Lehr- und Trostpredigt Von N othwendigkeit der Tauffe/ und was von ungetauffter Chri- sten-Kinder Seligkeit zu halten/ Aus den Worten des HErrn Jesu Johan. 3, 5. Bey der Christ- und Graͤflichen Sepultur Des HochWolgebornen Grafens und Herrens/ H errn Anthon Günthers/ der Vier- Grafen des Reichs/ Grafen zu Schwartzburg und Hohenstein/ ꝛc. hertzgeliebten Jungen Herreleins/ Welches den 7. Maji morgens nach 7. Vhren dieses 1652 . Jahres alhier auff dem Schlosse zu Sondershausen todt zur Welt ge- bohren/ und den 16. desselben beygesetzet worden/ Jn der Hof-Kirchen bey hochansehnlicher Versamlung gehalten/ und auff gnaͤdiges begehren zum Druck uͤbergeben durch JOHANNEM Boͤttigern Pastorem und Su- perintendenten zu Sondershausen in der Graff- schafft Schwartzburg. Gedruckt zu Nordthausen bey Johann-Erasmi Hynitzsch. DEDICATIO Dem HochWolgebornen Grafen und Herrn/ Herrn Anthonio Guͤnthern/ der VierGrafen des Reichs/ Grafen zu Schwartzburgk und Hohenstein/ Herrn zu Arnstadt/ Sondershausen/ Leuten- bergk/ Lohra und Clettenbergk/ ꝛc. Meinem gnaͤdi- gen Grafen und Herrn/ Wie auch der Durchlauchtigen/ Hochgebornen Fuͤrstin und Frawen/ Frawen Marien Magdalenen/ gebohrnen Pfaltzgraͤfin bey Rhein/ Hertzogin in Beyern/ vermaͤhlten Graͤfin zu Schwartzburg und Hohenstein/ wie auch Veldentz und Spanheim/ Frawen zu Arnstadt/ Sondershausen/ Leutenberg/ Lohra und Clettenberg/ ꝛc. Meiner gnaͤdigen Fuͤrstin und Frawen/ Gnade/ Friede/ Trost/ Heyl und Segen von Gott dem Vater durch Christum Jesum in Krafft des heiligen Geistes. H Ochwolgebohrner Gnaͤdiger Graff und Herr/ wie auch Durchlauchtige Hochge- bohrne gnaͤdige Fuͤrstin und Fraw/ sehr schoͤne und nachdenckliche Worte fuͤhret der heilige Apostel Paulus 2. Cor. 1, 5: Gleich wie wir des Leidens Christi viel haben/ also werden wir auch reichlich getroͤstet durch Christum / und gibet damit zu- verstehen/ daß̃ die Kinder Gottes in dieser Welt vielem und mancherley Leiden unterworffen seyn/ und durch viel Truͤbsal in das Reich Gottes gehen muͤssen/ wie er anderswo spricht/ Apostelgeschicht 14. Vnterdessen lasse sie doch der betrewe Gott nicht nicht uͤber Vermoͤgen versuchet werden/ sondern troͤste sie hertzlich und herrlich/ als der Gott alles Trostes in allen Truͤbsalen/ 2. Cor. 1, 4. Dieses aber thut nun fuͤr- nemlichen GOtt der HErr durch sein heiliges Wort/ als welches auch darumb auffgeschrieben ist/ auff daß wir durch Gedult und Trost der Schrifft Hoffnung haben / Rom. 15, 4. Ja es ist das Wort Gottes unseres Hertzens Freude und Trost / Jerem. 15, 16. Vnd kan uns in allerley Kreutz und Faͤllen auffrichten und troͤsten. Jn welcher Mey- nung der alte Kirchenlehrer Chrysostomus Hom. 36. c. 5. Johan. nachdencklich schreibet: Die heilige Schrifft ist ein Schatz aller koͤstlichen Mittel und Artzeneyen. Denn da wir entweder unsere Suͤnde ablegen/ oder unsere Begierde daͤmpffen/ oder die Geldliebe ver- treiben/ oder die Schmertzen verachten/ oder einen grossen Muth fassen/ oder das zugeschickte Kreutz und Vngluͤck mit Gedult ertragen wollen/ so koͤn- nen wir doselbst viel koͤstliche Mittel und herrlichen guten Rath finden. Massen der Koͤnig David erfahren/ wenn er im 94. Psalm saget: Jch hatte viel Bekuͤm- mernis/ aber deine Troͤstung ergetzte meine Seele. Vnd im 119. Psalm : Wo dein Gesetz nicht mein Trost gewesen were/ so were ich vergangen in meinem E- lend. Demnach GOtt der HErr Ew. HochGraͤfl. Gn. und Fuͤrstl. Gn. anjetzo hoͤchlich betruͤbet/ in dem Er nach seinem heiligen und allzeit gerechten Willen den Graͤflichen Ehesegen nicht lassen lebendig zur Welt gebohren/ und durch die Wasser-tauffe widergebohren werden/ daruͤberJhr gese- gneter Ehestand in einen rechten Wehestand verwandelt worden: Als ist auch billig/ daß aus Gottes Wort dem rech- ten Trostbache E. E. Gn. Gn. unterrichtet und getroͤstet wer- den. Die Paͤbstische Doctores , wie sie in andern Stuͤcken A ij eine eine trostlose Lehre fuͤhren/ also koͤnnen sie auch bey diesem Fall Christliche Eltern wenig troͤsten/ dieweil sie solche unge- tauffte Kinderlein entweder in einen sonderlichen Limbum, alda jhnen weder wol/ noch wehe seyn soll/ oder gar in die Hoͤlle verdammen. Dagegen kan uns die goͤttliche heilige Schrifft viel besser unterrichten und troͤsten. Derohalben auff gnaͤdiges begehren ich aus derselben diesen Christlichen Vnterricht/ was von ungetauffter Christen-Kinder Selig- keit zu halten seye/ auffsetzen/ und E. E. Gn. Gn. hiermit zum Vnterricht und Trost in aller Vnterthaͤnigkeit uͤbergeben wollen/ in gewisser unterthaͤniger Zuversicht/ es werden E. E. Gn. Gn. hierinnen sattsamen Bericht und Trost finden/ welches ich von grund meines Hertzens von dem Vater alles Trostes durch Christum Jesum in Krafft des heiligen Gei- stes wuͤnsche. Demselben getrewen GOtt/ seiner vaͤterlichen Gnade und Barmhertzigkeit/ allmaͤchtigen hoͤhesten Schutz und Schirm/ zu zeitlichen und ewigen Segen Leides und der Seelen/ gluͤcklicher Regierung/ bestaͤndiger Gesundheit/ und aller gedeylichen Graͤfl. und Fuͤrstl. Wolfart/ E. E. Gn. Gn. hiermit trewlich befehlende. Sondershausen den Sontag Vocem jucunditatis, 23. Maji, Anno 1652. E. Hochgraͤfl. Gn. E. Fuͤrstl. Gn. unterthaͤniger Diener am Wort Gottes und getrewer Fuͤrbitter bey Gott M. Johannes Boͤttiger Superint. Jm Jm Namen JEsu/ Amen! Gnade und Barmhertzigkeit von Gott dem Vater/ durch Christum JEsum/ den Heyland aller Menschen/ und also auch der kleinen Kinder/ sam̃t der kraͤfftigen Ge- meinschafft des heiligen Geistes/ sey mit uns und allen Hochbetruͤbten jetzt und zu allen Zeiten/ Amen. D ER Mensch gedenckts/ Der Mẽsch gedenckts/ GOtt lenckts: Gott aber lenckts : Daß dieses ein wahres Sprichwort/ Geliebte und An- daͤchtige im HErren JEsu/ koͤnnen wir ist auß der Erfahrung in vielen Dingen bezeugen und erweisen; Jetzo haben wir ein bewer- thes Wort ein Exempel fuͤr Augen an unserer gnaͤdigen Herrschafft. Denn nach dem der barmhertzige Gott des Hoch Wolgebor- nen Grafen und Herrens/ Herrn Anthon Guͤnthers / durch den trauri- gen Fall un- serer gnaͤdi- gen Herr- schafft/ der VierGrafen des Reichs/ Grafens zu Schwartzburg und Hohenstein/ Herrens zu Arnstadt/ Sondershausen/ Leuten- bergk/ Lohra und Clettenbergk/ ꝛc. unsers gnaͤdigen Herrens und Landesvaters hertzliebste Gemahlin mit Leibesfrucht widerumb gesegnet hatte/ und nunmehr die Geburtsstunde sich herbey nahete/ da haben wir gute Hoffnung geschoͤpffet/ und uͤber den gluͤcklichen Anblick solches Graͤflichen Segens/ massen wir denn auch hertzlich darumb zu Gott gebeten/ uns A iij hoͤchli- Lehr- und Trostpredigt hoͤchlichen zuerfrewen gedacht/ Aber was wir gedacht/ ist nicht vollbracht/ in dem Gott der HErr/ als der Herr un- sers Lebens/ es anderst und also gelencket/ daß die Durchlauch- tige und Hochgebohrne Fuͤrstin und Fraw/ Fraw Maria Magdalena/ geborne Pfalz Graͤfin bey Rhein/ Hertzo- gin in Baͤyern/ ꝛc. unsers vor Hochwolgemeldten gnaͤdigen Grafens und Herrens hertzliebste Gemahlin jhrer getrage- nen Fraͤwlichen Buͤrden zwar entbunden/ aber das Kindlein daruͤber wir billig be- truͤbt/ nicht lebendig/ sondern todt anschawen muͤssen. Daruͤber ist aus dem beschlossenen froͤlichen Tauff-begaͤngnis eine hoch- traurige Leich- Procession worden. Jch gedachte dem lieben Graͤfl. Kindlein an diesem Orte den Tauff- und Einse- gnungs-Sermon zu halten/ jetzt muß ich demselben nach GOttes schickung die Leichpredigt thun. Das heist: Der Mensch gedenckts/ GOtt lenckts; welches uns zwar zu her- tzen gehet/ und nicht unbillig schmertzet. Derohalben wir auch mit betruͤbten Hertzen dem Graͤflichen jungen Herrlein muͤssen uns aber Gottes Willen un- terwerfen/ und auß Gottes Wort Troͤ- sten. biß hieher ins Traurhauß gefolget seyn/ Jedennoch aber muͤs - sen wir hiebey Gottes allezeit heiligen und gerechten Willen in Gedult und Gehorsam erkennen/ und uns aus GOttes Wort troͤsten/ und weil auch zu dem Ende die Hochbetruͤbte durch Gottes Wort zu troͤsten ich begriffen bin: Als wollen wir/ damit dieses zur Ehre Gottes gereiche/ die hochbetruͤb- ten Vater- und Mutterhertzen/ und andern Fuͤrstlichen und Graͤflichen Anverwanten/ so hieruͤber traurig seyn/ recht zu hertzen treffe/ und sie kraͤfftiglich troͤste/ umb die Huͤlffe und Beystand des heiligen Geistes GOtt den Vater im Namen JEsu Christi anruffen/ und ein andaͤchtiges Vater Vnser beten/ ꝛc. Der von Nothwendigkeit der Tauffe. Der Text Johan. 