Theorie der Gartenkunst. Von C. C. L. Hirschfeld, Koͤnigl. Daͤnischem wirklichen Justizrath und ordentlichem Professor der Philosophie und der schoͤnen Wissenschaften auf der Universitaͤt zu Kiel. Fuͤnfter Band . Nebst Register . Leipzig, bey M. G. Weidmanns Erben und Reich . 1785 . Vorbericht . E ndlich gelingt es mir, den Freunden der schoͤnen Gartenkunst hier den fuͤnften und letzten Band dieses Werks zu uͤberreichen. So viele gluͤckliche Stunden ich bey der Ausarbeitung genossen, so wurden sie doch oft von den mancherley Schwierigkeiten getruͤbt, womit ich zu kaͤmpfen hatte. Schon die Entfernung von den Zeichnern, den Ku- pferstechern und dem Druckort hatte mancherley Unbequemlichkeit. Ich habe an meinem Wohnort nichts gehabt, was zur Befoͤrderung dieses Werks haͤtte beytragen koͤnnen; alles mußte ich erst aus der Ferne su- chen. Ich war daher genoͤthigt, nicht allein einen kostbaren Briefwech- sel zu unterhalten, sondern auch manche theure und seltene Architectur- werke und Kupferstiche anzukaufen; und außer den kleinern Reisen, die ich in den Jahren der Ausgabe dieser Theorie jeden Sommer machte, unternahm ich zuletzt noch eine durch ganz Deutschland bis an die Graͤnze Helvetiens , um selbst zu sehen, wie weit es mit der Verbes- serung des Gartengeschmacks gekommen sey. Man wird durch dieses ganze Werk, und besonders in dem gegenwaͤrtigen Bande, die Fruͤchte dieser Reisen sehen. Aber man sieht nicht die betraͤchtlichen und uner- setzten Kosten, die ich aufgeopfert habe, um diese Theorie so vollkom- men zu liefern, als nur moͤglich war. 2 Indessen Vorbericht . Indessen hat der rechtschaffene Buchhaͤndler, der den Verlag dieser Theorie besorgte, von seiner Seite zur Befoͤrderung und Ver- zierung der Ausgabe nicht wenig beygetragen. Mit einer edlen und unverdrossenen Bereitwilligkeit erfuͤllte er alle meine Wuͤnsche, die auf die Verschoͤnerung dieses Werks giengen, und woran Kunstliebhaber und Kuͤnstler vom ersten Range mit uns vereinigt gearbeitet haben. Die Erfindungen der Herren Weinlig, Brandt, Schuricht, Zingg und andrer hat Herr Geyser , der als Kupferstecher so vielen Antheil an den Verzierungen dieses Buchs hat, auf eine Art ausgefuͤhrt, wo- durch sie noch mehr schaͤtzbare Denkmaͤler der Kunst und des Geschmacks aus unsrer Zeit geworden sind. Der Reichthum und die Mannichfal- tigkeit der Abbildungen von Gartenscenen, Landhaͤusern und Garten- gebaͤuden, die theils als wirkliche Ausfuͤhrungen fast aus ganz Europa gesammelt, theils als schoͤne Ideale und Erfindungen von den beruͤhm- testen Kuͤnstlern vorgezeichnet sind, enthalten eine betraͤchtliche Erwei- terung der Architectur, und sind nicht weniger lehrreich fuͤr den jun- gen Architecten, als fuͤr den Gartenkuͤnstler. Wenigstens hat er hiet eine bequeme und ziemlich weite Uebersicht sowohl uͤber das Vorzuͤg- lichste, was in allen Laͤndern in diesem Fache vorhanden ist, als auch uͤber eine Menge von neuen Erfindungen, wodurch die Kunst noch er- weitert werden kann. Verschiedene Gartenkenner, die an ihrem Orte genannt sind, haben durch eingeschickte Beschreibungen, Nachrichten und Zeichnun- gen sich um die Vollstaͤndigkeit dieses Werks so verdient gemacht, daß ich ihnen hier oͤffentlich meinen verpflichteten Dank wiederhole. Die Aerndte ist freylich nicht so reich ausgefallen, als ich erwartete; indes- sen sah ich auf meinen Reisen selbst, daß in sehr vielen Provinzen gar nichts gesaͤet war, daß in andern die Saat erst aufsproßte, und in noch Vorbericht . noch andern die Fruͤchte nur eben anfiengen zu reifen. Doch giebt be- sonders der zweyte Anhang dieses Bandes eine fast allgemeine Aussicht uͤber alle betraͤchtliche Gaͤrten in Europa . Alle neue Beschreibun- gen, womit dieser Band am meisten bereichert ist, sind von mir selbst entworfen, wenn kein andrer Verfasser angefuͤhrt ist. Ich muß hiebey bemerken, daß die eingeruͤckten Beschreibun- gen in der Zukunft nothwendig viel von ihrer Wahrheit verlieren muͤssen; nothwendig, weil die Gaͤrten den bestaͤndigen Veraͤnderungen der Zeit und des Menschen unterworfen sind. Schon an zwey bis drey Gaͤr- ten, die so reizend waren, kann ich jetzt nicht mehr ohne Wehmuth denken; verlassen und veraͤndert von neuen geschmacklosen Besitzern, denen sie zufielen, trauern sie schon ihrem Untergange entgegen. Man betrachte demnach die Beschreibungen davon als Kopien von Gemaͤl- den, wovon die Originale sich verloren haben, oder von der Hand der Zeit oder unwissender Ausbesserer unkenntlich geworden sind. Es scheint ein gluͤcklicher Zufall, daß diese Theorie gerade in ei- nem Zeitpunkt erscheint, wo eine fast allgemeine Liebe der Gaͤrten sich durch Europa zu verbreiten angefangen hat. Der Geist der nuͤtz- lichen Gartenkultur belebt uͤberall die wahren Patrioten, und wenig- stens herrscht die unbedingte Nachahmung der englischen Manier uͤberall da, wo man keine andere Anleitung kennt. Man kann mit Recht behaupten, daß fast alles, was Deutschland, Frankreich und Norden an guten Gartenanlagen aufzuweisen haben, erst in der letz- ten Haͤlfte dieses Jahrhunderts entstanden ist. Es gehoͤrt bloß zur Geschichte dieser Theorie, zu bemerken, daß sie seit ihrer Erscheinung schon manche gluͤckliche Wirkung in verschiedenen Laͤndern, wohin sie zum Theil durch die franzoͤsische Uebersetzung gebracht ist, veran- laßt hat. 3 Man Vorbericht . Man darf nun doch nicht sagen, daß es an einer Anleitung zur Beurtheilung und Anlage der Gaͤrten und zu den mannichfaltigen Ar- ten der Verschoͤnerung des Landes fehle. So lange die wahren Grund- saͤtze der Kunst noch unentwickelt waren, ließ es sich eher entschuldigen, wenn man immer nach englischen Zeichnungen und Planen lief, immer kopirte, was man in diesem oder jenem Garten fand, der in Ruf stand. Der Weg ist wenigstens gebahnt, worauf man nun durch Nachdenken und Studium der Natur weiter fortschreiten kann. Der schoͤnste Garten ist der, welcher in seiner Art ganz das ist, was er seyn kann, nach dem Genius des Orts und der Gegend; der vollkommenste Garten ist der, welcher die wenigsten Fehler hat. Wenn inzwischen noch jetzt in den neuen Anlagen so manche Verirrungen des Geschmacks erscheinen, so darf man die Schuld nicht immer den Gaͤrt- nern oder den Anlegern beymessen. Ich habe es selbst gesehen, wie es an so manchen Hoͤfen geht. Ist der Liebling des Fuͤrsten oder der Gartendirector ein Ingenieur, so muß der Garten Waͤlle und Ver- schanzungen aufnehmen. Ist er ein franzoͤsischer Marquis, so schlaͤgt er Labyrinthe, Theater und Tombeaux des Poëtes dramatiques vor. Kennt er nur Versailles, Marly u. s. w., so muͤssen die Baͤume und Gebuͤsche sich in die kunstreichste Architectur umbilden lassen. Hat er nur die neuen Anlagen um Paris gesehen, so wird der Bezirk mit chi- nefischen Thuͤrmchen, Moscheen, Kiosken u. s. w. bunt genug ver- ziert werden. Leitet eine geistlose Hofdame die Anordnung, so wird sie die schoͤnsten Plaͤtze mit kleinen Spielwerken verderben. Bey allen diesen Thorheiten und Kuͤnsteleyen ist immer das Gewoͤhnliche auch das Schlimmste, naͤmlich, daß aufgeklaͤrte Gartenkenner, die weit daruͤber hinaussehen, nicht gefragt oder doch nicht gehoͤrt werden. Der hirn- lose Hofschranze weiß sie bald zu uͤberschreyen. Dieß ist auch die Ur- sache, Vorbericht . sache, daß im Ganzen betrachtet der Adel, der von diesen Fesseln frey ist, weit bessere Gaͤrten hat, als die Fuͤrsten. Es ist ein schaͤdliches Vorurtheil, wenn man sagt: ein Fuͤrst koͤnne machen was er wolle; er habe zu befehlen; es koste ihm sein Geld. „Nein, gnaͤdiger Hert, wuͤrde ich einem Prinzen sagen, lassen Sie dieses Vorurtheil nicht gelten. Um einen Hoͤfling, der diese Meynung aͤußert, bekuͤmmert sich die Welt nicht viel, aber wohl um den Fuͤrsten, der dieser Meynung folgt. Sie duͤrfen nicht geradezu machen, was Ihnen einfaͤllt. Ihre Werke stehen oͤffentlich da; der Kenner, der Ihre Gebaͤude, Ihre Gaͤrten sieht, beur- theilt sie zugleich, und ein Urtheil, das sich auf Kenntniß stuͤtzt, kann einem Fuͤrsten nicht gleichguͤltig seyn. Der Geschmack Ihrer Werke geht mit in Ihre Geschichte uͤber. Man nennt Ihren Namen wenn der Name Ihrer uͤbel unterrichteten Rathgeber laͤngst vergessen ist.“ Jeder ansehnliche Hof sollte billig einen aufgeklaͤrten Mann zum besondern Gartendirector waͤhlen, der ganz allein seine Talente, Kraͤfte und Zeit diesem Geschaͤfte widmete, der Kenntniß, Geschmack, Eifer, Verbindung und Ansehen genug haͤtte, um sowohl die Ehre der Gaͤr- ten des Landes, als auch die Ausbreitung der nutzbaren Gartenkultur befoͤrdern zu koͤnnen. So lange ein so wichtiges Geschaͤfte Personen aufgetragen wird, die entweder gar nicht die dazu noͤthigen Eigenschaf- ten besitzen, oder schon mit andern Arbeiten zu sehr uͤberladen sind, so lange darf man sich wenig Fortgang fuͤr die wahre Kultur der Gaͤrten versprechen. Man kann ein braver Officier, ein feiner Cavalier, ein guter Hofmarschall seyn; man kann durch Witz und Verstand glaͤnzen; und doch ein elender Gartendirector seyn. Wie wenige giebt es, die eben die Wissenschaft, eben den Geschmack, eben das Studium, eben die Beobachtung, eben die Uebung besitzen, die gerade zu einem solchen Posten erfordert werden! Unsre Vorbericht . Unsre Zeit scheint sich durch eine so große und ausgebreitete Re- volution in Ansehung der Gaͤrten auszuzeichnen, als noch niemals war. Ich werde die Fortgaͤnge der schoͤnen Gartenkunst sowohl, als auch alle Veraͤnderungen, die sie betreffen, kuͤnftig im Gartenkalender be- richten; man wird darinn unter einem besondern Abschnitt Nachtraͤge zu diesem Werke finden. Einer der schaͤtzbarsten Vortheile, die ich dieser Theorie verdanke, ist die Ehre der Bekanntschaft mit vielen Hoͤfen, mit vielen Personen vom ersten Stande, und von den ersten Verdiensten. Die mancher- ley Beweise des Wohlwollens und der Gefaͤlligkeit, womit man mich auf meinen Gartenreisen uͤberall aufzunehmen gewuͤrdigt hat, verlan- gen hier noch meine ehrerbietigste und waͤrmste Dankbarkeit. Diese huldreiche und guͤtige Aufnahme bin ich freylich mehr dem Gegenstande, der die Fuͤrsten, den Adel und alle Freunde der schoͤnen Natur so nahe interessirt, als der Behandlung schuldig; sie hat indessen nicht wenig meinen Eifer belebt, um die Gartenkunst so weit dem Ziel ihrer Aus- bildung entgegen zu fuͤhren, als es meine Kraͤfte und unser Zeitalter verstatten. Theorie Theorie der Gartenkunst . V Band. A Fuͤnfter Abschnitt . Gaͤrten oder Scenen nach den Tageszeiten. D ie verschiedenen Abschnitte des Sommertages kuͤndigen sich durch einen ver- schiedenen Charakter an. Heiterkeit und Lebhaftigkeit umschweben den Mor- gen; Staͤrke des Lichts und Schwuͤle druͤckt den Mittag; Milde und Ruhe erfrischet den Abend. Die Natur verbindet mit jedem Theil des Tages eine Menge von Er- scheinungen, die ihm eigenthuͤmlich zugehoͤren, und die Gegenstaͤnde der Landschaft zeigen sich unter den Abwechselungen der Beleuchtung in immer neuen Gestalten. Es lassen sich demnach Scenen anordnen, wo die Eigenthuͤmlichkeiten von jedem Theil des Tages nicht blos wahrgenommen, sondern auch, von ihren Beschwerlich- keiten befreyet, unter einem erhoͤheten Reize genossen werden. Man kann bald aus besonders gestimmtem Geschmack, bald nach der Lage der Gegend, die man bewohnt, bald aus Beduͤrfniß der Lebensart und der Geschaͤfte sich seinen Garten fuͤr den Mor- gen, oder fuͤr den Mittag, oder fuͤr den Abend bilden. Man kann selbst diese ver- schiedenen Arten von Anlagen in einem ausgedehnten Park, als eben so viele beson- dere Scenen, in eine harmonische Verbindung mit dem Ganzen bringen. A 2 I. Mor- Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen I. Morgengarten oder Morgenscene. W ie glaͤnzt die Morgenroͤthe Auf Berg und Wald, Wo schon des Hirten Floͤte Ins Land erschallt! D ie Huͤgel und die Weide Stehn aufgehellt; Und Fruchtbarkeit und Freude Bebluͤmt das Feld. Die Lerche steigt und schwirret Von Lust erregt; Die Taube lacht und girret, Die Wachtel schlaͤgt. Der Schmelz der bunten Flaͤchen Glaͤnzt voller Pracht; Und von den lauten Baͤchen Entweicht die Nacht. Von Hagedorn . Diese liebliche Heiterkeit, diese frische Anmuth, diese laute Wonne der erwa- chenden Natur, wie belebt und erweitert sie jedes Herz! Alles ist Freude und rust zur Freude. Der Morgengarten eroͤffne sich demnach, um die Freude des jungen Tages zu empfangen. Er verbreite sich in einem bluͤhenden Thale, an dessen Seite sich ein Berg oder eine Felsenspitze erhebt, auf welche die aufgehende Sonne ihren roͤthenden Glanz hinstreue; oder er schmiege sich uͤber ein huͤgeligtes Gefilde mit sanften Ab- haͤngen hinab. Allezeit aber breite er seinen ganzen Bezirk vor dem oͤstlichen Strahl hin, und gewaͤhre die ganze Pracht des Anblicks der aufsteigenden Sonne, mit tausend zufaͤlligen Reizen begleitet. Noch erquicket das Licht, ohne zu beschwe- ren; der Glanz, der sich auf den Fluren zerstreut, erheitert, ohne zu blenden. Tausend flimmernde Lichter spielen, zur Ergoͤtzung des Auges, in dem Laube der Baͤume, auf den blumigten Wiefen, und auf dem vermischten Gruͤn der Felder; ein wunderbar entzuͤckendes Schauspiel, das selbst in gefuͤhllose Seelen ein stum- mes Erstaunen strahlt. Gruͤn ist das Feyerkleid der Natur, die Seele der Gaͤr- ten, und die Entzuͤckung des Auges; aber Gruͤn ist nirgends gesuchter, nirgends schoͤner, als unter den Malereyen des aufgehenden sowohl als des untergehenden Lichts. Der Morgengarten waͤhle, wo er kann, seine Lage mit Aussichten auf angraͤnzende Wiesen und Gebuͤsche. Die nach den Tageszeiten. Die Helligkeit eines nahen Sees ist ein wichtiger Umstand fuͤr diesen Charak- ter, und die mannichfaltigen verschoͤnernden Schauspiele des fruͤhen Lichts, die sich auf seiner Flaͤche und an seinem Ufer umher malen, geben dem Auge eine Unter- haltung, wobey es gerne verweilt. Ein betraͤchtlicher Strom, der sich vor dem Morgengarten voruͤber waͤlzt, gewaͤhrt eine noch groͤßere Lebhaftigkeit. Allein auch kleine Baͤche, die unter dem Spiel des Lichts, zwischen Gras und Blumen huͤ- pfen, oder mit einem hellen Geraͤusch dahin sprudeln, tragen nicht wenig zur Be- lebung der Scene bey, und sind zugleich mehr in der Macht des Garten- kuͤnstlers. Die Gipfel der Hayne und Waͤlder, die Hoͤhen der Berge und die Spi- tzen der Felsen stellen in den Morgenstunden zauberische Spiele des Lichts dar, das zuerst an ihnen sanft aufglimmt, sie gelb und roͤthlich faͤrbt, und endlich mit einem strahlenden Glanze uͤberstroͤmt, der sie in der ganzen Landschaft stark heraushebt, indessen sich an ihren Seiten lange Schatten hinstrecken, und angenehme Ruhestel- len fuͤr das Auge bilden. Selbst ein Kirchthurm oder die Spitze eines andern an- sehnlichen Gebaͤudes in der Naͤhe kann in dieser Absicht wichtig werden. Diese Gemaͤlde des Morgenlichts sind so reizend, daß der Anleger sie nicht uͤbersehen darf, wo er Gelegenheit hat, sie zu gewinnen. Der Morgengarten liebt viel freye Plaͤtze, Rasen und Blumen, diese lieb- lichen Bilder der Jugend, die sich im Glanz des Thaues schoͤner heben. Die Freyheit ist dem Auge, das von so vielen heitern Gegenstaͤnden gerufen wird, hier doppelt angenehm. Sie ist zugleich ein besonderes Eigenthum dieser Scene. Manche Gegenstaͤnde gewinnen eine groͤßere und schoͤnere Wirkung, wenn sie nicht gedraͤngt sind, sondern von einander mehr abgesondert erscheinen, sich ganz uͤberse- hen und an verschiedenen Stellen einzeln betrachten lassen. Wir athmen in diesen Stunden so gern die Frischheit der hereinstreichenden Luft und die neuen Wohlge- ruͤche der Kraͤuter, wir lieben so sehr die Milde des Lichts und die Freyheit der Aus- sicht umher, daß wir jede Verschließung, die uns einen dieser Vortheile raubt, mit Recht anklagen. Die Bepflanzung des Morgengartens folge dieser Bemerkung. Sie waͤhle Baͤume von zarten, duͤnnen, gefiederten und leichten Blaͤttern, die einen gemilder- ten Schatten verstreuen, wie der Quitschernbaum (Sorbus aucuparia, L.) die Zitterpappel (Populus tremula, L.) A 3 die Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen die virginische Robinie (Robinia Pseudo-acacia, L.) die Gleditsia (Gleditsia triacanthos, L.) die Amorpha (Amorpha fruticosa, L.) die Sophora (Sophora tetraptera, J. Miller.) Einige dieser Baͤume schicken sich noch besonders wegen des Hellgruͤnen ihrer Blaͤtter in eine Morgenscene, als die virginische Robinie und die Amorpha; und nach dieser Eigenschaft koͤnnen auch der virginische Ahorn (Acer negundo, L.) der virginische Storaxbaum (Liquidambar Styraciflua, L.) und noch einige andere dieser Art dazu gewaͤhlt werden. Die Gruppen, aus die- fen Baͤumen zusammengesetzt, gewinnen ein uͤberaus gefaͤlliges Anfehen, wenn sie nur klein und hin und her zersireut sind, um die sanften Strahlen des Morgens durch ihre leichtere Belaubung freyer durchspielen zu lassen. Und wenn zwischen ihnen gruͤnende Rasen und freye Blumenfluren sich herumwinden, und diese anmuthigen Plaͤtze noch von herumirrenden lautrieselnden Baͤchen erfrischt und hin und wieder von umherschweifenden Lichtern und Schatten verschoͤnert werden, so scheint die Anmuth dieser Scene vollendet zu seyn. Die Gebaͤude, die in Morgengaͤrten aufgefuͤhrt werden, muͤssen mit ihrer Lebhaftigkeit, Ergoͤtzung und anmuthigen Geschaͤftigkeit uͤbereinstimmen. Wallet ein See neben dem Garten, stroͤmt ein Fluß vor ihm voruͤber, oder durchstreicht er seinen Bezirk, so mag eine feine Fischerwohnung das Ufer zieren; denn die Geschaͤfte des Fischfangs gehoͤren dem fruͤhen Tage. Liebt der Besitzer den Umgang mit den Wissenschaften, so mag auf schoͤnen Saͤulen ein Tempel, dem Apoll geheiligt, em- porsteigen, und vor dem Eingang die Statue des Vaters der Musen, beglaͤnzt vom Morgenstrahl, voll Entzuͤckung die Leyer zu ruͤhren scheinen. Allein auch außer die- sen Beziehungen, koͤnnen wir dieser Tageszeit S. dritten B. S. 76-77. einen Tempel weihen, der ganz seinem besondern Charakter zustimmt. Man sehe diesen Tempel des Morgens. Der nach den Tageszeiten. Fuͤnfter-Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen Der junge Phoͤbus steigt uͤber die Kupel, die als eine halbe Erdkugel in Bas- relief gearbeitet ist, empor, und erleuchtet mit seiner Fackel ihre oͤstliche Flaͤche; uͤber dem Eingang zeigt sich der Kopf des Apoll , des Freundes der Mor- genstunden. Auch ein Vogelhaus ist ein sehr schickliches Gebaͤude in einem Morgen- garten, indem ihn die gesiederten Bewohner mit einem Concert von mannichfaltigen Stimmen beleben, das nie froher und muthiger ist, als wenn sie den aufsteigenden Tag begruͤßen. Man sehe diesen kleinen zum Theil verfallenen toscanischen Tempel. Er nach den Tageszeiten. V Band. B Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen Er steht auf einer Anhoͤhe, von welcher man die aufgehende Sonne den Horizont heraufsteigen sieht. Die Vorhalle dieses Tempels ist mit Gitterwerk verwahrt, und dient einer Menge Gesangvoͤgel zum Aufenthalt. Ein daneben gelegenes Kabinet, das die Zelle des Tempels einnimmt, gewaͤhrt durch die nach der Vorhalle ebenfalls mit Gittern verschlossene Thuͤre den Genuß jener melodischen Nachbarschaft. Der uͤber dem Kabinet besindliche Raum unter dem Dache ist zu einem sichern Aufent- halt bey ungestuͤmem Wetter fuͤr die hier versammelten Voͤgel bestimmt. Ein an- genehmer Hayn, der sich hinter dem Tempel ausbreitet, fuͤhrt durch verschiedene schlaͤngelnde Wege zu diesem dem Morgen geheiligten Monument. Die Gebaͤude, die noch das Ansehen der Vollkommenheit haben, vertragen in einer Morgenscene einen lebhaften Anstrich; selbst das voͤllige Weiße ist hier schick- lich, indem es die Erleuchtung noch mehr erhebt. Auch die Kupeln, die kleinen Thuͤrme und uͤbrigen Spitzen dieser Gebaͤude koͤnnen eine solche Stellung erlangen, daß sie von dem glaͤnzenden Strahl, den sie empfangen, uͤber den anliegenden Auf- tritt einen verschoͤnernden Schimmer ausstreuen. Die starken Kontraste von Licht und Schatten, die vornehmlich durch die Hoͤhen der Gegenstaͤnde, durch Berge, Fels- spitzen, Waldgipfel und Gebaͤude veranlaßt werden, machen uͤberhaupt eine vorzuͤg- liche Schoͤnheit der Landschaft in den Stunden des Morgens aus. II. Mittagsgarten oder Mittagsscene. D er Mittag hat gegen die uͤbrigen Abschnitte des Tages die wenigste Anmuth. Die uͤber unferm Haupt stehende Sonne erfuͤllt alles mit einem Glanz, der das Auge blendet, und mit einem Feuer, das alle Munterkeit der thierischen Schoͤ- pfung verzehrt. Die dampfende Hitze der Luft scheint selbst die Kraͤfte des Geistes zu ersticken; mit Muͤhe erhebt er sich zu Arbeiten, die ihm sonst leicht und erfreulich sind. Alles wird in eine matte Unthaͤtigkeit versenkt. Die Blumen und Pflanzen lassen entkraͤftet ihre Haͤupter sinken; die Thiere strecken sich an Suͤmpfen und Ge- waͤssern hin, und vergessen ihre Weide; die befiederten Saͤnger lassen ihre melodischen Lieder verstummen, und hangen traͤumend an laubreichen Zweigen; die Luft ist stille, das Wasser scheint in einen Spiegel gegossen, und unbewegt ruhen darauf die Schat- ten der Baͤume. Dies sind die Stunden, wo Erquickung und Ruhe Beduͤrfniß der Natur werden. Das nach den Tageszeiten. Das erste, worauf der Anleger eines Mittagsgartens oder einer Mittagsscene seine Aufmerksamkeit zu richten hat, ist die Anwendung der Mittel, um die Unbe- quemlichkeit der Tageszeit zu mildern. Wir suchen den Schatten und seine Kuͤh- lung. Dichte Lauben, stark belaubte Hayne und nicht zu sehr verwilderte Dickigte bieten uns erwuͤnschte Ruheplaͤtze an. Zur Pflanzung in diesen Scenen empfehlen sich verschiedene Baͤume durch den Reichthum und die Groͤße des Laubwerks, als die großblaͤttrige Linde, die Roßkastanie, der Ahorn, mit verschiedenen Arten, Die carolinische Pappel (Populus Heterophylla, L.) die Katalpa (Biguonia Catalpa, L.) der nordamericanische Platanus (Platanus occidentalis, L.) der Tulpenbaum u. a. Diese laubreichen Anpflanzungen befriedigen nicht blos das Beduͤrfniß der Kuͤhlung; sie geben zugleich liebliche Plaͤtze zum Aufenthalt, zur Tafel, zum Lesen, zum Spiel, zum Schlaf; sie gewaͤhren, indem man in ihnen verweilt, eine Folge von sanften Em- pfindungen; sie reizen selbst in der Ferne durch die Vorstellung der Erquickung, die sie in ihrem Schooß enthalten. Allein die Pflanzungen duͤrfen doch nicht so dicht seyn, daß sie der Luft allen Einzug verwehren; sie koͤnnen demnach hin und wieder mit einigen luftigen Gruppen abwechseln. Nichts ist anmuthiger, als aus der tiefen Nacht der Belaubung zuweilen in eine mildere Daͤmmerung heruͤber zu irren, und hier bald das Auge an dem Spiel der durchfallenden Lichter, bald das Gefuͤhl unter den kuͤhlenden Athmungen der Luft zu beleben. Außer den Anpflanzungen geben auch Grotten S. 3ten B. S. 84-96. in Felsen und an Wasser- faͤllen angenehme Zufluchtsoͤrter vor der Hitze, und sind einem Mittagsgarten sehr angemessen. Ein ausgebreiteter See ist in diesen Stunden zu blendend fuͤr das Auge, das, von dem Glanz des Tages belaͤstigt, sich gern in der erquickenden Dunkelheit des Schattens verbirgt. Maͤßige Wasserguͤsse, halb mit Gestraͤuch verdeckt, erfrischen die Einbildungskraft, wie die Scene. Selbst Springwasser, die in den Gaͤrten der heißen Himmelsstriche ihren Ursprung hatten, scheinen mit dem Charakter dieser B 2 Anlage Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen Anlage vereinbar; sie koͤnnen hie und da, z. B. vor einem Speisesaal, einen Grad der Schicklichkeit gewinnen, der ihnen sonst fehlt; und bey einem Ruhekabinet hat selbst ihr monotonisches Geplaͤtscher einen geheimen Zauber, der zum Schlummer einladet. Allein starke Wasserfaͤlle und rauschende Stroͤme haben zu viel Lebhaftig- keit, als daß sie bey der allgemeinen Ruhe, die uͤber den Mittag schwebt, hier schick- lich scheinen koͤnnten. In dieser Art von Gaͤrten muͤssen die Gebaͤude nicht frey stehen, sondern sich, wo nicht ganz, doch zum Theil, in Schatten verhuͤllen. Denn ihre Lage muß dazu beytragen, den allgemeinen Charakter der Scene, Sehnsucht nach Kuͤhlung, verbreiten zu helfen, und zugleich den Glanz zu verdunkeln, den sie auf einer schattenfreyen Stelle zum Nachtheil des Auftritts zuruͤckwerfen wuͤrden. Eben diese Beschattung verlangt auch außerdem noch die Bestimmung der Ge- baͤude in einem Mittagsgarten. Sie koͤnnen fast nur allein dem Ausruhen von der Ermattung in der Hitze, der Erholung an der Tafel und den Erfrischungen des Bades gewidmet seyn. Man kann hier verschiedene Tempel, bald der Ruhe, bald dem Bacchus, bald dem Comus geweihet, auffuͤhren, und sie mit einem eigenen Charakter und Gepraͤge ihrer Bestimmung bezeichnen: ein neues Feld zur Erfin- dung und zum Ruhm fuͤr den sinnreichen Architecten. Ein schoͤnes Beyspiel von diesem Verdienst betrachte man hier. Ein nach den Tageszeiten. Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen Ein freystehender mit Kabinetten umgebener cipicrinischer Saal, dem Mittag und der Gastfreundschaft geheiligt. Die nach den vier Weltgegenden gerichteten Eingaͤnge stehen jedem Weltbuͤrger offen, der mit reinen Haͤnden und Herzen erscheint, wie die neben dem vordern und hintern Eingange sich erhebenden Springbrunnen andeu- ten; die Chimaͤren mit Fruchtkoͤrben auf den Haͤuptern aber laden zum Genuß der Guͤter der Natur ein. Das Gebaͤude steht in der Mitte einer freyen Pflanzung von schoͤnen, geraden, edlen Fruchtbaͤumen, die ihre Schaͤtze zur Kuͤhlung der Sommer- hitze geben, und ist inwendig nach Art der Oporotheken der Alten Varro de re rustica Lib. I. cap. 2 und 59. verziert. Eine solche von frischem Obst mit Geschmack und Einsicht angeordnete Verzierung ist eben so abwechselnd als angenehm. Nicht minder ergoͤtzend ist es, entweder einige Zeit vor der Tafel, oder in den Stunden des Nachmittags, die gegen den Abend hinabfließen, sich in einem kuͤhlen Bade zu erfrischen. Ein Mittagsgarten kann daher in einem abgesonderten beschatte- ten Revier ein kleines Badhaus aufnehmen. Doch schoͤner noch ist ein freyer Badort, den sein Genius den Nymphen gewidmet zu haben scheint, die hier zuweilen unter dem Schutz einer Felsenwand den Guͤrtel loͤsen, um ihren Reiz der krystallenen Flut sanfter Wasserguͤsse anzuvertrauen. III. Abend- nach den Tageszeiten. III. Abendgarten oder Abendscene. W ie reich der Sommerabend an sanften Schoͤnheiten und malerischen Zufaͤlligkei- ten ist, das sagt uns so oft bey unverfaͤlschter Empfindung der entzuͤckte An- blick, das sagen uns tausend ruͤhrende Nachbildungen der Dichter und der Landschaft- maler. „Wenn die Kuͤhle des Abends, bemerkt ein feiner Beobachter, Der Marquis von Girardin in der Composition des Paysages . jene lieb- liche und anmuthige Farbe verbreitet, welche die Stunden der Ruhe und des Ver- gnuͤgens ankuͤndigt, dann herrscht in der ganzen Natur eine erhabene Harmonie der Farben. In folchen Augenblicken hat Claude Lorrain die ruͤhrenden Kolorite sei- ner ruhigen Gemaͤlde gewaͤhlt, wo die Seele mit den Augen zugleich gefesselt wird; um diese Zeit weiden sich unsere Blicke gern an einer großen Landschaft. Die Mas- sen von Baͤumen, wo das Licht durchschimmert, unter welchen das Auge einen ange- nehmen Spazierweg erblickt; große Flaͤchen von Wiesen, deren Gruͤn von den durch- fichtigen Schatten des Abends noch verschoͤnert wird; das reine Krystall eines ruhigen Gewaͤssers, worinn sich die benachbarten Gegenstaͤnde bespiegeln; leichte Gruͤnde von lieblicher Gestalt und dunstiger Farbe: dies sind uͤberhaupt die Gegenstaͤnde, die sich am besten fuͤr die Abendseite schicken. Es scheint in diesen Augenblicken, als wenn die Sonne, bereit den Horizont zu verlassen, vor ihrem Abschiede erst gern die Erde mit dem Himmel vermaͤhle; auch gehoͤrt der groͤßte Theil von Abendgemaͤlden fuͤr den Himmel. Denn da betrachtet der fuͤhlende Mensch so gern diese unendliche Mannichfaltigkeit von reizenden und ruͤhrenden Nuͤancen, womit sich der Himmel und die Fernen der Landschaft verschoͤnern; es sind die kostbaren Augenblicke der Ruhe und der Erholung.“ In der That ist es eine gewisse ruhige Milde und Lieblichkeit, eine unbeschreib- liche Sanftheit, welche sich des Abends uͤber alle Scenen der Natur ergießt, und den Charakter dieser Tageszeit ausmacht. Alle Abendbilder der Dichter und der Land- schaftmaler, welche die Natur empfanden, sind in diesem Charakter. W enn des Abends Rosenfluͤgel Kuͤhlend uͤber Thal und Huͤgel, Ueber Wald und Wiese schwebt; Wenn der Thau die Baͤume traͤnket, Sich in bunte Blumen senket, Und an jungen Aehren bebt; Wenn Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen W enn im Schalle heller Glocken Heimwaͤrts sich die Schafe locken, Und im Gehn das Laͤmmchen saugt; W enn die Erlen duftend saͤuseln, Wenn die Muͤcken Teiche kraͤuseln, Wenn der Frosch sich quaͤkend blaͤht, W enn im Nachtigallenthale Hesper mit verliebtem Strale Heimlich meine Quelle kuͤßt; Wenn das Geißblatt suͤße Duͤfte In dem Wehen leiser Luͤfte Labend mir entgegen haucht; Wenn der Fisch im Wasser huͤpfet, Aus der kalten Tiefe schluͤpfet, Und der Schwan zu Neste geht; Wenn, wie eine Braut erroͤthend, Luna freundlich koͤmmt, und floͤtend Philomele sie begruͤßt — Fr. Leop. Graf zu Stolberg. Dies sind die Augenblicke der lieblichsten Bilder und der suͤßesten Empfindungen: eine frohe Erholung der erschoͤpften Kraͤfte, ein gelassenes Nachsinnen, eine sanfte Milde, die sich uͤber alle unsere Gedanken, alle unsere Empfindungen verbreitet, ein Gefuͤhl von der Veraͤnderung und Verschwindung der Scenen der Welt, das nicht schmerzhaft, nicht niederschlagend ist, sondern das empfindsame Herz lehrreich unter- haͤlt. In diesen Augenblicken fuͤhlen wir uns so geneigt zum Genusse jeder Art von gemilderter Empfindung, zu Ergießungen vertraulicher Zaͤrtlichkeit, zu ruhigen Un- terredungen uͤber den Werth des Lebens, uͤber seine Bestimmung und seine Hoffnun- gen. Das Landleben 4te Aufl. 1776 vorletzte Betrachtung. Alle Veraͤnderungen, die jetzt in der Natur vorgehen, das allmaͤlige Ent- weichen der Sonne, die Verlaͤngerung der Schatten, die Verduͤsterung ganzer Flaͤ- chen, indessen nach und nach der noch an den Hoͤhen schwebende falbe Schein ver- lischt, die verstummende Geschaͤftigkeit des Tages, die beginnende Ruhe aller Ge- schoͤpfe, das Aufgluͤhen des Mondes und die feyerliche Majestaͤt des sich hie und da sternenden Himmels, vereinigen sich, diese Stimmung der Seele zu unterhalten. Wie beseligend ist nicht dieser Selbstgenuß in der Feyer des Abends, wenn lieb- liche Gefuͤhle und suͤße Phantasien mit ernsten Betrachtungen wechseln, bald in der Unterredung mit einem weisen Freund, bald in der stummen Unterhaltung der Ein- samkeit! Wie manche sanfte Seele findet nicht ihre Empfindung in dieser Stelle wieder! Wenns nach den Tageszeiten. W enns in meiner Brust zu enge Um die Abenddaͤmmrung wird, Schleich ich weg aus dem Gedraͤnge, Das am Tage mich umschwirrt; A thme in der Laube Kuͤhle Hier der Bluͤthen Balsamduft, Seh der Voͤgel letzte Spiele In der stillen Abendluft; D enk an alles, was auf Erden Meines Lebens Wonne ist, Bis in Scenen, die einst werden, Ahndend sich der Geist vergißt. Um uns diese Vortheile zu geben, breite sich der Abendgarten nach der Gegend hin, wo die Seele die Feyer der untergehenden Sonne, alle malerische Gestalten, wo r inn der Himmel, das Wasser und die Landschaft erscheinen, tausend bezaubernde Zufaͤlligkeiten, die das sinkende Licht bildet, genießen kann. Ist die Pracht dieses Schauspiels geendigt, so verschwindet der blendende Glanz; eine liebliche Beleuch- tung, schoͤner als der Tag gab, fließt uͤber die Landfchaft hin; der Schimmer, der hin und wieder von den wachsenden Schatten der Berge, der Baͤume und Gebaͤude begraͤnzt wird, finkt immer mehr in die Daͤmmerung herab; ein still aufwallender Dunst uͤberschleyert die Waͤlder und selbst die Gewaͤsser mit einem duͤnnen Flor; alle Scenen der Natur wechseln mit jedem Augenblicke ihre Gestalt. Eine Mischung von kleinen Huͤgeln und Thaͤlern, ein großer gruͤner Abhang gegen Westen, mit einer Anssicht auf benachbarte Waͤlder und Berge, auf Ge- birge und andere praͤchtige Fernen der Landschaft, scheint die vortheilhafteste Lage fuͤr den Abendgarten darzubieten. Gewaͤsser sind besonders fuͤr diese Art der Anlage wichtig; sie vervielsaͤltigen die Schoͤnheit der untergehenden Sonne, und verlaͤngern die letzten Augenblicke des Tages. Ein angraͤuzender oder doch nicht zu entfernter See, wovon eine ansehnliche Flaͤche dem Auge uͤbersehbar ist, stimmt sowohl der Anmuth, als auch besonders der Ruhe des Abendgartens so sehr zu, daß man ihn ungern vermißt. Sind seine Ufer mit Hoͤhen und Wald verschoͤnert, so siellen sie durch sanfte Wiederscheine, die sie auf der hellen Fluth bilden, und durch tausend Zufaͤlle von Licht und Schatten einen wunderbar entzuͤckenden Anblick dar. Ein wildrauschender Strom schickt sich nicht zu der Stille der Scene; allein ein maͤßi- ger Wasserfall, halb von Buͤschen uͤberschattet, und halb von den Strahlen der V Band. C Abend- Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen Abendsonne vergoldet, vertraͤgt sich ungemein mit dem Auftritt, indem er ihn et- was belebt, ohne die Ruhe zu unterbrechen, die zu seinem Charakter gehoͤrt. Aus diesem Grunde ist uns des Abends die, suͤße Schwermuth erregende, Musik der Wald- hoͤrner so angenehm, wenn wir sie aus der Ferne schwaͤcher heruͤbertoͤnen hoͤren. Die ganze Einrichtung des Abendgartens ahme den Charakter des Sanften und Ruhigen nach, womit die Natur diesen Theil des Tages bezeichnet. Daher schi- cken sich sehr wohl fuͤr ihn, wie schon ein großer Kenner bemerkt hat, Whately in Observations on modern Gardening . dunkelfarbigte Gebaͤude; obgleich die, welche einen lebhaften Anstrich haben, durch eine besondere Wirkung der untergehenden Sonne nicht selten angenehm ins Auge fallen. Man kann sich selbst der hellern Farbe oft bedienen, um die Einfoͤrmigkeit der Daͤmmerung zu unterbrechen. Zwar kann kein Kontrast des Lichts und des Schattens mehr erzeugt werden. Allein, wenn die Pflanzungen, die durch ihre Dichtheit am ersten anfangen, die Daͤmmerung aufzunehmen, zugleich vom dunkelsten Gruͤn sind, wenn die nach der Abendseite stehenden Gebaͤude eine lichtere Farbe haben, und wenn die Flur und das Wasser dieser Absicht gemaͤß eingerichtet werden: so laͤßt sich, wenn schon lange die groͤßern Wirkungen verschwunden sind, noch eine abwechselnde Schattirung gewinnen. Einzelne, hohe und schattenreiche Waldbaͤume, worunter bequeme Sitze angelegt sind, erfreuen, wo die Natur sie schenket, den Freund des Abendgartens. Sie bieten uͤberaus anmuthige Ruheplaͤtze an, indem ihre Gipfel sich in der Abendroͤthe schoͤner heben, und außerdem uͤber den benachbarten Bezirk verlaͤngerte Schatten ausbreiten. Tiefe Dickigte verbieten den sanften Wirkungen der untergehenden Sonne den Ein- gang. Allein zerstreute Gruppen und luftige Hayne nehmen gern zu ihrer Verschoͤne- rung die lieblichen Gemaͤlde des Abendlichts auf. Kleine Gebuͤsche, die in ihre Schat- ten die Nachtigall locken, um hier ihre zaͤrtlichen Melodien durch die Abendstille freyer dahin fließen zu lassen, vermehren nicht wenig die Wollust dieser Scene. Zu den Pflanzungen im Abendgarten sind uͤberhaupt solche bluͤhende Straͤucher und Blumen zu waͤhlen, die vornehmlich des Abends ihre Wohlgeruͤche reicher zu verspenden pflegen, als die Syringen, das Geißblatt mit seinen verschiedenen Arten, die Coronilla (Coronilla glauca, L.) die nach den Tageszeiten. die Nachtviole (Hesperis tristis, L.) der Storchschnabel (Geranium gibbosum, L.) die Asphodillilie (Hemerocallis flava, L.) die wohlriechende Resede (Reseda odorata, L.) die Jalappa (Mirabilis Jalappa, L.) und verschiedene andere. Auch in Ruͤcksicht auf die angenehmen Ausduͤnstungen sind Waͤlder und Wiesen in der Naͤhe des Abendgartens uͤberaus erfrischend. Fuͤr diese Art von Gaͤrten kann der erfindende Architect nicht weniger Gebaͤude bestimmen, die ganz zu ihrem Charakter gehoͤren. So ist dieser Tempel des Abends. C 2 An Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen An den Waͤnden, die aͤußerst einfach gehalten sind, haͤngen Mohnzweige; uͤber dem Eingange steht der Abendmond; auf dem meist flachen Dache ruhet Phoͤbus, nach vollbrachter Arbeit, mit umgekehrter Fackel; alles eilt, den Charakter des Ge- baͤudes zu vollenden, das der Lieblingsaufenthalt eines Weisen zu seyn scheint, der nach den Geschaͤften des Tages gern einsam seinen Abend unter dem erquickenden Schatten der Betrachtung feyert. Von einer andern nicht weniger gluͤcklichen Erfindung ist dieser Pavillon, dem Abend und der Freundschaft im engern Verstande gewidmet. Er nach den Tageszeiten. Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen Er ruhet am Ende eines Parks, wo ihn der Ankommende erst erblickt, wenn er ihm nahe ist. Zu dem offenen Porticus gelangt man aus dem hinter ihm gelegenen Ge- sellschaftszimmer, von außen aber gar nicht. Zwo zu beyden Seiten abwaͤrts ge- hende breite Treppen fuͤhren in einen hinter dem Gebaͤude im Thal liegenden Platz, der mit Blumen und Orangeriebaͤumen besetzt ist. Der Unbekannte gelangt in die- sen und wieder zuruͤck, ohne in das Gebaͤude selbst zu kommen; der Freund aber kennt eine zur Rechten gelegene, verborgene, bequeme Treppe, und diese fuͤhrt ihn in ein klei- nes Apartement, das aus einem Vorzimmer, einem Saal, und zweyen einander folgenden Kabinetten besteht. Das letztere von diesen liegt an den zum Bade be- stimmten Gemaͤchern. Das zweyte Stockwerk enthaͤlt die zur Erwaͤrmung des Bad- wassers und andern Bequemlichkeiten erforderlichen Behaͤltnisse. Die Nacht, welche die Natur zur Ruhe aller Geschoͤpfe bestimmte, scheint zwar von dem Vorrecht der Tageszeiten, einen ihnen gewidmeten Garten zu haben, ausgeschlossen zu seyn. Wie gern entziehen wir indessen nicht zuweilen dem Schlafe einige Stunden der Sommernacht, um uns an ihren sanften Annehmlichkeiten zu la- ben! Und mit wie vielem Rechte beschaͤftigt nicht der Weise, waͤhrend dieser heiligen Feyer der Natur, seinen Geist mit der Betrachtung der Welten, die uͤber seinem Haupte leuchten! Fuͤr das Auge sind die bluͤhenden Schoͤnheiten der Erde verschwunden. Aber der dunstfreye Himmel zeigt, wenn der Mond in feyerlicher Pracht an ihm herauf- steigt, ein Schauspiel, das die Erde wieder mit einem neuen Reize verschoͤnert. Ein breites schweigendes Gewaͤsser, oder ein See, worinn das Licht der Nacht in sanftem Abglanz zerfließt; murmelnde Baͤche oder kleine Wasserguͤsse mit maͤßigem Geraͤusch und regelmaͤßigem Fall; Gruppen, Hayne und Waͤlder, worinn der stille Silber- schimmer umher schleicht, und sich in tausend erheiterte Stellen zerstreut; ein ruhiges Thal, von erfrischten Kraͤutern, oder gemaͤhetem Klee duftend; Pflanzungen von wohl- riechenden Blumen und Straͤuchern — alles dies scheint zum wolluͤstigen Genuß ei- ner schoͤnen Sommernacht zu gehoͤren. In einer Gegend, mit diesen Annehmlichkeiten bereichert, ist ein Schlafkabinet nicht blos eine schickliche Verzierung der Scene, son- dern es kann auch zum anmuthigen Gebrauch eingerichtet werden, wie schon an ei- nem andern Ort gezeiget ist. S. 3ten B. S. 37. Seine Bestimmung kann durch die Form, durch die nach den Tageszeiten. die aͤußere und innere Verzierung mit Bildhauerarbeit und Gemaͤlden, und selbst durch eine kurze Inschrift deutlicher bezeichnet werden. Eine sanfte Einladung zur Ruhe empfange den Muͤden beym Eintritt. Frey von des Tags unruhigem Getuͤmmel Entschlummert die Natur; Die stille Racht senkt sich herab vom Himmel Auf Wald und Flur. Der Abendwind kuͤhlt sanft die schwuͤlen Luͤfte, Und Wiese, Hayn und Au Streun ringsumher balsamischsuͤße Duͤfte, Erfrischt vom Thau. Schon winket mir der Schlummer, und schon sinken Die muͤden Augen zu; Kaum seh ich noch den Abendstern dort blinken; O! suͤße Ruh! Allein der schlaffliehende Forscher der Gestirne findet in einer solchen Gegend gerne auf einer Anhoͤhe ein Gebaͤude, das, wie dieses, der Mitternacht und der Sternkunde gewidmet ist. Es Fuͤnfter Abschnitt. Gaͤrten oder Scenen nach den Tageszeiten. Es stellt einen Windthurm nach der Beschreibung des Vitruv Lib. I. cap. 6. vor. Der Triton auf dem Gipfel zeigt mit einer Ruthe die verschiedenen Wendungen des Win- des. Acht Hauptwinde sind auf der Friese abgebildet; diese achte aber sind wieder, durch die an den obern Rinnleisten angebrachten Koͤpfe und die muschelfoͤrmigen Rip- pen des Dachs in vier und zwanzig, die zwischen jenen liegen, abgetheilt. Das obere Stockwerk enthaͤlt einen zu astronomischen Beobachtungen eingerichteten großen Saal, mit weiten Oeffnungen nach allen Seiten. V Band. D Sechster Sechster Abschnitt. Gaͤrten Sechster Abschnitt . Gaͤrten nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. I. Koͤnigliche und fuͤrstliche Gaͤrten; Parks der ersten Groͤße oder in einem praͤchtigen Styl. B ey allen Nationen unterscheiden sich die Koͤnige und Fuͤrsten des Volks, auch durch die Art ihrer Wohnung, von ihren Unterthanen und von den uͤbrigen Staͤmmen. Selbst der Anfuͤhrer einer wilden Horde wohnet in einem groͤßern Zelt oder in einer hoͤher gelegenen Huͤtte. Es geschah nicht blos aus einem Gefuͤhl der Verehrung, daß rohe Voͤlker ihren Fuͤrsten den Vorzug einer edlern Wohnung ga- ben; auch die Begriffe von Schicklichkeit und Wuͤrde, die sich in gesellschaftlichen Verbindungen so fruͤh entwickeln, forderten ihn. Und auf die Wahrheit dieser Be- griffe haben alle aufgeklaͤrte Architekturlehrer das Gesetz gegruͤndet, daß ein Fuͤrst an- ders, als sein Unterthan, wohnen, und daß Wuͤrde, Pracht und Groͤße sein Schloß von der Einfalt und Bescheidenheit eines Privathauses unterscheiden muͤsse. Eben dieser Unterschied der Wohnung breitet sich mit Recht auch uͤber die Gaͤr- ten aus. Sie duͤrfen dem Charakter ihrer Besitzer folgen, und sind nicht weniger, als die Gebaͤude, S. 3ten Band S. 16-17. den allgemeinen Regeln der Schicklichkeit unterworfen. Man sucht in dem Park eines Lustschlosses doch etwas anders zu sehen, als in dem Gar- ten einer Privatwohnung. Durch Groͤße und Pracht muͤssen sich die Gaͤrten der Koͤnige und Fuͤrsten aus- zeichnen. Man schien die Wahrheit dieser Forderung schon ehemals zu empfinden; allein man suchte ihre Befriedigung, wo sie nicht ganz zu finden war. Man uͤber- haͤufte die Gaͤrten der Fuͤrsten mit einer groͤßern Menge von Wasserkuͤnsten, von Sta- tuen, Buͤsten, Vasen, Triumphboͤgen, Obelisken und andern Prachtwerken der Kunst. Man vergaß aber, daß Pracht und Groͤße auch in der Natur und vor allen in ihr zu suchen sind. Diesen Gesichtspunkt scheint selbst ein vortrefflicher Dichter in einem Lehrge- dichte von classischem Werth Les Jardins. Poeme par M. l’Abbé Delille. Paris 1782. Cant. 1. p. 8. uͤbersehen zu haben. Indem er die verschiedene Manier nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. Manier des Kent und le Notre einander entgegenstellt, so sagt er von dieser, daß sie in den Gaͤrten der Großen doch ihren Platz verdiene. L’un est fait pour briller chez les grands \& les rois; Les rois sont condamnés à la magnificence. On attend autour d’eux l’effort de la puissance; On y veut admirer, enivrer ses regards Des prodiges du luxe \& du faste des arts. L’art peut donc subjuguer la nature rebelle. Indessen setzt er eine mehr uͤberlegte Einschraͤnkung hinzu: Mais c’est toujours en grand qu’il doit triompher d’elle: Son éclat fait ses droits; c’est un usurpateur Qui doit obtenir grace, à force de grandeur. So moͤgen Versailles und Sans-Souci , als Muster zu dieser Vorschrift, durch die Wunder der Kunst glaͤnzen. Aber sollen denn die Koͤnige auch nicht die Wunder der Natur sehen? Sollen sie denn selbst in ihren Gaͤrten noch immer von der blendenden, oft so leeren Pracht, die sie am Thron umgiebt, verfolgt werden? Es giebt eine Groͤße in der Natur, die alle Macht der Kunst nicht hervor- bringen kann. Eine Lage ganz nahe am Meer, oder auf einer Anhoͤhe, von welcher der Blick weite Landschaften uͤberschaut, die in ferne Gebirge hinausdaͤmmern, oder in eine Reihe praͤchtiger Waͤlder hinstreift, hinter deren Schatten der unermeßliche Ocean hervorglaͤnzt, hat ohnstreitig eine Erhabenheit, die jede Kuͤhnheit des mensch- lichen Geistes uͤbersteigt. Gebt hier den Koͤnigen ihre Sommerschloͤsser, wie sie Daͤnnemarks Koͤnige zu Friedrichsberg , S. 3ten B. S. 217. zu Sophienberg , S. 214. zu Ma- rienlust S. 210. haben. Laßt die Wellen des Meeres unter der Staͤrke ihrer Flotten sich schmiegen, oder die reichen Handlungsschiffe ihrer Voͤlker sanft in friedfertige Haͤfen fuͤhren. Laßt sie in ihren weit gedehnten und gesegneten Provinzen die Staͤdte uͤberschauen, wo der Fleiß bey der Kunst wohnt, die Landhuͤtten, wo Zufriedenheit sich der Arbeit zugesellt, die Huͤgel, die mit ungezaͤhlten Heerden bedeckt sind, die D 2 Fluren, Sechster Abschnitt. Gaͤrten Fluren, deren reiche Saaten in die Ferne hinwallen. Ist dieser Anblick nicht erhe- bend, nicht edler, als der Anblick von kostbaren unnuͤtzen Wasserkuͤnsten, oder colos- salischen Statuen, oft ungluͤcklich genug bis zur Unkenntlichkeit nachgeformt? Nach der Groͤße der Lage fordern die Gaͤrten der Koͤnige und der Fuͤrsten einen weitern Umfang, als andere Gaͤrten, sowohl nach den Begriffen der Wuͤrde, als auch, weil sie dem Gefolge des Hofes, oft auch dem Volke zum Spaziergang offen stehen. Es muß Platz zum Ausweichen seyn. Allein es muß auch eine Gegend oder vielmehr eine Folge von Gegenden seyn, die nichts Duͤrftiges, nichts Gemeines zeigen, sondern geschickt sind, durch Bepflanzung und Auszierung zu einer großen Wirkung eingerichtet zu werden. Alles, was diese Wirkung hervorbringt und un- terstuͤtzt, gehoͤrt in den Plan der Anlage; jeder Zusatz, der einen Geist der Kleinig- keit verraͤth, jedes kunstreiche Spielwerk, jede gewitzelte Taͤndeley, so sehr auch alles dies nach dem jetzigen Geschmack der Hoͤfe seyn moͤchte, die in ihren oͤffentlichen Wer- ken so oft ihre Wuͤrde vergessen, alles dies ist hier zu verbannen. Praͤchtige Waͤlder und majestaͤtische Massen von Gruppen, weite Oeffnungen und Zwischenraͤume mit Rasen und Gebaͤuden erheitert, große helle Seen mit schoͤn umkraͤnzten Ufern, lebhafte Fluͤsse und starke Wasserfaͤlle, Aussichten in reiche Land- schaften, edle Tempel auf Anhoͤhen und wichtige Monumente machen, mit Weisheit angeordnet, eine Wirkung, die mit der Erwartung von koͤniglichen und fuͤrstlichen Gaͤrten zutrifft. Jeder Theil hebe sich durch Groͤße und edle Schoͤnheit; und in der Verbindung aller Theile, in der Uebereinstimmung der fernen und nahen Massen, leuchte ein Geist der Anordnung hervor, der ein Gefuͤhl von Wonne vermischt mit Bewunderung erregt. Alles sey lebhaft und glaͤnzend. Die Gebaͤude muͤssen wohl gewaͤhlt, und ihre Bestimmung nicht allein den Scenen, sondern auch der Wuͤrde dieser Gattung angemessen seyn. Einsiedlerwohnungen, so oft man sie auch findet, scheinen hier unschicklich. Der Fuͤrst mag zuweilen die Erquickung der Einsamkeit suchen, er darf sich nur nicht in einen Waldbruder verkriechen; sein Volk verlangt ihn unter sich zu sehen, um Licht und Waͤrme von ihm zu empfangen. Aber Tem- pel von edlen Formen und Bestimmungen zieren mit Recht seinen Garten. Er mag sie der Weisheit, dem Apoll , den Musen, der Wohlthaͤtigkeit, der Großmuth, der Vaterlandsliebe, dem Frieden widmen; wer huldigt nicht gern dem Fuͤrsten, der diesen Gottheiten oder Tugenden auch an dem Ort seines Vergnuͤgens huldigt? Al- lein diese Gebaͤude muͤssen nach dem, was ihre Bestimmung fordert, sich durch einen reichen, glaͤnzenden und doch edlen Geschmack hervorheben; und selbst ihr aͤußeres An- sehen, selbst ihr Anstrich, kuͤndige dem Auge an, was es bewundern soll. Die nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. Die Natur scheint einige Baͤume und Gewaͤchse, durch die Pracht ihrer Hoͤhe und ihres Ansehens, fuͤr die Gaͤrten der Fuͤrsten besonders auszuzeichnen. Verschie- dene Arten von Ahorn, als d le e (Acer Platanoides, L.) der Zuckerahorn (Acer Saccharinum, L.) der italiaͤnische Ahorn (Acer Opalus, L.) der abendlaͤndische Platanus, der Tulpenbaum, die italiaͤnische und carolinische Pappel, die carolinische Linde, die große amerikanische Eiche, die Weyhmouthsfuhre, die weiße Ceder (Cupressus Thyoides, L.) die virginische Cypresse (Cupressus disticha, L.) die Balsamtanne (Pinus balsamea, L.) der Lerchenbaum — diese und ihnen aͤhnliche Baͤume von einem stolzen Wuchs oder einer vorzuͤglichen Seltenheit empfehlen sich mit Recht zur Bildung der Hayne und Gruppen in die- fen Gaͤrten. Der Kuͤnstler, der sie in seinen Pflanzungen gehoͤrig zu verbinden weiß, kann sehr große Wirkungen gewinnen. Noch mehr wird er gewinnen, wenn er Beurtheilung genug besitzt, mit ihnen solche Stauden und Blumengewaͤchse ge- schickt zu vereinigen, die sich durch ihren hohen Wuchs, durch die Groͤße, die Leb- haftigkeit, den Glanz und die Mannichfaltigkeit ihrer Blumen auszeichnen. Große Gruppen von solchen Gewaͤchsen, wohl gepflanzt und unterhalten, erheben sowohl auf freyen Rasen, als auch in Haynen und zwischen Baumgruppen zerstreut, sehr fuͤhlbar die Pracht der Scenen. Hiebey haͤngt nicht wenig von der Wahl der Ge- genden ab. Ein Hayn oder eine Sammlung von Gruppen, die einen praͤchtigen Auftritt darstellen sollen, darf nicht in der Tiefe, kaum einmal auf einer Ebene, an- gepflanzt werden. Ein Berg oder eine maͤßige Anhoͤhe giebt eine diesem Charakter mehr angemessene Lage. Eine Pflanzung, die sich allmaͤlig aufsteigend auf einer Hoͤhe hebt, gewinnt nicht blos einen Schein von Groͤße, sondern faͤllt auch edler ins Auge. Fuͤrstengaͤrten bey Residenzen scheinen schon mehr Ausdehnung und Pracht zu erfordern. Sie muͤssen Raum haben fuͤr die groͤßern Versammlungen des Volks, D 3 nicht Sechster Abschnitt. Gaͤrten nicht allein zu Spaziergaͤngen, sondern auch zu den oͤffentlichen Festen, die hier zu- weilen zu halten sind. Unter diesen Festen verstehen wir nicht die eben so schnell ver- prasselnden als unnuͤtzen Feuerwerke, wodurch oft an Einem Abend die Einkuͤnfte einer ganzen Provinz, dem Landmann, den Kuͤnsten, den Krankenhaͤusern entrissen, in die Luft fliegen; nicht jene tobenden Ergoͤtzlichkeiten, unter welchen der Donner der Kanonen die Pflanzungen zittern macht, und ihre gesangreichen Bewohner ver- scheucht. Es giebt sanftere und edlere Gartenfeste, Feste zum Andenken gluͤcklicher Begebenheiten des Landes, wo der Fuͤrst seinen Unterthanen die Freuden der Musik und des Tanzes vor seinen Augen erlaubt; Feste der Verbindungen armer Dorfmaͤd- chen auf Kosten des Staats mit tugendhaften Juͤnglingen; Feste des Fruͤhlings und der Aerndte, belebt durch feyerliche Gesaͤnge; verfeinerte Nachahmungen arcadischer Belustigungen durch Spiel und Handlung; so manche Arten von noch wenig einge- fuͤhrten, noch unerkannten Ergoͤtzungen der Prinzen, wobey ihre Wohlthaͤtigkeit die Unschuld und die Lust laͤndlicher Scenen begleiten koͤnnte. Auch mag selbst in solchen Lustschloͤssern, die der gewoͤhnlichen Residenz sehr nahe sind, mehr Groͤße und Glanz der Architektur erscheinen, wie in diesen bey- den Gebaͤuden. Die innere Einrichtung dieser Gebaͤude sehe man hinten in dem Verzeichniß der Kupferverzierungen. Je nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. Sechster Abschnitt. Gaͤrten Je weiter sich die Lustschloͤsser der Koͤnige und Fuͤrsten von ihren Residenzstaͤd- ten entfernen, desto mehr scheinen sie auch den Charakter einer gemaͤßigten Groͤße und Hoheit annehmen zu duͤrfen, doch ohne der Wuͤrde ihrer Bewohner etwas zu entziehen. Man vergleiche 3ten B. S. 16. Die Vorstellungen von Lustschloͤssern, die hier folgen, geben, mit den vorigen Gebaͤuden verglichen, hieruͤber sogleich dem Auge des Beurtheilers eine Aufklaͤrung. So nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. V Band. E Sechster Abschnitt. Gaͤrten nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. So darf ein fuͤrstlicher Park, dem Charakter dieser Lustschloͤsser zustimmend, in der Entfernung von der Residenz, schon weniger Umfang, weniger Reichthum und Pracht haben. Er darf mehr von der ungeschmuͤckten Natur, weniger von den Be- strebungen der Kunst zeigen. Er darf selbst, als ein Ort der Erholung von den Geschaͤften der Regierung und den Unruhen des Hofes, durch die Einsamkeit seiner Lage, durch die Stille der Waͤlder, durch die sanfte geraͤuschlose Laͤndlichkeit seiner Aussichten sich auszeichnen. Manche Fuͤrsten liebten mit Recht solche entferntere Gegenden; sie gaben hier ihren Schloͤssern mit ihrem Namen auch den Namen der Ruhe, die sie suchten. Dieser schaͤtzbare Geschmack der Prinzen an der Ruhe des Landlebens scheint sich unter ihnen in unsern Tagen mehr auszubreiten; und der neue Geist der Gaͤr- ten kann ihn unstreitig mehr naͤhren, als die alte ekelhafte Symmetrie. Gluͤckliche Fuͤrsten, die schon in ihrer Jugend lernten, sich an den sanften Erholungen im Arm der Natur zu begnuͤgen! Denn der Geschmack an der Natur verfeinert den Geist und veredelt die Empfindungen; er besaͤnftigt jede ungestuͤme Leidenschaft; er erweckt den edlern Ehrgeiz, die Erde zu verschoͤnern, nicht sie zu verheeren; er beseligt das Herz der Prinzen mit der vielleicht noch zu seltenen Erfahrung: Nicht im Getuͤmmel, nein, im Schooße der Natur, Am Silberbach, in unbelauschten Schatten, Besuchet uns die wahre Freude nur; Und uͤberrascht uns oft auf einer Spur, Wo wir sie nicht vermuthet hatten. Wieland. E 2 II. Gaͤr- Sechster Abschnitt. Gaͤrten II. Gaͤrten fuͤr den Adel und fuͤr Personen vom Stande; Parks in einem edlen Styl. D ie Gaͤrten der Fuͤrsten, wenn sie nach den eben angefuͤhrten Bemerkungen ange- legt werden, machen mit ihren Gebaͤuden unstreitig Parks der ersten Groͤße, Parks in einem praͤchtigen Styl aus. Sie heben sich als die ansehnlichste Gat- tung von Gaͤrten, durch Umfang, durch Erhabenheit und Glanz. Sie machen aber immer nur eine besondere und bestimmte Gattung aus; denn Park und Garten koͤnnen durch keinen wesentlichen Unterschied getrennt werden, obgleich die gemeine Meynung unter jenem uͤberhaupt mehr Ausdehnung der Gegenden, mehr freye land- schaftliche Natur, mehr Mannichfaltigkeit der Scenen zu begreifen pflegt. Die Landhaͤuser des Adels duͤrfen keine Majestaͤt oder Hoheit zeigen; Wuͤrde, mit einer gewissen gemilderten Pracht vereinigt, ist ihr anstaͤndiger Charakter. S. 3ten B. S. 16-17. Und nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. Sechster Abschnitt. Gaͤrten Und dieser Charakter muß auch ihre Parks auszeichnen. Sie duͤrfen schon weniger Umfang in der Landschaft einnehmen; die Pflanzungen duͤrfen weniger aus gewaͤhl- ten und seltenen Gewaͤchsen zusammengesetzt seyn; die kuͤnstlichen Anlagen duͤrfen we- niger Aufwand, besonders die Gebaͤude weniger Glanz und Pracht zeigen. Dennoch findet in den Parks dieser Gattung, die naͤher an die Natur als an die Kunst sich halten, eine Wuͤrde, ein Reichthum, eine Mannichfaltigkeit von Scenen Platz, die sowohl dem Ansehen der Besitzer zustimmen, als auch von einer unerschoͤpflichen Unterhaltung sind. Feyerliche, große und praͤchtige Scenen und Aussichten, als die Nachbarschaft des Meeres, oder uͤber einander aufgethuͤrmte Gebirge, sind nicht von diesen Parks ausgeschlossen; sie koͤnnen vielmehr als zufaͤllige Theile sehr willkommen und fuͤr das Ganze der uͤbrigen dieser Klasse zugehoͤrigen Auftritte von einer trefflichen Wirkung seyn. Allein man darf sie hier nicht als ein nothwendiges Zubehoͤr dieser Gat- tung ansehen. Alles aber, was die Natur in der Bildung ihrer Gegenden und Aussichten, in Waͤldern, in Haynen und Gruppen, in Rasen, in Pflanzen und Blumen, in Seen und Wasserfaͤllen, in Baͤchen und Fluͤssen Edles und Reizendes hat, und ein- zeln bereits entwickelt ist; S. 2ten B. was der Geschmack hierinn durch Anordnung, Ver- bindung und Bearbeitung erhoͤhen, was die Kuͤnste der Bepflanzung, der Bebauung und Auszierung S. 3ten B. zur Bestimmung und Verstaͤrkung der Wirkungen mit Recht hinzufuͤgen duͤrfen; das gehoͤrt in die Parks dieser Klasse. Sie verstatten, nach der Verschiedenheit der Gegenden, alle Arten von laͤndlichen Scenen, und Pflanzungen, von der feinsten Strauchgruppe an, die auf einem Rasen bluͤht, bis zu der kuͤhlen Daͤmmerung des bejahrten Buchwaldes; doch unter diesem Gesetze, daß uͤberall, wo keine Ueberraschung Statt hat, Verbindung und schicklicher Uebergang sey. Sie nehmen alle Gattungen von Gebaͤuden auf, von der dunkeln Waldhuͤtte bis zu dem heitersten Tempel, von dem Musikhause bis zu der Todtenkapelle. Sie koͤnnen daher, in einem sehr ausgebreiteten Umkreise, gleichsam eine Folge von verschiedenen klei- nen Gaͤrten oder bearbeiteten Gegenden, eine Gallerie von ausgewaͤhlten reizenden Gemaͤlden, welche die Natur entwarf und der Geschmack vollendete, in sich fassen. In ausgedehnten Parks koͤnnen selbst kleine Kirchen oder Kapellen, zum gottesdienst- lichen Gebrauche bestimmt, Platz finden. Sie muͤssen zu dieser Absicht von dem Land- nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. Landhause etwas entfernt seyn, in einer stillen, feyerlichen oder ernsten Lage, in eini- ger Dunkelheit, von alten Eichen oder edlen emporstrebenden Platanen umschattet; nichts Glaͤnzendes oder Ueppiges in der Naͤhe. In ihrer Bauart muß sich mit der Einfalt Wuͤrde vereinigen und ein edles aͤußeres Gepraͤge, das ihre Bestimmung an- kuͤndigt. Hier sind zwo Vorstellungen dieser Art. Obgleich Sechster Abschnitt. Gaͤrten Obgleich solche Gebaͤude zu wichtig sind, als daß sie blos als Gegenstaͤnde zur Mit- wirkung bey den Eindruͤcken der uͤbrigen Scenen angelegt werden sollten, und obgleich auch ihre Lage eben keinen Genuß ihres Ansehens aus einer betraͤchtlichen Ferne ver- stattet: so duͤrfen doch ihre Wirkungen, wo sie zufaͤllig eintreffen und zum Vortheil sich anbieten, nicht vernachlaͤßigt werden; denn diese Wirkungen haͤngen ihnen so ei- genthuͤmlich an, daß sie von keinem andern Werke der Architektur leicht zu gewin- nen sind. Die Parks dieser Klasse stellen verschoͤnerte Gegenden oder einen ausgeschmuͤck- ten Theil der Landschaft dar, worinn der Adel seine Besitzungen hat. Dennoch koͤnnen darinn nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. darinn ganze Reviere dem Nuͤtzlichen gewidmet bleiben. Man darf keine frucht- baren und fetten Striche blos dem Vergnuͤgen aufopfern. S. 4ten B. S. 11-13. Die Getreidefluren, die Waͤlder, die Wiesen duͤrfen sich nicht allein den Anlagen naͤhern, oder sie um- kraͤnzen; sie koͤnnen selbst, wenn sie nicht zu ausgedehnt von Umfange sind, als laͤnd- liche Scenen und als anmuthige Unterbrechungen in dem Bezirk eines betraͤchtlichen Parks erscheinen. Die Viehweiden, besonders der Schafe und Rinder, stellen sehr frohe und belebende Auftritte dar, die eben so wenig aus dem Bezirk laͤndlicher Lust- plaͤtze auszuschließen sind, als ein kluger Landwirth sie von seinem Anblick verban- nen wird. Bey allen einzelnen Theilen, die in die Bildung eines solchen Parks kommen koͤnnen, ist allerdings die Auswahl und die Verbindung zu einem bestimmten Gan- zen die vornehmste Kunst; und hiebey koͤmmt nicht wenig auf die weise Absonderung alles Unschicklichen, auf die Vereinigung der innern Anlage mit den umliegenden Auftritten, auf die Einrichtung der Graͤnzen, und auf die Benutzung der Aussichten in die Landschaft an. Es ist uͤber alle diese Gegenstaͤnde schon hin und wieder viel in diesem Werke gesagt. Auch sind darinn bereits so manche edle Parks, besonders der Britten , beschrieben. Und diese Beschreibungen, die weit mehr den Geschmack leiten, als eine Reihe von Regeln, und zugleich die Einbildungskraft mit so mannich- faltigen Bildern bereichern, sind unstreitig sehr vortheilhaft fuͤr das Genie des Kuͤnst- lers, wenn es sich dabey von einer gesunden Beurtheilung unterstuͤtzen laͤßt. Auch ohne die Erinnerung an diese Vortheile, wuͤrde man wohl die folgende Sammlung von kurzen Entwuͤrfen englischer Parks, die zu der edlern Gattung gehoͤren, mit Vergnuͤgen durchlaufen. Stourton oder Stourhead . In Dortsetshire. In diesem angenehmen und reich verzierten Park gelangt man zuerst auf einen großen Rasenplatz, worauf die Statue des Apoll , eine Kopie von der zu Belvedere in Rom , steht. Am Ende des Rasens fuͤhrt ein schattigter schlaͤngelnder Gang zu einer schoͤnen Allee von Kiefern, die auf einen sehr hohen Obelisk stoͤßt, der sich aber außer der Graͤnze des Parks erhebt. Von hier waͤhlt man einen kurzen Weg durch ein Waldstuͤck hinab, bis zu einem großen Zelte im morgenlaͤndischen Geschmack. Aus diesem genießt man einen reizenden Prospect uͤber den See, das Pantheon, den Sonnentempel, einen herabhaͤngenden Wald, u. s. w. welches eine sehr verschoͤnerte Landschaft darstellt. Man V Band. F Sechster Abschnitt. Gaͤrten Man geht von hier auf die eine Seite des Sees hinab, und, mittelst einer hoͤl- zernen Bruͤcke von einem weit gespannten Bogen im Geschmack des Palladio , uͤber einen Arm desselben, in den erwaͤhnten haͤngenden Wald, worinn hingesetzte Steine den Weg nach einer Grotte zeigen. Ihr mit Epheu bewachsenes Dach und der mit Kieseln gepflasterte Fußboden deuten an, daß es die Wohnung der Natur ist. Das Licht faͤllt von oben durch eine runde Oeffnung im Dach hinein; durch die hinabhaͤn- genden zarten Zweige sieht man einen Theil des Sees. In einem Winkel der Grotte erscheint ein marmornes Gefaͤß zum kalten Bade; das Wasser dazu koͤmmt aus einer klaren Quelle, die bey einer schlafenden Nymphe, die hinten in der Grotte liegt, lang- sam herablaͤuft. Nicht weit davon ist eine kleinere Grotte, die charakteristisch verziert und der Aufenthalt eines Flußgottes ist, der sich auf eine Urne lehnt. Das herauslaufende klare Wasser ist wirklich die Quelle des Flusses Stour , der sich daraus ergießt und sodann in den See faͤllt. Von diesem angenehmen Ort steigt man einige Stufen von unbearbeiteten Steinen hinauf, und geht, durch das Gehoͤlze uͤber der Grotte, wieder zum gruͤnen Ufer des Sees hinab, zum Pantheon. Von dem Gange vor diesem Gebaͤude sieht man uͤber den See nach der Anhoͤhe zuruͤck, auf deren Abhange das gedachte Zelt steht. Dies Pantheon ist nach dem roͤmischen eingerichtet, und nach dem Tempel der Eintracht zu Stowe wohl das edelste Gartengebaͤude in England . Die Rotunde hat 36 Fuß im Durchmesser, und wird durch eine Oeffnung von oben her erleuchtet. In den Nischen stehen Sta- tuen und uͤber ihnen Basreliefs, die auf sie Beziehung haben. Von diesem Tempel wendet man sich rechts, und wird durch eine praͤchtige Kascade uͤberrascht, die in ein rauhes Thal außerhalb des Gartens hinabstuͤrzt. Der Weg fuͤhrt durch ein kleines Gebuͤsch uͤber eine wild angelegte Treppe. Jetzt befindet man sich auf einmal in einem andern Theil dieser Anlage; man steigt einen Huͤgel hinan, dem die steile Hoͤhe durch einen in die Laͤnge gezogenen Fußsteig benommen ist, und erreicht einen dick gepflanzten Hayn mit einer aus Baumwurzeln verfertigten Ein- fiedeley, worinn ein Todtenkopf und ein Stundenglas die ernsthafte Gesellschaft des Einsiedlers sind. Wenn man von hier auf der Seite des Huͤgels fortwandert, zieht der Tempel der Sonne die Aufmerksamkeit auf sich. Aus diesem schoͤnen Gebaͤude uͤbersieht man nicht nur die bisher angefuͤhrten Gegenstaͤnde, sondern auch die umliegende Gegend und den Alfredsthurm. Man geht von hier einen Abhang von seinem Rasen hinab, und durch eine unterirrdische Grotte unter dem Weg hindurch, uͤber den man zuvor vermittelst des rauhen Bogens weggegangen war. Auf einmal befindet man sich wieder nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. wieder bey einer steinernen Bruͤcke von drey Bogen, die uͤber einen Arm des Sees gebaut ist. Von dieser Bruͤcke und etwas weiter linker Hand sieht man eine Menge naher und ferner Gegenstaͤnde, die des Pinsels eines Claude Lorraine wuͤrdig sind. Von hier geht man am Raude des Gehoͤlzes bey dem Tempel der Ceres von dori- scher Ordnung, dessen Saͤulengang gegen den See liegt, vorbey, durch einen be- deckten Gang nach einem kleinen laͤndlichen Orangeriehause, mit Blumenfluren und wohlriechenden Straͤuchern vor dem Eingang; und von hier fuͤhrt ein Fußsteig wie- der nach dem Thorweg, durch den man in diese Anlage gekommen war. Man faͤhrt durch den Park, um den Alfredsthurm zu sehen. Dies Gebaͤude ist zum Andenken eines Sieges errichtet, den dieser große Koͤnig hier erfochten haben soll. Man gelangt zuerst an ein kleines Gebaͤude im gothischen Geschmack, das Kloster genannt, das eine romantische Lage hat. Man koͤmmt weiter, auf einem sich schlaͤngelnden Wege, auf eine sehr lange Terrasse, von welcher sich dem Auge eine ungemein weite Aussicht uͤber die umliegende Gegend darstellt. Am Ende der- selben steht der Alfredsthurm, auf einer vorspringenden mit Kiefern bepflanzten An- hoͤhe. Es ist ein großes dreyeckigtes Gebaͤude von weißen Ziegelsteinen, 155 Fuß hoch. Auf jeder Ecke ist ein Thurm, und in einem eine Windeltreppe, die zu dem oben befindlichen kleinen Zimmer fuͤhrt, das groß genug ist, um Telescope darinn zu haben. Man muß uͤber den weiten Umfang des Laudes, das sich in der Aussicht verbreitet, erstaunen. Inwendig ist das Gebaͤude oben offen. Sein Hauptzweck ist, daß es einen Gesichtspunkt abgeben soll, und dieser ist in der That sehr edel. Es hat gar keine Verzierungen, ausgenommen Alfreds Statue in einer Nische uͤber dem Eingang, und besteht aus nichts als hohen Mauern mit den hervorspringenden Thuͤrmen. Die Verhaͤltnisse sind aber so gut, daß man nicht leicht ein Gebaͤude sehen wird, worinn so viel Simplicitaͤt mit wahrer Groͤße verbunden ist. Donnington-Castle . In Berkshire. Der Platz um das Wohnhaus ist mit vielem Geschmack eingerichtet. Es liegt auf einer Anhoͤhe und hat hinter sich einen Huͤgel mit Waldung. Um das Haus herum ist ein schoͤner großer Rasenplatz, der sich zum Wasser hinabsenkt. Ein be- traͤchtlicher durch die Kunst noch breiter gemachter Fluß laͤuft darneben mit sanfter Kruͤmmung vorbey. In ihm liegen drey bis vier Inseln, wovon eine dick mit Busch- werk bepflanzt, und der Aufenthalt von Schwaͤnen und allerley wildem Wassergefluͤ- F 2 gel Sechster Abschnitt. Gaͤrten gel ist, die das Wasser beleben. Jenseit des Wassers sieht man sanft aufsteigende Kornfelder. Der Rasenplatz ist mit vielem Geschmack theils mit einzelnen Baͤumen, theils mit Klumpen besetzt. Zuletzt ist das Wasser an beyden Seiten mit Wald um- geben, und schließt die Aussicht auf eine angenehme Art. Durch beyde Waͤlder schlaͤngelt sich ein Gang laͤngs dem Ufer des Flusses, und giebt den Genuß von man- cherley abwechselnden Aussichten. An einer Stelle steht ein wohlgebauter gothischer Tempel von Kieseln, bey einem Wasserfall, den der Fluß bildet, indem er eine na- tuͤrliche Reihe von Steinen herabfaͤllt. Donnington-Castle muß den Liebhabern der alten englischen Dichtkunst verehrungswuͤrdig seyn, weil es der Aufenthalt ihres Vaters, des Geoffrey Chaucer , war. Man zeigt noch den Ort einer großen Eiche, die Chaucers Eiche hieß, worunter der Dichter zu sitzen und zu dich- ten pflegte. Summer-Castle . In Lincolnshire. Der Prospect von Summer-Castle ist ungemein reizend. Das Thal ist reich mit Holz besetzt, und der See so angelegt, daß er sich auf eine gluͤckliche Art mit der Waldung verbindet. Das Wasser thut eine gute Wirkung; es ist eine halbe (engl.) Meile lang, sehr breit, und hat die schoͤnsten Ufer. Kleine Hayne, einzelne Baͤume und Einzaͤunungen wechseln auf das angenehmste mit einander ab. Hier liegt das Dorf an einem sanften Abhange, und manche Haͤuser stecken zwischen den Gebuͤschen; dort schmiegen sich die Kornfelder zum Wasser hinab; alles dies verbrei- tet so mancherley Abwechselungen, als man nicht uͤberall bey Wasserstuͤcken findet. Seen, die sich durch ein Thal fortkruͤmmen, und an den Seiten mit großen gruͤnen Plaͤtzen und dicken Waͤldern umgeben sind, nennt man nordamerikanische Scenen, und diese sind jetzt in den Parks so haͤufig anzutreffen, daß eine solche Abwechselung von Erscheinungen, die dem Auge allerley landwirthschaftliche Geschaͤfte darstellen, nicht anders als gefallen kann. Sie thun uͤbrigens die Wirkung, daß das Wasser dadurch groͤßer scheint, als wenn es von einer großen gruͤnen Rasenflaͤche umgeben ist. Formark . In Derbishire. Dieser Landsitz liegt einige (engl.) Meilen von Derby , am suͤdlichen Ufer der Trent . Das schoͤne neue Wohnhaus hat eine weite herrliche Aussicht uͤber das Thal, wodurch der Fluß laͤuft. Von der Hinterseite uͤbersieht man verschiedene Huͤ- gel mit jungen Pflanzungen. Vom Hause fuͤhrt ein Gang mit vielen Kruͤmmungen durch nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. durch einen angenehmen Wald von Eichen ins Thal zur Trent hinab, und lenket sich wieder auf einen mit Holz besetzten Felsen, der unter das Sonderbarste in dieser Gegend gehoͤrt. Der Fluß hat nirgends ein so romantisches Ufer. Die Felsen ste- hen ziemlich hoch und senkrecht; an einigen Stellen haͤngen die Baͤume von den Spi- tzen auf eine etwas fuͤrchterliche Art herab, und uͤberschatten das Wasser. Der Gang laͤuft vom Rande dieses Abgrundes fort, und man sieht auf eine malerische Weise durch die Baͤume auf den unten sich fortkruͤmmenden Fluß hinab. Hin und wieder sind natuͤrliche Durchsichten durch die Baͤume, wodurch man die Landschaft mit den darinn abwechselnd liegenden Doͤrfern erblickt. Der Gang laͤuft laͤngs diesem jaͤhen Abhange, und durch ein Thal fort, dessen Ende mit dicker Waldung besetzt ist. Man steigt darauf einen steilen Huͤgel ohne Felsen hinan, der dick genug bepflanzt ist, um den Anblick des Wassers so lange zu verbergen, bis man die Spitze erreicht, und aus dem Schatten in einen Tempel tritt, wo einer der herrlichsten Prospecte auf einmal hervorbricht. In einer großen Tiefe sieht man die Trent sich in kuͤhnen Wendun- gen durch das Thal kruͤmmen, das aus eingezaͤunten Wiesen von dem schoͤnsten Gruͤn besteht. Zur Linken laͤuft sie nach einem Dorfe, aus dessen Mitte sich eine weiße Kirche erhebt, und hinter den Haͤusern schleicht sie sich wieder durch Umzaͤunungen von Hecken und einzelnen Baͤumen fort. Hinterwaͤrts erblickt man den vorher ge- dachten Felsen, und geht durch verschiedene mit einander verbundene Pflanzungen zuruͤck. Sandbec . In Yorkshire. Das Landhaus steht im 4ten B. S. 13. Dieser Park ist mit großem Geschmack angelegt. Ein mit Wasser versehenes Thal ist mit verschiedenen Abhaͤngen umgeben, die sich sanft senken und oben mit einem dicken Walde bepflanzt sind. Rings herum geht ein mit Kies befahrner Weg durch ein großes Rasenstuͤck, das durch die neuen Anpflanzungen viele Abwechselungen be- kommen hat. An einigen Orten stehen die Baͤume in Klumpen, an andern einzeln zerstreut. Die Schattirungen sind durch die Pflanzung der Baͤume am rechten Ort abwechselnd und mit Geschmack angebracht. An einigen Stellen zeigt sich das Was- ser in breiten Flaͤchen, an andern wird es durch die sich hineinstreckenden Rasenstuͤcke unterbrochen, und dadurch scheinen Fluͤsse nach verschiedenen Richtungen zu entste- hen. Kleine Meerbusen verlieren sich zuletzt in den Wald. Zuweilen ist das Ufer mit einzelnen Baͤumen besetzt, durch deren Zweige man das Wasser sieht; zuweilen stehen sie so dick, daß sie einen schwarzen Schatten auf das Wasser werfen; mit einem Worte, man uͤbersieht ein schoͤnes mit Baͤumen besetztes Ufer. F 3 Der Sechster Abschnitt. Gaͤrten Der Weg fuͤhrt zu einem Huͤgel, von dem man einen herrlichen Prospect des Hauses, des Parks, des Sees und der Waldungen hat. Das weiße Gebaͤude mit einem Walde von fuͤnfhundert Ackern macht hier eine schoͤne Wirkung, und nicht weniger zeigt sich auch das Wasser mit den offenen gruͤnen Plaͤtzen aus einem vortheil- haften Gesichtspunkt. Die malerischen Ruinen dieses Parks sind schon an einem an- dern Orte beschrieben. S. 3ten B. S. 116-117. Die erste dieser Beschreibungen ist aus Volkmanns, die uͤbrigen sind aus Youngs Reisen durch England. Zu den in dieser Theorie bereits angefuͤhrten Quellen, woraus man die Parks der Englaͤnder kennen lernen kann, moͤgen, außer verschiedenen einzelnen Be- schreibungen, noch diese gerechnet werden: Peep into the principal Seats and Gar- dens in and about Twickenham with a fuitable companion for those who wish to visit Windsor or Hampton-Court. By a Lady of distinction in the Republic of Lettres . kl. 8. London 1775. Diese kleine Schrift von wenigen Bogen giebt zwar nur kurze Nachrichten, ist aber als Ta- schenbuch fuͤr Reisende bequem. Meist in dem Geschmack ist: Sketch of a Tour into Derbyshire and Yorkshire, including part of Buckingham, Warwick, Leicester, Not- tingham, Northampton, Bedford, and Hertford-shires. 8. London 1778. und: A new pocket companion for Oxford . 1778. III. Pri- nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. III. Privatgaͤrten; buͤrgerliche Gaͤrten; Blumengaͤrten. 1. D iese Gattung ist sehr zahlreich; man findet sie fast bey allen wohlangebauten, stark bewohnten und sich gut naͤhrenden Staͤdten; am meisten rings um reiche Handelsplaͤtze. Die Geschaͤfte ihrer Besitzer verstatten selten, daß Gaͤrten dieser Klasse in betraͤchtlicher Entfernung von den Staͤdten angetroffen werden, fondern for- dern fast immer, daß sie in ihrer Nachbarschaft umher liegen. Wer indessen die Ruhe eines gluͤcklichen Privatlebens, das mit keinen oͤffentlichen Geschaͤften fuͤr den Staat und fuͤr seinen Mitbuͤrger belastet ist, mit aller Freyheit genießen kann, der verbirgt sich lieber in den Schatten des Landes, ferne von der Stadt, als daß er in ihrer Naͤhe verweilen sollte. Die 1778. hat, als einen Anhang, Beschreibun- gen der Landsitze Blenheim, Ditchley, Hey- thorp, Nuneham und Stowe. Zu den Be- fchreibungen, die mit Abbildungen beglei- tet sind, gehoͤren folgende Werke. A new Display of the beauties of England, or a description of the most elegant public Edifices, Royal Palaces, Noblemen’s and Gentlemen’s Seats \&c. 3te Edit. London. 8. 1776. 2 Baͤnde, enthaͤlt unter andern ei- ne Menge von Beschreibungen und schoͤnen Abbildungen der vornehmsten Landsitze und Parks. The modern universal British Tra- veller, or a new complete and accurate Tour trough England \&c. Fol. London 1779. mit 100 Kupfern. Die Prospecte von Landsitzen sind fast dieselben, wie in dem oben angefuͤhrten Werke, und groͤßer, aber nicht so sauber. Ein neues vortreff- liches Werk ist: A Collection of one Hun- dred and Fifty select views in England, Scotland and Ireland, Drawn by P. Sand- by Esqu. R. A. Vol. 2. Printed for John Boydell. London 1781. Außer den Ab- teyen, alten Schloͤssern, Ruinen, und man- cherley herrlichen und romantischen Pro- specten, trifft man hier verschiedene uͤber- aus feine Vorstellungen von Landhaͤusern des Adels und Scenen aus den Parks an. — Zur besondern Kenntniß alter Schloͤsser und Ruinen von Kloͤstern und Abteyen in malerischen Aussichten, dienen diese zwey Werke: England illustrated, or a compen- dium of the Natural History, Geography, Topography and Antiquities of England and Wales. 4. London. 2 Vol. 1764. und folgendes. The Antiquities of England and Wales, by Francis Grose. 4. London. 4 Vol. 1773. Nach den schon angefuͤhrten Beschreibungen und Abbildungen von Sto- we (1ster B. S. 69. 3ter B. S. 135.) verdient noch diese bemerkt zu werden: Sixteen perspective views together with a General Plan of the magnificent Buil- dings and Gardens at Stow. Fol. London. 1752. Die Kupfer, die freylich viel besser feyn sollten, stellen verschiedene Theile des Parks, die Gebaͤnde und uͤbrigen Werke der Kunst doch deutlicher vor, als die kleinern Handbuͤcher von diesem Garten. Sechster Abschnitt. Gaͤrten Die Parks des Adels verschoͤnern die Landschaft, und die Gaͤrten der Buͤrger die Nachbarschaft der Staͤdte. Sehr viele ansehnliche und beruͤhmte Staͤdte gewin- nen von den umliegenden Gaͤrten und Sommerhaͤusern eine Lebhaftigkeit, einen Glanz, ein so reiches Gemaͤlde von Wohlstand und Ergoͤtzung, daß alle empfindsame Reisen- de davon bis zu einem hohen Grade entzuͤckt und geruͤhrt werden, wenn gleich dies Gefuͤhl bey den Einwohnern selbst durch den Einfluß der Gewohnheit schwaͤcher wird. So ist das reizende Arnothal , in dessen Mitte die Stadt Florenz liegt, auf allen Seiten von einem Amphitheater fruchtbarer Huͤgel umkraͤnzt, die mit Landhaͤusern und Gaͤrten bedeckt sind; nirgends in Italien , das doch von Villen so sehr verschoͤ- nert ist, S. 1sten B. S. 31. erblickt man an einem Orte eine so reiche Sammlung von anmuthigen Landsitzen, die Privatpersonen gehoͤren, als in der Nachbarschaft von dieser Stadt. So ist Marseille mit einer solchen Menge von Gaͤrten und Sommerhaͤusern gleich- sam umhuͤllt, daß man ihre Anzahl auf ohngefaͤhr fuͤnftausend angiebt. Papons Reise durch die Provence. Aus dem Franz. 1783. S. 149. Wenn man bis auf eine Meile gegen die Stadt koͤmmt, so faͤhrt man bestaͤndig von der Hoͤhe herunter, unter dem Genuß der praͤchtigsten Aussicht; denn Marseille ist auf zwey Drittheile ihres Umkreises an der oͤstlichen und nordoͤstlichen Seite mit hohen Bergen und einer Menge kleiner Huͤgel umgeben, und diese Huͤgel sind so mit Landhaͤusern bebaut, daß die Gegend von einem Umkreis von etlichen Meilen in der Ferne einer unermeßlichen Vorstadt von Wohnungen und Gaͤrten gleich sieht. Sulzers Reise durch die mittaͤgli- chen Laͤnder von Europa ꝛc. S. 113. So sind außer verschiedenen andern Staͤdten der Schweiz , S. 1sten Band S. 34-35. Zuͤrch, Bern, Lausanne und Genf rings umher auf ihren Hoͤhen mit Landsitzen und Sommerhaͤusern um- kraͤnzt. Auch in Deutschland giebt es wenige große und mittlere Staͤdte, deren benachbarter Bezirk nicht mit Gaͤrten und Landhaͤusern belebt waͤre. Auch geringere Plaͤtze gewinnen von umliegenden kleinen Gartenhaͤusern ein Ansehen von Groͤße und Wohlstand. Ich bin verschiedenemale durch die hannoͤverische Stadt Muͤnden auf der Straße zwischen Goͤttingen und Cassel gereiset, und immer von der bezau- bernden Schoͤnheit ihrer Lage so sehr entzuͤckt worden, daß ich mich kaum ihrem An- schauen wieder entreißen konnte. Das große reizende Thal nahe vor der Stadt, der Zusammenfluß der Fulde und der Werre , die hier zusammenstoßen, um die We- ser zu bilden, die schoͤnen mit Waldungen bekleideten Berge auf beyden Seiten, zwi- schen ihnen die weite gruͤne Ebene, durch welche der erste Fluß auf der jenseitigen hessischen Graͤnze sich herabwindet, an den Abhaͤngen umher die vielen kleinen Som- merhaͤu- nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. merhaͤuser, die von der Bauart nichts Schoͤnes haben, aber durch ihre sanfte Lage, zwischen Gaͤrtchen und Gebuͤschen halb versteckt, interessant werden, alles dies macht zusammen eine der anmuthigsten Landschaften in Deutschland aus, die in England lange schon einen Zeichner gefunden haͤtte, und bey uns kaum noch einen Beschrei- ber hat. Vornehmlich sind es reiche Handelsplaͤtze, um welche sich diese Gattung von Gaͤrten zu haͤufen pflegt. Der Ueberfluß oder Wohlstand, den das Gluͤck des Han- dels erzeugt, erregen sehr bald die Begierde, sich durch einen groͤßern Aufwand in Wohnungen und Gaͤrten, so wie in Gesellschaften und Gastmalen, auszuzeichnen. Auch suchte der Mann, der von der Last der Geschaͤfte und dem Gewuͤhl des Handels ermuͤdet war, einen Ort, wo er an ruhigen Tagen sich wieder erholen, freyer ath- men, sich selbst und seine Familie genießen konnte; er baute ein Landhaus in der Naͤhe der Stadt, und pflanzte sich einen Garten. So entstanden, nicht weniger aus Beduͤrfniß als aus Prachtsucht, die meisten Gaͤrten um ansehnliche Handels- staͤdte, vornehmlich in Holland und in verschiedenen Provinzen von Deutschland . Allein diese Gaͤrten fiengen auch hier am ersten an, auszuarten. Der gute Geschmack ist nur selten im Gefolge des Reichthums. Der Hang zum Aufwand und zum Pomp handelt wenig mit Ueberlegung, und sucht sich bald durch jedes Mittel zu befriedigen, das er auf seinem Weg erhaschen kann. Er will Aufsehen und Bewun- derung erregen; er will durchaus glaͤnzen und uͤbertreffen. Die Thorheit der Nach- ahmung gesellte sich zu ihm. Diese rieth ihm, die Gaͤrten der Fuͤrsten zu kopiren, und der Kraͤmer blaͤhete sich, wenn er, gleich ihnen, auf Wasserkuͤnste und Sta- tuen zeigen konnte. Der Genius des Orts raͤchte sich an der verwegenen Nachaͤffung. Der eingeschraͤnkte Bezirk des Platzes machte die Unbesonnenheit nur desto sichtbarer. Was in einem ausgedehnten Garten schicklich oder ertraͤglich war, ward hier laͤcher- lich. Man eilte darauf von einer Thorheit zu der andern. Man bemalte den Bo- den mit Steinen und Muscheln, die Thuͤren mit Springwassern, und die bretterne Wand mit wilden Thieren; man schnitt aus Taxus Kanapees, und aus den Linden Faͤchel. So wurden viele hollaͤndische , so manche deutsche Gaͤrten bey den nie- dersaͤchsischen und andern Reichsstaͤdten verunstaltet. Man verschwendete kostbare Spielwerke, und glaͤnzte im Prunk laͤcherlicher Verzierungen; und uͤberall stand zwi- schen dem Reichthum und dem Aufwand, die hier erschienen, ein Zeuge, der die Ab- wesenheit des Geschmacks anklagte. — Diesen Bemerkungen, an deren Wahrheit kein Zweifel graͤnzt, darf ich hier noch wohl das Urtheil eines einsichtsvollen Schrift- V Band. G stellers Sechster Abschnitt. Gaͤrten stellers Falconers Bemerkungen uͤber den Einfluß des Himmelsstrichs, der Lage u. s. w. aus dem Engl. 8. 1782. S. 542-543. beyfuͤgen. „Der Handel, sagt er, ist gewissen Producten des Geschmacks gar nicht guͤnstig. Werke der Dichtkunst trifft man kaum bey irgend einer handelnden Nation an, und die Geschichte ist hier wenig mehr, als eine trockene Erzaͤhlung ein- zelner Thatsachen und Begebenheiten. Andere Theile der Gelehrsamkeit hingegen, die bey einem ausgebreiteten Nutzen fuͤr die Gesellschaft wenig Unterhaltung gewaͤhren, hat man hier mit großem Gluͤck bearbeitet. Die Hollaͤnder z. B. haben uns meh- rere treffliche Werke uͤber das buͤrgerliche und natuͤrliche Recht gegeben, und die Heil- kunst danket ihnen einige der wichtigsten Erweiterungen. Allein zu solchen Kuͤnsten, wo es auf Geschmack oder auf die Faͤhigkeit ankoͤmmt, die Schoͤnheit wahrzunehmen, und zu empfinden, hat man bey solchen Nationen insgemein wenig Talente bemerkt. Dieser Mangel am Gefuͤhl des Schoͤnen zeigt sich an Gebaͤuden, Hausrath, und Anlegung der Gaͤrten. Uebertuͤnchte Bildsaͤulen, nach geraden Linien oder in Zirkeln gepflanzte Baͤume, viereckig oder kugelfoͤrmig geschnittene, auch wohl in die Gestalten von Voͤgeln, Baͤren und Menschen gezwungene Taxus, und kleine Springbrunnen bezeichnen hier den Geschmack des reichen Staͤdters, der uͤberall nichts an der Natur bewundert, als die Bereitwilligkeit, womit sie so mannichfaltige Gestalten von der Kuͤnsteley annimmt, und dem alles schoͤn ist, was in die Augen faͤllt, Aufwand er- fordert, und, weil es sich von dem gewoͤhnlichen Lauf der Natur entfernt, bey dem Unwissenden Bewunderung erregt. Was von einigen Schriftstellern, setzt Falconer hinzu, von dem richtigen Geschmack der Chineser in Gaͤrten behauptet wird, verdient keinen Beyfall. Eine neuere Schrift macht uns von den Kunstwerken dieser Nation eine Vorstellung, nach welcher man vermuthen moͤchte, ihr Verfasser, Chambers , habe nur im Scherz geschrieben. Andere glaubwuͤrdige Schriftsteller hingegen sagen uns, daß Werke des Geschmacks bey den Chinesern , eben so wie bey andern han- delnden Nationen, schwerfaͤllig, schimmernd, mit Flitterstaat uͤberladen, und mit einem gesuchten unnuͤtzen Aufwand verbunden sind. Die Pracht eines chinesischen Gebaͤu- des besteht in der Groͤße der Balken und Pfeiler, die von dem kostbarsten Holz gear- beitet sind, und in dem Schnitzwerke an den Thoren. Gaͤrten haben sie nur, um Kuͤchengewaͤchse darinn zu erziehen.“ Eine Bestaͤtigung dessen, was ich zu- erst gegen Chambers uͤber die thinesischen Gaͤrten gesagt. 1ster B. S. 81-103. Ein anderes sehr wichtiges Zeugniß gegen ihn giebt ein neuer beruͤhmter und unpartheyi- scher Reisender, Herr Sonnerat (Reise nach Ostindien und China in den Jahren 1774 2. Um nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. 1774 bis 1781. Zuͤrch 1783. 2ter Band. S. 21.). Man versteht in China, sagt er, nicht einmal die Kunst, Baͤume zu verpflan- zen, sie zu beschneiden und zu pfropfen. Ih- re Gaͤrten sehen gar nichts aͤhnlich; sie haben nicht einmal Fruchtbaͤume darinn, wenn die Natur sie nicht hineinpflanzt. Man hoffe ja nicht darinn, wie in den eu- ropaͤischen, Pflanzen aus allen vier Welt- theilen zu finden; ein erkuͤnstelter Fels, ei- ne kleine Bruͤcke, ein Belveder, und eini- ge Irrgaͤnge sind die ganze Verzierung da- von. Der so hoch beruͤhmte Ackerbau be- steht in der Pflanzung des Reis, den ein bis an die Knie im Wasser stehender elender Kerl in die am Ufer der Fluͤsse gemachten Loͤcher vertheilt. Die Chineser haben nicht einen einzigen Maler; sie wissen weder Zeichnung noch Stellung in ihre Stuͤcke zu bringen, und haben keinen Begriff von der Perspective. Man findet uͤberall keinen Baumverstaͤndigen. Selbst die Tempel, die in allen uͤbrigen Laͤndern durch ihre Pracht Ehrfurcht einfloͤßen, haben in China nichts von Majestaͤt an sich. Sechster Abschnitt. Gaͤrten 2. Um dem wahren Charakter, der dieser Gattung von Landwohnungen und Gaͤr- ten zukoͤmmt, uns mehr zu naͤhern, verdient zuvoͤrderst bemerkt zu werden, daß sehr viel von ihrer Lage abhaͤngt, wenn sie einen vortheilhaften Prospect nicht allein zur Verschoͤnerung einer Gegend verbreiten, sondern auch selbst genießen sollen. Eine ungemein frische Lage geben die Ufer eines Flusses, noch mehr eines Sees. Hier ver- doppeln die Gebaͤude in dem Wiederschein den Reiz ihres Anschauens aus der Ferne, und empfangen selbst von dem Licht und der spielenden Bewegung des Wassers eine neue Heiterkeit. Auf Anhoͤhen, zwischen wellenfoͤrmig sich dahin schmiegenden Huͤgeln, an sanften Abhaͤngen hoher Berge, gewinnen kleine Sommerhaͤuser mit ihren Gaͤr- ten ein malerisch reizendes Ansehen. Noch schoͤner, wenn gleich an den Fuß der Hoͤ- hen, von welchen sie herabhaͤngen, das Meer seine Wogen hinwaͤlzt, wie an dem seelaͤndischen Ufer zwischen Kopenhagen und Helsingoͤr , oder heitere Landseen, wie um Genf und Neuschatel , ihre leichtern Wellen sanft hinspielen lassen. Nicht weniger traͤgt zur Schoͤnheit der Lage bey, wenn rings umher die Gegend um die Sommerhaͤuser viel Gebuͤsch und Pflanzung zeigt, aus deren dunklem Gruͤn die weis- sen Vorderseiten hervorschimmern. Alle diese Lagen gewaͤhren den Vortheil einer anmuthig unterhaltenden Aus- sicht. Dieser Vortheil ist hier um so wichtiger, weil diese Gaͤrten nicht allemal einen so weiten Bezirk umfassen, daß darinn eine betraͤchtliche Mannichfaltigkeit von innern Scenen Platz finden koͤnnte. Die Aussicht in die Landschaft, die uͤberhaupt bey jeder Anlage vom heitern Charakter unentbehrlich ist, verguͤtet hier die Einschraͤnkung des Besitzes und den Mangel vieler Auftritte und Veraͤnderungen in dem innern Vezirk. Ein kleiner Platz kann durch die Aussicht hoͤchst interessant werden, wie man besonders in so vielen Gaͤrten der Schweiz sieht. Und diese Lebhaftigkeit, diese Groͤße, die- ser Reichthum, diese Mannichfaltigkeit, dieser Zauber in landschaftlichen Aussich- ten, die ost aus einem engen Winkel genossen werden, wird, wo die Natur sie ver- fagt, von keiner Macht der Kunst fuͤr weite Anlagen hervorgerufen. Eben der engere Raum, der gemeiniglich nur dieser Gattung von Gaͤrten ver- stattet ist, erlaubt keinen Reichthum von Scenen, der ihn bald zu sehr uͤberladen und verstellen wuͤrde. Die Gegend ist meistens nur von einem gewissen bestimmten, aber einfachen Charakter. Und diese Einfachheit muß auch bey allem, was Kunst und Geschmack bey einem solchen Platz vornehmen, beybehalten werden. Alle Verschoͤ- nerungen muͤssen nach dem natuͤrlichen Charakter der Gegend sich richten. Wird nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. Wird nur dieses Gesetz beobachtet, so kann der Besitzer seinen Platz nach sei- nem Geschmack einrichten, er mag das Bebauete oder das Wilde, das Romantische oder das Anmuthige, das Muntere oder das Ernsthafte, das Zierliche oder das Nachlaͤßige, das Verschlossene oder das Offene lieben. Er hat Freyheit in der Wahl seiner Gewaͤchse und seiner Auszierungen, nur darf er nicht die Empfehlung einer be- scheidenen Maͤßigung vergessen. Das Wohlfeile und das Nutzbare ist hier weit schicklicher, als das Kostbare und weniger Nuͤtzliche. Viele edle Fruchtarten ver- dienen hier das Recht des Vorzugs vor blos seltenen Pflanzen. In jeder Anpflan- zung und Einrichtung herrsche Geschmack, in jeder Verzierung Bescheidenheit. Die Laube oder das freyere Gebuͤsch mag sich mit der Buͤste eines Freundes des Besitzers, oder mit der Statue eines Patrioten seines Vaterlandes schmuͤcken; von ihren schoͤ- nen Kindern umringt, mag Flora sich hier einen Kranz winden. Allein solche Werke der Kunst muͤssen sich in Anlagen dieser Art nur sehr selten zeigen. Viel Gruͤn der Pflanzungen hingegen, viel Schatten, viel anmuthige und duftende Gewaͤchse, mit nuͤtzlichen Arten vermischt, ein reiner Bach oder ein kleiner Wasserfall, wo es die Gegend verstattet, freye und beschattete Spaziergaͤnge, ruhige Sitze unter Bedeckun- gen des Laubes fordert diese Gattung. Die ganze Anordnung muß anziehend und unterhaltend seyn, und dazu gehoͤrt besonders auch eine kluge Wahl der landschaftli- chen Aussichten, zumal, wenn der Bezirk an Einschraͤnkung und an einer gewissen Duͤrftigkeit leidet. Doch kann die Anordnung sich hier nicht immer einer freyen Manier uͤberlassen; die Symmetrie wird zuweilen zulaͤßig. S. 1sten B. S. 140. Es ist nichts so schwer, als einen Garten natuͤrlich einzurichten, wo die Natur selbst ihren Beystand dazu versagt; und dies ist nicht selten der Fall auf den Plaͤtzen, wo kleine buͤrgerliche Gaͤrten bey Staͤdten angelegt werden. Ein besonderer Unterschied dieser Gattung scheint darinn zu bestehen, daß sie mehr das Bearbeitete, das Verseinerte, das Geschmuͤckte in einzelnen Theilen ver- goͤnnt, das die Parks bey ihrem Umfang und bey der Groͤße ihres Charakters nicht uͤberall so vollenden koͤnnen, noch duͤrfen. Weil die Theile kleiner, weniger verviel- faͤltigt und verwickelt, dem Auge mehr uͤbersehbar sind, und oͤfter erscheinen: so fal- len ihre Maͤngel leichter auf, und desto geschaͤftiger ist daher der Fleiß der Ergaͤn- zung und der Politur. Demnach kann die Zierlichkeit sich in buͤrgerlichen Gaͤrten mit einigem Vorrecht auszeichnen. Dagegen, was ein Eigenthum ausgebreiteter und zusammengesetzter Gegen- den ist, die Wirkung starker Contraste und schneller Uebergaͤnge, der Eindruck der G 3 Wildnisse, Sechster Abschnitt. Gaͤrten Wildnisse, der Gebirge, der Felsen, alles dies ist, in so fern es nicht leicht in dem Bezirk dieser Gattung Platz hat, von ihr ausgeschlossen. Sie liebt aber das Feine der Umrisse, das Liebliche der Formen, das Sanfte der Verbindung, das Allmaͤ- lige der Uebergaͤnge, das Heitere der Farben, und das Lachende der Aussichten. Selbst mit dem Theil, der ganz allein ein Eigenthum des Nuͤtzlichen zu seyn scheint, kann sich eine gewisse Anmuth verbinden. Plaͤtze, mit edlen Fruchtbaͤumen bepflanzt, gehoͤren allerdings in Privatgaͤrten. Allein der gute Geschmack kann hier eine freye Pflanzung waͤhlen, die steifen Linien, welche die Natur nicht kennt, verwerfen, und den nuͤtzlichen Obstbaum in anmuthigen Gruppen ziehen; er kann an den Fruchtbaum den Weinstock binden, ihn von Stamm zu Stamm in Kraͤnzen lei- ten, oder unter den nutzbaren Zweigen sich zugleich eine Laube woͤlben; er kann in den Zwischenraͤumen schoͤne Grasplaͤtze, kleine Vertiefungen und Erhoͤhungen bilden, und in ihrem Bezirk sich Pfade umherwinden lassen; er kann hier Baͤche vertheilen, sie zwischen den Staͤmmen in dem gruͤnen Boden lieblich dahin spielen oder in plaͤt- schernde Wasserguͤsse abfallen lassen; er kann bequeme Sitze anlegen, wo der Eigen- thuͤmer mit seinen Freunden gerne in suͤßen Gefuͤhlen und Unterredungen unter dem geliebten Schatten selbstgepflanzter Obstbaͤume ruht. In der That uͤberall kann der gesunde Geschmack seine Verschoͤnerungen verbreiten, ohne dem Nuͤtzlichen etwas von seinem Vorrechte zu entziehen. Weil es nirgends so leicht ist, als in dieser Gattung, die Natur zu verfehlen, so muß man sich sowohl vor der Unschicklichkeit, als vor dem Ueberfluß der Verzie- rungen huͤten. Nichts ist gewoͤhnlicher, als hier Dinge aufgestellt zu sehen, die weder mit der Scene selbst, noch mit einem Garten uͤberhaupt die geringste Verbin- dung noch Wahrscheinlichkeit haben. Solche Auftritte, so sehr sie auch dem gemei- nen Vorurtheil gefallen, beweisen doch allemal eine duͤrftige oder verirrte Einbildungs- kraft und eine gaͤnzliche Unwissenheit in den Grundsaͤtzen der Kunst. Man glaubt einen Garten geschaffen zu haben, und hat nichts als ein Gemengsel von unharmoni- schen und fremden Theilen, eine bloße Decoration, bunt genug, aber ohne Geschmack und Interesse. So wirft man Statuen und Muͤhlen, Thuͤrme und Huͤtten, Kir- chen und chinesische Lusthaͤuser, Einsiedeleyen und Baͤder, Tempel und Klosterrui- nen oft in einen Umkreis von hundert Schritten zusammen, und glaubt ein herrliches Werk von Gartenkunst geschaffen zu haben. Der sicherste Weg, diesen Ungereimt- heiten zu entfliehen, ist der, daß man sich an die Natur haͤlt, und nach ihrer Anlei- tung vornehmlich Baͤumen, Straͤuchern, Blumen, Rasen und Wasser, womit sie ihre nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. ihre Landschaften malt, den Vorrang giebt. Sollten diese kraftvollen natuͤrlichen Gegenstaͤnde nicht immer in einem Garten ruͤhren und gefallen, wie in der Land- schaft? Wenn sie diese Wirkung verfehlen, so liegt es nicht an ihnen, sondern an dem Kuͤnstler, der ohne Geschmack und Einbildungskraft sie nicht auszubilden, nicht zu verbinden, nicht zu einem bestimmten Charakter anzuordnen weiß, der arm an Erfindung nur das Gemeine aufstellt, nur wiederholt, was er anderwaͤrts gesehen hat, der nicht das wahre Eigenthum jeder Gattung kennt, noch den Umstaͤnden und Situationen ihre Vortheile abzugewinnen versteht. Das Landhaus oder Wohngebaͤude muß mit dem Garten ein Verhaͤltniß ha- ben. Sein Charakter fuͤr einen Privatmann vom Stande soll in Anmuth, in Zier- lichkeit und Feinheit bestehen; S. 3ten B. S. 17. fuͤr einen Buͤrger in einer bescheidenen Maͤßigkeit mit Nettigkeit und Geschmack vereinigt; in beyden darf keine Pracht, keine Ueppig- keit, keine Begierde, mit Reichthum zu schimmern, erscheinen. Die innere Ein- richtung ist sowohl von den Beduͤrfnissen des Besitzers und seiner Familie, als auch von dem Gebrauch abhaͤngig. Wird das Haus das ganze Jahr hindurch bewohnt, so fordert es mehr Bequemlichkeit, als wenn es nur kurzen Besuchen auf einige Wo- chen oder Tage eroͤffnet wird. Seine Groͤße muß sich nicht allein nach dem Charak- ter seines Bewohners richten, sondern auch zum Theil nach dem Umfang der Besi- tzung. Nach diesem Unterschiede giebt es manche Abstufungen. Hier sind drey Muster von Landhaͤusern dieser Klasse, in der Folge, wie sie von dem Kleinern zu dem Groͤßern, oder von dem blos Bequemen und Anstaͤndigen zu dem Zierlichen und Edlern hinaufsteigen. Die Sechster Abschnitt. Gaͤrten nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. V Band. H Sechster Abschnitt. Gaͤrten nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. Die kleinern Gartengebaͤude und einzelnen Lustkabinette, die diese Gattung zu- laͤßt, muͤssen uͤberhaupt von einer leichten, gefaͤlligen, zierlichen, feinen und geschmack- vollen Bauart seyn. Hat der Garten schon ein schoͤnes Landhaus, so darf in seinem Bezirk ein Gebaͤude, das blos der Verzierung, dem Vergnuͤgen, oder einer besondern gartenmaͤßigen Bestimmung S. 3ten B. S. 36-39. gewidmet ist, durch keine sich erhebende Vorzuͤge sich auszeichnen. Herrscht aber ein solches Gebaͤude allein in seinem Umkreis, so mag es auch mehr Groͤße, mehr anziehende Schoͤnheit annehmen. In kleinern Gaͤrten ma- chen die Gebaͤude am meisten Eindruck, indem sie sich als wichtige Gegenstaͤnde dem Auge weit freyer und geschwinder ankuͤndigen, als unter den mannichfaltigen Natur- scenen eines ausgebreiteten Parks; sie reizen gemeiniglich in der Ferne mehr den Blick des Anschauers, als der umliegende Platz. Sie scheinen daher in einem klei- nern Bezirk mit einem doppelten Rechte ein zierliches und feines Ansehen zu fordern. Aber ihre Vervielfaͤltigung wuͤrde hier die ersten Grundsaͤtze des Geschmacks beleidi- gen. Das Landhaus oder das Lusthaus muß nicht allein die vortheilhafteste Lage fuͤr die Aussicht, sondern auch durch Umkraͤnzung mit Blumen, Rasen und Straͤuchern eine genaue Verbindung mit dem Garten haben. H 2 3. Zu Sechster Abschnitt. Gaͤrten 3. Zu dieser Gattung koͤnnen am bequemsten die Blumengaͤrten S. 1sten B. S. 76. u. s. w. gerechnet werden. Obgleich Gruppen und andere Anordnungen von Blumen in großen Gaͤr- ten zuweilen als fast unentbehrliche Theile anzusehen, und besonders ein Eigenthum des angenehmen und heitern Charakters sind; S. 77. so werden sie doch da mehr wie Mittel zur Belebung und Verschoͤnerung betrachtet, als Anlagen, die fuͤr sich ein Ganzes machen. Auf einen rauhen verwilderten Bezirk kann auf einmal eine ge- schmuͤckte Blumenflur erscheinen, als ein lebhafter Contrast. Allein die feinern und edlern Toͤchter der Flora gehoͤren mehr in den geschmuͤckten Theil des Gartens, als in die Wildniß; denn sie fordern mehr das Auge ihres Freundes zum Genuß ihrer Schoͤnheit und seine Hand zu ihrer Pflege. Der Privatmann, der Buͤrger, der nicht Land genug zu einem ausgedehnten Garten besitzt, belustigt sich daher gern an einem Blumengarten. Diese Gattung begnuͤgt sich nicht allein mit einem geringern Raum; sie schickt sich auch vortrefflich zur Bepflanzung der Plaͤtze in der Naͤhe um die Wohngebaͤude her und hinter ihnen. Hier sind Blumengaͤrten nicht mehr beson- dere Theile, nicht mehr bloße Mittel zur Verschoͤnerung; sie machen vielmehr ein Ganzes, eine eigene fuͤr sich bestehende Gattung aus. Die Bestimmung der Blumengaͤrten ist Belustigung des Auges durch Man- nichfaltigkeit und Schoͤnheit der Farben, vereinigt mit der Ergoͤtzung des Geruchs. Daher wird der Besitzer zuvoͤrderst sowohl fuͤr die Bestaͤndigkeit der Flor, als auch fuͤr eine solche Anordnung und Verbindung der Blumengewaͤchse nach Groͤße und Farbe sorgen, daß dadurch eine anziehende Malerey hervorgebracht werde. Eine abgezirkelte Flur, wo die Blumen nur nach Geschlechtern, nach Arten und Varietaͤ- ten geordnet sind, ist dieser Wirkung wenig vortheilhaft. Weit mehr guͤnstig ist dazu eine mit kleinen Huͤgeln und sanften Vertiefungen unterbrochene, sich wellenfoͤr- mig dahin schmiegende Gegend, und dabey eine Lage gegen das liebliche Licht des Morgens, das den von Thau glaͤnzenden Pflanzen einen neuen Reiz entgegen streckt. Neigt sich außerdem der Boden sonst zu einem klaren Wafserstuͤck oder zu einem Bach herab, der zwischen den kleinen Vertiefungen umherirrt, bald ruhig mit dem Bilde der nachbarlichen Blumen dahin gleitet, bald muthwillig zwischen Kieseln umherhuͤpft, bald in murmelnden Faͤllen sich jagt, und an seinen Spielen selbst sich zu ergoͤtzen scheint; so wird die Situation frischer, und das Gemaͤlde lebendiger. Noch mehr gewinnt die Scene an Reiz, wenn hin und wieder bluͤhende Straͤucher die nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. die Einfassung bilden, oder die kleinen Huͤgel bekraͤnzen, und in die Malerey der niedrigen Blumenpflanzen mehr Schattirung und Abwechselung mischen. Ihre zufaͤlligen Verschoͤnerungen bestehen in den kleinen eben so fluͤchtigen als lieblichen Wirkungen, welche die Beleuchtung, besonders das Streiflicht des Morgens und Abends, schenkt; und in den Spielen umhergaukelnder Schmetterlinge, die den Tag uͤber zwischen den farbigten Schoͤnen mit eifersuͤchtigen Liebkosungen flattern, und erst am Abend die Geliebte waͤhlen, in deren Arm sie unter dem suͤßen Athmen der Liebe einschlummern, und die Kuͤhle der Nacht bis spaͤt nach dem Aufglimmern der Morgenroͤthe vertraͤumen. In diesen Scenen moͤgen die Bilder der Grazien und der Liebesgoͤtter die Dauer suͤßer Empfindungen unterhalten; ein helles Spring- wasser mag, ohne gekuͤnstelte Verzierung, die Lebhaftigkeit des Auftritts vergroͤs- fern; uͤberschattete seine Ruheplaͤtze umher, und Lauben von Jasmin und Rosen moͤgen zum Genuß dieser Wollust oder zum leichten Schlummer einladen, den nichts, als etwa nur das Saͤuseln der geschaͤftigen Biene stoͤrt. Wie wohl ist dem Empfindenden in diesem Lustrevier! Wie gluͤcklich, indem er hier, zwischen Unschuld und Frieden, seine Sommertage dahin wallen sieht, bald unter weisen Betrachtun- gen, bald unter holden Empfindungen oder Erinnerungen, womit er sich in die Freu- den seiner verbluͤhten Jugend zuruͤcktraͤumt. Harmloser Fruͤhling meiner Tage! Suͤße Bluͤthe meines Lebens! Noch ruͤhrt mich hier dein immer truͤber zuruͤckkom- mendes Bild, einst die Wonne des Genusses, nun die Wehmuth der Erinnerung! Sanfte voruͤberschimmernde Sommertage, da ich als Knabe unter den Blumen meines Vaters spielte, in dem laͤndlichen friedvollen Thale, nah und fern von ruhi- gen Waͤldern und Hoͤhen umkraͤnzt, zwischen welchen blos ein hervorglaͤnzender See die Daͤmmerung des weiten Hintergrundes erheiterte! Wie waret ihr damals so schoͤn, sanfte voruͤberschimmernde Sommertage! Wie lieblich war es, an jedem Geschaͤfte im Garten Antheil zu suchen, den Pflanzen in kleinen Eimern Wasser zu bringen, der Nachtigall nachzufloͤten, und der glaͤnzenden Abendroͤthe entgegen zu huͤpfen! Kein anderer Schmerz, als wenn mich eine Biene stach, die ich muthwil- lig von den Blumen jagte, oder ein Dorn im Rosengebuͤsch verwundete; keine an- dere Sorge, als fuͤr die Verlaͤngerung des Genusses; denn alles war Genuß des Gegenwaͤrtigen, nichts war ruhlose Erwartung von der Zukunft. Ihr Staͤdte, ihr Hoͤfe, ihr Ergoͤtzungen und Unruhen und Geschaͤfte der großen Welt, was waret ihr damals dem, der, nur von seiner Gespielinn, der laͤndlichen Freude, begleitet, kein anderes Gluͤ kannte, als ihr zu gehoͤren! — Doch das Leben ist nichts anders, als eine Blumenscene; alles ist in Bewegung, aufzugruͤnen, zu bluͤhen, zu welken, und wieder aufzusprießen. Auch der spaͤtere Sommer, selbst der Herbst unsers Lebens, H 3 haben Sechster Abschnitt. Gaͤrten haben noch ihre Blumen; sie bluͤhen staͤrker, sie bluͤhen laͤnger, als die fluͤchtigen Kin- der des Fruͤhlings. Gluͤcklich ist der, welcher in jeder Jahreszeit des Lebens ihre Blumen zu finden weiß! Gluͤcklich der Mann, der, sicher vor den Stuͤrmen der Welt, seinen Abend im ruhigen Blumengarten genießt, und durch Weisheit wieder belebt, was die allmaͤlig verbluͤhende Phantasie welken ließ! — Blumengaͤrten machen nicht blos das Vergnuͤgen der Jugend; sie sind auch ein geliebter Aufenthalt der Zaͤrtlichkeit. Personen von einem sanften und milden Charakter, und demnach das andere Geschlecht, pflegen sich am meisten in diesen klei- nen Scenen der stillen Schoͤnheit und bescheidenen Anmuth zu unterhalten. Fast nirgends vereinigt die Natur mehr ihre Lieblichkeiten, als hier. Das Reine und Sanfte Einer Farbe, wie in der Hyacinthe, der Balsamine, der Lupine, der Lava- tera; ihre feinen Schattirungen, wie in den mannichfaltigen Arten der Nelken; die Mischungen und Verschmelzungen mehrerer milden Farben, wie bey einigen Tulpen; das Suͤße, das Feine, das Liebkosende, das Erquickende, das Begeisternde des Wohlgeruchs bey so vielen Blumengattungen; alles dieses erzeugt und unterhaͤlt die Empfindung des Lieblichen, welche die ganze Seele mit einem Wohlbehagen, mit einer Vergnuͤglichkeit, mit einer so zauberischen Wollust fuͤllt, daß die Sprache fuͤr sie keinen Ausdruck zu haben scheint. Unstreitig nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. Unstreitig kann der Geschmack die holden Wirkungen eines Blumengartens un- gemein erhoͤhen. Blos bunte Scenen, die gewoͤhnlichsten, sind fuͤr das gemeine Auge, das nur geblendet, nur zerstreut seyn will; blos einfaͤrbige Scenen geben bald Langeweile und Ermuͤdung. Das Malerische allein hat das Vorrecht, zu unter- halten. Dahin gehoͤrt zunaͤchst, daß die Ordnung der Pflanzung nicht mehr den Regeln der Symmetrie folge, sondern in Gruppirungen erscheine, und in solchen Zu- sammensetzungen und Mischungen, woraus eine verstaͤndige Malerey der Blumen- farben entspringt. S. 2ten B. S. 79. — Bey dieser Art von Gemaͤlden koͤmmt es sowohl auf har- monische Verbindung, als auf Contrast der Farben an. Sehr gluͤcklich verbindet sich das Weiße mit dem Blaßgelben, dieses mit dem Fleischfarbigen, das Rosenfar- bige und das Himmelblaue mit dem Weißen, das Dunkelblaue mit dem Purpur- farbigen, das Dunkeltsthe mit dem Braunen, das Brandgelbe mit dem Hochro- then, das Graue mit dem Dunkelblauen. Das Weiße verbindet sich uͤberall, mit dem Gelben, dem Rothen, dem Blauen; es macht Milderungen, die dem Auge so lieblich schmeicheln; dem Hellgelben, dem Fleischfarbigen, dem Rosenfarbigen, dem Hellblauen ist eine uͤberaus einnehmende Sanstheit eigen. Die Mittelfarben ma- chen das Gemaͤlde harmonisch. Zwischen dem Gelben und Rothen steht das Brand- gelbe, zwischen dem Rothen und Blauen das Violet, zwischen dem Blauen und Gelben das Gruͤn; diese Farben koͤnnen in einander gezogen werden, ohne sich zu be- leidigen. Die aufsteigende Fortschreitung geht vom Weißen zum Weißgelben, Gel- ben, Roͤthlichgelben, Brandgelben, Brandgelbrothen, Rothen, Roͤthlichblauen, Violetten, Blaurothen, Blauen, Grauen, bis zum ganz Dunklen und Schwaͤrz- lichen, das entweder dunkelgelb, oder dunkelroth, oder dunkelblau ist; die herab- steigende vom Blauen zum Gruͤnen, zum Gruͤngelben, zum Gelben, zum Weiß- gelben, zum Weißen. Diese natuͤrlichen Fortschreitungen der Farben muͤssen das Auge des Kuͤnstlers in der Malerey seiner Blumenscenen leiten. Eine der vornehm- sten Regeln ist diese, daß die hellern Farben voranstehen, und sich dem Auge, das den Umfang eines harmonisch fortgehenden Gemaͤldes uͤberschauen soll, zunaͤchst zei- gen. — Im Contrast steht das Brandgelbe mit dem Weißen, das Purpurfarbige mit dem Hellgruͤnen, das Hellblaue mit dem Dunkelrothen. Die hellern Farben gewinnen in der Natur und in der Malerey durch die Gegenftellung der dunklen. — Diese Kunst, mit den Farben der bluͤhenden Gewaͤchse interessante Gemaͤlde zu schaf- fen, eine Kunst, die fuͤr das Genie ein neues und weites Feld eroͤffnet, kann mehr in dem Blumengarten herrschen, als in den Zusammensetzungen der Bluͤthen- straͤucher. Denn bey diesen machen fast immer die Art ihres Wuchses und ihre Blaͤtter wichtige Eigenschaften, die das Auge an sich reißen; bey den Blumenpflan- zen Sechster Abschnitt. Gaͤrten zen hingegen sind es fast nur die Blumen. Sie kommen hier gemeiniglich haͤu- figer, groͤßer und anziehender zum Vorschein, als die Blaͤtter, oder zeigen doch eine reichere Mannichfaltigkeit von Farbenmischungen. IV. Land- nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. IV. Landgaͤrten; laͤndliche Gaͤrten . D er laͤndliche Garten ist unter allen Gattungen der einfachste, und am meisten entfernt von Schmuck und Kunst. Er ist indessen doch von den gemeinen Gaͤrten des Landmanns unterschieden, die nichts als Kuͤchengewaͤchse und einige Obst- baͤume zeigen, und von fruchttragenden Straͤuchern umwildert sind. Auch ist der laͤndliche Garten nicht blos in die Doͤrfer verwiesen; der Buͤrger, der ansehnliche Privatmann kann ihn aus Geschmack waͤhlen, und um sein bequemes Wohnhaus anpflanzen. Seine Lage kann auf einem allmaͤligen Abhange, in einem gekruͤmmten Thal, und selbst in der Ebene seyn; sie verlangt keine großen, praͤchtigen, uͤberraschenden Aussichten. Kleine Erhoͤhungen umher, wodurch der Prospect ins Weite versperrt wird, ein schattenreicher Wald, eine frische Wiese, ein ruhiges Gewaͤsser, oder ein Fischteich, Viehtristen in der Naͤhe und selbst in dem Bezirk, scheinen dem Cha- rakter dieser Lage am meisten angemessen; und als zufaͤllige Belebung viel Gesang der Voͤgel, und in den Tagen des Fruͤhlings das einfoͤrmige Getoͤne des Kukuks und das Gequaͤk der Froͤsche. Die Anlage des laͤndlichen Gartens, er mag klein seyn, oder sein Bezirk sich etwas erweitern, ist auf Einfachheit und eine angenehme Nachlaͤßigkeit eingeschraͤnket. Er verstattet keine mannichfaltigen und reichen Gegenstaͤnde; er liebt die blos einfaͤl- tigen Scenen der Natur, und er zeigt sie ohne viel Wahl und Anordnung. Seine Pflanzungen bestehen aus gewoͤhnlichen Baͤumen des Landes; er ist zufrieden, wenn sie ihm Schatten und Fruͤchte geben. Man erblicket zwischen Weiden, Linden und Ulmen Aepfel- und Birnbaͤume; diese wechseln mit Kirschen, Nuͤssen, Quitten, Mispeln und Pflaumen ab; und findet sich eine hohe Eiche oder eine bejahrte Buche auf dem Platz, so wird ihre wohlthaͤtige Beschattung genutzt, und eine Bank unter ihren Laubdecken aufgestellt. Keine Allee, keine kuͤnstliche Anordnung der Baͤume; sie erscheinen hin und wieder in freyen Gruppen, bald groͤßer, bald kleiner, bald mehr, bald weniger von einander entfernt. Die Gaͤnge, bequem und rein, winden sich neben diesen Gruppen, und zuweilen zwischen ihren Staͤmmen durch, und fuͤhren hier zu dunkeln Schatten, dort zu einem freyen Platz voll frischen Grases hin. Sie sind bald mit einem Rosengebuͤsch, bald mit Johannisbeeren, Stachelbeeren, Berberi- tzen, Hanebutten und andern Straͤuchern, die eßbare Fruͤchte tragen, eingefaßt. V Band. J Zwischen Sechster Abschnitt. Gaͤrten Zwischen den Baͤumen und Gebuͤschen, an den Gaͤngen und neben den Ruhebaͤnken, die hin und wieder an schattigten Plaͤtzen stehen, erscheinen Pflanzen, die dem Cha- rakter des Ganzen beystimmen, als Maͤrzviolen, Mayblumen, Schluͤsselblumen, Marienbluͤmchen mit Krausemuͤnze, Majoran, Thymian, Salvey und Lavendel un- termischt. Ein anliegender Grasplatz, worauf einige Kuͤhe umher irren, oder im Winkel die kleinen gelbhaarigten Kinder der Gans sich zu dem Gefieder ihrer Mutter draͤngen; ein Bach, der vom Springbrunnen, welcher im Vorhof plaͤtschert, ab- fließt, sich mit maͤßigem Geraͤusch durch die Pflanzung schlaͤngelt, und sich in eine niedrige Wiese, oder in einen von Enten belebten Teich verliert; eine haͤusliche Fa- milie von Tauben, die zwischen Schwalben, die nahe bey ihnen unter dem Schutz des Gastrechts wohnen, oft den Garten uͤberflattert; in der Ecke einige Bienenkoͤrbe — sind diesem Charakter sehr angemessene Auszierungen. Keine Pracht, keine Kostbarkeit vertraͤgt sich mit ihm; Nuͤtzlichkeit, Bequem- lichkeit, Reinlichkeit und eine bescheidene Zierde sind sein Eigenthum. Daher keine Statue, keine Vasen, keine glaͤnzenden Werke der Kunst in einem laͤndlichen Garten; auch keine edlen, noch weniger praͤchtigen Gebaͤude. Ein reicher Pavillon wuͤrde hier eben so uͤbel stehen, als eine Grotte oder Einsiedeley. Eine Laube von Ligu- strum, von Rosen, oder spanischem Hollunder, Geißblatt und Jasmin geflochten, oder von den Aesten einer Linde gewoͤlbt; ein Waldhaus von Baumrinde zusammen- geschlagen und mit Moos uͤberzogen; ein einfaches Bauerhaͤuschen mit Stroh oder Schilf gedeckt; am Teiche eine Fischerhuͤtte; oder auf einer kleinen Erhoͤhung ein Sonnenweiser, dies sind allein die Werke der Baukunst, die diese Gattung vertraͤgt. Und doch duͤrfen hier Gebaͤude voll Einfalt nur einzeln, niemals zu haͤufig, erschei- nen; denn der Charakter des Laͤndlichen schließt zugleich eine gewisse Einsamkeit in sich, die durch die Mehrheit dieser Werke verletzt wuͤrde. Ruhe, haͤusliche Einge- zogenheit, stille Genuͤgsamkeit, die im eignen Schatten, durch den West gekuͤhlet, ihr Leben fuͤhlet, v. Kleist . und eine nur von friedsamen Geschaͤften begleitete Behagung an den einfaͤltigen Reizen der Natur, sind die Vorstellungen und Empfindungen, die der laͤndliche Garten er- regen soll. Er gefaͤllt durch das Sanfte und das Ruhige; seine Eindruͤcke sind nicht stark, aber einschmeichelnd; sie verschwinden vor einem Herzen, das voll Leidenschaft brennt, das nur nach rauschenden Ergoͤtzungen strebt; aber sie ruͤhren jede Seele, die noch nicht von der Welt verstimmt ward, die noch fuͤr das Gefuͤhl des Friedens und der nach dem verschiedenen Charakter ihrer Besitzer. der Unschuld offen ist. Nur eine solche Seele empfindet ganz diesen sanftruͤhrenden Auftritt an einem heitern Morgen im laͤndlichen Garten: Das Bild der Anmuth, die Hausfrau, In jener Laube von Reben, pflanzt Stauden und Blumen auf Leinwand, Die Freude laͤchelt aus ihr; ein Kind, der Grazien Liebling, Verhindert sie schmeichelnd, am Halse mit zarten Armen ihr hangend; Ein anderes taͤndelt im Klee, sinnt nach, und stammelt Gedanken. Ebenderselbe . J 2 Siebenter Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter Siebenter Abschnitt . Gaͤrten, deren Charakter von besondern Bestim- mungen abhaͤngig ist. I. Volksgaͤrten . 