkeit voͤllig nieder; wird also durch den abgesonderten Bodensatz auch reiner und gesunder. Unser bisheriger Weg war sehr gebirgig, steinig und beschwerlich. Nun aber kamen wir in die Provinz Fisen , und hier ist das Land viel fruchtbarer, schoͤner, staͤrker bewohnt und volkreicher. Die Doͤrfer liegen dich- ter bey einander, sind sehr groß und lang, und nicht sel- nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . ten sind zwey, deren jedes eine Meile lang ist, so nahe beysammen, daß nur ein Fluß, eine Bruͤcke oder derglei- chen sie trennt. Das Land ist allenthalben vortrefflich angebauet, und man sieht die schoͤnsten Reiß- und andre Felder. Die Leute, besonders das weibliche Geschlecht, sind in dieser Landschaft kleiner, als in der vorigen. Die verheuratheten Frauen entstellen sich, da sie sonst wohl- gebildet, und zum Theil schoͤn sind, hier doch bis zu ei- nem hohen Grade von Haͤßlichkeit dadurch, daß sie alle Haare aus den Augenbraunen gerissen haben. Dies soll ein Zeichen des verheuratheten Standes seyn, so wie zu Nangasaki schwarze Zaͤhne es sind. Uebrigens ist diese Provinz ihres schoͤnen und kostbaren Porcellans wegen sehr bekannt. Verschiednes davon hatte ich schon in der Marktzeit auf der Hollaͤndischen Factorey gesehen; jetzt hatte ich Gelegenheit, mich naͤher darnach zu erkundigen. Es wird aus einer ganz weißen Thonerde gemacht, die an sich selbst schon sehr fein ist, aber dennoch mit der groͤßten Muͤhe unbeschreiblich gut bearbeitet wird, so daß die da- von verfertigten Sachen durchsichtig, schneeweiß und uͤber die Maße schoͤn werden. Am folgenden Tage passirten wir den ziemlich großen Fluß Kassanga , und die Staͤdte: Sanga , die anderthalb Meilen lang ist, Fiosabara , Kansaki , Nakabara und Todoriki , worauf wir nach einer Tagereise von neun Meilen zu Taisero eintrafen, wo wir das Nachtlager nahmen. Kaͤmpfer erzaͤhlt: zu seiner Zeit habe man es fuͤr Ungluͤck bringend gehalten, und es sey verbothen gewesen, in dieser Stadt zu uͤbernachten, weil einmahl auf einer solchen Reise der Banjose und der Ober-Dol- metscher hier in Streit gekommen, wobey jener die- sen getoͤdtet, und dieser hernach sich selbst auch entlei- bet habe. Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima Sanga ist die Hauptstadt dieser Landschaft. Sie hat ein Schloß, wo der Fuͤrst derselben residirt, Wall und Graben, und an den Thoren Wache. Sie ist, wie die meisten Staͤdte, ordentlich gebauet, und ihre Straßen sind, wie auch fast allenthalben, gerade und breit. Auch hat sie verschiedne Wasserkanaͤle, die ganz durch sie hingehen. Den 8. Maͤrz reiseten wir ungefaͤhr zehn Meilen bis zu der Stadt Itska . Der Weg ging verschiedne große und kleine Doͤrfer vorbey, und uͤber sehr hohe Berge. Zuerst kamen wir nach Farda , von da nach Jamayo , und uͤber einen hohen Berg nach Fiamits . Dies liegt in einer herrlichen Gegend. Wir rasteten hier auch eine Zeit lang, tractirten uns und die Japanischen Beamten mit Sakki, machten der Wirthin ein Geschenk an Geld von sieben Mas und fuͤnf Konderyn, welches an diesem Orte so hergebracht ist, und reiseten weiter bis Utsini . Waͤhrend wir heute unsre Reise in der Landschaft Tsikudsen fortsetzten, wurden wir von einem Beamten be- gleitet, den der Fuͤrst derselben uns entgegen geschickt hatte, um uns eine gluͤckliche Ankunft zu wuͤnschen, und uns durch sein Land das Geleit zu geben. So verachtet der Europaͤer auf ihrer Factorey, und so schlecht alle Aus- laͤnder in den Augen der Japaner sind, mit so vorzuͤg- licher Hoͤflichkeit und Dienstfertigkeit begegnet man auf der Reise nach Hofe und zuruͤck der Hollaͤndischen Am- bassade. Man beweiset ihr eben die Achtung und Ehrer- biethung, die den eignen Befehlshabern des Landes erzei- get wird, wenn sie ihre jaͤhrliche Reise zum Kaiser, und von da zuruͤck machen. Wenn wir an der Graͤnze einer Provinz ankamen, kam uns, wie diesmahl, allezeit ein von seinem Herrn abgeschickter Beamte entgegen, der uns nicht nur in dessen Nahmen allen erforderlichen Beystand an nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . Leuten, Pferden, Fahrzeugen u. dgl. anboth, sondern uns auch bis an die andre Graͤnze begleitete, wo er von uns Abschied nahm, und von einem andern abgeloͤset wurde. Die geringen Leute erzeigten uns eben die unterthaͤnigen Ehrfurchtserweisungen, als dem Fuͤrsten, und buͤckten sich mit der Stirn bis auf den Erdboden, kehrten uns auch wohl den Ruͤcken zu, um zu erkennen zu geben, ihre Niedrigkeit sey nicht werth, uns anzusehen. Von Utsini reiseten wir uͤber den Fluß Nagata , durch die Staͤdte Koijanossa und Kurosakki nach Kokura , wo wir bis folgenden Nachmittag blieben, — zusammen zehnthalb Meilen. Kokura ist eine große und reiche Handelsstadt, wird auch zu den großen Staͤdten des Reichs gerechnet. Ihr Flor beruhet auf dem sehr ansehnlichen Handel, der hier getrieben wird. Der Hafen ist indessen jetzt so seicht, daß nur kleine Fahrzeuge und Boͤte an die Stadt kommen koͤnnen. Die Stadt ist eine Japanische Meile lang, macht ein laͤngliches Viereck, und wird von einem durch die Straßen nach der See fließenden Flusse durchschnitten. Die Thore haben militaͤrische Wachen, die von Officieren commandirt werden. An dem einen Ende der Stadt, und zwar am Flusse, liegt das Schloß des Befehlshabers oder Fuͤrsten der Landschaft Kokura , das sehr schoͤn, und nach Landesart gut befestigt zu seyn scheint, mit Graͤben und Mauern umgeben ist, und durch einen hohen Thurm beschuͤtzt wird. Gern haͤtten wir die Stadt in naͤheren Augenschein genommen, allein wir bekamen nicht die Er- laubniß, darin herum zu gehen. Ehe wir an diesem Orte ankamen, wurden wir im Nahmen des Fuͤrsten von zwey jungen Edelleuten, die er uns vom Schlosse entgegen schickte, empfangen und nach unserm Quartier begleitet. Wir logirten hier sehr gut. So Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima wohl hier als auf der ganzen Reise wurden wir in die hin- tern Zimmer des Hauses, welches hier zu Lande den schoͤn- sten und vornehmsten Theil desselben ausmacht, quartiert. Eben so bemerke ich hier ein fuͤr allemahl, daß, da die Japaner in ihrem ganzen Hause gar keine Meublen, mit- hin auch keine Bettstellen haben, unsre Matratzen und Betten auf den Fußboden, der allezeit mit dicken Stroh- matten bedeckt ist, gelegt wurden. Die Japaner von unserm Gefolge lagen des Nachts eben so auf dem Fuß- boden, hatten aber keine Kopfkissen, sondern statt deren ein laͤngliches Stuͤck lackirtes Holz, das sie unter den Kopf legten. Einem alten Herkommen gemaͤß bekam hier der vom Statthalter zu Nangasaki zu unserer Auf- wartung mitgegebene Diener ein Trinkgeld von ein Thail, fuͤnf Mas, oder ungefaͤhr ein und einen halben Thaler. Unter andern in diesen Gegenden haͤufig anzutref- fenden Baͤumen und Gewaͤchsen, als: der gemeinen Fichte ( Pinus sylvestris ), dem Indianischen Felsenkraute ( Aza- lea Indica ), der Indianischen Wucherblume ( Chrysan- themum Indicum ), fand ich hier auch einen Baum, der den Nahmen Ankuba fuͤhrt, und einen andern, den man Nandina nennt, und von welchen beyden man glaubt, daß sie dem Hause Gluͤck bringen. Gegen Abend fuhren wir mit einer Jacht drey Mei- len weit uͤber den Meerbusen nach Simonoseki , wo wir in einem Wirthshause uͤbernachteten. Zwischen diesem Orte und Kokura liegt eine nie- drige laͤngliche Klippe, die bey flachem Wasser und zur Zeit der Ebbe nur ein wenig uͤber das Wasser hervor steht, von der Fluth aber ganz bedeckt wird. Man erzaͤhlt, an dieser Klippe sey ein Fahrzeug, das den Kaiser Taiko uͤbersetzen sollen, gescheitert und verungluͤckt; der Kaiser sey zwar gerettet worden, der Schiffer aber habe sich nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . nach Japanischer Sitte den Bauch aufgeschnitten, um sich selbst zu strafen. Zum Andenken dieses Ungluͤcks habe man nachmahls auf der Klippe einen viereckigen gehaue- nen Stein, ungefaͤhr eine Elle hoch, aufgestellt. Simonoseki liegt an dem einen Ende von Nipon , der groͤßten von allen Inseln dieses Reichs, auf welcher beyde Hauptstaͤdte desselben liegen. Die Stadt ist zwar keine Fuͤrstliche Residenz, auch keine der groͤßten im Lan- de, aber doch sehr bluͤhend und ansehnlich. Dies hat sie ihrer Lage zu danken. Sie hat einen sehr beruͤhm- ten Hafen, der ungemein haͤufig besucht wird: man sieht oft zwey bis drey hundert Fahrzeuge von verschied- ner Groͤße vor Anker liegen. Gewoͤhnlich laufen alle die, welche von den westlichen Kuͤsten des Reichs nach den oͤstlichen, und umgekehrt, segeln, hier ein, entweder um Waaren abzuhohlen, oder bey widri- gem Winde und Sturme sicher zu liegen. Wegen der fast aus allen Oertern und Provinzen des ganzen Reichs hieher zusammen stroͤmenden Menge Menschen ist Han- del und Verkehr hier sehr groß. Man findet daher hier auch eine große Menge Waaren, die aus andern Land- schaften zum Verkauf hieher gebracht werden, und welche man in andern Staͤdten und Haͤfen nicht immer findet: denn jeder Handelsort handelt hauptsaͤchlich nur mit den Waaren und Producten, die er selbst, und die Provinz, worin er liegt, hervorbringt und verfertigt. Wir be- stellten jetzt zu unsrer Ruͤckkunft, theils zu eignem Ge- brauch, theils zum Verkauf, außer andern Waaren, Reiß, der in dieser Gegend ganz vorzuͤglich gut ist, und Kohlen, die man zur Feuerung im Winter und zum Essenkochen gebraucht. — Daß es an einem Orte wie dieser, nicht an oͤffentlichen Maͤdchenhaͤusern fehle, wird man leicht glauben. Wir Hollaͤnder hatten nicht die Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima Erlaubniß sie zu besehen, sondern wenn wir, nach er- haltner Freyheit, in der Stadt spatzieren gingen, wur- den die Thore zu den Straßen, wo sie stehen, sorgfaͤl- tig verschlossen. Am Strande sammelt man in dieser Gegend eine Art Watt ( Ulva ), die hier Awa Stori heißt. Sie wird getrocknet, uͤber Feuer geroͤstet, und zu einem sehr feinen Pulver zerrieben, und mit gekochtem Reiß, bis- weilen in der Misosuppe gegessen. Von Simonoseki geht zwar zu Lande ein Weg nach Jedo ; wir bedienten uns dessen aber nicht, weil er ge- birgig und beschwerlich ist, sondern zogen die Wasserreise vor. Zu diesem Ende begaben wir uns den 10. Maͤrz an Bord eines großen, 90 Fuß langen, Japanischen Fahrzeuges. Dies Schiff wird zur Ueberfahrt der Am- bassade nach Fiogo , fuͤr Rechnung der Compagnie, jaͤhr- lich fuͤr 480 Thaler gemiethet, und zwar zu einer Reise von etwa 130 kleinen Seemeilen, die bey gutem Winde bisweilen in Zeit von acht Tagen zuruͤck gelegt werden. Ein aͤhnliches Fahrzeug fuͤhrte einen Theil der Bagage und des Gefolges. Wir logirten uns in die Kajuͤte. Unser Banjos bekam sein abgetheiltes Zimmer auf einer, und wir Hollaͤnder die andre groͤßre Seite. Diese war auch in zwey Gemaͤcher vertheilt: eine ganz kleine Schlaf- kammer fuͤr den Ambassadeur, und ein groͤßeres fuͤr mich und den Secretair, welches zugleich zum Speisesaale ge- braucht wurde. Die uͤbrigen Gemaͤcher im Schiffe nah- men die Dolmetscher und andre ein. Wir segelten sechs und dreyßig Meilen bis Kamiro , von da wir weiter gingen, aber nach einer Fahrt von sie- ben Meilen widrigen Wind bekamen, und uns deswe- gen bey Nakassima vor Anker legen mußten. Allein da dieser Wind nicht nur anhielt, sondern auch Sturm ent- nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . stand, sahen wir uns genoͤthigt unsere Anker wiederum zu lichten, und ganze vierzehn Meilen bis Kaminoseki zuruͤck zu segeln, um in den dasigen bequemern und siche- rern Hafen einzulaufen. Hier mußten wir gegen drey Wochen zubringen, ehe wir guͤnstigen Wind bekamen, und die Reise fortsetzen konnten. Diese ganze Zeit wa- ren wir bestaͤndig auf dem Schiffe, hatten aber doch ver- schiedne Mahl Gelegenheit, ans Land zu gehen, und uns in den Wirthshaͤusern und Tempeln umzusehen. Es war jetzt auf dem Schiffe so kalt, daß wir in den Zimmern ein- heitzen mußten, und doch Schnupfen und andre Erkaͤl- tungen davon trugen. Die Japaner vertrieben sich die Zeit mit allerhand Spielen. Meine Freunde unter ihnen beschaͤfftigte ich theils mit medicinischen Vorlesungen, theils mit Erkundigungen nach dem Lande, der Regierung, der Haushaltung, der Sprache und dergleichen. Die Sprache studierte ich besonders fleißig, und bereicherte jetzt sehr mein schon angefangnes Woͤrterbuch. Die Kuͤsten, welche wir bisher vorbey gefahren wa- ren, sind uͤberall bergig, dennoch aber aufs hoͤchste ange- bauet. Die Berge sahen meistens wie schoͤne Gaͤrten aus. Zu Kaminoseki und zu Simonoseki bemerkte ich, daß die oͤffentlichen Beamten zum Theil zwey Saͤbel, zum Theil aber nicht mehr als einen tragen duͤrfen: jene heißen Samrai, diese Tjonen. In beyden Staͤdten ha- ben auch junge Leute aus der Buͤrgerschaft, wirkliche Buͤrgersoͤhne, bey dem Buͤrgermeister auf eine gewisse Zeit die Aufwartung. Sie werden Kodom genannt, sind wohlgekleidet, und tragen, wie Personen in oͤffent- lichen Aemtern, lange Beinkleider. Nach Verlauf ei- ner gewissen Zeit werden sie von andern abgeloͤset. Endlich nach langem Harren machte sich ein guͤnsti- ger Wind auf, und wir konnten weiter unter Segel ge- Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima hen. Wir fuhren bis Dsino Kameru , wo wir wieder still lagen. Allenthalben sahen wir, so wie auf der bis- herigen Reise, uns von großen und kleinen Inseln umge- ben, zwischen denen wir hinschifften, und womit diese ganze Gegend besaͤet ist. In allen diesen Fahrwassern trafen wir auch mehrere Arten wilde Enten, besonders die Federkappe ( Anas galericulata ) an. Sie versam- meln sich bey schoͤnem Wetter in solcher Menge, daß man sie in der Ferne fuͤr große Inseln ansehen sollte, und scheuen sich weder vor Schiff noch vor Menschen, so gar nicht einmahl, wenn man unter sie schießt. Hier, und wo wir uns sonst vor Anker legten, unterließen unsre Japaner nicht, sich ans Land setzen zu lassen, und zu ba- den. Unsre Fahrt ging zwischen unzaͤhligen Inseln, und durch einen engen Kanal zwischen zwey großen Landschaf- ten, weiter bis Materai . Der Hafen daselbst ist geraͤu- mig und sicher, und liegt daher immer voll Schiffe in großer Menge. Man fischet hier eine Art Austern, Si- gaki genannt, die sehr gut schmecken. Nach einer beschwerlichen und gefahrvollen Reise von sechs und zwanzig Tagen langten wir endlich, da wir die letzte Zeit sehr guten Wind hatten, zu Fiogo an. Dieser Ort liegt ungefaͤhr zehn Meilen, oder dreyzehn Seemeilen von Osaka , an demselben Meerbusen, und zwar schraͤge gegen uͤber. Er hat einen großen ins Land hinein gehenden Hafen, der gleichwohl auf der Suͤd-Seite offen und daher von Natur unsicher und gefaͤhrlich ist. Er ist dies aber nicht mehr, sondern vielmehr sehr sicher und brauchbar, seitdem der Kaiser Feki mit unglaublicher Muͤhe, Arbeit und Kosten, selbst mit Verlust einer Menge Leute, die dabey ums Leben gekommen sind, dem Uebel abgeholfen hat. Dieser Kaiser ließ auf der Suͤd- Seite des Hafens einen hohen Damm anlegen, um den nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . Anlauf der Wellen abzuhalten, der wie eine lange schmale Sandbank aussieht, und eben nicht tief unter dem Was- ser liegt. Mehrere hundert Schiffe hatten jetzt mit uns ihre Zuflucht hieher genommen. Dieser Hafen ist auch desto wichtiger, da das Fahrwasser nach Osaka seicht ist und von großen Fahrzeugen nicht befahren werden kann. Die Stadt liegt eben so als Nangasaki , laͤngs am Strande des Hafens, und am Fuße der hinterwaͤrts empor steigenden Berge, und ist ziemlich groß und schoͤn. Der Zusammenfluß von Menschen ist ansehnlich. Kaͤmpfer reisete mit seiner Caravane in kleinen Boͤten von Fiogo nach Osaka . Wir aber waͤhlten den Landweg uͤber Fiogo nach Isinomia und Amagasaki , eine befestigte Stadt an der Seekuͤste, nach Kansaki , einem Dorfe, das an der Muͤndung eines großen Flusses liegt. Dieser Weg betrug drey Meilen. Von Kansaki ließen wir uns nach dem Ausflusse des großen Flusses, welcher durch die Stadt Osaka ins Meer laͤuft, drey Meilen weit in Boͤten uͤbersetzen. Unser zukuͤnftiger Wirth kam uns in einem Boote entgegen, und begleitete uns den Strom hinauf durch die Vorstaͤdte, die am Strande liegen, und die man vor den vielen hundert hier sich aufhaltenden Fahrzeugen kaum sehen kann. Wir passirten verschiedne Bruͤcken, Thore und auf beyden Seiten liegende Wachhaͤuser, und merk- ten nunmehr, daß wir in der Stadt selbst waren. Hier fanden wir vortreffliches Logis und eben so erwuͤnschte Auf- nahme. Unser Wirth kam, in seinem festlichsten An- zuge, mit dem heitersten Blicke und den ehrerbiethigsten Geberden, so gleich herein, um uns durch den Dol- metscher zur Beendigung der langweiligen und laͤstigen Seereise Gluͤck zu wuͤnschen. Er hatte einen Bedienten bey sich, der einen gewoͤhnlichen kleinen viereckigen Tisch Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima hinsetzte, worauf ein, ebenfalls aufs schoͤnste geschmuͤck- tes, Geschenk lag. Dies bestand in einigen Apfelsinen, von gewoͤhnlicher Groͤße, aber sehr dicker Schale, einigen Mikan oder kleinen Apfelsinen mit duͤnner Schale, und einigen gedoͤrrten Feigen oder Kaki. Oben auf lag ein zusammen gelegtes, mit rothen, vergoldeten papiernen Faͤ- den umwundnes Papier, an dessen Enden ein Streif von Tank ( Fucus ) fest geklebt war. Umher lagen ei- nige, auch aus Tank geschnittne kleine Wuͤrfel. Dies alles gehoͤrt zum Cerimoniell, und bezeichnet die groͤßte Achtung gegen die ankommenden Fremden. Zu Abend bekamen wir unter andern Gerichten eine Art Fisch, die man hier Abrame nennet, und von sehr gutem Ge- schmacke ist. Das erste, was wir zu thun hatten, war: dem Schiffs-Capitain, welcher uns mit dem großen Fahr- zeuge gluͤcklich bis Fiogo gebracht, und nebst einigen von der Besatzung hieher begleitet hatte, unsre Dankbarkeit zu beweisen. Fuͤr mich mußte ich ihm sechs Thail, und den Matrosen sieben Mas, fuͤnf Konderyn bezahlen. Auch mußte, dem Gebrauche gemaͤß, hier jeder von uns den Leuten, welche unsre Norimon in Verwahrung gehabt hat- ten, sechs Thail, und den vom Gouverneur uns mitge- gebenen Bedienten gleichfalls sechs Thail bezahlen. Zu- sammen belief sich dies auf sechzehn Thaler. Zu Osaka hielten wir uns nur einen Tag und Nacht auf. In dieser Zeit besuchten uns verschiedne Kaufleute, bey denen wir, nach Mustern, die sie bey sich hatten, allerley Sachen bestellten, die zu unsrer Wiederkunft fertig seyn sollten, nahmentlich nachgemachte und uͤber- firnißte Insecten von Kupfer und Holz, verschiedne Ar- ten Faͤcher, Papier zum Schreiben und zu Tapeten, und dergleichen mehr. nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . Osaka ist eine von den so genannten fuͤnf Reichs- staͤdten, die dem weltlichen Kaiser gehoͤren, im Nahmen desselben von zwey Statthaltern regiert werden, welche ein Jahr ums andre nach Hofe reisen, und die dann wie- der ein Jahr ums andre die Regierung verwalten. Zu- gleich ist sie eine von den groͤßten Handelsstaͤdten des Reichs, wozu ihre bequeme Lage an der Seekuͤste und beynahe mitten im Lande viel beytraͤgt. Wegen der un- glaublich großen Zufuhr aller Sachen aus allen Gegen- den des Reichs sind hier die Eßwaaren wohlfeil. Die reichsten Kaufleute und Kuͤnstler haben sich hier nieder- gelassen. Der Fluß Jedogawa , auf dem wir die Stadt hinein segelten, fließt durch die Straßen, und wird durch Graͤben in verschiedne Arme vertheilt. Sie hat beynahe eine Meile im Umfange ins Gevierte, ist nach hiesiger Art wohl befestigt, und hat eine starke Citadelle, die seitwaͤrts neben der Stadt liegt. Ueber den Fluß gehen nicht nur kostbare Bruͤcken von Japanischem Cedernholz, sondern ihrer sind auch sehr viele, und einige von unge- meiner Laͤnge, funfzig bis sechzig Faden lang. Fast in allen Haͤusern besteht die Vorderseite des untersten Stock- werks entweder aus Werkstaͤtten, die nach der Straße offen sind, oder aus großen Kaufmannsbuden, wo aller- ley Waaren ausgehaͤngt sind, und Kaͤufer anlocken. Viele Reiche lassen sich hier nieder, um hier ihr Geld zu verzehren, weil diese Stadt der angenehmste Aufenthalts- ort im ganzen Lande ist. Sie ist in Japan , was Paris in Europa ist. Man kann hier alles moͤgliche Vergnuͤ- gen haben. In der Festung haben die Stadt-Gouver- neure nichts zu befehlen. Sie hat zwey besondre Gou- verneure oder Commandanten, die sich auch abloͤsen, und zwar alle drey Jahr, in der Stadt aber auch nichts zu sagen haben. Einer von ihnen haͤlt sich allezeit bey Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima Hofe auf, und, wenn er herunter reiset, um seinen Vorgaͤnger abzuloͤsen, wird dabey der Umstand gar sorg- faͤltig beobachtet, daß sie mit einander nicht sprechen duͤr- fen; sondern wenn der eine einzieht, muß der andre aus- ziehen, und sich unverzuͤglich zum Kaiser verfuͤgen, um von seiner Verwaltung Rede und Antwort zu geben. Weil wir von Osaka nach Miako dreyzehn Meilen hatten, mußten wir uns den 9. April des Morgens sehr fruͤh auf den Weg begeben. Wir wurden deswegen noch vor Tage in aller Eile geweckt, tranken eine Tasse Kaffee, machten unser Fruͤhstuͤck-Butterbrot zurecht und setzten uns in unsre Saͤnften. Die Japaner gingen mit einer Menge brennender Fackeln und unter bestaͤndigem Singen voran. Unterwegens hielten wir verschiedne Mahl still, um aus- zuruhen, und Erfrischungen oder das Mittagsessen zu uns zu nehmen; in den Doͤrfern Morikuts , Firakatta und Fusimi , und in der Stadt Jodo . Diese Doͤrfer sind von ungeheurer Groͤße; Fisimi ist drey Meilen lang, und erstreckt sich ganz bis an die Kaiserliche Hauptstadt Miako , wovon sie wie eine Vorstadt angesehen werden konnte. Jodo ist eine kleine, aber nette und an Wasser sehr reiche Stadt. Ihre Bruͤcke ist eine der groͤßten im Reiche: ihre Laͤnge betraͤgt vier hundert Schritt. Sie wird durch ein an der Seite liegendes festes Schloß, wo zugleich ein Fuͤrst residirt, beschuͤtzt. Außer in Holland habe ich keine so angenehme Reise als diese gemacht, so schoͤn, reitzend und bezaubernd ist das Land. Die Menge seiner Einwohner und seine Cul- tur uͤbertrifft alle Beschreibung. Das ganze Land ist zu beyden Seiten, so weit das Auge reicht, nichts anders als ein einziges fortgehendes fruchtreiches Feld, und unsre ganze heutige Reise ging durch Doͤrfer, wovon das eine aufhoͤrt, wo das andre anfaͤngt, und die an der ganzen Landstraße hin liegen. Auf nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . Auf dem Flusse Miaco halten sich Pelikane, die in den Fichten am Wege ihre Nester haben, wie auch wilde Enten und andre Voͤgel in Menge auf, obgleich das Ufer ihnen keinen ruhigen Wohnplatz gewaͤhret, son- dern allenthalben bewohnt und angebauet ist. In meiner Hoffnung aber, auf einer so weiten Reise, in einem Lande, wohin so selten Europaͤer kommen, eine Menge seltner und unbekannter Gewaͤchse zu sammeln, fand ich mich gar sehr betrogen. Nirgends habe ich je weniger Gele- genheit dazu gehabt, als jetzt. Auf den meisten Aeckern, die gegenwaͤrtig besaͤet standen, konnte ich nicht den klein- sten Halm Unkraut entdecken, fast auf keinem einzigen in der ganzen Provinz. So genau jaͤtet man alles Un- kraut aus. Zu Miaco wurden wir im obern Stockwerke des fuͤr uns bestimmten Hauses einquartiert, welches sonst in Japan nicht zu geschehen pflegt. Vier Tage lang mußten wir hier verweilen. Jetzt oͤffneten wir auch un- sere großen Koffer, um weiße Waͤsche und andre Klei- dungsstuͤcke, nebst noͤthigem Proviant zu dem noch ruͤck- staͤndigen Theile der Reise heraus zu nehmen. Der oberste Dolmetscher haͤndigte uns hier eine Summe Gel- des in neuen Kobang ein, um davon auf der Reise nach Belieben Gebrauch machen zu koͤnnen. Ich und der Se- tretair bekamen jeder drey hundert Thaler, die wir aber hernach zu Nangasaki von unserm Kambangs-Capitale er- setzen mußten. Bey den Kaufleuten, welche Erlaubniß hatten, uns zu besuchen, bestellten wir zu unsrer Zuruͤck- kunft allerley Handelswaaren, als Sowa-Arbeit, Faͤcher, lackirte Sachen und dergleichen. Waͤhrend unsers hiesigen Aufenthalts hatten wir Audienz bey dem Oberrichter und den beyden Gouverneu- ren der Stadt, welche alle von der Hollaͤndischen Compa- Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. F Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima gnie mit Geschenken bedacht wurden. Wir wurden in unsern Norimon nach ihren Pallaͤsten getragen, und da- selbst mit gruͤnem Thee, Tobak und Zucker-Backwerk regalirt. Miaco ist nicht allein die aͤlteste Hauptstadt des Reichs, und der Wohnsitz des Dairi, oder des geistli- chen Kaisers, sondern auch die groͤßte Handelsstadt im ganzen Lande. Der Dairi hat sein Residenz-Schloß und seinen Hof gleichsam in einem besondern Quartier der Stadt, das an sich selbst schon eine ansehnliche Stadt ausmacht, und mit Wassergraͤben und steinernen Mauern umgeben ist. Wir hatten nicht das Gluͤck, sie anders als von weitem zu besehen. Die Lage der Stadt unge- faͤhr mitten im Lande verschafft ihr den ungemein großen Vortheil der vorzuͤglichen Handlung. Sie erstreckt sich auf einer großen Ebene ungefaͤhr eine Deutsche Meile in der Laͤnge und eine halbe Meile in der Breite. Die mei- sten und geschicktesten Handwerker, Fabrikanten und Kuͤnst- ler und die angesehensten Kaufleute haben sich hier seß- haft niedergelassen. Alles was man will, kann man hier zu Kauf haben, besonders lackirte Sachen, Sammete, seidne Zeuge, Gold- und Silberstoffe, Arbeit von Gold, Silber und Kupfer; Sowa; Kleider und die vortreff- lichsten Waffen. Das an sich schon vortreffliche Japa- nische Kupfer wird hier gelaͤutert und veredelt, nachdem es bey den Gruben nur geroͤstet und geschmelzt worden ist. Alles Geld wird hier gepraͤget. Und da nur am Hofe des Dairi, gleichsam als auf einer Reichs-Akademie, Litteratur und Gelehrsamkeit cultivirt werden, so werden hier auch alle Buͤcher gedruckt. Den 14. April verließen wir Miaco und kamen uͤber Keagi , Jako Tjaja , Fasiri , Isiba oder Oits , Tsetta und Skinowa nach Kusats , wo wir das Nacht- nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . Logis nahmen: eine Tagereise von etwas mehr als sieben Meilen. Oits liegt an einem Landsee gleiches Nahmens, der gegen seine Laͤnge von vierzig Japanischen Meilen sehr schmal ist. Wenn man alten Erzaͤhlungen glauben kann, so ist derselbe in Einer Nacht durch ein Erdbeben, das diese ganze Strecke Landes einstuͤrzen gemacht, entstan- den. Er befoͤrdert gar sehr den Transport der Waaren aus den umliegenden Gegenden nach Miaco . Auch ist er deswegen merkwuͤrdig, daß Lachse sich darin aufhalten, welche Art Fische sonst in ganz Ostindien so außerordent- lich selten ist. Diejenigen, welche wir hier davon aßen, waren vortrefflich. Die groͤßten wogen ungefaͤhr ein halbes Ließpfund. Auf unsrer ferneren Reise trafen wir noch an mehr Oertern Lachs; wir ließen daher verschiedne raͤuchern, um sie bey unsrer Zuruͤckkunft mitzunehmen; diese kamen aber weder an Groͤße und Fett, noch in An- sehung der Art, wie sie geraͤuchert waren, den Europaͤi- schen gleich. Kusats ist nur ein Dorf, aber von fuͤnf hundert Feuerstellen. Bey Tsetta kamen wir uͤber eine sehr lan- ge Bruͤcke, die auf einer kleinen, nahe nach der einen Seite liegenden Insel ruhet, etwa 350 Schritte lang, nach Japanischer Art schoͤn gebauet, und mit Gelender versehen ist. Am folgenden Tage hatten wir eilf Meilen zu ma- chen, und zwar durch die große reiche und fruchtbare Pro- vinz Omi . Hier liegen die Staͤdte und Doͤrfer ganz dicht an einander. Die merkwuͤrdigsten, welche wir passirten, waren Menoki , Issibe , Nasumi , Isami , Minakuts , Ono , Matsu , Fitsjoma , Inofana Sawa und Sakanosta . Minakuts ist eine ansehnliche Stadt. So wohl hier als vorher an verschiednen Orten, waren Kranke F 2 Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima aus den umliegenden Gegenden angekommen, um sich gegen ihre chronischen Krankheiten von dem Hollaͤndi- schen Arzte Rath und Medicin geben zu lassen. Bey vielen bestand das Uebel entweder in Verhaͤrtung der Druͤsen und offenen Krebsschaͤden, oder in venerischen Symptomen, die zu sehr uͤberhand genommen hatten. Gegen Abend kamen wir in die Landschaft Isi , und zwar durch verschiedne am Wege liegende, sehr lange und fast an einander stoßende Doͤrfer nach der zu unsrer Nacht-Herberge bestimmten Stadt Seki . Die heutige Reise war nicht weniger angenehm, als die gestrige. Denn auch diese Provinz ist dicht bewohnt, fruchtbar und volkreich. Nur schlimm, daß wir hier, so wie uͤberall in den Doͤrfern, den Geruch des gesammelten Urins und Unraths auszustehen hatten, der alles Ver- gnuͤgen verbitterte, und uns zwang, die Fenster in un- serm Norimon fast immer zuzuhalten. Den Tag darauf legten wir zehn Meilen zuruͤck. Nachdem wir durch Nosin , Kamirujammi , Moirino- sta , Sono , Tjakusi , Sutski , Ojiwaki , die ansehnli- che Stadt Jokaits , Tomida und Matsdera gekommen waren, trafen wir gegen Abend zu Kwana ein, wo wir in einem schoͤnen und bequemen Logis die Nacht zu- brachten. Bey Jokaits waren wir wieder an der Kuͤste, in deren Naͤhe wir hernach fast ganz hin bis Jedo blie- ben. Auf diesem Wege aber hatten wir viele große und gefaͤhrliche Fluͤsse zu passiren, uͤber welche man wegen ih- res starken Anschwellens in den Regenzeiten keine Bruͤ- cken hat anlegen koͤnnen, durch welche daher Reiter, Lastthiere, Traͤger und Fußgaͤnger hindurch muͤssen. Nicht weit von Jokaits bekamen wir unterweges drey Bettelnonnen zu Gesellschafterinnen. Bey jedem unsrer Norimon ging eine her, um von uns Hollaͤndern nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . Geld zu bekommen. Sie begleiteten uns mehrere Stun- den lang, und bettelten unaufhoͤrlich, obschon sie so gleich zu Anfange eine artige Gabe in Silbermuͤnze em- pfangen hatten. Sie waren nett und reinlich gekleidet; aber mit ihrem ungestuͤmen und hartnaͤckigen Betteln fie- len sie uns sehr zur Last. Wir wechselten daher ein Gold- stuͤck, um von der kleinen Kupfermuͤnze eine Partey zu be- kommen, die durch ein in der Mitte befindliches vierecki- ges Loch auf eine Schnur gereihet wird, und Seni heißt. Hievon theilten wir von Zeit zu Zeit ein Paar Stuͤcke aus, und nun konnten wirs aushalten. Die Maͤdchen waren von sechzehn bis achtzehn Jahr alt, und ihr Be- tragen, das eigensinnige Betteln ausgenommen, anstaͤn- dig. Unsre Dolmetscher beschrieben sie uns als Toͤchter von Bergpriestern, einer Art Moͤnche, die den Nahmen Jammabo haben, und sagten uns, ihr vornehmster Er- werb sey das Betteln, sie seyen verbunden, von ihren Al- mosen eine jaͤhrliche gewisse Abgabe an den Tempel zu Isi zu erlegen, ihre Sittsamkeit und Keuschheit sey aber nicht so groß, als sie uns vorkomme. Sie heißen Ko- mano Bikuni. Kwana ist eine ansehnliche, große und stark be- festigte Stadt in der Landschaft Owari , einer der reich- sten und bedeutendsten unter den Fuͤrstlichen Provinzen des Reichs. Sie hat zwey Citadellen, und ist mit Mauern und Graͤben eingeschlossen. Die Citadellen ha- ben hohe Thuͤrme, die einen schoͤnen Anblick geben. So wohl in diesen als in den Stadtmauern sieht man allent- halben kleine laͤngliche Oeffnungen, die zu Schießschar- ten dienen, um mit ihren Pfeilen, vor den feindlichen Schuͤssen sicher, hindurch zu schießen. Am folgenden Morgen fuhren wir uͤber den Meer- busen, sieben Seemeilen weit, nach Mia . Diese See- Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima reise war eine der sonderbarsten. Zu Kwana hatten wir uns mit unserm Gefolge und Gepaͤcke in große Fahrzeu- ge eingeschiffet. Als wir aber dem Hafen bey Mia nahe kamen, fanden wir ihn so untief, daß wir uns in kleine Boͤte begeben mußten, um weiter zu kommen. So klein diese auch waren, konnten wir damit doch auf keine an- dere Art zur Stadt gelangen, als daß jedes Boot von zwey Kerlen auf dem wenigen Wasser, das uͤber dem Moder stand, mit den Haͤnden fortgezogen werden mußte. Mia hat daher, ob es gleich an einer Bugt der See liegt, einen elenden, so wohl fuͤr kleine als große Fahrzeuge wenig brauchbaren Hafen, wiewohl deren dessen ungeachtet eine ziemliche Menge vor Anker lag. Waͤlle oder andre Befestigungswerke hat die Stadt nicht. Sie ist aber sehr volkreich und hat großes Verkehr. Auch hat sie das Besondre, daß die mittelste Straße außerhalb der Stadt selbst, noch zwey Meilen weit an einem gro- ßen Flusse bis nach der Stadt Nangaja hinlaͤuft. Die- se letztere ist befestigt und die Hauptstadt in der Provinz Owari . Von Mia ging unsre Reise durch Kassadera , Ma- rumi , Singo und Imo Kawa , nach Tjiriu , und von da am folgenden Tage unter Usida , Ofama , Jafagi , Okasaki , Kaginoies , Fusikowa , Motosiku , Akasaki , Goju , Djokasen und Jootsia nach Josida : welches un- gefaͤhr eilf Meilen ausmacht. Okasaki liegt schon in der Provinz Mikawa , und ist eine Festung. Ueber den bey der Stadt vorbey flie- ßenden Fluß geht eine sehr merkwuͤrdige Bruͤcke, die fuͤr die laͤngste im ganzen Reiche gehalten wird. Sie ist 158 Klafter lang, von Holz gebauet, und soll 30000 Kobang oder 300000 Thaler gekostet haben. In der nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . sehr starken, und mit hohen Thuͤrmen und Mauern pran- genden Citadelle residirt der Fuͤrst dieser Landschaft. In dieser Gegend ist das Land gebirgig. Die Ebenen und Thaͤler zwischen den Bergen sind gleichwohl vortrefflich angebauet. Jetzt pflanzte man den Reiß um. Die See wirft an diesen Kuͤsten Zuckertang ( Fucus sac- charinus; Japanisch Komb oder Kobu) aus, der sehr breit und lang ist. Den 19. April reiseten wir, fuͤnf Meilen weit, durch Imuri , Ftagawa , Jetsuri jama mura , Siraska und Moto Siraska und Array . Array ist eine kleine offne Stadt, dicht an einem Busen des Meers. Wenn der Grund desselben so gut als seine Gestalt und Lage ist, so muß er den besten und sichersten Hafen abgeben, der sich gedenken laͤßt; und wenn dieser zugleich auf Europaͤische Art befestiget wuͤrde, muͤßte er ganz unuͤberwindlich werden. Uebrigens ist die- ser Ort deswegen merkwuͤrdig, weil hier die Waaren und andre Sachen aller Reisenden, besonders der Fuͤrsten der Provinzen, wenn sie zum Kaiser reisen, visitirt werden. Dies geschieht von dazu bestellten Kaiserlichen Beamten, die besonders genau dahin sehen muͤssen, daß keine Frauenspersonen, und keine Waffen durchpassiren, wo- durch Unruhe im Lande entstehen koͤnnte. Unser Gepaͤcke wurde jedoch nur ganz gelinde untersucht, worauf wir je- nen Beamten unsern Besuch machten. Von hier nahmen wir unsern Weg, ungefaͤhr eine Meile weit, in flachen Boͤten, uͤber die Bugt, zu der gegen uͤber liegenden Stadt Maisaki , darauf durch Si- nowara , Nimbutsdo , Tammamats , eine große und ansehnliche Stadt, Tinsjemmats , in Boͤten uͤber den Fluß Tindingawa , durch Ikeda , Daisoin nach Mitske , wo wir zu Nacht blieben; ferner uͤber Mikano , Fuku- Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima roi , Nakuri , Firagowa , Kakegawa , eine große und befestigte Stadt, Jamma Fano , Nissaka , Kikugawa , Komaja , und den Fluß Ojingawa nach Simada , ei- nem ungefaͤhr eine Viertelmeile langen Dorfe, welches zusammen gegen sechzehn Meilen ausmachte. Der Fluß Ojingawa ist fuͤr Reisende einer der ge- faͤhrlichsten. Er schwillt nicht nur waͤhrend der Regen- zeit, wie andre, sehr hoch an, sondern sein Lauf nach der See hinab ist auch unglaublich schnell, und der Boden alsdann oft mit großen Steinen bedeckt, die der reißende Strom von den Bergen herunter gewaͤlzt hat. Bey al- len denjenigen großen Fluͤssen, uͤber die man keine Bruͤ- cken hat anlegen koͤnnen, hat die Regierung Anstalt ge- troffen, daß Reisende entweder in Boͤten uͤbergesetzt, oder von dazu bestellten Leuten hindurch getragen werden. Bey der gefaͤhrlichen Stelle, die wir jetzt zu passiren hat- ten, und wo weder Bruͤcke noch Boot gebraucht werden kann, ist diese Vorsorge verdoppelt. Hier sind Leute in Menge bestellt, die nicht nur den Grund genau ken- nen, sondern auch durch Uebung gelernt haben, die Rei- senden sicher durchzutragen. Ihre Bezahlung steht mit der verschiednen Hoͤhe des Wassers, mithin auch der je- desmahligen Gefahr, im Verhaͤltnisse. Sie muͤssen aber auch mit ihrem Leben vor alles Ungluͤck stehen. Man bleibt in den Norimon sitzen, und wird so durch- getragen. Fuͤr uns hatte dies etwas ganz schreckliches, obwohl das Wasser jetzt eben nicht hoch war, sondern den Traͤgern nur etwas uͤber die Knie ging. Mehrere Kerl trugen den Norimon auf beyden Seiten, und neben die- sen gingen andre, um sie zu unterstuͤtzen, damit sie von der Gewalt und dem reißenden Laufe des Stroms nicht fortgetrieben wuͤrden. Auf gleiche Art werden auch die Pferde durchgebracht, indem zu jeder Seite einige Mann nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . neben ihnen hergehen. Die Bagage wird ebenfalls durchgetragen. Als wir gluͤcklich hindurch waren, theilte jeder von uns zwey Schnuͤre mit aufgereiheter Kupfer- muͤnze unter unsere Traͤger aus. Zu Simada verweilten wir zwey Tage und Naͤchte. Darauf kamen wir durch verschiedne Doͤrfer, als: Cet- to , Fusida , Awuni , Okabe , Utsnoja und Mariko , dann uͤber den Fluß Abikawa durch Futsjo und Gurida- ma , nachdem wir an diesen Tagen uͤber zehn Meilen ge- reiset waren. Am folgenden Tage mußten wir uns sehr fruͤh auf den Weg begeben, weil wir dreyzehn Meilen zuruͤck zu legen hatten. Wir reiseten uͤber Jesero no- kaits , Okits no frasawa , Jui , Kambara , den großen Fluß Fusikowa in Boͤten, Moto itsiban oder Siro Sakki , Josiwaro , Kasiwabara , Ipomats , Farra , Nu- matso und Kisigawa nach Misima . Bisher waren wir an der Kuͤste hingereiset; bey Farra aber entfernten wir uns davon. Hier faͤngt eine sehr gebirgige Gegend an, durch welche unser Weg ging. Auch ist das Land hier reicher an Fichten und andern Baumarten. Der Fluß Fusikowa ist ungemein gefaͤhrlich, und man kann nur an einer Stelle uͤberkommen. Er ist et- was tief; besonders aber ist er sehr breit und von so schnellem Lauf, daß die Ruderer mit aller Macht das Boot kaum schraͤg uͤberbringen koͤnnen. Bey Josiwara waren wir dem Berge Fusi so na- he, als wir ihm auf unsrer Reise kommen konnten. Sei- ne Gipfel hatten wir schon vor mehreren Tagen erblickt. Er ist der hoͤchste Berg im ganzen Lande, und fast das ganze Jahr hindurch mit Schnee bedeckt, daher seine weiße Spitze weit uͤber die Wolken hervor scheint. Die Japaner schaͤtzen seine ganze Hoͤhe auf sechs Meilen. Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima Seine Gestalt ist wie ein Rhinoceroshorn oder wie ein Zuckerhut, indem der Fuß sehr dick und breit, der uͤbrige Theil aber sehr spitzig ist. Die Landeseinwohner glau- ben, der Gott des Windes habe auf diesem Berge seine Residenz. Wenn sie ihn besuchen, bringen sie gewoͤhn- lich zwey Tage auf der Hinaufreise zu. Die Herunter- reise geschieht gemeiniglich nicht so langsam, bisweilen so gar in Zeit von einigen Stunden, da sie denn sich ge- wisser dazu eingerichteter kleiner Schlitten bedienen, die aus Stroh gemacht sind, und vor den Leib gebunden werden. Auf dieser Reise sahen wir am Wege verschiedne Knaben, die auf dem sandigen Boden ein Rad schlugen, und uns auf diese Weise eine ganze Strecke begleiteten, um Geld von uns zu bekommen, das wir ihnen denn auch in kleiner kupferner Muͤnze hinwarfen. Heute kamen wir nicht eher, als spaͤt am Abend in voller Dunkelheit, mit Leuchten und Fackeln in unserm Nacht-Quartiere an. Am folgenden Tage stand uns eine beschwerliche Reise uͤber die so genannten Fakonie- Berge bevor. Der ganze Vormittag wurde damit zuge- bracht, hinauf zu kommen. Oben ruheten wir aus, und den ganzen Nachmittag gebrauchten wir, auf der andern Seite wieder hinunter zu kommen. Der Weg ging durch Skawaro , Jamma Nakka , Kapto Jes . Auf dieser Reise ließ ich mich selten tragen, son- dern so oft es sich thun ließ, ging ich die mit Buͤschen und wilden Baͤumen reichlich bewachsenen Anhoͤhen zu Fuß hinauf: die einzigen, die ich außer denen um Nangasaki , habe besuchen und darauf botanisiren koͤn- nen. Aber in eben demselben Verhaͤltnisse, als ich mei- nen Traͤgern die Last erleichterte, machte ich den Dol- metschern, besonders den Unterbedienten, die mir wech- nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . selsweise auf dem Fuße nachgehen mußten, die Reise laͤstig. Ich hatte zwar nicht die Erlaubniß, mich weit vom Wege zu entfernen, weil ich mich aber auf den Afrikanischen Gebirgen vorhin so gut geuͤbt hatte, die Klippen hinauf zu laufen, machte ich vor meinen, manch- mahl ziemlich aͤngstlichen und keuchenden Begleitern, oft artigen Vorsprung, und gewann dadurch Zeit, eine ziemlich große Menge der seltensten Gewaͤchse, die in Bluͤthe gekommen waren, zu sammeln und in mein Schnupftuch zu legen. Auch in dieser gebirgigen Gegend war das Land an vielen Stellen sehr gut angebauet und bewohnt. Von der Hoͤhe des Berges kamen wir zuerst in das Dorf Fakonie . Hier aßen wir zu Mittag, bestell- ten zu unsrer Zuruͤckkunft einige lackirte Sachen und andre Handelswaaren, und besahen diese, so hoch auf einem weitlaͤuftigen Berge liegende schoͤne Stelle. Un- ter andern ist hier ein ziemlich großer und fischreicher Landsee mit einer mitten darin belegenen Insel; er hat suͤßes Wasser und unter andern Fischarten auch Lachse, von denen wir nicht nur aßen, sondern auch eine Partey zum Raͤuchern bestellten, die wir mitnehmen wollten, wenn wir wieder durchreiseten. Stroͤmlinge, diese in der Ost-See allenthalben, sonst sehr selten, vorhandne He- ringsart, wovon Kaͤmpfer erzaͤhlt, daß sie auch hier be- findlich sey, hatte ich nicht Gelegenheit zu sehen. Das Dorf liegt am Ufer des Sees, welcher auf allen Seiten von Bergen umgeben ist. Es besteht aus wenigstens hundert und funfzig Haͤusern, ob es gleich so hoch hin- auf liegt, daß das Erdreich umher wenig gebauet werden kann. Der See soll eine Meile lang und eine Viertel- meile breit seyn; mir kam er an einigen Stellen hoͤch- stens zwey Buͤchsenschuͤsse breit vor. Er soll durch Erd- Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima beben entstanden seyn, dergleichen im ganzen Lande, be- sonders im noͤrdlichen Theile, durchgaͤngig und oft ver- spuͤrt werden. Dies ist um so viel glaublicher, da noch vom Boden des Sees durch Taͤucher große, ehemahls mit dem Lande selbst niedergesunkne Cedernbaͤume sind herauf gehohlt worden. Unter den schoͤnsten und groͤßten Baͤumen, die ich hier sah, war der praͤchtige und unvergleichliche Lebens- baum ( Thuja dolabrata ), der allenthalben am Wege ge- pflanzt war. Ich halte ihn fuͤr den schoͤnsten von allen Nadelbaͤumen, nicht nur wegen seiner Hoͤhe und seines geraden Stamms, sondern auch wegen seiner Nadeln oder Blaͤtter, die bestaͤndig auf der obern Seite gruͤn, und auf der untern silberweiß sind. Da ich ihn nicht in Bluͤthe, auch keine Zapfen davon mit Samen fand, gab ich mir alle Muͤhe, durch die Dolmetscher und andere meiner Freunde mir etwas Samen und lebendige Pflanzen zu verschaffen, die ich hernach nach Holland geschickt habe. Ich fand hier einen mir bisher ganz unbekannten Strauch, den ich Lindere ( Lindera ) nannte. Er hat weißes und weiches Holz, woraus die Japaner Zahnbuͤr- sten machen, womit man die Zaͤhne scheuert und reini- get, ohne den Zaͤhnen selbst oder dem Zahnfleische im ge- ringsten zu schaden, und welche eben so haͤufig, als Schwefelsticken verkauft werden. — Die Berberis- oder Saurachstaude ( Berberis ), so wohl die gewoͤhnliche ( vul- garis ), als die Cretische ( Cretica ) waͤchst hier und stand jetzt in Bluͤthe. An der Osyris Osyris laponica ) fand ich einen sonderbaren Busch. Sie hat verschiedne kleine Blumen mitten auf den Blaͤttern; eine in der Natur sonst so seltne Erscheinung. — In den Gebuͤschen trifft man haͤufig die rauhe Deuzie ( Deozia scabra ) an, einen Strauch, der so starre Blaͤtter hat, daß die Tischler ihn all- nach der Kaiserl Residenz-Stadt Jedo . gemein wie Winter Kannenkraut gebrauchen, damit zu bohnen. — Da in diesem noͤrdlichen und gebirgigen Theile von Japan das Land betraͤchtlich kalt ist, giebt es hier verschiedne Arten Baͤume und Straͤuche, die sonst in Eu- ropa zu Hause sind, wiewohl mir die Gattungen groͤßten- theils neu waren. So fand ich hier verschiedne Arten Ei- chen, einige Gattungen der Preuselbeere ( Vaccinium ), Schwelken ( Viburnum ), Maßholdern ( Acer ), und eine wilde Art Birnen ( Pyrus laponica ). In den Gaͤrten so wohl hier, als in verschiednen andern Gegenden traf ich auch mancherley Gewaͤchse an, die theils zu Hecken gebraucht, theils um ihrer schoͤnen Blumen willen gezogen wurden. Dahin rechne ich ver- schiedne neue Gattungen der Schwelken ( Viburnum ), so wohl mit gewoͤhnlichen als doppelten Blumen ( Flores radiati ), wovon einige voͤllig so aussahen, als der Schwedische so genannte Schneeballen-Strauch, oder der gemeine Schwelken ( Opulus ). Vom Spierkraute ( Spi- rea ) wird das chamanderblaͤttrichte ( chamaedrifolia ) und das gekerbte ( crenata ) zu Hecken gebraucht, wo es mit seinen schneeweißen Blumen sehr zum Zierrath gereicht. Den dreyblaͤttrigen Citronbaum ( Citrus trifoliata ), wel- cher ganz steife und fingerlange Zacken hat, braucht man nicht so haͤufig zu diesem Behuf. Er bluͤhete jetzt, ob- gleich die Zweige noch ganz kahl waren, und die Blaͤtter kaum angefangen hatten, sich zu zeigen. Die Frucht soll laxiren. An Schoͤnheit uͤbertrifft nichts die praͤchti- gen, und diesem Lande eignen Maßholdern oder Ahorn- baͤume ( Acer dissectum, Iaponicum, palmatum, septem- lobum, pictum und trifidum ) die hier gezogen werden. Sie fingen nun erst an ihre Blumen zu zeigen. Reifen Samen konnte ich nirgends bekommen. Ich mußte nur daher zu meiner Ruͤckreise kleine, in Toͤpfe gesetzte Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima Pflanzen davon bestellen, und diese hernach mit unglaub- licher Muͤhe und Behuthsamkeit, auch ansehnlichen Ko- sten, nach Nangasaki mitnehmen. — Die schoͤne blu- menprangende Gardenie ( Gardenia florida ), die ich hier so wohl mit doppelten als einfachen Blumen sah, und welche man anderwaͤrts so selten antrifft, wird ebenfalls, wiewohl nur von sehr vornehmen Leuten in ihren Pracht- gaͤrten zu Hecken benutzt. Die Samenkapseln davon werden in den Krambuden verkauft, und zu gelber Far- be gebraucht. In den Gaͤrten bauet man hin und wieder auch Drachenwurz ( Arum dracontium ), Schlangenkraut ( Dracunculus ) und Zehrwurzel ( Dracontium polyhyllum ), wie auch eßbaren Aron ( Arum esculentum ). Die Wur- zeln von allen diesen Gewaͤchsen sind sehr scharf. Die von der Zehrwurz wird von liederlichen Weibspersonen ge- braucht, die Frucht abzutreiben; aber die von der eßba- ren ist, wenn sie von ihrer Schaͤrfe gereinigt, und in Stuͤcke geschnitten wird, eine gute und nahrhafte Spei- se. Die Blumen der Zehrwurz sind groß, und haben einen Leichengeruch. Cypressen oder so genannte Cedern ( Cupressus Ia- ponica ) wachsen in diesen Gegenden, und auch in den meisten uͤbrigen Provinzen im Ueberfluß; nirgends aber finden sie sich, wie ich glaube, schoͤner und in groͤßerer Menge. Sie sind ohne Zweifel die schlanksten, gerade- sten und hoͤchsten von allen Nadelbaͤumen. Der Stamm geht in ganz gerader Linie in die Hoͤhe. Das Holz wi- dersteht lange der Faͤulniß, und wird nicht nur zu Schif- fen, Bruͤcken, und andern Wasserbauen gebraucht, sondern man macht auch allerhand große und kleine Tisch- lerarbeit daraus, die lackirt durch den Lackfirniß noch alle Adern zeigen. Wenn es nun eine Zeit lang in die Erde nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . gegraben und vom Wasser ganz durchdrungen wird, so bekommt es eine blaͤuliche Farbe; wird es alsdann mit dursichtigem Lack uͤberzogen, so nimmt es sich vorzuͤglich schoͤn aus. Es wird von hieraus in Menge in die uͤbri- gen Provinzen verfuͤhrt. In den bergigen Gegenden um Fakonie traf ich eine Art langer schmaler Eidechsen ( Lacerta laponica ) sehr haͤufig an. Die Dolmetscher hielten sie fuͤr einen Meerstint ( Stincus marinus ), und die Japaner nennen sie in ihrer Sprache Sansjo no iwo . Auch sah ich sie fast in allen Kramladen zu Kauf hangen. Man trocknet sie, steckt eine hoͤlzerne Pinne durch den Kopf, und reihet mehrere darauf. Sie werden zu Pulver gestoßen und als ein staͤrkendes Mittel, wie auch gegen die Lungensucht, und bey Kindern gegen die Wuͤrmer gebraucht. Endlich verließen wir diese schoͤne Stelle und reise- ten den Berg hinunter. Ich ermangelte nicht, Blumen und Samen von den am Wege stehenden Gewaͤchsen und Straͤuchen fleißig aufzusuchen und zu sammeln. Un- terwegs sahen wir sehr viele, von den Einwohnern zum Nutzen und zur Bequemlichkeit auf ihren Hoͤfen und Aeckern angelegte Wasserfaͤlle und Wasserleitungen aus dem See. Ehe wir am Fuße des Berges anlangten, kamen wir bey einer Kaiserlichen Wache an, die uns in Gegen- wart der dabey angestellten Kaiserlichen Bevollmaͤchtig- ten, genau visitirte. Dies ist die zweyte Wache, wel- che Reisende, die aus den westlichen Landschaften nach Jedo wollen, passiren muͤssen. Die Lage und Beschaf- fenheit des Landes in dieser Gegend ist von der Art, daß man gar keinen andern Weg als diesen nehmen kann, sondern durchaus uͤber den Berg Fakonie und durch die- sen engen Paß, der nicht nur bewacht, sondern auch mit Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima Thoren verschlossen wird, reisen muß. Die Obliegen- heit der Beamten ist besonders, genau dahin zu sehen, daß keine Waffen durch diesen Paß in den nord-oͤstlichen Theil des Reichs, worin Jedo liegt, und keine Frauens- personen, besonders solche nicht, die als Unterpfaͤnder der Redlichkeit ihrer Maͤnner in der Verwaltung ihrer Aemter, und ihrer Treue als Unterthanen des Kaisers, zu Jedo bestaͤndig in Verwahrung gehalten werden, aus diesem in den andern Theil gebracht werden. Die- ser Platz ist daher gleichsam eine Vormauer des noͤrd- lichen Theils, und der Hauptstadt. Die Reisenden muͤssen hier ihre Paͤsse vorzeigen; haben sie keine bey sich, so werden sie angehalten und nicht durchgelassen. Nunmehr kamen wir durch die Doͤrfer, Fatta , Kawa batta , Jomoto und Kasamats . Zu Odowara blieben wir die Nacht, nachdem wir fuͤnf Stunden ge- reiset waren. Nicht weit von Jomoto soll, nach dem Berichte der Dolmetscher, ein warmes Bad seyn. Her- nach kamen wir zu einem großen, schnell fließenden Flus- se, Nahmens Sakkawa , uͤber den wir in platten Boͤ- ten mit duͤnnen Boͤden, fuhren. Von da reiseten wir durch Misawa , Kosinksif , Koiso , Firaska , uͤber den Fluß Banningawa , durch Nango , Kwada , die Stadt Fusisawa , die an dem Flusse gleiches Nahmens liegt, und Fukanosikos nach der Stadt Totska , in allem eilf Meilen. In Totska uͤbernachteten wir. Bis Fusisawa ging der Weg laͤngs der Kuͤste hin. Der Banningawa ist einer von den groͤßern Fluͤs- sen. Er fließt sehr stark und ist gefaͤhrlich. Eine Bruͤ- cke hat man gar nicht anlegen koͤnnen. Man laͤßt sich in eigentlich dazu eingerichteten flachen Boͤten uͤbersetzen. Hier endigen sich die gebirgigen Gegenden; dagegen oͤff- nete sich uns eine Ebene, die weiter reichte, als das Au- ge nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . ge sehen konnte. Totska liegt von der Seekuͤste ent- fernt. Das Land bildet hier eine ins Meer hervor sprin- gende sehr bergige Ecke. Wir kamen aber bald wie- der an die Kuͤste, in deren Naͤhe wir bis zur Haupt- stadt blieben. Unsre letzte Tagereise machten wir den 27. April, da wir ungefaͤhr zehn Meilen bis Jedo hatten. So wohl heute als gestern ging der Weg durch ein sehr volkrei- ches und cultivirtes Land, wo Staͤdte und Doͤrfer fast durchgaͤngig in einer ununterbrochnen Reihe fortgehen, und wo große Schaaren Reisende auf einander stießen. Wir passirten Sinamo , Odagaia , Kanagawa , Suru- mi , Kawasakki , den Fluß Rokogawa , Omuri , Obo- toki , Okido und Sinagawa . Die hiesige Kuͤste hat hie und da Vorrath an Au- stern und eine große Menge mancher andrer Arten aus- geworfner Conchylien, wovon ich aber keine bekommen konnte. Auch sammelt man hier so wohl gruͤne als braͤun- liche Seegewaͤchse aus den Geschlechtern des Tangs (Fu- cus) und des Watts (Ulva) . Man gebraucht sie zum Essen, ob sie gleich an sich sehr zaͤh sind. Man spuͤhlt sie wohl ab, daß das Salzige, der Sand und andre Un- reinlichkeiten abgehen, schneidet sie in kleine Stuͤcke, waͤscht diese nochmahls, und handthiert sie so lange, bis sie in kleinen Kuchen zubereitet und gegessen werden koͤnnen. Sinagawa und Takanawa sind sind zwey Vorstaͤdte von Jedo . Die erstere faͤngt ganze zwey Japanische Meilen von der Stadt selbst an, und laͤuft an der See- kuͤste hin. Wir rasteten hier eine gute Stunde, er- frischten uns mit etwas Speise und Trank, und ergoͤtz- ten uns an der schoͤnen Aussicht, welche die groͤßte Stadt des Reichs, die ohne Zweifel auch die weitlaͤuftigste auf Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. G Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima dem ganzen Erdboden ist, mit ihrem schoͤnen Hafen uns gewaͤhrte. Der Hafen ist indessen außerordentlich un- tief und schlammig. Die groͤßten Fahrzeuge liegen bis- weilen volle fuͤnf Meilen von der Stadt vor Anker; die weniger großen zwey Meilen, und die kleinen, nebst den Boͤten in verschiednen Reihen neben einander zu vie- len Hunderten, je nachdem sie groß und schwer sind, naͤ- her oder weniger nahe. Diese Seichtheit des Hafens sichert die Stadt zwar vor feindlichen Angriffen zur See, legt aber dem Transport der Waaren von andern Oer- tern unuͤbersteigliche Hindernisse in den Weg. Mit eben so neugierigen Augen, als wir die Stadt, den Hafen und die umliegende Gegend ansahen, wurden wir von den Japanern betrachtet. Diese stroͤmten von allen Seiten herbey, und formirten um uns, die wir in den Norimon eingeschlossen waren, ein ganzes Lager. So gar befand sich vornehmes Frauenzimmer darunter, das sich in Norimon hatte hertragen lassen, und recht ungeduldig zu seyn schien, wenn wir unsre Rouleaus bisweilen nie- derließen. Diese Saͤnften, so wie sie rund um uns her auf der Erde standen, schienen ein kleines Dorf fuͤr sich auszumachen, dessen kleine tragbare Haͤuser nach einer kleinen Weile verschwanden. Als wir die aus einer einzigen Straße bestehenden Vorstaͤdte Sinagawa und Takanawa zuruͤck gelegt hatten, merkte ich an der Wache, der groͤßeren Menge Men- schen in den Straßen, der Stille unsers Gefolges und dem ordentlicheren Gange unsrer Traͤger, daß wir in der Hauptstadt selbst angelangt waren. Nicht lange darauf kamen wir uͤber eine Bruͤcke, die Niponbas heißt, eini- ge und vierzig Klafter lang ist, und von welcher die We- ge nach allen uͤbrigen Staͤdten im ganzen Reiche abgemes- sen sind. Nachdem wir vor den Wachhaͤusern beym nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . Eingange in die Stadt vorbey waren, ging der Weg ei- ne gute Stunde lang durch eine große und breite Straße, ehe wir in der gewoͤhnlichen Herberge der Hollaͤndischen Ambassade eintrafen. Hier wurden wir durch die Hin- terthuͤr hinein, und darauf durch einen schmalen Gang nach dem andern Ende des Hauses getragen. Der er- ste Eintritt schien uns nicht viel großes und schoͤnes zu versprechen. Als wir aber die Treppe hinauf waren, fanden wir unsre Zimmer ziemlich nett, obgleich nicht so anstaͤndig, als ich sie in Ruͤcksicht auf eine foͤrmliche aus- waͤrtige Ambassade erwartet hatte. Ein großes Zimmer machte unser Vorzimmer, unsern Audienz-Saal und un- sern Speisesaal aus. Außer diesem stand nur noch eine besondre Kammer fuͤr den Ambassadeur, eine andre, die abgeschauert werden konnte, fuͤr den Doctor und den Secretair, und ein kleines Gemach zum Baden, bereit. Dies war alles, was wir zu unsrer Bequemlichkeit hat- ten, und damit mußten wir uns die ganze Zeit uͤber be- gnuͤgen. Die Aussicht ging nach einer kleinen Gasse, die selten leer von Jungen war, welche bestaͤndig jauchzten, und schrien, so bald sich nur einer von uns sehen ließ, und bisweilen so gar an den Waͤnden der gegen uͤber ste- henden Haͤuser hoch hinauf kletterten, um uns zu sehen. So hatten wir denn mit Gesundheit und Vergnuͤ- gen unsre weite Reise vollendet, und waren wohlbehalten in der, ganz im oͤstlichen Theile des Landes liegenden Hauptstadt des ganzen Reichs angekommen. Niemand als der Secretair war krank gewesen; ihn hatte auf den Wasserreisen das Podagra geplagt. Die Provinzen, durch welche wir gereiset waren, waren vierzehn. Omu- ra , Fisen , Tsikungo , Tsikudsen , Budsen , Jammasiwo , Omi , Isi , Owari , Mikawa , Tootomi , Surunga , Sagami und Musafi . Außer diesen waren wir zur G 2 Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima See an den Kuͤsten von acht andern hergefahren: Na- gatto , Suwo , Aki , Bingo , Bitsju , Bidsen , Fari- ma und Sidsju . Unser Weg war an einigen Orten von demjenigen verschieden, welchen die Gesandtschaft zu Kaͤmpfers Zei- ten nahm. Auch wurde hie und da ein andrer Ort zum Ausruhen und zum Mittagsessen gebraucht, als da- mahls. Die Wasserreise, welche beynahe einen ganzen Monath dauerte, hielt uns ungewoͤhnlich lange auf, und machte, daß wir zu Jedo spaͤter eintrafen, als je vorhin geschehen seyn mag. Mir verschaffte dieser Umstand aber den Vortheil, daß der Fruͤhling mehr zu Ende ging, und der Sommer naͤher heran ruͤckte, und daher mehr Baͤume und Gewaͤchse in Bluͤthe standen, als ich sonst Gelegenheit gehabt haben wuͤrde zu sehen und zu sam- meln, wenn die Reise um einen Monath kuͤrzer gewe- sen, und wir also auch um einen Monath fruͤher nach Nangasaki zuruͤck gekommen waͤren. Unterweges hatte ich verschiedne von den Fuͤrsten oder Befehlshabern des Landes, so wohl von den groͤße- ren und reicheren, als kleineren, mit einem angemeßnen Gefolge auf ihrer jaͤhrlichen Reise nach der Hauptstadt und dem Kaiserlichen Hofe gesehen. Wenige zuruͤck kommende von ihnen begegneten uns; die meisten reise- ten hin. Vor denen, welche von großem Ansehen wa- ren, mußten wir, indem sie vorbey zogen, still halten, wenn wir nicht vorher eine Herberge hatten erreichen koͤn- nen. Wenn dann ihre Suite sehr groß war, hatten wir gewoͤhnlich auch den Verdruß, daß wir uns mit den schlechteren Logis behelfen mußten, besonders, wenn es sich traf, daß wir in solchen Gegenden zusammen stie- ßen, wo nur kleine Doͤrfer vorhanden waren. Ja so gar trug es sich einmahl zu, daß wir in einer Stadt das nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . schon bezogne Quartier wieder raͤumen, und uns nach ei- nem vor der Stadt stehenden Tempel verfuͤgen, und da- selbst zwey Tage still liegen mußten, ehe wir genug Traͤ- ger, Pferde und andre Nothwendigkeiten zur Fortsetzung unsrer Reise bekommen konnten. Nicht selten besteht die ganze Reisegesellschaft eines solchen Fuͤrsten aus meh- reren hundert, ja wohl aus ein bis zwey tausend Mann. Dies ganze Heer zieht in foͤrmlicher Ordnung einher. Sie haben eine Menge Gepaͤcke bey sich, das theils von Menschen, theils von Pferden getragen wird. Ihre Wapen und Fuͤrstlichen Insignien werden allezeit vor ih- nen hergetragen, einige in ziemlicher Entfernung, andre dicht vor ihren Norimon. Gemeiniglich werden auch ein oder zwey schoͤne Handpferde vor ihnen hergefuͤhrt. Einige hatten auch einen oder mehrere, zur Jagd abge- richtete Falken bey sich, die an einer um den Fuß ge- bundnen Kette auf dem Arme getragen wurden. Fer- ner wurden in der Naͤhe ihrer Saͤnften verschiedne große und kleine Kisten, Betten, Theegeraͤth; ja so gar von besondern Bedienten Sonnenschirme, Faͤcher, Hut, Pantoffeln und dergleichen getragen, um alles so gleich bey der Hand zu haben. Wo sie durchkamen, entstand tiefe und allgemeine Stille: die Leute auf und an den Wegen legten sich nieder, den Kopf gegen die Erde ge- neigt, um ihre Ehrfurcht zu erkennen zu geben. Die Norimon-Traͤger trugen die Livree ihres Herrn, und alles war mit dem Wapen desselben bezeichnet. Wenn sie uns vorbey passirten, hatten sie gemeiniglich die Gardinen nie- dergelassen. Nur hie und da einer hatte die Hoflichkeit, sie aufzuziehen, und im Vorbeygehen uns zu gruͤßen. Ei- nige waren gar so artig, daß sie jemanden von ihrem Hof- staate zu uns schickten, und uns Gluͤck wuͤnschen ließen. Waren wir aber vorher an einem Orte angekommen, so Zweyte Abtheilung. Reise von Dezima hatten wir Gelegenheit, in einem fuͤr uns dazu bestellten Hause an der Hauptstraße den ganzen Zug vorbey kom- men zu sehen. Die Gardinen waren alsdann gewoͤhn- lich aufgezogen, und wir sahen den Fuͤrsten in seinem Norimon sitzen, aber an Farbe und Ansehen allen an- dern Leuten voͤllig gleich, auch eben so gekleidet, und oh- ne seinen großen Hofstaat und praͤchtigen Aufzug von andern nicht zu unterscheiden. So hoͤflich wir auch, wenn wir an der Grenze des Gebieths eines solchen Fuͤrsten ankamen, in ihrem Nahmen von besonders dazu abgeschickten Personen em- pfangen und complimentirt wurden, so hatten wir doch nirgends Erlaubniß, einen von ihnen zu besuchen, wenn wir gleich durch seine Residenz-Stadt reiseten. Eben so wenig bekamen wir von ihnen Besuch. Jenes konnte deswegen nicht geschehen, weil es uns ansehnliche Ge- schenke gekostet haben wuͤrde. Denn nach der Sitte des Landes muͤssen allezeit kostbare Geschenke voraus ge- schickt werden, ehe der Besuch abgestattet wird. Das letztere hat auch seine Ursachen. Einmahl ist es verbo- then, um zu verhuͤthen, daß die Hollaͤnder mit den Fuͤr- sten im Reiche keine Bekanntschaft machen, die vielleicht in einer oder andrer Ruͤcksicht demselben nachtheilig seyn koͤnnte. Dann laͤßt aber auch ihre eigne Hoheit es nicht zu; sie wuͤrden sich, wenn es geschehen sollte, in ihrer gan- zen Hofpracht zeigen muͤssen. Dessen ungeachtet wider- fuhr uns doch einmahl die eben so seltne als unvermuthe- te Ehre, daß wir an einem Abend in unserm Logis von ei- nem dergleichen Landesfuͤrsten einen Besuch erhielten. Er kam aber incognito, und hatte nur zwey seiner Hofleute bey sich. Er blieb eine gute Weile, sprach mit uns von allerhand Dingen, und schien eben so neugierig zu seyn, als er ein artiger und hoͤflicher Herr war. Alles was nach der Kaiserl. Residenz-Stadt Jedo . wir von Europaͤischen Sachen bey uns hatten, besah er sehr genau und mit vieler Aufmerksamkeit, und er blieb mit seiner Unterredung nicht bey Japanischen Gegen- staͤnden stehen, sondern lenkte sie auch auf Europaͤische Materien. Auf der ganzen Reise hatten wir nur wenig Regen. Die Kaͤlte war auch ertraͤglich, ob wir gleich bisweilen in unsern Zimmern einheitzen mußten. Unsre Japaner hielten die Kaͤlte besser, als das regnige Wetter aus, weil sie bestaͤndig mit bloßem Kopfe und nackten Fuͤßen gingen. Wenn es stark regnete, machten sie sich sehr ungern auf den Weg. Dritte Abtheilung. Drittte Abtheilung. Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo . G leich anfangs nach unsrer Ankunft zu Jedo bekamen wir taͤglich Besuch von vielen Japanern. Wir selbst hatten nicht anders Erlaubniß auszugehen, als zur Au- dienz. Aber auch uns zu besuchen, hatte niemand die Freyheit als die, welche sie von der Regierung ausdruͤck- lich erhalten hatten. Anfaͤnglich machten uns nur vorneh- me Herren und Gelehrte die Visite; hernach fanden sich auch Kaufleute und andre ein. Die allerersten waren fuͤnf Aerzte und zwey Astronomen, die nach empfangner Erlaubniß vom Reichsrathe, auf eine sehr feyerliche Weise kamen, um ihre Freude uͤber unsre Ankunft zu be- zeugen. Der Ambassadeur, ich und der Secretair, nebst unsern Dolmetschern und den uͤbrigen Japanischen Ober- Bedienten von unsrer Gesellschaft, nahmen sie in unserm Saale an, und unterredeten uns mit ihnen verschied- ne Stunden lang. So bald die Complimente und das gewoͤhnliche allgemeine Gespraͤch vorbey waren, wandten alle sich mit ihren Fragen fast ganz allein an mich. Sie hielten mich fuͤr bewandert in den Wissenschaften, worin sie uͤber manche Materien Erlaͤuterung wuͤnschten. Die beyden Sternkundigen hießen Sakaki Bonsin und Su- bokawa Sulo , und waren ernsthafte, etwas bejahrte Maͤnner. Ihre Erkundigungen betrafen meist die Ver- finsterungen, welche sie, wie ich merkte, nicht auf Mi- nuten, oft nicht einmahl auf Stunden ausrechnen konn- Ausenthalt in der Hauptstadt Jedo . ten. Da unsre Fragen und Antworten allezeit durch den Mund der Dolmetscher gehen mußten, trat nicht selten der Fall ein, daß wir einander nicht deutlich verstehen konnten. Dazu kam, daß ich selbst nicht solche astrono- mische Kenntnisse besaß, als ich wuͤnschte, und daß we- der sie noch ich Buͤcher zur Hand hatten, die uns haͤtten behuͤlflich seyn koͤnnen. Mit den Aerzten war die Un- terredung viel leichter. Zwey von ihnen verstanden selbst das Hollaͤndische etwas, und die Dolmetscher sind uͤber- all in der Arzneywissenschaft nicht unerfahren. Die Aerzte will ich doch naͤher beschreiben. Einer hieß Oka- da Jeosin , ein Mann uͤber siebzig Jahr. Er fuͤhrte meist immer das Wort. Unter andern verlangte er vom Krebs, Beinbruch, Nasenbluten, Geschwuͤren, Phi- mosis, Wunden im Halse, Zahnschmerzen und der goldnen Ader vieles zu hoͤren. Ihn begleitete gewoͤhnlich ein junger Mann, Kurisuki Dofa . Zwey andre, Amano Reosjun , und Fokusmoto Dosin verhielten sich gemeiniglich nur als Zuhoͤrer. Diese vier wiederhohlten ihren Besuch nicht oft, legten ihn auch in der Folge nicht feyerlich, sondern privatim bey mir ab. Zwey andre aber kamen nicht nur alle Tage zu mir, sondern blieben auch zum oͤftern spaͤt in der Nacht, um sich von mir in der Physik, Oekonomie, besonders aber in der Botanik, Chirurgie und Medicin, Wissenschaften, die sie sehr liebten, un- terrichten zu lassen. Einer von ihnen, Nahmens Kat- fragawa Fosju , war Leibarzt des Kaisers, dessen Wa- pen er auch auf seinen Kleidern trug, ein ganz junger lebhafter Mann, ein guter Kopf und dabey von gutem Gemuͤths-Charakter. In seiner Gesellschaft war allezeit einer seiner Freunde, Nakagawa Sunnan , etwas aͤlter, und Leib-Medicus im Dienste eines der vornehmsten Fuͤrsten des Landes. Beyde, insonderheit der letztere, spra- Dritte Abtheilung. chen das Hollaͤndische ziemlich gut, und besaßen eini- ge Einsicht in die Mineralogie, Zoologie und Kraͤu- terkunde, und uͤberhaupt in die Naturgeschichte, die sie theils Chinesischen und Hollaͤndischen Buͤchern, theils den Hollaͤndischen Aerzten, die ehemahls hier gewesen waren, zu verdanken hatten. Sie waren beyde unbe- schreiblich freundschaftlich, dienstfertig und lernbegierig. Sie suchten mich um so viel mehr zu benutzen, da sie bey mir Kenntnisse, die sie vorher bey andern vermißt hatten, zu finden glaubten, und da lange vor unsrer Ankunft durch die Dolmetscher das Geruͤcht sich hieher verbreitet hatte: dies Jahr wuͤrde ein Hollaͤndischer Doctor nach Jedo kommen, der gelehrter waͤre, als die, freylich oft sehr unwissenden, Feldschere, die man hier zu sehen ge- wohnt ist. Diese bereits zum Voraus gefaßte gute Mei- nung von mir wurde durch die vortrefflichen chirurgischen Instrumente, welche ich von Paris und Amsterdam mit- genommen hatte, noch mehr erhoͤhet. Manchmahl wur- de mir ihr unablaͤssiges Fragen wirklich zur Last, dies abge- rechnet aber brachte ich in ihrer Gesellschaft viele angeneh- me, unterhaltende, mit unter fuͤr mich so gar lehrreiche Stunden zu. Sie brachten oft, bald zum Geschenk, bald zum Besehen, kleine Sammlungen von Droguen, Mineralien und frischen Kraͤutern, theils mit, theils ohne Bluͤthe mit. Die Kraͤuter trocknete und verwahrte ich. Sie lehrten mich ihre Japanischen Nahmen, und den Gebrauch, den man hier zu Lande davon macht; ich sie da- gegen die Lateinischen und Hollaͤndischen Benennungen, und den zweckmaͤßigern Gebrauch, den die Europaͤer da- von machen. Ihre Hauptbuͤcher in der Botanik waren Jonstons historia naturalis und Dodonaͤus Herbarium; in der Medicin, Woyts Schatzkammer, die sie von den Hollaͤndern gekauft hatten. In der Wundarzneykunst Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo . gebrauchten sie die Hollaͤndische Uebersetzung vom Heister . Ich verkaufte ihnen außer andern Buͤchern auch eine sehr schoͤne Ausgabe von Muntings Kraͤuterbuche. Die hie- sigen Aerzte unterschieden sich uͤbrigens von andern Leuten dadurch, daß sie entweder alles Haar auf dem ganzen Kopfe, oder ganz und gar nichts davon abgeschoren hat- ten; bekanntlich scheren sonst die Japaner einen Theil des Haars ab. Wir waren nicht lange zu Jedo gewesen, als wir unter die Leute von unserm Gefolge ansehnliches Trink- geld austheilen mußten. Unser Aufwaͤrter bekam vier Thaler, die Norimon-Traͤger drey, die Handlanger bey den Norimon auch drey, und zwey andre Bediente drey Thaler, 7 Mas, 5 Konderin. Der 18. May war zu unserm Audienz-Tage ange- setzt. Die Bestimmung dieses Tages geschieht nie vor der Ankunft zu Jedo . Fruͤh Morgens waren wir schon fer- tig, in unserm besten Schmuck uns, nach reichlich ge- noßnem Fruͤhstuͤck in unsre Norimon zu setzen, und uns nach dem Kaiserlichen Pallaste tragen zu lassen. Wir hatten Europaͤische Kleidung an, aber von kostbaren seid- nen Stoffen, und entweder mit Silber durchwirkt, oder mit goldnen Tressen besetzt. Auch gehoͤrt zur Festlichkeit des Tages, daß wir den Degen, und einen sehr weiten, schwarzen seidnen Mantel, den gewoͤhnlichen Prediger- maͤnteln aͤhnlich, anlegten. Die saͤmmtlichen Geschen- ke, so wohl fuͤr den Kaiser, als den Kronprinzen, die Reichsraͤthe und uͤbrigen Beamten, waren bereits hinge- schickt, und in den Zimmern, wo wir Audienz haben sollten, an den Seiten in Ordnung gelegt. Eine ziemliche Weile wurden wir durch die Stadt getragen, ehe wir in denjenigen Theil derselben komen, der die Residenz des Kaisers enthaͤlt. Dieser macht an Dritte Abtheilung. sich selbst schon eine ansehnliche Stadt aus, und hat fuͤnf Meilen im Umkreise. Er enthaͤlt den Pallast des Kaisers und den des Kronprinzen, welche durch breite Graͤben, Mauern, Thore und andre Befestigungswer- ke von einander abgesondert sind. In der aͤußern Cita- delle, welche die groͤßte von allen ist, sind große, schoͤne Straßen, mit huͤbschen und großen Haͤusern, welche den Fuͤrsten und Prinzen des Reichs, den Reichsraͤthen und andern hohen Staats- und Hofbeamten gehoͤren, und worin auch die zahlreichen Familien derselben, die eben- falls das ganze Jahr uͤber sich am Hofe aufhalten muͤs- sen, wohnen. Beym ersten Thore sahen wir schon eine sehr starke Wache; die aber beym zweyten besteht taͤglich aus tausend Mann. Ehe wir in dieses Thor kamen, stiegen wir aus. So bald wir hindurch waren, wurden wir in ein Zimmer gefuͤhrt, wo wir eine ganze Stunde warten mußten, ehe wir uns in den eigentlichen Pallast des Kaisers begeben durften. Endlich bekamen wir denn Erlaubniß, uns demselben zu naͤhern. Wir gingen durch eine lange Reihe bewaffneter und gut gekleideter Soldaten, die zu beyden Seiten bis an die Schloßthuͤre aufgestellt waren. Das eigentliche Kaiserliche Schloß steht auf einer Anhoͤhe, hat zwar nur ein einziges Stock- werk, ist aber doch viel hoͤher als andre Haͤuser, und nimmt einen sehr großen Platz ein. Man fuͤhrte uns so gleich in ein Vorgemach, wo wir abermahls eine gute Stunde warten mußten. Die Japanischen Ober-Be- dienten von unserm Gefolge setzten sich an der einen, und die Hollaͤnder nebst den Dolmetschern an der andern Sei- te. Wir Hollaͤnder mußten uns ebenfalls auf Japani- sche Art setzen. Das war uns nun zwar aͤußerst laͤstig; als wir es aber nicht laͤnger aushalten konnten, warfen wir die Fuͤße auf die Seite, und bedeckten sie mit unsern Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo . großen Maͤnteln, die uns hiebey gar wohl zu Statten kamen. Die Zeit, da wir hier warten mußten, wurde uns gar nicht lang, weil immer eine sehr große Menge Menschen herein und heraus stroͤmte, um uns in Augen- schein zu nehmen, und mit uns zu sprechen. So gar ei- nige von den Fuͤrsten des Reichs besuchten uns. Zwar kamen diese incognito, wir konnten aber doch aus dem Ge- murmel, das in den innern Zimmern anfangs auf einige Augenblicke entstand, und aus der Stille, die darauf folgte, allezeit merken, daß es ein Fuͤrst war, der her- ein kam. Ihre Neubegierde in allen Dingen ging sehr weit; am staͤrksten aber aͤußerte sie sich in Ansehung unse- rer Art zu schreiben. Man bath uns daher, entweder auf ein Stuͤckchen Papier, oder auf ihre Faͤcher etwas zu schreiben. Einige zeigten uns auch Faͤcher, worauf Hollaͤnder vorher etwas geschrieben, und die sie als eine große Raritaͤt sorgfaͤltig aufgehoben hatten. Endlich kam der Augenblick, da der Ambassadeur Vortritt haben sollte. Die Ceremonie hiebey war von derjenigen ganz verschieden, die vor hundert Jahren zu Kaͤmpfers Zeit gebraͤuchlich war. Der Ambassadeur wurde in das Zimmer des Kaisers gefuͤhrt. Wir Uebri- gen blieben auf unsern Plaͤtzen, bis er nach einer kleinen Weile zuruͤck kam. Nach seiner Zuruͤckkunft mußten wir wieder eine ziemliche Zeit im Vorgemache verweilen, um Besuche und Fragen von verschiednen Hofleuten an- zunehmen, bey deren Ankunft verschiedne Mahl ein all- gemeines und tiefes Stillschweigen entstand. So gar der Kaiser selbst fand sich auf diese Art incognito bey uns ein, um die Hollaͤnder und ihre Kleidertracht genauer zu besehen. Unsre Dolmetscher und Japanischen Ober-Be- dienten hatten sich alle Muͤhe gegeben, durch ihre Freun- de von allem Nachricht einzuziehen, und durch sie wuß- Dritte Abtheilung. ten wir denn auch alles. Der Kaiser ist ein Mann von mittlerer Groͤße und starker Leibes-Constitution, und schien ein Alter von einigen und vierzig Jahren zu haben. Als endlich alle Besuche voruͤber waren, bekamen wir Erlaubniß, verschiedne Zimmer im Pallaste, und selbst das Audienz Zimmer zu besehen. Der Ambassadeur war aus dem Vorzimmer uͤber eine lange, mit Bretern be- legte Diehle hinein gefuͤhrt worden, worauf sich eine große Schiebthuͤre geoͤffnet hatte. Das innere Zimmer besteht gleichsam aus drey Zimmern, von denen das eine immer eine Stufe hoͤher, als das andre ist. Jedes hat eine Laͤnge von ungefaͤhr zehn Schritten, so daß der Abstand zwischen dem Kaiser und unserm Gesandten etwa drey- ßig Schritt betragen mochte. In dem innersten naͤm- lich befindet sich der Kaiser bey der Audienz und zwar ste- hend, nebst dem Kronprinzen, der ihm zur Rechten steht. An der rechten Seite dieses Zimmers ist ein großer Saal, dessen Fußboden mit hundert Matten bedeckt ist, wovon er auch der Hundert-Mattensaal heißt. Er hat drey hundert Ellen in der Laͤnge, und hundert und funfzig in der Breite, und ist fuͤr die hoͤchsten Beamten, Raͤthe und Fuͤrsten des Reichs bestimmt, die bey solchen feyer- lichen Gelegenheiten alle nach Rang und Wuͤrden ihre Plaͤtze in demselben einnehmen. An der linken Seite im Audienz-Zimmer selbst standen die Geschenke theils aufge- stellt, theils in Haufen gelegt. Die ganze Audienz be- steht uͤbrigens bloß darin, daß der Ambassadeur, so bald er ins Zimmer getreten ist, auf die Knie niederfaͤllt, die Haͤnde auf die Matte legt, und den Kopf gegen die Erde beugt, alles auf gleiche Art, als die Japaner selbst ihre Unterthaͤnigkeit und Ehrerbiethung bezeugen. Darauf steht er auf, und wird genau den vorigen Weg ins Vorge- mach zuruͤck gefuͤhrt. Die uͤbrigen Zimmer, welche wir Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo . besahen, hatten keine Meublen. Der Fußboden war mit großen und sehr weißen Strohmatten belegt; die Lei- sten und Thuͤren schoͤn lackirt und der Beschlag sehr stark vergoldet. Wie wir uns allenthalben umgesehen hatten, wur- den wir in den Pallast des Kronprinzen gefuͤhrt, der gleich neben dem Kaiserlichen steht, und nur durch eine Bruͤcke davon getrennt wird. Hier wurden wir von Seiten des Kronprinzen, der jetzt nicht zu Hause, son- dern noch beym Kaiser war, entgegen genommen und complimentirt, und darauf wieder zu unsern Norimon begleitet. Der Tag war schon großentheils verstrichen, und uns hungerte sehr, weil wir seit dem Fruͤhstuͤck nichts genos- sen hatten. Nichts desto weniger mußten wir heute noch bey allen Reichsraͤthen, so wohl den sechs ordentlichen, als den sechs außerordentlichen, und zwar in eines jeden eignem Hause, Besuch ablegen. Da indessen diese Her- ren noch nicht vom Hofe zuruͤck gekommen waren, wur- den wir von ihren Bevollmaͤchtigten auf die artigste und hoͤflichste Weise empfangen, und auch von ihren Damen und Kindern in Augenschein genommen. Jede Visite waͤhrte eine halbe Stunde. Meistens wurden wir in einem großen Saale angenommen, und zwar auf einem solchen Platze, daß man uns durch duͤnne Gardinen von allen Seiten sehen konnte, ohne daß wir jedoch das Gluͤck ha- ben konnten, die Schoͤnheiten des Hofes zu sehen. Nur einmahl waren wir so gluͤcklich, daß die Damen sich sehen ließen, die Gardinen weggezogen, und wir so gar er- sucht wurden, weiter ins Zimmer hervor zu treten. Ge- woͤhnlich wurden wir von zwey vornehmen Beamten em- pfangen, allenthalben aber mit gekochtem gruͤnen Thee, Tobak und Confect bewirthet, welches alles auf beson- Dritte Abtheilung. dern kleinen Tischen, und fuͤr jeden besonders, vorgesetzt wurde. Bisweilen tranken wir von dem Thee eine Tas- se; den Tobak aber ruͤhrten wir nicht an, und den Con- fect nahmen unsre Dolmetscher mit nach Hause. So langweilig es war, sich so von einem Hause zum andern tragen zu lassen, so hatte ich doch unterwe- ges einen Anblick, der so groß und schoͤn war, daß er mir immer lebhaft vorschweben wird. Von einer Anhoͤhe, wo wir still hielten, uͤbersah ich die ganze unermeßliche Stadt, deren Umfang, nach Angabe der Japaner, ein und zwanzig Meilen, das ist ungefaͤhr eben so viele Stun- den zu gehen betraͤgt. Jetzt war es Abend, und wir kamen muͤde und hungrig in unserm Quartiere wieder an. Am folgenden Tage mußten wir die so genannten Tempelherren, die beyden Gouverneure der Stadt und die beyden Commissarien uͤber die Fremden, besuchen. Hierauf gingen nur wenige Tage hin, als wir beym Kaiser und dem Kronprinzen schon unsre Abschieds-Au- dienz bekamen. Sie ging den 23. May in groͤßter Ei- le, und zwar nur in Gegenwart ihrer dazu verordneten Raͤthe vor sich. Die folgenden Tage wandten wir dazu an, die Geschenke entgegen zu nehmen, und uns zu der bevor stehenden Abreise anzuschicken. Die weiten seidnen Roͤ- cke (die Hollaͤnder nennen sie Schlafroͤcke), welche der Kaiser und der Kronprinz schenken, werden bey der Ab- schieds-Audienz uͤbergeben; die Geschenke der uͤbrigen Großen aber nach dem Logis der Hollaͤnder geschickt. Je- der von den ordentlichen Reichsraͤthen schenkt am Tage nach der Abschieds-Audienz zehn solche Japanische Tala- re, jeder von den außerordentlichen sechs; jeder Tempel- herr fuͤnf, jeder Gouverneur fuͤnf, jeder Commissarius und Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo . und der Statthalter von Nangasaki zwey. Sie sind von dem feinsten Japanischen seidnen Zeuge gemacht, sehr weit, reichen bis auf die Fuͤße, haben große weite Aermel nach Japanischer Art, und sind theils mit seidnen, theils baumwollnen Watten ausgestopft. Unser Banjos bekam deren zwey, ich und der Secretair jeder auch zwey, und der Gesandte behielt fuͤr sich vier. Das Zeug ist entweder schwarz, oder auf verschiedne Art gebluͤmt. Die uͤbrigen blieben fuͤr die Ostindische Compagnie, und wurden fuͤr jede in Europa befindliche Kammer derselben eingepackt, und hernach von Batavia nach Holland geschickt. Die Witterung war waͤhrend der sechs und zwanzig Tage unsers Aufenthalts zu Jedo nicht die beste. Die meiste Zeit hatten wir feuchtes, und am Tage truͤbes Wet- ter; manchmahl Staubregen, manchmahl starken Re- gen, entweder Vormittags oder Nachmittags. So ungeheuer groß und weitlaͤuftig die Stadt Jedo ist, eben so volkreich ist sie auch. Besonders stroͤmt hier eine unzaͤhlige Menge Fremder aus allen Theilen und Ge- genden des Reichs zusammen. Jede Haushaltung hat zwar ihr eignes Haus, und die Haͤuser sind nur ein oder zwey Stockwerke hoch; indessen wohnen doch viele bey einander, und packen sich in ein Haus zusammen. Nach der Gasse sind allezeit Werkstaͤtten und Buden. Vor je- nen haͤngt gemeiniglich ein großes Laken, das sie entwe- der ganz oder doch zum Theil verdeckt, damit man von der Straße nicht gut sehen moͤge, was gearbeitet wird. In den Kaufmannslaͤden aber sieht man Muster und Proben beynahe von allem, die so gleich vorgezeigt wer- den. Die Straßen, wenigstens die vornehmsten, sind sehr lang und breit; die Breite betraͤgt oft vierzig bis funfzig Ellen. Die Stadt wird, wie Nangasaki , von zwey einander wechselsweise abloͤsenden Gouverneuren, Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. H Dritte Abtheilung. einigen Buͤrgermeistern, und vielen Ottona, das ist Aufsehern oder Vorgesetzten, deren uͤber jede Straße ei- ner ist, regiert. Die Haͤuser sind, wie in andern Staͤdten, mit Dachpfannen gedeckt; die obere Etage wird selten bewohnt. Die Fuͤrsten und Prinzen des Landes haben nicht nur in der ersten Citadelle ihre gewoͤhnlichen Palais fuͤr ihre Familien, sondern auch in der Stadt selbst in ver- schiednen Gegenden eigne Haͤuser, um bey Feuersgefahr allezeit eine gewisse Zuflucht zu haben. In allen Japanischen Staͤdten sind vortreffliche Feueranstalten, und uͤberhaupt die besten Anstalten zur Verhuͤthung von Ungluͤcksfaͤllen. Allenthalben sind sichere, aufmerksame und hinreichende Nachtwachen vorhanden, die schon fruͤh des Abends, so bald es nur dunkel wird, umher gehen, und sich die Nacht hindurch vielfaͤltig hoͤren lassen. Zu Jedo sind diese Wachen doppelt. Die eine zeigt nur an, was die Uhr ist. Dies geschieht vermit- telst zweyer Stuͤcken Holz, die gegen einander geschlagen werden, und dies Schlagen thun sie fast in einem fort, fast bey jedem Hause; die beyden letzten Schlaͤge folgen dicht auf einander, zum Zeichen, daß man nicht mehr zu erwarten hat. Solcher Wachen sind beynahe fuͤr jede Straße eine. Die andre ist die eigentliche Brand- wache. Man kennt sie daran, daß sie einen geklobnen Bambo-Stock, oder eine, oben mit einem Ringe ver- sehene eiserne Stange auf der Straße hinter sich her schleppt, welches einen eignen sehr unangenehmen Laut giebt. Am Ende einer jeden Straße, da, wo sie mit Thoren verschlossen werden kann, ist allezeit eine hohe Leiter, wo die Wache hinauf steigen kann, um zu sehen, ob irgendwo Feuer ist. Oben auf jedem Hausdache ist ein mit einem Gelaͤnder eingeschloßner vierseitiger Platz, Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo . wo jederzeit ein Gefaͤß mit Wasser steht, das bey entste- hender Feuersbrunst so gleich zur Hand ist. An sehr vielen Stellen sind in der Naͤhe der Haͤuser feuerfreye steinerne Packhaͤuser aufgebauet, wo Waaren und Meu- blen sicher hingebracht werden koͤnnen. An den Seiten derselben sind mehrere eiserne Haken eingemauert, an de- nen man nasse Matten aufhaͤngen kann, um die Ver- breitung des Feuers zu hindern. Da die Haͤuser leicht Feuer fangen, traͤgt es sich hier oft zu, daß eine Feuers- brunst entsteht, und ganze Reihen von Haͤusern und Straßen in die Asche legt. Waͤhrend unsers hiesigen Aufenthalts kam einigemahl Feuer aus, das aber ge- schwind gedaͤmpft wurde. Unser Ambassadeur erzaͤhlte aber von einem schrecklichen Brande, der sich bey seiner Anwesenheit im Jahr 1772 zugetragen hatte. Das Feuer brach des Mittags aus, dauerte bis den andern Tag Abends um acht Uhr, und griff so weit um sich, daß eine Strecke von sechs Meilen in die Laͤnge und drey in die Breite verheert wurde. Bey dieser Gelegenheit brannte das Haus, wo die Hollaͤndische Gesandtschaft zu logiren pflegt, auch ab, und die Hollaͤnder mußten sich in einer Nacht dreymahl nach einem andern Hause, und zuletzt nach einem Tempel begeben. Unter andern Merkwuͤrdigkeiten, die man uns zu Jedo zeigte, war auch ein junger Wolf, der in den noͤrdlichsten Gegenden gefangen, und als ein seltnes Thier hieher gebracht war. Die Leute in der Stadt kannten dies Thier gar nicht, und man machte uns eine so wun- derliche Beschreibung davon, daß unsre Neugier, es zu sehen, sehr hoch gespannt wurde. Wir gingen dahin, wo das sonderbare Thier zu sehen war, und siehe, es war ein kaum halb ausgewachsener Wolf. Lustig war es zu sehen, wie sorgfaͤltig man das arme Thier, dem selbst H 2 Dritte Abtheilung. weit mehr bange war, als daß es gefaͤhrlich seyn konnte, um den Leib und an den Fuͤßen fest gebunden hatte. Als ich erzaͤhlte, solche Thiere liefen in meinem Vaterlande scharenweise umher, wuͤrden sehr groß und thaͤten viel Schaden, wurde den Japanern gar Angst. Eines Tages kam eine von ihrem Manne verstoßne Frau, nach dazu erhaltner Erlaubniß, zum Ambassa- deur, um zu betteln. Sie hatte sich alle Haare ganz abscheren lassen, und ging mit voͤllig kahlem Kopfe, ohne ihn mit irgend etwas zu bedecken: ein gar seltsam auffal- lender Anblick. Man sagte uns, dies geschehe allezeit, wenn eine Frau aus einer oder der andern Ursache von ihrem Manne geschieden worden ist. Die beyden Hof-Medici, meine lieben Schuͤler, die mich fast taͤglich besuchten, hatten durch meine unver- droßne Bemuͤhung so wohl, als durch eignen ununter- brochnen Fleiß in der Arzneykunst, besonders demjenigen Theile derselben, der die Krankheiten kennen und beur- theilen lehrt, ansehnliche Fortschritte gemacht. So gar hatten sie durch Benutzung meines Raths angefangen, bey ihren Patienten solche Mittel, als wir Europaͤischen Aerzte gebrauchen, und wovon sie sich einen kleinen Vor- rath verschafft hatten, anzuwenden, um dadurch gluͤck- liche Curen zu verrichten. Da es nun bekannt wurde, daß ich es sehr oft war, der die zu gebrauchenden Mittel vorschrieb, so wurde ich auch einmahl in Betreff eines sehr vornehmen Patienten am Kaiserlichen Hofe, um Rath gefragt. Als ich aber wuͤnschte, von dem Geschlechte, Alter und andern einem Arzte zu wissen noͤthigen Umstaͤnden des Kranken benachrichtiget zu werden, benahm man sich so geheimnißvoll, daß es mir unmoͤglich war, etwas zu ver- ordnen. Bekanntlich lassen die Vornehmen sich aͤußerst selten vor den eignen Einwohnern ihres Landes sehen, Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo . noch viel weniger von Fremden, und die zur Kaiserlichen Familie gehoͤrigen Personen sind oft so unbekannt, daß sehr wenige Leute im ganzen Reiche den Nahmen des re- gierenden Kaisers eher, als nach seinem Tode, zu wissen bekommen. Ich konnte daher gar nicht erwarten, mei- nen hohen Patienten kennen zu lernen. Anfangs drang ich zwar darauf, mit dem Kranken selbst zu sprechen, und ihm die noͤthigen Fragen zu thun. Der Gefahr we- gen, worin derselbe war, waͤre mir dies vielleicht auch gegluͤckt. Allein man haͤtte doch dabey die Vorsicht beob- achtet, mich nur im naͤchsten Zimmer bleiben zu lassen, und dabey noch die Gardinen vorzuziehen. Ich haͤtte ihn also doch weder sehen, noch nach dem Pulse fuͤhlen koͤnnen. Da mir also jenes nichts geholfen haben wuͤrde, nahm ich den Ausweg, durch die Dolmetscher und meine Schuͤler ganz von fern die Umstaͤnde zu erforschen, welche ich schlechterdings wissen mußte. Darauf konnte ich denn endlich diensame Mittel verordnen, und der vor- nehme Patient, der, so viel ich aus allen Umstaͤnden schließen konnte, eine von den Kaiserlichen Prinzessinnen war, wurde sehr bald wieder hergestellt. Vor meiner Abreise ersuchten mich meine, in der Europaͤischen Praxis nun ziemlich unterwiesenen und ge- uͤbten Schuͤler, um ein schriftliches Zeugniß von dem genoßnen Unterrichte und ihren Progressen. Ich gab es ihnen, und zwar in Hollaͤndischer Sprache. Sie wurden so erfreuet, und zugleich so stolz darauf, daß ge- wiß weder ich, noch irgend ein andrer so eben creirter Doctor, uns auf unsern herrlichen Doctor-Hut und das gedruckte Diplom mehr zu gut gethan haben. Ich hatte das Gluͤck gehabt, mir ihre Liebe und Freundschaft in so hohem Grade zu erwerben, daß sie nicht nur gegen meine Kenntnisse und das Wohlwollen, womit ich sie unter- Dritte Abtheilung. richtete, Hochachtung hegten, sondern mir auch mit dem waͤrmsten Herzen zugethan waren, und uͤber meine Abreise betruͤbt wurden. Ich habe auch hernach ver- schiedne Jahre hindurch so wohl mit ihnen, als mit mei- nen Freunden unter den Dolmetschern, nicht allein Brief- wechsel unterhalten, sondern ihnen auch verschiednes, was ihnen angenehm seyn konnte, zum Geschenke geschickt, und dagegen allerley Samen fuͤr den botanischen Garten zu Upsala , und verschiedne merkwuͤrdige Sachen fuͤr die akademische Naturalien-Sammlung zuruͤck erhalten. Unter den Gewaͤchsen und Baͤumen, die ich zu Jedo sah, und die ich anderwaͤrts im Lande nicht gesehen hatte, waren folgende: schwarze Wallnuͤsse ( luglans nigra ); aͤchte Castanien ( Fagus castanea ), die ich doch hernach zu Miako antraf; der wahre Alant ( Inula helenium ), dessen aromatische Wurzel zur Staͤrkung des Magens gebraucht wird, und unsre gewoͤhnliche Tanne oder Rothtanne ( Pinus abies ), wovon ich auf dem Wege nach der Kaiserlichen Burg verschiedne Baͤu- me ansichtig wurde. Auch zeigten mir die Dolmetscher eine Wurzel, vermuthlich von einer Art Farrenkraut ( Filix ), welche sie Jaboki nannten, und die quer durchschnitten eine sternartige Figur zeigt, die von ihnen fuͤr etwas besonderes gehalten wird. Ehe ich mich von Jedo trennte, konnte ich nicht umhin, zu erfahren zu suchen, theils was wenige Japa- ner selbst erfahren, den Nahmen des Monarchen, dessen Hof zu besuchen ich die seltne Ehre genossen hatte; theils die Nahmen der saͤmmtlichen, so wohl geistlichen als welt- lichen Regenten, welche seit Kaͤmpfers Zeit dies geseg- nete Land, dies gluͤckliche Volk beherrscht haben. Die Schwierigkeiten hiebey kannte ich, und an jedem andern Orte als hier, wo meine vertrauten Freunde mir dazu Aufenthalt in der Hauptstadt Jedo . behuͤlflich seyn konnten, waͤre es mir durchaus unmoͤglich gewesen, einige Kunde davon zu bekommen. Ich hielt mich daher fuͤr nicht wenig gluͤcklich, und bildete mir gar viel darauf ein, als ich einige Tage vorher, ehe wir die Hauptstadt verließen, ein Verzeichniß erhielt, das fuͤr kein Geld zu bekommen ist. Minamoto no Je Faru Koo ist der Nahme des damahls regierenden weltlichen Kai- sers oder Kubo, der zugleich vom Dairi, welchem es zu- kommt hoͤhere Titel zu ertheilen, folgende Beynahmen bekommen hat: Sjo ji tsi ji naij daijsin Sakonje no taij sio Zeij ji taij Siogun. Minamoto ist der Familien- Nahme, Je Far der persoͤnliche Nahme, und Koo heißt Herr, wird aber nur hohen Personen beygelegt, unge- faͤhr wie das Franzoͤsische Seigneur . Sein Alter war damahls drey und vierzig Jahr. Der Kronprinz hieß Minamoto no Je Moto Koo , und mit dem vom Dairi ihm beygelegten Titel: Su nieji daijnagon; er war etwa zwoͤlf Jahr alt. Vierte Abtheilung. Vierte Abtheilung. Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . U nsre Abreise von Jedo war auf den 25. May an- gesetzt. An diesem Tage mußten wir sie auch unabaͤnder- lich antreten, weil der 13. Siguats, oder der 30. May, zur Reise des Kaisers nach dem Tempel zu Niko bestimmt war. Dieser Tempel ist sehr groß, liegt sechs und drey- ßig Meilen von Jedo ostwaͤrts, und jetzt sollte daselbst ein großes Fest gefeyert werden. Schon vor drey Jah- ren hatte man diese Reise vorgenommen, es wurden auch bereits große Anstalten dazu gemacht; sie war aber von einem Jahre zum andern aufgeschoben. Da so wohl der Monarch, als alle Fuͤrsten im Reiche, voͤllig eben so ge- kleidet sind, und ihr Haar eben so tragen, als alle an- dre Einwohner des Landes, auch weder durch Thron, Juwelen, noch dergleichen etwas sich auszeichnen, mithin von andern gar nicht unterschieden werden koͤnnen, so ha- ben sie ein anderes Mittel ausfindig gemacht, sich zu un- terscheiden. Dies besteht darin, daß sie nach Verhaͤlt- niß ihres Standes und ihrer Wuͤrde auf Reisen und bey feyerlichen Gelegenheiten sich von einem ungeheuer großen Gefolge von Beamten, Bedienten mancherley Art und andern Leuten, die um sie herum wimmeln, sehen lassen. Kein Wunder daher, wenn zur Reise des obersten Lan- des-Regenten ungewoͤhnlich große Zuruͤstungen gemacht wurden. An den Landstraßen sollten neue Haͤuser gebauet werden, um darin am Tage auszuruhen und des Nachts zu logiren. Alle nur ersinnliche Beduͤrfnisse und Be- quemlichkeiten sollten an Ort und Stelle vorher in voͤlliger Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . Bereitschaft seyn. Jeder sollte so wohl vorher als waͤh- rend der Reise auf seinem Posten aͤußerst aufmerksam seyn. Waͤhrend der Abwesenheit des Kubo sollte die Kaiserliche Citadelle dem Fuͤrsten der Landschaft Mito , und die Regierung zugleich einigen Reichsraͤthen anver- trauet werden. Ueber das ganze Land war bereits der Befehl ergangen, allenthalben die genaueste Sorge zu tragen, daß Feuersbrunst, Aufruhr und andern Un- gluͤcksfaͤllen vorgebeugt wuͤrde. Die zur Bestreitung der Kosten dieser Reise angeschlagne Summe belief sich auf 280,000 Kobang, oder 1,680,000 Thaler. Ein Theil dieses Geldes wurde unter die Reichsraͤthe, Land- des-Befehlshaber und andre, welche mitreisen sollten, vertheilt. Die Reise selbst sollte in drey Tagen zuruͤck gelegt werden; den ersten Tag nach der Ankunft Ruhetag seyn; am 17. Siguats oder den 3. Junius das Fest ge- feyert werden, und Tages darauf die Ruͤckreise den An- fang nehmen. Bey unsrer Abreise von Jedo sahen wir bereits zahlreiche Vortruppen jenes Heers vorauf ziehen. Drey Tage vor des Kaisers Abreise aber fangen solche Scharen an, in großer Menge nach einander abzuge- hen, und am letzten Tage vorher geschieht es so haͤufig, daß jede halbe Stunde ein neuer Haufe abgeht, welches bis fuͤnf Uhr des andern Morgens waͤhrt, da der Kaiser mit dem Kronprinzen selbst sich auf den Weg macht. Unter dieser unzaͤhlbaren Menge Leute sind auch verschied- ne alte Maͤnner, Bettler und Buͤttel. Man nimmt so gar Saͤrge mit, damit es unterwegs auch hieran nicht fehlen moͤge. Am 21. May 1776, Morgens fruͤh, traten wir also unsre Ruͤckreise nach Nangasaki an. Wir machten sie meistens auf dieselbe Art, und auf demselben Wege, als die Hinreise. Gewoͤhnlich bedienten wir uns auch Vierte Abtheilung. wieder der vorigen Herbergen, so wohl zum Mittagsessen, als zum Nachtlager. Nur selten richteten wir es am- ders ein. Zu Totska kauften wir verschiedne schoͤne, obwohl kleine, flache Kasten mit Conchylien, die sehr sauber und zierlich auf gekratzte Baumwolle gelegt waren. Derglei- chen kaufen die Hollaͤnder hier zu Lande sehr viele auf, entweder um sie hernach mit Vortheil wieder zu verkau- fen, oder sie als Seltenheiten aus einem so entfernten Reiche ihren Freunden und Verwandten in Europa zu- zuschicken. Die Conchylien waren alle mit Reißleim an die Baumwolle befestigt, damit sie nicht abfallen sollten. Ich pfluͤckte aber doch alle die darunter aus, die bisher in Europa unbekannt, oder sehr selten waren, und die jetzt in der Sammlung der Universitaͤt zu Upsala aufbe- wahrt werden. Unterweges besahen wir einen Fichtenbaum ( Pi- nus sylvestris ), dessen Zweige sich horizontal ausgebrei- tet hatten, und gleichsam ein Laubendach formirten, dar- unter man spatzieren gehen konnte. Aehnliche Fichten hatte ich zwar vorher schon an verschiednen Oertern gese- hen, aber keine von so großem Umfange, als diese, deren Zweige sich uͤber zwanzig Schritt in die Laͤnge ausbreiteten, und von untergesetzten Pfaͤhlen unter- stuͤtzt wurden. Den 27. May reiseten wir uͤber das hohe Gebirge Fakonie , wo es uns eben so, als auf der Hinreise erging. Zu Fakonie aßen wir zu Mittag, bekamen und bezahlten, was wir vorher da bestellt hatten, und zogen darauf das Gebirge auf der andern Seite hinab. Zu Misima sah ich eine Art Vanille ( Epidendrum monile ), ein parasitisches Gewaͤchs, das die Wurzeln nicht in die Erde treibt, in Buͤndel gebunden, und drau- Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . ßen vor den Haͤusern aufgehaͤngt. Auf diese Art dauert dasselbe ohne Wasser und irgend die mindeste Nahrung nicht nur verschiedne Jahre lang aus, sondern waͤchst und bluͤhet so gar noch. Auch zieht man hier vollbluͤhen- den Farrn ( Acrostichum bastatum ) zum Vergnuͤgen in Toͤpfen, so schwer sich auch diese Gattung Gewaͤchs in Europa verpflanzen laͤßt. Den hohen Berg Fusi betrachteten wir, als wir vorbey kamen, noch genauer als das vorige Mahl. Sein Fuß scheint besonders auf einer Seite sehr allmaͤhlig her- ab zu gehen. Die Spitze erschien jetzt sehr hoch und schnee- weiß uͤber die Wolken erhaben. Zu Nissaka mußten wir, wegen der Menge Leute, die mit den reisenden Fuͤrsten eintrafen, ganze drey Tage verweilen. In diesen Gegenden wachsen Wassernuͤsse oder schwimmende Stachelnuͤsse ( Trapa natans ) allenthal- ben auf den Reißfeldern. Die schwarzen Wurzeln der- selben werden, in Suppe gekocht, sehr haͤufig gegessen, ob sie gleich herbe und unangenehm schmecken. — In den Krambuden sah ich vielfaͤltig Zapfen von Erlenbaͤumen ( Betula alnus ) zu Kauf hangen. Auf meine Frage, wozu man sie gebrauche, bekam ich zur Antwort, man bediene sich ihrer, schwarz zu faͤrben. — Zu Hecken braucht man hier durchgaͤngig eine eigne Art Bocksdorn ( Licium Iaponicum ), einen kleinen, schoͤn ins Auge fallenden Strauch. — Fast vor allen Haͤusern sah ich Indianisches Felsenkraut ( Azalea Indica ) in der schoͤn- sten Bluͤthe stehen; die Blumen haben verschiedne Farben und sehen uͤber die Maße schoͤn aus. — Hin und wieder traf ich auch Zwergpalmen von der hohen Art ( Chamae- rops excelsa ) an. Sie haben mehr als Mannshoͤhe. Aus der, den Stamm umgebenden netzfoͤrmigen Rinde Vierte Abtheilung. werden Besen gemacht, die zum Verkauf umher getra- gen, und allgemein zum Fegen gebraucht werden. — Die hiesigen Mispeln ( Mespilus Iaponica ) fingen nun an, reife Fruͤchte zu bekommen. Sie schmecken wie an- dre Mispeln, und zerschmelzen im Munde. An heißen Tagen loͤschen sie vortrefflich den Durst. — An vielen Orten sah ich langaͤhrige Faseln ( Dolichos polystachyos ), eine Art Erbsen, die wie große Tuͤrkische Bohnen an Stangen hinauf ranken, in Gestalt von Lauben gezogen, wozu sie ungemein brauchbar sind. Die sehr schoͤn sich ausnehmenden Blumen, welche jetzt aufbrachen, haͤn- gen an langen Stielen herunter, und thun sehr gute Wir- kung. — Sehr haͤufig bauet man in dieser Gegend morgenlaͤndischen Sesam ( Sesamum Orientale ). Aus dem Samen davon, so klein er auch ist, schlaͤgt man Oehl, das so wohl hier, als in andern Ostindischen Laͤn- dern, allgemein an Speisen und zu anderm Behufe ge- braucht wird. Zu Futju kauften wir verschiedne große und kleine Koͤrbe, auch Schraͤnke mit Schubladen, alle aus Faͤden von Rohr aufs feinste und schoͤnste geflochten. Bey der jetzigen regnigen Jahrszeit hatten wir von einer Art Muͤcken ( Culex irritans ) viel auszu- stehen, die uns besonders des Nachts so beunruhigten, daß wir oft nicht schlafen konnten. Wir sahen uns daher in der Nothwendigkeit, uns Gardinen von duͤn- nem gruͤnen Zeuge anzuschaffen, die hier durchgaͤngig zum Schutz gegen das blutsaugende Ungeziefer ge- braucht werden. Diese Gardinen sind sehr weit, wer- den an der Decke des Zimmers fest gebunden, und um das ganze Bette so ausgebreitet, daß an den Seiten gar keine Oeffnung bleibt. Sie sind sehr be- quem auf Reisen mitzunehmen, und so duͤnne, daß sie Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . den freyen Durchgang der Luft im mindesten nicht hindern. Nachdem wir uns nunmehr hinlaͤnglich ausgeruhet hatten, begaben wir uns den 4. Junius wieder auf den Weg. Den 11. kamen wir zu Miako an. Zwischen Jedo und Miako sahen wir hie und da an den Landstraßen Bettler, die, und zwar meistens an den Fuͤßen, gebrechlich waren. Dies war mir ein gar ungewohnter Anblick, da gebrechliche Leute in diesem Lan- de sehr selten sind. Auch traf ich in diesen Gegenden rothe und triefende Augen sehr haͤufig an, besonders bey armen Leuten, so wohl Alten, als kleinen Kindern. Diese Krankheit kommt hauptsaͤchlich von zwey Ursachen her: dem Kohlendampfe in den Haͤusern, und dem Gestanke, den die in allen Doͤrfern bey jedem Hause befindlichen Urintoͤpfe von sich geben. In der Gegend von Miako waͤchst eine eigne Gat- tung Corchorus ( Corchorus Iaponicus ), in der Landes- sprache Jamma Buki, wild. Er hat doppelte, sehr schoͤne Blumen. Getrocknet und zu Pulver gerieben, werden diese gegen Blutfluͤsse gebraucht; um Nasenblu- ten zu stillen, wird das Pulver durch eine Federspuhle in die Nase geblasen. — Auch trifft man hier eine Art Gagelbaͤume ( Myrica ) an, welche die Einwohner Nagi nennen, und deren Holz sehr weiß und fein ist, und zu Kaͤmmen und dergleichen gebraucht wird. Ein andrer Baum, aus dessen Holz auch Kaͤmme gemacht werden, nennen die Japaner Fjun no ki. Unsre Dolmetscher verschafften sich hier verschiedne Stinkkaͤfer von der Gattung, die den Nahmen Feuergluth ( Buprestis ignita ) fuͤhrt, womit sie mir ein Geschenk machten. Die Japaner nennen sie Tamma Musi. Vierte Abtheilung. Zu Miako hielten wir uns einen Tag und zwey Naͤchte auf: hier machten wir so wohl dem Kaiserlichen Hofmarschall, oder dem so genannten Oberrichter, als den beyden Gouverneuren der Stadt, die Aufwartung. Wir wurden von ihnen eben so, als von den Großen zu Jedo empfangen. Der Hofmarschall erwiedert die Ge- schenke, welche er bekommt, mit fuͤnf großen Japani- schen Kleidern. Die Statthalter aber geben dem Am- bassadeur statt dessen nur eine Summe Geldes in Silber- muͤnze, jeder die Summe von ein und zwanzig Thalern. Dies Geld ist auf die hier zu Lande gebraͤuchliche besondre Art in ein laͤngliches Stuͤck Papier gewickelt, das her- nach zusammen geleimt, und wo bisweilen auf einer, bis- weilen auf beyden Seiten, aufgeschrieben wird, wie viel darin ist. Solche Geschenke in Silbergeld sind hier et- was gewoͤhnliches. Das Geld kommt oft unmittelbar aus der Muͤnze, und geht in dem Pakete erst durch viele Haͤnde. Der Muͤnzmeister, welcher den Werth des Paͤckchens darauf schreibt, ist fuͤr denselben verantwortlich. Nachmittags hatte ich einen Privat-Besuch vom Leibarzte des Dairi oder geistlichen Kaisers, einem Manne von mittleren Jahren. Er hieß Ogino Saffioge je no Sakon . Ogino war sein Familien-Nahme, je no Sakon sein Vornahme, und Saffioge ein vom Dairi ihm bey- gelegter Ehren-Titel. Er hatte verschiedne, meistentheils frisch gepfluͤckte Kraͤuter bey sich, deren Nutzen er zu wis- sen wuͤnschte. Auch fragte er mich nach den Heilarten einiger Krankheiten. Unser Gespraͤch geschah durch Dol- metscher. Er erstaunte aber nicht wenig, als ich ein- mahl die Nahmen der Gewaͤchse, um sie ihm desto zuverlaͤssiger anzugeben, mit Japanischen Buchstaben aufschrieb. Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . Auf der Herreise von Jedo wird den Hollaͤndern allezeit mehr Freyheit, als auf der Hinreise verstattet. Wir bekamen auch die Erlaubniß, zu Miako verschiedne der groͤßten, praͤchtigsten und die schoͤnste Lage habenden Tempel zu besehen. Die Tempel liegen nirgends in den Staͤdten selbst, sondern am Abhange der Berge und auf den Anhoͤhen draußen vor der Stadt, und haben die reitzendste Aussicht. Bey den hiesigen Tempeln sah ich durch Kunst angelegte Teiche, worin die Moͤnche ver- schiedne lebendige schwarze Schildkroͤten zu ihrem Vergnuͤ- gen hielten. Der Tempel des Daibud ist unter allen der groͤßte und merkwuͤrdigste. Er ruhet auf sechs und neun- zig Pfeilern und hat verschiedne Eingaͤnge, die zwar sehr hoch, aber dabey schmal sind. Das Gebaͤude besteht gleichsam aus zwey Stockwerken, die in einander laufen, und hat daher ein doppeltes Dach, wovon das obere durch unterschiedliche, uͤber ein Klafter im Umfange ha- bende, angemahlte Pfeiler unterstuͤtzt wird. Der Fuß- boden ist, (welches mir vorher nirgends vorgekommen war), mit viereckigen Marmorsteinen belegt. Schade, — denn weiter fehlte hier nichts — daß die Japaner nicht so viel von der Baukunst verstehen, einem so großen und praͤchtigen Gebaͤude hinreichendes Licht zu verschaffen. Das Bild des Gottes steht beynahe in der Mitte. Sein Anblick erregt zu gleicher Zeit Entsetzen und Ehrfurcht: Entsetzen durch seine Groͤße, die schwerlich in der ganzen Welt ihres gleichen hat; Ehrfurcht, in Ansehung der Betrachtungen, die man dabey anzustellen Gelegenheit bekommt. Die Figur ist sitzend, und zwar auf India- nische Art, die Fuͤße kreutzweise nach vorn gelegt. Die Statuͤe steht ungefaͤhr ein Klafter hoch von der Erde, und ist vergoldet. Die Ohren sind lang, das Haar ge- kraͤuselt, die Schultern nackt, der Leib mit einem Schleyer Vierte Abtheilung. bedeckt, die rechte Hand aufgehoben, und die linke mit der Seite gegen den Unterleib anliegend. Die Moͤglich- keit der Groͤße kann man sich nicht vorstellen, ohne es zu sehen. Auf der flachen Hand koͤnnen, wenn es wahr ist, was die Dolmetscher versicherten, sechs große Per- sonen auf Japanische Art, die Fersen unter das Gesaͤß gesteckt, geraͤumig sitzen. Die Figur scheint indessen ziemlich proportionirt, ob sie gleich so breit ist, daß die Schultern von einem Pfeiler zum andern reichen, die dem Augenmaaße nach funfzehn bis sechzehn Ellen von ein- ander abstehen. Das Goͤtzenbild so wohl, als die es verehrende Secte leiten ihren Ursprung aus Indien her. Die Kenntniß desselben ist vermuthlich zuerst aus Siam , China , oder einem andern Ostindischen Lande, in jenen Zeiten, da nicht nur Fremde in Japan , sondern auch die Japaner mit eignen Schiffen in andern Laͤndern freyen Handel treiben durften, hieher gekommen. Ich war von der Groͤße dieses ungeheuern Bildes noch ganz betaͤubt, als wir in einen andern Tempel ge- fuͤhrt wurden, der beynahe eben so majestaͤtisch und be- wundernswuͤrdig, als jener, ist. Seine Hoͤhe und Breite ist zwar nicht außerordentlich, aber die Laͤnge auf- fallend groß. Er ist dem Quanwon heilig. Das Bild dieses Gottes, nebst den Bildern aller seiner Untergoͤtter und dienstbaren Geister, stehen in unglaublicher Anzahl in diesem Gebaͤude umher gestellt. Mitten unter ihnen sitzt der Quanwon, mit sechs und dreyßig Haͤnden aus- geruͤstet. Die naͤchsten Plaͤtze um ihn her nehmen, aber gleichsam in einem fuͤr sie besonders abgetheilten Raume, sechzehn Helden ein, deren Statuͤen von uͤbermenschlicher Groͤße, aber doch kleiner als die Statuͤe des Hauptgottes sind. Zu beyden Seiten zunaͤchst stehen in zwey Reihen vergoldete Goͤtterbilder, jedes mit zwanzig Haͤnden. Weiter- Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . Weiterhin sieht man auf beyden Seiten, ebenfalls in Reihen, Goͤtterfiguren von gewoͤhnlicher Menschengroͤße, die ganz dicht bey einander stehen, und deren Menge ich haͤtte zaͤhlen muͤssen, um sie zu bestimmen. Die nach vorn stehenden sind kleiner, und die hintern werden von Reihe zu Reihe groͤßer, so daß man alle zwoͤlf Reihen sehr gut sehen kann. Auf den Haͤnden und Koͤpfen aller dieser Statuͤen stehen wieder kleinere Goͤtterbilder. Die ganze Anzahl soll drey hundert drey und dreyßig tausend drey hundert drey und dreyßig betragen. Zu Fusimi setzten wir uns kurz vor Sonnen Unter- gang in kleine Boͤte, und fuhren den Fluß hinunter nach Osaka , wo wir nach einer angenehmen Nachtreise am folgenden Morgen ankamen. Zu Osaka hielten wir uns zwey Tage auf. Hier war es, wo wir auf der ganzen Reise das meiste Vergnuͤ- gen genossen. Wir besahen mehrmahls in unsern Nori- mon die Stadt, wohnten den Schauspielen bey, sahen den Balletten zu, und nahmen mancherley Merkwuͤrdig- keiten, woran diese Stadt einen Ueberfluß hat, in Au- genschein. Welche ich fuͤr meine Person am meisten schaͤtzte, waren Sammlungen von Japanischen Gewaͤch- sen in einem wohl eingerichteten Garten, Sammlungen sehr vieler einheimischer Voͤgel und das Schmelzen des Kupfers in Staͤbe. Die Comoͤdien der Japaner sind lustig, aber so son- derbar, daß ich sie beynahe ungereimt nennen moͤchte. Die Dolmetscher mußten sie mir ausdeuten. Die mei- sten haben Liebeshaͤndel oder Heldenthaten zum Gegen- stande. Die Schauspieler schienen in ihrer Art ihre Rollen gut zu spielen; die Buͤhne aber war sehr klein und eng. Die Taͤnze werden meistens von Kindern beyderley Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. J Vierte Abtheilung. Geschlechts aufgefuͤhrt, deren jedesmahl zwey, auch wohl mehrere zusammen tanzen. Sie haben mit unsern Contre-Taͤnzen einige Aehnlichkeit, und stellen ungefaͤhr eben dergleichen vor, als die Comoͤdien. Die Tanzen- den beugen den Koͤrper auf hunderterley Art, und rich- ten sich dabey allezeit nach der Musik oder dem Gesange, womit der Tanz begleitet wird. Die praͤchtige und kost- bare Art, wie sie, besonders die Maͤdchen, und zwar nach Gewohnheit des vornehmen Frauenzimmers, mit fast unzaͤhligen, saͤmmtlich von dem feinsten und duͤnnsten seidnen Zeuge gemachten, weiten Gewaͤndern, die sie eins uͤber das andre ziehen, gekleidet sind, ist das, was dabey am schoͤnsten ins Auge faͤllt. Weil aber diese Klei- der so außerordentlich duͤnn und leicht sind, kann man ihre Menge, die oft zu zwanzig, dreyßig und daruͤber steigt, nicht bemerken. Waͤhrend des Tanzens ziehen sie, theils weil ihnen warm wird, theils um ihre Klei- derpracht zu zeigen, ein Gewand nach dem andern ober- waͤrts aus, so daß ein ganzes Dutzend von dem Guͤrtel, womit sie um den Leib fest gebunden sind, herab haͤngt, ohne sie in ihren schnellen Wendungen zu hindern. Die Vogelsammlungen sind in der so genannten Vogelstraße befindlich. Man hat hier eine große Menge Voͤgel aus allen Gegenden zusammen gebracht. Sie werden theils fuͤr Geld gezeigt, theils zu Kauf gebothen. Der botanische Garten liegt in der Stadt. Er ist ziemlich gut eingerichtet, hat aber keine Orangerie. Es werden darin allerhand Gewaͤchse, Baͤume, Straͤuche und Stauden, die man aus andern Provinzen hieher ge- bracht hat, aufbewahrt oder gezogen. Man verkauft auch davon. Ich ermangelte nicht, fuͤr so viel Geld, als ich darauf verwenden konnte, von den seltensten Sachen, Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . besonders Baͤume und Straͤuche in Toͤpfe gepflanzt, aus- zusuchen und zu kaufen. Dahin rechne ich die schoͤnsten Arten von den praͤchtigen Ahornbaͤumen, die in diesem Lande wachsen, und zwey von der eben so raren, als aus- zufuͤhren scharf verbothnen, Sagupalme ( Cycas re- voluta ), einem Palmbaume, auf den die Japaner um seines Sagu aͤhnlichen und sehr nahrhaften Marks willen, so großen und uͤbertriebnen Werth setzen, und nicht wis- sen, daß er auch in China anzutreffen ist. Alle diese ließ ich in einen großen hoͤlzernen Kasten pflanzen, uͤber welchen Bogen oder Spriegel gestellt, und von Bindfa- den eine Bedeckung geflochten wurde, damit sie auf keine Art Schaden nehmen konnten. Diesen Kasten schickte ich zu Wasser nach Nangasaki , von da er in Gesellschaft eines andern Kastens, der auf der Factorey in Ordnung gebracht wurde, nach Batavia , und hernach weiter nach Amsterdam , als eine Lieferung fuͤr den dasigen medicini- schen Garten abging. Das Schmelzen des Kupfers verrichtete man in diesen Tagen lediglich um unsertwillen, damit wir es, auf mein instaͤndiges Bitten, das unser Chef so wohl, als unsre Japanischen Anfuͤhrer unterstuͤtzt hatten, moͤchten zu sehen bekommen. Die Methode dabey ist weit einfacher, als ich mir vorgestellt hatte. Die Schmelzhuͤtte ist zehn bis zwoͤlf Ellen weit. An einer von den Waͤnden geht eine Mauer mit einem Schornsteine, wie eine Nische in die Hoͤhe. Unten in dieser Vertiefung, mit dem Fuß- boden gleich, ist ein Herd, worauf das Erz mit Huͤlfe von Handblasbaͤlgen vor unsrer Ankunft geschmelzt war. Gegen uͤber ist im Fußboden, der da aber nicht belegt ist, ein etwas laͤngliches, ungefaͤhr eine halbe Elle tiefes Loch gegraben. Ueber dieses liegen der Laͤnge nach zehn vier- J 2 Vierte Abtheilung. seitige eiserne Stangen, und zwar nur einen Finger breit von einander, und mit der Schaͤrfe einer Seite in die Hoͤhe stehend. Ueber die Stangen ist ein Stuͤck Se- geltuch gezogen, das zwischen denselben eingedruͤckt ist. Ueber das Segeltuch wird Wasser gegossen, das einen Zoll hoch steht. Darauf wird das geschmolzne Erz mit eisernen Kellen aus der Herdgrube genommen, und in die jetzt beschriebene Form gegossen. Auf diese Art gießt man zehn bis zwoͤlf Stangen oder Staͤbe von der Laͤnge einer Viertelelle auf einmahl. So bald man diese heraus genommen hat, faͤhrt man mit dem Gießen fort. Zwi- schendurch gießt man von neuem kaltes Wasser auf. Auf diese Art Kupfer in Wasser zu gießen, ungefaͤhr so, als man bey uns in Schweden uͤber zarte kranke Kinder Bley zu gießen pflegt, hat man bisher in Europa nicht gewußt, eben so wenig, daß das Japanische Kupfer eben davon seine hohe und glaͤnzende Farbe hat. Ich war zugleich so gluͤcklich, durch Vorschub meiner Freunde, der Dolmet- scher, einen Kasten zum Geschenk zu bekommen, worin so wohl auf jene Art gegoßnes reines Kupfer, als auch Stufen von jedem vorher damit genommenen Prozesse, als rohen Kupferkies mit seiner Erdart ( Matrix ), Pro- ben von Rostbrennen oder Roͤsten, dem ersten und zwey- ten Schmelzen, und dergleichen, lagen. Diesen Ka- sten schickte ich in der Folge nach Schweden , als ein Ge- schenk fuͤr das Mineralien-Cabinett der Universitaͤt zu Up- sala , und machte meinem ehemahligen verehrten und gelieb- ten Lehrer, Herrn Bergmann , dadurch eben so große Freude, als bey meiner Zuruͤckkunft durch die Nachricht vom Gießen des Kupfers in Wasser. Hernach besahen wir auch eine Menge gegoßnes Kupfer, nicht nur von dem, das auf die beschriebne Art in Staͤbe gegossen, und Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . in dieser Form an die Hollaͤnder und Chineser verkauft, sondern auch solches, das in große und kleine, viereckige und runde, dicke und duͤnne Stuͤcke zu Kesseln, Pfannen und anderm Hausgerath gegossen wird. Wir besahen auch die hiesigen Tempel, und hatten bey beyden Ober-Befehlshabern der Stadt Vortritt. Unter andern kaufte ich hier eine Parthey Moxa, von verschiedner Feinheit und Guͤte. Der allerfeinste ist weiß, und wird hier zu Lande allgemein als ein brennen- des Arzneymitel ( Causticum ) gebraucht, um Krankhei- ten zu heilen oder vorzubeugen. Der grobe ist braun, und man braucht ihn statt Zunder. Beyde Arten wer- den von gemeinem Beyfuß ( Artemisia vulgaris ), naͤm- lich von dem Rauhen und Wolligen, womit die Blaͤtter besetzt sind, gemacht. Die Blaͤtter werden im Junius gesammelt, darauf getrocknet und bis zu weiterer Bear- beitung aufbewahret. Wenn man den Moxa bereiten will, werden sie so lange gestoßen, geklopft und gerieben, bis das Fasrige sich abgesondert hat, und man das Rau- he ganz rein bekommt. Es giebt verschiedne Feldscher, die sich nur mit diesem brennenden Mittel befassen, und sorgfaͤltig studiren, wenn, wie, an welchen Stellen des Koͤrpers, und gegen welche Krankheiten und Uebel das- selbe anzuwenden ist. Es faͤngt sehr leicht Feuer und brennt allmaͤhlig ab. Wenn daher ein kleiner Tuͤpfel davon irgendwo auf den Koͤrper gelegt, und angezuͤndet wird, brennt er eine ziemlich große und tiefe Wunde hin- ein, die einige Zeit hernach die dahin ziehenden Feuchtigkei- ten und Saͤfte heraus fließen laͤßt. Auf dem Ruͤcken wird dies so allgemein gebraͤuchliche Mittel am oͤftersten appli- cirt, und ungeachtet es wenig Krankheiten giebt, gegen die man es nicht gebraucht, so thut es doch die beste Wir- Vierte Abtheilung. kung gegen Gicht und Erkaͤltungen. Kein Alter, kein Stand, kein Geschlecht ist von der Nothwendigkeit des Gebrauchs desselben ausgenommen. Dieser Theil unsrer Reise gab mir auch zu ver- schiednen in die Botanik einschlagenden Bemerkungen Gelegenheit. Hier sind einige davon. Die seeblumen- artige Zotenblume ( Menyanthes nymphoides ), das gan- ze Gewaͤchs mit Blaͤttern und Bluͤthe, macht man hier in Salzlake ein, und braucht es, wie eingemachte Gur- ken, als Salat. Aus Buchsbaum, der uͤberall im Lande waͤchst, verfertigt man Kaͤmme, die lackirt und vom Frauenzimmer zum Zierrath im Haar getragen werden. — Die Nelumbo-Pflanze ( Nymphaea nelum- bo ) waͤchst an verschiednen Oertern im Wasser, und wird ihrer Schoͤnheit wegen als ein heiliges und den Goͤt- tern angenehmes Kraut angesehen. Man sieht auch wirklich die Goͤtter oft so abgebildet, daß sie auf den gro- ßen Blaͤttern derselben sitzen. — Das anisartige Illi- cium ( Illicium anisatum ) wird hier durchgehends fuͤr ei- nen giftigen Baum ausgegeben. Man wollte sich gar nicht uͤberzeugen, daß er denselben aͤchten Sternanis ( Anisum stellatum ) hervor bringe, den die Japaner jaͤhrlich von den Chinesern kaufen. Die Koͤrner werden indessen hier zu Lande nicht gut reif, haben auch keinen so starken und angenehmen Gewuͤrzgeschmack, als die, welche man gewoͤhnlich in unsern Apotheken findet. Den Baum selbst schaͤtzt man hier uͤbrigens sehr hoch, pflanzt ihn, besonders bey den Tempeln, weil man glaubt, die Goͤtter lieben ihn sehr, und Zweige davon stehen fast alle- zeit mit andern Blumen in großen Blumentoͤpfen in den Tempeln. — Aus der Frucht der gemeinen Melia oder Zederach ( Melia azedarach ) wird auf naͤmliche Art als Ruͤckreise von Jedo nach Dezima . aus dem Samen vom unaͤchten Firnißbaume ( Rhus suc- cedanea ) Oehl gepreßt, das wie Talg hart, und zu Licht gebraucht wird. Den 15. Junius reiseten wir weiter nach Fiogo . Hier schickten wir uns zu der bevor stehenden weiten See- reise an, und schifften uns auf das gewoͤhnliche große Fahrzeug ein, das uns nach Simonoseki bringen sollte. Diesmahl ging die Fahrt gluͤcklich und geschwind von statten, und nach einigen Tagen kamen wir in diesem Hafen wohlbehalten an. Zu Fiogo bekamen unsre Aufwaͤrter bey den Nori- mon fuͤr ihre Muͤhe von uns 1 Thaler 5 Mas, und zu Fiamits Loge die Wirthin, nach hergebrachter Ge- wohnheit, 7 Mas 5 Konderyn, nachdem sie uns mit Sakki tractirt hatte. An den jetzigen Sommerabenden genossen wir oft das Vergnuͤgen eines der schoͤnsten Anblicke in der ganzen Natur. Ich meine den hiesigen leuchtenden Kaͤfer ( Lampyris Iaponica ). Dies Insect hat am Steiße zwey kleine Blasen, die einen blaͤulichen, phosphorischen Schein, wie die Europaͤischen Scheinkaͤfer, von sich ge- ben. Es unterscheidet sich aber von dem letzteren dadurch, daß es gefluͤgelt ist und frey umher fliegt, dagegen dieser keine Fluͤgel hat, und in den Wachholder-Straͤuchen still liegt. Sie flogen zu Tausenden herum, einige hoͤ- her, andre niedriger, und das Ganze stellte einen von unzaͤhligen funkelnden Sternen schimmernden Him- mel dar. Ehe wir nach Nangasaki kamen, wurden unsre Koffer versiegelt, damit sie undurchsucht nach dem Pack- hause gebracht werden konnten. Wir selbst aber, nebst unsern Portchaisen, und was wir sonst bey uns hatten, Vierte Abtheilung. Ruͤckreise nach Dezima . wurde genau visitirt. Ich hatte zwar eben nicht viel ver- bothne Sachen bey mir, wollte aber doch die seltnen Muͤnzen und Landkarten, die ich mir mit so vieler Muͤhe und Beschwerden verschafft hatte, ungern missen, auch nicht gern jemanden dadurch ungluͤcklich machen. Die Karten steckte ich daher unter andre Papiere, die dicken Muͤnzen beklebte ich rund umher mit Pflaster, und die duͤnnen verwahrte ich in meinen Schuhen, und so kam ich gluͤcklich durch. Den 30. Junius 1776 langten wir denn im be- sten Wohlseyn auf unsrer Factorey endlich wieder an. Wir schenkten jedem unsrer Aufwaͤrter 1 Thail 5 Mas, und wurden von unsern Freunden mit der lebhaftesten Freude empfangen. Die Reise hatte wider alle Ge- wohnheit sehr lange gewaͤhrt, und man hatte uns zu De- zima schon eine geraume Zeit mit Sehnsucht erwartet. Fuͤnfte Abtheilung. Allgemeine Bemerkungen und Nach- richten, Japan und die Japaner betreffend . M anches von dem, was sich auf die natuͤrliche Be- schaffenheit dieses Landes, auf Denkungsart, Lebens- weise, Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Einwohner, und auf die Japanische Sprache bezieht, ist im Vorhergehenden bey Gelegenheit meiner Reise- bemerkungen bereits vorgekommen, worauf ich hier ver- weise. Das uͤbrige will ich jetzt nachhohlen, und um besserer Ordnung und Uebersicht willen unter einige allge- meine Rubriken ordnen. Erster Abschnitt. Von der natuͤrlichen Beschaffenheit des Landes . J apan liegt auf der Ost-Seite von Asien , ist von diesem Welttheile ganz und gar getrennt, und besteht aus drey großen, und vielen kleinen Inseln. Es erstreckt sich vom 30. bis zum 41. Grade noͤrdlicher Breite, und vom 143. bis zum 161. Grade der Laͤnge, nach dem Meridian von Teneriffa gerechnet. Es liegt mithin so viel oͤstlicher als Stockholm , daß man dort Sonnen Aufgang und Mittag acht Stunden fruͤher als hier hat. Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Die meisten Europaͤer nennen dies Land Japan oder Japon . Die Einwohner selbst nennen es Nipon oder Nifon . Die Chineser Sippon oder Jepuen . Die Japanischen Inseln sind in aͤltern Zeiten nicht ganz unbekannt gewesen. Man glaubt, Japan sey das Land, wovon Marcus Paulus Venetus von den Chi- nesern unter dem Nahmen Zipangro reden hoͤrte. Un- ter den Europaͤischen Nationen sind die Portugiesen die ersten, die es entdeckt und da gelandet haben. Anton de Mota , Franz Zeimoto und Anton Peixota wurden auf einem großen Chinesischen Fahrzeuge, das von Siam nach China gehen sollte, durch Sturm an die Kuͤsten dieses Landes geworfen. Nach ihrer Zuruͤckkunft nach China und erhaltner Nachricht von diesem Vorfalle wur- den nachher andre Portugiesen, nebst Missionarien dahin geschickt. In welchem Jahre jene Entdeckung gemacht sey, ist nicht voͤllig ausgemacht. Einige behaupten, im Jahr 1535, andre 1542, andre 1548, andre noch spaͤter. Das ganze Land besteht fast aus nichts anderm, als Bergen und Thaͤlern. Große Ebnen bekommt man selten zu sehen. Die Kuͤsten sind rund umher mit Ber- gen und Klippen, und einem unruhigen, stuͤrmischen Meere umgeben. Die meisten Haͤfen sind den Euro- paͤern ganz unbekannt, und die wenigen bekannten ent- weder mit einer Menge Klippen angefuͤllt, oder seicht und voll Sand, so daß die Einfahrt sehr gefaͤhrlich ist. Die Berge sind von sehr verschiedner Hoͤhe. Ei- nige hangen in Gebirgsreihen zusammen, andre liegen einzeln und zerstreut. Etliche sind auch Vulkane. Ein großer Theil von ihnen ist mit Wald bewachsen. Andre, die nicht eine allzu steile Lage haben, sind in Absaͤtzen, einem uͤber dem andern, nicht selten bis oben auf dem Gipfel angebaut. Der Fusi ist einer der hoͤchsten. Von der natuͤrl. Beschaffenheit von Japan . Das Erdreich ist in Thaͤlern und ebnen Gegenden verschieden. Meistens besteht es aber aus Lehm oder Sand, oder einem Gemische von beyden. Im allge- meinen kann man zwar mit Recht behaupten, daß der Boden sehr unfruchtbar ist; allein durch Arbeit, Dung, Waͤrme und hinlaͤnglichen Regen wird er in hohem Gra- de fruchtbar gemacht. Erdbeben verspuͤrt man in Japan nicht selten. Waͤhrend unsers Aufenthalts zu Jedo zeigte sich derglei- chen verschiednemahl, wiewohl sehr gelinde. Die Hitze ist im Sommer sehr stark, und wuͤrde unertraͤglich seyn, wenn die Seewinde sie nicht milder- ten. Eben so ist auch die Kaͤlte des Winters sehr streng, wenn Nord Wind und Nord-Ost-Wind wehet. Man fuͤhlt sie indessen allezeit staͤrker, als sie nach der Anzeige des Thermometers wirklich ist; denn der heftige kalte Wind schneidet wie Pfeile von Eis durch den Koͤrper. Die Witterung ist das ganze Jahr hindurch sehr unbestaͤndig. Regen faͤllt im Ueberflusse. Es regnet fast das ganze Jahr, besonders aber in den so genannten Regenmonathen (Satsuki), die mitten im Sommer einfal- len. Gerade dieser Ueberfluß von Regen aber ist die Ur- sache der Fruchtbarkeit, und der davon herruͤhrenden starken Volksmenge. Gewitter sind nicht selten; Stuͤr- me und Orkane sehr haͤufig. Ich stellte waͤhrend meines Aufenthalts in Japan sorgfaͤltige thermometrische Beobachtungen an. Da der- gleichen meines Wissens bisher niemand bekannt gemacht hat, und sie das Klima dieses Landes genau kennen leh- ren, glaube ich, die Mittheilung derselben werde demjeni- gen Theile meiner Leser, welchen es um eine genaue Kenntniß des Landes zu thun ist, nicht unangenehm seyn. Sie sind groͤßtentheils auf der Insel Dezima bey Nanga- Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. saki , welches die suͤdlichste Stadt ist; einige aber auch auf der Reise und zu Jedo gemacht: ich werde diesen Unter- schied in der Tabelle bemerken. Das dabey gebrauch- te Thermometer ist ein in 112 Grade eingetheiltes und den Gefrier-Punct beym 32. Grade anzeigendes Fah- renheitisches, mit doppeltem Glas und Quecksilber, das bey der geringsten Veraͤnderung seinen Stand veraͤndert. Ich hatte es allezeit draußen vor dem Fenster meines Zimmers an der Mauer, und zwar auf der Nord-Seite, in freyer Luft haͤngen. Zu Nangasaki war die groͤßte Hitze im August 98, und die staͤrkste Kaͤlte im Januar des Abends 35 Grad. Die Kaͤlte trat, wie alle bezeugten, dies Jahr spaͤter, als andre Jahre, ein, und hielt auch kuͤrzere Zeit an. Wir heitzten daher auch unsre Zimmer spaͤter als gewoͤhnlich. Ein Barometer hatte ich nicht, konnte also damit auch keine Observationen anstellen. Im allgemeinen merkte ich aber doch folgendes an. Ost-, Nord-, und Nord-Ost-Wind, welche hier Landwinde sind, sind sehr kalt. Suͤd-, West-, und Suͤd-West-Wind, die von der See herkommen, sind allezeit waͤrmer, und so bald es regnet, ist die Witterung milder. Im Sommer wehet zu Nangasaki fast jeden Nachmittag Suͤd-Wind, welcher erfrischend ist; des Nachts und Morgens hingegen Ost- Wind. Wenn des Abends Nebel aufsteigt, und Wol- ken sich sammeln, so faͤllt die Nacht darauf gemeiniglich Regen; steigt aber der Nebel des Morgens auf, so wird am Tage schoͤnes Wetter. Wenn im Winter die Luft in Osten und Suͤden truͤbe ist, so folgt gewoͤhnlich Re- gen mit starkem Wind und Sturm; aber wenn es in Westen und Norden aufklaͤrt, wird schoͤnes Wetter. Im December und Januar zeigte sich ein Paar Mahl in der Luft feiner Schnee, der auf Dezima eher schmolz, Von der natuͤrl. Beschaffenheit von Japan . als er zur Erde kam. Sonst faͤllt manchen Winter viel Schnee, der einige Zeit liegen bleibt. Blitz, Donner und Gewitterregen hat man bisweilen im Junius und Julius, meist aber im August und September, so wohl des Abends, als ganze Naͤchte hindurch. Hier ist die ganze Folge meiner Beobachtungen. Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Von der natuͤrl. Beschaffenheit von Japan . Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Tag. Von der natuͤrl. Beschaffenheit von Japan . Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. K Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Von der natuͤrl. Beschaffenheit von Japan . K 2 Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Von der natuͤrl. Beschaffenheit von Japan . Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Von der natuͤrl. Beschaffenheit von Japan . Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. An merkwuͤrdigen Naturalien hat Japan keinen Mangel. Verschiedner Baͤume, Kraͤuter und andrer Gewaͤchse; einiger Fische und andrer Thiere, wie auch des Kupfers, habe ich oben in der Beschreibung meiner Reise bey vorkommenden Gelegenheiten erwaͤhnt. Jetzt will ich, außer einigen andern Naturalien, die hauptsaͤch- lichsten Mineralien mit ihren Japanischen Nahmen an- fuͤhren. Diese und noch mehrere brachten mir die Japa- ner zu Jedo . Golderz von Simar , Japanisch Kin nab. Asbest, eine unreife Art: Isiwatta, Kupferkies von von der natuͤrl. Beschaffenheit von Japan . Simotske aus dem Berge Asjo : Asjo jamma. Aus Chi- na hieher gebrachtes Kupfererz: Simoo Seki; es ent- haͤlt Schwefel in Menge, und das daraus gebrannte Pulver wird gegen den Husten gebraucht. Weiße, viel- leicht feuerfeste, Porcellainerde: Fak Sekisi. (Diese nebst vielen andern Mineralien vom Cap , auch Bezoar, und verschiedne Edelsteine, habe ich hernach Herrn Pro- fessor Bergmann geschickt, und sie werden im Cabinett der Universitaͤt zu Upsala aufbewahrt). Weißer, wei- cher und feinfasriger Asbest, Sekima, der gesponnen und woraus Zeug gewebt wird. Rother Arsenik, Owoo oder Kyquan Seki. Gelber Schneckensand: Awa, Sna. Fleischfarbner, sehr schoͤner Speckstein: Saku- sekis oder Isuwatta. Bimsstein: Karuisi. Spathar- tiger Tropfstein: Tsurara ist. Pulverisirter Zinnober: Sju. Runder Quarzstein: Tsugaro ist von Tsugara , woher er kommt, genannt. Weißer Marmor: Nikko ist oder Nikkorosik. Bleyglanz mit Kupferkies: Sei no Megin. Feines Bergoͤhl von Sinam : Kesoso no Abra. Salpeter: Siro Jinso. Aus der Erde beym warmen Bade zu Boosa gekochtes Brunnensalz ( Sal fontanum ). Versteinerungen von Blaͤttern ( Phytolithus lithophyl- lum ) vom Berge Fakonie : Konofa ist. Versteinerun- gen von Roͤhrenkorallen ( Tubiporus ): Luukuv Sango- du. Versteinerter Meerschwamm ( Spongia ): Uniwatta. Aestige Hornkorallen ( Gorgonia ramosa ): Umemats. Rothe Korallen ( Corallia rubra ) von Kamaku : San- godin; eben dergleichen von Sangami : Sangosju. Ei- ne dicke rothe Punctkoralle ( Millepora ) von der Insel Sjosusima in der Provinz Sannoki : Djukuts. Fol- gende Conchylien: die Falte ( Anomia plicatella ): Seki Jen; der Papiernautilus ( Argonauta Argo ): Tako su- ne aus Jotsijo; der Schlangenkopf ( Cypraea Mauritani- Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. ca ): Kino kui. Von Insecten: ein eigene Art Sandlaͤu- fer ( Cicindela Iaponica ), von Osi : Hammao; der Erdviel- fuß ( Iulus terrestris ): Jasude; der Kellerwurm ( Oni- scus asellus ): Saori kosi, welches so viel heißt, als Hausungeziefer; die Seeassel ( Oniscus Oceanicus ): Funa musi, daß heißt Seeungeziefer: Ferner ein See- pferdchen ( Hippocampus ): Kaij ba. Der Achtfuß, eine Art Blackfisch ( Sepia octapodia ); er wird haͤufig gefangen, getrocknet, und allgemein gegessen, er heißt Ika. Eine Gattung Fische, mit rothen Floßfedern, aus den Baͤchen im Gebirge Fakonie ; man nennt ihn Ja- mamo; pulverisirt soll er bey Brustkrankheiten des weib- lichen Geschlechts gute Dienste thun. Die Winterhalb- ente ( Anas querquedula ): Kama. Rogen von einem gewissen großen Fische, der gesalzen, platt gepreßt und getrocknet, zum Reißbrey gegessen wird: Karasumo. Verschiedne Gattungen Seitenschwimmer oder Flundern ( Pleuronectes ): Kali, Makotje, Niga kotje und Isaka kotje. Zweyter Abschnitt. Beschaffenheit und Charakter der Japaner . D ie Japaner sind gut gewachsen, geschmeidig und be- hende, und haben starke Gliedmaßen, wiewohl sie den noͤrdlichen Einwohnern Europa’s an Staͤrke nicht gleich kommen. Die Mannspersonen sind nicht sehr groß, auch nicht sehr klein, gewoͤhnlich auch nicht fett und dick; nur selten sah ich einen, der etwas Fett hatte. Die Farbe der Japaner ist durchgaͤngig gelblich, doch so, daß sie bey einigen ins Braune, bey einigen ins Weiße faͤllt. Beschaffenheit u. Charakter der Japaner. Geringe Leute, die des Sommers bey ihrer Arbeit mit dem obern Theile des Koͤrpers nackt gehen, werden von der Sonne gebrannt und dadurch braun. Das vorneh- me Frauenzimmer aber, welches selten in die freye Luft geht, ohne bedeckt zu seyn, ist voͤllig weiß. Die Augen unterscheiden dies Volk , eben so wie die Chineser, von allen andern Voͤlkern, und man kann sie so gleich daran kennen. Sie haben nicht die Ruͤnde, wie bey andern Nationen, sondern sind laͤnglich schmal, liegen tiefer und haben immer gleichsam etwas liebaͤugelndes, sehen uͤbri- gens dunkelbraun oder vielmehr schwarz aus. Das Augen- lied bildet mit dem großen Augenwinkel eine tiefe Furche; dies giebt ihnen das Ansehen von Scharfsichtigkeit, und ist hauptsaͤchlich das, was sie, wie ich eben gesagt habe, auf eine so merkliche Art auszeichnet. Die Augen- braunen sitzen auch etwas hoͤher, als bey andern Men- schen. Der Kopf ist bey den meisten groß; der Hals kurz; das Haar schwarz, dick und von Oehl glaͤnzend; die Nase zwar nicht platt, aber doch etwas dick und kurz. Die Schilderung des Charakters der Nation ent- haͤlt im allgemeinen folgende Zuͤge: verstaͤndig und vor- sichtig, frey, gehorsam und hoͤflich, neugierig, fleißig und in Handarbeit geschickt, sparsam und nuͤchtern, rein- lich, gut gesinnt und freundschaftlich, aufrichtig und ge- recht, ehrlich und treu, argwoͤhnisch, aberglaͤubig, hoch- muͤthig und stolz, unversoͤhnlich, tapfer und unuͤber- windlich. Verstand und gesetztes Wesen zeigen die Japaner bey allem, was sie thun. In Kenntnissen, Einsicht, Cultur und Aufklaͤrung haben sie es so weit gebracht, als es ohne Gelehrsamkeit, Wissenschaften und schoͤne Kuͤnste, deren Strahlen freylich noch nicht bis zu diesem Volke Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. hingedrungen sind, moͤglich ist. Zu den aufgeklaͤrtesten Nationen kann man sie freylich nicht rechnen. Aber wenn man sie den so genannten wilden Nationen beyzaͤh- len wollte, so wuͤrde man ihnen großes Unrecht thun. Vielmehr verdienen sie unter den gesittetsten einen Platz. Ihre jetzige Regierungsform, die Einrichtung und Art ihres Handels mit den Auslaͤndern, ihre Kuͤnste und Handwerke, ihr Ueberfluß an allem Nothwendigen, und so manches andre, sind unwidersprechliche Beweise ihres Verstandes, ihrer Klugheit, und ihrer ernsthaften und reellen Denkungsart. Nie findet man unter ihnen eine Spur von der kindischen Eitelkeit und albernen Putzlust, die man bey andern Asiatischen und Afrikanischen Voͤl- kern so haͤufig antrifft, welche sich mit Muscheln, Glas- korallen, blanken Metallblaͤttchen, und dergleichen schmuͤcken. Eben so wenig aber kennen sie den unnuͤtzen und nur glaͤnzenden Schmuck und Prunk der Europaͤer mit Gold, Silber, Juwelen und was mehr dahin ge- hoͤrt. Auch ahmen sie in keinem Stuͤcke auslaͤndischen Luxus nach, sondern machen aus einheimischen Produ- cten huͤbsche Kleider, wohlschmeckende Gerichte und vor- treffliche Waffen. Freyheit ist das Leben der Japaner; keine solche, die in Ungebundenheit, Muthwillen und Eigengewalt uͤbergeht, sondern die durch Gesetze auf die gehoͤrige Art eingeschraͤnkt ist. Viele glauben zwar, der gemeine Mann in Japan sey nichts anders, als Sklave einer de- spotischen Regierung, weil die Gesetze sehr streng sind. Aber ein Knecht, der sich auf ein Jahr bey einem Herrn vermiethet, ist darum kein Sklave und ein Soldat, der auf gewisse, oft viele Jahre, gemiethet und viel schaͤrfer gehalten wird, ist ebenfalls darum kein Sklave, ob er gleich den strengsten Befehlen seiner Vorgesetzten Beschaffenheit u. Charakter der Japaner. gehorchen muß. Die Japaner hassen und verabscheuen den unmenschlichen Sklavenhandel der Hollaͤnder und die unbillige Behandlung ihrer Sklaven. Die Freyheit und Rechte nicht nur der Vornehmen, sondern auch der Nie- dern werden durch die Gesetze geschuͤtzt, und die außeror- dentliche Strenge und unfehlbare Ausuͤbung der Gesetze haͤlt jeden in den gebuͤhrenden Schranken. In Ruͤcksicht auf Auslaͤnder ist keine Nation in ganz Indien , die so eifersuͤchtig uͤber ihre Freyheit wacht, als diese. Auch ist keine so frey von Beeintraͤchtigung, Betruͤgerey, Zwang und Gewaltthaͤtigkeit andrer Voͤlker. Die in diesem Betracht genommenen Maaßregeln haben auf den Erd- boden nicht ihres gleichen. Denn seitdem allen Einwoh- nern ohne Unterschied bey Lebensstrafe verbothen ist, aus dem Reiche zu gehen, ist kein Japaner im Stande hinaus zu kommen. Eben so wenig ist irgend einem Fremden er- laubt, ins Land herein zu kommen, außer einigen wenigen Hollaͤndern und Chinesern, die, wie die Leser bereits wissen, gleichsam in einem Civil-Arrest gehalten werden. Die Vornehmen und Reichen haben eine große und zahlreiche Bedienung. Sonst hat fast ein jeder jemanden zur Be- dienung und Aufwartung im Hause, der, wenn der Herr ausgeht, mitgehen, und Mantel, Schuhe, Regenschirm, Laterne und dergleichen tragen muß. An Hoͤflichkeit und Unterthaͤnigkeit haben die Ja- paner wenige ihres Gleichen. Gehorsam und Unterwuͤr- figkeit gegen Aeltern und Obrigkeit werden den Kindern schon in den ersten Jahren eingepraͤgt, und die Alten in jedem Stande gehen ihnen hierin mit dem besten Beyspie- le stets vor. Daher kommts auch, daß die Kinder hier selten gescholten oder mit koͤrperlichen Zuͤchtigungen be- straft werden. Die Geringeren erweisen den Vorneh- meren und ihren Vorgesetzten tiefe und feyerliche Verbeu- Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. gungen, und gehorchen blindlings und ohne Vorbehalt. Ihres gleichen gruͤßen sie allezeit, so wohl wenn sie ein- ander begegnen, als auch beym Weggehen, sehr hoͤflich. Gewoͤhnlich buͤcken sie sich mit dem ganzen Koͤrper so, daß der Kopf sich vorwaͤrts senkt, und legen die Haͤnde ent- weder gegen die Knie, oder unterhalb der Knie an den Beinen hinunter, ja wohl gar bis auf den Fuß hinab, je nachdem mehr oder weniger tiefe Ehrerbiethung bewiesen werden muß. Je tiefer diese seyn muß, desto mehr wird auch der Kopf zur Erde gebogen. Wenn jemand sie an- redet, oder sie jemanden etwas hingeben oder uͤberreichen, geschieht es allezeit mit einer solchen Verbeugung. Be- gegnet ein Geringerer einem Vornehmeren auf der Stra- ße, so bleibt er in jener Stellung so lange stehen, bis dieser vorbey ist. Begegnen zwey, die sich gleich sind, einander, so stehen beyde still und machen ebenfalls das oben beschriebne Compliment, und gehen darauf einan- der ein wenig in krummer Stellung vorbey. Wenn sie in ein Haus kommen, so fallen sie auf die Knie und buͤ- cken sich, mehr oder weniger tief, mit dem Kopfe; und ehe sie aufstehen um wegzugehen, machen sie wieder die- selbe Verbeugung. — Bey aller ihrer Hoͤflichkeit ha- ben die Japaner aber doch die unartige Gewohnheit, in jedermanns Gegenwart ohne Zuruͤckhaltung, so oft es ih- nen ankommt, aus dem Magen aufzustoßen und zu ruͤlpsen; dies wird bey ihnen, die sonst in ihrem Betra- gen so gesittet, als irgend ein cultivirtes Volk, sind, fuͤr gar nichts unanstaͤndiges gehalten. Die Neugier geht bey den Japanern sehr weit. Was die Europaͤer mitbringen und bey sich haben, bese- hen sie so genau, als moͤglich ist. Sie erkundigen sich nach allem, und werden durch ihre Fragen sehr laͤstig. Bey den Audienzen koͤnnen sie sich an den Hollaͤndern Beschaffenheit u. Charakter der Japaner. nicht satt sehen: sie besehen sie unablaͤssig vom Kopf bis zu den Fuͤßen, und alles was sie an sich haben, Hut, Degen, Kleidung, Knoͤpfe, Tressen, Uhr, Stock, Ringe und so weiter; sie bitten sie, in ihrer Gegenwart zu schreiben, weil sie ihre Buchstaben, und ihre ganze Art zu schreiben zu sehen wuͤnschen. Eben so wißbegie- rig sind auch in Ansehung dessen, was sich auf die Wis- senschaften bezieht, die Gelehrten unter ihnen. Und da sehen sie denn den Leibarzt der Gesandtschaft als den ein- zigen Gelehrten unter den sich hier aufhaltenden Hollaͤn- dern, und als das Orakel an, das ihnen uͤber alles, was sie wissen wollen, Erlaͤuterung geben kann. Dieser wird denn auch nicht nur auf der Insel Dezima , sondern auch auf der Hofreise und zu Jedo , von ihnen mit Fra- gen stets gequaͤlt. Hauptsaͤchlich betreffen ihre Fragen Gegenstaͤnde aus der Mathesis, Geographie, Physik, Pharmacie, Zoologie, Botanik und Medicin. Die Japaner haben viel natuͤrliche Geschicklichkeit, alle Arten Handarbeit leicht zu lernen, und sehr gut zu machen; auch sind sie darin sehr erfinderisch. An In- duͤstrie, Fleiß und Arbeitsamkeit uͤbertreffen sie die mei- sten andern Voͤlker. Sie schraͤnken sich aber auf das Noͤthige und Nuͤtzliche ein. Ihre Kupfer- und Metall- arbeit ist schoͤn. Was sie von Holz verfertigen, ist sau- ber und dauerhaft. Ihre vorzuͤglich gut gehaͤrteten Saͤ- belklingen, und ihre schoͤne lackirte Arbeit thun es allem zuvor, was man in andern Laͤndern von dergleichen bis- her hat zum Vorschein bringen koͤnnen. Wie viel Sorg- falt, Muͤhe und Fleiß der Landmann und Bauer auf die moͤglichste Cultur und Bearbeitung seines Feldes wen- det, wie erfinderisch und unverdrossen er in diesen Stuͤ- cken ist, kann schlechterdings niemand glauben oder sich vorstellen, als wer es selbst sieht. Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Sparsamkeit und Haͤuslichkeit haben in diesem Lande gleichsam ihren Wohnsitz. Sie ist die allgemein geschaͤtzte Tugend, nicht nur am Hofe und in den Pal- laͤsten der Großen, sondern auch in der niedrigsten Huͤtte. Sie macht denn auch, daß der Aermere mit sei- ner wenigen Habe zufrieden ist, und der Reiche seinen Ueberfluß nicht in Unmaͤßigkeit und Wollust verschwen- det. Sie macht aber auch eben dadurch, daß man, was in andern Laͤndern Theurung und Hungersnoth heißt, gar nicht kennt, und daß in diesem so großen und volk- reichen Lande aͤußerst selten ein Nothleidender oder ein Bettler angetroffen wird. Im allgemeinen sind die Ja- paner weder geitzig noch habsuͤchtig. Vor Fressen und Saufen haben sie Abscheu. So wie sie das Land nicht zum Tobak und andern unnuͤtzen Gewaͤchsen verschwenden, verbrauchen sie auch ihr Getreide nicht durch so genannte Veredlung zu starken Getraͤnken. Reinlich und sauber sind die Japaner in hohem Grade. Sie beobachten diese Tugend nicht nur in Ruͤck- sicht auf ihren Koͤrper, sondern auch in ihren Haͤusern, in ihrer Kleidung, in ihren Geraͤthen, im Essen und Trinken und allen uͤbrigen Stuͤcken. Sie waschen und baden sich nicht etwa einmahl in der Woche, sondern je- den Tag; und zwar bedienen sie sich dazu warmer Baͤ- der, die taͤglich in jedem Hause, und auch fuͤr wenig Geld in allen Wirthshaͤusern fuͤr die Reisenden bereitet werden. Von der guten Gemuͤths-Beschaffenheit und der freundschaftlichen Denkungsart der Japaner habe ich selbst oft mit Bewunderung sehr viele Beweise erfahren. Ich konnte dergleichen um so viel weniger erwarten, da sie immer mehr Ursache haben, die hier handelnden Eu- ropaͤer, ihres schlechten Betragens und ihrer feinen Be- truͤ- Beschaffenheit u. Charakter der Japaner. truͤgereyen wegen, aufs moͤglichste zu verachten, zu has- sen, und gegen sie vorsichtig zu seyn. Der Japaner ist zwar stolz, aber gut; mit Sanftmuth und Freundlich- keit laͤßt er sich lenken und bewegen; Drohungen aber und Trotz wirken auf ihn nicht. Die Gerechtigkeit wird im ganzen Lande sehr heilig gehalten. Der Monarch beeintraͤchtiget keinen seiner Nachbaren. Man hat in der ganzen Geschichte weder aͤlterer noch neuerer Zeiten kein Beyspiel, daß je ein Ja- panischer Regent ein fremdes Land angegriffen, oder Lust sein Reich zu erweitern gezeigt haͤtte. Zwar sind die Jahr- buͤcher der Japaner voll von Heldenthaten, aber nur zur Vertheidigung des Vaterlandes gegen auswaͤrtige Gewalt, oder gegen Aufruhr in seinen eignen Grenzen. Daß Laͤnder erobern etwas Großes, und Thaten in Kriegen, die um zu erobern gefuͤhrt werden, etwas Ruͤhmliches seyen, davon haben sie keinen Begriff. Sie bleiben in diesem, so wie in allen andern Stuͤcken bey der Denkungsart ih- rer Vorfahren, und nehmen auch jene Sitte von andern Voͤlkern nicht an. Moͤchten doch die Beherrscher unsers Europa sich von ihnen nicht laͤnger beschaͤmen lassen! Sie haben aber auch nie von ihrem Lande sich etwas weg- nehmen lassen, und wuͤrden es auch jetzt nicht thun. Eben so herrscht Gerechtigkeit in allen ihren Gerichten. Alle Rechtssachen werden sehr bald, ohne Weitlaͤuftig- keit und ohne Intrigue abgemacht. Der Verbrecher fin- det nirgends Zuflucht. Die Person wird nicht angesehen. Begnadigung zu hoffen wagt niemand. Aber auch ge- gen die Europaͤer beobachten sie Gerechtigkeit. Ihre Tractaten, Vergleiche und Verbindungen mit ihnen, he- ben sie nicht auf, gehen nicht ein Haar breit davon ab, aͤndern keinen Buchstaben daran, wofern nicht die Euro- paͤer selbst Anlaß und Ursache dazu geben. Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. L Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Eben so allgemein trifft man Redlichkeit und Treue an. So wenig als in diesem Lande wird wohl in keinem andern Diebstahl begangen; man hoͤrt kaum davon. Raͤuberey ist vollends etwas ganz unbekanntes. Die Europaͤer sind auf ihrer Reise durch das Land so sicher, daß sie auf die Sachen, welche sie bey sich haben, fast gar nicht Acht geben. Indessen muß ich doch sagen, daß die geringen Leute, wenigstens auf der Factorey, es fuͤr keine Suͤnde halten, den Hollaͤndern Kleinigkeiten, be- sonders an Zucker und Kupfer, indem diese Waaren von und nach der Schiffsbruͤcke gebracht werden, weg- zumausen. Argwoͤhnisch sind die Japaner sehr. Es ist aber wahrscheinlich, daß sie es nicht zu allen Zeiten in solchem Grade gewesen sind. Vermuthlich haben die vorigen in- nerlichen Unruhen und Kriege, noch mehr aber die Be- truͤgereyen der Europaͤer diese Unart, die jetzt, wenigstens im Handel und Wandel mit den Hollaͤndern und Chi- nesern ohne Grenzen ist, bey ihnen hervor gebracht und vergroͤßert. Auch Aberglaube herrscht unter diesem Volke so all- gemein und in so hohem Grade, als vielleicht unter kei- nem andern. Dies ruͤhrt von ihrer Unwissenheit in den meisten Wissenschaften, und von den verkehrten und un- gereimten Begriffen und Grundsaͤtzen her, die ihre Reli- gion und ihre unwissenden Priester ihnen einpraͤgen. Be- weise des Aberglaubens geben sie in reichem Maaße an ihren Festen, bey ihrem Gottesdienste, bey ihren Ge- luͤbden, beym Gebrauche ihrer Arzneymittel, bey der Wahl gluͤcklicher und der Vermeidung ungluͤcklicher Ta- ge, und dergleichen mehr. Stolz und hoher Duͤnkel ist ein Hauptfehler dieser Nation. Sie glauben eben den heiligen Ursprung von Beschaffenheit u. Charakter der Japaner. den Goͤttern, Himmel, Sonne und Mond zu haben, den sich mehrere Asiatische Voͤlker zueignen. Kein Wunder, wenn sie waͤhnen, etwas mehr als andre Menschen zu seyn, und wenn sie besonders die Europaͤer sehr geringe achten. Ertruͤge ein Japaner auch jede an- dere Beleidigung, so wuͤrde er doch Stolz an andern nicht ertragen koͤnnen. Stolz und Hochmuth waren es, wel- che die Portugiesen aus dem Lande verjagten, und sie sind es auch, welche dem Hollaͤndischen Handel hier mit der Zeit vielleicht ein Ende machen werden. Daß das Japanische Volk nie, auch nicht ein- mahl in den aͤltesten Zeiten, von irgend einer auswaͤrti- gen Macht besiegt oder unterjocht gewesen ist, weiß man. Aber in ihren Geschichtbuͤchern lieset man auch von ihrer Tapferkeit und ihrem unbesiegbaren Muth solche Erzaͤh- lungen, die man weit eher fuͤr Fabeln, als fuͤr wirkli- che Thatsachen zu halten Ursache haͤtte, wenn man nicht in spaͤteren Jahrhunderten redende Beweise davon haͤtte. Als die Tataren zum ersten Mahl, im Jahr 799, mit einem unzaͤhlbaren Heere einen Theil von Japan uͤber- schwemmt hatten, und die Japanische Flotte durch einen heftigen Sturm verungluͤckt und in einer einzigen Nacht ganz ruinirt war, brach am folgenden Tage der Feldherr der Japaner auf, griff die zahllose und muthige Armee der Feinde an, und richtete sie so ganz zu Grunde, daß auch nicht ein Mann am Leben blieb, der haͤtte zuruͤck gehen und von einer so unerhoͤrten Niederlage die Nach- richt uͤberbringen koͤnnen. Eben so groß und eben so eh- renvoll war der Sieg der Japaner im Jahr 1281, als sie von den Tataren, die 240,000 Mann stark waren, zum andern Mahl angegriffen wurden. Die Vertreibung der Portugiesen und die zugleich geschehene Ausrottung der christlichen Religion im Anfange des siebzehnten Jahr L 2 Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. hunderts haben sie so vollkommen bewerkstelliget, daß man heutiges Tages kaum eine Spur ihres ehemahligen Daseyns findet. Der Krieg mit ihnen, und die Verhee- rung wurden vierzig Jahr lang fortgesetzt. Mehrere Millionen Menschen wurden in dieser Zeit aufgeopfert; allein bey der letzten Belagerung verlohren 37000 das Le- ben. Diese Siege sind gleichwohl nicht die einzigen, welche der Japaner Muth und Tapferkeit verbuͤrgen. Folgendes Beyspiel ist noch auffallender. Im Jahr 1630 kam ein kleines Japanisches Fahrzeug nach For- mosa , um da Handel zu treiben. Die Insel gehoͤrte damahls der Hollaͤndischen Compagnie. Der Gouver- neur Peter Nuytz behandelte die mit dem Schiffe ange- kommenen Japanischen Kaufleute sehr uͤbel. Nach ihrer Zuhausekunft beklagten diese sich bey dem Fuͤrsten ihrer Landschaft, uͤber die nicht nur ihnen, sondern auch ihm selbst, dadurch widerfahrne Beleidigung und Beschim- pfung. Der Fuͤrst wurde zwar hieruͤber desto mehr auf- gebracht, da es verachtete Fremde waren, die derglei- chen ausgeuͤbt hatten, glaubte sich aber nicht im Stande sich zu raͤchen. Seine Leibwache redete ihn darauf also an: Wir halten uns nicht fuͤr wuͤrdig, deine Person laͤn- ger zu bewachen, wofern wir nicht Erlaubniß bekom- men, deine Ehre wieder herzustellen. Nichts als das Blut der Frevler kann diesen Schandfleck wegwaschen. Befiehl nur, und wir wollen dem Boͤsewicht den Kopf abhauen, oder ihn lebendig hieher bringen, damit er nach deinem Gutbefinden und seinem Verdienste bestraft wer- de. Unsrer sieben sind genug. Weder die Gefahr der See, noch die Staͤrke der Citadelle, noch die Anzahl seiner Wache soll ihn vor unserm Zorne sichern. — Der Fuͤrst willigte ein. Sie entwarfen einen klugen Plan, zogen ab und kamen auf Formosa an. Hier bathen sie Beschaffenheit u. Charakter der Japaner. um Vortritt beym Statthalter. Kaum waren sie in sei- nem Zimmer, als sie alle zugleich die Saͤbel zogen, ihn gefangen nahmen und unverzuͤglich nach ihrem Schiffe brachten. Dies geschah am hellen Tage, im Angesicht der Wache und aller Leute im Pallaste, ohne daß jemand es wagte sich zu regen, um seinen Herrn zu befreyen. Der Gouverneur war keinen Augenblick am Bord gewe- sen, als sein Kopf mitten von einander gespalten wur- de. — Kaͤmpfer erzaͤhlt diese Geschichte auch. Kennt man den Stolz, die Gerechtigkeitsliebe und den Muth der Japaner, so verwundert man sich gewiß nicht, daß sie, wenn sie beleidigt worden sind, ganz un- versoͤhnlich gegen ihre Feinde sind. Dies geht so weit, daß sie jede Beleidigung dem andern bestaͤndig, waͤre es auch noch so lange, nachtragen. Nichts kann sie aus- soͤhnen. Aber sie lassen ihren Groll nicht in Hitze aus- brechen, sondern wissen ihn unter einer unnachahmlichen Kaltbluͤtigkeit zu verbergen, und auf Gelegenheit, wo sie sich raͤchen koͤnnen, zu lauern. Nie habe ich unter irgend einem Volke Menschen gesehen, die der Leiden- schaft des Zorns so wenig unterworfen sind, als sie. Man kann fast sagen, daß sie nie hitzig werden. Man mag sie schelten, schmaͤhen, ihre Ehre beleidigen, so sehr man will: sie antworten nicht ein einziges Wort, sondern geben nur durch ein langsames aͤ aͤ gleichsam ihr großes Befremden zu erkennen. Aber so schweigend fassen sie ge- gen den andern den bittersten Haß, der hernach weder durch Gutmachen der Beleidigung, durch Schadener- setzung, durch Wiederherstellung der Ehre, noch durch die Laͤnge der Zeit, noch durch veraͤnderte Umstaͤnde je- mahls ausgeloͤscht werden kann. Sie pflegen daher ih- rem Feinde nicht leicht durch ein unhoͤfliches Wort oder eine unhoͤfliche Miene zu nahe zu kommen, sondern viel- Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abschnitt. mehr durch verstellte Freundschaft so wohl ihn als andre zu taͤuschen, bis fruͤh oder spaͤt sich eine Gelegenheit zeigt, wo sie ihm betraͤchtlichen Schaden oder großes Ungluͤck zufuͤgen koͤnnen. Sonst muß ich hier noch eine Untugend der Japa- ner ruͤgen, ich meine die Unzucht. Diese scheint unter ihnen allgemein zu herrschen. Die Schamhaftigkeit steht in geringem Werth bey ihnen. Selbst das weibli- che Geschlecht uͤbt diese Tugend wenig aus. Selten be- kuͤmmern sie sich darum, sich zu bedecken, wenn sie sich baden, selbst dann nicht, wenn es auf offnen Plaͤtzen geschieht. Auch nicht einmahl zu Nangasaki thun sie es an solchen Stellen, wo sie von den Hollaͤndern gesehen werden koͤnnen und wo diese vorbey kommen. Dritter Abschnitt. Haͤuser und Hausgeraͤth . D ie Haͤuser der Japaner sind von Fachwerk und weiß uͤbertuͤncht, und sehen daher von außen voͤllig wie stei- nerne Gebaͤude aus. Ihre Bauart ist ganz besonders. Das Holz hat nur senkrechte und horizontale Richtung; schraͤg, wie sonst bey Fachwerk zu geschehen pflegt, ist nichts davon angebracht; es besteht daher bloß aus Solen, Balken, Riegeln und Stendern. Diese alle sind viereckig und nicht dick. Die Faͤcher zwischen denselben werden mit Bamborohr zugeflochten, und dieses mit Moͤrtel, von Lehm, Sand und Kalk beworfen und verkleibt. Die Mauern oder Waͤnde werden daher eben nicht dick. Jedes Haus nimmt einen ansehnlichen Raum ein. Im Hause selbst hat man gar keine Zwischenwaͤnde. Es wird bloß von den Stendern unterstuͤtzt. Zwischen diesen sind an der Decke und dem Fußboden andre Haͤuser und Hausgeraͤth. Querhoͤlzer, mit eingehauenen Vertiefungen oder lan- gen schmalen Einschnitten angebracht, die zur Abtheilung der Zimmer dienen. Anfangs macht also das ganze Haus ein einziges Zimmer aus, daß sich vermittelst die- ser Querhoͤlzer durch uͤberzogene Rahmen, oder einzelne, kleine, leichte Waͤnde, die nach Belieben eingesetzt, weggenommen oder hinter einander geschoben werden koͤn- nen, in mehrere abtheilen laͤßt. Diese Rahmen beste- hen aus lackirten hoͤlzernen Leisten, die mit dickem, mit Farbe uͤberstrichenem und daher undurchsichtigem Papiere uͤberzogen werden, und in jene Vertiefungen sehr bequem und nett einpassen. Dergleichen Zimmer wurden fuͤr uns und unser Gefolge auf der Reise oft abgetheilt, und wenn wir zum Speisen oder andern Behufe ein groͤßeres Zimmer gebrauchten, wurden jene Rahmwaͤnde wegge- nommen, und hernach, wenn es noͤthig war, wieder eingesetzt: eine Arbeit, die in einem Augenblick verrichtet ist. Man kann zwar nicht sehen, was in den angren- zenden Zimmern geschieht; aber doch meistens sehr gut hoͤren, was gesprochen wird. Die Decke der Zimmer ist getaͤfelt, besteht aus dicht in einander gefuͤgten Bre- tern, und faͤllt ziemlich gut ins Auge. Die Haͤuser werden mit Ziegeln und Dachpfannen gedeckt, die auf eine ganz eigne Art gemacht, sehr dick und schwer sind. Schlechte Haͤuser deckt man aber ge- woͤhnlich nur mit Schindeln, die man gemeiniglich mit einer Menge Steine belegt, welche die Schindeln fest halten und dem Dache die noͤthige Schwere geben. Das Dach steht allezeit weit uͤber dem Hause hervor, und wird oft mit einem besondern kleinen Dache vermehrt, das uͤber einem schmalen ausgebaueten Gange oder einer Gallerie draußen vor den Fenstern hingeht. Von diesem kleinen Dache gehen nach inwendig und niederwaͤrts ei- Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abschnitt. nige vierseitige hoͤlzerne Leisten, zwischen welche man von Binsen gemachte Jalousie-Matten haͤngt, die aufgezogen und niedergelassen werden koͤnnen, und verhindern sollen, theils daß die Vorbeygehenden nicht ins Haus hinein se- hen, theils hauptsaͤchlich aber, daß der Regen nicht an die papiernen Fenster kommen kann. In den Doͤrfern und kleinen Staͤdten sind die Haͤuser auf den Seiten, be- sonders die Hinterseite, ebenfalls mit Schindeln, und zwar von Borke, belegt, die durch darauf genagelte ganz schmale und duͤnne hoͤlzerne Leisten zusammen gehalten werden, und das Eindringen des Regens in der Wand verhuͤthen. Fenster sind in jedem Zimmer zwey oder mehrere. Sie fangen beynahe unter der Decke an, und gehen bis auf eine Elle vom Fußboden hinab. Sie bestehen aus leichten Rahmen, die man ausnehmen, einsetzen und in zwey, zu diesem Ende in den Querhoͤlzern und Riegeln oben und unten angebrachten, Vertiefungen oder Ein- schnitten vor einander schieben kann. Diese Rahmen sind durch Leisten oder Sprossen in kleine Parallelogram- me, deren bisweilen an vierzig sind, eingetheilt. Auf der auswendigen Seite sind diese kleinen Faͤcher, die gleichsam die einzelnen Fensterscheiben ausmachen, mit feinem weißen Papier uͤberzogen, das selten oder nie- mahls mit Oehl getraͤnkt wird, und zwar einen guten Theil des Tageslichts durchlaͤßt, aber alle Aussicht be- nimmt, weil man nicht durchsehen kann. Glaͤserne Fen- ster werden nicht gebraucht, eben so wenig als man Per- lenmutter oder Glimmer dazu nimmt. Der Fußboden ist allezeit mit Matten bedeckt, die aus feinen Binsen ( Iuncus ) geflochten, mit Reißstroh ausgefuͤllt, drey bis vier Zoll dick und im ganzen Lande von einerley Groͤße, naͤmlich ein Klafter lang und ein hal- Haͤuser und Hausgeraͤth. bes Klafter breit, und an den beyden laͤngern Seiten mit duͤnnem, blauem oder schwarzem Bande eingefaßt sind. Nur im Kaiserlichen Schlosse zu Jedo sah ich Matten, die groͤßer als die gewoͤhnlichen waren. In den Haͤusern der geringen Leute ist der vordere oder aͤußere Theil des Zimmers nicht mit Matten belegt, sondern dient zur Diele oder zum aͤußern Vorzimmer, wo man die Schuhe absetzt; darauf folgt ein erhoͤheter Fußboden, der mit Matten bedeckt ist, das Wohnzimmer ausmacht, und durch Rahmwaͤnde in mehrere abgetheilt werden kann. Inwendig im Hause werden so wohl die Waͤnde als das Dach mit schoͤnem dicken Papier uͤberklebt, wor- auf mancherley Blumen gedruckt sind. Diese Tapeten sind gruͤn, gelb oder weiß; bisweilen ist auch Silber und Gold darauf angebracht. Der Leim, welchen sie dazu brauchen, besteht aus einem duͤnnen Brey von Reiß. Da der Rauch des Winters die Tapeten sehr verdirbt, so klebt man alle drey bis fuͤnf Jahr neue auf. Die Haͤuser sind sehr geraͤumig, allein niemahls mehr als zwey Stockwerke hoch, wovon aber gewoͤhnlich nur das untere bewohnt wird. Im oberen wohnt selten jemand, sondern es wird als Boden, oder dergleichen ge- braucht, um allerhand Sachen hinzusetzen oder zu ver- wahren. Es ist auch gemeiniglich niedriger. Die Haͤu- ser der Reichen und Vornehmen unterscheiden sich zwar durch Groͤße, Ansehen und Schoͤnheit, sind aber doch nicht uͤber zwey Etagen oder zehn Ellen hoch. In den Haͤusern der Kaufleute und Handwerker macht der an der Straße liegende Vordertheil gewoͤhnlich die Bude oder Werkstaͤtte aus. Darauf folgt die Kuͤche und die Stuben fuͤr die Dienstbothen. Der nach dem Hofe gehende Theil ist eigentlich der, welcher bewohnt wird. Die dicht an den Hof stoßenden Zimmer werden Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abschnitt. fuͤr die vornehmsten und bequemsten gehalten, weil sie von dem Geraͤusche und Laͤrmen auf der Straße am weitsten entfernt sind; zugleich sind sie die schoͤnsten. Sie haben die Aussicht und auch eine Thuͤr nach ei- nem mit verschiednen Baͤumen, Buͤschen, Gewaͤchsen und Blumentoͤpfen besetzten Hofe oder leeren Platze, der nach Umstaͤnden groß oder klein, auch wohl in der Mitte mit einem kleinen Berge geziert ist. Aus die- sen Ursachen werden die hintersten Zimmer allemahl den Fremden eingeraͤumt. Sie waren es daher auch, wo wir auf der Reise und zu Jedo logirt zu werden die Ehre hatten. Selten findet man ein Haus, das nicht ein zum Baden eingerichtetes, und mit den dazu noͤthigen Wan- nen und Geraͤthschaften versehenes Zimmer hat. Es liegt gewoͤhnlich an der Seite des Hofes. In bessern Haͤusern, wo besondre Zimmer fuͤr Fremde sind, ist dicht bey denselben eine kleine Badestube fuͤr diese befind- lich, wo sie sich baden koͤnnen, wenn sie Lust haben. In derjenigen Abtheilung des Hauses, welche die Kuͤche vorstellt, ist kein andrer Herd, als ein großes viereckiges Loch, daß im Fußboden, oft gerade in der Mitte angebracht, und mit einigen Steinen, in der naͤmlichen Flaͤche mit den umher liegenden Matten, belegt ist. Der Kohlenrauch macht das Haus schwarz, weil es keinen andern Schornstein, als nur ein Loch im Dache hat; und die Naͤhe der Fußboden Matten verursacht oft Schaden und Ungluͤck, wenn die Leute sich mit dem Feuer nicht sehr in Acht nehmen. Bey jedem Hause ist in einem kleinen abgesonderten Gebaͤude ein Abtritt befindlich. Dieser besteht aber bloß aus einer im Fußboden angebrachten laͤnglichen Oeff- nung, auf welche die Japaner sich setzen. An der Haͤuser und Hausgeraͤth. Wand ist eine Art Lade oder Kasten, der schraͤge herun- ter geht, unten ein Loch hat, und worin sie ihr Wasser abschlagen. Nahe dabey findet man allezeit ein porzella- nenes Geschirr mit Wasser, womit sie sich, wenn sie ihr Geschaͤft verrichtet haben, jedesmahl die Haͤnde waschen. In verschiednen Staͤdten, zum Beyspiel zu Jedo , ist bey jedem Hause auch ein steinernes Packhaus ange- legt, das feuerfrey ist, und wo sie bey Feuersgefahr ihre Sachen hinbringen. Die Haͤuser der Japaner haben, wie man schon aus dieser Beschreibung sehen kann, nicht das Ansehen, auch nicht die Bequemlichkeit als die Haͤuser der Europaͤer. Die Zimmer sind nicht so hell und heiter, und im Win- ter nicht so warm. Auch sind die Haͤuser selbst weder so sicher vor Feuer, noch so dauerhaft. Daß sie sich so wohl von innen als von außen sehr schlecht ausnehmen, daran sind hauptsaͤchlich die nur halb durchsichtigen pa- piernen Fenster Schuld. Die oͤffentlichen Gebaͤude, als Tempel und Pallaͤ- ste, sind zwar groͤßer und ansehnlicher, aber alle von ei- nerley Bauart. Die mit verschiednen, eine ganz eigne Gestalt habenden, Thuͤrmen gezierten Daͤcher machen ih- re groͤßte Schoͤnheit aus. Die Staͤdte sind zum Theil sehr groß, zum Theil auch mit Waͤllen und Graͤben umgeben, und mit einer Citadelle und Thuͤrmen versehen, besonders wenn ein Fuͤrst darin seine Hofhaltung hat; alle aber haben Thore. Der Umfang der Hauptstadt Jedo , welche an Groͤße der Stadt Peking den Vorzug beynahe streitig macht, wird zu ein und zwanzig Stunden Weges zu Fuß angegeben, welches ungefaͤhr eben so viel Franzoͤsische Meilen betraͤgt. Doch ich erinnere mich, hievon, und von anderm, was die Staͤdte dieses Landes betrifft, in der Erzaͤhlung mei- Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abschnitt. ner Reise bereits Nachricht gegeben zu haben. Eben dies gilt von den Doͤrfern, von welchen ich hier also nur noch zwey Bemerkungen nachhohlen will. Sie unterschei- den sich von den Staͤdten lediglich dadurch, daß sie of- fen sind, und nur eine einzige Straße haben. Ihre Laͤnge ist oft unglaublich. Die meisten sind eine Viertel- meile lang. Bey einigen gebraucht man gar mehrere Stunden Zeit, um zu Fuß hindurch zu kommen. Manchmahl liegen sie auch so nahe bey einander, daß nur eine Bruͤcke, ein Fluß, oder der Nahme sie un- terscheidet. In den Doͤrfern steht der zu jedem Hause gehoͤ- rige Abtritt allezeit an der Straße zur Seite des Wohn- hauses. Er ist unten offen, und unter demselben ist an der Straßenseite ein großes irdenes Geschirr in die Erde gegraben, wo jeder Vorbeygehende sein Wasser hin- ein lassen kann. Der von diesem gesammelten Urin, dem was sonst im Abtritte sich sammelt, und auch von dem was aus der Kuͤchengosse hinein fließt (dies alles sammelt man hier zu Lande mit vieler Sorgfalt zum Duͤngen des Ackers), entstehende Gestank ist des Sommers an heißen Tagen so stark und unausstehlich, daß kein Zustopfen der Nase und keine Wohlgeruͤche dagegen helfen. Die Ein- wohner haben sich daran gewoͤhnt, aber er ist auch den Augen hoͤchst schaͤdlich. Daß so viele, besonders alte Leute, mit rothen, wunden und triefenden Augen geplagt sind, kommt hauptsaͤchlich von den scharfen Ausduͤnstun- gen jener Sammlungen her. Das gestehe ich inzwi- schen gern, daß dieser Gestank und die haushaͤlterische Muͤhe und Sorgfalt, welche man anwendet, das alles aufs genaueste zusammen zu sammeln, durch den Ertrag des Ackers reichlich belohnt wird. Haͤuser und Hausgeraͤth. Camine und Stubenoͤfen kennt man im ganzen Lande nicht, obwohl die Kaͤlte strenge ist, und die Ein- wohner noͤthigt, vom October bis zum Ende des Maͤrzes die Zimmer zu heitzen. Dies Heitzen der Zimmer ge- schieht vermittelst kupferner Toͤpfe, von unterschiedlicher Groͤße, mit breitem uͤberstehenden Rande, die unten mit Moͤrtel oder Asche angefuͤllt werden, worauf man gut gebrannte Kohlen legt, die man alsdann anzuͤndet. Den Topf stellt man entweder mitten ins Zimmer, oder an eine Seite, und die Japaner setzen sich um denselben her. Weil die Waͤnde nicht dicht sind, muͤssen sie mehrmahls des Tages auf diese Art einheitzen, oder auch das Kohlen- feuer den ganzen Tag uͤber unterhalten. Diese Art des Heitzens fuͤhrt aber mancherley Unbequemlichkeiten mit sich. Oft dunsten die Kohlen. Von dem aufsteigen- den Kohlendampfe wird das Zimmer sehr schwarz. Den Augen schadet der Rauch auch. So einfach die Bauart der Japaner ist, so einfach ist auch ihr Ameublement, oder vielmehr, sie haben gar kei- ne Meublen. Ihre Zimmer und Haͤuser entbehren mithin auch des Ansehens und Schmucks, den huͤbsche Meublen geben. Aber auch die Leute selbst entbehren dadurch manche Bequemlichkeit. Schraͤnke, Commoden, Bu- reaux, Sofa, Betten, Tische, Stuͤhle, Uhren, Spie- gel oder dergleichen findet man in keinem Zimmer. Die meisten von diesen Dingen sind ihnen unbekannt. Die weichen Strohmatten auf dem Fußboden dienen ihnen statt Betten und Stuͤhle. Eine weiche mit Baumwolle ausgestopfte Matratze wird uͤber die Matte ausgebreitet, wenn sie schlafen gehen wollen. Unter den Kopf legen sie ein laͤngliches Stuͤck lackirtes Holz. Anstatt der De- cke gebrauchen sie ihren weiten Talar. Bey dieser Art zu schlafen kommt ihr Haar des Nachts nicht in Unordnung, Fuͤnfte Abtheilung. Dritter Abschnitt. und des Morgens sind sie in dem Augenblicke, da sie aufstehen, auch gekleidet; denn den weiten Rock koͤn- nen sie in einem Hui anziehen und zubinden. Beym Si- tzen sind ebenfalls die Matten und ihre Fersen ihr Stuhl. Denn sie setzen sich auf die Matte nieder, und legen die Fuͤße unter das Gesaͤß. Hiedurch unterscheiden sie und die Chineser sich von den meisten andern Ostindischen Voͤlkern, die, wenn sie sitzen, die Beine und Fuͤße kreutz- weise vor sich liegen haben. Beym Essen wird fuͤr jede Person ein kleiner viereckiger, eine halbe Elle langer und breiter, und vier Zoll hoher Tisch hinein gebracht und hin- gesetzt, auf welchem statt der Gabel ein kleines hoͤlzernes Stift, oder keins liegt, und worauf von jedem Gerichte eine Portion in lackirten hoͤlzernen Naͤpfen, die mit einem Deckel zugedeckt sind, befindlich ist. Was sie von Schraͤnken, Kisten, Laden, Koffern und dergleichen ha- ben und gebrauchen, steht alles im Packhause oder in be- sondern Zimmern. Bey ihrer Toilette brauchen sie kleine Schraͤnke mit mehreren Schubladen. Ein solcher Schrank ist eine halbe Elle lang und wenig uͤber eine Viertelelle hoch. Unserm Ambassadeur wurde zu Jedo ein dergleichen Schrank, und zwar von so genannter alter Lackirung ( vieux Lacq ) zu Kauf gebracht. Er war weit besser la- ckirt, als heut zu Tage geschieht, und die Blumen dar- auf waren sehr erhoben, welches sich ungemein schoͤn ausnimmt. Dergleichen Arbeit bekommt man jetzt selten zu sehen, noch seltner zu Kauf. Aber jenes Stuͤck er- stehen hieß so viel als es mit Gold aufwaͤgen. Man for- derte siebzig Kobang, das ist vier hundert und zwanzig Thaler dafuͤr. So sehr es alle neuere Arbeit dieser Art hinter sich zuruͤck ließ, duͤnkte mir doch der Unterschied des Preises zu groß. Haͤuser und Hausgeraͤth. Spiegel paradiren zwar nicht in den Zimmern, aber beym Nachttische werden sie allgemein gebraucht. Allein die Japanischen Spiegel sind nicht von Glas, son- dern werden aus Metall, und zwar einer Composition von Kupfer und Zink, gegossen, und sehr gut polirt. Man hat sie von sehr verschiedner Groͤße. Ein solcher Spiegel wird auf einem schief herab gehenden hoͤlzernen Gestelle befestigt, und das schoͤne Geschlecht kann seine Reitze darin vollkommen so gut, als in einem Europaͤi- schen glaͤsernen Spiegel, beschauen. In den Haͤusern braucht man vielfaͤltig Schirme, die vier Ellen hoch, und um der Bequemlichkeit willen so eingerichtet sind, daß sie mehrere Mahl zusammen geklappt werden koͤnnen. Man setzt sie vor die Schlafstellen, wenn mehrere in einem Zimmer schlafen; verdeckt da- mit im Zimmer, was nicht in die Augen fallen soll; theilt die Zimmer damit ab; setzt sie vor die Fenster, um die Zugluft abzuhalten; stellt sie des Winters um den Feuertopf, damit die Waͤrme mehr bey einander bleibe; und wozu man sonst Schirme gebraucht. Man hat sie groß und klein. Manche sind recht schoͤn angemahlt, oder mit bemahltem dickem Papier uͤberzogen. Meistens sind sie aus sechs besondern Rahmen zusammen gesetzt, deren jeder eine Elle breit ist. Vierter Abschnitt. Kleidung und Putz . D ie Japanische Kleidertracht verdient mehr, als die in irgend einem Lande, den Nahmen einer National-Klei- dung. Sie unterscheidet sich nicht allein von der Tracht aller uͤbrigen Voͤlker und Menschen, sondern ist auch eine Fuͤnfte Abtheilung. Vierter Abschnitt. und dieselbe bey allen Einwohnern, vom Monarchen bis zum geringsten Unterthan; gleich bey beyden Geschlech- tern; und, welches fast alle Glaubwuͤrdigkeit uͤbersteigt, seit dritthalb tausend Jahren ganz unveraͤndert. Der Hauptanzug ist durchgaͤngig bey allen und je- den Japanern, von jeglichem Stand, Geschlecht und Al- ter, ein langer und weiter Talar, der unsern Schlafroͤ- cken aͤhnlich ist. (Die Hollaͤnder nennen ihn auch einen Schlafrock). Jeder hat deren einen oder mehrere. Die Vornehmen und Reichen tragen ihn vom feinsten seid- nen, die Armen und Geringen von baumwollnem Zeu- ge. Beym weiblichen Geschlechte reicht er bis auf die Fuͤße, beym maͤnnlichen nur bis auf die Fersen. Zu Fuß Reisende, das Militair, und Arbeitsleute schuͤrzen ihn entweder auf, oder tragen ihn so kurz, daß er nicht weiter als an die Knie geht, um bequemer gehen, ih- ren Dienst verrichten und arbeiten zu koͤnnen. Die Mannspersonen nehmen gemeiniglich einfarbiges Zeug dazu, die Frauenspersonen gebluͤmtes, und nicht selten mit hinein gewirkten goldnen Blumen. Im Sommer traͤgt man diese Roͤcke entweder ungefuͤttert, oder bloß mit duͤnnem Unterfutter; des Winters, um der Kaͤlte wil- len, mit baumwollnen oder seidnen Watten ganz dicht ausgestopft. Die Mannspersonen ziehen selten viele uͤber einander; die Frauenspersonen aber haben oft drey- ßig bis funfzig, ja wohl noch mehr zugleich an, immer einer uͤber den andern, jedoch alle so duͤnn, daß sie zu- sammen kaum vier bis fuͤnf Pfund wiegen. Das un- terste dieser Gewaͤnder vertritt die Stelle des Hemdes, und ist deswegen entweder weiß oder blaͤulich, gewoͤhn- lich duͤnn und durchsichtig. Sie alle werden rund um den Leib, und zwar um die Weichen, mit einem Guͤrtel befestigt, der beym maͤnnlichen Geschlechte ungefaͤhr eine Kleidung und Putz. eine Hand, beym weiblichen hingegen beynahe eine halbe Elle breit ist, und solche Laͤnge hat, daß er wenigstens zweymahl um den Leib geht, und in einen Knoten mit großen Schleifen bequem zusammen geknuͤpft werden kann. Der Knoten mit der Schleife ist, zumahl beym Frauenzimmer, von ansehnlicher Groͤße, und man kann zugleich daran sehen, ob eine Frauensperson verheira- thet oder unverheirathet ist; denn bey diesen sitzt er hin- ten auf dem Ruͤcken, bey jenen aber vorn vor dem Leibe. In diesen Guͤrtel stecken die Mannspersonen den Saͤbel, den Faͤcher, die Tobakspfeife, den Tobaksbeutel und die Arzneydose. Am Halse ist der Habit allezeit rund aus- geschnitten, ohne Kragen, und vorn offen, so daß der Hals bloß ist, mit dem sie auch bestaͤndig bloß gehen, ohne je ein Halstuch oder dergleichen zu gebrauchen. Die Aermel sind sehr unfoͤrmlich und uͤber alle Maaße weit, die Weite betraͤgt eine halbe Elle. Vorn bey der Oeffnung sind sie zur Haͤlfte zusammen genaͤhet, so daß sie unterwaͤrts einen Beutel formiren, der ihnen statt ei- ner Tasche dient, Papier und andre Sachen, die nicht schwer sind, hinein zu stecken, und wo sie auch bey kaltem Wetter die Haͤnde hinein stecken. Vorzuͤglich sind sie bey jungen Maͤdchen lang, bey denen sie oft bis auf die Erde hangen. So ohne Unterschied allgemein diese Tracht im ganzen ist, findet doch, in Ruͤcksicht auf Geschlecht, Alter, Stand und Lebensart, einige, wiewohl nicht be- traͤchtliche, Verschiedenheit dabey Statt. Geringe Leute, Arbeiter, Fischer, Matrosen und dergleichen sieht man oft, wenn sie ihre Arbeit verrichten, ganz oder halb nackt. Im ersteren Falle haben sie weiter nichts als ei- nen Guͤrtel um den Leib, der die Geschlechtstheile ein- schließt und bedeckt, von da zwischen den Beinen hin- Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. M Fuͤnfte Abtheilung. Vierter Abschnitt. durch nach hinten geht, und auf dem Ruͤcken fest ge- macht wird. Die Mannspersonen von besserm Stande tragen, wenn sie ausgehen, außer diesen langen Talaren, auch noch ein kurzes Obergewand und eine Art Beinkleider. Jenes ziehen sie uͤber die langen Talare. Am Halse und an den Armen ist es eben so zugeschnitten und gemacht, als diese. Es reicht aber bloß bis auf den Unterleib, und hier wird es nicht mit einem Guͤrtel, sondern vorn und oberwaͤrts mit einem Bande zusammen gebunden. Das Zeug dazu ist so duͤnn, als Flor, und gewoͤhnlich von schwarzer, bisweilen von gruͤner Farbe. Wenn sie zu Hause kommen, wie auch in ihren Amtszimmern, wenn keine Vorgesetzte oder hoͤhere Beamte zugegen sind, nehmen sie diesen Oberhabit ab, und legen ihn nett zu- sammen. Die Hosen sind von einer eignen Art Zeug, das weder von Seide noch Baumwolle, sondern von einer Gattung Hanf gemacht wird, und zwar fein und duͤnn, aber zugleich sehr dicht ist. Sie haben mehr Aehnlichkeit mit einem Frauenzimmer-Rocke als mit Manns-Bein- kleidern. Unten bey den Fuͤßen an der inwendigen Seite sind sie zusammen genaͤhet, aber an beyden Seiten, zwey Drittheil ihrer ganzen Laͤnge, offen gelassen. Sie reichen ganz bis an die Knoͤchel, und oben bis an die Weichen, wo sie mit einem Bande, das so wohl von vorne als von hinten um den Leib gewickelt wird, befestigt wer- den. An dem Hintertheile dieser so genannten Beinklei- der ist ein dreyeckiges duͤnnes Bretchen, kaum eine Vier- telelle lang, und mit eben dem Zeuge uͤberzogen, einge- naͤhet, das uͤber dem gedachten Bande am Ruͤcken hin- auf steht. Sie sind von Farbe entweder braun gestreift oder gruͤn, bisweilen auch wohl schwarz. Einige sah ich Kleidung und Putz. auch von Sukkotas, einem Bengalischen Zeuge. Unter- hosen unmittelbar am Koͤrper werden selten anders als auf Reisen, und vom Militair gebraucht. Auch haben die Japaner eine Art festlichen Kleides, daß sie Compliment-Kleid nennen. Dies wird aber bloß bey solennen Gelegenheiten gebraucht, wenn die Subor- dinirten ihren hoͤhern Vorgesetzten aufwarten, oder wenn man bey Hofe erscheint. Es wird uͤber die gewoͤhnlichen weiten Talare angelegt, und besteht aus zwey, von ei- nerley Art Zeug verfertigten Stuͤcken. Das untere Stuͤck sind die eben beschriebnen langen Hosen, die aber alsdann gemeiniglich von blauem Zeuge mit gedruckten weißen Blumen sind. Das obere, welches hauptsaͤchlich das Eigne dieses Oberkleides ausmacht, ist ein Wamms oder eine Jacke, die dem oben beschriebnen kurzen Obergewande nicht sehr unaͤhnlich ist, und mit unsern Schifferwaͤmsen verglichen werden kann, aber hinten uͤber den Schultern zu beyden Seiten weit hervor steht, so daß der Japaner darin ein gar breitschultriges Anse- hen hat. Alle diese Kleidungsstuͤcke, die Beinkleider ausge- nommen, die von Hanfleinwand sind, bestehen theils aus seidnem, theils aus baumwollnem Zeuge, theils aus ei- ner Art Leinwand, die aus einigen Gattungen Nessel verfertigt wird. Die Vornehmen tragen die feinsten seidnen Zeuge, die an Feinheit und Duͤnne alles uͤber- treffen, was Europa und das uͤbrige Indien aufzuwei- sen haben. Die Hollaͤnder wuͤrden diese Stoffe ohne Zweifel auch kaufen und nach Europa schicken, wenn sie nicht so sehr schmal, folglich zu Europaͤischen Kleidungsstuͤ- cken unbrauchbar waͤren; nur wenige sind eine halbe El- le breit. Die geringen Leute nehmen baumwollnes Zeug, das hier zu Lande in der groͤßten Menge verfertigt und M 2 Fuͤnfte Abtheilung. Vierter Abschnitt. wohlfeil verkauft wird. Bisweilen, wiewohl nur als eine gar ungemeine Seltenheit, machen die Japaner eine Art Zeug aus der Rinde des Papier-Maulbeer- baums ( Morus papyrifera ), (der naͤmliche Baum, woraus sie ihr Papier machen), das entweder auf diesel- be Art als Papier verfertigt, oder auch gesponnen und gewebt wird. Dies letztere ist ganz schneeweiß, sehr fein, sieht wie baumwollnes Zeug aus, und wird dann und wann von den Damen zur Kleidung gebraucht, aber nur zum Staat als etwas sehr rares. Stark ist es eben nicht; gewaschen kann es zwar werden, aber das muß mit vieler Behuthsamkeit geschehen. Das Garn dazu wird aus den Faͤden oder Fasern der Rinde gesponnen. Die erstere Art ist wirklich eine Art dicken Papiers, braͤunlich, und entweder mit einzelnen schmalen dunkeln Streifen, oder mit Blumen bedruckt. Es ist auch selten. Mehrere Stuͤcke, etwas uͤber eine halbe Elle lang und breit, werden sehr sauber zusammen geklebt und Talare daraus gemacht. Es wird aber nur von sehr bejahrten Maͤnnern als eine Art Ehrenkleid getragen, und zwar bloß im Winter, da man nicht schwitzt, und auswendig uͤber einem oder zwey andern Talaren. Fuͤr juͤngere Per- sonen ist der Gebrauch verbothen. Stark ist diese Gat- tung Zeug auch nicht. Von dieser Tracht der Japaner kann man uͤber- haupt ruͤhmen, daß sie sehr weit, und mit dem Unter- futter auch sehr warm ist; daß man sie sehr geschwind aus: und anziehen kann: sich auszukleiden, braucht es nichts weiter, als den Guͤrtel aufzuloͤsen und die Arme einzuziehen, da faͤllt der ganze Anzug von selbst nie- der; daß sie kein Gliedmaß, keinen Theil des Koͤrpers zwingt, spannt oder druͤckt; kurz, daß sie unbeschreiblich bequem ist; daß jeder Anzug beynahe jedem paßt; daß Kleidung und Putz. beym Machen fast gar nichts vom Zeuge abfaͤllt und ver- lohren geht; daß die Verfertigung weder viel Kunst noch viel Arbeit erfordert. Dagegen hat sie aber auch das Unangenehme und Schlimme, daß sie beym Gehen, auf Reisen, wenn der Wind wehet, bey schlimmen Wetter, und bey den meisten Arbeiten und Verrichtungen unbe- quem und hinderlich ist. Da die Kleider bis auf die Fuͤße reichen, folg- lich die Beine hinlaͤnglich warm halten, so gebrauchen die Japaner keine Struͤmpfe. Man findet dergleichen da- her auch im ganzen Lande nicht. Geringe Leute, wenn sie zu Fuß weite Wege gehen oder reisen, auch die Sol- daten, deren Kleidung nicht so lang ist, tragen baumwoll- ne Stiefeletten oder Kamaschen. Zu Nangasaki und in den umliegenden Gegenden gehen verschiedne Leute waͤhrend der groͤßten Winterkaͤlte mit Socken von Hanf mit Sohlen von baumwollnem Zeuge, um die Fuͤße vor Erfrierung zu schuͤtzen. Diese binden sie um die Knoͤ- chel fest. Fuͤr die große Zehe naͤhen sie ein besonderes Stuͤck ab, um die gewoͤhnlichen Schuhe uͤberziehen zu koͤnnen; jener steckt alsdann in seinem eignen, zur uͤbri- gen Socke gehoͤrigen Futterale. Die Schuhe, oder richtiger Pantoffeln, sind von dem ganzen Anzuge der Japaner das unansehnlichste und elendeste, und doch werden sie von jedermann, Armen und Reichen, Hohen und Niedrigen getragen. Ge- woͤhnlich sind sie von Reißstroh, fuͤr die Vornehmen auch wohl von fein zersplittertem duͤnnen Rohr, geflochten. Man kann sich leicht vorstellen, daß sie gar nicht stark sind. Sie bestehen bloß aus einer Sohle, ohne Oberle- der und Hintertheil. Vorn geht ein Buͤgel quer uͤber- her, der mit Leinwand gefuttert, und einen Finger dick ist. Von der Spitze des Schuhes bis zu diesem Buͤgel Fuͤnfte Abtheilung. Vierter Abschnitt. geht ein rundes Band, das zwischen der großen und zweyten Zehe zu sitzen kommt, und den Schuh am Fuße fest haͤlt. Da die Schuhe ohne Hintertheile sind, klappen sie, wenn man geht, wie Pantoffeln. Auf Reisen, oder wenn sie sonst weite Wege zu gehen haben, machen sie drey, von Stroh gewundne, Baͤnder daran, womit sie sie an den Fuͤßen und Beinen fest binden, da- mit sie nicht abfallen. Damit diese Baͤnder den Rest oder Obertheil des Fußes nicht scheuern moͤgen, legen sie auch wohl einen Lappen Leinwand darunter. Manche nehmen auf Reisen ein oder mehrere Paar Schuhe mit, um neue anziehen zu koͤnnen, wenn die andern abgenutzt sind. Sonst findet man in allen Staͤdten und Doͤrfern Schuhe die Menge und fuͤr wohlfeilen Preis zu Kauf, besonders unglaublich viele in solchen, selbst den kleinsten, wo die Landstraßen durchgehen. Man kauft das Paar fuͤr einige Kupferpfennige (Seni). Wenn es regnet oder der Weg kothig ist, werden diese Schuhe nicht nur bald durchnaͤßt, und verursachen nasse Fuͤße, sondern nutzen sich auch sehr geschwind ab. Man sieht daher am Wege eine Menge unbrauchbar gewordne und von Rei- senden abgelegte Schuhe liegen, besonders an Baͤchen, wo sie sich beym Umziehen die Fuͤße waschen konnten. Bey Regen und schmutzigem Wetter tragen die geringen Leute, um, ohne daß die Fuͤße unrein werden, gehen zu koͤnnen, statt dieser hoͤlzerne Schuhe oder Holschen, die aus einem hohen Stuͤck Holz bestehen, das unten in der Mitte ausgehoͤhlt, und oben mit einem Buͤgel und einem Bande fuͤr die großen Zehe versehen ist. Einige brauchen diese Holschen auch wie Kaloschen oder Ober- schuhe; sie befestigen naͤmlich die gewoͤhnlichen strohernen Schuhe in denselben; und treten so hinein. Im Hause geht der Japaner nie mit Schuhen, sondern allezeit bar- Kleidung und Putz. fuß, um die huͤbschen Fußboden-Matten nicht unrein zu machen. Wenn er ins Haus kommt, tritt er seine Schuhe aus, und setzt sie auf die Diele, oder auf eine bey der Hausthuͤr stehende Bank, laͤßt sie sich auch wohl von einem Bedienten oder Maͤdchen abnehmen. Die Hollaͤnder tragen ebenfalls, so lange sie in Japan sind, da sie bisweilen bey Japanern Besuch abzulegen haben, auch ihre eignen Zimmer auf der Factorey mit solchen Matten belegt sind, keine Europaͤische Schuhe, sondern an ihrer Stelle rothe, gruͤne oder schwarze Pantoffeln, die sie beym Eintritte ins Haus ablegen koͤnnen. Struͤm- pfe tragen sie aber doch, und uͤber dieselben baumwollne Schuhe mit Schnallen, die in Japan gemacht werden, und so oft es noͤthig ist, gewaschen werden koͤnnen. Um das Waschen nicht noͤthig zu haben, lassen einige sie sich von Atlas machen. Die Art das Haar zu tragen ist bey diesem Volke eben so sehr von der Sitte andrer Voͤlker unterschieden, und zugleich bey allen fast ohne Ausnahme gleich, als der Anzug. Die Mannspersonen scheren den Kopf vorn von der Stirn bis hinten in den Nacken, doch so, daß sie bey den Schlaͤfen und im Nacken etwas Haar sitzen lassen. Diese wenigen Haare schmieren sie stark mit Oehl, strei- chen sie am Kopfe hinauf, und binden sie oben auf dem Kopfe mit einem mehrmahls umgewundnen weißen pa- piernen Faden zusammen. Oberhalb dieses Gebindes oder Wulstes lassen sie sie einen Finger lang stehen; das uͤbrige schneiden sie gerade ab, kleben es mit Oehl wohl zusammen, und kruͤmmen es so, daß die Spitze dieses kurzen Zopfs gegen die Scheitel zu stehen kommt, wo sie es mit dem naͤmlichen Faden in dieser Lage einmahl umbinden und befestigen. Diese Frisur nehmen sie sorg- faͤltig in Acht, und damit die wieder wachsenden Haar- Fuͤnfte Abtheilung. Vierter Abschnitt. stumpfen ihren kahlen Kopf nicht verunstalten moͤgen, scheren sie sie alle zwey Tage von neuem ab. Priester und Aerzte, auch die Knaben, ehe sie mannbar werden, sind die einzigen, welche hierin eine Ausnahme machen. Die Aerzte und Priester scheren den ganzen Kopf und gehen ganz kahl, wodurch sie denn freylich sich von allen andern Staͤnden unterscheiden. Die Knaben hingegen lassen alles Haar wachsen, bis die Zeit kommt, da sie sich scheren muͤssen, naͤmlich wenn der Bart anfaͤngt sich zu zeigen. — Das weibliche Geschlecht behaͤlt das Haar ebenfalls, und zwar bestaͤndig. Nur geschiedne Frauen scheren es ab, die dann mit ihrem kahlen Kopfe gar haͤßlich aussehen. Die Frauenspersonen streichen das Haar, mit Oehl und schleimigen Sachen stark durchgeschmiert und glatt gemacht, von allen Seiten dicht am Kopfe in die Hoͤhe, und zwar entweder ganz nett und einfach, oder auf den Seiten gleichsam wie Fluͤgel ausgezogen. Darauf binden sie die Enden mitten auf dem Kopfe um einen Knoten fest, beynahe eben so, als die Bauerdirnen in Schweden . Durch die Seiten- fluͤgel unterscheiden sich an machen Oertern die Unverhei- ratheten von den Verheiratheten. Vorn vor jenem Haar- wulste stecken sie einen breiten Kamm ein, der bey geringen Leuten von Holz, bey den Reichen von Schildkroͤtenschale gemacht ist. Die Reichen brauchen außerdem verschiedne andre Zierrathen von Schildkroͤtenschale, die sie durch den Wulst hindurch stecken, tragen auch einige wenige Blumen im Haare, und dies macht ihren ganzen Kopf- schmuck aus, ohne daß sie Perlen und Juwelen gebrau- chen. Ihre O hren mit Ringen und anderm Gehaͤnge zu schmuͤcken, so eitel sind sie noch nicht. Den Kopf bedecken die Japaner niemahls, weder mit Huͤten noch Muͤtzen, weder gegen die Kaͤlte, noch Kleidung und Putz. gegen die Sonnenhitze. Nur auf Reisen gebrauchen sie einen Hut, der aus einer Art Gras oder Binsen kegel- foͤrmig geflochten ist, und mit einem Bande unter dem Kinne fest gebunden wird. Ein solcher Hut ist sehr duͤnn und leicht. Auch die Fischer brauchen dergleichen. Verschiedne reisende Frauenspersonen, die uns unterwe- ges begegneten, hatten Muͤtzen auf, die wie tiefe Sup- penschalen aussahen, von Zeug, das mit Gold durch- wirkt war, gemacht, und uͤber den Kopf gestuͤlpt waren. An einigen Orten traͤgt das weibliche Geschlecht im Win- ter gegen die Kaͤlte eine gar besondre Art Muͤtzen, die den Kopf vorn bedecken, an beyden Seiten ausstehen und unterm Kinne zugebunden werden. Sie werden von weißen seidnen Watten verfertigt, mit Kleister be- strichen und ganz glatt gemacht. Ich habe aber nicht finden koͤnnen, wie sie im Stande sind zu waͤrmen. Durchgaͤngig bedient man sich eines Sonnen- und Regenschirms, um den unbedeckten Kopf gegen die Son- nenstrahlen und den Regen zu schuͤtzen. Auf Reisen, so wohl zu Fuß, als zu Pferde, ge- braucht man auch haͤufig einen Regenmantel. Dieser ist weit und kurz, von dickem, durch Oehl gezognem Pa- pier, und von derselben Gestalt, als der Talar. Derglei- chen Maͤntel tragen die Bedienten der Vornehmen, wenn sie mit ihren Herren reisen; und ich und meine Gefaͤhrten mußten auf unsrer Jedoer Reise unsern Aufwaͤrtern, als wir durch den Ort kamen, wo sie verfertigt werden, mit solchen auch ein Geschenk machen. Sie halten allen Re- gen ab, und sind unglaublich leicht, werden auch nicht, wie die Europaͤischen Maͤntel und Oberroͤcke, vom Re- gen schwerer. Geringe Leute, die sich einen solchen Mantel nicht anschaffen koͤnnen, haͤngen eine stroherne Matte uͤber den Ruͤcken, die entweder glatt, oder aus Fuͤnfte Abtheilung. Vierter Abschnitt. wendig von den hervor stehenden und herunter hangenden Enden Stroh rauh sind. Auf ein oder mehrere Kleidungsstuͤcke, besonders auf das Obergewand, laͤßt der Japaner allezeit sein Wa- pen setzen. Es wird entweder auf den Aermeln oder zwischen den Schultern angebracht. Die Absicht hiebey ist, damit niemand sie stehlen oder umtauschen moͤge, welches sonst sehr leicht wuͤrde geschehen koͤnnen, da die Kleidung an Zeug, Gestalt und Groͤße sich so gleich ist. Auch kann jeder das Seinige ohne langes Suchen kennen und finden. Wenn man eine Menge Leute beysammen sieht, fallen diese Wapen auf den Kleidern gar sonder- bar in die Augen. Statt der Schnupftuͤcher brauchen die Japaner allezeit ein Stuͤck feines, weiches Schreibpapier, das sie zu dem Ende immer bey sich tragen. Dieses Papiers bedienen sie sich auch, den Mund, die Finger, und den Schweiß, im Gesichte, unter den Armen und am Leibe, abzuwischen. Faͤcher gebraucht man hier zu Lande allgemein. Jedermann hat bestaͤndig einen Faͤcher bey sich. Man steckt ihn auf der linken Seite in den Guͤrtel, und zwar hinter den Saͤbel, so daß das offne Ende oben heraus steht. Man kuͤhlt sich damit, wenn man heiß wird; und wenn man im Sonnenschein ausgeht, haͤlt man ihn vor die Sonne. Man zeichnet auch wohl dies oder je- nes auf dem Faͤcher, wie in einer Schreibtafel, an. Oft haben sie, wenn sie reisen, ihre ganze Reise-Route darauf stehen. Das unverheirathete Frauenzimmer schminkt sich auch wohl. Vorzuͤglich thun es die Maͤdchen in den oͤf- fentlichen Haͤusern zur Erhoͤhung ihrer Reitze. Sie ge- brauchen dazu eine rothe Farbe, die Bing heißt, und in Kleidung und Putz. kleinen runden porzellanenen Schaͤlchen verwahrt wird. Sie schminken aber nicht, wie das schoͤne Geschlecht in Europa , die Wangen, sondern die Lippen. Ist die Farbe sehr duͤnn, so werden die Lippen roth; wird sie aber dick aufgetragen, so werden sie violett, und das wird hier fuͤr eine groͤßere Schoͤnheit gehalten. Ich untersuchte die Schminke, und fand, daß sie aus der ge- woͤhnlichen Saflorblume ( Carthamus tinctorius ) praͤpa- rirt wird. Das verehlichte Frauenzimmer unterscheidet sich hauptsaͤchlich durch die schwarzen Zaͤhne. Sie wenden viel Muͤhe an, und halten manchmahl viel aus, um sie schwarz zu faͤrben, und diese Schoͤnheit — denn da- fuͤr gelten hier die schwarzen Zaͤhne, und zwar sehr — vor den unverheiratheten voraus zu haben. Ich gestehe aber gern, daß mir ein weiter Mund mit schwarzen, glaͤn- zenden Zaͤhnen, gar haͤßlich und widrig erschien. Die Schwaͤrze, welcher sie sich dazu bedienen, heißt Obagu- ro oder Kanni, und wird aus Urin, Eisenfeilspaͤnen und Sakki bereitet. Sie ist stinkend und fressend. Sie frißt sich so stark in die Zaͤhne hinein, daß sie in Zeit von mehreren Tagen nur mit Muͤhe abgeschabt und abgewa- schen werden kann. Zahnfleisch und Lippen muͤssen waͤh- rend des Bestreichens sorgfaͤltig bedeckt werden, wo- fern sie nicht ganz blau davon werden sollen. Einige machen von diesem Schmuck schon Gebrauch, so bald sie Freyer bekommen oder Verlobung halten. Noch ein anderes Unterscheidungszeichen der Frauen, das sie noch aͤrger entstellt, als jenes, besteht darin, daß sie alle Haare aus den Augenbraunen ausge- zogen haben. Man kann nicht glauben, wie sehr hie- durch selbst das schoͤnste Gesicht verliert. Fuͤnfte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. Fuͤnfter Abschnitt. Muͤnzen und Gewicht . D as Japanische Gewicht ist so eingetheilt, daß ein Pikkel 125 Pfund, ein Katje 16 Thail, ein Thail 10 Mas, und ein Mas 10 Konderyn macht. Das Geld wird im Handel und Wandel auf eben die Art gerechnet, so daß ein Thail, der ungefaͤhr einem Hollaͤndischen Thaler gleich kommt, 10 Mas, und ein Mas 10 Konderyn enthaͤlt. Man rechnet aber im ge- meinen Leben nicht nach Thail, sondern nach Mas, und sagt statt 1 Thail, 10 Mas; statt 10 Thail, 100 Mas; statt 100 Thail, 1000 Mas, und so weiter. Diese Art, das Geld zu berechnen, ist der Schwedischen Rech- nung nach Thalern Silbermuͤnze und Thalern Kupfer- muͤnze; die andre nach Thail, unsrer Rechnung nach Reichsthalern und Scheidemuͤnze, aͤhnlich. Repraͤsentirendes oder Papiergeld kennt man in Japan gar nicht. Man hat nur baare klingende Muͤn- ze, welche die Regierung schlagen und den Werth dar- auf setzen laͤßt. Das Silbergeld ist aber, wenn es zu gleichem Werth gepraͤget ist, doch an Groͤße und Schwe- re nicht immer gleich. Die Kaufleute waͤgen es daher allezeit, ehe sie es annehmen. Die Muͤnzen sind von Gold, Silber, Kupfer und Eisen. Ich bediente mich nicht nur der Gelegenheit, von allen jetzt gangbaren und gewoͤhnlichen Muͤnzsorten eini- ge Stuͤcke mitzunehmen, sondern es gelang mir auch, durch die Dolmetscher und Aerzte mir alle alte und seltne Sorten zu verschaffen. Zu den gangbarsten Arten, und zwar den goldnen, gehoͤren zuvoͤrderst die neuen Kobang. Dies sind laͤngli- che, an beyden Enden geruͤndete und platt geschlagne Muͤnzen und Gewicht. Goldstuͤcke, ungefaͤhr zwey Zoll lang, etwas uͤber einen Zoll breit, und nicht viel dicker als ein Schwedischer oder Deutscher Kupferpfennig. Von Farbe sind sie hellgelb. Auf der einen Seite sind sie mit eingepraͤgten abgebroche- nen Querstrichen, und an beyden Enden mit der Figur der kleineren viereckigen Muͤnze, die den Nahmen Itjib fuͤhrt, und die ich so gleich beschreiben werde, bezeichnet. Auf der andern Seite sieht man in der Mitte einen zirkel- runden Stempel mit erhobenen Buchstaben, und an dem einen Ende zwey dergleichen kleinere, die auf jedem Stuͤcke verschieden sind. Diese Muͤnze gilt 60 Mas oder 6 Thaler. Die eben gedachte kleinere goldne Muͤnze, Itjib, nennen die Hollaͤnder Boontjes (Bohnen). Sie ist von blassem Golde, laͤnglich viereckig und flach, etwas dicker als ein Kupferpfennig. Das Gepraͤge besteht auf einer Seite aus vielen erhobenen Buchstaben, und auf der andern aus zwey erhobenen Blumen und einer mondfoͤr- migen Figur. Ihr Werth ist 5 Mas oder ¼ Kobang. Unter den Silbermuͤnzen bemerke ich zuerst den Nandio Gin. Er ist ebenfalls laͤnglich viereckig, von der Dicke eines Species-Thalers einen Zoll lang und ei- nen Zoll breit, von feinem Silber. In den Rand selbst sind Sternchen eingedruckt, und um den Rand her- um geht eine Reihe erhobener Puncte. Die eine Seite ist uͤberall mit erhobenen Buchstaben bezeichnet, von der andern ist die untere und zugleich groͤßere Haͤlfte mit er- hobenen Buchstaben angefuͤllt: auch zeigt sie eine doppelte mondfoͤrmige Figur. Diese Muͤnze ist nur auf der In- sel Nipon , besonders in den Hauptstaͤdten des Reichs, gaͤnge. Sie gilt 7 Mas, 5 Konderyn. Die im Handel und Wandel allgemein gebraͤuchli- chen Sorten sind die Itagame und Kodama. Dies sind Fuͤnfte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. unfoͤrmliche Silberklumpen von sehr verschiedner Groͤße, Gestalt und Werth. Die ersteren unterscheiden sich je- doch von den letzteren dadurch, daß jene laͤnglich, und diese ruͤndlich, gewoͤhnlich dick, selten flach, sind. Sie werden allezeit zugewogen. Von Farbe sehen sie wie Bley aus. Sie sind mit Buchstaben, aber auf mancherley Art, be- zeichnet. Auf einigen sieht man das Bild des Gottes des Reichthums, und diese heißen Daikokvs ganne. Diese nebst den uͤbrigen Japanischen Muͤnzen habe ich in einer, in der Koͤniglichen Akademie der Wissenschaften zu Stock- holm , im Jahr 1779 gehaltnen Rede ausfuͤhrlicher be- schrieben, wo auch Abbildungen davon beygefuͤgt sind. Seni nennen die Japaner ihre kupfernen, messing- nen und eisernen Muͤnzen. Man kann sie mit Europaͤi- schen Kupferpfennigen vergleichen. Sie sind aber un- gleich an Groͤße, Werth und Ansehen. Darin kommen sie jedoch uͤberein, daß sie alle gegossen, in der Mitte mit einem viereckigen Loche, wodurch man sie auf eine Schnur reihen kann, versehen sind, und einen breiten Rand ha- ben. Die Sjumon Seni gelten 10 gewoͤhnliche Seni, oder ½ Mas, fangen aber schon an selten zu werden. Die Simoni Seni gelten 4 gewoͤhnliche Seni, sind von Messing, beynahe so groß als ein acht gute Groschen-Stuͤck, aber duͤnn, und bloß auf der Insel Nipon gebe; sie zeich- nen sich durch ihre gelbe Farbe und die auf der untern Seite befindlichen erhobenen Bogen aus. Die gewoͤhnli- chen Seni sind von der Groͤße eines Pfennigs, und von rothem Kupfer; 60 machen 1 Mas. Die Doosa Se- ni sind von Eisen gegossen, so groß und von gleichem Werth, als die vorher gehenden, sehen auch eben so aus, sind aber so sproͤde, daß sie leicht zerbrechen oder entzwey fallen. Nahe bey der Stadt Nangasaki ist eine Muͤn- ze, wo dergleichen gegossen werden. Muͤnzen und Gewicht. Jetzt komme ich zu den ehemahls gangbaren, heu- tiges Tages seltnen Arten. Die alten Kobang sind von feinem Golde, brandgelb von Farbe, und etwas breiter als die neuen, uͤbrigens mit diesen von einerley Gepraͤge. Sie gelten 10 Thail oder ungefaͤhr 10 Thaler. Die alten Itjib sind etwas laͤnger, breiter und di- cker als die jetzt gebraͤuchlichen, von blassem Golde, und gelten 22 Mas, 5 Konderyn. Es giebt auch kleinere, die ungemein rar sind; diese sind kuͤrzer, schmaͤler und duͤnner, als die gewoͤhnlichen, auch von hoͤherer Farbe, und sind 11 Mas, 2 Konderyn, 2 Kasje werth. Kosju kin, Kosju bang oder Kosju Itjib, Nisin und Sunak sind Nahmen kleiner goldner, an Groͤße, Gestalt und Werth sehr ungleicher Muͤnzen. Sie sol- len ehemahls in der Landschaft Kosju geschlagen, und da- von benannt seyn. Sie sind von sehr hellgelbem Golde, platt, auf beyden Seiten mit Stempeln, auf der einen mit zweyen, auf der andern mit vieren, versehen. Ich er- hielt davon vier runde und ein viereckiges Stuͤck, die alle das mit einander gemein haben, daß der obere Stempel auf der einen Seite, und die beyden zur Rechten auf der andern gleich sind. Der untere Stempel auf der ei- nen, und die beyden zur Linken auf der andern Seite hingegen sind verschieden. Die runden sind inwendig um den Rande mit erhobenen Puncten bezeichnet. Ihr Werth ist von 2 bis 12 Mas. Unter den silbernen bemerke ich die Gomome Gin. Diese sind laͤnglich viereckig, beynahe zwey Zoll lang und halb so breit, von der Dicke eines Species-Thalers, von grobem Silber, und haben abgestumpfte Ecken. Auf dem Rande sieht man verschiedne Sternchen eingedruckt, inwendig um denselben auf beyden Seiten eine schmale Vertiefung. Auf beyden Seiten befindet sich in der un- Fuͤnfte Abtheilung. Sechster Abschnitt. tern groͤßern Haͤlfte eine Erhoͤhung, die so aussieht, als wenn ein Nandiogin hinein gelegt waͤre, und worauf man einen großen Stempel mit erhobenen Buchstaben erblickt. Die andere kleinere Haͤlfte ist auf einer Seite ohne alles Gepraͤge; auf der andern zeigt sie zwey Reihen Puncte, zwey gerade Querstriche, und zwischen denselben ein ge- schlungnes Band, alles erhoben. Diese Muͤnze wird auf 5 Mas geschaͤtzt, und soll vor diesem in den Haupt- staͤdten gaͤnge gewesen seyn. Sechster Abschnitt. Zeitrechnung und Feste . D as Jahr theilen die Japaner nach dem Lauf des Mon- des ein. Einige Jahre bestehen daher aus zwoͤlf, andre aus dreyzehn Monathen. Das neue Jahr faͤngt entwe- der im Februar oder im Maͤrz; ihre Zeitrechnung aber mit dem Jahr 660 vor Christi Geburt, an. Die zwoͤlf himmlischen Zeichen haben sie auch, aber unter andern Nahmen, als die Europaͤer. Sie heißen bey ihnen, wie folget: 1. Ne, Ratze. 