3. 5. Text. V Nd JEsus sprach: Warlich/ warlich ich sage dir/ Es sey denn daß jemand von newen geboh- ren werde aus dem Wasser und Geist/ so kan Er nicht in das Reich GOttes kommen. E Jn fruchtbares und tugendsames Eintugend- sames weib wird mit dem Wein- stock vergli- chen/ Weib/ Geliebte in dem HErren Christo/ wird von dem heiligen Geiste einem frucht- baren Weinstocke verglichen im 128. Psal. da geschrieben stehet: Dein Weib wird seyn wie ein fruchtbar Weinstock umb dein Hauß herumb. Solche Vergleichung eines frommen Weibes mit dem Weinstocke geschiehet (1.) wegen der Gebrechligkeit weil sie ge- brechlich uñ schwach und Schwachheit. Der Weinstock ist ein schwaches und geringes Holtz/ bedarff vieler Pfleg- und Wartung/ muß seine Pfaͤhle/ oder Mauren und Waͤnde haben/ daran Er auffwachsen kan: Also seynd die Weibespersonen auch schwach/sowol ihres Leibes halber von Natur/ an der Stim- am Leibe/ me/ an allen Gliedern/ und muͤssen viel und mancherley Kranckheiten außstehen/ insonderheit auch jhre von GOtt beschehrete Leibesfrucht mit Schmertzen zur Welt tragen/ nach dem Außspruch Gottes: Du solt mit Schmertzen Gen. 3. Kinder Lehr- und Trostpredigt am Gemuͤt/ Kinder gebaͤren. Als wie auch an jhrem Gemuͤthe und Verstande/ welches der Satanas bey unserer ersten Mutter der Eva zu seinem Vortheil wargenommen/ gebraucht/ und sie betrogen hat/ wie der Apostel Paulus drauff deutet/ wenn er spricht: Vnd Adam ward nicht (durch die Schlange zuerst) verfuͤhret/ das Weib aber ward (zuerst durch die Schlange) verfuͤhret/ und hat die uͤbertrettung ein - gefuͤhret / 1. Timoth 2, 14. Dahero der Apostel Petrus die Weiber das schwaͤcheste Werckzeug nennet 1. Petr. 3, 7. uͤber welche Worte der heilige Lutherus setzet: Alle Chri- sten sind GOttes Werckzeuge/ aber das Weib ist beyde am Leibe und an Muth schwaͤcher denn der darumb jh- rer mit Ver- nunfft zu schonen. Mann/ darumb sein mit Vernunfft zu schonen ist. Dadurch die Christliche Maͤnner erinnert werden/ daß sie mit Vernunfft bey jhren Weibern wohnen/ saͤuberlich mit jhnen umbgehen/ sie schuͤtzen/ vertheidigen/ jhnen rathen und helffen/ jhrer Schwachheit halber sie nicht veraͤchtlich/ son- dern ehrlich halten/und mit jhnen Gedult tragen sollen. Weil sie fruchtbar (2.) wegen der Fruchtbarkeit. Ein Weinstock wie gering er auch an Holtz anzusehen/ so traͤget er doch uͤber die massen schoͤne und liebliche Frucht/ die Goͤtter und Buch der Richter 9. 13 an Fruͤchten des Geistes und des Leides/ Menschen froͤhlich macht: Also begabet GOtt den weib- lichen Stamm/ das schwache Werckzeug auch mit den Ga- ben des Geistes/ daß sie Miterben seyn der Gnade des Lebens / 1. Petr. 3, 7. und an dem Weinstocke Jesu Chri- sto als geistliche Reben viel Fruͤchte bringen/ Jo - han. 15, 5. Ja GOtt begnadet sie mit Fruͤchten/ deren die gantze Welt in allen dreyen Staͤnden geneust/ wenn Er sie mit Leibesfruͤchten segnet/ und froͤhliche Kindermuͤtter aus jh- zwar in schwachheit nen machet/ und ob schon dieses mit grossen Schmertzen/ und anklebender Schwachheit zugehet/ so werden sie doch selig durch von Nothwendigkeit der Tauffe. durch Kinder zeugen/ und hindert sie nicht an der Seligkeit: doch in Seligkeit Sondern sie koͤnnen bey solchem jhrem Stande selig werden/ so sie die Weiber bleiben im Glauben (an Christum) und in der Liebe (gegen den Nechsten) und in der Hei- ligung (in einem gottseligen Leben) sampt der Zucht (in Gebaͤrden und Wandel) 1. Tim. 2, 15. (3.) wegen des offt unvermuthenden Ver- weil es offt mit der Frucht sehr traurig zu- gehet/ derbens der Frucht. Der edle Weinstock hat jetzt schoͤne gebluͤhet und Augen gewonnen/ macht gute Hoffnung zu einer suͤssen uñ lieblichen Frucht/ bald wird er durch ploͤtzlichen Frost/ Reiff und Vngewitter erschrecket/ da fallen die Traͤub- lein ab und verwelcken/ und verlieret sich alle gefassete Freude und Hoffnung. Ebenes falles wird eine tugendsame Hauß- krone wie ein fruchtbarer Weinstock võ Gott gesegnet/ di man der lieblichen Frucht von jhr zugewarten hat/ aber offt schickts Gott also/ daß die schoͤnen Gewaͤchslein/ so aus ehelicher Liebe erfolgen sollen/ allzufruͤezeitig hinfallen/ und durch den zeitli- chen Todt noch wol im Mutterleibe/ ehe sie diese Welt be- wie ein Exempel an unserer gnaͤdigen Herrschafft schawen/ hingerissen/ und ins finstere Grab versencket wer- den/ da gibts alsdenn traurige und betruͤbte Hertzen/ nasse Augen und grosse Schmertzen/ wie wir dergleichen Traur- Exempel an unser gnaͤdigen Herrschafft jetzo fuͤr uns haben. Alldieweil nun leicht zuerachten ist/ daß sowol wegen der na- tuͤrlichen Affecten , weil Kinder von Hertzen kommen/ und wider zu Hertzen gehen/ dann auch/ daß das liebe Kind- lein ohne Tauffe dahin gestorben/ und gleichwol heisset: Es sey denn daß jemand gebohren werde aus Wasser und Geist/ so kan er nicht in das Reich Gottes kommen/ Johan. 3. sich traurige Gedancken und Anfechtungen finden moͤgen. Derohalben gebuͤhrt sichs/ daß B wir Lehr- und Trostpredigt daruͤber sie zu troͤsten/ wir die Betruͤbte nicht ohne Trost lassen/ sondern sie aus Gottes Wort/ dem grossen Lehr- und Trostbuche mit Trost und mit genugsamen Vnterricht versorgen. Zu dem Ende darumb wil ich handeln von der Tauffe Nothwen- digkeit/ und was von ungetauften Christen-Kindern zu halten. bin ich an diese heilige staͤte getretten/ und mache aus abge- lesenen Worten diesen Vortrag/ welcher handelt Von der Nothwendigkeit der heiligen Tauffe/ und was von ungetauffter Christen-Kin- der Seligkeit zu halten sey? O HERR du ewiger Gott/ gib mir unvermoͤ- genden des Geistes Krafft und Staͤrcke/ solches mit Nuß zu vollbringen/ und troͤste du Vater alles Tro- stes uns reichlich in aller Truͤbsal/ umb Jesu Christi willen/ Amen. Der Mensch/ so selig wẽ den wil/ D Je abgelesene Worte/ Sel. im HERRN JEsu/ sind aus dem Gespraͤch/ welches unser HErr Christus mit dem Nicodemo dem Ober- muß sten der Phariseer gehalten/ genommen/ und weil dieser von Christo Vnterricht begehrte/ wie von newem gebohren werden/ er in das ewige Leben kommen solte/ wiese jhn der HERR Christus auff die geistliche Widergeburt/ und sprach: War- lich/ warlich ich sage dir/ es sey denn daß jemand (er sey wer er wolle unter den Menschen/ wenn er gleich ausser der wahren Erkaͤntnis Gottes und seines Sohnes der aller- froͤmste und unstraͤfflichste were/ wie die Phariseer sich zu seyn erachten/ Apost. Gesch. 26. 5. Phil. 3, 6.) von newen ge- bohren werde/ (von der Suͤnde/ die jhm in der fleischli- chen von Nothwendigkeit der Tauffe. chen Empfaͤngnis und Geburt von Vater und Mutter an- geerbet/ Psalm. 51, 7. durch das verordnete Mittel geistlicher weise abgewaschen/ gereiniget/ geheiliget/ gerecht gemacht/ und also gleichsam auffs newe von GOtt gebohren werde/) kan er das Reich GOttes nicht sehen/ noch in dasselbe kommen. Da dem Nicodemo solches unge- reimt fuͤrkam/ widerholet der HErꝛ Christus die vorige Rede/ erklaͤrete sie noch deutlicher/ und sprach: Warlich/ warlich ich sage dir/ Es sey denn/ daß jemand von newen geboren werde durch das Wasser und Geist/ so durch das Wasser kan er nicht in das Reich GOttes kommen/ und nennet nunmehr das ordentliche Mittel der geistlichen Wi- Calvinus in Comm. \& l. 4. instit. c. 16. § 25. Marlor. sup. h. 1. Justinus Apol. 2. Tertul. in l. de Bapt. Cypr. lib. 3. ad Quirin. c. 25. Ambros. l. 3. de Spir. S. c. 11. Hieron. in. c. 16. Ezech. Gregor. Nazianz. \& Nyssen. in sermon. de Bapt. \& alii. und Geist/ als durch das Wasserbad im Wort/ dergeburt/ welches ist Wasser und Geist. Durch das Wasser wird verstanden das Tauff-wasser. Denn ob zwar etliche von den Calvinisten/ als der Calvinus, Marloratus und an- dere/ durch das Wasser nicht die Tauffe/ sondern den heiligen Geist verstehen wollen/ damit sie denen/ welche den unge- taufften Kindern die Seligkeit absprechen/ antworten koͤn- nen: So ist doch der alten und newen Kirchenlehrer Mey- nung/ der auch der Benedictus Aretius beypflichtet/ daß durch das Wasser alhier die Tauffe verstanden werde/ als die da ist das Wasserbad im Wort/ Ephes. 5, 26. das Bad der Widergeburt und Ernewrung/ Tit. 3, 5. Durch den Geist wird verstanden der heilige Geist/ welcher durch das Tauffwasser/ wie auch durchs gepredigte Wort/ Mar. 1, 4. 