1. M an wird, bey den Fortschritten der Polizey in den neuern Zeiten, nicht leicht eine betraͤchtliche Stadt finden, die nicht in ihrem Umkreis, oder in ihrer Nachbarschaft einen Platz des oͤffentlichen Spazierganges haͤtte; wenigstens dienen die bepflanzten Zugaͤnge zugleich zu diesem Gebrauch. Eine anfehnliche Stadt muß in ihrem Umfang einen oder mehrere große offene Plaͤtze haben, wo sich das Volk in gewissen Zeitpunkten der Freude oder der Noth versammeln und sich ausbreiten kann, wo eine freye und gesunde Luft athmet, und die Schoͤnheit des Himmels und der Land- schaft sich wieder zum Genuß eroͤffnet. Diese Plaͤtze machen eine vorzuͤgliche Zierde der Staͤdte, wenn sie mit Rasen, mit Springbrunnen, mit Bildsaͤulen geschmuͤckt, und von Baumpflanzungen und den schoͤnern Gebaͤuden umkraͤnzt sind. Sie locken den Fremden durch die Heiterkeit ihres Anfehens an, und unterhalten den Spazier- gaͤnger in einer gewissen Lebhaftigkeit der Empfindung. Allein außer diesen Plaͤtzen kann eine weise Polizey bald in dem Bezirk der Stadt, bald nahe vor ihren Thoren besondere Oerter fuͤr den Spaziergang des Volks einrichten. Bewegung, Genuß der freyen Luft, Erholung von Geschaͤften, gesel- lige Unterhaltung ist die Bestimmung solcher Oerter, und nach dieser Bestimmung muß ihre Einrichtung und Bepflanzung abgemessen seyn. Diese Volksgaͤrten sind, nach vernuͤnftigen Grundsaͤtzen der Polizey, als ein wichtiges Beduͤrfniß des Stadt- bewohners zu betrachten. Denn sie erquicken ihn nicht allein nach der Muͤhe des Ta- ges mit anmuthigen Bildern und Empfindungen; sie ziehen ihn auch, indem sie ihn auf die Schauplaͤtze der Natur locken, unmerklich von den unedlen und kostbaren Ar- ten der staͤdtischen Zeitverkuͤrzungen ab, und gewoͤhnen ihn allmaͤlig an das wohlfeile Vergnuͤgen, an die sanftere Geselligkeit, an ein gespraͤchiges und umgaͤngliches We- sen. Die verschiedenen Staͤnde gewinnen, indem sie sich hier mehr einander naͤhern, auf von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. auf der einen Seite an anstaͤndiger Sittsamkeit und scheuloser Bescheidenheit, und auf der andern an herablassender Freundlichkeit und mittheilender Gesaͤlligkeit. Alle gelangen hier ungehindert zu ihrem Rechte, sich an der Natur zu freuen. Die Lage der Volksgaͤrten muß, so viel als moͤglich, Freyheit der Luft und Heiterkeit der Aussichten haben. Naͤchstdem ist der Schatten hier in allen Stunden des Tages Beduͤrfniß, obgleich der Abend am meisten den Buͤrger zum Spazier- gang einladet. Denn diese Oerter muͤssen zugleich dem Fremden, dem Siechen, dem Brunnentrinker, dem Mann ohne Geschaͤfte, dem Geselligen, der einen Freund auf- sucht, in jeder Stunde offen stehen. Zu der Bepflanzung schicken sich vornehmlich Baͤume, die mit der Groͤße ihres Laubes einen reichen Schatten verbreiten und ein dichtes Obdach woͤlben. Liegt ein Wald nahe an der Stadt, so ist es leicht, darinn oͤffentliche Spaziergaͤnge voll Schatten anzuordnen. Die Gaͤnge muͤssen breit, be- quem, vielfaͤltig und ausweichend seyn. Gerade Alleen sind hier nicht allein zulaͤßig, sondern verdienen selbst einen Vorzug, indem sie die Aufsicht der Polizey, die an sol- chen Plaͤtzen oft unentbehrlich ist, erleichtern. Die Anordnung ist hier von der be- sondern Bestimmung des Orts abhaͤngig. Man will sich finden, sich sehen, mit ein- ander umherwandeln, sich unterhalten. Bequeme Gaͤnge in einer geraden Linie stim- men diesen Absichten mehr zu, als lauter schmale sich immer kruͤmmende Pfade. Doch kann ein Volksgarten von einem betraͤchtlichen Umfang, außer seinen geraden Wegen, auch schlaͤngelnde Gaͤnge in Waldstuͤcken und angelegten Lustgebuͤschen ent- halten, und er bedarf ihrer selbst zur Abwechselung. Die Bequemlichkeit und selbst die Sicherheit erfordert, daß die Wege fuͤr Fahrende und Reitende von den Pfaden der Fußgaͤnger abgesondert werden. Baͤnke und Ruhesitze muͤssen nicht blos unter dem Schatten der Gebuͤsche und Baͤume, und an Stellen, wo sich anmuthige Aussichten eroͤffnen, sondern auch nach dem Verhaͤltniß der Menge der Spaziergaͤnger in der noͤthigen Anzahl und in beque- men Entfernungen angelegt werden. Auch gruͤne schattigte Lauben und bedeckte Schirmhaͤuser, wohin man bey einem Ueberfall von Regen und Gewitter seine Zu- flucht nehmen kann, gehoͤren in die Anlage eines Volksgartens. Gebaͤude dieser Art muͤssen abwechselnd an Form, von leichter und einfacher Architektur seyn. Volks- gaͤrten bey großen Staͤdten, zumal wenn sie von diesen in einiger Abgelegenheit lie- gen, erfordern noch Haͤuser, wo Erfrischungen gereicht werden, und diese koͤnnen zu- gleich durch ihre Bauart anmuthige Gegenstaͤnde fuͤr das Auge werden. Alles dies gehoͤrt mehr zur Bequemlichkeit dieser Gattung. Allein auch An- stalten zum Vergnuͤgen duͤrfen hier nicht fehlen. Liegt der Garten an einem See, oder stroͤmt ein Fluß oder ein anderes laufendes Gewaͤsser durch seinen Bezirk, so J 3 moͤgen Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter moͤgen Boͤte und andere Fahrzeuge zu Lustfahrten und zum Fischfang einladen. Die Musik in einem Gehoͤlz ist nicht wenig reizend, und die zum wolluͤstigen Gefuͤhl be- rauschenden Toͤne des Waldhorns geben einem heitern Sommerabend einen neuen Zauber. Man kann hier Musikhaͤuser anlegen, deren Architektur zugleich die Scene ziert. Kostbare Kunstwerke, feine Verzierungen und seltene Gewaͤchse, die Vorsorge erfordern, gehoͤren nicht in Anlagen dieser Klasse. Doch lassen sich hier Werke auf- stellen, die nuͤtzliche Eindruͤcke auf die Menge verbreiten. Hier scheint der Ort zu seyn, wo man leicht dem Volk mitten auf den Weg seiner Vergnuͤgungen eine gute Lehre hinstreuen und seine Aufmerksamkeit durch wichtige Erinnerungen anhalten kann. Gebaͤude mit interessanten Gemaͤlden aus der Geschichte der Nation, Bild- saͤulen ihrer verstorbenen Wohlthaͤter, Denkmaͤler von wichtigen Vorfaͤllen und Be- gebenheiten mit lehrreichen Inschriften koͤnnen hier mit Geschmack an schicklichen Plaͤ- tzen zu sehr vortheilhaften Wirkungen angeordnet werden. Nur keine Urne, noch andere Monumente des Schmerzes gehoͤren in diese Gaͤrten. Jene Gebaͤude, jene Statuen, Buͤsten und andere Denkmaͤler, die das Volk an sein einheimisches Ver- dienst, an die Wohlthaͤtigkeit seiner Patrioten, an das Gluͤck seiner Nationalbege- benheiten erinnern, sind sie nicht an Wuͤrde und Kraft weit mehr, als die Bildsaͤule eines Faun? Einer der oͤffentlichen Spaziergaͤnge in Athen war eine bedeckte Saͤu- lenlaube, die mit Abbildungen der Thaten der verdientesten Buͤrger angefuͤllt war. Wie wenig hat man noch in unsern Zeiten daran gedacht, nach dem Beyspiele der Alten, die fast auf allen Spaziergaͤngen durch Denkmaͤler der buͤrgerlichen Tugend zur Tugend ermunterten, die Oerter des oͤffentlichen Vergnuͤgens mit Werken der Kunst zu zieren, die an das nuͤtzliche Verdienst erinnern! Aber auch das schoͤne Ver- dienst kann hier seine Monumente fordern. Die Statue, die Buͤste oder die Denk- saͤule des malenden Dichters, und des dichtenden Malers, des Lehrers der Naturschoͤn- heit und ihres Nachbilders sind interessante Vorstellungen in Volksgaͤrten. Wie leicht waͤre es, daß jede Stadt an dem Ort ihrer oͤffentlichen Spaziergaͤnge, dem verdien- testen Manne, der in ihrem Schooß geboren ward, oder dessen Talente sie erleuchte- ten, ein Denkmal setzte, und mit diesem Denkmal ihre Mitbuͤrger erwaͤrmte und ihre Nachkommen unterrichtete! Bey großen Residenzstaͤdten ließe sich selbst eine Art von oͤffentlichen Nationalgaͤrten anlegen, worinn den Dichtern, den Kuͤnstlern, den schoͤ- nen Geistern, den Philosophen besondere heilige Hayne gewidmet, und diese mit ih- ren Monumenten in dazu angeordneten Scenen, die ihrem Charakter zustimmten, ausgeschmuͤckt wuͤrden. Ein neues und fruchtbares Feld fuͤr die patriotische Gar- tenkunst! 2. So von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. 2. So lange indessen die Volksgaͤrten noch nicht ganz die Wuͤrde haben, deren sie faͤhig sind, so lange muͤssen sie sich mit der Einrichtung begnuͤgen, die ihnen bisher zugetheilet ward. Inzwischen giebt es Anlagen dieser Gattung, die sich durch Be- quemlichkeit, Anmuth, und reiche Schoͤnheiten der Natur auszeichnen. Die oͤffent- lichen Spaziergaͤnge zu London und Paris sind beruͤhmt genug, obgleich keine Muster. Auch Deutschland hat bey seinen ansehnlichsten Staͤdten Gaͤrten dieser Art, die eine Empfehlung verdienen. Der Prater bey Wien liegt eine Viertelstunde vom Stadtthor auf einer gros- sen Insel der Donau und erstreckt sich auf eine halbe Meile. Er ist mit dicken Wal- dungen bewachsen, die mit gruͤnenden Auen und Wiesen untermengt sind. Eine vier- fach gepflanzte Reihe Kastanienbaͤume vermehrt die ungekuͤnstelte Anmuth dieser In- sel. Sie stand vormals nur den Kutschen des Adels offen; allein Josephs edle Menschenliebe eroͤffnete hier allen Menschen, Gehenden, Reitenden und Fahrenden, den Eingang. Sogleich wurden die Auen mit Zelten, Huͤtten, Sommerhaͤusern zu Erfrischungen, Ringelrennen, Kegelschieben und andern Ergoͤtzungen besaͤet. Diese Huͤtten und Sommerhaͤuser im Walde verschoͤnerten sich bey dem Zulauf der Men- schen von Jahr zu Jahr. Auch fehlt es nicht an Musik. Ein anderer Volksgarten bey Wien ist der Augarten auf der Donaninsel , welche die Leopoldsstadt einnimmt. Er war ehemals der Garten des kaiserlichen Som- merpalastes, die alte Favorite genannt, der 1683 von den Tuͤrken verwuͤstet ward. Von der Zeit an diente der Garten zu einem oͤffentlichen Spaziergange, ward aber ganz vernachlaͤßigt. Endlich uͤbernahm der Kaiser Joseph selbst die Verschoͤne- rung des Platzes. Er ließ ihn erweitern, mit neuen Alleen von verschiedenen Arten von Baͤumen und nach verschiedenen Richtungen bepflanzen, Terrassen zum Genuß der reizenden Aussichten der umliegenden Gegenden anlegen, Gebaͤude auffuͤhren, be- sonders ein schoͤnes Landhaus, das viele Zimmer enthaͤlt, und nicht nur zum Spiel und Tanz, sondern auch zum Speisen Mittags und Abends eingerichtet ist. Dieser Belustigungsort, der halb eine angenehme Wildniß der Natur und halb gartenmaͤßig eingerichtet ist, und hinten von der praͤchtigen Donau bespuͤlt wird, ward ebenfalls, sobald er verbessert war, vom Kaiser 1775 fuͤr alle Menschen ohne Unterschied des Standes eroͤffnet. Die Inschrift bey dem Eingang: Belustigungsort fuͤr alle Men- schen, gewidmet von ihrem Freund, kuͤndigt es an, und ist zugleich ein Denkmal der Gute des Stifters. Seitdem ist der Augarten , wo den ganzen Tag eine Menge von Spazierenden wimmelt, auf mancherley Art verschoͤnert. Der menschenfreund- liche Kaiser steht hier und im Prater oft mitten unter seinem Volke, ohne Gefolge, blos Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter blos von der Liebe seiner Unterthanen umgeben, und sieht mit edler theilnehmender Empfindung, wie sie sich frey in große und kleine Haufen zerstreuen, doch alle ver- eint in der Freude uͤber ihren Wohlthaͤter, der, gleich dem allbelebenden Geiste der Natur, mit freundlicher Waͤrme uͤber sie hinstrahlt. Berlin hat verschiedene anmuthige oͤffentliche Spaziergaͤnge Man sehe Hrn. Nicolai musterhafte Beschreibung der koͤniglichen Residenzstaͤdte Berlin und Potsdam. Neue Aufl. 8. Ber- lin 1779. 2ter B. S. 708. u. s. w. sowohl in der Stadt selbst, als auch nahe vor dem Thore. Viele Plaͤtze sind mit Alleen bepflanzt. Der Wald nach Treptow hat die schoͤnsten Spazierwege. Die Kastanienallee im Lustgarten ist ein angenehmer Abendspaziergang. Der Weidendamm , der mit un- gewoͤhnlich hohen und starken Weidenbaͤumen bepflanzt ist, gewinnt, ob er gleich mitten in der Stadt liegt, durch die Aussicht auf Gaͤrten und Wiesen und die mit Schiffen belebte Spree ein reizendes Ansehen. Vornehmlich aber ist der koͤnigliche Thiergarten oder Park hier merkwuͤrdig. Seine verbesserte Anlage und groͤßte Schoͤn- heit verdankt er dem jetzt regierenden Koͤnig, der ihn mit vielen Baumpflanzungen, Spaziergaͤngen und Lustplaͤtzen erweitern ließ. Dieser große Park enthaͤlt einige hun- dert Alleen, die sich auf eine mannichfaltige Art durchkreuzen und durchschlaͤngeln, und eine reizende Mannichfaltigkeit von Baͤumen und Straͤuchern, die gluͤcklich mit ein- ander vermischt sind, und eine Menge angenehmer Parthien bilden, die den Spazie- renden, der sie alle aufsuchen will, einige Wochen beschaͤftigen koͤnnen. In den brei- ten Alleen darf man fahren und reiten; die schmalen aber sind blos zum Gehen. Auf der Seite nach der Spree ist den ganzen Sommer eine Anzahl von Zelten und Huͤt- ten aufgeschlagen, worinn Erfrischungen verkauft werden. An schoͤnen Sommer- nachmittagen, besonders an Sonntagen und Feyertagen, pflegen sich hier einige tau- send Spazierende zu Fuß, zu Pferde und im Wagen zu versammeln, und alsdann wird oft durch die Musik der in Berlin in Garnison liegenden Regimenter, die in die Gebuͤsche vertheilt wird, das Vergnuͤgen der Menge erhoͤht. Die oͤffentlichen Spaziergaͤnge der Aue zu Cassel sind von einem sehr ansehnli- chen Umfang nicht blos fuͤr Gehende, sondern auch fuͤr Fahrende und Reitende. Die Pflanzung, die schon im Anfange dieses Jahrhunderts mit damals bereits erwachse- nen Staͤmmen angelegt ward, besteht aus großen herrlichen Baͤumen, die hoch und schattenreich in ihrer natuͤrlichen Freyheit wachsen, und den Anblick praͤchtiger Wald- scenen bilden, in welchen die langen geraden Alleen fortlaufen. Zwischen diesen sind Hecken angelegt, die meistens in ihrem innern Bezirk mit Baͤumen dicht angefuͤllt sind, welche aus ihnen emporsteigen und die Schatten umher verstaͤrken. Neben den Alleen von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. Alleen und in den Heckengaͤngen vermehren viele Rasen den Reichthum des Gruͤns, der, mit der Weitlaͤuftigkeit des Ganzen und den Abwechselungen der Wege, diesen Ort sehr reizend macht. Ein Hirschgarten, eine Fasanerie und eine Menagerie, die vormals viele auslaͤndische seltene Thiere enthielt, graͤnzen an die Aue und vermehren ihre Annehmlichkeit, so wie die an der Seite sanft vorbey gleitende Fulde . Doch ist der Geschmack der Zeit, worinn dieser oͤffentliche Garten angelegt ward, noch uͤber- all sichtbar. Denn nicht allein das Ganze der Pflanzung und der Wege ist nach einer genauen Symmetrie angeordnet, wiewohl diese hier nicht ganz unzulaͤßig ist; S. 1sten B. S. 141. son- dern auch die Auszierung ist in der vormaligen Manier. Man sieht noch Schnecken- berge, ein Theater, einen Irrgarten, Bassins von regulairer Figur, und in einem derselben eine Insel, die wie ein Wall gebildet ist, Kugelbaͤume und Tannen in Py- ramiden umgeformt, geschorne Heckenwaͤnde von Tannen, und am Ende der Aue die sogenannten sieben Berge, die ganz das Ansehen einer Festung haben. Um das obere Bassin wechseln pyramidenfoͤrmig geschnittene Tannen mit freyen natuͤrlichen Staͤmmen dieser Gattung; sie hatten vormals alle die verkuͤnstelte Form; das Be- schneiden machte aber so viel Muͤhe, daß man aus Verdruß daruͤber einen Baum um den andern wieder nach seiner Natur wachsen ließ. Vielleicht gewinnen, aus eben dieser Muͤhseligkeit der alten widernatuͤrlichen Manier, auch die noch uͤbrigen in Py- ramiden verkuͤnstelten Baͤume ihre schoͤne Waldgestalt wieder. — Alle die widrigen Eindruͤcke dieser Verkuͤnstelung abgerechnet, ist die Aue doch immer, wegen der ho- hen waldigten Laubbaͤume, des vielen Gruͤns und der reichen Beschattungen, ein sehr angenehmer Ort. Einige ziemlich natuͤrliche Bogengaͤnge, die auch zum Durchfah- ren dienen, geben reizende Durchsichten. Das Orangeriehaus, das in einem edlen italiaͤnischen Geschmack mit einem flachen Dach gebauet ist, und dessen beyde Fluͤ- gel oder Seitenpavillons einige Monate des Sommers von dem Landgrafen und seiner Gemahlinn bewohnet werden, faͤllt in verschiedenen Gesichtspunkten vortheilhaft ins Auge; auch eroͤffnen sich von diesem Gebaͤude in die Alleen hinauf Prospecte voll ho- her Anmuth. Es gehoͤrt uͤberhaupt zu den praͤchtigen Werken, wodurch der Land- graf Carl seinen Namen zu verewigen suchte, ob es gleich nur erst ein Theil von dem großen Plan ist, der hier ausgefuͤhrt werden sollte, und wovon das Modelhaus zu Cassel eine Vorstellung zeigt. Vor und hinter dem Orangeriehause sind kleine Gaͤrten oder gartenmaͤßig verzierte Plaͤtze, mit der ausgestellten zahlreichen und V Band. K Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter und schoͤnen Orangerie. Die Anlage der Aue ist verschiedener Veraͤnderungen und Verschoͤnerungen werth. Man hat von dem Prater und Au- garten, von dem berliner Thiergarten und von der Aue verschiedene Grundrisse und Prospecte, deren Anfuͤhrung hier unnoͤthig scheint, da sie, wegen der gewoͤhnlichen Veraͤnderungen solcher Anlagen, bald un- brauchbar oder durch neuere Vorstellungen verdraͤngt werden. Der Charakter der Aussichten bey Volksgaͤrten ist indessen nach der Verschie- denheit der Lage sehr abwechselnd. Bey Landstaͤdten sind es gewoͤhnlich Wiesen, Waͤl- der und Kornfluren, die das Auge unterhalten; bey Seestaͤdten Prospecte auf die Pracht des Meeres und auf das geschaͤftige Gewuͤhl schiffreicher Haͤfen; bey Berg- staͤdten die Erhabenheit der Gebirge, das Getoͤse der Stroͤme und die Wildheit der Wasserfaͤlle. Manche befestigte Staͤdte haben ihre Waͤlle mit Vortheil in bepflanzte Spaziergaͤnge verwandelt. In Hannover werden jetzt die Waͤlle mit vielen Kosten abgetragen, und die geebneten Plaͤtze mit vortrefflichen Platanen, zum oͤffentlichen Spaziergang unter den schoͤnen Aussichten in die umliegenden Landschaften, bepflanzt. Dennoch hat die Stadt, außer den koͤniglichen Gaͤrten, vor dem neuen Thore eine Allee von Birken und andern Waldbaͤumen mit untergemischten Maulbeerbaͤumen, die in ein uͤberaus anmuthiges schattenreiches Lustgebuͤsch mit schlaͤngelnden Gaͤn- gen fuͤhrt. II. Gaͤrten bey Akademien . 1. D ie Musen lieben nicht finstre bestaͤubte Mauern, sondern heitere Hoͤhen mit schat- tenreichen Haynen, mit klaren Quellen und Blumen. Der Helikon , ihre vormalige Wohnung, war einer der fruchtbarsten und waldigsten Berge in Grie- chenland . Ihn verschoͤnerte die Frucht des Adrachnus, einer Art von Erdbeer- baum ( Arbutus ), die außerordentlich suͤß und heilsam war, und selbst das Gist der Schlangen weniger schaͤdlich machen sollte. Der Berg naͤherte sich gegen Norden dem Parnaß , wo er Phocis beruͤhrte, und kam seinem Nachbar an Hoͤhe, Um- fang und Groͤße gleich. Die Beherrscherinnen des Helikons waren die Musen. Hier war ihr schattigter Hayn mit ihren Bildnissen und den Statuen des Apoll, Bacchus, Linus und Orpheus und der beruͤhmten Dichter. Die Thaͤler des He- likons sind nach Whelers Beschreibung gruͤn und bebluͤmt, und werden von liebli- chen von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. chen Quellen, von klaren Baͤchen und kleinen Wasserfaͤllen belebt. Der Geschmack der Griechen war heiter und rein, wie die Luft um die Wohnung ihrer Musen. Unstreitig gewinnen die Geschaͤfte des Geistes einen geschwindern und gluͤckli- chern Fortgang, wenn wir von Gegenstaͤnden umgeben sind, die ihrer Natur nach sanfte und angenehme Eindruͤcke auf uns machen. Die Schoͤnheit und Heiterkeit ei- ner Gegend schmeichelt nicht blos dem aͤußern Sinn, sie erwaͤrmet nicht blos unsere Lebensgeister zu einer schnellern Bewegung; sie belebt auch die Einbildungskraft mit frischen Bildern, und erhoͤhet durch die Anmuthigkeit, die sie in den innern Sinn er- gießt, zugleich die ganze Thaͤtigkeit des Geistes. Wir fuͤhlen es bald, wie aufge- weckt und heiter der Kopf ist, wenn wir uns in einer schoͤnen Gegend oder im Gar- ten eine frohe Bewegung gemacht, und dann zur Arbeit zuruͤckkehren. Der Dich- ter, der Redner, der Schriftsteller, der Kuͤnstler muͤssen aus der reinen Quelle der Natur ihre Bilder schoͤpfen; sie muͤssen demnach sehr fruͤh Gelegenheit haben, sie zu finden. Die Anmuthigkeit des Geistes, die von dem Genuß der schoͤnen Natur ein- gefloͤßt wird, macht uͤberall unser Gluͤck im Privatleben und am Hofe, in der Fami- lie und in der großen Gesellschaft. Die Stadt verwoͤhnt und verunstaltet so leicht den Geschmack der Jugend; das Land, der Garten giebt zu seiner Bildung nicht blos Reiz, sondern auch Anleitung. Die reinsten und edelsten Vergnuͤgungen gewaͤhrt immer die Natur; wer sie in ihrem Schooß zu finden sich gewoͤhnt, der hat eine reiche Quelle angenehmer Empfindungen, die ihm das ganze Leben hinab nachfließt. Sehr viel ist an den Umstaͤnden gelegen, unter welchen die erste Bildung des Menschen angefangen wird. Die ganze Stimmung unserer Empfindungskraft haͤngt meist von den ersten Eindruͤcken ab, die unsere Jugend empfaͤngt; diese setzen uns fast immer in einen Ton, der uns durch das ganze Leben nicht verlaͤßt. Junge Seelen, denen fruͤh ein Gefuͤhl der Reinlichkeit, der Harmonie, der Annehmlichkeit eingefloͤßt wird, werden dies Gefuͤhl nicht leicht verlieren; es wird in ihre Urtheile, in ihre Handlungen uͤbergehen, sie uͤberall begleiten. Die Versperrung, die Unreinlichkeit, die Rauhigkeit, das geschmacklose Ansehen, das fast in allen Schulen volkreicher Staͤdte herrscht, muͤssen sehr natuͤrlich die Seelen der Jugend, die darinn verschlos- sen ist, erniedrigen, und sie allmaͤlig gegen die feinern Eindruͤcke der Schoͤnheit in den Werken der Natur und der Kunst unempfindlich machen. Daher so viel Stumpfheit, Geschmacklosigkeit, und niedrige Plumpheit in den Sitten junger Leute, welche die Schulen verlassen. Einrichtungen, welche Begriffe und Empfindungen von Ordnung, von Schicklichkeit, von Schoͤnheit verbreiten, Gebaͤude und Garten- anlagen, die dazu beytragen, sind demnach bey Erziehungsanstalten nicht weniger nothwendig, als gute Lehrer. Wie selten ist noch wohl hieran gedacht Die Ge- K 2 baͤude, Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter baͤude, zum oͤffentlichen Unterricht der Jugend bestimmt, sind fast uͤberall noch un- foͤrmliche, finstere, schmutzige Steinmassen, die einem Kerker aͤhnlich sehen, und wenn sie noch einen Platz um sich her haben, so ist er gemeiniglich so versperrt, wie das Gebaͤude selbst, so dumpfigt, so oͤde und verlassen, daß er nicht die mindeste an- genehme Empfindung veranlaßt. England hat noch von dieser Seite einen Vor- zug. Bey verschiedenen Collegien der Universitaͤten zu Oxford und Cambridge sind angenehme Gaͤrten. Auch die Universitaͤt zu Dublin hat einen Park zur Er- holung des Geistes der jungen Leute, nachdem sie sich beym Studiren ermuͤdet haben. Er uͤbertrifft nicht nur an Umfang, sondern auch an laͤndlicher Schoͤnheit viele oͤffent- liche Gaͤrten. Die Collegiaten haben hier auch einen gut angelegten Garten, wo sie, von dem großen Haufen abgesondert, in der Einsamkeit zwischen stillen Haynen die Wahrheit suchen. Bey der neuen Militairakademie zu Stuttgard hat man den Anfang eines besondern akademischen Gartens gemacht, obgleich der Platz etwas ein- geschraͤnkt ist. Der junge Akademiker hat hier nicht allein seinen Spaziergang, son- dern auch Stellen, die er nach seiner Willkuͤhr bepflanzen kann; naͤchstdem findet man Wasserstuͤcke, wo unter Aufsicht gebadet wird. Viele Universitaͤten in Deutsch- land haben oͤffentliche Spaziergaͤnge; sie sind aber von besondern akademischen Gaͤr- ten noch sehr entfernt. 2. Akademien (das Wort hier in der weitern Bedeutung genommen) oder Oerter, wo die edlere Jugend des Staats fuͤr die Wissenschaften, fuͤr die Kuͤnste, und den oͤffentlichen Dienst des Vaterlandes gebildet wird, verlangen nicht blos eine gesunde, sondern auch eine angenehme und ruhige Lage. Bey den meisten Arten dieser Anstal- ten sind mittelmaͤßige Landstaͤdte den Residenzoͤrtern und volkreichen Handelsstaͤdten vorzuziehen; und bey jenen ist auch eine laͤndliche, anmuthige und stille Gegend leich- ter, als bey diesen, aufzufinden. Die Gebaͤude sollten, bey der Einrichtung, die ihre Bestimmung fordert, zugleich das Gepraͤge einer reinen Architektur und einer edlen Simplicitaͤt tragen; ihr Ansehen sollte heiter und anmuthig seyn. Die Lage zwischen angenehmen Hoͤhen und Waͤldern ist sehr vortheilhaft; jene locken zum ge- sunden Steigen und zum Genuß belebender Aussichten, diese erfrischen mit Schatten und Ruhe. Die Bepflanzung des Gartens selbst muß heiter und froͤhlich seyn. Wohlgeordnete Gruppen und Hayne von schoͤnen Baumarten und duftenden Straͤu- chern, mit vielen Blumenpflanzen untermischt, bieten hier ihren Reiz an. Diese Hayne koͤnnen bald dem Apoll , bald den Musen , bald der Hebe , bald der Goͤt- tinn der Freude gewidmet, charakteristisch angeordnet und mit den Statuen oder Buͤ- sten dieser Gottheiten geschmuͤckt werden. Eine ausgesuchte Gartenbibliothek, eine Samm- von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. Sammlung von Naturalien, von Steinarten, von getrockneten Pflanzen koͤnnen be- sondere Lustkabinette fuͤllen, und diese anmuthig zwischen Baumgruppen zerstreut werden. Die Wissenschaften, oder die Maͤnner, die sich um sie verdient gemacht, koͤnnen hier ihre Tempel mit allegorischen Verzierungen, oder Monumente mit kurzen Inschriften finden. Die beruͤhmtesten Philosophen und Dichter, sowohl des Alter- thums als der neuern Zeiten, koͤnnen hier ihnen besonders gewidmete Haͤuser haben, worinn ihre Schriften sich neben ihren Bildnissen befinden. Man kann hier mit Ge- schmack, immer der Bestimmung eines solchen Gartens gemaͤß, durch mancherley Arten der Denkmaͤler unterrichten oder erinnern. Einsame Lauben koͤnnen hie und da den Freund der Lectuͤre in ihre Schatten einladen. Doch das Ganze muß Heiter- keit und Froͤhlichkeit durchscheinen lassen. Daher viel offene und freye Plaͤtze, viel helles Laub, viel glaͤnzende Blumen, viel gruͤne Rasen und luftige Pflanzungen, Baͤche und Wasserguͤsse, wo die Gegend sie verstattet; keine Versperrung der frischen Luft und der Aussichten. Die Anordnung des Ganzen muß frey, natuͤrlich, und mit einer edlen Simplicitaͤt entworfen seyn, und in der Ausbildung Geschmack und Feinheit herrschen. Aber kein leerer Schimmer, keine kostbaren Verzierungen duͤrfen das Auge blenden. Neben diesen Verschoͤnerungen kann der akademische Garten auch Plaͤtze ent- halten, die zunaͤchst der wissenschaftlichen Kenntniß der Pflanzen gewidmet sind. Denn die Pflanzenkenntniß ist jedem Erdbuͤrger nuͤtzlich, und dem Adel, der Guͤter besitzt, und dem kuͤnftigen Landwirth unentbehrlich. Sie beschaͤftigt auf einsamen Spazier- gaͤngen und auf Reisen, und macht uns jedes Feld, jeden Wald durch die Bekannt- schaft, die wir da finden, interessant; ohne sie bleibt uns ein großer Theil unserer Schoͤpfung fremd. Die Ordnung der Gewaͤchse kann dem System folgen; sie er- leichtert die Uebersicht des Ganzen und das Studium des Einzelnen. Das Nuͤtzliche muß vor dem blos Seltenen, das Einheimische vor dem Auslaͤndischen den Vorrang haben; doch, wo Raum und Vermoͤgen es verstatten, darf auch das Seltene und das Auslaͤndische nicht ausgeschlossen werden. Nur das Unnoͤthige und das Gemeine ist zu verbannen. Eine vernuͤnftige Auswahl der Pflanzen ist unentbehrlich. Der Juͤngling muß nicht blos die Gewaͤchse nach ihren Geschlechten und Arten, nicht blos nach den Ordnungen des Lehrgebaͤudes kennen lernen, sondern auch vornehmlich nach ihrem verschiedenen Nutzen. Er muß lernen, wie dieser schon so vervielfaͤltigte Nu- tzen fuͤr den Hausstand, fuͤr die Manufakturen, fuͤr den Handel noch erweitert wer- den kann. Wie unzaͤhlig sind nicht die Verbindungen, worinn die Pflanzen mit dem buͤrgerlichen Leben stehen! Die Schaͤtze des Pflanzenreichs sind die erste Unter- K 3 haltung Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter haltung und Bereicherung des Staats; der Fuͤrst, der Minister, der ihnen seine Aufmerksamkeit entzieht, verliert Vortheile von der groͤßten Wichtigkeit. In Gaͤrten von dieser Bestimmung kann auch die nutzbare Gaͤrtnerey gelehrt werden. Die kuͤnstliche Behandlung der Pflanzen, besonders die Cultur der Frucht- baͤume, giebt eine anziehende Unterhaltung fuͤr die Jugend, und dieser Zweig von Kenntniß ist oft fuͤr das kuͤnftige Leben nuͤtzlich. Es ist eine Erholung von ernsthaf- ten Studien, wobey man wenigstens nichts wagt, und der Gewinn doch nicht ganz unbetraͤchtlich ist. In den abgelegenen Gegenden eines akademischen Gartens koͤnnen auch Was- serbehaͤltnisse zum Baden, Reitbahnen, Plaͤtze zu mancherley Spielen und Leibes- uͤbungen angelegt, anmuthig umpflanzt und beschattet, und mit Geschmack verziert werden. Die besondere Bestimmung einer jeden Erziehungsanstalt veranlaßt sehr leicht neue Ideen sowohl zur Einrichtung des Ganzen, als auch zur Auszierung ein- zelner Theile. III. Gaͤrten bey Kloͤstern; Klostergaͤrten. 1. M ag es doch seyn, daß das Klosterleben, in der allmaͤligen Entfernung von der Guͤte seiner ersten Stiftungen, Misbrauch ward — daß es dem Staat eine Menge sowohl von Schaͤtzen als von Menschen entzog, die er jetzt mit Recht zum nuͤtzlichern Gebrauch zuruͤckfordert — daß es unwissende Muͤßiggaͤnger sammelte und naͤhrte — daß es das Brod des armen Landmanns verringerte, den Wohlstand from- mer Familien verschlang, und die unerfahrne Jugend um die Ruhe des Lebens be- trog — Mag es seyn, daß Voͤllerey, Unzucht und Gewaltthaͤtigkeit oft die Heilig- keit der Kloͤster befleckte; daß oft die Zellen, worinn freywillige Andacht sich dem Himmel naͤhern sollte, nur die geheimen Seufzer hoͤrten, die sich nach der Welt zu- ruͤck sehnten; daß selbst mitten unter dem Pomp des feyerlichen Opfers die Thraͤnen der Ungluͤcklichen den Zwang, die Verfuͤhrung, die Haͤrte, die sie litten, und die Unaufloͤslichkeit ihrer Fesseln vor den Altaͤren anklagten; daß von Tausenden Jugend, Gesundheit, Reichthum, Talente, Kraͤfte und eine erstickte Nachkommenschaft zwi- schen diesen finstern Mauern verschlungen wurden. Dennoch haben die Kloͤster ihre unlaͤugbaren Verdienste. S. 1sten B. S. 27. 3ten B. S. 98. Sie waren nicht minder Wohnungen einer wahren Froͤm- von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. Froͤmmigkeit; die Zufluchtsstaͤtte der verfolgten Unschuld und der verlassenen Tugend. Sie schenkten vielen gedruͤckten Seelen den Frieden, den sie in der Welt nicht fanden, dem Streit der Leidenschaften Besaͤnftigung, den Erwartungen aus der Zukunft Hei- terkeit. Die Wohlthaͤtigkeit, welche die Kloͤster erhielt, theilte sich nicht selten den Armen und Kranken auch außer ihren Mauern wieder mit, durch Nahrung, durch Arzeney und Pflege. In diese Wohnungen rettete sich der kleine Rest der von den Barbaren verfolgten Wissenschaften, und in eben den finstern Saͤlen, wo der Aber- glaube und die Dummheit allein ihre ungestoͤrte Freystatt zu haben schienen, ruheten in ungelesenen, aber wohl verwahrten Handschriften die Werke des Alterthums, bis sie aus ihrem Staube hervorgezogen wurden, und in Europa allmaͤlig wieder Tag machten. Die Menge der Kloͤster der roͤmischen Kirche mag nicht weniger, als ihre Aus- artung, hie und da ihre Aufhebung und Einschraͤnkung nothwendig machen. Den- noch scheint es, daß in einem betraͤchtlichen Staat noch hie und da einzelne Stiftun- gen dieser Art beybehalten werden sollten. Es giebt doch so manche Ungluͤckliche be- sonders unter dem andern Geschlecht, die einen Anspruch auf einen solchen sichern Zufluchtsort haben, wo sie, verborgen vor dem Auge und dem Laͤrm der Welt, den Rest ihrer Tage zu verleben wuͤnschen. Wie viel hat nicht das Leben, das zu die- sem Wunsch berechtigt! Ein kraͤnkelnder oder abgehaͤrmter Koͤrper, eine Verarmung oder Herabsetzung der Familie, eine verungluͤckte Liebe, eine zerschlagene Hoffnung, die keine Ermannung zu einer neuen uͤbrig laͤßt, ein schmerzhafter Verlust von einem Geliebten und von Kindern, oder eine besondere Anhaͤnglichkeit an einer sanften Me- lancholie, eine Sehnsucht nach Ruhe am Abend des Lebens, eine Stimmung der Seele, die keinen Geschmack mehr an dem Umgang mit der Welt, keine Kraft mehr fuͤr ihre Geschaͤfte finden kann, — alle diese Siechen, diese Verwundeten, diese Ver- stimmten scheinen mit Recht das Kloster als den letzten Ruheplatz, der ihnen gehoͤrt, betrachten zu koͤnnen. Allein auch fuͤr die Wissenschaften koͤnnten die Kloͤster noch hin und wieder trefflich eingerichtet werden, wenn man sie blos mit guten Koͤpfen be- setzte, und ihnen bestimmte Beschaͤftigungen mit den dazu erforderlichen Huͤlfsmitteln anwiese. Die Entfernung von allen uͤbrigen Geschaͤften und Verbindungen mit der Welt, die Befreyung von aller Sorge fuͤr die Beduͤrfnisse des Koͤrpers, die Genuͤg- samkeit der Seele, die ruhige Einsamkeit, die gesunde Luft — wie vieles ist nicht hier zur Unterstuͤtzung des Nachdenkens und der Erfindung vereinigt! — Die pro- testantischen Kloͤster und Stifter fuͤr Frauenzimmer von Adel haben eine gute Be- stimmung, und meistens auch eine gute Einrichtung. Sie sind Anstalten einer an- staͤndigen Versorgung, und erleichtern die Last der Familien; sie fesseln nicht durch unuͤber- Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter unuͤberlegte Geluͤbde einer ewigen Ehelosigkeit, sie bewachen nur die Unschuld, und geben die verwahrte Braut wieder zuruͤck, sobald sie gefordert wird. Es kann demnach bey diesen verschiedenen Kloͤstern auch besondere Gaͤrten ge- ben. Sie sind uͤberhaupt mit der Idee eines Klosters sehr vereinbar. Sowohl die Einsamkeit, als auch die Froͤmmigkeit selbst laden zur Betrachtung der Natur und zur stillen Behagung an den Wundern ein, die den Geist zu dem Schoͤpfer empor- heben. Selten ist ein Kloster ohne Garten; aber auch selten hat der Garten einen Charakter, wie seine Verbindung mit einem Kloster fordert. Fast alle Gaͤrten bey solchen Stiftungen enthalten nur, was ihre naͤchsten Beduͤrfnisse fordern, Gemuͤse, oder Baumfruͤchte, oder Wein. Einige Kloͤster lassen ihre Moͤnche in kleinen abge- sonderten Haͤusern wohnen, wovon jeder sein Gaͤrtchen hat, das von seinem Besitzer bearbeitet und bepflanzet wird, fast immer mit Kuͤchengewaͤchsen; bey diesen ist oh- nehin der Platz zu eingeschraͤnkt. Sie sind eben so wenig Klostergaͤrten, wie wir sie hier suchen. 2. Gaͤrten bey Kloͤstern, die nicht dem Nutzbaren gewidmet sind, verlangen ihren eigenen Charakter; und dieser ist sowohl von der Bestimmung des Gebaͤudes, als auch von der Lebensart seiner Bewohner abhaͤngig. Es waͤre kein Werk der Ueber- legung, hier praͤchtige, glaͤnzende oder wolluͤstige Scenen zu eroͤffnen, die fuͤr die, welche sie betreten sollen, der gewoͤhnlichen Stimmung ihrer Seele ganz widerspre- chen. Eingezogenheit, Ernst, Verlaͤugnung, in sich selbst gekehrte Betrachtung sind das Eigenthum des aͤchten Klosterbewohners; sie ruhen bey ihm in der tiefen Stille seiner Zelle, sie folgen ihm nach, wenn er vom Fuß seines Altars sich erhebt und hinauswandelt, sein noch von Bußthraͤnen nasses Auge in dem Angesicht der Natur wieder zu trocknen. Doch die Natur scheint ihm weniger, was sie andern Buͤrgern der Erde ist, und gleichwohl ist sie ihm mehr. Er sieht nicht in ihr den Strom von sinnlichen Freuden, worinn sich die Phantasie berauscht; aber er verwan- delt den stillen Wald in einen Tempel der Gottheit, in einen Vorhof des Himmels. Die Rose ist ihm kein Schmuck fuͤr die Scheitel der Freude, oder fuͤr den Busen der Schoͤnheit; sie entblaͤttert sich vor ihm, faͤllt und welket dahin, nur ein Bild seiner eigenen Vergaͤnglichkeit. Der Klostergarten gehoͤrt zu der Gattung vom melancholischen Charakter. S. 4ten B. S. 81 u. s. w. Entfernung von dem Getuͤmmel der Welt, Verschlossenheit, feyerliche Stille, und zu ernsten Betrachtungen einladende Dunkelheit muͤssen ihn auszeichnen. Gleich beym Eintritt kuͤndige sich dieser Charakter an, und empfange die Seele mit einem heiligen von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. heiligen Schauer. Eine Lage in einem buschvollen Thal von anliegenden steilen Hoͤ- hen beschattet, in dem Dunkel eines dicken Waldes, zwischen Bergen von Tannen geschwaͤrzt, an ruhenden mit Gebuͤschen eingeschlossenen Gewaͤssern, die kein Hauch der Winde belebt, wo der blasse Schimmer des Mondes in feyerlicher Stille zerfließt, und die nahen Baͤume und Gebuͤsche durch die Mischung von Finsterniß und Helle in unkennbare schauervolle Gestalten wandelt — eine solche Lage ist zu dieser Gat- tung unentbehrlich. Die Bepflanzung muß in dichten Haynen, gedraͤngten Klum- pen und waldigten Wildnissen bestehen, mit Baͤumen vom dunkeln und schwaͤrzli- chen Gruͤn, als der gemeinen Eller, der schwarzen Eiche, besonders mit Taxus, abendlaͤndischen Lebensbaͤumen ( Thuia occident. L. ) Fichten, Tannen, und andern Nadelhoͤlzern. Die Pflanzungen muͤssen sich nahe an einander anschließen, um keine betraͤchtliche heitere Zwischenraͤume zu lassen, die dem Eindruck des Ganzen schaden koͤnnten, und um Schatten und Dunkelheit zu verstaͤrken. Hohe bejahrte Eichen und andere ausgebreitete Waldbaͤume, die schon die Vorwelt beschatteten, sind fuͤr Anlagen dieser Art eben so willkommen, als dichte, waldigte, unwegsame Gebuͤsche und Wildnisse; sie koͤnnen zu interessanten Scenen mit der besten Wirkung benutzt werden. Keine glaͤnzende Blumengruppen, keine lebhaft bluͤhende Straͤucher, keine lachende Rasen, keine spielende Baͤche, keine heitere Aussichten duͤrfen hier den Ernst der Pflanzung unterbrechen. Sie mag sich in gebildeten finstern Gruppen und melancholischen Haynen zeigen, oder in schmalen wilden Waldlabyrinthen von uͤber- haͤngenden Laubdecken verduͤstert, oder in langen schauerlichen Bogengaͤngen, welche die Roßkastanie und die Fichte, die Balsampappel und der Eibenbaum mit einem tiefen Dunkel fuͤllen, oder in verborgenen Schattenwinkeln, die heilige Monumente einschließen — uͤberall muß sie dem Charakter getreu bleiben, den diese Gattung heischt. Die Hayne, die Gruppen, die Schattengaͤnge koͤnnen mit kleinen Gebet- haͤusern und Kapellen, S. 3ten B. S. 108 u. f. mit Einsiedeleyen, S. 96 u. f. mit Denkmaͤlern abgeschiedener Freunde, S. 55-57. 80. 139 u. f. mit Ruinen, S. 110 u. f. und selbst mit Graͤbern besetzt werden, und dadurch an Feyerlichkeit und ruͤhrender Kraft gewinnen. Alles, was die Vergaͤnglichkeit der Scenen dieser Welt fuͤhlen laͤßt, und zugleich den Geist zu hoͤhern Hoffnungen eines unverwelklichen Paradieses hebt, ist dieser Gattung gemaͤß. Noch interessanter werden die Denkmaͤler, wenn sie keine leere Urnen ohne Bestimmung sind, so ge- woͤhnlich V Band. L Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter woͤhnlich es auch ist, sie aufzustellen, sondern Erinnerungen an einen wahren Ver- lust. Kann hier nicht einem abgestorbenen frommen Freund eine Urne, ein Grabmal gesetzt werden, das seine Asche enthaͤlt? Wenn die Stille des Abends in den heiligen Hayn winkt, und der Mond, der an dem Grabe schleicht, mit seiner bleichen Fackel diese Inschrift an einer nahen Eiche erhellt: Mein Freund ist hin! Sein Schatten schwebt mir noch vor dem verwirrten Sinn. Mich deucht, ich seh sein Bild, ich hoͤre seine Worte; Ihn aber haͤlt am ernsten Orte, Die nichts zuruͤcke laͤßt, Die Ewigkeit mit starken Armen fest. v. Haller . wie reich an feyerlicher Ruͤhrung ist nicht eine solche Scene! Auch Erinnerungen an die Flucht der Zeit sind hier schicklich. Eine kleine Einsiedeley, blos mit einem Stun- denglas auf dem Tische, und hinter ihm mit diesen Worten an der Wand: En ruit hora, ruit sic vita ruentibus horis; Sors, quamcunque dabit, non mihi vana ruat. kann schon lehrreich ruͤhren. Man moͤchte vielleicht Einsiedeleyen hier fast fuͤr uͤber- fluͤßig halten, weil schon das Hauptgebaͤude, die ganze Lebensart einsiedlerisch genug ist; indessen haben sie doch in Klostergaͤrten eine Schicklichkeit, die ihnen an vielen andern Orten fehlt, und koͤnnen, wenn sie auch nicht zur Bewohnung dienen, doch als Gegenstaͤnde der Bezeichnung gelten, welche die Wirkung des Ganzen verstaͤrken hel- fen. Doch duͤrfen sie weder einander durch ihre Lage beruͤhren, noch in einem einzelnen Garten gehaͤuft werden, indem sie sonst den Begriff der Einsamkeit durch die Vor- stellung von Geselligkeit aufheben wuͤrden. Zerbrochene Grabsteine, verfallenes Ge- maͤuer von Epheu durchwachsen, und andere Arten von Ruinen finden hier, als Bilder der Vergaͤnglichkeit, ihre Stelle. Die Gebaͤude eines Klostergartens, als Kapellen, Gebeinhaͤuser, Einsiedlerwohnungen, und selbst die Ruinen muͤssen im gothischen Styl seyn; denn er hat ganz das Prachtlose, das Einfaͤltige, das Ehrwuͤrdige, das dieser Gattung von Anlagen zukommt, und interessirt zugleich durch die Erinnerung an laͤngst verflossene Jahrhunderte. Wo es Lage und Gegend verstattet, da winde sich, nach allen diesen Scenen der Melancholie, nach allen diesen labyrinthischen Gaͤngen unter dunklen Schattenge- woͤlben, in einsamen Haynen und finstern Gebuͤschen ein schmaler Pfad durch ein sich immer mehr an Ernst verduͤsterndes, immer mehr an Feyerlichkeit der Monumente sich von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. sich verstaͤrkendes Revier — und wende sich ploͤtzlich zu einer heitern Hoͤhe, und falle mit einer lebhaften Ueberraschung in weite, glaͤnzende, entzuͤckende Aussichten. Welch ein erfrischender Blick in die Herrlichkeit der Schoͤpfung! Doch der weise Klosterbe- wohner siehet hier mehr, als was blos das Auge entzuͤckt, weiter, als sein sichtbarer Bezirk reicht. Die finstre Decke der Zukunft wird aufgezogen; er siehet Ganz andere Scenen der Dinge, und unbekannte Gefilde. v. Kleist. In dem Reiz dieser Aussichten schwebt vor ihm ein Bild von den nahen Woh- nungen des Himmels, ein Vorschimmer aus den Gegenden, wo ein ewiger Fruͤhling vor ihm bluͤhen, und eine Heiterkeit ohne Untergang ihn umlaͤcheln wird. Die blaue Ferne schließt nicht den Kreis der Blicke seines Geistes; sie durchdringen die letzte Daͤmmerung der Erdduͤnste, fliegen fort und breiten sich aus durch die unermeßlichen Gefilde einer hellen Ewigkeit. Diese Aussicht ist der Lohn seiner kurzen Klostertage; von ihr gestaͤrkt kehrt er in die Schule seines Gartens, in die Pruͤfungen seiner Zelle zuruͤck, und wartet ruhig auf die Stunde seiner Versetzung in die Wonne der Gegen- den, die ihn schon in der Ferne entzuͤckten. Zu diesem feyerlichen Ernst, welcher der Lebensart und dem Wohnplatz der Moͤnche zustimmt, duͤrfen sich aber Gaͤrten bey protestantischen Kloͤstern und Stiftern nicht heben. Klosterpflichten, Gebraͤuche, Sitten sind hier milder, alles ist hier mehr herabgestimmt. Daher keine schauervollen Auftritte mehr, sondern sanftere Scenen der Melancholie. Die Unterhaltungen einer suͤßen Schwermuth, die Denkmaͤler voll ruͤh- render Erinnerungen koͤnnen hier schon durch einige anmuthige Vorstellungen gemil- dert werden. Doch darf hier nichts einschleichen, was den Charakter eines weisen Ernstes in Munterkeit uͤbergehen laͤßt, oder den Eindruck einer stillen Melancholie auf- hebt, die in Gaͤrten dieser Klasse herrschen muͤssen. 3. Hier scheint der Ort zu seyn, um eines besondern Geschmacks an klostermaͤßig gebaueten Landhaͤusern zu erwaͤhnen, der jetzt in England auskoͤmmt. Der Landsitz des beruͤhmten Horace Walpole, Strawberryhill nahe bey Twikenham, ist ein Muster dieser Art. Das Haus sieht schon von außen einer alten mit Epheu be- wachsenen Abtey gleich. Der Eingang geht durch einen engen dunkeln Klosterhof, an dessen Waͤnden alte aus Italien gebrachte Grabschriften eingemauert sind. Im Hause selbst findet man ein Refectorium, Kapitelsaal, Schlafzimmer, und Kapelle, so wie in allen Kloͤstern. Aus der Bauart, den Meublen, den gemalten Fenstern und allen Verzierungen sollte man schließen, es waͤre ein Werk aus dem dreyzehnten Jahr- L 2 hundert. Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter hundert. In der Bibliothek herrscht ebenfalls dieser gothische Geschmack; die Buͤ- cherschraͤnke gleichen den heiligen Schreinen der alten Kirchen, und das schoͤne Schnitz- werk stimmt vollkommen mit der Zeit uͤberein, woraus es geborgt ist. Die Tische, die Stuͤhle, das ganze Hausgeraͤth, die alten bemalten Glasscheiben scheinen wirklich aus den vorigen Jahrhunderten zu seyn; alles ist mit einer sehr klugen Wahl und mit einer genauen Beobachtung des Kostums ausgefuͤhrt, ohne bey unserm veraͤnderten Geschmack anstoͤßig zu seyn. — Einzelne Werke in diesem Styl fallen als gluͤckliche Nachahmungen auf, und uͤberraschen durch den seltsamen oder auch ungewoͤhnlichen Geschmack, der darinn erscheint. Allein es ist eben nicht zu wuͤnschen, daß Landhaͤuser in Klostergestalt durch die Mode allgemein werden. Sie geben indessen zur Wieder- anwendung der gothischen Architektur eine seltene Veranlassung. Einige Architekturwerke, vornehm- lich der Englaͤnder, beschaͤftigen sich be- sonders, den gothischen Geschmack in Ge- baͤuden zu zeigen. Dahin gehoͤrt, was zuvoͤrderst Gebaͤude dieser Art sollten auch nur mit Gaͤrten im Klosterstyl verbunden werden. IV. Gaͤrten von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. IV. Gaͤrten bey Gesundheitsbrunnen. 1. D ie Gaͤrten, die bey Gesundheitsbrunnen und bey Baͤdern angelegt werden, sind ebenfalls von ihrer besondern Bestimmung abhaͤngig. Sie muͤssen nicht allein bequeme und mannichfaltige Spaziergaͤnge haben, die zur Bewegung in der freyen Luft anreizen, sondern auch viele Plaͤtze zur Versammlung, zu geseltschaftli- chen Belustigungen, zur Ruhe im Schatten. Auf die Befriedigung dieser Beduͤrf- nisse muß man bey allem Eigensinn doch sehen, welchen oft die Natur in solchen Ge- genden zu zeigen pflegt. Der Bezirk dieser Gaͤrten darf nicht versperrt werden. Sie muͤssen frey und ungehindert uͤber ihre Graͤnzen hinschauen, und diese sich allmaͤlig in die umliegende Gegend verlieren. Offene und heitere Ausfichten sind hier fuͤr das Beduͤrfniß des Auges unentbehrlich, und die gesunde, erfrischende, erquickende Luft muß frey die Lustplaͤtze durchstreichen koͤnnen. Die Pflanzungen muͤssen nicht allein reiche Beschattungen in allen Stunden des Tages geben, sondern auch an einigen Stellen solche Spaziergaͤnge, Ruheplaͤtze und Lauben bilden, zu welchen man bey rauhem und windigtem Wetter fliehen und im Freyen beschuͤtzt verweilen kann. Die schoͤnere Pflanzung bildet sich in Grup- pen und Haynen. Doch duͤrfen auch breite und gerade Alleen, zumal in der Naͤhe L 3 der zuvoͤrderst die Verzierung einzelner Theile und Gebaͤude betrifft: The City and Coun- try Builder’s and Workman’s Theasury of Designs \&c. by Batty Langley. Lon- don. 4. 1740. Demnaͤchst Gothic Archi- tecture \&c. by B. \& T. Langley. 4 Lon- don. 1747. enthaͤlt verschiedene Abbildun- gen und Gartengebaͤude im aͤchten gothi- schen Styl. Chinese and Gothic Archi- tecture properly ornamented being Twenty New Plans and Elevations, on Twelve Copper-Plates \&c. engraved from the Designs of William and John Halfpenny, Architects. 4. London. ohne Jahrzahl. Gothic Architecture decorated consisting of a large collection of Tem- ples, Banqueting, Summer and Green Houses, Garden Seats and Hermitages \&c. designed by P. Decker, Architect. London. 8. 1759. Mit 12 Kupfertafeln. Einige Werke der Architektur sind hier im wahren gothischen Geschmack, besonders die Gebaͤude Taf. 1. 2. und 3. die Garten- sitze Taf. 6. 7. 8. 9. und die Einsiedeleyen Taf. 10. und 11. Dagegen enthaͤlt Taf. 3. 4. und 12. weit weniger richtige Vorstel- lungen. Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter der Wohngebaͤude, um das Brunnenhaus, oder um die Baͤder, in diese Anlagen kommen. Sie sind hier nicht allein als Zugaͤnge schicklich, sondern auch bequem zum gesellschaftlichen Spaziergang, zur Verbindung der Brunnengaͤste und zur Un- terhaltung. Man ist an diesen Oertern vergnuͤgt, sogleich aus dem Hause oder von dem Brunnen in den Schatten zu treten. Hier muͤssen demnach hohe und laubreiche Baͤume ihre Zweige ausbreiten, und den Brunnengast, ohne ihn im geringsten von der Sonne leiden zu lassen, mit ihren kuͤhlen Schattengewoͤlben beschirmen. Diese geraden Alleen koͤnnen sowohl mit erweiterten, doch immer beschatteten, Versamm- lungsplaͤtzen in ihrem Bezirk, als auch an den Seiten mit schlaͤngelnden Gaͤngen wechseln, die in die uͤbrigen Anlagen fuͤhren. Hohe Hecken, die schon an sich so verwerflich sind, werden an Brunnenoͤrtern noch unertraͤglicher, indem sie zwischen ihren Waͤnden die Luft, wie den Menschen, einsperren, und in manchen Stunden des Tages wie ein Treibhaus erhitzen. Jede andere verstaͤndige Pflanzung giebt ei- nen weit sicherern und reichern Schatten. Auch lange kuͤnstliche Bogengaͤnge sind hier zu vermeiden, weil sie gemeiniglich eine feuchte und dumpfigte Luft in sich schließen. Einheimische und auslaͤndische Baͤume und Straͤucher mit mancherley Stau- den und Blumenpflanzen vermischt, koͤnnen die Alleen, oder die mehr freyen und natuͤrlichen Gruppen, Hayne, Lauben und Schattengaͤnge bilden. Von den Baͤu- men sind solche Gattungen zu waͤhlen, die nicht allein reichen Schatten verbreiten, als Roßkastanien, Platanen, Ahornen, italiaͤnische und carolinische Pappeln, Tulpenbaͤume, Katalpen, u. f. sondern auch wohlriechendes Laub und Bluͤthen ha- ben, als Balsampappeln, Linden, virginische Robinien (Robinia Pseudoacacia, L.) , bluͤhende Eschen (Fraxinus ornus, L.) u. a. Die Straͤucher, die zu diesen Pflan- zungen gehoͤren, bluͤhen entweder fast den ganzen Sommer hindurch, oder sie em- pfehlen sich durch wohlriechendes Laub, oder durch den Duft und die Annehmlichkeit ihrer Blumen. S. 4ten B. S. 42-48. 141-142. 151-152. Mit diesen Baͤumen und Straͤuchern koͤnnen nicht allein solche Stauden, die in den Sommermonaten lange bluͤhen, und besonders wohlriechende, sondern auch Arzeneykraͤuter von einem angenehmen gewuͤrzhaften und staͤrkenden Geruch, als die roͤmische Chamille (Anthemis nobilis, L.) , Krausemuͤnze, Melisse, Salvey, Lavendel u. s. w. zur Bereicherung der Gebuͤsche verbunden werden. Die niedrigen Straͤucher, besonders die schoͤnbluͤhenden, demnaͤchst die feinsten Blumen und die angenehmsten Pflanzen erscheinen an dem Rande der Gebuͤsche und bekraͤnzen die von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. die Spaziergaͤnge. Alle diese Verbindungen von Baͤumen, Straͤuchern und Blu- men stellen zusammen ein großes mannichfaltiges reizendes Gemaͤlde dar. Eine bluͤ- hende Heiterkeit der Natur, die auf allen Seiten Freude verbreitet, herrsche durch die ganze Anlage an einem Brunnenorte. Daher Abwechselung der schattigten und offenen Plaͤtze, vornehmlich Abwechselung der Baumgruppen mit kleinen Blumen- huͤgeln, mit Rasen, mit wohlriechenden Lauben, mit Sitzen unter Schatten. Die Ausgaͤnge der Pfade muͤssen immer zu den angenehmsten Aussichten in die Land- schaft fuͤhren. Die Hayne und Gruppen koͤnnen mit Gaͤngen durchbrochen werden. Lust- waͤlder von schoͤnen, geraden und hohen Staͤmmen mit beschattendem Laube sind zum Spaziergang sowohl, als zum Ruhen uͤberaus anmuthig. Die Pflanzung muß frey im Geschmack der Natur seyn, und durchaus die gerade Linie vermeiden. Daher ist eine Verschiedenheit in den Abstaͤnden der Baͤume sorgfaͤltig zu beobachten. Es ist ein angenehmes Schauspiel, zu sehen, wie sich die Spazierenden zwischen den vortretenden und zuruͤckweichenden Staͤmmen zerstreuen, und diese sich selbst zu be- wegen scheinen. — Viele einsame Lauben und abgesonderte Schattensitze sind hier willkommen. Doch ein weit wichtigeres Erforderniß sind große umpflanzte Plaͤtze, wo ganze Gesellschaften sich im Freyen versammeln koͤnnen, wo sie am Morgen ih- ren Kaffee trinken, an warmen Abenden speisen, spielen, tanzen, oder sich gesellig unterreden. Diese Plaͤtze muͤssen heiter, von schoͤnen Lustgebuͤschen, von Rasen, von Blumengruppen, von reizenden Aussichten umgeben, und zugleich von uͤberschatten- den Laubdecken vor den Strahlen der Sonne beschirmt seyn. Dichte Gruppen, oder eine doppelte oder dreyfache Umkraͤnzung von Laubbaͤumen, zwischen welchen Rosen, Geisblatt und andere wohlriechende Straͤucher die Zwischenraͤume fuͤllen moͤgen, die- nen zur anmuthigen Ueberschattung solcher frischen Versammlungsplaͤtze, die so viel zur Unterhaltung der Geselligkeit beytragen. — Da, wo sich die Brunnengaͤste waͤhrend des Trinkens am Morgen aufhalten, muß ein reiches Gruͤn, das so er- quickend und staͤrkend fuͤr das Auge ist, uͤberall seinen sanften Teppich und seine schuͤ- tzenden Vorhaͤnge ausbreiten. Daher kein nahes Wasser, wo der blitzende Son- nenstrahl das Auge verwundet, keine weiße blendende Waͤnde an Gebaͤuden umher, kein schimmerndes brennendes Steinpflaster. Ueberall muͤssen in den Spaziergaͤngen eines Brunnenorts die Wege tro- cken seyn, eine Forderung nicht allein von der Bequemlichkeit, sondern auch von der Gesundheit. Ueberall muͤssen die Gruppen, Hayne und Schattengaͤnge mit Garten- Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter Gartenstuͤhlen, mit Baͤnken von Holz, und mit andern Arten von Sitzen besetzt seyn, damit der Spazierende ruhen koͤnne, wo ihn Ermuͤdung uͤberfaͤllt. Zu den Verschoͤnerungen der Lustpflanzungen und offenen Plaͤtze gehoͤren Sta- tuen und Gebaͤude. Die erstern stellen an einem Brunnenort mit Schicklichkeit den Aesculap, oder die Goͤttinn der Gesundheit mit der Schlange in der Hand vor- Aber warum wollen wir nicht auch hier mit groͤßerm Vortheil dem wahren und er- kannten Verdienst Denkmaͤler setzen? Die Statue eines Boͤrhaave, Tissot, Zim- mermann, Berger, und anderer Aerzte vom ersten Range, sollten sie an einem Brunnenort nicht weit mehr interessiren, durch die angenehmen Empfindungen der Dankbarkeit oder der Verehrung fuͤr die Retter der leidenden Menschheit nicht weit mehr unterhalten, als die weniger bekannten Gestalten des Alterthums, die wohl zu dem Kunstverstaͤndigen, nicht aber zu dem Menschen reden? Die Gebaͤude, die in den Lustgebuͤschen und Haynen bey einem Brunnenort nicht blos zur Bequemlichkeit gereichen, sondern auch zur Verschoͤnerung so viel bey- tragen, sind Musikhaͤuser, Tanzhaͤuser, Speisehaͤuser, Trinkhaͤuser, Spielhaͤuser oder Kabinette. Sie koͤnnen alle in schoͤnen, aber verschiedenen Formen, zum Theil als Tempel, gebauet, charakteristisch verziert und anmuthig umpflanzt werden; und sodann eine Reihe von mannichfaltigen Scenen bilden helfen. Auch der Gesundheit kann hier mit Geschmack ein besonderer Tempel gewidmet werden. Hier ist eine Er- findung von dieser Gattung von Gebaͤuden. Dieser Tempel ward von mir fuͤr Meienberg vorgeschlagen, wo er aufge- fuͤhrt werden soll, und von Herrn Archi- tekt Schuricht sehr gluͤcklich nach der an- gegebenen Idee gezeichnet. Der von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. V Band. M Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter Der Tempel ist rund, im Geschmack der Tempel des Alterthums, und offen, mit freyen jonischen Saͤulen, die seine mit Blumenkraͤnzen verzierte Kupel tragen. Er erhebt sich auf einer etwas erhoͤheten Grundlage, und einige Stusen fuͤhren zu ihm hinan. In seinem Charakter ist Heiterkeit und Staͤrke vereinigt. Ueber dem Eingange sieht man in halberhabener Arbeit eine Opferhandlung im antiken Styl und die goldene Inschrift: Pietas Revalescentium. In seiner Mitte stehen zwey schoͤne weibliche Sta- tuen in ebensgroͤße, die Goͤttinn der Gesundheit, und die Goͤttinn der Freude. In- dem sich beyde Goͤttinnen zur Umarmung naͤhern, erscheint die Freude mit der rechten Hand in der Stellung, ihren eigenen Blumenkranz, ihr bestes Geschenk, der Gesund- heit aufzusetzen. Der Tempelplatz ist mit niedrigen schoͤn bluͤhenden Straͤuchern um- kraͤnzt; in seinem innern Bezirk sind rings umher kleine lebhafte Gruppen von Blu- men zerstreut, zwischen welchen Pfade sich winden, und sein gebaute Baͤnke stehen, wo Gesellschaften unter frohen Unterredungen ruhen. Doch die nothwendigen und vornehmsten Gebaͤude bey Brunnen und Baͤdern sind die, welche zur Wohnung der Gaͤste und zum Trinken oder Baden dienen. Ein großes Gebaͤude, worinn alle, oder doch viele Gaͤste neben einander wohnen, hat die Unbequemlichkeit eines oͤffentlichen Wirthshauses und mancherley andere Ungemaͤch- lichkeiten mehr. Doch, wenn es errichtet wird, muß darinn besonders fuͤr bequeme Ab- sonderungen der Wohnzimmer, fuͤr Reinlichkeit und frische Luft gesorgt werden. Sol- che Gebaͤude koͤnnen in den obern Stockwerken, auf den Seiten oder Fluͤgeln, Gallerien und Austritte haben, und unten vornehmlich mit Arcaden oder Saͤulengaͤngen umge- ben seyn, die zum Spaziergang bey Regenwetter dienen, und hier oft ein wichtiges Beduͤrfniß werden. — Das Brunnenhaus, oder das Gebaͤude, womit die Quelle ein- gefaßt zu werden pflegt, wird am meisten gesehen, am meisten besucht. Es muß von einer edlen und einfachen Architektur seyn, und ein heiteres Ansehen haben. Es darf die Form eines runden Tempels annehmen. Sein Anstrich sey nicht blendend, sondern bestehe in einer sanftgemilderten, doch muntern Farbe. Eine umherlaufende Gruppe von Straͤuchern mit angenehmen, wohlriechenden, und zum Theil lange dauernden Bluͤthen, als Spiraͤen, Rosen, Hollunder, wohlriechendem Himbeerenstrauch, Geisblatt, strauchartiger Potentille, Jasmin, Syringen, u. a. giebt dem Brunnenhause eine schick- liche Verzierung. Diese Umpflanzung macht die Scene frischer. Man geht unter Wohlgeruͤchen und Blumen, diesen aufheiternden Bildern der Freude, zu der Quelle der Gesundheit. — Bey einem oͤffentlichen Badhause koͤmmt fast alles auf die innere zu seinem Gebrauch erforderliche Bequemlichkeit an; doch muß sich auch seine Aus- senfeite durch eine schoͤne Architektur und durch einen Charakter auszeichnen, der seine Bestimmung ankuͤndigt. Noch von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. Noch gehoͤrt zu den Beduͤrfnissen eines Brunnenorts, daß er in den umliegenden Gegenden umher mancherley wilde Spazierwege zum Gehen, zum Reiten, zum Fah- ren den Brunnengaͤsten anbiete, die laͤngere und staͤrkere Bewegungen und Zerstreuun- gen suchen. Auch sind in seiner Naͤhe oft Plaͤtze noͤthig, wo zur gesunden Bewegung gymnastische Uebungen und allerley Spiele angestellt werden, und diese Plaͤtze verstatten zugleich anmuthige Umpflanzungen und Verzierungen, die sich auf ihre Bestimmung beziehen. Alles, was leichte und angenehme Beschaͤftigung giebt, was die Seele von dem Mitgefuͤhl der koͤrperlichen Schwachheit abzieht, was den Geist durch neue reizen- de Bilder erheitert, alles, was dazu beytraͤgt, um in diesen inertibus horis Ducere sollicitae jucunda oblivia vitae. Horat. dies alles gehoͤrt in den Plan der Anlagen bey Gesundheitsbrunnen. M 2 2. Nach Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter 2. Nach diesen Vorschlaͤgen wird es nicht unnuͤtz scheinen, wenn wir hier eine kurze Uebersicht der vornehmsten Brunnen und Baͤder Außer einigen Baͤdern der Schweiz habe ich die vornehmsten Brunnenoͤrter in Deutschland selbst besucht, als Maien- berg, Pyrmont, Hofgeismar, Wilhelms- bad, Ems, Schwalbach, Wisbaden, und bey verschiedenen dieser Brunnen mich wochenlang aufgehalten. folgen lassen, um zu bemer- ken, wie viel und wie wenig man bisher zu ihrer Verschoͤnerung gethan hat. Von dieser Seite sind sie noch wenig bekannt, da man bisher sich nur mit Untersuchung des Gehalts und der Kraͤfte ihrer Wasser beschaͤftigt hat. Meienberg . In der Grafschaft Lippe-Detmold. Die Gegend von Meienberg ist von einem sehr anmuthigen Charakter. Der Ort liegt am Fuß eines Berges, aus welchem das mineralische Wasser entspringt; gerade diesem Berg gegen uͤber, den man bisher den Schanzenberg nennt, streckt sich gegen Suͤden der nahe Bellenberg. Die ganze Landschaft ist gebirgigt. Doch spreiten sich die benachbarten Berge alle aus einander, wodurch Meienberg eine freye und offene Lage gewinnt, welche die Luͤste bestreichen koͤnnen. Die hoͤhern Gebirge heben sich, in einer Entfernung von einer starken Stunde, von Suͤden nach Westen; sie sind alle vom Fuß bis an den Gipfel mit Waldung bewachsen, und schließen den Gesichtskreis mit einer praͤchtigen malerischen Scene. Ihre maͤßige Hoͤhe und ihre waldigte Bekleidung machen sie zu uͤberaus reizenden Gegenstaͤnden; sie haben nichts von dem Wilden, Oeden oder Fuͤrchterlichen, das oft ein Eigenthum der Gebirge ist. Der Velmerstoth erhebt zuerst in Suͤden seinen hoͤher emporragenden Gipfel; an ihn schließen sich andere Gebirge, besonders der Externstein, und wo dieser aufhoͤrt, der teutonische Wald, der sich westlich bis in die Grafschaft Ravensberg erstreckt, und durch die Niederlage der Roͤmer unter dem Varo beruͤhmt ist. Man genießt aus den Zimmern der Wohngebaͤude die schoͤne Aussicht auf diese Gebirge, uͤber die bis zu ihnen sich verbreitenden Gefilde, die mit Gaͤrten, Wiesen, Huͤgeln, Kornflu- ren, Baͤchen, Gebuͤschen, Heerden und Landhuͤtten auf eine lebhafte Art abwech- seln. Schoͤner erscheinen sie noch in den Augenblicken des sinkenden Abendlichts, in- dem jede landschaftliche Scene in der Milde der falben Beleuchtung kenntlicher und sanfter dem Auge sich naͤhert, und die hohen Waldungen der mehr suͤdlichen Gebirge ihren Schatten tiefer in die Hintergruͤnde der Landschaft verlaͤngern. Diese von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. Diese Lage von Meienberg, so sehr sie auch zufaͤllig ist, macht den Aufent- halt nicht wenig angenehm. Die freyen und mannichfaltigen Aussichten beleben jedes wohlgestimmte Herz. Die umliegenden Berge rufen zu gesunden und staͤrkenden Spaziergaͤngen. Die kleine Muͤhe des Steigens wird bald durch bequeme Fußwege, durch den Reiz abwechselnder Aussichten, durch die frische Luft und die Wohlgeruͤche balsamischer Bergkraͤuter belohnt. Das Brunnenhaus ruhet im Thal, in der Mitte eines sehr großen Platzes. Es hat keine schoͤne Architektur. Unter den Gebaͤuden zeichnen sich zwey durch ihre Groͤße aus, das Haus des jetzigen verdienten Brunnenarztes, Hrn. Hofraths Tram- pel, unter dessen Besorgung die ganze Anstalt entstand, und das herrschaftliche Cur- haus, die beyde an den Brunnenplatz stoßen, und sowohl eine Menge von Wohn- zimmern fuͤr die Brunnengaͤste, als auch im Erdgeschoß die Baͤder enthalten. An dem Trampelschen Hause liegt das Ballhaus, das einen sehr großen Versammlungs- saal hat. Zu dem Brunnenhause fuͤhren vier Alleen von Linden und Roßkastanien. An der oͤstlichen Allee ist vor einigen Jahren ein Lustgebuͤsch angelegt, das fast ganz aus mancherley einheimischen Baͤumen und Straͤuchern besteht, die mit einigen aus- laͤndischen Gewaͤchsen untermischt sind. Man genießt hier jetzt in allen Stunden einen kuͤhlen Schatten, und, wenn kalte Winde durch die Alleen streichen, eine milde Be- schuͤtzung. Schlaͤngelnde Gaͤnge, wo zwey Personen bequem neben einander gehen koͤnnen, laufen durch diese Pflanzung. Sie ist ein uͤberaus erfrischender, waldigter Spaziergang, der jedem Naturfreunde gefaͤllt; anmuthig ist es, hier in den Mor- genstunden den Dust des Laubes und des Grases zu athmen, und den Thau auf allen Blaͤttern glaͤnzen zu sehen. Diese freye und natuͤrliche Pflanzung war bisher der schoͤnste Theil der Anlagen; die uͤbrige Pflanzung des Brunnenplatzes bestand in lau- ter steifen Heckenwaͤnden von Haynbuchen, die den Schatten, den man suchte, nicht gaben, die Aussicht verschlossen, und den freyen Durchzug der gesunden Luͤfte zuruͤck- hielten. Ich hatte hier bey meinem Aufenthalt das Vergnuͤgen, daß die Ausfuͤh- rung meiner Vorschlaͤge, die zur Verbesserung der Anlagen verlangt wurden, beschlos- sen ward. Schon ist der Anfang gemacht. Die versperrenden Hecken werden mit den schlechten und unschicklichen Statuen weggeworfen; der Brunnenplatz wird anmu- thiger bepflanzt, und das Ganze erhaͤlt, so weit es die besondere Lage verstattet, eine natuͤrliche und der Bestimmung des Orts mehr angemessene Einrichtung. S. Gartenkalender auf das Jahr 1783. S. 131-148. Noch verdienten die uͤberaus schlechten Wege, die hier und in allen umliegenden Gegen- den eben nicht zu Lustfahrten reizen, eine große Verbesserung. Die wilden Spa- M 3 ziergaͤnge Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter ziergaͤnge S. den angefuͤhrten Gartenkalender S. 149-159. um Meienberg, die so voll von Naturschoͤnheiten sind, besonders auf dem Tempelberg, machen eine vorzuͤgliche Annehmlichkeit des hiesigen Aufent- halts aus. Pyrmont . In dem Schooß eines sehr ausgebreiteten, angebaueten, schoͤnen und heitern Thals sprudelt diese lange beruͤhmte Quelle von Deutschlands ersten Gesundheits- brunnen. Es ist fast rings umher von waldigten Bergen und romantischen Hoͤhen umgeben, die eine Menge von Spazierwegen anbieten, und reich an den interessan- testen Aussichten sind. Nichts ist reizender, als diese Umkraͤnzung der Landschaft mit Bergen, die so frisch und heiter in ihrem Gruͤn, so abwechselnd in ihrer Bil- dung und Groͤße sind, und die noch, wenn die ausbildende Kunst hier thaͤtig wuͤrde, auf ihren Hoͤhen und Abhaͤngen durch mannichfaltige Arten von Gebaͤuden, so wie sie jede Lage forderte, der praͤchtigsten und erhabensten Verschoͤnerungen faͤhig waͤren. Die muntersten Wiesen, Fluren, Landscenen und Spaziergaͤnge, mit tausend male- rischen Aussichten nach den Bergen, wetteifern gleichsam unter einander zur Belusti- gung des Auges. Die Brunnengaͤste genießen hier die Bequemlichkeit, daß sie in abgesonderten Privathaͤusern ruhige und zum Theil anmuthige Wohnzimmer vorfinden. Zu den oͤffentlichen Gebaͤuden gehoͤrt das Badhaus, das Ballhaus, das Komoͤdienhaus, das Kaffeehaus, die von vielen umher stehenden Boutiken noch mehr belebt werden. Das Brunnenhaus, worinn sich die Trinkquelle befindet, ist, ohne sich auszeichnende Architektur, doch gut und weit besser gebauet, als das Meienberger. Es steht vor dem Eingang einer sehr großen, langen und schattigten Allee, die am Morgen von einer Menge Brunnentrinker, von Musik, von Geselligkeit und Vergnuͤgen belebt wird. Man hat in dem obern Theil dieser Allee rings um sich ein vermischtes Ge- wuͤhl, findet aber bald unten und in den Seitengaͤngen mehr Freyheit und mehr Ent- wickelung reizender Aussichten der Landschaft. In der geraden Aussicht dieser gros- sen Allee hinunter, an deren Ende aus einem Wasserbehaͤltniß eine Fontaine empor- steigt, erheben sich in der Ferne die gegen uͤber liegenden Berge in einer uͤberaus ma- lerischen Schoͤnheit, die halb von dem sanften Dunst der Morgenluft uͤberschleyert, und halb von milden Beleuchtungen aufgeheitert noch lieblicher erscheint. Eine andere Allee laͤuft vom Brunnenhaus gegen Westen hin. Sie ist weni- ger schoͤn, wird aber an Schattengewoͤlben und Anmuth zunehmen, wenn die Baͤume ihren von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. ihren natuͤrlichen Wachsthum wieder gewinnen. Sie hat zur Linken, nach dem Klo- ster Luͤden hin, eine reizvolle Aussicht, und zur Rechten erscheint auf einem nahen, runden, von Baͤumen umkraͤnzten Platz die Statue des Aesculap. Man gelangt zu einem kleinen sehr anmuthigen, doch schmalen Lustgebuͤsch, das sich um ein rundes Wasserstuͤck windet, und zum Theil aus Gruppen von schoͤnen auslaͤndischen Baͤumen besteht, zwischen welchen sich Psade schlaͤngeln. Ein heiterer Platz der Freude! Er verstattet, zumal wenn die Pflanzung auswendig umher noch etwas erweitert werden koͤnnte, zu seiner Verschoͤnerung sowohl auf der Erhoͤhung auf der Westseite eine offe- ne Rotunde mit der Statue der Goͤttinn der Gesundheit, als auch auf beyden Seiten am Wasser eine mit ihr verbundene Kolonnade, mit den Brustbildern beruͤhmter Aerzte besetzt; doch wuͤrde eins von beyden, der Tempel oder die Saͤulengaͤnge, schon die Verzierung ausmachen. Die Saͤulen und die Buͤsten wuͤrden in dem nahen hel- len Wasser sich spiegeln, und mit dem frischen und mannichfaltigen Gruͤn des Rasen eine sanfte einnehmende Scene bilden; der Prospect von der Allee herab wuͤrde anzie- hender und doch nicht gesperrt werden; denn er wuͤrde durch die Saͤulen des offenen Tempels streichen, und die Pflanzung eine Bestimmung und einen eigenen Cha- rakter gewinnen. Pyrmont hat außer diesen Alleen noch manche andere Spaziergaͤnge und an- genehme Plaͤtze, die den Freund der Natur und froher Bewegung zu sich locken. Hin und wieder ließen sich vielleicht noch einige Verschoͤnerungen und Anlagen ma- chen, die der Bestimmung dieses Brunnenorts angemessen sind, der, wegen der gros- sen Wohlthaͤtigkeit seiner Quelle, noch immer aus der Naͤhe und der Ferne von so zahl- reichen Hausen besucht wird. Und wer wuͤrde sie besser ausfuͤhren, als der vortreff- liche Prinz, Se. Durchl. der jetzt regierende Fuͤrst von Waldeck, Carl August Friedrich, der sich waͤhrend der Brunnenzeit in Pyr- mont, zuweilen mit seinen Herten Bruͤ- dern, einige Zeit aufzuhalten pflegt. der mit der edlen, offenen Guͤte des Herzens, die in seinem Hause erblich scheint, so viel feinen Geschmack und so viel Sorgsalt fuͤr das Vergnuͤgen al- ler Fremden vereinigt, die hier zusammen stroͤmen, der so gerne mitten unter ihnen verweilt, und den Fuͤrsten verbirgt, um ganz Mitgesellschafter zu seyn, und rings um sich her Freyheit, Geselligkeit und Heiterkeit zu verbreiten? Hofgeismar . Dieser Brunnenort, ein Paar Meilen von Cassel entfernt, gehoͤrt in mehr als einem Betracht zu den angenehmen Plaͤtzen. Das Brunnenhaus ist mit heitern Blu- mengrup- Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter mengruppen umgeben, und in Ansehung der Architektur, die seiner Bestimmung voll- kommen gemaͤß ist, eines der edelsten Gebaͤude dieser Art in Deutschland. Es ist von runder Form und hat ein flaches Dach, aus dessen Mitte sich eine schoͤne Ku- pel erhebt. In dem Erdgeschoß des eigentlichen Brunnenhauses, wohin verschie- dene Eingaͤnge hineinfuͤhren, befindet sich in der Mitte eines geraͤumigen Platzes, der einen runden mit Sitzen versehenen Arcadengang bildet, die eingefaßte Quelle, zu welcher einige Treppen hinabgehen. Licht, Reinlichkeit und Schoͤnheit kuͤndigen hier gleich eine Anstalt an, die mit Ueberlegung angeordnet ist. In dem zweyten Stockwerk befindet sich wieder ein runder und breiter Arcadengang, von welchem man uͤber ein Dockengelaͤnder in das Erdgeschoß zu dem Brunnen und den da herum wan- delnden Figuren hinabsieht. Ueber sich erblickt man das Inwendige der Kupel, die gut ausgemalt und mit Fenstern durchbrochen ist, wodurch das Licht von oben vor- theilhaft hereinfaͤllt. Ueberall ist eine belebende Heiterkeit verbreitet. Aus diesem obern Arcadengang hat man kleine Altane, die uͤber den Eingaͤngen, die in das un- tere Stockwerk fuͤhren, ausgebaut sind, und wohin man zum Genuß frischer Luft tre- ten, oder diese durch Eroͤffnung der Thuͤren hereinlocken kann. Mit diesem Brun- nenhause sind Gallerien, die in einem halben Zirkel hinlaufen, sehr gluͤcklich verbun- den. Es sind große, breite, auf beyden Seiten mit Fenstern sowohl, als mit Thuͤ- ren versehene Gaͤnge, aus welchen man im obern Stockwerk einen Austritt in freye, offene, schmale und unbedeckte, von einem Dockengelaͤnder eingefaßte Nebengallerien hat, die außen an dem Gebaͤude herumlaufen. Diese Gallerien geben sehr anmu- thige und gesellige Spaziergaͤnge beym ungestuͤmen, kalten und regnigten Wetter, und sind eine fast unentbehrliche Anlage bey Brunnengebaͤuden; man kann durch die Fenster und Thuͤren nach Willkuͤhr Licht und Waͤrme und Kuͤhlung hereinrufen. An diese Gallerien, die, so wie das Brunnenhaus selbst, mit einem flachen von einem Dockengelaͤnder umgebenen Dache gebauet sind, hat der Architekt wieder zwey große Fluͤgel vortheilhaft anzuhaͤngen gewußt. Die Gallerien winden sich oben und unten in die Fluͤgel hinein, die meistens zum Aufenthalt des Hofes dienen, und mit einem gebrochenen, zur Bewohnung eingerichteten, Dache versehen sind. In dem untern Stockwerk des rechten Fluͤgels nach der Gartenseite befindet sich ein langer, großer Saal, wo der Hof Tafel und Concerte haͤlt; und in dem untern linken Fluͤgel lau- fen aus der Gallerie dieser Seite mancherley Galanteriebuden fort, zwischen welchen spaziert, gespielt und getanzt wird, und man fast immer den Landgrafen, seinen Hosstaat, oder eine andere glaͤnzende Gesellschaft erblickt. Dieser Platz ist daher der lebhafteste Theil der Brunnengebaͤude. Obgleich bey der Gegenwart des Hofes ihr groͤßter Theil von ihm eingenommen ist, so koͤnnen doch auch Brunnengaͤste hier ver- schiedene von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. schiedene Zimmer haben, wenn sie nicht lieber in dem großen nahen Badehause wohnen wollen. Wie viel wuͤrden so manche andere beruͤhmte Brunnenoͤrter noch gewinnen, wenn sie ein solches schoͤnes, mit bequemen Gallerien zum Spazieren und zu oͤffentlichen Vergnuͤgungen eingerichtetes Brunnenhaus haͤtten! Nur macht der farbenreiche aͤußere Anstrich, worinn Weiß, Roth, Blau, Gelb, Grau in be- sondern Abtheilungen erscheinen, daß es ein ganz buntscheckigtes Ansehen bekoͤmmt. Wie leicht man durch eine solche unvorsichtige Ueberladung von Farben an den Aus- senseiten eines Gebaͤudes die Wirkung seiner guten Architektur schwaͤchen kann, zeigt dieses Beyspiel; denn in einiger Entfernung sieht die wohlgebauete Kupel einem großen Papageyenbauer aͤhnlich. Die Gegenwart des zahlreichen und glaͤnzenden Hofes mag freylich fuͤr Brun- nengaͤste, die sich hier so ganz in dem Genuß der Ruhe zu erfreuen wuͤnschen, einige Unbequemlichkeit haben. Allein es ist doch auch gewiß, daß der Hof nicht den geringsten Zwang machen will, und daß Fremde hier unter seinen Augen eine voll- kommene anstaͤndige Freyheit genießen koͤnnen, wenn sie wollen. Der gute Fuͤrst sorgt mit vielen Kosten Man rechnet die Einkuͤnfte des Bades auf 800, und die jaͤhrliche Unterhaltung auf 6000 Reichsthaler. fuͤr ihre Bequemlichkeit und fuͤr ihr Vergnuͤgen. Alle Brunnengaͤste koͤnnen ohnentgeldlich den franzoͤsischen Schauspielen und den oͤffentli- chen Concerten beywohnen, die der Hof hier bestaͤndig unterhaͤlt. Doch bequeme und schattenreiche Spaziergaͤnge gehoͤren weit mehr zu den Beduͤrfnissen der Brunnenplaͤtze. Man hat hier den Vortheil, sowohl aus dem Brunnenhause, als auch aus dem Badehause sogleich in den Schatten zu treten, in- dem die Baumpflanzungen sich nahe an die Thuͤren dieser Gebaͤude erstrecken. Der obere Theil des Gartens oder der oͤffentlichen Spaziergaͤnge ist zwar ganz im franzoͤ- sischen Geschmack angelegt: man sieht nur Hecken, die mit hohen Baͤumen regel- maͤßig eingefaßt sind, oder deren Mitte damit angefuͤllt ist; Hecken mit Portalen, Fenstern und andern Oeffnungen. Aber man findet doch hier viel Gruͤn und Schat- ten, indem in den breiten Zwischenraͤumen der Hecken sich hohe Roßkastanien und Linden nahe neben einander erheben, unter welchen man in jeder Stunde des Tages einen freyen kuͤhlen Spaziergang auf dem Rasen hat. Zur Rechten liegen verschie- dene große Lauben zum Speisen und kleinere Kabinette; man hat um sich her zur Erqui- V Band. N Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter Erquickung des Auges Laubdecken und Rasen, und, will man spazieren, die Be- quemlichkeit, einander auszuweichen. Bey aller Symmetrie und Einfoͤrmigkeit der Anlage ist doch fuͤr viele Gaͤnge und Sitze unter dichtem Schatten gesorgt, und die- ser ist eine Folge von dem natuͤrlichen Wuchs, der den Baͤumen in den innern Re- vieren zwischen den Einsassungen der Hecken verstattet ist. An andern Stellen giebt es runde beschattete Plaͤtze zum Tanzen fuͤr das Volk, das sich aus der Nachbarschaft gemeiniglich an Sonntagen bey Brunnenoͤrtern haͤufig zu versammeln pflegt, um sich einen froͤhlichen Tag zu machen. Was in diesem Theil der Anlage das Auge am meisten angreift, das sind die auf Bretern gemalten Vasen, Termen und Statuen, selbst auf der Kupel eines Pavillon, und die gedrechselten Knoͤpfe, die uͤber die Hecken hervorragen. Man sagt, daß man dergleichen Arten von Verzierungen uͤbersehen muͤsse. Aber warum uͤbersehen? Wer kann das? Warum und wozu sind sie da? Sie machen ja einen Theil des Ganzen, und sollen uͤbersehen werden? Etwa denn auch das Ganze? Ver- muthlich werden diese Reste der alten gothischen Gartenzierrathen, wie der verfal- lende Pavillon, der nichts Schoͤnes hat, von der Zeit zerstoͤrt werden, die oft ver- gebens dem kluͤgern Geschmack zeigt, was er thun sollte. Die andere groͤßere und schoͤnere Haͤlfte des Gartens ist ein sogenanntes englisches Bosquet, oder ein Lustgebuͤsch im freyen natuͤrlichen Geschmack, das sei- nem Anleger Dem fuͤrstlichen Hofgaͤrtner, Herrn Schwarzkopf, einem Mann, der durch Kenntniß, Beobachtungsgeist und Ge- schmack sich vorzuͤglich auszeichnet. Ehre macht, und eins der ersten Pflanzungen dieser Art in Hessen war. Man hat vor einigen Jahren mit diesem Lustgebuͤsch ein neues, das noch im Wachsthum ist, verbunden, und dadurch die Spaziergaͤnge verlaͤngert. Diese Pflanzungen bestehen aus einer großen Mannichfaltigkeit von auslaͤndischen und ein- heimischen schoͤnen Baͤumen und Straͤuchern, aus bluͤhenden und duftenden Stau- den und niedrigen Blumenpflanzen. Die Anordnung ist die natuͤrliche, da die Blu- menpflanzen voran, dann die hoͤhern perennirenden Stauden, demnaͤchst die Straͤu- cher, und endlich die Baͤume, denen sie zugleich zum Untergebuͤsch dienen, folgen, und mit einem edlen Wuchs emporsteigen. Eine reizende Pflanzung fuͤr das Auge und fuͤr den Geruch. Man sieht mit kluger Wahl manche Blumenstraͤucher ange- bracht, die fast den ganzen Sommer hindurch bluͤhen. Der Baumkenner stoͤßt hier auf manche schoͤne auslaͤndische Baͤume, als Tulpenbaͤume, morgenlaͤndische und von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. und abendlaͤndische Platanen, Scharlacheichen und andere amerikanische Arten von Eichen, virginische Robinien von außerordentlich hohen und geraden Staͤmmen. Die neuere Einfassung der Pflanzung mit Ligustrum ist zu geziert und einfoͤrmig. Auch haben sich einige zirkelfoͤrmige Baumstellungen eingeschlichen, die hier zu ge- kuͤnstelt scheinen, obgleich eine Stelle davon mit Rothtannen durch ihre Dunkelheit einen guten Contrast gegen das lebhaste Kolorit des Ganzen macht. Dem Spazie- renden ist es nicht bequem, daß in diese runde Plaͤtze die Pfade sich endigen, ohne wieder einen Ausgang zu haben, und ohne hier einen Ruhesitz zu finden. Das Um- kehren auf den vorigen Weg ist verdrießlich, wie die Taͤuschung der alten Irrgaͤnge, und hier immer ein Fehler in der Anlage; so oft man an den Eingang zuruͤck koͤmmt, erinnert man sich der Verschließung, und huͤtet sich wohl, wieder hinein zu treten. Die Gebuͤsche sind hier dicht und groß genug, um diese Unbequemlichkeit zu ver- meiden und den Gang in seinem Fortlauf zu erhalten; uͤberhaupt koͤnnten die Wege zum Vortheil des Spazierenden noch sehr vervielfaͤltigt werden. An einer Stelle, bey dem Ausgang ins Feld, stoͤßt man auf eine Sternpflanzung, die einen widrigen Eindruck macht. Doch alle die kleinen Striche, die das schoͤne Gemaͤlde etwas ver- stellen, sind nicht von dem ersten Anleger, sondern nachher von einem fremden Pinsel hineingetragen. Die Wendung der Gaͤnge, die durch diese Pflanzung laufen, ist hie und da wohl etwas zu einfoͤrmig. Die gemeine Schlangenlinie in den ersten englischen Gaͤrten ist nicht natuͤrlich, und ermuͤdet nicht weniger, als der gerade Weg. Freye und mannichfaltige Wendungen aber unterhalten den Spaziergaͤnger. Eine besondere Lebhaftigkeit erhaͤlt diese Pflanzung von einem Bach, der uͤberall schlaͤngelnd durch sie geleitet ist, viele anmuthige Wasserguͤsse hat, mit einem gruͤnen und mit Baͤumen bepflanzten Ufer verschoͤnert ist. Dieser Bach, seine kleinen Wasserfaͤlle, seine Einfassung, seine Bruͤcken bilden zusammen ein uͤberaus heiteres Revier, das von den Gesaͤngen der Voͤgel noch mehr belebt wird. Die Bruͤcken koͤnnten mehr schoͤn und mannichfaltig an Form seyn. Die Baͤume am Ufer des Baches koͤnnten zuweilen mit uͤberhaͤngenden Blumengruppen und bluͤhen- den Straͤuchern abwechseln; sie koͤnnten sich zuweilen dem Wasser mehr naͤhern, zu- weilen mehr von ihm zuruͤckweichen; sie scheinen außerdem noch zu scharf auf der Li- nie zu stehen. Ein Strauch, der in den Wasserguß haͤngt, oder eine Blume, die freundlich uͤber den Bach nickt, wuͤrde schon den Reiz des Gemaͤldes mehr heben. Die Rasen am Ufer sind hin und wieder zu kuͤnstlich ausgeschnitten. Die Baͤnke N 2 haben Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter haben hier noch alle einen gruͤnen Anstrich. Warum Gruͤn auf Gruͤn? Warum nicht Weiß, wie die Bruͤcken? Die Lebhaftigkeit des Weißen hebt sich zwischen dem Gruͤn fuͤr das Auge, und dieser Anstrich ist schicklicher. Noch koͤnnte der begraͤn- zende Zaun des Lustgebuͤsches entweder ganz aufgehoben, oder mit leichten und wohl- gebauten Thuͤren und Ausgaͤngen in Feld und Wiese durchbrochen werden. Die Weitlaͤuftigkeit der Anlage, der schwelgerische Wachsthum und die schat- tenreiche Dichtheit der Pflanzung, der Anblick der seltenen Baͤume, die vielen Blu- men und Wohlgeruͤche, die Anmuth des Baches und seiner Wasserfaͤlle, die Lieder der Voͤgel, die Aussichten auf die angebauete Landschaft und auf zwey benachbarte waldigte Berge — alles dies vereinigt sich, diese Spaziergaͤnge so unterhaltend und reizend zu machen, daß sie wohl die kleinen Verschoͤnerungen noch zu verdienen schei- nen, die hier bemerkt sind. Eine allgemeine Erinnerung uͤber die sogenannten englischen Bosquets, wie man sie jetzt bey uns antrifft, scheint hier noch Platz zu haben. Nichts wird jetzt gewoͤhnlicher, als dicke Gebuͤsche von mancherley einheimischen und auslaͤndischen Baͤumen und Straͤuchern hinzuwerfen, sie mit schlaͤngelnden Gaͤngen zu durchschnei- den, und mit dieser Art von Bepflanzung einen ganzen Bezirk anzufuͤllen. Man glaubt sodann gleich einen englischen Garten zu besitzen. In der That bestehen viele unserer neuen Anlagen blos aus einem solchen an einander haͤngenden weitlaͤuftigen Gebuͤsch, oft mit einem einzigen schmalen Gang. Es ist wahr, daß diese Lustgebuͤ- sche durch Mannichfaltigkeit des Gruͤns, der Blaͤtter und der Bluͤthen ergoͤtzen, und den singenden Voͤgeln einen sichern Aufenthalt verstatten. Dennoch kommen wir, bey der ewigen Wiederholung dieser Bepflanzung, auf die Einfoͤrmigkeit der alten Manier zuruͤck. Ein Lustgebuͤsch, das immer verschlossen, immer verengt lange fortlaͤust, ist fast mehr ermuͤdend, als eine gerade Lindenallee, die zugleich auf den Seiten Aussich- ten in die Landschaft vergoͤnnt. Man hat um sich her eine Art von Hecken, und man faͤngt sogar an, sie mit der Scheere zu beschneiden, wie vormals die Haynbuchen. Es entstehen glatte Waͤnde, und nichts bleibt mehr uͤbrig, wodurch sich die Pflanzung von den vorigen Heckengaͤrten unterscheidet, als der gekruͤmmte Gang und die Verschie- denheit des Laubes. So mancher schoͤner Bluͤthenstrauch wird hier erstickt, auch so mancher Baum von Wuchs und edler Form versteckt. Die schoͤnen Gemaͤlde des Laubwerks finden hier nicht Platz, oder verlieren doch in den schmalen sich kruͤmmenden Gaͤngen ihre Wirkung fuͤr das Auge. Ein Garten, der blos aus einer solchen Pflan- zung besteht, hat keinen Anspruch auf Schoͤnheit und Mannichfaltigkeit. Waͤre es demnach nicht besser, den Lustgebuͤschen, die immer einen Theil einer schoͤnen Anlage aus- von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. ausmachen koͤnnen, das Einfoͤrmige, das Steife, das Verschlossene zu nehmen, sie zu mehr Licht, mehr Aussicht, mehr Abwechselung durchzubrechen, sie hin und wie- der bald in abgesonderte freye Gruppen von Baͤumen oder von Straͤuchern umzubil- den, bald mit einem feinen Rasenteppich, mit einem reich geschmuͤckten Blumenplatz, oder einer andern anmuthigen Naturscene aufzuheitern? Wilhelmsbad . Wilhelmsbad, eine halbe Stunde von Hanau, behauptet von der Seite der Anmuth unter Deutschlands Baͤdern wohl den ersten Rang. Man mag auf die Schoͤnheit der Gebaͤude, auf die Reinlichkeit und den guten Geschmack der Aus- moͤblirung der Wohnzimmer, auf die Sauberkeit der Baͤder, auf die Tafel, wo Feinheit und Anstand herrschen, und Personen beyderley Geschlechts von der ersten Klasse erscheinen, auf die Anlagen und Spaziergaͤnge, auf die Nachbarschaft von N 3 einem Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter einem der artigsten Hoͤfe, auf die Ordnung in der Einrichtung des Ganzen, und so- dann auf die uͤberaus wohlfeilen Preise sehen, wozu alles angesetzt ist; so wird man hier sowohl die groͤßte Aufmerksamkeit auf die Beduͤrfnisse der Fremden, als auch Aufmunterung zum Genuß der angenehmsten Sommertage finden. Man erblickt hier einen Prinzen, Se. Durchl. der Landgraf Georg Wilhelm, regierender Graf zu Hanau und Erbprinz von Hessen-Cassel. der, wenn er bauet, pflanzt und verschoͤnert, ganz Fuͤrst ist, aber, um Natur und Geselligkeit zu genießen, und genießen zu lassen, sich wieder in dem Privatmann verbirgt, bey den Brunnengaͤsten seine stille Wohnung hat, an ihrer Tafel und selbst bey ihren Spielen und Taͤnzen verweilt. Man hat taͤglich das Vergnuͤgen, hier eine Prinzessinn Ihro koͤnigl. Hoheit Wilhelmine Ca- roline, vermaͤhlte Erbprinzessinn von Hes- sen-Cassel, geborne koͤnigl. Prinzessinn von Daͤnnemark. zu sehen, die, so sehr sie Daͤnnemarks Ruhm unter den Deutschen, und die Zierde der Koͤnigstoͤchter ist, sich dieser selte- nen Vorzuͤge nicht erinnert, und, indem sie rings um sich her die Liebe aller Herzen zu sich in den Kreis ihrer jungen gluͤcklichen Familie stroͤmen sieht, sich nicht erinnert, daß es die Heiterkeit ihrer Blicke, die Leutseligkeit ihrer Gespraͤche, die sanfte ruͤh- rende Guͤte ihrer Seele ist, die alles um sie her zur Empfindung aufbieten. Unter den vielen Gebaͤuden, die alle eine gute Architektur und symmetrische Verbindung unter einander haben, zeichnet sich das Arcadenhaus, das in der Mitte steht, als das vornehmste aus. Man hat davon verschiedene Ku- pferabbildungen, worunter sich besonders die drey neuen Blaͤtter auszeichnen, wel- che Herr A. W. Tischbein in Hanau 1784 gezeichnet und Herr Weise in Cassel in Ku- pfer gestochen hat. Es kuͤndigt sich gleich dem Auge nicht allein durch Groͤße, sondern auch durch eine reine und edle Architektur sehr vortheilhaft an, und sein Ansehen wird von dem saubern Anstrich noch unterstuͤtzt. Seinen Namen fuͤhrt es von den hohen und breiten Arcaden, die sich an seiner Vorderseite hin erstre- cken; sie dienen zum bequemen Spaziergang in der Hitze, und im Regen. An diesen Arcaden liegen ein großer und zwey kleinere Saͤle, die zusammen das Erdgeschoß ausmachen. Sie sind alle hell und heiter mit großen Glasthuͤren, die frische Luft und Kuͤhlung einlassen, sehr edel angelegt und ausgeziert. Manches fuͤrstliche Schloß hat keinen Saal mit solchen Spiegeln, Stuͤhlen, Kanapees und Tischen, wie hier. Der groͤßere Saal ist der Tafel und dem Tanz gewidmet; an Sonnta- gen, wenn viele Fremde aus Frankfurt und der Nachbarschaft die Gesellschaft der Curgaͤste und der Hofleute vermehren, sieht man darinn zuweilen uͤber 150 Perso- nen speisen. In dem mittlern kleinern Saal versammlet sich die Gesellschaft zum Fruͤh- von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter Fruͤhstuͤck, zur Unterredung, zum Spiel; und in dem letztern kleinern Saal stehen zwey Billardtische. Diese drey Saͤle haben durch große Glasthuͤren mit einander Verbindung. In dem zweyten und dritten Stockwerk, welches letztere schon die Mansarde ist, sind auf beyden Seiten große, bequeme und schoͤne Wohnzimmer, alle tapezirt; ein breiter heller Gang laͤuft zwischen diesen Wohnzimmern durch die ganze Laͤnge des Gebaͤudes hin und bildet gleichsam einen praͤchtigen gemeinschaftlichen Vor- saal. In den Pavillons neben dem Arcadenhause befinden sich ebenfalls gute Woh- nungen. Vor dem Arcadenhaus liegt ein großer freyer Platz mit Sitzen; und dem- naͤchst das Brunnenhaus oder der offene Tempel des Aesculap, unten die minerali- sche Quelle, oben die Statue des Gottes, von kleinen Kindergruppen umgeben, wel- che die vier Elemente und den Fruͤhling und Sommer vorstellen. Um die Gebaͤude laufen von allen Seiten große Alleen, die Zugaͤnge sind, und zugleich mit den uͤbrigen Anlagen in Verbindung stehen. Aus den Saͤlen des Arca- denhauses tritt man hinten gleich in einen großen schattenreichen Bogengang, der sich von einem Ende des Gebaͤudes zu dem andern um einen Rasen herumwindet, und zur Seite einige Kabinette und Tische hat. Gleich an der linken Seite dieses Gebaͤudes schattet eine vierfache Reihe von hohen schoͤnen abendlaͤndischen Platanen, die noch be- sonders fuͤr die Zukunft einen herrlichen Spaziergang versprechen. Zur Rechten am Ende der Gebaͤude liegt ein sehr ansehnlicher Quincunx von hohen Linden, wo die Spaziergaͤnger zugleich mit sanften laͤndlichen Aussichten uͤber eine bebauete Ebene, und besonders mit dem Anblick einer schoͤnen Meyerey, die in einiger Entfernung ma- lerisch vor einem dunklen Walde ruht, unterhalten werden. Wilhelmsbad liegt in einer zwar flachen, aber angenehmen Gegend, in- dem sie rings umher von Waͤldern umkraͤnzt ist. Sowohl von der Vorderseite des Arcadenhauses an, als auch hinter ihm verbreiten sich die Anlagen der Spaziergaͤnge fast im Geschmack eines englischen Gartens. Vor dem Arcadenhause erstreckt sich ein ziemlich ansehnlicher Wald von Eichen, der jedoch viele große Zwischenraͤume hat, worinn Pflanzungen von mancherley ein- heimischen und auslaͤndischen Baͤumen und Gestraͤuchen angelegt und mit Blumen- stauden vermischt sind. Zur Abwechselung des Spazierganges und der Aussichten sind Vertiefungen und Anhoͤhen gemacht. Diese werden sich besser ausnehmen, wenn erst ihre Bepflanzung angewachsen ist. Die Gaͤnge winden sich zwischen ihnen um- her, steigen und senken sich wieder, und sind gut mit einander verbunden. Die Pflan- zung ist noch jung und wird in der Folge den Schatten vermehren helfen, den jetzt die hohen Eichen um sich her verbreiten. Sie ist, um sich dem Wilden des Waldes zu naͤhern, mehr nachlaͤßig hingeworfen, als malerisch angelegt. Die Spaziergaͤnge sind von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. sind ziemlich weitlaͤuftig. Ueberall findet man weiße Baͤnke, Sitze, Tische auf den Hoͤhen und in den kleinen Thaͤlern; unter den hohen Eichen und den Buchen, die zwischen ihnen erscheinen, locken beschattete Ruheplaͤtze ein. Das Auge wird zuwei- len von gruͤnen mit Klee besaͤeten Flaͤchen angelockt, vornehmlich in den Vertiefun- gen. Mancherley Arten von Spielen, die nicht blos zur Zeitverkuͤrzung, sondern auch zur Bewegung dienen, sind auf den freyen Plaͤtzen, zwischen den umpflanzten Spaziergaͤngen angebracht. Auf einer Hoͤhe liegt ein schoͤnes Karossel, in der Ge- stalt eines großen runden offenen Tempels, von vier und zwanzig Saͤulen toscani- scher Ordnung unterstuͤtzt; in der doppelten Reihe der Saͤulen laufen zwey Reitpfer- de, und zwey Wagen, jeder mit zwey Pferden bespannt, alles vortrefflich gearbeitet, in der Runde herum; in der Mitte des Gebaͤudes befindet sich ein Platz, wo der Zu- schauer sitzen, und zugleich sein Auge mit der angenehmen Aussicht umher unterhalten kann; an der aͤußern Reihe der Saͤulen sind Vorhaͤnge angebracht, die bey Sonnen- hitze und Regen heruntergelassen werden; unten ist ein gemauertes Gewoͤlbe, worinn sich das Triebwerk befindet, und ein kuͤhler Weg durchgeht; ein herrliches und kost- bares Werk! Man geht von hier nach der Burg. Dies ist ein alter halb verfallener gothi- scher Thurm, in einem wahren taͤuschenden Styl, nach der Zeichnung des Prinzen vortrefflich gebauet. Die rohen Feldsteine, die kuͤhnen Massen, die seltsame gothi- sche Gestalt, die scheinbaren Merkmale von den Zerstoͤrungen der Zeit, das Eckige sowohl, als das Abgestumpfte, die Oeffnungen, die Fenster, das ganze aͤußere Ansehen kuͤndigt ein Werk vergangener Jahrhunderte an; und seine Lage zwischen ehrwuͤrdi- gen Eichen, die ihren Nachbar zu befragen scheinen, ob er nicht mit ihnen von glei- chem Alter ist, traͤgt nicht wenig zu der guten Wirkung seiner Außenseite bey. Das Inwendige enthaͤlt einige mit feinem Geschmack verzierte Zimmer. Hier wohnt waͤh- rend des Sommers der Prinz in einer geraͤuschlosen philosophischen Einsamkeit. Nicht weit davon liegt noch ein Ruinenstuͤck, worinn sich Kuͤche und Bedientenzimmer ver- huͤllen. Der Thurm ist mit einem Graben von fließendem Wasser umgeben. Um die Gaͤnge an seinem Rande laufen kleine Zaͤune von feinen Bluͤthenstraͤuchern. Un- ter den Eichen liegen einfache Rasensitze. Verschiedene Bruͤcken fuͤhren in dieses Revier. Das angelegte Wasser erweitert sich etwas welter hin in einen groͤßern Bezirk. Man sieht mancherley Arten von kleinen Jagden und Lustfahrzeugen darauf liegen. Es windet sich in verschiedenen schmalern Wendungen unter den laubreichen Aesten der Eichen umher, fließt unter einigen hohen Bogenbruͤcken durch, und bildet eine V Band. O kleine Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter kleine Halbinsel mit einem Sonnenweiser geziert und mit einem angenehmen Sitz im uͤberschatteten Winkel. Nicht weit von hier hebt sich ein aufgeworfener Huͤgel zum Genuß der eroͤffne- ten Aussicht nach Hanau uͤber die Ebenen, uͤber die umherlaufenden Alleen und Waͤlder hin. Er gruͤnt von Gras, von Blumenpflanzen und Gestraͤuch, zwischen welchen sich ein Pfad auf den Gipfel hinaufwindet. Hier steht ein großer halboffe- ner Sitz, mit einem kleinen Vordach, von zwey Saͤulen getragen. Man ruhet hier unter einer angenehmen Aussicht. Zunaͤchst vor dem Auge bluͤhende Pflanzen und Straͤucher; in der Tiefe eine sehr weit ausgebreitete Wiese, die einen trefflichen Ra- senteppich macht, und rings umher mit Waͤldern umkraͤnzt ist; uͤber diese erheben sich in der Aussicht die Thuͤrme von Hanau, dieser schoͤnen, durch Kunstfleiß beleb- ten, durch Sitten verfeinerten, und durch ihren Fuͤrsten verschoͤnerten Stadt, und hinter ihr streckt sich in der Ferne ein hohes dunkles Gebirge empor, das den Ge- sichtskreis schließt; naͤher zur Linken hin schaut das Auge uͤber schlanke Pappeln nach dem Fasanengarten und seinen waldigten Spaziergaͤngen hin. Ein anmuthiger Sitz am Abend, indem das blendende Licht der Sonne zuruͤckweicht, und ihre sanftere Beleuchtung von der Seite her uͤber die Wiese und die benachbarten Waͤlder streift. Die Gegend hinter dem Arcadengebaͤude, die fast rings umher von einem na- hen dunkeln Wald umgeben ist, hat ebenfalls ihre Verschoͤnerungen. Man sieht hier Gebuͤsche von meistens einheimischen Hoͤlzern gepflanzt, und darunter bejahrte Eichen und Buchen, schlaͤngelnde Gaͤnge, kleine Hoͤhen und Vertiefungen, weiß angestri- chene Baͤnke, die uͤberall den Muͤden erwarten, Rasen mit Strauchgruppen ver- ziert — einst ein schattenreicheres, noch anmuthigeres Revier. So viel Pracht und Reiz zeigt jetzt eine Gegend, die noch vor einigen Jahren eine menschenleere Wuͤste war. Wilhelmsbad ist ein geliebter Lustplatz fuͤr alle umliegende Oerter, besonders fuͤr Hanau und Frankfurt. Man kann hier zugleich alle Arten von fremden Ge- sundheitswassern zum Trinken, alle Arten von laͤndlichen Sommerergoͤtzungen sich waͤhlen. Eine genaue und mehr ausfuͤhrliche Beschreibung dieses Orts nebst der Ge- schichte des Baues, der Verschoͤnerungen u. s. w. findet man in den Briefen eines Schweizers uͤber das Wilhelmsbad. Neue Aufl. 8. 1780. Demnaͤchst in den Betrach- tungen eines Schweizers im Wilhelmsbad. 8. 1780. Der Verfasser ꝛc. ist kein Schwei- zer, sondern der hanauische Rath, Herr Schaͤffer, ein durch Wissenschaft und Charakter des Herzens schaͤtzbarer Mann. Ems. von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. Ems . Die vier folgenden Gesundheitsoͤrter liegen in einem kleinen Umkreis zwischen Maynz und Coblenz, in der Nachbarschaft des Rheins, neben einander. Man reiset zu ihnen durch Landschaften, die zu den schoͤnsten in Deutschland gehoͤren. Ems hat in der Tiefe zwischen hohen felsigten Gebirgen eine sanft melancholi- sche und einsame Lage; doch sind die Abhaͤnge zum Theil fruchtbar und mit Wein bepflanzt; im Thal gruͤnen schmale Wiesen, durch welche die Lahne sich schlaͤngelt. Diese so tief versenkte, ruhige, vor jedem Blick der Neugierde und des Neides ver- borgene, von den Unruhen der Welt so weit entfernte Lage hat fuͤr kraͤnkliche Seelen, die an einer kleinen Melancholie haͤngen, einen sehr einnehmenden Reiz. Sie glau- ben hier ganz in dem Schooß der gesuchten Ruhe sich einzusenken, ganz gesichert vor dem Gedraͤnge der Thoren und selbst vor jedem Mislaut der Gesellschaft. In der That scheint auch die hiesige Lebensart etwas von dem sanften Frieden zu haben, der uͤber dieses Thal schwebt. Keine Schauspiele, keine Concerte, keine Baͤlle pflegen hier Geraͤusch und Zerstreuung zu verbreiten. Auch sind hier keine Einrichtungen zu oͤffentlichen Ergoͤtzungen. Die Gesellschaft schließt sich an einander, und ist auf ei- nen sanft unterhaltenden Ton gestimmt. Doch hat die Lage von Ems einige Unbequemlichkeit, indem die Berge das Thal zu enge verschließen, und sowohl die Hitze, als auch bey einfallendem Regen die Kaͤlte einsperren. Das nassauische und das darmstaͤdtische Haus, die beyden Hauptgebaͤude, haben einige plump gebauete Arcaden zum Spaziergang. Man sieht hier nur eine Allee, die noch dazu sehr schmal ist. Die Enge des Thals ver- stattet keine Anlagen ausgebreiteter Spaziergaͤnge. Man muß sie in der Wildniß der Berge und der benachbarten Gegend suchen, die mit malerischen und romantischen Schoͤnheiten von der Natur reichlich geziert sind. Auch die Lahne locket zu den an- genehmsten Wasserfahrten ein, unter immer abwechselnden Aussichten von rauhen Felsen und blumigten Wiesen, von Weinbergen und alten zerstoͤrten Schloͤssern, von heitern Doͤrfern und einsamen Kapellen auf nackten Hoͤhen. Schlangenbad . Vom Schlangenbad wird man hier gerne die Beschreibung einer Dame lesen, Der Frau von Berleptst, im hannoͤverischen Magazin 4tes Stuͤck 1783. die mit allen den sanften liebenswuͤrdigen Gefuͤhlen, die ein weibliches Herz veredeln koͤnnen, die Staͤrke eines maͤnnlichen Verstandes und mit ihm einen heitern, schnell O 2 und Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter und leicht uͤberschauenden Geist der Beobachtung vereinigt, die Anstalten des Men- schen sowohl, als seinen Charakter mit eben dem seinen Blick durchforscht, womit sie die Schoͤnheiten der Natur ausspaͤhet, und in dem Ausdruck ihrer Urtheile sich im- mer gleich, frey und edel ist. „ Schlangenbad liegt im Thal, und es erscheint mit den neuen großen Gebaͤu- den, die von allen Seiten mit Heckengaͤngen umringt sehr artig aussehen, als ein schoͤnes Landgut. Zwey Wohnungen sind da. Die eine gehoͤrt dem Churfuͤrsten von Maynz, der den groͤßten Theil des angraͤnzenden Landes besitzt, und wird das maynzische Haus genannt. Es ist ziemlich groß, ansehnlich gebauet, artig ein- gerichtet, hat einen schoͤnen Saal und eine angenehmere Lage, als das andere, weil es unter einem hohen mit schoͤnem Holz bewachsenen Berge liegt, der bis auf die Hoͤhe, in der Mitte gerade dem Hause gegenuͤber, aufgehauen ist. Das andere Haus, das hessische genannt, gehoͤrt dem Landgrafen von Cassel, und ist, wie alle hessische Gebaͤude, aͤußerst vollstaͤndig und recht bequem eingerichtet. Eigentlich sind es drey Haͤuser, die durch lange bedeckte Gaͤnge an einander haͤngen, so daß man bey uͤblem Wetter aus einer Wohnung in die andere mit Bequemlichkeit gehen kann, welches fuͤr Kranke sehr angenehm ist. Dieses Haus hat noch den großen Vorzug, daß sich darinn die Baͤder befinden; anstatt daß man aus dem maynzi- schen Hause heruͤbergehen muß, wenn man sich baden will. Die Wohnzimmer sind trefflich eingerichtet, geraͤumig und bequem. Zum hessischen Hause gehoͤrt noch ein Saal, oder vielmehr eine sehr lange Gallerie, wo sich die Curgaͤste versammeln, um zu tanzen und zu spielen.“ „Die Luft ist hier außerordentlich rein und heiter. Die Spaziergaͤnge beym maynzischen Hause sind weitlaͤuftig und groß. Eine sehr schoͤne hohe Allee geht, gewiß uͤber vierhundert Schritte lang, schnurgerade, und gelinde steigend vom großen Saal bis ins Holz, wo sie sich verliert; und auf beyden Seiten sind unzaͤhlig viele Heckengaͤnge, die wegen der Einfoͤrmigkeit nicht gefallen. Zu der Zeit, als das an- gelegt ward, kannte man in Deutschland den englischen Geschmack in Spazier- gaͤngen nicht, und diese koͤnnten mit wenig Muͤhe und Kosten uͤberaus artig darnach eingerichtet werden; denn die Lage ist vortrefflich.“ „Eine sehr nuͤtzliche Anstalt ist es, daß hier von den beyden Landesfuͤrsten eine kleine Besatzung gehalten wird, die fuͤr Ordnung, Ruhe und Sicherheit wacht. Der verstorbene Landgraf von Cassel der diesen von Natur so reizenden Ort sehr liebte, sorgte viel fuͤr seine Verschoͤnerung. Er ließ noch ein großes schoͤnes Haus nicht weit vom alten aufbauen, das aber inwendig noch nicht eingerichtet ist.“ „ Schlan- von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. „ Schlangenbad ist uͤbrigens ein gar angenehmer Aufenthalt, die fansteste, lieblichste Einsamkeit zwischen Bergen, die freylich die Aussicht verhindern, aber doch sich genug oͤffnen, um der Gegend nichts Dumpfes zu geben und nichts Finsteres. Schlangenbad ist nicht, wie Pyrmont, der Aufenthalt lauter rauschender Freu- de und glaͤnzender Geselligkeit. Es ist keine einzige Allee da, wo viele Menschen bey einander koͤnnten hergehen. Aber die schmalen Heckengaͤnge laden, wie die ganze Gegend, die Seele ein zu einsamem und stillem Nachdenken. In jedem Luͤftchen wehet philosophische Melancholie; aber es ist ruhige Melancholle, mehr Ernst, als Schwermuth, mehr ein Vergessen von allem, was dem Herzen wehe thut, als schwaͤrmerischer Genuß des Gegenwaͤrtigen. Die Einbildungskraft schwelgt nicht, sie schlummert in lieblich traͤumender Ruhe. Das liebe Thal, so eng, so gruͤn, so still und einsam, scheint mit jedem Blick die Lehre ins Herz zu praͤgen: daß der Mensch wenig bedarf.“ Zu aͤhnlichen lieblichen Phantasien, zu eben solchen sanften Begeisterungen des Herzens werden leicht empfindsame Seelen in der stillen Ruhe dieses Thals hin- gerissen. Hier ist noch eine kleine Schilderung von den Eindruͤcken dieser Ge- gend. Aus der Beschreibung eines Aufenthalts im Schlangenbade 1777. 8. Riga. 1779. „Der ganze Weg, der sich durch ein tiefes, einsames und schattigtes Thal geschlaͤngelt, und der Pfad zu einer der verstecktesten Einsiedeleyen zu seyn scheint, prallt nun ploͤtzlich auf einen Haufen von kostbaren Gebaͤuden und kuͤnstlich angelegten Spa- ziergaͤngen an. Auch ohne das sanfte Gemurmel, das unaufhoͤrlich und von allen Seiten durch kleine Wasserfaͤlle und Springbrunnen erregt wird, wuͤrde hier einem jeden die Vorstellung eines bezauberten Palastes durch den Sinn fahren muͤssen. Wo man sich hinwendet, ist ein Gegenstand, der die Neugierde und den Reiz zum Ver- gnuͤgen lockt. Der muͤdeste Wanderer wird hier durch immer neue Befriedigung und immer neues Verlangen, ungestoͤrt durch die Mattigkeit seiner Glieder, von einem Schooß des Vergnuͤgens zum andern fortgerollt. Verdeckte Gaͤnge, geraͤumige Saͤle, lange mit Zimmern besetzte Hallen, wechseln labyrinthisch mit gruͤnen schattigten Lau- ben, Hecken, Grasstuͤcken und Fruchtgaͤrten ab. Rund umher sind aufgewaͤlzte Berge, theils mit gruͤnen beschattenden Baͤumen, theils mit fuͤrchterlichen mit Moos bedeckten hervorstechenden Felsenspitzen bekleidet. Unzaͤhlige lockende Fußsteige fuͤh- ren unvermuthet zu immer neuen und veraͤnderten Gegenstaͤnden, bald auf eine rauhe ganz abgelegene Klippe, von der man ploͤtzlich in eine weite herrliche Aussicht dringt, und der Blick auf viele Meilen weit herumschweifen kann; bald koͤmmt man wieder O 3 in Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter in stille einsame Scenen, voll laͤndlicher ungekuͤnstelter Einfalt. Jene kleine blu- migte Wiese, vom daͤmmernden Gestraͤuch umgraͤnzt, vom murmelnden Bach durch- schlaͤngelt, ist ein recht warmes gefuͤhlvolles Gemaͤlde. Hinter meinem Ruͤcken thuͤrmt sich ein drohender Fels, dessen Fußgestell mir einen erquickenden Sitz vergoͤnnt, und uͤber ihn her verbreitet ein Wald von hundertjaͤhrigen Eichen den entscheidenden Schat- ten auf die liebliche Landschaft. Welche Stille scheint dort oben zu herrschen! Kein Geraͤusch, außer dem harmonischen Schall von liebefrohen unbekuͤmmerten Geschoͤ- pfen. Ich muß hinauf. Die suͤße Erwartung ebnet mir die rauhe beschwerliche Hoͤhe. O! wie wohl ist mir, ins Thal hinunter und in die duftenden Gewoͤlbe des Waldes, zugleich mein gegenwaͤrtiges und mein vergangenes Vergnuͤgen mit wahrer Entzuͤckung fuͤhlen zu koͤnnen! O! du sanfte, heilige Stille anmuthiger vom Geraͤusch und der Thorheit der Welt entlegener Waͤlder! du kannst wahre ungezwungene Be- geisterung in die Seele gießen; zauberisch setzest du mich jetzt in den Kreis aller mei- ner Freunde und Liebsten auf der Welt; ich glaube sie alle um mich her in eben dem weichen Schooße des Vergnuͤgens liegen zu sehen. Denn nichts zerreißt jetzt die Kette der Gedanken, die meine Seele sehnsuchtsvoll nach ihnen ausspannt. Meine Einbildungskraft macht mich durch ihre beseligenden Gaukeleyen zu dem gluͤcklichsten der Menschen.“ „In diesem bezaubernden Winkel brachte ich mit meinen Freunden drey Mo- nate zu, ohne Ekel oder Ueberdruß uͤber die Einfoͤrmigkeit unserer stillen Freuden be- merkt zu haben. Man fuͤhlt hier, daß man Vergnuͤgen hat, ohne daß der Ver- stand sich abmattet, auszufinden, worinn das Vergnuͤgen besteht. Diese suͤße Wir- kung machen die ungekuͤnstelten Vergnuͤgungen auf uns. Die Seele fuͤhlt in dieser weichen Lage ein unbeschreibliches Wohlbehagen, und ist bey dem angebornen Hang zur Veraͤnderung, aus Furcht, ihr gemaͤchliches Gluͤck zu verlieren, doch der stillen einsamen Gegend immer getreu.“ „Es giebt offene große Gegenden mit allem, was die Natur gewoͤhnlich zu ih- rer Pracht braucht, bis zum Ueberfluß ausgeschmuͤckt, wo die Sonne mit ihrer gan- zen Majestaͤt bis in die verborgensten Winkel dringt, und ein festliches Ansehen, ei- nen gewissen Firniß uͤber das Allgemeine verbreitet. Diese Gegenstaͤnde sind schoͤn, bis zum Entzuͤcken schoͤn, in den ersten Augenblicken oder Tagen. Aber bald koͤmmt dem immer nach neuem Genuß begierigen Herzen die Luͤsternheit an, etwas Neues zu suchen und zu wuͤnschen. Und alsdann ist ein schmaler Fußpfad unter schattigten Baͤumen, am kleinen rieselnden Bach; ein rauher herabhaͤngender Fels, um wel- chen schwermuͤthige Stille eine Sehnsucht nach Ruhe in dem Herzen erreget, das von dem zu vielem Genuß betaͤubt ist; kurz, die geringste einfaͤltigste Gegend, so wie sie von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. sie aus den Haͤnden der Natur als Skizze weggelegt worden, ist alsdann fuͤr uns voll von verfuͤhrerischen Reizen, die uns mit weichen unmerklichen Rosenketten am un- schuldigen Vergnuͤgen fesseln. Deswegen habe ich nie eine Gegend so, wie Schlan- genbad, geliebt, und werde alle die Gegenden immer vorzuͤglich lieben, wo die Na- tur, gleichsam als in ihrer Werkstaͤtte, alles durcheinander geworfen, und in jeder dieser Skizzen die Groͤße des Unendlichen zeigt. Immer werden die Bilder dieses Edens, immer die Erinnerung der dort genossenen stillen Freuden mir ein Trost in truͤben und ein Zuwachs von Freude in heitern Stunden seyn.