Der L ieflaͤndischen C hronik A ndrer T heil von L iefland unter seinen H erren M eistern, welche die alte G eschichte des Ordens und der benachbarten Voͤlker erleutert. Sowol mit Zuziehung der gedruckten und ungedruckten Schriftsteller als fuͤrnemlich aus einer zalreichen Menge alter Documente im Original, beglaubten Copeien und andern Abschriften zusammen getragen: nebst angehaͤngten Tabellen , worinne die Ramen der Erz- und Bischoͤfe von Riga, Revel, Doͤrpt und Oesel, die Sigille der Ordensgebietiger, die Wapen der lieflaͤndischen Staͤdte, das Verzeichnis aller ehemaligen Schloͤsser, wie auch alle zur Zeit des Ordens und nachher gepraͤgte auch noch vorhandene Muͤnzen aus den beruͤmtesten Cabinetten gesamlet ꝛc. beschrieben worden von Johann Gottfried Arndt des Kaiserlichen Lycei zu Riga Conrector. Halle im Magdeburgischen , gedruckt bey Johann Justinus Gebauer . 1753 . Denen H ochverordneten O brigkeiten und H aͤmtlichen M itgliedern eines H ochansehnlichen R itterstandes der zu der vormaligen hochberuͤmten lieflaͤndischen Ordensprovinz gehoͤrigen Herzogtuͤmer Lief-Esth-und Curland wie auch der Provinz Oesel widmet diesen andern Theil der lieflaͤndischen Chronik in submissem Gehorsam der Verfasser. Hochwolgeborne Herren, Gnaͤdige Herren, E w. Hochwolgebornen geruhen der pflicht- maͤßigen Zuschrift dieses andern Theils der lief- laͤndischen Chronik desto geneigtere Aufname zu schenken, je naͤher mich mein Beruf ans kaiserliche Lyceum zur Historie, und sonderlich zur einheimischen Geschichte des Lan- des verbindet, und welcher wegen Kuͤrze unsrer nicht mehr um Geld feil stehenden Scribenten eine genauere Untersuchung der alten Ordensverfassung von mir erfordert. Die Anfechtung wurde im vorigen Jahrhundert manchem die erste Lehrmeisterin der Landesgeschichte, und Liefland hatte die betruͤbte Erfarung damals in Haͤnden, was die Gleichguͤl- tigkeit oder Kaltsinnigkeit gegen dis edle Studium fuͤr uͤble Fol- gen nach sich zoͤge. Der Mangel der Huͤlfsmittel aber trug Schuld, daß ein Cavalier nicht eher an die Historie seines Va- terlandes mit Ernst denken konte, als bis er nach Niederlegung oͤffentlicher Aemter und Kriegesdienste auf seinen Landguͤtern ein ruhig und unbeschaͤftigt Alter abwartete. Nunmehr wer- den auch die juͤngern Gelegenheit haben, ihr Vaterland eigentli- cher zu kennen, und mit dieser Kentnis die Reisen in fremde Laͤn- der desto nuͤtzlicher und fruchtbarer anzutreten. )( Die Die Verdienste, Hochwolgeborne Herren, die theils Dero ruhmwuͤrdige Vorfahren und Anherren, theils Dero hohen Anverwandte durch das Regiment der Kirche und des Ordens sich erworben, bleiben unvergeslich. Die Wirkungen derselben liegen am Tage, ob uns gleich die Parteilichkeit oder Scheelsucht damaliger Geschichtschreiber viel namhafte Thaten verhelet, oder sie auf der unrechten Seite vorgestellet. Haben nicht diese Helden der alten Zeit ein blindes und aberglaͤubi- sches Volk von unterschiedenen Sitten und Sprachen durch das Gluͤck der Waffen zur Annemung der geoffenbarten Reli- gion gebracht, und nach den Grundsaͤtzen ihrer Kirche durch noͤtige Zwangsmittel vor dem oft gewagten Ruͤckfal verwa- ret? Haben sie nicht mit Verleugnung aller Gemaͤchlichkeit und Ruhe sich an die Spitze der Heere gestellet, wenn sie ent- weder das Christentum auszubreiten oder zu beschuͤtzen hat- ten? Und wie gluͤcklich sind nicht diese Unternemungen abge- laufen, bis die grosse Vorsicht die Kriegesschule aͤnderte, und ihnen unter der Anfuͤrung gekroͤnter Haͤupter andere Ritter- dienste anwies? So viel glorwuͤrdige Koͤnige der Pohlen und Schweden die einzelnen Theile des alten Lieflandes beherrschet, so viel Ehrenbuͤhnen oͤfneten sich dem lieflaͤndischen Adel, Uebungen eines ritterlichen Heldenmuts zu zeigen. Jch berufe mich auf das Vertrauen der groͤsten Potentaten zu der Pflicht und dem Wohlverhalten eingeborner Lieflaͤnder, die unter ihren Armeen Dienste genommen, und auf dem Bette der Ehren sichs zur Unsterblichkeit angerechnet, Blut und Leben fuͤr ihren Koͤnig, nicht ihre Treue zu verlieren. Wie wichtige Bedienungen des Staats, des Hofes und Landes in erlauchten Collegien und Regierungen haben nicht Dero an Wissenschaft und Klugheit beruͤmte Vorfaren verwaltet, die entweder durch neue Ver- dienste den alten Adel erhoͤhet, oder einen neuen auf ihre Nach- kommen fortgepflanzet? Hier verschweige ich diese Namen, die in der fernern Folge der lieflaͤndischen Chronik eine ansehnliche Zierde geben, mit Ehrerbietung, aus Beisorge bey so zalreicher Menge derselben einige zu uͤbergehen. Was sol ich von jenen wohlverdienten Maͤnnern sagen, welche das Gluͤck hatten, Zeugen der Siege eines unsterblich grossen Petrus zu seyn; die diesem nunmehr verewigten Helde in seinen Feldzuͤgen durch unuͤbersteigliche Gefaͤrlichkeiten nach- schritten, und von seiner allerhoͤchsten Person die Kriegeskunst lernten; die er wuͤrdig fand, seiner hohen Weisheit in Rath- schlaͤgen theilhaftig zu machen, und ihnen nach wohlgepruͤf- ter Faͤhigkeit das Ruder des Regiments und Staats in Mili- tair- und Civilgeschaͤften anzuvertrauen? Sie haben den Nach- ruhm ruhm und Lohn rechtschaffener Patrioten: und die jetzo von den- selben sich noch am Leben befinden, werden ihre Verdienste ums Reich und das Vaterland nach dem Wechsel der Zeit mit der Ewigkeit in der Historie unverweslich erhalten. Die Ordnung der Gedanken fuͤret mich auf die gluͤckse- lige Regierung der unvergleichlichen Elisabeth, der glorwuͤr- digsten Kaiserin und Selbstherscherin aller Russen. Sie, Hochwolgeborne Herren, geniessen die vorzuͤgliche Gna- de, der allergnaͤdigsten und sanftmuͤtigsten Monarchin zur Hand zu seyn, ihren Laͤndern weislich zu rathen, ihre Befele zu befolgen, ihren Unterthanen Gerechtigkeit zu verschaffen, und zum Theil unter ihren Siegesfahnen in Diensten zu ste- hen. Sie widmen nicht nur wackere Soͤhne fuͤr den Staat und die Heere unserer allerhoͤchsten Souveraine, sondern er- ziehen sie auch zu diesen Ehrenaͤmtern gelehrt und rittermaͤßig. Sie koͤnnen nicht ohne empfindliche Ruͤhrung und Dankbar- keit bleiben gegen die hoͤchste Vorsicht GOttes und gegen sei- ne Gesalbte, die eine an Verdiensten so glaͤnzende Ritterschaft bey den theuer hergebrachten Privilegien nicht nur erhaͤlt, son- dern diese Freiheiten aufs grosmuͤtigste vermeret; die den Wohlstand des Landes mit ausnemender kaiserlichen Huld ver- bessert und uns den unschaͤtzbaren Frieden erhaͤlt. Der al- maͤchtige Arm des Hoͤchsten unterstuͤtze die Schultern, welche die Regierungslast so weitlaͤufiger Reiche und Provinzen tra- gen, mit ausserordentlicher Kraft, und begluͤcke das allerhoͤch- ste |kaiserliche Haus mit alle dem Gute, was die von tiefster Ehrfurcht und treuester Liebe geruͤhrte Vasallen und Untertha- nen vom Himmel erbitten. GOtt goͤnne auch unsern Nach- barn die Fruͤchte eines so gesegneten Regiments, und lasse inson- derheit Curland unter dem Scepter eines allerweisesten Augusts bey dem Fette und der Fruchtbarkeit seiner Felder mit uns uͤber die Tage des ewigen Friedens vergnuͤgt und froͤlich seyn. Die Betrachtung solcher Vorzuͤge, Hochwolgeborne Herren, beweget mich, diese wenigen Nachrichten, die Krieg, Brand, Verwuͤstung und andere Ungluͤcksfaͤlle uns uͤbrig gelas- sen, Denenselben zu besondrer Geneigtheit zu empfelen; weil sie ausser buͤrgerlichen Haͤndeln auch das Andenken Dero best- verdienten Vorfaren der Nachwelt aufheben. Nicht meine maͤßige Wissenschaft, sondern Dero edelmuͤtigen Befoͤrderung ist es zuzuschreiben, daß aus der Zeit des Ordens mehreres be- kant geworden, daß man einige lateinische Documente zum Nu- tzen der studierenden Jugend auf behalten, und daß wir die be- ruͤmte rußische Nation, aus den Zeugnissen vernuͤnftiger Ge- schichtschreiber, in ihrer wahren hoͤchst wuͤrdigen Gestalt der )( 2 Welt Welt darstellen koͤnnen. Es wuͤrde aber manches aus den alten Zeiten in groͤssere Deutlichkeit gesetzet worden seyn, wenn eine so fuͤrtrefliche Ritterschaft nach dem Exempel des uͤbrigen euro- paͤischen Adels Belieben faͤnde, Dero Geschlechtsregister zum Gedaͤchtnis so hochberuͤhmter Vorfaren im Druck kund zu ma- chen. Was hier und da dem grossen Universallexico einverlei- bet worden, ist zu abgebrochen, und enthaͤlt zu wenig aufs Ganze, zu geschweigen, daß dieses weitlaͤuftige Werk in den Haͤnden der meisten Praͤnumeranten sich unvolstaͤndig befin- det. Die andern Familiennachrichten kleinerer Buͤcher zeigen uns den lieflaͤndischen Zweig nur durchs Fernglas, oder beken- nen ihre Unwissenheit, weil sie erst aus Liefland den Zusammen- hang erwarten. Die Muͤnzen der Ordenszeit sind von Liebhabern fleißig genug gesamlet. Da nun noch eine gute Anzal derselben zer- streuet, diese aber ausser ihrer Ordnung und Zeitfolge wenig vorstellen: so waͤre allerdings zu wuͤnschen, daß sie entweder aus vielen Haͤnden in ein Cabinet geriethen, oder daß eine hinlaͤngliche und nach den Jahren eingerichtete Samlung an einem oͤffentlichen Orte zum Besehen aufgestellet, und durch dieses Aufheben ihrer Vergessenheit und ihrem Untergang ent- rissen wuͤrde. Sie sind die unverwerflichsten Denkmale, daß Liefland wirklich das gewesen, wie es die Geschichte be- schreiben. Jch weis keine angenemere Belonung meiner eigenen Ar- beit, als Dero Beifal, den mir aufs zuversichtlichste ausbitte, und fuͤr den ich mit begierigster Gegenerkentlichkeit bin, Gnaͤdige Herren, Ew. Hochwolgebornen Riga, den 25sten April 1753. unterthaͤniger und gehorsamster Diener Johann Gottfried Arndt. Vorrede. D ie Seltenheit unserer Geschichtschreiber kan die Ausar- beitung einer neuen Ordensgeschichte von Liefland zur Gnuͤge rechtfertigen, die bey so bewandten Um- staͤnden keine unnoͤthige Arbeit seyn kan. Wenige Lieb- haber besitzen die theuren Werke des Huitfelds, des Pontanus und Chytraͤus, welche Schriftsteller doch noch nicht einmal zur Hauptabsicht gehabt, die Haͤndel des lieflaͤndischen Ordens aus- fuͤhrlich zu erzehlen. Die Menge der pohlnischen und preußischen Ge- schichtschreiber treiben sie gleichfals bey andern Materien nur als ein Ne- benwerk. Die so den Staat von Rusland beschrieben, bleiben nur bey den neuesten lieflaͤndischen Begebenheiten. Unsere einheimischen Ge- schichtschreiber, Russow Von des revelschen Pastor Balthasar Russows platdeutschen Chronik von Lief- land sind 3 Ausgaben vorhanden. Die erste ist zu Rostock 1578 in 4 gedruckt; die andere eben daselbst, in 8, noch in eben dem Jahr, doch mit einigen Zusaͤtzen; die dritte zu Barth in Pommern in gros 4, durch Andreas Seitner, in der fuͤrstlichen Druckerey, welche letztere die beste und volstaͤndigste ist. Er hat eine beissende Schreib- art, und mahlet die Laster seiner Zeit ohne Ansehen der Person mit natuͤrlichen Farben. Da hingegen Salomon Hennigs Chronik von Lief- und Curland mit Chytraͤi Vorrede vielen parteiisch vorkoͤmt, weil sie mit noch lebenden Personen oder deren Haͤu- sern zu thun gehabt. Sie samlet auch nur die Begebenheiten von 1554 bis 1590, wes- wegen man sie beim Russow zur Fortsetzung gebrauchen kan. Sie ist so wol, als die Arbeit des Menius und Herrn von Ceumern, in den Nebenanmerkungen dieses Theils beschrieben worden, wo auch von unsern ungedruckten Geschichtschreibern Nach- richt zu finden ist. und Kelch Der Pastor zu St. Johannis in Jerwen, nachmaliger Praͤpositus, und zuletzt re- velscher Oberpastor, Herr Christian Relch, hat eine lieflaͤndische Krieges- und Friedensgeschichte geschrieben, die zu Rudolphstadt 1695 in 4 gedruckt worden. Sie hat ihres ordentlichen Vortrages und ihrer Volstaͤndigkeit halber durchgaͤngig Bei- fal erhalten, ohnerachtet diese Arbeit vor dem Druck wider des Verfassers Willen ei- ne oͤffentliche Durchsichtigung ausstehen muͤssen. Jn den lieflaͤndischen Historien, so in lateinischer, englischer, franzoͤsischer, schwedischer und andern Sprachen geschrieben sind, hat man dieses Werk theils stuͤckweise, theils voͤllig uͤbersetzet, auch hier , sind bey uns so selten, daß sie auf a den Vorrede. den oͤffentlichen Buͤcherauctionen um 3 bis 4 Dukaten erstanden werden; daher sie schwerlich jungen Leuten in die Haͤnde gerathen; zu geschweigen, daß sie sich bey den Zeiten des Ordens nur kurz aufgehalten. Die beiden Herren Schurtzfleische Diese beiden Herren Bruͤder haben das Ordensregiment, der Professor nemlich Con- rad Samuel in einer historischen Dissertation in 4, der Hofrath aber und Professor der Historie, Heinrich Leonhard, in einem eigenen Tractat in 8 abgehandelt. Beide irren schon in dem Titel de ordine Ensiferorum, weil von dem Schwerdtbruͤderorden nur 2 Meister, die andern 46 aber ordinis Crucigerorum, oder wie sie sich selbst schrei- ben, Teutonicorum in Livonia gewesen. Der letztere giebt unsern Schriftstellern nach academischer Gewonheit ein lateinisch Kleid. Seine Zusaͤtze sind Berichte des Duisburgers, Venators und Bredenbachs. Unter den auswaͤrtigen Geschicht- schreibern nimt er Kojalowiczen mehrentheils als entscheidend an, und unter denen, so ohne Documente geschrieben, haͤlt man seine Arbeit fuͤr die gelehrteste. in Wittenberg haben zwar die Ordensge- schichte eigentlich zu ihrem Zweck erwehlet Es liegen unter unsern Handschriften auch einige, die sich ausdruͤcklich fuͤr herrmei- sterliche Chroniken ausgeben, deren Dicke noch keinen Finger breit ausmacht, und die oft recht wunderliche Geschoͤpfe sind. Zu allem Gluͤck haben sich ihre Verfasser nicht nennen wollen. ; allein die Huͤlfsmittel, de- ren sie sich bedienet, waren nicht von der Beschaffenheit, daß sie dieselbe zu- verlaͤßig darnach abhandeln konten. Nachdem der koͤnigliche grosbrittannische geheime Justizrath, Hi- storiographus, und Bibliothekarius zu Hannover, Herr Daniel Gru- ber, durch seine Entdeckungen in den Originibus Liuoniae der Ordenshi- storie von Liefland die Bahn gebrochen; so schien es nicht ganz unmoͤglich, diesen Fustapfen nachzuspuͤren, zumal da in dem schoͤnen gruberschen Werke eine ganze Bibliothek zur lieflaͤndischen Historie angewiesen wor- den. Der Herr Rittmeister Otto Magnus von Aderkas auf Kuͤrbis bot auch gleich aus freien Stuͤcken durch Vorschub gedruckter und unge- druckter Schriftsteller, die nur einiger maassen in die Geschichte des Landes einzuschlagen schienen, die erste huͤlfreiche Hand dazu an. Wir haben eine so ruͤmliche Beihuͤlfe nicht obenhin angenommen, sondern sie zur Ermun- terung gebraucht, selbst Hand ans Werk zu legen, und sind aus mehr als einer Bibliothek mit den benoͤthigten, theils gesuchten, theils unge- suchten Huͤlfsmitteln versehen, und also zur Ausarbeitung dieses Theils gleichsam berufen worden. Die Quellen, daraus die Geschichte des Ordens geschoͤpfet werden muste, und worauf alles ankam, waren versiegen, oder doch hinter solche Zaͤune verleget, zu denen der Zugang hoͤchst schwer war. Man hatte uns zwar hier und da mit sinreichen Ausdruͤcken und eingestreueten Urtheilen verschoͤnert. Bey verschiedenen Begebenheiten des 16ten und 17ten Jahrhunderts hat er die hoͤchste Glaub- wuͤrdigkeit, weil ihm das revelsche Archiv zu seinem Gebrauch offen gestanden. Die Fortsetzung, welche dieser Verfasser bis 1706 handschriftlich hinterlassen, verdienet sorg- faͤltig aufgehoben zu werden. Was seine persoͤnlichen Umstaͤnde betrift, so war er am 5ten December 1657 in der Stadt Greiffenhagen in Pommern geboren. Sein Vater Gottfried Relch war Prediger, sein Grosvater aber Paul Kelch Buͤrgermeister in besagter Stadt. Von seiner ersten Ehe finden wir weiter nichts, als daß er mit seinen noch uͤbrigen 3 Stief- toͤchtern Richtigkeit getroffen. Seine andere Ehe volzog er am 25sten Nov. 1696 mit Jungfer Euphrosyna Costera, einer Tochter des Magister Caspar Costeri, Pa- storis zu Haggers und Praͤpositi des ostharrischen Kreises, in welcher er 3 Toͤchter erzeuget, und einen einzigen Sohn, Christian Relch, der den 23sten April 1704 geboren, und jetzo Rathsherr und Kaufman in Doͤrpt ist, welcher uns auf Verlangen diese wenige Nachricht von seinem seligen Herrn Vater mittheilen koͤnnen. Er so wol, als seine Frau starben beide 1710; er nemlich in der grossen Pest zu Revel, nachdem die Stadt an die Russen uͤbergegangen war, in dem Pastorathause bey St. Nicolai, bey welcher Gemeine der selige Praͤpositus zum Oberpastor berufen gewesen. Vorrede. zwar diesen und jenen Canal angewiesen: allein wie solten solche kleine Stroͤmgen das leere Meer der historischen Begebenheiten fuͤllen koͤnnen, welches durch gar zu starke und oͤftere Ableitungen bis auf den Grund ausgetrocknet war? Der wichtigen und schon bekanten Zerstoͤrung des al- ten erzbischoͤflichen Archivs zu Kokenhausen nicht zu gedenken, so hat die buͤrgerliche Geschichte durch den 1532 entstandenen Brand in Riga und den Verlust der Gildestubenbuͤcher einen ansehnlichen Abgang erlitten. Aus dem rigischen Archiv holten die Pohlen 1620 ein stark Packet Ori- ginale weg. Jm Jahr 1621 wurden aus Mitau durch die Schweden viele daselbst verwarte lief- und estlaͤndische Documente nach Stock- holm gebracht, dergleichen 1710 den oͤffentlichen Archiven der Regierung, des Burggerichts und des Consistorii zu Revel so gar mit Wegnehmung aller historischen Privatsamlungen in Estland wiederfuhr. Jm Jahr 1674 den 9ten Febr. gerieth das Obertheil des rigischen Rathhauses in Brand, wodurch die Protocolle bis 1660 zu Asche wurden, welchen Ver- fal der Hr. Oberpastor, Mag. Brever in einer beweglichen Predigt uͤber Amos VII, v. 4. 5. 6 den Tag darauf beklagte. Laut des hard- tischen Verzeichnisses giengen recht alte und wichtige lieflaͤndische Brief- schaften bey ploͤtzlicher Abbrennung des koͤniglichen Schlosses zu Stock- holm 1697 in Rauch auf, die uns 3 Jahrhunderte hindurch Licht gege- ben haͤtten. Weil auch bey den unruhigen Kriegeszeiten das Ritterschafts- archiv von Haus zu Haus, ja wol gar zu Lande herum wandern muͤssen, so ist manches schoͤne Original daruͤber verloren gegangen. Denn ob sich wol dann und wann ein Ulysses nach langen Umschweifen und zwar ganz unkentlich wieder zu Hause eingefunden; so haben doch viele durch die uͤble Haushaltung des Mars ihren Rest, oder in den Briefladen der Privat- leute ein unrecht angewiesenes Quartier bekommen, und in solchem un- schuldig vermodern muͤssen. Dieser Verlust waͤre einigermassen zu verschmerzen, wenn sich die al- ten Aufsaͤtze der Pfaffen finden wolten, welche zur Zeit der Ordensregie- rung merkwuͤrdige Veraͤnderungen erlebet haben. Auch diesen Papieren haben die Regenten das Garaus gemacht. Der culmische Kanzler Lu- cas David berichtet, daß der Orden alle preußische Chroniken ausser den Duisburger und Jeroschin verbrant habe. Der Hochmeister Mi- chael von Sternberg lies alle Chroniken vertilgen, weil sie den Hußiten das Wort redeten, daher viele ihre Chroniken vermaurten. An Kettlern selbst haben manche bemerken wollen, daß er keine Chroniken leiden koͤn- nen, weil die Moͤnche gemeiniglich der Clerisey Recht gegeben. Die Privilegien der Staͤdte, so die Vorsicht ihres Magistrats meh- rentheils in Urschriften aufgehoben, gehen hie und da in Abschriften durch die Haͤnde, und erlauben uns noch einige Blicke in die verloschenen Zeiten des Alterthums. Doch liegen noch manche unter dem Namen der hensi- schen Vertraͤge, oder wolmerscher und wendenscher Recesse, in starken Stoͤssen unaufgeloͤst und unberuͤret. Sie werden auch in dieser langen Ruhe ungestoͤrt bleiben. Jhre Schrift erfordert mehr als 2 Augen, und die Durchsicht derselben eine Freiheit von andern oͤffentlichen Geschaͤften. Da sie keinen andern Gehalt als ein kleines Vergnuͤgen fuͤr die Neubegier- de gewaͤhren, so duͤrfte wol der Tag ihrer Auferweckung so bald noch nicht anbrechen. Bey so oftmaliger Ausleerung der Archive koͤnnen die einheimischen Urkunden wenig Stof zur Historie ertheilen. Es ist daher kein Wunder, wenn die zahlreiche Samlung unserer Handschriften nichts besonders ent- haͤlt, und die Liebhaber der Historie die angewandten Schreibekosten als a 2 ein Vorrede. ein anstaͤndiges Almosen ansehen muͤssen. Wir berufen uns auf die Erfah- rung aller geschickten Kenner, ob sie in dergleichen Abschriften was anders finden, als eine magere Geschichte der alten Zeiten, die ihres gezerreten und uͤbel ausgedehnten Vortrags halber mit altvaͤterischen Formeln we- nig oder nichts sagen, und einen lehrbegierigen Leser von einem Blat zum andern auf ein leeres Jch weis nicht warten lassen. Jn dem vorigen Jahrhundert, da das Chronikenschreiben in Liefland recht zur epidemi- schen Krankheit geworden, haben die Verfasser nicht fuͤr die gelehrte Welt, sondern zu ihrem Zeitvertreib geschrieben, oder nur die Absicht gehabt, die Begebenheiten ihrer Zeiten zu bemerken; daher sie entweder die alte Hi- storie fluͤchtig uͤberhuͤpfen, oder den alten Russow und Henning bald stuͤck- weise, bald ganz ausschreiben, nach dem einer vor dem andern was zusam- menhaͤngendes liefern wollen. Selbst Neustaͤdt bindet sich im Anfang seiner Geschichte an keine Ordnung, und Thomas Hiaͤrne Von diesem arbeitsamen Manne ist in der Vorrede des ersten Theils etwas erwehnet worden. Seine eigene Handschrift mit Luftens Fortsetzung wird in Riga auf dem Ritterhause verwahret. Er wandte eine erstaunliche Muͤhe auf die Historie des Lan- des, und sein geschriebenes Werk wurde so guͤltig aufgenommen, daß Oernhielm, Patkuͤl, Stralenberg und Nettelbladt in ihren gedruckten Werken sich auf ihn be- rufen. Nichts desto weniger erkennet ein vornehmes Urtheil seine Ordensgeschichte fuͤr mager und trocken. Jndessen behaͤlt sein Fleis einen ewigen Nachruhm. Sein| schon fertiges Werk bahnte ihm erst den Weg zu Urkunden. Seine Collectanea zeigen, was von ihm zu hoffen gewesen. Er bediente sich der oxenstiernischen Bibliothek auf Fyholm. Der schwedische Reichskanzler Magnus Gabriel de la Gardie ertheilte ihm gegen einen eidlichen Revers vom 29sten May 1676 die Freiheit, alle zur est- und lieflaͤndischen Historie gehoͤrige Sachen aus dem Reichsarchiv abzuschreiben, doch alle Staatsgeheimnisse zu verschweigen. Hiaͤrne wuͤrde mit seiner Arbeit alle pralerischen Menios uͤbertroffen haben, wenn nicht das Vorhaben, die lieflaͤndische Historie auf einmal und diplomatisch in vielen Folianten ans Licht zu stellen, ihn so wie andere um Zeit und Leben gebracht haͤtte. , der unsern Livius vorstellet, bringt ausser den kurzen Auszuͤgen aus der gruberi- schen Handschrift und den daͤnischen Geschichtschreibern wenig erhebli- ches von der Regierung der Erzbischoͤfe und des Ordens vor. Hierzu komt noch, daß seine Handschrift in denen Documenten aus dem Huitfeld und Pontanus durch unlateinische Schreiber oft bis zur Unverstaͤnd- lichkeit gemishandelt worden. Solchen Hauptmaͤngeln der Handschriften haben gelehrte und tuͤchti- ge Maͤnner durch Hervorsuchung der noch vorhandenen oder auswerts be- findlichen Urkunden abzuhelfen gesucht. Weil aber hierdurch die Historie ein geraumiges Feld bekommen, und die letzten Jahre von 1560 bis auf ihre Zeiten an Documenten sehr fruchtbar sind, sie aber den ganzen Um- fang auf einmal durchzuarbeiten sich vorgesetzet; so hat sie der Tod bey so weit gestecktem Ziel ohne Uebereilung abholen koͤnnen. Der gelehrte rigische Rathsherr, Herr Johan Witte Dieser fertige Man ward wegen seiner siebenjaͤhrigen Treue und Sorgfalt, die er als Agent am koͤniglich schwedischen Hofe in Staatssachen bewiesen, 1648 als Archi- varius und in classe Secretariorum Rigens. gebraucht, wo er sehr gute Dienste gelei- stet, so dann 1654 am 27sten October zum vogteilichen Gerichtssecretarius, ernennet und 1656 in den Rath gezogen. Er bekleidete bis an sein Absterben, so am 25sten Julii 1657 erfolget, die Wuͤrde eines Ober- Bau- und Waisenherrn. Daß er 1654 auf die Empfelung des Grafen Erichs Oxenstierna, Praͤsidentens des Cammercol- legii, der ihm alle seine Handschriften gegeben, die Stelle eines koͤniglichen Historio- graphus , hat mit ausserordentlichem Fleis und erstaunlicher Arbeitsamkeit das Archiv der Stadt Vorrede. Stadt Riga durchsucht, und ausser vielen herrlichen Huͤlfsmitteln, durch hohen Vorschub aus Schweden einen ziemlichen Vorrath von Urkunden sich abgeschrieben, die doch mit seinem Absterben der Nachwelt eben so bald durch Verschliessung, als seine Person durch den Tod entzogen worden. Der Vicepraͤsident des rußisch-kaiserlichen Justizcollegii, Herr Her- man von Brevern Dieser grosse Man war am 20sten Jul. 1563 zu Riga geboren. Sein Vater war D. Joh. Brever, koͤniglicher Superintendent, die Mutter Frau Sophia von Dunten, und sein Grosvater Herr Joh. Brever, graͤflich- mannsfeldischer Con- sistorialsecretair. Seine noch auf Schulen verfertigte Reden, Disputationen und Ver- se liegen der Welt im Druck vor Augen. Jm Jahr 1683 begab er sich vom rigi- schen Gymnasio nach Deutschland, besuchte die vornehmsten Hoͤfe, Handeleplaͤtze und Universitaͤten, und studirte 3 Jahr in Altdorf, alwo ihn eine Disputation de Sym- bolo heroico beruͤhmt machte. Er wandte sich 1686 nach Jena, und nahm mehrere Residenzstaͤdte von Deutschland in Augenschein. Von Wien nahm er seinen Weg nach Ungern, und kehrte von Ofen zuruͤck nach Augspurg. Von da reisete er nach Venedig, Florenz und Rom, besichtigte die vaticanische Bibliothek, und nahm die Post nach Neapolis, wo ihm die tuͤrkischen Seeraͤuber den Pas nach Sici- lien unsicher machten. Hier beobachtete er die Flammen und Schluͤnde des Vesu- vius, und richtete seine Reise wieder uͤber Rom nach Mayland und Genua. So dann begab er sich nach Turin, und so weiter von Geneve nach Paris und Ver- saille. Hiernaͤchst wolte er die Niederlande durchreisen; allein eine Krankheit, so ihn in Amsterdam das Bette zu huͤten noͤtigte, unterbrach sein Vorhaben nach Eng- land zu schiffen. Er trat also auf Erinnerung seines Herrn Vaters 1691 die Ruͤck- reise durch Holstein, Mecklenburg, Pommern und Preussen zu Lande an. Jm Jahr 1693 ward er Assessor des Landgerichts, 1694 am 5ten Octobr. in den Adel- stand erhoben, verheyrathete sich darauf mit Catharine von Reutern, und nahm 1696 die Praͤsidentenstelle in dem koͤniglichen Burggerichte zu Riga an. Gleich nach- her ernante ihn der Koͤnig zum ordentlichen Assessor des 1701 von Doͤrpt nach Riga verlegten Hofgerichts. Bey den vorwaltenden Kriegslaͤuften wandte er sich mit seiner Familie nach Luͤbeck. Seine daselbst ausgearbeitete herrmeisterliche Historie ist uns nicht zu Gesicht gekommen. Mit dem Fruͤhjahr kam er wieder nach Riga, wo er ein halbes Jahr in Abwesenheit des Hrn. Statthalters von Strokirch der Landes- regierung vorgestanden. Hier noͤtigte ihn der Krieg zum andern mal nach Luͤbeck zu gehen. Alhier erhielt er das kaiserlich rußische Patent als Vicepraͤsident des Hofgerichts, mit welchem er 1711 nach einer gefaͤhrlichen Reise im Herbst zur See uͤber Liebau zu Riga ankam. Jm Jahr 1717 ward er zugleich Vicepraͤsident des erlauch- ten hohen Reichsjustizcollegii, und stand in Petersburg am kaiserlichen Hofe in be- sondern Gnaden. So maͤßig er auch lebte, und sich vor allen heftigen Leidenschaften huͤtete, so verursachten ihm doch die Steinschmerzen am 17ten Jun. 1721 ein schmerzli- ches Lager. Das Singgedicht, so er uͤber diesen Stein in seinen Nieren mit eigner Hand aufgesetzet, ist so sinreich, als beweglich; wie denn auch seine gedruckten Ge- dichte viel Schoͤnheiten und artige Gedanken enthalten. Er starb am 3ten Jul. und seine Leiche ward von Petersburg nach Riga abgefuͤhret, wo sie am 23sten Febr. 1722 beerdiget worden. Unter seinen Handschriften ist die lesenswuͤrdige Untersuchung von der Warhaftigkeit des Privilegii, so Sigismund August 1561 fer. 6 post Cathar. den Lieflaͤndern ertheilet hat, die bekanteste; sonst finden sich auch gelehrte An- , ein Vater zweier hochverdienten Staatsminister, b besas graphus von Liefland vertreten, und dafuͤr aus den Licenten eine jaͤhrliche Pension von 300 Thlr. Alberts gehoben, erhellet aus einer Birschrift an den Koͤnig, in wel- cher er sich seine Besoldung aus dem rigischen Portorio ausbittet, weil die Licent- gelder sehr unordentlich ausfielen. Sein Sohn, Herman Witte, ward am 19ten May 1698 von Carl den XII ten geadelt. Er schlos nebst dem Rathsherrn Joh. von Reutern, und den Elterleuten beider Gilden, am 30sten Jun. 1710 mit dem rußi- schen Generalfeldmarschal Scheremetow die Capitulation der Stadt Riga, und starb am 2ten August darauf. Sein Sohn Herman Claudius Witte von Nor- deck, der letzte im Rathe von seinem Geschlecht, war Buͤrgermeister, und starb am 19ten August 1736 auf Uxkuͤl in einem Alter von 53 Jahren. Vorrede. besas den grossen Geist, der sich an die merkwuͤrdigsten Sachen des Alter- thums und an die Urkunden des Landes ohne Schwachheit wagen konte. Sein aufgeweckter und lebhafter Witz, der sich schon in seinen kleinern Schriften zeiget, wuͤrde uns was ausnehmendes geliefert haben, wenn das oberste Verhaͤngnis nicht seinem Leben ein enger Ziel als seinen Ab- sichten haͤtte setzen wollen. Einige seiner durch Erbschaften zerstreueten Papiere sind in Abschriften der Vergessenheit gluͤcklich entzogen; dahinge- gen die uͤbrigen samt den raresten Muͤnzen von ihren jetzigen Besitzern aus sonderlicher Liebe geheimer gehalten werden, als es der Historie zutraͤg- lich ist. Der Secretair des Generalgouvernements von Estland, Herr Bernhard Riesemann, hatte sich in den estlaͤndischen und revelschen Documenten wohl umgesehen. Er suchte bey seinem erfahrnen Alter, und in der nach vielen Amtsgeschaͤften erbetenen Ruhe, sein Vergnuͤgen darin, die Historie des Landes zu erweitern. Wir wuͤrden seinem freiwilligen Versprechen zu Folge seine Beitraͤge mit erhalten haben, wenn ihn nicht nach einer kurzen Krankheit ein uns, nicht ihm, unerwarteter Tod den 11ten April 1750 die Feder haͤtte niederlegen heissen. Die Erben, welche seine Arbeit, die groͤstentheils die Rechte und Privilegien von Estland be- trift, nicht zerstreuen wollen, werden sie mit der Zeit vielleicht der Welt mittheilen. Unter denen, welche zur Ausfuͤhrung und Herbeischaffung der ver- lohrnen Historie von Liefland das meiste beigetragen, macht der Land- rath und Praͤsident des lieflaͤndischen Oberconsistorii, Herr Carl Gustav Clodt von Juͤrgensburg, die erste Person aus. Die Veranlassung war folgende. Die Provinzen und Staͤdte des Koͤnigreichs Schweden mu- sten bey dem Leichenbegaͤngnis des hoͤchstseligen Koͤnigs Carls des XI ten und der damit verknuͤpften Gluͤckwuͤnschung wegen der Thronfolge sich. im Jahr 1697 durch ihre Abgeordneten in Stockholm einfinden. Das damals hochbedraͤngte Liefland hatte, ausser andern politischen Anfechtun- gen, eine recht gefaͤhrliche Observation wegen des so genanten Bischofszehnden von sich abzulehnen. Eine Untersuchung, die dem groͤsten Theil des Adels den Verlust der Guͤter und den gaͤnzlichen Untergang drohete; weswegen derselbe entschlossen war, durch eine besondere Botschaft nach Rom uͤber diesen Zehnden eine naͤhere Belehrung einzuziehen, wenn es wegen Kuͤrze der Zeit und ohne Aufsehen geschehen koͤnte. Die auf das Ausschreiben des koͤniglichen Generalgouverneurs auf dem Landtage zu Wenden versamlete Ritterschaft bemuͤhete sich um drey angesehene Mit- glieder, die diesen Verrichtungen am schwedischen Hofe bey so gefaͤhrli- chen Umstaͤnden gewachsen waͤren. Sie fiel mit einhelliger Stimme auf den Herrn Praͤsidenten Clodt von Juͤrgensburg und ernante ihn zu ihrem Abgeordneten, tanquam (wie die lateinischen Worte des deut- schen Recesses lauten,) ad hunc actum maxime idoneum. Dieser treue Patriote war fuͤr die algemeinen Angelegenheiten des Landes eben so be- muͤhet, als fuͤr die Ausfuͤhrung der ihm uͤbertragenen Staatsgeschaͤfte. Allein das nach Schweden weggebrachte herrmeisterliche Archiv, so Kettler in Mitau verwahret, und das Stilschweigen der Historie mach- te der lieflaͤndischen Ritterschaft den Hauptbeweis schwer, und so lange un- Anmerkungen uͤber alle Denkwuͤrdigkeiten von Liefland darunter. Der Prof. und Re- ctor des rigischen Gymnasii, Herr Adam Gottfried Hoͤrnick, hat von diesem unsern Polyhistor mehrere Lebensumstaͤnde in seiner zu Riga gedruckten Gedaͤchtnis- Seule mitgetheilet. Vorrede. unmoͤglich, bis aus tuͤchtigen Urkunden der Grund oder Ungrund der vorgegebenen Frage klaͤrlich dargethan wuͤrde. Zu dem Ende wirkte der- selbige durch instaͤndiges und anhaltendes Bitten, den 15ten Merz 1698, an den damaligen Canzleysecretair und Archivarius, Herrn Sven Ley- onmarck, den hohen koͤniglichen Befehl aus, vermoͤge dessen er alle zu seinem Unterricht dienliche Urkunden aus dem Reichsarchiv zur Abschrift erhielt, in welchem zugleich eine Menge estlaͤndischer, curlaͤndischer, preußischer und pohlnischer Briefschaften verwahret lagen. Der ge- schickte Altertumskundige in Stockholm, Herr Richard von der Hardt, besorgte diese Abschrift, und unser redlicher Patriot schonete kei- ne Kosten und Geschenke zur Vergeltung einer so vieler Sorgfalt benoͤ- tigten und weitlaͤufigen Arbeit. Diese Freigebigkeit aber ermunterte den Abschreiber, auch einen ziemlichen Theil der vom Herrn Hiaͤrne abge- nommenen Documente wieder herbey zu schaffen, durch welche der alten und neuern Historie von Liefland konte aufgeholfen werden. Der Sohn desselben, der Herr Kammerjunker Jacob Gustav Clodt von Juͤrgensburg, war nicht nur der einzige Erbe dieser Stoͤsse von Schriften, sondern besas auch den patriotischen Trieb seines Herrn Vaters, dieselben brauchbar und nuͤtzlich zu machen. Er lieferte selbige nach genommener deutlichen Abschrift in das Archiv der Ritterschaft ein, und vermehrte seinen Vorrath mit vielen andern Handschriften. Wir finden bey ihm die Folge fast aller gedruckten und ungedruckten Geschicht- schreiber, die nur irgend in die lieflaͤndische Historie einschlagen; inson- derheit aber das wohlgeordnete Kabinet der alten lieflaͤndischen Muͤn- zen, so unsers Wissens das ordentlichste und volstaͤndigste in seiner Art genennet zu werden verdienet. Der Freigebigkeit des Herrn Kammer- junkers haben wir hier oͤffentlichen Dank abzustatten, der so theuer an- geschafte Schriften fast allein und umsonst hergegeben, die man zum Ge- brauch unserer Leser in diesem Werke auszugsweise angefuͤhret, oder vol- staͤndig mitgetheilet. Den vortreflichen clodtischen Samlungen fuͤgen wir billig die aus- erlesenen Beitraͤge des Herrn Peter von Schievelbein, Obervogts der Stadt Riga, bey. Durch die ruͤhmliche Vorsorge dieses in unserer Ge- schichte wohl bewanderten Mannes haben wir manches seltene Origi- nal zu Gesichte, und manche alte Abschrift in die Haͤnde bekommen. Da auch zur Zusammenhaltung und Bergleichung einiger Abschriften meh- rere Exemplare noͤthig gewesen, so hat der Staatssecretair des kaiserli- chen Generalgouvernements von Liefland, Herr D. Bernhard Theodor Hausdorf, nach seiner Liebe fuͤr die schoͤnen Wissenschaften, dieselben her- beizuschaffen sich Muͤhe gegeben. Eine gleiche Art der Beihuͤlfe ist uns durch den muntern Fleis des Herrn Ernst Wilhelm Rour, Secre- tairs der Stadt Mitau, zugeflossen. Was von buͤrgerlichen Sachen der Stadt unter den Briefschaften der grossen Gildenstube verwahrlich aufgehoben worden, hat der Elte- ste, Herr Bernhard von Huickelhaven, so wie die Doeumente der kleinen Gilde, derselben Elterman Herr Johan Christoph Kleeburg, uns mit vieler Willigkeit zu unserm Gebrauch in der Geschichte uͤberlassen wollen. Aus diesen allen hat man die ordensmeisterliche Geschichte zu Stan- de gebracht, viele Jahrzahlen verbessert, die verlornen Namen wieder b 2 her- Vorrede. hergestellet, und alten Berichten ihre Gewisheit verschaffet. Zwar ist die alte Historie von Liefland fuͤr die Ehre eines Schriftstellers gefaͤhr- lich genug; weil sie selbst in den Urkunden durch so viele Luͤcken ganzer Jahrzehnde durchbrochen ist, zumal wenn unsere Leser getrennete Bege- benheiten in einer anmuthigen Erzehlung und richtigem Zusammenhang von uns verlangen solten. Allein da die witzigsten Einfaͤlle am leichte- sten straucheln koͤnnen, so hat man sich derselben mit gutem Bedacht enthalten, und lieber den Titel einer Chronik erwehlet, auch nicht den Text nach den Jahren, sondern die Jahre nach dem Text eingerichtet, wenn gleich dadurch mehrere Luͤcken entstanden. Denn Kauf- und Han- delsbriefe in die ledigen Stellen einzuschieben, die die Jahre haͤtten zur Noth fuͤllen koͤnnen, wuͤrde so wol jedermans Erwartung als un- serm Endzweck zuwider gewesen seyn. Wir geben selbst diese Materien fuͤr weiter nichts als einige vom algemeinen Schifbruch uͤbrige Truͤmmern aus. Verungluͤckte oder verschlagene Leute sehen sich nach ein paar Bret- tern um, wenn sie ihr altes Vaterland wieder finden wollen. Ein Haus aus alten Werkstuͤcken komt der Natur am aͤhnsichsten. Die Kentnis der Knochen an einem Gerippe ist eben so noͤthig, als die Kentnis der fleischichten und festen Theile des Koͤrpers. Vielleicht finden sich nach unsern Tagen Kuͤnstler, welche uͤber diese Gebeine eine saubere Haut ziehen. Wir haben uns der vorhandenen Documente nicht weiter bedienet, als es unsere Absicht, Faͤhigkeit, Kraͤfte und Nebenstunden zu- gelassen. Manche gar besondere Nachrichten sind um des lieflaͤndischen Lesers willen unumgaͤnglich nothwendig gewesen. So trocken die alte Historie an ausfuͤhrlichen Begebenheiten ist; so fruchtbar wird sie nach der Zeit des Ordens an Feldzuͤgen, Belagerun- gen, Streifereien, Scharmuͤtzeln, beruͤhmten Personen und merkwuͤr- digen Veraͤnderungen; nicht als ob es vorher an dergleichen Vorfaͤllen gefehlet, sondern weil die Moͤnche zu gemaͤchlich und neidisch gewesen, die haͤufigen Siege der Ordensherren und ihrer Ritterschaft umstaͤndlich und ruͤhmlich zu melden. Was auch von Moͤnchsarbeiten noch zu Papier ge- bracht worden, hat nicht immer Gedeihen gehabt. Vermuthlich ist mancher Aufsatz von dem Orden unterdruͤckt, weil mehrentheils die Geist- lichen, als der beleidigte Theil, ihr Unrecht und die erlittenen Bedraͤngnis- se zu lebhaft beklagten. Dazu komt noch, daß die Stadt Riga in den er- stern Zeiten wenig mit den Meistern zu thun gehabt. Es giengen 130 Jahr vorbey, ehe die Buͤrgerschaft, der schon das sanfte Regiment des Krumstabs beschwerlich fiel, auch noch uͤber dem das harte Joch des Kreuzes, wiewol nicht ohne Murren, auf sich nahm, und dem Meister so wol als dem Erzbischof huldigen muste. Daher auch die Zahl der Ordensmeister des dreizehnten Jahrhunderts so wenig, als ihre Na- men, von unstreitiger Richtigkeit sind, auch nicht aus dem Archiv der Stadt hergestellet werden koͤnnen. Der Oberste unter den Ordensgebietigern hies der Meister. Die Hoͤflichkeit der mitlern Zeiten setzte das Ehrenwort Herr davor, daher sie Herrmeister Domini Magistri, keinesweges aber Heermeister, Duces exercitus, genennet worden. Jn dem 16ten Jahrhundert sagte man auch Vorstenmeister, nachdem Plettenberg die Fuͤrstenwuͤrde erhalten. Wir haben sie, um den harten und zweideutigen Ausdruck des Alter- thums zu vermeiden, Ordensmeister betiteln wollen. Hochmeister, Magistri generales, waren allein in Preussen zu suchen, welche ih- ren Vorrede. ren Landmeister unter sich hatten, obgleich dieser letztere Name auch in alten Zeiten dem Meister von Liefland beigeleget worden. Die Eigenschaften dieser Helden sind bey den alten Chronikenschrei- bern durch die Beinamen eines alten, frommen, tapfern, bescheidenen, erfahrnen und braven Mannes ausgedruckt. Der Herr Hofrath Schurzfleisch schildert sie gleichsam, wie sie vor oder nach der Schlacht ausgesehen, nachdem sie gluͤcklich oder ungluͤcklich gefochten. Da diese al- gemeine Abbildungen zu schwach sind, die meisten ihre Rolle sehr kurz ge- spielet, auch ihre Handlungen nicht im Zusammenhang bekant geworden; so hat man lieber keine Charactere beibringen wollen. Gesichtsbildungen entwerfen, oder bey jeder Polizeiverordnung ihre Weisheit, Staatskunst und Einsicht ruͤhmen, hiesse in den Verstand unserer Leser ein zu grosses Mistrauen setzen, deren Nachdenken und Urtheil manches uͤberlassen werden muͤssen. Die Abhandlung dieser Geschichte bestehet aus einer fortlaufenden Erzaͤhlung, die man ohne Anstos fortlesen kan. Die Urkunden zum Be- weis oder zur Erlaͤuterung sind in die Anmerkungen gebracht. Aus diesen ist manches in den Nebenanmerkungen erklaͤret worden, worin manche Urtheile uͤber unsere Geschichtschreiber mit vorkommen. Hier- durch hat dieses Werk zufaͤlliger Weise eine Aehnlichkeit mit dem ersten Theil empfangen. Die wenigen Materien, so wider die Ordnung ein- gestreuet und doch mit einem Sterngen bezeichnet worden, ohnerachtet sie fuͤglicher in die Anmerkungen selbst gehoͤret haͤtten, sind Spaͤtlinge, mit welchen man wegen der ohnedem schon stark beschriebenen Hand- schrift dem Drucker die Arbeit nicht noch verworrener machen durfte. Die Urkunden der aͤltesten Zeiten haben den Text lateinisch, davon man einige, die zum Beweis gehoͤren, der studirenden Jugend wegen beibehalten. Unter den deutschen sind wol ausser einigen buͤrgerlichen Gesetzen die monheimischen Briefe an die Stadt Riga 1330 die er- sten. Sie sind alle in der platten Sprache abgefast, die man in etlichen in die hoch deutsche Mundart uͤbersetzet, doch so, daß man die alten Wort- fuͤgungen, so viel moͤglich, beibehalten wollen. Es war daher nicht noͤ- tig, denenselben eine neue Uebersetzung an die Seite zu setzen, wie der Herr Landrath von Ceumern bey dem sylvestrischen Privilegio thun muͤssen. Einige platteutsche hat man zwar zur Probe mit angebracht; wir bitten aber der Rechtschreibung wegen um Verzeihung, weil eine ans hoch deutsche gewoͤhnte Hand mit solchen Abschriften ungemein schwer zurechte komt. Die hoch deutschen Urkunden fallen schon gelaͤufiger; von welchen der Ordensmeister Galen 1553 zu Wenden, Montags nach Catharinen, die erste niederschreiben lassen, da die vorhergehenden von eben dem Jahr noch plattentsch abgefasset sind. Doch unterzeichne- ten die Herren Meister die hoch deutschen Briefschaften noch platteutsch, als: Goͤddert Kedler, Meister, myn Handt, oder: Goͤddert, myn egen Handt. Bey den Auszuͤgen der Urkunden haben wir ausser dem Jahr und Tage hauptsaͤchlich auf den jedesmaligen Endzweck, die vornemsten Stuͤcke des Jnhalts, und auf die Zeugen gesehen. Damit aber bey der Menge so vieler Namen die oͤftere Wiederholung derselben in den hintereinander folgenden Documenten kein Misvergnuͤgen erwecke, so hat man solche lieber weglassen, als zehnmal einerley Personen namhaft machen wol- c len; Vorrede. len; zumal da diese Sorgfalt hoͤchstens nur zur Ausfuͤrlichkeit der Ge- schlechtsregister dienen koͤnnen. An einigen Stellen hat man die sonder- baren feierlichen Ausdrucke, weil sie was besonders haben, mit unterlau- fen lassen. Man erkennet sie gleich an der Seltsamkeit oder an der ihren Zeiten ganz eigenen Einfalt. Die angehengten fuͤnf Tabellen haben jede ihre besondere Vorerinne- rung. Wir wuͤnschten, die von den Muͤnzen und Sigillen durch Kupfer- stiche beleben zu koͤnnen. Was die Muͤnzen betrift, so koͤnte man Hof- nung haben, dieselben durch die geneigte Bemuͤhung eines vornemen Goͤn- ners in Kupfer abgestochen zu sehen, wenn diejenigen, so diese und mehre- re Arten besitzen, durch Mittheilung der vorhandenen Stuͤcke dazu be- huͤlflich seyn wolten. Wie die Besitzer dadurch ihres Schatzes nicht be- raubet werden, sondern ihn in vieler Haͤnden vervielfaͤltiget wieder fin- den; so wollen wir alle diejenigen, welche solches schoͤne Vorhaben zu be- foͤrdern gedenken, hiemit aufs ergebenste ersuchen, die bey ihnen vorraͤti- gen und hier nicht namhaft gemachten Muͤnzen an uns nach Riga einzu- senden; wofuͤr man ausser der Erlegung des Werths sich ihnen fuͤr ganz besonders verpflichtet erkennen wird. Die Altertuͤmer der herrmeisterli- chen Leichensteine in der Domkirche zu Wenden, und diese Zeugen von der ehemaligen Ordensregierung, solten billig bey den Liebhabern oder den noch vorhandenen Familien in solchem Werth seyn, daß man sie in natuͤrlichen Abbildungen dem so nahen Untergang entzoͤge. Wie vieles liesse sich nicht dagegen an nuͤchternen und uͤbel ausgearbeiteten handschrift- lichen Aufsaͤtzen ersparen? GOTT wolle uͤbrigens auch dieser Arbeit den zur Absicht gehabten Nutzen in Gnaden angedeihen lassen, dessen Schirmwaltung wir un- sere Leser empfehlen. Geschrieben zu Riga den 25sten April 1753 . Der Der erste Ordensmeister der Ritterschaft Christi oder des Schwerdtbruͤderordens in Liefland Liefland, Livonia, heißt beym Ptolemaͤus auch Levonia, und bey einem unge- nanten preußischen Chronikenschreiber Lyvonia. Ein angesehener Gelehrter die- ses Landes Dis ist der in der Vorrede zum 6ten Theil der allgemeinen Welthistorie S. 38, und in der Vor- rede zum 9ten Theil angefuͤhrte lieflaͤndische Gelehrte, welcher einige schoͤne Anmerkungen und Beitraͤge zur allgemeinen Welthistorie, von den Gegenden unsers Reichs, eingesandt, nemlich der Rußisch Kaͤyserl. Leibarzt und Doctor der Arzneykunst, Herr Johann Bernhard von Fischer, der um das Aufnehmen gruͤndlicher Wissenschaften und um die Befoͤrderung medicinischer heilsa- men Anstalten, in unserm Reiche sich wohl verdient gemacht. Er lebt anietzo vor sich bey Riga, auf seinem neu angelegten Hofe Hinterbergen, dessen Winter- und Sommerlust er in Versen be- schrieben, und von den Anfangsbuchstaben seines Namens, sich den I n B eruhigung V nd F riede wohnenden Montan nennet, welchen Namen wir der Kuͤrze wegen beybehalten. Diese physiea- lischen und moralischen Betrachtungen sind 1745 zu Riga in 8vo gedruckt, hinten aber des Ver- fassers Gedanken von dem Ursprunge des Namens der Stadt Riga, und der Provinzen Cur- und Liefland beygefuͤget, die eigentlich hieher gehoͤren. Diese kleine Schrift ist in Leipzig in der Gleditschischen Buchhandlung zu haben. Da wir nur kurz das Stammwort anzeigen so, wer- den neugierige Leser wohl thun, wenn sie die ganze Abhandlung mit den Beweisen aus dem Werk- gen selbst in Erwegung ziehen. , welcher unter dem Namen Montan verborgen bleiben wollen, sucht weit- laͤufig zu beweisen, daß der Name Liefland von dem estnischen und lettischen Worte Liv, ein klein Netz, herzuleiten sey; weil die Liven zu den Venedis gehoͤret, die Ta- citus wie Schnaphaͤne und Raͤuber beschreibet. Der Landesname Widdusemme, Mittelland, dessen sich die Curlaͤnder und Letten bedienen, sol sich nach seiner Mei- nung auf das feste Land beziehen, indem es nur etliche Meilen breit an Semgallen A gren- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1208 grenzet, sondern auf die Lage desselben gegen die See, weil es nemlich nicht an der freien Ostsee, sondern an einem Mittelwasser, nemlich dem lieflaͤndischen Meerbusen, liege, der- gleichen Wasser die Daͤnen und Hollaͤnder Het Binne-Water zu nennen pflegen. Die Russen nanten in ganz alten Zeiten das Land Livonskaja Semla, anjetzo aber nennen sie es Lieflandie. Die Wenden Diejenigen, welche die Namen der Voͤlker gerne aus Stammwoͤrtern ableiten, so ihre Rauberel- en, Ueberfaͤlle und Gewaltthaͤtigkeiten anzeigen, finden in Guagnini rerum Polon. tom. I p. 16 das slavonische Wort Wenda oder Venda, das einen Fischerhamen bedeutet, und vielleicht den Wenden den Namen gegeben. Die Wenden aber in Liefland haben heutiges Tages vor an- dern Letten nicht das geringste Unterscheidungszeichen mehr uͤbrig. Daher sind sie ohne Zweifel dieselbe Nation, die ehmals am Fluß Winda in Curland gewohnt, und den die Letten noch Wenda aussprechen. und Letten, welche die Liven ver- drungen und ehmals von einander unterschieden waren, haben uns jetzo keine Spur von ihrem vormaligen Unterschiede uͤbrig gelassen. Es kan auch die Sprache dieser slavoni- schen Voͤlker nicht sehr unterschieden gewesen seyn. Was fuͤr einen Commentarius koͤnte nicht ein Sprachkundiger hieruͤber verfertigen? Die Stadt Libau in Curland hat ihren Namen von Leepa, so auf curisch und lettisch den Lindenbaum bedeutet, den auch die Stadt in Wapen hat. Leepicz nent der Litthauer den besten Meth, der aus dem von Lindenbluͤten gesamleten Honig gebrauet wird. Das schoͤne Leipzig in Sachsen hat von den Linden seinen Namen durch die Wenden erhalten. Mit dem Ursprung der Wenden wird Heinrich der Lette geschwind fertig, vtpote a Wyn- dow repulsi. Es waͤre ja eben so kurz von den Liven geschlossen, Liui vtpote a Liva repulsi. Liwa ist der alte Name des Stroms und der Stadt Liebau in Curland. Doch Guagnini tom. II p. 42 fuͤhret terram Liuensem an, in der Liwo, eine hoͤlzerne Stadt mit einem steinern Schlosse, am Fluß Liwiecz lieget. Zu dem in Leuen- klaus, Zeylers, Hennings, Waissels und andrer Schriften befindlichen Namen Eifland ist es ganz unschuldig gekommen. Man trift in unsern alten und neuen Do- cumenten kein Eifland an, sondern der Buchdrucker hat das in einen Zug gebrachte L fuͤr ein E gelesen, weil die ersten Schriftsteller, nach der Einfuͤhrung der Buchdrucke- rey, wegen der Entlegenheit der Druckorte, die Durchsichtigung der Bogen nicht selbst besorgen koͤnnen, wie denn noch in einigen unsrer Handschriften das zierliche Anfangs L, wegen des durchgehenden Zuges, als ein E gelesen werden kan Leuenclau in Pand. Turcicis tom. I part. III p. 181 nennet Eifland die hochdentsche Ausspra- che, da hingegen die Sachsen Liefland sagen. Entfernte Voͤlker verfehlen gemeiniglich des rech- ten Namens, den die Nachbarn oder solche Nationen, welche mit einem Lande Handel treiben, richtiger schreiben und aussprechen. So geht es dem Athenienser Laonicus Chalcocondylas, der in seinem 3ten Buche de rebus Turcicis auf ein Land Euphrastaͤ oder Jnflastaͤ komt, dessen Hauptstadt er Ycra heisset. Es mag nun dieser Grieche oder sein Abschreiber gefelet haben; so zeiget doch die Beschreibung dieser Seestadt, wohin die Deutschen, Daͤnen, Franzosen und Engellaͤnder handeln, und die ein aristocratisch Regiment haben soll, daß sie Ryca oder Riga, und das Land Liefland oder Eifland heissen muͤsse, und man also nur die Buchstaben versetzen duͤrfe. Auf die Art wird man mit den verworrenen Namen auch eher fertig, als wenn man nach der Erklaͤrung des Franzoͤsischen Uebersetzers, es auf die Stadt Nogarden deuten wolte. Chalcocondylas hat mehr ungewoͤhnliche Namen. Die deutschen Ordensherren heissen bey ihm Nazaraͤer, weil sie weisse Maͤntel trugen und Geluͤbde thaten. Leuenclau selbst, der die Einwohner des Landes von den Juden ableitet, ist vom Herrn Praͤpositus Kelch S. 13 gruͤnd- lich widerleget worden. Sein Joͤrru, Joͤrru Mascolon, welches er von den Bauren singen hoͤren, und fuͤr ein Klagelied uͤber Jerusalem und Damaskus haͤlt, ist ein ordentlich Schaͤfer- liedgen, nicht aber wie Fabricius meinet, ein Ehrengesang fuͤr die estnischen Waldgoͤtzen. Wir hatten eine Provinz Jdumaͤa, wir haben noch ein Egypten, ein Bethlehem, ein Engeddi, aber keine Juden in denselben. Diese biblischen Namen brauchten die Moͤnche, weil sie darin eine besondre Andacht setzten. . Wir wissen nicht, aus welchen Quellen Herr Franz Neustaͤdt Der selige Herr Franz Neustaͤdt oder Niestaͤdt, ehmaliger Buͤrgermeister in Riga, den schon Chytraͤus in Saxonia p. 805 wegen seiner sonderbaren Klugheit, Gelassenheit und standhaften Wesens ruͤhmet, hat eine handschriftliche Nachricht von Liefland hinterlassen, die aber wenige Liebhaber vollstaͤndig, sondern nur in einem Auszuge, besitzen. Jn der alten Historie ist er andern kurz nachgegangen. Jn der neuern Geschichte aber, sonderlich vom Jahr 1558, hat er uns die doͤrptischen Veraͤnderungen am ordentlichsten beschrieben, weil ihm sein Aufenthalt in dem Hau- se seines Schwiegervaters, des Herrn Buͤrgermeister Meyers in Doͤrpt, vieles entdeckt, was unter dem gemeinen Mann entweder gar nicht, oder mit manchen erdichteten Zusaͤtzen bekant ge- wesen; daher man auch in der doͤrptischen Geschichte sich fast allein an ihn halten mus. Wir werden an gehoͤrigem Orte zeigen, daß Neustaͤdt unter den Lieflaͤndern von der rußischen Na- tion zuerst unparteiische Begriffe geheget, weil er sich als ein Kaufmann in Pleskow, Nogar- den und Moskau lange aufgehalten, und die Russen naͤher kennen gelernet. Er schrieb seine Historie auf dem Landgute Sonzel, wohin er sich in einem hohen Alter der Ruhe halber begeben hatte, seine so gar umstaͤndlichen Nachrich- ten Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Vinno. ten von der Entdeckung dieses Landes geschoͤpfet. Es scheinet, daß er zu leichtglaͤubig 1208 gewesen, (denn zu eigenen Erdichtungen war er zu aufrichtig,) und ohne genugsame Pruͤ- fung sich etwas zu weit in den Gebrauch der bremischen Scribenten eingelassen, die ihrem Vortrag durch genaue, sonst aber bey jeder Landeserfindung sehr gewoͤhnliche Um- staͤnde eine Farbe zu geben gewust. Seine Erzehlung laͤuft ohngefehr auf folgendes hinaus: Jm Jahr 1148 wolten die Bremer nach Wisby segeln, wurden aber durch einen Sturm aus Nordwest nach Curland verschlagen, von da ihnen eine Fischer- schuͤte den Weg nach der Duͤne zeigte. Als die Wilden sich uͤber ein vorher nie gesehe- nes Schif sehr verwunderten, setzten die Deutschen zwey ledige Tonnen, mit Brod und andern Eswaren und Naschwerk bedecket, ans Ufer, und bewirtheten die Heiden so wohl, daß diese ihre besten Waaren herbey brachten, wofuͤr sie von den Deutschen unter- schiedliche Verehrungen erhielten. Hier beschreibet Neustaͤdt den ganzen Bauerkram, als er ob dabey gewesen, und bezeichnet uns fast die Minen, mit welchen die Liven den Bremern das deutsche Geld zuruͤck gegeben, weil sie es nicht gekant, und lieber aus- laͤndische Waaren zu tauschen begehret. Den Tag drauf komt ein armer Betler, wel- cher den Kaufleuten fuͤr ein Messer, ein Hutband und ein paar Stecknadeln, etliche Ey- er hinleget, bey vermerktem ungleichen Tausch aber zwey Grauwerksohren mit kleinen silbernen Stiften bestreuet aus dem Busen ziehet, welche die Deutschen begierig an- nemen, um die Muͤnze der Liven kennen zu lernen. Diese silbernen Buckeln, sagt Neu- staͤdt, haͤtten die Liven Nagat, die Deutschen aber, von den Ohren eines Eichhoͤrn- gens, ein Oer geheissen. Damit nun diese Kaufleute die Sprache der Liven lernen moͤchten, so koͤrnten sie einen jungen Menschen taͤglich mit Zucker, Feigen und Rosinen, brachten auch dessen Eltern dahin, daß sie ihr Kind von 15 Jahren mit nach Bremen reisen, daselbst taufen und die deutsche Sprache lernen liessen. Anno 1149 fuͤhrten die Bremen diesen jungen Liven, als nunmehrigen Dolmetscher, mit nach Liefland. Un- ter andern Handwerkern befand sich auch ein Goldschmidt auf dem Schiffe, uͤber wel- chen sich die Heiden am meisten verwunderten. Hier weis Neustaͤdt die Schifsla- dung wieder aufs umstaͤndlichste. Die Christen tractirten vor ihrer zweiten Abreise noch 30 Liven, schrieben ihre Namen auf, schlossen Vergleiche, und namen viere von diesen Leuten mit nach Deutschland. Der bremische Erzbischof schickte endlich 1150 auf Philippi Jacobi den Priester Meinhard, samt seinem Chorschuͤler, Johann Hartmann, und einem Kuͤster, Thomas Steger dahin, welche am 24sten May auf der Duͤne gluͤcklich ankamen. Jm Junius brachten noch 2 andere Schiffe einen Glaser und Schmidt, mit Weib, Kind und Gesellen mit, die viele Kessel bey sich hatten ꝛc. So umstaͤndlich auch dieser Bericht des Herrn Buͤrgermeister Neustaͤdts gera- then, so gehet doch die Erdichtung des Dionys. Fabricius Dionysius Fabricius, ein catholischer Geistlicher, schrieb in lateinischer Sprache ein so betiteltes Compendium historiae von Liefland, so noch hie und da in Abschriften verwahret worden, und gehet bis aufs Jahr 1610. Etwas davon ist verdeutscht und an Laur. Muͤllers septentrio- nalische Historien als ein Supplement angehaͤngt worden. Es enthaͤlt nichts besonders, als ei- nige seltsame Wunderwerke, z. E. daß man durch geweihetes Salz und Weihwasser Kranke ge- sund gemacht. Unsre Bauren macht er zu erschrecklichen Hexenmeistern, welche durch ihre Zau- berey mitten im Sommer Eis und Schnee hervorbringen, und das junge Rockengras mit den Spitzen so zur Erde drehen koͤnnen, daß es wie verworrene Haare gewachsen. Hiaͤrne hat die- sen Schriftsteller im Anfang seiner Historie fast von Wort zu Wort uͤbersetzt, weil er die Sitten des Landvolks am natuͤrlichsten zu schildern gewust. Daß es in dem alten Liefland Hexen die Menge gegeben, wird ausser andern, durch zwey unverwerfliche Zeugen bestaͤtiget. Der Supe- rintendent Hr. Mag. Hermann Samsonius ließ 1626 bey Gerhard Schroͤdern in Riga 9 auserlesene und wohlgegruͤndete Hexenpredigten drucken, so er in der Domkirche zu Riga gehal- ten, darinne der terminus Magiae nach den logicalischen Terminis richtig und kuͤrzlich aus GOt- tes Wort erklaͤret wird. Der Pastor zu Riga, Hr. Roͤtger Becker, gab eben daselbst 1644 sein noch weiter. Dieser A 2 Schrift- hatte, bis ins Jahr 1604. Wir haben auch von ihm geschriebene Anmerkungen uͤber D. Lau- rent. Muͤllers septentrionalische Historien, so zum erstenmal in Fol. hernach in 4 gedruckt, und auch ins Schwedische uͤbersetzt worden. Neustaͤdt beschuldiget Muͤllern der Unwarheit, wenn er, Fol. 6, Pitschur eine Meile von Pleskow entfernt, da es wol 8 Meilen davon liegt; wenn er Fol. 13 alle Thuͤrme zu Pleskow uͤberguldet, Fol. 14 dem Herzog Magnus die Erbauung des Schlosses Neuenbaus zuschreibt; Fol. 15 die Stadt Riga der vergebenen Freiheit beschul- diget. Fol. 18 macht Neustaͤdt die berufene Erzehlung von der Freiheit der Bauren, welche sie durch den poinischen Koͤnig Stephan empfangen solten und nicht wolten, zur Fabel, welche Erzehlung dennoch in die Schriften der gelehrtesten Maͤnner eingeschlichen, und verwirft endlich auf demselben Blat die Beschreibung der ganzen undeutschen Nation. Auch Henning S. 156 uͤber- fuͤhret Muͤllern einer Unrichtigkeit, wenn dieser nach den Stiftshaͤndeln in Pilten dem Herzog Kettler vorwirft, der Herzog habe durch seine Abschickung die Sequestration des Stifts Pilten gesucht oder begehret. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1208 Schriftsteller will Nachricht haben, daß die bremischen Kaufleute bey ihrer vierten Ankunft auf der Duͤne den Koͤnig der Liven zu Gaste geladen, und ihm unter andern Gerichten auch 2 Heringe vorgesetzt. Der Koͤnig habe die Heringe auf die Nachricht, daß es Seefische waͤren, beym Schwanze zu zerlegen angefangen, welches die Deut- schen fuͤr ein gluͤckliches Zeichen gehalten; daher die lieflaͤndischen Bauern zu seiner Zeit noch einen Hering beym Schwanze angefasset. Gleich darauf verfaͤlt Fabricius auf die abgedroschene Fabel von der carthaginiensischen Ochsenhaut, fuͤr welche die Deutschen sich ein Raͤumgen ausgebeten, und dadurch auf Martinsaare, das ist auf dem Martinsholm, die erste Kapelle, unter dem Namen Holme oder Jnsel aufge- bauet haben; welcher letztere Umstand des Orts vielleicht allein seine Richtigkeit hat. Was Saxo Grammaticus lib. IX hist. Dan. p. 156, Crantz Dan. l. 2, c. 16, p. 68, Huitfeld in Danmarkis Rigis Kroͤnike part. I p. 14, Bering Flor. Dan. p. 130 und andere, von vier Bruͤdern aus dem Hellespont melden, die Jarmerich zur See gefangen genommen, und unter denen ein lieflaͤndischer Prinz Bico Die Stelle beym Saxo erwehnet nicht nur eines koͤnigl. livischen Prinzen Bicco, dessen Nach- kommen Brandis in der zu seiner Zeit bekanten bickerschen Bauerfamilie gesucht, aber ungluͤck- lich gefunden hat; sondern auch der Liven, welche samt den Slaven und Sachsen eine maͤchti- ge Flotte von 7000 Mann verstaͤrket, so daß man fuͤr den ausgespanten Segeln den Himmel nicht sehen koͤnnen. Eine andre Stelle des Saxo im IIX ten Buch, fuͤhret der Heldin Hetha Leib- compagnie an, cuius (centuriae) primi fuerunt Grimar ac Grenzle : post hos Ger, Liuicus, Hama etc. Allein die daͤnischen Uebersetzer haben hierunter selbst keinen Liven verstanden. Denn gleichwie der aͤltere Dolmetscher sich einer andern Leseart bedienet, und post Hosger liuidus durch Hosger den Schwarzen uͤbersetzet; so niacht hingegen der juͤngere noch eine Person daraus, und giebt es: Nach diesen kam Ger, Livik, Hama. Die Liven des Adelmi Benedicti, oder nach andern, des Moͤnchs Adamari, dessen fraͤnkische Jahrbuͤcher Marquardus Freherus ge- samlet, haben mit unsern Liven eben so wenig einige Verwandtschaft als die, so in Eginhards Lebensbeschreibung Carls des Grossen vorkommen; weil Sagittarius disp. de originibus et in- crementis Luneburgi cap. II §. VIII beweiset, daß man statt der Liuones, die Carl der Grosse bezwungen haben soll, Linones, und fuͤr bellum Liuonicum, Linonicum lesen muͤsse. Unsre al- ten Liven wohnten um Riga herum, laͤngst der Duͤne bis Ascherade, da schon Kokenhau- sen rußisch war, und erstreckten sich nach Lettland zu bis Treyden, und laͤngst dem rigi- schen Meerbusen nach Estland zu bis Salis, wo jetzo noch einige Ueberbleibsel ihrer Nachkom- men vorhanden sind. am Hofe in grossen Gnaden gestanden, hat Menius in seinem noch ungedruckten Syntagmate wahrscheinlich zu machen gesucht. Seiner Meinung nach sollen die daͤnischen Schrift- steller durch Griechenland, Rußland, durch den Hellespont, den mit der Lado- gasee verbundenen finnischen Meerbusen, und durch den Orient, alle Daͤnnemark gegen Morgen gelegene Provinzen, als Lief- und Estland gemeinet haben, wie denn auch in den Documenten die Ostsee wuͤrklich Mare orientale genant wird. Fabricius setzt den Wohnsitz des livischen Koͤnigs, zwischen Kirchholm und Uxkuͤl; weil zu sei- ner Zeit noch eine Bauerfamilie in derselben Gegend den Namen Koͤnig gefuͤhret; den Koͤnig der Curlaͤnder aber verweiset er in die Gegend von Grubin, alwo dessen Nach- koͤmlinge den Herzogen weder gezinset noch gearbeitet, sondern nur zum Kriege ein Reuterpferd unterhalten. Die livischen Prinzeßinnen, schreibt er, haͤtten zum Zeug- niß ihrer koͤniglichen Herkunft, Kronen von meßingenem Blech, die gemeinen Maͤdgen aber nur gewundene Kraͤnze von gefaͤrbten Pferdehaaren getragen. Allein wie vorer- wehnte Bauren ihren Namen, Vorzug und Freiheit aus viel neuern Ursachen herzu- leiten haben, so bemerkt schon Herr Thomas Hiaͤrne, daß das Bisgen Flittergold in einem baͤurischen Hauptschmuck so wenig als die Korallen ein koͤnigliches Gebluͤt anzei- ge, indem sonst so viel Koͤnigstoͤchter als Bauerdirnen in Liefland seyn muͤsten. Ueberhaupt ist in der Benennung des| Baueradels und der Bauerkoͤnige etwas sehr un- foͤrmliches; zumal da man nunmehro mit Gewisheit weiß, daß die maͤchtigsten von dieser Nation sich mit dem blossen Titel eines Eltesten beholfen. Eine der allerverwe- gensten und ungegruͤndetesten Muthmassungen aber ist die, daß ein gewisser ungenanter Verfasser vornehme und alte deutsche Geschlechter, deren Zuname sich mit kuͤl endi- get, aus solchen Familien herleitet, welche den alten livischen Adel auch nach einge- fuͤhrtem Christenthum beybehalten. Daß inzwischen den Herren Bremern die Ehre der Entdeckung von Liefland gebuͤhre, solches berichten fast alle Scribenten, denen wir noch Heinrich Wolters Zeugniß aus der bremischen Chronik beym Jahre 1159, in sein Linteum exorcisticum oder Banntuch in Druck, welches 5 Predigten von der Zaubereysuͤn- de enthaͤlt. Wir lernen aus diesen Schriften fuͤr uns, daß Felliu die vornehmste unter den 9 gemauerten Staͤdten in Liefland gewesen, davon schon damals keine Truͤmmer mehr vor- handen waren. Zu Thomasii Zeiten hoͤrten die Schriften wider die Hexen auf, und ist auch seit der Zeit keine mehr in Liefland verbrant worden. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. in des juͤngern Meiboms Samlung deutscher Geschichtschreiber beifuͤgen, welcher 1208 als einen Beweis davon anfuͤhret, daß die Bremer in Liefland gleich Leuten von ritterlichem Stande weisse Ordensmaͤntel tragen duͤrfen, und der Stadt Bremen in dem Gebete der Bruͤder namentlich sey gedacht worden, dergleichen keiner andern Stadt wiederfahren. Die haͤufigen Marien bilder selbst auf den Muͤnzen, und die Schluͤssel bey dem Wapen der Stadt Riga beweisen ein gleiches Es folget nicht, daß die Entdeckung von Liefland deswegen an einem Sonnabend geschehen sey, weil das Land der heil. Jungfrau Maria gewidmet worden, und ihr dieser Tag geweihet war. Es komt viel natuͤrlicher heraus, wenn man annimt, daß die ersten Colonisten das Wapen des Erzstifts Bremen deswegen beybehalten, damit sie sich ihres Vaterlandes dabey erinnern moͤch- ten. Die Marien bilder sind noch haͤufig in Liefland vorhanden. Auf der Gildenstube hat der naͤchste Nachfolger im Eltestenamte blos seine Auctoritaͤt zu reden, wenn er unter dem Bilde der heil. Jungfrau oder der Docke stehet, davon er auch der Dockmann heisset. Jn der spanischen Historia de nuestra Sennora de Guadalupe kommen eben dergleichen uͤbertriebene Lobeserhebun- gen von der Maria vor, wie sie Heinrich der Lette im ersten Theil S. 169, § 2 anbringet. . . Vinno Dieser Ordensmeister wird von etlichen Vinne, vom Herrn Pastor und nachmaligen Praͤpositus Kelch, Winand von Rohrbach, von Strubyczen Matthias Strubycz, ein Lieflaͤnder und koͤnigl. polnischer Secretair, brachte 1577 einen gar nuͤchternen Aufsatz zu Papier unter dem Titel: Breuis atque accurata Liuoniae ducatus de- scriptio historico-geographica, und widmete ihn in einer eigenen Zuschrift dem Koͤnig Ste- phanus. Herr Mag. Diez ließ dieses Werkgen von 4 Bogen zu Amsterdam 1727 drucken, und eignete es dem sachsen herzoglichen Rath Hrn. Joh. Mich. Langguth zu. So klein die- se Schrift ist, so vol ist sie von Fehlern in den Namen der Personen, Oerter, Fluͤsse, in der Zeitrechnung und der Landesbeschreibung. Eine Probe von seiner saubern Chronologie mag uns die 9te Seite geben, wo es heisset: Nach Alberts Tode, der 3 Jahr regieret, kam Nicolaus, welcher 22 Jahr Bischof war, und starb 1242. Albert der andre regierte 30 Jahr, und starb 1282. Johannes von Luͤnen starb 1289 und regierte 13 Jahr. Johannes der andere starb nach 9 jaͤhrigem Regiment 1294. Wie muß hier der Verfasser gezehlet haben? Daß es keine Druckfehler seyn, bezeugen die mit Buchstaben uͤberall ausgedruckten Jahre. Die Acta borussi- ca ecclesiastica, ciuilia et litteraria haben dieser unbrauchbaren Geschichte die Ehre gethan, und sie in dem 5ten Stuͤck des 3ten Bandes von neuen mit allen Unrichtigkeiten abgedruckt, ohne die groben Schnitzer auch nur in einer Note anzuzeigen. Doch laͤst sich unter vielen Nieten noch dann und wann ein Treffer greiffen. gar Weimar ge- nant. Peter von Duisburg laͤßt ihn aus, und selbst Arnold von Luͤbeck l. 8, c. 9 gibt dessen Namen nicht einmal an. Vinno, an statt Vinhold, ist ein alter saͤchsi- scher Rittername. So ward ein gewisser Vinno, Abt zu Helmwardhausen zu Kayser Conrads des 2ten Zeiten 1033 nach dem heil. Grabe geschickt. Es ist aber auch nach unsern Documenten ein buͤrgerlicher Vorname. Die seiner Regierung mehr Jahre und Thaten unrichtig beylegen, brechen sie seinem Nachfolger Volquin ab. Waissel und eine alte Ordenschronik setzen sonst die Stiftung dieses Ordens in die Zeit, da Alexander der dritte den paͤpstlichen Stul bekleidet, welches mit der Zeit- rechnung unmoͤglich bestehen kan. Hartknoch, in seinen Anmerkungen uͤber den Duisburg S. 115 getrauet sich nicht es auszumachen. Jnnocentius der III te soll im 16ten Jahr seiner Wuͤrde, welches das 1213 Jahr nach C. G. waͤre, an ihn geschrieben haben, doch ist der Name des Ordensmeisters nicht genennet. Es bemerket aber Bernhard Justinian in seiner italiaͤnischen Geschichte der Ritterorden S. 568, daß das paͤpstliche Breve beym Franciscus Bosquet l. IV, reg. XVI, ep. 123 und beim Steph. Baluze lib. XVI in der Jahrzahl einen Druckfehler habe. Gewisser ist das Schreiben besagten Papstes von 1210 an den folgenden Ordensmeister Wolcuin, das sich in denen Briefschaften Jnnocentii des III ten, lib. XIII, ep. 141, p. 479 befindet, woraus die kurze Dauer der Regierung dieses Vinno zugleich erhellet. . E r war der erste Grosmeister des vom Bischof Albert in die- 1201 sem Jahre gestifteten Ordens der Schwerdtbruͤder. Sei- ne Herkunft, Thaten und Regierung sind von den Ge- schichtschreibern, der damaligen Schwaͤche dieses neuen Or- dens wegen, in wenige oder gar keine Betrachtung gekommen. Die Geschichte seiner Ordensbruͤder, die er als ein tapfrer Vorgaͤnger angefuͤhret, und seinen gewaltsamen Tod haben wir unter diesen Jah- ren im ersten Theil dieser Chronik zu suchen Da der lundische Erzbischof Andreas und der Bischof von Schleswig, Nico- laus, den Winter 1206 zu Riga mit ascetischen Uebungen zubrachten, so haben unsere Verfasser, Herr Kelch und Menius Friedrich Menius ein Pommer, ehemaliger Prediger und nachmaliger Professor der Geschichte und Alterthuͤmer in Doͤrpt, ein Mann von grosser Arbeitsamkeit, aber wunderlichen Einfaͤllen, erwehnet im historischen Prodromus S. I seiner bey Gerhard Schroͤder zu Riga 1630 gedruck- ten Jntrada, welche nur eine vorlaͤufige Ankuͤndigung seiner Universalhistorie von Liefland ent- haͤlt. Sie ist von ihm zu Riga, da er noch Pastor der Kirchen zu Neuermuͤhlen, Duͤne- muͤnde, Czernichow und Rodenpois war, in einer etwas stachlichten Schreibart aufgesetzet, die er hier und da mit des Traianus Boccalini Relation vom Parnas noch beissender gemacht. Weil diese kleine Schrift von etwan 4 Bogen bey uns fast unsichtbar geworden, so wollen wir unsern Lesern den Entwurf seiner Universalhistorie aus einer Abschrift vorlegen, damit sie urthei- len koͤnnen, ob Menius mit manchen nichtsbedeutenden Kleinigkeiten, seltsamen Gedanken, aber- entweder den Aufenthalt dieser Praͤlaten mit B der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1208 der Ankunft des in Liefland so beliebten Bischofs von Modena, Wilhelms, in der Geschichte verwechselt; oder es muß die Urkunde dieses paͤpstlichen Gesandten, welche eine Landeseintheilung von 21 Artikeln enthalten sol, in das Jahr 1226 fallen. Denn . aberglaͤubischen Meinungen und offenbaren Unrichtigkeiten seine grossen Versprechungen zu erfuͤl- len im Stande gewesen, oder nicht. Der Anfang dieses weitlaͤufigen Werks sol mit der Cosmographie geschehen, und die Polhoͤhe, das Clima, die Zone und Tages- und Nachtlaͤnge in Winter und Sommer bezeichnen. Hier- auf folget die Astronomie, unter welchen Zeichen und Planeten Liefland liege, um welche Stunde und Minute Sonne und Mond aufgehe, und welches Zeichen alle Augenblicke uͤber jedem Orte stehe. Die geographische Abhandlung sol uns das feste Land, die Jnseln, die Seen, Haͤfen, Fluͤsse, Stroͤme, Edelhoͤfe, Kreise, Schloͤsser, Staͤdte, Kirchen, freien Paͤsse, Handel und Wan- del, Wege und Stege, Wirthshaͤuser und Herbergen, und wer weis was sonst noch, und zwar nach der Reihe, entdecken. Jn der Topographie wird die Lage des Orts, die Beschaffenheit der Grenzprovinzen, wie auch das besondere jedes Kreises vorgetragen. Die pragmatische Be- schreibung erstrecket sich erstlich auf den Feldbau, und handelt von den 4 Jahreszeiten, den ge- meinsten Winden, der Luft, Natur der Erde, Fruchtbarkeit der Felder, von Heuschlaͤgen, Gaͤr- ten, Holzungen, Obstbaͤumen, Wurzeln, Blumen, Bergen, Erzten, Brunnen, Baͤchen, Fi- schen, Gewaͤssern, zahmen und wilden Thieren, Voͤgeln, Gewuͤrmen, Alterthuͤmern, Ueber- flus und Mangel des Landes; zum andern auf die Schiffart, ob ein Wasser salzig oder suͤs sey, wo Grundsand, Reffe, blinde Klippen liegen, ob kleine oder grosse Schiffe zu gebrauchen seyn; drittens, auf die Policey, da die Menge der Einwohner, ihre verschiedenen Sprachen, Haus- haltungsart, Kleidertracht, Gemuͤthsart, Nahrung, Gewerbe, Jahrmaͤrkte, Muͤnzen, Maas, Gewichte, Regierungsform, Richter, Privilegien, Zoll, Tribut, Tapferkeit, Gaste- reien, Hochzeit- und Begraͤbnisceremonien beschrieben werden; und viertens auf die Kirchensa- chen, die Schulen und Lehrer im Lande, auf die vorige und jetzige Religion, die gottesdienstli- chen Gebraͤuche, auf die Prediger, auf deren Besoldung, auf die Consistoria und das Ministe- rium. Endlich macht die Abhandlung vom Alterthum des Landes, von den Geschichtschreibern, den ersten Stiftern, dem Erbauungsjahr und Namendeutung jedes Ortes, den Wapen, ersten Einwohnern, Ursprung der Geschlechter, den obrigkeitlichen Personen, beruͤhmten Maͤnnern und vielen andern Merkwuͤrdigkeiten den Beschlus. Dieses alles solte den ersten Band aus- machen. Jm andern Theile folget die ordentliche Geschichte in 3 Buͤchern, nemlich 1) von den Zeiten der Ordensherren, 2) von der schwedischen und polnischen Regierung zugleich, und 3) von dem schwedischen Regiment alleine. Dabey verspricht der Verfasser alle Misgeburten, Wun- derzeichen, Kaͤlte und Hitze, Feuer, Blitz, Brand, Ungewitter, Hagel, Erdbeben, Wassers- noth, theure Zeit, Ungeziefer, Pest, Sterben, Krieg, Friede, Tumult und hundert andre ent- setzliche Begebenheiten nicht zu vergessen. Vom ersten Theile, glaubt Menius, wuͤrden die Herren Aerzte, Wundaͤrzte, Apotheker und alle Hausvaͤter ausserordentlichen Nutzen haben, wenn sie die Polhoͤhe, die Tages- und Nachtlaͤnge, der Sonnen Auf- und Untergang, den Grad der Sonne, des Mondes, und der Planeten aus der von GOtt verordneten geheimen Naturkunst verstuͤnden. Kraͤuter samlen, Arzneyen gebrauchen, Wasser distilliren, durch Charactere heilen und Schaͤtze graben, alles dieses wuͤrde weit besser gehen, wenn dieses Werk ans Licht treten solte. Bey Gelegenheit der Bergwerke berichtet der Verfasser, daß man den Duͤne strom hinauf, Eisen, Kupfer, Wismuth, und Galmey gegraben, welches aber der Krieg unterbrochen; daß er selbst aus dem kleinern Bache in seinem Kirchensprengel reine, klare und grosse Perlen samlen sehen, auch davon einige besitze, dergleichen Perlenfischerey an manchen Orten in Lief- und Estland angetroffen werde; die meisten aber fallen sehr unreif. Jn Untersuchung der alten Geschlechtsnamen scheinet Menius einen Fehlschus |zu thun, wenn er hiesigen Familien unvermuthete auswaͤrtige Erbschaften zeigen will, und die Herren von Koß- kuͤl, vermuthlich von dem Worte Koost, so nach der oeselschen Mundart einen Loͤffel bedeutet, zu Herren von Loͤffelsdorf machet; da doch der Name solcher Gegenden von Kosk, einem Was- serfall oder Damm herzuleiten, von dessen Laͤnge oder Hoͤhe die Bauren gar viele Oerter in Est- Finn- und Jngermannland benennet haben. Etwas gluͤcklicher gehet es doch den Herrn v. Uxkuͤl, die er nach seiner etymologischen Kunst bis auf einen Buchstaben getroffen und sie Her- ren v. Eindorff nennet, da sie doch v. Meindorf heissen, welcher Name richtig aus Nieder- sachsen und nicht aus Uxkuͤl herzuholen war. Weiter raͤth dieser Verfasser, daß man die Jahre und Zeiten am Himmel, Erde, Menschen und Vieh, Hitze, Kaͤlte und Miswachs in genaue Obacht nehmen und die darauf erfolgten Ver- aͤnderungen in den 3 Hauptstaͤnden bemerken solle; weil seiner Meinung nach diese vorgemeldete Wunderzeichen die nuͤzlichsten Lehrmeister auf die kuͤnftigen Begebenheiten abgeben. Hierauf beweiset er die Unzulaͤnglichkeit der russowischen Chronick, und beschuldiget den cur- laͤndischen Rath, Salomon Henningen, einer unfoͤrmlichen Ordnung, daß er keine weitere Nach- richten, als aus seines Vaters Archiv besessen, den Wohlstand der Historie bey Seite gesetzt und mehr um Einschiebung seines Adelbriefes, als noͤthige Nachrichten bekuͤmmert gewesen, dafuͤr er ihm aus dem Boccalini eine derbe Lection lieset, und verspricht aus seiner eigenen Feder am Ende seiner Universalhistorie von Liefland eine unpartheiische Critik uͤber unsre Schriftsteller zu liefern. Nachher begegnet er dem Einwurfe, als verstuͤnde ein Prediger, wie Russow und er, keine Geschichte abzufassen; zeiget aber, daß die bisherigen Staatsleute, die von Liefland schreiben wollen, eben auch nicht sonderlich Mazarinisch gedacht, noch gar zu politisch geschrieben haben. Zu- Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. Der grosse Bischof Albert sparte keine Klugheit, die neue Republik in Flor 1208 zu bringen, und das wichtige Werk der Heidenbekehrung zu erleichtern. Er sorgte zuerst fuͤr die Schiffart, um viele Buͤrger nach Riga zu ziehen; so wie er bisher der Ritterschaft und der Clerisey viele Freiheiten zugestanden. Um die neue Stadt volkreicher zu machen, und sie mit allen Beduͤrfnissen zu versehen, findet sich folgende Verordnung von ihm (dabey aber sowol der lateinischen Ur- schrift als der altdeutschen Uebersetzung die Jahrzahl fehlet): Alle Kaufleute, sonderlich die gothlaͤndischen ( Gutlenses ) beschiffen die Duͤne Zolfrey. Al- le Hafen in Liefland werden zu Freyhafen erklaͤret. Kein Buͤrger oder Deut- scher traͤget das gluͤende Eisen, oder hat noͤthig sich in einen Zweikampf einzulas- sen. Die schifbruͤchigen Guͤter darf niemand ihnen abnehmen. Keine Gil- de ( Gilda ) darf ohne bischoͤfl. Auctoritaͤt angeleget werden. Vier und eine halbe Mark an Denarien machen eine gothlaͤndische Mark Silber aus. Zwey Oer davon bekomt der Muͤnzer. So viel sollen auch die rigischen Pfennige ( dena- rii ) gelten, und an Gewichte, doch nicht an Gestalt, den gothlaͤndischen gleich seyn. Ein Todtschlaͤger erleget ohne Unterschied 40 Mark an Denarien. Diese Ordnung ist von dem Bischof Bartholomaͤus zu Paderborn, dem Bischof Peter zu Ratzeburg, Bruder Bernhard Graf von der Lippe, Heinrich Graf von Plesse, Alexander von Luͤneborch, Daniel dem Priester, Ru- dolph Lange (Longus), Philip Joh. Travemann, Wessel Born- schatte, Engelbert Enervorn und andern mehr untersiegelt. Denn die zwischen der Geistlichkeit und den Rittern obwaltenden Grenzstreitigkeiten legte Jnnocentius der III te selbst bey, wie seine Briefe bezeugen, worin kein Bischof von Modena stehet. Honorius der III te aber sandte zuerst diesen brauchbaren Mann ums Jahr 1224 nach Liefland, wie die paͤpstlichen und andere Schriftsteller auf das einmuͤthigste berichten. Zuletzt werden die Herren Gelehrten unter langen Ehrentiteln ersuchet, aus einem Verzeichniß von 66 Buͤchern, welche dem Verfasser fehlen, die vorhandenen geneigt einzusenden. Da nun Menius zur Ausfuͤhrung eines so weitlaͤufigen Werks, noch erst das ganze Land durchzureisen gesonnen war, selbige Reise aber, der dazu erforderlichen betraͤchtlichen Unkosten wegen, nicht zu Stande gekommen; so kan die groͤssere Historie dieses muͤhsamen und recht eigenen Mannes, auf deren Abschrift sich einige beziehen, unmoͤglich alle Stuͤcke dieser Jntrada, son- dern vielleicht nur die Ausfuͤhrung einzelner Materien, oder auch die Samlung der lieflaͤndi- schen Rechte enthalten; wovon uns dessen 1633 zu Doͤrpt herausgegebener Prodromus vorlaͤu- fig benachrichtiget, den aber der Herr Vicepraͤsident von Brevern mit Recht einen Prodro- mum vieler Pralereien zu nennen pflegte. Sein Lebenswandel erhellet aus dem beim damaligen doͤrptischen Hofgerichte am 19ten Febr. 1638 gefaͤlletem Urtheil, darinne er in puncto atrocis diffamationis gegen des Priesters Caspar Pegius nachgelassene Witwe, eine geborne Christina Pauli, in die Reichsacht und als ein in schwedischen Reichen bannisirter Vogelfrey erklaͤret wird. Ja ein Jahr vorher, ward er von dem Oberfiscal wegen begangenen criminis bigamiae belanget. Von seinen besondern| Meinungen in der Religion, die er, unter dem symbolischen Namen Sa- lomon Majus, mit alchymistischen Erklaͤrungen der 3 ersten Kapitel Mosis, in dem Tractat: Consensus Hermetico-Mosaicus entdecket, weswegen er den 11ten April 1645 vor dem stockhol- mischen Consistorio verhoͤret und nach gethanem Wiederruf abgesetzet worden, |ist Nettelbladts 5tes Stuͤck der schwedischen Bibliotheck S. 125 nachzusehen. Jm Jahr darauf schrieb er eine Nachricht von seinen verlornen Sachen, durch deren Verlust ohne Zweifel sein unter Haͤnden habendes historisches Werk den groͤsten Stos bekommen, welches Verzeichnis man vielleicht kuͤnf- tig dem Leser mittheilen wird, weil es noch in der Handschrift verdeckt liegt. Witte in diario biographico meldet, daß er zuletzt Verwalter der Kupferbergwerke in Schwe- den geworden, wozu ihn die Achtung fuͤr die Chymie vielleicht befoͤrdert hat. Er hat Diatribam criticam de maris Balthici nominibus et ostiis herausgegeben, ingleichen in deutscher Sprache eine Probe von der letzten Zeit und dem juͤngsten Gerichte wieder Joh. Doͤling. Er gab auch relationem de inauguratione Academiae Gustauianae Dorpatensis die 15 Octobr. 1632 facta in Druck. Sein Ende faͤllt in den September des 1659sten Jahrs. B 2 Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Der zweite Ordensmeister der Schwerdtbruͤder in Liefland, Volquin Volquin heist beim Strubicz Andreas, beim Kelch hingegen Schenke von Winter- staͤdt, seinem Herkommen nach ein Schwabe. Spangenberg laͤst diesen Ordens- meister gar weg. Andreas Mendo im Buche von Ritterorden q. 2 §. 14 nent ihn unrich- tig den ersten. Pfeffinger in Institution. p. I, l. 1, tit. 21 und Horner verwirren die Per- sonen noch wunderlicher und setzen den letzten zuerst. Besiehe Schurzfleischen S. 187. . 1208 E in in seinen Unternehmungen gluͤcklicher Herr, weil er die im Kriege so noͤthige Beobachtung des rechten Zeitpunkts niemals aus der Acht lies. Seine Reise nach Rom der Theilung Lief- und Lettlands halber, sein Widerstand gegen die Litthauer, sein doppelter Einfal in Harrien, sein Feldzug nach Jerwen, sei- ne Streitigkeiten wegen Estland, die Verjagung der Esten aus den lettischen Grenzen, sein bey Winterszeit unternommener Feldzug uͤber das Eis nach Oesel, und mehrere Umstaͤnde von ihm befinden sich schon in unserm ersten Theile. 1211 Nachdem der Bischof Albert allen Buͤrgern seiner neuen Stadt Riga die Plaͤtze zu ihren Haͤusern angewiesen, und sich einen neuen Platz zur Domkirche gewaͤlet, so gieng er am Tage des Apostels Jacobi in voͤlligem Ornat, mit den Reliquien, Kreutzen, und der gesamten Proceßion der Geistlichen und Laien aus- serhalb der Stadtmauer hinaus, und weihete den Raum, wo die Liven wohn- ten, zur Anlage eines Klosters und der Kapitelshaͤuser zur Ehre der heil. Jung- frau und zum Dienst der Domkirche ein; zu welchem Platz alles gehoͤrte, was zwischen der Mauer, der Duͤne und dem Graben lag. Die daselbst stehenden Haͤuser der Deutschen und Liven kaufte er an sich, oder wies ihnen andre Woh- nungen an und legte einen schweren Fluch auf die, so dem Kapitel diesen Platz streitig machen wuͤrden. Die deshalb ausgefertigte Urkunde ist vom 25sten Jul. unterzeichnet Hieraus folget, daß der Brand, welcher im ersten Theile 1213 erst angegeben wird, schon die er- ste Domkirche innerhalb den Stadtmauren ruiniret habe. Siehe unten die Note beym Jahre 1547. . 1214 Zur Zeit der Meisterschaft dieses Volquins, wolte der Bischof Philip von Ratzeburg mit dem estlaͤndischen Bischof Dietrich die Kirchenversam- lung zu Rom besuchen. Sie segelten beide von Riga ab, kamen aber auf Oesel in Gefahr, woraus sie durch Vorschub ihres Schiffers Wir nehmen diese Stelle aus dem ersten Theil deswegen mit, damit wir die neuere Muthmassung des Herrn Grubers Der selige geh. Justizrath und koͤnigl. Historiographus, Herr Gruber, hat sich die Muͤhe gefal- len lassen, in einem lateinischen sehr verbindlichen Briefe vom 3ten Nov. 1747 einige Anmer- kungen und Verbesserungen seiner lieflaͤndischen Chronik auf unsre Bitte einzusenden. Die Be- sitzer des lateinischen Exemplars werden nicht ungerne sehen, wenn sie nach dem Sinn des Herrn Grubers, einige Stellen darinne aͤndern oder verbessern koͤnnen. Wir wollen sie nach der Ordnung mittheilen: Correctiones et dilucidationes chronici latini. Pag. 1 Raab et Babylonis. Psalm. 87 v. 4. pag. 8 r) Sunt verba Sulpicii Seueri ad Bassulam socrum de obitu beati Martini. p. 13 h) pro videntes lege vident. p. 15 a) Parentum vocabu- lo pro consanguineis primus vsus est Curtius VI 10. 30, et post eum historiae Augustae scri- ptores passim. Virum parentatum Suetonius in Othon. c. I dixit multarum et magnarum propinquitatum. p. 20 a) adde testimonium Wolteri apud Meibom. t. 2, p. 55, p. 23 d) lege: exurunt. p. 26 lin. 27 pro videtur lege vident. p. 28 c) lege: adueniens aduehensque cibaria. p. 29 lin. 4 leg. mouent, lin. 7 nomine, supple: substitit ante portam b) lege vicerimus p. 30 d) lege Iuuenis, deleto quem, p. 32 lin. 16 in se, lege, inter se. p. 35 lin. 16 pro quam , auf die ihn Arnold von Luͤbek l. 6, c. 20, n. 1 errettet wurden. Doch Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. Doch konte Philip Rom selbst nicht erreichen, sondern starb unterweges zu 1214 Verona Dieses Verona will Herr Gruber ganz und gar nicht gelten lassen. Seine Worte in dem Briefe lauten so: Veronia aeque incognita est atque Neronia. Neque enim Vironia Wirland esse potest, multo minus Verona Venetorum. Jch wuͤnschte hiebey, dieser gelehrte Geschichtkundige haͤtte nur die geringste Ursach angegeben, warum das dem Zusammenhang so gemaͤsse Verona nicht angenommen werden koͤnne, zumal da bekant ge- nug ist, daß die Moͤnche, oder ihre Abschreiber, mit der Endigung a oder ia in der Erdbe- schreibung der mitlern Zeiten nicht allzugewissenhaft umgegangen. Jndessen hat dieser Einwurf mich begierig gemacht dreierley Handschriften nachzuschlagen. Die eine ist von dem etwas weitlaͤuftig gerathenen Auszuge des Hrn. David Werners, unter der Aufschrift: Anales antiqui Liuoniae, welchen bisher viele fuͤr den wahren Text Hein- richs des Letten gehalten, und sich daher um das groͤssere Werk nicht bekuͤmmert. Weil dieser Auszug sich in vielen Abschriften verbreitet, so sind wir gleichfals durch die Aufschrift verleitet worden, in der Vorrede des ersten Theils zu glauben, daß der Haupttext, wie ihn Herr Gruber herausgegeben, so gar selten nicht sey; wovon wir doch nachher das Gegentheil erfahren, und ihn unter den Samlungen unserer beruͤhm- testen Liebhaber gar nicht, oder mit vieler Muͤhe antreffen koͤnnen. Jn diesem Auszu- ge meldet Werner, daß der Grundtext oder das wahre Original von Heinrichs des Letten Chronik, in dem koͤnigl. schwedischen Archiv zu Stockholm verwahret wer- de, und Philip von Ratzeburg in einem Kloster auf Gothland begraben liege, des- sen Namen er uns verscheiget; ob ich schon nicht einsehe, was die Alpen bey Gothland vorstellen sollen, wo keine hohe Gebirge zum Vorschein kommen. Die andre Hand- schrift hat die wittische Feder von einem Exemplar der schoͤnen Bibliothek des Herrn Johann Axel, Grafens von Oxenstierna genommen, welches mit der hannoͤveri- schen Abschrift auch in Kleinigkeiten uͤbereinkomt, und ebenfals Neronia und Neronien- sis beibehalten. Dieses alles vermehrte meinen Zweifel, der sich auch aus der zu Ba- sel 1573 in 12 gedruckten Nauigatio maris Arctoi i. e. Balthici et Sinus Codani de- scri- . C Est- n. 1 geholfen, anbringen koͤnnen, nach welcher er, statt des im Lateinischen befindli- chen Worts Stucuanta, lieber Sarcianta lesen wil. Die Handschriften, von denen wir gleich ein mehreres sagen wollen, behalten dieses ungerathene Wort, dessen Anfang aber nicht mit St sondern Sl geschrieben wird, wie auch meine vorige revelsche Handschrift hatte. Der eine Text erklaͤrte es in einer Randglosse: Sluckhuarda noster, gleichsam, unser Kellermeister, davon ein guter Schlucker herkommen soll. Die andre Abschrift liefert uns ein Wort mit alten verzogenen Muͤnchszuͤgen, die uns keinen Zweifel uͤbrig lassen, daß nicht im Grundtext: Et ait Albertus Sluk. nauta noster, gestanden, wie Huit- feld einen Rubert von Sluk, ehemaligen Besitzer der Doͤrfer Obwald, Ruts und Sammitkertel im Revelschen, unterm Jahre 1249 p. 221 anfuͤhret. Ein Minori- tenbruder Namens Albert Sluck, erscheinet in den Friedenstractaten mit den Lit- thauern von 1323. quam ocyus, lege, quantocyus p. 37 lin. 14 pro dilatauerunt leg. dilaniauerunt; lin. 33 lege: ubi cum plurimum profecisset, p. 39 lin. 2 tantorum i. e. tot hominum, phrasi Tertulliano familiari. h) ad exemplum Vincentii Bellovac. spec. histor. lib. 31 c. 83, 84, Cogones Colo- niensium : cogones, galeae, etc. p. 76 h) lege omen et eiice, sensum; p. 81 n) promtualibus leg. pro victualibus vt n. I; p. 97 c) Papp Estonibus , Pop Slauis est sacerdos teste Io. Herbi- nio de eryptis Kiov. c. 14, 8 p. 101 a) Chronicon Kiouiense siue Theodosii siue Nestoris ante omnia consulendum; p. 160 b) Alphonsi verum nomen Raphael Sauanarola , p. 182 lin. 29 leg. vitia, dans. Jn der deutschen Uebersetzung entdecket der Herr geh. Justizrath uns fol- gende wirkliche Fehler: S. 19 f ) sollen Inscriptiones facti die Protokolle heissen. S. 87 e ) bedeu- tet Legatus imperii einen Reichsverweser; S. 90 k ) muß Sirmond den Vornamen Jacob be- kommen. S. 147 a) in sin. sol id quod est in principio so viel seyn, als eine Petitio principii, wenn man das zum Beweis gebraucht was noch selbst erst mus erwiesen werden. Noch eine grubersche Anmerkung nebst unsern eigenen Verbesserungen uͤber den ersten Theil, sollen weiter unten folgen. Vor der gruberschen Ausgabe hat man den Werth der alten Annales nicht zu schaͤtzen ge- wust, obgleich einige Gelehrte sie auch in gedruckten Schriften angezogen. Selbst der gelehrte Verfasser des andern Aufsatzes in dem 3ten Theil der Liuonic. S. 130, welche 1700 ohne Benen- nung des Orts ans Licht getreten, fuͤhrt daraus Meinhards Antheil an dem schwedischen Einfal in Curland, und die dadurch veranlaßte Verwuͤstung in Wirland an, nennet aber den Chro- nikenschreiber Herman von Heldrungen. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1215 Estland Estland heist in den lateinischen Briefen Jnnocentii des III ten Estia, welche Schreibart die aͤlteste zu seyn scheinet, dahingegen andre Estonia setzen. Tacitus, Solinus und Jornandes nennen die Nation Aestier, Eginhard zu Carls des grossen Zeiten Aisten, und Caßiodorus Haͤsten, wo andre Aesten lesen, Saxo der See- laͤnder aber Estones. Diejenigen welche auf den Namensursprung der Provinz se- hen, schreiben Oestland; der Aussprache nach hoͤret man Eesten und Eestland. Hermelin Olaus Hermelin, Professor der Beredsamkeit und Poesie zu Doͤrpt, koͤnigl. schwedischer Hi- storiographus, und endlich geheimer Kanzleyrath, ein Mann von ausnehmenden Gaben und ei- ner weitläufigen Gelehrsamkeit, blieb, in Begleitung des Koͤnigs auf seinen Feldzuͤgen, bey Pul- tawa am 27sten Jan. 1709, wo ihm die Cosaken den Rest gaben. Wir haben uns seiner Di- sputation de Origine Liuonorum in 4 bedienet, wie sie Gustav Adolph Humble aus Joͤn- koͤping in Schweden vertheidiget, und Joh. Brendeken 1693 in Doͤrpt gedruckt. Mag. Caspari hat sie zu Leipzig 1717 in 8 wieder auflegen lassen. macht es S. 14 u. f. de Origine Linonorum warscheinlich, daß die aus- gebreitete Nation der Esten von Osten ihren Namen fuͤre. Nur laͤst sich hiebey fragen: ob ein Volk seine urspruͤngliche Benennung fahren lassen, und den ihm von seinen Nachbarn beigelegten Namen, als seinen eigenen, gebrauchen werde? Der Finne nent sich Some-mees einen Morastkerl, der Live Liwe-mees einen Sandmann, bei- de von der natuͤrlichen Beschaffenheit ihres Landes; und diese machen mit den Esten ei- ne Nation aus. Von den Finnen beweisets die noch lebende Sprache. Was aber die Ueberbleibsel der alten Liven in der so genanten livischen Wacke am Salisstrom betrift, welche ihre alte Sprache noch unter sich gebrauchen; so hat der Herr Pastor Joh. Conrad Burchard zu Salis auf unser Ansuchen uns solche Proben zuge- schickt, die offenbar erhaͤrten, daß die livische Sprache ein gebrochener doͤrptischer Dialect sey. Und da diese Liven sich beim Gottesdienst der lettischen Sprache bedie- nen, so zeigen die unter ihre Haussprache mit untergemengten lettischen Woͤrter, daß sie ihre alte Sprache nicht einmal mehr zu reden verstehen, wie sie selbige auch nicht sol nach dem Zeugniß des rothen Buchs in Revel sein erstes schriftliches Lehnrecht vom Koͤnig Waldemar dem Zweiten in Daͤnnemark erhal- ten haben. Es besteht aus 53 Puncten, und erstreckt sich auf alle angesessene Maͤn- ner in Riga, Doͤrpt, Oesel und in den Bruderlaͤndern. Die Guͤterfolge bleibt scriptio per Nicolaum Widemannum nicht heben lies, weil es gleich in die Augen faͤlt, daß Neringa daselbst die frische Nehrung bezeichne. Zuletzt half mir die recht saube- re Handschrift des Herrn Pastor Skodaiski zu Riga, welche an diesem Orte Vero- nia und gleich darauf gar Veronensis quidam hatte. Warum solte wol Verona nicht der Begraͤbnisort dieses ratzeburgischen Bischofs seyn koͤnnen? Doch da Herr Gruber seinen Widerspruch nicht so ausdruͤcklich gemacht haben wuͤrde, wenn er durch die Staͤrke seiner Gegengruͤnde nicht gesichert waͤre, so wollen wir Lesern, die scharfsichtiger sind als wir, eine zu Nerona datirte Urkunde darlegen, ob sie vielleicht gluͤcklicher sind, diesen Ort aus den darin vorkommenden Umstaͤnden herauszubringen. Qualiter Domnus Marquardus Brede, Miles, post mortem regis Danorum Christophori, resignat ordini Liuoniensi castra Estthoniae. Actum Anno 1334. V niuersis Christi fidelibus, ad quos praesentes litterae peruenerint, Iacobus Dei gratia, Osiliensis ecclesiae Episcopus salutem in Domino sempiternam. Teno- re praesentium publice protestamur, quod defuncto illustri principe, Domino Chri- stophero quondam rege Daciae , dum Dominus Marquardus Breyde , Miles, castra, quae eiusdem regis nomine tenuerat in Estonia, resignaret, compositionem cum fratribus Theutonicis Liuoniac in hunc modum iniuit, scilicet quod ipse Dominus Marquardus promisit dictis fratribus data side, quod nunquam vllo tempore malum seu damnum eorum vel ordinis eorundem scire aut procurare deberet, sed ipsos diligere semper et honorare et fideliter in omnibus promouere. Et illud idem di- cto Domino Marquardo per fratrem Reynerum Mumme tunc Aduocatum Ierviae extiterat repromissum, ex parte fratrum et ordinis praedictorum. Et quia eidem compositioni praesentialiter interfuimus, sigillum nostrum praesentibus duximus ap- ponendum in maiorem euidentiam praemissorum. Dat. Neronae anno Domini MCCCXXXIIII seria secunda ante natiuitatem beatae Mariae virginis, celebrato ge- nerali inibi parlamento. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. bleibt bey dem maͤnnlichen Geschlecht in absteigender Linie, nach welcher ungetheil- 1215 te Bruͤder einer auf den andern erben. Das Lehngut faͤlt, im Fall keine maͤnnliche Erben vorhanden sind, an den Lehnsherren zuruͤck, ohne dessen Einwilligung es nicht veraͤussert werden kan Dieses Lehnrecht ist das erste in dem so genanten rothen Buche zu Revel Jm Jahr 1546 liessen die estlaͤndischen Herren Landraͤthe, namentlich Joh. Taube zu Marth, Bruns Wettberg, Herman Anrep, Reinhold von Rosen, und Claas Mecks, als Raͤ- the in Harrien, und Jacob von Loͤwenwolde, Thube Bremen, Herman Lode zu As- sery, Peter von Tisenhausen, Otto Taube zu Kochtel, und Robert von Gilsen, Raͤthe in Der . Des- nicht im taͤgl. Umgang brauchen, ausser wenn sie mit Estlaͤndern sprechen muͤssen. Es muß also noch der Grund untersuchet werden, warum der Este in seiner Sprache sich selbst einen Esten und sein Land Eesti-ma benennet. Wir haben sonst eine ge- schriebene Nachricht vom Fuͤrstenthum Esten, welche wegen ihrer Kuͤrze und magern Jnhalts hier kaum erwehnet zu werden verdienet. Da die Sprache der Esten in weit- laͤufigem Verstande was besonders, Estland aber geschickte Maͤnner hat, so waͤre zu wuͤnschen, daß einmal ein Kunstrichter, dem es weder an einer gehoͤrigen Staͤrke in der Sprachkunde, noch an regelmaͤßigem Witz fehlete, sich an eine solche Materie machte. Die europaͤischen Sprachen verrathen ihre ehmalige Verschwisterung wenigstens in Zahlwoͤrtern; der Este aber faͤngt, vom Salis strom bis gar weit nach Norden und Nordosten hinauf, die Zahlen mit einem gar ungewohnten uͤks, kaks, kolm, nelli an, welcher Umstand wohl einer genauern Untersuchung werth waͤre. Es haben schon verschiedene bemerken wollen, daß die Esten durchgaͤngig etwas staͤrker vom Leibe und laͤnger von Statur seyn als die Letten, wie sich denn auch diese Nationen in der Tracht unterscheiden. Doch mus man diese letztern nicht zu ausgehunger- ten Zwergen machen. Der Dichtkunst wollen wirs zu gute halten, wenn Pistorius die Letten nicht in allen Zeilen richtig getroffen. Er schreibt nemlich so: Vix homines dicas hos, si gens culta videres. Corpora sunt illis attenuata fame, Et breuia, assiduo multum suppressa labore, Artubus et iusta pro ratione carent. His potus lympha est, panis de furfure co- ctus. Pro plumis ceruix mollibus vrget humum. Et bene conueniens vestitus iungitur illis, Calceus est cortex, cetera lana tegit; Quae tamen haud magna contexta cohae- reat arte, Velleribus similis tergoribusque boum. Atque premunt humiles infirmo corpore mannos, His equitant simili foemina virque modo. Man vergleiche hiemit Paul Einhorns Historia Lettica , die bey Joh. Vogeln zu Doͤrpt 1649 in 4 gedruckt und dem Herzog Jacob von Curland und Semgallen zugeschrieben ist. Mehrere Nachrichten findet man in den beckerischen zu Witten- berg gehaltenen Disputationen von lieflaͤndischen Voͤlkern, deren Sprache und Ge- braͤuchen, beim Rumpaͤus in der Nachricht vom curischen Glauben, Hartknoch in dissert. de Curonorum et Semgallorum republica und Joh. Menecius im libro de sacrificiis et Idololatria veterum Curonum, Regiomont. 1551. Jn ganz Curland und Lettland gilt die lettische Sprache, in Estland und auf Oesel die estnische. An manchen Orten in diesen Provinzen findet man eigene Worte und eine geaͤnderte Aussprache; wo- durch in diesen zweien Sprachen nur unterschiedliche Mundarten entstehen, die man deswegen gar nicht fuͤr eine eigene Sprache ausgeben kan, wenn auch die Mundart et- was unterschieden ist. Es komt wol natuͤrlicher heraus, wenn man die Namen der Laͤnder von ihren Be- wonern herfuͤhret, als von der Beschaffenheit des Landes. Der Este und Finne nent Finnland Some-ma, das ist: der Somen Land, obgleich einige es erklaͤren wollen se omma-ma das ist unser Land, welches nur der Finne sagen koͤnte. Der Este und Finne spricht: Rootsi-ma der Rootzen Land, von den Einwohnern der Provinz Roslagen, und versteht das Koͤnigreich Schweden darunter, weil ehmals die alten Roxolanen da gewohnt haben. Er sagt Leto-ma d. i. Litthauen, oder der Leten Land; Wenne-ma, Rußland, entweder der Wenden Land, die zum Theil rußische Vasallen waren, oder auch Bruͤderland, wie die Roͤmer sagten Germania. Saxa-ma Deutschland, das ist der Sachsen Land. C 2 Ver- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister 1219 Desgleichen soll Koͤnig Waldemar einen lundischen Geistlichen, Na- mens Ernemod nach Curland geschickt haben, welcher das Schlos Pilten angelegt, und in der neubekehrten Lande den ersten Bischof abgegeben. Dieser Be- Verfasser der kurzen Nachricht von der wahren Beschaffenheit der Landguͤter in Est- land, Liefland und auf Oesel Diese nicht gar weitlaͤufige Schrift ist 1720 ohne Namen des Orts und des Verfassers in Deutsch- land gedruckt worden. Die Muthmassung derer ist am gegruͤndesten, welche den Herrn Land- und Regierungsrath Richter fuͤr den Urheber besagten Tractaͤtgens angeben. ziehet diesen Freibrief auch auf die Erbguͤter, und derselben Veraͤusserung, weil daraus nicht dargethan werden koͤnne, daß Waldemar alle estlaͤndische Guͤter zu Mannlehnen gemacht, uͤberdem Erichs Privilegium von 1252 diesem Lehnrechte das erbliche oder Landrecht entgegen setze, auch die Ceßions- acte der Provinz Estland an den Ritterorden erweise, daß ausser den Lehnguͤtern auch wahre Allodia sich daselbst befinden. So richtig die Sache selbst ist, so unrichtig sind hingegen die Jahrzahlen, und zwar in solchen Buͤchern, auf welche bey dem Beweise am meisten ankomt. Denn Waldemar konte nicht 1215 dem Lande Gesetze geben und es erst 3 Jahr nachher erobern, vielweniger uͤber Doͤrpt befehlen, welches noch uͤber 8 Jahr in heidnischen Haͤnden war. So geht es auch mit der Jahrzahl des an- dern Privilegii, nach welcher Erich, zwey Jahr nach seiner Enthauptung, ohne Kopf Estland beherschet haben muͤste. Die Vorrede, welche Erich vor das woldemar- sche Lehnrecht gesetzet, zeiget deutlich an, daß Woldemar ehemals mit Zuziehung sei- ner Staͤnde Estland ein Lehnrecht verliehen, welches Erich, des vielen Misbrauchs wegen, wieder in Gang zu bringen gesucht, worauf er auch ein damals uͤbliches Land- oder Allodialrecht bestaͤtiget. Weil Erich in dem 1248 Jahre sich persoͤnlich in Est- land aufgehalten, und in selbigem Jahre der Stadt Revel unterm 11ten May das luͤbische Recht verliehen, welches die folgenden Koͤnige von Daͤnnemark so oft wie- derholt, bestaͤtiget und erweitert haben; so duͤrfte sich zu den ersten Rechten von Estland nicht leicht eine andere Jahrzahl als 1248 schicken. Menius S. 8 raͤth fuͤr das wol- demarsche Mannlehnsrecht aufs Jahr 1238, fuͤr Erichs Confirmation aber auf 1251; wel- ches erstere ungewiß, das letztere aus obigen Ursachen falsch ist. Doch der revelsche Com- thur, Rembert von Scharenberg, bezeuget in seinem Transsumt etlicher Privilegien, daß dieser Bestaͤtigung des Koͤnigs Erich der 2te Octob. 