1. Petr. 1, 23. kraͤfftiglich in den Widergebornen wircket die Vergebung der Suͤnden/ die Schenckung der Gerechtigkeit/ und die Ernewrung. Vnd ist also die Tauffe nicht eine schlechte Wassertauffe/ sondern mit Gottes Wort verfasset/ und auch der heilige Geist darbey. Wer nun also getaufft B ij wird/ Lehr- und Trostpredigt wird/ der ist nicht allein aus Wasser/ sondern auch aus dem Geiste getaufft/ und wer also getaufft ist/ der ist Geist/ das ist/ zum Gnadenkinde Gottes und Erben des ewigen Lebens ge- macht/ wer aber nicht getaufft wird/ der ist Fleisch vom Fleisch geboren/ auß suͤndlichen Saamen gezeuget/ des Bildes Got- tes beraubet/ mit Suͤnden verunreiniget und verderbet/ da- her auch fuͤr Gottes Augen ein Grewel/ und dessen Zorn un- terworffen/ Ephes. 2, 3. und kan also nicht in das Reich Got- tes kommen/ sondern ist schuͤldig der ewigen Verdamnis. Denn es wird nicht hinein gehen irgend ein gemei- nes/ das ist/ unreines/ Apostelgeschicht 10 . und das da Grewel thut und Luͤgen/ sondern die geschrieben sind im Buche des Lam̃s/ Offenbahr. 21. 27. Darauß wir sehen/ daß zur Zeit des Newen Testaments die Tauffe nicht sey ein unnoͤthig Ding/ wie der Schwenckfelder und Widertaͤuffer Rotte laͤstert/ daß man wol entbehren/ oder an- stehen lassen/ und sparen moͤge biß̃ man alt werde. Denn hie stehet ein klarer Spruch: Es sey denn daß jemand wi- dergebohren werde aus dem Wasser und Geist/ so kan er nicht ins Reich Gottes kommen/ und wird diese Exceptiva in diese exponentem resolviret: Kein Vngetauffter wird ins Reich Gottes kommen. Diese Meynung trifft alle/ sowol die Alten/ als die jungen Kinder- lein/ daß/ wer da wolle ins Reich Gottes kommen/ der muͤsse Lutherus in seiner Kir- chenpostill Gest. Trin. sich taͤuffen lassen. Denn es wil Christus/ spricht der Herr Lutherus , auch die Kinderlein hiervon nicht ausgeschlossen/ sondern in diesem Spruch einge- schlossen haben/ so sie sollen in Gottes Reich kom- men/ daß man jnen die Tauffe mittheile und reiche. Denn er wil sie auch new gebohren haben/ und in jhnen von Nothwendigkeit der Tauffe. jhnen wircken/ wie er anderswo sie heisset zu jhm bringen/ und saget/ daß solcher/ so zu jhm bracht werden/ soll das Himmelreich seyn. So sie nun sol- len zu Christo kommen/ so muß man sie der Mittel und Zeichen nicht berauben/ biß hieher Lutherus . Wer nun sich oder ein Kind von der Tauffe abhelt/ der helt sich und dasselbe auch/ so viel als an jhm ist/ vom Himmelreich ab. welches ist noͤthig Derohalben das Sacrament der heiligen Tauffe hochnoͤ- thig/ und keines weges/ wo mans nach Christi Ordnung ha- ben kan/ zuverachten oder zuverseumen ist. Denn die Tauffe als von Christo geboten/ ist von Christo geboten und eingesetzet. Denn gleich wie sie im alten Testament fuͤrgebildet/ 1. Petr. 3, 20, 1. Corinth. 10, 1. und verheissen worden Ezech. 36, 25. Zach. 13, 1. Also hat auch Christus dieselbe zu seiner Zeit eingesetzt und befohlen. Gehet hin/ sprach er zu seinen Juͤngern/ in alle Welt/ und leh- ret alle Voͤlcker/ und taͤuffet sie im Namen des Va- ters/ und des Sohnes/ und des heiligen Geistes/ Matth. 28, 19. So geschach auch zu Johannes des Zachariæ Sohn/ der die Tauffe angefangen/ der Be- fehl Gottes in der Wuͤsten/ und er kam in alle Ge- gend umb den Jordan/ und prediget die Tauffe der Busse/ zur Vergebung der Suͤnden/ Lucæ 3, 2. und wurden eben darumb die Schrifftgelehrten als Veraͤchter des goͤttlichen Raths gehalten/ weil sie die Tauffe Johannis nicht annehmen wollten: Die Phariseer und Schrifft- gelehrten verachteten Gottes Rath wider sich selbst/ und liessen sich nicht von jhme/ Johanne nemlich/ taͤuffen/ Lucæ 7, 29. Und eben darauff stehet auch Chri- stus/ wenn er in unseren Worten mit einem gedoppelten End- schwur zu dem Nicodemo/ und saget: Warlich/ warlich ich sage dir/ es sey denn daß jemand gebohren B iij werde Lehr- und Trostpredigt und als ein or- dentliches Mittel zur Seligkeit werde aus dem Wasser und Geist/ so kan er nicht in das Reich GOttes kommen. Die Tauffe ist nothwendig als ein ordentliches Mittel zu unserer Gerech- tigkeit und Seligkeit/ als dadurch wir widergebohren/ von Suͤnden gewaschen/ Kinder Gottes und Erben des ewigen so da wird er Ver- gebung der Suͤnden/ Lebens werden. Denn sie wircket Vergebung der Suͤnden. Ananias sprach zu Paulo: Stehe auff/ und laß dich taͤuffen/ und abwaschen deine Suͤnde/ und ruffe an den Namen des HErren/ Apostelgesch. 22, 16. Es ist der freye offene Born wider die Suͤnde und Vnrei- schaffet ein newes Lebẽ nigkeit/ Zach. 13, 1. Sie schaffet ein newes Leben/ besage der Worte Pauli: Wir sind mit Christo begraben durch die Tauffe in den Todt/ auff daß gleich wie Christus ist aufferwecket von den Todten/ also sollen wir auch in einem newen Leben wandeln/ Roman. 6, 4. und gibt die e- wige Selig- keit Sie gibet die ewige Seligkeit. Denn GOtt macht uns selig nach seiner Barmhertzigkeit/ durch das Bad der Widergeburt/und Ernewerung des heiligen Geistes/ Tit. 3, 5. Das Wasser macht uns selig in der Tauffe/ (die da ist ein kraͤfftiges Mittel/dadurch uns Gott zur Widergeburt und also auch zur Seligkeit befoͤrdert. Es ist aber solche unsere Tauffe (nicht das abthun des Vn- flats am Fleische/ sondern der Bund eines guten Gewissens mit GOtt/ daß wir in- durch und vermittels dieses heylsamen Wasserbades im Wort/ von unsern Suͤn- den abgewaschen/ und in den Bund Gottes auffgenommen werden/ und also ein gutes Gewissen von GOtt erlangen/ durch die Aufferstehung JEsu Christi/ darauff sich der Tauffbund gruͤndet/ als welche ein oͤffentliches Zeugnis ist/ daß Gott durch Christi Todt versuͤhnet/ und unsere Suͤn- de vollkoͤmlich durch Jhn bezahlet seyn/ 1. Petr. 3, 21. Vnd solches von Nothwendigkeit der Tauffe. solches gibet die Tauffe allen/ die da gleuben. Denn wer da allen denen/ die da gleuben/ gleubet/ und getaufft wird/ der wird selig werden/ Marci 16, 16. Dieser Vrsachen halber ist die Tauffe noͤthig als ein verordnetes Mittel zur Seligkeit/ und kan niemand ohne dieselbe ordentlicher weise in das ewige Leben kommen. Diese Nothwendigkeit aber ist nicht absolutè und schlechter jedoch nicht schlecht und bloß/ Dinge zuverstehen/ also daß alle die jenigen verlohren und verdampt seyn muͤsten/ welche ohne jhre Schuld und einige Verachtung derselben mangeln/ und ungetaufft dahin ster- ben/ in dem sie die Tauffe nach Christi Ordnung nicht er- langen noch haben koͤnnen. Das wird in GOttes Wort nirgends gelehret/ kan auch aus diesem Spruch Christi nicht erzwungen werden: Sondern ordinatè , wo die Ordnung sondern ordentlicher weise D. Gerh. de Sacrament. pag. 364. GOTtes kan statt haben/ und in acht genommen werden. Denn zu unserer Gerechtigkeit und Seligkeit seyn bloß und schlechter Dinge noͤthig die Gnade Got- tes/ und das theure Verdienst Jesu Christi/ ordinatè aber und ordentlicher weise das Wort Gottes und die Sacramenta; ohne jene die Gnade Gottes und das Verdienst Christi/ kan nach dem Suͤndenfall schlechter Din- ge niemand selig werden/ ohne diese das Wort und die Sa- cramenta/ werden und koͤnnen selig werden die/ welche GOtt aus Gnaden in Christo Jesu nach seiner hohen Freyheit wil denn Gott nicht dran ver- bunden/ als welcheꝛ auch offte ausser der oꝛdnung handelt/ in natuͤrlicher Erhaltung/ selig machen. Denn ob wir Menschen schon an diese ordent- liche Mittel bey verlust unserer Seligkeit/da wir derselben nachkommen koͤnnen/ verbunden seyn/so wil sich doch GOtt nicht allezeit daran verbinden/ sondern behelt jhm auch fuͤr die freye Macht offtmals mit uns Menschen ohne Mittel zu handeln/ und daß sowol in der leib- als in der geistlichen Er- haltung. Denn das taͤgliche Brot und natuͤrliche Speise ist ein ordentliches Mittel der Erhaltung unseres natuͤrlichen Lebens/ Lehr- und Trostpredigt Lebens/ und muß ein jeder/ der nicht hungers sterben wil/ sich dieses ordentlichen Mittels gebrauchen: Jedennoch haben wir Exempel/ da GOtt ohne solche Mittel etliche Menschen erhalten hat/ als von dem Mose stehet/ daß er kein Brot gessen/ und kein Wasser getruncken viertzig Tage und viertzig Nacht/ 5. Buch Mose 9. 9. dergleichen von dem Elia gelesen wird 1. Buch der Koͤnig. 19. 