“ Schwalbach . Die Berge, die das lange Thal von Schwalbach umgeben, sind nicht so hoch, als um Ems, aber meistens kahl und ohne Schoͤnheit. Doch spreiten sie sich hier aus einander und lassen die Heiterkeit des Himmels und erfrischende Luͤfte herein- kommen. Das freye Eindringen der kuͤhlenden Luft ist an diesem Orte, wo so we- nig von der Natur, als von dem Menschen fuͤr das Beduͤrfniß des Schattens gesorgt ist, eine doppelte Wohlthat. Das Auge hat zu seiner Erquickung fast nichts an- ders, als den erfreulichen Anblick der Wiesen, die das Thal bekleiden. An diesem Brunnenort ist fast gar keine Aufmerksamkeit fuͤr die Fremden, die hier doch aus allen umliegenden Gegenden zusammenstroͤmen, sichtbar. Der einzige oͤffentliche Versammlungssaal ist ein Muster von geschmackloser Bauart und schlech- ter Ausmoͤblirung, und liegt halb in Ruinen. Die Brunnengaͤste wohnen und spei- sen in Privathaͤusern, die oft voll Schmutz und Unreinigkeit sind. Einige elende Ar- caden bey dem Weinbrunnen und dem rothenburgischen Hause koͤnnen den Mangel des Schattens nicht ersetzen, der hier so sehr empfunden wird. Bey der weitern Ab- gelegenheit des letztern schmachtet der Brunnentrinker oft unter einer unertraͤglichen Hitze, und bey allem Raum zur Anpflanzung, der nun wuͤste liegt, hat er nichts, als einige schlechte Hecken, die oben offen sind und nicht schatten. Blos eine einzige Allee ist da, die nichts schoͤnes, aber doch einen guten Schatten hat; allein sie liegt von den Quellen entfernt, zu welchen der Kranke einen sehr beschwerlichen Weg ma- chen muß. Bey einer solchen Verfassung, welche die Erwartung der Siechen so we- nig befriedigt, hat dieser beruͤhmte Brunnenort keinen andern Reiz, als fuͤr Juden, Pfaffen und Spieler, die sich am meisten in dieser Pfuͤtze herumwaͤlzen. Wisbaden . Wisbaden liegt in einer niedrigen Ebene, und in einer Gegend, die keine besondern Annehmlichkeiten in sich faßt, sondern sie erst in der Nachbarschaft und in einiger Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter einiger Entfernung gegen den Rhein hin suchen muß. Auch fehlt es hier an schat- tigten Spaziergaͤngen und an merkwuͤrdigen Anstalten zu anstaͤndigen oͤffentlichen Ver- gnuͤgungen. Wisbaden ist ein elendes Staͤdtchen mit engen Gassen. Fuͤr diesen Ort war ehemals ein sehr großes Brunnenhaus bestimmt, wovon sich eine Abbildung in dem Modelhaus zu Cassel befindet, und das hier eine Anzeige verdient. Dieses Gebaͤude hat eine vortheilhafte, seiner Bestimmung sehr gemaͤße Anordnung, indem um beyde Stockwerke in der Runde zwey große Arcadengaͤnge laufen, die durch sechs gerade bedeckte Gallerien mit dem eigentlichen Brunnenhause, das in der Mitte liegt, verbunden sind. Auch das geraͤumige flache Dach dieser Arcaden und Gallerien dient bey kuͤhlem Wetter zum Spazieren, und hat in seiner Mitte eine Kupel in Form eines antiken Tempels, die Ruhesitze enthaͤlt. An den Arcaden, die im ersten und zweyten Stockwerk rund um das Brunnenhaus sich win- den, und es gleichsam einfassen, sind, als Wohnungen fuͤr die Brunnengaͤste, zwey lange Fluͤgel ebenfalls mit einem flachen Dach angehaͤngt, und diese endigen sich mit zwey Pavillons, die ein gebrochenes Dach haben. Bequeme Treppen und Thuͤren verbinden alle Theile zu einem vollstaͤndigen Zusammenhang. Man wird nicht leicht einen Entwurf zu einem großen Brunnenhaus finden, der mit der Schoͤnheit des aͤußern Ansehens zugleich so viel gute Anordnung zu seinem Zweck, so viel Bequem- lichkeit, so viel Anmuth und Heiterkeit der innern Einrichtung vereinigte. Wie viel haͤtte nicht Wisbaden durch die Ausfuͤhrung eines solchen Gebaͤudes gewinnen muͤssen! Matlock . In Derbyshire in England. S. Youngs Reisen durch die oͤstlichen Pro- vinzen von England ꝛc. 3ten Th. S. 103 u. s. w. Eine andere schoͤne Beschreibung dieser beruͤhmten romantischen Gegend hat Whateley in seinen Betrachtungen uͤber das heutige Gartenwesen S. 125 u. f. Die natuͤrlichen Schoͤnheiten der Gegend um Matlock, wo die warmen Baͤ- der sind, uͤbertreffen die schoͤnsten Plaͤtze in England, welche die menschliche Kunst zu verbessern gesucht hat. Es ist ein mit vielen Kruͤmmungen versehenes Thal, wo- durch die Derwent laͤuft, welche an einigen Orten ziemlich breit ist, und sanft fließt, an andern zwischen abgebrochenen Felsen durchrauscht, und allerley kleine Cascaden macht. An der einen Seite ist das Thal von fruchtbaren Huͤgeln, an der andern von fuͤrchterlichen mit Waldung bewachsenen Felsen umgraͤnzt. Um diese schoͤne Gegend recht in Augenschein zu nehmen, thut man am besten, den Fluß bey dem Schlagbaume zu passiren, und dem sich schlaͤngelnden Fußsteige den von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. den Felsen hinauf zu folgen, welcher zu der auf der Hoͤhe liegenden Strecke von Fel- dern fuͤhret. Sie endigen sich hier mit dem Abgrunde, laͤngst dem man hingeht. Einem jeden, der Matlock besehen will, ist dieser Weg zu empfehlen, weil hier ohne Zweifel die schoͤnste natuͤrliche Terrasse von der Welt ist. Oben lenkt man sich links zu der hervorragenden Spitze, Hagrock genannt, von der man senkrecht uͤber die jaͤhe Anhoͤhe hinab in den Fluß sieht, der hier einen schoͤnen jenseits mit Baͤumen eingefaßten Spiegel vorstellet, zweymal vom Felsen herunterstuͤrzet, und die Scene durch das Geraͤusche belebet. Das Thal ist hier enge; aus demselben erheben sich die Huͤgel jaͤhling empor, und stellen theils schoͤne gruͤne Einzaͤunungen, theils nackte Felsen, theils einen waldigten Ruͤcken dar. Geht man laͤngst an diesem Abgrunde hin, und unter dem am Rande desselben wachsenden Gebuͤsche fort, so hat man viele malerische Aussichten, zuweilen blos ins Wasser hinab, zuweilen auf ein Stuͤck finstere und melancholische Waldung; manch- mal entdecket man auf einmal eine Durchsicht auf reizende Stellen des Thales, oder auf die fruchtbaren Huͤgel. Dieß waͤhret so lange, bis man an eine große Ulme koͤmmt, die mit ihren breiten Zweigen eine felsichte Ecke an dem Abgrunde beschattet. Hier hat man uͤber ein von der Natur gemachtes Gelaͤnder eine wirklich praͤchtige Scene. Zu beyden Seiten bildet der Fluß einige schoͤne Spiegel, und faͤllt viermal uͤber Felsen hinab. Auf der linken Seite ist der ganze Abhang bis ans Wasser mit Wald besetzt, doch ragen hin und wieder Felsenspitzen hervor. Oben darauf sind zwey kleine ganz mit Wald umgebene Einzaͤunungen von Grasland, die durch sperrige Baͤume von einander getrennt sind. Man kann nichts schoͤneres sehen. Auf der andern Seite des Thales liegen eingezaͤunte Wiesen, und hoͤher hinauf sind die Huͤgel mit großer Abwechselung von Saatfeldern abgetheilt. Auf der rechten Seite ist der Anblick ganz verschieden. Das Gehoͤlze steht so enge am Ufer, als wenn es aus dem Wasser herauswuͤchse; es verursacht einen dunkeln Schatten auf dem sanft darunter wegfließenden Flusse. Ueber den Wald weg zeigen sich einige mit Grasfeldern um- gebene Haͤuser, und der gruͤne Teppich zieht sich zwischen einigen wilden Strecken von Wald und Felsen herab. Bey der Ansicht dieser praͤchtigen Landschaft wuͤnschet man billig, daß die Kunst etwas dazu beytragen moͤchte, um sie in ihrer ganzen Schoͤnheit zu zeigen. Man duͤrfte nur einen gemeinen Weg (keinen kuͤnstlichen von kurz abgeschornen Rasen, wie in den Blumengaͤrten,) laͤngst dem Abgrunde durch ein kleines dickes Holz anlegen, um auf einmal unvermuthet zu jener Ulme zu kommen, und von dieser herrlichen Scene uͤberrascht zu werden. Die Wirkung wuͤrde groͤßer seyn, und nicht leicht ih- res gleichen in England haben. V Band. P Geht Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter Geht man weiter, so koͤmmt man an eine vorragende mit niedrigen Eschen be- setzte Ecke, von der man den Fluß durch einen dicken Wald erblicket, welches eine sanfte Abwechselung von den vorigen Scenen ist. Rechter Hand erhebt sich ein hundert und sunfzig Fuß hoher Felsen senkrecht aus dem Walde, und ist selbst ganz mit Holz be- wachsen. Man koͤmmt weiter in ein so dickes Holz, daß man nicht um sich sehen, aber wohl das Getoͤse des unten uͤber Felsen wegrauschenden Stromes hoͤren kann, und ge- langet zuletzt an eine Felsenspitze, die hoͤher als alle vorigen ist; und da das Gesicht hier frey ist, so hat man die ganze bewundernswuͤrdige Schoͤnheit des Thales vor Au- gen. Links fließt der Fluß laͤngst dem schoͤnen mit Wald besetzten Abhange, und dar- uͤber weg zeiget sich eine große Strecke von Einzaͤunungen, da immer eine hoͤher liegt als die andere. Von hier hindert einen der dicke Wald eine Weile an der Aussicht, bis man zu der sogenannten Adamsbank gelanget. Hier geht der Felsen weit ins Thal hinein, weswegen man den bisher zuruͤckgelegten Weg sehr gut uͤbersehen kann. Man erstau- net uͤber die senkrechte Hoͤhe der Felsen, die mit uͤberhaͤngenden Baͤumen besetzt sind, und gerade bis an das Wasser hinuntergehen. Hin und wieder gucken die nackten Fel- sen hervor, und geben mit den aus ihnen hervorwachsenden Gestraͤuchen einen wirklich malerischen Anblick. Gegen uͤber stoͤßt der Wald an das Ufer; uͤberhaupt kann man sich keine praͤchtigere Verbindung des Wassers mit der Waldung gedenken. Von der steilen Anhoͤhe ist ein Weg bis in den Grund hinab durch den Felsen getrieben; unten ist ein anderer laͤngst dem Ufer unter dem Gewoͤlbe hoher Baͤume gefuͤhrt. Er hat sanfte Kruͤmmungen, in einem so guten Geschmacke, als man sie fast nirgends sieht. Das Geraͤusche des Flusses ist sehr angenehm; an manchen Stellen ist der Busch duͤnne genug, daß man das Wasser durchschimmern sieht, welches in einem so einsamen und finstern Gange eine treffliche Wirkung thut. Man muß sich wundern, wenn man hoͤrt, daß alle diese Gaͤnge, die Stufen nach dem Felsen hinauf, die Bank oben auf demselben, die Arbeit eines gewissen Mannes sind, der den Leuten im Bade die Stiefeln auszieht. Er hat auch ein Schiffchen, um zum Vergnuͤgen auf dem Flusse zu fahren, angeschafft. Ein solcher Fleiß, und zugleich so viel guter Ge- schmack, verdient Beyfall. Er ist der einzige, der etwas zur Verschoͤnerung von Matlock beygetragen hat. Der gedachte schattigte Gang fuͤhret zu einer Bank, in deren Angesicht der Fluß einen kleinen Fall macht. Dieser Fall sollte umher etwas mit Waldung besetzt seyn. Hernach moͤchte man rathen, den nicht weit davon liegenden Felsen zu besteigen, zumal da ein angenehmer Gang, von dem man allerley Aussichten hat, dahin fuͤhret. Der Felsen ist senkrecht vierhundert und funfzig Fuß hoch, und unten fließt der Fluß in einer sanften von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. sanften Kruͤmmung vorbey. Gegen uͤber steigt ein Huͤgel kuͤhn empor, und zeiget auf seinem Ruͤcken viele Einzaͤunungen. An der einen Seite ist eine steile Felsenspitze, und an der andern ein jaͤher Abgrund von Felsen und Baͤumen. Man sieht auf das alte Bad hinab, und auf den entfernten Huͤgeln liegen große Strecken von Einzaͤunungen. Ueberhaupt betrachtet, muß Matlock die Neugierde eines jeden, der es sieht, befriedigen. Es unterscheidet sich von allen merkwuͤrdigen Plaͤtzen dieser Art in ganz England. Die Felsen zu Keswick sind majestaͤtischer, und das Wasser sowohl da- selbst, als bey dem sogenannten Winandermeer, uͤbertrifft das hiesige weit. Dort suchet die Kunst die Localschoͤnheiten in einem immer schoͤnern Lichte zu zeigen: aber hier ist alles blos Natur. Die natuͤrliche Terrasse am Rande der Abgruͤnde, und die große Abwechselung der Prospecte, die man von derselben uͤbersieht, uͤbertrifft in sei- ner Art alles, was man in England sehen kann. V. Gaͤrten bey Hospitaͤlern . D a Hospitaͤler in Ruͤcksicht sowohl auf die Gesunden, als auch auf die Kranken, außer den Staͤdten anzulegen sind, so verstatten sie noch leichter besondere Gaͤr- ten, die ihnen zugehoͤren. Sie muͤssen demnach in einiger Entfernung von der Stadt und andern stark bewohnten Plaͤtzen, in einer gesunden und anmuthigen Gegend, nicht in Thaͤlern und Niedrigungen, sondern an heitern, von der Sonne erwaͤrmten und vor rauhen Winden beschuͤtzten Hoͤhen, an suͤdlichen Abhaͤngen von Huͤgeln oder maͤs- sigen Bergen, auf einem sehr trockenen Grunde, liegen. Bey einer verhaͤltnißmaͤßi- gen Groͤße muͤssen diese Gebaͤude geraͤumige, heitere und zum Ausluͤften bequem an- gelegte Zimmer, sonnigte Gallerien zum Spazieren oder Sitzen fuͤr die Schwachen, eine Kapelle, oder einen Saal zum Gottesdienst, und eine Apotheke enthalten. Ihr aͤußeres Ansehen muß nichts Finsteres haben, sondern eine gewisse maͤßige Munter- keit, wie ruhige zunehmende Hoffnung der Wiedergenesung mitzutheilen pflegt. Ihre Vorderseite kann mit Inschriften und Sinnbildern, die auf ihre Bestimmung hin- winken, verziert werden. Ein Hospital muß frey liegen, nicht von hohen dumpfigten Mauern, nicht von großen uͤberschattenden Baͤumen eingesperrt seyn. Der Garten muß unmittelbar mit dem Gebaͤude Verbindung haben, oder es vielmehr, wenn es die Lage verstattet, um- kraͤnzen. Denn ein Blick aus den Fenstern in diese bluͤhenden und froͤhlichen Scenen hin belebt schon den Kranken; auch kann er seinen Spaziergang nicht weit suchen. Die Anlagen, die sich gleich von den Thuͤren zu verbreiten anfangen, duͤrfen nicht P 2 weit- Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter weitlaͤuftig, nicht mannichfaltig seyn, wenn sie uͤbrigens nur ihrer Bestimmung ge- maͤß eingerichtet sind. Ein Hospitalgarten soll dem Schwachen einen bequemen Spaziergang, liebliche Erwaͤrmung der Sonne, Erfrischung durch freye Luft, und durch Wohlgeruͤche der Pflanzen geben; giebt er zugleich lebhafte und erfreuende Aussichten, so hat er ein Verdienst mehr. Die Pflanzungen muͤssen sich demnach um kiesigte, trockene Wege winden, die mit Baͤnken und Stuͤhlen besetzt sind. Freye Gruppen haben hier einen Vorzug vor Alleen, die, wenn sie bejahrt werden, oben zuwachsen, und die Luft so leicht feucht und dumpfigt machen. Es darf hier nicht an Schatten fehlen; nur soll er nicht uͤberall herrschen. Demnach muͤssen die Gruppen sich nicht zu eng an einander schließen, sondern viele offene und heitere Zwischenraͤume lassen welche die Luft durch- streicht und die Sonnenwaͤrme erfreut. Sie muͤssen aus keinen traurigen Nadelhoͤl- zern, sondern aus Baͤumen mit hellem schoͤnem Laub, aus lebhaft bluͤhenden und duf- tenden Straͤuchern und Blumen zusammengesetzt werden. In einem Hospitalgarten muß alles zum Genuß der wohlthaͤtigen Freuden der Natur, zum frohen Vergessen aller Schwachheiten und Kuͤmmernisse des Lebens, zu schoͤnern Aussichten in kom- mende Tage aufmuntern; alles muß Heiterkeit seyn und Heiterkeit verbreiten. Keine Scene der Melancholie, kein Denkmal der Sterblichkeit darf sie hier unterbrechen. Die Zwischenraͤume der Gruppen koͤnnen mit schoͤnen Rasen, mit reichen Blumen- pflanzungen belebt werden. Laute rieselnde Baͤche koͤnnen durch blumigte Reviere spie- len, und froͤhliche Wasserfaͤlle aus schattigten Gebuͤschen dem Ohr entgegen rauschen. Viele Pflanzen mit staͤrkenden Wohlgeruͤchen koͤnnen sich hier in große Gruppen ver- einigen. Viele singende Voͤgel sind durch Schatten, durch Ruhe und Freyheit ihrer Wohnungen in diese Gebuͤsche zu locken; mit ihrem Gesang toͤnt Freude in das matte Herz. Zur Verzierung koͤnnen einige wohlgebaute Sitze mit einem Vordach, oder ein heiterer Pavillon dienen, der uͤber eine schoͤne Aussicht herrscht. Noch koͤnnten groͤßere Hospitalgaͤrten sehr schicklich mit Arzeneykraͤutern bepflanzt werden. Dem Kranken wuͤrde der Anblick der Pflanzen, welche die wohlthaͤtige Na- tur zu seiner Genesung bestimmte, nicht gleichguͤltig seyn; er wuͤrde sich bey ihrem Wachsthum interessiren, hier vielleicht eine Lieblingsstelle finden, die er oft mit Ver- gnuͤgen besuchte. Man koͤnnte mit dem Ertrag die Apotheke des Hospitals, vielleicht auch andere Apotheken versorgen, oder doch den Leuten, die fuͤr sie sammeln, bestimmt die Pflanzen hier zeigen, die sie zu suchen haͤtten. Viele Pflanzen dieser Klasse em- pfehlen sich noch durch staͤrkende Geruͤche; und zum wenigsten wuͤrden sie hier keine unerwartete oder unschickliche Erscheinung seyn. VI. Gaͤr- von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. VI. Gaͤrten bey Begraͤbnißoͤrtern . 1. M an hat in Frankreich und Italien schon einen gluͤcklichen Anfang gemacht, die schaͤdlichen Begraͤbnisse aus den Kirchen und Staͤdten zu verbannen. S. 2ten B. S. 58. In der Schweiz hat die Obrigkeit von Genf das erste Beyspiel gegeben, die Todten außerhalb seiner Mauern zu begraben. Joseph, der Weise, hat verordnet, daß alle Begraͤbnißplaͤtze aus der Hauptstadt verlegt, und selbst die Familiengruͤfte in den Kir- chen nicht mehr verstattet werden sollen. Dieß große Muster fordert die deutschen Fuͤrsten zur Nachahmung auf. Auch ist man in einigen katholischen Provinzen des Reichs auf eine fuͤr die Gesellschaft so wohlthaͤtige Veraͤnderung bedacht. Werden die protestantischen Fuͤrsten auch hier noch laͤnger zoͤgern koͤnnen? Die aͤlteste Verschoͤnerung der abgesonderten Begraͤbnißplaͤtze ist die Bepflan- zung mit Baͤumen. Schon bey den Alten gehoͤrte die Cypresse den Graͤbern, so wie die Rose ein Bild des Vergnuͤgens war; sie umpflanzten damit die Grabmaͤler, die sie nicht in duͤstern abgelegenen Winkeln versteckten, sondern an freyen Plaͤtzen, die von vielen Menschen besucht wurden, und selbst an den Landstraßen anlegten, mit Mo- numenten und Inschriften belebten, und zugleich lehrreich machten. Die Tuͤrken begraben außerhalb der Stadt. Sie geben sich viele Muͤhe, ihre Begraͤbnißplaͤtze durch Bepflanzung mit wohlriechenden Gewaͤchsen angenehm zu ma- chen. Hasselquist fand, besonders auf den Graͤbern bey Smirna, Reise nach Palaͤstina S. 36. hohe Cypref- senbaͤume uͤberall sehr haͤufig, und eine unzaͤhlige Menge Rosmarinstraͤucher, die eben bluͤheten und einen vortrefflichen Geruch verbreiteten. Man pflanzte ehemals in Schottland auf die Graͤber, anstatt der Cypressen, den Taxusbaum. Er scheint schon lange dieser Bestimmung zu gehoͤren. Die Al- ten Caesar de bello Gallico VI. 30. Plinii hist nat. XIV. 10. legten ihm schon die giftige toͤdtende Eigenschaft bey, die einige neuere Er- fahrungen bestaͤtigt haben, und andere wieder zweifelhaft machen. Die Dichter ver- duͤsterten das Reich der Schatten mit Waͤldern von diesem Baum; und Statius Theb. VIII. 9. laͤßt eine Furie mit einem Brand von einem abgehauenen Taxus den abgeschiedenen Seelen auf dem finstern Pfade entgegen gehen, und sie mit dieser Flamme zur Tod- tengesellschaft einweihen. Es erhellt aus mehrern Zeugnissen bey den Alten, daß sie P 3 den Siebenter Abschnitt. Gaͤrten, deren Charakter den Charakter dieses Baums besser kannten, als die Neuern, die noch jetzt ohne alle Ueberlegung ihn in ihren Lustplaͤtzen stehen lassen. Seine freudenlose Unbeweglichkeit, sein finsteres Braun, das zwischen den weißen Grabsteinen und Trauermaͤlern eine so ernste Feyerlichkeit verbreitet, bestimmt ihn zu einem Nachbar der Todten, und nicht zum Gesellschafter der Lebendigen. Die Bepflanzung der Begraͤbnißoͤrter fand Forster selbst auf der Insel Mid- delbourgh , so wie auf den Societaͤtsinseln. Die Einwohner waͤhlten dazu den Ca- suarinabaum. Und wirklich schickt er sich wegen seiner braungruͤnen Farbe und der lan- gen niederhaͤngenden Aeste, an welchen die schmalen und faserigten Nadeln duͤnn und traurig abwaͤrts stehen, zu der Melancholie solcher Plaͤtze eben so gut, als die Cypresse. Vermuthlich hat man auch in diesem Theil der Welt den Casuarinabaum, aus einer aͤhnlichen Verbindung von Ideen, zum Baum der Trauer ausersehen, als die Cy- presse dazu gewaͤhlt ward. Forsters Reise um die Welt ꝛc. 4. Berlin 1778. 1ster B. S. 333. Die Bepflanzung der Begraͤbnißoͤrter diente nicht blos zur Bezeichnung der Stellen, wo der Rest von einem Geliebten versenkt lag, sondern auch zu einer gewis- sen Reinigung der Luft, indem die Baͤume und Pflanzen die boͤsen Ausduͤnstungen vermindern, oder sie doch weniger schaͤdlich machen. Sie locken zugleich zu einem laͤn- gern Verweilen an den Plaͤtzen, wo so viele ruͤhrende Denkmaͤler zu interessanten Er- innerungen und Betrachtungen auffordern, wo der Tod selbst die Weisheit des Le- bens lehrt. 2. Begraͤbnißplaͤtze, die demnaͤchst außer den Staͤdten anzuweisen find, muͤssen eine Lage haben, die reinigenden Winden den Zugang verstattet, und eine ruhige, einsame und ernste Gegend. Sie gehoͤren zu der melancholischen Gattung von Gaͤrten. Der Platz muß allerdings durch niedrige Mauern, oder Graben, oder Zaun eine Beschuͤtzung, aber keine aͤngstliche Einsperrung haben. Kein heller See, keine weiten froͤhlichen Ge- filde in der Aussicht, keine heitern Rasen in dem innern Bezirk. Ein finsterer angraͤn- zender Tannenwald, ein dumpfigtes Gemurmel fallender Wasser in der Naͤhe, ver- mehrt die heilige Melancholie des Orts. Die Baͤume muͤssen durch braunes und dunk- les Laub die Trauer der Scenen ankuͤndigen; Nadelhoͤlzer gehoͤren besonders wegen ihrer Steifigkeit und ihres Ernstes in diese Pflanzung. Diese Baͤume koͤnnen bald einzeln uͤber den Graͤbern sich erheben, bald sich in dichte Gruppen und in kleine dunkle Hayne zusammen schließen, die zugleich von wohlriechenden Pflanzen duften. Diese Gruppen und Hayne koͤnnen selbst die Graͤber merkwuͤrdiger Personen in sich fassen, und durch Denkmaͤler und Inschriften veredelt werden, die dem Spaziergaͤnger Em- pfindun- von besondern Bestimmungen abhaͤngig ist. pfindungen oder Betrachtungen anbieten, die er auf der geraͤuschvollen Buͤhne der Welt nicht findet. Hie und da koͤnnen uͤber den frey liegenden Graͤbern zerstreute Gruppen trauern, oder kleines Gestraͤuch mit stillem Mitleiden uͤber den weißen Stein hinhaͤngen. In den Gruppen koͤnnen einfame Sitze am Fuß der Graͤber stehen, und das Auge ploͤtzlich auf eine uͤberraschende Inschrift fallen lassen. Bedeckte Hallen mit weinenden Bildern des Schmerzes in halb oder ganz er- habener Arbeit, oder mit kurzen ruͤhrenden Inschriften, oder mit erhabenen Lehren an den umher wandelnden Sterblichen; Trauergebaͤude, S. 3ten B. S. 56 und 57. Todtenkapellen, Sitze der Melancholie, S. 4ten B. S. 90. Denkmaͤler, S. 3ten B. S. 139 u. s. w. die sich hier haͤufen, und daher eine große Man- nichfaltigkeit der Erfindung fordern, gehoͤren zu den Verzierungen eines großen mit Geschmack angelegten Begraͤbnißplatzes. Sie koͤnnen sich bald in den duͤstern Bezirk schattenreicher Pflanzungen verschließen, bald an der ploͤtzlichen Wendung eines dun- keln Ganges uͤberraschen, bald zwischen den Gruppen hin in der Ferne erscheinen, und das zweifelnde Auge zu sich rufen. Doch darf kein Monument entbloͤßt und frey in seinem vollen Lichte da stehen; es muß sich halb hinter dem Schleyer eines Baums zu verbergen suchen, oder, von irgend einem Gestraͤuch beschattet, in einer kleinen Daͤm- merung zu schlummern scheinen. Diese Scenen sind hier einer großen malerischen An- ordnung faͤhig. Die Lichter und Schatten fallen hier zwischen den dunkeln Pflanzun- gen und den weißen Steinen der Grabmaͤler staͤrker, und koͤnnen zu außerordentlichen und lebhaft uͤberraschenden Wirkungen vertheilt werden. Das Ganze muß ein großes, ernstes, duͤsteres und feyerliches Gemaͤlde darstellen, das nichts Schauerhaftes, nichts Schreckliches hat, aber doch die Einbildungskraft erschuͤttert, und zugleich das Herz in eine Bewegung von mitleidigen, zaͤrtlichen und sanftmelancholischen Gefuͤhlen versetzt. Sollte ein oͤffentlicher Begraͤbnißplatz, in diesem Geschmack veredelt, nicht eine verdienstliche Anlage bey Residenzen und andern großen Staͤdten, nicht eine lehrreiche Schule fuͤr alle Klassen von Buͤrgern, nicht ein unterhaltender Spaziergang fuͤr den Weisen, nicht ein erwuͤnschter Zufluchtsort der nachweinenden Liebe seyn, Die allem feind, womit sich Menschen troͤsten, Der Stille hold, worinn sie sich verschließt, Und nie vergnuͤgt, als wenn ihr Leid am groͤßten, In Thraͤnen frey und unbehorcht zerfließt? v. Haller. Achter Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Achter Abschnitt . Gartenmaͤßige Verschoͤnerung einzelner Theile eines Landsitzes. I. Vorplatz vor dem Lustschlosse oder Landhause. D er Vorplatz vor einem Lustschlosse oder Landhause verdient Aufmerksamkeit, so- wohl wegen seiner genauen Verbindung mit dem Gebaͤude, als auch, weil er ein Ort des Aufenthalts und des Vergnuͤgens zu seyn pflegt. Ein jedes Gebaͤude von einiger Wichtigkeit verlangt einen Vorplatz, dessen Groͤße und Einrichtung von dem Werke der Architektur bestimmt wird. Ein edles Landhaus, das, ohne irgend einen ge- raͤumigen Vorplatz, unmittelbar an Kornfeld, Wald oder Gebuͤsch angraͤnzt, verliert nicht wenig von der Wirkung seines Ansehens. Außerdem ist bey Gebaͤuden, dem Ver- gnuͤgen des Landlebens gewidmet, ein Vorplatz fast unentbehrlich. Man tritt dahin in den heitern Stunden des ersten Lichts, oder in der milden Kuͤhlung des Abends; man verweilt hier gerne, man spazieret umher, man unterredet sich, man lieset, man trinkt, man spielt. Der Vorplatz mit seiner Gegend darf demnach nicht leer, nicht duͤrftig seyn; er muß Unterhaltungen fuͤr das Auge und fuͤr den Geist haben. einzelner Theile eines Landsitzes. Außer dem, was schon uͤber diesen Gegenstand bemerkt ist, S. 3ten B. S. 9-14. bieten sich uns hier noch verschiedene einzelne Betrachtungen an. Zwar ist es schwer, uͤber Verschoͤne- rungen dieser Art allgemeine Grundsaͤtze fesizusetzen, wornach man in jedem Fall sicher verfahren koͤnnte. Fast eine jede Gegend hat ihren eigenen Charakter und ihre beson- dern Eigenthuͤmlichkeiten der Lage und der Aussichten, worauf die Kunst bey ihren Verzierungen immer den Blick zu richten hat. Auch der besondere Himmelsstrich, die Winde und mancherley andere oͤrtliche Umstaͤnde, der Charakter des Gebaͤudes, und selbst der Geschmack seines Besitzers koͤnnen merkliche Abweichungen veranlassen. Indessen giebt es doch einige Regeln der Schoͤnheit und des Geschmacks, die in den meisten Faͤllen eine Beobachtung zu fordern scheinen. Lustschloͤsser verlangen, ihres hoͤhern Charakters wegen, den sie von der Wuͤrde sowohl des Bewohners als der Architektur erhalten, einen groͤßern, freyern und rei- cher verzierten Vorplatz, als ein Landhaus, die Wohnung des Adels oder des Man- nes vom Stande. Je ansehnlicher und praͤchtiger das Gebaͤude ist, desto mehr muß sich sein naher Vorplatz durch Groͤße und Kunst der Verschoͤnerung uͤbereinstimmend heben. Auch ist es schicklich, vor dem Auge der Lusischloͤsser Aussichten von Weite und Pracht zu eroͤffnen. Die Verschoͤnerung der Vorplaͤtze gehoͤrt zum Theil der Kunst zu, die hier Statuen und Gruppen von Bildern bald fuͤr sich bestehend, bald als Verzierung der Zugaͤnge, oder der Springwasser, Vasen und andere Werke der Bildhauerey aufzu- stellen pflegt. Allein diese Werke schicken sich doch mehr fuͤr Lustschloͤsser und edle Landhaͤuser, als fuͤr Landsitze von einem mittlern Charakter. Sie muͤssen sich aus- serdem nicht blos durch das Verdienst der Kunstbearbeitung auszeichnen, zumal da ihre freye Stellung sie der schaͤrfern Beurtheilung aussetzt, sondern auch Vorstellun- gen aus den Scenen der schoͤnen Natur und des Landlebens enthalten, wodurch sie der Bestimmung der Gebaͤude zuwinken; sie muͤssen ferner mit weiser Sparsamkeit und Wahl angebracht werden. Der glaͤnzende Marmor oder der weiße Anstrich macht eine treffliche Wirkung, wenn sie auf gruͤnen Rasen erscheinen. Diese Rasen sind die angenehmste Bekleidung der Vorplaͤtze. Ein sandigter Boden ermuͤdet und schwaͤcht das Auge; Muscheln, Porzellanstuͤcke, gefaͤrbte Steine u. s. w. sind die elendesten Spielwerke der alten kindischen Manier; aber ein gruͤner Rasen ist liebliche Natur und Erfrischung fuͤr den Anblick. Und diese Rasen koͤnnen bey allen Arten der Landgebaͤude von dem koͤniglichen Lustschloß bis zu der bescheidenen Huͤtte V Band. Q Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Huͤtte des Landmanns zum Teppich der Vorplaͤtze dienen. Sie gewinnen ein schoͤne- res Ansehen, wenn sie sich von dem Gebaͤude allmaͤlig mit sanften Abhaͤngen hinab- schmiegen, und sich nach und nach an die Landgegend anschließen, oder sich darinn verlieren. Wenn sie in einer betraͤchtlichen Strecke fortgehen, so moͤgen sie hie und da zu kleinen Erhebungen, mit Blumen oder Straͤuchern bepflanzt, aufschwellen, und sich wieder senken; nur duͤrfen sie in der Naͤhe des Gebaͤudes noch keine zu merkliche Ungleichheiten zeigen, noch dadurch den Genuß einer interessanten Aussicht mindern. Auf den Rasen, zwischen welchen sowohl fuͤr die Zufahrt als auch fuͤr die Fuß- gaͤnger feste kiesigte Raͤume sich oͤffnen muͤssen, machen bald kleine Sammlungen von Blumen, bald hingestreute Pflanzungen von niedrigen Straͤuchern, bald Gruppen von Baͤumen, die anmuthigste Verzierung aus. Nichts ist laͤndlicher, mannichfal- tiger und reizender, als ein Vorplatz von dieser Verzierung; sie giebt ein Gemaͤlde, das an die schmalen und einfoͤrmigen Oeffnungen der alten geraden Zugaͤnge, wodurch man vom Landhause nicht ohne Muͤhe in die Landschaft hinausguckt, und an die ver- stutzten und halb kahl geschornen Baͤume nur mit Ekel zuruͤckdenken laͤßt. L’acier a retranché leur cime verdoyante. Je n’entends plus au loin, sur leur tete ondoyante, Le rapide aquilon légèrement courir, Frémir dans leurs rameaux, s’eloigner \& mourir. Froids, monotones, morts, du fer qui les mutile Ils semblent avoir pris la roideur immobile. De Lille. Blumen und kleine bluͤhende Straͤucher koͤnnen bald rund umher den Rafen umkraͤnzen, bald seine Winkel bedecken, bald nachlaͤßig zerstreut sich hie und da mit- ten aus feinen Flaͤchen emporheben. Mehr Sorgfalt erfordern die Gruppen der Baͤume, die den gruͤnen Vorplatz schmuͤcken sollen. Hiebey ist zuvoͤrderst zu bemerken, daß uͤberhaupt ganz nahe dicke Waͤlder und große Gebuͤsche die Luft um ein Wohngebaͤude ungesund machen, daß sie aber von frischen Winden und freyen Sonnenstrahlen, denen der Zugang nicht verwehrt ist, rein erhalten wird. Die alten Umzaͤunungen der Landsitze mit hohen Mauern oder dumpfigten Alleen werden schon, auch ohne das Urtheil des Geschmacks, von der Re- gel der Gesundheit verworfen. Demnach muß die Anpflanzung des Vorplatzes aus kleinen Gruppen bestehen, die Licht und erfrischende Luͤste zulassen, und leichte Schatten werfen. Die Baͤume muͤssen, einzelner Theile eines Landsitzes. muͤssen, da sie dem Auge so nahe stehen, um einzeln beobachtet zu werden, schoͤne Staͤmme und einen angenehmen Wuchs haben; sie muͤssen durch das Gruͤn ihres Laubes einen Contrast mit der Farbe des Rasens machen. Wo ein Baum einzeln er- scheint, da mag er mit staͤrkerer Belaubung herabschatten, wie die Roßkastanie oder der amerikanische Platanus. Wo mehrere Staͤmme sich zu einer Gruppe vereinigen, da moͤgen sich Baͤume mit leichtem oder gefiedertem Laube, wie die Zitterespe, der Quitschernbaum, die virginische Robinie, zusammen gesellen. Baͤume mit leicht sich bewegenden Blaͤttern, die mit jedem Luͤftchen dem Auge ein angenehmes Spiel dar- stellen, und wankende Schatten und phantastische Malereyen auf den Boden hin- streuen, sodann Baͤume mit heiterm Laube und mit wohlriechenden Bluͤthen schicken sich vorzuͤglich zur Anpflanzung auf Vorplaͤtzen. Ein Spaziergang zwischen diesen Baͤumen, ein Sitz unter ihrer lieblichen Beschattung ist uͤberaus ergoͤtzend. Die Anordnung der kleinen, einzeln auf dem Vorplatze zerstreuten Gruppen, ist von den Aussichten, die man zum Genuß anbieten will, abhaͤngig. Denn ein heiterer Himmel, eine freye Aussicht in die Landschaft, eine Entwickelung der Natur in ihrem ganzen Reiz, sind die Schauspiele, die hier das Auge sucht, und die nie schoͤner, als zwischen wohlgeordneten Gruppen des Vorgrundes, erscheinen. Baͤume von hohem Wuchs und von besonderer Lebhaftigkeit des Gruͤns empfehlen sich am mei- sten zu Vorgruͤnden, um die Wirkung des Perspectivs zu heben. Die Gruppen wei- chen aus einander, oder schließen sich naͤher an, je nachdem die Aussicht zur Verstaͤr- kung ihrer Wirkung eine groͤßere oder geringere Oeffnung verlangt. Das vornehmste Verdienst der Gruppen, in so fern sie als Mittel der Verschoͤnerung betrachtet wer- den, besteht darinn, daß sie die Landschaft in einzelnen Gemaͤlden und ausgewaͤhlten Perspectiven zeigen, zur laͤngern und mannichfaltigern Unterhaltung. Denn die ganze Masse einer großen Landschaft, die auf einmal uͤberschaut wird, zerstreuet und ermuͤ- det das Auge. Die Baumgruppen des Vorgrundes geben, zur Verschoͤnerung der einzelnen Parthien landschaftlicher Scenen, noch den Vortheil, daß das Auge hier die sanftere Fortschreitung von der Daͤmmerung zum Licht gewinnt, und im Schat- ten wieder ruhen kann. Auch selbst die Wahl der Baͤume nach der Farbe des Laubes und nach der Groͤße kann der Landschaft untergeordnet werden; denn die Farben des Vorgrundes sollen sich, zur Verstaͤrkung der Wirkung, mit den Farben der Land- schaft allmaͤlig verbinden, wozu auch in den Zwischenplaͤtzen kleine Klumpen von Gestraͤuchen wichtige Mittel werden. Laufen nicht weit von der aͤußersten Graͤnze des Vorplatzes Wiesen ab, so ge- ben diese die leichtesten und natuͤrlichsten Verbindungen. Einzelne Baͤume, die ohne Absicht, ohne Wirkung da stehen, oder gar die Uebereinstimmung des Ganzen stoͤren, Q 2 sind Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung sind wegzunehmen. Farben, die zu stark abstechen, muͤssen gemindert werden. Ein Gebaͤude, das eine zu starke Leuchtung hat, ist so lange durch einen Baum oder ein Gebuͤsch zu verdecken, bis die zu sehr blendende Weiße seiner Waͤnde sich mindert, oder das harte Gelbe seines Strohdachs erbleicht, mehr in den Ton des Ganzen stimmt und sich damit verbindet. Wo auch ein unbeweglicher natuͤrlicher Gegenstand der Harmonie des Ganzen Eintrag thut, da ist er durch eine Vorpflanzung zu ver- decken. Ein kleines Gebuͤsch kann zuweilen, in einem bestimmten Abstand gepflanz, das misfaͤllige Ansehen eines fernen duͤrren Sandhuͤgels ganz verhuͤllen. Eine weite Ebene, die ins Unendliche fortlaͤuft, ermuͤdet das Auge, ohne es zu erfrischen. Ihre Einfoͤrmigkeit muß durch Anpflanzung von Baumgruppen, die sich durch Groͤße und Abstaͤnde unterscheiden, und ein in die Ferne sich verlaͤngerndes Per- spectiv geben, oder durch einige Gebaͤude oder Landhuͤtten unterbrochen werden. Eine Heerde, die sich nahe auf der Flur umher zerstreut, kann schon einigen Begriff von Leben uͤber den Anblick einer weiten leeren Landschaft verbreiten. Der nahe Strand des Meeres ist hie und da durch Gruppen von Baͤumen zu bepflanzen, die seine flache Einfoͤrmigkeit mindern. Man waͤhle Baͤume, die im Sande fortkommen, als Birken und Fuhren oder gemeine Kiefern ( Pinus sylve- stris, L. ), und hinter ihnen auf einem bessern Boden Eschen und Ahorne, welche die von den Winden herbey gefuͤhrte Feuchtigkeit aufhalten. Liegt hinter einem Gehoͤlz eine Windmuͤhle, ein Kirchthurm, ein Dorf oder eine Stadt, so laͤßt sich durch ausgehauene Oeffnungen auf diese Prospecte die todte Stille in dem landschaftlichen Gemaͤlde vermindern. Die Vorstellung von Leben und Ge- schaͤftigkeit bricht hervor. Die Entdeckung reicher Hintergruͤnde kann oft eine Land- schaft erfrischen, und schon der bloße Anblick blauer Berge am Horizont erhebt die Seele. Weite, offene, bebauete Felder mit Doͤrfern untermischt, geben ein lachendes Gemaͤlde von Wohlstand und Freude; ein sich vordraͤngender dunkler Wald gewaͤhrt den Begriff von Ruhe und Einsamkeit; ein hell hervorbrechender See erregt das Ge- fuͤhl von Heiterkeit und Freyheit. Lauter Kornfelder, obgleich ihre Abtheilungen sichtbar, ihre Farben verschieden sind, geben doch nur eine einfoͤrmige Aussicht; unterbrochen mit Wiesen, mit Wald, mit Doͤrfern, gewinnen sie mehr Abwechselung und Reiz. Die lebhaftesten Aussichten liefern ein Fluß und ein See; nur muß jener in einer betraͤchtlichen Laͤnge erscheinen, und dieser nicht zu sehr in der Tiefe liegen, die ihn halb dem Auge entzieht. Huͤgel, einzelner Theile eines Landsitzes. Huͤgel, die sanft aufschwellen, sich in allmaͤlige Vertiefungen senken, und dann wieder aufsteigen, stellen, von einer Hoͤhe betrachtet, eine reizende Scene dar. Noch mehr gewinnt sie an Schoͤnheit, wenn die hintern Anhoͤhen in mannichfaltigen Lagen sich uͤber einander erheben, in ihren verschiedenen Absaͤtzen, Flaͤchen und Einbuchten die wandelbaren Lichter und Schatten sich brechen, und auf der obern Spitze ein dunk- ler Wald sich mit ernster Stirne an den Wolken mißt. Von der Hoͤhe des Landhauses der Blick auf eine Sammlung von Haynen und kleinen Waͤldern, mit hellen grasvollen Zwischenraͤumen, hier zur Seite auf einen See, wohin sich die Gehoͤlze von ihren Anhoͤhen herabneigen, dort auf eine Reihe von Wie- sen, worinn einzelne Huͤtten sich im Schatten bluͤhender Obstbaͤume verhuͤllen — welch eine entzuͤckende Aussicht! Die herrlichsten Hintergruͤnde der Landschaft in der Ferne sind hohe dunkle Wal- dungen, blaue in den Duft sich verlierende Gebirge, das Meer mit seinen schwimmen- den Palaͤsten, deren weiße Segel zwischen daͤmmernden Wolken umher flattern. Der Charakter dieser Hintergruͤnde reicht an das Erhabene. Q 3 II. Feld- Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung II. Feldspazierwege . 1. F eldspazierwege, die in ihrer Einrichtung Bequemlichkeit und eine gewisse Schoͤn- heit vereinigen, sind ein sehr angenehmes Eigenthum eines adelichen Landgutes. Sie erfreuen das Auge durch die verlaͤngerte Vorstellung von der Ausdehnung eines anmuthigen Rittersitzes, und kuͤndigen dem Ankommenden, indem er den Boden be- tritt, sogleich den uͤberall aufmerksamen Geist des Besitzers an. Sie koͤnnen, indem sie nach allen Gegenden eines Landguts herumleiten, oft Spaziergaͤnge von einer weit reichern Mannichfaltigkeit laͤndlicher Scenen, und einer weit hoͤhern Schoͤnheit der Aussichten darbieten, als der Park oder Garten selbst, nach ihrem mehr eingeschraͤnk- ten Umfange, und oft nach ihrer Lage, nicht verstatten. Schon die gemeine Einrichtung eines Landguts erfordert Wege zur Verbindung aller Theile; der Besitzer muß bequem in alle Gegenden kommen koͤnnen, um ihre verschiedenen Benutzungen und die Arbeiten seiner Leute zu uͤbersehen. Die Bequem- lichkeit, die Reinlichkeit, die Anmuth, die in seinen Feldwegen herrscht, ist zunaͤchst ein Vortheil fuͤr ihn. Ein sanft unterhaltendes laͤndliches Vergnuͤgen begleitet ihn nun auf dem Wege, worauf ihn seine Geschaͤfte gehen heißen. Er kann mit seiner Familie, mit seinen Freunden, die ihn besuchen, zur gesunden Bewegung weite Spa- ziergaͤnge ins Freye vornehmen, sie uͤberall die Anmuth seiner Gegenden genießen las- sen, und sie leichter mit der Uebersicht seiner oͤkonomischen Einrichtungen unterhalten. Bequeme und anmuthige Feldspazierwege sind die geringste Anlage, die man in einem Landgute machen kann. Ein Rittersitz, der sonst keine Verschoͤnerungen hat, sollte doch wenigstens in diesem Theil keine Vernachlaͤßigung zeigen. Er kann seine dichten Waͤlder, selbst zum bessern Wachsthum ihrer Baͤume, mit Spaziergaͤngen eroͤffnen, und den zur Bearbeitung des Feldes und zur Einfuͤhrung der Fruͤchte unent- behrlichen Wegen eine Umpflanzung geben, worinn das Anmuthige zugleich das Nuͤtz- liche umarmt. Es wuͤrde das Vorurtheil eines platten, gewinnsuͤchtigen Pachtergei- stes seyn, wenn man glaubte, daß diese Gattung von Verschoͤnerung, wenn sie von Ueberlegung begleitet wird, den nuͤtzlichen Ertrag der Laͤndereyen schmaͤlerte. 2. Die Feldspazierwege, die sich bald fuͤr den Fahrenden und Reitenden erweitern, bald sich in Pfade fuͤr die Fußgaͤnger verengen, gewaͤhren auf gewisse Weise die Er- goͤtzung einer kleinen Landreise. Sie koͤnnen alle Abwechselungen von Scenen und Aussichten einzelner Theile eines Landsitzes. Aussichten einer wohlangebaueten und reizenden Landschaft unter ihren Gesichtspunkt fassen, und auf den Gewinn dieses Vortheils muß ihre Anordnung, so viel als moͤg- lich, gerichtet seyn. Sie koͤnnen bald zwischen duftenden Wiesen und fruchtbaren Kornfeldern, bald auf heitere Anhoͤhen, bald neben erfrischenden Gewaͤssern hin, bald in die Kuͤhlungen eines schattigten Waldes, bald einer heerdenreichen Weide vorbey, bald durch ein schoͤnes reinliches Dorf fuͤhren. Wo irgend die Ueberraschung oder die allmaͤlig sich erweiternde Wonne einer reizenden Aussicht zu gewinnen ist, da muß der Weg, wenn ihn nichts hindert, sich hinwenden, um sie aufzufassen. Es ist oft leicht, die Fehler der Aussichten durch Pflanzungen zu verbergen, oder sogar zu ver- bessern. Zuweilen wird das Auge durch einen Haufen einzelner, unordentlich zer- streuter, krummer, oder von dem Raub der Zeit und der Gewitter halb zerstoͤrter Baͤume, die auf den Feldern stehen, aufgehalten und beleidigt. Man haue sie weg, da sie keinen schoͤnen Vorgrund bilden; man pflanze hie und da kleine Gruppen von andern nuͤtzlichen Baͤumen hin, die das Auge ergoͤtzen und es zwischen ihnen hin nach malerischen Durchsichten in die Ferne locken. Ein kahler Huͤgel hat ein todtes Anse- hen; werden einige Baͤume mit wallendem Laube an seinen Abhaͤngen hingepflanzt, so gewinnt er Leben. So kann ein kleiner Wasserfall, der ohne viel Muͤhe von einem durchlaufenden Bach in einem Wiesengrund angelegt wird, in seiner Naͤhe umher eine sehr angenehme Wirkung haben. Waldgaͤnge gehoͤren zu den anmuthigsten, weil sie den Schatten geben, der auf den offenen Feldspazierwegen fehlt. Denn diese verstatten nicht uͤberall Umpflanzung; und in den mildern Stunden des Morgens und des Abends, die nur das Streiflicht verschoͤnert, und keine blendende Glut des Lichts beschwert, ist uns der Anblick der of- fenen Fluren und der weiten Gewoͤlbe des Himmels nicht wenig erfreulich. Wald- gaͤnge muͤssen uͤbrigens sich nicht weit von dem Nachlaͤßigen und Wilden ihrer Gegend entfernen; jeder Anschein einer gesuchten Regelmaͤßigkeit ist hier schon ein Eingriff in das Vorrecht der Natur; und felbst ein langer gerader durchschneidender Weg, der keine oͤffentliche Landstraße ist, beleidigt das Gefuͤhl, indem er ohne Noth die Schoͤn- heit eines Gehoͤlzes zerstoͤrt. Ganz nahe an dem Weg muͤssen hin und wieder wilde Rosen, der Spindelbaum, das Geißblatt und andere vorzuͤgliche Straͤucher mit dem Untergebuͤsch sich mischen, oder wohlriechende und schoͤnfarbigte Feldblumen in dicken Klumpen zusammengepflanzt werden. Die im Freyen laufenden Feldspazierwege sind, wie oben bemerkt ist, nicht uͤberall einer schattigten Umpflanzung faͤhig, weil das Nutzbare, das hier gebietet, die Verschoͤnerung zuweilen nicht neben sich zulaͤßt. Allein diese Wege koͤnnen bald mit eintraͤglichen Fruchtbaͤumen auf den Seiten eingefaßt werden, bald zwischen ganzen Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung ganzen Gruppen von ihnen fortlaufen, bald einen großen Baumgarten durchstreichen, wo das Auge sowohl von den mancherley Bluͤthen, als auch den reifenden Fruͤchten, sehr angenehm unterhalten wird. Auch zwischen den Feldern koͤnnen ansehnliche Klum- pen von Obstbaͤumen erscheinen, und in gewissen Entfernungen vom Wege die Aus- sicht erfrischen. Kleine Zaͤune koͤnnen sich hier selbst von Fruchtstraͤuchern bilden, und zuweilen mit neuer Anmuth neben den Lustpfaden hinlaufen. Doch muß alles mehr sorglos hingestreut, als bedaͤchtig angepflanzt scheinen, und sich dem freyen und un- geschmuͤckten Reiz der Landschaft naͤhern. In den weitern Entfernungen von den Wohngebaͤuden und den Doͤrfern sind die Pflanzungen, welche, so uͤberlegt sie auch seyn moͤgen, doch den Anschein eines natuͤrlichen Entstehens haben, jeder genauen Re- gelmaͤßigkeit vorzuziehen, und daher hat selbst eine wilde Gruppe von Fruchtbaͤumen einen Vorzug vor einer Allee, die aus eben diesen Baͤumen besteht. Die Natur zeigt oft in der Bildung ihrer wilden Pflanzung so viel Schoͤnheit, daß der Kunst fast nichts zum Zusatz oder zur Abaͤnderung uͤbrig bleibt. Buschigte Umzaͤunungen der Feldwege ergoͤtzen das Auge auf eine mannichfal- tige Art. Im Fruͤhling sind ganze Stellen dieser Gebuͤsche von den Bluͤthen des Schleedorns und des Weißdorns uͤberschneyt, und den erhoͤheten Rand der Zaͤune zieren Veilchen, Schluͤsselblumen, Maßlieben, und die Bluͤthen der Erdbeerpflan- zen. Im Sommer begruͤßen die wilde Rose, der Hollunder und das Geißblatt mit ihren Wohlgeruͤchen den Vorbeygehenden. Und im Herbst weidet sich sein Auge an den Farben der beerentragenden Straͤucher. Zugleich sind diese Umzaͤunungen der Aufenthalt vieler Singvoͤgel, die den Weg beleben. Feldspazierwege muͤssen besonders zu den angenehmsten Stellen eines Landsitzes umherleiten und sie mit einander verbinden. Solche Stellen koͤnnen durch ein Ge- baͤude, durch einen Sitz, durch ein Gelaͤnder am steilen Abhang, und durch irgend ein anderes Merkmal der Bezeichnung dem Auge ankuͤndigen, daß sie sich durch ihre Schoͤnheit uͤber die uͤbrigen Gegenden erheben. Eine Huͤtte, ein Borkhaus, oder ein anderes laͤndliches Gebaͤude kann zugleich zur Aufnahme einer Gesellschaft eingerich- tet werden. Es hoͤrt sodann auf, blos ein Gegenstand der Verzierung zu seyn; selbst die Bezeichnung des Orts ist nicht mehr seine einzige Bestimmung; es wird zugleich durch seinen Nutzen erheblich, indem es bey dem Ueberfall eines Regens seinen Schirm anbietet, und zu gesellschaftlichen laͤndlichen Ergoͤtzungen dient; und liegt es in einiger Entfernung von dem Wohnhause, so behaͤlt es, da es kein bestaͤndiger Pro- spect ist, noch einen gewissen Reiz der Neuheit, den oft die naͤchsten Plaͤtze, die am meisten besucht werden, allmaͤlig zu verlieren pflegen. Ein solches Gebaͤude kann zu- weilen in einem besondern Theil die Wohnung eines einzelnen alten Greises ent- halten, einzelner Theile eines Landsitzes. halten, der hier seine letzten Tage verlebt, oder eines noch geschaͤftigen Mannes, der eine benachbarte Baumschule zu warten oder eine andere laͤndliche Anstalt zu be- wachen hat. Zu dieser Gattung von Anlagen gehoͤren noch Feldthore und Bruͤcken. Sie duͤrfen hier nichts von der Zierlichkeit und Feinheit fordern, wozu sie in den ausge- bildeten Auftritten der Gaͤrten berechtigt sind, sondern verlangen vielmehr einen ge- wissen rohen und einfaͤltigen Charakter der Bauart. Feldthore bey Eingaͤngen in ausgedehnte Fluren und Gehoͤlze muͤssen sich durch ein groͤßeres Ansehen von Staͤrke und Festigkeit auszeichnen; sind sie ein Zubehoͤr kleiner Bezirke von Wiesen, von Pflanzungen und Baumgaͤrten, so koͤnnen sie sich schon durch mehr Leichtigkeit und landmaͤßige Zierde unterschelden. Sie koͤnnen hier selbst einen weißen Anstrich fordern, da sie im ersten Fall sich mit dem weniger lebhaften Grauen begnuͤgen. Fast eben so verhaͤlt es sich mit den Bruͤcken. Sie koͤnnen bald aus unbeschaͤl- ten Knoͤppeln, bald aus einem Brete mit einer gemeinen Lehne, bald aus rohen uͤber einander geworfenen Feldsteinen, bald aus gemauerten Boͤgen gebildet werden. Sie muͤssen mit Sicherheit und Bequemlichkeit bald ein starkes, bald ein leichteres, bald ein ganz rohes, bald ein etwas geschmuͤcktes Ansehen verbinden. Ihr verschie- dener Charakter richtet sich nach den Gegenden, wo sie angelegt sind, und nach den Oertern, wohin sie fuͤhren. Eine ganz rohe, aus unbehauenen Bretern oder alten Baumaͤsten hingeworfene Bruͤcke schickt sich fuͤr die wilde Gegend eines Waldbachs; eine starke Steinbruͤcke ist dem Zugang in ein Dorf oder zu einer Wassermuͤhle an einem reißenden Strom angemessen; und eine leichter von Holz gebauete weißange- strichene Bruͤcke mit einem huͤbschen Gelaͤnder kuͤndigt die Naͤhe einer zierlichen Meyerey an. 3. Die vielen Gelegenheiten zur Verschoͤnerung der Landguͤter muͤssen unstreitig die Liebe des Adels zum Aufenthalt auf ihnen beleben. Nichts war langweiliger, als die Monotonie der vorigen Gartenmanier, die sich auf einige Alleen und Hecken nahe bey dem Wohnhause einschraͤnkte. Der Adel fuͤhlte die Quaal der Langeweile, und suchte Zerstreuung; er eilte den Ergoͤtzungen großer Staͤdte zu, und verschwendete sein Vermoͤgen. Die Guͤter verfielen in der Abwesenheit des Herrn. Er kehrte zuruͤck, entkraͤftet und ohne Mittel zu ihrer Verbesserung. Jetzt, da der Geschmack an Verschoͤnerungen sich zu verbreiten beginnt, faͤngt auch der Adel mehr an, seine Besitzungen auf dem Lande zu lieben, und sie den kostbaren Zerstreuungen der Stadt vorzuziehen. Ich habe zuweilen gesehen, wie junge Herren, die nur fuͤr die Freude der großen Welt und der Hoͤfe geboren zu seyn schienen, bald sich dem Zauber ent- V Band. R rissen, Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung rissen, zu ihren vaͤterlichen Guͤtern zuruͤckkehrten, und hier mit Geschmack und oft mit einer Art von Begeisterung zu bauen und zu pflanzen anfiengen. Sie fanden hier nicht bloß Beschaͤftigung, sondern auch Unterhaltung und mannichfaltiges Ver- gnuͤgen. Die Bewohnung und Verbesserung der Landguͤter, die sie von ihren Ei- genthuͤmern selbst erhielten, ist nicht selten schon eine Folge von der Ausbreitung des neuen anziehenden Gartengeschmacks gewesen. Der Reichthum, der sonst nur die unnuͤtze Pracht und die Verschwendung in den Residenzen unterhielt, kehrt nun zu seiner wahren Quelle wieder zuruͤck, naͤhrt den nuͤtzlichen Landmann, vermehrt gluͤck- liche Familien, schafft fruchtbare Pflanzungen, erweitert alle Vortheile des Landes fuͤr den Besitzer, und begluͤckt noch mit ihrem Genuß die ferne Nachkommenschaft. III. Meyerey . 1. A ls sich die Gartenbegriffe, die lange so eingeschraͤnkt waren, als der enge Um- fang der Gaͤrten selbst, zu erweitern anfiengen, und aus den groͤßern Parks der Geschmack an Verschoͤnerungen sich auch in die umliegenden Plaͤtze allmaͤlig verbrei- tete; lernte man bald einfehen, daß alle Theile eines Landgutes eines gewissen Schmu- ckes faͤhig sind. Die zufaͤlligen Schoͤnheiten einer malerischen Lage, die hie und da zuweilen dem Auge aufstießen, unterstuͤtzten diese Bemerkungen noch mehr. Ein- zelne Verschoͤnerungen der Kunst, die hin und wieder in den Landguͤtern oft eben so zufaͤllig entstanden, entdeckten, was man in Ansehung des Ganzen ausfuͤhren koͤnnte, ohne dem Nuͤtzlichen Eintrag zu thun. Schon der zierliche weiße Anstrich eines Pachterhauses, der sein Ansehen gegen das dunkle Gruͤn eines hinter ihm liegenden Waldes auszeichnete, reizte den Blick in der Ferne und erregte zugleich eine ange- nehme Vermuthung von der innern Reinlichkeit. Der gute Geschmack der Archi- tektur fieng, besonders in England, an Dieß zeigen unter andern folgende Architekturwerke. Useful Architecture for Erecting Personage-Houses, Farm-Hou- ses and Jans etc. by William Halfpenny, Architect and Carpenter. 8. London 1760 mit 20 K. T. 3te Ausgabe. Die 2te Aus- gabe kam unter dem Titel: Twelve beau- tiful Designs for Farm-Houses etc. zu London in 4. 1759 heraus. The Gentle- man and Farmer’s Architect: a new Work. Containing a great variety of useful and Genteel Designs. Being cor- rect , sich auch uͤber Meyereyen, Pachterwoh- nungen uud die zur Landwirthschaft gehoͤrigen Gebaͤude auszubreiten. Man sahe demnach, einzelner Theile eines Landsitzes. demnach, daß ein Viehhof in einem buschichten Gehoͤlze oder eine Menagerie vom zahmen Gefluͤgel in einem waldigten Winkel nebst der Huͤtte des Aufsehers ein ange- nehmes laͤndliches Gemaͤlde machten, daß ein Milchhaus im Schatten durch Lage und Bauart ein gefaͤlliges Ansehen gewinnen konnte, daß sich uͤberall in das Nuͤtzli- che einige Verschoͤnerungen einstreuen ließen, ohne den wirthschaftlichen Gebrauch einzuschraͤnken. 2. In England war es der vortreffliche Whately Observations on modern Gardening S. 161. u. f. , der zuerst einige richtige Bemerkungen uͤber diese Verschoͤnerung einer Laͤnderey oder Meyerey ( ornamented Farm ) bekannt machte. Viele von den groͤßten Schoͤnheiten der Natur, sagt er, werden in den Feldern gefunden, und sie begleiten die gewoͤhnliche Verfassung des Landbaues. Waldung und Wasser kann hier in verschiedenen Gestalten und Lagen gezeigt werden. Man kann die Umzaͤunungen erweitern oder theilen, und ihnen alle Einfassungen geben, die man nur will. Eine jede kann ein angenehmes Stuͤck Landes ausmachen, und zusammen koͤnnen sie reizende Aussichten erzeugen. Die Saatfelder, die Triften, die Wiesen koͤnnen auf einander folgen, und zuweilen kann, ohne eine Unschicklichkeit zu besorgen, eine kleine Wildniß mit untergemischt werden. Kurz, hier findet eine jede in einem unbezaͤunten Lande nicht ungewoͤhnliche Schoͤn- heit Statt, sie mag nun aus einer Vernachlaͤßigung oder aus einer Verbesserung ent- stehen. — Auch die Gebaͤude, die in einer solchen Landschaft haͤufig vorkommen, sind oft reizende Gegenstaͤnde. Die Kirche und der Landsitz gehoͤren zu den ansehn- lichsten. Selbst die Wirthschaftsgebaͤude, wenn sie sich in einer vvrtheilhaften Lage befinden; die Staͤlle, Scheunen und Nebengebaͤude, wenn sie mit der Absicht, sie in Gruppen zu verbinden, angelegt sind, (und sie lassen sich mit Baͤumen sehr schick- lich verbinden) machen zusammen eine malerische Zeichnung aus. Einige von solchen Gebaͤuden koͤnnen von der Gruppe getrennt, und hie und da in den Feldern ange- bracht werden. Das Taubenhaus oder der Milchkeller koͤnnen von den uͤbrigen ab- gesondert seyn; sie koͤnnen in ihrer Anlage schoͤn seyn, und uͤberall, wo sie die beste Wirkung haben, hingebauet werden. Eine gewoͤhnliche mit einer Menge von Baͤu- men begleitete Scheune ist bisweilen in der Ferne sehr schoͤn; eine hollaͤndische Scheune ist es in der Naͤhe; und ein Heuschober ist insgemein in jeder Lage ein an- R 2 genehmer rect Plans and Elevations of Personage and Farm-Houses by T. Lightoler, Ar- chitect. London. 4. 1764 mit 25 Kupferta- feln, worunter N. 2 und 9 die besten Vorstel- lungen enthalten. Designs and estimates of Farm-Houses etc. by Daniel Garret. 2te Auflage fol. London 1759 mit 9 Kupfer- tafeln. Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung genehmer Umstand. Diese alle koͤnnen einzeln angebracht werden; und außer ihnen sind alle Arten von Bauerwohnungen schicklich. Unter so vielen Gebaͤuden koͤnnen einige zu andern Absichten angewendet werden, als ihre scheinbare Einrichtung anzu- zeigen scheint; und ihre aͤußerliche Gestalt mag beschaffen seyn, wie sie will, so koͤn- nen sie doch inwendig einen angenehmen Ort des Aufenthalts, zur Erfrischung, zum Zeitvertreibe, oder zur Bedeckung vor dem Wetter, abgeben. Diese Bemerkungen begleitet Whately mit der Beschreibung von Woburn, bey Meybridge in Surry, die er fuͤr die vollkommenste Ausfuͤhrung in dieser Gat- tung von Verschoͤnerung haͤlt, nachdem er vorher eine Schilderung von den beruͤhm- ten Leasowes S. den 4ten B. S. 247 u. f. oder Hinterfeldern gegeben. Die geschmuͤckte Laͤnderey oder Meyerey zu Woburn enthaͤlt hundert und funfzig Morgen Landes, wovon beynahe fuͤnf und dreyßig bis auf den hoͤchsten Grad verschoͤnert sind; von den uͤbrigen sind ohngefaͤhr zwey Drittheile zu Tristen, und das dritte zum Ackerbau bestimmt. Dennoch aber verbreiten sich die Verzierungen uͤber ein jedes besonderes Stuͤck. Denn sie sind laͤngst an den Seiten eines Spaziergan- ges angebracht, der nebst seinem Zubehoͤr einen breiten Zirkel rund um die Triften beschreibt, und durch Saatfelder, wiewohl viel schmaler, fortgefuͤhret ist. Dieser Weg ist eigentlich ein Garten; alles innerhalb desselben ist Laͤnderey, welche ganz an den zwo Seiten eines Berges und auf einer Ebene an dem Fuße desselben ange- bracht ist. Die Ebene ist in Felder abgetheilt; und die Triften nehmen den Berg ein. Sie werden von dem Spaziergange eingeschlossen, und von einem andern Wege durchschnitten, der uͤber die Hoͤhe des Berges fuͤhret, welcher gleichfalls praͤchtig geziert ist, und die Triften in zwo Fluren theilet, deren jede ganz und gar mit Garten eingefaßt ist. Diese sind von sich selbst einnehmend: in beyden hat der Boden eine sehr schoͤne Lage. Es wechseln theils Klumpen, theils einzelne Baͤume darauf ab; und die Gebaͤude auf dem Spazierwege scheinen mit ihnen verbunden zu seyn. Auf dem Gipfel des Berges ist ein großes achteckigtes Haus; und nicht weit von demselben zeigen sich die Ruinen von einer Capelle. Von der einen Flur sieht man diese Rui- nen, auf der Hoͤhe eines gemaͤchlich ansteigenden Huͤgels, auf den Seiten und im Ruͤcken mit Gruppen von Baͤumen eingeschlossen; von der andern erscheinet das Acht- eck auf dem hohen Rande eines steilen Absturzes und an der Seite eines artigen Hayns, der sich von dem Abhange herabneigt. Diese Flur wird auch noch durch ein zierliches gothisches Gebaͤude verschoͤnert; die erstere aber unterscheidet sich durch das Wohnhaus, und durch eine Laube am Eingange. Und in beyden trifft man be- staͤndig einzelner Theile eines Landsitzes. staͤndig etwas weniger betraͤchtliche Gegenstaͤnde an, als Sommerhaͤuser, Huͤtten und Bruͤcken. Indessen aber sind die Gebaͤude nicht die einzigen Verschoͤnerungen des Spa- zierganges. In einer ansehnlichen Strecke des Weges wird ihm die Aussicht auf das Land von einer dicken und hohen Hecke benommen, welche mit Geißblatt, Jas- min und andern wohlriechenden Gewaͤchsen durchflochten ist, deren Zweige die dich- rern Aeste der Hecke umwinden. Ein groͤßtentheils mit Sande oder Kies bedeckter Fußsteig gehet in einer gebogenen Linie bald nahe unter der Hecke, bald in einer klei- nen Entfernung vor derselben dahin; und der gruͤne Rasen zu beyden Seiten erhaͤlt von Gruppen niedriger Straͤucher, von Tannen, oder den kleinsten Baͤumen und oft von Blumenpflanzungen seine Abwechselung. Diese letztern sind nur allzu ver- schwenderisch herumgestreut, so daß sie dem Auge beynahe unangenehm werden; im Gegentheil aber erfuͤllen sie auch die ganze Gegend mit ihren Geruͤchen, und ein je- des Luͤftchen ist mit einem angenehmen Dufte erfuͤllt. Jedoch ist die Verzierung an einigen Orten weit gemaͤßigter: indem der Spaziergang durch groͤßere Gehoͤlze von immer gruͤnen Waldbaͤumen, durch Gebuͤsche von hangenden Straͤuchern, oder durch weit ansehnlichere lichte Pflanzungen dahin laͤuft. An dem einen Platze ist er voll- kommen ungekuͤnstelt, ohne einen einzigen Zusatz, ohne Kies, ohne einige niedrige Umzaͤunung, welche ihn von der uͤbrigen Flur abschneiden koͤnnten; denn er unter- scheidet sich nur durch den Reichthum seines belebten Gruͤns, und durch die Sorg- falt, welche man auf seine Erhaltung wendet. In den Saatfeldern ist er gleich- falls gruͤn und berafet, indem er der Richtung der Hecken folgt, welche die verschie- denen Stuͤcke einschließen. Diese Hecken werden bisweilen durch bluͤhende Gestraͤu- che verdicket; und in jedem Winkel, oder offenen Platze, ist ein Rosengebuͤsch, oder eine bald dichtere bald zerstreutere Menge von Baͤumen, oder auch eine Blumen- pflanzung. Ist aber der Boden zur Verschoͤnerung der Felder mit großem Fleiß zugerichtet worden; so hat man auf der andern Seite viele fuͤr einen Garten neue Ge- waͤchse von der Landgegend entlehnt; und die Straͤucher und Blumen, die man der einen besonders eigen zu seyn glaubt, sind dem andern im reichen Ueberflusse mitge- theilet worden; und ihre Anzahl scheinet sich vermittelst ihrer Ordnung in so vielen und so verschiedenen Gegenden zu vervielfaͤltigen. Dennoch aber wuͤrde ein einge- schraͤnkterer Gebrauch derselben besser, und eine weniger ausschweifende Abwechselung reizender gewesen seyn. Allein das Uebertriebene zeiget sich blos in den Einfassungen des Spazierweges. Die Scenen, durch welche er fuͤhret, sind wirklich schoͤn, uͤberall reich, und allezeit angenehm. Eine außerordentliche Munterkeit verbreitet sich uͤber beyde Fluren; und R 3 diese Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung diese entstehet nothwendig aus der Menge und Pracht der auf denselben befindlichen Gegenstaͤnde, aus der Vorleuchtung der Gebaͤude, aus den Ungleichheiten des Bo- dens, und aus den Verschiedenheiten der Pflanzungen. Obgleich die Klumpen und Hayne fuͤr sich besonders sehr klein sind, so haͤufen sie sich doch oft vermittelst der Perspectiv, und ziehen sich in ansehnliche Gruppen zusammen, die in ihren Figuren, Schattierungen und Lagen reizend werden. Von der Hoͤhe des Berges hat man zwo vortreffliche Aussichten vor sich. Die eine ist lustig und erstrecket sich weit uͤber eine fruchtbare Ebene, die von der Themse gewaͤssert und theils von dem St. Annens- Berge, theils von dem Schlosse zu Windsor unterbrochen wird. Eine Wiese von einem großen Umfange und von einer besondern Lebhaftigkeit liegt gleich vor den Augen in der Tiefe, indem sie sich zugleich bis an die Ufer des Flusses verbreitet; und jenseit desselben ist die Gegend mit Laͤndereyen, Doͤrfern und allen moͤglichen Spuren des Reichthums und der Bearbeitung angefuͤllt. Die andere Aussicht hat mehr Waldung. Ein Kirchthurm, oder die Thurmspitzen von Landwohnungen stei- gen bisweilen uͤber die Baͤume hinauf; und der verwegene Schwibbogen von der Waltonbruͤcke ist hier ein sehr deutlicher Gegenstand, der nicht nur ein sonderbares, sondern auch ein majestaͤtisches Ansehen hat. Die auf der Ebene eingeschlossenen Felder erscheinen weit einsamer und stiller; ein jedes ist auf sich selbst eingeschraͤnkt; und alle zusammen machen einen angenehmen Contrast mit der freyen Gegend, die sich uͤber ihnen eroͤffnet. Mit den Schoͤnheiten, die einen Garten zu beleben vermoͤgend sind, vermi- schen sich uͤberall verschiedene Eigenschaften einer Laͤnderey. Beyde Fluren sind voll davon. Das Schreyen des Hornviehes, das Bloͤken der Schaafe, und das Klin- geln der Schellen erschallet durch alle Pflanzungen. Selbst das Geschrey des Fe- derviehes ist nicht vergessen. Denn nicht weit von dem gothischen Gebaͤude ist ein Huͤnerstall von einer sehr einfachen Anlage angebracht; das auf dem Wasser lebende Gefluͤgel hat man mit einem kleinen geschlaͤngelten Flusse versorgt: und das andere gehet unter den blumigten Straͤuchern an den Ufern desselben herum, oder suchet zer- streut auf der benachbarten Flur seine Nahrung. Die Fruchtfelder sind Vorwuͤrfe, welche mit den Spuren aller laͤndlichen Verrichtungen prangen, die in einer Landge- gend von der Saatzeit an bis zur Erndte erfordert werden. Allein, obgleich so viele Umstaͤnde von einer Laͤnderey zusammen kommen, so fehlet doch die natuͤrliche Ein- falt derselben. Diese Eigenschaft verliert sich in einer solchen Verschwendung der Zier- rathen. Ein laͤndlicher Charakter ist bey allen praͤchtigen Verschoͤnerungen, die nur an einem Garten koͤnnen verwendet werden, nicht zu erhalten. 3. Einige einzelner Theile eines Landsitzes. 3. Einige Zeit nachher gab der malerische Watelet Essai sur les Jardins S. 22 u. f. Fast um eben diese Zeit trug auch der un- genannte Verfasser von der Theorie des Jardins S. 113 u. 307 u. f. einige Vor- schriften uͤber diese Gattung von Verschoͤ- nerung vor. in Frankreich zuerst eine schoͤne Beschreibung von einer Meyerey (ferme ornée), die von den Ideen der Brit- ten etwas abweicht, aber eine freye, leichte und anmuthige Zusammensetzung in sei- nem Gemaͤlde macht. Die Wohnung, sagt er, soll an dem Abhang eines Huͤgels liegen, von wel- chem man die Gebaͤude und die Behaͤltnisse, wo die Wohlthaten der Natur aufbe- wahret und genutzet werden, leicht uͤbersehen kann. Der Genuß des Landes muß ein Zusammenhang von unerkuͤnstelten Begierden und von leicht erlangten Befriedi- gungen seyn. Die Wohnung, worinn Nutzbarkeit und Vergnuͤgen sich vereinigen sollen, muß daher so gelegen seyn, daß man den ganzen Umfang der angraͤnzenden Einrichtungen ohne Hinderniß entdecken kann. Gegen Mitternacht wuͤrde sie zu oft die Strenge eines beschwerlichen Windes erfahren. Gegen Abend wuͤrde der Glanz der brennenden Sonne, deren Strahlen die Graͤnzen des Horizonts blenden, den Blick ermuͤden und zuruͤck stoßen. Aber die Aussicht zwischen Mittag und Morgen wird der Neigung, sich mit dem Anblicke der Landschaft zu beschaͤftigen, keine Hin- dernisse entgegen stellen, und diese Neigung wird durch die Leichtigkeit des Genusses genaͤhrt werden. Diesem Vergnuͤgen uͤberlassen, werde ich gewahr, daß der Huͤgel auf Wiesen herunter steigt, durch die ein kleiner Bach sich schlaͤngelt; daß der entgegen stehende Abhang angebauete Plaͤtze, Weinberge darstellet, und auf dem Gipfel sehe ich Waͤl- der, die nahe genug sind, um in mir das Verlangen, mich dahin zu begeben, rege zu machen. Auf eben diesem Gipfel sehe ich, aber in einer groͤßern Entfernung, Kornfelder, die mir die Idee ihres Reichthums zubringen, ohne mich durch ihre Einfoͤrmigkeit zu beleidigen. Nach diesem ersten fluͤchtigen Blicke sehe ich zuruͤck nach dem Fuße des Huͤgels, wo ich mich befinde, und meine Augen verweilen sich bey der Meyerey. Die Verbindung verschiedener Gebaͤude, Hoͤfe, eingeschlossener Plaͤtze, fes- selt meinen Blick, und erregt meine Aufmerksamkeit. Ich steige vom Huͤgel herab; meine Einbildungskraft ist voll von schaͤferischen Ideen. Das Verlangen ist erregt, es koͤmmt darauf an, es zu unterhalten und zu befriedigen. Aber je vollkommener der Geschmack in der Gesellschaft ist, davon ich einen Theil ausmache, eine desto fei- nere Kunst muß angewendet werden. Das Nutzbare und das Angenehme muͤssen auf eine Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung eine geschickte Art mit einander verbunden seyn, sich wechselseitige Huͤlfe leisten, und nie sich schaden. Von diesem Grundsatze unterrichtet, und besorgt, ihm gemaͤß zu handeln, hat der Besitzer alles schicklich geordnet, sogar die Wege, die er mich fuͤh- ren will. Dieß ist gleichsam die Exposition seines Romans. Die Abhaͤngigkeit des Bodens, wo ich gehe, ist unmerklich gemacht, und die Wege schlaͤngeln sich in sanften Beugungen. Sie fuͤhren nicht in einer geometrischen Direction zu dem Orte, wohin ich zu gehen gedenke; sie kruͤmmen sich nicht genug, um mich aufzuhalten. Ist nicht das gerade dasjenige, was den Menschen am meisten gefaͤllt? Nichts ist dem Gange unsrer Ideen aͤhnlicher, als die Wege, die man auf freyem Felde fin- det. Selten sind sie ganz gerade. Ein unentschiedener Zustand ist ohne allen Zwei- fel fuͤr uns viel bequemer, als die groͤßte Genauigkeit, und viel natuͤrlicher, als die Praͤcision. Aber indem ich auf meinem geschlungenen und sanft abhaͤngigen Wege fortge- gangen bin, habe ich schon manche angenehme Aussichten entdeckt; ich habe sie nach- her aus den Augen verloren, um sie mit desto groͤßerm Vergnuͤgen wieder zu finden. Immer finde ich mich gesichert gegen die Sonne durch Baͤume, die von ungefaͤhr da zu stehen scheinen, oder durch den Schutz, den mir kleine Hecken gewaͤhren, welche mancherley angebauete Plaͤtze umgeben. Ihre Verschiedenheit beschaͤftiget mich. Ich nehme Antheil an der Sorgfalt, mit der man sie unterhaͤlt. Ich fuͤhle mich allmaͤlig ermuͤdet, und eben itzt will ich still stehen, um besser zu genießen. Der Schatten einer Gruppe von Baͤumen, wo ich eine Rasenbank und einen kleinen Spring- brunnen finde, haͤlt mich auf, und ladet mich ein, einige Augenblicke da auszuru- hen. Ich setze mich nieder, ein wohlangebrachtes Gemaͤlde ziehet meine Blicke an sich, und ich verlaͤngere gern die nothwendige Erholung. So erhoͤht ein leichter Kunstgriff den Genuß, der sich auf Beduͤrfnisse gruͤndet. Aber wenn die Absicht sich wahrnehmen lassen darf; so muß sie nicht zu deutlich in die Augen fallen. Ein- nehmen und nicht zwingen, dieß ist die Kunst aller angenehmen Kuͤnste. An Or- ten, die zum Spaziergehen bestimmt sind, muͤssen also die Abstaͤnde und gluͤcklichen Zufaͤlle die Nothwendigkeit der Ruheplaͤtze entscheiden. Es muß scheinen, als ob ein bloßes Ungefaͤhr ihnen ihre Gestalt und ihre Anmuth gegeben haͤtte. Bald wird man, als eine Veranlassung sich zu verweilen, einige außerordentliche gluͤcklich grup- pirte Baͤume darstellen; bald eine Quelle, die, indem sie ihre Wasser vergießet, Kuͤhlung verspricht und giebt; bald eine weite Aussicht, die einige Augenblicke er- fordert, um sie zu durchlaufen; einen malerischen anziehenden Gesichtspunkt, einen unerwarteten Gegenstand, der die Schritte zuruͤckhaͤlt, und die Blicke fesselt. Jetzt, einzelner Theile eines Landsitzes. Jetzt, da ich bis an den Fuß des Huͤgels gekommen bin, werde ich die Ge- baͤude des Meyerhofs gewahr, und die Sorgfalt, davon ich uͤberall Spuren entde- cke, nimmt mich immer mehr ein. Die aͤußern Mauern sind mit einer Aufmerk- samkeit, die mich vergnuͤget, aufgefuͤhrt und unterhalten; die Steine sind mit Zie- geln vermischt. Diese Verschiedenheit hat Gelegenheit gegeben, eine Art von Grundmauer zu bilden, und oben einen Kranz anzusetzen. Hierdurch hat man dem ganzen Baue der Mauer eine Zierde zu geben gewußt, ohne sich von dem Charakter zu entfernen, der ihr zukoͤmmt. Von dem Haupteingange sind, ohne viele Sym- metrie, aber in der Figur eines halben Zirkels, große Baͤume gesetzt, die einen Schatten um sich her verbreiten, den die Arbeiter und andere, die auf den Meyer- hof kommen, oft noͤthig haben. Einige Ruhebaͤnke sind fuͤr sie angebracht; und im Schatten fließt ein Springwasser, das von dem Huͤgel herabgeleitet worden, in ein steinernes Becken, dessen Gestalt und Verhaͤltnisse bey aller ihrer laͤndlichen Kunstlo- sigkeit gefallen. Wer in Italien gereiset ist, miskennt den Reiz nicht, welcher oft den gemeinsten Gegenstaͤnden durch die Einfalt der Massen, und durch die gluͤckliche Beziehung der Haupttheile auf einander, mitgetheilet wird. Nicht weit vom Springwasser ist eine bequeme Traͤnke fuͤr die nutzbaren Thiere, wenn sie bey ihrer Zuruͤckkunft von der Weide, oder von der Arbeit, ihren Durst zu loͤschen und sich zu erfrischen noͤthig haben. Nun kommen wir in den Hof, der mit allen erforderlichen Gebaͤuden einge- fasset ist. Die verschiedenen Bestimmungen derselben sind uͤber ihren Eingaͤngen an- gezeigt, so daß ich, mit Huͤlfe einiger Blicke, mich als einen Bewohner dieses Aufenthalts betrachten kann, dessen vornehmste Wesen ich auf einmal kennen lerne. Ordnung und Reinlichkeit herrschen hier, aber ohne einige Bestrebung, die misfaͤllt, oder beleidigt, wenn sie gezwungen oder uͤbertrieben ist. Hier darf die Sorgfalt, die man fuͤr das Angenehme traͤgt, dem Nutzbaren nicht nachtheilig seyn. Es darf kein Gedanke darauf gerichtet werden, die Einkuͤnfte einer Einrichtung, die sich als vortheilhaft ankuͤndigt, ganz auf das, was nur zur Ausschmuͤckung dient, zu verwenden; aber man muß auch die Nachlaͤßigkeit und die Unreinlichkeit vermei- den, die schaͤdlicher sind, als eine zu weit getriebene Sorgfalt, und unangenehme Ideen von Verlassung und Geiz erwecken. Verschiedene Ausgaͤnge, die ich im Hofe erblicke, beschaͤftigen meine Neu- gier. Hier sind besondere Hoͤfe fuͤr die Ackerpferde, fuͤr andere dienstbare Thiere, und fuͤr die Aufbewahrung oͤkonomischer Geraͤthschaften bestimmt. V Band. S Mitten Achter Abschnitt. Gaͤrtenmaͤßige Verschoͤnerung Mitten durch diese Hoͤfe erblicke ich außerhalb Fußsteige. Ich sehe Gras, Gebuͤsche, Blumen. Dieß reizt mich auf verschiedenen Wegen fortzugehen, die ich mit Rasen und Baͤumen eingefasset finde. Diese Wege leiten mich zu Triften, die mit Vieh bedeckt sind; sie fuͤhren zu Gebaͤuden, die, wie von ungefaͤhr in das Gebuͤsch gestellt, meine Neugier reizen, und sich um den Vortheil, meine Wahl zu bestimmen, zu streiten scheinen. Baͤche, die die Triften befruchten, durchkreuzen die Wege, die sich mir dar- stellen, und kleine kunstlose Bruͤcken, deren jede immer eine andere Gestalt hat, ver- schaffen mir den Uebergang. Bald gehe ich an einer Hecke von bluͤhenden Straͤu- chen hinunter, die ich an einem so laͤndlichen Orte zu finden nicht vermuthete. Bald sehe ich mich in einem schattigten Gange von Weiden und Pappeln, die durch die Verschiedenheit ihrer Gestalten dem Auge die malerische Mannichfaltigkeit darstellen, die man niemals vernachlaͤssigen soll. Bald finde ich an dem Wege, den ich gehe, von einander abstehende Baͤume, welche Weinstoͤcken zur Unterstuͤtzung dienen. Die Reben, welche sich durch Huͤlfe der Zweige, um die sie sich schlingen, ausbrei- ten, vereinigen und kraͤuseln sich, um dem Auge zu schmeicheln, und das Verlan- gen zu beleben, indem sie die Reichthuͤmer, womit sie beladen sind, unter einer ge- faͤlligen Gestalt erscheinen lassen. So komme ich bis zu dem Orte, der fuͤr das Milchwerk bestimmet ist. Das Wasser fließet in die Melkerey, die so angebracht ist, daß große Hitze nicht in sie eindringen, und daß dagegen frische gesunde Luft in sie eingelassen werden kann. Die Staͤlle sind mit keiner ihrer eigentlichen Bestimmung nicht gemaͤßen Kostbarkeit aufgefuͤhret; weder in ihrer aͤußerlichen Geftalt, noch in der Wahl der Materialien, ist etwas Gesuchtes. Ein jeder Begriff von Eitelkeit schwaͤcht den Begriff vom Schaͤferleben, der hier der herrschende feyn muß. In Reinlichkeit und Ordnung bestehet der eigentliche Luxus, der bey diesem Theile der Laͤnderey Statt findet. Die allein stehenden Scheuern sind nicht zu entfernt von den Staͤllen, und fuͤr Feuers- bruͤnste gesichert. Die Triften sind nahe, und liegen an den Ufern des kleinen Baches, der sich durch sie schlaͤngelt, und Fruchtbarkeit uͤber das ganze Thal ver- breitet. Ein Behaͤltniß fuͤr die Milch ist nicht weit davon. Von dichten Baͤumen be- schattet, durch einen nahen kuͤhlen Fluß erfrischt, bietet dasselbe alles dar, was ir- gend eine laͤndliche Einrichtung angenehmes hat, und laͤßt ein wenig mehr Verzierung zu. Die Reinlichkeit ist daselbst zu unvermeidlich, als daß man es nicht entschuldigen koͤnnte, einzelner Theile eines Landsitzes. koͤnnte, wenn sie ein wenig uͤbertrieben ist. Man findet sich nicht beleidiget, wenn man Sorgfalt, und vielleicht auch Schmuck, an Gegenstaͤnde verschwenden sieht, denen die Natur selbst eine besondere Vollkommenheit mitgetheilet hat, und die uns an das Zeitalter und an den gluͤcklichen Zustand erinnern, dessen reizende Schilde- rungen in den Werken der Dichter uns noch immer gefallen. Mit einem Vergnuͤ- gen, das von den Ideen des Hirtenlebens erzeugt wird, nimmt man selbst an die- sem Orte gern ein laͤndliches Mahl ein, bey welchem Milch und einige Fruͤchte die vorzuͤglichsten Speisen sind. Wenn meine Meyerey alles in sich vereinigen darf, was nutzbar ist, und zu- gleich gefaͤllt; so wird in einiger Entfernung von dem Orte, wo man die Milch zu- bereitet, sich die Fabrik des Honigs befinden. Auf einem Platze, der mit einer bluͤhenden Hecke umzaͤunt ist, stehen die Bienenkoͤrbe auf Amphitheatern gegen Mit- tag, wohl verwahret auf der Seite der Mitternacht. Der ganze Platz enthaͤlt Pflanzen und Blumen, die die Bienen lieben. Thymian, Lavendel, Majoran, Weiden, Linden, Pappeln sind daselbst in Menge, und durchwuͤrzen schon von fern- her die Luft, die man einathmet. Hier ist der Luxus in Wohlgeruͤchen und Blumen eben so erlaubt, als an dem Orte, den wir eben verlassen haben, der Luxus in Rein- lichkeit. So muͤssen die Wolluͤste, wenn sie die Vernunft nicht beleidigen sollen, in der Natur eine Unterstuͤtzung, oder einen Vorwand finden. Um das Bienenhaus her sind fruchttragende und wohlriechende Gebuͤsche gepflanzet, die dazu dienen, die jungen Schwaͤrme aufzuhalten, wenn sie, aus ihren Koͤrben entflohen, oder ver- scheucht, sich neue Besitzungen suchen. Ein kleines, weder schnelles, noch tiefes, Gewaͤsser befriedigt ihre Beduͤrf- nisse, und verursacht durch leise Abfaͤlle ein sich immer gleiches ununterbrochenes Ge- raͤusch, das sie an ihre Wohnungen fesselt. Alle benachbarte Plaͤtze sind voll von Kraͤutern, die dem Honige gesunde Eigenschaften und einen feinen Geschmack geben koͤnnen. Die Wiesen, in deren Mitte das Bienenhaus siehet, theilen ihnen uͤber- fluͤssige Nahrung mit. Das ist noch nicht alles. Ein kleines Gebaͤude enthaͤlt den Vorrath von Bienenkoͤrben, die man im Winter verfertigt; das Laboratorium, wo, vermittelst einiger Gefaͤße und Oefen, der Honig vom Wachse gesondert wird; und endlich den frischen Ort, wo man denselben zu dem mannichfaltigen Gebrauche, wozu er bestimmt ist, aufbewahret. In einem andern Theile dieser Gebuͤsche erheben sich einige andere Gebaͤude von weiterm Umfange. Sie sind fuͤr die Seidenwuͤrmer, und fuͤr alles, was auf S 2 sie Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung sie Beziehung hat, bestimmt. Alle diese Einrichtungen sollen nicht von der Groͤße seyn, daß eine jede derselben die ganze Sorgfalt des Eigenthuͤmers allein erforderte. Das Verlangen, Reichthuͤmer zu erwerben, erheischet freylich weitlaͤuftige Einrich- tungen; alsdann werden große Bemuͤhungen durch einen großen Gewinn belohnt, oder auch durch manchen empfindlichen Verlust vereitelt. Es giebt ein Maaß, das mit der Befriedigung des Menschen in besserm Verhaͤltnisse steht. Sein wahres Gluͤck wird immer in einem Zusammenhange von maͤßigen Geschaͤften, Begierden und Erholungen bestehen; in geringern, aber nicht so theuer erkauften Vortheilen; in keinen rauschenden, aber in stillen und oͤfter genossenen Freuden. Ueberdieß wird die Mannichfaltigkeit und das Maaß, wovon ich rede, die wohlgeordnete Eigenliebe beguͤnstigen, und denen, welche man genießen laͤßt, weit mehr schmeicheln, als Ge- genstaͤnde, die Erstannen erregen und oft beleidigen. Ihr muͤsset nicht die Verwun- derung, die von der Pracht erzeuget wird, in euren Gaͤsten hervorzubringen suchen. Wenn ihr Vortheile, die mittlern Gluͤcksumstaͤnden angemessen sind, ihnen dar- bietet, und mit ihnen theilet; so werden die meisten sie desto freyer genießen, je we- niger sie dieselben zu groß fuͤr ihre Wuͤnsche finden; und ihr werdet nicht, wie dieje- nigen, die mit uͤbel verstandenem Ueberflusse prahlen, Gefahr laufen, Neid zu erwecken. Aber indem ich mich von dem Orte entferne, wo ich die Seidenwuͤrmer und ihre Arbeiten gesehen habe, die zur Hervorbringung der kuͤnstlichen Werke, in wel- chem Verstand und Fleiß sich vereiniget, angewendet werden, vernehme ich das Ge- schrey verschiedener Thiere, und ich richte meinen Gang nach dem Hofe, wo das Federvieh aufbehalten wird. Wozu wuͤrden auch hier reiche Auszierungen und uͤberfluͤssige Kunstwerke nuͤ- tzen? Absicht zieht natuͤrlicher Weise die Aufmerksamkeit an sich, und bringt un- fehlbar Theilnehmung hervor. Die Parkets sind geraͤumig und so wohl eingerichtet, daß ich die Gefangenen, die darinnen eingeschlossen sind, nicht beklage. Die selte- nern Arten sind abgesondert, um die Geschlechter zu erhalten. Schatten in der Zeit der Hitze; Behaͤltnisse, die gegen strenge Witterung schuͤtzen; Sand, Mist, Was- ser; alles, was mich von der Gluͤckseligkeit dieser nutzbaren Geschoͤpfe uͤberzeugt, gewaͤhret mir ein groͤßeres Vergnuͤgen, als kuͤnstlich gearbeitetes und vergoldetes Gitterwerk, als marmorne Wasserbecken, die bey der geringsten Hitze austrecknen, und, ohne einen wahren Nutzen zu verschaffen, Beweise einer zur Unzeit verschwen- deten Pracht abgeben. Nicht einzelner Theile eines Landsitzes. Nicht weit von dem Gefluͤgel des Hofes ist der Ort, der fuͤr das Wassergefluͤ- gel eigentlich bestimmt ist. Canaͤle, oder ein Arm von dem kleinen Flusse, verse- hen diese Geschoͤpfe sowohl mit dem Nothwendigen, als mit dem Ueberfluͤssigen, das ihnen eigen ist. Auch sind die in ihren Aufenthalt geleiteten Wasser mit Weiden und Binsen eingefasset, und auf denselben befinden sich kleine Huͤtten, deren An- muth und Bequemlichkeit sie dahin einladet. Weiterhin befindet sich eine noch interessantere Einrichtung: ein Garten voll solcher medicinischer Pflanzen, die Menschen und Thieren am nothwendigsten sind. Sie sind sorgfaͤltig gepfleget, in gewisse Reihen geordnet, und mit Zeichen versehen, so daß ich, in wenig Worten, mit ihrem Namen, mit ihrer Classe und mit ihren vornehmsten Eigenschaften bekannt gemacht werde. Diese Vorsorge, die sich mit der Menschenliebe, mit der Oeconomie und den Kenntnissen jetziger Zeit so wohl vertraͤgt, veranlaßt mich, nicht ohne Ruͤhrung die Behausung zu besuchen, die fuͤr kranke Dienstboten bestimmet ist. Eine verstaͤndige Wirthschafterinn, und ein Mann, der die nothwendigsten Grundsaͤtze kennet, und in dieser ganzen kleinen Ge- gend bey dringenden Nothfaͤllen Huͤlfe zu leisten faͤhig ist, bewohnen nebst einigen Bedienten einen reinlichen Aufenthalt. Dieser unterhaͤlt ein Laboratorium, wo sich nicht die kuͤnstlichsten, aber die unentbehrlichsten Geraͤthschaften befinden; er sorgt fuͤr einen Vorrath von Wurzeln und Kraͤutern, die man stets bey der Hand haben muß; er hat eine medicinische Bibliothek, die ausgesucht und eben deswegen nicht zahlreich ist. Der Ort ist luftig, geraͤumig und gesund. Einige laͤndliche Alleen dienen zu Spaziergaͤngen. Am Ende derselben ist auf einer Anhoͤhe ein Bethaus, welches, auf verschiedenen Seiten des Thals, den zugleich malerischen und interessanten An- blick eines zur Danksagung fuͤr empfangene Wohlthaten gewidmeten Tempels dar- stellt. In der Naͤhe ist ein kleines Haus, in der Gestalt einer Einsiedeley, wo man ausruhen kann, wo man Stuͤhle, einen Tisch und alles findet, was man bey der Verweilung von einigen Augenblicken noͤthig haben kann. Man uͤbersieht nun die ganze Laͤnderey, und man erinnert sich, indem man noch einmal die Blicke darauf heftet, der Empfindungen, die man darinnen hatte. Alsdann ist es sehr natuͤrlich mit dem Weisen auszurufen: o! wie gluͤckselig wuͤrden die Bewohner des Landes seyn, wenn sie den Werth der Guͤter besser schaͤtzten, die sie genießen, oder doch genießen koͤnnten! Man fuͤhlt ein Verlangen, sich auf im- S 3 mer Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung mer mitten in dieser Laͤnderey niederzulassen. Der Besitzer hat sich, nahe bey der Einsiedeley, eine sokratische Wohnung errichtet. Sie dient ihm, sich von Zeit zu Zeit einen innigern und uͤberlegtern Genuß aller dieser Auftritte aus dem Schaͤfer- leben zu verschaffen. Er kann sie mit einem Freunde theilen; denn wenn der Ge- nuß von Freuden dieser Art eine gaͤnzliche Einsamkeit verlangt, so stoͤret sie doch nie ein Freund, mit welchem man von der Gluͤckseligkeit, die man empfindet, sich be- spricht; er vertritt die Stelle unsrer Seele; man sagt ihm, was man sich selbst zu sagen noͤthig hat. Er ist das Ich, welches man personificirt, ohne sich einen Egoismus vorwerfen zu duͤrfen, und dieses empfindliche und reine Vergnuͤgen wird lebhafter, indem man es mit einem andern theilt. Die Wohnung, wenn sie den Namen verdienen soll, den ich ihr eben jetzt beygelegt habe, muß von der aͤußersten Simplicitaͤt seyn. Der Besitzer wird, in- dem er darinnen sich aufhaͤlt, selbst ein Mitspieler seines Auftritts aus dem Schaͤfer- leben. Buͤcher und ein Blumengarten sind die vornehmsten Ergoͤtzungen, die er sich daselbst verschafft. Er wartet die Blumen, oder er findet ein Vergnuͤgen daran, sie warten zu sehen; er lieset die Buͤcher, sich zu unterrichten, oder zu belustigen; er ist ganz frey von fremden Sorgen; er oͤffnet seine Seele den Eindruͤcken, die sie von den sie umgebenden Gegenstaͤnden empfaͤngt. Aber weit von ihnen sind die hef- tigen Bewegungen, die ungebaͤndigten Affecten, die der Gluͤckseligkeit nachtheiliger und fuͤr die Tugend von traurigern Folgen sind, als die natuͤrlichen Leidenschaften. Er entferne sich von dem betaͤubenden und berauschenden Getuͤmmel der Gesell- schaften, wo Phantomen fuͤr Wirklichkeiten gelten, wo der Wahnsinn des Stolzes, der Ehrsucht und der Wollust fuͤr den natuͤrlichsten Zustand angesehen wird. Er mache einen Waffenstillstand mit seinen Feinden; als ein freygelassener Sclave lasse er seine Fesseln hinter sich zuruͤck. Er mische zum wenigsten in seine gewoͤhnliche Le- bensart Tage der Einsamkeit, die ein so lebhaftes Vergnuͤgen gewaͤhren, wenn man es zu empfinden faͤhig ist, und ein so nuͤtzliches, wenn man davon Gebrauch zu ma- chen weiß. Eine unschaͤtzbare Anwendung der Muße und des Ueberflusses, dessen schwankende Idee verfuͤhrt, und dessen wirklicher Gebrauch ermuͤdet, die man mit so vieler Begierde suchet, und die man oft so laͤstig findet, selbst wenn man sich des Genusses am meisten ruͤhmt. In diesen Augenblicken ist der Besitzer im Stande, Ordnung zu unterhalten, noͤthige Anstalten zu tressen, Beduͤrfnissen abzuhelfen, befriedigte Menschenliebe, Einsichten und nuͤtzlichen Fleiß mit gleichen Schritten fortgehen zu lassen. Er sieht alles, er verbessert, er macht vollkommener, er verschoͤnert, er erfindet, er bringt hervvr. einzelner Theile eines Landsitzes. hervor. Mit der wirthschaftlichen Aufmerksamkeit verbindet er mitleidige Sorgen; er thut Gutes, er empfindet die Suͤßigkeit des Wohlthuns, und die Zeit verfließet so schnell, daß ihm davon kaum zu einigen weiten Spaziergaͤngen etwas uͤbrig bleibt. Indessen hat er sich noch interessantere Spaziergaͤnge zu verschaffen gewußt. Laͤngst an dem Ufer des kleinen Bachs geht ein gebahnter Weg hinunter, der sich, wie der Bach, schlaͤngelt, und zu laͤndlichen Aussichten und wohlangebrachten Ruheplaͤtzen fuͤhret; diese letztern sind zugleich zum Fischen eingerichtet, schatticht und bequem. Man findet daselbst die noͤthigen Geraͤthschaften, und kleine Fahr- zeuge, um die Fischer zu begleiten. Auf andern Wegen hat man die Aussicht nach den verschiedenen Fabriken, die wir durchgegangen haben. Wenn er Lust hat, auf den Abhang sich zu erheben, der dem, von welchem er herabstieg, gegenuͤber steht; so findet er Bruͤcken und Gaͤn- ge, die, so wie der Boden sich erhebet, mit Kirschbaͤumen, Aepfelbaͤumen, und andern nuͤtzlichen Baͤumen besetzt sind. So weit Watelet. Nachher konnte auch de Lille in seinem reizenden Lehrgedichte uͤber die Gaͤrten Les Jardins. Poeme. S. 87 — 89. die Schilderung von einer wohl angelegten Meyerey nicht uͤbergehen. La ferme, le trésor, le’plaisir de son mâitre, Reclamera d’ abord sa parure champêtre. Que l’ orgueilleux chateau ne la dédaigne pas; Il lui doit sa richesse; et ses simples appas L’ emportent sur son luxe, autant que l’ art d’ Armide Cêde au souris naïf d’ une vierge timide. La ferme! A ce seul nom les moissons, les vergers, Le règne pastoral, les doux soins des bergers, Ces biens de l’ âge d’or, dont l’ image chérie Plut tant à mon enfance, âge d’or de la vie, Réveillent dans mon coeur mille regrets touchans; Venez; de vos oiseaux j’entends déjà le chants; J’ entends rouler les chars qui trâinent l’ abondance, Et le bruit de fléaux qui tombent en cadence. Ornez donc ce séjour. Mais absurde à grands frais, N’ allez par ériger une ferme en palais. Elégante Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Elégante à la fois et simple dans son style, La ferme est aux jardins ce qu’ aux vers est l’ idyle. Ah! par les dieux des champs, que le luxe effronté De ce modeste lieu soit toujours rejetté. N’ allez pas déguiser vos pressoirs et vos granges. Jeveux voir l’ appareil des moissons, des vendanges. Que le crible, le van où le froment doré Bondit aves la paille, et recombe épuré, La herse, les traîneaux, tout l’ attirail champêtre Sans honte à mes regards osent ici paroître. Sur-tout, des animaux que le tableau mouvant Au-dedans, au de-hors lui donne un air vivant. Ce n’ est plus du château la parure stérile, La grace inanimée et la pompe immobile: Tout vit, tout est peuplé dans ces murs, sous ces toits. Que d’ oiseaux différens et d’ instinct et de voix, Habitans sous l’ ardoise, ou la tuile, ou lè chaume, Famille, nation, république, royaume, M’ occupent de leurs moeurs, m’ amusent de leurs jeux! A leur tête est le coq, père, amant, chef heureux, Qui, roi sans tyrannie, et Sultan sans mollesse, A son serrail aílé prodiguant sa tendresse, Aux droits de la valeur joint ceux de la beauté, Commande avec douceur, caresse avec fierté, Et fait pour les plaisirs, et l’ empire, et la gloire, Aime combat, triomphe, et chante sa victoire. Vous aimerez à voir leurs jeux et leurs combats, Leurs haines, leurs amours, et jusqu’ à leurs repas. La corbeille à la main, la sage ménagère A peine a reparu; la nation légère Du sommet de ses tours, du penchant de ses toit: En tourbillons bruyans descend toute à la fois: La einzelner Theile eines Landsitzes. La foule avide en cercle autour d’ elle se presse; D’ autres, toujours chassés et revenant sans cesse. Assiègent la corbeille, et jusques dans la main, arasites hardis, viennent ravir le grain. Soignez donc, protégez ce peuple domestique. Que leur logis soit sain, et non pas magnifique. Que lui font des réduits richement décorés, Le marbre des bassins, les grillages dorés? Un seul grain de millet leur plairoit davantage. — Ainsi nous plaít la ferme et son air animé. V Band. T 4. Man Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung 4. Man sieht, daß in diesen Beschreibungen einer geschmuͤckten Meyerey die vor- nehmsten Grundsaͤtze enthalten sind, welche diese Gattung von Verschoͤnerung betref- fen. Inzwischen lassen sich doch noch verschiedene Bemerkungen machen, die hieher gehoͤren. Wenn gleich die Landwirthschaft nach der Verschiedenheit sowohl der Gewohn- heit und der Beduͤrfnisse der Laͤnder, als auch des Umfangs und der Beschaffenheit der Gegenstaͤnde selbst, womit sie sich mehr oder weniger beschaͤftigt, sehr merkliche Abweichungen haben kann; so sind doch die vornehmsten Anstalten, die zu ihr gehoͤ- ren, fast uͤberall dieselben. Das zur Wohnung bestimmte Gebaͤude muß sich von denen unterscheiden, die einen blos oͤkonomischen Gebrauch haben; und von diesem haͤngt zunaͤchst ihre nothwendige Einrichtung ab. Sie muͤssen zugleich eine Lage ha- ben, die ihrer Bestimmung angemessen ist. Alles, was zur Verschoͤnerung ihrer Lage, ihrer Bauart und ihrer Außenseiten gethan wird, darf den wirthschaftlichen Gebrauch nicht einschraͤnken. Das Wohnhaus, das dem Landwirth und seiner Familie zum Aufenthalt dient, muß sich durch eine bescheidene und einfache Architektur auszeichnen. Sein aͤußerli- ches Ansehen muß Reinlichkeit und Wohlstand ankuͤndigen. Es erscheint sehr vor- theilhaft auf dem Abhange eines Huͤgels; doch kann es selbst in der Mitte einer Ebene, zwischen Fruchtfeldern und Wiesen, eine lebhafte Figur machen. Die Meyerey ist uͤberall schicklich, wo sich ein fruchtbarer Boden befindet; doch liebt sie in ihrem Bezirk Hoͤhen und Thaͤler, um eine Verschledenheit von Producten und um fließendes Wasser zu gewinnen. Alle uͤbrige Gebaͤude, als Scheunen, Vorraths- haͤuser, Viehstaͤlle, Milchhaus, Taubenhaus, Huͤnerhaus, und andere Behaͤlt- nisse fuͤr allerley zahmes Gefluͤgel, koͤnnen in bequemen Entfernungen von einander angelegt werden. Sie muͤssen mit einer gemaͤßigten Zierlichkeit, mit einer gewissen nachlaͤßigen Einfalt und laͤndlicher Kunstlosigkeit gebauet seyn, und koͤnnen mit Gruppen von Baͤumen malerisch umpflanzt werden. Das Gruͤn und die laubigte Umhuͤllung, woraus die Gebaͤude sich hie und da schoͤner hervorheben, erfreut das Au- ge, und der Schatten der Baumgruppen erquickt zugleich den Arbeiter und das Vieh, Fließendes und reines Wasser ist hier eines der ersten Beduͤrfnisse fuͤr die Thiere und fuͤr die Reinlichkeit; und ein ansehnlicher rauschender Bach, der in verschiedene Arme zertheilt und mit laͤndlichen Bruͤcken in abwechselnder Gestalt belebt ist, uͤbertrifft an Schoͤnheit den Teich, der zwischen Schilf und uͤberhaͤngenden Birken und Weiden trauert, aber doch den wilden sowohl, als den zahmen Enten ein geliebter Aufent- halt ist. Alle die angefuͤhrten Gebaͤude koͤnnen bald auf den Abhaͤngen eines Huͤ- gels, einzelner Theile eines Landsitzes. gels, bald in der Niedrigung, zwischen Baumgruppen und Wasser und Bruͤcken und Wegen zerstreut, in bestimmten Gesichtspunkten sehr malerisch und als ein wohl- geordnetes Ganze erscheinen. Wenn gleich Saatfelder zu dem Bezirke einer Meyerey gehoͤren, so sind doch frische Wiesen und belebte Viehtriften besonders ihr Eigenthum; alle aber koͤnnen in abwechselnden Mischungen ein reizendes Landschaftgemaͤlde bilden, das durch man- nichfaltige Schattirungen des Gruͤns und durch Scenen der Fruchtbarkeit, des Ue- berflusses und der Freude ergoͤtzt. Die Wiesen koͤnnen, ohne ihre Nutzbarkeit ein- zuschraͤnken, eine Bildung erhalten, wodurch sie schoͤner ins Auge fallen. Sie rei- zen weniger, wenn sie in einer steifen oder kuͤnstlichen Figur erscheinen, oder wenn ihr Umriß von allen Seiten sichtbar ist; sie reizen mehr, wenn sie sich in freyen Wen- dungen dahin schmiegen und sich hinter einem Wald, einem Huͤgel, oder Berg ver- lieren. Es verhaͤlt sich hier so, wie mit Rasen und Gewaͤssern. — Viehweiden sind nirgends angenehmer, als zwischen den breiten Oeffnungen eines waldigten Berges, auf den Abhaͤngen einer hin und her von Baumgruppen schattirten Hoͤhe, und in den Ungleichheiten eines huͤgeligten Gefildes, das sich zu einem angraͤnzenden Gewaͤsser hinabzieht. Die abwechselnden Stellungen und Lagen der Viehgruppen, wovon einige die Kuͤhlung der Hoͤhe, oder eines Baums, andere die Erfrischung des Wassers suchen, einige grasend umher irren, andere sich zur Ruhe im Schat- ten strecken, die bestaͤndige Lebhaftigkeit des Auftritts, das frohe Gebruͤll mit dem Gelaͤute der Schellen, die fernher toͤnen, die Stimme des rufenden Hirten oder sei- nes dienstbeflissenen Hylax, die lauten Scherze der Milchmaͤdchen am Abend — alles dieß giebt hier einen so wahren, so belebenden Mitgenuß der Freuden des Hir- tenlebens, als selbst die schoͤnsten Gemaͤlde eines Berchem oder Adrian von dem Velde vergebens anbieten. Alle Pflanzungen um eine Meyerey sind auf das Nutzbare gerichtet, und das Anmuthige hat hier Platz, in so fern es zugleich nutzbar ist. Man sucht hier das Vergnuͤgen nur in den Wohlthaten der Natur auf; sie finden, sie genießen, sie er- halten und vermehren, ist die Ergoͤtzung des Landwirths. Findet er eine liebliche Blume, eine wohlriechende Pflanze, einen schoͤn bluͤhenden Strauch; so schmuͤckt er mit ihnen einen kleinen Platz seines Fruchtgartens, oder eine Laube, oder einen kurzen Spaziergang, ohne daraus einen vorzuͤglichen Gegenstand seiner Beschaͤfti- gung zu machen. Er verwirft das Schoͤne nicht, das sich ihm anbietet; er nimmt es freundlich auf, aber er sucht es nicht muͤhsam. Fruchtbaumpflanzungen sind ein wichtiges Erforderniß bey einer wirthschaftli- chen Anstalt. Denn sie geben uͤberhaupt einem Lande eine augenscheinliche und sichere T 2 Erweite- Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Erweiterung der Nahrung und des Handels. Ihre Vortheile vergroͤßern sich mit jedem Jahre, und verbreiten sich uͤber die spaͤteste Nachkommenschaft hinaus. Der Gewinn dieser Vortheile ist mit geringer Muͤhe, und fast nur im Anfang, verbun- den; sie lassen sich in der Folge ohne erhebliche Anstrengung der Kosten, und ohne Zeitverlust einerndten. Die Obstbaumzucht ist keiner einzigen Arbeit des Landmanns hinderlich. In den Feyerstunden, die dem Landbau nicht gewidmet sind, kann er sich selbst zum Vergnuͤgen mit seinen Fruchtbaͤumen beschaͤftigen. Sie bereichern seine Haushaltung mit einem mannichfaltigen, angenehmen und zugleich gesunden Vorrath zur Speise und zum Getraͤnk, zum Viehfutter und zum eintraͤglichen Han- del nicht weniger, als die Feldfruͤchte, die ihm Schweiß und Zeit kosten; sie huͤllen seine Wohnung in die Ruhe eines anmuthigen Schattens ein; und spaͤt spielen und sammeln noch seine Enkel unter eben den Staͤmmen, worunter er mit seinem gelieb- ten Weibe so oft von der Arbeit ausruhete, so oft voll stiller Zufriedenheit in die Daͤmmerung der Zukunft hinaus blickte. Die Vortheile der Obstbaumzucht sind so groß und so zuverlaͤßig, daß selbst in manchen Laͤndern, die schon mit Fruchtbaͤumen genug bereichert scheinen, ihre Anpflanzungen noch jaͤhrlich mit dem lebhaftesten Eifer fortgesetzt werden. In so vielen Provinzen von Deutschland sowohl, als auch von andern Laͤndern, naͤhren sich nicht allein die Einwohner sehr reichlich von der Obstbaumzucht, sondern gewinnen auch noch davon ein ansehnliches verzinsbares Vermoͤgen Viele Nachrichten davon findet man in meinem Gartenkalender schon von den Jahren 1782, 83, und 84. . Die Benutzung der Baumfruͤchte ist so vielfaͤltig und so sehr noch der Erweiterung faͤhig, daß sie eine eigene Abhandlung erforderte, die jedoch so we- nig zu dem Plan dieses Werks gehoͤrt, als eine Anweisung zur Erziehung der Frucht- baͤume selbst Die besten neuern Schriften uͤber die Obstbaumzucht, so wie uͤber andere Zweige der oͤkonomischen Gaͤrtnerey, fin- det man in den angefuͤhrten Jahrgaͤngen des Gartenkalenders und in seinen Fortse- tzungen angezeigt. . Die Meyerey verstattet eine Anxflanzung von allen Gattungen und Arten der Fruchtbaͤume und Fruchtstraͤucher, nicht allein der gemeinnuͤtzigen, als Aepfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Hanebutten, Wallnuͤsse, Kastanien, sondern auch der seinen, die mehr zum Luxus des Geschmacks als zum Beduͤrfniß gehoͤren, als Pfirschen und Apricosen, und die roh oder eingemacht zum Verkauf dienen. Sie ordnet die Pflanzung dieser Baͤume und Straͤucher in solchen Gegenden und Lagen an, die ihrem Fortkommen und Ertrag die vortheilhaftesten sind. Doch sind diese Gegenstaͤnde des Nutzens zugleich von einer ihnen eigenthuͤmlichen Anmuth begleitet. Sie einzelner Theile eines Landsitzes. Sie schmeicheln dem Auge, dem Geruch und dem Geschmack, und der Spazier- gang ist unter ihnen von der Bluͤthe im Fruͤhling an bis zur Einsammlung der Fruͤchte im Herbst uͤberaus angenehm; und wenn sie schon ihre Schaͤtze abgeliefert haben, so geben noch die malerischen Veraͤnderungen in den Farben ihrer Blaͤtter, ehe sie fal- len, auf vielen Staͤmmen ein ergoͤtzendes Schauspiel. Auch die Anordnung der Pflanzung kann zugleich zum Vergnuͤgen gereichen, indem sie bald einzelne Baͤume, bald Gruppen, bald ganze Hayne mit kluger Abwechselung erscheinen laͤßt; die gras- reichen Zwischenraͤume hin und wieder bald mit Klumpen von Fruchtstraͤuchern, zwi- schen welchen bequeme Gaͤnge sich winden, bald mit Rasensitzen, bald mit fließendem Wasser unterbricht; und bald durch die allmaͤlige Fortschreitung der Cultur von der Saamenschule zur Pfropfschule, von dieser zum Baumgarten, von diesem zum Obst- wald ergoͤtzt, bald aber durch eine wohlgewaͤhlte Verbindung verschiedener Frucht- gattungen ein interessantes Gemaͤlde darstellt. Nicht weniger, als die Fruchtbaumpflanzungen, gehoͤren Kuͤchengaͤrten und der Anbau von mancherley Gemuͤse in den Bezirk der Meyerey. Hier scheint allein das Nutzbare seine Herrschaft zu haben, und jeden Versuch von Verschoͤnerung aus- zuschließen. Die Eintheilung in den Kuͤchengaͤrten ist gemeiniglich so methodisch, ihr Ansehen so einfoͤrmig, so wenig anziehend, daß nur allein die Vorstellung der Nuͤtzlichkeit das Auge an sie zu fesseln vermag. Dennoch kann diese wirthschaftliche Anstalt einen gefaͤlligen Reiz erhalten, selbst außer dem Vergnuͤgen, das schon die Bemerkung der Verschiedenheit der Gewaͤchse, des allmaͤligen Fortgangs ihres Wachsthums, und die Erwartung ihrer Reifung giebt. Eine symmetrische Anord- nung der Beete ist hier zulaͤssig, obgleich nicht nothwendig; die verschiedenen Re- viere schmiegen sich willig unter eine Mannichfaltigkeit von Formen, die ihnen ein nicht so kuͤnstliches und steifes Ansehen geben. Doch sind es vornehmlich die hohen Mauern, die gewoͤhnliche Einschließung der Kuͤchengaͤrten, die von allen Seiten ein gewisses finstres Wesen uͤber sie ausbreiten; denn sie sperren sie in einen abgeson- derten Bezirk ein, und heben ihre natuͤrliche Verbindung mit den Annehmlichkeiten und Aussichten der umliegenden Gegend auf. Und doch ist es eben diese Verbindung der landschaftlichen Scenen, wodurch sie, unter dem Zauber ihrer bald contrastiren- den, bald harmonisch sich verstaͤrkenden und erhebenden, sich unter einander ersetzen- den, verguͤtenden, verbessernden Wirkungen, einen so maͤchtigen Reiz auf den em- pfindenden Naturkenner gewinnen. Diese Verbindung einer Scene, sie sey anmu- thig oder selbst misfaͤllig, diese ihre Verbindung mit den benachbarten Gegenstaͤnden entscheidet fuͤr ihren Vortheil oder Nachtheil am meisten; so wie ein Bild auf das andere, ein Gedanke auf den andern Licht oder Schatten wirft. Warum lassen wir T 3 diese Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung diese Verbindung eines Kuͤchengartens mit andern nuͤtzlichen Anpflanzungen, oder mit dem Reiz einer angebauten Landschaft, nicht zu unserm eigenen Bergnuͤgen be- stehen? Wozu das steife Viereck, worinn man nun immer einen Kuͤchengarten ein- zuschließen glaubt? Warum wird nicht mehr auf Boden und Lage, als auf Regel- maͤßigkeit, gesehen? Wozu diese hohen absondernden Mauern, so kostbar in der Auffuͤhrung und in der Erhaltung, so kalt von Ansehen? Koͤnnen die wenigen Fruchtbaͤume, die an ihnen gezogen werden, ihre Kosten verguͤten? Giebt nicht Wasser oder Graben oder Zaun schon Schutz genug? Lassen sie nicht die belebenden Luͤfte freyer eindringen? Und koͤnnen nicht Hoͤhen oder Wald oder angepflanztes Gebuͤsch die Seiten decken, woher schaͤdliche Winde stuͤrmen? — Durch eine sol- che Veraͤnderung wuͤrde der Kuͤchengarten, diese Scene einer sorgfaͤltigen Cultur und bestaͤndigen Geschaͤftigkeit, frey erscheinen, seine Monotonie und unschickliche Ver- sperrung verlieren, an den Reizen und Aussichten der umliegenden Pflanzungen oder der Landgegend Theil nehmen, neue Annehmlichkeiten gewinnen und wieder mittheilen. Man empfindet diese Wirkung bey den Kuͤchengaͤrten in Holland, die oft blos mit einigen Zaunhecken oder einem Graben verwahrt sind, und in verschiedenen Gegenden von Deutschland, wo man mancherley Kuͤchengewaͤchse auf freyem Felde anbaut. Mit aller Ordnung, die in einem Kuͤchengarten herrschen muß, und oft eine Art von Regelmaͤßigkeit erfordert, mit aller noͤthigen Bequemlichkeit, sich jedem Gewaͤchse naͤhern, es beobachten, und warten zu koͤnnen, mit aller Reinlichkeit laͤßt sich zugleich so viel Anmuth vereinigen, daß auch Leute von Geschmack hier zuweilen mit Vergnuͤ- gen verweilen. Alles, was ekelhaft und misfaͤllig ist, muß entfernt, oder vor dem Anblick verdeckt werden. Nuͤtzliche Fruchtstraͤucher koͤnnen bald die Gaͤnge einfassen, bald eine scharfe Ecke verdecken, bald eine zu lange Linie unterbrechen, bald eine wohlgeordnete Gruppe bilden, die das Auge an sich zieht. Indessen muß kluge Oe- konomie und Sorgfalt, jeden Platz aufs vortheilhafteste zu nutzen, verstaͤndige Auf- merksamkeit auf das Eigenthuͤmliche bey jeder Gattung der Gewaͤchse und ihrer Arten, und eine unablaͤßige Anstrengung, uͤberall Wachsthum und Gedeihen zu vermehren, durch den ganzen Bezirk des Kuͤchengartens hervorleuchten. Alles muß rings um eine Meyerey her das volle Gepraͤge des Fleißes und der Cultur tragen. Jeder Fleck muß bepflanzt, besaͤet, oder auf eine andere Art be- nutzt seyn. Bey der Wohnung ist Schatten fuͤr den Menschen und das Vieh fast unentbehrlich, und ein angepflanztes wildes Waͤldchen sehr erfreulich. Liegt eine Pfuͤtze oder ein feuchter quellreicher Grund in der Naͤhe, so suche man ihn durch Ausgraben und Reinigung in ein nuͤtzliches Wasserstuͤck zu verwandeln, oder, wenn dieß nicht ausfuͤhrbar ist, ihn mit Weiden, Pappeln und Ellern zu bepflanzen. Es ist einzelner Theile eines Landsitzes. ist kein Platz so oͤde, so unfruchtbar, der nicht irgend einer Cultur und Verbesserung seines Ansehens faͤhig waͤre. Endlich kann ein ansehnlicher Park sich mit einer Meyerey verbinden, so wie mit einem Thiergarten und mit einem Weinberg. Nur darf in den meisten Faͤllen der Uebergang nicht ploͤtzlich seyn, sondern nur durch allmaͤlige Fortschreitung sich vereinigen. Die Scenen, die jeder Gattung zugehoͤren, ziehen durch den Reiz der Neuheit oder doch der Abwechselung an; allein sie stechen durch den Unterschied des Charakters zu merklich ab, und sind doch zugleich eines uͤberraschenden Contrastes zu wenig faͤhig, als daß sie, ohne alle Verbindung, auf einander folgen koͤnnten. 5. Die Weiden, die Heerden, die hirtenmaͤßigen Beschaͤftigungen, die sanfte Einfalt, die ganze einnehmende Laͤndlichkeit einer Meyerey koͤnnen einem dichterischen Geiste Veranlassung geben, hier zuweilen Nachahmungen des arcadischen Hirtenle- bens anzuordnen. Diese Nachahmungen scheinen der hoͤchste Grad der Verschoͤne- rung einer Meyerey zu seyn, oder vielmehr eine Anlage, die ihnen einen ganz neuen Charakter giebt. Sie hoͤrt auf, die blos nuͤtzliche und die geschmuͤckte Meyerey zu seyn, sie wird die hirtenmaͤßige, die arcadische. Sie erneuert das Bild des theo- critischen Weltalters, erinnert wieder an die Zeit der ersten Einfalt der Sitten, der harmlosen Unschuld des Schaͤferlebens und der ruhigen Genuͤgsamkeit mit dem, was die Natur anbot. Wie gluͤcklich war man in den goldnen Jahren, Da Koͤnige noch Hirten waren, Und Hirten Koͤnige, durch ihre Heerden reich, An Unschuld Schaf und Schaͤfer gleich Wernike . ! Ohne Zweifel war damals der Landbewohner gluͤcklich, gluͤcklicher als er es jetzt seyn darf, oder auch seyn will. Die empfindungsvolle Zuruͤckerinnerung an dieses Gluͤck ist eine Wirkung dieser Anlage. Sie fordert anmuthige, ruhige und gras- reiche Thaͤler und Huͤgel zur Weide der Heerden. Sie bildet Schaͤferhuͤtten in den schoͤnsten Lagen, Milchhaͤuser und reinliche Staͤlle. Sie gesellet den einsamen Hir- ten zaͤrtliche Hirtinnen zu, die mit ihnen die Huͤtten der Einfalt und Liebe bewohnen. Sie giebt ihnen sanfte Sitten, reinliche und gefaͤllige Kleidung, Spiele der Unschuld, zuweilen ein frohes Fest, von Gesang und Tanz begleitet, und immer einen Mittel- stand des Gluͤcks, der von Duͤrftigkeit und von Ueberfluß gleich entfernt ist. Sie ord- net die Feste nach dem Geschmack des ersten Weltalters an, Feste, wie sie Theocrit und Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung und Geßner schildern. Sie entfernt alles, was auf Schmutz und Niedrigkeit faͤllt, was Armuth oder Unterdruͤckung ankuͤndigt; sie bestreuet alles mit den Blumen der Anmuth. Sie stellt Denkmaͤler und an ihnen Inschriften auf, die sich auf die Fa- bel des Alterthums oder die Erzaͤhlungen der Idyllendichter beziehen. Sie mischt aber diese Gegenstaͤnde, Anspielungen und Inschriften nicht mit solchen, die aus neuern Zeiten und Laͤndern entlehnt sind; sie stellt Thomsons Urne nicht neben der Denksaͤule des Virgil. Sie giebt ihren Gebaͤuden kein gothisches, kein hollaͤndi- sches Gepraͤge, sondern den Stil der alten Architektur. Sie fuͤhrt den Tempel des Pan in der laͤnglichen Gestalt und in der Einfalt der dorischen Saͤulen auf, ver- ziert seinen Eingang blos mit einer kleinen Hirtenfloͤte oder einem Schaͤferstock, und breitet uͤber sein ganzes Ansehen Bescheidenheit und laͤndliche Einfachheit aus. Kurz, sie sucht eine reine und unvermischte Nachahmung des alten Hirtenlebens darzustellen, und, indem sie die lieblichen Bilder der Idyllendichter zuruͤckbringt, die Einbildungs- kraft zu erfrischen, und durch die sanften Empfindungen zu ruͤhren, die ein Eigen- thum dieser Scenen sind. Ein schoͤner Versuch dieser Art waren die Leasowes oder Hirtenfelder des beruͤhmten Shenstone; aber sie hatten noch manche Fehler und Maͤngel in der Ausbildung, als daß sie auf das Verdienst eines vollkommenen Mu- sters Anspruch machen konnten. IV. Thier- einzelner Theile eines Landsitzes. IV. Thiergarten . I n ausgedehnten Parks koͤnnen Thiergaͤrten sehr interessante Theile ausmachen, die, als dunkle Wildnisse und als starke waldigte Schattirungen, zur Unter- brechung dienen, und den Contrast heitrer Scenen fuͤhlbarer machen; den Ernst ihres Ansehens mildern sie wieder durch die Vorstellung anmuthiger Schatten, die in ihrem Innern daͤmmern, der Bewohnung von mancherley Thieren, und der Jagd- ergoͤtzungen, die sie anbieten. Allein ein Thiergarten kann auch als eine besondere Gattung von Gaͤrten angesehen werden, als ein Ganzes, das von andern Anlagen in einem Landgute unabhaͤngig ist. Thiergaͤrten sind in Landguͤtern nuͤtzlich, um das Wild von dem Ueberlaufen in die benachbarten Gegenden und von der Verwuͤstung der Kornfelder des Landmanns abzuhalten. Diese letzte Betrachtung kann dem Herzen eines menschenfreundlichen Gutsbesitzers nicht gleichguͤltig seyn; er verabscheuet die Grausamkeit so mancher klei- nen Tyrannen des Landes, die ihr Wild auf der Flur des armen Landmanns unge- hindert vor seinen Augen die Fruͤchte seines Schweißes, die Hoffnung seiner Erhal- tung abweiden lassen, und jede rechtmaͤßige Beschuͤtzung seines Eigenthums als einen Hochverrath anzusehen sich erfrechen; eine Grausamkeit, welche die schaͤrfste Ahndung der Landesfuͤrsten verdiente, denen das gekraͤnkte Recht eines Bauern wichtiger ist, als die Jagdlust eines Landjunkers. „Ich war vormals ein sehr eifriger Liebhaber der Jagd, sagte einst zu mir ein großer menschensreundlicher Prinz, die Liebe dieser Provinzen; allein ich fand, als ich hieher kam, daß diese Neigung den Unterthanen beschwerlich werden koͤnnte, und unterdruͤckte sie.“ Ein solches Beyspiel des Edel- muths, jeder Nachahmung werth, verdient zur Ehre der Menschheit nacherzaͤhlt zu werden. Ein Thiergarten erfordert zuvoͤrderst die wesentliche Einrichtung, die seiner Bestimmung angemessen ist: Befriedigung seiner Graͤnze, sichern Schatten, zu- laͤngliche Nahrung und Wasser fuͤr das Wild, und Schutz im Winter. Das erste Beduͤrfniß ist demnach ein dichtes Gehoͤlz, das aber einen grasreichen Boden, Wie- sen oder offene freye Plaͤtze enthaͤlt, die entweder in ihrer natuͤrlichen Schoͤnheit gruͤ- nen, oder mit Klee, Rocken, Buchweizen und Haber besaͤet sind. Große, geraͤu- mige Plaͤtze geben den Vortheil, daß zwischen den waldigten Gebuͤschen die Luft freyer durchstreicht, und daß darauf das Wild zum Vergnuͤgen des Auges hervortreten kann. Aber eben so noͤthig sind Dickigte und dunkle Schattenreviere, von allen Arten von buschigtem Unterholz und sich durch einander schlingenden Gestraͤuchen gebildet. V Band. U Da Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Da sich ein Thiergarten durch Anpflanzungen erweitern und seiner Bestimmung mehr gemaͤß einrichten laͤßt, so hat man allerdings auf die Baͤume und Straͤucher zu sehen, die hier einen Platz verdienen. Eichen, Buchen und Haseln geben, wie bekannt ist, eine gute Mast auch fuͤr das Wild. Allein auch die Fruͤchte der Roß- kastanie liebt der Hirsch als eine gute Nahrung; nur muͤssen die Baͤume, um viel zu tragen, frey stehen, nicht in Alleen oder auf eine andre Art dicht zusammenge- pflanzt. Gerne frißt das Wild die Rehheide oder das Pfriemenkraut (Spartium Sco- parium, L.), wovon es auch einen angenehmen Geschmack annimmt, und verschiedene Arten von Genster (Genista tinctoria, Gen. pilosa, Gen. germanica, L.) , die mit ihren schoͤnen citrongelben und lange dauernden Blumen ganze Plaͤtze verschoͤnern. Von einigen Baͤumen greift es weder das Laub noch die Rinde an, als vom Wall- nußbaum, vom Schlingebaum (Viburnum Lantana, L.) , vom Eibenbaum (Ta- xus, L.) , vom Sadebaum (Juniperus Sabina, L.) , vom hochstaͤmmigen Buchs- baum (Buxus arborescens, L.) , und von der Stechpalme (Ilex aquifolium, L.) . Von andern Baͤumen nimmt es zwar das Laub, laͤßt aber die Rinde ungeschaͤlt; dahin gehoͤrt die Eiche, die Haynbuche, die Eller, die Linde, die Birke, der Kirsch- baum, der Pflaumbaum, die Haseln, der Maulbeerbaum, die Wasserhuͤlse (Acer campestre, L.) , der Faulbaum (Rhamnus frangula, L.) , der Stachelbeerstrauch, der Berberitzenstrauch, die gemeine Hanebutte (Rosa canina, L.) , der Kreuzdorn (Rhamnus catharticus, L.) , der Schwarzdorn (Prunus spinosa, L.) , der Weißdorn (Crataegus oxyacantha, L.) , der Himbeerstrauch und die Reinweide (Ligustrum vulgare, M.) . Alle diese Baͤume und Straͤucher schicken sich vorzuͤglich zu Anpflan- zungen in Thiergaͤrten. Fließende Baͤche geben, sowohl fuͤr das Beduͤrfniß des Trunks, als auch fuͤr die Erfrischung der Scene, ein weit besseres Wasser, als stehende Teiche; doch sucht der Hirsch zuweilen auch einen Sumpf, um sich abzukuͤhlen. Ein kleiner See, der mitten in der Waldung hervorbricht, ist ein sehr uͤberraschender Gegenstand, der uns nicht wenig vergnuͤgt, zumal wenn er hin und wieder von nahen Waldstuͤcken und dichten Klumpen am Ufer beschattet wird, oder ein Jagdgebaͤude in seiner Flut den sanften Widerschein verlaͤngert. Die Strenge des Winters verlangt Sorgfalt fuͤr die Nahrung der Thiere und beschirmende Wildhaͤuser. Diese muͤssen trocken, warm, niedrig und mit Stroh gedeckt seyn. Ihre Bauart sey im letzten Grade einfach und ungeschmuͤckt; alles roh, nachlaͤssig und wie vom Zufall zusammengeworfen. Kein Anstrich der Thuͤre, kein gebahnter Zugang fuͤr den Fuß des Menschen. Dichte Klumps von hohen Ei- chen oder Buchen oder Roßkastanien erheben sich rings umher. Bauwerke von ei- nem einzelner Theile eines Landsitzes. nem so rohen und wilden Charakter schicken sich ungemein fuͤr die Scene, und geben, selbst in der gruͤnenden Jahrszeit zwischen den Oeffnungen der umherhangenden Laub- decken, einen malerischen Anblick. Außer den Vortheilen, welche die Unterhaltung des Wildes gewaͤhrt, lassen Thiergaͤrten auch Verschoͤnerungen zu, die, ohne ihre urspruͤngliche Bestimmung aufzuheben, sie zugleich zu Gegenden des Vergnuͤgens machen. Fast die meisten Annehmlichkeiten eines Waldes bieten sich hier wieder zum Genuß an. Das Licht der Rasen mit der sanften Nacht der Baͤume abwechselnd; der Schatten und, seine Schwester, die Kuͤhlung; die feyerliche Ruhe waldigter Verschlossenheit; die Ge- sellschaft des hier aufspringenden, dort neugierig verweilenden und umher schauenden Wildes; die durch einander hinschmelzenden Lieder der Buschsaͤnger, die hier in Si- cherheit sich gerne anbauen; die heitern Zwischenraͤume und perspectivischen Durchsich- ten durch Gebuͤsche und Baumgruppen zu den finstern Massen entfernter Wildnisse hinan — alles dieß giebt fuͤr Auge und Empfindung eine uͤberaus sanfte Unterhaltung. In Gegenden von diesem Charakter wohnt waldigte Einsamkeit und Ruhe. Die Scenen koͤnnen selten einen andern Eindruck gewaͤhren. Denn Wiesen und Waldung mit Verschlossenheit, als die vornehmsten Gegenstaͤnde, geben den Em- pfindungen einen Ton, der zu herrschend ist, als daß ihn ein einzeiner Auftritt oder seine Verzierung verstimmen koͤnnte. Ein Thiergarten, mit Ungleichheiten des Bodens, mit Anhoͤhen und Tiefen, hat doch vor einer bloßen Ebene einen Vorzug. Die dichten Massen und die einzelnen lichten Gruppen, die abwechselnd auf Huͤgeln hinansteigen, stellen eine uͤberaus praͤch- tige Scene dar; und von diesen Huͤgeln den Blick wieder herab in die buschigten Tic- fen geworfen, oder ihn uͤber die umliegenden Waldstuͤcke mit ihren Oeffnungen zer- streut, welch ein erfrischender Genuß! Auch liefert die huͤgeligte oder bergigte Be- schaffenheit des Bodens fuͤr die Wirkung der Gebaͤude hier reizendere Lagen. Alle Anpflanzungen in Thiergaͤrten muͤssen dem natuͤrlichen Charakter der Ge- hoͤlze beystimmen, eine gewisse sorglose Verwilderung und angenehme Unordnung sehen lassen. Das Genaue, das Zierliche oder Geschmuͤckte wuͤrde hier, da das Ganze eine Wildniß zur Bewohnung der Thiere ist, nur eine seltsame Abstechung machen. Nach dieser Bemerkung scheinen gerade Alleen, so schicklich sie als Zu- gaͤnge zu Schloͤssern und Landhaͤusern seyn moͤgen, doch in Thiergaͤrten schon eine zu kuͤnstliche Pflanzung zu seyn. Sie sind an der Graͤnze umherlaufend noch ertraͤg- lich; aber mitten im Thiergarten koͤnnen sie fast nicht erscheinen, ohne ganz misfaͤl- lig zu werden. Große Klumps, nachlaͤßig hingeworfen, wilde unregelmaͤßige Mas- sen, und dicht in einander verwilderndes Gebuͤsch, auf Wiesen und freyen Rasen- U 2 plaͤtzen Achter Abschnitt. Gaͤrtenmaͤßige Verschoͤnerung plaͤtzen in Gruppen verstreut, sind gerade die Art von Anpflanzung, die nach dem Beyspiel der Natur hier den Vorzug verdient. Zwischen den von der Natur oder von der Hand des Fleißes bepflanzten Klumps, Haynen, Gebuͤschen und Dickigten muͤssen sich bald Fußsteige, bald Wege zum Fah- ren und Reiten umherwinden. Nichts ist anmuthiger, als in diesen einsamen und ruhigen Waldrevieren seinen Spazierweg zu verfolgen. Es ist nicht unschicklich, in einem ausgebreiteten Thiergarten besondre Ge- genden zum Vogelfang, oder zur Entenjagd, oder zum Angeln zu bestimmen, und sie zu diesen Ergoͤtzungen einzurichten. An Gebaͤuden nimmt ein Thiergarten bald ein kleines Jagdschloß oder Jagd- haus Einen Vorschlag zu einem solchen Gebaͤude s. im 3ten B. S. 37 — 38. , bald einen Tempel der Diana auf waldigten Hoͤhen, bald eine dieser Goͤt- tinn gewidmete Felsengrotte in Winkeln, wo man das Wild bey dem ungestoͤrten Genuß seiner Freyheit nicht ohne Vergnuͤgen belauschet, bald ein rohes von Baum- rinden zusammengeschlagenes Waldhaus auf. Nur muß jedesmal die Gegend mit dem besondern Charakter dieser Gebaͤude uͤbereinstimmen. Zwischen dicken Wald- massen alter Eichen erhebe sich auf einer steilen Bergspitze ein gothisches Jagdschloß mit seinen halb zertruͤmmerten Thuͤrmen empor; seine rauhe Gestalt stimmt, zur Verstaͤrkung des Eindrucks, der erhabenen Wildheit der Natur zu, und bringt die Erinnerung der Jahrhunderte roher Jagdbegierde zuruͤck, zu welcher sich bald die fuͤr uns so schmeichelhafte Vergleichung unsrer mildern Sitten gesellt. Der Tempel der Jagdgoͤttinn steige auf einem anmuthigen Huͤgel zwischen edeln schattenreichen Gruppen, im griechischen Stil, ohne Pracht, mit einer maͤßigen Zierlichkeit er- bauet, empor; er moͤge sich am Eingang mit vier Saͤulen der jonischen Ordnung und mit einem grauweißlichen Anstrich seiner Außenseiten begnuͤgen; und uͤber dem Eingang kuͤndige ein wohl gewaͤhltes Sinnbild die Bestimmung des Gebaͤudes an; eine Statue der Diana in einem bedeutungsvollen und interessanten Ausdruck, frey von der gemeinen Vorstellung, die man so oft erblickt, reize beym Eintritt das Auge des Kenners, oder es werde von Gemaͤlden der Jagd gerufen, wo sich die Goͤttinn mit ihren Nymphen ergoͤtzt. Eine Grotte, der Diana gewidmet, muß der Bau- art getreu seyn, die diese Art von Werken verlangt S. 3tes B. S. 84. u. f. . Ein Waldhaus von Baum- rinden zusammengesetzt, erfordert keine edle Lage auf Anhoͤhen; es erscheint am schick- lichsten in Niedrigungen zwischen Huͤgeln, die mit verwildertem Gebuͤsch uͤberkleidet sind, oder in dunkeln Dickigten; und es verlangt in seiner ganzen Anlage durchaus die einzelner Theile eines Landsitzes. die hoͤchste Einfalt und Nachlaͤßigkeit und selbst eine Art von Rohigkeit, die jede Hand der schmuͤckenden Kunst zuruͤckgestoßen zu haben scheint. Sowohl die Groͤße und der wilde oder anmuthige Charakter eines Thiergar- tens uͤberhaupt, als auch die Beschaffenheit der einzelnen Gegenden und Lagen, ge- ben eine naͤhere Bestimmung, welche Art von diesen Gebaͤuden jedesmal in der Wahl den Vorzug verdient. Auch kann hier allerdings auf den Charakter und das Ver- moͤgen des Besitzers Ruͤcksicht genommen werden. Ein weit ausgedehnter koͤnigli- cher Thiergarten verlangt eine edlere und reichere Verzierung durch Gebaͤude, als die kleine Wildbahn eines Edelmanns, wo zuweilen ein einfaͤltiges Mooshaus schon hinreichend seyn kann. Allemal aber ist weise Sparsamkeit noͤthig, damit der na- tuͤrliche Charakter eines Thiergartens, Einsamkeit und Wildniß der Natur, nicht durch eine Ueberladung mit Werken der Baukunst zerstoͤrt werde. V. Weinberg . W einberge gehoͤren zu dem Nuͤtzlichen. Allein sie machen zugleich die schoͤn- sten Gegenstaͤnde fuͤr das Auge in allen Landschaften aus, die ein waͤrme- rer Himmel mit ihrem Segen schmuͤckt. Der Reisende, an dessen Straße sie empor gruͤnen, erfrischt sich bey ihrem Anblick, der Cultur und Froͤhlichkeit an- kuͤndigt; und die Festtage der Weinlese stellen so viele heitre Scenen dar, daß jeder Freund der Natur und des Menschen gerne an ihnen Theil nimmt, gerne sie U 3 mit Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung mit einem frohen Nachgenuß in den Gemaͤlden der Dichter und der Landschafter wie- der erblickt. Ein Weinberg kann als eine besondre Gattung von Gaͤrten angesehen werden; und in manchen Landschaften sieht man keine andre, als diese. Seine Lage auf son- nigten Anhoͤhen oder an huͤgeligten Abhaͤngen giebt ihm einen Charakter von Heiter- keit, der sich schon bey der Annaͤherung ankuͤndigt. Man genießt hier eine freye Aussicht, und athmet voll Ruhe in einer reinern Luft. Wird das Auge durch den Anblick eines Sees, der in der Niedrigung dahin wallet, oder eines voruͤberfließen- den Flusses, oder eines Gemisches von Wiesen und Landhuͤtten, die unter ihm in der Tiefe ruhen, ergoͤtzt; so hat die Lage einen so frischen und doch so sanften Reiz, der dieser Gattung uͤberaus angemessen ist. Der Charakter eines Weinbergs ist Ein- sachheit. Er vertraͤgt keine fremden Pflanzungen. Allein die Weinstoͤcke ergoͤtzen nicht nur durch das Liebliche der Ueberschattung und durch die Erwartung der edlen Fruͤchte; sie lassen sich auch zu kuͤhlen Bogengaͤngen bilden, in welchen die reifenden Trauben aus dem dichten Laubdach anlockend sich hervordraͤngen und herabhangen; an den Seiten koͤnnen andre Spazierwege bald frey, bald leicht uͤberschattet, dahin laufen, oder kleine Reblauben sich woͤlben. Das Vergnuͤgen des Spazierganges kann sich hier mit der Ruhe und der sanften Anmuth der Aussichten vereinigen. Auf der Hoͤhe kann ein Tempel, dem wohlthaͤtigen Gott des Weins gewidmet, und mit den Sinnbildern seiner Freuden bezeichnet, oder mit den tanzenden Figuren der Satyren umgeben, leicht und froͤhlich erbaut, zwischen den geselligen Umarmun- gen von Epheu und Reben emporsteigen; und unten am Eingange des Weinberges mag eine Huͤtte, die Wohnung des Winzers, nachlaͤßig ruhen. Der Tempel kann inwendig zur Bewohnung fuͤr einige Personen eingerichtet werden, oder die noͤthigen Bequemlichkeiten fuͤr einen kurzen Aufenthalt des Besitzers enthalten. Ruhe und liebliche Einfalt herrsche durch den ganzen Bezirk. Seine schoͤnern Tage schenkt dem Weinberg der Herbst, in dessen Scenen er selbst ein uͤberaus interessanter Theil seyn kann, indem das mildere Sonnenlicht zwischen den duͤnnern, falben, sich ma- lerisch aͤndernden Blaͤttern die blauen und gelben Trauben hoͤher faͤrbt, und mit jedem entwoͤlkten Mittag der Luͤsternheit reizender entgegen schwellen laͤßt. VI. Doͤr- einzelner Theile eines Landsitzes. VI. Doͤrfer . 