2. Us, Stier. 3. Torra, Tiger. 4. Ow, Hase. 5. Tats, Drache. 6. Mi, Schlange. 7. Uma, Pferd. 8. Titsuse, Widder. 9. Sar, Affe. 10. Torri, Hahn. 11. In, Hund. 12. J, Baͤr. Von diesen himmlischen Zeichen werden gewisse Jahre benannt. So war das Jahr 1774 das Pferdejahr, 1776 das Affenjahr. Die Monathe kommen des ungleichen Mondeslaufs wegen, mit den unsrigen niemahls vollkommen uͤberein. Sie haben ihre eignen Nahmen, und zwar von ihrer Zahl. Da die Hollaͤnder waͤhrend ihres hiesigen Aufent- halts sich so wohl nach dem Europaͤischen, als nach dem Ja- panischen Kalender zu richten genoͤthigt sind, muͤssen sie sich Zeitrechnung und Feste. sich jaͤhrlich einen aus beyden zusammen gesetzten Kalen- der aufsetzen, der das Verhaͤltniß beyder Zeitrechnungen darstellt. Hier ist ein ganz kurzer Auszug aus einem sol- chen Kalender, woraus man zugleich die Nahmen der Monathe sehen kann. Das Jahr 1776, oder das Af- fenjahr, hat 355 Tage. Die Monathe werden demnach so gezaͤhlt: der er- ste, der zweyte, der dritte, und so weiter bis den zwoͤlf- ten, und die Jahre haben nicht gleich viele Tage. Das zweyte oder dritte Jahr ist allezeit ein Schaltjahr, deren in neunzehn Jahren sieben einfallen. Wochen haben die Japaner nicht, sondern der Er- ste und Funfzehnte in jedem Monathe sind Ruhetage. An diesen Tagen arbeitet kein Handwerksmann; selbst Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. N Fuͤnfte Abtheilung. Sechster Abschnitt. die oͤffentlichen Dirnen kaufen sich an denselben frey, und halten es fuͤr einen großen Schimpf, wenn sie alsdann genoͤthigt werden, Mannspersonen anzunehmen. Tag und Nacht werden nur in zwoͤlf Stunden ab- getheilt. Hiebey richten sie sich das ganze Jahr hindurch nach dem Auf- und Untergange der Sonne. Wenn die Sonne aufgeht, zaͤhlen sie sechs Uhr, und wenn sie un- tergeht, ebenfalls 6. Mitternacht und Mittag ist alle- zeit 9 Uhr. Die Zeit wird nicht mit Uhren oder Stundenglaͤ- sern, sondern mit brennenden Lunten abgemessen, die wie Stricke gedrehet, und in einem bestimmten, durch- gaͤngig gleichen Abstande, mit Knoten versehen sind. Die Zeit, da eine solche Lunte von einem Knoten zum andern wegbrennt, zeigt eine gewisse Zeit an. Ist sie nun bis zu einem Knoten weggebrannt, so wird es bey Tage mit gewissen Schlaͤgen an den Glocken auf den Thuͤrmen ihrer Tempel, des Nachts aber durch Zusam- menschlagen zweyer Hoͤlzer von den herum gehenden Nachtwaͤchtern, angezeigt. Man bedient sich aber auch wohl noch einer andern, gar besondern Methode. Man fuͤllt eine Lade, die eine halbe Elle lang, und ungefaͤhr halb so breit ist, mit Asche an; macht in die Asche fei- ne Reifen, oder Kanaͤle, von einem Ende zum andern und so wieder zuruͤck in mehreren Windungen. In diese ganz durch fortlaufenden Furchen streuet man feines Pulver von der Rinde des Skimmibaums (anisartiges Illicium, Illicium anisatum ), und macht Abtheilungen fuͤr die Stunden. Der Deckel wird fest zugemacht, aber ein kleines Loch gelassen, wodurch die Luft einziehen kann, um das Feuer zu unterhalten. Darauf wird das Pulver angezuͤndet, das langsam und sich immer gleich weg- brennt. So oft es bis zu einer Abtheilung weggebrannt Zeitrechnung und Feste. ist, wird es auf die angefuͤhrte Art durch Glockenschlaͤ- ge oder Zusammenschlagen zweyer Stuͤcken Holz zu erken- nen gegeben. Besonders bedienen die Nachtwachen an vielen Orten sich dieser Pulver-Uhr. Das Alter der Kinder wird so berechnet, daß das Jahr, worin sie gebohren sind, fuͤr voll gilt. Am En- de des Jahrs ist also jedes in demselben zur Welt gekom- mene Kind, und wenn es auch erst in den letzten Tagen des letzten Monaths gebohren ist, ein Jahr alt. An den beyden mittelsten, und auch an den bey- den letzten Tagen des Jahrs, folglich alle halbe Jahr, muͤssen alle Rechnungen abgeschlossen, und nebst allen andern Schulden und Forderungen, bezahlt werden. Alsdann wird von neuem bis zum naͤchsten allgemeinen Abrechnungs- und Zahlungs-Termin, das ist auf ein hal- bes Jahr, Credit gegeben. Wer im Termine seine Rech- nung, Forderung oder ausstehende Schuld nicht bezahlt bekommen hat, hat hernach kein Recht, sie weiter zu fordern. Gluͤcklich ein Volk, das beym Anfange jedes halben Jahrs ganz schuldenfrey ist! Am Neujahrstage wuͤnscht jedermann, in seinem festlichen, blau und weiß gestreiften Anzuge, dem an- dern Gluͤck. Man geht mit seiner Familie umher, und legt Gratulations-Besuche ab. Gewoͤhnlich wird der ganze erste Monath dazu angewandt; so viele Visiten haben die Japaner bey dieser Gelegenheit zu machen. Diese ganze Zeit ist zugleich dem gesellschaftlichen Ver- gnuͤgen gewidmet. Einige Tage nach Neujahr wird die Ceremonie verrichtet, daß die Japaner das Crucifix und das Bild der Jungfrau Maria mit Fuͤßen treten. Beyde sind von Kupfer gegossen, und etwas weniger, als eine halbe Elle lang. Die Absicht bey dieser Handlung ist, Ab- N 2 Fuͤnfte Abtheilung. Sechster Abschnitt. scheu und Haß gegen die christliche Religion und gegen die Portugiesen, die sie ehemahls in diesem Lande predig- ten, und allgemein machen wollten, einzupraͤgen und zu unterhalten, wie auch zu erforschen, ob etwa noch ein Ueberbleibsel von Anhaͤnglichkeit an dieselben bey irgend jemand anzutreffen seyn moͤchte. Indessen geschieht dies nur in denjenigen Gegenden, wo die Christen vor Zeiten sich am meisten aufhielten. Zu Nangasaki dauert diese Ceremonie vier Tage. Hernach werden die Bilder nach den umliegenden Oertern, wo ein gleiches damit ge- schieht, und zuletzt wieder nach Nangasaki gebracht, und da bis zum folgenden Jahre verwahrt. Jedermann, bloß den Gouverneur mit seiner Suite und Bedienung aus- genommen, so gar die kleinsten Kinder muͤssen dabey zuge- gen seyn. Daß aber auch, wie einige behaupten wollen, den Hollaͤndern zugemuthet werde, Theil daran zu neh- men, und mit auf die Bilder zu treten, ist nicht wahr. Gewisse Aufseher sind dabey verordnet, welche die Einwoh- ner nach ihren Bezirken von Haus zu Haus zusammen ru- fen, wenn alle beysammen sind, in gehoͤriger Ordnung ihre Nahmen aufrufen, und bey der Handlung selbst dahin se- hen, daß alles richtig zugehe. Die Erwachsenen treten von einer Seite zur andern uͤber die Bilder weg; die Kinder werden unter den Armen aufgehoben, und mit den Fuͤßen darauf gestellt. Unter den Hollaͤndern sind aͤußerst we- nige, die diese Feyerlichkeit je gesehen haͤtten. Von den jetzt auf der Insel befindlichen Officieren war nur ein ein- ziger, der einmahl Gelegenheit gehabt hatte, im Vorbey- gehen, als er vom Chef an den Gouverneur, um etwas, die Zuruͤstung zur Jedoer Reise betreffend, zu bestellen, nach der Stadt geschickt war, etwas davon zu sehen. Die Feyer des siebenten Tages ist in Japan unbe- kannt. Sie haben aber verschiedne andre jaͤhrliche Feste, Zeitrechnung und Feste. die zum Theil einen, zum Theil mehrere Tage nach ein- ander, waͤhren, und die sie als gottesdienstliche Tage feyern. Die merkwuͤrdigsten Festtage, welche in der Zeit meines hiesigen Aufenthalts im Jahr 1776 einfielen, sind folgende. Den 5. Goguats, oder 20. Junius, das Pelang- fest. Den 7. Sitsguats, oder 20. August, das Sternen- fest. Den 13., 14. und 15. desselben Monaths, oder den 26., 27. und 28. August, das große Leuchtenfest. Den 7., 8. und 9. Kuguats, oder den 18., 19. und 20. October das Fest Matsuri. Den 1. Fatsguats oder den 13. September fiel der Japanische Jahrmarkt (Fassak) ein. Den 15. Kuguats nahm der Hollaͤndische Markt den Anfang. Siebenter Abschnitt. Uebrige Sitten, Gewohnheiten und Einrichtungen der Japaner . I n diesem Kapitel liefere ich eine allgemeine Nachlese von dem, was ich von den Einrichtungen, Sitten und Gebraͤuchen der Japaner, in Ruͤcksicht auf ihr haͤusliches und Privat-Leben bemerkt, aber im Vorhergehenden noch nicht angefuͤhrt habe. Der Leser wird sich erinnern, daß vieles hieher gehoͤrige bereits unter den vorher gehenden Rubriken, theils in meiner Reisebeschreibung selbst, vor- gekommen ist. Hierauf muß ich mich also jetzt beziehen und den Leser verweisen. Was ich von Regierung, Staatsverfassung, Ackerbau, Kuͤnsten, Gelehrsamkeit der Japaner noch nachzuhohlen habe, dem habe ich in besondern, noch folgenden Kapiteln seinen Platz ange- wiesen. Fuͤnfte Abtheilung. Siebenter Abschnitt. Ich fange mit den eigenthuͤmlichen Nahmen der Japaner an. Jede Familie, und jede Person hat ih- ren eignen Nahmen. Diese werden aber ganz anders gebraucht, als in Europa . Der Familiennahme, oder was man bey uns den Zunahmen nennt, bleibt bey jeder Familie und allen ihren Nachkommen jederzeit unveraͤn- dert. Im gemeinen Leben und im Umgange aber wird er nie gebraucht, sondern nur alsdann, wenn man etwas unterschreibt, da man zugleich gewoͤhnlich sein Siegel beysetzt. Auch das ist etwas besonderes, daß der Zunah- me nicht zuletzt, sondern allezeit voran, der Vornahme aber nach demselben gesetzt wird. Der Vornahme ist es, womit der Japaner allezeit angeredet, benannt und geru- fen wird, und diesen veraͤndert er in seinem Leben ver- schiedne Mahl. Wenn ein Kind das Licht der Welt er- blickt, bekommt es von seinen Aeltern einen gewissen Nahmen. Ist es ein Sohn, so behaͤlt er ihn, bis er mannbar wird; alsdann veraͤndert er ihn. Bekommt er ein Amt oder eine Bedienung, so wird abermahls eine Veraͤnderung damit vorgenommen. So oft er zu hoͤhe- ren Stellen hinauf ruͤckt, geschieht wieder eine Vertau- schung. Einige, besonders die Kaiser und Fuͤrsten, be- kommen so gar nach dem Tode einen neuen Nahmen. Beym weiblichen Geschlechte ist der Vornahme nicht so vie- len Veraͤnderungen unterworfen. Den Maͤdchen geben die Aeltern oft den Nahmen von einer schoͤnen Blume. Diejenigen, welche mit hohen Wuͤrden und Aem- tern bekleidet werden, bekommen beym Antritte dersel- ben vom Dairi, oder dem geistlichen Kaiser, praͤchtig klin- gende Titel. Auch andern sehr vornehmen Personen ertheilt derselbe verschiedene Ehren-Nahmen. Wie die Japaner sitzen, und wie sie essen, habe ich oben schon erzaͤhlt. Ihre gewoͤhnliche Ordnung in Uebrige Sitten u. s. w. der Japaner. Ansehung des Essens ist die, daß sie dreymahl des Tages essen. Eins ihrer gewoͤhnlichsten Gerichte ist Misosuppe mit Fischen und Zwiebeln gekocht. Wenn sie auf der See sind, schlachten sie kein Thier: dies ruͤhrt von einem sonderbaren Aberglauben bey ihnen her. Auf unsrer Seereise besorgten die Japa- ner daher zwar, so oft sie ans Land gingen, daß Gaͤnse, Enten und Huͤhner fuͤr uns geschlachtet, und fuͤr unsern Tisch zugerichtet wurden. Wollten wir aber in der Zwi- schenzeit nicht ohne Braten von Gefluͤgel seyn, so mußte ich das Geschaͤfft uͤbernehmen, dasselbe zu schlachten. Die Japaner trocknen viele von den, ihrem Lande eignen Fruͤchten; viele machen sie aber, auf eine, so viel ich weiß, nur bey ihnen und den Chinesern gebraͤuch- liche Art, mit Gaͤst oder Sakkihefen ein. Jene nennen sie Mebos, diese Menaratski. Me bedeutet Frucht, Obst; Nara ist der Nahme der Stadt, wo die Fruͤchte am haͤufigsten und besten auf diese Art eingemacht wer- den; Suki heißt einmachen. Zum Einmachen nimmt man entweder ganze Fruͤchte, oder man schneidet sie, wenn sie groß sind, in Scheiben. Man braucht dazu den Gaͤst oder Barm, den der gegohrne Sakki oder Reiß- trank giebt, dessen Saͤure die Frucht durchdringt, ihr ei- nen gewissen Geschmack giebt, und sie ein ganzes Jahr und noch laͤnger gut erhaͤlt. Besonders macht man eine Art großer Gurken, die Konomon heißen, in großer Menge auf diese Weise ein, die hernach in kleinen Faͤs- sern verfuͤhrt, und wie bey uns die Gurken zum Braten und dergleichen gegessen werden: sie schmecken auch bey- nahe eben so, als unsere eingemachten Gurken. Die Japaner haben eine Art Nudeln, die sie Laxa nennen. Sie bestehen aus Faͤden, die ganzer zwey El- len lang sind, zusammen gerollt und fast allenthalben im Fuͤnfte Abtheilung. Siebenter Abschnitt. Lande verkauft werden. Sie werden von Weitzen- oder Buchweitzen-Mehl gemacht, und nach dem Gewichte verkauft. Die letzteren haben den besondern Nahmen Sabakiri. Man schneidet die Faͤden in Stuͤcken, und thut sie zu einer Art Suppe, die davon einen angeneh- men Geschmack bekommt, etwas zaͤhe oder schleimig wird, und sehr nahrhaft ist. Die Nudeln loͤsen sich jedoch in der Suppe nicht ganz auf. Ißt man dies Gericht mit Zwiebeln und Frikadellen von Fischen, so heißt es Nio- men; thut man aber statt dessen Pfeffer und Soja hin- zu, so bekommt es den Nahmen Somen. In allen Wirthshaͤusern und Herbergen, so gar auf dem Lande, findet man eine Art Kuchen von Reiß- mehl, die bisweilen gruͤn gefaͤrbt sind, zu Kauf. Die Reisenden, besonders die Norimon-Traͤger, pflegen sie gern zu kaufen, und zum Thee zu essen. Thee trifft man auch allenthalben zum Dienst der Reisenden an. Den Zuckertang ( Fucus saccharinus ), den die See so in Menge auswirft, brauchen die Japaner haͤu- fig zum Essen, so zaͤhe er auch zu seyn scheint. Er wird vorher getrocknet, und von Sand, Salz und andrer Unreinlichkeit gesaͤubert. Besonders wird er bey solcher Gelegenheit gegessen, da man sich beym Sakki lu- stig haͤlt. Man schneidet ihn in Stuͤcke, kocht ihn, wo- durch er viel dicker wird, und thut ihn zu andern Spei- sen. Bisweilen wird er aber auch roh gegessen, nach- dem man das Aeußere abgeschabt hat, da er dann ganz weiß aussieht. In diesem Falle schneidet man ihn ge- woͤhnlich in Streifen, die zwey Zoll lang und einen Fin- ger breit sind, wickelt eine Parthey davon vierseitig zu- sammen, und bindet einen feineren Streif von eben dem Tang, eine Linie breit, und drey Zoll lang, herum. Diese Paͤckchen werden entweder mit oder ohne Sansjo Uebrige Sitten u. s. w. der Japaner. (Pfefferfagara, fagara piperita ) gegessen. Die kleinen Tische, worauf die Geschenke praͤsentirt werden, belegt man auch mit dergleichen kleinen Buͤndeln Tangstreifen, die zu halben und ganzen Stiegen darauf umher liegen. Das den Geschenken beyzufuͤgende so genannte Compli- ment-Papier wird auch an beyden Enden mit einem Strei- fe von diesem Tang geziert, der einen Zoll breit und ei- ne Viertelelle lang ist, und darauf fest geklebt wird. Zum Waschen des leinenen und baumwollnen Zeu- ges braucht man hier keine Seife, sondern Mehl von ei- ner Art Bohnen, die, wenn sie sehr fein gemahlen wer- den, einen ungemein weißen Puder geben. Die Zimmer erleuchtet man theils mit Lichten, theils mit Lampen. Jener bedient man sich aber doch nur selten; die letzteren sind fast durchgaͤngig gebraͤuch- lich. Die Lichte sind klein, eine Viertelelle lang, oben einen Zoll dick, werden aber nach unten allmaͤhlig duͤn- ner, haben also gerade die umgekehrte Gestalt, als unsre Talg- und Wachslichte. Der Tocht besteht aus zusam- men gewickeltem Papier, das auswendig mit anderm wei- ßeren und feineren Papier spiralfoͤrmig umwunden ist. Unten ist ein Loch, so groß, daß das Licht damit auf eine eiserne Spitze gesteckt werden kann, die auf einem Leuch- ter befestigt ist. Die Materie, wovon diese Lichte ge- macht werden, ist ein Oehl, das aus dem Samen des Firnißbaums ( Rhus vernix, succedanea ) gepreßt oder gekocht wird. Der Baum heißt Fasi noki, waͤchst in verschiednen Provinzen, und giebt eine Menge Samen. Kauft man diese Lichte frisch, so sind sie inwendig etwas weiß oder vielmehr gelblich, und mit einer weißen Rinde uͤberzogen. Das Oehl erstarret durch die Kaͤlte der Luft, und bekommt eben die Consistenz als Talg, ist mithin so hart als Wachs. Wenn es alt wird, pflegt es bald Fuͤnfte Abtheilung. Siebenter Abschnitt. ranzig und zugleich gelblich zu werden. Diese Lichte brennen gut, rinnen und lecken aber wie Talglich- te. Wenn sie verkauft werden, sind sie sehr nett in Papier eingewickelt, das unten zusammen gelegt, oben um den Tocht gewunden, von da an aber noch ein Paar Zoll hoch und offen ist, und voͤllig wie eine lange Rakete aussieht. — In den Lampen brennt man Senfoͤhl und Oehl von der Dryandra cordata. Man hat ihrer eine oder auch wohl mehrere im Zimmer. Unter den Geschenken, welche der Fuͤrst der Land- schaft Jetsigo, wo der Firnißbaum in sehr großer Men- ge waͤchst, und die fast das ganze Land mit dem Oehl ver- sorget, dem Kaiser mitbringt, sind hundert solche Lichte, einen Fuß lang, und so dick als ein Mannsarm, mit ver- haͤltnißmaͤßigem Tochte. Diese Ehren-Lichte werden nur zweymahl im Jahre an gewissen Festtagen im Kaiserli- cken Pallast gebrannt. So schwer es auch ist, ein sol- ches Licht zu bekommen, war ich doch so gluͤcklich, eins habhaft zu werden, das bey solcher Gelegenheit gebrannt hatte. Das Oehl desselben schien nicht nur weißer, son- dern auch fester zu seyn, als in den gewoͤhnlichen Lichten, die man kauft, und die bald weich und braun werden. Feuer schlaͤgt man hier mit Feuerstahl, das gemei- niglich sehr klein ist, und einem ohne Kunst gebrochnen Steine von gruͤnlichem Quarz. Zum Zunder dient das Rauhe von den Blaͤttern des Beyfußes ( Artemisia vulga- ris ), woraus eine braͤunliche Wolle gemacht wird, die leichter als Moxa Feuer faͤngt. Uebrigens bedienen sie sich kurzer Schwefelsticken, die einen Finger lang, und verhaͤltnißmaͤßig sehr breit, an den Enden quer abge- schnitten und in Schwefel getunkt sind. Sie werden in Buͤndel zusammen gebunden und in einen halben Cirkel gebogen. Uebrige Sitten u. s. w. der Japaner. Das Heitzen der Zimmer habe ich oben beschrieben. Zum Versiegeln gebrauchen die Japaner kein Lack, sondern sie drehen und winden etwas Papier um das, was versiegelt werden soll, und knuͤpfen es so zu, daß sie sehr leicht merken koͤnnen, ob man es losgemacht hat. Auf diese Art werden selbst die Packhaͤuser auf Dezima , dicht beym Schlosse versiegelt, auf dessen Verschließung sie sich weit weniger verlassen, als auf ihr elendes, aber kuͤnstliches, Papiergebinde. Seile und Stricke, selbst starke Schiffstaue, ma- chen die Japaner nicht von Hanf, sondern von Nesseln, die in Menge, von ansehnlicher Groͤße, und von meh- rern Arten auf den Bergen stehen. Die Gattungen, welche die Seiler am meisten brauchen, sind die schnee- weiße ( Urtica nivea ), und eine, die ich nur hier gefun- den habe, ( Iaponica ). Der Bast, gehoͤrig bearbeitet, giebt so feines Garn, daß auch Leinwand davon verfer- tigt werden kann. Die Oehlpressen, welche man hier zu Lande ge- braucht, bestehen aus zwey auf der Erde liegenden Bloͤ- cken, zwischen welchen die Koͤrner zerquetscht und das Oehl heraus gepreßt wird. Der eine dieser Bloͤcke ist fest und unbeweglich. Der andere wird mit stufenweise stumpferen Keilen, die mit einem sehr langen hoͤlzernen Schlaͤgel niedergeschlagen werden, gegen jenen getrieben. An der Seite laͤuft das Oehl heraus, und in ein darun- ter stehendes Gefaͤß. Beym Schnupfen, den man wegen der haͤufigen Abwechselung kalter und warmer Luft in diesem Lande gar leicht bekommen kann, nehmen die Japaner ganz fei- nen Schnupftobak, der dem Spaniol aͤhnlich ist. Sie bekommen ihn von den Chinesern, die ihn in kleinen durchsichtigen gruͤnen Flaschen hieher bringen. Fuͤnfte Abtheilung. Siebenter Abschnitt. Auf ihre Meublen, Hausgeraͤth und andre Sa- chen setzen die Japaner ihr Wapen, wie ich dergleichen oben schon von ihren Kleidungsstuͤcken erzaͤhlt habe. Je- der kennt daher das Seinige so gleich, und Diebe koͤnnen gestohlne Sachen nicht gut verkaufen. Alles Kartenspiel ist bey den Japanern scharf ver- bothen. Sie lieben diesen Zeitvertreib auch nicht. Auf dem Schiffe wurde ich einige Mahl gewahr, daß sie Ge- brauch davon machten. Auf dem Lande aber habe ich es niemahls gesehen. Ihre Karten sind von dickem stei- fen Papier gemacht, zwey Zoll lang, und einen guten Zoll breit. Zu einem Spiele gehoͤren funfzig, die auf der Hauptseite verschieden bezeichnet, auf der unrechten Seite aber alle schwarz sind. Sie legen die Karten in Haufen, mehrere auf einander; darauf kehren sie die Karten um, und sehen zu, welche gewonnen hat. Ein anderes Japanisches Spiel lernte ich auch auf der Seereise kennen, das mit unserm Gaͤnsespiele Aehn- lichkeit hat. Sie legen einen Bogen starkes Papier, wor- auf verschiedne viereckige, mit allerley Figuren bezeichnete, Faͤcher abgetheilt sind, vor sich hin. Darauf werfen sie der Reihe nach einen Wuͤrfel, und jeder Spieler hat ein Hoͤlzchen oder etwas anderes, womit er in den Faͤchern seinen Wurf bemerkt. Die Japaner haben ein musikalisches Instrument, das in Ansehung des Klanges und der Einrichtung einer Zither oder einer Davids-Harfe aͤhnlich ist. Sie nen- nen es Koto. Es ist einen Fuß lang und hat dreyzehn Saiten. Nach Orientalischer Sitte besuchen die Japaner weder einander, noch die Hollaͤnder, ohne ein Geschenk voran zu schicken. Dergleichen Geschenke werden mehr gegeben, weil es Mode ist, als um ihres Werths wil- Uebrige Sitten u. s. w. der Japaner. len, der oft sehr gering ist. Nicht selten bestehen sie in Kleinigkeiten, zum Exempel einem frischen Fische oder dergleichen. Allezeit aber werden sie auf eine feyerliche Art geschickt, auf einem besonders dazu verfertigten Ti- sche, mit Papier, das nach einer gewissen Form zusam- men gelegt ist, umwunden, und dergleichen. Als eini- ge Fuͤrsten, oder Ober-Landesbefehlshaber, im Hafen vor Nangasaki unser Schiff besuchten, um es zu bese- hen, schickte jeder von ihnen dem Capitain vorher ein Geschenk zu, das in einem Faß Sakki und einigen ge- doͤrrten, gefleckten Blackfischen ( Sepia ), einer Art Fi- sche, die von den Japanern und Chinesern haͤufig geges- sen werden, bestand. Es giebt aber auch verschiedne andre Gelegenheiten, da es nicht nur Gebrauch, sondern so gar Pflicht ist, dem andern dergleichen Geschenke zu schicken. Es wird auch das so genannte Compliment- Papier beygelegt, das auf eine ganz eigne Art zusammen gelegt und umwunden wird. Die Zinsen von geliehenem Gelde sind bey dieser Nation, wie bey den Chinesern, hoch; oft betragen sie achtzehn bis zwanzig vom Hundert. In Japan weiß man von der Vielweiberey nichts. Jeder Mann hat nur Eine Frau. Diese haͤlt er aber auch nicht, wie die Chineser thun, im Hause eingesperrt, sondern sie hat die Freyheit, nicht nur in Gesellschaft von Mannspersonen zu seyn, sondern auch allenthalben aus- zugehen. Bey Beschreibung meines Aufenthalts zu Nanga- saki habe ich bereits etwas von dasigen oͤffentlichen Maͤd- chenhaͤusern gesagt. Dergleichen Haͤuser hat man nicht nur in allen großen Staͤdten und in allen Handelsplaͤtzen, sondern auch bey allen Seehaͤfen, waͤre es auch in den kleinsten Doͤrfern. Sie werden gar nicht als Wohn- Fuͤnfte Abtheilung. Siebenter Abschnitt. plaͤtze der Liederlichkeit, oder als unanstaͤndige Oerter an- gesehen. Selbst Leute von gutem Ruf besuchen sie, wenn sie ihre Freunde mit Sakki tractiren wollen. Ue- berhaupt betrachten die Japaner die Unzucht nicht als ein Laster, am wenigsten wenn sie an Oertern getrieben wird, die unter dem Schutze der Gesetze und der Regierung ste- hen. Gemeiniglich sind diese Haͤuser die schoͤnsten und praͤchtigsten, und nicht selten sind sie an die Tempel der Gottheiten gebauet. An einem so kleinen Orte, als Dsino Kameru , waren nicht weniger als funfzig oͤffent- liche Maͤdchen. Zu Kaminoseki sind zwey solcher Haͤu- ser, die dermahlen zusammen mit achtzig Maͤdchen be- setzt waren. Zu Miterai trifft man der Haͤuser so gar vier, und zwar sehr wohl conditionirte, an. Diese, jetzt uͤber das ganze Land ausgebreitete Einrichtung ist aber nicht immer gewesen, sondern erst zur Zeit der ein- heimischen Kriege entstanden, als der weltliche Kaiser, damahls oberster Befehlshaber der Kriegsmacht, dem Dairi die Kaiserliche Gewalt und Autoritaͤt, diejenige ausgenommen, welche er in Religionssachen noch hat, entriß und an sich brachte. Der Dairi wurde damahls gezwungen, in sehr zartem Alter mit seiner Pflegemut- ter und seinem Hofstaate zu entfliehen. Sie nahmen den Weg nach Simonoseki . Seine Bedienung bestand, wie sie noch jetzt thut, (denn er wird fuͤr so heilig gehal- ten, daß keine Mannsperson ihm nahe kommen darf), lediglich aus Personen des andern Geschlechts. Auf der Flucht uͤber die See sprang die Pflegemutter, als die Feinde ihr nachsetzten, mit ihm ins Wasser, und ertrank. Das Frauenzimmer von seiner Bedienung kam nach Si- monoseki ; weil diese Leute aber nicht zu leben hatten, sa- hen sie sich genoͤthigt, auf eine unanstaͤndige Art ihren Unterhalt zu erwerben. Dies ist, wie viele, unter an- Uebrige Sitten u. s. w. der Japaner. dern die Dolmetscher, bey denen ich mich ausdruͤcklich darnach erkundigte, mich versichert haben, der erste Ur- sprung solcher oͤffentlichen Haͤuser, die sich waͤhrend der vieljaͤhrigen Fortdauer der Unruhen und buͤrgerlichen Kriege allmaͤhlig weiter und weiter erstreckt haben. Die in jenen Haͤusern befindlichen Frauenspersonen haben aber nicht allenthalben gleiche Nahmen, auch nicht glei- che Achtung. Zu Simonoseki heißen sie noch jetzt Jo- russi, welches der Nahme ist, den die Beyschlaͤferinnen des Dairi, deren, außer seiner rechten Gemahlin, zwoͤlf sind, ehemahls fuͤhrten, und noch heutiges Tages fuͤh- ren. An andern Oertern kennt man sie meistens unter der Benennung Keise oder Kese, welches so viel heißt, als ein theils aufrecht, theils umgekehrt stehendes Schloß ( chateau ), und anzeigen soll, daß sie von der Ehrbarkeit zur Unzucht uͤbergegangen sind. Die von der niedrigern Gattung, welche jedermann fuͤr den geringen Preis von acht Konderyn zu Dienst sind, nennt man Faifats; eine Benennung, die von dem Worte Fai gin herkommt, das eine ehemahls gebraͤuchliche Muͤnze von sehr schlechtem Silber, und dem Werthe eines Konderyn, bedeutet. Die allerschlechtste Art der fuͤr Geld feilen Personen heißt Ofiakv. Diese gehen umher und betteln, und zeigen sich fuͤr eine unbedeutende Kleinigkeit. Sie sollen ihren Nahmen von einer Weibsperson bekommen haben, die unklug und zugleich sehr liederlich gewesen. — Wenn Aeltern mehr Toͤchter haben, als sie ernaͤhren koͤnnen, verkaufen sie sie fruͤh, oft schon im fuͤnften Jahre, an den Inhaber eines oͤffentlichen Hauses. Hier dienen sie in den Jahren der Kindheit als Dienstmaͤdchen und Auf- waͤrterinnen, besonders als Aufwaͤrterinnen der eigent- lichen Maͤdchen des Hauses, deren jede eins solcher jun- gen Maͤdchen zu ihrer eignen Aufwartung hat. Sind Fuͤnfte Abtheilung. Siebenter Abschnitt. sie nun zwoͤlf bis sechzehn Jahr alt, so werden sie mit vieler Feyerlichkeit, oft auf Kosten derjenigen, welcher sie bisher aufgewartet haben, fuͤr frey von Aufwartung und geringern Verrichtungen erklaͤrt, und zu foͤrmli- chen Damen des Hauses eingeweihet. Das sonderbarste ist, daß diese Maͤdchen, wenn sie in dem Hause, wo- hin sie in ihrer Kindheit verkauft worden, gewisse Jahre in beyden Eigenschaften gedient haben, ihre voͤllige Frey- heit wieder bekommen, im geringsten nicht als entehrt angesehen, sondern so gar hernach oft auf eine sehr ho- nette Art verheirathet werden. — So allgemein diese Einrichtung und Sitte im ganzen Lande ist, und so we- nig die Einwohner uͤberhaupt sich etwas arges dabey den- ken, haben doch verschiedne Maͤnner von Verstand und Grundsaͤtzen mir gestanden, daß sie sie fuͤr unanstaͤndig und der Ehre der Nation nachtheilig hielten. Kinder trifft man allenthalben, in Staͤdten und Doͤrfern, in Menge an. Durchgaͤngig habe ich be- merkt, daß die Aeltern sie zwar fruͤh zu strengem Gehor- sam gewoͤhnen, aber uͤbrigens sie fast bloß mit guten Worten und Zureden regieren. Scheltworte oder harte Verweise habe ich selten gehoͤrt, und Stoͤße, Schlaͤge und Gebrauch der Ruthe fast niemahls gesehen. In den Schulen lesen alle Kinder zugleich, und zwar sehr laut; das giebt ein Geschrey, daß man, wenn man hin- ein geht, in Gefahr ist, das Gehoͤr zu verlieren. Wie sehr die Japaner auf Reinlichkeit ihres Koͤr- pers sehen, habe ich schon einige Mahl erwaͤhnt. Kein Tag geht hin, da sie sich nicht baden und ganz rein wa- schen, sie moͤgen zu Hause oder auf Reisen seyn. Nicht nur in Privat-Haͤusern, sondern auch in allen Wirths- haͤusern und Herbergen, in Staͤdten und auf dem Lande, sind kleine Badstuben angelegt. Jeder kann also, an jedem Uebrige Sitten u. s. w. der Japaner. jedem Orte, auch wo er nicht zu Hause gehoͤrt, auch je- der, der keine eigne Badstube hat, kann sich, so oft er will, fuͤr Geld baden. Arme Leute bezahlen nur ein Paar Pfennige; allein da mehrere von ihnen dasselbe Wasser gebrauchen, ohne daß jeder frisches bekommt, stecken sie einander gar oft mit Kraͤtze und andern anste- ckenden Krankheiten an. An warmen Baͤdern hat das Land Ueberfluß. Die Einwohner bedienen sich ihrer auch haͤufig gegen veneri- sche Krankheiten, Laͤhmung der Glieder, Kraͤtze, Rheu- matismen und dergleichen. Die Landstraßen sind in allen Provinzen das ganze Jahr hindurch in gutem Stande; sie sind breit, und mit Graͤben versehen, damit das Wasser ablaufen kann. Besonders aber gegen die Zeit, da die Ober-Landesbe- fehlshaber, wie auch die Hollaͤnder, ihre jaͤhrliche Reise nach Jedo vornehmen muͤssen, in vortrefflichen Stand gesetzt. Sie werden alsdann nicht nur mit Sand be- schuͤttet, sondern auch kurz vor der angesagten Ankunft sol- cher hohen Reisenden mit Besen gefegt, aller Pferdemist, Koth und alles andere Unreine sorgfaͤltig weggeschafft, und bey heißem Wetter, wenn es staͤubt, wird reichlich Wasser gesprengt. Auch ist die Ordnung gemacht, welche auch genau beobachtet wird, daß die, welche nach Jedo , oder die dahin fuͤhrenden Straßen, hinauf reisen, sich zur linken, und die, welche hinunter reisen, zur rechten Seite halten muͤssen, damit keiner dem andern begegne, ausweichen duͤrfe, oder Aufhalt, Ungelegenheit und Streitigkeit verursache. Abermahls eine von den Japa- nischen Polizey-Anstalten, die man in Europaͤischen Laͤn- dern nachahmen sollte. Da man gar kein Fuhrwerk mit Raͤdern gebraucht, halten sich die Wege sehr lange gut. Zum Vergnuͤgen der Reisenden sind sie an vielen Stellen Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. O Fuͤnfte Abtheilung. Siebenter Abschnitt. zu beyden Seiten mit Baͤumen und Gestraͤuch bepflanzt, die zum Theil sehr schoͤne Hecken geben. Ich habe der- gleichen Hecken so gar von Theestauden gesehen. Meilen- zeiger sind jede Meile angebracht. Sie zeigen nicht nur, wie weit man gereiset ist, sondern auch, wohin der Weg geht. Die Meilen im ganzen Lande werden alle ohne Un- terschied von einem einzigen Puncte an gezaͤhlt, naͤmlich von Niponbas , oder der uͤber dem Fluß in der Haupt- stadt Jedo liegenden Bruͤcke. Bey Scheidewegen stehen aͤhnliche Pfaͤhle, die jeden Weg genau bezeichnen. Man reiset bey diesen Einrichtungen und Anstalten im ganzen Lande sehr bequem, und ohne Gefahr, zu verirren; nicht zu gedenken, daß man auch so sicher, als vielleicht in kei- nem andern Lande reiset. Die Pferde beschlaͤgt man in Japan nicht mit Ei- sen, sondern statt dessen zieht man ihnen Pantoffeln oder kleine Schuhe von Stroh an. Diese werden um die Knoͤ- chel mit einem von Stroh geflochtenen Bande fest gebun- den. Sie schuͤtzen den Fuß gegen die Steine, und sichern ihn auch auf glattem und schluͤpfrigem Wege vor dem Ausgleiten. Weder Postwagen, noch irgend eine andre Art Wagen oder Fuhrwerk mit Raͤdern, gebraucht man, wenn man reiset. Wer Geld hat, reitet, oder laͤßt sich in Saͤnften, die Kango oder Norimon heißen, tragen. Wer eins von beyden nicht bezahlen kann, muß zu Fuß gehen. Daher sind denn auch die Landstraßen immer mit einer Menge Fußgaͤnger angefuͤllt. Den Reise- anzug solcher Leute habe ich im Vorhergehenden schon be- schrieben. Hier fuͤge ich nur noch hinzu, was oben an- zumerken vergessen worden, daß sie haͤufig lange Schif- ferhosen, oder bis auf die Waden herab gehende leinene Beinkleider tragen, und daß die Kamaschen auch wohl, Uebrige Sitten u. s. w. der Japaner. wie bey uns, an den Seiten zugeknoͤpft werden, anstatt daß andre sie fest binden; wie auch, daß die Soldaten auf dem Marsche die langen Hosen um die Mitte der Lenden fest binden. Die zu Pferde machen oft eine gar seltsame Figur. Manchmahl sieht man mehrere Perso- nen, oft eine ganze Familie, auf Einem Pferde. Der Mann sitzt in der Mitte, aber ganz oben auf dem Sat- tel, so daß er die Beine am Halse des Pferdes herunter hangen laͤßt; die Frau an einer Seite in einem am Sat- tel fest gemachten Korbe; und ein oder mehrere Kinder auch in einem Korbe an der andern Seite; ein Mensch geht voran und leitet das Pferd am Zuͤgel. Die Port- chaisen, worin Beguͤterte sich tragen lassen, sind von verschiedner Groͤße und Pracht, wie es eines jeden Rang mit sich bringt. Sie kosten daher auch nicht alle gleich viel. Die schlechtesten sind klein, so daß man mit den Fuͤßen unter dem Gesaͤß darin sitzen muß, zu allen Sei- ten offen, mit einem kleinen Dache versehen, und wer- den von zwey Kerlen getragen. Darauf folgen die Kan- go oder Kago, die ganz bedeckt und an den Seiten auch eingeschlossen, aber beynahe viereckig und nicht praͤchtig sind. Die groͤßten und schoͤnsten heißen Norimon, sind laͤnglich, werden von den vornehmen Beamten gebraucht, und von mehreren Personen getragen, die theils vorn, theils hinten, und zwar hinter einander, gehen. Das Tragen geschieht vermittelst einer an der Decke befestigten Stange, die sie auf den Schultern liegen haben. In allen Staͤdten und Doͤrfern trifft man bey den Wirths- haͤusern eine Menge Leute an, die ihre Dienste zum Tra- gen anbiethen. Solche Traͤger koͤnnen das Tragen und Gehen lange aushalten. Gewoͤhnlich legen sie in einer Stunde eine Japanische Meile, und an einem Tage de- ren zehn bis zwoͤlf zuruͤck. Auf gleiche Art werden auch O 2 Fuͤnfte Abtheilung. Siebenter Abschnitt. die meisten Sachen und Waaren hier zu Lande transpor- tirt; die Traͤger tragen sie ebenfalls an einer Stange, die auf den Schultern liegt. — Sie haben auch noch eine andre Art, die Norimon zu tragen, die aber nur in großen Staͤdten und bey feyerlichen Gelegenheiten uͤblich ist, zum Exempel wenn zu Jedo die Fuͤrsten sich nach dem Kaiserlichen Pallaste tragen lassen. Die No- rimon werden alsdann nicht auf den Schultern, son- dern mit den Haͤnden, und zwar so hoch als nur irgend moͤglich, und von jedem der Traͤger nur mit Einer Hand, getragen. Die andre Hand strecken sie horizontal aus, und im Laufen werfen sie die Fersen hoch in die Hoͤhe. Sie laufen dabey naͤmlich so schnell als sie koͤnnen; und ein solcher Norimon fliegt wie ein Pfeil vorbey. Nur zu Miako und in der umliegenden Gegend, sonst aber nirgends, wird ein Fuhrwerk mit Raͤdern ge- braucht, das aus einer Art Karren besteht. Ein solcher Karren ist niedrig und klein, und hat drey Raͤder, zwey wie bey uns auf den Seiten, und eins vorn. Die Raͤ- der sind aus einem ganzen, mit der Saͤge abgeschnitt- nen, Stuͤck Holz gemacht, und rund umher liegt, statt eines eisernen Beschlages, ein Tau oder dergleichen, da- mit sie nicht abgenutzt werden. In der Stadt selbst, und in den Doͤrfern nahe bey der Stadt, sind diese Kar- ren groͤßer und plumper, bisweilen nur mit zwey Raͤ- dern, und werden von einem Ochsen gezogen. Einige sind auch denen, die wir in Europa haben, aͤhnlich, und haben Raͤder mit Naben und Speichen, aber ohne Be- schlag, also sehr zerbrechlich. Auf den Landstraßen darf mit solchen Karren nur an Einer Seite gefahren wer- den, die daher auch ganz ausgefahren und verdorben ist. Auch ist die Ordnung gemacht, daß die, welche mit ihrem Karren zur Stadt wollen, des Vormittags, und die, Uebrige Sitten u. s. w. der Japaner. welche zuruͤck fahren, des Nachmittags fahren muͤssen, damit keiner dem andern begegne. Bey dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, mir eine allgemeine Anmerkung zu erlauben. Sie betrifft die mancherley vortrefflichen oͤffentlichen Anstalten und Einrichtungen, woran dies Land, dessen Einwohner wir gleichwohl auf einer niedrigen Stufe der Cultur unter uns betrachten zu muͤssen glauben, so manches Europaͤi- sche Land weit uͤbertrifft. Alles zeugt von Ueberlegung und Ordnung. Wie manches vermißt man in unsern Staaten, das hier schon seit Hunderten von Jahren an- zutreffen ist? Man sieht recht deutlich, daß alles auf einen nuͤtzlichen Zweck abzielt. Nichts geschieht hier zum aͤußern Schein, nichts um zu glaͤnzen, nichts um zu prahlen und groß zu thun, nichts um Aufsehen zu machen, so gar nichts um seinen Nahmen bey der Nach- welt zu verewigen. Kein Regent, kein Minister, kein Befehlshaber, kein Beamter uͤberliefert das, was er Gutes stiftet, einrichtet, bauen oder machen laͤßt, durch Denkmaͤhler, mit seinem Nahmen und einer praͤchtigen Inschrift versehen, den Nachkommen als sein Werk. Folgendes hohle ich noch nach, ob es gleich hier nicht an seiner Stelle steht. Zu Jedo schenkte mir einer meiner Freunde einen großen kalkartigen Stein, derglei- chen man, wie sie sagten, im Magen der Pferde, in dasiger Gegend, und zwar nur solchen, die auf dem Stalle gehalten werden, antrifft. Von seiner Entste- hung oder Erzeugung wußte man mir aber keine Nach- richt zu geben. Hernach bekam ich auch aͤhnliche kleine Steine, die platt sind, und keinen Kern ( nucleus ) in sich schließen. Jener große besteht aus Blaͤttchen ( la- mellae ), ist sehr dicht, und hat beynahe die Groͤße eines Kindskopfs. Ich vermuthe, daß das Wasser um Jedo , Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. womit man die Pferde traͤnkt, Kalk enthaͤlt, und ihr Stillstehen im Stalle zum Wachsthum der Steine bey- traͤgt. Die Hollaͤnder nennen solche Steine Paerdesteen (Pferdestein). Achter Abschnitt. Von der Japanischen Sprache . D ie Japanische Sprache ist wegen ihrer sehr großen und mannigfaltigen Verschiedenheit von allen Europaͤi- schen Sprachen ungemein schwer zu lernen. Sie wird zwar, wie die Chinesische, in auf- und niedergehenden Reihen geschrieben; aber die Buchstaben sind von den Chinesischen weit unterschieden. Auch beyde Sprachen dieser so nahe bey einander wohnenden Voͤlker selbst sind so verschieden, daß sie einander ohne Dolmetscher nicht verstehen. Das Chinesische wird indessen in Japan haͤu- fig gelesen und geschrieben, und wie die gelehrte Sprache angesehen, die sie nebst verschiednen Wissenschaften von den Chinesern angenommen haben. Aller dieser Schwierigkeit ungeachtet, gab ich mir, so lange ich mich in diesem Lande aufhielt, viel Muͤhe, von meinen besten Freunden unter den Dolmetschern das Japanische verstehen, etwas sprechen, und auch ein we- nig schreiben zu lernen. Ich mußte dies aber sehr heim- lich thun, so wohl um ihrer, als um meiner eignen Si- cherheit willen. Hauptsaͤchlich ließ ich dies Studium vor der Jedoer Reise mein Geschaͤfft seyn, weil ich auch glaubte, auf der Reise und zu Jedo guten Nutzen davon haben zu koͤnnen. Unter andern Bemuͤhungen, meinen Zweck zu erreichen, schrieb ich die Worte, wenn ich sie gelernt hatte, auf, und setzte mir durch Huͤlfe des oben Von der Japanischen Sprache. angefuͤhrten Japanischen Woͤrterbuchs ein kleines Voca- beln-Buch auf. Anfangs bildete ich mir ein, die hiesigen Hollaͤnder wuͤrden mir hiebey sehr zu Statten kommen koͤnnen, zumahl da verschiedne von ihnen doch so viel sprechen konnten, daß sie im Stande waren, sich von Dingen, die am meisten vorkommen, verstaͤndlich aus- zudruͤcken. Aber leider war keinem von ihnen je einge- fallen, ein Wort aufzuschreiben, noch weniger, sich eine Art Woͤrter-Verzeichniß zu machen, oder uͤber das Ei- genthuͤmliche der Sprache nachzudenken. Mir deucht, in einer Zeit von zwey hundert Jahren haͤtte wohl, waͤre es auch nicht zum Gebrauch der Sprachforscher, sondern bloß zum Nutzen derer, die sich hier einige Jahre auf- halten muͤssen, ein Japanisches Woͤrterbuch geliefert wer- den koͤnnen, waͤren nicht Mangel an Geschicklichkeit bey einigen, und Unthaͤtigkeit bey andern, das Hinderniß gewesen. Einige halten sich hier nur eine kurze Zeit auf; andre denken nichts als Geld und Gewinn; den meisten schmeckt die Tobakspfeife so schoͤn, daß sie die edle Zeit, uͤber deren Langweiligkeit sie doch so oft kla- gen, mit keiner bessern Beschaͤfftigung, als dem Rau- chen, auszufuͤllen wissen. Ich glaube manchem einen nicht unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn ich hier einen Auszug aus meinem Vocabularium einruͤcke. Vor- her aber ein Paar allgemeine Anmerkungen, einige Be- sonderheiten der Sprache betreffend. Die in den Europaͤischen Sprachen vorkommenden Diphthongen, die Vocalen aͤ, oͤ, uͤ, die Buchstaben L (wenigstens lautet dieser mit R fast gleich), P und Sch haben die Japaner nicht. Mit Vocalen fangen wenige Woͤrter, mit E faͤngt kein Wort an. Viele Buchstaben werden so ausgesprochen, daß man ihren Laut mit den Buchstaben der abendlaͤndischen Sprachen Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. nicht genau bezeichnen, sondern einen und denselben Buchstaben auf mehr als eine Art schreiben kann, z. E. bossu, fossu, hossu; tusi, tsusi, tsjusi; fisa, fissja; suru, tsuru; soru, suru; dsi, dji, tsi; fa, ha; fara, warri; ge, ke; jovi, sovi; joka, jukka; kame, ga- me; je, ji; odossu, osossu; skui, tsikui; u. d. gl. Manches Wort hat mehr als Eine Form, wovon unten sehr viele Beyspiele vorkommen werden. Man sehe z. E. fara, boͤse. Der Infinitivus des Verbi endigt sich gewoͤhnlich auf u, oder oru, nach einigen Conso- nanten auch auf v oder f. Die Art, Nomen mit No- men, und Nomen mit Verbum zusammen zu setzen, nebst mehrern Eigenthuͤmlichkeiten der Sprache, lassen sich aus dem Woͤrter-Verzeichnisse selbst leicht abstrahiren. Das hat uͤbrigens die Japanische Sprache mit andern gemein, daß nicht nur manche, gleich oder beynahe gleich lautende Woͤrter mehrere ganz verschiedene Bedeutungen haben, sondern daß auch fuͤr Einen Begriff oft mehrere ganz un- terschiedne Woͤrter vorhanden sind. Hier folgt die Probe eines Japanischen Woͤrter- buchs, zwar in alphabetischer Ordnung, aber doch zu- gleich, so viel moͤglich, nach der Abstammung und Ver- wandtschaft der Woͤrter eingerichtet. A. Abramussi, Wandlaus. Abunaka, Gefahr. Abunaikoto, gefaͤhrlich. Abumi, Steigbuͤgel. Abura, Oehl. Tomosi abura, Lampeaoͤhl. Abura simoru, Oehlpresse. Abra no kawa, Thran. Afiru, zahme Ente. Afo, naͤrrisch. Agaganni, akaganni, Kupfer. Agaru, aufgehen. Fi no agaru, die Sonne geht auf. Agaruts, Schuh von Stroh. Aguru, jasjaguru, okuru, nedo, askuru, biethen, an- biethen. Aguru, tokuru, kiuru, schmel- zen. Agi iwa, gebratner Fisch. Aida, versuchen, pruͤfen. Aijoki, Angst. Aijubu, laufen. Aijumi, Schritt, Tritt. Von der Japanischen Sprache. Kansjo aju, Sanjo aju, ab- rechnen. Akfta, Schmutz. Aki, Pferd. Aki, leer. Akwuru, leer machen. Akibonu, jo no aki, es wird Tag. Aksingu, niesen. Akuru, offen. Akeru, oͤffnen. Akubi, offner Mund Akubu, den Mund aufsperren. Amai, amaka, suͤß. Amaru, muthig, tapfer. Amar itame, sehr schmerzhaft. Ama sakki, Hefen vom Sakki. Ame, Regen. Ame no fiuru, es regnet. Andon, Lampe. Ane, aͤltste Schwester. Ani, aͤltster Bruder. Anna, ana, Loch. Kagi ana, Schluͤsselloch. Annesa, Wegweiser. Ansuru, bedenken. Arai, areka, grob. Arare, Hagel. Arassu, Meereswelle. Aratamu, visitiren. Arau, waschen, abwaschen. Arawaruru, zu erkennen geben. Sosa arme, unmoͤglich. Aru, alu, haben. Aruka, der Laͤnge nach. As, Schilf. Asa, Fleck. Asi, Schweiß. Asi suru, schwitzen. Asi, Geschmack. Asiwu, schmecken. Asjiwau, Probe. Assai, Assaka, seicht. Assegaro, hastig. Assi, Fuß. Assubi, Vergnuͤgen. Assubia, assubiso, Bordel. Atarassi, neu, frisch, roh. Ateru, beruͤhren. Ats ka, heiß, warm. Atsururu, waͤrmen. Atsumaru, versammeln. Kotoba atsume, Gespraͤch. Atsuru, rathen, errathen. Atsuraju, bestellen. Atsuraje mono, bestellte Sa- chen. Atsusa, atsumi, dick. Attamanna, Kopfweh. Au, passen. Awa, Schaum. Awa tatsuru, schaͤumen. Awa toru, abschaͤumen. Awasiru, zusammen binden. Awosumi, Amidon (Stoͤcke). B. Babo, aͤltster Bruder. Babo, bakka, baka, Narr, naͤrrisch, unsinnig. Baibai, kaufen und verkaufen, handeln. Bakari, einsam, allein. Bakkemono, Gespenst. Bakkutji, bahkutsi, Karten, Wuͤrfel. Bakkutji utsu, bakutsu, Kar- ten, Wuͤrfel spielen. Bakkutsi utsi, Karten-, Wuͤr- fel-Spieler. Bang, ban, Wache. Ban suru, Wache halten. Bansjo, Wachhaus. O ban, Kaiserliche Wache. Jo bang, Nachtwache. Bannin, Soldat. Bas, fas, Bruͤcke. Bas, fas, Rand. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Bas, fas, hoͤlzerner Stift statt der Gabel beym Essen. Bea, f a, Kammer, Zimmer, Kajuͤte. Beko, bekko, bakogame, Schildkroͤte, Schildkroͤten- schale. Beooso, Schirm. Biakdan, Sandelbaum. Biki, Krankheit. Biki mono, krank. Biosa, ungesund. Birodo, Sammet. Bo, nackt, bloß. Bobo, weibliches Glied. Bo, Block, Klotz. Boos, Priester. Bosi, Muͤtze. Bossi, Kopfkissen. Bossu, fossu, hossu, trocken, trocknen. Botan, Knopf. Botan gane, Knopfloch. Budo, Traube. Buginsa, reich. Bugu, Watten. Bugukora, Zeughaus. Bumawassu, Zirkel-Instru- ment. Burei, bule, unbelebt, un- hoͤflich. D. Daiku, Zimmermann. Daimio, Ober-Landesbefehls- haber, Reichsrath. Dai nagon famma, Kronprinz. Daiwo, Rhabarber. Dakka, hoch. Damassu, betruͤgen. Damas koto, Betrug. Damateoru, schweigen. Damo, Stute. Dare monai, keiner, niemand. Debakotjo, Hackmesser. Di, difjung, Gewinn. Ding s uru, eifersuͤchtig. Djijoks, heil. Dobine, porcellainener Kessel. Doku, Gift. Dooku, vergiften. Domburi, Kumme. Domense, feiner Reiß zu Sup- pen. Donna, dumm. Dons, Damast. Don teng, nebliges Wetter. Dote, Wall. Dsi, tji, dji, Erde, Erdkugel. Djsin, Erdbeben. Dsima, Insel. Dutsai, Landes verwiesen. Dutso, Kopfschmerzen. F. Fa, Blatt. Tori no fa, Feder. Toobu fanne, Fluͤgel. Fa, ha, Zahn. Fagis, hano itami, Zahnweh. Hanigaki, Zahnpulver. Fagune hagane, Stahl. Fagiru, aufkochen. Faguru, haguru, nackt. Faguru, abstreifen, schinden. Fageta, abgenutzt. Faifuki, Spuckbecken. Faijo, faijaki, geschwind. Faijaku, Fortgang. Faisuru, anbethen. Faisura mono, Anbether. Fajai, hajai, hajakv, sajakv, schuͤtzen. Faka, haha, Messer. Orifaka, Taschenmesser. Fisasi, Sonnenschirm. Fakaro, Krieg. Fako, hako, hago, Lade, Kasten. Von der Japanischen Sprache. Sokomots hako, Eßkoffer. Fakka, f’ka, Begraͤbnißplatz. Fakko, fussigo, Treppe. Fam, bunt. Fandai, Tisch. Fanku, druͤcken. Fang, hang, Pettschaft, Sie- gel. Fanna, hanna, Blume. Fanna sako, bluͤhen. Fanna iki, fanna tsuba, Blu- mentopf. Hanna no mis, Rosenwasser. Hannab hataki, Blumengar- ten. Fannajomi, Braut. Fannamoko, Braͤutigam. Fanna, Ecke. Fanna, fana, hanna, Nase. Fanna nosu, Nasloͤcher. Fanna toru, die Nase schneu- zen. Fannagami, fannaganni, Schnupftuch. Fanna tabako, Schnupftobak nehmen. Fanna tabako ire, Schnupf- tobaksdose. Fanna meganni, Brillen. Fanuru, hinten ausschlagen. Fara obi, Nahelschnur. Farawatta, Eingeweide. Farai, farau, bezahlen. Fara, faradate, faratats, fari- ka, warri, warika, waru- ka, farakaki, warikakuse, kuse no warika, isinowari, boͤse, arg, schlecht, schlimm, zuwider. Farikakatsuru, warukatatsu- ru, boͤse, zornig werden. Fandatsuru, boͤse seyn. Warukakotosuru, Boͤses thun. Mone no warika, ekeln. Faratate sosuru, zu Leide thun, aͤrgern. Warika koto ju, Boͤses von jemand reden. Warri fiure, schlimmes Wetter. Nako no warka, schlechter Freund. Fari, bari, Nadel, Naͤhnadel. Fisifari, tomebari, tenefari, Stecknadel. Fari saß, Nadelkissen. Fari ire, Nadelbuͤchse. Fari no mimiso, Nadeloͤhr. Faruru, schwellen. Farami, schwanger. Faru, fallu, kleistern. Fake, Pinsel zum Kleistern. Simegi fasamii, leimen. Fasa, kasa, Mutter. Fasjime, Anfang. Fasogami, großes Papier zu den Geschenken. Fassami, fassaim, Schere. Fassami kiru, mit der Schere schneiden. Fassigo, Leiter. Fakko fassigo, Treppe. Fasi, hasi, fosi, Scham. Fassiru, sich schaͤmen. Fatskassiku, hasjassu, scham- haft, bloͤde. Fassimuru, rathen, ermahnen. Fassura, Pfahl. Fataki, Acker. Fato, Taube. Je fato, zahme Taube. Jamma fato, wilde Taube. Fato, Verboth. Fato suru, verbiethen. Fats miets, Honig. Fatsnar mono, milde. Fattaoru, weben. Fau, kriechen. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Febasi, Zange, Feuerzange. Feko, momosiki, Unterhosen. Fakami, hakami, Hosen. Fento, fenli, Antwort. Fento suru, antworten. Fi, Sonne. Fi no agaru, fi no de, die Sonne geht auf. Fi no iri, die Sonne geht un- ter. Fisasi, Sonnenschirm. Fitoke, Sonnenzeiger. Fi, finoko, Feuer. Fibatsi, großes Feuerbecken. Finawa, Lunte. Fitobusu, fitomusu, anzuͤnden. Fitomosi, fitobosi, Lampe. Kosokf misits kuru, ein Licht anzuͤnden. Fiakkuje, Gehirn. Fias, Schimpf. Fidda, Falte, Biegung. Figasi, Osten. Fige, Bart. Kusira no fige, Fischbein. Figesuri, hoͤlzerne Oberschuhe. Figi, partheyisch. Fii, Magen. Fiko, salben. Fiko, ziehen, spinnen, bog- siren. Nomen fiko, Baumwolle spinnen. Fiko fune, Bogsirboot. Tsimba fiko, hinken. Fiki dussi, kleine Lade, Schreib- kasten. Fiku, reißen, abreißen. Fikiaguru, in die Hoͤhe win- den. Fikisako, brechen. Fiki kuri kaajaß maku, fiki- kurukajussu, wenden, keh- ren, umkehren. Fikui, niedrig. Fimma, Lust. Fimmo, Knoten. Fimose, Hunger. Fing, arm. Finong, Bettler. Fio, Koffer. Fiogu, Pergament. Fioko, Kuͤchlein. Fioko no komuru, Junge ausbruͤten. Ito fioma, Segelgarn, Bind- faden. Fira, firattai, Platte, Flaͤche. Firataka, eben, schlicht. Firosa, firoi, firoke, breit, Breite. Habanna firoka, weit, geraͤu- mig. Finoi, finosi, Platteisen. Fino fisuru, Zeug plaͤtten. Firakuru, bersten, zerspringen. Fionassi, fionako mono, fau- ler Schlingel. Fire, johofiri, Floßfeder. Firio, Drache. Firombo, fiombo, korombo, Sklave. Firosuru, anschreiben. Firu, trocken. Suwo no firu, Ebbe. Fisa, fisa no sarra, Knie. Fisa tatsuru, knien. Fisaguru, zermalmen, zer- quetschen. Fisi fari, Nadel. Fisa, fißja, Schreiber, Nota- rius, Secretair. Fisia su, nachzaͤhlen. Fito no to kuru, hinein gehen. Jukki fito, guter Mann. Tonari fito, Nachbar. Nagusami fito, es verdrießt mich. Von der Japanischen Sprache. Fusaiwai no fito, ungluͤcklich. Sukugin ota fito, Schuldner, schuldig. Kimono fitoka, muthig. Me no fitome, Augapfel. Fito firo, Klafter. Fit soki, Mordbrenner. Fitusi, fitsusi, tsitsuse, Schaf. Fitsusinoki, Lamm. Otoko fitojusi, Schafbock. Fiuri, Wetter. Jui fiuri, gutes Wetter. Jukka fiuri, schoͤnes Wetter. Warri fiuri, schlimmes Wetter. Kitsi fiuri, Sturmwetter. Ame no fiuro, es regnet. Juki no fiuro, es schneyet. Fiwa, frey. Fjakso, Bauer, Ackermann. Fjutji, Zunder. Fjutji bako, Zunderbuͤchse. Fo, Wange, Backen. Fogeta, hogeta, Ohrfeige. Fobari, hobarri, Register. Fodatsuru, durch einen Ver- schlag von Bretern abson- dern. Fodokossu, Almosen. Foi juru, schelten. Soju, Scheltwort. Foki, fusi, Besen, Quast. Fomeru, ruͤhmen. Fone, Bein. Fono, Flamme. Fono no tsuga, Sehne. Fong, fung, fuso, Dreck, Koth. Kusera no fung, Ambra, Am- bergries; buchstaͤblich: Wall- fischkoth. Fori, folu, Graben. Foriu, graben. Foka, Wassergraben. Fosi, Stern. Fossimi, Sternseher, Astro- nom. Fosi, Grenzstein. Fosso, feso, Nabel. Foso, Kinderpocken. Fossi, Buͤrgermeister. Fotjo, Tischmesser. Fta, Schloß an der Thuͤr und dergleichen. Ftong, Decke, Bettdecke. Ftoobai, Freund. Fuda, Feder, Pinsel. Fuiking, Schuͤsseltuch. Fuju, Winter. Fukai, tief. Fukf, fiohf, blasen, wehen, anblasen. Fukose, Wind. Fukose no fukf, der Wind macht sich auf. Fukokeß, ausblasen. Fujigo, Blasbalg. Tjammera fuki, Trompete. Fukitsirassu, wegfliegen. Fukuro, fugure, Sack, Beu- tel. Itamma fugure, Hodensack. Kamesukuro, Geldbeutel. Fundo, Gewicht. Funo, f’ne, Schiff. Kara f’ne, lediges Schiff. Funin jou, seekrank. Funson, Herberge, Wirths- haus. Fureru, geben, uͤbergeben. Furo, Kuͤben. Furoganni, Eisen. Furou, fururu, zittern, beben. Furuje, furuke, alt. Furu, baden. Furu, suru, laͤuten. Surigannu, Glocke. Furu, sichten. Fus, Glied. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Fusaiwai, Ungluͤck. Fusai wai no fito, ungluͤcklich. Fuse, Lappen. Fusi suru, flicken. Fuse, Lied. Uta no fusi, ein Lied singen. Fusina, Begebenheit, Ge- schichte. Fusiuna, unbequem. Fuska, Wille. Fusoko, zu kurz kommen. Futago, Zwillinge. G. Gajo, Majestaͤt. Galeng, Vernunft, Verstand. Ganne, Krebs. Gaskoi, behende. Gataisen, unverheirathet. Gatting suru, nicken. Ge, ke, Aussicht. Jui ke, schoͤne Aussicht. Getta, hoͤlzerner Schuh. Waka gimi, Prinz. Waka gimi gatta, Prinzessin. Gogo, Tochter. Te no goi, Handtuch, Schnupf- tuch. Goko, Strahl. Sitsugets no goko, Sonnen- strahl. Gokurako, Aufenthalt der Se- ligen. Gonokubo, Nacken. Goso, junger Kamerad. Gosogumma, Karren. Gotai, Leichnam. Guaijakv, Pille. Guansits, Neujahrstag. Gunsjo, blaue Staͤrke. Guwa, Ochsengalle. H. Habanna firoka, weit, geraͤu- mig. Hai, fai, sinohai, Asche. Fegura sum, Kienruß. Hai, Fliege. Hainoso, Lunge. Hakari, kleine Wage. Hanassi, Geschichte, Begeben- heit. Iksauno hannassibo, Geschicht- buch von Heldenthaten. Hakaru, kakaru, waͤgen. Hanna koto, dauerhaft. Harafoß, nuͤchtern. Hari saimoko, Balken. Hassii, schlecht, elend. Hassika, Messing. Hassiru, segeln. Hato, fato, Flagge. Hatosav, fatosawo, Flaggen- stange. Hawari, Mantel. Hebi, Schlange. Hei, Planke. Hibiki, Laut, Schall. Fibika, Wiederschall. Hobasi, Mastbaum. Honni, honnio koto, dauer- haft. Honoo, Bauch. Honu, pflanzen. Hoo, Segel. Houguru, homaku, die Se- gel aufziehen. Hogorussu, die Segel streichen. Horano hai, Schnecke. Hungokf, Vaterland. I. Moi ibi, Flamme. Ibibikako, schnarchen. Ibiganni, Ring, goldner Ring. Idoru, sitzen (auf Matten, nach Japanischer Art.) Ië, je, Haus. Ie fato, zahme Taube. Iedoga, Herberge. Von der Japanischen Sprache. Ienusi, Hausmiethe. Iens, Vogelnest. Meganne no ge, Brillenfutte- ral. Mano je, kuru mono je, Spinnwebe. Omosiri ifito, zufrieden. Igawa, Brunnen. Ige, Stachel, Dorn. Igoko, bewegen. Ijou, zanken, streiten. Ikari, Anker. Ikakaru, ankern. Ikaru, boͤse seyn. Ike, Teich, Fischteich. Ikedor, Anhang. Iki, Athem. Iki tsukv, Athem hohlen. Iki no semekv, kurzer Athem. Iktoru, lebendig. Fanna iki, Blumentopf. Ikkin, Elle. Ikubakv, einig. Ikusa, Krieg. Iksauno, hanna sibo, Geschich- te von Kriegsthaten. Inasuma, inabikanni, Blitz. Inno, itammu, kintamma, Hoden. Inotji, leben. Inu, in, Hund. Inu, wild. Ino sis, wildes Schwein. Iquang, tausend. Iremono, Dose, Buͤchse. Fari ire, Nadelbuͤchse. Tabako ire, Tobaksdose. Hanno tabako ire, Schnupf- tobaksdose. Irie, Meeresbucht. Irio, noͤthig. Irio, Unkosten. Ire, Zinsen. Iro, Farbe. Irotskuru, faͤrben. Iro iro, verschieden, manche. Iro mono, eitel, kokett. Iru, mit dem Bogen schießen. Iru, braten. Iro, ururu, untergehen. Fi no iri, die Sonne geht unter. Isa, Arzt. Isi, iwa, Stein. Isnomi, Steinhauer. Kade isi, Kieselstein. Isi no wari, schlimm, boͤse. Issu, sich raͤchen. Isjudbi, Gehaͤng. Iso, ewig. Iso, Strand. Iso suru, verkleiden, maskiren. Issibia, Kanone. Ogi isu, Nachtigall. Isumi, Bad. Ita, gehen, wandern. Ita, Planke, Bret. Itadakka, Gehirn. Itamu, verderben. Itami, Krankheit, Schmerz. Itami mono, krank. Itamose, schmerzhaft. Amar itame, sehr schmerzhaft. Itama, Kopfweh. Memi no itami, Ohrenschmerz. Itas, verrichtet, ausgerichtet. Itasuro, traͤg. Itjimai, Bogen Papier. Itjiri, Meile. Ito, Garn, Zwirn, Faden, Schnur, Saite. Ito fioma, Bindfaden. Samsi no ito, Violinsaite. Itoma, Abschied. Itomagoi, verabschieden, ab- setzen. Itsigo, Erdbeere. Iwan, froh, lustig. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Iwo, Fisch. Iwo tsuru, fischen. Agi iwo, gebratner Fisch. Iwo, Schwefel. J. Ja, Pfeil. Jatsusu, Koͤcher. Jaburu, jako, brechen. Jagamu, schief. Jagi, Bock. Uke jai nikui, sein Bestes thun. Jakima no ninjo, porcellane- ne Figuren. Jakohaba, Breite. Jaksaku, versprechen. Jaksoksta, Versprechen. Jako, dienen, verdienen. Jakunin, Amt, Bedienung. Jakurio, Lohn, Besoldung. Jakv, brennen, backen, braten. Pan jakv, Brot backen. Skui jakv, Kalk brennen. Kwassi, Brand, Backwerk. Jakwang, Kessel. Tetja kwang, kupferner Kessel. Jamai mono, krank. Uffuri jamai, ansteckende Krantheit. Jamaru, abrathen. Jamma, Berg. Jamma futo, wilde Taube. Jammome, Wittwe. Otokogammome, Wittwer. Janne, Dach. Jarite, Dienstmagd. Jarri, Pike. Jaru, geben. Jassinau, vermehren. Jassita, mager. Jassu, mager werden. Jassume, Ruhe. Jassumu, jassu de oru, ruhen, ausruhen. Jassuru, Nagel (am Finger u. d. gl.) Jasuri, Feile. Jasurisuru, jasuri kakuru, feilen. Jautsiri suru, sich anders wohin begeben, wegziehen u. d. gl. Jawara kana, sanftmuͤthig. Je, Bild, Gemaͤhlde, Portrait. Jesu, zeichnen, mahlen. Jesuru, jedoru, abmahlen. Jekako, Portrait-Mahler. Je, i, Baͤr. Jeda, Zweig. Jeikf, sich betrunken stellen. Jeikfsari, betrunken seyn, Trunkenbold. Jenotsuki, gluͤcklich. Jenso, Schießpulver. Jensoja, Pulvermagazin. Jeta, heilen, curiren. Jetski, its kuru, befehlen. Jing, Spion. Jino, Großvater. Jitsofo, Schwiegervater. Jitsubo, Anofasa, Schwieger- mutter. Jutjusi, Schwiegersohn. Jo, sjo, juka, Stuͤck Vieh. Jobu, rufen. Jogeru, weinen. Jogore, schmutzig. Jogara, beschmutzen. Jois, lebhaft, hurtig, witzig. Jojajoru, langsam. Jokabara, Ribbe. Jokofiri, Floßfeder. Jokita, jo oidena naserrima- sta, willkommen. Jome, sjome, Reitpferd. Jomego, Ehefrau. Jomu, lesen. Jonaka, es taugt nicht. Jongo, schief. Joniro. Von der Japanischen Sprache. Joniro, Secretair. Joosi, jassinaiko, angenomme- ner Sohn. Joosuru, bessern. Joiso, Besserung. Jori, sori, sorri, Schermesser. Soru, joru, scheren, barbiren. Jorisi, Buͤrgermeister. Jorjuhf, fito no to kuru jukv, hinein gehen. Jorosi, juso, Hure. Jorussia, Hurenhaus. Jos, Rohr, Schilf. Josari, joru, Nacht. Jobang, jabang, Nachtwache. Jodossi, uͤbernachten. Josi, seine Nothdurft verrich- ten, (wird auch von Thie- ren gebraucht). Josi, sich waschen. Josi, Waschgefaͤß. Josuru, zusammen fuͤgen. Jotsassi, vierfuͤßig. Funin jou, seekrank. Jowai, jowaka, schwach. Ju, sagen, sprechen. Mono ju, jemand anreden. Juaki, ju no aki, es wird Tag. Jubi, Finger. Jui, jukka, joka, gut, schoͤn. Jukka, es ist gut. Jui fiuri, jusuka fiuri, jui teng, gutes, schoͤnes Wetter. Jui ke, schoͤne Aussicht. Juku fito, guter Mann. Naka no joka, naka josi, gu- ter Freund. Kami jui, Barbier und Friseur. Juka, Fußboden. Juki, Schnee. Juki no fiuru, schneyen. Juksuri, reich. Jume, jumemiru, Traum. Jumi, Bogen (zum Schießen). Jumi, Trauer. Nai jura, Laͤhmung. Notji jura, gebrauchen. Jurei, Gespenst. Sukama juro, Anhang. Jurosikku, angenehm. Jurujojakv, Salbe. Juru, jorijai, versammeln. Kasu juru, erzaͤhlen. Jurusi, erlauben. Jurus, erlaubt. Jiurusse, Erlaubniß, Verge- bung. Jussugu, spuͤhlen. K. Ka, Muͤcke. Ka, Weitzen. Mugi no ka, mugiko, Wei- tzenmehl. Kabe, Mauer. Kabi, Schimmel. Kabi suru, schimmeln. Kabiru, faulen, verrotten. Kabuto, kabito, furi no ka- bito, Hahnenkamm, Feder- busch. Kadsura, rankendes Gewaͤchs. Kagi, Schluͤssel. Kagi anu, Schluͤsselloch. Kagi, Schatten. Kagi, Schnupftobak. Kagu, Schnupftobak nehmen. Kagume, Meewe. Kai, Muschel. Horano kai, Schnecke. Kainotamma, Perle. Kaika, jucken. Kaiki, Art seidenes Zeug. Kairu, weggehen. Kaja, katje, Bettumhang. Taka, Bettstelle. Kajeru, kajuru, umwenden, tauschen. Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. P Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Kajessu, cassiren. Kajir, Abscheu. Kajossu, zuruͤck geben. Kajujuru, kasujura, herrech- nen, herzaͤhlen, erzaͤhlen. Kakaru, beruͤhren. Kakaru, fest haken. Kakkiganne, Haken. Kake, Gicht. Kake sura, wetten. Kakifi, Wasserleitung. Kaksu, verstecken. Kakuru, ankleben. Jasuri kakuru, feilen. Kakuru, welken, verwelken. Kakv, schreiben. Kakv, Horn. Kakwa, Safran. Kaman, ruͤhren. Kambang, Aushaͤngeschild, Marktschild, Markt oͤffent- licher Verkauf, Auction. Kame, Schildkroͤte. Bekko game, Caret-Schild- kroͤte. Kami, Gott. Kami, Haar. Kami jui, Barbier, Friseur. Kami, Schermesser. Katsura, Peruk. Kami, gami, Papier, Schreib- papier. Mino kami, miso gami, miso katjigami, Fensterpapier. Kara kami, gemahltes Tape- tenpapier. Kinkara kami, dergleichen ver- goldetes. Fasogami, großes Papier zu den Geschenken. Fannagami, Papier zu Schnupftuͤchern. Kaminari, Donner. Kamku suru, leicht machen. Kammadu, Kuͤche. Kammaboku, Frikadellen. Jawaro kana, sanftmuͤthig. Kanago, Beschlag. Kane, kame, Geld. Kane fukuro, Geldbeutel. Kang, kalt. Kasa fuko, fukasi, kalt ma- chen, erkaͤlten. Kano sis, Hirsch. Kans ju, rechnen. Kansjo aju, abrechnen. Kanso, Lackritzwurzel. Kapto, Harnisch. Kara f’ne, lediges Schiff. Karaganne, Metall. Kara kami, Tapetenpapier. Mis no karakuri, Quell- wasser. Karas, Senf. Karasu, Kraͤhe. Katasse no karassu, undankbar. Kari, jagen. Tamago no karra, Eyerschale. Kawara, trocken Karruru, trocknen, vertrock- nen. Karu, leihen. Karidassu, ausleihen. Karta, Karte. Karta utsu, Karten spielen. Kasa, Hut. Kasannu, kasannoru, verdop- peln. Kasannaru, doppelt. Kase, Wind. Mokao kase, widriger Wind. Kasia, Schmied. Kanasiki, Schmiede. Kanasutji, Hammer. Kasira, kusera, Wallfisch. Kasira no fige, Fischbein. Abra no kawa, kasira no ka- wa, Wallfischspeck, Thran. Von der Japanischen Sprache. Kusera no fung, Ambra, s. fung. Kassa, Ausschlag, Kraͤtze. Kassei, Huͤlfe. Kasse suru, helfen. Kata, katsu, gewinnen. Kata, Schulter. Katabon, Schulterblatt. Katagosakv, Pflaster. Kata ki, Feind. Katamuru, ziehen. Katanna, langer Saͤbel. Kataskenai, Dank. Katasike no gosarimasu, dan- ken. Karassu, undankbar. Katats, Figur. Katsu, uͤberwinden. Katsujetosi, Hungersnoth. Kawa, Fluß. Kawa, Haut. Ki no kawa, Seil, Strick. Kawarra, Dachpfanne. Kawaru, abloͤsen (die Wache). Kawatta, artig. Kawatu, veraͤndern. Kawonso, Otter. Kawu, kao, koto, kaufen. Akibito, Kaufmann. Aki waru, Handel treiben. Kedamono, okami, Waare. Kedamono, Thier. Kega, Wunde. Kekwairo, Wundarzt. Kekejoroo, Burg. Kemono, Zahn. Kemono, Wolle. Kemori, raͤuchern. Kemura fura, raͤuchern (Fleisch u. d. gl.). Kemota, geraͤuchert. Kemuru, Kienruß. Ken, Degen. Ken no ki, Bartzange. Kerai, Diener, Bedienter. Fuko keß, blasen, wehen. Kose no fuko, der Wind wehet. Keseja, Bordel. Kesuru, schaben, abschaben. Ketsu masoko, straucheln, stol- pern. Ketta, Kapitel, Abschnitt, Conto. Ki, Zange. Kugi no ki, Kneipzange. Ki no kawa, Reif, Seil. Ki, gi, treten. Te ne ki, Handschuh. Kiassu, loͤschen, ausloͤschen. Kibis, Ferse Kieku, lernen. Kekv, Lehrling, Schuͤler. Kiking, Hungersnoth. Kikkona, schoͤn. Kikv, hoͤren. Kimeona, Wunder. Kisutsakuru, sich verwundern. Kimmo, Leber. Kimono, Kleidung. Kimono tjakv suru, sich an- kleiden. Kimono kiru, Kleidung an- haben. Kimono fitika, herzhaft. Kimusme, komusme, Jungfer, Maͤdchen. Kin, Gold. Kinsing, goldne Muͤnze. Kin kinfuru, vergolden. Kinfako, Vergoldung. Kinkarakami, vergoldetes Ta- petenpapier. So king, Tuch. Fui king, Schuͤsseltuch. Kingo, lebe wohl. Kinkiri usi, Ochs. Kinno, Seide. Kinno, gestern. P 2 Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Kinnodoko, betruͤbt. Kinnu kwudas, das Rauhe, Zottige am Zeuge, Schabsel. Kiodai, Bruder. Kire, Lappen. Kiru, kuru, hauen, schneiden, zerschneiden. Tasami kuru, mit der Schere schneiden. Kubi kiru, den Kopf ab- hauen. Kiru, hinten ausschlagen. Fito no to kiru jukv, hinein gehen. Kireina, rein. Kisane, unrein. Kisannai, haͤßlich, garstig. Kiseru, Pfeife, Tobakspfeife. Kisi, Fasan. Kisju, confisciren. Kitjijai, kitsijai, unklug, ra- send. Kitsi fiuri, Sturmwetter. Kitska, stark. Kitska, Muͤhe. Kitane, Fuchs. Kitta, Norden, Nord-Wind. Kiwatta, Baumwolle. Kjets, tji, dsi, Blut, guͤldne Ader. Kjojomi komai, komaina, komokanna, Gabel. Ko, komaka, klein, sein. Kogiru, abkuͤrzen. Ko us, us no ko, Kalb. Fio ko, Kuͤchlein. Fitsunino ki, Lamm. Ne ko, junge Katze. Ko, Pulver. Kodomo, Kind. Koaka, kowai, kowarka, hart. Kodo isi, Kieselstein. Kobossu, koboruru, stuͤrzen. Kogatanna, Federmesser. Kogusuru, frieren. Koori, Eis. Koja, kooja, kago, Nest, Krug, gemeines Wirths- haus. Koje, Mist, Dung. Kojekari, kui no kari, kaka- ru, heiser. Kojuru, kojeru, fett. Kojeste oru , es ist fett. Tokura, Speck. Koki, Moos. Kokf, Land. Koks si, Ober-Landesbefehls- haber. Omini koki massi, das will ich zeigen. Kokorubiru, bersten, springen. Koksing, Stadtthor. Koksing bansjo, Wachhaus am Thore. Kokurru, Herz. Kokuru, probiren. Kome, Reiß. Skigome, gedroschner Reiß. Matjigome, weißer Reiß. Tsusi komo, laden (ein Schiff u. d. gl). Komuggi, Weitzen. Fioko no komuru, Eyer aus- bruͤten. Konisumi, Maus. Konogano, ein solcher. Konogotoko, begreifen. Kono kusa, bekanntes Kraut. Konogoru, anwesend. Konomu, wollen. Konomu, Lust. Konoman, nicht Lust habend. Konoseru, Hering. Konotoi, Storch. Konrei, Heirath. Konresuru, heirathen. Konreisi, Hochzeittag. Von der Japanischen Sprache. Kooke, Schuͤssel. Koorussu, saͤugen. Kori satto, Zucker, Candis, zucker. Korossu, toͤdten, todt schlagen. Toto korussu, morden. Kosaku, katagasako, Pflaster. Kosi, Motte. Koski, Bettler. Kossu, ausbreiten. Kossuto, kosjuto, Schwager. Ko sosi, Unter Dolmetscher. Kotjo, Pfeffer. Kotoba, gotoba, Wort, Rede. Kotai, Antwort. Kotai suru, antworten. Tattose kotoba, Sprichwort. Kotobe atsume, Unterredung. Warika kotoju, Boͤses reden. Kotskai, Bote. Koto, Sache. Damas koto, Betruͤgerey. Hanna koto, dauerhaft. Kowake, Bernstein. Kubi, Kopf. Kubi kiru, koͤpfen. Konokubo, Nacken. Kubiru awasuru, zusammen binden. Kubiru, Buͤndniß. Kubujo, Orgelpfeife. Kudamono, Wette. Kudari, reisen. Kudassu, Purgir-Mittel. Kudassu suru, purgiren. Kugi no ki, Kneipzange. Kuimono, kusmos, sukomots, Speise, Kost. Sokomots kakv, Eßkoffer. Kuisakf, scharf seyn, schnei- den. Kujamo, betruͤbt. Kukuri, Kissen. Kuma, Hengst. Kun g i kiri, Nagel, Nagel- bohrer. Kuni, kuno, kiruni, Land, Reich. Kura, kurura, Magazin, Packhaus. Bugu kura, Zeughaus. Kuru, kommen. Kuruma, guruma, Rad, Wa- gen, Karren, Muͤhle. Momen kuruma, Spinurad. Kurubakas, Rolle. Fiki kuri ajassu, umkehren. Rasok mifits kuru, Licht an- zuͤnden. Kurusa, kusa, kwusa, Kraut. Kusagu, abkratzen. Nogokusu, Saͤgespaͤne. Kusai, Gestank. Kusai, stinken. Kuswa no abra, Thran. Kusamu, riechen. Kusame suru, erkaͤlten. Kuse, kuse no warika, boͤse. Kusigi, Wunderwerk. Kusokf, Pfau. Kusuguruf, kitzeln. Kussuurika, kitzlich. Kusu, Sieb. Kuts, kwutjb, Mund. Kwutji su, ama kutji, Kuß. Kutji bassi, Schnabel. Kutji mava, Schlange. Kuttona, artig. Kuudas, Diarrhoͤe. Kwanin, Andacht. Kwang, Oehr, Henkel. Kwanosi, Kasten, Sarg. Tetja kwang, kupferner Kessel. Kwiamaski, beklagen. Kwubi, Hals. Kinnu kwudas, Rauhes, Faͤ- seriges. Kwumo, Spinne. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Kwumo no je, Spinnwebe. Kwura, Sattel. Kwura sukuri, Sattler. Kwurasu, Zeitvertreib. Kwusari, Kette. Kwussi, Kamm. Kwaske suru, kaͤmmen. Kwusuri, gosuri, Medica- ment. Kwutsu, kuts, Schuh. Kwutsu tskusuri, Schuster. M. Ma watta, seidne Watten. Madossu, cassiren. Maguru, krumm. Maku, rollen, wickeln, zu- sammen binden, umkehren. Maku, Rolle. Mani, rund. Mawari, rund umher. Mawaru, umher spatzieren. Makido, Schiffswinde. Maki mome, eng, compreß. Maki mome, Binde. Maru, Kreis, Zirkel. Makura, Bettkissen. Makie suru, lackiren. Makie mono, lackirte Sachen. Makoto, Wahrheit. Makoto naramu, unsicher. Makuru, verlieren, verspielen. Makuru, dingen, bedingen. Makuts, Herd, Schmiedeesse. Mame, Bohne. Manaku, winken. Mangets, Vollmond. Manje tsumu, aufladen, be- laden. Mannabu, uͤben. Manriki, Krahn. Mara, maͤnnliches Glied. Omini koki massi, ich will zeigen. Wataks kusi utji okuri masso, ich will jemand aus der Thuͤr begleiten. Masuru, mischen. Matji, Straße. Matji, sotomatji, Stadt. Matjijai, Fehler. Matjijai, Unterschied. Matjijao, ruͤckwaͤrts. Matji gome, weißer Reiß. Matjiukuru, matte, warten, verweilen. Matsejari, Harz. Mawaru, mahlen. Me, Auge. Meagi, Augenbraune. Metakaki, Augenblick. Me no tamma, me no fitome, Augapfel. Meganni, fanna meganni, Brillen. Meganne no je, Brillenfutte- ral. Mosi meganne, Microscop. To meganni, Fernglas. Mekwura, memokf, blind. Mei, all, alle. Mei sits, alle Tage. Mei bang, alle Naͤchte. Miu mente, Angefuͤhl. Mes, gekochter Reiß. Mesirasi, artig. Messudo, Moͤrder. Metja, Charpie. Metoru, Ehemann. Mi, Schlange. Mi, miko, Fleisch. Us no miko, Rindfleisch. Miage, Gabe. Miako , Hof des Kaisers. Miako, Puls. Miako lollu, nach dem Pulse fuͤhlen. Von der Japanischen Sprache. Midassu, mitassu, mis kedas- su, mikkedassu, mios ku- ru, finden, erfahren. Fats miets, Honig. Nogoks mifits kuru, Licht anzuͤnden. Migakf, scheuern. Migi, rechte Seite. Mikatsuki, Neumond. Mikimi, Streife. Mime, Besuch. Mime, dunkel. Mimi, Ohr. Mimi no itami, Ohrenschmerz. Fari no mimi so, Nadeloͤhr. Mimotji, schwanger. Minamo, Suͤden. Minassigo, Waise. Minato, Hafen, Bay. Miu mente, Angesicht. Minoganni, mosokatjiganni, Fensterpapier. Mio, Katze. Mioban, Alaun. Miru, sehen, nach etwas sehen. Miru, Gesicht. Miru, aufweisen. Kokuru miru, probiren. Susi miru, wahrsagen. Miawassuru, besehen. Midassu, aussehen. Mis, Wasser. Mis no karakuri, Quellwasser. Siwo mis, Seewasser. Hanna no mis, Rosenwasser. Mise, Bude, Laden. Misi massu, ich will zeigen. Misimai, geputzte Dame. Misiru, kennen. Miste oiha, bekannt. Miste urha, bekanntes Kraut. Miskanne, lebhaft. Mistsuki, mitsuki, Pumpe, Spritze. Mistsuki suru, mitsuki suko- suru, pumpen, spritzen. Mits, Weg. Mitsaki mono, Einkuͤnfte. Mitskuri, einpacken. Modor, Abscheu. Modoru, weggehen. Modossu, zuruͤck geben. Mogo, Stallknecht. Mogo, pockennarbig. Moi ibi, Flamme. Moisi, mousi, Buchstab. Mojossu, mojuru, brennen. Mojo, Fleck. Mokao kase, widriger Wind. Dare monai, niemand, keiner. Mome, Maaß. Monosasu, Maaßstab. Makimome, eng, dicht. Momen fikv, Baumwolle spinnen. Nibassi muru, Seide spinnen. Momen kuruma, Spinnro- cken, Spinnrad. Monsje, Spinnwebe. Momo, Huͤfte. Momo, sotomomo, Lende. Momo fiko, Unterhosen. Momu, befreyen. Mone, Brust. Mong, Hausthuͤr, Pforte. Mono, Mensch, Person, Sa- che, Guͤter. (Dies Wort wird auch vielfaͤltig mit an- dern zusammen gesetzt, und formirt alsdann mancherley Substantiva und Adjectiva, z. E. faisura mono, Anbe- ther; makie mono, lackirte Sachen; itami mono, krank, u. d. gl.). Mono ju, moosuru, musma- su, anreden. Morau, betteln. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Nisu monossu, verfaͤlschen. Mone no warika, ekeln. Mori, Wald. Moru, leck. Moru, lecken, auslaufen. Mosaguru, klagen. Mosi meganne, Mikroscop. Mootsi, Peitsche. Motja, eilen. Motji aguru, heben. Motji jura, brauchen. Tori motji wanna, Vogelleim. Mootsu, ziehen. Mootsu, motte, wegfuͤhren, wegbringen. Tamago mootsu, Eyer legen. Motameru, verhindern. Motomuru, Krieg fuͤhren. Muggi, mugi, omuggi, Ge- treide. Mugiko, mugi no ka, Mehl, Weitzenmehl. Muko, schaͤlen. Mura, einzelnes Bauerhaus. Muri, zwingen. Muri, Unrecht, Ungerechtig- keit. Muru, skui muru, tuͤnchen, weißen. Musme, Tochter, Schwester. N. Na, Nahme. Tsuna no na, Strick. Naats, Fruͤhling. Nabakv, Feld. Naga, Meerbusen. Nagai, lang. Nagasan, Laͤnge. Nagakv, schaben, schrapen. Nagomotji, Koffer. Nagari, Bach. Nagisa, Kuͤste. Nagoari, nagadaki, Hochzeit. Nagosuru, verlangen. Nagusammu, Verdruß. Nagusammu fikv, es verdrießt mich. Nagusamu, ermahnen. Nai juru, Gicht. Jassi naiko, angenommener Sohn. Naimono, Wette. Naka, jemand. Naka josi, nojoka, guter Freund. Naka no warka, schlechter Freund. Naka no jukka, von gutem Herzen. Nakka, warm. Nakv, weinen. Nama, lau. Nama, roh. Namari, Bley. Nami, Strom. Narau, lehren. Makoto narau, unsicher. Narruru, Gewohnheit. Jo oidena naserimassa, will- kommen. Nasis, Lackirung mit Vergol- dung. Naso, Raͤthsel. Nasuku, zahm. Nawassu, bewahren. Sino nawassu, umpacken. Ne, Wurzel. Nebaru, nemaru, schleimig. Nebaa, seidne Watten. Nibassi nuru, Seide spinnen. Neburu, lecken, saugen. Nedang, Unkosten. Nedo askuru, anbiethen. Nedokuri, Bette. Neiruru, aufwarten. Ne, Maus, Ratze. Neko, Katze. Von der Japanischen Sprache. Neko, nakv, miauen. Nemutaka, nemutakai, schlaͤfrig. Nerau, treffen. Nerawa, Thal. Neriakv, Salbe. Nesi, Schraube. Nesiru, drechseln. Nesuku suru, einpacken. Nesumi, kneipen. Nets, Fieber. Nettami, Neid. Nettarami, netamo, neidisch. Niakv suru, beladen. Niakv tsumu, in ein Schiff laden. Niassu, kochen. Nigir, stoͤrrig. Nigiri, habsuͤchtig. Nigai, nigaka, bitter. Nigoserru, lebe wohl. Nikai, Boden im Hause. Nikaai, Wohnung. Nikke, Kaneel. Uke ja nikui, sein Bestes thun. Nikusuk, Muskatnuß. Nikwuni, Strafe. Nikwumu, strafen. Nima, nimba, Packpferd. Nimakv, weiter langer Rock der Japaner. Ningjo, Bild, Puppe. Jakima no ningjo, porzellane- ne Figur. Nin jiri, nituru, zu Vett ge- hen, sich schlafen legen. Niobo, Frau. Nioi, niowi. Geruch. Nis, Westen, West-Wind. Nisi, nite, falsch. Nisamonussu, verfaͤlschen. Nisi, Regenbogen. Niubai, Regenzeit. Niskaka, kurz. Nisumi, Maus. Nisuru, nachahmen. Nitji, Sonne. Niwatassu, abgeben, liefern. No, ne, ein Verbindungs- wort, das meistens Substan- tiva mit einander verbindet, z. E. kwuna no je, Spinn- webe; Me no tamma, Aug- apfel; — auch wohl Verba mit Substantiven, z. E. Otai no fuse, ein Lied sin- gen; Ame no fiuru, es reg- net. No, noi, naͤhen, sticken. Noats, Sommer. Nobori, hin-, hinauf reisen. Nodonokawaku, Durst. Nodor, Hals. Nogai, zahm machen. Nogou, abwischen. Nogu, wegnehmen. Nogori, Rest. Noguru, klettern. Noko, Saͤge. Nogokusu, Saͤgspaͤne. Nokuriganni, Aufgeld. Nomi, Floh. Nomu, trinken. Nomikomu, schlucken, nieder- schlucken. Nomimono, Trank. Nomojui, betrunken seyn. Tabako nomu, Tobak rauchen. Nommi, Hackmesser. Nori, Brey, Kleister, Staͤrke. Nori, Plaͤtteisen. Noro, Schlamm, Moder. Nororu, naß. Norassu, naß machen. Noru, auf ein Pferd laden, reiten. Tanna nosu, Nasloͤcher. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Nosumu, stehlen. Nosibito, nosto, Dieb. Nugu, ausziehen. Nur, Schlaf. Nuru, schlafen. Nuru, Theer. Tjan nuru, theeren. Tassu nuru, fragen. O. O, groß. O bang, Kaiserliche Wache. O, Steiß. Oari, Ende. Obatera, Hollaͤndisches Boot. Obojuri, Gefuͤhl. Obojuru, fuͤhlen. Obuwatta, Darm. Odori, Tanz. Odoru, tanzen. Odossu, osoruru, osiruru, er- schrecken, sich fuͤrchten. Osiru, oturuska, okurasi, okanne, erschrocken. Otorussik, schrecklich. Ogannu suru, bethen. Ogannu suru mono, Bether. Ogi, Faͤcher. Ogitskuri, Faͤchermacher. Ogu iru, Nachtigall. Oikjo, nikjo, Aniskoͤrner. Oikjossi, Anis-Brandwein. Oja jubi, ajubi, Daum. Ojoru, skoru, steif. Ojugu, schwimmen. Okahara, Dysenterie. Okasi, Thurm. Okaski, laͤcherlich. Okatsa, Frau. Okftabiri, Mode, Gebrauch. Oki, Kuͤben. Okittori, Quittung. Oku, okv, setzen, stellen, legen. Okiru, aufstehen. Okiteoru, wachen. Okusu, wecken. Okuro, Geschenk. Okuru, begraben. Okuru, aus der Thuͤr beglei- ten. Wataks kusi utji okuri masso, ich will jemand aus der Thuͤr begleiten. Omassiroi, omoste, lustig, ver- gnuͤgt. Omosiri ifito, angenehm. Omini koki wassi, ich will zeigen. Omoka, omotaka, schwer. Omokasi, Steuerbord. Omotte, Angesicht. Omu, Papagoy. Onago, Magd. Onago no titi, Milchweib. Onago, mein Lieber. Onaskamanu, vergleichen. Onassijona, allgemein. Oni, Teufel. Orifaka, Taschenmesser. Oriru, vom Pferde steigen. Ori, Fett. Ori sakki, sakki no ori, Sakki-Hefen. Kajete oru, es ist fett. Oros, los. Ilog orussu, die Segel streichen. Oru, beugen. Osiennomits, Art und Weise. Osiru, osijoru, unterweisen. Osussi, Oberrichter. Ota, anpassen. Otakadaisi, Kaiserpapier. Otjijaki, Auster. Otjiru, fallen. Otoko, Mann. Otoko janimome, otohejoki, Wittwer. Von der Japanischen Sprache. Otoho fitsjusi, Schafbock. Otori, ondari, Hahn. Ottona, Polizey-Beamter uͤber eine Straße, oder an- dern Theil einer Stadt. Owamu, aufdecken. R. Rei, Glocke. Resuru, reigisuru, gruͤßen, complimentiren. Ri, itsjiri, Meile. Rinsi, Gallerie. Rinsjo, Samenfluß. Riosi, Fischer. Riukinfuru, vergolden. Ro, Wachs. Rosoko, Wachslicht. Rosoko statti, Leuchter. Ro, Ruder. Roosu, rudern. Roja, Gefaͤngniß. Roko, Ehre. Rokuseo, spangruͤn. Rosin, Alter. Riosin, Aeltern. Rui, Sorte. Rui suru, sortiren. S. Sabani nuru, bey jemand schlafen. Sabir, Rost. Sabirru, rosten. Sabita, rostig. Hari saimokf, Balken. Saguri dassu, ausfuͤhren. Sairio, Aufwaͤrter. Saisi, Loͤffel. Saiwai, gluͤcklich. Saja, Scheide, Futteral. Saji, Wuͤrfel. Sajoru, duͤrr. Tori ne sajoru, Voͤgelgesang. Sakkai, Grenze. Sakkai suru, angrenzen. Sakkana, Fisch. Sakkara, Schatz. Sakki, Getraͤnk von Reiß. Ama sakki, ori sakki, sakki no ori, Hefen von Sakki. Sakuru, saruru, sururu, so- suru, skusarumu, verbrau- chen, abnutzen, verderben. Fanna sakv, bluͤhen. Same, Haut vom Hayfische. Samka, Beruf. Samma, Herr. Deinagou samma, Kronprinz. Samma, Fenster. Sammifiku, allein. Samu, samkesuku, sansuru, gebaͤhren. Soisang tjoman, unzeitige Nie- derkunft. San, Pulver. Sanjo suru, sanno suru, zaͤh- len, rechnen, ausrechnen. Sanjo aju, abrechnen. Sanjobea, Kaufmanns-Com- toir. Sanne, Kern. Sansakagi, Guͤrtel. Sansi no ito, Violinsaite. Saoka, sigoi, stark. Sikaria, Kraft, Staͤrke. Sapi, Unkosten. Sara, Jungferschaft. Sara, Teller. Sarase, Cattun u. d. gl. Seikf saru, betrunken seyn. Sarassuri, sich betrunken stellen. Fisa no sarra, Knie. Sar, saru, salu, Affe, Meerkatze. Saru, scheiden. Sasisu, aufbringen, anhetzen. Sassaferi, Tresse, Galone. Sassigari, Paß. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Sato, einzelnes Bauerhaus. Satto, Zucker. Korisatto, Candiszucker. Sirosatto, Puderzucker. Sattojaki, Confect. Sawarri, monathliche Reini- gung. Se, mit der Schere schneiden, abschneiden. Segio, Almosen. Seifits, Feinde. Seisi, Eid. Sekfits, Bleystift. Sekis, Schwelle. Sekka, sikka, Strafe. Semai, semaka, sebuka, eng, schmal. Semekv, kurz. Isi no semekv, Engbruͤstigkeit. Senaka, Ruͤcken. Sendo, Schiffer. Seng, Kork, Pfropf. Senki, Kolik. Senkju, regnig. Seri, seribetta, Pflug. Seteng, klar. Senjits, sakkusits, gestern. Setsujin, heimliches Gemach. Siaio, Bisam. Sibaja, Schauspiel, Schau- spielhaus. Sibaida, Schauspieler. Sibaru, siburu, simoru, dre- hen, druͤcken, pressen, er- sticken, quaͤlen. Sibundoki, Mahlzeit. Sibomu, melken. Simoru, Oehlpresse. Simaru, sitsnaki, sitonaka, aͤngstlich. Sigai, sigajo, sining, gleich. Sigito, arbeiten. Sikakv, viereckig. Sime, simai, Ende. Simai, smai, fertig, bereit. Simau, erklaͤren. Simals, swambo, geitzig. Simegi, Leim. Simegi suru, fasamu, leimen. Sin, Gott. Sing, signoso, Herz. Sine nawassu, unpartheyisch. Sinsjo, aufrichtig. Sinko, Alhagistrauch. Sinsu, Perlmutter. Sino, Sieb. Sino kai, Asche. Sinowalka, grob. Sintju, Messing. Sinu, siumoru, sterben. Sinda, sining, todt, ein Todter. Sinkiru, das Licht schneutzen. Sinkiri, Lichtschere. Sinsok suru, die Fuͤße waschen. Sio, Vergnuͤgen. Sioga, Ingwer. Sioki, Gesetz. Sioki, Buͤffel. Sirami, subisirami, Laus. Sirai suru, angeben, anklagen. Siru, wissen. Sirus, Kennzeichen. Misiru, kennen. Sirio, siriuro, Fleiß. Osiru, osijoru, lehren, unter- richten. Sisso, Schulmeister. Sirio, Seele. Siro, so, Citadelle. Sirobe, sirobai, Kalk. Sirassumi, Lehm, Thon, Kreide. Siro satto, Puderzucker. Sirojinso, Salpeter. Sirome, Bleyweiß. Sikui, skui, tsikui, Kalk. Skui muru, tuͤnchen. Von der Japanischen Sprache. Skui jakf, Kalk brennen. Siwo, Salz. Siwo suru, salzen. Siwo mis, usiwo, Salz- wasser. Sis, Loͤwe. Sis, Schwein. Ino sis, wildes Schwein. Kano sis, Hirsch. Sisukamai, langwierig. Sisumu, sinken. Siti, Pfand. Sitji iruru, zum Pfande setzen. Sito, sta, Last, Schwere. Sitkusumu, großes Schnupf- tuch. Sitsugets no goko, Sonnen- strahl. Sitssugjo, ausgehen. Siwo, Strom, Fluß. Suo no warika, gegen den Strom. Siwamoki, Husten. Sjakf, sjakv, Maaßstab. Sjakf torru sjakf utsu, mes- sen, Maaß nehmen. Sjakv taku, Stelle zum Ader lassen. Sjas, Atlas. Sjo, Brief. Sjomi, rein. Sjoguats, neu. Sju, zahm. Sjugi, uͤber. Sjumansi, Kreutz. Sjumonsi, Kreutzweg. Sjur, Bruͤhe. Skai, satt. Skai suru, saͤttigen. Skai, sokki, Mutterbeschwerde. Skai, Nachricht. Skaijuru, staknaru, sich naͤ- hevn. Skamajoru, anfassen, angreifen. Skassa, Buͤrger. Skegami, tsukiganni, Pe- ruk. Skegi, skedakiki, Schwefel- holz. Snobimiru, lauern. So, Elephant. Soge, sogi, Elfenbein. So, sjo, joots kuri, Schloß (an der Thuͤr u. d. gl.). Sobai, Handel treiben. Sonin, Kaufmann. Sobe, setome, stomefito, Amt, Bedienung. Sonin, sobainin, sokunin, Beamter, in oͤffentlichem Dienst stehender. Sobing, Harn Sobin suru, harnen, sein Was- ser lassen. Sobo, Buchweitzen. So tekaki, Beyschlaͤferin. So dan, baar. Sojugu, tsigau, Mißbrauch. Sokv, sakv, Tocht. Rosokv, Wachslicht. Somodatsu, steil. Somuru, faͤrben. Somots, Bauch. Song, Schade, Verlust. Song suru, verlieren. Sono, Campher. Sora, Luft. Sori, Schuh oder Pantoffel von Stroh. Sorin suru, begraben. Sorona, sosikima, sanftmuͤ- thig. Sosa game, unmoͤglich. Sosimu, fasten. Sosonoko, sosonofone, Ramme. Sosutesuru, sich ankleiden. Sosusuru, sich abkuͤhlen. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Sotju, Brandwein, uͤberhaupt geistiges Getraͤnk. Soto matji, Stadt. Soto momo, Lende. Sotomuru, stomuru, dienen. Ssjo, ssjone, gemaͤchlich, be- quem. Ssu, Landkarte. Stabara, Bauch. Stajumi suru, vorlesen. Stamuru, stuͤrzen. Stosone, Wade. Su, Essig. Suire, Essigglas. Suiku, sauer. Tori no su, Vogelnest, Vo- gelbauer. Subakki, Speichel. Subakki hakv, speyen. Suberu, glatt, schlicht. Sudatsuru, vermehren. Sugoroko utsu, Wuͤrfel spie- len. Sugurru, auslaufen, ausflie- ßen. Sugita, verflossen, vergangen. Suissi, Matrose. Suita, sukv, mein Lieber. Itgiri suka, Meilenzeiger. Sukama juro, Anhang. Sukikakuru, stoßen. Sukun, Fisch. Sukuru, Schleichhandel trei- ben. Sum, sumi, schwarze Tinte. Susu hakv, Tintenfaß. Sum, sumi, Kohle. Isu sumi, Steinkohle. Fegura sum, Kienruß. Sumebito, gefangen. Sumire, Gift. Suragoso, luͤgen. Surihago, Wunde. Surria, Apotheke. Suru, fiuru, furu, seru, jo- ru, juru, sururu, tatsuru, tukurru, katatsuru, thun, machen; wird sehr haͤufig mit einem Nomen zusam- men gesetzt, und dadurch wird eine Menge Verba ge- bildet, z. E. song suru, ver- lieren; mistsuki suru, spri- tzen; iwo suru, fischen. Sukuri, tsukuri, einer, der etwas macht; — formirt durch Zusammensetzung an- dre Substantiva, z. E. kwu- ra sukuri, Sattler; kurut- su tskusuri, Schuster. Suru, Suppe. Surusu, Zeichen. Surusi suru, zeichnen, bezeich- nen. Susakki, Sandbank. Susi, Strich, Strieme, Ader. Susimiru, wahrsagen. Susu, Zinn. Sutsumu, aufwinden. Suwo no firu, Ebbe. T. Tabako, Tobak. Fanna tabak, Schnupftobak. Tabako ire, Tobaksdose. Fanna tabako ire, Schnupf- tobaksdose. Tabako nouru, Tobak rau- chen. Tabi, Reise. Tabi suru, reisen. Tagi, taki gi, Holz, Brenn- holz. Taiko, Trommel. Taisits, wichtig, angelegen. Taki, Wasserfall. Von der Japanischen Sprache. Takka, Falk. Takkai, theuer. Takkara, Schade, Nachtheil. Takv, kochen. Sjakv taku, Stelle zum Ader- lassen. Tamagatta, Geschrey. Tame i ktsukv, seufzen. Tamma, Buͤndel, Rolle. Tamma, Kugel, Bosel. Tippo no tamma, Flinten- kugel. Me no tamma, me no fitome, Augapfel. Tamago, Ey. Tamago no karru, Eyer- schale. Tang, Galle, Schleim. Tango, Eimer. Tankiri, Lackritz. Tanna, Samen. Tannemakv, saͤen. Tannomu, bitten, begehren. Tannomi, Bitte, Begehr. Tansjo nitji, Geburtstag. Taru, Stockfisch. Tarang, zu kurz kommen. Tassa nuru, fragen. Tassia, frisch, gesund. Tassia nista, Gesundheit. Tassi jori, alt. Tassuru, Ehemann. Tastena, tadsuna, Zaum. Taskani, sicher, gewiß. Tatakv, klappen, klatschen, schlagen. Tatake, jemand schlagen lassen. Tats, Drache. Tatsimuru, suchen. Tatsu, stehen. Tatsuru, tsukuru, tsumu, wohnen, bewohnen. Tattami, futtami, Matte, Fußboden-Matte. Tattuje kotoba, Sprichwort. Tauts, Pflug. Tojajassu, pfluͤgen. Tawaru, tawaruru, torruru, tawareta, stolpern, fallen, umstoßen. Te, Hand. Tekobus, geballte Faust. Te ne hi, Handschuh. Te no goi, Schnupftuch. Te ne bari, tomebari, Steck- nadel. Tefikv, leiden. Tefong, ungestalt. Tegami, Brief. So tekaki, Beyschlaͤferin. Tetenassigo, uneheliches Kind. Tema, tamma, Ball. Ten, Himmel. Jui teng, schoͤnes Wetter. Don teng, nebliges Wetter. Teppo, tippa, Jagdbuͤchse, Flinte. Tippo no tammu, Flinten- kugel. Tera, Tempel, Schule. Tesu, Wirth. Tete, toto, Vater. Tets, Eisen. Tetja kwang, eiserner Kessel. Tjidaß, eisernes Geschirr. Timbo, tembin, große Wage. Kimono tjakv suru, sich an- kleiden. Tjaire, tsjaa, Thee. Tjawang, Theetasse. Tjan, Theer. Tjannuru, theeren. Tjan suna, getheertes Tau, Schiffstau. Tjamintoseru, Buͤcher einbin- den. Tjammera fuki, Trompete. Tji, tji tji, Milch. Fuͤnfte Abtheilung. Achter Abschnitt. Tji tji, Weiberbrust. Tjibusa, Brustwarze. Onago no titi, Milchweis. Tjijau, veraͤndern. Tjijiru, pfluͤcken, abpfluͤcken. Tjimba, lahm. Tjimba fikv, hinken. Tjikifito, gliederlahm. Tjo, matji, Gasse, Straße. Tjodo, nett. Tjoosi, Gewuͤrznelke. Tjono, stono, Axt. Tjitjin, papierne Leuchte. Tju, ßune, gemein. Tjumi ju, Lection. Tjusing, Bericht, Zeitung. Tjusin suru, Bericht abstat- ten. To, Thuͤr. To, Thurm. Tage, Gipfel des Berges. Tobose, roͤthlicher Reiß. Tobu, abspringen. Todokuru, warnen. Todokuru, totokef, klagen. Togu, schleifen. Tojisi, toisi, Schleifstein. Toi, Regenmantel. To meganni, Fernglas. Toka, Zeit. Tokei, Uhr. Tokei jessi, Uhrmacher. Fitoke, Sonnenzeiger. Tosi, Jahr. Tokv, loͤsen. Tokv, Gewinn, Vortheil. Toma, Matte zum Abwischen. Tomaguru, erschrocken. Tommarige, Klaue. Tomosi abura, Lampenoͤhl. Tomot f i, Staven (Vorder- theil, Hintertheil eines Sch i ffs). Tonari fitu, Nachbar. Todomaru, torui, Aufenthalt, Wohnort. Tonaru fikv, Nachbar. Tonsosi, Kraͤuterkenner. Toobu, fliegen. Toobu fanne, Fluͤgel. Tobi, Habicht. Tori, torri, tjo, Vogel. Tori no su, Vogelbauer, Vo- gelnest. Tori no sajuru, Voͤgelgesang. Tori mootji wanna, torrimo- to, Vogelleim. Tori no fa, Feder. Torri, otori, ondari, Hahn. Metori, mendori, Henne. Tori no kabito, Federbusch, Hahnenkamm. Tookf suru, vergroͤßern. Tora, torra, Tiger. Toro, glaͤserne Leuchte. Torru, toru, nehmen, weg- nehmen, abnehmen. Uke toru, annehmen, bekom- men. Tori ussuru, hohlen lassen. Torajoru, fassen. Torimotsu, Huͤlfe. Toriagibaka, toriagikaka, Hebamme. Sjakv torru, das Maaß neh- men, messen. Fanna toru, die Nase schneu- tzen. Tosigoro, Eigenthuͤmer. Tosin, allein. Toto kurossu, morden. Stokorossi, Moͤrder. Tsaje, Rohr. Tsera, Angesicht. Tsi, moi si, mou si, Buch- stab. Tsjio, Mark. Tsjitsing, Versaͤumung. Tsuba, Von der Japanischen Sprache. Tsuba, Lippe. Tsuben suru, uͤbersetzen, ver- dolmetschen. Tsusi, Dolmetscher. Ossusi, Ober-Dolmetscher. Kosusi, Unter-Dolmetscher. Tsubomi, Knospe. Foni no tsugai, Sehne. Tsuje, Block, Klotz. Tsujoi, geraͤumig. Tsuju, tsumuru, tsugu, zap- fen, abzapfen, einschen- ken. Tsuk, Lust. Tsuki, Mond. Mikatsuki, Neumond. Mangets, Vollmond. Wassukv, Mondschein. Tsuga, kleben. Tsukv, stampfen. Tsukv, Pflug. Tsukamma tsuru, fragen. Tsume, Nagel (am Finger). Tsumu, tsutsumu, packen, aufstapeln, decken, bede- cken. Wiakv tsumu, ein Schiff be- laden. Tsutsumi, Packen, Ballen. Tsumaru, ausstopfen. Tsuna, Sand. Tsuna, tsuna no na, Seil, Tau. Tsunkv, Horn. Tsurau, ausstellen. Tsuribai, Netz. Tsurubi, Eimer. Tsusinde, andaͤchtig. Tsusuku, theuer. Tsusukf, folgen. Tsutsubi iro, irdener Topf, Kruke. Tuttami no furi, Rand an der Fußboden-Matte U Ude, Arm, Ellenbogen. Uje, Schelm, Boͤsewicht. Ukejau, ukesau, Burg. Uke toru, ukitoru, ukoro, annehmen, empfangen; be- sonders ein Geschenk. Uki jaki nikui, sein Bestes thun. Uma, Pferd. Uma kutji, Kuß. Umakutji suru, kuͤssen. Umaka, lecker. Umarefi, Geburtstag. Uma, Meer. Umi, Eiter. Unagi, Aal. U, usagi, ow, Hase, Kanin- chen. Unsing, warmes Bad. Ura, Schuhsohle. Uranau, wahrsagen. Uru, verkaufen. Ururu, untergehen. Us, Kuh, Ochs. Kinkiri usi, Ochs, Stier. Us no ko, kous, Kalb. Us no niku, Rindfleisch. Us, Muͤhle. Usu, mahlen. Usuru, Wachtel. Ussui, duͤnn. Ussu, luͤgen. Utagu, zweifeln. Uta, Lied. Utau, singen. Utai no fuse, ein Lied singen. Utjiokuru, aus der Thuͤr be- gleiten. Utsu, wutsu, schlagen, Bakkutji utsu, Wuͤrfel spie- len. Karta utsu, Karten spielen. Utskorossu, schlachten. Thunbergs Reise. 2. Bandes 1. Theil. Q Fuͤnfte Abtheil. Achter Abschn. u. s. w. Utsu, mit einem Gewehr schießen. Utsiwaro, zerbrechen. Uttokuri, Ohrfeige. Utsusu, utusu, Abschreiber. Ususi, Abschrift. Uwassa, Geruͤcht. W. Waga, eigen. Wageru, bedeuten, erklaͤren. Wagisassin, kurzer Saͤbel. Wakai, wagaki, jung. Wakai mono, juͤnger. Waka gimi, Prinz. Waka gimi gatta, Prinzessin. Wakev, absaͤgen. Waki, Seite. Wakaruru, abweichen. Wakiru, abmachen, abschlie- ßen. Wakuru, schaden. Wakwuru theilen. Wang, Tasse, Schale. Tja wang, Theetasse. Wanjit s , Ursache. Tori motji wanna, Vogelleim. Warau, lachen. Waro, Axt. Wassuru, versaͤumen. Wataru, hinuͤber gehen, zur See reisen. Watassu, verlassen. Watsuru, anstecken. Watta, baumwollne Watte. Mawatta, seidne Watte. Utsuri jammai, ansteckende Krankheit. Zahlwoͤrter . Sjoguats, der erste. Niguats, der zweyte. Sanguats, der dritte. Siguats, der vierte. Goguats, der fuͤnfte. Rokguats, der sechste. Sitsguats, der siebente. Fatsguats, der achte. Kuguats, der neunte. Sjuguats, der zehnte. Sjuitsguats, der eilfte. Sjunitsguats, der zwoͤlfte. Inhalt von des zweyten Bandes zweytem Theil. Erste Abtheilung . F ernere allgemeine Bemerkungen und Nachrichten, Ja- pan und die Japaner betreffend. Seite 1 bis 122. Erster Abschnitt. Von der Staatsverfassung, Polizey, Gesetzen und Rechts- pflege in Japan , nebst einigen andern hieher gehoͤrigen statistischen Nachrichten. Seite. 1 bis 18. Regierung des weltlichen Kaisers oder des Kubo. Unter- regenten in den Provinzen. Kurze Geschichte der verschiednen Regierungsveraͤnderungen in Japan und des Ursprungs der Regierung eines so genannten geistlichen Kaisers, oder des Dairi. Namen und Folge der Kubo seit Kaͤmpfers Zeit. Reichsrath oder Staatsrath. Einkuͤnfte des Kubo. Seite 1 bis 7. Regierung des Dairi als Oberhaupts in Religions und gottesdienstlichen Sachen. Heiligkeit und Verehrung dessel- ben. Seine Residenz, Hofstaat und Gemahlinnen. Akade- mie an seinem Hofe. Einkuͤnfte und Gerechtsame des Dairi. Jaͤhrliche Gesandschaft des Kubo an ihn. Namen und Folge der Dairi seit Kaͤmpfers Zeit. Seite 7 bis 11. Ordnung und Polizey in den Staͤdten. Stadtobrigkeiten und staͤdtische Bediente, Feuerloͤschanstalten, Polizey in den Wirthshaͤusern, aͤußre Einrichtung der Staͤdte. Einrichtung * Inhalt . der Doͤrfer. Verschiedne andre oͤffentliche Einrichtungen im Lande. Seite 11 bis 13. Amtseid der oͤffentlichen Beamten. Strenge und unpar- theyische Handhabung der Gesetze. Lebens- und andre Stra- fen; Strenge derselben. Gefaͤngnisse. Richtplaͤtze. Selten- heit der Verbrechen. Viele Gesetze ohne angedrohete Strafe. Oeffentliche Kundmachung der Gesetze. Abgaben an den Ku- bo und an die Landschaftsfuͤrsten. Allgemeine Anmerkungeu uͤber die Einrichtungen in Japan . Seite 13 bis 18. Zweyter Abschnitt. Religion der Japaner, und was sich darauf bezieht. Seite 18 bis 36. Geistliches Oberhaupt. Abbildung der Goͤtter. Tempel und deren Einrichtung. Priester. Gottesdienst. Wallfahr- ten nach einigen besonders heiligen Tempeln. Die beyden Hauptreligionen. Die Religion Sinto: Grundsaͤtze derselben; Tempel, Gottesdienst, Priester der Sintoisten. Die Religion Budsdo und deren Eigenthuͤmliches. Geistliche Orden; Orden der Blinden; Bergmoͤnche; Nonnenkloͤster; Ordensoberhaͤupter. Praͤlaten. Religioͤse Geluͤbde. Seite 18 bis 27. Feste und Feyertage: monathliche Feste; Neujahrsfest; andre jaͤhrliche Feste; das Laternen- oder Lampenfest; das Fest Matsuri. Hochzeiten und Trauung. Beerdigung und Verbrennung der Todten; Trauer um die Verstorbenen. Seite 27 bis 32. Philosophen und Sittenlehrer: Sittenlehre des Con- fucius . Geschichte der Einfuͤhrung, Ausbreitung und Vertil- gung des Christenthums. Seite 32 bis 36. Dritter Abschnitt. Zustand der Wissenschaften, Kuͤnste und dergleichen in Japan . Seite 36 bis 55. Inhalt . Schlechter Zustand der Wissenschaften. Vaterlaͤndische Geschichte. Oekonomische Wissenschaften. Astronomie. Me- dicin: Aerzte; Wundaͤrzte; Brennen mit Moxa; Stechen mit Nadeln; Behandlung innerlicher Krankheiten; Aderlas- sen; gewoͤhnliche Krankheiten: Kolik, triefende Augen, Diar- rhoͤe und rothe Ruhr, Kinderpocken, besondre Art Friesel, venerische Krankheiten und deren Behandlung: Rechtsgelehr- samkeit. Sittenlehre. Studium fremder Sprachen. Kriegs- wissenschaft. Buchdruckerkunst; Beschreibung einiger gedruckten Japanischen Buͤcher. Kupferstecherkunst. Feldmeßkunst; geogra- phische und topograhische Karten. Schreibkunst: Dichtkunst. Mu- sik. Schauspielkunst; Beschreibung der Schauspiele und Theater. Tanzkunst; pantomimische Taͤnze. Academie und Universitaͤt am Hofe des Dairi. Oeffentliche Schulen. Erziehung der Kinder. Seite 36 bis 50. Manufactur- und Kunstarbeiten; Handwerker. Lackirte Arbeit; Zubereitung des Lackfirnis. Arbeit von Sowas. Glasarbeit. Uhrmacherkunst. Verarbeitung der Metalle. Stahlarbeit. Verfertigung des Papiers. Porcellain. Meublen. Seite 50 bis 54. Steuermanuskunst. Kompaß. Seite 54 und 55. Vierter Abschnitt. Von der Landwirthschaft, besonders dem Ackerbau der Japaner. Seite 55 bis 73. Vorzuͤglicher Flor des Ackerbaues, und die Ursachen, welche ihn so sehr befoͤrdern; Zustand des Landmanns und Bauers; Sorgfalt jeden Fleck Erde zu bestellen. Waͤsserung der Reisfelder. Sammlung aller Arten Dung, und Art zu duͤngen. Gaͤnzlicher Mangel an Unkraut. Feld und Gar- tenland ohne Befriedigung. Umgraben und Pfluͤgen. Be- stellung der Reisfelder; Reiserndte und Droͤschen des Rei- ßes; Buchweizen; Weizen; Gerste. Eintheilung der Aecker in schmale Beete. Besaͤung des Stoppelfeldes. Ruͤbsaamen. *2 Inhalt . Droͤschen des Getreides. Bohnen, Sojabohnen, Erbsen, Linsen und verschiedne andre Feldgewaͤchse. Seite 55 bis 66. Gartengewaͤchse, Baumzucht, Gewuͤrzgewaͤchse, Hopfen, Baͤume und Blumen zur Zierde. Seite 66 bis 68. Faͤrbekraͤuter. Baumwoll- und Seidenbau. Firnis- Fichten , Cedernbaͤume, Bambosrohr, Kampferbaͤume, Be- reitung des Kampfers. Theestauden; Pfluͤcken und Trocknen der Theeblaͤtter. Zuckerahorn. Seite 68 bis 72. Viehzucht. Fischerey. Seite 72. 73. Fuͤnfter Abschnitt. Vom Handel der Japaner. Seite 74 bis 81. Bluͤhender Zustand des inlaͤndischen Handels. Gegen- staͤnde des Japanischen Handels. Kramwaaren und Kram- buden. Handel mit den Chinesern. Geschichte des vormahli- gen Handels der Portugiesen mit den Japanern. Anfang, ehemaliger Flor und allmaͤhlige Abnahme des hollaͤndischen Handels nach Japan . Seite 74 bis 81. Sechster Abschnitt. Von den Waffen; den Speisen und Getraͤnken der Ja- paner ; wie auch noch Verschiednes von ihren Sitten und Gewohnheiten, Muͤnzen, Kleidungen und derglei- chen. Seite 81 bis 99. Bogen und Pfeil; Schießgewehr; Kanonen; Saͤbel; deren Vortrefflichkeit und Art den Saͤbel zu tragen. Seite 81 bis 84. Reis statt Brodts, Misosuppe, Fische, Federvieh. Sup- pen und Bruͤhen; Sojabruͤhe; Bereitung der Soja; ver- schiedene Oele statt Butter; taͤgliche Zeiten des Essens; Art die Speisen vorzusetzen; Ordnung der Gerichte und Art zu essen. Sakki; Thee; Art diese zu trinken. Seite 84 bis 91. Gebrauch des Rauchtobacks; Art zu rauchen; Pfeifen und dergleichen. Seite 91. 92. Inhalt . Art zu Waͤgen mit Schnellwagen. Rechenbretter. Seite 92. Große goldne Muͤnzen; Abbildung des Gottes des Reich- thums; Aufreihen des kleinen Kupfergeldes auf Schnuͤre; chinesische Pfennige. Seite 93 bis 96. Pettschaffte; Art zu untersiegeln; Buchdruckerschwaͤrze. Lampenoͤl. Verfertigung der Fußbodenmatten. Seite 96 und 97. Noch einige Gewohnheiten der Japaner. Seite 97 bis 99. Siebenter Abschnitt. Von der Japanischen Sprache. Seite 99 bis 111. Verwechselung der Buchstaben. Gleichlautende Woͤrter. Wegwerfung der Vokale. Zusammengesetzte Verba. Endung der Perfecta und Participia. Verbindung zweyer Substan- tiven. Pronomina. Partikeln. Zahlwoͤrter. Auslaͤndische Woͤrter. Conjugation und Gebrauch der Verba; Formirung ganzer Saͤtze. Seite 99 bis 111. Achter Abschnitt. Einige allgemeine zoologische und mineralogische Nachrich- ten. Seite 112 bis 122. Saͤugthiere; Voͤgel, Amphibien; Fische; Insecten; Kon- chylien; Wuͤrmer. Seite 112 bis 120. Gold; Silber; Kupfer; Eisen; Bernstein; Schwefel; Steinkohlen; Agat. Seite 120 bis 122. Zweyte Abtheilung . Aufenthalt auf Dezima nach der Zuruͤckkunft von Jedo bis zur Ruͤckreise nach Batavia . Seite 123 bis 129. Botanische Spaziergaͤnge um Nangasacki und dabey ge- machte Bemerkungen. Ankunft der hollaͤndischen Schiffe. *3 Inhalt . Trauer um den verstorbenen Fuͤrsten von Owari . Ankunft des neuen Kaiserlichen Gouverneurs von Nangasacki . Ruͤck- reise nach Batavia . Seite 123 bis 129. Dritte Abtheilung . Zweyter Aufenthalt zu Batavia vom 4ten Junius bis 5ten Julius 1777. Seite 129 bis 162. Erster Abschnitt . Aufenthalt zu Batavia , und erste Reise in das Innere von Java . Seite 129 bis 149. Ruͤckkunft des Verfassers nach Batavia . Große Mor- talitaͤt daselbst. Neuer Generalgouverneur. Von dem Verfasser mitgebrachtes Verzeichniß der Japanischen Re- genten. Abhandlungen der gelehrten Gesellschaft zu Batavia . Regnigtes Wetter in diesen Monathen. Neujahrstag der Chineser. Seite 129 bis 133. Reise ins Innere des Landes. Cheribon ; Vulkane in dieser Gegend; Erdbeben. Schlangen. Veraͤnderung der Passatwinde seit mehrern Jahren. Versorgung des Schiffs mit schlechtem Zucker. Samarang ; Statthalter daselbst. Fie- ber-Krankheit des Verfassers. Salatiga . Kopping . Indi- sche Feigenbaͤume. Brennesselstrauch. Stier- und Tigerge- fechte. Tundang . Huͤtte von Bamborohr. Tanzlustbarkeit der Javaner. Menge von Muͤcken. Pflanzen und Gewaͤchse in dieser Gegend, die medicinischen Nutzen haben. Kraͤnze zum Putz von Nachtblumen. Beschreibung der Kaffeeplanta- gen. Gelegenheit fuͤr den Verfasser, den Staar zu stechen. Japara . Resident van der Beeck . Nachtquartier bey einem javaschen Fuͤrsten. Juana . Abnahme des Wassers an dieser Kuͤste. Seeraͤuber. Seite 133 bis 149. Inhalt . Zweyter Abschnitt . Fernerer Aufenthalt zu Batavia , und zweyte Reise ins Innere des Landes. Seite 149 bis 162. Dienst auf dem Krankenschiffe. Ingenieur-Capitain Wimmercranz . Seite 149. 150. Reise nach dem warmen Bade und den blauen Bergen . Buytenzorg . Warmes Bad; Beschreibung desselben. Klima. Europaͤische und javanische Gewaͤchse. Seltsame Art Affen. Reiher. Pandogede ; Berge daselbst. Heilige Bilder. Wilde Pfauen. Inschrift auf einem Steine. Berg, in dessen Hoͤh- len die Schwalben nisten, welche die indianischen Vogelnester bauen. Mahlzeit bey einem Japanischen Landesobersten. Merk- wuͤrdiges Echo. Seite 150 bis 156. Aufenthalt der Chineser unter den Javanern. Schuh und Stiefel der Chineser. Große Zahl der Verstorbnen im Hospitale zu Batavia . Veranlassung der Wegreise des Ver- fassers. Jacatra . Unordentliches Leben der Europaͤer zu Ba- tavia . Europaͤer in Java vor den Hollaͤndern. Religionen in Java . Javasche Producte, die exportirt werden. Noch etwas von Javaschen Muͤnzen. Seite 156 bis 162. Vierte Abtheilung . Reise von Batavia nach Ceylon und Aufenthalt da- selbst, vom 5ten Julius 1777 bis den 6ten Fe- bruar 1778. Erster Abschnitt . Beschreibung der Reise nach Ceylon und des Aufenthalts daselbst, wie auch einiger Reisen in diesem Lande. Seite 163 bis 174. Abreise von Batavia ; Anjer; Wasser daselbst. Pisang. Spanische Rohre. Handelswaaren der Schiffsofficiere. Ge- *4 Inhalt . fahr auf eine Sandbank zu gerathen. Ankunft zu Columbo . Gouverneur Falk . Bekanntschaften und Landsleute des Ver- fassers zu Columbo ; Beschreibung der Stadt. Luft. Botani- sche Spaziergaͤnge. Lustschloß des Gouverneurs. Seite 163 bis 168. Zwey Reisen nach Mature . Weg dahin, Mangel an Bruͤcken. Haͤuser zum Einkehren an der Landstraße. Ver- schiedne Forts. Barbary . Gale . Malabarische Krankheit. Graf Ranzow ; Edelsteine. Seite 168 bis 171. Abgesandte vom Kaiser zu Candy und an ihn. Feyer der Installirung des bataviaschen Generalgouverneurs. Aner- biethen nach Cochin zu reisen. Reise nach Negumbo . Affen- stein. Einige Vorfaͤlle zu Columbo . Seite 171 bis 174. Zweyter Abschnitt. Zoologische Merkwuͤrdigkeiten, besonders vom Elephanten. Seite 174 bis 184. Ochsen. Seite 174. Elephanten. Art sie zu fangen und zu zaͤhmen. Besich- tigung, Messung und Verkauf derselben. Gemuͤthsart und Nahrung des Elephanten. Ihr Fang durch zahme Weibchen. Leichtigkeit sie zu regieren. Ihr Gebrauch vor Karren. Ihr Gang. Empfindlichkeit des Ruͤssels. Schießen der Elefanten; eine Kugel in einem Zahne gefunden. Unbaͤndigkeit der cap- schen Elephanten. Seite 174 bis 180. Ameisenfresser. Ceylonsche Meerkatzen. Eichhoͤrnchen. Stachelschweine. Schlangenbeschwoͤrer. Skorpione. Blut- igel. Perlenfischerey. Seite 180 bis 184. Dritter Abschnitt Vom Kaneel. Seite 185 bis 196. Vorzug des Ceylonschen Kaneels. Zimmetbaum. Gegend wo die besten wachsen. Gutes Fortkommen der Kaneelplan- Inhalt . tagen; bisherige Versuche damit. Bestes Erdreich fuͤr die Zimmethaͤume. Kaneelstoͤcke. Jaͤhrliches Sammeln des Ka- neels. Kaneelwaͤlder. Lieferung des Kaneels. Vorgesetzte der Kaneelschaͤler. Verrichtung des Schaͤlens. Seite 185 bis 190. Aechte und unaͤchte Kaneelbaͤume; neun verschiedne Arten derselben. Sorgfaͤltige Untersuchung der Guͤte des Kaneels durch die Aerzte. Kennzeichen der Guͤte und der Verdorben- heit. Waͤhrend des Transports nach Europa verdorbner Ka- neel. Einpacken des Kaneels. Seite 190 bis 194. Kaneeloͤl; Destillirung desselben. Holz des Kaneelbaums. Seite 195 und 196. Vierter Abschnitt. Andre botanische Nachrichten, besonders von der Brod- frucht. Seite 196 bis 214. Brodfrucht. Zwey Arten davon. Beschreibung des Baums. Art sie zu essen, theils roh, theils zubereitet; theils reif, theils unreif. Funfzehn verschiedne Gerichte und Zube- reitungsarten des Fleisches, der Kerne und der Haͤute, ge- kocht, gebraten, gebacken, eingemacht, getrocknet; Confect und Bruͤhen. Bemuͤhung des Verfassers, Wurzeln und Kerne, gepflanzt und ungepflanzt mit nach Europa zu bringen. Seite 196 bis 202. Kokoswaͤlder; Kokosbaͤume; Blaͤtter als Leitern gebraucht; Nuͤsse; Oel davon; Seile und Taue aus den Fasern um die Nuͤsse. Gebrauch des Holzes zu Pfaͤhlen. Maldivische Ko- kosnuͤsse oder Seekalappen. Seite 202 bis 204. Arekabaͤume. Melanzanaͤpfel. Gebrauch verschiedner cei- lonscher Fruͤchte, besonders der Panningai. Seite 204. Barringtonie. Juckende Bohnen. Klapperschoten. Co- lombowurzel. Fischkoͤrnermohnsaamen. Boerhavie. Morin- gawurzel. Osterluzey. Schlingen. Ipecacuanha. Stink- baum. Schlangenholz. Eibisch. — Bey jedem dieser Ge- waͤchse und Baͤume der medicinische Gebrauch. S. 205 bis 209. Inhalt . Burmannie. Kardomom. Betelpfefferbaum. Schlangen- zunge. Hecken von Jarrokbaͤumen. Lackcroton. Weinpalme und Talpatbaum; Gebrauch der Blaͤtter zu Schirmen. Goͤtzen- feigenbaum. Praͤchtige Blumen. Kalaminderholz. S. 209 bis 213. Kaffeeplantagen. Reis. Seite 213 und 214. Fuͤnfter Abschnitt. Von den Edelsteinen und andern Mineralien in Ceylon . Seite 214 bis 226. Edelsteine. Rother Turmalin. Blauer Turmalin. Katzen- auge. Weißer Kristall. Amethist. Wassersapphir. Gelber Kristall. Brauner Kristall. Hyacinth. Topas. Weißer Tur- malin. Gruͤner Turmalin. Gelber Turmalin. Schwarzer Kristall. Robal. Kaneelstein. Rubin. Blauer Sapphir. Gruͤner Sapphir. Taripo. Electrischer Turmalin. — Bey jedem die Eigenschaften und der Gebrauch der Edelsteine. S. 214 bis 223. Verkauf der Edelsteine: unaͤchte und falsche. Oerter wo sie gegraben werden. Art des Grabens und Waschens. Verpach- tung und Wiederverkauf des Rechts sie zu graben. Schleifen der Edelsteine. Seite 223 bis 226. Eisenerz. Glimmer. Wasserbley. Stahlstein. S. 226. Sechster Abschnitt. Allerley andre Nachrichten von Ceylon ; Einwohner, Reli- gion, Sitten und Gewohnheiten, Sprache, Muͤnzen und dergleichen betreffend. Seite 227 bis 240. Gebiet der Hollaͤnder und des Kaisers zu Candy . Stadt Candy . Adamsberg . Mohren in Ceylon . Einfuͤhrung und Fortdauer der christlichen Religion. Jaͤhrliche Ankunft eines Missionairs von Trankebar , um lutherischen Gottesdienst zu halten. Heidenthum in Ceylon ; Verehrung des Budha; Opfer: Goͤtterbilder. Muhammedanischer Gottesdienst der Mohren. Seite 227 bis 230. Inhalt . Buchdruckerey zu Columbo ; daselbst gedruckte Buͤcher. Ba- den am Strande. Art zu reisen; Palankine . Goldne Hals- ketten der vornehmen Ceyloner. Kleidung der Mohren; Tur- ban; große goldne Ohrgehaͤnge. Feinheit der baumwollnen Zeuge. Seite 230 bis 233. Gegengifte; Schlangenstein; dessen Verfertigung und Gebrauch. Vorassus- und Talpatblaͤtter statt Papiers. Art darauf zu schreiben: Griffel; Buͤcher. Ceylonsche und malaba- rische Sprache; Zahlwoͤrter der letzteren. Seite 233. bis 237. Muͤnzen: cylinderfoͤrmige silberne; Rupien und Pagoden. Goldne und silberne Scheidemuͤnzen. Bleyerne und kupferne Muͤnzen. Seite 237 bis 240. Fuͤnfte Abtheilung . Ruͤckreise nach Schweden vom 28sten Januar 1778 bis den 14ten Maͤrz 1779. Erster Abschnitt . Reise von Ceylon nach Holland . Seite 241 bis 256. Hafen zu Gale . Ladung des Schiffs. Untersuchung der Sklaven wegen Pocken und Masern. Electrisches Feuer oben um die Maste. Leuchtwuͤrmer. Regenbogen auf der Oberflaͤche des Wassers. Wasserziehende Wirbel. Malacaßvoͤgel. Zerstoͤ- rung der jungen Brodfruchtschoͤßlinge. Venerische Krankheiten auf dem Schiffe. Ankunft bey Cap . Besuch in der Stadt. Sonderbarer Vorfall mit einem afrikanischen Zwiebelgewaͤchse. Verschoͤnerung und Erweiterung der Stadt. Schlechte Erndte und Theurung im Lande. Ein englischer Gaͤrtner. Von den Officieren mitgenommene Waaren. Seite 241 bis 247. Abreise von Cap . Baviane auf dem Schiffe. Absonderung des Commandeurschiffes. Enten- und Gaͤnsemuscheln. Insel St. Helena . Ascensionsinsel . Die Sonne im Scheitelpuncte. Inhalt . Schwimmender Tang; Seegraskriecher. Cap Lizard . Convoy von Kriegsschiffen. Dover und Calais . Heftiger Sturm und große Gefahr. Zerstoͤrung aller mitgenommenen Baͤume. Te- xel . Grausame Behandlung eines Schiffschirurgus. Stein in der Blase eines Schweins. Seite 248 bis 256. Zweyter Abschnitt. Aufenhalt in Holland und zu London , und Reise nach Schweden . Seite 257 bis 263. Amsterdam . Van der Meulens Voͤgel- und Insectensamm- lung. Van der Poll , van der Deutz und ten Haften, und de- ren Pflanzungen seltner Baͤume; japanische Baͤume und Stau- den. Insecten- und Thiersammlung zu Harlem . Abhaltung der Winterschmetterlinge von den Baͤumen. Sammlung der Zodiakrupien. Haag . Lyonets Cabinett. Sturm im Kanale. Seite. 257 bis 260. London . Banks : dessen Herbarium. Andre merkwuͤrdige Sammlungen. Kaͤmpfers Handschriften und Kraͤutersammlung. Botanische Gaͤrten um London . Miß Lees Insectensammlung. Banks Sammlung von Gewaͤchsen von den Suͤdseeinseln , und naturhistorische Bibliothek. Seite 260 bis 262. Ruͤckreise nach Amsterdam . Reise nach Stralsund . Greifs- wald . Reise nach Ystad . Seite 262 und 263. Erste Karl Peter Thunbergs Reisen. Zweyten Bandes zweyter Theil . Beschluß der Nachrichten von Japan und den Japanern. Ruͤckkunft des Verfassers nach Batavia und Reise in das Innere der Insel Java . Reise nach der Insel Ceylon und Aufenthalt daselbst. Ruͤckreise nach Schweden . Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. A Erste Abtheilung . Fernere allgemeine Bemerkungen und Nach- richten, Japan und die Japaner betreffend zu Ergaͤnzung der im Vorhergehenden bereits mitgetheilten. Erster Abschnitt. Staatsverfassung, Polizey, Gesetze und Rechts- pflege in Japan , nebst einigen andern statisti- schen Nachrichten von diesem Reiche. J apan ist bekanntlich auf allen Seiten von Wasser umflossen, und besteht aus drey großen, und einer zahlreichen Menge kleiner Inseln. Alle diese werden in sieben Theile, und diese wieder in acht und sechzig Land- schaften, und in sechs hundert und vier Gerichtsbezirke eingetheilt. Jetzt ist der Kubo, oder der sogenannte weltliche Kaiser, Herr dieses ganzen Landes, und unter ihm re- gieret ein Prinz oder Fuͤrst in jeder Landschaft. Die groͤßeren von diesen Fuͤrsten heißen Daimio, und die kleineren, Siomio. Wenn einer von ihnen einen Feh- ler begeht, hat der Kaiser das Recht ihn abzusetzen, auf eine Insel zu verweisen, oder selbst am Leben zu strafen. A 2 Erste Abtheilung. Erster Abschnitt. Alle diese Fuͤrsten sind schuldig, jaͤhrlich eine Reise nach Hofe zu machen, sich daselbst sechs Monath lang aufzuhalten, und ihre ganze Familie, zum Unterpfande ihrer Treue dort allezeit wohnen zu lassen. Im ersten Theile dieses Bandes habe ich Gelegenheit gehabt, die- ser Reisen umstaͤndlicher zu erwaͤhnen. Der Fuͤrst selbst restdirt in der ihm anvertraueten Provinz, und ist dem Kaiser, in Ruͤcksicht auf seine Provinz sowohl, als auf sein persoͤnliches Thun und Lassen verantwortlich. Ihm ge- hoͤren die saͤmmtlichen Einkuͤnfte aus seiner Provinz; davon muß er aber auch seinen Hof, seine Kriegs- macht, die Landstraßen und dergleichen unterhalten, und seine jaͤhrliche Hofreise, mit einem der Groͤße und Be- traͤchtlichkeit seines Gouvernements angemeßnen Staat und Prunk, bestreiten, desgleichen ansehnliche Geschenke mit nach Hose bringen. Die Staͤdte, wo solche Fuͤr- sten ihre Hofhaltung haben, sind meistens von bedeu- tender Groͤße, liegen an einem Hafen oder großen Flusse, und sind mit Wall und Graben umgeben. Das Schloß des Fuͤrsten liegt gewoͤhnlich an einem Ende der Stadt; es ist von weitlaͤuftigem Umfange, von Mauern und Graͤben eingeschlossen, mit starken Thoren versehen, und mit hohen Thuͤrmen geziert. Gemeiniglich besteht es, wie das Schloß des Kaisers zu Jedo , aus drey Abtheilungen, deren jede fuͤr sich gut befestigt, und wovon die innerste fuͤr den Fuͤrsten selbst; die zweyte fuͤr den vornehmern Hofstaat, und die erste, oder aͤussere, fuͤr das Militair und die gerin- gern Hofbedienten ist. In Ansehung des Schlosses und Hofes des welt- lichen Kaisers verweise ich auf dasjenige, was ich bey Gelegenheit meines Aufenthalts in Jedo davon ge- sagt habe. Staatsverfass. Polizey, Gesetze ꝛc. in Japan . Der Kubo genießt, ausser den ansehnlichen Ge- schenken die jeder Fuͤrst von den Produkten seiner Landschaft ihm jaͤhrlich bringen muß, noch besondre Einkuͤnfte aus einigen sogenannten Kaiserlichen Pro- vinzen, die man Kron- oder Domanialprovinzen nen- nen koͤnnte, und deren fuͤnf sind, desgleichen aus einigen Kaiserlichen Staͤdten, die von Gouverneuren oder Bugio regiert werden. Die Abgaben werden in Produkten und Waaren jeder Landschaft oder Stadt abgetragen. Die fuͤnf Kaiserlichen Kronlaͤnder lie- fern 148 Man und 1200 Kokf Reis, welches ungefehr 44 Billionen und 400 Millionen Saͤcke ausmacht. Das Man haͤlt 100,000 Kokf, ein Kokf 300 Balis oder Saͤcke, und jeder Sack uͤber ein Ließpfund. Die Einkuͤnfte aus ganz Japan belaufen sich wenigstens auf 2328 Man, 6200 Kokf. Der Kaiser ist zwar der oberste Herrscher, doch lenkt er das Ruder der Regierung nicht allein, sondern gemeinschaftlich mit einem Staatsrath, der aus sechs, gewoͤhnlich etwas bejahrten und vorzuͤglich verstaͤndigen, Maͤnnern besteht. In den aͤltesten Zeiten, welche in Dunkel und Ungewißheit eingehuͤllt sind, scheint Japan , wie andre Laͤnder, von Hausvaͤtern oder kleinern Fuͤrsten regiert worden zu seyn, die sich hernach unter Ein Oberhaupt vereinigt haben. Die zuverlaͤssige Geschichte von den Japanschen Re- genten nimmt mit dem Jahr 660. vor Christi Geburt ihren Anfang, da die Regierung einem gewissen Syn Mu , aus einem angesehenen Geschlechte, das den Na- men Tensio Dai Sin fuͤhrte, uͤbergeben wurde. Die- ser Syn Mu ist der erste Stifter der Monarchie in Ja- pan , er hat eine richtige Zeitrechnung eingefuͤhrt, A 3 Erste Abtheilung. Erster Abschnitt. welche der Aere Nin O den Namen gegeben hat, und sowohl die Regierungsform und Verfassung selbst, als auch die Gesetze verbessert. Die Regenten aus diesem Stamme hießen gewoͤhnlich Dairi, selten Mikaddo, Dai, Tai, Tense oder Do. Hundert und neunzehn Dairi haben bis zur Zeit meines Aufenthalts in diesem Lande, nach einander den Thron bestiegen, doch ist ihre Macht und Gewalt, in drey verschiedenen Zeitperio- den, sehr verschieden gewesen. Bis 1142. regierte der Dairi, ohne alle Mit- wuͤrkung, allein und unumschraͤnkt. Von jener Zeit an, bis auf das Jahr 1585. war die weltliche Macht zwischen diesem aͤltesten und rechtmaͤßigen Beherrscher des Reichs, und dem sogenannten weltlichen Re- genten, oder Generalissimus uͤber die Armee, getheilt. Endlich von 1585. an, hat sich seine Gewalt nur auf das erstreckt, was Religion und Gottesdienst, oder wenn ich so sagen kann, die Kirche , betrifft. Der unumschraͤnkten Monarchen aus dem Geschlech- te der Dairi, waren bis 1142. sechs und siebenzig gewesen. In diesem Jahre entstanden innerliche Unruhen zwischen den Fuͤrsten oder Unterregenten der Provinzen, welche un- gluͤckliche, buͤrgerliche Kriege zur Folge hatten. Um diesen ein Ende zu machen, wurde die Oberbefehlsha- berschaft uͤber die Kriegsmacht, einem gewissen Joritomo , mit dem Titel eines Generalissimus, aufgetragen. Dieser tapfre Feldherr daͤmpfte zwar die entstandenen Unruhen, zog aber auch einen großen Theil der Kai- serlichen Gewalt an sich, und vererbte diesen Antheil auf seine Nachfolger. So blieb die Herrschaft bis zum Jahre 1585. zwischen dem Dairi und dem Reichsfeld- herrn getheilt. Um diese Zeit aber, hatte ein Bauern- fohn, Taiko Sama , sich zum obersten Kriegsbefehls- Staatsverfass. Polizey, Gesetze ꝛc. in Japan . haber hinauf geschwungen. Dieser zwang alle Fuͤrsten der Provinzen sich ihm zu unterwerfen, und beraubte endlich den Dairi aller Macht, die er bisher in weltli- chen Angelegenheiten und der Regierung des Landes gehabt hatte. Von Joritomo , welcher der erste be- sondre weltliche Monarch war, bis auf Je Baru , der zu meiner Zeit regierte, haben ein und vierzig Ku- bo regiert und zu Jedo residirt. Als Kaͤmpfer im Jahr 1693. aus diesem Lande abreisete, regierte noch der Kubo Tjinajos ; er war damahls im drey und vier- zigsten Jahr seines Alters und im zwoͤlften seiner Re- gierung, die in allem neun und zwanzig Jahre gewaͤhrt hat. Ihm sind gefolgt; Je Nob Koo , regierte von 1709 bis 1712; Je Tsu Ku Koo , von 1713 bis 1716; Josi Mune Koo , von 1716 bis 1751; Je Singe Koo , von 1751 bis 1761; da der bey meiner Abreise 1776. noch regierende Kubo, Je Far Koo , den Thron bestieg. Außer dem Kubo ist also, wie gesagt, noch ein Regent vorhanden, den die Hollaͤnder den geistlichen Kaiser nennen, und dessen Macht gegenwaͤrtig auf die Angelegenheiten, welche die Religion und das Kirchenwe- sen betreffen, eingeschraͤnkt ist, obwohl er in gerader und ununterbrochener Linie, die vor mehr als zweytausend Jahren ihren Anfang nahm, von dem aͤltesten Allein- herrscher des Reichs abstammt. Dies ist der Dairi. Diesem Dairi, oder Pabste, wird nun eine ganz unbeschraͤnkte, gleichsam goͤttliche Verehrung bewiesen. Seine Person wird fuͤr heilig angesehen, und zwar fuͤr allzuheilig, als daß er von irgend einem andern als denen zu seiner Bedienung verordneten Personen, am wenigsten von einer fremden Mannsperson, gesehen werden, oder auch nur sich der Luft und Sonne aussetzen duͤrfte. Daher kommt er selten aus seinen Zimmern; will er A 4 Erste Abtheilung. Erster Abschnitt. hoͤchstens einmahl im Garten frische Luft schoͤpfen, so wird er, von dazu bestellten Traͤgern, auf den Schultern dorthin getragen, zuvor aber wird ein Zeichen gegeben, daß Jederman sich entfernen und Niemand ihn sehen moͤge. In den wenigen Tagen da wir uns in seiner Residenzstadt aufhielten, geruhere er einmal in dem innern Bezirke sei- nes Schlosses unter freyem Himmel frische Luft zu schoͤ- pfen, welches dann durch ein besonderes Zeichen von der Mauer rund um das Schloß kund gethan ward. Er wird gebohren, lebt und stirbt in dem Bezirke sei- nes Hofes, findet und genießt alle Vergnuͤgungen in- nerhalb desselben, und kommt in seinem ganzen Leben nicht heraus. Seine Haare, Naͤgel und Bart duͤrfen nicht am Tage gereinigt oder beschnitten werden, son- dern dies muß, ohne Zweifel ebenfalls seiner Heiligkeit wegen, heimlich, des Nachts wenn er schlaͤft, gesche- hen. Er speiset jedesmahl von neuen Tellern und Schuͤsseln, welche hernach gewoͤhnlich entzwey geschla- gen werden, um zu verhuͤten, daß sie nicht in unhei- lige Haͤnde fallen. Sein Tischgeraͤth besteht daher nur aus den schlechtern Sorten von Porcellain. Eben diese Art von Aufwand, herrscht auch mit seinen Kleidungsstuͤcken, die aber, wenn er sie einmal gebraucht hat, nicht zerrissen, sondern an seine Hofbediente weggeschenkt werden. Ausser am Hofe weiß niemand, oder doch gewiß nur sehr we- nige, seinen Namen ehe, als lange nach seinem Tode. Sein ganzer Hof, an welchem viel Pracht und Aufwand, jedoch jetzt nicht mehr so sehr als ehemals herrscht, besteht fast nur aus Personen von seiner eignen Verwandschaft, welche aber auch alle Aemter und Bedienungen bey Hofe, und die eintraͤglichsten Pralaturen und geistlichen Pfruͤnden im Lande bekom- men. Er hat zwoͤlf Gemahlinnen, von welchen eine die Vornehmste, oder Kaiserinn ist. Staatsverfass. Polizey, Gesetze ꝛc. in Japan . In alten Zeiten hielt er seinen Hof, wo es ihm beliebte, bald an diesem, bald an jenem Orte. Jetzt residirt er unabaͤnderlich in der Stadt Miako . Der Schloßbezirk ist von großem Umfange, und macht fuͤr sich selbst schon eine ansehnliche Stadt aus. Er ist mit Mauern, Graͤben, Bollwerken und Thoren ver- sehen. In der Mitte steht der Pallast des Dairi, der mit hohen Thuͤrmen prangt, und worin er mit seinen Gemahlinnen wohnt. Rund umher sind die Wohnungen fuͤr seinen hohen und niedern Hofstaak, fuͤr seine zahlreiche Dienerschaft, und fuͤr die Priester, welches die Gelehrten an seinem Hofe sind. Der Kubo haͤlt zu Miako , zum Dienste des Dairi, einen Statthalter, und, zur Sicherheit seiner geheilig- ten Person, eine Wache. Beyde sind aber auch dem Kubo fuͤr allen Aufruhr verantwortlich. Ihr Auf- enthalt ist ebenfalls im Umfange des Schloßbezirkes. Am Hofe des Dairi werden Wissenschaften und Gelehrsamkeit getrieben, und man kann ihn wie eine Akademie, und zwar die einzige im Lande, ansehen. Der vornehmste Hofbeamte des Dairi, ist der, welchen die Hollaͤnder den Oberrichter nennen. Er ist gleichsam sein Vicarius, oder eine Art Hofmarschall. Er besorget in seinem Namen alles an seinem Hofe, und besonders auch alle kirchliche Angelegenheiten ausserhalb desselben. Er fertigt auch die Paͤsse fuͤr alle, welche oben ins Reich, und nach dem Hofe des weltlichen Kaisers reisen, aus. Indessen wird dieser sehr ange- sehene Herr nicht vom Dairi selbst, sondern vom Kubo angesetzt, welcher gewoͤhnlich einen Mann von Jahren und Verstand, der schon wichtige und hohe Aemter bekleidet hat, und Vermoͤgen besitzt, dazu nimmt. Da aber die Einkuͤnfte dieses Ehrenamtes geringe und sehr A 5 Erste Abtheilung. Erster Abschnitt. unzureichend sind, so wird der, welcher es bekleidet, auf diesem erhabnen Posten gemeiniglich zum armen Mann. Seitdem die Macht des Dairi herabgesetzt ist, genießt er die Staatseinkuͤnfte aus der Stadt Miako und der dazu gehoͤrigen Provinz, ausserdem aber einen betraͤchtlichen Zuschuß aus der Schatzkammer des Kubo, der großen Summen nicht zu gedenken, die ihm fuͤr die Titel, welche er ertheilt, bezahlt werden. Es gehoͤret naͤmlich bis auf den heutigen Tag zu seinen Gerechtsamen, Ehrentitel zu conferiren. Selbst der Kubo und der Kronprinz bekommen Titel von seiner Hand, auch die hoͤchsten Beamten am Hofe des Kubo, wenn dieser sie dazu empfiehlt. Auch giebt es mit vor- nehmen Titeln von ihm versehene Geistliche oder Praͤ- laten, sowohl an seinem Hofe, als bey den Tempeln im Lande. Der Dairi hat noch immer den ersten Rang im ganzen Reiche, und der Kubo muß entweder in eigner Person, oder durch eine Gesandschaft, entwe- der jaͤhrlich oder nach Verlauf einer gewissen Zeit, ihm die Aufwartung machen, und, nach allgemeiner Landessitte, Geschenke mitbringen. Joritomo und andre weltliche Kaiser sind in eigner Person nach Miako gereiset, um ihm diese Huldigung zu leisten. In spaͤtern Zeiten aber hat dies mehr und mehr abgenommen, und end- lich ist es gar unterblieben. Die Fuͤrsten der Provin- zen warten aber dem Dairi nie auf solche Art feyerlich auf; auch thut es der Hollaͤndische Ambassadeur nicht auf seiner Reise nach Jedo . Als Kaͤmpfer sich in Japan aufhielt, regierte der Dairi Kinseckwo Tei , der im Jahr 1687. den Thron bestiegen hatte. Seit dieser Zeit haben folgende re- Staatsverfass. Polizey, Gesetze ꝛc. in Japan . giert: Naka no Mikaddo no In , von 1709 bis 1735; Sakkura Matie no In , von 1735 bis 1746; Momi Zon no In , von 1746 bis 1761; Zentoogozio , von 1761 bis 1769; und Figasi jamma no In von 1770 an, welcher bey meiner Abreise auf dem Throne saß. Man vergleiche hier uͤbrigens, was ich im Vorher- gehenden bey Beschreibung der Stadt Miako vom Dairi und dessen Hofe schon angefuͤhrt habe. Von der vortreflichen Polizey in Japan und den darauf sich beziehenden Einrichtungen habe ich im er- sten Theile dieses Bandes mehrmals Nachricht zu geben Gelegenheit gehabt. Besonders herrscht in allen Staͤd- ten eine fast unnachamliche Ordnung zu Aufrechthaltung oͤffentlicher Ruhe, Sicherheit, Bequemlichkeit und Wohlfahrt. Einiges hievon habe ich bey dem, was ich von den Staͤdten Nangasacki und Jedo gesagt habe, schon erwaͤhnt. Es sind naͤmlich in jeder Stadt vier Buͤrgermeister, von denen jeder ein Jahr lang den Vorsitz hat, das Wort fuͤhrt und Ninban heißt. Aus- ser diesen ist uͤber jede Straße ein Ottona gesetzt, der gleichsam ein Commissarius ist, und den Buͤrgermei- stern von allem was vorfaͤllt, Rapport abstatten muß. Er hat verschiedene Stadtdiener zu seinem Dienste unter sich. Sein Amt ist, alle, die in seiner Straße ge- bohren werden, sterben, heyrathen, verreisen, weg- ziehen oder ankommen, aufzuschreiben und die Einig- keit unter den Einwohnern zu erhalten zu suchen. Er hat das Recht, die Verbrecher gefangen zu setzen und sogar in Fesseln zu legen. Er wird von den Einwoh- nern einer Straße gewaͤhlt und aus der Casse der Straße besoldet; die Miethsleute haben aber bey sei- ner Wahl keine Stimme. Jeder Ottona hat auch drey Beysitzer zu Gehuͤlfen, einen Secretair, und einen Erste Abtheilung. Erster Abschnitt. Cassirer. Die Stadtdiener sind zugleich Spionen, die dem Ottona von allem genaue Nachricht bringen muͤssen. Jede Stadt ist mit Thoren versehen; aber auch jede Straße hat ihre besonderen Thore, die, bey entstandenen Unruhen, wenn sie verschlossen werden, alle Gemein- schaft mit andern Straßen abschneiden, so, daß keiner der Laͤrm und Unruhe anstiftet, mit der Flucht entkom- men kann; des Nachts sind sie allezeit verschlossen, so, daß niemand aus oder ein kann. Von einem solchen Thore zu einem andern sind gemeiniglich dreyßig bis sechzig Klafter. Die Hausmiethe wird monatlich be- zahlt, und zwar nach der Groͤße der Zimmer, die man bewohnt, welche nach der Anzahl der Fußbodenmatten bestimmt wird. — Von den unuͤbertreflichen Feuer- anstalten habe ich Seite 114 dieses Bandes geredet. Hier hole ich noch nach, daß die Buͤrgerschaft, sowohl Hausbesitzer als Miethsleute, zu Verhuͤtung von Feuersbruͤnsten selbst Wache halten muß. Solcher Nachtwachen sind zwey, und diese sind so unverletzlich, daß niemand bey unvermeidlicher Lebensstrafe sich an ihnen vergreifen darf. Die eine haͤlt sich allezeit auf der Hauptwache auf, und kann, wenn Gefahr vorhan- den ist, verdoppelt werden. Die andere ist die um- hergehende, welche ich am angefuͤhrten Orte beschrieben habe. Jede Straße hat ihre eigne Wache, Wach- haͤuser und Loͤschgeraͤthschaften. In allen Gasthoͤfen, Wirthshaͤusern und Kruͤgen, geht es so friedlich zu, daß man selten von Schlaͤgerey oder betrunknen Leuten hoͤrt. In jeder Stadt sind viele Wirthshaͤuser zur Be- quemlichkeit der Reisenden; diese Haͤuser sind reinlich und liegen in guten Gegenden der Stadt. Die Doͤrfer habe ich schon gelegentlich beschrieben; sie liegen meistens an den oͤffentlichen Landstraßen und Staatsverfass. Polizey, Gesetze ꝛc. in Japan . unterscheiden sich von den Staͤdten dadurch, daß sie nur Eine Straße haben und offen sind. Auch in den kleinsten Doͤrfern sind eine Menge kleiner Herbergen vorhanden, wo fuͤr Reisende Thee und andere Erfri- schungen immer in Bereitschaft gehalten werden. An den Landstraßen findet man alle zwey, hoͤch- stens alle vier, Meilen Posthaͤuser, wenn ich sie so nen- nen kann, wo allezeit Pferde und Traͤger die fuͤr Geld, Menschen, Gepaͤcke und Waaren tragen, zu haben sind. Die Taxe, wornach man diese bezahlt, ist nach der Be- schwerlichkeit und Laͤnge der Wege eingerichtet, mithin in verschiedenen Gegenden verschieden, aber genau und richtig bestimmt. So wachsam die Polizey ist, und so puͤnktlich und ordentlich ihre Einrichtungen befolgt werden, eben so strenge sind auch die Gesetze. Um so viel moͤglich zu erhalten, daß die in oͤffentlichen Aemtern stehende Personen ehrlich und zu- verlaͤssig seyn moͤgen, ist eingefuͤhrt, daß jeder, ohne Unterschied, beym Antritt seiner Bedienung, einen sehr scharfen Eid schwoͤren und solchen auch wohl jaͤhrlich er- neuern muß. Manchmahl muͤssen sie auch umwech- seln, um nicht an einem Orte zu alt und mit der Zeit verleitet zu werden. Die Wirkung der Strenge der Gesetze ist sehr groß und in die Augen fallend. Schwerlich giebt es irgend ein Land, wo weniger gegen die Gesetze gehan- delt wird. Und da nie das mindeste Ansehen der Per- son statt hat, und die Gesetze uralt, ohne Abaͤnderun- gen, Erklaͤrungen und Verdrehungen sind, so wachsen die Unterthanen nicht nur mit zuverlaͤssiger Kenntniß dessen, was sie zu thun und zu unterlassen haben, auf, Erste Abtheilung. Erster Abschnitt. sondern das Beyspiel und unstraͤfliche Betragen der Al- ten leuchtet ihnen auch darin vor. Die meisten Verbrecher werden mit dem Tode be- straft, nicht wegen Groͤße oder Geringfuͤgigkeit des Verbrechens, sondern weil man sich unterstanden hat, die geheiligten Gesetze des Reichs zu uͤbertreten, und die Gerechtigkeit zu beleidigen, welche, naͤchst der Reli- gion, fuͤr das Allerheiligste gehalten wird. Geldbuße betrachtet man als mit Gerechtigkeit und Vernunft streitend; der Reiche, glaubt man, wuͤrde dabey von aller Stafe frey und dies wuͤrde hoͤchst unrecht und un- gereimt seyn. Todtschlag wird mit der Todesstrafe ge- ahndet, und wenn er in einer Stadt oder auf oͤffentlicher Straße geschehen ist, so wird nicht nur der Moͤrder, sondern bisweilen auch die Anverwandten und Angehoͤ- rigen, ja die Nachbaren desselben, bestraft, je nachdem sie mehr oder weniger dazu mit beygetragen, oder doch die That zu hindern unterlassen haben. Den Saͤbel gegen jemand zu ziehen, kostet das Leben. Alle Schleich- haͤndler werden ohne Schonung am Leben gestraft, im- gleichen alle, die Theil daran gehabt haben, sowohl die Verkaͤufer als Kaͤufer der Waare. Alle Todesur- theile muͤssen vor der Vollziehung vom Staatsrathe zu Jedo unterschrieben werden, und vor dem Urtheils- spruche muß ein foͤrmliches Verhoͤr vor dem dazu gesetz- ten Richter und mit Abhoͤrung der Zeugen hergehen. Die Missethaͤter werden gewoͤhnlich im Gefaͤngnisse selbst, ins Geheim, mit dem Saͤbel enthauptet, wiewohl auch in einigen Faͤllen oͤffentliche Creutzigung oder andre oͤffent- liche und zwar schmerzliche Todesstrafe uͤblich ist. Ver- brecher die den Tod nicht verdient haben, werden ent- weder auf Lebenslang mit Gefangenschaft bestraft, oder nach einer entfernten Insel verwiesen, und dabey ihr Staatsverfass. Polizey, Gesetze ꝛc. in Japan . ganzes Vermoͤgen confiscirt. In den Staͤdten werden oft die Bewohner einer ganzen Straße um eines einzi- gen Verbrechers willen gestraft; der Herr wegen der Vergehung seines Knechts, die Aeltern wegen dessen, was die Kinder begangen haben, und zwar nach Ver- haͤltniß ihres Antheils an dem Vergehen. In dem durch Philosophie und lautere Religion aufgeklaͤrten Europa wird der, welcher jemand verfuͤhrt oder zum Boͤsen verleitet, selten; Aeltern und Anverwandten hingegen, welche die Erziehung ihrer Kinder und An- gehoͤrigen versaͤumten oder vernachlaͤssigten, nie be- straft: dagegen finden diese sogenannten Heiden der- gleichen Bestrafung nicht unbillig. Gefaͤngnisse sind zwar hier zu Lande, wie ander- waͤrts, sehr unangenehme Aufenthaltsoͤrter, sie werden aber reinlich und gesund gehalten, und bestehen außer den Gemaͤchern fuͤr die Gefangenen, aus einem Zim- mer zum peinlichen Verhoͤre, einem Gemache zu den Hinrichtungen, Kuͤche, Eßsaale und Badstube. Vor den Staͤdten und Doͤrfern sieht man bisweilen an der linken Seite Kreuze und Pfaͤhle aufgerichtet; dies sind die Richtplaͤtze, wo, in vorigen Zeiten mehr als heuti- ges Tages, die Delinquenten aus der Welt geschaft wurden. Da die Strafen in diesem Lande ungewoͤhnlich hart und, wie schon gesagt, die Gesetze unveraͤnderlich sind, so kann man mit Wahrheit behaupten, daß hier weit weniger Verbrechen und gesetzwidrige Handlungen begangen und bestraft werden, als in andern volkrei- chen Laͤndern, wo, außer den vielen Strafen, die jaͤhr- lich vollzogen werden, viele Verbrecher und die Gesetze uͤbertretende Personen, verborgen bleiben, Gelegen- Erste Abtheilung. Erster Abschnittt. heit zu entkommen haben, oder auf andre Art der ver- dienten Ahndung entgehen. Die Dollmetscher haben mich versichert, und ich kann nicht leugnen daß es mir sehr auffiel, daß es Gesetze gebe, denen von der Strafe der Uebertreter nichts beygefuͤgt, und daß in Beziehung auf man- che Verbrechen die Strafe nicht allgemein bekannt sey; sie glaubten aber, (vermuthlich hatten sie ihre guten Gruͤnde,) man muͤsse sich deshalb nicht weniger vor Ver- brechen und Vergehungen huͤten, wenn schon der Regent nicht fuͤr gut befunden habe, die Art der Strafe zu be- stimmen und bekannt zu machen. Damit aber nie- mand Unkunde der Gesetze vorschuͤtzen moͤge, findet man sie in allen Staͤdten und Doͤrfern, zu oͤffentlicher An- sicht und taͤglichem Durchlesen, mit großen Buchstaben geschrieben und auf einem mit Gitterwek umgebenen of- nen Platze aufgestellt, der in den Staͤdten gleich in- nerhalb des Thores und in den Doͤrfern mitten auf der Straße ist. Die Befehle dessen, was geschehen oder unterlassen werden soll, sind sehr kurz, ohne Bestim- mung der Strafe und ohne beygesetzte Drohungen. Die oͤffentlichen Abgaben der Einwohner sind in verschiedenen Provinzen und, eben so, auch in den Staͤdten und auf dem Lande, verschieden. Der Kubo bezieht, ausser den ansehnlichen Geschenken, welche er jaͤhrlich von den Provinzialfuͤrsten und den Hollaͤndern bekommt, die seinigen aus gewissen Staͤdten und Land- schaften. Die Fuͤrsten erheben die ihrigen, jeder aus seiner Provinz und den darin befindlichen Staͤdten; sie sind aber nach der Lage, dem Reichthum, dem Um- fange, der Volksmenge und dem Anbau sehr ungleich. Jeder Hauseigenthuͤmer bezahlt von seinem Hause, nach Maaßgabe der Fronte desselben an der Straße, eine festge- Staatsverfass. Polizey, Gesetze ꝛc. in Japan . festgesetzte Steuer, hiernaͤchst muß er den oͤffentlichen Beamten bestimmte Geschenke machen, auch an die Tem- pel und zum Dienst der Goͤtter eine gewisse Contribution erlegen. Die Stadt Nangasaki besteht aus ungefehr neunzig Straßen, hat zwey und sechzig Tempel und ihre saͤmmtlichen Abgaben betragen etwa drey Mangokf. Das platte Land entrichtet nach dem Ertrage des Fel- des seine Steuern, die gewoͤhnlich in Reis bestehen. In waldichten und weniger cultivirten Gegenden, sind die Auflagen geringer. Indessen sind sie im Ganzen durchgehends sehr betraͤchtlich. Ein Rentmeister, oder Vogt, treibt sie ein. Das Ackerland wird, in dieser Ruͤcksicht, nach Verschiedenheit der Fruchtbarkeit und Guͤte, in drey Klassen eingetheilt. Wer ein Stuͤck Feld urbar macht, benutzt es zwey bis drey Jahr ganz steuerfrey. Damit man immer genau wisse, wie groß eines jeden Feld sey, und wie viel davon an den Fuͤr- sten der Landschaft abgetragen werden muͤsse, wird es oft, nicht selten zweymahl des Jahrs, im Fruͤhling und in der Erndtezeit, gemessen. Gewoͤhnlich machen die Abgaben von Landguͤtern und Aeckern etwas uͤber die Haͤlfte, oft uͤber zwey Drittheil des ganzen Ertra- ges aus. Um sie genau zu bestimmen, wird ein Stuͤck Land gemessen, das Korn oder der Reis auf demselben abgeschnitten und gedroschen, und darnach ausgerech- net, wie viel das Ganze ungefaͤhr betraͤgt. Der Boden oder das Feld, gehoͤrt allezeit entweder dem Landesherrn oder dem Fuͤrsten, und der Landmann und Bauer besitzt es nur zu Lehn, so lange er es ge- hoͤrig bearbeitet. Es ist wahr, die Einrichtungen in diesem Lande kommen einem Auslaͤnder oft sonderbar vor, und nicht selten sind sie mit vielem Zwange verbunden, doch sind Thundergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. B Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. sie zum Theil gewiß vortreflich und in vielen Faͤllen noͤthig. Im Allgemeinen sind in Japan sowohl die oberste Landesregierung, als die uͤbrigen Beamten und oͤffentlichen Staatsbedienten, mehr als in den meisten andern Laͤndern, auf das Wohl des Landes, auf die Er- haltung der Ordnung und auf Sicherstellung der Unter- thanen und ihres Eigenthums bedacht. Zweyter Abschnitt . Religion der Japaner, und was sich darauf bezieht. D ie Religion ist in ganz Japan uͤberhaupt heidnisch, doch giebt es mehrere unterschiedene Secten, die gleich- wohl alle in groͤßter Eintracht, ohne Streit und Zank, mit einander leben. Jede Partey hat ihre besonderen gottesdienstlichen Gebaͤude und ihre besonderen Goͤtter. Der sogenannte geistliche Kaiser, der Dairi, ist das Oberhaupt der Kirche, gleichsam der Pabst, und ernennt die vornehmsten Priester. Ihre Goͤtter bilden die Japaner unter einer be- stimmten, meistentheils widrigen und ungeheuren Ge- stalt ab. Ueberhaupt fingiren sie sich viele Goͤtter und beynahe fuͤr jede Lebensart und Handthierung einen besondern Gott, ungefaͤhr wie die alten Griechen und Roͤmer; sie haben daher hoͤhere und niedere Goͤtter. Ein ewiges und allmaͤchtiges Wesen, hoͤher als alle an- dere Goͤtter, ist ihnen zwar nicht unbekannt, aber die Erkenntniß desselben, ist sehr in Dunkel und Aberglauben verhuͤllt. Kein heidnisches Bild die- ses hoͤchsten Gottes habe ich indessen so groß und majestaͤtisch gefunden, als hier in zwey Tempeln, in deren einem es von ganz unglaublicher Groͤße vorhan- Religion der Japaner. den ist, in dem andern aber seine unendliche Macht durch eine unzaͤhlige Menge auf beyden Seiten stehen- der kleiner Goͤtter, vorgestellt wird. Seite 127 und 128 des ersten Theils, habe ich diese Bilder, nebst den Tempeln worin sie stehen, genauer beschrieben. Der Tempel sind viele; die meisten stehen außer- halb um die Staͤdte herum, und zwar an den hoͤchsten und schoͤnsten Stellen, die Wege dahin, sind oft mit Alleen von Cypressen und mit schoͤnen Thoren geziert. In den meisten Tempeln ist ein besondrer und abgetheil- ter Platz fuͤr das Bild des Gottes, welcher bisweilen auf einem Altare sitzt, und sein Rauchwerk, Blumen und andere Zierrathen um sich her liegen hat. Die Tempel im ganzen Lande, stehen das ganze Jahr hin- durch taͤglich offen, werden aber an den gewoͤhnlichen Festtagen am haͤufigsten besucht. Viele spazieren auch bey gutem Wetter dahin, um sich da ein Vergnuͤgen zu machen. Der Priester bey jedem Tempel sind viele, ob- gleich ihre Geschaͤfte sehr geringe und wenig sind. Sie bestehen darin, den Tempel rein zu halten, die Lichte und Lampen anzuzuͤnden, und diejenigen Blumen dem Gott vorzusetzen, die ihm heilig und, der Meinung der Japaner nach, die angenehmsten sind. Oeffentlichen Gottesdienst, Religionsvortraͤge, Gesang und der- gleichen, hat man in den Tempeln gar nicht; sondern jeder, der kommt, verrichtet sein Gebet, und laͤßt et- was zur Opfergabe zuruͤck. Kein Fremder wird von den Tempeln ausgeschlossen; selbst die Hollaͤnder duͤrfen sie besuchen und werden, wenn in kleinen Staͤdten die Wirtshaͤuser besetzt sind, in dieselben einquartiert, welches, auf der Reise nach Jedo , auch uns einmal wie- derfuhr. B 2 Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Einige Tempel sind vor andern besonders merk- wuͤrdig, und zu solchen werden auch aus allen Provin- zen des Reichs Wallfahrten, wie von den Muhamme- danern nach Mekka , angestellt. Von dieser Art ist vorzuͤglich der Tempel Isie . Dieser ist dem aͤltesten Gotte des Landes, oder dem hoͤchsten himmlischen Gotte, Ten- sio Dai Sin, geweihet, und der aͤlteste im ganzen Lande, aber auch der unansehnlichste, und jetzt vor Alter dermaßen verfallen, daß er mit der groͤßten Sorg- falt kaum noch vor dem voͤlligen Einsturze geschuͤtzt wer- den kann. In demselben findet sich nur ein Spiegel und an den Waͤnden hie und da einige Streifen weissen Papiers aufgehaͤngt, welches anzeigen soll, daß kein Unreiner sich dem Gotte naͤhern, oder ihm gefallen kann, und daß das allsehende Auge alles sieht. Der Kaiser, welcher diesen Tempel nicht in eigner Person besuchen kann, fertigt jaͤhrlich im ersten Monathe eine Gesandschaft dahin ab. Alle Unterthanen, weß Al- ters oder Geschlechts sie seyn moͤgen, sind schuldig, wenigstens Einmal in ihrem Leben, eine Reise hieher zu machen; viele machen sie alle Jahr. Die Vornehmen kommen gleichwohl selten hin; sie maßen sich, hier wie andrer Orten, ihre besonderen Privilegien an, die mehr der Bequemlichkeit als dem was sie thun sollten an- gemessen sind. Diese Wallfahrten koͤnnen zu jeder Zeit geschehen, gemeiniglich aber werden sie in der schoͤnsten Jahrszeit, in den Fruͤhlingsmonathen, verrichtet. Eine solche Wallfahrt gethan haben, ist verdienstlich, und wirkt dem Pilgrim einen Ablaß fuͤr das ganze Jahr. Auf meiner Reise nach Jedo , sah ich dergleichen Pilgrimme zu Tausenden; oft waren sie so arm, daß sie unterweges ihr Brod betteln mußten. Diese arme Leute trugen nach Landessitte Religion der Japaner. auch ihr Bette mit sich, das aus einer Strohmatte be- stand, welche ihnen uͤber der Schulter hieng. Die meisten trugen auch einen kleinen Eimer, um daraus zu trinken und ihre Almosen darin zu empfangen. Auf diese Gefaͤße ist der Name des Besitzers geschrieben, damit man, auf den Fall, wenn er auf der Wallfahrt umkommen oder natuͤrlichen Todes sterben sollte, wissen moͤge, wer er gewesen ist. Wenn die Wallfahr- ter zu Isie angekommen sind, werden sie von einem Priester nach dem Tempel gefuͤhrt, wo sie ihr demuͤ- thiges Gebet verrichten und, gegen ein Geschenk an den Priester, einen Ablaß bekommen, der aus einigen, in einer laͤnglichen Dose von duͤnnem Zinn verwahrten, duͤnnen zinnernen Blaͤttchen, (wie unsre geschlagene Gold- und Silberblaͤttchen) besteht. Herrschende Religionen kann man in Japan eigentlich zwey annehmen: sie werden Sinto und Budsdo genannt. Die erstere, oder Sinto, ist die eigenthuͤmliche und aͤlteste Religion dieses Landes, ob sie gleich weni- ger Anhaͤnger hat. In ihrer ersten Einfachheit scheint sie viel edler gewesen zu seyn als sie jetzt erscheint, da sie mit der Zeit durch fremde Ceremonien mehr und mehr entstellt worden ist, auch scheinen ihre Lehren vor diesem mehr Klarheit gehabt zu haben, als heutiges Tages, seitdem Irrwahn und Aberglaube sie allmaͤhlig mehr verdunkelt haben. Vielleicht schreibt sie sich ur- spruͤnglich gar von den Juden, nach dem Aufenthalte derselben in Babylonien , her. Ihre Anhaͤnger erken- nen und glauben ein erhabenes Wesen, das in den hoͤch- sten Himmeln wohnt, nehmen aber auch noch geringere Untergoͤtter an. Beym hoͤchsten Gotte schwoͤren sie ihre Eide, glauben aber uͤbrigens, daß er weit daruͤber erhaben sey, ihrer Verehrung zu beduͤrfen. Die B 3 Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. niedrigeren Goͤtter beten sie an; sie glauben, daß diese uͤber die Erde, das Wasser, die Luft u. s. w. herrschen, und die Menschen gluͤcklich oder ungluͤcklich machen koͤnnen. Von der Unsterblichkeit der Seele und einem gluͤckseligen oder ungluͤckseligen Zustande nach dem Tode, haben sie allerdings, jedoch nur dunkle, Begriffe: die Seelen der Tugendhaften, sagen sie, kommen nach ei- nem Orte, der unter den Himmeln ist, die Seelen der Gottlosen aber muͤssen lange unter den Himmeln umher schwaͤrmen, um fuͤr ihre Suͤnden zu buͤßen. Wande- rung der Seele in Koͤrper der Thiere oder andere Koͤr- per, glauben sie also nicht. Ihre ganze Religion geht darauf aus, tugendhafte und rechtschaffene Menschen in diesem Leben zu seyn. Sie befleißigen sich tugend- haft zu leben, und den Gesetzen des Landes zu ge- horchen, um solchergestalt ein in jedem Betracht unver- letztes Gewissen zu bewahren. Sie essen kein Fleisch, vergiessen nicht gern Blut, und ruͤhren keinen todten Koͤrper an. Suͤndiget jemand in einem dieser Stuͤcke, so wird er, wie die Juden nach dem levitischen Ge- setze, eine Zeitlang fuͤr unrein gehalten. Teufel giebt es nach ihrer Meinung keine andre, als die, welche in den Fuͤchsen als deren Seelen wohnen; diese Thiere werden naͤmlich in Japan fuͤr sehr gefaͤhrlich und schaͤd- lich angesehen. Obgleich die Bekenner dieser Religion die Ueberzeugung haben, daß ihren Goͤttern alles be- kannt und es mithin unnoͤthig sey sie um etwas zu bitten, so haben sie doch sowohl Tempel als gewisse Festtage. Die Goͤtter heißen bey ihnen Sin oder Kami, und ihre Tempel Mia. Diese bestehen aus mehrern Zimmern oder Gallerien mit Fenstern und Thuͤren, die, nach hiesiger Art, eingesetzt und herausge- nommen werden koͤnnen. Der Fußboden ist mit Religion der Japaner. Strohmatten bedeckt, und das Dach steht so weit vor, daß es einen erhoͤheten Gang bedeckt, auf dem man um den Tempel herum gehen kann. In diesem Tempel findet man keinen abgebildeten Gott, oder sonst ein Bild, um das hoͤchste, unsichtbare Wesen vorzustellen. Bis- weilen aber steht doch in einer Schachtel oder Dose ein kleines Bildniß eines Untergottes, dem der Tempel heilig ist. Mitten im Tempel befindet sich gewoͤhnlich ein großer, von Metall gegossener und polirter Spie- gel, der die Hereintretenden erinnern soll, daß, so wie man in demselben die Flecken des Gesichts sieht, die un- sterblichen Goͤtter auch die geheimen Flecken ihrer Her- zen sehen. Mit welcher Andacht die Sintoisten , sowohl an ihren Festen, als auch sonst, sich diesen Tempeln nahen, habe ich oft mit der groͤßten Verwun- derung gesehen. Sie wagen es nicht dem Hause ihres Gottes nahe zu kommen, wenn sie auf irgend eine Art unrein sind. Sie waschen sich deswegen vorher sehr sorgfaͤltig, ziehen ihre besten Kleider an, und waschen sich die Haͤnde noch einmahl vor dem Tempel. Dar- auf treten sie mit ernster Wuͤrde hinein, gehen vor- waͤrts und stellen sich vor den Spiegel. Alsdenn buͤcken sie sich mit der tiefsten Ehrfurcht ganz bis zur Erde nieder, kehren sich wieder gegen den Spiegel, verrichten ihr Gebet und geben ein Opfergeschenk. Zu- letzt klingeln sie dreymal mit einer im Tempel befindlichen kleinen Glocke, und gehen weg, um den Rest des Tages in Vergnuͤgen und mit Lustbarkeiten zuzubringen. Die Priester bey diesen Tempeln sind von zweyerley Art. Diejenigen welche die im Tempel vorfallenden Ge- schaͤfte verrichten, sind Weltliche und Ungelehrte, um nicht die Geheimnisse der Religion offenbaren zu koͤnnen. Die andern sind Geistliche, und pflanzen die Geheim- B 4 Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. nisse ihrer Religion auf ihre Schuͤler fort, aber mit der eidlichen Verpflichtung, nie etwas davon bekannt zu machen. Die weltlichen Priester lassen sich den Bart, nicht aber die Haare auf dem Kopfe scheeren, und tragen nach japanischem Gebrauch weite Kleider, auf dem Ko- pfe aber einen lakirten Hut mit herabhangenden seidenen Schnuͤren. — Seit Einfuͤhrung der Religion des Budsdo in Japan , haben die Sintoisten verschiedne Lehren und Gebraͤuche angenommen, die sie anfangs nicht kannten. Dennoch aber, und auch des mannich- faltigen Aberglaubens ungeachtet, womit sie von Zeit zu Zeit befleckt worden, ist diese Religion unstreitig die beste im Lande. Der Kubo bekennt sich zu derselben, und ist schuldig, jaͤhrlich einmal, entweder selbst oder durch eine Gesandschaft, einen ihrer Tempel zu besu- chen, seinen Gottesdienst darin zu verrichten, und zugleich ansehnliche Geschenke zuruͤckzulassen. Die andere Hauptreligion, Budsdo genannt, ist von der westlichen Kuͤste Ostindiens , namentlich aus Ma- labar , Coromandel und Ceylon hergekommen. Budha, welches ohne Zweifel mit Budsdo einerley ist, ist der Name eines Propheten unter den Braminen, der unge- faͤhr tausend Jahr vor Christi Geburt auf Ceylon ge- bohren seyn soll, und Stifter dieser Secte gewesen ist, welche sich hernach uͤber ganz Ostindien und bis an die aͤußersten Graͤnzen Asiens ausgebreitet hat. In China ist sie erst lange Zeit nach ihrer Entstehung zu eini- gem Ansehen gelangt; von da ist sie nach Corea , und so weiter nach Japan gekommen, wo sie sehr allgemein angenommen ist, und mit der alten Sintoreligion ver- mischt, verschiedne Misgeburten des Aberglaubens hervorgebracht hat. Ihre vornehmsten Lehrsaͤtze beste- hen darin, daß die Seelen, sowohl der Menschen als Religion der Japaner. der Thiere, unsterblich sind, daß es Strafen und Be- lohnungen nach dem Tode giebt; daß sowohl jene als diese ihre Stufen haben, daß die Selen lasterhafter Menschen in Thiere, und endlich, wenn sie sich bessern, wieder in Koͤrper von Menschen wandern. Den hoͤch- sten Gott nennen die Anhaͤnger dieser Religion, Amida, und den Teufel, Jemma. Außer den Priestern bey den Tempeln giebt es auch einige geistliche Orden, die, zum Theil mehr zum Theil weniger, heilig sind. Der Orden der Blinden ist einer der sonderbarsten in der Welt und vielleicht einzig in seiner Art; er besteht bloß aus blinden Leuten die im ganzen Reiche zerstreut sind. — Der Orden der Jamabbo oder Bergmoͤnche, von welchen oben, Seite 35 schon etwas vorgekommen, ist ebenfalls merk- wuͤrdig. Er ist vor etwa zweyhundert Jahren gestif- tet, und hat sein Oberhaupt, oder seinen General, zu Miako , welcher seinen Untergebenen nach Verdienst Ehrentitel ertheilt. Das aͤussere Zeichen einer solchen Ehre, besteht in einer um den Hals herabhangenden Schnur, mit unterschiedlichen Troddeln, die nach dem verschiednen Range auch von ungleicher Laͤnge sind. Die Moͤnche von diesem Orden tragen einen Saͤbel an der linken Seite, in der Hand einen Stock mit einem kupfernen Knopfe und einer Tritonsschnecke, ( Murex Tritonis ), um darauf, wie auf einer Trompete zu blasen; auf dem Kopfe haben sie eine Muͤtze, auf dem Ruͤcken einen Beutel und ein paar Schuh um auf den Bergen damit zu gehen; oft auch eine Schnur wie ein Rosen- kranz. Sie fuͤhren ein sehr beschwerliches und muͤhseliges Leben. Sie sind schuldig, einmal im Jahr mit vieler Gefahr, wilde Waͤlder zu durchwandern und bis zum Gipfel der hoͤchsten Berge hinauf zu klettern. Sie B 5 Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. muͤssen sich ganz vorzuͤglich der Reinlichkeit befleißigen, und daher oft in kaltem Wasser baden; auf den Gebir- gen leben sie bloß von Wurzeln und Kraͤutern. Uebri- gens kann man sie mit den Zigeunern vergleichen; sie streifen baarfuß das ganze Land durch, und heilen Krankheiten, schaffen gestohlne Sachen wieder, wahr- sagen und so weiter. Nonnenkloͤster sind, schon laͤnger als seit tausend Jahren, gestiftet, obwohl ihre Anzahl den in Europa vorhandenen bey weitem nicht gleich kommt. Alle Orden und Secten haben allezeit ihr Ober- haupt oder ihren General zu Miako , und bey jedem Tempel oder Kloster ihre Vorsteher. Ausserdem ha- ben sie auch am Hofe des weltlichen Kaisers zu Jedo ihre geistlichen Bevollmaͤchtigten, die in den zwischen ih- nen in weltlichen Angelegenheiten in den Provinzen ent- standnen Streitigkeiten, wie auch uͤber die Verbrechen geistlicher Personen, entscheiden; wenn aber ein Todes- urtheil an solchen vollzogen werden soll, so muß es vor- her allezeit vom Ordensoberhaupte unterschrieben seyn. Die mit Titeln versehenen Geistlichen, sowohl bey Hofe zu Miako und zu Jedo , als bey den Tem- peln im Lande, haben, nach Rang und Wuͤrden, ihre besondre Kleidung. Unter andern sah ich einen solchen Praͤlaten in der Naͤhe eines Klosters vor der Stadt Nan- gasacki , der lange, fast auf die Erde gehende, Bein- kleider und einen weiten Mantel mit einer langen Schleppe anhatte. Er war ein sehr freundlicher und leutseliger Mann, und ließ sich vermittelst der Dol- metscher in eine lange Unterredung mit mir uͤber aller- hand Dinge ein, die mir aber bey weitem nicht so viel Vergnuͤgen machte, als die um seinen Tempel stehen- den Gewaͤchse und Straͤuche. Religion der Japaner. Religioͤse Geluͤbde geschehen haͤufig von aberglaͤu- bigen Leuten. Einer unter unsern besten Dolmetschern, ein bejahrter Mann, hatte vor langer Zeit das Ge- luͤbde gethan, nie Schuh zu tragen. Er machte auch dies Jahr in den Wintermonathen auf diese Art die Reise mit der Hollaͤndischen Gesandschaft nach Jedo , und ertrug, mit seinen bloßen Fuͤßen, alles Ungemach der Kaͤlte sehr geduldig, und ohne die mindesten nach- theiligen Folgen davon zu spuͤren. Von den religioͤsen Festen und Feyertagen, ist schon im sechsten Abschnitte der fuͤnften Abtheilung vorlaͤufig einiges vorgekommen. Jetzt will ich sie ausfuͤhrlicher beschreiben. Die gewoͤhnlichen Feste, sind die monathlichen. Von diesen ist das vornehmste, der erste Tag jedes Mo- naths, an welchem die Japaner des Morgens fruͤh aufstehen, sich festlich ankleiden, ihre Vorgesetzten und Freunde besuchen, und denselben zum neuen Monathe Gluͤck wuͤnschen; dieser Tag wird seit uralten Zeiten uͤberall im ganzen Reiche gefeyert. Wenn der Voll- mond eintritt, am funfzehnten Tage im Monathe, wird der zweyte Festtag gefeyert; an diesem besuchen die Leute die Tempel mehr als an den vorhergehenden. Der dritte Feyertag ist von geringerer Erheblichkeit, und faͤllt auf den acht und zwanzigsten, oder den Tag vor dem Neumonde. Ausser diesen monathlichen Festtagen feyern sie noch fuͤnf andre, die jaͤhrlich einmal einfallen. Der erste unter diesen ist das Neujahrsfest. An diesem Tage gehen sie des Morgens sehr zeitig, in ihrem kost- barsten Anzuge, zu ihren Vorgesetzten, Freunden und Anverwandten, um ihnen ein gluͤckliches Jahr zu wuͤn- schen. Der uͤbrige Theil des Tages wird mit Essen, Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Trinken, Besuchen der Tempel und mancherley Ver- gnuͤgungen hingebracht. Einige machen bey dieser Gelegenheit auch ein, wiewohl unbedeutendes, Geschenk. Oft giebt auch der aͤlteste in der Familie eine Abendmahl- zeit. Das ganze Land ist in dieser Zeit in allgemeiner Bewegung, welche drey volle Tage waͤhrt. Der ganze erste Monath wird hernach beynahe zu nichts anderm, als zu Vergnuͤgungen und Zeitvertreiben angewandt. Das andre jaͤhrliche Fest faͤllt auf den dritten Tag des dritten Monaths; das dritte auf den fuͤnften Tag des fuͤnften Monaths; das vierte auf den siebenten Tag des siebenten Monaths, und das fuͤnfte auf den neun- ten Tag des neunten Monaths. Diese Tage, welche saͤmmtlich eine ungerade Zahl haben, werden von den Japanern fuͤr ungluͤckliche Tage gehalten, und deswe- gen gefeyert, und man verrichtet keine Arbeit oder Ge- schaͤfte an denselben, sondern wendet sie zu Vergnuͤgun- gen, Gluͤckwuͤnschungen, und, wiewohl nur in gerin- gem Maße, zum Dienst der Goͤtter an. An diesen Feyertagen stellen sie am liebsten ihre Hochzeiten, Gast- gebote und andre Lustbarkeiten an, weil sie glauben, daß die Goͤtter an der Freude der Menschen Wohlgefallen haben. Auch die uͤbrigen feyerlichen Belustigungen der Japaner, sind mit zu ihrem Gottesdienste zu rechnen. Dies sind in vielem Betracht, eine Art Schauspiele. Die festlichsten sind, das Laternenfest und das soge- nannte Matsuri. Das Laternen- oder Lampenfest wird am Schlusse des Augusts gefeyert, und von den Eingebohrnen Bong genannt. Es waͤhrt drey Tage, ist aber am zweyten Abend und in der darauf folgenden Nacht am feyerlich- sten. Es ist zum Andenken und zur Ehre der Ver- Religion der Japaner. storbnen gestiftet, weil man glaubt, daß diese jaͤhrlich in diesen Tagen, und zwar am ersten Abend zu ihren Verwandten und Freunden, jeder zu seinem Hause und seiner Familie, zuruͤckkommen, und da bis zur zwey- ten Nacht bleiben, wo sie weggejagt werden muͤssen. Bey ihrer Ankunft werden, zu ihrer Bewillkommung, bey allen Begraͤbnisstellen Bambostangen aufgerichtet, an welche eine Menge Laternen mit Lichtern, und zwar so dicht bey einander aufgehaͤngt werden, daß die gan- zen Berge wie erleuchtet aussehen. Diese Laternen brennen bis neun oder zehn Uhr des Nachts. Am zweyten Abend, wenn ihrer Meynung nach die Seelen der Verstorbenen wieder weggejagt werden sollen, werden kleine Fahrzeuge von Stroh, mit Laternen und brennenden Lichtern versehen, um Mitternacht in Pro- cession mit Gesang, Musik und vielem Geschrey nach dem Strande der See gebracht, aufs Wasser gesetzt, und Wind und Wogen uͤberlassen, bis sie entweder Feuer fangen und aufbrennen, oder von den Wellen arsgeloͤscht werden. Beyde Arten von Erleuchtungen mit vielen tausend Feuern, machen fuͤr das Auge einen ungewoͤhnlich schoͤnen Anblick. Das Fest Matsuri wird an einem Festtage, und einem Gott zu Ehren gefeyert. Zu Nangasacki zum Exempel, wo ich dieser Feyerlichkeit beywohnte, wird es zum Gedaͤchtnisse des Suwa, Schutzgottes dieser Stadt gefeyert. Es faͤllt auf den neunten Tag des neunten Monaths, welches der Geburtstag dieses Got- tes ist. Die Feyer wird mit Musik, Tanz und Co- moͤdien begangen. Sie nimmt schon am siebenden ihren Anfang, da die Tempel besucht, Gebete verrich- tet, und Schauspiele angestellt werden. Der neunte aber wird mit vielem Pomp und großem Kostenauf- Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. wand gefeyert, und zwar jedesmal auf eine andre Art, so, daß es in dem einen Jahre damit nicht so, als in dem andern, gehalten werden darf. Die Kosten wer- den von den Einwohnern der Stadt bestritten, und verhaͤltnißweise auf jede Straße vertheilt. Wir saͤmmt- lichen Hollaͤnder waren eingeladen, diesem Feste bey- zuwohnen. Es wurde auf einem großen freyen Platze in der Stadt gefeyert. An der Seite war ein großes Gebaͤude, das wie eine große auf Staͤndern ruhende Scheune ohne Waͤnde aussah, und mit Dach und Baͤnken versehen war, fuͤr die Zuschauer aufgerichtet, die durch Wachen vor dem Gedraͤnge des Volks ge- schuͤtzt wurden. In diesem Hause sahen die Magi- stratspersonen, die Geistlichen, die Fremden und an- dre Vornehmere zu. Zu allererst sah man die Priester, schwarz und weiß gekleidet, mit dem Bildnisse des Suwa ankommen, und ihre Plaͤtze einnehmen. Zehn bis zwoͤlf Personen spielten auf Instrumenten, und besangen die Thaten der Goͤtter und Helden, waͤhrend Maͤdchen dazu tanzten, welchen der Tanz recht gut an- stand. Die Musik war ein bloßes Gerassel, wel- ches ihrem Gotte angenehmer, als menschlichen Ohren, gewesen seyn mag. Auf die Priester folgte ein großer Sonnenschirm mit dem Namen und Wapen der Straße, der feyerlich einhergetragen wurde, nebst maskirten Musikanten mit Trommeln, Pfeifen, Glocken und Gesang. Hierauf kamen die Kunststuͤcke selbst, die fuͤr jede Straße verschieden waren; nach ihnen einige Acteurs, und zuletzt die Einwohner der Straße, in Procession, von einer Menge andrer Leute begleitet. Dieser Zug dauerte beynahe eine ganze Stunde, wor- auf sie in der naͤmlichen Ordnung wieder abzogen, da denn eine andere Procession einher kam, her- Religion der Japaner. nach eine dritte, und so ferner den ganzen Vormittag. Die Einwohner einer jeden Straße wetteiferten mit den andern in Pracht und Erfindung zur Feyer dieses Festes, und um meistens solche Sachen aufzu- weisen, welche die Erzeugnisse, Bergwerke, Berge, Waͤlder, Seefahrt, Kuͤnste, Handwerker u. s. w. der- jenigen Landschaft anzeigen, von welcher die Straße ihren Namen fuͤhrt, und aus welcher sie ihre Einwoh- ner bekommen hat. Hochzeiten und Begraͤbnisse koͤnnen auch mit zu den religioͤsen Feyerlichkeiten der Japaner gerechnet werden, ob sie gleich dieselben nicht mit der Pracht, als die Europaͤer und verschiedne andre Voͤlker, begehen. Die Trauung geschiehet auf einem schoͤnen und erhabnen Platze vor der Stadt, in Gegenwart der An- verwandten und Priester. Braut und Braͤutigam treten zusammen vor einen aufgerichteten Altar, mit einer Fackel in der Hand. Unterdeß hierauf der Prie- ster ein Gebet laut herbetet, zuͤndet zuerst die Braut, welche zur Rechten sieht, ihre Fackel an einer brennen- den Lampe an, darauf zuͤndet der Braͤutigam die sei- nige an der brennenden Fackel der Braut an, und nun wuͤnschen die Anwesenden dem Brautpaare Gluͤck. Die Todten werden hier zu Lande entweder zu Asche verbrannt, oder in die Erde begraben. Die er- stere Sitte soll ehemals allgemeiner uͤblich gewesen, jetzt aber nur bey den Leichen der Vornehmen gebraͤuchlich seyn. Das Verbrennen geschieht nicht allezeit auf einem Scheiterhaufen, unter freyem Himmel, sondern bisweilen in einem dazu eingerichteten kleinen steiner- nen Hause mit einem Schornsteine. Die Asche wird in ein kostbares Gefaͤß gesammelt, eine Zeitlang im Hause des Verstorbnen verwahrt, und hernach in die Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Erde begraben. Sowohl Maͤnner als Weiber, in Norimon getragen, folgen der Leiche, wie auch die hinterbliebenen Wittwen und Kinder, nebst einem großen Haufen singender Priester. Nachdem einer von den Priestern einen Lobgesang gesungen hat, schwenkt er dreymal eine brennende Fackel uͤber der Leiche, wirft sie darauf von sich, und einer von den Kindern oder Verwandten nimmt sie auf und steckt den Scheiterhau- fen damit in Brand. Diejenigen, welche man ohne Verbrennen beerdigt, werden in der Stellung, wie die Japaner gewoͤhnlich sitzen, in einen hoͤlzernen Sarg gesetzt, und so in die Gruft gesenkt. Waͤhrend und nach der Beerdigung, werden wohlriechende Ge- wuͤrze in und auf das Grab geworfen, und zuletzt schoͤne Blumen auf und um dasselbe gepflanzt. Hernach wird der Todte von den Hinterbliebenen mehrere Jahre, oft ihr ganzes Leben hindurch, anfangs taͤglich, in der Folge woͤchentlich, und zuletzt jaͤhrlich, besucht, nicht zu gedenken, daß alle Jahr das Laternenfest den Ver- storbenen zu Ehren gefeyert wird. Die Japaner trauern auch foͤrmlich um ihre Tod- ten eine Zeitlang. Die gewoͤhnliche Zeit der tiefsten Trauer ist aber doch nur fuͤnf Tage. Bey Landes- trauern um fuͤrstliche Personen darf in diesen Tagen keine Musik gehoͤrt werden. Die Japaner haben ihre Philosophen und Sit- tenlehrer alter Zeiten. Diese Maͤnner werden den Priestern und heiligen Personen gleich geachtet, und ihre Lehren sind, wie die Lehren andrer Religionssecten, angenommen worden. Die vornehmste von denen, die Achtung und Ansehen gewonnen haben, ist die Lehre Sjuto oder Koosi, welche in Europa unter dem Na- men der Moral des Confucius bekannt ist. Sie stammt bekannt- Religion der Japaner, ꝛc. bekanntlich aus China her, wo Confucius vier hun- dert Jahr nach Budsdo gebohren wurde. Ihre An- haͤnger beten zwar eigentlich keinen Gott an, glauben auch nur Belohnung des Guten und Bestrafung des Boͤsen in dieser Welt, setzen aber doch das hoͤchste Gut in ein tugendhaftes Leben. Sie glauben, die Welt gehoͤre einer allgemeinen Weltseele, ohne sonst einen Gott zu erkennen; sie haben auch weder Tempel noch irgend eine Art Gottesverehrung. Ihre Religion be- steht wie gesagt, hauptsaͤchlich darin, tugendhaft zu leben, gegen jedermann recht zu handeln, und aufrichtigen Herzens zu seyn. Zugleich schreibt ihre Sittenlehre viele und vortrefliche Regeln zur Regierung des Staats und zu einem wohlanstaͤndigen und artigen Betragen vor. Sie verbrennen ihre Todten nicht, sondern legen sie, wie man in Europa thut, in einen Sarg, und begraben sie in die Erde. Den Selbstmord hal- ten sie nicht nur fuͤr erlaubt, sondern ruͤhmen ihn auch als einen Beweis von Heldenmuth. Das Christenthum wurde in Japan , sogleich nach der Entdeckung dieses Landes, von den Portugie- sen eingefuͤhrt. Ein junger Japaner, der zu Goa ge- tauft ward, unterrichtete die Portugiesen von den Vortheilen, die sie sich in Japan , sowohl in Ansehung des Handels als der Fortpflanzung der christlichen Religion, zu Nutze machen koͤnnten. Die Portugiesen hatten damals voͤllige Freyheit, allenthalben zu reisen, zu handeln und zu predigen. Der Handel war sehr ein- traͤglich, und das Bekehrungsgeschaͤft, welches die Jesuiten seitdem sie im Jahr 1549. zuerst nach Japan und zwar nach der Provinz Bugo gekommen waren, im ganzen Lande trieben, gieng so gluͤck- lich von Statten, daß verschiedne Provinzialfuͤrsten, Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyt. Th. C Erste Abtheilung. Zweyter Abschnitt. als die Fuͤrsten von Bungo , Arima , Omura und ver- schiedne andre, den christlichen Glauben annahmen. Eine Menge Portugiesen hatten geheirathet, und sich in ver- schiednen Staͤdten von Japan niedergelassen. Nach vier- zig Jahren, naͤmlich 1582, war die katholische Religion hier in solchem Ansehen, daß eine Gesandschaft von Ja- panern nach Rom an Pabst Gregor den dreyzehnten , mit Briefen und Geschenken, geschickt ward. Durch den unglaublichen Gewinn im Handel und durch die schnellen Fortschritte des Christenthums, wurden die Portugie- sen bald uͤbermuͤthig, und es waͤhrte nicht lange, als ihre Habsucht und ihr Stolz sie stuͤrzten. In eben dem Verhaͤltnisse, als ihr Reichthum und Ansehn zunahmen, machten sie sich den Japanern unertraͤglich und zuletzt verhaßt, so, daß schon 1586 ein kaiserlicher Befehl erschien, daß die Christen ausgerottet werden sollten, worauf heftige und gewaltige Verfolgungen gegen sie aus- brachen, wobey bloß im Jahr 1590. uͤber zwanzig tau- send Personen umgebracht wurden. Diesem allem un- geachtet nahmen doch noch viele Eingeborne den christli- chen Glauben an und in den Jahren 1591 und 1592, zaͤhlte man zwoͤlf tausend Bekehrte und Getaufte. Ja der Kubo Feide Jori war selbst ein Christ, so wie auch sein Hof und sein Kriegsheer der christlichen Religion zugethan war; und es ist wahrscheinlich, daß, wenn die Por- tugiesen sich vorsichtig und ruhig verhalten haͤtten, die angefangne Verfolgung gegen sie aufgehoͤrt haben wuͤrde. Aber statt dessen wuchs ihr Hochmuth und ihre Herrschsucht, und das ungebuͤhrliche Be- nehmen eines Bischofs gegen einen von den Provin- zialfuͤrsten brachte es endlich dahin, daß sie ganz ge- stuͤrzt, und ihrem eintraͤglichen Handel sowohl, als der christlichen Religion in diesem Lande ein Ende ge- Religion der Japaner, ꝛc. macht wurde. Bey Gelegenheit einer Reise nach dem kai- serlichen Hofe im Jahr 1596. wurde naͤmlich ein solcher Fuͤrst von jenem ehrsuͤchtigen Praͤlaten so beschimpft, daß er sich genoͤthigt sah, bey seiner Ankunft zu Jedo daruͤber beym Kubo zu klagen. Im folgenden Jahre fing also die Verfolgung der Christen aufs neue an; den Geistlichen wurde verboten zu predigen; ein Theil derselben ward aus dem Lande gejagt, und die Kaufleute nach der Insel De- zima verwiesen. Zugleich wurde eine Verraͤtherey entdeckt, welche die Portugiesen gegen den Kaiser angestiftet hatten, um ihn vom Throne zu stoßen. Die Hollaͤnder, welche damals Krieg mit den Portugiesen fuͤhrten, hatten nem- lich eins ihrer Schiffe weggenommen, auf welchem sie einen Brief eines japanischen Hauptmanns Namens Moro , an den Koͤnig von Portugal fanden, der einen Anschlag gegen das Leben und den Thron des Kaisers enthielt. Diese Verraͤtherey bestaͤtigte sich hernach noch durch mehrere, von diesem Moro nach Macao geschriebne Briefe. Es wurde daher beschlossen, daß alle Christen, die ihre Religion nicht abschwoͤren wollten, aus dem Reiche vertrieben, oder ohne alle Schonung getoͤdtet werden sollten. Die Verfolgung wurde hernach vierzig Jahr hindurch ununterbrochen fortgesetzt, und endigte sich im Jahr 1638. auf eine schreckliche Weise dadurch, daß sieben und dreyßigtausend Christen, welche ihre letzte Zuflucht nach der Festung Simabara genommen hatten, belagert, sich zu erge- ben gezwungen, und alle an Einem Tage umgebracht wurden. Dadurch war die christliche Religion nun in Japan ausgerottet, und aller Handel von Europa dahin hatte ein Ende. Die Japaner, welche sich einbilde- ten, daß die schlechten Handlungen der Christen von ihrer Religion unzertrennlich waͤren, nahmen darauf C 2 Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. die kraͤftigsten Maaßregeln gegen die Wiedereinfuͤhrung derselben, und verboten allen Portugiesen aufs strengste, jemals ihre Kuͤsten zu betreten. Um nun aufs genaueste auszuforschen, ob etwa noch christliche Japaner im Lande verborgen seyn moͤchten, trafen sie verschiedene Anstalten, wovon noch heutiges Tages die, daß zu Anfange jeden Jahres, das Crucifix und einige Heiligen-Bilder mit Fuͤßen getreten werden, zu Nangasacki und in den umliegenden Gegenden statt findet. Dritter Abschnitt . Zustand der Wissenschaften, Kuͤnste und der- gleichen, in Japan . D ie Wissenschaften uͤberhaupt sind in Japan bey weitem nicht zu der Hoͤhe, wie in Europa , gelangt. Selbst der Ackerbau, den die Japaner fuͤr das aller- nothwendigste halten, und auf welchen sie sich mit ei- nem Eifer und Fleiß legen der nicht seines gleichen hat, selbst dieser wird nicht wissenschaftlich getrieben, geschweige denn andre Wissenschaften, deren Nothwen- digkeit und Nutzen sie nicht einsehen und auch keinen Antrieb haben, sich mit denselben zu beschaͤftigen. Die vaterlaͤndische Geschichte wird freylich von allen, die nicht zu den untersten Volcksklassen gehoͤren, ohne Unterschied getrieben, und ist, was die fruͤheren Zeiten betrift, vielleicht gewisser und zuverlaͤssiger, als die Geschichte der meisten anderen Laͤnder. Die Astronomie wird zwar geliebt und geachtet. Dennoch sind die Japaner nicht im Stande, ohne Huͤlfe chinesischer und hollaͤndischer Kalender einen rich- Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . tigen Kalender zu verfertigen noch eine Sonnen- oder Mondfinsterniß auf Minuten und Sekunden aus- zurechnen. Die Medicin hat bis jetzt noch gar keine bedeu- tende Fortschritte gemacht, wird es auch schwerlich jemals thun; die Anatomie ist ihnen etwas ganz unbe- kanntes, und ihre Kenntniß der Krankheiten ist sehr ge- ringe, verworren und oft fabelhaft. Von Physik und Chemie wissen sie nicht viel mehr, als was sie in spaͤ- teren Zeiten von europaͤischen Aerzten gelernt haben. Botanik und Kenntniß der Arzneymittel machen ihre ganze Arzneykunde aus. Da ich Arzt bin, wird man es mir nicht uͤbel nehmen, wenn ich bey dieser Gelegenheit von den japa- nischen Aerzten, und der Art, wie sie ihre Kunst aus- uͤben, etwas umstaͤndlicher rede. Der Aerzte giebt es mehrere Gattungen. Einige lernen nur die Medicin, und befassen sich bloß mit Hei- lung innerlicher Krankheiten. Andre uͤben die Chi- rurgie aus. Noch andere brennen nur mit Moxa, andere treiben blos das Stechen mit Nadeln; andere endlich gehen umher und frottiren. Die, welche diese letztere Operation verrichten, durchstreichen des Abends die Gassen, schreyen und bieten ihre Dienste an. In einem Lande, wo Erkaͤl- tungen so haͤufig und gemein sind, thut dies Reiben uͤber den ganzen Koͤrper gute Dienste. Das Brennen mit Moxa und das Stechen mit Nadeln sind zwey wichtige und im ganzen Lande uͤberall gebraͤuchliche Operationen, die hier wohl so oft als in Europa das Aderlassen vorgenommen werden. Die Moxa, die Art ihrer Zubereitung, C 3 Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. und ihren Gebrauch und Wirkung habe ich im ersten Theile Seite 133. bereits beschrieben. Hier habe ich daher nur noch folgendes hinzuzufuͤgen: Sie wird nicht nur als ein Heil- sondern auch als ein Vorbauungsmit- tel gegen Krankheiten gebraucht. Das Brennen wird fast an allen Theilen des Koͤrpers, besonders an den flei- schigen, vornemlich auf dem Ruͤcken angewendet. Der Ope- rateur pflegt sich die Stellen dazu sorgfaͤltig auszusuchen, und zwar haben sie besondere gedrukte Tabellen dazu. Dies Brennen ist in den meisten Krankheiten von Wirk- samkeit, besonders bey Pleuresie, Zahnschmerzen, und, wo es am meisten Nutzen leistet, bey Gicht und Er- kaͤltungen. Das Stechen oder Prickeln mit Nadeln geschieht meistens in der Absicht, um Kolicken dadurch zu heilen, besonders diejenige Art derselben, welche hier Senki heißt, und gewoͤhnlich eine Folge vom Sakki trinken ist. Der Unterleib ist daher der Theil, an welchem diese Operation vorgenommen wird. Sie bohren in denselben mehrere, oft neun, Loͤcher hinein, um ihrer Meinung nach den Wind herauszuziehen. Indessen werden auch wohl andere fleischige Stellen dazu ausge- sucht. Die Nadeln, welche hiezu gebraucht werden, sind fein, beynahe wie ein Haar, und werden von Gold und Silber gemacht, und zwar von privilegirten Leuten, außer welchen niemand ihnen die noͤthige Haͤrte, Biegsamkeit und Feinheit, zu geben versteht. Indem man sie durch die Haut hineinbringt, werden sie zwischen den Fingern gedrillt, um knochenartigen Theilen auszuweichen. Diejenigen, welche sich mit Heilung innerlicher Krankheiten beschaͤftigen, werden fuͤr vornehmer gehal- Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . ten, und unterscheiden sich von den Uebrigen dadurch, daß sie sich den ganzen Kopf kahl scheeren. Sie be- dienen sich nie anderer, als einfacher Mittel, und zwar am gewoͤhnlichsten in einem Decocte, um den Schweiß oder den Urin zu treiben. Von zusam- mengesetzten Medicamenten wissen sie nichts. Ei- nen großen Theil jener Arzeneymittel koͤnnten sie zwar im Lande selbst bekommen; sie kaufen sie aber sehr haͤufig von den Chinesern. Bisweilen fuͤhlen die Aerzte auch nach dem Pulse, und dies waͤhrt alsdenn sehr lange, eine ganze Viertelstunde, zuerst an dem einen, und hernach am andern Arme, gerade als wenn das Blut nicht aus einer und derselben Quelle nach beyden Pulsen floͤsse. Ihre Kenntniß der Fieber und andrer innerlicher Krankheiten, kann nicht anders, als sehr geringe und ihre Cur muß sehr unsicher seyn, da sie keine Kenntniß der Anatomie und Physiologie haben, nicht einmal vom Umlaufe des Gebluͤts etwas wissen, auch die Mittel, welche sie verordnen, nur wenig kennen. Die einzigen, welche etwas mehr da- von verstehen, sind entweder Aerzte bey Hofe, oder hollaͤndische Dolmetscher, als welche Gelegenheit haben, sich einige bessere Einsicht durch den Um- gang mit europaͤischen Aerzten zu verschaffen. Das Aderlassen haben zwar einige wenige Aerzte und Dol- metscher dann und wann verrichtet; aber sie nehmen diese Operation nur selten vor, und alsdenn allezeit mit vieler Furchtsamkeit. Ich gab ihnen nicht allein die nuͤtzlichsten und zuverlaͤssigsten Anweisungen dazu, sondern munterte sie auch, wo es noͤthig war, dazu auf, und mußte zu dem Ende sogar meinen Schuͤlern zu Jedo meinen silbernen Schnaͤpper, nebst andern fuͤr sie brauchbaren chirurgischen Instrumenten schenken. C 4 Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. Die gewoͤhnlichen, und diesem Lande eignen, Krankheiten, sind die oben erwaͤhnte Kolik, triefende Augen, und Verhaͤrtung der Druͤsen. Von der Ko- lik werden gar viele Leute, auch Fremde die sich hier einige Zeit aufgehalten haben, befallen. Die Krank- heit ist heftig und sehr schmerzhaft, und laͤßt an meh- reren Stellen Geschwulst zuruͤck, besonders verursacht sie den Wasserbruch (Hydrocele). Rothe und trie- fende Augen, sind unter den Bauern und armen Leuten auf dem Lande sehr allgemein, und entstehen theils vom Dampfe der Kohlen, womit im Winter die Zimmer geheitzt werden, theils von dem Gestanke, den ihre Abtritte und Urinplaͤtze hervorbringen; ver- haͤrtete Druͤsen sind ebenfals aͤußerst haͤufig; und ich habe bemerkt, daß sie oft in Krebsschaͤden uͤbergehen. Besonders entstehen dergleichen am Halse, und werden alle Tage groͤßer; anfangs sind sie nur von der Groͤße einer Erbse, endlich werden sie wie eine Faust dick. Da die Hitze am Tage oft sehr stark ist, und, wenn der Wind sich alsdenn aufmacht, die Schweißloͤcher sich leicht verschließen und die Ausduͤnstung gehindert wird, so bekommen die Leute sehr oft heftige Rhevmatismen, so wie in den Sommermonathen, aus der naͤmlichen Ursach, Diarrhoͤen und die rothe Ruhr, denen nicht nur die Japaner, sondern auch die Europaͤer ausge- setzt sind. Eben das geschieht auch wohl, wenn sie von den hiesigen Fruͤchten, besonders von den Kakifei- gen, die so sehr schoͤn schmecken, zu viel essen. Die Kinderpocken und die Masern, sind in Ja- pan schon seit sehr langer Zeit bekannt und allgemein; man bekuͤmmert sich aber wenig darum. Ich habe auch nicht viele gesehen, die dadurch gelitten haͤtten. Die Einimpfung der Blattern kennt man nicht. Die Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . Die Wassersucht im Kopfe ( Hydrocephalus ) hatte ich Gelegenheit, bey einem drey und dreyßigjaͤhrigen Manne zu sehen, der auf unsrer Reise nach Jedo zu mir kam, und von mir Rath begehrte. Er erzaͤhlte, er habe sie vor neunzehn Monathen davon bekommen, daß er, indem er mit einem andern gefochten, mit einem Bambostocke, der gleichwohl mit Leinwand uͤberzogen gewesen, verschiedne Schlaͤge auf den Kopf empfangen. Von der Scheitel bis an den Hinterkopf sah man eine Geschwulst, die wie ein Finger dick war, und die Hirnschalknochen standen so sehr in die Hoͤhe, daß die Fontenelle ganz weich zu fuͤhlen war. Eine Art Frie- sel, das die Europaͤer hier den rothen Hund nennen, grassirt hier waͤhrend der waͤrmsten Sommermonathe August und September, besonders unter den Euro- paͤern. Sie waͤhrt bisweilen mehrere Wochen, bis- weilen ganze Monathe. Der Ausschlag ist erhoben, uneben und roth, ohne Fieber. Bisweilen verschwin- det er zum Theil, bisweilen wird er staͤrker, besonders von der Mittags- und Abendhitze. Oft ist er ohne Jucken; wenn dies aber sich einfindet, so ist es des Abends und Nachts am staͤrksten, und mit vieler Un- ruhe und Schlaflosigkeit verbunden. Zu Zeiten ist dies Jucken von ganz eigner Art, das man alsdenn am meisten fuͤhlt, wenn man sich regt, sich auf einen Stuhl setzt, den Ruͤcken an die Wand lehnt, im Bette liegt oder die Arme krumm macht. Man empfindet so- dann ein Prickeln in der Haut als wenn man mit tau- send Nadeln gestochen wuͤrde; und das hoͤrt auf, so- bald man den bewegten Theil des Koͤrpers, selbst in der naͤmlichen Stellung, still haͤlt. Das Gesicht ist von diesem Ausschlage frey, der sich uͤbrigens uͤber den ganzen Koͤrper, sogar uͤber die Fingerspitzen, erstreckt. C 5 Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. Man bekommt diese Krankheit auch wohl mehr als ein- mal waͤhrend eines Aufenthals in Japan . Die Lustseuche ist ohne Zweifel durch die Euro- paͤer nach Japan gekommen. Venerische Zufaͤlle und Krankheiten sind hier jetzt sehr allgemein nnd man trift eine Menge Leute an, die damit behaftet sind. Bis auf meine Zeit wußten die hiesigen Aerzte dergleichen nicht anders, als durch blutreinigende Decocte zu schwaͤchen oder zu vertreiben. Ich hatte eine Partey aͤtzenden Quecksilbersublimat aus Holland mitgebracht, und fand, wie noͤthig man dies Mittel habe. Nichts desto weniger konnte ich nichts davon an die hiesigen Aerzte verkaufen, denn diese waren in Ansehung des Nutzens und Gebrauchs dieses sichern, aber zugleich gefaͤhrlichen, Mittels ganz unwissend. — Von der Speichelcur hatten sie durch die hollaͤndischen Feld- scheere zwar etwas gehoͤrt, und einigen Begrif davon; hielten sie aber fuͤr eben so schwer vorzunehmen, als dem Patienten gefaͤhrlich. Die uͤbrige Arten den Mercurius zu gebrauchen, kannten sie nicht. Ich nahm mir daher vor, den Practisirenden, sowohl den eigentlichen Aerzten als den Dolmetschern, von Zeit zu Zeit kleine Parteyen von meinem Sublimate zu schenken, und sie zugleich im Gebrauch desselben, zu unterrichten. Sie machten sich diesen Un- terricht dankbar zu Nutze. Namentlich von den Dolmetschern fingen verschiedene an, mit diesem, bisher hier unbekannten Heilmittel, venerische Zu- faͤlle zu heilen. Die oft so schleunige Wirksamkeit die- ser Curart, hielten sie anfaͤnglich fast fuͤr ein Wunder- werk; und wirklich macht es mich aͤußerst gluͤcklich, dieses Heilmittel hier bekannt gemacht zu haben, wenn ich bedenke, daß durch dasselbe in Zukunft viele Tausende Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . von Halsfistelschaͤden und andern schrecklichen Sympto- men dieser garstigen Krankheit, (dergleichen ich auf meiner Reise durch dies Land so oft mit Betruͤbniß zu sehen, Gelegenheit hatte,) koͤnnen befreyet werden! Die Rechtsgelehrsamkeit macht hier kein weitlaͤuf- tiges Studium aus. Kein Land hat ein duͤnneres Gesetzbuch und weniger Richter, als dieses. Erklaͤ- rungen der Gesetze und Advocaten sind hier etwas ganz Unbekanntes. Aber in keinem Lande werden die Gesetze strenger und sorgfaͤltiger gehandhabt, ohne An- sehung der Person, ohne Privatabsichten, und ohne Parteylichkeit. Die Gesetze sind scharf, und der Pro- zeß ist kurz. Man erinnere sich, was ich oben hievon gesagt habe. Die Sittenlehre der Japaner, besteht nicht in kuͤnstlichen Systemen, sondern in einfachen und ver- nuͤnftigen Lehren, welche durch ein tugendhaftes Leben auszuuͤben, ihr Bestreben ist. Und diese Moral wird von allen hiesigen Religionsparteyen gelehrt, und nie von der Religion selbst getrennt, mit welcher sie in so enger Verbindung steht. Von auswaͤrtigen Sprachen lernen diejenigen, welche die Wissenschaften treiben, und chinesische Buͤ- cher und Schriften lesen wollen, die chinesische. Die Dolmetscher und einige Aerzte lernen auch das Hol- laͤndische, und einige von ihnen verstehen auch etwas, wiewohl nur gar sehr wenig Latein. Die Kriegswissenschaft ist bey diesem Volke, wie bey andern morgenlaͤndischen Voͤlkern, sehr einfach. Muth, Tapferkeit, Standhaftigkeit und Liebe zum Vaterlande, ersetzen, was ihnen an Regeln und foͤrm- licher Kunst Krieg zu fuͤhren, abgeht; und mit diesen Eigenschaften haben sie allezeit gesiegt, und sich niemals Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. von einem Feinde unterjochen lassen. Des ersten Krie- ges wird in der japanischen Geschichte 471 Jahr vor unsrer Zeitrechnung erwaͤhnt. Hernach sind sie eini- gemal durch auswaͤrtige Kriegsheere beunruhigt wor- den. Im Jahr 1284, als die Mogolen China ein- genommen hatten, wurde der Feldherr Mooku mit 4000 Fahrzeugen, und 240,000 Mann hieher ge- schickt, um Japan zu erobern; aber er konnte seinen Zweck nicht erreichen. Die Buchdruckerkunst ist in Japan unstreitig alt. Die Japaner haben aber dabey allezeit Platten ge- braucht, und gebrauchen sie noch, ohne daß sie be- wegliche Buchstaben kennen. Sie bedrucken nur eine Seite des Papiers, weil dasselbe duͤnn ist, und die Schwaͤrze sonst durchschlagen wuͤrde. — Ich hatte Gelegenheit, verschiedne japanische gedruckte Buͤcher zu sehen; besonders wurden mir zu Jedo dergleichen gezeigt. Eins war darunter, welches bey der vor- maligen Anwesenheit der Portugiesen gedruckt war; es war in laͤnglichem Quartformat, von Japanischem Pa- pier, und, das Titelblatt ausgenommen, ganz und gar mit japanischen Buchstaben gedruckt. Auf dem Titelblatte stand oben Racvyoxv, welches die Dolmet- scher nicht ins Hollaͤndische uͤbersetzen konnten, in der Mitte das portugiesische Wappen in laͤnglicher Figur, und unten: In Collegio Japonico Societatis Jesu cum facultate superiorum, Anno MDXCVIII. Die Dol- metscher sagten, es sey ein Woͤrterbuch, doch ohne das Portugiesische dabey zu enthalten. Es war von der Dicke eines Daumen. Ein andres, und zwar sehr rares, in Japan gedruktes Woͤr- terbuch, habe ich im ersten Theile dieses zweyten Bandes Seite 27 beschrieben. — Herr Sunnan , mein Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . fleißiger und geschickter Schuͤler schenkte mir ein ge- druktes japanisches Woͤrterbuch, mit dem Titel Tjimen- so, in Octav, das aus zwanzig Theilen besteht, und zu den Beschreibungen auch Abbildungen enthaͤlt, die aber elend genug sind. Jeder Theil ist nur eine, hoͤch- stens zwey, Linien dick. — Einige andre gedruckte bo- tanische Buͤcher bekam ich zu Jedo zu Kauf, die zum Theil aus vielen, zum Theil aus wenigen Baͤnden beste- hen, zum Theil gute, zum Theil schlechte Abbildungen enthalten. Dahin gehoͤrt Sooqua Jenso, in drey Theilen, sowohl Beschreibungen, als, wiewohl nur schlechte, Abbildungen, von lauter japanischen Ge- waͤchsen, enthaltend. Morokusi Komorsi, ein anders Herbarium, das zugleich von vierfuͤßigen Thieren, Fischen, Voͤgeln, Handwerkern und Oekonomie handelt, es soll zuerst in China gedruckt seyn, es besteht aus mehreren Theilen; die Figuren sind klein und aͤußerst schlecht. Kimoosi ist der Titel einer neuen in Japan gedruckten Ausgabe dieses Werks, in Quart, in dreyzehn Theilen, die etwas besser und schoͤner ist. Das schoͤnste japanische Herbarium hat den Titel: Foka no jamma Kusa; es besteht nur aus einem Theile in Octav, und enthaͤlt kaum andre, als japanische Kraͤu- ter; die Abbildungen sind schoͤn und deutlich. Noch ein anderes sah ich, das sieben Theile, und Quartfor- mat hat. Auch bekam ich ein gedrucktes Buch in groß Quart, zwey Theile, mit illuminirten Abbildun- gen japanischer Fische, zu Kauf. Dies ist eins der schoͤnsten in diesem Lande herausgegebenen Buͤcher; die Figuren sind nicht nur so gut gestochen, sondern auch illuminirt, daß sie in Europa sehr geruͤhmt wer- den wuͤrden. Erste Abtheilung. Dritter Abschnittt. Die Kunst in Kupfer zu stehen, kennen die Ja- paner ebenfalls. In der Zeichenkunst und Mahler- kunst stehen sie den Europaͤern weit nach, ob sie gleich in Ansehung derselben, einen sehr wichtigen Vorzug vor diesen haben, den naͤmlich, daß sie allezeit etwas das in der Natur wirklich vorhanden ist, zum Exem- pel, Thiere, Gewaͤchse oder was es sonst seyn mag, vorstellen, nicht aber, (zum Beyspiel auf Tapeten oder bey andern Mahlereyen) Figuren von Dingen, die nicht existiren, mit andern vermischen. Die Feldmeßkunst, und die Kunst Plaͤtze und Gegenden aufzunehmen, und Landcharten zu verferti- gen, ist ihnen auch nicht ganz unbekannt. Sie haben sowohl vom ganzen Lande richtige geographische, als auch von ihren Staͤdten zuverlaͤssige, topographische Charten. Außer der Generalcharte vom ganzen Reiche sah ich dergleichen von den Staͤdten Jedo , Miako , Osa- ka und Gangasali , die ich auch, obgleich mit vieler Gefahr und unerachtet des strengsten Verbots, solche an Fremde zu verkaufen, oder aus dem Lande kom- men zu lassen, doch zu kaufen und mit zu nehmen Ge- legenheit fand. Diese Karte und Grundrisse sind den- jenigen, die Kaͤmpfer zu seiner Zeit, wiewohl mit we- niger Schwierigkeit, nach Europa mitbrachte, voͤllig gleich. Die Japaner schreiben, wie die Chineser, in senkrecht herabgehenden Reihen oder Zeilen, und da- bey von der Rechten zur Linken. Sie gebrauchen dazu Tusche, welche sie jedesmahl, wenn sie etwas schrei- ben wollen, auf einem kleinen Steine mit Wasser rei- ben, und einen Pinsel von Haasenhaaren, womit sie alsdann von dieser Tusche nehmen und die Buchstaben gleichsam malen. Diese Schreibgeraͤth- Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . schaften pflegen, besonders die Kaufleute in einem Kaͤstchen oder Bestech, worin zugleich Rechenbrett und Waage liegen, bey sich zu tragen, wie die Abbildung auf der ersten Kupfertafel zeigt: nemlich, Fig. 1. Form und Zeichen der Stuͤcke Tusche; Fig. 2. der Schreib- pinsel, wie eben damit geschrieben wird; Fig. 3. Etui oder Kaͤstchen mit den Schreibgeraͤthschaften, einer Waage und dem Rechenbrett, a. der Schreibpinsel, b. ein ausgehoͤhlter Stein, die Tusche darauf zu reiben, c. eine kleine Buͤchse mit Wasser dazu. d. eine kleine Schnellwage mit e. dazu gehoͤriger Waagschaale und f. Gewichte g. ein Rechenbrett mit gerundeten Steinen oder Kugeln, die auf einem Drate hin und her ge- schoben werden und die Einer und Zehner bedeuten. Die Dichtkunst ist auch bey den Japanern beliebt; sie bedienen sich derselben, um das Andenken ihrer Goͤt- ter, Helden und merkwuͤrdigen Maͤnner, zu verewigen. Auch die Musik wird sehr geschaͤtzt. Aber bisher haben sie weder ihre musikalischen Instrumente zu eini- ger Vollkommenheit, noch in ihre Musik vorzuͤgliche Harmonie zu bringen gewußt. Bey der oͤffentlichen Feyer ihrer Feste, und bey andern Gelegenheiten, ge- brauchen sie Trommeln, Pfeifen, Saiteninstrumente, Glocken, Schellen und dergleichen mehr. Das Frauen- zimmer liebt die Musik ungemein; sie lernen auch die an- gefuͤhrten Instrumente, besonders aber eine Art Laute mit vier Saiten spielen. Dies geschieht dergestalt, daß sie mit den Fingern gegen die Saiten schnellen; sie koͤnnen ganze Abende damit zubringen, obgleich diese Musik eben nicht angenehm klingt. Auf der beygefuͤgten Ku- pfertafel sieht man ein japanisches Frauenzimmer mit diesem Instrumente in der Hand abgebildet. Fig. 4. Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. An der Schauspielkunst finden die Japaner großes Vergnuͤgen, doch ist die Kunst der Acteurs, und der Werth der Stuͤcke eins so geringe als das andre. Ich hatte verschiedne mal, sowohl zu Nangasaki als zu Osaka , Gelegenheit, ihren Schauspielen beyzuwoh- nen. Auch habe ich schon im 1 sten Theile dieses Ban- des Seite 129 einiges davon einfließen lassen. Die Zuschauer sitzen, in einem dazu eingerichteten Hause, auf Baͤnken. Vor ihnen ist ein erhoͤheter, aber schmaler und enger Platz, welcher die Buͤhne vorstellt. Auf dieser erscheinen ein oder zwey, selten mehr Schauspie- ler zugleich; diese sind allezeit auf eine gar besondere Art gekleidet; und man sollte ehe glauben, sie traͤten auf um zu schrecken, als um zu belustigen. Ihre Ac- tion stimmt hiermit uͤberein; sie ist seltsam und unge- reimt, und besteht in kuͤnstlichen Wendungen und Dre- hungen des Koͤrpers, die sie mit vieler Muͤhe gelernt und geuͤbt haben. Gewoͤhnlich wird eine Heldenthat oder eine Liebesgeschichte eines ihrer Goͤtter und Helden vorgestellt. Diese Schauspiele sind gemeiniglich in Ver- sen abgefaßt, manchmal werden sie auch von Musik be- gleitet. Das Theater ist, wie bey uns, mit einem beweg- lichen Vorhange versehen; das Noͤthigste von dem, was zur Versinnlichung der Vorstellung erfordert wird, wird zwar auf die Buͤhne gebracht; sonst aber fehlt es gaͤnzlich an Anstalten und Verzierungen, wodurch diese kleinen Theater mit den europaͤischen auch nur einigermaßen ver- glichen werden koͤnnten. Daß das Schauspiel bey den Ja- panern etwas dazu beytruͤge, die Sitten des Volks zu ver- edlen, habe ich eben so wenig gefunden, als das Schau- spiel in Europa diesen Zweck zu befoͤrdern scheint. Es ist hier auch gar nicht einmal so beschaffen, daß dies als eine Absicht desselben angesehen werden kann; sondern Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . sondern es soll hier mehr belustigen, als das Herz bes- sern; mehr die Acteure bereichern, als den Zuschauern wuͤrklich nuͤtzen. Auch die Tanzkunst wird in Japan sehr geliebt. Gesellschaftliche Taͤnze aber, bey welchen die welche sich ein Vergnuͤgen machen wollen, selbst tanzen, hat man nicht, sondern nur Taͤnze oder pantomimische Bal- lette, die zur Belustigung der Zuschauer aufgefuͤhrt werden und entweder einen Liebeshandel oder eine Hel- denthat vorstellen. Diese Art Zeitvertreib, wird vor- zuͤglich an Fest- und Feyertagen, auch sonst zu Ausfuͤl- lung muͤssiger Stunden, oder zur Unterhaltung der Fremden, vorgenommen. So ließ man z. B. um uns ein Vergnuͤgen zu machen, Taͤnzerinnen holen. Diese sind meistentheils junge und reich gekleidete Maͤdchen aus oͤffentlichen Haͤusern; junge Knaben tanzen bisweilen auch mit. Der Hof des Dairi, zu Miako , ist eigentlich der Ort, und zwar der einzige im ganzen Reiche, wo die Wissenschaften und Studien foͤrmlich, und von Mehre- ren gemeinschaftlich, getrieben werden, also gleichsam die Universitaͤt und Academie von Japan . Hier werden Studirende erzogen, unterhalten und unterwiesen. Vornehmlich wird Poesie, Landesgeschichte, Mathe- matik, Astronomie und dergleichen gelehrt. Alle Ka- lender werden hier gemacht; auch werden hier alle Buͤ- cher, die Kalender aber zu Isie , gedruckt. Oeffentliche Schulen, zu Unterweisung der Kinder, sind an den meisten Orten eingerichtet. Man lehrt aber darin hauptsaͤchlich nur Lesen und Schreiben. Die Erziehung kennt man hier nicht als eine Wissenschaft oder Kunst; man uͤbt sie aber nach desto Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. D Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. richtigern Grundsaͤtzen und mit desto besserm Erfolge aus. Die Kinderzucht ist sehr strenge, und doch werden die Kinder fast durchgaͤngig ohne Schlaͤge und andre koͤr- perliche Zuͤchtigungen erzogen. In den ersten Jahren singt man den Kindern Volkslieder vor, um ihnen Be- streben nach Tugend und Tapferkeit fruͤh einzufloͤßen. Hernach werden sie auf eine ernsthaftere Art zum Guten angefuͤhrt. Besonders haͤlt man sie zu strengem Ge- horsam an, und sucht ihnen mit guten Beyspielen vor- zuleuchten. Manufactur- und Kunstarbeiten, werden im gan- zen Lande haͤufig verfertigt, und Handwerker aller Art, findet man uͤberall. In einigen Arbeiten uͤbertreffen die Japaner weit die Europaͤer; in andern hingegen ste- hen sie denselben nach; Eisen- und Kupferarbeiten ma- chen sie sehr gut. Ihre seidnen und baumwollnen Zeuge sind zum Theil eben so gut, zum Theil besser, als aͤhnliche Fabricate anderer indischer Laͤnder. Ihre lackirten Arbeiten von Holz, besonders die alten, lassen alles was andre Voͤlker, selbst die Chi- neser und Siamer, in dieser Gattung hervorgebracht haben, weit hinter sich zuruͤck. Sie machen sie von dem feinsten Fichten- und Cedernholze, und uͤberziehen sie mit dem allerbesten Lackfirnis, den sie vom Firnis- baume ( Rhus vernis ) nehmen, einem Baume, welcher in verschiednen Gegenden des Landes haͤufig waͤchst. Diesen Lack, welcher heraus fließt wenn der Baum verwundet wird, sammelt man in Gefaͤßen. Das von dreyjaͤhrigen Staͤmmen ist das Beste. Anfangs ist es etwas hell, und so dick wie Rohm; in der freyen Luft wird es dicker und schwaͤrzlich. Wenn Dosen, Schach- teln, Kaͤstchen, Tische und andre Sachen damit, ohne Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . daß es mit anderm vermischt ist, bestrichen werden, so ist es durchsichtig, so, daß jede Ader des Holzes durchscheint. Gewoͤhnlich wird ein dunkler Grund unterge- legt, und alsdann wird es wie ein Spiegel. Oft ge- brauchen sie den feinen Schlamm dazu, welcher sich unter den Schleifsteinen in den Troͤgen sammelt, manch- mal aber fein gestoßne Kohlen. Bisweilen wird schwarze, bisweilen rothe Farbe in den Firnis gemischt, bisweilen auch fein zermalmtes Blattgold; hernach wer- den die lackirten Sachen gewoͤhnlich mit goldnen und silber- nen Blumen und Figuren geziert, welche auf den Fir- nis gesetzt werden, die sich aber mit der Zeit weg- scheuern. Manchmal sind diese Blumen und Figuren uͤber das Lack erhoben, besonders bey den alten lackir- ten Arbeiten, die in großem Werth stehen, selten sind, und sehr theuer bezahlt werden. Dieser Firnis, wel- cher ganz hart, und wie ein durchsichtiges und schwer abzuloͤsendes Harz oder Gummi wird, vertraͤgt keinen Stoß, sondern springt davon beynahe wie Glas, da- gegen kann er kochend heißes Wasser sehr gut vertra- gen. In den Haͤusern uͤberzieht man damit, hier zu Lande, Thuͤr- und Fensterpfosten, ferner Schraͤnke, Coffer, Kasten, Dosen, Schachteln, Saͤbel, Faͤcher, Theetassen, Suppenschalen, Norimon, und fast alles Hausgeraͤth, das von Holz verfertigt wird. Von Sowas, welches eine Mischung von Gold und Kupfer ist, machen sie sehr schoͤne Arbeit, die auf eine den Europaͤern bisher noch unbekannte Art mit Tusche blau oder schwarz gemacht wird. Die Kunst Glas zu machen, haben die Japaner erst in spaͤtern Zeiten von den Europaͤern gelernt, und verfertigen sowohl gefaͤrbtes als ungefaͤrbtes, desglei- D 2 Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. chen allerhand Geschirr; aber Scheibenglas zu Fenstern wissen sie nicht zu verfertigen. Auch das Glasschleifen verstehen sie, und verfertigen Fernglaͤser davon, kau- fen aber von den Hollaͤndern Spiegelglas dazu. Von den Europaͤern haben sie auch die Kunst, Taschenuhren zu machen, gelernt, dergleichen sie in ihren Haͤusern bisweilen gebrauchen. Auf die Bearbeitung der Metalle verstehen sie sich sehr gut. Von ihrer besondern Geschicklichkeit das Kupfer zu schmelzen, in kleine Stangen zu gießen und ihm die vorzuͤgliche Farbe zu geben, wodurch das Ja- panische Kupfer sich vor allem andern auszeichnet, ist weiter oben Seite 131. das Noͤthige gesagt. In Stahlarbeiten sind sie Meister: ihre vortreflichen Saͤbel geben den sichersten Beweis davon. Papier wird im Lande in erstaunlicher Menge gemacht, zum Schreiben und Drucken, zu Tapeten, zu Schnupftuͤchern, zu Kleidern, zum Einpacken und Ein- wickeln, u. dergl. m. Die Groͤße und Feinheit des Papiers ist sehr verschieden. Sie verfertigen es aus der Rinde eines gewissen Maulbeerbaums (Papiermaul- beerbaums, ( Morus papyrifera ) auf folgende Art. Wenn im Decembermonathe die Blaͤtter von den Baͤumen abge- fallen sind, werden die Zweige drey Fuß lang abge- schnitten, in Buͤndel gebunden, in einem großen be- deckten Kessel in die Hoͤhe stehend in Lauge so lange ge- kocht, bis die Rinde so gekrumpfen ist, daß unten am Ende das bloße Holz einen halben Zoll hoch zu sehen ist. Darauf werden sie herausgenommen, in die freye Luft gesetzt, daß sie kalt werden, alsdann der Laͤnge nach aufgeschnitten, und die Rinde abgenommen. Sodann wird die Rinde wieder drey bis vier Stunden in Wasser Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . eingeweicht, und wenn sie weich geworden ist, die feine schwarze Haut mit einem Messer abgeschabt. Darnach trennt man die grobe Rinde von der feinen, welche wei- ßeres Papier giebt. Je aͤlter die Zweige sind, desto groͤber wird das Papier. Nunmehro wird die Rinde abermals in reiner Lauge gekocht, dabey mit einem Stocke bestaͤndig umgeruͤhrt, und so lange immer frische Lauge zugegossen, bis die Fasern sich absondern. Dar- auf wird diese gekochte Rinde in einem Bache, und zwar in einem Siebe liegend, unter bestaͤndigem Um- ruͤhren gewaschen, bis alles wie ein feiner Brey wird, und, in Wasser gelegt, wie Mehl auseinander geht. Dies Waschen muß mit vieler Behutsamkeit geschehen und erfordert viel Muͤhe. Ferner wird zu diesem Brey- oder Mehlartigen ein Decoct von Reis und Manihot-Ei- bisch ( Hibiscus Manihot ) gegossen, und das Ganze so lange umgeruͤhrt, bis es maͤßig dick und steif wird. Hierauf wird es in ein weites Gefaͤß, und aus diesem jedesmal so viel, als zu einem Bogen oder Blatte noͤ- thig ist, in die Formen gegossen, welche sodann, mit dazwischen gelegtem Stroh, um sie bequemer abnehmen zu koͤnnen, in Haufen auf einander gesetzt werden. Die Formen sind von Grashalmen gemacht. Nunmehro werden die Blaͤtter oder Bogen mit einem Brette be- deckt, und allmaͤhlig gepreßt, zuerst gelinde, hernach staͤrker, damit das Wasser ganz heraus gebracht werde. Wenn dies geschehen ist, werden sie auf Bretter gelegt, an der Sonne getrocknet, und zum Verkauf und Ge- brauch zusammen gelegt. Schlechtes Papier wird vom ostindischen Maulbeerbaume ( Morus indica ) gemacht. Wie eine Art dickes Papier, als Zeug, zu Kleidern gebraucht wird, ist S. 186. beschrieben. D 3 Erste Abtheilung. Dritter Abschnitt. Von der Verfertigung des feinen Japanschen Por- cellans ist daselbst S. 69., und der ungeheuer großen irdenen Kruken S. 68. geredet. Im Ganzen ist aber doch das Japansche Porcellain, jene vorzuͤgliche Sorte ausgenommen, dick, plump und schlecht gemahlt, und steht an Schoͤnheit dem Chinesischen weit nach. Da die Japaner beynahe gar keine Meublen ge- brauchen, so leisten sie in dieser Art von Arbeit fast nichts. Was sie aber von dergleichen, wie auch von Haus- geraͤth, verfertigen, machen sie sauber und kuͤnstlich. Zu meinen technologischen Nachrichten und Be- merkungen von Japan gehoͤrt uͤbrigens auch noch das, was ich von der Benutzung und Verarbeitung der Na- turprodukte dieses Landes, besonders aus dem Pflan- zenreiche, theils in meiner Reisebeschreibung zerstreut angefuͤhrt habe, theils unten in einem besondern Ab- schnitte noch anfuͤhren werde. Wie es um die Baukunst in Japan steht, ist aus dem, was ich im ersten Theile von den Haͤusern der Japaner gesagt habe, zu ersehen. Die Steuermannskunst und die Schiffsbaukunst ist bey den Japanern nicht hoch gestiegen. Dies kann auch nicht anders seyn. Kein Japaner hat die Frey- heit, die Graͤnzen seines Vaterlandes zu verlassen, und fremde Laͤnder zu besuchen; vielmehr ist dies bey Lebens- strafe verboten. Weite Seereisen, welche die Japa- ner ehemals mit eignen Schiffen nach Corea , China , Formosa , Java und andern Laͤndern anstellten, koͤnnen daher nicht mehr vorgenommen werden. Sie segeln also nur an ihren Kuͤsten und zwischen ihren Inseln um- her. Diese Schifffahrt kennen und benutzen sie aber sehr gut, und zwar mit einer unglaublichen Menge so- Zustand d. Wissens. Kuͤnste u. dergl. in Japan . wohl großer und kleiner Kauffahrteyfahrzeuge als mit Fi- scherboͤten. Selten gehen sie indessen dabey weiter in die See, als daß sie noch das Land sehen, und jeden Abend in einen Hafen einlaufen, oder sonst einem entstehenden Sturme entkommen koͤnnen. Den Kompaß kennen und gebrauchen die Japaner. Ich hatte Gelegenheit, ihn genau zu untersuchen. Er ist in zwoͤlf Striche, wie die Schiffer es nennen, abgetheilt, naͤmlich zuerst nach den vier Hauptweltgegenden, Osten, Norden, Westen und Suͤden, und dann zwischen jedem von diesen wieder in zwey. Diese Windstriche haben ihre Namen von gewissen Thieren: die drey noͤrdlichen heißen: Ne, Ratze; Us, Stier, Kuh; Tora, Ti- ger; die drey oͤstlichen: U, Hase; Tats, Drache; Mi, Schlange; die drey suͤdlichen: Uma, Pferd; Fi- tusi, Widder; Saru, Affe; die drey westlichen: Ton, Huhn; Inu, Hund; J, Wildschwein Dies sind ungefaͤhr dieselben Bennennungen, als die, welche die zwoͤlf himmlischen Zeichen fuͤhren; ohne Zweifel sind sie auch davon hergenommen. S. weiter oben S. 192. A. d. U. . Norden heißt: Kitta; Osten, Figasi; Suͤden, Minnami und Westen, Nis. Vierter Abschnitt. Von der Landwirthschaft, besonders dem Acker- bau, der Japaner. D en Ackerbau haͤlt man in Japan mit Recht fuͤr das Nothwendigste und Nuͤtzlichste zur Erhaltung und zum Wohlstande des Reichs. Auch steht er in keinem Lande in solchem Ansehen, wird in keinem mit dem Eifer und D 4 Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. der Sorgfalt getrieben, als hier, wo niemals, weder auswaͤrtige noch einheimische Kriege, auch keine Aus- wanderungen, die Volksmenge vermindern, und wo man nie darauf denkt, weder andre Laͤnder zu erobern, noch aus andern Laͤndern unnuͤtze, wohl gar schaͤdliche, Pro- dukte einzufuͤhren; sondern im hoͤchsten Grade darauf be- dacht ist, daß kein Fußbreit Erde unbenutzt liegen bleibe, und, daß das was die Erde hervorbringt, nicht unnuͤtz angewandt werde. Die gar nicht urbar zu machenden Berge ausgenommen ist der Boden uͤberall, Ebe- nen, Huͤgel und Berge, und diese bis auf den hoͤchsten Gipfel, angebauet. Belohnungen und andere Aufmun- terungen bedarf es dazu nicht in einem Lande, wo der, welcher das Feld bauet, fuͤr den nuͤtzlichsten Buͤrger ge- achtet, und wo er nicht durch den vielfachen Zwang, der in andern Laͤndern die Aufnahme des Ackerbaues hindert und zu allen Zeiten gehindert hat, gedruͤckt und eingeschraͤnkt wird. Zwar sind die Abgaben des Land- manns von seinen Produkten in Natura, sehr hart und viel; dagegen bauet er aber auch uͤbrigens sein Feld mit mehr Freyheit, als in manchen Laͤndern die Be- sitzer adelicher Guͤter das ihrige. Hofdienst und Frohn- arbeit; harte, oft tyrannische Behandlung, von Edel- mann, Amtmann, Paͤchter, Verwalter, Schreiber, Voigt und dergleichen; Unterthaͤnigkeit, Leibeigenschaft und andre Bauernsklaverey; unentgeldliche oder so gut als gar nicht bezahlte Fuhren und Dienste zum Vor- theile des Landesherrn oder der Befehlenden im Lande. Kriegsfuhren, Kriegsdienste, Militairconscription, Enrollirung der Soͤhne zu Soldaten, in Regiments- cantons ; die Pflicht, Soldaten zu stellen und zu hal- ten; unentgeldliche Arbeit zum Behuf der Landstraßen, Von der Landwirthschaft der Japaner. Bruͤcken, oͤffentlichen oder herrschaftlichen Gebaͤude, Kirchen, Pfarrgebaͤude und wie alles das heißen mag, was in europaͤischen Staaten den Bauer auf die schreyendste Art einschraͤnkt und niederdruͤckt: von die- sem allem, kennt und erfaͤhrt der Bauer in Japan nie- mals das Allergeringste. Zaͤune und andere Befriedi- gungen um Gaͤrten, Aecker und Wiesen anzulegen, und zu unterhalten, Holz dazu und zum Brennen weit her zu fahren, und dergleichen, hat er nicht noͤthig. Ge- meinheit der Grundstuͤcke: als Gemeinwiesen, Gemein- dehoͤlzung, gemeine Hut und Weide, und was sonst da- hin gehoͤrt, hindert ihn eben so wenig, den Boden, der ihm gehoͤrt, nach seinem Gefallen und aufs Vortheilhaf- teste zu gebrauchen, als vertheilte und zerstreute Lage der einzelnen Aecker, Wiesen und Gaͤrten. Nur Einem Zwange ist der Landmann hier unter- worfen: diesem, daß jeder schlechterdings gehalten ist, sein Feld jaͤhrlich zu bestellen, wiedrigenfalls er denje- nigen Theil, welchen er unbestellt laͤßt, verliert, und ein andrer, der ihn bestellen kann und will, denselben bekommt. Dies aber ist ein Zwang, der zur Aufnahme des Acker- baues gereicht. Der Bauer muß also, er wolle oder nicht, alle Muͤhe und alle seine Zeit zur Bearbeitung seines Feldes anwenden, wobey ihm Frau und Kinder treulich beystehen. Wiesen, Aenger, Triften und andre bloß zur Weide bestimmte Plaͤtze, trift man im ganzen Lande nicht an, sondern alles ohne Unterschied wird entweder be- saͤet oder mit Erdfruͤchten bepflanzt; denn Viehheerden oder eine Anzahl Reit- und Kutschpferde haͤlt hier niemand. Auch nehmen hier keine allzuweitlaͤuftige Tobackspflan- zungen dem noͤthigern Getreide den Platz weg, eben so wenig als zum Brantweinbrennen und anderm eben nicht loͤbli- D 5 Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. chen Gebrauche Korn gesaͤet wird. Kein Wunder bey allen diesen Einrichtungen und Gewohnheiten, daß das Land, wie ich schon mehrmals geruͤhmt habe, nicht nur so ganz uͤber alle Vorstellung angebauet, sondern auch unglaublich bevoͤlkert ist, und zugleich seine unzaͤhlichen Einwohner ganz allein, ohne fremde Einfuhr, ernaͤh- ren kann. Auf der andern Seite aber uͤbersteigt es auch allen Glauben, wie viel Muͤhe, Sorgfalt, Emsigkeit und Unverdrossenheit der Japaner bey seinem Ackerbau an- wendet. Besonders zeigt sich dies bey Urbarmachung und Bestellung steiler Berge. An den Seiten dersel- ben bleibt nichts unangebaut liegen. Wenn der Fleck auch nicht groͤßer als zwey Fuß ins Gevierte ist, so legt der Japaner doch unten eine kleine steinerne Mauer an, fuͤllet den Platz inwendig mit Erde und Dung, und be- saͤet dies kleine Beet mit Reis oder Gartengewaͤchsen. Die meisten Berge sind mit tausenden solcher kleinen Beete geschmuͤckt, und diese geben ihnen ein Ansehen, das bey dem, welcher an den Anblick nicht gewohnt ist, die groͤßte Bewunderung erregt. Einige Felder stehen im Fruͤhlinge fast ganz unter Wasser. Andere, besonders die zu Reis bestimmten, Fel- der giebt man sich viel Muͤhe, gehoͤrig zu waͤssern. Besonders haben sie eine ganz eigne und artige Metho- de, bey starker Duͤrre das Wasser dahin zu leiten. Die hiesigen Baͤche sind zwar nicht nur groß, sondern schwel- len auch, wenn viel Regen faͤllt, hoch an; laufen aber auch schnell nach dem Meere zu, und behalten daher wenig Wasser. Um dennoch Nutzen von ihnen zu ha- ben, wirft der Landmann ganze Daͤmme von Erde, viele Fuß breit und oft von unglaublicher Laͤnge auf, hinter Von der Landwirthschaft der Japaner. welchen das Wasser eine ganze Strecke hin, sich sam- melt und stehen bleibt, da er es denn hernach, wo er es noͤthig findet, abzapft, und auf die unten lie- genden Aecker fließen laͤßt. Auf eine aͤhnliche Art brin- gen sie das Wasser, welches sich an den Spitzen der Berge aus den Wolken und aus Regen sammelt, zusammen, und leiten es von den obern Aeckern zu den untern her- ab, so daß erst jene, dann nach und nach diese unter Wasser zu stehen kommen, und alle gehoͤriges Wasser behalten, indem allezeit die untere Seite mit einem allenthalben gleich hohen Rande eingeschlossen wird. In keinem einzigen Lande sammelt man den Duͤn- ger mit mehr Sorgfalt, und geht so haushaͤlterisch da- mit um, als hier, so, daß in der That von dergleichen nichts, das gebraucht werden kann, unbenutzt bleibt oder umkommt. Das Vieh wird das ganze Jahr hin- durch auf dem Stalle gefuͤttert, daher bleibt aller Duͤn- ger auf dem Hofe. Auf den Landstraßen wird allent- halben durch alte Leute und Kinder alles aufgesammelt, was die Pferde fallen lassen; sie brauchen dazu, um sich nicht buͤcken und die Haͤnde verunreinigen zu duͤrfen, eine an das Ende eines Stocks, wie ein Loͤffel, befestigte Muschel, werfen es dann gleich in den am linken Arme haͤngenden Korb und tragen es so zu Hause. Ja selbst der Urin, den man in Europa so selten zum Besten der Aecker oder Gaͤrten anwendet, wird hier mit Sorgfalt in großen irdenen Kruken gesammelt, dergleichen nicht nur in den Doͤrfern, sondern auch auf den Seiten der Landstraßen, in die Erde gegraben, zu Jedermanns Ge- brauch vorhanden sind. Mann erinnere sich, was ich Seite 172. hievon bereits erzaͤhlt habe. So geizig die Japaner alles, was zum Duͤngen gebraucht werden Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. kann, sammeln, so muͤhsam verfahren sie auch bey dem Duͤngen selbst. Sie fahren den Mist weder im Winter noch im Sommer auf ihren Acker, daß er, wie bey uns, eine geraume Weile liegen bleibt, und von der Sonnenhitze austrocknet, oder doch seine Kraft verliert, indem die salzigen und oelichten Theile aus- duͤnsten; sondern sie vermischen mehrere Arten Mist, von Menschen und Vieh, wie auch alles was in der Kuͤche abfaͤllt, mit Wasser und Urin, und ruͤhren es zu einem ganz duͤnnen Brey durcheinander. So zugerichtet tragen sie ihn, in zwey großen Eimern die an einem Holze uͤber der Schulter hangen, auf den Acker oder in den Garten und begießen damit, vermittelst einer Kelle die Saat oder Gewaͤchse, zu zwey verschiedenen ma- len, das erstemal wenn sie ungefehr eine Vier- telelle hoch sind, und nach Verlauf von ein paar Wochen zum zweytenmale. Auf diese Art haben Saat und Gewaͤchse den ganzen Nutzen davon, und die beste Kraft zieht sogleich in die Wurzel. Man steht vor Erstaunen still, wenn man sieht wie unverdrossen die Leute diese eckelhafte Arbeit verrichten. Diese Methode Feld und Gaͤrten zu duͤngen, ver- schaft auch den Vortheil, daß alles von Unkraut rein bleibt, und wenn ja Unkraut hervorkommt, so wird es gleich aufs sorgfaͤltigste ausgejaͤtet. Daher kommts denn, daß die Aecker und Gaͤrten so ganz leer von allem Unkraute sind, daß der scharfsichtigste Botaniker schwer- lich ein einziges fremdes Kraut unter der Saat oder zwischen den Gewaͤchsen entdecken wird. Ein Reisen- der, der dies nicht wuͤßte, wuͤrde sich leicht einbilden koͤnnen, Japan erzeuge gar nichts von dem, was man Unkraut nennt. Von der Landwirthschaft der Japaner. Pflug und Egge gebraucht man in Japan wenig. Das meiste Land, auch das Feld, wird, und zwar sehr fein und locker, umgegraben. Welchen Nutzen dies hat, darf ich nicht erinnern. Ueberhaupt bringt bey der Art, wie die Japaner ihren Acker bearbeiten, ein kleiner Platz eben so viel, als in Europa ein weit groͤs- serer, ein. Zum Graben gebraucht man einen etwas gekruͤmmten, einen Fuß langen und eine Hand breiten Spaden. Der Pflug wird von einer Kuh oder einem Ochsen gezogen. Wenn der Bauer sein Feld umgraͤbt, oder pfluͤgt, folgt ihm allezeit eine Parthey schoͤne, weißliche Rei- her ( Ardea ) nach, welche die mit aufgegrabenen Wuͤr- mer und anderes Ungeziefer, auflesen; Solchergestalt koͤn- nen auch diese der Saat und den Gewaͤchsen nichts scha- den. Diese Reiher sind ganz zahm, und um des Nutzens willen, den sie stiften, thut ihnen niemand et- was zu Leide. Von Hecken, Zaͤunen, Feldmauren und andern Befriedigungen des Ackers, weiß man hier nichts. Alles liegt frey und offen. Vieh, keiner Art geht draussen, kann also auch nichts beschaͤdigen. Von den Wegen abweichen, und uͤber den Acker fahren, oder gehen, wuͤrde sich hier niemand unterstehen. Der Platz, welchen der Zaun, oder dergleichen einnehmen wuͤrde, wird also auch benutzt. Die vornehmste Getreideart ist Reis. Buch- weitzen, Rocken, Gersten und Weitzen, wird wenig gesaͤet. Das Land, worauf Reis gepflanzt werden soll, faͤngt der Landmann schon im April an umzugraben. Es steht alsdenn beynahe ganz und gar unter Wasser, Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. und ist da an den Seiten umher mit einem kleinen Rande eingefaßt, damit das Wasser nicht ablauffen kann. Der Reis wird allezeit zuerst auf ein kleines Stuͤck Land, ganz dicht, wie bei uns der Kohlsaamen, auf eine Art Mistbeet gesaͤet. Wenn nun die Pflanzen eine Viertel- elle hoch sind, werden sie ausgezogen, und, wie Kohl- pflanzen, auf die dazu bestimmten Aecker verpflanzt, und zwar immer einige zusammen in ein Loch, aber die Loͤcher so weit von einander, daß auf allen Seiten ein Zwischenraum von einer Viertelelle bleibt; so weit ste- hen also hernach die Buͤschel Reishalme auseinander. Dies Pflanzen ist uͤberall die Arbeit der Frauensperso- nen, die dabey bis an die Waden im Wasser und Schlamm waten. Alles Land, worauf Reis gepflanzt werden soll, graben sie um; nur dasjenige, welches sehr niedrig liegt, und ganz und gar unter Wasser steht, pfluͤgen sie. Im November ist der Reis reif. Er wird alsdann abgeschnitten, in kleine Bunde oder Garben ge- bunden, und vom Felde nach dem Hause geschaft. Um ihn zu dreschen, werden die Aehren gegen eine Tonne oder etwas anders geschlagen, da dann die Koͤrner so- gleich herausfallen; eine sehr einfache und kurze Arbeit. Um aber die aͤußere Huͤlse oder Spreu vom eigentlichen Korne selbst zu trennen, muß es noch einmal gedroschen, oder vielmehr gestampft werden, welches aber selten vorgenommen wird, ehe man den Reis gebrauchen will. Man verfuͤhrt und verkauft ihn gewoͤhnlich ungestampft. Das Stampfen geschieht im Kleinen, in einem ausgehol- ten hoͤlzernen Block, mit einem hoͤlzernen Stoͤßer, wo- durch die Huͤlse sich abloͤset. Im Großen wird es auf einer Maschine verrichtet, die aus mehreren Stempeln besteht, und entweder durch ein Wasserrad in Bewe- Von der Landwirthschaft der Japaner. gung gesetzt, oder durch einen Kerl mit dem Fuße getre- ten wird. Uebrigens wird der hiesige Reis fuͤr den be- sten in Ostindien gehalten; er ist sehr weiß, seimig, und nahrhafter als andrer. Aus dem Buchweitzen wird hier zu Lande, nicht so wie in Europa , Gruͤtze, sondern Mehl gemacht, und dieses in kleine Kuchen verbacken. (Siehe die erste Abtheilung, Seite 43.) Der Weitzen wird im November gesaͤet, und im Junius geerndtet. Meistentheis wird feines Mehl da- von gemahlen, woraus man kleine Kuchen backt, die weich, oder frisch, gegessen werden. Die Gerste wird verschiedentlich, vom October bis zum December, ausgesaͤet. Gegen das Ende Mays, oder zu Anfange des Junius, wird sie eingeerndtet, getrocknet und gedroschen. In der Gerste findet sich, auch hier zu Lande, oft Brand, doch nicht so haͤufig als man diese Krankheit des Getreides in Europa antrift. Die Gerste wird groͤßtentheils zum Futter fuͤr Pferde und andres Vieh gebraucht. Bisweilen wird auch feines Mehl davon gemahlen, woraus kleine Kuchen gebacken werden. Die Aecker, welche mit Weitzen und Gerste be- saͤet werden sollen, werden in schmale Beete getheilt, die etwa einen Fuß breit und durch etwas niedrigere Zwischenraͤume, welche uͤber einen Fuß breit sind und unbesaͤet bleiben, von einander getrennt werden. Auf diese schmalen Beete wird Korn gesaͤet, entweder in der Breite, in Reihen, die ein wenig von einander abste- hen, oder, wiewohl seltner, der Laͤnge nach in zwey Rei- hen. Wenn die Saat einen Fuß hoch geworden ist, doch ehe sie Aehren bekommt, wird aus dem unbesaͤeten Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. Zwischenraume Erde herausgenommen, und sehr behut- sam unten um die Saat herumgelegt, welche dadurch neuen Saft und Duͤnger bekommt; die Zwischenraͤume werden auf diese Art in tiefe Furchen, oder kleine Gra- ben, verwandelt, in welche das Wasser einzieht. Diese muͤhsame Arbeit macht die Saatfelder zu wirklichen Gartenbeeten, die auf den Anhoͤhen und Bergen, von kleinen Mauern unterstuͤtzt, terrassenfoͤrmig uͤbereinan- der hervorragen, welches einen vortreflichen Anblick, gewaͤhrt. Zu seiner Zeit wird die Erde wieder weg- genommen, und in die Furche geworfen, und dagegen fuͤr das kuͤnftige Jahr, das, was Saatbeet war, zu Zwischenraum und Graben gemacht. Sobald die Gerste abgeschnitten ist, wird nicht sel- ten andre Gerste, oder auch wohl Bohnen zwischen die Stoppeln gesaͤet, und zwar entweder auf das vorige Beet, oder auf den Zwischenraum, so, daß das Land wirk- lich zweymal im Jahr, obwohl an verschiedenen Stellen, besaͤet wird, ohne daß der Acker deshalb zum zweyten- mal von vorn bearbeitet werden duͤrste. Ruͤbsaamen wird in allen Gegenden von Japan uͤberfluͤssig gebauet. Im Monath April, sehen uͤber das ganze Land die Aecker von den Bluͤthen wie vergol- det aus. Die Ruͤbe wird nicht gebraucht, aus dem Saamen aber, welcher im May reif wird, preßt man Oel, das uͤberall in den Lampen gebrannt wird. Die Japaner nennen das Kraut Na Tanne, das Oel Na- tanne Abra oder Natanne no Abra. Gersten, Weitzen, Kohlsaamen und Senf, wer- den ohne viele Umstaͤnde auf Strohmatten, unter freyem Himmel, nicht selten auch in den Doͤrfern vor der Hausthuͤr, gedroschen, und zwar mit Flegeln, die drey Schlaͤgel Von der Landwirthschaft der Japaner. Schlaͤgel haben. Man schlaͤgt auch wohl nur die Garbe mit den Aehren gegen eine Tonne oder dergleichen, da- mit das Korn herausfalle, welches hernach von Spreu und anderm Unrath gereiniget werden wuß . Von Bohnen, sowohl den eigentlichen Bohnen, ( phaseolus ) als Faseln ( Dolichos), Erbsen und Linsen bauet man mehrere Arten. Von den Sojabohnen ( Dolichos Soja), die japanisch Daidsu heißen, ge- braucht man das Mehl an Speisen, um dieselben damit zuzubereiten, und den ausgepreßten Saft zur Zuberei- tung der Soja; die Bohnen selbst aber werden in Suppe gekocht, welche Miso heißt, und hier zu Lande ein taͤgliches Gericht ist. Diese Art Bohnen, welche klein sind, und wie Linsen aussehen, wird sehr haͤufig gebaut, ob sie gleich auch vielfaͤltig wild wachsen. Nicht leicht wird wohl eine Schotenfrucht haͤufiger ge- braucht, als diese; denn die Sojabruͤhe, und das So- jamehl wird taͤglich genossen, und die Misosuppe wird wenigstens einmahl, oft mehrmahls, jeden Tag, und zwar zu allen Jahrszeiten, von Vornehmen und Gerin- gen, von Reichen und Armen, gegessen. Die gestrahlten Bohnen ( phaseolus radiatus ) werden auch gemahlen, und aus dem Mehle nebst Zucker, werden kleine Kuchen gebacken. Welsche Bohnen oder Bufbohnen ( Vicia faba ) traf ich auch an einigen Orten an. Eben so zieht man verschiedene Arten Gewaͤchse aus dem Geschlechte der Graͤser, um den Saamen da- von zur Nahrung, sowohl fuͤr Menschen als Vieh, zu nutzen; verschiedne Arten Fennich (panium), den quirl- foͤrmigen ( verticillatum ; Awa) und den Rabenfuß Crus corvi ; Ko Kibi); Pferdegras oder Sorghosa- men ( Holcus Sorghum ; Kibi); Krummaͤhriges Kamm- Thunbergs Reisen, Zwedt, Band, zweyter Th. E Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. gras ( Cynosurus coracanus ; Nan ban Kiwi), nebst andern. Ruͤben werden haͤufig gesaͤet, und zum Essen ge- braucht; imgleichen andere Erdfruͤchte und Zwiebelge- waͤchse, als Zuckerwurzeln ( Sium Sisarum ); Moͤhren oder gelbe Wurzeln ( Daucus carota ) die aber hier nicht sehr gelb sind; Rettich ( Raphanus Satirus ); Bataten ( Convolvulus Batatas oder edulis ); und auch Kartof- feln, wiewohl diese letzteren nur sehr sparsam, ( Solanum tuberosum ) Von allen vorgenannten, sind die Ba- taten hier die haͤufigsten und wohlschmeckendsten. Andre japanische Gartenfruͤchte sind Salat ( Lac- tuca sativa ); Melonen (Cucumis melo), sowohl mit weißem, als mit roͤthlichem Fleisch, die man, wie bey uns, zum Dessert gebraucht; Pfeben (Cucurbita pepo), wovon man Suppen kocht; Gurken (Cucumis sativus), die man theils frisch ißt, theils einmacht; Konomon (Cucumis conomin), welche eingesalzen werden, und den Appetit zu reitzen dienen; Fokke Fokkes oder Me- lanzanaͤpfel ( Solanum melongena ) die man in Suppen ißt; Flaschenkuͤrbisse oder Kalabassen ( Cucurbita lage- naria ) woraus die Einwohner Flaschen und aͤhnliche Ge- faͤße machen. An mancherley wohlschmeckenden Fruͤchten, die die Gaͤrten liefern, fehlt es auch nicht. Dahin rechne ich Pomeranzen, Zitronen, Pompelmuse ( Citrus de- cumanus ) und Apfelsinen, Aepfel, Birnen, Quitten (Pirus cydonia), Pfirschen, Mandeln, Apricosen, Pflaumen, Kirschen, sehr schmackhafte Mispeln (Mes- pilus japanica), Kakifeigen oder Versimonen (Diospi- rus kaki), Weintrauben, Granataͤpfel (Punicum granatum), spanische Feigen (Cactus ficus), Kastanien, Von der Landwirthschaft der Japaner. Wallnuͤsse und vielerley andre. In den Doͤrfern trift man an sehr vielen Stellen Mandeln- Pfirschen- und Apricosenbaͤumen gepflanzt an, deren rothe Bluͤthe schon im April die alsdann noch unbelaubten Zweige bedeckt. Diese Baͤume sowohl als die Pflaumen, Kirsch- Aepfel-Birn- und Quittenbaͤume, haben hier auch haͤufig doppelte oder gefuͤllte Bluͤthen, worauf die Japaner einen besondern Werth setzen. Als Gewuͤrze, zieht man in den Gaͤrten, Ingber ( Amomum Mioya ); den Pfefferbusch ( Fagara piperita ) wovon man sowohl die Blaͤtter als die Frucht braucht, um Suppen und Bruͤhen einen starken Specereyge- schmack zu geben; wie auch spanischen Pfeffer (Capsi- cum). Senf gebrauchen die Japaner zwar selten ans Essen, aber sie pressen Oel aus den Senfkoͤrnern, das sie in den Lampen brennen. Am meisten saͤen sie von der niederhangenden Gattung (Sinapis cernua), Hopfen bauet und gebraucht man in Japan nicht; ich sah ihn aber doch hie und da wild wachsen. Da in Japan alles Land offen liegt, ohne Zaͤune und andre Befriedigung, so sieht man viele Kuͤchenge- waͤchse und Gartenfruͤchte auf dem freyen Felde stehen. Eigentliche Gaͤrten giebt es daher keine andere, als die, welche man bey jedem Hause antrift; diese sind aber von unbedeutender Groͤße, und dienen mehr zur Zierde und zum Vergnuͤgen, als zum Nutzen. Man findet darin Baͤume, die mit schoͤnen und großen, oft gefuͤllten Blumen prangen, und verschiedne Kraͤuter und Zwie- belgewaͤchse mit vorzuͤglich schoͤnen Blumen, als indi- sches Felsenkraut ( Azalea indica ) die Nandine ( Nandina domestica ) die Gardenie ( Gardenia florida ) Spierkraut (Spirea), die Magnolie (Magnolia), Sammetblume E 2 Erste Abtheilung Vierter Abschnitt. (Tagetes patula), Celosien (Celosia cristata), chinesi- sche Sternblumen (Aster chinensis), Paͤonien (Paeonia officinalis), Wucherblumen (Chrysanthemum indicum), Ringelblumen (Calendula officinalis), Balsaminen (Impatiens balsamina), Wunderblumen ( Mirabilis di- chotoma ) und unzaͤhliche andere. Als Faͤrbekrautblumen bauen die Japaner den Knoͤterich oder Wegtritt (Polygonum), sowohl den chi- nesischen (chinense), als den baͤrtigen (barbatum), auch den gemeinen oder Vogelknoͤterich (aviculare). Er giebt eine schoͤne blaue Farbe, wie Indigo; die Blaͤt- ter werden getrocknet, gestoßen und kleine Kuchen dar- aus gemacht, die in den Krambuden zu kaufen sind. Man kann nicht nur Leinwand, sondern auch seidne und baumwollene Zeuge damit faͤrben. Wenn man sie ge- brauchen will, werden sie mit einem Zusatz von Asche gekocht. Je staͤrker der Decoct gemacht wird, desto dunkler wird die Farbe, und im Gegentheil desto heller. Sowohl der Baumwoll- als der Seidenbau, ist in Japan gar ungemein betraͤchtlich, und verschaft vielen Millionen Menschen Kleidung. Die Baumwollstauden, und zwar von der Gattung der Krautartigen, ( Gossy- pium herbaceum ) werden jaͤhrlich gepflanzt. Sie ge- ben eine sehr feine und weiße Bauwolle, die zu Zeugen, zum Ausstopfen und zu anderem Behuf gebraucht wird. Der Seidenbau beruhet auf dem steten Pflanzen und Vermehren der Maulbeerbaͤume, wodurch eine un- beschreibliche Menge Seidenwuͤrmer ernaͤhrt wird. Die Seide wird zu Zeugen, zu Garn, zu Matten und auf mancherley andre Art gebraucht. Der Firnißbaum (Rhus vernix), der Kampfer- baum (Laurus camphora), der Fichtenbaum (Pinus syl- Von der Landwirthschaft der Japaner. vesttis), die Theestaude (Thea bohea), der Cedern- oder Cypressenbaum ( Cupressus japonica ) und das Bam- borohr (Arundo bambos), wachsen, nicht nur im gan- zen Lande, wild, sondern werden auch, des großen Nu- tzens wegen den sie den Einwohnern verschaffen, in verschiedenen Gegenden gepflanzt und gezogen. Den Bambostamm gebrauchen sie zu Hebebaͤumen; von dem Rohre flechten sie Koͤrbe und Schraͤnke, und machen Schreibfedern, Faͤcher und manches andre daraus. Die Fichten pflanzen sie zum Zierrath vor die Haͤuser; das Holz brauchen sie zum Hausbau und als Nutzholz zu allen Arten hoͤlzerner Sachen; auch verfertigen sie daraus die feinste lackirte Arbeit. Das Cedernholz ge- brauchen sie zum Schiffbau, auch machen sie Hausgeraͤth und Tischlerarbeit davon. Der Firnisbaum enthaͤlt ei- nen Milchartigen Saft, der von allen Harzen das vor- treflichste zum Lackiren ist, und wovon ich im vorherge- henden mehr gesagt habe. Der Kampferbaum waͤchst in der Landschaft Satsuma und auf den Inseln, die den Namen Gotho fuͤhren, in groͤßter Menge wild. Aus den japanischen Baͤumen wird der meiste Kampfer, der in Europa gebraucht wird, zubereitet. Die Japaner splittern den Baum und die Wurzeln sehr fein von ein- ander, kochen die duͤnnen Streifen in Wasser, in einem eisernen Topfe, der mit einem, wie ein Hut gestalteten hoͤlzernen Deckel zugedeckt ist; in dem Kopfe des Dek- kels oder Huts, wird Stroh oder Heu befestigt, damit der aufsteigende Kampfer sich in Gestalt von Koͤrnern daran festsetzen koͤnne; hernach werden diese Koͤrner von dem Strohe oder Heu los gemacht, in Faͤsser eingepackt und an die hollaͤndische Compagnie nach dem Gewichte verkauft. E 3 Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. Die Theestaude waͤchst im Lande uͤberall wild. Am haͤufigsten fand ich sie jedoch an den aͤußersten Sei- ten, oder dem Rande, der bestellten Felder, oder auf sol- chen Bergen und Huͤgeln die der Muͤhe der Bearbei- tung nicht werth sind, angepflanzt. In Zeit von sechs bis sieben Jahren, waͤchst sie aus dem Saa- men zu voͤlliger Mannshoͤhe; aber schon im dritten Jahre traͤgt sie durch ihre Blaͤtter etwas ein. Je aͤlter die Blaͤtter sind, und je spaͤter im Jahre sie abgepfluͤckt werden, desto mehr bekommt man zwar, aber desto schlechtern Thee geben sie auch; die kleinen und eben erst ausgebrochnen Blaͤtter, geben den feinsten und kostbarsten Thee. Das Pfluͤcken wird daher jaͤhrlich zu drey verschiednen malen vorgenommen. Die erste Erndte geschieht im Anfange des Maͤrzes, oder auch am Ende des Februars. Alsdann fangen die Blaͤtter an auszubrechen, sind klebrich und werden nur fuͤr den Kaiser und die Reichen und Vornehmen gepfluͤckt, be- kommen davon auch den Namen Kaiserthee. Einen Monath nachher faͤllt die zweyte Erndte ein, da die Blaͤtter ausgewachsen, aber noch duͤnne und wohl- schmeckend sind. Wiederum nach einem Monathe wird das Meiste gesammelt; die Blaͤtter sind alsdenn voͤllig ausgeschlagen und dick geworden. Die junge Stau- den geben allezeit bessern Thee, als die alten; auch schmeckt der Thee aus einigen Provinzen besser, als aus andern. Wenn die Blaͤtter abgepfluͤckt sind, werden sie gedoͤrret, und zu dem Ende auf duͤnne eiserne Platten hingebreitet, die warm gemacht wer- den. Hier muͤssen sie fleißig mit der Hand um- geruͤhrt werden, so lange die Finger die Hitze ertragen koͤnnen. Darauf werden sie auf Matten Von der Landwirthschaft der Japaner. hin und her gerollt, bis sie ganz kalt geworden sind. Sind sie alsdenn nicht trocken genug, so wird das Roͤsten noch ein oder mehrere mal vorgenommen. Oft legen die Leute die Matten mit den Theeblaͤttern ganz sorglos vor die Hausthuͤr hin, und lassen sie da liegen. Der Zuckerahorn, oder Zuckermasholder (Acer saccharinum), waͤchst meines Wissens in Japan nicht; auch hat man bis jetzt das Pflanzen des Zuckerrohrs nicht eingefuͤhrt. Die Japanischen Dolmetscher zeigten mir aber doch einen Saft, wovon Zucker gemacht werden kann. Dies ist der Saft eines gewissen Baumes, der auf den Inseln um Nipon waͤchst. Der daraus bereitete Zucker schmeckt suͤß, ist braͤun- lich und von schlechtem Ansehen. Zucker ist also das einzige, was die Japaner von Auslaͤndern nehmen muͤssen. Daß Japan , und zwar im groͤßten Ueberflusse, alles, was zur Nahrung, Kleidung und Bequem- lichkeit seiner Bewohner erforderlich ist, hervorbringt, wird jeder aus dem bisher gesagten zur Genuͤge er- sehen. Und da man in den meisten andern Laͤndern so oft uͤber Mißwachs und Hungersnoth klagt, so hoͤrt man dergleichen in diesem Reiche sehr selten, wo man sparsam lebt, keinen Aufwand macht, auf den Ackerbau so unbeschreibliche Muͤhe und Sorgfalt wendet, und außer Reis und Getreide, auch kluͤg- lich eine Menge Gartengewaͤchse und Erd- und Baumfruͤchte zu ziehen sucht. Inzwischen weiß man doch Beyspiele, daß auch hier Hungersnoth das Land betroffen hat. Da die Japaner nicht nur so manche Getreide- arten, sondern auch so viele Wurzel- Schoten- und E 4 Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. andre Gartengewaͤchse, nebst Obst und Fruͤchten in Menge, uͤberdem aber, aus dem das Land allenthalben umstroͤmenden Meere, einen unerschoͤpflichen Vorrath von Fischen holen; da ferner die Reisen, entweder zu Fuß, oder in Tragsaͤnften gemacht; und bey der sehr großen Menge Leute, die man dazu haben kann, fast alles, was von einem Orte zum andern zu trans- portiren ist, von Menschen getragen, da keine Ca- vallerie im Lande unterhalten, da endlich die aller- meiste Feldarbeit ohne Zugvieh verrichtet wird; so bedarf es fast gar keiner Viehzucht, in diesem Lande, da- her sie denn auch nur sehr geringe ist. Die wenigen Pferde, welche es hier giebt, werden von den Fuͤrsten auf ihren Reisen, theils zum Reiten, theils als Packpferde ge- braucht; und ihre ganze Anzahl moͤchte wohl nicht so viel betragen, als in einer mittelmaͤßigen Stadt in Eu- ropa . Große Reitpferde, praͤchtige Kutschpferde, schnelle Schlittenpferde, kennt man hier eben so wenig, als Fuhrmanns und Bauernpferde. — Rindvieh hat man noch weniger; von den Kuͤhen gebraucht man eben so wenig die Milch, weder zum Trinken, noch zu Speisen, noch zu Butter oder Kaͤse, als man Kalb- oder Rindfleisch isset, oder das Talg gebraucht. Die wenigen Kuͤhe und Ochsen die gehalten werden, hat man bloß dazu, sie vor Karren zu spannen, (welches aber nur in Einer Gegend des Landes geschieht), um solches Feld, das fast bestaͤndig unter Wasser steht; zu pfluͤgen. — Schweine findet man nur um Nangasacki , und zwar sehr wenige, die noch dazu von den Chinesern in spaͤ- tern Zeiten ins Land gebracht zu seyn scheinen. — Schaafe und Ziegen sind im ganzen Lande gar nicht zu finden; die Einwohner koͤnnen auch der Schaafwolle Von der Landwirthschaft der Japaner. sehr gut entbehren, da sie Baumwolle und Seide im Ueberfluß haben. Waͤhrend meines Aufenthalts auf der hollaͤndschen Factorey, trug es sich zu, daß einige Japaner mit verschiedenen Schaafen nach der Insel ka- men, welche sie von einem Chef des hollaͤndischen Han- dels, der nach Batavia gereiset, und hernach nicht wiedergekommen war, in Empfang genommen, und verschiedene Jahre in Verwahrung gehabt hatten. — Hunde, die einzigen Muͤßiggaͤnger im Lande, halten sie aus Aberglauben. Katzen sind meistens die Lieblinge des Frauenzimmers. — Huͤhner, Gaͤnse und Enten halten die Japaner auch, mehrentheils um der Eyer willen, wovon sie große Liebhaber sind, und die sie bey manchen andern Gerichten hart gekocht und in Stuͤcken zerschnitten, essen. Die Fischerey wird, wie ich schon einigemal bey- laͤufig erwaͤhnt habe, von den Japanern außerordentlich stark und eifrig getrieben; das Meer welches ihr ganzes Land umfließt, und so viele Buchten macht, auch so manche kleine Inseln enthaͤlt, kommt ihnen dabey so sehr als wenig andern Laͤndern zu Statten; auch essen die Japa- ner fast nichts haͤufiger und lieber als Fische. Es ist unglaublich, welch eine Menge Fischer, bloß aus dem Hafen von Nangasacki taͤglich auslaufen. An den dun- keln Herbst- und Winterabenden, brennen sie Fackeln und andre stark scheinende Lichte auf ihren Boͤten, die uͤber eine Meile weit von der Stadt gesehen werden, und einen ungemeinen schoͤnen Anblick geben. Die Jagd kennen die Japaner gar nicht. E 9 Erste Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. Fuͤnfter Abschnitt. Vom Handel der Japaner . B ey Beschreibung der Handelsstaͤdte, welche ich auf un- srer Hofreise gesehen, habe ich vom einheimischen Handel bereits manches gesagt, so wie ich, in den Abschnitten die meinen Aufenthalt auf Dezima betreffen, von dem Handel der Japaner im allgemeinen sowohl, als mit den Hollaͤn- dern und Chinesern insbesondere, umstaͤndliche Nachricht gegeben habe. Was von diesem allen noch nachzuholen ist, will ich itzt zusammenfassen. Den inlaͤndischen Handel erleichtern und be- foͤrdern die vielen großen Handelsstaͤdte und die vielen Seehaͤfen ungemein. Er ist in einem sehr bluͤhenden Zustande, und in jedem Betrachte frey und ohne Zwang- Einrichtungen; auch legen, weder Zoͤlle und Abgaben, noch Mangel an Gelegenheit des Transports zwischen den vielen verschiedenen Provinzen des Reichs, ihm Hin- dernisse in den Weg. Die Haͤfen sind stets mit großen und kleinen Fahrzeugen angefuͤllt; die Landstraßen wim- meln von Reisenden und von Leuten, die Waaren tra- gen; und die Handelsbuden, besonders in den großen Handelsstaͤdten, sind allenthalben voll Kaufmannsguͤter und Waaren aus allen Orten und Enden des Landes. In diesen Staͤdten, vorzuͤglich zu Miako , welches im Mittelpunkt des Reichs liegt, werden auch verschiedne große Maͤrkte gehalten, zu welchen die Leute aus allen Gegenden zusammenstroͤmen, um zu kaufen und zu ver- kaufen. Außer dem Kubo sind wohl die Kaufleute die einzigen im Lande, welche reich werden, und bisweilen ansehnliche Summen beylegen koͤnnen. Demungeach- Vom Handel der Japaner. tet aber ist der Kaufmannsstand hier bey weitem nicht in solchem Ansehen, als bey den Europaͤern; zu einem hoͤ- hern Stande sich hinauf zu schwingen, oder vornehme Titel zu erlangen, ist einem Kaufmann hier auch nicht moͤglich. Im Gegentheil ist der Kaufmann immer ein verachteter Mann, und man hat allezeit die nachtheilige Vorstellung von ihm, daß er auf eine nicht ganz ehrliche Art und auf Kosten seiner Mitbuͤrger seine Schaͤtze sammle. Der Theehandel wird nur im Lande getrieben; was davon ausgefuͤhrt werden kann, ist sehr wenig. — Der Handel mit Soja ist bedeutender. So wie der hiesige Thee fuͤr schlechter als der chinesische gehalten wird, ist die Soja hier weit besser, als in China . Sie wird in großen hoͤlzernen Kuͤbeln, nicht nur nach Batavia gebracht, sondern auch von da weiter nach Eu- ropa und allen Gegenden in Ostindien verkauft. In gewissen Bezirken von Japan ist sie besser, als in andern. Um sie am besten aufzubewahren, und zu verhindern, daß sie nicht bey der Hitze in Gaͤhrung uͤbergehe und ver- derbe, pflegen die Hollaͤnder auf der Factorey sie in ei- sernen Kesseln einzukochen, und hernach auf Bouteillen zu zapfen, die sorgfaͤltig zugepfropft und mit Harz ver- macht werden. Dadurch wird sie nicht nur staͤrker und zu allen Arten von Saucen brauchbar, sondern sie haͤlt sich auch besser. — Der Seidenhandel bluͤht zwar im Reiche selbst; weil aber die hiesigen Zeuge so außeror- dentlich schmal sind, koͤnnen die Europaͤer sie nicht ge- brauchen. — Der Porcellainhandel wird im Lande ebenfalls sehr stark getrieben; weil aber das japansche Porcellain, bey aller vorzuͤglichen Guͤte der Materie, doch uͤbrigens dem chinesischen nicht gleich kommt, so wird wenig davon an die Hollaͤnder abgesetzt. Erste Abtheilung. Fuͤnfter Auftritt. In den Krambuden findet man, sowohl in allen Staͤdten als auch in den Doͤrfern: Meublen, Haus- geraͤth, Kuͤchengeraͤth, alle Arten von Geschirren und Werkzeugen, Kleidungsstuͤcke und alles andere was man bedarf, in so unglaublicher Menge zu Kauf, daß man sich wundern muß, wie sich Kaͤufer dazu finden, und daß man fast auf den Gedanken gerathen moͤchte, hier waͤren Magazine fuͤr die ganze uͤbrige Welt. Je- der kann sich hier alles was er, von Kleidungsstuͤcken Schuhen, Regenschirmen, lakirter Arbeit, Porcellain und hunderterley andern Sachen, noͤthig hat, schon fertig gemacht, aussuchen, ohne je etwas bestellen zu duͤrfen. Mit den Chinesern haben die Japaner vermuthlich fruͤher und laͤnger Handel getrieben, als mit irgend ei- nem andern Volke; sie sind auch das einzige indische Volk, mit dem sie jetzt handeln. In alten Zeiten fuͤhr- ten die Chineser hauptsaͤchlich rohe Seide ein; jetzt brin- gen sie auch seidne Zeuge. Daß sie auch Zucker, im- gleichen Achat, nach Japan bringen, habe ich im ersten Theile an seinem Orte (Seite 59) nicht mit angefuͤhrt. Die daselbst erwaͤhnten Buͤcher, sind meistens medicini- schen Inhalts. Daß jaͤhrlich an zweyhundert chinesische Fahrzeuge hieher kamen, waͤhrte bis 1684. In die- sem Jahre war es, als man entdeckte, daß die Jesuiten, welche damals beym Kayser in China viel vermochten, durch die chinesischen Kaufleute, verschiedne in China ge- druckte katholische Buͤcher, heimlich herein practisirten. Man setzte daher ihrem Handel Grenzen, und unter- warf ihn dem Zwange, worunter er noch jetzt steht. Die Zahl der Schiffe, welche sie schicken duͤrfen, schraͤnkte man auf siebenzig, und die Bemannung eines Vom Handel der Japaner. jeden auf dreyßig Mann ein; die jetzt auf sechshundert tausend Thail herab gesetzte Summe, uͤber welche der Werth ihres Handels jaͤhrlich nicht hinausgehen darf, war vorher ebenfalls ganz uneingeschraͤnkt. Als große Liebhaber des Schweinefleisches, bringen die Chineser Schweine, aus China , mit nach Japan . Die Portugiesen, bekanntlich die ersten Entdecker der Japanischen Inseln , waren auch unter den Euro- paͤern die ersten, welche Handel dahin trieben. Ihr Gewinn war anfangs unglaublich: sie fuͤhrten jaͤhrlich mehr als drey hundert Tonnen Goldes aus. Als sie sich hernach durch ihr uͤbermuͤthiges Betragen allgemein verhaßt gemacht hatten, und dadurch ihr Handel in den aͤussersten Verfall gerathen war, wurde demungeachtet noch im Jahr 1636. eine Menge Silber, und zwar 2350 Kisten, oder 2,350,000 Thail, im Jahr 1637, 2,142,365; und 1638, 1,259,023 Thail ausgefuͤhrt. Seitdem sie aus dem Lande gaͤnzlich vertrieben worden, haben sowohl sie, als die Spanier, verschiedene Ver- suche gemacht, den Handel mit Japan wieder in Gang zu bringen. Aber alle Versuche dieser Art mislangen nicht nur, sondern liefen sogar ungluͤcklich ab, indem man mit einem Volke zu thun hatte, das unveraͤnderlich bey seinem Vorsatze beharret. Im Jahr 1640 wurde ein Schiff mit zwey Ambassadeuren und einem Gefolge von drey und siebenzig Personen von Makao nach Japan geschickt; alle diese wurden in Nangasaki sogleich gefangen genommen, und ihre Ankunft nach Hofe berichtet. Von hier kam aber der Befehl zuruͤck, daß alle, (ausser zwoͤlf, die wieder wegreisen durften,) hingerichtet werden sollten; dies Urtheil wurde auch vollzogen, und sie alle an Einem Tage, ja sogar in Einem Augenblicke, jeder von einem Erste Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. eignen Scharfrichter, gekoͤpft. Zugleich ward das Verbot fuͤr diese Nation erneuert, niemals wieder nach Japan zu kommen, und in dies Verbot unter andern die vermeßne Drohung eingeruͤckt, daß, wenn der Koͤnig von Portugal , oder auch der Gott der Christen selbst kaͤme, sie gleiches Schicksal treffen wuͤrde. Auch ein spanisches Schiff, ein großer Dreydecker, wohl be- mannet, und mit Kanonen sehr stark besetzt, hatte die Verwegenheit, in den Hafen von Nangasaki einzulau- fen, erfuhr aber ein noch ungluͤcklicheres Schicksal, zum Beweise, wie unerschuͤtterlich die Japaner bey dem, was sie einmal sich vorgenommen haben, behar- ren, wie buchstaͤblich sie den Willen ihrer Gesetze und die Beschluͤsse ihres Regenten vollziehen, und nicht einmal durch die Artillerie der Europaͤer sich davon abschrecken lassen. Dieses Schiff kam von den manilischen Inseln, ladete seine Waaren zu Nangasaki aus, und nahm da- gegen eine Menge Silber und andere Waaren ein. Mittlerweile wurde dem Kaiser Nachricht von der An- kunft der Spanier gegeben. Dieser ließ an den Fuͤrsten von Arima den Befehl ergehen, das Schiff mit sammt der Man- schaft und Ladung zu verbrennen. Der Fuͤrst griff das Schiff auch an, und drang, des tapfersten Widerstan- des unerachtet, an Bord desselben ein. Sobald er mit seinen Leuten das Schiff betrat, zogen die Spanier sich unter das erste Verdeck zuruͤck. Der Fuͤrst rettete sich, und das Verdeck flog in die Luft. Die Spanier wurden zum andern und dritten mal eben so heftig an- gegriffen, bis alle Verdecke in die Luft gesprengt waren, und das Schiff auf den Grund sank, ohne daß ein ein- ziger Mensch am Leben blieb. Das Gefecht dauerte Vom Handel der Japaner. sechs Stunden und kostete mehr als drey tausend Ja- panern das Leben. Vom hollaͤndischen Handel kann ich hier noch folgendes anfuͤhren. Als die Portugiesen, ungeachtet des gleich Anfangs in Japan erhaltenen Ansehens und Einflusses, dennoch die Hollaͤnder nicht hindern konn- ten, hier ebenfalls Handel zu treiben, legten diese ihre Factorey auf einer Insel, bey der Stadt Firando an, welche sie aber hernach verlassen mußten. Vom Kaiser Ijejas erhielten die Hollaͤnder ihre erste feyerliche Con- cession, hier allenthalben zu handeln. Ihr Handel bluͤhete auch bis 1619, da sie die Unvorsichtigkeit be- giengen, die foͤrmliche Erneuerung derselben von dessen Nachfolger, Kaiser Fidetada zu verlangen. Seit die- ser Zeit hat sich ihr Gewinn sehr vermindert, und ihre Freyheit ist in so mancher Ruͤcksicht betraͤchtlich einge- schraͤnkt worden. Im Jahre 1636 bekamen sie Be- fehl, ihr Packhaus und Waarenlager auf Firando nie- derzureißen, welches von Steinen, stark und praͤchtig, gebauet war, und uͤber dem Eingange bey der Jahr- zahl die Worte: Anno Christi zeigte, welches diesem argwoͤhnischen und von den Portugiesen so sehr beleidig- ten Volke zu großem Verdachte, Anlaß gab. Kurz darauf wurde ihnen befohlen, Firando ganz zu verlas- sen, sich nach Nangasaki zu begeben, und von nun an lediglich in diesem, am aͤussersten Ende des Reichs be- findlichen Hafen zu ankern. Im Anfange brachten die Hollaͤnder rohe Seide, seidne und halbseidne Zeuge Zitse, Kattune, Tuch, Sapanholz, Brasilienholz, Buͤffelhaͤute, Buͤffelhoͤrner, Hayfischhaut, Korduan, Pfeffer, Zucker, Mutternelken, Muskaten, Baros- kampfer, Wachs, Quecksilber, Bley, Safran, Sal- Erste Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. peter, Borax, Alaun, Bisam, Lacca, Benzoe, Sto- rax, Katechu, Ambra, arabische Costwurz, Korallen, Spießglas, Schlangenholz, Feilen, Nadeln, Spiegel- glas, Glaͤser, Brillen, Voͤgel und manche andre in Japan nicht zu habende Sachen ein. Der Gewinn war sehr ansehnlich; die Ausfuhr betrug wenigstens sechs Millionen Gulden, und bloß an Silber vier Mil- lionen. Auf der Hollaͤnder eignes Begehren, wurde der Handel mit Silber in Handel mit Kupfer verwan- delt, weil damals auf Kupfer mehr zu verdienen war. Von Stunde an, wurde aber auch die Exportation des Silbers verboten. Den aͤrgsten Stoß, scheint der Han- del der Hollaͤnder 1672 bekommen zu haben, und zwar durch den Haß, welchen Inaba Mino , Mitglied des Staatsraths, und Guͤnstling des frommen Kaisers Dai- jojin , gegen die Hollaͤnder gefaßt hatte. Dieser uͤbte seine Rache durch einen seiner Anverwandten aus, der zum Statthalter zu Nangasaki bestellt wurde. Letzterer ließ von allen Waaren, welche in dem Jahre mit den Schiffen nach Japan gekommen waren, Proben holen, die er den Kaufleuten zeigte, und wobey er diese befra- gen ließ, sowohl wie viel sie dafuͤr zu geben daͤchten, als auch wie viel sie davon verlangten. Darauf bot er den Hollaͤndern fuͤr diese Waaren viel weniger, und stellte ihnen frey, sie wieder mitzunehmen, wenn ihnen dieses nicht anstaͤnde. Seit der Zeit wurde der Preis der Waaren von Jahr zu Jahre heruntergesetzt, und der Werth des Japanischen Geldes erhoͤhet. Man be- schwerte sich zwar hieruͤber, und der hollaͤndische Han- del wurde in so fern wieder frey gegeben, daß die Waa- ren fuͤr den hoͤchsten Both verkauft werden durften, aber die ganze Verkaufssumme wurde im Jahr 1685 auf 300,000 Thail Von Handel der Japaner. Thail eingeschraͤnkt. — Vom Kupferhandel merke ich noch folgendes an. Das Kupfer wird auf einer großen hollaͤndischen Waage gewogen. Auf jedes Pi- ckel geben die Japaner ein Katje Uebergewicht, wo- von die Administratoren zu Batavia , welche das Ku- pfer in Empfang nehmen, den fuͤnften Theil bekom- men. Von den uͤbrigen vier Fuͤnftheilen bekommt der Schiffscapitain zwey Drittheile und der erste Steuer- mann ein Drittheil, damit diese, weil sie fuͤr das Ge- wicht einstehen muͤssen, nicht leiden. Weil aber die Japaner, (dies halten sie fuͤr keine Suͤnde,) waͤhrend sie die Kupferkisten nach der Bruͤcke tragen, so viel sie koͤnnen, davon stehlen, so verlieren jene doch jaͤhrlich dabey. Im vorigen Jahre war der Capitain um zwey und funfzig Pickel zu kurz gekommen. — Dies Jahr wurde von einem der Capitaine, vermuthlich in der Absicht, es von den Chinesern zu Batavia gut bezahlt zu bekommen, auch eine Parthey Eisen ausgefuͤhrt. Sechster Abschnitt. Von den Waffen, den Speisen und Getraͤnken der Japaner; wie auch noch verschiedenes von ihren Sitten und Gewohnheiten, Muͤnzen, Kleidung und dergleichen. D ie Waffen der Japaner bestehen in Bogen und Pfeil, Saͤbel, Piken und Flinten. Die Bogen sind sehr groß und die Pfeile lang, so wie bey den Chinesern. Wenn im Gefechte diese Bogen gespannt und abgeschossen werden sollen, so legt sich der Haufe, welcher eine Schaar oder Abthei Thundergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. F Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. lung ausmacht, allezeit auf ein Knie, und kann daher keine geschwinde Schuͤsse thun. Im Fruͤhlinge kommt ein Theil der Truppen zusammen, um sich im Bogen- schießen nach dem Ziele zu uͤben. Schießgewehr gebrauchen die Japaner gewoͤhn- lich nicht. Ich habe auch nur bey den Vornehmen, Buͤchsen und Flinten gesehen, die an einem besonders dazu eingerichteten und erhoͤheten Orte in ihrem Au- dienzzimmer standen. Der Lauf derselben war von gewoͤhnlicher Laͤnge, der Schaft hinter dem Schlosse aber sehr kurz, und, so viel ich in der Entfernung wahr- nehmen konnte, waren es Luntenflinten. An einigen ist das Schloß von Kupfer. Ich habe nie einen Ja- paner ein Schießgewehr abfeuern gesehen, ob ich gleich auf der hollaͤndischen Factorey einigemal in der Naͤhe der Stadt einen Schuß hoͤrte. Die Dollmetscher er- zaͤhlten mir, daß man hier zu Lande die Buͤchsen, weil sie ihrer Kuͤrze wegen nicht gegen die Schulter gesetzt werden koͤnnen, gemeiniglich gegen die Backe setzt, welches mir gleichwohl gar sonderbar vorkommt. Kanonen werden von den Japanern eigentlich gar nicht gebraucht. Zu Nangasacki findet man zwar einige, die sie ehemals den Portugiesen weggenommen haben, doch werden die Schiffe damit nicht salutirt. Die Japaner verstehen wenig davon sie zu handha- ben, und wenn sie ja bisweilen, welches gewoͤhnlich zu Nangasacki alle vier Jahr geschieht, damit schießen wollen, um sie zu reinigen und zu probiren, so ver- sieht sich der Stuͤckjunker mit einer langen Stange, woran er die Lunte befestigt, und haͤlt doch manchmal das Gesicht weg, wenn er die Kanon e losbrennt. Der Saͤbel ist ihr vornehmstes und hauptsaͤchlich- stes Gewehr, den auch, die Bauern ausgenommen, Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. jedermann bestaͤndig an der Seite traͤgt. Er ist drey Fuß lang, etwas weniges gekruͤmmt, und hat einen dicken Ruͤcken. Die Klingen sind von unvergleichlicher Guͤte, besonders werden die alten sehr hoch geschaͤtzt. Sie uͤbertreffen an Guͤte die in Europa beruͤhmten spa- nischen Klingen um vieles. Ohne große Muͤhe und ohne der Schneide zu schaden, kann man einen Nagel damit durchhauen, und, wie die Japaner behaupten, einen Menschen mit Einem Hieb, von oben bis unten spalten. Unter sechs Kobang wird keine Klinge ver- kauft. Die Saͤbel werden oft mit funfzig, siebenzig, ja wohl hundert Thalern bezahlt; und machen das vor- nehmste und liebste Eigenthum eines Japaners aus. Das Gefaͤß ist mit einer starken runden Platte verse- hen, und ohne Buͤgel, uͤbrigens manchmal eine ganze viertel Elle lang. Es ist etwas rundlich, oben am Ende ganz platt als wenn es abgehauen waͤre, und mit Hayfischhaut uͤberzogen. Diese Haut hat viele, kleine und große, Unebenheiten und Erhoͤhungen, und ist wie Chagrin; die Hollaͤnder haben dergleichen ehemals in Menge hieher gebracht, und sehr theuer, oft das Stuͤck fuͤr funfzig bis achtzig Kobang, den Kobang zu sechs Reichsthaler gerechnet, verkauft. Um diesen Chagrin werden seidne Schnuͤre schraͤge uͤber einander gewunden, so, daß derselbe in Form von Rauten durchscheint. Die oben genannte Platte ist dicker als ein Speciesthaler, und mit erhobnen Figuren geziert, auch wohl kuͤnstlich durchbrochen. Die Scheide ist dick und etwas platt, und laͤuft gar nicht spitz zu, son- dern ist unten ganz breit. Bisweilen ist sie auch mit dem feinsten und zwar lackirten Chagrin, uͤberzogen, bisweilen aber bloß von Holz, und entweder ganz schwarz lackirt, oder mit weißen Flecken marmorirt. F 2 Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. Manchmal ist sie auch mit einem oder zwey silbernen Ringen beschlagen. An der einen Seite ist, nach vorn, ein kleines Stuͤck angesetzt, worin ein Loch ist, in wel- chem eine dicke, gewoͤhnlich schwarze, bisweilen aber auch gelbe oder gruͤne, seidne Schnur befestigt wird, die dazu dient, den Saͤbel, wenn man will, festzu- binden. An der inwendigen Seite des Griffs ist eben- falls ein Loch, worin ein Messer von der Laͤnge einer Viertelelle steckt. Ein eigentliches Gehenk gebrauchen die Japaner nie, sondern sie stecken die Saͤbel allezeit in den Guͤrtel an die linke Seite, und zwar so, daß die Schneide nach oben zu gekehrt ist; die in Kaͤmpfers Beschreibung befindliche Abbildung eines Japaners, ist in diesem Punkt ganz unrichtig, denn dort ist der Saͤbel auf europaͤische Manier, mit der Schneide nach unten zu gekehrt, vorgestellt, welches aber gerade umgekehrt seyn muß. Alle die in oͤffentlichen Staats- oder buͤrgerlichen Aemtern stehen, sowohl, als die Offi- ciere der Soldaten ohne Unterschied, tragen stets zwey solcher Saͤbel, wovon der eine ihr eigner, und der andre ihr sogenannter Amtssaͤbel, und allezeit laͤnger als jener ist. Beyde werden im Guͤrtel an einer und derselben Seite getragen, und stecken etwas kreuzweise uͤber einander. Wenn sie ins Zimmer kommen und sich niedersetzen, legen sie den Amtssaͤbel ge- meiniglich ab, und entweder an die Seite, oder vor sich hin. Die Dollmetscher tragen nur Einen Saͤbel, die Banjosen aber zwey. Von den Speisen und Getraͤnken der Japaner, ihren Mahlzeiten und der Art wie sie zu Tische sitzen, ist ausser dem bereits im ersten Theile gelegent- lich davon gesagten, noch folgendes anzufuͤhren. Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. In Ansehung der Menge und Mannichfaltigkeit eßbarer Sachen, die in Japan und in dem Meere um- her, zu finden sind, und theils von der Natur hervor- gebracht, theils durch Kunst zubereitet werden, moͤchte dies Land vielleicht alle andre bisher bekannte Laͤnder uͤbertreffen. Die Japaner bedienen sich sogar zu ihrer Nahrung, nicht nur solcher Sachen, die an sich gesund und nahrhaft sind, sondern sie wissen auch fast Alles, selbst das giftigste, unschaͤdlich und genießbar zu machen. Der Reis, welcher in Japan vortrefflich, sehr weiß und wohlschmeckend ist, dient den Einwohnern statt des Brodts; zwar backen sie kein Brodt davon, aber sie essen ihn dick gekocht zu allen andern Speisen, wie wir das Brodt. Die schon verschiedentlich er- waͤhnte Misosuppe ist ihr gewoͤhnliches und mehr als taͤgliches Gericht, das sie bey jeder ihrer Mahlzeiten, folglich oft dreymal des Tages, essen; sie wird vom Mehle der Sojabohnen, welche Miso heißen, mit Fischen und Zwiebeln gekocht. Fische werden theils gekocht, theils in Oel gebra- ten. Zu ihren vorzuͤglichen Fischen gehoͤrt der soge- nannte Tay, den die Hollaͤnder Steinbrachsen nennen ( Sparus saxatilis ) dieser wird hier sehr theuer bezahlt, und nur zu festlichen Gastmahlen gekauft; wie auch der sechsstreifige Barsch ( Perca sexlineata ), eine gewisse Art aus dem Geschlechte der Umberfische ( Sciena ), und die Borstenflosse, ( Clupea Thrissa ), ein mit den Heeringen verwandter Fisch, der so fett ist, daß er dem besten europaͤischen Heringe gleich kommt. Lachse findet man nur in der Naͤhe der Fa- konieberge; sie sind aber weder so groß, noch so wohl- schmeckend, als in Europa . Arme Leute essen auch F 3 Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. Wallfischfleisch, ob es gleich sehr grob ist; es sieht roth und wiederlich aus; in den Staͤdten haͤngt es, wie bey uns Rindfleisch, im Fleischscharren, zum Kauf. Taschenkrebse und Krabben, wie auch Austern und verschiedne Gattungen andere Muschelthiere werden ebenfalls gespeiset; die Austern aber nie anders als gekocht oder gestobt. Federvieh, und zwar Huͤhner und Gaͤnse, auch wilde Enten und aͤhnliche wilde Wasservoͤgel, werden ebenfalls haͤufig gegessen. In Suppen, Bruͤhen und zu andern Speisen braucht man unter andern verschiedene Gattungen Champignone oder Blaͤtterschwaͤmme, ( Agaricus ) Me- lanzanaͤpfel, Batatten, gelbe Wurzeln oder Moͤh- ren, verschiedne Arten Lauch und Zwiebeln, und viele Arten Bohnen, wie auch die Bambowurzel; vorzuͤg- lich haͤufig aber doch die Champignone und Murcheln, die man daher in allen Kramlaͤden getrocknet zum Kauf antrifft; eingesalzne Truͤffeln werden eben so gebraucht, imgleichen die Stengel vom eßbaren Aron ( Arum escu- lentum ), und die Wurzeln vom gemeinen Pfeilkraute ( Sagittaria sagittata. ) Die Sojabruͤhe, welche in ganz Japan taͤglich, beynahe zu allen Gerichten, genommen wird, und die man auch schon in Europa zu gebrauchen angefangen hat, wird von den oben beschriebnen Sojabohnen und Salz, nebst Gersten oder Weizen, zubereitet, und zwar auf folgende Art: Die Bohnen werden gekocht, bis sie weich geworden sind; alsdann wird eben so viel gestoßner Weizen oder Gersten dazu gethan, das Ganze gehoͤrig durcheinander gemischt, wohl zugedeckt, und 24 Stun- den lang auf eine warme Stelle gesetzt, damit es gaͤhre. Darauf wird eben so viel Salz hinzugethan, dritte- Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. halbmal so viel Wasser darauf gegossen, und alles wohl durcheinander gemischt, in ein irdenes Gefaͤß gethan, worin es, gut zugedeckt, ganze zwey bis drey Monathe stehen, anfangs aber einige Tage nach ein- ander mehrmals umgeruͤhrt werden muß. Alsdenn wird der Saft ausgepreßt und geseiht, und darauf in hoͤlzernen Gefaͤssen aufbewahrt. Die Soja wird nicht in allen Gegenden gleich gut gemacht; sie wird aber auch, je aͤlter sie wird, desto klarer und besser. Die Farbe ist allezeit braun, und die vornehmste Eigenschaft der Soja ist die angenehme Salzigkeit, die sie hat. Da man im ganzen Lande weder Rohm und But- ter, noch Talg und Schmalz hat, so sind die Einwoh- ner genoͤthigt, allerhand frische Oele zur Zubereitung der Speisen zu gebrauchen. Besonders wird der feinere Oel vom Sesam ( Sesamum ) zu diesem Ende gebraucht, auch bratet man die Fische darin. Andre Oele dieser Art, werden aus dem Saamen der Camellie ( Camel- lia japonica, Tsubaki) der Bignonie ( Bignonia tomen- tosa, Kiri), der Dryandra cordata, (Abrasin), der Melia oder Zederach ( Azedarach, Melia ) und andern, bisweilen auch wohl aus dem Saamen des unaͤchten Firnisbaums ( Rhus succedanea ), des gemeinen Eiben- baums ( taxus baccata ) und des Gingko, gepreßt. Die vielen vortreflichen Fruͤchte, welche die Ja- panischen Gaͤrten auf den Nachtisch liefern, habe ich oben genannt. Gewoͤhnlich essen die Japaner dreymal des Ta- ges, um 8 Uhr des Morgens, um 2 Nachmittags, und um 8 Abends. Einige essen aber auch ohne eine gewisse Ordnung, wenn sie hungrig sind, und in sol- chen Haͤusern muß das Essen fast den ganzen Tag fer- tig stehen. F 4 Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. Alles was entzwey geschnitten gegessen werden muß, wird vorher, ehe es gekocht wird, in kleine Stuͤcke zerlegt, darauf sehr muͤrbe und gahr gekocht, und mit wohl- schmeckenden Bruͤhen zubereitet. Dies giebt nicht nur dem Gerichte den besten Geschmack, sondern erspart auch bey Tische die Muͤhe des Vorschneidens und Zer- legens. Wenn es zu Tische geht, setzt jeder sich auf die weichen Fußbodenmatten nieder. Vor jeden wird ein kleiner viereckigter Tisch hingesetzt, auf welchen hernach von jedem Gerichte eine Portion (die Portio- nen sind schon in der Kuͤche fuͤr jeden abgetheilt) auf- getragen wird, und zwar in den saubersten entweder porcellainen, oder lackirten hoͤlzernen, Gefaͤssen. Diese Gefaͤsse haben die Gestalt von Schaalen, oder mittel- maͤssigen Spuͤhlnaͤpfen, und jedes ist beym Auftragen der Speisen mit einem Deckel zugedeckt. Das erste Gericht ist gewoͤhnlich Fische mit Fisch- suppe. Die Suppe wird aus der Schaale getrunken. Die entzwey geschnittenen Stuͤcke vom Fische, werden mit zwey kleinen lackirten, hoͤlzernen, vorn zugespitz- ten Staͤbchen oder Pinnen gegessen, welche die Japa- ner so geschickt und behende zwischen die Finger der rechten Hand fassen, daß sie das kleinste Reiskorn damit sehr nett aufnehmen, und sie sehr bequem nicht nur als Gabel, sondern auch statt des Loͤffels gebrau- chen koͤnnen. Sobald ein Gericht verzehrt ist, wird die Schaale weggenommen, und eine andre an deren Stelle hingesetzt. Das letzte Gericht wird in einem blauen porcellainenen Napfe aufgetragen, der ebenfalls mit einem Deckel versehen ist. Ein Bedienter bringt das Essen herein, setzt es, indem er auf die Knie nie- derfaͤllt, auf den kleinen, niedrigen Tisch, und nimmt Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. es auch wieder weg. Wenn mehrere zusammen essen, so machen erst alle einander mit einer tiefen Verbeu- gung ihr Compliment, ehe sie anfangen zu essen. Nach jedem Gerichte trinken sie warmen Sakki, der aus einem Theekessel in flache lackirte hoͤlzerne Thee- schaͤlchen geschenkt wird, dabey essen sie auch zwischen durch ein Viertel von einem hart gekochten Eye. Bisweilen bringen sie auch wohl eine Gesundheit aus. In Sakki und Thee besteht alles kuͤnstliche Ge- traͤnk der Japaner. Welch eine geringe Anzahl! Wie mancherley hat dagegen nicht der Europaͤer! Wein und destillirte Liqueure trinken sie niemals, und wenn die Hollaͤnder ihnen dergleichen anbieten, wollen sie kaum davon kosten. Den Geschmack des Kaffees kennen kaum einige Dolmetscher, und Branntwein wird bey ihnen gewiß nie ein Beduͤrfniß werden. Auch in diesen Ruͤcksichten haben sie sich also von den Euro- paͤern noch nicht anstecken lassen. Ehe als von andern etwas anzunehmen, das fuͤr sie wirklich von Nutzen und Bequemlichkeit seyn koͤnnte, wollen sie lieber ihre uralte Lebensweise in ihrer Reinigkeit beybehalten, um nicht unvermerkt auch etwas bey sich einreissen zu las- sen, das ihnen mit der Zeit unnuͤtz oder schaͤdlich wer- den moͤchte. Sakki ist eine Art Bier, das die Japaner von Reis brauen. Es ist ziemlich klar, und sieht fast wie Wein aus, hat aber einen eignen, ganz besondern Ge- schmack, der eben nicht fuͤr angenehm gelten kann. Wenn er frisch ist, ist er mehr weiß, wenn er aber eine Weile auf kleinen hoͤlzernen Faͤssern gelegen hat, wird er sehr braun. Dies Getraͤnk ist in allen Wirtshaͤu- sern, wie der Wein auf allen Kellern in Europa , zu Kauf, und macht ihr Vergnuͤgen bey Schmausen und F 5 Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. Gastmalen und in froͤlichen Stunden aus. Beguͤterte trinken es auch wie Tischwein bey den gewoͤhnlichen Mahlzeiten. Die Japaner trinken es niemals kalt, sondern es wird in gewoͤhnlichen Theekesseln warm ge- macht, aus diesen in Theeschaalen oder flache Tassen geschenkt, und so ganz warm getrunken; daher wer- den sie denn auch sehr bald davon erhitzt und betrunken; der ganze Rausch verschwindet aber auch in einigen Minuten, und laͤßt gewoͤhnlich sehr unangenehmes Kopfweh zuruͤck. Die Hollaͤnder nehmen Sakki als eine Handelswaare mit nach Batavia , trinken ihn da aber aus Weinglaͤsern vor der Mahlzeit, um den Appe- tit zu reizen, wozu sie den weißen, weil dessen Ge- schmack nicht so wiedrig ist, vorziehen. Thee wird im ganzen Lande getrunken, um den Durst zu loͤschen. Daher haͤngt in allen Haͤusern, be- sonders in allen Gasthoͤfen, Wirthshaͤusern und Kruͤ- gen, den ganzen Tag hindurch, ein Kessel mit kochen- dem Wasser und fein gemahlnen Thee uͤbern Feuer, aus welchem der braune Decoct, wenn davon getrunken werden soll, herausgegossen, und mit kalten Wasser aus einem andern Kessel zu gleicher Zeit verduͤnnt und abgekuͤhlt wird. Bey den Vornehmen wird den Frem- den, welche Besuch bey ihnen machen, allezeit gruͤner Thee eingeschenkt; mit solchem werden auch die Hollaͤn- der bey den Reichsraͤthen und andern vornehmen Beamten, denen sie die Aufwartung machen, rega- lirt. Dieser Thee ist frisch, und dabey ist er ganz fein gemalen. Er wird, nachdem siedend heißes Wasser in die Kanne gegossen ist, hinein gethan, und so wie bey Chocolade gebraͤuchlich ist, mit einem duͤnnen Hoͤlz- chen umgeruͤhrt, und so in die Tasse eingeschenkt. Er muß sogleich getrunken werden, sonst setzt sich das Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. gruͤne Pulver, wenn ich es so nennen kann, auf dem Boden. Kein Vornehmer thut eine etwas weite Reise, ohne einen lakirten Kasten bey sich zu fuͤhren, der von einem Kerl getragen wird, und worin unterweges auf der Landstraße Wasser gekocht und kochend gehalten wird, und gemahlner Thee, Theetassen, und alles noͤ- thige Zubehoͤr beysammen ist. Toback haben die Japaner in alten Zeiten nicht geraucht, sondern ohne Zweifel sind die Portugiesen die ersten gewesen, welche diesen Gebrauch bey ihnen eingefuͤhrt haben. Jetzt raucht in Japan sowohl das maͤnnliche, als das weibliche Geschlecht. Einen an- dern Namen als Tobacko haben die Japaner nicht fuͤr dieses Gewaͤchs. Den Toback, welchen sie rauchen, bauen sie im Lande selbst, und es ist der gewoͤhnliche ( Nicotiana Tabacum ). Sie schneiden ihn sehr fein, fast wie ein Haar. Ihre Tobackspfeife ist klein, we- nig uͤber eine Viertheilelle lang, von lackirtem Bambo, mit kupfernen Mundstuͤcke und kupfernen Kopfe. Die- ser ist so klein, daß nur ein halber, oder oft nur ein Drittheil Fingerhutvoll hineingeht. Siehe die Kupfer- tafel, II. Fig. 5 a. Den Toback drehen sie ein wenig mit den Fingern, und stopfen ihn so ein. Eine solche Pfeife ist mit einigen wenigen Zuͤgen ausgeraucht, worauf sie ausgeklopft und wieder vollgestopft wird; und dies wiederholt man mehrmal nach einander. Den Rauch blasen sie nach jedem Zuge durch Nase und Mund aus; die Vornehmen bedienen sich beym Rau- chen allezeit folgender Vorrichtung. Fuͤr jede Person in der Gesellschaft wird ein laͤngliches, anderthalb Vier- telellen langes, eine Viertelelle breites und drey Finger hohes Kaͤstchen, das braun oder schwarz lakirt ist, hin- gesetzt. In dies Kaͤstchen werden Pfeifen und Taback Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. gelegt, und drey Tassen hineingesetzt, die beym Rau- chen folgendermaßen gebraucht werden. Die eine da- von, welche gewoͤhnlich von dickem Porcellain, oder von lackirtem Holtze und inwendig mit Messing uͤberzo- gen ist, ist mit Asche angefuͤllt, worin eine brennende Kohle liegt, um die Pfeife anzuzuͤnden; die andre dient dazu, die Tobackspfeise darin auszuklopfen; wenn dies geschehen ist, pflegen sie ein paarmal hinein zu spucken, um die glimmende Asche auszuloͤschen. In die Dritte spuckt man waͤhrend des Rauchens. Wenn man einen Besuch bekommt, so ist dieser Apparat das erste, das dem Fremden vorgesetzt wird. Manchmal hat ein sol- ches Kaͤstchen auch einen Deckel, der mit einem Bande fest gebunden wird, und man laͤßt es sich von einem Bedienten nachtragen, wenn man zu jemand geht, von dem man mit Toback bewirthet zu werden nicht erwar- tet. Geringe Leute tragen Pfeife und Toback gemei- niglich selbst bey sich, wenn sie ausgehen. Die Pfeife steckt alsdenn in einem Futterale von seidnen Zeug, Fig. 5. b. und wird an der rechten Seite in den Guͤrtel gesteckt. Der Tobacksbeutel (auf der Kupertafel Fig. 5. c. ) ist kaum eine Hand breit, und etwas kuͤrzer, oben mit einer Klappe versehen, die mit einem kleinen elfenbeinernen Haken zugesteckt wird. Dieser Beutel wird vermittelst einer seidenen Schnur und einem klei- nen Knopfe von Carneol, oder Agat, am Guͤrtel be- festigt, getragen. Er ist gewoͤhnlich von einer eignen Art, mit silbernen und goldenen Blumen durchwirkten, seidenen Zeuges. Zum Waͤgen bedient man sich allgemein der Schnellwage, an welcher eine Wagschaale haͤngt, wo- rauf das, was gewogen werden soll, gelegt wird; an der Stange der Wage haͤngt, vermittelst einer Schnur, Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. ein Gewicht, das vor und ruͤckwaͤrts geschoben werden kann. Kaufleute fuͤhren dergleichen kleine Schnellwa- gen von Elfenbein, entweder allein oder in einem Kaͤst- chen, bey sich. Im erstern Falle haben sie ein besonderes Futteral dazu; auf der zweyten Kupfertafel stellt Fig. 6. eine solche Schnellwage vor; a. die Wage selbst, b. die Wagschale mit den Schnuͤren woran sie haͤngt; c. das Gewicht auf gleiche Art haͤngend; d. die Baͤnder oder Schnuͤre, woran man die Waage beym Waͤgen haͤlt; e. das Futteral, welches sich bequem zusammenlegen laͤßt. Um ganz kleine Sachen zu waͤgen, bedienen sie sich einer besondern Art Waage, die auf einer sehr elastischen Feder ruhet, auch die kleinste Veraͤnderung des Gewichts sehr ge- nau anzeigt, und ungemein bequem zu gebrauchen ist. Taf. II. Fig 7. stellt eine solche elastische Waage vor. Zum Rechnen bedienen sich die Japaner eines Re- chenbretts, auf welchem sie jedesmal bis zehn zaͤhlen. Die Rechenkugeln, oder Steine, werden auf Eisen- drath hin und her geschoben, und bezeichnen die Einer und die Zehner. Die Kaufleute pflegen ein solches Rechenbrett, in dem (Seite 47) beschriebenen Kaͤst- chen mit Schreibgeraͤthschaften und Wage, bey sich zu fuͤhren. Ausser dem was ich an seinem Orte, in einem eignen Abschnitte, von den japanischen Muͤnzen gesagt habe, ist noch folgendes davon zu merken. Ueberhaupt sind die japanischen Muͤnzen einfach, schlecht und recht, gepraͤgt. Die wenigsten haben ei- nen erhobenen Rand, oder etwas von den Verzierun- gen europaͤischer Muͤnzen. Auch haben die meisten keinen genau bestimmten Werth. Aus dieser Ursach Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. werden sie fast allezeit von den Kaufleuten gewogen, welche alsdenn auch ihr Zeichen darauf setzen, um an- zudeuten, daß das Stuͤck vollwichtig, vollguͤltig und unverfaͤlscht ist. Die groͤßte goldne Muͤnze im ganzen Lande heißt Obang. Sie ist eher fuͤr eine Schaumuͤnze, als fuͤr Geld zu achten. Im Handel und Wandel ist sie nicht uͤblich, man findet sie auch selten bey Kaufleuten oder andren Privatpersonen. Sie besteht aus einem laͤnglich runden flachen und duͤnnen Goldstuͤck, das nicht dicker als ungefaͤhr ein Pfennig ist. Auf der ei- nen Seite ist sie mit seinen abgebrochenen Queerstrichen, und mit vier Stempeln an den vier Seiten, bezeichnet: jeder Stempel stellt das Wappen des Dairi vor. Auf die andre Seite, welche glatt ist, werden im Namen desjenigen Provinzialfuͤrsten, welcher sie schlagen lassen, verschiedne große schwarze Buchstaben geschrieben, die beynahe oben in der Mitte anfangen, und unterwaͤrts fortgehen. Diese Inschrift versichert den Besitzer von ihrer Richtigkeit, und muß daher, sobald sie verwischt ist, durch den Secretair des Fuͤrsten der Provinz er- neuert werden, wofuͤr ein Itjib bezahlt wird. Eine solche goldene Muͤnze gilt zehn alte Kobang. Es sind fast nur die Fuͤrsten und Staatsraͤthe, welche derglei- chen besitzen und ausgeben. Sie pflegen damit ein Ge- schenk zu machen, wenn sie andre schickliche Geschenke nicht bey der Hand haben. Sie stellen alsdenn ein Ehrengeschenk vor, weil diese Herren es ihrer Wuͤrde nicht gemaͤß halten, gewoͤhnliche Kobang, wenn gleich vom naͤmlichen Werth, zu schenken. Ich habe am angefuͤhrten Orte bemerkt, daß auf einigen von den silbernen Muͤnzen, welche Ko- dama heißen, das Bild des Gottes des Reichthums Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. zu sehen sey. Dieser Gott heißt Daikokf, und wird auf zwey Reistonnen sitzend, mit einem Hammer in der rechten Hand, und einem Sacke zur linken Seite, vorgestellt. Die Japaner schreiben ihm die Macht zu, allenthalben, wohin er mit seinen Hammer schlaͤgt, alles, was ihm gut duͤnkt, Reis, Eßwaaren, Klei- dungsstuͤcke, Geld, und so weiter herausholen zu koͤnnen. Ich habe dort auch des Aufreihens der eisernen und kupfernen Seni auf Schnuͤre, erwaͤhnt. Ge- woͤhnlich zieht man deren sechs und neunzig, bisweilen auch wohl hundert auf eine Schnur. Im letztern Falle heißt eine solche Schnur Kwurokkufjakf, und be- traͤgt an Werth 1 Mas 5 Konderyn, im erstern Falle heißt sie Metatsjakf. Selten sind in einer Schnur alle von einer Art, sondern gewoͤhnlich von zwey, drey, oder mehr Sorten durcheinander. Alsdenn werden die großen Seni zuerst an das eine Ende, und die kleinern hernach an das andere gereihet. Die Anzahl der Seni wird desto kleiner, je staͤrker die Anzahl der gros- sen ist, weil diese mehr als jene gelten. Dergleichen Schnuͤre oder Buͤndel von Pfennigen, liegen oft in den Krambuden, sowohl in den Staͤdten, als auf dem Lande, zum Dienste der Reisenden fertig, welche dadurch in