8. So ist ein solches Exempel vor weniger Zeit zu Halberstadt mit einer Jungfrawen/ deren Mutter ich noch gekennet/ und bey mei- nem waͤrenden Ampt doselbst begraben habe/ geschehen/ wel- che von natuͤrlicher Speise gar nichts genossen/ uñ doch etliche in geistlicheꝛ Erhaltung/ Jahr gelebet hat. Anderer Exempel zugeschweigen. Derglei- chen sehen wir auch/ daß offt fuͤrgegangen bey den geistlichen sowol im alten zur Seligkeit verordnete Mittel/ die Beschneidung des al- ten Testaments/ an deren statt die Tauffe im newen Testa- ment auffkommen/ war das Mittel dadurch die Nachkom- men Abrahæ mit Gott in den Bund tratten/ dadurch ordent- licher weise GOtt sich mit denselben verbunden/ daß er jhr Gott/ und sie sein Volck seyn solten/ mit der Draͤwung/ daß wo ein Knaͤblein nicht beschnidten wuͤrde/ dessen Seele solte ausgerottet werden aus seinem Volck/ 1. Buch Mos. 17. 10. und 14. dennoch seynd die Maͤgdlein ausser dieser Ordnung selig worden. Es wil zwar der Jesuit Sess. 2. Gretzerus in dem Regensburgischen Gespraͤch/ daß Gott ein anderes und sonderes Mittel denselben zur Seligkeit ver- ordnet hette/ kan es aber nicht beweisen. So sind auch viel Knaͤblein/ so vor dem achten Tage/ und also vor der Beschnei- dung gestorben/ ohne die Beschneidung selig worden/ sinte- mal sie an diese Ordnung nicht ehe als am achten Tage ver- bunden gewesen. Hugo de S. Victore , wie es Thomas 4. sent. dist. 1. q. 3. anziehet/ erweiset unter andern es auch mit den von Nothwendigkeit der Tauffe. den Zeugnissen des R. Abenesræ und R. Salomonis , daß solche unbeschnidtene Kinder nicht verdampt/ sondern selig worden seyn. Wer wolte die verdammen/ die in der Wuͤsten gestorben/ alda die Beschneidung/ weil sie der Reise halber ungelegen war/ bis zu bequemer Zeit von Mose verschoben/ Jos. 5, 3. 5 ? So Moses/ Josua/ und die gantze Israelitische Kirche in den Gedancken gestanden weren/ daß die Kinder- lein durchaus hetten verlohren seyn muͤssen/ so sie ohne Be- schneidung dahin gestorben weren/ o so wuͤrden sie auch viel eher mit eusserster Gefahr des zeitlichen Lebens die Kinderlein beschnidten/ als mit gewisser Seelengefahr die Beschneidung solange auffgeschoben haben. So wurden zu der Zeit der Maccabecr die Weiber/ so jhre Kinder beschnidten/ getoͤdtet/ 1. Maccab. 1, 63 . und musten solche Sacrament unterwegen lassen. Wer wolte aber solche Kinder unselig preisen und ver- dammen? wer wolte die unschuldigen Kinder/ die unter de- nen/ so Herodes ermorden lassen/ und nicht beschnidten ge- wesen/ verdammen? Ach da sey Gott fuͤr! man richte nicht so liederlich/ Gott nimpt sich der Menschen viel besser an/ als wir meynen. Ebenes falles ist es auch mit der heiligen Tauffe/ dem Sacrament des newen Testaments beschaffen/ die ist als newen Te- staments/ zwar ein ordentliches Mittel/ dadurch wir zu Gottes Kindern und Erben der Seligkeit werden/dennoch seynd ohne dieselbe viele selig worden. Welches Christus in der Tauffstifftung auch anzeiget/ wenn er saget: Wer da gleubet/ und ge- taufft wird/ der wird selig/ setzet er nicht hinzu: Wer aber nicht gleubet/ und nicht getaufft wird/ der wird verdampt/ sondern gedencket nur des Glaubens/ und nicht der Tauffe/ setzet bloß/ wer aber nicht gleubet/ der wird verdampt/ Marci 16, 16. Warumb mag nun unser Herr Christus diese sonderbare Cautel hinzu gesetzet haben? Die C Vrfache Lehr- und Trostpredigt Vrsache lehret uns der fromme Bernhardus , da er schreibet Epist. 77. an Hugonem : Ich gleube/ daß der Mensch allein durch den Glauben koͤnne selig werden/ mit der Begierde das Sacrament zu empfangen/doch also/ wenn er zuvor stirbet/ ehe er solche Begierde vollbringet/ oder sonst eine unuͤberwindliche Noth jhm fuͤrstosset/ und im Wege ligt. Siehe ob nicht unser Seligmacher eben hierinne/ da er saget/ wer gleubet/ und getaufft wird/ der wird selig/ mit gu- tem Bedacht und Vorsicht nicht widerholet habe/ wer aber nicht getaufft wird/sondern nur setzet/ wer aber nicht gleubet/ der wird verdampt: Hiermit nemlich andeutend/ daß bisweilen alleine der Glau- be genug sey zur Seligkeit/ und ohne jhme sey nichts genug/ biß hieher Bernhardus : Also ist ohne die Tauffe/ da sie schon angefangen/ und von Christo geboten war/ selig wor- den der eine Schaͤcher zur Rechten Hand Christi am Kreutze. Denn er ist nicht getaufft vor der Kreutzigung/weil ohne vor- hergehende Busse keiner von den Alten muͤssen getaufft wer- den; nicht ist er getaufft an dem Kreutze/ als davon die Evan- gelisten nichts melden/ und wegen der domaligen grossen Ge- fahr nicht vermuthlich; ist auch nicht glaublich/ daß nach et- licher fuͤrgeben das Wasser/ so Christo auß der geoͤffneten Seiten geflossen/ denselben beruͤhret/ und gleichsam getaufft haben solte/ wie es auch der Suaretz tom. 2. disp. 36. q. 46. widerleget ; Nicht ist er getaufft nach der Kreutzigung/ weil er gestorben/ und nach dem Tode man niemand taͤuffen muß/ und dennoch ist er selig worden/ laut der Verheissung Christi: Warlich ich sage dir/ heute wirst du mit mir im Pa- ra d iesz seyn/ Luc. 23, 43. Hieher gehoͤren auch die Catechu- meni in der ersten Kirchen/davon bald ein mehrers wird an- zufuͤhren Lehr- und Trostpredigt Lucas Osi- and. sup.h.l. Lucas Osiander uͤber diese Worte schreibet : Man redet a- ber jetzt nicht von denen Kindern/ welche jre Eltern gerne taͤuffen liessen/ aber der Todt jhnen vorkoͤm̃t/ und sie zur Vnzeit hinnimpt/ denn da haben wir das gaͤntzliche Vertrawen/daß jhnen an jhrer Se- ligkeit nichts abgehet/ wenn sie gleich die Wasser- Vnd der Zweck des Gespraͤchs bestaͤtiget Tauffe nicht empfangen haben. Welche Erklaͤrung denn auch der Zweck des Gespraͤches Christi mit Nicodemo bestaͤtiget/ welcher ist/ daß er die Phariseer widerlegete/ die den Rath Gottes von der Tauffe wider sich verachteten/ Lucæ 7. Denn er handelt mit den Obersten der Phariseer/ und wil so viel sagen: Mein lieber Nicodeme/ du und deine Gesellen verachten die Tauffe Johannis/ ich aber sage/ daß kein Vn- wie auch von denen/ so die Tauf- fe verachtẽ/ getauffter/ der die Tauffe verachtet/ ins Reich Gottes gehen werde. Dannenhero dieser Satz des HErrn Christi/ wie ich jhn droben erklaͤret habe/ daß kein Vngetauffter ins Reich Gottes kommen werde/ privativè und von denen/ die da nicht aber von denen/ so der Tauf- fe ohne jhre Schuld mangeln. koͤnnen/ und sollen getaufft werden/ aber solche Ord- nung und Rath Gottes verachten/ nicht aber negativè von allen und jeden Vngetaufften so bloß dahin zu verstehen ist. Hierauß ist nun leichte auff die Frage zu antworten/ Darauß leicht zu antworten/ was von dieser Se- ligkeit zu halten/ derer sind zweyerley/ Alte/ als die Catechu- meni , was von Vngetaufften/ welche die Tauffe nicht haben/ und gebrauchen koͤnnen/ jhrer Seligkeit halber zu halten sey? Solcher Vngetaufften aber seynd nun zweyerley/ alte/ und junge Kinderlein. Was die ersten anlanget/ so haben wir zwar solche Faͤlle jetzo nicht leichte zugewarten/ weil sie aber in der ersten Kirchen offte sich mit den Catechumenis zuge- tragen/ und begeben haben/ man auch nicht eins in das an- dere mengen muß/ und doch gleichwol zu unserm Zweck dien- lich ist : Als wollen wir hiervon zuerst unsere Meynung er- oͤffnen. von Nothwendigkeit der Tauffe. oͤffnen. Die Catechumeni waren die newen Christen/ so jh- ren Catechismum von gewissen darzu bestellten Lehrern ler- neten/ mit denen hat sichs nun offte begeben/ daß sie die hei- lige Tauffe nicht erlebet/ sondern vor empfangener Tauffe gestorben seyn/ weil sie aus sonderlichen Vrsachen jhre Tauf- fe/ wie Constantinus Magnus , Kaͤyser Valentinianus , und andere gethan haben/ auffschoben. Wenn sie nun als Maͤrtyrer von den Tyrannen hingerichtet/ oder sonsten mit dem Tode uͤbereilet worden/ so fraget sichs/ was von solcher Leute Seligkeit zu halten/ weil sie nicht nach den Worten Christi durchs Wasser und Geist widergebohren seyn? Es haben sich Leute gefunden/ welche die jenigen unter denen newen Christen/ so nicht getaufft/ oder doch mit der Blut- Tauffe getauffet und gemartert worden/ ungeachtet sie im Glauben gestorben/ verdammet haben/ wie Bellarminus lib. 1. de Sacram. Bapt. c. 6. anfuͤhret: Aber das ist unrecht ge- richtet/ und streittet wider die klare Worte und Regel Christi : Alle die an jhn gleuben/ sollen nicht verlohren wer- den/ sondern das ewige Leben haben/ Johan. 