1252 beigeschrieben stehe. Un- sre Abschrift eines Briefes vom Koͤnig Erich an die gelinden und guten Maͤnner in Revel und Wesenberg, worin ihnen zugestanden wird, daß sie ihre Guͤter nach Erb- rechte, welches in gemeiner Sprache Landrecht heisset, erben koͤnnen, ist verfiegelt zu Leonnigas 1252 des andern Tages vor dem 1sten October. Wenn diese Jahrzahlen ihre Richtigkeit haͤtten, so muͤsten die Daͤnen die Regierung ihres Koͤnigs Abel spaͤter als gewoͤhnlich ansetzen. Unter einige merkwuͤrdige Stellen des woldemarischen Lehnrechts sind folgende zu rechnen: §. 11. „Stirbet ein Mann, der Erben hat, Soͤhne oder Toͤchter, und sind „die Kinder zu ihren Jahren nicht kommen, der nechste Schwertmage sol Vormund „seyn, ob er des Koͤnigs Mann sey; ist da kein Schwertmage, der Koͤnig sol ihr Vor- „mund seyn; §. 18, Stirbet der Mann ohne Erben, so bleibt die Frau in ihres Man- „nes Gut Jahr und Tag, das ist 6 Wochen und ein Jahr, und sol helfen seine Schul- „den guͤten und pflegen seiner Seele; §. 42, Jst ein Mann ausser Landes besessen, so „entbeut man ihm sein Gut, komt er denn nicht, so bricht er 3 Wedden, das sind „sechzig Schillinge; §. 49, Wer ein unrecht Urtel findet, das ist zwo Pfund, und wer „ein recht Urtel beschilt, das ist 3 Pfund.‟ Da dieses Lehnrecht 1315, nach Huitfeld S. 385, von Erich dem VII ten sehr verbessert worden; so hat sich wol der Abschreiber des rothen Buchs mit der Jahrzahl 15 geirret, und dieselbe bey Woldemars Lehnrecht un- richtig angebracht. Billig solte es keine Jahrzahl haben, weil sich aus keiner Geschich- te erweisen laͤst, daß die Daͤnen den Bruͤderlaͤndern, den Staͤdten Riga und Doͤrpt Gesetze geben koͤnnen. in Wirland, mit Bewilligung ihres kurz vorher mit Tode abgegangenen zwoͤlften Stallbruders, Lorenz Fersen, durch ihren Secretaͤr, Wolfgang Scheffel, im Hoͤfe zu Engedes am 4ten Sept. Sonnabends nach Egidii die koͤnigl. daͤnischen, hochmeisterl. preußischen, und meisterl. lieflaͤndischen Privilegien aus den Hauptbriefen in ein Buch zusammen tragen, welches von seiner rothen Pergamentschale den Namen des rothen Buchs fuͤhret. Der Herr Mannrichter von Lode hat sich dessen zu seiner Historie wohl zu bedienen gewust. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. Bericht der daͤnischen Geschichtschreiber stimmet ebenfals mit der wahren Histo- 1219 rie nicht uͤberein Wie Huitfeld S. 185 und Pontanus S. 307 das Bistum Pilten ebenfals zu fruͤh, wie das doͤrptische, stiften, so fehlen sie dabey in der Namenserklaͤrung des Schlos- ses Pilten, sonst Danipils genant. Der Koͤnig fragte nemlich den Bischof, wo er das Schlos anlegen wolte, dieser antwortete: Ther som Pilten staͤaͤr, da wo der Junge steht. So gleich hieß der Ort Pilten. Natuͤrlicher laͤsts ja, weil die Curen und Letten jede Burg Pils nennen, daß sie diese neue Festung Danipils, der Daͤ- nen Burg geheissen, und auch nur schlecht weg die Burg. Der Este sagt Lin, daher Revel Lindanisse, Danilin, kuͤrzer Tallin und auch auf lettisch Dampils heisset. Die Letten heissen die Stadt Wenden Zehf so ebenfals einen festen Ort an- zeiget. Unsere Geschichtschreiber legen dem Bischof Albert die Errichtung des Bi- stums Pilten beim Jahre 1229 bey, welches, der Handlung und Zeit nach, richtiger be- stehen koͤnte, als das Zeugniß der daͤnischen Scribenten. Heinrich der Lette wuͤrde eine so nahe und wichtige Anstalt beim J. 1220 uns wol beschrieben haben. Allein am si- chersten ist es, daß man nicht fruͤher in Curland Bistuͤmer stifte, ehe das Land erobert und bekehret worden; zumal da um diese Zeit das semgallische noch keine gewisse Residenz hatte. . Der Graf Adolph von Dassel begab sich auf die Ruͤckreise nach Deutsch- 1220 land. Unter den ankommenden Pilgrimen hingegen befand sich auch ein edler Herr Bodo von Hohenborg Diese Namen sind nach der Vorschrift des Herrn geh. Justizr. Grubers verbessert, weil sie in dem ersten Theil S. 168 unrichtig angegeben worden. Ob nun gleich die damit verglichenen Handschriften nicht Dasle sondern Dalle, und Rodo von Hoenberg lesen, so wird doch die gruberische Muthmassung in Absicht des letzten Namens, durch eine Urkunde beschoͤniget, welche mit 3 Siegeln, wiewol ohne Meldung der Jahr- zahl, versehen ist. Wir glauben, daß sie aus mehr als einer Ursache aufgehoben und mitgetheilet zu werden verdiene. Hier ist sie: In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti, Amen! A lbertvs Dei dignatione Rigensis Episcopus omnibus Christi fidelibus tam na- tis quam nascituris in perpetuum salutem! Cum Rigensis ciuitas ad inhabitatio- nem sui plus libertatis gratia, quam praediorum circumiacentium sertilitate Die ungehenre Menge der Sandberge um die Stadt, laͤst keine andre als gekuͤnstelte Fruchtbarkeit zu; daher man mit Recht die Gegend um die Stadt die Sandbuͤchse von Liefland nennen moͤchte. fideles alliceret, erat quaedam grauis importunitas et frequens periculum transeuntibus sta- gnum, quod a villa Rodenpois denominabatur. Vnde de consilio et consensu Do- mini volqvini , magistri militum Christi, et fratrum suorum ob publicam trans- euntium vtilitatem placuit, trans stagnum ipsum pontem praeparari, hac cautione praemissa, conscripta et sigillata, vt nihil vnquam a transeuntibus telonii nomine exigeretur, et tam in transeundo quam in piscando in ipso stagno libertas fidelibus in perpetuum permaneret. Nos ergo Peregrinis anni illius, videlicet Domino bo- doni de hoenborg Andre Abschriften lesen von Homborg. et ceteris hoc in remissionem omnium peccatorum suorum et expeditionis iniunximus, vt ipsum pontem Die See Rodenpois fuͤhrt jetzo den Namen der jegelschen See, und vereiniget sich bey Neu- ermuͤhlen mit der Stintsee. Um der Heerstrasse willen nach Lief-Est- und Rußland bediente man sich in mitlern Zeiten einer Prame, dafuͤr die Stadt Riga jetzo eine starke hoͤlzerne Bruͤcke unterhaͤlt. in perpetuam ipsorum memoriam elaborarent; quod et studiose perficere curauerunt. Statuimus ergo et sub intermi- natione Anathematis inhibemus, ne vlli vnquam hominum liceat transeuntes alicuius exactionis molestia sollicitare, neque ipsum pontem turpis lucri caussa dissipare. Huic tam necessariae rei pro fauore consentit Robertus , Abbas de Dunemünde, Io- hannes praepositus Stae Mariae, Volquinus magister militiae Christi cum fratribus suis, Daniel de Lenewarde, Conradus de Ykeskole, Theodoricus de Raupena, Iohan- nes de Dolen Wir verbittens noch einmal, daß niemand diese aufrichtig deutschen Familien der Herren von Bannerow, von Meindorf, von Rosen, wegen des von ihrem Lehngute angenommenen Na- D mens cum omnibus inhabitantibus terram. , welcher nebst andern Fremden eine Bruͤcke uͤber Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1220 uͤber die rodenpoisische See schlagen muste. Weil ihnen der Bischof Albert, mit Einwilligung des Ordensmeisters, diese Arbeit als eine Bedingung der Ver- gebung der Suͤnden aufgetragen, so verbot auch selbiger bey Strafe des Bannes, keinem von den Uebergehenden das Bruͤckengeld abzufordern. Der Bischof stiftete in diesem Jahr das Hospital St. Juͤrgen. Jn dem Stiftungsbriefe wird zwar der Gottesdienst im Hause verstattet, nur sol aus der Kapelle keine Pfarrkirche gemacht, noch ein Gottesacker dabey angeleget werden. 1224 Der rigische Bischof Albert sowol als sein Bruder Herman, Bischof zu Doͤrpt, erhielten vom roͤmischen Koͤnig Heinrich ihre Jnvestitur Wir haben im ersten Theil S. 209 den Grund angezeigt, warum der Hr. geh. Justiz- rath diese Urkunden in Verdacht gezogen. Der Beweis ist ausser dem Zusammenhan- ge in der That scheinbar, weil niemand so leicht einer Sache halber um Erlaubnis bittet, die er schon vor 24 Jahren volbracht hat. Allein da so alte und oft durch die Musterung gegangene Abschriften, und zwar in den Hauptarchiven, davon vorhanden sind, so gehet man sehr unsicher, wenn man eine Begebenheit von der Art durch einen Schluß a priori leugnen wil. Der Orden hatte von dem der Clerisey zugethanen paͤpstl. Hofe schon manches Rescript erhalten, das Maͤnnern von ausgebreiteten Ver- diensten alzuenge Grenzen der Belohnung anwies, und suchte daher sich mit dem welt- lichen Arme zu staͤrken. Albert merkte dieses. Solte ihn nicht die Staatsklugheit, deren er volkommen kundig war, haben antreiben koͤnnen, dem Orden zuvor zukom- men, und dasjenige von Heinrich sich bestaͤtigen zu lassen, wozu er schon vor langen Jahren paͤpstl. Volmacht gehabt. Der damals regierende Kaiser Friedrich war ein Pfaffenfeind und half lieber den Rittern, denen er auch ansehnliche Freiheiten ertheilet, weswegen der Bischof vielleicht Bedenken trug sich an denselben zu wenden. Daß Herr Schurzfleisch die Abschrift bey Herrn Ceumern S. 133 wegen der neuern deut- schen Sprache verdaͤchtig zu machen gesucht, ist aus einem Misverstaͤndnis gekommen, weil Ceumern zu melden vergessen, daß er nur seine deutsche Uebersetzung davon liefere. Wir haben selbst S. 209 die mitlere Urkunde von Hermans Jnvestitur bey Wim- pfen aus den Gesetzen der Rechtschreibung verworfen, die doch niemals bey Abschrif- ten einen rechtsbestaͤndigen Richter abgeben kan, wenn man nicht die Fehler des Ab- schreibers dem wirklichen Verfasser aufbuͤrden wil, bey welchem letztern selbst dieser Um- stand nicht einmal von algemeiner Kraft zu beweisen ist. Daß Albert die Muͤnzfrei- heit ungenuzt liegen lassen, ist von seiner Regentenklugheit nicht zu vermuthen. Der roͤmische Kaiser Carl der IV te hat das rigische Diploma sowol als das doͤrptische auf des Erzbischofß Fromholds Ansuchen 1356 in einem Transsumt bestaͤtigen lassen. Sie wurden beide in den olivischen Friedenstractaten fuͤr guͤltig erkant, und sind im Diario Europaeo tom. VIII append. p. 47 sqq. abgedruckt. Wem dieses noch kein Gnuͤgen thun solte, der darf nur den Grundsatz der damaligen catholischen Kirche zu Huͤlfe neh- nebst der mens, zu Abkoͤmlingen alter livischer Koͤnige mache. Die koͤnigl. Wuͤrde unter diesen Voͤlkern bestand nur in dem Seniorat. Der Name Vesceke von Kukenois heist nichts anders als Ael- tester von Kokenhausen. Die ukrainischen und donnischen Cosaken nennen noch denjenigen Starschin, d. i. Aeltesten, welchen die slavonischen Voͤlker Starost oder Starast nennen, mit welchem Namen nur der Aufseher uͤber die Bauren bezeichnet wird, weil ihn gemeiniglich das Alter dazu erhebet. Dem letzten Johann von Dolen sprach der Legat Wilhelm das Schlos Dolen ab, weil er das daͤnische Wirland, ohne des Legaten Vorwissen wegnahm, sich auch ein eigen Schlos anmaste, daher er als ein praedo periurus, und vielfach Verbanneter seines Lehns verlu- stig erklaͤret ward, stat dessen es Wilhelm der Stadt zuschlaͤgt, am 23sten May in Duͤnemuͤnde. Zuletzt melden wir uns selbst, und bitten unsre Leser um Verzeihung, daß wir uns S. 166 durch unsere revelsche Handschrift verleiten lassen, dem Bischof Albert einen neuen Bruder zu geben, indem die andern Abschriften den Text so liefern: Miserunt etiam fratres Episcopi Rigensis, Sa- lomonem sacerdotem in Rotaliam. Die uͤbrigen Abweichungen von dem neuen Texte sind von keiner Erheblichkeit, und bestehen oft nur in Abkuͤrzungen. Doch waͤre folgendes etwa noch zu aͤndern: S. 172 Z. 32 exactionibus an stat actionibus. S. 174 Z. 9 Cagethe an stat Coggelse. S. 176 Z. 6 cum mercibus suis an stat mercatoribus suis. Z. 29 a cinitate an stat in ciuitate, nicht weit von der Stadt Nogardien. Und das waͤren die Verbessungen des ersten Theils. Die durch eilfertige Umdruckung etlicher Bogen eingeschlichenen Druckfehler, werden billige Leser weder dem Fleis des geschickten Herrn Correctors noch unserm Willen zurechnen. Es ist ein Gluͤck, daß sie deutlich in die Augen fallen. Nur bey der 27sten Seite e ) ist noch zu erinnern, daß wer den Spruch nachschlagen will, denselben nicht im Evangelio Johannis, sondern im Buch Josua k. 15 v. 19 aufsuchen muͤsse. Jn der Zueignungsschrift sol unter andern gleich in der 5ten Zeile der dritten Seite stehen: Wir beugen Herz und Knie mit. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. der voͤlligen Gewalt, in der rigischen Gegend und an andern Orten eine Stadt 1224 anzulegen und Muͤnzen zu praͤgen Daß in Finnland sowol als in Estland persische, tuͤrkische, griechische, roͤmi- sche, englische, gothische und runische Muͤnzen von einem 7 bis 800 jaͤhrigen Alter aus der Erde gegraben worden, bezeuget Hiaͤrne und anderer Geschichtschreiber ungedruckte Denkmale. Herr Neustaͤdt wil gar vom Bischof Meinhard in Lief- land einen Pfennig besessen haben, auf dessen einer Seite das Marienbild, auf der andern die Kirche zu Holme zu sehen gewesen. Von Albert weiset man auch eine silberne Muͤnze auf. Der in unsern Alterthuͤmern erfahrne Herr Vicepraͤsident von Brevern haͤlt sie fuͤr die erste bekante Muͤnze von Liefland, und hat sie mit eigner Feder in einem Schreiben an seinen guten Freund abgerissen. Ein ruschendorfischer Bauer sahe im Brachmonat 1698 beim Pfluͤgen eine Feldratze, die etwas Glaͤnzen- des in der Schnauze trug, und ging ihr bis zu ihrem Loche nach, wo er etwan einen halben Stof, oder ein deutsches Noͤssel vol alte silbernen Muͤnzen entdeckte, worun- ter viele englische und runische Waren. Unter denselben war auch die vom Hrn. v. Brevern abgerissene, in der Groͤsse eines alten deutschen Groschens, auf deren einer Seite das bischoͤfl. Hauptbild mit einer hohen bischoͤflichen Muͤtze und starkem Barte, auf der andern aber 2 Stadtthuͤrme mit dem Kreuz abgebildet waren, zwischen welchen ein Loͤwenkopf hervor zu gucken scheinet. Sie ist nur in der Mitte gepraͤget, und hat den Rand leer. Unter den liefl. Muͤnzen wuͤrde ihr keine das Alterthum streitig ma- chen, wenn sie gewiß eine lieflaͤndische waͤre. So aber scheinet sie noch aͤlter, und der Loͤwenkopf mit seinen Haaren komt dem Bilde eines menschlichen Gesichts aͤhnli- cher, zu geschweigen, daß das Stadtwapen der damaligen Zeit noch keinen Loͤwenkopf aufzeigen kan. . Der Bischof belehnte hinwieder den Ordensmeister Volquin und seine Or- densverwandten fuͤr ihre treuen Dienste mit den Laͤndern Sotakele, Leale, Hanhele, Lodhe, Rotalewien, der ganzen Wyk, und der voͤlligen geistli- chen und weltlichen Gerichtsbarkeit uͤber diese Laͤnder. Jhre Namen haben unter- schrieben Johann, Probst zu Riga, und sein Kapitel; Albert, Prior von Duͤnemuͤnde, Rothmar, des Bischofs leibl. Bruder, Thomas, Pfarrer von Luͤneburg, Graf Burchard von Altenburg, Daniel von Lennewar- de, Conrad von Ykeskole, Joh. von Dahlen, Walther Truchses, Wilhelm von Pnoch, Didrich von Escherd, Ludgert von Hardorpe, Advocat der Pilger. Helmold von Luͤneborch, Heinrich von Lith, Joh. v. Bikishovede, Engelbert von Tisenhausen; Jacob von Stade, ( de vrbe ) Bernhard von Deventer und Albert uth Norden unsere Buͤrger. Der Bischof nennet den Rothmar und Herman von Doͤrpt germanos suos. Der Orden verbindet sich noch weiter fuͤr die Aufnahme der Kirche GOttes zu fechten. Geschehen am 24sten Julius. Der doͤrptische Bischof Hermann verlegte mit Genehmhaltung des paͤpst- lichen Legaten, Wilhelms, seines Vorfahren Dietrichs Sitz von Leal nach Doͤrpt, bey welcher Gelegenheit er auf Anrathen des rigischen Bischofs und seines Kapitels, nach Einwilligung der Pilger und Buͤrger zu Riga, mit den Bruͤ- dern der Ritterschaft einen Vertrag machte, daß sie mit ihren Nachkommen bey. nahe die Helfte seines Landes mit Kirchen, Zehenden und allen zeitlichen Nutzungen zu ewigen Besitz inne haben und gebrauchen solten, nemlich Saccala, Nurme- gunde, Mocke, Alumbus, und Waigele, doch den geistlichen Rechten unbe- schadet. Als Zeugen waren dabey der Bischof Albrecht, Johann der Propst, und andre mehr, Rothmar der Propst und das ganze doͤrptische Domkapi- tel Diese Urkunde ist in einigen Abschriften mit der Jahrzahl 1234 bezeichnet. Dieses schadet nichts, wenn nur das Transsumt, dem kein Jahr beigeschrieben ist, von der Vor- . Gregorius der IX te bestaͤtigte diesen Vergleich zu Perugia am 2ten D 2 November nehmen, nach welchen dem Kalser ein gewisses Schirmrecht uͤber alle denen Heiden durch die Christen abgenommene Laͤnder zukam, da es denn gleich viel war, ob die kaiserliche Genehmhaltung voraus gieng, oder einige Zeit nachher drauf erfolgte. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1224 November 1229 im 3ten Jahr seiner Regierung, und wurde Uggenois, (Ungan- nien) Otela und Sobolit noch dazu dem Orten abgetreten. Die Ritter- schaft stellet dem Bischof die Geistl. zur Jnvestitur vor. Sie erhielten auch den freien Flus Emmajoͤggi und das halbe Fischwehr, das sonst dem Koͤnige gehoͤret. Dagegen mus sie den Bischof und sein Land schuͤtzen, ihm auch in geistlichen Din- gen unterthan seyn. Der Vor- und Nachrede wohl unterschieden wird. Unsre Schriftsteller, die alles in eins gezogen, und gleichwol einen Bischof Albert als Zeugen angefuͤhret sehen, haben des- wegen den Bischof Nicolaus 18 Jahr zu fruͤh tod geschrieben und Albert den er- sten in den andern verwandelt, wie es auch Hiaͤrne macht; da doch Albert der andre um dieselbe Zeit noch Bischof zu Armagh in Jrrland war. I n nomine Sanctae et indiuiduae Trinitatis. Hermannus Dei gratia Tarbatensis Episcopus omnibus hoc scriptum legentibus Salutem in eo, qui est Salus fide- lium. Natura et conditionibus rerum mutatis necesse est quandoque nomina com- mutari. Cum igitur antecessor noster Dietericus secundum tempus suum voluerit si- bi sedem eligere in loco Leal et regionibus illis quibusdam necessitatibus et vtilitati- bus interuenientibus renunciauerim, etiam infra scriptae dioecesis nomen ecclesiae et Sedi Episcopali imposui de consilio voluntate et auctoritate Venerabilis Patris Will- helmi Episcopi, Mutinensis qui erat tunc Apostolicae sedis Legatus. Ne igitur pro- pter mutationem huius nominis inter Nos et Fratres militiae Christi super concordia, quae inter nos et ipsos facta est, prout ex illis litteris sub nomine Lealensis Episcopi factis apparet, aliqua in posterum dubitatio oriretur de voluntate, consilio et aucto- ritate praedicti Legati, vt et Praepositi et Capituli Tarbatensis praedictam concor- diam in quibusdam etiam articulis declarantes renouamus et modis omnibus con- firmamus tenorem praedictae concordiae praesentibus testibus annotatum, qui ta- lis erat: In nomine Sanctae et Indiuiduae Trinitatis: Hermannus Dei gratia Lealensis Episcopus omnibus hoc scriptum cernentibus Salutem in eo, qui est Salus omni- bus. Notum esse volumus, tam praesentibus quam futuris, quod de consilio Venerabilis fratris Nostri Alberti, Rigensis Episcopi et Ecclesiae suae, peregri- norum quoque ac ciuium Rigensium cum fratribus Militiae Christi iuxta quod in authentico ipsorum continetur, talem fecimus compositionem, vt videlicet a no- bis et nostris successoribus ipsi teneant mediam circiter regionem Episcopatus no- stri iurisdictione ciuili perpetuo possidendam cum Ecclesiis, Decimis et omni emolumento temporali terram videlicet Saccale, Nurmigunde, Mogeke, Alumbus, dimidiumque Waigele cum attinentiis suis, saluo in omnibus iure spirituali. In il- lis igitur terris pro ecclesiis suis personas idoneas instituant et eas inuestiendas no- bis praesentent. Pro eis autem terris nullum nobis temporale seruitium aliud ex- hibebunt, nisi quod pro episcopatu nostro contra incursus hostium iugiter decer- tabunt, et in spiritualibus nobis obedient, et cum ratione officii Episcopalis eccle- sias eorum visitabimus, expensas nobis necessarias ministrabunt. Fluuium Em- majöggi liberum relinquemus, vel gurgustium regis dimidium eis dimittemus. No quis autem eis super hac nostra concessione malitiosum inferat impedimentum, sub anathematis interminatione prohibemus, et, vt actum nostrum robur perpetuum obtineat, hanc chartam inde conscribi et sigillo nostro et Domini Rigensis Episco- pi et Ecclesiae suae muniri fecimus. Huius actionis testes sunt Dn. Albertus Rigen- sis Episcopus, Iohannes Praepositus, et ceteri testes. Verbum autem Gurgustii Weil in den lieflaͤndischen Urkunden die G urgustia oder Fischwehren, die von ihrem Schlupfloch den la- teinischen Namen haben, haͤufig vorkommen; so wollen wir doch dem geneigten Leser eine Beschreibung davon ertheilen, und zwar nach der Art, wie die Lachswehren in unsrer Duͤne errichtet werden. Zuerst stellen die Fischer Wasteln oder Boͤcke, so breit der Strom ist, fast in einem halben Cirkel neben einander, dergestalt daß die Ruͤndung gegen den Strom zu stehen komt. Diese Boͤcke, deren Fuͤsse unten weit, oben in einen spitzigen Windel zusammen gehen, werden durch draufgelegte und angebunde Stangen bevestiget, und mit grossen Steinen beschweret, damit das Wasser sie nicht aufheben noch der Strom fortreissen koͤnne. Fuͤrs andre werden die Decken oder so genanten Pa- supra dicti sic terminabimus vt fratres militiae Christi dimidium gurgustium regis, sicut medio positum est, perpetuo possidendum habeant, ita Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. Der modenesische Bischof Wilhelm war etliche Jahr im Lande. Sei- 1225 ne Geschaͤfte, welche er mit Volmacht und im Namen des Papsts gluͤcklich und zum Besten von Liefland ausrichtete, bestanden ausser andern erbaulichen Ar- beiten auch in Beilegung der Grenzstreitigkeiten, wobey er der Stadt Riga durch Anweisung einer richtigen Mark und Grenze besondere Dienste gethan, weil sie in allen folgenden Grenzirrungen fuͤr entscheidend angenommen wor- den. Jn der Jacobi Kirche entschied er den Streit zwischen dem Bischof und Meister uͤber die Worte: „Mit aller weltlichen und geistlichen Gerichtbarkeit‟ also: der Meister hat das Gericht uͤber die Bruͤder und deren Geistliche in weltlichen Haͤn- deln: im Geistlichen stehen alle, ja der Meister selbst, unter dem Bischof, an welchen auch die Apellation ergehet. Als Zeugen davon waren zugegen Albert Bisch. z. Riga, Lambert B. z. Semgallen, Mag. Ludolph, Domherr zu Luͤbeck, Siegfried Domherr zu Hildesheim, Arnold, Kapellan des Bi- schof Alberts, im August in der 13 Jndiction. Am 8ten April sprach er Volquin das Jus patronatus auf die damals 1226 in der Vorstadt gelegene Jacobs kirche ab, weil der Bischof dieses Recht durch besondere Briefe des Papsts erhalten. Den Bruͤdern wird die Juͤrgens kirche angewiesen, doch ohne eine Parochie dabey zu haben. Ausser den vorhin gedach- ten war noch Hr. Dietrich Abt zu Duͤnemuͤnde zugegen Er bestaͤtigte nicht nur die bischoͤflichen Vertraͤge mit den Ordensbruͤdern, z. E. daß man von dem Urteil des Meisters sich auf den Bischof berufen koͤnne; sondern stiftete auch einen Vergleich zwischen dem semgallischen Bischof Lambert, und zwischen dem Syndicus und der rigischen Buͤrgerschaft wegen des Schlosses Babat, das auch der heil. Marie Schlos heisset. Von der Vereinigung der Babat mit der semgallischen Aa an bis nach der See, gehoͤret der halbe Strom und das ganze dis- seitige Ufer der Buͤrgerschaft, welche eben so wie der Bischof selbst, die Freyheit hat, auf dem bischoͤflichen Theil Gras zu hauen, Heu zu machen, Holz zu faͤllen, und ein ewiges Recht in der Babat zu fischen behaͤlt. Jm Jahr 1226 schlichtete er die Verdrieslichkeiten, die sich zwischen dem Abt und den Moͤnchen in Duͤnemuͤnde, und zwischen der Stadt entsponnen. Er verordnete dazu die Comißarien, Lambert, ei- nen . Wie ita quoque flumen sit liberum et apertum, vt nulli quocunque genere piscationis li- ceat piscari ab ipso gurgustio, infra vsque ad locum a dextris in descensu, vbi via Ruthenorum. Haec autem libertas et apertio aquae permaneat omnibus temporibus, quibus Dnus Episcopus vel praedicti fratres piscari voluerint, in gurgnstio supra di- cto. Ad maiorem euidentiam termini praecipimus ab vtroque latere crucem adpo- ni, a praedicto autem termino vsque ad stagnum nulli facere vel habere liceat gur- gustium, quod teneat vltra dimidium aquae. Huius igitur actionis testes sunt Rothmarus Praepositus Tarbatensis et eius con- uentus ac ceteri testes. Datum anno Domini 1224. Palaggen verfertiget. Man bindet duͤnne Stoͤcke von Graͤnen oder Tannen, deren Dicke im Durchschnit 1 oder anderthalb Zolle betraͤget, und welche die Fischer Tharen nennen, mit Bast an drey Stangen, die anderthalb bis 2 Faden lang sind und eine Elle weit von einander liegen, ganz dichte zusammen. Der Palaggen aber liegen 60, 80 bis 100 Stuͤck nach der Breite des Stroms neben einander, werden gegen den Strom vor die Boͤcke bis auf den Grund gesetzet, und an die Boͤcke mit Bast oder Witzen, das ist zusammen geflochtenen jungen Birken, ange- bunden. Jn den Palaggen wird eine Oefnung gelassen, vor welche die eigentliche Lachskammer zu liegen komt. Diese Lachskammern, deren wol 5 bis 7 in einer Wehren liegen, sind viereckigt und haben vorne einen weiten Eingang, worein der Lachs, der aus der See gegen den Strom gehet, den Strich nimt, hinten aber sich durch eine Oefnung von etwan 4 bis 5 Zoll drengen und durcharbeiten mus. Weil nun der Fisch sich gleich auf die Seite wendet, und in der geraumen Kammer den Eingang nicht wieder findet, so heben die Fischer ihren Gefangenen mit einem gros- sen so genanten Kessel heraus, und keulen ihn auf den Kopf, daß er davon das Ausreissen ver- gist. Die Lachswehren werden im Anfang des Maymonats geschlagen, gleichwie die Neunau- genwehren im September. Diese letzten haben eben dieselbe Zusammensetzung, nur daß an statt der Kammern Koͤrbe von feinem Weidenstrauch angesetzet werden, die den gewoͤhnlichen Fisch- reusen aͤhnlich sehen. Jn kleinern Fluͤssen sind die Gurgustia oder Kasten kleiner und mit einem Gloͤcklein versehen, welches bey dem Einschlupfen des Lachses oder eines andern grossen Fisches klingeln mus. Auch die Aale muͤssen diesen Weg mehrentheils wandern. E Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1226 Als die Deutschen auf Oesel mit der grossen Heidenbekehrung zu thun hatten, so passeten die Semgaller ihre Zeit ab, und gaben bey der schoͤnen Winterbahn den Rigischen in ihrer Abwesenheit einen unangenehmen Besuch. Sie zerstoͤrten das duͤnemuͤndische Kloster, den Clausberg, machten die Pfaf- fen nieder, und veruͤbten allen Muthwillen. Volquin hatte also nicht Zeit, das nen Scholastikus von Stendel, Ludolph von Hanover Domherren zu Luͤbeck und Luder Humbrecht von Soest, welche die Fischerey beiden Theilen gemein- schaftlich zusprachen, die Anlegung einer Muͤhle aber an dem kleinen Bache, der aus der See Rodenpois gehet, nur den Moͤnchen verstatteten. Auch die Holzung blieb gemeinschaftlich, nur solten die Eichen fuͤr die Moͤnche unbeschaͤdigt erhalten werden, vom 1sten April. Die Jnsel Ramesholm gehoͤret den Bruͤdern. Wir lernen hieraus eine See Laghen, einen Flus Pele, und noch einen, die Modizze, kennen. Als der Bischof und Meister zu weit in die buͤrgerlichen Rechte griffen, sprach er die neuen Laͤndereien der Selen der Stadt zu. Etliche geschworne von der Buͤrgerschaft solten jedes- mal die Frage entscheiden, welches alte oder neue Aecker seyn; die von Duͤnemuͤnde solten disseits der Duͤne keine gebauete noch ungebauete Felder haben, vom 7ten May. Weil Joh. von Dohlen wieder Willen des Bischofs das buͤrgerliche Land angegrif- fen, wird ihm alle Begnadigung versaget, und das Schlos Dohlen samt allen ge- baueten Lande den rigischen Buͤrgern ertheilet, vom 1sten Jun. Die Volziehung dieser Befehle wird unter Bedrohung des kleinen Bannes den streitenden Parteien eingeschaͤrft Gleich Anfangs hat die Stadt Riga ihre Mark und Grenzen mit vielem Eifer verfochten, worin ihr Albert und Wilhelm recht vaͤterlich beigestanden. Jn folgenden Zeiten wurden sie durch den Geitz der Pfaffen hie und da beeintraͤchtiget, allein sie gewan immer den Rechtshandel. Da nach der evangelischen Reformation die Clerisey ein eigen Regiment anzufangen drohete, behauptete sich die Stadt auch in dem Besitz der Kirchenguͤter, und erhandelte einige vom Erzbischof Wilhelm, so sehr auch die Pfaffen sich dawider streubten. Sigism. August half anfaͤnglich den Pfaffen uͤber, und lies uͤberaus harte Rescripte an die Stadt ergehen. Siehe unter desselben lateinischen Briefen den 185 und 186. Allein die Grosmuth des Koͤnigs Stephani befestigte sie in dem Besitz aller Stiftsguͤter, als curiae archiepiscopalis, aedium Canonicorum et Capitularium cum vniuerso iure, dominio et proprietate unterm 7ten April 1582 zu Riga, so nachher in eben dem Jahr am 16ten Octobr. zu Warschau auf dem Reichstage bestaͤtiget worden. . Der Papst Gregorius der IX te schickte 1234 diesen geschickten und wohlverdienten Mann mit einer Volmacht eines paͤpstlichen Legaten wieder nach Lief- land, wo er mit vielem Nachdruck die fernern Grenzstreitigkeiten auf alten Fus ent- schied, und die mehresten der vorigen Urkunden bestaͤtigte. Jn Raynalds Kirchen- geschichte stehen unterschiedliche apostolische Verhaltungsbefehle an diesem Wilhelm, als vom Jahre 1236, worin ihm der Papst auftraͤget, dahin zu sehen, daß Liefland nicht zum Salzfelde Diese aus der lateinischen Bibel hergenommene Redensart, Psalm 107 v. 34, bedeutet eine Ge- gend wo Salzquellen sind und nichts Fruchtbares wachsen wil. Die Vulgate und die Moͤnche, welche dieselbe fast auswendig lernen, folgen dem hebraͤischen Texte. Dahin gehoͤret der im 1ten Theil vorkommende Ausdruck in millibus suis, der nichts anders sagen wil, als in ihrer ganzen Menge mit allen ihren Landsleuten; die deutsche Bibel hat Mich. 5 v. 1 diese Tausend in fast gleichem Verstande beibehalten. werde und zu dem Ende heilsame Anstalten zu machen, den Neube- kehrten geziemende Freyheit zu lassen, den Kirchenzehnd zu erhalten, keine neue Lan- destheilung vorzunehmen, den Pilgern unter die Arme zu greifen, und sie wenigstens ein Jahr in Kriegsdiensten zu brauchen; Rayn. t. 13, p. 445, n. 62. So schenkte er auch dem neuen Bischof auf Oesel das dritte Theil des Landes, welches die Buͤrger zu Riga dem Legaten uͤberlassen. Papst Alexander der IV te bestaͤtigte es zu Viterbo am 13ten Merz 1257. 1240 fuͤhrte Wilhelm den ehlosen Stand der Geistlichen in Schweden ein, der doch erst 8 Jahr nachher auf der schoͤningischen Kirchenver- samlung zum Gesetz wurde Der Legat hatte dabey die Absicht, die Kirchenmobilien zu erhalten, welche mehrentheils von den Kindern unter dem Titel der Erbschaft entwandt, da auch die Guͤter mit angegriffen wurden, wo- durch die Kirchen verarmten. Er verfiel aber auf den greulichen Abweg die Ehe der Geistlichen fuͤr eine Todsuͤnde zu erklaͤren. Jnnerhalb einem Jahre musten sich alle Ehefrauen der Clerisey wegpacken bey Strafe des haͤrtesten Bannes. Priester und ihre Frauen, die beide uͤber 50 Jahr alt waren, konten beisammen bleiben, musten aber eine schwere Geldbusse erlegen, und angeloben, niemals unter einem Dache oder in einem Hause zu schlafen. Der Papst Alexander der IV te er- lies den Bann, und gab dem Erzbischof zu Upsal Volmacht, den verehelichten Geistlichen eine andere heilsame Busse aufzulegen. Schwedischer Bibliothek zweites Stuͤck S. 124. . Er hatte vorher schon die Bistuͤmer in Erme- land, Culm, Samland und Pomesanien eingerichtet. Huitfeld S. 204. Jn Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. das Schworbische von Oesel, wo die Seeraͤuber recht ihr Nest hatten, zu 1226 erobern, sondern eilte nach Hause, alwo er die Seinigen erst ausruhen lies und so dann in Semgallen den Gegenbesuch abstattete, wo er bey 1600 Feinde er- schlug, und viel Beute machte, aber auch 300 Mann schwaͤcher in Riga an- kam. Albert von Stade meldet die Begebenheit, da die Moͤnche zu Duͤne- muͤnde von den Heiden zu Maͤrtyrern gemacht worden, zwey Jahre spaͤter. So bald die See wider aufgegangen war, gieng der Herzog Barmm von Pommern und der Graf von Arnstein nebst einer zahlreichen Pilgergesel- schaft wieder nach Deutschland. Hierauf hatte sich der Semgaller Aelteste, Westhard, gespitzet. Er verband sich also mit den Litthauern, uͤberfiel Ascherade, und verheerte die ganze Gegend. Der Schlosvogt, Marquard von Buͤhrbach, ein braver und gesetzter Mann, nahm so viel Lieflaͤnder und Letten, als er aufbringen konte, setzte diesen Freibeutern des Morgens nach, jagte ihnen den Raub ab, und streckte bey 500 ins Gras. Westhard, der eben beim Fruͤstuͤcken uͤberrumpelt wurde, nahm gleich einen Brand aus dem Feuer, und schlug den Schlosvogt damit so derb ins Gesicht, daß ihm die Zaͤhne aus dem Munde fielen. Hierdurch bekam er Zeit zu entwischen. Die von Asche- rade gewonnen das Feld und liessen 200 Mann im Stiche. Volquin gab auf erhaltene Nachricht von diesem vortheilhaften Scharmuͤtzel Westharden noch weiter das Geleite, holte auch die Semgaller ein, erbeutete uͤber 1500 Pferde und erlegte 2000 Feinde. Doch kostete ihm dieser Sieg gleichfals 600 von den Seinigen. Jn eben dem Jahr sandte der Ordensmeister einen luͤbischen Domherren, Joh. Volckarson, und die Buͤrger zu Luͤbeck, Wilhelm Bertholson, und Joh. von Bremen an den Kaiser Fridrich den II ten, um denselben im Namen der Bruͤder vorzutragen, wie noͤthig es dem Orden zur Beschuͤtzung der neuen Republic sey, daß ihm alle Guͤter und Rechte, so ihnen die Bischoͤfe von Liefland und Leal auf eine rechtsbestaͤndige Weise ertheilet oder noch kuͤnftig ertheilen moͤchten, bestaͤtiget, und alles Metal in und uͤber der Erde, das sonst zur kaiserl. Kammer gehoͤre, zugesprochen wuͤrde. Der Kaiser wilfahrete dem Orden in Betrachtung des Todeskampfes, welchen die Bruͤder taͤglich auszustehen haͤtten, und verbot durchs ganze roͤmische Reich bey 50 Mark reines Goldes, daß niemand sie in ihren Grenzen beunruhigen solte. Der Urbrief davon ist bey Parma im Maymonat des 14ten Jndictionsjahrs unterzeichnet. Als Zeu- gen waren dabey gegenwaͤrtig die Erzbischoͤfe, Albert von Magdeburg, von Meiland und der von Jvrea, der Bischof von Chur und Abt zu St. Gal- len, die Bischoͤfe zu Zeitz, Hildesheim, Jacob von Turin und M. von Ymola, der Hochmeister Herman Landgraf von Thuͤringen, Herzog zu Sachsen, Renald Herzog von Spoleto, ein Graf von Wien, von Queurenberch, von Evresteen, dessen Bruͤder und andre mehr Noch gefaͤlliger lauteten die Freiheitsbriefe dieses Friedrichs, die er dem deutschen Orden verliehen, und an dem die Lieflaͤnder nach der Ordensvereinigung Theil nah- men: als, eine vom April 1221 zu Tarent, von dem alten Besitz der Schloͤsser, Dorf- schaften ( casalia Casalia sind bey Doͤrfern die Edelhoͤfe, Landguͤter und so genanten Lusthoͤfgen, die Friedrich der II te als Koͤnig von Sicilien nach der sicilianischen Landsprache so benennet. Hugo Fulcandus, ein sicilianischer Schriftsteller, braucht das Wort in eben der Bedeutung. Gewoͤhnlich nennen die ) Menschen und Guͤter, von dem freien Gebrauch des Wassers, Grases, Hol- . E 2 Der Jn den folgenden Jahren bedient er sich in oͤffentlichen Schriften des Titels eines Bischofs von Sabina. Aus den Documenten seiner Zeit bemerken wir, daß der vornehmste Adel, auch graͤfl. und fuͤrstl. Personen sich an den Bischof gehalten, weil sie als Pilger und Freiwillige in Liefland dienten. Der Ordensmeister Volquin hat in Versiegelungen und Unterschriften seinen Rang nach dem Propste zu Riga: doch folgen auch in vielen die Grafen und Vasallen der Kirche erst nach ihm. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1226 Der paͤpstliche Legate Wilhelm endigte die Streitigkeiten zwischen der Cle- risey, dem Orden und der Stadt durch eine neue Verordnung, die wir der vielen darin festgesetzten Stuͤcke wegen ganz beibringen wollen Wilhelmus miseratione diuina Mutinensis Episcopus, Apostolicae sedis Legatus, omnibus praesentes litteras inspecturis in vero Salutari salutem! Cum ea, quae in- ter habitatores Liuoniae Teutonicos super diuisione terrarum acquirendarum annis sin- gulis oriebatur, discordia odii fomitem et inuidiae generaret, ex qua radice pessima graue impedimentum ad conuersionem gentium euidentissime nascebatur, sicut et fama publica et facti euidentia comprobat; placuit Nobis et Viris praedictis, tempe- stiue tanto morbo salubriter obuiare. Deducta itaque in praedicto articulo hora diei non modica, tandem Dominus Albertus Episcopus, Iohannes Praepositus, Frater V fratrum Militiae Christi, Comes Borcardus , Vasalli Ecclesiae et Ciues Rigenses totum negotium commiserunt nostro arbitrio terminandum, promittentes, quod, quamcunque faceremus in terris supradictis diuisionem, et diuisa quibuscunque par- tiremur, ratum haberent, et inuiolabiliter obseruarent, sicut ipsorum Sigilla appensa inferius testantur. Nos ergo statum terrae attendentes, qualitate personarum et vtilitate perspecta, vidimus expedire, vt hi consolationem reciperent, qui in expeditionibus faciendis et rebus praeualent et personis, vt spe releuante laborem contra inimicos Ecclesiae Christi intendant efficaciter vniuersi. Terrarum ergo, quae omnimodo auxilio Dei et praedictorum labore fuerint ad cultum fidei conuerlae, partem vnam Episcopo Rigensi et Ecclesiae suae, aliam Magistro et Fratribus Militiae Christi, et tertiam par- tem Ciuibus Rigensibus adsignamus, in his duntaxat, quae ad Dominium pertinent temporale. Decimam enim et vniuersa spiritualia creandis ibidem Episcopis reser- uamus Daß dieser Zehnd zum Unterhalt der Domkirchen gewidmet gewesen, niemals aber von den Vasallen, sondern der Bauerschaft entrichtet worden, beweisen viele Urkunden, sonderlich diejeni- gen, welche bey Austheilung des Landes den Ordensbruͤdern die Kirchen samt den Zehnden zum Unterhalt des Pfarrers zusprachen, welcher auch noch dafuͤr eine Gerechtsame zu heben hat. Jn den Jahren 1695 drohete diese hervor gesuchte Urkunde mit ihrer zu weit gedehnten Erklaͤrung der lieflaͤndischen Ritterschaft gefaͤrliche Folgen, welche deswegen alle Muͤhe anwandte, den rechten Verstand derselben zu erlaͤutern. Sie erwies, daß von den schon errichteten Bistuͤmern Riga und Doͤrpt nicht die Rede sey, weil da schon creati episcopi saͤssen, der Bischofszehnde aber fuͤr die Creandos ausgemacht werde. Sie bezog flch auf die Verordnung des Bischof Alberts, wel- che 1537 vermehrt in Druck gekommen, und derer 2 und 167 Kap. womit die paͤpstl. Briefschaf- ten uͤbereinstimmen Hauptsaͤchlich schuͤtzte sie sich mit dem Beweis, daß die Cistercienser, Tem- pelherren und Hospitalbruͤder, nach dem Jure canonico c. 10; von ihren Guͤtern keinen Zehn- den . Episcopi etiam in quocunque loco conuenientem elegerint mansio- nem, . Noch Holzes, von Erlassung des Bruͤcken- und Seezols, des Geleites, des Pfalgeldes ( falangaticum ) und zwar durchs ganze roͤmische Reich. Wer sie aus ihren Guͤtern jagen wil, sol 100 Mark reines Gold zur Strafe erlegen ( componat Componere, ein juristisches Wort aus dem fraͤnkischen Rechte, heist eine Geldbusse an den Fiscus, oder den beleidigten Theil erlegen. . Eine an- dre vom Merz 1226 zu Rimini, da der Kaiser zur Aufnahme des Ordens der Bruͤ- derschaft die Freiheit giebt, Durchzugsgelder ( passagia Passagia der Zoll fuͤr die oͤffentliche Landstrasse, das Geleite. Beim Duisburger part. II c. 5, bedeutet es den Kreuzzug selbst nach dem gelobten Lande. und Zoͤlle anzuordnen, Maͤrk- te und Messen einzufuͤren, Muͤnzen zu praͤgen, Steuren ( talliam ) und andre Gerecht- same aufzulegen, alle Gold-Silber-Eisen-Salz- und andre Metalgruben, die sich in ihren Laͤndern hervorthun wuͤrden, auf ewig zu besitzen, wie auch loͤbliche Gesetze und Landtagsverordnungen ( assissias Assissa, Assissia, ein von den Normaͤnnern nach Sicilien und Britannien gebachtes Wort, dessen sich der alte britannische Rechtsgelehrte Jleta lib. I c. 17 bedienet, das aber in den sici- lianischen Edicten desto haͤufiger vorkomt, bedeutet nicht nur die Landtage, fondern auch die auf selbigem gemachten Recesse. abzufassen Fridericum II Imperatorem cunctis in Septentrione gentibus, vtpote Liuis, Estiis, Curiis et Semgallis ad Christianorum sacra transituris libertatem publice concessisse, Goldastus Collect. Constitut. Imperial. tom. II, p. 77, auctor est. Ipsum libertatis diploma Celeber. Schurz- fleischius operi suo de ordine Ensiferorum subiecit. . die Jtaliaͤner einen solchen Hof Villagio. Johannes der XXII ste setzt in einem Schreiben die Erzbischoͤfe von Coͤln und Magdeburg und den Bischof von Utrecht zu Schirmherren uͤber die Ecclesias, Georgia, castra casalia etc. des lieflaͤndischen Ordens vom Jahr 1316. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. Noch eine neue Grenzeinrichtung von diesem Legaten, in Absicht der Stadt- 1227 mark, verdienet hier aufgehoben zu werden. Sie ist zwar vom 13 Merz unter- schrieben. Doch hat sie der Papst Honorius der III te in einer eigenen Bulle aufbehalten; und da die Urkunde des Legaten, so in hiesigen Archiven mit 5 Sie- geln bekraͤftiget lieget, im geringsten nicht volstaͤndiger ist, ob sich gleich der Papst darauf beziehet, so mag zur Abwechselung die paͤpstliche Bulle ihre Stelle vertreten. Honorius Episcopus, Seruus Seruorum Dei, dilectis filiis Communitatis Rigensis Sa- lutem et Apostolicam benedictionem! Ea, quae judicio vel concordia terminantur, firma debent et illibata persistere, et ne in recidiuae contentionis scrupulum relaban- tur, conuenit Apostolico praesidio communiri. Significastis siquidem Nobis, quod, cum inter vos ex parte vna et venerabilem fratrem nostrum Episcopum, Praeposi- tum et Magistrum Militiae Christi Rigensis ex altera super terminis Marchiae ciuita- tis nostrae coram Venerabili fratre nostro Mutinensi Episcopo, Apostolicae sedis legato, quaestio verteretur, vos et pars altera ipsius Legati vos arbitrio commisistis, promittentes| ad inuicem, quod, quicquid super hoc ordinaretur ab ipso, ratum hinc inde perpetuo haberetur, prout littere nostro et partis alterius sigillis munitae testan- tur. Praedictus vero Legatus rerum, locorum et personarum qualitatibus circum- spectis, et debita deliberatione praehabita, ordinauit, vt Marchia Ciuitatis Rigensis citra Dunam incipiat a Rumbula in ipso angulo lapidee ripe fluminis, vbi ripa incipit altius conscendere relicto superius prato; Et de illo angulo procedatur contra stagnum Rodepois recta linea vsque ad pontem riuuli, qui Pitcorga Pitcorga heist an andern Orten die Putkeraa, davon Putkermuͤnde herkomt. vulgariter nuncupatur; de ponte vero recta linea vsque prope caput stagni ad locum, vbi dicitur Lingua , cui adiacet stagnum ex vna parte, ac ab alia aqua, quae dicitur Skilagius , et sic citra stag num vsque ad Dunemundensem terminum descendendo; inter praedictos autem fines comprehendantur prata facta vel facienda, quae sunt inter pontem de Rodepois et Der nem ibidem quilibet ad suam mansionem de terra viciniori XVIII incultos et duos cultos mansos ab omni onere obtineant expeditos. Episcopus etiam unusquisque in Castris singulis, in sua dioecesi constitutis, si voluerit aream ad habitandum, habeat competentem. Unicuique etiam Ecclesiae cathedrali de terra viciniori culta centum vnci, et X mansi de inculta sine censu et decimatione ab omni prouentu libere re- seruentur. Coloni quoque praedictorum agrorum a vectigalibus et exactionibus quibuslibet, nec non ab expeditionis onere sint immunes. Ecclesiae vero parochiales tam in agris quam in annona dotentur, sicut per Liuoniam ecclesiae sunt dotatae. De peregrinis autem de voluntate praedictorum taliter ordinamus, vt, postquam ad Dunemundam peregrinorum adplicuerint primae naues, infra decem dies liceat praeeligere Domino Episcopo decem de voluntariis ab his peregrinis ad vsus suos et castrorum suorum. Post decem vero dies liceat tam Praeposito quam Magistro et Ciuibus accipere voluntarios peregrinos in obsequium in castris et operibus suis, nec liceat hoc alicui prohibere. Si autem contigerit, vnum vel duos de praedictis portionariis velle aliquam paganorum terram expugnare et subiicere cultui |Chri- stiano, faciant hoc communicato consilio praedictorum trium; quod si vnus vel duo noluerint, secundum quod poterunt ad hoc laborare, ille, vel illi soli obti- neant, qui laborant, si terra fuerit conquisita. Datum in Riga , anno Domini MCCXXVI. III Idus Aprilis. Quinque Sigilla adpensa. den entrichten, welchen Titel der Tempelherren auch der lieflaͤndische Orden bekommen. S. das Cor- pus Juris Canon. Lib. V, Decretat. tit. 35 c. 3. Arnoldus Lubec. Hist. Slav. lib. VII, c. 9, Pontanus l. 6, p. 317, Ziegler in notis ad Lancelotti instit. Juris Canon. l. II, t. 26, der Bul- len Johannis XXII und Benedicti XII zugeschweigen. Sie berief sich auf die Freiheit der be- nachbarten Preussen; Henneberg S. 282 u. f. Schütz fol. 65; weil die Kirchen stat des Zehn- den mit andern Mitteln versehen worden. Sie fuͤhrte aus der Geschichte an, daß die Geistlich- keit viel geringere Beschwerden wider den Orden bey den Paͤpsten angebracht, niemals aber uͤber den Abbruch des Zehnden geklaget, wie denn kein einzig Erempel vorkomme, daß der Orden dem Bischof den Zehnden entrichten muͤssen, auch in keinen geistlichen Stiftungen desselben gedacht werde. Hierzu komt noch das Praͤjudicat der Polen, die als Glieder der catholischen Kirche, die Vorrechte der Bischoͤfe am besten kanten, aber niemals eines Zehnden, weder in den Subjections- tractaten noch weiter hin, erwehnen. Weil diese Gruͤnde an sich erweisen, was sie sollen, so ha- ben wir die uͤbrigen, weil sie mehr beweisen als sie sollen, weggelassen. F Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1228 Der roͤmische Koͤnig, Heinrich VII, schenkte die Stadt und das Schlos Re- vel nebst den Provinzen Jerwen, Harrien und Wirland, als ihm und dem Reich zustaͤndige Laͤnder, dem Meister und Ordensbruͤdern in Liefland, zum Loͤsegelde fuͤr die Seelen seiner durchlauchtigsten Vorfahren. Bey diesem Schenkungs- briefe, et illos duos montes prope pontem, qui se mutuo respiciunt contra stagnum, quo- rum ulterior Naba vocatur propter riuulum Naba , qui ei noscitur adjacere, citerior vero vocatur Mons aquilae , pro eo quod ibi nidificare aquila consueuit. Gurgu- stium autem Fratrum Militiae, quod est ibi, eisdem fratribus perpetuo conseruetur. Ipsi vero dimittant ab vna parte spacium competens propter naues, nec faciant ca- pturam in adscensu piscium sed tantummodo in descensu. Vltra Dunam vero a praedicto loco Rumbulae procedatur vsque ad aquam, quae dicitur Meissae recta li- nea, vnde ad aquam citius peruenitur, et deinde ad locum, vbi flumen Semigal- lorum jungitur ad Babat , et sic per medium fluminis vsque ad mare et per terram vsque ad fratrum Dunemundensium terminos procedatur. Ad haec memoratus Lega- tus illud de praedicta Marchia, quod est inter Babat et flumen Semigallorum , et omnia gramina riparum ejusdem fluminis, quae a Venerabili fratre nostro, Episco- po Semigalliae redemistis, nec non omnia gramina quae sunt vel possunt esse in stagno Rodepois in citeriori ripa ejus vsque ad riuulum Pitcorga , et omnia gramina culta vel inculta vallis ipsius riuuli ad communes vsus tantum ciuium, peregrinorum et mercatorum non vero Episcopi, Praepositi vel Magistri specialiter reseruauit, ad- jiciens, vt piscatio Rodepois communis sit omnibus, gurgustio fratrum saluo. To- ta vero alia Marchia omnibus tam Clericis quam Laicis in piscationibus, pascuis lignis caedendis, argilla fodienda, lateribus et calce coquendis, fornace propter haec habenda, et ea quae sunt tectis necessaria. Ita tamen, quod post haec loca huius- modi (talia) remaneant in communi, nec non in graminibus colligendis ad herbam; et in fodiendis alueariis apum de lignis, quae sunt in myricis, et ad omnem vtilita- tem aliam sint communia. Idem quoque Legatus ea, quae sunt culta in supra dicta Marchia siue in agris, siue in pratis seu in arboribus, nec non molendina cum riuulis, ex quibus molunt, et vetera gurgustia omnibus tam Clericis quam Laicis et Dunemundensibus fratribus, sicut possident, integra conseruans et libera, statuit, vt noua gurgustia aut molendina inter dictos terminos sine communi consensu non fiant. Si qui vero sunt Selones , vel alii intra Marchiam censum Magistro reddentes, ad communem vtilitatem respondeant Ciuitati, Insula, quae Omesera (Osmesara) di- citur, Ecclesiae sanctae Mariae integre reseruata. Sin autem infra dictam Mar- chiam alicubi dubitatio fuerit, vtrum sit locus ille cultus vel incultus, et vbi sunt ar- bores, vtrum sint agri vel siluae incultae, ac de gurgustiis, utrum sint noua vel vetera, hoc totum trium juratorum ciuium arbitrio terminetur, qui eligantur a praedictis Episcopo, Praeposito et Magistro. Adiicit etiam legatus praedictus, vt singulis nostris conciuibus de inculta Marchia liceat colere vbi et quantum volunt, ita quod octo annis integre ac libere percipiant inde fructus, et postmodum ad communem vsum redeant, si possunt esse bona pascua siue prata. Quod si esse ne- quiuerint, sed agri potius, reddant censum exinde ciuitati, si vere dubitetur, vtrum pascua esse possint, vel si plures forsan contenderent in eodem colere loco volentes, praedictorum trium ciuium arbitrio terminetur. De supra dicta vero Marchia inte- ger mansus Hospitali Sancti Spiritus et ponterio de Rodenpois dimidius eorundem trium ciuium arbitrio assignetur, qui si fuerint in praemissis quandoque discordes, duorum arbitrium obseruetur. Cum autem conciues vestri ob praedictas caussas laborauerint, ab his, quorum interfuerit, expensas recipiant moderatas. Quod enim de fornace et tectis ad opus laterum est praedictum, si de loco fuerit conten- tio, inter plures, vel quod non videatur sorsitan opportunus, saepe dictorum trium ciuium sententia decidatur, prout praemissa omnia in litteris supradicti Legati exinde confectis perspeximus plenius contineri. Vestris itaque supplicationibus in- clinati, quod per eundem Legatum super his rite ac proinde actum est, auctoritate Apostolica confirmamus. Nulli ergo omnino hominum liceat hanc paginam no- strae Confirmationis infringere, vel ei ausu temerario contraire. Si quis autem hoc attentare praesumserit, indignationem omnipotentis Dei et Beatorum Petri et Pauli Apostolorum eius se nouerit incursurum. Datum Laterani III Idus Decembris Pontificatus nostri anno undecimo. Sigillum pensile Honorii Pont. P. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. briefe, der bey Nuͤrnberg vom 1 Jul. im ersten Jndictionsjahre unterschrieben 1228 worden, stunden als Zeugen, der hochwuͤrdige Bischof Herman von Wuͤrtz- burg, Conrad Burggraf von Nuͤrnberg, Fridrich von Brahendingen, ‒ ‒ von Tannenrode, Eberhard Truchses von Waldpurg, Conrad Schenke von Winterstaͤdt, Ulrich von Truchtelingen, 4 Bruͤder und Rit- ter von Grindelahe, ‒ ‒ genant Rindesmule, Cunrad von Bergen und andre mehr. Jn diesem Jahre erhielt die Stadt Riga in rußischer und lateinischer Spra- ein herlich Handelsprivilegium, welches des Koͤnigs David in Smolensko Sohn Mcislaus im Namen der Koͤnige von Polocz und der Rußen in Wi- tebeck unterzeichnet hatte. Der Bischof Albert richtete nach Masgebung der saͤchsischen Rechte das erste und aͤlteste Ritter- und Landrecht ein, deßen 67 Artikel die Bistuͤmer Ri- ga, Doͤrpt, Oesel, Curland und die Ordenslaͤnder angiengen. Dieses aͤlteste Lehnrecht in Liefland befindet sich gemeiniglich hinter der brandisischen Handschrift, und erstreckt sich auf obgemeldete Provinzen, ausgenommen Harrien und Wierland, die sich des woldemarischen Lehnrechts bedienten. Wem der Sach- senspiegel bekant ist, kan des Abdrucks von diesem Lehnrecht entraten. Man hat sonst eine erweiterte Abschrift davon in 3 Buͤchern, deren erstes 33 Kapitel, das andre 40 und das 3te 28 Kap. enthaͤlt. Am vollstaͤndigsten ist es, vermutlich bey Ludwig Dietz zu Rostock, unter dem Titel in Druck gekommen: De gemenen Stichtischen Rechte im Stichte van Riga, geheten dat Ridderrecht mit der Eininge unde Uthanwerdinge der Buren dorch den Hochwerdigen unde Grothmechtigen Foͤrsten unde Heren, Heren Michaelem, Erzbischop tho Ryga unde Wol- thern van Plattenborch Meister Duͤdesches Ordens tho Lyfland gemaket und versegelt. MDXXXVII. Das ganze Buch in 4 bestehet aus 249 Kap. Hinten ist angedruckt: Formulare Procuratorum, Proces unde Rechtes ordeninge, Rechter arth unde Wise der Ridderrechte yn Lifflande, So wol yn den Stifften, alse yn Harrien unde Wirlande unde gemennichliken ym Gebruke aver gantzem Lyflande. Mutatis mutandis. Dith bock ys yn viff Dele ge- delet, unde leret fyn, wo me saken, ym rechten anvangen, middelen unde endigen, Klage unde Antwerde, unde alle andere noͤdige Dinge ym rechten schicken, formeren unde stellen schoͤlle, unde ys ym xxxiij jare angevangen unde ym xxxviij geendiget, unde se thor Prente, den Lifflaͤndischen Jun- ckern, Armen unde Riken, ok andern des Rechten, nodtrofftig, thom be- sten uthgesandt, GOtt geve syne Gnade, dat recht, recht gefordert unde gerichtet werde, darup de name des Heren gepriset unde ewich gebenediet werde. Amen. Auf dem letzten Blat lieset man: Gedruͤcker unde vollendet yn dem MDXXXIX yare am doͤrteinden Dage des Heruestmaens. Die unge- mein grosse Seltenheit dieses gedruckten Werkgens, hat uns den ganzen Titel abzufor- dern geschienen, indem es an oͤffentlichen Orten und bey den sorgfaͤltigsten Liebhabern gar nicht oder hoͤchstselten zu finden, die sich daher mit bloßen Abschriften behelfen muͤssen. Der Verfasser dieses Formulare Procuratorum ist der bey uns beruͤmt gewesene Rechtsgelehrte Dionysius Fabri aus Pommern, den man mit dem oban- gefuͤhrten Dionys. Fabricius nicht verwechseln mus. Der bekante David Hil- chen Da dieser Mann, zur Zeit der koͤniglich polnischen Regierung, bey der Stadt Riga sowol als dem Lande eine wichtige und verdiente Person vorstellet, so wird es nicht undienlich seyn, wenn wir hier einige persoͤnliche Umstaͤnde desselben zum voraus bemerken. David Hilchen war eines Buͤr- gers Sohn aus Riga. S. Caselii Briefe S. 234. Jn dem sigismundischen Diploma uͤber seinen Adel, heist sein Vater Thomas Hilchen, Tribunus, d. i. Eltermann; die Muter Catherine Ralb, und sein Bruder Johannes, der Philosophie und Arzeneikunst Doctor. Nach zuruͤckgelegten Studien begab er sich von auswaͤrtigen Universitaͤten zu dem beruͤmten Groskanzler und Generalfeldherrn der Kron Polen, Johann Zamoiski von Zamoscie, der ihm 1585 nach Riga zum Obersecretariat half, wo er nach 4 Jahren Syndicus der Stadt wur- de. Hier lies er sich unter andern ruͤmlichen Bemuͤhungen sehr angelegen seyn, im Consisto- rio eine bessere Einrichtung zu treffen, die Schulen in Aufnahme zu bringen, und auf eigne Ko- sten die erste Buchdruckerey in der Stadt anzulegen, worin er die Vormuͤnder-Ordnung im hat uns von der ziemlich unverstaͤndlichen platdeutschen Urschrift des letzten eine Es wird ihm F 2 auch Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, eine hochdeutsche doch ungedruckte Ubersetzung nachgelassen. Doch die kuͤrzere sowol als die erweiterte Abschrift, wie auch des Fabri gedrucktes Stiftische Recht war fuͤr ein lieflaͤndisches Ritter- und | Landrecht unzulaͤnglich, Nicht nur unzulaͤnglich, sondern es war auch theils ungerecht, theils und hauptsaͤchlich aber auf neue Zeiten nicht anzuwenden. Unter die vielen Merkwuͤrdigkeiten desselben gehoͤret Lib. II tit. 17, daß der Adel das Halsgericht habe, und tit. 44 der sonderliche Wiederruf: Was ich geredet, hab ich gelogen wie ein Hund. weswegen Hilchen es| un- ter polnischer Regierung auf bessern Fuß setzte, der Herr Vicepraͤsident Engelbrecht von Mengden Dieser Engelbrecht ist von dem Generalmajor, Landrath und Obristen der lieflaͤndischen Ritterfahne, Herrn Gustav von Mengden, zu unterscheiden. Letzterer muste sich 1679 wegen einer ungluͤcklichen Begebenheit verborgen halten, in welcher Einsamkeit er uns die schoͤnen Sontagsgedanken eines Christen, so sich an G Ott V er M iethet, und den verfolgten, erretteten und lobsingenden David in deutsche Verse gebracht. Das erstere sind Lieder uͤber die Evangelia, das andere eine wohlge- aber unter schwedischer Regierung ansehnlich vermehrte. Al- lein im Jahr 1591 zum Druck befoͤrdert. Der erste Buchdrucker zu Riga hies Nicolaus Mollin- und das erste Werk, so er ums Jahr 1588 gedruckt, war die platdeutsche Kirchenordnung, oder eigentlich die Ordnung des Kirchendiensts in Singen und Beten, wie sie D. Brisman aus Roͤ- nigsberg aufgesetzet. Bey der Druckerey besorgte Hilchen zugleich die Anlegung eines Buchla- dens. Auf sein Zureden vermachte ein Lieflaͤndischer von Adel, Johann Overlack, am 23 December 1596 zu Rustjerwe, der kurz vorher zu Riga gestifteten Stadtbibliothek 300 Mark rigisch, mit der Bedingung, daß auf alle Buͤcher, die von diesem Gelde wuͤrden gekauft wer- den, des Testatoris Overlacks Name zum ewigen Gedaͤchtnis gedrucket werde. Hier uͤber ward Hilchen zum Testamentarius verordnet. Der Koͤnig von Polen, der die Geschicklichkeit dieses Syndici erkante, gab ihm den Titel seines Secretarii, brauchte ihn in Gesandschaften, und ernennete ihn zum Landschreiber des wendenschen Distrikts, wie er denn auch als Mitcom- missarius und Sekretair der grossen Commißion in Liefland 1599 zur Revision der Guter bei- wohnte. Er erhielt schon 1591 am 2 Jeuner fuͤr sich, seine Eltern und Bruder das Adelsdiplo- ma, worinne ihm das Zamoscische Wapen, nemlich drey goldene Lanzen oder Spiesse im rothen Felde, verliehen wurden, worunter 2 kreuzweis liegen und die Spitzen in die Hoͤhe kehren, der dritte aber mit niedergesenkter Spitze mitten hindurch gehet. Der Koͤnig schenkte ihm aus beson- drer Gnade auf diesen Schild noch einen gekroͤnten ofnen Ritterhelm, worauf sich ein Pfauen- schwanz in seinen natuͤrlichen Farben ausbreitet. Solche Huld bey seinem Koͤnige muste nothwendig bey einigen Verdacht und Misgunst erwecken. Das handschriftliche Tagebuch der vorer- wehnten grossen Commißion fuͤhret unter dem 24 April eine artige Begebenheit an. Ein gewis- ser Paul Spancke hatte Hilchen in einem Gedicht Sacro-Sanctum Regis Poloniæ legatum beti- telt. Hilchens Feinde gaben vor, der Dichter habe diesen Titel auf seines Gonners Begehren so hinschreiben muͤssen. Spancke wurde vor die Commißion gefordert, da er jenen entschuldigte, und sich auf das Gesandtenrecht berief, nach welchem alle Gesandten sacro-sancti waͤren. Jn Riga war der Burgemeister Nicolaus Eeck das Haupt einer Gegenparthey, zu der sich auch der Vicesyndicus, Jacob Godeman, schlug, ob er gleich seine Erhebung zu diesem wichtigen Po- sten Hilchens Empfelung zu danken hatte. Als Hilchen einsmals diesem Godeman in der Vorburg zu Pferde begegnete, hieb er mit der Spitzgerte nach demselben. Diese Hitze zerstorete nicht allein Hilchens eigenes Gluͤck, sondern auch seines Schwiegervaters, des Herrn Burgemeister Franz Neustaͤdts. Jn Riga brachte man 15 Klagpunkte zusammen, nach welchen Hilchen die Ma- jestatem Senatus rigensis (so war der eigentliche Ausdruck), die Privilegien der Stadt und das gemeine Wesen beleidiget hatte. Weil sich Hilchen nach Polen gewandt, so wurde er aufm Rath- hause pro contumaci erklaͤret, ihm der Hals abgesprochen, und er fuͤr vogelfrey erklaͤret. Auch der Scharfrichter muste in Hilchens Namen dem Syndico Godeman Abbitte thun, und sich aufs Maul schlagen. Die Speciem facti von der ganzen Sache lies Hilchen 1605 zu Cracau in 4, in einer fliessenden und bescheidenen lateinischen Schreibart der Welt im Druck vorlegen. Die Urschrift hat die Aufschrift: Clypeus innocentiae et veritatis; die deutsche Ubersetzung aber: Gegenwehr der Unschuld und Warheit wider Jae. Godeman ꝛc. Da man sich in Riga alle Muͤhe gab, diese Blaͤter zu unterdruͤcken, so ist leicht zu erachten, daß sie ungemein selten und beinahe unsichtbar geworden. Man suchte in Polen diesen Haͤndeln abzuhelfen, allein mit schlechtem Fortgang. Simon Staravolski fuͤhret Hilchen mit unter den Elogiis et vitis centum illustrium Poloniae Scriptorum an, meldet aber dessen Tod ein Jahr zu fruͤh. Chy- traͤus hat von ihm viel lieflaͤndische Nachrichten zur Verbesserung seiner neuern Ausgaben erhal- ten, ihm auch das 30 Buch seiner Historien zugeeignet. Sein feuriges Temperament ersiehet man uͤber dem aus einem alten Tagebuche, da er am 22 October 1589 Niclas Fickens Frau auf oͤffentlicher Gasse die Muͤtze vom Kopfe herunter geschlagen. Es ist auch um seinetwillen Mat- thias Treiden am 12 Junii 1591 von dem Bedienten des doͤrptischen Castellans Lenieck erschos- sen worden, als Treiden nach Hilchen zu schiessen gedrohet hatte. Nach vielem Kummer und Verdrus, den auch sein Schwiegervater Herr Neustaͤdt mit empfinden muste, weil ihm als Buͤrgen das Seinige sequestriret und der Rathsstuhl verboten wor, schafte ihm der Tod 1609 im 49 Jahre seines Alters auf einmal Ruhe. Er schrieb und sprach fertig Latein, in welcher Sprache er auch, bey seiner Durchreise durch Rostock, an die daselbst studirende Lieflaͤnder eine wolgesetzte Rede auf des Chytraͤus Catheder gehalten, und sie zum Fleis in ihren Studien ver- manet und aufgemuntert. Seiner Geschicklichkeit halber wurde ihm 1599 von der grossen Com- mißion das Landrecht zu verfassen aufgetragen. Vid. Diarium Commissionis Manuscript p. 88, it. Relation. p. 7. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. lein beide Verbesserungen sind noch nicht zu der Reife und Vollkommenheit gediehen, 1228 daß sie in oͤffentlichen Druck haͤtten erscheinen koͤnnen. Zur Befriedigung der Neu- begierde, unsrer Leser wollen wir einige merkwuͤrdige Stellen aus der mitlern Abschrift hier beibringen, weil selbige so gar von Fabri das landlaͤufige Recht genant wird. Wobey wir das alte gebrochene Niederdeutsch so viel als thunlich, mit neuern deut- schen Worten zu besserer Verstaͤndlichkeit ausdrucken. Auszug der merkwuͤrdigen Stellen aus des dritten Bischofs Alberts Lieflaͤndischem Ritterrechte nach der volstaͤndigern Abschrift. Das erste Buch. W enn ein Bischof erkoren oder bestaͤtiget wird, auch der Lande und Schloͤsser 1 Kapitel. maͤchtig ist, und darein komt, so ist ein jeder von Adel und Eingesessener des Stifts pflichtig, sein Lehn zu empfahen, innerhalb Jahr und Tag, das ist 1 Jahr und 6 Wochen, so ferne es ihm wissentlich ist. Nachdem das Christenthum in Liefland gelegen innerhalb der Heidenschaft der 2 Kap. Reussen, Littauer und Carelen, und der Adel und Eingesessene des Stifts wehren und beschuͤtzen sollen, auf ihre eigene Kost; werden sie gefangen, sie muͤssen sich selbst loͤsen; verlieren sie ihre Habe, sie tragen den Schaden. Wenn ein Stiftmann gesinnet ist, sein Gut zu empfangen von seinem Herrn, so 3 Kap. spricht er also: Gnaͤdiger Herr, ich gesinne an Ew. Gnaden solchen Gutes meines vaͤterlichen Erbes oder gekauften Kaufes, als ich an Ew. Gnaden gebracht habe, und bitte Ew. Gnaden zum ersten, andern und drittenmale dasselbe mir und meinen Erben zu verleihen. Enthaͤlt die Rechte der gesamten Hand. 7 u. 8 Kap. Hat eine Frau ein Kind, daß sie bezeugen mag selbst dritte, daß es die 4 Waͤnde 9 Kap. beschrien, so ist alle Wiedergabe, das ist die Morgengabe, todt. Die Erben moͤgen sowol bewerben an der Witfrauen Gut vor dem Mondfest, da- 13 Kap. mit bewehret werde, daß nichts verloren werde, das Jhnen anfallen mag; mit Jh- rem Rath soll auch die Witfrau Begraͤbnis und Mondfest begehen, anders sollen aber die Erben keine Gewalt haben bis an das Mondfest. Ritter Heerweide ist das beste Pferd mit dem Sattel, zweier Knechte Pferde mit 14 Kap. den Satteln und Zaͤumen, und alles was man pfleget darauf zu fuͤhren, auch alle die Waffen, die der Ritter pflegte an seinem Leibe zu fuͤren. Wo 2 oder 3 Mann zur Heerweide geboren sind, der aͤlteste nimt das Schwerd zuvor, das andre theilen sie gleich unter sich. Nach der Heerweide soll man die Muß theilen. Zum Mußtheil gehoͤren alle Speisen, 15 Kap. die der Mann in seiner Gewehr hat, oder einig Mann von seinetwegen im Haus und Hofe, nemlich Fleisch, gruͤn oder treuge Schmeer, Schmalz, alles gebackene Brod, allerley Getraͤnke, alle Kuͤchenspeise, als Erbsen, Bohnen, Gruͤtze, Senf, deutsche Heringe, Buͤcklinge, Stockfisch, Butter, Eyer, Kaͤse, alle Molken, Oele, Zwie- beln, Knoblauch, Ruͤben, alles gebrochene Obst, alle Kraͤuter gemalen oder gebrochen, Honig, Lactuaria, Feigen, Rosinen, Mandeln, Reiß und alles was manlich essen oder trinken mag, roh oder gar, das man nicht aus der Erden graben darf, oder von den Baͤumen pfluͤcken, und darneben gehoͤren dazu alle Mastschweine, nicht mehr ge- hoͤret zum Mußtheil. Wird ein Man mit Recht von seinem Weibe geschieden, so sollen sie zu Recht thei- 17 Kap. len, was sie haben halb und halb, und da sie ohne Untugend von ihrem Manne geschie- den wuͤrde, so behaͤlt sie, was sie zu ihm gebracht hat, und er behaͤlt das seine, und wenn sie getheilet ist von ihrem Manne, oder nach ihres Mannes Tode, so mag ihr kein Lehnsgut mehr anfallen. Dasselbe geschicht auch einem Pfaffen, wenn der von seinen Bruͤdern abgetheilet ist. G Alles wohlgerathene Uebersetzung aller Psalmen Davids, wo uͤber etlichen eine eigene Singart in No- ten stehet. Diese Poesien sind voller Andacht und beweglicher Ausdruͤcke, die Gedanken lebhaft, die Reime rein, das Sylbenmas und die Wortfuͤgung nach ihrer Zeit besser als man vermuthen solte. Beide sind zu Riga bey Georg Matthias Noͤllern, 1686 in 8 zusammen gedruckt. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Alles gewonnene Gut und fahrende Haabe mag ein Mann vergeben, ohne seiner 21 Kap. Erben Volwort, dieweil er so maͤchtig ist, daß er auf ein Pferd sitzen mag von einem Stein oder Stoke, der Knies hoch ist, daß man ihm das Pferd und den Steigriemen halte, wenn er aber dasselbe nicht mehr thun kan, so mag er weder vergeben, noch verlassen oder lehnen. 22 Kap. Ohne des Herrn Urlaub mag ein Mann vergeben oder verkaufen oder verlehnen sein Gut, wenn er nur behaͤlt einen halben Hacken Landes und so viel Hofes, da man einen Wagen innen kehren mag, davon er seinem Herren moͤge Eides pflegen, der so vermoͤgen ist, daß er mit guter Leute Huͤlfe auf ein Pferd sitzen moͤge und reiten, wo- hin er Gewerbe hat. 25 Kap. Leibzucht kan den Frauen noch Jungfrauen noch Pfaffen kein Mann brechen, kein Vetter, noch geborner Freund oder Erbe, noch einig Mann, darauf das Gut verstir- bet, sie verbrechens denn selber, also daß sie die Obstbaͤume oder Maulbeerbaͤume Maulbeerbaͤume sind nicht Mori, noch auch diejenige Art von Erdbeeren, welche bei uns Maulbee- ren heissen, und auf der Erde wachsen, sondern Obstbaͤume. Mori sind nicht in Liefland. abhieben, oder Mahlsteine verduͤrben, oder Leute vom Gute verwiesen, die zum Gute geboren seyn, oder in welche Weise sie ihre Leibzucht nicht in ihrer Wuͤrde liessen. 27 Kap. Der Pfaf theilet mit den Kindern und nicht der Moͤnch, der unter seinen Jahren in die Kappen kommen ist, auch mag der Moͤnch kein Lehngut besitzen. 30 Kap. Will der Bischof seinen Mann verklagen um Lehngut, und ist der Mann zur Ant- wort, er gewinnet 6 Wochen Zeit, verklaget er ihn aber um andre Sachen, so muß er alsobald antworten, ist auch ein Mann nicht zur Antwort, so leget man ihm seine Ta- ge zu 3 malen und 14 Naͤchte, ob er im Stifte wonhaftig ist, und zu entbieten ihm die Tage in fein Haus mit wahren Worten zu zeugen; wohnet er aber ausserhalb des Stifts, so lege man ihm 6 Wochen zu 3 malen, und entbiete ihm die Tage in sein Haus oder Gut, komt er denn nicht, so bricht er drey Wetten oder Bruͤche, das sind 60 Schilling. 31 Kap. Wettet oder bricht ein Mann vor Gerichte, das soll er bezahlen bei scheinender Sonnen, thut er das nicht, so steige die Wette oder Bruche 3 Tage, den ersten Tag 2 Pfund, den andern Tag 4 Pf. den 3ten Tag 8 Pf. und nicht hoͤher, so leget ihn der Richter 3 mal uͤber 14 Nacht, entrichtet er denn nicht, so pfaͤndet der Richter aus sei- nem Hofe und Gut, und wo er des seinen etwas findet. Wer ein unrecht Urtheil fin- det, das ist 1 Pf. und wer ein recht Urtheil schilt, das sind 2 Pf. Das andre Buch. 1 Kap. Wird ein Kind geboren stum, blind, Handlos oder Fußlos, das ist wol Erbe zu Rechte, hat auch ein Mannslehn empfangen, ehe er diese Gebrechen gehabt, sein Lehn verleuret er damit nicht, aber auf den aussaͤtzigen Mann stirbet noch Lehn noch Erbe. Hat er aber das Lehn vor solcher Krankheit empfangen, und wird darnach krank, er verleuret es damit nicht. Der Pfaf nimt gleiches Theil mit den Bruͤdern und Schwestern in Erb und eigen, es ist aber keiner ein Pfaf, er sey denn gelehrt und geordneter Thumbpfaf. 5 Kap. Der mit Diebstal oder Raub, mit Morden, mit Kirchenbrechen, mit Verraͤtherey oder mit Gift und Zauberey einmal vor Gerichte verklaget und uͤberwunden worden, und dafuͤr gebuͤsset hat, wird er darnach anderswo solcher Laster beschuldiget, er mag mit seinem Eide nicht unschuldig werden. 6 Kap. Wer den andern wundet oder toͤdtet, und ihn gefangen vor Gericht fuͤret, und fuͤr einen Friedbrecher bereden wil, mag er das nicht volfuͤren, so ist er selbst des Unge- richts, so er hat an ihm gethan, uͤberwunden, und obgleich der Mann ein Spill- mann oder Unrechtgeborner sey, so ist er darum kein Raͤuber oder Diebsgenos. 15 Kap. Welcher Mann nicht alsobald und unverwandtes Fusses ein Urtheil, das ihm an- trift, schilt, wenn mans ausspricht vor Gerichte, des Urtheil mus stets bleiben. Vier Sachen sind die echte Noth heissen: 1) Gefaͤngnis, 2) Krankheit, 3) Ver- dienstung seines Gutes und 4) ausser Landes. 26 Kap. Wer ein Weib unwissend nimt, die ihm nicht gebuͤret mit Recht, oder haben muß nach Rechte, und haben Kinder zusammen, werden sie darnach geschieden mit Recht, es schadet den Kindern an ihrem Rechte nicht, die geboren sind vor der Scheidung, sowol auch dem, das die Mutter traͤget. Wo zweene Maͤnner ein Erbe aufnehmen, und aufboͤhren sollen, das sol der aͤlte- ste legen und der juͤngste kiesen. Sind ihrer aber mehr als zween, so theilen sie nach dem Loos. Wer Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquins. Wer Schuld fordert vor Gericht auf einen Mann der nicht zahlen noch Buͤrge setzen kan, der Richter sol dem Klaͤger den Mann ausantworten, fuͤr das Geld, den 28 Kap. sol er halten gleich seinem Gesinde mit Speise und Arbeit. Wil er ihn in eine Helde, das mag er thun, anders aber mag er ihn nicht peinigen. Singende oder kruͤmmende Staͤgelwiede, Jachthunde, Bracken mag man gelten 30 Kap. mit einem ihres gleichen, die so gut seyn als die andern, ob man es bey seinem Eide erhaͤlt. Haben zwey zankende Doͤrfer wegen ihrer Scheidung gleich rechte Gewehr an der 36 Kap zwistigen Scheidung, so frage man das Eisen drauf, wem es denn GOtt giebt, der behalte es; bleiben sie aber beide unschamfieret, so theile man das Land, brennen sie aber beide, so sol man auch das Land theilen. Kriegt ein Mann in der Gemeinheit Eigenthum zu sich, und vernehme, daß dieje- 37 Kap. nigen, so zu der Gemeinheit gehoͤren, sie seyn naͤher ihre Gemeinheit zu behalten mit 7 geschwornen Eiden, denn der andre, wil aber derienige das heisse Eisen tragen, das mag er thun, gewinnet ers, die 7 geben ihm 1 Mark Silbers. Das dritte Buch. Ein Dieb der eines Ferdinges werth, (das ist 4 Mark,) stielt, den sol man hen- 1 Kap. ken; stielt er aber unter eines Ferdinges werth, man sol ihn zeichnen in den Backen mit einem heissen Eisen, ein Ohr abschneiden oder zur Staupe schlagen, er buͤsse es denn mit 6 Mark Landguts. Stielt einer auf einer Burg, oder in einer Kirchen, in einer Muͤhlen, oder in einer Badstuben, das ein Loth Silbers werth ist, das ist der Galgen. Wird einer zum drittenmale Diebstals belanget vor Gerichte, und hat sich erst zweimal losgeschworen, so muß er sich reinigen mit heissem Eisen, aber der Klaͤger sol es mit seinem Eide bekraͤftigen, daß es nicht geschehe durch Haß oder andrer Sa- chen willen, sondern allein durch Verlust seines Gutes. Brennet er sich, man sol ihn henken, bleibet er aber unverletzt, der Klaͤger sol ihm geben ein Mark Silbers fuͤr sein Ungemach. Dasselbe Recht geht auch uͤber unrechte Masse, unrecht Gewicht und unrecht Kauf, ob man solches bey ihm findet, denn sie sind Diebe allen Leuten. Jtem alle Moͤrder, und die den Pflug, Muͤhlen, Kirchen oder Kirchhoͤfe berau- ben, auch Verraͤter, Mordbrenner, und die in Botschaften ihres Herrn ihren From- men werben, und nicht ihres Herrn, die sol man alle raͤdern. Jst es aber ein Pfaf, der solche Laster begangen, den sol man verbrennen. Welch Christenmann unglaͤubig ist, oder mit Zauberey umgehet, oder mit Gift, 2 Kap. und wird des uͤberwunden, den sol man auf einem Heerde brennen. Schlaͤget ein Stiftsmann den andern tod, er sol welchen Jahr und Tag aus dem 4 Kap. Stifte, so gebe er dem Bischof 13 Ferding und 4 Oehr, und lege die Sache ab, so er mag, mag er aber nicht, so trage er die Fetzde. Der Bischof mag seine weltliche Mannen nicht bannen um weltliche Sachen, er verfolge denn die Sache mit weltlichem Rechte, weil er das weltliche mit im Geistli- chen hat. Wenn ein Mann an seinem Maul, Nasen, Ohren, Zunge oder an seiner Mann- 6 Kap. heit, Hand oder Fuß beschaͤdiget wird, das sol man bessern mit einer halben Mann Busse. Wer dem andern den Daumen abschlaͤgt, der sol geben 6 Mark Landsgut, fuͤr den Finger nechst dem Daumen 5 Mark, fuͤr den mittelsten Finger 4 Mark, fuͤr den Finger nechst dem, 3 Mark, fuͤr den kleinsten Finger 2 Mark. Dasselbe Recht haben die Zaͤhne auch, nemlich wer dem andern eine Kuse oder Bakenzahn ausschlaͤgt, der sol ihm geben 6 Mark Landguts, fuͤr der foͤrdersten einen 3 Mark. Welch Mann einen andern wundet, daß man Knochen findet, der sol fuͤr das erste, das daraus wuͤrde gezogen, 6 Mark Landguts, und fuͤr das andre 7 Mark, und so fort bis auf 10 Mark geben, und nicht hoͤher. Welch Mann herberget oder speiset oͤffentlich einen friedlosen Mann, der ist fried- 8 Kap. los gleich ihm. Man mag auch keinen friedlosen Mann uͤberwinden in einem andern Gerichte. Wer einen Friedbrecher toͤdtet oder wundet, der bleibet des ohne Wandel, ob er 10 Kap. das selb 7 bezeugen kan, daß es auf der Flucht geschehen sey. Man sol kein Weib richten, das ein lebendig Kind traͤget, hoͤher denn zu Haut 12 Kap. und Haren; auch rechte Thoren und sinlose Leute sol man nicht richten, wenn sie Schaden thun, oder jemand beschaͤdigen, ihre Vormuͤnder aber sollens gelten. G 2 Wer Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1228 auch die Verfaussng des weltlichen Bauerrechts zugeschrieben, wie solches von den aͤltesten Liven fuͤr Burgrecht gehalten worden Von diesem Rechte der alten Liven, theilen wir in voriger Schreibart hier die ganze Abschrift mit. D as weltliche Bauerrecht, wie es von den aͤltesten Liven vor Burgrecht gehalten, und von den Bischoͤfen in Liefland bestaͤtiget und genehmiget worden. Wenn einer dem andern ein Auge ausschlaͤget aus dem Haupte, derselbige Schlaͤ- ger hat im Rechten verbohret ‒ ‒ 20 Mark stiftischer Muͤnze. Eine Hand ab ‒ ‒ 20 ‒ ‒ Ein Fuß ab ‒ ‒ 20 ‒ ‒ Ein Daumen ab ‒ ist ‒ 5 ‒ ‒ Den . Zu welcher Zeit aber das alte geschrie- 13 Kap. Wer da faͤhret uͤber eines Mannes Acker, der besaͤet ist, oder Wiese, die unge- mehet ist, der sol geben fuͤr ein jeglich Rad ein Oehr, das ist 3 Schilling, reitet er aber, eine Oertning, das ist noch so viel. Wehrt er sich, ob man ihn pfaͤnden wolte, das sol er bessern mit einer Mark Landesgut. Wer Holz hauet, Gras maͤhet, oder fischet in eines andern Wasser, ein ieder wage seine Bruͤche, ist ein Mark Landesgut; den Schaden gilt er nach Rechte; fischet er aber Teiche, die gegraben seyn, oder hauet Holz, das gesetzet ist, oder Baͤume, die Fruͤchte tragen, oder bricht sein Obst, oder hauet er Maulbeerbaͤume ab, oder graͤbet er aus, die zu Marksteinen gesetzet seyn, oder hauet Honigbaͤume ab; er mus 9 Mark Landesgut geben; den Schaden gilt er nach Rechten. 17 Kap. Ob iemand schiesset oder wirft einen Menschen oder Vieh, als er schiesset oder rah- met nach einem Vogel, oder anders wornach, hierum urtheilet man seinen Leib nicht, noch seine Gesundheit, ob der Mensch gleich stirbet, aber er mus den Menschen oder das Vieh gelten, als sein Wehrgeld ist. 23 Kap. Haͤnget der Hopfen uͤber den Zaun, wer im Hofe die Wurzel hat, der greife zum Zaune aufs hoͤchste er kan, und ziehe den Hopfen, was ihm folget, das ist sein, was nachbleibet, das ist seines nechsten Nachbarn. 25 Kap. Der im Rechten verklaget wird, der mus nicht mehr als selb 7te vor Gerichte kommen, und die sollen keine andre Waffen bey sich haben denn Schwerter. Schlaͤgt ein Mann ein Kind tod, er sol sein vol Wehrgeld geben. Schlaͤgt aber ein Mann ein Kind mit Rufen, oder ruft ers durch seine Missethat, er bleibt des ohne Wandel, so fern ers halten wil mit seinem Eide, daß ers nicht anders um Missethat geschlagen. 26 Kap. Welch Mann einen Hund hat, der glupende beisset, einen zamen Baͤren, Wolf oder Fuchs, was die Schaden thun, das sol er gelten. 28 Kap. Jn gemeinen Tagen und Frieden, den der Landesherr gebeut, soll niemand andre Waffen fuͤhren, denn alleine Schwerter, und dasselbe nur seine Dienstmanne. Alle, die daruͤber Waffen fuͤhren, sollen wetten auf die hoͤchste Wette; Waffen sol man wol fuͤhren, wenn man dem Gerufte folgt; und demselben folgen von rechtswegen alle, die zu ihren Jahren kommen seyn, so ferne, daß sie ein Schwert fuͤhren moͤgen, es entschuldige sie denn rechte Noth. Observat. I. Da in der aͤltesten Abschrift §. 10 dem Bischof das naͤhere Recht in den Guͤtern der ge- samten Hand zuerkant, und § 26 Man oder Frau kein Gut ohne des Herrn Volwort zu ver- kaufen oder zu versetzen befugt ist; diese Einschraͤnkung aber in der neuen Ausgabe dieser Rechte von dem Erzbischof Michael und dem Heermeister Plattenberg weggelassen worden, so ist die Veraͤn- serung der Lehnsguͤter in Liefland ohne Zweifel in freye Wilkuͤhr gestellet worden. Aus dem 67 oder letzten § siehet man auch, daß die im ersten Theil beim Jahr 1222 not e ) und *) vorkom- mende Waypen oder Decken ein deutsches Wort sey, das die Esten nur angenommen, im Deut- schen aber Wepen heisse und zum Heergeweide gerechnet werde. Observat. II. Die in vorigen Gesetzen beniemten Strafgelder haben nach Aussage der aͤltesten Brief- schaften folgende Stufen gehabt. Ein Pfund macht 32 Loth Silber; ein Ferding als ein viertel Pfund 8 Loth oder 4 Mark Landgut, eine Mark Landgut 2 Loth. Die Manbusse fuͤr einen unvor- setzlichen Todschlag an einem Bauer wurde mit 40 Mark oder 80 Loth reines Silbers vergolten, davon ein Theil der Kirche, der andere Theil dem Gerichte und das Drittel den nechsten Anver- wandten des Entleibten zufiel. Unter Deutschen und Freileuten ward das Soͤhnegeld verdoppelt und 160 Loth Silber erleget. Die Ritterschaft hat nie eine Taxe gehabt, sondern jeder hat seine Manbusse zur Versoͤnung nach Gutbefinden der Anverwandten erlegen muͤssen. Als mit der Zeit die Marke gefallen und deren 40 etwan 10 Loth Silber betrugen, ist diese Gesetzordnung vielen Misbraͤuchen unterworfen gewesen, welchen die nachherigen Landesverfassungen endlich abgeholfen. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin Den mittelsten Finger ab ist ‒ 4 Mark stiftischer Muͤnze. Den 4ten Finger ab ‒ ‒ 3 ‒ ‒ Den 5ten und kleinsten Finger ‒ 3 ‒ ‒ Wer einen Todschlag gethan, hat im Rechten verbohret 40 ‒ ‒ so ferne er zu der Versoͤnung mag kommen. So ein Mann den andern vor einen Dieb anspricht, derjenige der angesprochen wird, mag sich des entgehen mit seinem Eide, so er ihm das uͤbergehen wil, der sol ihm das uͤberzeugen mit 3 glaubwuͤrdigen unberuͤchtigten Maͤnnern. Wer den andern verwundet mit einem Stock oder mit einem Messer, der hat verbohret ‒ 3 ‒ ‒ Mit einem Schwerte ‒ ‒ 2 ‒ ‒ Mit einem Brodmesser ‒ ‒ 6 ‒ ‒ Mit einem Speer ‒ ‒ 3 ‒ ‒ Mit einem Beil ‒ ‒ 1 ‒ ‒ Wer einer Frauen Namen schwaͤchet, daß sie bezeugen kan mit 3 glaubwuͤrdigen Maͤnnern, ist den Hals ab. Wer seinem Herrn den Zehnden stielt, verbohret 20 ‒ ‒ sonst ist auch der Hals ab. So einer des andern Roͤhde faͤllet, hat verbohret 9 ‒ ‒ Wer des andern Peener oder Mistacker umhacket 9 ‒ ‒ Wenn einer einen Peener zum Feldacker hacket ‒ 9 ‒ ‒ Wer dem Herrn die Scheidung stielt, ist Hals ab Schiesset der eine des andern Queck, oder wird es ihm ge- nommen aus seinem Stalle, so ist es ‒ 9 ‒ ‒ wird es ihm genommen aus seinem Hofe ‒ 6 ‒ ‒ Wenn ein Mann das Queck vom Acker gebracht hat, wird es ihm denn entwaͤltiget, ist ‒ ‒ 9 ‒ ‒ Wird ihm das Queck entwaͤltiget auf seinem Acker, ist 18 ‒ ‒ Eine Wunde im Antlitz ist ‒ ‒ 6 ‒ ‒ und das dritte Theil komt der Herschaft zu Eine Blaue auser den Haaren im Antlitz, ist ‒ 3 ‒ ‒ Wer den andern beisset, er mag beissen mit vier Zaͤhnen, einen jeglichen Zahn sol er loͤsen mit ‒ 4 ‒ ‒ oder man sol ihm die Zaͤhne ausschlagen. Eine blaue Wunde, die gedeckt ist unter den Kleidern, 4 ‒ ‒ Eine Blutwunde unter den Kleidern ist ‒ 1 ‒ ‒ Eine blaue auf dem Haupte ist ‒ 1 ‒ ‒ Wer den andern ermordet, sol aufs Rad. Einen Ketzer und Zauberer sol man brennen. Wer des Herrn Gebot versitzet, ist die Staupe oder der Hals. Wer den andern beleugt, und kan es ihm nicht wahr ma- chen, ist die Staupe. Wer den andern hilft zeugen von Gewonheit wegen, und das nicht volbringen kan, ist ‒ 1 ‒ ‒ Es sey denn Sache, daß ers mit seinem Eide und Recht erhalten wil, als sichs gehoͤret. Wer unrechte Klage vorbringet, und einem andern Schaden thun wil, ist ‒ ‒ ‒ 1 ‒ ‒ Wer der Herrschaft ein Fuder Heu stielt, das sol er bezahlen, und daruͤber der Herrschaft geben, als viel er gestolen 3 ‒ ‒ Wer den andern beraubet auf dem Wege auf sechs Pfennig werth, der sol bezahlen und wiedergeben ‒ 40 ‒ ‒ Jn der Stube und in der Kirche ist desgleichen, sonst ist der Hals ab. Ein Ding, das eins vertragen und gerichtet ist, komts zum andernmal vor die Herrschaft, ists 1 ‒ ‒ Ziehet der Miethknecht vor der Zeit von seinem Herrn, so sol er seinen Lohn verlohren haben, und sol nichts seyn die Zeit, die er seinem Herrn gedienet hat. H Des- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister. 1228 geschriebene Stadtrecht Das alte geschriebene Stadtrecht ist in 11 Buͤchern verfasset, deren Rubrik Menius S. 6 richtig angiebt. Es| war auch in der Stadt Doͤrpt eingefuͤret, ist aber niemals in Druck gekommen, auser daß das 7 Buch, unter dem Titel einer Vormuͤnder-Ord- nung in 60 Artikeln, etwas erweitert bey Nic. Mollin 1591 gedruckt ans Licht ge- treten, und zum andernmal 1687 zu Riga durch Noͤllern wieder abgedruckt worden, bey welcher andern Auflage man doch die Vorrede vermisset. Um der Historie willen, wollen wir unsern Lesern aus den uͤbrigen 10 Buͤchern etliche Artikel aussuchen, die fuͤr andern etwas Seltenes an sich haben. 1 Buch, 17 Kap. Wenn ein Mann einen Kauf schließt, und einen Gottespfennig darauf giebet, und wird der Kauf nicht wiederrufen desselben Tages, und behaͤlt den Got- tespfennig uͤber Nacht, so sol der Kauf stets bleiben zu beiden Seiten. Es sey denn, daß ein Pferd staar- blind oder hauptsichtig sey, alsdenn mags ein Mann wol wiedergeben innerhalb 8 Tagen. 26 Kap. So einem Rathmanne geboten wird von dem Buͤrgermeister zu Botschaften oder zu andern Sa- chen, als gen Duͤnemuͤnde oder dergleichen, binnen der Stadtsmarke, und thut er das nicht, so sol er das bes- sern mit 3 Mark Silbers. In emtione si arrhæ per noctem retineantur, poe- nitere non licet, exceptis equis vitiosis, qui intra octiduum restituantur. Senatores a Consulibus vocati obtemperent. 2 Buch, 3 Kap. Ein Vorsprach sol haben 6 Oehr, daß er einen Mann an seinem Leibe spricht, und 4 an seiner Gesundheit, und von einer schlechten Klage 4 Pfennige Luͤbisch. Wird aber ein Urtel bescholten aufs Haus, davon sol er haben ein Oehr. 3 Buch, 8 Kap. Es mag sich niemand entschuldigen um Klage mit den Leuten, die mit am Flooke und am Farde wehren; es mag auf den andern niemand zeugen, auf einige Handsache von Schuld, mit dem, der sein Compan daran ist, oder dem die Sache mit angehet. 5 Buch, 19 Kap. So ein Mann oder Weibsperson in ein geistlich Leben gegeben wird, und Gehorsam thut, die mag kein Erbe aufboͤhren, oder fahrende Habe, es waͤre ihm denn gegeben mit Willen. Ein eingefuͤhret sey, laͤst sich so wenig mit Gewisheit sagen, als Desgleichen ists auch mit der Dienstmagd zu halten. Was man fuͤr einen Todschlag und Wunde giebt, ist dasdritte Theil der Herrschaft, und zwey Theile dem Klaͤ- ger, dem die Sache angehet. Was man bessert fuͤr Gewalt und Richtigkeit, ist der Herr- schaft. Von diesen Gesetzen hat man mancherley Abschriften, die aber der Ordnung, den Strafgeldern, und den Ausdruͤcken nach sich unterscheiden. Wir haben diese aus einem oͤffentlichen Orte; die aͤltesten haben so unleserlich und unverstaͤndlich deutsch, daß wir eine neue Ubersetzung hinzu fuͤgen muͤsten. Die Marken machen in noch nicht sehr alten Berechnungen viele Schwierigkeiten, indem sie in dem 16 und 17 Jahrh. von 3 bis gegen 40 auf einen Reichsthaler gesprungen. Doch muͤssen die aͤltesten Marke an Silber ein gut Pfund gehalten haben, weil die Oeseringe, die einer halben Mark gleich kamen, das sind die grossen aus dichtem Silber verfertigten runden Schnallen, womit die reichen Baͤuerinnen ihre Wepen auf der Brust fest machen, und nun schon ziemlich zur altvaͤterischen Tracht gehoͤren, ein halb Pfund und mehr an Gewichte betragen. Jn einer bey dem Archiv befindlichen weitlaͤuftigen Nachricht von der alten lief- laͤndischen Muͤnzvaleur, aus der der Herr Landrath v. Ceumern einen Auszug bey sein Theatridion drucken lassen, findet sich noch am Ende dieser Werth: 1 Mark Goldes ist nach alter rigischer Gewonheit 1 Mark Silber ‒ ‒ 1 Oehr ‒ ‒ 1 Nagat ‒ ‒ 1 Oertgen Daß diese Oertgen die ehmals sogenanten Artte oder Artige seyn, hat schon Herr Caspar von Ceu- mern S. 137 aus alten Berechnungen erwiesen. ‒ ‒ 3 Pfennige machen einen Schilling. 8 Mark Rigisch oder 8 Rthlr. 4 ‒ ‒ ‒ 4 ‒ ‒ 3 ßl. ‒ 2 ‒ ‒ 1 ‒ Der grossen Gilde in Riga Morgengabe ist 60 Mark loͤthig á 4 Rthlr. ‒ 240 Rthlr. ‒ kleinen Gilde ‒ ‒ 40 ‒ ‒ á 4 Rthlr. ‒ 160 Rthlr. Bisch. Albert. zur Zeit der Regierung des Volquin. Ein Knecht oder Magd mag ihres verdienten Lohns einen Ferding auf die 1228 Heiligen behalten, von ihren Herren oder Frauen, koͤnnen sie ihnen beweisen, daß sie 6 Buch, 8 Kap. ihnen wol gedienet haben. So ein Mann begriffen wird mit falscher Muͤnze, das sich erstrecket auf 2 Oehr 8 Buch, 1 Kap. oder mehr, der sol der Stadt geben 1 Mark Silber. Jst des falschen ein Ferding, so verleuret der Faͤlscher seine Hand, oder die mag er loͤsen mit 5 Mark Silber. Jst aber des Falschen uͤber ein Ferding, so sol man ihn sieden in einer Pfannen. Wem das rigische Gut befohlen wird, der sol die Mark also giessen, daß sie 2 Kap. loͤthig sey bey 1 Loth, und so jemand druͤber thut, daß ers aͤrger macht zweyer schwar- zen Pfennige, Zwey schwarze Pfennige halten ein halb Quentlein. der sol der Stadt geben 3 Mark Silber. Macht er es aber aͤrger eines Quentleins, denn es sich gehoͤret, so verleurt er seine Hand, oder mag sie loͤsen mit 5 Mark Silbers. Macht er es aber noch aͤrger ein Loth, denn es sich gehoͤret, und zu Rechte seyn sol, so verleuret er seinen Leib. Wer mit der Elle umgehet, der sol geben einem jeglichen Recht. Jst seine Elle 4 Kap. zu kurz eines Fingers breit, so sol er seinen Hals verlohren haben, oder er mag den loͤsen mit 10 Mark. Und ist die Elle zu kurz einen halben Finger breit, das sol er buͤssen mit seiner Hand, und die mag er loͤsen mit 5 Mark Silbers. Schlaͤget ein Mann den andern ohne eckhafte Waffen blau oder blutig, oder stehet 9 Buch, 16 Kap. ihm an seiner Ehre, als Dieb, Moͤrder, Raͤuber, Hurensohn und dergleichen, das sol er buͤssen dem Sachwalter mit 1 Mark Silber, und dem Vogt 3 Oehre, und der Stadt 1 Mark Silber. Ein Dieb, der gestolen hat einen Ferding oder druͤber, den sol man henken. So 10 Buch 2 Kap. jemand gestolen hat einen halben Ferding oder druͤber, den sol man zu den Zehnen brennen oder ein Ohr abschneiden, und lassen die Stadt verschweren und verloben bey seinem Halse, hat er auch drunter gestolen, man sol ihn zu der Staupe schlagen und die Stadt verbieten bey seinem Leibe. Wenn Schiffe, ein oder mehr in die Duͤne kommen, also, daß sie von Noth we- 1 Buch, 8 Kap. gen des Eises in die Riesing nicht kommen moͤgen; was denn das Schif kostet in die Riesing zu bringen, das sol gelten das Schif das vierte Theil, und das Gut, das drinnen ist, 3 Theile. Das Gut sol man rechnen nach Zahl der Lasten. Ein Schifman, der ein Schif heuret, giebt Windelgeld von der Last Korns 4 Ar- 9 Kap. tige, und von der Last Salz 4 Artige, von der Last Heringe 1 Oehr, von der Last Wachs 4 Artige, von dem Pfund 4 Pfennige Luͤbisch, von dem Faß Wein unter fuͤnf Ahmen 4 Artige. Ein jeglicher unsrer Buͤrger, der Schiffe zur Seewerts fuͤhret, der sol fuͤhren ein 14 Kap. weisses Kreuz an einem schwarzen Fluͤgel, er lege es denn ab von Noth wegen. Wer das nicht thut, der sol buͤssen der Stadt ein Mark Silber. Dis waͤre der Jnhalt der Gesetze, die man Gothlaͤndisch verbessert Recht nent. Es wurden auch die schwedischen Gesetze in neuern Zeiten aufs Tapet ge- bracht, allein die Stadt Riga fand selbige fuͤr sich ganz unbrauchbar. Dieses ist das alte schwedische Recht, so Koͤnig Karl IX bestaͤtiget, und 1608 bekant machen lassen. Karl muthete schon als Herzog 1601 zu Revel den Lieflaͤndern den Gebrauch und die Einfuͤh- rung des schwedischen Rechts an, in so weit solches zu bewerkstelligen waͤre, welches aber demuͤthig abgelehnet ward, weil Liefland schon sein eigenes Recht hatte. Karl der XI lies an einem andern Rechte arbeiten, davon die Ritterschaft zwar gute Hofnung hatte; doch durch den Krieg kam diese Sache ins Stecken. Die Stadt zog ihre 11 Buͤcher auf 6 Buͤcher zusammen, welche sie der schwedischen Commißion 1662 nach Stockholm uͤbersandte, die es auch bey allen Para- graphis der Statuten bleiben lies. Sie wurden nachher im niestaͤdtischen und aboischen Friedens- schlusse von den allerdurchlauchtigsten Oberhaͤuptern dieser Lande bestaͤtiget, und bey allen Richter- stuͤhlen gebrauchet und beibehalten. Es kam auch 1643 zu Stockholm bey Heinrich Kaysern in schwedischer Sprache in Druck unter dem Titel: Sweriges Rijkes Landz-och Stadz-Lagh, samt Uplandz, Ostgoͤtha, Helsinge Laghen. Der beruͤmte Loccenius gab es lateinisch zu Stockholm bey Nicolaus Wankiif 1672 in Folio heraus. Zwey geschick- te Mitglieder des erlauchten Hofgerichts uͤbersetzten diese Rechte ins Deutsche und widmeten sie dem Koͤnige Karl dem XII ten. Dieses Werk ward 1709 in 4to zu Frankfurt und Leipzig wieder aufgeleget, und ist in Noͤllers Verlag, oder bey dessen Schwiegersohn Herrn Froͤlich in Riga zu finden. Jn den Tiufwa-Bal- cker oder Gesetzen vom Diebstal heist es: Es mag niemand haͤngen um weniger als eine halbe Mark, auch muͤssen die Haͤnde nicht auf dem Ruͤcken, sondern vorwaͤrts ge- bunden werden. Stielt ein Man 2 Rundstuͤck, oder minder als 3 Rundstuͤck, der misse die Haut und das eine Ohr. Er sol uͤberwiesen werden mit 6 Maͤnnern. Wird Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister. 1228 als man von dem in Gerichte eingefuͤhrten Eide der alten Letten, Nachstehendes Formular des alten lettischen Bauereides entdecket uns die vor alten Zeiten uͤblich gewesenen Ceremonien beym Schwoͤren. Die erste Zeile enthaͤlt den alten Text, die andre die Schreibart und Aussprache der neuern Zeiten. Kenner, welche der alten deutschen Sprache kundig sind, koͤnnen aus dieser Probe sehen, ob die lettische Sprache ihren Ursprung aus Griechenland oder Deutschland habe, wo sie nicht vielmehr mit der deutschen von einer Mutter herstammet. Es N. runna un swaͤre pi Deewe, ka es uhs tho, ko man no Es N. runnaju un swehru pee Deewa, ka es us to, kas man no Jch N. rede und schwere bey GOtt, daß ich auf das, was mir vom zeenige Tees kluist waizat, un kas man sinnams gir, ta tire zeenigas Teesas kluhs waizahts, un kas man sinnams irr, to tihru Ehrwuͤrdigen Gerichte wird werden gefragt, und was mir wissend ist, die reine taisnibe, ne wenem per lab, ne otrem per liaun, ne daawne ne taisnibu, ne weenam par labb, ne ohtram par launu, ne dahwanas ne Warheit, nicht einem zu gut, noch dem andern zum boͤsen, nicht Geschenks noch breesmibe paͤts, grib issadzit un ne neke slaͤhpt. Un jo es ta tire breesmibas pehz, gribbu issazziht un ne neeka slehpt. Un ja es to tihru Gefahr halber, wil aussagen und nicht etwas verbergen. Und wenn ich die reine taisnibe ne issak, tad dood Dees ka es tik mels palleck ka tas taisnibu ne issakku, tad dohd Deews ka es tik melns paleeku ka tahs Warheit nicht aussage, so gebe GOtt daß ich also schwarz bleibe als diese ogles, tik isnikusch ka ta semme, tik zeets ka tas akmens, tik ohgles, tik isnihzis ka ta semme, tik zeets ka tas akmins, tik Kohlen, so vernichtiget wie diese Erde, so hart wie dieser Stein, so iskaltusch ka tas kooks; un sodi man manne Sewe, mannes Baͤrnes, iskaltis ka tas kohks; un sohdi man mannu Seewu, mannus Behrnus, verdorrt wie dieser Stock; und strafe mich mein Weib, meine Kinder, man lope un wiss man augle, scheit laidzigue un tur mugi- mannus lohpus un wissus mannus auglus, scheit laizigi un tur muhschi- mein Vieh und alle meine Feldfruͤchte, hier zeitlich und dort ewig- gue bess gal, Amen. gi bes galla, Amen. lich ohne Ende, Amen. Als die Zeiten des dicken Aberglaubens aufhoͤrten, ward der letzte Theil geaͤndert, und der Schlus so eingerichtet: Tik teescham ka man Dees pallidzas pi mees un dwaͤssel, scheit laid- Tik teescham ka man Deews palihdsehs pee meesas un dwehseles, scheit lai- So wahr als mir GOtt helfe, am Leibe und Seele, hier zeit- zige un tur mugigue bess gal, Amen. zigi un tur muhschigi bes galla, Amen. lich und dort ewiglich ohne Ende, Amen. Jn einer andern Eidesformul schwoͤren die Bauren bey dem Untergang ihrer Wol- fart bis ins 9te Glied. Wobey zu merken ist, daß diese Nation durch kein ander Zwangsmittel in Furcht gesetzet werden koͤnnen, als durch die Eidesleistung, daher die Letten auch in alten Zeiten einen solchen, der den Eid ablegen muͤssen, verabscheuet nnd kaum unter sich leiden wollen. den eigentlichen Zeitpunkt bestimmen kan. Der Wird er dessen uͤberwiesen und nicht dabey ergriffen, entledige er sich mit 9 Manseiden, oder bezahle wieder, was er stahl, und dazu 6 Mark in 3 Theile. Wir haben eine Anmerkung in einer alten Handschrift gefunden, welche aus den aͤltesten Recessen be- weiset, daß eine Mark schwedisch 3 Speciesthaler gegolten, das sind 8 Oer, oder 24 Oertige, wofuͤr man damals 6 Tonnen Rocken kaufen koͤnnen. Bisch. Nicolaus. zur Zeit der Regierung des Volquin. Der Bischof Albert starb nach einer 31 jaͤhrigen gluͤcklichen Regierung, wel- 1229 cher seiner wichtigen Dienste halber unter den geistlichen Oberhaͤuptern von Lief- land, so wie Plettenberg unter den Ordensmeistern, den Beinamen des Gros- sen verdienet haͤtte, wie sie denn ihr Regiment am gluͤcklichsten verwaltet. Sein Leichnam ward in die von ihm erbauete Domkirche beigesetzet. Der toͤdliche Hin- trit dieses klugen Mannes war eine mit von den Ursachen, welche den Volquin bewogen, die Vereinbarung des Schwerdtbruͤderordens mit dem in dem benach- barten Preussen in Aufnam gekommenen deutschen Orden zu suchen. Er fer- tigte also an den Hochmeister Herman von Salze, welcher sich damals in Ve- nedig aufhielt, eine Botschaft ab. Allein es sey nun, daß demselben die Lieflaͤn- der schlecht abgemahlet worden, oder daß er geglaubet, man muͤsse sich bey einem so wichtigen Werk nicht uͤbereilen, dessen Bereuung beiden Theilen zu schlechtem Ruh- me gereichen duͤrfe; so verzog er eine geraume Zeit, sich deshalb zu erklaͤren. Eine andere Folge von dem Absterben des Bischofs war der Vergleich, den 1230 die rigische Kirche mit den heidnischen Curlaͤndern eingehen muste, worin denselben die bisherige jaͤhrliche Abgabe gemildert ward. Nicolaus von Magdeburg erhielt die bischoͤfliche Wuͤrde durch die ein- 1231 stimmige Wahl des Domkapitels in Riga, welches des Widerspruchs, den der bremische Erzbischof Gerhard der II te dagegen machte, ohnerachtet, den Pro- ces am paͤpstlichen Hofe gewan; und empfing von Gregorius dem IX ten die Be- staͤtigung daruͤber. Er hat sich bey der Stadt den Nachruhm eines guͤtigen und verstaͤndigen Regenten erworben, die ihn auch laͤnger in ihren Mauren herschen gesehen, als verschiedene von unsern Geschichtschreibern melden. Die Buͤrger- schaft machte er sich durch viele Wohlthaten, sonderlich durch Ertheilung des gothlaͤndischen Rechts und durch die Lossprechung von dem zu errichtenden Zehnden verbindlich Die Wahlstreitigkeit des rigischen Domkapitels mit dem bremischen Erzstift ist in unserm ersten Theil S. 216 schon beruͤhret worden. Ausser den daselbst benanten Ur- kunden errichtete Nicolaus noch 1231 zwischen den Buͤrgern zu Riga und den Kaufleu- ten einen besondern Theilungstractact wegen des von den Heiden eroberben Landes Weil die Buͤrgerschaft den dritten Theil von Curland bekam, so nahm Nicolaus den Theil dis- seits der Winda fuͤr sein Stift, den Kaufleuten wies er jenseit der Winda mit dem Schlos Me- derothe ihren Theil an, das uͤbrige empfiengen die andern Buͤrger. Von der Kaufman- schaft musten 71 Mann allezeit sich marschfertig halten, doch durften sie nicht ihre eigene Fah- ne fuͤhren, sondern musten der Stadtfahne folgen. Der Bischof fertigte daruͤber am 1sten Merz 1232 eine eigene Urkunde aus, welche unter andern die Pilger und Ritter Herr Albert, Edler von Arnesheim, Johann von Gatersleben und Hilmer Frocke zu Riga unterzeichnet. Der semgallische Bischof Balduin belehnte als paͤpstl. Legat am 1sten April 1234 zu Riga mit diesem Drittel 56 Buͤrger, jeden mit 25 Hacken, und wies ihnen die Gegend deutlicher an, nem- lich das dritte Theil disseits der Winda, und das 6te Theil jenseit des Flusses. Des Herzogs von Sachsen Truchses und Procurator gab hierzu seine besondere Einwilligung. Die Aebte von Duͤnemuͤnde und Valkena setzten ihr Siegel mit bey. . Er scheinet mit dem Lande wenig zu thun gehabt zu haben. Wir finden noch von ihm einen Freiheitsbrief, unterm Jahre 1250, in welchem er der rigischen Buͤrgerschaft, und den ankommenden und einheimischen Kaufleuten den freien Durchzug zu Lande auf der Duͤ- ne, oder sonst hin und her zu reisen erlaubet, wie sie sein Vorgaͤnger Albert zugestan- den. Das gothlaͤndische Recht ist sonst bey uns unter dem Titel bekant: Water- Recht, dat de Koopluͤde unde Schippers gemaket hebben tho Wisby. Man nent es auch Wisby-Sioͤret, das ist, der Stadt Wisby Seerecht, das an- dern Nationen zum Grunde ihrer Seerechte dienen, und daher in die schwedische, franzoͤsische, englische, hollaͤndische und andere Sprachen uͤbersetzet werden muͤs- sen. Jndessen da viele Documente eines gothlaͤndischen Rechts erwehnen, dessen sich die Stadt zur Entscheidung der Grenzen und Stadtmark bedienet, so mus wol sol- ches nicht das ungedruckte Stadtrecht, sondern eine Verordnung von Wilhelm seyn, da er die rigischen Buͤrger durchgaͤngig mit denen zu Wisby auf gleich Recht se- tzet, , welche Urkunde die Stadt treflich zu gebrauchen wuste, J als Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1231 als sie in den neuern Zeiten, wegen unterlassenen Abtrages des Bischofszehnden, sich zu erklaͤren hatte, dahingegen die Ritterschaft ihren Beweis nicht so klar fuͤhren konte. 