Geschwindigkeit Scheidemuͤnze einwechseln koͤnnen, ohne auf das Zaͤhlen Zeit wenden zu duͤrfen. Zu Nangasacki gebraucht man im Handel und Wandel auch chinesische Pfennige, welche sich durch ihre gelbe Farbe und durch die chinesischen Buchstaben unterscheiden, uͤbrigens aber in allen Stuͤcken den japa- nischen gleichen. Bey dieser Gelegenheit will ich einige sehr alte, ehemals im Gange gewesene, japanische Muͤnzen be- Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. schreiben, die einer meiner Freunde unter den Dolmet- schern, Namens Kosack , die Gefaͤlligkeit gehabt hatte, fuͤr mich zu sammeln, und mir als eine große Raritaͤt schenkte. Es sind alles Seni von rothem Kupfer, an Groͤße und Dicke den andern gleich, auch eben so in der Mitte mit einem viereckten Loche versehen, aber mit andern Buchstaben bezeichnet. Einer davon soll 1135 Jahr alt, und der Ursprung des in Japan gebraͤuch- lichen Laͤngenmaaßes seyn, indem der Durchmesser ei- nes solchen Pfennigs genau einen hiesigen Zoll betraͤgt, auf der Ruͤckseite hat er gar keine Inschrift. Ein an- drer ist, der Angabe nach 758, der dritte 748, der vierte 718, der fuͤnfte 651 und der siebende 596 Jahr alt. Alle diese haben auch eine ganz leere Ruͤck- seite. Dem siebenten schreibt mein Dolmetscher ein Alter von 566 Jahren zu; auf der umgekehrten Seite sind zwey Charactere zu sehen. Das angegebene Al- ter, ist nach dem Jahr 1776 angesetzt, in welchem ich sie, jeden mit einem Zettel, worauf sein Alter bemerkt war, und besonders in Papier gewickelt, bekam. Die Petschafte der Japaner sind von Horn, und zwar oft sehr sauber und fein gearbeitet. Sie druͤcken es aber nicht in Lack oder Oblaten, sondern be- dienen sich einer Schwaͤrze dazu. Diese wird von ge- stoßenen, und mit Tusche durcheinander gemischten Saamen des Wunderbaums ( Ricinus ) gemacht. Das auf diese Art verfertigte Pulver, wird in eine Dose ge- legt, woruͤber ein seidnes Tuch gedeckt wird, das mit Oel bestrichen ist, damit das darunter liegende Pulver davon befeuchtet werde. Wenn die Japaner nun das Pettschaft gebrauchen wollen um etwas zu untersiegeln so druͤcken sie es erst in diese Dose, und hernach aufs Papier. Dies Pulver vertritt also die Stelle der Buchdruk- Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. Buchdruckerschwaͤrze. Das seidne Tuch muß, so oft die Schwaͤrze trocken wird, von neuem mit Oel ange- feuchtet werden. Das Oel, welches die Leute in Japan gewoͤhnlich in den Lampen brennen, ist Ruͤbsaamenoel. Die Matten, womit durchgaͤngig die Fußboden der Zimmer bedeckt sind, werden meistens in den in- nern Provinzen des Reichs, aber nicht in allen von gleicher Guͤte verfertigt. Die besten werden von der Art Binsen, welche wir Flattersimsen ( Juncus Effusus ) nennen, gemacht, ganz dicht und sehr sauber gefloch- ten, und hernach auf der obern Seite mit Reis- stroh, zwey bis drey Finger dick gefuttert oder gefuͤllt. Damit die Matten nicht gelb, sondern weislich aus- sehen moͤgen, werden die Binsen nicht selten vorher an die Sonne gelegt und gebleicht. Von der Kleidertracht und dem uͤbrigen Anzuge und Putze der Japaner habe ich in einem eignen Ab- schnitte des ersten Theils dieses zweyten Bandes das Noͤthige gesagt, Da ich aber die dahin gehoͤrigen Abbildungen erst diesem zweyten Theile habe beyfuͤgen koͤnnen, so will ich hier die Nachweisung auf dieselben einschalten. Zu Seite 176, (imgleichen 183, 184), gehoͤrt die vierte Figur der ersten Kupfertafel, wo eine japanische Dame in ihrem gewoͤhnlichen Anzuge und Putze vorgestellt ist. Auf der dritten Kupfertafel zeigt die achte Figur die Schuh oder Pantoffeln von Stroh, wie die Japaner sie gewoͤhnlich, und die neunte Figur, wie sie auf Reisen sie tragen. Seite 177, habe ich einer Arzeneydose erwaͤhnt, wel- che die Japanischen Aertzte nebst andern Sache nim Guͤr- tel bey sich zu tragen pflegen. Sie ist in mehrere uͤber einan- Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. G Erste Abtheilung. Sechster Abschnitt. der stehende Faͤcher, oder kleine Laden oder Schachteln, abgetheilt; zu beyden Seiten geht eine Schnur durch, wodurch dieselben zusammen gehalten werden; an dieser sitzt oben eine Kugel oder großer Knopf, womit die Dose am Guͤrtel befestigt wird. Die zehnte Figur stellt eine solche Medicinschachtel vor; a. die Schachtel selbst, b. die Schnur, c. der Knopf. Ein Japanisches Scheer- oder Rasiermesser, nebst dazu gehoͤrigem Futteral, ist Figur 11 abgebildet. a. ist das Messer, b. das Futteral zu zwey Scheermessern. Um die Zaͤhne und Ohren zu reinigen, welches sie sehr fleißig thun, haben sie allerhand Instrumente und Ge- raͤthschaften, die sie in einem Etui bey sich zu tragen pflegen. Auf der vierten Tafel ist Figur 12 eine Zahnbuͤrste, die aus weichem Holze gemacht ist; Fig. 13 a. a. a. a a. a. a. die saͤmmtlichen Instrumente zum Reinmachen der Ohren und Zaͤhne; b. b. das Etui, welches von Horn zu seyn pflegt, c. die Schnur, womit es am Guͤrtel befestigt wird, d. Zierrathen von Seide, welche daran befindlich sind. Die strohernen Schuh, welche man hier zu Lande den Pferden anzieht, anstatt sie zu beschlagen, habe ich im 1sten Theile dieses zweyten Bandes, Seite 210. be- schrieben, Fig. 14. ist eine Abbildung davon. Ehescheidungen fallen in Japan bisweilen vor, doch geschieht dies nicht haͤufig. Je mehr Toͤchter jemand hat, und je schoͤner diese sind, fuͤr desto reicher haͤlt er sich; denn der Freyer muß dem Schwiegervater Geschenke geben, ehe er seine Tochter zur Braut bekommt. Obgleich die Unzucht ein allgemein herrschendes Laster ist, so wird doch auch die Keuschheit bey Ver- Von den Waffen, den Speisen ꝛc. der Japaner. ehlichten und Unverehlichten, vom weiblichen Geschlechte oft so heilig gehalten, daß solche die zu Fall gekommen waren, sich manchmal selbst das Leben nehmen. Es giebt Maͤnner, die sich Maitressen zulegen; diese letztern werden wie Maͤgde im Hause gehalten, und die mit ihnen gezeugten Kinder koͤnnen nicht vom Va- ter erben. Was den Character der Japaner betrifft, so ist es zwar gewiß, daß sie im Allgemeinen ernsthaft sind, und Hang zum Vergnuͤgen kein herrschender Zug in ihrer Gemuͤthsart ist; Doch wird man aus allem was bisher von ihnen gesagt worden ist, gesehen haben, daß es ihnen deshalb an Vergnuͤgungen, Zeitvertreiben und Lust- barkeiten keinesweges gaͤnzlich fehlt. Siebenter Abschnitt. Von der Japanischen Sprache Im achten Abschnitte des ersten Theils, kommen ausser dem kleinen Japanischen Woͤrterbuche nur einige wenige Bemer- kungen uͤber die Japanische Sprache vor. Die uͤbrigen, und bey weitem mehreren und wichtigeren hat der Verfasser in die Abhandlungen der Societaͤt der Wissenschaften zu Upsa- la , fuͤnfter Theil, Seite 257. einruͤcken lassen, aus welchen sie hier mitgetheilt werden. A. d. Ueb. . I n keiner Sprache werden wohl die Buchstaben, so- wohl im Schreiben als Sprechen, mehr mit einander verwechselt, als in dieser. Ausser R und L, und H und F, womit es vorzuͤglich oft geschieht, findet dies auch in Ansehung andrer Buchstaben Statt. Ausser den im ersten Theile hievon vorgekommen Beyspielen, will ich hier noch folgende anfuͤhren: G 2 Erste Abtheilung. Siebenter Abschnitt. R und L: Farru; fallu. Salu; saru. H und F: Hamma; famma. Fanna; hanna. Faguru; haguru. Fasjimaru; hasjimaru. Fakama; hakama. B und K: Toriagibaba; toriagikaka. B und M: Fitomosi; fitobosi. K und G: Kuruma; guruma. F und B: Fas; bas. P und F: Nipon ; nifon . K und F: Furogi; kurogi. K’rombo; f’rombo. D und T: Metori; mendori. Manche Woͤrter werden auf gleiche Art ausgespro- chen, haben aber nicht nur eine verschiedene, zum Theil mit der andern gar nicht verwandte, Bedeutung, sondern werden auch mit verschiedenen Buchstaben geschrie- ben. Z. E. Fas, Rand; hoͤlzerner Stift der statt der Gabel ge- braucht wird; Bruͤcke; acht. Ssugi, oben, uͤber; Wacholderbeer. Fanna, Blumen; Ecke; Nase. Kawa, Rinde; Bach; Haut. Tji, Erde; Blut; Milch; Weiberbrust; inwendig. Tamma, Tropfen; Buͤndel; Kugel. In der Mitte der Woͤrter werden die Vocale oft nicht ausgesprochen; als: Abura, Lies: abra. Kokora, — kokra. Fukai, — f’kai. Fukaka, — f’kaka. Am Ende der Woͤrter werden die Vocale J und U gewoͤhnlich gar nicht oder doch sehr wenig gehoͤrt. Z. E. Semeku, wird semekf gelesen. Toru, — torr’ — — Von der Japanischen Sprache. Sjaku, wird sjakv gelesen. Sori, — sorr’ — — Abramussi, — abramuß’ — — Die Infinitive der Verben, endigen sich gewoͤhn- lich auf U oder Uru, als: Suru, thun, machen. Okuru, anbieten. Jasuru, verbinden. Siku, zwingen. Sasisu, aufwecken. Ansuru, erwegen. Isamu, verderben. Nituru, schlafen. Atsuru, muthmaßen. Naguru, liegen. Akinewu, Handel treiben. Naku, weinen. Nomikomu, verschlucken. Assjiwaru, peitschen. Aber das U am Ende des Infinitivs wird selten, und nur wenig gehoͤrt; z. B. Jedoru, wird jedor’ ausgesprochen. Maku, — makv — — Kusagu, — kusag’ — — Tsumuru, — tsumur — — Waku, — wakv — — Kakaru, — kakar’ — — Samkesuku, — samkesukf — — Furu, — fur’ — — Nosomu, — nosom’ — — Nawassu, — nawass’ — — Tobu, — tob’ — — Sehr viele Verba werden durch Zusammensetzung des die Sache anzeigenden Substantivs oder Adjectivs und des Verbums Suru, machen, thun, formirt, als: Ogamu suru, beten. To do kuru, anzeigen. Sjakv torr, messen. Ni suru, nachahmen. Song suru, verlieren. Sorin suru, begraben. Umakutji suru, kuͤssen, eigent- lich: einen suͤssen Mund geben Aus der von mir mitgetheilten Probe eines Japanischen Woͤr- terbuchs, in welchem viele der in diesen componirten Zeitwoͤr- tern vorkommenden Substantive und Adjective stehen, wird man sich die Formirung der meisten von den uͤbrigen Zeitwoͤrtern er- klaͤren koͤnnen. . G 3 Erste Abtheilung. Siebenter Abschnitt. Fusi suru, flicken, von Fuse, ein Lappen. Simegi suru, leimen. Iki tsukv, Athem holen. Karuku suru, erleichtern. Mitsuki suru, pumpen. Tjusin suru, erzaͤhlen, berichten. Fento suru, antworten. Siwo suru, springen. Sosun suru, ankleiden. Kimono tjaks suru, abkuͤhlen. Sanso suru, zaͤhlen, rechnen. Siras suru, Sanso suru, anzeigen, zu er- kennen geben, angeben. Kasu juru, erzaͤhlen, berichten Motji suru, gebrauchen. Fato suru, verbieten. Rinkin suru, vergolden. Skono suru, vermindern. Iwo tsuru, fischen. Jasuri suru, feilen. Jantsuri suru, wandern. Iso suru, maskiren. Konne suru, heirathen. Sakai suru, angraͤnzen, ver- wandt seyn. Kase suru, helfen. Kwußke suru, kaͤmmen. Fisatat suru, knieen. Keso suru, schminken. Rui suru, unterscheiden. Subakki hakv, saliviren. Tjan nuru, antheeren, verpichen. Atsusuru, heizen, waͤrmen. Kake suru, verlangen. Matsigatoru, absondern. Tsuben suru, erklaͤren. Sudat suru, vermehren. Kabi suru, schimmeln. Das Perfectum endigt sich auf Ta. So lautet z. E. von Damassu, betruͤgen, das Perfectum damasta. ‒ Jumeniru, traͤumen, — — — jumenita. ‒ Motji juru, gebrauchen, — — — motji ita. ‒ Wassuru, vergessen, — — — wassureta. ‒ Song suru, verlieren, — — — song sita. ‒ Makuru, verlieren, — — — maketa. ‒ Jaksaku, versprechen, — — — jakfso sita. ‒ Kakuru, blaß werden, — — — kono fanna, wakareta, die Blume ist verbleicht. Die Participien und andere von den Verben abge- leitete Adjective endigen sich ebenfalls auf Ta. So kommt z. B. her. von Farruru, schwellen, farreta, geschwollen, schwuͤlstig. ‒ Kemura suru, raͤuchern, kemota, geraͤuchert. ‒ Jaburu, zerbrechen, jabureta, zerbrochen. ‒ Kiru, abschneiden, kitta, abgeschnitten. Von der Japanischen Sprache. von Watluru, anstecken, watsuta, angesteckt. ‒ Asisuru, schwitzen, asista, schwitzig. ‒ Kokorobiru, spalten, kokorobita, gespalten. ‒ Kasojuru, zaͤhlen, kasojuta, gezaͤhlt. ‒ Stomuru, verdienen, stometa, verdient. ‒ Kavatu, ‒ Tjiagan, veraͤndern, kawata tjigota veraͤndert. ‒ Midskuru, finden, mitskita, gefunden. ‒ Motji juru, gebrauchen, motji ita, gebraucht. ‒ Kakuru, blaß werden, wakareta, blaß, bleich. ‒ Osururu, erschrecken, osurutska, erschrocken. ‒ Sinnoru, sterben, sinda, todt. ‒ Kase fukv, abkuͤhlen, kase finta, abgekuͤhlt. ‒ Kiru, zerschneiden, kitta, zerschnitten. ‒ Jassu, mager werden, jassita, mager. ‒ Sckok suru, ankleiden, sukukssa, gekleidet. Viele Substantive und Adjective werden durch Zusammensetzung des Verbum mit den Woͤrtern, Mono, Mensch, Ding, Sache oder Koto, Sache, Ding, for- mirt, als: Atsuraje mono, eine bedunge- ne Sache oder Waare. Ogamu suro mono, Anbeter, Bittender. Fodo kuro mono, Anklaͤger. Sasisu mono, einer der zwingt oder treibt. Itami mono, Jamai mono, krank. Nosumi mono, gestohlne Sa- chen. Damas koto, Betrug. Jaki kui mono, angebrann- tes Essen. Makie mono, lackirte Sachen. Hanna koto, dauerhaft. Iro mono, eitel, kokett. kuru mono je, Spinneweben. Ire mono, Dose, Schachtel. Wenn zwey Substantive zusammen stehen, so wird der Genitiv vorgesetzt und der Nominativ vermittelst des Verbindungswoͤrtchens No damit verbunden; auf gleiche Art entstehen auch zusammengesetzte Substan- tiven, z. E. Oni assami, Teufelsdistel. Tori no su, Vogelnest. Tori no sajoru, Gesang der Voͤgel. G 4 Erste Abtheilung. Siebenter Abschnitt. Us no ni ku, Rindfleisch. Kwuno no je, Spinnewebe. Kusira no kawa, Wallfischfett, Thran. Memi no itami, Ohrenschmerz. Tori no kabitu, Hahnenkamm, Federbusch. Suwo no firu, Ebbe. Fisa no sarra, Knie. Jakima no ninjo, porcellai- nene Figur. Mugi no ka, Weizenmehl. Hanna no mis, Rosenwasser. Mis no karakuri, Quellwasser. Us no ko, Kalb. Kusera no fung, Ambra. Iki no semekv, kurzer Athem. Fari no misimo, Nadeloͤhr. Tori motji wanna, Vogelleim. Te no goi, Handtuch, Schnupf- tuch. Te no ki, Handschuh. Ken no ki, kleine Bartzange. Tamago no karra, Eyerschale. Me no tamma, Augapfel. Onago no titi, Milchweiß. Tippo no tammu, Flintenkugel. Sitsugets no joko, Sonnen- strahl. Sansi no ito, Violinseite. Naka no warka, schlechter Freund. Naka no jukka, von gutem Herzen. Meganne no je, Brillenfutteral. Kugi no ki, Kneipzange. Ki no kawa, Seil, Strick. Naka no jaka, guter Freund. Kusira no fige, Fischbein. Die Pronomina sind folgende: Watakvs, ich. Omai, du. Ano fito, er, sie ( elle ) Ore, mir. Watsks domo, meme, wir. Omagaita, ihr ( vous ) Ano fitats, ano fito tatj, sie ( eux, elles ) Miskara, sibong, ich selbst. Onasikv, onaskoto, er selbst, derselbe. Kore, dieser, diese. Kore wa, jener. Dare, wer. Dare ga somotska, wessen Buch. Koriwa nannika, was ist. Fito, jemand. Foka, bets, ein andrer. Stotso sutsu, ein jeder. Dare monai, niemand, keiner. Wataks fito no, mein. Ano fito no, sein. Ano fito tatsa, ihr. Sokomotto, hannata, euer. Kannajamma, meine ( mes ) ( Okatsa, Niobo, Frau.) Wataks niobo, meine Frau. Omai no okatsan, deine Frau. Ano fito no fotjo, Ano fito no haka, sein Mes- ser. Hiebey ist zu merken, daß fuͤr Du und Ihr ganz ver- schiedene Woͤrter gebraucht werden, je nachdem der, mit wel- chem man spricht, vornehmen oder geringeren Standes ist. Von der Japanischen Sprache. Omai, gebraucht man gegen seines Gleichen und Freunde. Wari, gegen Geringere. Neus, gegen viel Geringere. Niquiats, gegen die Allergeringsten. Kojats, lautet hoͤchst unhoͤflich. Samma, gebraucht man gegen Vornehmere und Hoͤhere, und es thut ungefehr dieselben Dienste, als das europaͤische Herr. Hannata, auch gegen Vornehmere, und die, welche man eh- ren will. Sokomotto, wird in der einfachen, Omaigata, in der meh- reren Zahl, gebraucht. Eben dies gilt von Er und Sie. Ano fito ge- braucht man gewoͤhnlich; Ano wari aber nur von Ge- ringern. Auch mit dem Worte Geben, ist es eben so; in ge- wissen Faͤllen sagt man fureru, in andern jaru; wenn man: Gieb, sagen will, sagt man gewoͤhnlich ose tsuke jare und jarre; hoͤflicher und ehrerbietiger aber ist Kuda sare. Beyspiele von Adverbien, Praͤpositionen, und der- gleichen sind: Daibung, oka, kaikoto, tak- san, viel. Juki, husumi, misomi, mehr. Skunai, weniger. Subong, genug. Jokeinni, voͤllig genug. Amali, zu viel. Amali okina, zu groß. Amali komaka, zu klein. Kokoro josi, jukka, wol, gut. Asi no jukka, es schmeckt gut. Warika, warikoto, uͤbel, schlim̅. Suguren, schlimmer. Karuku, karuka, leicht. Sewassine, kaum. Ine, inne, jaija, nein. Naka, i, ine, jaija, nicht. Wataks, nichts. Nanni mo naka, gar nichts. Hai, ai, hei, ja. Do, wie. Ka, betreffend. Ka no koto, die Sache betref- fend. Sotai, allzusammen. Sugureta, ausgenommen. Damare, tomagi, ruhig still. Ojoso, okata, ungefehr. Onasiku, atsume, atsumutu, zugleich. G 5 Erste Abtheilung. Siebenter Abschnitt. Hamma, der Laͤnge nach. Tji, naka, utsi, inwendig. Oki, auswendig. Massugumi, gerades Weges. Oka, von fern, entfernt. Oka, toka, toi, so viel fehlt, daß. Motoni, nahe. Metoni, tongari, am naͤchsten. Doku, wo. Koko, hier. Koro kara Nagasaki mode, von hier nach — bis — Nan- gasacki . Miteraji ini, nach Miteraji . Fiseni Saste, siquiseni , von Fisen nach Siquisen . Assoko, da. Sote, allenthalben. Dokke, nirgend. Umi wattam, zur See, zu Wasser. Kensio ni, in der Nachbar- schaft. Matta, wiederum. Matta kui, komm wieder. Sitta, simmo, unter, unten, unterwaͤrts. Sta, am untersten. Sugi, owe, uͤber, oben, ober- waͤrts. Ni, nach. Usiro, ura, hinter. Moije, vor. Mukav, gegen. Motoni, bey. Touru, durch. Made, zu. No, von. Tota, außer. Awai, unter ( entre ) Deru, aus. Mawari, um. So, ko, korriganni, wenn. Nase, nasjeni, deswegen. Nassi, nassii narewa, weil denn. Matta, awa, oder. No, und. Faredomo, arwatenkasa, aber. Die japanischen Zahlwoͤrter lauten also: 1 Fitots, its. 2 Fitats, ni. 3 Mits, san. 4 Jots, fi. 5 Ituts, go. 6 Mots, rok. 7 Nanats, sits 8 Jaats, guat, fats. 9 Kokonots, kju, kwu. 10 Towo, sju. 11 Sjuits. 12 Sjuni. 13 Sjusan. 14 Sjusi 15 Sjugo. 16 Sjurok. 17 Sjusits. 18 Sjufats. 19 Sjuhju. 20 Nisju. 21 Nisjuits. 25 Nisjugo. 30 Sansju 40 Sisju. 50 Gosju. 60 Roksju. 70 Sitsisju. 80 Guatssju, fatsisju. Von der Japanischen Sprache. 90 Kusju. 100 Fjak, fjakv. 1000 Ikwang, sen. Fan, fang, fambang, halb. Hanbong, die Haͤlfte. Stoots fang, anderthalb. Sigaitji, ein Viertheil. Kire, ein Theil. Fito, fire, ein kleines Stuͤck. Sui, Paar, gerade (Zahl). Itsin, Ein Paar. Tjo, tjosan, paarweise. Fang, ungerade (Zahl). Tjoka fanka, gerade und un- gerade. Riofo, beyde. 10000 Mang. 100000 Ogv. Sakki itjo, eine Schaale Schakki. Rosoks itjo, ein Licht. Ippio, ein Sack Zucker; nifio, zwey Saͤcke Zucker; Sanpio, drey; sifio, vier und so wei- ter; eins ums andre pio und sio mit dem Zahlworte. Ikwang me, tausend Maas oder hundert Thail. Hasime, zuerst. Softe kara, zuerst dies, her- nach jenes. Zu Bezeichnung der Zeit, dienen unter andern folgende Woͤrter. Konjits, konisi, kjo, heute. Kesa, heute Morgen. Sugita, senjets, sakkusits, kinno, gestern. Ototoi, isakusits, vorgestern. Mionits, asta, aß, morgen. Osa, des Morgens. Firu, Mittag. Firu mai, Vormittags. Firu sugi, Nachmittags. Jur, joserri, des Abends. Konja, Kombang, heute Abends. Jasin, gestern Abends. Jonaka, Mitternacht. Kara, seit, seitdem. Kinno kara, seit gestern. Toso, sjoni, immer. Tabitabi, sessets, oft. Itjido. einmal. Tsuine, niewals. Mada, noch. Madanai, noch nicht. Aida, jone, tokitotsera, ari- tukiwa, bisweilen. Tamma tamma, selten. Keto, itoke, neulich. Itsu, wenn. Otski, allmaͤhlich. Hajaks, fajakv, faiso, ge- schwinde. Imma, ositsuki, atske, ot- ska, sogleich. Sosteka, sostekara, sobald. Osuka, spaͤt. Jube jori osonatto, spaͤter. Osonatta, es ist spaͤt. Nandoki, wie spaͤt ists? Senkjo, zuletzt. Hojai, haje, fajaku, fruͤh. Fito toki, eine Stunde. Fita toki, zwey Stunden. Erste Abtheilung. Siebenter Abschnitt. Nan doki go, zu welcher Stunde. Kokonots toke, um zwoͤlf Uhr. Guats, gets, tsuka, Monat. Kongits, in diesem Monathe. Reigits, im kuͤnftigen Monathe. Kono tsi tassini, den ersten die- ses Monats. Nanka no utsini, in sieben Ta- gen. Kjanin, vor einem Jahre. Miaganin, vor zwey Jahren. Die Farben werden auf folgende Art benannt: Siro, weiß. Furo, kuro, schwarz. Ki, gelb. Akai, roth. Tja iro braun (woͤrtlich) Thee- farbe. Awo, awokel, fanna iro, blau. Fai iro, nesumiro, grau, greis. Majogi, ao, gruͤn. Mojogi, frisch gruͤn. Murusakki, Purpurfarben. Verschiedne Sachen, welche die Japaner erst durch Fremde bekommen oder kennen gelernt haben, werden mit hollaͤndischen oder portugiesischen Namen benannt: Tabaco, Toback. Portugal abra, Baumoͤl. Bir, Bier. Unicorn, Einhorn. Boter, Butter. Karta, Karte. Lancetta, Lancette. Pang, Brodt. Savon, Seife. Flasco. Flasche. Diamant, Demant. Saffran, Safran. Baso, Schuͤssel. Ducaton, Dukat. Gans, Gans Kakami biduro, Spiegelglas. Rassia, orassia, Rasch, Tuch. Aderlaten, Aderlassen. Skerbekken, Barbierbecken. Fork, Gabel. Kananor isi, Blutstein, weil die Portugiesen ihn zuerst aus Kananore in Ostindien hieher brachten.) Tabacco ore, Tobacksdose. Tinta, spanischer Wein. Boter no kas, Kaͤse. Kapitein, Capitain. Krokodil, Krokodil. Pokk, venerische Krankheit. Fige savon, Barbierseife. Banco, Bank. Faka, Messer. Biduro, Spiegel. Kopp, Tasse, Schaale. Theriak, Theriak. Vein, Wein. Hier folgen noch einige Exempel von Conjugation, Construction und Gebrauch der Verben, und von Formi- rung ganzer Saͤtze. Von der Japanischen Sprache. Jarre, jaru, gieb. Wataks jaru, ich gebe. Wataks jatta, kawasta, ich habe gegeben. Wataks mionitji jarrimarru, ich gab gestern. Wataks jarritai, skavastai, ich will geben. Anofito kakarimas, er schreibt. Anofito no kakarimasta, er hat geschrieben. Watakusidomo kakimassita, wir haben geschrieben. Anofito kakarimassu, er wird schreiben. Watakusidomo kakimassu, wir werden schreiben. Anofitotats kakarimassuru, sie werden schreiben. Ano fito suko ode guserimas kakokoto, er will schreiben. Ano fito hollanda moisi kaka- rimas, er schreibt hollaͤndisch. Ano fitotats jomarimaß, sie lesen. Ano fitotats somats jomarinas- sita, sie haben das Buch durchgelesen. Ano fitotats ima jomarimas- suru, sie werden bald lesen. Ano fitotats jokomoto skari- massing, sie werden nicht le- sen. Wataks tasen guserrimaß, ich befinde mich wohl. Omai soksai ni guserrimas, befindest du dich wohl? Anosto gokigin jo guserrimas, er befindet sich wohl. Anofto soksai ni guserrimas, sie befindet sich wohl. Gokigin jo guserrimaska, wie befindest du dich. Jo guserrimassur, wohl. Mada sagassu guserrimaska, befindet er sich wohl. Anofto okatsan jo serrimas, seine Frau befindet sich wohl. Kindso samma konits ikagawa watarinassuru? wie befindet Herr Kindso sich heut? Sibon gososo noserrimasse, ich wuͤnsche dir gutes Befin- den. Itami, Krankheit. Watakvsi itami massita, ich bin krank. Kinno owa omai iwa itamiwa nasserrimassinka, bist du ge- stern krank gewesen? Omai no itami de guserri- maska, was fuͤr eine Krank- heit hast du? Watakvs jakfso itasta sita, ich habe es versprochen. Kono fanna wakareta, die Blume ist verbleicht. Wataks nanni itasimasurka, was soll ich thun. Omai juwa konits nanni na- serrimoß, was thust du heute. Omai je nenaserrimassita, schlaͤfst du nicht? Wataks nejemassin, ich kann nicht schlafen. Omai fimosuwa guserrimas- sinka, bist du hungrig? Wataks tatemassu, ich will essen. Erste Abtheilung. Siebenter Abschnitt. Ima kara dora tosa guserrika, wie weit sind wir gereiset? Miteraji ini, bis Miterai . Tonin wa okai iri naserri- mas ka, wirst du in diesem Jahre wegreisen? Me onin mo oidinaserrimaska, wirst du im folgenden Jahr zuruͤckkommen? Nassini osoki vidinaserrima- kasta, warum bist du spaͤt zu- ruͤckgekommen? Kokini itsu ootski naserrima- staka, wenn bist du hieher gekommen? Jahsin, gestern Abends. Osakka its olasssi naserrima- staka? wenn bist du von Osakki abgereiset? Kono tsi tassini, den ersten die- ses Monats. Fajo gotjakf naserrimasta, du bist geschwind hieher gekom- men. Nanka no utsini, in sieben Tagen. Na nimo fusiu na koto wa- gurrimassinka, hast du kein Ungluͤck gehabt? Inne, nein. Koki nanni sini oide naserri- masta? was hast du hier zu thun. Kuni wo mini kimasta, ich will mich im Lande umsehen. Nagasaki wa do guserrimas- ka, was sagst du von Nan- gasakki ? Kekkono tokoro deguserri- massur, es ist ein angeneh- mer Ort. Anata wa kokoni fisassu torio na serrimassinka, wirst du einige Zeit hier bleiben? Lai gits made torio itassimas- ju, bis zum kuͤnftigen Mo- nat werde ich hier bleiben. Soste kara doki dide naserri- massurka, wohin wirst du alsdann reisen? Fiseni sasse Siguiseni , nach Fisen , und von da nach Si- quisen . Nando ki guserrica, was ist die Uhr. Kokonots toke, zwoͤlf. Kase wa jukka, es ist guͤnsti- ger Wind. Jets matta hassemka, wenn wollen wir wieder absegeln? Fir sugi ni, sivo no jonerri sidaini, nach Mittag, wenn die Fluth wiederkommt. Mis suga kitso suro ka, dies Wasser ist ganz schwarz. Kokawa sundo fukai, hier ist das Wasser tief. Watakusi imo so omoinaß, das glaube ich wohl. Omai je assoko nanni naser- rimasur, was hast du da? Wataks assoko kanni no gu- serrimas, ich habe da Geld. Omai gin guserrimasuru, du hast Silbergeld. Wataks nanni guserrimas, was habe ich? Nanni mo naka, gar nichts. Nanni no ono sami degoserri- maska, was willst du haben? Kadeski, no guserrimas, ich Von der Japanischen Sprache. danke dir, ich will nichts haben. Nanni na ire naserretaka, was hast du dort. Wataks kawannu, ich kaufe nichts. Anofto Kawarrimasta, er kaust. Omai nanni kainaserru, was willst du kaufen? Watats domo nanni kaimassu, was wollen wir kaufen? Omaigata nanni kainasata, was haben sie gekauft? Makiemono wa takai, lakirte Sachen sind theuer. Toko ogodatta, sie sind theu- rer gewesen. Wataks faraimaß, ich bezahle. Anofto faraimasta, er bezahlt. Wataks niobo faraimasta, mei- ne Frau bezahlt. Omai no okatsan faraimassur, deine Frau bezahlt. Watoks smai imo suru, ich bin laͤngst fertig. Kotoba atsume, ein Gespraͤch. Matusiro samma no ie o osite kadassari, zeige mir Herrn Matusiros Haus wenn du so gut seyn willst? Aska no torrari de guserri- massu, es ist das naͤchste Haus. Kadeski no guserrimassu, ich danke dir, daß du es mir zeigst. Matusiro samma ie de gusar- rimassuka, ist Herr Matu- siro zu Hause. Tata ima dererrimasta, er ist so eben ausgegangen. Doki osi de naserrimastaka, wohin ist er gegangen? Kensjo ni, auf die Nachbar- schaft. Fajo okajiri na jerrimassurka, nasarri massuriru? wird er bald wiederkommen? Wataks no so omemassuru, ich glaube wohl. Matusiro samma de guserri- maska, ist das Herr Ma- tusiro? Anata de guserrimassu, er ists. Ano gimba jo minoserri, siehst du jene Treppe? Ai, jo guserimassu, ja. Osuwari na serrimassinka, ists dir gefaͤllig dich zu setzen. Nando ni videna serrimasse, ja, im innern Zimmer. Ana ta ni kota sugika guser- rimassu, ich habe etwas von dir zu bitten. Dari kara de guserrimaska, in wessen Namen? Anatano Osaka no fabaikara, im Namen eines deiner Freun- de zu Osacka . Nawa do musmaska, wie heißt er? Gorobe to mofimassu, er heißt Gorobe. Konotsio ni kaite guserrimas- suru, dieser Brief wird es dir sagen. Erste Abtheilung. Achter Abschnitt. Achter Abschnitt . Einige allgemeine zoologische und mineralogische Nachrichten. E ine foͤrmliche Naturgeschichte von Japan zu liefern, wuͤrde fuͤr ein Buch, das nur eine Reisebeschreibung enthalten soll, viel zu weitlaͤuftig seyn. Ich will da- her nur Einiges davon in der Kuͤrze anfuͤhren um wenigstens von den diesem Lande eigenen Naturpro- dukten einen Begriff zu geben. Was die Gewaͤchse be- trift, habe ich dieselben in meiner 1784 herausgekomm- nen flora japonica ausfuͤhrlich beschrieben, wo ich zu- gleich den Nutzen und Gebrauch angegeben habe, den die Japaner in mancherley Ruͤcksichten von den verschie- denen Arten der Baͤume, Stauden und Kraͤuter, und ihren einzelnen Theilen, zu machen wissen. Auch habe ich in dieser Reisebeschreibung selbst das Merkwuͤrdigste von den hiesigen Erzeugnissen des Pflanzenreichs und deren mannichfaltigen Benutzung theils gelegentlich, so wie mir auf der Jedoer Reise dergleichen aufgestoßen ist, theils bey Erzaͤhlung meiner botanischen Spatzier- gaͤnge, bereits beschrieben. Deshalb werde ich das Pflanzenreich jetzt ganz uͤbergehen, und nur von den beyden andern Naturreichen noch das nachhohlen, was im vorhergehenden allenfalls nicht vorgekommen ist. Die entweder sehr seltnen, oder in Europa gaͤnz- lich unbekannten Thiere, habe ich zum Theil schon in einzelnen akademischen Abhandlungen und Disputatio- nen, einige auch mit beygefuͤgten Abbildungen, beschrie- ben, und gedenke auf gleiche Art damit fortzufahren. Von den Saͤugthieren kann ich folgende, als ge- wiß in Japan befindlich, angeben. Der Wolf ( Canis lupus Zoologische und mineralogische Nachrichten. lupus japanisch Okame) dieser haͤlt sich in den noͤrdlichen Gegenden auf. Der Fuchs ( Canis vulpes ), ein im ganzen Lande gefuͤrchtetes Thier. Der Hund ( Canis familiaris, japanisch Jamma ing), sowohl zahm, als auch, wie man mir gesagt hat, wild; den letztern scheint man aber doch wohl mit dem Goldwolfe oder einer an- dern aͤhnlichen Gattung zu verwechseln. Die Katze ( Felis catus ) findet sich in allen Haͤusern, und zwar von verschiedenen Farben. Die Hausratze ( Mus rattus ) treibt hier, wie in andern Laͤndern ihr Wesen. Der Hase ( Lepus timidus ) und zwar von der grauen Art, wurde nicht selten nach unsrer Factorey und auf unsern Tisch gebracht. Der Stier ( Bos taurus ); in der Ge- gend um Miako sah ich Buͤffel mit Hoͤckern auf dem Ruͤcken große Karren ziehen; die Kuͤhe aber, welche die Landleute bisweilen zum Pfluͤgen des Feldes halten, sind sehr klein. Das Pferd ( Equus caballus ) ist von mittelmaͤßiger Groͤße. Das Schwein ( Sus firo- fa ) ist von der chinesischen Art. Wallfische ( Balaena ) sah ich zu Nangasacki auf dem Markte in den Fleisch- scharren, in Stuͤcken gehauen, zum Verkauf; sie wer- den an der Kuͤste mit Harpunen gefangen, und ausser dem Fleische wird auch der Fischbein und der Ambra da- von gebraucht, den man nicht selten in dem Eingeweide findet, und den man mir auch einmal frisch und weich zeigte. — Man sagte mir zwar, daß in den noͤrdlichen und am wenigsten bewohnten Gegenden auch noch verschie- dene andere Saͤugthiere, als Hirsche, Baͤren, Affen, und der- gleichen anzutreffen waͤren; ich hatte aber keine Gelegen- heit, sie weder lebendig, noch auch nur Felle dav o n zu sehen. Von den Voͤgeln findet man sowohl Huͤner als Gaͤnse und Enten, zahm; in sehr, großer, oft ganz un- Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. H Erste Abtheilung. Achter Abschnitt. glaublicher Menge aber halten dieselben sich wild auf dem Wasser zwischen den Inseln auf, wo sie vor schrek- kenden Schuͤßen und vor Jaͤgern, die ihrem Vergnuͤgen nachgehen, sicher sind; andere halten sich im Lande und auf dem Felde auf; es fehlte mir inzwischen an Gelegen- heit, eine Sammlung davon zu machen, weil ich we- der selbst Schießgewehr gebrauchen durfte, noch mir eine solche Collection auf andre Art verschaffen konnte. Diejenigen welche ich mit einiger Gewißheit kennen gelernt habe, sind folgende: der Hahn und das Huhn ( Gallus ); der Rabe ( Corvus corax ); die Gans ( Anser ); die Federkap- pente ( Anas galericulata ); und die Winterhalbente ( Anas querquedula ), die in unsre Kuͤche kamen; der weiße Reiher ( Ardea alba ) und der blaue Reiher ( Ardea ma- jor ); die dem Bauer auf dem Felde beym Pfluͤgen und Graben nachfolgen; die Wachtel ( Tetrao coturnix ), der Dompfaffe ( Loxia pyrrhyla ) und der Reisfresser ( Loxia oryzivora ), ebenfalls aus dem Geschlechte der Kernbeisser, endlich die Haustaube ( Columba domestica ). Amphibien findet man in diesem Lande sehr we- nige. Die ich sah, waren nur die Japanische Schildkroͤte ( Testudo japonica ); und die japanische Eidechse ( La- certa japonica ). Die Dolmetscher sagten mir zwar, daß auch Schlangen in Japan anzutreffen waͤren; ich habe aber nie eine Spur davon bemerkt. Von Fischen habe ich eine Menge gesammelt, in Weingeist aufbewahrt und nach Batavia , Holland und meinem Vaterlande geschickt. Es sind aber unter- wegens mehrere davon verungluͤckt, und von dem Rest manche noch nicht untersucht; bis jetzt kann ich folgende angeben: die nebelfarbne, die bemahlte, die beringte und die gestreifte Muraͤne, ( Muraena nebulosa, picta, Zoologische und mineralogische Nachrichten. annulata, fasciata ); der aschgraue Schlangenfisch ( Ophichthys cinereus ); alle sehr schoͤne und merkwuͤr- dige Aal-Arten; eine Art Gruͤndel ( Gobius patella ); der gefleckte und der schmalgestreifte Wels ( Silurus macula- tus, lineatus ); der Japanische Schellfischteufel ( Calliony- mus japonicus ); der gepanzerte Umberfisch ( Sciaena ca- taphracta ); der sechsfachlinirte und der bunte Barsch ( Perca sexlineata, picta ); der gemeine Lachs ( Salmo salar ); die Borstenflosse aus dem Geschlechte der He- ringe ( Clupea thuriza ); der Tobackspfeifenfisch ( Fistela- ria tabacaria ); der Goldfisch ( Cyprinus aureus ); der See- flasche und der gefleckte Stachelbauch ( Tetraodon hispi- dus, ocellatus ); das Seekaͤtzchen aus dem Geschlechte der Beinfische ( Ostracion cornuttus ); das Seepferdchen ( Syngnathus hippocampus ); und der Krampffisch ( Raja torpedo ). Insekten waren fuͤr mich, sowohl auf unsrer Insel, als auch auf der Reise nach und von Jedo , leicht zu be- kommen. Zum Theil waren sie mir bekannt, zum Theil aber voͤllig neu. Hier sind ihre Namen: der ja- panische und der Vielfleck-Sonnenkaͤfer ( Coccinella ja- ponica, quadripustulata ); das Sonnenhaͤhnchen und das Weidenhaͤhnchen ( Chrysomela aestuans, pallida ); der Todtenfreund ( Dermestes violaceus ); der Japani- sche- und der Ketten-Sandlaͤufer ( Cicindela japonica, catena ); der Kupferschmidt ( Scarabaeus aeruginosus, japanisch Fama Musi); der europaͤische Dungkaͤfer ( Hi- ster unicolor ); der großnasige Erdfloh und der Sta- chelfloh ( Mordella nasuta, aculeata ); der Kraͤuterdieb ( Ptinus fur ); der Zwitterkaͤfer ( Melve proscarabaeus ); der Blaustrich und der Blasenschildkaͤfer ( Cassida nobi- lis, vesicularis ); der Blumenkratzer aus dem Geschlechte H 2 Erste Abtheilung. Achter Abschnitt. der Todtengraͤber ( Sylpha aestiva ); der Bauer, die Feuerglut, der zierliche und der Haubenstinkkaͤfer ( Bu- prestis rustica, ignita, elegans, vittata ); das Sta- chelhorn ( Cerambyx rubus ); der japanische und der platte leuchtende Kaͤfer ( Lampyris japonica, compressa ); der Rothfluͤgel und der Uferraͤuber, beyde Raubkaͤfer ( Staphylinus erythropterus, riparius ); der große Ohr- wurm ( Forficula auricularia ); die große, die sprenk- liche, die rauhe, die Knul-, die dreyeckte, die ein- punktirte, die Walk-, die schmutzige, die chinesische, die braune, die Anker-, die gehoͤrnte, die schwarze, die Kreuz-, die Colon-, die Wahrsag-, und die ge- fleckte Wanze ( Cimex grandis, guttigerus, hispidus, clavatus, trigonus, unipunctatus, fullo, sordidus, chinensis, brunneus, anchora, cornutus, niger, an- dreae, colon, augur, ocellatus ); der ostindische, der deutsche und der Busch- Kakerlak ( Blatta orienta- lis, germanica, gigantea ); der europaͤische Blattwand- rer, der gefleckte und der großnasige Gespenstkaͤfer ( Mantis religiosa, maculata, nasuta ); der langnasigte Grashuͤpfer ( Grillus nasutus ) die Grille mit zwey Schwanzbuͤrsten ( Acheta gryllotalpa ); der Streu- punkt, der Ruͤbenweißling, der Aderstrich, das Haken- horn, der Buttervogel, der Fensterfleck, der Rostfluͤ- gel, der Erdpapilion, die Distelnymphe, und die chine- sische Nymphe, saͤmtlich aus dem Geschlechte der Tagvoͤgel ( Papilio argiolus, rapac, niavius, thrax, hecabe, proteus, arcanius, phlaeas, cardui, niphe ); der Todtenkopf ( Sphynx athropos ); der Glitschfuß ( bombix lubricipe- da ); der Seidenvogel, das griechische Chi, der Schwim mer, der Greisfluͤgel, der naͤmliche Nachtvogel, und der Liebling, ( Phalena mori, chi, nymphaeata, serunata, Zoologische und mineralogische Nachrichten. immutata, amatoria ); der Blattroller ( Tortrix viri- dana ); der Laͤusefresser und die große Stinkfliege ( He- merobius perla, grandis ); die Sumpfnymphe und die Flußnymphe, aus dem Geschlechte der Jungfern ( Agrion puella, virgo ); die japanische Scorpionfliege ( Panorpa japonica ); die Honigbiene ( Apis mellifica ), die Wandwespe ( Vespa parietum ); die Schmeiß-, die japanische, weißkoͤpfige Fliege, der Kaiser, die Honig- fliege, der Triller, die Stuben-, die Mist-, die Gal- len- und die Regenfliege ( Musca carnaria, japonica, albifrons, caesar, mellina, vibrans, domestica, fime- taria, cynipsea, pluvialis ); der Wadenstecher ( Sto- moxys calcitrans ); der phalaͤnenartige, der rothhal- sige und der hochhuͤftige Langfuß ( Tipula phalaenoides, ruficollis, femorata ); die Singschnecke ( Culex pipiens ); die Seeassel und der Kellerwurm ( Onisius oceanicus, asellus ); der moluckische Krebs, aus dem Geschlechte der Schildfloͤhe; von den Floͤhen, der Nachtwecker, ( Pulex irritans ); die Menschenlaus ( Pediculus huma- nus ); der Erdvielfuß ( Julus terrestris ); der Zuckergast Lepisma saccharina ); die Krebskrabbe, der Fluskrebs und die Seelaus ( Cancer diogenes, astacus, dorsipes ). Eine Art schwarzer Cikaden nennen die Japaner Semi und die Schweber ( Bombylius ) mit weißem Steiße Abu. Konchylien sammeln die Japaner, besonders in den noͤrdlichen Landschaften; sie legen sie in gekratzte Baumwolle, befestigen sie daran mit Reiskleister und verkaufen sie an die Hollaͤnder, wenn sie nach Jedo rei- sen. Sie sind alle sehr schoͤn, aber allezeit die kleinen dazu ausgesucht. Die Schaalthiere, welche im Lande haͤufig gegessen werden, und auch auf unsern Tisch ka- men, sind: der Seitenschwimmer ( Ostrea pleuronectes ), H 3 Erste Abtheilung. Achter Abschnitt. die Riesenkammmuschel, ( Ostrea gigas ) eine sehr lange und dicke Art Austern; die Braunlippe und der Spiel- doublet, beyde aus dem Geschlechte der Venusmuscheln ( Venus meretrix, chione. ) Von Wuͤrmern, ( Vermes ) Konchylien und Ko- rallen sind die welche ich gesammelt habe, folgende: der Achtfuß und der Zwergblackfisch ( Sepia octopodia, sepiola ); der Komet, ein Seestern ( Asteria rubens ); die Seemuͤtze und die kleine Seepocke ( Lepas mitella, balanoides ); der stumpfe Klaffer ( Mya truncata ); der Rinnendoublet, die Saubohne, die Kammscheide, der rothe Sonnenstrahl, alle aus dem Geschlechte der Scheiden ( Solen vagina, legumen, bullatus, strigi- latus ); die feste und die zarte Tellmuschel, die Milch- linse, und die Eyertelline ( Tellina solidula, delicatu- la, lactea, albida ); die xulannesische Buchstabenmu- schel und die Bettlermuschel ( Donax scripta, irus ); von den Herzmuscheln, die Dickschaale ( Carpium rusticum ); die Jungfer, die Kreuzschaale, die Blaulippe, die Blutlippe, die rauhe Sanctdomingomuschel, der Ga- belzahn, die Gittervenus, die Warzenrippe, der Ve- nuskamm, die Vettel, der Spieldoublet, welcher Ja- panisch Hamagai heißt, und die Braunlippe, Japanisch Sigakf ( Venus virginea, decussata, laeta, deflorata, tigerina, rotundata, cancellata, verrucosa, pecti- nata, exoleta, chione, meretrix ); die Violetkorb- muschel, der Glattnabel, die Strandmuschel, die Schlammmuschel, der Stralkorb ( Mactra violacea, glabrata, solita, lutaria, stultorum ); Die Bastard- die Bart- und die Noahsarche, das Toͤrtlein, die Zoͤlle ( Arca antiquata, barbata, noae undata, pellata ); die gezackte Lazarusklappe ( Spondylus gaederopus ); die Zoologische und mineralogische Nachrichten. Seenuß, die Muskatenbluͤthe, beyde Chienmuscheln ( Chama antiquata, lazarus ); das Voͤgelchen, die Bart- muschel, das Zwergfell, die Perlenmutter, aus dem Geschlechte der Miesmuscheln ( Mytilus hirundo, bar- batus, bilocularis, margaritiferus ); die Feile, der Sommermantel, der Jaͤgermantel, die Pilgrimmsmu- schel, das Lorbeerblatt, die gewoͤlbte Kammuschel, der Seitenschwimmer, und die Riesenkammuschel ( Ostrea lima, pellucens, plica, maxima, folium, for- nicata, pleuronectes, gigas ); der Hysterit, die Tere- bratel, die Falte, die Furche, die Zwiebelschaale, alles Bastardmuscheln, ( Anoma hysterophorus, terebra- tula, plicatella, lacunosa, cepa ); der edle Schinken; eine Steckmuschel, ( Pinna nobilis ); der Papiernauti- lus ( Argonauta Argo ); von den Tuten das Gespenst ( Conus spectrum ); der Schlangenkopf und die Schlan- genporcellaine Cypraea mauritanica, serpentis ); das bruͤthende Taͤubchen, eine Walze ( Voluta mercatoria ); die Schellenschnecke, die Treppe, das Glanzhorn, das Steinchen, aus dem Geschlechte der Kinkhoͤrner ( Buc- cinum galea, spiratum, nitidulum, lapilIus ); von den Blasen, das Taubeney, das rothe Band, das Kibitzey, die Staatenfahne, das Joch, ( Bulla naucum, amplu- stre, ampulla, physis, spelta ); die Tritonsschnecke, die Nachteule, das Brandhorn, die niederlaͤndische Spindel, saͤmmtlich Stachelschnecken ( Murex tritonis, aluco, saxatilis, antiquus ); die luhoneser Fluͤgelschnecke, ( Strombus luhuanus ); das Schnurbund, der Wulst- nabel, die Pharaoschnecke, aus dem Geschlechte der Kraͤusel ( Trochus conulus, vestiarius, pharaonis ); die Zahnschraube und die Nagelschraube, beyde Mond- schnecken ( Turbo bidens, ungulinus ); von den Schwimm- H 4 Erste Abtheilung. Achter Abschnittt. schnecken der Knotennabel ( Nerita cannena ); von den Meerohren, das Knotenohr ( Kaliotis tuberculata ); die Narrenkappe, die Sternpatelle, der Nagel, die Wolken, die blaue Patelle, die Muͤtze ( Patella unga- rica, saccharina, unguis, nubecula, caerulea bar- bara ); der Ochsendarm, die Dreyeckroͤhre und die Rollschlange aus dem Geschlechte der Roͤhrenschnecken; von den Sternkorallen die Pfennigkoralle ( Madrepora porpita ) versteinert; die Raderkoralle ( Isis entrocha ); von den Roͤhrenkorallen die Seeorgel, welche die Japa- ner Iwa kik nennen, und den Holzwurm ( Tubipora musicalis, teredo, ). Sogenannte Meerbohnen ( Um- bilicus marinus sive Veneris ) findet man sehr viele am Strande, welche die See ausgeworfen hat, so wie in den Bergen viele Belemniten angetroffen werden. An Metallen ist Japan reich. Daß von den edlen Gattungen, Gold und Silber, dies Land ehedem einen sehr reichen Seegen gehabt hat, haben sowohl die Por- tugiesen, welche vormals Schiffsladungen davon aus- fuͤhrten, als auch die Hollaͤnder erfahren. In Ansehung der Menge des Goldes wetteifert Japan noch heutiges Tages mit den reichsten Laͤndern. Da- mit dessen aber nicht zu viel im Lande werde, darf nicht mehr, als eine gewisse Menge jaͤhrlich gegraben, und keine Art von Metallgruben ohne ausdruͤckliche Erlaub- niß des Kaisers geoͤffnet und darin gearbeitet wer- den. Wenn der Bau einer Grube erlaubt wird, so fallen Zweydrittheil davon dem Kaiser, und ein Drit- theil dem Fuͤrsten der Provinz fuͤr seine Kosten zu. Etwas Gold wird in Sand gefunden, das meiste aber aus Kupferkies gezogen, der zu dem Ende in Schwefel aufgeloͤset wird. Es sind verschiedene Gegenden des Zoologische und mineralogische Nachrichten. Landes, die Gold liefern; allein das feinste Gold und die reichhaltigsten Gruben findet man auf der groͤßten Insel des Reichs bey Sado . Diesem kommt an Guͤte dasjenige gleich, welches in der Provinz Surunga ge- wonnen wird. Ausserdem weiß man mit Gewißheit, daß in der Provinz Satsuma verschiedene reichhaltige Goldminen sind, wie auch in der Landschaft Tsikungo und auf der Insel Amakusa . Das gewonnene Gold wird vermuͤnzt, zum Vergolden gebraucht, und in seidne Stoffe gewirkt; ausgefuͤhrt wird es unter keinerley Gestalt. Silber muß es vor diesem weit haͤufiger gegeben haben, als itzt, weil ehemals eine große Menge davon aus dem Lande gieng. Die Japaner achten es selbst fuͤr seltner als das Gold, obgleich sie dem letztern einen groͤßern Werth beylegen. Sie nehmen auch jetzt von der hollaͤndischen Compagnie eine ansehnliche Summe hol- laͤndischer Dukatonen (eine hollaͤndische Silbermuͤnze) an. Das meiste Silber findet sich in der Landschaft Bingo . Auch in den noͤrdlichen Gegenden, um Katta- mi , giebt es reiche Silbergruben, desgleichen sollen zwey Inseln, die den Namen Gold- und Silber- inseln , Ginsima und Kinsima fuͤhren, sowohl Silber, als Gold, in Menge liefern. Das Kupfer ist im ganzen Lande sehr allgemein, enthaͤlt viel Gold und bereichert verschiedene Landschaf- ten. Es ist nicht nur in vorigen Zeiten ausgefuͤhrt, sondern wird auch jetzt noch, sowohl von den hollaͤndi- schen als den chinesischen Kaufleuten, haͤufig ausge- fuͤhrt. Das feinste und geschmeidigste wird in den Pro- vinzen Suruga , Atsingo , Kyno und Kuni gefunden. Das aus Kuni ist von allem das geschmeidigste, und H 5 Erste Abtheilung. Achter Abschnitt. das aus Suruga ist am reichhaltigsten an Gold. Auch in Satsuma und andern Landschaften, trifft man viele Kupferbergwerke an. Aus dem Kupfer wird kleine Scheidemuͤnze gegossen, Beschlaͤge, Sowasarbeit, Toͤ- pfe, Kessel und dergleichen gemacht. Mit Eisen ist unter allen Metallen Japan am wenigsten versehen. Es findet sich aber doch in den Provinzen Mimasaka , Bitsju und Bisen , und zwar in hinreichender Menge. Eisen wird nicht ins Land her- eingebracht, aber auch nicht leicht ausgefuͤhrt. Es wird gebraucht, Saͤbel, Waffen, Scheeren, Messer und eine Menge anderer Geraͤthe, Instrumente und Ge- schirre daraus zu machen. Bernstein hat man in Japan , und zwar wird er, wie man mir sagte, im Lande selbst gefunden. Meine Freunde schenkten mir einige Stuͤcke. Er ist zum Theil dunkelgelb, zum Theil aber hellgelb, einiger auch gestreift. Schwefel liefert das Land im Ueberfluß; beson- ders eine Insel, nahe bey Satsuma . Steinkohlen sollen in den noͤrdlichen Districten anzutreffen seyn. Aus rothem Agat machen die Japaner Knoͤpfe und dergleichen an ihre Tobacksbeutel und Medicindosen. Auch schleifen sie ihn wohl in Gestalt von Schmetterlin- gen und andern kleinen Thieren. Zweyte Abtheilung . Aufenthalt auf Dezima nach der Zuruͤck- kunft von Jedo , vom 30sten Junius 1776 bis zur Ruͤckreise nach Batavia am 4ten Januar 1777. N ach unsrer Ruͤckkunft von Hofe auf der Factorey den 30sten Junius 1776, brachte ich daselbst einen sehr heißen Sommer zu, und beschaͤftigte mich damit, das nachzusehen und in Ordnung zu bringen, was ich auf der Reise gesammelt hatte, sowohl von getrockneten und andern Gewaͤchsen, als auch von lebendigen seltnen Baͤumen und Straͤuchen, welches alles ich mit den zu- ruͤckgehenden Schiffen nach Amsterdam schicken wollte. Die letzteren waren besonders aus dem Ahorn- und Masholdergeschlechte ( Aceres ), und zwar mehrere sehr schoͤne Arten, ferner Bocksdorn ( Lycium ), Calaster ( Celastrus ), Schwelken ( Viburnum ), Pflaumen ( Pru- nus ), Sagupalme ( Cycas ), Cypressen ( Cypressus ), Citronenbaum ( Citrus ) und andre. Ich stellte in dieser Zeit auch verschiedene botani- sche Spaziergaͤnge um Nangasaki an; und da dies die blumenreichste Jahrszeit war, hatte ich die Freude, meine schweren Kosten hiebey etwas besser, als im vo- rigen Herbste und Winter, belohnt zu haben. Ich be- merkte unter andern folgendes: Anstatt Hanfs sah ich an einigen Orten die weiße Nessel ( Urtica nivea ), die Zweyte Abtheilung. Aufenthalt auf Dezima hier auch uͤberall wild waͤchst, foͤrmlich angebauet; man braucht sie zu Tauen, Stricken und zu grober Leine- wand. Auch traf ich verschiedentlich den Wunder- baum ( Ricinus ) gepflanzt an, dessen Saamen mit Moxa und Tusche zusammen gestoßen, die hiesige Buchdrucker- farbe giebt. — Ferner bauet man hier auf niedrigen Plaͤtzen Flattersimsen ( Juncus effusus ), woraus die Fußbodenmatten geflochten werden. Diese Binsen wachsen zwar von selbst in Menge, werden aber als- denn nicht so hoch und gut, als jene. — Lilien, und zwar von der Gattung die den Namen der praͤchtigen ( Lilium superbum ) fuͤhrt, eine der allerschoͤnsten Blu- men in der Welt, sah ich auf den kleinen Fahrzeugen im Hafen haͤufig als ein ihrem Meergotte geweihetes Opfer aufgehaͤngt. — Der Japanische Traubenbaum waͤchst in der Gegend von Nangasaki in Menge. Es ist ein kleiner, auf der Erde fortkriechender Strauch. Er ist wegen des vielen klaren Schleims merkwuͤrdig, den er in sich haͤlt. Wenn die aͤußre Rinde von den Zwei- gen abgeschaͤlt ist, und diese in ein Glas Wasser gesetzt werden, so zieht der Schleim heraus, und setzt sich rund umher in der Dicke von mehr als einer Linie fest, und ist so klar wie Krystal. Dieser Schleim wird nicht nur bis- weilen, statt desjenigen, der von dem Manihoteibisch ( Hibiscus Manihot ) genommen wird, zur Bereitung des Papiers gebraucht, sondern das Frauenzimmer be- dient sich desselben auch, um das Haar damit glatt und glaͤn- zend zu machen. — Die Sasanquakamellie ( Camellia sasamqua ), findet man hier auch sehr haͤufig. Dies ist ein kleiner Busch, und gleicht in Ansehung der Blaͤtter und Bluͤthe so sehr dem Theebaume, daß man sie, außer: an der Groͤße, mit Muͤhe unterscheiden kann. nach der Zuruͤckkunft von Jedo ꝛc. Die Blaͤtter haben einen etwas angenehmen Geruch, und werden daher, gekocht, vom schoͤnen Geschlechte da- zu gebraucht, das Haar damit zu waschen; auch wer- den sie wohl zu den Theeblaͤttern gemischt, um den Ge- ruch derselben noch angenehmer zu machen. — Eine Art ganz kleiner Apfelsinenbaͤume ( Citrus Japonica ), zieht man hier in den Haͤusern in Toͤpfen. Das Baͤum- chen wird wenig uͤber einen halben Fuß hoch, und die Fruͤchte, welche suͤßlich und angenehm, ungefaͤhr wie Apfelsinen, schmecken, sind nicht groͤßer, als gewoͤhn- liche Kirschen. — Truͤffeln ( Lycoperdon tuber ) graͤbt man in dieser Gegend aus der Erde. Sie sind von der Groͤße einer Zwetsche. Frisch sind sie weich und braͤunlich, eingesalzen aber werden sie schwarz. Die Japaner essen sie, wie Murcheln, in Suppen. — Die Sojabohnen wachsen hier zwar wild in großer Menge, werden aber doch auch sehr haͤufig gepflanzt. — Der Gagelbaum ( Myrica nagi ) ist hier selten. Das Holz ist sehr weiß, und man macht Kaͤmme daraus, die das Frauenzimmer in den Haaren traͤgt. — Die gemeine Fichte ( Pinus sylvestris ), ist zwar derjenige Baum, aus dessen Holze hier die meiste Tischlerarbeit gemacht wird; das weiße und schoͤne Holz des Japanschen Cy- pressenbaums ( Cypressus Japanicus ), wird aber auch sehr haͤufig dazu gebraucht, wie das Holz vom groß- blaͤttrigen Eibenbaum ( Taxus macrophylla ) und von einigen andern Baͤumen. — Der eßbare Aron ( Arum esculentum ), wird hier auf dem Felde, nicht nur der Wurzeln wegen, die man isset, welche aber roh einen scharfen Geschmack haben, sondern auch um der Sten- gel willen, die zerschnitten und in Suppen gethan wer- den, gebauet. — Eben so gebrauchen die hiesigen Ein- Zweyte Abtheilung. Aufenthalt auf Dezima wohner das gemeine Pfeilkraut ( Sagittaria sagittata ), den vielblumigen Wegtritt ( Polygonum multiflorum ), und eine eigne Art Dioskoride ( Dioscorea Japonica ), zum Essen. Die beyden letzteren Arten werden auch zum Futter fuͤr das Vieh angewandt, und die Leute brachten sie uns unter anderm Grase sehr oft nach Dezi- ma , wo wir dergleichen fuͤr unser Vieh noͤthig hatten. Den 31sten Julius kam von Batavia das der hol- laͤndischen Compagnie gehoͤrige Schiff Zeeduyn, und den 21sten August das Admiralschiff Stavenisse nebst dem Chef, welcher dies Jahr hier bleiben sollte, Herrn Duurkoop , zu Nangasaki an. Von der Mannschaft dieser Schiffe, hatten viele, zu Batavia , heftige Fieber gehabt; diese erlang- ten hier in kurzem ihre Gesundheit wieder, und einige die starke Verhaͤrtungen und einen aufgeschwollnen Un- terleib ( Placenta febrilis ) hatten, dergleichen nach den boͤsen bataviaschen Fiebern zuruͤck zubleiben pflegt, wur- den hier vollkommen davon befreyet. Den 26sten August, Abends, fiengen die Japa- ner zu Nangasaki und im ganzen Reiche an, ihr La- ternen- oder Leuchtenfest zu feyern, welches zu Nanga- saki sehr feyerlich begangen ward. Den 13ten September gegen Abend kam die Nach- richt, daß der Fuͤrst der Landschaft Owari , ein leib- licher Vetter des Kubo, vor fuͤnf Tagen mit Tode ab- gegangen waͤre. Aus dieser Ursach ward Befehl ge- geben, daß niemand auf der Insel in den ersten fuͤnf Tagen, (dies ist hier zu Lande die gewoͤhnliche Zeit fuͤr die tiefste Trauer,) auf einem Instrumente spielen sollte. Dieser Herr war ungefaͤhr vierzig Jahr alt. Er war vor einiger Zeit dazu bestimmt gewesen, des Kaisers nach der Zuruͤckkunft von Jedo ꝛc. Schwiegersohn zu werden; allein das Schicksal hatte gewollt, daß die fuͤr ihn ausersehene Braut den Tag vor seiner Ankunft zu Jedo starb. Den 10ten October visitirte der zu Nangasaki vor einiger Zeit angekommene neue Statthalter, zuerst die Kaiserlichen Wachen im Hafen; darauf besuchte er das hollaͤndische Admiralschiff; und endlich die Insel Dezi- ma : alles in Begleitung des vorigen Gouverneurs, der nunmehr abgehen sollte. Statthalter zu Nangasaki sind waͤhrend meines dasigen Aufenthalts folgende ge- wesen: Noto no Kami , der 1775. abgieng; Nagato no Kami , der ihm folgte, und 1776. abgieng; und Tango no Kami , der jetzt hieher gekommen war. Da ich vorher sah, daß ich, wenn ich noch ein Jahr in Japan bliebe, nochwenig mehr, als was ich bisher zu thun im Stande gewesen war, zum Vortheil der Wissenschaften wuͤrde ausrichten koͤnnen; so beschloß ich, nach Batavia zuruͤck zureisen. Der neue Chef, der zu mir, als Arzt, mehr Zutrauen hatte als zu mei- nem Nachfolger, wollte mich zwar, um seines Vortheils wegen, anfaͤnglich uͤberreden, und endlich gar zwingen, hier noch ein Jahr zu verweilen. Doch gelang es mir endlich, mich von diesem Ansinnen los zu machen und meine Zeit zu Erweiterung der Naturkunde anderswo, nuͤtzlicher als hier geschehen konnte, anzuwenden. Den 23sten November verließ ich demnach die In- sel Dezima , und begab mich nach dem Admiralschiffe Stavenisse, welches bey Papenberg vor Anker lag. Den 29sten kamen Committirte von der Factorey zu uns an Bord, um uns Briefe und andre Documente an die Regierung zu Batavia mitzugeben. Zweyte Abtheilung. Aufenth. auf Dezima ꝛc. Am folgenden Morgen lichteten wir unser erstes Anker, ob wir gleich noch ein Paar Tage liegen blieben. Den 3ten December um 10 Uhr lichteten wir das zweyte Anker, und zogen die Segel auf. Das Schiff Zee- duyn segelte voran. Beyde Schiffe loͤseten um 11 Uhr gegen Papenberg uͤber, und nach einer Stunde bey den letzten Bergen, welche Cavallos heißen, noch einmal die Kanonen, und wir wuͤnschten uns gegenseitig eine gluͤck- liche Reise. Die Ladung jedes dieser beyden Schiffe, bestand hauptsaͤchlich aus 6750 Pickel Stangenkupfer, und 364 Faͤssern Kampfer, von denen jedes 120 bis 130 Pfund hielt. Den 4ten Januar 1777. kamen wir gluͤcklich und wohlbehalten zu Batavia wieder an. Bey der Muͤndung des durch die Stadt ins Meer sich ergießenden und noch weit im Hafen zu spuͤrenden, großen Flusses war der Strom jetzt so stark, daß wir nicht ohne Gefahr vermittelst Schaluppen und andrer kleinen Fahrzeuge uns nach der Stadt mußten hinauf ziehen lassen. Dritte Dritte Abtheilung . Zweyter Aufenthalt zu Batavia vom 4ten Januar bis den 5ten Julius 1777. Erster Abschnitt. Aufenthalt zu Batavia , und erste Reise in das Innere von Java . N ach meiner Ankunft nahm mein achtungswerther Freund, Doctor Hofmann , mich wie zuvor wieder in sein Haus und an seinen Tisch auf. Waͤhrend meiner Abwesenheit waren aber viele meiner hiesigen Bekannten gestorben. Unter andern vermißte ich die Gattinn des Herrn Hoffmann . Kurz vor meiner Abreise nach Japan hatte ich in ihrem Hause mit dreyzehn Personen zu Tische gesessen, von welchen, wie mein Wirth mir erzaͤhlte, elf an dem gewoͤhnlich hier grassirenden Fieber, in einer Zeit von drey Wochen, gestorben, und er und ich allein noch uͤbrig waren. Dies ist ein anschauliches Beyspiel wie ungesund das Clima in Batavia ist! Die erhitzte Atmosphaͤre ist stets mit einer Menge feuchter Duͤnste angefuͤllt, dadurch wird der Koͤrper erschlafft, zur Faͤulniß em- pfaͤnglich, und solchergestalt jene unglaublich starke Mortalitaͤt veranlaßt. Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyt. Th. J Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. Der Generalgouverneur von der Parra Von ihm so wie von meinem Goͤnner dem großen Befoͤrderer der Wissenschaften, Herrn Radermacher , sehe man im zweyten Theile des ersten Bandes S. 189. sqq. , war im vorigen Jahre ebenfalls mit Tode abgegangen, und ich hatte an ihm einen wahren Goͤnner verloren. Er war ein verstaͤndiger Mann und hat auch der hollaͤn- dischen Compagnie viele Dienste geleistet, ob er gleich nicht unterlassen hat, in der langen Zeit da er diesem eintraͤglichen Amte vorgestanden, auch fuͤr sich selbst zu sorgen. Er hinterließ seinem Sohne, der sein ein- ziger Erbe war, mehr als vier Millionen Gulden. An seiner Stelle fuͤhrte jetzt von Riemsdyk den Ober- befehl in Ostindien . Dies war ein alter, abgelebter Mann, der sich durch Eigennuͤtzigkeit sehr, und durch sonst nichts auszeichnete. Als ich nach meiner Zuruͤck- kunft Seiner Edlen, — dies ist der gewoͤhnliche Titel des Generalgouverneurs zu Batavia — aufwartete, fragte er mich uͤber die Krankheit seiner Frau um Rath, diese bestand aber in einem Krebsschaden an der einen Brust, der schlechterdings unheilbar war. Herr Radermacher , bey dem ich naͤchst andern Freundschaftsbezeugungen woͤchentlich ein paar mal zu Gaste war, pflegte sich fast jedesmal mit mir uͤber Ja- pan zu unterhalten. Einstmals fragte er Herrn Feith , der zuletzt Chef des hollaͤndischen Handels in Japan , und in dessen Gefolge ich gewesen war, nach dem Na- men des damahligen Kaisers in Japan . Herr Feith gestand, daß er ihn nicht wisse, ob er gleich wenig- stens vierzehn Jahr im Lande zugebracht, und vier- mal als Ambassadeur beym Kaiser Audienz gehabt hatte. Am folgenden Tage, als ich bey Herrn Rader- macher zu Tische war, sagte er zu mir, ich haͤtte ihm Erste Reise innerhalb Java . bisher selten eine Frage unbeantwortet gelassen, jetzt aber wolle er mir eine vorlegen, worauf ich ihm die Antwort gewiß schuldig bleiben wuͤrde: nemlich wie der jetzt regierende Japanische Kaiser heiße, und wie alt er sey? Nun gereichte es der ganzen anwesenden Ge- sellschaft zu eben so großer Verwunderung, als mir zum Vergnuͤgen, daß ich nicht nur hievon Rede und Antwort, sondern auch schriftliche Auskunft zu geben im Stande war, wie der geistliche Kaiser, der Kronprinz, ja wie alle, sowohl weltliche als geistliche Regenten dieses Landes vom Anfange des gegenwaͤrtigen Jahrhunderts an, namentlich geheißen haben. Man fand es unbegreiflich, daß ich, als ein subalterner Fremdling, hinter diese Heimlichkeiten hatte kommen koͤnnen, indeß ein Mann wie der Am- bassadeur, in so vielen Jahren davon nichts in Erfahrung zu bringen gewußt. In der Folge gab ich Herrn Ra- dermacher eine Abschrift von diesem Verzeichniß der Japanischen Regenten (es ist dasselbe, welches ich oben mitgetheilt habe), und seitdem ist es, wie ich hoͤre, in die Abhandlungen der, einige Jahre nachher zu Bata- via gestifteten, gelehrten Gesellschaft eingeruͤckt worden. Kaͤmpfer hat zu seiner Zeit ein ausfuͤhrliches Verzeich- niß, sowohl der weltlichen als der geistlichen Kaiser in Japan , bis auf das Jahr seiner Abreise von dort, geliefert. Es lag mir daher sehr am Herzen, zu der Fortsetzung desselben zu gelangen, so schwer es auch war. Dies gluͤckte mir zu Jedo , durch den obersten Dollmetscher und den Kaiserlichen Leibmedicus. Mit die- sen und meinen uͤbrigen Japanischen Freunden, habe ich seit meiner Ruͤckkunft nach Schweden , verschiedene Jahre lang, einen nuͤtzlichen Briefwechsel unterhalten und Gele- genheit gehabt, durch Huͤlfe meines verehrungswuͤrdigen J 2 Dritter Abtheilung. Erster Abschnitt. Goͤnners, des Professor Burmann zu Amsterdam , einen meiner Freunde und vorzuͤglichsten Schuͤler, Doctor Stuͤtzer , nach Indien und Japan zu befoͤrdern. Mein erstes Geschaͤft zu Batavia war, die Sa- chen, welche ich in einen großen Kasten eingepackt, bey meinem Wirthe in Verwahrung stehen lassen, nachzu- sehen. Aber wie traurig ward ich nicht bey Oeffnung des Kastens, als ich, unerachtet er auf Bouteillen gesetzt war, mithin von der Erde erhoben stand, den groͤßten Theil der bey meinem vorigen hiesigen Aufent- halte gemachten Kraͤutersammlung, und einen großen Theil der hier zuruͤckgelassenen Buͤcher, von der einge- schlossenen feuchten Luft ganz verfault antraf. Zu Ersetzung dieses Verlustes, besuchte ich itzt taͤglich, selbst des Nachmittags in der staͤrksten Hitze, wenn andre des suͤssen Mittagsschlafs genossen, die umlie- genden Gegenden. Nur Schade, daß die Witterung meine botanischen Bemuͤhungen gar nicht beguͤnstigte. Es war nemlich noch die regnigte Jahrszeit. Es regnete fast alle Tage, besonders Abends und Morgens, einzelner Regenschauer nicht zu gedenken. Der Himmel war fast immer truͤbe, und die Luft dick und feucht, so daß ich keine von meinen gesammelten Kraͤutern trock- nen konnte, weil in verschloßnen Zimmern alles schimmlig wurde oder verfaulte. Zu den Regenmo- nathen, oder dem was man hier Winter nennt, werden in Java , der December, Januar, Februar, und Maͤrz gerechnet, da die Luft kuͤhl ist und weni- ger Krankheiten herrschen. Hernach tritt die warme Jahrszeit ein, da die Hitze brennend und unausstehlich, der Himmel klar und das Wetter bestaͤndig trocken ist. Erste Reise innerhalb Java . Die hier wohnenden Chineser, feyerten itzt ihren Neujahrstag. Er faͤllt auf den Tag des ersten Neu- mondes im Februar, und ist ein großer Festtag. Nachdem ich um Batavia von verschiedenen Pro- dukten der Natur so viel gesammelt hatte, als in dieser Jahrszeit zu finden war, wuͤnschte ich von dem Innern dieser herrlichen Insel etwas kennen zu lernen. Zu die- sem Ende schiffte ich mich auf einem hollaͤndischen Fahr- zeuge ein, und segelte mit demselben an der Nordseite von Java hin nach Samarang . Den 23sten Maͤrz verließen wir die Rhede der Stadt, und kamen den 31sten Cheribon vorbey, einen der betraͤchtlichsten Handelsplaͤtze, wo die hollaͤndische Compagnie einen Gouverneur haͤlt, dessen jaͤhrliche Einkuͤnfte auf siebenzigtausend Reichsthaler geschaͤtzt werden. Unter den um diese Stadt belegenen Bergen, giebt es Vulkane. Vor zwey Jahren hat man hier ein heftiges Erdbeben verspuͤrt, und der Berg hat zu- gleich Asche ausgeworfen, wodurch mehrere tausend Kaffeepflanzungen in den umliegenden Gegenden ruinirt worden sind. Der Berg Tagel , welchen wir am 2ten April vorbey segelten, wirft oft Flammen aus; jetzt sahen wir bloß eine Rauchsaͤule, so dick als ein Mann im Leibe ist, aus dem Gipfel emporsteigen. Auf dieser Reise, welche wegen der oftmaligen Veraͤnderung des Windes ziemlich lange waͤhrte, sahe ich mehrmals verschiedene Schlangen, die vom Lande gekommen waren, auf dem Wasser schwimmen; eine war darunter, die eine Laͤnge von mehr als einer Elle hatte, und ganz hoch aus dem Wasser in die Hoͤhe sprang. Wenn der Wind sich aͤndert, ist hier gewoͤhnlich stilles Wetter, und eine druͤckende Hitze. Jetzt war J 3 Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. auch die Jahreszeit, da die Westwinde aufhoͤren zu we- hen, und der Ostpassatwind wieder kommt. Unser Schiffscapitain erzaͤhlte uns bey dieser Gelegenheit, daß er, so wie mehr erfahrne Seeleute, mit Gewißheit be- merkt habe, daß, seit dem großen Erdbeben zu Lissa- bon , die Ostwinde spaͤter eingetreten, und die Passat- winde uͤberhaupt schwaͤcher geworden sind. Obgleich Java Zuckerrohr in Menge hervor- bringt, und der Zucker hier zu Lande eben gar nicht theuer ist, waren wir doch auf dieser Reise mit sehr schlechtem, und statt weissen, mit braunen Puder- oder Kochzucker versorgt worden. Als ich, in Ruͤcksicht auf die Kranken, mich bey dem Capitain daruͤber be- schwerte, erfuhr ich, daß zwar weisser Kochzucker be- willigt, daß aber gewoͤhnlich nur eine schlechtere Sorte geliefert und das dadurch ersparte Geld von den Admi- nistratoren der Pack- oder Waarenhaͤuser eingestri- chen werde. Den 9ten April kam ich zu Samarang an. Dies ist eine schoͤne wohl befestigte und mittelmaͤßig große Stadt, und der Hauptort der Hollaͤnder an der ganzen Kuͤste von Java , unter welchem alle andere Handlungs- comtoire, ausser dem zu Cheribon , stehen. Der Ort wurde im Jahr 1708 von den Hollaͤndern erobert. Er liegt an einem Flusse nicht weit vom Strande. Jetzt befanden sich hier ungefehr hundert und funfzig Mann Soldaten, obgleich, wie man mir sagte, an tausend Mann zu diesem Comtoir gehoͤren. Die Ein- kuͤnfte des hiesigen Stadthalters, sollen sich jaͤhrlich auf achtzig bis hunderttausend Reichsthaler belaufen. Des- halb wird diese Stelle auch nur Verwandten und Guͤnst- lingen des Generalgouverneurs zu Theil; doch behaͤlt ei- ner dieselbe selten laͤnger als drey Jahr, worauf er ge- Erste Reise innerhalb Java . woͤhnlich zum Beysitzer des hohen Raths zu Batavia befoͤrdert wird, und jenen Posten einem andern uͤberlas- sen muß. Ich bekam meine Wohnung bey dem hier befind- lichen Hospitalarzte Doktor Boͤniken , einem nicht nur in der Chirurgie, sondern auch in der Medicin wohl erfahrnen Manne, der mir viel Dienste und Freundschaft erzeigte. Kaum war ich aber ans Land gekommen, als ich krank wurde, und das Bette huͤten mußte. Ich hatte mir nemlich auf dem Schiffe dadurch, daß ich des Nachts, in der Kajuͤte wo ich schlief, ein Fenster offen stehen ließ, wodurch die Ausduͤnstungen von der kalten Nachtluft gehemmet worden waren, ein dreytaͤgiges Fie- ber zugezogen. Durch den Gebrauch der gehoͤrigen Mittel, vorzuͤglich des Chinaextracts ward ich indeß, nach einigen Anfaͤllen, wieder davon befreyet. Mittlerweile segelte das Schiff weiter nach Jua- na , einem etwas weiter an der Kuͤste hinauf liegenden Handelscomtoire, um daselbst eine Ladung Bau- und Nutzholz einzunehmen. Sobald ich nur von meinem Fieber hergestellt war, machte ich, mit Erlaubniß des Gouverneurs und in Herrn Boͤnikens Gesellschaft, eine Reise von einigen und sechzig Meilen landeinwaͤrts nach den Gebirgen. Der Gouverneur, ein sehr liebreicher, artiger und lie- benswuͤrdiger Mann, gab mir einen Paß und Em- pfehlungen mit, an alle Befehlshaber der befestigten Po- sten der Compagnie, und ersuchte mich zugleich, meine Aufmerksamkeit auf alle solche Gewaͤchse zu richten, die entweder bisher als Arzeneymittel im Hospital ge- braucht worden, oder an deren Stelle als solche ge- braucht werden koͤnnten. Um dieser letztern Absicht J 4 Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. willen, ward auch meinem Reisegefaͤhrten anbefohlen, mitzureisen, um diese Gewaͤchse recht kennen zu lernen. Den 23sten April traten wir zu Pferde die Reise an, und kamem nach Unarang , wo ein Serjeant mit ungefehr zwanzig Mann von den Truppen der Com- pagnie auf Postirung steht. Tages darauf setzten wir den Weg nach Salatiga fort; dies ist eine Schanze, mit einer Besatzung von einigen und zwanzig Mann, uͤber welche ein Faͤhnrich den Befehl hat. Am 26sten ritten wir nach Kopping , einem ja- vanischen Dorfe, das ganz hoch an einem Berge liegt. Diese Gegend ist sehr fruchtbar und das Klima kalt und gesund. Unter andern Merkwuͤrdigkeiten, welche ich auf dieser Reise wahrnahm, sah ich, daß die indischen Fei- genbaͤume ( Ficus indica ), welche in den Waͤldern wach- sen, und eine betraͤchtliche Hoͤhe erreichen, ihre Zweige so tief herunterhangen lassen, daß sie bis auf die Erde reichen, daselbst Wurzel schlagen, und in neuen Staͤmmen wieder aufschießen, die allmaͤhlich ebenfalls zu großen Baͤumen werden. Ein einziger solcher Feigen- baum formirt also mit seinen eingewurzelten Zweigen, eine Menge Lauben, und dehnt sich in einem weiten Umfange aus. Hier lernte ich auch eine Art Blaͤtter, javanisch Kamadu genannt, kennen, die wie Brennnesseln bren- nen, aber weit staͤrker, oft so stark, daß die Haut sich entzuͤndet. Sie haben an jeder Ader spitzige Zacken, die durchsichtig und mit einem Safte angefuͤllt sind, der diesen Brand verursacht. Bey naͤherer Untersuchung fand ich, daß diese Gattung Nessel noch nicht bekannt war; ich gab ihr daher den Namen stechende Nessel Erste Reise innerhalb Java . ( Urtica stimulans ). Einer von unsrer Gesellschaft, der jene Eigenschaft dieser Blaͤtter nicht kannte, und in der Geschwindigkeit ein Paar Zweige von diesem kleinen Baume oder Strauche abbrechen wollte, mußte seiner Unwissenheit und Unvorsichtigkeit theuer bezahlen. Die Javaner kennen die Wirkung der Blaͤtter alle sehr gut. Die Hollaͤnder nennen sie Buͤffelblaͤtter, und zwar aus folgender Ursache. Bey den Javanischen Fuͤrsten ist es, wenn sie Feyerlichkeiten anstellen, alle- zeit gebraͤuchlich, zur Lust einen Tiger mit einem Buͤf- fel kaͤmpfen zu lassen, und zwar auf einem rund umher mit starken Planken eingeschlossenen Platze, um welchen eine große Menge Zuschauer sitzen und ohne Gefahr zu- sehen koͤnnen. Wenn der Buͤffel nicht dahin zu brin- gen ist seinen Feind anzugreifen, wird er mit diesen Blaͤttern gepeitscht, wovon ihm in kurzer Zeit die Haut so brennt, daß er zuletzt ganz wild und rasend wird. Wenn man sich an dieser Nessel verbrannt hat, darf man sich nicht mit Wasser waschen, weil dadurch der Schmerz viel aͤrger wird; sondern das beste Mittel da- gegen ist, die Stelle entweder mit Oel, oder mit Reis- brey zu bestreichen. Den 27sten April kehrten wir wieder um, und begaben uns nach Salatiga zuruͤck. Am folgenden Tage reiseten wir weiter, und zwar in Gesellschaft des hier postirten Faͤhnrichs, bis nach Tun- dang , wo wir die Nacht zu bleiben gedachten. Tundang ist ein ziemlich großes javanisches Dorf. Die Haͤuser sind hier zu Lande nur klein, und von Bamborohr gebaut, aber wie Lauben, nicht dichter als daß die Luft sehr bequem durchgehen kann, welches in dieser heissen Gegend auch noͤthig ist. Wir kehrten bey keinem Javaner ein, sondern ließen fuͤr uns allein J 5 Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. eine Huͤtte bauen. Der Bau wurde sogleich von eini- gen Javanern angefangen, und gieng so unglaublich geschwind von Statten, daß, ehe wir abgestiegen wa- ren, unsere Pferde abgesattelt und unsre Sachen abge- packt hatten, nicht nur unser ganzes Haus fertig, sondern auch mit einer breiten Bank, worauf wir liegen konn- ten, mit drey Stuͤhlen und einem Tisch, welches alles noch dazu erst neu gemacht wurde, meublirt war. Ich stand ganz erstaunt uͤber das fertige Gebaͤude, und trat mit groͤßter Bewunderung unter den Schatten des- selben. Einige von den Javanern hieben theils dicke theils duͤnne, Bamborohre ab; andere machten mit zwey Hieben an jeder Seite derselben ein Loch, und audere steckten durch diese Loͤcher schmale Rohre. Dar- auf wurde Laub dazwischen geflochten, und das Haus war, wie gesagt, durch so vieler Haͤnde Arbeit in we- nigen Minuten fertig. Eben so Tisch und Stuͤhle, wiewohl diese nicht sehr eben waren, mithin fuͤr vor- nehme und Bequemlichkeit liebende Leute nicht paßten, sondern nur fuͤr muͤde Reisende brauchbar seyn konnten. Weil wir fruͤh vor Abend angekommen waren, ging ich aus, und besuchte den naheliegenden Wald; um Kraͤuter zu sammlen. Unter andern sah ich Dios- koriden ( Dioscoraea ) die mit ihren Ranken sich bis an die Wipfel der Baͤume hinauf schlungen. An dieser Stelle wuchsen sie wild, sonst aber wird dies Ge- waͤchs hier zu Lande auch foͤrmlich angepflanzt. Da wir kein Licht bekommen konnten, machten wir vor dem Eingang unserer Huͤtte ein großes Feuer an, um welches wir uns, ich mit meinen gesammel- ten Kraͤutern und die andern Herren mit ihren To- backspfeifen, hinsetzten. Erste Reise innerhalb Java . Es waͤhrte nicht lange, als ein ganzer Trupp Javaner aus dem Dorfe ankam, und sich in großer An- zahl vor uns hinlagerte. Unter ihnen waren einige Musikanten, nebst einem großen Haufen Taͤnzer und Taͤnzerinnen, die meine Reisegefaͤhrten hieher bestellt hatten, um mir ein Vergnuͤgen zu machen, und mir Gelegenheit zu geben, die Spiele und Lustbarkeiten der Javaner zu sehen. Sie fingen mit Pfeiffen - , Saiten- und Trommelspiel an. Darauf fielen die Taͤnzer und Taͤnzerinnen ein, und setzten den Tanz unter verschie- denen Bewegungen und Geberden fort, und zwar so, daß gewoͤhnlich zwey zugleich tanzten. Jeder der tanzte, mußte dem, mit welchem er tanzte, oder den Musikanten fuͤr jeden Tanz etwas bezahlen, das aber nicht viel betrug. Wir mußten deswegen die Sklaven welche wir bey uns hatten, mit etwas Geld beschenken, damit sie an dem Vergnuͤgen Theil nehmen konnten. Ich leugne nicht, daß dies uns recht sehr belu- stigte. Aber der Verdruß und die stete Unruhe, die uns die Muͤcken an diesem niedrig gelegenen Orte verur- sachten, verbitterten uns alles Vergnuͤgen, und ließen uns kein Auge zuthun. Weder wollne Struͤmpfe noch Stiefeln, waren im Stande die Muͤcken von unsern Beinen abzuhalten, und obgleich der Rauch des Feuers und der Tobackspfeifen uns das Gesicht einigermaßen schuͤtzte, so mußte doch ich dieses Verwahrungsmittel entbehren, weil mir stets jede Art von Rauch zuwider ge- wesen ist. Endlich, nach Mittternacht , legte ich mich auf meine gruͤne Bank zum schlafen nieder, und verbarg mich unter einen Schleyer und ausgespannnten Schnupftuͤchern, so, daß die mich verfolgenden Muͤk- ken mit nicht mehr, als mit ihrem feinen Gesumme mich beunruhigen konnten. Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. Unausgeruhet, weil wir gar nicht hatten schlafen koͤnnen, setzten wir am folgenden Morgen unsern Weg nach Samerang fort, wo wir den 1sten May ankamen. An Arzneygewaͤchsen, wornach ich mich, dem Auftrag des Gouverneurs zufolge, unterwegs umsehen sollen, hatte ich folgende angetroffen: der officinelle Erdrauch ( Fumaria officinalis, javanisch Rumpung, welcher in den bergichten Gegenden um Kopping , doch gar nicht in Menge waͤchst. Der molukkische Brombeer ( Rubus moluccanus ), nebst zwey andern Arten Brombeer wachsen zwischen Salatiga und Kopping , an den Sei- ten der kleinen Berge, und besonders an den Baͤchen, in Ueberfluß. Der gemeine Wermuth ( Artemisia Ab- sinthium, javanisch Domolo, maleyisch Seroni), findet sich auch zwischen Salatiga und Kopping , auf den An- hoͤhen sowohl als auf flachem Felde in groͤßter Menge. Die gemuͤsartige Gaͤnsedistel ( Sonchus oleraceus ), ja- vanisch Dimboring, in der Gegend von Koppin . Salat ( Lactuca ). javanisch Belot, doch nicht haͤufig, zwischen Salatiga und Kopping . Hirschzunge ( Asplenium Sco- lopendrium ), waͤchst auf den Baͤumen zwischen Una- rang und Salatiga . Beißbeer oder spanischer Pfeffer ( Capficum ), javanisch Lombo, ist zwischen Salatiga und Kopping wild anzutreffen. Der gemeine Saͤuer- ling ( Oxalis Acetosella ), japanisch Samangi Kunong, steht allenthalben in Menge. Gaͤnsfuß Chenopodium, maleyisch Paijam china bey Kopping . Sanikel ( Sani- cula, japanisch Spran stehet an den Bergen zwischen Salatiga und Kopping . Ranunkel ( Ranunculus ) und Wasserpfeffer ( Persicaria urens oder Polygonum Erste Reise innerhalb Java . hydropiper, maleyisch Dukut Parang) eben daselbst. Kameelheu ( Andropogon schoenanthus, maleyisch Sire) zwischen Unarang und Kopping . Eßbare oder gemeine Erdbeeren ( Fragaria vesca, javanisch Manikan) wach- sen in dieser warmen Gegend um Kopping und an den Bergen umher. Die Clematis ( Clematis ) welche sich um die Buͤsche schlingt, zwischen Salatiga und Kopping . Oedermennich ( Agrimonia, maleyisch Upan Upan Karpo) eben daselbst. Das strauchartige Glasschmalz ( Salicor- nia fruticosa, javanisch Tjimbine), am Strande bey Samarang . Muͤllen ( Vitex, javanisch Simina, auch Lagundo), kommt an verschiedenen Orten sehr haͤufig vor. Arabische Costwurz ( Costus arabicus ), die ich vorher in den Graͤben um Batavia in Menge gefunden hatte, wird auch hier allenthalben in Menge angetrof- fen, und waͤchst zwischen den Buͤschen und hohem Grase. Herzgespann ( Leonurus Cardiaca, maleyisch Klenglen- gang) bey Koppin . Nesseln ( Urtica ) hie und da ziem- lich haͤufig. Abelmosch, oder Bisamkoͤrner ( Hibiscus Abelmoschus ), prangt mit seinen Blaͤttern und schoͤnen Blumen zwischen Samarang und Salatiga . Krullfarrn ( Adiantum ), aussen an den Waͤldern, auch selbst in den Waͤldern, wie auch an den Baͤchen. Gemeiner Stechapfel ( Datura Stramonium, javanisch Roteku- bung) zwischen Samarang und Unarang . Smilax ( Smilax ) in den Waldungen bey Unarang . Schwarzer Nachtschatten ( Solanum nigrum ), um Koppin . Die Verbesine ( Verbesina Acmella, maleyisch Sironi), uͤberall sehr haͤufig. Der gemeine oder rothe Ingber ( Amomum Zingiber ), javanisch Tjai, maleyisch Ban- gle), wird meistens von den Chinesern gebauet, aber Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. der wilde Ingber ( Amomum Zerumbet ) den die Java- ner sowohl als die Maleyen, auch wohl Bangle, ge- woͤhnlich aber Lampujang nennen, waͤchst in Ueberfluß, besonders an sandigen und magern Stellen, zwischen Salatiga und Samarang . Gilbwurz oder Curcume Schwalbenwurz ( Curcuma, javanisch Kunir oder Kun- jet), fand ich nur in der Gegend von Samarang . Die Kaͤmpferie ( Kämpferia, javanisch Sempu) steht bey Salatiga in nassen und niedrigen Thaͤlern. Kardomom ( Amomum compactum, javanisch Mojei, die Frucht Kap- pologo) wird bey Salatiga gebauet. Langer Pfeffer ( Pi- per longum, javanisch Tjabe, auch Dandang Mussu), waͤchst reichlich in den Waͤldern um Salatiga , wie auch an andern Orten, nicht selten auf den Steinmauern, um die Felder und Gaͤrten. Gemeiner oder schwarzer Pfeffer ( Piper nigrum, javanisch Maritjo), im Ueber- fluß um Salatiga in den Waͤldern. Kubeben ( Piper Cubeba, javanisch Komukus), in großer Menge in den Waldungen bey Tuntang, und zwar dieselbe Art, welche nach Europa gebracht wird. Officinellenklee ( Trifolium molilotus officinalis, javanisch und ma- leyisch Treba), hatte ich schon bey Batavia bemerkt; jetzt fand ich ihn bey Salatiga . Der gemeine Hanf ( Cannabis sativa, javanisch Ginje), waͤchst auch in einer Gegend nicht weit von Salatiga ; er wird hoch und zu einem Strauche oder Busche. Rundes Cypergras ( Cyperus rotundus ), ist allenthalben sehr haͤufig. Das gemeine Zuckerrohr Saccharum officinarum, javanisch Tebu), wird allenthalben gebauet, waͤchst aber auch wild bey Salatiga . Die großblumige Wunderblume ( Mirabilis Jalappa, maleyisch Kamban Pokul Ampat, Erste Reise innerhalb Java . welches genau eben das sagt, als der hollaͤndische Name Vier Uurs Bloem, (Vierurblume findet man meistens nur gepflanzt; doch waͤchst sie auch wild in der Gegend von Salatiga . Hundszunge Cynoglossum, maleyisch Upan Upan Sapi) zwischen Salatiga und Kopping . Wuͤterich ( Cicuta ) oberhalb Salatiga in den Berggruͤn- den und an den Baͤchen. Großer Wegerich ( Plantago major ), an den Baͤchen und sonst reichlich. Der ge- meine Wunderbaum ( Ricinus communis ), und die schwartze Purgirnuß ( Jatropha Curcas, maleyisch Jar- rak), sind beyde sehr haͤufig, sowohl hier als in andern Gegenden von Java . Vom Aron ( Arum ) wachsen verschiedne Arten in Menge in Suͤmpfen und Graͤben. Die Brennpalme ( Caryota urens, javanisch Saguer) findet man uͤberall zwischen Salatiga und Kopping , und ist, wie man behauptet, eigentlich der wahre Baum, woraus das Sago gemacht wird. Die gemeine Basi- lie ( Ocymum Basilicum ), ist in diesen Gegenden allge- mein, so wie die heilige Basilie ( Ocymum sanctum ) um Batavia und anderwaͤrts. Der indische Tamarinden- baum, ( Tamarindus indica ), ein sehr hoher, großer und schoͤner Baum, ist allenthalben haͤufig anzutreffen. Die Fistulkassie und die japanische Kassie ( Cassia fistula, javanica, javanisch Dranguli), deren lange cylinderfoͤr- mige Frucht voͤllig wie ein Stock aussieht, waͤchst allent- halben im Holze bey Tundang . Kalmus ( Acorus Cala- mus ) waͤchst wild in der Gegend von Samarang und an vielen andern Orten, schlaͤngelt sich um die Baͤume und hindert mit seinen Zacken, zwischen durch zu gehen. Die breitblaͤttriche Hackenlilie ( Crinum latifolium ), welche statt Meerzwiebeln ( Scilla ) gebraucht werden Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. kann, kommt hier, um Batavia und andern Orten vor. Die asiatische Sida ( Sida afiatica ), welche die Euro- paͤer hier baumartige Malve ( Malva arborea ) nennen, waͤchst um Batavia , Samarang und sonst sehr haͤufig. Vom Ruhrkraut ( Gnaphalium, japanisch Sombong Madur), findet man zwey Gattungen bey Kopping . Kanadischer Hollunder ( Sambucus canadensis, java- nisch Soobo), in den Tiefen zwischen Bergen und an den Baͤchen um Kopping . Die gemeine Becherblume ( Poterium Sanguisorba ), zwischen Unarang und Sa- marang . Schlangenwurz ( Ophiorrhiza mungos ) oder ( Lignum colubrinum, javanisch und maleyisch Kajo nlar, auch wohl Bidara laut), hin und wieder ziemlich haͤufig. Jasmin ( Jasminum ), in der Gegend von Sa- latiga . Gemeinen Coriander ( Coriandrum sativum, javanisch Katumjar), fand ich an einigen wenigen Stel- len, wo andere Gewaͤchse gesaͤet waren, so, daß es scheint, daß er mit andern Saamen aus Europa hieher gebracht sey. Der Betelpfeffer und die gemeine Areka- oder Katechupalme ( Piper Betle und Areca Catechu ), zwey den Indiern unentbehrliche Gewaͤchse, trift man allenthalben an. Auch hier gebraucht das europaͤische Frauenzim- mer die Sambacnachtblumen ( Nyctanthes Sambac ) so- wohl die einfachen, als die gefuͤllten, auf Faͤden gerei- het, zu Kraͤnzen, die sie zum Zierrath aufsetzen. Dies ist wirklich ein huͤbscher Kopfputz. Die jungen Herren bekommen dergleichen Kranz auch wohl bey Baͤllen von den jungen Schoͤnen geschenkt; alsdenn ist in der Mitte eine Tampakablume angebracht. Sie haͤngen den Kranz um den Hals uͤber die Brust, und der Geruch davon, ist eben so angenehm, als die schneeweiße Erste Reise innerhalb Java . schneeweiße Farbe der Blumen ungemein schoͤn ins Ge- sicht faͤllt. Caffee wird in diesen Gegenden an sehr vielen Or- ten gebauet. Die Caffeeplantagen nehmen sich unbe- schreiblich schoͤn aus. Der Baum traͤgt im dritten Jahre die ersten Bohnen. Hundert Baͤume geben ge- meiniglich drey bis vier Pickel Bohnen, das Pickel zu hundert und zwanzig Pfund gerechnet. Doch ist der Ertrag nicht alle Jahr gleich. Im ersten Anfange soll die Compagnie den Javanern jedes Pickel Caffeebonen mit fuͤnf und zwanzig Thalern bezahlt haben. Jetzt wird nicht mehr als sechs Thaler dafuͤr gegeben, wovon der Tommegom, oder Landvoigt, zwey Thaler behaͤlt, so, daß der Javaner, welchem die Pflanzung gehoͤrt, der sie unterhaͤlt und die Arbeit verrichtet, nicht mehr als vier Thaler bekommt. Man pflanzt hier zu Lande zwischen die Caffeebaͤume, welche nur duͤnne stehen duͤrfen, allezeit Korallenpflanzen und zwar von der ge- woͤhnlichen Art ( Erythrina corallodendrum, javanisch Dadap), um den Caffeebaͤumen gehoͤrigen Schatten zu verschaffen; weil sonst die Sonnenhitze fuͤr sie allzubren- nend seyn wuͤrde. Es ist wirklich etwas ungemein ange- nehmes, eine solche Plantage zu sehen. Sie ist wie ein Wald von Baͤumen, die alle in geraden Linien gepflanzt, zum Theil aus hohen, weit auseinander gesetzten Baͤumen, zum Theil aus Straͤuchen bestehen, die sowohl mit einer Menge Caffeebohnen bedeckt sind, als auch mit einer Menge weißer Blumen an ihren ausgebreiteten und etwas nieder haͤngenden Zweigen prangen. Zu Samarang bekam ich Gelegenheit die Ope- ration des Staarstechens zu verrichten. Ein deutscher Feldscheer, der ehemals im Dienste der Compagnie Thunder g s Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. K Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. gewesen war, und vom hiesigen Gouverneur sehr werth geschaͤtzt wurde, hatte das Ungluͤck gehabt, den grauen Staar auf beide Augen zu bekommen. Als der Gou- verneur, vom Hospitalmedicus bey dem ich logirte, erfuhr, daß ich es mir zutraue, diesem Manne das Gesicht wieder zu schaffen, bot er mir hundert Ducatons, wenn es mir damit gluͤcken wuͤrde, und da alle meine chirurgischen Instrumente mit dem Schiffe nach Juana gegangen waren, schickte er sogleich einen Expressen dahin, und ließ sie holen. Allein der Blinde, welcher doch nur etwas uͤber die mittleren Jahre hinaus war, schien zu seiner eignen Kunst, der Chirurgie, selbst sehr wenig Zutrauen zu haben, weil er eben so eigensinnig als blind war, und sich schlechterdings nicht bewegen oder uͤberreden lassen wollte, sich der Operation zu un- terwerfen. Ich erkundigte mich daher, ob es hier nicht andre Blinde gaͤbe, denen ich Huͤlfe verschaffen, und dadurch zugleich meinem gefaͤlligen Wirthe eine Operation lehren koͤnnte, die zu den vorzuͤglichsten und nuͤtzlichsten in der ganzen Wundarzneywissenschaft ge- hoͤrt. Dieser schafte sogleich einen alten Mann, und zwar einen Europaͤer, und eine siebenzigjaͤhrige chinesi- sche Frau herbey, die beyde auf beyden Augen blind waren, jener ganz stockblind, und diese so, daß sie nur zur Noth ohne Fuͤhrer gehen konnte. Beyde wur- den von mir gluͤcklich operirt, und bekamen ihr Gesicht voͤllig wieder. Ich ließ mich auch bereden, meinem Wirthe nicht nur die zum Staarstechen gehoͤrigen, sondern auch verschiedene andere chirurgische Instru- mente, deren Gebrauch auf dem Schiffe nur hoͤchst selten vorkommt, zuruͤckzulassen. Bey Gelegenheit des, den 3ten May einfallen- den Neujahrssestes der Javaner, gab der hiesige Patti, Erste Reise innerhalb Java . das ist, der hier residirende Oberhauptmann oder Land- drost der Provinz, eine große Mahlzeit, zu welcher die saͤmmtlichen hier sich aufhaltenden Beamten und Bedienten der Compagnie, eingeladen waren. Den 14ten May reisete ich mit einem hollaͤndi- schen Schiffe von Samarang nach Japara . An die- sem sehr angenehm liegenden Orte, wurde ich von Herrn van der Beek , Residenten der Compagnie hie- selbst, uͤber die Maaße wohl aufgenommen. Dieser Mann besitzt nicht nur selbst Gelehrsamkeit, sondern ist auch ein großer Goͤnner und Befoͤrderer der Wissen- schaften, und derer welche sie treiben; ein Verdienst, das in diesem entfernten Theile der oͤstlichen Welt um so viel groͤßer und wichtiger ist, je seltner hier Maͤnner dieser Art anzutreffen sind. Seine vorzuͤgliche Guͤte gegen mich, werde ich nie vergessen. Ich bedaure nur, daß das Schicksal mir nicht erlauben wollte, hier lange zu bleiben, weil das Schiff zu Juana schon voͤllig ge- laden hatte, und ich daher eilen mußte, dahin zu kom- men, um mit demselben nach Batavia zuruͤckzugehen. Den 20sten setzte ich meine Reise zu Pferde nach Juana fort, in Begleitung eines Javaners, den Herr van der Beek mir zum Wegweiser mitgegeben hatte. Da der Weg zu weit war, als daß ich ihn bey der starken Hitze in einem Tage haͤtte zuruͤcklegen koͤn- nen, so hatte ich von demselben auch ein Empfehlungs- schreiben an einen Fuͤrsten bekommen, den ich unterwe- gens besuchen, und bey dem ich die Nacht Quartier neh- men sollte. Dieser Fuͤrst hatte die Schwester des Kaisers zur Gemahlin. Ich brachte die Nacht bey ihm zu, nach- dem ich am Abend die Ehre gehabt hatte, mit ihm allein an seiner Tafel zu speisen, und in maleyischer Sprache, so gut ich konnte, mich mit ihn uͤber allerhand Dinge K 2 Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt. zu unterhalten. Indessen stoͤrte mich das Geschrey von Eulen und andern Thieren, die sich die ganze Nacht hoͤren ließen, gar sehr im Schlafe. Am folgenden Tage langte ich zu Juana an, wo ich mich sogleich in einer Schaluppe an Bord des Schif- fes bringen ließ, welches schon eine ganze Meile weit von der Rhede weg lag. An der noͤrdlichen Kuͤste von Java , ist der Strand sehr niedrig, und die Haͤfen sind seicht und groͤßten- theils voll Schlamm. Die Schiffe muͤssen deswegen weit auf der Reede hinaus ankern, und wenn sie schwer beladen werden, setzen sie sich oft im Schlamm fest. Dies war jetzt auch bey Juana der Fall, ohnerachtet das Schif schon weit vom Lande vor Anker gegangen war, um den Rest der Ladung einzunehmen; und ob wir gleich die Zeit abpaßten, da hohes Wasser war, um die Segel aufzuziehen, wurden wir dennoch ge- noͤthigt, eine Menge Bretter, die zur Ladung gehoͤr- ten, wieder aus und in große Boͤte zu laden, um das Schiff nur leichter zu machen. Als endlich der Wind etwas stark wurde, segelten wir zwar, jedoch noch zwey ganze Meilen weit so tief im Moder, daß das Wasser hinter dem Schiffe von der blauen Schlammerde ganz dick und blaͤulich aussah. Alle Seefahrer bezeu- gen einmuͤthig, daß hier das Wasser jelaͤnger, desto mehr abnimmt, der Strand immer hoͤher, und die Haͤ- fen immer seichter werden. Dies, sagen sie, hat seit der Zeit, da zuerst Schiffe der ostindischen Compagnie hieher kamen, dermaßen zugenommen, daß jetzt da Morast ist, wo ehemals die Schiffe lagen, und wo sie sich jetzt weit entfernt halten muͤssen. Die Nordseite von Java ist die fruchtbarste, die Suͤdseise hingegen sehr gebir- gig und unfruchtbarer, das Wasser aber ist allda Erste Reise innerhalb Java . tiefer. Zwischen Juana und Japara laͤuft ein Vor- gebirge in die See, bey welchem wir wir jetzt vorbeyse- gelten. Eine von den dasigen Klippen, hat den Namen Teufelsklippe. Dies ruͤhrt daher, weil hier oft See- raͤuber sich aufhalten sollen, welche große und kleine Fahrzeuge, die nicht gut bewaffnet sind, oder nicht unter Bedeckung eines bewaffneten Schiffs segeln, an- greifen und wegnehmen. Diese Raͤuber sind nicht Ja- vaner, sondern kommen von den Kuͤsten von Boeneo und den dazu gehoͤrigen Inseln, und koͤnnen daher nicht ausgerottet werden. Unsre Fahrt gieng ohne einen dergleichen und ohne alle andere Unfaͤlle von Statten; so daß wir am 1sten Junius gluͤcklich wieder zu Batavia ankamen. Zweyter Abschnitt . Fernerer Aufenthalt zu Batavia und zweyte Reise in das Innere von Java . U nmittelbar nach meiner Ruͤckkunft ward mir aufge- tragen, als Arzt auf dem ausserhalb der Stadt auf der Rhede liegenden Schiffe Dienst zu thun. Zwar wer- den, sobald ein Schiff ankommt, alle auf demselben vor- handene Kranke sogleich nach dem Hospitale in der Stadt gebracht, und eben das geschieht auch nachher, sobald jemand von den hier auf der Rhede liegenden Schiffen krank wird; demohngeachtet wird noch ausser- dem bestaͤndig ein sogenanntes Krankenschiff gehalten, wozu gemeiniglich ein altes, sonst unbrauchbares Schiff genommen wird, auf welches man diejenigen bringt, welche des Nachts krank werden oder zu Scha- den kommen, wenn die Stadtthore verschlossen sind. K 3 Dritte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Dieser Dienst, oder vielmehr diese Nachtwache, geht un- ter allen zu Batavia sich befindenden Schiffswundaͤrz- ten der Reihe nach um. Selten aber verrichten diese sie persoͤhnlich, sondern nehmen einen alten Feldscheer, der nichts zu thun hat, fuͤr Geld dazu. So machte denn auch ich es, und blieb fuͤr einen Ducaton von die- sem Geschaͤft frey. Sogleich in den ersten Tagen meines diesmaligen Hierseyns, fand ich Gelegenheit, die Bekanntschaft eines wackern Landsmanns, Herrn Wimmercranz , Ingenieurcapitains im Dienste der hollaͤndischen Com- pagnie, zu machen. Dieser Mann ist hier fuͤr die Compagnie aͤußerst nuͤtzlich, und sehr geliebt und geach- tet. Er erzeigte mir fuͤr den Rest meines Aufenthalts viel Gewogenheit und sehr wesentliche Dienste, welches gleich mir, mehrere unserer Landsleute ihm nachruͤhmen. Am 19ten Junius, indem ich noch auf ein Schiff warten mußte das nach Ceylon , welche Insel ich zu besuchen wunschte, gehen wollte, machte ich, mit Erlaubniß des Generalstatthalters und in Gesell- schaft des Herrn Baron von Wurmb , noch eine kleine Reise in das Innere des Landes, nach dem warmen Bade und den sogenannten Blauenbergen . Capitain Wimmercranz war so guͤtig, mir sein eigenes Pferd dazu zu uͤberlassen, und der sogenannte Commissarius uͤber die Eingebohrnen, gab mir auch einen Bedienten mit. Am ersten Tage kamen wir bis Tanjong , einem Landgute des Herrn Cran , Mitglied des hohen Raths. Die Wege sind hier durch Meilensaͤulen abge- theilt, doch stehen diese nicht alle gleich weit von einander. Zweyte Reise innerhalb Java . Am folgenden Tage reiseten wir des Morgens nach Tjipinong , wo wir zu Mittag aßen, und von da weiter uͤber Tjimangis und Tjiluan nach Buytenzorg . Dieser Ort, welchen die Javaner Bogor nennen, ist zum Vergnuͤgen des jedesmaligen Generalgouverneurs eingerichtet. Der Gouverneur Imhof , hat ihn dazu ausgesucht und die Gebaͤude aufgefuͤhrt. Das Haupt- gebaͤude ist von Steinen, sehr schoͤn und hat zwey Fluͤgel. Gegenuͤber steht eine kleine Citadelle, und dazwischen liegt ein schoͤner Garten. Die Entlegenheit dieses Lustschlosses von der Hauptstadt ist aber schuld, daß der Generalgouverneur sich selten hier aufhaͤlt. Den 22sten kamen wir nach Tjiserva , und wei- ter uͤber hohe Berge nach Tjipannas . Diese beyden Oerter, so wie auch Pondogede und Arkidomas gehoͤ- ren dem Generalstatthalter, oder vielmehr der hollaͤn- dischen Compagnie. Wir uͤbernachteten daselbst, und besahen das warme Bad, welches Tjipannas heißt, und der umliegenden Gegend den Namen gegeben hat. Das warme Bad entspringt beynahe mitten zwi- schen den hiesigen beiden großen Reihen von Bergen in einem Thale. Das Wasser ist nicht heißer, als daß man die Finger darin leiden kann. Es quillt an ver- schiedenen