3. Nun aber waren diese Catechumeni ja glaubig an Christum/ und wurden in seiner Erkentnis unterrichtet/ darumb sind sie auch nicht verlohren/ sondern selig worden. Ein denckwuͤrdiges Exempel haben wir an dem Roͤmischen Kaͤyser Valentinia- no , welcher ein rechtgleubiger Christe war/ und sich taͤuffen lassen wolte/ mitlerzeit ward er mit dem Tode uͤbereilet/ und erlangete nicht die heilige Tauffe. Was urtheilet nun von seiner Seligkeit der Ambrosius , der fuͤrtreffliche Kirchen- lehrer? verdammet er jhn/ oder preiset er jhn selig? hiervon kan man lesen seine denckwuͤrdige Oration , auff welche sich auch Bernhardus epist. 77. beruffet/ de obitu Valentiniani tom. 3. p. 3. usq; ad 13. in welcher unter andern stehen diese C iij Worte: Lehr- und Trostpredigt Worte: Welchen ich taͤuffen wolte/ den habe ich ver- lohren/ aber er hat nicht verlohren die Gnade/ die er begehret hat. Vnd ich hoͤre/ schreibt er an die Schwe- stern des Valentini daß jhr sehr traurig seyd/ daß er/ der Valentinianus das Sacrament der Tauffe nicht empfangen hat. Saget mir/ was siehet mehr bey uns/ als der Wille und das begehren? Nun hat er ja lengst diesen Wunsch gehabt/ daß er moͤchte widergebohren werden/ uñ mir angezeiget/ daß ich jhn mit ehisten taͤuffen solte/ darumb er auch mich zu sich zu erfordern vermeynet. Hat er deñ nicht die Gnade/ darnach er Verlangen getragen? hat er nicht die Gnade/ so er begehret? Warlich/ weil er sie begehret/ so hat er sie empfangen. Worauß wir sehen/ daß der heilige Ambrosius durchaus wolle/ daß der Kaͤyser Valentinianus , ob er gleich als ein Catechumenus , und vor der Tauffe gestorben/ selig sey. Welcher Meynung auch Bernhardus in vorangezogener Epistel beypflichtet/ und muß der Be llarminus solches auch recht heissen/ lib. 1. de Sacram. Baptis. c. 6. Auff solche weise were nun der erste Fall beantwortet. unb junge Kin- derlein/ der Hey- den/ Die kleinen Kinder aber belangend/ und zwar der Chri- sten-Kinderlein/ denn von der Heyden-Kinder/ und denen/ so/ ausser der Christlichen Kirchen gebohren werden/ haben wir jetzo keine Frage/ wiewol es auch nur eine Frage bleibet/ und schwer aus der Schrift zu entscheiden stehet/ es were denn/ daß man ex analogia fidei , da wir gleuben/ daß Gott so bloß niemand/ der nicht in der That und muthwillig den Mitteln zur Seligkeit widerstrebet/ verwerffe/ und auß dem Exempel der Kinder zu Rinive/ derer sich GOtt dennoch jammern liesse/ Jon. 4, 11. etwas jhnen zum besten schliessen wolte. Thun aber von Nothwendigkeit der Tauffe. aber besser/ weiln das widerstreben der Eltern/ gleich wie das begehren der Christlichen Eltern den Kindern zu statten koͤm- met/ den Heyden Kindern hinderlich und schaͤdlich ist/ daß̃ wir hievon schweigen/ als daß wir etwas irrig fuͤrgeben sol- ten/ und bleibet nunmehr die Frage von den Christen-Kin- der Chri- sten/ dern/ und zwar von denen/ die entweder in Mutterleibe ster- ben/ oder doch balde mit dem Tode weñ sie auff diese Welt ge- bohren/ uͤbereilet werden/ also daß sie nicht durch das Wasser und Geist von newen gebohren werden koͤnnen/ ob sie selig ob diese se- lig/ oder zu verdammen seyn? Darauff ist die Antwort: Die Griechische Kirche kan nicht anders/ als der gleubigen Chri- sten-Kinder/ ob sie schon nicht haben koͤnnen getaufft werden/ selig zu preisen. Jn der Lateinischen Kirchen aber ist die Meynung bey etzlichen hart gefallen/ unter denselben ist der verneinet Augusti- nus, fuͤrnehmste Augustinus , nachdem er die Erb-Suͤnde wider die Pelagianer erstritten/ und im Streit wider dieselbe in die- ser Meynung zu weit gangen/ und dieselbe Kinder nicht fuͤr selig halten wollen/ wie seine Meynung auß seinem Buch de natura \& gratia abzunehmen stehet. In dem Buche de fide ad Petrum , welches doch nicht des Augustini , sondern des Fulgentii ist/ werden diese Kinderlein gar der hoͤllischen Pein uͤbergeben. Die Papisten dichten eine sonderliche Vorburgk und die Papi- sten/ der Hoͤllen fuͤr dieselben/ theils uͤbergeben sie der Hoͤllen-pein. Bellarminus l. 1. de Bapt. c. 4. schreibet: Es hat die Kirche allezeit gegleubet/ daß die Kinder verdampt wer- den/ wenn sie ohne Tauffe auß diesem Leben schei- den. Dergleichen sich Hungerus auff dem Colloquio zu Regenspurgk auch vernehmen ließ/ Sess. 2. und bestetigens Tannerus disp. 4. de Sacram Bapt. q. 3. dub. 1. Salianus in annal. Eccl. ad ann. 1. p. 90. Alexander Pesantius in 3. part. Thom. q. 65. art. 4. disp. 1. und andere. Alleine es seynd hierin- Lehr- und Trostpredigt hierinnen auch wie in andern die Paͤbstler leidige Troͤster. Wir aber halten und preisen sie selig. Wir sagen aus- und mit Gottes Wort/ daß solche Christen- Kinder nicht zu verdammen/ sondern selig seyn/ ungeachtet sie durch das Sacrament der heiligen Tauffe nicht widerge- bohren werden/und setzen zum grunde Denn Gott wil daß keiner/ auch von den kleinen verlohren werde/ ( 1. ) den gnaͤdigen Willen GOttes/ da er sich erklaͤret auch nach dem Fall unserer ersten Eltern/daß er wol- le/daß alle Menschen moͤchten erhalten und selig werden/wie Paulus 1. Timoth. 2, 4. und Petrus in seiner 2. Epist. 3. 9. lehren; Ja Christus selber spricht: Es ist fuͤr ewren Va- ter nicht der Wille/ daß jemand von diesen kleinen verlohren werde/ Matth. 18, 14. Dahero nothwendig er- darumb er diesen ein Mittel aus- ser der Ord. nung ver- schaffen wird/ folget/ daß er auch solche Kinder erhalten/ und selig haben wolle/ und denenselben gleich andern ein guͤltiges Mittel der Seligkeit/ weil das ordentliche sie nach seinem Willen und Schickung nicht gebrauchen koͤnnen/ verordnet habe und werde. Welches Mittel an Gottes Seiten wir zwar seiner goͤttlichen Weißheit anheim stellen/jedennoch getrost hoffen/ welches ist die Tauffe des Gei- stes/ es werde Gott den Mangel der ordentlichen Wasser-Tauffe mit der Tauffe des heiligen Geistes ersetzen/welches das Exempel Johannis des Taͤuffers/ der auch im Mutterleibe mit dem heiligen Geiste erfuͤllet war/ ausweiset und bekraͤff- tiget/ Lucæ 1, 41. An der Menschen Seiten ist kein ander Mittel/ daß diesen Kindern zu besten kommen koͤnte/ als die- das begeh- ren der El- tern/ ses einige/ das in der Eltern Willen und begehren/ da sie Gott gebeten und begehret haben/daß jhr Kindlein getaufft und se- lig werden moͤchte/ beruhet/ welches auch Gott ansehen/ und nicht verwerffen wird/ wie wir bald mit mehrern hoͤren wer- der Glaube/ den. An der Kinder Seiten ist der Glaube/ nicht zwar fides aliena, anderer Gleubigen und fremb derer Glaube/wie Bernhardus, Caietanus, und Cassander dafuͤr gehalten ha- ben/ von Nothwendigkeit der Tauffe. ben/ sondern fides propria , jhr eigener Glaube/ weil ohne Glauben Gott gefallen unmuͤglichen ist/ Ebreor. 11, 6. Daß nun solchen Glauben auch die Kinder in solchen Faͤllen durch Gottes Gnade und Geist haben koͤnnen/ das erweiset D. Feurborn fasc. 2. disp. 9. Solches erhaͤrten die Exempel so da bewei- sen die E- xempel/ Johannis/ Jacobs/ Johannis des Taͤuffers/ und anderer. Von diesem haben wir angezeiget/ daß er im Mutterleibe mit dem heili- gen Geiste erfuͤllet gewesen. Von dem Jacob dem Ertzvater stehet 1. Buch Mos. 25. 26. wie er im Mutter- leibe seinen Bruder untertretten/ und mit seiner Hand die Versen des Esaus gehalten hat. Das ist keine natuͤrliche Krafft/ keine Regung des Verstandes und Willens/ keine Begierligkeit zur ersten Geburt/ zur prærogativ, daß der Messias auß jhme solte gebohren werden/ aber durch uͤberna- tuͤrliche goͤttliche Wirckung/ wird ein solcher Streit zwischen diesen Kindern im Mutterleibe/ also daß es auch Jacobs se- tzet und zehlet/ Hos. 12. 3. Darauß D. Johan. Tarnovius in seinem Comment. diese Lehre einfuͤhret/ daß auch GOtt in den Kindern die Bewegung des heiligen Geistes in Mutterleibe erwecken koͤnne. Vom Jere- Jeremi-/ mia saget GOtt: Ich kante dich/ ehe ich dich in Mut- terleibe bereitet/ und sonderte dich aus sanctificavi te, verordnete dich zum heiligen Ampte/ ehe denn du von der Mutter gebohren wurdest/ Je- rem. 1, 5. welchen Biblischen Exempeln ein merkliches kan hinzu gethan werden/ welches ein hochgelahrter Medicus Johan Rudolph Camerarius Medic. Doctor mit diesen Worten erzehlet: Ambrosius Paræus de gener. hom. c. 14. ein fuͤrtrefflicher Frantzoͤsischer Chirurgus schreibet/ und be- stetiget es mit einem Ende/ daß er in Eroͤffnung einer D schwan- Lehr- und Trostpredigt schwangern Frawen/ nach dem sie verschieden/ ein lebendiges Kind mit zusammen gethanen/ und auffgehabenen Haͤnd- lein/ und gewandten Angesicht gleichsam betend/ uͤber sich in Himmel schawend/ in Mutterleibe gefunden haben. Darauß wir GOttes hohe Allmacht und Barmhertzigkeit sehen/ lernen und versichert werden/ daß GOtt auch ausser der Ordnung wunderliche Wirckung des Geistes bey den Kindern im Mutterleibe habe. So nun GOtt solche uͤber natuͤrliche Bewegungen des heiligen Geistes in den zarten Hertzen der Kinder im Mutterleibe extraordinariè erregen/ und verrichten kan/ wie solte jhnen den Glauben/ dadurch sie jhm lieb und gefaͤllig werden/ nicht auch verleyhen/ oder in jhnen wircken koͤnnen? Chrisus hat sie erloͤ- set/ (2.) setzen wir zum grunde das vollguͤltige und vollkommene theure Versuͤhn-Opffer unsers HERRN Jesu Christi. Denn derselbe ist die Ver- suͤhnung/ nicht alleine fuͤr unsere/ sondern fuͤr der gantzen Welt Suͤnde/ I. Johan. 