1. K ein Anblick ist erfreuender fuͤr den Menschenfreund, als ein Dorf, worin Rein- lichkeit, Anmuth und Wohlstand herrschen. Es ist so sehr dem nauͤrlichen Gefuͤhl von Gerechtigkeit gemaͤß, daß die Klasse unsrer Nebenmenschen, welche die schwerste Arbeit fuͤr die Unterhaltung der Gesellschaft traͤgt, auch wieder, so viel es seyn kann, ihren Antheil an dem Gluͤck und an den Annehmlichkeiten des Lebens nehme. Und die Befriedigung dieses Gefuͤhls wird von einem gewissen innerlichen Behagen und einer sanften Erheiterung der Seele begleitet. Dieß ist die Wirkung, die der Anblick des Wohlstandes unter den Landleuten hervorbringt; und zu ihnen ge- sellen sich noch die angenehmen Vorstellungen von Reinlichkeit, von Ordnung, von Anmuth, die uns desto mehr ruͤhren, je seltener wir sie in einer solchen Lage zu finden gewohnt sind. Wir ergoͤtzen uns bey der Vorstellung von Seelen, die sich uͤber die Muͤhseligkeit und uͤber die gewoͤhnlichen Schranken ihres Standes zu erheben wissen, worinn die helleren Begriffe von Regelmaͤßigkeit und Schoͤnheit aus dem finstern Chaos der Unwissenheit hervorleuchten, und die durch veredelte Gefuͤhle faͤhig sind, die Annehmlichkeiten des Lebens mit uns zu genießen. Gewiß, ein Dorf, worinn Reinlichkeit und Anmuth erscheinen, kuͤndigt schon eine bessere Gesellschaft von Men- schen an; wir finden schon mehr Reiz, uns ihnen durch Gespraͤch und Umgang zu naͤhern. Ein Landmann, der seine Wohnung liebt und verschoͤnert, der gern um sie her Fruchtbaͤume pflanzt, und seinen Gemuͤsgarten wohl unterhaͤlt, hat ein Recht auf die Achtung der uͤbrigen Staͤnde. Man sehe das Gegenbild. Wie tief unter ihm steht der Dorfbewohner, der unter Schmutz und Armuth in einer nackten, zerfallenen Huͤtte lebt! Welch einen traurigen und niederschlagenden Eindruck machen nicht die elenden Menschenstaͤlle in den Doͤrfern von Bayern, Westphalen und verschiedenen Gegenden von Nieder- sachsen! Kaum sollte man glauben, daß da etwas bessers, als Thiere, wohnen kann. Die Staͤlle der Schweine und die engen Schlafloͤcher liegen an einander; vor der Thuͤre haͤuft sich der Mist zu Huͤgeln; man muß daruͤber weggehen, um hinein und heraus zu kommen; Rauch und Gestank fuͤllen das Inwendige mit Ekel und mit dem Saamen von allen Krankheiten, die aus der Unreinlichkeit entspringen. Die Fensterchen, die aus drey bis vier kleinen Scheiben bestehen, sind aus einer niedrigen Kargheit der Erbauer in die Wand befestigt, und koͤnnen daher nie zur Ausluͤftung der Schlafstellen geoͤffnet werden; die Ungluͤcklichen muͤssen demnach eine Luft Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Luft einathmen, die oft seit einem halben Jahrhunderte ein immer schaͤdlicheres Gift ward, und welche fuͤrchterliche Wirkungen muͤssen nicht diese ewig verschlossenen und ewig sich anhaͤufenden Ausduͤnstungen bey einfallenden Krankheiten haben! Man erschrickt bey dem Anblick solcher Behaͤltnisse fuͤr Wesen, denen der Schoͤpfer Ver- nunft und Gefuͤhl gab, und die von beiden so entbloͤßt sind, daß ihnen kaum noch der Instinct uͤbrig scheint, den sie mit ihrer Gesellschaft, dem Vieh, gemein haben. In vielen niedersaͤchsischen Doͤrfern kann in den regnigten Monaten kaum der Nachbar zu dem Nachbar durch alle die Unreinigkeiten, die uͤberall aufgehaͤuft liegen, hindurchdringen; und fast immer sind die Wege so ausgefahren und so schmutzig, daß oft schon in der Ferne der Anblick eines Dorfs, der erfreuen sollte, dem Reisen- den einen Schauder erweckt. Wie elend muß es nicht in dem Kopf und dem Herzen solcher Menschen aussehen, die es nicht fuͤhlen, daß sie zu dem klaͤglichsten Zustande herabgesunken sind! Wem es gleich viel ist, ob er in Schmutz oder in Reinlichkeit wohnt, dem wird auch leicht jedes niedertraͤchtige Laster gleichguͤltig werden; wer sein Einenthum nicht mehr schaͤtzt, der wird jeder gemeinen Ausschweifung, jeder Toll- heit in den Schenken und auf den Landstraßen entgegen laufen. Unempfindlichkeit, Dummheit und Niedertraͤchtigkeit muͤssen sich ganz solcher ungluͤcklichen Seelen be- maͤchtigen, und ihr Zustand ist im hohen Grade erbaͤrmlich, er mag nun eine Folge von Mangel an Erziehung, von Tyranney, von Verarmung oder von herrschender La- sterhaftigkeit seyn. Nichts fehlt noch in manchen Provinzen von Deutschland mehr als eine vernuͤnfrige Dorfpolizey. Man koͤmmt der Unwissenheit und der Traͤgheit des Landmanns von dieser Seite wenig zu Huͤlfe; man uͤberlaͤßt ihn vielmehr ganz seiner Unbequemlichkeit und seiner ekelhaften Lage. Indessen sollte man doch von ihm selbst einige Wirksamkeit zur Verbesserung seines Zustandes erwarten. Es ist ein natuͤrlicher Trieb des Menschen, sein Eigenthum zu verschoͤnern. Der Wilde schmuͤckt seine Bekleidung aus, verziert seine Waffen, schnel- det Figuren in sein Hausgeraͤth, und bemalt selbst seinen Leib. Alles, was taͤglich am naͤchsten um ihn ist, und selbst seine Person wird ein Gegenstand seiner Verzierung, so seltsam sie auch zuweilen, bey der Rohigkeit seines Gefuͤhls, ausfaͤllt. Es ist fast keine ungebildete Voͤlkerschaft, bey welcher sich nicht diese Neigung zur Verschoͤne- rung ihres Eigenthums auf irgend eine Weise aͤußern sollte. Und sind nicht die Woh- nungen ein sehr wichtiger Theil unserer Beduͤrfnisse? Ein Mensch, der ordentlich zu denken und zu empfinden gewohnt ist, und sich in einer ruhigen Verfassung befin- det, macht es sich gerne zum Geschaͤfte, seine Wohnung vor Verfall und Unsauber- keit zu bewahren, sie bequem und angenehm einzurichten, und den umliegenden Platz auszuschmuͤcken. 2. Wohl- einzelner Theile eines Landsitzes. 2. Wohl angelegte Doͤrfer gehoͤren zu den wohlthaͤtigsten Verschoͤnerungen eines Landes, und ihr Anblick ist so anziehend, so erheiternd, daß aufgeklaͤrte Reisende sie immer mit einem besondern Vergnuͤgen zu bemerken pflegen. Zwar sind sie noch nicht so allgemein oder so zahlreich in den europaͤischen Reichen, als ein Menschen- freund wuͤnschen moͤchte; indessen giebt es hin und wieder doch schon schaͤtzbare Mu- ster, die zur Nachahmung anleiten koͤnnen. Die schoͤnsten Doͤrfer, die ich in Deutschland gefunden, find die Maynzi- schen an den Ufern und in der Nachbarschaft des Mayns und des Rheins. Sie sind fast durchgaͤngig mit Ziegeln gedeckt, und fallen in der Ferne so lebhaft und freundlich ins Auge, daß die Landschaft mit einer Menge kleiner Staͤdte besaͤet scheint. Sie sind groß und geraͤumig gebauet, und haben vollkommen das Ansehen der Rein- lichkeit und des Wohlstandes. Einige genießen an den Ufern des Mayns eine rei- zende Lage. Verschiedene Haͤuser sind anmuthig mit Weinranken uͤberzogen. Bey allen Doͤrfern aber erblickt man große Umpflanzungen von Obstbaͤumen; man faͤhrt zuweilen durch ganze Waͤlder von ihnen hin. Die Straßen, die durch sie fuͤhren, sind so reinlich, daß manche kleine fuͤrstliche Residenzen ihnen weichen muͤssen, und hin und wleder mit vielen Obstbaͤumen besetzt, die einen Reichthum von Fruͤchten geben. Man sieht ganze Gefilde in einen Garten verwandelt, wo Erbsen, Bohnen, verschiedene Kohlarten, Gurken u. s. w. in langen Strecken angepflanzt sind, zwi- schen welchen Obstbaͤume zerstreut stehen, die so wenig hier, als in den mit Korn be- saͤeten Flaͤchen, dem Fortkommen der unter ihnen angebaueten Gewaͤchse schaden, wie der Augenschein lehrt. — Nichts aber ist einnehmender, als die Lage und Schoͤnheit der Doͤrfer am Rhein, indem man von Maynz nach Coblenz auf dem Strom hinunterfaͤhrt. Man fragt jeden Augenblick nach dem Namen des Staͤdtchens, und hoͤrt es ein Dorf nennen. Die Wohnungen sind alle so schoͤn ge- bauet, so rein und einladend von Ansehen, mit graulichem und blaͤulichem Schiefer gedeckt, mit heitern Fenstern und weißen Waͤnden, so nahe am Wasser, daß sie darinn ihren Wiederschein mit einem malerischen Reiz verbreiten. Die meisten Doͤrfer in Schwaben sind nach Sulzers Bemerkung, die ich selbst richtig befunden, gegen die saͤchsischen und brandenburgischen, Staͤdte, und die Bauerhaͤuser beynahe Pallaͤste in Vergleichung der elenden Huͤtten in Nie- derdeutschland. Das Landvolk ist auch, je weiter man nach der suͤdlichen Graͤnze von Deutschland koͤmmt, verstaͤndiger, arbeitsamer, gerader und ehrlicher, auch weit besser gekleidet, als in den andern Provinzen. V Band. X Diese Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Diese Beobachtung gilt auch von dem Elsaß. Die Doͤrfer sind sehr gut ge- bauet, voll gesunder und heitrer Gesichter, die den gluͤcklichsten Nationalcharakter ankuͤndigen. Gewiß, um nichts anders wuͤrde ich, wenn Koͤnige zu beneiden waͤ- ren, den Koͤnig von Frankreich beneiden, als um dieses schoͤne Land, und um diese gutartigen, aufgeklaͤrten, offenen und froͤhlichen Menschen in Elsaß. Ueberall um die Doͤrfer ein Boden, den die Natur nicht fruchtbarer liefern kann; weite bis auf jeden Fleck angebauete Ebenen; Obst, Wein, Gemuͤse in reizendem Ueberfluß; ein uͤberaus mildes und gluͤckliches Klima. Ueberall Spuren des Fleißes, des Wohlstandes und selbst des Reichthums; uͤberall Genuß des Eigenthums und Freude. Welch einen auffallenden Contrast machen dagegen die Doͤrfer in den mei- sten Provinzen von Frankreich! Armuth und Schmutz wohnt fast uͤberall bey dem Landmann in seinen elenden Huͤtten; sie liegen gemeiniglich ganz kahl da, ohne Garten, ohne Baum; und man weiß hier wenig von dem angenehmen laͤndlichen Ansehen, das in andern Laͤndern die Doͤrfer von den waldigten Umhuͤllungen der Obstbaͤume erhalten, woraus die Daͤcher hervorragen. Wenn wohl angelegte Doͤrfer schon in den Ebenen so reizende Gegenstaͤnde sind, wie viel mehr muͤssen sie an den Abhaͤngen der Gebirge, auf lieblichen Hoͤhen und zwischen sanften sich wellenfoͤrmig fortwindenden Thaͤlern gewinnen. Durch diese neuen Schoͤnheiten der Lage heben sie sich in der Schweiz. Der bald erhabene, bald romantische, bald sanftreizende Charakter dieser Landschaften bildet die schoͤnsten Gemaͤlde, die nur irgend das Auge des Reisenden entzuͤcken, und den Geist des Landschaftmalers zur Nachbildung auffordern koͤnnen. Und zu diesen so erhebenden, so uͤberraschenden und belebenden Wirkungen der Lagen, gesellen sich noch die heitern Vorstellungen von der Gluͤckseligkeit dieses Landvolks durch Freyheit und Eigenthum und fast arcadische Hirtensitten, durch Gesundheit und Muth, und durch die aus- nehmende Schoͤnheit des andern Geschlechts. Kein Reisender gieng aus der Schweiz, ohne den lebhaftesten Eindruck von diesem seltenen Reiz ihrer Land- wohnungen. Man sehe einige Gemaͤlde davon. Hier zuvoͤrderst eins von den Ufern am Thunersee. An dem einen Ufer, schreibt de Luͤc Physischmoralische Briefe uͤber die Berge ꝛc. S. 56 u. f. , erheben sich große Felsen, die den Grund zum schoͤnsten Amphitheater ausmachen. Es ist nur ein einziger Blick noͤthig, um zu sehen, was fuͤr herrliche Viehweiden ihn bedecken. Durch die Menge von Doͤrfern und Huͤtten, die darauf gesaͤet sind, und zwar bis zu einer erstaunlichen Hoͤhe hinauf, kann man von der Guͤte derselben urthei- len. Man koͤnnte aus allen den auf dem Berge herum zerstreut liegenden Haͤusern eine ziemlich große Stadt machen, deren Einwohner nicht nur selbst von ihrem Lande einzelner Theile eines Landsitzes. Lande leben, sondern auch noch den umliegenden Staͤdten davon mittheilen. Die Einrichtung der Lage dieser Doͤrfer scheint fast zu einer Erquickung fuͤr das Auge gemacht zu seyn. Der ganze Boden ist dem Ansehen nach voll tiefer Furchen von den Baͤchen und Wassern, die von der Hoͤhe des Berges herabkommen, und von dem, das sich durch den Regen sammelt. Die Baͤume scheinen sich in die Vertie- sungen gefluͤchtet zu haben, die Haͤuser hingegen liegen an den hoͤchsten Oertern. Jedes dieser Haͤuser hat seinen kleinen Garten neben sich, und zuweilen seinen Baumgarten, der mit Pfaͤhlen eingeschlossen ist. Die Doͤrfer sind an die Oerter hin gebauet, wo das meiste Wasser ist, und auch stehen da die groͤßten Baͤume; zwischen diesen Baͤumen erblickt man die Strohdaͤcher oder zuweilen blos die Kirch- thuͤrme. In der Entfernung, wo wir waren, konnte das Auge alles zusammen auf einmal fassen; und die Oberflaͤche des Sees, der eben war, wie ein Spiegel, warf dieses Gemaͤlde so deutlich und klar zuruͤck, daß man in Versuchung gewesen seyn wuͤrde zu zweifeln, daß das eine nur ein Wiederschein sey, wenn es nicht Stuͤck vor Stuͤck das andere enthalten haͤtte, und dann dabey auf dem Kopfe stand. Bald kamen wir in ein Thal hinab, und erfreuten uns an der Schoͤnheit der Obstgaͤrten, an dem vorzuͤglichen Ansehen der Erdfruͤchte, an der Nettigkeit der Haͤuser, und vornehmlich an der gluͤcklichen Sicherheit der Einwohner, die gar keine Gefahr dabey fuͤrchten, einen großen Theil ihrer Erndten unter dem Schutz bloßer Daͤcher um ihre Wohnungen her zu bewahren. — Je naͤher man gegen Zuͤrch kommt, bemerkt Sulzer Tagebuch seiner Reise nach den mittaͤglichen Laͤndern von Europa S. 390. , desto lebhafter wird die Straße. Auf der letzten Stunde des Weges ist sie zu beyden Seiten fast durchaus mit Haͤusern be- setzt, deren schoͤne Lage, Bauart, Reinlichkeit und ganze Einrichtung etwas mehr, als Wohnungen des Landmanns, anzeigen. Man bemerkt nicht nur Wohlstand, sondern Reichthum an vielen dieser Haͤuser. Eben so sind auch die Doͤrfer, die laͤngst an beyden Ufern des Sees liegen. An keinem Orte habe ich Landvolk ange- troffen, dem man den Wohlstand und sogar den Ueberfluß deutlicher angesehen haͤtte, als diesem. Und dadurch wird die ganze Gegend um Zuͤrch herum, wenigstens auf eine Stunde Weges weit, gegen jede Seite hin, zu einer der herrlichsten, die man sich in der Einbildungskraft vorstellen kann. — Das ganze Land von Appenzell, erzaͤhlt Coxe Briefe uͤber die Schweiz. Aus dem Engl. S. 28 u. f. , ist, die nackten Felsen ausgenommen, in der That ein einziges zusammenhaͤngendes Dorf, ein schoͤner Hof dicht an dem andern; und dieß stellt den allerliebsten Anblick dar, den man sich nur er- sinnen kann. Jeder Hof hat sein kleines Gebiete, das gemeiniglich aus einem X 2 oder Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung oder zwey Stuͤcken schoͤnen Wiesengrundes besteht, und haͤufig mit Fruchtbaͤu- men umkraͤnzt ist. Wir traten in einige Haͤuser, die alle von Holz gebauet sind. Reinlichkeit und Gemaͤchlichkeit sind die Hauptabsicht der Besitzer, und die erste leuchtet uͤberall so ftark hervor, daß es mir ein merkwuͤrdiger Beweis ist, wie viel dies Volk auf dieses wesentliche Erforderniß haͤlt. Die ununter- drochene Kette bebaueter Berge, die haͤufig mit Gehoͤlz bedeckt und mit Hoͤfen uͤber und uͤber besetzt ist, stellt eine unbeschreiblich schoͤne Landschaft dar; und diese Landwohnungen liegen alle auf ihrem ganz eigenen Fleckchen, als wenn es ihnen der Genius des Geschmacks ausgesucht haͤtte, um ihnen die vortrefflichste Wirkung zu geben. Man sieht, daß sie so vielen einzeln von einander unab- haͤngigen Familien zugehoͤren, die doch so gesellig, als unabhaͤngig, und nur zu der Behauptung der gemeinschaftlichen Freyheit verbunden find. Der groͤßte Theil der Einwohner ist noch der urspruͤnglichen Einfalt des Hirtenlebens ge- treu. — Diese Schilderungen sind von verschiedenen Beobachtern und aus ver- schiedenen Gegenstaͤnden der Schweiz ausgehoben; ich finde darinn eben die Beodachtungen, die ich an diesen Oertern selbst zu machen das Vergnuͤgen ge- habt. Eben diese Anmuthigkeit der Lagen, eben diese Reinlichkeit und Bequem- lichkeit der Landwohnungen, eben dieser Wohlstand ihrer Eigenthuͤmer ist durch alle Kantons ausgebreitet, und dazu koͤmmt, daß das ganze Land fast nichts als einen großen zusammenhangenden Obstgarten darstellt, der in vielen Gegen- den mit den reichsten Weinbergen abwechselt. Mancher Edelmann in Deutsch- land hat keine so gute, nette und anmuthige Wohnung, als der Bauer in der Schweiz. Die meisten Dorfhaͤuser sind mit einem großen Vordach versehen, das weit uͤber den Grund des Gebaͤudes hervorragt, und Schnee, Regen und Wind abhaͤlt. Die Landwohnungen im Kanton Bern unterscheiden sich durch eine eigenthuͤmliche Bauart, wie diese Vorstellung zeigt. Entfernt einzelner Theile eines Landsitzes. Entfernt vom eiteln Land der muͤhsamen Geschaͤfte, Wohnt hier der Seele Ruh und flieht der Staͤdte Rauch. v. Haller. Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Um Florenz sind die Wohnungen der Landleute weit netter und bequemer, als in irgend einem Theil von Italien. Das ganze Land umher ist in kleine Pach- tungen vertheilt, und jede mit einem artigen Landhause versehen. Die Landleute haben ein gesundes und froͤhliches Ansehen. Die natuͤrliche Schoͤnheit der Baͤue- rinnen wird weder durch Schmutz noch durch Elend verunstaltet; ihr Haar ist auf eine anstaͤndige Art geordnet und mit Blumen geziert; und auf der Scheitel ein klei- ner Strohhut befestigt. — Auch die Gegend von Mayland, die von ausnehmen- der Schoͤnheit und Fruchtbarkeit ist, faͤllt, nach Sulzers S. 324. Beobachtung, wie ein einziger unermeßlicher Lustgarten ins Auge. Alle Felder tragen außer dem Getraide auch Wein, der aber nur in der Hoͤhe uͤber dem Acker gezogen wird, und Maul- beerbaͤume, die auf den Aeckern zerstreut stehen. Die Doͤrfer sind groß und schoͤn, die Bauerhaͤuser weitlaͤuftig, an weiten mit Wirthschaftsgebaͤuden umgebenen Hoͤ- fen, und durchgehends massiv und gut gebaut. Die Doͤrfer in Holland sind wegen ihrer Reinlichkeit und Anmuth bekannt. Die wohlgebaueten Haͤuser sind angenehm umpflanzt; fast ein jedes hat einen Gar- ten, den der Landmann ungemein sorgfaͤltig unterhaͤlt. Die Maler des Landes ha- ben uns Aussichten von Doͤrfern geliefert, die bloße Nachbildungen sind, und doch so sehr einnehmen, als wenn sie von einer verschoͤnernden Phantasie ausgefuͤhrt waͤ- ren. Man hat hin und wieder die hollaͤndische Bauart und Einrichtung der Doͤr- fer in andern Laͤndern nachgeahmt. In der Nachbarschaft von Wien z. B. ist ein schoͤnes Dorf, Theresienfeld in diesem Geschmack angelegt; die Haͤuser sind alle von einem Stockwerk; jedes ist umkraͤnzt von einem umzaͤunten Garten. Man kann leicht denken, daß es in England, wo der Geist der Verschoͤne- rung sich schon so weit verbreitet hat, an reizenden Doͤrfern nicht fehlt. Young Reisen durch die oͤstlichen Provinzen von England 4 Th. S. 69. ruͤhmt besonders die Gegend von Rye bis Hawkhurst in Sussex, wo der Weg, funfzehn (engl.) Meilen, uͤber Huͤgel und Thaͤler, und unter der Aussicht uͤber sehr angenehme waldigte Gegenden, durch viele Doͤrfer und bey einzelnen Haͤusern vorbey- fuͤhrt. Diese Landwohnungen sind artig gebauet und haben ein reinliches Ansehen. Die kleinen Gaͤrten sind wohl unterhalten und mit Zaͤunen eingefaßt. Viele Waͤnde sind geweißt, und so gar die Taubenhaͤuser mit Ziegeln gedeckt, sehr reinlich und fest gebauet. Alles verraͤth wohlhabende Einwohner. Es ist ein angenehmer und beruhigender Anblick, hier Zufriedenheit und Froͤhlichkeit in Huͤtten wohnen zu se. hen. einzelner Theile eines Landsitzes. hen. Gluͤckliches Volk! Aus seinen Augen strahlt Vergnuͤgen, und Gesundheit wohnt auf seinen Wangen. Eine solche gezierte Landschaft ist in der That schoͤn zu nennen; jeder Besitzer eines Landguts koͤnnte auf diese Weise dem Reisenden einen angenehmen Anblick verschaffen. Arbeitsame Britten sollten alle so leben; unter- stuͤtzten die Gesetze die gesegneten Umstaͤnde, in welche die Vorsehung England ge- setzt hat, besser, dann koͤnnten alle so leben. 3. Ein Dorf ist ein schicklicher Gegenstand in jeder Gegend, die fruchtbar oder auch des Anbaues faͤhig ist, uͤberall, wo ein Zweig der Landeultur wirksam werden, und fleißige Arbeiter naͤhren kann. Der erste Landmann baute sich ohne Zweifel mitten in seinem Felde an, so wie der erste Gaͤrtner an der Stelle, wo er seine ganze Gartenflur uͤbersehen konnte. Diese urspruͤngliche Einrichtung ist der Ordnung ge- maͤß, und sehr vortheilhaft. Die Naͤhe der Wohnung, die eine unmittelbare Ver- bindung mit dem Felde, den Wiesen und dem uͤbrigen Landeigenthum des Besitzers hat, erleichtert die Uebersicht sowohl, als die Arbeit und die Einfuͤhrung der Fruͤchte, beschaͤftigt immer sein Auge und seinen Geist mit der Vorstellung seines Berufs, er- spart viel Zeit und unnuͤtze Muͤhe. Der bestaͤndige Anblick erhaͤlt nicht blos seine Wachsamkeit rege, sondern leitet auch sehr natuͤrlich auf mancherley Verbesserung des Feldes und Vervielfaͤltigung seiner Vortheile. Die angebaueten Stellen in den unfruchtbaren Gegenden der Alpen und der apenninischen Gebirge zeigen, wie nuͤtzlich es ist, wenn der Landmann sein Land in der Nachbarschaft seiner Wohnung hat. Die roͤmischen Doͤrfer stellten die Haͤuser, wie in Staͤdten, dicht neben ein- ander; die alten Germanier aber baueten kluͤger sie mehr aus einander, und gaben jeder Wohnung geraͤumige Plaͤtze. Noch jetzt herrscht in der Schweiz die Ein- richtung, daß, ob sie gleich zusammengebauete Doͤrfer hat, doch in den meisten Gegenden die Landwohnungen von einander abgesondert, jede mit ihrem Eigenthum von Land und Fruͤchten umgeben, liegen. Auch in den Provinzen von England, die am besten angebauet sind, sieht man eben diese Einrichtung. Die Zusammen- draͤngung der Bauerhuͤtten mag zwar die Geselligkeit befoͤrdern und Huͤlfsleistungen in der Noth erleichtern. Allein sie vermehrt auch die Gefahr bey entstehendem Feuer sowohl, als bey ansteckenden Krankheiten, veranlaßt mehr Zerstreuung und Muͤßiggang, mehr Anhaͤufung der Unreinlichkeit, zumal bey der Vieh- zucht. Wie ruhig und gemaͤchlich lebt nicht dagegen der Landmann in abgeson- derten Wohnungen, ganz in dem Schooß seiner Familie, ganz seinen Geschaͤf- ten und dem Genuß seines haͤuslichen Gluͤcks uͤberlassen, rings um ihn her sein Feld, Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Feld, seine Wiesen, sein Weinberg, seine Milchkuͤhe, seine Schaafe, seine Ziegen, sein ganzes belebtes und unbelebtes Eigenthum! Wie einnehmend faͤllt nicht eine solche Lage, ein kleines, aber vollstaͤndiges Gemaͤlde von menschli- cher Gluͤckseligkeit, ins Auge! Sie erleichtert zugleich die Verschoͤnerung des Platzes um die Wohnung mit umher gepflanzten Gruppen von Fruchtbaͤumen und mit geraͤumigern Gaͤrten, in deren Anlage der Landmann hier freyere Wahl gewinnt. Die Bauart der Wohnung richtet sich nach ihrer Bestimmung. Sie dient dem Landmanne und seiner Familie zum Aufenthalt, und muß seiner Lebensart, seinen Geschaͤften und Beduͤrfnissen, die verschiedene Abstufungen leiden, gemaͤß eingerichtet seyn. Auch auf das Klima und auf die besondre Lage muß bey der Einrichtung Ruͤcksicht genommen werden. Mit der Bequemlichkeit und Rein- lichkeit des Innern muß sich ein gefaͤlliges und munteres aͤußeres Ansehen verei- nigen. Die Scheune und der Stall werden, wo es seyn kann, als besondere Gebaͤude hinter der eigentlichen Wohnung aufgefuͤhrt und von ihr abgesondert, aber nicht weit entfernt. Gesundes und reines Wasser ist sowohl in Doͤrfern, als auch bey einzelnen Landwohnungen, ein unentbehrliches Beduͤrfniß. Jedes Haus muß seinen Brun- nen im Hofe, oder sein Wasserbehaͤltniß zum haͤuslichen Gebrauch und zur Traͤn- kung der Thiere in der Naͤhe haben; plaͤtschert eine laufende Trinkquelle unter dem Schatten hoher Baͤume vor der Thuͤre, so gesellt sich zugleich die Anmuth zu dem Nutzen. Die Schweiz hat wegen ihrer vielen Baͤche und Quellen, die uͤberall von den Bergen sich ergießen, von dieser Seite einen beneidenswer- then Vorzug. Fast jede Landwohnung hat ihren Springbrunnen, der zuweilen artig verziert ist, und den ablaufenden Ueberfluß seines Wassers einen Bach bil- den laͤßt, der sich zwischen den benachbarten Huͤtten hinschlaͤngelt, sich verstaͤrkt und anmuthig fortrauscht, oft mit umhergepflanzten Baͤumen verschoͤnert. Flies- sende Baͤche oder kleine Arme von Fluͤssen sind in mancher Ruͤcksicht ein so wich- tiges Beduͤrfniß fuͤr Doͤrfer, daß man, so weit es nur andere Umstaͤnde ver- statten, sie suchen, in ihrer Naͤhe hinbauen, oder sie herbeyleiten sollte. Sie geben zugleich die anmuthigste Verschoͤnerung, rauschen Leben und Vergnuͤgen daher, nehmen laͤndliche Bruͤcken auf, waͤssern die Pflanzungen, und bieten Gaͤnsen und Enten ihre geliebte Wasserfahrt an. Die Huͤtten des Landmanns koͤnnen keine anstaͤndigere und schoͤnere Ver- zierung ihres naͤchsten Bezirks haben, als wohl unterhaltene Gemuͤsgaͤrten und Frucht- einzelner Theile eines Landsitzes. Fruchtbaumgaͤrten. Sie versorgen ihn mit schmackhafter und gesunder Nahrung, und zuweilen mit einem Ueberfluß zum vortheilhaften Landhandel. Allein sie ver- anlassen auch die angenehmsten Beschaͤftigungen, und wenn er im Herbst den Reichthum der Fruͤchte seines Gartens einsammelt, so feyert er mit seinen Haus- genossen ein Fest, das die reinste Freude gewaͤhrt, weil es ein Fest der Natur ist. Auch wenn in Feyerabenden das Landvolk hin und her unter seinen Frucht- baͤumen zerstreut ruhet, oder sich mit Gesang und Spiel und Tanz ergoͤtzt, so stellt dieß eine der heitersten Landscenen dar, die an die Gluͤckseligkeit des ersten Weltalters wieder erinnert. Wie reizend eine Gegend durch Gartenanbau wer- den kann, das zeigen, außer so vielen andern Beyspielen, die sogenannten Vierlande bey Hamburg. Ueberall lacht Fruchtbarkeit und Cultur dem Auge entgegen. Man reiset fast durch lauter Gaͤrten, oder durch Felder, die garten- maͤßig bearbeitet sind; und uͤberall erblickt man in ihnen die Besitzer mit einer gluͤcklichen Emsigkeit verbreitet. Die Gaͤrten wechseln mit fruchtbaren Kornflu- ren, die mit einzelnen Baͤumen oder schoͤnen Baumklumpen abgetheilt sind, mit Wiesen, mit Viehgruppen, die halb im hohen Grase versteckt sind, mit Doͤr- fern und mit abgesonderten Landwohnungen ab. Die Gaͤrten sind voll Kuͤchen- gewaͤchse, besonders voll großer, schoͤner und schmackhafter Erdbeeren, die hier in einer erstaunlichen Menge gewonnen werden, voll Kirschbaͤume und andern Obstgattungen. Der Verkauf der Erdbeeren und Kirschen ist ungemein betraͤcht- lich. Die Lage zum Absatz ist nicht weniger vortheilhaft, als der Fleiß dieser Landleute gluͤcklich ist. Sie verkaufen nach Hamburg, und senden den andern Ueberfluß nach den luͤneburgischen Sandgegenden. Die gesunden und froͤhli- chen Landmaͤdchen begruͤßen den Reisenden, indem sie ihnen die angenehmsten Geschenke der Natur, Blumen, Erdbeeren und Kirschen, anbieten. Man genießt recht gluͤckliche Stunden, wenn man durch diese gesegneten Gefilde faͤhrt. Die gruͤnen Einzaͤunungen der verschiedenen Grundstuͤcke, um die Doͤrfer oder einzelnen Landwohnungen her, tragen nicht wenig zur Verschoͤnerung des Lan- des bey, dem sie ein lachendes Ansehen geben. Sie erregen zugleich die Vor- stellung von bestimmtem Eigenthum und von Aufhebung der Gemeinheiten; sie setzen die Fluren gegen die Verwuͤstungen des Windes und des Sandes mehr in Sicherheit; sie verstatten Viehweiden ohne Huͤtung, eine bessere Benutzung des Duͤngers und eine groͤßere Befruchtung des Landes; sie koͤnnen selbst in ei- nigen Gegenden von mancherley Fruchtstraͤuchern angelegt und dadurch noch nuͤtz- licher werden. V Band. Y Die Achter Abschnitt. Gaͤrtenmaͤßige Verschoͤnerung Die schoͤnsten Lagen der Doͤrfer und abgesonderten Landwohnungen sind auf maͤßigen Anhoͤhen und sanften Abhaͤngen, zwischen abwechselnd fortlaufenden Huͤgeln, an dem User eines Flusses, oder eines klaren Sees, der den Gebaͤu- den den Spiegel lieblicher Wiederscheine darbietet, oder den die nahen Bepflanzun- gen mit einer gruͤnen Schattirung bekraͤnzen. Gruppen von Fruchtbaͤumen geben jeder laͤndlichen Huͤtte ein malerisches An- sehen. Auch kann ein Dorf mit gemeinschaftlichen, großen und wohl verzierten Brunnen, bey welchen das Vieh sich zur Traͤnke versammelt, und mit freyen Plaͤ- tzen unter hohen schattenreichen Baͤumen verschoͤnert werden, wo die Jugend ihre Taͤnze und Spiele haͤlt, und die Alten sich umher auf Baͤnken und Rasensitzen zu zu muntern Erzaͤhlungen lagern. Auf diesen Plaͤtzen koͤnnten auch hie und da ein- fache Saͤulen oder behauene Feldsteine mit dem Namen und zum Andenken solcher Landleute errichtet stehen, die sich um ihr Dorf durch eine seltene oder merkwuͤrdige Handlung verdient gemacht. Wer das Dorf von einer großen Feuergefahr oder ei- nem seiner Nachbarn das Leben gerettet, wer zur bessern Erziehung der Jugend von seinem einzelner Theile eines Landsitzes. seinem eigenen Vermoͤgen eine kleine Stiftung angelegt, wer eine neue gemeinnuͤtzige Erfindung in irgend einem Theil der Landwirthschaft gemacht, der sollte hier sein Ehrendenkmal haben, bey welchem vielleicht noch spaͤt Die Jugend steht erstaunt und zeigt in den Geberden Die edle Ungeduld, noch loͤblicher zu werden v. Haller. . Der Tag der Errichtung eines solchen Denkmals muͤßte ein oͤffentliches Fest fuͤr das ganze Dorf seyn. Alte und Junge hielten in ihrem besten Schmuck einen feyer- lichen Aufzug zu dem Platze hin. Der aͤlteste und wuͤrdigste Greis traͤte hervor mit einer kurzen und kunstlosen Lobrede auf den Mann, dessen Ehre dieser Tag gehoͤrte, und mit einer Aufmunterung zu aͤhnlichen Tugenden. Die naͤchsten Verwandten des Ehreumannes haͤtten bey diesem Fest den Vorgang in der ganzen Versammlung. Man erfreute sich zuletzt bey einer oͤffentlichen laͤndlichen Mahlzeit, und die Jugend duͤrfte sich am Abend mit Taͤnzen unter der Aufsicht der Aeltesten des Dorfs ergoͤtzen. Sollte eine solche Veranstaltung nicht zur Nachahmung edler Handlungen wirksam seyn? Uebrigens lassen sich leicht in den Doͤrfern kleine Verschoͤnerungen anbringen, die ihr Ansehen haben. Die Zwischenraͤume der Wohnungen duͤrfen nur mit Baum- gruppen, oder mit Gebuͤschen von fruchttragenden Straͤuchern gefuͤllt werden, so wird sogleich das Ganze sich besser verbinden und sich schoͤner ausnehmen, als eine lange unbedeutende Reihe von Haͤusern. Auch die Kirche kann, wenn sie auf einer kleinen Hoͤhe liegt und von einigen Baͤumen umgeben ist, in der Ferne mit ihrem Thurm einen angenehmen Prospect bilden. Ekelhafte Gegenstaͤnde lassen sich durch geringe Pflanzungen verstecken. Ein schoͤner schattender Baum, eine einzige wohl- gebauete Bank vor dem Eingange der Wohnung giebt schon eine angenehme Veraͤn- derung. Ein weißer Anwurf der Waͤnde, ein geraͤumiges helles Fenster, oder eine nette Thuͤre hebt schon die Vorderseite, und laͤßt eine gute Verfassung des Innern erwarten. Alle diese kleinen Verzierungen, die in der Wirkung des Ganzen zusam- men doch wichtig werden, kann der Besitzer leicht und ohne Aufwand machen; sie han- gen blos von einer geringen Aufmerksamkeit ab, die er auf sein Eigenthum wendet. 4. Aber in so manchen Laͤndern, wo noch Sclaverey und, ihre Mittyranninn, die Armuth den Landmann druͤckt, ist, anstatt aller Verschoͤnerung, nur Befreyung von Elend zu empfehlen. Und was ist die Leibeigenschaft, worunter der gute und nuͤtzliche Landbewohner hie und da noch seufzet, anders als Sclaverey, oder Berau- bung seiner natuͤrlichen Freyheit? Wenn er seinen Aufenthalt nicht nach Willkuͤhr veraͤndern; sich nicht nach seiner Neigung verheirathen darf; wenn seine Kinder mit Y 2 allen Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung aͤllen ihren Nachkommen an diesen Boden, den seine Voraͤltern mit ihrem Schweiße, oft mit ihren Thraͤnen duͤngten, zur Arbeit gebunden sind, und ihn nicht ohne ein Verbrechen verlassen koͤnnen; wenn er zu unablaͤßigen Frohndiensten gezwungen ist: was ist dieser Zustand anders, als Sclaverey? Allerdings giebt es in ihr Abstufungen, wie in der Freyheit. In England herrscht mehr buͤrgerliche Freyheit, als in Frankreich; in Daͤnnemark mehr, als in Preußen, mehr noch, als in vielen Republiken. In Venedig ist weniger Freyheit, als in der Schweiz, und in der Schweiz weniger, als in Holland. Eben so hat die Leibeigenschaft des Landmanns ihre Abfaͤlle; sie war in Boͤhmen grausam; in Niedersachsen ist sie ertraͤglich, durch Menschenliebe oder doch durch die Aufmerksamkeit der Regierung gemildert. Indessen so laͤstig auch die Unterhal- tung der Leibeigenen fuͤr manchen Gutsbesitzer seyn mag, so ist doch die duͤrftige Er- naͤhrung kein Ersatz fuͤr das, was der Landmann aufopfern muß. Jede Aussicht, an einer andern Stelle von seinen Kraͤften Gebrauch zu machen, und sich ein besseres Gluͤck zu schaffen, ist fuͤr ihn auf ewig verschlossen. Alle Talente seiner Soͤhne zu Kuͤnsten und andern nuͤtzlichen Gewerben in der buͤrgerlichen Gesellschaft gab ihnen die Natur vergebens; sie duͤrfen nicht ausgehen, zu lernen, sie sind an die Lebensart, an den Pflug ihres Vaters gefesselt. Aber die Leibeigenen wollen keine Freyheit, auch wenn sie ihnen angeboten wird? — Hat man bey diesem Einwurf sie denn alle in der That befragt? Und keiner sollte in der That Freyheit wollen? So waͤre dieß eben die schrecklichste Wir- kung der Leibeigenschaft, daß sie alles Gefuͤhl fuͤr das edelste Gut erstickt, daß sie die unempfindlichste Traͤgheit zur andern Natur macht, daß sie den maͤchtigen Trieb des ordentlich denkenden Menschen, sich eine Besitzung zu erwerben und davon freyen Ge- brauch zu machen, uͤberwaͤltigt. Wenn dieß die Wirkung der Leibeigenschaft ist, daß sie den Menschen durch Beraubung aller natuͤrlichen Empfindlichkeit so tief erniedrigt, daß er selbst seine Fesseln liebt, — wer wagt es denn noch sie zu vertheidigen? — Vergebens sucht man noch hie und da ein Recht zu dieser Verfassung vorzuge- ben. Wo ist der Grund dazu? Wo die Acte der Unterwerfung oder auch nur der Bewilligung von Seiten des Volks, das hier die wichtigste Parthey ist? Was kann die Sclaverey freygeborner und tugendhafter Menschen anders seyn, als Misbrauch der Gewalt des Maͤchtigen, Misbrauch, der nur bisher durch eine stillschweigende Genehmigung der Landesfuͤrsten Bestand gehabt? „Der Despotismus unterdruͤcken- der Fuͤrsten uͤber Voͤlker, sagt Herr von Sonnenfels Erste Vorlesung in diesem academischen Jahre. Herausgegeben von Joseph von Retzer. 8. Wien. S. 12 — 14. 1782. , ist ein Greuel; aber der greulich- einzelner Theile eines Landsitzes. greulichste, der unertraͤglichste Despotismus ist der, welchen Buͤrger uͤber ihre Mit- buͤrger ausuͤben. Das war die Leibeigenschaft, dieser Schandfleck der Verfassung, worin sie geduldet wird, die Schande der sich so nennenden Rechtswissenschaft, welche den Menschen zur Sache herabkluͤgelte, die Schande der Vernunft, welche zur Ver- theidigung ihrer Rechtmaͤßigkeit Scheingruͤnde ersann. Nie hat die wehrlose Schwach- heit der Staͤrke ein Recht uͤber sich zu einem andern Endzwecke, als zu ihrem Schutze, zu ihrem Besten, anvertrauen wollen, anvertrauen koͤnnen. Und nie ist ein Zu- trauen schaͤndlicher gemisbraucht worden, als da man das Schutzrecht in Herrenrecht verwandelte, und Geschoͤpfe, die aus der Hand der Natur, auf gleichen Wegen, mit gleichen Kraͤften des Koͤrpers, mit gleichen Faͤhigkeiten des Geistes ausgeruͤstet kommen, zum Eigenthum ihrer Mitgeschoͤpfe abwuͤrdigte. Wie, um aller Ver- nunft willen, haͤtten Menschen, auch zum Schutze ihres Lebens, dasjenige jemals veraͤußern wollen, das des Lebens groͤßten, einzigen Werth ausmacht? Wie konn- ten einige tausend gesunde, arbeitsame, ruͤstige Menschen jemals das Eigenthum eines von schwachen Aeltern gebornen, durch Muͤßiggang und Wolluͤste entnervten, unbeholfenen Schwaͤchlings werden? Oder eines geinfelten Moͤnchen, dessen Ab- geordneter den arbeitsamen Hausvater heute mit Ungestuͤm vor der Thuͤre zur Frohne herauspocht, vor der nur noch gestern einer seiner Ordensgenossen demuͤthig um Nah- rungsmittel gebettelt hatte? Aber indessen die Philosophie ein so widersinniges, em- poͤrendes Paradox mit der entschiedenen Uebermacht der siegenden Wahrheit bekaͤm- pfet, indessen Academien Preise fuͤr den ausfuͤhrbarsten Vorschlag bestimmen: wie der seufzenden Menschheit dieses Joch abgenommen werden koͤnne; thut es Joseph . — So loͤset die erhabene Menschenliebe eines Gesetzgebers und sein Muth, sich durch die Besorgnisse, die der Eigennutz erhebt, nicht irre machen zu lassen, mit einem Wort die verwickeltsten Aufgaben der Academien.“ — Joseph hob die schreckliche Leibei- genschaft in Boͤhmen auf. Joseph ließ durch das ganze oͤsterreichische Pohlen die Verordnung ergehen, daß die Bauern, die bisher fuͤnf bis sechs Tage der Woche zu Frohndiensten verwenden mußten, sie nur drey Tage zu leisten haͤtten; fuͤr ihre Kinder ließ er Schulen anlegen; und so fieng er an, sie durch mehr Freyheit und Unterricht aus der Barbarey zu reißen. Alle Menschenfreunde in seinen Staaten und außer ihnen vereinigten ihre Freude mit dem Entzuͤcken seiner befreyten und be- gluͤckten Unterthanen. Aber, wird vielleicht gesagt, man kann doch die Verfassung ertraͤglich machen, ohne sie aufzuheben. — Allein ist Ertraͤglichkeit eine Verbesserung des Ganzen? Ist sie nicht von der Gesinnung der Gutsbesitzer abhaͤngig, und daher eben so wandelbar, als diese? Es ist wahr, die zusaͤllige Menschenliebe des Be- Y 3 sitzers Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung sitzers kann den Zustand seiner Leibeigenen erleichtern, und erleichtert ihn oft wirklich. Aber wenn die Menschenliebe fehlt? Bleibt es denn nicht immer die Verfassung selbst, die ein Uebel ist? — Ihre ploͤtzliche Aufhebung wuͤrde vielleicht in den meisten Faͤllen eben so wenig eine Wohlthat fuͤr den Leibeigenen seyn, als wenn man einen Vogel, der vom Neste an Jahre hindurch im Bauer gesessen, auf einmal in freye Luft fliegen laͤßt. Sie erfordert, um nicht eine groͤßere Verwirrung zu veranlassen, eine gewisse Vorbereitung und Klug- heit in der Ausfuͤhrung. Allein eben dadurch leidet ihre Ausfuͤhrbarkeit selbst nichts. Daß sie eine genaue Ueberlegung und Benutzung der mancherley Verhaͤltnisse und oͤrt- lichen Umstaͤnde, die dabey vorkommen, verlangt, ist der Natur der Sache sehr gemaͤß. Und außerdem lehren schon so manche Vorgaͤnge, wie die Ausfuͤhrung vorbereitet und ausgefuͤhrt werden kann. Ihre Wirkung ist nicht allein die Wiedereinsetzung der Men- schen in ihre natuͤrlichen Rechte, sondern auch die Verbesserung der Guͤter selbst und die Vermehrung ihrer Einkuͤnfte. Man frage nach in den Laͤndern, wo keine Leibeigen- schaft war, oder wo sie aufgehoben ward; man sehe jetzt in Daͤnnemark den Ertrag der Guͤter, wo diese Verbesserung eingefuͤhrt ist. Die Erfahrung entscheidet, und laͤßt keinem Einwurf Platz. Ueberall sind die herrlichen Fruͤchte dieser Veraͤnderung sichtbar, auf der Seite des Herrn mehr Bequemlichkeit, mehr Verbesserung seiner Guͤter, mehr Einkuͤnfte; auf der Seite des Volks mehr Muth, mehr Arbeitsamkeit, mehr Aufklaͤrung, mehr Trieb zur buͤrgerlichen Tugend, mehr Vermoͤgen zur Be- streitung der Abgaben, mehr Familien und mehr Wohlstand fuͤr sie. Bey solchen wichtigen Verbesserungen wird man nicht mehr aͤhnliche laͤcherliche Fragen wiederho- len, wie diese: wo nehmen wir Kaͤse und Butter her, wenn in Niedersachsen die Leibeigenschaft aufgehoben wuͤrde? Fehlen denn etwa diese Beduͤrfnisse in Holland und in der Schweiz? Wenn das Vorurtheil der Gewohnheit oder des uͤbel unterrich- teten Eigennutzes nach und nach verschwindet, so wird das, was zunaͤchst ein Gegen- stand der Gerechtigkeit und der Menschenliebe ist, zugleich als ein Gegenstand der Klug- heit betrachtet werden, und eine hie und da noch verschlossene Quelle wahrer buͤrgerlicher Gluͤckseligkeit sich zu ergießen anfangen. Sollten denn einst die schoͤnen Tage anbrechen, wo der Landmann uͤberall durch Frey- heit und Eigenthum zu den gluͤcklichen Gefuͤhlen der Menschheit sich erheben duͤrfte; so wuͤr- de die Verachtung oder Geringschaͤtzung der Doͤrfer aufhoͤren, und der Weise mit mehr Vergnuͤgen seine Wohnung mitten unter den Bebauern des Feldes aufschlagen. Er wuͤr- de nuͤtzlichen Unterricht und gesellige Neigungen unter ihnen verbreiten; durch seinen Um- gang den Sieg uͤber schaͤdliche Vorurtheile sich erleichtern; durch seine Anleitung die Quel- len der Zufriedenheit des Lebens eroͤffnen. Gerne wuͤrden sie den Freund aufnehmen, der sich einzelner Theile eines Landsitzes. sich unter ihnen niedergelassen, gerne den Weisen hoͤren, der es nicht verschmaͤhte, unter ihnen zu leben. Das Schauspiel wohl angebaueter Felder und nuͤtzlicher Landgaͤrten, die sich unter seinen Augen vermehrten, wuͤrde ihn taͤglich mit den angenehmsten Empfin- dungen unterhalten, und der Geschmack an den Freuden der Natur sich durch den Mitge- nuß des Gluͤcks zufriedener Menschen erhoͤhen. So fand ich in der Schweiz nicht allein Staatsmaͤnner und Helden vom ersten Range, die zur Ruhe des Privatlebens zuruͤckge- kehrt waren, sondern auch philosophische Prinzen in mittelmaͤßigen, blos bequemen Land- haͤusern, mitten unter den Huͤtten der gluͤcklichen Mitgenossen der Freyheit, wohnen. VII. Land- Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung VII. Landstraße . 1. N ichts kuͤndigt lebhafter die Cultur eines Landes und den weisen Geist seiner Re- glerung an, als wohl angelegte Landstraßen. Aber auch ihr gaͤnzlicher Man- gel faͤllt dem gemeinsten Begriff von oͤffentlicher Ordnung schon so sehr auf, daß da- durch ein nachtheiliger Schluß auf Landesherren und Obrigkeiten fast unvermeidlich wird. Es ist nicht genug, daß gute Landstraßen die Verbindung unter den verschie- denen Theilen eines Reichs erleichtern, daß sie das Reisen und den Handel befoͤrdern, daß sie die Schoͤnheit sowohl der Staͤdte als auch der Provinzen erhoͤhen. Sie sind selbst unentbehrlich, um ganze Voͤlker vor Wildheit und Barbarey zu bewahren, um ihre Unterwuͤrfigkeit unter dem Willen der Gesetze zu erleichtern, um den Gang der Gerechtigkeit zu beschleunigen, um die wohlthaͤtigen Wirkungen des gesellschaftlichen Lebens und um gegenseitige Nothhuͤlfe zu befoͤrdern. Kein Volk hat jemals auf die Einrichtung seiner Landstraßen mehr Thaͤtigkeit bewiesen, als die Roͤmer, die keine Art von großen und gemeinnuͤtzigen Unterneh- mungen unterließen. Bey der ungeheuern Groͤße dieses Reichs befoͤrderten die Land- straßen nicht blos die Bequemlichkeit der Reisenden, die aus allen Laͤndern nach Rom stroͤmten, sondern auch die Maͤrsche der Armeen und die schnelle Verbreitung der Verordnungen der Regierung. Man sah die Anlegung oder Verbesserung der Heer- straßen als ein so großes Verdienst an, daß der Senat deswegen dem August, dem Vespasian und dem Trajan Ehrenpforten errichtete. Die roͤmischen Heerstraßen erstreckten sich von den aͤußersten abendlaͤndischen Gegenden von Europa und Africa bis in klein Asien . Sie hatten eine Laͤnge von 1500 bis 1600 Meilen, und in dieser Laͤnge liefen sie von Rom an gerechnet fuͤnf und zwanzigmal durch das Reich. Man gieng durch Seen und Moraͤste, man durchbrach Berge und Felsen, um den Heerstraßen, so viel geschehen konnte, den kuͤrzesten und geradesten Fortlauf zu ge- ben. Jede Meile war mit einer Saͤule bemerkt. Diese Meilensaͤulen waren bald rund, bald viereckigt, bald von einer andern Figur; acht bis neun Fuß hoch; und standen auf kleinen Fußgestellen. Sie hatten Aufschriften, welche die Meilenzahl der Entfernung von Rom anzeigten, oft zugleich als Denkmaͤler zum Ruhm der Wohlthaͤter, welche die Straße anlegen lassen, errichtet waren. Neben den Mei- lensaͤulen pflegten die Roͤmer noch andere Steine hinzusetzen, die wie Stufen oder kleine Fußgestelle ausgehauen waren, und zum Ausruhen fuͤr muͤde Fußgaͤnger und zum Aufsteigen der Reitenden dienten. Sie verschoͤnerten außerdem die Seiten der Land- einzelner Theile eines Landsitzes. Landstraßen mit Tempeln, mit Lusthaͤusern, mit Graͤnzbildern, mit Grabmaͤlern, mit Ehrensaͤulen und andern Arten von Denkzeichen des Verdienstes, wodurch der Reisende angehalten und nuͤtzlich beschaͤftigt ward. Die großen Heerstraßen oder koͤnig- lichen Wege waren sechszig Fuß breit, da hingegen die Zwischenwege, die seitwaͤrts nach Staͤdten und Doͤrfern abliefen, eine geringere Breite hatten. In den neuern Zeiten hat man in verschiedenen Laͤndern den Vortheil guter Landstraßen zu schaͤtzen gewußt. Beweise davon sieht man in den Niederlanden, in England, in Frankreich, im Oesterreichischen, in der Schweiz, im El- saß, in einem Theil von Schwaben, in der Pfalz, im Hessischen, im Han- noͤverschen und in Seeland . Allein eine so wichtige Anstalt ist in Europa, selbst in den Reichen, wo man ihren Nutzen einsieht, noch lange nicht so ausgebreitet, als sie zu seyn verdient; und in vielen Provinzen, sogar in Deutschland, ist noch keine Spur ihres Anfangs anzutreffen. Indessen steigt vielleicht aus dem, was ge- than ist, ein Geist der Aufmunterung fuͤr die bisher noch vernachlaͤßigten Gegen- den empor. 2. Da der Bau der Landstraßen, ihre Festigkeit und Bequemlichkeit in Werken von einem andern Inhalt, als dieses, gelehrt wird, so schraͤnken wir uns blos auf Bemerkungen ein, die ihre Verschoͤnerung betreffen. Von dieser Seite ist noch weniger gethan. Alleen in einigen Gegenden, Meilenzeiger, Kapellen, Bildnisse und Kreuze ist fast die ganze Verschoͤnerung der meisten neuern Landstraßen. Von der Bepflanzung reden wir nachher. Die Meilenzeiger sind in vielen Gegenden kleine Feldsteine, die so eben uͤber dem Boden emporragen, und die kaum der Reisende bemerkt; in andern sind sie Pfaͤhle von Holz und ganz roh gearbeitet, oft mit etwas Roth, das sich hiezu so wenig schickt, uͤberstrichen, oft als ein halber Galgen gebildet, der an die wahren Henkersplaͤtze erinnert, diese scheuslichste Ver- zierung, womit die Barbarey zuweilen noch die Landstraßen verunstaltet. Ein Mei- lenzeiger, dessen urspruͤngliche Bestimmung zwar nur Bezeichnung ist, sollte doch, vor den Augen des Volks und der Fremden aufgestellt, sich durch etwas mehr Wuͤrde der Materie oder der Bearbeitung unterscheiden. Was ist leichter, als einem Meilenzeiger eine seiner Bestimmung angemessene Bildung zu geben? Auf den schoͤnen Landstraßen in Seeland bestehen sie aus edlen Saͤulen von ganz weißem oder blaͤulichweißem nordischen Marmor, mit welcher Farbe sie noch in der Daͤmmerung schimmern; sie haben alle eine schickliche Form und Verzierung; sie zeigen, selbst durch die Verschiedenheit ihrer Hoͤhe, bald die halbe, bald die ganze Meile an, die zu- ruͤckgelegt ist. — Auch die Wegweiser an den Landstraßen koͤnnten selbst noch einen V Band. Z Theil Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Theil von Verschoͤnerung gewinnen, ob sie gleich zunaͤchst nur Gegenstaͤnde der Noth- wendigkeit sind. Ihre gewoͤhnliche galgenfoͤrmige Gestalt oder ihre Verkuͤnstelung in abgebrochene Menschenarme und verstuͤmmelte Zeigefinger sind einem empfindli- chen Auge anstoͤßig. Waͤre es nicht eben so leicht, ihnen eine edlere Form zu geben? Und wuͤrden nicht, wenn sie von Stein gebildet waͤren, die Namen der Oerter sich deutlicher erhalten, als auf Holz, worauf Luft und Witterung so bald alles ausloͤ- schen? Man koͤnnte sie selbst noch durch abwechselnde Inschriften kurzer Wuͤnsche fuͤr den Reisenden interessant machen. — Die Kapellen oder Bethaͤuser, die Bildnisse der Heiligen, die Kreuze, die man in Laͤndern der roͤmischen Kirche so oft an den Seiten der Landstraßen erblickt, sind, wenn sie nur nicht zu gehaͤuft erscheinen, als oͤffentliche Erinnerungszeichen der An- dacht immer ehrwuͤrdig, ob sie gleich mehr in die Kirchen und ihre umliegenden Plaͤtze hingehoͤren. Es ist immer ein ruͤhrender Anblick, wenn man den armen frommen Wanderer bey ihnen verweilen, knien, und sich Schutz und Versorgung auf den Verfolg seiner Reise erflehen sieht. Der erfrischte Muth, womit er den neuen Be- schwerlichkeiten seines Weges entgegeneilt, war doch des Verweilens, des Gebets bey diesen Denkmaͤlern werth. Allein es giebt doch, außer dem Bezirk der Religionsbegriffe, wichtige Gegen- staͤnde der Moral oder des Nationalinteresse, wovon Sinnbilder und Denkmaͤler an den Seiten der Landstraßen schicklich seyn koͤnnen. Sehr unrecht verweisen wir Grab- maͤler mit unterrichtenden Bildern und Inschriften an abgelegene Oerter, wohin niemand gerne koͤmmt; die Alten, die sie an ihren Heerstraßen anlegten, wußten selbst noch die letzten Ueberbleibsel der Sterblichkeit lehrreich zu machen. In beson- dern Faͤllen lassen sich allerdings noch jetzt Grabmaͤler an dem Rande oder in der Ge- gend der Landstraßen errichten; nur muͤßte es seltener und mit weiser Wahl gesche- hen. Weniger bedenklich sind immer an Landstraßen andre Denkmaͤler des Verdien- stes von einer ausgebreiteten und oͤffentlichen Wohlthaͤtigkeit; Denkmaͤler der Frey- gebigkeit gegen das Volk, der großmuͤthigen Errettung, des Muths und des Sieges. Ein Landesherr, der seinem Lande gute Landstraßen und Reinigung von Raͤuberban- den schenkt, verdient hier schon eine Saͤule, die das Andenken dieser Wohlthaten erhaͤlt. Eine oͤffentliche Herberge, ein vor Wind und Hitze beschirmter Ruheplatz, ein Brunnen am Wege kann hier als ein verdienstliches Werk mit einer lehrreichen Inschrift bezeichnet werden. Wichtige Nationalbegebenheiten haben noch ein staͤr- keres Interesse selbst fuͤr den reisenden Fremden; denn ihre Denkmaͤler leiten ihn doch in die Geschichte des Landes zuruͤck, worinn er sich befindet, und bald ist sein Geist mit andern Zeiten, mit Thaten, mit Charakteren und Sitten beschaͤftigt. Plaͤtze merkwuͤr- einzelner Theile eines Landsitzes. merkwuͤrdiger Nationalversammlungen, wichtiger Entscheidungen durch Vergleiche oder durch den Ausschlag der Waffen, leere verlassene Oerter, wo vormals eine Stadt bluͤhete, oder ein Beschuͤtzer seiner Voͤlkerschaft wohnte, Gegenden, wo ein beruͤhmter Held blutete, — koͤnnen, wenn die Landstraße sie beruͤhrt, verschoͤnert durch Denkmaͤler, die den Begebenheiten angemessen sind, dem Reisenden eine uͤberaus nuͤtzliche Unterhaltung gewaͤhren. Einige schoͤne Denkmaͤler dieser Art sieht man in der Schweiz . Dahin ge- hoͤrt besonders das Beinhaus bey Murten im Kanton Bern, das ganz nahe am Wege liegt. Es hat die Form einer Kapelle, worinn die Gebeine des Heers, das der maͤchtige Herzog Carl von Burgund hier in einer Schlacht mit den siegenden Schweizern verlor, gesammelt sind. Die Kapelle hat an den Seiten uͤberall Oeff- nungen, durch welche man diese traurigen Ueberbleibsel von zehntausend Erschlagenen erblickt, eine sehr ruͤhrende Scene! Hallers Inschrift ruft den vorbeyreisenden Schweizer an, sich hier der Tugenden seiner tapfern Vaͤter zu erinnern. Steh still, Helvetier ! hier liegt das kuͤhne Heer, Vor welchem Luͤttich fiel und Frankreichs Thron erbebte. Nicht deiner Ahnen Stahl, nicht kuͤnstliches Gewehr, Die Eintracht schlug den Feind, die ihren Arm belebte. Lernt, Bruͤder, eure Macht: sie liegt in eurer Treu; O wuͤrde sie noch jetzt bey jedem Leser neu! Außer den reichen Gallerien helvetischer Nationalgemaͤlde, die sich auf der langen bedeckten Kapellbruͤcke zu Lucern befinden, ist nicht weniger schaͤtzbar Tells Kapelle an dem Vierwaldstaͤdtersee . Sie steht an dem Orte, wo dieser erste Held der Schweizer von dem Schiffe, worinn er gefangen weggefuͤhrt werden sollte, ans Land sprang und den unwegsamen Berg erstieg, wodurch er sich und nachher durch die Folgen seiner Thaten das ganze Land in Freyheit setzte. Das Gebaͤude, das den Namen einer Kapelle fuͤhrt, ist ein kleiner offener Tempel, der diesem Helden der Freyheit errichtet ist. Er ist gegen den See zu nur mit einem hoͤlzernen Gelaͤnder ver- schlossen, das jeder eroͤffnen kann. In der Mitte steht ein Altar, wo alle Jahr an einem bestimmten Tage zum Andenken der erworbenen Freyheit eine Predigt oder Messe gehalten wird. An den Mauern inwendig sieht man Gemaͤlde, welche die Thaten des Tell vorstellen. Der Eintritt in dieses Gebaͤude, das, wenn seine Lage nicht von dem Orte der Begebenheit abhaͤngig waͤre, in einer mehr besuchten Gegend zu stehen verdiente, fuͤllt jeden Reisenden mit der Bewunderung der merkwuͤrdigen Thaten, wodurch ein geringes und armes Volk gegen alle Bestrebungen einer tyran- Z 2 nischen Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung nischen Macht sich hier seine Freyheit errang, die nun schon seit mehrern Jahrhun- derten unerschuͤttert steht, gleich dem ehrwuͤrdigen hohen Felsen des Axenberges, der sich hinter der Kapelle uͤber die Wolken erhebt. Wie interessant und edel sind nicht solche Verschoͤnerungen der Landstraßen! Und wie verabscheuungswuͤrdig ist nicht dagegen ihre noch in so vielen Laͤndern ge- woͤhnliche Verunstaltung durch Galgen und andre Richtplaͤtze! Kann denn die Ge- rechtigkeit nicht die Schelme schrecken, ohne die Empfindung ehrlicher Leute zu em- poͤren, und, zuweilen mitten in einer paradiesischen Gegend, die Einbildungskraft des Reisenden zu martern und auf seinen ganzen Weg zu verfolgen? Ist es denn so gleichguͤltig, tausend rechtschaffene Einwohner und Fremde mit dem scheuslichsten, oft unerwarteten Schauspiel zu quaͤlen, blos um Einen Schurken scheu zu machen? Und wird der Zweck erreicht? Macht nicht die Gewohnheit den Eindruck allmaͤlig immer schwaͤcher? Denkt wohl der Verbrecher bey der That an Galgen und Rad, an diese Schreckbilder der Gerechtigkeit, die er fuͤrchten soll? Oder denkt er nicht vielmehr an Geschicklichkeit und Gelegenheit, gluͤcklich zu entwischen? Wird nicht noch immer auf eben den Landstraßen, wo diese Blutgeruͤste drohen, gepluͤndert und gemordet? Eine wachsame Polizey in den Doͤrfern sowohl, als in den Staͤdten, wird gewiß mehr wirken, als diese Schreckbilder. Anstatt die Landstraßen und die schoͤnsten Huͤgel und Aussichten so zu verunstalten, wuͤrde ich rathen, die Gerichts- plaͤtze in dunklen scheuslichen Abgruͤnden, in oͤden waldigten Vertiesungen, von rau- hen Felsen und schwarzen Tannen eingeschlossen, wo die Eule ihre Klagen in das Geschrey der Raubvoͤgel mischt, wo Finsterniß, Einsamkeit und Wildheit die Ein- bildungskraft schrecken, anzulegen. In solchen von der Wohnung der Redlichen abgesonderten, verlassenen und greulichen Einoͤden, deren bloßer Anblick schon Furcht und Entsetzen erregt, moͤchte die Gerechtigkeit, wenn sie nicht anders kann, ihre schrecklichen Opfer vollziehen. — Wo der Galgen an den Landstraßen blos ein andres Gebiet oder Graͤnze bezeichnen soll, wozu jede Saͤule sich besser schicken wuͤrde, da weiß ich nicht, was man von einem Herrn denken soll, der nur zu zeigen suchet, daß er kann — haͤngen lassen. Edler ist es, oͤffentliche Denkmaͤler der Wohlthaͤtigkeit, als der Gerechtigkeit, aufzustellen. Wie edel waͤre es nicht, z. B. wenn die Landpolizey bedacht waͤre, uͤberall an den Landstraßen, wo sich rinnende Quellen zeigen, fuͤr die Wohlthat ihrer Erhaltung zu sorgen! In oͤden Gegenden, wo keine Wirthshaͤuser sind, oder wo sie doch keine Labung fuͤr den schmachtenden Reisenden enthalten, wuͤrde eine wohl unterhaltene Quelle am Wege gewiß ein sehr verdienstliches Werk seyn. Man koͤnnte durch irgend eine Art von Bezeichnung den Vorbeyreisenden dahin winken und ihn einzelner Theile eines Landsitzes. ihn menschenfreundlich einladen, hier seinen Durst zu stillen; ein Sitz an der erfri- schenden Stelle und der Schatten einiger Baͤume, die Kuͤhlung uͤber sie herabsaͤn- selten, wuͤrden nicht vergebens Erquickung anbieten. Die Sorge fuͤr die oͤffentli- chen Trinkquellen an den Landstraßen waͤre dem naͤchsten Beamten oder Dorf aufzu- tragen. Wie oft wuͤrde der arme Wanderer nicht seinen ruͤhrenden Dank wieder- holen, und was fuͤr einen edlen Begriff von dem Geist der Regierung eines solchen Landes wuͤrden nicht die Reisenden mit sich nehmen! 3. Die uͤbrigen Verschoͤnerungen der Landstraßen bestehen in der Bepflanzung und in den Aussichten. Die erste ist mehr ein Werk des Fleißes, die andre mehr ein Geschenk der Natur. Nothwendigkeit des Schattens und Anmuth empfehlen die Bepflanzung der Landstraßen; nur darf diese keine zu dichte Beschattung geben, die das Durchstreichen der Luft und das Austrocknen des Weges hindere. In seuchten Gegenden muß uͤberhaupt die Baumpflanzung sparsamer seyn. Auch sollte man die Auswahl der Baͤume mehr nach der Beschaffenheit des Bodens bestimmen; der oͤftere Mangel dieser Sorgfalt veranlaßt so manche verungluͤckte Anpflanzung. Man hat an ver- schiedenen Orten in Deutschland die Bepflanzung der Wege aus dem oͤkonomischen Grunde vorgeschlagen, den Holzmangel zu ersetzen. Allein da die oͤftere Umhauung und Wiederanpflanzung der Baͤume, wenn sie nicht etwa zu dicht stehen, viele Un- bequemlichkeit hat, so lange man die Seiten der Landstraßen alleenweise mit einer einfachen Reihe besetzt; so wuͤrde dieser erwartete Holzgewinn nur alsdann etwas er- heblich werden, wenn man ansehnliche Gruppen, wo sich leichter aushauen und wieder nachpflanzen laͤßt, anlegen wollte. Das bloße Kappen der Weiden und andrer Baͤume giebt doch nur einen wenig betraͤchtlichen Vorrath von Brennholz, giebt Verunstaltung fuͤr das Auge und Mangel an Schatten. Die gemeine Baumverstutzerey, die noch hie und da den Gartenknechten ver- stattet wird, ist eben so wenig bey den Baͤumen an den Landstraßen, als in den Gaͤrten, zu dulden. Hier darf ich wohl eine Erinnerung, die ich an einem andern Orte Im Gartenkalender auf 1783. S. 215 u. f. uͤber diese unsinnige Mode der Baumverstuͤmmelung gegeben, wieder an- fuͤhren, weil sie Leuten, die noch immer blind an den alten Vorurtheilen hangen, nicht oft genug gesagt werden kann. „Was ist schoͤner, als die freye Rundung der Roßkastanie und der praͤchtige Umfang der Linde, dieser beyden gewoͤhnlichen Alleen- baͤume, die uns so die Natur erzieht? Was erfreuender, als die majestaͤtische Woͤlbung der hohen Laubdecken dieser Baͤume, worunter Schatten, Kuͤhlung und Z 3 Ruhe Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Ruhe wohnen, so lange die freche Hand des Verstuͤmmlers sie verschont? Und was beweiset mehr Unsinn, als diese waldigten Gipfel, die von frohen Saͤngern be- wohnt in der Luft zu wallen bestimmt waren, zu kahlen Pfaͤhlen herabzukappen, oder sie in Kegel, Faͤchel und andre kindische Figuren zu verunstalten? Gleichwohl sieht man diese oͤffentlichen Deukmaͤler einer nicht blos albernen, sondern auch aͤrger- lichen Baumverstutzerey noch in so vielen Gaͤrten, noch in so vielen Zugaͤngen zu großen Staͤdten. Vergebens sagt man, daß dieses unaufhoͤrliche Verstutzen und Verschneiden den Wachsthum der Baͤume befoͤrdere. Das ist Wahn, den nur der Blinde haben kann. Seht den Wuchs, die Hoͤhe, die Staͤrke der Waldbaͤume, die keine Scheere beruͤhrt; seht die Linden und andre Gartenbaͤume, die hie und da in den Doͤrfern stehen. Alle beschaͤmen sie eure Baͤume, die immer kraͤnkeln, so lange ihr sie in dem Wachsthum unterbrecht, wozu die Natur sie treibt. Nicht we- niger gegen Natur und Erfahrung ist der Wahn, der fruͤhern Schatten von der ge- woͤhnlichen Baumverstutzerey erwartet. Wie kann der Baum bald Schatten geben, der immer verwundet, immer zerstuͤmmelt, immer in seinem Wachsthum gestoͤrt wird? Und wenn ihr, wie uͤberall gewoͤhnlich ist, die Außenzweige wegstutzt, was thut ihr anders, als daß ihr auf beyden Seiten mehr Sonne in eure Allee ruft? Koͤnnt ihr gegen das Zeugniß der Augen glauben, daß die inwendige Seite des Baums in dem Grade zunehme, wie ihr die auswendige vernichtet? Koͤnnt ihr es mit Vernunft versuchen, die Triebe anders zu lenken, als die Natur des Baums will? Wollt ihr verlangen, daß die Sonne immer in einerley Richtung, gerade uͤber euerm Haupte, stehen bleibe? Oder daß sie die Gipfel, die ihr zu einer ebe- nen Flaͤche geschoren, und an Laubwerk verduͤnnt habt, weniger mit ihren Strahlen durchbreche?“ — Man hat, um die Wegebepflanzungen nutzbar zu machen, schon lange in vie- len Gegenden Fruchtbaͤume dazu gewaͤhlt, als Aepfel-, Birnen-, Pflaumen-, Kir- schen-, Wallnuß- und Kastanien- Baͤume. Beyspiele von solchen Bepflanzungen mit Obstbaͤumen sieht man auch in verschiedenen Provinzen von Deutschland, und der Schweiz; eines der schoͤnsten ist die beruͤhmte Bergstraße in der Pfalz . Allein die Besetzung oͤffentlicher Landstraßen mit Obstbaͤumen, so reizend ihr Anblick zur Zeit der Bluͤthe und der Fruͤchte ist, hat doch ihre Unbequemlichkeit. Die Be- pflanzung kostet viel, wo keine große Baumschulen gehalten werden. Die Baͤume verderben leicht, da sie selten hier die noͤthige Reinigung von Moos, von Auslaͤufern und wilden Schoͤßlingen erhalten. Sie geben auch, zum Theil des langsamen Wuchses wegen, spaͤter Schatten, als manche wilde Staͤmme. Und endlich wer- den die Fruͤchte oft unreif abgerissen, und schaffen Niemanden wahren Nutzen. Al- lein einzelner Theile eines Landsitzes. lein fuͤr kleine Landwege in den Ritterguͤtern, zumal in der Nachbarschaft des Wohn- hauses, ist die Bepflanzung mit Obstbaͤumen mehr anzurathen. Soll sie auf oͤffentlichen Landstraßen mit dem Gewinn der Fruͤchte erweitert werden; so muͤßte es in Gegenden seyn, wo Doͤrfer liegen, deren Bewohner sich in den Ertrag der Baͤume theilten und durch das gemeinschaftliche Interesse zur Aufsicht belebt wuͤrden. Frey- lich wird in Laͤndern, wo Baumfruͤchte nicht zu den Seltenheiten der Naturproducte gehoͤren, weniger von den Obstbaͤumen an den Landstraßen geraubt, oder der Raub weniger geachtet; man darf hier nicht einmal Raub nennen, was durch eine Art von Uebereinkunft oder durch Gebrauch ein erlaubter Genuß ist; der voruͤberziehende durstige Fremdling nimmt vor den Augen des Eigenthuͤmers etwas Obst, ohne einen Vorwurf zu fuͤrchten. Von den wilden Staͤmmen empfehlen sich zur Bepflanzung der Landstraßen besonders solche Baͤume, die geschwind wachsen und eine reiche Beschattung geben, als die weiße, die gemeine schwarze und die italiaͤnische Pappel, die Roßkastanie, die Linde, der nordamericanische Platanus, und andere. Weiden, so nuͤtzlich sie auch dem Landmann sind, haben als Verzierung der Landstraßen ein zu duͤrftiges Ansehen, und geben zu wenig Schatten. Man koͤnnte mit diesen und andern Baͤumen ab- wechseln, weil die gewoͤhnliche Manier, immer einerley auf einander folgen zu las- sen, eben so ermuͤdend ist, als die gerade Linie, worinn sie erscheinen. Die schwar- zen Pappeln, besonders die italiaͤnische, nehmen sich fast am schoͤnsten an dem Rande der Landstraßen aus. Ihr gerader und hoher Wuchs, ihr leichtes und schwan- kendes Ansehen, ihre immer beweglichen, rauschenden und reichen Laubkronen, das schoͤne Gruͤn und die lange Dauer ihrer Blaͤtter, alle diese Eigenschaften vereinigen sich zu einem reizenden Anblick; sie verbreiten Leben umher, und haben selbst etwas Gesellschaftliches. Eine ungemein anmuthige Straße, mit dieser Art von Pappeln besetzt, laͤuft von Durlach nach Carlsruhe . Auch die Zitterefpe gefaͤllt dem Auge durch das immer scherzhafte Spiel ihres Laubes, und die weiße Pappel giebt, indem sie die schimmernde Seite ihrer Blaͤtter zeigt und wieder umwendet, einen malerischen Anblick. Auf der Straße von Savigliano nach Turin befanden sich, nach Sulzers Tagebuch seiner Reise nach den mittaͤglichen Laͤndern von Europa im Jahr 1775—1776. Leipzig 1780. S. 290. Bemerkung, die vortrefflichsten weißen Pappeln, die er jemals sah. Sie thun eine bewundernswuͤrdige Wirkung auf das Auge. Da sie etwas dicht an einander gepflanzt sind, etwa acht Fuß aus einander, voͤllig gerade und gleich hoch, graulich weiße Staͤmme und hohe dichtgewachsene Kronen haben, so glaubte er sich in einer mit natuͤrlichen Saͤulen umgebenen Halle oder einem Saͤulen- gang Achter Abschnitt. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung gang zu befinden. Die Staͤmme sind in der That so gerade, so glatt, von solchem Verhaͤltniß der Dicke gegen die Hoͤhe, und in solcher Weite aus einander, daß man sie fuͤr Saͤulen halten kann. Da, wo etliche Reihen dieser Baͤume neben einander stehen, bildet man sich ein, in dem doppelten Peristyl eines alten griechischen Tem- pels zu seyn. „Niemals, setzt Sulzer hinzu, habe ich in Gaͤrten oder Lustwaͤl- dern etwas gesehen, das einen so feyerlichen Eindruck auf mich gemacht haͤtte, als diese herrlichen Alleen von Pappeln.“ So angenehm auch die Besetzung der Landstraßen mit Baͤumen auf beyden Seiten in gerader Linie ist, so hat diese Art der Bepflanzung doch zwey Unbequem- lichkeiten: sie ermuͤdet durch die Einfoͤrmigkeit, und sie verstecket oft die schoͤnsten Aussichten. Man bemerkt, daß selbst in der Bergstraße sich zuweilen die anmu- thigsten Landschaftgemaͤlde hinter den waldigten Baͤumen verbergen. Die Bepflan- zung sollte daher so eingerichtet werden, daß sie immer einen schoͤnen Vorgrund zu den Landschaften ausmachte. Und dazu sind Gruppen mit perspectivischen Oeffnun- gen die trefflichsten Mittel. Schlaͤngelt sich die Straße mit langen freyen Kruͤm- mungen fort, so kann nichts reizender fuͤr das Auge seyn, als vor sich auf die bald groͤßern, bald kleinern, bald naͤhern, bald entferntern Baumgruppen hinzuschauen, die sich mit den Wendungen des Weges dahinwinden. Und im Verfolg der Reise aͤndert sich immer, mit jeder Fortschreitung, die Aussicht der Landschaft. Die Gruppen sind sodann nicht mehr bloße Mittel der Beschattung; sie erhalten eine hoͤ- here Bestimmung, indem sie Gesichtspunkte werden, die den Reiz der Landschaft in einzelnen verschoͤnerten Gemaͤlden erscheinen lassen. Die Anlage der Gruppen ist demnach in diesem Fall allein dem Charakter der Landschaft und seinen Wirkungen untergeordnet. Die großen Massen der Landschaft muͤssen in kleinern Partien ge- sammelt werden, die das Auge nicht mehr zerstreuen, sondern es anhalten und be- schaͤftigen. Die abgesonderten Theile muͤssen in Richtungen und in Lichtern erschei- nen, wodurch sie einen neuen Reiz gewinnen. Sie muͤssen eine Folge von nach und nach hervortretenden, immer abwechselnden Gemaͤlden werden, die, durch die Abaͤn- derung der Vorgruͤnde, durch die verschiedenen Mischungen des Lichts und des Schattens, durch die Verschmelzungen der Farben, doch der umliegenden Landschaft, so sehr sie aus ihrer Masse hervorbrechen, nicht ganz zu gehoͤren scheinen. Eine Anlage von dieser Kunst wuͤrde nicht bloße Ergoͤtzung fuͤr das Auge, sondern zu- gleich die feinste Unterhaltung fuͤr den Geist geben. Allein so lange auch schon die Natur selbst dahin winkte, so wenig scheint man doch bisher darauf geachtet zu haben. Die einzelner Theile eines Landsitzes. Die Gruppen, die zum Gewinn schoͤnerer Landschaftsgemaͤlde angelegt werden, koͤnnen wieder mit einer Pflanzung in gerader Linie abwechseln, zumal an Stellen, wo keine Aussicht lockt. Die Straße hat an sich fast keine andre Annehmlichkeit, als die aus ihrer Festigkeit und Bequemlichkeit zum Fortlauf der Reise entspringt; die Gegenstaͤnde, die sie umgeben oder aus der Ferne erblickt werden, muͤssen das Vergnuͤgen der Unterhaltung gewaͤhren. Daher die Unentbehrlichkeit freyer und mannichfaltiger Aussichten, wenn die Landstraße Anmuth haben soll. Wo rings- umher nichts das Auge ergoͤtzt, oder wo es von widrigen Ansichten beleidigt wird, da gewinnt eine gewoͤhnliche Allee doch schon wieder eine Wichtigkeit. Die immer fortschreitende Heiterkeit offener Aussichten blendet; sie wird reizender, indem sie mit Schatten und Verschließung wechselt. Die Wendungen der Landstraße werden zuweilen schon als nothwendig von der natuͤrlichen Beschaffenheit des Bodens vorgeschrieben. Kornfelder, Wiesen, Moraͤste, Seen, Felsen erfordern oft eine Biegung, eine Kruͤmmung, selbst einen laͤngern Umweg; allein uͤber kleine Anhoͤhen und Berge laͤuft zuweilen die gerade Landstraße mit neuer Anmuth fort, und unterhaͤlt das Auge mit erweiterten Aus- sichten. Eben die Kruͤmmungen der Landstraße, die manchesmal unvermeidlich sind, tragen nicht wenig zur Veredelung und Vervielfaͤltigung der Prospecte bey; und sie koͤnnen nach den Gesetzen des Geschmacks oft eben so noͤthig werden, als nach dem Eigensinn des Bodens. Eine immer gerade Straße hat freylich den Vorzug, daß sie geschwinder und bequemer zum Ziel bringt; allein sie hat zugleich die langweilige Einfoͤrmigkeit der ununterbrochenen geraden Linie. Sie wird anmu- thiger durch unerwartete Kruͤmmungen und durch ploͤtzlich hervorbrechende Aus- sichten, worauf die Wendungen leiten. Die geradelinigte Laͤnge der Landstraßen ist eben so ermuͤdend, als die gar zu große Breite unnuͤtz, fuͤr den Feldbau nachtheilig, und fuͤr den Reisenden, dem sie die Annehmlichkeit des Schattens raubt, beschwerlich ist. Außerdem ist die erzwungene Geradigkeit eines betraͤchtlichen Weges ganz wider die Natur, und erfordert so manche uͤberfluͤssige Kosten, die, wenn doch Aufwand geschehen soll, weit gluͤcklicher auf wahre Verschoͤnerungen gewendet werden koͤnnten. Die Landstraße laufe demnach, wo sie kann, eine gerade Strecke fort; allein sie weigere sich nicht, wo es die Lage verlangt, einen Umweg zu nehmen; sie wende sich vielmehr freywillig, wo schoͤnere Aussichten reizen, in einer kleinen anmuthigen Irre herum. Es ist nicht genug, Land zu sehen; wo sieht man das nicht? Der Reisende verlangt Zeitverkuͤrzung auf dem einsamen Wege und Unterhaltung fuͤr das Auge. Er will nicht Land, sondern Landschaftgemaͤlde haben. Und diese gewinnt er zwar zuweilen durch die zufaͤllige Natur; aber der Geschmack schafft sie V Band. A a ihm Achter Abschn. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung ihm durch die Richtungen des Weges und durch kluge Bepflanzung mit Baum- gruppen und Gebuͤschen. Wenn die Bepflanzung, anstatt der Baͤume, mit Zaͤunen abwechselt, so muͤssen diese klein und niedrig gehalten werden, um weder der Luft den Zugang, noch dem Auge die Aussicht zu verschließen. Die mit Hecken eingeschlossenen Redder, oder enge eingezaͤunte Landstraßen, die man in Niedersachsen so haͤufig findet, machen gerade das Gegentheil von dieser Anmerkung. Sie ermuͤden durch bestaͤn- dige Verschließung, und verlaͤngern den Weg durch Langeweile. Indem die hohen Gebuͤsche der Sonne und den Winden den Eingang versperren, so muͤssen die Wege, zumal in einem so fetten Boden und unter einem so feuchten Klima, fast immer unbrauchbar seyn. Sie sind nicht mit der noͤthigen Erhoͤhung in der Mitte, wo- durch die Feuchtigkeit abfließen koͤnnte, angelegt, sind bald ausgefahren, tief und voll Loͤcher. Verbesserungen werden ohne merklichen Nutzen verschwendet, wenn die Ursachen der Verschlimmerung nicht gehoben werden. Oft ist das, was Ver- besserung seyn soll, nur Verschlimmerung; dahin gehoͤrt die Ausfuͤllung der Tiefen mit Holz, das bald vermodert und die Loͤcher sowohl durch das Ruͤtteln der Wagen, als auch durch seine Verwesung vergroͤßert. Eben diese Redder waren vormals geliebte Schlupfwinkel der Raͤuber. Und noch immer legt man sie an, weil sie von dem alten Vorurtheil, das fuͤr die Stimme der Vernunst zu taub ist, beguͤn- stigt werden. Noch sollte man auf Mittel sinnen, Denkmaͤler und Baͤume an den Land- straßen vor aller Verletzung der Bosheit oder des Muthwillens zu sichern. Bestra- fung von der Obrigkeit ist zwar zum Theil von einiger Wirkung, aber immer ein trauriges und oft unzulaͤngliches Mittel. Wichtiger waͤre es, gerade auf die Den- kungsart des großen Haufens durch moralische Kraft zu wirken, und ihm eine so erhebende Meynung von solchen oͤffentlichen Gegenstaͤnden einzufloͤßen, daß er sie mit einer Art von Ehrfurcht fuͤr heilig ansehen lernte. Man muͤßte gleich bey der Erzie- hung der Jugend anfangen, und sie fruͤhzeitig zur dankbaren Achtung gegen gemein- nuͤtzige Anstalten gewoͤhnen. Die Prediger muͤßten diese Gesinnung durch Gruͤnde in ihrem oͤffentlichen Unterricht unterstuͤtzen. Den muthwilligen Schaͤnder eines Baums oder eines Kunstwerks muͤßte die Verachtung der Gesellschaft verfolgen, sein Name muͤßte in feyerlichen Zusammenkuͤnften oͤffentlich genennet werden, als der Name eines Frevlers, der sich an einem Heiligthum, das nicht ihm, das dem Publicum zugehoͤrt, vergriffen haͤtte. Ohne Zweifel waͤre die Vereinigung dieser Mittel wirksamer, als Bestrafungen an Geld oder mit Gefaͤngniß. Anstalten, die fuͤr die Sicherheit oder fuͤr das Vergnuͤgen der buͤrgerlichen Gesellschaft gemacht sind, mit einzelner Theile eines Landsitzes. mit einer gewissen Ehrerbietung als unverletzbar betrachten, ist eine eben so vortheil- hafte als weise Denkungsart. Der Tuͤrke haͤlt jeden Brunnen fuͤr heilig, der am Wege den durstigen Wanderer erquicken kann. Und selbst wilden Voͤlkern ist jeder Platz, wo sie sich zu irgend einer wichtigen Handlung versammeln, und jede Art seiner Auszierung ehrwuͤrdig und unverletzlich. 4. Man wird hier noch die Beschreibung einiger der anmuthigsten bepflanzten Landstraßen in Deutschland, so wie ich sie bey meiner letzten Reise Im Sommer 1783. angetroffen habe, nicht ungern sehen. Sie zeigen, daß wir schon von dieser Seite viel ge- wonnen, und koͤnnen als Beyspiele zur Nachahmung in den Provinzen dienen, wo es noch ganz an Anstalten dieser Art fehlt. Im Hannoͤverschen fangen die am besten angelegten Landstraßen an hinter der Hauptstadt nach der hessischen Graͤnze zu. Eine der schoͤnsten, in Ansehung der Bepflanzung und der Aussicht, ist die, welche von der sogenannten Hufe nach Einbek heruntergeht. So reizend auch die Prospecte von dieser Seite sind, indem man im Hinauffahren zuruͤcksieht, so kommen sie doch nicht mit denen in Verglei- chung, die man auf der Hoͤhe gewinnt, und die im Hinunterfahren bestaͤndig das Auge entzuͤcken. Der Contrast ist ungemein auffallend. Nach einer Strecke eines schlechten noch nicht verbesserten Weges, der zum braunschweigischen Gebiete ge- hoͤrt, gelangt man auf der Spitze des Berges wieder auf die hannoͤversche Land- straße. Ein trefflicher Weg, eine der anmuthigsten Alleen, eine uͤber alle Erwar- tung entzuͤckende Aussicht empfaͤngt auf einmal den Reisenden. Eine große, weit ausgebreitete, fruchtbare und mannichfaltig angebauete Landschaft, mit Waͤldern und Bergen eingefaßt, fuͤllet das Auge. Die Landstraße laͤuft mit verschiedenen Wendungen die Abhaͤnge des Berges bequem hinunter, und mit jeder Umbiegung, mit jeder Vertiefung erscheint die Landschaft in veraͤnderten Gemaͤlden. Die schoͤnen Baͤume, die von keinem Misbrauch der Gaͤrtnerscheere gelitten, besonders die er- wachsenen Quitschern ergoͤtzten mit ihren geraden Staͤmmen und ihrem vom Gelb- lichen ins Rothe sich faͤrbenden Beeren nicht wenig das Auge; im Fruͤhling begleiten sie den Reisenden mit den suͤßen Duͤften ihrer Bluͤthen. — Auf einigen Stellen der hannoͤverschen Landstraßen hat man kleine mit Baͤumen etwas besetzte Rasenbaͤnke angelegt, die dem muͤden Wanderer eine wohlthaͤtige Ruhe anbieten. Allein die Maulbeerbaͤume, die man hin und wieder an den oͤffentlichen Wegen dieses Landes erblickt, schicken sich nicht wohl zu diesem Gebrauch; denn wegen des bestaͤndigen A a 2 Abneh- Achter Abschn. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Abnehmens der Blaͤtter werden sie nicht allein niedrig gehalten, sondern sind auch fast immer laublos; sie dienen eben so wenig zur Beschattung, als sie dem Auge einen erfrischenden Anblick darstellen. Die Landstraßen in der fruchtbaren und schoͤnen Grafschaft Hanau gehoͤren zu den besten, die man nur sehen kann. Sie sind so eben gebauet, und werden so sorgfaͤltig unterhalten, daß man sie vollkommen mit der vortrefflichen Straße ver- gleichen kann, die von Kopenhagen nach Friedensburg fuͤhrt. Die Obstbaͤume, womit einige Straßen eingefaßt sind, besonders die Wallnußbaͤume geben zugleich eine nuͤtzliche Verzierung; unter den Fruchtbaͤumen sind diese, nebst den aͤchten Kastanienbaͤumen, wegen der Beschattung wohl die schicklichsten zur Besetzung oͤffentlicher Wege. Einige andre Straßen dieses Gebiets sind mit Linden und Roß- kastanien bepflanzt. Eine der merkwuͤrdigsten Landstraßen ist die von Frankfurt am Mayn nach Maynz . Sie ist eine der besten gebaueten Straßen, so fest, so eben, daß man die vier Meilen in weniger als vier Stunden leicht hinunterrollt. Rings umher ver- breiten sich die Landschaften in eine weite Ebene, voll Fruchtbarkeit und reich an schoͤnen Doͤrfern, die sich im Maynzischen so trefflich auszeichnen; zur Rechten schwellen in der Ferne der Graͤnze Berge empor. Hinter Hoͤchst ist die Straße an verschiedenen Stellen mit Obstbaͤumen, vornehmlich mit ziemlich erwachsenen Wall- nußbaͤumen, bepflanzt, unter deren Schatten man hinfaͤhrt. Nichts ist reizender, als die Hoͤhe, wo man auf einmal den Mayn und den Rhein erblickt, die in einiger Entfernung von einander daher stroͤmen und sich beyde Maynz naͤhern, wo sie sich vereinigen. Diese ehrwuͤrdige Stadt hebt sich hier zugleich mit ihrem praͤchtigen Dom, mit ihren vielen Kirchen, Thuͤrmen und Palaͤsten dem Auge stolz entgegen; und hinter ihr, wo der mit dem Mayn erweiterte Rhein sich hinabwaͤlzt, glaͤnzt eine der herr- lichsten Landschaften mit weit dahin daͤmmernden Bergen. Bey diesem Anblick schwellt der Geist zu einer hohen Wonne empor. Man kann sich den beruͤhmtesten Hauptstaͤdten naͤhern, ohne etwas von diesem neuen und erhebenden Gefuͤhl wahrzunehmen. Der Dom mit seinen Thuͤrmen bis in die Spitze von rothen Sandsteinen erbauet, die großen Massen der vielen Kirchen umher, worunter die der Angustiner, des St. Peter und des Ignatius zu den edelsten und praͤchtigsten Gebaͤuden dieser Art ge- hoͤren, die Vorstellungen von Andacht und Buͤßungen, die sich durch die Menge der Kloͤster, der Kreuze, der Bilder der Heiligen am Wege, der Seele aufdringen, dazwischen der Reiz von lieblichen Weinfeldern, von Obstwaͤldern und Gemuͤsfluren, die sich immer vermehren, das maͤchtige stuͤrmerische Fortstroͤmen des stolzen Rheins, der seinen schwaͤchern bescheidenen Bruder, den Mayn, gleichsam am Arm mit sich dahin- einzelner Theile eines Landsitzes. dahinreißt, die entzuͤckenden Aussichten rings umher, und dann mitten unter diesen begeisternden Scenen das melancholische Umherwandeln so vieler verschiedenen Ordens- geistlichen und das feyerliche Gelaͤute der Glocken aus den heiligen Oertern, das weit umher erschallt — Alles dieses erregt ein Gemisch von Empfindungen, welche die Seele des Reisenden, der diesen Eindruck zum erstenmal empfaͤngt, sehr lebhaft ruͤhren. Jenseits Maynz laufen die anmuthigsten Wege zwischen lauter Gaͤrten, die mit kleinen artigen Sommerhaͤusern geschmuͤckt sind, und zwischen Weinbergen, zum Theil mit Obstbaͤumen vermischt. Die Alleen fangen mit Wallnußbaͤumen an, und wechseln mit Linden, mit Roßkastanien und italiaͤnischen Pappeln ab. Das Auge wird uͤberall von den heitersten Aussichten, und naͤher am Rhein von verschiedenen anmuthigen Inseln begruͤßt, die unter der Stadt hin aus dem Strom sich erheben, und der lebhaftesten Verschoͤnerungen von der Hand des Geschmacks noch faͤhig sind. Der Mayn, der voll Eifersucht uͤber seinen maͤchtigen Nachbar noch immer seinen eigenen Fortlauf behaupten will, fließt vom Rhein sich trennend hinter diesen Inseln sanft voruͤber, und bespuͤlt, indem dieser seine gruͤnlichen Wellen stolz dahinrauschen laͤßt, mit seiner weißen allgemach hingleitenden Flut die Gebuͤsche des Ufers, die sich in ihm freundlich beschauen, ohne Unruhe und ohne Furcht, von ihm weggerissen zu werden. Von einem andern Charakter ist die so beruͤhmte Bergstraße in der Pfalz . Sie laͤuft aus dem Darmstaͤdtischen, in ihrer groͤßten Laͤnge etwa eilf Stunden, nach Heidelberg fort. Man muß die Straße bis zu dieser Stadt verfolgen, wenn man recht angenehm reisen will. Denn der Weg nach Manheim, der bald aus der Hauptstraße ablaͤuft, fuͤhrt durch beschwerliche Sandgegenden, durch lauter Ebenen, die wenig fruchtbar sind, zwischen einigen Fichtenwaͤldern fort; nur zur Linken wird das Auge in der Ferne durch den Anblick der Berge, an welchen die schoͤne Straße hinlaͤuft, mit Sehnsucht nach ihr unterhalten. Die Gegenden, durch welche die Bergstraße sich erstreckt, stellen einen großen reizenden Garten dar. Der Weg geht unter dem Schatten starker und bejahrter, auf beyden Seiten gepflanzter, Wallnußbaͤume hin. Zur Linken streckt sich eine Reihe von ansehnlichen Bergen fort; in ihren Zwischenraͤumen und auf ihren Abhaͤngen erscheinen Doͤrfer, Kirchen, Weinberge, und große Pflanzungen von Obstbaͤumen, besonders Wallnußbaͤumen; auf ihren Spitzen zeigen sich hin und wieder Thuͤrme und Gemaͤuer alter zerfallener Bergschloͤsser. Zur Rechten wechseln Doͤrfer, Felder mit Getraide, noch mehr aber mit allen Arten von Gemuͤs bepflanzt, Weinreben, Fruchtbaͤume, vornehmlich ganze Waͤlder und Klumpen von großen Wallnußbaͤumen ab, die sich weit in die Ferne hin erstrecken, und zuweilen alle Aussicht in die jenseitigen Ebenen verschließen. A a 3 Es Achter Abschn. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Es ist ein herrlicher Anblick, den die großen gewoͤlbten Kronen dieser Baͤume dar- stellen, und in der Zeit, wo alle Fruͤchte sich ihrer Reife naͤhern, wird der Reisende von dem Reichthum ihres Segens ergoͤtzt. Man erstaunt in der That uͤber die außerordentliche Menge von Wallnußbaͤumen, die sich wohl in keinem Winkel der Erde so zahlreich bey einander finden, und die man in den vorigen Zeiten so haͤufig anpflanzte, weil sie hier ungemein gluͤcklich emporwuchsen. Schon seit einigen hundert Jahren herrscht hier die vortheilhafte Anzucht dieser Baͤume, welche die Lage so sehr beguͤnstigt; denn gegen Norden ist sie von Bergen beschuͤtzt, und auf allen uͤbrigen Seiten sonnigt und warm. Von Heidelberg, das sich durch seine uͤberaus romantische Lage auf den Abhaͤngen eines Berges auszeichnet, an welchen der Necker hinwallet, hat man gegen Bruchsal zu noch eine Strecke die schoͤnen Berge zur Seite, welche die Straße begleiten, und wo sie sich nach einigen Stunden zu verlieren anfangen, da bleibt dennoch die Landschaft ein Garten. Bejahrte Wall- nußbaͤume beschatten die Straße, und erscheinen immer noch hie und da in Klumpen in den Feldern, die uͤberall mit einer Menge von Gartengewaͤchsen angebauet sind, zwischen welchen Getraidefluren und Wiesen abwechseln; aus den Weinbergen heben sich Obstbaͤume empor, und in der Ferne daͤmmern friedsame Waͤlder. Verschiedene Landstraßen im obern Deutschland sind mit italiaͤnischen Pap- peln besetzt. Ich fand sie mit Vergnuͤgen um Aschaffenburg, um Darmstadt, um Manheim, um Carlsruhe, gegen Straßburg zu. Auf der Straße von Manheim bis nach Schwetzingen, die eine der angenehmsten ist, wird man einige Stunden lang von den schoͤnsten lombardischen Pappeln beschattet, die zuweilen mit andern Baͤumen, besonders Wallnußbaͤumen, abwechseln, und diesen Lieb- lingen der hiesigen Gegend zuletzt ganz weichen. Von Bruchsal bis Stuttgard, eine Strecke von acht bis neun Meilen, ist die Landstraße durchgaͤngig gebauet, und in den meisten Gegenden vortrefflich. Hin und wieder ist sie noch hier mit alten Wallnußbaͤumen besetzt. Diese Baͤume machen, mit andern Obstbaͤumen vermischt, an den Seiten der Straße in den Fel- dern und Wiesen, wohin sie sich erstrecken, ganze Waͤldchen aus. Beym Eintritt in das Wuͤrtembergische sieht man sogleich eine noch besser unterhaltene Straße, und ein fruchtbares, wohlangebauetes, bergigtes Land, mit Waͤldern, weiten Kornfeldern, Gemuͤsfluren und Weinbergen. Die Landstraße ist ganz mit jungen Obstbaͤumen aller Art besetzt, nur den Wallnußbaum findet man hier weniger; sie sind dicht gepflanzt, und versprechen mit dem staͤrkern Anwuchs mehr Schatten. Diese Bepflanzung mit Fruchtbaͤumen geht einige Meilen fort, bis an Stuttgard . Zu einzelner Theile eines Landsitzes. Zu den herrlichsten Straßen im suͤdlichen Deutschland gehoͤrt die, welche von Enzwengen nach Pforzheim durch das Ensthal fuͤhrt. In einer Laͤnge von beynahe drey Stunden erheben sich zur Rechten des Weges Gebirge und Berge, vom Fuß bis zu ihrer, oft steilen, Spitze mit Weinreben bepflanzt, zwi- schen welchen uͤberall Obstbaͤume bald in Gruppen, bald einzeln erscheinen. Zur Linken schlaͤngelt sich das schoͤnste Thal in der Tiefe hin; die kleine Ens windet sich hindurch, verbirgt sich zuweilen hinter Gebuͤschen, und glaͤnzt wieder an einigen Stellen froͤhlich hervor; fast uͤberall ist die Flaͤche der Wiesen von Fruchtbaͤumen schattirt, die eben eine lebhafte Scene darstellten. Es war ein recht begeisternder Anblick, uͤberall in den lieblichen Wiesen des Thals die Landleute mit der letzten Heuaͤrndte beschaͤftiget und in den Baͤumen Knaben hangen zu sehen, die das Obst brachen; die Straße wimmelte von Maͤdchen, die den Segen der Fruchtgoͤttinn in vollen Koͤrben auf dem Kopfe heim trugen. Jenseits des Thals erheben sich allmaͤh- lich aufsteigende Hoͤhen mit Getraide und Waͤldern; diese senken sich zuweilen zu den heitern Grasflaͤchen des Thals herab, und machen dagegen mit ihren großen Massen von Schatten einen trefflichen Contrast. Die steilen Gebirge zur Rechten niedrigen sich nachher zu Bergen; diese verlieren sich wieder seitwaͤrts; und die Weinpflanzungen zeigen sich mit Kornfluren untermischt. Doch das Auge verliert nichts. Die Straße laͤuft bald wieder zwischen Waͤldern von Obstbaͤumen fort, die auf beyden Seiten in der mehr flachen Gegend erscheinen. Ein uͤberraschender Auftritt ist die Stelle, wo man in das baadendurlachische Gebiet uͤbergeht. Man wird von einer schoͤnen Allee von italiaͤnischen Pappeln empfangen, die den Reisenden sogleich an einen menschenfreundlichen Fuͤrsten erinnert; sie windet sich fast zwey Stunden lang bis Pforzheim . Von hier bis nach Durlach ist die Landstraße nur hie und da stellenweise mit aͤltern Obstbaͤumen besetzt; doch erblickt man diese auf beyden Seiten des Weges in den Feldern in Haufen zerstreut. Die Straße ist auch hier trefflich gebauet, und gehoͤrt zu den besten in Deutschland . Der Reisende wird zugleich von dem Anblick eines schoͤnen, fruchtbaren und fleißig angebaueten Landes, voll großer herrlicher Waͤlder und futterreicher Wiesen an ihrem Fuße, ergoͤtzt. Man sieht einige Nadel- hoͤlzer, doch am meisten Laubbaͤume. Die Straße laͤuft zuweilen zwischen den an- muthigsten Waͤldern und Wiesen hin; diese letzten breiten sich in großen Flaͤchen hin, und sind von vielen Gruppen fruchttragender Baͤume schattirt. Man faͤhrt durch wohlgebauete Doͤrfer, die zwischen Obstwaͤldern ruhen und mit allem Ansehen des Wohlstandes geschmuͤckt sind; sie gehoͤren zu den schoͤnsten, und uͤbertreffen an Ge- raͤumlichkeit und Reinlichkeit viele Flecken in Niederdeutschland . Der edle Fuͤrst Achter Abschn. Gartenmaͤßige Verschoͤnerung Fuͤrst Se. Durchl. Carl Friedrich, Markgraf zu Baadendurlach und Baaden. hat 1783 die Leibeigenschaft, die doch sehr ertraͤglich war, im ganzen Lande gegen alle Besorgnisse, die dagegen erregt wurden, mit einem Verlust ansehnlicher jaͤhrlicher Einkuͤnfte, zum Ruhm der Menschheit und zum Segen der Nachkommen- schaft aufgehoben. Fuͤr diese großmuͤthige That wollte er nicht den Dank seines geruͤhrten Volks annehmen; er versicherte, er habe nur gethan, was er fuͤr seine Pflicht gehalten, und was er zu thun lange gewuͤnscht habe. Die Doͤrfer feyerten das große Fest der Freyheit. Die Aemter ließen Danksagungen gegen ihren men- schenfreundlichen Fuͤrsten drucken, die selbst der Fremde mit innigster Ruͤhrung las. Die Kirchen ertoͤnten von feyerlichen Dankreden. Der Abend des Festes ward zur Ergoͤtzung verwendet. Das Landvolk trank auf das Wohl eines so edelmuͤthigen Vaters, tanzte und frohlockte in dem neuen Gefuͤhl der Freyheit. Bey allem diesem Jubel, bey allen diesen Dankthraͤnen seines Volks wiederholte der Menschenfreund: er habe nur gethan, was er fuͤr seine Pflicht gehalten, und was er zu thun lange gewuͤnscht habe. — Er dankte vielmehr selbst der Vorsehung fuͤr das Vergnuͤgen, das sie ihm schenkte, ein freyes Volk zu regieren. — Die Straße von Durlach nach Carlsruhe ist als eine der schoͤnsten Alleen- straßen bekannt, die wir nur in Deutschland haben. Sie ist trefflich gebauet, geht in einer ganz geraden Linie eine kleine Meile fort, und ist auf beyden Seiten mit hohen und praͤchtigen italiaͤnischen Pappeln besetzt. Sie stellen bloß durch ihren natuͤrlichen Wuchs schoͤne Pyramiden vor, sind fast vom Fuß an voll Zweige, und bieten einen sehr anmuthigen Schatten dar. Beym Herausfahren aus Carlsruhe hat man gleich an der Landstraße zu bey- den Seiten eine Bepflanzung von Platanen und zur Rechten einen schoͤnen Wald. Auf diese Allee folgt eine andre von italiaͤnischen Pappeln; sie faßt die Landstraße, eine Strecke von fuͤnf Stunden lang, bis nahe vor Rastadt ein. Doch sind zwi- schen diesen schoͤnen Baͤumen Obstbaͤume eingestreut, so daß auf zwey Pappeln immer ein fruchttragender Baum folgt. Diese Beflanzung giebt der Straße ein ange- nehmes und unterhaltendes Ansehen, und entschaͤdigt den Reisenden wegen des An- blicks der vielen Sandgegenden, die er vor sich hat. Die Straße geht fast immer, außer einigen Kruͤmmungen, die sie bey den Doͤrfern macht, in gerader Strecke fort. Sie ist ungemein gut gebauet, und dennoch zahlen die Reisenden kein Weggeld. Dieß wird selbst in einigen Gegenden von Deutschland, wo noch keine Wege ge- macht sind, eingefordert. Hier glaubt der Landesfuͤrst, daß er Reisenden, die seine Posten bezahlen, und seinen Posthaltern gute Straßen schuldig ist. Die Straße nach einzelner Theile eines Landsitzes. nach Rastadt laͤuft immer zwischen weit ausgestreckten Ebenen fort, die mit allen Arten von Gemuͤs, mit tuͤrkischem Korn, mit Hanf und etwas Tabak angebauet sind. Die Cultur dieser Felder und das Gewuͤhl der emsigen Landleute nimmt ihnen etwas von dem oͤden und einfoͤrmigen Wesen, das auf der Flachheit der Ebe- nen zu ruhen pflegt. In der Ferne rufen zur Linken die Berge des beruͤhmten Schwarzwaldes das Auge; sie machen eine herrliche Begraͤnzung der flachen Landschaften, daͤmmern in sich verlierenden Hoͤhen an Hoͤhen hin, und scheinen doch gegen Rastadt dem Reisenden wieder naͤher zu ruͤcken. Man erblickt von dieser Straße nicht mehr Obstbaͤume in den Feldern, oder doch selten. Aber, wer aus den nordlichen Provinzen von Deutschland kommt, empfindet hier die liebliche Waͤrme, die selbst noch den Herbstabend begleitet, und die suͤßen Duͤfte, womit noch zu der Zeit die Luft umher angefuͤllt ist. Diese lange Pappelallee endigt sich bey einem Walde, zwischen welchem man fast bis an Rastadt faͤhrt. Die Straßen in dem benachbarten niedrig liegenden Elsaß, wohin uns noch ein Uebergang verstattet sey, mußten hoch angelegt werden, und sind wohl unterhal- ten. Man zahlt kein Straßengeld; nirgends siehet man Weghaͤuser und Sperr- thore. Die Straße von Strasburg nach Basel ist eine der belebtesten, die man nur finden kann, immer voll von Wagen, von Reitenden und Fußgaͤngern. Denn sie ist der gewoͤhnliche Weg nach der Schweiz und nach Italien; sie fuͤhrt zugleich zu einer Menge von Staͤdten, Festungen und Doͤrfern, die den Elsaß bedecken. Nur an sehr wenigen Stellen ist sie mit Fruchtbaͤumen besetzt, und fast uͤberall offen. Doch sieht man in den Feldern und weiten Gemuͤsfluren hie und da große Gruppen von Fruchtbaͤumen zerstreut, und die Doͤrfer sind von ihrem Schatten lieblich uͤber- daͤmmert. Es ist ein uͤberaus erfreuender Anblick, rings umher, so weit das Auge reicht, nichts als die fruchtbarsten Landschaften voll Staͤdte, Flecken und Doͤrfer, voll muntrer und gluͤcklicher Einwohner zu sehen. Eine so weite Plaͤne, die man immer vor sich hat, kann nur durch den hohen Grad der Fruchtbarkeit, der Cultur und der volkreichen Bewohnung fuͤr den Reisenden unterhaltend bleiben. Doch geben bis nach Colmar die lothringischen Gebirge, die sich zur Rechten fortstre- cken, der Aussicht uͤber die Ebene eine malerische Graͤnze; hin und wieder erheben sich vor ihnen kleinere Berge, die noch zum Gebiete vom Elsaß gehoͤren. Man entdeckt in der Ferne mit Vergnuͤgen die Spuren der Bewohnung und des Anbaues dieser Berge. Und mit einer noch hoͤhern Wollust verweilt das Auge in dem unter- haltenden Anschauen dieser großen Kette von hohen und mittelmaͤßigen, sich uͤber einander empor waͤlzenden und sich durch ihre eigene Massen verduͤsternden Gebirgen. Sie erscheinen in einer lange fortlaufenden Kette von vielen Meilen, und wechseln in V Band. B b sehr Achter Abschn. Gartenmaͤßige Verschoͤner. einzelner Theile ꝛc. sehr malerischen Lagen und Gestalten. Bald heben sie sich zu steilen Hoͤhen, bald senken sie sich wieder zu mittlern Bergen herab, zuweilen mit scharfen Absaͤtzen, meistens aber mit schoͤnen wellenfoͤrmigen Erhebungen. Sie ruͤcken zuweilen der Straße so nahe, als wollten sie eine noch groͤßere Aufmerksamkeit fordern. Es ist eine weit praͤchtigere Strecke von Gebirgen als der Harz, praͤchtiger in der ganzen Lage und in der Zeichnung der Umrisse. — Ich darf hiebey bemerken, daß das Harzgebirge, nach meinen wiederholten Reisen zu den Alpen, niemals einen son- derlichen Eindruck auf mich gemacht, obgleich die dunkeln Waͤlder vom Nadelholz, womit es bedeckt ist, ihm ein ehrwuͤrdiges Ansehen geben. — Die Gebirge von Lothringen sanken, als ich das letztemal die Straße befuhr, allmaͤhlich in das feyerliche Dunkel eines abgeregneten ruhigen Sommerabends; doch blieb uͤber ihren Haͤuptern die ganze Helle der Abendroͤthe schweben, welche den Saum der stillen Wolken, die neue Gebirge zu seyn schienen, vergoldete und hin und wieder einen matten Lichtstrahl in ihre Finsterniß hinaufschoß; eine erhabene Scene, wie Ossian der Natur nachmalt. — Wo sich die Straße von Colmar nach Breysach gegen den Rhein wendet, verliert man nach und nach diese praͤchtigen Berge aus dem Gesichte. Doch bleibt der Weg immer lebhaft und anmuthig; der Koͤnig der deut- schen Stroͤme erscheint bey Kemps in einigen glaͤnzenden Ansichten; und bald fan- gen die Vorgebirge der Schweiz und der Prospect von Basel an, das Auge mit ihrem Zauber zu reizen. Von den helvetischen Landstraßen die Schweiz zu reden Gelegenheit neh- werde ich in meinen neuen Briefen uͤber men. Erster Erster Anhang. Beschreibungen von Gaͤrten . B b 2 I. Garten bey dem Posthofe vor Hannover. Dieser Garten, nebst dem folgenden Garten zu Marienwerder, gehoͤrte dem Koͤnigl. Großbrit. und Churfuͤrstl. Han- noͤverschen Legationsrath Hrn. Jobst Anton von Hinuͤber, und beyde sind von ihm an- gelegt. Dieser vortreffliche Mann, einer der groͤßten Gartenkenner, ward am 15ten Januar 1784 seiner schaͤtzbaren Familie, seinen Freunden und der Menschheit ent- rissen. Sanft ruhe die Afche des Edlen, der seinen Mitbuͤrgern so manche fanfte Freude uͤber die unter seiner Hand bluͤhende Natur darbot! Seine Anlagen sind nicht verloren. Sie sind in den Besitz seines aͤltesten Sohns, des Hrn. Hofraths von Hinuͤber, eines durch Geist und Herz verehrungswerthen Mannes, ge- kommen. D ieser Garten ist gleich der Liebling von allen, die ihn nur sehen; er befriedigt den Kenner und fesselt den bloßen Liebhaber; Reisende und Einheimische ver- einigen sich in ihm zum Genuß der heitersten Augenblicke; denn er schmeichelt den Sinnen und unterhaͤlt den Geist. Der Begriff der Heiterkeit wird sogleich beym Eintritt durch eine Gruppe von mancherley Blumen erregt, welche die Mitte eines Rasens ziert. Die Gaͤnge fan- gen zugleich an, das Auge zwischen den mannichfaltigen Baumgruppen hinzulocken, und eine lebhafte Erwartung des Vergnuͤgens zu erwecken, das der Freund der schoͤnen Natur und des reinen Gartengeschmacks hier genießen soll. Das Auge irret zwischen den Klumps, den Gebuͤschen, den einzelnen Baͤu- men, den Rasen, den Blumengruppen fort, von Licht zu Schatten, von Schatten zu Licht, vom Offenen zum Verschlossenen, vom Heitern zum Dunkeln, von jeder Abwechselung in der Schattirung des Gruͤns. Die innern Prospecte sind bis zum Erstaunen vervielfaͤltigt und abwechselnd; jeder Schritt, jede Stellung, jede Wen- dung auf dem Hingange und auf der Ruͤckkehr stellt ein neues Gemaͤlde dar. Die Gruppen, von deren Anordnung diese gluͤckliche Wirkung bestimmt wird, sind mit einer Meisterhand gestellt und ausgebildet, immer abwechselnd an Form, an Groͤße, an Zusammensetzung, an Abstand. Sie springen bald vor, ziehen sich bald zuruͤck; sie oͤffnen und verschließen; sie verlaͤngern die Prospecte und verkuͤrzen sie wieder; sie scheinen alle in Bewegung, um die Gemaͤlde hervorzustellen oder zuruͤck zu nehmen, sie zu erheitern oder zu verdunkeln. Daher die erstaunliche Mannichfaltigkeit von Ansichten, und die bestaͤndige Abaͤnderung der Scenen auf einem so wenig ausge- breiteten Platze. B b 3 Eine Erster Anhang. Eine andere Schoͤnheit der Gruppen, welche die Pflanzung des Gartens bil- den, und nur hie und da mit einzelnen Baͤumen abwechseln, besteht in ihrem male- rischen Ansehen. Sie sind mit einem Auge angelegt, das die feinsten Nuͤancen in der Verbindung und Folge der Lichter und Schatten, und in den wechselnden Farben des Laubwerks aufzufassen, das der malenden Natur jeden treffenden Strich in ihren schoͤnern Bildern abzulauschen, und in den Zusammensetzungen, mit einem aus- zeichnenden Schein des Neuen, dem Blick des Anschauers fuͤhlbar wieder zu geben weiß. Die auslaͤndischen, besonders die americanischen Baͤume und Straͤucher, sind mit großer Klugheit zur Malerey mit den einheimischen Holzarten gemischt; die Lebhaftigkeit der Vorgruͤnde ist durch das hellere Laub, durch Blumenstraͤucher und niedrige bluͤhende Pflanzen gehoben; die Entfernungen der Hintergruͤnde sind durch finstre Baumarten taͤuschend vergroͤßert. Man empfindet die malerischen Schattirungen der Gruppen, die Fortgaͤnge sowohl als die Unterbrechungen der hel- len und dunkeln Partien, die entzuͤckenden Schauspiele der Lichter am besten in den Stunden des Morgens und des Abends. In diesen Augenblicken, wo jede Schoͤn- heit der Natur sich in der mildern Beleuchtung hebt, wo das Streiflicht zwischen den Gruppen sich hier mannichfaltig verbreitet, dort wieder begraͤnzt ist, wo das Gruͤn sich mit allen seinen Schattirungen auszeichnet, wo die Rasen heitrer schim- mern, und selbst der nachbarliche Schatten, der ihr Licht hemmt, lieblich ist — in diesen sanften Augenblicken bieten sich die zauberischen Wirkungen dieser Pflan- zung ganz zur Entzuͤckung des Auges an. Hohe Baͤume, worunter der Kenner manche seltene Arten antrifft, erheben sich praͤchtig aus den Gruppen; sie berei- chern die Reviere mit ihrem Schatten, und helfen zuweilen an perspectivischen Stellen die Dunkelheit des Hintergrundes vermehren. Schoͤne Rasen umschlaͤngeln die Gruppen, und scheinen sie gleichsam in freundschaftliche Umarmung zu schließen. Wo kein Gebuͤsch gruͤnt, da schmuͤckt uͤberall ihr sanfter Teppich den Boden, und contrastirt anmuthig gegen das Laub der Baͤume und Straͤucher, von welchen seit- waͤrts der dunkle Schatten wegschleicht, indessen daß die offenen Flaͤchen von einem heitern Licht uͤbergossen sind. Bald aber sind auch sie wieder von den benachbarten Gruppen oder einzelnen Baͤumen hie und da mit Schattenstrichen bezeichnet. Die Gaͤnge winden sich immer zwischen den Gruppen herum; sie machen nicht bloß freye und natuͤrliche Wendungen, sondern locken auch das Auge des Spatzierenden, und erregen, indem sie sich bald wieder verlieren, die Erwartung eines weiten Bezirks. — Auch der geringste Umstand ist mit Ueberlegung ge- nutzt. Kein Baum, keine Bank steht ohne Absicht da. Alles hat eine Bezie- hung, um die Ansichten zu bezeichnen, und zu heben, um den hellern Hervorsprung oder Beschreibungen von Gaͤrten. oder das Zuruͤckweichen der Scenen merklicher zu machen. Die Stuͤhle, die Ruhe- sitze, die Bruͤcken, die Bildsaͤulen, alles dient dazu, die Gesichtspunkte zu bestim- men und die Richtungen des Auges leiten zu helfen. Nicht weniger sind die aͤußern Prospecte der umliegenden Landschaft mit Weis- heit genutzt. Es sey einer der Kirchthuͤrme der benachbarten Stadt Hannover, wovon drey in eben so viel verschiedenen Ansichten als Obelisken in den Oeffnungen der Gebuͤsche sich erheben und gerade vor dem Auge zu stehen scheinen; oder ein Theil der Stadt und ihrer mit neuen Baumpflanzungen sich verschoͤnernden Waͤlle; oder ein anliegendes Korngefilde; oder der entfernte Hintergrund der Landschaft, ein dunkler Wald; oder ein benachbartes Landhaus: uͤberall sind die aͤußern Prospecte in ein Eigenthum des Gartens verwandelt. Man genießt, was umher liegt, ohne dem Eigenthuͤmer etwas zu entziehen; man genießt vielleicht freyer und vergnuͤgter, als er selbst. Auch in diesem Theil der Anlage ist uͤberall gedacht und ausgewaͤhlt. Es sind einzelne ausgesuchte Gemaͤlde, die durch die Anordnung der Aussichten aus der Landschaft ausgehoben sind; sie erscheinen in verschiedenen Massen, Groͤßen und Stellungen; und auch hier ist die Pflanzung ein Mittel, die außer dem Bezirk des Gartens liegenden Scenen bald frey hervortreten, bald leicht durchschimmern, bald allmaͤhlich zuruͤckweichen, bald sich ganz verbergen zu lassen. Die reizenden Bilder der Natur, so wohl im Garten als in der Landschaft, wandeln gleichsam mit dem Spatziergaͤnger umher, wenden und veraͤndern sich mit ihm bey jedem Schritt; ein magisches Spiel fuͤr die Phantasie, die sich diesen Eindruͤcken uͤberlaͤßt. Eine Gruppe, ein Busch, ein Baum schiebt sich vor; und auf einmal ist das Gemaͤlde veraͤndert. Immer neue Schoͤnheiten eroͤffnen sich dem aufmerksamen Spatziergaͤn- ger. Ein sicherer Beweis von der weisen Oekonomie, womit die Aussichten ge- waͤhlt und die Anlage geordnet ist. Keine ploͤtzliche Fuͤllung der Blicke, die sie gleich, nachdem der erste Genuß vollendet ist, wieder darben laͤßt, sondern immer fortschreitende und allmaͤhlich wachsende Unterhaltung. Man sieht hier, wie viel auf die Kunst der Pflanzung und Anordnung der Gruppen ankommt, eine Kunst, die noch in so wenig Gaͤrten beobachtet ist, und wovon man in vielen Provinzen noch gar keinen Begriff hat. Bald nach dem Eintritt windet sich zur Linken ein Gang einem großen Ge- baͤude zu, das gleich das Auge an sich zieht. Es hat die Gestalt einer Kapelle; ein auf der Spitze hervorragendes Kreuz und die Statue eines Heiligen uͤber dem Eingange, helfen die Taͤuschung des ersten Anblicks vermehren. Der Heilige haͤlt in der Rechten eine Harke, und legt mit der andern Hand hinter sich einen Bischofs- stab nieder. Es war, wie die Legende erzaͤhlt, der heilige Paulinus zu Nola in Italien, Erster Anhang. Italien, der sich von einem Gaͤrtner zum Bischof erhob, aber diese Wuͤrde wieder fuͤr die Ruhe und Annehmlichkeit seines ersten Standes verließ. Die Geschichte, wahr oder erdichtet, giebt doch hier Veranlassung zu einer neuen und fuͤr die Gaͤrt- nerey sehr schmeichelhaften Vorstellung. Die aͤußern Waͤnde der Kapelle und das Dach sind halb mit Weinranken uͤberzogen. Beym Eintreten trifft man einen großen, heitern und schoͤnen Saal an, der das Inwendige dieses Gebaͤudes aus- macht, und mit Kupferstichen, mit Buͤsten und ganzen Figuren, die beruͤhmten Antiken nachgebildet sind, ausgeziert ist. Man hat aus dem Saal verschiedene fein ausgewaͤhlte Prospecte. An der Seite dieses Gebaͤudes befindet sich ein Vogelhaus, und vor ihm ein offener bedeckter Sitz. Man ruhet hier unter den lieblichsten Aussichten, und wird von den mannichfaltigen Stimmen dieser kleinen befiederten Klostergesellschaft unterhalten. Gerne wendet man sich, um sie in ihren Zellen zu belauschen; sie flattern froh hervor und scheinen dem neugierigen Beschauer zuzurufen, daß hier noch das suͤße Recht der Liebe, selbst hinter dem verschließenden Gitter, gilt. Von dieser Gegend gelangt man, indem man neben einem wohl angelegten Wasser fortwandelt, das sich ins Gebuͤsch mit einem Schein der Vergroͤßerung hin- einzieht, und mit verschiedenen Bruͤcken geziert ist, zu Ruinen, die an dieser Ecke des Gartens liegen. Sie geben einen kuͤhlen Sitz. Man schaut von hier zuruͤck auf das Wasser hin, unter der hohen chinesischen Bruͤcke fort. Das Wasser, das sich in dieser Aussicht verliert und noch weit fortzufließen scheint, wird von dem Ra- sen, der sich daran hinschmiegt, und von den Wiederscheinen der Gebuͤsche, der Blumen und der Bruͤcken verschoͤnert; Enten rudern darauf schnatternd umher. Der Blick faͤllt zuletzt auf die Hinterseite der Kapelle, hinter welcher die Gipfel der Pflanzung, und besonders eine uͤber sie praͤchtig emporsteigende italiaͤnische Pappel, den Gesichtskreis schließen. Gleich hinter den Ruinen, die malerisch und in der Ferne taͤuschend unter den Baͤumen liegen und von ihnen halb uͤberwachsen sind, befindet sich eine noch erhal- tene kleine Todtenkapelle, zu welcher ein fast verdeckter dunkler Seitengang herum- schleicht. Sie ist mit Vorstellungen der Andacht aus laͤngst verlebten Jahrhunder- ten der rohen Kunst, mit gothischem Schnitzwerk, mit Bildern der Sterblichkeit, mit Todtenkammern und den uͤbrigen Auszierungen einer Kapelle der roͤmischen Kirche angefuͤllt. Alles stimmt in dieser Nachahmung mit den Urbildern dieser Art ganz getreu uͤberein; alles ist so taͤuschend, daß man nicht mehr getaͤuscht zu seyn glaubt. Eine Wohnung des ernsten Nachdenkens und der Melancholie; jeder Ge- danke sinkt hier truͤber herab; das Herz wird von einem maͤchtigen Schauder der Sterblich- Beschreibungen von Gaͤrten. Sterblichkeit uͤberwaͤltigt. Eine zugemauerte Thuͤre, die eine angefuͤllte Gebein- kammer zu verwahren scheint, verstaͤrkt diesen Schauder, und macht fast die ganze Phantasie zum Grabe. Doch seht, die Thuͤre oͤffnet sich. Welche Ueberraschung! Licht und Schoͤnheit der Schoͤpfung strahlt auf einmal hervor. Das Herz fliegt frey und sich ganz wieder eroͤffnend diesen Scenen entgegen. Es erweitert sich von neuem im Gefuͤhl des Lebens und stroͤmt ganz in der Wonne des Wiederschauens unsrer schoͤnen Erde hin. Etwas entfernt von diesem Auftritt, wo man ihn nicht mehr erblickt, liegt in einer sanften Daͤmmerung ein feines Cabinet, in chinesischem Geschmack verziert. Seine Lage, seine Einrichtung, seine Aussichten lassen gleich wahrnehmen, daß es heitern und geselligen Vergnuͤgungen gewidmet ist. Bald befindet der Spazierende sich wieder zwischen Pflanzungen, die sich abwechselnd mit einem malerischen Reiz heben; bald laden ihn die Stuͤhle und Sitze ein, die, gleich den Bruͤcken, von einer großen Mannichfaltigkeit schoͤner Formen, eine Schule fuͤr den Zeichner, sind, einen weißen lebhaften Anstrich, der sich trefflich gegen das Gruͤn hebt, und eine solche Stellung haben, daß man in allen Stunden des Tages im Schatten sitzen, und das Auge sich bald an einer rei- zenden Aussicht weiden, bald im erquickenden Dunkel ruhen kann. Da der Garten fuͤr das Vergnuͤgen der Gartenfreunde immer offen ist, so erleichtert uͤberall die An- lage der Gaͤnge zwischen den Gruppen das Ausweichen; und verborgene Schatten- sitze winken dem, der Einsamkeit sucht. An einigen Stellen sind sanfte Erhoͤhun- gen, besonders gegen die Graͤnze des Gartens, wo sich weitere Aussichten in die Landschaft eroͤffnen, oder wo die Stadt mit allen ihren Thuͤrmen auf einmal her- vorbricht. Aber wer wuͤnscht sich bey diesem Anblick dahin? Wer koͤnnte diesen Zauberort fuͤr eine Stadt vertauschen? Eben die Mannichfaltigkeit, die durch die ganze Anlage sichtbar ist, zeigt sich auch in der Begraͤnzung des Gartens. Bald erhebt sich ein hoͤherer Sitz, bald zieht sich eine dichte Gruppe, bald ein duͤnneres Gebuͤsch, bald ein niedriger Zaun davor, bald ein durchsichtiges Drathgitter, bald ein tiefer mit Zacken oder von unten auf- wachsendem Dornbusch verwahrter Graben, woruͤber frey der Blick streicht, aber kein Sprung sich wagt. Man glaubt daher an manchen Stellen nicht mehr im Garten, sondern in der Landschaft selbst zu seyn; man sieht das Saatfeld fast vor seinen Fuͤßen gruͤnen, und spaͤter hin scheint das Gewuͤhl der Aerndte mitten in der Pflanzung zu rauschen. Die Weisheit der Anlage erscheint oft in Umstaͤnden, die einem gemeinen Auge zu klein scheinen, als daß es sie da suchen sollte. So dient eine Bank, um V Band. C c das Erster Anhang. das Ende des Gartens bey dem Wohnhause taͤuschend zu verstecken. Eine Bruͤcke, die zunaͤchst nur zum Uebergange bestimmt ist, verstattet unter ihrem Bogen zugleich einen laͤngern Blick auf das dahin spielende Wasser. Eine andre Bruͤcke ist unten mehr zugebaut, um das Ende des Wassers zu verstecken, und sie steigt zugleich hoͤher, um die Aussicht in die Landschaft reicher zu gewaͤhren. Noch eine andre, die an der wildern Graͤnze des Gartens vor einem Gebuͤsch vorbeyfuͤhrt, ist von einem ganz einfach laͤndlichen Ansehen, da hingegen die chinesische Bogenbruͤcke, die ganz frey liegt, mit einer reichern Bauart prangt. So erscheinen auch vor dem Wohn- hause von Nadelhoͤlzern, sowohl einheimischen als americanischen, viel haͤufiger dichte Gruppen, um in der laublosen Jahrszeit durch den Anblick des Gruͤns in der Naͤhe zu unterhalten. Nicht weniger gluͤcklich ist der Platz auf der Hinterseite des Hauses nach der nahen Landstraße angelegt. Die Einrichtung ist so taͤuschend, daß man sowohl von der Straße im Vorbeyfahren, als auch aus den Fenstern des Wohnhauses einen Theil des Gartens und keinen abgesonderten Platz zu sehen glaubt. Auf einem Ra- sen bluͤhet zunaͤchst vor dem Hause eine Sammlung von Blumen und zwey Grup- pen, die eine von Buschwerk, die andere von einer Tanne und einer Fichte; sie sind so gestellt, daß sie dem Hause ein malerisches Ansehen geben, und zugleich einen Garten anzukuͤndigen scheinen. Zwey Gaͤnge machen um den Rasen eine Wendung, als wenn sie seitwaͤrts weiter liefen. Sie stoßen aber auf zwey versteckte Sitze im Winkel, wo man die Voruͤberfahrenden sehen kann und zugleich einen Aus- gang nach dem Hofe hat. Doch diese Beschreibung verliert sich fast in das Einzelne, da es, bey der Mannichfaltigkeit der Spaziergaͤnge, nur die Absicht war, den Geist der Anlage dieses kleinen, aber mit großem Verstande angeordneten, Gartens darzustellen. Gartenfreunde, welche nur einen Platz von nicht sehr betraͤchtlichem Umfang zu be- bauen haben, sehen hier, wie sie, vertraut mit der Natur, nicht bloß ihre Schoͤn- heiten nachbilden sollen, sondern ihnen auch, durch die Kunst der Anordnung und Auszierung, mit der Mannichfaltigkeit der Ansichten und Prospecte den Schein der Groͤße mittheilen koͤnnen. Alles ist das eigene Werk des Besitzers; die Natur hat ihm nichts weiter als den Platz gegeben, der aus einer Flaͤche bestand, die nur an einigen Stellen etwas erhoͤhet ist. Daher scheint auch reines, fließendes Wasser das Einzige zu seyn, was diesem reizenden Garten fehlt, der sonst viel duftende Blumenftraͤu- cher und viel Gesang der Voͤgel hat. Er ist der ruhige, sanfte, heitere Wohnplatz ei- nes Weisen, der die seltne Kunst versteht, das Gluͤck des Lebens bald unter nuͤtzlichen Ge- schaͤfften, bald unter den Wissenschaften, bald in dem Schooß der Freundschaft und der haͤuslichen Beschreibungen von Gaͤrten. haͤuslichen Geselligkeit zu vertheilen; und der, um selbst den Ort seines Vergnuͤ- gens zum Monument seines maͤnnlichen Geschmacks zu schaffen, aus den Gaͤrten sein bestaͤndiges Studium macht. So manche Gartenanleger glauben, alles ge- than zu haben, wenn sie nur ihre Baͤume, ihre Rasen, ihre Blumen hinwerfen, als wenn sie vom Zufall entstanden waͤren. Aber wie weit von diesem Ziel, wo alles lange uͤberlegt, und beobachtet ist, wo die Wirkungen berechnet und die kuͤnf- tigen Veraͤnderungen in dem Wachsthum der Baͤume schon im Anschlag gebracht wurden, wo die ausbildende Hand noch in jedem Sommer geschaͤfftig ist, hinzu- zusetzen, wegzunehmen, zu verfeinern! So viele edle Seelen haben in diesem Garten empfunden, welch einen Un- terschied es zwischen Gaͤrten giebt, die ein Mann von Gefuͤhl und Verstand anlegt, und zwischen jeder gemeinen Pflanzung der Mode. Moͤchten sie bey dieser kleinen Beschreibung sich der heitern Stunden wieder erinnern, die sie hier genossen. Einige haben hin und wieder an den Baͤnken, Stuͤhlen und Termen ein Denkmal ihrer geruͤhrten Empfindung, einen Dank, eine kleine Inschrift hinterlassen wol- len; ein Beweis, daß sie in der That von dem Zauber dieses Platzes erfuͤllt waren, indem sie sich nur dem Ausbruch ihres Gefuͤhls uͤberließen, ohne vielleicht an die mindere Schicklichkeit der Art des Ausdrucks zu denken. Indessen giebt es noch eine andere Art des Beyfalls, die nicht weniger schmeichelhaft fuͤr den Anleger ist, die stille und ernste Betrachtung des langsam umher wandelnden Kenners, der den schoͤpfrischen Ideen nachspuͤrt, aus welchen dieß kleine Wunder der Kunst ent- sprang. C c 2 II. Marien- Erster Anhang. II. Marienwerder . Einige Stunden von Hannover. D er erste Blick aus dem Wohnhause, der offen, frey und groß ist, laͤßt gleich eine Anlage von einem betraͤchtlichen Umfang erwarten. Zuerst breitet sich vor dem Auge ein ansehnlicher Rasen von edler Form aus, mit verschiedenen Grup- pen von Baͤumen, die seinen Rand sehr malerisch bekraͤnzen; zwischen ihnen oͤffnen sich drey Aussichten, die schon die Ausdehnung des Ganzen ankuͤndigen. Gerade aus wird das Auge uͤber den Rasen in die Ferne hin, zwischen einer langen Oeffnung großer Gruppen und Gebuͤsche, geleitet, und zuletzt von einem Gegenstande be- graͤnzt, woruͤber in diesem Prospect noch ein ungewisses Dunkel schwebt, einem Schirmsitz auf einer Hoͤhe. Zur Rechten hat man durch einige schoͤne Gruppen wieder zwey malerische Durchsichten uͤber eben so viele Bruͤcken, die hier am Ende des Rasens erscheinen; die erste Aussicht faͤllt bald auf die naͤhere Pflanzung, die andere streicht uͤber einen Theil des Wassers, uͤber entfernte Rasen und verliert sich zwischen den Hervorspruͤngen und Einbuchten der großen Baumgruppen, die, von hier betrachtet, eine zusammenhaͤngende Waldmasse bilden. Reizend ist dieser Vorplatz oder dieser Anfang des Parks, noch reizender in den fruͤhen Stunden des erwachenden Tages. Indem das aufglimmende Morgenlicht sich zur Rechten erhebt, werfen die Gruppen nahe vor dem Auge ihre Schatten auf den sich immer mehr erheiternden Rasen und brechen seinen Schimmer hin und wie- der mit dem stillen Spiel einer lieblichen Daͤmmerung. Schoͤner hebt sich das Wasser, mit dem Spiegel seiner gruͤnen Ufer. Fernhin irret das Auge zwischen stark beschatteten Stellen, die der Morgenstrahl nicht trifft, und zwischen erleuchte- ten Flaͤchen in die buschigte Dunkelheit der Graͤnze hin; aber es verweilt mit Ent- zuͤcken bey den lieblichen Malereyen des Lichts auf den Spitzen der Hayne und Ge- buͤsche, die ihre Abwechselung von Gruͤn in einem sanftern Reiz spielen lassen. In der zweyten Oeffnung machen die Pflanzungen einige Vorspruͤnge, welche die Durchsicht malerischer bilden. Die Heiterkeit des uͤberglaͤnzten Wassers wird von dem jenseits gruͤnenden Rasen erhoͤht, der frey vor dem Blick der Sonne liegt und gleichsam in ihren Strahlen schwimmt; demnaͤchst die Dunkelheit der sich zusam- menziehenden Gruppen; sodann wieder Helligkeit; endlich die sanfte Finsterniß der Pflanzungen im Hintergrunde, wo das Auge ruht — alles dieß macht ein reizendes Morgen- Beschreibungen von Gaͤrten. Morgengemaͤlde, das die ganze Phantasie erfrischt. Die Bruͤcke in eben dieser Oeffnung zeigt sich leicht und mit einem Bogen gebaut, um den Anblick des Was- sers frey zu geben. Indessen ruhen in diesen Stunden die Hayne und Gruppen, in der langen vordern Aussicht nach dem entfernten Schirmsitze hinauf, noch in einer spaͤtern Daͤmmerung, worinn leichte Schatten mit dem kommenden Lichte spielen und fliehen. Ueberall und rings um sich her wird das Auge durch Gruͤn erquickt. Die Gruppen, die zur Bildung der Aussicht so trefflich geordnet sind, dienen zugleich zur Bedeckung weniger angenehmen Gegenstaͤnde. So verbirgt hier gleich die große Gruppe gerade aus bey der ersten Bruͤcke den Anblick eines Pferdestalls. Ein an- deres Gebaͤude, das sich beym Austritt zur Rechten dem Auge aufdringen will, wird sogleich durch ein Gebuͤsch, hinter welchem hier der Pfad fuͤhrt, wieder verstecket; und eben dieses Gebuͤsch ist schmal und schmiegt sich in einer kleinen Kruͤmmung, um vorne einen Blick in einem Schattenwinkel zu verstatten, der gegen die benach- barte heitere Aussicht uͤber die zweyte Bruͤcke contrastirt. Auf der linken Seite ist eine schmale Durchsicht, die bald wieder von den Baͤumen geschlossen ist. Die Gruppen des Rasens vor dem Hause contrastiren nicht allein mit ihrem Gruͤn gegen die Flaͤche, worauf sie stehen, sondern auch gegen einander selbst, in- dem die dunklern Nadelhoͤlzer den hellern Laubbaͤumen entgegen gestellt sind. Die schoͤne Wirkung dieses Contrastes zeigt sich am meisten, indem man vom Hause aus sich links an dem Rasen hinwendet und auf die Gruppen zur Rechten hinuͤber- schaut: sogleich sieht man zwischen zwey finstern Tannengruppen eine dahinter stehende von Laubholz hervorglaͤnzen, und ihnen gegen uͤber zeigen sich diesseits Gruppen von hellen Blaͤttern. An beyden Seiten des Rasens winden sich zwey Gaͤnge hin, die anfangen in die weitlaͤuftigen Reviere dieses Parks zu fuͤhren und an den Seiten von Gebuͤ- schen umschlossen sind, woraus Birken, Ulmen, Pappeln und andere hohe Baͤume sich erheben, auf deren laubigten Gipfeln das Geraͤusch kuͤhlender Winde und das Concert muthiger Waldsaͤnger ergoͤtzt. Hier schwebt eine weise Begraͤnzung vor dem Auge. Es sollte bey dem Eintritt in den Park nicht zerstreut, sondern nur durch einige vorliegende Scenen und Aussichten angezaubert werden; zwey Haupt- aussichten zwischen den Gruppen waren nicht zu viel, doch dazu hinreichend, und reizend genug, um einen Begriff von der Schoͤnheit des Ganzen vorlaͤufig zu erwe- cken, ohne irgend eine Uebersicht zu gewaͤhren, noch irgend eine bestimmte Graͤnze vorzuzeichnen. C c 3 Wir Erster Anhang. Wir beginnen nun unsere Spazier gaͤnge, indem wir den Weg zur Rechten des Rasens folgen, und gelangen bald an eine Bank, an welcher eine Inschrift des Besitzers gluͤckliche Zufriedenheit im Schooß des ruhigen Landlebens ankuͤndigt: „Die ihr mit leichter Froͤhlichkeit euch in des Gluͤckes Wirbeln dreht, blickt nicht veraͤchtlich her auf den, der hier zufrieden lebt.