1232 Herzog Albert von Sachsen begnadigte die ganze Gemeine der rigischen Kaufleute mit eben dem Recht und Freiheiten in seinen Laͤndern, welche sie zur Zeit der Bischoͤfe Alberts und Wilhelms von Modena genossen; und sprach sie auch von allen Ungeldern ( Ungeldo ), Zoͤllen und Strandgeldern frey. Alle vom Schifbruch gerettete Guͤter sollen ihnen wieder ausgeliefert werden. Die vom paͤpstlichen Gesandten zur Grenzeinrichtung der Stadt verordne- ten Schiedsmaͤnner, Dietrich von Berenwig, und Johann von Huren- husen, sprechen den neuen Anbauern in Riga gewisse Haken Landes zu, die sie 8 Jahr lang, ohne alle Abgaben, besitzen sollen. Nach deren Verlauf zahlen sie fuͤr jeden Haken jaͤhrlich einen halben Ferding ( dimidium Tertonem ) und fuͤr ei- nen halben Haken ein Loth, dagegen sie es ihren Kindern und Freunden erblich uͤbergeben, im Fal des Verkaufs aber weder an Pilger noch Klosterleute, son- dern nur an Mitbuͤrger ablassen koͤnnen. Nicolaus bestaͤtigte dieses zu Riga; und steht Helenwick, ein Schiffer ( nauta ) als Zeuge beigeschrieben. Jn eben dem Jahr zog der Bischof nach Wisby, weil die rigischen Buͤrger ohne Ein- willigung derer zu Wisby keine Synodalzeugen waͤhlen wolten, und versiegelte daselbst in der Marien kirche am 6ten May mit den dasigen Buͤrgermeistern die eingeholte Bewilligung, doch mit der Bedingung, daß der Stadt Riga im Sy- nodalgerichte kein Nachtheil ( nulla Vara ) daraus zuwachsen solle. 1233 Der doͤrptische Bischof Herman, erbauete das Dominicaner kloster Falkenaw an der Embach, damit die Bruͤder immer Fische haben koͤnten. Da dieses Kloster bey wenigem Einkommen viele Baͤuche fuͤllen muste, so schickten die Moͤnche 2 aus ihrem Mittel an Se. paͤpstl. Heiligkeit, um bey derselben eine Ver- guͤnstigung auszuwuͤrken, vermoͤge welcher ihnen der Bischof einen fettern Unterhalt ausmachen solte. Diese erzehlten dem Papst, sie bekaͤmen nichts anders als den ekeln Jas, (ein weisser langer und niedlicher weicher Fisch, welcher haͤufig bey Doͤrpt gefangen, und lieber gebraten als gesotten wird) und grobes Brod zu essen, und Gerstenbier mit Wermuth zu trinken, zu geschweigen wie sie woͤchentlich ih- ren Leib casteyen muͤsten. Der Papst schickte einen Jtaliaͤner mit, der von dieser strengen Lebensart warhaften Bericht einsenden solte. Man setzte diesem einfaͤltigen Klosterbesichtiger lauter gedoͤrten Jas und Bier vor, in welches Bors, ein bitteres Waldkraut, an stat des Hopfens geleget war, so dem auswertigem Ge- schmack ziemlich fremd vorkam. Des Sonnabends fuͤhrten sie den neuen Gast in ihre Badstube, gossen zur Verstaͤrkung der Hitze haͤufig Wasser auf die gluͤhenden Steine, nahmen grosse Quasten, gossen auch wol kalt Wasser zu, und peitsch- ten auf den von Schweis gesamleten Unflat ganz unbarmherzig los. Wie bey dieser Zucht die Reihe den zaͤrtlichen Jtaliaͤner treffen solte, so lief er aus dem Bade weg, und schrie: Proh Deum! austera nimis haec vere est vitae regula, vix audita ab hominibus! Mein GOtt! das ist eine unerhoͤrte und unertraͤgliche Disciplin! brachte es auch bey dem Papst so weit, daß das Kloster mit mehrern Guͤtern versorget wurde Wir haben diese poßirliche Erzehlung aus dem Fabricius, einem eisrigen Catholiken, ausgeschrieben. Fabricius fuͤgt hinzu, daß der Bischof Herman kurz darauf nach Rom gezogen, bald wieder gekommen, 1245 vor Alter blind geworden, sodann Alex- andern zu seinem Nachfolger bestimmet, und im Kloster Falkenaw sein Leben be- schlossen habe. . Nach Alberts von Stade Bericht, sol in diesem Jahr in Liefland eine so grosse tzet, nur daß sie sich keinen Priester, wie die auf Gothland, erwehlen durften, weil der Bischof sich dieses Recht vorbehielt, nach der Urkunde des Legaten vom December 1225. Sonst bauete dieser Bischof ein Kloster Bernhardiner ordens in Riga, welches, wie Fabricius klaget, zu seiner Zeit zu einem Speicher gemacht worden. Bisch. Nicolaus. zur Zeit der Regierung des Volquin. grosse Hungersnoth gewesen seyn, daß ein Mensch den andern gefressen, und der 1233 Diebe am Galgen nicht geschonet worden. Der semgallische Bischof Balduin bezeuget, daß im vorhergehenden 1234 Jahr der Vogt, die Buͤrgermeister und ganze Buͤrgerschaft zu Riga ihm ihr An- theil und Recht auf Curland und Semgallen samt 70 ihrer Lehnsleute abge- treten, dagegen er ihnen auf erhaltene paͤpstl. Volmacht, auf den Fus des mit dem vorigen Bischof Lambert in Semgallen getroffenen Vergleichs, die Grenzen ihrer Stadt ansehnlich erweitert. Auf Ansuchen der Schwerdtritter Diese Einverleibung des Schwerdtraͤger ordens in den deutschen Orden, war desto noͤthiger, je fruͤhzeitiger die Herschsucht und der Eigennutz die neuen Eroberer Lieflan- des Liefland begreift im weitern Verstande Estland mit in sich, in welcher Bedeutung es die Auslaͤn- der oft gebrauchen, als Raynald t. 13, p. 445: Arcis Reualiae in Liuonia sitae. Zur Zeit des Ordens gehoͤrte Curland mit dazu, welches die Meister so wenig in ihrem Titel benanten, als Estland, indem sie unter dem Namen eines Meisters von Liefland, das ganze Curland und Estland mit begriffen. Jn diesem Verstande rechnen auch noch die polnischen Revisionsherren 1599 Liefland von Narva an bis an Memel auf 100 Meilen. Heutiges Tages begreift es den rigischen, wendenschen, pernauischen und doͤrptischen Kreis in sich, in deren beiden ersten die lettische, in den beiden andern aber die estnische Sprache geredet wird. Das alte Ug- gannien, oder das Doͤrptische nennen die Letten Jggaune Semme. Es faͤlt jetzo den Ohren unertraͤglich Reualia-Liuenus zu schreiben; ob es gleich nicht ungeschickt ist, die in diesen bei- den Provinzen befindlichen Auslaͤnder und Deutsche Livonos zu betiteln, da die Nation des Landes Liuones und Esthones heissen, wie man etwan Liven, Esten und Letten spricht, durch Lieflaͤnder aber nur diejenigen verstehet, welche sonderlich aus Deutschland als Coloni- sten Liefland besetzet, und sich einen Pflanzort, durch den Degen oder andre Mittel, zu wege ge- bracht. in der Eintracht und Vertraͤglichkeit stoͤrte. Arnold von Luͤbeck, welcher doch schon 1209 seine Historie endiget, beschreibet uns Chron. Slav. lib. VII, c. IX, §. 11 den innerlichen Grol und das wunderliche Gezaͤnke, da die Bruͤder uͤber das dritte Theil des bezwungenen Heidenthums sich einen Bischof ausgebeten, mit welchem Gesuch sie aber bey dem Bischof Albert sowol, als am paͤpstlichen Hofe, abgewiesen worden. Was hatte Papst Jnnocentius nicht immer zu ermahnen, daß die Ordensbruͤder der Geistlichkeit nicht Verdrus machten, und die Waffen ihrer Ritterschaft nicht gegen Christum, das ist, den Bischof brauchen solten? Er erinnert sie, die Kriege des HErrn in der Macht goͤtlicher Staͤrke zu fuͤhren, mit Bedeuten, der Papst werde es an seiner Huͤlfe nicht fehlen lassen, wenn GOtt und er sehen wuͤrden, was ihnen noͤthig sey. Siehe Innocent. libr. XIV, epist. 149, t. 2, p. 580. Ja die Schwaͤche der neuen Republic schien diese Verbindung mit einem maͤchtigern Orden zu erfordern. Die Be- gierde um eines kahlen Ablasbriefes wegen zu fechten, verlor sich almaͤlig; und wer in Deutschland Vergebung der Suͤnden und ein fettes Landgut hatte, blieb lieber zu Hau- se, als daß er sich in Liefland von den Heiden oder in Palaͤstina von den Sarace- nen tod schlagen lies. Diese Wenigkeit der ankommenden Pilger, unter denen sich der Bischof doch immer die besten auslas, reichte nicht zu, Liefland gegen die Daͤ- nen, Russen, Litthauer, ja wol gar kuͤnftig gegen den benachbarten deutschen Orden zu schuͤtzen. Ueber dem reitzten die ansehnlichen Vorrechte des deutschen Or- dens, die sie vom Kaiser| Friedrich erhalten, die Lieflaͤnder stark; wozu man des klu- gen Bischof Alberts Tod auch mit rechnen kan, wodurch der Orden gleichsam zum Waisen geworden. Wer diese Ursachen erweget, wird leicht die Nothwendigkeit gewahr wer- den, warum die Lieflaͤnder diese maͤchtige Verbindung suchen muͤssen. sandte endlich der Hochmeister Her- 1235 man von Salze, 2 deutsche Ordensritter nach Liefland, nemlich den Comtur zu Altenburg, Ehrenfried von Neuenburg, und den Comtur zu Negelstaͤdt, Arnold von Dorf oder Neuendorf, die von dem Verhalten der Schwerdtbruͤder naͤhere Nachricht einziehen solten. Die Gesandten musten wegen des fruͤhen Winters ihre Ruͤckreise bis aufs Fruͤhjahr verschieben. Sie reiseten so dann, so bald das Wasser aufgegangen, ab, und der Ordens- 1236 meister Volquin gab ihnen 3 von seinen Ordensbruͤdern mit, nemlich den Vogt zu Wenden, Erdmund oder Reimund; den Ordensmarschal Joh. Sa- linger und Joh. von Meydeburg. Der Vicemeister, Ludwig von Oet- tingen, nahm sie zu Marpurg in Empfang, bey welchem ersten Gehoͤr sich 70 J 2 deut- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1236 deutsche Ordensbruͤder gegenwaͤrtig befanden: doch konten die Lieflaͤnder mit dem Hochmeister selbst nicht zur Unterredung kommen, weil derselbe eine Reise an den kaiserl. und paͤpstl. Hof unternehmen muͤssen. Man machte ihnen mit Fleis die Aufnahme schwer, damit dieselbe als eine hohe und wichtige Wohlthat angese- hen werden moͤchte. Man erkundigte sich nach ihren Ordensgesetzen, nach ihren Vorrechten, nach ihren Laͤndern, nach ihrem Leben, und lies den beiden zuruͤck- gekommenen Gesandten Bericht abstatten, wie sie es in Liefland gefunden haͤtten. Der Bruder Ehrenfried war nicht am besten auf die Bruͤder der Ritter- schaft Christi in Liefland zu sprechen. Es sind sagte er, eigensinnige nnd muth- willige Koͤpfe, die sich nicht gern an die Ordensregeln binden. Sie begehen selt- same Dinge, und sehen mehr auf ihren Eigennutz als auf die gemeine Wohlfarth. Dabey wies er vor dem Vicemeister auf 2 von den lieflaͤndischen Abgeordneten mit dem Finger, und fuͤgte hinzu: diese nebst 4 andern, welche ich kenne, sind die alleraͤrgsten. Diese schoͤne Empfelung begleitete der zweite Gesandte, Arnold, mit einem neuen Lobspruch: Alles, fieng er an, was dieser mein Reisegefaͤhrte hier vorgebracht, hat seine Richtigkeit. Da aber die Schwerdtbruͤder unsern Orden annehmen und allen Misbrauch fahren lassen; so wollen wir das Beste hoffen. Jndessen wollen wir ihnen durch unsern Wandel ein Muster der Nach- folge vorstellen. Der Vicemeister fragte nach der Reihe herum, was die deutschen Bruͤder zu dieser Vereinigung gedaͤchten. Alle Anwesende gaben dem Bruder Ehrenfried Beifal, und wiederriethen sie als die gefaͤhrlichste Sache. Ganz zuletzt kam das Wort an einen damals noch jungen Bruder, aber nachmaligen Hochmeister, Herman von Heldrungen, der diesen kuͤtzlichen Handel bis zur Ruͤckkunft des Hochmeisters auszusetzen rieth. Arnold von Neuendorf ergrif diesen Vor- schlag, und bat die Bruͤderschaft, auf die Stimme dieses jungen Ritters Acht zu geben. Man beschlos also das Anbringen der lieflaͤndischen Gesandschaft un- eroͤrtert zu lassen, bis der Hochmeister in Person zugegen waͤre. Der Vogt zu Wenden, Erdmund, und der Ordensmarschal Joh. Salinger, beur- laubten sich hierauf bey dem Vicemeister, Ludwig von Oettingen, und zo- gen wieder nach Hause, von denen doch der Ordensmarschal unterwegens starb. Der dritte Schwerdtbruder Joh. von Meydeburg solte inzwischen die Ankunft des Hochmeister Hermans mit Geduld abwarten. Der Vicemeister ward beim Aussenbleiben seines Principals, zumal, da ihn der lieflaͤndische Abgeordnete fast taͤglich uͤberlief, auch ungedultig, und reisete selbst an den kaiserl. Hof, wohin er den Abgeordneten mit nahm, und vom deutschen Orden die Bruͤder Ulrich von Doͤre, Wichmannen von Wuͤrz- burg und Hermannen von Heldrungen zur Begleitung bey sich hatte. Sie fanden den Hochmeister ziemlich willig. Doch wolte er alles auf die paͤpstl. Ein- willigung ankommen lassen; da denn um dieselbe einzuholen, der Hochmeister mit dem Abgeordneten Herman von Heldrungen sich zum Papst Gregorius dem IX ten verfuͤgte, der zu Viterbo, nicht aber zu Salerno, oder gar, wie Wais- sel schreibt, zu Lucern, seine Hofstadt aufgeschlagen. 1237 Am paͤpstl. Hofe machte der daͤnische Gesandte viele Schwierigkeiten, weil Waldemar der II te weder Muͤhe noch Kosten sparen lies, den Papst dahin zu vermoͤgen, daß derselbe das Schlos Revel dem Koͤnig zusprechen solte Daß Volquin Revel eingenommen, und die Esten, welche die Daͤnen daraus ver- jaget, mit eignen Kraͤften des Ordens, wieder zu Paaren getrieben bezeuget, Raynald annal. eccl. t. 13, p. 445, n. 65, beim Jahre 1236. Der Papst schrieb aus Viterbo den 11ten May 1237 an seinen Botschafter, den Cardinal Wilhelm von Modena, sich alle ersinliche Muͤhe zu geben, damit Waldemar sein Revel, die Bruͤder aber die Unkosten der Eroberung wieder bekaͤmen. Eine andre Jnstruction bekam Wil- helm . Der Papst Bisch. Nicolaus. zur Zeit der Regierung des Volquin. Papst schrieb auch an seinen Botschafter nach Liefland, er solte dieses Geschaͤfte 1237 zu Stande zu bringen suchen; wogegen der Orden durch ihren Abgeordneten an- haltend protestirte. Doch die ungluͤckliche Niederlage, in welcher Volquin mit manchem braven Streiter ins Gras beissen muste, machte den Lieflaͤndern die Tractaten leichter; daher sie einen andern Bruder, Gerlach Fuchs Der Bruder Gerlach war eines Pfarrherrn Sohn aus Holzhausen, weil den Geistli- chen damals die Ehe noch nicht verboten war. Sein Beiname heist im Lateinischen Rufus, welches wir durch Fuchs, Brandis aber durch Rothe uͤbersetzet; andre le- sen Rectus, oder Rade und heissen ihn also Gerlach den Geraden. Brandis hat die Geschichte der Ordensvereinigung aus Waisseln am weitlaͤufigsten ausgeputzet, und wil sie aus Hermans von Heldrungen eignem Aufsatz nachgeschrieben haben, welche Handschrift uns nie vor Augen gekommen, auch wol nie in der Welt gewe- sen ist. Jndessen muͤssen wir uns mit dem brandisischen Bericht dismal behelfen. , nach Viterbo abschickten, die Vereinigung beider Orden instaͤndiger zu suchen, die Abtretung Estlandes an Daͤnnemark bestmoͤglichst zu hintertreiben, und fuͤr den grossen Verlust so braver Maͤnner Trost zu suchen Die alte Herrmeister Chronike Jn dieser alten Herrmeister Chronik S. 669 wil Montan den Schreibefehler bemerken, daß die Russen Keenen genennet worden, die sonst Krewen heissen, auch von den Letten und Curen so genennet werden. Jn der Historie sind die Krewitzen oder Kriwitzen, oder Russen, welche die Duͤne hoͤher hinauf gewohnet haben, noch bekant. Daß die Russen nicht nur Nachbaren son- dern auch Herren der Preussen gewesen, beweiset Hartknoch diss. III, de Orig. gent. Pruss. bey Ant. Matthaei, annal. t. 5, p. 699 meldet §. 151 folgendes: Daer nae quam int lant den Grave van Danenberch, ende Heer Iohan Hasel- dorpe mit veel pelgrims, die mitten Meyster streden tegen die Lettawen, ende Meyster Volquyn bleeff mit XLVIII, broeders van der Oirden doot, ende die Gra- ve mit veel goeder mannen mit hem. Hy hadde Meister geweest XV jaer lanck, veel goets gedaen, ende veel tribulation gehadt. Nach dem Albert von Stade ge- schahe dieses ungluͤckliche Ttreffen am St. Moritztag 1236. . Der Hochmeister sahe als ein staatsverstaͤndiger Kopf wol ein, daß der Papst dem Koͤnig von Daͤnne- mark in seinen Anspruͤchen auf Revel nicht entgegen seyn, sondern dadurch die- sen Herrn desto mehr an die Vortheile der Kirche binden wolte. Er merkre aber auch, daß wenn er den Lieflaͤndern die paͤpstl. Absichten entdeckte, der ganze heilsame Vereinigungshandel, woran uͤber 6 Jahr vergeblich gearbeitet worden, krebs- gaͤngig werden, und Muͤhe und Kosten vergeblich seyn duͤrften. Um aber doch dieses gute Werk zu befoͤrdern, sagte er den Abgeordneten viel angenehme Dinge vor, in Hofnung, er wuͤrde die Lieflaͤnder bedeuten koͤnnen, nach getroffener Vereinigung, sich gegen Daͤnnemark nicht zu sperren, sondern dieser Krone, wenn sie die Kriegeskosten dem Orden erleget, in dem weitlaͤuftigen Lieflande einen festen Fus zu goͤnnen. Er suchte demnach Gehoͤr beim Papst, welches ihm auch, wiewol oh- ne Gepraͤnge, zugestanden wurde. Es befanden sich nur 4 Personen um Se. Heiligkeit, nemlich der antiochenische Patriarch; der Bischof von Bari; Conrad von Strasburg, ein Bruder vom deutschen Orden und Marschal des Papsts; und der paͤpstliche Kaͤmmerling, ein Johanniter- K ritter. helm Anno 1238, dahin zu sehen, daß den Neugetauften, in Betrachtung ihrer erlang- ten Wuͤrde, etwas von ihrer Frohnarbeit erlassen, und dem Gottesdienst beizuwohnen erlaubet wuͤrde. Er solte nicht leiden, daß die Ordensbruͤder der heil. Mariaͤ der Deutschen freie Leute, die sich zu Christen geselleten, zu ihren Sclaven machten. Ob nun gleich der Orden bey dieser Vereinigung etwas zu verlieren schien, so traf der Papst doch eine Milderung, und unterwarf die preußischen Bischoͤfe von Werme- land, Culm, Pomesan und Samland dem kuͤnftigen Erzbischof Albert zu Riga. Pontanus begehet S. 318 einen ziemlichen Fehler, wenn er die Bischoͤfe von Revel, Doͤrpt, Oesel und Curland unter den Erzbischof von Lunden zwinget, die doch von dem zu Riga abhiengen, ausser daß der Koͤnig von Daͤnnemark und der lun- dische Erzbischof sich einige mal das Oberrecht uͤber Revel angemasset, und mit Recht anmassen koͤnnen. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1237 ritter. Die beiden Lieflaͤnder traten hierauf ins Audienzzimmer, und erhielten vom Papst das Jawort, welcher sie auch vor seinem Stuhl niederknieen hies. Er ertheilte ihnen Vergebung aller ihrer Suͤnden, sprach sie von dem Eid und den Regeln ihres Ordens los, ermahnte sie zur|Tapferkeit und ertheilte ihnen nebst den neuen Ordensregeln den paͤpstl. Segen mit der Jnvestitur. Sie legten ihre vorigen Maͤntel mit dem Schwerdte ab, und liessen sich die neuen weissen mit dem schwarzen Kreuz umhaͤngen. Die Lieflaͤnder wechselten anfaͤnglich einige Wor- te mit dem Kaͤmmerling, welcher die Ceremonien verrichtete, und wolten die al- ten Maͤntel mit nach Hause nehmen. Allein der paͤpstl. Marschal bedeutete den Bruder Gerlach, daß sie dem Kaͤmmerling mit Rechte verfallen waͤren, daß er also seinen geliebten Mantel fahren lassen muste. Nach volbrachter Jnvestitur begleiteten die neu aufgenommenen Ritter den Hochmeister nach Hause, und erhielten des Papsts Befehle, welcher fuͤr gut ange- sehen, daß die Lieflaͤnder Revel an Daͤnnemark wieder abtreten, dagegen aber die Unkosten ausgezahlt bekommen solten, die sie darauf gewandt, die aufruͤ- rigen Esten aus Revel zu vertreiben. Dieses Anmuthen war fuͤr die Lieflaͤn- der ein Donnerschlag. Der Abgeordnete und neue Ordensbruder Gerlach, schlug fuͤr Eifer an die Brust, und brach gegen den deutschen Ordensbruder, Herman von Heldrungen in die Worte aus: Waͤre es nicht geschehen, es geschaͤhe nun und nimmermehr, das sage ich, warlich! Doch es stund nicht mehr zu aͤndern, und die Abgeordneten musten wieder Willen mit des Hochmeisters Erklaͤrung zu frieden seyn. Der Hochmeister fertigte diesen Herman und Gerlach gleich an den Vi- cemeister Ludwig nach Marpurg ab, mit Befehl, in der Eil 60 Ritter zu weh- len, und die Stellen der erschlagenen in Liefland damit zu besetzen. Er selbst reisete mit Joh. von Meydeburg an den kaiserl. Hof Friedrichs und stattete von seiner wohl abgelaufenen Verrichtung Bericht ab, wo ihm der Kaiser 60 Mk. Goldes, oder nach Waisseln 1500 Mk. mit gab, um selbige den lieflaͤndi- schen Ordensbruͤdern zur Beisteuer zu verehren. Nachdem der Hochmeister in Marpurg angekommen, brachte er ein Ka- pitel zusammen und machte Anstalt, die erwehlten 60 Ritter mit einer andern Anzahl Reuterey nach Liefland abzufertigen, ernante auch Dietrich von Gruͤ- ningen zum Meister von Liefland. Als aber das Kapitel vorstelte, daß es nicht rathsam sey, solchen tapfern und versuchten Maͤnnern in Liefland einen so jungen Ritter zum Haupte zu geben; so bedachte er sich anders, und ernante an dessen stat Herman Balken, ein altes redliches und beruͤhmtes Mitglied des deutschen Ordens, der schon vorher in Preussen Landmeister oder Provisor des Ordens gewesen, und welcher also der dritte unter den Ordensmeistern in Liefland, vom deutschen Orden aber der erste ist Die Stiftung des marianer oder deutschen Ordens setzt man am richtigsten in das Jahr 1191, da Heinrich Walpot nach Eroberung der Stadt Akers im gelobten Lan- de 31 Bruͤder annahm, welche der Kranken in Hospitaͤlern pflegen solten, daher sie auch Hospitalarii hiessen. Sie musten auch die Christen gegen die Feinde des Kreuzes mit dem Schwerdte schuͤtzen. Sie lebten unter der Regel Augustini und waren ver- bun- Und damit ward die Jncorporationsacte volzogen Da wegen des Jahrs der Ordensvereinigung viel Ungewisheit bey den Geschichtschreibern herrscht auch selbst die beiden Manuscripte Dis sind die beiden Handschriften, welche wir bereits mehrmals angefuͤret haben. Sie haben wunder- liche Namen und Jahre. Die eine hat Meister Joh. Buͤlow 1525 geschrieben. Die andre faͤngt mit der Entdeckung des Landes 1160 an, und geht bis 1558, wobey die im Lande geschrie- bene Rechte, das alte Landrecht und rigische Stadtrecht angehaͤnget sind. Die ersten Stellen er- weisen gleich ihre Unbrauchbarkeit. Wyne oder Wynrich regierte 1235. Jhm folget Wolquin 1253, diesem succediret Hermann Falko 1268. Verdienen solche Papiere wol den schoͤnen Titel der Herrmeisterlichen Chroniken? von den Herrnmeistern eine unrichtige Jahr- zahl anfuͤhren, so wird es dem Leser nicht misfallen, wenn wir die ganze Urkunde davon bei- bringen, die vom Jahr 1237 unterzeichnet ist; dahingegen Nauclerus Vol. III, gen. XLII, das Jahr 1239 unrichtig annimt. Die lateinische Bestaͤtigungsacte dieser Ordensvereinigung findet man beim Raynald um dieses Jahr §. 64 sqq. libr. II, ep. 64, davon wir hier die Uebersetzung mittheilen. G regorius ꝛc. denen Bischoͤffen von Riga, Doͤrpt, und Oesel ꝛc. Nachdem der angenehme Geruch unsers geliebten Sohns des Hochmeisters, und der deut- schen Bruͤder der heil. Maria, sich uͤber die Gegenden der Erden ausgebreitet, so ists der Gnade des Erloͤsers zuzuschreiben, daß selbiger bey dem apostolischen Stule nicht weniger werth, als bey der Menge glaͤubiger Voͤlker beliebt ist. Dis ist die Ursache, warum unser lieber Sohn, der Gebietiger (Praͤceptor) und die Bruͤder der Ritter- schaft Christi aus Liefland, als sie aus deutlichen Proben oberwehnter Hospitalgeselschaft vielfaͤltigen Eifer gegen die Tugenden ersehen, zu mehrern malen, wie uns berichtet worden, durch Botschaften und ausdruͤckliche Briefe diesen Hochmeister herzlich und K 2 ange- Sonst hat fich dieses Jahr, durch den grausamen Abfal der Finnen in Tavast, merkwuͤrdig gemacht. Raynald fuͤhrt davon des Papsts Gregorius des IX ten Brief an den Erzbischof von Upsala an, den er ermahnet, die Catholischen im Reich und den benachbarten Jnseln gegen diese wil- den Schweine, die den Weinberg GOttes durchwuͤhlten, aufzubieten. Die Tavaster werden beschuldiget, daß sie die Kinder nach der Taufe geschlachtet, denen Erwachsenen das Eingeweide ausgerissen, sie den Goͤtzen geopfert, andre um die abgoͤttischen Baͤume herumgetrieben, bis ih- nen die Seele druͤber ausgefahren, etlichen Priestern die Augen ausgestochen, einigen Haͤnde und Glieder zerstuͤmmelt, andre mit Stroh umwunden, und so angezuͤndet. Dieser Abfal gab Ge- legenheit, daß Birger Jerl der II te im Jahr 1250 mit einem Heer hinzog und Tavasthus er- bauete. Das paͤpstl. Schreiben ist vom 9ten September 1237 unterzeichnet. . Bisch. Nicolaus. zur Zeit der Regierung des Volquin. bunden, stat der Horaͤ, alle Tage einige mal das Vater unser, das apostolische Glau- bensbekentnis und das Ave Maria zu beten. Sie hatten ein fuͤnffaches Geluͤbde auf sich, des Gehorsams, der Keuschheit oder des ehelosen Standes, der wilkuͤhrlichen Armuth, der Vertheidigung der Armen, und der Freiwilligkeit gegen den Tuͤrken zu fechten, zu welchem letzten sie durch den zu Speier 1542 errichteten Reichsreces auch angehalten worden. Daher sie sich einige mal beim Kaiser angeboten, etliche Vestungen in Un- garn zu besetzen, wenn die Christenheit von den Tuͤrken bedrohet wuͤrde. Caͤsar Ba- ronius schreibt tom. XII, Annal. eccel. beim Jahr 1198, daß der Papst Caͤlestinus der III te auf Ersuchen des Kaisers Heinrichs diese heiligen Feldzuͤger mit dem weissen Kleide ( veste alba ) oder Mantel und dem schwarzen Kreuz beschenket habe. Der Herr Professor Liebhard zu Bareyth hat uns in seiner kleinen Schrift de incluto Teuto- nicorum siue Marianorum Equitum ordine 1672 in 4to aus einem Manuscript die Um- staͤnde aufbehalten, mit welchen Herr Wolfgang Erhard von Muckenthal 1587 in diesen Orden aufgenommen worden. Der Administrator des Hochmeisterthums in Preussen, Erzherzog Maximilian zu Oesterreich, bekennet, daß der Herr von Mu- ckenthal seiner Vernunft und Glieder maͤchtig und geschickt, am Leibe ganz unge- brechlich, auch zum wenigsten von seinen 4 Ahnen edels und rittermaͤßigen Geschlechs geboren sey, sich auch aufs hoͤchste verpflichte, die Tage seines Lebens in solchem rit- terlichen Orden gehorsamlich zu bleiben. Wenn der Candidat seine ehrliche deutsche Herkunft erwiesen, die Geluͤbde und Ordensstatute beschworen, spricht der Ordensgebieti- ger zu ihm: Wir sagen euch Wasser und Brod zu, und des genug; dazu eine geringe Kleidung euer Lebenlang. Wirds besser, so habt Jhrs auch. Mehr sind wir euch nicht schuldig. Der Ordenspriester haͤngt hierauf dem neuen Ritter den Mantel um mit diesen Worten: Dis Kleid und Kreuz geben wir Euch, und so Jhr thut, was Jhr gelobt habt, versprechen wir Euch das ewige Leben. Der Ordensgebietiger nimt das blosse Schwerdt des neuen Ritters, schlaͤgt damit 2 mal auf dessen Schild und sagt: Hie besser Ritter denn Knecht. Den dritten Schlag bekomt der Ritter auf seinen Ruͤcken, und wird ihm zugerufen: Den vertrag, und keinen mehr. Mehrere Gebraͤu- che meldet Sebastian Franke in Chron. p. 223. Bey der Aufnahme der Schwerdt- bruͤder, die sich nicht gern lange hudeln liessen, fand weder der Papst noch der Hoch- meister noͤthig, viele Ceremonien vorzunehmen. Herr Juͤrgen Helms fuͤhret aus ei- ner geschriebenen preußischen Chronik an, daß der Hochmeister in alten Zeiten deni Herrnmeister in Liefland einen Ring an den Finger gesteckt, und ihn auf den Stuhl Seiner Herrlichkeit gesetzt; welche Ceremonie stat der paͤpstl. und kaiserl. Confirmation war. Jn neuern Zeiten wehlten die Lieflaͤnder sich ihr Ordenshaupt selbst, und lies- sen nur die Wahl vom Hochmeister und Kaiser bestaͤtigen. . Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Der dritte Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens. Herman Balcke So unterschreibt sich der Meister selbst unter den Privilegien, so zur culmischen Handfeste gehoͤren. Peter von Duisburg nennet ihn auch Balcke, und das Di- ploma des cujavischen Herzogs Casimirs, Balko. Walke, Falcke, Valleke sind unrichtige Namen. Michov. B. III, k. 35, macht aus ihm und dem Hochmeister Herman von Saltza eine Person, da sie in doch Ansehung der Geburt, Wuͤrde und Vaterstadt ganz unterschieden sind. Waͤrend seiner 7 jaͤhrigen Landmeisterschaft in Preussen schrieb er sich nicht Landmeister, sondern Provisor von Preussen, in- dem er dem Orden als Vicemeister mit vorgestanden. . 1238 E r brachte vor allen Dingen am koͤnigl. daͤnischen Hofe die Ceßions- acte wegen Estland zu Stande, welche der Koͤnig Waldemar am 7ten Jun. zu Stenby ausfertigen lassen. Der Koͤnig be- schweret sich, daß der Urteilsspruch des Papstes und der ganzen Cardinalversamlung, worin man sein Recht auf das Schlos und die Stadt Re- vel, Jerven, Wirland und Harrien fuͤr guͤltig erkant, seit 2 Jahren her nicht zur Volziehung gekommen, und er daher genoͤthiget worden, zu einem aͤrgerli- chen und seelenverderblichen Kriege, eine Flotte auszuruͤsten, und sich selbst Recht zu schaffen. Doch habe er, auf Vermittelung des Legaten Wilhelms und des lieflaͤndischen Gebietigers Hermans, nachstehende Punkte beliebet, deren unverbruͤchliche Volziehung, mit gegebenem Handschlag, gemeinschaftlich versichert worden. Zum ersten, der Orden sol dem Koͤnig die Heiden bezwingen helfen, da- gegen behaͤlt der Orden den dritten Theil des Eroberten auf gemeinschaftliche Un- kosten. Zum zweiten, der Orden raͤumet so gleich das Schlos Revel, und ziehet mit Haab und Gut davon, ohne das Geringste nachzulassen, dafuͤr der Koͤnig das Land Jerwen dem Orden abtrit, mit beigefuͤgter Bedingung, daß der Orden darin keine Vestung ohne koͤnigl. Einwilligung anlege, und desto williger den Koͤ- nig in seine Fuͤrbitte zu GOtt einschliesse. Zum dritten, der Erzbischof von Lund uͤber- angelegentlich ersuchet, sie seinem Orden einzuverleiben. Dieses haben sie auch endlich an uns gelangen lassen, nach dem der betruͤbte Fal erfolget, den sie durch die Niederlage ihres Herrmeisters, und 50 Bruͤder von derselben Ritterschaft, nebst vielen Pilgern, durch Wuth und Untreue neulichst erlitten haben, und bitten es zugleich nebst euch fle- hentlich und mit klaͤglichen Briefen. Sie leben der guten Hofnung, da besagter Mei- ster und die Bruͤder eine tapfere und beruͤhmte Ritterschaft in ihrem Hause haben, die es theurer als einen Schatz halten, wenn sie ihr Leben fuͤr denjenigen dahin geben, der das seinige, wie bekant, fuͤr die Erloͤsung der Glaͤubigen gelassen, es werde unter goͤttl. Beistand dazu kommen, daß sie untereinander, wenn sie eine Heerde geworden, gar bald mit triumphirenden Haͤnden die Gegenpartey aufreiben, und dem Sohn des ewigen Vaters da verherrlichen koͤnnen, wo eine unzehlbare Menge Seelen verloren gegangen, die nun unter den h. Engeln schweben. Wir, die wir nichts lieber sehen, als die Ausbreitung des catholischen Glaubens, und gerne wollen, daß ihres Meisters und der Bruͤder gottseliges Verlangen, bald zur erwuͤnschten Erfuͤllung gelange, sind also voͤllig uͤberzeuget, daß der HErr den Bruͤdern besagten Hospitals in Liefland ta- pfere Maͤnner wird finden lassen, die er durch seine Macht in den Gegenden von Preus- sen zum Siege wird ausruͤsten. Wir finden demnach fuͤr gut, obgedachten Meister und Bruder auf Beirathen unserer Bruͤder mit ihrem Orden zu vereinigen, und be- schliessen bey dem Ansehen unsers apostolischen Stuhls, mit allen rechtschaffenen unter ihnen, daß sie und die uͤbrigen Bruͤder des schon beruͤhrten Hospitals der heil. Ma- ria fuͤr die Deutschen, die jetzo in Liefland seyn moͤgen, unter der Gerichtbarkeit ih- rer Bischoͤfe und anderer Praͤlaten, wie bisher, stehen bleiben ꝛc. Gegeben zu Viterbo am 14ten May im 11ten Jahr unsers paͤpstl. Regiments. Bisch. Nicolaus. zur Zeit der Regierung Herman Balckens. uͤberlaͤst dem Orden das geistl. Recht uͤber Jerwen, wie es sonst die Bischoͤfe 1238 von Estland haben. Zum vierten, der Koͤnig wil den Orden in der Wyck und auf Oesel nicht beunruhigen. Zum fuͤnften, beide Theile unterwerfen sich in den Grenzstreitigkeiten den Ausspruͤchen der Bischoͤfe von Liefland von Estland frei- willig. Zum sechsten, dem Orden wird zuletzt die Auszahlung aller bisher gehobenen Einkuͤnfte aus Estland im weltlichen und geistlichen erlassen Diesen Vertrag, welchen Huitfeld S. 201 ausfuͤhrlicher als Pontanus S. 318 lie- fert, kennen wir aus einer Abschrift, welche die Bischoͤfe Dieterich von Doͤrpt und Conrad zu Oesel 1304 zu Weissenstein davon genommen. Weil Hiaͤrne und an- dre die Ordensvereinigung weiter hinaussetzen, so koͤnnen sie freilich nicht begreifen, wie Balcke in einem Jahre so vielerley Geschaͤfte in Deutschland, Jtalien, Daͤn- nemark und Liefland besorgen koͤnnen. Die Daͤnen datiren die Urkunde vom 9ten May. Wir folgen der unsrigen, nach welcher der Koͤnig Waldemar, sein Thronfol- ger Erich und seine andern Prinzen, die Herzoge Abel und Christoph, ingleichen Herr Uffo, Erzbischof zu Lund, Wilhelm paͤpstl. Legate, Peter zu Aarhus, Nicolaus zu Rotschild, Johann zu Borclum, Bischoͤfe, Johann, Arn- frid, Bonin Predigerordens, Reynard und Albert, Minoriten, die Grafen Albrecht und Ernst von Gleichen, der Gebietiger oder Ordensmeister Herman, und die besten des Koͤnigreichs Dacien dabey zugegen gewesen. Der Papst Jnno- centius der IV te bestaͤtigte diesen Vertrag zu Anagni am 24sten September 1243. . Die anwachsende Macht der Schwerdtbruͤder wolte den herschsuͤchtigen Geist- lichen nicht laͤnger anstehen. Der Ausgang hat gewiesen, daß die Bischoͤfe mit dem deutschen Orden noch schlimmer angekommen. Die ersten sind es aber, uͤber wel- che der Bischof Heinrich von Oesel, sich in einem Briefe unterm 1sten Merz be- schweret, daß seine Vasallen die Kirchenguͤter mit Gewalt an sich rissen und sich aus dem Ban der Kirche nichts mehr machten. Er meinet auch, der Unfug dieser Leute koͤnne nicht besser gezaͤhmet, noch der Kirche eher geholfen werden, als durch die Ma- rien bruͤder vom deutschen Hause, daher er, auf erhaltene Volmacht von dem apostolischen Legaten Wilhelm, mit dem Ordensmeister Herman den Vertrag gemacht, daß dessen Ordensbruͤder den 4ten Theil von der Wyk inne haben solten, nemlich 7 Kilegunden, und 50 Haken, mit allen Zehnden und Gerechtsamen; nur daß der Bischof sich die geistliche Obergewalt daruͤber vorbehaͤlt. 300 Haken werden zur Stiftung einer Domkirche bestimmet, deren Einkuͤnfte 3 Jahr lang auf die Er- bauung eines Schlosses, Steenberg genant, verwendet werden. Fuͤr diese Gefaͤl- ligkeit schenken die Bruͤder den 4ten Theil von Mone an den Bischof. Obbesagtes Schlos mit seiner Vorstadt wird auf gemeine Kosten erbauet und gleich getheilet. Je- der Theil haͤlt wenigstens 10 Mann zur Besatzung darin. Den Thurm und das Schlosthor besetzt der Bischof mit seinen Leuten, ohne dessen Einwilligung die Bruͤder auf ihrer Seite keinen Thurm anlegen duͤrfen. Die Ordensbruͤder geloben an, die un- rechtmaͤßig entzogenen Kirchenguͤter in Jahr und Tag denen Verbanneten wieder ab- zunehmen und den Bischof in allem zu schuͤtzen. Papst Clemens der IV te bestaͤtig- te dieses den 28sten May 1625 zu Viterbo. Jn diesem Jahr sprengeten 2 lieflaͤndische Schiffe mit ausgespanten Segeln die starke Kette, welche der Koͤnig von Daͤnnemark vor der Muͤndung der Trave ziehen lassen, als er mit dem Grafen Adolph von Holstein die Stadt Luͤbeck ein- sperrete. Die Lieflaͤnder zogen dadurch in ihrer Handlung von der Stadt viele Vortheile. Cranz lib. VII, c. 12 haͤlt dieses fuͤr luͤbische Schiffe, die nur aus Lief- land gekommen, weil die neuangelegten Staͤdte Revel und Riga noch zu schwach ge- wesen, eigene Schiffe zu halten. Allein Luͤbeck war auch so alt nicht. Zur Zeit des Ordens aber hat die Stadt Riga gar ihre eigene Kriegesschiffe ausgeruͤstet, warum solte sie denn nicht auch Kaufmansschiffe haben halten koͤnnen? Ob aber die Stadt Riga mit dem daͤnischen und holsteinischen Hofe es der Handlung wegen ver- derben wollen, ist eine andre Frage. Unter den vornehmen Feldzuͤgern in Liefland befand sich dieses Jahr auch, nach Alberts von Stade Zeugnis, der Graf Adolph von Schauenburg. Er hatte, wie der Dominikaner moͤnch, Herman von Leerbach, in der Chro- L nik Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1239 nik der Grafen von Schauenburg berichtet, seine Gemahlin Helwig, eine Toch- ter Hermans Grafen von der Lippe, zur Reisegefaͤrtin. Jm folgenden Jahr gieng er wieder nach Hause, und zog am 13ten Aug. am Tage Hippolyti die Franciskaner kutte an. 1240 Der Koͤnig Woldemar befahl allen Lehnsleuten in Est- und Wirland unterm 14ten Jul. von Wartinsborg, von allen Zehnden, welche die Esten erlegen muͤsten, wieder den Zehnden dem revelschen Bischof ins Haus zu schi- cken. Er bestimte auch dem Torchill zum Nutzen des revelschen Stifts 80 Haken im Revelschen, und 40 Haken in Wirland, welche letztern doch, so bald Wir- land einen eigenen Bischof bekommen wuͤrde, so gleich wieder an das wirlaͤndi- sche Stift fallen solten. Gegeben zu Eresborg am 16ten September. 1241 Die oeselschen Bauren hatten das Joch des Christenthums abgeschuͤttelt, wurden aber von Andreas von Velven bald wieder gedemuͤthiget Recognitio Fratris Andreae de Velven , Magistri Liuoniae et per absentiam Domini Henrici Episcopi Osiliensis in eadem dioecesi Vicegerentis, qua fatetur Apostatas Osilienses , qui profectui Christianorum illius viciniae multum incommodarunt, con- ditionibus ab iisdem propositis, quae hic inseruntur, in gremium matris Ecclesiae et ad vnitatem fidei se recepisse, saluo in omnibus iure dioecesiano Episc. 1241. I n N. D. nostri Iesu Christi, Amen. Anno Dominicae Incarnationis MCCXLI Venerabili Domino H. Episcopo Osiliae et Maritimae Da die oeselschen Bischoͤfe um diese Zeit den Vornamen H. im Original haben, so setzt es in den Abschriften grosse Unordnung in Absicht der Zeitrechnung indem dieselben bald Herman bald Heinrich daraus machen. 1256 war ein H. Epicopus Osiliæ etMarimae zu Luͤbeck, wo er allen Kaufleuten freie Handlung nach Oesel und der Wyk erlaubte, sie auch mit der Sicherheit ihrer Guͤter im Fal des Schifsbruchs begnadigte. pro suis agendis ad sedem Apostolicam vergente, qui negotia Episcopatus sui Magistro et Fratribus Domus Teutonicorum in Liuonia plene commiserat et deuote, accidunt ea quae sunt inferius adnotata. Ego Frater Andreas de velven Domus Teutonicorum sratr. Magi- ster Hier haͤtten wir einen neuen Meister, der bisher nicht in unserm Verzeichnis der Herrrmeister be- kant geworden. Zwey Ursachen stunden im Wege, warum man ihn nicht mit in das Verzeich- nis derselben bringen wollen; einmal weil sein Name ungewis lautet, und in dem Original Andreas von Noͤtken gelesen werden kan. Zum andern hat sich auch weiter nichts ausser diesem Document von ihm finden wollen. Ein mehrers siehe beim Jahr 1245 in den Anmerkungen. in Liuonia , cum essem in maritima, Osiliani apostatae, qui Christianis nimis infesti et nociui existunt, in mari, terris et insulis cismarinis, ordinatione diuinae gratiae nuncios suos pro attemptanda compositione in Maritimam transmiserunt. Multis itaque placitis et interlocutoriis hinc inde habitis, praedicti apostatae in hoc tandem uniuersaliter et finaliter conueniuut; Quod si Ecclesia subscriptam formam sine omni permutatione violenta in perpetuum ab ipsis acceptare dignaretur, vellent redire deuoto animo et prompta voluntate ad Catholicae fidei, a qua diabolico instin- ctu recesserant, vnitatem. Forma autem talis erat. Pro censu dimidiam mensuram siliginis quod vulgariter dicitur, Punt , de quolibet vnco dare promiserunt et in cog- gam inferre, quam Episcopus eorum seu Magister Rigensis ipsius sumptibus procu- rabunt. Si vero coggam habere non potuerint; Naues et Gubernatores in ipsa ter- ra conducent, quae ab ipsis Osilianis in Rigam seu Maritimam deducentur. Aduo- catum ad secularia iudicia semel in anno, eo scil. tempore quo census colligitur, recipient, qui de seniorum terrae consilio iudicabit, quae fuerint iudicanda. Pro occisione pueri 3 Oseringh Vide quae ad Liuonorum iura circa annum 1228 adnotauimus. ad poenam dabunt, et mater ipsa quoque diebus do- minicis nuda in Coemeterio recipiet disciplinas. Interim si quis ritu gentili immo- lauit et qui immolari fecit, vterque dimidiam Marcam argenti dabit; ipse autem qui sic immolat 3 diebus dominicis nudus in Coemeterio vapulabit. Si quis in 6ta HR vel quadragesima, Vigiliis Apostolorum seu quatuor temporibus carnes comedit, di- midiam marcam argenti persoluet. Si homicidium inter ipsos et homines alterius terrae contigit, X Marcis argenti redimet. Clericis Parochianis et Ecclesiis prae- bendam dabunt, quam ante Apostasiam dare consueuerant, cum restitutione omnium ablatorum. Cognito ergo, quod praedicti Osiliani fidelibus in Circuitu suo positis minus fuerant opportuni, quod proficientiam et incrementum fidei in partibus Liuoniae ve- hementer impediebat; Ego praedictus frater A. Magister Rigensis de Consilio fra- trum meorum et Clericorum Vasallorum et de Maritima et multorum aliorum fide- lium , und musten sich Bisch. Nicolaus. zur Zeit der Regierung Herman Balckens. sich ihrem Bischof Heinrich unter schweren Bedingungen aufs neue unterwerfen. 1241 Doch die Ordensbruͤder thaten dabey das Beste; und dafuͤr vermachte ihnen der Bi- schof Heinrich den Strich Serwen Serw nent der Este eigentlich ein Horn, dafuͤr der Lette Ragg gebrauchet. Beides bedeute eine Sandbank, davon bey Riga der Kruse-Ragg, und der Kenge-Ragg, bey Juͤtland aber der Schagge-Ragg bekant sind. Das Serw oder die grosse Sanddank auf Oesel nennen die Schiffer und Deutschen Schworben, welcher Name fast dem halben suͤdlichen Theil des Lan- des beigeleget worden. Eine Erdzunge, die lang und schmal in die See gehet, heist bey den Russen Nos, und bey allen gothischen Voͤlkern Nes, welches die Schiffer mit Ort ausdrucken. Auf Oesel kommen ausser vielen vor: Pamme-Nes, das ist Pammerort, und Schworber- ort ist der Hafen Zerelhamn beruͤhmt, den alle Schiffer, so den rigischen Meerbusen beschif- fen, besuchen muͤssen; er hat seinen Namen von dem an den Herrn Landrath Job. Gustav von der Osten genant Sacken gchoͤrigem Hauptgute Zerel, und hat einen Feuerthurm, der dem zu Domesnes befindlichen fast gegenuͤber steht. Wyk ist ein Meerbusen. An der westlichen Kuͤ- ste von Estland ist eine grosse Wyk, die zugleich dem festen Lande den Namen gegeben. Der Este heist das Land Laͤne-ma, das ist terra fluctuum, oder nach lateinischer Art: Maritima. Weil das Stift Hapsal in demselben gelegen, so pflegten die alten Bischoͤfe von Oesel sich Episcopi hapsalienses, auch wol Wykiae, zu schreiben. So wird auch ein Strich Landes auf Oesel, wo die See eintrit, und das Land niedrig ist, Wyk genant. zu ihrem Antheil auf Oesel, mit der Bedingung, daß der dasige Hafen fuͤr jederman frey und offen bleiben solte, eben so wie alle Hafen in der Wyk. Er schenkte ihnen auch die Helfte des Dorfs Lo- de, nicht weit vom bischoͤfl. Schlosse. Der Koͤnig von Daͤnnemark, Erich der V te, genant Plogpenning, 1242 errichtete mit dem Bischof zu Revel den Vergleich, daß der revelsche, nach dem Beispiel des doͤrptischen Bischofs, von 20 Haken Landes zwey gewogene Schifpfund Korn, halb an Rocken, halb an Gerste, sowol von den Kron- als Lehnguͤtern zu empfangen habe: gegeben zu Nachschouf am 22sten Jun. Der doͤrptische Bischof Herman hatte nemlich nach Revel an Torchill geschrieben, daß er allezeit von 2 Haken ein Kuͤlmet Rocken, von 4 Haken ein Kuͤlmet Weitzen, von einem Haken ein Kuͤlmet Haber von 2 Haken ein junges Huhn, von zwan- zigen ein Fuder Heu, den Zins aber in Fleischwerk oder andern Nothwendigkeiten ent- richtet bekaͤme. Huitfeld S. 210. Die Groͤsse der Haken in alten Zeiten wird nicht nach einerley Berechnung angegeben, und nach einigen Documenten scheinet es als wenn mansus nur eine Hufe, vncus aber noch ein groͤsserer Strich Ackerlandes ge- wesen. Wir wollen folgende Nachricht davon mittheilen: J n den Jahren 1232 enthielt ein Hacken Landes 30 Morgen Landes, ein Morgen Lan- des aber 40 Ruthen in die Laͤnge und 10 Ruthen in die Breite. Nach einer Com- mißionsverordnung von 1262 sol die Ruthe 16 Fus halten. Nach dieser Zeit hatte man von den lieflaͤndischen Hacken ein dreifaches Maas. Das groͤste berechnete ei- nen Hacken in der Laͤnge und Breite zu 99 Basten, und jegliche Baste zu 99 Faden, wel- ches Maas im rigischen Kreise gaͤnge war; das mittelste, so der Landhacken genennet wurde, zu 77 Basten, jede zu 77 Faden; das kleineste zu 66 Basten, jede zu 66 Faden, welches letztere Plettenberg in einem Privilegio 1518 zu Burtnick anzeiget. Zu den Zeiten dieses Herrmeisters legte man auch eine Schnur von 260 rigischen El- len 4 mal in die Breite und 5 mal in die Laͤnge, welches ohngefaͤhr mit 2 preußischen Hufen uͤberein komt. Aus dem herzogl. curlaͤndischen Archiv ist zu ersehen, daß eine lieflaͤndische Ba- ste, deren 66 einen Hacken ausmachen, 66 Faden und uͤberdem eine Laͤnge, 6 mal um den . L 2 Erich lium Theutonicorum et Estonum, necessitate vrgente, et vtilitate permaxima suadente, praedictam formam saluo iure dioecesano Episcopi in omnibus acceptaui, Prae- sentes literas super ratificatione et confirmatione praedictorum conuentus nostri Si- gilli munimine perpetuo roborando. Testes sunt Dominus Nico l aus, qui tunc gere- bat vices Episcopi; Waltherus Sacerdos, Commendator in Maritima, tunc diocoesis praepositus; Frater Friedericus Stultus, Marschalcus; Frater Ioh. Camerarius Pleba- nus, et alii fratres de Domo Theutonica. Fundam, Frater Ordinis praedicatorum. Conradus, Theodericus, Fratres de Ordine Nudipedum. Vasalli Ecclesiae Iohannes de Bardewich, Heinricus de Beckeshofwede, Henricus de Braehl, Gerbertus, Frater Iohannes de Huxaria; Diedericus de Pallele, D iedrich Ezzecke, et seniores de Esto- nibus Maritimae et alii quam plures. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1243 Erich der V te vermachte dem revelschen Bistum noch 14 Haken, zu Lund, ohne beigefuͤgte Zeitbestimmung. Gegen die Russen war Balcke gluͤck- lich, den Kopf und 6 mal um den Daumen, in sich begreiffen; welche letztere Laͤnge auch 2 Faden betraͤget, daß also die Baste 68 ordentliche Faden enthaͤlt, jeden Faden zu drey und eine halbe rigische Elle gerechnet. Hierein saͤet man 12 Last rigisch zu 42 Lof. Die Heuschlaͤge und unfruchtbaren Oerter sind mit hierin begriffen. Auf den Guͤtern kehrte man sich an diese Landmesserrechnung nicht, sondern berech- nete die Hacken nach der Menge der Aussaat; doch auch darnach sind die Hacken drei- fach unterschieden. Ein deutscher Hacken erforderte zur Aussaat 30 Tonnen, ein herrmeisterlicher 60 Tonnen, ein polnischer 120 Tonnen; alles nach rigischem Maas, und so eingetheilet, daß 2 Drittel jaͤhrlich besaͤet werden, das dritte aber Brache lie- gen mus. Zu einem Lof Aussaat nahm man in herrmeisterlichen Zeiten 231 \frac {2} {5} Quadratruthen, je- de zu 7 Ellen gerechnet, zu schwedischen Zeiten aber eine Baste Landes von 29 Qua- dratfaden. Die Herren Revisores geben von den lieflaͤndischen Hacken selbst keine bestaͤndige Ausrechnung an, indem etliche als Herr Benedict. Protovius in Feldlaͤndern 40 Lof, und in Buschlaͤndern 80 Lof, zusammen 120 Lof Aussaat auf einen Hacken angeben, andere ihn aber zu 60 Linien Diese Groͤsse sol vermoͤge des lieflaͤndischen Ritterrechts ein Hacken in Harrien und Wirland haben, und wuͤrde also aus 216000 Faden bestehen. Weil dieses zu uͤbertrieben seyn wuͤrde, so hat man den Satz so verbessern wollen: Ein Bast hat 60 Faden, 60 Faden eine Linie, 60 Li- nien einen Hacken, damit also 1 Bast gleich einer Linie, und 60 Linien gleich einem Hacken waͤ- re. Da aber dieser Hacken 6 oder 8 Bast kleiner seyn wuͤrde, als ein herrmeisterlicher; so siehet man wohl, daß die alte Hackenberechnung immer ihren Schwierigkeiten unterworfen bleibe, wenn man nicht Zeit und Ort genau unterscheidet. Ein Faden heist auch Filum, Basten oder Stricke nennen die Pohlen Restes in lateinischen Documenten. Vielleicht bedeutet corda auch eine Bast; die alt deutschen Uebersetzungen geben es durch Reepen. in die Laͤnge und Breite bestimmen. Jede Linie macht 60 Basten, jede Baste aber 60 Faden aus. Gemeinem Landbrauche nach, mist man jeden Hacken von 66 Basten ordentlich nach 11 Bast in die Laͤnge und 6 Bast in die Breite, einen halben zu 6 Bast in die Laͤnge und 5 und einen halben in die Breite, einen halben zu 6 Bast in die Laͤnge und 5 und einen halben in die Breite, einen viertel Hacken zu 5 und einen halben Bast in die Laͤnge und 3 Bast in die Breite. Der Herr Rath Heinrich von Tisenhausen erzehlet unterm 7ten Jenner 1592, er habe nach vorigem Fus einen halben Hacken so gros gefunden, daß er 4 Last Rocken, und also auf dem ganzen Hacken 8 Last ausgesaͤet, daß auf eine deutsche Meile un- gefaͤhr 40 solche Hacken Landes zu liegen kaͤmen. Nach der Mesart des Herrn Joh. Timotheus Happach, Geometraͤ, 1632 vom 9ten Merz, machen 15 preußischraseburgische Schuh eine Ruthe; 10 Ruthen in die Breite und 30 in die Laͤnge einen Morgen, worin man etwan 3 rigische Lof saͤet; 30 Morgen eine preußische Hufe, 2 Hufen einen Hacken, der 4 Last und 12 Lof rigi- sche Aussaat fassen kan. Doch sind hierin Heuschlaͤge, Moraͤste, Holzung und ander unbrauchbar Land nicht mit begriffen. Unter dem 7ten Febr. 1627 meldet der revelsche Herr Buͤrgermeister Ramm, daß ein Hacken in welchen 12 Tonnen Korn gesaͤet werden sollen, 54 Stangen lang und 36 Stangen breit sey, und also 1944 Stangen ins Gevierte betrage, jede Stange zu 6 revelschen Ellen gerechnet. Jn Jerven hielt ein Hacken Landes in die Laͤnge 62 Bast, jede Bast 62 Faden in die Laͤnge und 62 Faden in die Breite, worin Daß in vorigen Zeiten das Getreide gewogen worden, erhellet nicht allein aus den ehmaligen Schenkungsbriefen, darin die talenta naualia das Maas bestimmen, und aus alten Kaufbriefen da 1547 Simon Anrep an Fromhold von Tiesenhansen zu Doͤrpt einen Erbbauer um 110 Mk. und 114 Pf. Haber verhandelte; sondern es sind noch jetzo die Spuren davon in den so genan- ten Kleinen Kornwagen uͤbrig, nach deren Anzeige die Guͤte und Schwere des Korns im Grossen beurtheilet wird. Noch heutiges Tages werden 5 Liespfund Mehl gewogen und fuͤr einen Lof ver- kauft. Mehrere Beweisthuͤmer kommen in diesem Theil vor. 12 Pf. jervisch gesaͤet werden kan. Auf die Bast rechnete man 30 Tonnen jervisch Maas, in der Wyk aber machte ein Hacken Landes 3942 Quadratfaden aus. Nach einer anderweitigen Bestimmung nimt man zu einem lieflaͤndischen Hacken, in dem 30 Tonnen gesaͤet werden, 1844 Faden in die Laͤnge und 961 Faden in die Breite. Das Bisch. Nicolaus. zur Zeit der Regierung Hermans Balcke. lich, und erlegte ihrer in einem Treffen bey Jsebursky, 2 Meilen von Pit- 1243 schuer, 600 Mann, verband sich hierauf mit dem doͤrptischen Bischof, ruͤck- te vor die Stadt Pleskow, und versahe sie mit guter Besatzung, weil der rus- sische Czaar Gerpold kapituliret hatte und mit seiner Besatzung abgezogen war. Albert der Abt berichtet, daß Graf Adolph von Holstein den Lieflaͤndern damals mit einer ziemlichen Macht beigestanden habe. Des Alters und der Ruhe halben begab sich dieser Meister nach Deutsch- land, wo er 2 Jahr nachher gestorben und begraben worden Der preußische Moͤnch Simon Grunow, Predigerordens, setzt seinen Todestag ins Jahr 1238, und giebt das damals noch nicht angelegte Zantir zu seinem Begraͤbnis- ort an; worin ihm Schurzfleisch ein doppeltes Versehen Schuld giebt. Wir fol- gen dem Duisburger S. 61 und 114, nach dessen Zeugnis Balcke nicht voͤllig 6 Jahr Meister gewesen. Unsre Geschichtschreiber wissen von seiner Abdankung nichts, und verwechseln also sein Abschiedsjahr 1243 mit dem Jahre seines Todes, den fast alle ins Jahr 1245 setzen. Jndessen ist man nicht in Abrede, daß dieses Meisters Regierung gemeiniglich noch gar zu lang angegeben werde, da selbst manche preußische Schrift- steller von ihm nichts wissen wollen, sondern Diedrich von Gruͤneck zum ersten Meister angeben. Unsre Documente zeigen uns einen Meister von Liefland, Namens An- dreas von Velven oder Noͤtken, der sich lange Zeit mit den abtruͤnnig gewordenen Oeselern herum getummelt, und im Jahr 1241 mit ihnen einen Vergleich errichtet, den wir bey diesem Jahre beigebracht. Den preußischen Ordensherren standen die Beschwerden in Liefland nicht wol an, daher sie bald wieder nach Hause giengen oder die Ruhe suchten. Vielleicht waren sie den Lieflaͤndern selbst nicht angenehm, die der alten Freiheit gewohnt waren, und gerne Vorsteher aus ihrem Mittel hatten. Daß aber dieser Andreas von Velven nicht Promagister oder Vicemeister, sondern wirklicher Ordensmeister gewesen, bezeuget ein andrer Vergleich von 27 Aug. 1255, in welchem Andreas von Stuckland den Oeselern ihre Freiheit vermehret, um diese armen Leute nicht zur Verzweifelung zu bringen, sondern ihnen das Christenthum er- traͤglich zu machen. Er beziehet sich ganz ausdruͤcklich auf den Vertrag, der von sei- nem Vorfahren, Magistro Andrea Domus St. Mariae Teutonicorum in Riga, mit den Oeselern gestiftet sey: und damit sich diese Aufruͤrer nicht wieder an der heil. Ma- ria versuͤndigen moͤchten, so begnadiget er sie mit 7 Artikeln, und darunter auch mit dem Erbschaftsrechte; daß, wo sich jemand, auf Eingebung des Teufels, die Kehle abge- schnitten, die Erben nicht mehr um des Selbstmoͤrders Verlassenschaft kommen, noch die Erbschaft dem Landesherrn zufallen, sondern den nechsten Verwandten zu Theil wer- den solle, die auch alle so gleich ihr Recht vor Gericht erhalten sollen. Fuͤr diese Wohl- that muͤssen sie dem Orden im Winter zu Pferde und im Sommer mit Schiffen wi- der die Feinde dienen. Ausser denen lieflaͤndischen Comturen, zu welchen auch der Comtur zur Memelburg, Bernhard, und ein Vogt, Ludwig Balcke, gerechnet wird, sind bey dieser Handlung viele oeselsche Bauren gegenwaͤrtig gewesen, deren Aeltesten sich unterzeichnet Ylle, Culle, Emme, Murhedene, Tawete, Valde, Mese- te, Cake. Diese Leute haben ein unkentlich Siegel in weis Wachs darunter gedruckt, von welchem nur die Umschrift: Osilianorum munimentum zu kennen. . Das Jus prouinciale Liuonic. lib. III, c. 26 schaͤtzet einen besetzten Haken Landes auf 200 Ruthen. Der Herr Revisor Rosenberg bezeuget 1744, daß einem Bauer, der ein Viertelhaͤ- ker heisse, gemeiniglich eine Stelle von 15 Lof rigisch an Aussaat angewiesen werde. Von 1683 und in folgenden Jahren sey eine Tonne Landes von 2 Lof rigisch zu 14000 schwedischen Ellen, die 350 \frac{35}{36} Quadratruthen rheinlaͤndisch betragen, jede Ruthe zu 611 \frac{9}{6} schwedischen Ellen gerechnet: Bey der Stadt Riga bediene man sich des rheinlaͤndischen Maasses zur Ausrechnung der Haus- und Gartenplaͤtze, welches auch oft bey Landmessungen zur Parallele der schwedischen Ellen gebrauchet werde. Allen diesen Ungewisheiten abzuhelfen, hat die hohe Krone die Abgaben der Guͤter nicht nach der Hakenzahl, sondern nach ihren Einkuͤnften und Vortheilen be- stimmet, weil nicht alle Guͤter nach der Anzahl ihrer Haken dieselben auch besetzt haben. M Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Der vierdte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens. Heinrich von Heimburg Beim Horner heist er von Hanenberg, beim Strubicz, Friderich von Henne- berg, in der Handschrift von Herrmeistern Hindrich von Henneberg, bey andern von Hemberg oder Hemborch. H. L. Schurzfleisch verdenket es dem Russov ohne Grund, daß er diesen Meister in die Zeit des 4ten Bischofs Nicolaus setzet. . 1244 S eine schwaͤchliche Leibesbeschaffenheit sowol, als die verworrenen Um- staͤnde in dem unruhigen Deutschland, erhielten diesen sonst wuͤr- digen Regenten in stillen Friedensgedanken, deswegen von seinen Thaten nichts in die Geschichtbuͤcher gekommen. Der Groskoͤnig von Nogarden, Alexander, ruͤckte vor Pleskow, in welchem Ort er, trotz aller Gegenwehr, 70 Ordensbruͤder und manchen Deut- schen niedermachte, 6 aber, die er lebendig bekam, uͤber die Klinge springen lies. 1245 Der Orden fertigte nach diesem Verlust eine Botschaft nach Daͤnnemark ab, in Begleitung des koͤnigl. Statthalters von Estland. Der Koͤnig brachte auch schon zu Ystaͤdt eine maͤchtige Flotte zusammen, nach Estland zu segeln, und uͤbertrug seinem Bruder Abel die Anfuͤrung derselben, weil er ihn im Rei- che nicht ohne Furcht zuruͤck lassen konte. Doch der Koͤnig und sein Bruder stel- ten auf die andre Botschaft, daß Alexander sich zuruͤck gezogen, die Reise ein, und begnuͤgten sich, einige Truppen zur Verstaͤrkung der Besatzung in die Grenz- vestungen nach Estland zu schicken. Der ehemals modenesische und damals sabinische Bischof, Wilhelm, machte am 7ten Febr. im 2ten Jahr der Regierung Jnnocentius des IV ten zu Lyon Unter der Regierung dieses Papsts kam der Orden in ziemlichen Flor. Denn etwan ein Jahr darauf ward den Rittern durch Petern von Alba, diesem sabinischen Bi- schof Wilhelm und dem Cardinal Johannes, ausser zwey Theilen in Curland auch noch der dritte Theil von Seingallien zugesprochen; welchen Ausspruch auch Jnnocentius der IV te zu Lyon im 8ten Jahre seiner paͤpstlichen Wuͤrde am 14 Merz bestaͤtigte, und dem rigischen Bischof 200 Haken von Donegange u. Thargele in Cur- land anwies. Die paͤpstliche Bestaͤtigung ist deswegen merkwuͤrdig, weil sie dem Erz- bischof von Liefland, Preussen und Estland, dem Bischof von Riga und dem von Curland zugeschicket worden. Der paͤpstliche Gesandte Wilhelm nennet Curland partem veteris Prussiae, Wegen des bischoͤflichen dritten Theils in Curland verschrieb sich der Hochmeister Wilhelm von Urenbach Den Namen dieses Hochmeisters von Urenbach sucht man in den Geschichtbuͤchern vergebens; wie denn auch Hartknoch die Unvolstaͤndigkeit in dem Register dieser Regenten zugiebt. Die Urkun- de stehet in des Herrn Nettelbladts Fascic. rer. Curland. S. 148, doch mit einer unrichtigen Jahrzahl: zu Venedig 1223, die wenigstens 1246 heissen mus. Denn|| Urenbach beziehet sich auf den curischen Bischof Herman, welcher den Bruͤdern schon einen Theil, und auf den Bischos Heinrich von Littlenburg, welcher den andern Theil von Curland dem Orden in Besitz ein- gegeben habe, da doch der letzte erst 1245 sein Bistum Semgallien mit dem Bistum Curland verwechselte. , daß weder er noch seine Nachkom- men was daruͤber zu sprechen haben wolten. 2 Theile von Curland dem Orden, und dem Bischof den dritten aus, wobey man die in Preussen getroffene Einrichtung zum Muster anfuͤrete, weil die Vorrechte des deutschen Ordens, durch der Schwerdtbruͤder Vereinigung, mit auf die Lieflaͤnder gekommen seyn. Der Orden hatte nicht nur Curland wieder erobert, nachdem die abgefallenen Curen ihren Bischof Engelbert umge- bracht; sondern auch das Schlos, so ehmals Goldingen, anjetzo aber Jesus- bore heist, daselbst erbauet. Jn Bisch. Nicolaus. zur Zeit der Regierung Heinrichs v. Heimburg. Jn demselben Jahre vermachte der rechtmaͤßige Erbe des Fuͤrstententhums 1254 Pleskow, Jaroslaw, den halben Theil seines Landes an die Kirche zu Doͤrpt Die Bewegungsursache dieser Stiftung ist unbekant. Die Meinung, daß die Rus- sen den christlichen Glauben angenommen, findet nicht Stat; weil diese schon laͤngst Christen waren, welches auch Hiaͤrne eingesehen. Vielleicht entdeckt uns Raynald annal. eccles. t. 13, p. 559 n. 29 die Ursache. Jnnocentius der IV te schreibt von Lyon am 3ten May, im dritten Jahre seiner Regierung, 1246 an einige Czaaren in Rusland, daß er seinen Botschafter Albert, Erzbischof von Preussen, Lief - und Estland an sie abfertigen wolle, weil er von ihrem Zutrit zur roͤmisch- catholischen Kirche benachrichtiget sey. Der Papst befehligte auch Albert unterm 7 September nach Rusland, die Botschaft an den durchlauchtigen Koͤnig Daniel anzutreten, und dessen Beitrit zur roͤmischen Kirche in den benachbarten Gegenden bekant zu machen. Allein der doͤrptische Bischof Bernhard wuste sich mit dieser Schenkung nicht gar sicher, indem er 1247 mit des Legaten Bewilligung die ganze Donation dem Orden ab- trat, mit beigefuͤgter Bedingung, daß die Bruͤder dasselbe Land gegen die feindlichen Anfaͤlle in eigner Person, zur Erhaltung der Kirche zu Doͤrpt, schuͤtzen und vertheidigen solten. . Nach einer zweijaͤhrigen Regierung noͤthigte den Ordensmeister seine Unpaͤs- lichkeit nach Deutschland zu gehen, und der Ruhe zu geniessen. Der fuͤnfte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens. Dietrich von Gruͤningen. Chytraͤus giebt ihm keinen Zunamen; Strubicz nennet ihn Dirick von Griningen. Kajalowitz schreibat schlechtweg Meister Diedrich, andre Theodor von Groningen, und von Gronen. Noch andre Meister von Gruneck oder blos Heinrich. Horner setzt ihn gleich nach Balcken, andre noch wunderlicher nach Volquinen. Mit der Zeitrech- nung hat es hier folgende Bewandnis. Die Urkunde, welche Herr Gruber aus Nettelbladts Samlung anfuͤhret, und die vom 11ten Maͤrz im dritten Jahr der paͤpstlichen Regierung datiret ist, meldet uns diesen Ordensmeister zuerst. Bey diesem Jnstrument aber findet die am Rande beygeschriebene Jahrzahl 1245 nicht stat, weil beim Raynald, in dem Schreiben des Papsts an einige rußische Czaren, der 11te May 1246 nicht ins dritte Jahr des Jnnocentius IV, fallen kan. Wir haben also das Jahr 1246 ihm geben muͤssen. Jnnocentius nahm sich seiner besonders an, und lies zu Lyon durch Peter, Bischof von Alba, und Wilhelm, nunmehrigen Bischof von Sabina, wie auch durch den Cardinalpriester Johann, den Erzbischof zu Ri- ga, Albert, ermahnen, die Freyheiten des Ordens nicht zu kraͤnken, den Verord- nungen des Legaten von Modena nicht entgegen zu handeln, sonderlich derjenigen, in welcher den Bruͤdern zwey Theile von Curland mit dem Zehnden ausgemacht sein; auch solle der Erzbischof weder mit Christen noch Heiden gegen den Orden ein Buͤndnis eingehen. Geschrieben zu Lyon, am 24 Februar, 1251. E r brachte den groͤsten Theil seiner Regierung mit den unruhigen Curen 1246 zu. Diesen Leuten wolte es nicht recht in den Kopf, mit der Taufe zugleich die Knechtschaft der Deutschen anzutreten, und hiengen sich daher an die Litthauer, welche auch unter ihrem Grosfuͤrsten Myndow aufbrachen, und Curland von der fremden Re- gierung erloͤsen wolten. Am 25 May verstattete Johann, Herr von Meck- lenburg, den rigischen Buͤrgern zu Wismar und in andern Oertern seines Gebietes, eben die Freiheit, welche die Luͤbecker geniessen. Herr Gottfried Buͤlow, Herr Johann sein Bruder, Herr Bernhard von Walie, Herr Dietrich Clawe, Herr Ulrich sein Bruder, Ludecke von Ham, Zolein- nehmer, Heinrich von Dortmund, Buͤrgermeister, Dittmar von Buco- M 2 we, Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1246 we, Ulrich und Niclaus von Cusveld, Wizzel Kleine (Paruus) Hin- rich von Bucow, Hildebrand von Pole; rigische Buͤrger, waren Zeugen. 1247 Auf eingelaufene Nachricht, daß die Curen und Litthauer mit einem Heer von 30000 Man Ampoten belagert, machte sich der Ordensmeister in Person auf, uͤberrumpelte die Belagerer, und jagte sie nach einem Verlust von 500 Mann nach Hause, doch blieben beim Entsatz vier Ordensritter und 10 andre Lieflaͤnder. Der Ordensmarschal Berwart sol dieser Unternehmung mit beigewohnet haben. Dietrich drang hierauf in Litthauen ein, wo er sengte und brente, aber auch manchen Kopf verlor. 1248 Der daͤnische Koͤnig Erich bestaͤtigte zu Rotschild dem Cistercienser- kloster Gudwall in dem Bistum Linkoͤping, Nach Arrild Huitfelds Bericht war Gudwal, das erste Kloster in Liefland, Ci- stercienserordens. Was hat aber Huitfeld durch diesen mangelhaften Bericht unsern un- gedruckten Geschichtschreibern nicht zu rathen aufgegeben? Herr Thomas Hiaͤrne gab sich viel Muͤhe dieses Kloster zu finden, konte aber mit allem Nachsuchen weiter nichts heraus bringen, als daß einige Guͤter in Harrien und Wirland dazu gehoͤret haben, deren Namen er doch aus dem Huitfeld abgschrieben zu haben scheinet. Einige haben daher dieses Kloster in Walck gesucht. Jn der aus dem Huitfeld genommenen Er- zehlung begehet Herr Hiaͤrne auch einen Fehler, indem er des lundischen Erzbischofs Eskill Erbgut und gestiftetes Kloster Esserum fuͤr einen Moͤnch Namens Esserus, angesehen, den Waldemar I nach Estland geschickt habe; da doch der daͤnische Geschichtschreiber sich so ausdrucket, daß das Kloster Esserum (Escheraum) dem Kloster Gutwal Moͤnche uͤberlassen, und selbige dahin geschickt. Der Papst weis uns dieses so lange vergeblich gesuchte Kloster besser anzuweisen. Benedictus der XI te beschweret sich in einem Schreiben an den Stathalter des Koͤnigreichs Daͤn- nemark und des Herzogthums Estland, daß der Hoͤchste durch den Druck der Geistli- chen und sonderlich der Ordensleute sehr beleidiget werde, daß man den Eifer der Ci- stercienser unterdruͤcke, den Moͤnchen viel Herzleid zufuͤge, ihre Guͤter einziehe, und sie selbst im Gefaͤngnis halte, da doch alle Geistliche frey seyn muͤsten. Er verlanget also, daß der Stathalter die Steuer der 400 Mark rigisch den Cistercienserkloͤstern Valckena, Padis und Guthwal erlasse, damit die Kirchenfreiheit nicht zu Grun- de gehe. Gegeben zu Avignon, am 9ten Febr. Ein andrer Brief vom 20 April wiederholet ein gleiches, setzet den Orden zum Schirmherrn dieser drey Kloͤster, und spricht alle Kloͤster in Estland von Schoß uud Abgaben frey. Jn beiden paͤpstlichen Schreiben werden besagte Kloͤster in die Bistuͤmer Doͤrpt, Revel und Linkioͤping verleget. Nach dem andern, so an den Ordensmeister in Liefland gerichtet ist, gehoͤret Padis zu Estland, in welcher Provinz die beiden andern Kloͤster einen grossen Theil ihrer Guͤter haben. Nun wil sich das 7te Jahr der paͤbstlichen Regierung und der Ort Avignon mit der diesen Briefen beygesetzten Jahrzahl 1305 nicht wol reimen, wenn anders die gemeine Zeitrechnung der Paͤpste um diese Zeit richtig ist. die vom Herzog Cnut er- haltenen Privilegien, und erhandelte zum Nutzen desselben von den Deutschen in Est - und Wirland die Doͤrfer Kale, Xalemachi, Ugri, Culmias, Sicudal, Adalica, Kallis, Wonei, und Pernispaͤ. Doch musten die Bauren auf das Schlos nach Revel froͤnen, und in Kriegszeiten sich wie Sol- daten gebrauchen lassen. Er segelte auch selbst nach Estland, besorgte die noͤ- thigsten Anstalten im Geistlichen und Weltlichen, machte allerhand geistliche Stif- tungen und schenkte, als er wieder nach Lund kam, am 8ten April dem estlaͤndi- schen Bischof Torchill 14 Haken im Dorfe Kawwel, so Ulrich Schuͤ- tzen gehoͤrte, bestaͤtigte auch das gottselige Vermaͤchtnis, in welchem sein Vater vor 9 Jahren das Bistum Revel so reichlich beschenket hatte, geschehen zu War- tinsborg, am 11 September Wenn die Daͤnen uns die estnischen Namen nicht so sehr radebrechten, so koͤnten wir die an das Bistum Revel geschenkte 80 Hacken in den Doͤrfern Obwald, Ruts, Sammitkertel, die sonst Robert von Sluck gehoͤrten, und in den Doͤr- fern Chokere, Pesack, Carris und Waimel suchen, die ein gewisser Luttgard ehemals besessen. Die 40 Hacken, welche dem Bistum Wirland zugeschlagen wer- den Dem Orden in Preussen und Liefland aber B. Nicolaus. zur Zeit der Reg. Dietrichs v. Gruͤningen. aber untersagte er in einem eigenen Schreibenden Eingrif in die koͤniglichen Guͤter 1249 in Estland. Nach einigen Verdrieslichkeiten mit dem Erzbischof Albert, dankte Die- 1250 trich ab, und begab sich nach Lyon, wo er fuͤr den Orden manches Gute aus- richtete. Der Papst Jnnocentius der I ste lies durch die Bischoͤfe, Peter von Alba und Wilhelm von Sabina zwischen ihm und dem Erzbischof einen Vergleich stiften, der auch im folgenden Jahre am 24 Febr. zu Stande kam, darin alle Beleidigungen gegen einander aufgehoben werden. Der Erzbischof sol das Kreutz und Glaubensgeschaͤfte durch Predigen und Rathen befoͤrdern, die Ordensprivilegien unangefochten lassen, sich nach des modenesischen Bischofs Urtheil mit einem Theil in Preussen und Curland begnuͤgen lassen, den Or- densbruͤdern das Loͤsegeld von den Geluͤbden abgeben, ihnen nichts zu Leide thun, oder thun lassen, sich weder mit Christen noch Heiden gegen den Orden verbinden, dagegen die Bruͤder dem Erzbischof seinen gebuͤhrenden Respect geben, keine Ver- bannten in Schutz nehmen und alle Neubekehrten freundlich und gelinde halten muͤssen. Jhm wird sonst die Erbauung der Schloͤsser Ampoten und Curland Curland, ein altes Schlos nach dem Namen des Landes. Die erste Erwehnung der Curen findet man bey dem hamburgischen Erzbischof Rembert im Leben des heili- gen Ansgarius, k. 27, worinne diese Nation Chori heissen, welche der historische Dichter Gualdo eben so benennet. Aus dem Rembert hat der Canonicus Adam von Bremen diese Benennung entlehnet, in seinem Buch von der Lage Daͤnnemarks, Kap. 223. Saxo der Seelaͤnder nennt sie Curetes, doch lassen sich des Ptolomaͤi Caryones nicht dahin rechnen. Paul Einhorn hat in seiner lettischen Historie S. 11, den alten Sitz der Cureten weder richtig gesucht noch richtig gefunden. Da Rembert sowol als Adam auf blosses Hoͤrensagen geschrieben, und Curland, wenn es nicht Oesel bedeuten sol, eben so wie Estland, zur Jnsel machen; so laͤst sich aus ihnen so wenig der alte Zustand beider Provinzen erweisen Der Text Adams von Bremen heist im ganzen so: Quarum (insularum Sinus Balthici ) maxima est illa, quae Curland dicitur, iter octo dierum habens; gens crudelissima propter nimium Idololatriae cultum fugitur ab omnibus: aurum ibi plurimum, equi opti- mi, diuinis auguribus atque necromanticis omnes domus sunt plenae, qui etiam vestitu mo- nachico induti sunt. A toto orbe ibi responsa petuntur, maxime ab Hispanis et Graecis. Herr Gruber verstand darunter die Jnsel Oesel, davon doch ausser dem Namen nichts zutreffen wil. Hielte mans auch fuͤr eine von den Moͤnchen in der lateinischen Bibel beibehaltene hebraͤi- sche als aus dem Snorro Sturlon- son, wo der Lagman von Upland, Thorgnyr an Koͤnig Olaus III von grossen Schloͤssern und Vestungen pralet, welche der Koͤnig zu Upsal, Erich Eimund, in diesen Ostlaͤndern angeleget haben sol. Man vergleiche damit Seite 128 in den Liuo- nicis, oder einiger zu mehrern Erleuterung der mit Anfang des 1700 Jahrs in Liefland entstandenen Unruhe dienlicher Stuͤcke und actorum publicorum fasciculum tertium. Das Chronicon Kiouiense nennt Curland Corsia. Montan fuͤhrt den Namen des Landes von dem lettisch - und curischen Worte Jure, das Meer, welches wie Chure gelesen worden, und von Semme, das Land her; daher Oesel die Be- nennung Churesaͤare d. i. die Meerinsel erhalten. Cluverius setzt die Scyren zwischen die Weichsel und Duͤne, woraus Montan die Churen macht, weil y und u leicht verwechselt werden, als σϰύτος Scutica, ϰϱυςαλλος auf rußisch Chrustal, Yyrge auf rußisch Yurge, so auch Thyle und Thule. Unter den Hirren mag man ent- weder die Wirics, Wirlaͤnder, oder die Harrier um Revel verstehen, weil sie est- nische Voͤlker seyn sollen, und man sie daher nicht in Curland zu suchen hat. Die Sprache in Curland ist die lettische. 1251 zugeschrieben. Der den sollen, liegen unter dem Gute Salgalle. Es ist gar kein Wunder, wenn solche Schreibfehler sich durch viel Jahrhunderte hindurch erhalten. Die Lieflaͤnder mu- sten schon 1375 eine Vereinigung uͤber gewisse Namen von solchen Doͤrfern schliessen, die in den Specialbullen nicht richtig getroffen waren, weil die paͤpstl. und kaiserlichen Kanzleien die eigenthuͤmlichen Benennungen der Oerter sehr ungestalt und unkentlich ausgedrucket hatten. N Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Der sechste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens. Andreas von Stuckland. Horner nennet ihn von Stockland, Waissel hingegen von Staverland. Die Urheber der neuesten Beschreibung der Ritterorden, von Strickland, Stru- bicz, von Seeland. Er heist auch Anno in dem deutschen Briefe von 1255, nach welchem die rigischen Buͤrger in der See Kanijerwe fischen koͤnnen. 1251 Die Grafen Johann und Gerhard von Holstein, Wagrien und Stormarn gaben den Buͤrgern und Kaufleuten zu Riga die Freiheit unterm 7. Aug. daß, wenn sie nach Hamburg oder sonst in ihre Lande kaͤmen, selbige von Zoll und Unpflichten ewig und gaͤnzlich los seyn solten. Der Brief ist unterzeichnet vom Bruder Adolph, ihrem Vater, Gervasius dem Kapellan, den Rittern Vrowin, ih- rem Lehnsmanne Otto von Luͤneborch, Albrecht von Medebeke und an- dern mehr. An der Urkunde henget an einer gelben seidenen Schnur von gemei- nem Wachs ein Siegel, in dessen Mitte das Bild eines geharnischten Reuters, der in der Rechten den blossen Sebel, mit der Linken hingegen den Zaum des Pfer- des haͤlt: umher stehet die Umschrift: S. Iohannis Comitis Stormarie, Wagrie et Holtzatie. Das andre Siegel haͤlt eine rothe seidene Schnur, mit einem Schilde in Gestalt eines gezackten Nesselblats, nebst den Buchstaben am Rande: S. Johannis et Gerhardi Comitum de Schowenburg. Dieser Freiheitsbrief ist etlichemal, und unter andern vom Erzbischof Sylvester, in Abschrift genommen worden. Der Koͤnig von Daͤnnemark, Abel, uͤbertrug dem Bischof Her- man von Oesel und der Wyck den ewigen freien und voͤlligen Besitz des oͤsel- schen und wyckischen Bistums, entsagte sich aller Anspruͤche darauf, und der Kosten, welche der Bischof dem Koͤnige nach gewonnenen paͤpstlichen Ur- theil auszahlen muͤssen. Die koͤnigliche Ceßion an den Bischof liefert Huitfeld S. 230 und Pontanus S. 340. Die an den Meister aber kennen wir aus oͤffentlichen Abschriften, die mit der ersten fast gleichen Jnhalts sind. Beyde sind zu Nyborg am 8 Aug. von dem schwedischen Primas Uffo, Erzbischof zu Lund, den Bischoͤfen Eschil zu Schles- wig, Jacob zu Rothschild, Esger zu Rypen, Jacob zu Odensee, dem koͤ- niglichen Bruder Christoph, dem Grafen Ernst von Gleichen, dem Grafen Jo- hann und Gerhard von Holstein, dem Ritter Gerbert von Stoltenborch, dem Kaͤmmerer Tycho Host, Andreas Peterson, Johann Nilson, Saxo Peter- son und andern mehr unterschrieben. Der Koͤnig fuͤhret darin an, daß sein Vater Woldemar und sein Bruder Erich dem Bischof wider Abels Willen am paͤpstlichen Hofe zu viel gethan. Die daͤnischen Geschichten beschreiben uns diesen Her- man als ehmaligen Kanzler bey Abeln, welcher um seines Herren willen manches gewaget, und daher von Abeln bey desselben Gelangung zum Thron, mit diesem Freibriefe begnadiget, aber auch von dessen Vorfahren gegen die Versicherung von 1238 sey beeintraͤchtiget worden. Eine alte Grenzscheidung zwischen der Wyck und Harrien, worin eines Abts von Padis Erwehnung geschicht, nennet diesen Her- mann einen Herrn von Buxthoͤveden, Bischof von Oesel und Besitzer des Klosters zu Leal, in den Zeiten da Bruder Russe sein Vogt zu Leal, und Leetgas Haupt- mann Gleichfals trat Abel diesem Ordensmeister Andreas sein sche Redensart, und verstuͤnde durch eine Jnsel nur ein an der See gelegenes Land, oder das eigentliche Curland; so wird sich doch die uͤbrige Beschreibung, ohne grosse Leichtglaͤubigkeit, schwerlich auf das feste Land deuten lassen. Des Sieges uͤber die Curen ruͤhmt sich der kluge und grosse Starcather in folgenden Versen an Hatherum beym Saxo, S. 152. Hinc mecum egregiis congressum viribus Hamam Enecui, mox cum Rino duce, Flebace nato, Obtriui Curios ( Cranz liest Kyrios ) vel quas alit Estia gentes, Et populos, Semgalla, tuos. B. Nicolaus. zur Zeit der Reg. Andreaͤ v. Stuckland. sein ganzes Recht auf Gerwen, Alenpoys, Normegunde, Moche und 1251 Waigele ab, damit das Reich GOttes durch Einigkeit erbauet wuͤrde zur Ver- gebung seiner Suͤnden. Diese freywillige Schenkung bestaͤtigte der Papst Martin der IV am ersten Septemb. 1282 zu Monte Fiascone, der revelsche Bischof Heinrich aber versahe sie 1307 mit seinem Vidimus. Die Litthauer versuchten ihr Heil durch eine neue Streiferey in Liefland, 1252 wurden aber mit blutigen Koͤpfen nach Hause begleitet. Die Lieflaͤnder hinge- gen ruͤckten gar in Samogitien, und zogen durch Semgallien, nachdem sie in beyden Laͤndern fette Beute gesamlet, wieder nach Hause. Der Koͤnig Min- dow in Litthauen bekam hiedurch Friedensgedanken, stellte sich auch auf der Deutschen Einladung zu einer Unterredung ein, in der er seine Neigung zum Christenthum entdeckte, welches dem Papst Jnnocentius dem IV ten hinter- bracht wurde. Der Papst sandte zwey Kronen, oder lies sie auch in Riga ver- fertigen, die der lieflaͤndische Erzbischof an seinen Bruder Heinrich, Bischof zu Culm, in Begleitung des Ordensmeisters nach dem koͤniglichen Wohnsitz in Litthauen schickte, wo Heinrich den Mindow nebst seiner Gemahlin, wel- che in der Taufe Martha genennet wurde, nach geschehener Taufhandlung zum Koͤnig und zur Koͤnigin von Litthauen kroͤnete. Der Bischof belehnte auch den Mindow im Namen des Papsts mit Litthauen; da denn diese feierliche Handlung bey allen Hofleuten einen solchen Eindruck machte, daß uͤber 600 vor- nehme Litthauer sich mit taufen liessen, obgleich die uͤbrigen Unterthanen auf diese Unterwerfung schlecht zu sprechen waren. Es ist bey unsern Schriftstellern noch nicht ausgemacht, welcher Papst den Mindow in den Schoos aufgenommen. Russow giebt Jnnocentium dem IV ten und Kelch Alexandern dem IV ten zu seinem geistlichen Vater an. Russow hat Recht, weil ihm Kojalowicz P. I, lib. 4 nicht entgegen ist, Michow, Guagnini und unsre Ur- kunden aber beistimmen. H. Spodanus schliest es aus det Fortsetzung der Jahrbuͤ- buͤcher des Baronius. Am unwiedersprechlichsten bezeugen es Myndows eigene Briefschaften, unterm Jahr 1257. Einige gehen in manchen Umstaͤnden etwas von ihm ab; nemlich weil der Fuͤrst von Polocz, Theophilus, von seinem Bruder Mindow bekrieget wurde, hieng er sich, unter Vorwand des Beitrits zur roͤmischen Kirche, an den Ordensmeister, daher ihm Mindow den Streich spielte, und beim Erzbischof ebenfals um die Taufe anhielt, welches sich dieser fuͤr seinen Kopf nicht zu bewilligen getrauete, bis ihn der Papst dazu Erlaubnis ertheilte. Der Rath und die Geistlichkeit in Riga haben eine eigene Acte in dieser Heidenbekehrung ausgestellet, daß der Koͤnig Mindow nach seiner Kroͤnung unb Salbung Geistliche und Moͤnche in sein Land genommen. Die Herren Polen und andre schreiben diesen Namen Men- doc, Mendego, Mendolph, Mende, Mendogunus und Mindog, welches alles gegen die Urkunden ist, und machen ihn, wiewol faͤlschlich, gleich nach einem Jahre N 2 Der mann zu Revel war. Also saͤumte Hermann nicht, die Grenze auf eine sehr um- staͤndliche und bestimte Art mit dem daͤnischen Statthalter zwischen seinem Stifte und dem koͤniglichen Lande in Richtigkeit zu bringen. Sie faͤngt sich an vom Dorfe Walckle in Harrien, bey einem grossen Baum vorbey, worein ein Bischofsstab ge- hauen ist, und gehet uͤber den Bach Kellamecki bis in den Busch Aitepaͤh, wo der Stiftsbauer Magdis zu Komedy wohnet. Hier setzt es Noth in unsern Hand- schriften, die diesen Grenzbrief, der keine Jahrzahl hat, weder mit den Jahren 1224 noch 1334 vergleichen koͤnnen, in welchen Hermanne regieret haben. Weil die letzte Jahrzahl zu neu, indem Oesel und Leal schon laͤngst eingegraͤnzet gewesen, und der andre Hermann den Beinamen von Osnabruͤg gefuͤhret, die erstere aber des Klosters und Abts zu Paids halber zu alt ist; so muͤssen wir wol aus den daͤnischen Schriftstellern und unsern Urkunden einen mitlern Bischof Hermann annehmen, und wer weis ob dieser angegebene Herr von Buxthoͤveden nicht Schuld daran ist, daß man dem Bischof Albert, als Bruder des ersten Hermanns, den sonst vornehmen Namen derer von Buxthoͤveden beigeleget. Dieser Hermann faͤllt in die Jahre 1277, und nicht, wie Huitfeld schreibt, ins Jahr 1251, indem selbst in Urkunden noch lange nachher Heinriche vorkommen. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister. 1252 Der Ordensmeister Andreas untersiegelte nebst dem Bischof Heiden- reich in Preussen und dem rigischen Dompropst Hezelin, den andern Tag nach Lucaͤ des Evangelisten, auf dem Schlosse zu Goldingen 1252 einen Ver- trag, in welchem der Bischof Heinrich von Curland und der Ordensgebietiger Eberhard von Seine, auf Ansuchen des rigischen Propsts die Worte eines Briefes: daß ohne Genemhaltung des Bischofs und der Bruͤder keine Staͤdte in Curland angeleget werden, die Bruͤder hingegen zwey Theile und der Bischof ei- nen Theil haben solle, blos von der Stadt Memelburg wollen verstanden wis- sen, welche Stadt zwischen der Memel und Daughe liege. Die Muͤnze, so zu Memel gepraͤget ist, wird durch ganz Curland fuͤr guͤltig erklaͤret. 1253 Der lieflaͤndische Erzbischof Albert, der bis jetzo noch Diener der Kirche zu Luͤbeck war, sandte einen Bannbrief herein wider die Strandkaper, die sich die Schiffe, welche zwischen Luͤbeck, Gothland und die Duͤne hinauf, oder nach Lief- und Estland segelten, nach der Strandung zu pluͤndern unter- stehen wuͤrden, vermoͤge dessen auch andere, so durch kaͤufliche Erstehung, Ein- tauschung oder Bergung etwas von dem Gestrandeten an sich gebracht, als muth- willige Todtschlaͤger angesehen, und so lange von der Kirchengemeinschaft ausge- schlossen wurden, bis sie das Geraubete doppelt ersetzet. Luͤbeck im Monat Junius. Weil diese Urkunde verschiedene bisher unbekante Umstaͤnde entdecket, so haben wir sie hier nicht weglassen koͤnnen. Daß das Bistum Revel mit unter den rigischen Kir- chensprengel gehoͤre, ist schon aus andern Zeugnissen bekant. A lbertus miseratione diuina Archiepiscopus Liuoniae, Esthoniae et Prussiae, minister Ecclesiae Lubecensis: Omnibus Sanctae Matris Ecclesiae fidelibus, ad quos prae- sens scriptum peruenerit, salutem et benedictionem a Domino. Christiani nomi- nis religio hoc requirit, vt super afflictos pia gestent viscera, quae sibi volunt in suis necessitatibus subueniri, et hoc idem persuadet lex et ratio naturalis, vt, quaecun- que volumus nobis fieri, eadem et nos proximis nostris maxime, necessitatis tempo- re, faciamus. Cum itaque necessitas non modica, imo vna de maximis et de prae- cipuis reputetur, vt, cum sideles quique mercatores in licitis negotiationibus res et personas suas exponant discrimini, et tempestatis periculo ingruente quasi nihil aliud nisi mortem ante oculos videant incumbentem, et parum reputant res omnes deper- dere, sola vita contenti, miramur et mirari non sufficimus, quomodo inueniri pos- set quisquam tam perditus et prophanus, qui manus suas sacrilegas praesumat exten- dere ad res illorum, qui de naufragio et maris periculo per solam Dei clementiam sint saluati, quod omnium raptorum et praedonum crudelitatem excedit, vnde | vo- lentes cum Dei adiutorio tanto sceleri congruis remediis obuiare; tale duximus prouidendum, vt secundum sanctiones canonum et imperialia decreta maiorum omnes huiusmodi sceleratissimos praedones vno animo persequamur, decernentes inprimis, vt omnes supra dictos fideles, qui mare navigant inter Lubecam et Gotlan- diam, et inter Dunam fluuium *) adscendendo, nec non ad omnes partes Liuoniae et Esthoniae sub Apostolica sede et nostra protectione consistant, nec quisquam eos contra justitiam audeat perturbare, et tam perturbatores, quam participes eorum, seu tutores ac defensores excommunicationis vinculo fint adstricti, et quicunque de rebus sic ablatis in emtione, permutatione vcl conseruatione aliquid participare prae- sumserit, donec ablata in duplum restituat, tam diu ab ingressu ecclesiae sit suspen- sus, ac si voluntarium homicidium perpetrasset. Iudices autem seculares huiusmodi latrocinia potestate sibi tradita, tanta diligentia persequantur, vt ipsos non oporteat rationem reddere de neglectu, quod non turbare peruersos nihil aliud sit quam fo- uere. In parochia vero illa, vbi talis rapinae facinus perpetratur, statim cessent di- uina officia, et significetur Episcopo loci et judici seculari, quod propter talem causam diuina cessauerint, et vterque opponet remedium salutare antequam fiat resumtio di- uinorum Der littauische Koͤnig Myndowe gab den rigischen Kaufleuten ein ansehnlich Handelsprivilegium in seinen Landen. Nachdem Jahre zum Mammelucken. Er stelte im Jahr 1253 der Stadt Riga den Freiheits- brief aus, durch sein ganzes Land zu handeln, worinne er umstaͤndlich bekennet, daß er durch den Dienst des culmischen Bischofs H. zum Koͤnig von Litthauen gesal- bet worden. Erzbisch. Albert. zur Zeit der Reg. Andr. v. Stuckland. Nachdem der letzte rigische Bischof Nicolaus die Augen zugethan, suchte 1254 sich das Domkapitel, dem der Orden schon zu Haupte gewachsen, einen bey dem Papst beliebten Mann aus, und fiel mit einmuͤthiger Wahl auf den um Liefland sehr verdienten Albert, Bequemer laͤst sich das Jahr, da dieser Erzbischof seine Wuͤrde angetreten, nicht be- stimmen, als daß wir das Jahr 1254 dazu machen; weil er 1253 noch in Luͤbeck Bi- schof, 1255 aber, im Jenner, schon in Riga Erzbischof war. Jnnocentius der IV te ruͤhmet ihn in dem Brife an etliche rußische Czaren, als einen Mann nach seinem Her- zen, den ein frommer Wandel, eine feine Gelehrsamkeit und reife Erfahrung ziere. Als Bischof zu Luͤbeck muste er, nach dem Lindenbrog in Scriptor. Septembr. p. 173, am 29 Novemb. 1247 dem bremischen Erzbischof, Gerhard dem II ten, einen doppelten Eid schwoͤren, erstlich die luͤbische Kirche in allem schadlos zu halten, und zweytens, sich niemals von der Unterwuͤrfigkeit unter dem Erzstift loszureissen, und endlich noch, wie Herr Gruber anmerket, als apostolischer Legate versprechen, die Bischoͤfe von Liefland, Estland und Preussen dem erzbischoͤflichen Kirchensprengel auf seine Ko- sten zu unterwerfen. Dabey ist merkwuͤrdig, daß dieser letzte Artickel nicht beschworen worden. Waͤre er aber auch beschworen gewesen, so blieb doch noch die Frage uͤbrig: ob der Eid, wozu der bremische Erzbischof einen paͤpstlichen Gesandten ohne Vorwis- sen seines Herrn gezwungen, seine Verbindlichkeit behalten? Albert haͤtte mehr dem Papst, als dem Erzbischof gehorchen muͤssen. Der Ausgang hat gewiesen, daß Albert das Letzte, nicht ohne Vorbehalt in seinem Herzen, angelobet. Denn weil er schon lange den erzbischoͤflichen Titel fuͤhrte, so fand er keine bequemere Stelle offen, als das ri- gische Bistum, das sich am natuͤrlichsten zu seiner Legatenwuͤrde schickte, und wo eine erzbischoͤfliche Mutterkirche angeleget werden konte. Er begruͤste deswegen Gerhar- den zu Bremen mit keinem Worte darum, sondern zog ohne Abschied zu nehmen nach Riga, machte sich selbst zum Primas, und fieng so gar bis Litthauen an um sich zu greiffen, wo er den vom Bischof Albert g esetzten Bischof den Eid eines Suffragans ablegen lies. Alexander der IV te aber, wie Raynald beim Jahre 1254 n. 27 er- zehlet, erklaͤrte diesen Eid fuͤr unguͤltig und verwarf das ganze Unternehmen, weil er selbst Lust hatte, die Litthauer unmittelbar unter den paͤpstlichen Stuhl zu ziehen. welcher um seiner wichtigen Aemter willen, vom Papst 1255 Alexander dem IV ten zu Neapolis am 20 Jenner die Volmacht erhielt, in welcher das bisherige Bistum zu Riga in ein Erzbistum verwandelt wurde. Die Volmacht, worin Riga zu einem erzbischoͤflichen Sitz erklaͤret wird, hat uns Raynald in seiner Kirchengeschichte Th. 14, S. 13 und 64 volstaͤndig aufgehoben. Sie ist zu Neapolis vom 23 Jenner 1255 unterzeichnet. Alexander der IV te bezieht sich darin auf seinen Vorgaͤnger Jnnocentius den IV ten, welcher Albert den II ten zum Erzbischof uͤber Preussen, Lief- und Estland ernennet. Der Papst giebt ihm nun den Titel von einem gewissen Sitze als rigischen Erz- bischof, nachdem er vorher nur Erzbischof uͤber Lief-Estland und Preussen geheissen. Dieser Umstand ist in der Geschichte wohl zu bemerken. Das Erzbistum Liefland ist aͤlter als das rigische Erzbistum, ob es gleich eine Dioͤces ist. Es stand Albert nemlich frey, eine von besagten drey Provinzen zu erwehlen, und in einer bischoͤflichen Stadt das Erzbistum anzulegen, weil die Weil sich Albert mit dem blossen Beifal seiner Suffraganen zum uinorum, et si remedium neglexerit adhibere judex ecclesiasticus, ipso facto ab in- gressu ecclesiae sit suspensus, judex vero secularis judiciaria careat potestate, et si ipsum praeuenit, poenae simili subjacebit. Nullus autem omnium praedictorum, nisi perfecte poenituerit et restituerit ante mortem, ecclesiasticam habeat sepulturam, quin potius si in tali statu discesserit inconfessus, cadauer eius in mare projectum ibi dignam recipiat vltionem, et sit aliis in exemplum vbi contra terrae marisque Domi- num et Confideles ipsius flagitia perpetrauit. Praecipimus autem vt haec litera Ec- clesiis parochialibus, et maxime in locis maritimis in quatuor anni temporibus et postmodo semel in anno solemniter publicetur, saluis aliis remediis, quae dante Do- mino et Consilio Episcoporum et aliorum fidelium, cum ad partes illorum veneri- mus, apponemus. Summa in necessitate nostra haec sit, vt pax Dei, quae exsu- perat omnem sensum, ingrediatur nobiscum ad terras illas ad quas proficiscimur propter Deum, vt per pacem temporis ad pacem pectoris et demum ad pacem aeter- nitatis concomitante diuina clementia veniamus. Dat. Lubecae Ao. Dni. 1253 Men- se Iunio. O Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1255 zum Erzbischof von Riga gemacht, so bedinget der Papst ordentlich dabey aus, daß dergleichen inskuͤnftige weder den Vorrechten der roͤmischen Kirche, noch seinen lieben Soͤhnen, dem Meister und seinen Bruͤdern zum Nachtheil gereichen solle. der Ordensmeister hatte sich mitlerweile mit den Oeselern herum zu tum- meln, die er auch gluͤcklich zu Paaren trieb. Der siebente Ordensmeister deutschen Ordens in Liefland Eberhard von Seine. Andre schreiben seinen Namen von Sein, von Seina, von Sayne, von Stein- Strubicz laͤst ihn gar weg. Er war erst Landmeister von Preussen. Jn dem Trans- sumt des culmischen Privilegii von 1251 schreibt er sich nicht comes, sondern dictus de Seine. So leicht faͤlt es Geschichtschreibern, jemand in den Grafenstand zu erhe- ben. Siehe ein gleiches im ersten Theil S. 200 not. i ). Vor seiner Meisterschaft in Liefland unterzeichnete er sich 1252 auf dem Schlosse Goldingen mit diesem Titel: Frater Eberhar dus dictus de Seine, praeceptor fratrum Teutonicorum per Alemanniam ac vices Magistri Generalis gerens per Liuoniam, welcher Titel mit dem im culmi- schen Transsumt fast einerley ist. Er stiftete auch 1253 zwischen dem oͤselschen Bi- schof und dem Orden einen Vergleich, als Statthalter von Liefland und Meister in Deutschland. 1256 S eine kurze Regierung hat ihn nicht sonderlich beruͤhmt werden lassen; doch scheinet der Orden unter ihm in ziemlichen Ansehen gestanden zu haben. Alexander der 4te bestaͤtigte am 15ten May im La- teran seinen lieben Soͤhnen, den Buͤrgern in Riga, alle ihre eh- maligen Freiheiten, nahm sie in seinen und des heiligen Peters besondern Schutz, sprach sie auch ihrer Buͤrgerschaft halber von Entrichtung des Zehnden frey, und schlichtete das Jahr darauf verschiedene Haͤndel, die zwischen dem Erzbischof und der Stadt vorgefallen. Der Erzbischof Albert selbst verordnete zur mehrern Aufnahme der Buͤrgerschaft, daß der Orden kein Haus an sich bringen, sondern nur den Werth des Vermaͤchtnisses heben koͤnte, Grund und Boden aber unter dem weltlichen Richter stehen solten. Er verglich sich auch mit dem Orden, wegen des dritten Theils des Schlosses Gercike dessen Grenzen er bestimmte. Jn folgendem Document wird uns nicht nur die Gegend der Burg Gercike, welche doch nie wieder aufgebauet worden, sondern auch ein neuer Meister, Ludwig von Queden Ludouicus a Queden enarrante Hartknochio p. 281 Magister generalis spartam ob nobilium stu- dia in Henricum Holacheum dedignatus, sua Prussiae prouisoris sorte coepit viuere contentus, quo titulo Culmensium immunitatibus 1251 subscripsit. Sex fere post annos Liuoniae eum praefuisse, hoc ipso tempore documenta nostra demonstrant. gezeiget, daher wir es der Mittheilung werth achten. A lbertus Miseratione diuina sanctae Rigensis Ecclesiae Archi Episcopus H. Praepositus D. Prior, Totumque eiusdem Ecclesiae Capitulum, Omnibus Christi fidelibus ad quos praesens scriptum peruenerit in salutis auctore salutem! Vt omnis controuersia et questio inter nos ex parte vna, et dilectos Magistrum Ludowicum Praeceptorem et Fratres Hosp. S. M. de domo Theutonica in Rigensi dioecesi commorantes ex altera parte, penitus conquiescat, praesentibus literis confitemur, quod super his, de quibus erat quaestio, amicabiliter conuenimus cum eisdem fratribus sub hac forma, ita vi- delicet Bra- die Praͤlaten ihren Titel nicht von dem Lande, sondern von ihrem Wohnsitz fuͤreten. Da Riga durch Nicolai Tod erledigt worden, erwehlte Albert diese Stadt zu seinem Sitze, und gab ihm den Titel des rigischen Erzbistums, welche Benennung ihm der Papst bestaͤtigte, und Riga zur Metropolitankirche erhob. Die rigische Dioͤces war die groͤste, wie Revel das kleinste Bistum, Curland das lustigste, Oesel das reichste, und Doͤrpt das maͤchtigste. Erzb. Albert. zur Zeit der Regierung Eberh. v. Seine. Barwin, Herr von Rostock, gab am 17 Junius den rigischen Buͤrgern 1257 in seinen Haͤfen die Zolfreiheit, mit dem Vorbehalt, alle Jahr fuͤr ihn gegen die Heiden einen gewapneten Mann ins Feld zu stellen, wie sie fuͤr die Seele seines Vaters und Grosvaters bisher zu thun gewohnt gewesen. Daß diese Herzoge in eigner Person in Liefland Dienste gethan, davon erzehlet uns Cranz, Wandal. c. 45 L. VII eine merkwuͤrdige Begebenheit, ohne doch das Jahr in welcher sie geschehen, zu melden. Der Herzog Heinrich von Mecklenburg war in der tuͤrkischen Gefangenschaft grau geworden, als ihn sein Herr, der Sultan fragte: Wilt du wol zur Ehre deines Christi, dessen Geburtsfest die Christenheit mor- gen feiren wird, frey seyn. Es stehet in deiner Hand, o Herr, antwortete der Her- zog, mit deinem Knecht zu machen was du wilt. Wer solte mich aber wol zu den Meinigen schaffen? Meine Gemahlin und meine Kinder haben mich schon lange unter die Todten gerechnet. Es ist nicht an dem, versetzte der Sultan. Jch vernehme von deinen Landesleuten, daß den Deinigen sehnlich nach dir verlanget. Damit du aber sehen solt, daß ich von deiner Herkunft und deinen Umstaͤnden wisse, so wirst du dich erinnern, daß zu der Zeit, da du unter deinem Vater in Liefland zu Felde giengest, ein gewisser Zeugmeister ( machinarum magister ) demselben gegen die Feinde trefliche Dienste gethan. Jch bin derselbe; ich bekam nachher unter den Tattern eine vorneh- me Stelle, und unter dieser Nation bin ich noch hoͤher gestiegen. Jch spreche dich frey, und gebe dir unserer vorigen Spiesgeselschaft wegen noch diesen Reisepfennig; worauf er ihn reichlich beschenkte, und vergnuͤgt nach seinem Vaterlande befoͤrderte. Der Bischof von Wirland Diedrich Dieser wirische Bischof folgte auf den Ostrad, einen Daͤnen, und lebte mehren- theils in Deutschland. Zu Goslar ertheilte er am Tage Georgii 1261 dem Non- nenkloster der heiligen Maria Magdalena in Frankenberg, mit Genemhaltung des Bischofs zu Hildesheim, die Macht die Suͤnden des vierten Gebots, die Mein- eide, und Entheiligung der Festtage, zu vergeben, zur Verbesserung ihrer Ein- kuͤnfte. Siehe die frankenbergische Chronik S. 28. Jn Schatens Annal. Paderborn. t. 2. p. 109 hat er sich noch 1265 zu Hannover als Zeugen unterschrieben. Sein Bistum ernannte einige Domherren zu Hildesheim, seinen letzten Willen zu volziehen, und mit seiner Verlassenschaft O 2 so delicet quod locus castri in Gersike pro tertia parte cum terra, decimis et omni jure temporali sit eorum, spirituali iure nobis tantum relicto. Similiter debet intelligi et eodem modo de tertia parte terrae quae Selonia nuncupatur hoc adiecto, quod terra illa, quae adiacet castro dicto Aserad in tertiam partem eiusdem Castri cedet. Et duae partes, quae sunt sitae contra castrum Kukenois, iam dicto castro assignentur. Ita tamen quod inter has diuisiones fratrum videlicet, nostra terra super Dunam con- tinens milliare in longitudinem et latitudiuem Abbatissae et Conuentui Sancti Iacobi relinquatur. De censu autem et decimis Castrorum Segewald, Wenden et omnium bonorum suorum per totam dioecesim Rigensem quae inter nos et ipsos in questione fuerunt, omni actioni cessimus quam habuimus contra ipsos, non obstantibus priui- legiis ex vtraque parte super his omnibus habitis aut habendis. In cuius rei Com- pensationem relinquunt nobis Allodium et terram in Blomendal cum suis pertinen- tiis et omnes agros quos in Stenholma habuerunt, cum pratis ab Archiepiscopo perpetuo possidenda. Nobis autem praeposito et capitulo reliquerunt in Semi- gallia in Villa quae Festene vocatur, VIII vncos cum omni iure suo. Item super bonis nostris in Curonia in Donedange et Targele nobiscum taliter conuenerunt, vt praedicta bona cum terminis suis in littore maris quod adiacet - - libere nobis ab eisdem fratribus cum omni iure in perpetuum relinquantur. Cessimus etiam actioni quam habuimus contra eosdem fratres in censu et decimis de ter- ra, quae Calue dicitur, hoc conscientiis eorum relinquentes, saluo tamen iure spirituali Ecclesiae Rigensis. Terra in Warkunde ad ipsos fratres perti- nebit, ita sane quod Episcopo et hominibus eorum in piscariis nullum ex hoc praeiudicium generetur, sed cuilibet ius suum, vt hactenus possederit, relinquatur. Vt autem haec omnia robur perpetuae firmitatis obtineant, praesentem literam super hoc confectam nostro et Ecclesiae nostrae nec non et fratrum sigillis fecimus robora- ri, mediante Fratre Alberto quondam Gardiano, praesentibus fratribus Praedicatoribus et Minoribus, et ipsorum sigillis roborata. Datum in Riga Anno Domini 1256. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1257 so umzugehen, wie sie es fuͤr der strengen Untersuchung des ewigen GOttes zu ver- antworten gedaͤchten. Er spricht dem Bischof von Paderborn und dem Abt von Corbey das Recht uͤber sein Vermoͤgen ab, weil ers nicht durch sein Bistum, noch von den Kirchenguͤtern, sondern durch Beitrag redlicher Leute und durch Schenkung der Adelichen fuͤr seine Arbeit und Dienste gesamlet. Gegeben am Sonntage Oculi. Der litthauische Koͤnig Myndow vermachte aus Erkentlichkeit dem Or- den ein ansehnliches Stuͤck seiner Laͤnder, weil selbiger dem Koͤnig gegen seine auf- ruͤhrigen Unterthanen getreue und nachbarschaftliche Huͤlfe geleistet Die acta borussica liefern uns S. 734 aus dem XI ten Buch der Historie des ehmaligen culmischen Kanzlers und herzoglichen Raths, Lucas Davids, drey alte Documente, in deren erstem Myndowe von GOttes Gnaden Koͤnig in Litthauen, ( Lettauiac rex ) bekennet, daß er aus goͤttlicher Erbarmung, auf Rath des Meisters und der Bruͤder in Liefland, von der Finsternis zum Licht gebracht, getauft, und von dem allerheiligsten Vater und Herrn Jnnocentius dem IV ten zum Koͤnig von Litthauen gekroͤnet sey, welcher seine Person samt dem Reich und Guͤtern in Schutz genommen. Ob nun gleich der Orden fuͤr die ihm versprochene Huͤlfe die ewige Seligkeit davon tra- ge, so uͤbergebe er doch demselben als eine Anfrischung zum neuen Beistande das halbe Rasseyen, halb Lonkow, ganz Kulen, ganz Niderow, Crasse, Weicze, noch ein ander Weizze und Wanghe. Diese Stiftung ist bezeichnet 1257. Die beiden andern wollen wir gleich anfuͤhren. Das unvermoͤgende hohe Alter noͤthigte den Ordensmeister nach Deutsch- land zu gehen, nachdem er nur 3 Jahr in Liefland zugebracht. Der achte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Anno von Sangerhausen. Der Name Anno ist altdeutsch, und heist in lateinischen Schriften Andreas, daher ihn der lateinische Verfasser einer preußischen Chronik unrecht Haymo, andre noch unrichtiger Hanno, das ist Johannes, nennen. Wie etliche von unsern Schrift- stellern seinen Vorgaͤnger zu einem Grafen von Sayn machen, so zehlen sie auch un- sern Anno mit Hennebergern unter die Herzoge von Braunschweig, sangerhaͤu- sischer Linie, welches sowol gegen die pragmatische Schreibart als die welfischen Stamregister streitet. Die aus Albini meißnischer und Buͤntings braunschwei- gischer Chronik angebrachten Zeugnisse erweisen nicht was sie sollen, die 3 Loͤwen aber, die sich auf des Anno Grabstein im Wapen befinden, beweisens gleichfals nicht; weil oft grosse Herren ihr Wapen den Vasallen zu fuͤhren erlaubet. Simon Grunow tract. IX, fol. 133. meldet bey Ausfuͤhrung seiner Geschlechtsfolge, daß er seine Mutter Juta 1258 E r hatte ebenfals mit den Litthauern und Samogiten und Cu- ren vieles zu thun, um den Myndow aufm Throne zu erhal- ten, mit dessen Christenthum nicht alle Unterthanen zufrieden wa- ren. Die Feldzuͤge giengen auf Seiten der Deutschen nicht so gar trocken ab. Doch erwies sich Myndow bey dem Verlust des Ordens, durch Schenkung seiner Laͤnder, wieder dankbar. Am Bistum scheinet nicht viel abgeworfen zu haben, daher es auch nachher mit dem revel- schen verbunden worden. Eine andre Frage ist, wo diese Bischoͤfe ihren Sitz gehabt? Vermutlich in Revel, gleichwie der zu Semgallen zu Riga sein eigen Haus hatte; denn Tolsburg war noch nicht erbauet. Die Benennung nach einem Lande, und ihr Aufenthalt in der Fremde zeiget an, daß diese Wuͤrde ein Titel von geringen Ein- kuͤnften, die Dioͤces aber mit keiner Domkirche und Residenz versehen gewesen. Erzb. Albert. zur Zeit der Regierung des Anno v. Sangerhausen. Am 7. August vermehrte also Myndow die vorige Schenkung, damit der 1529 Orden ihn und seine rechtmaͤßigen Erben beym Reiche schuͤtzen moͤchte. Er ver- machte uͤber dis ganz Denow, so auch einige Jecwesin Jecwesin ist eine littauische Landschaft, deren Voͤlker Jaczwingi heissen. Dlugoß verlegt sie in Preussen. Cromer de origine et rebus gestis Pelonorum lib. 9 wil, daß sie Boleslaus Pudicus nennen, an densel- ben, doch behielt der Koͤnig Sentane, Dernen, Crosinen, den Hof Gri- bunthin, und drey andre Doͤrfer in Weltzow fuͤr sich: weiter verschenkte er ganz Schalowen, ganz Samoythen, ausser was im letztern Lande dem Bi- schof von Litthauen gehoͤret, bestaͤtigte auch dem Orden den kuͤnftigen Besitz aller beweglichen und unbeweglichen Guͤter, die seine Erben einmal ganz, oder zum Theil, den Bruͤdern vermachen wuͤrden. Jn Betrachtung der von dem Orden auf sein Reich gewandten Unkosten, 1260 vermachte Myndow, im Fall er ohne Erben abgehen solte, sein ganzes Koͤnig- reich Litthauen nebst allen herumliegenden Laͤndern, mit Genehmhaltung seiner Erben und edlen Maͤnner, an den Orden in Liefland, doch ohne Nachtheil der bischoͤflichen Laͤnder und Rechte. Gegeben auf dem koͤniglichen Schlosse Lit- thauen mitten im Junius. Als Zeugen sind angefuͤhret der Bischof von Culm, Meister Andreas und seine Bruͤder, Langutin, des Koͤnigs Schwestermann, Lygeike, Schabbe, Bie, Bune, dessen Barone und Blutsverwandte, Parbuse von Neraͤ, Gerdine von Nailsaͤ, Vege, Vesegele und Parbu- se der juͤngere. Von den Predigermoͤnchen, Bruder Snideram, von den Minoriten, Bruder Adolph, seine Gehuͤlfen und andere Redliche mehr. Jm dritten Jahre seiner Meisterschaft ward er nach Preussen an die Stelle des alten Pappo von Osterna zum Hochmeister berufen, wobey er noch grossen Ruhm erworben. Strubicz wil, daß er auf seinem Ruͤckzuge aus Samogitien erschlagen worden, da er doch noch lange in Preussen regieret. Jn Absicht des Jahrs, in welchem er aus Liefland gezogen, sind die Nachrichten sehr widersprechend. Russov und Kelch melden es beym Jahr 1261, obgleich Schurtzfleisch aus Uebereilung Kelchen die Jahrzahl 1258 zuschreibet. Henneberger nimt 1263 an, und daher fuͤhrt Hart- knoch S. 289 im alt und neuen Preussen ihn im Jahr 1263 nach Preussen, und giebt seinem Amtsfolger mit dem Duisburger, eine Seite vorher, schon 1258 Abschied, welches gegen die Urkunden streitet. Der neunte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Burchard von Hornhausen Thytr. nent ihn Barchard v. Lorhusen, die Handschr. von den Herrmeist. v. Orhusen, Michov l. 3, c. 55, Heinr. v. Hornsnuzzen, Guagnini v. Hornshusen, Kojalowicz Burgard . D iesen Herrn mahlet uns Pet. v. Duisburg als einen sehr leutseligen 1261 und bey jederman beliebten Man ab, dem es aber andre als eine Verwegenheit auslegen, daß er sich 3 wilde Nationen, die Semgallier, Litthauer und Samogiten auf einmal auf den Juta nach Preussen kommen lassen, die sich aber von der Beschuldigung einer unkeu- schen That mit Tragung eines gluͤenden Dreifusses befreien muͤssen, worauf sie die Kranken gewartet, und weil ihr Christus etliche mal erschienen, als eine Heilige geehret worden sey. Siehe Hartknoch uͤber den Duisburger S. 212. Andreas von Stuckland schreibt sich auch in lateinischen und deutschen Documenten Frater Anno Magister, zum Beweis, daß Anno ein eigener Vorname gewesen. P Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1261 den Hals gezogen. Er war erstlich Comthur zu Koͤnigsberg, und bauete auf gemeinschaftliche Kosten der Preussen und Lieflaͤnder ein Schlos auf dem Berge des heiligen Georgs, im Carsauischen Gebiete in Curland, Dieses Schlos auf dem St. Juͤrgensberge lag in der Gegend von Dobeln, und ist uns wegen der dabey gehaltenen Schlacht durch andre Schriftsteller bekant geworden. Weil es in Carsow gelegen, so hat es wol auch das Schlos Kersaw heissen koͤnnen, welcher Name beim Russow vorkommt. Doch Kersaw wurde bald zerstoͤhret. wel- ches auch nachher eine Gelegenheit zu seinem Tode geworden. Seine erste Besichtigung der Schloͤsser in Curland, wohin er sich mit 40 Ordensbruͤdern und 500 Reutern begeben hatte, lief sehr mislich ab, indem ihm die versteckten Litthauer und Samogiten aufpasten; worauf er nach einem hitzigen Gefechte, mit Verlust von 20 Bruͤdern, selbst stark verwundet, seine Zuflucht nach Memel nahm. Er befeligte hierauf Bernhard von Zewen, mit der ganzen lieflaͤndischen Macht aufzubrechen, welcher auch schon auf dem Schlachtfelde stand, als eben durch Vermittelung des rigischen Erzbischofs Albert ein zwei- jaͤhriger Stilstand ausgerufen wurde, indem Albert fuͤr sein neuerbautes Ron- neburg so wol, als Myndows fetter Schenkung halber bange war, und dem Anwachs des Ordens nicht viel Gutes zutraute. Der Erzbischof Albert uͤberlies der Stadt Riga das an der Rodenpoy- ser See gelegene Haus, so die Buͤrger bisher im Bau erhalten: doch sol die of- fentliche Glocke darinne abgeschaffet werden. Die 3 beeideten Personen, so die ri- gische Stadtmark besorgen, legen und bessern die Bruͤcke, und haben uͤber die daran stossenden Aecker und Wiesen die Aufsicht. Die Aebtißin und der ganze Convent der Nonnen erhielten auf gemeinschaft- liches Ansuchen der Parochialien bey St. Jacob die Freyheit, eine Mauer gerade durchs Kloster, durch alle alte Gebaͤude zu ziehen, und die Fenster bequemer an- zulegen, nur an der Loͤbe ( Lobia ) und Thuͤren mus nichts geaͤndert werden, da- fuͤr sie die alten Gebaͤude an dem Kirchhofe, innerhalb 10 Jahren, ganz wegzuschaf- fen versprechen. Riga am 14 August. 1262 Peter von Duisburg meldet uns bey diesem Jahre einen Handel mit den Samlaͤndern. Die koͤnigsbergischen Ordensbruͤder getraueten sich nicht al- lein die Gegend von Bethen anzugreifen. Denn es wohnten wilde Menschen da, und oft bey 500 in einem Dorfe. Sie baten daher den Ordensmeister in Liefland, gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu machen, bestimten ihm auch Tag und Ort zum Treffen. Die Koͤnigsberger kamen, sahen aber keine Lief- laͤnder. Sie wurden daher uͤbermannet nnd zum Weichen genoͤthiget. Eben da es ans Laufen gehen solte, ruͤckte das Heer der lieflaͤndischen Bruͤder an, die alle grosse und schoͤne Sattelpferde bey sich hatten. Hierauf wandten sich die Koͤnigsberger, erlegten alle Manschaft mit der Schaͤrfe des Schwerdts, nah- men Weib und Kinder gefangen, und steckten Doͤrfer und Huͤtten in Brand. 1263 Wilhelm, Abt in Duͤnemuͤnde, Cistercienserordens, macht sich anheischig, die Stelle seines Klosters und dessen Laͤnder von der Semgallen Aa an, bis an den Flus Thoraida, Thoraida heist hier derjenige Flus, den die Letten Gauje, die Liven Thoraida, die Deut- schen Aa nennen. Die alte heidnische Burg hies auch Thoraida, das Schlos der deutschen Treyden, dafuͤr die Bauren noch Turreda sprechen. Thoraida bedeutet ebenfals Thor hilf, als Tharawita . Es wird aber deswegen niemand die alten Liven fuͤr Gallier halten, wenn Aita aider, Kuck coq, Mois, meisa, maison und dergleichen mit einander verwandt zu seyn scheinen. ohne des rigischen Magistrats Vor- wissen niemals weder durch Tausch noch Verkauf zu veraͤussern, noch auch in die- sen Burgard Horsnusen. Sein Antritsjahr geben die Geschichtschreiber eben so ver- worren an, als das Abdankungsjahr seines Vorgaͤngers. Pudicus fast vertilget habe. Michov lib. II c. 14 beschreibet sie als Barbaren, die ihre eigene Sprache gebraucht, und an den littauischen Grenzen neben Mazovien gewohnet. Nach Cro- mern ist diese wilde Nation, weil sie keine Begnadigung annehmen wollen, gaͤnzlich aufgerieben, doch sollen an der Theis in Ungern zu seiner Zeit noch einige Ueberbleibsel von ihnen vorhanden gewesen seyn. Erzb. Albert. zur Zeit der Regierung Burchards v. Hornhausen. sen Grenzen Haͤuser zu errichten, welche der Stadt Eintrag thun koͤnten. Zeu- 1263 gen waren Herman der Prior, Gottfried der Kellermeister, Dietrich der Cantor, Heinrich der Unterprior, Johann der Kuͤster, Gerhard der Spit- ler, Engelbert der Gastwirth, Winand der Krankenwaͤrter, Conrad Ysen- bat, Johann Meister der Novitien, Conrad, Ulrich der Kaͤmmerer. Als die Bruͤder von Liefland und Preussen, unter einer starken Bede- ckung, den Bruͤdern auf der neuen Juͤrgensburg Lebensmittel zufuͤhren wolten, lief die Nachricht ein, daß 4000 Litthauer in Curland eingefallen, viel Chri- stenblut vergossen, und Weiber und Kinder in die Gefangenschaft weggefuͤhret. Wie nun der Ordensmarschal Heinrich Botel, einen edlen Pomesanier, Macto, Pipins Sohn fragte, wie man den Feind angreiffen muͤste, antworte- te dieser: Wir wollen unsre Pferde eine gute Ecke von uns weg anbinden, und auf den Schwarm zu Fusse losgehen, so wird man desto eher Stand halten. Al- lein die Daͤnen aus Revel wandten ein, sie koͤnten es in der schweren Ruͤstung ohne Pferd nicht aushalten. Die Curen baten um Rettung ihrer entfuͤhrten Weiber, erhielten aber zur Antwort, daß man mit ihnen nach Kriegsgebrauch umgehen werde, weil ihre treulose Maͤnner auf die Christen von hinten zu ge- hauen, wenn diese von forne her von den Litthauern Stoͤsse bekommen. Ein edler Samlaͤnder aber von Quedenow, Namens Sclodo, Nalubs Vater, ermunterte seine nechsten Freunde zur Schlacht, da es denn zum Hand- gemenge kam; und obgleich die Deutschen wie die Maccabaͤer fochten, so wurden sie doch am Flusse Durbin uͤbermannet, daß am Margaretentage der Ordensmeister Burchard, der preußische Marschal nebst 150 Bruͤdern auf der Wahlstadt blieben, auser einer ziemlichen Anzahl Gemeiner. Die Furcht und Bestuͤrzung war unter den Christen so gros, daß 3 oder 4 verwegene Kerls wol 100 auf der Flucht niedermachten, oder zum Ausreissen brachten. Andre fuͤgen hinzu, daß die Feinde von den gefangenen 14 Rittern 8 ihren Goͤtzen geopfert, den uͤbrigen Arme und Beine abgehauen, und den Leib gevier- theilet. Jn den Umstaͤnden gehen die Geschichtschreiber von einander ab. Strubicz redet von 180, andre von 172 erlegten Ordensrittern. Wir folgen dem Duisburger, doch in der Jahrzahl 1260 nicht. Dieser Schriftsteller macht die Niederlage des Ordens durch etliche, nach der Einfalt seiner Zeiten eingerichtete Histoͤrchen, noch merkwuͤrdiger. Zum Exempel, dem Bruder Herman, mit dem fuͤrchterlichen Zunamen der Saracene sey Maria erschienen, und habe ihm zugerufen: Herman ich bitte dich bey meinem Sohne zur Mahlzeit, daher er auch bey seinem Abschiede aus Koͤnigsberg gesagt: Lebt wohl, non nun an werdet ihr mich nicht sehen, denn die Mutter GOttes hat mich zur ewigen Freude eingeladen. Conrads von Feuchtwangen Schwester, eine Non- ne, sahe in Deutschland die Seelen der erschlagenen Bruͤder von den Engeln gen Himmel Der zehnte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens. Juͤrgen von Aichstaͤdt, E hmaliger Comthur zu Sygewalde, hatte gegen die Litthauer und 1264 Samogiten auch kein besonder Gluͤck; doch kam er dem preußi- schen Orden noch zu rechter Zeit zu Huͤlfe, welcher im Treffen mit den Samlaͤndern zum Weichen genoͤthiget worden, weil er der Lieflaͤn- der verzoͤgerte Ankunft nicht abwarten wolte. Daher fing man die Schlacht von P 2 neuen Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1264 neuen an, und bauete nach gesaͤubertem Lande, die Festungen Tapiaw und Loch- stedt den Samlaͤndern zur Brille auf die Nase. Der Papst Clemens der IV te beklaget in einem aus Perugia an den Bi- schof zu Marienwerder in Pomerellien abgelassenen Schreiben mit Thraͤnen die ungluͤckliche Zeitung von den in Liefland, Curland und Preussen erschla- genen 500 Ordensbruͤdern, bestimmet auch fuͤr diese 3 Laͤnder die sonst nach dem gelobten Lande reisenden Pilger aus Boͤhmen, Daͤnnemark, Norwegen, Schweden, Friesland, Polen, Pommern, Gotland und der Pro- vinz Bremen, welche der Bischof zur Reise nach Liefland ermuntern solte. Wer unter diesen den Kreuzbruͤderorden traͤgt, aus Schwachheit oder Armuth aber nicht in Person die Reise antreten kan, ist zwar von dem Geluͤbde des Kreuzes losgesprochen, mus aber von seinen Guͤtern, nach Vermoͤgen, eine verhaͤltnismaͤßi- ge Beisteuer entrichten. Alle Guͤter derer, so tuͤchtige Krieger auf ihre Unkosten dahin gefuͤhret, bleiben so lange unter genauem apostolischem Schutz, bis gewisse Nachricht von ihrem Tode oder ihrer Ruͤckkunft eingelaufen. Die, so auf fremde Kosten dahin gegangen, mitssen wenigstens ein Jahr Dienste thun; denen aber, so die Reise in Person thun, werden an der aufgelegten Busse 40 Tage erlassen. 1265 Die Koͤnigin Margaretha Sambiria in Daͤnnemark schrieb unter dem 13ten August, bey noch waͤhrender Minderjaͤhrigkeit ihres Kronprinzen Erichs des VI ten, an die Herren Odward von Lode, und an die beiden Bruͤ- der Hohenreich und Egbert von Beschoneck, daß sie mit Zuziehung des Schloshauptmanns und einiger andern von Adel, die Wiesen und Heuschlaͤge der Stadt Revel und der Kronguͤter mit Grenzsteinen bezeichnen solten, damit weder die Stadt noch das Schlos etwas leiden duͤrfte. Sie ertheilte auch in dem- selben Jahre der Stadt die Muͤnzgerechtigkeit, mit angehengtem Befehl, aus einer Mark reines Silbers 6 Mark und 2 Oer an Denarien zu praͤgen. Diese Oere an Groschen sind in Liefland lange gebraͤuchlich gewesen. Jn des Erzbi- schofs Johannis des V ten Privilegio an die kleine Gilde zu Riga von 1441 werden den verarmten Bruͤdern oder Schwestern im ersten und andern Jahre 4 orae denario- rum ausgemacht. Kein koͤ- niglicher Advocat oder Vogt soll sich mit dem Stadtwesen befassen, die Muͤnzver- faͤlscher aber nach dem luͤbischen Rechte geurtheilet werden. 1266 Die unruhigen Oeseler trieb dieser Ordensmeister in der gluͤcklichen Schlacht bey Carmel wieder zu Paaren, daß sie zum Kreuze kriechen und die ge- woͤhnliche Gerechtigkeit wieder erlegen musten. Nach diesem dankte er ab, und genos der Ruhe, nachdem er das Schlos Helmet erbauet, und seinem Amte ins dritte Jahr vorgestanden. Der eilfte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Werner von Breithausen. Andre, als Waissel und Spangenberg, heissen ihn von Fritzhausen. Es geschicht diesem Manne in der zusammengezogenen kurzen Historie, welche Herr Schurtzfleisch an- fuͤhret, 1267 D ieser Regent hatte mit den Litthauern und deren Bundsgenossen verdriesliche Haͤndel. Der litthauische Koͤnig Myndow hatte seine uͤbertriebene Freigebigkeit an den Orden, seit einiger Zeit, schon heimlich bereuet, war aber von seiner Gemalin, Mar- tha Himmel tragen; welcher Erscheinung auch ein einfaͤltiger Bauer in Preussen gewuͤrdi- get worden, der das ganze Gefechte am Himmel erblickte, und die Jungfrau Maria, die heiligen Jungfern und Engel mit diesen Seelen nach den Wolken ziehend zu Ge- sichte bekam. Des Saracenen und eines Bruders Gleisbergs Seelen hatten vor andern das schoͤnste Ansehen. Eine davon sol verloren gegangen seyn. Warum sie verdammet worden, schreibt dieser Geistliche S. 189, weis ich nicht, GOtt weis es. Erzb. Albert. zur Zeit der Regierung Werners v. Breithausen. tha bisher noch zufrieden gesprochen worden. Nun kam der Samogiten An- 1267 fuͤhrer Tramate darzu, und verwies ihm seine Dumheit nachdruͤcklich, daß er als ein freigeborner Herr sein Erbreich vom Papst und dem Orden zum Lehn ge- nommen, und selbiges seinem nechsten Erben entwandt haͤtte. Myndow brach hierauf los, lies alle Christen in seinem Lande niedermachen, und verband sich mit dem Czaar von Rusland wider alle Lieflaͤnder, ruͤckte auch vor Wenden, wo beide Heere, der genommenen Abrede gemaͤs, zusammen stossen solten: als aber die Russen nicht zu rechter Zeit eintrafen, verwuͤstete er das ganze Land, und lies die Fustapfen einer Grausamkeit nach, die ein abgeschworner Feind des christ- lichen Namens nur veruͤben konte. Nach Abzug der Litthauer stelten sich die Russen ein, die im Ruͤckwege Doͤrpt in Brand steckten, und mit reicher Beute wieder nach Hause giengen. Werner holte sie noch ein, nahm ihnen die Beute ab, und drang mitten in Rusland, wo seine Leute es nicht besser als die Russen im Doͤrptischen machten. Eine Unpaͤslichkeit noͤthigte ihn hierauf nach Hause zu gehen. Unterdessen hatte Tramate mit seinen Samogiten einen Einfal in die 1268 Wyck unternommen, das alte Pernau zerstoͤret, und den Einwohnern nicht gerin- gen Schaden zugefuͤget. Werner lauerte ihnen also mit den Bruͤdern und Buͤrgern in Riga auf dem Heimwege auf, ertapte sie des Nachts beim Klo- ster zu Duͤnemuͤnde und richtete bey hellem Mondschein ein entsetzliches Blut- bad unter ihnen an. Tramate flohe nach Litthauen, die Deutschen aber verloren 9 Bruͤder und einige Buͤrgerknechte. Der Erzbischof und Ordensmeister verglichen im December die Stadt und das Kapitel uͤber gewisse Stuͤcke, unter andern, daß beide Theile die entstandenen Zwistigkeiten durch den ordentlichen Richter, oder einen beliebig erwehlten Schiedsmann entscheiden lassen wollen, ohne bey einem Fuͤrsten oder am paͤpst- lichen Hofe ein Urtheil zu erschleichen, und zu beider Theile Schaden zu erringen. Auch solle das Kapitel keinen Fuͤrsten oder Herrn, der maͤchtig ( potens ) sey, ins Land verschreiben, uͤbrigens aber die canonische Wahl ungestoͤhrt behalten. Eine bedenk- liche und fruͤhzeitige Behutsamkeit! Werner bekriegte die abtruͤnnigen Curen, denen er drey Vestungen und 1269 darunter Durbin zerstoͤrte; bey anhaltender Leibesschwaͤchlichkeit aber beurlaubte er sich vom Amte und zog nach Deutschland. Der zwoͤlfte Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens. Conrad von Meden Horner nennet ihn von Wundern; Waissel von Meden, Daß dieser Name der richtigste sey, hat der curlaͤndische Superintendent, Herr Graͤwen, in der Fun- dationsrede des neuen Schlosses zu Mitaw 1739 erwiesen, indem sich der eigentliche Name Con- rad von Meden auf der Grundplatte gefunden. Strubicz von Manderen, Praͤtorius und die deutsche Beschreibung der Ritterorden, von Wan- . E r verlohr in einem Gefecht mit den moscovischen und novogo- 1270 rodischen Russen, Samogiten und Litthauern uͤber 600 Mann und 20 Ordensbruͤder. Ein andermal kam er selbst in Gefahr, und buͤste 10 Ritter ein. Den Semgallen legte er das Handwerk, in dem Rigischen zu streifen, und versahe die Grenzen mit tuͤchtigen Vestungen. Der fuͤhret, offenbar unrecht, wenn ihn deren Verfasser der Versaͤumnis des Regiments beschuldiget, und ihm bey hohem Alter die Weichlichkeit und den Muͤßiggang vorwirft. Q Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1270 Der Koͤnig in Daͤnnemark, Erich der VI te Erich der VI te mit dem Zunamen Glipping, heist auch bey einigen Geschichtschrei- bern der VII te, daher ihn Hiaͤrne den Beinamen Meenwed unrichtig beilegt, wel- chen Erich der VII te fuͤhrte, der aber erst 1287 zur Regierung gelanget. sandte den Revelschen seinen Reichsdrosten Matthias zu Huͤlfe, welcher den uͤber die Russen und ih- re Bundsgenossen erfochtenen Sieg mit dem Leben bezahlen und auf der Wahlstat bleiben muste. 1271 Myndow ward von seines Bruders Sohn Tramaten auf dem Bette ermordet, und von seinen Erben kein einziger am Leben gelassen. Myndow hinterlies 3 Prinzen, davon Ruclius und Rupica samt ihrem Vater vom Tramate oder Troynate ermordet wurden, der sich daher zum Herrn uͤber Litthauen aufwarf. Der dritte Prinz, Volstinicz oder Voysielck, war als Geissel und Buͤrge in Rusland. Als sein Vater ein Mammelucke geworden, diesen Sohn aber auch da- zu machen wolte, nahm derselbe in Rusland den geistlichen Orden an, und begab sich in ein Kloster. Tramate schafte sich noch einen Mitwerber vom Halse, der ein naher Blutsfreund vom Myndow war, und brachte ihn meuchelmoͤrderischer Weise um, muste aber selbst eben so liederlich umkommen. Die Staͤnde von Litthauen fielen sodann mit ihrer Wahl auf den dritten Prinz Volstinicz, nahmen ihn aus dem Kloster und setzten ihn auf den Thron. Allein der rußische Czaar Leo lies ihn bald hinterlistiger Weise ums Leben bringen. Dergestalt kam Litthauen wieder an die alte Regenten- familie, S. Kojalowicz hist. lit. part. I. l. 4 et l. 5. Die Stammtafel dieser Czaare hat Nicolaus Rittershusen sehr muͤhsam und gut ausgearbeitet. Chytraͤus faͤngt mit dem Vithenes seine Geschichte von Litthauen an, laͤst aber vieles aus, so aus den litthauischen Jahrbuͤchern zu ergaͤnzen ist. Guagnini und andre melden uns Myndows Hinrichtung 7 Jahr fruͤher. Der Ordens- meister befand nicht vor gut, dessen ehmaliges Testament zu volziehen, sondern er- wehlte das Privatleben, und gieng nach Deutschland. Es war aber auch nie- mand, der etwas heraus zu geben gesonnen war. Der Koͤnig Waldemar in Schweden bestaͤtigte der Stadt Riga die von seinen Vorfahren ihr ertheilten Vorrechte, daß sie ohne Durchzugsgelder ( sine pedagio ) Zoll und Abgaben frey handeln und wandeln koͤnten, weil die Schweden in Riga gleiches Recht genoͤssen. Zur Verhuͤtung des Unter- schleifs solten die Buͤrger das aͤchte Siegel ihres Erzbischofs bey sich haben. Nach vier Jahren bestaͤtigte dieses der Koͤnig Magnus zu Lincoͤping. Der dreizehnte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens. Otto von Rodenstein . Spangenberg heist ihn von Rotenstein Horner und die Urkunden lassen seinen Namen gar weg. 1272 Sein Feldzug wider die Russen lief nicht zum gluͤcklichsten ab. Denn ob er gleich das Feld behielt, und 5000 von den Feinden niedermachte, so ließ er doch auch an 1350 Mann von seinen Leuten sitzen. Der Bischof Ale- xander von Doͤrpt hatte seinen Hirtenstab so lange abgeleget und das Schwert dafuͤr um sich geguͤrtet, welcher unbedungene Beruf aber ihm das Leben kostete. Jn Wandern. Die alten Documente nennen ihn Cuno. Das Privilegium, nach Riga an die Stadt zu appelliren, so dieser Conrad der Stadt Embeck, das ist, Pernau, ertheilet, ist schon vom 5ten April 1265 unterzeichnet. Erzb. Joh. v. Luͤnen. zur Zeit der Reg. des Otto v. Rodenstein. Jn Riga gieng der Erzbischof Albert mit Tode ab, und ward in die Dom- 1272 kirche unter dem hohen Altar begraben. Den Urkunden nach mus Albert eher gestorben seyn. Denn 1271 am 27 August uͤber- trug schon der Erzbischof Johan dem Orden das Kapitelsschlos Dohlen oder Spar- nene, wenn derselbe das Schlos Therwetere und Semgallen bauen und die Heiden bekehren wolte. Vor seinem Ende schenkte er der rigi- schen Buͤrgerschaft das Land von Ekowemuͤnde bey der Semgallen Aa, wie auch das Land zwischen dieser Aa, dem Wasser Ekow und dem Wasser Misne bis an die Grenzen des Herrn Joh. v. Dalen. Jhm folgte Johannes von Luͤnen, der doch erst nach zwey Jahren den Stuhl besetzte. Der Ordensmeister streifte mit 18000 Mann, und noch etlichen Tausenden, 1273 die auf Schuͤten uͤber die Peipus setzten, in Rusland, verbrante Jsenburg, und bestuͤrmete Plescow mit gesamter Macht; doch auf Vermittelung des Groskoͤniges von Nogarden ward die Belagerung nach getroffenem guͤtlichen Vergleich aufgehoben. welchen der Knees Jerian bewirken helfen. Otto gab der Stadt die Versicherung, daß die angelegten Vestungen ihr nicht zur Hindernis sondern zur Befoͤrderung gereichen, und die Buͤrger in dem Ordensgebiete, wie zu Volquins Zeiten, frey Gewerbe treiben sollen. Andre schreiben dis richtiger Woltern von Nordeck zu. Waͤhrender Zeit, da die Lieflaͤnder in Rusland stunden, hatten die 1274 Litthauer und Semgallen einen Streif bis ganz nach Oesel unternommen, daher sich Otto mit dem koͤniglich daͤnischen Statthalter in Revel, Sig- frid, wie auch mit den Bischoͤfen Friedrich in Doͤrpt und Herman auf Oesel verband, und ihnen bey Karkus auf dem Eise aufpaste. Allein den Feinden waren die Haͤnde nicht gefroren, sondern sie streckten den Ordensmeister nebst 52 Bruͤdern und 600 Deutschen auf dem schluͤpfrigen und glatten Schlacht- felde nieder. Nach Huitfelds Bericht blieb der Bischof Herman von Oesel auch, oder ward vielmehr halb verblutet nach Hause getragen. Etliche geben nur 42 Ritter an, desto mehr aber von gemeinen Soldaten. S. Koja- lowicz B. 5. Horner nent es bellum moschovitanum , weil die Litthauer mehren- theils Russen seyn und sich der rußischen Sprache bedienen; S. Hartknochs alt und neu Preussen, S. 3. Strubicz berichtet, er sey bey Kokenhausen in dem Gefechte mit den Litthauern erschlagen worden. Der Bischof Herman von Oesel, ein Buxthoͤveder von Geburt, wil in unsern Urkunden noch lange nicht sterben. Der vierzehnte Ordensmeister deutschen Ordens in Liefland, Andreas von Westphalen . Kojalowicz und Kelch geben ihm diesen Beinamen, die alten handschriftlichen Chro- nicken machen ihn zum Herrn von Witten oder von Weiß. Sonst sind noch itzo die Herrn von Westphalen im Westphaͤlischen beruͤmt. S. Sibmacher de armis gentilitiis, oper. German. part. I, p. 190. S ein Gluͤck wolte ihm nicht aus Preussen mit folgen, wo er als Or- densmarschal schoͤne Proben der Tapferkeit abgeleget. Die Lit- thauer und deren Bundsgenossen machten ihn und 20 seiner Bruͤ- der zum Ziel ihrer Pfeile, welcher Schaden doch einigermassen von dem preußischen Hochmeister Anno von Sangerhausen durch drey erfochte- ne Hauptsiege bey Christburg, Kreuzburg und Brandenburg ersetzet ward. Der doͤrptische Bischof Friedrich Dieser Friedrich verliehe zu Goslar 1268 am Magdalenentage, als Bischof von Capolia ertheilte den Kaufleuten in Lief- und Q 2 Est- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1274 Estland ein Privilegium, vermoͤge dessen alle auf der Peipus verungluͤckte Waaren, nach Entrichtung der Bergegelder, ihren Eigenthuͤmern oder deren Erben abgefolget werden. Alle Schiffe sind zolfrey; das Holz wird am Peipus- strande zur Ausbesserung der Schiffe ohne Entgeld gefaͤllet. Doͤrpt, vom 3ten April. Der funfzehnte Ordensmeister in Liefland deut- schen Ordens, Wolther von Nordeck . Strubicz nennet ihn von Mordekou, beim Ceumern heist er von Wordeke, mit dem Beinamen der Sieghafte. Jn den Documenten der Stadt erscheinet er schon 1273. Die Regierungsjahre der Ordensmeister sind in der Historie sehr unrichtig um diese Zeiten. 1275 E r bezwang die Samogiten und Semgallen, zerstoͤrte Tarweyte und Mesoythen, und schenkte die Helfte von seinen Eroberungen der rigischen Geistlichkeit. Der Erzbischof bewilligte, daß der gewoͤhnliche Advocat in Ri- ga oder zeitliche Richter sich selbst einen Substituten setzen koͤnne, damit der neue Nachfolger die Jnvestitur nicht von neuen zu suchen noͤthig habe. 1276 Desgleichen vermehrte er im dritten Jahr seiner Regierung den 8ten Nov. die Stadtmark mit der ganzen Gegend von dem Ort, wo die Naba von Babat in den Flus der Semgallen faͤlt, den Strom hinauf bis an das Dorf Putule- ne. Der Koͤnig von Schweden, Magnus, aber bestaͤtigte den Rigischen die freie Handlung auf dem Fus, wie sie Gothland und Luͤbeck hat. Aarhus, im ersten Jahr seiner Regierung. 1277 Erich der VI te, Koͤnig von Daͤnnemark, erklaͤrte die Buͤrger von Riga in seinem Reiche fuͤr zollfrey, ausser auf dem schonischen Markte; die Guͤter der Schifbruͤchigen werden dem Eigenthuͤmer zuerkannt. Gegeben zu Nykioͤping, am Tage Johannis des Apostels und Evangelisten. Die Koͤnigin Margaretha Diese Margaretha schrieb sich Frau von Estland, gleichwie sich die Koͤnige Herren von dieser Provinz nanten. Die folgenden aber bedienten sich des herzoglichen Titels von Estland. Der Herr Praͤpos. Kelch mutmasset ganz richtig, daß sich das Ka- pitel der freien Bischofswahl nicht bedienen koͤnnen. Zwar findet sich eine Urkunde von Erich dem VI ten zu Wyburg 1280, worinne er dieses dem Domkapitel von seiner Mutter zugestandene Wahlrecht von neuen bestaͤtiget, und eine andre zu War- tinsborg unterm Jahr 1289, in welcher es Erich der VII te ausdruͤcklich wiederholet; doch muste das Kapitel aus Zwang der daͤnischen Geistlichkeit 1294 solcher Freiheit entsagen. , als Frau von Estland, gab am ersten Septemb. zu Wardingsburg den revelschen Domherren die Freiheit, sich selbst einen Bischof zu wehlen, und fuͤr seinen Unterhalt anstaͤndige Sorge zu tragen. Die Abhaͤnglichkeit der revelschen Kirche von der Metropolitankirche zu Lunden ward aufgehoben, dem Bischof und Kapitel die Gemeinheit der Felder, Waͤlder und Heuschlaͤge, die Erlassung aller Steuern und Ungelder zugestanden, bis es ihr Sohn der Koͤnig bestaͤtigen wuͤrde. Wolther gieng nach getroffenen guten Anstalten nach Preussen und legte im dritten Jahre seine Regierung nieder. Eine seiner Urkunden haben versiegelt Bru- Capolia und Postulirter von Doͤrpt, den Nonnen zu Franckenberg einen Jndul- genzbrief, von gleichem Jnhalt als sie von dem wirlaͤndischen Bischof Diedrich erhalten. Man findet ihn im Chron. Mont. Franc. p. 36. Erzb. Joh. v. Luͤnen. zur Zeit der Reg. Ernsts v. Ratzeburg. Bruder Joh. von Magedeborch, Comtur zu Riga, Bruder Heinrich von 1277 Arnesberch, Bruder Heinrich Sturmann, und Bruder Rembold. Der sechzehnte Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens. Ernst von Ratzeburg , Chytraͤus nennet ihn Rasborch, Horner laͤst den Zunamen weg, beim Waissel heist er Rasuburg, in einer Handschrift von den Herrmeistern, von Rosenberg, beim Ceumern, Rosborg; beim Spangenberg, Rasperg; Pet. v. Duisburg giebt ihm | den Vornamen Ornest. Nach den Urk n nden muͤssen wir ihn ein Jahr weiter hinauf setzen, als unsre Chronikenschreiber. Jn einigen Documenten der Stadt steht er schon 1275 und 1276, gleichwie sein Vorgaͤnger noch bis 1277 vorkomt. E in witziger und arbeitsamer, aber nicht gar gluͤcklicher Regent. 1277 Der rigische Erzbischof Johan, der oͤselische Bischof Her- man und dieser Meister ertheilten am Ostertage allen, so nach Liefland handeln, die Erlassung von Zol und Ungeldern, nebst folgenden Vortheilen: Die auf der See oder in der Duͤne verungluͤckten Guͤter werden nach Erlegung des Bergegeldes frey verabfolget, Hafen und Ufer in bequemen Stand gesetzet; die Weide fuͤr die von auswaͤrts eingekommenen Pferde ist offen, nur daß sie kein Kornfeld oder Heuwachs verderben. Holz zum Brennen und zur Ausbesserung der Schiffe duͤrfen sie frey faͤllen; wer aber zum Bau neuer Schiffe Holz haben wil, mus der Obern Einwilligung suchen. Jn Strand- und Seezwistigkeiten wehlen sich die Parteien einen Richter, der nach gothlaͤndischem Rechte schlichtet. Haben die Fremden mit den Buͤrgern Verdrus, so verschaft ihnen der Aelterman nach rigischem Rechte Genugthuung, oder es sollen besondere Gevolmaͤchtigte gesetzet werden, Fremde gegen die Buͤrger zu schuͤtzen Jn des Herrn D. Johan Peter Willebrandts Vorbereitung zur hansischen Chro- nik, Luͤbeck 1747 in fol. S. 11 findet man die Nachricht, daß die verbundenen Staͤd- te ( Luͤbeck und Hamburg ) 1276 die Zolfreiheit und Sicherheit der schifbruͤchigen Guͤter bey dem Erzbischof und Ordensmeister gesuchet, auch um einen eigenen Rich- ter zu Riga und in andern lieflaͤndischen Staͤdten angehalten; auf welches Gesuch ohne Zweifel die obige Verordnung abgefasset worden. . Der Erzbischof belehnte seiner Schwester Man Johan von Lu- nen und dessen Erben mit den Doͤrfern Vidersele, Causele und Morikas, nach Lehnsrechte. Zeugen waren Heinrich von Wrangel, Johan von Tie- senhausen, Otto und Helmold, Bruͤder, genant von Luͤneborch, Ale- xander, Rodolph von Ungern, ( de Ungaria ) Johan von Adrikas, Hinrich von Pickever, Vasallen der Kirche. Weil des Erzbischofs Schwa- ger den Beinamen von Luͤnen gefuͤhret, so sind einige auf den Zweifel gefallen, ob auch der Erzbischof wuͤrklich ein Herr von Luͤnen seyn koͤnnen. Die Litthauer und Samogiten droheten das von Ernsten neu ange- 1278 legte Duͤneburg zu schleifen, welches den Ordensmeister noͤthigte, mit dem koͤ- niglichen Statthalter in Revel, Elert, sich zu verbinden, und mit lieflaͤndi- schen und daͤnischen Truppen in Litthauen einzuruͤcken. Diese siegenden Voͤlker wolten nicht gerne mit leeren Haͤnden nach Hause gehen, und schlepten also mit, was sich fortbringen lies, lockten aber eben daher die Litthauer mit sich nach Liefland, die wie die Barbaren Haus hielten, und sich fuͤr ihren Schaden be- zahlt machten. Sie ruͤckten im ersten Schrecken vor Ascherade, wo es den 1279 Son- R Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1279 Sontag nach Laͤtare zum Handgemenge kam, und worin diese erbitterten Feinde alles zertraten nnd niedersebelten. Ernst verlohr nebst 71 Ordensrittern und vielen Gemeinen das Leben. Die uͤbrigen machten sich auf die Flucht, als sie durch den Fal des tapfern Heinrichs von Tiesenhausen die Marienfahne, in welcher das Bild der Mutter GOttes sehr kostbar gesticket war, in die feind- lichen Haͤnde gerathen sahen. Elert wolte zwar mit seinen Leuten die Fahne wie- der erobern, wurde aber von ihnen im Gedraͤnge gelassen, und muste also, nach- dem ihm sein Pferd unterm Leibe getoͤdtet worden, mit vielen Wunden uͤbel zuge- richtet, den Seinigen nacheilen. Diese merkwuͤrdige Schlacht geschahe am 9ten Merz 1279. Kojalowicz in seiner Hist. Lituan. S. 1 Z. 5, nennet diesen Herrn, welcher bey der Fahne sein heldenmuͤ- tiges Leben einbuͤste, nach der polnischen Schreibart Tyzenhauzen, mit welchem, ausser dem Ordensmeister Ernst, auch der Graf Gilard und 67 andre Ritter geblie- ben. Die einheimischen Chroniken haben 71, andre auch mehr als 70. Gilard ist nicht der holsteinische Graf Gerhard, als der nicht beim Treffen gewesen, und auch die daͤnischen Truppen nicht angefuͤhret. Unter seiner Regierung ward den estnischen Bauern zuerst auferleget, von ihren Feldern statt des Tributs ein gewisses Maas Getreide zu entrichten, wel- ches in ihrer Sprache Kuͤlmet Kuͤlmet ist in Estland der sechste Theil eines Lofs oder Scheffels, bey den Lieflaͤn- dern aber der dritte Theil, und hat vermutlich seine Benennung von kuͤllima, saͤen, weil sie dieses gleichsam dem Hofe zur Aussaat entrichten musten. genennet wurde. Der siebzehnte Ordensmeister in Liefland deutsches Ordenn, Conrad von Feuchtwangen Horner nennet ihn von Utwengen, Strubicz von Wythwangen, Russow von Fuchtewangen, Peter von Duisburg schreibt Wuchwangen, und meldet beim Jahr 1280, daß er zu gleicher Zeit Landmeister in Preussen und Liefland ge- wesen, um der doppelten Last willen aber das erstere Amt nach einem Jahre fahren lassen; Strubicz giebt unrichtig vor, daß ihn die Semgaller erschlagen, da er doch zu Prag gestorben und zu Trebniz 1297 begraben worden. Die kurz gefasten Nach- richten belaͤstigen ihn mit einem schlechten Nachruhm, und wollen wissen, daß die Semgallen unter seiner Regierung das Schlos Feste niedergerissen, wobey sie 15 Rit- ter mit ihren Bedienten erschlagen, die christliche Religion aber aus ganz Semgallen verbannet. . D ie Semgallen machten ihm grosses Herzeleid, nachdem sie ihm und dem Erzbischof den Tribut aufgekuͤndiget, daher diese beide Regenten ihre Kraͤfte vereinigten, und diesen trotzigen Feinden eins beibrachten, aber auch eben keine Seide dabey sponnen. 1281 Er wurde des Handels bald uͤberdruͤßig und gieng nach Preussen, wo ihm die hohe Wuͤrde des Hochmeisterthums zu Theile ward. Der Erzb. Joh. v. Luͤnen. zur Zeit der Reg. Wilhelms v. Schauerburg. Der achtzehnte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Wilhelm von Schauerburg , Beim Chytraͤus heist er von Endorf, beim Strubicz von Enderpen. Andre schreiben Emsdorf, Schurborch, Syersburg; Schuͤtze nennet ihn Willeke oder Wilm von Schuͤrborch, die alte Handschrift von den Herrmeistern macht aus Wilhelm von Schurborg und Wilhelm von Eindorf zwey Personen, die un- mittelbar auf einander gefolgt. Andre schreiben gar Widekind von Schierburg. W ard seiner bekanten Tapferkeit halber von den Rittern auf dem zu Vel- 1281 lyn gehaltenem Landtage erwehlet, und setzte sich gegen die feindliche Macht, durch Werbung neuer Voͤlker, gleich anfangs in gute Ver- fassung. Der rigische Fuͤrst Wiczlaus verstattete den rigischen Kaufleuten, die 1282 in den Grenzen seiner Herrschaft anlanden wuͤrden, von allen ihren Guͤtern die Angaria und Perangaria, die Freiheit von Zol und von der Schepwracke; bestaͤ- tigte ihnen auch die Privilegien seiner Vorfahren. Unterzeichnet zu Riga am 19ten April. Der Koͤnig Erich bestimte am Sontag Trinitatis zu Lunden der revel- 1283 schen Kirche 60 Haken Landes von den Hoͤfen Wartel und Kadjal, und be- fahl dem estlaͤndischen Adel, von jedem Haken zwey Kuͤlmet Getreide nach der alten Gewonheit zu entrichten, dessen sich die Ritterschaft bisher entschuͤttet hatte. Der Ordensmeister war gegen die Semgallen anfaͤnglich ziemlich gluͤcklich, 1284 und wies ihnen einen Huͤgel, auf dem er ein Crucifix setzte, zur gottesdienstlichen Versamlung an, bey welchem das Volk seine Andacht haben, die Predigt hoͤren und Betstunden halten konte, und den man nachher Heiligenberg nante. Bey den Streitigkeiten zwischen dem Koͤnig Erich in Norwegen, und den Staͤdten an der Ostsee, Lybikh, Roczstok, Vismarh, Stralasund, Grips- woldh, Riga und den Deutschen in Wisby, 1285, setzte der Koͤnig Magnus von Schweden um Michaelis zu Calmar vier Commissarien nieder, von ieder Seite zwey, daruͤber er sich jedoch die endliche Entscheidung vorbe- hielt. Der Erzbischof erbaute unterdessen die beruͤhmte Kirche zu Wenden; nach deren Vollendung er aus dieser Welt Abschied nahm, und im rigischen Dom vor dem Catharinenaltar begraben wurde. An seine Stelle kam Jo- 1286 hann von Fechten. Dieser Ordensmeister sahe sich uͤbrigens genoͤthiget, mit den Litthauern, 1287 Samogiten und den unruhigen Semgalliern zu schlagen, deren Heerfuͤhrer auch das Leben verlohr. Er wurde aber von der uͤberlegenen Macht der Feinde umzingelt, und standhaft entleibet, nachdem von seinen Rittern 33 erschlagen, und 16 gefangen worden, die man theils nacket auf Pferde band, und mit Knuͤt- teln zu Tode pruͤgelte, theils auf hoͤlzernen Rosten uͤber dem Feuer langsam briet. Hartknoch schreibet in seinen Anmerkungen uͤber den Duisburger beim Jahre 1283, daß sich der Hochmeister Winrich von Kniprode von dem mit den Litthauern und Samogiten 85 Jahr lang gefuͤhrten Kriege ein Verzeichnis vorzeigen lassen, nach welchem der Orden uͤber 168000 von dieser Nation theils erschlagen, theils gefangen genommen, dabey aber 49 Ordensbruͤder, 28 andre vornehme Ritter, 4000 Buͤrger, 11000 von Adel, 8000 Gemeine und 15000 Pilger eingebuͤsset habe. Der ehrliche Buͤrger, R 2 Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1287 Der neunzehnte Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Conrad von Herzogenstein . Chytraͤus nennet ihn von Hertogenstein, Horner, Cono von Schnickenschot, und Strubicz laͤst ihn gar aus. D ie uͤbermuͤthigen Feinde verfolgten ihren Sieg bis in Liefland, er beschnit ihnen aber die Fluͤgel, und nahm ihnen Doblin, Ra- ten und Sidropien weg. Die Litthauer verlohren bey der Niederlage der Semgallen ihren Muth dergestalt, daß sich keiner sich zu regen getraute. Russov haͤlt ihn daher fuͤr gluͤcklich, daß er die Semgaller voͤllig bezwungen, gegen welche alle seine Vorfahren ver- geblich zu Felde gelegen. Es bemerket aber Hartknoch aus dem Duisburger, daß die Semgallen noch fernere Unruhen erregt. 1288 Er gieng nach einer zweijaͤhrigen Regierung aus der Welt, und wurde von vielen, seiner ruͤmlichen Amtsfuͤhrung wegen, bedauret. Bey diesem Jahre meldet Strelow S. 145 u. f. in seiner gothlaͤndischen Chronik, daß die Buͤrger zu Wisby mit dem Adel wegen Anlegung eines neuen Zols zerfallen. Die est- und curlaͤndische Ritterschaft halfen dem gothlaͤndischen Adel, die Han- seestaͤdte aber der Buͤrgerschaft; doch wurde dieser einheimische Krieg durch die Ver- mittelung des Herrn Odward von Lode beigeleget. Der Buͤrger, Herr Juͤrgen Helms Juͤrgen Helms ward mit seiner Chronik 1628 fertig. Besage der Vorrede ergrif er die Feder und schrieb, weil er bey dem ruinirten Commercienwesen wenig zu thun hatte, und bey dem Muͤßiggehen befuͤrchtete, in schwere Schande und Laster zu gerathen, davon er aus der Bibel ein ganz Register anfuͤhret. Er schreibet Russoven und Henningen von Wort zu Wort gaͤnzlich aus, und wo dieser aufhoͤret, beschreibet Helms die Sachen seiner Zeit. An vielen Orten beruft er sich auf eine uralte preußische geschriebene Chronik, aus der er die Risse der Vestungen nach- gemahlet, davon auch einige der Lage nach richtig getroffen sind. Z. E. wenn er das alte Duͤ- nemuͤnde von Riga aus zur rechten Seite der Duͤne angiebt, wo es auch eigentlich lag, da hingegen das neue an dem linken Ufer aufgefuͤhret ist. Er beschreibet uns auch die alten Waffen der Heiden, als Schwerter, Sensen, halbe Monde, Spiesse, hoͤlzerne Keulen von Eichenholz, Aexte mit langen Stielen, Baͤrenspiesse, Streithaͤmmer, Handbogen, Schleudern, Balken, Steine, siedend heisses Theer und dergleichen. Nur dies klingt in der preußischen Chronik einfaͤltig, wenn sie auf dem 96 Blat noch lange vor dem Gebrauch des Schiespulvers und des Ge- wehrs in Liefland erzehlet, daß die Heiden von Buͤchsen oder Roͤhren nichts gewust, bis sie einmal die Christen aus dem Felde geschlagen, und ein geladen Rohr mit aufgespantem Hahn ge- funden. Ein Heide henkt sich dieses um den Hals, als er aber im Fortgehen es besichtigen wil, und bey der Feder ruͤhret, so geht die Flinte los, und nimt seinem Spiesgesellen die Nase vorm Kopf weg, der auch gleich wie todt zur Erden faͤlt. Solte man hier nicht auch fragen, was die- sen armen Kerl eigentlich um die Nase gebracht, der Schuß oder die Erzehlung? hat sich die Muͤhe genommen, die Summe von denen, so in den lieflaͤndischen Kriegen umgekommen, so wie sie Russow angege- ben, zu uͤberrechnen, wovon die Anzahl von den Jahren 1198 bis 1557 in diesem Ver- zeichnis enthalten ist. Bischoͤfe, ‒ ‒ 2 Moͤnche, ‒ ‒ 28 Ordensbruͤder, ‒ ‒ 622 Christen, ‒ ‒ 117691 Heiden, ‒ ‒ 212012 in allem 330355 Seelen. Erzb. Joh. v. Fechten. zur Zeit der Reg. des Bodo v. Hohenbach. Der zwanzigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Bodo von Hohenbach . Der Herr Landrath von Ceumern und der Herr Praͤpos. Kelch schreiben seinen Na- men Otto, beim Chytraͤus heist er Botho, beim Horner und Russow Boltho, wie sich denn noch jetzo eine gewisse Familie dieses Zunamens bedienet. Strubicz nennet ihn Heltus, und die mehrgedachte Handschrift von Herrmeistern, Boltho von Ha- neburg, andre Bodo, dafuͤr einige aus den Urkunden B. Otto , d. i. beatus Otto , le- sen wollen. Spangenberg nennet ihn Herold von Hombach, andre von Hegen- bach. Der wunderliche Name Heltus, den Strubicz hier anbringet, ist werth in Betrachtung gezogen zu werden. Unter den oͤselschen Briefschaften entdecket uns ein Auszug einer Urkunde, daß 1293 Meister Halt, Meister zu Liefland, gewisser Zwi- stigkeiten wegen mit dem Bischof Heinrich auf Oesel eine Vereinigung getroffen. Weiter findet man von dem Ordensmeister Halte nichts aufgezeichnet. Unter demselben giengen bey der Ruhe von auswaͤrtigen Feinden die innerlichen Haͤndel an, woruͤber die Gemuͤther der Weltlichen so wol als der Geistlichen gegen einander erbittert wurden, und bei- de einander weit aussehende Absichten vorwarfen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Orden sich an die fetten Einkuͤnfte der Geistlichen gestossen, indem man ihre Guͤter als verstopfte Quellen ansahe, aus deren Eroͤfnung der Republik noch manche Beihuͤlfe zufliessen konte. Cranz und die Historia contracta sprechen den Ordensmeister von dieser Gewaltthaͤtigkeit frey, beschuldigen aber die Or- densherren, daß sie den Bischoͤfen das Jhrige abzwacken wollen; da hingegen andre dem Haupte die Schuld beimessen. Viele suchen den Knoten in dem Stolz und Geitz des Erzbischofs und seiner Clerisey. Wem die einseitige Beschuldigung zu parteiisch vorkomt, der thut am sichersten, wenn er beiderley Klagen zusammen nimt. Die Stadt lies sich vom Propst und dem Kapitel ein Zeugnis von der Versicherung dieses Herrn ausstellen, daß ihr die Schloͤsser und Vestungen des Ordens nicht nachtheilig fallen sollen, vom Jahr 1292. Der curische Bischof Emund uͤberlies ihm das Schlos 1290 Memel und eine dabey gelegene Muͤhle; doch durfte an diesem Bach keine neue Muͤhle angeleget werden. Die Kirche dabey laͤst- darin ohne Entgeld mahlen und giebt auch nicht die Metze ( sine moletro, quod vulgo Methe dicitur ). Der Koͤnig Erich der VII te verliehe den Bruͤdern in Duͤnemuͤnde alle 1291 Guͤter des Dorfs Arrenkuͤlle, welche sie von Peter Saxen rechtmaͤßig erkauft, mit eben dem Lehnrecht, wie sie der erste Besitzer vom Koͤnig empfangen. Als Zeugen haben sich unterschrieben, Peter Jndeß, ehmaliger Drost, Skielm Stigh, dermaliger wirklicher Drost, Otto von Rosen, Nicolaus Abso- lonssohn und Odward von Revel. Die Urkunde ist deswegen merkwuͤrdig, weil der Koͤnig sie am vierten Tage vor Mariaͤ Magdalenaͤ zu Revel in Ge- genwart seiner geliebten Mutter unterzeichnet, von deren damaligem Aufenthalt in Estland die daͤnischen Geschichtschreiber nichts erwehnen. Der Erzbischof lies zur Anlegung der St. Nicolaikirche zu Penninckholm eine Collecte sam- len, und erlies denen, so einen willigen Beitrag dazu thaten, 40 Tage und einen Fasttag an der Busse. Zu Riga in der Osterwoche. Der in der Stadt Riga entstandene Brand veranlaste die erste Bauord- 1293 nung von 10 Artikeln, deren Vorrede also lautet: Dat sy witlick alle, de nu syn vnde thokamende, dat na Bort unses Heren 1293 in Suͤnte Martens Nacht brande de Stad tho Riga, do wilkoͤrde de Raht vnd de Menen Boͤrgere dese Ding holdende, de hirna beschreven stat. Philip S Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister. 1293 Philip der IV te, Koͤnig in Frankreich, gab der Stadt Riga nebst 8 an- dern Staͤdten die Handelsfreiheit in seinen Haͤfen, nach der sie nichts mehr, als den gewoͤnlichen Zol entrichten durfte. Die Haͤndel zwischen dem Ordensmeister und Erzbischof gediehen endlich so weit, daß dieser einen langwierigen Arrest bekam, wozu die Ritterschaft des Erz- stifts das Jhrige mit beitrug, die an diesen Praͤlaten bisher eine mehrere Nei- gung gegen die Pfaffen, als gegen die Ritterschaft bemerkt haben wolte. Doch der Tod trente diese Partheien, und schafte den Meister in der besten Arbeit zur Ruhe. Der ein und zwanzigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Heinrich von Dumpeshagen Horner nennet ihn von Dumpsagen, Strubicz, von Durenschlagk, eine Hand- schrift von den Herrmeistern, von Dingschalen, eine andere, Hinrich von Ding- schlagen. Jn einem Document vom 11ten Jul. 1295 heist er Hinrich von Din- celaghe. Jn selbigem spricht er der Stadt dasjenige Stuͤck der Mauer zu, so hinter den Fleischscharren ( infra apothecam carnium ) und seinem Wohnsitze Wittensteen weggehet, und von dem St. Peters Kirchhof bis an den St. Juͤrgens Thurm sich erstrecket. Nur muͤssen keine Rennen von der Mauer in den Hof Wittensteen gehen, und er Freiheit behalten, die Balken seines Hofes in die Mauer, doch ohne Schaden derselben, einzulegen. . 1294 E r schafte sich gleich den doͤrptischen Bischof Bernhard durch einen guͤtlichen Vergleich vom Halfe, welches den einsamen Erzbischof ver- anlaste, sich hinter die Litthauer zu stecken, und gewisse Betstun- den anzuordnen, in welchen er den Ordensmeister und seine Ritter- schaft wolte zu Tode beten lassen. Der Tod aber faste zuerst den Erzbischof beim Mantel, und wanderte im folgenden Jahr mit ihm aus der Welt. Das revelsche Kapitel muste seine Domherren, Peter Degen, Jacob Cimeterraͤ, Johan Terristerraͤ und Johan von Ymbria nach Roth- schild abfertigen, wo sie in Gegenwart des dasigen Bischofs Johannes das Bekentnis ablegten, daß weder sie, noch ihre Vorfahren sich der freien Bischofs- wahl bedienet. Sie versprachen auch, weil es ein Regale waͤre, in dergleichen Faͤllen nie etwas gegen die koͤnigl. Vorrechte zu wagen. Rothschild am 25ten Julii. 1295 Die Kapitelsherren in Curland umzogen Pilten mit einer Mauer, weil sich deutsche Kaufleute daselbst niedergelassen. Der Orden aber bezog das Ha- kelwerk vor dem Schlosse Neu- Pernau, welches eine alte preußische Chro- nike ein Jahr vorher meldet. Der Meister folgte dem Erzbischof Johan von Fechten bald nach, und starb. Der zwey und zwanzigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Bruno . Sein Zuname findet sich weder bey auswaͤrtigen noch einheimischen Schriftstellern. Stru- 1296 D er neue Erzbischof, Johannes Graf von Schwerin, setzte das Buͤndnis mit den Litthauern gegen den Orden fort, auf welche Gelegenheit der Grosfuͤrst Vitenes laͤngst gewartet hatte. Um aber die Buͤrgerschaft mit in seine Vortheile einzuflechten, bekraͤftigte er alle von Erzb. Joh. v. Schwerin. zur Zeit der Reg. Gottfrieds v. Rogga. von seinen Vorfahren ihnen ertheilte Freiheiten, mit dem Zusatz, daß der Stadt- 1296 vogt sich einen Nachfolger ernennen koͤnne, ohne daß derselbe die Jnvestitur zu suchen noͤthig habe. Zu Riga im April. Die Kaufleute zu Wisby kamen bey dem Koͤnig in Daͤnnemark, Erich, klagbar ein, daß ihnen die Estlaͤnder einige Kaufmansguͤter vorenthalten, worauf derselbe an seinen Stadthalter in Revel, Nils Axelson, und an die Raͤthe uͤber Estland, die Herren Henrich von Lode, Herman von Bux- thoͤveden, Woldemar Rosen und Helmold von Lode, Befehl stelte, die- sen Buͤrgern zu ihrem Rechte zu verhelfen, wodurch die Zwistigkeiten gehoben wurden. S. Strelovs gothlaͤndische Chronik Bl. 147. Bruno zerfiel mit den Buͤrgern zu Riga einer Bruͤcke halber, welchen 1297 Streit der Erzbischof und der Bischof Bernhard von Doͤrpt so schlichteten, daß die Buͤrger zwar am Bau zum gemeinen Besten nicht gehindert werden, aber auch keine Muͤhlen und Wehren ( gurgustia ) ohne Einwilligung des Ordens an- legen sollen. Der litthauische Grosfuͤrst Vithenes ruͤckte indessen mit seinem Heere in Liefland ein, da der Erzbischof und die Buͤrgerschaft das Rauhe heraus kehr- ten, und mit dem Orden in anderthalb Jahren 9 Schlachten wagten. Die letzte bey Treyder-Aa am ersten Junius war entscheidend, und Bruno samt 60 Rittern und vielen Gemeinen blieben in derselben. Die Sieger machten sich hierauf an die Belagerung des Ordensschlosses Neuermuͤhlen, Neuermuͤhlen, auf lettisch Adasch, ein altes herrmeisterlichs Schlos, lag 11 Wer- ste von Riga; nicht weit davon ist die erste Poststation nach Pernau, Revel, Doͤrpt und Petersburg. Peter von Duisburg K. 262 nent es castrum molendini noui, Horner, noua mola. Kojalowitz schreibt auf eine ganz seltsame Art, nouem ly- num, so ohne Zweifel nouum molendinum heissen sollen. Peter von Duisburg erzehlet, Bruno habe dem litthauischen Koͤnig Vithenus nachgesetzet, weil dieser im Schlosse Carthusen 4 Bruͤder mit ihrem Volke gefangen genommen, und das Schlos zerstoͤret. Er habe ihn auch endlich bey der Treyderaamuͤnde oder Gowmunde angetroffen, 3000 Christen aus seinen Haͤnden errettet, 800 Unglaͤubige erschlagen, wobey doch Bruno selbst mit 22 Bruͤdern und 1500 Christen ins Gras beissen muͤssen. hatten aber auch fast 3000 Christen aus ihren Haͤnden reissen, und von ihren eigenen Leuten 800, oder wie andre lesen, 1800 sitzen lassen muͤssen. Der drey und zwanzigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Gottfried von Rogga Die mehresten von unsern Geschichtschreibern lassen den Zunamen weg. Horner nent ihn Gottfried Rugo. Strubicz, Andreas Gottfried; die eine Handschrift, Gottfried Rosus; die zweyte Curt Fridow genant Ruge; andre, Roge und Roggaa. . E r erhielt aus Preussen noch zu rechter Zeit eine gute Anzahl neu- 1298 geworbener Soldaten, welche der tapfere Berthold von Oe- sterreich, mit dem Zunamen Bruͤhan, anfuͤhrete. Sie ruͤck- ten miteinander zum Entsatz vor Neuermuͤhlen an, und fielen S 2 am Strubicz schreibt Brunau. Peter von Duisburg K. 262 heist ihn schlechtweg Meister Bruno. Spangenberg laͤst ihn mit andern Ordensmeistern aus. Jn- zwischen ist es falsch, daß die Ritter bey Annehmung des Ordens ihre Namen geaͤn- dert, wie Simon Grunov meinet. Cranz Vandal. lib. VII, c. 46 giebt die Suc- ceßion der rigischen Erzbischoͤfe ganz unrecht an. Seinem Bericht nach folgte auf Al- berten gleich der Graf Johan von Schwerin, den er Helmolds Bruder nennet Auf diesem folgte 1304 Johannes Brand, ein rigischer Domherr; welches den Documenten entgegen ist. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1298 am Tage Petri und Pauli mit solcher Verbitterung auf die Belagerer, daß uͤber 4000 theils in den Strom gesprenget, theils durchs Schwert niedergemacht wurden. Jnzwischen suchten die Litthauer den Bruͤhan aus Liefland zu ziehen, und thaten deshalb einen Einfal in Preussen, wo sie gar seltsam wirthschafteten. Doch Bruͤhan Dieser Man war Befelshaber in Koͤnigsberg, oder wie man damals redete, Com- thur. Beim Michow lib. III, c. 66 heist er von Brunhaim, beim Kojalowitz p. I, l. 6, Brunheim. Peter von Duisburg erzehlet S. 310 von ihm eine seltsa- me Probe und Uebung seines Geluͤbdes der Keuschheit. Der Entsatz bey Neuer- muͤhlen geschahe 1298 am Tage Petri und Pauli, und sollen die Rigischen und Litthauer uͤber 4000 Mann davor haben sitzen lassen. Ein Preusse aus Samland focht so standhaft, daß seine Haͤnde kraftlos wurden, und ihm das Schwerdt in den Faͤusten erstarrte. kam ihnen unvermuthet auf den Hals, und wies diesen frem- den Gaͤsten nach etlichen Scharmuͤtzeln den Ruͤckweg. Der Erzbischof hatte sich muͤssen gefangen geben. Als aber die Buͤrgerschaft nach Bruͤhans Abzuge Luft bekommen, sengte und brente sie so lange in dem Gebiete des Ordens, bis der Erzbischof auf freien Fus gesetzt wurde. Erich der VII te Koͤnig in Daͤnnemark erklaͤrte, daß wer sich ihm gefaͤllig erweisen wolte, die Buͤrger zu Riga in- und auserhalb des Reichs, guͤnstig auf- nehmen, guͤtlich bewirthen, und ihre Absichten befoͤrdern moͤchte. Kein Rich- ter ( Aduocatus ) oder Unterthan solte ihnen etwas in den Weg legen, bey koͤnig- licher Ungnade uud Ahndung an ihren| Guͤtern oder Personen. Worthingburg, am Tage vor Antonii des Bekenners. 1299 So bald der Erzbischof sich in Freiheit sahe, war seine erste Verrichtung eine Reise nach Rom, sein Aufenthalt aber daselbst ziemlich kurz, indem ihn das Jahr darauf der Tod aus der Welt forderte. Der Papst Bonifacius der IIX te sandte hierauf seinen Kapellan, den Prior des Augustinerklosters zu Bene- vent, Namens Jsarnus Wir kennen diesen Man aus der paͤpstlichen Bestaͤtigung, die ihm Bonifacius der IIX te im Lateran, im 6ten Jahr seiner Regierung am 19 Dec. ausgefertiget. Die Daͤnen nennen ihn Jsarnus, und Jsernus, andre Jsaurus, Strubicz Aßverus e Dania , die Bischofschronik Die Bischofschronik ist eine Handschrift, von etlichen 10 Bogen, die zur Nachahmung der huit- feldischen Bispers Kroenicke aufgesetzet zu seyn scheinet. Sie enthaͤlt einen magern Auszug aus der Chronik Heinrichs des Letten und der Geschichte der rigischen Erzbischoͤse, dabey aber man che unerweisliche und nicht gnugsam eingeschraͤnkte Saͤtze befindlich sind. Z. E. von dem 4jaͤhrigen Re- giment des Bischofs Nicolaus, von der drauf erfolgten Bekehrung der Russen in Plescow, die doch schon lange zuvor Christen waren; von Jnnocentii Befehl, das Sacrament des Altars un- ter beiderley Gestalt zu reichen; von Honorii Verbot, daß die Bauren nicht mehr das gluͤende Eisen tragen solten. Letzteres ist wol ein Misverstand einer Stelle beim Raynald, wo Hono- rius bey den Neubekehrten, und zwar in nichtsbedeutenden Faͤllen, es abgeschaffet: denn daß es zu Plettenbergs Zeiten noch im Gebrauch gewesen, beweisen dieses Fuͤrsten Gesetze, die 1539 in Druck gekommen, wiewol einige aus der darin beibehaltenen Gewonheit des gluͤenden Eisens, diese ungemein rare Samlung der alten lieflaͤndischen Gesetze fuͤr eine eigene Erfindung Diony- sii Fabri halten, die in Liefland von denen Regenten nie uͤbersehen, sondern nur als eine Pro- be etwan zu Rostock bey Johan Ballhorn, in wenig Exemplaren gedrucket worden; daher es ungemeiu rar ist. Doch diese Ursache ist nicht hinlaͤnglich; indem Plettenberg in der Einigung der Bauren von 1509 das gluͤende Eisen zu tragen anbefolen. Man hat noch eine Beschrei- bung aller Bischoͤfe und Erzbischoͤfe des Erzstifts Riga aus alten Schriften zusammen getragen, im Manuscript, von Gerhard Kuͤrich Rosenstrauch; davon die ersten Proben ziemlich schlecht gerathen, und nicht des Aufhebens werth sind. Erasmus, Chytraͤus S. 19, Jvarus. Seines Vaterlandes halben koͤnnen sich die Geschichtschreiber auch noch nicht vertragen, indem sie ihn bald zu einem Franzosen, bald zu einem Daͤnen machen, da er doch ein Jtaliaͤner von Geburt war: welcher Meinung auch Magnus Matthias im Verzeichnis der lun- dischen Bischoͤfe beypflichtet. Huitfeld, Pontanus und der Papst nennen ihn einen paͤpstlichen Kapellan. Er ward endlich von Lunden weg, und zum Erzbistum Sa- lerno berufen, wo er ohngefehr 1310 mit Tode abgieng. Jn der schwedischen Bi- bliothek Tom. III p. 190. wird der Monat October 1310 beibehalten, doch sol Jsarnus auch , nach Liefland, und bestaͤtigte ihm das rigische Erz- Erzb. Jsarnus. zur Zeit der Reg. Gottfr. v. Rogga. Erzbistum. Allein er hatte ein zu redliches Herz, als daß er diesem ewigen Ge- zaͤnke lange zusehen konte; daher ihn der Papst zum Erzbischof von Lunden er- nante, dem lundenschen aber, Johannes Grand, das rigische Erzbistum auftrug. Doch Johannes bedankte sich fuͤr diese unruhige Ehrenstelle, und Jsarnus muste in Daͤnnemark noch eine kleine Zeit unter dem Namen eines paͤpstlichen Legaten warten, bis die lundensche Stelle erlediget wurde. Den heiligen Abend vor Jacobi lies dieser Gottfried den Luͤbeckern, aus Dankbarkeit fuͤr ihre Bemuͤhungen, zum Aufkommen des Ordens alle An- stalten vorzukehren, ein gar schoͤnes Handelsprivilegium ausfertigen, in welchem den luͤbischen Kaufleuten zugestanden wird, auch in Kriegszeiten mit den Rus- sen zu handeln, ja ihren Handel zu Lande bis Preussen zu treiben, ohne von den Lieflaͤndern gestoͤret zu werden. Jn See- und Hafenverbrechen sollen die Schuldigen nach luͤbischem Rechte, in Stadtsachen aber durch den zeitigen Ael- termann ( Oldermannum ) gerichtet werden. Die Abschrift, welche wir haben, lies Johan Tideman, Dechant, Matthaͤus Richard, Senior, und das Domkapitel zu Luͤbeck durch den geschwornen Notarius Lorenz Walter am 11ten Jun. 1551 von dem weitlaͤuftigen Original nehmen. Die Worte des angefuͤhrten Artikels lauten so: Si praeterea inter nos, fautores et coope- ratores nostros ex vna et Ruthenos seu Paganos ex altera vel eorum fautores con- junctim vel diuisim subortae fuerint inimicitiae seu caussae qualescunque, ciues ta- men Lubecenses eo non obstante cum bonis suis in nostra protectione et in sua ipso- rum propria fortuna procedent et pergent per terras nostras et extra eas, quorsum- cunque ipsorum fuerit voluntatis, securi prae omnibus, qui nostris obedire adstricti sunt mandatis. Hierauf bezogen sich die Herren Luͤbecker an den Kaiser Ferdinand, als ihnen die Lieflaͤnder 1559 den Handel mit den Russen auf Narva legen wolten. Siehe beim Chytraͤus S. 612. Jsarnus kam nach Liefland, wo er 6 Tage vor Reminiscere die alten 1300 obschwebenden Zwistigkeiten auf diesen Fus abthat: Der Erzbischof und der Or- den heben die Kosten gegen einander auf. Wolmar von Rosen erhaͤlt sein Schlos wieder. Der Orden braucht die St. Juͤrgenskirche zu Riga zum Gottesdienst, nur daß niemals uͤber 10 Bruͤder in der Stadt bleiben, noch viele Bediente bey sich haben, oder oͤffentliche und heimliche Zusammenkuͤnfte halten, keine Thuͤrme oder Schanzen in der Stadtmark oder Grenze anlegen. Die Or- densschiffe haben durch die Bruͤcke der Buͤrger freie Durchfahrt. Das ganze Land gehoͤret dem Papst, und ist den Bruͤdern nur zur Fortpflazung des christli- chen Glaubens verliehen; daher duͤrfen keine neue Zoͤlle eingefuͤhret werden. Uber die Guͤter, so die Buͤrger dem Orden im Stadtgebiete abgezwacket, und welche der Orden der Buͤrgerschaft zu Riga in Lief- und Curland weggenom- men, wird der Papst den Ausspruch thun. Das Kirchenregiment beruhet allein anf dem Erzbischof und seinen Nachfolgern. Bischof Heinrich von Revel, Esger auch in Lunden gestorben, und daselbst in hypogaeo der Kirche des H. Lauren- tii begraben seyn. Weil Thomas Hiaͤrne bey den Nachrichten von den Verrichtun- gen dieses Mannes viel widersprechendes gefunden; so ist ihm Jsarni erzbischoͤfliche Wuͤrde in Riga verdaͤchtig: er wil ihn daher beym Jahr 1306 nur zum Legaten des Papsts, nicht aber zum Erzbischof von Lunden machen. Doch diesem Zweifel waͤre noch abzuhelfen, nemlich im Jahr 1302 am Tage vor Himmelfahrt war er in Duͤne- muͤnde, wo er vermutlich zu Schiffe gehen wolte. Der Herrmeister Gottfried gab ihm das Geleite, und der Erzbischof unterzeichnete noch daselbst zum Abschiede das Privilegium uͤber Altenwogen. Was das folgende Jahr 1303 betrift, so beweiset die paͤpstliche Bestaͤtigung |des folgenden Erzbischofs Friedrichs von Benedict dem XI ten daß Jsarnus in demselben nach Lunden gegangen, um mit Johan Gran- dis einen Tausch zu treffen, wofuͤr sich aber der zu Lunden bedankte: Johannes kam endlich 1307 auf Martini des V ten Volmacht, nach dem Erzbistum Bremen. Wer weis aber, ob nicht Jsarnus, da er den Sitz nicht gleich ledig fand, unter dem ansehnlichen Kirchentitel eines paͤpstlichen Legaten, unterdessen eine und die andre Reise in die benachbarten Laͤnder anstellen koͤnnen? T Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Esger Jul, Domherr zu Rypen, Bernhard Virolettus, Bischof zu Karkes, Heinrich von Lubeke, Canonicus zu Rypen, Porrius von Cusa, Jacob von Casulis, Pero von St. Benedicto, Rechtsgelehrte und Advocaten des roͤmischen Hofes nebst andern mehr, Bey diesem Jahre melden uns die daͤnischen Geschichtschreiber, Huitfeld S. 315, und dessen Ubersetzer Pontanus, S. 389, doch ohne Jahrzahl, Tag und Zeugen, aus einem Stuͤck von einem lateinischen Jnstrumente, daß der neue Erzbischof Friedrich aus Mangel anderer Auswege sich uud sein Erzstift dem Koͤnig von Daͤn- nemark Erich dem VII ten auf folgende Bedingungen ergeben: Weil die Verfolgung, welche der Orden den Geistlichen anthue, in Semgallen, Valez und Gerze uner- setzlichen Schaden angerichtet, so suche der Erzbischof beim weltlichen Arm Huͤlfe, und uͤbertrage mit Genemhaltung der rigischen Buͤrgerschaft dem Koͤnige das Recht zu den entledigten Guͤtern des Erstifts die Personen vorzuschlagen, welche vom Erz- bischof die Lehne erhalten sollen. Gleichergestalt verhaͤlt sichs mit den Guͤtern, welche der Orden der Kirche abgedrungen, wenn sie durch koͤnigliche oder erzbischoͤfliche Macht wieder ans Erzstift gebracht werden. Die Stadt Riga und die geistlichen Guͤ- ter stehen des Koͤnigs Advocaten und seinen Maͤnnern allezeit offen, ohne deren Vor- wissen der Erzbischof mit seinen Feinden keinerley Vergleich eingehen wil. Diese Ur- kunde, worinne Friedrich den Ordensbruͤdern gewis keine Lobrede haͤlt, verdiente hier ganz uͤbersetzet zu werden, wenn nicht zwey Hauptumstaͤnde den Jnhalt derselben wankend machten. Einmal, daß von so vielen Urkunden, die wir von diesem Erzbi- schof uͤbrig haben, nicht eine einzige mit der daͤnischen Nachricht uͤbereinstimt; und zweitens, daß Friedrich erst von Bencdict dem XI ten im ersten Jahr seiner paͤpstli- chen Regierung zum Erzbischof ernennet worden. Denn so heist es in der 1303 am 19ten Maͤrz aus dem Lateran ergangenen paͤpstlichen Bestaͤtigung desselben: weil Bo- nifacius der IIX te den rigischen Erzbischof zur lundenschen Kirche, den lunden- schen Erzbischof Johan aber zur rigischen Kirche berufen; letzterer aber diesen Tausch nicht antreten wollen, so uͤbertrage er dem Minoriten Bruder Friedrich das Erzstift, und ermahne die rigische Kirche, ihn als ihren Vater und Seelenhirten ehr- erbietig aufzunehmen. Siehe auch Pontan, S. 391. Friedrich brachte es beim Papst dahin, daß er den Orden vom Banne lossprach, wohin derselbe so wol wegen Gefangennehmung des vorigen Erzbischofs, als wegen der Bedraͤngungen der Bischoͤfe von Oesel belegt worden. haben sich dabey unter- schrieben. Die estlaͤndische Ritterschaft versamlete sich zu Wesenberg, wo sie in einer Schrift mit 31 angehengten Siegeln an Erich den VII ten berichtet, daß sie zwar Estland dem revelschen Bischof Heinrich zugeeignet, doch unter der Bedingung, daß es nie von der Krone Daͤnnemark veraͤussert werde. 1301 Drr Ordensmeister sahe sich gezwungen, die aufruͤhrigen Oeseler zu demuͤ- thigen, welches der Bischof fuͤr einen Eingrif in fremde Rechte ansahe. Gott- fried lies sich daher von der Nothwendigkeit dieses Krieges von etlichen Rittern und Hofleuten des Stifts Doͤrpt, wie auch von dem Ritter des Stifts Oesel, Johan von Yxkul, ein Zeugnis ertheilen, womit er dem oͤselschen Bischof Conrad den Mund stopfte, daß selbiger mit seiner Klage beim Papst kein Ge- hoͤr fand. Conrad erhielt indessen keine sonderliche Genugthuung, und am paͤpstlichen Hofe war man gegen alles taub. Zuletzt ernante der Papst Bene- dictus der XI te einen Minoritenmoͤnch, Namens Friedrich, einen gebornen 1302 boͤmischen Bannerherrn, zum Erzbischof von Riga, welcher den Streit zwi- schen dem Orden und dem oͤselschen Bischof beilegte. Damit wir mit den oeselschen Begebenheiten die Geschichte nicht zu sehr unterbrechen, so bemerken wir nur, daß dieselbe kurz so zusammen haͤngen: 1302 wiederrief der Bischof Conrad auf Oesel, seine Verbindungen gegen den Orden, und schwur auf das heilige Evangelium, demselben gegen die Russen und andre Feinde beizustehen. 1304 vereinigten sich der Bischof von Oesel, der zu Doͤrpt, der Orden und des Koͤ- nigs von Daͤnnemark Hofleute in Harrien und Wirland. 1305 quitirt der Bi- schof den Orden wegen des gesamten Schadens, den er im letzten Kriege gelitten. 1320 beschwert sich der Bischof bey dem Cardinal zu Rom, daß ein Ordensherr einen oͤsel- schen Erich Erzb. Friedrich. zur Zeit der Reg. Gottfr. v. Rogga. Erich der VII te belehnte seinen Bruder den Herzog Christoph auf 6 1303 Jahr mit Estland, um solches vor den Unglaͤubigen unter koͤniglichem Beistand zu schuͤtzen, wogegen der Herzog verspricht, ein getreuer Lehnsman zu seyn, und dem Koͤnig im Nothfal mit 50 bewehrten Leuten zu dienen. Jm Maͤrzmonat versamlete sich der Meister, der Landmarschal und alle Be- 1304 fehlshaber des Ordens zu Doͤrpt, wobey sich die daͤnischen Vasallen von der estlaͤndischen Ritterschaft mit einfanden, und schlossen dieses ewige Buͤndnis, daß sie keine daͤnische Vasallen abspenstig machen wolten, weil dieselben noch vom Heidenthum her zu dieser Krone gehoͤret, ingleichen daß keiner ohne den an- dern eine Verbindung errichten solte. Die Bischoͤfe von Doͤrpt und Oesel sollen mit dem Ordensmeister den rigischen Erzbischof bereden, gemeinschaftliche Sache zu machen. Welcher Ort nun zwischen der Duͤne und Narve sich diesem Bunde nicht unterwerfen wuͤrde, dem solle feindselig begegnet werden. Wer das Land unter fremde Herrschaft zu bringen trachtet, mit einem solchen wird als ei- nem Verraͤther umgegangen. Wenn obgemeldte Bischoͤfe und der Orden mit den Russen in Verdrieslichkeit gerathen, so giebt eine Commißion den Aus- schlag, worin 3 von Riga, 3 von Oesel, 6 von Doͤrpt, 6 koͤnigliche Lehnsmaͤnner und 6 Ordensbruͤder sitzen. Werden diese Verbundene unter sich uneins, so thun 6 Commissarien von Doͤrpt und Oesel, 6 koͤnigliche Lehns- maͤnner und 6 Ordensbruͤder den Ausspruch, wobey es sein Bewenden haben mus. Thut jemand den Russen zu viel, und wil nach seinem Kopfe mit ihnen anbinden, der sol ohne Beistand bleiben und seine Gefahr stehen Pontanus S. 394 bemerket, daß der daͤnische Stadthalter Johan Saxeson uͤber das Verfahren der Herren Leo Orgies und Johan Waigithe sich bey dem Koͤnig beschweret, daß sie als Lehnsmaͤnner ohne koͤnigliches Vorwissen sich in dis Buͤndnis eingelassen. Huitfeld gehet in einigen Umstaͤnden von uns ab. . Der lundensche Erzbischof Jsarnus legte in diesem Jahr die zwischen dem Orden und der Stadt noch obwaltenden Zwistigkeiten bey. Der Erzbischof Friedrich aber bestaͤtigte am 9ten October der letztern alle 1305 Rechte und Freiheiten, insbesondre das gothische Recht, nebst der Befreiung vom Kampfschlagen, vom Zol, vom gluͤenden Eisen und den Strandungsko- sten. Zum gothischen Rechte wird gerechnet, daß sich die Buͤrger einen Stadtrichter wehlen, den erwehlten aber dem Erzbischof zur Jnvestitur vorstellen sollen. Dieser Stadtrichter entscheidet alle weltliche Sachen, doch ist kein stifti- scher Lehnsman an dieses Gericht gebunden. Der Erzbischof behaͤlt die Muͤnzge- rechtigkeit, die Buͤrger hingegen sind frey vom Zehnden und andern Abgaben. Alle die in die Stadt kommen, sind des Buͤrgerrechts faͤhig, und mit der Dar- stellung des Stadtvogts wird es so genau nicht genommen. Unterschrieben sind: Bruder Bernhard, Unterprior der Predigermoͤnche, Bruder Johannes von T 2 Oesel, schen Canonicus zu Riga in seines Vaters Hause erschlagen habe, welche Klage auch weiter an den Papst gelangte, in welcher der Entleibte ein Dumherr von Hapsall heis- set. 1324 hetzte der curische Bischof den von Oesel auf, mit dem Orden anzubinden, und versprach in eigner Person nach Rom zu ziehen, das Verfahren des oͤselschen Bischofs zu verantworten. 1328 verglich sich der Orden mit dem Bischof Jacob uͤber den vierten Theil von der Verlassenschaft guter Maͤnner, die ohne Erben sterben; der Bischof giebt dem Orden dafuͤr 36 Hacken Landes und 30 Mark. 1365 richtete der Orden mit dem Bischof eine Beliebung auf, was man fuͤr die Ueberfahrt uͤber beyde Sunde und Moon erlegen solle. 1441 muste Johan Clasen, Dechant zu Doͤrpt und Oesel, und beider Kirchen Domherr, jaͤhrlich 30 Mark verzinsen, zum Behuf der St. Johannis Baptistaͤ Vicarie. 1446 befahl Eugenius der IV te dem Orden, den Bischof Johannes wider Ludolphen in den Besitz der Kirche zu Oesel zu setzen. Von dem ehmaligen Zustande der Stadt und des Schlosses Arens- burg hat Simon Heinrici in seinem zu Rostock 1634 in 4 gedruckten Buche, Ci- uis Christianus, eine weitlaͤufige Beschreibung hinterlassen, die wir aber nie zu Gesicht be- kommen koͤnnen. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Oesel, von eben dem Orden in Riga, Bruder Friedrich, Vicegardian der Minoriten in Riga, Bruder Johan von Pohlen, Leser, Bruder Wen- ceslaus, Bruder Gerhard, ebenfals Minoriten. Herr Gerlach, Herr Lambert, Johan von Ostinghusen und Magister Marcus von St. Ger- mano. 1306 Als die Stadt den St. Juͤrgenshof zerstoͤret, und in eine Strafe von 1000 Mark verfallen war, weil es bisher die ordensmeisterliche Residenz gewesen; so erlegte sie fuͤr allen Schaden uͤberhaupt 800 Mark, woruͤber sie der Meister Gottfrid, sein Marschal Cono, und der wendensche Comtur Albert, ge- nant Pladere, in der Octave Petri und Pauli voͤllig quitiret. Der Bischof Conrad von Oesel hatte die rigischen Buͤrger zu Beschu- tzern seiner nach Riga gefluͤchteten Leute und Guͤter bestellet. Da aber ein ver- ungluͤcktes Schif auf den oͤselschen Kuͤsten wider den Freiheitsbrief keine Sicher- heit genos, ward die Stadt erbittert, nnd nahm was ihr im Weg kam, erschlug auch einige Bedienten des Bischofs. Doch das Jahr drauf ward zu Leal am Tage Philippi u. Jacobi die Sache verglichen. Beide Theile geniessen in des an- dern Grenzen Sicherheit, und die Rigischen liefern die genommenen Pferde und Waffen zu Neuermuͤhlen oder Duͤnemuͤnde aus. Ueber den Todschlag ist der Erzbischof Richter. Als Mitler waren zugegen, Bruder Cuno von Ol- denborch, Comtur zu Leal, Bruder Ravo, dasiger Priester, Bruder Jo- han, genant Holsathen, Vogt in der Wyck, Herr Wal, Ritter, genant von Wranghel; Herr Gerlach, genant Reise, Herr Lambert, genant Seyme, Burgermeister der Stadt Riga. Am 26 Maͤrz traten die estlaͤndischen Landraͤthe mit der Ritterschaft zu- sammen, machten eine naͤhere Landesordnung, deren Handhabung sie auch be- schworen, und uͤbergaben sie dem revelschen Bischof Heinrich zur Bestaͤtigung, der sie auch auf zwey Jahr bis zur koͤniglichen Genehmigung bestaͤtigte. Die Namen derer, so dabey zugegen gewesen, sind: Wolmar Rosen, Heinrich von Lode, Diedrich Thoys, Diedrich Kiwel, Bruno von Dolle, Ludolph Fahrensbach, Johan von Loͤwenwolde, Johan Uxkuͤl, Woldemar Wrangel, Johan Waigithe, Leo Orgies, Johan Wa- ckolt, Nicolaus Askerson, Johan Wesenberg, Otto von Kiwel, Nicolaus von Haffwesforde, Odoard von Revel, Conrad Soͤge, Heinrich von Lechtes, Albert und Nicolaus von Dohlen. Am St. Moriztage uͤbertrugen vorerwehnte Herren Landraͤthe und Rit- ter auf einem Landtage zu Wesenberg dem Bischof Heinrich in des Koͤnigs Na- men ganz Estland. Der Bischof sandte die Resignation dem Koͤnig zu, und legte die schoͤnen Zeugnisse bey, worin der Adel des Bischofs Treue und Eifer ge- gen den Koͤnig ungemein geruͤhmet hatte. Jnsbesondre war mit ausbedungen worden, daß Estland auf keinerley Weise von Daͤnnemark veraͤussert werden solle. Auser den vorigen erschienen auf diesem Landtage noch zur Unterschrift: Herman von Lode, Odward von Dohlen, Friedrich von Wrangel, Peter von Huds, Jacob Fahrensbach, Berthold und Hans von Lechtes, Albrecht von Al- wen, Johann von Vorkel, Gottfried, Daniel und Hinrich Brakel, Wil- helm von Embach; Gerhard von Herke und Johan Tiser, Ritter. Weil die daͤnischen Schriftsteller uns viele von diesen Namen verdorben, so haben wir sie aus den besten Abschriften verbessert. Der Erzbischof Friedrich. zur Zeit der Reg. des Gerdt v. Jocke. Der vier und zwanzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens. Gerdt von Jocke . Diesen Vornamen haben wir aus den Documenten geaͤndert, die ihn alle Gerdt, und auf lateinisch Gerhardus nennen, wofuͤr unsre Chroniken Cordt und Conra- dus, ingleichen Bernhardt gelesen. Huitfeld schreibt von Jorke, Strubicz, Gotthard von Jorigk. Andre nennen ihn Joke. Spangenberg rechnet ihn nicht mit, und Chytraͤus getrauet sich nicht den Zunamen zu melden. Die eine Handschrift von Herrmeistern nennet ihn Cordt von Hocke, die andre Gerhard von Docke, noch andre, Cordt von Hacke, oder noch seltsamer, Gerdt von Doͤ- rigk. Oernhielm mus ein Blat in unsern Geschichtschreibern zu weit umgeschlagen haben, wenn er im Leben des Pontus de la Gardie S. 81 schreibt, daß dieser Con- rad bey Treiden erschlagen worden, da dieses doch seinen Vorfahren Bruno be- troffen. E r erhielt unter der Anfuͤhrung des tapfern Conrad Kesselhuts, Schatzmeisters und nachmaligen Landmarschals, eine ziemliche Verstaͤrkung von preußischen Ordenstruppen, mit welchen er Plescow eroberte, und die Russen zum Frieden noͤthigte. Hieauf gieng er dem Bischof von Oesel zu Leibe, und nahm im ersten Schrecken Hapsal, Lode, Leal und die ganze Wyck weg, weil die Litthauer als der Geistlichen Bundesgenossen nicht abkommen konten, indem sie in Preussen alle Haͤnde vol zu thun hatten. Doch kam es bald zum Vergleich, und muste die nach Riga entfuͤhrte Beute, oder der Werth derselben, zu Neuermuͤhlen oder zu Duͤnemuͤnde wieder ausgeliefert werden. Der Koͤnig von Daͤnnemark sandte Johan Kanen nach Revel, unter 1310 welchem die Mauren der Stadt auf der Nord- und Ostseite erweitert, erhoͤhet, und mit Thuͤrmen, Schanzen und Graben bevestiget werden solten. Hierdurch kam das beruͤhmte Nonnenkloster St. Michaelis Das Michaeliskloster war Cistercienserordens. Der vorgegebene alte Ursprung desselben aber ist fabelhaft und von 1093 her unerweislich, indem derselbe sich weder mit der Zeitrechnung, noch der Thronfolge der daͤnischen Koͤnige reimet, ob gleich Brandis es aus der letzten Aebtißin Munde gehoͤret, und die Privilegien selbst gele- sen zu haben vorgiebt. Er ist deswegen vom Herrn Mannrichter von Lode widerlegt worden. Siehe den ersten Theil S. 18 in der Anmerkung. Die Namen der Aeb- tißinnen dieses Klosters hat uns der ehemals beim revelschen Gymnasio beruͤhmte Herr Professor Jsaac Aulinus vom Anfange des 14ten Jahrhunderts her aus den alten Briefschaften aufbehalen. Sie folgen in folgender Ordnung auf einander: Christina 1310 Margaretha von Bycke Wir legen dieser Aebtißin zwey Jahrzahlen bey, weil es ungewis ist, ob es auch eine und eben dieselbe Person gewesen, die 1348 der Stadt bescheiniget, daß ihr Kloster kein Recht an den bey Revel gelegenen Jnseln Nargoͤ, Wulfsoͤ und Carel, habe, indem ihr Zuname nicht ausge- druckt worden, welcher sich in einem Verlasbrief der Klostermuͤhle an die Stadt befindet. 1348 und 1354 Elisabeth 1392 Elisabeth von Lechtis 1419 Elisabeth von Luggenhusen 1433 Adelheit Wacke 1484 Margaretha Stakelberg 1486 Elisabeth Brinck 1497 Sophia Schwarzhof 1513 Elisabeth Taube 1534 Elisabeth Zoͤge 1540 mit in den Bezirk der Stadt; die Nonnen aber erhielten Erlaubnis, so nahe an die Stadtmauer zu bauen, als ihr Grund gienge. Der U Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister. 1311 Der Erzbischof ertheilte der Stadt die Erlaubnis, die Pforte und alle Thuͤren auf dem Stiftshofe zu vermauren, und verbot den Domherren, kein Thor, kein Fenster oder sonst eine Oefnung in die Mauer zu brechen, weil es die Stadt- mauer sey; widrigenfals waͤre die Stadt berechtiget, solche ungehindert zuzumau- ren. Riga vom 15 Dec. Diese lebte noch 1618 und starb vor 1629. Johan Koch nent sie in seinem Hausbuche seine leibliche Mutterschwester. 1313 Das Kapitel, der Erzvoigt und die Burgemeister zu Riga trafen einen Vergleich wegen der eine Zeitlang verschlossen gehaltenen Kapitelpforte. Die Schluͤssel werden den Herren Burgemeistern eingehaͤndiget, doch so, daß im Nothfal das Kapitel selbige gebrauchen koͤnne. Wenn auf erforderndem Fal an- dre Stadtthore zu verschliessen sind, und das Kapitel zaudert, so koͤnnen die Bur- gemeister auch diese Kapitelpforte schliessen. Nachdem der koͤnigliche Stadthalter zu Revel, Johan Waigithe in Un- gnade gefallen, und dessen Nachfolger Age Saxeson entweder gestorben oder nach Hause gezogen war; so kam Heinrich Pernawer zur revelschen Stadt- hal- Gerdrut Maydell 1554 Gerdrut Zoͤge 1568 Elisabeth Lode 1580 Catharina Kudlen oder Kudling Nach dieser Zeit verschwindet der Erzbischof Friedrich in den oͤffentlichen Urkunden, woraus unsre Geschichtschreiber unrichtig folgern, daß er gar nicht nach Liefland gekommen, sondern sich in Rom und Avignon aufgehalten habe. Die Stadt Riga muste jetzo beide Augen aufthun, um in ihren Rechten weder von der Clerisey noch dem Orden beeintraͤchtiget zu werden. Es kamen aber oft Leute von Ansehen in diesem Gedraͤnge um, weswegen die Stadt sich zu mancher Genug- thuung verstehen muste. So befriedigte sie z. E. 1311 Johan Kallen, damit er seines Bruders Tod nicht raͤchen moͤchte, 1314 die Buͤrger aus Wenden, wegen der in letzten Kriege abgenom- menen Guͤter, die aber den Vergleich nicht annahmen; 1315 Holken v. Buxthoͤvoͤden zu Doͤrpt, damit er den des Todes seiner Anverwandten halber gegen die Stadt gefasten Widerwillen fah- ren lassen moͤchte; 1317 den duͤnemuͤndischen Comtur Rycholph Wackerbarth, um seines erschlagenen Bruders und Vetters nicht mehr zu gedenken; 1317 die schwedischen Herzoge Erich und Waldemar, um ihren Grol gegen die Buͤrgerschaft aus aufrichtigem Herzen zu vergessen; 1319 Johan von Buxthoͤveden, um den Tod seiner Freunde und andrer zu Riga erschlagenen nicht weiter zu ruͤgen. Dieser letzte Vergleich wuͤrde am Tage Vitus zu Leal durch Vermittelung des oͤselschen Bischofs Harthung geschlossen, kam aber der Stadt am theuersten, weil sie zum Heil so vieler Erschlagenen viele Unkosten bestreiten muste; Die Namen der Getoͤdteten machen ein ganz Register aus, davon die ersten mit dem Herrn Johan von Buxthoͤveden so wol als mit dem Bischof Conrad verwandt waren, nemlich Herr Wedekind, ehmaliger Probst zu Ri- ga und Herr Henrich von Luͤbeke, dasige Domherren; Mauritius von Hude, Heinrich Greve, ( Comes ) Heinrich des Caͤmmerer Ludolphs Sohn, Johann Wackerbart, Mat- thias, Moͤnch, ( Monachus ) Hyl. von Braunschweig, Hyl. genant Sigteich, Marguard Weis, ( Albus ) Heinrich von St. Egidien; Ludwig von Riga; Johan, genant Beseworm; Johan von Luͤbeke, Morizens Diener, Heinrich von Konde, Arnold Koch, ( Coqus ) Mondewast von Aarhos, Herdar und Ludekin Schwestersoͤhne des Bruder, Harders, und Hennikin genant durch den Busch. Fuͤr die Seelen dieser Erschlagenen muste die Stadt eine Vicarie in der Domkirche St. Johannis auf Oesel stiften, und dazu von den Lehnguͤtern des Herrn Johan von Buxthoͤveden, nemlich vom Dorfe Kauniver 8 Hacken, und von Sallaver 4 Hacken erkaufen. Jn der Kirche, worunter die Mordthat geschehen, wie auch bey den Majoriten und Minoriten sol die Stadt 3 Altaͤre erwehlen, woran taͤglich Messe gehalten wird. Auch mus sie ein Jahr lang in allen Kloͤstern zwischen der Duͤne und Narwe, auf Gothland und Wisby, zu Bremen, Stade, Hamburg, Luͤbeck, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswalde, von Michaelis an 1000 Messen und 1000 Seelmessen halten lassen, daneben noch am Johannestage in allen ihren Kirchen einen Sarg mit den Leichentuͤ- chern, als wenn die Leichen gegenwaͤrtig waͤren, hinstellen, und ihnen mit Vigilien und Messen unter dem Gelaͤute der Glocken Ehre anthun. Mit untersiegelt haben Johan Wachholt, Heinrich von Northen. Buͤrgen waren Wolmer von Wrangel, Nicolai Asseri Sohn; Kersten von Scherenbeke, Bartholomaͤus von Vellyn, und die Burgemeister von Doͤrpt, Gerhard von Mynden und Wessel Schilling. Zeugen sind angefuͤhret, Conrad von Luͤbe- ke, Heinrich Jagemann, Domherren zu Oesel, Herr Allexius, Ritter, Johan von Ru- den, Vogt des oͤselschen Bischofs, und Herrman sein Kaͤmmerer. . 1598 Nach beigelegten Zwistigkeiten, welche sich uͤber dis Kloster zwischen der Ritter- schaft und der Stadt entsponnen hatten, legte der Koͤnig Gustav Adolph 1631 das beruͤhmte Gymnasium von 4 Professoren an, wobey M. Sigismundus Evenius der erste Rector geworden, dem M. Pet. Gottschenius gefolget, welchen Herr Kelch aus Versehen den ersten nennet. Erzbischof Friedrich. zur Zeit der Reg. des Gerdt v. Jocke. halterschaft. Jhm wird die Verordnung mit zugeschrieben, daß, wenn ein an- 1313 beerbter seine Guͤter verkaufe, um anderwerts sich nieder zu lassen, unterdessen aber vom Tode uͤbereilet werde, der Kaufschilling an den koͤniglichen Fiscus ver- fallen seyn solle. Am Tage Viti und Modesti nahm der Koͤnig mit dem Ordensmeister die 1314 Verabredung, daß die Grenzstreitigkeiten zwischen den koͤniglichen und Ordens- unterthanen durch den revelschen Befehlshaber, vermittelst drey koͤniglicher Lehnsmaͤnner und vier Ordensbruͤder, entschieden werden solten. Bey der Ge- legenheit erhielt die harrische Ritterschaft die Bestaͤtigung ihrer Briefschaften, und die Clerisey auf ihre angebrachte Klage den Trost, daß ihr jeder den Zehenden nach dem alten groͤssern Maas entrichten muͤsse, wer nicht als ein Verfaͤlscher des Maasses bestrafet seyn wolte. Ueber das letzte ward drey Tage vor Matthaͤi zu Stenloß ein eigener Befehl ausgefertiget. Der Koͤnig Erich der VII te bestaͤtigte der revelschen Buͤrgerschaft ihre 1315 Freiheiten, die sie Zeit seiner Minderjaͤhrigkeit erhalten, und vergab ihnen alle Beleidigungen. Nur die Stadtmauren solten, im Fal sie dem Schlosse nachtheilig fielen, eingerissen werden. Waldemars des II ten Ritterrechte fuͤr das Herzogthum Estland wurden gleichfals wohl verbessert. Papst Johannes der XXII te zu Avignon, machte die Erzbischoͤfe von 1316 Coͤln und Magdeburg, nebst dem Bischof zu Utrecht, zu Beschirmern des deutschen Ordens in Liefland. Die Schirmherren koͤnnen den weltlichen Arm gegen die Beleidiger des Ordens zu Huͤlfe rufen, ohne sich an Bonifacius des IIX ten Bulle zu kehren. Der Cistercienserorden in Liefland, erhielt vom Papst Alexander dem IV ten herr- liche Freiheiten. Jn Duͤnemuͤnde hatten sie ihre erste Abtey. Als diese Moͤnche sich mehr ausbreiteten, kauften sie sich das Gut Padis, und legten daselbst 1254 eine Kapelle an. Den Bruͤdern des Ritterordens, ja selbst den Geistlichen Angustiner- ordens, fiel dieser Anwachs ungelegen; sie suchten daher die Cistercienser beim Papst heslich anzuschwaͤrzen, gegen welche Verleumdungen sich Gregorius der X te ihrer annimt, und ihre Vorrechte vermehret. Der Bischof zu Revel, Johan, machte der Zaͤnkereyen, welche die Moͤnche zu Duͤnemuͤnde mit seinem Vorfaͤhren Thurgot gehabt, ein Ende, und schlug 1281 am 23ten Maͤrz die Kapelle Padis zu der Mutterkirche zu Hertele, woran aber die Cistercienser ungern giengen. Sie wiesen einen Freibrief von Jnnocentius dem IV ten auf, den derselbe im 11ten Jahr seiner Regierung ertheilet, und in welchem alle Aebte und Mitaͤbte des Cistercienser- ordens vor dem Bann aller Praͤlaten gesichert werden; welchen Johan, Bischof zu Luͤbeck, am 27ten Maͤrz 1275 zu Reinfeld transsumiret hatte. Der revelsche Com- tur, Bruder Heinrich von Appenhus, machte 1276 eine neue Grenzbestimmung, auf den Fus, wie sie der koͤnigliche Stathalter Saxe 1257 eingerichtet, weil Heinrich von Kiwel und seine Leute auf Atle der Fischerey wegen mit ihnen in Streit geriethen. Der Bischof Thiederich von Revel sprach 1250 auf des revelschen Hanptmans Sa- xens Forderung die Muͤhle Sagentaken dem duͤnemuͤndischen Abt Conrad zu, doch mit dem Vorbehalt, daß die Bauren am Bach Sagentake und die von Voseke nach dem alten Herkommeu freie Fischwehren setzen koͤnnen, welche Abtretung der Comtur zu Witten stein, Bruder Reymer 1314 bestaͤtigte, wie aus dem Transsumt erhellet, so der Comtur Helmich Depenbrock und der Prior der Predigermoͤnche zu Revel, Heinrich, 1364 ausgestellet. Der Ordensmeister Jocke und Arnold von Vietinghoff beschenkten das Kloster mit gewissen Doͤrfern: 1345 verkaufte es seine Jnsel Daghoe: 1389 wur- den seine Grenzen auf der Westseite bis mitten in den Bach Sagentake bestimmet, da hingegen Der Koͤnig von Daͤnnemark Erich der VII te, erlaubte am fuͤnften Ta- 1317 ge nach Trinitatis dem Abt und Convent zu Stolpe, das Cistercienserklo- ster Padis Man hat diesen Brief in einem Transsumt des Erzbischofs Friedrichs zu Coͤln, in welchem er zu Gudberg vom 23ten August 1386 unterschrieben ist. Der Erzbischof entschuldigte sich damals mit seinen vielen Geschaͤften, und uͤbertrug das Amt seinen Herren Gehuͤlfen. Es wurde auch den Bischoͤfen von Wermeland und Havelberg, ingleichen dem Propst zu Grypswalde, caminischer Dioͤces, davon Bericht ertheilet. in Estland, GOtt und der heiligen Jungfrau zu Ehren von U 2 Stei- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1317 Steinen aufzufuͤhren. Die Mauren sollen 4 Ellen hoch und dicke seyn. Der Abt kan mit den Nonnen zu Leal 30 Hacken Land, die ihm gelegener fallen, um- tauschen, sol aber die paͤpstliche Bestaͤtigung deshalb einholen. Jm Fal das Kloster dem Lande Eintrag thut, mus selbiges an die Krone wieder zuruͤck fallen. Die Aebte des Klosters Johan, Michel und Juͤrgen, schwuren dem revel- schen Bischof Nicolaus den Eid der Unterthaͤnigkeit, welchen Huitfeld S. 396 und Pontan S. 419 lateinisch liefern. Sonst faͤlt in diese drey Jahr von 1315 bis 1317 die starke Pest und Hungersnoth in Liefland, wovon unsre Geschichtschreiber die Nachrichten aus des danziget Secre- tairs, Herr Caspar Schuͤtzens preußischer Chronik entlehnen. Jn dem jerwi- schen Dorfe Pugger wolte ein Kerl seinen leiblichen Vater auffressen, den man des- wegen hart am Leben strafte. Das Getreide schlug nachher ab von 18 zu 3 Mark. Hier wuͤrde uns Menius in seiner grossen Historie ein paar hundert unnatuͤrliche Spei- sen beschrieben haben, wie er bey den Jahren 1601 und 1602 zu thun versprochen, da- fern Er hingegen die Grenzen gegen Osten dem Bischof zugesprochen werden. 1478 Freitags nach Allerheiligen verhandelte Hinrich von Braseck sein halbes Schlos Casti an den Abt Erdman mit dem ganzen Hofe Raykuͤl im Kirchspiel Merjema vor 9500 Mark rigisch, Goswin von Doͤnhof aber verpfaͤndet das ganze Dorf zu Rappel und das ganze Dorf zu Hole, im Kirchspiel zu Rappel, dem Kloster um 44 Mark rigisch. 1488 nahm der Orden, bey dem damaligen Lermen mit den Bischoͤfen, das Kloster ein, und trat es das Jahr drauf wieder ab. 1499 verglich sich der Abt Michael mit dem Abt Jo- han in Revel, und dieser letzte verspricht das Licht auf dem Domhofe nicht zu verbauen, wobey Herr. Diedrich Hagen, Herr Johan Gruther, Rathmaͤnner, Herman Ha- gen, Lambert Oetting, Mitbuͤrger, als Zeugen angefuͤhret stehen. 1504 beschenkte der Abt Gisbert das Kloster mit drey Haͤuptern von den 11000 Jungfrauen. 1543 bekam es von dem revelschen Comtur die Freiheit, seine Verbrecher durch eigne Untersassen zu rich- ten, weil bisher manche entronnen, ehe man die weltlichen Richter verschreiben koͤnnen. 1545 bevolmaͤchtigte es Hinrich Bosemannen und Johan Volckersamen in Revel, die ausstehenden Schulden einzufordern. 1554 strandete ein Schif von Enkhuysen, dessen Guͤter der Abt bergen lies, wofuͤr er von den Rhedern in Revel 5 Last Salz bekam, und ein Zeugnis empfing, daß er der Eignerin des Schifs, einer Witwe, kein Unrecht gethan. Ausser dem, was sonst von diesem Kloster angefuͤhret worden, be- merken wir noch die demselben vorgesetzten Aebte, so viel sich in den Urkunden haben finden wollen. Die erstern wohnten noch in Duͤnemuͤnde, unter welchen 1250 ein Conrad vorkomt. Sie hielten in Padis nur einen Prior, der aber wie die nachmali- gen Aebte jederzeit unter der revelschen Dioͤces stand. Die eigentlichen Aebte von Padis sind folgende: 1320 Johannes 1341 Nicolaus 1364 Nicol. Risebyter 1383 Bertholdus 1393 Johan 1428 Georg 1448 Johann Greves 1478 Erdman 1499 Michael 1502 Nicolaus 1504 Gisbert 1525 Eberhard Sanenschein Fuͤr Sanenschein lesen einige unrichtig Sauenschein. Man findet auch Suͤnnenschyn. Das Wapen ist eine stralende Sonne. 1547 Ludwig Duchscherer ‒ ‒ Anton Dreyer, sonst Tor- neator. 1554 Georg Conradi. Es gehoͤret demnach mit unter die fabelhaften Erzehlungen, wenn Huitfeld S. 220 beim Jahr 1248 uns eine Erscheinung meldet, die dem Koͤnig bey seinem Aufenthalt in Estland wiederfahren seyn sol. Der heilige Wenceslaus trat vor den schlummernden Koͤnig hin, und prophezeiete ihm den Maͤrterertod; welchen Betrug nach seinem und Pontans Zeugnis ein listiger Moͤnch spielte. Hiedurch kam der Koͤ- nig auf andre Gedanken, gab die Zuruͤstungen gegen die Russen auf, und befahl das Kloster Padis zu bauen. Wir wissen nun aus den Documenten die Anlegung dieses Klosters durch die Cistercienser von Duͤnemuͤnde richtiger. Da dieses Kloster noth- wendig viel Honig und Fische brauchte, so hat es mit seinen Nachbarn, sonderlich mit einem Heinrich von Kiwel viel Grenzstreitigkeiten angefangen. Die Gurgustia oder Fischwehren, deren Weite im Strom nach Faden ( filum ) bestimmet werden, und die arbores melligerae sind in diesen Zaͤnkereien immer das Hauptstuͤck. Erzbischof Friedrich. zur Zeit der Reg. des Gerdt v. Jocke. Er schrieb auch an die Ordensherren nach Liefland, sie moͤchten in ihren 1318 Zaͤnkereien mit dem Erzbischof nicht so weit gehen, daß Estland davon Scha- den haͤtte. Sonst nahmen viele estlaͤndische Herren zu Coldingen ihre Erb- guͤter von ihm zu Lehen, nemlich: Engelbrecht, Wolmar, Niclas und Thile von Dolen, Johan von Wesenberg, Gottschalck Preen, Hincko Raliken, Simon Nilsson, Floͤrike und Henrich Balcke, Gott- schalck Capelle, Adeke Hansson, Henrich von Arusel, Johan Goͤdi- cke von Oerzen, Luder von Brunswich, Lambert Birckhahn, Hen- rich Witte, Wolmer, Niclas und Helmold von Lode, Conrad Soͤ- ge, Wilhelm Fahrensbach, Gerdt Hohenbeck, Otto Rosen, Her- man Orgies, Thile von Kiwele, Otto Bikishovde, Bertram und Conrad Fahrensbach, Johan Orgies, Thile Mekis, Johan Hah- ne, Evert Mekis, Thile Valdersen, Henrich Lechtis, Thile Thoys, Uldelempe von Guldene, nebst den Herren von Luͤdinghausen, Vorkele, Hildensen, Risbyten, Racheln, Sorsevere, Pekelen, Wacke, As- sen, Tanckes, Nattemuͤhlen, Alven, Rosenheim, von Moer, und Wolmer von Dolen. Eben dieser Koͤnig legte den Grund zu einem Gymnasio der Stadt Revel, 1319 schafte die Winkelschulen ab, und befahl den Einwohnern bey Strafe von 10 Mark Silber, ihre Kinder in keine andre Schule zu schicken; welche Strafgel- der innerhalb 14 Tagen erleget werden musten, nemlich 4 Mark zum Schlos- 3 Mark zum Kirchen- und 3 Mark zum Maurenbau, uͤber welche Verordnung der Bischof, der Statthalter und der gesamte Magistrat halten solten. Die schwedische Herzogin Jngeburg, Herzog Erichs Witwe, sprach 1320 in ihrem, des Reichs und ihres Sohnes Magni, Koͤnigs von Schweden und Norwegen, Namen die rigischen Buͤrger, weil sie mit Korn bezahlet, von Lieferung des Pelzwerks frey, welches sie ihrem seligen Gemahl dem Herzog Erich zu liefern sich verbindlich gemacht. Bagenhuus, 4 Tage nach Mi- chaelis. Der oͤselsche Bischof Hartwig und seine Canonici schickten ihren Scholaren Gottfried von Memel an den Papst, um von dem Orden fuͤr allen erlittenen Schaden Genugthuung zu fordern. Die Volmacht, welche die bittersten Klagen, wiewol nur in algemeinen Ausdruͤcken, enthaͤlt, ist unter- zeichnet in der dritten Jndiction, am 23 August, zu Hapsal (Hapizalis). Hingegen erwies er den Cisterciensern zu Padis desto mehr Liebe, und ver- ehrte ihnen, zum Bau ihres Klosters, die Doͤrfer | Karrinemme und Metzen- kuͤlle, wofuͤr er kuͤnftig als der Stifter des Orts angesehen seyn wil. Er ver- kaufte ihnen zugleich die Doͤrfer Normes, Tragereverre, Wattele und Ho- veselle, die alle, wie die vorigen, im lealschen Gebiete liegen, und zwar um 500 Mark rigisches Silbers. Beschlossen zu Duͤnemuͤnde, am Sabbath in der Octave der Himmelfart Christi. Der Koͤnig in Daͤnnemark, Christoph der II te, beschied die edlen 1321 Maͤnner, Ritter und Wapener in Estland, durch ihre Abgeordnete, Herrn Friedrich von Wrangel, Karsten von Scharenberg, Johan von Sas- sure und Bartholomaͤus von Vellyn, innerhalb Jahr und Tag das Lehn auf ihre Guͤter zu suchen, es waͤre denn, daß der Russen Einfal ihre Reise hin- derte. Wartinsborg, Dienstags in Pfingsten. Doch die estlaͤndische Rit- terschaft ward dieser weiten Reise uͤberhoben, indem der Koͤnig ganz Estland mit allen Staͤdten und Schloͤssern dem Herzog von Halland und Samsoe, X Na- ferne ers mit seinen Pralereien haͤtte ins Werk richten koͤnnen. Von einem harten Winter schreibt Cranz beim Jahre 1322, daß die gefrorne Ostsee 7 Wochen lang von Deutschland nach Duͤnemuͤnde und Preussen mit Schlitten habe befahren werden koͤnnen, und man auf dem Eise ordentliche Wirthshaͤuser, zur Bequemlichkeit der Reisenden, angeleget habe. Peter von Duisburg schreibt, alle Obstbaͤume in Liefland und Preussen seyn erfroren, und man habe den Feldzug wider die Lit- thauer einstellen muͤssen. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1321 Namens Cnut Dieses ist ein denkwuͤrdiger Umstand, daß Estland einen eignen Herzog erhalten solte. Wir kennen diesen Cnut Porse aus den daͤnischen Geschichtschreibern; und er war weiter nichts als ein blosser Edelmann ans Halland, welchen der Koͤnig um seiner Verdienste willen, wie es hies, zum Herzog machte, und ihm das suͤdliche Halland, die Jnsel Samsoe und das Amt Holbeck schenkte. Er lies sich gegen Christophern in eine Verschwoͤrung ein, jagte den Prinz Erich aus dem Lande, und drohete auch den Koͤnig vom Thron zu stossen. Woldemar schenkte ihm das nordliche Hal- land nebst Callenburg darzu, unter der Bedingung, wenn sein Bruder Graf Ger- hard von Holstein diese Schenkung genehmigte. Porse hatte des Koͤnigs Magni in Schweden und Norwegen Mutter zur Ehe, konte sich aber mit Magno nicht vertragen. Er starb 1330, und hinterlies 2 Soͤhne, Canut und Haquin, die ih- rem Vater bald im Tode folgten. Bey denen damaligen Unruhen in Daͤnnemark blieb er immer das Haupt einer ansehnlichen Partey, und scheinet sich um Estland wenig bekuͤmmert zu haben. So schwer wir dran gehen, deutsche Schriften mit la- teinischen Brocken auszuputzen, so koͤnnen wir uns doch nicht enthalten, bey dem Stilschweigen der Daͤnen, und wegen der Seltenheit dieser Nachricht die ganze Ces- sionsacte anzufuͤhren. Donatio Christophori Regis Danorum cuidam Principi Hallandiae facta super terra Esthoniae et Reualiae Ao. 1321. C HRISTOPHORVS DEI gratia Danorum Sclauorumque Rex, omnibus praesens scri- ptum cernentibus salutem in Domino IESV CHRISTO. Tenore praesentium constare volumus vniuersis praesentibus et futuris, quod Anno Domini Millesimo trecentesimo XX primo, Ringstad in die beati Martini Episcopi inter nos et liberos nostros vna parte ac principem nobilem D. Canutum , Ducem Hallandiae et Samsoe , liberos suos, Consanguineos et fautores ex altera, sub sufficienti literarum et pro- missionum cautione, in modum, qui sequitur, placitatum exstitit, et quidem ita, quod omnes excessus, rancores, inimicitiae et dissensionum materiae quaecunque inter ipsos in praesentem diem ventilati, sint in perpetuum annihilati, ex corde no- stro radicitus exstirpati, nec vnquam ad vindictam de caetero reducendi. Nos in- terim praelibati Rex Christophorus et liberi nostri. ex vnanimi consilio nostro et as- sensu, ipsi Domino Duci Canuto , et haeredibus suis post ipsum, Ducatum Esthoniae , prout eum vnquam liberius a Corona Regni nostri possedimus, cum omnibus et sin- gulis Castris, munitionibus, Ciuitatibus, villis forensibus, Reualia, Waesenbaergh et Narua ac omnibus aliis Regalibus, bonis, causis, libertatibus et juribus ibidem emergentibus, donamus ac omni jure feudali assignamus perpetuis futuris tempori- bus possidendum ipsi, quod et haeredes suos post ipsum in corporalem possessionem ipsius Ducatus Esthoniae , jurium suorum et omnium bonorum praedictorum ex par- te nostra et liberorum nostrorum introducimus, transferentes in eosdem plenum proprietatis Ius et possessionis dominium, ipsum Ducatum cum adiacentiis suis omni- bus, ab impetitione omnium dis brigatum, Disbrigare, inclinatae latinitatis vocabulum, est ab insidiis liberare. Briga enim speculatorum insidias notat. Conf. Hartknochium ad supplem. incerti auctoris not. d) p. 445. liberrime retinendi, ablata a nobis et liberis nostris penitus omni facultate et posse, ipsum Ducatum cum Attinentiis suis prius dictis a dicto Domino Duce Canuto et haeredibus suis nullo vnquam adinventio- nis ingenio reuocandi. In super obligamus nos et omnes liberos nostros ad mandandum et informandum finaliter omnes et singulos ipsius Ducatus incolas, vt dicto Domino Duci Canuto et haeredibus fuis sincerae fidelitatis homagium faciant, reddituri se ipsi tanquam vero suo Principi et Domino obsequiosos et benignos ad standum suis per omnia requisitionibus et mandatis. Promittimus insuper bona fide media, quod di- lectus et fidelis nobis Dominus Henricus , dictus specialiter miles, ipsi Domino Duci Canuto vel haeredibus suis, seu ipsorum certis Nuntiis praenotatum Ducatum Estho- niensem cum dictis adiacentiis suis infra proximum festum Pentecostes libere resigna- bit tam ex parte nostra quam nostrorum liberorum. Contingente autem, quod idem dominus Henricus in resignando ipsum Ducatum Esthoniae eo forsan tempore ineuitabilibus praepedimentis impediatur, ex tunc saepedictis Domino Duci Canuto et haeredibus suis seu ipsorum certis nuntiis praenominatum Ducatum Esthoniae in- fra in einem feierlichen offenen Briefe, als ein freiwilliges Ge- schenk uͤbertrug. Geschehen zu Ringstadt am Martinstage. Die Erzbischof Friedrich. zur Zeit der Reg. des Gerdt v. Jocke. Die Litthauer streiften bis Estland, und erschlugen im Bistum Doͤrpt 1322 5000 Christen, und schlepten auch viele als Gefangene mit. So heists beim Duisburger S. 393. Alexander Guagnini meldet S. 317 die Begebenheit, daß der litthauische Hauptman, David, vom Schlosse Gardin in dem haͤrtesten Winter bis Revel gestreifet, die Kirchen eingeaͤschert, die heiligen Ge- faͤsse entfuͤhret, und nach dieser fetten Beute mit 6000 Gefangenen den Ruͤckweg ge- nommen habe. Schuͤtze wil, daß der Orden indessen in Litthauen Reprefsalien gebraucht, die Festung Gardin zerstoͤret, 38 Gefangene, 100 Pferde, viel Vieh und alle Kostbarkeiten, die in vielen Jahren aus Liefland und Preussen nach Litthauen geschleppet worden, wieder erbeutet, der grimmigen Kaͤlte wegen aber eine weitere Verwuͤstung unterlassen, womit Peter von Duisburg uͤbereinstimmet. An diesem Unheil sol der Erzbischof mit seiner Clerisey Schuld gewesen seyn, wie die Ordensher- ren bezeugen, auch dem Papst daruͤber die Briefe des Erzbischofs und der Rigischen an den litthauischen Feldherrn vorgewiesen haben sollen. Es ist uͤbrigens sehr unwar- scheinlich, was die daͤnischen Geschichtschreiber melden, daß der Orden aus Furcht fuͤr den Litthauern sich in den Schutz des Koͤnigs von Daͤnnemark begeben, da doch nur die estlaͤndische Ritterschaft dem Koͤnig eine gewisse Summe zur Erhaltung groͤsserer Privilegien zugestanden. Der koͤnigliche Stadthalter Johan Kanna in Revel, versprach, auf be- 1323 sondern Befehl des Koͤnigs in Daͤnnemark, allen, die nach Nogarden han- deln wuͤrden, voͤllige Sicherheit, so lange die nogardischen Buͤrger mit den Christen Freundschaft halten wuͤrden. Die Schifbruͤchigen koͤnnen ihre Guͤter in des Koͤnigs Land in Sicherheit bringen. Am Tage Mariaͤ Geburt. X 2 Der fra proximum et immediate subsequens festum natiuitatis beati Iohannis Baptistæ sine omni impedimento et dilatione vlteriori faciemus finaliter assignari. Caeterum etiam nos fide media per praesentes astringimus, quod, postquam vltra passagium Beltesund , scilicet in Feonia et Iutia in Regem recepti fuerimus, et ibidem pro Rege et Domino reputati, praedicto domino Duci Canuto et suis haeredibus, pro praemis- sis omnibus et singulis, quae inter nos et ipsos placitata sunt, inuiolabiliter obseruan- dis, cautionem consimilem sub sigillis Dominorum Archiepiscopi et aliorum Episco- porum omnium et suorum Capitulorum infra Hac particula medii aeui scriptores mirum in modum delectantur, et pro intra adhibere so- lent. Quae obseruatio facere videtur ad an. 1214 §. 6, tom. I. Ad annum 1217 τὸ super pro ad seculum sapit, et quemadmodum Galli Francfort sur l’ oder, sic monachi Curia sa- cerdotis super Raupam dicunt. Caterizare non est catechizare, sed a ϰαϑαϱίζω deriuandum, quod denotat ex vsu ecclesiastico, aqua lustrali adspergere, qui ritus Russis est solemnis ma- xime. Cubbesele idem quod Pagus Cauponis et Wissewald late - regem russice significant. Sele Russis pagus dicitur. Nagg , vnde Nagatae , vnguis digitorum est, qua forma Russo- rum nummi minores gaudent. Lettgalli dicuntur Letti in finibus Lettiae colentes. Russi Daniam et hodie Daciam adpellitant. Haec leui brachio in gratiam lectoris latini tetigimus. Regnum Daciae , nec non et sub sigillis quadraginta nobilium nostrorum, viginti videlicet a parte occidentali Beltesund , scilicet in Feonia et Iutia , et viginti a parte orientali, scilicet in Schania commorantium et Siaelandia sine omni contradictione debeamus procurare. Vt autem omnia et singula praedicta huic praesenti placitationi inserta robnr habeant firmitatis, nec in aliquo futuris temporibus videantur diminuta, non solum Nos, verum etiam magnificos prin- cipes et dominos, milites etiam et armigeros infra scriptos per praesentes firmissime obligamus, videlicet Ericum et Ottonem , filios nostros dilectos, Iohannem et Heni- chinum dominos de Werle , fratrem nostrum Iohannem comitem Holtsatiae et Storma- riae, Albertum Domicellum Magnopolensem, Henricum Moltozan, Thetluum de Bo- kuald, Pinechinum de Vonsflet, Nicolaum de Sansou, Henricum Mordare, Heyne de Retsow, Conradum Moltike, Ficconem de Lobecke, Hermannum de Cremmin, Henricum Nortmann, Vipertum Lutsoghu, Hinricum de Barnaecowe, Iohannem de Plaesse, Marquardum Stacke, Marquardum, Henricum et Nicolaum de Brochthorp , milites, Conradum Preen, Ficonem Moltike, Nicolaum de Lobeke, Henichinum Mol- tike, Eggardum Brochthorp , et Gothfridum de Molendino , Armigeros, qui omnes et singuli super obseruatione praemissorum omnium et singulorum vna nobiscum in solidum, bona fide media, promiserunt. In cuius rei testimonium Sigillum nostrum vna cum sigillis praescriptorum Principum, militum et Armigerorum praesentibus lit- teris duximus apponendum. Actum et datum Anno, die et loco supradictis. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1323 Der fuͤr die Stadt so noͤthige Friede mit den Litthauern kam zu Vilna, Sontags nach Michaelis zur Versiegelung. Der Koͤnig Gedimin erlaubt freien Handel, und liefert die Entlaufenen wieder aus, laͤst auch den Lieflaͤn- dern in seinem Reiche das rigische Recht geniessen. Die nach Vilna abgefer- tigten Boten waren Herr Arnold Stoyver, des Bischofs Vicarius, Herr Woldemer von Rosen, von Seiten des Kapitels; Herr Johan Muͤhlen, ( Molendinum ) und Herr Thomas, von Seiten des oͤselschen Stifts; Herr Barth. von Vellyn und Herr Ludolf von dem Vitenhawe, Domherr von Hapsal; Herman Lange von Seiten des doͤrptischen Stifts; Arnold, Prior von Revel, und Herr Hinrich von Parenbeke, von Seiten des Koͤ- nigs von Daͤnnemark; Von dem Meister der Bruͤder, Johan von Leu- wenbroke, der Comtur von der Mitau, und Bruder Otto Bramhorn; von Seiten der Stadt ausser den Burgemeistern auch noch Bruder Wessel, der Prediger Prior, und Albert Sluk, Minoritenbruͤder. 1324 Der Koͤnig Christoph vermaͤhlte seine Prinzeßin Tochter Margaretha Margaretha war Christoph des II ten dritte Prinzeßin von der Euphemia, die ei- nige, wie Pontanus S. 451 schreibet, unrecht fuͤr eine Estlaͤnderin angeben, da sie Alberts von Brandenburg Tochter gewesen. Der Koͤnig hatte seinem Schwieger- sohn Harrien und Wirland verpfaͤndet, und Ludwig machte sich deswegen verbind- lich, was diese Provinzen uͤber 12000 Mark am Silber abwuͤrfen, seiner Gemahlin zum Leibgedinge zuzuschlagen. Der baierische Kanzler Herwart beziehet sich gegen Bzovium auf 2 Briefe im baierischen Archiv von den J. 1323 und 1324. Den dritten vom folgenden Jahre an das Cardinalscollegium bringet Pontanus S. 346 gleichfals bey. mit dem Marggrafen von Brandenburg, Ludwig, einem Sohn Kaiser Ludwigs von Bayern, und verschrieb ihm 12000 Mark zum Brautschatz, welche aus gewissen Guͤtern in Estland gehoben werden solten; die nachher sein Sohn Woldemar wieder ausloͤsete. Bey diesem Jahr meldet Peter von Duisburg, daß der Papst Johan der XXII ste zwey angesehene Praͤlaten nach Liefland abgeschickt, weil der Erzbi- schof und die Buͤrger zu Riga in ganz Europa ausgesprenget, der Koͤnig der Litthauer wolle sich taufen lassen. Die Praͤlaten kamen zu Riga am Tage Matthaͤi des Apostels und Evangelisten an, und brachten den Frieden zwischen den Litthauern und dem Orden zu Stande. Sie schaͤrften den Litthauern ein, wer den Frieden braͤche, solte sich in Zeit von einem Vierteljahre zu Rom demuͤthigen. Sie liessen auch durch ausdruͤcklich dazu abgefertigte Personen den Koͤnig Gedimin zur Taufe einladen, der sich aber anders bedachte, und weg- blieb. Der Erzbischof Friedrich und seine Vorfahren lebten mit den Litthauern in gutem Verstaͤndnis. Der Orden aber widersetzte sich demselben mit ganzer Macht, und be- hauptete die Schaͤndlichkeit dieses Buͤndnisses aus dem Grunde, weil GOtt seinem Volk verboten, sich mit den Heiden zu verbinden. Allein die Clerisey bewies, daß die Litthauer theils Christen waͤren, theils werden wolten. Schon 1298 am 26ten Maͤrz wurde daruͤber ein Jnstrument mit neun Siegeln ausgefertiget, worin der Rath, die Gemeine der Stadt Riga, der Prior des Stadtklosters, der Abt zu Duͤnemuͤn- de, die Kiosterbruͤder und der Capitain der Pilger bezeugen, daß nicht nur ehmals der Koͤnig Mindow gekroͤnet und getauft sey, sondern auch viele Litthauer den Goͤtzen- dienst verlassen, sich mit den Glaͤubigen verheirathet, und standhaft uͤber dem Glau- ben zu halten versprochen. Sie klagen dabey erschrecklich uͤber die Bruͤder der Ritter- schaft, welche die Boten der Litthauer, die doch ungebeten gekommen, und um das Geheimnis des Glaubens und um den Bund des Friedens angehalten, weggeschnappet, so, daß manche mit grosser Lebensgefahr sich mit dieser Botschaft in Riga einschlei- chen muͤssen. Doch die Bruͤder wustens zum voraus, daß es den Litthauern nicht um Annehmung der christlichen Lehre zu thun war, obgleich die Boten von der baldi- gen Bekehrung ihres damaligen Koͤnigs viel Ruͤhmens machten. Der Erzbischof Friedrich bekam auch gleich den Glauben in die Hand, daß er den Litthauern, und wer Den Erzb. Friedrich. zur Zeit der Reg. des Gerdt v. Jocke. Den dritten Tag nach dem Fronleichnamsfeste machte sich die estlaͤndische 1325 Ritterschaft anheischig, dem Koͤnig Christoph in Daͤnnemark und seinem Prinz Erich 2000 Mark Silber zu zahlen, welche sie seinem Vater dem Koͤnig Erich abzutragen angelobet. Unterzeichnet stehen aus Harrien: Johan und Hennike Risbyt, Johan von Lemed, Hennike von Napale, Role von Herkula, Thilo von Kirkuta, Thilo von Hoppanima, Hennike von Sylkula, Hincke von Rokula, Palno Tuvesoen, Henneke von Hunkimpa, Henneke von Sagemuͤle, Eylard von Eisenberg, Ever- hard von Engila, Hennike Raffven, Lippold von Altenthorn, Hen- neke von Hemsebeck, Bysle von Orgyle, Hennike von Kirkuta, Hen- nike von Waras; Aus Wirland: Wilke von Embeke, Ridder, Hinke von Revel, Berthold von Lechtes, Henneke von Brakel, Goͤdeke von Brakel, Floͤrke von Hafvesforde, Hincke Moer, Gerhard Skye, Hennike von Knudes, Hennike von Rosenhagen, Odward von Refel, Thilo von Poll, Hennike von Ylsen, Andreas von Poll, Hennike von Walck, Simon Moer, Hinrich Hafvesforde, Berthold von Wirks, und Conrad von Hyrmen. Ohnerachtet sich in Estland viele Abschriften von solchen Documenten finden, deren Jnhalt die daͤnischen Schriftsteller uns liefern, so haben wir doch diese nebst einigen andern blos aus erwehnten Geschichtschreibern nehmen muͤssen, wie Herr Hiaͤrne und Herr Mannrichter von Lode vor uns gethan. Die Daͤnen machen zwar die Namen der Deutschen sehr unkentlich; es laͤst sich aber doch aus dieser und andern Urkunden of- fenbar abnehmen, daß die Auslaͤnder den Namen ihres Geburtsorts und Geschlechts oft verschwiegen, und einen neuen Namen von ihrem Lehn- oder Erbgute angenommen. Wie es in Liefland gieng, so war es auch in Estland. Die Zunamen von Patkuͤl, Paykuͤl, Herrakuͤl, Orrekuͤl, Rostijerwe, Hoppanima, Rokuͤlo, Sylku- la, Hunkimpaͤ, Zagemula und so weiter, sind von den Guͤtern entlehnet: wer wolte aber deswegen diese Herren fuͤr gebohrne Esten ausgeben? Jndessen ist nicht unwarscheinlich, daß einige Geschlechter daruͤber den Namen ihres deutschen Stamm- hauses vergessen, daher auch einige Auctores, obgleich mit schlechtem Gluͤck daran ge- kuͤnstelt, den verlornen Namen wieder zu finden. Von alten revelschen Familien, welche mit adlichen Wapen versehen, und so wol hier als auswaͤrts ihre adliche Verwandten haben, aus Liebe zur Kaufmanschaft aber, oder aus andern Bewegungs- gruͤnden das Buͤrgerrecht angenommen, hat uns der Herr Staatssecretair Risemann folgendes Verzeichnis zugesendet: Ausgestorbene von Corbmacher Derentbal Fegesack Goldbergen die thor Haren die zur Hoͤgen Hoͤveln Huͤnerjaͤger Kettler Lohnen Recken. von welchen Familien doch noch einige in Liefland bluͤhen. Noch Lebende von Brockhausen oder Bruckhausen Buchau Burchardi Clayhillis Giehn Hanen Hausen oder Husen zur Muͤhlen oder thor Moͤhlen a oder de Renteln Schoten Schwanenbach Thieren Wehren oder Wernen Willen Witten, und andre mehr. Einige hat die Ungeduld uͤber dieser Den wer weis, aus was fuͤr Absichten, zu viel getrauet. Cranz B. VIII, K. 9. Wan- dal. meldet, es habe der Erzbischof dem Papst Johan dem XXII ten zu Avignon zu- geschrieben, Seine Heiligkeit moͤchten doch den Litthauern auf ihr Gesuch einen Bi- schof und Abt zusenden, weil dieselben unter paͤpstlichem Ansehen Kirchen errichten, und Kloͤster stiften lassen wolten. Der Papst war gleich fertig. Die Gesandschaft kam an. Der litthauische Koͤnig antwortete auf ihren Antrag kurz und gut: Von eurem Papst weis ich nichts, und begehre ihn auch nicht zu kennen. Meine vaͤterliche Religion werde ich verfechten bis aufs Blut. Die Gesandten schlugen hiebey die Augen nieder, giengen beschaͤmt zuruͤck, und hatten eine so gefaͤhrliche und beschwerliche Reise umsonst gethan. Y Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1326 Den Tag nach Mariaͤ Himmelfahrt versprach der Koͤnig und sein Kronprinz, die Kirche unsrer lieben Frauen auf dem Schlosse zu Revel, samt dem Bischof und Kapitel bey ihren vorigen Freiheiten zu erhalten. Der Burgermeister und etliche Buͤrger aus Riga fanden an einem Morgen die Kapitelspforte offen, und weil die Buͤrgerschaft eine Verraͤtherey besorgte, so verschuͤtteten sie das Thor mit Steinen, und verlangten, daß solches durchaus nicht wieder geoͤfnet wuͤrde. Dieses gab Gelegenheit zu langwierigem Gezaͤnke. Die Untersuchung ward den Herren Johan Brelo, Domherrn zu Oesel, Volquin von Ostinghusen, Domherrn zu Doͤrpt, Arnold Stoyvern, Pfarherrn der Kirche St. Paul zu Kokenhausen, den Rittern Wolmern von Rosen, Rudolph von Ungern nnd Barthol. von Vellyn aufgetragen. Da nach vielem Beschicken das Kapitel nicht nachgeben wolte, bediente sich die Stadt der Appellation; daruͤber im Notariatsinstrument unter andern ein Her- man Molling, Pfarrer zu Papendorp in der rigischen Dioͤces, als Zeuge angegeben wird. Dieses wurde am 12ten Febr. etwan um 3 Uhr errichtet. Doch der Bischof Engelbert zu Doͤrpt lies den Handel durch Diedrich Schwar- zen ( Niger ) seinen Domherrn, durch Conrad Krusen ( Crispus ) seinen Lehns- man, und durch den doͤrptischen Burgemeister Heinrich Schelen dergestalt beilegen, daß die Mitler die Steine wegwelzen lassen, und die Schluͤssel dem Probst ehrerbietig ausliefern, der sie dem Burgemeister und Buͤrgern geneigt zu- ruͤck giebt, bis auf die Ankunft des Erzbischofs. Geschehen am Sontag Qua- simodogeniti. Diese Kapitelspforte oder das ietzige Stifthor hat mit seiner gros- sen und kleinen Thuͤre bestaͤndigen Lerm zwischen der Stadt und den Pfaffen ver- anlasset. 1327 Vier Tage nach Ostern verglich der Bischof zu Doͤrpt, Engelbert, als Mitler, den Bischof Jacob zu Oesel, und den Ordensmeister, welcher das vierte Theil von der Wyk hatte, daß selbiges durch vier gute Maͤnner besichtiget werden solte. Der Vertrag ist auf dem Schlosse Leal unterzeichnet. Hier bemerken wir, daß ein bisher unbekanter Meister, Namens Phrimer, oder nach einigen Abschriften Reimer, in den Jahren 1327 und 1338 mit dem oͤselschen Bischof Jacob zu Leal sowol als zu Pernau gewisse Vertraͤge eingegangen. Nach allerhand uͤberstandenen Widerwaͤrtigkeiten legte sich der Ordensmeister Gerdt nieder und starb, im 21sten Jahr seiner Regierung. dieser vergeblichen Arbeit ergriffen, die uns deswegen ohne allen Beweis manchen braven Ritter aus estnischem und livischem Gebluͤt herleiten. Ja es scheinet, daß etliche ange- sehene Haͤuser diesen Ursprung sich gefallen lassen, wie denn Henneberger, und aus sel- bigem Hartknoch S. 444 viele urspruͤnglich preußische Familien angeben, die viel- leicht eben so unschuldig zu dieser Anverwandschaft gekommen, als die Lieflaͤnder. Es ist schon eine kuͤhne Muthmassung, welche ein ungenanter, aber vornehmer Verfas- ser in seiner Critik von dem lieflaͤndischen Adel anbringt, als ob selbiger gezwungen gewesen, in Ermangelung deutsches Frauenzimmers sich Gemahlinnen aus der Nation des Landes zu erwehlen. Denn dieses ist weder aus der alten Geschichte, noch aus alten Documenten erweislich, und ob gleich die polnische Revision von 1599 manchen Na- men den Ehrentitel genuinus Liuo beileget, so geben doch die uͤbrigen Ausdruͤcke zu er- kennen, daß damit uralte deutsche Familien bezeichnet werden, nur, weil sie in Lief- land von spaͤten Zeiten her angesessen gewesen. Die hohe Familie der Herren von Liwen ist unsers Erachtens in Lief- und Curland die einzige, die ihre Nachkom- menschaft von dem alten livischen Koͤnig Caupo herfuͤhret, und sich zum Andenken davon der sieben Nordsterne bedienet, welche Caupo bey seinem Aufenthalt zu Rom vom Papst in sein Wapen verehret erhalten. Unter den Nachrichten des freiherlichen Hauses von Ungern Sternberg, erscheinet ein Johannes, der des Caupo Toch- ter Hedwig sol geheiratet, und von Meister Vinno den Sysegallischen Distrikt erblich bekommen haben. Der Erzbisch. Friedrich. zur Zeit der Reg. Eberhard v. Monheim. Der fuͤnf und zwanzigste Ordensmeister in 1328 Liefland, deutschen Ordens. Eberhard von Monheim . Horner nennet ihn von Welheim, Strubicz von Wolheim, die eine Handschrift von den Herrmeistern, von Volheim, die andere Emradt von Wolheim, Spangenberg, von Neuenheim, Neustaͤdt, von Moͤnchen, andere Elverd von Munchheim, der Berfasser der neuesten Beschreibung der Ritterorden, von Mannheim. Er war goldingischer Comtur, und hat das Zeugnis eines frommen, aufrichtigen und ernst- haften Regenten. N ach dem Tode seines Vorgaͤngers fertigte der Orden ihn als gol- dingischen Comtur an den Landmarschal Johan von Ungna- de, und Dirik Bock an den Hochmeister Werner von Orze- la ab, um demselben das Schlos und Gebiete Memel Die Abtretung des Landes Memel hat Goswin von Herike am Tage Elisabeth noch einmal bestaͤtiget. zu uͤbertragen; weil es den Lieflaͤndern zur Beschuͤtzung etwas zu weit abgelegen waͤre. Dafuͤr erklaͤret der Hochmeister den goldingischen Comtur Eberhard von Monheim zum Meister in Liefland, und uͤbernimt das Land nach dieser Grenzmessung: Von der Muͤndung der heiligen Aa bis an ihre Quelle, von da nach der Quelle Emme, von da nach der Emmebach bis an eine See, wo die Meme einfliest. Weiter die Meme herauf bis an das Land Letthowie, an eine See, die aus der Meme komt, Hasenpot genant. Das ganze Land der Carsowiten gehoͤret also mit Memel zu Preussen. Damit aber das Schlos Goldingen an Fischen keinen Mangel leide, so muͤssen die Fischer zu Memel ein gros Schock und eine Gespe von eingesalzenen Streckfoͤten ( Sternipedes ) um 3 Mark preußischer Pfennige, und das hundert Hechte fuͤr 2 Mark verkaufen, welche die in Goldingen mit eigenem Salze einpoͤckeln muͤssen. Geschehen zu Elbingen, am Tage Urbani. Er wohnte auch der algemeinen Ordensversam- lung zu Marienburg in Preussen bey, deren Statuta uns Waissel S. 105 aufgezeichnet hinterlassen. Am Tage Matthiaͤ des Apostels bezeuget Christoph der II te in einem 1329 Schreiben, daß Estland mit allen seinen Staͤdten, Schloͤssern, und was wei- ter dazu gehoͤret, weder durch ihn noch durch seine Nachfolger verkauft, verpfaͤn- det, vertauscht, oder auf einige Weise iemals von der Krone veraͤussert werden solte. Jn selbigem Briefe verleihet er aus Hochachtung gegen die Jungfrau Ma- ria und um seiner Seelen Seligkeit willen den Toͤchtern in Estland das Recht von ihren Eltern zu erben, doch faͤlt nach deren Tode die Erbschaft an den Koͤnig oder dessen Nachfolger. Der nechste Blutsfreund ist Vormund der nachgebliebe- nen unmuͤndigen Soͤhne. Die Herren Landraͤthe bleiben im vorigen Ansehen und in der Gewalt Gerichte zu halten, wie sie ehmals zu thun pflegen, ohne daß an hoͤhern Ort appelliret werde Den koͤniglichen Befehlshabern wird genau verbo- ten, dagegen zu handeln. Der Bischof Olaus unterzeichnete es zu Copenha- gen in Gegenwart der koͤniglichen Raͤthe. Diese Nachricht geben Huitfeld und Pontan, beide auf der 450 Seite. Das rothe Buch in Revel enthaͤlt die deutsche Uebersetzung davon. Dieses Jahr war fuͤr die Stadt Riga insbesondre ungluͤcklich, indem sie 1330 mit dem Ordensmeister einen nachtheiligen Tractat eingehen muste. Die Buͤrger- schaft sahe, wie schlecht der Orden sein dem oͤselschen Bischof gegebenes Wort gehalten, woruͤber die noch nicht voͤllig geheilte Wunde der vorigen Beleidigung Y 2 von Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1330 von neuen aufbrach. Sie fasten also einen Anschlag auf Dunemuͤnde, wur- den aber zuruͤck getrieben. Eberhard lies es bey dem Entsatz nicht bewenden, sondern ruͤckte vor die Stadt Riga selbst, der er auch auf allen Seiten fast ein Jahr lang die Zufuhr abschnit, und sie nicht eher zu bestuͤrmen auf hoͤrte, als bis er ihr auf Vermittelung des Landmarschals gewisse Stuͤcke eines Vergleichs zugestand. Denn weil sich keine Litthauer zur Huͤlfe einfanden, und der Ordensmeister vor- her kein Thor zum Einzuge erhalten konte, muste sie 30 Faden von der Stadt- mauer einreissen, um die Strasse recht breit zu machen. Russov und andre gedenken bey dieser Unterwerfung eines Fusfals, welchen die Stadt thun muͤssen, welcher Umstand nur in der wolmerschen Absprache von 1491 befindlich, in den oͤffentlichen Vertragsbriefen aber sonst nirgends gelesen wird. Von Einreissung der Mauren gedenken unsre Documente ebenfals nichts, nur meldet der Fortsetzer des Duisburgers, daß der Ordensmeister nicht eher einziehen wollen, bis die Mauer 30 Klaftern in die Laͤnge eingerissen worden. Er beziehet sich noch auf die Spoͤtterey eines rigischen Frauenzimmers, welches gesagt habe: Vtique iste Magister grossus est in corpore, qui requirit tantum spatium, et non intrat per alias portas, sicut ceteri homines Christiani. d. i. Warlich, dieser Meister mus einen dicken Bauch haben, daß er so viel Raum braucht, und nicht zum Thoren eingehen kan, wie andre Chri- stenmenschen.‟ Wir haben drey Briefschaften hiervon, und weil sie den Schluͤssel zum vorhergehenden und zu den folgenden Begebenheiten abgeben, so ist noͤthig, daß wir sie hier volstaͤndig mittheilen. Der Sonebrieff. J n Gadeß Nahmen, Amen! Allen Gelovigen in Gade, de sehen edder hoͤren dessen ie- genwerdigen Brieff, de Vaget, de Borger Meister de Radt vnd de Gemenen Bor- ger der Stadt van der Rige wuͤnschen Heil vnd Gruth van Gade; Wy bekennen vnd betuͤgen in dessen apenbaren Breve, dat sodane Orloge vnd Twedrachting, de lei- der sin gewesen, van unß up de ene Syde de Christenheit, den Meistern vnd den Broͤdern van Lyfflande, up ander Syde frundtlick vnd loͤfflick van Gnaden des hil- ligen Gesteß sindt hengeleht, vnd gesoͤnet, vnd wene de Christenheet de Meister vnd de Broͤdere vorgenoͤhmet van vns vnd van der Heidenschap, de vnse Huͤlpere weren in den Tyden vnser Orloge vndrechtlick Schaden, vele Bedroͤffinge vnd schware Vervoͤ- linge hebben entfangen, vnd genamen in den Worden, dat doch ichts icht hirvor ge- schehen vnd ock damet alle Twedrachtinge vnd Schade genzlick uth den Herten kame, vnd werde van ehnen vergeten. So wylle wy williglik den Meister vnd den Orden des Dudschen Huses tho Lyfflande verbunden sin, in dessen Stuͤcke, de hirna geschre- ven stan: Tho dem Ersten, wente de Hof van Sunte Juͤrjens, van vns Bor- gern in dem ersten Orloge ward thobracken, vnd ock up dat van vns vnd ock van vnsen Nachkamling gehne Verbindung mit der Heidenschap mehr werden moͤge. So hebben wy ehn gegeven den hilligen Geest mit dem Rume alse alß ehn dat uthbe- wiset is, ein Huß darup tho buwende nah eren Willen; vndt tho Nutten dessulven Huses hebben wy gelaten, dat Rum, dat beschlaten is, binnen den nyen Graven, de dar geit by dem Steinwege uth der Stadtgraven van Sunte Jacobs Porten tho der Veheweide in dem Twer- Graven, de dar geit in Tegel- Lake mit dem Holleme Kog- genlage ganz mit allen, dat darinne licht, bet in de Dune; doch sall de Vehweide ge- meen syn, in der Wise, alse gewest ist van Olders, vnd de Beke, de de Mohlen drifft by dem Spittale mit allen Beken, de men darin leiden mach, schoͤllen hebben eren fryen Gang tho dammende vnd Water tho stowende vnd Moͤlen tho buwende, wor de Mei- ster will, und ehm gut duncket, tho der Nut dessulven Huses, Sunder twe Windt- Mohlen hebben wy tho Nutten vnser Stadt beholden. Vort mehr, alle de Ackere de vnsen Borgern tho behorden up den Rigeholme vnd up Lockesare mit dem Have, de Her Gerlach Rosen was, mit alle dem dat dartho gehort in Ackern Weide vndt Weesen, late wy en tho Nutte des Huses; dartho solle wy geven demsulven Huse alle Jahr 100 Mark 36 ßl. Luͤbsch vor de Mark, half up Ostern und half up Sunte Michaelis Dag; Ock sollen unse Fischere ehn geven van al- len Fischen de se fangen den teinden Fisch tho Nutte des Huses, dartho wor wy Rechtes hadden in dem Wehre tho der Mitowe, laten wy freye demselben Huse. Vort mehr alle de Arwen vnd Wuͤrde, de dem Orden thogehort, sallen fry wesen van Schates wegen, vnd alse sindt van Olders gewesen; doch de gennen, de darinnen wahnen, sol- len Sie ergab sich am Ger- Erzbisch. Friedrich. zur Zeit der Reg. des Eberhard v. Monheim. Gertrudentage, und lies keine Gelegenheit aus den Haͤnden, den ihr so 1330 nachtheiligen Soͤhnebrief almaͤlig in seinen haͤrtesten Punkten todt zu machen, zu tilgen oder den Stachel zu benehmen. Die len glik thon den andern Boͤrgern. Vort mehr so hebbe wy ehme gelaten, dem Mei- ster vnd dem Orden half alle Gerichte unser Stadt, welken Broder, dat de Meister bevelet, de sall sitten mit unsern Vageden tho richtende nah unse Stadt Rechte, alle Broͤke vnd Pene tho Nutten beider Parth. Wer et, dat de sulve edder en ander Broder van sinetwegen dar niht by syn moͤhte, noh en wolde, wat denner gerichtet werdt, dat sall hebben fulle Macht, desuͤlve Bro- der sall sitten vnd wesen in unsem Rade tho allen Tyden eben he will vndt geplegen magh, ock wenn en nye Rahtmann gekaren werdt, de sall dem Meister vnd dem Orden Truwe schweren, alse der Stadt. Dat sulven sollen dohn de andern Borgere, van den men dat eschet, dartho sollen wy helpen dem Meister vnd dem Orden mit Rade vnd mit Dade tegen alle, de se anfechten, beholden dem Erzbischope vnd siner Kerken ehres Rechten. Und ock wen de Meister sulven reiset, edder ein Her in dat Land kumt, so sollen wy eh m helpen mit all unser Macht, nah sinen Willen. Wen aver de Land- Marschalck mit den van der Dune vnd mit den Rechten tho Wenden vnd tho Sege- wolde reiset, so solle wy ehme senden 30 reisige Mann tho Perde. Vortmehr tho ewigen Daͤchtnusse vnd Saͤlichkeit der Selen alle dergennen, de er- schlagen syn, in dem Orloge an beiden Syden, scholle wy maken Vyf Vicarien, wo se de Meister hebben will, ihlik van 6 Marck Rigisch Suͤlvers, de Gilde half up Wy- nachten vff tho gevende und half up Sunte Johannis Dag Baptiste alle Jare, dese sulve Vicarien sall de Meister verlohnen, wem he will nah sinen Willen. Wer et ock, dat iemand in synem Testament edder andre Wyse den Orden niht wolde geven, deß sall he ungehindert wesen van uns, vndt fulle Macht hebben. Vortmehr, wante wy alle Privilegia, de wy van den Orden hebben, deme Mei- ster wedder hebben geandwortet, weret dat hernah etlike Privilegia gefunden woͤrden, de weder dessem Breve sanderlinges van dem Orden uns wurden gegeven, de sollen ge- ne Macht hebben. Vortmehr, wer et, dat deme Meister effte dem Orden van gemande Ansprake ed- der Hindernusse upstunde, an alle dessen vargeschreven Saken, da solle wy se afnehmen vnd fryen mit erer Hulpe vnd mit eren Rade. Up dat alle desse Stucke vndt desse Soͤne vast syn, vnd ewig bliven, so is an dessen gegenwerdigen Breff unser Stadt Jngesegel gehangen. Deß vnd dessen vorgeschreven Dinge sind Getuͤge vndt bethuͤgen de Erbaren Luͤde und Rahtmanne Her Werner van der Rope, de Vaget, Her Johann van Vellyn, Her Hinrich Meye de Borger- Meister, Her Johann van Warendorpe, Her Hinrich van der Mitowe, Her Volquin van Ostenhusen, Her Hinrick Bornes, Her Herman Rose, Her Hinrick Rese, Her Hinrich Kruse, Her Johann van der Rothporten, Her Andreß de Stadtschryver vnd andre Rathmenne vnd Boͤrger mit velen andern iegen- werdigen guden Luͤden. Dese Dinge sind gescheen vndt verliket vndt desse iegenwerdige Breff is geschreven an dem Frydage vor Palmen vor der Stadt tho Rige des Jahreß in der Gebordt unsers Herrn 1330 Jahr. Der nakende Bref. A llen Christgeloͤvigen Mynschen de dussen gegenwertigen Bref sehen edder hoͤren, de Vaget, de Vorgermeister, de Rath, de Gemeinheit der Stadt Rige ewig Heil in Gade. Wy don Kundt undt bekennen apenbar, dat in den Jahren unsers Herrn MCCC vnd in dem XXX Jahre des Diengstages nach dem Sontage, als man singet in dem Anbeginn der Misse Laͤtare, Sy wy thosammede gewesen mit den Gebedigern undt Brodern des Ordens Duͤtschen Huses van Jerusalem in Lyfflandt de in der Jegente geheten Molengrave van der Schickinge der Hilligen Drevaldighet de Olde Schellinge und Twidracht twischen unß wart gelegert. Wy befehlen und undergeven unß undt Vnse Statt Gade undt der Hilligen Jungfrauen, syner Moder und der Gna- de deß Gebedigers undt Brodere Vorbenombt mit alle unsen Guͤdern undt Fryheiten, beholden de Sundheit unser Live Zu dieser sauren Capitulation, woruͤber die Clerisey heimlich frolockte, entschlos sich die Stadt am 17ten Merz, Abends um 6 Uhr, und lies durch den kaiserl. Notarius in dem Refectorio der Z Dom- . Undt darumb dat de Gebediger undt Broder vor- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1330 Die rigischen Buͤrgermeister verkauften am St. Stephans tage dem Prior und ganzem Convent der Predigermoͤnche einen Platz innerhalb der Stadt und St. Juͤrgens hof fuͤr 6 Mark, jede Mark zu 48 Oer gerechnet, und er- laub- vorbenamet nicht genogsam enen were an unsern Schlichten worden, So hebben wy eme Gelaten, und mit guten fryen Willen in ehre Hende gegeven twe Torne in unser Statt. Domherren ein Jnstrument niederschreiben. Der Rath und die Buͤrger ersuchten 3 mal das Ka- pitel um Rath und Huͤlfe: es lies sich aber weder Domherr noch Prior finden. Wie sie die Verraͤtherey merkten, fieng der Erzvogt Hr. Heinrich Meye mit vielen Thraͤnen an: Jhr Her- ren, und bescheidenen Maͤnner, geistliche und weltliche, seyd hier beisammen, euch in diesem klaͤgl. Elend einer den andern zu troͤsten. Hier konte er vor Weinen kein Wort mehr hervor bringen. Sein Gehuͤlfe Hr. Joh. von Vellin fuhr hierauf fort: Ehrbare Maͤnner, wir sind in Noth, und von allen verlassen. Glaubet nicht, daß wir was dabey versehen haben. Wir haben uns gegen den Papst und seine Cardinaͤle demuͤthig genug herausgelassen. Wir haben die Seestaͤdte, die Regenten, die Landstaͤdte vielfaͤltig um Huͤlfe ersuchet. Keiner hat uns geantwortet oder Trost versprochen. Alle Lebensmittel sind aufgezehret. GOtt ist Zeuge, daß bey der Buͤrgerschaft uͤberhaupt nicht mehr als 4 Last Mehl liegen. Manche sind weggegangen, manche haben verhungern muͤssen, und es komt schon so weit, daß einer den andern todschlagen wil. Ob wir gleich uͤber den Muͤhl- gaben mit dem Meister tractiren wollen, so wil sich doch selbiger unter keinen andern, als uns unertraͤglichen Bedingungen zum Vergleich verstehen. Wer unter euch Brod hat, der gebe es her, und fordere dafuͤr nach Belieben. Die Armen sollen euch mit der Zeit Gerechtigkeit wie- derfahren lassen. Auf diese Rede antworteten alle, sie haͤtten vom Groͤsten bis zum Kleinsten kei- nen Bissen Brod. Joh. von Vellin, der alte Vogt fieng noch einmal an zu weinen und sprach unter vielen Schluchsen: O HErr GOtt, wie wil es mit uns Armen in dieser Angst werden- Sie antworteten einmuͤthig, so wie es auf der Stube von Soest abgemacht worden: Wir wollen uns ergeben, der Meister verlange auch von uns, was er wolle. Und damit giengen die Tractaten an, in welchen die halbe Stadt unter den Orden gerieth. Ob nun gleich Riga fuͤr den Erzbischof schon kein angenehmer Aufenthalt war, so fand sich selbiger doch noch mehr durch diese Mitregentschaft des Meisters beleidiget. Es ist daher kein Wunder, wenn auf dieses Un- gewitter durch das Stuͤrmen des Erzbischofs am paͤpstl. Hofe ein starker Donnerschlag folgte. Benedict der XII te stelte dem doͤrptischen Bischof Engelbert diese Gewaltthaͤtigkeit wider die erzbischoͤfl. Stadt Riga vor, und schickte ihm aus der paͤpstl. Kanzley alle Privilegien zu, nach welchen der Erzbischof allein Herr, der Orden aber nur Diener war. Sein Vorgaͤnger Johan- nes der XXII ste las dem Orden einen harten Text, als derselbe Duͤnemuͤnde gesperret und sich zugeeignet hatte. Der jetzige Papst aber brach mit dem hohen Banne los, da seine Kinder, die rigischen Buͤrger, sich musten einsperren und zu Tode hungern lassen, verlangte auch instaͤndigst, daß alle eingezogene Guͤter der Geistlichen und der Stadt ohne Widerrede frey gegeben und alles in vorigen Stand gesetzet wuͤrde. Er klagt nicht nur uͤber das Gefaͤngnis, Angriffe und Ermor- dung der Erz- und Bischoͤffe, Proͤbste, Dechanten, Praͤlaten und andrer geistlichen Personen, sondern auch uͤber den Ungehorsam des Ordens gegen seine Herren und obern Beschuͤtzer, und erklaͤret alle ihre Privilegien fuͤr nul und nichtig. Gegeben zu Avignon am 12ten Febr. 1336. Der doͤrptische Bischof lies solches im Chor seiner Domkirche in Beiseyn des Hrn. Herman, Abts von Valckena, aller Domherren, und der Ritter, Gottfrieds von Vyfhusen und Diedrichs von Dalen und der versamleten ganzen Stadt oͤffentlich verlesen. Die saͤmtlichen paͤpstlichen Urkun- den wurden von den Domherren Johan von Muͤhlen ( de Molendino ) als Official, Johan Brelo, Custos, Herman von Sobelisse aus dem hapsalschen Bistum, und Joh. Ronne aus dem doͤrptischen, wie auch Thiederich von Wittinge aus dem Bistum Halberstadt, die alle oͤffentliche Notarien waren, registriret. Der kaiserliche Notarius Kersten, genant Leyseke von Pernaw, lies alle diese Acten 1393 am 22sten Sept. zu Luͤbeck durch den bremischen, ver- dischen und luͤbischen Notarius in Abschrift nehmen. Die Stadt aber machte sich den Schutz- brief des Papstes vortreflich zu Nutze, und nahm nicht undeutlich zum Wahlspruch an: man mus dem Papst mehr gehorchen, denn dem Orden. Die Stadt selbst erkante nur den Erzbischof als Oberherren in geistlichen Sachen, weil der Buͤrgerschaft von den alten Bischoͤfen unumschraͤnkte Freiheit gelassen war, damit die Anzahl der Buͤrger zunaͤme. Dieses muste ein muͤnsterischer Geistlicher, Peter von Bethune, 1343 auf Befehl des Papsts Clemens des VI ten in Gegen- wart der bestaͤndigen Vicarien des rigischen Schlosses, Heinrichs von Mansvelde, Jacobs von Weuden und Heinrich Saxens, untersuchen, der denn zur Antwort erhielt, daß die Stadt den Erzbischof in geistlichen Stuͤcken allein fuͤr ihren Landesherren halte, ihm den Vogt zur Be- staͤtigung vorstelle, und sein Bild auf der Muͤnze fuͤhre, die aber doch von gothlaͤndischen Korn und Schrot seyn muͤsse. Riga vom 10ten November. Mit der Zeit schienen die Erzbischoͤfe der Mitregentschaft des Ordens gewohnt zu werden, oder konten es auch am paͤpstl. Hofe nicht weiter bringen. Der rigische Buͤrgermeister, Gerhard Meye, protestirte in Gegenwart des doͤrptischen Bischofs gegen alles, was wider die Freiheiten der Stadt und die Statute des modenesischen Legaten Wilhelms lief, woruͤber der kaiserl. Notarius, Johannes Lupi, ein luͤbischer Clericus 1360 am 18ten Aug. um 6 Uhr ein Jnstrument errichtete. Worauf der Bi- schof von Doͤrpt an die Brust schlug, und bey GOtt schwur, daß der Erzbischof noch alle Muͤhe anwende, sie frey zu machen. Als Zeugen waren hiebey der doͤrptische Domherr, Albert Molenstraten, und der Ritter Bartholoͤmaͤus von Tiesenhausen, Vogt zu Thoreida. Erzbisch. Friedrich. zur Zeit der Reg. des Eberhard v. Monheim. laubten ihnen die Stadtmauer zwischen dem Kloster und Juͤrgens hospital ( infir- 1330 maria Das Juͤrgens hospital wurde nachher vor die Stadt hinaus gebauet, 1700 aber in der saͤchsischen Belagerung samt der Kirche geschleift; doch ist es in diesem 1751sten Jahr innerhalb der Stadt recht gut wieder aufgebauet. Stat der St. Juͤrgens kirche ist die Gertruden kirche angeleget. Die Jesus- kirche liegt gleichfals in der Vorstadt, in welchen beiden Kirchen der Gottesdienst in deutscher und lettischer Sprache abwechselt. Jn der Stadt Riga selbst ist der schoͤne Dom oder die Ma- rien kirche; doch ist seit der Reformation die Peters kirche zur Hauptpfarre geworden. Die St. Jacobs kirche gehoͤret der hohen Krone; die St. Johannis kirche ist blos zum lettischen Gottes- dienst bestimmet; die St. Marien Magdalenen kirche ist zum Gebrauch der rußischen Besa- tzung, welche noch in der Citadelle sowol als in |der Vorstadt eigene Kirchen haben. So ist auch die reformirte Kirche kein uneben Gebaͤude. Die Catholiken haben bisher in einem Hause, gleich- wie die fremden Litthauer und Russen, sich mit einer kleinen Kapelle an der Duͤne beholfen. Die St. Catharinen kirche war ehmals in dem Bezirk des heil. Geiststifts. Sie lag gegen dem campenhausischen Elend uͤber. Vor 30 Jahren sahe man noch ihre Truͤmmern und den steiner- nen Altar; jetzo ist sie zu einem Speicher gemacht. Hieraus koͤnnen unsere Leser das ceumern- sche Verzeichnis von den Kirchen S. 23 aͤndern und auch vermehren; die landischen daselbst er- zehlten Kirchspiele haben zu unsern Zeiten ebenfals einige andere Benennungen angenommen. Zu den Zeiten der Reformation wandten die reichsten Buͤrger in Riga einen Theil ihres zeitlichen Segens zum Dienste des HErrn an, und sorgten mit froͤlichem Herzen fuͤr das Elend der Ar- men. Es ruͤhren davon unterschiedliche Stifte her, die man miserias oder Elende nante. Aus- ser dem wohl eingerichteten Waisenhause sind noch bekant das Elend bey der St. Johannis kirche jetzo Ekens- Convent, wo arme Witwen verpfleget werden; das zimmermannische oder Pelegri- nen Elend; das burmannische oder Niestaͤdts- Convent; das geismerische; das schoͤne cam- penhusische; das Joh. von coͤlnische; das durcopische und Caspar rombergische Elend: welche alle von der Frucht des Evangelii in Riga zeugen. nach eigenem Gefallen zu gebrauchen, nur daß sie keine niedrigere Mau- er Statt. Eine geheten iß de Sandtorne mit syner Porten, undt mit dem Nyen Vor- wercke darsolvest gebauet mit der Porten. Undt de Ander geheten is deß Hilligen Geistes Torne mit syner Porten undt Maarstalle daby belegen, tho beholdende undt tho hebbende undt tho bewahrende, so lange dat Se under sick bedacht undt uthgespra- cken hebben in wat Recht undt Gnade se uns undt unser Statt geven willen. Tho der aller Tuͤchnuͤsse ist unser Stadt Jnseegell hir unden angehangen. Gegeven tho Riga in den vorgeschrevenen Datum Frydages nach Judica. J Godes Namen, Amen. Allen Gelovigen, de sehen edder hoͤren desen gegenwor- digen Breff, Broder Eberhard von Munheim, Meester der Broͤder vom Duͤschen Huse ower Lyffland, Commendure, Vagete, undt de gemenen Broͤder dessuͤlven Landes wuͤnschen Heyl undt Grote in Gade. Wy bekennen undt betygen apenbar, dat so gethane Tweydrachteng, de leider man- nich Jahr schwerlik gewest ist, van uns uf eene Sydt, undt van de Stadt van Ri- ge uf ander Sydt van der Gnaden unses Herren fruͤndlich ist hengelegt undt versoͤnet. Und uf dat dese Soͤne ewichlichen stede bliwe, so gewe wy densuͤlven Boͤrgeren van sunderliken Gnaden undt Fruͤndschap: Thom ersten, alle de Garden, de wy hadden oͤfwer de Rige, ohne den de Bredi- ker Broͤder nu besitten. Ok gewe wy eme de Kalwerholmen medh enem Stuͤcke Landes, dat dar legt by dem Vorwerck unse Frauwen also, alsse en dar bewyset iß, ock late wy em wedder dat Ruhm, da de Fleschscharn hadde gestan, alse en vor tho gehoͤret hadde. Dartho la- te wy em Fryheet to fischen in allen unse Watern, alse se van Olders hadden. Sun- derliken gewe wy en ok Fryheet, Holt to howen, beider Sydt de Semgaller Aa up, van der See bit tho den Wateren der Birse, undt de Birse up twe Mylen sunder Tymmerholt, dat sall stan tho unsem Gnaden. Ok gewe wy em sunderlike um den Kanijerwe eene halfe Myle Borch undt Bast to riten. Vortmehr de Vehweide vor der Stadt tall nemandt syn gemeene, sunder den ge- nen, den sy van Olders tho gehoͤrt hatt. Ok were dat, dat een Man van den Unsen in der Stadt breke, den sall man rich- ten nah Stadts-Rechte, da de Broͤke geschehn were. Vortmehr, so wylle wy plichtig sin, se to beschermende, undt to huͤlpende in allen Dingen, glik den Unser Boͤrgern, kegen den de se met Unrecht anfechten. Vortmehr were idt, dat unse Vagt edder en ander Broder sinetwegen by dem Rich- te nicht syn wolle, wat denn van der Stadt Vagt werd gerichtet, dat sall hebben vulle Macht; suͤnder wat an Hals edder Hand geht, so soll unse Vagt edder een Broder oͤwer wesen. Z 2 Ere Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1330 er ziehen, sondern eine Loͤbe oder Altan darauf bauen solten. Dahingegen ver- stattet das Kloster den Herren Buͤrgermeistern den St. Thomas altar in ihrer Kirche zu etlichen Seelmessen. Damit sol der Zank gehoben seyn. 1333 Otto von GOttes Gnaden, Kronprinz von Daͤnnemark ( Danorum Domicellus ) Das Wort Domicellus erklaͤret uns Carpentrier in der Histoire de Cambrai , nebst andern aͤnlichen Woͤrtern. Aus des Freiherrn Ludwigs von Holberg vermischter Briefe zweitem Theil, Co- penhagen und Leipzig 1750, dem 82ten Briefe lernen wir, daß der aͤlteste Prinz des Koͤnigs von Daͤnnemark den Namen Adelin, d. i. Domicellus insonderheit gefuͤhret habe. Herzog von Est- und Laland, trat nach erhaltener Einwilli- gung seines Bruders Woldemars, dem Marggrafen Ludwig von Bran- denburg, als seinem Schwestermanne, in Ansehung seiner Heirath das ganze Land Revel, das Recht, einen Bischof vorzuschlagen, alles Antheil an diesem Bi- stum, alle Vestungen im Lande, und was sonst dazu gehoͤret, auf ewig ab; der- gestalt, daß der Marggraf gleiche Gewalt daruͤber haben solte, als vormals die Koͤnige von Daͤnnemark besessen, auch dasselbe Land frey und ungehindert ver- kaufen, verschenken oder vertauschen koͤnne, auch solle es niemals wieder an Daͤn- nemark kommen, wo nicht Ludwig oder dessen rechte Erben aus gutem Willen es dieser Krone wieder verkaufen wollen; doch duͤrfe aus dieser Verschenkung sei- ner lieben Schwester Margaretha kein Nachtheil zuwachsen. Als Zeugen ste- hen dabey angefuͤhret, Herr Lorenz Johanson, Reichsdrost, Herr Conrad Preyn, Ritter, Herr Gerlach, Propst der Lande Errien und Thosland, Sigfried genant von Orreby, Hofmarschal, Boetius genant Valcke, Johan genant Becker, Advocat in Laland. Gegeben zu Saxekioͤping am 4ten Tage vor Dionisii und der andern Maͤrterer. 1334 Da diese Schenkung die so oft wiederholten Versicherungen der Koͤnige von Daͤnnemark uͤbern Haufen warf, so war dieselbe so wenig nach dem Geschmack der Estlaͤnder, als diejenige Abtretungsacte, worin der revelsche Stadthal- ter, Herr Marquard Breyde, sich gemuͤßiget sahe, nach Koͤnig Christof- fers Tode, bey den damaligen weitaussehenden Unruhen in der daͤnischen sieben- jaͤhrigen Thronerledigung, Estland den lieflaͤndischen Ordensherren zu uͤber- geben, weil er dasselbe nicht laͤnger behaupten konte. Die Urkunde davon ist schon oben bey Nerona angefuͤhret. Also blieb Estland eine Zeitlang ohne Koͤnig, Herzog und Stadthalter; vielweniger bequemte es sich den Ordensmei- ster Eberhard fuͤr sein Haupt zu erkennen, sondern wurde durch seine Landraͤ- the unumschraͤnkt beherscht. Der Ordensmeister Eberhard gedachte dem Orden in Preussen Luft zu machen, gegen welchen der litthauische Grosfuͤrst Gedimin mit seinem Bun- desgenossen, dem rußischen Grosfuͤrsten Satates, zu Felde lag. Er brach also in Rusland ein. Doch diese vereinigten Maͤchte besuchten Liefland indessen, da- her Eberhard umkehrte und sie auch dergestalt in die Enge trieb, daß sie um gut Wetter bitten musten. Er ruͤckte hierauf wieder in Rusland, und brachte Plescow Ere Privilegia, undt ere Fryheet undt Recht wille wy van uns und van de Unsen unthobroken beholden, de unsen Rechten und den Brefwen nehne Vorfang syn, da- rup desse nye Soͤne iß gegewen. Tho enem ewigen Gedaͤchtnuͤsse undt Fastigheet so hebbe wy unse medh enem Dhele unse Gebedigere Jngesegele an den gegenwerdigen Bref gehangen. Broder Emeke Hack de Landmarschalk, Broder Herman von Nessen Comter tho Vellyn, Bro- der Reiner Mumme Commendur undt Vagd to Wittenstehn, Broder Johann Ungnade, Commendur tho Wenden, Broder Goddert van Bentheim, Com- mendur tho Duͤnemuͤnde. Deß undt desser Ding sin ock Tyge andere Gebedegere undt Broͤder medh veel andern thegenwaͤrdigen guden Lyden. Duͤsse Ding sind geschehn, undt desse thegenwordige Bref iß gegewen to Dunemunde des Jahrs nach Bort un- ses Herren Dusent, Drehundert undt dertig Jahr, des andern Dages der Hochtyd der Hemmelfardh unse Fruwen. Mit 6 Siegeln. Erzbisch. Friedrich. zur Zeit der Reg. Eberhards v. Monheim. Plescow zum Gehorsam, wobey ihm der Graf von Arensborg Dieser Graf von Arensborg scheint sich eine Zeitlang in Liefland mit seinen Leuten aufgehalten zu haben. Aus dem Synchronismus ergiebt sichs, daß man das Schlos Arensborch auf Oesel, und die Stadt nach seinen Namen genennet, der er auch sein Wapen, nemlich einen silbernen Adler im blauen Felde, verliehen. Jn der Fahne der Provinz Oesel ist die Farbe des Feldes zwar jetzo beibehalten, der silberne Adler aber in einen dunkelbrauen oder natuͤrlichen verwandelt worden, weil niemand desselben Farbe sicher angeben koͤnnen. mit etlichen 1334 preußischen Rittern huͤlfliche Hand leistete. Die vom Kriege abgemuͤßigte Zeit wandte er aufs Bauen, wie denn unter ihm ausser dem rigischen Schlosse auch das dobblensche und mitauische in Semgallen zu Stande kam. Bisher hatte Estland noch keinen andern Oberherrn als seine Landraͤthe. 1339 Nunmehr aber schrieb der Kaiser Ludwig an den preußischen Hochmeister Dietrich von Aldenburg, daß selbiger mit seinen Mitbrudern und Untertha- nen das Land und Bistum Revel und die Provinz Estland angreifen, wegneh- men und wieder unter den Gehorsam des Koͤnigs Waldemars Woldemar der III te, genant Atterdag, war noch nicht erwehlter Koͤnig in Daͤn- nemark, ob ihn gleich der Kaiser zum voraus so nennet, und so nennen konte, weil er als aͤltester Prinz der nechste Kronerbe war. Der Kaiser nennet den Hochmeister Nobilem et Religiosum virum, Ordinis fratrum Theutonicorum Magistrum genera- lem, principem suum deuotum, und in der Schrift, Deuotionem Tuam, den lief- laͤndischen Orden aber nur Religiosos Viros, Magistrum Ordinis Theutonicorum in Liuonia , ac eius subditos et confratres, doch ist im Context: Deuotionem vestram, und fideles deuotos. Die Zeitrechnung der preußischen Hochmeister bey dem Herrn Praͤp. Kelch S. 119 ist hieraus zu verbessern. in Daͤnne- mark bringen, es auch ohne Wiederspruch auf kaiserl. oder koͤnigl. Befehl auslie- fern solte, wobey dem Hochmeister die Kriegeskosten erstattet werden solten. An den lieflaͤndischdeutschen Orden ergieng ein anderes Schreiben von gleichem Jnhalt. Das dritte Schreiben, auch an den Orden in Liefland, enthaͤlt den Be- fehl, daß Estland, wenn es eingenommen sey, keinem andern, als dem Koͤnig Waldemar oder dem kaiserl. erstgebornen Sohn, dem Marggraf Ludwig von Brandenburg uͤberlassen, und deren Gevolmaͤchtigten abgetreten werden solle, weil dem letztern die Morgengabe von Seiten seiner Gemahlin ( conthora- lis ) aus Estland zukomme, wogegen der Kaiser nach Vermoͤgen seine Erkent- lichkeit versichert. Alle 3 Briefe hat der Kaiser zu Frankfurt 3 Tage vor Judi- ca im 25sten Jahr seiner Regierung und im 12ten seines Kaiserthums unter- zeichnet. Waldemar, erwehlter Koͤnig von Daͤnnemark verschrieb seinem Schwa- 1340 ger Ludwig, Marggrafen zu Brandenburg, das ganze Herzogthum Est- land, das ist, das Bistum, Schlos und Stadt Revel, das Schlos und die Stadt Wesenberg, das Schlos und die Stadt Narva, samt den Provinzen Harrien, Wierland und Allentaken mit allen Weichbilden, Vorwerken, Doͤrfern, Lehnguͤtern, Frohndiensten, Weiden, Wiesen, Heuschlaͤgen, Waͤl- dern, Heiden, Buͤschen, Aeckern, Gold- Silber- Kupfer- und andern Metal- gruben, die jetzo oder kuͤnftig moͤchten gefunden werden, wie auch allen Wildbah- nen, Wassern, Fluͤssen, Muͤhlen, Bruͤchen, Fischereien, Zoͤllen, Muͤnzfrei- heit, Steuren und Renten auf immer und ewig; verspricht auch, so bald die koͤ- nigl. Kroͤnung werde vor sich gegangen seyn, in einem feierlichen Briefe solchen Handel von neuen zu bestaͤtigen. Geschehen zu Spandow am Sontage Oculi. Zugegen waren Sveno Bischof von Aarhus, Graf Guͤnther von Schwarzburg, Heinrich von Reischach Haushofmeister, Hr. Joh. von Buch, Stadthalter, Beringer Helo Marschalk, die Ritter Gerike Wolf, Hasso der aͤltere von Wedel, nebst andern glaubwuͤrdigen Maͤnnern. Der A a Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1340 Der roͤmische Kaiser Ludwig, ertheilte zu Landshut seinem Sohn, dem Marggrafen Ludwig, die Volmacht, mit dem deutschen Orden um das Land zu Ryvel (Revel) zu handeln und zu dingen, am Sontage Laͤtare Diese in alt deutscher Sprache aufgesetzte Volmacht zeiget an, daß der Marggraf Ludwig, vielleicht um der Entlegenheit des Landes willen, mit dem deutschen Orden, der schon auf die Besetzung und Wegnehmung Estlandes Gelder vorgeschossen, einen Kaufhandel einzugehen berechtiget worden; wie denn Menius im Prodrom. S. 10, einen solchen Vertrag anfuͤhret, nach welchem der Marggraf dem Hochmeister Hein- rich Dusemer, um 6000 Mk. Goldes am Tage Matthaͤi 1341 zu Tangermuͤnde Estland abtrit, wogegen der Koͤnig Woldemar das Vorkaufsrecht gebrauchte, und die bedungene Summe seinem Schwager auszahlte, wodurch dismal Estland wieder an Daͤnnemark zuruͤck fiel. Dieser letzte Umstand verdienet bemerket zu werden, weil Daͤnnemark bis 1346 die Regalien gehabt, und man sonst aus diesen verwirten Haͤndeln weder die Jnterimsacten noch die voͤllige Ceßion beurtheilen koͤnte. . Der Erzbischof Friedrich starb am paͤpstl. Hofe zu Avignon; Benedi- ctus der XII te bestaͤtigte den bisherigen Bischof zu Doͤrpt, Engelbert von Dahlen , in dem rigischen Erzbistum, welcher aber die rigische Luft nicht lange vertragen konte. Sontags nach Jacobi brachte der revelsche Hauptman, Conrad Pfreen, einen Vergleich zwischen der Ritter- und Buͤrgerschaft wegen gemeinschaftlicher Heuschlaͤge, von der See Jerwekuͤlle und Mullen an, bis an die Salzsee zu stande. Der Hauptm. Cordt Pfrein, Herm. von Thoys, Otto von Ro- sen, Bartholom. von Vellyn, Helmich von Zoͤge, Heinr. und Joh. Fahrensbeke, Claus Risebyter, Barthel von Lechtes, Ritter; Be- rend von Thoys, Robekin von Alven, und Asserie von Niehawen, achtbare Maͤnner, haben sich dabey unterschrieben. Der Brief ist von dem Abt Berthold zu Padis am Michaelis tage 1383, durchsichtiget und bestaͤtiget. Der Ordensmeister Eberhard dankte endlich ab, und gieng nach Deutsch- land. Die Ordensritterschaft verlor an ihm einen tapfern Vorfechter. Der sechs und zwanzigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Burchard von Dreylewen Horner nennet ihn von Drogeloven; Funck giebt ihm den Vornamen Heinrich. Andre lesen, von 3 Loͤwen. . 1341 E r suchte gleich nach angetretenem Amt den streifenden Russen durch Anlegung der Schloͤsser Marienburg und Frauenburg in Liefland den Weg zu versperren, welches diesen Nachbarn dergestalt empfindlich fiel, daß sie vor Marienburg ruͤckten, und die Besatzung mit Schmauch und Dampf zu verjagen trachteten, aber auch 28 Man davor einbuͤsten. Der nachmalige tapfere Comthur, Arnold von Vie- tinghoff, kam mit ihnen endlich zu rechte, weswegen sie sich zur Ruhe be- quemten. Hein- Dieser Engelbert hielt sich etliche Jahr vorher als doͤrptischer Bischof in Schwe- den auf. Cranz Sveciae lib. V, c. 28 berichtet, daß ihn die Geistlichkeit in Schwe- den mit vielen Ehrenbezeugungen aufgenommen, und weil eben der neue Thronfolger Albert von Meklenburg mit seiner Gemahlin Euphemia von der Koͤnigin einge- holet worden, ihn ersuchet die hohe Messe zu halten, und die koͤnigl. Salbung und Kroͤnung zu verrichten, woruͤber alle Anwesende ihre Freude bezeuget haͤtten. Erzb. Engelb. v. Dahlen. zur Zeit der Reg. Buchards v. Dreylewen. Heinrich, Bischof von Oesel, verstattete allen Schiffen in den Haͤfen sei- 1341 ner Dioͤces die Zolfreiheit, und die Erlaubnis am nechsten Ufer zur Ausbesse- rung der Schiffe Holz zu schlagen. Alle gestrandete Guͤter, so innerhalb Jah- resfrist abgefordert werden, kommen ohne Vorbehalt an die rechtmaͤßigen Erben. Die Herren von Scherenbeck setzten am 28sten May in Beiseyn des Wapners, Herman Risbyters, dem Abt Nieolaus zu Padis die Doͤrfer Puggete und Yarnselle zu Grenzen seines Klosters an, von welchem Briefe der Anfang merkwuͤrdig scheinet, wenn sich diese Grenzrichter Nos Christianus , mi- les, et Willekinus armiger, fratres Domini de Scherenbecke schreiben. Es ge- schiehet darin Erwehnung eines Grabens Lambivaha cayvanda, eines Hofes Taghe, eines Orts Tycderden Mecke kako, einer See Karjawomees und eines Schlosses Lepoyo. 1343 Freitags vor Mariaͤ Geburt fertigte Koͤnig Magnus von Schweden und Norwegen die estlaͤndischen Abgeordneten Joh. von Wieder, Hein- rich von Loden und Heinrich Lucas Der Herr Mannrichter von Lode lieset die Namen aus dem Originalbriefe anders: die edlen Maͤnner Joh. von Weiden, Hinrich Lode und Hinrich Lykes, Wa- pentraͤger und vornehmer Rathsherr zu Revel. , Wapentraͤger, und von Seiten der Stadt Wennemar Kahtern zu Revel, mit einer Amnestie wegen dem was zwischen seiner Stadt Wieborg und der koͤnigl. Stadt Reval vorgegangen, zuruͤck, und verlangte dagegen, daß, wenn die Revelschen und Wiburgischen mit einander Haͤndel haͤtten, jeder Partey in des andern Lande innerhalb Monats- frist Recht verschaffet werden moͤchte. Dieses und das folgende Jahr ist wegen des algemeinen Baurentumults recht denkwuͤrdig. Die Bauren in Harrien machten den Anfang, und erschlu- gen in der St. Juͤrgens Nacht uͤber 1800 daͤnische und deutsche Herren. Die Bauerschaft in der Wyck und in Wirland folgten diesem ungluͤcklichen Beispiel nach, und ermordeten ohne Unterschied des Alters und Geschlechs alles, was nur einen deutschen Othem hatte. Manche entsprungen noch, und fluͤch- teten nackend und blos nach Revel oder Weissenstein, wo sie unterwegens zum Theil vor Hunger sturben. Jm Kloster Padis wurden allein 28 Moͤnche ge- toͤdtet. Die oeselschen Bauren machten sich um Jacobi mit uͤber ihre Her- schaften her, und schlugen erst alle Auslaͤnder todt, und darauf auch den Or- densvogt, samt allen Klostermoͤnchen zu Peude, denen sie in der Belagerung zwar freien Abzug versprochen hatten, ihr Wort aber als Barbaren hielten. Sie vereinigten sich hierauf mit denen in der Wyck, wo sie etliche vor Hapsal ruͤcken liessen, den Bischof mit seinen Leuten einzusperren. Die andern zogen weiter und brachten unterwegens einen Schwarm von etwa 10000 Man zusammen, die das Schlos Revel umringten, und durch eine Botschaft den Bischoͤfen zu Abo und Wiborg versicherten, die Stadt den Schweden in die Haͤnde zu spielen, wenn sie ihnen Huͤlfsvoͤlker zuschicken wolten. Der Ordensmeister Burchard eilte hierauf zum Entsatz herbey, zerstreute dieses aufruͤrige Gesindel, von denen die wenigsten ihre Heimat wieder zu sehen bekamen, ob sie gleich angeloben liessen, dem lieflaͤndischen Orden sich gutwillig zu ergeben, wenn sie nur nicht Sclaven der Edelleute seyn duͤrften Horner berichtet, daß zu diesem algemeinen Baurenkriege der Comthur zu Vellyn Anlas gegeben. Die Bauren selbst suchten diesen Aufstand mit den unbarmherzigen Auflagen des Adels zu beschoͤnigen, davon Cranz Vandal. lib. XIII, c. 21, nachzulesen. Venator beschuldiget Cranzen der Parteilichkeit, als ob er gegen den Orden einen Grol gefast, und keine Gelegenheit vorbeigelassen, den Bruͤdern der Ritterschaft eins anzubringen. Wenn die mehresten Stimmen gelten, so ist freilich diesen zur Verzwei- felung gebrachten Bauren zu viel geschehen. S. Nic. Leutinger de March. Bran- denb. l. III, p. 54. Oernhielm schrieb noch im vorigen Jahrhundert, daß man die Bauren zur ewigen Arbeit unaufhoͤrlich verdamme und sie wie die Hunde halte. Ein- A a 2 hei- . Er legte also Goswinen von Herike nebst etlichen Rittern Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1343 Rittern und Kriegesleuten in das revelsche Schlos zur Besatzung, und machte auf seinem Ruͤckzuge dem in Hapsal belagerten Bischof Luft, durch welche Ret- tung Burchard dem deutschen Orden die Zuneigung der Estlaͤnder zu wege brachte. Als indessen die finnischen Schuͤten in den revelschen Hafen einliefen, die Stadt in Empfang zu nehmen, so war niemand mehr da, der ihnen die Reise bezahlte. Denn die Raͤdelsfuͤhrer waren schon nach Verdienst belohnet, die Entwischten aber stacken in den Waͤldern und Moraͤsten verborgen, wo sie ih- ren Hunger mit Wurzeln und Baumrinden stilten, weil keiner sich auf oͤffentli- cher Strasse zeigen durfte. Das ganze Protocol von diesem Baurenkriege ist im Brande zu Stockholm drauf gegangen. 1344 Bey diesem Lerm der abtruͤnnigen Bauerschaft sahe sich Estland nicht mehr im Stande sich ohne Schutzherren zu behelfen. Also traten Joh. von Sorse- vere, Herm. von Thoys, Otto von Rosen, Heinr. und Joh. von Fah- rensbeck, Heinr. von Wirks, Heinr. von Lode, Dietr. Toltz, Ritter, Joh. von Mekes, Joh. Wacke, Robert von Alwen, Christian von Scharenbecke, Assverus von Neuenhoff, Tilo von Sorsevere Hinr. von Bikirhovede, Wapener und Raͤthe des Koͤnigs und der Krone Daͤnne- mark, wie auch Heinr. Lechtes, Joh. von Fahrensbeke, Bernhard von Thoreyde, Heinemann Risbyter, Lippold von Aydes nebst allen koͤ- nigl. Vasallen, zusammen, und unterzeichneten zu Revel am Tage vor Christi Himmelfart einen Vertrag, laut dessen sie dem Ordensmeister Revel und We- senberg zur Vormundschaft uͤbergeben, um diese Plaͤtze der Krone Daͤnne- mark zum Besten zu erhalten. Sie berufen sich auf ihr gut Gewissen, und be- zeugen bey dem Worte der Warheit daß sie hiebey im geringsten nicht gewilliget seyn, Daͤnnemark nachtheilig zu fallen, sondern daß sie es nur darum thun, damit das Land nicht auf ewig Daͤnnemark entrissen werde. Wenn sie es einhellig wiederfordern, sol es der Orden in Monatsfrist wieder raͤumen. Heinrich von Bikshoͤveden, die Ritterschaft und revelschen Buͤrgermeister wiederholen dieses am Tage vor Simonis und Judaͤ noch einmal, und bezeugen zugleich, daß sie nach dieser entsetzlichen Empoͤrung, von der sie allein uͤbrig geblieben, und durch welche die Neubekehrten im Glauben wankend geworden, aus Noth sich an den Ordensmeister in Liefland gewand, und obbesagte Laͤnder ihm in Schutz gegeben. Dem Koͤnig von Daͤnnemark war mit dieser fremden Besatzung in Revel wenig gedienet. Er schrieb daher am Johannis tage dem Orden in Liefland, daß er sich zwar fuͤr ihre Treue und Gehorsam bedanke, die sie jederzeit ihm und seinen Vorfahren erwiesen, insbesondere daß sie in der grossen Gefahr seine Schloͤsser in Schutz genommen; aber weil sie oft versichert, auf das erste Erfor- dern dem Koͤnig sie wieder auszuliefern, so schicke er seinen Rath und Ritter Hr. Stigot Andersson als Stathalter nach Revel, in dessen Haͤnde die Ueberga- be geschehen solle. Geschrieben zu Aalburg Jn Estland kam dieses Schreiben in keine sonderliche Betrachtung, und weil keine Flotte mit Huͤlfsvoͤlkern nachkam, musten die estlaͤndischen Raͤthe auch Narva den Lieflaͤndern verpfaͤnden. Also lies Daͤnnemark seine Vasallen im Stiche, der Or- den aber machte sich durch behende und nachbarliche Huͤlfe immer mehr bey ihnen be- liebter. Die Ausdruͤcke im Schlus des koͤnigl. Briefes scheinen wol nicht nach dem Geschmack der Lieflaͤnder zu seyn. Sie lauten also: Tenemini etiam familiarius et vltra alios nobis et coronae Dacianae fidelitatis obsequia impendere, ad quod vos inducat non solum vestra praeexperta fidelitas, verum etiam debita nobis reuerentia. Estis enim ad hoc nobis, si vultis advertere, obligati. Ohne Zweifel zielte Wolde- mar auf den Beistand, welchen die Lieflaͤnder von seinen Vorfahren zur Bezwin- gung des Landes genossen, und verweiset sie zu einer dankbarlichen Erkentlichkeit. . Nichts heimische Geschichtschreiber sind hier nicht einmal anzufuͤhren, weil Russov noch viel zu verantworten hat. GOtt lob! daß in unsern Tagen ein so schmaͤlicher Vorwurf Liefland nicht treffen kan. Erzb. Engelb. v. Dahlen. zur Zeit der Reg. Burchards v. Dreylewen. Nichts desto weniger sahen sich obgenante estlaͤndische Raͤthe gedrungen, 1345 auch das Schlos Narva gegen ein Darlehn von 1423 Mark rigischen Silbers dem lieflaͤndischen Ordensmeister zu verschreiben. Weil die unglaͤubigen und abtruͤnnigen Esten ihren Verwandten und Blutsfreunden unmenschliche Marter angethan, und ihre Guͤter und fast ganz Harrien verwuͤstet, ihre Kraͤfte aber zum Widerstande nicht zureichen, und noch mehr Unruhe zu befuͤrchten seyn duͤrfte; so behaͤlt der Orden das Schlos 1 Jahr in Verwahrung fuͤr den Koͤnig von Daͤnnemark. Bleibet die Zahlung aus, so erscheinen die Unterschriebenen in Vellin und machen da Richtigkeit, stehen aber fuͤr keine Ausbesserungskosten. Gezeichnet in Revel am Tage Pauli Bekehrung. Dieses alles noͤthigte Woldemarn in eigner Person nach Estland aufzu- brechen Ob gleich beim Huitfeld S. 494, Pontanus S. 474 und Meursius li b. 4, die koͤ- nigl. Urkunden um ein Jahr spaͤter unterzeichnet sind, so beweiset doch Hiaͤrne aus den einheimischen Briefschaften von 1345 den koͤnigl. Aufenthalt in Revel. Jn der einen belehnet Woldemar einen Herrn Woldemar von Rosen, nebst dessen Soͤhnen und Sohnssohn, mit unterschiedenen Hoͤfen und Dorfschaften in Harrien, Wierland und Allentaken; wobey Stigot Anderson als Ritter, Rath und Hauptman uͤber Est- land zum Zeugen angefuͤhret wird. Der Koͤnig tituliret sie perdilecti Domini et milties. Der andre Brief, in welchem er dem Bischof Olaus den Hof Kilpaner verkauft, ist vom 2ten Jenner 1346, 8 Tage nach Joh. des Evangel. und Apostels; und der dritte, worin er der revelschen Domkirche zu seiner, seiner lieben Helwig und seiner Vor- fahren Seligkeit die Kirche St. Simon und Judaͤ in Karkuͤl einverleibet, vom 2ten May, Tages nach Philippi und Jacobi. Alle 3 Briefe sind zu Revel unterzeichnet; der 4te aber schon zu Rotschild auf Urbani, d. i. am 25sten May 1346, als der Koͤnig schon wieder in seinen Erblaͤndern angelanget, in welchem er das Jus patrona- tus uͤber 2 revelsche Pfarkirchen dem Domkapitel zu Revel schenkt, damit der Bi- schof jaͤhrlich fuͤr ihn, seine Gemahlin Helwig, und seine Vorfahren 2 Seelmessen halten und Spende austheilen sollen. , und seine Unterthanen durch seine Gegenwart zu troͤsten, wo er auch den Winter uͤber zubrachte, die Einkuͤnfte des Kapitels vergroͤsserte, Kirchen und Kapellen anlegte, den Staͤdten ihre Priviligien bestaͤtigte und auf dem Schlosse zu Revel die Kirche unsrer lieben Frauen stiftete. Er sorgte auch fuͤr die Stadt Narva, und gab ihrer Kirche, die wenig Einkuͤnfte hatte, und von den Rus- sen etliche mal abgebrant worden, am Mariaͤ reinigungstage in Stigot An- dersons Gegenwart den Gnadenbrief, daß der Oberrichter ( Advocatus ) oder Befelshaber, den Pfarrherrn, nebst seinem Kapellan und Scholaren an seinen Tisch nehmen, ihnen alle Jahr einen Rock von schoͤnem Tuche, alle 2 Jahr einen Prie- sterrock nebst andern Nothwendigkeiten, wie auch Heu und Haber auf 2 Pferde zum Besuch der Neubekehrten geben, und ihnen bey koͤnigl. Ungnade nichts davon abbrechen solle. Das daran befindliche Siegel ist in weissem Wachs in einer waͤch- sernen Kapsel ( pressula ), und stelt auf einer Seite den Koͤnig auf dem Thron mit dem Scepter und Reichsapfel sitzend vor, mit der Umschrift: Woldemarus Dei G. Danorum Slavorum que Rex et Dux Estoniæ. Auf der andern Seite stehen 3 Leoparden, einer groͤsser als der andre; am Rande lieset man: Clypeus Woldemari, D. S q; R. et D. E. Die narvische Buͤrgerschaft Den ersten Gnadenbrief fuͤr die narvische Kirche hat der revelsche Dechant Hein- rich von Beke 1425 vom Bischof Heinrich in Abschrift nehmen lassen, und zwar auf Ansuchen Herrn Heinrich Bremers, Pfarrherrn und Rectors zu Narva, der ihn dem Ordensmeister vorzuweisen hatte, und besorgte, er duͤrfte einmal von Handen kommen. Den andern fuͤr die Stadt Narva haben die Herren Buͤrgermeister in Re- vel 1365 am sechsten Tage vor Petri und Pauli mit ihrem Stadtsiegel erneuert. Bei- de aber beweisen das Daseyn des Koͤnigs in diesem Jahre. nahm er am Tage Jacobi gleichfals in seinen genauern Schutz, bestaͤtigte ihre von seinem Grosvater Erich erhaltene Vorrechte, so wie seine revelschen Buͤrger sich derselben frey bedienet, schuͤtzte sie bey B b Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1345 bey ihren Grenzen, Aeckern, Wiesen, Heuschlaͤgen, Holzungen, Wassern und Fischfang ober- und unterhalb des Schlosses, vornemlich bey dem Verkauf der Aale. Kein Kaufman darf uͤber dem Wasser Lauke Handel treiben, wenn er sich nicht unter den Schutz der Krone und der Stadt begiebt. Solte die Stadt von den Russen zerstoͤret werden, so begeben sich die Einwohner nach dem Schlosse, bauen sich da Buden und Haͤuser auf, und handeln so lange ausserhalb der Stadt nach aller Freiheit, worinne sie kein koͤnigl. Richter stoͤren sol. Beide Briefe hat der Koͤnig zu Revel unterzeichnet. Die harrischen und doͤrptischen Bauren sassen noch nicht stille, sondern hetzten die Russen auf, denen Burchard bey Odenpeh nach einem ziemlichen Verlust den Weg verlegte, dabey aber nebst einigen Rittern den tapfern Joh. von Loͤwenwolde einbuͤste. Die Bauren machten hierauf einen Anschlag Vel- lin zu uͤberrumpeln, und da sie am Thomas abend ihre Gebuͤren abtragen solten, so steckten sie in jeden Kornsack einen vierschroͤtigen verwegenen Kerl. Doch ein altes Muͤttergen, die ihren Sohn gern verschonet wissen wolte, entdeckte dem Comthur den ganzen Handel, bat fuͤr sein Leben, und gab das Zeichen an, in welchem Sacke der Junge laͤge. Die Deutschen hielten sich indessen bereit, die- se lebendige Gebuͤren mit langen Spiessen auszumessen, wodurch den uͤbrigen der Kitzel vergieng, die vor der deutschen Heimsuchung gern in die Erde gekrochen waͤren. Doch dieses half nichts, das Joch wurde schwerer und die Reihe kam nun auch an die oͤselschen Bauren. Die Ordensvoͤlker schlugen ihr Lager zu Karris auf, durchstreiften die Jnsel, und musten bey 9000 uͤber die Klinge sprin- gen. Jhr abgenommenes Gewehr ward nach Leal gebracht. Diejenigen so um Leben ihr baten, musten sich selbst zur Strafe das Schlos Sonneburg Nun wuͤsten wir also, daß Suͤhneburg, Suͤnneburg, oder ietzo Sonneburg seinen Namen von Soͤhnen oder Versoͤnen haͤtte, wie es auch Oernhielm S. 83 er- klaͤret, wenn es nicht warscheinlicher heraus kaͤme, daß sowol der alte als neue Name von Sonne herzuleiten waͤre, und man ja sowol ein Schlos Sonneburg auf Oesel, als in Deutschland bauen koͤnnen, wie gar viele Geschlechter ihrem Gute einen deutschen Namen gegeben, welchen das Stamgut in Deutschland gefuͤhret. Herr Buͤrgerm. Neustaͤdt erzehlet uns von der Ursache dieses Baues ein ander Histoͤrchen. Die oeselschen Bauren wolten ihren Strand bereichern, und einen von den Daͤnen gesetz- ten hoͤlzernen Feuerthurm in die See ziehen. Der Anspan war wunderlich. Sie hat- ten ein grosses Tau um die Spitze des Thurms herum geschlungen, unten aber einen Haufen Ochsen mit den Hoͤrnern daran geschnuͤret. Da die voͤrdersten Ochsen anzie- hen, werden die hintersten empor gehoben, bis endlich die Bauren riefen, Oteh, Oteh, Jssa, haͤrged laͤhhewad taewasse, das ist: Halt, halt! Vater, die Och- sen gehn gen Himmel. Und zur Strafe baueten sie Suͤhneburg. Heutiges Tages sind ausser einigen dunkeln und engen Kellergaͤngen und einem fast der Erde gleichen kleinem Wall kaum noch die Spuren eines Schlosses davon uͤbrig. Diese letzte An- merkung ist noͤthiger, um der neuen Geographie willen, da dieses Sonneburg noch immer eine ziemliche Stadt oder ein treflich Schlos heisset. zum Kapzaum aufbauen. Der Abt Nicolaus zu Padis verkaufte an Peter Roͤver, Harald Roͤdeger, Hinko Rudolph, Haquin Christiani, Simon Clementis und ihre rechte Erben die Jnsel Daghoe nach schwaͤbischem Rechte um 34 Mark Silber, doch behaͤlt sich das Kloster das Recht Bandholz zu faͤllen, allein vor. Fuͤnf Tage nach Cantate. Die Litthauer und Samogiten versalzten dem Orden diese Freude. Dieses unruhige Volk fiel gegen die Fastenzeit in Semgallien ein, eroberten nach vielen Grausamkeiten das Schlos Tarweten am Sontage Reminiscere, ermordeten darin 7 Ritter nebst einer Besatzung von 160 Man. Von da zogen sie vor Mitau, nahmen die Vorburg weg, steckten die Pallisaden in Brand, davon das Schlos Feuer fieng, daß 600 Man nebst manchem braven Ritter im Rauche erstickten. Sie zogen neben Riga vorbey, besetzten Neuermuͤhlen, giengen Erzb. Engelb. v. Dahlen. zur Zeit der Reg. Goßwins v. Herike. giengen auf Segewolde zu, schliefen 2 Naͤchte zu Walck, und schlepten uͤber 1345 1200 Menschen mit Vieh und Guͤtern in die Gefangenschaft Eines Ungenanten handschriftliche lettische Chronik meldet hier, daß die Litthauer jenseit der Duͤne eine Muͤhle pluͤndern wollen, allein sie haͤtten, der umliegenden Mauer wegen, beim Gerenne einkriechen muͤssen. Die Beckerknechte haͤtten mit grossen Muͤhl- aͤxten einen nach den andern in der Stille bewilkommet, bis sie ihrer an die 70 derge- stalt hingerichtet, da endlich das mit Blut gefaͤrbte Wasser den andern schnelle Fuͤsse gemacht, wofuͤr diese Gesellen im Dom eine schoͤne Freiheit erlanget, die aber mit der Zeit wieder eingegangen. Es war inzwischen ein Eigensin von dem preußischen Hochmeister Ludolph Koͤnig, daß er in Litthauen einfiel, um den Lieflaͤndern Luft zu machen, da er doch den Feinden gerade uͤber die Duͤne haͤtte folgen sollen. Ueber diesen unzeitigen Einfal trenten sich die Koͤnige Ludwig von Ungern, Jo- han von Boͤhmen und mehrere deutsche Fuͤrsten mit ihren Huͤlfsvoͤlkern von den Ordensvoͤlkern. Koͤnig erkante sein Versehen auf der Engelsburg in Rom, wo er einen hoͤflichen Arrest hatte, zu spaͤt, und verfiel in eine starke Tiefsinnigkeit. Siehe Hartknochs Altes und Neues Preussen S. 302. Doch der Hochmeister Hinrich Dusemer bezahlte diesen Streich den Litthauern in ihrem Lande so nachdruͤcklich, daß sie auf eine gute Zeit damit zufrieden seyn konten. . Die estnische Ritterschaft in Harrien und Wierland machte am 5ten 1346 Tage nach Quasimodogeniti mit den revelschen den Vergleich, daß wer auf seine Einkuͤnfte 10 Mark Silber schuldig sey, einen Haken Landes nebst den dazu gehoͤrigen Pferden und Ochsen zum Pfande verschreiben muͤsse. Der Ritter und Statthalter Stigot Anderson, die Ritter Heinrich Lode, Heinr. Lechtes, Diedr. Tolck, Christian Scharenbeke, Gottfr. von Fahrensbeke, die koͤnigl. Raͤthe Joh. Mekes, Joh. Wakke, Diedr. Wirks, Heinr. Ha- vesforde, Assverus von Neuem Hofe, Tidemann Kele, Herm. Ris- byter, Joh. Wolderso, Hartekin Kirkotoy, Odward Sorsevere, Nicl. Minnekrop, und Didrich Wrangel, der Vogt, die Buͤrgermeister und Rathsherren der Stadt Revel, Herm. Moremann, Reineking Ko- wel und Wennemar Hollogher haben sich unterschrieben. Der Koͤnig Wol- demar bestaͤtigte nachher diesen Vertrag. Nach des Herrn von Lode Zeugnis liegt diese Urkunde mit dem koͤnigl. Jnsiegel in dem revelschen Stadtarchiv. Jn diesem Jahr gieng der Ordensmeister mit Tode ab, und folgte ihm Der sieben und zwanzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Goßwin von Herike . S eine erste Unternehmung war, daß er dem preußischen Orden Huͤlfs- 1347 voͤlker zufuͤhrte und in Litthauen einbrach. Der litthauische Grosfuͤrst Olgerd, Gedimins Sohn ruͤckte unter Beistand der Russen von Smolensko, Polocz und Witepski auch ins Feld, wo es am 2ten Febr. zum Treffen kam, in welchem der Orden siegte, und nach Aussage der preußischen Geschichtschreiber 22000 Feinde erlegte, welche Zahl Michov auf 18000, Guagnini aber auf 10000 herunter setzet. Den B b 2 Sa- Chytraͤus nennet ihn von Erk; Horner, Dasquin von Erke, die eine Hand- schrift von den Herrmeistern, Goswien von Eveke; die andere, Goswien von Ecke; Kelch, von Eich; andre, von Erch. Der Herr Landrath von Ceumern verwech- selt ihn aus Versehen mit einem ganz andern Ordensmeister Robin von Eltzen, welcher spaͤter regierte. Etliche Abschriften haben Flerike, welches aber den Urschriften zu- wider ist, wo ein deutliches h stehet. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1347 Samogiten wurden die Vestungen Kylabesyne, Dobbesyne und Ze- la zerstoͤret. Jm Sommer zog der Koͤnig von Daͤnnemark Woldemar der III te uͤber Luͤbeck nach Preussen, um einen Zug gegen die unglaͤubigen Litthauer zu thun, fand aber den Krieg schon beigeleget. Er gieng hierauf nach dem gelobten Lande, zu welcher Walfarth er einen starken Reisepfennig brauchte. Er brachte daher mit Einwilligung seiner Getreuen die schon laͤngst entworfene Acte zu Stan- de, in welcher er dem Hochmeister Henrich Dusemer das ganze Herzogthum Estland mit allen Zubehoͤrigen und Einkuͤnften um 19000 Mark reines Silbers coͤlnischen Gewichts kaͤuflich uͤberlaͤst, und den Unterthanen entdecket, daß sein aͤltester Bruder, Junker Otto, um seiner Seelen Seligkeit willen, und um sich GOtt zu opfern und zu heiligen, in den deutschen Orden zu treten sich ent- schlossen habe. Der Ritter Stigot Andersson, Hauptman des Landes Re- vel, und Friedrich von Lochen, gewesener Marschal, haben als Zeugen ihr Siegel beigedruckt. Geschehen zu Marienburg am Tage der Enthauptung Johannis des Taͤufers, durch Veranstaltung des wartinsborgischen Kirch- herrns Hinrich Luneborchs, seines Kanzlers, der Ritter Hinrich Lode von Lechtis, Goedekens von Fahrensbeck, des Wapeners, Thilo Soerse- vers, Arnolds von Coͤlln und Wieckenhausen und vieler andrer Wuͤr- digen des Glaubens. Der Papst Clemens der VII te bestaͤtigte den Kauf noch in demselben Jahr, der Hochmeister lies aber Estland gar bald wieder an Goswin von Heriken kaͤuflich uͤber, der auch des vorigen Ordensmeisters seinen Vetter, Burchard von Dreylewen, zum Comthur auf Revel verordnete. Die Besitznehmung des Ordens geschahe am Tage Aller Heiligen, und das daͤni- sche Regiment uͤber Estland, so von Waldemar dem II ten bis Woldemar dem III ten beherrschet worden, nahm solcher gestalt sein Ende Diese Verhandlung des Landes, an welcher lange gekuͤnstelt worden, gieng nun auf einmal vor sich, ob sie gleich den koͤnigl. Versiegelungen und dem Eide der Ritterschaft entgegen lief, ihr auch Anno 1300 und 1329 von den Estlaͤndern vorgebeuget worden war. Jn der Jahrzahl und in dem Preise weichen unsre Verfasser von einander ab. Huitfeld datiret seine Urkunde von 1346 zu Marienburg, und redet von 19000 Pf. loͤthigen Silbers, da Pontanus und andre nur 18000 angeben. Menius redet von 30000 Mark Goldes, die er endlich bis auf 19000 behandelt. Hiaͤrne datiret den Kauf- brief zu Koͤnigsberg 1346, und wil auch Abschriften davon gesehen haben. Jn der daͤnischen Urkunde in welcher Waldemar an saͤmtliche Raͤthe, Hauptleute, Man- schaft und Unterthanen des Herzogthums Estland berichtet, daß sein allerliebster Bru- der, der Junker Otto, in den deutschen Orden getreten, und der Koͤnig Estland mit allen seinen Schloͤssern, Staͤdten und Doͤrfern dem Orden zugesaget, weswegen alle dem Hochmeister huldigen und Gehorsam leisten, ihres Eides aber gegen den Koͤnig entledigt seyn sollen, mus wol stat ⅽⅼↄⅽⅽⅽXLIV ⅽⅼↄⅽⅽⅽXLVI gelesen werden. Dieser Brief ist gegeben am Tage Mariaͤ Himmelfart zu Copenhagen ( Hafenis, aus wel- chen lateinischen Worte die Geschichtschreiber uns ich weis nicht was fuͤr ein Hufeis machen). Die daͤnischen Schriftsteller finden grosse Bedenklichkeiten darin, daß kein koͤnigl. Rath als nur Stigot Anderson unterschrieben; ja sie stellen sich an, als ha- be die Krone Daͤnnemark von diesem Handel nichts gewust, bis der polnische Ge- sandte auf dem stettinischen Friedensschlusse 1570 die Acte zuerst ans Licht gebracht, davon uns Huitfeld eine Abschrift in daͤnischer Sprache liefert. Da der beruͤhmte Herr Baron von Holberg in seiner daͤnischen Reichshistorie es ebenfals bey der Er- zehlung des Huitfeld und Pontanus bewenden lassen; so wollen wir aus den gesam- ten Briefschaften einen kurzen Auszug ertheilen, und zwar nach solchen Abschriften, die am 27sten April 1697 mit der im schwedischen Archiv befindlichen Urschrift getreu- lich verglichen worden. Es sind aber noch folgende davon vorhanden. 1. Ein Schenkungs-Verkauf, Uebergebungs- und Absagebrief am Matthias tage 1346 zu Tangermuͤnde. Ludwig, Marggraf zu Brandenburg und der Laus- nitz, Pfalzgraf am Rhein, von Bayern und Caͤrnthen Herzog, Graf von Tyrol und Goͤrz, Vogt der brixischen, aquilejischen und tridentinischen Kirchen, des h. R. . Tusmer Erzb. Engelb. v. Dahlen. zur Zeit der Reg. Goßwins v. Herike. Tusmer bestaͤtigte alle daͤnische Privilegien ingleichen das Succeßionsrecht 1347 fuͤr die Fraͤuleins in Estland, nach deren Abgang die Guͤter erst an den Orden fallen. h. R. Erzkaͤmmerer, ꝛc. uͤbertraͤget dem Hochmeister Heinrich Tusmer und seinen Ordensbruͤdern ganz unwiederruflich das Herzogthum Arrien oder Estland, das Schlos und die Stadt Revel, nebst den Rechten aufs Stift; das Schlos und die Stadt Wesenberg, alle Weichbilde, Vorwerke ꝛc. um 6000 Mk. rein Silber coͤl- nisches Gewichts, wenn es auch nachher mehr gelten solte. Als Zeugen sind ange- fuͤhret Joh. Burggraf von Nuͤrnberg, Albert von Wulfrein, Friedrich von Lochen, Wilhelm von Predt, Schenke, Bernger Helo Marschak, und andre. 2. Dergleichen vom Koͤnig Woldemar am Tage Johannis Enthauptung 1346 zu Marienburg. Der Koͤnig rechnet die Stadt und das Schlos Narva mit zu Estland, und verkauft es um 19000 Mk. Dieser Brief ist lateinisch geschrieben, und Huitfeld hat ihn ins Daͤnische uͤbersetzet, unterzeichnet ihn aber vom Johannis- tage. 3. Waldemars Quitung so er zu Rotschild 1346 am Tage der 11000 Jungfern an den Hochmeister Tusmer auf 200 Mk. Coͤlnisch, die er durch Otto Schenck Herrn von Schenkendorf empfangen, ausgefertiget. 4. Stigots Contract mit Tusmern, zu Wittenstein 1346 am Tage Aller Heili- gen, welcher in Begleitung des Ritters Friderich von Lochen den Kaufhandel mit Tusmern zum Schlusse bringet, daß auf nechstkommenden Johannis das Geld zu Luͤbeck ohne weitern Anstand geliefert, und jede Mark mit 45 Schillingen ( Solidis ) in guͤltigen Groschen bezahlet, in deren Ermangelung aber mit fuͤnf und einen halbem Fl. die gebe seyn ( datiuos ), oder an deren statt mit vier und einem halben Goldstuͤcke ( scu- tatos seu clypeos aureos ) jede Mark entrichtet werde: doch werden durchaus keine luͤ- bische Florenen angenommen. 5. Ein Schein, womit Sigfrid von Bruͤgge ( de Ponte ), Bertram Hoy- deby, Heinrich Pape und, Niclaus Schencke, Buͤrgermeister der Stadt Luͤ- beck bezeugen, daß der Hochmeister Tusmer durch den Bruder Heinrich von Rech- ter, Vicecomtur zu Danzig, Bruder Adam, Comtur von Wismar, und Bru- der Ludolph Hacke, Comtur des Schlosses Buͤcowe, an den daͤnischen Kanzler Heinrich von Luͤneburg an stat 1100 Mk. coͤlnisches Gewichts 6050 Florenen nach vollem Gewichte bezahlet habe: zu Luͤbeck 3 Tage vor Thomaͤ. Am Tage vor Petri und Pauli aber quitiret der Koͤnig den Preussen und Lieflaͤndern auf 6000 Mark, die an Gold und Silber ausgezahlt worden, und welche er in dem Hause der luͤbischen Buͤrgermeister durch seine Gevolmaͤchtigten von Diedrich von Stocken C omtur in Vellyn, und Heinrich Morneweck, Comtur in Segewalde, zu sei- nem Gebrauch heben lassen. Ein gleiches bezeugen der Proconsul Heinrich Pape und Herman von Wichede, daß das Silber mit luͤbischen Schillingen, das Gold aber in flaͤmischen Florenen ausgezahlet worden; am Sontage vor Margarethen. 6. Eine Quitung, welche der Marggraf Ludwig von Brandenburg an Tus- mern uͤber 6000 Mark ausstellet, die an Wolfart von Saxenhofen und Ber- thold von Ebenhusen, des Marggrafs Kuͤchenmeister, abgetragen seyn. Marien- burg 1347 am Tage Priscaͤ. 7. Eine andere, nach welcher Tusmer an des Koͤnigs Kapellan, Heinrich von Luͤneburg, und an den Waffentraͤger Nicolaus Hane 3000 weniger 100 Mark ausgezahlet, Marienburg am 3ten Tage nach Esto mihi 1247; auf welchem Schlosse der Ritter Frider. von Lochen schon 2 Tage nach Reminiscere fuͤr seinen Koͤnig 900 Mark und uͤber dem 1000 goldene Florenen laut Quitung empfangen. 8. Ein Auftrag, Marienburg in der Frohnleichnamsoctave 1347, da Goswin von Herike von Tusmern die Verschreibung des Landes Revel erhaͤlt, im Beiseyn der Comture Joh. von Weddin zu Vellin, Arnolds von Vitinghove zu Gol- dingen, Willeken von Ystede zu Duͤnemuͤnde und Herman Gudakers zu Per- nau. So bald der Orden in Preussen es zuruͤcke haben wil, mus selbiger 20000 Mark bezahlen. Wolfram von Nellenburg Gebietiger in Deutschland hat es mit besiegelt. 9. Des Koͤnigs Waldemar Bericht an den Papst Clemens den VI ten, am Jo- hannis tage 1347 aus Copenhagen ( Haffnis ), in welchem zur Ursach dieses Verkaufs das Geluͤbde seines Bruders Otto an GOtt und die heil. Maria angegeben wird, welcher den deutschen Orden anzunehmen gesonnen sey. Den Ueberschus schenkt der C c Koͤnig Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1347 fallen. Der nechste Blutsfreund ist aller Muͤndel Vormund, und die Landraͤthe behalten das vorige Ansehen. Marienburg im grossen Kapitel, in der Octave des Fronleichnamsfests 1347. Durch den Besitz von Estland gewan der Ordensmeister ein groͤsseres An- sehen, und die erzbischoͤfliche Hoheit wurde auch in Riga zu einer altvaͤterischen Sache. Der Erzbischof Engelbert hatte sich lange genug zu Avignon aufge- halten, und fuͤr sich und seine Praͤlaten gefochten. Er fand aber den Papst Clemens den VI ten so parteiisch, daß er sich fuͤr Aergernis niederlegte und starb. Jhm folgte Fromhold von Fyfhusen. Die Stadt Riga erlegte an das Schlos Riga damals jaͤhrlich 100 Mark, wie Goswins Quitungen daruͤber ausweisen. Am Sontag nach Philippi und Jacobi Es findet sich hieruͤber ein ganzes Register von der halben Stadt und ihren Strassen so dieses Geld erlegten, woraus wir nur zur Neuigkeit und um der Muͤnze willen diesen Auszug anfuͤhren; Ju der Schmiedestrasse giebt Joh. Copenhaven 3 Ferding und einen halber Settin. Joh. Ribenitz eine halbe Mark weniger 1 Settin. Kuͤhne der Klein- schmid . Zwey Koͤnig dem Orden, und bittet den Papst, sich von misguͤnstigen Leuten daruͤber keine Bedenklichkeiten machen zu lassen. Clemens nahm den 8ten Febr. im 6ten Jahr sei- nes Regiments zu Avignon das Transsumt von dem koͤnigl. Briefe, fuͤhret aber in der Vorrede desselben an, daß der Werth, so uͤber 19000 Mark gehe, ihm und dem Or- den vom Koͤnig geschenket sey, dafuͤr der Koͤnig Vergebung der Suͤnden erlanget. 10. Ein Ausschreiben, Wenden 1347 Sontags vor Lucaͤ des Evangelisten. Gos- win von Herike meldet, daß ihm von Tusmern das Land Revel mit allem Zubehoͤr abgetreten sey, zu dessen Wiedereinloͤsung der preußische Orden ihm die ausgelegten und vorgeschossenen 20000 Mark erstatten muͤsse, wenn es dessen Nachfolger ranzioni- ren wollen. Ausser dem Meister haben sich Bernhard von Oldendorp, Landmar- schall, Joh. von Weddin, Comtur zu Vellin, Tymo von Mekede, Vogt zu Jer- wen. Arnold von Vitinghof in Goldingen, Ernbert in Riga Comture. Hil- debrand von Lende Vogt zu Wenden. Die Comture Wilken von Ystede in Duͤnemuͤnde, Ernst von Ystede in Segewolde, Herm. Gudaker in Pernaw, Heinrich von Hannover in Leal, Andreas von Sternberg in Windaw und Wilhelm von Sunnenberg in Mitau. Die Voͤgte Wilhelm von Capelle in Oberpal, Gerd von Holstein in Peyde, Tidemann von Warensdorf in Kar- kus, und Joh. von Lechtes in Saccala, untersiegelt. 11. Eine Obligation vom vorigen Datum, in der die Lieflaͤnder versprechen, dem Orden in Preussen nach 14000 Mark auszuzahlen, und von dieser Summe jaͤhrlich auf Johannistag 1000 Mark zu Luͤbeck und Bruͤgge abzutragen. Wenden, mit vorigen Siegeln. 12. Die algemeine Bestaͤtigung aller Privilegien der Estlaͤnder von Tusmern und seinen Ordensgebietigern zu Marienburg 1349 am Tage Francisci des Be- kenners. 13. Woldemars letzte Quittung uͤber 3000 Goldflorenen, und 100 Mark Silber, worin der Orden von aller Bezahlung losgesprochen, und ihm Estland nochmals uͤber- geben wird, am 3ten Tage Martini des Bekenners 1352. 14. Eine Samlung der Briefe, welche Tusmer an Heriken auf die neuerkaufte Provinz Estland gegeben, bey deren Niederschreibung ausser einigen obbenanten Rodolph Folck Comtur in Vellin, Arnold von Vitinghove in Revel, Ger- lach von Haren in Goldingen, Hildebrand von Luthen in Mitau, Comture und Bruder Otto Stake, in Oberpalen, Vogt, zugegen waren. Weil Ceumern S. 134 jede Mark zu 16 Loth Silber rechnet, die Summe aber zu Luͤbeck ausgezahlet worden, so moͤchte sich der ganze Werth nach unserm Gelde auf 150000 Thlr. Species belaufen, das doch jetzo mehr als 4 mal hoͤher zu berechnen waͤre. Doch koͤnnen es nicht luͤbische Mark gewesen seyn. Denn im Jahr 1339 wur- de Puͤrkel fuͤr 330 Mark Silber verkaust, und solten 36 luͤbische Schillinge auf die Mark gerechnet werden. Nun meldet Heins in der Schatzkammer-Kaufman-Rech- nung S. 234 aus Sluͤtern, daß 1325 eine luͤbische Mark nur 5 Loth 1 Gran; 1350 aber 1 Mark oder 16 Schilling luͤbisch, 4 Loth, 1 Gran betrage. Also mus eine Mark reines Silbers, oder eine coͤlnische Mark um diese Zeit viel mehr gegolten haben. Erzbisch. Fromhold. zur Zeit der Reg. Goßwins v. Herike. Zwey Urkunden von diesem Ordensmeister verdienen alhier mitgetheilet zu 1349 werden. Die lateinische ist ein Freiheitsbrief fuͤr Estland, In Nomine Domini. F rater goswinvs de herike , Ordinis Hospitalis Beatae Mariae Domus Teutonicae Ierusolymitanae Magister per Liuoniam , et Capitaneus terrae Reualiensis Omnibus praesens Scriptum cernentibus, Salutem in Domino Sempiternam. Ea quae a no- bis fiunt bona voluntate et Iustitia mediante, ne per successores nostros de- leantur, testimonio litterarum consueuimus roborare. Noscant igitur tam praesen- tes, quam futuri, quod nos cum Consilio et Consensu discretorum Fratrum nostrorum et totius nostri Capituli annuentes votis fidelium ac dilectorum nobis Consulum, Ciuium, et totius communitatis Ciuitatis Reualiensis , Eosdem ab omni expeditione versus Lithouiam et Russiam facienda liberos perpetuo dimittimus et solutos. Item de malewa Ita se habent litterarum dnctus, vt Malwiam et Malewam legere possis. Quod vocabulum cum rarius occurrat, in tomo I. vbi agmen militantium signisicat, haerebam dubius, qua ex lingua originem peterem. Feci periculum in estonica aeque ac lettica , quae tamen utraque me in scopulos deduxit, tantum abest, vt eunti in nominis ἔτυμον adspirasset. Nihil nunc longius peruestiganti obstat, quo minus germanicae linguae vocem istam vindicem, post- quam vernacula documenta me certiorem fecerunt, malvam tenere idem esse, quod fi- nes praesidiis tveri . Sic occurrit in conuentione Aesthoniae nobilium per Harriam at- que Wironiam cum Reualiensibus 1346, feria 5 post Domin. Quasimod. „Idem statutum de „ciuibus Reualiensibus propter custodiam ciuitatis, quod Ciues, quibus vnci sunt oppigno- „rati, nullo modo tenentur ad Malwam s. expeditionem faciendam, sed Aestones etc. Paul- „lo infra: Prout sui proprii Aestones in malvam et in expeditionem sequentur. Adde Henningium in Chronico p. 27 Der Vogt von Jerwen hat von Altings her stets die Malva in der Nerva halten muͤssen. Jtem S. 13. Der Vogt von Rositen solte in dem Hofe zu Setzen mit mehr anderu die Malve halten. Quae loca Paraphrasis Kelthiana p. 217 et p. 225 ita cir- cumscribit, vt nostram sententiam de Malwa tenenda egregie confirment. tenenda. Praedictos etiam nostros Consules, Ciues et communitatem volumus habere supportatos penitus et exemptos, nisi quod absit, si exercitus nostras partes hostiliter intraret, tunc nobis intra Naruam et Lugediam ad resistendum ejus hostilitati, secundum posse ipsorum cooperari tenentur fideliter ac diligenter, saluo hoc, quod ipsorum bona permaneant custodita. Praeterea, si quis de praedictis nostris Consulibus vel Ciuibus a nobis fuerit infeudatus, illum noli- mus frui hujusmodi Libertate, ex parte feudi sui, sed facere tenentur tam ad expe- ditiones, quam ad maleuam, sicut caeteri Vasalli nostri de feudo suo facere consue- uerunt. Item si Nauigio nos expeditionem facere contingat, tunc saepe dicti no- stri Consules et Ciues nec non communitas nobis in adjutorium XXV viros bene ar- matos cum vna Naue tenentur, quandocunque necesse fuerit, defendere; pro quibus omnibus et singulis praemissis memorati nostri Consules et Ciues et Com- munitas nobis et ordini nostro quandam partem marchiae Ciuitatis eorum vendide- runt et assignarunt, sitam juxta Castrum Reualiense et Ducentas Marcas argenti pro reparatione et melioratione ejusdem castri, sicut in eorum literis desuper confictis plenius continetur. In quorum omnium perpetuam et inuiolabilem firmitatem et euidentiam Sigillum nostrum vna cum Sigillis infra Scriptorum Nostrorum Conpraeceptorum videlicet: Fratrum Bernhardi de Oldendorp , Landtmarschalk, Rodolphus Tolck iu Vellin, Ar- noldt de Vitinghoffe in Reualia Commendatorum, Timmonis de Meschede Aduocati Ierue die deutsche ein Vergleich zwischen der Stadt und zwischen seinen Liven von Kirchholm, C c 2 wegen schmid eine halbe Mark und 1 Loth. Wasmuth der Schmidt eine Mark und 8 Oehr. Heidenreich 3 Ferding weniger ein Loth. Jn der Heiligen Geiststrasse, Heideke Fi- scher ein halb Mark, die Mark zu 36 Schillinge luͤbisch. Jn der Sandstrasse, Heinrich Brockhusen 8 Oer. Jn der Schustergasse, Claus Dene, eine halbe Mark. Jn der Kaufstrasse, Johan Grote 1 Ferding. Jn den Kraͤmerbuden, ( Bodis in- stitorum ) Johan Busch anderthalb Mark. Sifert Schroͤeder, achtehalb Fer- ding. Gerken der Hoͤcker siebenthalb Ferding. Jn der rigemuͤnder Strasse, Gerdt von Bremen 20 Oer. Jn der lateinischen Urschrift kommen marcae, fer- tones, lothones, orae et setini vor. Der Zuname Schroͤder, ist stets durch Sar- tor und der Hoͤker mit Penesticus ausgedruckt. Weil die Stadt dem Ordensmeister Morings Haus von Schalpforte, und Leffard von Lutens Land schenkte, spricht er sie von der im Soͤnebrief uͤbernommenen Auszahlung von 100 Mark jaͤhrlicher Zinse frey. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, wegen etlicher Honigbaͤume. Alle gelovige Lude, de dessen gegenwerdigen Breef sehen edder horen lesen, de don wy Broder Goswin von Hericke, Mester der Brodere deß Orden Unser Fruwen Sun- the Marien van deme Dudeschen Huse tho Jerusalem over Lyflandt groeten in unserm Heren Godde. Wy don wittlick openbare in desem jegenwerdigen Breve, dat Twydracht gewesen hefft twischen der Stadt von der Ryge van ener Part, vnd un- sen Lyven van Kerckholme van ander Siet umme Honigboͤme de binnen deß Stades Marcke gelegen syn. De Lyven spreken, dat weren olde Honigboͤme, de se van Ol- ders hedden gehat, vnde de Borgere spreken, de olden Boͤme weren vergan vnde dat weren nye Boͤme, de se tho gemaket hedden, dat hebben wy up beiden Siden frundtliken vnd leeffliken vorenet in desser Wyse: Dat van dem Valle tho Romele, Der Rummel ist kein Flus, und muß daher im ersten Theile S. 27 §. 3 nicht durch Einlauf sondern Fall der Rummel uͤbersetzet werden. Jhr schneller Fal ist bey den Merkwuͤrdigkeiten des Duͤnestroms bemerket. Diesen Namen fuͤhren auch die Wasserfaͤlle in einigen andern Fluͤssen. de Dune nedder, wente an den Borne tho Blomendahl vnde vort vam Blomendahle wente in den Wegh, de van Blomendahl tho der nyen Moͤlen werth geit, den Wege schall men falgen, wente tho ener Brugge, de aver dat Water geit, dat de Molen drivet hir var der Stadt vnde vort van der Bruggen up dat negste Broke, vort van wente in de Elveriches Beke, vnde den Elveriks Beke vart nedder, wente in de Roden- peuser See, vnde de See vort umme, wente tho der Putkermunde vnde deselven Putkermunde up, wente baven unsen Damm an de Schedinge, de twischen uns vnde de Stades Mark, vnde na derselven Schedinge vort wente wedder an den Vall, tho Romele, dat alle de Honigboͤme de binnen dessen benomendeß Terme stat, se syn olt edder nye, vnde alle, de se tho maken moͤgen, de scholen unse Lyven vanne Kerckholm besitten Kundeß Kunde tho Erwene, mit alse danen Underscheide, dat de vorbenombden Liven schollen geven der Stadt van der Ryge den drutten Deel, dat van alle dene Honigbomen velt, se sien old edder nie thogemakt, edder de se thomaken moͤgen in thokamender Tydt, de binnen deser vorbenombde Terme sien. Vortmehr so scholen de Lyven des Honigs niht stigen in de Stadt, en hebbe ere Boden darmede. Tho Betuchnusse desser Dinge so hebbe wy unse Jngesegel gehengt an dessen Bref vnde is geschreven Na Unses Heren Borth dusendt Jahr, drehundert Jahr in dem Negen vnde fertigsten Jahre im Sunte Michaelis Dage. (Siegel des Herrmei- sters.) (Der Stadt Jnsiegel.) Beyde koͤnnen zur Erlaͤuterung der Geschichte et- was beitragen. 1350 Am 6ten Septembr. verliehe der Erzbischof Fromhold den fremden Kauf- leuten das Vorrecht, daß ihre Rechtshaͤndel zwar von einheimischen Richtern, aber doch nach dem Jure patriae geschlichtet werden sollen. 1351 Magnus Koͤnig von Schweden und Norwegen, Herr von Hal- land und Schonen gab der rigischen Kaufmanschaft einen ansehnlichen Schutzbrief, und versprach ihnen in Ansehung ihrer Personen und Guͤter allen Vorschub in seinen Landen, wenn sie nur einen Pas vom Ordensmeister oder von dem Comtur des Schlosses Duͤnemuͤnde bey sich haͤtten. Riga, (alwo sich Magnus damals aufhielt) am 20 Febr. 1352 Der Ordensmeister Goswin verkaufte der Stadt die heutigen beiden Gil- denstuben, die grosse, das Haus von Muͤnster, und die kleine, das Haus von Soͤst genant. Der daruͤber ausgefertigte Brief ist am St. Elisabeth Abend unterschrieben. Auch in diesem Namen hat uns die rigische Buͤrgerschaft ihre erste Heimat entdecken wollen. Zugleich aber dienen dieselben zur Erklaͤ- rung einiger Stellen in den buͤrgerlichen Privilegien, und belehren uns, wo wir den Oldermann van Muͤnster, und den Oldermann van Soest zu su- chen haben. Doch ist die Stube von Muͤnster und die von Soest viel aͤlter als diese Kapellen, davon die eine der Jungfrau Maria, die andre dem heiligen Jo- Ierue et Gerlaci de Hove Commendatoris in Golding praesenti Scripto est appensum. Datum Wendae Anno Domini MCCCXLVIII. in profesto beati Dionysii et So- ciorum ejus. Erzb. Fromhold. zur Zeit der Reg. des Arnold v. Vietinghof. Johannes gewidmet war. Sie wurden erst das Jahr nachher am Tage der Reinigung Mariaͤ abgetreten, weil der Meister sie fuͤr eine andre Schuld ver- pfaͤndet hielt. Jm lateinischen heissen sie Stubae de Monasterio et de Zosato. Ganz nahe an dem ersten lag das Moͤnchskloster zu St. Catharinen. Am Dienstage nach Jubilate brachte der Ordensmeister die Grenzschei- 1355 dung der Stadt Goldingen zu Stande. Der Erzbischof Fromhold hatte durch Verpfaͤndung der beiden Schloͤsser 1356 Pebalgen und Serben an den Ritter und Stiftsvogt zu Treyden, Herrn Berthold von Tiesenhausen, sich Geld geschaft, mit welchem er an den paͤpst- lichen Hof nach Avignon zog, und ein so geneigtes Gehoͤr fand, daß der Papst Jnnocentius der VI te den Orden in nicht gar zu guͤnstigen Ausdruͤcken vor sich lud. Er wandte sich auch an den Kaiser Carl den IV ten, der ihm das Diploma der Bischoͤfe Alberts zu Riga, und Hermanns zu Doͤrpt, welches sie 1224 vom Kaiser Heinrich dem VII ten als Reichsfuͤrsten erhalten, bestaͤtigte, ihn und seine Nachkommen dabey zu schuͤtzen versprach, und die Koͤnige von Daͤnne- mark und Pohlen zu Schutzherren ernante. Hierdurch fiel dem Erzbischof die Hoheit uͤber die Stadt Riga wieder zu, welche sich der Orden eine Zeitlang allein angemasset hatte. Der Bischof Johan von Doͤrpt genos davon auch seine Vortheile, und zog den Ordensbruͤdern in seinem Stifte etwas engere Grenzen. Der Duͤne strom drang durch Daͤmme und Thore in die Stadt, und das 1358 Wasser stund uͤber Mannes hoch im Kreutzgange des Doms, wo noch lange ein eisern Kreuz mit der Jahrzahl zu sehen gewesen. H. Rebdorf berichtet uns bey diesem Jahre, daß der Koͤnig des heidni- schen Lieflandes im Julius durch seinen Bruder dem Kaiser Carl dem IV ten nach Nuͤrnberg melden lassen, daß er ein Christ werden und die Taufe anneh- men wolle. Der Kaiser habe den Erzbischof von Prag und den Hochmeister an ihn abgeschickt, welchen der Koͤnig versprochen, sich auf Weinachten in Breslau einzufinden, wo sich auch der Kaiser hinbegeben, dieser Handlung beizuwohnen. Endlich habe der Koͤnig Gesandten geschickt und melden lassen, daß er nicht eher kommen wuͤrde, bis ihm der preußische Orden die entzogenen Laͤnder wieder ab- getreten. Der Kaiser sey also unverrichteter Sache wieder nach Hause gegangen. Darin begehet aber Rebdorf einen Fehler, daß er aus dem Koͤnig von Lit- thauen einen Koͤnig im heidnischen Liefland macht. Goswin dankte endlich seine Ordensmeisterwuͤrde ab, und hat sich den 1360 Nachruhm eines klugen, tapfern und wohlverdienten Regenten erworben, dem viele Staͤdte ihre Privilegien zu danken haben. Der acht und zwanzigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Arnold von Vietinghof , Chytraͤus nennet ihn von Vitinghoff; Strubicz, Arnold von Wittichove; die zweite Handschrift von den Herrmeistern, Arndt von Fietinghoff; Russow, von Vitinckhave; Venator schreibt Vittinghove; Chytraͤus laͤßt den Zunamen weg. E hmaliger Comthur auf Marienburg, ein braver und geschickter Regent, 1360 welcher dem gemeinen Wesen mit algemeinem Beifal vorstand. Er muste zur Huͤlfe des preußischen Ordens im Winter einen Feldzug wider die Litthauer vornehmen, in welchem er den unruhigen Grosfuͤrsten Kieystut, das ist, Constantin, gefangen bekam, und D d nach Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1361 nach Marienburg schafte, nachdem er 2000 Feinde erleget. Doch Kieystut fand ein Mittel, die deutsche Wache zu blenden, und langte in verkapter Klei- dung nach dreitaͤgigem Herumschweifen in Litthauen an, wo er seine Leute wieder zusammen rafte, mit denselben in Preussen einfiel, das Land verwuͤstete, sich aber bey den Abschiedscomplimenten so lange aufhielt, daß ihn Cuno von Bartenstein und Rastenberg zum andernmal beim Kopf nahm und gefangen setzte. Kieystuts Sohn, Patrick, wolte schon den Vater in dem Treffen retten, stuͤrzte aber vom Pferde, und waͤre in Stuͤcken zerhauen worden, wenn er sich nicht so lange gewehret, bis etliche Litthauer zu seiner Rettung herbey gesprungen. Viermal hatte Kieystut das Gluͤck, aus seinem Gefaͤngnis zu entwischen, obgleich Kojalowicz und andre nur von einer doppelten Gefangenschaft desselben schreiben, Th. I, B. 8, S. 324 u. f. Aus der ersten entkam er durch Verwechselung seiner Kleider, aus der an- dern durch Mitleiden eines getauften Litthauers, aus der dritten durch Geld, aus der vierten, welche der Ordnung nach die erste ist, im polnischen Kriege, durch seine List. Er lies sich zuletzt in Koͤnigsberg taufen, nahm den Namen Hinrich an, und ward vom Kaiser Carl dem IV ten zum Grosfuͤrsten und Herzog von Litthauen er- klaͤret. Der Stadt Goldingen erlaubte er, die Gerichtbarkeit uͤber die neue cu- rische Stadt, so wie uͤber die alte zu gebrauchen; verordnete auch, daß kein Todschlaͤger weiter Sicherheit finden solte, als allein auf dem Kirchhofe, dersel- ben Stadt, oder in der Vorburg und in dem Schlosse. Gegeben Freitags vor Vocem Jucunditatis. 