Stellen hervor. Ueber diejenige Quelle, aus welcher das Wasser nach dem Brunnenhause kommt, hat man eine Huͤtte gebauet. Das Quelloch selbst ist nicht sehr tief, und das Wasser quillt auch nicht stark heraus. Die Erde umher ist rostfarbig, und an den Seiten der Einfassung hat sich eine hochgruͤne duͤnne Borke gesetzt, die voͤllig wie Kupferrost aussieht. Das zum Gebrauch des Bades eingerichtete Haus be- steht aus zwey Theilen. Das eine Zimmer ist sehr groß; durch dieses wird das Wasser nach dem andern K 4 Dritte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. geleitet; im Boden sind zwey Lucken, um das Wasser von dem Unreinen was darinnen ist, zu saͤubern. Das andre Zimmer hat eine große viereckte Grotte, die mit Brettern ausgeschlagen, und mit einer Treppe ver- sehen ist. In dieses Zimmer sind zwey Roͤhren mit metallnen Zapfen geleitet, aus welchen man waͤhrend des Badens nach Gutduͤnken kaltes und warmes Was- ser haben und zu beliebiger Hoͤhe steigen lassen kann. Oben auf dem Wasser sammelt sich eine Rinde, die fast so dick wie ein Pfennig und salzig ist. Man sagte mir, daß das Wasser, wenn man es zum Trinken brauche, laxire, und daß es deswegen selten innerlich, sondern meist aͤußerlich gebraucht werde. Vor einiger Zeit waren viele Kranke auch aus den Hospitaͤlern von Batavia hieher geschickt, die sich des Bades bedienen sollten; man hatte auch zu diesem Ende hier ein Hospi- tal angelegt, welches nun aber gar nicht gebraucht wird. Jetzt wohnt hier ein europaͤischer Bauer, der die Aufsicht uͤber das Bad, und einige dabey liegende Oerter hat. Das hiesige Klima ist sehr gesund und erfrischend. Die Luft war itzt sogar, besonders des Morgens und des Abends, nicht nur kuͤhl sondern wirklich recht kalt, so daß ich, da ich keinen Ueberrock mitgenommen hatte, wirklich fuͤr Abendkaͤlte zitterte. Man sollte es nicht fuͤr moͤglich halten, daß jemand in einem Lande, das beynahe unter dem Aequator selbst liegt, frieren koͤnne. Hier, um Arkidomas , Tjiseroa , und Pondo- gede , werden europaͤische Gartengewaͤchse, als Kohl, Moͤhren und andre Wurzeln, Gruͤnigkeiten und der- gleichen gebauet; auch hat man hier viele europaͤische Baͤume gepflanzt. Von allen diesen Oertern werden woͤchentlich dreymal Kuͤchengewaͤchse, Fruͤchte und der- Zweyte Reise innerhalb Java . gleichen zum Gebrauch des Generalgouverneurs nach Batavia geschickt. Die Apfelsinen wurden jetzt reif; sie sind schmackhafter als die, welche naͤher um Batavia wachsen. Die Javaner sowohl als die unter ihnen woh- nenden Chineser, decken ihre Haͤuser mit gespaltenen Stuͤcken Bamboholz, die beynahe wie Ziegelsteine uͤber- einander gelegt werden. Ich lernte hier auch einige Gewaͤchse und deren Gebrauch kennen. Kadondon nennen die Javaner ein Gewaͤchs, das zu lebendigen Hecken gebraucht wird. Andewalu heißt ein Rankengewaͤchs mit dreyfach ge- theilten Blaͤttern, das ein gutes Gegengift seyn soll. Aus den beyden Kraͤutern, Korang garing und Tam- pal utan machen sie blaue Farbe. Boa kirai ist eine Frucht, die einen zusammenziehenden und barschen Geschmack hat. Das Gewaͤchs Tingling mintik wird fuͤr ein herzstaͤrkendes und gute Dienste thuendes Arze- neymittel ausgegeben. Die hiesigen Javaner erzaͤhlen, (und moͤchten es auch gar zu gern den Europaͤern einbilden), daß auf den tjipannaschen Bergen eine Art Affen (Orang-Ou- tang) gefunden werden, die krauses Haar und hinter- waͤrts gekehrte Fuͤße haben. Indessen hat bisher kein Europaͤer dergleichen gesehen. Ich traf hier eine Art Reiher ( Ardea ) an, welche den ostindischen Kranichen ( Antigone ) aͤhnlich sind, mit weißgelbem Schnabel, nacktem und gelben Halse, kahlem und weißlichem Kopfe, blaͤulichen Fuͤßen, schwarzgrauen Schwungfedern, schwarzem Ruͤcken, schwarzem Schwanze und weißem Bauche. — Die K 5 Dritte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Lach-Taube ( Columba risoria ), welche ich in der Ge- gend des Vorgebirges der guten Hoffnung nie anders als blau gesehen habe, ist hier fast durchgaͤngig von hellerer Farbe, und mehrentheils weiß. Den 24sten Junius reiseten wir uͤber das Ge- birge nach Pondogede zuruͤck. Oben auf den Bergen, die allenthalben mit Wald und Buͤschen bewachsen sind, stiegen wir ab, ließen unsere Pferde am Wege stehen, und begaben uns noch hoͤher hinauf zu einer der hoͤch- sten Spitzen, um daselbst die sehr bekannte Wasser- hoͤhle bey Mehemedon zu besehen. Ich fand hier bey- nahe nordeuropaͤisches Clima, und unter andern Ge- waͤchsen auch verschiedene Moose ( Muscus und Flechten ( Lichen ), die sonst in den waͤrmsten Laͤndern Indiens sehr selten, und fast gar nicht anzutreffen sind. Wir blieben die Nacht zu Pondogede , und reiseten am folgenden Tage nach Arkidomas , um einen Ort zu besehen, der wegen verschiedener aus Stein gehaue- ner kleiner Bilder merkwuͤrdig ist, welche, drey oder vier bey einander, an verschiednen Plaͤtzen im Walde aufgestellt sind. Die Japaner halten diese Bilder gar sehr in Ehren, und die Chineser opfern ihnen. Unterwegens sah ich wilde Pfauen im Walde ab und zu fliegen, bisweilen auch wohl sich auf die Zweige setzen, und mit ihren langen, niederhangenden, praͤchtigen Schwaͤnzen prangen. Den ganzen Tag hatte der Commendant einer kleinen Citadelle uns Gesellschaft geleistet, und zugleich zwey Soldaten mit genommen, die bestaͤndig auf kleinen Waldhoͤrnern bliesen, um die Tiger abzuhalten. Diese Thiere sind hier sehr gefaͤhrlich, und schon mancher diese Wege passirende Javaner ist von ihnen zerrißen Zweyte Reise innerhalb Java . und verschlungen worden, aber den Laut starker Blase- Instrumente koͤnnen sie gar nicht vertragen. Gegen Abend trafen wir zu Buytenzorg ein. Ehe wir aber dahin kamen, ritten wir nach einer Stelle unweit Paditulis , um einen sehr alten Stein zu besehen, auf welchem eine eingehauene Inschrift befindlich ist, die bisher noch niemand hat lesen oder erklaͤren koͤnnen. Der Stein ist ungefaͤhr Mannshoch und etwa zwey Fuß breit. Die Buchstaben scheinen von der Linken zur Rechten geschrieben zu seyn, und machen neuntehalb Zeilen aus. Den 26sten machten wir wieder einen kleinen Nebenritt nach dem Berge Tjorroton , welcher in meh- reren Hinsichten merkwuͤrdig ist. Er steht ganz iso- lirt, und beynahe mitten im Lande. Die Reise dahin nahmen wir hauptsaͤchlich in der Abficht vor, die be- sondern Hoͤhlen dieses Berges zu besehen, worin die chinesischen Schwalben ( Hirundo esculenta ) ihre Nester bauen, welches die bekannten geleeartigen Vogelnester sind, die als große Leckerbissen gegessen werden. Wir giengen zu Fuß hinauf, und kamen in kurzer Zeit auf den Gipfel. Jene Hoͤhlen sind eigentlich an der Suͤd- seite des Berges und oben ganz bedeckt. Sie scheinen nicht auf die Art, daß der Berg große Ritzen bekom- men, entstanden zu seyn, weil man oberwaͤrts gar keine Ritzen sieht; sondern mir kam es vor, daß sie ihren Ursprung dem Verwittern einzelner Theile des Berges zu verdanken haben, weil sie allezeit nach unten gehen und unten Wasser enthalten. Ich gieng in einige dieser Hoͤhlen hinein, und stieg sogar eine gute Strecke auf Leitern von Bamborohr darin hinun- ter, ohne etwas anders als Gefahr, Dunkelheit und Dritte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. gleichsam Abtheilungen in mehrere Gemaͤcher zu fin- den. Die Javaner wollten uns nicht erlauben, auch nur ein einziges Nest wegzunehmen, waren aber doch so hoͤflich uns nicht nur einige, die ganz unversehrt waren, zu schenken, sondern uns auch auf unsre Bitte mit zwey solcher Schwalben ein Praͤsent zu machen. Diese Schwalben sind klein und ganz schwarz. Mein Reisegesellschafter und ich wurden bey dem Javanischen Oberhauptmann der Provinz zu Mittag, sehr kostbar bewirthet. Er, sein Schwager und wir beyden Fremden machten die ganze Gesellschaft aus. Er verstand das Maleyische, welches wir sprachen, und sprach es auch ziemlich. Fuͤr jeden von uns war das Essen auf kleine porcellanene Teller schon vorge- legt. Wir bekamen daher von jedem Gerichte zwar nicht viel, dagegen belief sich auch die Anzahl der Ge- richte auf neunzig, so daß wir kaum im Stande wa- ren, von allem zu kosten. Den 22sten ritten wir nach einem Landhause das Herrn Duurkoop zugehoͤrt. Dies ist ein unge- mein schoͤnes Gebaͤude, und hat einen Thurm, welcher wegen eines Echo merkwuͤrdig ist, das neun Sylben deutlich wiederholt. Von diesem anmuthigen Orte kamen wir endlich nach Batavia zuruͤck. Auf der jetzt beschriebenen Reise sah ich, daß die Chineser in großer Menge auch in den innern Gegen- den des Landes sich niedergelassen haben, aber doch nicht mit den Javanern zusammen wohnen. Dies soll ihnen verboten seyn, und zwar, um Uneinigkeit und Streit zu verhindern, wozu die Chineser sehr geneigt Zweyte Reise innerhalb Java . seyn sollen. Wenn sie aber die Religion aͤndern und sich beschneiden lassen ist, es ihnen erlaubt. Nichts- destoweniger sind sehr viele von ihnen mit Javanerinnen verheirathet, obgleich die Toͤchter der Chineser keinen Javaner heirathen duͤrfen. Auch duͤrfen die Chineser hier nicht, wie in China , ihre Frauen einsperren oder ihnen die Fuͤße verunstalten. Die hiesigen Chi- neser tragen Pantoffeln mit Hinterleder und dicken Sohlen, die inwendig mit verschiednen Lagen Hut- filz uͤberlegt sind, damit kein Wasser eindringen, und die Fuͤße nicht naß werden koͤnnen; diese Pantoffeln sind aber, so wie ihre Stiefeln, die eben so eingerich- tet sind, unbequem und schwer. Waͤhrend der uͤbrigen Zeit meines hiesigen Auf- enthalts, besuchte ich fleißig das Hospital. In dieser Anstalt werden die Kranken zwar gut behandelt, dem- ungeachtet sterben sie in großer Menge. Die Anzahl der Verstorbnen hat sich fast jaͤhrlich vermehrt, und zwar in den letzten Zeiten vorzuͤglich dadurch, daß die Kanaͤle, welche das Wasser durch die Stadt leiten, nicht gehoͤrig rein gehalten werden. Mit dieser Un- ordnung geht es so weit, daß die Chineser nicht nur den Abfall von Gruͤnigkeiten und Gartengewaͤchsen, sondern oft todtes Vieh in die Canaͤle werfen, wel- ches ich nicht selten selbst gesehen habe. Besonders hat diese schlimme Gewohnheit uͤberhand genommen, seit- dem die Vornehmen angefangen haben, Lusthaͤuser und Gaͤrten vor der Stadt anzulegen, und sogar ausserhalb der Stadt zu wohnen. Aus den Sterbelis- ten ersah ich unter andern das Verzeichniß der im Hospitale von Jahr zu Jahr verstorbnen Europaͤer. Ich will es hier vom Jahre 1714 an mittheilen. Dritte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Aus diesem Verzeichnisse erhellet, daß die Zahl der Verstorbnen beynahe von Jahr zu Jahr zugenommen hat; daß diese Zunahme aber besonders nach drey merkwuͤr- digen Veraͤnderungen betraͤchtlich gewesen ist. Von 1714 bis 1733. sind die wenigsten gestorben. Im Jahr 1733. fieng man an, ausserhalb der Stadt einen Graben oder Wasserleitung nach der Stadt zu ziehen, wobey sehr viele, sowohl Javaner als andre, umkamen. Von dieser Zeit an ist auch die Anzahl der Verstorbe- nen allezeit gewachsen. Im Jahr 1761. machte man den Anfang damit, in das vor der Stadt belegene Hospi- tal mehr als zweyhundert Genesende, ausser welchen vorher niemand dahin gebracht wurde, aufzunehmen, und seit dieser Zeit ist die Zahl der Verstorbnen noch hoͤher gestiegen. Endlich wurde 1775. auf der Rhede Zweyte Reise innerhalb Java . ein Krankenschiff eingerichtet, da denn sowohl in diesem als im folgenden Jahre die Anzahl am allergroͤßten gewesen ist. Um meinen Endzweck, nach Ceilon zu reisen, zu errei- chen, wurde ich auf mein Ansuchen zum ersten Wund- arzte auf einem nach dieser Insel bestimmten Schiffe angenommen, nachdem sowohl Herr Radermacher als mein Wirth, Doctor Hoffmann , durch das Anerbie- ten, mir eine vortheilhafte Stelle zu Batavia zu ver- schaffen, verschiedne Versuche gemacht hatten, die mich wohl haͤtten reizen koͤnnen, hier zu bleiben. Zwar konnte ich die Hitze sehr gut vertragen, und befand mich auch uͤbrigens unter diesem so warmen und fuͤr die Eu- ropaͤer so ungesunden Himmelsstriche sehr wohl. Aber es ist hier doch beschwerlich und sehr laͤstig seine Ge- schaͤfte zu verrichten, und die Liebe zu meinem Vater- lande machte mich gegen alle andre Vorstellungen taub, selbst zu einer Zeit, da ich noch kein Gluͤck fuͤr mich in demselben vorhersehen konnte. Ehe das Schiff seine voͤllige Ladung eingenom- men hatte, stellte ich noch verschiedne botanische Ex- cursionen um Batavia an. Unter andern kam ich nach Jaccatra . Dies ist ein ziemlich angenehmer Ort, nicht weit von der Stadt. Es war ehemahls die Hauptstadt dieser Insel, und wurde von den Hollaͤn- der 1619. erobert. Jetzt wird hier eine kleine Anzahl Soldaten gehalten, um die Citadelle zu bewachen, und der Ort wird gleichsam wie eine Vormauer fuͤr Bata- via angesehen. Ungeachtet es in Batavia schon an und fuͤr sich selbst hoͤchst ungesund zu wohnen ist, so sind die Eu- Dritte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. ropaͤer hier doch fast gar nicht darauf bedacht, ihre Gesundheit zu erhalten, sondern sie fuͤhren meistens ein unordentliches Leben. Beym Mittagsessen erhi- tzen sie das Blut durch Wein und starkes Bier, und nach der Mahlzeit durch Tobackrauchen und ebenfalls durch Wein und starkes Bier. Um halb drey Uhr legt man sich zu Bette, und haͤlt bis fuͤnf Mittags- ruhe. Der Abend wird in Gesellschaft zugebracht und zwar beym Spieltische und abermals bey starkem Bier und Wein, und mit der den hiesigen Europaͤern so ganz unentbehrlichen Tobackspfeife. Gegen halb acht geht man wieder zu Tische, thut eine gute Mahlzeit und trinkt wiederum Wein und starkes Bier. Nach geen- digtem Abendessen zuͤndet man die, nur waͤhrend der Mahlzeit weggelegte Pfeife, sogleich wieder an, raucht bis elf Uhr, und trinkt Wein und starkes Bier dazu, bis man, von Hitze, Bier und Wein im Kopfe verwor- ren, von Tobacksrauch halb berauscht, und dabey muͤde und schlaͤfrig sich endlich zu Bette verfuͤgt, um eines unruhigen Schlafes zu genießen. Die Portugiesen sind zwar ehe als andre Eu- ropaͤer, und zwar schon 1510. nach Java gekommen, haben sich da aber nie foͤrmlich niedergelassen. Nach ihnen kamen die Englaͤnder und bald hernach, 1596. die Hollaͤnder. Auf Java sind drey Hauptreligionen: die heidni- sche, zu welcher sich die Chineser und ein Theil der Javaner; die muhamedanische, zu welcher ein großer Theil der Javaner; und die christliche, zu welcher die Europaͤer, und ein Theil der Javaner, Maleyer und andrer Indier, sich bekennen. Im Zweyte Reise innerhalb Java . Im ersten Bande habe ich bereits vom Javaschen Handel umstaͤndliche Nachricht gegeben. Hier will ich nur noch das Verzeichniß der Produkte dieses Lan- des nachholen, welche vornemlich von dort ausgefuͤhrt werden. Dies sind: Reis, der vortrefflich ist und nach mehreren indischen Laͤndern zum Verkauf gebracht wird, und dessen noch mehr seyn wuͤrde, wenn nicht der sogenannte Reisfresser, ein Vogel aus dem Geschlechte der Kernbeißer ( Loxia oryzivora ), welcher hier in großer Menge vorhanden ist, den Reisfeldern so großen Scha- den thaͤte. Kardomomen von derjenigen Art, die ruͤndliche Saamenkapseln hat ( Cardomomum compactum ). Zu- cker, welcher als Puderzucker nicht nur nach allen indischen Handelsplaͤtzen, sondern auch nach Europa geht; vor Ankunft der Hollaͤnder wuchs hier kein Zuckerrohr, sondern diese haben es hieher gebracht, jetzt waͤchst es aber in Menge. Salz, welches nach verschiedenen Laͤn- dern in Indien gebracht, und besonders auf den mo- luckischen Inseln sehr theuer verkauft wird. Pfeffer, der meist nach Europa kommt. Indigo, Kattun und etwas Baumwollengarn. Vogelnester, die groͤßten- theils zu Canton , und zwar mit ungemeinem Vortheil, verkauft werden. Ausser der im ersten Bande beschriebnen kupfer- nen Scheidemuͤnze cursirt hier auch noch eine andre Art: nemlich Pfennige, welche die Compagnie von gewoͤhn- lichem schwedischen Kupfer, und zwar in Europa , schlagen laͤßt, und hieher schickt. Es giebt zwey Arten davon, die ganz gleich aussehen, aber an Groͤße ver- schieden sind, und zwar so, daß die eine halb so groß als die andre ist. Die große kommt deutschen und schwedischen Kupferpfennigen gleich. Auf der einen Seite ist das gewoͤhnliche Wapen der Compagnie, Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. L Dritte Abtheil. Zweyter Abschnitt, u. s. w. nebst der Jahrzahl, und auf der andern das Wapen derjenigen Provinz, welche sie hat praͤgen lassen, zu sehen. Der Werth, sowohl der großen als der klei- nen, ist noch einmal so groß als er in Europa seyn wuͤrde, und die Compagnie gewinnt an hundert Pro- cent dabey. — Auch sah ich bey den Chinesern und Javanern hollaͤndische Dukaten. Man hatte aber oberwaͤrts mit einem kleinen runden Stempel einige Javanische Buchstaben darauf gedruckt, wodurch sie den Javanern lieb werden und Curs unter ihnen bekommen. Vierte Abtheilung . Reise von Batavia nach Ceylon und Aufent- halt daselbst, vom 5ten Julius 1777 bis den 6sten Februar 1778. Erster Abschnitt. Beschreibung der Reise nach Ceylon , und Aufent- halt daselbst, wie auch einiger Reisen in diesem Lande. D en 5ten Julius 1777 begab ich mich an Bord des Schiffes Mars, um mit demselben nach Ceylon zu ge- hen. Ich hatte mich mit verschiedenen Empfehlungs- schreiben an den Gouverneur und andere hollaͤndische Beamte daselbst versehen. Zwey Tage darauf lichteten wir die Anker, und entfernten uns bey sanftem guͤnsti- gen Winde, von Java , einem der herrlichsten Laͤnder in der Welt. Den 11ten legten wir uns bey Angier vor Anker, um daselbst frisches Wasser zu unsrer bevorstehenden Reise einzunehmen. Auf dieser Rhede trafen wir den schwedischen Ostindienfahrer, das Stockholmer Schloß, an, welcher nach China bestimmt war. Dies Schiff wollte sich hier ebenfalls mit Wasser versorgen, und ich hatte bey dieser Gelegenheit die Freude, verschiedene L 2 Vierte Abtheilung. Erster Abschnitt. Freunde und Landsleute zu umarmen, unter andern Capitain Pettersen , und die Supercargen Alnoor und Bladh . Das Wasser, welches hier aus einem ins Meer herabfließenden Bache geholt wird, ist zwar suͤß und nicht ganz schlecht, aber sehr dick; und dadurch, daß es hier sehr schwer ist an Land zu kommen, und die Tonnen im Wasser ans Land gerollt werden muͤssen, wird es, wenn man davon holt, noch dicker. Dies Wasser trug auch sehr viel dazu bey, auf der Reise die unter der Mannschaft entstandene Diarrhoͤe zu unterhalten und zu vermehren. Wenn man es wagte, ein einziges Glas davon allein zu trinken, ohne Caffeé oder Thee hinzuzugießen, so konnte man darauf rechnen, daß bald darauf eine Art Durchfall entstand. Ich gieng mit den Wasserschoͤpfern aus Land, und fand hier die große Art Pisang, (Troglodyten- oder Affenmuse, Musa troglodytarum ) und zwar mit ziemlich deutlichem Saamen; die Koͤrner waren platt und beynahe so groß als Leinsaamen. Die im Dorfe wohnenden Javaner verkauften so- genannte spanische Rohre in Menge, und die Schwe- den kauften verschiedene von der bessern Art, wobey ich das Vergnuͤgen hatte meinen Landsleuten, durch Huͤlfe des wenigen was ich von der maleyischen Sprache verstand, zum Dolmetscher zu dienen. Unsere weitere Fahrt ging mit gutem Winde gluͤcklich von Statten. Den ersten August passirten wir die Sonne, das ist, wir hatten sie im Scheitel- punkte; den 28sten sahen wir die malabarische Kuͤste, und zwar in der Gegend von Cochin ; und segelten her- nach laͤngs derselben, namentlich Porca , Ceylon und Cap Komorin vorbey. Reise nach und in Ceylon . Unser Schiff war sehr stark, ich kann wohl sagen, uͤbermaͤßig beladen, so, daß es gewiß uͤbel daran ge- wesen waͤre, wenn wir heftigen Sturm bekommen haͤt- ten. Die Ursach von dergleichen, und von so manchen andern Unordnungen, Unannehmlichkeiten und Un- gluͤcksfaͤllen, ist die uͤbertriebene Gewinnsucht der Be- dienten der Compagnie. Der Capitain und die saͤmmt- lichen Schiffsofficiere haben das Recht, mit gewissen Waaren zu handeln. Zu diesem Ende wird ihnen ein Raum von gewissen Lasten im Schiffe zugestan- den. Aber unter Vorwand dieses Rechts, nehmen sie, um desto mehr zu gewinnen, noch einmal so viel von solchen Waaren mit als dieser Raum faßt; um so viel mehr wird denn aber auch das Schiff uͤber die Ge- buͤhr belastet. Besonders sind es der Capitain und der Obersteuermann, die sich dies eigenmaͤchtig her- ausnehmen. Die Handelswaaren, welche diesmal von Privatpersonen auf jene Art mitgenommen wurden, bestanden in einer Menge Reiß, Puderzucker (Koch- zucker) und Arrack. Am 22sten August bekamen wir die Insel Ceylon zu Gesicht, und langten am folgenden Tage schon auf der dasigen Rede an. Aber hier fehlte wenig, daß wir nicht durch die Ungeschicklichkeit und Furchtsamkeit des Capitains Schiffbruch litten. Indem wir mit dem Senkbley in der Hand weiter segelten, und uns des- halb ganz sicher glaubten, sahen wir uns mit einem male ganz nahe an den Sandbaͤnken, welche in dem Kanal liegen, der die Insel vom festen Lande trennt. Schon war das Schiff einer Sandbank so nahe, daß wir glaubten, es wuͤrde im naͤchsten Augenblick dar- auf festsitzen, als der Untersteuermann, ein rascher und unternehmender Seemann, wie er die sichtbare L 3 Vierte Abtheilung. Erster Abschnitt. Erschrockenheit und Muthlosigkeit des Capitains be- merkte, das Commando nahm, und eine Wendung machen ließ, wodurch das sehr tief gehende Schiff in- nerhalb wenig Minuten in tieferes Wasser gesetzt, und wir alle der Gefahr gluͤcklich entrissen wurden. Am folgenden Tage kam von Europa das seelaͤn- dische Schiff Wilhelm der Fuͤnfte, und einige Tage nachher das Schiff Loo von Amsterdam , allhier an. Sobald wir die Anker geworfen hatten, schickte ich meine Empfehlungsschreiben nach Columbo , und eilte bald darauf selbst ans Land. In der Stadt machte ich zuerst dem Gouverneur Falk die Aufwartung. Dieser Herr ist ein gelehrter und verstaͤndiger Mann, und zugleich der uneigen- nuͤtzigste von allen Beamten der Compagnie, die ich kenne. Er ist auf Ceylon gebohren, und hat zu Utrecht studirt. Der Generalgeuverneur van der Parra , hat ihn zu diesem Dienste befoͤrdert, dessen er sich auch in jedem Betrachte voͤllig wuͤrdig bezeigt. Ausser vielen andern, die mir hier Freundschaft erwiesen, muß ich vorzuͤglich Herrn van Sluysken ruͤh- men. Man nennt ihn hier gewoͤhnlich Capitain Ka- neel ( Zimmt-Capitain ), weil alle, die den Kaneel (oder Zimmt) schaͤlen und liefern, unter seinem Befehl ste- hen. Bey diesem war ich gewoͤhnlich zwey bis dreymal in der Woche zu Gaste, und fand bey ihm allemal eine muntere Gesellschaft. Ferner machte ich hier die Bekanntschaft zweyer wuͤrdiger Landsleute, Baron von Albedyl , der Offi- cier bey der hiesigen Garnison war, und Herr van Keu- len , eigentlich Kjellin , welcher sich hier als Buͤrger niedergelassen hatte, und ausgebreitete, eintraͤgliche Handlung auf der Kuͤste Koromandel trieb. Auch Reise nach und in Ceylon . lernte ich einen alten braven Mann, Capitain Hoͤpner , kennen, der in seiner Jugend als Matrose auf einem Kauffahrteyschiffe aus Schweden gegangen war, und auf dieser Reise in einem Gefechte mit einem tuͤrkischen Seeraͤuber durch eine Kugel den einen Daum verloren hatte, hernach aber im Dienste der hollaͤndischen Com- pagnie von unten auf, bis zum Capitain gestiegen war, ein Gluͤck, das er besonders seinen Kenntnissen und Ge- schicklichkeiten als Artillerist und Feuerwerker verdankte. Dieser biedre Mann verstattete mir nicht nur als einem guten Freunde und Landsmann in seinem Hause freyen Zutritt, sondern bot mir auch Wohnung und Tisch an, so lange ich mich hier aufhalten wuͤrde. Ich nahm dies Anerbieten aber nicht an, sondern blieb lieber in dem gewoͤhnlichen Wirthshause, um desto weniger ein- geschraͤnkt zu seyn, wenn ich Reisen, oder, zu Vermeh- rung meiner Naturaliensammlungen, Spaziergaͤnge wuͤrde anstellen wollen. Columbo , die Hauptstadt des hollaͤndischen Handels auf dieser Insel, ist ein großer und schoͤner Ort, rund umher mit Waͤllen umgeben, und sehr stark befestigt. Der Pallast des Statthalters ist nur ein Stockwerk hoch, aber ein ungemein schoͤnes Ge- baͤude; vor demselben laͤuft eine Gallerie hin, auf welche alle laͤngst der Fronte belegene Zimmer einen Ausgang haben, und wo sichs angenehm und kuͤhl sitzen laͤßt. Die Luft ist zwar hier eben so heiß als zu Ba- tavia ; aber da die Kuͤste selbst nicht so niedrig liegt, sondern das Land hoͤher ist, auch der Wind mehr we- het, so ist die Hitze doch viel ertraͤglicher und das Klima gesunder. L 4 Vierte Abtheilung. Erster Abschnitt. Zu Columbo war es mein Hauptgeschaͤft taͤglich in der umliegenden Gegend herumzuwandern, und im Schweiße meines Angesichts die Naturprodukte des Landes zu sammeln, unterdeß meine Reisegefaͤhrten ihre Waaren im Wirthshause auskramten und ihr Gewerbe auf eine weit eintraͤglichere Art trieben. Auf meinen Wanderungen hatte ich einen Ceyloner oder Cin- galeser Der Verfasser gebraucht die Benennungen Ceyloner und Cingaler oder Cingaleser, ceilonisch und eingalesisch ohne Un- terschied, die eine fuͤr die andere. Eigentlich heissen aber die suͤdlichen Einwohner Cingaleser, und die noͤrdlichen Wadas. bey mir, den mir der Gouverneur verschaft hatte. Dieser war ein, nach Landesart geschickter, Arzt, sagte mir allezeit die ceylonschen und malabari- schen Namen der Gewaͤchse, und beschrieb mir die Art, wie sie gegen diese und jene Krankheiten gebraucht wuͤr- den. Seine medicinischen Kenntnisse waren indessen sehr geringe; und seine Aeusserungen daruͤber nicht sel- ten so ungereimt, daß ich von dieser Seite nicht viel von ihm lernen konnte. Unter andern besuchte ich das nicht sehr weit von der Stadt belegene Landhaus des Gouverneurs, das den Namen Paß fuͤhrt. Das Lustschloß ist schoͤn und hat einen großen Garten, wo man seit einigen Jahren eine Plantage von Kaneelbaͤumen angelegt hat. Im Anfange des Novembers machte ich eine Reise von Columbo nach Mature , in Gesellschaft mit Herrn Frobus , der in Geschaͤften der Compagnie dahin reisen mußte, um in Barbary , Gale und Mature Ka- neel einpacken zu lassen, waͤhrend Herr Sluysken nach Negumbo gieng, um das Einpacken und Absenden des Kaneels mit den nach Europa zuruͤckkehrenden Schiffen von dort aus zu besorgen. Reise nach und in Ceylon . Die Reise geschah in einem Palankin . Der Weg war an vielen Stellen sandig und beschwerlich, lief immer laͤngst dem Strande und gieng uͤber Panture , Kaltere , Barbary , Weltotte , Amlagotte , Hekkede und Gale , welches zusammen siebenzehn Meilen be- traͤgt; ferner uͤber Belligamar , fuͤnf Meilen, von da wir bis Mature noch viertehalb Meilen hatten. Ueber die Fluͤsse gehen hier keine Bruͤcken, son- dern man muß in Boͤten uͤberfahren. Diese Boͤte sind nur klein; ihrer werden daher drey zusammengebunden, und mit Brettern belegt, daß eine Art schwimmender Bruͤcke daraus wird. Die Fluͤsse sind von ansehnlicher Breite, und sehr tief, auch oft sehr reissend. An der Landstraße sind auf Kosten der Compagnie verschiedene Haͤuser angelegt, worin man ausruhen und die Nacht zubringen kann. Einige dieser Haͤuser sind groß und schoͤn. Zu unserer Ankunft waren die Fußboden der Zimmer mit Leinewand belegt; auch hatte man die Stuͤhle und Tische mit einem solchen Ue- berzuge versehen. Die Zimmer selbst hatte man mit allerley schoͤnen und praͤchtigen Blumen geschmuͤckt. Vor dem Hause waren verschiedene hoͤlzerne Pfeiler er- richtet, die man mit jungen Kokosblaͤttern bekleidet, mit Blumen geziert und oben daruͤber Leinewand ausge- spannt hatte. Als wir vor dem Hause ankamen, wurde ein Stuͤck Leinewand auf die Erde ausgebreitet, und der Trag- sessel auf dasselbe niedergesetzt. Darauf wurde bis an die Hausthuͤr ebenfalls ein Laken gelegt, uͤber welches wir nach dem Hause giengen. Diese Ehrenbezeugun- gen wiederfahren den Europaͤern gewoͤhnlich, wenn sie in Angelegenheiten und Geschaͤften der Com- pagnie reisen. L 5 Vierte Abtheilung. Erster Abschnitt. Den 4ten waren wir abgereiset. Am folgenden Tage langten wir zu Kaltere an; dies ist eine Festung, in welcher ein Lieutenant commandirt. Nachmittags kamen wir nach Barbary . Hieher wird der Kaneel aus der ganzen umliegenden Gegend ge- liefert. Zur Aufbewahrung desselben sind hier vier, von Steinen erbaute Waarenhaͤuser vorhanden, in welchen zugleich das Kair, eine Art Zeug von Kokos- fasern, verfertigt wird. Im Hafen vor der Stadt, koͤnnen die Schiffe, welche hier Kaneel laden, sicher vor Anker liegen. Am 7ten setzten wir die Reise weiter fort, und kamen am 8ten des Abend zu Gale an. Dieß ist eine schoͤne, gut befestigte Stadt, die auf einem in die See schießenden Vorgebirge liegt. Das Trinkwasser in dieser Stadt, ist in medizi- nischer Ruͤcksicht merkwuͤrdig. Es blaͤhet naͤmlich den Unterleib sehr auf und veranlaßt, allem Ansehen nach, auch die sogenannte malabarische Krankheit, welche die Hoden und die Fuͤße befaͤllt und hier in dieser Stadt sehr gewoͤhnlich, ausser derselben aber selten ist. Den 13ten November traten wir die Ruͤckreise von Mature an, trafen Tages darauf zu Gale ein, reiseten den 16ten von da wieder ab, und kamen am 19ten nach Columbo zuruͤck. Nicht lange hernach, den 7ten December machte ich abermals eine Reise von Columbo nach Mature , und zwar auf Ersuchen des Gouverneurs, um als Arzt die Gemahlin des Grafen Ranzow zu besuchen, die an einer schweren langwierigen Krankheit darnieder lag. Graf Ranzow war Chef des Comtoirs der Compagnie zu Matsure . Waͤhrend der wenigen Wochen, die ich hier zubrachte, erwies er mir viel Guͤte und Wohlwollen. Reise nach und in Ceylon . Ich reisete Tag und Nacht, von zwoͤlf raschen Mohren getragen, welche die ganze Reise aushielten, ohne auszuruhen, so, daß ich in dreimal vier und zwanzig Stunden an Ort und Stelle kam. Zu Mature machte ich taͤgliche Excursionen, be- sonders um die auf Ceylon vorhandenen Edelsteine, welche hauptsaͤchlich in dieser Gegend aus der Erde ge- graben werden, nach ihren verschiedenen Gattungen, desgleichen die Art, wie sie aufgesucht, bearbeitet und gebraucht werden, genau kennen zu lernen. Von die- sen Steinen schafte ich mir eine Sammlung an. Den 20sten December reisete ich nach Columbo zuruͤck, und traf dort, am Abend vor Neujahr, gluͤck- lich wieder ein. Ein junger Graf Ranzow , der mit einem hollaͤndischen Schiffe als Constabel aus Europa hieher gekommen war, und seinen Bruder besucht hatte, reisete mit. Dieser junge Herr, der von un- gemein hitzigem Temperamente war, hatte zugleich das Ungluͤck, an den Fuͤßen gebrechlich zu seyn. Demun- geachtet focht er gut und hurtig, und war trotz seiner schiefen Beine und krummen Fuͤße ein vortreflicher Taͤnzer. Nach Neujahr kamen, wie jedes Jahr zu gesche- hen pflegt, drey Abgesandte vom Kaiser zu Candy in Columbo an. Sie wurden, im Namen der Compagnie, von Abgeordneten, bey Situwaka empfangen, bewill- kommt und nach der außerhalb der Festung liegenden Altstadt begleitet, wo sie die fuͤr sie bestimmte Woh- nung bezogen, und bis zum Audienztage blieben. Den 7ten Februar gieng die Gegen Ambassade der Compagnie an den Kaiser von Columbo ab; sie pflegt aus einem Kaufmann und zwey Assistenten zu bestehen. Vierte Abtheilung. Erster Abschnitt. Um diese Zeit wurde auch mit vieler Pracht und Festlichkeit die Installirung des neuen Generalgouver- neurs zu Batavia hier gefeyert. Die oͤffentlichen Freu- densbezeugungen daruͤber bestanden in Losbrennung des Geschuͤtzes von den Waͤllen der Festung, und von den Schiffen im Hafen. Am Abend gab der Statthalter eine große Mahlzeit und einen Ball, zu welchem alle Beam- te der Compagnie, alle Schiffsofficiere und das vor- nehmste Frauenzimmer eingeladen waren. Auf der malabarischen Kuͤste waren einige Miß- helligkeiten entstanden, welche den hiesigen Gouverneur noͤthigten, einige Truppen nach Cochin zu schicken. Da man mit Ausruͤstung derselben beschaͤftigt war, so fragte mich der Gouverneur, ob ich bey dieser Gelegenheit eine Reise nach dem festen Lande von Ostindien machen wollte? Weil ich aber schon zu Batavia den Entschluß gefaßt hatte, nun endlich wieder nach Europa zuruͤckzukehren, und das Schiff, mit welchem ich hieher gekommen war, und zu welchem ich gehoͤrte, schon segelfertig lag, um nach Eu- ropa zu gehen, schlug ich dies Anerbieten aus, und er- bat mir dagegen die Erlaubniß, mit einem andern Schiffschirurgus zu tauschen, noch einen Monat auf dieser herrlichen Insel zu bleiben, und mich auf einem von denjenigen Schiffen, welche im Februar von hier absegeln sollten, anstellen zu lassen, welches mir auch bewilliget wurde. Waͤhrend meines solchergestalt hier verlaͤngerten Aufenthalts, nahm ich, in Gesellschaft der Herren Sluysken und Conradi , eine kleine Reise nach Negum- bo vor; den 17ten Februar reiseten wir ab, und am fol- genden Tage kamen wir daselbst an. Reise nach und in Ceylon . Negumbo ist ein kleiner befestigter Platz, den man mit Waͤllen umgeben, und mit einem steinernen Thorge- baͤude versehen hat, und wo ein Faͤhnrich Commen- dant ist. Unterdessen daß hier eine Menge Kaneel eingepackt wurde, reisete ich, von einem Ceyloner begleitet, zu Pferde etwas landeinwaͤrts, um die in diesem Bezirke angelegte große und merkwuͤrdige sogenannte Elephanten- falle zu besehen, wovon ich unten an seinem Orte mehr sagen werde. In der folgenden Nacht, da es angenehm kuͤhl war, ritt ich nach Negumbo zuruͤck, und den 20sten Januar traf ich mit meinen Reisegefaͤhrten wieder zu Columbo ein. Hier kaufte ich fuͤr zwoͤlf Pagoden einen Bezoar- stein, der fuͤr sehr rar, und fuͤr den groͤßten der von dieser Art je in der Gallenblase des weißbaͤrtigen Affen ( Simia Silenus ), gefunden sey, ausgegeben wurde. Dieser Stein heißt hier gewoͤhnlich Apesteen (Affenstein), und ist auswendig glatt. Das hier gedachte Exemplar wird jetzt in der akademischen Mineraliensammlung zu Upsala aufbewahrt. Kurz vor meiner Abreise aus Ceylon fand ich zu- faͤlligerweise Gelegenheit einem meiner Landesleute in Columbo sehr nuͤtzlich zu werden. Ich hatte schon ver- schiedenemal, wenn ich bey den Schildwachen am Thore vorbeygieng, bemerkt, daß ein gewisser Soldat, indem er das Gewehr vor mir praͤsentirte, welches vor jeden Schiffsofficier geschieht, mich mit besonderer Aufmerk- samkeit ansah. Dies veranlaßte mich ihn zu fragen, was fuͤr ein Landsmann er sey. Er antwortete mir, er Vierte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. sey ein Schwede, und heiße Bolin ; er sey Notarius (Secretair) in einem Collegium zu Stockholm gewesen; habe eines gehabten Ungluͤcks wegen sein Vaterland ver- lassen muͤssen, sey darauf als Soldat auf ein hollaͤndi- sches Schiff gegangen, und habe hier mehrere Jahre zugebracht, ohne irgend weiter befoͤrdert zu seyn. So- bald ich mich nach ihm naͤher erkundigt und erfahren hatte, daß er eine gute Hand schreibe, etwas vom Buch- halten verstehe, und Lust habe nach Batavia zu gehen, bat ich mir fuͤr ihn vom Gouverneur die Erlaubniß hiezu aus, welcher sie auch sogleich ertheilte. Ich gab ihm Empfehlungsschreiben an die Herren Radermacher und Wimmercranz mit. Er kam gluͤcklich zu Batavia an, ward von Herrn Radermacher sogleich zum Assistenten, und bald hernach zum Buchhalter ernannt. Capitain Wim- mercranz nahm ihn in sein Haus auf, und erzeigte ihm, so lange er lebte, die groͤßten Wohlthaten. Zweyter Abschnitt. Zoologische Merkwuͤrdigkeiten, besonders vom Elephanten. D ie Ochsen, welche man in Ceilon hat, sind sehr klein und mager; manche waren nicht viel groͤßer als in Eu- ropa ein Kalb von zwey Monaten. Sie werden vor Karren gespannt. Die Elephanten werden hier in großen Fallen, wenn man diese Anstalten so nennen kann, gefangen. In einer solchen Falle faͤngt man ihrer viele nacheinan- der, und schließt sie zusammen darin ein. Ich habe oben erzaͤhlt, daß ich nach einem Orte, wo eine solche Vom Elephanten. Falle angelegt ist, hinreisete, und sie besah. Die Falle ist von starken Kokosbaͤumen gebauet, und zwar bey- nahe in Gestalt eines Dreyecks, dessen Basis oder brei- te Seite nach dem Walde hinsieht, und zugleich mit einzeln stehenden Baͤumen und Buͤschen besetzt ist, die sich immer weiter ausbreiten, und zwey lange, endlich ganz unmerkliche Arme bilden. Da wo dieselben an der Falle nahe zusammen kommen, stehen zu beyden Seiten, nach außen, starke Pfaͤle dicht bey einander, auch sind starke Stricke angebracht. Endlich kommen sie so nahe zusammen, daß nur ein einziger Elephant sich durch die Oeffnung durchdraͤngen kann. Wenn der Gouverneur fuͤr die hollaͤndische Compagnie eine Elephantenjagd an- stellen laͤßt, welches nach Verlauf gewisser Jahre ge- schieht, so wird es auf folgende Art gemacht. Eine Menge Leute, sowohl Europaͤer als Ceiloner , werden in die Waͤlder detaschirt, ungefehr eben so, als wenn man in den noͤrdlichen Laͤndern von Europa auf ein Treibjagen ausgeht. Die Leute vertheilen sich in einen weiten Kreis, und umringen einen gewissen Bezirk, wo man zuvor Elephanten ausgespuͤrt hat. Darauf kom- men sie immer naͤher, und treiben die Elephanten durch vieles Laͤrmen, Geschrey und Trommeln immer naͤher nach der Seite hin, wo die Falle fuͤr sie angelegt ist. Endlich werden Fackeln angezuͤndet, um sie noch mehr zu schrecken und zu zwingen, daß sie in die Falle hinein muͤssen. Sobald sie alle darinnen sind, wird die Falle hinter ihnen zugemacht. Als das letztemal auf diese Art gejagt wurde, betrug ihre Anzahl uͤber hundert; die vorhergehendenmale hat man bisweilen mehr als hundert und dreyßig bekommen. Vierte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Die so gefangenen Elephanten werden hernach groͤßtentheils zu Jafnapatnam an die coromandelschen Fuͤrsten verkauft. Die erste Sorge ist daher, sie aus der Falle zu fuͤhren und zu zaͤhmen. Zu diesem Ende werden ein oder zwey zahme Elephanten an die Seite der Oeffnung gestellt, durch welche jeder Elephant allein herausgelassen, und darauf sogleich mit starken Stricken neben den zahmen fest angebunden wird, die ihn denn mit ihren Ruͤsseln so lange zuͤchtigen, bis er auch zahm wird, und mit sich nach Gefallen umgehen laͤßt. Dies geht oft sehr geschwind, manchmal werden nur einige Tage dazu erfordert, besonders wenn die wilden zugleich durch Hunger gebaͤndigt werden. Wenn dies geschehen ist, werden sie besichtiget und gemessen. Zu dem Ende werden sie auf einen mit Korallensteinen ganz eben be- legten Platz gebracht. Das Messen verrichtet ein Mann, der auf einem zahmen Elephanten reitet, mit einem Maasstabe, der nach Covidos eingetheilt ist. Drey Co- vidos sind so viel als zwey Ellen, und gemeiniglich mißt ein Elephant von der Erde bis zum Schulterblatt zehn Covidos, das ist ohngefaͤhr vierzehn Fuß. Nach dem Messen wird der Elephant uͤberall genau besichtigt und untersucht, und, naͤchst der Groͤße auch jeder etwa vorge- fundene Fehler, Gebrechen oder Schaden, schriftlich ange- merkt, und der Preis festgesetzt. Im Durchschnitt gilt ein zahmer Elephant ohngefaͤhr zweyhundert Thaler. Hat er aber einen Fehler, zum Beyspiel, wenn er den Schwanz verloren hat, ein Ohr in Stuͤcken gerissen ist, an den Fuͤßen ein Zehe fehlt, oder was es sonst fuͤr ein Schaden seyn mag, so werden fuͤr jeden Fehler, je nachdem er von mehr oder weniger Belang ist, funfzig, sechzig bis achtzig Thaler abgerechnet. Da es sehr selten ist, einen Elephan- Vom Elephanten. Elephanten zu finden, der gar keine Maͤngel hat, so pflegen die fehlerfreyen fuͤr fuͤnf hundert bis tausend Tha- ler verkauft zu werden. Wenn eine Auction angestellt wird, so thun gewoͤhnlich zwey, drey oder mehrere Leute sich zusammen, und kaufen gemeinschaftlich funfzig, sech- zig, achtzig bis hundert Elephanten, die sie hernach ein- zeln mit ansehnlichem Gewinn wieder verkaufen. Vor dem oͤffentlichen Verkaufe werden die Elephanten am Hintertheile mit dem Wappen der Compagnie bezeichnet: das Thier wird zu dem Ende an einen starken Baum ge- bunden, und mit einem gluͤhenden Eisen gebrannt. Der Elephant ist unstreitig eins der verstaͤndigsten und sanftmuͤthigsten Thiere, das sich seiner Groͤße un- geachtet sehr leicht zahm machen und zu mancherley nuͤtz- lichen Diensten abrichten laͤßt. Wenn er gedraͤngt, ge- aͤngstigt und gepeinigt wird, weint er fast wie ein Kind. Wenn er zahm ist, lernt er in kurzer Zeit verstehen, was man zu ihm sagt. Geraͤth er in Gefangenschaft, so wird er von Gram und Betruͤbniß abgezehrt, besonders wenn er schon zahm war und einen guten Herrn hatte. Bey einer solchen Jagd, als ich oben beschrieben habe, traͤgt es sich oft zu, daß zahme Elephanten, die dem Kaiser zu Candy gehoͤren, und welche man frey umher gehen laͤßt um in den Waͤldern zu weiden, mit anderen ge- fangen werden. Alsdann kann man sie in der Falle sel- ten dazu bewegen, irgend etwas Nahrung zu sich zu nehmen, ehe die Leute ankommen, die gewohnt sind, ihrer zu warten; diese kennen sie sogleich, und sie gehen auch, sobald sie frey gelassen sind, von selbst mit ihnen. Die Elephanten fressen sehr gern Pisangfruͤchte und Kokosnuͤsse, man mag sie ihnen entzwey geschlagen oder ganz geben; im letztern Falle wissen sie sie selbst Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. M Vierte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. aufzumachen. Die Jungen saugen mit dem Maule nicht mit dem Ruͤssel. Verschiedene von Herrn Sluysken angestellte Versuche haben es ausgewiesen, daß das taͤgliche Getraͤnk dieses Thieres gewoͤhnlich sechzig Kan- nen Wasser betraͤgt. Die zahmen Weibchen werden bisweilen dazu ge- braucht, wilde Elephanten zu fangen. Man laͤßt sie alsdann in den Wald gehen, und sie locken wilde Maͤnnchen mit sich in irgend eine Falle, wo sie einge- schlossen werden koͤnnen. Auf diese Art gefangne maͤnn- liche Elephanten sah ich verschiedenemal an einen dicken Baum gebunden, und in wenig Tagen zahm gemacht. Diejenigen maͤnnlichen Elephanten, welche von den Hollaͤndern dazu gebraucht werden, die wilden zu zuͤch- tigen und zahm zu machen, nennen sie gewoͤhnlich Zeel- verkoopers (Seelenverkaͤufer). Ist ein Elephant ein- mal gut zahm, so laͤßt er sich sogar von Kindern regie- ren, und thut nicht leicht einem Menschen etwas zu Leide, es waͤre denn, daß man ihn gemißhandelt und dadurch zur Rache gereizt haͤtte. Ich habe oft ge- sehen, wie der Elephant das eine Bein krumm macht, damit der Reuter da hinauf treten und so bequemer auf den Ruͤcken steigen koͤnne, und wie er mit dem Ruͤssel kleine Knaben sehr behutsam umfasset und aufhebt, um sie auf seinen Ruͤcken zu setzen, auch wie er sie hernach eben so vorsichtig wieder herunter nimt. Die hollaͤn- dische Compagnie gebraucht sie uͤberall zum Fortbringen von Balken und andern schweren Sachen, wie auch vor Wagen und großen Karren. Wenn man ihn vor- spannt, so bindet man ihm erst ein dickes Seil um den Hals, und an dieses Seil zu beyden Seiten einen an- dern dicken Strick, der laͤngs dem Ruͤcken heruntergeht, Vom Elephanten. und am Wagen befestigt wird. Spannt man zwey Elephanten neben einander vor, so bringt man zwischen ihnen eine starke Stange an. Wenn der Elephant geht, sieht man deutlich, daß er die Knie beugt, obgleich das ganze Bein allenthalben gleich dick ist, und unbiegsam zu seyn scheint. Sein Ruͤssel ist nicht nur eine vorzuͤgliche Zierde dieses maje- staͤtischen Thieres, sondern auch eines seiner noͤthigsten Werkzeuge, womit es seine Nahrung sammelt, trinkt, und alles faßt; er ist daher auch des Ruͤssels wegen sehr besorgt; so kann er zum Beyspiel durchaus nicht leiden, daß eine Ameise daran kommt, deren es hier eine große Menge giebt. Die Elephanten werden hier zu Lande niemals oder doch sehr selten geschossen, weil man sie lieber lebendig faͤngt; daher findet man hier auch keine vorzuͤgliche Ele- phantenschuͤtzen. Vor nicht gar langer Zeit hatte man ein traͤchtiges Weibchen an einen Baum gebunden, und so mit gewoͤhnlichen Buͤchsen nach ihr geschossen, um das Junge, in Arrack gelegt, fuͤr das Naturaliencabinet nach dem Haag zu schicken. Allein man hatte dreyzehn Schuͤsse thun muͤssen, ehe das Thier gefallen war. Daß aber doch bisweilen nach den wilden Elephanten in den Waͤldern geschossen wird, scheint folgender Vorfall, den Herr Frobus mir erzaͤhlte, zu beweisen. Er wollte einst den Zahn eines gefangenen Elephanten durchsaͤgen lassen, und man fand inwendig im Zahne eine gewoͤhnliche bleyerne Kugel, die sich darin festgesetzt hatte, und mit der Zeit so uͤber- und umwachsen war, daß man aus- wendig nicht das geringste Merkmal davon gewahr wer- den konnte; er schickte hierauf diesen merkwuͤrdigen Zahn im Jahr 1765 nach dem Haag in die dortige Sammlung. M 2 Vierte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. Da die ceylonschen Elephanten sich so leicht fangen und zaͤhmen lassen, so ist es auffallend, daß dies bey den afrikanischen Elephanten am Cap so viel Schwierig- keiten macht. Kurz vor meiner Abreise vom Cap , im Jahr 1775 hatte man ein Junges lebendig gefangen, nachdem die Mutter todt geschossen war; es gluͤckte aber nicht, das Junge groß zu ziehen; es brauchte zu sei- nem Unterhalte taͤglich die Milch von drey Kuͤhen, war aber doch nicht am Leben zu erhalten. Auf Ceylon , besonders um Negumbo , sind viele Ameisenfresser oder Ameisenbaͤren ( Myrmecophaga ). Die Hollaͤnder nennen sie negumbosche Teufel, und die Cingaleser Kaballe. Das Fleisch dieser Thiere wird den Kranken als ein Arzneymittel zu essen gegeben. Die Einwohner wissen mit einem Messer ein Loch durch seine Schuppen zu bohren, da sie ihn denn nach Belieben regieren koͤnnen, weil die Spitze des Messers, das im Loche festgehalten wird, ihm Schmerzen verursacht. Die Ceylonsche Meerkatze, oder der weißbaͤrtige Affe ( Simìa Silenus ) heißt in der Landessprache Rolle- wai. Sie lassen sich leicht zahm machen, daher man der- gleichen Meerkatzen haͤufig in den Haͤusern antrifft. Wenn sie einen Bekannten sehen, springen sie ihm sogleich entge- gen, umarmen ihn, machen eine gar freundliche Ge- berde, und bezeugen ihre Freude mit einer besondern Art Geschrey, das sehr hell klingt. Sie sind von Na- tur sehr sanft, und beißen nicht leicht, wenn sie nicht zu sehr gereizt werden. Wenn man ein Kind kuͤsset und streichelt, so will dieser Affe es auch thun; sieht er hingegen daß man ein Kind schlaͤgt, so winselt und schreyet er auf eine jaͤmmerliche Art, und ließe man ihn los, so wuͤrde Zoologische Nachrichten von Ceylon . er gewiß den, welcher das Kind schlaͤgt, anfallen. Sein Gang ist mehr Springen oder Huͤpfen, als Lau- fen, weil seine Hinterfuͤße laͤnger als die Vorderfuͤße sind. Er isset allerhand Fruͤchte und Gartengewaͤchse, als Kokosnuͤsse, Aepfel, Birnen, Kohl, Kartoffeln, auch Brodt und dergleichen mehr. An seinem langen Schwanze, der laͤnger als der ganze Koͤrper ist, ist er sehr empfindlich. An Groͤße gleicht er ungefaͤhr dem Gespenstthiere ( Lemur ), doch ist er auch wohl etwas groͤßer. Der Leib ist uͤber und uͤber hellgrau, wiewohl die Farbe bisweilen mehr ins Schwarze, bisweilen, besonders wenn das Thier alt wird, mehr ins Weiße faͤllt. Das Gesicht ist schwaͤrzlich und ohne Haare. Der Bart im Kinne und den Backen, ist weiß und zu- ruͤckgebogen; am Kinne und der Oberlippe ist er kurz, an den Backen aber uͤber einen Zoll lang und gegen die Ohren hinaufgekehrt, die davon vorn etwas bedeckt werden. Haͤnde und Fuͤße sind schwaͤrzlich und nackt, die Naͤgel lang und stumpf. Der Daum und der große Zehe ist von den uͤbrigen Fingern und Zehen abge- sondert und kurz. Das Gesaͤß hat harte Schwielen, die nicht mit Haaren besetzt sind. Der Schwanz ist rund und behaart; so lang er auch ist, kann das Thier doch damit nichts fassen, noch sich an den Zweigen der Baͤume fest halten; gegen das Ende wird er duͤnner. Die Ohrzipfel sind rund, fast ganz nackt und schwarz. Wenn das Thier sich setzt, haͤlt es allezeit die Haͤnde kreutzweise uͤber einander. Ich nahm bey meiner Ab- reise eine solche Meerkatze mit mir an Bord, war aber nicht im Stande sie lebendig zu erhalten, sondern sie starb, als wir in die kaͤlteren Gegenden des Vorgebir- ges der guten Hoffnung kamen. M 3 Vierte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. In Ceylon findet man eine eigne Art Eichhorn ( Sciurus ceilanicus ), das von den Einwohnern Rockia oder Ruckia genannt wird. Auf dem Ruͤcken und an den Seiten ist es schwarz, unterm Bauche gelblich. Der Schwanz ist auch schwarz, und laͤnger als der ganze Koͤr- per. Von Groͤße ist es wie eine Katze, aber schlan- ker. Es laͤßt sich leicht zaͤhmen, und man findet dies Thierchen auch in vielen Haͤusern zahm. Ehe Pennant diese Gattung des Eichhorns beschrieb, war sie in Eu- ropa gaͤnzlich unbekannt. Stachelschweine ( Hystrix ) halten sich in den Waͤl- dern haͤufig auf. Die Hollaͤnder jagen dies Thier oft mit Hunden, da denn den Hunden, wenn sie allzu hitzig darauf losgehen, die scharfen Stacheln im Leibe sitzen blei- ben, so daß sie nicht selten das Leben dabey einbuͤßen. Das Stachelschwein macht seine Wohnung in der Erde und der Eingang zu seiner Hoͤhle ist nicht groͤßer, als daß ein mittelmaͤßig großer Jagdhund hineinkriechen, und das Thier durch eine andere Oeffnung derselben Hoͤhle hinausjagen kann. Die Art, wie es fuͤr seine Jungen Wasser holt, ist merkwuͤrdig. Die Stacheln am Schwanze sind hohl und am Ende offen, und es kann sie beugen. Hiedurch ist es im Stande, sie mit Wasser anzufuͤllen, das es hernach in seiner Hoͤhle fuͤr die Jungen herauslaufen laͤßt. Wenigstens hat man mir so erzaͤhlt. Im Magen dieses Thieres findet man oft Bezoarsteine, die man hier zu feinem Pulver zerreibet und in allerhand Krankheiten braucht. Diese Steine bestehen aus sehr feinen Haaren, die sich mit den Saͤf- ten des Magens fest zusammengesetzt haben, und zwar schicht- oder lagenweise in der Runde uͤber einander, so daß sie aus mehreren Ringen von ungleicher Farbe be- Zoologische Nachrichten von Ceylon . stehen. Ich habe sie gewoͤhnlich von der Groͤße eines Huͤhnereyes gesehen, aber doch auch eins, das so groß als ein Gaͤnseey, kugelrund und ganz braun war. Ge- meiniglich sind sie nicht ganz rund, wiewohl sie auch nicht spitz zugehen. Man hat in diesem Lande viele zahme Schlangen. Die sogenannten Schlangenbeschwoͤrer, welches Mala- baren sind, ziehen damit umher, und lassen sie fuͤr Geld tanzen und allerhand Kuͤnste machen. Diese Leute strei- cheln sie, nehmen sie in die Hand und noͤthigen sie auch wohl zu beißen. Wenn sie mit einer kleinen Pfeife pfeifen, heben die Schlangen den Kopf in die Hoͤhe und drehen ihn nach einem gewissen Tacte hin und her. Dergleichen Schlangenbeschwoͤrer durchstreichen das Land eben so, als in Europa die Leute, welche Baͤren, Murmelthiere, Affen und dergleichen fuͤr Geld sehen und ihre Kuͤnste machen lassen. Skorpionen hat Ceylon in sehr großer Menge. Man hoͤrt indessen doch selten von Ungluͤck, das sie ver- ursachen. Wenn es geregnet hat, sieht man sie, so wie auch die indianischen Asseln ( Scolopendramo i sitans ), aus ihren Loͤchern hervorkommen, und haufenweise in die Haͤuser kriechen, wo man die Thuͤren der Hitze wegen gewoͤhnlich offen stehen laͤßt. Blutigel ( Hirudo ) sind in den Waͤldern, beson- ders oben an den Bergen, in Menge anzutreffen. Sie sind rothbraun, von der Dicke eines Eisendraths, und einen Zoll lang. Wenn man da, wo sie sich aufhalten, geht, so setzen sie sich sogleich an den Fuͤßen fest, und saugen das Blut aus, wenn man auch zwey baum- wollene Struͤmpfe uͤbereinander an hat. Graf Ran- zow erzaͤhlte mir, ein Europaͤer, an welchem einmal M 4 Vierte Abth. Zweyt. Abschn. Zoologische ꝛc. ein solcher Blutigel sich festgesogen, haͤtte ihn abgerissen, daraus sey ein arger Beinschade entstanden, und da dieser schlecht curirt worden, habe der Mann das Leben daruͤber eingebuͤßt. Die Perlenfischerey ward vor diesem in dem zwi- schen der Insel und der Kuͤste von Coromandel befind- lichen Kanale, welcher nicht sehr tief ist, und einen san- digen Boden hat, mit Vortheil getrieben. Seit vielen Jahren aber hat man sie nicht vornehmen koͤnnen, weil zwischen einem Nabob auf der Kuͤste Coromandel und zwischen der Compagnie, wegen der Befugniß zu dieser Fischerey, ein Streit entstanden ist, den, wie man sagt, die Englaͤnder unterhalten. Ich habe verschiedene große und schoͤne Perlen gesehen, die hier gefischet worden sind. Die rei- chen Kaufmannsfrauen tragen hier auch oft ganze Schnuͤre großer und kleiner Perlen uͤber den Haaren als einen sehr praͤchtigen Kopfschmuck. Die Perlen- fischerey wurde ehemals allezeit jaͤhrlich an eine oder mehrere Privatpersonen fuͤr eine gewisse Summe Gel- des verpachtet. Diese Paͤchter verpachteten hernach wieder an andre das Recht, mit einer gewissen Anzahl Boͤte und Leute zu fischen. Wenn die Muscheln von den Tauchern herauf geholt sind, werden sie am Stran- de in Haufen bey einander gelegt, und auf Gewinn und Verlust an Kaufleute, welche zu diesem Ende da- hin kamen, verkauft. Man sagt, daß die Muscheln sich offnen, sobald das darin befindliche Thier gestorben ist und in Verwesung uͤbergeht, da sie denn mit leichter Muͤhe untersucht, und die Perlen herausgenommen werden koͤnnen. Manchmal gewann man nichts bey einem solchen Handel, manchmal konnte aber auch eine einzige Perle mehrere ganze Haufen bezahlen. Dritter Abschnitt. Vom Kaneel . D er Kaneel (Zimmt) ist die vornehmste Handelswaare, welche die ostindische Compagnie von dieser Insel holt. Er ist hier feiner und kostbarer, als irgendwo sonst in der ganzen Welt. Aller aͤchte Kaneel wird vom Zimmetbaume ( Lau- rus cinnamomum ) genommen. Dies ist ein Baum von mittelmaͤßiger Hoͤhe und Groͤße. Er unterscheidet sich durch seine breiteren und nicht so spitz zugehenden Blaͤtter von der Cassine oder dem Mutterlorbeer ( Lau- rus cassia ), welcher eine groͤbere Art Kaneel giebt, und nur eine Varietaͤt von jenem zu seyn scheint. Daß diese beyden Arten Baͤume, die feinern und groͤbern Kaneel geben, nur Varietaͤten sind, die vom Klima, und be- sonders vom Erdreiche, herruͤhren, ist um so viel glaub- licher, da selbst Ceylon nicht allenthalben auf der gan- zen Insel und in allen Gegenden derselben gleich guten Kaneel liefert. Die suͤdwestliche Ecke der Insel ist es allein, welche die feinere Gattung dieses angenehmen und so herzstaͤrkenden Gewuͤrzes hervorbringt, und die Gegenden, aus welchen das meiste davon geholt wird, sind die um Negumbo , Columbo , Kaltere , Barbary , Gale und Mature , welche alle laͤngs der Seekuͤste, oder nicht weit von derselben liegen. Der Kaneel, wel- cher aus den tiefer landeinwaͤrts liegenden Gegenden kommt, ist allezeit groͤber, dabey dick und scharf, und beißt auf der Zunge. M 5 Vierte Abtheilung. Dritter Abschnitt. Die Kaneelbaͤume wachsen sehr haͤufig und in großer Anzahl in den Waͤldern, wo sie sich ohne Zu- thun der Kunst fortpflanzen. Die Europaͤer haben lange Zeit geglaubt, und auch die Ceyloner haben es behauptet, daß Baͤume die guten Kaneel geben sol- len, allezeit wild wachsen und sich selbst uͤberlassen seyn muͤßten, angepflanzte hingegen weder gedeihen noch aͤchten Kaneel geben wuͤrden. Wild werden die Baͤu- me durch die Voͤgel im Lande weiter ausgebreitet; diese fressen die reifen Beeren, deren Kerne sie aber nicht verdauen und sie folglich in den Waͤldern hie und da wieder von sich geben. Jenes Vorurtheil, daß der Kaneelbaum nicht angepflanzt werden muͤsse, herrschte bis ungefaͤhr 1770, da der Gouverneur Iman Wil- helm Falk den Versuch machte, im Garten bey seinem Landsitze Paß, im Kleinen eine Plantage von Kaneel- baͤumen anzulegen. Er ließ die Beeren saͤen; die jun- gen Baumpflanzen kamen auch bald zum Vorschein, und standen anfangs sehr gut; nach einiger Zeit aber wur- den sie welk, und giengen eine nach der andern aus. Als man der Ursache hievon genau nachspuͤrte, fand sich, daß die Ceyloner, fuͤr welche das Abschaͤlen des Kaneels in den Waͤldern eine eintraͤgliche Sache ist, die daher das Pflanzen desselben ungern sahen, und befuͤrchteten, ihnen moͤchte dadurch mit der Zeit großer Abbruch ge- schehen, (weil das Sammeln des Kaneels in solchen Pflanzungen leichter und bequemer als in den Waͤldern seyn wuͤrde) des Nachts die Pflanzen heimlich mit heißem Wasser begossen hatten. Ein paar Jahr nach- her ließ der Gouverneur, den Versuch wiederhohlen, und auf verschiedene Plaͤtze, theils im Kleinen, theils im Großen, wiederum Beeren aussaͤen. Dieser Versuch Vom Kaneel. gelang besser; die Pflanzen blieben stehen, gediehen und wurden zu Baͤumen, die sehr gut fortkommen und schon mehrere Kaneelerndten geliefert haben. In dem einzi- gen Garten zu Paß allein, stehen mehrere tausend Ka- neelbaͤume, die so guten Kaneel geben als man nur wuͤnschen kann. Eben so erwuͤnschten Fortgang haben sie durch dieses Gouverneurs unverdrossene Bemuͤhung auch an andern Orten gehabt. Namentlich ist bey Si- ruwaka , an der Grenze zwischen dem Gebiethe des Kai- sers zu Candy und der Compagnie, ein sehr großer Ka- neelgarten angelegt, in welchem man schon dreymal Ka- neel geschaͤlt hat, wovon auch dies Jahr eine Partey nach Europa geschickt wurde. Auch um Kalture und Mature sah ich dergleichen Plantagen von ansehnlicher Groͤße, die vor zwey oder drey Jahren angelegt worden waren. Dicht vor der Stadt und Festung Columbo steht man dergleichen ebenfalls schon. Wenn alle diese und mehrere aͤhnliche Pflanzungen einmal in vollkomme- nem Stande sind, wird es fuͤr die hollaͤndisch- ostindi- sche Compagnie sehr viel bequemer seyn, ihren Kaneel aus Gaͤrten zu hohlen, wo die Baͤume in ordentlichen Reihen, und keine andre Baͤume und Buͤsche dazwischen stehen, als es jetzt ist, da die Leute, welche ihn schaͤ- len, in dichten Waͤldern weit und breit herum kriechen muͤssen, um ihn aufzusuchen. Dazu kommt, daß des Kaneels in den Waͤldern seit einiger Zeit weniger wird, so daß die Kaneelschaͤler in verschiednen Jahren nicht so viel, als sie sollten, haben liefern koͤnnen; welches theils daher ruͤhrt, daß Strecken Landes, die den besten Kaneel geben, zu anderm Behuf angewandt, theils daher, daß die Baͤume in den Waͤldern ohne alle Auf- sicht und Wartung geblieben sind. Vierte Abtheilung. Dritter Abschnitt. Der sandige Boden ist fuͤr die Kaneelbaͤume der zutraͤglichste. Derjenige Kaneel, welcher in den an der Seekuͤste liegenden Sand-Ebenen waͤchst, die von den Cingalesern Marendan genannt werden, wird fuͤr den besten und delicatesten gehalten. Wenn man auf solchen Sand-Ebnen die Baͤume abhauet und hernach alles abbrennt, so schießen die Wurzeln wieder in lange, gerade Staͤmme auf, die unvergleichliche Rinde geben. Von solchen jungen Staͤmmen hat man die sogenannten Kaneelstoͤcke, welche wie Haselstoͤcke aussehen, und deren Rinde wie Kaneel riecht, so oft man sie reibt. Dergleichen Stoͤcke bekam ich verschiedenemal zum Geschenk, ob es gleich eben nicht erlaubt ist, sie auszufuͤhren. Die Kaneelblaͤtter haben einen starken Nelkenge- ruch; die Wurzel hingegen, welche durch Sublima- tion, Kampfer giebt, riecht ganz wie Sassafras. Der Kaneel heißt bey den Cingalesern allgemein Kurundu. Er wird in den Waͤldern zu zwey verschiedenen Zeiten im Jahr geschaͤlt. Das eine heißt die große Erndte, die vom April bis August; das andre die kleine, welche vom November bis Januar waͤhrt. Die Leute, welche in den Waͤldern die Kaneelbaͤume auf- suchen und die Rinde abschaͤlen, heißen Kaneelschaͤler; in cingalesischer Sprache werden sie Schjalias genannt. Eigentlich sind es die der Compagnie selbst zugehoͤ- renden Gegenden, wo die Schjalias in den Waͤldern die Kaneelrinde einsammlen. Doch stehlen sie sich auch manchmal in die Waͤlder des Kaisers, und wohl Vom Kaneel. gar bis auf eine halbe Meile an die Stadt Candy heran; werden sie aber dabey ertappt, so schneidet man ihnen Nase und Ohren ab. Jeder District oder Dorf in den Laͤndern der Com- pagnie ist schuldig, jaͤhrlich eine gewisse Menge Kaneel zu liefern, wogegen die Ceyloner daselbst ein gewisses Stuͤck Land frey besitzen, das sie nach Gefallen bewoh- nen und benutzen koͤnnen, andrer Vortheile nicht zu gedenken. Ueber eine gewisse Anzahl Schjalias sind Leute ge- setzt, welche die Aufsicht uͤber sie und den Kaneel haben, und auch berechtigt sind kleine Vergehungen zu bestrafen. Ueber alle zusammen ist wieder ein Europaͤer gesetzt, der ihr Hauptmann oder Oberhaupt, ( Hooft der Mahabadde ), im gemeinen Leben auch oft Capteyn Kaneel heißt. Dieser nimmt zuletzt allen Kaneel in Empfang, und ist der Com- pagnie fuͤr denselben verantwortlich. Er hat auch das Recht uͤber schwere Verbrechen zu entscheiden und sie zu bestrafen. Das Kaneelschaͤlen wird auf folgende Art ver- richtet. Zuerst werden, nach den Blaͤttern und an- dern Kennzeichen, gute Baͤume ausgesucht, und sodann diejenigen Zweige welche drey Jahr alt sind, mit einem gewoͤhnlichen krummen Gaͤrtnermesser abgeschnitten. Von diesen abgeschnittenen Zweigen wird darauf mit ei- nem andern Messer, das eine scharfe Spitze hat und dazu besonders eingerichtet ist, die aͤußre duͤnne Haut der Rinde ( Epidermis ) abgeschabt. Dann werden die Zweige der Laͤnge nach mit der Spitze des Messers auf- geritzt, und mit der weniger scharfen Seite desselben die Rinde allmaͤhlig abgeloͤset, bis sie ganz abgezogen wer- den kann. Alsdann werden von der abgeschaͤlten Rinde Vierte Abtheilung. Dritter Abschnitt. mehrere kleine Pfeifen in die groͤßern gesteckt, und zum trocknen ausgebreitet, da denn die Rinde sich von selbst immer mehr zusammenrollt. Wenn sie trocken ist, werden Buͤndel von dreißig Pfund schwer daraus ge- macht, jedes mit drey duͤnnen Ruthen von Palm- riet oder Rottang ( Calamus Rotang, Palmjuncus ) zusam- mengeschnuͤrt, und theils in Boͤten, theils zu Lande, nach den an mehreren Orten vorhandenen Magazinen der Compagnie hingeschaft, dort nach den Dorfschaften oder Districten, welche sie geliefert haben, zusammen- gelegt, und mit Matten von Bast zugedeckt. In Ruͤcksicht auf die Guͤte des Kaneels giebt es verschiedene Arten Kanneelbaͤume; dem Laube nach ha- ben sie zwar viele Aehnlichkeit mit einander, doch werden sie nicht alle zum Schaͤlen genommen; man stellt eine sorg- faͤltige Auswahl darunter an. Die Schjalias zaͤhlen fol- gende zehn Arten: 1) Rasse Curundu, oder Penni Curundu, welches so viel sagen will, als Honigkaneel. Dieser ist der beste und angenehmste, und der Baum hat große, breite und dicke Blaͤtter. 2) Nai Curundu oder Schlangenkaneel, welcher jenem an Wohlgeruch und vorzuͤglichem Geschmack am naͤchsten, wiewohl nicht gleich kommt. Die Blaͤtter sind auch groß. 3) Ca- puru Curundu, das heißt Kampferkaneel. Diese Sorte findet sich nur in den Laͤndern des Kaisers. Aus der Wurzel wird Kampfer destillirt. 4) Cahatte Curundu, das ist zusammenziehender herber Kaneel. Die Blaͤtter sind etwas kleiner als bey den vorhergehenden Gattun- gen. — Diese vier Sorten, welche saͤmtlich zu einer und derselben Gattung, nemlich vom eigentlichen Zim- metbaume ( Laurus cinnamomum ) gehoͤren, sind nichts Vom Kaneel. anders, als einander sehr aͤhnliche Varietaͤten, welche die Schjalias nur durch den Geschmack unterscheiden. Sie sind die einzigen, welche, wenn man guten Kan- neel haben will, geschaͤlt werden muͤssen: — Folgende Arten hingegen werden gar nicht geschaͤlt. 5) Saͤwel Curundu, oder schleimiger Kaneel. Die Rinde hat, wenn man sie kaͤuet, einen schleimigen Nachgeschmack. Sie ist we i ch, faserig, und nicht so dicht und fest, als bey den uͤbrigen Arten; auch ist sie zaͤhe, und laͤßt sich leicht beugen, ohne daß sie gleich bricht. Dies ist eben- falls eine Varietaͤt vom eigentlichen Zimmetbaume. 6) Dawul Curundu, welches bedeutet platter oder Brettkaneel. Er hat den Namen davon, daß er sich beym Trocknen nicht kruͤmmt oder zusammenrollt, son- dern platt bleibt. Diese Sorte gehoͤrt zur Cassine ( Lau- rus cassia ). 7) Nica Curundu, das ist Kaneel mit Blaͤttern, die wie die Blaͤtter von Nicacol, oder Ne- gundostrauch (eine Art Muͤllen, Vitex negundo ), aus- sehen, nemlich in so fern sie lancettfoͤrmig, oder lang und schmal sind. — Außer diesen sieben Arten zaͤhlt man noch drey, die sich vom aͤchten Kaneel merklich un- terscheiden. Man kann auch gleich beym ersten Anblicke sehen, daß sie mit Recht nicht zu den Kaneelbaͤumen ge- rechnet werden duͤrfen. Hievon habe ich nur eine Sorte, nemlich die sogleich folgende gesehen. Die uͤbrigen sind sehr selten, und werden nur in den Laͤndern des Kaisers gefunden. — 8) Caturu Curundu, das bedeutet Dorn- kaneel. Dieser ist von einem ganz andern Geschlechte, als jene andere Arten. Die Rinde hat auch nicht den geringsten Kaneelgeschmack, so wie die Blaͤtter mit jenen keine Aehnlichkeit, und die Zweige sind mit Zacken oder Stacheln besetzt. 9) Mal Curundu, Blumenkaneel, Vierte Abtheilung. Dritter Abschnitt. und 10) Tompat Curundu, Kleekaneel, weil die Blaͤt- ter sich gegen die Spitze in drey Lappen theilen. Vor der jedesmaligen Absendung von hier muͤssen die Wundaͤrzte, sowohl der zu Columbo ansaͤßige als die anwesenden Schiffschirurgi, den Zimt genau un- tersuchen und dafuͤr einstehen, daß er aͤcht, fein und un- verdorben ist. Zu dem Ende nimt man aus jedem Bunde einige Stangen heraus und kaͤuet ihn, weil der Geschmack die sicherste von allen Proben giebt; allein dies ist ein sehr unangenehmes Geschaͤft, weil der Kaneel von der Zunge und den Lippen allen Schleim, mit dem diese Theile uͤberzogen sind, wegnimmt, und hernach einen brennenden Schmerz verursacht, der unertraͤglich ist, und endlich hindert fortzufahren. Zu einiger Lin- derung muß man zwischenher ein Butterbrod essen, wo- durch der Schmerz einigermaaßen gemildert wird, aber trotz diesem Huͤlfsmittel haͤlt man doch selten zwey oder drey Tage nach einander dabey aus. Die Kenn- zeichen des feinen Kaneels sind folgende: 1) Daß er duͤnne und etwas biegsam ist; gewoͤhnlich muß er so dick oder etwas dicker als Rojalpapier seyn. 2) Daß er hell und gelblich von Farbe, etwas ins Braͤunliche fal- lend ist. 3) Daß er suͤßlich schmeckt und zugleich nicht staͤrker ist, als daß man ihn ohne brennende Empfindung im Munde ertragen kann, und daß er keinen Nachschmack zuruͤck laͤßt. Je mehr der Kaneel von diesen Kennzeichen abweicht, desto groͤber und schlech- ter ist er; nemlich wenn er hart und von der Dicke eines Speciesthalers ist; wenn er sehr dunkel oder braun ist; wen er stark auf der Zunge prickelt oder brennt, und da- bey einen den Gewuͤrznaͤgelein aͤhnlichen Geschmack hat, und bey mehrmaligem versuchen einen empfindlichen Schmerz Vom Kaneel. Schmerz im Munde verursacht, und den Schleim auf der Zunge wegbeitzt; endlich daß er einen herben und barschen Nachgeschmack zuruͤcklaͤßt. Nach diesen Kennzeichen wird der Kaneel vor der Verschiffung beurtheilt. Einmal mußte ich nebst verschiedenen andern Aerz- ten eine Partey Kaneel untersuchen, die der Koͤnig von Candy geliefert hatte. Wir fanden, daß er zur Haͤlfte mit schlechtem vermischt, untauglich, von schlechtem Geschmack und unaͤcht war. Der beste, welchen man herausfinden konnte, wurde nach Batavia gesandt. Eben so untersuchten wir zu Columbo einige Buͤndel Ka- neel, von einer vor einiger Zeit gepflanzten Sorte, wel- che im Jahr 1775 zur Probe nach Europa geschickt wurden. Allein man hat hernach in Europa bey An- kunft dieses Kaneels gefunden, daß er den Geschmack nicht hatte, den er haben mußte, obgleich wir ihn hier zu Columbo , als er eingeschifft werden sollte, fuͤr fein und gut erklaͤrten. Der Geruch ist zwar fein und angenehm gewesen; Geschmack aber hat er sehr wenig und fast gar nicht gehabt. Vermuthlich hat er ihn aber unter- wegs verloren, und das ist aller Wahrscheinlichkeit nach davon hergekommen, daß in den jungen Zweigen, deren Wurzel nicht aͤlter als drey Jahr war, das Oel zu fluͤchtig und nicht concentrirt genug seyn mochte; dreyjaͤh- rige Zweige sind zwar zum Schaͤlen brauchbar, aber Wur- zel und Stamm muͤssen doch einige Jahr aͤlter seyn. Auch war beym Einpacken und beym Transport ein Fehler begangen, der vieles, wenn nicht alles, dazu beygetragen hat, daß der Geschmack verschwunden war. Die Buͤn- del waren nemlich nur in einfache Saͤcke gepackt, und in Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. N Vierte Abtheilung. Dritter Abschnitt. die Kajuͤte gelegt; gewoͤhnlich aber packt man ihn in zwey Saͤcke, oder legt ihn zwischen Pfeffer. Die folgenden Jahre wurden von derselben Sorte an sieben und vierzig Bund nach Europa geschickt. Wenn die Schiffe fertig sind den Kaneel einzu- nehmen, und die Untersuchung geschehen ist, wird er eingepackt. Jedes Bund wird alsdenn ungefaͤhr 4 Fuß lang gemacht und abgewogen; es muß 85 Pfund netto wiegen, ob es gleich nur zu 80 Pfund angeschrieben und berechnet wird, weil man 5 Pfund auf das Eintrocknen auf der Reise rechnet. Darauf wird jedes Bund mit Stricken festgeschnuͤrt, und in einen doppelten Sack oder zwey Saͤcke uͤber einander eingenaͤhet, welche mit der Pfundezahl und dem Orte, wo die Einpackung ge- schehen, bemerkt werden. Die Saͤcke duͤrfen nicht von Leinwand oder Segeltuch, sondern es muͤssen wollene Saͤcke seyn, oder solche, die in Indien Gunjesakken heißen, und dem Kaneele waͤhrend des Transports nicht schaden. Es wird auch wohl uͤber den Sack eine Kuh- haut genaͤhet. Am Bord des Schiffes wird uͤber die Zimmtsaͤcke schwarzer Pfeffer hergeschuͤttet, um alle Zwischenraͤume und Loͤcher auszufuͤllen. Der Pfeffer, welcher trocken und heiß ist, zieht auf der Reise die Feuch- tigkeit des Kaneels an sich, und man hat gefunden, daß dieser letztere dadurch nicht nur seine Guͤte behaͤlt, son- dern sogar noch staͤrker wird. Den 6ten November wurden 300 Ballen Kaneel eingeschifft, wovon ein Theil aus den Plantagen war. Nach einigen Tagen geschah dasselbe mit noch andern 320 Ballen. Vom Kaneel. Wenn der Kaneel zu Columbo einballirt ist, wird mit Destillirung des Kaneeloͤls angefangen. Die- ses Oel, das kostbarste und vorzuͤglichste von allen Oelen, wird nirgend, als in der Apotheke der Com- pagnie zu Columbo , und zwar von denjenigen Stuͤcken Kaneel die beym Einpacken abbrechen oder sonst ab- fallen, destillirt. Diese kleinen Stuͤcke werden sorg- faͤltig zusammengelesen, in große Gefaͤße, in jedes ge- woͤhnlich hundert Pfund, gelegt, und alsdenn so viel Wasser darauf gegossen, daß alles damit wohl bedeckt ist. In diesem Wasser bleibt der Kaneel ganze sechs bis acht Tage liegen, damit er macerire. Das ganze wird darauf nach und nach in eine kupferne Destillierpfanne gegossen, und bey gelindem Feuer abgetrieben. Das Wasser, welches man Kaneelwasser ( Aqua Cinnamomi ) nennt, geht alsdenn ganz weiß, beynahe milchfarbig, nebst dem Oele uͤber, welches letztere in der untergesetz- ten ofnen Glaskugel oben auf fließt. Alle vier und zwanzig Stunden wird ein Gefaͤß abgeliefert. Waͤh- rend der ganzen Destillationszeit sollen zwey Mitglieder des Justizraths als Commissarien, einer um den an- dern gegenwaͤrtig seyn; dies geschieht aber nicht, son- dern sie kommen gewoͤhnlich nur jedesmal hin, wenn das Oel vom Wasser abgesondert wird. Das Oel wird alsdann in eine Flasche gegossen, welche die Com- missarien versiegeln und in einem Kasten verwahren, der ebenfalls von ihnen versiegelt wird. Auf diese Art kann der Apotheker nicht dazu kommen etwas zu stehlen, wofern er sich nicht aus dem Recipienten etwas nimmt, ehe die Commissarien ankommen. Ich wandte viel Muͤhe an, zu erfahren, wie viel Oel man von hundert Pfund bekommt, aber allezeit umsonst, weil es gegen das Interesse des Apothekers ist, es kund werden zu N 2 Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. lassen. So viel ist indessen gewiß, daß der Kaneel in Verhaͤltniß mit andern Specereyen nicht viel Oel giebt, und daß man aus dieser Ursach keinen sonst brauchba- ren Kaneel, sondern nur die kleinen Stuͤcke und den Ab- fall, der nicht nach Europa geschickt werden kann, dazu nimmt. Die Unze Oel wird hier an Ort und Stelle fuͤr 9¾ hollaͤndische Thaler verkauft. Er ist alsdenn blaßgelb von Farbe, mithin nicht dunkelbraun, wie er von dem dicken Kaneele gewoͤhnlich wird. Die uͤbrigen Theile des Kaneelbaums, ausser der Rinde, taugen weder zu Kaneel noch zu Oel. Das Holz ist poroͤs und ziemlich schoͤn. In Bretter gesaͤgt wird es bisweilen zu Coffer und dergleichen gebraucht; allein sein Geruch sichert es nicht vor Wuͤrmern. Vierter Abschnitt. Andere botanische Nachrichten, besonders von der Brodfrucht. D ie Brodfrucht, welche in den warmen Laͤndern so vielen tausend Menschen zur Nahrung dient, waͤchst auch auf dieser Insel im Ueberfluß, und wird ver- schiedene Monat im Jahr zur taͤglichen Nahrung ge- braucht. Es giebt zwey Arten Baͤume, welche diese Frucht hervorbringen, und beyde werden hier, sowohl wild als gepflanzt, angetroffen. Die eine Art, welche kleine Frucht ohne Saamen enthaͤlt, fand ich um Columbo , Gale und an mehreren Orten; sie heißt hier eigentlich maldivische Syrsak, und wird nicht uͤberall gebraucht. Die andere waͤchst hier haͤufiger, hat groͤßere Frucht Von der Brodfrucht. und wird mehr gesucht. Die Fruͤchte der ersteren wer- den so groß wie ein Kindeskopf, und diese Art muß durch Wurzeln fortgepflanzt werden. Die Fruͤchte der letzteren hingegen wiegen dreyßig bis vierzig Pfund, und haben zwey bis dreyhundert Saamenkerne, deren jeder viermal groͤßer als eine Mandel ist; diese lassen sich durch die Kerne fortpflanzen. Die Baͤume von beyden Gattungen sind mit einem harzartigen Milch- safte angefuͤllt, der so zaͤh ist, daß man damit, wie mit Vogelleim, Voͤgel fangen kann. Die Frucht ist uͤber und uͤber stachlicht, und hat eine dicke und weiche Schaale. Von der Frucht selbst wird nur das Inwen- dige zur Nahrung fuͤr Menschen, die Schaale aber fuͤr die Schweine gebraucht. Sie hat einen unangeneh- men Leichengeruch, und schmeckt beynahe wie Kohl. Die Baͤume werden hundert Jahr alt, und tragen so- wohl am Stamme selbst, als an den dicksten Zweigen, ganze acht Monate hindurch zu unschaͤtzbarem Nutzen der Einwohner, ihre Fruͤchte, die eine nach der andern reif werden. Die Benutzung und verschiedene Zubereitung der groͤßern Sorte Brodfrucht, welches eigentlich die ist, die auf Ceylon uͤberall gebraucht wird, ist folgende. Nach dem ungleichen Alter der Frucht, in welchem sie zur Nahrung genutzt wird, bekommt sie von den Cei- lonern drey verschiedene Namen. Pollos heißt sie, wenn sie zu der Groͤße eines Straußeneyes gediehen, und einen oder anderthalb Monat alt ist; Herreli, wenn sie halbreif und von der Groͤße einer Kokosnuß ist, das Fleisch ist alsdenn noch weislich und milchartig. In diesen beyden Altern kann sie nicht ohne vorgaͤngige Zubereitung gegessen werden. Wenn sie voͤllig reif ist, bekommt sie den Namen Warreka. Das Fleisch ist N 3 Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. alsdann genießbar, und das, was um die Kerne sitzt, ist etwas suͤß, sieht gelb aus, laͤßt sich ohne Zuberei- tung essen, und hat einen angenehmen Geschmack. Brodfrucht hat man sie deswegen genannt, weil der aͤrmere Theil der Einwohner, auf Ceylon sowohl als in andern indischen Laͤndern, sie statt Brodts oder Reißes ißt. Ich habe oft die Leute diese Frucht, fein zerschnitten entweder mit geraspelten Kokoskernen allein, oder mit etwas Reis dazu, auch wohl mit spanischem Pfeffer, Salz oder Zwiebeln essen gesehen. Die Kerne koͤnnen entweder, wie Kastanien, fuͤr sich allein, oder mit dem Fleische, auf verschiedne Art zugerichtet, gegessen wer- den. Man isset sie sowohl gekocht als gebraten; die Armen essen sie meistens gekocht, mit geraspelten Ko- koskernen und Salz. Die Reichen fuͤllen Gaͤnse und anderes Federvieh, auch Ferkel, wenn sie Braten da- von machen wollen, damit. Man macht hier zu Lande nicht weniger, als funfzehn unterschiedne Gerichte von der Brodfrucht. Eins derselben heißt Currii Caldu; dies wird von Pol- los gemacht, die in feine Scheiben geschnitten werden, welche man zuerst in Wasser mit Gurkumey etwas kocht, bis sie gelb geworden sind. Darauf wird von gedoͤrrten und zerstoßenem Fische, so viel man zwischen den Fingern fassen kann, und ein halbes Maas Kokos- milch hinzugethan, und alles zusammen unter stetem Umruͤhren aufs Neue eine halbe Stunde gekocht. Diese Suppe wird am haͤufigsten gegessen, und nicht selten wird Bruͤhe von mehrern Fleischarten dazu ge- nommen. — Currii Seco unterscheidet sich von je- nem dadurch, daß zu diesem mehr Gewuͤrze und an- dere Zuthaten kommen, als gebrannte, zerstoßene Ko- kosnuß, Koriander, Pfeffer, Cantel, Muskatblu- Von der Brodfrucht. men, Salz, gekochter und in kleine Wuͤrfel geschnit- tener Speck und Kokosmilch, welches alles wohl durch- einander gemischt und eine halbe Stunde in Wasser gekocht wird. Hernach werden Zwiebeln, die vorher in Butter gebraten worden, Citronensaft, bisweilen spanischer Pfeffer und Salzlake dazugethan alles gut durcheinander gemengt und zu einem dicken Muse gekocht. — So wie das erste Gericht, wird auch ein drittes, das die Ceyloner Pollos Tjundido nennen, zurecht gemacht, aus zerschnittenen Pollos oder Her- reli, mit Gurkumey, geraspelten Kokos, spanischen Pfeffer, in Stuͤcke geschnittnen Zwiebeln und Salz, welches uͤber gelindem Feuer zu einem dicken Brey ge- kocht wird. — Man kocht auch die Kerne, nachdem sie in lange schmale Streifen entzweygeschnitten worden, mit Gurkumey in Wasser, und thut getrockneten Fisch, zerschnittenes Graslauch und Kokosmilch hinzu, wel- ches in dieser Mischung zusammen gekocht und bestaͤn- dig umgeruͤhrt wird. Dies Essen heißt Kastanie Cur- rii. — Diesem ist ein anderes sehr aͤhnlich, das man Niembela nennt, nur mit dem Unterschiede, daß die Pollos oder Herreli, sehr grob geschnitten werden. — Die Frucht wird auch wohl mit Speck gebraten. Man nimmt alsdann grob geschnittne unreife Frucht, ge- schnittenes Graslauch, gekochten und in Wuͤrfel ge- schnittenen gesalzenen Speck, Muskatblumen, Kaneel und Salzwasser, kocht dies zusammen, und schuͤttelt es fleißig um. — Die reife Frucht mit Kernen und Haut in drey oder vier Theile geschnitten, mit Gurku- mey und Salz gekocht, ist ein gewoͤhnliches Essen ge- ringer Leute. Sie wird alsdann ohngefaͤhr wie gestobter Kohl, mit geraspelten Kokos gegessen. Wer es besser haben kann, thut spanischen Pfeffer und etwas von N 4 Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. gedoͤrrtem Fisch hinzu. — Gebratne Pollos werden folgendermaßen zugerichtet; man schneidet die unreife Frucht in duͤnne Scheiben, ruͤhrt Kokosmilch mit et- etwas Mehl zu einem Teige durch einander, tunkt die zusammengewickelten Pollosscheiben in diesen Teig und bratet sie hernach in einer Pfanne mit fri- schem Kokosoel. — Wenn zu diesen gebratnen Scheiben zerschnittenes Lauch, getrockneter Fisch, zer- schnittne und gebratne Zwiebeln und pulverisirter Ka- neel gethan, das Ganze bey gelindem Feuer in einem fla- chen Geschirre unter bestaͤndigem Zugiessen von Kokos- milch, gekocht wird, so heißt das Gericht Empade. — Fri- kadellen werden von Pollos so gemacht, daß die Frucht unreif gekocht und zu Brey gestampft und zerschnitne Zwiebeln, Kaneel, Pfeffer, Muskaten, Saltz, ge- stoßner Weizenzwieback, nebst dem Gelben vom Ey dazu gethan wird. Dies ruͤhrt man gut durcheinander, macht Kloͤße davon, rollt sie in Eyweiß, daß sie zu- sammenhalten, braͤt sie in Butter, oder auch wohl in Butter und Kokosoͤl zugleich, bis sie braun werden; zuletzt gießt man eine Bruͤhe von Butter, fein gestoß- nem Kaneel, Pfeffer, Salz und Zitronensaft daruͤ- ber. — Von den Kernen und den fleischartigen Haͤu- ten derselben, macht man bisweilen auch Konfect. Man schneidet alsdann die Haͤute, welche die Kerne umgeben, in zwey oder drey Stuͤcke, und braͤt sie in frisch ausgepreßtem Kokosoͤle. Das Oel wird hernach mit einem Handtuche wohl abgewischt, und die gebrat- nen Haͤute in ein Sieb gelegt, damit das Oel noch besser ablaufen moͤge; darauf werden sie in Syrup ge- kocht, getrocknet und in glaͤserne Flaschen, die aber wohl zugepfropft werden muͤssen, aufbewahrt. Dieser Confect haͤlt sich mehrere Monate und wird zum Thee Von der Brodfrucht. gegessen. Die Kerne werden auch, nachdem die flei- schigen Haͤute abgeloͤset, und die Kerne wohl gereini- get sind, in Oel gebraten und auf gleiche Art in Sy- rup gekocht, aufbewahrt, und ebenfalls zum Thee ge- geben; man kann auch die Flaschen oben mit Syrup vollgiessen, und sie sodann ein ganzes Jahr aufbewah- ren. — Wenn man reife Kerne in Kokosmilch mit dem Gelben vom Ey zu einer klebrigten Masse gemacht, tunkt, und in frischem Kokosoͤl braͤt, so wird dies Ge- richt Fios genannt. — Auch Pfannkuchen werden von der Brodfrucht gebacken; man ruͤhrt Surysaft, Kokosmilch, getrocknetes Mehl von den Kernen, und Eydotter zusammen, und laͤßt den Teig die Nacht uͤber stehen, daß er gaͤhrt. — Was die Ceyloner Pei oder Jambal nennen, ist ehe eine Sauce, als ein Gericht. Es wird auch nur zu andern Gerichten, zum Exempel zu Fischen, Reis und dergleichen, gebraucht. Man nimmt gekochte unreife Frucht, Senf und Gurkumey dazu, welches jedes fuͤr sich erst zu einem Brey ge- stoßen, und hernach mit Eßig wohl durch einander ge- mengt wird. Einige thun auch spanischen Pfeffer, Ingwer und Salz, vorher wohl zerstoßen und zusam- mengemischt, dazu. — Endlich trocknet man die Frucht auch wohl, um sie fuͤr die Monate, da man sie nicht frisch haben kann, aufzubewahren. Man pfluͤckt zu diesem Ende die Frucht, wenn sie halb reif ist, vom Baume, nimmt das Fleischartige heraus, und laͤßt sie dabey entweder ganz, oder schneidet sie in Stuͤcken. Darauf wird sie ein wenig gekocht, und sodann an der Sonne gedoͤrret. Hernach haͤngt man sie entweder im Schornsteine oder an einem andern trocknen Ort auf. Vermittelst dieser Zubereitung haͤlt sie sich das ganze Jahr uͤber, und die Armen essen sie N 5 Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. mit geraspelten Kokos, entweder so trocken, oder noch einmal gekocht. Ich bemuͤhete mich von den Baͤumen dieser so nuͤtzlichen Frucht einige lebendig mit nach Europa zu bringen. In dieser Absicht sammelte ich von der klei- nern Art, die keine Saamenkerne hat, ungefehr funf- zig lebendige Wurzeln, die ich in einen großen Bret- terkasten pflanzte, hatte auch das Vergnuͤgen, nach Verlauf einiger Wochen, sie ausschlagen und frisch wach- sen zu sehen. Von der groͤßern Art sammelte ich mehrere hundert Kerne, wovon ich in einem andern großen Kasten uͤber hundert saͤete, die bald aufgiengen, und sehr gut fortkamen. Die uͤbrigen Kerne verwahrte ich unterwegs auf verschiedene Art, damit sie nicht ver- trocknen, ranzig werden, oder auf andre Weise ver- derben moͤchten. Einige wickelte ich bloß in Papier, legte sie in einen Kasten, und brachte sie unterwegens verschiedene mal an die freye Luft; andre legte ich in große glaͤserne Flaschen, die ich sorgfaͤltig vermachte; sehr viele umklebte ich mit Wachs, um die Luft davon abzuhalten; andere legte ich in trockenen Sand, und wieder andere legte ich auf der Reise, monatlich einige, in die Erde, damit sie nach und nach aufgehen moͤchten. Allenthalben laͤngst der ganzen Kuͤste sieht man Kokoswaͤlder, die sich von Negumbo bis jenseit Mature erstrecken und eine unzaͤhlige Menge Baͤume enthalten, von deren Fruͤchten ebenfalls die Einwohner dieses Lan- des unglaublichen Nutzen haben. Die Waͤlder gehen jedoch nicht ins Land hinein, sondern halten sich am Strande, und lieben sandigen Boden, und die See- luft. Die Kokosbaͤume wachsen sogar nicht selten so nahe am Strande, daß sie sich ganz uͤber das Wasser neigen, und oft stehen sie in so kahlem Sande, daß da Von den Kokosnuͤssen nicht ein einziger Halm Gras wuͤrde wachsen koͤnnen. Die Blaͤtter dieses Baums bindet man um den Stamm, und bedient sich ihrer alsdann statt einer Leiter, um hinauf zu steigen, und die Fruͤchte abzunehmen. Auch sah ich an verschiedenen Orten einen Strick zwischen zwey Baͤumen befestigt, auf welchem die Ceyloner von dem einen Baum zum andern gehen. — Die Kokosnuͤsse sind bekanntlich die taͤgliche Nahrung der Indier. Naͤchst diesem Gebrauch preßt man aber auch eine große Menge Oel daraus. Die Nuß wird zu dem Ende, so wie sie vom Baume kommt, zwischen zwey Cylindern zerquetscht. So lange das Oel frisch ist, ist es sehr milde, und wird sowohl von den Europaͤern, als von den Indianern ans Essen, in den Lampen, und zu anderm Behufe gebraucht. Aus der faserigen Be- kleidung, welche die Nuͤsse umgiebt, werden uͤberall Taue und Seile, selbst zum Gebrauch auf den Schif- fen gemacht, und zwar, welches ich nicht fuͤr moͤglich gehalten hatte, dicke Kabeltaue fuͤr die hollaͤndischen Schiffe. Die Staͤmme selbst gebraucht man hier beym Wasserbau zu Pfaͤhlen, und man versicherte mich, daß sie hundert Jahre ausdauern koͤnnen ohne zu faulen, wiewohl mir dies kaum glaublich scheint. Maldivische Kokosnuͤsse, oder sogenannte See- kalappen ( Zeekalappers ) bekommt der hiesige Gouver- neur nebst andern Geschenken, durch Abgeordnete, all- jaͤhrlich von den maldivischen Inseln zugeschickt. Sie haben mit den gewoͤhnlichen Kokosnuͤssen große Aehn- lichkeit, der Kern aber, wird als ein wirksames Ge- gengift, und als ein gutes Arzeneymittel gegen die rothe Ruhr, die fallende Sucht und den Schlagfluß geruͤhmt; man nimmt ein halbes bis zum ganzen Quentchen da- von ein. Im Garten des Gouverneurs zu Paß, sah Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. ich einen solchen Kokosbaum. Er war aus einem von den maldivischen Inseln gekommenen Kerne, den man in die Erde gesteckt hatte, gezogen, und gut fortge- kommen. Er war jetzt im dritten Jahre, und hatte nur drey Blaͤtter. Die Nuß hatte acht Monathe in der Erde gelegen, ehe das erste Blatt hervorkam. In diesem Garten fand ich auch einen Arekbaum oder Arekapalme, die sehr hoch, aber ungewoͤhnlich duͤnn, und, welches etwas ganz besonderes ist, in zwey Zweige vertheilt war, deren jeder seine Blaͤtter- krone hatte. Die Melanzanaͤpfel ( Solanum melangena ) wer- den sowohl von Indiern als Europaͤern haͤufig gegessen. Man schreibt ihnen zugleich die Kraft zu, den Urin zu treiben, und die Blasensteine aufzuloͤsen. Die Frucht, welche man Tjeremelle nennt, wird im October und November reif; sie wird gesalzen gegessen. Die Marmellen werden ebenfalls im October reif. Das Inwendige dieser Frucht wird sowohl mit als ohne Zucker gegessen. Sie ist sehr schleimigt, daher die Hollaͤnder sie auch Slym Appels (Schleimaͤpfel) nennen. Die Bolangen werden reif mit etwas Zucker, un- reif mit Salz gegessen. Sie sind von der Groͤße einer Apfelsine. Panningai, ist die Frucht eines Palmbaums, der besonders um Jafna in großer Menge waͤchst. Sie ist laͤnglich, mondfoͤrmig, von Farbe beynahe wie ein Pisang, aber vielmal groͤßer. Sie schließt zwey, drey, und wohl noch mehr ganz harte Nuͤsse in sich. Gehoͤrig zubereitet schmekt sie dem, welcher gewohnt ist, sie zu essen, suͤßlich, wer aber nicht daran ge- woͤhnt ist, dem ist sie sehr unangenehm. Beym Auf- Botanische Nachrichten von Ceylon . machen stinkt sie. Wenn die Nuͤsse gesteckt, und die Herzblaͤtter aufgeschossen sind, wird sie unterwaͤrts abgeschnitten, und entweder gekocht mit Salz und Reis, oder allein gegessen, auch wohl zu Mehl ge- stampft, das wie anderes Mehl, besonderes aber zu Fischsuppen, gebraucht wird. Man kann sie auch getrocknet aufbewahren. Vom May bis zum Schluß des Jahres, koͤnnen diese Fruͤchte gegessen werden, und sie machen die vornehmste Speise der Malabaren aus. An den Baͤchen und an anderm Gewaͤsser in der Gegend von Columbo , traf ich haͤufig die Barringtonie ( Barringtonia ) an; sie hat große schoͤne Blumen, welche das Eigne haben, daß die Staubfaͤden gar nicht her- ausfallen. — Auch wachsen hier die juckenden Fa- solen, (eine Art Bohnen, Dolichos pruriens ) in Menge. Sie haben rauhe Schoten, und das Rauhe setzt sich, wenn man sie angreift, an die Haͤnde, und verursacht einen heftig brennenden Schmerz, den man mit Oel oder Decoct von Reis vertreibt. Die Bohnen sollen gegen die Wuͤrmer gut zu gebrauchen seyn. — Fer- ner fand ich hier zwey Arten von der Klapperschote ( Crotolaria ) naͤmlich die bohnenbaumblaͤttriche ( labur- nifolia ) und die stumpfblaͤttriche ( retusa ) an. Auf cin- galesisch heißen sie Jacheri. Sie haben gelbe Blu- men. — Man hat zum Theil geglaubt, dies Gewaͤchs sey die sogenannte Co umbowurzel ( Radix Columbo ), die man seit einigen Jahren nach Europa bringt, und als ein gutes Arzeneymittel empfiehlt. Diese kann aber weder die Klapperschote noch der Fischkoͤrnermohnsaa- men ( Menispermum cocculus ) seyn. Die Wurzel hat ihren Namen von der Stadt Columbo , von wo sie zu Schiffe nach Europa kommt. Aber so viel man Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. weiß, findet sie sich weder in der Gegend dieser Stadt, noch auf der ganzen Insel, sondern sie wird von der malaba- rischen Kuͤste hieher gebracht; die Klapperschote ist ein annuelles Gewaͤchs, dessen Wurzel daher keine medici- nische Kraft besitzen kann. Der Fischkoͤrnermohnsaa- men ist ein in den Waͤldern allenthalben wachsendes Rankengewaͤchs, dessen Wurzel ich verschiedne mal habe ausgraben lassen; ich fand aber keine Aehnlichkeit mit der Columbowurzel, weder im Geschmack, noch in der Groͤße, noch im aͤußern Ansehen; vielmehr ist sie sehr duͤnne und lang, und hat erhobne Streifen. Die weitschweifige Boerhaavie ( Boerhavia dif- fusa ) wird hier Jan Lopes genannt. Man muß sie aber nicht mit der Lopeswurzel ( Radix Lopes ) verwech- seln. Diese letztere wird von der malabarischen Kuͤste hieher gebracht; dies Jahr wurden fuͤr Rechnung der Compagnie ungefehr dreyhundert Pfund davon nach Europa geschickt. Die Moringawurzel ( Radix Moringa ) mit langem Pfeffer ( Piper longum ) gestoßen wird, wie bey uns Senfteich, aufgelegt, um Blasen zu ziehen. Sacsanda und Jermus sind zwey unter den cey- lonschen Aerzten sehr beruͤhmte Gewaͤchse. Sie sind in mehreren Ruͤcksichten verschieden. Das erstere ist die ostindische Osterluzey ( Aristolochia indica ) deren Wurzel in Branntwein gelegt bitter ist, den Magen staͤrkt und die Blaͤhungen vertreibt. Das letztere waͤchst in Ueberfluß, sowohl in den Sandebnen bey Co- lumbo , als um Mature und andrer Orten. Die Ge- stalt desselben zeigt hinreichend, daß sie zu der Ord- nung der Contortae gehoͤrt, und aller Wahrscheinlich- keit nach eine Gattung der Schlingen ( Periploca ) ist, welche eine giftige und reinigende Wurzel haben. Botanische Nachrichten von Ceylon . Man hat auf Ceylon auch eine Art Ipecacuanha, welche die Einwohner Binnuge nennen. Die Wurzel ist ein sehr gutes Brechmittel, aber von der amerikani- schen sehr unterschieden. Man soll sie in den Hospitaͤ- lern zu Columbo , Gale , Mature und Jafna mit Nutzen gebraucht haben. Die Dosis davon muß et- was groͤßer, als von der gewoͤhnlichen seyn. Man zeigte mir zwey Arten, die eine ist weiß und heißt Elle Binnuge; die andere sieht roth aus, und heißt Rat Binnuge. Diese letztere wird fuͤr die beste ausge- geben; die weiße ist fein und etwas faserig, die rothe etwas dicker. Beyde sind ebenfalls Gattungen der Schlingen, und kriechen entweder auf den Sandebnen fort, oder schlaͤngeln sich an den Buͤschen hinauf, welche in dem lockern Sandboden wachsen. Der Stinkbaum, bey den Hollaͤndern Strunt- hout (Struntholz), bey den Ceylonern Urenne, alles Namen, die diesem Baume von seinem widrigen Ge- ruche gegeben sind, waͤchst auf Ceylon haͤufig. Der Geruch, welcher sich in dem dicken Holze und den großen Zweigen aufhaͤlt, ist dem von Menschenkoth so aͤhnlich, daß man nicht den geringsten Unterschied mer- ken kann. Wenn das Holz geraspelt, und die Spaͤne mit Wasser angefeucht werden, ist der Gestank ganz unertraͤglich. Demungeachtet gebrauchen die Ceylo- ner es innerlich als ein heilsames Mittel: Fein geschabt und mit Citronensaft vermischt, nehmen sie es, als eine blutreinigende Arzney gegen die Kraͤtze, und an- dere langwierige Arten von Ausschlag, ein, schmieren sich auch aͤußerlich damit. Ich gab mir viel Muͤhe, Blumen von diesem Baume zu bekommen, um be- stimmen zu koͤnnen, zu welchem Geschlechte er gehoͤre; aber umsonst. Die Ceyloner, welche ich in dieser Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. Absicht weit in die Waͤlder landwaͤrts ein schickte, brachten mir nur einige Zweige ohne Blumen, woraus ich doch sah, daß der Baum weder die stinkende Anagy- ris ( Anagyris foetida ) noch der eigentliche sogenannte groͤßere Stinkbaum ( Sterculia foetida ) ist. Ich hatte auch einige kleine lebendige Baͤume in Kasten gepflanzt, und brachte sie auch wohlbehalten bis in den Kanal zwi- schen Frankreich und England ; hier wurden sie aber, nebst vielen andern seltnen Baͤumen und Gewaͤchsen von Sturm und Kaͤlte so ruinirt, daß sie ganz verloren giengen. Vom Holze nahm ich auch einige Stuͤcke mit; diese aber haben mit der Zeit ihren Geruch so ganz verloren, daß man gar nichts mehr davon spuͤrt. Ich lernte hier auch einen andern merkwuͤrdigen Baum kennen, den die Hollaͤnder Slangenhout (Schlangenholz), die Cingaleser Godagandu nennen, dessen Holz einen sehr barschen Geschmack hat. Das Holz wird nicht nur, als ein gutes Gegengift, wie auch wenn jemand von Schlangen gebissen ist, sondern in schlimmen hitzigen Fiebern gebraucht. Die Europaͤer lassen Becher daraus drechseln, welche sie voll Wein giessen, der in kurzer Zeit die Kraft aus dem Holze zieht, einen barschen Geschmack annimmt, und als ein magenstaͤrkendes Mittel gebraucht wird. Das Wasser zieht eine gruͤnliche Tinctur aus dem Holze. Vermuthlich ist dieser Baum das eigentliche oder wahre Schlangenholz ( Ophioxylum serpentinum ), wiewohl ich nicht Gelegenheit gehabt habe, Blumen davon zu sehen. Das Holz sieht wie Eichenholz aus, hat eben solche graue Farbe und viele kleine Loͤcher, durch welche in den daraus gedrechselten Bechern das Wasser sich durchseihet. Die Botanische Nachrichten von Ceylon . Die Flechten in der Haut ( Herpes ) werden hier mit den Saamenkapseln des lindenblaͤttrigen Eibisch ( Hibiscus tiliaceus ) vertrieben, indem man den Saft davon auf die ausgeschlagene Stelle streicht. Dieser schoͤne Baum wird zu Columbo und an andern Orten in Alleen gepflanzt; er bluͤhet mehrere Monathe nach einander, und giebt durch die veraͤnderte Farbe seiner Blumen viel Schmuck. Die Mungosschlangenwurz ( Ophiorrhiza Mungos ) ceylonisch Mendi, wird von den Indianern gegen den Biß der Schlangen; Blaͤtter und Rinde aber gekocht wie ein Decoct gebraucht. Auf der Reise nach Negumbo hatte ich ein Ver- gnuͤgen, welches ich jetzt am wenigsten erwartete, nem- lich die schoͤne zweyzeilige Burmannie ( Burmannia di- sticha ) zu finden, die ich fuͤnf Monathe hindurch sehr emsig gesucht, und welche aufzusuchen und mir zu ver- schaffen ich viele Cingaleser aufgemuntert hatte. Sie stand an den niedrigen und noch mit Wasser angefuͤllten Stellen im Walde, und hatte erst vor kurzem ihre kleinen Blumen geoͤfnet. Ich sammelte und trocknete davon soviel als ich hier fand, um diese Seltenheit so- wohl fuͤr meinen vortreflichen Goͤnner und Wohlthaͤter, Professor Burmannus selbst, als fuͤr andre meiner Freunde in Europa mitzunehmen. Die Ceyloner nen- nen sie Wilende Wenne. Zu Columbo brachte man mir Kardomom, der im Innern des Landes gezogen seyn sollte. Er bestand aus laͤnglichen, dreyeckigen Saamenkapseln, beynahe von der Laͤnge eines Zolls, mithin von demjenigen ganz verschieden, der auf der Insel Java gebaut wird. Blumen davon konnte ich nicht bekommen; ich haͤtte sie gern gehabt, um das Geschlecht bestimmen zu koͤnnen. Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyt. Th. O Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. Ich vermuthete indessen, daß es eine Art Alpinie ( Alpinia ) war. Vor meiner Abreise kaufte ich eine Menge getrok- neter Fruͤchte des Betelpfefferbaums, die hier wohlfeil verkauft werden, und welche man mit ansehnlichem Vortheile, wenigstens mit hundert Procent Gewinn, zu Cap wieder absetzt. Unterdeß die Sklaven und die Indier hier allenthalben frische Bettelblaͤtter genug zum Kaͤuen bekommen koͤnnen, muͤssen die Sklaven in jenen Laͤn- dern, wo das kaͤltere Klima die Cultur dieses Pfeffers nicht erlaubt, sich statt der Blaͤtter mit der Frucht behelfen. Die kletternde Schlangenzunge ( Ophioglossum scandens ), ein Rankengewaͤchs, das sich an den Baͤu- men hinauf schlingt, wird auf Ceylon an manchen Or- ten wie gemeiner Epheu gebraucht, um die Zaͤune, oder vielmehr Stakete, damit zu bedecken und gegen den Seewind zu schuͤtzen. Eigentlich Zaͤune hat man hier zu Lande nicht, sondern die Befriedigungen der Gaͤr- ten und Aecker bestehen nur aus duͤnnen Pfaͤlen oder Stangen, die dicht neben einander in die Erde geschla- gen sind, und diese laͤßt man mit jenem Kraute aus- wendig ganz bewachsen. Auf meiner Reise nach Mature sah ich an ver- schiednen Orten Hecken von Jarrakbaͤumen, (die schwarze Purgiernuß, Jatropha curcas ) um die Gaͤrten und Felder. Auf Ceylon waͤchst auch das Lackcroton ( Croton lacciferum ), besonders in den sandigen Gegenden um Columbo haͤufig. Das Harz dieses Strauchs wird hier bisweilen zum Lackiren gebraucht, nachdem man es in Spiritus aufgeloͤset hat. Botanische Nachrichten von Ceylon . Auf dieser Insel gebraucht man, so wie auf den saͤmtlichen Kuͤsten des festen Landes, die Blaͤtter der faͤchertragenden Weinpalme ( Borassus flabelliformis ), bisweilen auch die vom Talpat- oder Licualabaume, oder der Schirmpalme ( Licuala Spinosa, Corypha um- braculifera ) anstatt des Papiers. Die Weinpalme ist ein auf Ceylon sehr haͤufig wachsender Palmbaum, dessen Blaͤtter hier, wie anderwaͤrts, auch zu Faͤchern gebraucht werden. Die Licualapalme, welche seltner ist, hat sehr große Blaͤtter, und wetteifert in diesem Stuͤcke mit dem Kokosbaume selbst. Diese Blaͤtter, welche in Falten liegen, werden gegen die Spitze zu von einander gespalten, und alsdann uͤberall zu Regen- und Sonnenschirmen gebraucht. Ein solches Blatt, eine Klafter lang und ohngefaͤhr eben so breit abgeschnitten und mit verschiednen Zierrathen geschmuͤckt, heißt durchgaͤn- gig Talpat, welchen Namen auch der Baum selbst fuͤhrt, und wird, gerade wie ein Sonnen- oder Regenschirm, den vornehmen Indianern oder Europaͤern von einem Sklaven uͤber den Kopf gehalten und getragen. Ein einziges Blatt hat gemeiniglich eine solche Groͤße, daß sechs erwachsene Menschen Schutz vor dem Regen dar- unter haben koͤnnen. Diese schoͤne Palme waͤchst mit- ten in den Waͤldern, ist aber selten. Man kann sie mit Recht zu den hoͤchsten Baͤumen zaͤhlen, und sie wird noch hoͤher, wenn sie aus dem Blaͤtterwipfel in Blumen schießt. Die Huͤlse, welche die Blume alsdann umgiebt, ist sehr groß und wenn sie aufber- stet, giebt sie einen Knall, als wenn eine Kanone ab- geschossen wird. Hernach schießen die Zweige nach allen Seiten und auch in die Hoͤhe sechs und dreyßig bis vierzig Fuß weit. Die Frucht wird erst im folgen- den Jahre reif. Ich war so gluͤcklich, einen dieser O 2 Vierte Abtheilung. Vierter Abschnitt. Baͤume mit der Frucht zu sehen; da er aber schon das Jahr vorher gebluͤhet hatte, mußte ich auf das Ver- gnuͤgen, seine Blumen zu sehen und zu untersuchen, Verzicht thun. Der heilige oder Goͤtzenfeigenbaum ( Ficus reli- giosa ) hat seinen Namen davon, daß die Ceyloner ihn wie einen heiligen Baum ansehen und glauben, der Gott Budu ruhe unter demselben. Sie hauen daher solche Baͤume nie um. Auch thun sie unter denselben ihre heiligsten Geluͤbde und Versprechen. Wenn sie unter einem solchen Baume einen Eid abgelegt, oder einen Contract gemacht haben, so ist man sicher, daß sie ihn halten. Die Hollaͤnder nennen ihn Duyvels boom (Teufelsbaum), und die Ceyloner Boga. In Ceylon wachsen uͤbrigens auch verschiedne schoͤne und praͤchtige Blumen, als die Prachtlilie ( Gloriosa ), das umgebogne Kolbenmoos ( Lycopodium cernuum ), die Ixore ( Ixora ) und dergleichen mehr. Eines merkwuͤrdigen und fuͤr die Einwohner uͤber- aus nuͤtzlichen Baums muß ich noch besonders erwaͤh- nen, der den Namen Calaminder fuͤhrt. Dies ist ein sehr schoͤner Baum und das Holz ist zu allen Arten Tisch- lerarbeit vorzuͤglich brauchbar. Ich habe verschiedne sehr huͤbsche und saubere Meublen, als Bureaux, Stuͤhle, Tische, Sopha, Schraͤnke, Kaͤstchen und dergleichen in den Haͤusern der Hollaͤnder gesehen, die von diesem Holze gemacht waren. Gebohnt sind diese so glatt wie ein Spiegel. Das Holz ist so hart, daß man es mit scharfen Eisen nicht bearbeiten kann, son- dern es raspeln und beynahe schleifen muß. Selten haͤlt auch der Leim fest daran. Das Wort Calaminder heißt in cingalesischer Sprache schwarz geflammtes Holz, und dieser Baum wird deswegen so genannt, weil der Botanische Nachrichten von Ceylon . ganz inwendige holzartige Theil desselben weiße oder weißgelbe, und schwarze oder braune Adern, Streifen und Wellen hat, welches sehr schoͤn aussieht. In der Wurzel sind diese Wellen dichter und dunkler; je naͤher von der Wurzel daher ein Stuͤck genommen ist, fuͤr desto kostbarer wird es gehalten, denn hoͤher im Stamme hinauf werden die Stellen duͤnner und bleicher. Das Aeussere des Baums, wenigstens ein Drittheil, beynahe die Haͤlfte, taugt zu nichts, son- dern wird weggeworfen. Ameisen schaden dem Holze nicht. Den Baum selbst habe ich nicht zu sehen be- kommen. Er soll sehr groß und bisweilen so dick seyn, daß drey bis vier Maͤnner ihn nicht umspannen koͤnnen. An den Zweigen, die ich mir durch Ceyloner aus den tief im Lande befindlichen Waͤldern holen ließ, sah ich, daß es der Ebenbaum ( Diospyros Ebenum ), oder der- selbe Baum ist, von dem das schwarze Ebenholz kommt. Die Kaffeeplantagen auf Ceylon sind eben so als die auf Java ; der einzige Unterschied ist, daß man hier grosse Baͤume aus dem Geschlechte der Bignonie ( Bignonia ) zwischen die Kaffeestauden pflanzt, um ihnen einigen Schatten zu geben, und sie durch die Kro- nen dieser Baͤume gegen die allzu starke Hitze der Sonne zu schuͤtzen. Die hiesigen Kaffeebohnen sollen indessen den javanischen an Guͤte nicht gleich kommen. Reis wird auf dieser Insel, so wie auch auf den Kuͤsten Coromandel und Malabar , gebauet, jedoch nicht in der Menge, daß diese Laͤnder hinlaͤnglichen Vorrath davon haben. Auf den jetzt genannten Kuͤsten ist bis- weilen so großer Miswachs an Reis, und so große Hungersnoth, daß, besonders auf der malabarischen Kuͤste, Aeltern sich genoͤthigt sehen, ihre Kinder fuͤr eine O 3 Vierte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. einzige Metze Reis zu Sklaven zu verkaufen, oder wohl gar sie ganz weg zuschenken, um sie nur nicht Hungers sterben zu sehen. Fuͤnfter Abschnitt . Von den Edelsteinen und andern Mineralien in Ceylon . I n Ceylon nennt man gemeiniglich alle diejenigen Steine, Edelsteine, welche durchsichtig und so hart sind, daß sie durch Schleifen eine feine Politur annehmen. Ich habe sie nicht nur alle, nebst ihren hollaͤndischen, malabarischen und cingalesischen Namen, kennen ge- lernt, sondern auch eine Sammlung davon mit nach Europa gebracht, und will hier eine kurze Beschrei- bung davon mittheilen. Der rothe Turmalin, malabarisch Pani Ture- mali, ceylonisch Penni Turemali, ist ein ins Rothe fallender Quarz. Liegend sieht er dunkel aus und scheint undurchsichtig zu seyn, aber gegen das Tages- licht gehalten erscheint er bleichroth. Die Farbe ist meistens uͤberall gleich und selten an einer Stelle blasser oder dunkler als an der andern. Die groͤßten, welche ich bekommen habe, sind von der Groͤße einer Erbse; die meisten sind nicht groͤßer als Reiskoͤrner. Einige habe ich gesehen, die kristallisirt, aber fast alle schad- haft und unvollkommen waren; diese schienen unten vier gleiche Seiten zu haben, und eine vierseitige Py- ramide zu bilden. Die meisten dieser Steine sind von dem hin und herspuͤlen im Wasser geschliffen so, daß sie die Ecken und scharfen Seiten verloren haben. Der blaue Turmalin, malabarisch und ceylonisch Nile Turemali, ist nichts anders, als ein etwas ins Blaue fallender Quarz. Von den Edelsteinen ꝛc. in Ceylon . Katzenauge, malabarisch und cingalisch Wei- rodi, wird ein sehr harter Stein genannt, der bald mehr, bald weniger ins Weiße oder Gruͤne faͤllt, halb durchsichtig ist, in der Mitte einen Streif von der Breite einer Linie hat, welcher weisser ist, als der uͤbrige Stein, und sein Licht veraͤndert, je nachdem er nach dieser oder jener Seite gekehrt wird. In die- sem Stuͤcke hat er also Aehnlichkeit mit einem Katzen- auge, und davon hat er auch den Namen. Es ist uͤbrigens ein Pseudoopal. Der groͤßte, den ich gese- hen habe, war von der Groͤße einer Haselnuß; Es giebt ihrer aber viel kleinere. Roh scheinen sie keine eckige Seiten oder Merkmale von Krystallisation zu haben. Ihr Werth richtet sich nach der Groͤße und der Rein- heit. Einer wie eine Nuß groß, ohne Ritzen und an- dre Fehler, wird bisweilen mit funfzig, sechzig und mehr hollaͤndischen Thalern bezahlt. Sie werden erho- ben und laͤnglich geschliffen, ohne Flaͤchen, so, daß der Strich wo die Farben spielen, in die Mitte kommt, und hernach in Ringe eingefaßt, welche die Malabaren und Mohren tragen. Der weiße Kristall, malabarisch Wille Palingu, ceylanisch Sudu Palind, ist ein klarer Bergkristall ohne Farbe. Man findet ihn hier sowohl kristallisirt, als auch vom Wasser zu unebnen, zu flachen, zu lan- gen, und auch wohl zu Stuͤcken mit Vertiefungen ge- schliffen. Er sieht klar, bald mehr, bald weniger wasserfarben oder glaͤnzend weiß aus. Die Kleinen habe ich oft mit Grundflaͤchen und Seitenflaͤchen, als foͤrmliche Pyramiden gesehen. Die großen sind gemei- niglich vom Rollen im Wasser ruͤndlich geworden. Sie sind zum Theil sehr groß; man findet ihrer nicht selten solche, die zwey geballte Faͤuste groß sind. Man O 4 Vierte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. schleift Knoͤpfe an Westen und Brusttuͤcher, auch Steine zu Knoͤpfen an Unterhosen und zum Einfassen in Schuhschnallen daraus. Der Amethyst, malabarifch und cingalisch Scuandi, ist in der That nichts anders, als ein purpur- oder violettfarbner Bergkrystal, der aber in Ansehung des Grades, in welchem er gefaͤrbt ist, sehr verschiedne Sorten giebt. Man findet solche, die beynahe weiß sind, mit einer so geringen Tinctur von Violet, daß, wenn man sie allein saͤhe, man sie eher fuͤr Bergkristalle ansehen wuͤrde, besonders wenn man kein Kenner ist. Andre findet man, die nach einem Ende zu, andre nur in der Mitte, andre hin und wieder, und zwar in hoͤ- herem oder geringerem Grade farbig sind. Einige sind so dunkelfarbig, daß sie, wenn sie auf einem Tische liegen beynahe schwarz aussehen, und, gegen das Licht ge- halten, eine sehr schoͤne violette Farbe haben. Oft sieht man sowohl Flecken als Streifen, die blasser und stellen- weise dunkler sind. Sie brechen in verschiedener Groͤße, selten so groß, wie eine Wallnuß, meist nur ganz klein. Je groͤßer sie sind, desto blasser sind sie, und daher von weniger Ansehen und geringerem Werth. Die Kleinen haben gewoͤhnlich eine hoͤhere Farbe, sind aber doch eben nicht theuer, weil sie nur kleine Steine zum Schlei- fen geben. Am mehrsten gelten die, welche hoch tin- girt, ohne Ritzen und von einiger Groͤße sind. Je dunkler die Farbe in denselben ist, desto reifer, und im Gegentheil, je blasser, desto unreifer werden sie ge- nannt. Es ist ausser allem Zweifel, daß diese Ame- thyste fluͤßig gewesen, und daß sie vor der Kristal- lisation von einer violetten Farbe tingirt worden Von den Edelsteinen ꝛc. in Ceylon . sind, die sich mit dem Fluͤssigen, entweder zum Theil, oder uͤberall, vermischt hat. Einige findet man geruͤndet und beym Fortrollen im Wasser wie geschliffen; andre sind von unregelmaͤßiger Figur, auf allen Seiten gebrochen, oft mit tiefen und großen Ver- tiefungen. Einige haben sechs Seiten, die auch sechsseitig in eine Spitze zusammenlaufen. Ich habe keinen gesehen, der ganz vollkommen und unbeschaͤdigt war. Es ist etwas seltnes einen anzutreffen, der beyde Enden hat, wiewohl sie auch alsdenn allezeit von aͤußrer Gewalt gelitten haben. Einige haben ganz lange violette Streifen, mit weißen Streifen dazwischen. Aus den groͤßten werden gemeiniglich Knoͤpfe zu Westen, dergleichen man in Ostindien von weißem Kattun haͤufig traͤgt, und, aus den kleinen, Brusttuch- und Aermel- knoͤpfe gemacht. Wassersaphire, auch wohl weiße Saphire, ma- labarisch Wille Padjan, ceylonisch Sudu Padjan ge- nannt, sind abgeschliffne Stuͤcken des hellsten Berg- kristalls. Sie sind den weißen Kristallen sehr aͤhnlich, aber doch, gegen das Tageslicht besehen, nicht nur klarer sondern auch weißer; am meisten unterscheiden sie sich durch ihre Haͤrte, woran sie die Kristalle uͤber- treffen. Ich habe niemals eine dieser Steine bekom- men koͤnnen, der seine Seiten, Ecken und Spitze hatte; sondern alle waren sie vom Wasser zu unfoͤrmli- chen Stuͤcken gebildet, auch wohl platt und rund ge- schliffen, mit unebener, und mit kleinen eingedruckten Puncten angefuͤllter Oberflaͤche. Die groͤßten waren von der Groͤße einer Wallnuß. Diese sind viel theurer O 5 Vierte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. als Kristalle, und werden zu West- und Brusttuchknoͤ- pfen und zu Steinen in Schuhschnallen geschliffen. Der gelbe Kristall, malabarisch Manjel Palinge, cingalisch Kaha Patingu, ist ein heller Rauchtopas. Vermuthlich ist er einerley mit dem weißen Krystalle, nur mit dem Unterschiede, daß er in eine unangeneh- me gelbliche Farbe faͤllt. Kristallisirt habe ich ihn nie gesehen, sondern allezeit vom Rollen im Wasser schon zu runden Stuͤcken mit unebner Oberflaͤche geworden. Von diesem unterscheidet sich der braune Krystall, malabarisch und cingalisch Tillia Palingu, welcher ein rauchiger Bergkrystall, oder ein dunkler Rauchtopas ist, bloß dadurch, daß er schwaͤrzlich ist oder wie blasse, schwarze Tinte aussieht. Wenn er liegt, scheint er undurchsich- tig zu seyn; gegen das Tageslicht gehalten aber gerade durch durchsichtig. Diese Steine habe ich allezeit, vom Hin- und Herrollen das sie im Wasser erlitten, geruͤn- det gesehen, und zwar in so großen Stuͤcken, als eine große Haselnuß oder kleine Wallnuß. Die Ober- flaͤche ist uneben und rauh, und mit feinen eingedruͤck- ten Puncten und einer grauen Rinde besetzt, welche den Stein, wenn er ganz ist, bisweilen undurchsichtig macht, obgleich das Inwendige klar ist, wie man sieht, wenn man ihn entzwey schlaͤgt. Man schleift Knoͤpfe zu Bein- kleidern und anderm Gebrauche daraus. Die Hyacinthen sind kleine gelbbraune oder roͤth- liche Prismen, die so wie der Robal oft fuͤr Rubine aus- gegeben werden. Die eigentlich so genannten Topase, malabarisch Puresjeragen, ceylonisch Pusperagan, sind wahre To- Von den Edelsteinen ꝛc. in Ceylon . pase, brechen meist in gelblichen Splittern, und sind bald mehr, bald weniger dunkelfarbig. Der weiße Turmalin, welcher eigentlich Maturese Diamant genannt wird, malabarisch und ceylonisch Sudu Turemali, ist ein weißgelber Topas. Die Weiße ist nicht bey allen dieselbe, gewoͤhnlich ist er aber doch milchfarbig, so daß er nicht vollkommen durchsich- tig ist. Aus dieser Ursach wird er oft ausgebrannt, wodurch die Farbe vergeht, so daß er viel klarer wird, wiewohl er keine vollkommne Weiße erlangt. Gruͤne Turmaline, auch Maturese Diamanten, malabarisch und ceylonisch Patje Turemali, werden so- wohl Chrysolithen, die ein vierseitiges Prisma haben, als auch bisweilen Chrysoprase genannt. Der gruͤne Turmalin ist von dunkler Farbe, die bisweilen ins Gelbliche, bisweilen ins Blaͤuliche, bisweilen ins Gruͤnliche, am oͤftersten aber ins Schwaͤrzliche faͤllt. Manchmal ist er durchsichtig; manchmal mit einer un- durchsichtigen Oberflaͤche umgeben; manchmal ist er ganz undurchsichtig, sieht wie Schoͤrl aus, glaͤnzt im Bruche, und hat nicht selten knotige Lamellen mit vielen Ritzen in die Laͤnge und in die Breite. Einige findet man kristallisirt mit einer laͤnglichen Saͤule von vier gleichen Seiten und einer vierseitigen Pyramide. Gewoͤhnlich wird er schon etwas abgeschliffen und zer- brochen, in unfoͤrmlichen, bald dicken, bald duͤnnen Stuͤcken, die bisweilen von der Groͤße einer Wallnuß, bis- weilen aber so klein wie Koͤrnchen sind, gefunden. Der gruͤne, oder der Chrysopras ist schoͤn grasgruͤn, klar und durchsichtig, und man schleift allerhand dar- aus; dieser heißt eigentlich gruͤner Turmalin, obgleich Vierte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. dieser Name auch verschiednen andern Arten gege- ben wird. Den gelben Turmalin, welcher ebenfalls Matu- rese Diamant, malabarisch und cingalisch Kaneke Tu- remali heißt, und ein gruͤngelber Topas ist, wird von den Mohren auch wohl Turmalin Topas genannt, weil er dem eigentlichen Topase oft sehr gleich kommt. Von Ansehen hat er mit Bernstein viel Aehnlichkeit. Einige sind dunkelfarbiger oder beynahe brandgelb; andre sind blaßgelb; einige sogar weißgelb. Kristallisirt habe ich diese Steine nicht gesehen, sondern allezeit vom Rollen im Wasser geschliffen, und zwar von der Groͤße eines Reis- korns bis zu der Groͤße einer Erbse. Man schleift sie, um sie in Ringe zu fassen, und sie haben ein schoͤ- nes Ansehen. Der schwarze Kristall, malabarisch Karte Pa- lingu, cingalisch Kallu Palingu, wird theils in Kristallen, theils in zerbrochnen Stuͤcken angetrof- fen, und ist der elektrische ceylonsche Turmalin. Ei- gentlich ist es ein ganz schwarzer, scheinender und un- durchsichtiger Schoͤrl. Ost findet man ihn in unfoͤrm- liche Stuͤcke zerbrochen, die vom Rollen im Wasser zum Theil rund, zum Theil laͤnglich, geschliffen sind. Im Bruche ist er glaͤnzend, und faͤllt in schiefrige Stuͤcke, welche an den Kanten durchsichtig sind, und wovon ich einige so groß, wie eine Wallnuß, andre hingegen ganz klein, wie eine Erbse, gesehen habe. Einige bekam ich, wiewohl mit Muͤhe, die kristallisirt, jedoch nicht ganz unbeschaͤdigt waren, sechs ungleiche Seiten und eine dreyseitige, stumpfe Pyramide hatten. Hieraus werden Knoͤpfe geschliffen, die an Roͤcke, Westen und Von den Edelsteinen ꝛc. in Ceylon . Beinkleider in der Trauer getragen werden, und wie Knoͤpfe von Steinkohlen aussehen. Dieser Kristall ist sehr haͤufig, und weder theuer noch sehr geschaͤtzt. Ich konnte nicht merken, daß die Indier seine elektrische Eigenschaft kennen, auch geben sie ihm niemals den Namen Turmalin, womit sie im Gegentheil verschiedene andre Arten benennen. Robale, malabarisch Rauwa, ceylonisch Rawa, sind kleine dunkelrothe, undurchsichtige Granaten, dunkler als Rubine, aber nicht so hart. Liegend ist er fast ganz undurchsichtig, wenn er sehr dunkelfarbig ist. Meistens wird er in kleinen, abgerundeten und glatt gewordnen Stuͤcken gefunden. Er wird zu Steinen in Ringe geschliffen, und oft fuͤr Rubin verkauft. Der Kaneelstein, malabarisch und ceylonisch Ko- medegam, ist ein schoͤner braungelber oder gelbbrauner Granat. Den Namen hat er von seiner Farbe, welche einigermaßen wie die Farbe des Kaneeloͤls vom feinsten und besten Kaneel aussieht, aber doch nicht immer gleich, sondern bald mehr, bald weniger blaß oder hochbrandgelb ist. Man findet sie, unbeschaͤdigt, selten von betraͤchtlicher Groͤße, sondern gewoͤhnlich sind sie, auch die kleinen, sowohl der Laͤnge als der Breite nach gesprungen, welches verursacht, daß sie alsdann nicht klar sind, und zum Schleifen nicht taugen. Diese Ritzen oder feinen Borsten machen, daß sie in Wuͤrfel und schiefe Scheiben fallen. Bisweilen sehen sie fast wie Benzoegummi aus. Geschliffen geben sie schoͤne Steine, besonders zu Ringen, Halsbindenschnallen und dergleichen. Vierte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. Was die Hollaͤnder Rubin, die Malabaren Elin- ges Chogeppu, und die Ceyloner Lankaratte nennen, ist ein wahrer Rubin. Dieser Stein ist bald mehr bald weniger reif, das heißt nach indischer Art zu reden, von mehr oder weniger hoher Farbe. Der Amethyst ist violett, der Rubin aber roth, und zwar gemeiniglich blutroth. Je hochrother die Farbe, und je groͤßer, klarer und fehlerfreyer der Stein ist, desto groͤßer ist sein Werth. Von bedeutender Groͤße findet man ihn in- dessen hier selten, sehr oft nicht groͤßer als große Sand- koͤrner, Gestenkoͤrner und dergleichen. Je hoͤher die Farbe ist, desto klarer und durchsichtiger ist der Stein. Die unreifen sind nicht so klar, haben auch bisweilen dunklere Flecke oder Streifen. Einige von diesen letz- teren fallen beynahe ins Violette. Die meisten sind im Wasser gerollt, und theils rund, theils flach. Einige habe ich jedoch kristallisirt gefunden, und zwar mit acht Seiten, wovon vier breit und vier ganz schmal waren. Die Mohren sagen, daß dieser Stein an Haͤrte dem Diamant am naͤchsten komme, und schleifen ihn zum Einfassen in Ringe. Der blaue Saphir, malabarisch Nilem, cin- galisch N i le, ist ein wahrer blaͤulicher Saphir. Man findet ihn, wie andre ceylonsche farbige Steine, reif und unreif in sehr verschiednen Graden, das ist mehr oder weniger hochblau. Bisweilen sind sie so blaß, daß sie beynahe Wasserfarbe haben, selten sind sie dunkelblau. Sie sind doch mehr gleich gefaͤrbt, als die Amethyste, ohne so viele Flecken und Streife, ob- gleich sie oft blaue Flecken haben, und ich einen sah, der an dem einen Ende ganz hellblau und am andern dunkelblau war. Alle, die mir vorgekommen sind, Von den Edelsteinen ꝛc. in Ceylon . waren vom Umherspuͤlen im Wasser in runde und aller- hand andre Gestalten geschliffen. Einen bekam ich, der wie eine Haselnuß groß war; die meisten sind viel- mal kleiner. Sie werden geschliffen, und zu Knoͤpfen und in Ringen gebraucht. Die gruͤnen Saphire, malabarisch und cinga- lisch Patje Padian, sind gleichfalls wahre Saphire. Die Farbe ist hellgruͤn, bey einigen gruͤnlich, bey eini- gen auch blaß. Sie werden wie die Vorhergehenden geschliffen und gebraucht. Taripo heißt auf Ceylon ein weißer Stein, der vermuthlich nichts anders, als ein einfarbiger Quarz oder ein weißer Kristall ist. Seine Farbe ist entweder ganz weiß, oder etwas wasserfarbig, aber nicht so klar und durchsichtig, als beym Kristall, sondern mehr wie beym Quarz. Kristallisirt habe ich ihn nie gese- hen, sondern in unfoͤrmlichen Klumpen. Auch aus diesen schleift man Steine zum Einfassen. Aus diesen Beschreibungen erhellet, daß der Stein, welcher in Europa unter dem Namen Turma- lin, und seiner elektrischen Kraft wegen bekannt ist, bey den Indiern diesen Namen nicht fuͤhrt, sondern daß diese mit dem Namen Turmalin verschiedne Steine von unterschiedlicher Farbe und Klarheit bezeichnen, die nichts Elektrisches an sich haben. Die meisten dieser Steine habe ich den Hrn. Pro- fessor Bergmann mitgetheilt, der so gefaͤllig gewe- sen ist, mir ihre mineralogischen Benennungen mit- zutheilen. Die Mohren sind es hauptsaͤchlich, welche zu Co- lumbo , Gale und Mature diese Steine, sowohl roh, als geschliffen und eingefaßt, verkaufen. Ein Frem- der muß aber bey dem Handel mit ihnen sehr vorsichtig Vierte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. seyn, nicht nur deswegen, weil sie weit mehr, als sie gewoͤhnlich werth sind, dafuͤr fordern, sondern auch, weil sie den Kaͤufer oft mit Glasfluͤssen und daraus ge- schliffnen Steinen betruͤgen, die sie so schoͤn und kuͤnst- lich zu machen wissen, daß der, welcher nicht ein guter Kenner ist, sich leicht taͤuschen laͤßt. Alle diese Edelsteine, welche auf Ceylon , beson- ders im Lande Mature angetroffen werden, findet man in Thaͤlern und am Fuße der Berge in einer Mi- schung von Erde und fettem Thon. Oft findet man verschiedne Arten in einer und derselben Erde und am naͤm- lichen Orte. Manchmal werden sie auch durch starken Regen oder herabstroͤmendes Wasser von den Bergen herunter gespuͤlt, und alsdann in der Ebene auf der Oberflaͤche gefunden. An einigen Stellen findet man Steine ohne viele Muͤhe ein, zwey oder drey Fuß tief unter der Erde, dagegen man nach andern zwanzig und mehr Fuß tief graben kann. Die ausgegrabe- ne Erde legt man in einen großen Rohrkorb, und schlaͤmmt sie, da denn die Steine zum Vorschein kommen. Das Graben der Edelsteine in den um Mature liegenden Districten, wird jaͤhrlich im August fuͤr Rech- nung der hollaͤndisch ostindischen Compagnie an den Meistbietenden verpachtet. Fuͤr die Jahre 1777 und 1778 hat ein Mohr diese Pacht fuͤr hundert und achtzig Reichsthaler gehabt. Das Land, welches zum Graben der Steine verpachtet wird, liegt nicht immer in einer Strecke, sondern man sucht verschiedene Stuͤcke Landes die hin und wieder zerstreut liegen, und wovon man ge- funden hat, daß sie Edelsteine enthalten, dazu aus. Ehe die Verpachtung geschieht, werden diese Plaͤtze von Committirten der Compagnie besichtigt. Zu solchen Stuͤcken Von den Edelsteinen ꝛc. in Ceylon . Stuͤcken Landes gehoͤren oft die Gaͤrten der Cingaleser, welche alsdann nicht frey sind, sondern ebenfalls zum Gra- ben hergegeben werden muͤssen. Der nemliche Platz wird bisweilen mehr als einmal verpachtet, weil mehr Jahre nacheinander da gegraben werden kann. Gemeiniglich und am liebsten werden solche Plaͤtze genommen, die an den Bergen, besonders, um des Auswaschens willen, die welche zugleich nicht weit von Baͤchen liegen. Der Hauptpaͤchter verkauft hernach oft an verschiedene Andere die Freyheit, mit einer gewissen Anzahl Leuten zu graben, zum Exempel: fuͤr funfzehn Thaler an den, welcher mit zehn Mann, und so in Proportion an den, welcher mit fuͤnf oder mit zwanzig Mann graben laͤßt. Diese haben denn die Freyheit, das ganze Jahr hindurch, wo sie wol- len, zu graben, aber nicht mit mehr Leuten, als wofuͤr sie an den Hauptpaͤchter bezahlen. Wer die Freyheit zu graben gekauft hat, bezahlt auch die Arbeitsleute. Was man nach geschehenem Graben und Waschen be- kommen hat, wird am Schluße jedes Monats in einen Beutel gelegt, der alsdann versiegelt und dem Eigen- thuͤmer zugeschickt wird, welcher nun seine Steine aussucht und sortirt, und erwartet, wie viel sie ihm ein- bringen werden. Verschiedene von diesen Edelsteinen werden ganz roh nach Europa gebracht. Die meisten aber werden hier geschliffen, bisweilen auch gefaßt, und her- nach in Indien selbst verkauft. Das Schleifen ist ge- meiniglich die Arbeit der Aermeren unter den Mohren. Es geschieht auf einer bleyernen Scheibe und fuͤr sehr billigen Preis. Ich erhandelte nur von den Mohren die hier befindlichen Sorten nicht nur geschliffen, sondern Thundergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Td. P Vierte Abtheilung. Fuͤnfter Abschnitt. auch roh, um sie unter andern mineralogischen Samm- lungen aufzubewahren. Anfangs mußte ich sie sehr theuer bezahlen, besonders da ich damals aussuchte, hernach fand ich aber, daß ich sie, durch die Bank gekauft, viel wohlfeiler bekommen konnte. Einige andere ceylonsche Mineralien sind folgende. Eisenerz wird in Erde und Thon, die damit durch- wachsen sind, und zwar bisweilen ziemlich tief in der Erde gefunden. Es wird in Tiegeln uͤber Feuer, gegen wel- ches man zwey Blasbaͤlge spielen laͤßt, geschmolzen. Die Schlacken werden mit Zangen abgesondert, die beson- ders dazu gemacht sind, und die geschmolzene Masse wird in eine von Thon verfertigte Form gegossen, hernach wei- ter gereinigt, und zu allerhand Gebrauch geschmiedet. Glimmer ( Mica, cingalisch Mirinan) findet man in großen blaͤttrigen Stuͤcken. Die Blaͤttchen davon werden als Zierrath an den oben beschriebenen Talpatsen, das ist, von großen Talpatblaͤttern gemachten Regenschir- men, gebraucht. Wasserbley oder Reißbley ( Ferrum molybdaena, ceylonisch Kalu Miniran), wird mit Glimmer zusammen an einem und demselben Orte, am Fuße der Berge, in Thon, Lehm und rother Erde, oft sehr tief liegend, ge- funden. Man trifft es bisweilen auch allein im trocknen Erdreiche an. Der Stahlstein oder krystallisirte Schwefelkies haͤlt etwas Kupfer. Man schleift Knoͤpfe daraus. Sechster Abschnitt. Allerley andre Nachrichten von Ceylon ; Ein- wohner, Religion, Sitten und Gewohn- heiten, Sprache, Muͤnzen und dergleichen betreffend. D ie Kuͤsten rund um die ganze Insel Ceylon , ungefehr sechs oder mehr Meilen tief ins Land, gehoͤren ganz und gar der hollaͤndischen ostindischen Compagnie, und ste- hen unter einem Gouverneur derselben, obgleich das Land von den Cingalesern bewohnet wird, welche nach geen- digtem Kriege Unterthanen der Compagnie wurden. Das Innere, Mittlere und Gebirgige der Insel gehoͤrt dem Koͤnige oder Kaiser zu Candy , welcher jetzt von allen Seiten so eingeschlossen ist, daß er keinen Kaneel an fremde Nationen, auch nicht heimlich und durch Schleichhandel, verkaufen kann. Candy , die Hauptstadt des Kaisers von Ceylon und der ganzen Insel, liegt auf einer Hoͤhe fast mitten im Lande. Nicht weit davon liegt ein sehr hoher Berg, von dem eine noch hoͤhere Spitze emporsteigt. Dieser Berg heißt der Adamsberg , und die Spitze Adamsspitze ( Adams-Piek ), weil man glaubt, Adam, der erste Mensch, liege da begraben. Die Ceyloner stellen Wall- fahrten dahin an, und geben vor, daß Adams Fuß- stapfen da noch in der Erde eingedruckt zu sehen sind. Der Mohren, welche von den Kuͤsten des festen Landes nach Ceylon kommen, sind besonders zu Colum- P 2 Vierte Abtheilung. Sechster Abschnitt. bo, wo sie ansehnliche Handlung treiben, eine ziemlich große Anzahl. Sie sind meistens lang von Statur, schwaͤrzer als die eingebornen Insulaner und wohl gekleidet. Die Portugiesen haben hier, wie anderwaͤrts, waͤh- rend ihres Hierseyns sowohl die christliche Religion, als auch ihre Sprache einzufuͤhren gesucht. Die Hollaͤnder haben sich seitdem sie hieher gekommen sind, bemuͤhet, das Christenthum hier aufrecht zu erhalten. Zu diesem Ende sind von der Compagnie sowohl Kirchen als Schu- len fuͤr die Eingebornen und Sklaven beybehalten, auch Geistliche zu ihrer Unterweisung und zur Haltung des Gottesdienstes bestellt. Kurz vor meiner Ankunft war von der daͤnischen Mission zu Trankebar ein lutherischer Geistlicher nach Ceylon gekommen, um zu Columbo einige Predigten zu halten, besonders aber seinen hiesigen Glaubensgenossen das heilige Abendmal zu reichen, weil diese hier weder Kirche, noch einen eignen Prediger haben. Gewoͤhn- lich macht alle Jahr ein solcher Geistlicher die Reise von Trankebar hieher, aus Eifer fuͤr seine Religion, und aus Liebe zu seinen Glaubensverwandten, die gleich- wohl seine Muͤhe und Beschwerde nur sehr maͤßig beloh- nen. Einige legen hier der gedachten daͤnischen Mission großen Ruhm bey. Man hat mich versichert, daß, wenn die Katholiken mit eben so viel Sanftmuth, Leut- seligkeit und christlicher Liebe, als diese Missionaͤre thun, ohne Haabsucht, Herrschbegierde, Uebermuth und Ge- walthaͤtigkeit, die Lehre Jesu in Indien auszubreiten ge- sucht haͤtten, der groͤßte Theil der zahlreichen Einwohner Asiens jetzt Bekenner derselben seyn wuͤrden. Religion, Sitten, Sprache ꝛc. der Ceyloner. Die Heiden in Ceylon beten, wie andere oͤstliche Voͤlker Asiens , vorzuͤglich den Abgott Budha oder Budso an, dessen Bild man nicht nur in ihrem Tempel, sondern auch oft in ihren Haͤusern antrifft. Sie nennen ihn Deani Budu Hamdrue, das heißt, Herr Gott Budu. In den Tempeln bringen sie ihm allerley Opfer dar, wel- che zugleich die Einkuͤnfte der Priester ausmachen. Mit diesen Opfern bezeichnen sie oft ihre Beduͤrfnisse und An- liegen. Wenn einer oder mehrere in einem Hause krank geworden sind, so lassen sie duͤnne Silberbleche schmie- den, und daraus eine oder mehrere menschliche Figuren im Kleinen bilden, die sie dann auf den Altar des Budha legen. Hat jemand kranke Augen, so lassen sie ein Paar silberne Augen machen, und so weiter. Wenn sie aber seine Huͤlfe im Allgemeinen anrufen, so lassen sie die Figur des oben erwaͤhnten heiligen Feigenbaums oder auch die Frucht des Nierenbaums ( Anacardium ), die ihrer Meinung nach diesem Gotte besonders angenehm sind, von Silber verfertigen. Wenn die Priester eine Menge solcher Opfer zusammen gebracht haben, so schmelzen sie sie wieder ein, oder verkaufen sie nach dem Gewicht an die Goldschmiede. Ich hatte Gelegenheit verschiedene solcher Opferstuͤcke zu Kauf zu bekommen, so wie auch einen kleinen, von purem Silber verfertigten Hausgott Budha, der das harte Schicksal hatte, von seinem Besitzer an einen Europaͤer verpfaͤndet zu wer- den. Es traͤgt sich bisweilen zu, daß die aͤußerste Noth sie dazu treibt, ein solches Goͤtterbild zu verpfaͤnden; allein sobald sie nur einigermaaßen dazu kommen koͤnnen, loͤsen sie dergleichen Pfaͤnder richtig ein. Der Budha wird allezeit nach indischer Art, die Beine kreuzweise uͤber P 3 Vierte Abtheilung. Sechster Abschnitt. einander sitzend, eine Hand oben auf dem Kopfe, oder auch wohl beyde Haͤnde gefalten vor dem Leibe haltend, und mit langen, bis auf die Schultern reichenden Oh- ren abgebildet. In den Tempeln traf ich dies Bild bald von Stein, bald von Holz, und zwar von verschiedner Groͤße an. Die Mohren betragen sich in den hiesigen Moscheen sehr sittsam und anstaͤndig. Mit aͤußerster Ehrerbietung verrichten sie ihr Gebet; waͤhrend dem Beten drehen sie nicht einmal den Kopf im Geringsten zur Seite, ge- schweige daß sie mit einander sprechen sollten. Zu Columbo hat die Compagnie eine eigne Drucke- rey, in welcher verschiedene, meistens auf die christliche Religion Bezug habende Buͤcher gedruckt sind. Von diesen verschaffte ich mir einige, die ich hernach der Uni- versitaͤtsbibliothek zu Upsala einverleibt habe, als: Kort Begryp der christelyke Religie, in de Tamulsche Spraak, door Sigisbertus Abrahamß Bronsveld , Colombo 1754, 8. (Kurzer Inbegriff der christlichen Religion in ta- mulischer Sprache). Tamulsch Kindercatechismus, door Sigisbert Abrahamß Bronsveld , Colombo 1776, 8. (Tamulischer Kinderkatechismus). Evangelium Jesu Christi van Matthaeus, in de Mallabaarse Taal, Colombo 1741, 4. (Das Evangelium Matthaͤi in malabarischer Sprache). Evangelium Jesu Christi van Matthaeus, Marcus, Lucas ende Johannes, ende de Handelingen der Apostelen in de Tamulsche Taal, Co- lombo 1748, 4. (Die vier Evangelisten und die Apo- stelgeschichte in tamulischer Sprache). Die vier Evan- gelisten in cingalesischer Sprache, in 4., bekam ich ohne Titelblatt. Zestien Predikatien in de Tamulsche Taal, Religion, Sitten, Sprache ꝛc. der Ceyloner door Philippus de Vriest, Colombo 1747, 4. (Sech- zehn Predigten in tamulischer Sprache). Auch bekam ich hier Grammatica af. Singaleesche Taal-Konst, door Johannes Ruell , Amsterdam 1708, 4. (Gram- matik der cingalesischen Sprache). Das Baden in kaltem Wasser, besonders in der offnen See an einem Strande der vor Krokodillen sicher ist, ist sowohl unter den hiesigen Europaͤern, als auch vorzuͤglich unter den Indianern allgemein gebraͤuchlich. Wenn man am Nachmittage vor der Stadt spatzieren geht, sieht man Schwarze und Weiße, Alte und Junge, Freye und Sklaven, weiblichen und maͤnnlichen Ge- schlechts, zu Hunderten im Wasser plaͤtschern. Hiedurch geben sie dem Koͤrper die noͤthige Kuͤhle, und den durch die brennende Sonnenhitze geschwaͤchten Fibern neue Staͤrke. Man reiset in Ceylon in Tragsesseln oder sogenann- ten Palankinen. Ein Palankin ist mehr offen, als ein japanischer Norimon, auch in einigen andern Stuͤcken davon unterschieden, ob sie gleich in den meisten Ruͤck- sichten einander aͤhnlich sind. Die Bambostange, wo- ran er getragen wird, geht uͤber dem Dache oder der Decke her, und wird von mehreren Mohren, die unter- wegens einander abloͤsen, getragen. Man kann in einem solchen Tragstuhle nach Belieben sitzen und liegen. Er hat an allen vier Seiten Gardienen, damit man sich gegen die Hitze der Sonne verwahren kann. Gewoͤhn- lich reiset man mit sechs oder zwoͤlf Traͤgern. Die Vornehmen unter den Ceylonern , imgleichen die Hofleute zu Candy , und die Kaiserlichen Abgesand- ten an die Hollaͤnder, tragen lange goldne Ketten um P 4 Vierte Abtheilung. Sechster Abschnitt. den Hals, die bis auf die Brust, und wohl gar bis auf den Unterleib herabhangen. Dergleichen hatten unter andern die Abgesandten, welche zu meiner Zeit nach Columbo kamen. Auch giebt der Koͤnig dergleichen als ein Ehrengeschenk dem hollaͤndischen Ambassadeur und dessen Secretair, wenn sie zu Candy ankommen. Diese Ketten bestehen nicht aus Gliedern, sondern aus run- den Kugeln, die inwendig hohl, uͤberall durchbrochen, und wie die feine Drathfaͤdenarbeit der europaͤischen Gold- und Silberarbeiter, von Golddrath geflochten sind. Die Kugeln werden, wenn eine Kette daraus gemacht werden soll, entweder auf eine seidne Schnur oder auf Golddrath, so lang als man die Kette haben will, an einander gereihet. Eine solche Kette ist sehr leicht und wohl gearbeitet, und sieht sehr schoͤn aus; kommt aber wegen ihres geringen Gewichts nicht viel hoͤher als zwan- zig, dreyßig bis vierzig Pagoden, die Pagode zu einem Dukaten gerechnet, zu stehen. Die Kleidung der in Ceylon sich aufhaltenden Mohren sieht beynahe wie ein weiter Damenanzug aus, ist gewoͤhnlich von weißem Cattun, sehr weit, und um den Leib in Falten zusammengelegt, und mitten uͤber den Leib mit einem Guͤrtel von weißem bauwollenen Zeuge, der an der rechten Seite geknuͤpft wird, zu- sammengebunden. Auf dem Kopfe tragen sie einen Turban. Die Ohren schmuͤcken sie gewoͤhnlich mit langen goldnen Ohrgehaͤngen, die auf verschiedne Art gearbeitet sind. Einige sind schlicht, andre gewunden; in andre sind rothe, blaue oder gruͤne Edelsteine gefaßt; einige sind sehr groß, zum Theil einen Finger lang, andre hingegen klein. Bisweilen tragen sie in jedem Ohre ein solches Gehaͤnge, bisweilen ihrer mehrere, bisweilen fuͤnf bis sechs, so daß durch die Schwere der- Religion, Sitten, Sprache ꝛc. der Ceyloner. selben das Loch im Ohre und der Ohrlappen gar sehr verlaͤngert wird, und das Ohr wohl bis auf die Schul- ter herabreicht. Viele lassen in diese Ohrringe, eine kleine runde, mit kleinen rundlichen Erhabenheiten be- setzte Frucht fassen, die der Sage nach, auf einem hei- ligen Berge im Lande Kaschi waͤchst. Die Frucht heißt Uteratie, und ist gemeiniglich so groß, wie eine kleine Erbse, manchmal aber auch wohl wie eine Flintenku- gel. Einige glauben in den Loͤchern und Falten der- selben gleichsam sieben menschliche Gesichte zu sehen; alsdenn ist sie von hohem Werth, und wird von den Vornehmen und Reichen mit zweyhundert Thalern be- zahlt. Sobald die Kinder drey Jahr alt sind, wird ihnen ein kleiner Ohrring zum Schmuck gegeben. Ei- gentlich sind es nur die Reichen, welche viele Gehaͤnge in den Ohren tragen, so, daß man aus der Beschaf- fenheit, Groͤße und Menge der Ringe auf den groͤssern oder geringern Reichthum derselben schliessen kann. Unter den mancherley Arten Kattun und Sitse, die aus Malabar und Coromandel hieher kommen, schienen mir die von Suratte und Bengalen , und na- mentlich die letztern, die allerschoͤnsten zu seyn. Von Tutucorin sah ich auch solche, die nicht gedruckt, son- dern worauf die Blumen, wie auf Tapeten, mit dem Pinsel gemahlt waren. Es ist unglaublich, zu welcher Feinheit die Baumwolle auf den indischen Kuͤsten ge- sponnen wird. Ich hatte Gelegenheit, baumwollene Zeuge zu sehen, die so fein waren, daß ich ein halbes Dutzend Hemden davon in eine Hand ganz von allen Seiten zusammen fassen konnte. Auf Ceylon giebt es, so wie in ganz Indien eine Menge giftiger Thiere, Saͤfte und Fruͤchte. Dage- gen sind die Einwohner auch mit sogenannten Gegen- P 5 Vierte Abtheilung. Sechster Abschnitt. giften reichlich versehen. Dahin gehoͤrt das Schlan- genholz ( Lignum colubrinum ), die Schlangenwurzel ( Ophiorrhiza ) und die Mungobohne ( Phaseolus Mungo ). Die Mohren rechnen auch das Rhinoceros- horn dazu. Besonders muß ich hier von den Schlan- gensteinen etwas sagen. Man hatte mir von ihrer Wirkung gegen den Schlangenbiß so viel geruͤhmt, daß es mir sehr wichtig war, mich bey den Malabaren ge- nau darnach zu erkundigen, und auch die Zubereitung und Verfertigung derselben zu erfahren. Man brachte mir oft solche Steine, hielt sie aber lange in ziemlich ho- hem Preise. Als ich aber endlich keine mehr kaufen wollte, und andre Abnehmer auch selten waren, bekam ich sie so wohlfeil, daß ich hernach zu Cap meinen Freunden das Stuͤck fuͤr einen Thaler uͤberlassen konnte. Der Stein ist durch Kunst gemacht, groß, und beynahe von der naͤmlichen Gestalt als eine Bohne, obwohl Groͤße und Figur selten gleich sind. Gemeiniglich ist er ruͤndlich, oder ein wenig laͤnglich rund, mit stumpfen Kanten, auf der einen Seite fast ganz platt, und auf der andern etwas erhoben. Er wird aus einer zu Asche gebrannten Wurzel gemacht, welche mit einer gewissen Art Erde, die man bey Diu findet, vermischt, hierauf abermals gebrannt, sodann zu einem Teige gemacht, und die- sem die Figur, welche der Stein haben soll, gegeben, und zuletzt an der Luft getrocknet wird. Nicht alle ha- ben einerley Farbe; die, welche am meisten gebrannt sind, sehen mehr hellgrau, die andern mehr dunkelgrau aus; gewoͤhnlich sind sie schwarz und grau gefleckt. In- wendig hat der Stein feine Loͤcher, oder Zwischenraͤume, die man aber doch nicht selten mit bloßen Augen sehen kann. Zugleich ist er so zerbrechlich, daß er in Stuͤk- ken faͤllt, wenn man ihn auf einen Stein fallen laͤßt. Religion, Sitten, Sprache ꝛc. der Ceyloner. Wenn man von einer Schlange gebissen wird, so legt man einen solchen Stein auf die Wunde, bindet ihn darauf fest, und laͤßt ihn so lange liegen, bis alle Zwi- schenraͤume des Steins mit dem ausgezognen Gifte an- gefuͤllt sind. Man sagt, er falle dann von selbst ab, wie ein Blutigel der sich vollgesogen hat; und wenn man ihn sodann in suͤße Milch legt, glaubt man, daß das Gift wieder heraus ziehe, worauf man den Stein von neuem auf die Wunde legt, wenn man meint, daß noch Gift darin sey. Fein geschabt, und in Wein eingenommen, soll er bey hitzigen- und Faulfiebern große Heilkraͤfte aͤussern. Man erzaͤhlte mir, daß es auch falsche, nachgemachte Schlangensteine gebe, die gar keine Arzeneykraft haben. Die Kennzeichen der aͤchten Schlangensteine sind: daß sie am Gaumen, und, wenn man warm ist, auch an der Stirn festkleben, und im Wasser gelegt, nach Verlauf einer kurzen Zeit ver- schiedne kleine Wasserblasen aufsteigen lassen. Wie auf der Kuͤste des festen Landes von Ostin- dien , so bedient man sich auch auf der Insel Ceylon , der Blaͤtter der Borassuspalme, bisweilen auch der vom Talpatbaume (um drauf zu schreiben, wie bereits er- waͤhnt) statt Papiers. Die Indier machen naͤmlich nicht wie ihre oͤstlicher wohnenden Nachbaren, ihr Pa- pier aus Baumrinde, sondern schreiben auf Blaͤtter. Man legt die Blaͤtter jener beiden Arten Palmbaͤume zu diesem Ende in Falten wie einen Faͤcher, und die hiedurch sich bildenden Streife, beduͤrfen keiner wei- tern Bereitung, als daß sie mit einem Messer von einander getrennt und an den Seiten gerade geschnitten werden. Auf diese Blaͤtter-Streife, schreibt man statt der Feder, mit einem spitzigen eisernen Griffel, mit welchem Vierte Abtheilung. Sechster Abschnitt. die Buchstaben eingeritzt oder eingegraben werden. Damit das Geschriebne hernach desto besser zu lesen sey, werden pulverisirte Kohlen, oder sonst etwas Schwarzes, daruͤber gestrichen, so daß die Buchstaben voͤllig wie in Kupfer gestochen aussehen. Die Spitze eines solchen Griffels ist entweder in einen messingnen Stift einge- faßt, den man in einem hoͤlzernen Futteral traͤgt, und der bisweilen eine Viertelelle lang ist; oder der ganze Griffel ist von Eisen und aus einem Stuͤcke, und zu- gleich mit einer Messerklinge versehen, womit man die Blaͤtter schneiden kann, da denn sowohl der Griffel als das Messer in einem gemeinschaftlichen Stiel eingesetzt sind, worin man sie umlegen und bey sich tragen kann. Auf solche Streife von Blaͤttern werden alle Briefe, die Befehle der Fuͤrsten und dergleichen geschrieben, und offen und unversiegelt weggeschickt. Wenn ein einzi- ger Streif nicht hinreicht, so legt man mehrere zusam- men, und reihet sie, vermittelst eines an dem einen Ende hinein gemachten Lochs und einer hindurchgezog- nen Schnur, auf. Wenn ein Buch zum Gebrauche im Tempel, oder zu anderm Behuf gemacht werden soll, so sucht man recht breite und schoͤne Streife von Talpatblaͤttern aus, auf welchen die Schrift sehr schoͤn und genau eingeritzt, und auch verschiedne Figuren zum Zierrath hinzugefuͤgt werden. Darauf werden die saͤmtlichen Streife mit zwey Loͤchern durchbohrt, auf eine schoͤne und kuͤnstlich gemachte Schnur gereihet, und mit zwey hoͤlzernen Seitendeckeln statt des Bandes versehen, die hernach lackirt werden. Vermittelst der Schnur werden die Blaͤtter dicht und eben zusammen gehalten, und wenn man das Buch gebraucht, kann man sie durch Ausziehung der Schnur nach Gefallen aus einander nehmen. Ein Buch dieser Art, das, Allerley andre Nachrichten von Ceylon ꝛc. wie man mir gesagt hat, verschiedne Gebete enthaͤlt, hatte ich, durch Graf Ranzows Vermittelung, Gelegen- heit mir von einem ceylonschen Priester zu verschaffen. Auf Erlernung der ceylonschen und der malaba- rischen Sprache einen Theil meiner kostbaren Zeit zu verwenden, dazu war mein Aufenthalt in diesem Lande zu kurz. Ich bemerkte indessen doch, daß diese bey- den Sprachen sehr unterschieden sind, und von einan- der eben so sehr abweichen, als die Sprache der Moh- ren von Beyden. Von der malabarischen Sprache kann ich hier wenigstens die Zahlwoͤrter mittheilen. 1. Unnu, undu. 2. Rendu, rindu. 3. Mundu. 4. Nalu. 5. Anji, anju. 6. Aru. 7. Elu. 8. Ettu, ittu. 9. Ombedu. 10. Pattu. 11. Pattinendu. 12. Pattirendu. 13. Pattimundu. 14. Pattinalu. 15. Pattinanju. 20. Iruedu. 21. Iruedondu. 30. Muppedu. 40. Natpedu. 50. Anbedu. 60. Aruedu. 70. Eluedu. 80. Enbedu, aymbedu. 90. Tonnuru, imbedu. 100. Nuru, nur. 101. Nutcondu. 200. Irnur. 300. Munur. 1000. Ayrem, ayrim. 10000. Patairim. Da zu Columbo mit der ganzen Kuͤste des festen Landes von Indien ein ausgebreiteter Handel getrieben wird, und auch eine Menge Mohren des Handels we- gen sich hier aufhalten, so war es mir leicht, verschie- dene theils gangbare, theils seltene, indische Muͤnzen zu bekommen. Unter den ceylonschen Muͤnzen ist eine, die in Ansehung ihrer Gestalt etwas besonders hat und, auf Ma- labar und Coromandel zugleich, gaͤng und gebe ist. Der Kaiser zu Candy laͤßt sie schlagen; sie ist von verschiedner Vierte Abtheilung. Sechster Abschnitt. Groͤße und verschiednem Werth, heißt aber durchgaͤn- gig Laryn. Sie besteht aus einem gehaͤmmerten sil- bernen Cylinder, der in der Mitte zusammen gebogen, und an beyden Enden wie ein Haken gekruͤmmt ist. Das obere Ende ist mit einigen Buchstaben, Sternen oder andern eingegrabnen Figuren bezeichnet. Eins von den Exemplaren, welche ich mir einwechselte, ko- stete zehn, ein anderes, kleineres, neun hollaͤndische Stuͤ- ber, beyde sind von feinem Silber. In einigen Gegenden der Insel wird eiue Art Kupfergeld aus der Erde gegraben, das kleiner aber etwas dicker, als ein gewoͤhnlicher Pfennig, und mit einem Bilde nebst malabarischen Buchstaben bepraͤgt ist. Man glaubt, es sey malabarische Muͤnze, die ehedem hier gangbar gewesen. Unter den geringen und armen Leuten circuliren viele von den großen sowohl als kleinen Pfennigen, welche die Compagnie schla- gen laͤßt, und zwar von derjenigen Gattung, die auf einer Seite das Wapen derselben hat. Im Handel und Wandel zwischen den Europaͤern und Indiern sind goldne und silberne Rupien und Pa- goden die gebraͤuchlichsten Muͤnzsorten. Von den Rupien giebt es hier verschiedene Sorten, die von meh- reren Fuͤrsten geschlagen sind; auch hat man halbe, und noch kleinere Stuͤcke davon: Pagoden, die man im oͤstlichen Indien selten antrifft, sind hier sehr all- gemein; es sind fast die einzigen Muͤnzen, die ein Bild haben. Das Gold, woraus sie gepraͤgt wer- den, hat etwas Zusatz von Kupfer. Sie halten fast genau einen Dukaten, und gelten zwey Reichsthaler und einen Schilling hollaͤndisch. Auf einer Seite sind sie erhoben, auf der andern etwas flach, ohngefaͤhr wie ein Brustkuchen gestalltet. Auf der einen Seite Allerley andre Nachrichten von Ceylon ꝛc. sieht man ein Bild, auf der andern, naͤmlich bey den- jenigen Stuͤcken, die am meisten nach hollaͤndischen Comtoiren gehen, nur einige erhabne Punkte, bey denen aber die im Handel nach englischen Comtoiren gehen, einen Stern. Man muß sich bey diesen Pa- goden sorgfaͤltig fuͤr Betrug in Acht nehmeu, denn sie werden haͤufig verfaͤlscht, und die Falschen, welche stark vergoldet sind, lassen sich nicht leicht anders als durch den Klang, von den aͤchten unterscheiden. Pagoden mit der Figur eines Elephanten sind unge- mein rar; sie werden fuͤr sehr alt ausgegeben, sind groͤßer als die gewoͤhnlichen, und bestehen aus feinem Golde. Die massulipatnamschen Pagoden, welche von Coromandel hieher kommen, sind auch mit drey Figuren bezeichnet; man hat sie ganz, und auch, so- gar bis zu Achttheilen, getheilt; auch diese sind von feinem Golde. Die mangalorschen Pagoden sind von zweyerley Art; die eine ist alt, und hat auf der Ruͤckseite Buchsta- ben; die andre cursirt noch jetzt, und hat einen Mond auf der Ruͤckseite, auf der Hauptseite aber zwey Bilder; es giebt ganze und halbe; sie sind ebenfalls von feinem Golde. Die sowohl hier, als auch auf den Kuͤsten Malabar und Coromondel gangbare Scheidemuͤnze, besteht entweder aus ganz kleinen, goldnen und sil- bernen Muͤnzen, die Fanum heißen, oder aus Ku- pferpfennigen von unterschiedlicher Groͤße, die auf den von den Europaͤern errichteten Handelscontoiren geschlagen sind. Die Fanum sind alle klein und duͤnn, die goldnen mit etwas Kupfer vermischt. Verschiedne Fuͤrsten auf dem festen Lande lassen sie schlagen. Sie sind auf beyden Seiten mit verschiednen Strichen und Punkten bezeichnet. Ihr Werth ist ungleich, und richtet sich nach Gehalt und Groͤße. Unter dem Kupfergelde sind Vierte Abtheilung. Sechster Abschnitt. ꝛc. verschiedne, von den Hollaͤndern, Englaͤndern, Franzosen und Daͤnen gepraͤgte Sorten, von ungleicher Groͤße, Dicke, Gepraͤge und Werth. Einige kleine silberne Muͤn- zen circuliren hier auch, die zu Madras , Pondichery und Trankebar geschlagen sind. Diese alle ausfuͤhrlich zu beschreiben, wuͤrde zu weitlaͤuftig seyn; vielleicht theile ich einmal in Zukunft dem Publicum eine eigne Be- schreibung der ostindischen Muͤnzen mit. Von Mala- bar werden auch zwey Arten bleyernes Geld, das etwas groͤßer ist, als das javanische, hieher gebracht; die eine Art hat ein rundes, die andre ein viereckigtes Loch in der Mitte. Von eben daher kommen auch zwey Kupfer-Muͤnzen Dudu und Baisa genannt; die eine ist groͤßer die andere kleiner, beyde aber sind auf einer Seite mit der Figur eines Elephanten bezeichnet. Fuͤnfte Fuͤnfte Abtheilung . Ruͤckreise nach Schweden , vom 28sten Ja- nuar 1778 bis den 14ten Maͤrz 1779. Erster Abschnitt. Reise von Ceylon nach Holland . A m 28sten Januar 1778 reisete ich von Columbo ab. Ich nahm den Landweg nach Gale , und zwar in Gesellschaft des Polizeysecretairs Belling , welcher die Briefe dahin brachte, die mit den zur Ruͤckreise nach Europa fertig liegenden Schiffen abgehen sollten. Der Hafen von Gale wird durch die Festungs- werke der Stadt beschuͤtzt. Er kruͤmmet sich in eine Bucht, weshalb das Ein- und Auslaufen beschwerlich ist. Alle nach Europa und Indien gehende Schiffe, muͤssen ihre letzte Ladung hier einnehmen, und von hier aus abseegeln. Am 6sten Februar gieng ich nebst mehreren Passa- gieren an Bord des Schiffes Loo, welches vom Capi- tain Cock , einem gebornen Norweger, gefuͤhrt wurde, unter Seegel. Die Ladung bestand in ungefehr funf- zehn hundert Ballen Kaneel von der eignen Erndte der Compagnie, etwas Kaneel von Candy , einer Menge Ballen weißer baumwollner Zeuge von Suratte und Tutucorin , und Pfeffer von der malabarischen Kuͤste. Thunbergs Reisen. Zweyt. Band. zweyter Th. Q Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Die Officiere hatten einige und dreißig Sklaven mitgenommen, die sie hernach zu Cap mit ansehnli- chem Gewinn verkauften. Diese ware alle vom maͤnn- lichen Geschlechte, die meisten von der Kuͤste Malabar , und nur einige wenige Pampusen mit krausem Haar darunter. Ich als Arzt mußte genau untersuchen, ob sie auch alle die Pocken und Masern gehabt hatten, und eben so sorgfaͤltig mußte ich auch unterwegens acht haben, ob sich etwa die eine oder andere dieser beyden Krankheiten bey ihnen zeigte. Waͤre dies der Fall gewesen, so haͤtte das Schiff, bey der Ankunft am Cap , bey Robben- eyland vor Anker gehen, und foͤrmlich Quarantaine halten muͤssen, so daß, vor Ablauf von 40 Tagen Nie- mand von uns haͤtte ans Land kommen duͤrfen. Man fuͤrchtet sich nemlich am Cap eben so sehr vor Pocken und Masern, als vor der Pest; und gleichwohl macht man gar keine Anstalten zur Einimpfung! Unsre Fahrt gieng von Gale aus mit guͤnstigem Winde von statten; am 11ten Februar passirten wir den Aequator, und am 16ten Maͤrz den Wendezirkel des Steinbocks. Als wir zwischen dem 30sten und 35sten Grade suͤdlicher Breite waren, hatten wir sehr oft Donnerwet- ter mit Regen, Hagel oder Schnee, welcher jedoch so- gleich schmolz. Einmal sahen wir waͤhrend eines Ge- witters an der Spitze des vordersten Mastes eine electri- sche Flamme. In diesen Gegenden war es auch, wo verschiedne Naͤchte nach einander mehrere lange Leuchtwuͤrmer oder Glanzasseln ( Scolopendra electrica ) auf das Verdeck her- unterfielen. Sie kamen immer von derselben Seite als der Wind, und fielen auch auf eben der Seite nieder. Gewiß war es auch der Wind, der sie herabwehete, und Reise von Ceylon nach Holland . folglich kamen sie keinesweges von den Seegeln, son- dern von den Masten und Stangen. Wenn sie zer- treten, oder sonst auf andre Art auf dem Verdecke zer- querscht wurden, so sah man allezeit ein phosphorisches Feuer so weit sich der zerdruͤckte Wurm erstreckte. Merkmale von Fluͤgeln konnte man an diesen Wuͤrmern nicht entdecken, sondern ohne Zweifel kriechen sie mit ihren vielen Fuͤßen an die Masten hinauf, von wo sie hernach, wenn der Wind stark wehet, herunterfallen. Den 22sten April zwischen 45 und 46 Grad Breite, nicht weit ostwaͤrts vom Vorgebuͤrge der guten Hoffnung , sahen wir Mittags einige wenige Minuten nach 12 Uhr einen auf der Oberflaͤche des Wassers selbst liegenden Regenbogen; der Wind wehete stark, und die Sonne hatte ihren hoͤchsten Stand am Himmel in Nordnord- westen, und der Regenbogen war in Suͤdsuͤdosten. Er fieng am Horizonte selbst mit einem hellen Zirkelab- schnitte an, welcher sich allmaͤlig mehr und mehr erhob und zugleich nach den Seiten ausbreitete, und ganz oben einen schmalen dunkelrothen Rand bekam. Von den beyden Enden des Bogens erstreckten sich zwey Ar- me, wie zwey Hoͤrner, die sich einwaͤrts bogen, und Zweydrittheil ihrer Laͤnge weit, sich zwischen der Erd- flaͤche und dem Schiffe ausdehnten, und mit sehr ange- nehmen Farben, Roth, Gelb, Gruͤn und Purpur- blau, prangten. In dieser Stellung blieb er eine halbe Viertelstunde, worauf er in umgekehrter Ordnung allmaͤlig verschwand. Auf der oͤstlichen, oder linken Seite, sah man einen andern Regenbogen, mit Farben in entgegenstehender Folge; dieser war daher weiter nichts als eine Wirkung der von jenem wirklichen Bo- gen zuruͤckgeworfenen Stralen; oberwaͤrts war er nicht sehr hoch, stand aber doch hoͤher, als das Segment des Q 2 Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. ersteren an der Erdflaͤche. Nach einer Viertelstunde erhob sich zwar wieder ein aͤhnliches Segment, es dehnte sich aber in keinen Regenbogen aus. Der Him- mel war diese ganze Zeit truͤbe, und mit wolkenartigen Stellen besetzt, und man konnte mit Muͤhe gewahr werden, daß unten am Horizonte Regen fiel. Der- gleichen Regenbogen, die nur auf dem Meere und auf großen Seen entstehen koͤnnen, sind vielleicht nicht oft beobachtet. Auf dieser Seereise sahen wir auch mehrmals wasserziehende Wirbel (sogenannte Wasserhosen), die verschiedentlich gestaltet in der Luft schwebten. Sie fiengen allezeit am untern Ende an zu verschwinden. Wenn sie sich zeigten, hatten wir gewoͤhnlich zugleich Gewitterregenschauer mit starken Windstoͤßen. Endlich ließen sich die Malataßvoͤgel, eine Art Pelikane ( Pelecanus Sula ) sehen, und gaben uns die sichere und frohe Hoffnung, daß wir bald Land erblicken wuͤrden. Diese Voͤgel sind fuͤr die Seefahrer allezeit ein zu- verlaͤßiges Kennzeichen, daß sie nicht weit von der afri- kanischen Kuͤste sind; oft sieht man, wenn sie zum Vor- schein kommen, oben vom Mastkorbe aus bereits Land. Selten gehen sie tiefer in die See hinein, als daß sie gegen Abend wieder nach den Buchten zuruͤckkommen koͤnnen, wo sie gewoͤhnlich die Naͤchte zubringen. Wir entdeckten auch sogleich nachher Land. Da aber der Suͤdostwind uns sehr heftig entgegen wehete, konnten wir die kapsche Reede nicht erreichen, sondern kamen am Abend, mit Muͤhe und Noth, bey Robbeneyland vor Anker. Bey dem starken Winde und der dadurch verur- sachten Kaͤlte, hatte ich das unbeschreibliche Misver- gnuͤgen, verschiedne von meinen Brodfruchtbaͤumen und anderen Gewaͤchsen, theils erfroren, theils durch Reise von Ceylon nach Holland . das heftige Hin- und Herschwanken des Schiffs umge- worfen und ruinirt zu sehen. Die meisten Krankheiten, welche auf dieser Reise vorkamen, waren venerische, die sowohl Matrosen als Sklaven durch ein luͤderliches Leben auf Ceylon sich zu- gezogen hatten. Sie aͤußerten sich mit den schrecklich- sten Symptomen. Am 27sten April kamen wir endlich zu dem gewoͤhn- lichen Ankerplatze auf der Rhede bey Cap , wo bereits eilf Schiffe lagen. Sobald das Schiff durch Commis- sarien aus der Stadt gehoͤrig visitirt worden war, be- kamen wir Erlaubniß ans Land zu gehen. Ich ließ mich daher sogleich nach der Stadt ru- dern, und nahm meine Wohnung bey meinem vorma- ligen Wirthe, Herrn Fehrsen , in denselben Zimmern, die ich ehedem drey Jahr bewohnt hatte. Waͤhrend diese Zimmer fuͤr mich zurecht gemacht wurden, fand ich Gelegenheit eine botanische Bemer- kung zu machen, die mich in Verwunderung setzte. Im Vorzimmer stand ein meinem Wirthe gehoͤrender sehr großer Kasten, den ich bey meinem vorigen hiesigen Aufenthalte oft anstatt eines Tisches gebraucht hatte, um meine Kraͤuter, Zwiebeln und Saͤmereyen darauf zu legen. Im letzten Jahre hatte ich auf diesem Kasten die in den afrikanischen Wuͤsten wachsenden fleischigen Gewaͤchse in Ordnung gebracht, um sie nach Europa zu schicken. Bey dieser Arbeit war eines dieser Gewaͤchse, das aͤußerlich ganz vertrocknet aussah, hin- ter den Kasten gefallen. Als jetzt beym Reinmachen des Zimmers der Kasten von der Wand gezogen wurde, fand man das dem Anscheine nach vertrocknete Gewaͤchs dahinter liegen, das unterdeß einen Stengel von einer Viertelelle getrieben hatte, unerachtet es, als ich es Q 3 Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. vor viertehalb Jahren in den oͤden Sandebnen fand, nicht das geringste Merkmal des Lebens zeigte, und her- nach in den drey verflossenen Jahren weder irgend Erde, noch die mindeste Feuchtigkeit, außer der Kuͤhle des stei- nernen Fußbodens, gehabt hatte. Dies beweiset, welch ein zaͤhes Leben die in den allerduͤrrsten Wuͤsteneyen wachsenden afrikanischen Gewaͤchse haben, und wie lange sie ohne Wasser und Nahrung aushalten koͤnnen. Ich nahm dies Gewaͤchs hernach mit nach Europa , und fand, daß die, welche ich von dieser Art vorher wegge- schickt hatte, im botanischen Garten zu Amsterdam Zweige und Blaͤtter, aber bisher noch keine Blumen getrieben hatten, woraus ihr Geschlecht und ihr Name zu bestimmen gewesen waͤre. Zu Cap verschaffte ein jetzt auf der Rhede liegen- des schwedisches Schiff mir das Vergnuͤgen, viele Freunde zu umarmen, die aus meinem Vaterlande ge- kommen waren, und mir außer vielen Briefen und Neuig- keiten auch die angenehme Nachricht brachten, daß ich in Professor Linnees Stelle, der seinem unsterblichen Vater im Amte nachgefolgt war, zum Demonstrator der Botanik auf der Universitaͤt zu Upsala ernannt worden sey. In den drey Jahren meines Aufenthalts in In- dien hatte sich die Capstadt fast durchgehends durch den Anbau theils neuer, theils verbesserter Haͤuser, die nicht selten zwey oder drey Stockwerke hoch waren, dermaaßen veraͤndert, daß ich sie kaum wieder kannte. Im letzten Sommer hatte der Suͤdostwind das ganze Land verheert. Er war ungewoͤhnlich heftig, und dabey die Duͤrre so groß gewesen, daß fast im ganzen Lande allgemeine Klage uͤber Getreidemangel war. An den meisten Orten hatte vor Duͤrre nichts Reise von Ceylon nach Holland . wachsen koͤnnen; an einigen Orten hingegen, wo die Saat herrlich gestanden hatte, unter andern jenseit des hottentottischhollaͤndischen Gebirges , war so er- staunlich viel Regen gefallen, daß das schon gemaͤhete Korn in den Haufen oder Femen verfault war, und das noch auf dem Halme stehende in den Aehren auszu- wachsen angefangen hatte. Dadurch war der Preis des Getreides in der Stadt zu so ungewoͤhnlich hohem Preise gestiegen, daß eine sogenannte Fracht Weizen, die vorher fuͤr zehn Reichsthaler verkauft ward, jetzt zwey und dreyßig galt. Bey meiner jetzigen Anwesenheit allhier, lernte ich unter andern einen Englaͤnder, Namens Paterson , kennen, der hieher gekommen war, um Saͤmereyen und lebendige Wurzeln, der diesem Lande eignen und seltnen Gewaͤchse, aus den innern Gegenden von Afrika zu sammeln, und nach seinem Vaterlande zu schicken. Er sagte mir, er reise auf Kosten eines Privatmannes, und besaß einige botanische Kenntnisse, eigentlich war er nur ein Gaͤrtner. Die hollaͤndische Compagnie gestattet jedem Offi- ciere auf ihren Schiffen einigen Handel zu treiben; sie duͤrfen nemlich eine große Kiste, fuͤnftehalb Fuß lang, nnd drittehalb Fuß breit, mit gewissen Waaren an- fuͤllen, welche hernach in oͤffentlicher Auction fuͤr ihre Rechnung verkauft werden. Die, welche sich in Ost- indien noch nicht mit Waaren versorgt, sondern ihre Kisten mit Tamarinden oder etwas anderm angefuͤllt hatten, kauften jetzt hier am Cap grobe Sitse, und aͤhnliche nicht verbotne Sachen, um sie mit nach Eu- ropa zu nehmen. Feine Sitse und Kattune, Spece- reyen und verschiedne andre Waaren, womit die Com- pagnie ausschließlich handelt, sind den Particuliers Q 4 Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. ganz verboten, und werden, wenn sie damit han- deln, als Contrebande weggenommen. Den 15ten May traten wir vom Cap aus die Ruͤckreise nach Europa an. Wir seegelten in Gesell- schaft vier andrer hollaͤndischer Schiffe, und sollten zu wechselseitiger Vertheidigung beysammen bleiben. Ein daͤnisches Schiff, das mit uns zugleich auslief, kam uns bald vorbey, und verschwand als ein weit bessrer Segler in kurzer Zeit vor unsern Augen. Die Matrosen hatten verschiedne Baviane ge- kauft; die sie mit nach Holland nehmen wollten. Diese Thiere sind von boͤser Gemuͤthsart, ergrimmen leicht und beißen sehr arg. Man muß sie daher fast stets ange- bunden halten. Wenn einmal einer loskam, war es hernach nicht leicht, ihn wieder zu fangen, weil sie un- beschreiblich behende an den Tauen hinaufkletterten, und sich bis an die Spitze des hoͤchsten Mastes fluͤchteten. Bisher waren wir durch wiedrigen Wind in unsrer Fahrt sehr aufgehalten worden, und hatten daher die afrikanische Kuͤste noch immer im Gesichte; dazu kam jetzt noch ein so starker Nebel, daß wir nicht um uns sehen konnten. Am 26sten May, geriethen wir da- durch, und namentlich das Commandeurschiff, dem Lande so nahe, daß, als das Wetter anfieng sich auf- zuklaͤren, wir schon ganz dicht an die Klippen getrie- ben waren. Haͤtten wir da zugleich Sturm aus Nordwest bekommen, so waͤren wir gewiß unwieder- bringlich verloren gewesen; gluͤcklicherweise aber drehete sich der Wind nach Norden, und brachte uns wieder see- waͤrts. Diese drohende Gefahr hatte offenbar unser Com- mandeur Koelbier , auf dem Schiffe Kanaan, dadurch veranlaßt, daß er am Abend vorher nach dem Lande hingesteuert hatte, anstatt daß er haͤtte suchen sollen, Reise von Ceylon nach Holland . seewaͤrts zu gehen, um den Wind zu gewinnen; wir andern Schiffe waren verbunden ihm zu folgen. In der folgenden Nacht verloren wir das Commandeurschif ganz aus dem Gesichte, weshalb das Commando nun- mehr unserm Capitain Kock uͤbertragen wurde. Den Morgen darauf bekamen wir es wieder zu sehen, nach zwey Tagen aber wurde es uns abermals unsichtbar. Nach ei- nigen Tagen kamen wir ihm sehr nahe, indem es wegen widrigen Windes, da es sich zu sehr nach dem Lande ge- halten hatte, jetzt die Flotte nicht erreichen konnte. Demungeachtet war am folgenden Tag wieder nichts von ihm zu sehen, obgleich die Nacht uͤber wenig Wind gewesen war. Hieraus ergab sich nun ganz klar, daß der Commandeur gar nicht gesonnen war, bey sei- ner Flotte zu bleiben, sondern im Gegentheil sich davon zu trennen suchte, allem Anschein nach, um seine Zuhause- reise destomehr beschleunigen zu koͤnnen. Bisher waren wir also, ausser widrigem Winde und Windstillen, durch des Commandeurs Winkelzuͤge doppelt und dreyfach aufgehalten worden. Am 6sten Junius bekamen wir endlich den Suͤd- ostpassatwind, und am 12ten passirten wir den noͤrd- lichen Wendezirkel. Einige Tage nachher sahen wir auf dem Wasser etwas herum treiben, das uns wie weisse Blumen vor- kam. Ich fischte einige davon auf, und fand, daß sie nichts anders waren, als Enten- und Gaͤnsemuscheln aus dem Geschlechte der Meereicheln ( Lepas anatifera und anserifera ), welche sich mir ihrem losen Stengel oder Stiel an Stuͤcke Bamborohr und Holz, zu Dutzen- den und mehr, festgesetzt hatten, und jetzt auf dem Was- ser schwammen. Wenn das Thier seine fuͤnf Schaalen oͤffnete, sah es voͤllig wie eine aufgebrochne Blume aus. Q 5 Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Am 24sten Morgens entdeckten wir die den Eng- laͤndern zugehoͤrige Insel St. Helena , deren Hafen durch starke Batterien wohl befestigt ist. Das Land ist sehr hoch und gebuͤrgig, und zeigt sich schon in sehr weiter Entfernung. Bey dem damaligen Kriege mit den Amerikanern versammleten sich hier allezeit die aus Ost- indien zuruͤckkommenden englischen Schiffe, um her- nach in Geschwadern oder ganzen Flotten weiter zu se- geln. Als wir vor der Rhede des Hafens, wo jetzt keine Schiffe lagen, gekommen waren, und von unserm verlornen Commandeur nichts sahen oder hoͤrten, wurde Schiffsrath gehalten und beschlossen, hier nicht weiter auf ihn zu warten, sondern mit dem frischen Winde, den wir jetzt hatten, unsern Weg fortzusetzen. Der Strand an der Rhede soll so steil seyn, daß die Schiffe ganz dicht am Lande vor Anker liegen koͤnnen. Am 30sten kamen wir die Insel Ascension vorbey. Hier pflegen schwedische und andere Ostindienfahrer, auf der Ruͤckreise anzulegen und sich namentlich mit Schild- kroͤten zu versorgen; wer aber am Cap vor Anker gewe- sen ist, segelt hier gewoͤhnlich voruͤber. Diese Insel ist gebuͤrgig, unfruchtbar, und ohne frisches Wasser; die Oberflaͤche ist mit Asche bedeckt, welches ihren vulka- nischen Ursprung hinlaͤnglich zu erkennen giebt. In der Nacht vom 6sten auf den 7ten Julius, waren wir den Aequator passirt, und wurden deswe- gen heute Mittags von den beyden andern Schiffen mit eilf Kanononschuͤssen begruͤßt, die wir auf gleiche Art beantworteten. Am 24sten passirten wir die Sonne. Von allem, was senkrecht auf das Verdeck gestellt wurde, war gar kein Schatten auf irgend einer Seite zu bemerken. Bisher hatten wir die Mittagssonne auf der Nordseite Reise von Ceylon nach Holland . gehabt; jetzt stand sie gerade uͤber uns, und hernach sahen wir sie in Suͤden, und je weiter wir fortsegelten, desto geringer war ihre Hoͤhe uͤberm Horizonte. Am 29sten kamen die Capitaine der beiden andern Schiffe zu uns an Bord, um die versiegelten Briefe zu eroͤffnen, welche ausweisen sollten, ob die Schiffe durch den Kanal segeln, oder, wie in Kriegs-Zeiten zu geschehen pflegt, um Irland und Schottland her- umgehen sollten. Wir kamen nunmehr in diejenige Gegend des Oceans, die von Sargazo oder schwimmendem Tang ( Fucus natans ) fast ganz bedeckt ist Dies Seegewaͤchs fließet auf der Oberflaͤche des Meers in unglaublicher Menge, bisweilen breitet es sich bey stillem Wetter uͤber dasselbe so aus, daß man durch eine Wiese zu segeln glaubt, bisweilen bildet es gleichsam große Inseln; bisweilen aber, besonders bey etwas starkem Winde, ver- theilt es sich mehr. Dieser Tang schien deutlich zu beweisen, daß er auf dem Wasser fließend waͤchst und an den Enden neue Schoͤßlinge treibt, die allmaͤhlig groͤßer werden. Zwischen dem Tang fand ich verschiedne kleine Thiere, die da ihren Aufenthalt hatten, und ihre Nahrung suchten, die haͤufigsten darunter wa- ren Seegraskriecher ( Scyllaea pelagica ) Seekrabben ( Cancer minutus ) von verschiedner Groͤße; und See- kroͤten ( Lophius Histrio ). Diese letzteren werden von den Hollaͤndern Kronfische genannt, und wenn sie von einiger Groͤße sind, sehr geschaͤtzt. Sie sind sehr bunt und schoͤn. Ich vewahrte einige davon in Weingeist; die meisten waren ganz klein selten bekommt man sie einen Finger lang oder groͤsser. Die losen Strahlen, welche sie auf dem Kopfe und Ruͤcken haben, und die wie eine Krone aussehen, haben zu jener Benennung Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. Anlaß gegeben. Man bringt sie selten lebendig nach Holland , wenn es aber gluͤckt, und sie einigermaßen groß sind, kann man das Stuͤck fuͤr zehn Ducaten verkaufen. Am 12ten September lotheten wir schon Grund und salutirten (zum Gluͤckwunsch, daß wir uns wie- derum in der Nachbarschaft unsers vaterlaͤndischen Welt- theils befanden), die andern Schiffe mit eilf Kanonen- schuͤssen, die von ihnen beantwortet wurden. Am 16ten bekamen wir die englische Kuͤste bey Cap Lizard zu Gesicht. Wir lavirten hier ganze vier und zwanzig Stunden, bis wir die hollaͤndischen Kriegs- schiffe gewahr wurden, die den von Ostindien an- kommenden reich beladenen Kauffahrteyschiffen entge- gen geschickt waren, und sie sicher nach Hause begleiten sollten. Das erste Zeichen wurde von uns mit vier Ka- nonenschuͤssen, unter wechselsweisem Aufziehen und Niederlassen des Wimpels, gegeben, worauf das Kriegesschiff mit Aufziehen und Streichen des Wim- pels nebst fuͤnf Kanonenschuͤssen, antwortete. Sobald die Schiffe etwas naͤher gekommen waren, wurden vom Kriegsschiffe ein Lieutenant und ein Schreiben abge- schickt, um unser Schiff zu visitiren, ob auch verbo- tene Waaren darauf befindlich waͤren. Die Visitation gieng indessen nur in des Capitains Zimmer unter des- sen Weinflaschen vor sich. Am andern Tage darauf verfuͤgten die Capitaine der drey Schiffe sich nach dem Kriegsschiffe, um da- selbst einen versiegelten Brief von dem einen Schiffe, welches von China kam, zu eroͤfnen, woraus man nun erst jetzt erfuhr, daß die Ladung nach Amsterdam bestimmt war. Reise von Ceylon nach Holland . Jetzt bekamen wir auch die Nachricht, daß unser Commandeur Koelbier mit seinem Schiffe vor zwey Ta- gen angekommen und voraus gesegelt war. Den 28sten fuhren wir, bey guͤnstigem Winde und unter Bedeckung des einen Kriegsschiffes, Dover und Calais vorbey. Aber gegen Abend ungefehr um 10 Uhr entstand ploͤtzlich ein heftiger Sturm, der uns ge- gen das Land trieb, unsre Segel zerriß und den Ober- theil der Masten herunterstuͤrzte; dabey ward das Schiff so gewaltsam hin und her geworfen, daß es unmoͤglich war, auf den Fuͤßen stehen zu bleiben. Wir waren den Brandungen so nahe, daß sich jedermann fuͤr ver- loren hielt, und auch kein Matrose mehr zur Rettung des Schiffs Hand anlegen wollte. Es war stok fin- ster und zu noch groͤßerem Ungluͤck war auch die Mannschaft schwach und so abgemattet, daß die Matrosen bey der Arbeit kraftlos von den Tauen herab- fielen, und andere auf dem Verdecke selbst in Ohnmacht sanken. Hieran war der schaͤndliche Geitz des Capitains und des Obersteuermanns schuld. In der Hofnung, daß die Fahrt nicht so lange dauern wuͤrde, hatten sie am Cap , auf eine sehr unerlaubte Art, einen großen Theil des Fleisches, Specks und anderes fuͤr die Mannschaft be- stimmten Proviants verkauft und das Geld in ihre Ta- schen gesteckt. Die ganze Reise uͤber hatten sich also die Leute groͤßtentheils mit Reis und Huͤlsenfruͤchten behelfen muͤssen, und wenig nahrhafte Sachen be- kommen. Da nun die Reise sich uͤberdem noch so in die Laͤnge zog, so kamen die Leute dabey immer mehr von Kraͤften und wurden ganz mißmuͤthig. Wirk- lich verklagten sie auch den Capitain und den Obersteuer- mann wegen dieses Diebstahls und beyde wurden fuͤr un- Fuͤnfte Abtheilung. Erster Abschnitt. wuͤrdig erklaͤrt, je weiter zu dienen. Sobald es an- fing Tag zu werden, wurden wir gewahr, daß wir, ungefehr Ostende gegenuͤber, zwischen die Duͤnen gera- then, und von unsern Gefaͤhrten ganz getrennt wa- ren. Da wir uns nun durch eine besondere Vor- sehung Gottes in der vorigen Nacht vom Untergange errettet fanden, faßte die Besatzung neuen Muth, dem Schiffe auch jetzt aus seiner gefaͤhrlichen Lage zu helfen, welches dann, durch Beguͤnstigung des Windes, auch ge- lang. Ausser allem andern Schaden, hatte ich fuͤr meine Person bey dieser Gelegenheit das Ungluͤck, meine Plantage von mehr als hundert jungen Brodfruchtbaͤu- men von beyden Arten, nebst andern vorzuͤglich seltnen Gewaͤchsen, ganz umgeworfen und ruinirt zu sehen. Nach uͤberstandner Gefahr kamen wir endlich am 29sten im Texel an. Am ersten October segelten wir zwischen Texel und Helder hinein, salutirten die Rhede und legten uns vor Anker. Froh dankten wir jetzt alle der goͤttlichen Vorsehung, und ich hatte mehr als irgend ein andrer Ursach dazu, da ich auf meiner siebenjaͤhrigen muͤhvol- len und oft gefaͤhrlichen Reise den maͤchtigen Schutz derselben in so reichem Maaße erfahren hatte. Nach einigen Tagen kam der Directeur Beau- mont an Bord, in dessen Gegenwart alle unsere Coffer, Kasten und andre Sachen visitirt und die Mannschaft, ausser etwa sechszig Mann, die zum Ausladen des Schiffs gebraucht werden sollten, verabschiedet wurde. Auf dieser Reise hatten wir einen Mann am Bord gehabt, dessen seltsames, ungluͤckliches Schicksal hier be- sondere Erwaͤhnung verdient. Er hieß Bergacker , und war als erster Wundarzt auf einem vom Capitain Klein gefuͤhrten Schiffe angestellt gewesen, mit diesem aber, Reise von Ceylon nach Holland . noch vor der Abreise aus Europa , ich weiß nicht wo- durch, in Uneinigkeit gerathen. Dafuͤr raͤchte sich nun der Capitain an ihm auf die unverantwortlichste und nie- dertraͤchtigste Art. Zuerst that er ihm, waͤhrend daß das Schiff vor der Abfahrt im Texel auf der Rede lag, allen nur moͤglichen Verdruß an, und gestattete so gar den Schiffsjungen ihren Spott mit ihm zu treiben. Endlich, nachdem der Direktor das Schiff gemustert hatte und es nun im Begrif war abzusegeln, bat er sich von demselben, an Bergackers Stelle, einen andern Chirurgus aus. Man schickt ihm einen, allein anstatt Bergackern nun dagegen an Land zu setzen, nimmt er jenen als dienstthuenden Wundarzt, Bergackern aber als Arrestanten mit und erlaubt ihm die ganze Neise uͤber nicht Einmahl auf das Verdeck zu kommen, um fri- sche Luft zu schoͤpfen! Ja hieran noch nicht genug laͤßt er unterwegens von einigen Officieren des Schiffs, die seine Creaturen waren, eine Schrift unterzeichnen, worin sie bezeugen, daß Bergacker voͤllig unklug sey. Unter diesem Vorwand wird er nun, bey der Ankunft des Schiffes am Cap , sogleich in sichre Verwahrung ge- bracht und erhaͤlt weder die Erlaubuiß auszugehen noch Mittel sich uͤber die erlittene Behandlung zu beklagen. Endlich, als das Schiff mit welchem ich vom Cap zuruͤck gieng, segelfertig lag, ward der arme Bergacker , als ein Arrestant der mit nach Europa genommen werden sollte, an uns abgeliefert. Er hatte also die Hin- und die Ruͤckreise, desgleichen seinen Aufenthalt am Cap , ohne Urtheil und Recht, als ein Gefangener zubringen muͤssen, und die ganze Zeit uͤber nicht einen Pfennig Geld bekommen! Er war ein aͤltlicher, ernsthafter, Fuͤnfte Abtheil. Erster Abschnitt, u. s. w. dem Anschein nach grundehrlicher Mann, an dem ich, auf der ganzen Reise, nicht die geringsten Merkmale wahr- nahm, daß er noch itzt oder zuvor je wahnwitzig gewesen sey. In Ruͤcksicht auf diese Beschuldigung, geschah ihm also unerhoͤrtes Unrecht. Man wird nicht begreifen koͤnnen, warum die Regierung am Cap gar keine Notiz von dieser Sache genommen, warum sie den Unschuldigen nicht in Freyheit gesetzt und den Boͤsewicht nicht zur ver- dienten Strafe gezogen habe? Aber leyder habe ich in den sieben Jahren die ich im Dienste der ostindischen Com- pagnie gewesen bin, mehrere Beyspiele von Gewaltthaͤ- tigkeit und eigenmaͤchtigem Verfahren despotischer, schlechtdenkender und brutaler Schiffscapitaine gesehen! Zu diesen letzteren gehoͤrte der Schiffer Klein in vorzuͤg- lichem Maaße; jeder bey dem ich mich nach ihm erkun- digte, sprach von ihm mit groͤßter Verachtung nicht nur als von einem boshaften und ruchlosen, sondern, was noch unbegreiflicher ist, selbst als von einem im See- dienst ungeschickten Manne! Eine andere Merkwuͤrdigkeit, aber freylich von ge- ringerem Belange, die mir waͤhrend der Ruͤckreise vom Cap in meinem Fache vorkam, war, daß sich in der Blase eines Schweins, das wir von Columbo leben- dig mitgenommen hatten, beym Schlachten ein kalk- artiger Stein fand. Er war von der Groͤße einer Flintenkugel, beynahe rund, allenthalben sehr uneben und inwendig dicht, anfangs kastanienbraun, wurde aber, so wie er trocknete, allmaͤhlig bleicher. Zweyter Aufenthalt in Holland Reise nach Schweden . Zweyter Abschnitt. Aufenthalt in Holland und zu London , und Reise nach Schweden . I ch begab mich nebst andern Officieren auf einem ge- mietheten Fahrzeuge nach Amsterdam , wo mein theu- rer Freund, Professor Burmann , mir Haus und Tisch anbot. Zu Amsterdam brachte ich meine Zeit damit zu, die dasigen Naturaliensammlungen zu besehen, worun- ter die, welche der Kaufmann van der Meulen besitzt, besonders in Ruͤcksicht auf Voͤgel und Insekten, die an- sehnlichste war. Darauf machte ich eine Reise nach der Gegend um Harlem , um meine drey Goͤnner, van der Poll , van der Deutz und ten Hoven zu besuchen, und ihre Landguͤter, nebst den schoͤnen Pflanzungen von aller- hand auslaͤndischen Baͤumen und Stauden zu besehen, die sie mit unglaublichen Kosten in den magersten Sand- feldern dieser Gegend haben anlegen lassen. Nicht ohne besondere Freude sah ich hier verschiedne afrika- nische und japanische Gewaͤchse, die bewiesen, daß die von mir bey Einsendung derselben mit mancherley Gefah- ren angewandte Muͤhe nicht ganz vergeblich gewesen war. Ich hatte auch das sehr große und belohnende Vergnuͤgen, daß diese Maͤnner mir ihre ganze Zufrie- denheit mit meinen Bemuͤhungen und ihr Wohlwollen auf die uneingeschraͤnkteste Art bezeugten. Ueberdem belohnten sie mich auf eine großmuͤthige Weise. Dies R Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. that namentlich Herr ten Hoven nach meiner Zuruͤck- kunft zu Amsterdam auf eine, wenigstens der Form nach fuͤr mich sehr uͤberraschende Art. Er ist ein Mann der mehr als hundert und funfzig tausend hollaͤn- dische Gulden jaͤhrlicher Einkuͤnfte hat, fand es aber doch nicht unter seiner Wuͤrde, zu Fuß und ohne Bedienten, einen Besuch dey mir abzustatten, und mit eigner Hand mir ein Geschenk von hundert und acht und zwanzig Dukaten zu uͤberreichen. Mit Herrn Doctor Klochner reisete ich auch nach Harlem , um die vortreflichen Insektensammlungen der Herren Vriend , nebst den Thieren, welche im Hause der harlemschen Societaͤt der Wissenschaften aufbewahrt werden, und die vorzuͤglichsten aus allen Klassen sind, zu besehen. In den Obstgaͤrten waren jetzt die Winterschmet- terlinge ( Phalaena brumata ) in großer Menge. Man hindert sie, ihre Eyer in die Blumenknospe zu legen, dadurch, daß man um den Stamm des Baums getheerte Birkenrinde gebunden hatte. Unser schwedischer Profes- sor Bergmann hat bekanntlich dies Mittel erfunden, und es wurde hier allgemein geruͤhmt. Unter andern Seltenheiten, die ich zu Amsterdam besah, war auch eine sehr gute Muͤnzsammlung des er- sten Predigers bey der sogenannten alten Kirche ( Oude kerk ). Ich hatte da das unerwartete Vergnuͤgen, zum ersten mal die sogenannten goldenen Zodiakrupien, alle zwoͤlf beysammen zu sehen. In Indien hatte ich diese seltnen Muͤnzen weder beysammen gefunden, noch ihrer zum Einwechseln habhaft werden koͤnnen; und in Eu- ropa findet man die ganze Anzahl auch nur aͤußerst selten. Aufenthalt in Holland Reise nach Schweden . Der Prediger hatte sie fuͤr dreyhundert hollaͤndische Gulden gekauft, und war so guͤtig, sie mir auf mein instaͤndiges Bitten fuͤr siebenhundert Gulden abzuste- hen. Diese Sammlung, nebst dem Portrait Selims des Ersten , war vom Generalgouverneur Imhoff zu Batavia einem seiner Verwandten in Holland geschenkt worden, der hernach genoͤthigt gewesen war, sie zu verkaufen. Die Muͤnzen sind von der Kaiserin Nour Mahal , Selims Gemahlin, waͤhrend der Zeit von vier und zwanzig Stunden, da sie mit dessen Er- laubniß unumschraͤnkt regierte, sowohl von Gold als von Silber gepraͤgt. Da sie nach dem Tode des Mo- narchen verboten, eingewechselt und eingeschmolzen wurden, so ist es jetzt so sehr selten, sie vollzaͤhlig zu finden. Sie sind auf der einen Seite jede mit einem der zwoͤlf himmlischen Zeichen, auf der andern mit ei- ner persischen oder arabischen Inschrift bezeichnet. Des Professor Burmannus freundschaftliches Anerbieten: bey ihm zu wohnen, hatte ich zwar nicht angenommen, ich besuchte ihn aber taͤglich und genoß dort so viel Wolthaten, daß ich stets das dankbarste Andenken dafuͤr hegen werde; gleichen Antheil an meiner geruͤhrten Erinnerung muß ich hier, nach vierzehn Jah- ren, den mannigfaltigen Freundschaftsbezeugungen und wuͤrklichen Dienstleistungen wiederfahren lassen, welche meine wackern Landsleute in Amsterdam , Herr Ge- neral Conful , Hasselgren , Herr Floberg , (bey welchem ich mir eine Wohnung gemiethet hatte), imgleichen die Herren Faͤhraͤus , Swart , Lunge und andere mir zu erzeigen so guͤtig waren. Da jetzt meine Verbindung mit der hollaͤndisch ostindischen Compagnie zu Ende war, und ich meine Besoldung nebst der gewoͤhnlichen Praͤmie bekommen R 2 Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. hatte, entschloß ich mich, eine Reise nach England vor- zunehmen, und einen Theil des Winters in London zuzubringen. In dieser Absicht reisete ich im November nach dem Haag , besah die dasigen, dem Erbstatthalter zu- gehoͤrenden kostbaren Sammlungen von Naturalien und Kunstsachen, besuchte Herrn Lyonets ausgesuchtes Konchylienkabinet, reisete von da nach Rotterdam und weiter nach Helvoetsluis . An dem letzteren Orte hinderte mich wiedriger Wind verschiedne Tage lang an der Ueberfahrt; und als ich endlich in Gesellschaft mehrerer Passagiere mit dem englischen Paketboote absegelte, entstand ein so heftiger Sturm und zuletzt contrairer Wind, der uns weit von unserm Wege abtrieb. Am 14ten December langte ich endlich in London an. Hier hatte mein guter Freund und ehemaliger Universitaͤtsgenosse, Herr Dryander , fuͤr mich eine Wohnung bestellt. Ich suchte ihn sogleich in Herrn Banks Hause auf, wurde von Herrn Doctor Solan- der auf die hoͤflichste Art aufgenommen, und durch ihn Herrn Banks vorgestellt, und in dessen Naturalienka- binet gefuͤhrt. Herr Banks empfieng mich uͤberaus guͤtig, und fuhr waͤhrend meines Aufenthalts in London in gleicher Art gegen mich fort. Er verstattete mir, welches der hoͤchste Zweck meiner Wuͤnsche war, freyen Zutritt zu seinen unvergleichlichen Sammlungen, besonders aus dem Pflanzenreiche, eine Sammlung, die aus allen Ge- genden des Erdkreises zusammengebracht ist. Ich brachte seitdem alle Vormittage in seinem Hause zu, und vermehrte, indem ich sein Herbarium studirte, meine Kenntnisse in meinem Lieblingsfache. Und da Aufenthalt in Holland Reise nach Schweden . zugleich in diesem Saale, wie in einer Academie der Naturgeschichte, taͤglich eine Menge gelehrter Maͤn- ner sich versammelte, so hatte ich dadurch auch Gele- genheit, verschiedene ehrenvolle und nuͤtzliche Bekannt- schaften zu machen. In der kurzen Zeit meines hiesigen Aufenthalts besah ich uͤbrigens alles was London , besonders im naturhistorischen Fache, merkwuͤrdiges hat, als das brittische Museum, Lewers Museum und dergleichen. Jenes erstere ist sehr weitlaͤuftig und groß, und hat Sammlungen von sehr vielen Arten, als: Buͤcher, Handschriften, Antiquitaͤten, Muͤnzen, Kleidungs- stuͤcke und Hausgeraͤth, entfernter Voͤlker und so wei- ter. Besonders freuete es mich, Kaͤmpfers Handschrif- ten, Zeichnungen und Kraͤutersammlung hier zu fin- den; sie waren jetzt beynahe hundert Jahr alt; nach Kaͤmpfers Tode waren sie vom Ritter Sloane gekauft worden. Auch stellte ich verschiedne Reisen in der Naͤhe von London an, um den schoͤnen und an Gewaͤchsen sehr reichen Garten zu Kew , woruͤber Herr Aiton die Aufsicht hatte; Herrn Lees Garten, der besonders ei- nen großen Vorrath von Baͤumen und Stauden hat, Doctor Fothergills Garten, Chelsea und dergleichen mehr zu besehen. Bey Herrn Lee besah ich zugleich die vortrefliche Insektensammlung seiner Tochter, welche seit einiger Zeit mit den vorzuͤglich schoͤnen Insecten von der bengalischen Kuͤste vermehrt war, die Frau Monson daselbst gesammelt, und Mis Lee im Testamente ver- macht hatte. Der aͤltere Forster , welchem ich auch meinen Be- such machte, nahm mich mit vieler Freundschaft auf, und R 3 Fuͤnfte Abtheilung. Zweyter Abschnitt. verschafte mir nicht nur das Vergnuͤgen, die von ihm auf seiner Reise im Suͤdmeere, gesammelten Gewaͤchse, und Konchylien zu besehen, sondern schenkte mir auch eine ganze Collection, und verpflichtete mich dadurch zu steter Dankbarkeit. Unter allen Beweisen von Gewogenheit, womit Herr Banks mich uͤberhaͤufte, schaͤtzte ich den als einen der vorzuͤglichsten, daß er mir kurz vor meiner Abreise erlaubte, seine auf den Inseln des suͤdlichen Oceans ge- machte Sammlung von Gewaͤchsen zu sehen, die noch nicht unter seine uͤbrigen Kraͤuter gelegt waren, und welche er nicht jedem Fremden sehen laͤßt; Doctor So- lander der, wie Herr Dryander , mir den Aufenthalt zu London nicht nur angenehm, sondern auch nuͤtzlich zu machen suchte, war dabey so gefaͤllig, jedes Ge- schlecht mit mir besonders durchzugehen. Herrn Banks Bibliothek ist wohl, im Fache der Naturhistorie, die vollstaͤndigste, die es giebt. Sie ist in einem eignen großen Zimmer vor dem Saale, der die Sammlungen enthaͤlt, aufgestellt; hiedurch hat man ganz unvergleichliche Gelegenheit, bey Unter- suchung eines Gegenstandes sogleich auf der Stelle je- den Schriftsteller, den man will, nachzuschlagen und sich bey ihm Raths zu erhohlen. Den 30sten Januar 1778 reisete ich in Gesell- schaft des damaligen Capitains, jetzigen Obersten, Cronstedt , der ohnlaͤngst aus Nordamerika zuruͤckgekom- men war, von England ab. Wir nahmen unsern Weg durch Holland und Deutschland nach Ystad und Lund . Von Harwich fuhren wir uͤber den Kanal nach Aufenthalt in Holland Reise nach Schweden . Helvoet , und reiseten weiter nach Amsterdam , wo wir uns aber nur einige wenige Tage aufhielten. Den 16ten setzten wir die Reise ferner nach Groͤningen ; den 22sten nach Bremen ; den 24sten nach Hamburg , und so weiter uͤber Luͤbeck , Wismar und Rostock nach Stralsund fort, wo wir den 2ten Maͤrz ankamen. Waͤhrend wir zu Stralsund auf den Abgang der Postjacht warten mußten, machten wir eine Reise nach Greifswald , um die dafige Universitaͤt kennen zu ler- nen, und giengen bald darauf nach Ystad ab. Den 14ten Februar langte ich in meinem Vaterlande, wo- nach ich mich so lange gesehnt hatte, endlich wieder an. Druck- Druckfehler . Bey dem vom Aufenthalt des Uebersetzers entfernten Druck- orte sind in diesem Werke folgende Druckfehler stehen geblieben, welche vorzuͤglich in den Namen fremder Pflanzen ꝛc. vorkom- men, und auf nachstehende Art zu verbessern sind. Erster Band. Erster Theil. pag. 15. Zeile 15. statt Calmia lies Kalmia. — 93. — 14. — loviren — laviren. — 135. — 28. — Capra doreas lies Capra Dorcas. — 152. — 29. — Viscus capenfis — Viscum capens e . — 167. — 7. — schrapen lies schaben. — 255. — 3. — gespaltne lies gefaltete. — 264. — 15. — gespaltene — gefaltete. Erster Band. Zweyter Theil. pag. 98. Zeile 3. statt Capra leucophaca lies Capra leucophaea. — 112. — 27. Die aͤchte Kastanie heißt Fagus Castanea und nicht Aesculus Pavia, denn die Frucht der letztern wird keiner genießen koͤnnen. — 124. — 1. — Fulices lies Fulicae. — 168. — 3. — tygomaticum lies zygomaticum. — 191. — 26. — Unicornum lies Unicornu. — 246. — 12. — mais lies Mays. — 258. — 23. — Nila lies Anil. Zweyter Band. Erster Theil. pag. 41. Zeile 30. statt virens lies sempervirens. — 123. — 5. — bastatum lies hastatum. — 123. — 26. — Licium lies Lycium. Zweyten Bandes. Zweyter Theil. pag. 65. Zeile 29. statt panium lies Panicum. — 66. — 7. — Satirus — sativus. — 66. — 31. — Punicum lies Punica. — 67. — 10. — Mioya lies Mioga. — 87. — 21. — Azedarach, Melia lies Melia Azedaraen — 113. — 18. — sirofa lies fcrofa. — 114. — 17. — pyrrhyla lies Pyrrhula. — 115. — 2. — Ophichthys lies Ophichthus. — 115. — 10. — Fis t elaria lies Fistularia. — 115. — 30. — Melve lies Meloe. — 117. — 16. — Onisius lies Oniscus. — 120. — 1. — cannena lies Canrena. — 204. — 12. — melangena lies Melongen a .