“ Man giebt hier die Inschriften, die fast alle Stellen aus den besten englischen Dichtern sind, vieler Leser wegen uͤber- setzt. Man genießt hier eine Durchsicht uͤber den Rasen zwischen zwey Gruppen, und eine andere in den durch eine Allee von Roßkastanien von dem Park getrennten Kuͤchen- garten hinaus, ohne seine Abtheilungen zu zeigen; uͤber ihn hin streicht diese noch durch einen Theil der Anlagen, und endigt sich außer ihrem Bezirk in einer weiten Ferne zwischen Kornfeldern. Wir lassen den Weg nach der chinesischen Bruͤcke, der am Rande des Rasens zwischen zwey Gruppen auf beyden Seiten sich windet, zur Linken liegen, und wan- deln zwischen zwey nahen Tannengruppen, die in der Aussicht vom Hause sich hinter andern verbergen, zu einem Sitz. Indessen wir hier unter geraden hohen Birken und Buchen ruhen, zeigt sich die Vorderseite des Hauses in einer malerischen An- sicht, indem die naͤchste Gruppe sich davor hinzieht und einen Theil verbirgt. Nicht weit davon steht unter einer Tannengruppe eine Bank, ohne Aussicht, eingeschraͤnkt auf die nahe buschigte Vertiefung. Dieser Sitz, der dem Nachdenken uͤber unsere Tage gewidmet scheint, beguͤnstigt in der Einsamkeit Betrachtungen von der Art, wie diese Inschrift veranlaßt: „Freuden genug verlieh uns hier der Himmel, um unsern Aufenthalt zu verschoͤnern, doch aber auch so viel des Kummers, um uns nach einer gluͤcklichern Wohnung zu sehnen.“ Von hier wendet sich der Weg etwas zur Rechten. Der Rasen endigt sich links auf ein Gewaͤsser, worinn eine kleine, am Rande mit Blumen geschmuͤckte, Insel erscheint. Man sieht hier die chinesische Bruͤcke von der Seite und unter ih- rem Bogen hindurch auf ein waldigtes Gebuͤsch. Die zweyte leichtere Bruͤcke zeigt sich naͤher; man uͤberschaut durch sie hin einen Strich des jenseitigen Wassers, so- dann den hellern Rasen und einen Theil der Pflanzungen. Weiter fortschreitend faͤllt das Auge durch eine Oeffnung in einer dunkeln Gruppe, wohin ein Pfad ab- laͤuft, auf eine heiter durchschimmernde Scene, die aus Rasen, Wasser und einer entfernten weißen Bruͤcke in dieser Aussicht zusammengesetzt ist. Man trifft indessen, indem Beschreibungen von Gaͤrten. indem man rechts weiter geht, auf einen dunkeln Schattensitz unter hohen Baͤumen. Ein lieblicher Ruheplatz. Die Aussicht geht auf das Ende des Raseus, die Blu- men der Insel und die halb versteckte chinesische Bruͤcke; hohe Baͤume schließen den Gesichtskreis. Von diesem Sitz geht zur Rechten, von Baͤumen bedeckt, eine laͤndliche Treppe von rohen Birkenstaͤmmen hinab. Indem man aus dem Bezirk dunkler Schatten heraustritt, eroͤffnet sich bey der letzten Stufe auf einmal ein großer, hei- trer, entzuͤckender Schauplatz. Gerade vor dem Auge ein weiter ausgebreiteter Rasen, uͤber welchen in die Ferne hin die Aussicht streicht und sich in Kornfeldern und wilden Gebuͤschen endigt. Fast an seinem Ende erscheint in diesem Gesichts- punkt eine ansehnliche groͤßere Gruppe; andre laufen links auf einer kleinen Erhoͤ- hung hinter einander fort; eine groͤßere von sehr malerischem Reiz zeigt sich am naͤchsten. Aber die schoͤnste Scene bricht weiter zur Linken vor einer der erwaͤhnten Gruppen hervor. Rasen, Wasser, eine mit Blumen geschmuͤckte Insel, von der ersten unterschieden und etwas erhoͤht, weiße Gartenstuͤhle, und eine wohlgebauete Bruͤcke vereinigen sich, neben einem Wald, der den Blick begraͤnzt, das heiterste Gartengemaͤlde zu bilden. Die Insel hat keine Baͤume, um den freyen und edlen Umriß dieses Waldes, oder vielmehr der sich hier in das schoͤne Ansehen eines Wal- des woͤlbenden Gruppen, deren Außenlinien zusammen fließen, und sich mit einer sanften Kruͤmmung herumziehen, durch keinen vorspringenden Gegenstand zu unter- brechen. Die Einbuchten der Gruppen machen eine malerische Schattirung der dunklern und hellern Stellen gegen einander; und diese Wirkung steigt durch die Vorpflanzung weißer Weiden vor finstern Tannen zum lebhastesten Contrast. Ueberhaupt wird der Kenner gleich bemerken, was tausend gemeine Augen nicht sehen, daß naͤmlich der Pflanzer die Abwechselungen des Laubwerks, selbst da, wo diese Waldschoͤnheit nur auf eine kurze Zeit eingeschraͤnkt ist, mit Ueberlegung ge- nutzt hat. Diese Scene verbirgt sich allmaͤhlich im Fortwandeln, um eine neue hervor- brechen zu lassen. Der Rasen erweitert sich seitwaͤrts, und zugleich ein alter ehr- wuͤrdiger Eichenhayn, der hin und wieder einen ungewissen Durchblick verstattet. Seine herrlichen Staͤmme und seine dunklen Haͤupter contrastiren gegen den hellen Rasen, wie das ernste Alter gegen die lebhafte Jugend. Wir lassen zur Linken den Weg, der in die Gegend fuͤhrt, die beym Herab- steigen von der Treppe so glaͤnzend ins Auge fiel, und naͤhern uns dem Eichenhayn. Noch immer erweitert sich zur Rechten der Rosen, der zuletzt von Weidengebuͤschen begraͤnzt wird. Man gelangt an einige hinter einander am Wege gesetzte Stuͤhle, wovon Erster Anhang. wovon jeder dem Auge einen veraͤnderten Prospect in den Eichenhayn darstellt. Man wandelt einer kleinen Zugbruͤcke zu, und indessen veraͤndern sich und verschwin- den die vorigen Aussichten. Nach dem Uebergange bieten sogleich einige uralte Eichen die Sitze an, womit sie umgeben sind. Die Aussichten von diesen Stellen zuruͤck auf die vorliegenden Scenen sind eben so reizend als mannichfaltig, und wer- den besonders von einer nahen Wiese belebt, worauf das junge Hornvieh weidet und die laͤndlichen Annehmlichkeiten des Parks vermehrt. Der Eichenhayn hat Gaͤnge, die sich unter seinen Schattengewoͤlben umherschlaͤngeln. Indem man heraustritt und seine letzten Staͤmme zur Rechten bleiben, ge- langt man in einen verschloßnen Platz, der von Gebuͤschen umgeben und von zwey hohen, dicken, weit umher ihre, Aeste verbreitenden Eichen uͤberschattet ist. Bald lacht links aus der gegenuͤber liegenden heitern Gegend ein Gemaͤlde nach dem an- dern hervor. Am meisten aber wird das Auge vorwaͤrts auf einen Gegenstand ge- lockt, den es weit im Hintergrunde auf einer Hoͤhe zwischen Baͤumen sehr male- risch hervorragen sieht. Der Gegenstand erscheint in diesem Gesichtspunkt undeut- lich, seiner Entfernung sowohl als seiner Lage wegen, indem er durch die Baͤume und uͤber sie hervorschimmert und zugleich selbst durchsichtig ist. Auch das schaͤrfere Auge ist noch ungewiß, was es vor sich hat, ob es ein romantisches Gebaͤude, oder eine Ruine, oder welche taͤuschende Erscheinung es sey. Inzwischen, bis diese Dunkelheit in der Naͤhe sich aufklaͤren wird, irret es seitwaͤrts zur Linken in eine an- genehme Waldvertiefung hinein. Und zwischen dieser Vertiefung und jenem noch ungewissen Gegenstande, der in diesem Gesichtspunkt mit so vieler Weisheit noch unkenntlich gelassen ist, zieht sich eine ansehnliche und dichte Pflanzung mit mannich- faltig abwechselndem Gruͤn herab. Man findet unter einer Eiche, die mit den Bildern der Jahrszeiten und mit Inschriften, die sich darauf beziehen, umgeben ist, einen angenehmen Sitz in der Naͤhe einer kleinen mit Baͤnken versehenen Bruͤcke. Man uͤberschaut zunaͤchst in einem halben Eirkel um sich her die Wiese, die hier Rasen und Weide zugleich ist, und die Pflanzungen umher, die durch eine Befriedigung geschuͤtzt sind. Zur Rechten auf dem Rasen bilden Silberweiden eine große, helle und lebhafte Gruppe, die in der Mitte durch Pappeln schoͤn schattirt ist; auf der vordern Ecke unterbricht eine Buche die weiße Flaͤche der Weiden. Demnaͤchst erscheinen zwey kleinere Gruppen, die durch ihre verschiedenen Laubfarben trefflich contrastiren. Noch klei- nere niedrige Strauchgruppen zeigen sich zerstreut auf dem gruͤnen Teppich, den sie verschoͤnern. Im Winkel der Wiese ruht eine alte mit Stroh gedeckte Huͤrde fuͤr das weidende Vieh. Seitwaͤrts zwischen der Huͤrde, die in einigen Gesichtspunkten das Beschreibungen von Gaͤrten. das hirtenmaͤßige Ansehen dieser Gegend noch mehr hebt, und der großen heitern Weidengruppe, liegt hinten eine Pflanzung von dunklem Gruͤn, worinn ein helleres Gruͤn vorsteht und mit dem weißlichen. Schein der Weiden sich wieder abaͤndert. Zwischen der großen Gruppe und den kleinern ist wieder der Hintergrund abstechend. Noch eine andre schoͤne Aussicht gewaͤhrt dieser Sitz. Die Pflanzung zwischen dem erwaͤhnten, auf der Hoͤhe liegenden, noch unkenntlichen Gegenstand und einer wal- digten Vertiefung, die sich hier eroͤffnet, endigt sich nach dieser Gegend her mit hellerm Gruͤn. In der Vertiefung ist der Hintergrund von finsterm Nadelholz trefflich gebildet, wodurch die Tiefe noch groͤßer wird. In der Mitte eben dieser Waldvertiefung, welche die Gruppen zusammen bilden, kuͤndigt eine Bruͤcke, die sich anmuthig gegen den Schatten der nahen Baͤume hebt, Wasser an, und macht eine heitre Stelle gegen die Nacht des tiefen Grundes. — Weiter hin erblickt man den Umkreis jener angefuͤhrten Waldmasse, worinn sich die hintersten Pflanzungen zu- sammendraͤngen; die vordern Gruppen, die naͤher diesseits her liegen, erscheinen verduͤnnt und gleichsam zerstreut, um zwischen ihren Staͤmmen den obern Rasen an dem Rande jener Waldmasse durchschimmern zu lassen. Man schaut hier mit Ver- gnuͤgen die Abwechselungen des Laubwerks in diesen Gruppen; sie stehen auf einer kleinen Erhoͤhung. Das Wasser, das vorher erschien, ist hier verdeckt; doch zeigt sich die Insel mit ihren Blumen. Am Ende der letzten Gruppen spielt ein Wasser- fall unter einer Bruͤcke hervor, und weiter zur Linken hinauf faͤllt eine andere Bruͤcke mit verschiedenen Gartenstuͤhlen und Sitzen anmuthig ins Auge. Ueber die Insel hin erblickt man einen im Schatten einer Gruppe vertieften Ruheplatz, und uͤber ihn erhebt sich auf der Anhoͤhe ein großer wohlgebauter Sitz. Eine ansehnliche Gruppe, die gleich, indem man die oben erwaͤhnte Treppe herunter stieg, zunaͤchst erschien, zeigt sich hier von einer andern Seite, und erhebt sich zwischen dem eben angefuͤhrten hohen Sitz und einem Pavillon im chinesischen Geschmack. In der Gruppe stehen die niedern und heitern Baͤume voran, hinten die hoͤhern und dunklen. Der Pa- villon ragt anmuthig zwischen den Gebuͤschen empor, die ihn halb umhuͤllen. Man sieht zugleich die Bruͤcke, die zu ihm fuͤhrt, und in der Aussicht aus dem Hause die zweyte war, verschiedene Gartensitze, und die Umkraͤnzung des Bezirks mit waldig- ten Gebuͤschen und Baͤumen. Alle diese Prospecte werden unter der alten Eiche genossen, hinter welcher noch ein Sitz ist, dessen Inschrift eine sehr wahre Betrachtung veranlaßt: „Von allen Geschaͤften ist das Wuͤnschen das beschwerlichste, das Wuͤnschen ist die bestaͤndige Hectik der Thoren, und die Krankheit der Hoͤfe, wovon eine reine Luft und einfache Diaͤt heilt: dieß sind die Vorzuͤge des Landlebens.“ V Band. D d Das Erster Anhang. Das Gemaͤlde der Aussichten veraͤndert sich hier indessen in einigen Zuͤgen; die Gruppen zur Rechten sind zuruͤckgewichen, und andere Theile ganz ausgeloͤscht. Von dieser offenen heitern Scene schlaͤngelt sich, von dem letzten Sitz an, ein Weg in eine verschlossene Gegend zwischen wilden Gebuͤschen. Das Auge bleibt an nahen Gruppen und Waldstuͤcken haͤngen. Indem wir am Rande des Parks fort- wandeln, treffen wir auf eine Bank, wo der Blick auf Wiesen, auf Waldstuͤcke, auf hellere Kornfluren, und wieder auf entfernte Waldungen faͤllt. Nichts kann treffender fuͤr den Ort, als die Inschrift, und nichts weiser, als ihre Lehre seyn: „Hier, ihr stolzen Soͤhne des Geschmacks, die ihr die laͤndlichen Schatten wegraͤumt, hier lernt die unleidlichen nackten Ebenen vermeiden, denen die Eitelkeit ihren Schmuck geraubt hat.“ Ein andrer Pfad laͤuft unten weg. Er fuͤhrt zu einem hohen Sitz unter einer Pappel. Die vorigen Gemaͤlde, welche die Eiche gab, erscheinen hier unter etwas veraͤnderten Gesichtspunkten. Die Eiche selbst wird hier ein praͤchtiger Gegenstand, und in ihrem Hayn bricht eine neue Oeffnung hervor. Von diesem Sitz laͤuft links ein Pfad ins Gebuͤsch hin; wir verfolgen aber den Weg gerade fort. Zur Rechten wilde Gebuͤsche von mancherley Holz, in der Ferne zur Linken Anhoͤhen mit Haynen von Nadelhoͤlzern bepflanzt. Wir kommen an ein Weiden- gebuͤsch, wo der Blick auf einmal in die Leine herabfaͤllt, die hier tief voruͤber fließt. Wir uͤberschauen zur Rechten eine große Wiese, zerstreute Waldstuͤcke und ein heitres Korngefilde, hinter welchem ein ansehnliches Gehoͤlz den fernen dunkeln Hintergrund bildet. Wir wandeln indessen weiter fort. Man hat hier wieder einen Ruhesitz und Gebuͤsche umher, wo einige mittelmaͤßige Eichen gegen Silberweiden schattiren. Alles ist Laͤndlichkeit und Einfalt der Natur. Doch schweift zur Rechten das Auge auf Gruppen und Waͤlder, in deren Oeffnungen Baͤnke und Stuͤhle aus der Ferne heruͤberschimmern, und die Verlaͤngerung des Parks ankuͤndigen. Eine große, schoͤne Gruppe von Laubholz, auf eine reizende Art schattirt, ruft am meisten das Auge, und hinter ihr ziehen sich die Tannenpflanzungen weit hin. Beym Fortwan- deln erblickt man zur Linken eine wirthschaftlich bebauete Flur, und zur Rechten die Leine, von Weiden eingefaßt. Bey einer Bank, die man im Fortgehen bald erreicht, brechen auf einmal verschiedene neue Aussichten hervor. In der Ferne zur Linken ragt der Thurm von dem Kloster Marienwerder uͤber die waldigten Gipfel empor, naͤher der Pavillon, die Obstbaumgruppen, die mit ihrem diesseitigen Ende erscheinen, die Knoͤppelbruͤcke ganz in ihrer Laͤnge, der Rasen, der sich laͤngs dem Walde, wie sich hier die Hayne und Beschreibungen von Gaͤrten. und Klumps zeigen, hinzieht — alles dieses macht hier ein vortreffliches Gemaͤlde aus. Gerade vor sich hat man eine angenehme Einbucht der Pflanzungen, wo ein Rasen die Flaͤche zwischen den Umschattungen der Waldbaͤume schmuͤckt und ein Sitz dem Auge winkt. Dieses folgt gerne, und irrt weiter hin uͤber eine Bruͤcke, zwischen einer schon bemerkten großen Gruppe und einer kleinern, durch einen schma- len Strich zu den Ruinen eines Wartthurms hinauf. Nun erscheinen noch zwey Oeffnungen, in deren einer auf der Hoͤhe ein Pyramidalsitz, und in der andern ein Gegenstand sich zeigt, der ein Theil eines zerfallenen Gebaͤudes zu seyn scheint. Im Fortschritt wird eine Kruͤmmung der Leine, die bisher mit Weidenge- buͤschen verdeckt war, sichtbar. Die vorigen Aussichten seitwaͤrts verschwinden ganz, und neue erscheinen. Einige Einbuchten der Pflanzung wechseln besonders mit einer weitern Oeffnung, worinn eine Statue auf der Hoͤhe erscheint. Weiter hin auf einer kleinen Erhoͤhung erblickt man eine Urne unter herabhaͤngenden Baͤumen, und daruͤber erhebt sich ein dunkler Hayn von Nadelhoͤlzern. Noch immer wandeln wir an dem buschreichen Ufer der Leine. Endlich ge- langen wir zu einer Erhoͤhung, und zu einem schattenreichen Sitz am Ufer des Flus- ses, der hier mit der Lebhaftigkeit, wie er vom Harz faͤllt, wieder zu rauschen be- ginnt. Durch die Pflanzungen geht eine laͤndliche Aussicht hinaus uͤber abwechselnde Kornfelder, von Waldstuͤcken und Gebuͤsch bekraͤnzt. Ein schattigter natuͤrlicher Bogengang leitet zur Linken nach einem Sitz. Die Aussicht trifft auf einen Theil des Klosters. Der Kirchthurm bildet die Spitze ei- ner großen Baumgruppe, uͤber welche er unmittelbar zu stehen scheint. Man blickt zwischen einigen schoͤnen Gruppen von abwechselnden Farbenmischungen, und auf die Rasen hin, die unter ihnen gruͤnen. Uebrigens ist die Gegend hier einfach, laͤnd- lich und ruhig. Am Ende dieses Ganges wird man auf einmal mit einem Anblick uͤberrascht. Man sieht nun vor sich Ruinen, den Gegenstand, der von dem Sitz unter der Eiche und in andern Gesichtspunkten noch unkenntlich war, sich uͤberaus malerisch, wie wahre Felsruinen, auf der nahen Hoͤhe zwischen Nadelholz hervorbrechen. Doch entdeckt das Auge noch nicht, von welchem Gebaͤude sie sind. Ein Stuhl ladet zur Ruhe ein. Hier zeigen sich andere Theile der Ruinen, die von jenen abgerissen scheinen, auf der Anhoͤhe. Ihre Verbindung ist durch eine dichte Gruppe von Fichten verdeckt. Sie werden dadurch malerischer, taͤuschender und groͤßer. Nahe bey diesem Stuhl winkt eine hohe Birke mit einem runden Sitz an ihrem Fuß. Sie ruft das Auge wieder von den Ruinen ab. Eine große weite Aussicht auf Wie- sen, Kornfeld, Waldstuͤcke und das Dorf Stoͤckheim; auf der andern Seite in D d 2 den Erster Anhang. den dunkeln Bogengang zuruͤck, wo liebliche Lichter durch das verschiedene Laub spie- len; weiter hin auf einen langen Strich von Rasen, zwischen abwechselnden Grup- pen, bis an eine diesseits von einem weißen Gelaͤnder eingefaßte Pflanzung und einen Sitz in Form einer Pyramide in dem andern Winkel des fernen Hintergrun- des; endlich auf das von Weiden uͤberschattete Wasser, das hier einen murmelnden Fall hat, und auf die daruͤber hinfuͤhrende Bruͤcke. Nach dem Uebergang uͤber die Bruͤcke leitet ein Weg an den Abhang eines Huͤgels, und darauf am Fuß einer buschigten Anhoͤhe hin, und laͤßt zur Rechten die Feldgegenden uͤberschauen, bald darauf eine Gruppe von Birken, dann wieder offenes Gefilde. Er windet sich demnaͤchst allmaͤhlich zu einer andern Hoͤhe in eine Pflanzung hinauf, wo auf allen Seiten Pfade auslaufen, und endlich zu einer eckig- ten Bank, wovon die Aussicht in die Spazierwege, die außer dem Bezirk des ei- gentlichen Parks liegen, hinausstreift. Von dieser Bank geht der Pfad etwas hinabschlaͤngelnd fort. Das Auge blickt zwischen verschiedenen Gruppen und hohen Eichen in eine waldigte Scene vor sich hinaus, bis es in der Ferne ein von Birkenholz roh zusammengebundenes Holz in Gestalt eines Kreuzes wahrnimmt, das Erwartung erregt. Ehe man zu einer Bruͤcke gelangt, laͤßt man zur Linken drey Baͤnke, wovon jede eine von der andern verschiedene Aussicht in den innern Bezirk des Parks hat, Aussichten auf Gruppen und Rasen, in einem sanften, ruhigen und laͤndlichen Stil. Ist man uͤber die Bruͤcke, so erblickt man links uͤber eine andere Bruͤcke hinauf ei- nen groͤßern Theil der Ruinen auf der Hoͤhe in einer andern Gestalt. Zur Rechten zeigt sich schon außer dem Bezirk des Parks ein Theil der um ihn laufenden Pflan- zungen und Spazierfahrten, eine lange natuͤrlich gewachsene Allee, die offen ist und sich mit einem Obelisk endigt. Man kommt an einen freyen runden Sitz, von dem man neue verschiedene Durchsichten hat, und in zwey Oeffnungen Ruinen er- blickt. Das umliegende Revier dieses Sitzes ist rings umher mit mannichfaltigen Gruppen und kleinen Haynen bepflanzt. Man geht von hier uͤber eine Bruͤcke, und hat an der linken Seite eine Gruppe, und bey einer alten halbabgestorbenen Eiche, meist zur Rechten, eine lange Perspectiv, und vor sich gerade aus zwischen Pflanzungen eine Anhoͤhe, wo sich wieder eine bejahrte Eiche erhebt. Bald darauf sieht man einen dreyeckigten Sitz an einer Eiche mit abaͤndernden Aussichten. Weiter vorwaͤrts gelangen wir an eine Bank, mit der Aussicht in zwey neue Oeffnungen von Gebuͤschen, die Eremitengaͤnge genannt. Eine Inschrift fuͤhrt auf eine wahre, aber ernsthafte Betrachtung, welche die Seele in eine dieser Gegend so angemessene Stimmung setzt: „Der Beschreibungen von Gaͤrten. „Der Mensch werde am Morgen des Lebens abgerissen, oder er falle im Alter, gleich einer reifen Aehre; so faͤllt er immer zu rechter Zeit nach dem Plane der Natur, wenn er der Vernunft gelebt hat, und als ein Mann ge- storben ist.“ Beym Fortwandeln in den Eremitengaͤngen sieht man bald verschiedene Pfade seitwaͤrts ablaufen, und, indem man uͤber einen Kreuzweg geht, oben zur Rechten hinauf in eine weite Oeffnung der Pflanzungen, wo eine Ruine sich auf der Hoͤhe zeigt. Der Fortschritt auf dem untersten der Eremitengaͤnge giebt bald seitwaͤrts zur Linken eine lange ruhige Aussicht, von Baͤumen umschraͤnkt, und buschigte ein- same Sitze. Die Verschließung wird immer mehr einsiedlerisch, alles stiller und dunkler, je weiter man kommt. Ein Pfad fuͤhrt zu einer kleinen Anhoͤhe hinauf, und hier erblickt man die Einsiedeley unter den Umhuͤllungen der Gebuͤsche. Sie ruhet einsam, an der Seite und unter dem Dunkel einer alten Eiche, neben welcher Sitze von Feldsteinen liegen, zum Theil mit Kreuzen bezeichnet; an- dere eben so bejahrte Eichen streuen ihren schwesterlichen Schatten umher, die Scene noch feyerlicher zu verduͤstern. Das Gebaͤude 4ter B. S. 84 und 85. traͤgt den Character, den Werke dieser Art fordern. Das Inwendige stimmt ganz mit der aͤußern Gestalt uͤberein. Welch ein Anblick von Verlaͤugnung der Welt und von Andacht, von Duͤrstigkeit und von Genuͤgsamkeit, indem man hineintritt! Ein kleiner Betaltar faͤllt sogleich in die Augen, und mit ihm ein ruͤhrendes Bild der Maria, die mit thraͤnenvollen, wundgeweinten, jammernden Blicken uͤber den geliebten Sohn haͤngt, der erblaßt auf ihrem Schooße ruht; mit der einen Hand stuͤtzt sie sein sinkendes Haupt, mit der andern strebt sie den linken Arm in die Hoͤhe zu halten, indessen der rechte an ihren Knien herabhaͤngt. Umher Bildnisse von Heiligen, Erinnerungszeichen der Vergaͤnglichkeit, Buͤcher der Andacht, des Trostes und der Kunst zu sterben, der schwersten Kunst des Sterblichen. Alles ist so uͤberredend, so taͤuschend, daß fromme Katholiken zuweilen kein Bedenken fanden, hieher zum Gebet zu kommen. Tritt man aus der Einsiedeley zuruͤck, so wird die Taͤuschung unterhalten, indem der Thuͤre gegenuͤber ein großes Crucifix in die Augen faͤllt, das an einer Eiche un- ter einer kleinen Bedeckung haͤngt; ein Betaltar von rohen Feldsteinen steht darunter. Nahe an dieser Einsiedeley liegt ein Kirchhof von dunkeln Nadelhoͤlzern um- pflanzt. Eine kleine Grabscene voll ruͤhrender Erinnerungen fuͤr empfindsame Freunde des guten Sterne. Wir sehen hier die Grabmaͤler von Maria von Moulines mit einem Kranz und ihrem getreuen Sylviv; von Yorik mit dem D d 3 Staar, Erster Anhang. Staar, von Kapitain Shandy oder Toby mit der Charte von Namur, von Pater Lorenzo mit der Horndose auf einem schwarzen Kreuz, von Fever, von Trim, von Elise, mit ihren Inschriften und Sinnbildern geziert. Von der Scene der Einsiedeley weg, fuͤhrt links ein Pfad bey einem Druiden- altar von drey großen Feldsteinen unter einer sehr alten Eiche vorbey. Wir gehen bald darauf bergab neben einer andern bejahrten Eiche mit einem rohen halbrunden Sitz hin, steigen eine Anhoͤhe hinauf zu einer Bank unter Ruinen, und blicken in der Tiefe zwischen zwey Gruppen, in deren Mitte sich ein freyer Platz zeigt. Eine Oeffnung durch finstre Eichen contrastirt hier mit einer andern zwischen hellen Bir- ken hin. Unter sanften laͤndlichen Schatten, unter wechselnden gebrochenen Durchsichten auf Wasser in der Tiefe, gelangen wir an den Platz, wo Fremde in den Park ein- zutreten pflegen, wo sich ein schmaler Pfad zwischen dichten Gebuͤschen hereinzuwin- den anfaͤngt. Bald uͤberrascht er mit einer großen heitern Vorstellung, indem so- gleich ein Theil von ausgebreitetem Rasen und Wasser durch die Daͤmmerung der Baͤume schimmert, und verschiedene Wege und Baͤnke sich mit verschiedenen Aus- sichten darbieten. Man blickt auf der ersten steinernen Bank zwischen zwey Oeffnungen einen Abhang hinab. Das Wasser erscheint hier in der Tiefe frey mit der Blumeninsel; zur Linken hin eine Bruͤcke. Jenseit des Wassers breitet sich der große Rasen mit der Weide aus; weiter hin zeigt sich die alte Eiche mit den Bildern der Jahrszeiten, und tief im entfernten Winkel unter schattigten Gebuͤschen die Strohhuͤrde; eine edle, ausgedehnte und malerische Aussicht. Auf der zweyten Bank hat man eine hohe Gruppe von Birken, die mit geraden Staͤmmen aus der Tiefe empor steigen, und hier oben ihre Gipfel vereinigen; unten erscheint ein anmuthig gelegener Sitz unter Tannen, deren Dunkel gegen die hellen Birken contrastirt. Zur Linken dieser Gruppe geht eine ganz einfache laͤndliche Aussicht hinab uͤber den Rasen; zur Rech- ten eroͤffnet die Durchsicht einen reichen Auftritt, indem uͤber das Wasser hin, das sich hier von einer andern Seite hinter der Pflanzung erweitert, eine schoͤne große Gruppe erscheint, mit einem Gartenstuhl, der vor ihr steht, und hinter ihr, wie- wohl in einiger Entfernung, der Gipfel des dunkeln Eichenhayns einen feyerlichen Hintergrund bildet. Bey der dritten Bank ist der Abhang nicht mehr sanft, sondern stuͤrzt sich steil auf ein von oben herabkommendes fluͤsterndes Wasser herab; darauf zeigt sich die unbeschaͤlte Knoͤppelbruͤcke von Birkenholz, die, sehr laͤndlich gebaut, ein malerisches Ansehen auf der gruͤnen Flaͤche macht; demnaͤchst ein Theil der Obstbaum- gruppen, und in der Ferne die Spitzen der Pflanzungen, die mit einer hervorstechenden Schattirung Beschreibungen von Gaͤrten. Schattirung emporsteigen. Indem wir von hier uns weiter wenden, faͤllt der Blick in ein tiefes Gehoͤlz hinab, in dessen diesseitigen Theil, der auf einem Abhange steht, sich ein Pfad in dem unten laufenden Weg uͤber einen Steg hinabwindet. Ein an- drer Sitz unter drey Birken ruft uns, naͤher zu kommen. Man schaut links in den Weg nach dem Druidenaltar hin, und rechts fuͤhrt ein dunkler Gang zu einer An- hoͤhe hinauf, wo auf einmal heitre Aussichten hervorbrechen. Man trifft auf dieser Hoͤhe ein offenes Cabinet mit Ruhesitzen an, gerade vor sich einen steilen Abhang, und in der Niedrigung fortschlaͤngelnde Wege, die den Rasen durchlaufen, und sich seitwaͤrts verlieren. Die weiße Knoͤppelbruͤcke schim- mert in diesem Gesichtspunkt fast aus der Mitte des großen Rasens herauf, und fuͤhrt uͤber einen schmalen Strich des Wassers hin; und am Ende der gruͤnen Flaͤche hebt sich der dunkle Eichenhayn, durch welchen eine eroͤffnete Durchsicht im finstern Hintergrunde eine Bank wahrnehmen laͤßt. Sanft und lieblich ist auf diesem Sitz die Wirkung des Abendlichts, wenn seine sinkenden Strahlen schraͤg uͤber den großen Rasen spielen, indessen der empfindende Zuschauer hier im Schatten ruht. Das in der Tiefe umher weidende Vieh und die milde, mannichfaltig schattirte Aussicht zwi- schen den hohen Baͤumen hinab, deren Staͤmme emporsteigen, verschoͤnert nicht we- nig das ruhige Abendgemaͤlde. Zur Rechten auf dieser Hoͤhe daͤmmert wieder eine dichte Pflanzung, deren Baͤume auf den Abhang heruͤber haͤngen und sich mit den Kronen der unten aus der Tiefe heraufragenden Baͤume vereinigen. Unter diesen Schattengewoͤlben und herabhangenden Laubdecken sieht man ein schmales Wasser sich in der Tiefe herumwinden. Zur Linken senkt sich der Blick einen sanftern Ab- hang in Buschoͤffnungen hinab, wo er auf einen Stuhl und seitwaͤrts auf eine von Schatten uͤberduͤsterte Bruͤcke faͤllt. Wir gehen von hier rechts um das Kabinet herum zu einer hohen alten Eiche mit einem runden Sitz. Indem wir uns setzen, das Gesicht uͤber einen freyen, auf beyden Seiten von Pflanzungen eingefaßten Rasen nach einer großen Gruppe hin- gerichtet, um welche zwey Wege sich herumschlaͤngeln, erblickt man rings um sich her einen waldigten Kranz, der das Auge an sich zaubert. Weiter zur Rechten hinab kommen wir zu einer andern hohen ehrwuͤrdigen Eiche mit einem viereckigten Sitz. Man hat hier zuruͤck auf den Weg, den man herabkam, eine laͤndliche Aussicht zwischen der Pflanzung, die sich oben zusammendraͤngt, und deren hell- laubigter Rand schoͤn gegen die hintern Baͤume absticht. Auf der gegenuͤber liegen- den Seite, meist gerade aus, blickt man uͤber den Rasen durch eine große Oeffnung der Pflanzung auf den jenseitigen Rasen, und zuletzt auf einen dunklen Waldgrund; zur Linken uͤber eine Getreideflur, mitten im Bezirk des Parks, in einem buschigten Winkel, Erster Anhang. Winkel, vor welchem ein Stuhl steht; auf der andern Seite auf einem abwaͤrts laufenden Weg, wo das Auge auf den nahen dichten Baͤumen ruht. Auf der an- dern Seite gegenuͤber wandeln wir nach einem halbrunden Sitz. Wir gehen hinauf zu ihm; eine sehr anziehende Scene eroͤffnet sich hier. Zwey Fluren von verschiedenem Getreide und Gruͤn, die der Park nicht verschmaͤht, werden von einem Rasen getheilt und dieser von einer Bruͤcke verschoͤnert, die Wasser ankuͤndigt; hinter der letzten Flur steigt eine mit Rasen bekleidete Hoͤhe empor, auf deren Gipfel zwischen finstern Nadelhoͤlzern, die sich zur Rechten tiefer herabziehen, sich Ruinen sehr malerisch zeigen. Von der letzten Flur heruͤber schimmert ein weißer hoher Sitz in einer Hoͤhlung der Pflanzung; zur Linken dieser Flur springt eine dunkle Gruppe hervor, die trefflich gegen sie contrastirt, und auf deren Spitze zwey Birken stehen, neben welchen sich eine Oeffnung in eine Tannenpflanzung hineinzieht. Nahe bey diesem Vorsprung der Gruppe erscheint eine andre große dichte Pflanzung, bey welcher das Auge in einem Waldwinkel eine Bruͤcke entdeckt, die in diesem Gesichts- punkt ein noch unsichtbares Wasser verraͤth. Wenn wir diesen Weg verlassen, sehen wir bald links einen Pfad ablaufen, gehen aber gerade aus neben Obstbaͤumen hin und stoßen auf einen schmalen Strich von Nadelhoͤlzern. Neben dieser schweift links ein Pfad nach einer Eiche mit einem Sitz, ein andrer fuͤhrt gerade auf eine runde Gruppe von mannichfaltigen Baum- arten. Bey dieser Gruppe sieht man neben den zwey eben erwaͤhnten Birken an dem Vorsprung der Gruppe einen Steg, unter welchem sich ein Wasser ergießt, das sich hier in ein ziemliches Behaͤltniß ausbreitet. Es ist umher von Rasen umgeben, frey in Form und in Lage, ein Spiegel der benachbarten Baͤume. Die Pflanzun- gen umher machen hier wieder verschiedene neue Ansichten von Oeffnungen und Einbuchten. Von hier fortschreitend lassen wir das Wasser zur Rechten, sehen bey einer Gruppe zur Linken eine Oeffnung der Pflanzung auf einer Anhoͤhe hinauf, und naͤhern uns wieder etwas dem Wasser, indem wir auf eine frey im Wege liegende flache Bank stoßen. Hier vereinigen sich viele Aussichten. Bald erscheinen die Ruinen, die sich aus einem finstern Tannenhayn von einer kleinen Hoͤhe erheben, wohin der Blick zwischen zwey Gruppen uͤber Rasen hinaufsteigt; bald eine Bruͤcke, hinter welcher ein anmuthiger bebuschter Huͤgel aufschwellt; bald eine weite perspectivische Durchsicht durch die außer dem Umkreis des Parks verlaͤngerten Pflanzungen; bald verschiedene andere naͤhere Oeffnungen der Gebuͤsche; bald eine Eiche in der Ferne, vor welcher ein großes Kreuz sich zeigt, das die Nachbarschaft einer Einsiedeley zu verrathen Beschreibungen von Gaͤrten. verrathen scheint; bald Sitze und Bruͤcken umher; bald eine Anhoͤhe, mit einigen Gruppen und einem offenen halbrunden Sitz geziert, der sich im Wasser spiegelt. An diesem Wasser hin fuͤhrt von hier ein Pfad uͤber einen Knoͤppelsteg in ein kleines Gehoͤlz von Nadelbaͤumen; ein anmuthiger Platz in den Jahrszeiten, worinn die Laubpflanzungen noch nicht mit ihrem Gruͤn bekleidet sind. In der Mitte hebt sich eine Birke, und an ihrem Fuß ruhet ein runder Sitz, in der Aussicht auf eine sanfte Anhoͤhe mit einigen Gruppen im einfaͤltigen Schmuck der Natur. Beym Heraustreten wenden wir uns links gegen eine Bruͤcke, und, indem wir uns ihr naͤhern, zeigt sich in der Ferne der Obelisk am Ende der Pflanzungen außer der Graͤnzlinie des Parks. Wir lassen die Bruͤcke zur Linken, steigen eine Anhoͤhe hinauf, wo verschiedene Pfade umherirren, und gelangen auf der mittlern Hoͤhe zu einer Bank, wo sich eine reiche und fruchtbare Landschaft eroͤffnet, mit Kornfeldern, Wiesen und Weiden erheitert, und schattirt von Gebuͤschen und Wald. Zur Lin- ken steigt eine lange Aussicht die Anhoͤhe hinauf, von Pflanzungen begraͤnzt. Ein unermeßlicher Prospect aber erweitert und dehnt sich zur Rechten hinter Hannover hinaus in entfernte Landschaften. Das Abendlicht, das man hier zur Linken hinun- ter glaͤnzen sieht, erhoͤhet nicht wenig den Reiz dieser Gegenden, indem rings umher die Luͤfte von den letzten Liedern der Lerche ertoͤnen. Der Weg senkt sich hinunter, windet sich wieder hinauf und steigt durch eine s chmale Oeffnung; er fuͤhrt in eine Pflanzung von Nadelhoͤlzern. Von hier steigt man in einem schmalen wilden Pfad hinauf, mit mancherley Nadelholz besetzt. Ein oͤdes einsames Revier. Man erblickt schon einige Ruinen; einzelne Truͤmmer begegnen im Weg, und erinnern den Fuß, vorsichtiger zu schreiten. Nun erschei- nen sie selbst, die taͤuschenden Ruinen, deren Erscheinung in entferntern Gesichts- punkten so oft ein anziehender Gegenstand fuͤr das Auge und fuͤr die Erwartung war. Sie sind weit uͤber den Boden ausgebreitet, und scheinen die Reste eines sehr großen und ansehnlichen Gebaͤudes zu seyn. Das forschende Auge entdeckt, was sie ehe- mals waren. Es erblickt die Truͤmmer einer alten gothischen Klosterkirche. Aller- ley rohes Gestein zwischen durchloͤcherten, vormals gehauenen, nun zerstuͤckten Bau- steinen, zerstoͤrtes Gesimse, halbe Bilder von Heiligen und andere kaum kenntliche Figuren, Grabsteine mit Moͤnchsschrift, zerbrochene Stuͤcke mit meist verloͤschten Inschriften, ein Taufstein, ein Weihkessel, und andere Truͤmmer, von der Ver- wuͤstung der Zeit durch einander geworfen — zwischen Gras und Gestraͤuch und Baͤumen hingestreut, uͤberwachsen und verwildert — dazwischen noch stehendes, halb schwankendes, auf jeden Augenblick den Einsturz drohendes Gemaͤuer und Boͤgen und Saͤulenwerk — so taͤuschend angeordnet, so malerisch ausgebildet, daß, V Band. E e wie Erster Anhang. wie viel der Wirklichkeit abgeht, kaum bemerkt wird. Doch vereinigt sich hier die Wahrheit mit der Kunst. Die Grabsteine, der Taufstein, die Bilder der Heiligen und andere Stuͤcke sind wirkliche Reste des Alterthums, aus Klosterkirchen gesammelt; andere Truͤmmer sind nur gemacht, und doch betruͤgen sie in der Ferne das Auge bis zum Erstaunen. Verriethen nicht die hie und da untermischten ruinenartig gemalten Bre- ter in der Naͤhe die Kunst der Nachahmung; so koͤnnte nichts taͤuschender seyn, als die Anordnung dieser Scene. Oben auf der Hoͤhe hebt sich der Thurm, meist zerstoͤrt, empor. Hier eroͤffnet sich eine der herrlichsten Aussichten, die sich uͤber den ganzen Park und die umliegenden Landschaften ausbreitet. Man uͤberschaut die Menge von Gruppen, Haynen und mannichfaltigen Pflanzungen, die vielen heitern Oeffnungen und Rasen dazwischen, die Hoͤhen und Niedrigungen, ein Gemisch von tausend lieblichen Farben und Schattirungen, die uͤberall aus dem Gruͤn so reizend hervor- schimmernden Sitze, wo das feinste Vergnuͤgen genossen wird, den ausgedehnten und praͤchtigen woldigten Umzug des weiten Bezirks. Man blickt in unermeßliche fruchtbare Landschaften hinaus, auf den Lauf der Leine, die im tiefen Grunde aus Gebuͤschen hervorscheint, auf die Stadt Hannover mit ihren Thuͤrmen, auf Waͤl- der und Berge, die weit in die Ferne hin daͤmmern. Mitten unter allen diesen be- lebenden Aussichten hoͤrten wir noch unter uns das Getuͤmmel der ersten Heuaͤrndte, den froͤhlichen Zuruf der Heerden, und uͤber unsern Haͤuptern die Triumphlieder der Bewohner der Luͤfte. Alles, alles eilte, den Geist und die Empfindung zu erhoͤhen. Und in dieser wollustvollen Erhebung der Seele, unter diesen begeisternden Gefuͤhlen, die uns die Herrlichkeit der Natur von allen Seiten zustroͤmen ließ, empfanden wir ganz den Eindruck der deutschen Inschrift, die neben uns an der Mauer des Thurms stand, und die so gewaͤhlt, so treffend fuͤr diese Stelle ist. Wenn schon ein Blick in diese Welt, Die reizend vor uns lieget, So sehr vergnuͤget; Wie werden uns die Gegenden entzuͤcken, Wo Licht und Herrlichkeit und Pracht Den Raum des weiten Himmels schmuͤcken; Wo — Doch wer malet in der Nacht Das Bild vom ungesehnen Tage? Empfinde s elbst, was noch kein Auge sah! Die Aussicht auf dieß Gluͤck ist da! Es ist dir nah! Von Beschreibungen von Gaͤrten. Von dem Zauber dieser Aussicht erfuͤllt, wandeln wir gerade auf einen hohen Schirmsitz zu, der in verschiedenen Gesichtspunkten, besonders vom Hause aus, ein hervorstechender Gegenstand ist. Man sieht zur Rechten in ein Thal hinab, wo die Leine sich zwischen Gebuͤschen an einer Wiese fortwindet, und sodann die hoch auf- steigende ferne Landschaft; zur Linken erscheint in einer Entfernung von mehr als einer Meile das militaͤrische Reithaus, und Tannenwaͤlder schließen den Horizont. Man kommt uͤber Rasen bey verschiedenen Gruppen und Sitzen vorbey, unter laͤnd- lichen Aussichten, worunter besonders weite Kornfelder erscheinen, die sich bis an den fernsten Gesichtskreis verbreiten, hin und wieder mit einigen Doͤrfern belebt und mit Buschwerk und zerstreuten Waldstuͤcken schattirt sind, zur Rechten aber einen Kranz zusammenhaͤngender Waldungen haben. Man gelangt endlich zu dem gros- sen Schirmsitz auf der umpflanzten Hoͤhe. Die Aussicht zur Linken faͤllt hinab und steigt wieder hinauf, in einer langen Strecke fort, nach dem Thurm der großen Ruinen der gothischen Klosterkirche; gerade aus endigt sie sich bey dem entfernten Wohnhause; und zur Rechten stellt sie einen erhabenen und weiten waldigten Umzug dar, den die Eichenkronen bilden. Die Sandhoͤhe dieses Schirmsitzes ist umher mit Pflanzungen von Nadelhoͤlzern bekleidet. Nahe bey diesem Sitz liegen kleine Ruinen, die von verschiedenen Seiten einen Gegenstand des Prospects in der Ferne bilden. Man blickt von hier in die Zwi- schenraͤume der Pflanzungen in der Niedrigung, auf Sitze und andre Gegenstaͤnde hin. Zur Linken zeigt sich fernher durch die Klumps der Nadelhoͤlzer die abhaͤngige Spitze der großen Ruinen; und rechts ruhet das Auge, das durch eine sehr ent- fernte Pflanzung von Birken hinabirret, bey einem entlegenen etwas erhoͤhten Sitz. Hinter diesen kleinen Ruinen geht ein Weg nach dem hohen Schirmsitz herum, zwi- schen einer dichten Pflanzung von Nadelhoͤlzern. So nahe bey einander diese zwey Gegenstaͤnde liegen, so thun sie sich doch in den Prospecten keinen Eintrag; denn durch die Kunst der Umpflanzung weicht der eine zuruͤck, wenn der andere erscheint, und nirgends dringen sie sich beyde zugleich in einem Gesichtspunkt auf. Im Fortgehen zur Linken auf dem Abhang hinab, kommen wir auf eine Gruppe, die sich hier mitten in einem hellen Rasen erhebt und hinter sich eine wal- digte Umkraͤnzung hat. Der Weg windet sich links herum, etwas wild zwischen Fuͤhren hin; auf beyden Seiten eroͤffnet sich wieder ein Rasen, der links zu den Ruinen hinausschwillt und rechts an eine Bruͤcke graͤnzt, uͤber welche sich in einer weiten Entfernung der Obelisk zeigt. Man laͤßt hier das kleine Gehoͤlz von Nadel- baͤumen zur Rechten, sieht einen Pfad hinein- und zwey herumlaufen. Daneben winkt zum Verweilen ein Sitz, von dem man die Hoͤhe hinauf blickt. Man geht E e 2 von Erster Anhang. von hier, den Ruinen zu, die sich allmaͤhlich erhebende Anhoͤhe hinauf, zwischen zwey Pflanzungen von Nadelhoͤlzern, die von dem eben erwaͤhnten kleinen Gehoͤlz abzulaufen scheinen. Der Pfad faͤllt auf einen freystehenden Stuhl. Die Ruinen bleiben hier zur Rechten; man hat vor sich sanfte Abhaͤnge, die seitwaͤrts herab- fließen; das Weiße von einigen Bruͤcken und Sitzen belebt die Aussicht; zur Linken schweift der Blick zwischen Pflanzungen hin, und bricht durch eine Oeffnung, wo er auf einem heitern Stuͤck von Rasen weilt. Von hier wandeln wir gerade aus, der Oeffnung zu, zwischen Fichtenpflan- zungen. Der Weg schlaͤngelt sich hinab, immer zwischen Fichten, der Oeffnung entgegen, die sich erweitert und verlaͤngert. Indem man sich ihr naͤhert, bricht Licht und Heiterkeit hervor, manche schattirte und halbbeleuchtete Stelle, eine Bruͤcke, und in der Ferne auf einem hellen Rasen die weiße Knoͤppelbruͤcke, und weiter hin schimmert die chinesische Bruͤcke am Hause. Eine reizende, das Auge anzaubernde, Durchsicht! Wenn es sich daran ergoͤtzt hat, sieht es auf einmal zur Linken eine andre Aussicht hervorbrechen, den großen Rasen mit der Weide, hinten die alte Eiche mit den Bildern der Jahrszeiten, einen Theil des Eichenhayns, einige Vor- spruͤnge der Gruppen in die gruͤne Flaͤche, und naͤher auf eben dieser Seite eine Bruͤcke. Der Weg wendet sich gleich links herum in einen dunkeln Hayn von Nadel- hoͤlzern, der sich auf einem Abhange hinzieht, und der Einsamkeit und einer sanften Melancholie gewidmet ist. Verschiedene Inschriften an den Sitzen umher helfen den Eindruck dieses stillen Bezirks erhoͤhen. „Die Einsamkeit staͤrkt den Geist, und lehrt ihn sich auf sich selbst ver- lassen.“ „Hier erklaͤrt sich das Nachdenken die geheimnißvollen Traͤume des hinfaͤl- ligen Lebens.“ Und bey dem heitern Ausgang aus diesem Hayn begegnet dem Auge diese leh- rende Inschrift: „Ergreife die Weisheit, ehe es dir eine Quaal wird, weise zu seyn; das heißt: ergreife sie, ehe sie dich ergreift.“ Wir gehen in Nadelpflanzungen fort, worinn verschiedene Pfade umher irrten, durch einsame Gegenden und kleine Wildnisse, uͤber Knoͤppelbruͤcken, bey Rasen- sitzen vorbey, sodann unter Aussichten auf Wasser und heitre Flaͤchen. Unterdessen giebt ein Sitz dem Unempfindlichen diese nachdruͤckliche Erinnerung: „Kannst du in der kleinsten Bluͤthenknospe keinen Reiz entdecken, dann verlaß dein Feld und deine Heerde, geh zur eiteln Menge und arbeite um Gold!“ Ein Beschreibungen von Gaͤrten. Ein hoher, runder, offener und mit einer vorspringenden Bedeckung verse- hener Gartensitz ruft uns zu sich. Wir sehen, indem wir hier sitzen, zur Rechten einen Weg sich in die Pflanzung hineinkruͤmmen. In der geraden Aussicht s enkt sich der Rasen zu einem Wasserstuͤcke hinab; eine Gruppe, so nahe, als wollte sie hineinstuͤrzen, scheint den Wiederschein ihrer schoͤnen Gestalt zu suchen. Ueber das Wasser hin erheben sich auf ihrer Hoͤhe die Ruinen zwischen dem duͤstern Gruͤn. Weiter links erblicken wir Wege, die sich in verschiedenen Einbuchten der Pflanzung verlieren. Die Seiten dieses schoͤnen hohen Sitzes sind von Baͤumen uͤberschattet; der hintre Theil hat die Gestalt eines alten Wartethurms, der doch nur durch die Bepflanzung in einigen bestimmten Prospecten sichtbar wird. Ein anmuthiger Weg fuͤhrt von diesem Sitz nach der Statue des Pan, der schon vorher aus andern Gesichtspunkten, aber unkenntlich, ins Auge fiel. Er steht auf einer Hoͤhe, mit der Durchsicht auf Felder und Wiesen, wo seine Heerden ruhig weiden, indessen er sich hier mit seiner laͤndlichen Musik ergoͤtzt. Von dieser Hoͤhe faͤllt der Blick zugleich in einen buschigten, dicht bewachsenen Grund, wohin ein Steg hineinfuͤhrt. Wir lassen diesen Grund zur Rechten, und gehen den Abhang hinab, an dessen Ende der Pfad sich auf einmal in eine kleine, einsame, schattenreiche und suͤße Schwermuth erregende Wildniß, die von mancher- ley Baͤumen zusammengepflanzt ist, herumwendet. Von dem Sitz dieser Wildniß blicken wir zur Linken auf einen Weg in den dunkeln Hayn der Einsamkeit zuruͤck; ein offener, mehr anmuthiger Pfad steigt neben ihm aufwaͤrts hinauf. Die Aus- sicht ist hier uͤbrigens verschlossen. Bloß eine kleine Oeffnung durch die vorstehenden Baͤume, wo das Auge einen Strich von der frischen Weide erreicht, bricht durch, und wird bald wieder begraͤnzt durch die Dunkelheit der hintern Waldmasse. In- dem wir weiter vorwaͤrts einer Bruͤcke zugehen, an welcher ein kleiner Wasserguß im Gebuͤsch rauscht, bricht wieder ein heitrer Auftritt hervor. Wir wenden uns, sobald wir uͤber die Bruͤcke sind, gleich rechts zu einer Bank an einem Rosengebuͤsch. Hier ist eine liebliche Stelle, wo man gerne verweilt, den suͤßen Duft der Rosen zu athmen, den Wasserguß in das Geraͤusch der wallenden Baͤume eintoͤnen zu hoͤ- ren, und zugleich das Auge an den mannichfaltigen malerischen Ansichten schwelgen zu lassen, welche die Lichter und Schatten an den vorliegenden Pflanzungen bilden. Ganz nahe zur Rechten bey diesem Rosensitz sieht man das Revier, das man bey der Statue des Pan fuͤr einen tiefen buschigten Grund hielt. Hier aber endeckt sich der Betrug des Auges, der von der dem Steg gegenuͤber liegenden, schmalen und vordringenden Gruppe bewirkt wird; der Steg verstaͤrkt den Schein der Verschlies- sung. Man sieht nun, daß es keine versenkte buschvolle Tiefe war, sondern eine E e 3 etwas Erster Anhang. etwas dichtere Gruppirung. So viel vermag die Kunst der Pflanzung. Indem man uͤber den Steg geht, hat man die heitre Anhoͤhe und den Pan im Gesicht. Wir verfolgen den Weg, der von der Bruͤcke, woruͤber wir zu der Bank am Rosengebuͤsch kamen, gerade fortlaͤuft, und wenden uns links gegen den Vor- sprung einer Pflanzung. Indessen eroͤffnet sich zur Rechten ein Pyramidalsitz unter dem Schatten einer Eiche, zur Linken eine Bruͤcke, zwey malerische von weißen Weiden verschoͤnerte Gruppen, denen wir uns mit einer Wendung des Weges naͤ- hern. Wir kommen uͤber die Bruͤcke, und von hier rechts in einen schattenreichen Dickigt, wo ein Wasserfall rauscht. Beym Heraustritt faͤllt der Wartethurm ins Gesicht. Bey einem Schattensitz am Wasser und einer Bruͤcke vorbey, die zur Rechten bleibt, schreiten wir fort zu dem Anblick einer Urne, die sich zur Linken auf einer kleinen Anhoͤhe, von Nadelhoͤlzern verduͤstert, zu verbergen scheint. Eine Hangelbirke und eine babylonische Weide lassen ihre Zweige mitleidig uͤber sie herab- hangen, und ein voran gepflanzter Sumach scheint sie noch mehr dem Auge ent- ziehen zu wollen. Doch fuͤhren einige Stufen naͤher hin. Nahe dabey steht eine Bank mit einer Inschrift, die sich auf den wuͤrdigen, gegen die Armen so wohlthaͤ- tigen, Minister bezieht, dessen Andenken die Urne gewidmet ward, ohne daß der bescheidne Besitzer den Namen nannte. Er wollte nichts mehr, als ein Denkmal zur Erinnerung an den, welchen er verehrte; seine Hochachtung und Freundschaft gegen einen solchen Mann sollte sich in eben dem Schatten verschließen, worein er seine Urne stellte. Von hier fuͤhrt der Weg nach einer gemeinen Knoͤppelbruͤcke, die einen eben so rohen Sitz unter dem Schatten der Baͤume hat, die sich uͤber das Wasser herab- neigen, und es melancholisch verdunkeln. Man sieht hier wieder einen großen Theil der Ruinen nahe vor sich, auf einer steilen Anhoͤhe, die, mit Genster und Fichten bewachsen, wild und oͤde da liegt. Die Steine sind hin und her auf der Hoͤhe zer- worfen. Die noch stehenden Truͤmmer sind halb von den verschattenden Baͤumen versteckt; sie erscheinen nur in zertrennten Stuͤcken; durch ihre Zwischenraͤume trauern die hintern Fichten hervor. Sanfte Melancholie ergreift den Empfindenden, und diese Verfassung der Seele verstaͤrkt sich noch bey dem Blick auf die vorige Urne. Um diesen Sitz laͤuft ein Weg bis nach der vorhin angezeigten langen Bruͤcke, die vor dem Anblick der großen Ruinen liegt, und worauf wir durch den schattigten Bogengang von der Leine her stießen. Wo der Weg dahin ablaͤuft, steht noch ein Sitz mit einer freyen, der vorigen entgegengesetzten, doch stillen laͤndlichen Aus- sicht, und mit dieser sanft erwaͤrmenden und beruhigenden Inschrift: „Fuͤhle Beschreibungen von Gaͤrten. „Fuͤhle in deinem Herzen die suͤßen Erregungen der Natur, nimm an, was sie dir guͤtig zutheilt, und denk an nichts weiter!“ Wir gehen uͤber die Wiese zuruͤck, indem wir den schmalen Bach zur Rechten lassen, und blicken vorwaͤrts durch verschiedene malerische Klumpen und in waldigten Vertiefungen, die sich an den Seiten zeigen. Wir gelangen wieder zu der letzten Bruͤcke, am Wasserfall vorbey, sehen ihn zur Rechten im Dickigt, und wenden uns herum zu einem Stuhl, der an der Spitze einer schmalen Pflanzung steht, ge- gen welche eine aͤhnliche sich zur Beschattung des durchlaufenden Weges draͤngt. Eine schoͤne Aussicht steigt zwischen den Pflanzungen seitwaͤrts die Hoͤhe hinauf, und in der Niedrigung verlaͤngert sich der Prospect zwischen den Gruppen in die Ferne hin zu Kornfeldern, vom entlegenen Gehoͤlz begraͤnzt. Der Fortgang bringt zu einer dreysitzigen Bank, wovon jede Seite einen unterhaltenden Gesichtspunkt giebt. Der erste Sitz stellt das vorige Gemaͤlde mit einigen Zuͤgen etwas veraͤndert wieder dar; der mittlere giebt dem Auge Ruhe auf der nahen vorliegenden schmalen Pflanzung, die sich gleich einem Schirm vorzieht; der letzte, dem ersten entgegen, laͤßt es wieder uͤber Rasen und Weide und auf drey in diesem Prospect neben einander emporsteigende Eichen ausschweifen. Von hier schreiten wir vorwaͤrts dem erwaͤhnten heitern Auftritt zu, mit einer Wendung des Weges zur Linken nach einer Bank. Ein schoͤnes Revier! Vor dem Auge verbreitet sich der große Rasen mit der Weide in einem weiten Umfang, und fließt in dem heitersten Gruͤn dahin. Gerade vor sich hat man die Obstbaum- gruppen, die auf einer kleinen Erhoͤhung des Rasens fortlaufen; eine besondere Gruppe dieser Fruchtbaͤume mit abstechendem Laube schattirt den Rand eines Klumps von Waldbaͤumen. An dem Vorsprung einer schattirenden Fruchtbaumgruppe bricht in einigem Abstande ein Theil der Knoͤppelbruͤcke hervor; weiter hin in der Entfernung ein hoher bedeckter Sitz, halb hinter Baͤumen versteckt; zur Linken eine Ecke des Klostergebaͤudes, die zwischen den Umhuͤllungen der Baͤume hervor- schimmert. Von diesem Sitz laͤuft links ein schmaler Pfad zwischen den schoͤnen Gruppen hin, die gleich bey der Eiche mit den Bildern der Jahreszeiten, als eine so treffliche Malerey, ins Auge fielen. Ein anderer Weg hebt sich oben zur Rechten des letzten Sitzes, eine kleine Anhoͤhe hinauf zu einem andern Sitz, der vor einer Pflanzung ruht. Wir verfolgen den Weg, der gerade aus zu den Obstgruppen fuͤhrt, wan- deln zwischen ihnen durch, erblicken zur Rechten einen laͤndlich einfachen Steg, und fehen die Einbuchten und Vorspruͤnge der Pflanzungen hier naͤher, als in den vori- gen Ansichten. Wir kommen zu einer Bruͤcke, uͤber welche der Weg laͤuft, wobey ein Erster Anhang. ein Stuhl die Aussicht auf eine gegenuͤber liegende Pflanzung giebt, vor welcher ein schoͤn gebauter Sitz steht. Nach dem Uebergang uͤber die Bruͤcke schreiten wir einem einzelnen Baume mit einem viereckigten Sitz entgegen, der in dieser offenen und heitern Gegend sehr abwechselnde Aussichten nach allen Seiten gewaͤhrt, und wenden uns von hier rechts der Knoͤppelbruͤcke zu. Sie ist von angenehmen Aus- sichten umgeben. Indem man uͤber sie hinschreitet, sieht man zur Linken auf das Wasser herab, die Blumeninsel, den chinesischen Pavillon mit der Pflanzung, die ihn auf jeder Seite zu umhuͤllen strebt, die leichtschwebende Bruͤcke neben ihm, und im Hintergrunde das Wohnhaus, hinter welchem noch der Thurm der Kloster- kirche uͤber die Baumgipfel hervorragt; weiter hinauf zur Linken einen Theil des be- deckten hohen Sitzes auf der Anhoͤhe; naͤher hieher erscheinen verschiedene Ruheplaͤtze, und gerade in der Aussicht, wenn man auf der Bruͤcke steht, zeigt sich oben auf der Hoͤhe ein andrer ganz freyer Schirmsitz. An der rechten Seite dieser Bruͤcke hoͤrt man einen kleinen Wasserfall rauschen, und uͤbersieht ein Wasserstuͤck mit dem Rasen und sodann eine große Pflanzung. Wir folgen dem Weg gerade aus, wenden uns bald rechts zu einer niedrigen Feldbruͤcke von Steinen, und gelangen zwischen dem Rasen hin in ein gepflanztes Waldrevier von hohen Baͤumen und dichtem Untergebuͤsch, wo gleich drey verschie- dene Baͤnke zum Ruhen einladen. Unter der Eroͤffnung mancher sanften Ansichten schlaͤngelt sich der Weg in diesem Waldrevier umher, und faͤllt aus einer ange- nehmen Finsterniß auf einmal in einen langen heitern Prospect. Alle diese weiten Spaziergaͤnge, die wir zuruͤckgelegt haben, zeigen die bestaͤn- dige Abwechselung von hellen und dunklen Scenen und die große Mannichfaltigkeit von Hoͤhen und Niedrigungen, von Gruppen und Haynen und Rasen, von maleri- schen Verkuͤrzungen und Verlaͤngerungen der Durchsichten, von Vorspruͤngen und Einbuchten der Pflanzungen, von Lichtern und Schatten, untermischt mit Bruͤcken und Sitzen, deren weißer Anstrich und immer abaͤndernde Form die Lebhaftigkeit und Schoͤnheit des Ganzen vermehrt. Dieser Geist der Abwechselung ist durch alle Anlagen verbreitet, und erscheint auf allen uͤbrigen Wegen, die wir noch in dieser Beschreibung durchlaufen koͤnnten. Allein wir wollen sie der so angenehm unterhal- tenden eigenen Aufsuchung des Gartenfreundes lieber uͤberlassen, als ihn hier ganz befriedigen. Indessen naͤhern wir uns bey der Zuruͤckkehr zu dem Wohngebaͤude noch einer ruͤhrenden Scene. Der Weg schleicht herum, und auf einmal befinden wir uns in einem dunkeln einsamen Revier, wo eine große Urne auf einem Fußgestell erscheint, ein Denkmal fuͤr einen großen Minister, der dem Staat, den Wissenschaften und der Beschreibungen von Gaͤrten. der Menschheit unvergeßlich ist. Man verweilt mit einer dankbaren Erinnerung bey diesem Monument, indessen daß die dichte schattenreiche Pflanzung, von Nadelhoͤl- zern verduͤstert, die sanfte Melancholie dieses Platzes vermehren hilft. Der Aus- gang fuͤhrt wieder zum Licht und zur Freude; ein Pfad windet sich zur Rechten fort, an der Pflanzung herum, und leitet zu einer mit einem Kreuz bezeichneten Bank, woran diese ruͤhrende Inschrift erscheint: „Gesegnet sey die guͤtige Hand, die mein Herz unter diesem friedlichen Schat- ten sanft zu Ruhe brachte.“ Nicht weit von hier hebt sich ein Weg die Hoͤhe hinauf nach dem großen offe- nen, mit einem Vordach beschirmten Cabinet oder Ruhesitz. Dieser Platz herrscht von seiner Anhoͤhe uͤber eine Reihe der heitersten Aussichten. Zwey Wallnußbaͤume, die an der linken Seite einen Vorgrund bilden, streuen ihren erquickenden Schatten hin und lassen unter der Daͤmmerung ihrer Zweige das Auge froh in die unten sich verbreitenden Gegenden hinausirren. Gerade vor dem Blick am Fuß der Anhoͤhe verbreitet sich das Wasser in seinem Umfang. Man uͤbersieht die Blumeninsel darinn ganz. Dieser Gegenstand wirft ein heitres Licht auf alle angraͤnzende Auftritte. Von dem Wasser an eroͤffnet sich der große Rasen mit der Weide. Die Pflanzung der Obstbaͤume sowohl, als auch die große naͤhere Waldgruppe, vor welcher ein an- muthiger Sitz erscheint, werfen eine schoͤn abwechselnde Schattirung uͤber ihn hin. Neben dieser waldigten Gruppe vorbey, wird das Auge von der uralten Eiche mit den Figuren der Jahrszeiten gerufen, und ruht sodann in dem fernen schattigten Winkel der Huͤrde. Von hier an ziehen sich die entferntern Gruppen hinter der Pflanzung der Obstbaͤume weg, und scheinen in eine einzige Waldmasse zusammen- zufließen; doch sind die schoͤnen Schattirungen auch hier dem Auge sichtbar. Ueber einen Theil der Obstbaumgruppen hin schweift der Blick uͤber fortlaufende Rasen, das Fruchtfeld und die buschigten Ufer der Leine, und weiter verliert er sich in die ferne Landschaft hinaus, die mit Kornfluren und Waͤldern wechselt, sich etwas ge- gen den Horizont hebt, und in seinen blaͤulichen Dunst hinausdaͤmmert. In eben dieser Richtung verweilt das Auge naͤher her bey einem Vorsprung der Pflanzung, vor welcher ein Sitz erscheint. Noch etwas naͤher heran steigt eine hohe sehr ansehn- liche Pflanzung mit vieler Pracht empor; der Blick dahin geht gerade uͤber die Knoͤppelbruͤcke und ruhet bey einem großen, zierlichen Sitz, der in einer Oeffnung dieser Pflanzung schimmert, in welche noch an einer nahen Einbucht der Rasen hin- einschleicht. Noch naͤher macht eine Gruppe mit hellerm Laube einen Vorsprung, und bildet zwischen sich und der benachbarten Pflanzung, die ebenfalls etwas hervor- tritt, einen schattigten Zwischenraum, wo ein freystehender Stuhl schimmert. V Band. F f Noch Erster Anhang. Noch eine Oeffnung zieht sich daneben ins Gebuͤsch hinein. Indem wir noch einmal das Wasser und die heitre Flaͤche der Rasen uͤberschauen, und uns etwas zur Rech- ten hinwenden, sehen wir den alten Eichenhayn sich mit ehrwuͤrdigem Dunkel in einer weiten Ausdehnung erheben. Ob er gleich einige Durchsichten verstattet, so ist doch sein Ansehen von einer gewissen feyerlichen Ernsthaftigkeit, die einen starken Contrast gegen die vor ihm liegenden muntern Auftritte macht. Er schließt hier den Gesichtskreis; mit einem erhabenen Vergnuͤgen ruhet das Auge in seiner stillen Dunkelheit. Doch verstattet er zur Rechten, wo seine letzten Staͤmme sich ver- spreiten, noch einige fern in die Landschaft hin fortschreitende Blicke, bis dahin, wo eine waldigte Hoͤhe die Aussicht begraͤnzt. Nahe zur Rechten winket uns der Pavillon, dessen Anblick in so manchen Ge- sichtspunkten reizte. Wir gehen zu ihm hinab. Am Wege begruͤßt uns eine Bank mit dieser lehrenden Inschrift: „Eine der schoͤnsten Gaben des Himmels ist es, ein unbemerktes, maͤßiges und ruhiges Leben fuͤhren zu koͤnnen, Schatten und Licht in der Seele zu ordnen, und die Schoͤnheiten der unverstellten Naturscenen anzulaͤcheln.“ Unter dem Gefuͤhl dieser Wahrheit kommen wir in ein fast ganz verschlossenes Ge- buͤsch, sodann uͤber eine Bruͤcke, den Uebergang in eine kleine Insel, die mit Blu- men, schoͤn bluͤhenden Straͤuchern und edlen auslaͤndischen Baͤumen geschmuͤckt ist. Ein kleiner, anziehender, suͤßer Aufenthalt! Man sieht hier die Gruppen auf dem Rasen vor dem Wohnhause von einer andern sehr malerischen Seite. Der Pavillon enthaͤlt ein feines Cabinet, das einen lieblichen Ruheplatz gewaͤhrt. Das Wasser in seinem ganzen Umfang, mit den kleinen Fahrzeugen am Ufer, mit der Blu- meninsel fast in der Mitte, und die etwas mehr entfernte Bruͤcke macht bey der Aussicht aus dem Pavillon zuerst den lebhaftesten Auftritt. Weiter hin uͤber den Rasen bildet die Pflanzung den schoͤnsten waldigten Umzug; die Schattirungen des mannichfaltigen Gruͤns fallen hier aufs angenehmste ins Auge, mit einer ganzen Reihe von malerischen Vorspruͤngen, Einbuchten und Vertiefungen der Gruppen und Hayne, bald dunkler, bald heller, bald verlaͤngert, bald verkuͤrzt, bald mit Stuͤhlen und Sitzen in ihren Oeffnungen erheitert, bald bloß von der Natur mit laubigten Woͤlbungen geschmuͤckt; bald schimmern die freyen weißen Staͤmme der Birken aus der finstern Vertiefung hervor, bald verduͤstert die ernste Tanne und Fichte den fernen Winkel, bald wallen glaͤnzende Laubdecken mit einer schwelgerischen Pracht auf den Rasen hinab. Auf beyden Seiten wird das Auge durch andre Aus- sichten unterhalten. Das Beschreibungen von Gaͤrten. Das große Verdienst dieser Anlagen wird außer dem, was darinn dem feinen und erfinderischen Gartengenie gehoͤrt, auch durch den Antheil des Fleißes sichtbar. Außer den alten Eichen, ist alles von dem Besitzer angepflanzt, groͤßtentheils mit seiner Hand; und dieser Umstand wird noch wichtiger durch die Bemerkung, daß der Umfang sich auf sechzig Morgen Landes erstreckt. Wilde und oͤde Gegenden mit Anpflanzung beleben, ist schon Verdienst; noch mehr aber hier, wo so viele Stellen, die jetzt so reizende Scenen voll Gruͤn und Leben darstellen, mit einem todten Flug- sand uͤberdeckt waren. Das Nuͤtzliche gesellt sich hier zu dem Anmuthigen. Alle Rasen, die mit guten Grasarten besaͤet sind, werden gemaͤhet; darauf dienen sie zur Weide, welche den Auftritt von neuem belebt. Nirgends ist die wahre Graͤnze dieses Gartens oder Parks sichtbar; sie ver- liert sich so allmaͤhlich ins Feld, daß man sie nicht gewahr wird, oder in die Pflan- zungen bey den umherlaufenden Wegen zum Fahren und Reiten. Diese Pflanzun- gen, die zum Theil aus Alleen bestehen, und um die meisten Gegenden an der Graͤnze des Gartens sich herum winden, nehmen noch einen Umfang ein, der viel- mal groͤßer ist, als er selbst. Sie dienen zu Spazierfahrten und Reitwegen, die nach einer richtigen Anordnung zu den Annehmlichkeiten eines betraͤchtlichen Land- guts gehoͤren. Sie sind hier mit mancherley Aussichten und perspectivischen Ver- laͤngerungen angelegt, und mit den Prospecten des Gartens verbunden; sie heben und vergroͤßern sich durch einander, und haben eine gegenseitige Beziehung, die fuͤr beyde gleich wichtig ist. Die Wege sind bequem; auf den Seiten sieht man Heer- den von Schaafen weiden, einen froͤhlichen laͤndlichen Auftritt. Was der Garten bey seinem weiten Umfang noch aufnehmen zu koͤnnen scheint, das sind einige charakteristische Gebaͤude, fuͤr welche vielleicht hie und da ein Sitz ent- behrt werden koͤnnte. Indessen ist es auch wahr, daß fast jeder Stuhl, und jede Bank mit Absicht gestellt ist, fast immer auf einen interessanten Prospect hinweiset, zuweilen aber auch dem Auge bloß Ruhe auf dem sanften Gruͤn naher Laubdecken gewaͤhrt. In den Formen dieser Gartenstuͤhle und Sitze sowohl als der Bruͤcken, herrscht eine so reiche und mannichfaltige Erfindung, daß sie beynahe eine Akademie fuͤr den Zeichner geben; wenigstens ist in keiner Sammlung von Architecturwerken oder von englischen Gartenprospecten der zwanzigste Theil von allen diesen verschie- denen Zeichnungen zu finden. Fast alle Sitze und Baͤnke sind mit Inschriften versehen. Es gilt wohl eine Erinnerung gegen ihre Vielheit; allein sie verguͤten den Fehler des Ueberfluͤßigen und Gehaͤuften durch ihren innern Werth. Oft haben sie eine oͤrtliche Beziehung auf die Scenen und Aussichten, die vor Augen liegen; zuweilen geben sie dem Spazier- F f 2 gaͤnger Erster Anhang. gaͤnger mit einem starken oder doch edlen Ausdruck eine wichtige moralische Lehre, oder eine philosophische Betrachtung auf den Weg. Dahin gehoͤren außer denen, die an ihrer Stelle bemerkt sind, noch diese: „Freund, der du frey von der schaͤdlichen Zanksucht hier ein ruhig laͤndlich Leben fuͤhrst! Fliehe die Sorgen, welche die Ehre begleiten; verlache des Ehrgeizes emporstrebenden Flug. Sey in stiller Zufriedenheit froͤhlich und groß. Lache der eitlen Pracht der Großen. Ergieb dich des Himmels maͤchtiger Vorsehung. Genieße die gegenwaͤrtige goldne Stunde, denke mit Dank an die vergangene; die letzte von allen wuͤnsche und fuͤrchte nicht.“ „Gebt der Freude ihren freyen Lauf. Schmuͤckt das magre Thal des Lebens mit Blumen und pfluͤckt von jedem Dornstrauch eine Rose.“ „Laßt jeden kommenden Augenblick neue Erkenntniß auf seinem Fluͤgel mit- bringen; laßt jede fliehende Minute Erinnerung guter und weiser Tha- ten seyn.“ „Dem Stolz zum Trotz, zum Trotz der irrenden Vernunft bleibt eine Wahr- heit immer wahr: Alles, was da ist, ist recht.“ „Spiele deine Rolle auf dem Schauplatz des Lebens; sey zufrieden mit dem, was du bist; sey deiner Wuͤrde und deiner Talente werth, indem du immer nach hoͤhern Verdiensten strebst.“ „Unsichtbar ist die Sonne, unhoͤrbar der rollende Donner den Seelen, die nichts von ihrer hohen Abkunft, nichts von ihrem gegenwaͤrtigen Aufent- halt, noch von ihrem kuͤnftigen Wehrt wissen.“ „Mehr zu wuͤnschen ist eitel. Zu großes Gluͤck bringt Sorge; es schafft nur uͤbergoldeten Kummer. Sey zufrieden, und wuͤnsche nicht mehr.“ „Sieh mit gelassenem Auge den dunkeln Abend des Lebens heran kommen; schuͤttele die Sanduhr nicht, heiße sie auch nicht stille stehen.“ „Mein Dach sey von Stroh, meine Wand von Leim, wenn nur mein Freund von Herzen spricht: In dieser Huͤtte lebt der, den ich liebe, und der mich liebt.“ „Wollt ihr diese ruhige Scene recht genießen, so muß euer Herz recht heiter seyn, rein vom Hasse, vom Kummer leer, und ihr muͤßt an ihre Stelle Menschenliebe gepflanzt haben.“ „Der Beschreibungen von Gaͤrten. „Der Mensch braucht nur wenig, und das Wenige nicht lange; bald muß er der Natur den Staub wiedergeben, den die sparsame Natur ihm auf eine Stunde lieh.“ „Bestaͤndige Gluͤckseligkeit ist kein Gewaͤchs der Erde; ihr Boden ist zu un- fruchtbar, um es hervorzubringen. Es ist eine fremde himmlische Pflanze, die nur in himmlischer Luft gedeiht.“ „Hier moͤge die Unschuld, vor Feinden sicher, wandeln; hier die Betrach- tung sich mit den Fluͤgeln des Seraphs aufschwingen! O Einsamkeit! Der Mensch, der dich nicht achtet, sondern sich vom Gewinnst locken, vom Ehrgeiz spornen laͤßt, wird nie die Quelle wahrer Hoheit kennen.“ „Komm, genieße hier den erquickenden Schatten; laß uns eine gesellige Stunde der Freundschaft weihen; komm, hasche die leicht befluͤgelte Stunde. Denn sie flieht, die Stunde der Froͤhlichkeit flieht auf luftigen Schwingen dahin.“ „Es giebt gluͤckliche Augenblicke, wo sich die Seele zu ernsthaften Gedanken geneigt fuͤhlt und die Einsamkeit sucht; dann sammelt sie sich, und schwebt in dem behaglichen Mittelstand zwischen Schwermuth und ausschweifender Froͤhlichkeit, zwischen toller Freude und uͤbler Laune; sie uͤberlaͤßt dem ge- dankenlosen Haufen seine eiteln Wuͤnsche, blickt um sich, laͤchelt, und kehrt zu sich selbst zuruͤck.“ Verschiedene andre Inschriften unter dieser großen Menge enthalten vortreff- liche Lehren oder Maximen, nicht weniger vortrefflich ausgedruͤckt; allein sie sind zu allgemein, als daß sie hier eine Wiederholung finden koͤnnten. Andre Inschriften werden durch die besondre treffende Beziehung auf die Scene interessant, wie diese: „Geh, gluͤcklicher Schatten, wohin Gott und dein Gluͤck dich rufen. Ge- nieß ewige Ruh und Seligkeit, indem wir hier deinen schnellen Abschied betrauren, bey deiner Urne an dich denken, und um dich klagen.“ Noch andre Inschriften empfehlen sich dem Freund der schoͤnen Natur, indem sie die Vortheile des Landlebens erheben. „O! moͤchte doch der Gluͤcklichste der Menschen sein Gluͤck recht erkennen: er, der fern von Stadt und Gedraͤnge tief im Thale mit einigen Erwaͤhlten wohnt, und die reinen Freuden des Landlebens trinkt. Sichere Ruhe ist sein Loos; seinem Leben ist der Verdruß fremd und die betruͤgerische Hoff- F f 3 nung; Erster Anhang. nung; er genießt bluͤhende Gesundheit, arbeitet ohne Ehrbegierde; seine Zeit fließt hin in ruhigem Nachdenken und unbefleckter Unschuld.“ „Ihr schoͤnen, schauervollen Scenen, besaͤnftigt das unruhige Herz, gebt dem Muͤden sanfte Ruhe, macht die wildesten Leidenschaften stille, und flistert dem Ungluͤcklichen Trost zu.“ Einige Inschriften weisen den Gartenpflanzer auf die Grundregeln des guten Geschmacks hin: „Laßt die magische Kunst des Geheimnisses eure labyrinthischen Gaͤnge ver- stecken, laßt das Gesicht einen Theil davon entdecken, und das Uebrige mag sich die Einbildungskraft ausmalen.“ „Schutzgeist der Gaͤrten! Schoͤnstes Kind der Natur! Verbanne die regel- maͤßige Unfoͤrmigkeit der Risse, die mit Linial und Zirkel gemacht werden. Die freyen Anlagen der Natur verachten diese Regelmaͤßigkeit. Gieb den Gartenspaziergaͤngen ihre gefallende Wildheit wieder; laß sie dem denken- den Menschen in Stunden, die er der stillen Betrachtung weiht, eine ru- hige Zuflucht seyn!“ Nach diesen Grundsaͤtzen, die hier empfohlen werden, sind die Anlagen zu Marien- werder ausgefuͤhrt. Sie kuͤndigen nicht bloß den gluͤcklichen Pflanzer, sondern auch den Mann von Kenntniß, von Beobachtung und von Gefuͤhl an. Man sieht hier den großen Reichthum und die Schoͤnheiten unsrer einheimischen Baͤume, wenn ein Kenner sie waͤhlt und ordnet; denn alle diese Pflanzungen enthalten nur an eini- gen wenigen Stellen einen auslaͤndischen Baum, und wie reich sind sie dennoch an schonen Malereyen! Die Anordnung laͤßt die Verschließung und die Eroͤffnung der Auftritte mit einer immer geschaͤfftigen Abwechselung erscheinen; alles zeigt sich, so unbeweglich es ist, in einer scheinbaren Bewegung, um das Auge an sich zu zau- bern; auch wo es getaͤuscht wird, verweilt es noch mit Vergnuͤgen an dem Ort der Taͤuschung. Allein nicht uͤberall wird es auf einen anlockenden und die Erwartung aufspannenden Gegenstand gerichtet; oft ruhet es, zumal nach einem etwas laͤngern Fortgang zwischen lebhaften Auftritten, in der sanften Daͤmmerung der Gebuͤsche oder in der tiefen Dunkelheit ferner Einbuchten der Pflanzungen. Die Hoͤhen, die Abhaͤnge, die Niedrigungen, die hellern in ihren Umrissen so verschiedenen Rasen, die uͤberall den Boden bekleiden, und worinn sich die kiesigten Wege fortwinden, die schattigten Gruppen, wovon jede ein besoderes, aber in manchen Ansichten neues Gemaͤlde darstellt, die abaͤndernden Formen, Richtigungen und Malereyen dieser Gruppen, Beschreibungen von Gaͤrten. Gruppen, das Annaͤhern und Zuruͤckweichen der Scenen, alles strebt, dem Auge Erwartung, Taͤuschung, Unterhaltung, Ueberraschung und Ruhe zu geben. Es ist eine nicht gemeine Kunst, die Scenen, die auf einander folgen sollen, so lange einzeln zu verschließen, bis sie sich allmaͤhlich zu ihrem Vortheil, ohne sich auf ein- ander zu haͤufen, ohne sich durch sich selbst zu zerstoͤren, oder ihre Wirkun- gen zu schwaͤchen, entwickeln koͤnnen. Wer nur durchlaͤuft oder unaufmerk- sam ist, fuͤr den gilt freylich diese Beobachtung nicht, noch das Vergnuͤgen, das sie gewaͤhrt. Der Garten zu Marienwerder bleibt eine der ersten Merkwuͤrdigkeiten in der Naͤhe von Hannover, der mit Recht Einheimische und Fremde ruft; unter allen neuen Anlagen in Deutschland behauptet er einen sehr ansehnlichen Rang. Er ist ein Denkmal des gesunden, maͤnnlichen und edlen Geschmacks. Es giebt fast keine Empfindung, die er nicht erweckte, Heiterkeit, Freude, sanfte Melan- cholie, suͤße Schwermuth, Liebe der Ruhe und der Einsamkeit, der Freundschaft und der Tugend, Vergessenheit der Sorgen, Erhebung uͤber die Thorheiten des Lebens, und selbst ein Vorgefuͤhl von den Scenen einer noch schoͤnern Welt. III. Neue Erster Anhang. III. Neue Anlagen auf dem Carlsberg bey Cassel. D er Carlsberg ist ein großer waldvoller Berg, beruͤhmt genug durch das darauf angelegte herrliche Werk der Architectur und der Wasserkuͤnste. S. 4ten B. S. 125 — 126. Dieses Werk soll fuͤnf Millionen gekostet haben; die jaͤhrliche Erhaltung steigt auf 2000 Rthlr.; der Kitt allein auf 800 Rthlr. Bey den neuen Anlagen hat Se. Durchl. der jetzt regierende Herr Landgraf, uͤberaus betraͤcht- liche Summen verwendet, die noch jaͤhrlich fortgehen. Man erblickt uͤberall vortreffliche Waͤlder von Buchen, und an den leeren Plaͤtzen eine Menge herrlicher Anpflanzungen, besonders von einheimischen und auslaͤndi- schen Nadelhoͤlzern, Hayne von Lerchenbaͤumen und Weyhmouthsfichten, von Roth- buͤchen und Silberpappeln, von Tulpenbaͤumen und virginischen Robinien. Die neuen Pflanzungen sind schon so reich, daß die Zahl der Baͤume und Straͤucher sich auf fuͤnfhundert verschiedene Arten und Abarten erstreckt. Unter diesen weitlaͤufti- gen Bepflanzungen hat der Carlsberg manche Huͤgel, manche Thaͤler, manche Quellen, Baͤche und natuͤrliche Wasserfaͤlle, manche Wiesen und grasreiche Ab- haͤnge, und uͤberall entzuͤckende Aussichten. Bey hellem Wetter uͤbersieht man hier fast eine kleine Welt, die schoͤne Stadt Cassel und ringsumher auf sieben und zwan- zig Doͤrfer in den umliegenden Landschaften. Man bemerkt leicht aus den Vorthei- len dieser Lage, daß die Kunst der Bearbeitung hier einen der schoͤnsten Gaͤrten in Europa bilden kann. Die neuen Anpflanzungen und Scenen sind groͤßtentheils in den mittlern Ge- genden des Berges, auf einigen Anhoͤhen und in den Niedrigungen. Eine große Mannichfaltigkeit von Auftritten, die Schoͤpfung einer fruchtbaren Einbildungskraft, bricht hier auf allen Seiten hervor. Man hat die Zeiten des Homer und Virgil zuruͤckgefuͤhrt; eine Menge von Vorstellungen der alten Welt ist in Statuen und Gemaͤlden erneuert; und die Fabeln der Dichter sind in taͤuschenden Gestalten wieder aufgestellt. Goͤtter der ersten Groͤße und Halbgoͤtter wohnen hier unter den Sterb- lichen; und neben den elysischen Feldern hat auch Pluto sein Reich mit allen seinen Ungeheuern eroͤffnet. Den Goͤttern sind hier Tempel, den Philosophen Griechen- lands Einsiedeleyen und selbst den Zauberinnen Hoͤhlen erbauet. Man hat nicht bloß das Grabmal des Virgil erneuert, man ist selbst in die grauen Jahrhunderte der Beschreibungen von Gaͤrten. der Pyramiden Egyptens zuruͤckgestiegen. Noch mehr. Man glaubte selbst aus den Romanen der Ritterzeiten, aus den Gedichten des Tasso schoͤpfen zu duͤrfen; und Armide hat hier nicht allein ihren Palast, sondern auch ihre Gaͤrten wieder ge- funden. Noch nicht genug. Der Tuͤrke erblickt hier seine schoͤngebaute Moschee, und der Chineser seine Pagode und sein Dorf. Bey der Menge und Verschiedenheit aller dieser Vorstellungen und Scenen wird man leicht denken, daß sie selbst auf einem so ausgebreiteten Platz zuweilen in einander laufen und ein Gemisch werden, welches das Auge zerstreut, und die Ein- bildungskraft belaͤstigt. In der That haben schon viele, die den Carlsberg besuch- ten, diese Wirkung empfunden. Ein altes Monument, eine Pagode, eine grie- chische Statue, ein Bach, der den Acheron, ein andrer, der den Styx vor- stellen soll, (ihr schoͤnen heitern Baͤche, unter welchen schrecklichen Namen murmelt ihr dahin!) und dann auf der Hoͤhe, an deren Fuß diese Baͤche laufen, eine tuͤr- kische Moschee — fallen oft auf einmal ins Auge, und bringen eine Mischung von Vorstellungen und Bildern hervor, die sich nicht verbinden, noch an einander reihen lassen. Es ist nicht genug zu wollen, daß dieser oder jener Auftritt das, was sein Name angiebt, auch wirklich fuͤr jeden Zuschauer sey, daß dieser sich eben dabey denke, was der Gartenkuͤnstler dachte. Das Auge laͤßt sich so wenig, als die Ein- bildungskraft, Gesetze aufdringen, welche die Natur nicht kennt. Jeder Meister eines Kunstwerks muß den unveraͤnderlichen Wirkungen der Dinge nachgeben, auf den Gang, den der richtig denkende Geist in seinen Vorstellungen haͤlt, nicht weniger achten, als auf die gerechten Forderungen des Geschmacks. Außerdem darf eine Verschiedenheit von Scenen, die nicht zerstreuen, nicht belasten soll, nicht anders, als in einer allmaͤhlichen Fortschreitung erscheinen; daher das Gesetz der Verschlies- sung und Absonderung durch Vorpflanzung, das Gesetz, so lange zu verbergen, bis es Zeit ist, zu eroͤffnen, d. i. bis der Geist nach der vollendeten Wirkung des vorhergegangenen Auftritts wieder in der Verfassung ist, die folgenden mit Be- hagung zu genießen. Bey allen aus der Mythologie entlehnten Vorstellungen entstehen zwey Fragen: ob sie fuͤr unser Zeitalter noch interessant genug sind, und sodann, ob sie sich in Gartenanlagen schicken? Gewiß ist es, daß die wenigsten Menschen Kenntniß und Einbildungskraft genug haben, um noch durch die Bilder der alten Mythologie erwaͤrmt zu werden. Allein es ist wohl die letzte Frage, worauf es am meisten an- kommt. Allerdings sind einige Vorstellungen zu fuͤrchterlich, um auch, selbst der Wirkung des Contrastes wegen, in Gartenanlagen aufgenommen zu werden, z. B. Pluto und die Ungeheuer seines Reichs. Gegenstaͤnde, die einen so hohen Grad V Band. G g des Erster Anhang. des Abscheues und des Entsetzens erregen, sind so wenig fuͤr den Gartenkuͤnstler, als fuͤr den tragischen Dichter bestimmt. Einige andere Bilder scheinen hier ebenfalls nicht schicklich, ob sie gleich fuͤr einen andern Ort anstaͤndige und selbst anmuthige Vorstellungen enthalten. Der Tempel des Mercur z. B. ist unter allen Gebaͤuden dieser Klasse am meisten im antiken Geschmack; er ist rund, mit freyen Saͤulen toscanischer Ordnung, mit guten Verhaͤltnissen, von Sandstein aufgefuͤhrt, und hat in der Mitte die Statue des Gottes und eine erhoͤhte Lage mit weiten Aussichten. Dennoch wuͤrde sich ein solcher Tempel besser auf einen großen Handelsplatz schicken; und mit der Statue des Mercur ließe sich eine Boͤrse oder das Haus eines Staats- mannes zieren, der sich vom Kaufmann zum Minister erhob, und, anstatt des Maͤklers, den edlen Kuͤnstler beschaͤftigt. Wenn indessen fuͤr die Nachahmung der mythologischen Fabel in Gaͤrten ein Ort schicklich ist, so behauptet der Carlsberg allerdings seinen Vorzug. Das ungeheure Werk und der Anblick des colossalischen Hercules, der oben aus den Wolken auf das Werk, das mit seiner Staͤrke vollendet ist, herabschauend sich nun einer stolzen Ruhe zu uͤberlassen scheint, versetzt die Einbildungskraft auf einmal in die heroischen Zeiten des Alterthums. Diese erhabene Scene, der Berg, der fast den Namen eines Gebirges verdient, die auf seiner Hoͤhe wallenden Waͤlder, die vielen angepflanzten Hayne von dunklen Nadelhoͤlzern, verbreiten eine ehrwuͤrdige Feyerlichkeit uͤber die ganze Gegend. Und dieser Eindruck koͤnnte allerdings noch durch eine wohl gewaͤhlte und zusammenhaͤngende Reihe mythologischer Scenen, die jetzt nur zerstreut oder vermischt erscheinen, ungemein verstaͤrkt werden. Es ist sichtbar, daß die riesenmaͤßige Burg des Hercules den Hauptcharakter der Anlage bestimmt, und uͤber alles immer im Gesichtspunkt emporragt. Die Scenen muͤßten demnach mit diesem herrschenden Gegenstande verbunden seyn, und die, welche ihm am naͤchsten verwandt sind, sich ihm auch am meisten naͤhern. In den obern Tempeln koͤnnten die Thaten des Hercules in Basreliefs, in Sta- tuen und Gemaͤlden vorgestellt werden. Diese Idee hat nicht allein Uebereinstim- mung mit dem ganzen Werke, sondern selbst eine entferntere Beziehung auf die Staͤrke und Wuͤrde des hessencasselschen Fuͤrstenstamms und seiner tapfern Krie- ger. Demnaͤchst erhielten die Gottheiten, die mit dem Hercules verwandt sind, oder deren Geschichte mit der seinigen Verbindung hat, hier oben ihre Tempel, Woh- nungen, Altaͤre, Statuen und andere Denkmaͤler. Diese heroischen Scenen senk- ten sich mit den Abhaͤngen des Berges allmaͤhlich herab in die Thaͤler, zu den fanf- tern Gottheiten des Friedens und der Gluͤckseligkeit. Hier wohnten im Thale die Musen mit dem Vater der Kuͤnste, hier haͤtten mit ihnen die Grazien, die Goͤttinn der Beschreibungen von Gaͤrten. der Blumen und der Freude, der Friede, die Eintracht, der Ueberfluß, alle diese haͤtten hier ihre Tempel und ihre Hayne, indessen daß man oben am Olymp die Gegenwart der hoͤhern Maͤchte erblickte. Nichts neues aus unserer Zeit, nichts chinesisches, nichts tuͤrkisches duͤrfte in dieses große Gemaͤlde sich mischen, in dieses Gemaͤlde, das uns eine Reihe der schoͤnsten Bilder des Alterthums rein, un- verfaͤlscht, und harmonisch vereint, zur Taͤuschung des Auges und der Einbildungs- kraft, darstellen, uns aus unserm Zeitalter, und gleichsam aus dem Gefuͤhl unsrer gewoͤhnlichen Existenz wegzaubern sollte, in die heitern Stunden zuruͤck, worinn unsre Jugend so oft von den Beschreibungen der alten Dichter begeistert ward. Bey dieser Einrichtung koͤnnten verschiedene hier wohl angelegte Scenen erhal- ten, und nur weiter ausgebildet werden. Der Hayn der Venus ist eine sehr anmuthige Scene. Ich fand sie einmal in einer malerischen Stellung unter einem Baum, ihren kleinen losen Knaben an an der Hand; sie blickte in das umherliegende Rosengebuͤsch; eine Quelle sprang zwischen zwey Vogelhaͤusern, wo mannichfaltige Lieder der Liebe ertoͤnten — eine gluͤckliche Verbindung lieblicher Bilder. Im folgenden Jahr sah ich sie, von dieser Scene etwas entfernt, hinter einem franzoͤsischen gruͤnangestrichenen Git- terwerk sich verbergen. Warum? Den Gesichtspunkt am Ende einer auf sie hinlaufenden Allee zu bilden. Mit einem Dienst, den jedes Holzstuͤck leisten kann, sollte man doch die Goͤttinn der suͤßesten Empfindung nicht beschweren. In ihr schoͤnes Rosenthal wuͤrde ich sie zuruͤckfuͤhren, hier alle zerstreuende Gegenstaͤnde, die nicht hieher gehoͤren, entfernen, sanfte von Rosen und wohlriechendem Himbeer- strauch umduftete Ruhesitze fuͤr sie bereiten, keine schwermuͤthige Tannen mehr dul- den, sondern ihr einen Hayn von Syringen, Jasmin, Robinien, Gleditsien pflanzen; hier sollten einige lebhafte Wasserfaͤlle oder auch Springbrunnen die Hei- terkeit der Scene vermehren; die suͤße Saͤngerinn der Nacht sicher wohnen, und die Vogelhaͤuser sollten eine dem Verdienst ihrer melodiereichen Bewohner mehr angemessene und fuͤr den Reiz des Auges mehr anziehende Gestalt haben. Das Thal der Philosophen wuͤrde ich besonders erhalten und auszubilden su- chen. Es ist wahrlich eine neue und edle Idee, wuͤrdig der Erfindung eines weisen Fuͤrsten, der seine Regierung durch das Museum in Cassel verewigte. Man wird in der That von Verwunderung und Ehrfurcht erfuͤllt, indem man hier von einer Wohnung zur andern, die so viele abgesonderte Einsiedeleyen sind, fort- geht, und bey dem Eroͤffnen der Thuͤre bald diesen, bald jenen griechischen Weisen in Lebensgroͤße natuͤrlich abgebildet, und nach dem Kostum bekleidet, sitzen sieht, in einer Beschaͤftigung, die ihn charakterisirt. Plato unterrichtet seine Schuͤler; G g 2 Socrates Erster Anhang. Socrates liest im Gefaͤngniß; alle uͤbrige erscheinen in ihren liebsten Studien. Man sieht hier den Pythagoras, den Heraclit, den Anaxagoras, den Demo- crit, der die Natur so fleißig studierte, und ganze Tage allein in einem kleinen Gartenhause zubrachte. Jeder hat sein besonderes Haus, und selbst Diogenes seine Tonne; doch diesen sonderbaren Mann moͤchte ich mit seinem Faß etwas seit- waͤrts ins Gebuͤsch waͤlzen. — Dieses Thal der Philosophen muͤßte eine der interessantesten Scenen werden, die sich sehr gut in den vorgeschlagenen Plan des Ganzen schickte. Die Bauart der einzelnen Wohnungen muͤßte mehr in dem Stil des Alterthums seyn, so wie die innere Auszierung, die jetzt hie und da ganz den Geschmack unsers Zeitalters zeigt. Jedes Haus muͤßte durch Bepflanzung mehr abgesondert, verborgen und beschattet erscheinen. Hier wuͤrde ich den Platanus, der schon in Griechenland vor den Hallen der alten Philosophen seine Schatten verbreitete, wieder gruͤnen lassen. Die Wohnungen des Socrates und des Plato, die eben abgerissen und zerstreut liegen, muͤßten, mehr herabgezogen, mit den andern Haͤusern in eine naͤhere Angraͤnzung gebracht werden. Jede Wohnung muͤßte die Werke des Philosophen in der besten Ausgabe enthalten. Eine solche Einrichtung wuͤrde nicht bloß mehr angemessene Verzierung und mehr Taͤuschung, sondern auch selbst mehr Veranlassung zur Unterhaltung des Geistes mit den Schrif- ten der alten Weisen in der Einsamkeit geben. In den veredelten Anlagen wuͤrden die bloß gemalten Scenen nicht laͤnger Platz haben; sie fallen ohnehin wohl bald weg. Die Wirkung des ersten Anblicks, den bemalte Breter in einiger Entfernung machen, ist bey der Annaͤherung gleich auf immer verschwunden; und sie faͤllt ganz, wenn der Zuschauer auf den Hin- tertheil oder die Ecke des Brets stoͤßt. Ein großer Prinz, der eine Akademie der schoͤnen Kuͤnste in seiner Residenz naͤhrt, und jaͤhrlich so betraͤchtliche Summen auf Gebaͤude und alle Arten von Verschoͤnerungen großmuͤthig verwendet, kann leicht Werke der Bildhauerkunst, anstatt bemalter Breter, schaffen lassen, oder sie ganz entbehren. Die Menge der bemalten Breter, als Orpheus mit den bezaͤhmten Thieren, Phaeton, das Bad der Diana und des Apollo, die Mu- sen bey dem Tempel dieses Gottes, der Minotaur, noch mehr die sogenannten Graͤber der dramatischen Dichter — alle diese gemalten Decorationen werden ver- muthlich in einiger Zeit nicht mehr seyn. Indessen sind hier einige Scenen sehr gut angelegt, wenn sie nur mit den uͤbrigen Auftritten, besonders mit den aus dem Alterthum, in einer naͤhern Ver- bindung stuͤnden. Das Haus der Armide ist mit seinem Bezirk eine anziehende Anlage. Beschreibungen von Gaͤrten. Anlage. Die Geschichte hat das Romanhafte, das die Einbildungskraft so ganz bezaubert und dahin reißt, und scheint hier, mehr ihrem Interesse als der Zeit nach, mit den uͤbrigen Gegenstaͤnden verbunden zu seyn. Das Haus der Armide ist wohl gebaut und besteht aus einem Saal, der mit der Geschichte der Zauberinn ausgemalt ist. Hinter dem Hause dehnt sich ein waldigter Umzug, und das Revier umher ist verschlossen. Vor dem Eingange zieht sich der Garten der Armide, mit Blumen geschmuͤckt, von einer sanften Hoͤhe herab, und endigt sich an einem Rasen, der zu dem Wasser herabfließt, das an dem Fuß des Huͤgels ruht. Dieß Wasser bildet den See vor, uͤber welchen man sich dem Hause der Zauberinn naͤhern mußte. In einem angraͤnzenden Walde wohnt der Einsiedler Peter. Seine Einsiedeley ist im aͤchten Stil erbaut und taͤuschend ver- ziert. Er selbst sitzt, eine Figur in Lebensgroͤße, in der Kleidung eines Wald- eremiten, und hat eine Charte, worauf die Wege in seinem Walde gezeichnet sind, und wo er zu suchen scheint, um den Rittern den Pfad zum Hause der Armide zu weisen. Um die Einsiedeley erblickt man ein schoͤnes waldigtes und angepflanztes Revier, verschiedene hervorspringende und verschließende Gruppen. Eine Scene, die gut erfunden und angeleget ist. Andere Scenen fuͤhren noch bloß den Namen, und erwarten erst ihre Aus- fuͤhrung. Dahin gehoͤren die elysischen Felder. Ein großes waldigtes Gebuͤsch bildet ein langes schmales, aber anmuthiges Revier, in welchem sich der Pfad fortwindet, neben einem schoͤnen Bach, der dahin murmelt, und verschiedene Wasserguͤsse macht. Die Gebuͤsche sind von manchen hohen Baͤumen, die aus ihnen emporsteigen, uͤberschattet, und winden sich mit fuͤnf bis sechs neuen Wen- dungen dahin. Der schmale Zwischenraum ist von einem schoͤnen Gruͤn bekleidet. Dieß ist eine uͤberaus liebliche sanft begeisternde Scene; aber dennoch nicht Ely- sium, sondern noch bloß eine reizende Naturgegend. Sie ist noch nicht aus- gebildet, nicht charakterisirt genug. Nicht genug ist es zu einer solchen Scene, daß man den Bach Lethe nennt, ob er gleich ein sanftes ruhiges Vergessen der Welt einzufloͤßen scheint. Dieser Bach, die Baͤume, die Gebuͤsche, der Rasen, die Stille, alles ist lieblich; aber Elysium ist nicht einsam, nicht leer von Gluͤcklichen. So einladend nun schon solche sanfte Naturscenen an sich sind, so sehr stechen dagegen einige Auftritte in der alten steifen Manier ab, die zuweilen damit abwechseln, als geschorne Hecken, Labyrinthe, Theater. G g 3 Die Erster Anhang. Die Gebaͤude des Carlsberges sind, im Ganzen betrachtet, von guter Architectur. Der Tempel des Mercur ist, wie bereits gesagt, mehr im antiken Geschmack. Der Tempel des Apollo zeigt sich im Prospect auf seiner Hoͤhe, und hat eine uͤberaus entzuͤckende Aussicht. Er ist inwendig mit Bil- dern geziert, die auf die Geschaͤfte des Gottes anspielen, und seine Statue erscheint hier in colossalischer Groͤße. Aber er ist nicht sowohl ein alter Tempel, als viel- mehr ein hoher, gut gebaueter Pavillon. Er ist von Holz, hat vier große Oeff- nungen, und ein rundes Dach. Der Weg hinauf ist in der alten Manier der Schneckenberge angelegt, ermuͤdend und von dunklen Tannenhecken eingesperrt. Dieß Gebaͤude verlangt doch allerdings eine freye und edle Pflanzung um sich her. Die auf Bretern gemalten Musen sind desto mehr entbehrlich, da die Statue des Apoll beym Hinaufsteigen zwischen den großen Oeffnungen des Gebaͤudes hervor- scheint und ganz das Auge beschaͤftigt. Der Tempel der Minerva ist nichts anders, als ein franzoͤsischer Pavillon mit vergaͤnglichem Gitterwerk, gegen die Bauart der Alten, freystehend mit großen Oeffnungen und einem runden Dach. In eben der Form und Bauart, als der Tempel des Apoll, ist der Tempel der Calypso; diese Wiederholung scheint eine Duͤrftigkeit der Erfindung zu verrathen, die hier doch sonst nirgends sichtbar ist. Die Hoͤhle der Sibylle ist tief, dunkel, feyerlichfurchtbar, wie es sich fuͤr eine Wahrsagerinn schicket, die in der Nacht der Zukunft forscht, und mit Schicksalen schreckt, die noch nicht herein- gebrochen sind. Uebrigens sind die neuen Anlagen auf dem Carlsberg noch keiner voll- staͤndigen Beschreibung faͤhig, da sie noch immer fortgesetzt werden und so mancher Abaͤnderung unterworfen sind. Indessen ist es doch der Ort, wo die Wirksamkeit dieser Regierung in Gartenverschoͤnerungen fast allein sichtbar ist; die uͤbrigen casselschen Hofgaͤrten sind mehr sich uͤberlassen oder dem vorigen franzoͤsischen und hollaͤndischen Geschmack, der noch in ihnen herrscht. Alle, die den Carlsberg mit so vielem Vergnuͤgen besteigen, finden hier mannichfaltige Veranlassungen den erfinderischen und thaͤtigen Geist des Fuͤrsten zu verehren, der so viele neue, zum Theil noch unbekannte Anlagen schuf, der seine Residenz nicht bloß verschoͤnerte, sondern sie auch zu einer Wohnung der edlern Kuͤnste weihete, der, selbst ein großer Kenner, selbst ein guter Zeichner, mit dem gluͤcklichsten Gedaͤchtniß viel nuͤtzliche Wissenschaften vereinigt. Weißenstein, am Fuß des Carlsbergs, der Aufenthalt des Hofes, ist ein altes Schloß, das aus einem ehemaligen Kloster entstand; indessen hat es durch einige Beschreibungen von Gaͤrten. einige Veraͤnderungen und den weißen Anstrich ein lebhaftes Ansehen in der Ferne gewonnen. Wuͤrde hier ein neues Gebaͤude im Geschmack der gereinigten Bau- kunst angelegt, so koͤnnte es mit der Scene unten am Berge in eine sehr gluͤck- liche Verbindung gesetzt werden. Schon war es der Plan des ersten großen Anlegers vom Carlsberg, hier ein praͤchtiges Schloß im italiaͤnischen Geschmacke aufzufuͤhren Das Modell davon ist auf dem Modellhause zu Cassel zu sehen. . Neben dem jetzigen Gebaͤude liegen verschiedene anmuthige Pa- villons. Der Abhang auf der Hinterseite wuͤrde sich, anstatt der Terrassen, besser mit einem großen Rasen auszeichnen; die Ansicht des Gebaͤudes selbst sowohl, als die Aussicht aus seinen Fenstern, wuͤrde dadurch nicht wenig gewinnen. Auch der große Gartenplatz vor dem Schlosse in der letzten Vertiefung des Carlsberges waͤre noch einer edlern Verzierung faͤhig. Zweyter Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Zweyter Anhang . Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden und Garten- prospecten. I. Italien . 1. E s war unstreitig in den schoͤnen und von einem so milden Himmel begluͤckten Ge- filden Italiens, wo in den neuern Zeiten Europa die ersten Gaͤrten wieder aufbluͤhen sah. Hier erwachte zuerst das Gefuͤhl fuͤr das Schoͤne, und weckte zugleich die edlern Kuͤnste aus ihrem langen Schlummer auf. Man weiß, daß diese wichtige Revolution sich besonders in Toscana durch die großmuͤthigen Bemuͤ- hungen des Geschlechts Medici erhob. Und hier scheint auch mit der Liebe des Ackerbaues die Gartencultur zuerst in Italien wieder erweckt zu seyn. Bis zu den Zeiten des Lorenzo Medici waren die reichsten Haͤuser in Ita- lien nur auf den Handel bedacht. Ackerbau und Gartenkunst wurden fast ganz ver- nachlaͤßigt. Er war der erste, der seine Kapitalien auf liegende Gruͤnde verwen- dete. Der erste beruͤhmte Garten, von welchem man seit den mittlern Zeiten in Italien weiß, war jener des erwaͤhnten Lorenzo hinter der Kirche St. Marco zu Florenz. Die Alleen, die Hallen, die Zimmer des dabey befindlichen Pala- stes waren mit alten und neuen Werken der Kunst ausgeschmuͤckt. Noch beruͤhmter wurden im Anfange des XVI Jahrhunderts die Gaͤrten Bern- hards Rucellai, horti oricellarii von den gleichzeitigen Schriftstellern genannt. Niemand reisete in Italien, der nicht den reichen und geschmackvollen Rucellai zu Florenz besuchte, und in seinen Gaͤrten auf das freundlichste empfangen ward. Sie waren nach des Lorenzo Tod der Versammlungsort der platonischen Akade- mie, und aller einheimischen und fremden Gelehrten. Was Rucellai kostbares von antiken Statuen aus entfernten Laͤndern gesammelt hatte, das war die vornehmste Zierde Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Zierde dieser Gaͤrten. Sie bestanden außerdem in Lustwaͤldern, Buschwerk, Alleen, Lauben, Wiesen und Fischteichen, die mit einander abwechselten. Durch ihren verzuͤglichen Ruhm wurden sie das Modell, wornach man damals in Italien die Gaͤrten anlegte. Dieß bezeugt auch noch heut zu Tage die urspruͤngliche Anlage der aͤltesten Gaͤrten in Toscana, besonders der großherzogliche Garten Boboli zu Florenz. Cosmus I. brachte diesen Garten mit dem Palast Pitti, dem jetzigen Re- sidenzschloß des Großherzogs, durch Kauf an sich, und vergroͤßerte ihn betraͤchtlich. Seine Gemahlinn, Eleonora von Toledo, Tochter des Vicekoͤnigs von Neapel, war eine große Liebhaberinn von Gaͤrten. Da der Hof noch im alten Rathhause (Palazzo vecchio), das auf morgenlaͤndische Art oben platt bedeckt ist, residirte, hatte sie es mit haͤngenden Gaͤrten verschoͤnert. Sie war die erste, die den Garten Bo- boli mit auslaͤndischen Pflanzen und Blumen und Kuͤchenkraͤutern besetzte, indeß Cosmus ihn mit Statuen ausschmuͤckte. Auch verwendete er betraͤchtliche Schaͤtze, bey den von ihm erbaueten Lustschloͤssern Castello und Poggio Gaͤrten und Lust- waͤlder anzulegen. Unter dem Großherzog Franz I. fieng man allgemein an, die Lustwaͤlder mit Olivenbaͤumen, ausgefuchten Weinstoͤcken und Obstbaͤumen zu besetzen. Er selbst ließ neue Pflanzen und Obstbaͤume aus Spanien und Sicilien kommen, seine Gaͤrten damit zu veredeln. Eben dieß thaten, durch sein Beyspiel gereizt, die reichern Unterthanen. Daher kommt es, daß es so viele Arten von Wein in Toscana giebt, die mit den spanischen viel Aehnlichkeit haben. Besonders be- foͤrderte er die Cultur der Maulbeerbaͤume. Er ließ das Lustschloß Pratolino er- richten, und die daran stoßenden Huͤgel in Gaͤrten verwandeln, indem er sie mit auslaͤndischen und einheimischen Gewaͤchsen bepflanzte. Auch den Garten Boboli zu Florenz bereicherte er mit fremden Pflanzen und neuen Kunstwerken, selbst von der Hand des beruͤhmten Johann von Bologna. Zu Pisa hatte schon sein Va- ter Cosmus I. einen botanischen Garten und einen Lehrstuhl der bis dahin verwahr- loseten Botanik gestiftet, und die Pflanzen dazu aus Sicilien, Asien und Egypten kommen lassen. Franz I, ein groͤßerer Kenner der Naturgeschichte, bereicherte nicht nur den pisanischen Garten mit fremden Gewaͤchsen, sondern legte auch einen neuen botanischen Garten zu Florenz an. Zu dem Ende schickte er zwey vortreff- liche Kraͤuterkenner, Joseph Casabona, einen Niederlaͤnder, und Lorenz Mazzanga von Barga aus Toscana, auf Reisen in Italien, Sicilien und auf den venezianischen Inseln, um Pflanzen und Kraͤuter zu sammeln. V Band. H h Ferdi- Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Ferdinand I. hat sich unter allen Fuͤrsten des Hauses Medici am meisten um den Gartenbau verdient gemacht. Es ist fast unglaublich, welche Muͤhe er sich gab, und welche Schaͤtze er verwendete, um morastige Gegenden auszutrocknen und urbar zu machen. Viele florentinische Handelshaͤuser kehrten, um dem pa- triotischen Fuͤrsten zu gefallen, mit ihrem Reichthum ins Vaterland zuruͤck, und verwandelten ihre Schaͤtze in liegende Gruͤnde. Man konnte mit Recht auf sie den Ausspruch des Horaz anwenden: Vos sapere et solos ajo bene vivere, quorum Conspicitur nitidis fundata pecunia villis. In kurzer Zeit ward Toscana mit Weinbergen und Olivenwaͤldern so bedeckt, daß kein Land in Italien damit verglichen werden konnte. Nach dem Maaß, wie der Ueberfluß an natuͤrlichen Producten durch den Ackerbau zunahm, wuchs auch der Luxus im Gartenbau. Man bestrebte sich gleichsam um die Wette, die seltensten und schoͤnsten Gewaͤchse aus Asien und America kommen zu lassen; und die vom Groß- herzog Ferdinand angelegten Gaͤrten waren der allgemeine Gegenstand der Nach- eiferung. Die Pflege der Blumen, Obstbaͤume und auslaͤndischen Gewaͤchse ge- hoͤrte unter die ritterlichen Uebungen des Adels, und ward als ein entscheidendes Merkmal des guten Geschmacks angesehen. Casabona, großfuͤrstlicher Botanicus, hatte aus der Lombardey und Candia die seltensten Pflanzen und Blumen von den Bergen Baldo und Ida gebracht, und den Garten zu Pisa damit bereichert. Von hieraus wurden sie unter die Liebhaber vertheilt, und in ganz Toscana fortge- pflanzt. Der Großherzog ließ eine große Menge Maulbeerbaͤume in seinen eigenen Gaͤrten saͤen und pflanzen, und theilte sie unentgeltlich unter seinen Unterthanen aus. In den letzten Jahren seiner Regierung wurden auch, zum Vortheil des Garten- wesens, die Treibhaͤuser mit Oefen durch einen Venezianer in Florenz ein- gefuͤhrt. Cosmus II. folgte dem Beyspiel seines Vaters in der Befoͤrderung der Gar- tenkunst. Er ließ in den Gaͤrten Pratolino und Castello die Springbrunnen wie- derherstellen, bereicherte den Garten Boboli mit Gebuͤschen, mit seltenen Pflan- zen, mit Citronen- und Pomeranzenbaͤumen. Eben dieß thaten seine Gemah- linn Maria Magdalena von Oestreich bey dem von ihr erbaueten Lustschloß Poggio Imperiale unweit Florenz, und sein Sohn, der Cardinal, Johann Carl, in dem ehemaligen Ruccelaischen Garten, den er mit Grotten, Statuen, Springbrunnen und seltenen Gewaͤchsen verschoͤnerte. Unter Cosmus II. fiengen die Gaͤrten an, durch viele Orangerien beruͤhmt zu werden. Eine Menge koͤstlicher Weintrauben Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Weintrauben war nichts Seltenes mehr, da man sie hingegen zu Cosmus I. Zeit noch groͤßtentheils aus Candia und den Inseln des Archipelagus kom- men ließ. Ferdinand II, des Cosmus Sohn, brachte die Gaͤrten in Toscana noch mehr zur Vollkommenheit. Er schickte einen Arzt, einen Apotheker und einen Ma- ler nach Indien, Kraͤuter und Pflanzen zu sammlen und nach der Natur abzu- malen. Unter ihm kam der Orangenbau zur hoͤchsten Vollkommenheit, und die Florentiner zeichneten sich dadurch von allen Italiaͤnern aus. Unter den letzten Großherzogen aus dem Hause Medici, Cosmus III. und Johann Gasto, erhielt die Gartenkunst in Toscana keinen neuen Zuwachs. Unter diesen unthaͤtigen Fuͤrsten versiegten fast alle Quellen des Luxus. Nur die Cultur der Orangen und des Weins erhielt sich noch im Fortgang; alles Uebrige aber, was die Verschoͤnerung der Gaͤrten betrifft, gerieth in Verfall. Man sieht aus dieser Erzaͤhlung von den allmaͤhlichen Fortschritten der Garten- cultur in Toscana Sie ist ein Auszug der Geschichte des Gartenwesens in Toscana, die Hr. Biblio- thekar Jagemann in Weimar fuͤr den Gartenkalender 1783. S. 106 u. s. w. mit vieler Sorgfalt verfertigte. besonders auch die Wege, wodurch so viele auslaͤndische Ge- waͤchse zuerst nach Italien kamen, die sich von da in Frankreich, Deutschland und den uͤbrigen Laͤndern von Europa nach und nach weiter ausbreiteten. Der jetzt regierende Großherzog hat die toscanischen Lustschloͤsser und Gaͤrten, besonders Boboli, Capeggi, Lambrogiana, um vieles verbessert. In allen toscanischen Gaͤrten liegt noch die Anlage, die unter den mediceischen Großher- zogen, besonders Ferdinand II, eingefuͤhrt ward, zum Grunde. Buschwerk von Lorbeerbaͤumen und andern fremden und auslaͤndischen Pflanzen, Lauben von koͤstli- chen Weintrauben, Orangerien, Obstbaͤumen, Wiesen, Teiche, Statuen, Grot- ten und Springbrunnen, alles mit genauer Regelmaͤßigkeit angelegt, sind das Hauptwerk der toscanischen Gaͤrten. Nicht leicht kann ein Prinz so viele Lustschloͤsser und Gaͤrten haben, als der Großherzog von Toscana. Eins der vornehmsten ist Poggio Imperiale, nahe bey Florenz. Die Lage des Gebaͤudes ist sehr angenehm. Es ist weitlaͤuftig, und als ein Landhaus bequem eingerichtet; der inwendige kleine Hof hat das Ansehen eines Klosterhofes, der mit dorischen und ionischen Saͤulen uͤber einander, und demnaͤchst mit acht Buͤsten versehen ist. Der Garten ist weitlaͤuftig, aber sehr kunstreich angelegt, besonders voll kleiner Vexierwasser, welches kindische Spiel- H h 2 werk Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, werk der Italiaͤner großen Cascaden und Wasserkuͤnsten vorzieht, die man wenig bey ihm findet. Volkmanns Nachrichten von Ita- lien 1ster B. S. 562—565. Das Lustschloß Pratolino, nicht weit von Florenz, hat zwar von Seiten der Architectur des Gebaͤudes wenig Empfehlung, der Garten aber giebt wegen der vielen Springbrunnen, Descrizione delle Fontane e fabri- che di Pratolino, p. Bern. Sans. Grotten und schattenreichen Alleen im Sommer einen angenehmen Aufenthalt. Die Verzierungen bey den Wasserkuͤnsten sind in dem kleinen spielenden Geschmack der vorigen Zeit. Jagemanns Briefe uͤber Italien, 8. 