2, 2. Vnd das Laͤmlein GOttes/ so der Welt Suͤnde getragen/ Johan. I, 29. Nun aber gehoͤren solche Kinderlein auch zur Welt/ und sind ein Theil derselben/ darumb hat auch Christus JEsus jhre Suͤnde getragen/ und ist dafuͤr die Versuͤhnung/ und solcher Kinder Heyland worden. Dannenhero er nicht alleine ein Kind gebohren/ sondern auch durch die uͤberschattung des hei- ligen Geistes im Mutterleibe empfangen/ und ein kleines Wuͤrmlein worden/ auff daß er auch der zarten Kinderlein im Mutterleibe Herr und Heyland wuͤrde/ und jhre unreine dessen Verdienst sie durch den Glauben ergreiffen/ suͤndliche Empfaͤngnis durch seine allerheiligste Empfaͤngnis und Menschwerdung heiligte. Nun seynd die Gnade Got- tes/ und der theure Verdienst Jesu Christi bloß und schlechter Dinge von Nothwendigkeit der Tauffe. Dinge zu unserer Seligkeit noͤthig/ und weil dieselbe auch sol- che Kinder angehen/ massen sie durch den Glauben/ darvon droben gemeldet/ des Verdienstes und Blutes Christi theil- hafftig worden/ so werden sie auch auß Gnaden/ ob sie schon nicht getaufft seyn/ und das Mittel/ welches doch nicht bloß/ sondern nur ordentlicher weise nothwendig ist/ nicht erhalten haben/ in Christo Jesu gerecht und selig. Nechst diesem und (3.) geben wir auch diese Vrsach/ haben die Tauffe be- gehret/ daß solche Christen-Kinder selig seynd/ welche ist das be- gehren der heiligen Tauffe. Denn ist bey den Alten genug/ wie Augustinus und andere muͤssen zugeben/ und das Concilium Tridentinum sess. 6. c. 4. nicht leugnen kan/ son- dern saget/ daß die Tauffe nothwendig sey in revel in voto , in der That/ oder in dem begehren: Ist nun das begehren bey den Alten genug/ wie gesagt/ also daß sie die Tauffe begehret haben/ und nichts destoweniger selig wor- den/ ob sie schon nicht getaufft seyn? Ey so ist auch dieses be- in jhren Eltern und der Christli- chen Kir- chen/ gehren bey den jungen Kinderlein genug. Welches begeh- ren/ ob es zwar alters halben bey den Kinderlein nicht seyn kan/ so haben doch solches die gleubigen und Christlichen El- tern gehabt/ welche nichts mehrers gewuͤnschet und von Gott gebeten haben/ als daß ihr Kindlein moͤchte getaufft werden; Vnd dieser Wille und begehren der Eltern wird interpretativè den Kindern zugerechnet. Denn gleich wie es natuͤrliches rechtens ist/ daß die unmuͤndigen Kin- der/ so lange sie unmuͤndig seynd/ als ein Stuͤck jhrer Eltern gehalten werden muͤssen/ und was die Eltern jhrenthalben thun oder versprechen/ das koͤmpt jhnen zu gute/ und wird fuͤr guͤltig gehalten/ als wenns die Kinder selber gethan oder verheissen hetten: Also wird in diesem Nothfall wegen der heiligen Tauffe dafuͤr gehalten/ daß/ was die Eltern begehret D ij und Lehr- und Trostpredigt und gewolt/ daß solches die Kinder auch begehret und gewolt haben; massen ja auch denen getaufften Kindern der Wille der Eltern und der Christlichen Kirchen an statt jhres eige- nen Willens zugerechnet wird. Warumb wolten wir nicht dergleichen von denen Kindern/ die GOtt durchs Gebet fuͤr- getragen/ und die man zur Tauffe zu bringen beschlossen hat/ aber durch den Todt vor derselben Empfangung weggeris- sen/ auch zugeben/ daß der Eltern und Kirchen Wille an statt der Kinder Wille geachtet werden koͤnne? Ist den getaufften Kindern genug/ da sie fuͤr sich die Tauffe nicht begehren koͤn- nen/ wann sie dieselbe durch jhre Eltern und die Kirche begeh- welches jhnen zuge- rechnet und genug ist. ren lassen/ und also in der That empfangen? Warumb solte nicht auch der Wille der Kirchen und der Eltern guͤltig seyn die Tauffe in voto oder begehren zu empfahen? Nun aber betet die gantze Christliche Kirche in jrer Litaney fuͤr Schwan- gere und Saͤugende/ und spricht: | Allen Schwangern und Saͤngern froͤliche Frucht und Gedeyen geben/ Erhoͤre uns lieber HErre GOtt. Ja Christliche El- tern lassen auch in jhrer Kirchen absonderlich fuͤr sich beten/ dabey allezeit begehret wird/ daß Gott dem Kindlein die hei- lige Tauffe widerfahren lassen wolle/ umb Christi Jesu wil- len. Darumb seufftzen/ und beten zu Gott Christliche Eltern taͤglich/ und ist implicitè in jhrem Gebet dieses begriffen/ daß GOtt der HErr/ doferne das Kindlein das ordentliche Mit- tel nicht erleben solte/ wolle nach seiner hohen Gnade und freyer Allmacht es dennoch zu seinem Tempel und Gnaden- gefaͤß machen/ und von den angebohrnen Suͤnden reinigen/ oder wolle jhm das ordentliche Mittel der heiligen Tauffe er- leben und widerfahren lassen. Denn ob wir zwar die geist- lichen Gaben ohne Bedingung von Gott bitten sollen/ uns auch an die ordentliche Mittel/ dadurch er uns dieselbe zu ge- ben von Nothwendigkeit der Tauffe. ben verheissen hat/ halten und binden muͤssen/ so muͤssen wir doch Gott nicht daran verbinden/ und jhm vorschreiben/ wie und wordurch er sie uns geben soll/ sondern solches seinem hei- ligen/ gerechten und guten Willen anheim stellen/ und gehor- samlich in aller Gedult uns unterwerffen. Da haben wir alsdenn den Trost/ und die kindliche Zuversicht/ daß uns Gott werde erhoͤren/ und alles zum besten dienen lassen. Deñ das ist die Freudigkeit (das kindliche Vertrawen/ die gewis- se Zuversicht) die wir haben zu jhm/ (so aus dem Glau- ben entstehet) daß/ so wir etwas bitten nach seinem Willen/ (solcher gestalt wie ers uns verheissen/ und wie es jh- me gefaͤllig) so hoͤret er uns. Vnd so wir wissen/ daß er uns hoͤret was wir bitten/ so wissen wir (doͤrffen nicht zweiffeln) daß wir die Bitte haben/ die wir von jhm gebeten haben/ (das jenige erlangen/ darumb wir im Namen seines Sohnes JEsu Christi jhn demuͤtig im Gebet angelanget haben) I. Johan. 5, 14. 15. Der heilige Geist vertritt uns auch mit unaussprechlichen Seufftzen/ Rom. 8, 26. Ach darumb wird solches Gebet nicht umbsonst und vergebens/sondern gewiß Amen und erhoͤret seyn. (4.) erweiset solche Seligkeit der ungetauff- Seynd auch an das or- dentliche Mittel nicht ver- bunden/ uñ doch selig/ gleich wie die Kinder/ so ohne Be- schneidung dahin ge- storben vor dem achten Tage/ ten Christen-Kinder die Vergleichung so sich fin- det zwischen der Beschneidung und der heiligen Tauffe. Denn die Beschneidung war das Sacrament des alten Testaments/ und das ordentliche Mittel/ dadurch die Nachkommen des Abrahams mit GOtt in den Bund tratten; Also ist auch die Tauffe das ordentliche Mittel des Gnadenbundes im newen Testament/ welchen GOtt mit uns Menschen zum ewigen Leben machet. Gleichwie nun aber die Kinder/ welche vor dem achten Tage/und also unbe- D iij schnidten Lehr- und Trostpredigt schnidten starben/ nicht koͤnnen verdammet werden: Denn sonsten were die Vrsach GOtt dem HErrn/ der am achten Tage/ und nicht ehe die Beschneidung zuverrichten geboten in der Wuͤ- sten/ hat. Vber diesem ist mercklich das Exempel der Israelitischen Kinder/ so in der Wuͤsten gestorben/ alda das Gesetz von der Beschneidung 40. Jahr/ nicht daß sie selbige verachtet/ oder willkuͤhrlich gehalten hetten/ sondern weil wegen jhres steti- gen reisens sie solche Beschneidung nicht erdulden konten/ auffgeschoben. Wer wolte leugnen/ daß jhrer viel in solcher langer Zeit ohne Beschneidung gestorben? Wer kan und wil sie aber verdammen/ und nicht selig preisen? Der Koͤnig und Davids Soͤhnlein/ Prophet David/ als jhm sein Kindlein ohne Beschneidung/ wie es dafuͤr die meisten Theologi halten/ gestorben/ troͤstete sich damit/ daß er wuͤrde zu demselben kommen/ 2. Sam. 12, 23. Wenn nun Davids Soͤhnlein nicht in der Seligkeit/ son- dern verdammet/ oder in der erdichteten Vorburgk der Hoͤl- len/ wie die Paͤbstler meynen/ gewesen/ so hette David auch dahin fahren muͤssen? Was were das vor ein Trost? wie wolte er sich und sein