1362 Der Ordensmeister drang bey dem Gluͤck des preußischen Ordens immer weiter in Litthauen ein, und nahm das feste Schlos Canen ein, nachdem er Kieystuts Bruder Olgerden, der zum Entsatz angeruͤckt war, aus dem Felde geschlagen. Kieystuts juͤngster Prinz, Woidat, und 36 vornehme Lit- thauer musten sich gefangen geben, die uͤbrigen von der Besatzung liessen sich zu Tode schmauchen und verbrennen. 1363 Nach den Geschlechtsnachrichten der Grafen von Brahe sol dieses Jahr Jsrael Birgerson, Reichsrath in Schweden, Lagmann von Upland und ernenter Koͤnig von Schweden zu Riga gestorben, und seine Leiche nach Upsal gebracht worden seyn. 1364 Die Haͤndel mit der uͤbermuͤthigen litthauischen Nation waren so weit aussehend, daß Arnold, ehe es noch zum Frieden kam, bey einem alzuhitzigen Anfal auf die Feinde, sein Leben in Gefahr setzte, und nach einer kurzen Regie- rung das Amt seinem Nachfolger hinterlies. Wir koͤnnen hier dem Leser fuͤr das Todesjahr dieses Herrn keine Gewaͤhr leisten. Kelch giebt das Jahr 1363 dafuͤr an, Chytraͤus 1364, Lode 1372. Die lieflaͤndi- schen Nachrichten werden um diese Jahre sehr mager, und die litthauischen Jahr- buͤcher ungemein verworren. Man koͤnte sich aus dem Supplement beim Duisbur- ger hierbey Raths erholen, wenn dessen Verfasser in Erzehlung seiner Hochmeister nicht selbst gar zu grosse Luͤcken haͤtte. Nach unsern Documenten sas er 1365 noch ruhig in Wenden stille, hielt am St. Juͤrgenstage Kapitel, und schenkte dem Kloster Pa- dis 3 Doͤrfer im Revelschen, nemlich Herreme, Karjeleppe und Wallenkuͤlle. Also mus der litthauische Krieg spaͤter fallen. De Erzb. Fromhold. zur Zeit der Reg. Wilhelms v. Freymersen. Der neun und zwanzigste Ordensmeister in 1364 Liefland, deutschen Ordens, Wilhelm von Freymersen . Chytraͤus nennet ihn von Frimersen; Strubicz, Holtus; die erste Handschrift von den Herrmeistern, von Freymerchen; Russow, von Frymersen; andre, von Freymersheim; Henning, von Frimensen. E r setzte den Krieg wider die Litthauer so lange fort, bis die Feinde den Frieden suchten. Er sprach auch den Russen und Semgal- len zu, die er nach einem sauren und beschwerlichen Zuge zur Ruhe zwang. Nur mit der Clerisey konte er nicht fertig werden. Der Erzbischof Fromhold Einige nennen diesen Erzbischof Fromhild, und schreiben ihn von Fischhausen. Das letztere thut auch Strubicz, welcher uns oft wunderliche Namen schmiedet, und den folgenden Suscripidus von Bleimbergk nennet. Ein Fromold von Vifhu- sen war 1173 Buͤrgermeister in Luͤbeck, wo er den Brief mit unterschrieben, in wel- chem die Stadt Luͤbeck die von Salzwedel in die Wisbysche Handelsgeselschaft auf- nimt. Besiehe Jul. Conrad Rudemans Palaeo-Marchica t. I, p. 61. Ein Arnold von Vyfhausen war 1326 kaiserlicher Notarius, und Reinhold Vyfhausen war 1529 Assessor. hatte seine Bittte auch bey dem Papst Urbanus dem V ten so fein eingefaͤdelt, daß dem Orden die lan- desherrliche Gewalt uͤber die Stadt Riga gleichfals abgesprochen wurde, doch gieng es mit Volziehung dieses Urtheils in Liefland langsamer als die Geistlichkeit wuͤnschte. Als Woldemar, Koͤnig in Daͤnnemark, mit den Hanseestaͤdten einen 1365 Waffenstilstand getroffen; so machte sich der Magistrat zu Riga, Wenden und Wolmer anheischig, uͤber diese Vereinigung zu halten, und die Buͤrgschaft uͤber sich zu nehmen. Am Palmsontage. Wratislaus der V te, Fuͤrst des Landes Pommern, verehrte der Com- pagnie der schwarzen Haͤupter Die schwarzen Haͤupter fuͤhren einen Mohrenkopf im Wapen, und wurden uur diejenigen jungen Kaufleute in diese Geselschaft aufgenommen, welche sich gegen die Unglaͤubigen in Schlachten rit- terlich gehalten. Man nante sie in gewissen Staͤdten die St. Juͤrgen-Bruͤderschaft, weil sie den heiligen Ritter George zum Patron hatten. Da man dem heiligen Georgius sonderlich zur Zeit der heiligen Kriege viel Geluͤbde gethan, und Kirchen und Bruͤderschaften gewidmet, so hat man die Mode auch mit nach Liefland gebracht. Jhr Versamlungsort hies der Arthushof, welchen Namen, ausser dem neuen Hause zu Riga, auch der Junkernhof in Danzig, das neue Haus in Stralsund, und das Haus in Revel fuͤhrte. Die Ursache dieser Benennung laͤst sich einigermaassen aus Schottels Abhandlung von der deutschen Sprache B. V. S. 1139 erse- hen, nach welchem der brittische Koͤnig Avthus oder Arthurus alle Vornehme des Occidents an seinem Hofe in ritterlichen Uebungen exerciren und reichlich tractiren lies. Die schwarzen Haͤupter sind nicht nur noch in Riga und Revel, sondern auch ehmals in Wenden, Wolmer und Doͤrpt gewesen. Nach Bekehrung der Heiden brauchten die Rigischen ihr Haus gleich einer Boͤrse, und zum Vergnuͤgen der Fremden zu einem Gasthause; wie denn auch noch vor 2 Jah- ren eine sehr stark besetzte musicalische Geselschaft daselbst des Freytags zusammen kam, welches der Stadt recht eine Zierde gab, zu geschweigen, wie sonst dieses Haus wegen seines geraumigen und wohlgelegenen Saales zu andern Absichten genutzet worden. Jm Jahr 1354 bekam die Com- pagnie ihre Schragen, die mit der Zeit geaͤndert und verbessert worden. 1484 erhielt sie, durch ein Privilegium des Raths unter der Stadt groͤsserm Jnsiegel, eine Vicarie in der Peterskirche an der Suͤderseite gegen dem Lostraͤgeraltar uͤber aufzurichten, samt dem Jmpatronatsrecht, eigne Priester dabey zu verordnen, welches der Erzbischof Jasper confirmiret; doch zur Zeit der Refor- mation 1524 am 10 Merz ist der Altar aus der Kirche weggenommen, und in der Belagerung 1710 so wol als das neue Haus mit dem Uhrwerk samt seinem immerwaͤhrenden Kalender, mit dem Compasstern und Ritter St. Juͤrgen durch die Bomben zerschmettert worden. Es sind noch ietzo artige Sachen daselbst zu sehen. Ausser den Trinkreimen von 1522, welche bey dem Aufgange ins Haus unter dem Bilde des Ritters und der heiligen Marie in Meßing mit alter erhabner Moͤnchsschrift gelesen werden, sind diese auf der schwarzen Tafel werth aufbehalten zu werden. Wol in Riga die Rippe eines zu Usedom gefangnen D 2 gros- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, grossen Walfisches, welche noch jetzo auf dem Hofe des neuen Hauses bey der Mauer an Ketten aufgehaͤnget ist. Aus dieser Seebestie wurden 300 Tonnen Speck gehauen und zu Tran gesotten, einige uͤbrige Rippen aber schickten die Her- zoge als eine Seltenheit nach Wittenberg, Stettin und Stralsund. 1366 Am 7ten May muste sich endlich der deutsche Orden, der zu Danzig versamlet war, der Gerichtbarkeit auf die Stadt Riga foͤrmlich entsagen, doch behielt er sich laut des Suͤhnebriefes die Dienste der Heerfahrt vor, doch so, daß jederzeit die erzbischoͤfliche Einwilligung daruͤber eingeholet wuͤrde. Fromhold begab sich dagegen aus gutem Willen, wie es heist, aller Anforderung auf die Schloͤsser und Vestungen, welche der Orden bisher in Besitz gehabt, wolte auch von dem Ordensmeister den Huldigungseid nicht weiter annehmen. Der Hoch- meister Kniprode hoͤrte das Urteil in Danzig sehr gelassen vorlesen, und weil gegen Carls des VI ten kaiserlichen Ausspruch kein Appelliren half, muste sich Wilhelm in die Zeit schicken. 1368 Die lieflaͤndischen Hanseestaͤdte, Riga, Doͤrpt, Revel und Vernaw erhielten nach beigelegter Unruhe von dem Koͤnig der Schweden und Gothen, als Herrn des Landes Schonen, mit Genehmigung der Bischoͤfe und Reichsraͤ- the ein ansehnliches Handelsprivilegium. Am 3ten August stelten Johan Barsowen, Secretair, und Diedrich Vrygensteen, Rectores der Kirche zu St. Jacob in Riga, dem Erzbischof Fromhold, ihren neuerwehlten Propst Didrich von Freden zur Bestaͤtigung vor; woruͤber das Kapitel durch seinen oͤffentlichen Notarius, Johan von Biscopenrode, einem mindenschen Geistlichen in Beiseyn Sigfrid The- keneborchs und Heinrich Luchowens, ein Jnstrument errichtete, und es Fromholden nach Rom zuschickte. Der Erzbischof heist: Reuerendissimus in Christo pater, gratiosissimus Dominus, und im Context: Reuerendissima paternitas Vestra. Den Rathmaͤnnern in Goldingen gab Wilhelm Mon- tags nach Allerheiligen zu Wenden die Volmacht, von ihren Buͤrgern einen Schoß zu heben. 1369 Der Erzbischof Fromhold ward von dem Orden nicht sonderlich genoͤ- thiget nach Riga zu kommen, so daß ihn daruͤber der Tod zu Rom schlafen legte, alwo er auch jenseit der Tiber in der Kirche unsrer lieben Frauen beige- setzt ward. Sein Nachfolger war Sigfrid von Blomberg. 1370 Obbesagte Hanseestaͤdte in Liefland schickten ihre Gevolmaͤchtigten nach Stralsund, alwo der Koͤnig Woldemar durch seine Raͤthe am Tage nach Christi Himmelfahrt allen Hanseestaͤdten versichern lies, daß er ihnen zur Wie- derersetzung ihres vielfaͤltigen Schadens fast ganz Schonen zum Pfande gebe, welches sie nach 16 Jahren wieder ausliefern, indessen aber der freien Schif- fart auf alle seine Laͤnder geniessen sollen. Wir fuͤhren dieses aus des Herrn D. Johan Peter Willebrandts Vorbereitung zu der hansischen Chronik des gelehrten Buͤrgermeisters in Luͤbeck Herrn D. Anton Co- lerus Der Wol. up. dußen. Konynck. Artus . Hoff. wyll. gaen. De. schall. dat. nycht. under. wegen. laen. Syn. Proven. unde. Penninckdrucke. schall. be. betalen. Sunst. schall. men. en. up. dut. Bret. malen. Ofte. be. schall. alltyd. de. Geselschop. und. Hof. vormyden. De. Kumpany. kan sodaen. man. alltyt. nycht lyden. Jnt. Jar. 1549. Jm Jahr 1503 um Fastnacht liessen die Elterleute und Eltesten der Compagnie der schwarzen Haͤupter den grossen silbernen St. Juͤrgen von 26 Mark und 5 Loth machen, wozu die gemeinen Bruͤder auch mit einen Beitrag thaten. 1562 lies die Compagnie zum Schutz und Zierde der Stadt eine Feldschlange giessen von 5770 Pfund fuͤr 926 Rthlr. zu 4 Mark. 1566 ein klein Falconetstuͤck von 1014 Pf. fuͤr 134 Rthlr. zu viertehalb Mark. 1576 zwey Quartierschlangen von 2749 Pf. fuͤr 401 Rthlr. zu fuͤnftehalb Mark. 1594 schickke sie dem Rector Stephan Ten- tborn 10 Rthlr. fuͤr seine Comoͤdie, die in der St. Johanniskirche gespielet wurde. Das Wa- pen der Wendischen und uͤberhaupt aller Siegel ist der Mohrenkopf. Von der St. Georgens Bruͤderschaft handelt Suden im andern Theil des gelehrten Criticus mit mehrern. Erzb. Siegfr. v. Blomb. zur Zeit der Reg. Wilh. v. Freymersen. Der Orden gerieth in eine neue Verbitterung gegen die Clerisey, als der 1371 Erzbischof Sigfried und seine Domherren beim Papst Gregorius dem XI ten mit ihrem Gesuch durchdrangen, und ihren bisherigen Praͤmonstratenser habit mit den Ordenskleidern der Augustiner moͤnche vertauschen durften. Diese Neue- rung schien dem Ordensmeister Wilhelm gefaͤhrlich zu seyn; und weil er die Geistlichen bey einer mit dem Orden gleichfoͤrmigen Tracht erhalten wolte, so mu- sten die erzstiftischen Guͤter uͤber der Duͤne in Semgallen und Oliva herhal- ten, davon er die Einkuͤnfte in die Ordenskasse nahm. Sigfried gieng nach Avignon, konte aber daselbst nichts ausrichten. Endlich nahm ihm der Tod den neuen Ordenskittel zugleich mit dem Leben, da er denn daselbst bey den Prediger- 1373 moͤnchen begraben wurde. Jhm folgte Johan von Sinten. Der Ordensmei- 1374 ster legte sich fast zu gleicher Zeit nieder und starb. Der dreyßigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Robin von Eltzen Chytraͤus nennet ihn Job von Ulsen; Horner, Lobbe von Elsen; Strubicz, Robius von Elven; die eine Handschrift von den Herrmeistern, Robbert von Oel- sen; die andre, Robbert von Ultzen; Russow, Lobbe von Ulsen; andre von Hulsen, oder gar Hiob von Huͤlse. Eine Sophia von Huͤlsen, Juͤrgen Huͤl- sens Tochter, der ein Brudersohn des Herrmeisters Lobbe von Huͤlsen gewesen, vermaͤhlte sich mit einem Johan Tork, Stammherrn der Aspur- und Zerxtischen, der Althoͤfschen und Sathischen Haͤuser in Curland. Wir folgen den mehresten Briefschaften, in welchen die polnischen Revisionsherren diesen Namen so gelesen, obgleich die Urkunden der Stadt und gewisser Familien, Lobbe von Ulsen und Huͤlsen schreiben. Wir koͤnnen auch in der That keine andre Ursache von dem hier beibehaltenen Namen angeben, als weil er uns aus dem Revisionsprotokol so zuerst bekant geworden, und auch in den Privilegien mancher Staͤdte so gelesen wird. Sein Antritsjahr wird von etlichen bis 1382 hinaus gesetzet, weil die polnischen Scribenten seinen Vorgaͤnger mit in die Haͤndel einflechten, die Jagello mit seinem Vetter Kieystut auszumachen hatte. Chytraͤus und Ceumern wissen bey der hier mangelhaften Zeitrechnung keine Jahrzahl anzugeben, wobey sie am sichersten zu Wer- ke gegangen. . U nter ihm brachte der Rath zu Riga die sogenante Buursprache Wir merken aus dieser Buursprache an: Art. I: Es gebeut ein Ehrbarer Rath dieser Stadt einem jeglichen, daß er einen hoͤffischen Mund habe auf Herren und Fuͤrsten, Frauen und Jungfrauen, auf Rath und Stadt, daß einer mit seinem Munde nicht spreche, das er mit seinem Leibe und Gute nach unserm Recht entgelte. Art. 20: Wer Korn kauft, das oben besser ist denn unten, der sol dasselbe behalten, was gemessen ist, und mag das andre wiedergeben. Art. 39: Jtem welche Frau beruͤchtiget ist, die sol weder Farben noch Geschmeide tragen, oder man sol ihr das nehmen. Art. 42: Auch sol 1376 zum Besten der Stadt zu Stande. Diese wilkuͤhrlichen Gesetze des Raths heissen auch die Bauersprache, oder Buͤrgersprache, auf lateinisch Ciuiloquium, und bestehen aus 96, oder nach Menii prodrom. S. 6, aus 100 Artikeln, deren Anzahl nach Beschaffenheit der Umstaͤnde manchmal vermehret oder vermindert worden. Sie werden noch alle Jahr am Sonntage vor Michaelis nach geendigter Fruͤhpredigt mit eini- gen lerus an. Pontanus S. 499 giebt nur 15 Jahre an, und meldet, daß allen Daͤ- nen auf die hansischen Hafen die freie Handlung ausgemacht worden, wogegen sie nach ihrer Landesart Richter und Obrigkeit in den schonischen Plaͤtzen haͤtten setzen koͤnnen. Nach unsern Documenten ist die koͤnigliche Pfandverschreibung unterzeichnet am Andreas tage 1369. E e Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1376 gen uͤblichen Ceremonien durch den Herrn Obersecretair der Stadt aus dem Fen- ster sol niemand Mist, Gruus und andern Unflat um die Stadt her, noch in die Rising Montan zeigt sehr gruͤndlich, daß die Stadt Riga von dem Wasser Rige ihren Namen bekom- men, daher sie in alten Briefschaften nur die Stadt zu der Rige genennet worden, wie denn auch in oͤffentlichen Schriften der Rigemuͤnde und der Rigemuͤnder strasse, das ist, der Pei- tau strasse Erwehnung geschiehet. Die Rige umflos die sogenante Altstadt, oder das alte Riga, und vereinigte sich nachher mit der Duͤne. Sie entsprang anderthalb Meilen von der Stadt in einer quellreichen Gegend, die bey hohem Wasser der Duͤne leicht uͤberstroͤmet wurde, und daher von Heinrich dem Letten lacus Rige genant wird. Jn der Stadt liefen die Schiffe da ein, welche daselbst ein vor dem Eisgang gesichertes Winterlager hielten. Nachdem die Schweden 1621 Riga erobert, ward sie durch die Vestungswerke und den Graben mit in die Stadt gezo- gen, wodurch ihr Wasser abnahm und bey heissen Tagen einen uͤblen Geruch verursachte. Aus dieser Ursache ward sie 1733 ganz zugeschuͤtet, und hat Montan uͤber diese ihre Beerdigung eine Grabschrift verfertiget. Da fast ein jeder noch so kleiner Flus in diesen Gegenden einem dabey lie- gende Orte seinen Namen mitgetheilet, so ist allerdings zu verwundern, wie alle Scribenten diesen Bach aus der Obacht gelassen, und fuͤr den Namen der Stadt einen gezwungenen Ur- sprung ausgekuͤnstelt haben, blos weil sich dieser kleine Strom unter dem Namen der Rising ver- loren, bis uns der gelehrte Herr Verfasser besser als Pistorius gewiesen, daß Rising das Dimi- nutiv von Rige sey, dergleichen die lettische Sprache ungemein liebet. Nur setzet Montan voraus, daß die Deutschen den Strom etwa nach einem portugiesischen und spanischen Rio benennet, weil ihn die Letten sonst Uppe, den Bach, benennet haben wuͤrden; da es doch aus- gemacht ist, daß die Liven um Riga herum gewohnt, die sich von den Esten nicht so wol der Sprache, als dem Lande nach unterschieden. Alle eigenthuͤmliche Namen lassen sich nicht erklaͤren, weil die Bauren fast jedem merkwuͤrdigen Baume und Steine, und also noch vielmehr jedem Flusse und Berge, als Grenzzeichen einen eigenen Unterscheidungsnamen geben. Jndessen hat schon M. Rutger Pistorius, Wessaliensis in seinem lateinischen Leichengedichte auf den rigi- schen Superintendenten Jacob Battus, so zu Luͤbeck bey Georg Richolff am 2ten Jul. 1548 gedruckt ist, und sich ungemein selten gemacht, uns diese und die grubersche Muthmassung von dem Namen der Stadt Rige als etwas altes gemeldet, obgleich keiner von benanten Herrn Verfassern des Pistorius Schrift gesehen. Ast alii Rigam dicunt de nomine Rige Exigui riui practereuntis eam Aut a Teutonico , quod redditur Ordo latine, Ordine quod positae forte fuere casae. Herr Gruber haͤtte seine Meinung von der Reihe oder Rige Schiffe gerne fahren lassen, wenn ihm bekant gewesen, daß in der Naͤhe bey Riga ein kleiner Flus gleiches Namens waͤre. Diese Rige oder Rising ist nun nach ihrer Beerdigung wieder auferstanden. Sie komt auser vielen an- dern Documenten auch in einem vom Jahr 1258 vor, das wir allein aus dieser Ursache des Ab- drucks wuͤrdig halten. O mnibus praesentem paginam inspecturis Fratres S. P. Rigensis Ordinis fratrum Praedicatorum orationes in Christo. Insinuatione literarum praesentium protestor, quod Dominus H. Prae- positus Rigensis cum Priore, et potioribus Capituli sui personis in domo fratrum minorum coram multis, audiente me et praesente publice recognouit, quod Rigens. Ecclesiae capitu- lum areas suas et domum lapideam, vsque ad murum ciuitatis se protendentem, ita quod ipse murus ciuitatis est finalis murus domus, item plateam vnam cum porta per murum ci- uitatis exeunte, versus Rigam fluuium, quae omnia dictae Ecclesiae plurimis annis, pacisice, et quiete sine cujusquam contradictione possederat, Fratribus minoribus in ciuitate Rigensi manentibus pleno jure, prout ipsa Rigensis Ecclesia dudum possederat, pro certa pccunia ven- diderunt, perpetuo possidenda, sicut etiam in publico instrumento praedicti capituli super ipsa venditione confecto, quod vidi, et legi, euidentius continetur, Praescriptae cognitio- ni aderant aduocati hi, quorum subscripta nomina continentur. Ioh. de Berna, Arnoldus de Empdna , Sacerdotes peregrini; Ludouicus Commendator Rigensis. Ecbertus Frat. do- mus Teuton. Hugo de Ure Capitaneus. Hartungus de Löwenstein, Iwanus de Benthem, Lu- derus de Insula. Ioh. Scultetus. Hermannus de Monasterio. Volquinus de Rauersberch , mi- lites peregrini et alii: Facta fuit ipsa recognitio praesentibus et vocatis, Conrado , qui dicitur Prawegalle , et Ludolpho , Consulibus Rigensibus. Anno Domini M. C C. quinquagesimo octauo. Eine kleine nicht uͤbel gerathene Handschrift, so der rigische Herr Buͤrgermeister Fuchs 1654 zu Papier gebracht, und historiam mutati regiminis et priuilegiorum Ciuitatis Rigensis betitelt, beziehet sich auf einen Vergleich von 1366, in welchem ausdruͤcklich gelesen wird, daß die Stadt tho Rige an dem Flus Righe gebauet sey. , noch in die Graben, noch auf den Weg, oder auf die Duͤne bey Wintertagen oder sonst wohin der Stadt zum Schaden fuͤhren lassen, bey 5 Mark, so oft einer beschla- gen wird. Art. 49: Auch seyn diese lieflaͤndischen Staͤdte eins geworden, daß man kein Kiepersalz noch Salz, das in frieslaͤndischen Staͤdten gesotten ist, oder einiger- ley ander boͤses Salz in dis Land mehr bringen sol, so das iemand thaͤte, der sol das wieder ausfuͤhren, und hier nicht verkaufen. Art. 68: Auch sol niemand von aussen der Haͤnse Winterlager liegen, in einiger Haͤnsestadt, und so iemand solche Leute bey Wintertagen beherbergte, der sol dafuͤr bessern 10 Nobel. Erzb. Joh. v. Sinten. zur Zeit der Reg. Robins v. Eltzen. ster des Rathhauses abgelesen, Wir koͤnnen hier nicht unberuͤhret lassen, daß unter den Documenten der Kirche zu Pernigell, sich unter der Hand des Erzbischofs Michael von 1501 ein Transsumt be- finde, worin dieser Johan von Sinten als des rigischen Erzbischofs Sigfried Vi- carius, in geist- und weltlicher Gemeine beim Jahr 1372 angefuͤhret stehet. Nach ei- nem andern Transsumt hat dieser Johan von Sinten als Erzbischof am 8ten Merz 1376 im 2ten Jahre seiner erzbischoͤflichen Wuͤrde uns die seltene Nachricht gegeben, daß die Abschrift eines von Haͤnden gekommenen Hauptbriefes wegen der Grenzen der pernigellischen Kirche sich am Ende derjenigen Bibel finde, welche der heilige Hie- ronymus mit eigner Hand geschrieben, und die ein roͤmischer Papst dem Koͤnig Caupo zur Verehrung gegeben, welche in der Domkirche zu Riga verwahret laͤge. Aus dieser Nachricht merken wir gegen Chytraͤus und andre den Antrit der erzbischoͤfli- chen Regierung. Die Bibel aber wird uns im ersten Theil beim Jahr 1202, §. 6, als vom Papst Gregorius abgeschrieben, angegeben. Der Has des Ordens gegen die Geistlichen ward durch einen neuen Grol 1378 noch mehr entzuͤndet. Johann Damerow, ein Canonicus, war nemlich von dem doͤrptischen Domkapitel zum Bischof erwehlet und vom Papst Urban dem VI ten, dessen Wahl die vornehmsten Haͤupter der Christenheit fuͤr rechtmaͤßig hielten, bestaͤtiget worden. Der Ordensmeister drung aber dem Stifte einen neuen Bischof Namens Johan Hebet auf, den er auch auf erhaltene Bestaͤ- tigung vom Gegenpapst Clemens dem VII ten mit gewafneter Hand in die Dom- kirche fuͤhrte, den erstern Bischof aber wieder zum Domherrn machte. Nachdem aber Hebet die alten Rechte seines Stiftes gegen den Ordensmeister hervor suchte, auch nicht zu allen Zunoͤthigungen dieses Herrn Ja sagte; so entstunden daraus allerhand und endlich blutige Verdrieslichkeiten. Cranz, der uns diese Geschich- te aufbehalten, giebt den Ordensbruͤdern das Zeugnis, daß sie alle lieflaͤndi- sche Bistuͤmer unter den weissen Mantel zu ziehen getrachtet haͤtten; doch habe es ihnen mit dem oͤselschen, doͤrptischen und revelschen nimmer recht gelin- gen wollen. Der Erzbischof Johan von Sinten ruhete aber doch nicht eher, als bis er diesen Guͤnstling des Ordens wieder vom bischoͤflichen Stuhl herunter geworfen. Der Czaar von Moskau belagerte das Schlos Nienhus in eigner Per- 1381 son mit einem Heer von 300000 Mann. Da die Vestung schon an dem war sich zu ergeben, so warf sich der Befehlshaber an einem Freitage vor dem Altar auf seine Knie und bat, GOtt moͤchte doch den Ort selbst entsetzen. Mit der Son- nen Aufgang, da die Russen eine unfehlbare Eroberung vermutheten, nahm der Befehlshaber seinen Bogen mit einem gespitzten Pfeile, und schos ihn aus dem Fenster seiner Burg, mitten unter die Belagerer, womit er dem Grosfuͤrsten das Herz traf, worauf das gesamte Heer voller Bestuͤrzung mit der Leiche nach Mos- kau zuruͤck gieng. Dieses ist eine Erzehlung aus Bredenbach, Tileman Bredenbach hat sein Bellum Liuonicum anni MDLVIII zu Coͤln bey Maternus Cho- linus in 12 zum Druck befoͤrdert, und es dem Bischof Julius Pflug zu Naumburg zugeschrie- ben. Man hat davon auch eine frankfurther Auflage von 1684 in 8, ingleichen eine zu Donay 1564 in 8. Es befindet sich auch ein Abdruck davon beim Guagnini, der nur den Verfasser nicht angegeben, wie er billig haͤtte thun sollen. Das Latein ist richtiger in selbigem als der Jnhalt. dem es der doͤrptische Canonicus D. Philipp Olmen vorgesaget, welcher den zum Andenken am Altar aufgehenkten Bogen zu seiner Zeit in der Schloskirche noch wil gesehen haben. Aus dem Breden- bach fuͤhrt es der Abschreiber Guagnini an, ohne den Verfasser zu melden. Als der Czaar Jvan Basilewitz im Jahr 1558 Doͤrpt eingenommen, ist dieser Bogen mit weg genommen worden. Der Papst Urbanus der VI te uͤbrrtrug das Urtheil uͤber den oͤselschen Domherrn, Herman Balne, weicher den Bischof grfaͤnglich setzen und wuͤrgen lassen, an den Erzbischof zu Riga, der sich auch, wiewol ohne sonderlichen Eifer, an die Untersuchung machte. Cranz Wandal. B. IX, K. 11, eroͤfnet die Ursachen dieser Begebenheit beim Jahr 1383 E e 2 Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1382 Der Ordensmeister Robin half um diese Zeit dem Grosfuͤrsten Sirgall, welchen seine aufruͤhrischen Unterthanen aus Ploscow verjaget hatten. Ob nun gleich die Russen sich dem Ordensmeister zu ergeben versprachen, wenn er seine Verbindungen mit dem Sirgall aufheben wolte, so blieb derselbe doch da- bey, fand aber auch die Ploscower so hartnaͤckig, daß er und Sirgall weiter nichts ausrichteten, sondern wie Cranz schreibet, unverrichteter Sache abzogen. 1383 Die oͤselschen Domherren, Johan Lowenborch, Vicedechant, Gott- fried von Metzepole, Jacob von Hapsal, Johan Gracian, Henrich Bornstaͤdt, der Ritter Ein in alten Documenten sehr geuͤbter aber ungenanter Verfasser hat in einer Hand- schrift von wenig Blaͤttern bemerken wollen, daß die unstreitig aͤltern Familien des lieflaͤndischen Adels mit dem Beinamen der Ritter gezieret worden. Z. E. in den idzelschen Documenten steht ein Heinrich von Vietinghove genant Ridder, un- term Jahr 1486; in dem kegelschen von 1453 Juͤrgen Jxkul Ridder, und Juͤrgen Parseval Ritter; unter den kurkuͤlschen Helmold von Quernen Ridder; 1518 un- ter den Briefen uͤber Hochrosen, Hans und Kersten von Rosen, Riddere. Unter den homelschen, Johan von Plettenberg Ridder. Dergleichen Ehrentitel finden sich viele mehr. Jn den erzbischoͤflichen und herrmeisterlichen Privilegien bekommen sie gemeiniglich das Ehrenwort Herr, und die polnische Revision nennet sie equites auratos. Nur bleibet noch unausgemacht, ob diese Wuͤrde blos bey den Personen ge- blieben, oder auch auf ihre Kinder geerbet worden, bey welchen dieser Beiname weg- gelassen ist. Das erstere bejahet der Verfasser, und beziehet sich auf die Urkunden. Sicherer ist des Verfassers Folgerung, daß aus dem Beiwort Ersam oder Erbar nicht auf die Richtigkeit des Adels geschlossen werden kan, weil selbiges auch Buͤrgern beigeleget worden. Plettenberg nennet 1520 Heinrichen von Tiesenhausen einen Erbaren Man, der Erzbischof Thomas 1534 Johan von Rosen zu Rope den Er- baren und Ehrenvesten; Fuͤrstenberg 1559 Roͤttger Stoͤvern, Thomas Ram- mern und Caspar Moͤllern, Buͤrger der Stadt Riga, die Ehrsamen und fuͤrsich- tigen, seine lieben Getreuen; Hinrich von Galen 1551 Hermann von Have, und Berthold Grewe, Buͤrger der Stadt Riga, die Ersamen, seine lieben Getreuen. Wir bemerken hierbey noch aus den alten Briefschaften, daß die Maͤnner oder Va- sallen der rigischen Kirche sich einigemal des Ausdrucks: Mein allergnaͤdigster Erzbischof; und die Lehnsmaͤnner des Meisters: Mein gnaͤdiger Herr zu Riga, auf eine sehr schmeichelhafte und gefaͤllige Art bedienet. Sonst nahm in diesem 15ten Jahrh. der Titel Wy oder Wir so uͤberhand, daß nicht nur der Landmarschal, son- dern auch die andern Gebietiger und Voͤgte ( Aduocati in castro et domo ) sich dieses Woͤrtgens anmasten. Da auch die Erz- und Bischoͤfe sich von GOttes und des paͤpst- lichen Stuhls Gnade schrieben, so hat Thomas Schoͤning zuerst um die Jahre 1530 die Beywoͤrter von der Gnade des paͤpstlichen Stuhls weggelassen, worin ihm andre gefolget. Niclaus Yxkuͤl, Claus und Johan Wyklen, Bruͤder, Evert von H erkuͤl, genant Herr Paschetag, Vicko Wran- gel, Barthol. von Vellyn, Johan Trychtleven, Henke Pyther, Gerard Thuwe, Thile Passe, Arnold Udenoys, Kersten Guz- leve, Hinr. Trychtleven, Hennike Lennold, Vasallen der oͤselschen Kirche, stelten am 15ten November zu Wolmer dem Ordensmeister und Erz- bischof aufs angelegentlichste vor, daß der Bischofshof und das Schlos zu Hap- sal erbrochen, und alle canonische Buͤcher und Schaͤtze entfuͤhret worden. Ob gleich Didr. Jxkuͤl und Johan Scharenbecke Besserung angelobet, so haͤt- ten sie doch das Schlos Hapsal wieder mit Leitern erstiegen, Geistliche und Laien erschlagen, die Kirche und das Zeughaus| gepluͤndert, das Schlos in Brand gesteckt und die Domherren verjaget. Weil der Erzbischof sich sehr laulich be- zeigte, ersuchten sie den Herrmeister, sich ins Mittel zu schlagen, welches dieser auch 1383. Man beschuldigte den Bischof Heinrich, daß er sein Bistum dem Orden un- terwerfen wolle. Einige Canonici nahmen ihn daher beim Kopf, und weil sie besorg- ten, daß das Schlos zu Hapsal nicht fest genung waͤre, wanderten sie mit ihm nach Arensburg. Nicht lange nachher fanden sie ihn im heimlichen Gemach erstickt lie- gen. Ob er mit Fleis dahin geworfen, oder ob er sich frey machen und bey naͤchtlicher Weile unversehens hinunter gefallen, hat man nicht erfahren koͤnnen. Ein solch schmutziges Ende, urtheilt Cranz, hat vor ihm noch kein Praͤlat genommen. Erzbisch. Joh. v. Sinte. zur Zeit der Reg. Robins v. Eltzen. auch zusagte; wogegen ihm denn die Domherren alle Unkosten, welche auf die- sen Beistand in geistlichen und leiblichen verwendet werden moͤchten, zu verguͤten versprachen. Aus den Documenten erhellet, daß der Ordensmeister bey Anhoͤ- rung dieser Klagen bitterlich geweinet, und solchen Kirchenraͤubern die Guͤter zu nehmen gedrohet. Sie sind durch die Vasallen der oͤselschen Kirche, Henneke Mekes, Rudger Breme und Nic. Yxkuͤl beglaubiget. Die Bischoͤfe von Liefland, die alle gegenwaͤrtig waren, leisteten ihrem Mitbruder nachdruͤckli- chen Beistand. Die Staͤdte Riga und Doͤrpt schickten ihre Abgeordneten nach Luͤbeck, 1385 alwo sich der Koͤnig Albrecht von Schweden und die Koͤnigin Margare- tha von Daͤnnemark befanden, um die an die Hanseestaͤdte verpfaͤndeten Schloͤsser in Schonen dem Koͤnig Olaus von Daͤnnemark wieder abzutre- ten, und den Handel auf Liefland und Schonen fuͤr beiderseitige Unterthanen ordentlich einzurichten. Robin erweiterte die Mark der Stadt Goldingen mit einigen Aeckern am 1386 Tage vor dem Fest der 11000 Jungfrauen. Um diese Zeit gerieth der Orden mit den Litthauern in Verdrieslichkeit. 1390 Der hochmuͤthige Vitold hielt sichs fuͤr schimpflich, den Skergelo als Grosfuͤrsten von Litthauen herrschen zu sehen. Er wandte sich, wie Guagni- ni Band I S. 329 berichtet, unter andern Parteien auch an die Kreuzherren, die durch ihn zu Litthauen und Samogitien zu kommen gedachten. Er verheer- te vermittelst ihrer Huͤlfsvoͤlker das ganze Grosfuͤrstenthum. Doch da er die Ab- sichten der deutschen Herren merkte, soͤhnte er sich mit seinem Vetter Jagello aus, und lies sich von ihm eine Versprechung auf Litthauen geben. Um den Polen aber eine Freude zu machen, so verkleidete er sich wie ein Ordensbruder, bemaͤchtigte sich der Schloͤsser Juͤrgensburg, Marienburg und Neuhaus, steckte sie in Brand, hieb die Besatzung nieder, und fuͤhrte die Comture gefangen. Dis machte ihn so stolz, daß er auch auf Vilna Anschlaͤge schmiedete, weil der Koͤ- nig Jagello in Polen mit Litthauen nicht gleich heraus ruͤckte. Hieruͤber mu- ste er nach Preussen fluͤchten. Man gab ihm daselbst ein Heer, der Ordens- meister von Liefland fuͤhrete seine eigne Huͤlfsarmee, der Hochmeister Wallen- rod machte mit seiner Macht den dritten Haufen aus, uud so gieng der Zug nach Litthauen. Weil ein jeder sich in diesem Rohr seine Pfeiffe schneiden wolte, war ihnen Vitold zu listig, und wies beide mit ziemlichen Verlust nach Hause. Durch Vorschub des Koͤnigs von Pohlen kam also Vitold zur Regierung. Der ein und dreyßigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens. Wennemar von Bruͤggene , Chytraͤus nennet ihn Woldemar von Bruggeney; Horner, Wolmer von Brugeney; Strubicz, Weinmarus Brucka; die eine Handschrift, Werner, von Bruggenei; Ceumern, von Bruͤggen. Henning ganz unrichtig, von Burg- geney. Die Documente haben fast alle Wennemar. Hiaͤrne gibet ihm das An- tritsjahr 1396, da er doch nach den paͤpstlichen Quitungen schon 1393 regieret haben mus. Der Papst nennet ihn Magistrum Generalem Hospitalis b. M. Teuton. Ierus. in Liuonia. E in geschickter, aber fuͤr die Absichten der damaligen Clerisey gefaͤhrlicher 1392 Herr, der deshalb mit ihm so wenig als mit dem preußischen Hochmei- ster Conrad von Wallenrode zufrieden war. Die Pfaffen wusten sich wegen dieser Parteilichkeit nicht besser zu raͤchen, als daß sie diesen Weil es dem Orden gelungen, dem Stift Oesel ein Geschoͤpf seines Willens aufzudringen; so gieng es F f nun Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1392 nun auch uͤber den rigischen Erzbischof Johan von Sinten her. Der Hochmei- ster schien ihn darin zu unterstuͤtzen, weil er so wenig mit den Geistlichen, als diese mit ihm, sich vertragen konte. Zwar liessen sich der Bischof Eberhard zu Luͤbeck, der Comtur zu Bremen und andre, mit Beihuͤlfe des luͤbischen Magistrats, sehr an- gelegen seyn die Streitigkeiten beizulegen. Sie schickten auch den rigischen Dom- propst mit dem Plan des entworfenen Vergleichs nach Liefland zuruͤck, den aber die uͤberal streifenden Ordensbruͤder auf der Reise auffiengen und in Verhaft nah- men. Der Erzbischof hielt deswegen seine eigene Person nicht mehr fuͤr gesichert, sondern begab sich heimlich zu Schiffe, gieng nach Luͤbeck und sahe eine gute Weile zu, wo die Sache hinaus wolte. Wennemar erklaͤrte nach desselben Abzuge das Erzstift fuͤr erledigt, sequestrirte desselben Guͤter, und stelte zugleich Ordensmeister und Erzbischof vor. Johan von Sinten wandte sich an den Kaiser Wenceslaus, und fand bey demselben ein so gnaͤdiges Gehoͤr, daß der Kaiser alle deutsche Ordensguͤter in Boͤhmen mit der Sequestration belegte, und dem Erzbischof ein Empfehlungsschreiben an den Papst mit gab, auch selbi- gen bat, mit dem Bannstrahl gegen den Orden loszubrechen. Allein bey Boni- facius dem IX ten machte die kaiserliche Fuͤrbitte wenig Eindruck, ausser, daß er dem Erzbischof das Patriarchat von Antiochia auftrug, welches dieser mit Freu- den annahm, und diese Art von Landesverweisung willig antrat. Die Procura- tores des preußischen Hochmeisters Johan von Felde ( a Campo ), Arnold Stapul, und des lieflaͤndischen Herrn Meisters Wolmer Hafvesvorde stelten dem Papst die Sache des Ordens so vortheilhaft vor, daß Bonifacius der IX te in einem Schreiben vom 10ten Merz, und in einem andern vom 24ten Sept. im 4ten Jahr seiner Regierung sich gegen Wenemarn erklaͤrete, er habe wohl gethan, daß er die erzstiftischen Staͤdte, Schloͤsser und Doͤrfer der rigischen Kirche wider die Russen und andre Nachbarn in Schutz genommen, und ein Jnventarium daruͤber gemacht, nachdem sie der alexandrinische Patriarch ver- lassen, und in entfernte Laͤnder gezogen. Der Orden in Liefland habe zwar ein gros Suͤndenregister, und sein Verbrechen gegen die Geistlichen sey ziemlich gros, weil sie es aber gleichwol abbaͤten, und die Einkuͤnfte des Erzstifts an 11500 Gold- guͤlden jaͤhrlich der paͤpstlichen Kammer entrichten wolten, keinem Busfertigen aber Vergebung der Suͤnden abgeschlagen werden koͤnne, so spreche er die Lief- laͤnder von dem Banne los, und vergebe die peccata captionis, injectionis, contumaciarum excessuum, criminum, delictorum et damnorum praemis- sorum aufs volkommenste. 1395 Am 13ten Octob. legte der Ordensmeister Wennemar die Grenzstreitigkei- ten bey, welche der Bischof Johan Rekelings zu Revel, und der Abt Johan von Padis uͤbee Sagentake und Roseke zu Wenden entscheiden liessen. Der Landmarschal Johan von Ole, Arnold von Altena, Comtur zu Revel, Werner von Oilse, Vogt zu Jerwen, waren als Mitler dabey zugegen. Didr. Hoͤvelmann zu Goldingen, Conrad von Vitinghof zu Aschera- de, Didr. von Wylberg zu Mitau, Comture, Nicl. Hahn, Pfarrer in Wenden und Mag. Marquard von Warsten, haben Beim Jahre 1393 findet sich unter den der Stadt zugehoͤrigen Abschriften ein Trans- sumt, in welchem der daͤnische Koͤnig Heinrich dem Bischof Albert im Jahr 1196 die Stadt Rige anzulegen erlaubet, und den Bischof fuͤr einen Fuͤrsten des Reichs er- klaͤret. Wenn die Urkunde selbst nicht unecht und untergeschoben ist, so ist doch we- nigstens sich als Zeugen un- terschrieben. das diesen Hochmeister Conrad von Wallenrode in ihren Schriften als den lasterhafte- sten Tyrannen abmahlten, aus welchen es denn in die preußischen und lieflaͤndi- schen Chroniken gekommen. Doch hat uns schon der alte pomesanische Bischof Johan Lindenblat, der um diese Zeit lebte, diesen Herren auf einer bessern Seite gezeiget; und in neuern Zeiten haben ihn mehrere gegen die ungegruͤndeten Aufbuͤrdungen der Geschichtschreiber umstaͤndlicher gerechtfertiget. S. die koͤnigsbergischen Selecta Historica Litteraria B. II, S. 323 u. f. und im erlaͤuterten Preussen B. 1, S. 315 u. f. Erzb. Joh. v. Sinten. zur Zeit der Reg. Wennemars v. Bruͤggene. Das gute Wetter fuͤr die Bruͤder dauerte in Rom nicht gar lange. Bo- 1393 nifacius der IX te schrieb im fuͤnften Jahr seiner Regierung am 13ten Maͤrz an den Meister und seinen Orden, sie moͤchten sich mit der Bezahlung und Rech- nung einfinden, weil er nach Abzug des Patriarchen und Hirten zu Antiochien Da der Papst in etlichen Briefen den Erzbischof Patriarcham Alexandrinum nennet, und seine ferne Reise beschreibet; so irren wol Cranz und andre Scribenten, welche ihn zum Patriarchen von Litthauen machen, und ihn auf der Hinreise nach diesem Lande in der Stadt Stettin sterben lassen, alwo er zu St. Otto begraben liegen sol. in weit abgelegene Laͤnder, und nach der Flucht einiger Domherren, eine Besatzung in die erzbischoͤflichen Guͤter geleget, welche jaͤhrlich 11500 Die Einkuͤnfte des rigischen Erzbistums sind zu 11500 Guͤlden angegeben, mit welcher Summe die Documenten mit den Quitungen uͤbereinstimmen. Theodoricus von Niem, ein Westphaͤlin- ger und Secretair vieler Paͤpste, der um diese Zeit gelebet, und erst auf der costnitzer Kirchen- versamlung gestorben, hat also wol in seinem andern Buche de Schismate p, 95, unrecht, wenn er setzet, daß Bonifacius die Stadt Riga um 15000 Goldguͤlden dem Meister und seinem Orden in assisium perpetuum verkaufet; weil ja die Erzbischoͤfe weder abgedankt, noch an einen Verkauf gedacht haben. Jndessen hielt es der Orden selbst fuͤr eine Art des Verkaufs, weswegen sich der Erzbischof, Marggraf Wilhem 1544 durch Juͤrgen von Rosen, und seinen Kanzler Matthias Unverfehrt bey dem Churfuͤrsten Johan Friedrich von Sachsen, und Landgraf Philip von Hessen uͤber den Orden und die Stadt Riga stark beschweren lassen. Seckendorf in der Histo- rie des Luterthums beziehet sich deshalb auf das weimarsche Archiv. Es betraf aber die Kla- ge keine entzogene Einkuͤnfte des Stifts, sondern einen Theil der Gerichtbarkeit uͤber die Stadt, welche man dem Erzbischof wider alle historische Warheit streitig machen wolte. Goldguͤlden eingebracht, worauf nur 5000 entrichtet waͤren. Wennemar solte den Rest der 6500 Gold- guͤlden zwischen hie r und dem letzten October in die apostolische Kammer liefern, sonst wuͤrde der Bann erfolgen, und man den weltlichen Arm zu Huͤlfe rufen. Allein vorerwehnte Procuratores des Ordens gewannen mit ihrer Vorstellung so 1394 viel, daß ihnen der Papst den Rest der ausgefegten Ordenskasse schenkte, und am 26ten Maͤrz dem Orden eine algemeine Vergebung der Suͤnden zukommen lies. Er sandte auch des Hochmeisters Bruder, Johan von Wallenrade Dieser Johan, wie er eigentlich heist, von Wallrade, war ein Bruder von dem Orden, ein geborner Franke, und leiblicher Bruder von dem Hochmeister Conrad von Wallrade. Von seinem Ansehen bey dem Papst Bonifacius dem IX ten so wol als bey dem Kaiser Sigismund auf der costnitzer Kirchenversamlung, sind die Acta concilii Constantiensis zu vergleichen. Sein Wapen folget daselbst gleich auf das salzburgische, und bestehet in einem viereckigten Schilde, dessen erstes Feld schwarz ist, und das weisse Ordenscreutz fuͤhret. Das andre und dritte rothe Feld hat eine sil- berne Schnalle als das Geschlechtswapen, das vierte Feld ist gleichfals roth, und zei- get das rigische Capitelswapen, nemlich ein langes silbernes Creutz mit dem Krum- stab. Auf dem Schilde stehet die erzbischoͤfliche Muͤtze, hinter demselben das Patriar- chenkreutz und der Krumstab schraͤge gegen einander gestellet. , nach Riga, die erzbischoͤfliche Stelle zu bekleiden: weil aber selbiger seiner Nei- gung gegen den Orden wegen bey den Domherren und Vasallen des Erzstifts ver- daͤchtig war, muste er eine Zeitlang auf die Huldigung warten. Jn diesem Jahr nahm die Stadt Revel nebst 6 andern Staͤdten eine be- denkliche Buͤrgschaft auf sich, mit welcher es folgende Bewandnis hatte. Die Stadt Luͤbeck nebst andern Abgeordneten der Hanseestaͤdte hatte 2 Buͤrgermei- ster, Hinrich Westhoffen und Johan Nieburen an die Koͤnigin Marga- retha nach Schonen abgefertiget, die um die Erledigung des gefangenen F f 2 schwe- nigstens die Jahrzahl und der Name des Bischofs verdaͤchtig. Lehrbegierige Liebhaber haben schon lange vergebliche Muͤhe angewandt, dieses aͤlteste Document von Lief- land auszuforschen, indessen hat es doch Gelegenheit gegeben, daß unterschiedene Scri- benten uns Riga etliche Jahr zu fruͤh erbauet. Das ist das merkwuͤrdigste, daß schon Carl der IV te, roͤmischer Kaiser, die vorgezeigte |Urkunde davon fuͤr unguͤltig erklaͤ- ret. Der Bischof zu Luͤbeck, Eberhard, hat selbige 1393 mit vielen Formalien in Beiseyn des Mag. Heinrich Wolers, des Propstes Anscharius von Bremen, der Domherren Albert Rodenbogs und Engelberts von Oyen transsumiret. Sie hat keine andre Jahrzahl als bey Nuͤrnberg am 1sten Decemb. in der 14ten Jndiction, welche sich der Umstaͤnde halben weder zum Jahr 1196 noch 1226 passen wil. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1395 schwedischen Koͤnigs Albrechts und dessen Prinzen Erichs anhalten musten. Die Koͤnigin erklaͤrte sich endlich zu Lindholm, sie wolle die beiden koͤnigl. Gefan- genen an obbemeldte Hanseestaͤdte liefern; verlange aber dagegen, daß Revel nebst den andern 6 Haͤnseestaͤdten innerhalb drey Jahren von Michaelis an, die Loͤse- gelder erlege, widrigenfals sollen sie beide Gefangene wieder stellen, oder 6000 Mark erlegen, oder ihr auch Stockholm samt allen Festungen einraͤumen, wel- che Plaͤtze die Staͤnde des Reichs den Hanseestaͤdten fuͤr ihre Buͤrgschaft zum Un- terpfande uͤbertragen hatten. Der Koͤnig Albrecht ward sodann nach Rostock und sein Sohn Erich nach Wismar gebracht. 1396 Am 23 April gab Bonifacius der IX te den Ordensmeistern in Liefland Volmacht, ihre Bedienten ( familiares ) in Faͤllen da ein Bruder dem andern ver- geben kan, von ihren Suͤnden loszusprechen, und ihnen eine heilsame Busse aufzu- legen. Die Absolution der Bruͤder erstreckte sich gar weit; indessen setzte sie doch eine Art von zeitlicher Strafe voraus. Russow erzehlet uns Blat 28 b. eine solche vor der Ver- gebung vorher gegangene Zuͤchtigung, die mehr laͤcherlich als gefaͤhrlich war. Ein Diener der Ordensherren ward auf einer unzuͤchtigen That ertappet, und nach gefaͤltem Urtheil mit Pfeiffen und Trummeln durch die Stadt und uͤber den Markt von allen Stalbruͤdern zum Thore hinaus begleitet, alda in einen Brunnen geworfen, und mit derselben Mu- sik den lustigen Gang zuruͤck gefuͤhret, daß das Wasser aus den Kleidern traͤuffelte. Auf dem Schlosse absolvirte ihn der aͤlteste Stalbruder oder Vogt, von allen seinen Suͤnden. Der Ordensmeister Wennemar, der, wie sein Vorgaͤnger, mit dem Um- sturz des geistlichen Regiments in Liefland schwanger gieng, versuchte sein Heil nun auch an dem Bischof Diedrich zu Doͤrpt, welcher dem Orden einen jaͤhr- lichen Tribut entrichten oder seine Stiftsguͤter raͤumen solte. Der Bischof wagte alles fuͤr die Freiheit seines Stifts, und weil er den Orden nicht aͤrger kraͤnken konte, so begab er sich mit den benachbarten Russen von Plescow mit den Lit- thauern und Samogiten in ein Buͤndnis, die sich auch willig zu seinem Schu- tze einfanden. Wennemar gewan zwar das Feld, war aber zu schwach sich den Sieg recht zu Nutze zu machen. Doch brauchte er seine uͤbrige Macht gegen die rigischen Domherren, welche bisher Bedenken getragen hatten, Johan von Wallenrode fuͤr ihren Erzbischof zu erkennen. Die Ritter und Herren Bartholomaͤus und Johan von Tiesenhausen hatten das Ungluͤck, daß ihnen ihre Schloͤsser, Kokenhausen und Berson, welche sie seit des Bischof Alberts Zeiten besessen hatten, eingezogen wurden. Sie selbst entwichen auf ihre Guͤter ins Doͤrptische. Der Hochmeister, der Bischof von Pomesanien, ein Herzog von Lignitz und andre hohe Haͤupter solten sich zwar als Mittelspersonen gebrauchen lassen; man erklaͤrte sie aber fuͤr parteiisch. Jndessen bewilligten doch beide Theile einen Compromis, wozu die Bischoͤfe von Beursberg und Doͤrpt, wie auch die Stadt Luͤbeck erbeten 1397 wurden. Der Vergleich kam auch am 4ten Jul. zu jedermans Vergnuͤgen zu Stande. Die Artikel desselben enthielten folgendes: Alle Entwichene vom Adel sollen wieder ins Stift kommen, dem Erzbischof die Huldigung leisten, und den Besitz ihrer Guͤter wieder antreten. Die Herren von Tiesenhausen lassen ihr Recht an Kokenhausen fahren; dagegen werden sie mit andern Landguͤtern be- friediget, erhalten Berson wieder, und duͤrfen das angefangene Schlos Erla un- gestoͤrt ausbauen. Der ganze Krieg mit dem Bischof Diedrich zu Doͤrpt ward zu Danzig schon am Tage Johannis des Taͤufers beigelegt; die Tractaten aber erst am Tage der Aposteltheilung unterzeichnet, und heissen des Ordens Soͤhnebrief. Die zu Danzig versamleten Haͤupter waren Johan von Wal- lenrode, Erzbischof zu Riga, Bruder Conrad Jungingen, Hochmeister, Bruder Wenne- mar von Bruͤggeney, Meister zu Liefland, Bruder Albrecht, Graf zu Schwarzburg, Com- tur zu Danzig, der lieflaͤndische Marschal Berndt Hoͤvelmann, und Conrad von Vieting- hoff. Jm Namen der gemeinen Ritter und Knechte handelten Johann von Scherenbecke, Evert Um Erzb. J. v. Wallenrade. zur Zeit der Reg. Wennem. v. Bruͤggene. Um die Zeit machten die so genanten Vitalien bruͤder Diese Leute waren mehrentheils aus Rostock und Wismar, und trieben auf Befehl ihres Herzogs Albrechts Kaperey. Sie gaben sich den hoͤflichen Namen der Vita- lianer, weil sie von den Schiffern mehrentheils Victualien abforderten. Dieses leich- te Handwerk lockte allerley Gesindel herzu, welches die Handlung durch ihre Seeraͤu- rey zernichtete. Sie hatten Gothland eingenommen, den Danzigern aber grossen Schaden zur See gethan, daher sie der Hochmeister 1397 auf Gothland mit 1000 Man besuchte, und sie wie Seeraͤuber hinrichtete. Die uͤbrigen nanten sich Linker- laͤnder, und machten ihr Handwerk aus der Kaperey, bis ihnen die Hamburger den letzten Rest gaben. S. Huitfeld, Pontan und Cranz. den |Hanseestaͤdten 1397 viel Ungelegenheit und unterbrachen die Sicherheit ihres Handels. Unter andern fiel ein Schif, so zu Revel mit Pelzwerk, Wachs und Kupfer befrachtet worden, in ihre Haͤnde, welches die Jnteressenten aber vor 8000 Rosenobel wieder erhan- delt, indem der Werth der Ladung sich wol fuͤnfmal so hoch belief. Der Hochmeister Conrad von Jungingen bestaͤtigte am Margarethen- abend zu Danzig seinen lieben Getreuen, den Rittern und Knechten der Lande Harrien und Wierland alle Rechte, Begnadigungen und Freiheiten, die ihnen von Alters her gegeben und verlehnet sind. Am Tage nachher versiegelte er ihnen das so genante barrische und wirische Recht Dieser Gnadenbrief lautet in seinem 4 und 5ten Artikel also: §. 4. Welcher Man stir- bet ohne |Kinder, als Soͤhne und Toͤchter, dessen Gut erbet an den, der sein nechster Mage ist, es sey Man oder Weib von der Schwersterseiten oder Spillseiten, und sol sein Gut mit solchem Recht erben bis in das 5te Glied, und die Frauen, die Witwen werden und nicht bleiben wollen bey ihren Kindern, die sol man ablegen mit solchen Rech- ten und Gewohnheiten, als man das von Alters her hat gehalten in solchen Landen. §. 5. Welche Witwe oder Jungfrau stirbt unberathen, sie sol alle ihres Vatern Erbe und ander Gut erben an ihren nechsten Magen, es sey Man oder Weib in das 5te Glied, wie darob stehet geschrieben. Der Hochmeister Ludwig von Erlinghausen erneuerte diese Freiheit im Jahr 1452. Daß es der Grund von Sylvesters, Thomaͤ und Kiwels Gnadenbriefen gewesen, wird sich bey dem Jahr 1457 zeigen. Beilaͤu- fig bemerken wir, daß der Hochmeister von Preussen, den Herrmeister oder Ordens- meister nur schlechthin Gebietiger, ( Præceptor ) oder obersten Gebietiger von Liefland betitele. , in welcher er der Schwerd- seite so wie der Spillseite bis ins 5te Glied Dieser Ausdruck bis ins fuͤnfte Glied litte gegen das Ende des vorigen Jahrhun- derts eine Misdeutung, die man nicht vorher vermuthet hatte. Der Herr Crusen- stirn zeigte dagegen in einem Bedenken, daß nach den canonischen Rechten der fuͤnfte Grad die Erbschaften uͤber bewegliche und unbe- Evert Weckebrodt, Ritter, Gerd von Wirks und Bertram von Treyden, Knechte; der Bischof zu Doͤrpt hatte den Buͤrgermeister Goswin Klingenbergen und Henningen von Renthen, Rathsherrn der Stadt Luͤbeck, der Erzbischof aber den oͤselschen Propst Joh. Ley- sentin, und den revelschen Buͤrgermeister Gerd Witte auf seiner Seite. Die Deputirten der Stadt Riga unterstuͤtzte der Magistrat zu Danzig, und dessen Mitglieder Herman Colbert und Peter Forsten, Buͤrgermeister zu Danzig. Der Schiedsrichter war der Bischof Heinrich zum Braunsberge. Ausser dem doͤrptischen Bischof Didrich |befanden sich noch gegenwaͤrtig der Domdechand Bernd Buͤlow, Albrecht Abt zu Valckenau, Joh. von Tiesenhausen, Otto von Uxkuͤl, Hennike Safierne, Joh. von Brakel, Barthol. Buxhoͤveden, Tide- man Malchow, Voͤgte; Joh. von Wrangel, Cord Cruse, Knechte der doͤrptischen Kirche, Hinr. Galenberg, Joh. Levermann, Joh. Eppenschede Buͤrgermeister und Rathmaͤnner der Stadt Doͤrpt. Der ganze Soͤhnbrief enthaͤlt noch folgende Puncte. Das alte Privilegium des Ordens, daß die Untersassen der Kirchen Riga, Oesel, Doͤrpt und Curland dem Herrn Meister zu Reisen folgen sollen und zu Lande wehren helfen nach ihrer Macht, wird in allen sei- nen Artikeln beibehalten. Alle gewoͤhnliche Strassen und Wege zu Wasser und Lande bleiben of- fen, unbekuͤmmert, unverstopfet, unbeschlossen, unbehindert dem Bischof, seiner Kirche und Un- tersassen geistlichen und weltlichen, deren sich auch der Kaufman bedienet, und werden keine neu- en Wege gezogen, gemacht oder gebraucht dem Christenthum in Liefland zum Schaden. Der Orden heget und staͤrket die doͤrptischen Missethaͤter nicht mehr. Der Erzbischof und der Orden wil den Bischof und seine Laͤnder mit keinerley Selbstgewalt und gewafneter Hand angreifen, uͤberfallen und antasten, sondern einen steten festen Frieden mit ihm halten zu ewigen Zeiten. Jeder laͤst sich mit seinem Rechte begnuͤgen. Alle Scheling (Zwietracht) in dem Orloge wird freundlich beigelegt. G g Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1397 unbewegliche Guͤter zuspricht. Wennemar von Bruͤggenei, Gebietiger zu Liefland, Wilhelm von Helfersen, Groscomtur, Werner von Oettingen, oberster Marschal, Graf Conrad von Kriezburg oberster Spittler und Com- tur von Elbingen, Joh. von Breffarod oberster Trappier und Comtur zu Christburg, Borchard von Webeke, Threseler, Graf Albrecht von Schwarzenburg, Comtur zu Danzig, Conrad von Vietinghoff, Com- tur zu Vellyn, Diedrich von Willborg Comtur zu Revel, Franck Spa- de Vogt zu Wenden, Herr Nicol. Holland, unser Kapellan, Barthel von Truchburg, und Eberhard von Wollenfels, unser Compan, Matthias und Heinrich, unsre Schreiber, und viel andre ehrsame und treuwuͤrdige Leute haben sich als Zeugen unterschrieben. 1399 Der Ordensmeister war bisher den Samogiten fuͤr ihren dem doͤrp- tischen Bischof geleisteten Beistand eins schuldig geblieben. Er fiel also bey da- maligem harten Winter mit 15000 Man in ihr Land, erschlug alles, was sich zur Wehre setzte und schlepte einen grossen Haufen als Knechte mit sich nach Liefland. Nach vielen Verdiensten um die Macht seines Ordens gieng er den Weg aller Welt. Der zwey und dreyßigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Conrad von Vietinghof Jn alten Briefschaften steht Cordt. Er verliehe schon im Jahr 1402 einem gewissen Lorenz Crisow, genant Steinhauer, die Doͤrfer Vakgitu und Somel zu Lehn. Jn einem andern Lehnbriefe auf 4 Haken an besagten Steinhauer von 1406 schreibt er sich: Wir Conrad von Vietinghoffe Meister der Bruͤder des Ordens St. Marien der Deutschen zu Liefland. . 1400 E r war ehmaliger Comtur zu Vellin. Der Anfang seines klugen und tapfern Regiments wurde durch einen Einfal der Litthauer sehr be- unruhiget. Diese Leute gaben den Lieflaͤndern einen Gegenbesuch, eroberten das Staͤdtgen und Schlos Duͤneburg, steckten es in Brand, pluͤn- derten und entfuͤhrten viel 1000 arme Menschen. Doch der preußische Orden machte es mit Conrads Huͤlfsvoͤlkern in Litthauen nicht besser, sondern wirth- schaftete so lange auf gut soldatisch, bis der Koͤnig von Pohlen Jagello den Frieden zu Radzis eingieng, in welchem er Dobrin von den Ordensherren um 50000 Goldguͤlden einloͤste, Samogitien an den Orden abtrat, und dieser hin- gegen sich aller Anspruͤche auf Litthauen begeben muste. Und obgleich noch andre nach- Grad derjenige heisse, welchen die kaiserl. Rechte zum sechsten machen. Die schwe- dischen Rechte setzen auch till faemte Mannen, dergleichen Einschraͤnkungen in den Gesetzen der Longobarden, Englaͤnder, Daͤnen und andrer Voͤlker vorkommen. Loccenius giebt die Ursach davon an, quia nunquam vel raro exstat nunc quintus gra- dus, ideo in eo hereditas cessare vel desinere dicitur. Der Vicepraͤsident und ehma- lige Secretair der koͤnigl. schwedischen Archive Hr. v. Leyonmark hat nach Aussage des Verfassers der Schrift von wahrer Beschaffenheit der Guͤter von Est-Lief- land und Oesel ganze Folianten von Kaufbriefen gesamlet, worin das harrische und wierische Recht den fuͤnften Grad auf immerwaͤhrende Zeiten zu besitzen berechnet. Die Schweden selbst brauchten 1641 und nachher die Worte in gerichtlichen Bestaͤti- gungen: Efter Harr. och Wirlandske Raͤtt, till ewardelig Egendom at niuta, bruka och behaͤlla, och ther med giaͤra och laͤta sasom med. sitt raͤtta och waͤlfagne arflige Gods, efter Behag och Wilja. Erzb. J. v. Wallenrade. zur Zeit der Reg. Conrads v. Vietinghof. nachbarschaftliche Verordnungen bedungen wurden, so war dennoch der Vergleich 1404 von schlechtem Bestande. Der Ordensmeister wohnte einem Generalkapitel in Preussen bey, welches 1405 der Hochmeister Conr. von Jungingen zu Marienburg hielt, und worin die alten Ordnungen bestaͤtiget, folgende neue aber hierzu gethan wurden. Erstlich, nur den Ordensbruͤdern werden die Aemter des Landes verlehnet. Zweytens, kein Bruder haͤlt mehr als 10 Pferde, ein Comtur nicht uͤber 100, ausser denen so zum Ackerbau gebraucht werden. Drittens, nur rittermaͤßige Leute fuͤhren Ge- wehr, Waffen oder Geschos. Viertens, an den Feiertagen komt aus jedem Hause wenigstens eine Person in die Kirche. Fuͤnftens, kein Verurtheilter wird abgethan, ehe er gebeichtet und das Sacrament empfangen. Sechstens, Wahr- sager, Zauberer und Teufelskuͤnstler werden lebendig mit Feuer verbrant. Sie- bentens, Gewerke und Gilden halten nur einmal des Jahrs ihre Zusammenkunft. Achtens, jeder greift sein entlaufenes Gesinde, wo ers antrift. Neuntens, ein in die Acht Erklaͤrter ist vogelfrey. Zehntens, an heiliger Staͤdte begehet niemand Unfug, bey Verlust Leibes und Gutes. Eilftens, wer an heiliger Staͤdte einen schlaͤget oder verwundet, verlieret die Faust. Zwoͤlftens, die Handwerker brau- chen die Wrake, um die Faͤlscherey zu erkennen. Dreyzehntens, wer eine Jung- frau entfuͤhret, wird des Landes verwiesen; williget sie darein, so verlieret sie alle Erbguͤter. Vierzehntens, wer eine Jungfrau nothzuͤchtiget, heirathet sie oder verlieret den Kopf. Fuͤnfzehntens, wer seinem Pfarrherrn den Zehnden versaget, wird fuͤr ehrlos gehalten und in keinem Gerichte zu Rechte verstattet. Conrad bekam bald darauf eine andre Verrichtung in Samogitien. 1406 Dieses dem Orden abgetretene Land sehnte sich nach seinen alten Herrn wieder, da- her der dasige Comtur Martialis von Helfenbach einigen Bojaren die Koͤpfe abschlagen lies. Um aber den uͤbrigen die Rechtmaͤßigkeit seines Verfahrens ge- gen die Aufruͤrer darzulegen, so lies er die Vornehmsten unter ihnen zusammen fordern, denen denn der Dolmetscher aus List oder Ungeschicklichkeit die Sache so vorstelte, daß sie ihr Misvergnuͤgen deutlich merken liessen; Helfenbach be- fahl daher sie alle auf dem Schlosse Friedeburg in gefaͤngliche Haft zu nehmen. Allein der Kerkermeister lies seine Gefangenen frey, die denn aus Rache den Landcom- tur und alle Deutschen die Nacht uͤber, da sie im tiefsten Schlafe waren, ermor- deten, und noch mehr Plaͤtze verwuͤsteten. Der lieflaͤndische Ordensmeister aber machte den Schuldigen einen kurzen Proces, und lies etliche Schloͤsser von neuen aufbauen, um diese gefaͤhrliche Nachbaren und Ordensunterthanen enger im Zaum zu halten. Jn Riga ward die steinerne Peters kirche zu bauen angefangen und 10 Mark rigisch golten damals 9 Rosenobel und 1 Ferding Auf einer meßingenen Tafel nach der Thuͤre zur Suͤnderstrasse beim Chor steht mit alter Moͤnchs- schrift das Distichon: Milleno, quadringento, sexto simul anno Christi, principium fert chorus iste suum. Da die Peters kirche jetzo die Hauptkirche in Riga ist, so wollen wir beilaͤufig doch kurz die vor- nehmsten Schicksale derselben aus einer Nachricht beibringen, welche der damalige Grosczaar und nachmalige Kaiser Peter von Rusland, der den Brand derselben mit angesehen, aus dem Ar- chiv auszufertigen anbefohlen, und wie solche am 17ten May 1721 dem Generalgonverneur, Fuͤrst Repnin, durch den Burggraf und wortfuͤhrenden Buͤrgermeister von Benckendorf uͤberge- ben worden: Jm Jahr 1466 ward der erste Thurm daran gebauet, und 1491 der Hahn erneuret, der aber vom Winde abgeworfen und 1538 wieder aufgesetzet werden muste. Der erschreckliche Sturm- wind vom 2ten October 1576 bog ihm den Hals krum, und obgleich das Jahr drauf ein neuer von verguldetem Kupfer gesetzet wurde, der auf 50 Thlr. zu stehen kam; so wehte ihn doch der Wind am 4ten October 1577 wieder nm, da denn am 11ten Jul. 1578 wieder ein neuer aufgese- tzet und mit der Stange fester eingetrieben wurde. Am 26sten Jun. zuͤndete der Blitz das Kir- chendach an, welches aber bald geloͤschet ward. Ein Ungenanter verehrte 1595 den grossen mes- singenen Leuchter mit 7 Pfeiffen vor dem Altare; Franz Werner aber, der scharzen Haͤupter El- terman, schenkte 1613 die schoͤne Kanzel, die Pastor Baumann am 5ten November 1615 ein- weihete. 1621 am 6ten Aug. erschlug das Wetter einen Kunstpfeiffergesellen Namens Marten auf . G g 2 Unter Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1407 Unter dem revelschen Bischof Johan Ocke legten 3 beguͤterte Kaufleute aus Revel, nemlich Heinrich Schwalberg, Heinrich Huͤxer, und Gerlach Kruse am St. Vitus tage das Brigitten kloster Marienthal eine Stunde von Revel an, welches erst nach 29 Jahren fertig, und von Moͤnchen und Nonnen bewohnet wurde. Die Stifter desselben wurden die ersten Klosterbruͤder Von diesem Kloster Marienthal der Brigitten nonnen und Augustiner bruͤder mel- det Olearius in seiner perstanischen Reisebeschreibung, daß es eine gute halbe Meile von Revel abgelegen, wovon nach der am Sontage Exaudi 1564 erlittenen Feuers- brunst nur die Mauren und gewoͤlbten Gaͤnge unter der Erden noch zu sehen gewesen. Als Olearius durch Revel gieng, wies ihm Hr. D. Vestring ein altes Buch, nach welchem der Anfang zum Bau des Klosters im Jahr 1400 zu Cord Vietinghoffs Zeiten gemacht worden. Die Schwestern sollen Sontags vor Johannis 1431, die Bruͤder aber den Sontag nach Johannis eingeweihet worden seyn, und den gewesenen Kaufman Gerlach Kruse zum Pater und Confessor erhalten haben. Die Kloster- leute bedienten sich der Sprache der Stummen, z. E. der vorderste Finger, so das Auge aufwertssehend beruͤhret, bedeutet Christum, mit selbigem Finger das Haupt beruͤhret, bezeichnet den Beichtvater, ein Kreuz an dem Haupte den Diaconus, 2 Fin- ger an das Haupt gelegt die Aebtißin, und dergleichen. Es scheint daher nur ein Nothargument zu seyn, wenn bey der estlaͤndischen Subiection die Aebtißin, Prio- rin und gemeinen Conventschwestern an den Koͤnig Erich 1561 Donnerstags nach Ja- cobi schreiben, und ihn bitten, sie doch ja nicht Huͤlf- und Trostlos zu lassen, weil das Kloster aus dem Reiche Schweden anfaͤnglich gestiftet sey. Doch vielleicht ziel- ten sie auf die heil. Brigitte aus Schweden. Von den Aebtißinnen dieses Klosters sind folgende in alten Briefschaften gefunden worden: Christina Tocke, Margaretha Woldeken, Elisabeth von der Beke, Kunigunda Orgies, Gerdrut Weckebrodt, Gerdrut Orgies, Brigitta Hafvesfer, Gerdrut von Vietinghove, Margaretha Doenhoff, Magdalena Szoyge. . 1408 Nachher gerieth Conrad mit den Russen aus Plescow in Verdrieslich- keiten auf dem Thurme. Am 16ten September wohnte der Koͤnig Gustav Adolph dem Gottesdienste bey, und lies wegen Uebergabe der Stadt das Te Deum laudamus singen. Jm Jahr 1651 nahm man den alten Hahn ab; die Kirche aber wurde in der rußischen Belagerung 1656, wie der Dom, ziemlich schadhaft geschossen. Jm Jahr 1659 am 17ten November fiel der ganze Knopf mit dem neuen Hahn herunter, dafuͤr einige freigebige Buͤrger 1660 einen andern Hahn |zu 6 Ltt. 3 Pf. und einen neuen Knopf zu 6 Ltt. 7 Pf. aufsetzen liessen. Jm Jahr 1666 am 11ten Merz am Sontage nach Reminiscere fiel der 75 Faden hohe Thurm Nachmittags um 2 Uhr herunter, zerschmetterte 8 Personen und zertruͤmmerte des Rathsherrn Eberhard Wit- tens Haus. Jm Jahr 1667 am 29sten Jul. ward der erste Stein zum neuen Thurm geleget, und 1677 bis an das Kirchendach um 34030 Thlr. Alberts und 69 Gr. aufgefuͤhret. Ein ange- legter Brand machte sie am 21sten May zu Schanden, sie ward aber bald wieder hergestellet so daß am 14ten Sept. 1679 am 13ten Sontage nach Trinitatis die erste Predigt wieder darin gehal- ten wurde. Jm Jahr 1683 schenkten des Buͤrgermeisters Herman Samsons Erben die stemerne Kanzel, und des Buͤrgermeisters Georg von Duntens Erben den marmorsteinernen Altar. Jm Jahr 1689 hatte der Thurm eine Hoͤhe von 418 Fus rigisch, die 17787 Thlr. 79 Gr. Alb. zu stehen kam. Jm Jahr 1690 verehrte Se. koͤnigl. Maj. von Schweden zur Bedeckung der Kir- che 50 Centner Kupfer zu 5000 Thlr. Am 10ten May Morgens zwischen 8 und 9 Uhr ward der Hahn und Knopf, in welchen 3 Tonnen Getraide giengen, aufgesetzet und kostete 504 Thlr. 15 Gr. Claus Missthaͤd vermachte im Testament eine Partey Salz zu den Portalen der 3 Kirchthuͤ- thuͤren. Am 6ten Sept. 1695 schenkte der Buͤrgermeister Hans Dreiling das schoͤne Glocken- spiel, das er um 8000 Thlr. in Holland verfertigen lassen. Die Stadt lies es 1697 aufsetzen, und hatte noch an Kosten fuͤr Compositionsthon, Claviere, Noten, Haͤmmer, Aufziehrad, Herz- rad, Windfang, Uhre und dergleichen uͤber 4128 Thlr. verwenden muͤssen. Jm Jahr 1709 ward ein neuer Hahn von 9 Ltt. 9 Pf. wieder aufgesetzet. Den 10ten May 1721 Morgens zwischen 4 und 5 Uhr schlug der Blitz uͤber dem Altar ein, wodurch in 2 Stunden alles in Truͤmmern lag. Der Kaiser Peter der Erste, der dabey zugegen war und keine Gefahr scheuete, machte die trefli- che Anstalt, daß das in die herumliegenden Haͤuser gesprengte Feuer nicht zum Ausbruch kam. Zu gutem Gluͤcke fiel der Thurm nicht um, sondern sank in sich selbst ein. Am 12ten Jan. 1724 ward die Kirche wieder eingeweihet. Jm Jahr 1743 ward vom Rath der Thurmban beschlossen. Am 30sten May 1745 ward der Stern aufgeleget, und bis den 24sten Sept. 1746 der Thurm zu einer Hoͤhe von 400 rheinlaͤndischen Fuͤssen gebracht. Am 30sten Sept. die eiserne Stange von 40 Fus unb an Gewichte 5 Schtt. 16 Ltt. der Knopf und Hahn aber am 9ten Octob. 1746 aufgesetzt. Erzb. J. v. Wallenrade. zur Zeit der Reg. Conrads v. Vietinghof. keiten. Er erlegte 7000 derselben, davon viele in der Modda Horner nent den Flus Moda, Russov und Henninger, Modde, Schuͤtz und Kelch, Moddo. Schuͤtz Hist. Pruss. B. III, und Venator B. I, k. 2 setzen diesen Sieg ins Jahr 1404. Nach Michov. B. IV, k. 42 faͤlt des Hochmeisters Feldzug nach Litthauen ins Jahr 1403, der sich auch geschwind endigte. Wir sind dismal dem Aufsatz des Hiaͤrne gefolget. ersaufen mu- 1408 sten. Des Hochmeisters wiederholte Befehle, Preussen gegen die Litthauer schuͤtzen zu helfen, hielten ihn ab, etwas weiters zu unternehmen, welchen er auch gehorsamte. Die Samogiten nemlich sassen niemals stille, und liessen sich, so oft sie 1410 auch bezwungen waren, nicht zinsbar machen. Sie jagten jetzo die Marianer oder preußischen Ordensritter aus dem Lande, welcher Streich ihnen um so viel besser gluͤckte, weil sie von Vitold sowol als dem Jagello unterstuͤtzet wurden. Der neue Hochmeister Ulrich von Jungingen, ein leiblicher Bruder seines Vorgaͤngers Conrads von Jungingen, war zu hitzig, und wolte gegen alle gut- gemeinte Warnungen nicht einen Schrit nachgeben. Jagello stand mit 40000 Tartern, 21000 Boͤhmen, und 60000 Pohlen fertig. Hierzu brachte Vitold 42000 Man auf die Beine; gegen welches zahlreiche Heer von 163000 Man der Hochmeister Ulrich mit 82000 anruͤckte. Es kam also zwischen beiden Theilen zu der fuͤr den Orden hoͤchst ungluͤcklichen Schlacht bey Tanneberg Den Ort dieser unersetzlichen Niederlage nennet Guagnini, oder eigentlich Strui- kowsky, Tannebrig; die Preussen, Tanneberg. Der Hochmeister, Ulrich von Jungingen kam dem Fortsetzer des Duisburgers zu Folge selbst um, da hinge- gen Kojalowitz Th. II, B. 2, S. 87 unrichtig Conrad daraus macht. Dlugoß und Kojalowitz schreiben von 40000 Erschlagenen. Fulstin wil nur von 20000 wissen. Henneberger meinet, daß die Pohlen Boͤhmen bey sich gehabt, Michovius hin- gegen giebt B. 4, k. 44 die Boͤhmen den Ordensherren zu Huͤlfe, nennet aber auch den erschlagenen Hochmeister unrichtig Conrad, welchem doch Joachim Pastorius in Flora Polonic. B. III, k. I, S. 137 der neuesten Ausgabe, darin folget, und gar Tungingen schreibet. Der litthauische Grosfuͤrst Vitold setzte nachgehends in Sa- mogitien selbst Bischoͤfe und Priester ein, beschickte auch durch seine Gesandten die Kirchenversamlung zu Costnitz. Und endlich wurden diese Samogeten etwas zah- mer, die Cranz Vandal. B. VIII, k. 3, Massageten heisset. Jn dem Theil des er- leuterten Preussens S. 391, wird uns eine eigene und umstaͤndliche Beschreibung der grossen tannebergischen Schlacht ertheilet, nach welcher der deutsche Orden sich nie wieder erholen koͤnnen. , in welcher bey 40000 Deutsche blieben, weil bey einiger Ermuͤdung der Litthauer und Samogiten, immer frische Pohlen anruͤckten, und die Deutschen duͤnne machten. Nachdem die Lieflaͤnder dazu kamen, und auf der andern Seite die Ungern einzufallen droheten; so zogen die Pohlen vor Marienburg ab, und trafen einen Frieden, kraft dessen Samogitien wieder an Litthauen verfiel. 1411 Jagello lieferte zwar die eroberten Plaͤtze dem Orden wieder aus, erhielt aber zur Ersetzung der Kriegskosten 100000 Schock alte boͤhmische Groschen. Der Ordensmeister zog hierauf die Heerstrasse zuruͤck, und verschrieb zu der Liwa, das ist zu Liebau 3 Kindern eines gewissen Lorentz Grote ein Stuͤck Landes nach Lehnguͤterrechte nebst einem Heuschlage bey dem Baͤrenbusche. Nach 3 Jahren gieng Conrad mit Tode ab. H h Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Der drey und dreißigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Diederich Torck Strubicz nennet ihn Diricus Turk, andre Teek. Die Urkunden haben Torck. Er war aus einem westphaͤlischen Hause, davon die eine Linie in Curland, die an- dre in Geldern bluͤhet. Jm Jahr 1425 war Albrecht Torck Olde Comtur zu Re- vel. Horner ruͤhmet ihn als einen sehr gelinden und gnaͤdigen Regenten, obgleich sein Zuname tuͤrkisch klinge. Laut der Nachrichten der Familie ward dieser Didrich Torck am 16ten Merz 1344 geboren, begab sich 1383 in den deutschen Orden und ward 1413 Herrmeister. Albrecht Torck geboren am 9ten Sept. 1347, war 1385 Ordens- ritter, 1412 Comtur zu Revel, und starb 1431. Das Waͤpen dieser freiherrlichen Fa- milie ist in Fuͤrstens Wapenbuch S. 191, No. 14 wohl getroffen. Albrecht Torck war Freiherr zu Bruͤgge und Ritter westphaͤlischer Linie, die noch in der Mark Westphalen floriret. Die hollaͤndische Linie besaß die Guͤter Niederhen- nert, Sinderen und Delmynen, aus welcher der Drost und Richter von Wage- ningen eine Judith von Appelthoorn zur Gemahlin hatte. Der Stamherr der cur- und lieflaͤndischen Familie Albrecht Torck ward zu Bruͤgge am 24sten Junii 1295 geboren, kam 1340 nach Liefland und starb 1376 am 3 April. Seine Nachkom- men von einer Constantia von Doͤenhof theilen sich in die Linien zu Odern, Aspurn, Zerxten, Sathen, Althoff und Rudden. Der tuckumsche Mannrichter und Bevolmaͤchtigte der curlaͤndischen Ritter- und Landschaft, Herr Wilhelm Alexan- der Magnus von Torck, Erbherr der Guͤter Aspurn, Klein Linden, Mocken- see jetzo Marienhoff und Zerxten, dessen Naturaliensamlung und schoͤnes lieflaͤndi- sche Muͤnzcabinet wir nicht ungemeldet lassen koͤnnen, vermaͤhlte sich am 18ten Sept. 1733 mit Anna Gottlieb von Bagge, aus welcher Ehe Carl Joh. Ludwig, Ger- hard Wilhelm und Lubbert Friedrich erzeuget worden. . 1413 E r hatte das Gluͤck, daß unter ihm Liefland von innen und aussen im geist- und weltlichen Stande Friede hatte, indem alle Staͤnde hoften, ihre Be- schwerden wuͤrden auf der algemeinen und grossen Kirchenversamlung zu Costnitz entschieden werden. Auf dieses Concilium begab sich der Erzbischof Johan von Wallnrade mit einem ziemlichen Staat von 180 Pfer- den, welches dem Stifte grosse Kosten verursachte. 1414 Wallenrod stelte auf dem Concilio recht eine Hauptperson vor. Er war unter andern Abgeordneten der erste, welcher den Joh. Huß im Gefaͤngnis zur Abschwoͤrung der von ihm bekanten Warheiten bewegen solte, erhielt aber weiter nichts als einen Zettel welchen ihm Huß am 1sten Jul. zuschickte, und worin er bat, man moͤchte ihn von der Unrichtigkeit seiner Lehrsaͤtze aus dem Worte GOttes uͤberweisen. Die Vaͤter dieser Kirchenversamlung schickten ihn am 23sten Aug. an den Koͤnig Sigismund, bey dem er in grossen Gnaden stand, und der sich da- mals in Frankreich aufhielt, um ihn zu bewegen, daß er sich bey der Vermitte- lung zwischen dem Koͤnig von Frankreich und dem Koͤnig von England nicht laͤnger aufhalten, sondern je eher je lieber zum Koͤnig Ferdinand von Arrago- nien aufbrechen moͤchte, damit die Vereinigung der Kirche befoͤrdert wuͤrde. Mitlerweile fanden sich auch von Seiten des Herrmeisters Gevolmaͤchtigte ein, und beschwerten sich auf dem Concilio uͤber des Erzbischofs und seiner Cleri- sey Kuͤhnheit, daß sie den aͤussern Habit mit dem Ordenskreuz abegelegt, da es doch dem Orden grosse Summen gekostet, ehe er bey Bonifacius dem IX ten so viel auswuͤrken koͤnnen, daß alle Geistliche in Liefland zum Zeichen ihrer Un- terwerfung unter den Orden auch die Ordenskleider tragen muͤssen. Diese ernst- liche Vorstellung fand bey den Praͤlaten und andern hohen Haͤuptern auch nicht den geringsten Eingang. Die hardtischen Acten des costnitzer Concilii ent- hal- Erzb. J. v. Wallenrade. zur Zeit der Reg. Sif. Landers v. Spanheim. halten die Antwort der lieflaͤndischen Geistlichkeit, in deren Namen Wallen- 1414 rod nachdruͤcklich und mit algemeinem Beifal erwies, daß der Orden die Kirche zu Riga wiederrechtlich zur Magd mache, da sie vorher Frau gewesen. Er verklag- te die Bruͤder des Ordens, daß sie nicht mehr wie vormals wider Heiden und Unglaͤubige, sondern gegen die Christen foͤchten, die ihre Nachbaren, keinesweges aber ihre Unterthanen waͤren. Sie liessen, hies es, keinen Menschen zufrieden, und was das schlimste waͤre, so packten sie mit Gewalt an, was ihnen anstuͤnde, ohne geringste Achtung fuͤr die Freiheit und Vorrechte der Kirche zu bezeugen. Kein Mensch koͤnne es glauben, als wer es persoͤnlich angesehen. Sie wuͤsten glimpflich mit den Bauren umzugehen, und wuͤsten wol hundert Wege, sich un- aufhoͤrlich zu bereichern. Das einzige ruͤhmte doch Wallenrod an diesen so uͤbel- beschriebenen Ordensherren, daß sie ihr Land und Volk vor den feindlichen Ueber- faͤllen wacker und gut vertheidigten. Hieruͤber starb der Ordensmeister Torck nach einer kurzen aber loͤblichen Regierung. Jhm folgte Der vier und dreißigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Sifert Lander von Spanheim Chytraͤus nennet ihn Sifried, Strubicz Sebart von Spanheme, andre Si- bert, Sivert und Siegfried. Chytraͤus setzt den Anfang seiner Regierung ins Jahr 1415 und Hiaͤrne in 1418; da er doch schon 1417 zu Wenden am Tage Viti Modesti einen Peter von Duren mit gewissen Guͤtern belehnet, und 1416 den ron- neburgischen Manntag angestellet. J m ersten Jahr seiner Regierung hielt er einen Manntag auf Ronne- 1416 burg, wo er in Abwesenheit des Erzbischofs sich des erzbischoͤfli- chen Vicariatsiegels bediente Wallenrode mus aus dem rigischen Stifte nicht viel Einkuͤnfte gehoben haben, welches sei- ne Klagen zu Costnitz und der drauf erfolgte Tausch mit Luͤttich beweisen. Nunmehr waren die Herrenmeister auch zugleich Erzbischoͤfe, nnd thaten was sie wolten. Hierauf zielt Menius, wenn er bey dem seinem Prodromo vorgesetzten Bilde eines Bischofsstuls den Ausdruck gebraucht, daß mit der Zeit die Tochter, d. i. der Orden, die Mutter oder die rigische Kirche als Stifterin aufgefressen. Meister Sifried hielt zu Ronneburg auf dem erzbischoͤflichen Schlosse einen Manntag mit den Vasallen und Maͤnnern der Kirche, wohey er sich gevolmaͤchtigten Vicarius des Stifts von Riga nennet, auch am Ende des Documents selbiges mit dem Vicariatssiegel befestiget zu haben versichert. Schon im Jahr 1410 heist es in einem Lehnbriefe, daß Conrad von dem Vietinghave, volmaͤchtig Vicarius des Erzbischops Johannes von Wallenro- da in der Palten tho Seßwegen ein Stuͤck Landes, dat nu wedder an de hellige Ker- cke tho Riga gefallen was, fry na Lehngudes Rechte an - - und sinen Erven unter sinen Vicariatssegel verlehnet habe. Wallenrod wuste als ein staatskluger und scharfsinniger Man diese Zunoͤthigungen zu verbeissen. Er hatte bey allen Wiederwaͤrtigkeiten etwas scherzhaftiges an sich; daher Kirchner in Panegyricis part. 2, paneg. III, p. 76 seine apophthegmata als lepidis- sima lobt, deren aber Zinckgreve nicht mehr habhaft werden koͤnnen, welcher ihren Verlust in der Vorrede seiner apophthegm. bedauret. . Er und seine Ordensherren liessen sich Montags vor Maria Magdale- 1417 na durch den Erzbischof uͤber die von dem Orden 12 Jahr gefuͤhrte Vormund- schaft des Erzstits quitiren. Der Erzbischof, welcher schon abgereiset war, be- volmaͤchtigte dazu den Dechanten Peter Valkenberg, die Kirchenprocuratoren Jsbrand Koskuͤl, Vogt zu Treiden, Juͤrgen Gudslef, Vogt zu Koken- hausen, Hinr. Aderkasse, Hr. Hinr. von Vitinghove, Rittern, Hinrich Sasse, Hans Wideburg, Maͤnner der Kirche, den Vicarius Joh. Noͤllen- H h 2 borg, Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1417 borg, Joh. Pfarrern zu Lemsel, und Joh. Brakel, Kirchherrn zu Sess- wegen. Der Erzbischof Wallenrod uͤbertrug zu Costnitz in seinem und das Kapi- tels Namen den Soͤhnen der hochgedachten Herren und Ritter von Tiesenhau- sen, namentlich Herren Engelbrecht und Peter, das Recht der gesamten Hand oder Stamlehnsgerechtigkeit ( beneficium coniunctae manus et fimultaneae inve- stiturae ), wogegen sie sich ihrer Anforderung auf Kokenhausen nochmals begaben. Wallenrod kam nicht wieder nach Liefland. Denn nachdem der Papst Joh. der XXIII ste auf dem Concilio abgesetzet und gefangen genommen war; so beschlos die Versamlung, daß kuͤnftig kein Papst mehr gewehlet werden solle. Die Cardinaͤle aber, die mit Gewalt einen Papst verlangten, wiedersprachen diesem Schlus und zogen die Franzosen, Spanier und Longobarden auf ihre Seite. Sie gewannen auch die Englaͤnder, nachdem der standhafte Erzbischof Robert von Salisbury gestorben war. Nun fehlte ihnen noch die Stimme der deut- schen Nation, welche vornemlich auf den rigischen Erzbischof und den Bischof zu Chur in Graubuͤndten ankamen. Allein die Cardinaͤle griffen diese beiden Maͤnner auf der schwaͤchsten Seite an. Sie fuͤhrten Wallenroden die ewigen Verdrieslichkeiten der rigischen Erzbischoͤfe mit dem Orden zu Gemuͤthe, und versprachen ihm das fette und ruhige Bistum Luͤttich, der kleine Bischof zu Chur aber Johannes Habundi, dem seine Buͤrger auch das Leben sauer mach- ten, solte ein grosser Erzbischof zu Riga werden. Dadurch erhielten die Cardi- naͤle ihren Willen, und Wallenrode befoͤrderte die Wahl Martins des V ten zum Papst Kojalowitz thut um diese Zeit S. 88, eines Herrmeisters Meldung, der Herman geheissen, wie auch Cromer B. XVII von ihm schreibt, da doch vorher kein andrer diesen Vornamen gefuͤhret als Balcke; welches ohne Zweifel aus einem Gedaͤchtnis- feler herruͤret. Nach Strubiczens Bericht wurde Wallenrode ein Weltlicher, und legte die geistliche Kleidung ab, worin er aber irret. Seinen Nachfolger Henning Abundi, nennet Kelch Johannes Harburdus, gewesenen Bischof in Curland, so ebenfals unrichtig ist. Die Documente muͤssen uns hier | zn Wegweisern dienen, de- nen wir auch gefolget. Die paͤpstliche Bestaͤtigung von Martin dem V ten in 4ten Jahr seiner Regierung 1421 entdecket uns klaͤrlich, daß Joh. von Wallenrode Bischof von Luͤttich worden, und Johan vormaliger churischer Bischof zum rigischen Erzbischof ernant worden, womit die Acta Concilii Constantiensis uͤbereinstimmen. Eine andre paͤpstliche Bestaͤtigung ist zu Sevenne vom 9ten Jul. im ersten Jahr der Regierung Martini unterzeichnet. . Unsre Documente melden diese Begebenheiten ein Jahr fruͤher, als das hardtische Concilium Constantiense. 1418 Am 26sten Jenner gab Martin der V te diesem Wallenrod samt den Bi- schoͤfen von Passau und Brandenburg die Volmacht aus den Kirchenguͤtern in Deutschland den zugestandenen Zehnden fuͤr den Kaiser einzutreiben, derglei- chen Befehl auch unterm 2ten May dessen Nachfolger und nunmehrigem Erzbi- schof zu Riga Joh. Habundi uͤbertragen wurde. Doch auf die Vorstellungen der Deutschen gerieth dieser Befehl ins Stecken und kam zu keiner Volziehung. Wallenrod gieng das Jahr darauf zu Luͤttich mit Tode ab. Der neue Papst las den Pohlen nach der greulichen Niedermetzelung der Ordensbruͤder in der tannebergischen Schlacht einen harten Text, und rieth ihnen, kuͤnftig lieber ihre Sebel an den Tuͤrken koͤpfen zu wetzen. Die Staͤdte Riga, Doͤrpt und Revel sandten ihre Abgeordneten nach Luͤbeck, woselbst sie nebst vielen andern Botschaftern der Hanseestaͤdte auf den Koͤnig von Daͤnnemark warteten, bey dessen Aussenbleiben aber der Handlung wegen unter andern Stuͤcken auch diese ausmachten: Zum ersten, niemand sol in 2 Staͤdten zugleich Buͤrger seyn, auch nicht Aelterman werden koͤnnen, wenn er nicht aus einer Hanseestadt ist. Zum zweiten, niemand sol ungefaͤrbtes Tuch aufkaufen, und es anderwerts zu faͤrben hinfuͤhren, bey Erzb. Joh. Habundi. zur Zeit der Reg. Sif. Landers v. Spanheim. bey Verlust des Tuchs. Zum dritten, kein Buͤrger oder Fremder sol das bessere 1418 und uͤberwichtige Geld von dem leichtern und schlechtern um Gewinstes willen ab- sondern, bey Verlust des hanseeischen Privilegii. Zum vierten, kein Kaufman oder Schiffer sol Getreide ( bladum ) Bladum heist eigentlich Rocken. Ein mehrers hat Hartknoch beim Duisb. S. 10, not. g ) da- von angemerkt. kaufen, ehe es gewachsen, noch Stroͤm- linge ( alleca Strumlin ) Stroͤmlinge sind eine Art von Heringen, und werden sowol eingesalzen als geraͤuchert. Sie fallen etwas kleiner als die gewoͤhnlichen Heringe, und theilen sich in verschiedene Geschlechter. Die Kuͤ- sten der Ostsee wimmeln von diesem Fisch, und mehr als eine Million Menschen muͤssen sich da- von den meisten Theil des Jahrs erhalten. Ehe der schottische Heringsfang empor kam, wur- den diese Fische aus der Ostsee geholet, und nach fremden Laͤndern verfuͤhret. Daher vielleicht die Erzehlung ihren Ursprung hat, daß die Hermge ihren Zug nach der Nord see genommen, da doch die Ostsee keinen Mangel daran hat, ob sie gleich nicht mehr verfuͤhret werden. vor dem Fang oder Tuch vor dem Weben bey Strafe 10 Mark. Zum fuͤnften, kein Schiffer darf sein Schif uͤberladen bey Strafe der Ersetzung des Schadens; und wenn auch kein Schade daraus entstuͤnde, sol er dafuͤr doch keine Fracht erhalten. Zum sechsten, kein Schiffer sol nach Martini in die See gehen oder vor Petri Stuhlfeier aus dem Winterhafen segeln, ausser die Bier- und Heringsschiffe, die noch nach St. Nicolai befrachtet und schon auf Mariaͤ Reinigung aus den Hafen gelassen werden koͤnnen Cranz irret sich also, wenn er die Veranlassung dieser Verordnung so spaͤte in der Verungluͤckung eines luͤbischen Schifs sucht, das 1468 auf seiner Reise nach Revel in den Scheeren von Schweden und Finnland gescheitert, wobey die ganze Ladung an Waaren verloren gegangen, und ausser den Schifleuten bey 200 Seelen alt und jung umgekommen. Ueberhaupt sind diese Gesetze nicht lange von Guͤltigkeit gewesen. . Diesem Sifert hat die Stadt Pernaw etliche ihrer schoͤnsten Privilegien zu danken. Er sandte auch seine Boten, nemlich den Comtur von Vellin, Gos- win, und den Vogt von der Narve, Herman, samt ihrer Geselschaft, an den Groskoͤnig Waßili Demetrowitz, an den Koͤnig Constantin Demetro- witz, an den Erzbischof und die ganze Gemeine zu Nogarden. Die Russen sandten den Knesen Feodor Petrowitz nebst andern erfahrnen Handelsleuten nach dem narvischen Bache, die Grenzen einzurichten und die Handlung mit Liefland in Richtigkeit zu bringen. Der Landmarschal Walrabe, der revel- sche Comtur Didrich und Joh. Vogt zu Wenden, haben diesen Vergleich unter Kuͤssung des Kreutzes beschworen, an welchen 6 Siegel gehaͤngt worden. Nachdem der Erzbischof Johannes der VI te, der Stadt Riga unter an- 1421 dern die alte Freiheit zu muͤnzen und ihre Freiheiten, Rechte und Gnadenbriefe al- le mit einander und jeden insbesondere 5 Tage vor Urbani zu Lemsel bestaͤtiget hatte, so uͤbergab der Rath dem Propst, Dechanten und Kapitel eine Monstranz von reinem Golde, reich mit Perlen besetzt, die Wendele von Pithofere zum Nutzen dieser Kirche machen lassen. Freitags nach Bonifacius. Der Ordensmeister legte in Revel etliche Jrrungen zwischen der Stadt 1422 und dem Jungfernkloster in der Guͤte bey. Der Erzbischof Johan starb in diesem Jahr zu Ronneburg und ward zu 1243 Riga im Dom begraben. Nach ihm kam der ehmals gewesene rigische Dom- propst Henning Scharfenberg, welcher seine Jnvestitur vom Papst Mar- tin dem V ten am 11ten October im 7ten Jahr seiner Regierung erhielt, und ganz unrichtig in einer alten geschriebenen Chronik von Preussen Heinrich von Ber- bohm genennet wird. Weil ihn das Kapitel einmaͤchtig gewehlet, so gieng der Papst schwer an das Jawort. Mitwochs nach Jubilate schickte der Kaiser Sigismund dem Erzbischof 1424 zu Riga und andern Praͤlaten in Preussen und Liefland aus Blindenburg die geschaͤrfte Erinnerung zu, daß sie die Hochmeister in Preussen und Liefland an ihren Rechten und Handfesten nicht kraͤnken solten, so lieb ihnen die Vermei- dung Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1424 dung des Kaisers und des Reichs schwerer Ungnade sey. Widrigenfals wil er schon solche Maasregeln nehmen, daß die Clerisey den Orden wol ungekraͤnkt lassen sol. Auf diese deutsche Ermahnung erfolgte noch ein lateinischer Freiheitsbrief an die Unterthanen des Ordens, daß dieselben nicht vor das kaiserl. Gerichte sollen citiret werden koͤnnen, welchen Brief der Bischof Caspar zu Pommern in eben dem Jahr transsumiret. Die folgenden Zeiten belehren uns, daß der Orden sich dieser Beguͤnstigungen vortheilhaft genug zu bedienen gewust. Jhm folgte nach einer 7 jaͤhrigen Regierung Die Lebensart dieses Regenten wird nicht zum besten beschrieben, und wer saget uns, was die Pfaffen dazu gelogen? Schuͤtz B. III, k. 114, und vor ihm Cranz in Van- dalicis, berichten, als ob der Ordensmeister seine Geliebte einem jungen Kaufman zur Ehe aufdringen wollen, der aber durch seine Verweigerung den Hals verwirket, und weil man ihn des Diebstals beschuldiget, gehenkt worden; vorher aber im Vertrauen auf sein gutes Gewissen den Meister besprochen, innerhalb 14 Naͤchten vor dem Richterstuhl GOttes zu erscheinen, welchen Termin auch Sifert gehalten. Nach des Meisters Tode ward auch das Weibstuͤck wegen Diebstahls verklaget, sie war aber gluͤcklicher als der Kaufman, indem sie sich eine platte scheren lies, und in Moͤnchshabit nach Preussen entwischte. Cranz giebt dem Meister weder Namen noch Jahrzahl, son- dern erklaͤrt es fuͤr ein gemeines Gassenmaͤhrchen. Russov erwehnet nichts davon. Herr Schurzfleisch spricht diesem Histoͤrchen allen Glauben ab, und wir haben uns geschaͤmet im Texte eine Erzehlung davon zu machen. Fabula vulgatur per omne Li- uoniae theatrum, schreibt Cranz, Wandal. B. XI, k. 2. Syfrid Lander ist uns sonst noch durch ein 10 jaͤhriges Buͤndnis bekant geworden, welches er und der Hoch- meister, Hr. Michel Kokmeister, mit den Henzestaͤdten gemacht, davon aber die Jahrzahl verblichen. Der Orden von Preussen und Liefland verabfolget im Fal des Angrifs auf eigne Kosten 2000 Man zu Pferde oder zu Fus gewapnetes guten wehrhaf- gen Volks, zu Wasser bis in die Balge oder Wissel, und zn Lande bis zur Lau- wenborch. Alsdenn zehren diese Voͤlker auf Kosten der Hanseestaͤdte, und werden im Sunde oder zu Luͤbeck wieder uͤberliefert. Dagegen schickten die Handseestaͤdte 500 Man zu Schiffe entweder nach Danzig, oder nach Riga, oder Revel, nach- dem der Orden sie in Preussen oder Liefland noͤthig hat, der sie auch entweder im Sunde oder zu Luͤbeck frey zuruͤck giebt. Der fuͤnf und dreißigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Cysse von Rutenberge Chytraͤus nennet ihn Ziso von Rutenberg Die Rutenberge sind Herren von Orges. Jn dem clodtischen Geschlechtregister findet sich ein Bruder dieses Ordensmeisters, Herr Johan Orges, genant Rutenberg, dessen eheleibliche Tochter an Herrn Martin von Ungern-Sernberg verheirathet worden. Die altadelichen Fa- milien in Liefland haben insonderheit genaue Verzeichnisse ihrer Ahnen, aus welchen die Histo- rie mitlerer Zeit schon erlaͤutert werden koͤnte, wenn man sie beisammen haͤtte. Dergleichen Sorgfalt war auch noͤthig, nicht nur, weil ein Ritter bey seiner Aufnahme in den Orden oder ins Hochstift seine 16 Ahnen erweisen muste, sondern auch, weil nach den lief- und estlaͤndischen Privilegien von der Spilseite ins 5te Glied, eine vortheilhafte Erbschaft zu erhalten moͤglich war. ; Horner, Silsenus von Ruten- berg, . A m Tage Crispini und Crispiniani errichteten die geistlichen und weltlichen Staͤnde zu Walk einen Reces, laut welchem der Land- und Zinsman alle seine jaͤhrlichen Zinsen als Kuͤhe- und Ochsen- haͤute, Kornschuld und andre Gerechtsamen mit neuen Paga- ment bezahlt. Wegen der Drillen (das sind Leute, die von einer Herrschaft zu der Erzb. Henn. Scharfenberg. zur Zeit der Reg. Cyssens v. Rutenberge. der andern ziehen) wird beschlossen, daß sie der Herr behalten mag, wenn er ihre 1424 Drillschaft mit einer Mark loͤset. Die Drillen aus der unglaͤubigen Lande wer- den auf Begehren ihres Herren wieder ausgeantwortet. Ein Todschlag wird mit 10 Mark rigisch gebessert. Alle Schulden und Geldbusse vor diesem Reces wird nach alten Muͤnzfus, die neuen aber nach dem neuen Pagament bezahlet, derge- stalt, daß ein Mark neues Geld bezahle 4 Mark altes Geld am luͤbischen Es ist also keine richtige Folge, wenn Russov S. 48 beim Jahr 1466 die neue Mark rigisch zu 7 Loth reines guten loͤthigen Silbers revelschen Gewichts angiebt, und also schliesset: Dith sint noch nye Mark gewesen, wat moͤgen denne de olden gegulden hebben? Der Werth einer Mark ist an sich unverruͤckt geblieben, weil aber die alte Muͤnze zu geringhaltig war; so muste von der- selben 4 mahl mehr auf die Mark bezahlet werden, als wenn man sich der neuen guten Muͤn- ze bediente. . Alle Jahr mus durch einen Muͤnzherrn die Muͤnze probiret werden. Hierbey waren zugegen ausser den Bischoͤfen von Liefland und Meister Cysen, Gos- win von Pahle zu Vellin, Goswin von Velmeck, zu Revel, Comture. Helwich von Gilsen zu Jerwen, Joh. von Tircht zu Wenden, Wer- ner von Nesselrade zu Carkus, Joh. Voßinger zu Wesenberg, Voͤgte. Tanne Wulf von Spanheim, Comtur zu Marienburg. Henning Scharfenberg, Electus und Dompropst, Martin Kegeter, Domherr und Oeconomus, Joh. Treppe, Domherr zu Riga, Hinr. von Vitinghofe, Ritter und Helfer derselben Vereinigung, Joh. Wildenborg, Vogt, Gott- schalck von der Pahl, Hovetman zu Treyden, Juͤrgen Gutsleff, Vogt zu Kokenhusen, Kersten von Rosen, Bertram von Jxkuͤl, Hinrich Aderkaß und Odert Orges von Seiten des Stifts zu Riga. Die Stadt Riga muste bisher zu einer Vicarie dem Orden jaͤhrlich 12 gute 1426 neue Mark rigisch entrichten, weil sie an den vorhergehenden Ordensmeister Syfrid in der Domkirche einen Uebermuth begangen. Hans Schaffrode, der Grossen Gildenstube, und Werner Herzv e ld, der kleinen (luͤttiken) Gil- denstube Eltermaͤnner, stelten die Armuth der Stadt Cyssen vor, welcher ih- nen auch 6 Mark erlies. Die uͤbrigen 6 Mark sollen jaͤhrlich an den Comtur zu Duͤnemuͤnde, und zwar 3 auf Weinachten und 3 auf Johannis, entrichtet werden. Der Landmarschal Diedrich Kraa, der Vogt zu Wenden Joh. von Trecht; die Comture Lambrecht von Merkenich zu Ascherade, Fran- cke von Vorssen zur Mitau, und Wolter von Plettenberg zu Dobblen, waren als Zeugen dabey. Riga am Thomas tage. Cysse machte sich um die Stadt Narva durch Ertheilung eines besondern Siegels und Wapens wie auch eines herlichen Privilegii verdient. Desgleichen machten am Sontage vor Fabian Sebastian die geistlichen und weltlichen Her- ren von Liefland eine eigene Muͤnzordnung zu Walck. Den Schilling Loccenius libr. 2 Antiquit. c. 18, trift den Ursprung des Worts Schilling wohl, wenn ers von skilja, scheiden, absondern, herleitet, weil diese Scheidemuͤnze Kaͤufer und Verkaͤufer aus einander setzet. Diejenigen welche Schilling in alten Briefen finden, muͤssen nicht auf Schel- len und Klingen, sondern auf das alte Wort Schelen, verschelen sehen, davon im platdeut- schen Schellinge eine Scheidung und Zwietracht uͤbrig ist. Daß in Liefland Scherfe gebraͤuch- lich gewesen, beweiset Christoph Falconius in seinem zu Koͤnigsberg 1552 gedruckten Rechen- buche, nach dessen Anzeige 4 Scherfe in Liefland einen Heller, 5 Mark 10 Gr. einen Roseno- bel, 5 Mark eineu Doppelducaten; zu Sigism. Augusts Zeiten aber 6 Mark einen Roseno- bel, und 28 Mark 3 Gr. einen Portugaloͤser gemacht Rhanaͤus bezeuget in einem Briefe vom 1sten October 1728 an einen vornehmen von Adel, daß er in alten Urkunden und Diplomaten von 1252, 1272, 1290 und 1453 ganz seltene und unbekante Muͤnzsorten nemlich Marten, Orte- ringen, Grausseln und Arpen gefunden. Allein da man Dinge nicht ohne Noth vervielfaͤlti- gen sol J i 2 man berg, Strubicz, Hessus, die eine Handschrift Lesse von Rautenberg, die ande- re Giese von Rautenberg; Russov, Zyse von Rutenberch; Ceumern, Cise von Rautenberg; Praͤtorius, Zyese von Rautenburg; Henninger, Zisa von Rytenberg. Das Jahr seines Antrits setzen Russov und Hiaͤrne 1428. Die von ihm vorhandenen Documente geben Herrn Kelchen Recht, nur mus sein Vorna- me Cysse oder Sysse geschrieben werden. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1426 man einen Artig, und den Sechsling einen Scherf nennen. Drey luͤbische Pfennige sollen auf einen neuen Artig gehen, und keine andre Muͤnze im Schwan- ge gehen als Artige, Luͤbische und Scherfe. Damit man Scheidemuͤnze be- komme, werden neue Scherfe geschlagen. Wer nach Laͤtare sich der alten Muͤnze bedient, buͤsset 100 Mark Goldes, davon ein Viertel an die paͤpstliche Kammer, ein anderes an die Reichskammer, das dritte an des Uebertreters Ober- herrn, das vierte an den Erzbischof, die Bischoͤfe und den Orden verfaͤlt. Der Papst Jnnocentius der III te, hatte schon vor mehr als zweihundert Jahren der Geistlichkeit in Liefland die Erlaubnis ertheilet, sich in ihrer Klei- dung von dem Orden zu unterscheiden, damit das Gegentheil keine Unterwerfung anzeige, und der Orden ein Recht daraus mache. Doch wurden die Geistlichen und sonderlich die Moͤnche auch ermahnet, um der Schwachheit der Neubekehr- ten willen allen Unterschied in ihren Moͤnchstrachten aufzuheben, und einerley Kleider zu tragen, weil es sonst die Schwachglaͤubigen fuͤr eine Mishelligkeit in Glaubenssaͤtzen ansehen duͤrften. Der Orden hielt es mit der Zeit seiner Hoheit fuͤr verkleinerlich, wenn die Praͤlaten und Priester sich durch eine besondere Tracht und Farbe unterschieden, gewan aber endlich am paͤpstlichen Hofe den langweili- gen Rechtshandel, indem Martin der V te die so berufene Bulla habitus Dieses an sich unerhebliche Gesetz wurde eine Gelegenheit zu vielem Misverstaͤndnis und offenbaren Spaltungen, und weil die Clerisey hierdurch unter den Orden erniedriget zu seyn schien, so verursachte dieser paͤpstliche Wille manchem darunter eine schwere Gewissensangst. Bey der Stadt hat der Erzbischof Silvester die paͤpstliche Kleiderbulle bekant machen lassen, die daher auch den Namen der Bullae habitus traͤget. Wir wuͤrden hier eine lange Reihe von Paͤpsten anzufuͤhren haben, deren Bullen fast von Regierung zu Regierung der lieflaͤndischen Clerisey die Uniform des Ordens angerathen und befohlen haben, wenn besondere historische Umstaͤnde darin enthalten waͤren und nicht ihr Jnhalt durchgaͤngig auf eins hinaus liefe. Jndessen waͤre die Materie de pallio so fruchtbar, daß man wo nicht ein ganzes Buch, wie Tertullianus, doch eine Dissertation davon schreiben koͤnte. heraus gab, mit gemessenem Befehl, daß kuͤnftig von der Geistlichkeit durch ganz Lief- land die Uniform des Ordens ohne Ausnahme getragen werden solle. Die Russen von Plescow fielen in diesem Jahr ins Doͤrptische ein, wobey der Ordensmeister so gelassen war, daß er nur auf die erwuͤnschte Stunde hofte, wenn der Bischof ihn um Huͤlfe ersuchen und dabey sich zur Unterwer- fung anbieten wuͤrde. Doch der Bischof ersparte das Compliment, und wandte sich an die Litthauer, deren Grosfuͤrst Vitold nicht nur dem Bischof Die- drich Luft machte, sondern auch Plescow selbst pluͤnderte. Dieses Buͤndnis mit den Litthauern gab den Orden wieder zu allerhand Ubermuth gegen die Geistlichkeit Anlas. Der Erzbischof Henning konte sich nicht laͤnger halten, und berief eine algemeine Versamlung, auf welcher dem Domdechanten zu Re- vel und den Domherren zu Doͤrpt aufgetragen ward, dem Papst das Elend der lieflaͤndischen Clerisey muͤndlich vorzustellen, zu welcher Reise ihnen verstattet wurde, einige Collegen zu Gefehrten auf dem weiten Wege mit zu nehmen. Einige Rathsherrnsoͤhne von Revel und Doͤrpt unternahmen eine gemein- schaftliche Reise, um sowol Rom zu besehen als in Jtalien zu studiren. Dieser Geselschaft von etwa 16 Personen laurte an dem Pas des Wassers Liba ein Hau- fen Reuter auf, welche Goswin von Aschenberg, Vogt zu Grubin, anfuͤhrte, der ihnen ihre Briefschaften abnahm, das Reisegeld einsteckte, und die dabey be- findlichen Domherren mit gebundenen Haͤnden unter das Eis werfen lies. Diese That berichtete er an die Bischoͤfe des Landes, unter seinem Namen, weil er mit solchen Verraͤthern des Landes nicht anders umgehen koͤnnen. Ob Cysse davon Kundschaft gehabt, laͤst sich nicht sagen. Wenigstens kraͤhete kein Hahn dar- nach, und der Ordensmeister lies nach eingelaufenem Bericht weder die Sache recht zur Untersuchung, noch den Thaͤter vor Gericht ziehen; ja da die Sache rege gemacht gen darf, so ist glaublicher, daß Rhanaͤus entweder in der Urschrift Marke, Oeseringe, Gro- schen und Artige lesen sollen, oder sich auch schon felerhafter Abschriften bedienet habe, derglei- chen man hier in grosser Menge antrift. Erzb. Henn. Scharfenberg. zur Zeit der Reg. Cyssens v. Rutenberge. rege gemacht wurde, erhielt der beleidigte Theil nicht einmal die gewoͤhnliche Ge- 1426 nugthuung. Auf Mariaͤ Himmelfart nahm der Erzbischof Henning mit dem Orden 1428 zu Walke wegen des Ordenshabits Verabredung. Der Landmarschal Werner von Eschelraden, der revelsche Comtur Goswin von Veldmede, Hr. Otto Brakel, Ritter zu Ronneburg von Seiten des Ordens; und Juͤrgen Gutslef, Vogt zu Treiden, Bertram Uxkul zu Rosenb e ck und Gottschalck von der Pahle von Seiten des Erzbischofs und Kapitels vertrugen sich am Tage der Himmelfart Mariaͤ zu Walke folgender ge- stalt: Der ehrwuͤrdige Herr von der Rige sol den Meister und seine Ordensleute der Aenderung ihrer Tracht wegen um Vergebung bitten; und, wenn es der Meister begehret, auf ihr Gewissen bezeugen, daß sie nicht dem Orden zum Hohn noch zur Schmach die Kleider verwechselt. Die Domherren von Riga begehen alle Jahr Mon- tags nach Laͤtare eine ehrliche Begaͤngnis mit Vigilien und Messen, zu ewigen Zei- ten, fuͤr alle verstorbene Meister und Bruͤder des Ordens, auch fuͤr die, so noch ster- ben moͤchten, zu einer Erleichterung fuͤr die Mishelligkeiten, die dem Orden durch Ablegung ihrer Kleider geschehen ist. Wegen der todgeschlagenen Boten der Praͤ- laten sollen weder der Erzbischof, noch die andern Bischoͤfe den ehrwuͤrdigen Meister und seinen Orden in- und ausserhalb Landes belangen, weil sowol der Hochmei- ster in Preussen als der Meister in Liefland sich entschuldiget haben. Wer Leute und Geld verlohren, sol sich an Goswin von Ascheberg und seine schul- digen Mitgehuͤlfen halten, wo sie auch gefunden werden. Findet sie jemand, so wil man sie nicht hegen, sondern uͤber sie Gericht halten. Die Praͤlaten haben beim Papst und roͤmischen Koͤnig auszumachen, warum der Zuschus auf die Ketzer in Boͤhmen nach Entbietung des Legaten versaͤumet worden. Der Pro- ces am roͤmischen Hofe wegen der Kleidertracht mag inzwischen fortgesetzet wer- den, und kan jeder Theil sich seiner Bullen und Privilegien dabey bedienen. Ausser oberwehnten haben ihr Siegel noch beigedruckt Hinrich von Vitinghof, Ritter, Odert Orges, Vogt zu Kokenhausen, Wollmer Wrangel und Hans Lode, Helmolds Sohn; Hr. Joh. von Lechtes, und Kost von Borstel Buͤrgermeister zu Revel, Herman Soye, Claus Soye, Ot- to Soye, William Lode Es wuͤrden sich aus unsern Documenten die Geschlechtregister vieler vornehmen und alten Haͤu- ser um ein betraͤchtliches vermehren lassen, wenn diese nicht noch viel volstaͤndigere Quellen haͤt- ten, woraus sie ihren Unterricht holen koͤnten. Die Herren von Tiesenhausen, von Yxkuͤl, von Rosen, von Mekes, von Scharenbecke, von Vietinghofe, zieren alle Blaͤtter. Wir wol- len von dem alten lodischen Geschlecht eine kleine Probe ertheilen. Ein Odert Lode unter- schrieb zu Roschild 1265 der Koͤnigin Margaretha Muͤnzbefehl; Hinrich Lode 1343, und Hinrich Lode von Lechtes, Ritter, steht in verschiedenen daͤnischen Privilegien uͤber Est- land; Johann Lode erhielt 1400 zu Rom das Cingulum militiae oder den ritterlichen Stand, und einen freien Pas auf 7 Reuter, uͤberal ohne Geleitsgeld durchzukommen, weil er einen Mohr an den Koͤnig von Daͤnnemark zu bringen habe. Helmold Lodens Witwe, mit Namen Le- na, und ihre beiden Soͤhne Odert und Herman erhielt 1420 von den Brigitten nonnen und Augustiner bruͤdern in Marienthal die Versicherung, daß sie fuͤr ihre gute Werke an allen geist- lichen Uebungen des Klosters Theil und Genus haben solten. Jm Jahr 1361 bezeuget Odward Lode und Henrich Lode, daß Nicolaus, sein Bruder Henneke, und Heinrich Nicolai Sohn, Herren von Lode, gewisse Guͤter verkauft haben; 1410 erhielt Hans Lode das Gut Kukkers, der Joh. Lodens von Kochtel Sohn war. Jm Jahr 1417 finden wir einen Hans Lode Helmolds Sohn, und Wilbelm Lode, Ottens Sohn, 1433 Odert Lode Ottens Sohn. Fromhold Lode bewilliget seiner Frau Elsebe eine Vicarie von 200 Mark rigisch, 36 neue Artige auf die Mark gerechnet. Hans und Henniken Lode, Hansens Soͤhne von Podebus, anjetzo Podes genant, kommen 1453 in einem Briefe vor. Herman Lode zu Assery war 1546 Landrath in Estland. Heinrich Lode empfieng von Stephano, Koͤnig von Pohlen, 1585 die Hoͤfe Teilmann im Wendenschen, und Ladon im Schuyenschen. Jm Jahr 1545 stehen Reinhold Lode, Hermans Sohn, sein Bruder Helmold, und Juͤrgen Lode zu Vedell, sein Vetter, im wesenbergischen Vertrage. So schreibt sich auch ein Johann Lode 1531 der Kirche zu Oesel, Doͤrpt und Revel Domherr. Jn dem Chor der wendischen Domkirche siehet man einen geharnischten Man auf einem grau- en Stein mit einem Schwerdte; zu seinen Fuͤssen liegt ein Wapenschild mit 3 Baͤrentatzen, auf dem Helm aber 3 Pfauenfedern mit der Umschrift: Jnt Jahr MCCCC und XVIII vorblef se- lige Dirik Lode, deme Got mote ghnedich sin siner Seile. Jhs! Maria! Joseph! , Hans Tuwe, Hinrich Metzetake und K k Hans Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1428 Hans Soye von einer Seite, und Herr Engelbrecht von Tisenhusen, Pe- ter von Tisinghusen, Kersten von Rosen, Didrich Uxkul, Fridrich Schwarthoff, Claus Mekes, Eile r d Kruse, und Rolof Persewall als Gevolmaͤchtigte des andern Theils. 