2ter B. S. 202 — 212. Sgrilli Architetto. In Firenza 1762. fol. mit 12 Kupferstichen. Eine andere Folge von anmuthigen Prospecten des Pratolino ist von Stefano Della Bella sehr malerisch radiert herausgegeben. Der Garten Boboli, hinter dem Residenzschlosse Palazzo Pitti zu Florenz, hat Abwechselungen von Huͤgeln und Ebenen, Wildnissen und Lustwaͤldchen, offe- nen gruͤnen Plaͤtzen und schattichten Alleen, Gebuͤschen, Wiesen und Teichen, und eine Menge kleiner Fußsteige, die ihn durchkreuzen, die Statuen und Wasserkuͤnste mit ihren Spielwerken ungerechnet. Ein vorzuͤglicher Platz darinn ist ein Berg, der unten von einem Walde umgeben ist, uͤber welchen hinaus man eine entzuͤckende Aussicht uͤber die Stadt Florenz, das vom Arno bewaͤsserte Thal und die unzaͤh- ligen kleinen Huͤgel genießt, die wellenfoͤrmig durch das ganze Land fortgehen, und die man viele Meilen weit und breit uͤberschauet. Blickt man auf die Landhaͤuser, womit alle Huͤgel und Abhaͤnge befaͤet sind, so glaubt man eine meilenlang weit aus- gestreckte Stadt zu sehen; bemerkt man aber, wie alle die Anhoͤhen mit Oelbaͤu- men mit Weinstoͤcken, die auf Ulmbaͤumen ruhen, mit Kastanien, Obstbaͤumen und Orangerien bedeckt sind, so scheint alles ein unermeßlicher Lustwald oder Baumgarten zu seyn. Der ganze Gipfel des Berges, mit dieser Aussicht erheitert, ist sehr reich an wilden Kraͤutern, die mit ihren balsamischen Duͤften die Luft rings- umher erfuͤllen; auch ist ein betraͤchtlicher Theil von ihm mit wohlriechenden Blumen bepflanzt. Jagemann S. 171 — 190. Raccolta di veduta e Perspettive del Real Giardino di Boboli: eine neue 1783 angefangene Sammlung von 34 Blaͤttern in Fol. von Aniello Lamberti gezeichnet und gestochen. Das Lustschloß, Poggio a Cajano, ein paar Meilen von Florenz ent- fernt, koͤnnte keine schoͤnere Lage haben. Es uͤberschaut gegen Osten, Westen und Norden eine weite fruchtbare Ebene; und gegen Mittag hat es die angenehmen carminianischen Huͤgel vor sich, die einen bekannten kostbaren Wein hervorbringen. Es Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Es ist in allen seinen Theilen praͤchtig, aber die Pracht ist von einer edlen Einfalt begleitet. Der Garten ist in der gewoͤhnlichen Manier der Italiaͤner. Jagemann S. 191 u. s. w. 2. Indem man sich in den Lagunen befindet, erblickt man auf der einen Seite Venedig in seiner sonderbaren Lage, auf der andern aber eine anmuthige Kuͤste, die mit Haͤusern besaͤet ist. In dem Canal der Brenta faͤhrt man durch eine un- unterbrochene Reihe von Doͤrfern, Landhaͤusern, Palaͤsten, Gaͤrten und schoͤnen Wiesen, die auf beyden Seiten in einer reizenden Abwechselung erscheinen. Das praͤchtigste unter allen venezianischen Landhaͤusern an der Brenta liegt in dem Flecken Stra, fuͤnf Meilen von Padua, und gehoͤrt der Familie Pisani; das Gebaͤude und der Garten sind von einem ansehnlichen Umfange; dieser ist im Gan- zen symmetrisch, aber in einigen Theilen abwechselnd. Padua, das in einer angenehmen fruchtbaren Ebene liegt, ist mit vielen Landhaͤusern, zumal an der Brenta, umgeben; die gesunde Luft und die benach- barten mit den schoͤnsten Weinreben und Oelbaͤumen bepflanzten Huͤgel vermehren hier die Anmuth des Landlebens. Noventa, zwey Meilen von Padua, ist we- gen des schoͤnen Landhauses der Giovanelli und seines angenehmen Gartens beruͤhmt. Die Gegenden um Mayland, um Brescia, um Lucca, um Genna sind mit praͤchtigen Landsitzen und kleinen Sommerhaͤusern verschoͤnert, die fast uͤberall eine reizende Lage haben. Denn in einem so warmen Lande sucht man bald die An- hoͤhen, bald die Kuͤsten des Meers, bald die Ufer der Fluͤsse zum Sommer- aufenthalt. Die Gegend von Turin zeichnet sich nicht weniger durch verschiedene anmu- thige Lustschloͤsser und Landsitze aus. Das Lustschloß Valentin ist von einer artigen Architectur und liegt am Ufer des Po. Der Garten ist nach italiaͤnischem Ge- schmack angenehm. Der Spaziergang von Turin bis ans Schloß ist einer der anmuthigsten in Italien; er besteht aus verschiedenen Alleen, die mit hohen Baͤu- men in vier Reihen besetzt, und mit kleinen fließenden Baͤchen eingefaßt sind. Die Venerie ist das vornehmste von den koͤniglichen Lustschloͤssern. Der Garten ist weitlaͤuftig. Er hat große Rasenstuͤcke, mit den Blumen der Jahreszeit verziert, und mit keinen Graͤben umgeben, die zu ihrer Waͤsserung dienen; allein die Lustgebuͤsche haben noch die alte Architecturverkuͤnstelung. H h 3 Stupinigi, Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Stupinigi, ein anderes Lustschloß des Koͤnigs, ist von geringer Bedeutung. Der große Garten besteht fast nur aus Rasenstuͤcken, doch hat er auch einige bedeckte Gaͤnge und große hohe Alleen, die in den angraͤnzenden Park fuͤhren, durch dessen lange ausgehauene Wege die Aussicht bis an den Horizont streicht. Die Vigne de la Reine hat ein kleines, aber zierliches Gebaͤude, das Ber- nini ehemals fuͤr das beste in und um Turin hielt. Es liegt auf einem Huͤgel vor der Stadt jenseits des Po, und beherrscht die schoͤnste Aussicht, die sich nur gedenken laͤßt. Man uͤbersieht Turin, die ganze Ebene bis Rivoli, und verfolgt den Lauf des Po auf anderthalb Meilen. Der Garten hinter dem Gebaͤude ist in Terrassen abgetheilt; er stoͤßt an ein nicht ansehnliches Lustwaͤldchen, dessen Gaͤnge aber so geschickt eingetheilt sind, daß der Platz viel groͤßer scheint, als er ist. Der Aufenthalt ist hier uͤberaus anmuthig. Volkmanns Nachrichten von Italien 1ster B. S. 188 — 195. 3. Unter der Menge von Villen, die in Rom und in der Gegend der Stadt umher liegen, sind zuerst die vaticanischen Gaͤrten zu bemerken, wovon einer der heimliche Garten oder Belvedere, der andere der große heißt. Die kleinen elenden Vexierwasser, die man hier bis zum Ueberdruß antrifft, sind doch eben keine anstaͤn- dige Verzierungen in dem Garten des ersten Bischofs der roͤmischen Kirche. So- gar eine Terrasse, die eine vortreffliche Aussicht uͤber die Stadt Rom eroͤffnet, ist damit verkuͤnstelt. Der große Garten besteht aus Lustwaͤldern, die von Alleen durchkreuzt sind, aus Gebuͤschen und Springbrunnen. Auf einer Anhoͤhe liegt il Casino des Pabstes Pius IV. Dieß kleine Gebaͤude ist unter Pabst Julius II. nach einem alten, das am Ufer des gabinischen Sees gestanden, durch Pirrhus Ligorius aufgefuͤhrt; Pius IV. gab ihm Ausbesserung und Verschoͤnerung. Die Gallerie vor dem Gebaͤude, oder der Ort, den die Alten Lavarium nannten, ist von guter Architectur; sie hat drey Eingaͤnge mit vier dorischen Saͤulen von Granit. In dem paͤbstlichen Garten des Quirinals erscheint wenig Pracht, und er hat fast nur das Ansehen eines Privatgartens. Die Gegend, die dem Palaste am naͤchsten ist, besteht in regulaͤren Waͤldern von Eichen, Linden, Cypressen, Tan- nen, Granatbaͤumen, Lorbeerbaͤumen u. a. Unter den Springbrunnen befindet sich einer, dessen großes Becken aus Porphyr besteht, und mit einem schoͤnen Pa- villon uͤberdeckt ist. In einer andern Gegend erblickt man in einem von Lorbeerbaͤu- men uͤberkleideten Felsen eine Grotte, worinn eine Fontaine vor der Statue einer Nymphe Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Nymphe springt, welche Bewohnerinn dieses Orts zu seyn scheinet. Der Platz vor der Grotte ist mit dicken Baͤumen umgeben, die ihr ein ehrwuͤrdiges Ansehen er- theilen, und das Ganze macht eine schoͤne malerische Scene. Die Villa Pamfili ist eines der groͤßten und schoͤnsten Landhaͤuser bey Rom. Das Gebaͤude ist mit zwey Reihen corinthischer Pilaster uͤber einander und mit einer Attike versehen. Vor demselben liegt eine Halle, woraus man in einen Saal tritt. Auf dem Dach ist ein Sitz in Gestalt eines viereckigten Thurms angebracht, wo man eine vortreffliche Aussicht genießt. Die neuere Einrichtung des Gartens ist von der Erfindung des Le Notre, und demnach in einem bekannten Geschmack. Zu den Baͤumen und Straͤuchern hat man immer gruͤnende gewaͤhlt; daher ist hier der Spaziergang in jeder Jahrszeit angenehm. In dem Thierpark wird eine Menge Wild unterhalten. Aus der Villa Mellini, die auf der Hoͤhe des Berges Mario liegt, uͤber- sieht man Rom nach seinem ganzen Umfange, die weite Landschaft Campagna di Roma, und alle Kruͤmmungen der Tiber, die sich bald dem Auge zeigt, bald wieder verbirgt; aus diesem vernachlaͤßigten Platze ließe sich einer der herrlichsten Lustoͤrter in Italien bilden. Der Garten der beruͤhmten Villa Borghese ist einer der weitlaͤuftigsten bey Rom, und haͤlt fuͤnf italiaͤnische Meilen im Umfang. Er besteht fast ganz aus Lustwaͤldern, die mit Alleen durchschnitten sind, hat Gebuͤsche zum Vogelfang, Blu- men und Springbrunnen, einen Weinberg, Obstgarten, Orangerie und einen Thiergarten in seinem Bezirk. Auch hier ist die Anordnung in der gewoͤhnlichen Regelmaͤßigkeit. Die Villa Albani gehoͤrt zu den schoͤnsten Gebaͤuden in Rom. Auf beyden Seiten sind Colonaden von Saͤulen aus Granit angelegt, die mit den Buͤsten der beruͤhmtesten Maͤnner des Alterthums geziert sind. Der Garten hat anmuthige Lustwaͤldchen und eine so reiche Auszierung mit Werken der Kunst, daß man in die Villa eines alten prachtliebenden Roͤmers versetzt zu seyn glaubt. La celebre Villa del Cardinale Alefsandro Albani, offave dell’ Abbate Prospero Betti. fol. 1768. Rom. Die Villa Estense, die ehemals so beruͤhmt war, und bey ihrer Anlage uͤber drey Millionen Scudi gekostet, hat auf ihrer Hoͤhe eine treffliche Lage, und eine Menge von Terrassen, Springbrunnen, Labyrinthen, Lustwaͤldchen und Orangerien. Das Gebaͤude hat außer seiner Stelle, indem es auf einer Tetrasse steht, nichts Be- sonders. Gegen Tivoli ist ein guter Wasserfall angelegt, woruͤber eine Grotte liegt. Die Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Die Fontainen und Wasserkuͤnste, die so zahlreich sind, verlieren sich auch hier in das Unnatuͤrliche und Geschmacklose. Die besten Prospecte dieses Gartens findet man auf 29 Blaͤttern von Venturini gestochen unter dem Titel: Fontane del Giardino Estense in Tivoli co’ loro pro- spetti e colla Cascata del Fiume Aniene. Der Garten der Villa Aldobrandini hat nicht so viel dunkelgruͤne Baͤume, als die uͤbrigen Gaͤrten dieses Landes, und daher ein mehr muntres und frisches An- sehen. Die Alleen von Platanen verbreiten indessen ihren vortrefflichen Schatten, und die Springbrunnen und Wasserfaͤlle sind mit mehr Geschmack, als sonst gewoͤhn- lich ist, angeordnet. Von den Terrassen genießt man eine reizende Aussicht uͤber die Ebenen bis an das mittellaͤndische Meer, worauf man bey hellem Wetter die Schiffe segeln sieht. Diese letzten Villen liegen in den merkwuͤrdigen Gegenden von Tivoli und Frascati, die schon zu den Zeiten der alten Roͤmer mit Landsitzen bereichert wa- ren. Hier verdient noch dieses Werk eine Anzeige: Delle Ville e de’ piu notabili monumenti antichi della città e del ter- ritorio di Tivoli, nuove ricerche di Ste- fano Cabral e fausto del Rè etc. 8. 1779. In Romá da Benedetto Settari. Der Artikel von den alten Villen zu Tivoli ist in diesem Buch das Wichtigste und aus ei- nem hoͤchst seltenen Werke genommen, naͤm- lich aus einer Handschrift von einer voll- staͤndigen Geschichte von Tivoli, die sich in der Barberinischen Bibliothek befindet, wohin sie der Kardinal Francesco Barbe- rino, Gouverneur dieser Stadt, 1632 brin- gen ließ. Doch ziehen die heutigen Roͤmer mehr den Aufenthalt von Frascati vor, bey welcher Stadt viele Gaͤrten in einer angenehmen Lage erscheinen. Uebri- gens ist bekannt, daß die Villen in und um Rom als Magazine der Alterthuͤmer beruͤhmt sind, und daß diese Schaͤtze nicht selten ihr vornehmstes Verdienst aus- machen. Volkmanns Nachrichten von Italien 2ter B. Giardini di Roma da G. B. Falda, 21 Blaͤtter; sie befinden sich auch in Volk- manns neuer Ausgabe von Sandrats saͤmmtlichen Werken. 4. Das koͤnigliche Lustschloß Portici bey Neapel ist von keiner merkwuͤrdigen Baukunst, sondern hat vielmehr betraͤchtliche Fehler; eben so wenig empfiehlt sich die Anlage des Gartens. Dagegen uͤbertrifft das neue Schloß Caserta, dessen Plan der roͤmische Architect, Vanvitelli angegeben, alle italiaͤnischen an Regel- maͤßigkeit, Schoͤnheit und Groͤße. Es hat die Form eines laͤnglichen Vierecks, dessen Vorder- und Hinterscite 731 Fuß, und die beyden andern 569 Fuß lang sind; Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. sind; die Hoͤhe betraͤgt 162 Fuß. Inwendig liegen vier große Hoͤfe. Die Vor- derseite hat 34 Fenster und drey Haupteingaͤnge, die vermittelst eben so vieler Gaͤnge durch das ganze Gebaͤude fuͤhren, und die vier Hoͤfe mit dem Garten verbinden. Die ganze innere Einrichtung ist vortrefflich, und der Reichthum und die Pracht, die darinn herrscht, besonders die Kostbarkeit der schoͤnsten Marmorarten steigt bis zur Bewunderung. Kein andrer Koͤnig kann so praͤchtig bauen, weil nirgends so reiche Marmorbruͤche, und in einer solchen Abwechselung und Schoͤnheit sich finden, als in Neapel und Sicilien. Hier sind allein auf 53 verschiedene einlaͤndische Marmorarten gebraucht. Allein die symmetrischen Gartenanlagen kommen bey der Schoͤnheit dieses Gebaͤudes nicht in Betrachtung Eine ausfuͤhrliche Beschreibung die- ses Lustschlosses giebt Volkmann im 3ten B. seiner Nachrichten von Italien, S. 335 u. s. w., und eine Abbildung davon findet man in dem seltnen Werke: Dechirazione dei disegni del Reale Palazzo di Caserta. fol. In Napoli 1756. Auch hat der Dich- ter Orazio Capelli zwey angenehme Ge- saͤnge unter dem Titel: Caserta, 1778 in 8. zu Neapel herausgegeben. . Wir wenden von hier unsern Blick nach Sicilien. Nichts kann reizender seyn, als die Gegend von Palermo. Sie vereinigt mit den Annehmlichkeiten der Natur alle Verschoͤnerungen der Kunst. Fruchtbare Huͤgel mit Weinstoͤcken und mancherley Fruchtbaͤumen, blumenreiche mit vielen Baͤchen bewaͤsserte Ebenen, bald dicke Gebuͤsche, bald weite praͤchtige Aussichten auf der einen Seite contrastiren lebhaft gegen kahle Berge, die gegenuͤber ihre Spitzen in den Wolken ruhen lassen, gegen tiefe Hoͤhlen und andere rauhe und fuͤrchterliche Scenen der Natur. Man erblickt hier eine Menge von Landhaͤusern in einem sehr mannichfaltigen Geschmack; das eine scheint mit seinem Nachbar um Reichthum und Schoͤnheit zu wetteifern, das andre einfach und laͤndlich, wie die Wohnung des Weisen, sich in seinen Schat- ten zu huͤllen. Doch der groͤßte Theil der adelichen Landhaͤuser ist theils oͤstlich a la Bagaria, einem kleinen Dorfe, zwoͤlf Meilen von Palermo, theils west- lich il Colle, sieben Meilen von der Stadt. In der letztern Gegend ist das Land- haus des Prinzen Resutano eines der schoͤnsten. Bey Bagaria haben die Prin- zen von Castelnuova und Valguarnera sehr schoͤne Landsitze; der letzte hat in seinen Gaͤrten die Schoͤnheiten zu vereinigen gesucht, die er auf seinen Reisen zu bemerken Gelegenheit gehabt. In dieser Gegend sieht man auch den Palast des Prinzen von Palagonia, der durch die abentheuerlichen Ausschweifungen seiner Verzierungen, wovon außer andern Reisenden Brydone Reise durch Sicilien und Malta. 24 Br. Man vergleiche damit ein paar Ab- bildun- eine so komische Beschreibung giebt, uͤberall V Band. J i Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, uͤberall in Ruf gekommen ist. Viele Vornehme der Stadt haben noch in andern Gegenden ihre Landhaͤuser in anmuthigen Lagen. 5. Wir erkennen aus dieser kurzen Uebersicht von Italien, daß es nicht allein Landhaͤuser in einer zahlreichen Menge besitzt, sondern daß auch sehr viele davon sich durch eine vortreffliche Baukunst auszeichnen, wodurch zum Theil die groͤßten Archi- tecten Denkmaͤler ihres Geistes hinterlassen haben. Die schoͤnsten Villen, besonders in Toscana und um Rom, wurden in den Zeiten des Reichthums und der Pracht- liebe unter Fuͤrsten angelegt, welche die schoͤnen Kuͤnste liebten und die Kuͤnstler bil- deten, indem sie sie beschaͤftigten und ehrten. Die meisten heutigen Besitzer wenden jetzt wenig auf ihre Unterhaltung; daher sangen sie hin und wieder schon an, praͤch- tige Ruinen fuͤr die N a chkommenschaft vorzubereiten. Die Gaͤrten haben zum Theil die herrlichsten Lagen. Allein sie sind durchgaͤngig regelmaͤßig und ein großer Theil noch in der Manier der ersten Haͤlste des vorigen Jahrhunderts angelegt. Der Geschmack der Gaͤrten mag sich in ganz Europa veraͤndern; Italien hat wenig Hoffnung, die Verbesserung so bald zu sehen. Der Italiaͤner scheint nicht das schaͤrsste Gefuͤhl fuͤr diese Gattung von Schoͤnheit von der Natur empfangen zu haben; der Geschmack an laͤndlichen Vergnuͤgungen verliert sich immer mehr bey ihm; Schauspiele, Musik, naͤchtliche Gaukeleyen und verliebte Abentheuer unter- druͤcken die sanftere Empfindung fuͤr den stillen Reiz des Landlebens. Außerdem stehen hier die Gaͤrten noch unter dem strengen Gebot der Architecten, die sie nach den Regeln ihrer Kunst verunstalten. Koͤnnte man erwarten, daß durch die Menge der reisenden Britten, die jetzt immer nach Italien stroͤmen und deren reiner Ge- schmack nicht ganz ohne Aufklaͤrung bleiben kann, die Liebe fuͤr die schoͤne Kunst der Gaͤrten erweckt und zu einer aͤhnlichen Begeisterung, wie ehemals fuͤr ihre aͤltere Schwestern, aufgeheitert wuͤrde; so ließen sich freylich auch noch andere Aussichten erwarten, die aber doch durch die eingefuͤhrte Art der Benutzung des Landes und durch den geringen Trieb der Italiaͤner zur Nachahmung des Auslaͤndischen wieder begraͤnzt werden. Allein welche Vorzuͤge behaͤlt nicht noch immer ein Land, das seine Huͤgel rings umher von den Bluͤthen des Mandelbaums sich freywillig verschoͤnern, freywillig seine Ebenen mit den Fruͤchten der Citronen- und Pomeranzenwaͤlder sich vergolden, und an seinen oͤffentlichen Wegen die amerikanische Agave neben dem fruchttragenden Palmbaum bluͤhen sieht? bildungen im 2ten B. von des Grafen Borch Briefen uͤber Sicilien und Malta, und die Zusaͤtze dieses aufmerksamen Rei- senden. II. Die Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. II. Die Schweiz . D ie Natur scheint uͤber die Schweiz das Fuͤllhorn ihrer Schoͤnheiten ausgel e ert zu haben, und Bewohnung und Cultur vereinigten sich nach ihr, mitten unter den Wundern des Erhabenen und Romantischen, die keine Hand des Men- schen zu schaffen vermag, noch die sanftesten Reize einzustreuen 1ster B. S. 33 — 35. . Man kann fast keinen Schritt thun, ohne auf Scenen zu treffen, die in so vielen Reichen des Erdbodens entweder ganz unbekannt sind, oder die, wenn sie auch zu den gewoͤhn- lichen Auftritten gehoͤren, die bloß ergoͤtzen, doch hier durch die pikantesten Verbin- dungen und Gegenstellungen zur Wirkung der lebhaftesten Ueberraschung steigen. Was dabey dem Geschmack gehoͤrt oder sein Antheil zu seyn scheint, betrifft die Wahl der Lagen fuͤr die Landhaͤuser, die bescheidene Zierlichkeit und edle Einfalt ihrer Ein- richtung, die Einfachheit der buͤrgerlichen Sommerwohnungen, die Annehmlichkeit der Weinberge, und die Vereinigung einer gemaͤßigten Anmuth mit der stillen Nutz- barkeit der eingeschraͤnkten Gartenreviere. Denn Land gehoͤrt hier zu den Kostbar- keiten des Landes. In den Gaͤrten bleibt nur wenig Raum, den die Goͤttinn des Vergnuͤgens mit ihren Blumen bestreuen und mit ihren Springbrunnen beleben kann. Viele edle auslaͤndische Pflanzen warmer Zonen gedeihen unter diesem Klima; doch fuͤr die nordamerikanischen Baͤume und Straͤucher, woran sich England und Deutschland ergoͤtzen, sind die niedrigen Gegenden Helvetiens fast schon zu warm. Die Kunst der Pflanzung ist hier noch unbekannt. Hecken mit Kugeln und Pyra- miden und ausgeschnittenen Oeffnungen, wie Guckloͤcher in Kraͤmerbuden, Kronen und Spitzsaͤulen von Taxus gehoͤren noch zu den gewoͤhnlichen Werken der Kunst, die man im Angesicht der herrlichsten Landschaften hin und wieder immer noch herr- lich findet. Die hoͤhern Abhaͤnge der Weinberge und Gartenplaͤtze machen oft die Einfassung mit Mauern und Eintheilung in Terrassen noͤthig, aber auch zugleich den Spaziergang unbequem. Diesen verfolgt der Bewohner mit groͤßerm Vergnuͤgen auf den umliegenden Bergen, oder in den Thaͤlern und Wiesen, die von weidenden Rindern und rauschenden Fluͤssen und Wasserfaͤllen belebt sind. Sogar die Anpflan- zungen von Alleen bey den Staͤdten, die man in Deutschland so haͤufig antrifft, daß daß man kaum mehr darauf achtet, sind in Helvetien so selten, daß Sinner sie als besondere Merkwuͤrdigkeiten der Oerter anzufuͤhren wichtig genug fand. Nur Bern kann sich von dieser Seite des Rangs mit betraͤchtlichen deutschen Staͤdten ruͤhmen. J i 2 Die Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Die Gaͤrten der Baseler zeigen schon dem Fremden durch ihren kleinern Um- fang, daß hier das Land theuer ist. Sie sind groͤßtentheils dem Nuͤtzlichen gewid- met. Kuͤchengewaͤchse, Fruchtbaͤume, Weinreben nehmen den vornehmsten Theil ein. Indessen sucht man auch diese beyden letzten Zweige der Cultur zur Verschoͤ- nerung anzuwenden. Man sieht Bogengaͤnge von Fruchtbaͤumen und Reben gezo- gen; oder Gaͤnge von Wein eingefaßt. Auch in den Lauben winkt die reifende Traube zwischen den Blaͤttern; und selbst die duͤrren Mauern sind mit dem gruͤnen Netz der Reben uͤberzogen. Man erblickt viel Blumen und fast uͤberall Spring- brunnen. Vogelhaͤuser, die in kleinen Gaͤrten so viel Unterhaltung geben, sind oft den anliegenden Saͤlen oder Kabinetten mit perspectivischen Durchsichten zugesellt. Wiesen oder Grasplaͤtze mit Obstbaͤumen ziehen sich oft mitten in den Garten hinein, laufen aber oͤfter bescheiden an seiner Graͤnze umher, nur durch ein Gitter abgeson- dert. In einigen dieser Gaͤrten zeigt sich noch eine besondre Anhaͤnglichkeit an den alten franzoͤsischen Geschmack. Ein Hauptfehler der meisten Gaͤrten ist dieser, daß man die umliegenden herrlichen Landschaften nicht besser in verschiedenen Ansichten und Prospecten genutzt hat. Denn fast immer ist die Aussicht durch Mauern und Baͤume verdeckt. Auch koͤnnten hin und wieder die angraͤnzenden Wiesen vortheil- haft mit den Gaͤrten verbunden werden; wenigstens wuͤrden schmale Gaͤnge an ihrem Rand umher nichts verderben. Wuͤrden die Taxuspyramiden, die Hecken und andere Verschließungen weggeworfen, wie viele schoͤne Lagen und Aussichten wuͤrden auf einmal hervorbrechen! Die meisten Landhaͤuser sind ohne Pomp, zier- lich und bequem; auch mit Geschmack ausgeziert; von Springbrunnen umgeben. Zuweilen ist die Vorderseite mit Arcaden verbunden; fast immer findet man einen angenehmen Vorhof, und einen freyen Eintritt, der gleich in den Garten fuͤhrt. Die Gaͤrten der Neuburger unterscheiden sich durch ihre Lage von den Baselern, die meistens in schoͤnen grasreichen Ebenen liegen; sie erscheinen fast alle an den Abhaͤngen der Berge mit einer reizenden Aussicht. Vor ihren Fuͤßen stre- cken sich schoͤne Weinberge, in Terrassen gefaßt, bis zum Strande des Sees hin- unter. Dieser verbreitet seine große spiegelhelle Flaͤche viele Stunden weit; und uͤber ihn hin erhebt sich in der Ferne das majestaͤtische Schauspiel der Eisberge. Das Vorzuͤglichste sind die Gebaͤude, die meistens kleine angenehme Sommerhaͤuser, zu- weilen fehr edle und ansehnliche Landhaͤuser von guter Bauart, im franzoͤsischen Stil vorstellen. Die Eintheilung des Gartenbezirks folgt auch hier der gemeinen Symmetrie. Man sieht kleine Parterre, Hecken, Bogengaͤnge. Doch besser, als alles dieses, sind die kleinen Weinberge, die in dem Bezirk dieser Gaͤrten liegen und die vortreffliche Arten von Reben enthalten; und demnaͤchst viele feine Frucht- baͤume, Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. baͤume, die man aus Frankreich kommen laͤßt. Fast in allen diesen Gaͤrten er- scheinen Springbrunnen, welche die bergigte Lage beguͤnstigt. Man erblickt auf dem Wege von Neuburg nach Genf nahe am Wege so- wohl, als in der Ferne, viele recht schoͤn gebauete Landhaͤuser, die aber von weit weniger schoͤnen Gaͤrten umgeben sind. Bey einigen ist es doch sichtbar, daß es nicht uͤberall an Platz fehlt, wie man sich entschuldigen will. Auch ist zu einem Lust- sitz in einem Lande, das so voll von großen und sanften Schoͤnheiten der Natur ist, nicht geradezu ein betraͤchtlicher Raum noͤthig. Es kommt nur auf Klugheit und Geschmack an, einen kleinen Platz seiner Lage gemaͤß einzurichten, und ihn interef- fant zu machen; zumal da man hier nur vornehmlich darauf zu sehen hat, die mannichfaltigen Gemaͤlde der Landschaft in gewissen Gesichtspunkten nach einander zu fassen. Nach den Neuburgern scheinen die Genfer am meisten auf ihre Landhaͤuser verwendet zu haben. Unter den vielen Gebaͤuden dieser Art, womit die Hoͤhen und Abhaͤnge um Genf und die Ufer des Sees bereichert sind, zeichnen sich die Land- haͤufer la Boissiere, la Grange und les Delices Vues de Delices et du Chateau de Ferney, 3 Bl. in 4. von Segny gezeichnet, und von Queverdo gestochen. Das Schloß zu Ferney, eine kleine Stunde von Genf, im Pays de Gex ist ein Gebaͤude im franzoͤst- schen Stil, ohne hervorstechende Schoͤnheit. aus, durch die herrlichsten Lagen und Aussichten. Das letzte Landhaus ist merkwuͤrdig, weil es ehemals Vol- taire bewohnte, ehe er Ferney kaufte und anfieng, die Personen, die Geburt, Talente und Neugierde zu ihm fuͤhrte, nicht mehr bloß mit seinem Witz, sondern auch mit Gastmalen, mit Musik und Schauspielen zu bewirthen. Allein außer der reizenden Lage fand ich in dem Garten nichts, das, als eine zuruͤckgelassene Spur von dem Gartengeschmack dieses beruͤhmten Dichters, des Anblicks werth waͤre. Alles ist voll franzoͤsischen Schnitzwerks, und selbst die Obstbaͤume sind in Kugeln und Kegel verunstaltet. Aber ein Blick in die Rhone hinab, die sich mit einem maͤchtigen Geraͤusch in der Tiefe waͤlzt, und sich da mit der Arve vereinigt, oder in die umliegende erhabne Landschaft umher, laͤßt auf einmal alle Spielwerke der Kunst wieder vergessen. Jetzt ist ein großer Kenner der schoͤnen Kuͤnste, H. Tron- chin, Besitzer dieses Landhauses. Boissiere, das seinem Bruder, dem General- procureur gehoͤrt, und auf der andern Seite des Sees liegt, hat eine so glaͤnzende, praͤchtige und unterhaltende Lage, daß die Einbildungskraft sich nichts reicheres vor- stellen kann. Von seiner Hoͤhe herab uͤbersieht dieses Landhaus die ganze Stadt Genf, alle umliegende Gegenden so voll Reiz und Leben, und dann die Gebirge, J i 3 die Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, die den Gesichtskreis schließen. Das Haus ist in einem sehr angenehmen Stil ge- bauet, und mit Geschmack verziert. Auf seinen Seiten schattet eine schoͤne Pflan- zung von Kastanienbaͤumen, mit Blumenfluren vor dem Eingange unterbrochen. Diese Baͤume machen mit den Aussichten einen der schoͤnsten Spaziergaͤnge in der Welt. Man blickt nach Genf hinab uͤber eine große Wiese, worinn etwas seit- waͤrts Spaziergaͤnge und eine neue Pflanzung auslaͤndischer Baͤume im englischen Geschmack angelegt sind. Der Garten verbindet mit seiner außerordentlichen An- nehmlichkeit noch einen so betraͤchtlichen Umfang, als man selten in der Schweiz findet. Bey diesen Vorzuͤgen entbehrt er leicht Springbrunnen, die in diesen Ge- genden ganz mangeln, so haͤufig man sie sonst in Helvetien antrifft. In den Gaͤrten der Berner und Zuͤricher sieht man noch viele Taxus in Kugeln und Spitzsaͤulen geschnitten. So schwer ist es, daß selbst Leute von Ein- sicht sich von alten Vorurtheilen loswinden. Man wird in der That bey dem Ein- tritt in die Vorstadt von Zuͤrich von diesem Anblick nicht wenig in Verwunderung gesetzt, da man sogar die Obstbaͤume in Kugelformen verkuͤnstelt sieht. Und hier wohnt der Vertraute der schoͤnen Natur, der sanfte Idyllendichter, Geßner, der lange schon den reinern Gartengeschmack empfahl S. 1sten B. S. 135 — 136. . Aber es ist dieß nicht der ein- zige Fall, daß ein Mann ferne Nationen unterrichtet, und an seinem kleinen Wohn- ort nicht gehoͤrt wird. In der großen Menge von Vorstellungen helvetischer Landschaften, die sich noch jaͤhrlich vermehren, findet man zwar wenig von Gaͤrten und neuen Landhaͤusern, aber viele erhabene, romantische und reizende Gegenden, besonders malerische Lagen von Landwohnungen und Doͤrfern auf Bergen und ihren Abhaͤngen, von Wasser- faͤllen, von Ruinen und noch stehenden bejahrten Schloͤssern, die meistens von den Landvoigten der Kantons bewohnt werden. III. Frank- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. III. Frankreich . 1. E s ist ein uͤberaus merkwuͤrdiger Contrast des Geschmacks, wenn man die Zeiten Ludewigs des XIV, als le Notre erschien, und ganz Europa zu der sym- metrischen Gartenmanier verfuͤhrte, mit der jetzigen Anglomanie der Franzosen vergleicht. Außer dem, was daruͤber bereits hin und wieder in diesem Werke ge- sagt ist Man sehe 1sten Band S. 35 — 39. 117 — 120. 129 — 134. , bieten sich hier noch einige Nachrichten und Bemerkungen an, die eine Stelle zu verdienen scheinen. Waͤre le Notre Andreas le Notre ward 1613 zu Pa- ris geboren und starb da 1700. unter einem andern Koͤnig geboren, so wuͤrde vermuthlich der Geschmack dieses Mannes nicht eine so allgemeine Ausbreitung gefunden haben. Nicht allein sein Zeitalter, worinn Empfindung und Talente fuͤr die Wiederherstel- lung aller schoͤnen Kuͤnste wieder erwachten, sondern auch der persoͤnliche Charakter Ludewigs XIV. beguͤnstigten sein Unternehmen auf eine Art, die ihm Beyfall und Fortgang versichern mußte. Man sahe mehr auf das, was Glanz und Pracht hatte, als auf reinen Geschmack und stille Groͤße. Die Nation sowohl als der Hof wollten nur geblendet, nur durch das Neue und Außerordentliche angezaubert wer- den. Und es ist nicht zu laͤugnen, daß die Manier des le Notre gerade dieses herr- schende Vorurtheil, diesen Geschmack seiner Zeit befriedigte. Seine langen und geraden Alleen, seine Triumphbogen, seine so reich und kuͤnstlich verzierten Parterre, seine hohen Fontainen und Cascaden und die grotesken und seltsamen Verzierungen derselben, seine Grotten voll Architectur und seine Gitterwerke voll Vergoldung, seine Verschwendung der Statuen und Termen — alles dieses mußte leicht ein Auge blenden, das falschen Glanz liebte, das diese Wunder mitten in Wildnissen entstehen sah, das an die stillen Schoͤnheiten der Natur noch gar nicht gewoͤhnt war. Le Notre war fast schon vierzig Jahr alt, als er sein erstes Werk vollendete; dieß war der Garten Vaux-le-Vicomté, nachher Vaux-le-Villars, und jetzt Praslin genannt. Der Koͤnig ward von diesen Verzierungen so bezaubert, daß er ihn zum Aufseher uͤber seine Gaͤrten und zum Generalcontroleur seiner Gebaͤude machte; er uͤberhaͤufte ihn mit Geschenken, gab ihm einen Adelbrief und den Orden des St. Michael. Sein vornehmstes Werk waren die Gaͤrten von Versailles, die Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, die auf zweyhundert Millionen kosteten. Außerdem legte er die Gaͤrten zu Trianon, zu Meudon, zu Saint-Cloud, zu Sceaux, zu Chautilly, und die beruͤhmte Terrasse zu Saint-Germain an. Viele andere Anlagen erhielt Frankreich von der Hand, oder von der Zeichnung dieses geschaͤftigen Mannes, als die Thuile- rien zu Paris, die elysischen Felder, die Gaͤrten zu Gagny, Issy, Clagny, Guermandes, Beaurepaire, u. s. w. Er gieng 1678 nach Italien, und gab da die Zeichnungen zu verschiedenen Gaͤrten, als bey der Villa Pamphili, der Villa Ludovisi, an. Selbst England nahm seine Manier auf S. 4ten B. S. 4. , sodann folgte Schweden, und bald darauf das uͤbrige Europa. Nach dem le Notre bemuͤhete sich Duͤfresny, Controleur der Gebaͤude, der in seinem Geschmack ganz von seinem Vorgaͤnger abwich, Gaͤrten in einem ver- schiedenen und mehr malerischen Stil zu erfinden. Er naͤherte sich schon der neuern Manier der Englaͤnder. Er bauete am liebsten in einer ungleichen Gegend; er bildete selbst aus einer Ebene Huͤgel, um die Ansichten der Gegenstaͤnde mehr zu vervielfaͤltigen. Allein wenige von seinen Erfindungen kamen zur Ausfuͤhrung. Man beschuldigt ihn, daß sie zu kostbar gewesen. Vielleicht aber stand ihm der noch so neue Modegeschmack seines Vorgaͤngers am meisten entgegen. Duͤfresny legte indessen in seiner bessern Manier die Gaͤrten zu Mignaux nahe bey Poissy, des Abbé Pajot bey Vincennes, und in der Vorstadt St. Antoine zwey andre an, die ihm zugehoͤrten und unter dem Namen Moulin und Chemincreux be- kannt sind. Marly, das man irrig den Rissen bald des Duͤfresny, bald des J. H. Mansard zugeschrieben, ist nach der Zeichnung des Drusé, der Controleur zu St. Germain war, angelegt. Von Desgots, einem Verwandten des le Notre, war der Garten zu Baguolet sein vornehmstes Werk. Verschiedene andre Gaͤrten in Frankreich wurden damals von de la Chapelle, d’ Isle, J. H. und F. Mansart und andern Architecten, im Ganzen nach der Manier des le Notre, angelegt. 2. Als der neue Gartengeschmack sich in England verbreitete, konnte die Nach- ahmung wohl nirgends leicht zu einer lebhaftern Begeisterung steigen, als bey den Franzosen. Mit einer Hitze, die gewoͤhnlich mehr den Geist der Nacheiferung als der Erfindung spornt, fiengen sie an, die alten Gaͤrten umzureißen, und neue zu pflanzen à la Chinoise oder à l’ Angloise. Dieser Enthusiasmus fuͤr die eng- lische Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. lische Erfindung aͤußerte sich vornehmlich um die Hauptstadt. Er griff selbst die ehrwuͤrdigen Alleen zu Versailles an, um einer jungen Pflanzung Platz zu ma- chen, und ein Lehrdichter vom ersten Range klagt daruͤber in einem Ton, den man nicht ohne Mitempfindung hoͤren kann. De Lille in dem Gedichte Les Jardins. 4me Edit. Paris 8. S. 40 — 41. O! Versailles! ô regrets! ô bosquets ravissans, Chefs d’ œuvre d’un grand Roi, de Le Notre et des ans! La hache est â vos pieds et votre heure est venue. Ces arbres dont l’orgueil s’ elançoit dans la nue, Frappés dans leur racine, et balançant dans l’air, Leurs superbes sommets ébranles par le fer, Tombent, et de leurs troncs jonchent au loin ces routes Sur qui leurs bras pompeux s’ arrondissoient en voûtes. Ils sont detruits, ces bois, dont le front glorieux Ombrageoit de Louis le front victorieux, Ces bois où, célébrant de plus douces conquêtes, Les arts voluptueux multiplioient les fêtes! Amour, qu’ est devenu cet asyle enchanté Qui vit de Montespan soupirer la fierte? Qu’ est devenu l’ ombrage où, si belle et si tendre, A son amant surpris et charmé de l’ entendre La Valière apprenoit le secret de son coeur, Et, sans se croire aimée, avouoit son vainqueur? Tout périt; tout succombe; au bruit de ce ravage Voyez vous point s’ enfuir les hôtes du bocage? Tout ce peuple d’ oiseaux fiers d’habiter ces bois, Qui chantoient leurs amours dans l’asyle des rois, S’ exilent à regret de leurs berceaux antiques. Ces dieux, dont le ciseau peupla ces verds portiques, D’ un voile de verdure autrefois habillés, Tous honteux aujourd’ hui de se voir dépouillés, Pleurent V Band. K k Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Pleurent leur doux ombrage; et, redoutant la vue, Vénus méme une fois s’étonna d’etre nue. Croissez, hatez votre ombre, et repeuplez ces champs, Vous, jeunes arbrisseaux; et vous, arbres mourans, Consolez vous. Temoins de la foiblesse humaine, Vous avez vu périr et Corneille et Turenne: Vous comptez cent printemps, hélas! et nos beaux jours! S’ envolent les premiers, s’ envolent pour toujours! Dieser seine Kenner fuͤhrt in seinem Gedichte verschiedene Landhaͤuser und neue Gaͤrten um Paris an, die sich nach seinem Urtheil durch eine vorzuͤgliche Schoͤn- heit auszeichnen. Sie sind Beloeil, Landhaus des Prinzen de Ligne; Mon- treuil, Garten der Prinzessin Guémené; Maupertuis, ein Garten dem Mar- quis von Montesquiou gehoͤrig, der wegen seiner schoͤnen Wasser, seiner praͤchtigen Pflanzungen, seiner gluͤcklichen Mischung von Huͤgeln und Thaͤlern, den Namen Elysium verdient; Le Desert, nach der geschmackvollen Zeichnung des Hrn. von Mouville; Rincy, ein schoͤner Garten des Herzogs von Orleans; Limours, eine von der Graͤfinn von Brionne verschoͤnerte Wildniß; Petit-Trianon, ein Garten der Koͤniginn, wo der Reichthum von dem Geschmack geleitet ist; Baga- telle, ein niedlicher Garten von dem Grafen von Artois entworfen, mitten in einem kleinen reizenden Gehoͤlz, mit dem er verbunden ist, und mit einem zierlichen Pa- villon geschmuͤckt. Außer diesen ruͤhmt er noch die neuen Gaͤrten La Falaise, Morfontaine, dem Hrn. Peletier, Intendanten von Soissons gehoͤrig, und angenehm durch große Rasen und Gruppen; Chaville, Royssi, Malmaison. Noch gehoͤren zu den merkwuͤrdigsten neuen Anlagen Anteuil, Chanteloup, dem Herzog von Choiseul zustaͤndig und in einem reizenden Geschmack, Arnouville, Courances, Garges, Monceau und Ermenonville. Einige von diesen Gaͤr- ten verdienen noch etwas naͤhere Bemerkungen. Bagatelle hat einen Pavillon, der von der Hand einer Fee in dieses stille, verschlossene und dunkle Waͤldchen hingezaubert zu seyn scheint. Man stoͤßt auf ihn nach einem sich herumwindenden Wege, ganz unerwartet. Beym Eingange wird man von einigen charakteristischen Statuen, als dem Stillschweigen, dem Geheim- niß, u. s. w. empfangen. Alles ist gewaͤhlt, fein, geschmuͤckt. An den Waͤnden reizen Gemaͤlde der Liebe von den besten neuern Meistern. Die Lage kann nicht sanfter seyn; eine uͤberaus liebliche Aussicht ist in ihrer Daͤmmerung eroͤffnet. Der kleine Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. kleine Garten besteht nur aus den angenehmsten Blumen und auslaͤndischen Bluͤthen- straͤuchern, welche die stille Wollust dieses verborgenen Aufenthalts vermehren helfen. Der Park zu Arnouville ist vielleicht mehr im Geschmacke der Englaͤnder, als irgend ein andrer neuer Garten in Frankreich, wo man, austatt die Natur nachzuahmen, sie oft nur entstellt, oder versteckt. Er hat nichts von dem Gesuch- ten und Taͤndelnden, sondern einfache Schoͤnheiten der Natur, die sich im Großen zeigen, aber mit Geschmack geordnet sind. Baͤche und stille Gewaͤsser, Gehoͤlze mit ihren Vertiefungen, die innern Prospecte, eine Menge von verschiedenen Ge- maͤlden der Landschaft vereinigen sich hier, ein edles und mannichfaltiges Schauspiel zu bilden. Es giebt wohl wenige Gaͤrten, wo man freyer umherirren, und der Anmuth der ganzen umliegenden Gegend leichter genießen kann. Man kann so viele Wege des Parks durchlaufen, selbst um das Dorf herumgehen, verschiedene Spa- ziergaͤnge vollenden, und dann wieder in sein Cabinet zuruͤckkehren, ohne daß es eine Person im Hause gewahr wird. Ueberall dienen Bruͤcken und Thuͤren zur Ver- bindung sowohl, als zur Abwechselung der Spaziergaͤnge. Man kommt bald in fruchtbare Gefilde voll reicher Aerndten, bald in einsame Wiesen, bald in kuͤnstliche, bald in laͤndliche Pflanzungen laͤngst den Baͤchen, bald in ein kleines Thal hinter einem Gehoͤlze, bald an eine Wassermuͤhle im Walde, wovon das Geraͤusch des Stroms aus der Ferne sanfter heruͤber toͤnt, bald in ein Dorf auf einem Huͤgel. Diese und viele andere Gegenden mehr sind durch angelegte Spazierwege mit ein- ander verbunden, worauf das Auge von immer abaͤndernden Aussichten nah und fern unterhalten wird. Alle diese anmuthigen Theile sind noch mit Fruchtgaͤrten, Weinbergen, und andern Anstalten der nuͤtzlichen Gaͤrtnerey vereinigt. Der beruͤhmteste neue Park in Frankreich ist wohl Ermenonville, gleich merkwuͤrdig durch den Geist seines Besitzers, des Marquis de Gerardin Von seiner vortrefflichen Schrift de la Composition des Paysages. 8. Paris 1777. (S. 1 B. S. 134) ist in Leipzig 1779 eine deutsche Uebersetzung erschienen. Er giebt verschiedene allgemeine und zerstreute, aber feine Bemerkungen uͤber die Verschoͤ- nerung der Natur, ohne jedoch ihre beson- dere Anwendung in den mannichfaltigen Arten von Gaͤrten zu entwickeln. Die Maximen und Beobachtungen des Land- schaftmalers dienen zur Grundlage seiner Untersuchungen. und durch seine Gastfreundschaft gegen Rousseau, die sich bis auf sein Grab S. 2ten B. S. 59. erstreckte. K k 2 Der Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Der Garten, der zehn Stunden von Paris liegt, ist eine neue Schoͤpfung, aus einem wilden Chaos hervorgerufen. Ein Theil der ersten Anlage ist in der Theorie des Jardins (8. Paris. 1776) S. 240 — 261 angezeigt. Das Thal, im Angesicht des Landhauses, war noch vor einigen Jahren nichts, als ein unzugaͤnglicher Morast von einem scheußlichen Anblick. Sein morigter Grund zog das Wasser von hundert umherfließenden Quellen in sich; vier bis fuͤnf Kanaͤle, die bald verschleimten, konnten ihn nicht austrocknen. Dicke Duͤnste, die Morgens und Abends aufstiegen, bedeckten die Oberflaͤche des Thals. Auf allen Seiten versperrten symmetrische Alleen die Aussicht, und gaben einen eben so langweiligen, als traurigen Anblick. Sie widerstanden der freyen Bewegung der Luft, und machten daher die Lage noch ungesunder; und indem sie das wellenfoͤrmige Spiel der Erhebungen und Senkungen des Bodens verbargen und seinen Fortlauf unterbrachen, so verwandelten sie ein angenehmes Thal in eine langweilige und flache Ebene. Reizende Hoͤhen und Niedrigungen blieben zur Rechten und zur Linken ungenutzt liegen; ein schoͤner Wald, dem Hause so nahe, ward davon sorgfaͤltig abgesondert, daß er weder zur Verzierung der Lage, noch zum Vergnuͤgen des Spa- ziergangs beytrug. Uebrigens ein sumpfigtes Parterre; tiefe Canaͤle, die unreines Gewaͤsser verschlossen, immer von Schilf und Gras bedeckt; ein Irrgarten von Hagebuchen auf beyden Seiten, wohin man sich wegen der aͤußersten Feuchtigkeit nicht wagen durfte — dieß machte die abgeschmackte Verzierung des Gartens aus. Auf der Mittagsseite gab ein Hof, von Gebaͤuden umschlossen, einen finstern Anblick. Ein feuchter Kuͤchengarten war ganz von Mauern umgeben; und daneben sperrten zwey Reihen von Linden die Aussicht und die Luft ein. Endlich war alles getrennt und abgerissen; jede Parthie erschien ohne Verbindung, ohne zu einem Ganzen zu gehoͤren, ohne einen Charakter zu haben. Das war vormals Erme- nonville. Jetzt hat ein frisches und lachendes Thal die Stelle einer einfoͤrmigen Ebene eingenommen; der ausgetrocknete Sumpf ist in eine treffliche und angenehme Wiese verwandelt; ein breiter Fluß hat die stinkenden Kanaͤle verdraͤngt, und sein lebhaftes, immer von den Winden bewegtes Wasser, erhaͤlt sich rein und klar. Die meisten Gegenstaͤnde, die diese Aussicht verschoͤnerten, erwarteten bloß die Wegraͤumung einiger Pflanzungen, die sie versteckten oder von einander trennten. Die weggeschla- genen Baͤume entdeckten eine herrliche Gegend, die in einer Entfernung von zwey Stunden von einem Berge begraͤnzt wird, worauf sich ein Dorf erhebt, und wor- uͤber Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. uͤber noch der alte und halb verfallene Thurm von Mont-Epiloy hoch emporragt. Diese schoͤne Zufaͤlligkeit, die den Hintergrund des Gemaͤldes macht, erscheint, we- gen der Entfernung, immer in dem blaͤulichen und dunstmaͤßigen Farbenton, der auf eine so sanfte Art den Himmel mit dem Horizont verbindet. Die Wegraͤumung der verschließenden Mauern laͤßt jetzt die Verlaͤngerung des Thals auf der Mittagsseite uͤbersehen. Der Fluß, der auf eben dieser Seite entspringt, bewaͤssert und durchstreicht einen Rasen, in der Gegend, wo vorher der Kuͤchengarten lag. Der Rasen vereinigt sich zur Rechten mit dem Walde, und verliert sich in eine Gruppe schoͤner Baͤume, die von einem jaͤhen Abhang herabhan- gen; zur Linken endigt er sich an dem Fluß. Dieser Fluß mit seinen mannichfaltigen Wendungen, die Wasserfaͤlle, die er macht, der See, die geschmackvollen Pflanzungen, die Gebuͤsche und Gruppen auf kleinen Huͤgeln, die so fein gebildeten Aussichten, so viele laͤndliche und male- rische Scenen verschoͤnern jetzt eine Gegend, die vormals nichts als eine sumpfigte und scheußliche Wuͤste war, und doch nach dem Vorurtheil der Zeit den Namen eines Gartens fuͤhrte. In diesem vortrefflichen Park, der Spaziergaͤnge fuͤr viele Stunden enthaͤlt, ist das Grabmal des Rousseau einer der merkwuͤrdigsten Gegenstaͤnde. Eine Ver- aͤnderung des Denkmals S. die Abbildung des ersten Denkmals im 2ten B. S. 59. verdient hier noch eine Erwaͤhnung. Das erste war bloß bis zur Vollendung des jetzigen von Stein hingesetzt. Nun ist es ein Sarcophag, wobey die Urne weggelassen ist, ein Meisterstuͤck des Geschmacks unter Erfindungen dieser Classe. Man sieht auf diesem Denkmal am Fuß eines Palmbaums, der ein Sinnbild der Fruchtbarkeit ist, eine Frau sitzen, die mit der einen Hand ihren sau- genden Knaben, und mit der andern Rousseau’s Emil haͤlt. Hinter ihr erschei- nen Muͤtter, die Blumen und Fruͤchte auf einem Altar opfern, der vor einer Statue der Natur errichtet ist; auf der andern Seite steckt einer ihrer Knaben Windeln, Binden und Schnuͤrbruͤste, die Fesseln des ersten Alters, in Brand, unterdessen daß die andern mit einem auf einer Stange aufgesteckten Hut, dem Zeichen der Freyheit, herumtanzen und spielen. Auf der Seite dieses Basrelief erblickt man an dem einen der beyden Pfeiler die Figur der Harmonie mit einer Leyer, worauf sie Toͤne bildet, und auf dem andern die Beredtsamkeit mit einer Floͤte und einem Blitz, den Sinnnbildern ihrer sanften Ueberredung sowohl, als ihrer bezwingenden Staͤrke. In dem Giebel mitten uͤber dem halb erhobenen Werke befindet sich ein Kranz, worinn man den Denkspruch des Rousseau lieset: K k 3 Vitam Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Vitam impendere vero. Auf der entgegengesetzten Seite steht diese Grabschrift: Ici repose l’ homme de la vertu et de la verite. Und an den Pfeilern, die den erstern gegenuͤber stehen, erblickt man die Natur vor- gestellt, als eine Mutter, die zwey Kinder saͤugt, und die Wahrheit, als ein nacktes Frauenzimmer mit einer Fackel. In dem Giebel jener Seite sterben zwey Tauben unter rauchenden Fackeln, die an dem Fuß der Urne der Julie hingeworfen sind. Auf den beyden Eckseiten des Grabmals sieht man Thraͤnenkruͤge. Alles ist in die- sem edlen Monument Wahrheit und Uebereinstimmung, zur Erregung sympatheti- scher Trauer. Außer diesem Denkmal enthaͤlt Ermenonville noch verschiedene andere schoͤn angelegte Scenen, wohin naͤmlich der Baumgarten von Clarens, die Wildniß, Arcadien und der Thurm der Gabriele gehoͤren. Der Baumgarten ist ganz nach der Beschreibung in der neuen Heloise. Er enthaͤlt zugleich den Tempel der Philo- sophie, der Rousseaus Grabmal gegenuͤber steht. Er ist noch nicht ausgebauet, eine feine Anspielung auf die Wissenschaft. In dem Innern des Gebaͤudes findet man diese Inschrift: Hoc Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Hoc templum inchoatum Philosophiae nondum perfectae Michaeli Montagne Qui omnia dixit Sacrum esto. Auf den Saͤulen stehen die Namen Newton, Descartes, Voltaire, Penn, Montesquiu, J. J. Rousseau, mit der Frage: Quis hoc perficiet? Ueber dem Eingange steht die Aufschrift: Rerum cognoscere causas. Die Wildniß ahmt des St. Preux Aufenthalt zu Meillerie nach. Auf dem Gipfel eines hohen Felsens steht eine kleine Huͤtte; und an seinem Fuß verbreitet sich ein schoͤner See; in die Felsen sieht man hin und wieder die Namen von St. Preux und von seiner Geliebten, und einige Stellen aus der neuen Heloise eingegraben. In Arcadien erblickt man eine Pyramide mit vier Inschriften, die Theocrit, Virgil, Thomson und Geßnern gewidmet sind. Geßners Inschrift ist deutsch, und eben so wahr, als einfach: Er hat gemalt, was er gesagt hat. Der Thurm der Gabriele ist ganz im alten Geschmack. Eine kleine Windeltreppe fuͤhrt zu verschiedenen Cabinetten. Von seiner Hoͤhe, wo Fahne und Leuchte stehen, genießt man eine vortreffliche Aussicht. Am Fuß des Thurms sind aus den Waffen eines Ritters, der aus Gram uͤber den Tod Heinrichs IV. starb, Trophaͤen errichtet. Noch liest man an dem Thurm die Inschrift: En cette tour droit de péage La belle Gabriele avoit. C’est de tout temps, qu’ un Francois doit A la beauté foi et hommage. Die Spaziergaͤnge in diesem Garten, der noch manche andre feine Verschoͤne- rungen enthaͤlt, sind nicht bloß fuͤr das Auge, sondern auch fuͤr das Ohr reizend. Denn der Herr von Gerardin unterhaͤlt eine Anzahl von geschickten Tonkuͤnstlern, die nicht bloß in dem Hause die besten Stuͤcke auffuͤhren, sondern auch bald in den Waͤldern, bald an den Ufern der Gewaͤsser, bald auf dem Wasser selbst einzeln oder vereint sich hoͤren lassen. Nirgends findet man das Ungezwungene im Umgange, die Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, die Freyheit in der Lebensart und die Einfalt in den Sitten so wohl als in der Klei- dung mehr, als in der gluͤcklichen und liebenswuͤrdigen Familie des Hrn. Marquis von Gerardin. Hier mußte der eigensinnige Philosoph bald seinen Ekel an der Welt vergessen, und nicht allein Ruhe und Zufriedenheit in der schoͤnen Natur wie- der finden, sondern sich auch in dem Umgange solcher edlen Personen mit der Mensch- heit aussoͤhnen. 3. Bey einem so reinen Muster der verschoͤnerten Natur, als Ermenonville darstellt, und bey so manchen schoͤnen Gaͤrten, die sich in der Gegend von Paris ver- mehren, muß man sich uͤber die mancherley Verirrungen des Geschmacks wundern, die jetzt in so vielen andern neuen Anlagen sichtbar werden. Anstatt der nicht ganz unschicklichen Einfassung der Rasen mit Blumen, besetzt man die gruͤnen Flaͤchen mit Blumenkoͤrben von seltsamen Formen; man verschließt noch die Schaͤfte der Baͤume in viereckigte gruͤne Gitter, um den schoͤnen Wuchs des Stamms zu ver- bergen; man beschneidet noch hin und wieder die wilden Baͤume bis an ihren Gipfel, und laͤßt ihnen kaum so viel Zweige, um zu ihrem Wachsthum den Einfluß der Luft und Blaͤtter zur Beschattung zu gewinnen. Einheimische Kenner sowohl als Fremde spotten daruͤber; aber noch immer fahren so viele Gaͤrtner fort, die Natur zu verstellen. Bey der blinden Nachahmung des englischen Geschmacks wieder- holt man nicht bloß Fehler, man haͤuft auch neue. Alles, was ein großer Park enthalten kann, soll in den engen Raum von einem Morgen Landes zusammenge- draͤngt werden. Alles, was Asien an verschiedenen Bauarten zeigt, soll auf einem Fleck von einigen hundert Schritten nachgeahmt werden. Chinesische Misgeburten und Kiosken, die zu den Ungeheuern der neuen schwelgerischen Baukunst gehoͤren, verdraͤngen die reine Einfalt der griechischen Architectur. Die Kunst der Gruppi- rung der Baͤume auf gruͤnen Flaͤchen scheint noch wenig bekannt; sie stehen meist einsam, getrennt, ohne Verbindung und Beziehung, wie die Figuren auf manchen bis auf uns erhaltenen Gemaͤlden des Alterthums. Die Bosquets sind meistens in einer gezirkelten und taͤndelnden Manier; oft genug noch symmetrisch angelegt, ohne die edle Freyheit der Natur, wodurch sie ihren Reiz gewinnen muͤssen. Und die Zwischenplaͤtze sind zuweilen in seltsame Formen vertheilt, und z. B. wie ein Spiegel oder wie ein Papillon gebildet. Von solchen kleinen Spielwerken scheint sich der Geist der Gaͤrtner noch nicht entwoͤhnen zu koͤnnen. Mit Kunstwerken aller Art, besonders vermischten Gebaͤuden, Ruinen, Bruͤcken, werden nicht selten die neuen Gaͤrten uͤberladen, und man scheint ganz den Werth des Einfachen und Natuͤrli- chen zu verkennen. Auch in den Verzierungen der Kunstwerke selbst ist man zu- weilen Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. weilen eben so unuͤberlegt, als verschwenderisch. So belastet man die Spitze eines klei- nen Pavillons der Diana mit der kolossalischen Statue der Goͤttinn und zwey Hun- den; so erscheint Mercur mit einem sich baͤumenden Pferde auf dem Dache eines Orangeriehauses; so sind die Außenseiten eines Taubenhauses, das die Form eines Pavillons hat, mit Sensen, Harken, Gießkannen, Korngarben und Koͤrben ver- ziert. Alle diese Bemerkungen sind von wirklich vorhandenen Anlagen und Verzie- rungen abgezogen. Es giebt in der That einen merkwuͤrdigen Unterschied zwischen den Gaͤrten von zwey beruͤhmten Nationen, die in dem Erwerb ihrer Groͤße und ihres Ruhms so eifrige Nebenbuhlerinnen sind. Die Gaͤrten der Franzosen sind noch zu sehr von der Hand der Kunst geschmuͤckt, sie unterdruͤcken die Natur durch ihre puͤnktliche Geschaͤftigkeit, sie zu verschoͤnern; die Gaͤrten der Englaͤnder sind nicht selten gar zu vernachlaͤßigt. In England arbeitet man mehr fuͤr sich. In Frankreich sucht man nicht etwa angenehme Unterhaltung des Auges oder Bequemlichkeit, son- dern vielmehr Befriedigung seiner Eitelkeit, die so oft das Vermoͤgen verschlingt. Der Englaͤnder sucht auf dem Lande das Vergnuͤgen des Landes. Dem Franzo- sen folgt gleichsam die Stadt aufs Land nach. Der Englaͤnder ist Gaͤrtner und Landwirth auf seinen Guͤtern. Der Franzose ist selten mehr, als Decorateur. Temple beschnitt selbst seine Fruchtbaͤume; Pope arbeitete selbst in seinem Garten, wie die großen Maͤnner des Alterthums. Fast alle Englaͤnder lieben die Garten- kunst und die oͤkonomische Gaͤrtnerey; und selbst bis auf die Gaͤrten des Landmanns hat alles eine Anordnung, die ihren Wohlstand beweiset. Es giebt noch mehr Gesichtspunkte, woraus sich die Vergleichung fortsetzen laͤßt. Der Franzose will in Bewunderung, in Ueberraschung setzen; der Englaͤnder mit einer Menge von Ideen und Empfindungen unterhalten. Der Franzose rechnet auf Verhaͤltnisse, der Englaͤnder auf Scenen und Gemaͤlde. Dieser sucht die Mannichfaltigkeit der Natur, jener die Erfindungskraft der Kunst; dieser die Landschaft, jener den Be- sitzer zu zeigen. England hat mehr wilde, romantische, stark charakterisirte Ge- genden, bedeckt mit Gehoͤlzen, mit Bergen, mit Felsen, voll Quellen und Fluͤsse; Frankreich hat weniger malerische Landschaften, viel Ebenen, die keine reiche Man- nichfaltigkeit von Scenen, die bloß Anlagen der angenehmen Gattung verstatten, aber auch mit mancher Schwierigkeit. Daher Gaͤrten der Ebenen, die immer von einer gewissen Monotonie begleitet sind. Alle kuͤnstliche Verbesserungen einer solchen Lage sind mit großen Kosten verknuͤpft. Ueberhaupt aber kommt auch hier der unterscheidende Nationalcharakter in Betrachtung. Wilde Felsen, brausende Wasserfaͤlle, zerstoͤrte Bruͤcken, dunkle V Band. L l Hoͤhlen, Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Hoͤhlen, Huͤtten uͤber Abgruͤnden, Trauerdenkmaͤler, alles, was die Einbildungs- kraft heftig bewegt oder durchschuͤttert, was eine tiefe Melancholie erregt; sodann außerordentliche Situationen, uͤberraschende Uebergaͤnge und starke Contraste — alles dieß ergoͤtzt den ernsten und zum Erhabenen gestimmten Britten in seinen weiten Parks, wie in seinen Romanen und in seinen Gedichten. Allein der Cha- rakter dieser Gegenstaͤnde und Scenen stimmt gar nicht mit den gewoͤhnlichen Ideen oder mit dem Nationalgeschmack der Franzosen uͤberein. Dieser sucht nichts lieber, als angenehme Situationen und sanfte Wirkungen; geht immer auf Verzierungen alles dessen aus, was er unter Haͤnden hat. Aber es sind leichte und schimmernde Verzierungen. Große Parks machen ihm Langeweile; er will auf jeden Augenblick unterhalten, auf jeden Schritt befriedigt seyn. Er kann keine weitlaͤuftigen Spa- ziergaͤnge ertragen. Er muß Gaͤrten haben, die er bald umfossen kann, heitere Gaͤrten, die seinem Auge immer zulaͤcheln, immer seine rege Einbildungskraft mit reizenden Bildern erfrischen. 4. Außer den schon angefuͤhrten Gartenprospecten der Franzosen S. 1sten B. S. 36. Von dem ange- fuͤhrten Werk des Sim. Thomassin ist auch in Haag 1728 eine Ausgabe er- schienen. koͤnnen noch zu dieser Klasse gerechnet werden. Jardins et Fontaines p. Israel de Silvestre . Paris 1661. 8. Acht Stuͤcke. Ein aͤlteres gutes Werk aus dem damaligen Zeitalter. Dieser Kuͤnstler zeichnete alle Aussichten von Paris und den umliegenden Oertern, und aͤtzte sie nachher in Kupfer. Auf Befehl des Hofes mußte er auch alle koͤnigl. Schloͤsser und Palaͤste in Kupfer bringen. Description de la Grotte de Versailles. Paris. fol. 1676. Palais et Jardins Royaux gravés par Perelle. fol. Versailles immortalisé avec fig. fol. Paris 1726. Description des Chateaux, Bourg et Foret de Fontainebleau par l’ Abbé Gilbert. 8. Paris 1731. Zu den neuern Kupferstichen gehoͤren Description generale et particuliere de la Frante , die in vielen Heften Ab- bildungen von Gegenden, Schloͤssern und Gaͤrten enthaͤlt. Detail des nouveaux Jardins à la mode, eine Sammlung von verschiedenen Heften, die zu Paris bey Rouge herauskommen, worinn sich Risse von den meisten neuen Gaͤrten befinden. Unter Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Unter den besondern Abbildungen neuer franzoͤsischer Gaͤrten ist vorzuͤglich merkwuͤrdig: Jardin de Monceau près de Paris, appartenant à S. A. S. M. le Duc de Chartres . Paris. fol. 1779. Weder die Vorrede oder kurze Beschreibung des Gartens, noch die in diesen achtzehn großen Kupferstichen vorgestellten so sehr uͤber- haͤuften Anlagen koͤnnen ganz die Gerechtigkeit einer ausfuͤhrlichen Kritik aushalten, obgleich einzelne Stellen viel Schoͤnheit haben, die aber doch immer wieder unter dem verschwenderischen Pomp der Verzierungen leidet. Die Erfindungen und Zeichnungen sind von M. de Carmontelle. Den schon angefuͤhrten Architecturwerken koͤnnen noch beygefuͤgt werden: Recueil Elémentaire d’ Architecture etc. composé par M. de Neufforge, Architecte. fol. Paris. 1757 — 68. 8 Vol. mit 2 Vol. Supplem. Verschiedene symmetrische Gartenanlagen im alten steifen Geschmack werden hier noch als Muster vorgezeichnet, wie man bey Architecturlehrern gewoͤhnlich sieht. Allein die Ge- baͤude, besonders fuͤr Gaͤrten, und die Landhaͤuser und Lustschloͤsser sind in einem guten Stil. Einige Tempel und Pavillons haben ein zu schwerfaͤlliges Ansehen, und sind mit Verzierungen etwas uͤberladen; die Grotten sind gegen die Natur voll Pomp der Baukunst. Neufforge unterscheidet sich von den Architecten seiner Na- tion durch einen Reichthum von Erfindungen. Architecture moderne par M. Jombert . 4. 2 Vol. Paris. 1764. enthaͤlt einige gute Entwuͤrfe zu Landhaͤusern, die groͤßtentheils im Geschmack der Blondel- schen, aber doch simpler sind. Es ist merkwuͤrdig, daß die Landhaͤuser der beruͤhm- testen franzoͤsischen Architecturlehrer, z. B. des Blondel, Briseux und Jom- bert, fast alle in einer Manier angegeben sind, und nichts von der reichen Mannich- faltigkeit der italiaͤnischen und englischen Baumeister haben. Die merkwuͤrdigste Erscheinung in der neuern Gartenlitteratur der Franzosen ist das Lehrgedicht des Hrn. Delille; Les Jardins, ou l’ art d’ embellir les Paysages. Poëme. 8. Paris. 4me Edit. 1782. Es verdient unter den Lehrgedichten der Gar- tenkunst unstreitig den ersten Rang. 1ster B. S. 132 — 133. Vielleicht findet man die Einbildungskraft des Dichters weniger gluͤhend, seine Bilder weniger erhaben, ihre Zusammensetzun- gen weniger kuͤhn, die Farben seiner Gemaͤlde weniger glaͤnzend, als bey Mason. 1ster B. S. 128. Aber gewiß ist seine Phantasie reich und bluͤhend, sein Geschmack fein, durch Beobachtung der Natur und das Studium der besten Muster gebildet. Man sieht L l 2 bey Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, bey ihm mehr Plan und Anordnung, mehr Absicht zu unterrichten, und einen sol- chen Reichthum von vortrefflichen, aus der Natur ausgehobenen Regeln, wodurch er Mason hinter sich zuruͤcklaͤßt. S. meinen Gartenkalender auf 1784. (wodurch dieses schoͤne Lehrgedicht mehr be- kannt gemacht ist) S. 12 — 15. 139 — 187. Außer einer zu Zabern, sieben Stunden von Strasburg, angefangenen Anlage in der englischen Manier, sind die Gaͤrten im Elsaß in Ruͤcksicht auf den Geschmack von keiner Bedeutung. Sie sind fast allein edlen Fruchtbaͤumen und Reben gewidmet, weniger dem Gemuͤse, das auch hier im freyen Felde gezogen wird. Dennoch haben diese Gaͤrten ein angenehmes und froͤhliches Ansehen, wegen der vielen Weinreben und der kleinen artigen Sommerhaͤuser, die sich in ihrer Mitte erheben. Sie liegen zuweilen gedraͤngt neben einander, und beleben eine ganze Strecke der Landschaft in der Nachbarschaft der Staͤdte. So fand ich die Gaͤrten um Strasburg, Colmar und in andern Gegenden des Elsasses. Strasburg hat keine reich geschmuͤckten Gaͤrten, wie man bey einer so großen Stadt vermuthen sollte. Man trifft hier indessen verschiedene oͤffentliche Spazier- gaͤnge an sowohl auf dem Wall als auch die sogenannte Ruprechtsau und die Contades. Sie sind angenehm genug in der Naͤhe einer volkreichen Stadt, ha- ben aber nichts, das sie besonders auszeichnete. Man sieht in den Spaziergaͤngen um diese Hauptstadt sehr haͤufig die schoͤne italiaͤnische Pappel. IV. Nieder- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. IV. Niederlande . D er Charakter der niederlaͤndischen Gaͤrten ist bekannt, und davon bereits Er- waͤhnung geschehen. S. 1sten B. S. 50 — 53. Es ist demnach hier nur noch ein kurzes Verzeichniß der vornehmsten Prospecte von den Gegenden nachzuliefern, die durch Schloͤsser, Landsitze, Meyereyen, Doͤrfer und Gaͤrten sich am meisten auszeichnen. Ein allgemeines Werk fuͤr die sieben vereinigten Provinzen stellt zwar nur Pro- specte im Kleinen dar, ist aber ungemein sauder, und 1745 — 1754 in 5 Baͤn- den in kl. Fol. von Tirion zu Amsterdam unter diesem Titel herausgegeben: Het verheerlykt Nederland of Kabinet van hedendaagsche Gezichten van Steden, Dorpen, Sloten, adelyke Landhuisen. La triomphante riviere de Vecht. Hundert Blaͤtter, die eine Menge Pro- specte von den vornehmsten Landhaͤusern an der Vecht vorstellen, herausgegeben von Hendrik de Leeth in Amsterdam. Differentes vues de la Hollande d’ après Pronk, Spilmann, de Beyer, Schouten etc. 48 Bl. von Haan gezeichnet und von Spilmann gestochen. 1) L’ Arcadie Hollandoise on l’ Amstel représentant les maisons de Plai- sance etc. 100 Bl. 2) Les plus belles vues de Rynland. 100 Bl. 3) Mi- roir des delices d’ Amsterdam vers les villages d’ Amsterdam, Sloten et de la Chaussée. 50 Bl. 4) La Hollande en tout son éclat demontrée par 30 vues commençant d’ Amsterdam jusq’ à Harlem et Spaarnedam. 30 Bl. Alle diese verschiedenen Sammlungen sind von Rademaker 1730 und in den folgenden Jahren gezeichnet und gestochen, und in Amsterdam herausgekommen. Verschiedene Aussichten von niederlaͤndischen Landschaften, Doͤrfern, Land- haͤusern, Meyereyen hat Le Bas nach Tenier, van Dalens u. a. herausgegeben. Noch verdient hier ein aͤlteres Werk eines Landschafters aus Antwerpen, der zugleich gut in Kupfer aͤtzte, und 1570 starb, eine Erwaͤhnung, zumal da es uͤberaus selten geworden ist. Es besteht aus 53 Blaͤttern, und fuͤhrt den Titel: Praediorum, villarum et rusticarum casularum icones elegantissimae ad vivum in aere deformatae. 1561. 4. Hieron. Cock excud. Ll 3 V. Eng- Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, V. England, Schottland, und Irland. 1. V on den Parks der Britten ist schon so oft in diesem Werke geredet, die schoͤnsten davon sind entweder vollstaͤndig oder nach einzelnen Scenen so haͤufig beschrie- ben, so manche Landhaͤuser abgebildet und die vornehmsten Schriften, Zu den Architecturwerken sind noch zu rechnen des Inigo Jones Desings of Plans and Elevations for public and pri- vate buildings. 2 B. fol. 1727. Select Architecture etc. by Robert Morris, Surveyor. 4. London, 1755. enthaͤlt ver- schiedene Plane und Aufrisse von Landhaͤu- sern, Gartensitzen und Landgebaͤuden, von einer gesunden Architectur, aber bekannter und sich eben nicht auszeichnender Form. Zu S. 83. im 3ten Bande dieses Werks gehoͤrt noch: Rural Architecture in the Chinese Taste, being Desings Entirely New, for the Decoration of Gardens, Parks, Forrests, Insides of Houses etc. by William and John Halfpenny, Ar- chitects. 3te Edition. 8. London 1755. mit 64 Kupferplatten. Von Masons English Garden ist 1779 das 3te und 1781 das 4te Buch zu London herausgekommen. Auch ist die gute deutsche Uebersetzung dieses Lehrgedichts vollendet. Reisende haben an Volkmanns Reisen durch England, (8. 4 Baͤnde) ein vortreffliches Handbuch und eine Anleitung zur Besuchung der vor- nehmsten Landsitze und Parks. die hieher gehoͤren, angezeigt, daß von dieser Seite nichts mehr hinzuzufuͤgen uͤbrig scheint. Indessen wird es den Gartenfreunden angenehm seyn, hier noch ein kleines Ver- zeichniß der merkwuͤrdigsten einzelnen Kupferstiche von englischen Parks, in so fern sie in dieser Theorie noch nicht angefuͤhrt sind, zu sehen, nachdem verschiedene Sammlungen davon, die sich bey den Beschreibungen befinden, bereits hin und wieder angezeigt sind. Ein solches Verzeichniß laͤßt sich nicht nach der Zeitfolge geben, worinn die Kupferstiche nach und nach herausgekommen sind, indem auf den wenigsten das Jahr bemerkt ist. Eben so wenig macht es Anspruch auf Voll- staͤndigkeit, weil viele Blaͤtter dieser Classe bloß in die Haͤnde der Parkbesitzer und ihrer Freunde kommen und daher auswaͤrts nicht bekannt werden; auch die Kuͤnstler noch immer jaͤhrlich neue Prospecte nachliefern. Von manchen Landsitzen, besonders den aͤltern oder beruͤhmten, hat man jetzt schon zuweilen drey bis vier Abbildungen. Bloße Landschaften, auch wenn sie merkwuͤrdige Naturscenen vorstellen, Abteyen und alte Schloͤsser, wovon manche schoͤne Kupferstiche ausgegangen, sind aus dieser Anzeige ausgeschlossen. Six Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Six views in the Royal Garden at Kew . Six views in Windsor’s Castle in Drawings Manner, by Sandby . A general view of the House and Gardens of Chatsworth in Derbyshire , a beautiful seat of the Duke of Devonshire , by Sayer . Two views of Chatworth and Haddon engraved by Mr. Vivares . 1) A South-West view of Chatsworth etc. 2) A North-West view of Haddon etc. An ancient seat belonging to the Duke of Rutland . Four views of Parks. Engraved by Vivares and Mason . 1) A view of the new Water Works etc. at Belton in Lincolushire , belon- ging to Lord Viscount Tyrtonnel . 2) A view in Hagley Park, belonging to Sir Thomas Littleton , Baronet. 3) A view in Newstead Park, belonging to Lord Byron . 4) A view in Exton Park, belonging to the Earl of Gainsborough . Four views etc. engraved by Vivares . 1) A view of Dunnington etc. belong. to the Earl of Huntingion . 2) A view of Hopping etc. belong. to the Duke of Devonshire . 3) A view of Foremark , the Seat of Sir Robert Burdel , Baronet. 4) A view in Lyme Park, the property of Peter Legh , Esqr. Six beautiful views of the Duke of Argyle’s Seat at Whitton , and Sir Francis Dashwood’s Seat at West-Wycombe, in the County of Buks; engra- ved by Woollet . 1) A view of the House and Port of the Gardens of de Duke of Argyle . 2) A view of de Canal and of the Gothic Tower in the Garden of the Duke of Argyle . 3) A view of the House and Port of the Gardens of Sir Francis Dashwood , Bar. 4) A view of the Cascade etc. in the Garden of Sir F. D. 5) A view of the Lake etc. in the Garden of Sir F. D. 6) A view of the Walton-Bridge, Venus Temple etc. in the Garden of Sir F. D. Six Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Six views of Gentlemen’s Seats, drawn and engraved by M. Woollet . 1) A view of the Garden etc. of Carlton House in Pall-Mall . 2) A view of Foots-Cray Place in Kent , the seat of Bourchier Cleeve , Esq. 3) A view of the Great Room etc. at Hall Barn in Bukinghamshire , a seat of Edmund Waller , Esq. 4) A view of Port of the Garden at Hall-Barn etc. 5) A view of Comb Bank in Kent , the seat of the General Campbell . 6) A view of the Garden of Ch. Hamilton , at Painshill in Surry . Six views of Gentlemen’s seats, drawn ond engraved by Sulivan , 1) A view of Wooburn in Surry , the seat of Phil. Southeske , Esq. 2) A view of Oatlands in Surry , the seat of the Earl of Lincoln . 3) A view of Cliffden in Bukinghamshire , the seat of the Earl of Inchiquin . 4) A view of Esher in Surry , the seat of H. Pelham , Esq. 5) A view of Wilton in Wiltshire , the seat of the Earl of Pembroke . 6) A view of Dichtley in Oxfordshire , the seat of the Earl of Lichtfield . Four views of Dunnigton Cliff , by Vivares . Four views of Blenheim , the seat of the Duke of Marlborough . Four views of Gentlemen’s seats : 1) Hawarden-Castle and Park in Flintshire , the seat of Sir John Glynne , Bar. 2) The West-Prospect of Erthig in Denbigshire , the seat of Simon York , Esqu. 3) The East-Prospect of Rushton in Northhamptonshire , the seat of Lord Viscount Cullen . 4) The South-Prospect of Hater-Thorpe , the seat of Mich. Newton Esq. A view of Pontefract Castle in Yorkshire . A view of Akworth Park in Yorkshire . Six Castles in Wales: 1) Castle of Chester. 2) und 3) Caernarvon-Castle. 4) Conway-Castle. 5) Rhuddland-Castle. 6) Denbigh-Castle. Six Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Six views in Nord and South Wales , worunter sich auch einige Schloͤsser befinden, von Byrne, Mason, Elliot u. a. gestochen. A view of the noble House and Port of the Garden of Castle Howard in Yorkshire , the seat of the Earl of Carlisle . Five views of Mount Edgtumbe , the seat of Lord Edgcumbt . A view of Saltwood-Castle at Hythe in Kent . Six views in the Gardens of Hamilton at Painshill in Surry , by Woollet . Two views of the Earl of Westmoreland’s villa, with port of the Park. Two views of Hall-Barn in Bukinghamshire , by Woollet . View from one Free-hill in Greenwich Park, by Wood . Lumley Castle in the County of Durham , the seat of Lord Scarborough . Aus des Jean Boydells Recneil de 100 Vnes d’ Angleterre et du Pais de Galles sind besonders zu merken: N. 19. Vue du Chateau de Mylord Duncannon . 28) Sion . 66) Beeston . 67) Elisabeth dans l’Isle de Jersey . 68) Carisbrook dans l’Isle Wight . 88) Rushton , und verschiedene andere Landsitze, wovon hier schon einzelne Blaͤtter angezeigt sind. Eine Folge von Blaͤttern, die vom Jahr 1781 ist, enthaͤlt: 1) Vue de Wanstead dans le Comté d’ Essex . 2) Une autre vue du Palais de Mylord Fulney , proche de Wanstead . 3) Vue de la Maison du Maitre de la Venaison dans le Park et une partie de la ville de Greenwik . 4) Vue du Chateau du Chev. Turner dans le Comté de Kent . 5) Vue du Palais de l’ Archeveque de Canterbury à Lambeth dans le Comté de Surry . 6) Vue de la Ville de Mylord Mansfield à Keuwood dans le Comté de Middlessex . Livre de differentes vues de Ferme d’ Angleterre Die vorzuͤglichsten Originale von Kupferstichen dieser Classe findet man bey dem Abschnitt von der Meyerey angezeigt. — par Pillemont et Leviez . Welche V Band. M m Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Welche Folge von herrlichen Prospecten wuͤrden nicht noch besonders die Ufer der Themse von London bis Richmond anbieten, die mit dem schoͤnsten Gemisch von Doͤrfern, Gaͤrten und Landhaͤusern des Adels und andrer Einwohner der Haupt- stadt auf beyden Seiten so sehr angebauet sind, als vielleicht keine Ufer irgend eines andern Flusses in unserm Weltheil! Großbritannien hat von der Natur so viele Abwechselungen empfangen, daß es fuͤr seine Landsitze Lagen von allen Charakteren und ihren Mischungen besitzt, wozu bald die schoͤnen Waͤlder, Fluren, Getreide- felder, Wiesen und Huͤgel, bald die Gebirge, die Felsen, die Gestade des Meeres, bald die Fluͤsse, Stroͤme, Wasserfaͤlle und Tiefen, bald die Ruinen von alten Schloͤssern und Abteyen so maͤchtig beytragen. Hier sey es uns noch erlaubt, aus einer neuen und vortrefflichen Sammlung A collection of 150 select view in England, Wales. Scotland and Ireland. einige Vorstellungen von Landhaͤusern von einem reizenden, einem sanftmelancholischen, einem romantischen und einem feyerlichen Charakter mitzutheilen, die das sichtbar aufklaͤren und bestaͤti- gen, was von dem Eigenthuͤmlichen dieser verschiedenen Gegenden und Lagen ge- sagt ist. S. 4ten B. S. 38 — 138. Drawn by P. Sandby. 2 Vol. 1782. Lon- don. a. Nuneham . Landhaus in einer reizenden Lage. Dieser heitre Landsitz des Grafen Harcourt befindet sich zu Nuneham in Oxfordshire, sechs englische Meilen von der Stadt Oxford, und drey von Abingdon. Die Lage des Hauses ist uͤberaus gluͤcklich gewaͤhlt; es steht auf einem allmaͤhlich von der Themse aufsteigenden Huͤgel. Der schoͤne Rasen, der abhaͤn- gige Wald, der angenehme Fluß, die gruͤnenden Wiesen umher und der ganze Park, der mit Geschmack angelegt ist, bilden zusammen eins der reizendsten Ge- maͤlde, das sich die Einbildungskraft schaffen kann. Und vielleicht giebt es in England kein Landhaus, das so schoͤne und fein ausgewaͤhlte Prospecte hat, als Nuneham. Von der einen Seite zeigt sich Oxford in der Aussicht; von der andern die Stadt Abingdon, mit der schoͤnen Themse. Die Aussichten sind fast ohne Graͤnzen und bis zum Erstaunen vervielfaͤltigt; sie breiten sich weit uͤber Ox- fordshire aus, und beherrschen die blauen Berge von Berkshire, das fruchtbare Thal Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Thal von Whitehorse und alle wohl angebauete Laͤndereyen dieser Landschaft bis an die Huͤgel von Farringdon. b. Kilcairn oder Kilchurn. Landhaus in einer melancholischen Lage. Dieses Gebaͤude, das zwischen Bergen auf einer Insel beym Anfang des Landsees Lochaw in Schottland liegt, ward ehemals von den Vorfahren des Lord Breadalbane bewohnt. Jetzt ist schon der Thurm verfallen. Das oͤde Ansehen dieses alten Schlosses, seine Lage zwischen hohen meist kahlen und felsigten Bergen, die den Bezirk des Sees umher mit ihren schwarzen Schatten verduͤstern, seine Aus- M m 2 sicht Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, sicht auf einige einsame Inseln und auf die Ruinen eines Klosters — alles dieses hilft hier den Charakter des Melancholischen vollenden. c. Strath-Tay . Landhaus in einer romantischen Lage. Das Landhaus von Menzies, das dem Ritter Robert Menzies gehoͤrt, liegt uͤberaus romantisch auf der mitternaͤchtlichen Seite von Strathe-Tay in Schottland. Die Waͤlder, die sich so kuͤhn aufthuͤrmen, und die grauen Felsen, die zwischen ihnen haͤngen, machen einen sehr interessanten Contrast gegen das rei- zende Thal, worinn sich der Fluß zwischen schoͤnen Baumgruppen umherwindet. Auf einer Hoͤhe erblickt man die Ueberbleibsel einer Einsiedeley, die auf zwey Seiten von Felsmassen und auf den beyden uͤbrigen von Mauerwerk gebildet war, und vor einigen Jahrhunderten dem Haupt einer Familie, der aus Ekel die Welt und in ihr seine Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. seine Guͤter verließ, zum Aufenthalt diente. In dem Thal graͤnzen schoͤne Spa- ziergaͤnge an tiefe und dicke Gehoͤlze; und ihre Dunkelheit erheitert eine Menge lieb- licher Wasserfaͤlle, die von den nackten Felsen herabspielen. Indessen tobt zuweilen, neben einem friedfertigen in seinem heitern Gruͤn laͤchelnden Grasplatz, ein wilder Wassersturz in der Tiefe. d. Alnwick . Landhaus in einer feyerlichen Lage. Dieses Schloß liegt bey Alnwick, der Hauptstadt in Northumberland, und ist ein gewoͤhnlicher Aufenthalt des beruͤhmten Hauses Percy oder der Grafen von Northumberland. Der kuͤhne gothische Stil, worinn es erbauet ist, stimmt vortrefflich mit seiner heroischen Lage in der Hoͤhe einer bergigten, mehr wilden, als angebaueten Gegend, uͤberein; tief unter ihm waͤlzt sich der Fluß Aln vorbey, uͤber M m 3 welchen Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, welchen eine starke Bruͤcke, ebenfalls von gothischer Architectur, fuͤhrt; eine andre, bloß auf Einem Bogen gewoͤlbt, ist weiter unten uͤber den Strom geschlagen. Die Lage, die das Ansehen dieses Gebaͤudes so trefflich hebt, machte es ehemals zu einer unbezwinglichen Festung. Seine Geschichte steigt in laͤngst verflossene Jahrhun- derte zuruͤck, in die Jahrhunderte der wilden Kampfsucht und der rohen Tapferkeit; es hat mehr als einen Helden in seinen Mauern beschuͤtzt, mehr als einen Kampf um sich her wuͤten, mehr als eine Nation eindringen und wieder verjagen gesehen. Diese Zuruͤckerinnerung verstaͤrkt nicht wenig den großen Eindruck, den gleich der Anblick seiner Lage und seines feyerlichen Ansehens erregt. Und da das Inwendige ganz in dem starken und rohen Stil der gothischen Befestigung, den das aͤußere Gepraͤge zeigt, eingerichtet ist, und die neuern Verbesserungen und Verzierungen alle mit vielem Geschmack und vieler Beurtheilung in der Manier der alten Jahrhun- derte ausgefuͤhrt sind; so gehoͤrt dieses Gebaͤude unstreitig zu den vollkommensten Werken dieser Art, nicht bloß in England, sondern auch uͤberhaupt in Europa. 2. Seit Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. 2. Seit einiger Zeit beginnen die Vornehmen in Schottland, mit einer nuͤtzli- chen Nacheiferung nicht allein Landhaͤuser in einem bessern Stil, als ihre alten Schloͤsser zeigen, sondern auch neue Pflanzungen anzulegen. Diese Unternehmun- gen verdienen nach dem, was bereits uͤber Schottland 1ster B. S. 70 — 71. 4ter B. S. 110 — 111. 118 — 120. bemerkt ist, hier noch einige Anzeige. In der Landschaft Berwik zu Lees hat der Baronet Pringle einen Landsitz, den er nicht nur mit vielem Geschmack angelegt, sondern auch mit vielen landwirth- schaftlichen Verbesserungen zum Muster fuͤr die ganze Nachbarschaft umgeben hat. Die Vorderseite des Gebaͤudes hat vier corinthische Pfeiler, und in den Fluͤgeln sind die Kuͤchen und Wohnungen der Bedienten angebracht. Gegen die Nord- winde ist es durch die angelegten Pflanzungen gesichert, und auf der Suͤdseite hat man den schoͤnen Prospect einer großen Bruͤcke und der Tweed. Am westlichen Ende des Wiesengrundes, der hin und wieder kleine Gebuͤsche hat, steht ein offener jonischer Tempel, von dem man ebenfalls eine reizende Aussicht uͤber die Tweed und die umliegenden Gegenden genießt. In East-Lothian ist Broxmuth, der angenehme Landsitz des Herzogs Rox- bourgh, merkwuͤrdig. Das Gebaͤude liegt in einem weitlaͤuftigen Parke, der gegen die See zu außerordentlich angepflanzt ist. In eben dieser Landschaft hat sich der Marquis von Tweedale zu Yester durch ungemein weitlaͤuftige Pflanzungen von schottischen Kiefern, die vielen andern Edelleuten ein Beyspiel einer wichtigen Verbesserung gegeben, verdient gemacht. Das Landhaus ist schoͤn und ansehnlich. Ein kleiner schneller Fluß laͤuft bey dem Hause vorbey, und macht durch sein Geraͤusch in dem Park, der weitlaͤuftig ist, die Scenen sehr laͤndlich und angenehm. Die Staͤlle, die Wagenscheuer, das Huͤnerhaus und andre Gebaͤude liegen in einiger Entfernung vom Wohnhause im Park, welches bey allen vornehmen Landhaͤusern in Schottland uͤblich ist. Eine der ersten Merkwuͤrdigkeiten in der Landschaft West-Lothian ist Hope- tonhouse, der Landsitz des Grafen von Hopeton. Das Haus steht auf einer rei- zenden Ebene am Ufer des Flusses. Es war anfaͤnglich ein freystehendes viereckig- tes Gebaͤude; vor einiger Zeit aber hat man Seitengebaͤude hinzugefuͤgt, und sie mit dem mittlern durch Colonnaden verbunden, die dem Ganzen ein praͤchtiges An- sehen geben. Die Vorderseite hat korinthische Saͤulen. Man hat aus ihr die schoͤnsten Prospecte von Land und Meer, und eine Strecke von 40 (engl.) Meilen von Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, von Stirling bis nach der Baß-Insel vor sich. Auf der andern Seite sieht man Fifeshire und mehr als 20 kleine Staͤdte und alte verfallene Schloͤsser. Die Scene wird durch die bestaͤndig auf und nieder segelnden Schiffe belebt. Die innern Verzierungen des Hauses sind mit Geschmack gemacht. Der Garten zu Alloa oder Alloway in Perthshire gehoͤrt den Grafen von Marr, die hier ihren Landsitz haben, und ist einer der schoͤnsten und groͤßten in Schottland. Der Garten von Kinroß stoͤßt an das Ufer des Sees. Das Haus, das dem Baronet Hope Bruce gehoͤrt, ist ein schoͤnes und regelmaͤßiges Gebaͤude, das William Bruce, der schottische Vitruv, zu Carls II. Zeit auf seine Kosten gebauet; es ist von feinem weißen Stein, die Arbeit zeigt Ge- schmack und das Ganze ist schoͤn. Er legte zugleich viel Waldung an, und sein Enkel, der jetzige Besitzer, hat sie noch vermehrt. Der Landsitz des Herzogs von Athol liegt an der Tay, mit einem angenehmen Garten. Aus verschiedenen Gaͤngen giebt er sehr malerische Aussichten der wilden finstern Natur. In seinem Bezirk lie- gen die Ruinen der vormaligen praͤchtigen Kathedralkirche, deren Thor noch zum Gottesdienst gebraucht wird. Jenseit des Flusses ist ein angenehmer Gang am User der Bren, eines reißenden Stroms voll kleiner Steine. An seinem Ende steht auf einem Felsen ein artiges Gebaͤude, das uͤber eine Klust haͤngt, wohin sich der Fluß mit großer Hestigkeit von einer Hoͤhe hinabstuͤrzt. Einige Scheiden der Fenster des Saals sind von rothem Glase, und dadurch macht der Wasserfall die Wirkung, als ob Feuer niederfiele. Auf der Insel Bute haben die Grafen dieses Namens zu Mount-Steward an der Kuͤste ein neues Landhaus. Es beherrscht eine angenehme Aussicht auf einer Hoͤhe im Gehoͤlze, wovon die Baͤume hier so gut, als in den suͤdlichen Landschaften Englands, fortkommen. Viele andre Gegenden von Schottland, z. B. in der Nachbarschaft von Edinburg, von Cramond, die Ufer des Meerbusens von Forth, sind mit einer Menge von schoͤnen Landsitzen des Adels und andrer wohlhabender Einwohner ge- ziert. Volkmanns neueste Reisen durch Schottland und Irland. (Ein Auszug aus den besten Quellen) 8. Leipzig, 1784. 3. In Irland traͤgt die feuchte Luft, so viel Unbequemlichkeit sie hat, doch sehr zur Schoͤnheit der Wiesen und Rasen bey. Das Gras erscheint bestaͤndig in dem lebhaftesten Gruͤn, und hat nie das duͤrre und versengte Ansehen, das es sehr oft in andern Laͤndern bekoͤmmt. Das Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Das schoͤnste Landhaus in Irland ist Castletown, dessen Mittelgebaͤude durch eine Colonnade von neun Saͤulen auf jeder Seite mit den Fluͤgeln verbunden sind. Es liegt in der Provinz Leinster mitten in einer Ebne, die mit den herrlich- sten Pflanzungen umgeben ist; gegen Norden vereinigen sie sich mit einem Walde, worinn viele schlaͤngelnde Gaͤnge zu verschiedenen Sitzen und Cabinetten fuͤhren. Der Sitz des Grafen von Charlemont ist nur zwey Meilen von der Haupt- stadt entfernt. In dem Park ist vor wenig Jahren ein Lusthaus in schoͤnem Stil nach der Zeichnung des Architecten Adams aufgefuͤhrt, und von Rooker in Kupfer gestochen. Es zeigt eine herrliche Aussicht uͤber die Stadt, die Bay, die See und die umliegende Landschaft. Die Gegend um den Sitz des Lord Conynghany, Slaine-Castle, ist sehr schoͤn und abwechselnd; sie erhebt sich um das Haus in Huͤgeln und Ungleichheiten der Oberflaͤche mit einer Einfassung bluͤhender Baumpflanzungen. Unter dem Land- hause fließt die Boyne; auf einer Seite ist Felsenufer, auf der andern Wald. Durch die untern Pflanzungen laufen Wege mit Aussichten auf verschiedene schoͤne Scenen, die vom Flusse gebildet werden und weit ins Land hineingehen. Noch sieht man in dieser Provinz Leinster das große Landgut Mount-Ken- nedy, dem General Cuningham zugehoͤrig. Die Grundstuͤcke um das Wohn- haus sind ungemein schoͤn; man sieht keine Gleichheit, sondern jeder Platz zeigt eine Abwechselung von Berg und Thal. In einigen wilden und romantischen Gegenden dieses Landsitzes sind geschmackvolle Anlagen gemacht. Nicht weit von hier liegt Po- verscourt, der Sitz des Lords dieses Namens. Das Haus scheint bey dem Zu- gange die schoͤnste Lage von der Welt zu haben. Der Park ist vortrefflich. In der Provinz Ulster bemerkt man des Bischofs von Kilmore Palast auf einem ansehnlichen Huͤgel mit Gehoͤlze. Von hier fallen die Waͤlder von Farnham sehr schoͤn in die Augen. Außerdem ist Farnham, der Sitz des Grafen dieses Na- mens, einer der reizendsten Plaͤtze in Irland, wo Berge, Waͤlder und Wasser in großer Schoͤnheit erscheinen. Die abwechselnden Prospecte des dazu gehoͤrigen Sees koͤnnen nicht schoͤner seyn. Die Wiesen sind wellenfoͤrmig, und zeigen sich in mancherley Gestalten. Sie erheben sich oberhalb des Sees, stoßen bald an ihn, und ziehen sich bald davon zuruͤck. Man sehe ferner 1sten B. S. 71. 4ten B. S. 75 — 80. 97. 129 u. s. w. V Band. N n VI. Daͤnne- Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, VI. Daͤnnemark und Norwegen . D ie Lustschloͤsser und Gaͤrten des Koͤnigs und des koͤniglichen Hauses sowohl, als auch die vornehmsten Landsitze und Parks in Seeland, auf Alsen und im Herzogthum Schleswig, sind bereits beschrieben. S. die Anhaͤnge zum 3ten und 4ten B. Manche andre Landsitze zeich- nen sich ebenfalls durch das Eigenthuͤmliche dieser Landschaften, durch die trefflichsten Waͤlder und Wiesen, die ihr herrliches Gruͤn oft spaͤt in den Herbst behalten, und durch die erhabensten Meerprospecte aus. Man verlaͤßt immer mehr die vorige Regelmaͤßigkeit, und liebt die Natur in der reizenden Wildniß ausgehauener Waͤl- der. Die spaͤte Ankunft des Fruͤhlings wird nicht selten durch die taͤngere Milde des Herbstes verguͤtet. Die Waͤlder voll Wild und die fischreichen Seen und Ufer vermehren nicht bloß den Reichthum, sondern auch die Annehmlichkeit des Landes. Die Obstbaumzucht breitet sich von Jahr zu Jahr aus, und wird durch mehrere große Fruchtbaumschulen, woraus die Gaͤrten und Hoͤfe des Landmanns bepflanzt werden, durch die Freygebigkeit des Koͤnigs befoͤrdert. Durch Baumschulen aus- laͤndischer wilder Baͤume und Straͤucher wuͤrden nicht bloß die Pflanzungen der Lust- gaͤrten an Schoͤnheit und Mannichfaltigkeit, sondern auch die Forsten an Erweite- rung ihres Nutzens noch viel gewinnen koͤnnen. Norwegen hat viele erhabene und romantische Gegenden, die sich hin und wieder dem Charakter der helvetischen Landschaften naͤhern. In den angebaueten Plaͤtzen liegen manche anmuthige Landsitze. Allein in ihren Gaͤrten herrscht fast uͤberall noch der alte Geschmack der steifen Regetmaͤßigkeit. Nichts waͤre indessen den abwechselnden und interessanten Lagen in Norwegen mehr angemessen, als die englische Manier, oder der freye und natuͤrliche Geschmack. Aber die Strenge des Klima unterdruͤckt zu oft die Sorgfalt der Cultur, und schraͤnkt die Pflanzungen auf die nothwendigsten Beduͤrfnisse ein. Selbst die Fruchtbaumzucht kaͤmpft muͤh- sam gegen die Gewaltthaͤtigkeit der Kaͤlte und der Stuͤrme; und die hier unentbehr- liche Einfassung der Gartenplaͤtze mit hohen Planken begreift gemeiniglich nur einen kleinen Umfang, worinn Kuͤchengewaͤchse, Blumen und Obstbaͤume zusammenge- draͤngt sind. VII. Schwe- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. VII. Schweden . S chweden hat nicht allein das Erhabene der Meerprospecte, sondern auch das Romantische der Felsen, der Berge, der Wasserfaͤlle und Stroͤme, die Ge- genden von der staͤrksten Ueberraschung bilden. Der aufgeklaͤrte Schwede ist voll Empfindlichkeit gegen die Schoͤnheiten der Natur; er erweitert gerne seinen Geist durch neue Wissenschaft, und naͤhrt seinen Geschmack durch Reisen. Da er durch den unsterblichen Linne, dessen Verdienste der ersten Tempel und Statuen in den Gaͤrten lange schon werth waren, zur Pflanzenkenntniß in seiner Heimat angefuͤhret ward; so ist er schon mit einem wichtigen Theil der Gartenwissenschaft vertraut. Die schoͤne Gartenkunst, die sich auswaͤrts durch Muster und Schriften erhob, fes- selt seine Neigung, und wird sein Studium. So viele reisende Schweden von Geburt und Wissenschaft ich auf meinen Reisen antraf, oder bey mir zu sehen das Vergnuͤgen hatte; so viele Freunde der schoͤnen Natur und der Gaͤrten habe ich in ihnen zu schaͤtzen gefunden. Gustav III. veredelt den Glanz seines Throns durch die Liebe der schoͤnen Kuͤnste, die Er alle kennt, die Er alle schuͤtzt. Sein Haga, das er jetzt schafft, soll ein Denkmal Seines seinen Gartengeschmacks werden, das erste Muster der neuen Kunst in dem Schooß der Nation. Ehe dieses Werk, das sich erst bildet, und dem die Beschreibung nicht zuvoreilen darf, mit allen Schoͤnheiten der Natur und des Geschmacks vollendet hervorgeht, mag den wartenden Kenner das folgende Gemaͤlde von Drottningholm unterhalten. Drottningholm . Diese Beschreibung verdanke ich der Guͤte eines aufgeklaͤrten Gartenfreundes, des Hrn. Secretair Linnerhjelm in Stock- holm. Das Lustschloß Drottningholm, der Sommeraufenthalt des Koͤnigs und des koͤniglichen Hauses, ist ein praͤchtiges Gebaͤude auf einer Insel im Maͤler, wel- ches die Koͤniginn Hedwig Eleonora auffuͤhren lassen. Die Lage desselben ist an- genehm, zwischen verschiedenen mit Tannen und Fichten bewachsenen Inseln, auf welchen sich etliche Doͤrfer zeigen. Wenn man zu Lande dahin reiset, ist der Weg von anderthalb schwedischen Meilen sehr bequem, und die Gegend von Landguͤtern und Wirthshaͤusern verschoͤnert. Die Ueberfahrt ist alsdann kurz, zwischen den N n 2 vorbemel- Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, vorbemeldeten Inseln, die mit einigen Bergen abwechseln. Man faͤhrt dem soge- nannten Malm vorbey, der aus vielen Haͤusern fuͤr den Hofstaat und etlichen Wirthshaͤusern besteht, und eine malerische Aussicht darstellt; die Haͤuser sind von verschiedener Farbe und Bauart, welches unter dem verschiedenen Gruͤn der Baͤume und Berge sehr angenehm hervorsticht. Von dem Schlosse findet man in Dahlbergs Svecia antiqua \& hodierna Man findet darinn schwedische Lust- schloͤsser und Gaͤrten abgebildet. Zwey Vorstellungen davon s. im 2ten B. dieser Theorie S. 24 u. 30. eine genaue Abzeichnung, ausgenommen, daß zur linken Seite des Schlosses vier Pavillons aufgefuͤhrt sind, von denen zwey fuͤr die Herzoge und einer zum Opern- hause eingerichtet ist. Die Aussicht des Schlosses ist auf einer Seite, vorne, von oberwaͤhntem Malm und den Inseln begraͤnzt, auf der andern, hinten, ist der alte oder franzoͤsische Garten, worinn die ersten Anlagen meistentheils beybehalten sind, und der sich mit vielen kleinen Gebaͤuden, die zusammen Canton genannt werden, endigt. Von da geht zur linken Hand eine gerade Allee durch den Thier- garten nach China, welches ein angenehmer mit Nadelholzung umgebener Ort ist, der mit etlichen zierlichen Haͤusern im chinesischen Geschmacke von der Koͤniginn Louise Ulrike angeleget worden. Ein jedes dieser Gebaͤude hat beynahe eine beson- dere Lage und Verzierung, doch alle sind von einerley Charakter, und geben dem Orte einen Anstand, der fuͤr die Bewohner beruhigend ist. Im Thiergarten findet man oft Schaaren von Hirschen und Rehen, die so zahm sind, daß sie sich ohne großes Getoͤse oft nicht scheuchen lassen. Weiter geht man durch einen anmuthigen Wald, wo zwey mit Staketten eingeschraͤnkte Plaͤtze, unter den Schatten verschiedener Arten Baͤume, kleine Wohnungen fuͤr Gevoͤgel enthalten, die eine sehr ruhige Lage haben, bis der Weg sich jaͤhlings mit einer freyen Aussicht uͤber den Maͤler endigt. Ein andrer Weg fuͤhrt durch gruͤne und von gruppirten Tannen gezierte Felder gerade auf den franzoͤsischen Garten zu, wodurch man alsdann seitwaͤrts zur Linken hineinkoͤmmt, und gerade gegenuͤber den englischen Garten antrifft. Dieser ist nur erst in seinem Anfange, und man kann daher nichts vollstaͤndiges von ihm sagen. Doch aber, einige Kenntniß seiner Lage zu geben, wollen wir den Spaziergang wie- der bey dem Schlosse anfangen. Wenn man von diesem in die Allee des franzoͤsi- schen Gartens hinabgeht, steht der Papillon des Herzogs von Suͤdermannland rechter Hand im Winkel des Gartens. Man geht alsdann weiter die Orangerie vorbey und naͤhert sich einem sehr lieblichen Hayne, wo der englische Garten anfaͤngt, Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. anfaͤngt, und neben welchem ein schattenreicher Weg fortgeht. Doch wandelt man in der Allee des franzoͤsischen Gartens fort, bis endlich der Weg in den englischen leitet. Dann oͤffnet sich ein freyes Feld, das von vielerley Arten Baͤume und Ge- buͤsche begraͤnzt wird, und von einem angenehmen sich schlaͤngelnden Flusse schoͤn be- lebt ist. Der Weg, von Baͤumen beschattet, kruͤmmet sich laͤngst dem Ufer des Flusses, und schlaͤngelt sich weiter am Fuße eines ziemlich geraͤumigen und hohen Huͤgels, wo sich allmaͤhlich ein kleiner Weg unter Gebuͤschen hinaufwindet. Ver- schiedene Fußsteige leiten unter diesem Gebuͤsche, das theils von einheimischen, theils auslaͤndischen Straͤuchern bestehet, wieder unvermerkt zum Fluß. Auf besagtem Huͤgel ist die Aussicht sehr schoͤn. Man uͤbersieht zuerst die vielfarbigen Gebuͤsche und Gestraͤuche, die den Huͤgel umkraͤnzen, ferner die gruppirten Baͤume, die hier und da zerstreut stehen, und den Fluß, der sich um den Fuß eines erhabenen, nicht allzuweit entfernten Ortes, wo eine Rotunda oder ein anderer offener Tempel ange- ordnet ist, windet, hinter diesem fließt und wieder sichtbar wird. Endlich erblickt man den obgedachten Hayn, wo der Fluß einen kleinen See bildet, und wo auf einer Insel ein Lustgebaͤude unter den Ellern aufgefuͤhret werden soll. Zwischen den Wi- pfeln dieser Baͤume entdeckt man das kupferne Dach des Schlosses, das sich maje- staͤtisch erhebt. Auf der andern Seite des gedachten Huͤgels zeiget sich ein weites bearbeitetes Feld, das sich mit Wiesen und Bergen beschließet. Folget man dem Flusse, dessen Ufer bald hoͤher, bald niedriger, bald schoͤn bewachsen, bald steil sind, so koͤmmt man uͤber eine Bruͤcke zu dem erwaͤhnten Tempel, der in einer praͤch- tigen Gegend liegt, und eine freye offene Aussicht anbietet. Hier fallen die Kruͤm- mungen des Flusses deutlicher ins Auge, und die Bruͤcken, die hie und da gebauet worden. Weiterhin stoͤßt man auf kleine bewachsene Inseln und gelangt zuletzt zum Ellernhayn, der fuͤr sich schon eine besonders reizende Anmuth darbietet. Die hier in der stillen See belegenen Inseln sind sehr angenehm, und mit so vielem Ge- schmacke angelegt, daß man sie beynahe als ein Werk der Natur ansehen moͤchte. An diesem Hayne graͤnzt das Opernhaus, welches von einer schoͤnen Bauart ist, und eine uneingeschraͤnkte Lage hat. Bey diesem endigt sich der Garten, und vor dem Hause ist ein freyer Hof, woran die oben genannten Pavillons stoßen. N n 3 VIII. Ruß- Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, VIII. Rußland . Diese neuen und schaͤtzbaren Nach- richten von den Gaͤrten in Rußland sind die Gartenfreunde mit mir der unvergeß- lichen Gefaͤlligkeit des kaiserl. wirklichen Staatsrathes, Herrn von Staͤhelin, schul- dig, der durch seinen Charakter eben so ehrwuͤrdig ist, als durch seine ausgebrei- tete Gelehrsamkeit und Kunstkenntnisse. 1. D er Garten des kaiserlichen Sommerhofs zu St. Petersburg an der großen Newa ist der erste, den Peter, der Große, 1714 nach seinem hollaͤndi- schen Lieblingsgeschmack anlegen ließ. Er ist von einem weiten Umfang, von vorn von dem Newastrom, zur Linken von der aus demselben austretenden Fontanka, und zur Rechten von einem andern ebenfalls von dem Fluß unter dem Namen Moika ausfließenden Kanal begraͤnzt; er ist praͤchtig durch breite Alleen, hohe Spaliere, viele Wosserbehaͤltnisse, Wasserkuͤnste, Cascaden und Verierwasser, offene Plaͤtze und eine Menge marmorner Statuen von Corradini, Tarsia und andern beruͤhm- ten italiaͤnischen Bildhauern, nicht weniger aͤchte marmorne Werke des Alterthums; er hat eine mit vielen fremden Thieren angefuͤllte Menagerie, verschiedene Lusthaͤuser, durchwachsene Gitterwerke und einen Park mit vier Abtheilungen, worinn die aͤso- pischen Fabeln auf vergoldetem Bley, als Springbrunnen, angebracht sind, wo- von die Erklaͤrung und Moral auf Termen angebracht sind. Zur linken Seite des Eingangs in diesen Garten steht ein maͤßiger Palast von Stein, worinn Peter I. mit seiner Gemahlinn und Familie zu wohnen pflegte. Mit diesem alten Garten verbindet sich, durch die an seinem Ende uͤber den Queerkanal gehende Bruͤcke, noch ein anderer nicht viel kleinerer Garten, den die Kaiserinn Catharina I. durch einen schwedischen Gaͤrtner anlegen ließ; daher er der schwedische Garten genennet ward. Die Kaiserinn Elisabeth hat ihn sehr verbessert. Sie ließ ein neues Palals erbauen, wo sie im Sommer wohnte, und einen praͤchtigen Pavillon auffuͤhren. Am Palais war vor dem Schlafgemach ein niedlicher hangender Garten angebracht. Diesem Garten fast gegenuͤber, jenseits der Fontanka, liegt der dritte Hof- garten, an dem sogenannten italiaͤnischen Palais; daher er auch der italiaͤnische Garten Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Garten genennet wird. Er erstreckt sich uͤber eine Werst 1 Werst — 500 Faden. 1 Faden — 7 engl. Fuß. 7 Werste — 1 gemeine deut- sche Meile. weit in die Laͤnge, und enthaͤlt anmuthige Laubgaͤnge, wird aber jetzt zu weiter nichts als zur Erziehung von Blumen, Gewaͤchsen und Baumfruͤchten aller Art fuͤr den kaiserlichen Hof unterhalten. Zunaͤchst an demselben, ebenfalls an dem Fontanka-Kanal, liegt der graͤfliche Scheremetowische Garten, der zwar klein ist, aber in Ansehung seiner hohen schattigten Bosquets, schoͤnen marmornen Statuen, Pavillons, einer Grotte, und eines bewohnbaren Gartenhauses viel Angenehmes hat. In eben dieser symmetrischen Manier der vorigen Zeit, doch mit vieler Prache verbunden, sind viele andre Gaͤrten in St. Petersburg; dahin gehoͤren der alte Gar- ten bey dem ehemaligen Palais des Fuͤrsten Menschikow, jetzt adelichen Cadetcorps, der Garten des Grafen Rasumowsky, wovon jedoch ein Theil bereits in dem neuen Geschmack umgebildet ist, und die Gaͤrten an dem Wege nach dem Lustschloß Pe- terhof, wo man mehr als dreyßig Sommersitze vornehmer Privatpersonen erblickt, auf der schluͤsselburgischen Landstraße bey dem Kloster zum heil. Alexander Newsky, vorzuͤglich aber an der obern Newa die fuͤrstlichen Weasomskische und Neplujewische Gaͤrten. Das letzte Landgut, das an dem aͤußersten Ende des Newastroms liegt, hat eine uͤberaus reizende Lage, und ist kuͤrzlich von der jetzigen Monarchinn gekauft, die diesen Ort nach ihrem feinen Geschmack zu einem schoͤnen. Sommeraufenthalt einrichten wird. Der groͤßte und praͤchtigste, wiewohl nach der alten regulairen Manier von Peter, dem Großen, angelegte Lustgarten ist unstreitig der bey dem Lustschloß Peterhof, 30 Werste von St. Petersburg, der gewoͤhnlichen Sommetresidenz des kaiserlichen Hofes. Dieser Garten kann wohl mit Recht das russische Ver- failles in Ansehung seiner kostbaren und mancherley Gebaͤude, Wasserkuͤnste, Cas- caden, marmornen Bilder, des Parks, der Wildbahnen genennet werden; ja er besitzt in Betracht verschiedener Umstaͤnde noch viele Vorzuͤge vor Ludwigs XIV Prachtgarten. Schon seine herrliche Lage entscheidet zu seinem Vortheil. Das Schloß, die Hofstaatsgebaͤude und der Obergarten liegen etliche 40 Fuß hoch uͤber die Meeresflaͤche; der untere Garten aber, der auf drey Werste lang ist, an der See, die ihn von der Nordwestseite begraͤnzt. Die Aussicht ist uͤberaus groß und reizend. Sie streicht uͤber den Untergarten hin auf die See; zur Linken, einige Werste weit, erscheint die Stadt, die Festung und der Hasen von Kronstadt, gerade Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, gerade aus uͤber das mit Schiffen belebte Wasser die Provinz Karelien, zur Rech- ten der Galeerenhafen mit einem Theil der Stadt St. Petersburg, deren ver- goldete Thuͤrme glaͤnzend in die Augen fallen. Alle Springbrunnen, Teiche u. s. w. sind mit einem reinen trinkbaren Quellwasser angefuͤllt. Der Park reizt durch die daran stoßenden Wildbahnen, durch die ihn gegen Suͤdost, Suͤden und Suͤdwest umgebenden Waͤlder mit Durchschnitten und weiten Aussichten, durch die dazwischen liegende Wiesen und Weiden, abwechselnde Anhoͤhen, Abhaͤnge und Thaͤler. Die innern Verzierungen des Gartens zeigen den Pomp, den Ueberfluß und die Kost- barkeit des vorigen Geschmacks. Das Ganze bildet den Seefahrenden eine uͤberaus praͤchtige, das Auge blendende Aussicht vor. Die Pflanzungen des Gartens be- stehen in Waͤldchen von Birken, Ellern und Ahorn, die in die Laͤnge und Breite mit vielen Alleen durchschnitten und mit Ruheplaͤtzen, Gitterkabinetten und Lusthaͤu- sern, unter abwechselnden Aussichten und Spaziergaͤngen, verbunden sind. Die laͤngste von diesen vielen Alleen erstreckt sich uͤber tausend Faden; von ihrer Mitte aus geht sie gegen Westen nach dem Lustpalais Marly, auf der andern Seite gegen Osten nach einem andern Lustgebaͤude, Monplaisir, am Seestrande. Die Aussichten der kaiserlichen Lust- schloͤsser Peterhof, Sarskoe-Selo und Oranienbaum sind perspectivisch nach der Anweisung des Hrn. Staatsraths von Staͤhelin aufgenommen, und schon unter der Kaiserinn Elisabeth auf drey doppelten Platten und zwey einzelnen in Regalform gestochen, die Grundrisse aber nicht, auch nicht die Plane der Gaͤrten. Auch in 16mo hat Hr. von Staͤhelin diese Aussichten einst bey einem russischen Hofkalender sehr nied- lich nachstechen lassen. 2. Der bessere Geschmack der russischen Gaͤrten erhob sich erst unter der gluͤckli- chen Regierung der jetzigen Kaiserinn Catharina II. Auch er war eine von den unzaͤhligen edlen und großen Verbesserungen oder vielmehr neuen Schoͤpfungen dieser erhabenen Prinzessinn. Ihr feines Gefuͤhl fuͤr jede Gattung von Schoͤnheit, Ihre vertrauliche Bekanntschaft mit allen edlen Kuͤnsten, mußte Sie bald fuͤr den Reiz der Gartenmuse einnehmen, die, als Tochter der Natur, ungeschminkt und tein, voll liebenswuͤrdiger Einfalt, sich der Monarchinn der Herzen naͤherte. Schon als Großfuͤrstinn machte diese Prinzessinn, die auch zur Verfeinerung des Geschmaͤcks und der schoͤnen Kuͤnste in Ihren weitlaͤuftigen Reichen bestimmt war, zu Oranien- baum einen Versuch, in einer Ihrem Palais gegenuͤber gelegenen waldigten Ge- gend eine englische Anlage mit einer Feinheit und Empfindung auszubilden, die fuͤr die Gartenkunst die schoͤnsten Tage in der Zukunft ankuͤndigte. Als regierende Monar- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Monarchinn legte Sie darauf bey dem Winterpalais zu St. Petersburg einen Wintergarten mit einer zauberischen Kunst an. Sie ließ naͤmlich einen langen Hortus pensilis, zwischen zwey ganz neu angelegten Gallerien der kostbarsten Gemaͤlde aus allen Hauptschulen der Kunst, und am Ende detselben die meist mit Cabinetsstuͤcken angefuͤllte Eremitage, daneben aber an den jetzt erwaͤhnten Garten einen besondern Wintergarten auffuͤhren, worinn den Winter uͤber nicht nur gruͤnende und bluͤhende Baͤume und Gestraͤucher, Blumengruppen und ein Springbrunnen, sondern auch allerley einheimische und auslaͤndische Voͤgel angetroffen werden, die da hecken, herumfliegen und singen. Sie entwarf demnaͤchst den Plan zu einem sehr großen Garten im edlen Geschmack, bey Ihrem schon durch seine schoͤne und hohe Lage rei- zenden Lieblingsschloß Sarskoe-Selo, einem Garten, der eine demsche Meile im Umfang haͤlt, dessen Einrichtung gleich im zweyten Jahr nach Ihrer Kroͤnung angefangen ward, und bisher mit einem erstaunlichen Aufwand noch immer fortge- setzet wird. Dieser praͤchtige Garten mit den schoͤnsten Aussichten, Pflanzungen, Waͤldern, Lustgebuͤschen, Seen, Inseln, Baͤchen, Wasserfaͤllen, Vergen und Thaͤlern, mit so mancherley Arten von marmornen und andern steinernen Gebaͤuden, mit den herrlichen Monumenten großer Siege, Triumphbogen, Pyramiden, Obe- lisken zur Erinnerung denkwuͤrdiger Begebenheiten der Nation, mit den trefflichen Bruͤcken, Pavillons, Gallerien und Tempeln, mit so vielen abwechselnden und rei- zenden Scenen der Natur und der Kunst, die sich fast auf den ganzen Horizont rings um das Lustschloß verbreiten, aus dessen oberm Stockwerk man nicht allein die wei- testen Gefilde von der Newa durchstroͤmt, sondern auch die drey Meilen entfernte Residenz St. Petersburg uͤbersieht — wird ein unvergaͤngliches Denkmal von dem feinen Geschmack der Monarchinn bleiben, und, wenn einst alles vollendet ist, ohne Zweifel durch eine wuͤrdige Beschreibung zu seinem Ruhm den Auslaͤndern be- kannter werden. Man hat davon bis jetzt nur einen etwas seltnen Grundriß, den die kaiserliche Akademie der Wissenschaften 1778 heraus- gegeben hat; die Erklaͤrung ist ganz kurz und in russischer Sprache beygefuͤgt. Sie ließ zur Ausfuͤhrung dieser Anlage, die an Kostbarkeit und Geschmack vielleicht einst alle Werke dieser Art in Europa uͤbertreffen wird, verstaͤndige Maͤnner nach England reisen und daher kommen. Und nicht lange darauf ward auch bey dem neuen kaiserlichen Palais zu Moscau ein großer Garten im reinen Geschmack angesangen, an dessen Einrichtung bereits einige Jahre hin- durch bestaͤndig gearbeitet wird. Dieses V Band. O o Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Dieses vortreffliche Beyspiel der Kaiserinn siengen bald die Großen des Reichs an nachzuahmen. Zuerst folgten die beyden Herren Grafen Tschernischef, die den feinsten Geschmack mit einander gemein haben, der jetzige Feldmarschall und Gene- ral-Gouverneur von Moscau, Hr. Graf Sachar Grigoriewitsch, und der Ca- binetsminister und Vicepraͤsident des Admiralitaͤtskollegiums, Hr. Graf von Gri- goriewitsch, welche die bey ihren Palaͤsten zu St. Petersburg in der alten Ma- nier vorgesundenen Gaͤrten in englische verbesserten. Darauf erschienen die gluͤckli- chen Veraͤnderungen, die der Feldmarschall Hr. Graf Rasumoffsky in seinem, dem vormaligen Loͤwenwoldischen, Garten ausfuͤhren ließ. Um diese Zeit wurden verschiedene geschickte englische Gaͤrtner nach Ruß- land verschrieden. Der Fuͤrst Orlov ließ durch sie einen ungemein schoͤnen Garten auf seinem Landgute Gatschina, drey Meilen von Sarskoe-Selo, anlegen. In einer Entfernung von fuͤnf Wersten von diesem kaiserlichen Lustschloß waͤhl- ten sich der Großfuͤrst und die Großfuͤrstinn eine wilde, mit vielen natuͤrlichen Ab- wechselungen bereicherte, Gegend zu einem Landhause, das Sie nach Ihrer so be- gluͤckenden Liebe zu den fansten und stillen Reizen der Natur und nach Ihrem geschmackvollen Entwurf bauen, und mit anmuthigen Anpflanzungen und Anlagen umgeben ließen. Seit etlichen Jahren ist dieser angenehme Ort, der von dem Großfuͤrsten den Namen Pawlofska fuͤhrt, ungemein angebauet, und weil der Prinz und seine Gemahlinn die unter den Großen noch seltene Kunst verstehen, hier in der Ruͤhe des gluͤcklichen Landlebens Sich Selbst zu genießen, so nimmt auch der Garten jaͤhrlich an Verschoͤnerungen seiner Lage, an Erweiterung reizender Aussich- ten, an neuen Gebaͤuden und Auszierungen mit seltenen Werken zu. Zu den neuesten englischen Gaͤrten in St. Petersburg gehoͤrt noch der fuͤrsil. Scherbatowische am Nieder- Moika -Kanal, den der großbritannische bevollmaͤchtigte Minister, Chevalier Harris, nebst dem Hause seit verschiedenen Jahren zur Miethe besitzt; er ließ darinn die alten Alleen, Bogengaͤnge, Grot- ten, u. s. w. ausreißen, und dagegen eine schoͤne durch viele Abwechselungen reizende Anpflanzung nach seiner eigenen Anordnung ausfuͤhren. Auch ist zu den verbesserten Anlagen der aus einem Lustwald mit stehenden, fließenden und springenden Wassern umgeschaffene neue englische Garten bey dem Landhause des Hrn. Reichsvicekanzlers, Grafen von Ostermann, zehn Werste von St. Perersburg, am peterhofischen Weg, zu rechnen. Noch ist der Garten des Hrn. Staatsraths von Demidof zu Moscau beson- ders merkwuͤrdig, wegen der vielen vortrefflichen und zum Theil seltenen Gewaͤchse, die Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. die da unterhalten werden, und deren Anzahl nach einem vor einigen Jahren heraus- gegebenen Verzeichniß Enumeratio plantarum, quæ in horto viri ill. Dom. Procopii a Demidof, Consiliarii Status actualis, Moscuæ vigent; recensente P. S. Pallas. 8. St. Peters- burg 1781. Das Verzeichniß zaͤhlt die Ge- waͤchse unter den linneischen Namen und der russischen Uebersetzung derselben auf; der Vorbericht enthaͤlt eine Beschreibung des Gartens, nebst einem Grundriß. auf 2200 stieg. Moscau, das in einem um fuͤnf Grade suͤdlichern und daher mehr garten- maͤßigen Himmelsstrich liegt, als St. Petersburg, hat in seinen schoͤnen Gegen- den schon manche Gaͤrten, die in dem neuern Geschmack angeordnet sind. Dahin gehoͤrt der Garten bey dem ehemaligen sogenannten Annahof, oder dem jetzt ganz neu erbaueten kaiserlichen Palais, das zunaͤchst an der deutschen Vorstadt auf einer Hoͤhe liegt, von welcher man gegen Osten, Norden und Westen die erstaunlich große Stadt, die den ganzen Horizont einnimmt, uͤbersehen kann. Dieser Garten, der von der Kaiserinn Anna angelegt ward, ist der oben schon bemerkte, den die jetzige Monarchinn im verbesserten Geschmack umschaffen ließ. Er ist den Einwohnern von Moscau zu oͤffentlichen Spaziergaͤngen eroͤffnet. Etwa zwey Meilen von hier besitzt der vormalige Oberkammetherr, Hr. Graf von Scheremettof eines seiner anmuthigsten Landguͤter, Koskowa genannt, das von Zeit zu Zeit ungemein verschoͤnert ist. Das Landhaus liegt mit seinen Fluͤgeln in der Mitte eines Gartens, der mit mancherley Arten von Gebaͤuden, Pflanzungen und Gewaͤsser bereichert ist, und im Genuß reizendabwechselnder Aussichten. Sie sind von dem russischen Perspe- ctivzeichner, Makajeff, aufgenommen und zu Paris auf 12 Platten gestochen. Auch verdient hier der von dem Feldmarschall und Generalgouverneur Hrn. Grafen von Tschernischeff selbst angelegte Landsitz, Jeropolitz, neunzig Werste von Moscau, bemerkt zu werden. Dieser Herr, der mit Geist, Geschmack und unermuͤdeter Thaͤtigkeit ganze Laͤnder zu verbessern und zu verschoͤnern versteht, hat den ersten Eintritt in den Hof neben dem Lustschloß durch acht auslaufende Perspectiv- aussichten so anzuordnen gewußt, daß sie die ganze Gegend und die darinn vertheilten Haͤuser und Hoͤfe bes Dorfs in der Ferne, so wie die oͤkonomischen Gebaͤude in der Naͤhe, so vor Augen stellen, daß alles zusammen einem einzigen großen, fast un- uͤbersehlichen Garten mit lauter abwechselnden Prospecten, gleicht. Die sinnreiche Anlage dieses musterhaften Lustsitzes, der einem schoͤnen englischen Garten gleich sieht, waͤre wohl werth, durch eben so gute Kupferstiche, als man schon Zeichnungen davon hat, bekannter gemacht zu werden. O o 2 Zu Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Zu diesen Nachrichten verdient noch die hinzugefuͤgt zu werden, die ein de- ruͤhmter Reisender Hr. Akademicus Bernoulli in Berlin in dem 4ten B. seiner Reisen durch Bran- denburg, Pommern, Preußen, Curland, Rußland und Pohlen. 8. Leipzig, 1780. von Baba giebt. So heißt ein kleines hollaͤndisches Dorf, das der Hr. Oberschenk von Narischkin ganz neu erbauen lassen, und zu welchem gegenuͤber ein englischer Garten gehoͤrt, dem selbst in England wenige an Anmuth gleichen. Er besteht aus verschiedenen Inseln, die, vermittelst wohlgebauter Faͤh- ren und Bruͤcken, mit einander verbunden sind. Von jenen sind die meisten Zug- faͤhren, auf welchen man sich mit Stricken selbst hinuͤber ziehen kann; wer laͤnger auf dem Wasser fahren will, findet Kaͤhne und Schiffer zu seiner Bedienung; auch sind da Anstalten zum Fischen. Hin und wieder trifft man Kegelbahnen, Schau- keln und andre Spiele, besonders eine Menge artiger, großer und kleiner Lusthaͤuser an; in einem von diesen findet man sogar, wie in einem Kaffeehause, allerley Zei- tungen zu lesen, in einem andern eine Camera obscura fuͤr die, welche sich mit Zeichnen belustigen wollen. Die Alleen, die Rasenplaͤtze, die Huͤgel, die kleinen Spaziergaͤnge sind mit Geschmack angelegt; das Gruͤn ist lebhaft; und das Ganze mit marmornen und andern Statuen und Brustbildern ausgeziert. Dieser Garten steht den Sommer hindurch zweymal in der Woche dem ganzen Publicum offen: es werden allerley Erfrischungen umsonst einem jeden gereicht, und an verschiedenen Stellen laͤßt sich Musik hoͤren. Findet sich eine Gesellschaft, die zum Tanzen Luft hat, so steht es ihr frey. Man kann die gastfreye Sorgfalt und Hoͤflichkeit des Besitzers, womit er und seine Gemahlinn die Ankommenden begruͤßen, zuweilen aureden und zur Froͤhlichkeit ausmuntern, nicht genug ruͤhmen. Die Kaiserinn be- sucht oft diesen reizenden und in seiner Art einzigen Ort; und an den freyen Tagen findet sich der hohe Adel hier zahlreich ein. Der Hr. Oberjaͤgermeister von Na- rischkin, ein Bruder des vorigen, besitzt ebenfalls eine Anlage in gleichem Geschmack unter dem Namen von Haha. IX. Poh- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. IX. Pohlen . Hr. D. von Geret, Senator der freyen und unmittelbaren Stadt Thorn und der- selben vormaliger Resident zu Warschau, ein feiner Gelehrter und Freund der Gelehr- ten, hat die Gesaͤlligkeit gehabt, mir diese noch bisher ganz unbekannten Nachrichten von den Gaͤrten in Pohlen, von einem Ar- chitecten, der mit seiner Wissenschaft einen seltenen Gartengeschmack und andre Kunst- kenntnisse vereinigt, dem Churfuͤrsil. Saͤch- sischen Hofbaumeister, Hrn. Zugk in War- schau, zu verschaffen, und diese Nachrich- ten hie und da mit einigen Anmerkungen zu vermehren. 