Weib hieruͤber getroͤstet haben/ wie er doch gethan/ massen außdruͤcklich im Texte stehet 2. Sam. cap. 12, V. 24 ? Was were das fuͤr ein Wunsch? was fuͤr ein begehren? in dem aber David/und sein Soͤhnlein an einen Ort kommen seyn/ weil er saget/ er wolte zu jhm fahren/ und David ohne allen Zweiffel selig/ und selig zu seyn begehret hat/ so folget daß sein Soͤhnlein auch selig. Gleich wie nun die Kinder des Volcks Jsrael/ so in solchen Nothfaͤllen ohne Beschneidung gestorben/ nicht verdammet seyn/sondern se- lig worden: Eben also koͤnnen wir auch die Christen-Kinder/ welche in solchem Fall nicht haben koͤnnen getaufft werden/ nicht verdammen/ sondern muͤssen sie selig halten und prei- sen. Denn die Tauffe ist denen mitzutheilen und anzuneh- men von Nothwendigkeit der Tauffe. men befohlen/ so sie annehmen koͤnnen/ und die auch lebendig zur Welt gebohren seyn: Welche nun GOtt nicht lebendig zur Welt kommen lesset/ die koͤnnen ja nicht widergebohren/ und darumb auch dieserwegen nicht verdampt werden/ son- sten were die Vrsach der Verdamnis GOtt der HErr selb- sten/ als in dessen Hand das Leben solcher Kinder stehet/ wel- ches aber wider seinen gnaͤdigen Willen/ und vorangefuͤhrete Spruͤche goͤttliches Wortes streittet. Derowegen schliessen wir nun/ daß die Christen- Kinder/ ob sie schon ohne Tauffe dahin gestorben/ dennoch bey JEsu Christo in der Seligkeit seyn. Denn Gott wil/ daß keiner von den kleinen verloh- ren werde/ JEsus Christus/ der Heyland aller Menschen/ hat sie auch erloͤset durch sein Blut/ sie haben die Tauffe in jhren Eltern und der Christli- chen Kirchen begehret/ und seynd GOtt in Christo JEsu vermittels des Gebets fuͤrgetragen/ haben die Tauffe nicht empfahen koͤnnen/ weil sie nicht le- bendig zur Welt gebohren/ drumb sie auch an die Tauffe nicht verbunden/ und der Beraubung hal- ber verdammet werden koͤnnen/ sondern sind ge- taufft mit dem heiligen Geiste/und durch den Glau- ben an Jesum Christum/ den Gott ausser der Ord- nung in jhnen gewircket/ von Suͤnden gereiniget/ gerecht und selig gemachet. Die Gelehrten koͤnnen hieruͤber weiter nachschlagen folgende Kirchenlehrer/ als Gregor. Nazianz. orat. 40. Ambros. in orat. de obit. Va- lent. Bernh. Ep. 77. ad Hug. Thom. Aquin. part. 3. q. 68. art. l. Joh. Gerson. in serm. de nat. Mar. Virgin. in concil. Constant. habito. Gabriel Biel lib. 4. dist. 4. q. 2. Georg. Cassand. in tract. de statu infantum, item: Consult. art. 9. Dieses Lehr- und Trostpredigt darumb ist der Papt- sten Mey- nung irrig/ Dieses leget nun die Meynung der Paͤbstischen leidigen Troͤ- ster gruͤndlich darnieder/ also daß auch viele bey jhnen durch diese angefuͤhrete Gruͤnde bewogen/ solche harte Meynung fahren lassen/ und besser von der ungetaufften Christen-Kin- der Seligkeit geurtheilet haben/ als da seynd Bonaventura, Gerson, Biel, Caictanus, Tilemannus Segebergensis, Cassander und andere/ imgleichen hat solche Meynung ge- mindert Gregorius de Valentia disp. 4. de Sacram. Bapt. und solche Kin- der selig/ und auch Christlich zu begra- ben/ q. 3. punct. 4. Seynd nun solche Kinder selig/ so gebuͤhret jhnen auch ein ehrliches und Christliches Begraͤbnis. Denn wer wolte solchen Kinderlein/ die auch Tempel des heiligen Geistes im Mutterleibe gewesen/ und Erben des ewigen Le- bens seyn/ unter uns ein Christliches Begraͤbnis versagen/ oder entziehen? Dannenhero ist in der Nieder-Sachsischen Kirchen-Ordnung loͤblich verordnet/ wann darinnen ste- het: Endlich wollen wir auch uns mit unsern Christ- lichen Begraͤbnissen von den Papisten hie abson- dern/ daß wir mit nichte wollen zulassen/ daß die ungetaufften Kinderlein/ so etwa im Mutterleibe gelebet/ und todt auff die Welt gebohren/ mit der Eltern/ und fuͤrnemlich der Mutter schmertzlicher Traurigkeit und Anfechtung/ nicht solten Christ- lich begraben werden. Denn was von solchen Kin- dern nach GOttes Wort zu halten und zu glau- ben ist/ haben wir zuvor an seinem Orte gemeldet. Darumb sollen sie mit allen Christlichen Ceremo- nien , Gelaͤute/ und Gesaͤngen zur Erden bestetiget werden. Dergleichen rathen und wollen auch D. Chytræus und D. Phil. Hahn beym Dedekenno vol. 1. part. 3. I. 2. membr. 2. sect. 7. sol. 1080. und 1082. besehet auch D. Feurborn fasc. 2. disp. von Nothwendigkeit der Tauffe. disp. 7. thes. 88. So hielt auch dorten derˌ Ambrosius Epist. 34. tom. 3. bey dem Kaͤyser Theodosio fleissig an/ daß mit des abgelebten Kaͤysers Valentiniani , der doch ohne Tauffe gestorben/ ehrlichen und herrlichen Begraͤbnis moͤchte geeilet werden. Es haben auch die Juͤden jhre unbeschnidtene Kinderlein ehrlich und herrlich begraben/ wie Vatablus und andere auß der Hebreer Schrifften anziehen. So gibet dieser Bericht denen betruͤbten Eltern/ welche GOtt mit solchem schweren Kreutz heimsuchet/ nunmehr einen herrlichen Trost. Denn es ist leichte zuerachten/ was fuͤr Traurigkeit und An- fechtungen/ sich bey Christlichen Hertzen dieses Falls finden moͤgen/ da wirds offt heissen insonderheit bey der Kreisserin: Ach es ist mir nach allen ausgestandenen grossen Schmertzen auch der Trost und die Freude/ daß der Mensch zur Welt ge- boren/ hinweg genommen/ ich bin nicht eine froͤliche/ sondern recht von Hertzen betruͤbte Kinder-Mutter/ ich habe das Kind- lein/ darumb ich doch alles gethan/ nicht lebendig/ sondern todt anschawen muͤssen/ und welches das schmertzlichste ist/ s ist es nicht getaufft/ und durch das Wasser und Geist widergeboh- ren/ wer weiß obs auch selig ist! Bey solcher hertzlichen Trau- rigkeit kan man solchen hochbetruͤbten Eltern auß solchen ob schon jhr Kindlein todt zur Welt ge- bohren/ Bericht troͤstlich zureden/ und sagen: Betruͤbet euch nicht so sehr jhr Christlichen Hertzen. Denn daß das Kindelein sobal- de gestorben/ dabey bedencket/ daß Gott seine heilige und ge- rechte Vrsachen gehabt/ warumb er es noch im Mutterleibe von hinnen nehmen wollen/ dem Kindlein ist nicht weh/ son- dern wol geschehen. Wer weiß was fuͤr Elend/ und Vngluͤck es wuͤrde erfahren haben/ wenn es diese Jammer-Welt hette beschawen sollen? Wer weiß ob das Elend nicht so groß wor- den/ daß es mit Hiob c. 3. und Jeremia c. 20. seinen Geburts-Tag verfluchet/ und gewuͤnschet hette/ E daß Lehr- und Trostpredigt daß es im Mutterleibe gestorben were? Gott weiß es/ der hat auch sein bestes gepruͤfet. Warumb gab sich der Koͤ- nig David sowol zufrieden/ wie sein Kindlein sobald gestor- ben war? Sonder allen Zweiffeln hat er bedacht/ daß es man- chem Vngluͤck/ so auch hernach erfolget/ entgangen. Ach so fasset Hiobs Hertz/ Jhr jetzo hoch-betruͤbte Graͤfliche und Fuͤrstliche Eltern/ und saget in Christlicher Gedult: Der HErr hats gegeben/ der HErr hats genommen/ der Name des HErrn sey gebenedeyet/ Job. 1. Ja dancket dem HErrn/ daß er das liebe Seelichen durch seine heilige Engel so zeitlich abholen lassen/ ehe es auff dieser boͤsen Welt geaͤngstet und gequaͤlet woͤrden. Gott wird die entzo- gene Freude anderweit wider ersetzen/ und das Trauren in und nicht getauffet worden. Freude verkehren. Daß aber das Kindlein ohne Tauffe dahin gestorben/ darwider troͤsten sich Christliche Hertzen/ daß sie wissen und glauben/ daß Gott/ der jhrer und jhres Saamens Gott ist/ ausser der Ordnung dasselbe selig gemachet hat. Denn der barmhertzige GOtt wil nicht daß jemand von den kleinen verlohren werde/ sondern erbarmet sich auch des Kin- des in Mutterleibe. JEsus Christus der Welt Heyland hat es mit seinem Blute erloͤset/ und von den angeerbten Suͤnden durch seine heilige Empfaͤngnis und Menschwerdung gerei- niget; der heilige Geist hat es im Mutterleibe gleubig/ heilig/ und selig gemacht. Es ist dem Herrn JEsu durch ewer und vieler frommer Christen Gebet fuͤrgetragen/ und hat also die Tauffe begehret/ das ist in diesem Nothfall genug/ das ist ge- wiß Amen und erhoͤret. Denn ein Christen-Mensch ist theuer fuͤr GOtt geachtet/ nnd sein Gebet ein all- maͤchtig groß Ding/ spricht Lutherus , denn er ist mit Christi Blut geheiliget und mit dem Geist GOttes gesalbet/ was er ernstlich bittet/ sonderlich mit dem unaus- von Nothwendigkeit der Tauffe. unaussprechlichen Seufftzen seines Hertzens/ das ist ein grosses unleidentliches Geschrey fuͤr GOttes Ohren/ er muß es hoͤren/ etc. Darumb koͤnnen sich bey solchen Faͤllen Christliche Eltern GOttes Willen in Gedult unterwerffen/ und hiemit troͤsten. Ey so