1430 Der Ordensmeister befahl seinem Landmarschal, nach Litthauen aufzu- brechen, um den Svidrigell gegen seinen Bruder den Koͤnig in Pohlen Ula- dislaus oder Jagello beim Grosfuͤrstenthum zu erhalten, welcher auch mit sei- nen Lieflaͤndern nebst dem preußischen Landmeister und Grosmarschal aus Koͤnigsberg in der litthauischen Coya so Haus hielten, daß 24 Staͤdte im Rauch aufgiengen und gepluͤndert wurden. Die Pohlen wolten auch etwas von der litthauischen Beute erschnappen, und uͤberfielen die Lieflaͤnder bey ihrem Zaudern so heimlich, daß sie den Landmarschal beim Fluͤgel bekamen und uͤber 800 seiner Leute niedersaͤbelten. Der Landmarschal ward gegen etliche vornehme Lit- thauer los gegeben, Svidrigell aber seiner uͤblen Regierung wegen von seinen Unterthanen aus dem Lande gejaget Die litthauischen Feldzuͤge werden uns von den Pohlen selbst nicht gar richtig be- schrieben, weswegen vielleicht aus einem Kriege mehrere gemacht worden. Horner setzt diesen in Cyssens 9tes Jahr, und meldet, daß Litthauen leicht waͤre unters Joch ge- bracht gewesen, wenn der Tod des Ordensmeisters nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht haͤtte. Svidrigell, um dessen willen die Lieflaͤnder den Zug unternahmen, heist in dem Supplement des Duisburgers c. XLIII und XLIV Switterga, Swi- tergal und sonst Switergail, bey lateinischen Schriftstellern aber Svidrigelo, oder Svitrigellus, der doch mit seinem und des Jagello Bruder Skirgello nicht ver- wechselt werden mus. Des Ordensmeisters Todes jahr setzen etliche weiter hinaus; Hi- aͤrne beweiset aber aus Brief und Siegeln, daß man sich an die preußischen und lieflaͤndischen Geschichtschreiber nicht kehren duͤrfe, sondern Cranz, Cramer und Chytraͤus Recht haben, welchen auch Kelch gefolget. . Der Bischof auf Oesel, Christian Gorband, ein beim Papst Mar- tin dem V ten wohl gelittener Man lernte auf der Visitation seines Kirchenspren- gels die schaͤdlichen Absichten des Ordens wider sein Bistum genauer kennen, und uͤbertrug auf seiner Hinreise nach Rom dem Koͤnig in Daͤnnemark die Vor- sorge fuͤr sein Stift und die Beschuͤtzung seiner Praͤlaten. Doch Cysse nahm den Vorsprung, und besetzte die Schloͤsser des Stifs mit seiner Manschaft, welches ein neuer Zunder zu kuͤnftigen Gewaltthaͤtigkeiten zu werden schien. Allein die Kapitelsherren richteten daruͤber einen Vertrag auf, und uͤbergaben dem Orden das Schlos Arensburg in treue Hand bis auf die Ankunft eines neuen Herrn zu Oesel, worauf 12 Man zur Besatzung hineingeleget wurden. Der Bischof Christoph zu Lebus, Balzer von Schlieben, Meister des St. Johannis ordens in der Mark und Pommern, Peter von Borch- storf, Dechant, und das Kapitel zu Fuͤrstenwalde, Merten Winse und Entze Brandenburg, Buͤrgermeister zu Frankfurt an der Oder, errichteten einen Vergleich zwischen Herrn Niclas Wilpergen, Bischof zu Fernen, St. Johannis ordens, und den Stadtschreiber von Rige, welcher erstere etliche rigi- sche Kaufleute mit Huͤlfe der ehrbaren Raͤthe zu Francford, Berlin und Coͤlln einer Schuld wegen von 1000 Gulden zu Fuͤrstenwalde anhalten lassen. Gegeben zu Fuͤrstenwalde am Abend des heil. St. Johannis tages. 1433 Die Stadt Revel betraf am 11ten May das unvermuthete Ungluͤck, daß ih- re Haͤuser samt den Vorstaͤdten durch eine wuͤtende Feuersbrunst in die Asche gele- get wurden. Die Moͤnche haben uns die Jahrzahl in diesem Verse aufheben wollen: tVnC IaCet eXVsta MaIo reVaLIa pVLChra . Der damalige Bischof Heinrich von Uxkuͤl bauete das Jahr nachher den so genanten Bischofshof aufm Dom, und weihete im dritten Jahr das Brigitten- kloster Marienthal ein, in welchem Moͤnche und Nonnen durch eine Mauer unterschiedene Zellen hatten. Der Erzb. Henn. Scharfenberg. zur Zeit der Reg. Frankens v. Kerßdorf. Der Ordensmeister Cysse war indessen wider die Litthauer auf Rache be- 1434 dacht, und bot die ganze lieflaͤndische Ritterschaft bey 600 Personen auf, dar- unter ein Comtur 100, ein Ritter aber 10 von seinen Leuten mitnahm, wozu der weltliche Adel sowol als die Staͤnde und Bistuͤmer ihre Manschaft mit hergaben. Er brach auch mit ihnen nach Litthauen auf, die Feinde wichen aber, und liessen der Lieflaͤnder erste Hitze beim Rauben und Pluͤndern verrau- chen. Er wuͤrde ohne Zweifel in 12 Wochen fertig geworden seyn, wenn nicht ein maͤchtigerer Feind, nemlich die rothe Ruhr ins Lager gekommen, an welcher er nebst vielen neuangekommenen Herren aus Geldern und Westphalen ster- ben muste. Der Hochmeister Paul Pelnitzer von Rusdorf, den die Poh- len seines frommen Gemuͤths wegen nur Sanctum Spiritum nenten, drung den Lieflaͤndern nach Cyssens Tode seinen Verwandten auf. Dieser war Der sechs und dreißigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Francke von Kerßdorf Chytraͤus nennet ihn Franck von Kersdorp; Horner, Keistorf; Strubicz, Johannes Kyrchow; die eine Handschrift, Christoph Kerskorf; die andere, Kerk- hof, und Kese Korf; Russow, von Kersstorp; Ceumern, Franciscus von Kersdorff; Spangenberg von Kersebruͤck. Schuͤtz schreibet von Kerschdorff, die Pohlen aus dem Revisionsdocumenten, Frantz von Kirchhoff. Schurtz- fleisch wil in alten Schriften Kerczdorf gefunden haben. Jn dem Briefe, worin er die lateinischen vermoderten Privilegien der Stadt Goldingen ins Deutsche uͤbersetzen lassen von 1434, heist sein Zuname Kerkdorf. Nach dem Schurtzfleisch war er aus dem alten Geschlecht der Herren von Gersdorf, die urspruͤnglich Sach- sen, nicht aber Wenden gewesen, ohnerachtet manche wendische Familien aus Boͤh- men nach der Lausnitz gezogen, und sich daselbst nieder gelassen. Michow meldet B. IV, k. 44, daß ein gewisser Georg Gerczdorff im preußischen Kriege gefangen worden. . E r begab sich gleich zu dem Heer, welches in Litthauen noch streifte, lies sich aber so tief in die Wildnis heinein locken, daß weder Zufuhr noch Ruͤckweg offen blieb. Die Waͤlder waren verhauen, die Paͤsse stark besetzet, keine Lebensmittel im Lager, und die feindliche Macht vor Augen. Das Gefecht war unvermeidlich und die Niederlage fuͤr die Lief- laͤnder so ungluͤcklich, daß der Landmarschal Heinrich von Buckenvorde froh war, den wenigen Rest der Manschaft mit unsaͤglichem Ungemach durch lauter Wuͤsteneien zuruͤck zu fuͤhren. Hierdurch gerieth der lieflaͤndische Orden in ein solches Bad als der preußische in der Schlacht bey Tanneberg; die vornehm- sten Haͤuser in Deutschland aber in Bestuͤrzung und Trauer Crantz B. XI, k. 35, Wandal. meldet viele Umstaͤnde anders. Kersebrock, schreibt er, machte mit Svitergailen ein Buͤndnis, und versprach ihn zur Thronfolge zu ver- helfen. Der preußische Hochmeister lies sichs gefallen. Kersebrock zog aus ganz Liefland 600 Ordensbruͤder, Huͤlfsvoͤlker aus den Staͤdten, Esten, Liven und Letten, wie auch viele Auslaͤnder zusammen. Als er sich mit den Litthauern verei- nigte, muste ihm Svitergail versprechen, mit den Rigischen als Feinden des Or- dens anzubinden. Er schickte auch gleich den aͤltesten Comtur mit 30 Reutern zuruͤck, die inzwischen die Ordensschloͤsser schuͤtzen solten. Unterdessen geschahe das ungluͤckliche Treffen, wobey uͤber 20000 der besten Ritterpferde in feindliche Haͤnde kamen. Auf die Nachricht schickte zwar der Hochmeister einen andern Meister nach Liefland, allein die Lieflaͤnder liessen sich ihr Recht nicht nehmen, und erwehlten den Landmarschal zu dieser Wuͤrde. Es kostete ihnen aber viel Geld und gute Worte, ehe sie desselben Bestaͤtigung erhalten konten. . K k 2 Am Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1435 Am Tage der heil. Jungfrau Barbara errichtete dieser Ordensmeister zu Walck mit Vorwissen, Vollbort und Willen seiner ehrsamen Gebietiger als Gottfrieds von den Roddenberge, Landmarschals, Thomas von Hun- gersdorp, anders geheissen Greversmuͤhle zu Vellin, Heinrich von der Vorste zu Revel, Simons Langeschinckel zu Goldingen Comture, Mat- this von Bouningen zu Jerwen, Heidenreichs Vincke zu Wenden Vog- te, einen guͤtlichen Vergleich mit dem rigischen Dompropst Arnold von dem Brincke wegen der Laͤnder an der Duͤne gegen Kirchholm und Dah- len zu. Der Propst entsaget allen Anspruͤchen uͤber die Guͤter von der Berse- bach an bis an die uxkuͤlsche Scheidung, dagegen erhaͤlt er vom Meister den Hof Alpe, Duͤvelshof genant, ausser der Kalkpforte vor der Stadt Riga und Sarendorf bey der Duͤne uͤber dem Ziegelhause des Ordens gelegen; in- gleichen 1000 Mark rigisch nach Werth des alten Pagaments, wofuͤr der Propst in dem Lande des Ordens sich ein ander Gut ankaufen kan. Der Propst laͤst auch sein Recht fahren an dem so genanten oͤselschen Wehr auf der Duͤne, wo- gegen sich der Orden seines Antheils an dem oͤstingholmischen Wehre begiebt. Dem Propst werden die Guͤter Memorgha und Kekowe eingegraͤnzet, von der bersebeckischen Muͤnde, die in die Duͤne faͤlt, bis an die Bersemuͤhle, welches Muͤhlhaus der Orden behaͤlt, von dem Muͤhlenteiche weiter zur Berse- see um das Dorf Polkarden bis an die Muͤsse, von der Muͤsse bis an die Stadt- guͤter zu Riga. Das Erzbischofs Hennings Siegel befindet sich am Original mit dabey, der die Privilegien der Stadt Riga selbigen Tages bestaͤtigte. Jn diesem Jahr gieng die englische und flaͤmische Kaufarteiflotte aus Duͤnemuͤnde unter Segel, zu welcher auch einige wohl beladene Schiffe mit Stuͤckguͤtern aus Liefland stiessen die nach den Abendlaͤndern handeln wolten, musten aber widrigen Windes halben auf der Rhede liegen. Die Lieflaͤnder wurden von den Englischen an Bord zu kommen genoͤthiget, bey ihrem Besuch aber von den Englaͤndern aus Neid uͤber diesen Handel im Schifsraum versper- ret, und nachgehends uͤber Bord geworfen. Die Schiffe und Waaren nahm man mit nach England. Ob nun gleich die Englaͤnder eine Summe Geldes zu Cadix dafuͤr zu zahlen versprachen, so wil sich doch die Nachricht von der Er- stattung nirgends sinden Diese Nachricht ist aus Schuͤtzen. Man beschuldiget diesen Francken einer grossen Eigennuͤtzigkeit, die ihn mehr auf die Vortheile seiner Verwandten als des Ordens zu sehen getrieben. Er bekam von dem wittensteinischen Comtur Helwich von Gil- sen noch mit warmer Hand eine Tonne Goldes, und nach dessen Absterben 100000 Mark an Golde ohne das viele silberne Geraͤthe, desgleichen erbte er von dem Ka- stellan auf Vellin 30000 Mark Goldes und 600 Mark gegossen Silber, ausser dem silberne Tafelgeschirre. Diesen Schatz holte sein Bruder Wolther Kersdorf, preus- sischer Groscomtur ab, und ob schon die lieflaͤndischen Gebietiger dis Geld von dem Hochmeister Paul zur Ordenscasse geschlagen wissen wolten, so getrauete sich die- ser doch nicht eine so fette Nachlassenschaft dem rechten Erben abzunehmen. Die Lief- laͤnder sahen es als oͤffentliche Gelder an, daruͤber kein Meister vor sich allein zu schalten haͤtte, und Russov meinet, es habe damals mancher seine Gelder nach West- phalen in Sicherheit gebracht, oder seinen Finken nach Hause fliegen lassen. . So kreuzten auch die Englaͤnder auf die Preussen, um ihnen den Han- del nach Frankreich zu wehren . Der Jn den Umstaͤnden seines Todes gehen die Geschichtschreiber von einander ab. Die mehresten behaupten, er sey in der Schlacht geblieben. Allein so muͤste das Treffen auch spaͤter angegeben werden. Rusdorf und Vladislaus schlossen zu Bresci den Frieden erst 1436 S. Hartknoch Th. II, S. 309. Schuͤtz bemerket B. III, bl. 128, daß der Ordensmeister in Liefland durchaus nicht in diesem Frieden habe eingeschlossen seyn wollen, welcher Eigensin dem Lande viel Unheil zugezogen. Die Geschichtschrei- ber geben die Niederlage auf 20000 Man stark an; weil dieses aber zu gros klinget, nimt Horner nur 10000 an, wobey man doch noch genug zu thun hat, wenn mans glauben Erzb. Henn. Scharfenberg. zur Zeit der Reg. Heinr. v. Buckenvorde. Der sieben und dreißigste Ordensmeister in 1435 Liefland, deutschen Ordens. Heinrich von Buckenvorde sonst Schungell Beim Chytraͤus heist er Henrich von Bockenforde; beim Horner, Buckenod Scingel; beim Strubicz, von Bockewerde; in der einen Handschrift, Hinrich von Buckenode, genant Strußel oder Schnugel; beim Russow, Hinrich Schungel von Buckenode; beim Kelch, Buchenorde; beim Ceumern, von Bohenfort. Einige Documente haben den Beinamen Stempel. Als Comtur zu Revel schrieb er sich 1433 Henrich von Backenfoͤrde, sonst Schmiegel genant. . E r wurde als gewesener Landmarschal von der Ritterschaft selbst erweh- let, weil sie sich aus Preussen keinen mehr wolte aufbuͤrden lassen; welche Wahl aber der Hochmeister Paul fuͤr unguͤltig erklaͤrte, bis er auf standhafte Vorstellung der Lieflaͤnder sich zur Bestaͤtigung derselben bewegen lies. Dieser Meister Schungel legte die Streitigkeiten zwischen dem Orden und der Geistlichkeit mit vieler Maͤßigung bey. Der Orden trat die in Beschlag ge- nommenen erzstiftischen Guͤter wieder ab, und entrichtete dem Erzbischof 20000 Mark rigisch, jedes zu 7 Loth Silber, fuͤr etliche uͤberduͤnische Laͤnder, die Lief- land zur Vormauer dienen solten, und hiermit war die Sache fuͤr dieses mal beigelegt. Der Vertragsbrief ist am 4 Decemb. 1436 am St. Barbara tage zu Walck versiegelt, und das Jahr nachher auf der Kirchenversamlung zu Basel bestaͤtiget worden. Die- ser Vergleich widerleget nicht nur das unrichtig angegebene Jahr 1439, da er erst zur Regierung gekommen seyn sol, sondern auch die Schriftsteller, welche dem Erzbischof die Bezahlung von 20000 Mark fuͤr die Kriegeskosten auferlegen, wie auch Herr Schurzfleisch thut. Die Bestaͤtigung waͤre dem Papst gewis zu sauer geworden, wenn der Erzbischof so empfindlich gekraͤnket werden sollen, zumal da alle Geschicht- schreiber dem Ordensmeister die Ehre des Anfangs zu allen Haͤndeln lassen. Schon 1435 am 24ten April befahl die baselsche Synode dem Rath und der Buͤrgerschaft zu Riga, Doͤrpt und Revel, daß sie zwischen dem Erzbischof und dem Orden Frie- densmitler abgeben solten. Das daran haͤngende grosse bleierne Siegel hat die Auf- schrift: Sacro Sancta generalis Sinodus Basileensis. Nach seinem Tode fuhr der Orden fort seine Herren Meister zu waͤhlen, oh- 1438 ne auf die preußische Bestaͤtigung zu warten. Die Gebietiger ernenneten so lange Heidenreich Vincken von Oberbergen, gewesenen Vogt zu Wenden, zu ihren Meister, und versprachen ihm allen Gehorsam, den man sonst einem or- dentlich bestaͤtigten Meister in Liefland zu leisten pflegte, bis zu einem gemeinen und grossen Kapitel. Jndessen wollen alle den Statthalter bey seinem Ansehen schuͤtzen, und wer dagegen handelt, sol seines Dienstes entsetzet seyn. Hieruͤber verglichen sich am Donnerstage nach Michaelis zu Walck, der Vogt zu Jer- wen, Heinrich von Nothleven, der Comtur zu Mitau, Hinrich Schleregen, die Voͤgte Johan Boͤsinger zu Wesenberg und Matthias von Boͤninghen zu Rositen, welche mit dem Landmarschal Gottfried von Radenberge, und andern Gebietigern, unter Vermittelung des Erzbischofs Hen- glauben wil. Kojalowicz Th. II, B. 2, S. 166, hilft dem Ordensmeister noch dismal davon. So lauten seine Worte: Magister ipse Sancius vix caedi caput sub- straxit, wofuͤr man offenbar saucius lesen mus, wenn man nicht ohne Noth einen neuen Meister erschaffen wil. L l Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1438 Henning, des doͤrptischen Bischofs Theodors, des oͤselschen Dechanten Mag. Walter Remelingraden, und des Domherrn Ludolp Green, die- sen Stathalter bestaͤtigten. Von den Oeselern haben sich noch unterschrieben, Conrad Jxkol e, Hans Ditwer und Otto Lode, Sendeboten. Von Harrien, Hinrich Scherenbeck, Ritter, Hermann Soye, Hermann Toydewen, Ebert Weckebrodt, Otto Soye, Hans Threyden. Von Wirland, Claus Meks, Thile Lode, Hans Lode, Didrich Wirks, Hinrich Meks, Odert Lode, Hans Sorsevere, Hans We- dewest, Hans Luggenhusen. Von Liefland, Hinrich von Hofe, Rit- ter, Gert Goes, Ritter, Bartholomaͤus Steigemeß, Ewald von Velde, Didrich Peetz, Herman von Gilsen, Didrich Mezentake, nebst Buͤrgermeister und Rathmaͤnnern der Stadt Revel. Vincke machte in eben dem Jahr als Statthalter des Meisters in Liefland, mit dem Bischof Johan von Oesel, eine Grenzscheidung zu Arensburg, und waren Ludolph Green, wie auch Gert Herkel, Mann der Kirche zu Oesel, von Seiten des Kapitels, der lealsche Comtur aber, Henrich von dem Fur- ste, von Seiten des Ordens Commissarien. Ausser dem Landmarschal erschie- nen dabey Thomas Grevesmoͤle zu Vellin, Wolter von Loo zu Revel, Comtur, Hinrich Nothleve zu Jerwen, und Peter Wesler zu Suͤnne- burg, Voͤgte. Der Streit uͤber die Kirchspiele Kilegunde, Kaͤrgel und Carmel wird beigelegt. Die Grenze der Ordenslaͤnder gehet an laut eines zu Arensburg zerschnittenen Briefes, uͤber der oltlevischen See, an der Muͤn- dung des joͤggischen Bachs, durch die See bis an die mit Kreuzen bezeichneten Steine, von da weiter uͤber die poydische See bis an einen bekreuzten Birken- baum. Die Kirchspiele Walke und Poyde bekommen ihre Scheidung von den Bauren im Stifte Wilsdeck nach dem Sunde und Payenpaͤh zu, bis an das Dorf Sall. Der Vergleich, welchen der Ordensmeister Heinrich Schungell 1436 auf dem Hofe zu Laukoe geschlossen, ward hierbey zum Grunde geleget. 1439 Nach reifer Ueberlegung ernante ihn der Orden zu seinem Fuͤhrer, und fol- get also Der acht und dreyßigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Heidenreich Vincke von Oberbergen. Chytraͤus nennet ihn Heidenreich Vincke; Strubicz, Diric Fincke; die eine Handschrift, Heinrich Funck von Oberberg; Schuͤtz und Kelch, von Averberg; Praͤtorius unrichtig, von Cluersberg. Beim Chytraͤus ist diese Jahrzahl verdruckt, die vorhergehende aber falsch. Jn vielen Lehnbriefen ist sein Name Hinrich Wineke, von Oberberg geschrieben. S ontags nach Petri Kettenfeyer verband sich der gesamte Orden zu Wenden uͤber alle die Gesetze mit Ernst zu halten, welche der ehmalige Hochmeister Werner von Ursula, der Meister deutscher Lande, Wolfram von Stilleborg, und der Meister von Liefland, Eberhard von Monheim, in einem grossen Kapitel zu Marienburg in Preussen, abgefasset. Dieses war die Vorbereitung den Hochmeister Paul von Rußdorf, weil er das lieflaͤndische Geld nicht aus- zahlen wolte, foͤrmlich abzusetzen. Eberhard von Sanenschein, Meister deut- Erzb. Henn. Scharfenberg. zur Zeit der Reg. Heidenr. Vinkens. deutschen Ordens in deutschen und welschen Landen, verband sich also am 1439 Freitage nach St. Veit mit dem ehrwuͤrdigen Meister Heinrich Fincken zu Liefland, und sprachen Paul von Rusdorf sein Amt ab, kraft eines zu Mer- geteheim versiegelten Gesetzes, welches sie vorzeigten, und dieses Jnhalts war: „Da ein Hochmeister unrechtig und unredlich regieret, daß sie denselbigen zu recht- „fertigen haͤtten, und da ein Hochmeister mit Tode abgienge, oder um seiner Un- „gerechtigkeit willen fuͤr untauglich erkant wuͤrde, und er bey solchem Amte mit „Gewalt vermeinte zu bleiben, daß der Meister deutschen Ordens in Deutsch- „land samt seinen Nachkommen ein Statthalter seyn solle bis auf einen kuͤnftigen „Hochmeister, der durch die Dreizehn ernennet werden muͤsse. Sanenschein und Fincke arbeiteten an der Absetzung des Hochmeisters so 1440 ernstlich, daß am 19ten October 1440 zu Danzig eine algemeine Versamlung zusammen berufen ward, wo man bald die Aussoͤhnung, bald den Compromis versuchte. Allein der Landtag zerschlug sich unfriedlich. Daher kam Rusdorf weitern Spaltungen zuvor, dankte nach diesem selbst ab, und starb nach 29 Ta- gen, womit beiden Theilen am liebsten gedienet war. Als die beiden Ordensmei- ster unterweges die Nachricht von der Wahl eines neuen Hochmeisters erhielten, kehrten sie gleich wieder zuruͤck, und suchten fuͤr ihre Laͤnder einige Vortheile, wie auch die Bestaͤtigung ihrer alten Privilegien. Der Koͤnig von Daͤnnemark, Christoph, ertheilte nicht nur den Han- 1441 seestaͤdten in Liefland die Bestaͤtigung aller Freiheiten in seinen Laͤndern, sondern der roͤmische Kaiser, Friderich, bezeugte ebenfals, daß er alle seine und seiner 1442 Vorfahren Privilegien, welche sie dem Lande ertheilet, fuͤr genehm hielte. Christoph lies dem Herzog Magnus durch den Erzbischof von Ratzeburg eine Ab- schrift von allen hansischen Privilegien in seinen Landen auf 3 Pergamentbriefen uͤberrei- chen, in welchen der Koͤnig im Jahr 1441 alle koͤnigliche daͤnische, 1444 die koͤniglich norwegische, und 1445 alle koͤniglich schwedische Freiheiten, Privilegien und Gnadenbriefe bestaͤtigen wollen. Kopenhagen, Sonnabends vor Michaelis. Die Stadt loͤsete zwey Haͤuser in der Kalck- und Kuͤterstrasse aus, die durch den Tod des seligen Henricks, ehmaligen Buͤrgers und nachmaligen Hauscomthurs dem Orden zugefallen waren, woruͤber Vincke am Aschertag quitiret. Der Ordensmeister Fincke wagte gegen die Russen einen Feldzug, wobey er aber schlecht seine Rechnung fand. Die Russen lockten die Lieflaͤnder durch eine verstelte Flucht in die Enge, fielen ihnen in den Ruͤcken, und machten dem kleinen Ueberrest den Heimweg von Herzen sauer. Nach einiger Zeit versuchte er sein Heil bey einem andern Zuge, der aber nicht gluͤcklicher ablief, als der erste; weil die Russen das Land wohl besetzt hat- ten und keinen lebendig durchliessen: daher er sich an einigen Parteigaͤngen und Pluͤndern begnuͤgen muste Da von dieser gedoppelten Kriegesanstalt die Ursachen so wol als der Erfolg unbekant geblieben, so mus die Confoͤderation, welche der Orden zu Walck am Sontage Epi- phanias 1447 mit den Abgeordneten des Koͤnigs der drey wendischen Reiche, Chri- stophs, geschlossen, uns einiges Licht geben, worin folgendes verabredet worden. 1. Die Vereinigung gehet von Pfingsten an, waͤhret zwey Jahr, und wird von ge- dachter Zeit an von keinem Theile mit den Reussen von Grosnaugarten Zusammen- kunft gehalten. 2. Keiner vertraͤgt sich mit den Reussen, es sey denn eintraͤchtiglich. 3. Einer wil dem andern mit ganzer Macht treulich helfen, und den Krieg gegen Grosnaugarten auf St. Johannis tag anfangen, also daß der Orden das reußische Gebiet Neuschloß und Capporie feindlich uͤberziehe. 4. Die koͤniglichen Befehls- haber fallen auf ihren Grenzen Nioͤteburg, Landscron und Wolchow an. 5. Den Reussen werden die Strassen gesperret, keine Zufuhr verstattet, und ihre Lande nicht besucht. 6. Wer angegriffen wird, erhaͤlt von dem andern schleunige Huͤlfe. Unterzeichnet sind Bruder Heinrich von Oitlen, Landmarschal, Peter Wesseler, Comtur zu Vellin, und die Maͤnner der Lande Lyflande, Hermann Soͤge, . Litthauen und Samogitien lies er in Ruhe, um es nicht mit Pohlen zu verderben. L l 2 Nach Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1446 Nach Huitfelds Zeugnis hattesich der Koͤnig Christoph von Daͤnnemark, Schweden und Norvegen von glaubwuͤrdigen Maͤnnern seines Reichs vor- tragen lassen, daß die Kirche zu Oesel, so unter das Bistum Ripe gehoͤrt, von seinem Vorfahren auf gethanes Ersuchen immer sey beschuͤtzet worden, theils we- gen einiger besondern Befehle vom apostolischen Stuhl, theils wegen vieler Ge- faͤlligkeiten, welche die vorigen Bischoͤfe, und noch der jetzige Herr Ludolph der Krone Daͤnnemark erwiesen; daher nahm er dessen Person, Kirche, Kapitel, Vasallen, Schloͤsser, Guͤter und Unterthanen in seinen Schutz, und versprach die canonische Wahl des Kapitels zu unterstuͤtzen, den Boten des Bischofs in sei- nen Reichen freien Zutrit, Stand und Gang zu verstatten, und keinen Freveler wider den Bischof zu hegen, sondern aus dem Reiche nachdruͤcklich wegzujagen. Er unterzeichnete diesen Freiheitsbrief am 16 Jul. auf dem Schlosse Stockholm. Wie das letztere wol seyn kan, so ist das erste ganz falsch, daß Oesel zum Bistum Ripen gehoͤret, wenn auch noch so viel warhaftige Orakel es dem Koͤnig vorgesa- get haͤtten. Vielleicht hat man aus Rige und Ripe ein Bistum gemacht. 1448 Am Andreas tage weihete der Bischof Heinrich von Revel, auf Ansuchen des Abts Johan Greves, das Kloster Padis ein, und widmete selbiges der heiligen Dreifaltigkeit, der Mutter GOttes, dem heiligen Kreutz, Johan dem Taͤufer, Johan dem Evangelisten, wie auch dem Apostel Bartholo- maͤus, den Maͤrterern Lorenz und Georg, den Bekennern Georg, Nico- laus, Bernhard, Anton, den heiligen Jungfrauen Catharina und Barbara, der heiligen Witwen Maria Magdalena und St. Anna, nebst allen Heiligen. Wer dem Kloster Gutes thut, und oft Walfarthen dahin an- stellet, bekomt 40 Tage von der aufgelegten Busse erlassen. das Jnstrument daruͤber ist auf dem grossen Schlosse zu Revel ausgefertiget. Der Erzbischof Henning von Scharfenberg starb nach einer 24 jaͤhrigen Regierung; und nach ihm ward der 14te Erzbischof, Sylvester Stobwasser, ein Preusse aus Thorn, des Hochmeisters Kanzler und bisheriger Ordensbru- der, am Johannis tage erwehlet. Das r igische Kapitel sandte den Probst Diedrich Nageln und die Maͤnner der Kirche, Carl von Vietinghof und Ewold Patkuͤln an ihn, die ihn so weit brachten, daß er am Mitwochen in 1449 den heiligen Ostertagen zu Marienburg die schriftliche Versicherung ausstelte, nach loͤblicher Gewonheit seiner Vorfahren keine Kriege anzufangen oder zu belie- ben, wo es nicht mit des Kapitels und der Ritterschaft Einwilligung geschaͤhe. Wobey er zugleich ihre alten Rechte, Freiheiten und Gewonheiten lieber zu vermeh- ren als zu mindern angelobet. Am Johannistage ward er in der Domkirche zu Riga vorgestellet. Der Stadt Riga bestaͤtigte er das Jahr darauf zu Ko- 1450 kenhausen, am Tage Jacobi, alle ihre Privilegien, Rechte und Gewonheiten unter hohen Betheurungen. Der neun und dreyßigste Ordensmeister in Liefland deutschen Ordens, Johan Mengden , sonst Osthof Chytraͤus heist ihn Johan von Mengeden; Horner, Johan Christoph von Meng- . S eine erste Sorge gieng dahin, sich die Klagen der Pfaffen uͤber den Orden vom Halse zu schaffen. Daher trat er unter Vermittelung des Hochmeisters mit dem Erzbischof Silvester zusammen, und verglich sich zu Wolmer Dienstags nach Mariaͤ Heimsuchung, uͤber folgende mit 17 Siegeln bestaͤtigte Punkte. Der Hochmeister und Soͤge, Johan Lechtes, Claus Mecks und Lambert Mettaak, fuͤr sich und ihre Nachkommen. Erzb. Silvest. Stobwasser. zur Zeit der Reg. Joh. Mengdens. uud er verzeihen sich aller Bullen und Briefe, die Bonifacius der IX te dem 1451 Orden uͤber die rigische Kirche gegeben. Der Erzbischof begiebt sich aller Bul- len Mengen; Russov, Johan Osthoff von Mengeden; Ceumern, von Meng- den; Praͤtorius, Johan Osthoven von Mengden. Ernst von Mengden, genant Osthoff, war 1451 Comtur zu Revel. Die Stadt lies ihn ebenfals uͤber 6 Jahr auf die Huldigung warten, mit welcher sie sich niemals gegen den Ordensmeister uͤbereilet. So machte sie es auch mit den Erzbischoͤfen, sonderlich zu der Zeit, als die Gewissenstyranney dem Evangelio hinderlich fiel: dagegen sie sich gegen die Ordens- meister desto williger bezeigte. Was hatte Mengden nicht zu klagen, wie hart und unbezwinglich die Stadt bisher in ihrem Eigensinn gewesen? Es ist ein Document von 1456 vorhanden, darin der Ordensmeister alles dasjenige nachsagt, was viele seiner Vorfahren schon geklaget hatten. Wir wollen die Punkte desselben hier beibringen. 1. Beschweret sich der Herrmeister uͤber den Eingrif der Stadt in die paͤpstliche, kaiserliche, koͤnigliche, und andre christglaͤubige Privilegien des Ordens, welcher Orden doch bey Einnehmung des Landes das meiste gethan habe. 2. Obgleich der Orden vom Kaiser Friedrich dem andern mit dem alten Kai- serrechte begnadiget worden, und die Bruͤder der Ritterschaft Christi, die man noch die Schwertbruͤder nenne, ihr Heil an Bezwingung und Bekehrung der Heiden versu- chet; so haͤtten diese Bruͤder doch vor Zukunft des deutschen Ordens nichts ausge- richtet. Die Stadt solle daher die den Schwertbruͤdern vom dritten Bischof Albert, mit Zuziehung des Legaten Mutinensis, zugestandene Stadtmarke, woruͤber das gottlaͤndische Recht gegolten, unangetastet lassen. Wie nun der Orden vor der Zeit des Soͤnebriefs nach altem kaiserl. Rechte die Herrlichkeit uͤber die Stadt gehabt, so waͤre solche nach der Zeit des Soͤnebriefes vom Kaiser Ludwig dem IV ten, und nachher vom roͤmischen Koͤnig Rudolph bestaͤtiget worden. Er verlange also von der Stadt die Huldigung, und den Eid der Treue 6 Tage nach Ueberantwortung dieser Schrift. 3. Solle der Orden nach dem alten Rechte der Schwertbruͤder, das dritte Theil der Muͤnze haben, und der Muͤnzer oder Vogt von der Stadt mit Zuziehung des Or- dens gesetzet werden. 4. Es waͤren zwar nach langen Beschwerden viel sachte gute Worte von der Stadt zu deren Abhelfung gefallen, jedoch die That wolle den Worten nimmer folgen. 5. Der Soͤnebrief waͤre nicht gehalten, dem Orden vor der St. Jacobs pforte eine falsche Grenze angewiesen, und der Buͤrgerschaft erlaubet, auf dem Ordensgebiete etliche Baumgaͤrten anzulegen. 6. Habe die Stadt auf dem Holme Kogenlage den Zaun unrichtig gezogen; denn obgleich in alten Zeiten die Grenze so gegangen, so muͤste doch der Orden, weil ihm die Duͤne ein Stuͤck davon abgenommen, von dem Zuwachs des Holmes auf der andern Seite mit Nutzen ziehen, und eine neue Theilung gemacht werden. 7. Sey dem Orden die Viehweide von der Buͤrgerschaft durch Anlegung ihrer Hoͤfe, Gaͤrten und Gebaͤude geschmaͤlert worden, Roßmuͤhlen und andre Muͤhlen in der Stadt ohne Einwilligung des Ordens angeleget. 8. Die Fische wuͤrden den Reichen in die Haͤuser und nicht auf oͤffentlichem Markt gebracht, der Zehnde nicht ordentlich abgegeben, die kleinen Strafgelder nicht getheilet. 9. Die Stadt habe bey des seligen Meister Finckens Zeiten einen seiner Diener, Namens Sternberg, gegen alle Vorstellungen des Ordens inhaftiret, und endlich ent- haupten lassen, da doch dem Orden das halbe Gerichte zukaͤme. Wie sie denn auch Hans Steniken, wider allen Willen des Hauscomthurs, in den Thurm geworfen, und zu grob und zu tief in die Freiheit des Ordens getastet haͤtte. 10. Als der Hauscomthur um Huͤlfe und Beistand wider die Hollaͤnder wegen des Puntzolles angehalten, sey der Rath nicht nur stille, sondern gar entgegen ge- wesen. 11. Ungeachtet die Stadt nach dem Soͤnebrief verbunden, wenn ein Herrmei- meister selbst reiset, mit aller iheer Macht ihm zu Huͤlfe zu kommen; so habe dennoch Meister Francke auf einen kleinen Beistand im Oberlande vergeblich angesprochen, und Meister Schungel seliger, wie die Litthauer Thomasdorp verbrannt, gar alleine wandern muͤssen. 12. Waͤren drey Doͤrfer dem Orden vorenthalten, und da die Litthauer des Herrmeisters Hof auf dem Holme anzuͤnden wollen, habe der Herrmeister nach langem Entbie- M m Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1451 len und Briefe, die der Papst Martinus der V te ihrer Kirche ertheilet, seitdem er ihnen die Kleidung des Augustinerordens zugestanden; jeder Theil hebt die am paͤpstlichen Hofe errungenen Vortheile gegen einander auf, bleibet aber im Genus der alten Privilegien, und bestaͤtiget den walker Frieden von 1435. Der Orden wil sich keiner Gerichtbarkeit oder Visitation in Absicht der Geistlichen anmassen, sondern den Propst und Dechanten zu ihren heimlichsten Freunden und Rathge- bern ernennen, die freie Wahl eines Erzbischofs nicht hindern, und den Hafen in Duͤnemuͤnde jedem zum Ein- und Auslaufen offen lassen. Der Vergleich zwi- schen dem Ordensmeister und Propst wegen des Landes uͤber der Duͤne gegen den Holm Dalen zu, und gegen die Wehre der Duͤne wird bestaͤtiget. Die Neunaugenwehre in der Treyder Aa, sol der Meister ein Jahr und das Kapi- tel das andre Jahr beschlagen. Die Kirchenschloͤsser Lennewarde und Ko- kenhausen geniessen frey Bau- und Brennholz. Zur Bestaͤtigung dessen hat der Meister das Begraͤbnis im Dom unter dem Chor erwehlet. Die Geistlich- keit verbindet sich hauptsaͤchlich, Kleider von gleicher Farbe mit dem Orden zu tra- gen, und erneuern die Bulla habitus, daher dieser Vergleich auch noch die Bulla habitus oder der wolmersche Brief heist. 1452 Der Kaiser Friedrich der III te bestaͤtigte den lieflaͤndischen Staͤnden die vor 10 Jahren abgefaste Ratification aller Privilegien, so jenen von ihm, seinen Vorfahren und andern Herren gegeben seyn, von neuem mit Vernichtung aller andern Freiheiten, die diesem zuwider laufen. Nachdem der Ordensmeister den Erzbischof nebst seinen Geistlichen wieder in ihre alte Kleidung gebracht, gab er sich die aͤuserste Muͤhe, die halbe Gericht- barkeit uͤber die Stadt Riga zu erringen. Silvester muste sich von den kaiser- lichen Privilegien Carls des IV ten auch lossagen. Nach langen Gezaͤnke kam es zu dem berufenen Vergleich, welcher von seinem Stiftungsort der kirchholmi- sche Vertrag genant wurde, den man billig zu den Tractaten rechnen kan, welche der Republik den letzten Stos gegeben; weil die Erfahrung gelehret, daß nicht allein Ruhe, Sicherheit und viel Gutes gehindert, sondern auch von Seiten der Stadt den Ordensmeistern sowol als den Erzbischoͤfen viel Herzeleid und Kraͤn- kung zugefuͤget worden. Da dieser Vergleich in allen folgenden Unterhandlungen von der maͤchtigern Partey entweder zum Grunde geleget, oder auch aufgehoben worden, uͤberdem auch in keinen gedruckten Buͤchern zu finden; so verdienet derselbe hier allerdings einen Platz. Das Original ist altdeutsch, und damit wir zu dessen Verstaͤndlichkeit nicht eine neue Ueber- setzung abdrucken lassen duͤrfen, so sind wir dem Grundtext so genau im Hochdeutschen gefolget, als es die Sprachgesetze erlauben wollen. Die Stadt hat sich bey Anneh- mung desselben am laͤngsten gesperret, muste ihn aber Montags nach Epiphanias 1492 mit einer Vorrede bekant machen, und mit dem Stadtsiegel bekraͤftigen. Man hat ihn Dienstags Entbieten und Bitten, den Rath weder aufs Schlos noch in die Domkirche zur Be- ratschlagung bekommen koͤnnen. Man habe so gar ehmals, wie der Orden aus Preus- sen und anderwerts Huͤlfe erhalten, den Truppen die Thore versperret, Kieken und Rennebaͤume vorgezogen, Bolwerke errichtet, Pfloͤcker und Angeln gemacht, und thue es noch jetzo, so wenig auch der Orden und der Herrmeister Anlas zu einem Arg- wohn gaͤben. 13. Es sey wider den Soͤnebrief, daß jeder Buͤrger, der ein Erbe kaufet, und darinnen wohnet, an die Heiligen schweren muͤsse, daß er kein Erbe noch liegende Gruͤnde an geistliche Hand verkaufen, verpfaͤnden, versetzen, oder auf andre Weise an geistliche Hand bringen wolle. 14. Fordert der Herrmeister die Ersetzung des Schadens auf dem Hofe zu Rom und auf dem Concilio, wie auch den Holm, den Gottschalck Fischer vormals, und nun Hardwich Steenhuus gebrauchet, in der Duͤne, das Packhaus zu Duͤne- muͤnde, den Buckesholm in der Duͤne, und einen Raum bey der Oberstadt wieder. Zuletzt fuͤhrt er die Verbindlichkeit an, mit welcher die Stadt dem Orden ver- pflichtet seyn solte, und ermahnet sie als liebe Geschworne kuͤnftig treuer und aufrichti- ger dem Orden zu begegnen, dagegen sie alles Schutzes versichert werden. Erzb. Silvester. zur Zeit der Reg. Johan Mengdens. Dienstags vor Ostern ertheilte der preußische Hochmeister Ludwig von 1452 Erlinghausen, der Ritterschaft von Harrien und Wirland die Bestaͤtigung M m 2 ihrer ihn als || einen Scherwenzel in der Historie anzusehen, der bald alles, bald nichts galt, erhoͤhet und herunter gesetzt wurde. Jn verschiedenen Huldigungsbriefen, wo es die Stadt am besten zwingen konte, ist er fuͤr eine ihrer Seelen Seligkeit, Ehre und Wohlfahrt schaͤdliche Scharteke erkant. Der Kirchholmische Vertrag. W ir Sylvester von GOttes und des roͤmischen Stuhls Gnaden, der heiligen Kirche zu Riga Erzbischof deutschen Ordens, und Wir Johan von Mengden, anders genant Osthof. Meister deutschen Ordens in Lyflandt, thun kund und offenbar allen denen, so diese Schrift sehen, hoͤren oder lesen, daß nachdem leider uͤber hundert Jahr bisher grosser Zwietracht, so wol am Hofe zu Rom vor Gerichte als anders Orts zwischen unsers Erzbischofs Vorfahren seligen, und unserer Kirche an einem, und un- sers Vorfahren und Orden an dem andern Theil gewesen, wegen der Herrlichkeit unsrer Stadt Riga, indem ein jeglich vorgeschrieben Theil meinte die Herrlichkeit der Stadt Ri- ga alleine vor sich zu haben, also daß solche Zwietracht, der Vogt, Bnrgermeister, Rath und Gemeine der vorerwehnten unserer Stadt Riga mit Vorbehalt ihrer Privilegeien und Gerechtigkeit was der Herrlichkeit vom Rechte zugehoͤrt und zugehoͤren solte, unterwunden hatten. Das haben wir Sylvester, Erzbischof mit unserm Kapitel und Manschaft, und wir Johan, Meister in Liefland, mit unsern Gebietigern und Orden betrachtet und uͤber- sehen, die erste Stiftung und Empfang auf die Herrlichkeit unsrer Stadt Riga, und befunden, daß von Anbegin der Stiftung unsrer Stadt Riga wir vorgeschriebene bei- de Parten, als Erzbischof zu Riga, und Meister in Liefland, Recht gehabt haben und sollen haben zu der Stadt Riga, und haben uns um sothane Herrlichkeit der- selben Stadt Riga freudlich und gruͤndlich vertragen, als wie hernach folget, nem- lich, daß wir die vorbenante Herrschaft der Stadt gleich untereinander getheilet haben, mit allem was zu der Herrlichkeit mit Recht gehoͤret, und haben darum dem Vogt, die Buͤrgermeister, Rath und Gemeine der gedachten unsern Stadt Riga mit unsern Ansprachen angelanget und erfordert. Nachdem Wir, Sylvester, Erzbischof, von wegen unserer und unserer Kir- chen, und aus paͤpstlichen, kaiserlichen und koͤniglichen Privilegien und Begnadigun- gen von erster Stiftung unser Stadt Riga, und Wir, Johan, Meister in Liefland, von wegen unsers Ordens an der Staͤte vorzeiten der Schwertbruͤder auch gegebenen paͤpstlichen und kaiserlichen Privilegien, der Stadt Riga rechte natuͤrliche Herren ge- wesen seyn und seyn sollen, daß uns beiden Parten vorbenant, und einem jeglichen Theile besonders, der Vogt, Buͤrgermeister, Rath und Gemeine den Eid der Hul- digung als ihren rechten Herrn, denen sie das ven Rechte schuldig seyn, thun und lei- sten wolten, und uns wieder zukehren, was sie uns in sothaniger Zwietracht, die zwi- schen unsern Vorfahren und uns bis anhero gewesen, sich unterwunden hatten, deshal- ben der genante Vogt, Buͤrgermeister, Rath und Gemeine unser Stadt Riga, sich mit uns freundlich darum vertragen, und uns beiden Parten, und einem jeglichen be- sonders den schuldigen Eid der Huldigung gethan und geleistet, und uns auch belobet, Kraft des Briefs, so daruͤber gemacht, auch mit ihren Jnsiegeln versiegelt, sothanen Eid der Huldigung allen unsern Nachkoͤmlingen in ihrem ersten Anfange zu ewigen Zei- ten, und daß sie uns beiden ihren rechten Herren und unsern Nachkoͤmlingen gleich ge- horsam und gewandt seyn sollen in allen Sachen, so die geschworne Untersassen ihrem rechten Herrn zu thun schuldig seyn. Jm Fal aber daß der Herr Meister gegen seine Feinde wuͤrde zu Felde ziehen, der Herr Erzbischof aber nicht, so sol gleichwol die Stadt Riga dem Herr Meister verpflichtet seyn, zu solchem Kriege die Hand zu bieten, gleich als wenn der Herr Erzbischof mit zu Felde waͤre. Gleichfals sollen die von Ri- ga sich halten gegen den Herrn Erzbischof, und wir vorgeschriebene beide Herrern und unsre Nachkoͤmlinge haben uns auch wegen der Muͤnze in unsrer Stadt Riga vertragen, dieselbe gleich zu haben und zu behalten. Wiederum haben wir Sylvester Erzbischof, vorbenant, mit Rath und Con- sens unsers Capitels, von wegen unsrer und unsrer Kirchen von einem, und wir Jo- han, Meister in Liefland vorbenant, auch mit Rath und Consens unsrer Gebietiger, von wegen unsers Ordens, dem Vogt, Buͤrgermeister, Rath und Gemeine unsrer Stadt Riga, unsern lieben Getreuen verneuet und bestaͤtiget alle ihre Privilegia, Frei- heiten und Gerechtigkeiten, die ihnen vorzeiten gegeben sind von unsern Vorfahren, Erz- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1452 ihrer Handfeste, so ihnen der ehrwuͤrdige Herr Conrad von Jungingen, vor 55 Jahren uͤber ihr Recht gegeben. Der Gnadenbrief ist ausgestellet zu Ma- rien- Erzbischoͤfen, und Meistern der Schwertbruͤder, mit Zulas vor Zeiten des Herrn Le- gaten Mutinensis, so wol derer die da sprechen, auf Gerichte, Freiheiten und Markte unsrer Stadt Riga, als auch andre Freiheiten, die da nicht entgegen seyn diesen vor- und nachgeschriebenen Artikeln in diesem Briefe beruͤhrt, nach Jnhalt der Briefe von uns daruͤber gegeben und versiegelt, jedoch was in dem Privilegio, welches unsrer Stadt Riga von unsern Vorfahren, Bischoͤfen und Erzbischoͤfen, und den Schwert- bruͤdern, mit Consens des Herrn Mutinensis gegeben, geschrieben stehet, daß die Buͤrger sich moͤgen einen Richter der Stadt erwehlen, und den Erkornen dem Bischof uͤberantworten, und der Bischof sol ihn investiren; des haben wir Sylvester, Erzbischof, uns mit dem Herrn Meister und Orden also vertragen, daß es in kuͤnftigen Zeiten also sol gehalten werden: Wenn ein Vogt von den Buͤrgern gekoren wird, denselben sollen sie uns beiden Herren und unsern Nachkoͤmlingen, so bald wir zusammen, vorbringen und uͤberant- worten, zur selben Zeit wollen wir saͤmtlich und sonderlich denselben bestaͤtigen und in- vestiren lassen, also daß innerhalb solcher Zeit, da der gekorne Vogt von uns beiden Herren bestaͤtiget, in unsrer Stadt Riga richten sol. Und da es sich kuͤnftig zutruͤge, daß einer von uns vorbenanten Herrn oder unsrer Nachkommen, auswaͤrts und nicht in diesem Lande waͤre, so sol der andre unsert halben Macht haben, sothanen gekornen Vogt zu bestaͤtigen und zu investiren, nach solcher Bestaͤtigung sol derselbe Vogt von zweien, als einem von uns Erzbischof, und dem andern von uns Meister, und un- sern Nachkoͤmlingen auf das Rathhaus, in unsre Stadt Riga gefuͤhret und gebracht, daselbst auf den gewoͤhnlichen Stuhl gesetzet, und das Gericht von unser beiden Herren wegen und unsern Nachkoͤmlingen, gleich zugehoͤren und bleiben zu ewigen Tagen, und derselbe Vogt von uns beiden Herren bestaͤtiget, sol von unsrer beiden und unsrer Nach- koͤmlinge wegen Macht haben, einen Untervogt zu setzen, wenn es nothwendig und un- entbehrlich thut, nach Jnhalt ihres Privilegii, ihnen von uns darauf gegeben. Und nachdem unsrer beiden Herrlichkeit zusammen, und einem jeglichen besonders gebuͤhret, in unsrer Stadt Riga das Geleite zu geben, so wollen wir (da uns und unsern Nach- koͤmlingen der gekorne Vogt uͤberantwortet und vorgebracht wird,) ihm anbefehlen, Geleite in unsrer Stadt Riga zu geben, item Wracker, Waͤger und andre gemeine Amtleute zu setzen, das dem obberuͤhrten Vogten, Buͤrgermeistern, Rath und Gemeine unsrer Stadt Riga aus Macht ihrer Privilegien, Freiheit und Gerechtigkeit, zu thun erlaubet ist. Auch noch, ist derselbe Vogt von wegen unsrer beiden Herren und Nach- koͤmlinge investiret, sol er hinfuͤhro unter den Buͤrgermeistern, Rath und Jnwohnern unsrer Stadt Riga, als der hoͤchste und groͤste in der Stadt nach alter Gewonheit geachtet und gehalten werden. Auch so wollen und moͤgen wir oben geschrie- bene beide Herren saͤmtlich und besonderen und unsre Nachkoͤmlinge Geleite in unsrer Stadt Riga geben, doch nicht zu Widerwillen und Schaden unsern lieben Getreuen, und also wie es in dem Privilegio Nicolai, unsers Erzbischofs Vorfahren, dem Ra- the unsrer Stadt Riga erlaubet ist, gottlaͤndisches Recht zu verbessern, als sie das sehen und werden sehen sich ziemen zur Ehre GOttes. Geschicht es nun in kuͤnftigen Zeiten, daß der Rath in unsrer Stadt Riga zu ihren Gerichtsurtheilen gottlaͤndisch Recht nicht verbesserten, als sich das ziemet der Ehre GOttes, auf daß derjenige, der da vermeinet, daß er beschweret waͤre mit unsrer Stadt Riga Rechte, sich nicht be- duͤrfte des Rechts beklagen, oder aus dem Lande ander Recht besuchet, so geziemet und gebuͤret sich, daß die nechste Herrschaft der Rechten sol darum besuchet werden, derent- halben sol frey seyn, einem jeglichen in Sachen, die da Ehre und einigen Verderb sei- ner Guͤter angehen, uns vorbenante Herren anzurufen und zu besuchen, und was denn mit unser vorgeschriebenen beiden Herren Unterweisung unsrer Stadt Riga Rath spre- chen wuͤrde, dabey sol es bleiben und gehalten, und nicht ausser Landes forder gesuchet werden. Auch sollen und moͤgen der Vogt, Burgemeister Rath und Gemeine unsrer Stadt Riga Baursprache, Wilkuͤhr oder Satzungen, nicht setzen von sich selbst, son- dern mit Consens und Beliebung des Herrn Hauscomthurs zu Riga, und Voͤgten der Stadt, von wegen uns beiden Herren und unserer Nachkoͤmlinge, als sie denn von Stiftung der Stadt an nicht Macht haben zu thun gehabt, als das ihr Privilegium von unserm Vorfahren Nicolao gegeben, ausweiset, der ihnen Nothsatzungen gesetzet hat, und bestaͤtiget, als mit Namen von liegenden Gruͤnden, wo die geistlichen Leute moͤgen zugefuͤget werden oder nicht, dieselben Wilkuͤhre oder Gesetze, wir auch wollen, daß sie bey Macht sollen bleiben und gehalten werden, und es kuͤnftig geschehe, das GOtt verhuͤte, Erzbischof Silvester. zur Zeit der Reg. Johan Mengdens. rienburg, und ausser den preußischen Ordensherren von dem obersten Gebie- 1452 tiger in Liefland, Johan von Mengden, anders Osthof genant, Peter Wes- verhuͤte, daß wir beide Herren oder unsre Nachkoͤmlinge zwistig wuͤrden, sol unsre Stadt Riga keinem Theile mit Rath und That beifallen und Beistand leisten, sondern sie sollen sich befleißigen und bey beiden Herrn treulich bearbeiten, daß sothane Zwie- tracht hingelegt und geschieden werde. Auch sind etliche Zwietraͤchte unlaͤngst gewesen, zwischen uns Erzbischoffe und Capitel, und uns Meister und Orden, und unsrer Stadt Riga. Nemlich, daß etliche Buͤrger zu Riga in unserm Hofe gebauet hatten, die- selbigen Verbrechen haben wir uns mit dem Vogte, Buͤrgermeister, Rath und unsrer Stadt also vertragen: Wir haben ihm mit Consens unsers Capitels gegeben eine Hof- staͤte und Raum hinter unserm Stal belegen, unserm Capitel zugehoͤrig, nach zwey Hofstaͤte mit den Haͤusern im Ellerbrocke hinter St. Johannis belegen, und dazu hundert Mark Rigisch, so daß uns nun fortan von dem Orte unsers Stalles in un- serm Hofe belegen, bis in die Gasse, die Kuͤttergasse genant, nnd fort nach der Duͤne werts alle die Raͤume darin beschlossen, bey unsrer Kirchen und unserm Hofe zu Riga bleiben und hinfort gehoͤren sol. So haben wir Sylvester, Erzbischof von un- srer Stadt Riga gefordert St. Juͤrgen, binnen der Stadt belegen, die Kirche, mit allen Gebaͤuden, und was dazu gehoͤrt, binnen und ausser der Stadt, welcher Raum Kirche und Wohnung uns und unserer Kirche zu Riga ewig zu verbleiben, im Hofe zu Rom durch Urthel und Recht zugesprochen und zugetheilt ist. Das haben dieselben Vogt, Buͤrgermeister und Rath unsrer Stadt Riga selbst uns und unsrer Kir- chen Gerechtigkeit erkant, und haben uns den vorbenanten Raum zu St. Juͤrgen mit allem Zubehoͤr, in und ausser der Stadt gelegen, freundlich und guͤtlich wieder eingege- ben, und wir haben ihnen wiederum zugesaget, daß wir die Kirche wieder wollen reno- viren, und denselben Hof zu St. Juͤrgen mit aller Zubehoͤr in und ausser der. Stadt belegen, wollen wir lassen bleiben ein Hospital der Kranken und Armen, zu ewigen Zeiten, daruͤber wir, unsere Nachkoͤmlinge und Kirche allein die Herrlichkeit behalten, und Vormuͤnder dazu setzen, und niemand anders haben solle zu ewigen Zeiten. Und hiermit uͤbergeben wir auch alle unsre andre Ansprache, die wir und unsre Kirche ge- habt haben auf den heiligen Geist, den unsre Stadt Riga unserm wuͤrdigen Orden ver- schrieben hat, auch das Hospital vor Zeiten St. Lazari. Auch so haben wir unsrer Stadt Riga gegeben und uͤbergewiesen den Pfefferzins und Wachszins, in und ausser unserer Stadt, wie sie uns von Rechtswegen moͤchte gebuͤhren, dafuͤr sollen sie uns jaͤhrlich auf St. Martins tag drey Lispfund Pfeffer Eine Qvitung auf 1 Lispfund Pfeffer gab Mengden, genant Osthof, an die Stadt, Montags vor Corporis Christi, 1453. zur Erkentnis ausrichten und geben. Ferner so hatten wir Johan von Mengden, anders genant Osthof, Mei- ster deutschen Ordens zu Liefland, von wegen unser und unsers Ordens Ansprache zu unsrer Stadt Riga, und etliche Doͤrfer, die unser Orden uͤber Menschen Geden- ken lange besessen hatte, und die vorbenante unsre Stadt Riga in den Noͤthen, als unser Orden eine Niederlage hatte in Littowen, uns abgedrungen und andern Heu- schlaͤgen und Laͤndern, des haben wir und unser Orden mit ihnen vertragen, und sie haben uns freundlich und guͤtlich sothane Doͤrfer wieder uͤberantwortet und zugekehret. Auch so haben sie uns wieder uͤberantwortet alle Heuschlaͤge, Holme, die Pfarrweide bey Duͤnemuͤnde belegen, Garten, Weide und Lande, die unserm Orden gehoͤrig und unserm Orden von ihren Vorfahren verschrieben sind, in dem Briefe der Suͤndebrief, (Soͤhnbrief) genant, denselben Brief sie uns, auch unserm Orden gelobet haben, vol und unversehrt zu halten, ausgenommen den Eid, den sie unserm Orden bisher geleister haben. Dafuͤr sollen sie uns und unsern Orden thun den Eid der Huldigung, wie vor- gedacht, nnd wie es in dem Suͤndebrief geschrieben stehet, daß sie uns und unserm Orden gelassen haben alle Gerichte der Stadt halb; welchen Bruder die Meister dazu erwehlen, der sol sitzen mit dem Vogt, das Gerichte nach unsrer Stadt Recht, alle Bruͤche, Anfal und Poͤne zu Nutze beider Parten. Dieses Artikels haben wir Syl- vester, Erzbischof, und wir Johan, Meister, uns in dieser Weise vertragen, daß forthin ein Hauscomthur, oder welchen ein Herr Meister dahin setzen wird seines Or- dens, der sol sitzen und seyn im Gerichte und Rath, an Stat unser beiden Herren, so wol eines Herrn Erzbischofs, als eines Herrmeisters, und sol auch darum aufneh- men und empfangen die Helfte von dem Gerichte und allerley Bruͤche, Poͤ- ne N Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1452 Weslern, Comthur zu Vellin, Berend von Heyden, Vogt zu Jerwen, Thomas von Jungersdorf, Andreas Grewesmuͤhl, Comthur zu Duͤ- nemuͤnde, und Eberhard Voigt, Comthur zur Pernau, unterschrieben. Der ne und Gefaͤlle, allein vor seines und |seines Ordens Nutz und Behuf behalten, und uns Erzbischoͤfen und unsern Nachkoͤmligen nichts davon zurechnen noch geben. Die andre Helfte verschreiben und geben wir unsrer Stadt Riga zu ewigen Tagen, wie auch in dem Suͤndebrief geschrieben stehet. Von dem Zehnden der Fische, des sind wir Erzbischof und Meister vorbenant, also eins geworden: Wenn ein Herr Erzbi- schof in der Stadt Riga ist, so sollen die Fischer, die dem Herrn Meister den Zehnten pflegen zu geben, dem Herrn Erzbischof die Helfte geben, wenn aber der Herr Erzbi- schof nicht gegenwaͤrtig in der Stadt Riga ist, so sollen die Fischer dem Herrn Meister allein den Zehnten geben nach Laut des Briefes. Auch hat unsre Stadt Riga in demselben Briefe verschrieben, ob uns jemand in den Artikeln besprechen oder hindern wolte, die sie uns verschrieben, davon sollen sie uns freyen. Viele Abspruͤche haben wir darinne gehabt, und uͤber hundert tausend Gulden im Hofe zu Rom und einen andern Weg verzehret, solchen Schaden und Zehrungen haben sie uns nicht ausgerich- tet, jedoch um sonderlicher Gunst und Liebe, so geben wir ihnen zu, und erlassen sie solcher Unkosten und Zehrunge von wegen unsers Ordens. Fortmehr, so haͤtten unsre Kirche, Proͤbste und Capitel Ausprache an unsre Stadt Riga, um etliche Guͤter und Gesinder gegen den dahleschen Holm und Steinholm belegen, welche Guͤter den vor- benanten unserer Kirche Probst und Capitel mit dreyen Urtheilen am Hofe zu Rom durch Recht zugesprochen worden; des haben die vorbenante Voͤgte, Buͤrgermeistere, Rath und Gemeine unsrer Stadt Riga ihre Guͤter, als sie in ihren alten Scheidungen und Marken gelegen sind, unseren Kirchen Probst und Caͤpitel vorgedacht guͤtlich uͤber- antwortet und folgen lassen. Und die vorgenante unsrer Kirche, Probst und Capitel, haben wiederum uͤbergeben und erlassen alle Unkosten und Zehrunge, auch Fruͤchte und Nente, die da die vorerwehnten Vogte, Buͤrgermeistere, Rath und Gemeine bis an- hero ausgekehret, und von den vorgedachten Guͤtern empfangen haben, hinfuͤhro dar- auf nicht zu sprechen. Fort so haben auch unsre Capitel Ansprache auf die Mark des Stifts, und an die Schmiedestrasse und viel andre Haͤuser, die sie vermeinet, daß sie auf des Stifts Freiheit gebauet waͤren, des haben sie sich mit unsers, des Erzbischofs Consens, also vertragen, daß unser Capitel sol frey und frie d sam und ungehindert ha- ben, behalten und besitzen, zu ewigen Tagen den Raum und Wohnstaͤtte, die sie nun im Besitze haben, mit allen Wohnungen, Mauren, Thuͤrmen und Haͤusern, so wol gegen Duͤnemuͤnde, als gegen die Stadt. Da auch unsre Stadt Riga keinen Zehnden oder Gerechtigkeit inne hat, sol man sie auch nicht verhindern, gewoͤnliche Fenster darinne zu machen oder zu bauen. Auch sollen die Buͤrger die Hoͤlen zumau- ren, die binnen in des Stifts Garten gemacht seyn, durch die alten Stadtmauren, und sollen auch nicht mehr Mist und andre Faͤulnis darein werfen, andre ziemliche Fenster, die nothduͤrftig seyn, moͤgen sie darinne wol behalten, und wegen des Rau- mes, der da genant der Schweinhof, haben sie sich also vertragen, daß derselbe Raum von der Stadtmauer bis an der Duͤne, gleich dem Domhofe, sol dem Stifte auch ewiglich bleiben, jedoch wil jemand Holz oder andre Sachen dahin setzen, das sol er thun mit des Capitels Gunst, ausbenommen den Hof, den nun jetzo Gerdt Harmens besitzet, und die Stube, die die Stadt Riga hat lassen bauen, die sol sie unbekuͤmmert und frey behalten, und die Pforte, da man auf denselben Schweinhof gehet, sol stehen bleiben zur Verwahrunge und Bestellung des Capitels; auch so hat unser Capitel mit Urteln der Stadt Riga die Schule zu St. Peter am Hofe zu Rom abgewonnen, und darum hat auch die vorernente unsre Stadt unserm Capitel das Regiment und Verwaltung derselben Schule zu St. Peter guͤtlich uͤbergeben und uͤberantwortet, also daß unser Capitel forthin und in zukommenden Zeiten ewig einen Schulmeister derselben Schule nach ihren Willen setzen und einweisen moͤgen un- verhindert, und wir Sylvester, Erzbischof, mit Consens unsers Capitels und Man- schaft haben den vorgeschriebenen Herrn Meister und dem Orden zugelassen, und lassen auch zu, Kraft dieses Briefes, den vorerwehnten Brief, den ehmals der Vogt, Buͤrgermeister, Rath und Gemeine der Stadt Riga, versiegelt haben, der genant ist der Suͤhnebrief in allen Artikeln und Punkten, und verzeihen uns hiermit aller An- sprache, wie sie immer moͤgen genant werden, die unsre Kirche oder wir daran haben, oder haben moͤchten, auf die Briefe der Stadt Riga wider den beruͤhrten Orden und Meister. Und uͤbergeben auch in Kraft dieses Briefes und des Urtels, alle Processe, Exe- cuto- Erzbisch. Silvester. zur Zeit der Reg. Johan Mengdens. Der Erzbischof gab zu Treyden, Donnerstags vor dem Sontage Oculi, 1452 dem Domherren Detmer, Roper, Engelbrecht von Tiesenhausen und Didrich von Vietinghof Volmacht, sich in neue Unterhandlungen mit der Stadt einzulassen. Sonderlich tilgete und toͤdtete er den ganzen kirchholmi- schen Vergleich, im Beisein des ganzen Kapitels und der Herren Juͤrgen Per- sevall, Juͤrgen Yxkuͤl, Engelbrecht von Tiesenhausen und Mertens von Ungern, in einer Urkunde mit 6 Siegeln, zu Riga am Sontage Judica. Doch das gute Wetter war von keiner Dauer. Da die Ordenslaͤnder und Staͤdte in Preussen dem Hochmeister Ludwig von Erlinghausen, ihrer empfindlichen Bedraͤngnis wegen, Eid und Pflicht auf- gekuͤndiget, und sich dem Koͤnig von Pohlen, Casimir dem IV ten in die Arme geworfen hatten; so machte dem lieflaͤndischen Ordensmeister ein Beispiel von der Art nicht wenig Besorgnis. Er wandte sich also an den Koͤnig Christiern von Daͤnnemark, und lies ihm durch seine Gesandten, Conrad von Vie- tinghof, Reinholden zu Ascherade, Brune von Wettbergen und Rein- hold Stormich, 1000 Mark gutes reinen loͤthigen Silbers entrichten, und N n 2 zu- cutorialen, Briefe und allerley Schriften, die seliges Gedaͤchtnisses Vromholdus, vor Zeiten Erzbischof unser Vorfahrn am Hose zu Rom erworben, und auf Befehl seli- ger Gedaͤchtnisse ehrzeiten Jnnocentii des sechsten, Papstes, vermittelst seliger Ge- daͤchtnisse Francisci des Titels St. Marci, damalen Cardinalis zugesprochen und geurthelt ist, auch seiner Declaration oder Erklaͤrung seines Urtels, das er auf Befehl desselben Herrn Papstes Jnnocentii gethan hat. Auch vor Zeiten Martini des Papstes, nach seinem Befehl, Gebote und Briefe in allen Artikeln, da sie dieser Ein- tracht entgegen moͤchten seyn, auch aller andern Eintracht, die in diesen Sachen gesche- hen, vor Gebung dieses Briefes, versagen wir beide Herren, als Erzbischof und Meister vor uns und unsre Kirche, unsre Nachkoͤmlinge und Orden zu ewigen Tagen, und uns alleine richten und halten wollen nach dieser gegenwaͤrtigen Eintracht und Ver- schreibung, und wir Johan, Meister in Liefland, von wegen unserer Orden und unsrer Nachkoͤmlinge, aus sonderlicher Gunst und Liebe, die wir tragen zu den benan- ten Herrn Erzbischof und seiner Kirche, zu grossen Frommen, Erhebung und Verbes- serung seiner erzb schoͤflichen Tafel, haben wir ihm gegeben und geben ihm und verschrei- ben auch in Kraft dieses Briefes eine Meile weges breit und lang, gegen seinen und sei- ner Kirchenschlosse Uxkuͤl, uͤber und laͤngs der Duͤne belegen, mit Land und Leute, Buͤschen und Wassern und den Honigbaͤumen, auch mit der Muͤhlen und der Wehre da- selbst belegen, und allerley Fischereien binnen derselbigen Meilen belegen, mit allerley Herrlichkeit, nichts ausgenommen, als die unser Orden bis anher gehabt hat, frey und friedlich bey seiner Erzbischoͤflichen Tafel zu ewigen Zeiten zu bleiben. Alle diese vorgeschriebenen Artikel und Punkten wir Sylvester, der heiligen Kirche Erzbischof, deutschen Ordens zu Riga, mit Volbort und Versiegelung unsers Capitels, und Johan von Mengden, anders genant Osthof, Meister deutschen Ordens zu Liefland, vorgeschrieben von uns und unsers Ordens wegen, auch mit Consens unser und unsrer Gebietiger, wollen feste stets und unwiederruflich halten, bey Treue und guten Glauben, und dessen zur Urkunde, so haben wir Sylvester, Erzbischof, uns und unsers Capitels, und wir Johan, Meister, vorgeschrieben, und unsre Gebieti- ger ingesiegelt, als unsers Landmarschalcks und des Comthurs auf Vellin und Revel, mit guten Wissen hier unten an diesen Brief lassen hengen, der geschrieben und gege- ben ist zu Kirchholm, am Tage St. Andreaͤ des heiligen Apostels, im Jahre un- sers Herren JEsu Christi Geburt, Ein Tausend, Vierhundert, zwo und funfzigsten, dabey an und uͤber gewesen die wuͤrdigen, ehrsamen und geistlichen Herren, Theo- doricus Nagel, Probst der heiligen Kirche zu Riga, Gotthard von Pletten- berg, Landmarschal in Liefland, Johannes Treppe, Dechen der benanten Kir- chen, Henricus Stering, Comtur zu Marienburg, Doctor Henricus Nettel- horst, Thumherr der heiligen Kirche zu Riga, Johannes Spaer, van Herren, Comthur zu Ascherode, und die Gestrenge, Ehrbaren und Woltuͤchtige Herr Conrad und Juͤrgen von Uxkuͤl, Ridder, Hans von Rosen, und Juͤrgen Orges, Maͤn- ner der heiligen Kirche zu Riga, Ebert Weckebrodt in Harrien und Lambert Metzstacke, (Metzendeck) in Wirland, besessene Maͤnner des Groswuͤrdigen Herrn Meisters in Liefland, und seines Ordens, und viel andre ehrwuͤrdige gute Leute. Amen. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, zugleich versprechen, daß sie ausser diesen 1000 Mark loͤthigen Silbers noch 5000 Gulden rheinisch innerhalb 5 Jahren in Luͤbeck an die koͤniglichen Gevolmaͤch- tigten abtragen wolten, nemlich alle Johannistage 200 Mark und 1000 rhei- nische Gulden. Der Hochmeister lies gleichfals durch seinen Gevolmaͤchtigten, Herrn Walter von Kokeritz, 60000 ungarische Gulden uͤbergeben. Da- gegen machte sich Christiern verbindlich, dem Orden wider die ungehorsamen 1455 Lande und Staͤdte in Preussen mit allem Vermoͤgen beizustehen, und den Fein- den des Ordens sein Reich, Laͤnder, Wasser, Stroͤme und Haͤfen zu verbieten, auch selbigen allen ersinlichen Abbruch zu thun. Der Brief ist auf dem Schlosse zu Kopenhagen am St. Brigitten tage ausgefertiget, und mit dem koͤniglichen wie auch des Bischofs zu Skalhold, Marcellus, Petschaft versiegelt. Dabey stehen noch die Siegel des Hofmeisters Nils Erichsson, und des Ritters Hartwich Cromdich. Die Russen brachten in diesem Jahre bey den schwedischen Statthalter eine Hand- lungsklage an: doch Cord Bonde Robinson, Ritter, Befehlshaber zu Wyburg, erklaͤrte den ehrbaren Hans Symmeren fuͤr unschuldig, daß er nicht die rußischen Waren bey Narva wegnehmen und unter die Leute bringen helfen. Diese ausgestelte Recognition sahe der Koͤnig der Schweden, Norwe- gen und Gothen, Carl Cnutson, als eine Verhandelung des Landes an Daͤnnemark an: hierzu kam noch, daß die Estlaͤnder sich von Christiern seiner Vorfahren Privilegien erneuern liessen, in welchem Briefe er die revelsche Kirche eine Suffraganin der Metropolitankirche zu Lunden nennet, und sich das Patronatrecht vorbehaͤlt. Cnutson warnte daher seine ehrsamen und lieben Freunde, die beiden Buͤrgermeister in Revel, Jost von Borsten und Albrecht Rumoren, sich dem Verkauf der Lande Harrien und Wierland zu widerse- tzen, wo sie nicht einen oͤffentlichen Krieg von Schweden sich ankuͤndigen, und Revel eben so, wie neulich Wisby zerstoͤren lassen wolten. Dieser Carl Cnutson hatte selbst Guͤter in Wirland, nemlich das Dorf Erves und Hame, nebst andern Doͤrfern und Gerechtigkeiten, die er aber am Jacobi tage 1455 zu Stockholm, als wirklicher Koͤnig der Schweden, Norwegen und Go- then, dem revelschen Buͤrger, Friedrich Depenbrocken, mit allen Documenten zu erb und eigen schenkte. Diese Guͤter hatte Frau Abelen, Otto Schroffers Witwe, von ihrem Vater Albrecht Anderson, Ritter, und ihrem Bruder Hen- rich Albrechtson, geerbet, und sie dem Kapitel zu Riga vermacht, am Abend Viti Modesti 1438. Das Kapitel verkaufte selbige am Johannis Abend 1447 wie- der an den edlen und wolgebornen Man, Herrn Carl Cnutson, Ritter und Haupt- man auf Wyburgs Schlos, der nachher Koͤnig von Schweden geworden. Mengden war mit dem Verkauf dieser Guͤter in auswaͤrtige Haͤnde nicht zufrieden, und belehnte Andreas, Herrn Nils Stiters Sohn damit; als er aber sie Depen- brocken abtreten solte, gab Cnutson Dienstags nach Antonii 1455 dem Ordensmei- ster Volmacht, diese Guͤter anzutasten, und nach Rechte damit zu verfahren, doch so bescheidentlich, daß er seine dafuͤr gezahlten 4000 rheinische Gulden von dem Orden wiederum empfienge. Doch die Abse- tzung dieses Koͤnigs befreiete Estland von dieser unnoͤthigen Furcht. Dagegen fertigte der neuerwehlte Koͤnig Christiern in Daͤnnemark, Schweden und 1457 Norwegen, am Tage St. Luciaͤ durch den Hofmeister im Reiche Schwe- den, Erich Axel, den Marschal in Daͤnnemark, Claus Reinhold, und den Amtman zu Stockholm, Magnus Green, saͤmtliche Rittere, einen Schutzbrief aus, in welchem er den lieflaͤndischen Ordensmeister namentlich 15 Jahr lang in seinen Schutz nimt, 300 oder 500 wehrhafte Mann dem Orden zu stellen verspricht, und dafuͤr alle Jahr 1000 gute rheinische uͤberlaͤndische Goldgulden empfaͤnget. Dieser Schutz sol dem Meister und Orden an ihrer Herrlichkeit und Privilegien unschaͤdlich seyn. Die Manschaft wird 4 Wochen nach ihrer Absegelung aus dem Reiche vom Koͤnig verproviantiret, in Liefland aber wird sie von dem Orden auf daͤnischen Fus gehalten. Auf diesen Handel finden sich unterschiedliche Quitungen, nebst einer, so der Koͤnig an den Auf Erzb. Sylvester. zur Zeit der Reg. Johan Mengdens. Am 6ten Febr. als am Dorotheen tage gab der Erzbischof Silvester auf 1457 seinem Kirchenschlosse Ronneburg, der getreuen Ritter- und Manschaft des Erzstifts Riga, um sie der Ritter- und Manschaft in den Landen Harrien und Wierland gleich zu machen, die so genante stiftische Begnadigung oder das neue Manrecht, ( feudum gratiae ) damit sie unter einander als geborne Freunde ein gleiches Erbrecht geniessen moͤchten, wofuͤr dieselben eine namhafte Summe Gel- des zu Ausloͤsung, Steuer, Huͤlfe und Erbauung etlicher Kirchenschloͤsser erleget hatten. Vermoͤge dieser Begnadigung koͤnnen und sollen selbige zu ewigen Zeiten alle ihre Guͤter, liegende Gruͤnde, Geld, fahrende Habe, und alle bewegliche Guͤter erben bis ins 5te Glied maͤnlichen und weiblichen Geschlechts. Sylvesters Privilegium ward von Sigismund dem III ten am 28 April 1589 zu Warschau unter der Hand des Reichsvicekanzlers Albert Baronowsky, aus dem Sano et integro originali, daran nur wegen Alter die Baͤnder des Sie- gels zusammen genaͤhet waren, vidimiret und der koͤniglich pohlnischen Revision 1599 vorgezeiget. Die Abgeordneten haben es schlecht ausgeliefert, weil zu Zeiten des Herrn Landraths und Generalmajors, Freiherrn Gustav von Mengden, die Urschrift die- ses Augapfels der lieflaͤndischen Privilegien in den Kriegsunruhen auf dem Schut ge- funden, und von einem Patrioten wieder in die Ritterlade geschaft worden. Der pohlnische Koͤnig Sigismund August, ertheilte der lieflaͤndischen Ritterschaft 1561 ein gleiches Erbrecht. Der Bischof Johan von Doͤrpt, und Koͤnig Carl der IX te verliehen es dem doͤrptischen, Koͤnig Johan dem Wykschen, die Bischoͤfe Ki- wel und Muͤnchhausen dem oͤselschen Adel; und ist dieses alte harrische und wirlaͤndische Recht nachher von Obrigkeit zu Obrigkeit bestaͤtiget worden. Der Herr Landrath von Ceumern hat in seiner lieflaͤndischen Schaubuͤhne Sylvesters Gnadenbrief Platdeutsch und Hochdeutsch drucken lassen. Der Erzbischof stelte noch an selbigem Tage zur Aufnahme der Tafelguͤter eine besondre Erklaͤrung uͤber den zweiten Artikel dieser Urkunde aus. Es wird nicht undienlich seyn, diese zu lesen; da sie Herr Ceumern nicht hat, selbige auch nirgends abgedruckt stehet, bevoraus da sie die Liste der erzbischoͤflichen Tafelguͤter in sich enthaͤlt. W ir Sylvester, von GOttes Gnaden und des roͤmischen Stuhls der heiligen Kir- che zu Riga Erzbischof, zu ewiger Gedaͤchtnis thun kund und offenbar mit die- sem Briefe, daß wir mit Rath und Volbort unsers Kapitels und fleißige Bette unsrer Stifts Ritterschaft und Manschaft, und auch andre des Stifts Oesel und Doͤrpt, und die Ritterschaft und Manschaft aus Harrien und Wierland, und sonst andre unter dem wuͤrdigen deutschen Orden uͤber ganz Liefland besessen, ihr Manrecht uͤber- geschrieben und verneuret haben, nach Laut unsrer Privilegien und Briefe daruͤber ge- geben, unter andern diesen Artikel beschrieben: Wir behalten auch uns, unsern Nachkommen und unserer Kirchen, ausser diesem obbeschriebenen Manrechte, bevor alle die Guͤter, die unser Nechster Vorfahre Herr Henning, Erzbischof, seliger Gedaͤchtnis, von unser und unser Kirchen- tafel verlehnet und abgegeben hat, allermassen in den zwey aus einander geschnitte- nen Briefen eines Lauts auf Pergament geschrieben, und mit unsern anhangenden Siegeln beglaubet, angefuͤhret und beschrieben stehet. O o So Nachdem den revelschen Comthur Gerdt von Wellingraden, wegen 4000 revelscher Mark auf das Gut Kallen gegeben, von 1459. Eine zu Segeberg unterschriebene Vol- macht an die Bruͤder Tydeman und Marquard Haber, von dem Meister und deutschen Orden in Liefland, nachder Vereinigung 1000 Mark zu empfangen, unterschrie- ben zu Segeberg 1460. Eine Quittung auf 2000 Mark loͤthig Silbers rigischen Ge- wichts, und 5000 ungersche Gulden, Copenhagen, Sonnabends vor Cantate 1461. Jtem auf 2000 rheinische Gulden zu Abo auf dem Schlosse, Dienstags nach Jacobi 1463. Desgleichen wegen empfangner 3000 rheinischen Gulden zu Got- torp, Sontags nechst vor St. Michaelis 1468. Endlich eine auf 8000 rheinische Gulden, Donnersstags nach Quasimodogeniti, 1469 auf dem Schlosse zu Copen- gen. Am Tage St. Dionysii 1469 aber gab der Koͤnig die algemeine Quitung, und erlaͤst dem Orden die noch ruͤckstaͤndige Summe um der heiligen Maria willen, weil sie Patronin des Ordens ist. Der Rath zu Luͤbeck sandte durch einen Buͤrger Hein- rich Baltzen, die Obligation dem Herrn Meister so gleich zu treuen Haͤnden ein, und transsumirte die koͤniglichen Quitungen unter seinem Secretinsiegel. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1457 Nachdem die Ritter- und Manschaft der Lande Harrien und Wierland eine betraͤchtliche doch gutwillige Beisteuer zur Rettung des Ordens wider die ver- bundenen Staͤdte und Lande in Preussen hergegeben, so erklaͤret der Ordens- meister Johan von Mengden, daß er besagte Ritter und Manschaft nach wie vor von aller Schatzung frey spreche, und versichert, daß die geleistete Huͤlfe nicht zur Gewonheit werden solle. Gegeben zu Waldemar (Wolmar), am Tage Valentins des Maͤrtirers. Desgleichen vereinigte sich der Ordensmeister mit dem Erzbischof zu Walck, am Tage Agnetaͤ, und versiegelte nicht nur einen Friedensbrief auf 10 Jahr, sondern verband sich auch mit demselben wider alle auswaͤrtige Feinde, welcher letzte Brief Sonnabends nach Dorotheentage von beiden Theilen unterschrieben wurde Dieses Document scheinet um so vieler wolverdienter Ordensmaͤnner wegen, die hier gleichsam in einer Liste angefuͤhret werden, den voͤlligen Abdruck seines Jnhalts zu fordern. Erzbi- . Die So ist es und sol seyn, dieser gegenwaͤrtige Brief auf Pergament geschrieben, eins von den andern geschnitten, in denen beruͤhrt und geschrieben stehn die Guͤter, die wir aus- ser dem oben beschriebenen neuen Manrecht behalten haben, und seyn sollen, als mit Namen alle die Guͤter, die in der Burchsuchung (Borcksoͤkning) und Kirchspiel zu Treyden seyn, oder seyn moͤgen, item dergleichen die Guͤter zu Loͤddiger, ausge- nommen den Hof zu Oesel, mit den Guͤtern, die jetzund dazu gehoͤren, und in dem- selbigen Kirchspiel belegen seyn und andre Aderkas Guͤter, item dergleichen alle die Guͤter, die die von Rosen haben, oder haben werden in der samenden Hand im Kirch- spiel zu Rop belegen, oder wo sie in Liefland gelegen seyn, item wir nehmen auch aus von demselbigen neuen Mannrechte alle die Guͤter, die da seyn oder werden moͤgen, im Kirchspiel und Gebiete zu Schmilten, item im Kirchspiel und Gebiete zu Ron- neburg, item im Gebiete und Kirchspiel zu Pebalgen und Serben, ingleichen im Gebiete und Kirchspiel zu Sesswegen, item im Kirchspiel und Gebiete zu Schwa- nenborg, item im Kirchspiel und Gebiete zu Berson, welche in dem neuen Mann- rechte, doch vorbehalten Schwarzhofes Guͤter. Wir nehmen auch aus nemlich alle unsre und unser Kirchen Lehnguͤter, so die von Tysenhausen in der samenden Hand haben oder haben werden, in welchem Kirchspiel oder Burgsuchung sie seyn oder liegen werden, oder moͤgen. Desgleichen nehmen wir auch aus alle Lehnsguͤter in der Burg- suchung und Kirchspiel Creutzburg, Laudon, Kokenhausen, Lennewarden, Uxkuͤll und Suntzel, auch die Guͤter im Kirchspiel zu Sisegall, und alle Doͤrfer die den beiden Rittern Hinrich und Juͤrgen von Ungern zuhoͤren oder zuhoͤren wer- den. Die sie besser in der samenden Hand besitzen oder besitzen werden, in welchen Kirchspielen sie auch seyn werden, und gemeiniglich alle die Guͤter, die in der samenden Hand sind und seyn werden, wem sie auch zugehoͤren oder zugehoͤren werden, weil diese oder andre sollen erben in dem alten Mannrechte und nach ihrer samenden Hand nach Laut der oben beschriebenen daruͤber gegebenen Privilegien, Dessen zur Urkunde und ewiger Gedaͤchtnis haben wir der Briefe zwey auf Pergament lassen schreiben, und von einander geschnitten, und mit unserm Siegel versiegelt, auf daß man in zukuͤnftigen Zeiten ei- gentlich wissen moͤge, welche Guͤter in das alte oder neue Mannrecht sollen gehoͤren. Gegeben und geschrieben auf unserm Kirchenschlosse Ronneburg, am Tage Doro- theaͤ der Jungfrauen, im Jahr Christi unsers Herren Tausend Vierhundert und Sie- benfunfzig. Hieruͤber sind gewesen alle, die in dem obenberuͤhrten Privilegien auf das neue Mannrecht sprechende geschrieben stehn Also gab es dreierley Lehnguͤter in Liefland, die alten Manlehne, die Guͤter der samenden Hand, und die in Sylvesters neuer Verguͤnstigung; von welchen letztern man doch kein Beispiel findet, daß sie jemals offen geworden und aus gaͤnzlichem Mangel aller Anverwandten innethalb dem suͤnften Gliede wieder zuruͤck gefallen. Um einiger Leser willen sinden wir fuͤr dienlich die Tafel beizubringen, welche wir in der noch ungedruckten Abhandlung von den Lehnrechten in Liefland angetroffen, woraus der Unterscheid dieser Lehne am dienlichsten gezeiget werden kan; nur muß man sie nicht mit den ordentlichen Kauf- und Erbguͤtern verwechseln. Andreas . Erzbischof Sylvester. zur Zeit der Reg. Johan Mengdens. Die Stadt Danzig schickte bey der Unruhe mit dem Orden einige Kapers 1458 nach Oesel, die auch ans Land stiegen und auf den Guͤtern des ehmaligen Ordens- O o 2 procu- Erzbischof Sylvesters und H. M. Osthofs gemachter Friede und Verbuͤndnis zwischen allen Staͤdten der Laͤnder Liefland auf 10 Jahren wider alle auslaͤn- dische Feinde. W ir Sylvester V. des paͤpstlichen Stuhls Gnaden, der heiligen Kirchen zu Riga Erzbischof, Bartholomaͤus von desselbigen Gnaden zu Doͤrpt, und Ludol- phus zu Oesel, Bischof, und wir Bruder Johan von Mengden, anders genant Osthof, Meister deutschen Ordens zu Liefland, Paulus, Administrator und Postulatus der Kirchen zu Curland Seine Ordination zum curlaͤndischen Bischof geschahe zu Ronneburg am 18 April 1458. Er solte nach des Papsts Calixti Verordnung vorher den Ordenshabit der deutschen Herren anlegen; wogegen er sich aber straͤubte, und die Bangigkeit seines Gewissens vorschuͤtzte Weil er nicht gerne das Bistum fahren lassen wolte, und gleichwol seine Boten weder zu Lande wegen der Krie- geslaͤufte, noch zu Wasser wegen des Winters sicher nach Rom schicken konte; so erbot er sich auf weitere Eroͤrterung indessen die neue Tracht anzunehmen, und die Ordensregel zu bekennen. Doch der Erzbischof Sylvester schonte das schwache Gewissen desselben, und dispensirte ihn bis zu naͤherer Einholung des paͤpstlichen Willens. Die Einweihung geschahe, wie es nach den cano- nischen Gesetzen gebraͤuchlich und von Sylvestern an den Papst schriftlich gemeldet war, nemlich un- ter den Worten bey der Messe: Exsurge, Domine, quare etc. in Gegenwart zweier Praͤlaten des oͤselschen und doͤrptischen Domherrns und Dechanten Georg Hollands, und des Ordenssecre- tairs Christoph Fuͤrstenau. . Wir Theodoricus Nagel, Propst, Johannes Treppe, Dechan der Kirchen zu Riga. Georgius von Ungern, Propst, Brandamus Koßkuͤll, Dechan der Kirchen zu Doͤrpt. Gottschal- kus auf dem Berge, Propst. Gottschalkus Stuvete, Dechan der Kirchen zu Oesel Andreas Schwartz, hat 3 Soͤhne, eine Tochter und drey Guͤter: Mannheim, nach dem aͤltern und blossen Mannlehnrecht, Samendorf, nach dem Rechte der samenden Hand, und Frauenthal, nach dem sylvesterschen Gnadenrecht. Seine 4. Kinder sind Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, procurators am paͤpstlichen Hofe, und nunmehrigen Bischofs Jost, wie auch auf den Guͤtern des Ordensvogts zu Sonneburg, schlecht Haus hielten. Sie wichen endlich auf Vorstellung, daß das Stift Oesel keinen Theil an dem Or- denskriege naͤhme, da zumal der Bischof Jost einen Stilstand von 20 Monaten zwischen dem Koͤnig Casimir in Polen, dessen Partey sie ergriffen, und zwischen dem Orden vermittelt haͤtte. Als nachher Danzig ins Gedraͤnge kam, wolte sie der oͤselsche Landshauptman, Hans von Wallstein, mit gleicher Muͤnze bezahlen, und schickte seiner Seits etliche Kaper aus, die aber von den Danzi- gern gefangen und mit dem Schwerte hingerichtet wurden. Montags nach St. Michaelis confirmirte Silvester den ihm zum ersten- mal vorgestelten Stadtvogt Johan Soltrump, und verspricht, ihn Sontags nach Omnis terra zu investiren, und dat Ambacht des Rigischen Rechtens to vullenforende unde to vorstande. Unter andern haben untersiegelt Peter von der Borch, Vogt zu Treiden, Hinrich von Ungern, Hans von Tiesenhausen und Ewold Patkuͤl. 1459 Die besondere Treue, welche Johan von Mengden seinem Hochmeister in den gefaͤhrlichsten Zeiten bewiesen, bewog den Hochmeister Ludwig von Er- linghausen, dem Orden in Liefland in einer feierlichen Urkunde die oberherr- liche Oesel. Wernerus Zekemet, Propst. Johannes Gabelnow, Dechan der Kirchen zu Curland. Und wir Vorwesere Dechan und Capittel der Kirchen zu Re- val, Volmaͤchtige vor uns und derselbigen unserer Kirchen, Godert von Pletten- berge, Landmarschalk, Gerdt von Wallingraden, Cumpter zu Reval; Be- rend von der Heide, Vogt zu Jerven. Hinrich Schleregen zur Marien- burg, und Conrad von Vitinghofen, zur Pernau Cumpter. Lubbert von Vorsem, zu Wenden, und Diedrich von der Layn, zur Sonnenburg Voͤgte, Volmaͤchtige von desselbigen unsers Ordens wegen. Juͤrgen Persevall; Juͤrgen Jxkul, Ritter; Otto von Rosen; Engelbrecht von Tiesenhusen; Juͤrgen Orgaß, Martin von Ungern; Hinrik von Ungern; Carel von Vietinghoven; Peter von der Borg, Vogt zu Treiden; und Einwald Patkul, Volmaͤchtige von der Ritter und Knechte wegen des Stifts zu Riga. Bertram Jxkull; Wessel von Loe; Peter und Otto von Dahlen; Diedrich von Tiesenhusen; Bartholomaͤus von Tiesenhusen; Herman von der Rope; beide Woldemar Wrangel; Hanß Stackell; und Claus Vifhusen, Volmaͤchtige der Ritter und Knechte des Stifts Doͤrpt. Conrad Jxkull; Hinrich Varenßbecke, Ritter; Dieterich Varenßbecke; Diedrich Thuͤne; Clauß Jxkull; Evert Herkel; Olde Hans Dittever; Hinrick Jxkul; Luͤdecke Lyve; und Hinrich von Hastever, Vol- maͤchtige von der Ritter und Knechte des Stifts Oesel. Jarap Dechen, Ritter; Hanß Lechtes; Evert Weckebrod; Helmolt Toͤdewen; Carel Tolck; Joß- win Daͤnhof; Hanß Soye; Diedrich Toͤdewen; Diedrick Vietingck; Hanß Lode; Hinrick Thuͤne von Ohrten; Diedrich Virckuß; Lambert Metzenta- cke; Woldemar Wrangell; Diedrich Brackell; Hanß Hastever; Hinrick Wrangell; Hanß Meckeß; Gerd Thuͤne; und Juͤrgen Lode, Volmaͤchtige der Ritter und Knechte der Laͤnder Harrien und Wirlande. Otto und Wedeghe von Sacken; Volmaͤchtige der Ritter und Manschaft des Stiftes zu Curland. Herman von Tilsen; Otto Vete; Bartholomaͤus Ergemeß: Arend Werninghusen; und Herman Sinteler, Volmaͤchtige der Ritter und Knechte der Gebiete Jerven, Karkuß, Wenden, Siegewalde und Candau. Burgemeister und Rath der Stadt Riga, Doͤrpt und Reval bekennen und bezeugen alle offenbahr in diesem gegenwaͤrtigen Briefe, das Wir in Gebung dieses Briefes durch Uns und Unsere Volmaͤchtige auf diesen gemeinen Landstage alhier zu Wolde- maer versamlet seyn gewesen und haben betrachtet den gemeinen Uebergang vieler Lande die mit schweren Orloggen und Feuden bedrungen und beschweret sind. Und darum so haben wir GOtt zu Lob und Ehren, und diesem gemeinen Lande zu Liefland zur bestaͤndigen Bequemlichkeit, Eintracht, Liebe und Gedeyen eine freundliche Eintracht gemacht unter uns die Wir mit den Unsern halten sollen und wollen zu zehen Jahr nechst folgende nach Gebung dieses Briefes in dieser nachgeschriebenen Weise. Waͤre es Sache, daß jemand von aussen Landes, es waͤre auch wer es waͤre, niemand aus- Erzb. Silvest. Stobwasser. zur Zeit der Reg. Joh. Mengdens. liche Gewalt uͤber ganz Estland aufzutragen, welche ihres Jnhalts wegen hier 1459 einen Platz verdienet. Jn dieser wichtigen Acte ist die paͤpstliche und kaiserliche Schutzgewalt von dem alten Ei- genthumsrecht des Koͤnigs von Daͤnnemark, und dem nunmehrigen Recht des Or- dens, deutlich unterschieden. Sie ist zugleich die Bestaͤtigung des alten Kaufs, den Herike 1347 mit Tusmern getroffen. Weil Preussen mehr Geld brauchte, so war an das vorbehaltene Wiederkaufsrecht nicht mehr zu denken. Jm Jahr 1521 und 1525 ward Liefland seiner ganzen Vasallenschaft unter den preußischen Orden los, der schon lange nicht mehr schuͤtzen koͤnnen, auch vorher mit weiter nichts als nur mit dem Schutz- amte zu thun hatte. W ir Bruder Ludowich von Erlinghausen, Hoffmeister des deutschen Ordens, der Bruͤder des Hospitals Sanct Marien des deutschen Hauses von Jerusa- lem bekennen und thun kund oͤffentlich mit diesem unsern offenen Brief fuͤr allen und jeglichen die ihn sehen, hoͤren und lesen, daß wir in Gegenwertigkeit der ehrwuͤrdigen in GOtt Vaͤter und Herrn Herrn Pauli, der Kirchen zu Curland und Nicolai, der Kirchen zu Sameland Bischoͤffen und mit Rath und wohlbedachter Muͤhe und Vol- bord unserer Mitgebietiger um mancherley grosses Fleisses und Willigkeit willen, die der ehrsame und geistliche Herr Johan von Mengden, anderst genant Osthoff, oberster Gebietiger in Liefland, und seine Gebietiger daselbst, in diesen grossen schwe- ren und allerhoͤchsten unsern und unsers Ordens Noͤthen, uns und unsern Orden zu Preussen, mit mannigfaltigen schweren grossen Kosten und Huͤlfe an Leuten und auch an grossen merklichen Summen Geldes, Goldes und Silbers gar getreulich geholfen, und bewiesen haben, noch helfen und beweisen, auch zu sonderlichen zu unsern und un- sers Ordens Frommen und Gedeien demselben genanten obersten Gebietiger seinen Nachkommen und unsern Orden zu Liefland abgetreten, verlassen und uͤberwiesen un- sers Ordens Lande in Liefland, als Harrien, Wyrland nud Allen-Tacken, das Schlos und Stadt Revall, das Schlos und Weichbild Wesenberg, das Schlos und Stadt Narva, in denselbigen Landen Liefland belegen, darzu auch alle andere Vesten, die in den Landen gelegen seyn, wie die sein genennet mit alle dem das zu denselbigen Landen von Alters her gehoͤret hat, es sey in dem gesalzenen See oder an- dern Fluͤssen, mit Landen, Leuten, manhaften Diensten, Eigenschaften, mit allen Herlichkeiten, und allen Nutzen, nichts nicht ausbescheiden, also daß derselbige ober- ster Gebietiger seinen Nachkommen und unser Orden in Liefland sollen und moͤgen als rechte Herren ein Haupt der Lande haben, halten und besitzen, die Huldigung von der Ritterschaft empfahen und aufnehmen, und allerdinge damit halten und thun, gleicher weise als wir und unsere Vorfahren gethan haben, und hinfort zu ewigen Zeiten un- wiederruflich gehalten und gesetzet haben, zu thun in aller massen alsdann der Kaufbrief und Privilegia uͤber dieselbe innehalten und ausweisen, und unsern Vorfahren Hofmei- ster und unsern Orden von Herrn Koͤnig zu Dennemarcken und andern Fuͤrsten und Herren uͤbergelassen und verkauft, und vom Stuel zu Rom und kayserlicher Gewalt wegen, bestetiget sein worden, welche Kaufbriefe und Privilegia wir auch denselbigen obersten Gebietigern seinen Nachkommen, und unsern Orden zu Liefland, mit samt denselbigen Landen vorberuͤhret, uͤberlassen und eingeantwortet haben, auf ein solches, daß wir uns allen derselbigen vorbenanten Landen ganz vorziehen, und die ewiglich ver- lassen, mit allen Recht, Gerichten, Herrschaften, Nutzungen und Zubehoͤrungen in P p aller Dien- ausbescheiden, diese Lande zu Liefland oder jemand von uns anfiel, so wollen wir oben alle saͤmtlich und besondern darzu getreulichen ziehen, dis Land wehren und demjenigen, der also uͤberzogen wird, auch getreulich helfen, und beschuͤtzen und beschirmen, wan- ehr und was dis Noth und Behuf ist. Und das sollen auch niemand von uns allen oben genanten und den unsrigen Krieg und Orlog anschlagen ohne einigen gemeinen Rath unser aller. Wuͤrde jemand druͤber sothane Kriege und Orloge anschlagen und deshalben, als oben beruͤhrt ist, uͤberzogen, damit beduͤrfen wir andere nichts zu thun haben. Dis geloben wir alle Vorbenante mit einem saͤmtlichen Rath stet und vest zu halten zu diesen vorgesagten 10 Jahren bey guter Treu und Glauben. Des zu Ur- kund und unser ganzen Sicherheit so haben wir alle, so in diesen vorgeruͤhrten Briefe ste- hen, unsere Jnsiegel Volmaͤchtige rechtens wissens vor uns und die Unsrigen an diesen Brief lassen hengen. Der gegeben und geschrieben ist in einen gemeinen Tage dieser Landes Herren zu Woldemaer des Sonnabens nach Dorotheaͤ Virginis in dem Jahr nach Christi Geburt Dusend Verhundert darna in seven unde fystigsten Jahr. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1459 Dienstags nach Johannis Geburt quitirt der Koͤnig Christiern von Daͤnnemark, den Ehrenbornen Herrn Gerdt von Mellingrode, Comtur zu Revel, auf 4000 Mark, welche der Koͤnig auf das Gut Danhof vorge- schossen; unterzeichnet zu Kopenhagen mit dem koͤniglichen Jnsiegel. 1461 Joh. Vatelkanne, Electus der Kirche zu Oesel, gab am Tage vor Kreuz- erhoͤhung dem Meister das dem Orden ehmals abgenommene Antheil des Schlos- ses Leal wieder, damit nicht weiteres Blutvergiessen daraus erfolge. Der Landmarschal Godert von Plettenbeege erklaͤret Vatelkannen im Namen des Herrn Meisters fuͤr den rechten Bischof von Oesel, dem Jost Hagenstein weichen solle, ohnerachtet der Papst Pius der I ste des Vatelkanne Erwehlung vor 3 Jahren vernichtet haͤtte. Doch nach etlichen Jahren sahe sich Jodocus oder Jost durch Beistand des Meisters wieder in Besitz des Bistums; und Va- telkanne muste abziehen, weil der Erzbischof und uͤbrige Bischoͤfe mit Osthofen gemeinschaftliche Sache machten. 1464 Der Koͤnig Carl von Schweden ersuchet zu Danzig, am Abend der heil. drey Koͤnige, den Landmarschal und die Gebietiger in Liefland, daß sie die hagerschen Guͤter zu Ripe in Jutland, so dem Orden gehoͤren, Hans Schenckeln uͤberlassen moͤchten, welcher dem Orden huldigen und alle Dienste leisten solle. Die Briefe, welche Fridr. Depenbrock auf diese Guͤter unter des Koͤnigs Namen angewiesen, erklaͤret Carl fuͤr untergeschoben, ob man sie gleich vor 2 Jahren durch eine List von ihm erschleichen wollen. Nach fast unaufhoͤrlichen Zaͤnkereien muste die Stadt Riga endlich dem Ordensmeister nachgeben. Fuͤr diese Verleugnung erhielt sie von Osthoffen am Sonnabend vor Martini einen fuͤrtreflichen Freiheitsbrief, den zwar einige Abschriften 10 Jahr aͤlter machen, die richtigsten aber in dieses Jahr setzen, so mit der Zeitrechnung und den Umstaͤnden am besten uͤbereinstimt. Die Staͤdte Revel und Doͤrpt haben ihre Siegel mit angehaͤnget. Der Ordensmeister be- staͤtiget der Stadt die alte Mark auf beiden Seiten der Duͤne, wie sie selbige durch den Bischof Wilhelm von Modena vor Alters erhalten, ausser das Ge- hege Lutzenhagen und die Koppel unter dem Berge, die zur Nothdurft des Schlosses gehoͤren. Die Honigweide bleibt nach dem Alten. Wenn der Herr Meister reiset, so giebt ihm die Stadt 30 Reisige zu Pferde gegen inlaͤndische Fein- de, gegen die auswertigen hilft sie ihm mit aller Macht. Die uͤbrigen Beschwerden wegen der Huͤlfe, welche die Buͤrgerschaft dem Orden nach dem vorigen Soͤhnebrief leisten mus, fallen weg, nur daß die Stadt dem Orden nicht entgegen ist. Der Wahrzins wird der Stadt wieder gegeben, und ihr von den 5 Vicarien nur 3 zu halten erlaubet. Er goͤnnet der Stadt eine ziemliche Mauer, 5 Faden dicke, doch ohne Thuͤrme, zwischen der Vorburg des Schlosses und der Staͤdtmauer. Zur grossen Pforte behaͤlt die Stadt die Schluͤssel, um sie zu gewoͤhnlichen Zeiten zu oͤfnen, auch zum Behuf der Ordensgebietiger sie Tag und Nacht aufzuschliessen. Den Schluͤssel zur kleinen Pforte verwahret der Hauscomtur. Der Haberthurm sol bey der Vorburg bleiben und nicht wieder gebauet werden. Auch die neuen Thuͤrme bey der St. Andreas kapelle am Schlosgraben sollen nicht hoͤher gemau- ret aller massen als beruͤhret ist, und verlassen auch um deswillen alle Ritterschaft, Mann- schaft und Untersassen, in den obengeschriebenen Landen Harrien und Wyrland, und Allen-Tacken, wohnhaftig und gesessen, ihrer Eydehuldigung, Pflicht und Manhaf- ten so als die von Alters her unsern Vorfahren und uns gethan und geschehen sind, die fortan den obersten Gebietiger seinen Nachkommen und unsern Orden zu Liefland zu pflegen und zu thun zu ewigen Zeiten in Kraft dieses Briefes, und wir Ludowich Hofmeister oben genant geloben und verheisen vor uns und unsere Nachkommen, un- sern ganzen Orden alle vorschriebene Sachen stete und feste zu halten, unwiederruflich zu ewigen Zeiten. Dessen zu Urkund und mehrer Sicherheit haben wir unser Jnsiegel vorhangen lassen, diesem Brief, der gegeben ist auf unsern Hause Koͤnigsberg am Dienstage, so die heillge Kirche pfleget Cantate zu singen im vierzehen hundert neun und funfzigsten Jahre. Erzb. Silvest. Stobwasser. zur Zeit der Reg. Joh. Mengdens. ret werden. Es stehet den Buͤrgern frey, die Roboys muͤhle zu bauen und 1464 2 Windmuͤhlen dazu zu machen. Das Stuͤck Wiesewachs hinter des Hauscom- turs Hofe und die freie Fischerey behaͤlt die Stadt nach dem alten Fus. Der Kaufman kan zu Wasser und Lande die Duͤne auf und nieder handeln. Die Zie- gelkoppel ist der Stadt, der Ziegelholm an der Schlosweide aber, der an dem Holm Koͤgenlage stoͤst, und woruͤber in vorigen Zeiten lange gestritten worden, bleibt zum Behuf des Schlosses. Die Buͤrger und ihre Nachkoͤmlinge sollen zum Nu- tzen der Stadt freie Holzung haben auf der Palen, so ferne sie darauf redlichen Beweis fuͤhren. Die 100 Mark, welche die Stadt nach dem Soͤhnebriefe jaͤhr- lich ans Schlos gezahlt, und die sie in ihren Zeiten abgekauft, sind vertragen. Aus besonderer Gunst giebt Osthoff noch der Stadt einen Brief auf 800 Mark, den sie zu ihrem Nutzen verwenden kan. Von Seiten des Ordens haben God- dert von Plettenberge, Landmarschal, und Conrad von Vietinghoff, Com- tur zu Ascherade zu Riga untersiegelt. Um Pauli Bekehrung sandte Joh. von Mengden den preußischen Or- 1466 densbruͤdern 700 Reuter und einiges Fusvolk zu Huͤlfe, die aber durch die von den Samogiten verhauenen Waͤlder nicht durchdringen konten. Sie schlugen sich auf die rechte Seite, um den Strandweg zu nehmen, allein auch diesen hat- ten die Samogiten mit tiefen und bedeckten heimlichen Gruben unsicher ge- macht, wo die Lieflaͤnder herein fielen, und gefangen oder erschlagen wurden. Die Zerstreueten wurden in dem dicken Busche durch Hunger und Kaͤlte aufgerie- ben, etliche nahmen ihre Zuflucht auf das Eis, welches aber einbrach, und die Fluͤchtlinge in der See umkommen lies. Wie denn auch den Herbst vorher 40 Schiffe, welche mit Kriegesvolk, Munition, und Proviant beladen waren, und aus Liefland nach Preussen giengen, unweit Choinitz am curischen Stran- de scheiterten, und durch ihr Aussenbleiben den Frieden des preußischen Ordens mit den Pohlen befoͤrderten Die preußischen Staͤdte beschuldigten den Hochmeister Ludwig der Kraͤnkung ihrer Privilegien, daher schlugen sie sich zur Ritterschaft, und huldigten 1454 dem Koͤnig Casimir in Pohlen. Der Hochmeister wehrete sich 13 Jahr, wurde aber daruͤber so schachmat, daß er in dem Friedensschlus von 1466 das halbe Preussen an Pohlen abtrat, die uͤbrige Helfte aber von besagter Krone zu Lehn nehmen muste. Besiehe Cranz Vandal. B. XII, k. 17, 20, 27, 30. Schuͤtz B. IV, S. 162, B. V, S. 184. Cromer B. XXII und XXVI. Sal. Neugebauer B. 17. Den Aufstand der Preussen findet man beim Michov. B. IV, k. 60. Der sonst loͤbliche Hochmeister Ludwig war von den Mitgebietigern dazu verleitet, die Handlung sonderlich zu schwaͤ- chen, welches die Nation in Harnisch jagte. Fincke schrieb noch zu rechter Zeit, er moͤchte gelinde zu Werke gehen, allein die Gemuͤther waren nicht mehr zu gewinnen. Die nachtheiligen Friedensartikel hat uns Venator B. II, k. 10, S. 199 aufbehalten. Die wahren Ursachen dieses Verfals giebt der koͤnigl. Secretair Strubicz gar unpar- teiisch an, welches Zeugnis das einzige ist, worin wir ihn brauchen koͤnnen: Ex opum et otii abundantia deciderunt hae familiae, et ordo equestris militiae sacrae a pietate, integritate, virtute et fortitudine in Epicuream securitatem, luxum, mollitiem et ignauiam; et nimio studio suarum voluptatum prorsus abiecerunt curam Ecclesiae re- ligionis et disciplinae etc. Secutae sunt ergo poenae, quas cernimus. . Dieser Ordensmeister hatte das Gluͤck, daß seiner Genuͤgsamkeit wegen al- les unter ihm in Liefland ruhig wurde; daher konte er seine Augen in Frieden schliessen, wie denn sein Ende bald nachher erfolgte. P p 2 Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Der vierzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Johan Wolthus von Fersen Chytraͤus nennet ihn Woldthusen; die zweite Handschrift von Herrmeistern, Wolckhusen; Ceumern, Wusthusen; Henninges, von Wolthausen; Praͤ- torius, von Walthausen; Schurzfleisch, Volthusen; andre von Herse. Jn dem Schenckungsbriefe vieler ledigen Plaͤtze an und auf dem Berge an die Pfarrkirche zu Goldingen fuͤhrt er den Beinamen von Hartze. Da die Jahrzahl bey den Ge- schichtschreibern etliche Jahr zu fruͤh angegeben wird, der Herr Praͤpositus Kelch auch S. 143 schon vom Jahr 1471 einen Lehnbrief an Goswin Doͤhnhoffen aufweiset, in selbigem Jahr aber derselbe Brief von Bernharden von der Borg ausgestellet wor- den; so ist Herr Praͤpositus Kelch auf die Muthmassung gefallen, als ob in Liefland damals ein zweikoͤpfiges Regiment gewesen, und Wolthusen nur von etlichen zum Or- denshaupte erwehlet worden. Es ist wahr, daß der Ordensmeister in alten Zeiten ei- nen Vicemeister gehabt, wie in dem ersten Theil beim Jahr 1211 ein Rodolf vorkomt. Allein dieses Amt fiel nachher dem Landmarschal zu, welcher sowol, als einige der vornehmsten Comture, doch nur in Abwesenheit des Meisters, oder bey noch unbesetz- tem Amte die oͤffentlichen Documente unter ihrem Jnsiegel ausfertigten. Manchmal nahmen die Ordensmeister sich noch bey ihren Lebzeiten einen Coadjutor, welcher als- denn der naͤchste zur Amtsfolge war, die sonst den Landmarschal oder einen Com- tur getroffen haͤtte. Doch bey diesem Falle zwingt uns nichts, der Vermuthung eines zweikoͤpfigen Regiments beizupflichten. Denn erstlich ist es schwer zu begreifen, daß der Orden bey seiner damals einstimmigen Absicht, das erzbischoͤfliche Ansehen zu schwaͤchen, sich durch die Uneinigkeit in der Meisterwahl trennen lassen. Zum andern bezeuget Hiaͤrne, daß Woldhusen nur anderthalb Jahr regieret, und Strubicz giebt das ihm Schuld gegebene Verstaͤndnis mit den Russen zur Ursache seiner Ge- fangenschaft an. Drittens aber erweisen die noch vorhandenen Briefschaften, daß Joh. Wolthus als Meister schon 1470 Goswinen von Anrep mit dem Gut Kub- beschen belehnet habe; dahingegen Berendt von der Borg erst seine Lehnbriefe un- ter dem Jahr 1471 Dominica Iudica ausgetheilet. Horner merket an, daß nach Woldhusens unschuldigen Verhaftnehmung die Gerichte GOttes uͤber Liefland mit vollen Stroͤmen ausgebrochen. Ein seltenes Beispiel, daß man in der Historie auch einmal gegen einen Ordensmeister sein Mitleiden bezeugen wollen. Meister Johan Buͤlow schreibt: He starff to Wenden in Thorne, darna hefft Gott dar Landt sehr gestraffet. . 