1. E s fehlt Warschau , so wie vielen großen Staͤdten, an hinlaͤnglichen Spazier- gaͤngen fuͤr das Publicum, und wir haben davon eigentlich nur zwey, die diesen Namen verdienen. Der erste und vorzuͤglichste ist der churfuͤrstl. saͤchsische Garten auf der Cracauer Vorstadt. Dieser ist den hiesigen Einwohnern das, was den Parisern die Tuillerien sind, und destehet aus einem langen, breiten, mit Linden, wilden Kastanienbaͤumen, hohen Hecken und schlechten Bildsaͤulen besetzten Parterre, an dessen Ende sich ein offener mit korinthischen Saͤulen und Pilastern verzierter Salon befindet, welcher von den vorigen saͤchsischen Koͤnigen bestimmt war, um auf solchem einen Wasserhalter zu den im Garten anzulegenden Springbrunnen zu errichten, jetzt aber zum Verkauf von Ersrischungen dienet. Hinter diesem Ge- baͤude sind noch schattigte Spaziergaͤnge, und auf beyden Seiten des Partetre Frucht- und Kuͤchengaͤrten mit einigen unerheblichen Gebaͤuden. Der mittlere Theil dieses Gartens ist jedermann offen, so wie der Durchgang durch ihn zur Bequemlichkeit des Publicums erlaubt ist. Unter dem vorigen Koͤnig war das Parterre mit Bln- menstuͤcken und Orangerie verziert, jetzt sind bloße Rasenplaͤtze an ihrer Stelle, und sowohl die Gaͤnge als Hecken werden nothduͤrftig unterhalten, da der Hof nicht meht darauf zu verwenden fuͤr gut findet, auch aus eben der Ursache der in ziemlich gutem Geschmack erbauete Salon seinem Untergange nahe ist. Das an diesen Garten stoßende Palais ist ein weitlaͤuftiges Gebaͤude von weniger Erheblichkeit fuͤr den Ge- schmack. Der davor gelegene Hof ist der schoͤnste und geraͤumlichste dieser Stadt, so wie uͤberhaupt die ganze Lage dieser Besitzung schoͤn ist und zu einer koͤniglichen Wohnung alle erforderlichen Eigenschaften hat. O o 3 Der Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Der zweyte oͤffentliche Spaziergang ist im Kraszinskischen , jetzt der Re- publik gehoͤrigen Garten auf der Heustraße. Seine Lage ist neuer, und ohngefaͤhr in eben dem Geschmack wie der saͤchsische , nur hat er weniger Umfang und Schat- ten. Das daran stoßende Palais ist eine schoͤne Masse von Gebaͤuden von ziemlich guten Verhaͤltnissen, und ist nach dem vorjaͤhrigen Brande wieder voͤllig hergestellet worden. Alle Reichskollegien, der immerwaͤhrende Rath ausgenommen, haben hier ihren Sitz, und es hat ein diesem Endzweck entsprechendes Ansehen, das Ehrfurcht erregt, nur Schade, daß der Eingang des ziemlich geraͤumigen Hofes nicht auf das Hauptgebaͤude, sondern auf einen langen unbedeutenden Fluͤ- gel trifft. Der koͤnigliche Thiergarten bey Ujasdow , der von dem Fuͤrsten Caspar Lubomirski herruͤhrt, liegt zwar auch noch innerhalb des neu aufgeworfenen Gra- bens, der die Vorstadt einschließt, aber am aͤußersten Ende derselben eine halbe Stunde von der Stadt gegen Mittag, und kann daher nicht eigentlich zu den Spa- ziergaͤngen der Stadt gerechnet werden, ob er gleich zu allen Zeiten jedermann offen stehet, und haͤufig besuchet wird, auch selbst wenn er in den Sommermonaten von dem Koͤnig bewohnt wird. Er bestand im Anfang der jetzigen Regierung aus einem sumpfigten Erlengehoͤlze mit einigen verfallenen Kanaͤlen und Wasserstuͤcken, bey deren einem ein Gebaͤude im grotesken Geschmack angelegt war, in welchem sich einige Zimmer und ein Bad mit Stuccaturarbeit und Muschelwerk verziert befand, von welchen auch dieser Ort noch bis jetzt das Bad genennet wird. Alles dieses war unter der letzten Regierung, die solches von dem Fuͤrsten Lubomirski auf einige Zeit erhalten hatte, waͤhrend welcher kein anderer Gebrauch davon gemacht wurde, als daß Thiere darinn gehalten und ein koͤnigl. Jagdbedienter einen oͤffentlichen Schank daselbst hielt, ziemlich eingegangen und verwildert. Unter der jetzigen Regierung aber, die solches vom Fuͤrsten Lubomirski kaͤuflich an sich gebracht, hat man keine Kosten gesparet, diesen Ort zu verschoͤnern, und die durch das stehende Wasser ver- ursachte schlechte Luft zu verbessern. Zu dem Ende sind alle alte halb abgestorbene Erlen ausgerottet, und an deren Stelle alle moͤgliche Arten Laub- und Nadelhoͤlzer in Klumpen und Alleen mit gutem Erfolg angepflanzt worden. Man hat allerhand wilde Spaziergaͤnge und neue Wasserstuͤcke angelegt, die bisher sumpfigten Gegen- den und Gaͤnge erhoͤht und neue Aussichten auf allerhand interessante Gegenstaͤnde, als Willanow, Mokatow, Czerniakow , durchgehauen, das alte Badge- baͤude verbessert und fuͤr den Koͤnig wohnbar gemacht, verschiedene neue artige Ge- baͤude fuͤr die koͤnigl. Familie und Hofstatt angelegt, auch diesen Sommer dem Bade eine neue Vorderseite von Sandsteinen mit freystehenden korinthischen Saͤulen gegeben, Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. gegeben, womit vermuthlich an den uͤbrigen Seiten fortgefahren werden soll. Be- sonders verwendet man große Summen, um dem Hauptuͤbel, der schlechten Luft, durch Herbeyleitung frischen Wassers in die stehenden Kanaͤle, abzuhelfen, welches aber noch zur Zeit nicht gelingen wollen. Demohngeachtet laͤßt man nicht ab, neue Versuche damit zu machen, und ist eben jetzt damit beschaͤftigt zu untersuchen, ob ein zwey Meilen von hier bey Jeziorne in die Weichsel gehender Bach nicht abzuste- chen und herzuleiten sey. Gelingt dieses, so kann dieser Ort ein angenehmer und gesunder Aufenthalt werden, da er von der Abendseite von einer großen Anhoͤhe, von Mitternacht durch die Stadt gedeckt ist, und gegen Morgen und Mittag schoͤne Aussichten nach der Weichsel und in fruchtbare und bewohnte Ebenen hat. Und es wuͤrde zu dessen Vervollkommnung weiter nichts fehlen, als daß man auf der gegen Abend liegenden Anhoͤhe, ohnweit Belvedere , anstatt des jetzt daselbst befindlichen alten Gebaͤudes und des koͤniglichen Hofmalers Bacciarelli Garten, eine neue koͤ- nigliche Sommerwohnung erbauete; welcher Ort eine reizende und unbegraͤnzie Aus- sicht von verschiedenen Seiten, unter sich den Thiergarten, in einer Entfernung die Weichsel und hinter sich eine breite mit alten Linden besetzte und auf beyden Seiten mit Fruchtgaͤrten eingefaßte vierfache Allee hat, die bis an die gepflasterte Straße der Vorstadt, die Neuewelt genannt, fuͤhret. Ein Theil des Gehoͤlzes ist ver- zaͤunt, und dient, verschiedenes Wildpret und fremdes Gefluͤgel daselbst zu ver- wahren. Der Garten des Fuͤrsten Casimir Poniatowski , aͤltesten Bruders des Koͤ- nigs, auf der Neuenwelt gelegen, ist ein unvollendetes Werk, welches vor sieben Jahren angelegt wurde, in welchem aber einige ganz artige Partien fertig anzutreffen sind. Dahin gehoͤren eine Grotte mit verschiedenen Behaͤltnissen in Felsen gehauen, mit einem Wasserfalle am Fuße eines Berges, der mit allerhand Baͤumen und Strauchwerk wild verwachsen ist. Einer der innern Gaͤnge, der durch einige Oeff- nungen nothduͤrftig von oben Licht bekommt, fuͤhrt nach verschiedenen Kruͤmmungen an eine Thuͤr, die bey ihrer Eroͤffnung einen nicht erwarteten Anblick von einem unterirdischen von oben hinlaͤnglich erleuchteten Saal gewaͤhret, dessen Waͤnde und zur Unterstuͤtzung von vier großen Nischen mit Sitzen dienende Saͤulen von Gips- marmor, eine artig mit Vertiefungen gezierte Kupel tragen, die sich oben mit einer Oeffnung endet. An den Waͤnden sind acht Buͤsten roͤmischer Kaiser auf Krag- steinen angebracht und uͤber den Thuͤren Basreliefs. Vor dieser Grotte, die von Stuk ziemlich gluͤcklich nachgeahmt ist, befindet sich ein großes Wasserstuͤck mit einer Insel, worauf ein chinesisches Lusthaus stehet, und die mit dem Ufer durch eine baͤurische Bruͤcke zusammenhaͤngt, und dicht mit Baͤumen besetzt ist. Auf einer andern Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, andern Seite kommt man an einen Hohlweg, an dessen Eingange ein altes baͤuri- sches Wirthshaus stehet, in welchem ebenfalls einige artige Zimmer befindlich sind. Am Ende dieses Weges siehet man einen auf einer Hoͤhe stehenden runden Tempel auf freystehenden ionischen Saͤulen aus den ihn umgebenden Baͤumen hervorragen. Dieser Tempel stehet auf einem Felsen, der von Talgsteinen aufgefuͤhrt ist; in seiner Mitte befindet sich ein Altar, und die Aussicht aus ihm ist herrlich. Unter ihm ist noch ein artiges Cabinet, und unter diesem eine Grotte in ganz verschiedenem Ge- schmack von jener, mit einem Springbrunnen. Das Ganze macht in gehoͤriger Entfernung ein angenehmes Gemaͤlde, und haͤngt mit einem angepflanzten Birken- waͤldchen zusammen, in dessen Schatten man bis an das Orangehaus kommen kann. Auf der Anhoͤhe stehet auch noch ein tuͤrkischer Thurm oder Minaret mit einer ge- wundenen Treppe, die auf den Gipfel fuͤhrt, und ohnweit davon ein kleines Gebaͤude in eben dem Geschmack, das zur Kuͤche dient, und aus welchem unter der Erde Gaͤnge bis in den erwaͤhnten unterirdischen Salon fuͤhren. Am Fuße des Berges, auf welchem dieser Thurm stehet, befindet sich auch noch eine kleine Meyerey. Alle diese Gebaͤnde sollten durch ein großes entworfenes Wohngebaͤude, wozu bereits die Sandsteine angefahren waren, erst ihre gehoͤrige Verbindung erhalten; da aber die Ausfuͤhrung unterblieb, so verlieren sie ihren Zusammenhang, und sind bloß abge- sonderte Stuͤcke, uͤber deren Daseyn man sich billig wundern muß. Unterdessen ge- ben die dasigen Anpflanzungen, die sehr gut zugenommen haben und unterhalten werden, einen angenehmen Spaziergang fuͤr das Publicum. Von hier uͤbersieht man die ganze Vorstadt, Solec oder Schuletz genannt, und in einiger Entfer- nung die daselbst befindliche Anlage eben dieses Fuͤrsten, welche aber anjetzt der Groß- kanzler von Litthauen , Fuͤrst Sapieha , besitzet. Dieser Garten und das Ge- baͤude, die vor ohngefaͤhr zwoͤlf Jahren angelegt wurden, waren die ersten in ihrer Art hier in Warschau , und bestehen aus Bruchstuͤcken der damals hier bekannt ge- wordenen englischen Gaͤrten. Und obgleich der Ort sehr tief liegt, auch den großen Ueberschwemmungen der Weichsel ausgesetzt ist, so sind doch verschiedene artige Partien daselbst, z. B. eine gothische Kirche am Ende eines gruͤnen Platzes, der mit Lustgebuͤschen von Baͤumen und verschiedenen Bauerhuͤtten besetzt ist, die innerlich artige Zimmer in gutem Geschmack verziert enthalten. Ferner ein ansehnliches Wasserstuͤck, wobey eine alte Muͤhle und Ruinen ein malerisches Bild darstellen. In den Ruinen selbst wird man von etlichen reich ver- zierten kleinen Saͤlen uͤberrascht. In dem auf der andern Seite mit ihnen zusammenhaͤngenden Wohngebaͤude ist ein schoͤnes Bad, und einige große Zimmer und Saͤle in gutem Geschmack mit Stukarbeit und Malereyen ver- ziert. Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. ziert. Von diesem Theile des Gartens hat man ein 1775 herausgekommenes radiertes Blatt. Ein den Ruinen gegenuͤber am Wasser sich erhebender Berg, der mit Wein bepflanzt ist, unterbricht das Ganza, welches man sonst mit einem male uͤber- sehen wuͤrde; nur ist der Berg zu geradelinigt angelegt. Bey dem vorigen Besitzer war hier eine starke Treiberey und bey 5000 Ananas in den 200 Ellen langen hierzu erbauten Haͤusern anzutreffen. Der erste Berg, von welchem wir dieses alles in einer Entfernung sehen, wird durch eine in einem Hohlwege fortgehende Straße von einem andern etwas hoͤhern abgesondert, auf welchem der Fuͤrst Poniatowski anjetzt wohnt, und solchen auch mit Pflanzungen und verschiedeneu Gebaͤuden besetzt hat. Sein jetziges Wohngebaͤude war zu einem oͤffentlichen Wirthshaus angelegt, das ihm die Aussicht jenes Berges, wo er anfaͤnglich wohnen wollte, beleben sollte; und als es beynahe fertig war, entschloß er sich, selbst darinn zu wohnen. Es wurde also, so gut es seyn konnte, ohne das Ganze zu veraͤndern, zu dem Behuf eingerichtet, und mit den noͤthigen Nebengebaͤuden vesehen, auch eine große Reit- bahn angelegt, die innerlich auf Kalk, wie ein Wald, ausgemalt ist. Noch vor zwey Jahren erbauete er daselbst ein Gebaͤude mit zwey Saͤlen und ein großes Ana- nashaus. Auf alle diese hier uͤbersehene Anlagen hat dieser lebhafte Herr in einer Zeit von zwoͤlf Jahren bey zweyhunderttausend Dukaten verbauet. Zwischen dem Berge, wo jetzt der Fuͤrst wohnt, und dem eben beschriebenen Kjasdower Schlosse hat der Sohn dieses Herrn, der jetzige Großschatzmeister von Litthauen , Fuͤrst Stanislaus Poniatowski , auf eben dem sich in einigen Kruͤmmungen fortziehenden Berge vor fuͤnf Jahren einen Garten und Wohnge- baͤude angelegt. Der Garten ist eine Mischung von Regelmaͤßigem und Wildem, und hilft im Ganzen zur Verschoͤnerung der hier befchriebenen Hoͤhe, die vorher mit nichts als Ziegelscheunen, Leimgruben und Abgruͤnden bedeckt war. Die Treibereyen in diesem Garten sind die ansehnlichsten dieser Stadt. Der von der verstorbenen Graͤfinn von Bruͤhl , Gemahlinn des saͤchsischen Ministers, auf der Neuenwelt angelegte Garten ist in dem damaligen herrschenden Geschmack geradelinigt, hat aber schoͤne schattigte Gaͤnge; jetzt besitzt ihn ebenfalls der obgedachte Fuͤrst Großkanz er Sapieha . Wegen seiner schoͤnen Lage und Groͤße koͤnnte er einen trefflichen Spaziergang fuͤr das Publicum abgeben, allein er ist ver- schlossen, weil er viele Fruchtbaͤume enthaͤlt, und der Besitzer Nutzen davon ziehen will. Der V Band. P p Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Der von dem verstorbenen Baron Riaucourt auf der Meth- oder Capuciner- gasse augelegte Garten, jetzt der Borchsche , ist in eben dem Geschmack, dient aber dermalen zu einem oͤffentlichen Lustort; er ist neu und umher mit Haͤusern umgeben, und hat artige Partien und ein großes Gewaͤchshaus. Kleinere Gaͤrten findet man verschiedene bey den Palaͤsten der Großen und bey den Haͤusern wohlhabender Privatleute; sie bestehen groͤßtentheils aus schattenreichen Baͤumen und Rasenstuͤcken mit Orangerie und Blumen besetzt. So sind die, welche sich bey den Czartoryskischen, Branickischen, Oginskischen, Potockischen und andern Palaͤsten auch Haͤusern befinden. An dem gegen Mitternacht dicht an dem neuaufgeworfenen Graben gelegenen Theile der Neustadt, Javory genannt, findet man noch einige artige Anlagen, worunter sich besonders die vom Kron-Großschatzmeister Fuͤrst Poninski, Sans- gene genannt, ausnimmt. In dem daselbst befindlichen mit vielem Geschmack an- gelegten Gartenhause ist ein artiger Saal, ein Zimmer, wie das Innere eines reichen Zeltes, ein anderes wie das Innere eines kuͤnstlichen Nagelwerkes, zwischen welchen Spiegel angebracht sind, und so noch verschiedene Zimmer, jedes in anderm Ge- schmack verziert. Der Garten hat im Hintergrunde eine wilde Partie, zwor klein, aber schattigt, und in der Mitte befindet sich ein Wasserstuͤck. Jetzt besitzt ihn der Hr. Banquier Cabrit . Ohnweit davon sind auch die Gaͤrten des Hrn. Banquier Blanc und einiger anderer Kaufleute sehenswerth. Der zwar kleine, aber artige in derselben Gegend gelegene Liskiewiczische Garten mit einem Gartenhause von gutem Geschmack ist auch nicht vorbey zu gehen. Alle diese Gaͤrten werden wohl unter- halten, und hatten sonst das Angenehme eines durchhin fließenden Baches, dessen man sich aber bey ihrer Anlegung bloß bediente, um stillstehende Bassins damit an- zufuͤllen, und das schoͤne Thal, in welchem er sonst sanft hinrieselte, auszufuͤllen, da man doch auf mancherley Art bessern Gebrauch davon haͤtte machen koͤnnen. Jetzt ist dieses Wasser durch die Hinleitung eines Kanals aus der Stadt verunreiniget worden; man arbeitet aber daran, ihn durch einen andern Weg in die Weichsel zu fuͤhren. 2. Die Gegenden um Warschau sind nichts weniger als abwechselnd, und wenn man die Hoͤhe ausnimmt, worauf die Stadt selbst gegen die Weichsel zu liegt, und welche sich gegen Mitternacht bis nach Mlodzin , gegen Mittag aber bis nach Willanow ziehet, so sind wir um und um mit unabsehlichen Ebenen umgeben, in welchen nur wenig erhebliche Huͤgel anzutreffen sind. Von romantischen Gegenden aber wissen wir hier gar nichts, und die etwan noch diesen Namen verdienten, haben wir Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. wir der Kunst zu verdanken. Jene sich einige Meilen fortschlaͤngelnde gegen Mor- gen gelegene Hoͤhe ist es auch, welche durch ihre vortreffliche Lage gegen die Weichsel ihre Besitzer angereizt hat, sich waͤhrend der jetzigen Regierung Landhaͤuser darauf zu bauen, und den Abhang derselben mit verschiedenen neuen Anpflanzungen zu beleben. So ist die schoͤne Anlage von Mokatow entstanden, wo noch vor zwoͤlf Jah- ren nichts als einige Straͤucher anzutreffen waren. Die jetzt verwittwete Kron- Großmarschallinn, Fuͤrstinn Lubomirska , geborne Prinzessinn Czartoryska , waͤh- lete sich diesen außerhalb den um Warschau herum aufgeworfenen Graben, gleich hinter dem koͤnigl. Thiergarten gelegenen Ort, bauete daselbst auf der Hoͤhe ein zwar kleines, aber mit viel Geschmack ausgeputztes Landhaus, und verwandelte einen Theil des sanft abhangenden Berges in ein reizendes Gehoͤlze, durch welches man bey stets abwechselnden Gegenstaͤnden bis in die darunter liegende schoͤne Ebene gelangt. Vor zwey Jahren gelang endlich auch das Unternehmen eines Deutschen , diesen Ort mit hinlaͤnglichen Springwassern zu versehen, nachdem vorher viel Geld, doch ohne Erfolg, darauf verwendet worden war, und man bereits anfieng alle Hoff- nung aufzugeben. Der Eingang des Landhauses, welches von außen nichts mehr verspricht, als jedes gemauerte Herrenhaus in einem Dorfe, ist bey einem runden Thurme, an welchen ein Lusthaus und Thor in flamlaͤndischem Geschmack ange- bauet sind, dessen Inneres in einem artigen Zimmer bestehet, welches eine freye Aussicht gegen die Stadt und die dabey hingehende Landstraße hat. Von hier kommt man durch einen schoͤnen Fruchtgarten und einen gruͤnen Platz bis an die Woh- nung der Fuͤrstinn, deren Auffahrt mit grauen Talgsteinen ganz ungekuͤnstelt beklei- det und mit Cypressen, Lorbern und andern Gewaͤchsen in verdeckten Kuͤbeln besetzt ist. Das Innere des Gebaͤudes entspricht dem Stande und Geschmacke der Be- wohnerinn, und bestehet aus einigen zu ihrer eigenen Bequemlichkeit noͤthigen Zim- mern, einem Saale und einem mit Stuk verzierten Bade. Ohnweit davon in einer Tiefe ist der Kuͤchenhof angebracht, hinter ihr im Dorfe eine Menagerie, deren Ein- gang sich durch einen hohen viereckigten gothischen Thurm auszeichnet, der zur Tau- benzucht eingerichtet ist. Auf der andern Seite des Fruchtgartens stehet in einiger Entfernung die Orangerie und Treibhaͤuser. Hohe Frucht- und wilde Baͤume un- terbrechen den Zusammenhang dieser verschiedenen Gebaͤude, und geben ihnen ein recht laͤndliches Ansehen. Das Bad ist im untern Theile des Hauses nach dem Gehoͤlze zu; aus demselben, oder auch aus den oberen Zimmern durch eine freye Treppe, kommt man in ein kleines viereckigtes Blumenparterre, und aus solchem P p 2 fuͤhren Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, fuͤhren seitwaͤrts bequeme Fußsteige in verschiedenen Kruͤmmungen, durch das dicht mit mannichfaltigen Laub- und Nadelhoͤlzern und bluͤhendem Strauchwerk verwach- sene Gehoͤlze, sanft bergab zu einem Springbrunnen, der aus einer auf einem Stuͤck Mauerwerk liegenden Urne bestehet, aus welcher ein schoͤner Wasserspiegel in ein darunter stehendes steinernes Becken faͤllt, aus solchem uͤberlaͤuft, in einem kiesigten Baͤchelchen fortschlaͤngelt und sich verliert. Einige Huͤgel und Baͤnke von Feldstei- nen mit Moos bedeckt, und hie und da zerstreut stehende Waldblumen und bluͤhende Straͤucher machen diese Partie zu einem angenehmen Gesichtspunkt vor dem ohnweit davon in einem Dickigt liegenden offenen Salon en Ecorce. Dieser besteht aus einem Achteck mit vier Oeffnungen gegen eben so viel dahin fuͤhrende Zugaͤnge. Sechzehn Saͤulen, welche aus starken Erlenstaͤmmen mit ihrer Rinde bestehen, tragen einen Dom, der oben eine Oeffnung hat. Die Waͤnde und der Dom sind aͤußerlich mit verschiedenen Arten Baumrinden uͤberzogen, innerlich aber mit feinen englischen Mat- ten, die mit einer breiten Einfassung von grauem Moos, und diese mit einer Reihe abwechselnder nachgemachter Schleenbeeren und Hahnbutten in verschiedenen Abthei- lungen umgeben sind, bekleidet. Die hier befindlichen Meublen sind in eben dem Geschmacke und der Fußboden mit feinem Kies mosaisch ausgelegt. Aus diesem Salon fuͤhren verschiedene sich im Dickigt fortschlaͤngelnde, bald schmaͤler, bald breiter werdende Fußsteige unvermuthet zu einer kleinen Grotte mit zwey Oeffnungen, groͤß- tentheils von Cracauer Tofstein, großem unbearbeiteten Marmor und Talgstein wild uͤber einander gethuͤrmt, und mit Epheu und andern kriechenden Gewaͤchsen verwach- sen. Ueber der einen Oeffnung stuͤrzt ein Wasserfall herab, dessen Wasser sich unter einen der Grotte gegenuͤber liegenden Huͤgel verliert, und ohnweit von selbigem mit einem zweyten Falle sich in ein Becken ergießt, aus welchem es feinen Weg weiter durch das Gebuͤsche in einem kiesigten mit allerhand Wassergewaͤchsen eingefaßten Bette nimmt, und sich sodann dem Auge entzieht. Das Innerliche der Grotte ist mit rohen Cracauer Alabasterstuͤcken ganz ungezwungen ausgesetzt, und hat einige Ruhebaͤnke mit Matten bedeckt, der Fußboden ist mit grobem Kies ausgeschlagen. Von hier aus wird man von einem Fußsteige zu dem der Grotte gegenuͤber liegenden Huͤgel gefuͤhrt, auf welchem man unter einem laͤndlichen Obdache, welches auf vier Baͤumen ruhet, und mit Schilf gedeckt ist, eine Ruhebank findet, von der man die Grotte in einiger Entfernung mit ihrem Wasserfall uͤbersiehet, und unter sich den zweyten Wasserfall rauschen hoͤrt, vor sich aber eine angenehme Aussicht in eine freyere Gegend hat, die man bisher vermisset. Von hier fuͤhren wieder verschiedene mit Ruhebaͤnken und allerhand unerwar- teten Aussichten versehene Wege bis in die untere Ebene zu einigen irregulaͤren großen Wasser- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Wasserstuͤcken, die unter einander durch sich hin und her kruͤmmende Kanaͤle Gemein- schaft haben und mit sehr verschiedenen artigen Bruͤcken versehen sind. Die schoͤn mit Rasen bewachsenen und mit hohen Platanen und andern Baͤumen beschatteten Ufer, gewaͤhren auch hier in der groͤßten Hitze Schatten. An einem dieser Wasser- stuͤcke findet man eine artige Fischerhuͤtte, bey welcher allerhand Fischergeraͤthschaften auf eine geschmackvolle und ungekuͤnstelte Art aufgeputzt sind. Ohnweit solcher stehet eine runde indische Huͤtte, deren Waͤnde von jungen Birkenstaͤmmen zusammenge- fuͤgt, und das pyramidalische Dach mit Schilf und Rohr gedeckt ist; das Innerliche derselben ist in indischem Geschmack ausgemalt. Von hier fuͤhrt eine Rollbruͤcke, die auf beyden Seiten mit Blumenbeeten versehen ist, zu einem groͤßeren Wasser- stuͤck, an dessen Ufern man ein halb offenes innerlich mit Arabesken ausgemaltes Zelt findet, vor welchem ein schoͤner Wasserstrudel in ein mit Blumen und Orangerie eingefaßtes Becken faͤllt. Von hier hat man eine freye Aussicht auf eine uͤber dem Wasser liegende schoͤne Wiese oder gruͤnen Teppich, mit einzelnen hohen Birken be- setzt. Hinter solchen erblickt man in einiger Entfernung einen kleinen Meyerhof, der aus verschiedenen sehr alt scheinenden Gebaͤuden bestehet. Allerhand Arten Gefluͤgel, als Pfaue, Kraniche, Stoͤrche, die hier herumgehen, machen die Gegend leben- dig. Auf einer Seite der Wiese stehen einige Huͤtten; bey einer befindet sich ein Bienengarten, und darinn eine artige Wohnung, hinter ihnen aber erhebt sich wie- der hohes Gehoͤlze, welches auf dieser Seite den Garten begraͤnzet, der bis an eine Landstraße gehet, welche uͤber eine hohe gemauerte Bruͤcke in den koͤnigl. Thiergarten fuͤhrt. Von diesem halb offenen von Bindwerk bestehenden Zelte nimmt man seinen Ruͤckweg von einer andern Seite, und kommt ganz unvermuthet in ein großes vier- eckigtes Parterre, in dessen Mitte ein ansehnlicher Wasserstrahl bey 15 Ellen hoch springt. Dieser ganze Platz ist regelmaͤßig mit Orangerie, Blumenbeeten und Baͤn- ken eingefaßt und besetzt. Von hier siehet man eine mit schoͤnen Baͤumen bekroͤnte Anhoͤhe vor sich, und auf der Seite einen breiten Kanal, der den Garten von einer schoͤnen Wiese scheidet, die mit Vieh bedeckt ist; und in der Entfernung viele male- rische Gegenstaͤnde und Aussichten. Aus diesem Parterre fuͤhren endlich verschiedene schattige Wege wieder ganz bequem zuruͤck zu dem obern Theile des Gartens. Viele anjetzt noch leere interessante Plaͤtze und kleine Inseln sind zu allerhand Gegenstaͤnden bestimmt, welche die Durchlauchtige Besitzerinn nach und nach auszu- fuͤhren gedenket, die stets bemuͤht ist diesen angenehmen Ort nicht allein auf das vollkommenste zu unterhalten, sondern auch alle Jahre etwas Neues und Ge- schmackvolles in solchem anlegen zu lassen. P p 3 Wenn Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Wenn man von hier aus auf der Anhoͤhe durch das Dorf Mokatow fortgeht, kommt man durch eine Allee zu dem einige tausend Schritte davon gelegenen Canin- chenberge, wo zu Zeiten der saͤchsischen Koͤnige Caninchen gehegt und zur Jagd auf- behalten wurden, der aber jetzt dem Herrn Grafen Tomatis gehoͤret, welcher da- selbst eine große Anlage auszufuͤhren gedenket, die auch, was die Pflanzungen an- belangt, schon ziemlich weit gekommen ist. Ein ansehnliches Landhaus, das er auf einem sehr vortheilhaften Platze angefangen zu bauen, der von einer tiefen Schlucht vom uͤbrigen oberen Theile abgesondert wird, mit welcher er nur durch eine Bruͤcke zusammenhaͤngt, verspricht nach seiner Vollendung nichts Gemeines, ob es gleich nicht vom feinsten Geschmacke zu seyn scheinet. Ein großes fertiges Kuͤchen- gebaͤude, linker Hand im Thale, hat aͤußerlich das Ansehen eines alten roͤmischen Grabmals, ohngefaͤhr wie das der Cæciliæ Metellæ bey Rom , gemeiniglich unter dem Namen Capo di bove bekannt. Rechter Hand stehen in einer Entfernung uͤber einem Hohlwege einige Wirthschaftsgebaͤude, Treib- und Orangenhaͤuser, und der uͤbrige Theil der Hoͤhe ist mit den besten aus Italien verschriebenen Fruchtbaͤu- men besetzt. Die Hohlwege, welche bis in die unten liegende schoͤne Plaͤne fuͤhren, sind mit alten Birken, Pappeln und andern Baͤumen besetzt, und der abgesonderte Berg, auf welchem das Wohngebaͤude erbauet wird, mit allerhand Arten italiaͤ- nischer Weinreben. Der Besitzer hat viel Geld darauf verwendet, die hier befind- lichen starken Quellen zu heben: es schien ihm auch damit zu gelingen; da aber die Leitungen derselben auf franzoͤsische Art, die man pierrée nennt, gemacht wurden, und man nicht vorsichtig genug damit zu Werke gieng, so sind sie zum Theil wieder verfallen, und das Wasser hat andere Wege genommen. Die Aussicht von der Hoͤhe ist ausnehmend schoͤn, und es ist nicht zu zweifeln, daß, wenn der reiche Besitzer seinen Entwurf zu vollenden fortfaͤhrt, es ein reizender Aufenthalt werden kann. Von hier fuͤhrt die Straße durch das dem Fuͤrsten Czartoryski gehoͤrige Dorf Sluszewo zu einem gleich hinter solchem gelegenen angenehmen jungen Fichtenwaͤld- chen, welches mit Alleen durchschnitten ist, die hie und da mit Ruhebaͤnken versehen sind. Dieses Waͤldchen erstreckt sich bis an die Kante der Hoͤhe, der wir bisher ge- folgt sind, und hat also auch alle die Vortheile einer herrlichen Aussicht. Man siehet von hier das schoͤne Schloß Willanow , wovon wir hernach reden werden, ganz nahe vor sich liegen, und bloß eine Viertelstunde breite Viehtrift, mit Weiden- alleen durchkreuzt, nimmt den Zwischenraum ein. Rechts stoͤßt dieß Gehoͤlze an die artige Anlage des koͤnigl. Kammerherrn Mai- sonneuf, Roskosz oder die Wollust, genannt, von welcher es bloß durch ein Thal abge- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. abgesondert wird. Diese Anlage bestehet aus einem kleinen, aber artigen Wohnge- baͤude mit zwey abgesonderten Fluͤgeln, einem schoͤnen Fruchtgarten, und einer wil- den Promenade im obgedachten Thale fort bis in die Tiefe, wo man eine in gutem Geschmack angelegte Grotte mit etlichen Cabinets und einer am Fuße derselben her- vorbrechenden gefaßten Quelle findet. Die so nahe Nachbarschaft des Fichtenwaͤld- chens verschafft diesem Orte viele Vortheile, da er sonst zu eingeschraͤnkt seyn wuͤrde. Von hier aus kommt man in den eine halbe Stunde von hier und zwey Stun- den von der Stadt entfernten Fasanengarten. Er gehoͤrt der fuͤrstl. Czartoryski- schen Familie, wird aber seit vielen Jahren nicht mehr zu Hegung dieser Thiere ge- braucht, und bestehet in einem weitlaͤuftigen aus Laub und Nadelholz vermischten Gehoͤlze, welches sehr angenehm mit Berg und Thal abwechselt. In dem in der Tiefe liegenden Theil desselben sind fuͤnf breite Alleen durchgehauen, die auf der Hoͤhe einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt haben, wo der nunmehr verstorbene Fuͤrst Czartoryski , Woywode von Rußland , noch zwey Jahr vor seinem Tode, ein ansehnliches Gebaͤude auffuͤhren ließ, um diesen so angenehmen Ort, der bisher ganz unbemerkt geblieben war, mehr benutzen zu koͤnnen. Der untere Theil die- ses Gebaͤudes bestehet aus drey Saͤlen und einigen Cabinets, die alle mit Arabesken ausgemalt sind; der mittlere halb offene Saal ist oval, gehet durch zwey Stockwerke und hat eine Kuppel, die gegen die offene Seite von sechs jonischen Saͤulen getragen wird. Auf diesen schneiden sich die obgedachten Alleen, deren eine das Willanower Schloß, die uͤbrigen aber andere verschiedene Gegenstaͤnde zum Gesichtspunkt haben. In dem oberen Geschoß sind einige kleine Wohnzimmer, und in dem gewoͤlbten Erdgeschoß die Wohnung des Aufsehers, oder Castellans. Dieses Gebaͤude stehet in einer Oeffnung des Gehoͤlzes, welches von zwey Seiten dicht an solches anschließt; gegen die Alleen hat es eine voͤllig freye Aussicht, und gegen den Eingang einen mit einem Graben versehenen und mit Baͤumen umgebenen gruͤnen Platz. Das Ge- hoͤlze in der Tiefe ist besonders im Fruͤhjahr etwas feucht; da es aber stark mit Ka- naͤlen durchschnitten ist, die gegen die Weichsel ihren Abzug haben, so ist der groͤßte Theil desselben den Sommer hindurch trocken. Desto angenehmer und trockner aber ist der obere Theil. Der kurz nach Vollendung dieses Baues erfolgte Tod des Fuͤrsten verhinderte die weitere Ausfuͤhrung verschiedener zur Verschoͤnerung dieses Orts gemachten Ent- wuͤrfe, die aber durch die jetzige Besitzerinn, Tochter des verstorbenen Fuͤrsten, und eben dieselbe, welche die Schoͤpferinn von Mokatow geworden, vielleicht mit der Zeit noch ausgefuͤhrt werden koͤnnten, da es dieser Dame von so trefflichem Ge- schmack auch nicht an Mitteln fehlt, solchen zu befriedigen. Von Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Von hier kommt man durch ein angenehmes, beschattetes Thal im untern Theil des Gehoͤlzes, und endlich durch eine vierfache Allee auf die Landstraße, welche nach Willanow fuͤhrt, das eine Viertelstunde davon entfernt ist. Diese gluͤcklichen Gefilde zeichnen sich so, wie alle weitlaͤuftigen Besitzungen des fuͤrstl. Czartoryski- schen Hauses, durch schoͤne Doͤrfer, treffliche Aecker, Wiesen und Alleen, unter allen andern hiesiges Landes aus, und man spuͤrt uͤberall die Frucht einer weisen Ver- waltung, und die gluͤcklichen Folgen von den unermuͤdeten Bemuͤhungen des verstor- benen Fuͤrsten, Ordnung und Wohlstand unter seinen Unterthanen zu verbreiten, und, was so selten anzutreffen, wahre fuͤrstliche Groͤße, mit guter Wirthschaft zu vereinigen, wozu er sich groͤßtentheils deutscher Maͤnner in den vornehmsten Posten bedienete. Zu dem mitten in diesen gesegneten Gegenden gelegenen Lustschlosse Willanow , fuͤhren von allen Seiten breite Alleen, die sich in dem vor ihm liegenden großen mit alten Linden besetzten Platze enden, der mit vielen kleinen Wohngebaͤuden, einem großen Wirthshause und einer Kirche umgeben ist. Das Schloß selbst hat das Ansehen eines vor kurzem errichteten Gebaͤudes, ob solches gleich beynahe hundert Jahr stehet; so sehr ist jederzeit auf die Erhaltung desselben gesehen worden. Es gleicht voͤllig den italiaͤnischen Villen, ist auch groͤßtentheils das Werk eines ita- liaͤnischen Baumeisters; und ob gleich bey genauer Untersuchung sich viele Fehler gegen den reinen Geschmack zeigen, so ist es doch im Ganzen genommen ein schoͤnes Werk, werth von Koͤnigen bewohnt zu werden, wie Johann , aus dem Sobies- kischen Hause, sich solches dazu erbauet hat, auch darinnen gestorben ist. Der Koͤnig August der II. hat es auch zum Bewohnen besessen. Es bestehet in einem Hauptgebaͤude von zwey Stockwerken, mit zween daran liegenden Fluͤgeln, und ist mit korinthischen anstoßenden Saͤulen und Pilastern verziert, zwischen welche Sta- tuen, Buͤsten, und Basreliefs angebracht sind. Das Dach ist meist platt, mit Kupfer gedeckt und durch eine Balustrade versteckt, auf welcher Statuen und Vasen stehen. Diese Statuen sind mehr als mittelmaͤßig, besonders eine Flora auf der Hofseite sehr schoͤn. Die am Untertheile des Gebaͤudes in Nischen angebrachten Statuen und Buͤsten aber, groͤßtentheils Kruͤpel, die Basreliefs aber leidlich. Der mittlere Theil des Hauptgebaͤudes ist ein Stockwerk hoͤher, als das uͤbrige, und enthaͤlt einen Billardsaal; an den beyden Enden des Hauptgebaͤudes stehen zwey mit Kupfer bekleidete Thuͤrme. Zwey große geraͤumige Hoͤfe, mit Gebaͤuden ein- geschlossen, und ein ansehnliches Portal mit Basreliefs und Statuen geziert, dienen zum Eingange. Die innerliche Einrichtung und Meublirung ist dem Aeußerlichen angemessen, groß und kostbar, in dem vor 50 Jahren herrschenden Geschmack; alle Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. alle Decken mit Malereyen, Stukarbeit und Vergoldungen uͤberladen, und die Waͤnde mit reichen Tapeten bekleidet. Die an den Garten stoßende Seite des Schlosses hat offene mit jonischen Saͤulen und Arcaden gezierte Gaͤnge mit leidlichen Fresco- gemaͤlden, und ist ebenfalls mit Statuen, Buͤsten, Basreliefs und reichem Sims- werk verziert; selbst stark à la grec, welches am Anfang der jetzigen Regierung so stark wieder in allem zur Mode geworden war, daß es fast in den Geschmack der Schnirkeleyen und Bambosagen verfiel, nun aber schon fast wieder vergessen ist. Unter den Statuen da herum sind einige von Bronze von gutem Stil. Zwey auch daselbst angebrachte runde Bilder von musivischer Arbeit, und die unter dem Saͤulen- gange stehende Statue zu Pferde des Koͤnigs Johann Sobieski mit besiegten Tuͤr- ken, sind schoͤn. Der Garten hat drey Abtheilungen. Die dem Schlosse am naͤchsten be- stehet aus Blumenbeeten mit Orangerie, Statuen und Vasen von Bronze besetzt, groͤßtentheils mittelmaͤßigen bleyernen Abguͤssen von Antiken, und ist von bedeckten dicht verwachsenen Gaͤngen eingefaßt. Aus dieser steigt man eine steinerne Doppel- treppe hinunter in ein zweytes Parterre, mit Roenstuͤcken und allerhand Gewaͤchsen besetzt; an dieses stoßen auf beyden Seiten schattigte Gaͤnge und Hecken. Unter der Treppe ist ein Saͤlchen angebracht. Ein breiter Arm der Weichsel begraͤnzt den Garten von dieser Seite, an dessen Ufern eine aus verschiedenen Gaͤngen beste- hende Abtheilung von außerordentlich hohen Pappeln Ehrfurcht erregt; einige Staͤmme derselben haben bey dreyzehn Ellen im Umkreis. Das jenseitige Ufer des Weichsel- arms bestehet in einer schoͤnen Wiese, die sich in einer großen Entfernung mit einem im Gehoͤlze liegenden Vorwerk endet, welches auf die Hauptoͤffnung der Heckenpartie und das Mittel des Schlosses trifft. Aus diesem Untertheile des Gartens, der oft bey großen Ergießungen des Stroms unter Wasser steht, kann man in die durch eine Brustmauer abgesonderten neu angelegten wilden Spaziergaͤnge kommen, die aber noch in ihrer Kindheit sind; unterdessen ist doch alles benutzt, was die Lage des Orts vortheilhaftes dargeboten hat. Von hier kann man seinen Ruͤckweg nach der Stadt entweder durch die Allee nehmen, die nach obgedachtem Dorfe Sluszewo fuͤhrt, oder durch die neue Allee, die bis zum koͤnigl. Thiergarten angelegt worden, auch die Allee waͤhlen, welche durch das Dorf Czerniakow ans Ufer der Weichsel und dann uͤber die Solec zu- ruͤckfuͤhrt. Letztere ist zwar die sandigste, hat aber das Angenehme, daß man in einer gewissen Entfernung alle bisher besuchte Anlagen nochmals aus einem ganz andern Gesichtspunkte uͤbersieht. V Band. Q q 3. Wenn Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, 3. Wenn irgend eine Gegend um Warschau zu einem englischen Park umge- schaffen werden sollte, so schickt sich meines Erachtens keine besser dazu, als die der Stadt gegen Mitternacht liegt. Der schoͤne drey Viertelstunden von ihr gelegene Bielaner Wald, die ohnweit davon liegende Chur- Saͤchs. Besitzung von Ma- riemont , das eine halbe Stunde davon entfernte Mlodzin mit seinem Thiergarten, die Gegend von Wawriszew , und das von solchem gegen die Stadt zu liegende Powonsk , wuͤrde gewiß alles gewaͤhren, was man sich von einem solchen Park denken kann; und um diese Gegenden genauer bekannt zu machen, werde ich von jedem Theile derselben sagen, was hieher gehoͤrt. Der Bielaner Wald liegt dicht an der Weichsel , und erhebt sich von ihren Ufern bis auf eine ansehnliche Hoͤhe, von welcher er auch einen ziemlichen Strich einnimmt. Sein niederer Theil bestehet aus viele Menschenalter uͤbersteigenden Eichen und Ruͤstern, der obere Theil aber ist mit Nadelholz vermischt. Durchhin schlaͤngelt sich ein Bach, der darinn etliche Muͤhlen treibt. Mitten innen steht ein massives Kamedullenkloster, wo alle Jahre am zweyten Pfingstfeyertage Ablaß gegeben wird. Dieser und die schoͤne Jahreszeit ziehen den groͤßten Theil der Warschauer Einwohner und schoͤnen Welt hierher, und machen fuͤr solche eines der herrlichsten Feste. An diesem einzigen Tage im Jahre stehet dem schoͤnen Geschlechte das Klo- ster offen, dessen geheiligte Schwellen sie sonst nie betreten duͤrfen. Der vor dem Kloster liegende große Platz und ein Theil des Waldes wimmelt an diesem Tage von Zelten und Geschoͤpfen, die jedes nach seiner Art Vergnuͤgen suchen und finden; man bemerkt hier einen wunderlichen Contrast von Froͤmmigkeit und Ausschweifung, von Suͤnden vergeben und Suͤnden begehen. Der Koͤnig und die vornehmsten Herr- schaften finden sich auch daselbst ein, und fahren wenigstens durch diese bunten Rei- hen. Zu Anfang der jetzigen Regierung wurde hier an diesem Tage ein glaͤnzendes Fest fuͤr das Volk und den Adel vom Koͤnig veranstaltet, das in seiner Art vortreff- lich war, und wegen der dabey angebrachten Cocagna und Volksspiele einem wahren Bachanal, bis auf den Ablaß, glich. Die genaue Beschreibung von diesem großen und herrlichen damaligen Feste lie- set man in den bis Ende 1772 von dem Hrn. Senator zu Thorn, D. von Geret, von 1760 an herausgegebenen Thornischen Anzeigen, welche immer ein classisches Werk fuͤr die Geschichte von Pohlen von jener Zeit bleiben werden. Dieser Tag macht auch fuͤr die von der Welt getrennten frommen Moͤnche ein artiges Einkommen, da sie sich alle Plaͤtze, wo etwas verkauft wird, theuer bezahlen lassen, und einen Gastwirth halten, der Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. der am aͤußeren Theile des Klosters seine Bequemlichkeiten hat, die mit dem Inner- lichen keine Gemeinschaft haben sollen. Die Aussicht von der Hoͤhe gegen die dicht dabey fließende Weichsel ist vortrefflich, nur verursacht die so nahe Nachbarschaft dieses Flusses viel Schaden an dem untern Theile des Gehoͤlzes, wo alle Jahre wegen Verabsaͤumung der noͤthigen Daͤmme große Strecken unterwaschen und mit fortge- rissen werden, und die hohen mit schoͤnen Baͤumen besetzten Ufer in die Tiefe hinab- stuͤrzen, welches durch einen schicklich angebrachten Einbau, der nicht so viel kosten koͤnnte, als der Verlust von Holze und Boden betraͤgt, leicht zu hindern waͤre; allein die frommen Vaͤter, denen man schon seit einigen Jahren von Aufhebung und Ver- setzung ihres Klosters vorgeredet haben soll, scheinen sich wenig darum zu bekuͤmmern, da ihr Kloster selbst dabey noch zur Zeit nicht Gefahr laͤuft. Ein angenehmer, durch den Wald hin gehender Weg, fuͤhret in das eine halbe Stunde davon gelegene, dem Generalfeldzeugmeister Grafen von Bruͤhl gehoͤrige Dorf Mlodzin , wo sein verstorbener Vater zur Zeit der vorigen Regierung ein weit- laͤuftiges Fasangehege unterhielt, in welchem aber jetzt nur einiges Tannenwildpret aufbehalten wird. Das Gehoͤlze, welches vom Bielaner Walde ganz abgesondert liegt, ist sehr angenehm mit einigen Gebaͤuden versehen, und hat besonders schoͤne Alleen von gepflanztem Nadelholze, welche zwischen den Birken und Pappeln, aus welchen das uͤbrige Holz groͤßtentheils bestehet, hervorstechen; es ist auch eine Quelle guten Wassers hier. Dieses Gehege haͤngt durch eine Allee mit einem artigen Land- hause zusammen, bey welchem ein schoͤner Fruchtgarten und eine wilde Partie ange- legt worden, die sich bis an das niedrige Ufer der Weichsel zieht, und worinn vor zwoͤlf Jahren die ersten italiaͤnischen Pappeln in hiesigen Gegenden ge- pflanzt wurden, welche die bey uns laͤngst bekannten, und unter andern selbst in Warschau im kleinen Garten des Stiftes Marieville befindlichen wallachischen in schnellem Wuchs und dichtem Laube uͤbertreffen und eben so pyramidalisch wachsen. Hier endigt sich die so oft beruͤhrte Hoͤhe gegen die Weichsel und verliert sich nach und nach in Sandhuͤgeln. Die schoͤne Aussicht aus dem hiesigen Wirthshause macht es den Leuten aus der Stadt zu einem angenehmen Aufenthalte. Der jetzige Besitzer hatte auf einer dem Garten gegenuͤber, mitten in der Weichsel gelegenen, großen mit Baͤumen bewachsenen Insel, vor einigen Jahren eine Anlage veranstal- tet, die in einer artigen wilden Promenade, von allerhand laͤndlichen Gegenstaͤnden unterbrochen, und einer alten den Einsturz drohenden Fischerhuͤtte bestand, deren Inneres ein schoͤnes Bad und einige Wohnzimmer hatte, wovon jedes in einem an- dern Geschmack ausgeputzt war. Allein eine Ueberschwemmung zerstoͤrte das Ge- baͤude, so daß diese Insel wieder in ihren vorigen wuͤsten Zustand verfiel. Man Q q 2 kann Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, kann von hier seinen Ruͤckweg nach der Stadt uͤber Wawriszew nehmen, welches eine halbe Stunde von Mlodzin liegt, und ein den Warschauer Nonnen vom heil. Sacrament gehoriges Kirchdorf ist, das der vor einigen Jahren in Frankreich ver- storbene Fuͤrst Primas Podoski auf Lebenszeit gegen einen gewissen Zins besaß, und sich daselbst auf einer in einem Teiche liegenden Insel ein kleines Landhaus bauen ließ und einen Garten anlegte. Zugleich wurde ein großes Stuͤck mit Strauch ver- wachsenes Land mit einem lebendigen Zaune umgeben und zu wilden Spaziergaͤngen eingehegt, die auch damals zu einem huͤbschen Gehoͤlze angewachsen waren. Nach seinem Tode kam es wieder an diese Nonnen, die es jetzt an Personen vermiethen, die sich den Sommer auf dem Lande aufhalten wollen. Waͤre der Entwurf des ver- storbenen Fuͤrsten Primas nicht durch die damals eingefallenen Unruhen und dessen Aufenthalt außer Landes unterbrochen worden; so wuͤrde anjetzt dieser Ort, der be- sonders schoͤnes Wasser hat, eine Stelle unter den artigsten hiesigen Landsitzen verdienen. Von hier naͤhert man sich der Stadt wieder um eine Viertelstunde, und kommt nach Powonsk , einem der Gemahlinn des jetzigen kaiserl. koͤnigl. Generalfeldzeug- meisters und auch noch polnischen Generals von Podolien , Fuͤrsten Adam Czar- toryski , welcher der einzige Sohn des vorbelobten Fuͤrsten Czartoryski , Woywo- den von Rußland , ist, gehoͤrigen Dorfe. Dieser Ort war noch zu Anfang der jetzigen Regierung ein elendes, bey einem sumpfigten Erlengebuͤsche gelegenes, Dorf, in welchem kaum ein trockner Huͤgel anzutreffen war, wo man einen Vogelheerd errichtet hatte. Die hier entspringenden reichhaltigen Quellen wurden durch den Damm einer Muͤhle aufgehalten, traten auf beyden Seiten in die Niedrigungen und verur- sachten Bruͤche. Die jetzige Besitzerinn fand diese Gegend ihren Absichten gemaͤß, uͤberwand durch verwendete Kosten und vieljaͤhrige Bemuͤhung alle Hindernisse; und so verwandelten sich Tiefen in Huͤgel und Berge, und aus Suͤmpfen wurden schoͤne Teiche und gruͤne Teppiche. Kein interessanter Baum und Strauch blieb unbenutzt, jede alte abgestorbene Weide oder Pappel gab der Kennerinn Stoff zu Verwandlun- gen; kurz, sie nutzte die Natur, und verdarb nichts von ihren sich darreichenden Producten durch uͤbelangebrachte Kuͤnsteleyen. Eine Reise nach England hatte ihre geschmackvollen Ideen entwickeln helfen; sie kam zuruͤck und setzte sie ins Werk. Vermuthen Sie sich hier nichts von Palaͤsten und Nagelwerk, von Orangerie und Grottenwerke zu hoͤren! Nichts von allen diesen in die Stadt gehoͤrigen Dingen. Eine Gruppe artiger laͤndlicher Wohnungen von verschiedener Gestalt und Groͤße, bey jeder ein kleines huͤbsches Gaͤrtchen mit einem niedrigen Zaune umgeben, in deren Mitte sich auf einem schoͤnen gruͤnen Huͤgel eine etwas groͤßere auszeichnet, und zu welcher Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. welcher kein Weg geradezu, keine Avenuͤe, sondern krumme durch das Gebuͤsche fuͤhrende Wege bis zu einem bey einem alten Wirthshause befindlichen Stege, uͤber den sich um das Ganze fortkruͤmmenden Kanal fuͤhren — machen von dieser Seite den ganzen Zugang. Hier wohnt die Fuͤrstinn den Sommer hindurch, von ihrer Familie und ihrem Hofstaat umgeben, und genießet die suͤßesten Freuden des Lebens, die Ruhe, die ihr das Getoͤse der Stadt nicht gewaͤhrt. Durch die Verlegung der Muͤhle an einen andern Ort ist das Gehoͤlze trockner, und durch Vergroͤßerung und Vertiefung der Wasserstuͤcke das zu niedrige Land erhoͤhet, und ihm durch Kanaͤle mehr Abzug gegeben worden. Den Quellen hat man Luft gemacht, und dadurch mehr Wasser gewonnen, und, wo es ja noch zu feuchte Stellen giebt, sind doch die hindurch fuͤhrenden Wege erhoͤht und trocken. Das etwas groͤßere Haus, worinn die Fuͤrstinn wohnt, hat innerlich alle noͤthige Bequemlichkeiten, und ist ohne Pracht, aber in gutem Geschmack eingerichtet. Viele Gemaͤlde von guten Meistern machen die Hauptzierde, und ein Bad, dessen Waͤnde mit meißnischem Porzellan ausge- taͤfelt sind, das Kostbarste aus. Die uͤbrigen Huͤtten sind in eben dem Geschmack, mehr oder weniger niedlich, nach Verhaͤltniß ihrer Bewohner. Von diesem Huͤgel gehet man sanft bergab gegen eine Gruppe von alten Fichten, welche die Ueber- bleibsel eines halb mit Erde verschuͤtteten und verwachsenen roͤmischen Triumphbogens beschatten, welches gute Verhaͤltnisse hat. Von hier uͤbersiehet man einen schoͤnen gruͤnen Teppich, der von einer Seite mit Baͤumen eingefaßt ist und zum Hinter- grunde ein Wasserstuͤck hat, an dessen Ufern sich die Ruinen eines roͤmischen Am- phitheaters zeigen, in welchem die Stallungen angebracht sind; auch diese sind hier und da von hohen Baͤumen versteckt und mit Straͤuchern verwachsen. Etwas seit- waͤrts steht auf einer Hoͤhe zwischen einem Gebuͤsche eine artige Huͤtte, von welcher der Weg am gruͤnenden Ufer des Wassers fortfuͤhrt. Hier wird man ein uͤber dem Wasser gelegenes gothisches Gebaͤude mit einem runden Thurme gewahr, welches zu einer Meyerey eingerichtet ist, und worinn ein Schweizer wohnt, der die Vieh- zucht besorgt. Die zwischen dem Wasser und diesem Gebaͤude liegende Wiese und Fruchtgarten dient dem Viehe zur Huthung und macht ein belebtes Bild. Eine schwimmende Bruͤcke uͤber das breite Wasserstuͤck dient hier zum Zusammenhange beyder Ufer; das Wasser ist mit Schwaͤnen und allerhand auslaͤndischen Wasservoͤ- geln belebt. Verfolgt man seinen Weg am Ufer, so kommt man endlich wieder ins Dickigt, in welchem verschiedene artige laͤndliche Cabinette von Baumrinden und mit Moos bewachsenen Aesten anzutreffen sind, und so fuͤhret der Weg gegen eine alte verfallene Muͤhle , uͤber deren eingestuͤrzte Schleuße, zwischen welcher sich verschiedenes Treibholz versetzt hat, ein artiger malerischer Wasserfall herabstuͤrzt. Q q 3 Das Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Das Innerliche der Muͤhle, zu welcher man durch einen Steg und eine alte Frey- treppe kommt, bestehet in einem artigen Zimmer. Ohnweit davon in einem Gehoͤlze findet man Ruinen eines alten auf einem Berge liegenden Schlosses und einer gewoͤlbten eingestuͤrzten Bruͤcke, welche von dem Berge zu einem andern fuͤhrt, auf dem noch ein alter Thurm stehet. Neben diesen Ruinen sind etliche Huͤtten angebauet, und das Ganze macht eine angenehme Theaterscene vor einem gegenuͤber liegenden freyen Rasenplatz mit Erhoͤhungen fuͤr die Zuschauer. Den Beschluß macht endlich eine am Ufer des Kanals gelegene Eremi- tage, von welcher der darinnen wohnende Cremit die Stelle eines Aufsehers vertritt. Ein Theil des Waldes ist zu einer Menagerie fuͤr allerhand fremdes Federvieh einge- richtet, und ein anderer zum Vergnuͤgen des Publicums mit einem guten Wirths- hause versehen, wobey eine Strecke todten Sandes durch Anpflanzung eines Wei- dengehoͤlzes urbar gemacht worden. Es wird alle Jahre mit Anpflanzungen dieser sonst kahlen Gegenden fortgefahren, wie denn vor kurzem eine große Maulbeerplan- tage daselbst angelegt worden. Der uͤbrige Theil der zu Powonsk gehoͤrigen Gruͤnde gegen Wawriszew zu, ist an verschiedene Personen von ihrem Hofe ver- theilt worden, welche sich artige Haͤuser, Wirthschaftsgebaͤude und Gaͤrten daselbst angelegt haben; dieser Bezirk ist nach der Fuͤrstinn Namen Isabellenstadt genennet worden. Der Weg nach der Stadt, welche von hier eine kleine halbe Stunde entfernt ist, gehet durch eine Allee, worinn der Hr. Doctor John , Leibarzt der Fuͤrstinn Czartoryska , verwittweten Großkanzlerinn von Litthauen , ein sehr artiges Gar- tenhaus erbauet hat, das um so viel mehr hervorsticht, da es in dieser Gegend das einzige regelmaͤßige Gebaͤude ist; dabey ist auch ein großer Fruchtgarten angelegt. Alle diese bisher beruͤhrte Gegenden liegen in einem Bezirk von zwey Meilen, und zwischen dem Bielaner Walde und Powonsk ; mitten innen liegt die churfuͤrstl. saͤchsische Besitzung Mariemont genannt, welche aus einem vortrefflichen Eichen- walde, mit abwechselnden Hoͤhen und Tiefen, Wiesen und Aeckern, besteht, der bey der vorigen Regierung mit einer hohen Bretwand eingeschlossen war und zur Wolfs- jagd diente. An dem einen Ende des Waldes, auf einer Anhoͤhe, steht ein vier- eckigtes Jagdhaus mit einem großen Saale und einigen Zimmern; ohnweit davon ein paar kleinere Gebaͤude fuͤr die Aufseher. Sonst war dieser angenehme Ort der am meisten besuchte Spaziergang der Warschauer Einwohner hohen und niedern Standes; seitdem aber vor etlichen Jahren der vorige Hofmarschall Herr von Rzewuski denselben auf Lebenszeit vom saͤchsischen Hofe gepachtet, ist er vor jedem verschlossen, der nicht besondere Er- laubniß Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. laubniß von ihm erhaͤlt. Dieser Herr hat ansehnliche Summen verwendet, um diesen Bezirk im Geschmack der englischen Parks zu verschoͤnern; anstatt der vori- gen Vermachung, welche die Aussicht hinderte, ist um den weitlaͤustigen Umfang ein breiter Graben mit einer niedrigen Hecke gezogen worden. Das Gehoͤlze ist, wo es noͤthig war, gelichtet, rein und uͤberall wegbar gemacht; auch sind einige kuͤnstliche Wiesen angelegt worden. Ein an das Gehoͤlze stoßender Fruchtgarten, der sonst davon durch eine Vermachung abgesondert war, ist dazu gezogen, und ein kleines zu ihm gehoͤriges altes Gebaͤude, verneuert und mit großen Kosten fuͤr ihn wohnbar gemacht; auch sind verschiedene Kuͤchen und Stallgebaͤude erbauet worden. Schon hatte der ehemals am hiesigen Hofe und nun am schwedischen Hofe befind- liche englische Gesandte, Wroughton , der bloß diesen Garten mit der Wohnung vom saͤchsischen Hofe eingeraͤumet erhalten hatte, das Innere derselben bequemer und niedlicher eingerichtet, auch einige Terrassen zur Aussicht auf die Landstraße auf- fuͤhren lassen. Die außerhalb des Gehoͤlzes gelegenen sandigen Gegenden gegen Bielane zu, sind mit fettem Leimen uͤberschuͤttet, Gras darauf gesaͤet, und hie und da mit Gruppen von Baͤumen bepflanzt worden. Den schoͤnen in einem Thale des Gehoͤlzes entspringenden Quellen, die sonst meist darinn versiegten, ist ein Abzug verschafft worden, der sie in ein hierzu ausgegrabenes großes Wasserstuͤck fuͤhrt. Dem Powonsker Wasser, das seinen Weg nach der Weichsel durch hiesige Ge- genden nimmt, und zwey Muͤhlen treibt, wollte man durch Abschaffung einer der- selben hier unter einer Gruppe hoher Linden einen Wasserfall geben. Auf der gegen die Stadt liegenden Seite ist eine große Pflanzung von Platanen angelegt, und kurz, alle bisher unbenutzte und oͤde Plaͤtze sind verschoͤnert worden. Und es wuͤrden end- lich auch die vielen in diesem Bezirk befindlichen interessanten Orte, mit allerhand hierher sich schickenden Gegenstaͤnden verschoͤnert, und das hoͤchst baufaͤllige Haupt- gebaͤude selbst an die Reihe gekommen seyn, wenn die kuͤrzlich erfolgte Entfernung dieses Herrn von Rzewuski vom Hofe nicht dazwischen gekommen waͤre. Es wird zwar alles noch gut unterhalten, aber nichts neues mehr veranstaltet. Nun wird man leicht urtheilen, ob aus dieser Gegend nicht ein herrlicher eng- lischer Park zu machen waͤre, wenn allen diesen jetzt abgesonderten Stuͤcken ein ge- wisser Zusammenhang gegeben, auf viele bisher unbenutzte Plaͤtze Ruͤcksicht genom- men, und ein schoͤnes Hauptgebaͤude, entweder in der Gegend von Mariemont oder zwischen ihr und Powonsk , auf eine anjetzt leer stehende Hoͤhe, aufgefuͤhrt wuͤrde, wo es von der Stadt herrlich in die Augen fallen, und die ganze Gegend zieren wuͤrde. Es ließe sich freylich noch vieles, was jetzt hier mangelt, denken; allein wo findet man Gegenden, die nichts zu wuͤnschen uͤbrig lassen. Wenn Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Wenn man auf der Abendseite aus der Vorstadt kommt, findet man eine breite Lindenallee, die bis in das drey Viertelstunden davon gelegene Dorf Wola fuͤhrt. In dieser Allee sind einige neue Anlagen von Gaͤrten, worunter besonders die dem Hrn. Kammerherrn von Unruh und dem Hrn. Kaufmann Schultz gehoͤrigen etwas Gutes fuͤr die Zukunft versprechen. In Wola selbst ist von der verstorbenen Graͤ- finn von Bruͤhl , Gemahlinn des seligen Premierministers bey August dem III, vor etlichen zwanzig Jahren ein Garten im damaligen franzoͤsischen Geschmack an- gelegt worden, der ein ziemlich großes hoͤlzernes Landhaus und allerhand Nebenge- baͤude hat. Vor einigen Jahren kam er in die Haͤnde des Krongroßschatzmeisters Fuͤrsten Poninski , der allerhand kleine artige Gebaͤude in den verschiedenen Hecken- partien erbauen ließ. Demohngeachtet wird dieser Ort wenig besucht, so viel Muͤhe man sich auch gegeben, ihn in Ruf zu bringen. Ist es die allzugroße Einfoͤrmig- keit desselben, oder der Mangel an Wasser und schoͤnen Aussichten, oder finden die hiesigen Einwohner mehr Vergnuͤgen, sich in weniger gekuͤnstelten Gegenden zu ver- weilen? Fast glaube ich das letztere; denn in dem eine halbe Stunde von hier ge- gen Powonsk zu gelegenen kleinen Lustwaͤldchen beym Dorfe Gorce oder Gurce , welches dem Publicum einige Jahre offen gestanden, fand sich eine Menge Spa- zierender ein. Auch hier ließ der Fuͤrst Poninski , welcher es von den hiesigen Dominicanermoͤnchen sich zuzuwenden wußte, einige artige Partien anlegen, worunter sich besonders ein hoher kuͤnstlicher Felsen ausnimmt, der auf einer Insel steht, zu der man durch eine artige Bruͤcke kommt. Unten hat er verschiedene Behaͤltnisse, und auf der Hoͤhe ein chinesisches Lusthaus mit einem kleinen Saal, zu welchem man auf einer bequemen sich zwischen den Felsen fortwindenden Treppe gelangt. Auf einer andern Seite des Holzes trifft man auf einem Heuschober, in welchem auch ein bequemes von oben erleuchtetes Zimmer befindlich ist. Das Uebrige des Waͤldchens ist mit krummen Gaͤngen durchschnitten, und auf einigen freyen Plaͤtzen sind Spiele angebracht. Ein Wirthshaus und ein runder Tanzsaal stehen beym Eingange, und auf der andern Seite des Holzes ein kleines Herrenhaus mit einem vom Gehoͤlze abgesonderten Fruchtgarten. Nur ist dieser Ort zu eingeschraͤnkt und hat kein lebendiges Wasser. Bey der jetzigen neueren Besitzerinn, der verwittweten Woywodinn von Smolensk , Fuͤrstinn Sapieha , ist es auch wieder verschlossen. Von diesem Ort fuͤhrt eine besondere Allee wieder bis in die Vorstadt, von welcher es etwas weiter entfernt ist, als Wola . Auf dieser Seite haben wir weiter nichts von Lustgaͤrten und Spaziergaͤngen in der Naͤhe. Es bleibt mir also nur noch die Morgenseite zu beschreiben uͤbrig. Um Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Um von der Stadt dahin zu gelangen, muß man die uͤber die Weichsel geschla- gene zwoͤlfhundert Ellen lange Schiffbruͤcke passiren, und kommt in das am jenseitigen Ufer gelegene Staͤdtchen Prag , dessen umliegende Gegenden sehr sandig sind; doch waͤre das nur tausend Schritte von solchen entfernte Waͤldchen durch irgend eine An- lage von Wirthshause oder andern Gebaͤuden angenehm zu machen. Es ist zwar ein Theil desselben zu einem Thiergarten umzaͤunt, und mit einer Jaͤgerwohnung und Wirthshause versehen worden, in welchem einige Kamele und vieles Dannwildpret gehegt wurde; man hatte aber hierzu einen gar zu sandigen Theil des Gehoͤlzes genom- men, wo das Vieh nicht Aetzung genug fand, und ist daher vieles eingegangen, der Ueberrest aber nach dem Ujasdower Thiergarten geschafft worden. Auf dem durch dieses Gehoͤlze fuͤhrenden Wege kommt man in das gleich hinter ihm liegende Targuwka , ein dem Koͤnig gehoͤriges Gut, mit einem ziemlich großen Fruchtgarten und einigen Hecken bey einem kleinen Wirthshause, wo sich auch bis- weilen Spaziergaͤnger einfinden. Wenn ein solches Gebaͤude in dem mit schoͤnem Laubholz bewachsenen Theile des Waldes angelegt, dieser nur einigermaaßen zu Spaziergaͤngen eingerichtet, und die schoͤnen Aussichten des als ein Amphitheater vor Augen liegenden Warschau benutzt wuͤrden; so haͤtten wir auch auf dieser Seite einen angenehmen Lustort mehr. In einem so weitlaͤuftigen Lande, als Pohlen ist, liegen hie und da noch manche merkwuͤrdige Landsitze zerstreut. Auf den Guͤtern so vieler reichen und großen Herrschaften, besonders solcher, die fremde Laͤnder und England besucht haben, und die in schoͤnern und mehr abwechselnden Gegenden wohnen, als nahe bey War- schau sind, kann man auch allerdings verschiedene Arten von Anlagen und Verschoͤ- nerungen im neuern Geschmack erwarten, wovon vielleicht kuͤnftig mehr Nachrichten bekannt gemacht werden koͤnnen. Sie werden sodann einem kuͤnftigen Jahrgange meines Gartenkalenders vorbehalten. V Band. R r X. Un- Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, X. Ungarn . S owohl von den Schloͤssern und Landhaͤusern, als auch von dem pomphasten und kostbaren, aber steifen Geschmack, der noch in den Gaͤrten dieses Landes herrscht, kann man in einer kuͤrzlich gedruckten Reisebeschreibung S. Hrn. Joh. Bernoulli’s Samm- lung kurzer Reisebeschreibungen. 10ter B. S. 181 — 226. Berlin, 1783. sehr umstaͤndliche Nachrichten finden. Man sieht, wie viel Summen auf Palaͤste, auf Pavillons, auf Grotten, auf Orangerien und Gewaͤchshaͤuser, wie viel in allen diesen auf Pracht, und wie wenig auf Geschmack verwendet worden. Dieß war uͤberhaupt die allge- meine Landstraße, worauf die reichen und maͤchtigen Gartenbesitzer sich zu begegnen pflegten, und einer dem andern zuvor zu eilen suchte. Von dem Schlosse Esterhasi , das durch seine Weitlaͤuftigkeit und Pracht, und durch die Kostbarkeit seiner Auszierungen einen so ausgebreiteten Ruhm erlangt hat, giebt eben dieser Reisende S. 9ten B. S. 250 — 288. eine ausfuͤhrliche Beschreibung. Das Schloß sowohl als der Garten sind seltene Deukmaͤler von dem großen Reichthum und der Prachtliebe in dem Hause eines Fuͤrsten, Der Fuͤrst Ricolaus Esterhasi, kai- serlicher Generalfeldmarschall, Ritter vom goldnen Vlies und andrer hohen Orden. der diese Vorzuͤge noch durch seine Leutseligkeit und Gastfreyheit uͤbertreffen laͤßt. Esterhasi ist oft der Ort der herrlich- sten Fuͤrstenfeste gewesen; auch die Gartenmuse koͤnnte hier noch manche Feste der Natur einfuͤhren. XI. Preußen . N ach den neuesten Nachrichten scheint hier ebenfalls der Geschmack an Gaͤrten und Landhaͤusern noch wenig Verbesserung erhalten zu haben. Ein neuer sehr ge- nauer Schriftsteller Bocks Versuch einer wirthschaft- lichen Naturgeschichte von dem Koͤnig- reiche Ost- und Westpreußen. 1ter B. 8. 1782. ruͤhmt einen Landpalast, der so viele Fenster hat, als Tage im Jahre sind; er ruͤhmt erhabene Heckenwaͤnde, Schneckenberge, regelmaͤßige Blu- menstuͤcke, Teiche, kuͤnstliche Grotten und Springbrunnen und Anlagen in der Ebene. XII. Deutsch- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. XII. Deutschlaͤnd . 1. I n den Provinzen von Niedersachsen zeigen die neuen Gartenanlagen in Hollstein schon eine sehr merkwuͤrdige Verbesserung des Geschmacks. Die wichtigsten sind bereits in diesem Werk ausfuͤhrlich beschrieben, 1ter B. S. 75 — 81. 2ter B. S. 137 bis 156. 4ter B. S. 206 — 223. und verschiedene juͤngere naͤhern sich allmaͤhlich ihrer Ausfuͤhrung. Wenn der gute Geschmack und die Liebe zu schoͤnen Gaͤrten sich hier einst mehr erheben sollte, so wuͤrde nicht leicht eine andre Gegend von Deutschland den Vorzug der hollsteinischen uͤbertreffen. Der weite Umfang und die Fruchtbarkeit der Landguͤter, der Reichthum ihrer Besitzer, die Schoͤnheit der Waͤlder und Wiesen, die Abwechselung der Seen, der Teiche, der Huͤgel und betraͤchtlichen Weiden, alles dieß bietet sich zu den trefflichsten großen Anlagen und einzelnen Verschoͤnerungen an. Nach so manchen Reisen, die ich in und außer Deutschland gemacht, muß ich doch gestehen, daß die hollsteinischen Gegenden in manchem Betracht den Ruhm einer vorzuͤglichen Schoͤnheit behaupten. Der ge- woͤhnliche Weg, den Reisende von Hamburg aus in dieses Herzogthum uͤber Bramstaͤdt und Neumuͤnster zu nehmen pflegen, stimmt gar nicht der Erwartung zu, die sie sich von der Fruchtbarkeit und Anmuth dieses Landes machen duͤrfen. Fast uͤberall wird auf dieser Seite das Auge von duͤrren Heiden, von sumpfigten Moor- feldern, und von der unbegraͤnzten Flachheit der Gegenden ermuͤdet. Nur erst zu Bordesholm , zwey Meilen vor Kiel , beginnt die Landschaft sich in der Anmuth zu zeigen, die man in Hollstein zu sehen gewohnt ist. Fruchtbare Felder wechseln mit Waͤldern, mit Weiden und hellen Seen ab, worinn sich die kleinen Huͤgel und die Gebuͤsche spiegeln, die uͤberall die Flaͤchen unterbrechen. Der angenehmste Ein- tritt in Hollstein geschieht durch die reizenden Landschaften von Ploͤn und Eutin , und auf diesem Wege trifft man gleich einige der schoͤnsten Plaͤtze, als Aschberg und Sielbeck , an. Im Mecklenburgischen ist das neue Schloß des Herzogs von Schwerin zu Ludwigslust mit den benachbarten Anlagen am meisten beruͤhmt. Man hat davon 12 Vorstellungen in Kupfer unter dem Titel: Vues du Chateau et du Jardin de Ludwigslust etc. von 1782. Das Schloß gehoͤrt, einige Fehler abgerechnet, unstreitig zu den edelsten neuen Gebaͤuden dieser R r 2 Art Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Art in Deutschland . Die Gartenanlagen umher kuͤndigen mit ihren Verzierungen Kunst und Aufwand an, aber zugleich noch die Anhaͤnglichkeit an die steife Manier der vorigen Zeit. Wie mannichfaltig haͤtte nicht das mit so vielen Kosten herbeygeleitete Wasser in einem angenehmen, mit Gaͤngen und Aussichten durchschnittenen, und mit vielem Wild angefuͤllten Gehoͤlze, genutzt werden koͤnnen, anstatt daß es nun in einem langen, geraden, einfoͤrmigen Kanal ermuͤdet, und nur mit kuͤnstlichen Kasca- den und Wasserspruͤngen abwechselt, an deren Seiten sich festungsmaͤßige Waͤlle erheben! — An eben diesem Ort hat der Prinz Franz , Nachfolger in der Regie- rung, bey seiner Wohnung einen schoͤnen Garten im verbesserten Geschmack angelegt. Inzwischen verdienen die Gegenden um Schwerin mit dem herrlichen See und den umkraͤnzenden Waͤldern den Vorzug zu neuen veredelten Anlagen. 2. Im Braunschweigischen fragt man nach Vechelde , wie man vormals nach Chantilly fragte, als hier der große Conde’ auf seinem Lustschlosse, gegen den Abend seines Lebens, von seinen Siegen ruhete. Der Prinz schien hier den unfterb- lichen Ruhm seiner Thaten, wie einen vergangenen Tag, zu vergessen; er lebte nur noch den sanften Tugenden des Friedens, und der Ehre der Wissenschaften; er ließ oft Gelehrte zu sich kommen, schrieb an sie, und beurtheilte ihre Werke eben so rich- tig, als er Plan, Anordnung und Erfolg in Laͤgern und Schlachten zu beurtheilen gewohnt war. Wie Conde’ ruhete, so ruhet Ferdinand , aber thaͤtiger noch fuͤr die Menschheit und die Wissenschaften, und gluͤcklicher, indem er die unverwelklichen Lorbeern, welche die ehrwuͤrdige Stirne des Helden uͤberschatten wollten, ganz in die bescheidne Laube des Privatmanns verflochten hat. Es ist ein sicherer Beweis von der Menschenfreundschaft eines großen Helden und von der Milde seiner Seele, wenn er nach seinen Siegen die stille Einfalt der Natur wieder liebt, die Wiesen und Aecker um sich her zu seinem Vergnuͤgen bluͤhen laͤßt, und es sich zum frohen Ge- schaͤfte macht, seinem Garten neue Fruchtbaͤume zu erziehen. Vechelde zeigt eine ruhige Laͤndlichkeit und eine erhabene Genuͤgsamkeit, die allen leeren Prunk verwirft. Ein Dorf, ein Fischteich, Wiesen, Korngefilde, Wald, diese bloß laͤndlichen Ge- genstaͤnde, machen die Graͤnze und die Aussichten des Gartens. Die oͤkonomische Einrichtung dieses Landsitzes hat alle Beduͤrfnisse und alle Ergoͤtzungen des Landlebens in ihrem Plan umfaßt, und sie alle befriedigt. Und neue Pflanzungen von Baͤu- men und Straͤuchern voll Bluͤthen und Duͤfte, bald aus Italien , bald aus Nord- amerika , bald aus andern entgegengesetzten Himmelsstrichen, unterhalten, mit dem Geraͤusch eines kleinen Flusses, das Vergnuͤgen des feinen Gartenkenners. Nahe Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Nahe vor Braunschweig hat die regierende Frau Herzoginn ein Sommer- schloß in einem uͤberaus edlen und reizenden Geschmack auffuͤhren lassen, das gewiß zu den schoͤnsten Gebaͤuden dieser Art gehoͤrt. Es ist nach der Angabe des Herrn Hofbaumeister Fleischers gebaut. Es steht auf einer kleinen Anhoͤhe mit einem Abhange gegen Westen, und ist mehr zu einem kurzen Aufenthalt, als zur Be- wohnung eingerichtet; allein es hat so viel Heiterkeit und Glanz, und liegt so frey im Angesicht der schoͤnen Natur, daß man in dem mildern Fruͤhling und Herbst, oder in den Abendstunden des Sommers sich nicht leicht eine angenehmere Wohnung denken kann. Hier ist ein kleiner Grundriß, der das Eigenthuͤmliche der innern Einrichtung zeigt. Waͤre das zweyte Geschoß etwas hoͤher, oder das Dach noch mit einigen Gruppen kleiner Statuen verziert, so wuͤrde das Ansehen dieses Gebaͤudes mehr Leichtigkeit, mehr Schwung gewinnen. Die Aussicht gegen Westen ist laͤndlich und sanft. R r 3 Die Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Die Ocker windet sich in anmuthigen Kruͤmmungen durch einen großen Wiesen grund. Hier folgte der kleine Fluß gern der leitenden Hand der Kunst; er machte willig einen breitern Strom, oder vertheilte sich in mehr Wendungen, wozu die nie- brige sumpfigte Gegend behuͤlflich seyn wuͤrde; er bildete Inseln, die, so wie hie und da seine Ufer, mit Baͤumen oder niedrigem Gebuͤsch verschoͤnert wuͤrden; auch koͤnnte die Flachheit der jenseitigen Ebene durch Gruppen belebt, und zu kleinen perspectivi- schen Landschaftsstuͤcken verbessert werden. Den westlichen Abhang von dem Lust- schloß nach dem Wiesengrund hinab koͤnnte ein schoͤner Rasen kleiden, worauf die Abendsonne zu spielen sich freuen wuͤrde; und die Plaͤtze nach dem obern Eingange zu waͤren mit Haynen von edlen Staͤmmen und leichten Beschattungen zu bepflanzen. Diese Gedanken fielen mir gleich ein, als ich vor etlichen Jahren diese schoͤne, aber noch zu wenig benutzte Lage sah. Die neuen sehr anmuthigen Gaͤrten zu Luklum und Destedt bey Braun- schweig sind, sowohl der Menge und Auswahl der schoͤnsten und seltensten auslaͤndi- schen und besonders amerikanischen Baͤume, als auch des feinen Geschmacks ihrer jetzigen Besitzer wegen merkwuͤrdig. Eine Beschreibung von ihnen findet man im Gartenkalender auf 1782. S. 153 u. s. w., die hier nicht wiederholt werden darf. 3. Nach der genauen Verbindung, die der hannoͤversche Adel mit England hat, und nach den haͤufigen Reisen dahin, sollte man allerdings wohl groͤßere Fort- schritte der Kunst hier erwarten. Indessen zeichnen sich die meisten Gaͤrten im Han- noͤverschen doch durch vortreffliche Sammlungen nordamerikanischer und anderer auslaͤndischen Baͤume und Straͤucher aus. Außer den bereits beschriebenen Anla- gen, 3ter B. S. 231 — 251. 5ter B. S. 197 — 231. verdient der wangenheimische Garten bey Hannover , der zu Eldagsen , der hakische in Ohr , der muͤnchhausische zu Schwoͤbbern vorzuͤglich genannt zu werden. Das koͤnigliche Lustschloß Monbrillant ist von guter und einfacher Architectur, und es wuͤrde sich bey der Voruͤberfahrt nach Herrnhausen dem Auge vortheilhaft darstellen, wenn die vorliegende Allee etwas eroͤffnet wuͤrde. Das Gebaͤude ist auf beyden Seiten von zwey schattigten Haynen von Roßkastanien eingefaßt, die es wohl verdienten, noch verschont zu werden, als man den Garten umzuschaffen anfieng. An den Hayn zur Rechten stoͤßt ein Rasen mit Tannen unterbrochen, und dann erscheint ein großer, runder, mit Orangerie besetzter Blumengarten, der noch zu viel Symmetrie in seiner Anordnung zeigt. Die neue Anlage, die erst seit einigen Jahren ausge- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. ausgefuͤhrt ist, suchte die alte Steifigkeit zu uͤberwaͤltigen, die doch noch hin und wieder unbesiegt hervorscheint. Das Ganze besteht in einem sehr großen Rafen, der sich auf der Hinterfeite des Schlosses ausbreitet, die Mitte des Gartens einnimmt, und rings umher von der gewoͤhnlichen Pflanzung der englischen Manier, naͤmlich einzel- nen Baͤumen und Gruppen, die mit einander abwechseln, und zwischen welchen sich die Gaͤnge fortwinden, umgeben ist. Die Gruppen sind aus einheimischen und aus- laͤndischen Baͤumen und Straͤuchern, aus Stauden und niedrigen Blumenpflanzen zusammengesetzt. Ein Kanal trennt die Anlage von dem Kuͤchengarten, der mit einer Mauer umgeben ist, und daher keine Aussichten verstattet; ein Fehler, der durch die Abtragung der Mauer bis zur Haͤlfte, die alsdann doch zu bekleiden waͤre, oder durch ein anderes Mittel leicht gehoben werden koͤnnte. Den besten innern Prospect genießt man von der Bruͤcke, indem man dem Schlosse gegenuͤber steht, seine ganze Garten- seite mit dem hellen sandsteinartigen Anstrich uͤber den großen Rasen her erblickt, und an seinem Rand hinauf die Gruppen und Baͤume ein mannichfaltiges Gemisch von Gruͤn bilden sieht. Der Garten ist nach seiner Umschaffung angenehm. Allein die in vielen englischen Gaͤrten gewoͤhnliche Anordnung, die um einen in der Mitte sich ausbreitenden Rasen alle Wege sich herumwinden laͤßt, hat nicht bloß Einfoͤrmigkeit, sondern auch die Unbequemlichkeit, daß die Spaziergaͤnger immer auf einander stoßen und sich nicht ausweichen koͤnnen. Diese Unbequemlichkeit wird groͤßer bey oͤffentli- chen Spaziergaͤngen, wozu der Garten zu Monbrillant dient. Herrnhausen , das bald nach feiner Anlage so beruͤhmt ward, wird wahr- scheinlich mit der Zeit eben die Veraͤnderung erhalten, wie Monbrillant . Die Lage eroͤffnet hier verschiedene vortreffliche Aussichten. Die breiten und langen Wege zwischen den Hecken gleichen Landstraßen. Das Merkwuͤrdigste in diesem Garten ist noch immer die große Fontaine, die, wenn sie mit allen fuͤnf Raͤdern geht, bey stiller Luft 120 Fuß steigt, und wohl die hoͤchste in Deutschland ist. Ihre jaͤhrliche Un- terhaltung kostet einige tausend Thaler. Obgleich Werke dieser Art ein Zwang gegen die Natur sind, die uns das Wasser schon unter so mancherley Abaͤnderungen bald stehend, bald laufend, bald fallend zeigt, so scheinen sie doch, außer, daß sie wohl am meisten in romantische Anlagen gehoͤren, S. 2ten B. S. 125 und 126. auch die Pracht koͤniglicher Gaͤrten ver- mehren zu duͤrfen. Die Roͤhre liegt ganz nackt vor dem Auge, und sollte etwas Ver- kleidung von Felsstuͤcken haben; selbst das Bassin koͤnnte noch einige Verschoͤnerung annehmen. Die Wirkung der aufsteigenden Wassersaͤule wuͤrde praͤchtiger seyn, wenn sie ein hohes finstres Gehoͤlz zum Hintergrunde haͤtte. Man sieht schon jetzt, daß sie sich weit schoͤner zeigt, wenn das Silberwasser gegen eine dunkle Wolke spielt, als gegen die Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, die hellblaue Luft. Die majestaͤtisch sich erhebende Saͤule, ihr verduͤnntes, silbernes, zum Theil in Schaum aufgeloͤstes Wasser, die Blicke der Sonne, die darinn mit tau- send aufblinkenden und wieder verschwindenden Lichtern spielen, das Geraͤusch der immer aufsteigenden, und das Geplaͤtscher der niederstuͤrzenden Massen, der Schlagschatten, der sich an den umstehenden Baͤumen bewegt, zittert und faͤllt, alles dieß bildet hier einen reizenden Anblick. Es ist vielleicht das einzige Springwasser, das man seiner Hoͤhe wegen mit einer Wonne betrachtet, die sich dem Gefuͤhl des Erhabnen naͤhert. Man wird nicht leicht muͤde zu sehen, wie die blendende und schaͤumende Pyramide empor steigt. Sie fliegt und strebt den Wolken entgegen, stuͤrzt zuruͤck, und murmelt im Stuͤrzen, und tobt voll Unwillen, daß sie zu ohnmaͤchtig war, sie zu erreichen. Mit neuer Kuͤhnheit steigt sie wieder empor, ist dem Himmel nahe, und waͤlzt sich, und brauset gleich wieder im Abgrund. In veraͤnderter Gestalt schwebt sie wieder empor; nun hebt sie sich hoͤher; nun scheint sie die Wolke zu fassen und in ihrer Hoͤhe zu verweilen; doch seht, wie sie wieder sinkt, wie alles von oben ihr nach faͤllt, sich stuͤrzt, und draͤngt, und mit einem wilden Getoͤse jagt, daß der nasse Staub weit umher zerfliegt. Die Baͤume umher, so oft sie auch schon die Gewalt des Menschen gefuͤhlt, scheinen voll Verwunderung dieß Werk seiner Kunst anzustaunen, und die Voͤgel selbst daruͤber mitten in dem Lobgesang der Natur zu verstummen. Indessen schaͤumt die stolze Saͤule immer in ihrer Hoͤhe, blitzende Diamanten springen oben ab, fallen und verschwinden, wie der Kronenschmuck von den Haͤuptern der Monarchen. 4. Im Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. 4. Im Hildesheimschen ist der Garten des Herrn von Steinberg zu Bruͤgge merkwuͤrdig wegen der Menge der schoͤnsten und seltensten Pflanzen, besonders aber amerikanischer Baͤume. Zu Arolsen im Waldeckischen hat die verwittwete Frau Fuͤrstinn Christiana einen Garten in der verbesserten Manier mit vielem Geschmack angelegt. In einer trefflichen Beschreibung von Pyrmont , 1ster B. 8. Leipzig, 1784. die Herr Hofmedicus Marcard zu Hannover kuͤrzlich herauszugeben angefangen, sind zugleich die Annehmlichkeiten und Verschoͤnerungen dieses beruͤhmten Brunnenorts in einer mit schoͤnen Kupfern begleiteten Schilderung vorgestellt. Auf den Landguͤtern in Hessen hat sich der gute Geschmack der Gaͤrten noch wenig ausgebreitet. Einen schoͤnen philosophischen Ruheplatz hat der Herr General von Schlieffen , einer der edelsten Maͤnner unsers Jahrhunderts, zu Windhausen ; und zu Ried besitzt der Herr Landrath von Meiseburg einen mit Geschmack verschoͤner- ten Landsitz, der sich zugleich durch die Weite seiner herrlichen Aussichten auszeichnet. Zu Cassel sieht man auf dem Modellhause verschiedene vortreffliche Vorstellun- gen, die den Gartenfreund interessiren, und daher hier angezeigt zu werden ver- dienen. Außer den Schloͤssern, die fuͤr die Aue und den Weißenstein bestimmt waren, zeichnen sich vorzuͤglich durch ihre Architectur aus: ein heitres und offenes Lusthaus, das auf der Insel im Augarten aufgefuͤhret werden sollte; ein großes, praͤchtiges und geraͤumiges Jagdschloß; ein leicht gebauetes Vogelhaus; ein ansehn- liches und weitlaͤuftiges Palais fuͤr den Garten Bellevuͤe ; ein kleines sehr nettes Jagdhaus oder auch Landhaus von einem Viereck, mit einem flachen Dache und einer runden Kugel in der Mitte, in einem anmuthigen Stil. Diese Gebaͤude ruhen hier noch bloß als Modellstuͤcke, und erwarten das Gluͤck der Ausfuͤhrung, oder doch wenigstens den Ruhm, durch Zeichnungen und Kupferstiche den Archi- tecturfreunden bekannter zu werden. Sie beweisen zugleich den edlen und reinen Ge- schmack der Baukunst, den der Landgraf Carl naͤhrte, nach dessen Anleitung sie alle gemacht sind. Haͤtte dieser zu großen Unternehmungen gebildete Fuͤrst laͤnger gelebt, oder die Einkuͤnfte seiner Nachfolger gehabt, so wuͤrden gewiß seine Schloͤsser und Gartengebaͤude durch die hohe Schoͤnheit der Architectur ganz Deutschland erleuch- tet haben. Nur die Gartenkunst seiner Zeit haͤtte nicht mit den Gebaͤuden gleichen Fortschritt halten koͤnnen. Man wundert sich, daß nichts von diesen vortrefflichen Garten- V Band. S s Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Gartengebaͤuden, welche doch die neuen Werke auf dem Carlsberg uͤbertreffen, zur Ausfuͤhrung gelangt. Es scheint, daß es hier, wie an vielen andern Hoͤfen, an einem Mann fehlt, der mit Kenntniß und Geschmack das Gartenwesen leitete. Von allen jetzt vorhandenen Lustschloͤssern des Landgrafen von Hessencassel ist unstreitig Wilhelmsthal das besie in Ansehung der Architectur. Es ist von regelmaͤßiger Form, in dem Stil der guten franzoͤsischen Baumeister. Nur ist es in einem fuͤrstlichen Schlosse unschicklich und unbequem, daß gerade uͤber den Zim- mern im zweyten Stockwerk den Bedienten ihre Wohnungen in der Mansarde ange- wiesen sind. Die zur Jagd bequeme Lage scheint die erste Veranlassung zum Anbau dieser sonst zu einem Garten wenig geschickten Gegend gegeben zu haben, wo man mit großen Kosten Moraͤste austrocknen, und uͤberall Erde auffahren mußte. Die Lage hat keine Aussichten, und der Garten ist im hollaͤndischen Geschmack. Doch hat er einige angenehme von hohen Platanen beschattete Plaͤtze. Die Grotte Sie ist von Mayr gestochen. ist nach dem Geist ihrer Zeit voll Architectur und Verzierung; die mancherley mit Mu- scheln und Steinen, mit einer eben so muͤhsamen als getreuen Nachbildung, ausge- legten Figuren reizen das Auge zur Verwunderung, und lassen es in eben diesem Au- genblick die unnuͤtze Kostbarkeit wahrnehmen, die sich so weit von den Grotten der Natur entfernt, und zugleich fuͤr die Unterhaltung so laͤstig ist. Neben dem Garten liegt ein bepflanzter Berg mit einem runden offenen Tempel, der wegen der Aus- sicht bestiegen zu werden verdient, und die Langeweile der untern Gegend wieder verguͤtet. Das alte Schloß zu Homburg , die Residenz der hessischen Landgrafen dieser Linie, hat auf seiner abhaͤngigen Seite eine Pflanzung, oder vielmehr ein Lustgebuͤsch von mancherley einheimischen und auslaͤndischen Baͤumen und Straͤuchern, worinn verschiedene Gaͤnge herumfuͤhren. Man hat den Abgang hinunter in der Tiefe den Anblick eines großen Wasserstuͤcks, zu welchem die Gaͤnge hinableiten, und in der Ferne die Aussicht auf schoͤne Waͤlder. Die ganze Landschaft umher zeigt verschie- dene waldigte Berge. In einiger Entfernung von diesem Lustgebuͤsch sind zwey Waͤlder mit Spaziergaͤngen bereichert, der kleine und der große Tannenwald, die nicht weit weit von einander liegen; der erste ist der naͤchste und schoͤnste, auch scheint seine Einrichtung vollendet, die in dem letztern noch in der Ausbildung steht. Beym Eintritt in den kleinen Tannenwald erblickt man zunaͤchst einige Rafenstuͤcke mit Blu- men, und darauf eine runde weißangestrichene Colonnade, die auf einer in einem Teiche erhoͤheten Insel steht; wohin eine Bruͤcke fuͤhrt. Diese kleine Insel ist mit Blumen und bluͤhenden Straͤuchern geziert, und bietet einen anmuthigen Sitz dar, der Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. der noch mehr gefallen wuͤrde, wenn die Colounade oben bedeckt waͤre, und Schirm vor der Sonne gaͤbe. Um den Teich, der, wie die Rasenstuͤcke beym Eingange, eine zu regulaire Form hat, laufen rings umher Gaͤnge, die sich bald gerade, bald gewunden in den Tannenwald hinziehen, mit schoͤnen Aussichten in die Ferne der Landschaft. Hie und da mildern Laubhoͤlzer, die zwischen den Tannen erscheinen, den Ernst dieser Baͤume, die sich nicht wohl zu einem Lusthayn schicken. Man hoͤrt einen Wasserguß tauschen, und sieht einen Bach herunterirren; indem man ihm nachgeht, gelangt man zu einem Cabinet, bey dessen Eingang ein kleiner Spring- brunnen plaͤtschert, der an diesem Orte, anstatt zu steigen, vielleicht anmuthiger von Felsenstuͤcken herabmurmelte. Verschiedene Arten von Sitzen winken umher; die Baͤnke erwarten, anstatt des gruͤnen, einen weißen oder grauen Anstrich. Hinter den Tannen kommt man zwischen Buchen zu einem abgesonderten, mit Baͤumen und bluͤhenden Gewaͤchsen bepflanzten Revier, worinn sich ein Pavillon erhebt. Ein Kenner wuͤnscht hier, daß die Baͤume, anstatt noch zu genau nach der Linie zu sie- hen, freyer und mit Geschmack gruppirt erscheinen moͤchten Uebrigens ist dieser kleine Wald ein geliebter Ort der Zuflucht aus der Gesellschaft, der Aufenthalt des Schattens und der Kuͤhlung, und die Heimat des ruhigen Selbstgenusses. 5. Auf dem Wege von Frankfurt am Mayn findet man Rumpenheim im Hanauischen, in einer angenehmen Lage auf dem Ufer des Flusses, mit Prospecten in die umliegenden Landschaften nicht weniger, als auf Frankfurt, Offenbach, Hanau, und andre Oerter. Die Fahrzeuge, die auf- und abgehen, und die nahe dabey nach Frankfurt laufende Landstraße beleben die Aussicht. Der kleine Garten hat eine freye Pflanzung von einheimischen und auslaͤndischen Baͤumen, worunter sich besonders treffliche Katalpen (Big. Cat.) befinden, die alle Jahre bluͤhen und rei- fen Saamen bringen, der gluͤcklich aufgeht; ein Beweis von der Milde dieses Him- melsstrichs. Der Garten verdient wegen seiner heitern Lage verbessert zu werden. Dazu gehoͤrte besonders die Niederreißung der noch uͤbrigen alten Hecken, und die Vertheilung des großen Gebuͤsches in schoͤnere Gruppen, wodurch zugleich mehr Gaͤnge gewonnen wuͤrden. Die Zimmer des Schlosses find so klein und niedrig, daß sie den Wunsch nach einem neuen Gebaͤude erregen. Von einer weit bessern Architectur und einem edlen Ansehen ist das Schloß zu Philippsruhe. Das Hauptgebaͤude, das in einem laͤnglichen Viereck zwey Stock- werke, und daruͤber ein gebrochenes Dach hat, ist mit zwey Fluͤgeln und Pavillons gut verbunden. Dem Haupteingange des Schlosses gegenuͤber, liegen in einer Ent- S s 2 fernung, Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, fernung, die einen geraͤumigen Vorplatz verstattet, vier Pavillons, zwey und zwey mit einander verbunden, durch deren Mitte die Einfahrt geschieht. Der Mayn fließt fast unter den Fenstern vorbey. Zwischen ihm und dem Schlosse giebt eine große steinerne Teryasse, in deren Gewoͤlbe sich die Kuͤche befindet, die Aussicht in schoͤne und fruchtbare Ebenen, worinn Hauan, Steinheim und andre mayn- zische Oerter erscheinen. Der Fluß macht ein angenehmes Geraͤusch im Voruͤber- fließen; der Garten, der sich an ihm hinzieht, unterscheidet sich durch nichts als durch diese Lage und eine Allee von großen, freywachsenden, abendlaͤndischen Placanen. Ein uͤberaus schoͤner Garten, der mich in dieser Gegend uͤberraschte, liegt nahe bey dem Staͤdtchen Dieburg im Churmaynzischen, dem Herrn Baron von Großschlag, franzoͤsischen Gesandten bey dem oberrheinischen Kreise, zugehoͤrig. Er scheint noch wenig bekannt, und gehoͤrt, ob er gleich in einer Ebene liegt. und wenig erhebliche Aussichten hat, doch in Ansehung der Kunst der Pflanzung und der feinen und noch so seltenen Malerey des Laubwerks, zu den besten in Deutsch- land. Man fuͤhlt gleich beym Eintritt, daß hier ein Mann von Geschmack gear- beitet hat. Ein Bach zwischen Weiden leitete mich zu einer Bruͤcke, die in den Garten fuͤhrt. Man gelangt von dieser Seite gleich in eine schoͤne Anlage von schattigten Gruppen, und hat zur Rechten den Bach. Der Pfad geht zwischen Gruppen und Rasen; ein schoͤner Tempel rust zunaͤchst das Auge. Man hat zur Linken einen ausgebreiteten Rasen mit großen; von dem verschiedenen Laubwerk aus- laͤndischer und einheimischer Baͤume malerisch gebildeten Gruppen, und gelangt zwi- schen eben solchen Gruppen, an welchen weiße Baͤnke einladen, zu dem runden Tem- pel. Er ist nach einem richtigen Verhaͤltniß gebauet; seine runde Kupel ruhet auf sechs Saͤulen jonischer Ordnung, und ein weißer Anstrich hebt sein Ansehen gegen die hohen italiaͤnischen Pappeln, die sich hinter ihm gruppiren, auch einzeln umher stehen, und seine Ansicht nicht wenig veredeln helfen. Der Bach, der Rasen, die Gruppen, die Aussicht in die Landschaft bereden bald den Freund des Schoͤnen, unter diesem Tempel zu verweilen. Der Pfad geht hinter ihm zwischen Gruppen fort. Man hat zu beyden Seiten zwey große Rasen, und erblickt zur Rechten in der Mitte einer Gruppe die Statue der Flora auf einem erhabenen Fußgestell. Diese wohl angelegte kleine Scene macht eine gute Wirkung, indem das dunkle Laub des Gebuͤsches und die Vertiesung der Stelle, worinn die weiße Statue erscheint, noch mehr ihr Ansehen hebt. Rings umher hinter der Gruppe, die in einer gewissen Entfernung vom Wege sich zeigt, streben Gebuͤsche mit Baͤumen ver- mischt, den Anblick des unanfehnlichen Staͤdtchens Dieburg zu verbergen und den Garten Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Garten in seine liebliche Laͤndlichkeit einzuschließen. Auf dem großen praͤchtigen Rasen zur Linken wechseln einzelne Baͤume mit Gruppen, uͤber welchen hohe Gipfel emporragen. Man gelangt bald in ein dichtes, schattigtes Gebuͤsch; ein kuͤhler Sitz der Ruhe, ein erquickender Platz des Serbstgenusses. Liebliche Lichter spielen von den Seiten herein, und machen die Beschatturig freundlicher; sie verdraͤngen nicht die gruͤne Dunkelheit des Laubes, sie mindern sie nur zur Daͤmmerung; kein Ernst und keine Heiterkeit, sondern ein suͤßer Mittelstand zwischen beyden, eine unbe- schreiblich sanfte Milde, wie die ersten aufglimmenden Schimmer des Morgen- himmels, die das Erwachen eines schoͤnen Maytages ankuͤndigen. Dieser kleine Fleck koͤnnte schon allein den Weisen befriedigen, der die Ruhe des Denkens im laͤnd- lichen Schatten sucht. — Beym Austritt aus diesem Gebuͤsch sieht man bald eine hohe italiaͤnische Pappel sich allein am Wege erheben; zu beyden Seiten erweitern sich wieder die Rasen; die Gruppen zeigen sich von andern Ansichten mit wechselndent Colorit. Verschiedene Pfade zerstreuen sich hier aus einander zwischen den Gruppen, und irren in dichten Pflanzungen umher, wo sich zuweilen ein schoͤner Baum, wie die Katalpa, an der Ecke zeigt. Solche Wege laufen zur Rechten fort. Wir verfolgen den obern, und kommen in einen ernsten, finstern Gang, zwischen lauter Tannen und Fichten; alles ist dicht und schattenvell; weiße Baͤnke schimmern durch die Dunkelheit. Es oͤffnen sich zwey Ausgaͤnge; der erste ist auch der angenehmste. Das Auge faͤllt auf eine schoͤne babylonische Weide, die vor der Oeffnung erscheint. Heitres Gruͤn erquickt, wenn man aus der Nacht der Tannen tritt, unbeschreiblich das Auge; es wird hier gleich von sanften Erhoͤ- hungen und lebhaften Rasen begruͤßt, in deren Vertiefung ein kleiner Bach vor- uͤber murmelt. Noch zwey andre große babylonische Weiden verschoͤnern die Gruppe uͤber dem Bach hin; zur Rechten bleibt eine Pflanzung von Lerchenbaͤu- men; zwischen ihnen und den Tannen, woher wir kamen, zieht sich heiter der Rasen hin. Man geht zwischen Gruppen und einzelnen Baͤumen fort, bald im Schatten, bald im Freyen, auf den Seiten Rasen, zur Linken darinn Obstbaͤume nach der Linie, die leicht durch einige andre Zupflanzungen unterbrochen werden koͤnnte, da diese Fruchtbaͤume hier als ein Theil von der ganzen Anlage betrachtet werden. Zur Linken zeigt sich ein im chinesischen Geschmack gebaueter Schat- tensitz, wo man eine liebliche Aussicht uͤber den Bach hin und uͤber die ihn um- fassenden sanften Rasenerhoͤhungen hat, die mit einzelnen auslaͤndischen Baͤnmen malerisch geziert sind. Zu diesem Sitz, in dessen Naͤhe man einen vertieften und fast ganz verborgenen Wasserfall rauschen hoͤrt, fuͤhrt auch ein andrer langer Weg zwischen Gebuͤschen von auslaͤndischen und einheimischen Holzarten hin. Man S s 3 kommt Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, kommt bey einem großen Bach vorbey, der von dem Spiel der Fische belebt, und dessen User von hohen babylonischen Weiden uͤberschattet werden. Schoͤne auslaͤndische Baͤume, Tulpenbaͤume, Gleditsien, schwarze Wallnußbaͤume, Ro- binien, Sumoche, Platanen, Katalpen u. a. erheben sich hier aus den Gebuͤ- schen, die in dieser Gegend hin und her mit Blumen eingefaßt sind. Man ruhet hier gern auf einer der Baͤnke, die in abwechselnden Formen gebauet sind, und laͤßt das Auge an den schoͤnen Gebuͤschen sich weiden. Von dem chinesischen Sitze winden sich sehr schattenreiche Gaͤnge an der Graͤnze des Gartens, die hier verdeckt ist; auch werden die anstoßenden Gebaͤude durch dichte Anpflanzungen gluͤck- lich versteckt. Indem man sich uͤber eine Bruͤcke wendet, sieht man zur Rech- ten das Wohngebaͤude hinter einer Muͤhle am Wasser hervorblicken, und zugleich die Statue des Apoll das Ende einer kleinen Allee begraͤnzen, die in eine sehr große franzoͤsische Gartenparthie faͤhrt, die nahe vor dem Hause herum liegt, mit Alleen, Vasen, Statuen und einem Pavillon. Man hat von diesem gros- sen Platze mancherley treffliche Aussichten in die Landschaft, besonders eine aus- gedehnte Wiese, worinn verschiedene Baumgruppen sich erheben, die das Auge auf besondre Gesichtspunkte und Gemaͤlde locken. In den Entfernungen dient bald die Rotunde am Eingange des Gartens, bald ein Obelisk, bald ein Kirch- thurm von Dieburg dem Auge zum Ruhepunkt. Wir wenden uns wieder bey der Statue des Apoll in den Garten zuruͤck, und kommen bey einem sehr gros- sen Platanus vorbey, zu einem malerisch bewachsenen Hause, das zu einem kuͤh- len Ruhesitz dient. Es steht am Bach, in einem Gebuͤsch von Feldrosen, und im Schatten hoher Baͤume, mit einem Strohdach, hat ein laͤndlich wildes An- sehen, aber eine schoͤne Aussicht uͤber den großen Rasen und die Gruppen, die wir vorher durchwanderten. Indem wir von hier weiter gehen, kommen wir zur Linken uͤber eine Bruͤcke, die uͤber einen großen Bach in die Gebuͤsche des Gartens hineinfuͤhrt. Man sieht links eine Gruppe von Seekreuzdorn gegen ein Rosengebuͤsch contrastiren, zwischen welchen ein Pfad hinlaͤuft. Wir wandeln rechts zwischen heitern malerischen Gruppen fort, auf der einen Seite der Bach, auf der linken die Aussicht auf den großen Rasen und die ihn umziehenden Pflan- zungen. Der Weg windet sich bald im Hellen, bald im Dunkeln, bald im Freyen, bald im Verschlossenen fort. Man gelangt unversehens wieder zu der Rotunde, und sieht sie mit Vergnuͤgen, indem sie sich in dem großen Bach spiegelt. Hier bemerkt man noch auf der angraͤnzenden sich weit verbreitenden Wiese verschiedene große wohl angelegte Gruppen, die nicht allein schoͤne Prospecte bilden helfen, sondern auch zugleich eine taͤuschende Vorstellung von der Ausdehnung des Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. des Gartens geben, welche Wirkung auch durch eine artige Bruͤcke unterstuͤtzt wird. Indessen winden sich an diesen Gruppen auch einige Wege hin. In diesem mit so vielem Geschmack angelegten Garten scheint indessen der Ra- sen nach dem Verhaͤltniß des Gartens zu groß; er koͤnnte noch durch einige Grup- pen und Gaͤnge getheilt werden, die manche reizende Durchsichten eroͤffneten. 6. Eine der merkwuͤrdigsten Anlagen in diesen Gegenden ist Schoͤttbusch bey Aschaffenburg, dem gewoͤhnlichen Sommerausenthalt des jetzigen Churfuͤrsten von Maynz. Se. Churfuͤrstl. Gnaden, Hr. Carl Friedrich Joseph, geborner Reichsfreyhert von und zu Erthal u. s. w. Der große Plan dieses weisen und thaͤtigen Fuͤrsten, der seine Regie- rung durch so viele vortreffliche Anstalten verewigt, geht nicht bloß auf Verschoͤne- rungen, so sehr sich hierinn auch der feinste Geschmack verbreitet; er umfaßt zugleich alle nutzbaren Zweige der landwirthschaftlichen Cultur, und ist so edel in seiner Ab- sicht, so wichtig fuͤr den Erfolg, so gluͤcklich schon in einigen Theilen ausgefuͤhrt, daß eine vorlaͤufige Anzeige mit allem Recht hier eine Stelle fordert. Das Werk ist erst vor einigen Jahren angefangen; und Jahre gehoͤren noch zur Voͤllendung des Ganzen. Demnach nur einige Nachricht von dem; was ich sah. 1783. Sobald man sich Aschaffenburg naͤhert, wird der Fremde gleich von dem Geist der Verschoͤnerung, der sich in den neuen Bepflanzungen der Zugaͤnge zeigt, begruͤßt. Das Schloß, von unten bis oben aus großen Massen von rothem Sand- stein erbant, hat eine kuͤhne Lage uͤber dem Mayn, ein erhabenes Ansehen und die weitesten Aussichten. Es hat vier hohe Thuͤrme, die nebst dem mir ihuen zusam- menhaͤngenden Gebaͤude ein groͤßes Viereck bilden, die noch mit einigen andern niedrigen Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, niedrigen Thuͤrmen abwechseln, und in der Mitte einen weiten innern Hofraum ein- schließen. Diese halb gothische Bauart giebt zwar dem Schlosse ein festungsmaͤßi- ges Ansehen; aber es ist zugleich mit so viel Staͤrke, die Jahrhunderten trotzt, mit so viel erhabener Wuͤrde, die das Alterthum giebt, und mit so viel stolzer Pracht, die aus den großen Massen der rothen Steine hervorleuchtet, verbunden; es steht so kuͤhn auf einer Anhoͤhe an dem steilen Ufer des Flusses, der sich tief in den Ebenen fortwaͤlzet, und es beherrscht so viele entfernte Landschaften, daß man es nicht ohne Bewunderung ansehen kann. Auch macht es von allen Seiten her einen Eindruck, den das schoͤnste und regelmaͤßigste Gebaͤude nicht geben wuͤrde. Man weiß immer, daß Schloͤsser dieser Bauart keine Feinheiten des Ansehens haben; aber man weiß selten, daß sie oft in ihrem Innern mit der Groͤße eine Bequemlichkeit vereinigen, die man zuweilen in den schoͤnsten neuern Gebaͤuden vermißt. Hier kommt noch der Vorzug hinzu, daß die Gemaͤcher vortrefflich ausgebauet, und in einem sehr edlen und feinen Geschmack meublirt und ausgeziert sind. Dieß ist ein Werk des jetzigen Churfuͤrsten, der zugleich das Vergnuͤgen hat, daß alles, was zu diesen geschmackvollen Auszierungen gehoͤrt, von Kuͤnstlern seines Landes verfertigt ist. Die naͤchsten gartenmaͤßigen Verschoͤnerungen zu Aschaffenburg sind in den Graͤben oder zwischen den alten Ringmauern der Stadt ausgefuͤhrt. Sie sind vor etwa sechs Jahren angefangen, und zeigen die Liebe des Fuͤrsten zur Veredelung auch solcher Plaͤtze, so weit nur der tiefe, schmale, eingeschraͤnkte und oft widerstrebende Raum sie aufnehmen wollte. Aber es ist doch alles so mannichfaltig und abwech- selnd, und weicht von der gemeinen Art der Bepflanzung so sehr ab, daß man hier in einem kleinen Bezirk sieht, wie man auch solche Gegenden verschoͤnern kann, daß sie einen Kenner unterhalten. Die Mauern hat man hie und da mit Epheu, Wein, Pappeln und Obstbaͤumen zu verkleiden gesucht, wodurch die enge Verschließung auf einige Art verguͤtet wird. Man geht zuweilen in der Tiefe zwischen schoͤnen Frucht- baͤumen fort, und die steilen Anhoͤhen auf beyden Seiten sind mit allerley einheimi- schen wilden Baͤumen und Straͤuchern bepflanzt, worunter sich hie und da verschie- dene amerikanische und andere auslaͤndische befinden. Doch besteht die Pflanzung vornehmlich aus einer Menge von italiaͤnischen Pappeln, die man in allen Gegen- den von Aschaffenburg so haͤufig antrifft. Außer dem untern Hauptgang in der Tiefe heben und senken sich an den Abhaͤngen noch einige schmale Pfade. An einigen Stellen erweitert sich der Platz mehr ins Freye. Man gelangt auf einen großen Rasen, worauf einige Strauchgruppen erscheinen, und wo sich die Aussicht auf die benachbarten Huͤgel hinausdraͤngt. Dieser Platz verdient, der Erfrischung wegen, ohne Bepflanzung ein freyer Rasen zu bleiben. Nahe bey diesem etwas erhoͤhten anmuthi- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. anmuthigen Platz befindet sich ein Kanal, den schoͤne Pappeln umgeben. Nachher erweitern sich wieder die Spaziergaͤnge, und breiten sich vornehmlich in der Gegend, wo sie sich nach der Gegend des Mayn hinwenden, in verschiedene anmuthige Pfade aus. Mon erblickt hier eine Menge trefflicher Pappeln; doch moͤchte wohl die Pflan- zung dichter und mannichfaltiger, und die Zeichnung der Plaͤtze weniger symmetrisch seyn. Nachdem sich die Pflanzung fast um die ganze Stadt, meistens in der Tiefe herumgewunden hat, breitet sie sich zuletzt in eine praͤchtige Aussicht aus. Man erblickt in der Tiefe uͤber ein buschigtes Ufer den Mayn mit allen seinen Wendungen, eine ansehnliche steinerne Bruͤcke, die uͤber ihn fuͤhrt, diesseits eine kleine malerische Insel im Strom, zur Linken das Schloß auf seiner Hoͤhe, und neben ihm vorbey fruchtbare und bebauete Berge, an ihren Seiten hin eine weite ausgedehnte Flaͤche, die eine nach Frankfurt laufende Pappelallee durchschneidet, uͤber sie hin eine ange- nehme Ferne von Waldungen begraͤnzt. In der Mitte der naͤhern Gegenden erscheint Schoͤnbusch in der Fuͤlle seiner Reize. Man kann nicht leicht schoͤnere Aussichten vereinigt finden, als hier. Zu ihrem Genuß ist ein kleines Gebaͤude aufgefuͤhrt, das sowohl durch seine Lage, als auch durch seine Architectur, das Auge auf sich zieht. Es steht kuͤhn auf der Spitze eines hohen steilen Felsens, der nach dem Ufer des Mayns sich hinzustuͤrzen scheint. Es hat die Form eines runden Tempels mit einer runden niedrigen Kupel; der Haupteingang stellt eine Art von Vorhalle vor, die mit zwey jonischen Wandpfeilern geziert und mit zwey hohen Fenstern versehen ist. Der Tempel selbst hat vier hohe herabgehende Fenster und noch zwey Eingaͤnge zur Seite, außer einen Austritt, der auf einen uͤber den Mayn haͤngenden Altan fuͤhrt; jeder dieser beyden Eingaͤnge ist, gleich dem bey der Vorhalle, mit zwey jonischen Saͤulen geschmuͤckt. Das ganze Gebaͤude ist vom rothen Sandstein, der in dieser Gegend gebrochen wird, aufgefuͤhrt, und hat ein sehr gutes Ansehen. Auch macht es, aus den untern Gegenden betrachtet, einen sehr angenehmen Prospect. Man sieht zur Linken das Schloß von Aschaffenburg, und seitwaͤrts fuͤhren Pfade zu dem Ufer des Stroms hinab, der von Fahrzeugen belebt ist. Bey kuͤhlen Sommerabenden ist dieß ein uͤberaus reizender Sitz; in andern Stunden des Tages ist das Gebaͤude wohl zu hell und zu warm. — Indem ich hier mit so vielem Vergnuͤgen umher- wandelte, bot sich mir eine Bemerkung an, die aus dem Charakter des Orts und einigen zufaͤlligen Umstaͤnden entsprang. Die Tiefe, worinn die Gaͤnge zwischen den Mauern sich hinziehen, die verduͤsternde Hoͤhe, das Alter und die Merkmale der Zerstoͤrung an diesen Mauern, die zwischen ihnen trauernden Ueberbleibsal zertruͤm- merter Thuͤrme, die großen Ruinen eines im dreyßigjaͤhrigen Kriege zerstoͤrten Non- nenklosters, worauf der Weg fuͤhrt, der Anblick so vieler emporragenden Kirchen und V Band. T t Kloͤster, Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Kloͤster, so vieler Kreuze und Bilder der Heiligen, welche die Andacht an diesen Oertern aufgestellt hat, das bestaͤndige Gelaͤute, das so mannichfaltig durch einander toͤnt, die todte geschaͤftlose Stille der Stadt, die nur durch die Gegenwart des Hofes belebt wird — alles dieses floͤßt der Seele des Umherwandernden eine gewisse Schwer- muth ein, und scheint, anstatt einer muntern Pflanzung, hier eine weitere Ausbil- dung des melancholischen Charakters der Gegend schicklich zu machen. Eine Pflan- zung mit dunkeln Nadeln oder Laub koͤnnte demnach diesem Charakter in den vertief- ten Gaͤngen folgen, und die verstaͤrkten Scenen der Melancholie draͤngten sich hinter einander, bis sie da, wo die Aussichten des Mayn und seiner Landschaften hervor- brechen, auf einmal mit einer lebhaften Ueberraschung in Scenen der Heiterkeit uͤber- giengen. Hier wandelt die Natur selbst den Charakter. Der Ausgang in Freude ist hier eben so wahr, als dort Melancholie herrscht; das beschriebene Gebaͤude lockt die Seele von der Einsamkeit zur Welt, von der stillen Betrachtung zum Genuß zu- ruͤck; die Bilder von Freyheit, von Geschaͤften, von Leben, von Vergnuͤgungen der Schoͤpfung glaͤnzen in der klaren Flut des Mayn, und lachen aus allen umlie- genden Landschaften hervor. Eigentlich machen die Verschoͤnerungen von Aschaffenburg nur einen Theil von den großen Anlagen des Churfuͤrsten; es liegt fast in der Mitte der Laͤndereyen, die zu den neuen Anpflanzungen, Gebaͤuden und allen Zweigen nuͤtzlicher Veranstal- tungen des Gartenwesens und der Landwirthschaft bestimmt sind. Das Ganze be- schreibt einen Umkreis von sechs Stunden. Es ist eine große weite Landschaft, die vom Mayn durchstroͤmt wird, und meistentheils aus einer Ebene besteht, aber doch zum Theil waldigte Berge enthaͤlt, worauf Waͤlder, Weinberge, Weiden und Saat- felder in einem angenehmen Gemisch erscheinen. Der Boden ist in der Ebene um Schoͤnbusch freylich etwas unfruchtbar, aber gegen den Mayn zu schon weniger, und wird durch vielen Fleiß verbessert. In dem Umfang der Plaͤne liegen ganze Waͤlder, besonders von Nadelhoͤlzern. Die Stadt, die Kirchen, die Kloͤster und besonders das ehrwuͤrdige Residenzschloß von Aschaffenburg machen einen großen Prospect mitten in diesen Anlagen. Hinter Aschaffenburg befindet sich die Fasa- nerie fuͤr zahmes Gefluͤgel und der Park oder Thiergarten, der viele Berge, hohe Waͤlder und tiefe Thaͤler in sich begreift, und auf 400 Stuͤck Rehe und Hirsche er- naͤhrt. Die Gegenden des Parks sind, wegen der vielen Berge und der Menge weiter und reizender Aussichten, uͤberaus belebend. Das Auge irrt zwischen nahen und fernen Bergen, Waͤldern, gruͤnenden Tiesen und freyen Plaͤtzen umher, wo Heerden von Wild grasen. Man schaut uͤber die Stadt Aschaffenburg, die hier in der Niedrigung liegt, hin auf den glaͤnzenden Maynstrom, der sich durch die gruͤnen Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. gruͤnen Ebenen windet, und auf die Seen und den schoͤnen Fluß bey Schoͤnbusch. In den Waͤldern des Parks sind Wege zum Reiten, und an den Ausgaͤngen des Holzes, wo das Wild auf die offenen Grasplaͤtze tritt, hin und wieder Schießhaͤuser angelegt, die zugleich angenehme Ruheoͤrter sind. Ganze Flaͤchen sind zur Nahrung der Thiere besaͤet. Eine vortreffliche Einrichtung, die am meisten beytraͤgt, die Jagd zu erleichtern und menschlicher zu machen, und das Wild theils durch die Ein- hegung von dem Getraide des Landmanns abzuhalten, theils auch in seiner Aufjagung und Verfolgung die Saatfelder zu schonen. Diese Wildbahnen erhalten außerdem noch zum Vergnuͤgen uͤberaus abwechselnde Spazierwege. Die eben erwaͤhnte Fasanerie fuͤr das zahme Gefluͤgel nimmt nicht weniger einen sehr betraͤchtlichen Bezirk ein. Man sieht hier dichte Waͤldchen, wo Fasanen und andre Gattungen von Gefluͤgel umherstreifen, wo Haͤuser zu ihrer Beschirmung und Teiche angelegt find, umpflanzt mit italiaͤnischen Pappeln, hinter welchen sich der Schuͤtze verbergen kann. Ueberall winden sich in diesen belebten Revieren schat- tigte Spaziergaͤnge neben verdeckten Schießhaͤusern umher. Hinter der Gegend von Schoͤnbusch wird eine andere große Fasanerie fuͤr wilde Fasanen, Rebhuͤner und andres Gefluͤgel angelegt. In einer andern Gegend wird ein sehr ansehnlicher Oekonomiehof eingerichtet, wo in allen Theilen der Land- wirthschaft, besonders der Viehzucht und der Bienenzucht, Versuche und Erfah- rungen gemacht und kuͤnftige Beamte und andre junge Leute gebildet werden sollen. Viele Felder und Wiesen sind fuͤr dieses vortreffliche Institut bereits angewiesen. Auch ist eine betraͤchtliche Zucht von Schweizer Rindvieh angefangen, womit eine Schaafzucht und eine Erziehungsanstalt von allerley Hausgefluͤgel verbunden wird; dazu kommt eine große Obstbaumschule und eine Anpflanzung auslaͤndischer Hoͤlzer. Die dazu noͤthigen Gebaͤude werden aufgefuͤhrt. In einem derselben werden die jungen Oekonomen wohnen; nicht weit davon wird ein Pavillon erbaut, wo der Churfuͤrst zuweilen abtreten, und selbst die Aufsicht uͤber diese vortreffliche Schule fuͤhren wird. Ein solches Beyspiel, von so wirksamen Unterstuͤtzungen begleitet, gilt mehr, als tausend leere Aufforderungen in den gewoͤhnlichen fuͤrstlichen Verord- nungen. Bisher fehlte es im Churmaynzischen an Industrie und Kenntniß in der Landwirthschaft. Der jetzige Churfuͤrst glaubt mit Recht sein Land nicht besser begluͤcken zu koͤnnen, als durch Beyspiel und Erfahrung zu zeigen, wie das Landwe- sen zu verbessern sey, und wie viele bisher verstopfte Quellen der Nahrung und des Wohlstandes dadurch eroͤffnet werden koͤnnen. Fast gegen das Ende dieser Anlagen, von Aschaffenburg an gerechnet, die, so sehr sie auch die Landschaft verschoͤnern helfen, doch vornehmlich auf das Nutzbare T t 2 sich Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, sich beziehen, liegt gegen Westen Schoͤnbusch, als der schoͤnste, am meisten ge- schmuͤckteste Theil, dessen Bestimmung ist, Vergnuͤgen zu naͤhren und Vergnuͤgen zu verbreiten. Ein sehr ansehnliches Gebuͤsch, das seit etwa sieben Jahren angelegt ist, und uͤber eine Stunde im Umgang haͤlt, fuͤhrt mit Recht den Namen von Schoͤn- busch. Die Natur hat hier durch vortreffliche Eichen und andre Waldbaͤume den Anfang der Pflanzung gemacht; demnaͤchst beeiferte sich der gute Geschmack, diese Gegend noch durch Anpflanzung einheimischer und auslaͤndischer, besonders nord- amerikanischer Baͤume, Straͤucher, Stauden und Pflanzen zu verschoͤnern. Man findet darunter viele seltene und schoͤne Baͤume, die in diesem waͤrmern Klima gluͤck- licher fortkommen, besonders eine große Sammlung von Rosen. Ein schoͤnes Verzeichniß davon ist 1783 in 8. auf 3 Bogen zu Aschaffenburg gedruckt herausgekommen; es wird in ei- nigen Jahren reicher erscheinen. Es ist eine uͤberaus reizende, frische und schattenreiche Pflanzung. Sie ist von einem Bache mit verschiedenen Kruͤmmungen und kleinen Wasserguͤssen belebt. Die Ruhesitze unter hohen Eichen, die weißen Baͤnke und die Bruͤcken, die hin und wieder die Spaziergaͤnge verbinden und verschoͤnern, die mancherley Arten von Spielen, noch mehr die hie und da in den Rasen aufbluͤhenden Blumengruppen, alles dieses traͤgt zur Auszierung dieses Lustgebuͤsches bey. Hin und wieder mehr Oeffnung, mehr Rafen, mehr Abwechselung mit einem kleinen Lufthann voll schoͤner schlanker Staͤmme, wuͤrde noch den Reiz dieser Anlage heben. Indessen haben einige Stel- len ganz vortreffliche Aussichten in die umliegenden Landschaften. Vornehmlich aber giebt das Wasser, das vor dem Lustgebuͤsch angelegt ist, eine reizende Verschoͤne- rung. Es sind zwey gegrabene, nahe, aber getrennte, ansehnliche Seen, mit hellem fischreichen Wasser, die in diese Pflanzungen hinwallen. Sie bilden male- rische Einbuchten zwischen den Vorspruͤngen der Gebuͤsche, und verbreiten sich nach- her in hellen Flaͤchen, worinn sich der Himmel mit seinen farbigten Wolken spiegelt. An den Ufern sind schon einige Gruppen von Baͤumen gepflanzt, die mit verschiede- nen Arten von Gruͤn abwechseln, und eine solche Stellung erhalten werden, daß sie ausgesuchte Gemaͤlde der Landschaft einfassen. Verschiedene Arten von Fahrzeugen liegen auf diesen beyden Seen, wovon der eine von sehr betraͤchtlichem Umfang ist. Vor seinem Ende wird ein großes Gebaͤude aufgefuͤhrt werden, und seine schoͤne Ge- stalt im Wasser wiederscheinen lassen. Der andre See streckt sich zum Theil vor einer sanften Anhoͤhe hin, worauf ein recht wohlgebaueter und geschmackvoll ausge- zierter Pavillon sich erhebt, wo der Churfuͤrst abzutreten und seine Geschaͤfte zu be- sorgen pflegt. Er ist fast allein nur fuͤr ihn eingerichtet, und hat neben sich einen uͤberaus anmuthig bepflanzten und geschmuͤckten Bezirk, den der Fuͤrst seinen Pri- vatgar- Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. vatgarten nennt. Eine reizende Insel liegt fast gerade gegen ihm uͤber in dem See. Einige alte Eichen verbreiten hier einen dichten Schatten; und zwischen ihnen sind Pflanzungen von den edelsten und seltenen auslaͤndischen Baͤumen und Straͤuchern, liebliche Blumengruppen und wohlriechende Gewaͤchse verstreut, indessen die offenen Stellen mit dem schoͤnsten gruͤnen Teppich bedecket sind. Kanarienvoͤgel singen hier in einer Gitterverschließung, und Lachtauben laufen frey in dieser suͤßen Wildniß um- her. Ihr Schatten und das Wasser locken andre Waldsaͤuger herbey, deren ab- wechselnde Melodien sich in das frohe Gelaͤchter der Tauben und in die hellen Toͤne der Kanarienvoͤgel mischen. Die Lieder der Freude, die von Baum zu Baum ertoͤnen, die mannichfaltigen Farben der Blumen, die uͤberall zwischen dem Gruͤn hervorbre- chen, die angenehmen Duͤfte, der sanfte Schatten und die lieblichen Wiederscheine im Wasser, die stolz umherrudernden Schwaͤne, die suͤßeste Ruhe, die man hier athmet, alles dieses liebkoset und schmeichelt dem Empfindenden, der hier verweilt, so gerne verweilt, und kaum diesen Zauberplatz verlassen kann. Eine freye, nur mit niedrigen Blumenpflanzen geschmuͤckte kleine Anhoͤhe der Insel senkt sich anmuthig zum Wasser herab. Man erblickt zur Seite einen aufgeworfenen, hohen und be- pflanzten Berg, dessen weitere Bearbeitung noch unvollendet war, und in der Ent- fernung ein Gebaͤude, wo der Gaͤrtner und einige Hofbediente wohnen. Mit diesem See haͤngt ein großer Fluß zusammen, der ebenfalls ein Werk des Fleißes ist, und sich in einer schoͤnen Form, so breit und sich fortwindend, daß man ihn mit dem Mayn verwechseln koͤnnte, eine kleine halbe Stunde weit erstreckt. Das Ende ist taͤuschend durch Pflanzung und Ruinen versteckt; indem man aus dem Fahrzeug steigt, erblickt man unerwartet den Mayn und eine ganz andre Landschaft. Der ausgegrabene Fluß liegt zu hoch, als daß er mit dem Mayn verbunden werden koͤnnte. Dieser Umstand macht jene Anstalt noͤthig, die sein Ende verbirgt, und zugleich uͤberrascht mit dem Anblick eines neuen Flusses. Die Fahrt ist sehr ange- nehm. Die Ufer sind bald hoͤher, bald niedriger; die umliegenden Landschaften zeigen sich in abwechselnden Ansichten, treten hervor und weichen wieder zuruͤck. Viele Enten beleben den Fluß. Hie und da sind an seinem Ufer noch wohl Gruppen und Gebuͤsche anzupflanzen, zwischen welchen sich die verschiedenen Profpecte brechen, sich einzeln und mehr gehoben darstellen wuͤrden; auch wuͤrde diese mit Ueberlegung und Wahl ausgefuͤhrte Bepflanzung einzelner Stellen dem Auge angenehme Ruhe- punkte geben. — Dieser Fluß macht mit den beyden Seen einen vorzuͤglichen Reiz von Schoͤnbusch. Das Wasser ist in guten Formen angelegt; auch ist es uͤberall im Ueberfluß. Alles scheint Natur, so gluͤcklich ist die Kunst versteckt. Bey der Zuruͤckfahrt auf dem Fluß sieht man, indem man sich wieder der Insel naͤhert, eine T t 3 der Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, der schoͤnsten Stellen. Das Wasser des Sees scheint sich in das Lustgebuͤsch oder vielmehr in diese zusammenfließende Gruppen von Lustgebuͤschen zu verlieren; und die hintre dunkle Pflanzung macht dabey mit der vordern Bepflanzung der Insel, an welcher das Auge hinstreicht, mit dem Silberschein des Sees und der sanft aufstei- genden Hoͤhe des lebhaft angestrichenen Pavillons, ein so zauberisches Gemisch des Helldunkeln, daß es in der Nachbildung eines der herrlichsten Gemaͤlde geben wuͤrde. Diese Nachricht von den Anlagen bey Aschaffenburg zeigt, in welchem reinen Geist sie angefangen sind. Wenn der Churfuͤrst, ein Herr, der mit einem durch Lectuͤre, Reisen, Gesandtschaften und Geschaͤfte gebildeten Geist mancherley Wissenschaften und einen seinen Geschmack vereinigt, der Gelehrsamkeit und Kuͤnste liebt, und sie mehr, als einer seiner Vorgaͤnger, jetzt befoͤrdert, einen Mann zur Ausfuͤhrung findet, der seinen großen Ideen und Absichten zu folgen weiß; so wird das Werk allein seine Regierung verewigen koͤnnen. Es ist das erste Beyspiel eines Churfuͤrsten von Maynz in Anlagen, worinn sich Wohlwollen mit Geschmack ver- einigt. Der Himmel vermehre die Jahre des Menschenfreundes, um seine edel- muͤthigen Entwuͤrfe alle ausfuͤhren zu koͤnnen, und seinem Lande ein Werk nicht bloß des Geschmacks, sondern auch der veredelten Landwirthschaft nach ihrem ganzen Um- fang zu hinterlassen, ein Werk, das Vorurtheile und Traͤgheit verbannt, das Un- terricht und Erfahrung verbreitet, das in Privatbesitzungen theilweise nachgeahmt werden kann, und das diese Nachahmung verdient. 