wird auch unsere gnaͤ- dergleichen wird auch unsere Gn. Herrschafft thun/ sich troͤsten/ dige Herꝛschafft/ und insonderheit Jhre Fuͤrstl. Gn. die Graͤfl. Gemahlin/ sich bey diesem hochtraurigen Fall damit troͤsten/ und der gewissen Hoffnung seyn/ daß so vieler frommer Chri- sten Seufftzer hier und in der gantzen hochloͤbl. Graffschafft/ fuͤr das junge Herrelein im Namen JEsu Christi geschehen/ gewißlich erhoͤret seyn/ und GOtt alles besser gemacht habe/ wie wirs haben dencken und meynen koͤnnen. Sie bitten Gott umb Gedult an- ruffen/ GOtt umb Gedult und Trost/ und sprechen: Verleyhe uns/ o barmhertziger Gott und Vater/ deinen Gnadengeist/ und gib/ daß wir unsern Willen/ der boͤse ist/ deinem heiligen und guten Willen gerne unterwerffen/ und ja nicht wider dich murren/ sondern dir dancken/ wenn du uns heimsuchest/ dich loben/ wenn du uns zuͤchtigest/ dich preisen/ wenn du uns de- muͤtigest/ denn es ist uns gut/ was du an uns thust/ es muß uns alles zũ besten dienen/ es ist auch gut unserm jungen Her- relein/ was du an jhm bewiesen hast/ der Name des HErrn sey gelobet und gebenedeyet. Sie erkennen auch bey diesem die Allmacht Gottes er- kennen und preisen. Fall die Allmacht/ und Guͤte Gottes/ preisen und ruͤhmen sie. Dann ist es ein Zeugnis der wunderbaren Allmacht Gottes/ wenn das Kind lebendig zur Welt gebohren wird: So ist es noch ein groͤsser Zeugnis/ daß Gott die todte Frucht/ so sich nicht regen oder bewegen kan/ auch nichts zur Geburt/ wie die Lebendigen/ hilffet/ dennoch ans Liecht fuͤhret/ und der Mutter am Leben unschaͤdlich ist. Denn wer weiß nicht/ daß es mit einem lebendigen Kinde offtmals so schwer zuge- het/ daß die Muͤtter sich daruͤber abmatten/ die Augen zu- E ij thun- Lehr- und Trostpredigt thun und sterben muß/ massen das Exempel der Rahel/ und andere außweiset: Wievielehr koͤnte solches geschehen bey todten Leibesfruͤchten/ wo Gott nicht mit seiner allmaͤchtigen Hand das beste thete. So nun die Mutter am Leben blei- bet/ ob gleich das Kind todt und verstorben ist/ das ist ein Werck der Allmacht und Guͤte Gottes/ so wir erkennen/ und preisen sollen. Jsts nicht also/ daß Gott den Menschen offt traurige Exempel fuͤrstellet/ darauß sie ersehen koͤnnen/ wie gefaͤhrlich es sey mit todten Fruͤchten? Muß nicht die todte Frucht auch offte der Mutter das Hertze abtretten/ daß bey- des Kinder und Kreisterin auff dem Platze bleiben? Bißwei- len ists auch wol geschehen/ daß die todte Frucht im Mutter- leibe sich zur seiten abgesencket/ nach langer Zeit vermodert uñ verfaulet ist/ da man denn nach langwierigen grossen schmeꝛ z ẽ in die lebendige Mutter mit hoͤchster Gefahr hinein schnei- den/ und versuchen muͤssen/ ob man sie erretten/ und erloͤsen koͤnnen. Das Hertz erschricket/ wenns davon hoͤret/ was muß denn fuͤr Schrecken/ Angst und Gefahr da seyn/ wenn es er- fahren wird? Man kan dergleichen Exempel finden beym Zvvingero vol. 2. l. 4. p. 3. W ittichio tract. de grav. puerp. p. 50. Nach dem nun der barmhertzige GOtt diesen Traur- fall also gemiltert/ unsere gnaͤdige Fuͤrstin und Landes-Mut- ter fuͤr dergleichen behuͤtet/ sie dennoch gnaͤdiglich von dieser schweren Buͤrde und Todtenfrucht erloͤset/ beym Leben er- halten/ und fast es ertraͤchlicher/ als sonsten geschehen/ ge- macht/ das werden Jhr Fuͤrstl. Gn. danckbarlich erkennen/ die schwan- gere werden fuͤr die Lei- besfrucht beten und bittẽ lassen/ und mit uns Gottes Guͤte/ Trewe und Allmacht loben und preisen. Ehe ich schliesse/ ermahne ich hiermit alle Christli- che Weibespersonen/ so Gott mit Leibesfrucht gesegnet/ und segnen wird/ das sie des Gebets fuͤr die Leibesfrucht/ so sie un- ter jhren Hertzen tragen/ nicht vergessen/ insonderheit auch des von Nothwendigkeit der Tauffe. des gemeinen Kirchengebets/ wollen sie anderst/ wenn der- gleichen Fall/ dafuͤr sie GOtt in Gnaden behuͤte/ geschehen solte/ des Trostes so viel gewisser seyn und werden/ wie auch sich auch sonst gebuͤr- lich verhal- ten/ sonsten sich waͤrender Zeit gebuͤhrlich verhalten/ damit sie den Ruhm jhres gutes Gewissens darbey haben nnd sagen koͤn- nen: Wir haben gethan was wir gesolt/ GOtt hat gethan was er gewolt/ sein Will der ist der beste. Wir/ wir hertzliebe Zuhoͤrer muͤssen bey diesem hoch- wir muͤssen diesen Fall alle zu her- tzen nehmẽ/ und Busse thun. traurigen Fall bedencken/ was GOtt hiedurch meyne/ es ist kein geringes/ daß jetzo fast zugleich 3. Graͤfl. Leichen in dem Hochloͤbl. Graͤfl. Schwartzburgischen Hause seyn/ und uns Trauren verursachen. Ach umb Gottes Willen lasset uns unser Leben durchsuchen/ unsere Suͤnde erkennen/ und able- gen/ wahre Busse thun/ und im heiligen Leben wandeln/ da- mit uns Gott nicht ein haͤrteres aufflege und zuschicke. Denn geschicht das am gruͤnen Holtze/ was wil am duͤrren werden? Muß ein solches unschuldiges Kindlein/ das noch nie keine wirckliche Suͤnde gethan/ umb der Erbsuͤnde willen so ploͤtz- lich und zeitlich sterben/ was muͤssen denn unsere schwere Suͤnden fuͤr ein Grewel und Schewel fuͤr Gott seyn/ wenn er sie ins Liecht fuͤr sein Angesicht stellet? O darumb lasset uns Busse thun/ und zu Gott bekehren/ damit unsere Suͤnde zugedecket/ und durch das Blut JEsu Christi uns vergeben werden moͤgen. Nun es ist Zeit daß ich schliesse/ so seyd getrost Jhr hoch- Der Trost wird zum Beschluß widerholet/ daß das junge Herr- lein selig/ betruͤbte Graͤfl. Fuͤrstl. Eltern/ Fuͤrstl. und Graͤfl. Anver- wandten/ das liebe junge Herrlein ist nicht verdorben/ son- dern fuͤrhin gangen/ es ist nicht umbkommen/ sondern in den Himmel kommen/ mit Schmertzen habens Jhr Gn. Gn. ver- lohren/ mit Freuden werden sies wider finden/ mit Wehe hat es Gott weggenommen/ mit Jauchtzen und Wonne wird ers E iij wider Lehr- und Trostpredigt wider geben/ Ach ja troͤstet ewre Hertzen/ dann es ist bey JEsu Christo in der Freude und stoltzen Ruh. Were es muͤglich/ so wuͤrde das liebe junge Herrlein aus seinem Saͤrck- lein sich auffrichten/ und von seiner Seligkeit/ die es in Chri- sto JEsu empfangen hat/ zeugen und reden. dessen Epi- taphium und Grab- schrifft: Nun ich wils in seinem Namen und an seiner statt thun/ weil unser Gn. Graff und Herr sonsten kein Zeugnis abzu- lesen beliebet/ und gleichsam sein Mund seyn/ und euch/ jhr Christlichen Zuhoͤrer/ in folgenden Verßlein als in seiner Grabschrifft also anreden: Ach aus der Welt ich geh'! eh' ich darein gebohren zwar ohne Tauf und Nam: Ich bin drum nicht verloren. Denn ob ich gleich nicht kan/ mich/ wie ich heisse/ nennen in dieser Zeitligkeit: So thut mich Christus kennen bey den Gesegneten/ und diesen Namen geben/ komm' her Gesegneter/ und geh' ins Freudenleben. Das ist mein schoͤner Nam/ das ist die schoͤne Gabe/ das ist die Seligkeit/ die ich empfangen habe/ dagegen gar nichts ist/ was hie die Welt beliebet/ was der Schwartzburger-land an Macht uñ Ehrẽ gibet. Drumb troͤstet euch hiermit und lasset Trauren fallen/ o Vater-Mutter-Hertz/ und wer fuͤr andern allen hierob bekuͤmmert ist. Zur Freud ich bin eingangen/ darauff jhr wartet noch mit sehnlichen Verlangen: Ich komm nicht wider her zu euch auff diese Erden/ doch werd ich dorten euch mit Freuden wider werden. Der von Nothwendigkeit der Tauffe. Der GOtt alles Trostes versiegle diesen Trost in aller Hochbetruͤbten Hertzen/ behuͤte uns fuͤr dergleichen Traur- faͤllen/ gebe dem Leibe des jungen Herrlein eine sanffte Ruhe biß an den juͤngsten Tag/ und denn eine froͤliche Aufferste- hung zum ewigen Leben/ uns allen seine Gnade/ daß wir sei- nen heiligen Willen in allen preisen/ jhm gehorsamlich fol- gen/ und durch Kreutz und Todt zu Christo dringen/ das ver- leyhe uns Gott umb Christi JEsu willen/ Amen. Solches zu erlangen betet mit mir ein andaͤchtiges Vater unser/ ꝛc. TETRA. TETRASTICHON LUGUBRE in fatum Inclutæ Propaginis masculæ Schvvartzburgô-Pa- latin æ ante dias Natalium auras Illustriss. Parentibus in arce Sondershusâ cheu! præproperè denatæ. M Ors tua, vita Tibi, generosa propago, perennis Est, erit \& Tectum gaudia mille manent. Sic superaße juvat fatalia stamina vitæ, Vivere quando datum est \& sine morte mori. Dispereant ergò, quorum mens devia clamat, Quod chaos \& limbus sint ineunda suis. Vindicat hos sibi divini sententia juris, Inq́ polum præsens concio docta locat. Summissô mœrentiq́; animô scriptum ab Achatio W engring Consiliario Sondersh. Schvvartzb.