7. Die herrliche Lage der Favorite bey Maynz erhaͤlt diesen vormals so beruͤhm- ten Garten noch in einigem Ruf. Fast unter den Fenstern des Schlosses verbindet sich der Mayn mit dem Rhein, und beyde stroͤmen in dem Gesichte des Gartens dahin, hinter welchem sich anmuthige Weinberge erheben. Alles, was man in seinem innern Bezirk sieht, besonders die Statuen, sind in dem elenden Geschmack der vorigen Zeit, obgleich noch viele kostbare Pracht durchschimmert. Der Garten ist mit seinen Gebaͤuden durch Kupferstiche bekannt genug. Seine Gegend verdiente eine verbesserte Anlage. Die Reise von Manz nach Coblenz auf dem Rhein, die man auf 18 Stun- den rechnet, und in einem Tage vollendet, gehoͤrt zu den angenehmsten und interes- santesten, die ich jemals gemacht, sie giebt einem Freund der Natur so viele herr- liche Aussichten und Gemaͤlde, sie zeigt so viele abstechende Charaktere der Landschaft, die Scenen sind so stark, so mannichfaltig, und unterbrechen sich so unvermerkt, daß Auge und Einbildungskraft immer aufs lebhafteste beschaͤftigt werden. Die Eng- laͤnder Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. laͤnder kommen jetzt haͤufig hieher, und scheinen, wenn sie Europa durchgereiset sind, nicht eher befriedigt, als bis sie diese wolluͤstige und fast einzige Lustreise ihrer Art gemacht haben. Unstreitig ist diese Wasserfahrt durch die herrlichsten Natur- gaͤrten eine der anmuthigsten in unserm Welttheil, und uͤberall beruͤhmt. Nachdem man vor den Auen oder schoͤnen, großen und angebaueten Inseln, die unter Maynz im Rhein liegen, vorbeygerudert ist, erreicht man bald das Schloß Biberich, das schon lange sich als ein trefflicher Gegenstand im Prospect zeigte. Hier hatte ich zuerst das Vergnuͤgen, mit der Beschreibung der geistreichen Frau von Berlepsch Hannoͤversches Magazin. 1783. 5tes Stuͤck. in der Hand, auszusteigen. Sie stellt nach der Schaͤrfe ihrer Beurtheilung alles richtig vor, in dieser kleinen anmuthigen Schilderung. „Wirklich zeigt sich das Schloß und der Garten zu Biberich von weitem ganz vortrefflich. Der schoͤne Rhein, der unter den Fenstern vorbeyfließt, links die Aussicht auf Maynz, das nur eine gute Stunde davon liegt, rechts auf eine weite spiegelhelle Flaͤche, in der sich Thuͤrme, Haͤuser, Obstbaͤume und Weinberge malen, in dem Flusse selbst die trefflichsten Inseln, rings um- her eine paradiestsche Gegend — welch ein Anblick! Und wie koͤnnte ge- schmackvolle Kunst eine solche Lage nuͤtzen! Das ist aber hier gerade nicht ge- schehen. Der Garten liegt nicht am Rhein, welches doch so natuͤrlich ge- wesen waͤre, sondern hinter dem Schlosse. Es ist auch nichts Merkwuͤrdiges darinn, als ein Bogengang von Apricosenbaͤumen, der leicht nachzumachen waͤre, und sehr huͤbsch ist. Eine schoͤne Obstallee, die nach einem andern usingischen Ort, Schierstein, geht, ist vortrefflich genuͤtzet, um dem Gar- ten eine perspectivische Aussicht zu geben, und die ist auch wirklich laͤndlich und schoͤn. Uebrigens ist der Garten groß, hat ein artiges englisches Bosquet, worinn hohe Pappeln und Platanen stehen, und noch mancherley Abwechse- lungen, die aber zum Theil ins Kleinliche fallen. Recht Schade ist es, daß man aus dem Garten den Rhein nicht sieht. Zwischen dem Fluß und dem Schloßhofe geht die Landstraße und eine Kastanienallee, die mir lieber waͤre, als der ganze Garten.“ Von der Anhoͤhe herab haͤtte ein großer Rasen bis an das Ufer des Flusses ge- leitet, und die freye Aussicht auf einen so lebhaften und mit Fahrzeugen und Schiffen bedeckten Strom erhalten werden sollen. Die Landstraße haͤtte, wegen der Lebhaf- tigkeit und Abwechselung, durch das Ende des Rasens zwischen schmalen tiefen Graͤ- ben fortlaufen moͤgen. Auch die Lusthaͤuser sind in einem schlechten Geschmack. Das Bosquet hat doch eine zu gekuͤnstelte Anlage. Unertraͤglich war mir hier ein langer Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, langer Kanal, der den Garten von einer Obstpflanzung trennt. Wie kann ein sol- ches armseliges, schmutziges, in seinem Behaͤltniß faulendes Wasser gefallen, wo man den praͤchtigen Rhein, der sich hier in eine große Flaͤche ausdehnt, sehen kann? Dieß kraͤnkt das Auge eben so sehr, als das Ohr durch die Kuͤnsteley eines kleinen Wasserfalls in einem Garten am Gestade der Ostsee beleidigt wird, die mit majestaͤ- tischen Wellen rauscht. Das Schloß zu Biberich ist von rothem Sandstein er- bauet, und hat ein edles Ansehen, ob es gleich schon von der Zerstoͤrung der Zeit leidet. Der Rhein erweitert sich viele Stunden lang in eine so ansehnliche Breite, daß man ihn fuͤr einen großen Landsee halten sollte. Sein hellgruͤnes Wasser macht gegen die Heiterkeit der Luft einen lieblichen Contrast; in einigen offenen Gegenden schlaͤgt er beym Winde betraͤchtliche Wellen. Wir hatten anfaͤnglich nicht das guͤn- stigste Wetter; es fiel zuweilen Regen, und ein starker Wind, der sich vorher erhob, war dem kleinen Fahrzeuge entgegen. Indessen ward die Luft zuweilen wieder stille; und durch den Nebel, der sich besonders bey den Bergen hinter dem Rheingau herumzog und sie mehr verduͤsterte, fielen an manchen Stellen sanfte Beleuchtungen auf die Landschaft, die sie ungemein verschoͤnerten, zumal wenn sie einen Strich von Doͤrfern und Flecken trafen. Man hat auf einige Stunden ein flaches Ufer; das zur Rechten ist das schoͤnste, denn hier zieht sich das von Trauben und Baumfruͤchten bedeckte Rheingan hin, und ist jenseits von Bergen begraͤnzt, die es gegen die Nordwinde schirmen. Das Auge wird bald von einer heitern Insel im Fluß begruͤßt, bald wieder von dem langen Anblick des Rheingaus unterhalten, wo nichts als Weinberge und Obstgaͤrten erscheinen. Das Ufer glaͤnzt von Doͤrfern und Flecken, die ihren Wiederschein im Strom verlaͤngern. Ihre Lage, ihre Bauart, ihre Daͤ- cher von graͤulichem Schiefer, dessen Farbenton besser in die Landschaft stimmt, als das harte Roth der Ziegeln, ihre Heiterkeit, die ihnen die vielen Fenster und der weiße Anstrich der Vorderseite geben, alles lacht mit unaussprechlicher Anmuth dem Auge entgegen. Kloͤster, Kapellen, Hoͤfe, kleine weiße Sommerhaͤuser, die aus dem Gruͤnen der Weinberge hervorlaͤcheln, erscheinen mit diesen Doͤrfern, Flecken und Staͤdtchen in bestaͤndiger Abwechselung. In diesen reizenden Landschaften er- schien zugleich der Johannesberg mit seinem Kloster auf der Hoͤhe, wo der koͤst- lichste Wein gedeiht. Es war eben ein wichtiges Fest der roͤmischen Kirche, Ma- riaͤ Himmelfahrt, das an diesem Tage alle Ufer belebte. Ein mannichfaltiges ge- mischtes Gelaͤute aus so vielen Kirchen, Kloͤstern und Kapellen toͤnte den ganzen Tag durch alle Gegenden; alle Oerter waren in Bewegung und in ihrem festlichen Schmucke; und bald hie, bald da zogen feyerliche Schaaren, von Fahnen und Kreuzen angefuͤhrt, den Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. den einsamen Kapellen auf den Bergen entgegen. Diese Auftritte machten die Fahrt noch unterhaltender. Bey Ruͤdesheim verengt sich das Beet des Rheins, und die Ufer erheben sich zu Bergen. Sie steigen zuweilen aus dem Wasser steil empor, und sind ganz mit Wein bedeckt. Sie schließen sich in der Aussicht so eng zusammen, daß hier die Graͤnze des Flusses zu seyn scheint. Hinter dem Staͤdtchen Bingen veraͤndert sich auf einmal die Scene. Die lieblichen lachenden Gefilde weichen zuruͤck. Man kommt in wilde romantische Gegenden. Auf beyden Seiten steigen hohe felsigte Berge empor. Zur Rechten sieht man Reben, und Asmanshausen, wo ein treff- licher rother Wein an den Felsen reift. Sparsame Blicke der Sonne sielen hie und da auf die Felsen, und uͤberraschten das Auge durch schnelle Beleuchtungen des duͤ- stern Gemaͤldes. Das Wirbeln und Rauschen des Flusses, der sich hin und wieder an versteckten Klippen in der Tiefe bricht; felsigte Hoͤhen auf beyden Seiten; Ruinen alter Schloͤsser, die an steilen Abhaͤngen kleben, schon seit Jahrhunderten zu fallen drohen und nicht fallen; die Einsamkeit in diesen wilden Gegenden; nichts Reizen- des, als ein fluͤchtiger Sonnenblick, der hie und da auf den Gipfeln schwebt, oder das Gruͤn der Reben, das die Felsen kleidet; kuͤhne Vorspruͤnge der Berge und Ue- berraschungen, welche die ploͤtzlichen Wendungen des Stroms machen; dann wieder ein ruhiges Kapellchen, das sich in die Hoͤhlung der Berge verbirgt, oder auf der Spitze eines Abhanges steht; endlich ein heitres Doͤrfchen, das unter Felsen ruht — alles dieses bildet und verstaͤrkt das Romantische dieser Gegenden, das sich zuweilen mit dem Erhabenen mischt. Von Bingen faͤngt auch das linke hohe Ufer an, in- teressant zu werden durch Doͤrfchen, Ruinen, Eichenwaͤlder und einige Weinberge; zur Rechten fast nichts als Reben auf den Abhaͤngen der Gebirge in einer weiten Strecke fort. Diese Gegend von Bingen ist ungleich malerischer, als die ersten, wegen der Felsen, Berge, Ruinen und unendlichen Wendungen des Stroms und Ueberraschungen durch unerwartete Prospecte und Sonnenblicke. Hier eroͤffnet sich die reichste Schule fuͤr den Landschaftmaler. Der Dichter findet hier nichts, als die reizende Wahrheit der Natur. Sie verstattet nichts von Erfindung des Genies, nichts von Verschoͤnerung des Kuͤnstlers mehr. Dieser ist gluͤcklich genug, wenn er darstellt, was vor ihm liegt. Das Original uͤbersteigt jede Kunst der Nachbil- dung. Jedes dichterische oder malerische Talent bleibt hier ohne eine andere Beschaͤf- tigung, als bloß die Natur zu kopiren. Welch eine Zeichnungsschule zwischen die- sen Bergen und Felsen, an deren Fuß Deutschlands erhabenster Fluß sich herum- windet! Welche Menge von den edelsten und interessantesten Gemaͤlden koͤnnte hier ausgehoben werden, wenn unsere Landschafter, die lieber die Gallerien, als die Natur V Band. U u studiren, Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, studiren, lieber nach Italien eilen, als Deutschland kennen lernen, diese Gegen- den besuchen wollten! Der Rhein ward den Nachmittag ruhiger; der Himmel erheiterte sich. Doch uͤberzogen ihn zuweilen noch sanfte Gewoͤlke, welche den Reiz der Fernen zwischen den Bergen hoben, indem sie die Hintergruͤnde malerischer verduͤsterten, gegen welche die Lebhaftigkeit der naͤhern Gegenstaͤnde contrastirte. Immer wechseln, je weiter man faͤhrt, die romantischen Gegenden von einer Mischung zur andern. Man sieht zerfallene Schloͤsser von den Seiten der Felsen haͤngen, alte Thuͤrme und Gemaͤuer mit Weinbergen untermischt, und mit Doͤrfern, die hier kleiner sind, und mehr ein- sam erscheinen. Die letzten Ueberreste aus laͤngst verflossenen Jahrhunderten hangen uͤber froͤhliche Winzerwohnungen herab, die vor einigen Jahren erbaut wurden. Die Verschließungen der Berge und die ploͤtzlichen Eroͤffnungen der Durchgaͤnge des Stroms wechseln fast mit jedem Augenblick. Mit einer aͤhnlichen Abwechselung graͤnzt das Gebiete von verschiedenen Landeshoheiten, der maynzischen, pfaͤlzi- schen, darmstaͤdtischen, trierischen, an den fortlaufenden Strom. Die Doͤrfer, die Staͤdte und Fiecken liegen wieder nahe am Wasser, und gleich hinter ihnen stei- gen Berge auf, wo noch stehende Festungen mit Ruinen von Schloͤssern auf den Spitzen wechseln. Kuͤhner und verwegener kann sich die Einbildungskraft keine Lagen bilden. Auf den duͤrresten Felsen ziehen sich Reben aus der Tiefe bis zu den Spitzen hinauf; man wundert sich zu hoͤren, daß hier Deutschlands edelster Wein waͤchst, und erschrickt zugleich bey der Vorstellung der gefahrvollen Weinlese. Das bestaͤn- dige Gelaͤute der Kloͤster und Kirchen, das feyerlich in den Kluͤften der Berge wie- derhallte, machte, vermischt mit dem hohlen Getoͤse des an den Felsen sich brechenden Stroms, eine unbeschreibliche Wirkung. Bald gleitet der Rhein in einer sanften ruhigen Flaͤche dahin, bald stuͤrmt er tobend und rasselnd zwischen den vielen Klippen, die sich unter dem Wasser verbergen, und die in den halb versperrten Durchgaͤngen, wodurch sich seine Flut diaͤngt, die oͤftern Wirbel des Stoms vermehren. Indessen erblickt man uͤber sich an den steilsten Hoͤhen, wo kaum ein menschlicher Fuß stehen kann, liebliche Weintrauben, und gleich daneben kahle Felsen oder waldigte Wild- nisse. Hier ist doch endlich das Ende des Stroms, dachte ich oder wollte ich oft denken, als auf einmal die Felsen mit ihren Vorspruͤngen zuruͤckwichen, und einen neuen Fortlauf uͤberschauen ließen. An einigen Stellen schießen wieder die Felsmas- sen, wie ein Pfeil, in den Fluß hinab. Selbst der Himmel war an diesem Tage romantisch, wie die Erde. Seltsame Gestalten von Wolken zogen sich zwischen den Folshoͤhen umher, und standen auf den Spitzen, wie Saͤulen, wandelten sich und verschwanden. Ploͤtzliche Erhellungen wechselten mit schnellen Verduͤsterungen; zwischen Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. zwischen den gedraͤngten Gebirgen lagerten sich starke Massen von Schatten; dann folgten wieder Ueberstroͤmungen von Licht und Glanz, und wir jagten auf blinkenden Wellen dahin. Wir gelangten zu dem Wirbel bey St. Goar. Als wir uͤber ihn hunveg- geflogen waren, sprudelte und tobete der Strom, als wenn ihm ein wichtiger Raub entgangen waͤre. In dieser Gegend ist er schnell und reißend; sein Beet schmal. Zuweilen erscheinen ganz oͤde, von Wein und Gestraͤuch entbloͤßte, nackte, rauhe und abgebrochene Felsberge, die keine Spur der Bewohnung zeigen; dann wieder dunkle hangende Waͤlder; verlassene Hoͤhen, wo zerbroͤckelte Reste von Bergschloͤssern trauern; ausgehoͤhlte Striche, welche den Absturz wilder Regenguͤsse bezeichnen. Hier thuͤr- men sich Berge auf Berge, Felsen auf Felsen empor. Dieß sind, mit dem Getoͤse des Stroms und dem Geheul der durchziehenden Winde verbunden, die feyerlichen Gegenden, die Ehrfurcht und eine Art von Erstaunen einfloͤßen, da die vorhergehen- den bloß Anstarren und Verwunderung erregten. Doch waͤhren diese Scenen nicht lange. Fast jede Viertelstunde erscheint eine Gegend von einem andern Charakter, oder doch von einer andern Verbindung ver- schiedener Charaktere. Oft tritt in einigen Minuten der Fahrt ein Dors, ein Klo- ster, ein Thurm, eine Ruine hervor; sie winken sich von einem Ufer zum andern hinuͤber freundschaftlich zu, und nicht selten erscheinen an einer kurzen Kruͤmmung des Stroms drey bis vier bewohnte lebhafte Oerter. Hier in diesen engen Kluͤften con- trastiet besonders das lebhafte Ansehen der weißen Haͤuser gegen die Dunkelheit der zusammengedraͤngten Gebirge. Bey Boppart sieht man auf einmal drey verschiedene Noͤnnenkloͤster, die ein- ander gegenuͤber liegen; in eben diesem Bezirk und in eben der Uebersicht erscheinen Kloͤster von Kapucinern, Franciskanern, Carmelitern. Kleine Kapellen zeigen sich bald hie, bald da. Die Gebirge, die sich dreysach uͤber einander auf- thuͤrmen, werfen einen ernsten und feyerlichen Schatten uͤber diefe stillen Wohnun- gen der Abgezogenheit von der Welt. Vielleicht laͤßt sich keine Gegend vom melan- cholischen Charakter staͤrker malen. Gegen Abend uͤberschleyerte ein sanfter Nebel die Gegenden. Die Verge schienen in der Daͤmmerung sich mit der ruhigen Flut des Rheins zu vereinigen; ihre Trennungslinien verschwanden immer mehr in der Entfernung, und alles zerfloß allmaͤhlich in eine sanft uͤbereinstimmende Verbindung. Nur die nahen Ufer und Berge blieben noch unverhuͤllt; und die magische Taͤuschung der Ferne verlor sich, indem wir uns ihr naͤherten, in Erheiterung und ruhende Wiederscheine, die gleich- sam aus dem Wasser emporstiegen. Von der suͤßen Stille des Abends eingewiegt, U u 2 schwebten Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, schwebten wir mit dem dahin gleitenden Fahrzeug bald durch die Wiederscheine, die zu wanken anfiengen, diese lieblichen Wiederscheine von Landhaͤusern, von Kloͤstern, von Weinbergen, bald durch die ernsten Massen von Schatten, die von den Hoͤhen herabsielen. Dann folgten wieder kleine paradiesische Thaͤler zwischen den Bergen, Hayne von Obstbaͤumen und friedfertige Doͤrfchen, wo hie und da nicht aus Huͤtten, sondern aus edlen Haͤusern ein Rauch, der gastfreundschaftlich das Abendessen ankuͤndigte, emporwallele. Ihre Vorderseite, nach dem Strom hingerichtet, schimmerte aus dem Schatten der Fruchtbaͤume hervor, und lockte den Voruͤberfahrenden, in diese Wohnungen der Ruhe einzukehren. Das Abendgelaͤute fieng an, durch die Daͤmmerung zu hallen, und hallte aus den Bergen zuruͤck. Von allen Seiten kuͤndigten die Kloͤster und die Dorfkirchen die Stunden des Geders an. Die Glocken antworteten sich, als haͤtten sie die Losung verstanden, und nun schlug die Aufforderung von Ohr zu Ohr. Anbetung, feyer- liche Stille, Ruhe der Seele, gelassene Erinnerung an die Vergangenheit und eine Aussicht in die Zukunst, wiewohl nur so daͤmmernd, wie der Abend, verbreiteten sich mit dem heiligen Schall durch alle umliegenden Gegenden. Diese Stimmung der Seele ward nicht wenig durch die Dunkelheit der Berge und ihre Ueberschattungen, und durch die Ruhe des Flusses vermehrt, der unter ihnen fortschlich. Die Finsterniß ward immer groͤßer; doch sahen wir noch Thuͤrme am Ufer und Ruinen auf den Spitzen der Felsen. Die Berge wichen allmaͤhlich, indem wir uns Coblenz naͤherten, erst zur Linken, dann zur Rechten; die Gegenden wurden niedriger; der Wind stuͤrmte frey herein; der Rhein schlug schaͤumende Wellen, und wir stiegen aus von einer Fahrt, bey der sich nichts weiter wuͤnschen ließ, als der lange Nachgenuß aller der Scenen und Empfindungen, die sie gegeben hatte. 8. Das alte churfuͤrstliche Schloß zu Coblenz im Thal, das am Fuß und unter dem Schutz der beruͤhmten Bergfestung Ehrenbreitstein am Rhein liegt, hat eine sehr lebhafte Aussicht auf den Strom, auf seine Bruͤcke, auf die Schiffe und Fahr- zeuge, die auf- und niedergehen. Weil es aber zerfaͤllt, so hat der jetzige Churfuͤrst, Clemens Wenceslaus, geborner Prinz von Chursachsen, den Bau eines neuen großen und praͤchtigen Schlosses unternommen, der noch nicht vollendet ist. Es steht nahe bey der Stadt Coblenz auf einer kleinen Anhoͤhe am Ufer des Rheins, und kehrt dem Fluß die Hinterseite zu. Das Werk wird von großen Sandsteinen von Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. von Grund aus aufgefuͤhrt, und beschreibt mit den Nebengebaͤuden einen weiten Zirkel. Es hat allerdings Groͤße, Pracht und Dauerhaftigkeit. Einige Stunden von Coblenz liegt Kerlich, der gewoͤhnliche Sommeraufent- halt des jetzigen Churfuͤrsten. Der alte symmetrische Garten wird jetzt ganz umge- worfen, und der Plan zu einem neuen ist bereits gemacht. Zwar besteht die Gegend fast nur aus einer Ebene. Aber es werden doch ein großes Wasser, fließende Baͤche mit Guͤssen, und ein ansehnlicher Wasserfall durch Huͤlfe der Kunst angelegt. Die neue Pflanzung wird sich nicht bloß aus einheimischen, sondern auch auslaͤndischen Baͤumen und Straͤuchern bilden, und sich um viele anmuthige Rosen winden, mit Benutzung der schoͤnen Prospecte in die umliegende Landschaft. Der Plan, den ich hier sah, und der Anfang kuͤndigt ein vortreffliches Werk an. Und dieß laͤßt sich nicht anders unter der Regierung eines Prinzen erwarten, der mit einer großen Guͤte des Herzens den feinen Geschmack und die Liebe der schoͤnen Kuͤnste vereinigt, die in seinem Hause erblich sind. Die Ausfuͤhrung ist einem Kenner uͤbertragen, der sie gluͤcklich ausfuͤhren wird, dem Herrn Reisemarschall und Kammerherrn, Freyherrn von Tuͤnnefeld. Er besitzt viele Gartenkenntniß und Eifer, und machte, um sei- nen Geschmack noch mehr zu berichtigen, der Gaͤrten wegen eine besondere Reise nach England. Mit diesem neuen Garten wird ein naher Wald, den man zu verschoͤnern an- gefangen, verbunden werden. Das Vorzuͤglichste darinn ist eine Muͤhle, oder viel- mehr ein Lustgebaͤude mit einem Saal, der von außen ganz die Gestalt einer Muͤhle hat, und wo die Bewegung des Rades und das Rauschen des Wassers nichts anders errathen laͤßt. Das Wasser fließt darauf weiter fort, und bildet in einiger Entfer- nung einen großen natuͤrlichen Wasserfall, der zwischen Gebuͤsch und Baͤumen uͤber eine felsigte Hoͤhe herabschaͤumt, und unter Gestraͤuch fortrauscht. Darauf folgen einige offene baͤurische Wirthshaͤuser oder hoͤlzerne Dorflauben mit Bruͤcken, alles so natuͤrlich und so sehr im Geschmack roher Waldscenen, daß dieses ganze Revier, das seiner Lage so gemaͤß eingerichtet ist, nicht anders als gefallen kann. Verschiedene andre Scenen in diesem Walde duͤrften noch vor der Verbindung mit dem neuen Garten zu Kerlich veraͤndert werden. In dieser Gegend besitzt auch der Herr Graf von Waltbott zu Bassenheim, Burggraf von Friedberg, einen angenehmen Landsitz. Der Garten hat ein an- muthiges Thal und einen waldigten Berg, wo noch die schoͤnern Scenen sich ver- breiten koͤnnten. U u 3 Zu Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Zu Mont-Repos bey Neuwied hat der regierende Fuͤrst einen hohen, wei- ten und waldigten Berg mit verschiedenen Anlagen verschoͤnert. Aus dem Sommer- schloß hat man den praͤchtigen Rhein im Gesicht. Bey Duͤsseldorf ist der neue churfuͤrstliche Garten vor dem Bergerthor ganz im englischen Geschmack angelegt. Zu Borbeck laͤßt die Aebtissinn von Essen, Maria Cunigunda, geborne Prinzessinn von Pohlen und Chursachsen, Schwester des Churfuͤrsten von Trier, eine Dame von großem Geist und Geschmack, einen neuen schoͤnen Garten pflanzen. In der Gegend des odern Rheins nach Maynz zu hinauf ist der Park des Herrn Grafen von Ostein zu Niederwald merkwuͤrdig. Er ist auf der Hoͤhe eines Berges, der Bingen nordwaͤrts gegenuͤber liegt, angelegt. Der weite Gipfel bil- det ein schoͤnes flaches Thal, das sich gegen Westen senkt, und von vielen herrlichen Eichen und Buchen dicht beschattet wird. In der Mitte sind laͤndliche Haͤuser auf ei- nem großen freyen Platze erbauet. Die Aussichten uͤber alle Gefilde des mit Wein und Obst angefuͤllten Rheingaus, uͤber Manz, Frankfurt und andre Staͤdte, uͤber so viele nahe und ferne Landschaften und Berge umher, und auf den Rhein hinab, diese weiten, erhabenen und romantischen Aussichten uͤbersteigen fast die Beschreibung. Der Wald, der vier Stunden im Umfang hat, ist mit Gaͤngen, Rasensitzen, Ein- siedeleyen, Lusthaͤusern und andern Ruheplaͤtzen verschoͤnert, und die Anlagen wer- den noch fortgesetzt. Die hohe Lage mit den entzuͤckenden Aussichten macht schon an sich diesen Park zu einem der schoͤnsten in Deutschland. Zu Geisenheim, einem Dorfe im Rheingau, hat ebenfalls der Herr Graf einen praͤchtigen Palast angelegt, und ihn mit einem angenehmen Garten ver- bunden. Bey der Stadt Creuznach hat der Kaufmann Herr Schmerz eine neue An- lage gemacht, wobey die natuͤrliche Beschaffenheit der Gegend mit gutem Geschmack benutzet ist. 9. Der Garten hinter dem Schlosse zu Darmstadt ist voll Ernst und Melan- cholie, und hat nichts von dem Glanz und der Pracht eines fuͤrstlichen Gartens. Selbst der wohlgebauete runde Tempel giebt ihm wegen der nahen und dichten Um- pflanzung nichts Heiteres. Es ist meistens ein wildes, einsames, verschlossenes Waldstuͤck, das mit verschiedenen fremden Baumarten durchpflanzt ist; wenigstens hat die Pflanzung so viel Regelloses, daß sie einem Waldstuͤck gleicht. Indessen gefaͤllt dieser Garten einem Herzen, das sich gern einer sanften Melancholie uͤberlaͤßt, und Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. und auch ohne die ehrwuͤrdige Scene des Begraͤbnisses wird es bald von holder Wehmuth und ernstem Nachdenken erfuͤllt. Ueberall tiefer, feyerlicher Schatten umher; keine Aussicht in die Welt; denn sie wird hier von einer umpflanzten Mauer begraͤnzt. Die Baͤume, besonders die italiaͤnischen Pappeln, die hier zu einer außerordentlichen Hoͤhe gedraͤngt emporsteigen, und mit großen babylonischen Wei- den untermischt sind, lassen nur wenige Erleuchtung von oben einfallen. Himmel und Erde scheinen mit einem Schleyer uͤberzogen. Die Pflanzung, worinn bald gerade Gaͤnge fortlaufen, bald schlaͤngelnde Pfade umherirren, hat nichts Geschmuͤck- tes, und nur wenig von kleinen Rasen, die den Schatten etwas milder machen. Mitten in diesem melancholischen Walde findet sich das Begraͤbniß der Landgraͤfinn, das diese vortreffliche Fuͤrstinn hier in Stunden, wo sie ihren Geist schon mit dem Himmel vertraut machte, voll ihres Sieges uͤber die Sterblichkeit erwaͤhlte. Hier saß sie oft in erhabenen Betrachtungen, und, von ihnen gestaͤrkt, konnte sie selbst die Stelle, wovon andre zuruͤckbeben, und kaum das Bild ertragen, die Stelle ihrer kuͤnftigen Verwesung anordnen. Hier ruhet sie nun unter einem großen Erd- huͤgel, der ganz mit dem melancholischen Epheu uͤberwachsen ist, und um den rings umher dunkle Nadelhoͤlzer mit babylonischen Weiden, die mitleidig ihre Zweige senken, in stiller Daͤmmerung trauern. Auf dem obern Ende des Grabhuͤgels steht eine schoͤne Urne von weißem Marmor, mit zwey Genien und dieser Inschrist: Hic jacet. Henr. Christina. Carol. Lov. Hass. Princ. Foemina. sexu. ingenio. vir. Nat. VII. Id. Mart. A. MDCCXXI. O. III. Kal. Apr. A. MDCCLXXIV. S. E. T. L. Ein großer Kenner der Verdienste, der Koͤnig von Preußen, schenkte dieß Denkmal dem Ruhm der Fuͤrstinn. Diese so wohl angelegte Scene macht einen Eindruck, der sich uͤber das Ganze verbreitet, einen Eindruck, den alle leere Monu- mente und Begraͤbnißzeichen nicht zu erregen faͤhig sind. Der Einheimische naͤhert sich hier mit einer heiligen Ehrfurcht und mit einem gerechten Seufzer uͤber das, was er verlor; und der Fremde wird erst von einem melancholischen Staunen, und sodann beym Nachfragen von einer so wehmuͤthigen Mitempfindung ergriffen, die ihn laͤnger, als er dachte, verweilen heißt. In der That waͤre es Schade, wenn der Garten andre Scenen, die seinem Charakter nicht zustimmen, aufnehmen, oder irgend eine Veraͤnderung leiden sollte, die seinen melancholischen Ernst zernichtete. 10. Der Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, 10. Der churfuͤrstliche Garten zu Schwetzingen bey Manheim ist beruͤhmt ge- nug. Er ward vor einigen zwanzig Jahren angefangen, und es sind unermeßliche Summen hier an eine Anlage in der alten Symmetrie verschwendet worden, Die Kosten der tuͤrkischen Gebaͤude werden allein auf 120,000 Gulden ge- schaͤtzt. Die jaͤhrliche Unterhaltung des Gartens und die Fortsetzung der Anlagen kostet etwa 40,000 Gulden. Fuͤr die Schloͤsser zu Schwetzingen und Manheim werden zusammen 60,000 Gulden ge- rechnet. ob- gleich im Anfange weit mehr, als jetzt. Der erste Fehler bey diesem Garten war, daß man keine Gegend mit mehr natuͤrlichen Abwechselungen waͤhlte, etwa naͤher nach der Bergstraße zu; und der zweyte, daß man ihn ganz in symmetrischer Manier anlegte, zu einer Zeit, da der englische Geschmack schon uͤberall bekannt war. Allein der Anleger, Herr von Pi- gage, churfuͤrstlicher Oberbaudirector, ein Franzose, scheint davon nichts gewußt zu haben. Es ward eine Ebene gewaͤhlt, und da man nun nicht die geringste Un- gleichheit dulden wollte, so ward alles geebnet. Fruchtbare Aecker und schoͤne Wie- sen verschwanden, und nun war die große Flaͤche mit Sand uͤberdeckt, wo man Muͤhe hatte, die Pflanzung fortzubringen. Der Garten ist von einem großen Umfang; desto mehr wird man durch die ewige Symmetrie ermuͤdet, die hier durchgaͤngig herrscht, bis auf einen kleinen Be- zirk, den man den englischen Garten nennt. Man sieht nichts als große, gerade Alleen, Hecken und Bogengaͤnge mit Linial und Schnur gezogen, Arcaden, Altane und Nischen von Baumwerk gebildet, eine unnuͤtze Menge von eisernem und hoͤlzernem Gitterwerk; und dazwischen Parterre, Wasserkuͤnste, stehende und liegende Figuren, meistens von Marmor in natuͤrlicher, einige von Gyps in colossalischer Groͤße, end- lich regulaͤre Wasserbehaͤltnisse. Ueberall erblickt man Kunst, Pracht und Kosten, aber desto weniger Geschmack, sowohl in Ruͤcksicht auf die Anlage des Ganzen, als auch auf einzelne Scenen. Man sehe z. B. die Scene, die man Mecca nennt, und die aus einer An- zahl von tuͤrkischen Gebaͤuden besteht, die durch Gallerien oder Arcaden verbunden sind. Diese sind so eng, daß nur eben zwey Personen neben einander spazieren koͤn- nen; und was das Sonderbarste ist, dieses Mecca liegt mitten in einer franzoͤsi- schen Parthie, wo man nach der Beschaffenheit des Platzes nichts weniger als eine Reihe von tuͤrkischen Gebaͤuden erwarten sollte. Aus der Moschee sieht man gerade nach einer aͤgyptischen Parthie, woran noch gearbeitet wird, und die, so wie die tuͤrkische, vom Himmel herabgefallen zu seyn scheint. Es ist ein Berg, worauf ein Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. ein Monument des Koͤnigs Sesostris neu aufgefuͤhrt wird. Das Monument koͤnnte nun wohl zur Taͤuschung nichts anders seyn, als einige von der Zeit fast ganz auf- geriebene Ruinen. Allein hier ist alles neu, vollstaͤndig und geschmuͤckt; die Zeit hat nichts veraͤndert. In den Gewoͤlben des Berges kommen Begraͤbnisse und Mu- mien zu stehen, und die Todten soll, wie man sagt, Charon dahin bringen. Um den Berg wird der See Moͤris gegraben. — Wie war es moͤglich, auf eine solche Idee zu fallen? Welches Interesse, welche Eindruͤcke kann sie haben? Ist es nicht gespielt, mit Erfindung sowohl, als mit Geld? Und diese Anlage, die Nachah- mung aus dem entfernten Alterthum seyn soll, diese aͤgyptische Scene mit einer tuͤr- kischen so nahe vereinigt? Lieber haͤtte man hier dem Muhamed ein Monument errichten moͤgen. Die Wasserkuͤnste zeigen nicht weniger eine seltsame Erfindung. Zwey große Hirsche, im Netze gefangen und von Hunden angegriffen, muͤssen Wasser werfen; und bey dem Bade sieht man eine der possierlichsten Scenen, indem in dem Bassin eine Eule angebracht ist, auf welche rings umher auf Gitterwerk herum sitzende Haͤhne, Tauben, Pfauen, Truthuͤner u. s. w. Wasserstrahlen herabspeyen. — Das Vorzuͤgliche in dem Garten zu Schwetzingen sind die Gebaͤude, die in der That in einem edlen Stil ausgefuͤhrt sind. Nur ist zu wuͤnschen, daß ihrem bestimmten Charakter gemaͤß auch die Plaͤtze ausgebildet seyn moͤchten. Minerva hat hier ihren Tempel, wie Apoll. Ueber dem Eingang des ersten, dessen Vor- derseite auf korinthischen Saͤulen ruhet, erscheint die Goͤttinn auf einem Wagen; die Kunst uͤberreicht ihr den Plan des Gartens, den sie billigt und auszufuͤhren be- fiehlt. Eine sonderbare Idee! Man weiß indessen, daß diese Goͤttinn nie eine Gartenkennerinn gewesen. In dem Innern des Tempels sieht man ihre marmorne Statue. Der Tempel des Apoll ist eine Rotunde, die auf zwoͤlf jonischen Saͤu- len ruhet. Der Gott der Kuͤnste mit seiner Leyer, von Marmor gebildet, steht in der Mitte. Das Werk ist dem Kuͤnstler nicht gegluͤckt; der Ruͤcken macht eine so bußfertige Beugung, als wenn er dem Rumpf des heil. Xaver zugehoͤrte. Nicht weniger ist die Verzierung des Tempels und seines Platzes verungluͤckt. Was sollen bey einem Tempel des Apoll die zwey Najaden, die aus einer Urne Wasser gießen, was uͤberhaupt diese franzoͤsische Cascade, was das Gitterwerk, was die Sphinxe, was endlich die Grotte unter diesem Gebaͤude? Auch das Badhaus ist ein schoͤnes Gebaͤude, und von einer praͤchtigen Ein- richtung. Zwey schickliche Statuen, Amor und ein Faum, stehen am Eingang. Das Bad ist von Marmor. An den Waͤnden erscheinen sechs Nymphen mit ihren Kruͤgen, halb erhoben in Gyps gearbeitet. Auch stehen Vasen voll Wohlgeruͤche V Band. X x umher. Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, umher. Die Decke ist grottenartig mit Krystall, Amethyst und andern Schoͤn- heiten aus dem edlern Steinreich geziert. Man sieht Pfeiler von deutschem Alaba- ster, und Waͤnde mit virginischem Sumach ausgelegt. Das Badhaus enthaͤlt einen kleinen Saal und vier Zimmer, mit Gemaͤlden, Basreliefs und Vergoldun- gen geschmuͤckt. Nicht weniger merkwuͤrdig ist der Tempel der Botanik. Er liegt am Ende des Gartens bey einer kleinen Baumschule, worinn schmale Gaͤnge umherfuͤhren. Die Pflanzung enthaͤlt eine Sammlung von allen Arten von einheimischen und aus- laͤndischen Baͤumen und Straͤuchern, die in der Pfalz fortkommen, und die hier mit ihrem Namen zum Vergnuͤgen der Liebhaber und zum Unterricht junger Gaͤrtner bezeichnet sind. Dieß ist eine sehr gute und schickliche Anlage. Nur Schade, daß man schon die schoͤne Natur dieser Gegend verdorben und sie in eine nackte Ebene ver- wandelt hatte, als hier die Pflanzung angefangen ward. Dieser Tempel ist rund von Stein ausgefuͤhrt, und hat die Inschrift: Botanicae silve stri An. MDCCLXXVIII. die sich auf die Baͤume und Straͤucher der nahen Pflanzung bezieht. Inwendig steht die allegorische Statue von Marmor, eine weibliche Figur mit einer Rolle in der Hand, worauf man liest: Caroli Linnei systema Plantarum; am Fuß eine Vase mit Gewaͤchsen. Die Statue steht der Thuͤr gegenuͤber in einer Nische; eben- falls in Nischen erblickt man auf den Seiten zwey große, schoͤne, marmorne Vasen mit allegorischen Verzierungen, und vier Altaͤre mit Blumen, Fruͤchten und Garten- werkzeugen geschmuͤckt. Ueber ihnen erscheinen die Bildnisse von Theophrast, Plinius, Tournefort und Linné in Medaillons; hoͤher oben die vier Jahrszeiten in Basreliefs, und die zwoͤlf Himmelszeichen fein in Gold gemalt. Die Kupel ist inwendig im antiken Geschmack verziert, und das Licht faͤllt durch sie von oben herein. Die Sphinxe am Eingange sind hier ganz unschicklich, und die zwey großen Vasen, die außerhalb auf beyden Seiten stehen, gehoͤren zum Ueberfluß. Dieser Tempel der Botanik zeigt den meisten Geschmack, und ist eine eben so gluͤckliche, als neue Erfindung. Nur sollte er in der Mitte eines heitern Bezirks voll schoͤner Blumen und Straͤucher stehen. Zu nahe bey diesem Gebaͤude, und ohne durch Vorpflanzung abgesondert zu seyn, liegen an diesem Ende des Gartens Ruinen von Tufstein malerisch gebauet. Sie scheinen ein Ueberbleibsel einer roͤmischen Wasserleitung zu seyn. Auf einem Thurm, der zu ihnen gehoͤrt, hat man schoͤne Aussichten in die umliegende Land- schaft Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. schaft auf Schwetzingen, Manheim, Heidelberg, viele Doͤrfer und die ganze Strecke der reizenden Bergstraße. 11. Bruchsal, die Residenz des Fuͤrsten Bischofs von Speyer, ist durch ihre vortreffliche Anlage und Bauart bekannt. Das Schloß ist gewiß eines der edelsten und schoͤnsten Werke in ganz Deutschland. Sein Ansehen, seine Form, seine Colonnade beym Eingang, woruͤber ein Altan sich erhebt, die Structur seines Ein- tritts, die praͤchtigen Saͤle, worunter sich der Marmorsaal ganz besonders ausnimmt, die bequeme Verbindung aller Zimmer, ihre reiche und feine Auszierung, alles ver- einigt sich, ein herrliches Werk der Architectur und des Geschmacks darzuftellen. Alle Nebengebaͤude, wozu auch besonders die Kirche gehoͤrt, machen ein treffliches Ganze aus, in Ruͤcksicht sowohl auf die Verbindungen, als auch auf das aͤußere Ansehen. Eine besondre sehr nuͤtzliche Einrichtung bey diesem Schlosse besteht darinn, daß von einem Wasserwerk, die Wasserburg genannt, die auf einer gegenuͤber lie- genden Hoͤhe in der Entfernung von einer Viertelstunde angelegt ist, in die Gemaͤcher sowohl, als auch auf den vordern und hintern Altan, und in die Kuͤche bleyerne Roͤhren geleitet sind, die man nur entzapfen darf, um sogleich eine Menge von Was- ser zu erhalten. Das Wasser, das selbst in die obersten Zimmer unter dem Dach gefuͤhrt wird, kann in den Speisesaͤlen zum Trinken und Ausspuͤlen gebraucht wer- den; vornehmlich aber leistet es seinen Dienst bey einer ploͤtzlichen Feuersgefahr, und bey entzuͤndenden Gewittern. Diese Einrichtung verdient, wo sie sich anbringen laͤßt, bey kostbaren Gebaͤuden und Schloͤssern nachgeahmt zu werden. Der Garten hinter dem Schlosse ist im alten Geschmack angelegt. Außer einigen schattigten Plaͤtzen zeichnet er sich bloß aus durch Orangerien und Treibereyen, und durch seine Fruchtbaͤume aus dem benachbarten Elsas, aus Lothringen und Frankreich. Die erwaͤhnte Wasserburg ist zugleich eine Wohlthat fuͤr die Stadt, wo aus Mangel an gutem Wasser vormals viele Krankheiten entstanden. Nun fuͤhrt die Wasserleitung von einer halben Meile her reines, gesundes und trinkbares Wasser herbey. Es sammelt sich in der Wasserburg in ein großes Behaͤltniß, das gleich- sam den Keller des Gebaͤudes ausmacht, und 1800 Fuder enthaͤlt. Von hier wird es, wie bemerkt ist, durch Roͤhren nach dem Schlosse und der Stadt hinunter geleitet, und versorgt hier die oͤffentlichen Brunnen. Ueber das Bassin erhebt sich ein starkes Gewoͤlbe, das die Grundlage des Lustgebaͤudes in der Wasserbuͤrg aus- macht. Das Gewoͤlbe ist hoch, geraͤumig und ganz trocken. Um das Wasserbe- haͤltniß geht ein Dockengelaͤnder. Man hat hier einen erhellten, angenehmen und X x 2 kuͤhlen, Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, kuͤhlen, fast unterirdischen Spaziergang bey heißem Wetter, hoͤrt das Geraͤusche des Wassers, und wird von keinen Ausduͤnstungen beschwert, indem es bestaͤndig seinen Zufluß wieder den Roͤhren abliefert und durchstreichende Lust hat. Ueber dem Ge- woͤlbe liegt ein Saal mit verschiedenen Nebengemaͤchern, die aber, die Aussicht aus- genommen, nichts Angenehmes haben. Der aͤußere Anstrich dieser nuͤtzlichen Was- serburg verdiente, anstatt der vielen bunten Farben, auf eine mehr gefallende Ein- faͤrbigkeit zuruͤck gebracht zu werden. Nahe dabey liegt das Schießhaus, das von einer etwas sonderbaren, aber seiter Bistimmung gemaͤßen Bauart ist. Es besteht aus einer laͤnglichen Arcade, deren beyden Ecken sich zwey Kubinette besinden. Aus den Arcaden wird ge- schossen, und in den Kabinetten gespeist. Hinter einem jeden von diesen beyden Ge- maͤchern geht eine bequeme Treppe nach dem flachen Dach des Gebaͤudes hinauf, das mit einem Gelaͤnder umgeben ist. Auf jeder Ecke dieses Dachs fuͤhrt wieder eine kleine Treppe zu zwey Thuͤrmen hinauf, deren offener Bezirk mit einem Ge- laͤnder umgeben und von einer auf eisernen Stangen ruhenden leichten Kupel bedeckt ist. Sie geben die groͤßte Hoͤhe dieser Gegenden. Die Aussicht ist ausgebreitet und entzuͤckend. Man uͤbersieht verschiedene Staͤdte und viele Doͤrfer, tief im Grunde Bruchsal mit seinem Schlosse und seinen Kirchthuͤrmen, und naͤher rings umher Weinberge, die zur Zeit der Lese ein froͤhliches Getuͤmmel darstellen, das hier ganz uͤberscha u et wird. Der jetzige Fuͤrst hat zu Kieslau, einem Lustschloß an der Straße noch Bruchsal, ein englisches Lustgebuͤsch anlegen lassen, worinn sich verschiedene aus- laͤndische Baͤume befinden. Die Anlage zeigt aber eben so wenig Geschmack, als die zu Waghensel, einem andern Lustschloß, wo man eine sogenannte Einfiedeley mit vier Pavillons umgeben, und selbst die Pflanzung nach ihnen symmetrisch geord- net hat. Ein naher schoͤner Wald ist hier ganz ungenutzt geblieben. Man liebt hier noch nicht das Freye und Edle der Natur und des Geschmacks, und das Genie der Gaͤrtner ist dadurch gefesselt. 12. Die Solituͤde, ein beruͤhmtes Lustschloß, nicht weit von Stuttgard, ist von dem jetzt regierenden Herrn Herzog von Wuͤrtemberg angelegt. Die Gaͤrten sind noch in der Manier der vorigen Zeit Man hat davon einen großen topo- graphischen Plan von Fischer gezeichnet und von Abel gestochen. Es werden auch naͤch- stens Abbildungen vom Lustschloß, vom Lorbeersaal u. s. w. herauskommen. ; doch sieht man eine Menge von Obst- baͤumen Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. baͤumen aller Art in den Hecken angepflanzt, und die Orangerie euthaͤlt eine solche Menge von ansehnlichen Staͤmmen daß sie vielleicht die groͤßte in ganz Deutsch- land ist. Die Gebaͤude sind hier noch merkwuͤrdiger. Das japanische Haus, das seinen Namen vielleicht nur wegen der auf seinem Dache unschicklich angebrachten Figur erhielt, ist inwendig ein sehr feines niedliches Gebaͤude. Der Marstall ist wohl der praͤchtigste in Europa; manche Fuͤrsten wohnen nicht so gut, als hier die Pferde. Auch der Lorbeersaal verdient Aufmerksamkeit wegen seiner Groͤße, innern geschmackvollen Anordnung und Verzierung mit Arbeiten in Gyps, mit Vasen und allegorischen Statuen. Das Lusischloß selbst ist zum Theil im italiaͤnischen Ge- schmack, von einer etwas ungewoͤhnlichen, aber anmuthigen Architectur. Um die Hauptetage geht ein Arcadenbau anf dessen mit einem Gelaͤnder umgebenem breiten Dach man uͤberall einen Austritt hat zum freyen Spaziergang und zum Genuß der weitesten und herrlichsten Aussichten, welche die Lage beherrscht. Das Gebaͤude ist mit einer großen schoͤnen Kupel gekroͤnt. Die Zimmer sind alle in einem edlen und praͤchtigen Geschmack verziert. Die Lage der Solituͤde ober uͤbertrifft fast alles in Ansehung der Weite der Landschaften, die man von diesen Hoͤhe uͤberschant, und der erstaunlichen Mannichfaltigkeit von Gegenstaͤnden, die das Auge an sich locken. Die Lage von Hohenheim, einem neuern noch beruͤhmtern Landsitz des Her- zogs, als die Solituͤde, ist nicht so praͤchtig, als diese. Doch hat die Landschaft umher ungemein viel Anmuthiges, und eine sanfte ruhige Laͤndlichkeit. Die Au- pflanzungen so vieler Scenen und die Anlagen so vieler Arten von Gebaͤuden sind uͤberaus merkwuͤrdig; doch kann ich davon keine vollstaͤndige Beschreibung geben, theils weil das Ganze noch jaͤhrlich erweitert wird, theils auch, weil ich das, was ich hier sah, erst nachher aufzeichnen konnte. Man weiß, daß Fremde uͤberaus selten zugelassen werden, Hohenheim zu se- hen. Ich hatte indessen die unvergeßliche Ehre, an der Seite des Durchl. Herzogs und der Frau Reichsgraͤfinn von Hohen- heim, alle Anlagen einen ganzen Nachmit- tag hindurch zu beschen. So schaͤtzbar mir diese Stunden waren, so duͤrfte ich mir doch nicht erlauben, etwas auf der Stelle aufzuzeichnen. Noch wohnt der Herzog in der soge- nannten Meyerey; es wird noch ein Schloß angebauet, so wie verschiedene andere Gebaͤude theils angefangen sind, theils in Arbeit genommen werden sollen. Da dieser Herr jetzt so viel Vergnuͤgen an der Ruhe und den sanften Annehmlichkeiten des Landlebens findet, und mit der Frau Reichsgraͤfinn von Hohenheim selbst an den feinen Verschoͤnerungen dieses reizenden Lustorts Antheil ninunt; so ist die weitere X x 3 Aussuͤh- Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Ausfuͤhrung unter mehrere Jahre vertheilt, um die Freude dieser Beschaͤftigungen laͤnger zu genießen. Die Anlagen zu Hohenheim sind eben so neu, als glaͤnzend. Man weiß, daß man sich in Italien oft mitten in den Ruinen des Alterthums anbauet, oder neue Gebaͤude mit den Resten roͤmischer Gebaͤude verbindet. Dieser Idee ist man hier gefolgt. Man sieht hier die schoͤnsten Reste von alten Gebaͤuden nachgeahmt, und diese sind unmittelbar mit Saͤlen und Kabinetten, im neuern Geschmack ange- legt und fein und praͤchtig ausgeziert, verbunden. Fast in allen Gebaͤuden herrscht ein starker Contrast der Uebergaͤnge; man erstaunt, aus taͤuschenden Ruinen, aus zerbroͤckelten Felsstuͤcken und hangendem Gemaͤuer sich auf einmal in glaͤnzende Pracht- zimmer versetzt zu sehen. Nirgends sind wohl Ruinen schoͤner gezeichnet und ausge- fuͤhrt, als hier; man glaubt in der That auf italiaͤnischem Boden zu stehen; alles ist wahr und uͤberraschend. So sind z. B. zu den großen Ruinen am Ende der An- lagen uͤber 30,000 Fuder Tusstein, der sich seiner Farbe und seines gebroͤckelten Ansehens wegen trefflich zu diesem Bau schickt, von Canstadt einige Stunden weit hieher gefuͤhrt. Die Ruinen sind das Herrlichste, was man sich in dieser Art von Nachahmung denken kann. Sie stellen mit ihrem großen, praͤchtigen und maleri- schen Wasserfall eine Nachbildung von der beruͤhmten Scene zu Tivoli vor. Das Wasser, das die Sonne mit ihren Strahlen verschoͤnert, stuͤrzt sich aus der Mitte der ehrwuͤrdigen Ruinen in einen tiefen senkrechten Fall herab, schaͤumt und brauset in dem untern Theil weiter fort, und verliert sich endlich in eine Grotte. Auf der Spitze dieser Ruinen steht eine Kirche im alten gothischen Stil, mit seltenen Fen- stern voll Malereyen auf Glase, die aus den besten Zeiten dieser jetzt verlornen Kunst sich erhalten und mit Muͤhe zusammengebracht sind. Alle Sculpturverzierungen, aͤußere und innere, und selbst der mit großen Leichensteinen voll ausgehauener, alter, geruͤsteter Figuren bedeckte Fußboden, alles ist wirklich aus der Zeit, Meisterstuͤck und Denkmal der damaligen Kunst. Hinter der Kirche sieht man seitwaͤrts das Pfarrhaus, nicht weniger taͤuschend angelegt. — Unter der Kirche laufen Kata- comben im Felsen, ganz im aͤchten Stil gebauet, und die Auszierungen mit Steinen und Inschristen sind wahre Alterthuͤmer, aus Italien herbeygeholt; auf der einen Seite christliche, auf der andern heidnische Begraͤbnisse. Man glaubt, indem die Fackel vorgetragen wird, und das Auge auf beyden Seiten herumirret, uͤberall sieht, was Zeit und Kostum fordern, bald eine halb zerstoͤrte, in Stein gehauene Inschrift, bald einen Aschenkrug, worauf seitwaͤrts von oben ein schwaches Licht in die Daͤmme- rung hereinschimmert, in die alten Katacomben Italiens hingezaubert zu seyn. — Hinter Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. Hinter diesen praͤchtigen Ruinen mit dem Wasserfall liegt der Tempel der Sybille, meistens wie der zu Tivoli, erbaut. Nahe daran ist ein neues Gebaͤude aufge- fuͤhrt, auf dessen flachen Daͤchern in verschiedenen Absaͤtzen man die schoͤnsten und weitesten Aussichten genießt, und zugleich den groͤßten Theil der Anlagen uͤber- sieht. — Außer diesen Ruinen liegen hier noch viele andre, nach Mustern alter Reste, gebaut. Gleich, wo wir eintraten, erhob sich ein fast ganz erhaltener runder Tempel aus Ruinen empor, aus welchen sich ein Wassersall stuͤrzt, der nachher einen Bach macht, sich anmuthig mit Geraͤusch fortschlaͤngelt und sehr liebliche Scenen vollenden hilft. Sodann treibt er ein Muͤhle, ganz im Stil dieser Gebaͤude mit gemeinen Zimmern. Wan tritt gleich darauf in ein nahes, schoͤnes, edles Gebaͤude, steigt eine Treppe zum flachen Dach hinauf, und auf einmal erblickt man hier einen Springbrunnen und eine kleine Orangerie umher. Man befindet sich hier oben mitten in einem kleinen Garten, und wird getaͤuscht, als ob man in Italien sey. Ueberhaupt herrscht durch die ganze Anlage ein Geist der Ueberraschung in den Gebaͤuden, der nicht lebhafter wirken kann. Aus oͤden Ruinen tritt man auf einmal in einen runden Saal mit corinthischen Saͤulen und vergoldeten Kapitaͤlern, mit Deckengemaͤlden nach herculanischen Mustern, mit Basreliefs von Marmor ganz im antiken Geschmack. Die Menge der Werke der Baukunst, die schon vorhanden sind, ist sehr zahlreich, indem sie zusammengenommen schon uͤber zwanzig steigt. Allein die Neuheit und Mannichfaltigkeit ihrer Formen und Einrichtungen macht sie nicht weniger interessant, als der gute Geschmack, womit sie ausgefuͤhrt sind; und wenn sie jetzt vielleicht ihren Bezirk etwas zu uͤberladen scheinen, so wird doch in der Folge der staͤrkere Anwuchs der Baͤume, Gebuͤsche und Gruppen, die sie umgeben, die Scenen mehr sich von einander absondern und in sich selbst ver- schließen lassen. Außer den mancherley Nachahmungen roͤmischer Ruinen, außer einer treff- lich angelegten Einsiedeley und Kapelle, erblickt man hier verschiedene laͤndliche Gebaͤude, und diese unterhalten eigentlich die Idee des reizenden Dorfs, die man sich hier so gerne denkt. Man hat verschiedene Bauerhaͤuser, Schweizer- haͤuser, ein Wirthshaus, ein Milchhaus, eine Meyerey, ein Schaͤserhaus, eine Koͤhlerhuͤtte u. s. w. angelegt. Alle diese Gebaͤude sind in dem aͤchten Stil ausgefuͤhrt, und die ganze innere Einrichtung, die selbst auf Geraͤthschaft und andre Beduͤrfnisse geht, winket auf ihre Bestimmung hin. Man sehe z. B. dieß Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, dieß Milchhaus, ein großes Gebaͤude mit dem kuͤhlenden Schirm eines weit uͤberhaͤngenden Daches; ein Brunnen beym Eingang ist hier Beduͤrfniß und Erstischung zugleich. Das Innere enthaͤlt eine niedliche Kuͤche und Kammern fuͤr Milch und Kaͤse, demnaͤchst einen großen Saal. Nicht weniger ist die Koͤhlerhuͤtte in einem dichten Pappelwald eine artige Erfindung, deren aͤußeres Ansehen das Auge taͤuscht, und deren Inneres mit einem feinen Kabinetchen uͤberrascht, das eine sehr ausgesuchte Bibliothek der Frau Reichsgraͤfinn von Hohenheim ent- haͤlt. Ein suͤßer lieblicher Aufenthalt, der die Beschaͤftigungen ihres Geistes schaͤtzen lehrt. Auf beyden Seiten erhaͤlt die Huͤtte ihr Licht durch zwey Fenster; sie lehnt sich an den Stamm einer großen, aber abgestorbenen hohlen Eiche, worinn Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. worinn sich Kamin und Rauchloch befinden. Die Lage und aͤußere Gestalt der Huͤtte erscheint in dieser Vorstellung. Nicht weit davon liegt der sogenannte amerikanische Garten, die reichste und vollstaͤndigste Sammlung von auslaͤndischen Baͤumen und Straͤuchern, die wir in Deutschland besitzen, Ein Verzeichniß davon, das nicht verkauft wird, ist 1780 zu Stuttgard in 8. auf 253 Seiten gedruckt. Es enthaͤlt bloß die lateinischen Namen mit den deut- schen und franzoͤsischen. Man findet darinn 850 verschiedene Geschlechter und Arten aufgefuͤhrt, ohne die mancherley Ab- arten. — Schon im Sommer 1783, als ich Hohenheim sah, war die Sammlung noch uͤber 400 Arten und Abarten mehr hinaufgestiegen. nach dem linneischen System geordnet, in einem schoͤnen Bezirk. Man sieht hier die seltensten Arten, und freut sich, viele Gewaͤchse aus den entlegensten Gegenden, selbst aus den Inseln der Suͤdsee , in dem gluͤcklichsten Fort- V Band. Y y Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Fortwachsen unter diesem milden Himmelsstrich von Deutschland zu sehen. Der Herzog wetteifert mit der Frau Reichsgraͤfinn in der botanischen Vertraulichkeit mit auslaͤndischen Pflanzen. Dieser Prinz, der so mancherley Wissenschaften mit einer seltenen Waͤrme und Eifer zu ihrer Befoͤrderung umfaßt, machte selbst eine Reise nach Holland und England , um die schoͤnsten fremden Gewaͤchse zu sehen und anzukaufen. Ich fand in Hohenheim wenig kuͤnstliche Gruppirung in den Anpflanzungen, aber reizende Spaziergaͤnge und schoͤne Hayne von italiaͤnischen Pappeln, mit duf- tenden Blumengewaͤchsen und Bluͤthenstraͤuchern durchpflanzt, belebt mit den Ge- faͤngen der Voͤgel und dem Geraͤusch der Baͤche. Man glaubt zuweilen in den Hayn der Goͤttinn der Liebe in Cyprien hingezaubert zu seyn. Viele seine Frucht- baͤume sind in die Pflanzungen eingestreut. Eine fast unerschoͤpfliche Quelle von Unterhaltungen ergießt sich durch das Ganze. Man erblickt bald ein edles Monu- ment, wie das, welches Hallern gewidmet ist; bald ein Gebaͤude, worinn Mo- delle von allen Werkzeugen des Feldbaues sich befinden; bald Plaͤtze mit allen Arten von Baͤumen, Straͤuchern und Pflanzen, die im Wuͤrtembergischen wild wach- sen; bald Reviere mit neuen Gemuͤsarten besetzt; bald kleine Weinberge und Feigen- pflanzungen. Dazu koͤmmt die Mannichfaltigkeit von Ideen und Erinnerungen, die aus der Menge der abwechselnden Gebaͤude entspringen, und deren Genuß durch die schattigte Verschlossenheit rings umher und durch die ruhige Entfernung von dem Getuͤmmel der Welt sich verstaͤrkt. Seit etwa zehn Jahren ist die Anlage angefan- gen; und wie viel ist nicht in diesem Zeitraum vollbracht! Die Neigung eines Fuͤr- sten, zu pflanzen und zu bauen, ist schon an sich schaͤtzbar, weil sie ihn angenehm und seine Unterthanen nuͤtzlich beschaͤftigt; allein hier ist sie mehr, naͤmlich Leidenschaft von Geschmack geleitet, und von Kenntnissen unterstuͤtzt. Von der Seite der Archi- tectur, wovon der Herzog schon vorher so manche treffliche Denkmaͤler aufgestellt, ist Hohenheim besonders eine reiche Schule fuͤr den Kuͤnstler. Nichts kann anmu- thiger seyn, als die mannichfaltigen, feinen und geschmackvollen Verzierungen in den edlern Theilen der Gebaͤude. Man sieht eine unerschoͤpfliche Fruchtbarkeit von Bildern, und die belebteste bluͤhendste Phantasie, die sie schuf. Nichts Fremdes, noch Alltaͤgliches; alles so treffend, so gewaͤhlt, so rein, so einfaͤltig und doch so voll suͤßer Wollust, daß die Haͤnde der Grazien und Liebesgoͤtter hier im Wetteifer, ein- ander zu uͤbertreffen, geformt, gemalt und ausgeschmuͤckt zu haben scheinen. Man sehe nur das Bad, um ganz die Wahrheit dieser Bemerkung zu empfinden. — Laͤndliche Ruhe, Genuͤgsamkeit, Zufriedenheit laͤcheln in so manchen sanften Scenen hervor. Und diese versuͤßen hier am meisten den Aufenthalt einer Dame voll Geist und Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. und Anmuth und Adel des Herzens, die, von den Hoͤfen geliebt und von den Ge- lehrten verehrt, Geschmack mit Belesenheit, Weltkenntniß mit einer Sanstmuth, mit einer Heiterkeit verbindet, die aus ihrem seelenvollen Auge herrschen, Empfin- dung erregen, und sie zugleich veredeln. 13. Das Schloß zu Carlsruhe gehoͤrt zu den guten und fuͤrstlichen Gebaͤuden in Deutschland , sowohl seiner aͤußern Architectur, als auch seiner innern Einrichtung und Auszierung wegen. Die etwas sonderbare Anordnung, daß die von dem Hauptgebaͤude laͤngst dem Vorhof herauslaufenden Seitenfluͤgel nicht in rechten, son- dern in stumpfen Winkeln an dasselbe stoßen, hat schon Sulzer bemerkt. Doch macht diese Anordnung keinen uͤblen Eindruck; sie giebt vielmehr, wenn man in einer gewissen Entfernung gegen die Mitte des Gebaͤudes steht, ihm ein perspectivi- sches Ansehen. Die Fluͤgel sind indessen, wie man aus der Structur des Ganzen sieht, erst spaͤter angehaͤngt, und ohne sie wuͤrde das Schloß schon ein schoͤnes An- sehen haben. Nur bemerkt man, daß das Hauptgebaͤude, das gleiche Hoͤhe mit ihnen haͤlt, sich nicht genug empor hebt. Der Thurm, der dieser Wirkung nach- helfen koͤnnte, steht ganz auf der hintern Seite des Schlosses, und weicht aus, wenn man sich naͤhert. Der Thurm ist inzwischen gut gebauet, giebt von seiner Hoͤhe schoͤne Aussichten in die Landschaften, und ist der Mittelpunkt aus einer Menge von Durchschnitten des umliegenden Waldes, von Alleen und Straßen, worinn er gese- hen wird. Auf dem Zugange zu dem Schlosse, das anmuthig im Garten liegt, hat man auf beyden Seiten Gartenplaͤtze mit Orangerien. Unmittelbar hinter dem Gebaͤude verbreitet sich der Garten, und faͤngt mit Orangerie, Rasen, Blumenstuͤ- cken und kleinen bedeckten Schattengaͤngen an. Die Anlage ist fast ganz im fran- zoͤsischen Geschmack. Man sieht Hecken, selbst von Tannen, gerade Alleen, Bo- gengaͤnge, Gitterwerke, Springwasser, regulaͤre Bassins u. s. w. Die Lage ist sehr vortheilhaft; denn, obgleich die Landschaft nur eine Plaͤne macht, so stoͤßt der Garten doch gleich an einen sehr großen und uͤberaus trefflichen Wald. Ja, die ganze Gegend, wo jetzt das Schloß und der Garten liegt, war ehemals Wald. Zu der Zeit, da die Anlage gemacht ward, war der Geschmack der Gaͤrten noch wenig aufgeklaͤrt. Man trennte daher den Garten von dem Walde, anstatt ihn damit zu verbinden, oder einen Waldgarten zu bilden; man begnuͤgte sich, gerade, einfoͤr- mige Durchsichten durch das Holz durchzuhauen. Man sieht noch jetzt, daß da, wo der Garten aufhoͤrt, eine Hecke seine Graͤnze bezeichnet, und den Anblick der schoͤnen Waldstaͤmme verbirgt, deren Aeste und Gipfel sich hinter ihr erheben. Der Y y 2 Garten Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Garten hat uͤbrigens, da, wo er nicht der alten Symmetrie folgt und heckenartig ist, verschiedene angenehme Parthien. Man hat eine Anlage im englischen Geschmack angefangen; allein die Felshaufen, die Vertiefungen und Grotten fallen ins Klein- liche, es ist keine Gruppirung da, die Baͤnke und Sitze sind noch gruͤn bemalt. Indessen koͤnnte hier bald der angenehmste Waldgarten gebildet werden. Denn uͤberall in den Zwischenraͤumen der Hecken befinden sich reiche Baumschulen von den schoͤnsten auslaͤndischen Baͤumen und Straͤuchern, die schon eine treffliche Hoͤhe ha- ben. Wuͤrfe man die Hecken weg, so wuͤrden auf einmal die anmuthigsten Pflanzun- gen, die jetzt versteckt sind, zum Vorschein kommen, und koͤnnten leicht ausgebildet werden. Man sieht hier herrliche Tulpenbaͤume, die bluͤhen und Saamen tragen, hohe Platanen, Katalpen, Gleditsien, Sumache, Robinien u. s. w. Die Menge der jungen Zoͤglinge koͤnnte verpflanzt zu neuen Scenen dienen. Das milde Klima beguͤnstigt ihren gluͤcklichern Anwuchs. — Man erinnert sich indessen an diesem Ort, vor allen andern Merkwuͤrdigkeiten, am meisten daran, daß hier einer der weisesten und menschenfreundlichsten Fuͤrsten wohnt, der, ganz Vater seiner Umer- thanen, die letzter Fesseln ihrer Leibeigenschaft zerbrach. Das Schloß zu Rastadt zeigt von außen das Gepraͤge einer reinen und edlen Architectur. Der Eingang des Hauptgebaͤudes ist mit einer Colonnade von sechs Saͤulen jonischer Ordnung geziert, und daruͤber ein Altan. Das Hauptgebaͤude hebt sich merklich zwischen den beyden hervortretenden Fluͤgelgebaͤuden, an deren un- term Stockwerk lange Arcaden laufen. Die hohe gebauete Auffahrt zum Schlosse und die dabey angebrachten Verzierungen mit Statuen, ob sie gleich ihren Vorstel- lungen nach mehr gewaͤhlt seyn koͤnnten, machen mit dem Ganzen eine lebhafte Wir- kung. Man hat vor einigen Jahren dem Schlosse einen neuen Anstrich gegeben, und dieser ist, wider alle Erwartung, rothe Ziegelfarbe, ohne Unterbrechung. Der innere Hofraum ist ganz mit Gras uͤberwachsen; ein trauriger und ruͤhrender Be- weis von der Vergaͤnglichkeit der fuͤrstlichen Herrlichkeit. Wie glaͤnzend war ehe- mals dieser Palast, als ihn Bewohnung und Feste belebten! Allemal macht es einen starken Eindruck auf die Seele, wenn man Schloͤsser, die noch vor kurzem von der Pracht der Fuͤrsten glaͤnzten und von ihrer Freude ertoͤnten, verlassen, oͤde und verfallend, und ihre Vorplaͤtze in Gras und Gebuͤsche verwildern sieht. 14. Das Schloß des Fuͤrsten und Bischofs zu Wuͤrzburg gehoͤrt zu den merk- wuͤrdigsten Gebaͤuden dieser Klasse in Deutschland , und wuͤrde selbst in Italien als ein Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. ein wichtiges Werk der Baukunst gelten. Mit Groͤße und Pracht verbindet es eine uͤberaus reiche Architectur. Eine sehr gute Abbildung davon be- findet sich im goekingschen Journal fuͤr Deutschland. 1784. 5tes Stuͤck. Das fuͤrstliche Lustschloß zu Seehof , nicht weit von Bamberg , ist ein regu- laͤres Viereck mit vier Kupeln auf den Ecken. Der Garten ist im alten Stil, und in seiner Beschreibung macht ein feiner Kenner der schoͤnen Kuͤnste, Herr Nicolai , sehr treffende Bemerkungen. Reisen durch Deutschland und die Schweiz. 1ster B. S. 118—122. Die steife und einfoͤrmige Manier der alten Symmetrie beherrscht noch viele Gaͤrten in Franken , und noch mehr in Bayern . Der vormals beruͤhmte Garten zu Nymphenburg enthaͤlt nichts als Alleen, Hecken, Kabinette, eine Menge von Springbrunnen, vergoldeten Statuen, Vasen u. s. w. Der Kenner findet hier nichts, das ihn unterhalten koͤnnte, und eilt weiter. 15. Die Kuͤnste der Baukunst, der Malerey, der Bildhauerkunst und Kupfer- stecherkunst bluͤhen lange in Chursachsen , und haben sich hier durch Kuͤnstler vom ersten Rang ausgebreitet. Man besitzt und bewundert in Dresden rausend Schaͤtze des Alterthums von Buͤsten, von Statuen, von geschnittenen Steinen; man besitzt und bewundert die groͤßten Meisterwerke der neuen Malereyen aus allen Schulen der Kunst; man hat Geschmack und Gefuͤhl fuͤr das Schoͤne der Natur, das sie hier in den herrlichsten Landschaften verschwendet. Und doch sind bis jetzt die Gaͤrten noch groͤßtentheils unverbessert, und weit unter dem Ideal, wovon die Natur so viele rei- zende Zuͤge vorbildet. Selbst nach Herrn Daßdorfs Beschreibung Beschreibung der vorzuͤglichsten Merkwuͤrdigkeiten der churfuͤrstlichen Re- sidenzstadt Dresden und einiger umliegen- den Gegenden. 1782. S. 681 u. s. w. ist der churfuͤrstliche Garten zu Dresden noch von allen Seiten mit einer Mauer umgeben, hat kuͤnstlich ausge- schnittene Buchenhecken u. s. w. Der Garten des Prinzen Anton ist neu angelegt, und hat doch noch Parterre, gerade Alleen, einen Kanal mit Buchen und Linden eingefaßt, Heckenwerk u. s. w. ganz in der Manier eines Architecten, der die An- lage ausgefuͤhrt hat. Die uͤbrigen Gaͤrten bey Dresden haben außer den reizenden Aussichten uͤber die Elbe und die umliegenden Landschaften, außer einigen guten Statuen nichts, das sie empfehlen koͤnnte; so sehr sind sie jetzt noch dem alten Geschmack unterworfen. Y y 3 Nach Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Nach Herrn Daßdorfs Beschreibung besteht ihre groͤßte Zierde bloß in Buchen- hecken oder Arcaden von Haynbuchen, die ein Parterre umgeben, von welchem von allen Seiten gerade Lindenalleen ablaufen. — Indessen hat man doch schon einen Anfang zur Verbesserung der Gaͤrten ge- macht. Von dem churfuͤrstlichen Garten zu Pillnitz ist bereits ein Theil im engli- schen Geschmack umgeschaffen. Außerdem sieht man Anfaͤnge von neuen verbesser- ten Anlagen zu Wesenstein , zu Ostra , zu Toͤbernitz , zu Thalwitz , zu Woͤlkau , zu Stoͤrmthal , zu Zschepline . Ein Mann von Geschmack, der so viele Werke des Geschmacks befoͤrderte Der Verleger dieser Theorie, Hr. Buch- haͤndler Reich. Man sieht von dieser Scene ein schoͤn radiertes Blatt von Herrn Geyser, das nicht verkauft wird, sondern das Herr Reich nur seinen Freunden schenkt. , hat in seinem laͤndlichen Garten zu Sellerhausen bey Leipzig fuͤr zwey unsrer ersten Schriftsteller, die seine Freunde waren, ein verbruͤdertes Denkmal errichtet, das so- wohl dem Herzen dessen, der es gab, als auch der Kunst eines Oesers , der es aus- fuͤhrte, Ehre macht. Es ist eine bekraͤnzte Urne, der Palmen und Lorbeern, unter einem aufgeschlagenen Buche, zur Seite liegen. Die Urne ruhet auf einer Saͤule, die auf einem mit Epheu bepflanzten Huͤgel steht, von babylonischen Weiden und Rosen umgeben. Auf der einen Seite ist Gellerts , und auf der andern Sulzers mit Kraͤnzen umwundenes Bildniß eingehauen. Das Ganze ist aus saͤchsischem Marmor gearbeitet, und die Scene uͤberaus malerisch. Aus den Gaͤrten bey Leipzig hebt sich das neue Gartenhaus des Herrn Loehr , von Herrn Dauthe erbauet, mit einer sehr edlen Architectur hervor. 16. Die Gaͤrten um und in Berlin sind, nach einer sehr genauen Beschreibung, S. Herrn Nicolai Beschreibung von Berlin und Potsdam. Neue Ausgabe 1779. 2ter B. S. 699 u. s. w. durchgaͤngig noch im alten Geschmack. Doch zeichnet sich der Garten der Prinzes- sinn Amalia aus, der weitlaͤuftig und kuͤrzlich nach der verbesserten Manier umge- bildet ist. Eben so der Garten des großen Staatsministers, Freyherrn von Zedlitz , der neu angelegt ein Denkmal von der Feinheit des Geschmacks seines Besitzers dar- stellt. Auch ist der graͤfliche schulenburgische Garten sehr angenehm, den der englische Gesandte, Herr Harris , verbesserte. Indessen sind in Berlin viele Gaͤrten schaͤtzbar durch die trefflichsten Fruchtarten, schoͤne Blumenfloren und eine Menge auslaͤndischer Gewaͤchse. So sehr man auch mit dem duͤrren Sandboden dieser Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. dieser Gegenden zu kaͤmpfen gehabt, so ist doch die oͤkonomische Gaͤrtnerey zu einer großen Vollkommenschaft empor gefliegen. Mit der muͤhsamsten Cultur ist seit etli- chen funfzig Jahren der todte Flugsand mit nuͤtzlichen und schoͤnen Gewaͤchsen belebt. Sanssouci hat nach dem Geschmack der vorigen Zeit alle Pracht eines koͤnig- lichen Gartens. Man bewundert hier einen Antikentempel voll herrlicher Alterthuͤmer, einen Obelisk, ein Portal mit korinthischen , und eine Grotte von Marmor mit jo- nischen Saͤulen; marmorne Bassins, Terrassen und Treppen und Alleen, und eine Colonnade, alles voll Statuen, Buͤsten und Vasen; Mauern mit Perlemutter, Bergkrystall, aͤchten Korallen und Muscheln ausgelegt. Die Statuen sind theils vortreffliche Antiken, die an die alte Geschichte und Mythologie erinnern, theils neue Bilder von den groͤßten Kuͤnstlern verfertigt. Die Laubengaͤnge und kleinen Lust- waͤlder haben uͤberall Statuen und Buͤsten, die Kabinette eiserne Gitterwerke und vergoldete Zierrathen; und eine hollaͤndische Parthie ist voll Glaskorallen und Por- cellan. Die große Menge von Werken der Kunst uͤberdeckt den Garten, und ver- draͤngt fast die Natur. Die Pflanzungen sind in Sternaͤlleen, in Sallons u. s. w. gezwungen. Anmuthiger durch Natur ist der sogenannte Reh- oder Fasanengarten, ein Wald, der nur durch die Kunst etwas geluͤstet und geordnet ward, und eine Menge von Fasanen enthaͤlt. Dieser Park ist in einem großen Geschmack angelegt, mit vielen amerikanischen und andern fremden Gewaͤchsen besetzt, voll vortrefflicher Stellen. Neben einem geraden Hauptweg sind zu beyden Seiten geschlaͤngelte Gaͤnge, die sich durch Hayne von den schoͤnsten Baͤumen winden, oft unerwartet zu großen und reizenden Anlagen bringen, und hin und wieder Aussichten auf Wie- sen, Wasser und Huͤgel eroͤffnen. Von verschiedenen andern Gaͤrten, die in den preußischen Staaten liegen, hat Herr Bernoulli In seiner Sammlung kurzer Reisebeschreibungen. Grundrisse bekannt gemacht, welche Fortschritte der verbes- serten Gartenkunst zeigen, die von den alten symmetrischen Anlagen ausgehen, sich doch aber auch hie und da wieder in sie verirren. Vier Meilen von Breslau hat der in Schlesien dirigirende Staatsminister Herr von Hoym , ein geschmackvoller Gartenfreund, auf seiner Herrschaft Dyher- renfurth einen Garten in der verbesserten Manier angelegt. In der Gegend von Bunzlan hat der Herr Graf von Solms und Tecklen- burg zu Klitzschdorf eine schoͤne Anlage angefangen, die nach den Einsichten dieses Kenners ein vortreffliches Ganze erwarten laͤßt. Zu Hirschberg hat der Stadtdirector, Herr Schoͤnau , ein verdienstliches Werk fuͤr seine Mitbuͤrger ausgefuͤhrt, indem er einen Galgenberg, der die herr- lichsten Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, lichsten Aussichten auf das Riesengebirge hat, in einen angenehmen Volksgarten verwandelte. Eine Beschreibung davon findet sich in meinem Gartenkalender auf 1785. 17. Dem neuen herzoglichen Garten zu Gotha , einem der vorzuͤglichen in ganz Deutschland S. 4ten B. S. 234—238. , verdient noch die kleine reizende Anlage beygefuͤgt zu werden, die von der regierenden Frau Herzoginn, einer feinen Kennerinn der Kuͤnste, angelegt ist. Außer den malerischen Aussichten in eine von der Natur und dem Anbau reich ge- schmuͤckte Ebene, und außer den anmuthigen Lustgebuͤschen, Gaͤngen und verschie- denen Scenen, erblickt man hier noch besonders mit Vergnuͤgen das Wohngebaͤude, das die Gestalt einer Kapelle im altgothischen Geschmack hat. Eine Abbildung davon ist im Gar- tenkalender auf 1782 zu sehen. Der Garten zu Woͤrlitz bey Dessau gehoͤrt, im Ganzen betrachtet, zu den edelsten Anlagen in Deutschland , wie der Besitzer zu den besten Fuͤrsten, ein Vater seiner Unterthanen, ein Freund der Menschen und ein Kenner der Kuͤnste. Er hat sein Land mit Gebaͤuden und Gaͤrten verschoͤnert, die lange Denkmaͤler seines eben so feinen als maͤnnlichen Geschmacks seyn werden. Das Landhaus ist sehr schoͤn, in einem edlen Stil, der, einige Kleinigkeiten ausgenommen, mit einer reizenden Har- monie im Ganzen und in einzelnen Theilen herrscht. Der Garten hat allerdings auch viele Schoͤnheiten, die zum Theil ein Werk der Ueberlegung sind, zum Theil aber der Lage und den zufaͤlligen Umstaͤnden zugehoͤren. Er ist ganz zu der Klasse der angenehmen zu rechnen, reich an Munterkeit und Heiterkeit der Durchsichten. Der Fluß mit seinen verschiedenen abgeleiteten Gewaͤssern, die Inseln, die Bruͤcken, die Ueberfahrten, die Pflanzungen, und die in freyen und edlen Wendungen zwischen ihnen fortlaufenden Gaͤnge wetteifern, die Reize dieses Gartens zu vollenden. Nur Schade, daß er anfaͤngt, sich hie und da in das Seltsame zu verirren. Man braucht den rohen Eisenstein so haͤufig, und versucht dadurch Felsen nachzuahmen, oder bringt ihn mit behauenen Steinen oder platten Waͤnden in einen ganz besondern Contrast. Auch liebt man das Gothische mehr, als der Charakter der Anlage zu verstatten scheint; fast alle Gebaͤude, große und kleine, werden nach dieser Bauart aufgefuͤhrt. Eine ausfuͤhrliche Beschreibung des Gartens ist lange angekuͤndigt, und wird auch vielleicht erscheinen. Indessen sind eben jetzt fuͤnf große und schoͤne Ku- pfertafeln vorausgegangen, welche den Plan des Gartens, den Aufriß, Grund- riß und Durchschnitt des Landhauses und einige Theile der Architecturverzierungen vorstellen. 18. Die Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. 18. Die Gaͤrten in Oesterreich fangen ebenfalls an, sich aus der alten Symme- trie zu dem reinen Geschmack der Natur emporzuheben. Zwar liegt der Garten bey dem beruͤhmten kaiserlichen Lustschloß Schoͤnbrunn , den Herr Nicolai Reise durch Deutschland. 3ter B. S. 85—94. mit dem Gebaͤude genau und lehrreich beschreibt, mit seinen Faͤcherbaͤumen und Heckenwaͤnden noch in unnatuͤrlichen Quadratformen. Indessen laͤßt jetzt der Kaiser zu Laxenburg einen neuen schoͤnen Garten, der vor einigen Jahren angefangen ist, in einem edlen Geschmack anlegen. Ein großer, mit Farben erleuchteter Plan Er wird nicht verkauft, sondern verschenkt. , der die Erweiterungen von 1782 und 1783 ent- haͤlt, zeigt schon vortreffliche Stellen in diesen Anlagen. Das Wasser verbreitet sich in schoͤnen Wendungen, und die weit ausgedehnten Rasen machen mit den großen Gruppen und Pflanzungen, die auf ihnen in abwechselnden Gestalten erscheinen, einen ergoͤtzenden Anblick. Ohne Zweifel werden sich diese Anlagen mehr erweitern und ausbilden, wenn der Monarch zu den sanften Geschaͤften des Friedens ganz wieder zuruͤckkehren kann. Der neue Garten, den der Feldmarschall, Graf Lascy , zu Neuwaldeck in einer vormals wilden Gegend anlegen lassen, ist nicht weniger durch seinen Besitzer, als durch die vielen Schoͤnheiten der Natur und des Geschmacks beruͤhmt, die sich in ihm verbreiten. Die bergigte Lage giebt ihm die Annehmlichkeiten der Wasserfaͤlle und weiter, herrlicher Aussichten. Eine schoͤne Beschreibung hat Herr Nicolai davon ge- geben Reisen durch Deutschland. 3ter B. S. 104—115. Außer den auch von Herrn Nicolai angefuͤhrten 4 Blaͤttern, die 1782 erschienen, und Aussichten von Reuwal- deck vorstellen, geht noch von eben dem Jahr ein Grundriß dieses Gartens aus von Mansfeld gestochen. , die hier nicht wiederholt werden darf, da sie in den Haͤnden aller Leute von Geschmack ist. Indessen erscheinen doch in diesem Garten, worinn die waldigten Hoͤhen, die Wildbahnen und Rasen sich so trefflich auszeichnen, einige Stellen, die der Kenner wegwuͤnscht, z. B. symmetrische Hecken mit einer Wasserkunst in der Mitte, Baumpflanzungen nach der Schnur, franzoͤsische Parterre, Rousseau’s Grab, das man hier nicht sucht. Der Tempel der Diana schickt sich dagegen sehr gut zu Waldbergen voll Wild, und die Statue des ruhenden Mars , so wenig auch sonst dieser Gott in Gaͤrten gehoͤrt, wird hier anstaͤndig, da sie auf die holde Ruhe des Frie- dens winkt, die ein großer Held an diesem Orte unter den laͤndlichen Schatten genießt. Cobenzels V Band. Z z Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten, Cobenzels Hof bey Wien ist ein Garten von der romantischen Gattung, den der Vicekanzler, Herr Graf von Cobenzel in einer schmalen und wilden, von hohen Bergen umgebenen Schlust, 1778 mit wenigen Verbesserungen ausgebildet hat. Die Beschreibung, die Herr Nicolai davon giebt Reisen, 3ter Th. S. 116—118. , ist so schoͤn, und stellt eine so reizende Anlage dar, daß ich verfuͤhrt werde, sie hier wieder zu geben, zumal da ro- mantische Gaͤrten doch immer zu den seltenen gehoͤren. „Das Haus ist nur sehr klein, sagt er, aber niedlich. Es liegt auf einer klei- nen Anhoͤhe, zwischen hohen bewachsenen Bergen, in einer angenehmen Wildniß. Nahe an demselben geht man zuerst auf verschiedenen Wegen, die rund um die Anhoͤhe, worauf das Haus stehet, laufen, wo bey jeder Wendung Baͤnke zum Ausruhen sind, nach und nach ins Thal hinunter. Man geht alsdann links uͤber einen Steg, und so wieder nach und nach bergan durch den wilden Wald hindurch. Man kommt alsdann rechts wieder fanst herab, neben einem klaren Bache, in welchen in kleinen Entfernun- gen glatte Steine gelegt sind, damit er rieselnd herunter falle. Endlich erblickt man einen hohen gruͤn bewachsenen Huͤgel. Oben auf demselben liegt ein Hund in einem Haͤuschen, der aber die Wanderer ohne Bellen weiter gehen laͤßt. Auch geht der Weg nicht den Huͤgel hinau, sondern man geht tiefer herunter zu einem dunkeln Eingange, der sich etwas windet, und noch dunkler wird. Mit einem mal faͤllt von oben Licht hinein, und man befindet sich in einer ziemlich hohen gewoͤlbten Grotte, welche aus rohen Sandsteinen so zufammen gebauet ist, als ob sie aus dem Felfen gehauen waͤre. In derselben ist eine lebendige, bestaͤndig sprudelnde Quelle, welche ein ziemliches Be- cken voll sehr klaren Wassers macht. Daran sind steinerne Stufen angebracht, so daß man, so tief man will, zum Baden hineinsteigen kann. Neben der Quelle stellt ein breiter Stein einen Tisch vor. Auf demselben lag eine Stelle, aus Wielands Oberon, Alfons uͤberschrieben, auf einem Bogen besonders abgedruckt. — Nach- dem wir uns in dieser angenehmen Grotte eine Zeitlang verweilt, und besonders in diesem reizenden Aufenthalte die schoͤne Stelle aus dem Oberon , die wir so unver- muthet und zu so gelegener Zeit fanden, nicht ungelefen gelassen hatten; giengen wir weiter, und kamen an einen kleinen Wasserbehaͤlter, in welchem eine lebendige Quelle aus einem Steine springt. Wir giengen nun herunter, und fanden noch zwey kleine Wasserbehaͤlter, welche Kaskaden machten. Von da stiegen wir wieder einige stei- nerne Staffeln hinauf, und kamen in einen dunkeln Weg, der am Berge herum und neben einem Eiskeller vorbeyfuͤhrte. Und nun, indem wir noch etwas hinauf stiegen, und uns wendeten, waren wir mit einem mal aus der dunkeln einsamen Gegend heraus, und befanden uns in einem Thale, rund herum mit Bergen umkraͤnzt, welche dicht mit Lustschloͤssern, Landhaͤusern, Gartengebaͤuden ꝛc. mit hoch belaubten Baͤumen befetzt sind. Vor uns war ein Teich, auf welchem Schwaͤne, tuͤrkische Enten, und anderes Gefluͤgel schwamm; und wir erblickten wieder das Wohnhaus auf der Anhoͤhe, welches eine schoͤne Wirkung that, nachdem wir so lange in romantischen einsamen Gaͤngen herumgewandelt hatten. Von da giengen wir nach einer kleinen Fasanerie, in deren Nachbarschaft eine artige kleine englische Pflanzung von allerhand auslaͤndischem Buschwerk angelegt ist, und so ka- men wir wieder nach dem Wohnhause zuruͤck. So klein verhaͤltnißmaͤßig diese An- lage ist, so anmuthig ist sie. Die natuͤrliche Lage der Gegend ist hier sehr zu Huͤlfe gekommen; aber sie ist mit großem Verstande gebraucht, so daß diese Anlage ein Muster ist.“ Naͤchstdem ruͤhmt Herr Nicolai das Landhaus des Fuͤrsten von Kaunitz- Rittberg als das einfachste und angenehmste unter allen uͤbrigen in den Vorstaͤdten von Wien . Auch verdienen die reizenden Lustgebuͤsche und Spaziergaͤnge des neuen Gartens erwaͤhnt zu werden, den Herr Hofrath von Spielmann in Wien angelegt hat. Wer uͤbrigens sowohl von den Wiener Schloͤssern und ihrer Auszierung, als auch von den ihnen zugehoͤrigen Gaͤrten, die noch ganz im alten Geschmack angelegt, aber zum Theil durch schaͤtzbare Sammlungen seltener auslaͤndischer Gewaͤchse merk- wuͤrdig sind, umstaͤndliche Nachrichten wuͤnscht, fuͤr den hat Herr Bernoulli in seiner Sammlung kurzer Reisebeschreibungen gesorgt. 14ter B. S. 3—96. Man sehe auch den 12ten B. Z z 2 Beschluß. Zweyter Anhang. Kurze Nachrichten von Gaͤrten ꝛc. Beschluß . Hier ist der ruͤhrende Augenblick, da ich euch verlassen soll, unschuldige Ge- spielinn meiner Jugend, holdselige Natur, und du, ihre juͤngste Tochter und Schuͤ- lerinn, schoͤne Gartenkunst, beste Gesellschafterinn meiner maͤnnlichen Jahre. Wie der Braͤutigam, seine junge Verlobte, von der ihn das Schicksal sich trennen heißt, mit der Thraͤne der Zaͤrtlichkeit noch einmal anzublicken, mit der lauten Sehnsucht nach der Wiederumarmung noch einmal nach ihr zuruͤckzuschauen, vor den Augen der umstehenden Freunde nicht erroͤthet; so scheide ich jetzt von dir, geliebte Gartenkunst, Schoͤpferinn der suͤßesten, der edelsten, der bestaͤndigsten Freuden, die auf der Bahn des Lebens bluͤhen, der Freuden fuͤr jedes Alter, fuͤr jeden Stand, fuͤr jede Situa- tion des Menschen, der Freuden, die der Buͤrger mit den Koͤnigen theilt. Schoͤne, durch alle Jahrhunderte nie verbluͤhende, alle empfindende Nationen immer entzuͤ- ckende Natur, die du fuͤr den Menschen so reizend bist, und fuͤr die der gute Mensch so fuͤhlend ist, o! du, die ihn ergoͤtzt und ihn troͤstet, die ihn erquickt und ihn be- lehrt, die ihn bildet und ihm durch tausend abwechselnde Auftritte Befriedigung aller Beduͤrfnisse, Unterhaltung aller Empfindungen entgegentraͤgt — laß dir dieß Werk gefallen, das sich bestrebte, die Kunst der Gaͤrten zu dir, ihrer wahren Lehrerinn, zuruͤckzufuͤhren, von dem eiteln Pomp und von dem falschen Wahn, der sie von dir trennte. Und indem du durch Wahrheit, durch Einfalt, durch Grazie herrschest und alle deine Bildungen mit ihrem Geiste belebst, so schlage durch ihr maͤchtiges Gefuͤhl das letzte Vorurtheil der Zeit nieder, laß den gereinigten Geschmack auf dei- nen Fluͤgeln siegreich emporsteigen, und uͤberall die große Erfahrung verbreiten: Gott schuf die Welt, und der Mensch verschoͤnert sie. Verzeich- Verzeichniß der Kupferverzierungen . Nr. 1. Tempel des Morgens, von Herrn Schuricht. Seite 7. Nr. 2. Ein dem Morgen geweiheter Tempel, von Herrn Weinlig. S.9 Nr. 3. Ein frey stehender Speisesaal, von Herrn Weinlig. S. 13. Nr. 4. Ein freyes Bad, von Herrn Brandt. S. 14. Nr. 5. Tempel des Abends, von Herrn Schuricht. S. 19. Nr. 6. Pavillon, dem Abend gewidmet, von Weinlig. S. 21. Nr. 7. Windthurm, der Mitternacht und Astronomie gewidmet, von Weinlig. S. 24. Nr. 8. Lustschloß von Brandts Erfindung in einem praͤchtigen Charakter, mit zwey zuruͤckstehenden Seitenfluͤgeln. S. 31. Nr. 9. Lustschloß von Herrn Schurichts Erfindung im praͤchtigen Styl. S. 32. Die Wohnungen der Gaͤste, Officianten und Bedienten, wie auch Konditerey, Kuͤchen und Staͤlle koͤnnen in kleine umliegende Gebaͤude vertheilt werden, wovon jedes nach seinem Ge- brauch zu charakterisiren ist. Der Grundriß zeigt 1. Vestibule, Seite der Damen. 2. 3. 4. Vor- zimmer und Garderoben. 5. Ein von oben erleuchteter Gang, der zu den 6. 7. 8. 9. Spiel- und Gartenzimmern fuͤhrt. 10. Buffets. 11. Boudoir. 12. Schlafzimmer. 13. Toilette. 14. Wohnzimmer. 15. Schreibcabinet. 16. Gesellschaftszimmer von oben erleuchtet. 17. 18. 20. 21. 23. 24. 25. 26. Gesellschaftszimmer. 19. Bildergallerie. 22. großer Saal von oben erleuchtet. — Seite des Herrn. 27. 28. Bibliotheken von oben erleuchtet. 29. 30. Vorzimmer. 31. Wohnzimmer. 32. Schlafzimmer. 33. Schreibcabinet. 34. Serre Papier. 35. von oben erleuchteter Coridor. 36. 38. 40. 42. Spielcabinets. 37. 39. 41. Buffets. Nr. 10. Lustschloß von Herrn Schuricht, in einem weniger praͤchtigen Styl als Nr. 9. S. 33. Vor dem ganzen Gebaͤude auf der Hofseite laͤuft ein bedeckter Saͤulengang vorbey, der auf beyden Seiten an kleine Gebaͤude anstoͤßt, worinn die Officen- Gaͤste- und Officianten- Wohnungen liegen, aber aus Mangel des Raums hier nicht angegeben werden konnten. Vor dem Hof macht dieser Gang ein großes Portal, durch welches man auf einen Appareil in den Hof faͤhrt. Grundriß. 1. Bestibule. Zu den Seiten der Damen geboͤren: 2. 3. Vorzimmer. 4. Vorhaus. 5. Vorzimmer. 6. 7. Garderoben. 8. Schlafzimmer. 9. Wohnzimmer. 10. Visitenzimmer. 11. Cabinet. Zu des Herrn Seite. 22. Vorhaus. 23. 24. Vorzimmer. 25. Garderobe. 26. Schreibcabinet. 27. Schlafzimmer. 28. Serre Papier. 29. Wohn- zimmer. — 12. Tanzsaal mit zween großen Nischen fuͤr die Buffets und einem in der Hoͤhe erbauten Orchester. 21. Speisesaal. 13. 20. Bestibule in Gestalt runder Tempel. 14. 15. 17. 18. 19. Gesellschaftszimmer. 16. Saal. Nr. 11. Lustschloß von Brandt, in einem weniger praͤchtigen Styl als Nr. 8. S. 34. V Band. A a a Nr. 12. Verzeichniß Nr. 12. Landhaus von Herrn Schuricht, in einem edlen Styl. S. 37. Dieses Gebaude besteht aus einem Souterrein, Bel-Etage und Dachgeschoß. Es ist zur Landwohnung eines Generals bestimmt, wohin die Verzierung der Fagade mit Armaturen und des Einganges mit zwey schlafenden Loͤwen zielt. Ueber dem Eingange und der Freytreppe steht noch ein gemauertes Entrefol. Auf der Gartenseite macht der große Perron, der zwischen den Fluͤgeln eingespannt ist, eine Art von Terrasse. Grundriß. 1. Vestibule. 2. Vorzimmer. 3. Schreibcabinet. 4. Schlafzimmer. 5. Wohnzimmer. 6. Cabinet. 7. Vorzimmer. 8. Garderobe. 9. Besuchzimmer. Alle fuͤr den Herrn — Fuͤr die Frau sind: 14. Vorzimmer. 15. 16. Garderobe. 17. Spielcabinet. 18. Besuchzimmer. 19. Wohnzimmer. 20. Schlaf- zimmer. 21. Boudoir. — 11. Saal. 10. 12. 13. Gesellschaftszimmer. Nr. 13. Kapelle von der Erfindung des franzoͤsischen Architecten Peyre aus seinen Oeuvres d’Architecture. fol. Paris 1765. S. 39. Nr. 14. Kapelle zu Gibside in Durham aus des englischen Architecten Paine Plans, Elevations and Sections of Noblemen’s and Gentlemen’s Houses etc. S. 40. Nr. 15. Landhaus im edlen Styl, von der Erfindung des englischen Architecten Swan. S. 46. Aus seiner Collection of Desings in Architecture, containing new Plans and Elevations of Houses \&c. fol. 2 Vol. London. Dieses Werk, wovon jeder Band 60 Kupfertafeln hat, ist deswegen merkwuͤrdig, weil es eine Menge Grundrisse und Aufrisse von Haͤusern und Villen fuͤr Privatpersonen in einem einfachen und reinen Styl enthaͤlt. Nr. 16. Kleines Landhaus oder Sommerhaus aus Swan’s Architecture. S. 51. Nr. 17. 18. 19. Drey verschiedene Landhaͤuser in einem aufsteigenden Styl, fuͤr Buͤr- ger und Privatpersonen, von Herrn Schurichts Erfindung. S. 56. 57. 58. Nr. 17. Eine bequeme Ville. Im untern Stockwerk 1. der Saal. 2. Cabinet zum Schenk- tisch oder Spiel. 3. Kuͤche. 4. Speisegewoͤlbe. 5. Stuͤbchen fuͤr Kuͤchenleute oder Gesinde. In dem obern Stockwerk 6. Schreibcabinet. 7. Schlafzimmer. 8. Wohnzimmer. 9. Speise- zimmer. 10. Cabinet. 11. Flur, die, wenn die Treppe Thuͤren bekommt, geheizt werden kann. 12. Schlafkaͤmmerchen fuͤr einen Bedienten. Im Dachgeschoß koͤnnen Stuben fuͤr Do- mestiken und Vorrathstammern angelegt werden. Nr. 18. Eine etwas groͤßere Privatwohnung auf dem Lande. Sie besteht aus einem Sou- terrein fuͤr die Officen, Bel-Etage, und Entresol fuͤr die Familie und Officianten. Die hier gezeichnete Aussicht ist von der Hosseite. Der Grundriß ist von der Bel-Etage. Durch eine Thuͤre im Erdgeschoß kommt man in das 1. Vorhaus, aus welchem man auf doppelten Treppen beyderseits in die 2. und 12. Vorzimmer geht. 3. Cabinet. 4. Wohnzimmer. 5. Schlafzimmer. 6. Besuchzimmer, alle vier fuͤr den Herrn. 7. Speisesaal. — 8. Besuchzimmer. 9. Wohn- zimmer. 10. Schlafzimmer. 11. Cabinet, alle vier fuͤr die Frau. 13. Kammer fuͤr die Kammerjungfer. Nr. 19. Ein noch groͤßeres Landhaus. Es besteht aus Parterre, Bel-Etage und Entresol. Das erste ist mit einem bedeckten gewoͤlbten Gange umgeben, welcher in der Bel-Etage eine freye Gallerie um das Haus herum macht, auf welche man durch die Seitenthuͤre des Saals und der Kupferverzierungen. und des Vestibuls kommt. Die Aussicht ist von der Gartenseite genommen. 1. Vestibule mit einer Doppeltreppe. 2. Vorzimmer. 3. Schlafzimmer fuͤr einen Bedienten. 4. Cabinet. 5. Schlufzimmer. 6. 7. 9. 10. Gesellschaftszimmer. 8. Saal. 11. Kuͤche. 12. 13. Speisege- woͤlber. 14. Kuͤchenstube. 15. Kammer fuͤr den Koch. Nr. 20. Landhaus fuͤr eine Privatperson aus Swan’s Architecture etc. S. 59. Nr. 21. Landhaus fuͤr eine Privatperson, etwas edler, als das vorhergehende, von Swan’s Erfindung. S. 62. Nr. 22. Landhaus fuͤr einen Privatmann, von J. Carter’s Erfindung. Aus dem Builder’s Magazine etc. by a Society of Architects. 4. London. 1774. 2 Vol. S. 64. Der erste Band dieses an Materie und Kupfern sehr reichen und schaͤtzbaren Werks giebt einen richtigen Architecturbegriff in alphabetischer Ordnung und die Erklaͤrung der Kupfertafeln. Diese fuͤllen den zweyten Band und enthulten Grundrisse, Aufrisse und Durchschnitte von einer großen Menge von Gebaͤuden aus allen Gattungen, besonders von Landhaͤusern und Garten- gebaͤuden. Nr. 23. Waldhaus von J. Carter’s Erfindung aus dem Builder’s Magazine. S. 67. Nr. 24. Ein gothischer Tempel eben daher. S. 84. Nr. 25. Tempel der Gesundheit, von Herrn Schuricht gezeichnet. S. 89. Nr. 26. Ein Speisesaal zu Forcett in Yorkshire, vom Architecten J. Paine. S. 91. Nr. 27. Ein freyes Lustgebuͤsch von Herrn Brandts Zeichnung. S. 101. Nr. 28. Carroussel von Wilhelmsbad, ein englisches Blatt. S. 103. Der Abdruck dieses Kupfers sollte Seite 105 stehen. Nr. 29. Vorplatz des Landhauses zu West-Wycomb in Buckshire, nach Hannan und Woollet. S. 120. Nr. 30. Vorplatz des Landhauses zu Coombank in Kent, nach Woollet. S. 125. Nr. 31. Kleine laͤndliche Meyerey, von Herrn Brandts Erfindung. S. 145. Nr. 32. Laͤndliche Bruͤcke zu einer Fischerhuͤtte von eben demselben. S. 152. Nr. 33. Eine solche zu einen Thiergarten, von ebendemselben. S. 157. Nr. 34. Eine Schweizergegend mit einzelnen Bauerhaͤusern nach der im Canton Bern uͤblichen Bauart, von Herrn Prof. Zingg in Dresden. S. 165. Nr. 35. Eine Landschaft mit schoͤnen Lagen fuͤr Landwohnungen, von Brandt. S. 170. Nr. 36. Eine laͤndliche Huͤtte, von Herrn Schuricht. S. 175. Nr. 37. Monument von Rousseau. S. 262. Nr. 38. Nuneham. Landhaus in einer reizenden Lage. S. 275. Nr. 39. Kilcairn oder Kilchurn. Landhaus in einer melancholischen Lage. S. 276. Nr. 40. Strath-Tay. Landhaus in einer romantischen Lage. S. 277. A a a 2 Nr. 41. Verzeichniß der Kupferverzierungen. Nr. 41. Alnwick. Landhaus in einer feierlichen Lage. S. 278. Nr. 42. Grundriß des neuen Sommerschlosses der Herzoginn von Braunschweig. S. 317. Die beyden Saͤaͤle A und B gehen durch beyde Geschosse. Die Vestibule C desgleichen. Um in der zweyten Etage nach der noͤrdlichen Seite zu kommen, ist eine Gallerie bey D an- gebracht. Nr. 43. Landhaus Castle-Howard in Yorkshire, aus den New Display of the Beau- ties of England. S. 320. Nr. 44. Landhaus zu Wentwort in Yorkshire, eben daher. S. 327. Nr. 45. Milchhaus zu Hohenheim. S. 352. Nr. 46. Koͤhlerhuͤtte zu Hohenheim. S. 353. Nr. 47. Landhaus zu Moor-Park bey Rickmanns-Worth in Hertfordshire, aus den New Display of the Beauties of England. S. 363. Nr. 48. Scenen aus dem Park des Barons Dashwood zu West-Wycomb in Buckshire, nach Woollet. S. 364. Verzeich- Verzeichniß der vornehmsten Materlen und Kupferabbildungen aller fuͤnf Baͤnde. A. A bend , Abbildung eines demselben ge- weiheten Tempels, V, 19. eines sol- chen Pavillons, 21. Abendgarten , V, 15. Aetna , dasige Aussichten, IV, 121. Akademische Gaͤrten , V, 74. Alcinous , seine Gaͤrten, I, 10. Algier , Gaͤrten daselbst, I, 107. Allee , II, 64—70. Alnwick , Beschreibung, V, 277. Abbil- dung des dasigen Landhauses 278. Amerikanische Gewaͤchse , ihre Vorzuͤge, IV, 10. Angenehme Gegend, I, 210. Anmuthigkeit , landschaftliche, I, 174 — 176. der Lage der Landhaͤuser, III, 10—12. Anhoͤhe , ihr Charakter I, 190. 191. Anordnung der Landhaͤuser, III, 16—25. der Baͤume und Straͤucher, IV, 48. Anstrich der Gartengebaͤude, III, 45. Aranjuez , Garten, I, 49, 50. Arnouville , dasiger Park, V, 259. Aschaffenburg , dasige Gaͤrten, V, 330. Aschberg , Garten, I, 75—81. Augustenburg , dasiger Garten, IV, 182. Außenseite , der Landhaͤuser, III, 21. Aussichten , ihre verschiedenen Charaktere, I, 203—207. auf dem Meerbusen von Neapel, als ein Beyspiel des Con- trastes, I, 180. 181. auf dem Berge Chaumont bey Neuschatel, I, 195—197. vom Aetna, als ein Beyspiel des Erha- benen, I, 203—205. bewegliche oder belebte Aussichten, I, 171—173. 206. wie sie auzulegen, IV, 54. B. Babylanische Gaͤrten, I, 7. 8. Bach , Charakter und Bildung desselben, II, 110—113. Bad , Abbildung eines freyen, V, 14. Badhaus , III, 39. Abbildung eines, IV, 154. Baum , einzelner, II, 31—33. ihre Anord- nung, 63. Baumgruppen , II, 33—37. Baͤume , ihre neue gartenmaͤßige Einthei- lung, II, 14—24. wie sie in Gruppen zu ordnen, IV, 61. Begraͤbnißoͤrter , Gaͤrten dabey, V, 117. Belleisle , Beschreibung des dasigen Gar- tens, IV, 75. Berggaͤrten , ihre Einrichtung, IV, 33. Berlin , Gaͤrten, V, 358. Bernstorf , des Landhauses Abbildung, II, 129. Garten, III, 223. 226. Bewegung , als ein Theil landschaftlicher Anmuth, I, 171. 172. was der Garten- kuͤnstler dabey zu beobachten, 172. 173. Blumen , ihre Anwendung und Anord- nung, II, 76—80. Blumengaͤrten , V, 60. Bluͤthe , Eintheilung der Gewaͤchse nach ihrer Farbe, IV, 42. nach ihrem Ge- ruche, 46. Braunschweig , Gaͤrten daselbst, V, 316. A a a 3 Brese , Verzeichniß Brese , Garten, III, 231—247. Bridgman , verbessert den alten Garten- geschmack, IV, 4. Bruchsal , Anlagen daselbst, V, 347. Bruͤcken , III, 122. 123. Abbildung ver- schiedener, IV, 107. 111. 115. zu einer Fischerhuͤtte, V, 152. zu einem Thier- garten, 157. Gelaͤnder dazu, IV, 181. 190. 198. 205. Buͤrgerliche Gaͤrten , V, 47. C. Cabinette , Kupferstiche von Erfindungen, I, 8. 9. 71. 74. III, 54. 58. Studier- cabinet, II, 55. Caldwell , Beschreibung des dasigen Gar- tens, IV, 78. Canarische Inseln, Gaͤrten daselbst, I, 108. Capellen in Gaͤrten, ihre Anlage, III, 108 — 109. Carlsberg , Abbildung des Schlosses, II, 24. Beschreibung, IV, 125. neue An- lagen daselbst, V, 232. Carlsruhe , Garten daselbst, V, 355. Carroussel von Wilhelmsbad, Abbildung, V, 103. Cartown , Beschreibung des dasigen Gar- tens, IV, 75. Cassel , Gaͤrten daselbst, V, 321. Castle-Howard , Abbildung des dasigen Landhauses, V, 320. Caversham , schoͤner Zugang zu demsel- ben, II, 66—68. Charakter , verschiedener in den Landschaf- ten, I, 186—189. China , Gaͤrten daselbst, I, 81—83. Cham- bers Beschreibung davon, 83—94. Gruͤnde gegen die Wirklichkeit der chi- nesischen Gaͤrten, wie sie Chambers be- schreibt, 94—103. Clima , Gaͤrten nach dessen Verschieden- heit, IV, 31. Cocken , romantischer Garten, IV, 108. Contrast , in der Landschaft und in Gaͤr- ten, I, 180—185. Craighall , romantischer Garten, IV, 110. Crouchets Garten zu Gibraltar, IV, 120. D. Dach bey Landhaͤusern, III, 24. 25. Damascus , Gaͤrten daselbst, I, 105. Daͤnemark , dasige Gaͤrten, V, 282. Dargle , ein Thal, IV, 123. Darmstaͤdtische Gaͤrten, II, 157—160. V, 342. Denbigh , dasiger Garten, IV, 87. Deutschland , seine Gaͤrten, I, 72, 73. V, 315. Dieburg , dasiger Garten, V, 324. Donnington-Castle , dasiger Garten, V, 43. Doͤrfer , Verschoͤnerung derselben, V, 159. Dovedale , romantisches Thal, I, 214 — 216. Dresden , Gaͤrten daselbst, V, 357. Drottningholm , Beschreibung, V, 283. Duncombe , Garten, 59—62. Dunkettle , Beschreibung des dasigen Gar- tens, IV, 76. E. Ebene , ihr Charakter und ihre Ausbil- dung, I, 189. 190. Eckhof , dasiger Garten, IV, 224. Edgecombe , dasiger Garten, IV, 117. Einsiedeleyen , Beschreibung verschiedener wirklicher, I, 223—227. III, 99—102. ihre Anlage in Gaͤrten, 96—106. Ab- bildungen neuer Erfindungen, 97. 99. 102. 105. 108. Abbildung der zu Ma- rienwerder, IV, 85. Elysium , Nachahmung in Gaͤrten, III, 137. Ems , Beschreibung, V, 107. England , Gaͤrten daselbst, I, 53—55. V, 270. Landhaͤuser und Abbildungen davon, 54. Kupferstiche von Parks, 69. dasiger Gartengeschmack, IV, 3 f. 13. Envil , Garten, II, 161—174. Ermenonville , dasiger Park, V, 259. Escurial , Garten, I, 48. F. Fabrwege in einen Park, II, 197—199. Farbe , als ein Theil landschaftlicher Schoͤn- heit, I, 168—170. was der Garten- kuͤnstler in Ruͤcksicht auf sie zu beobach- ten hat, 170, 171. Feier- der vornehmsten Materien und Kupferabbildungen. Feierliche Gegend, I, 220—227. Feldspazierwege , V, 126. Felsen , ihr Charakter, I, 192. 193. Fenster bey Landhaͤusern, III, 21. Fischerhaus , III, 38. Florenz , dasige Gaͤrten, V, 240. Fluͤgel bey Landhaͤusern, III, 19. 20. 22. Fluß , sein Charakter und seine Bildung, II, 106—110. Forcett in Yorkshire, Abbildung des da- sigen Speisesaales, V, 91. Formark , dasiger Garten, V, 44. Frankreich , Gaͤrten daselbst, I, 35—39. V, 255. Kupferstiche davon, I, 36. Friedensburg , Abbildung des Schlosses, II, 4. Garten, III, 171—196. Friedrichsberg , Garten, III, 217— 218. Friedrichsburg , Abbildung des neuen Gartengebaͤudes, II, 13. Fruͤhlingsgarten , IV, 139. Fuͤrstliche Gaͤrten , V, 26. G. Gaͤnge , II, 130—134. Gaͤrten , ihr Ursprung, I, 3. Charakter der ersten, 4. warum sie bey den Al- ten weniger gebluͤhet, als die andern schoͤnen Kuͤnste, 5. sind Denkmaͤler von dem Charakter der Nationen, 6. ihre Bestimmung, Wuͤrde und Einfluß, 154 —158. Bestimmung des Begriffes, IV, 20. Eintheilung der Gaͤrten, 27. Gaͤr- ten nach dem Unterschiede des Clima, 31. nach der Lage, 33. nach dem Charak- ter der Gegend, 38 heiterer Garten, eb. sanft melancholischer, 81. romantische, 90. feyerliche, 116. zusammengesetz- te, IV, 127. nach dem Unterschiede der Jahreszeiten, 139. nach den Tageszei- ten, V, 1 f. nach dem Charakter ihrer Besitzer, 26 f. koͤnigliche und fuͤrstli- che, eb. fuͤr adeliche und Standesperso- nen, 36. buͤrgerliche, 47. laͤndliche, 65. Volksgaͤrten, 68. akademische, 74. bey Kloͤstern, 78. bey Gesundheits- brunnen, 85. bey Hospitaͤlern, 115. ber Begraͤbnißoͤrtern, 117. Gartengebaͤude , kleine, die Bequemlich- keit mehrerer zur Bewohnung, II, 148. Mangel an guten Mustern derselben, III, Vort. 3. ihre Einfuͤhrung, 3. ihre Ein- richtung zur Bewohnung, 35. 36. ihre mannichfaltigen Bestimmungen, 36—39. ihre Anordnung, ihr Anstrich, ihre Ver- zierung, 41—53. Gartengebaͤude als Denkmaͤler, 55—57. Gartengeschmack , alter oder franzoͤsischer, I, 117—120. neuer oder englischer, 121 u. f. sein Ursprung in England und Schriftsteller, die ihn befoͤrderten, 121—129. in Frankreich, 38. 39. 129— 134. in Deutschland, 72. 73. 134—136. Anmerkungen uͤber den alten und neuen Geschmack, 137—144. vermischte Be- merkungen uͤber den neuern Geschmack, IV, 3. Gartenhaͤuser , Kupferstiche von Erfin- dungen, I, 26. 28. 29. 33. 35. II, 64. 200. III, 34. 40. Gartenkunst , blieb hinter den uͤbrigen schoͤnen Kuͤnsten zuruͤck, I, 29. in wie ferne sie als eine schoͤne Kunst zu be- trachten ist und mit der Landschaftmale- rey in Verbindung steht, 145—153. Gartenplatz , II, 5—13. Gartenscene , IV, 56. Gartensitze , Abbildung verschiedener, IV, 41. 48. 52. 90. Gartenstuhl , Abbildung, IV, 80. Gebirge , ihr Charakter und Wirkung, I, 194—198. Gebuͤsch , II, 46. 47. wie es anzulegen, IV, 52. Gegenden , ihre Charakteristik, I, 209. 210. sanftmelancholische, 211—213. roman- tische, 214—220. feierliche oder er- habene, 220—227. Anmerkungen uͤber diese verschiedenen Charaktere, 227— 230. Gehoͤlz , sein Charakter, I, 198. 199. Aus- hauen der Gehoͤlze zu Spaziergaͤngen, II, 44—46. Gelaͤnder zu Bruͤcken, Abbildung, IV, 181. 190. 198. 205. Gemaͤlde in Landhaͤusern, III, 28. 29. Genera- Verzeichniß Generalif , schoͤne Gegend in Spanien, IV, 104. Genf , dasige Gaͤrten, V, 253. Genfer See , II, 95—100. Gesundbrunnen , Gaͤrten dabey, V, 85. Gibraltar , Crouchets Garten daselbst, IV, 120. Gibside , Abbildung der dasigen Kapelle, V, 40. Gotha , dasiger herzogl. Garten, IV, 234. Gothardsberg , Wassersturz der Neuß da- selbst, II, 120. 121. Grabmaͤler in Gaͤrten, II, 58. 160. Gravenstein , dasiger Garten, IV, 191. Grazien , ein ihnen gewidmeter Platz, II, 54. Griechen , ihre Gaͤrten, I, 10. 11. Groͤße , in landschaftlichen Gegenstaͤnden, I, 162. 163. Grotten der Alten, III, 84—86. Natur- grotten in Schottland, 87. 88. der Hel- ligen, 88. in der Schweiz, 89. in Gi- braltar, 89. ihre Anlage, 90—96. Abbil- dungen von Grotten, 92. 96. verschiede- ne Grotten in England und Irland, IV, 97. Grundrisse von Gaͤrten, ihr Mangelhaf- tes, I, Vorr. 14. Gruppen , wie die Baͤume in denselben zu setzen, IV, 61. Abbildung verschiede- ner, 60. 64. Guiscard , Garten, II, 187—200. H. Hackfall , Garten, II, 175—177. Hadrians Ville, I, 19. Hagley , Garten, I, 62—69. englische Beschreibungen davon, 62. Einsiede- ley, III, 106. Ruinen, 116. Hannover , Garten bey dem dasigen Post- hofe, V, 147. andere Gaͤrten daselbst, 318. Harbke , dasiger Garten, IV, 240. Abbil- dung, 241. Hayn , seine Anordnung, II, 37—39. IV, 42. Hecke , II, 63. Heeschenberg , Garten, II, 137—150. Ab- bildung des Wohngebaͤndes daselbst, 150. des Pavillons, 139. 146. Herbstgarten , Beschreibung, IV, 155. Herrnbausen , V, 319. Hessen , Gaͤrten daselbst, V, 321. Hestercomb , Beschreibung des dasigen Gartens, IV, 73. Hieres in Frankreich, dasige Gegend, IV, 161. Hirschholm , Abbildung des Schlosses, II, 6. des neuen Gartengebaͤudes, 8. Hof-Geismar , dasige Gegend, V, 95. Hohenheim , V, 349. Abbildung des da- sigen Milchhauses, V, 352. und der Koͤhlerhuͤtte, 353. Hollaͤnder , ihre Gaͤrten, I, 52. Holstein , seine Naturschoͤnheit, I, 73. 74. Gaͤrten, V , 315. Hospitaler , Gaͤrten dabey, V, 115. Houghton , das Landhaus, Abbild. II, 124. Huͤgel , sein Charakter, I, 193. Abbildung eines bepflanzten, IV, 60. Hyrkanien , blumenreiche Gegend, I, 106. J. Jagdhaus , III, 37. 38. Jaͤgerspreis , Garten, III, 197—209. Jahreszeiten , Gaͤrten nach deren Unter- schied, IV, 139. Japan , Gaͤrten daselbst, I, 107. Ilam , romantischer Garten, IV. 108. Ildefonso , Garten, I, 48. Inschriften in Gaͤrten, III, 154. 155. Bey- spiele guter lateinischer, 156—159. Sammlung von deutschen fuͤr Gaͤrten, 159—170. Inseln , ihre Anlage, II, 89. 90. Irland , dasige Gaͤrten, I, 71, V, 270. Isola bella , Garten daselbst, I, 31. 32. Italiaͤner , ihre alten Gaͤrten vor der Zeit des le Notre, I, 29. ihre neuern Gaͤr- ten und Landhaͤuser, 30—33. V, 240. Kupferstiche davon, 31. Ives in Yorkshire, Abbildung des dasigen Landhauses, IV, 8. Juan Fernandez , ihre Naturschoͤnheit, I, 111. K. Kachimit , seine Naturschoͤnheit, I, 199. 110. Kapellen , Abbildungen, V, 39. zu Gib- side in Durham, 40. Kent, Wilh. englischer Gartenkuͤnstler und Verbesserer der Kunst, I, 127. 128. IV, 3. Kenwood , der vornehmsten Materien und Kupferabbildungen. Kenwood , Landhaus, Abbild. davon, I, 69. Kerlich , dasiger Garten, V, 341. Keswick , See, II, 91—95. Kew , Garten, I, 55. Kupferstiche davon, 70. Abbildung des Hauses, II, 115. Tem- pel mit ihren Abbildungen, III, 67—73. Kilkairn , Beschreibung, V, 275. Abbil- dung des dasigen Landhauses, V, 276. Killarney , in Irland, dasige Gegend, IV, 129. Klostergaͤrten , V, 78. Koͤhlerhuͤtte zu Hohenheim, Abbild. V, 353. Koͤnigliche Gaͤrten , V, 26. Kuͤnsteleyen , III, 151. u. a. a. O. Kupferstiche , ihr Mangelhaftes bey land- schaftl. Vorstellungen, I, Vorr. 13. 188. Kupferverzierungen dieser Theorie, was sie vorstellen, I, Vorr. 12. ihr Inhalt ist hinter jedem Bande angezeigt. L. Lage der Landhaͤuser, III, 9—15. Landhaͤuser , Kupferstiche von franzoͤsischen, I, 47. 50. 53. 144. II, 33. 37. III, 5. 8. von italiaͤnischen, I, 120. 129. 134. 136. 141. 158. 165. 173. 176. 179. II, 70. 74. 75. 86. 90. 95. 100. 102. 104. 106. 110. 113. von englischen, II, 46. 47. 48. 59. 62. 69. 115. 124. III, 10. 12. 14. 15. 18. 20. 22. 24. 25. 27. 29. 31. von deutschen, II, 52. 134. 150. 158. von verschiedenen, V, 27. 46. 51. 56. 57. 58. 59. 62. 64. 275. 276. 277. 278. 320. 327. 393. S. ihre Erklaͤrung in dem Verzeichnisse der Kupferstiche. von daͤ- nischen, II, 129. Charakter der Land- haͤuser, III, 6—8. ihre Lage, 9—15. ihre Bauart und Anordnung, 16—25. ihre Verzierung, 26—33. Charakter, den adeliche Landhaͤuser fordern, 16. Landhaͤuser fuͤr Besitzer vom Stande, 17. buͤrgerliche Landhaͤuser, 17. Form der Landhaͤuser, 18. 20. Kupferstiche von neuen Erfindungen, 34. V, 16. 19. 172. Abbildung des zu Ives, IV, 8. des zu Sandbeck, 13. Labyrinth , II, 72—74. Landhuͤtte , Abbildung, III, 84. V, 175. Landleben , verlor sich nach dem Einfall barbarischer Voͤlker in Italien, I, 27. kommt wieder empor, 28. herrschender Geschmack der Schweizer daran, 35. Laͤndliche Gaͤrten , V, 65. Landschaft mit Bauerwohnungen, Ab- bildung, V, 170. Landsitze , gartenmaͤßige Verschoͤnerung derselben, V, 120. Landstraßen , ihre Verschoͤnerung, V. 176. Laube , II, 71. 72. Kupferstich von einer Erfindung, III, 42. Laubwerk , Malerey desselben, II, 49—52. Leasowes , dasige Anlagen, IV, 247. Lieblichkeit , landschaftliche, I, 174. Loitmark , dasiger Garten, IV, 199. Louisenlund , Beschreibung des dasigen Gartens, IV, 175. Ludwigslust bey Schwerin, V, 315. Lustgebuͤsch , Abbild. eines freyen, V, 101. Lustschloͤsser , Abbildungen von daͤnischen, II, 4. 6. 11. von schwedischen, 24. 30. koͤnigliche und fuͤrstliche Lustschloͤsser, ihre Bestimmung und ihr Charakter, III, 16. Abbildungen verschiedener, V, 31, 32. 33. 34. S. ihre Erklaͤrung in dem Verzeich- nisse der Kupferstiche, 365 f. Luton , Landhaus, Abbildung davon, I, 59. 62. Beschreibung des dasigen Gar- tens, IV, 71. M. Madera , ihre Naturschoͤnheit, I, 108. Mainz , dasige Gaͤrten, V, 334. Mannichfaltigkeit , in der Landschaft, I, 163—165. Marienlust , ein feierlicher Garten, III, 210—213. Abbildung des dasigen Lust- hauses, IV, 26. Marienwerder , bey Hannover, dasiger Garten, IV, 84. V, 204. Abbildung der dasigen Einsiedeley, 85. Matlock , Beschreibung, V, 112. Meer , sein Charakter, II. 85—86. Meienberg , dasige Gegend, V, 92. Meierey , ihre Anlage, V, 130. Abbil- dung einer kleinen, V, 145. Melancholische Gegend, I, 211—213. Abbildung eines Tempels der Melancho- lie, IV, 86. V Band. B b b Middel- Verzeichniß Middelburg , ihre Naturschoͤnheiten und Gaͤrten, I, 113—115. Milchhaus zu Hohenheim, Abbild. V, 352. Mittagsgarten , V, 10. Monbrillant , V, 318. Moͤnche , bauen allein das Land im zwoͤlf- ten Jahrhundert, I, 27. Monserrat , ein feierlicher Berg, I, 222 — 227. Monumente bey den Alten, III, 139—141. ihre Wirkung und Anordnung in Gaͤr- ten, 142—146. Gellerts, Hallers, der beyden Hagedorne, Kleists, Geßners Monumente, mit Abbildungen, 147— 150. nordische Monumente im Frie- densburger Garten, 190—192. zu Jaͤ- gerspreis, 199—209. Abbildungen da- von, 203—207. Rousseaus, V, 262. Moor-Park , Abbildung des Landhauses daselbst, V, 393. Morgen , Abbildung eines demselben ge- geweiheten Tempels, V, 7. 9. Morgengarten , V, 4. Morgenlaͤndische Gaͤrten, I, 105. Mosersche , vormalige Gartenhaus, Ab- bildung davon, II, 158. Musiksaal , II, 56. III, 36. N. Natur , laͤndliche, ihre Einwirkung auf den Menschen, I, 161. Neapel , dasige Gaͤrten, V, 248. Neuheit in landschaftlichen Gegenstaͤnden, I, 177. Niederlande , Gaͤrten daselbst, I, 50—53. V, 269. Notre , le, franzoͤsischer Gartenkuͤnstler und Ausbreiter des alten Geschmacks, I, 118. IV, 4. V, 255. Nuneham , Beschreibung, V, 274. Ab- bildung des dasigen Landhauses, V, 275. O. Oesterreich , Gaͤrten daselbst, V, 361. Okey-Hoͤhle , Beschreibung, IV, 98. Orangerie , II, 74. 75. Otaheite , ihre Naturschoͤnheiten und Gaͤr- ten, I, 113. P. Painshill , Garten, II, 178—182. Parks der ersten Groͤße, V, 26. im edlen Style, 36. Pavillons , Kupferstiche von Erfindungen, I, 6. 11. 14. 20. 81. 94. 103. IV, 24. 28. Pavillon dem Abend geweihet, V, 21. Peaks-Hoͤhle bey Castleton, IV, 101. Perser , der alten ihre Gaͤrten, I, 8. Gaͤr- ten der jetzigen Perser, 106. 107. Persfield , Garten, II, 183—186. Pern , seine natuͤrliche Schoͤnheit und Land- haͤuser, I, 112. St. Peters-Insel im Bieler-See, IV, 103. Petrarch , dessen Einsiedeley, IV, 87. Pissevache , Wassersturz, II, 121. 122. Plinius , sein Laurentin, I, 16. 17. 24. sein Tuscum, 25. IV, 21. Pohlen , dasige Gaͤrten, V, 293. Poole’s Hoͤhle, IV, 99. Pope , dessen Garten, IV, 6. Portale , offene, III, 125. Abbildung, ebendaselbst, IV, 37. Preußen , Gaͤrten daselbst, V, 314. Privat-Gaͤrten , V, 47. Proͤctzel , Vorstellung dieses Landhauses, II, 134. Pyrmont , dasige Gegend, V, 94. R. Raby-Castle , Beschreibung des dasigen Gartens, IV, 72. Rasen , Charakter und Anordnung dessel- ben, II, 81—84. Rheinfall bey Schafhausen, IV, 93. Rom , dasige Gaͤrten, V, 246. Romantische Gegend, I, 214—220. Gaͤr- ten, IV, 90. romantisches Gebaͤude, Ab- bildung, IV, 113. Roͤmer , Ursprung der Gaͤrten und Land- haͤuser bey ihnen, I, 12. ihr Enthusias- mus fuͤr das Landleben, 13. ihre Land- ergoͤtzungen, 13. 14. Gegenden und La- gen ihrer Villen, 14—17. Bauart, 17 —19. Schriftsteller und Abbildungen von den Villen, 19—22. ihre Gaͤrten, 21—25. Untergang ihrer Villen, 26. ihr Gartengeschmack, IV, 21. Rosline , der vornehmsten Materien und Kupferabbildungen. Rosline , dasige Gegend, IV, 118. Rotterdam-Insel , ihre Gaͤrten, I, 115. Rousseaus Grabmal zu Ermenonville, II, 59—60. V, 259. 262. Ruhesitze , III, 119. 120. Abbildung, 121. Ruinen , ihr Charakter, ihre Wirkung und Nachbildung, III, 110—118. IV, 161. Abbildung gothischer, IV, 127. Rußland , Gaͤrten daselbst, V, 286. S. Saalstadt , Abbildung des Schlosses, II, 30. Salzau , dasiger Garten, IV, 206. Sandbec , Garten, Ruinen darinn, III, 116. 117. Abbildung des dasigen Landhauses, IV, 13. Beschreibung des Parks, V, 45. Saͤulengaͤnge , III, 23. 58. 59. Saͤulenordnungen bey Landhaͤusern, III, 23. bey Tempeln, 58. 59. Scio , Gaͤrten und Landhaͤuser daselbst, I, 105. Schlafcabinet , einzelnes, III, 37. Schlangenbad , Beschreibung, V, 107. Schoͤnbusch , dasige Anlage, V, 327. Schoͤnheit , landschaftliche, I, 166. Schottland , dasige Gaͤrten, I, 70. V, 270. Schwalbach , Beschreibung, V, 111. Schwansen , III, 226. Schweden , dasige Gaͤrten, V, 283. Schweiz , dasige Gaͤrten, I, 33. V, 251. Schweizergegend , Abbildung einer laͤnd- lichen, V, 165. Schwetzingen , Garten daselbst, V, 344. See , II, 86 f. Seelaͤndische Landsitze, III, 219 f. Sicilien , dasige Gaͤrten, V, 249. Sielbeck , Lustort, II, 151—156. Abbil- dung der Pavillons, 152. Skeheenringky , dasige Grotte, IV, 97. Smyrna , Gaͤrten daselbst, I, 104. Solitude bey Stuttgard, V, 348. Sommergarten , IV, 150. Sommerschloß der Herzoginn von Braun- schweig, Grundriß, V, 370. Sophienberg , Abbildung des Schlosses, II, 11. Garten, III, 214 f. Spanien , dasige Gaͤrten, I, 48. Spazierwege im Felde, V, 126. Speisetempel , II, 57. Speisesaal, III, 36. V, 13. zu Forcett, V, 91. Springwasser , II, 125. Statuen auf und in Landhaͤusern, III, 30 —33. in Gaͤrten, III, 126 f. Staubbach zu Lauterbrunn in der Schweiz, I, 217. Abbildung, 218. Stourton , Beschreibung des dasigen Gar- tens, V, 41. Stowe , Garten, I, 55. Beschreibung und Kupferstiche, 69. Abbildung des Land- hauses, I, 55. der Tempel, 198. 208. ihre Befchreibung, III, 61—67. Ein- siedeley, 105. Portale, Abbildung, 125. elyseischen Felder, 135. 136. Strath-Tay , Beschreibung, V, 276. Ab- bildung des dasigen Landhauses, V, 277. Straͤucher , ein Verzeichniß der vornehm- sten, II, 24—30. 32. Strom , sein Charakter, II, 104—105. Studiercabinet , einzelnes, III, 36. 37. Studley , Beschreibung des dasigen Par- kes, IV, 68. Sulzers Trauerdenkmal, II, 60. 61. Summer-Castle , dasiger Garten, V, 44. Symmetrie , wo sie zulaͤßig, I, 139—141. T. Tageszeiten , Gaͤrten nach denselben, V, 1 f. Teich , II, 100. Tempel der Alten, III, 58—61. des Ba- chus, II, 181. III, 62. der Venus, 62. der alten Tugend, 63. der Eintracht und des Sieges, 65. 66. Abbildung da- von, 65. des Sieges, der Sonne, des Aeolus, des Pan, der Einsamkeit mit ihren Abbildungen, 68—73. Vorschlaͤge zu neuen Erfindungen von Tempeln, 76. der Jahreszeiten und Tageszeiten, 76. 77. Abbildung von Lustgebaͤuden in Form von Tempeln, 79. 81. 60. der Drui- den, 107. Abbildung eines der Melan- cholie, IV, 85. des Fruͤhlings, 147. der Liebe, 147. des Gartens zu Gotha, 236. des Morgens, V, 7. 9. des Abends, 19. der Gesundheit, 89. Abbildung eines gothischen, 84. Terni , Wassersturz, II, 123. B b b 2 Thal- Verzeichniß der vornehmsten Materien und Kupferabbildungen. Thalgaͤrten , ihre Einrichtung, IV. 35. Thiergaͤrten , V, 153. Thore , III, 124. 125. Thurm , gothischer zu Windsor, dessen Ab- bildung, IV, 34. Tintern , Ruinen daselbst, III, 117. Tivoli , Wassersturz daselbst, II, 122. 123. Trauergebaͤude , III, 56. 57. Trauermonumente , Abbildung, III, 143. 150. Tuͤrken , ihre Gaͤrten, I, 103—105. U. Ueberraschung , I, 178. 179. Unerwartete , in landschaftlichen Gegen- staͤnden, I, 178. Regeln fuͤr den Garten- kuͤnstler in Ansehung desselben, 179. Ungarn , dasige Gaͤrten, V, 314. V. Vasen auf Landhaͤusern, III, 30. Versailles , Garten, I, 36—37. Vertiefung , ihr Charakter, I, 191. 192. Verzierung der Landhaͤuser, III, 26—33. Virginien , gluͤckliche Gegend, I, 112. Vogelhaus , III, 38. Volksgaͤrten , V, 68. Vorplatz eines Landhauses, V, 120. Ab- bildung verschiedener, V, 120. 125. W. Wald , sein Charakter und seine Anord- nung, II, 40—43. Waldhaus , Abbildung eines, V, 67. Waldgaͤrten , ihre Einrichtung, IV, 36. Waldstaͤtter See , IV, 91. Waldung , ihr Charakter, II, 44—46. Waldscenen , Beschreibung verschiedener, II, 53—62. Wandsbeck , dasiger Garten, IV, 212. Warschau , dasige Gaͤrten und Gegenden, V, 293 f. Wasser , sein verschiedener Charakter, I, 200—202. II, 85—129. Wasserfall , sein Charakter und seine An- ordnung, II, 115—118. Wasserguß , sein Charakter und seine Bil- dung, II, 113—115. Wasserkuͤnste , II, 127—129. III, 152. 153. Wasserstuͤcke , II, 102—104. Wassersturz , Cataract, sein Charakter, II, 119—124. Beschreibung einiger merkwuͤrdigen, ebendaselbst. Watelets Garten, I, 39—47. Wege , Gartenwege, II, 130—134. Wege in ausgehauenen Gehoͤlzen, 44—46. in Lustgebuͤschen, IV, 56. Weimar , dasige Anlagen, IV, 238. Weinberg , Anlage, V, 157. Wentworth , Garten, I, 55—59. Abbil- dung des dasigen Landhauses, V, 327. West-Wycomb , Scenen aus dem dast- gen Park, V, 364. Wien , Gaͤrten daselbst, V, 361. Wiesen , worinn ihre Schoͤnheit besteht, I, 202. 203. Wildniß , in Gaͤrten, II, 47. 48. Wilhelmsbad , dasige Gegend, V, 101. Windthurm , der Mitternacht und der Astronomie geweihet, Abbildung, V, 24. Wintergarten , IV, 161. Wisbaden , Beschreibung, V, 111. Woburn , dasige Meierey, V, 132. Worksop , Beschreibung des dasigen Gar- tens, IV, 70. Woͤrlitz , Garten, V, 360. Wuͤste , II, 48. Z. Zelle , Garten des Prinzen Ernst, III, 248 —251. Zufaͤlligkeiten , in der Landschaft, I, 207. 208. Zugang , Beyspiel eines anmuthigen zu Caversham, II, 66—68.