1470 S ein gar kurzes Regiment von anderthalb Jahren hat ihn ausser eini- gen Lehnbriefen wenig bekant werden lassen, wie denn auch sein friedfertiges Naturel ihm den Argwohn zuzog, daß er mit den Rus- sen einige Tractaten pfloͤge. Man nahm ihn kurz vor Ostern zu 1471 Helmet beim Kopf, und brachte ihn nach Wenden, wo er sich im Gefaͤngnis mit seinem guten Gewissen troͤstete und nach einiger Zeit den Geist aufgab. Der Erzb. Silvest. Stobwasser. zur Zeit der Reg. Bernh. v. der Borg. Der ein und vierzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Bernhard von der Borg Sein Name wird nur nach einer verschiedenen Aussprache verschiedentlich angegeben, als von der Borch, Borck oder Burgk; sein Regiment aber mus fruͤher angegeben werden als gemeiniglich geschiehet. Ausser dem Lehnbriefe von 1471 finden sich noch andre, und unter denen einer von 1474 am Sontage Trinit. zu Riga, wo er an Heinrich von Wrangeln einige Guͤter verlehnet. Sonst werden seine Handlungen, z. E. die Zerstoͤrung des Schlosses Kokenhausen unrichtig Johan Osthoffen beigemessen, welche doch diesen Berend zum Urheber haben. Der Ordensmeister Borg hat in der Geschichte das Ungluͤck, als ein Tyran beschrieben zu werden. Wir wollen sein Ver- fahren nicht durchgaͤngig rechtfertigen, doch aber so viel bemerken daß manche Veran- lassungen und Reitzungen auch den gelassensten und gesetztesten Man aufbringen koͤnnen. Haͤtten wir von allen Regenten in Liefland umstaͤndliche Nachricht, so wuͤrde man- cher in einem bessern Character erscheinen. Wenigstens laͤst es uͤberaus bescheiden, was in dem so genanten verschlossenen Buch der kleinen Gilde der damalige Elterman mit alt deutschen Worten und grossen Lettern von ihm angemerket hat, und wovon wir hier die Uebersetzung in einem Auszuge mittheilen: „Jm Jahr unsers HErrn 1472 des an- „dern Montags nach Ostern schickte der Meister Herr Berendt von der Borg, den „Landmarschal Cordt von Esselrode und den duͤnemuͤndische Comtur Willem „von Boinchusen zu uns, und lies uns fragen, ob wir ihm auch nach dem kirchhol- „mischen Vertrag den Eid leisten wolten, in welchem Fal sie gevolmaͤchtiget waͤren, „ihn anzunehmen. Da traten wir zuruͤck, jung und alt, mit den Gemeinebruͤdern „uns zu besprechen, und brachten ihm die Antwort: Wenn unser Herr und Meister „aufs Rathhaus kaͤme, so wollen wir ihm alles thun, was wir zu thun ihm pflichtig „waͤren. Als die Gevolmaͤchten ihre Absicht vorstelleten, daß sie hier auf der kleinen „Gildestube, oder an einer andern heimlichen Staͤte den Eid empfangen wolten, so „traten wir nochmals zuruͤck, und erwiederten hierauf, daß es keinesweges in unsrer „Gewalt stuͤnde; kaͤme aber der Meister aufs Rathhaus, so wolten wir ihm die Pflicht „thun. Die Gevolmaͤchtigten bedankten sich freundlich, daß wir so gutwillig waͤren. „Sie giengen hierauf nach der grossen Gildenstube. Da entstand ein Geruͤchte, wir „haͤtten dem Meister gehuldiget, und man sagte heimlich, ohne es uns zu beweisen, „wir waͤren Verraͤther, man solte uns nehmen, unsrer 5 oder 6 in den Thurm setzen, „und die Koͤpfe abhauen, es solte wol anders werden. Jtem des Sonnabends dar- „nach schossen wir nach unsern Papagoyen, da hatten wir 2 im Rathe dabey, die sehr „uͤbel zu sprechen waren, und zu uns sagten, wir haͤtten uͤbel gethan: wir antworteten, „wir haͤtten als fromme Leute gethan, und wer anders davon daͤchte, das solte sich wol „finden. Als den Sontag darnach der Koͤnig (im Vogelschiessen) seine Schenkkane „gab, da baten wir den Rath nach alter Gewohnheit zu uns zur Mahlzeit zu kommen, „wozu nicht ein einziger kam. Darnach kam der Meister vom Schlosse, gieng in die „Stadtherberge, und nachdem er sie besehen, gieng er in die St. Peterskirche, die- „selbe zu besichtigen; da kam der Doctor Hr. Hinrich Nettelhorst, und bat den „Meister sein Bier zu schmecken. Da nahm der Meister ihn und wolte in des Mei- „ster Gardians Haus gehen, sie kamen also in die Catharinen kirche. Auf Befra- „gen des Meisters, wessen Kirche es sey, traten 2 Bruͤder aus der Gildenstube heraus, „und baten den Meister mit vielem Noͤthigen, er moͤchte mit ihnen in die Gildenstuben „gehen, und des Koͤnigs und der gemeinen Bruͤder Bier schmecken. Kurz, man Q q „schickte . J m andern Jahr seiner Regierung reisete die am paͤpstlichen Hofe 1472 zu Rom erzogene Prinzeßin des griechischen Kaisers Ma- nuels, Namens Sophia, uͤber Luͤbeck, und langte mit ei- nem praͤchtigen Schiffe zu Revel an, von dannen sie nach em- pfangenen standesmaͤßigen Ehrenbezeugungen nach Doͤrpt gefoͤrdert ward. Hier Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1472 Hier ward sie von dem rußischen Abgesandten als verlobte Braut des Czaars, Jvan Basilowitz weiter bis Moskau begleitet, wo sie wider alles Vermu- then des Papsts Sixtus des IV ten die roͤmisch catholische Religion niederlegte und sich aufs feierlichste zur griechischen Kirche bekante. Der Ordensmeister ertheilte unter andern Freiheiten der Staͤdte Doͤrpt und Revel auch der Stadt Riga folgende vorzuͤgliche Privilegien: Die Stadt bleibt bey ihren alten Vorrechten, und darf keine Vicarien halten; der kirchhol- mische Vertrag wird vernichtet; und weil sie sich gutwillig dem Orden ergeben, so werden ihr alle Beleidigungen mit Schiessen, Stuͤrmen und Brennen gegen den Orden, das Schlos und die Vorburg uͤbersehen. Beide Theile leisten sich gemeinschaftlichen Beistand. Jm Fal eines Einbruchs ist die Stadt an keinen Vertrag gebunden. Diese Tilgung des kirchholmischen Vertrags geschahe Sonnabends vor Calixti. Jhre Siegel haben mit angehaͤnget Cordt von Her- tzenrade, Landmarschal, Didrich von der Dornenburg, genant von der Laye, zu Vellin, Gerd von Mellingrade zu Goldingen, Gerdt von Ylsen zu Ascherade, Otto Hocheler zu Mitau, Willem von Boink- husen zu Dobblehn Comture, und der Vogt zu Karkus, Evert Lappe von der Roer haben ihre Siegel mitangehaͤngt. Hierauf leistete die Stadt die Huldigung, und fertigte eine eigene Urkunde daruͤber aus, die unter andern der Buͤrgermeister Hr. Joh. von der Borch unterschrieben. So verglich er sich auch mit den Bischoͤfen und ihren Kapiteln, daß innerhalb 10 Jahren alle Zwi- stigkeiten ohne Lerm und Aufruhr in der Guͤte abgethan, und mitlerweile dasjeni- ge beobachtet werden solle, was saͤmtliche Staͤnde fuͤr jetzo zu Walck am Tage Agnetis beliebet haͤtten. Ausser dem Erzbischof, Bischoͤfen und Meister traten der Landmarschal Cordt von Herzenrade, die Camture, Didrich von der Laye anders genant von der Dornenborg zu Vellin, Johan Freydag zu Revel, und Cordt von Vitinghof zu Pernow dieser Sache wegen in Unterhandlung; wozu von Seiten des Stifts zu Riga, Juͤrgen Jxkul, Engelbrecht von Tisen- hausen, Ewold Patkul und Hinrich von Ungern; aus dem Stifte Doͤrpt, Barthol. von Tisenhausen, Bertold Wrangel, Peter Jxkul, Juͤrgen Luggenhusen; vom Stift Oesel, Didrich Fahrensbe- cke, Hinrich Bixhofden, Vogt in der Wick, Wolmar Jxkul, Herrn Conrads Sohn, und Juͤrgen Herkel; aus Harrien und Wirland, Goswin Doͤnhof, Hans Lode von Kochtel, Didr. Thuͤne, Didr. Brakel, Wolmar Thuͤne, und Berend Thuͤne; wie auch die Buͤrgermei- ster der Staͤdte Riga, Doͤrpt und Revel kamen. Diese vereinbarten sich, alle Streithaͤndel kuͤnftig unter sich auszumachen, und gegen den, so einen fremden Richter suche, los zu schlagen. Die Domkapitel behielten das Recht ihre Praͤla- ten selbst zu waͤhlen. Wer Krieg anfienge, solte alle wider sich haben. Dabey ist „schickte nach den Elterleuten, und lies etliche des Raths bitten, welche dem Meister „Geselschaft leisten, und sich einen guten Muth machen solten. Der Meister sandte „seinen Hofrichter zu Schlosse und lies fuͤr die Frauen und Jungfrauen 15 Stof Rhein- „wein holen, den seine Bedienten herumschenken musten. Die ganze Stadt war neu- „gierig, und schickten die Jhrigen zuzusehen; ja die Herren kamen selbst und sagten: „So pflegt man Land und Stadt zu verrathen. Das war der beste Trost, den sie uns „gaben. Der Herr Meister machte sich lustig bis um 5 Uhr, da lies er vom Schlos- „se Essen holen und anrichten von seiner eigenen Kost. Gegen 9 Uhr nahm er erst Ab- „schied, und versprach, wenn ihn GOtt leben lies, es wieder zu verschulden. Nach 3 „oder 4 Wochen wurden 6 des Raths, und 6 von jeder Gilde aufs Schlos geladen, „es wurde aber dahin zugehen von Seiten des Raths verboten. Doch fanden sich 3 „von der kleinen Gilde und der Buͤrgermeister ein, den der Meister dabey erinnerte, „daß er sagen muste: Dat war unß en hart Wort. Jnzwischen brachte es die „Stadt durch dieses Betragen dahin, daß, wenn der Herrmeister von ihr die Huldi- „gung empfangen wolte, er erst den gehaͤßigen kirchholmischen Tractat nach allen „Zeilen den Sonnabend vor Calixti vertilgen muste.‟ Erzb. Silvest. Stobwasser. zur Zeit der Reg. Bernh. v. der Borg. ist merkwuͤrdig, daß die einzige Stadt Riga ihr Siegel nicht beigesetzt hat, ob- 1472 gleich noch Platz auf dem Pergament war. Zu Stregnaͤs auf U. L. F. Tag verglichen sich der upsalsche Erzbischof 1477 Jacob, der stregnesische Bischof Johan, die Reichsraͤthe Steno Sture, Niclas Sture, und Gustav Carlsson mit dem Ordensmeister, daß sie des Gefaͤngnisses, darin Erich Rawaldson geleget worden, nimmermehr geden- ken wolten. Der Propst, Dechant und das Kapitel hatte vom Papst schon vor 24 Jahren 1478 die Guͤter und das Land Titiger Diese Guͤter Titiger, sonst Grapenduvel, gemeiniglich Bebusch genant, haben unter den streitenden Parteien viel Unruhe verursachet. Die Stadt muste sich in die Zeit schicken und diese wohlgelegenen Laͤndereien 1452 im kirchholmischen Transact fahren lassen, erhielt sie aber vom Erzstift 1454 gleich gutwillig wieder. Als die Stadt die Partey des Ordensmeisters nahm, so protestirte der Propst und sein Kapitel wider die Abtretungsacte, gewonnen auch am roͤmischen Hofe 3 Urtheile daruͤber, wovon dem Prediger Prior Johan von Rosen die Volziehung aufgetragen ward. Jm Jahr 1512 verglich der curlaͤndische Bischof Heinrich und Meister Walter von Pletten- berg den Propst Joh. Nolken und die Stadt wegen der streitigen Laͤnder ( Kyf- laͤnder ) solchergestalt miteinander, daß der Propst die uͤber duͤnischen Guͤter gegen Dahlen und Steinholm zu in Ruhe besitzen solte, bis die Stadt am naͤchsten Landtage besser Recht erhalten wuͤrde. Noch 1516 kuͤnstelten die paͤpstlichen Commissa- rien Alexander Schult und Georg Gardin, Domherren der Kirche zu Oesel, an diesem Vertrage, gaben aber dem Rath zu Riga einen Schein, daß die guͤtliche Un- terhandlung zwischen ihnen und den Propst zu Riga sich fruchtlos zerschlagen. End- lich zahlte die Stadt 1518 an gaͤnger und geber Muͤnze 1200 Mark und ein silbernes Kleinod von 5 Mark Silber dafuͤr. Jm Jahr 1518 bestaͤtigte Leo der X te deswegen die Stadtmark von diesem Titger ab, gegen Osten, von Mussafluß gegen Suͤden, vom Bache Olein gegen Westen, von einem Theil der See oder heiligen Aa gegen Norden. Da der Papst in mehrern Faͤllen sich in weltliche Haͤndel gemischt, so ge- hoͤren diese Briefschaften mit unter die paͤpstlichen Diplomata Protectoria von Liefland. gegen Dahlen und Steinholm, uͤber der Duͤne, geschenkt bekommen, selbige auch nebst andern in und ausser der Stadt gutwillig und zur Erhaltung guter Freundschaft abgetreten, und der Stadt wieder zum Besitz uͤberlassen. Auf Befehl des Papsts Sixtus des IV ten muste der Pre- digerorden dieselben von neuen dem Magistrat verschreiben lassen, damit der Erz- bischof keinen Anspruch darauf machen koͤnte. Desgleichen verstattete der Papst, daß ein jeder Erzvogt ( Pro-Consul ) und Buͤrgermeister waͤhrend seines Amts einen Tragaltar mit gehoͤrigen Zierrathen ge- brauchen duͤrfe, an dem er in Beiseyn seines Hausgesindes und anderer die Messe und den uͤbrigen Gottesdienst auch vor Tage, doch in der Fruͤhstunde, durch sei- nen eigenen oder fremden Priester, halten lassen koͤnne. Rom am 10ten Febr. Hierbey folgte eine andre Bulle, worin der Stadt verstattet wird, die Accise ein- zufuͤhren, Maas und andre Ordnungen einzurichten, und die Guͤter dererjenigen zu erben, die ohne Erben und ohne Testament sterben, ihre Bedienungen zu ver- geben, doch ohne Nachtheil der Geistlichkeit. So gab auch der General des Pre- digerordens Leonhard de Mansvetis de Perusio der Stadt wegen ihrer reichlichen Gaben und Almosen den freien Zutrit zu ihren gottesdienstlichen Uebungen, der Messe, Betstunden, geistlichen Aemtern, Lesen, Andacht, Betrachtungen, Pre- digten, Seufzen, Thraͤnen und Wachen, welche zu gewissen Stunden gehalten werden; und verstattete ihr ein Antheil an allen Fasten, Enthaltungen, Zucht, Pilgerschaften, Arbeiten, Busse, Gehorsam und andern guten Werken. Die Geistlichen, der Vogt und die Buͤrgermeister in Riga beschwerten sich 1479 am 21sten Febr. bey dem Papst Sixtus den IV ten uͤber das ungerechte Execu- tionsurtel, so der Erzbischof zur Volziehung gebracht, da er sich doch lange von der Gerichtbarkeit uͤber die Stadt losgesaget. Weil Silvester ihre rechtmaͤßige Appellation nicht achtete und viel Unschuldige in den Ban that; so verordnete der Q q 2 Papst Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1479 Papst den neapolitanischen Cardinal und Bischof von Albanien zum Schieds- man, und gab ihm Compulsoriales mit, daß alle bey Strafe des Bannes die Briefschaften des Erzbischofs ausliefern solten. Der Erzbischof Silvester, Metropolit der Lande Lief-Est-Lett-Cur- land und Preussen, des heil. roͤmischen Kaiserreichs Fuͤrst, ingleichen Georg, Doctor der geistlichen Rechte und Propst, Ditmar, Dechant, und das ganze Kapitel, desgleichen die Ritter Hr. Hinrich von Hohenberge, Hauptman, Hr. Engelbrecht von Tisenhausen, Hr. Detlef von Tiesenhau- sen, Hr. Engelbrecht Same, Hinrich von Ungern, Wollmar Uxkuͤl, Kersten von Rosen, Vogt zu Treyden, und Juͤrgen Cursell, Vogt zu Kokenhausen, traten dis Jahr in ein bedenkliches Buͤndnis mit dem Erzbischof Jacob zu Upsal, dem Bischof Johan zu Stregnes, dem Herrn Steno Sture, des Reichs Schweden Vorstaͤnder, Hrn. Nils Sture, Hrn. Gustav Carlsson und andern Reichsraͤthen. Jene klagen, daß der Meister Berend von der Borg ausser der Stadt Riga ihre Schloͤsser, Leute, Laͤnder, Gewaͤsser und Stroͤme abgedrungen, und weder der Orden noch die Stadt sich an die paͤpstlichen Bullen, noch an die erzbischoͤflichen guten lateinischen Vermahnungen etwas kehren wollen; daher sie aus Noth obige von paͤpstlicher und kaiserlichen Gewalt verordnete Kirchenbeschirmer um Huͤlfe ersuchen muͤssen. Sie versprechen den uͤberschickten Huͤlfsvoͤlkern vor allem Schaden und Gefaͤng- nis zu stehen, bedingen sich aber ein gleiches fuͤr ihre Voͤlker aus, wenn sie Schweden zur Behauptung ihres vermeinten Rechts auf Harrien und Wier- land, helfen solten. Sie wollen mit Schweden die Helfte der wiedereroberten Stiftsguͤter theilen, welche bisher der Orden unrechtmaͤßiger Weise in seine Ge- walt bekommen. Dieser Bund brachte aber den Orden erst recht in die Hitze. Der Meister holete den Erzbischof selbst von Kokenhausen weg, und verbrante mit dem Schlosse das ganze schoͤne Archiv; Silvester war in der Gefangenschaft und starb vor Gram, oder, wie einige faͤlschlich muthmassen an beigebrachtem Gifte Was sagte Sixtus der IV te zu diesem unwuͤrdigen Tractament des Erzbischofs? Un- fehlbar nicht viel mehrers, als er auf die Nachricht von der Hinrichtung des samlaͤndi- schen Bischofs Diedrichs sagte: Deleatur pressima illa nigra crux. Maledictus enim ordo, vbi Laicus regit super Clerum. Erpold Lindenbrog in Scriptoribus Septentrionalibus fuͤhret aus einer slavischen Chronik an, daß der Erzbischof damals seine Banbriefe durch den rigischen Propst Lippold wieder Meister Berndten an die Stadt Luͤbeck und andre Staͤdte herum gesandt, man habe aber dem Propst in Preussen Gift beigebracht, woran er sterben muͤssen. Des Chronikenschreibers Urtheil klingt artig: Monachus peruersus deficit præ omnibus deficientibus; et si proficit monachus bonus, melior eo homo non est. D. i. ein liederlicher Pfaffe suͤndiget viel mehr als alle Suͤnder, thut aber ein frommer Pfaffe was guts, so ist kein bessrer Kerl in der Welt als er. Dieses Propsts Vergiftung scheinet man in der Geschichte mit der Hinrichtung des Erzbischofs verwechselt zu haben. Das neue Epigramma beim Chy- traͤus S. 297 ist zu jung, und folget den Unrichtigkeiten einer alten geschriebenen lief- laͤndischen Chronik, welche berichtet, daß Osthoff den Erzbischof belagert, und ihn, weil er alt und kindisch gewesen, auch bey dem Orden und Kirchen nicht wie sichs ge- buͤhrte gehandelt, in Verhaft genommen, in welchem Gefaͤngnis ihn Berndt von der Borg am 13ten Jul. mit Gift hinrichten lassen. Es streitet solches gegen die Urkun- den, in welchen der Erzbischof Silvester noch dieses Jahr stehet, und also nicht uͤber 7 Jahr gefangen gehalten worden. Seine Vergiftung haben wol die Pfaffen ausge- sprenget. Es ist schwer zu vermuthen, daß der Orden einen ehmaligen Mitbruder, der als Ordenskanzler in wichtigen Gesandschaften so ansehnliche Dienste gethan, daß sie ihn zum Erzbischof bestellet, und der als ein grosser Rechtsgelehrter durch das herr- liche Privilegium sich die ganze Ritterschaft verbindlich gemacht, auf eine so niedertraͤch- tige Art hingerichtet haben solte, und doch gleichwol sich keiner dabey ruͤhren wollen. Des Erzbischofs Frau Schwester hies Margaretha, und vermaͤhlte sich an Ber- tram , am St. Margarethen abend, und ward vor dem hohen Altar im Dom zu Riga begraben, nachdem er 30 Jahr seinem Amte vorgestanden. Papst Erzb. Steph. v. Gruben. zur Zeit der Reg. Bernh. v. der Borg. Papst Sixtus der IV te sandte noch in eben dem Jahre den gewesenen Re- 1479 sidenten des rigischen Stifts zu Rom und bisherigen Bischof zu Doͤrpt, oder besser nach andern zu Troja in Neapolis, Stephan von Gruben, nach Riga, dem Erzstifte vorzustehen und ermahnte die Stadt ihn als einen Vater und Seelenhirten aufzunehmen. Allein der Orden bedankte sich fuͤr die Em- pfelung und wolte diesen Stephan nicht einlassen; daher Sixtus der IV te den Bischoͤfen von Uladislav, Doͤrpt und Oesel die Einfuͤhrung dieses Mannes 1480 mit Ernst anbefehlen muste, weil die Rigischen starke Hofnung auf ihn setzen Cranz Wandal. lib. XIII, c. 16 bemerket von diesem geschickten Man, daß er die lief- laͤndischen Kirchenangelegenheiten bisher am paͤpstlichen Hofe redlich besorget habe. Seiner Meinung nach haͤtten die Stadt Riga und das Kapitel besser gethan, wenn sie ihn zu Rom gelassen. So aber schickten sie ihm einen Brief und Boten uͤber den andern, daß er sich in Riga einfinden moͤchte. Bey seiner Gegenwart fiel die Hoch- achtung des Ordens gegen ihn weg, und das machte ihn auf allen Seiten unbrauchbar. Der Erzbischof hatte nicht das liebe Brod, die Stistsguͤter lagen in Graus und Schutt, und seine Bedienten musten, sich des Hungers zu erwehren, lange Finger machen. Sixtus bestaͤtigte diesen Stephan am 22sten Merz 1479 im 9ten Jahr seiner Regie- rung, und meldet im Breve, daß die Kirche durch Sylvesters seligen Tod den Trost ihres Hirten eingebuͤst. . Die Rigischen, welche der Aufhebung des kirchholmischen Vertrags halben dem Ordensmeister gegen den vorigen Erzbischof geholfen hatten, giengen daruͤber ihres dritten Theils auf Oesel zur Haͤlfte verlustig, weil der dasige Bi- schof sie sequestirte. Doch des Meisters Bruder Simon von der Borg, Bi- schof zu Revel, lud den oͤseischen Bischof im Namen des Papsts vor sich, und verlangte ausdruͤcklich, daß besagte Guͤter der rigischen Buͤrgerschaft wieder frey gegeben werden solten. Dem ohnerachtet gieng es damit langsam zu, und muste der paͤpstliche Legat 9 Jahr nachher den Dechanten zu Riga und den Propst zu Doͤrpt daruͤber zu Schiedsmaͤnnern bestellen Hiervon finden sich viele Jnstrumente. Der Bischof Simon zu Revel, lies durch den kaiserl. Notarius Michael Tannesse von Buͤtow, im Beiseyn des rigischen Syndici Herrn Molner von Seehausen, den Bischof Peter zu Hapsal am 12ten Jun. vor sich fordern, und schickte ihm die sixtinischen Befehle mit, welche aber der Bischof, nach Aussage der Laien Peter Zimmermanns von Bremen und Rutcher Cappelaw von Doͤrpt, nicht achtete. Diese Maͤnner zogen dem Bischof Peter nach Oesel nach, und nahmen ihre Wohnung beim Schlosse Arensborch in eines Buͤrgers, Namens Bernhard von Grotewalen, Hause. Der Bischof lies ihnen nach 4 taͤ- gigem Aufenthalt am 28sten Jenner 1481 wissen, daß er ihr Gewerbe nicht annaͤhme, R r auch . Auf tram von Uxkuͤl, von dem sie 3 Toͤchter zur Welt gebracht, nemlich Martha, Ca- tharina und Ursula, einen Stiefsohn Peter aber schon vor sich fand. Seinen Zu- namen hat uns zu erst der gelehrte und beruͤhmte Hr. Vicepraͤsident Jacob Heinrich Zerneke in seiner zu Berlin zum andern mal gedruckten thornischen Chronik 1727 gemeldet, der diesen seinen Landsman Silvester Stobwasser nennet. Nach dem Stadtarchiv in Nicolaus des V ten paͤpstlichen Bulle heist er: Stodewesscher ex or- dinis Teutonici fratre Sacerdos factus et a Capitulo Rigensi electus. Er ward 1448 am 9ten October zu Rom confirmiret. Silvester studirte zu Leipzig, und ward 1427 unter dem Rector M. Augustin von Kemnitz immatriculiret, 1429 ward er Baccalaureus der Philosophie, 1434 Magister, und Assessor der philosophischen Fa- cultaͤt. Er war 1440 Examinator der Candidaten, hielt philosophische Vorlesungen, und ward Collegiat des Frauenscollegii. Weil er sich auf die Rechtsgelahrtheit wohl verstand und ein guter Redner war, so erhielt er beim Hochmeister die Kanzlerstelle. Joach. Joh. Maderus in centuria scriptorum insignium, Helmstadii 1660 in 4, n. 23 schreibt von ihm, daß ers in der Weltweisheit hoch gebracht, einige Commentarios uͤber den Aristoteles verfertiget, als in libr. II, priorum, in libr. VIIII Topic. auch viele Briefe abgefasset und Reden gehalten. Sein Tod wird daselbst aus einem alten Schrift- steller ganz anders angegeben als in unsern Geschichtschreibern. In quo (archiepisco- patu), heist es, cum aliquamdiu considens singula quam gnauiter religioseque admi- ministrasset, in pace quieuit. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1480 Auf Jacobi wurde der so genante Weinbrief fertig. Der Herr Meister verliehe der Stadt die Bruͤche und Poͤne, die Wedde genant; wofuͤr die Stadt 2000 Mark erlegte, und dem Meister jaͤhrlich auf Jacobi mit 4 Ohmen Rhein- wein ein Geschenk zu machen versprach. Nachdem der Czaar Jwan Basilewitz das Jahr vorher das Grorfuͤrsten- thum und dessen Hauptstadt Naugarden Der rigische Buͤrgermeister, Herr Franz Neustaͤdt, hat in seiner Handschrift ei- nige Nachrichten von dem lieflaͤndischen Handel zu seiner Zeit hinterlassen, die einer kurzen Anmerkung werth sind, weil gemeiniglich der Reichthum der Handlung zu No- garden zu gros und unglaublich angegeben wird. Wir lesen sonst, daß der Czaar Jvan die Stadt Nogarden 6 Monat belagert, das deutsche Comtoir zerstoͤret und 14 Millionen Beute gemacht. Sietze Willebrandts Vorbereitung S. 32. Andere schreiben von 300 erbeuteten Wagen an Gold und Silber, Kelch S. 145. Herr Neustaͤdt theilet uns folgende Erzaͤlung mit: Seitdem die Staͤdte Riga und Re- vel in Flor gekommen, gieng Wisby almaͤlig ein, ohnerachtet bey 12000 Kaufleute in selbiger wohnten, und alle Handwerker, ausser einem Becker, in den Vorstaͤdten le- ben musten. Das Contoir zu Nogarden blieb noch immer in Flor, ob es gleich un- ter die rußische Krone kam. Doch 1494 wurden der Kaufmanschaft uͤber 300000 Fl. Waaren weggenommen, und von den arrestirten Kaufleuten auf Beschickung der Hanseestaͤdte nach 3 Jahren etliche losgelassen, die andern musten im Gefaͤngnis ster- ben, wodurch der Handel ganz eingieng. Die losgelassenen begaben sich in grosser Armuth nach Revel, wo nur 4 Personen blieben, unter denen Herr Ludwig Buͤr- stell nachgehends zu Doͤrpt Rathsherr geworden. Die uͤbrigen setzten sich auf eines Luͤbeckers, Namens Gerd Affendorf Schif, welches aber in den schwedischen Scheeren mit Man und Maus verloren gieng, deren Gedaͤchtnis in einer Gtabschrift an der Bruͤcke des revelschen Hafens aufbehalten worden. Der Handel schlug sich also wider nach Riga, Revel und Doͤrpt, wodurch die Staͤdte bis 1550 sehr ange- wachsen. Als Neustaͤdt 1570 zu Nogarden war, fand er noch ein Stuͤck Mauer von dem St. Peters kirchhof die die Kaufleute ehmals von Steinen aufgefuͤhret hatten, ingleichen eine hoͤlzerne Stube nebst einem gewoͤlbten Keller, wo die Kaufleute dann und wann noch einige Waaren ablegten. So war auch zu Plescow an der linken Seite des Bachs Plescow, gegen dem Schlosse uͤber, ein Gasthof fuͤr deutsche Kaufleute, der aber in dem grossen Brande 1560 eingeaͤschert ward. Nogarden und Plescow konten nicht wieder aufkommen, einmal wegen der Englaͤnder die 1554 um ganz Norden herum nach den Hafen Colmegard segelten, und alle kostbare rußische Waaren ab- holten; und so dann auch weil, als Rußland 1558 die Narve erobert, die luͤbischen Kaufleute vom roͤmischen Kaiser und durch ihren Deputirten, Joh. Wagner, von dem Czaar die Freiheit erhielten, dahin zu handeln, denen es so gleich die Hambur- ger, Antwerpner, Brabander, Holl- und Englaͤnder, Schottlaͤnder und Fran- erobert, kam ein Theil des siegen- den auch die Jnsinuation nicht erlaube. Der Notarius schlug den ganzen Reces an die Kirchenthuͤren zu Alt- und Neu Pernau an, wobey Paul Sager von Schwerin, Rotcher Cappelow von Doͤrpt, und Niclaus Osterborch von Verden, Kauf- leute, zugegen waren. Die Kirche zu Alt Pernau gehoͤrte nach Oesel, und war dem Apostel Thomas, gleichwie die zu Neu Pernau dem heil. Bischof Nicolaus, ge- widmet, die aber zum Bistum Doͤrpt gehoͤrte. Ausser vorigen waren noch dabey Benedictus Vroͤlick, Pfarrer, Hinrich von Salmen, Buͤrgermeister, Tide- man Loer, Buͤrger aus Alt Pernau; aus Neu Pernau der Pfarrer Hr. Wil- helm Vrauenborn, Hugo Sluͤter, Vicarius, und der Buͤrger Wolram von Neem. Der Papst suchte also nicht nur die oͤselschen Guͤter der Stadt Riga zu erhalten, sondern drang auch sehr ernstlich in den Prior der Prediger, Joh. von Ro- sen, und dem Gardian der Minoriten, Heinrich Vossen, daß das Kapitel die alte Schuld auf sich nehmen muste, da die Stadt dem Erzbischof Johan vor langen Zei- ten in seinen Noͤthen einmal 600 Mark und wieder 375 Mark rigisch vorgeschossen, wo- gegen ihr die Doͤrfer Zarnezal, Ymatendorp, Lepiya, Putayke und Saltze mit den Letten uͤber der Saltze versetzet gewesen, von 4ten Febr. 1480. Durch die Kunstgriffe der Geistlichen verlor die Stadt den Proces 1489 wegen der Guͤter auf Oesel; und Elgerd Durcap, Electus Slesuicensis, muste das Urtheil bekant machen. Sixtus war todt. Die 975 Mark gelehntes Geld bezahlte endlich der Erzbischof Michael. Erzb. Steph. v. Gruben. zur Zeit der Reg. Bernh. v. der Borg. den Heers mit nach Liefland, welcher Einfal im ganzen Lande Schrecken und 1480 Verwuͤstung anrichtete. Bernhard von der Borg dachte nun auf Rache. Er bot die gesamte Macht von Lief- und Estland auf, und that mit selbiger einen Zug gegen die Russen, steckte die Vorstadt zu Plescow in Brand, und wol- te sich von der Stadt selbst Meister machen. Doch sein Bruder, der revelsche Bischof Simon, las erst eine so lange Messe, daß sich die Russen daruͤber ver- staͤrkten; daher der doͤrptische Bischof aus Furcht eines Ueberfals sich nach Hause machte, und seine Schloͤsser besetzte. Bernhard zog mit verdrieslichem Muthe ab, und beschwerte sich uͤber des Bischofs Trennung, der nun allein der arme Suͤnder seyn solte. Die Russen gaben den Lieflaͤndern das Geleit, nah- men Fellin mit stuͤrmender Hand weg, eroberten Tarwest am See Ferscher, sonst Wortzjerwe genant, fuͤhrten viele in die Gefangenschaft, und machten aus Verbitterung die ganze Gegend zur Einoͤde. Die traurigen Folgen dieses mislungenen Unternehmens leitet Cranz aus der Unvorsichtigkeit her, daß man die Nachbaren die groͤste Macht zu unrechter Zeit in Augenschein nehmen lassen. Von dieser dem Vorgeben nach ungeheuren Armee Die gesamte lieflaͤndische Macht wird uns in dem ersten Theile beim Jahre 1223 nach dieser Ordnung beschrieben. 1) Der Bischof und seine Lehnsmaͤnner, 2) der Herr Meister und die Bruͤder der Ritterschaft Christi, 3) die vornehmen Pilger, 4) die Kaufleute, 5) die rigischen Buͤrger, 6) die Liven, 7) die Letten. Ums Ende des 15 Jahrhunderts mus sie freilich ansehnlicher gewesen seyn. Wer wolte aber glauben, daß die Macht von Liefland, (denn das schwache Preussen konte nun wenig hel- fen) so ungeheuer gewesen waͤre? Russov setzt die Anzahl der Voͤlker des Ordensmei- sters auf 100000 Man. Wer an diesen nicht genug zu glauben hat, dem stelt Cranz 200000 ins Feld Eine andre Auflage von Cranzen hat viginti millia. Was haͤtte wol der arme Bischof in Doͤrpt anfangen sollcu, wenn dieses Kriegesheer mit geraden Schritten uͤber seine Residenz wegmarschi- ret waͤre? Doch Cranz sucht ofte in seinen Lesern den Affect der Barmherzigkeit gegen die lief- laͤndischen Bischoͤfe rege zu machen. , mit welcher Menge zur Noth eine ofne Vorstadt abgebrant wer- den konte. Plettenberg brauchte ein starkes Heer; um wie viel kleiner aber komt es gegen diese Macht aufgezogen? Dergleichen Fehler der Vergroͤsserung giebt es viel, auch in der lieflaͤndischen Hiftorie. Da diese zahlreiche Armee in Rußland nicht Wunder that, so lies sich der Bischof von Doͤrpt weis machen, es sey auf sein Land gemuͤnzet, und kehrte also nach Cranzens Bericht geschwind nach Hause, die noͤthi- gen Gegenanstalten vorzukehren. So schlim war aber der Ordensmeister nicht, daß er haͤtte auf die Russen zielen und den Bischof allein treffen sollen. Jndessen brachte iln diese mislungene Reise um alles Ansehen. Doͤrpt kam der Nachbarschaft wegen auch daruͤber ins Gedraͤnge. Dieses muste die Haare dazu geben, wenn man sich in Riga von Rauffen berathschlagete. Duͤrfte man sich wol daruͤber wundern, wenn die in Doͤrpt endlich auf die Gedanken gerathen waͤren, lieber einen Freund als Feind zum Nachbarn zu haben? hatte jeder schon den Heimweg gefunden. Mit dem Ueberrest derselben langte Bernhard vor der Stadt Riga an, die sich auch des besten nicht versahe, sondern die Thore sperrete, und wiederum die schwaͤchere erzbischoͤfliche Partey ergrif. Die Buͤrgerschaft R r 2 wehrte Franzosen nachthaten, die so starke Zufuhre lieferten, daß vor die Fracht viele 100 Last Salz liegen blieben. Neustaͤdt kaufte selbst von den Russen in Narva 1 Pf. Unzen Gold zu 10 Thlr. welches in Deutschland mit 15 Thlr. bezahlet worden; ganze Ballen von den schoͤnsten Damasten die brabander Elle zu 1 Thlr. welcher um 2 Thlr. nicht eingekauft war; englische Tuͤcher zu 30 bis 36 Tahler, die auswaͤrts 45 gekostet. Ja manchmal habe die Last Salz nur 1 Thaler gegolten. Die deutschen Factore wurden von dem rußischen Gouverneur, wie ehmals zu Nogarden, alle Wochen 2 mal herrlich bewirthet und geliebkoset, welche Hoͤflichkeit der rußischen Nation ei- nen unglaublichen Ueberflus an allem ins Land gebracht. Uebrigens bemerken wir noch, daß Herberstein S. 54 die Eroberung der Stadt Nogarden ins Jahr 1477 setzet, dem Strykowsky und Pet. Petrejus beipflichten. Kojalowicz nimt das Jahr 1478, Cranz hat die Jahrzahl weggelassen, Henninges haͤlt es fuͤr unausgemacht, Michov hingegen, Philip Labbe, und Brentius nehmen 1479 an, fuͤr welches auch die mehresten Zeugnisse angefuͤhret werden koͤnnen. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1480 wehrte sich tapfer, und noͤthigte den Ordensmeister zum Abzuge, wie denn auch die Schloͤsser Berson und Hochrosen von der Ritterschaft des Erzstifts mit vie- lem Gluͤcke vrrtreflich vertheidiget wurden. 1481 Der Papst Sixtus der IV te und der roͤmische Kaiser bemuͤheten sich recht um die Wette, der erste seinen Erzbischof, und der andre den Ordensmeister bey An- sehen zu erhalten. Friedrich der III te ertheilte Berndten von der Borg und seinen Nachkommen des Stifts Regalien und Weltlichkeit, und gebot der Stadt Riga bey Strafe von 100 Mark loͤthigen Goldes ihn von der kaiserl. Maj. und des Reichs wegen fuͤr ihren rechten natuͤrlichen Herrn zu halten und in allen ziem- lichen Geboten treu und gehorsam zu seyn: Wien am 22sten April. Den Brief machte der Bischof Simon von der Borg, am 13ten November dessel- bigen Jahrs, zu Wenden in Gegenwart des paͤpstlichen und kaiserlichen Notarius, Eberhard Szelle von Ascherade, bekant. Der Bischof nennet sich in demsel- ben der heil. rigischen Kirche Postulaten, und erbittet sich die Vasallen, Gerhard Patkuͤl und Bernd Nienborgen, rigische und wendische Clericos, zu Zeugen. So schrieb auch der Kaiser unterm 20sten April an Casimir den IV ten, Koͤnig in Pohlen, an Christiern Koͤnig von Daͤnnemark und Schweden, und an den Grosfuͤrsten zu Litthauen; gebot auch allen Reichsfuͤrsten bey Verlust kaiserli- cher Gnade und Bedrohung schwerer Strafe, den Meister zu Liefland bey dem Stift Riga zu handhaben und zu schuͤtzen, wo das unordentliche Regiment, das boͤse Vornehmen und Uebungen der Erzbischoͤfe bisher gros gewesen; sintemal ihm als roͤmischem christlichen Kaiser, von dem des Stifts Riga Regalien und Weltlichkeit zum Lehn herruͤhre, solchen zuvor zu kommen, und christlichen Glau- ben zu vermehren, wie auch bey Aufnehmen und Ruhe zu erhalten gebuͤhre. Der Papst hingegen befahl dem Rath und der Stadt, daß sie den excommu- nicirten Meister nicht fuͤr ihren Herrn erkennen, dem Erzbischof Stephan aber als ihrem rechtmaͤßigen Befehlshaber gehorchen solte, Rom am 11ten September. Ein gleiches ergieng an die Lieflaͤnder, dem Ordensmeister bey Strafe des Bans keine Huͤlfe zu leisten. Der Papst gab so gar ein Warnungsschreiben an den 1482 Kaiser aus, und verlangte, Fridrich solte die Verschenk n ng der Stadt Riga, der kleinen Staͤdte und der Doͤrfer als unrechtmaͤßig und unbillig aufheben, weil er von dem Orden mit falschen Berichten hintergangen waͤre, Rom am 25sten Junii; welche apostolische Breves der Erzbischof Michael nach 6 Jahren in umstaͤndlichen Transsumten aufnahm. Bey diesen Unruhen fand der Ordensmeister fuͤr rathsam, sich zum Ziel zu legen. Er schlos also mit der Stadt einen Stilstand auf 2 Jahr, setzte auch auf Petri und Pauli eine Mahlstat an, und was da nicht verglichen wuͤrde, das solten verschriebene Commissarien von Luͤbeck und andern wendischen Staͤd- ten, wie auch von Danzig ausmachen. Jndessen sol der Handel und Wandel zu Wasser und Lande offen stehen. Doch auf den gesetzten Termin verglichen sich die Parteien so, daß jeder Theil die im Kriege gewonnenen Schloͤsser wieder abtrat Diesen 2 jaͤhrigen Stilstand bewirkten Barthol. von Tiesenhausen, Ritter, Didrich Hacke, Domherr, Juͤrgen Vlkinghusen, Buͤrgermeister, Joh. Hacke, Rath- man von Seiten der Doͤrptschen; Hans Druͤlshagen von oͤselscher Seite; Ernst Wolthusen Ritter, Didrich Thuwe, Wilhelm Toddeswen, aus Har- rien; Berthold Wrangel von Jesse, Otto Wrangel und Bartholom. Ha- stever aus Wirland, nebst 2 revelschen Buͤrgermeistern. Seine Dauer ist auf 2 Jahr bis Johannis bestimt. Die Strassen werden geoͤfnet, der Meister kan sein Schlos bauen und die Rigischen ihre Soldener behalten, mit denen sie fremde Feinde abwehren sollen. Die Duͤne wird nicht bebolwerket noch gepfahlt, alles nach dem Jnhalt des vorigen 10 jaͤhrigen Vertrages. Riga, Mittwochs nach Judica un- ter 12 Siegeln. Am Dienstage Diuisionis Apostol. eroͤrterten der Bischof Martin von Curland, Michel Schmidt Stiftsvogt, Henrich thor Wisch, Domherr, Hans . Zu Erzb. Steph. v. Gruben. zur Zeit der Reg. Bernh. v. der Borg. Zu Waimel, einem Dorfe bey Karkus, trat in diesem Jahr der Aus- 1482 schus des lieflaͤndischen Adels zusammen, welchem das Elend von Liefland am nechsten zu Herzen gieng. Jhre Beschwerden waren kurz und gut diese: Die Bischoͤfe bekuͤmmerten sich wenig um den Gottesdienst, und suchten nur Kuͤche und Keller zu spicken; der Meister und sein Orden arbeiteten an der Unterdruͤ- ckung ihrer Mitbruͤder und der andern Staͤnde, und machten nur durch ihre Wechsel an ihre Guͤnstlinge zu Rom das Land arm; die Bauren wuͤrden un- gerechter Weise ausgesogen; die Kaufleute und Fremden fuͤhrten das Korn aus dem Lande, und verkauften es bey Miswachs und Kriegszeiten dreimal so theuer an die Bauren zuruͤck, woruͤber viele Hungers sterben muͤsten. Sie legten auch 3 Fasttage an am Fronleichnams- Mariaͤ Heimsuchungs- und Aller Heiligen Abend, an welchen alle die uͤber 12 Jahr alt waͤren bey Wasser und Brod fasten, oder an die Kirche einen Schilling entrichten solten Die auf dieser Tageleistung versamleten Herren waren, aus dem Erzstift Riga, die Ordensritter Joh. von Tisenhausen, und Juͤrgen Orgies, Carsten Hastver, Frid. Orgies, Didr. von Rosen, Gottschalck von der Pahlen, Cord Uxkul, Juͤrgen von Ungern; aus dem Stift Doͤrpt, Juͤrgen Wrangel, Heinr. von Tisenhausen, Bertold Toͤdwen, Hans Sohn, und Otto Buxhoͤveden; aus Har- rien, Ernst von Woldhusen; aus Wirland, Bertold Wrangel, Ewold Maydel, Otto Taube, Bertold Brakel, Hans Weddewis; aus dem wendischen Krei- se, der Ordensritter Simon von der Borg, Hans Watsel, Didr. von der Moͤh- len, Hinrich und Hans Littel; aus Vellin und Karkus, Hans von der Weide, Robert Schwarzhof; aus Jerwen, Wolfert Messeler, Didr. Metzentacken; aus Allentaken, Helmet Lode und Berend von Vietinghoff; aus Curland Joh. Torck, Ciaus Francke, Joh. von dem Brincke und Werner Butlar. . Es blieb aber bey den blossen Entwuͤrfen. Als die Ordensherren in Riga wieder eingelassen wurden, so war ihre erste 1483 Arbeit diese, den neuen Erzbischof um seine Gerichtbarkeit uͤber die Stadt zu brin- gen. Sie bemaͤchtigten sich seiner Person; setzten ihn mit verbundenen Augen ruͤckwerts auf eine Stute, und fuͤhrten ihn zum Thore hinaus; woruͤber der Erz- bischof in eine tiefe Schwermuth verfiel, 22 Wochen nachher, nemlich am 22sten December starb, und an Silvesters Seite im Dom begraben wurde. Allein Cranz, der doch sonst der Clerisey nicht gern entstehet, meldet nur, daß Stephan aus Melancholie uͤber seine Duͤrftigkeit gestorben Die Documente dieser Zeit gedenken nichts von diesem Umstande. Die Rigi- schen, denen dergleichen aufgebuͤrdet wird, sind unschuldig. Ob der Orden dieses wagen koͤnnen, waͤre noch die Frage. Die Paͤpste sagen dieses nicht, wol aber etwas, das nicht viel besser herauskoͤmt. Schon Johannes der XXII ste klagt, daß der Or- den die Erzbischoͤfe, Bischoͤfe, Proͤpste, Dechanten, Praͤlaten und andre zur Kirche gehoͤrige Personen gefangen nehme, sie ins Gefaͤngnis werfe, todt schlage, die Kir- chen verbrenne, ihre im Treffen verwundeten Mitbruͤder niedermache, und ihre Leiber ins Feuer werfe. Um diese Zeit beschweret sich Jnnocentius der IIX te, daß der Orden mit dem Erzstift Riga erbaͤrmlich umgesprungen, alle Schloͤsser und Guͤter besetzet, 7 Vasallen mit dem Schwerdt getoͤdtet, sie bey den Fuͤssen aufgehenket, und dem Erz- bischof den Eid der Treue zu leisten sich geweigert. Vielleicht nennen einige diese Beschwerden nur Pfaffenklagen. Es wuͤrde freilich manches von Seiten des Ordens S s anders . Der Hans Maydel Man der Kirche zu Doͤrpt, Joͤdike Wandschede Buͤrgermeister, Hinrich Appendorp Rathman der Stadt Doͤrpt; Paul Molner, Domherr, Otto Varensbeke, Claus Heel von wegen Oesel; Ernst Woldhusen Ritter, Hans Lode von Kotz, Arnd Vietinghoff und Barthold Toͤtwen von Tosall aus Harrien; Joh. von Brame, Ewold Maydell und Otto Tuwe aus Wir- land, nebst 2 Rathsherren aus Revel, die Klagen der Stadt uͤber den Orden, wegen der Haken, des Weinbriefes, und der 2000 Mark; davon die gaͤnzliche Entscheidung bis auf nechsten Landtag, der am Marien tag uͤbers Jahr zu Wolmer oder Wen- den gehalten werden solte, ausgesetzt ward: alles ohne Nachtheil der erzbischoͤflichen Rechte; unter 21 Siegeln. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1483 Der rigische Dompropst Heinrich Heiligenfeld legte seinen weissen Chorrock ab und zog den Harnisch an, eroberte auch mit seinen Leuten etliche Or- densschloͤsser; bey welchem Tumult die Rigischen auch ein Herz fasten und die Burg zu Riga, weil sie der Stadt zu nahe gebauet war, niederrissen und der Erde gleich machten. Die Bischoͤfe von Doͤrpt, Oesel und Curland nahmen indessen mit dem Kapitel Abrede, wie es mit Kokenhausen und andern Schloͤs- sern bis auf die Wahl eines neuen Erzbischofs solte gehalten werden. Die Rigi- schen ruͤckten gar vor Duͤnemuͤnde, und liessen keinen Stein auf den andern. Ja sie schickten Kalk und Steinstuͤcke stat der gewoͤhnlichen Birk- und Haselhuͤner an ihre Correspondenten noch Luͤbeck zum Praͤsent, welche von dem wichtigen Siege uͤber ihren sonst maͤchtigen Oberherrn die Gewisheit uͤberbringen musten Cranz giebt uns von dieser Belagerung des herrmeisterlichen Schlosses in Riga folgende Beschreibung. Die Buͤrgerschaft zu Riga, die von ihrem Erzbischof sich viel ver- sprach, machte auf ihrer Seite dem Orden eine Diversion und belagerte das Schlos in ihrer Stadt. Sie beschossen es mit schweren Geschuͤtze, die Besatzung aber that eine ver- zweifelte Gegenwehr. Man beschlos daher es auszuhungern, und warf Maschinen hinein, die mit stinkender Materie und todten Aesern ausgefuͤllet waren. Wie nun die Besa- tzung theils drauf gegangen, theils die Wassersucht hatte, so capitulirte sie. Die Buͤr- ger rissen die Mauren nieder, und schickten die Ziegel und Steine nach Luͤbeck, zum Beweis ihrer Herzhaftigkeit, duzu die Luͤbecker gratuliren solten. Allein die Stadt zog bey diesem steinernen Triumph gar bald den kuͤrzern. . 1484 Der Kaiser Fridrich sahe sich genoͤthiget, aus Graͤtz an den Rath zu Wismar zu schreiben, daß die Stadt bey Strafe von 1000 Mark loͤthigen Goldes den Rigischen keine Huͤlfe leisten solte, weil sie den Herrn Meister bekrieget und sich einen neuen Erzbischof Stephan Gruben zum Oberherrn erwehlet, auch auf vorhergegangene Vorladung vor das Kammergerichte nicht erschienen waͤren. Die Appellation an den Papst helfe nichts; weil er in weltlichen Sachen nicht Richter seyn koͤnne Der Papst sahe Riga fuͤr eine erzbischoͤfliche Stadt an, da der Bischof das ius gladii, obgleich nicht vom Kaiser, haͤtte, wie denn Albert schon das Lehn andern mit Vorher- tragung dreier Fahnen ertheilte, ehe man von einer kaiserlichen Jnvestitur desselben et- was findet. Liefland ward auch zu einer Zeit erobert, da der Kaiser sich um diese neue Eroberung nicht bekuͤmmerte, noch bekuͤmmern wolte und konte; ja, da man noch eifrig den Satz verfochte, daß der Kaiser seine Macht auf Erden von dem ver- meinten Stathalter Christi, dem Papst bekommen muͤste. Hier aber that der Kaiser die Augen auf, und setzte den paͤpstlichen Eingriffen Schranken. Doch das erzbischoͤf- liche Regiment in Liefland kehrte sich daran wenig. Die 3 Bischoͤfe Johan, Peter und Martin von Doͤrpt, Oesel und Curland wurden mit einander einig, des Mei- sters Stathalter Johan Vrydachen von Loringhave am Tage Jacobi mit der Stadt auszusoͤhnen. Der wuͤrdige Herr Stathalter Vrydach, revelscher Comtur, kan zu Neuermuͤhlen und Riga, wo es ihm beliebet, sein Lager nehmen und Zelte und Pavlune (Pavillons) aufschlagen, selbst in die Stadt Riga ziehen, oder seine Bo- ten hineinsenden. Der Herr Magister Hilgenfeld zieht aus Kokenhausen sicher ohne Geleite heraus. Am Tage Hippolyti und seiner Mitgenossen traten Wynemer von Delwich, Comtur zu Vellin, Joh. von Selbach, Vogt zu Jerwen, Didrich von Oldenbockum zu Goldingen, Comtur von Seiten des Ordens, dieser Commißion noch mit bey. Jhr Urteil enthielt folgendes: Der Hr. Propst und Oeconomus ( Icono- mi ) Hilligenfeld behaͤlt die Stadt Kokenhausen mit der Vorborg, und die Gebie- ter und Schloͤsser Cruceborg, Lawdon, Pebalgen, Seswegen, Serben, Jxkul und Lennewarden. Der Hr. Stathalter bewahret das Schlos Kokenhau- sen. Der Propst behaͤlt sein Schlos zu Dalen. Das Korn, was Hinrich Bix- hoveden von seinem Hofe Pernigell und andern Guͤtern entfuͤhret ist, giebt der Or- den wieder. Der Rath und die Stadt Riga behalten das Gebiet Duͤnemuͤnde, wie es vormals die Comture gebraucht; dazu das Schlos in Riga mit dem Gebiete bis an die Bulderaa, und uͤber der Aa bis an die Sloke und Bulle, welches auf dem nechsten Landtag ausgemachet wird. Der Orden behaͤlt Kouweren und Degerhov- den . Dahingegen versprachen der Erzbischof Jacob von Up- sal, anders beantwortet seyn, wenn sich die Glieder desselben nicht besser auf den Degen als die Feder verstanden. Erzb. Michael Hildebrand. zur Zeit der Reg. Bernh. v. der Borg. sal, der Bischof Conrad von Stregnes und der Regent in Schweden, 1484 Steno Stuure, dem Erzbischof Stephan allen Beistand, wenn die an den Meister abgefertigten Sendeboten nichts ausrichten wuͤrden; welcher Trost fuͤr den bereits gestorbenen Bischof zu spaͤte kam. Am 4ten Jun. ward am paͤpstlichen Hofe Michael Hildebrand, eines revelschen Buͤrgers Sohn, zum Erzbischof nach Riga bestimmet, weil der Graf von Schwarzenburg sich fuͤr die damit verknuͤpfte Weitlaͤuftigkeiten bedankte, muste sich aber auch gegen den Orden und die Stadt erklaͤren alle vor- gelegte Punkte einzugehen. Die lieflaͤndischen Unruhen machten ihm aber den- noch eine Pause in seiner Abreise nach Riga. Bey seiner Ankunft wurde er gleich der Stadt verdaͤchtig, die ihm die Kleidung worin er aufzog vorwarf, und nicht glauben konte, daß ein Erzbischof, der die Kleiderfarbe des Ordens truͤge, es gut mit ihr meinen koͤnte. Dieser Argwohn ward auch mit ihrem groͤsten Schaden gegruͤndet befunden, weil er die schwedischen Soldaten in Riga, die doch der Stadt und dem Stift helfen solten, gar vortheilhaft zu gebrauchen wuste. Mit der Zeit verlor Meister Berendt auch alles Ansehen bey seinen Mit- 1485 bruͤdern, die ihn zum Dank fuͤr seine wichtigen Dienste, ohne den Kaiser darum zu begruͤssen, mit einer herzhaften Entschliessung absetzten. Sie versamleten sich zu Wenden in eines Buͤrgers Hause, welches schon den Ordensmeister befremdete; und darauf nahmen sie ihn mit in die Rathstube hinauf. Herr und Bruder Be- rend, hies es, die Comturen zaͤhlen euch vom Amt los, und sprechen es dem Bruder Johannes zu, im Namen der heil. Jungfrauen. Sein Vetter Si- mon, Bischof zu Revel, suchte sich gleich eine andre Herberge. Der Meister bat um das Schlos Marienburg zu seinem Leibgedinge, welches ihm unverwei- gert zugestanden ward. Cranz Wandal. B. XIII, K. 16. Der zwey und vierzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Johan Freitag von Loringhof Chytraͤus nennet ihn Joh. Freydag; Horner, Fridag; die beiden Handschriften von den Herrmeistern Joh. Freytag Wulff anders genant von Loringhoffe; Rus- sov, Joh. Frydach von Loringkhave; Henninges, Joh. Frydach oder Frei- danck von Lorinckhave; Oernhielm, von Loringhoffwen, Herman Stange- fol, von Loͤrnickhave, und einige fremde Documente, Joh. Fridr. von Loring- hoff. Loccenius in Hist. Sueo- Goth. B. 5, schreibt mit Grunde, daß der Vorsteher des , H atte bisher den Comturen in Revel vorgestanden, und die Stat- 1486 halterschaft des Meisters dabey gefuͤhret, welche beide Titel in den Urkunden dieser Zeit von ihm gebraucht werden. Er verglich sich von neuen mit dem Erzbischof Michael, desselben Kapitel und der Stadt auf dem vorigen Fus. Der Papst sol die Stadt S s 2 Ko- den bis zum Landtage. Aller Schade wird vergessen. Die Gefangenen, als der Ge- bietiger Peter Walrabe, die Domherren Gert von Borken und Joh. Rese, Cord von Willighen und Balzer Schade kommen los; auch wird den Gefangenen Hrn. Ewert Delwich, Vogt zur Sonneburg, Hrn. Wessel von Struuken Comtur zur Mitau, Hrn. Kersten von Seelbach Comtur zur Winda, Hr. Willem Ga- len, des Meisters Schafner, Herman Wornynckhusen, Compan zu Segenwolde, Hr. Joh. Lependorpen und Hr. Eward Fridachen, Compan zur Sonneburg unter gestelter Buͤrgschaft Freiheit gegeben. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1486 Kokenhausen mit der Vorburg und den dahin gehoͤrigen Schloͤssern Kreutz- burg, Pebalgen, Seswegen, Serben, Uxkuͤl und Lenewarden bis zur Ankunft eines rechtmaͤßigen Erzbischofs in Verwahrung haben; der Rath nimt das Gebiete Duͤnemuͤnde zu Wasser und zu Lande, das Schlos zu Riga mit allem Zubehoͤr bis an die Bulderaa, und uͤber die Aa nach der Schlocke und Bulle hin bis zu einem Landtage; der Orden besitzet Calven und Deger- hoͤfden pfandweise, bis man erst den confirmirten Herrn siehet und abwartet. Dienstags nach Judica gelobte er zu Blumenthal der Stadt alle Gefan- gene im Briefe, der Borge Tucht genant, in 8 Tagen vom ersten Landtag an- gerechnet, auszuliefern: wo nicht, so solle der Orden in Poen von 20000 rhei- nischen Gulden verfallen seyn. Die Rigischen besitzen die in der Fehde vom Orden beschlagenen Guͤter frey und friedsam, bis die Gefangenen oder die Poen geliefert worden; alsdenn mag der Herr Meister die Rigischen in den gewoͤhn- lichen Landtagen der vorgeschriebenen Guͤter wegen beschuldigen. Was bey Kapi- tel und Rath nicht entschieden werden kan, sol man bey dem Papst suchen, oder die 6 wendischen Staͤdte dazu berufen. Alle Strassenfreiheit zu Wasser und zu Lande auf der Duͤne, den beiden Aaen in Curland und auf der Narve bleibt ungestoͤrt. Welcher Theil sich nicht an seinem Rechte genuͤgen laͤst, dem sol das ganze Land entgegen seyn und dem Richtigen mit Leib und Gut beifallen. Die Bischoͤfe von Doͤrpt, Oesel und Curland thaten zwar ihr moͤglich- stes das Schwert in der Scheide zu halten, und den Ordensmeister zur Erfuͤllung seiner Zusage zu bringen, welcher aber auf die Abdankung der schwedischen Voͤl- ker in Riga drang, und sich unter den Waffen keine Gesetze vorschreiben lassen 1487 wolte. Es kam also bey Treyden zum Handgemenge, worin die Rigischen 6 Comture erlegten, viele Ordenssoldaten todt schlugen und 6 Comture im Tri- umph nach Riga fuͤhrten. Der Ordensmeister versperte den Rigischen den Pas, durch Besetzung der Jnsel Parwalck, und uͤberwaͤltigte auch das Block- haus, so die Buͤrger an dem andern Arm der Duͤne angelegt. Die Soldaten der Stadt capitulirten darin, den armen Bauren aber gieng es elend. Sie wur- den unters Eis geworfen, und weil ihnen die Haͤnde geschnuͤret waren, machten sie mit den Beinen das Kreuz uͤber sich, und fuhren ganz gelassen hinunter zum Tode. Diese gesperte Handlung benahm der Stadt Muth und Kraͤfte, so daß sie nicht lange darauf sich zu Friedensunterhandlungen bequemte; dazu kam noch, daß die schwedischen Soldaten in der Stadt selbst viel Uebermuth be- giengen und ihr zur Last wurden, daß eine rigische Partey in dem Scharmuͤtzel bey Neuermuͤhlen den kuͤrzern zog, daß viele Gefangene, und darunter der Com- tur von Mitau, und der von Goldingen entwischten, welcher letztere doch ins Eis einbrach und ersticken muste. 1488 Es kam derohalben auf dem Prestholm zu Ratzeborg an der Mitwoche vor Petri Kettenfeier zwischen den kriegenden Parteien zum Frieden. Gregor Matthiesson, Age Joͤenson, Erich Ottson, Ritter, Magnus Nico- lai, Dompropst zu Abo, Erich Ramelson, Joh. Kuhle, Magnus Schwenson, Claes Hindrichson, und Jacob Flemming, Wapener, Reichs- des Reichs Steno dem rigischen Kapitel auf Ansuchen des Erzbischofs den Herrn Nils Erichson Gyllenstierne mit einer Kriegesmacht zu Huͤlfe geschickt habe. Es findet sich davon noch ein Brief, der zu Revel, Montags vor Elisabeth 1488, un- terzeichnet, in welchem dem Erzbischof, von Seiten der Krone, der Handel wegen der Ersetzung des Schadens und der Geldspillung, so das Reich Schweden mit grossem Volke in Liefland gethan so beigelegt wird, daß ihrer fortan nimmermehr gedacht werden solle. Die Unterhaͤndler von schwedischer Seite waren Hr. Magnus Dom- propst und nachmaliger Bischof zu Abo und Cnut Possen. Jm Jahr 1499 ward dieses von dem Erzbischof Jacobi zu Upsala, von den Bischoͤfen Henrich zu Lin- coͤping und Conraden zu Stregnes, ingleichen von dem Gubernator Steno Stu- re zu Gripsholm, und saͤmtlichen Reichsraͤthen, welche sich zu Telge versamlet hat- ten, noch einmal bestaͤtiget. Erzb. Mich. Hildebrand. zur Zeit der Reg. Joh. Freit. v. Loringhof. raͤthe und Maͤnner zu Schweden, bekennen, daß sie als Mitler zwischen dem ed- 1488 len und wohlgebornen und gestkengen Herrn Steno Sture von Gryps- holm, ihrem wuͤrdigen Hauptman, eines Theils, und zwischen dem wuͤrdigen acht- baren Herrn Joh. Stael von Hollstein, Vogt zu Wesenberg, den ehrba- ren und wohltuͤchtigen Maͤnnern Kersten Radmann und Thomas Maydeln, Wapener, und den ehrsamen wohlweisen Herren Heinrich Hoͤnerjaͤger und Die- drich Hagen, Rathmaͤnnern der Stadt Revel, als Gevolmaͤchtigten des hoch- wuͤrdigen und grosmaͤchtigen Herrn Joh. Frid. von Loringhoffe, andern Theils, diesen Vergleich getroffen: 1. Ueber Jahr und Tag auf Johannis sollen die 6 wendischen Staͤdte alle Unordnungen schlichten, wozu der Reichsvorsteher Steno auch seine Boten hinsenden wil. 2. Der Ordensmeister erfuͤllet die zu Blumenthal bey Riga geschlossenen Tractaten, und verbindet sich 3 zur Ehre der gebenedeiten Mutter Gottes gegen die Russen gemeinschaftlich den Krieg anzufangen Die Lieflaͤnder nahmen das von Schweden ihnen so oft angetragene Buͤndnis wi- der die Russen in langes Bedenken, weil sie der naͤchste Raub haͤtten seyn muͤssen. Doch schrieben sich die Russen diese Unterhandlung hinters Ohr, thaten aus ihrer neuerbauten Vestung Russisch Narva, oder Jwanogrod den Einwohnern der deutschen Narva vielen Tort an, und erschossen 1493 mit ihren losgebranten Stuͤ- cken unter andern angesehenen Leuten den narvischen Buͤrgermeister Joh. von Mei- nungen. Die Schweden nahmen das Jahr darauf Jvanogrod weg, und boten es dem Ordensmeister an, der es aber ausschlug, um sich den Schweden nicht ver- bindlich und den Czaar nicht boͤse zu machen. Als die Schweden diese Vestung nicht behaupten konten, steckten sie selbige in Brand und verliessen sie; die Russen aber setz- ten sie unverzuͤglich in bessern Stand. Bey aller Behutsamkeit versahen es endlich die Revelschen doch mit dem Czaar, weil sie einen Russen, der falsch Geld gemuͤnzt, zu ewigem Gefaͤngnis verdammet, und einen andern als einen Sodomiten verbrant; wel- ches den Czaar heftig erbitterte, so daß er die Richter auszuliefern begehret haben sol, und als ihm dieses nicht gelungen, den ganzen Stapel der Deutschen zu Nogarden zu Grunde gerichtet. Cranz, welcher um alle Kleinigkeiten weis, weis auch hier die Ursache von diesem Zorn. Ein revelscher Buͤrger sol zu den Verbrechern gesagt ha- ben: Thaͤte es euer Grosfuͤrst, es solte ihm selbst nicht besser gehen. Neustaͤdt nent die Ursache dazu einen geringen Umstand. Doch der Czaar Jwan wirft in dem Frie- densschlusse von 1503 den Lieflaͤndern nicht dieses revelschen Buͤrgers Worte, son- dern das Buͤndnis mit den Schweden und die Verbrennung seiner Unterthanen zu Pulver vor. So vorsichtig man sich also auffuͤhrte, einen so maͤchtigen Nachbar nicht zu beleidigen; so sehnlich suchten die lieflaͤndischen Staͤnde nachher die Ratification von diesem 11 Jahr lang verzoͤgerten Bunde bey Schweden, als die Russen 1498 in Liefland eingebrochen waren, wozu aber die Schweden wieder keine Ohren hatten. . Der rigische Dompropst Heiligenfeld brachte dieses Jahr mit seinem Erz- bischof Michael einen dem Kapitel und ihm vortheilhaften Vertrag zu Stande. Der Erzbischof machte sich anheischig, alle Schulden, die der Propst bey Deut- schen und Russen gemacht, zu bezahlen und den Propst bey der Propstey zu schuͤtzen; alle der Kirche nachtheilige Verschreibungen und Versiegelungen zu ver- nichten; auf die vom Orden zuruͤck gegebenen Schloͤsser, wie auf Kokenhau- sen und Creutzburg, eigene Hauptleute zu setzen; an die Krone Schweden, als Beschuͤtzerin, und an den Papst, im Namen der 3 Staͤnde des Kapitels der Manschaft und der Stadt, Sendeboten abzufertigen; dahin zu sehen, daß der Or- den der Kirche und den 3 Staͤnden Gnugthuung verschaffe; dem monitorio poe- nali zu folgen, im Fal der Orden sich nicht vertragen wolle; den Rath aus allen 3 Staͤnden wehlen zu lassen; alle bey des Erzbischofs Stephans Privilegien zu schuͤtzen; die kaiserliche Acht zu entkraͤften; alle erweisliche Schulden vom Erzbi- schof Stephan, dem Propste und dem Kapitel zu bezahlen; den Parteien Recht zu schaffen, und sich nach den Rathschlaͤgen seines geschwornen Raths und der Kir- che zu richten; den Kokenhaͤusern, die es mit dem Prost gehalten, zu verge- ben; T t Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1488 ben; alle Staͤnde der Kirche zu Riga bey ihrem Herkommen zu erhalten; keiner Partey etwas abzubringen; den Kirchenparten alle Anklage nachzugeben; dem Kapitel das Schlos Suntzel, auch andern von Adel laut des monitorii ihre Guͤter wieder zuzukehren; die kaiserlichen Briefe uͤber die Regalien den Gliedern der Kirche auszuantworten; und keine Amtleute, welche den Orden tragen, ins Stift zu setzen. Riga, vom 2ten Merz. Montags vor Elisabeth verglich der Erzbischof die Krone Schweden und den Ordensmeister wegen des Schadens und Geldverlusts mit einander, den Schweden mit Einbuͤssung vieler Leute in Liefland erlitten, daß kuͤnftig keiner Forderungen mehr gedacht werde. Geschehen zu Revel. Am Michaelis abend uͤbertrug der Rath zu Riga die Kirche des heiligen Geistes, gegen der Peterskirche uͤber, an die Franciscaner der dritten Regel, un- ter welchen Claus Schriner von Eppensteen, Hans Wulf, Sywert Holtsadel und Merten Oesthoff die ersten Bruͤder waren. Der Bruͤder durften nicht uͤber 13 seyn, sie stunden aber unter den Franciscanern von der er- sten Regel. Sie musten im Fal eines Krieges die Schluͤssel zu ihrer Pforte in der Stadtmauer an die Stadt uͤberantworten, keine Kaufmanschaft oder Handthie- rung treiben, und auf ihre Kosten das Bolwerk ausser der Stadt bauen, so weit ihre Hoste kehret. Die grauen Schwestern von der 3ten Regel Francisci sollen bey ihrer Aufnahme nicht unter 15 Jahr und nicht uͤber 30 Jahr seyn. Welche unter 15 Jahren ins Kloster gehen, bezahlen die Kost. Zwey Stellen bleiben of- fen zur Aufnahme der Buͤrgertoͤchter, wenn etwan auch eine oder die andre die Welt verschmaͤhen und GOtt dienen wolte. 1489 Der Papst Jnnocentius der IIX te erlaubte der Stadt Riga, ihrer schwe- ren Ausgaben wegen, auf Meth, Wein und Bier eine neue Accise zu legen, von der aber die Geistlichen und die so geistliche Vorrechte geniessen ausgenommen werden; er bestaͤtigt sie auch in dem Recht zu erben, wenn keine natuͤrliche Erben oder kein Testament vorhanden, Maas und Gewicht anzuordnen und die Stadt- bedienungen zu besetzen; er spricht auch den Rath von allen Arten des Bannes und der Kirchenzucht frey. Rom am 20sten Junii. Nachdem der Erzbischof von dem Orden Genugthuung erhalten, und selbi- gem Vergebung ertheilet, gieng der Lerm mit der Stadt wieder an, welche den paͤpstlichen Ausspruch nicht fuͤr guͤltig erkennen wolte. Der Bischof von Revel, 1491 Simon von der Borch, aber gab dem Erzbischof das Zeugnis, daß sein Be- richt in allen Artikeln wahr sey, und der rigische Rath den apostolischen Stuhl verachte. Simon nennet sich, Bischof von Revel, Jnnocentius des IIX ten und seines Stuhls Legaten de latere an die Reiche Daͤnnemark, Schweden, Norwegen und ihre Gebiete, Nuncius und Orator an Preussen, Liefland, Litthauen, die Staͤdte und Flecken in Semgallen und deren Nachbarschaft, gegeben zu Fegefeuer (Vegevuͤr). Bey so bewandten Umstaͤnden muste die Stadt Riga alles uͤber sich hergehen lassen. Das Urtheil der Geistlichen in Sa- chen des Ordens fiel fuͤr sie hoͤchst mislich und widersinnisch aus, und sie muste sie dieses Jahr sich nicht allein eine bedenkliche Unterwerfung vorschreiben lassen, son- dern auch das Jahr darauf den schon vernichteten kirchholmischen Vertrag be- kant machen und von neuen genehmigen. Um den Loͤwen aus seinen Klauen ken- nen zu lernen, wollen wir diesen zu Wolmer errichteten schmaͤhligen Vertrag hier ganz mittheilen Zuschrift an die Stadt Riga, in welcher derselben die wolmersche Absprache von 1491 noch einmal communiciret werden muste, weil sie diese Lasten noch bisher mit kei- nem Finger angeruͤhret Wir liefern hier die ganze Urkunde, weil sie aus einem viel hoͤhern Thon als der kirchholmische merkwuͤrdigs Tractat spricht, der Curiositaͤt wegen. Sie erweist das verworne Regiment, das mit . Den . Er war fuͤr die Stadt so gefaͤhrlich daß sie ihn nicht auf die Naͤhe Erzb. Mich. Hildebrand. zur Zeit der Reg. Joh. Freit. v. Loringhof. Naͤhe kommen, sondern ohne Aufnahme in dem Hause seines alten Herren das 1491 Lager beziehen hies. Zu Den Ersamen, Vorsichtigen und Wollwisen B. undt R. Unser Kercken-Stadt Rige, Unsern Leven und Getruwen insampt und besonderß Michael van Gadeß Gnaden, Erzbischop der hilligen Kercken tho Rige Unsen fruͤndlicken Gruth, Heil und Gunst, undt weß wy gudeß vermoͤgen, thovoͤrn Ersame, Vorsichtige undt Wolwise, Leve und Getruwen. Wy senden Juw hierinne beschlaten eine Uthschrifft der Affsproͤke tho Wolmar gemacket, welker gy am letsten nicht begerden mit Juw thonehmende, und umb beter Verstandtnisse willen daruth tho nehmende. Zum Ende der Schrift: Und so gy den werdigen Orden nah der Afsproͤke een Vernoͤging werd gedahn heb- ben, den thor Stundt van dem Her Meister effte Landt-Marschalcke, de Schrifften er- langen tho sendende an dem Hr. Dechen tho Osel, um Juwe Absolution tho halende, de Wy Juwer aller Ersamheit Gade allmechtigl. in gesunden seligl. Wolwachß lange verhapende tho sinen Denste bevalen. Gegeven up Unser Kerck-Schlote Ronneborch am Tage Mauritii 1504. De Wolmersche Afsproͤke von 1491. J n dem Nahmen der hilligen vndt untertdelden Dryfaldigkeit, deß Vaderß, vndt deß Sahns vndt deß hilligen Gestes. Amen! Dohn wy Michel van Gadeß vndt deß Romischen Stoles Gnaden der hilligen Kercken tho Rige Erzbischop Theodori- cus vndt Martinus der Kercken Derpt vndt Churlandt van wegen der suͤlffen Gna- den Bischope tho wetende, inbesondern den beiden Parten undenberoͤrt vndt allen an- dern Christen-Hern, Geistlik vndt Werltlik vndt allen, de dat angeith, effte angaen mach in thokamenden Tyden, dat wy uth Macht der Breve beider Parten alle dre Prelaten samptlik einen Frede hebben gemakt, belevet vndt uthgespraken, maken, be- leven undt uthsprecken in Krafft vndt Macht dusser Unser tegenwerdigen Schrifft edder Breveß, alse hierna volgen werdt, vndt dat nicht allene effte alletydt in allen Puncten nach Gestrengheit der Rechten, dat man hett in Latine: Secundum scriptum et rigo- rem iuris; sandern hebben dat gedan vndt dohn nah Uthheschinge undt Rechtlichkeit der Vernunfft nah Gelegenheit der beiden Parten Uthheschinge dusser Lande tho Lyff- lande, dat men heet tho Latine: Secundum aequitatem rationis, up dat idt moͤge Frede tuschen der sulfen Parten nndt Unß verbleven. Jtem beleven vnd uthspreken wy Seggesluͤde, dat de Rigischen nah sallen dohn de Handstreckninge vndt Versegelatie ereß Compromisses, so dat se dem Her Meister vndt sinen Orden wedder sollen geven alle de Guder, beweglike vndt unbeweglike de de vor Ogen sin, de se gekregen hebben van Beginne des Kriges, betyget mit dem sel. Herrn Meister, Berendt von der Borch. Jtem van den Gudern, de de Rigischen seggen an se gekamen van seligen Hern Meister Bernde van der Borch in Tyden, do se ehm Eyde deden, undt beter Recht sallen dartho hebben dan de Orden, umb dat se liggen in eren Mark van Anbeginne van dem Hern Legato Mutinense ehnen thogedelet, vndt de Her Meister mit den sy- nen dar tegen wedderum seggen, dat se de Guder van den Rigischen gekregen hebben in vndt mit Kraft dusses Breveß, de man noͤmpt den Son-Breff, vndt de Rigischen sedder nu in Weren gehatt, efte gekregt hebben, idt in Were van dem Seligen Hern Meister Johan Osthove ofte Her Berendt van der Borch geschehen, darumme dat se den vndt erem Orden Truwichkeit, effte Eide tho gesecht, gedan, effte versegelt hebben, vndt want wy Seggeslude dat also befinden, so beleven vndt uthspreken wy, dat de Guder, de se van Seligen Meister Berendr gekregen hebben, dem Hern Jo- han Frydage nu thor Tydt Meister undt sinen werdigen Orden plichtig sin averthoant- T t 2 wor- mit seiner ganzen Schaͤrfe nichts vorstelte, weil die Execution fehlte. Die Stadt nahm das Urteil erst nicht an. Nach 13 Jahr schickte ihr der Erzbischof solches von neuen zu, und verspricht ihr auf die Volziehung desselben die Absolution vom Banne. Allein die Stadt fand den paͤpstli- chen Banstrahl, welcher zwar blitzte, aber nicht einschlug, fuͤr ertraͤglicher, als die Annehmung dieser schweren Punkte. Weil sie einen leutseligen Ordensmeister auf ihre Seite hatte, machte sie sich selbst vom Banne los, ehe sie der Herr Dechen zu Oesel absolvirte, und kehrte sich weder an Papst noch Erzbischof. Sonst ist diese Schrift ein Muster des damals gebraͤuchlichen Canzleistils. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1491 Zu Revel ward in Gegenwart des Ordensmeisters ein Ausspruch oder eine Beliebung niedergeschrieben, fuͤr Geistliche sowol als Weltliche, daß welcher Schuld- wordende, umb deßwillen, dat se beiden Seligen Hern Meistern vndt erem Orden ere Versegelatien nicht geholden hebben. Jtem (alse) van den Holmen vndt Koppele under dem Berge belegen vndt dat Dorp Aplockesser to undt der Moͤlen Wedder-Upbuwinge, dat de nu beter sall sin gebuwet, dann de twe Moͤlen tho voͤren, de de up dersuͤlvigen Stede gelegen hebben, do se uthgebrandt weren van dem Orden, do se de Moͤlen suͤlver in Weren hadden, al- se de Veyde anguͤk, vndt ok up de Verbeteringe der Huise binnen Rige, de nu beter sallen gebuwet sin, dann tho voͤrn, dat wy Seggeslude dat sollen ansehen, dat densuͤlf- ftigen Borgern darvor themlige Gnade moͤchte geschehen, ock von dengenigen, de de Lehenbreve hedden van dem Orden, dat se der ock geneten moͤchten, vndt dar dan van deß Hern Meisters vndt siner Orden wegen upgeantwortet iß, de Rigischen sick rich- ten sollen nah erer Versegelatie, die sie in dem Compromisse gedan hebben, de Orden hefft idt alle in Weren gehadt up de Tydt, do de Rigischen de Veyde mit Sel. Hern Meister Berendt anhoͤven; So weten wy Seggesluͤde anders nicht tho belevende eff- ter uththosprekende, dan dat de Rigischen de Holme, Coppel vndt dat Dorp, so verne se deß weß in Weren hebben vndt dartho de Moͤlen undt Huise, all sin se verbe- tert, dem Hern Meister vndt sinem Orden wedder tho keren nah Uthwysinge eres ver- segelden Compromisses. Koͤnnen de genen, de da seggen dat se verbetert hebben, dem Hern Meister so leeff seggen effte dohn, dat he se begnadigen will, dat setten wy vndt laten stan an den Hern Meister vndt sinem Orden, sonder den Hof effte dat Gesinde by dem Honichhuse, welcke Sel. Hans Ladewich nicht schlichstes thogehort heft, sun- dern verlehnet ist gewest van dem Orden, willen sine Erven dat eschen, dat sallen se dohn nah Jnholde Lehnbreveß, darup gegeven im Rechten, dar dat Lehngut belegen is im Dudschen Lehne effte Mannlehne, so de Breff dat mede bringet. Jtem, so de Rigischen van Unß Seggesluͤde begert hebben, tho belevende undt uththosprekende, dat de Rigischen beholden vndt bruken moͤgen alle Freigeheide an Holtinge, Weide vndt Vischerye tho Water vndt tho Lande, vndt van deß Her Mei- sters Syden darup geantwordtet is; so iß es, dat wy Seggesluͤde beleven und uthspre- ken in dem dat vnder dessen Fryheiden, Holtinge, Weiden vndt Vischeryen tho Water vndt tho Lande wes idt, dat de Orden gebruket hefft und brukede, do de Veide tuschen sel. Hern Meister Berend vndt den Rigischen erst angick, dat salle de Orden nu wed- der hebben, vndt weß de Rigischen da sulvest gebruken hebben, moͤgen se ock forder bruken. Jtem, so de Rigischen sik beklagen, dat men nicht enen holde an dem Strande by den Schipbrokigen Luͤden undt Gudern, de tho Lande schlan, offte geborgen wer- den an des Ordenß Lande, so de Rigischen undt dem Gemeenen Copmanne in enem Privilegio van dem Orden versegelt is, welk Privilegium var Unß van Worden tho Worden gelesen wardt, ok enen Breff eneß Erzbischoppeß van Riga Albertus genoͤ- met, undt da wy Seggesluͤde anders neen Antwort van des Ordenß wegen up anhoͤr- den, dann vermenden, de Sake up dusse Tydt nicht verbleven wehre, undt dat sik de Hern daran woll wusten tho hebben, vndt wewol wy Seggeslude by Namen twe, alse wy Michael Erzbischop tho Rige vndt wy Martinus Bischop tho Churland ock Seestrande van Unser Kerken wegen hebben, deßgliken eineß Deilß Unser Kercken gu- de Mannen, vndt wy alle drey Seggeslude uth dem Privilegio vorberoͤrt van dem Orden gegeven, nichts nyes befinden van dem Orden gegeven, denn alleine so edt in dem Werltliken Keiser-Rechte uthgespraken; ock in des Bischops Alberti sinen Breve nichtes anders befinden, dat se idt nah Gestliken Rechte gehoͤrt, vndt wy Michael Erzbischop versegelt hebben den Rigischen allhie tho Wolmar Uthosprekende de schel- haftige Saken, vndt wy Seggeslude ock bekennen, dat idt ene schelhaftige Sake is, de woll Uthsprekning vndt Verklaring behoͤvet; so beleven wy Seggesluͤde vndt spreken uth so woll van unser eigenen wegen, alß van deß Ordens vndt Rigischen wegen, dat wy Seggesluͤde alle drey uns so holden willen vndt de andern beyde Part alse de Or- den vndt de Rigischen ock so holden sollen, alß dat Gestlike vndt Werltlike Rechte nachbringen, nicht wedderstande deienige Contrarie Gewoͤhnten, wente et sin nene Ge- woͤnten, sandern Corruptelen, dar Seelen-Verdamnisse inne licht. Jtem Angahnde de Bundtbreve den de Schweden tho ener vndt dat Capitel, Manschap vndt de Stadt Rigen tho der andern Syde gemaket hebben tegen den wer- digen Erzb. Mich. Hildebrand. zur Zeit der Reg. Joh. Freit. v. Loringhof. Schuldner im Lande in Jahr und Tag, und ausser Landes in 3 Jahren bey dem 1491 Kaͤufer eines Gutes sich nicht melde, oder ihn belange, selbiger alsdenn sich an den Ver- digen Orden tho Lyflandt. Welkerß Bundtbreff de Her Meister vndt sin werdig Or- den sik sehr beklagen, wente de Rigischen dith gedan hebben tegen de Verschrivinge genoͤmbt Diuisio Apostolorum med groter Verunlumpinge in Bunde tegen den Her Meister vndt sinen Orden; wente se allrede geabsolvert van dem Hrn. Martino Bischop tho Chur- landt, alse van einem Legaten Unses hilligen Vaderß des Pabstes van Rome. Hierup beleven wy Seggeslude vndt spreken uth, dat sodahn Bundbreff in alle sinen Artikeln sall doth sin, vndt van nener Macht, wente he is gemaket van Her Gerdt van Borck de det niht vollmechtig waß, der Gestlicheit halven, detgliken was Dirick van Ro- sen der Manschap niht mechtig noch de 4 gude Manne, de den Bref in Rige verse- geln musten, de des ok nene Macht hadden van der Manschap. Ok so heft Unse hil- lige Vader de Pawest densuͤlvigen Bundtbreff dodt geleht, in dehm, dat he schedelik were dem Erzbischop vndt der Kerke tho Rige vndt de Her Michael Erzbischop tho Rige vele Rede vor uns andern beeden Seggesluden verhalet hefft, dardorch wy ock be- finden, dat idt ehme vndt siner Kerke tho nahe is, so sollen de Rigischen verplichtet syn, Unß Seggesluden den Bref tho handrekende, dat he van uns in iegenwardigheit der beiden Parten gedoͤdet vndt verbrandt werde, umb der Verunlimpinge willen des Ordens unrechtlich darinne geschreven. Jtem angaende den Tollen, den de Rigischen upgesettet, de denn niht alleine dem werdigen Orden undt eren Untersaten, sander dem ganzen Lande vndt Gemeinen Kopmann angeit vndt schedelik is gewesen vndt schedelik were, so idt also bleve, spre- ken uth vndt beleven wy Seggesluͤde, dat de Rigischen dat gedan hebben mit Un- rechte, vndt sall aff syn, wente se deß nene Macht hebben gehatt, ock niht sallen Macht hebben des mehr tho donde. Jtem mit der Accise sallen de Rigischen sick holden vndt hebben niht wider effte forder, dan so idt geholden wardt by seligen Hern Hennings Tyden, vndt do alse se- lige Her Sylvester erst inth Land qvam. Jtem van der Wichte, Mate, Besemer, Punden, Loͤpe, Soltloͤpe vndt allerly Wrake, Aschen, Theer, Holt vndt mit dem Brennholte, ock mit dem Gaste tho kop- schlagende, sall idt alle stan bliven vndt geholden werden alse idt by seligen Hern Hen- nings Tyden geholden wardt, bett tho einem instanden Landsdage erst kamende. Jtem de Buren, de uth dessen Lande verlopen in de Stadt Rige vndt in de Gu- der der Rigischen, de sallen de Rigischen uthantworden, alse de verfordert werden, so se sulver seggen, dat ehr Landvoydt plecht also tho doende, vndt Hr. Henning Krantze, de lange Tydt Landvoydt is gewesen, sulvest bekandt he gedan hadde, so ferne idt were, Hinrich (Kruse Kribitz) dat Erfburen komen, de Uthforderin- ge dohn. Jtem dergliken, Ok de Buren, de in de Stadt kamen, mid erer Herschap, Wa- ren, effter Guder, de sall men niht toͤven noch mit Rechte beschlan, up dat erer Her- ren Guden niht verspillet werden. Jtem van den Schulden de de Borger effte Koplude uth Rige schuldig gewest sin den van buten Rige, idt sind Herren effte iemands anderß, vndt so wedderumme, weß de van buten schuldig sin gewesen an de van binnen Rige, deßgliken, effne ok welcke van binnen Rige buten, vndt van buten binnen Rige wedder ein dem andern wes up guden geloven thor Hand gesandt, effte gelavet hefft, sall mit der Veide nicht tho doende hebben, sandern ein sall dem andern Geloven holden vndt bethalen vndt efft sik de Stadt weß underwunden hedde, sall men der Stadt afmanen. Were idt ock, dat in der Veide iemands dem andern up guden Geloven weß affgekoft hedde, den Glo- ven sall men ock holden; off thor Hand geschickt were iemandt van den Verstorven offte Erschlagenen, sall men dat dohn den genen, de dartho Recht hebben tho menen. Jtem van den twey Kreyern effte Schepen, de de Rigischen vor der Pernow up der Reide genahmen hebben, vndt deßgliken van den Schepeken vndt Gude Diricks Tymans under Runoe Runoe, eine kleine Jnsel 14 Meilen von Riga und fast eben so weit von Arensburg, ist drey vier- tel Meilen lang und anderthalb breit. Sie ist mit etwan 30 Familien schwedischer Bauren besetzt, die unter rußischer Botmaͤßigkeit stehen, und von dem Fange der Seehunde meistens le- ben. Der alte Hafen hat jetzo grosse Sandbaͤnke; auf der ostlichen Seite findet sich guter Anker- U u grund, genahmen, um dat idt van der Pernow qvam gesegelt, vndt Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1491 Verkaͤufer halten muͤsse, und das Gut frey sey. Wer 2 Briefe auf ein Pfand versiegelt, sol aufs hoͤchste gerichtet und gestraft werden. Der vndt the Koplude vndt the samtliken seggen, de dat verlaren hebben, dat de Rigischen nene Warnienge gedaen hebben, dem Kopmann nach der Pernow tho segelnde, vndt Dirick Timan hierbaven uns getieget hefft der Stadt Koͤnigsberg eren versegelden Breff, tuͤgende, dat de Schipper vndt Sturmann geschwaren hebben, tho den Hilli- gen, dat se de vorbenamte Tyman verfrachtet hadde tho segelnde nah der Saltzmuͤn- de, vndt niht nach der Pernaw, wewol dat se van Windes vndt Wedders halven thor Pernaw mosten vndt qvemen. So denn wy Seggesluͤde uns niht weten tho entrichtende noh Verstand hebben van der Koplude Schragen; so wysen wy alle desse Koplude vndt de Rigischen vor de Binnenlandischen, de tho den Hanse hoͤren, up ere erste Vergaderinge alldar tegen malckander tho synde, weß ene daraff gespraken werdt, sall den beiden Parten wol vndt wehe dohn. Jtem so de Rigischen begeren de Straten up der Bulder- Aa wente in Lettawen vnd Sameyten dat de frye sall syn; herup beleven wy Seggeslude vndt uthspreken, dat de Rigischen sick moͤgen sallen laten an alle den Straten, de de Kopmann van Oldinges gebruket hefft, vor Meister Vinckens Tyden; wente ein Here were anderß des Kopmanns sin eigen, dat he deß nicht mechtig solde sin, in sinem Lande Wildnuß tho rumende, Lude darup tho settende, Schlote langst den Grenzen also in Samei- ten, Lettowen, Rußlandt tho buwende, vnd sin eigen Plicht Profit dadorch tho doen- de; sander salte dar ock moͤten guͤnnen dem Kopmann deß Kopmanns Privilegia inne- holden up solcke nye Straten, de se helpen winnen; were ock niht gud, dat de Umbe- legenen de nye Straten wancken solden; guͤnde men det den Rigischen, so muͤste men ock dat den Samaiten, Lettowern, vndt Russen guͤnnen. Jtem der Upbuwinge halven twier Schlote Rige vndt Duͤnemuͤnde vndt der Kerck dartho; Jtem angaende den Schaden van beiden Parten, de sick sere groth drecht, de Rede van beiden Parten angesehn undt gehoͤret. Jdt erste angaende vndt angesehen, dat dat erste Convendt vndt dat overste des Ordens tho Rige gewesen ist; undt so wy Seggeslude nu ok befinden, dat de erste Krich effter Feide sick angehaven hefft an den Rigischen mit dem Uplope Johannis Baptistaͤ, vndt mit der Versperringe der Porten in nyen Muren; befinden ock wy Seggeslude dat de Rigischen den Frede, ge- heten Divisionis Apostolorum sunder vndt buten allen Reden gebraken hebben, vndt Krich vndt Feide upt nye angehaven hebben. Jtem vorth befinden wy Seggeslude ock, dat de Rigischen ein Orsack syn, dat de Versegelatie tho dem Blomendale gemackt van dem Orden niht geholden wardt; sandern de Feide upt nye bet nu tho durende angehaven is, im deme dat se erst tho Rome upgeseuden hebben vndt de Sake kregen, bevalen dem Hern Bischope vom Schwerin, dadorch do de Orden densuͤlven Weg leerde vndt upgefunden, hebben, de Heren vom Revel de Sake tho Rome so gekamen, iß unser Praͤlaten hende ge- schlaten worden; dar de Sake ock wol gebleven were; hedden de Rigischen den Toll afgesettet vndt suͤmige Worde niht gefoͤret, alse gedan hebben. So beleven wy Seg- gesluͤde undt uthspreken, dat de Rigischen 9 Dage nah Paschen nechstfolgende, al- se des Mandags nah Quasimodogeniti oͤverantworten sallen Dunemuͤnde, so, alse det versegelt hebben, vndt sallen darup laten, weß darup iß von Were, an welkerly We- re dat sy, vndt ock so dann Hußgerad undt Kleinode, Klocken, weß den Orden tho behoͤrt hefft, do de Feide anging, uthgenamen wat den Rigischen tho behoͤrd, moͤgen se affnehmen vndt herenbaven sallen de Rigischen darup laten sodann Beer, alse dar den reide up gebruwet is, niht affthofoͤrende, vndt hier baven uplaten 10 Laste Roggen vndt 10 Laste Malth. Jß deß darup so vele niht, so sallen se dat kopen vndt gereit darup leveren, vndt so dat int erste eine Last effte two darup sy, moͤgen se binnen dat vndt Pingsten dat ander dan ock fort up schaffen. Jtem so beleven wy Seggeslude undt spreken uth, dat de Rigischen wedder up- buven sallen ein Convent dem werdigen Orden mit solker Kerck so dar thovoͤrn gestan hefft mit Kellern, Welfften vndt Kamern; Einen Reventer undt thwen Thornen an den Convente, welke in der Muren liggen sollen, vndt sollen dat buwen up solke Stede vndt grund, wo die fremden nach dem rigischen Meerbusen segelnden Schiffe vielmals bequemen Wind erwarten. Es stehet daselbst ein Feuerthurm. An der dasigen Magdalenen kirche, worin nur schwedisch geprediget wird, stehet der Herr Pastor Joh. Nicolaus Reuter aus Halle in Sachsen gebuͤrtig, welcher auch in schwedischer Sprache zu predigen hat. Erzb. Mich. Hildebrand. zur Zeit der Reg. Joh. Freit. v. Loringhof. Der Papst Alexander der VI te trug dem Prior von Duͤnemuͤnde die 1492 Commißion auf, daß er den Zwist zwischen dem rigischen Rath und dem oͤsel- vndt Ende, dar de Hern des Ordens ehn dat wysen werdten, dicke sinde 7 Voͤte vnd hoch twe Faden baven des Convents Muren, undt sollen in dessem sulven Stocke einen Meister tho Lyflande ein gut gewelwet Gemak buwen mit einem Vorreventer, so dat idt temelik vndt boͤrlick sy, deß sollen wedderumb de Rigischen beholden de nye Mure mit den Thornen, alse de nu steit na Overeinkaminge, tho wetende, dat de Rigischen den Schloͤtel tho der Porten hebben vndt dat Convent tho der klenen Por- ten, sandern so lange de Vorborch mit den Conventen niht bevestiget is vndt schlot- hafftig, so sall men desse kleine Porten deß Nachts niht updahn, sondern geschlaten werden, als men alle der Stadt Porten thoschluth. Jtem beleven wy Seggeslude vndt spreken uth, dat de Rigischen deth also bu- wende alse vorsteit, anheven sollen van Dage desser Uthsproͤke anthorekende over ein schier nechstkamende Jahre tho dem minsten, vndt dat vollendigen binnen 6 Jahren darnach malckander sick verfolgende. So ferne de Rigischen binnen dith Jahr willen ock weß buwen, dat steit an ehn; koͤnnen efft moͤgen sick ock de Rigischen mit dem Her Meister verdregen, dat se dit Convent nah sodaner Groͤte, undt Wise, so baven steht erklaͤrt, buwen moͤchten tho Duͤnemuͤnde, Kerckholm effte anderß war, up der Duͤne effte Bulder-Aa, effte dat se dem Her Meister eins effte jahrlicks eine Sum- me Geldes geven moͤchten, dat de Her Meister vndt sin Orden dusse sulve Buwinge annehme, undt so dar Stede dar se deß eins moͤchten werden vndt suͤlvest buwen, dar late wy Seggeslude de beiden Parten mede bethemen. Jtem der Vicarien halven vndt Upbuwing der Kerken, de thovoͤrn gewesen sin buten dussen beeden Schloͤten, vndt ok effte men thor Soͤne vndt thor Selen Selicheit aller Doden, da van beiden Parten erschlagen syn in dessen Feiden vndt de Vigilien tho donde, so de Her Meister vndt sin Orden begert hebben; hierup belewen wy Seg- geslude undt uthspreken, dat de Rigischen int erste Sunte Johannes Kercken, de buten dem Schlate tho Rige plach tho staende, vndt de Parkerke de buten dem Schla- te Dunemuͤnde licht, sollen de Rigischen mit den allerersten met so viel Altaren, alse da plegen in tho synde, upbuwen, in staender Were vndt schloͤtig maken. Jtem so de Rigischen de Viff Vicarien mit eren Renten Deel gekregen hebben, int erste 3 by sel. Meister Osthaves Tyden, vndt darnah 2 by sel. Her Meister Berndes Tyden, vndt de Meister dat thogelaten hebben, se deß nene Macht en hadden Gade tho nehmende; so sollen de Rigischen thor Soͤne vndt tho Troste niht allein den armen Selen der genen, de in eren Tyden verschlagen sin, sandern ock der genen Selen, de in dessen Feiden vndt Krigen verschlagen sin, van beiden Parten de Vicarien holden. Desse vorbenomden Viff Vicarien sollen wedder angan up Johannis Baptista tho- kamende, vnd de Rente sollen de Rigischen betalen nah dem Olden vndt de Giffters effte Patronen der Vicarien sollen sick versehen umb Presters, vndt de verlehnen effte praͤsenteren, dat se verlehnet werden twischen hier vndt Johannis Baptisten. Jtem sollen de Rigischen, thor Stundt alse de Straten apen sin vndt de Her Mei- ster se hefft geabsolveert, in der ersten Weken darnah dohn laten 3 Begengknuͤsse mit Seelmissen vndt Vigilien, eine gesungen vndt eine gelesen, dar dan tho offern sollen de Raht vndt de beide Gildenstaven vndt de gemenen schwarten Hovede, deßgliken ock de van des Ordens Syden up de Tyd in de Stadt sinde, det soll man so holden 3 Dage langk, des ersten Dages in dem Dohme, den soll ein Domher dat Offer entfangen van allen Altaren, vndt geven darvan iglichen Prister, int erste, de da Seelenmissen lesen 3 ßl. undt den, de de Misse singet 6 ßl. vndt dem Koͤster 6 ßl. vndt de Raht sall des Dages betalen de Luͤderß vndt den Kerk-Vormundern eren Willen maken der Kloken hal- ven, alse de Presterß vndt de Koͤster suͤß betalet syn, soll men det overige Offergeld in twe deh- len, Eine Helfte um Gade thor Stund den Armen tho delende, de ander Helfte soll hebben dat Capitel. Suͤß soll men ock deß andern Dages dohn tho St. Peter, vndt dar sal de grote Guͤlde de Luͤderß vndt der Kerken vernoͤgen, vndt de Kerkhere sall de ene Helfte des ovrigen Offers beholden, vndt de ander Helfte thor Stundt den Armen ge- deilt. Desgeluͤken deß drudden Dageß tho St. Jacob vndt de klene Gylde soll dar vernoͤgen de Luͤderß vndt Kerken Vormunderß, vndt alle Jnwahner, Mann vndt Fruwen, de sonderl. niht tho doende hebben, vndt niht up Daglohn arbeiden, sollen dartho offern, wente it schuͤdt den Doden beiden Parten. U u 2 Jtem Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1492 oͤselschen Bischof beilege, und keinem Theil die Appellation nach Rom erlaube. Dieser Lerm betraf die Einziehung der rigischen Stadtguͤter auf Oesel. Die Jtem so da vele sunderlike Personen syn, de sick der Rigischen beklagen, dat se vor Uthsegginge gefangen sin von den Rigischen ock vom seligen Hern Helgervelde, de sick vor eren Prawest held, vndt schreff, de dan by Namen, Otte Hoberge, Hans van |dem Velde vndt Bertram Walrade vndt vele andre, de sick beklagen, dat se ge- fangen worden, da Duͤnemuͤnde upgegeven wardt, vndt dat ehre genahmen, kegenß der Rigischen Lofften vndt Lavende thogesecht vndt versegelt, vndt van velen andern, de de Rigischen Sendebaden einß Dehls up ener Zeddeln gesehen hebben genoͤmet, vndt alle Dage nah vele andre Klegerß kamen vndt van velen Puncten de in duͤsser Feihde geschehen syn, vndt so de Rigischen wedderumb welke hedden, van eren Par- ten, de sick ock van der ersten Anhewinge deß Krigeß beklagen wolden, deßgliken van oldings Bartram Hoyken, Hans Kerstens, Lenbeck ꝛc. Hierup beleven wy Seg- geslude vndt spreken uth, dat wy nene Tydt hebben dit nu allhier thor Tyd tho schei- den; sandern wy Twee Seggeslude alse Theodoricus vndt Martinus tho Dorpt vndt Churlandt Bischope vorbenoͤmet hebben gegeven vndt geven med desser Uthsprake Unse Vollmacht, de wy hier hebben, dem Hern Erzbischop Michaeli Unsen Leven Hern Medeseggeßmann, unser beider vollkamen Macht tho siner Macht, so dat de sall vndt nach in desen anstaenden Samer mit den genen, de hei tho sick theende werdt, dartho de- nen, de niht partyelick sin alle dese Saken up ene verramende Tydt, so he ock verramt hefft up thokamende Jacobi Maioris, vndt dan up Treiden tho doende, dar deme deß Ordens Luͤde tho Segewolde sick moͤgen endholden vndt der Rigischen Luͤde um- trent Cremon, effte war isseliken gelevet. Und wy Michael Erzbischop bekennen dat wy soͤlkes up uns genamen hebben, tho scheiden alse de vor steit, so wal de Klacht des enen Parts alß deß andern, so verne de Klachten sick anheven van Begintsel deß Kriges by sel. Meister Berendes Tyden betenget, beth an desse Tydt, vndt dar so verne de Her Meister, dat he vorsprekt tho eren Syden vndt de Rigischen Sende- baden de hier tho Stede syn van wegen der Stadt Rige binnen einen Mande, dat se enen versegelten Breff geven, dat idt ehn also beleve, vnd deß tho Freden syn. Jtem von den Blockhusen beleven wy Seggeslude vndt uthspreken dat der Blockhuse ein, twe effte alle drie, sall vndt mach de Her Meister in Weren hebben, so lange vndt beth tho der Tydt, dat uns Seggeslude goth duncket; dat de Rigischen sick stellen tho Frede, vndt dat idt Frede mach bliven vndt dat de Her Meister dar ock so dan fra- me Knecht upholde, dat den Rigischen nah dem fremden Gaste nene Averlast daruth geschee. Und wy Seggeslude by Unß beholden uth tho sprekende, wo lange de Block- huse stan sollen. Jtem so de Her Meister einen Nothfall begert hefft, inbesondern vor solke grote Unverlumpinge, de de Rigischen ehm vndt sinen werden Orden sollen gedan hebben, mit Namen in dem Vorbuntbreffe, tuschen ehn vndt den Schweden gemaket, vndt Olderß in den See Steden, tho Rome vndt in andern velen Enden. Hierup beleven wy Seggeslude vndt spreken uth, dat de Achte, de hier alse de Rigischen Sendeba- den sin volmechtig, sollen vor dem Her Meister, Landmarschalck, vndt andern Ge- biedigern, de hir nu sin, kamen blotes Hovedes, ere Hade van sick gedan, vndt sol- len staende ere Hoͤvede nygen vndt bidden, effte Se effter ander van den Rigischen den Hachwerdigen Hr. Hochmeister, Dutschen Ordensmeister, siner Hochwerdigheit vndt sinem sel. Vorfader, Meister Berendt, Landmarschalk, Gebiedigern Hern vndt helen Orden intsamt vndt besandere in dessen verlopenen Krigen mit enigen Worden effte Schrifften verunlimpet hebben, effte tho nah gespraken, effte tho nah geschreven, vndt ock niht alle wedder upbuwen koͤnen, vndt allen Schaden gelden, dat he vndt si- ne Werdige Gebiedigere Ehn vndt Ehren Jnwanerß umb Gades vndt Unser leven Fruwen willen vergeven: Und alse de Her Meister, aff Gott will, werd in Rige ka- men, sall den de heile Rath ock so dans dohn Diese demuͤthige Abbitte geschah aber nicht, so lange Freytag regierte; und Plettenberg war zu grosmuͤthig, eine so niedertraͤchtige Ceremonie anzunehmen. , deß andern Dages sollen dat dohn the Twelffen van den Dreplicksten uth der Graten Gilde, deß drutten Dages sollen dat dohn Thein van den Dreplicksten uth der kleinen Gilde, van alle de Gilde wegen vndt hirmede sollen ock alle Saken geschlichtet vndt vereiniget sin, vndt alle Schaden van beiden Syden dod gelecht, vndt de Her Meister soll dussem ock so umb Gades vndt Unser Erzb. Mich. Hildebrand. zur Zeit der Reg. Joh. Freit. v. Loringhof. Die Praͤlaten und Obersten des Koͤnigreichs Schweden erklaͤrten sich in 1492 einem lateinischen Briefe vom 22sten October aus Stockholm, daß dis Buͤndnis, welches ihre Abgesandten mit den Lieflaͤndern wider die Russen ge- troffen, unwiederruflich, bey gutem christlichen Glauben, gehalten werden solte. Die lateinische Urschrift ist vom ersten Jahre des Papsts Alexanders des VI ten unterzeichnet. Montags vor Urbani verglich sich der Erzbischof mit der Stadt. Er zahlte fuͤr ihre aufgewandte Kosten 1000 Mark und gab ihr einen Brief von 100 Mark nebst 30 Mark an fuͤnfjaͤhriger ruͤckstaͤndiger Zinse zuruͤck, den Henrich Ronne in seinem letzten im Namen der Stadt gegeben hatte. Auch wurden die Schwe- den dafuͤr bezahlt, daß sie den Thurm zu Salzmuͤnde eingenommen. Der Ordensmeister Joh. Freytag gieng endlich den Weg alles Fleisches und ward in der St. Johannis kirche zu Wenden, nach einigen, am Palmsontag recht fuͤrstlich beerdiget. Seine Grabschrift daselbst ist: Jnt. Jar. XVII. deß. mandageß. na. de. hilligen. Drevoldicheit. do. starf. Her. Johan. Fridach. van. Lorinkhoven. mester. to. Liflant. dusches. Ordenß. den. got. gnade. Die Herrmeisterlichen Leichensteine in der Dom- oder Johannis kirche zu Wenden, sind eine schaͤtzbare Antiquitaͤt; doch sind ihrer nicht mehr als 3 vorhanden. Sie lagen ehmals . Der Unser leven Fruwen willen gerne vergeven, tho ißliken dit seggen: Wy vor uns vndt unsen ganzen Orden vergeven Juw gerne umb Gadeß vndt unse leven Fruwen willen. Jtem beleven wy Seggeslude vndt spreken uth, dat van beiden Syden alle Ge- fangene, wat Standeß de syn, so woll de enicht part vermeint, dat se gefangen syn vndt sick vor nene gefangen bekandt hebben noh bekennen glik dem andern, sollen allthosam- men mit desser unser Uthsproͤke frye, qvidt, leddich vndt las syn, vndt de Rigischen sollen den Praͤlaten, von Doͤrpte, Ozel vndt Churland eren Breff der Borgtucht wedder oͤverantworden nahdem de Breff hier thor Stede is. Jtem. Noh beleven vndt uthspreken wy thor Stundt, alse de Rigischen Dune- muͤnde avergeven hebben, weß se by sick hebben, dat vor Ogen is, bewehlik vndt un- bewehlik, dat de werdige Orden in Weren hadde, do de Feide mit sel. Hern Meister mit finen Gebedigern vndt werdigen Orden wardt; so sall de Her Meister und sinen werdigen Orden de Straten open vndt alse verschreven an den Hochwerdigen Hern Hochmeister vnde den Dutschen Meister, dat de Strate den Rigischen dar ok werde geoͤpent, so dat ißlick Part mit den andern mach wancken, so woll de dar gefangen syn gewest, vndt sik vor nene gefangen holden, alse de andern, niemande buten bescheiden. ok alle de uth de Stadt sind gerumet, effte versandt, weder in Rige moͤgen kamen, deßgliken de van dem Hern gerumet sin in Rige, wedder deßgliken fry vndt frolich uth moͤgen kamen. Jtem beleven wy Seggeslude vndt spreken uth, dat de Her Meister vndt sin werdig Orde tho Rome thor Stundt upschriven sallen an eren Procuratorn vndt deßgliken ock de Rigischen an de eren, dat se van beiden Syden Rechtgangs afstellen vndt avergeben ißlik sin Advocaten, Procuratorn vndt suͤlfe vermoͤge; undt dat deß Her Meisters Procurator van deß Ordens wegen Fulborth geven sall, dat de Rigischen mit allen eren Adhaͤ- renten vndt Byliggern moͤge absolveret werden reabiliter. Und wy Seggeslude spre- ken ock uth dat de Her Meister thor Stundt alse he Duͤnemuͤnde inhefft vndt de Ri- gischen by sich vor Agen hebben, schriven sall an den Herrn Deken van Osel, dat he vndt sin Orde tho Frede sin, de Rigischen nun van ehm geabsolvert syn realiter mit eren Byliggern Geistlich ok Werltlik; de welke Deken darff dann niht mehr dohn, dan was he alreide gedahn hefft, uth. Kraft des Meisters Vulbord verenen vndt be- stedigen: Si et in quantum non etc. vndt dat soll genoh wesen Jßliken in siner Con- scientien, mit den Rigischen umthogaende vndt den Denst Gadeß tho hoͤrende. San- dern de Rigischen sollen allikwel umb alle Schrupel vndt Twyvell dahl tho leggende, tho Rome sick laten absolveren, vndt wat der Rigischen Absolutie tho Rome vndt tho Osel besteende werdt, dat sollen se suͤlvest dregen, was tho Rome hier edder an- derswar verteert is; hiermede sall alle Ding geschlichtet syn vndt gut Freden syn twi- schen den Vorbenoͤmden Parten. Datum Wolmar Anno 1491 Mitweken vor Paschen. Xx Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Der drey und vierzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Wolther von Plettenberg Wir setzen den Anfang der Regierung dieses Herrn gegen alle gedruckte Buͤcher ein Jahr hoͤher hinauf, seit dem uns ein Lehnbrief, von Dienstage nach Mariaͤ 1494 zu Tuckum, zu Gesicht gekommen, wo er sich schreibet: Wie Broder Wolter van Plettenberg, gekohren Meister und Landmarschalck tho Lyflande duitsches Ordens. Kojalowicz nennet ihn Platemberg; Spangenberg, Pleiberg; Thuanus, Pletemberg; in einigen Documenten und auf etlichen Muͤnzen heist er von Plattenborch. Schurzfleisch nent ihn die Zierde seines Standes, einen Man von grossem Geiste und wohl ausgesonnenen Anschlaͤgen. Seine Groͤsse laͤst sich besser aus den wohlgelungenen Thaten desselben, als aus gesamleten Lobeserhebungen erkennen. Sein groͤstes Meisterstuͤck im Regiment war sein gefaͤlliges Betragen gegen die Geistli- chen, wie er es denn bey den Religionsaͤnderungen der Stadt so wohl als der Cle- risey . 1494 N ach den auf seinem Leichenstein angegebenen 44 Jahren seines Re- giments solte man wol den Antrit desselben 3 Jahr fruͤher ange- ben, wenn es andre Schwierigkeiten nur verstatten wolten. Sein weises gluͤckliches und langwieriges Regiment, nebst der daraus entstandenen Ruhe und Aufnahme des Landes, macht diesem loͤblichen Regenten unter ehmals mit dem Gesichte nach dem Altar, und der freytagische in der Mitten, an- jetzo aber liegen sie, laͤngst der Mauer von der Kanzel ab, nach der Ost seite zu in die Laͤnge. Die Jahrzahl bey diesem Freytag ist XVII. Doch will der Herr Vicep. von Brevern zu seiner Zeit gar deutlich 95 gelesen haben. Es nehmen dieses einige von der Jahrzahl 1517, und glauben daß er die Regierung niedergeleget, und 22 Jahr ein schlechter Ordensbruder geblieben, welches eine grosse Verleugnung waͤre. Dieser Muth- massung fuget der Moͤnchshabit, da sein Bildnis kein Schwerdt, sondern einen bis zur Mitte des Kleides herabhangenden Rosenkranz in der rechten Hand hat. Auf der lin- ken Seite des Rocks siehet man ein Kreuz wie ein Crucifix einer Spanne lang; bey den Fuͤssen sein Wapenschild mit 3 Ringen. Der plettenbergische Stein zeigt den Herrmeister in Lebensgroͤsse in vollem Kuͤras, unbedecktem Haupte, und dem Helm beim rechten Fus liegend. Seine Rechte lehnt sich auf ein breites Ritterschwerdt, des- sen Gefaͤs und Knopf einen ganzen Fus ausmacht, die linke haͤlt das Wapen, das auch in den 4 Ecken stehet. Der Baldachin hat unbekante Figuren. Unter dem Hal- se auf der Brust siehet man das Ordenskreuz. Nach einigen Abrissen hat man stat des verten den vevten Sontag in der Faften zu lesen, welches gegen die Schreibart ist. Sein 44 jahriges Regiment wird auch durch eine Abzeichnung des Hrn. Oberpa- stor Depkins zu Riga bekraͤftiget, auch noch durch andere neuere Abrisse bestaͤtiget, da- von aller dieser Zeugen ohnerachtet die Jahrzahl verdaͤchtig ist. Denn ob wol kein ge- wisses Jahr in der Historie angegeben worden, da Plettenberg zur Regierung gekom- men, so hat sich doch ein Lehnbrief von 1494 gefunden, der uns wenigstens so viel an- zeiget, daß das gewoͤhnliche Jahr 1495, so ihm in der Historie beigeleget wird, nicht das richtigste sey, man sich aber auch nicht sicher erkuͤhnen duͤrfe, solches in 1491 zu ver- wandeln, weil gleichfals viel alte Augenzeugen auf demselben Grabsteine 41 Jahr seines Regiments wollen gelesen haben. Der bruggeneiische hat in alle Rissen die Um- schrift gleichlautend. Sein Bild haͤlt in der rechten Hand ein Faden langes Schwerdt, und in der linken ein kleiners. Auf der Brust und dem Harnisch liegt das Ordenskreuz, auf dem Haupte sitzt ein klein Calotgen; das Wapen aber auf dieser Muͤnze ist unkentlich. Der Abris des Hrn. von Brevern war durch den jetzigen wendischen Hrn. Landrich- ter von Jarmerstaͤdt besorget worden. Solche Denkmale verdienten einen Kupfer- stich, weil die Zeit ihre Gewalt, so wie der vor etlichen Jahren grosse Brand in Wen- den, auch an selbigen exerciret, zumal da sie von den Fuͤssen der zum Altar gehenden Communicanten und andern betreten werden. Erzb. Mich. Hildebrand. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. unter allen Herren Meistern den wohlverdienten Beinahmen des Grossen un- 1494 streitig. Die Stadt erkante ihn kurz vor Fast abend fuͤr ihren Oberherrn und lei- 1495 stete ihm den Huldigungseid. Nach geschehener Wahl waren seine ersten Verrich- tungen, daß er den Beschwerden der Buͤrgerschaft abhalf, Duͤnemuͤnde befe- stigte, Wenden mit 3 starken Thuͤrmen verstaͤrkte, und dem bisherigen Natio- nalismus durch eine Verordnung das Ende machte, nach welcher die hoch deut- sche Nation allein in Preussen; die niedersaͤchsische und westphaͤlische hin- gegen blos in Liefland aufgenommen und befoͤrdert werden solte. Die Russen veruͤbten um Narva, Doͤrpt und Oesel herum verschiede- 1499 ne Streifereien, daher die Staͤnde in Liefland beschlossen, mit des Czaars Schwiegersohn, dem Grosfuͤrsten zu Litthauen, Alexander, ein Buͤndnis einzugehen, nach dessen Beschwoͤrung auch der Erzbischof Michael zu Riga, der Bischof Johan zu Oesel, Johan Electus zu Doͤrpt, Nicol. Lemborch, Dechant der Kirche Curland, und Joh. Frese, bevolmaͤchtige des Bischofs zu Curland, desgleichen Wolter von Plettenberg Meister, Wilmer von Delwich, Comtur zu Vellin, mit den Abgeordneten des Koͤnigs von Daͤn- nemark, Schweden und Norwegen ein Buͤndnis eingiengen, daß einer dem andern wider den Russen beistehen und helfen solte. Geschehen zu Walck auf dem gemeinen Landtage, Donnerstags nach Mariaͤ Geburt. Die Lieflaͤnder hatten sich in dem schwedischen Kriege wider Rußland 1501 ziemlich unparteiisch aufgefuͤhret, nnd konten sich daher keine sonderliche Huͤlfe ver- sprechen. Der litthauische Grosfuͤrst Alexander wurde an seines Bruders stat zum Koͤnig von Pohlen erwehlet, welches Plettenbergen ungelegen kam, der das Buͤndnis mit Pohlen eben so gefaͤhrlich hielt, als den uͤbereilten Frieden mit Rußland. Er war also gezwungen seine eigene Macht zusammen zu ziehen und weder auf Schweden noch Litthauen zu warten. Plettenberg brach mit seiner Macht von Vellyn auf, lagerte sich zu Maholm, 3 Meilen von We- senberg, 2 Meilen vom Strande und 12 von Narva, hoͤrte in der auf freiem Felde stehenden Kreuz kapelle die Messe, grif die Russen am 7ten Sept. Mor- gens um 9 Uhr recht wuͤtend an, und trente ihre zahlreiche Reuterey, verfolgte auch die Fluͤchtigen auf 3 Meilen, bis der Abend einbrach, und bauete auf der Wahlstat die Marien kirche zum Andenken des Sieges, den 4000 Reuter nebst einer ziemlichen Anzahl Lanzknechte und Bauren uͤber 40000 ihrer Feinde erfoch- ten hatten, wobey das grobe Geschuͤtz das Beste gethan. Der Ordensmeister that selbst einen Zug nach Rußland, und zerstoͤrte die Schloͤsser Ostrowa, Krasnowa, und Jseburg, brante Jvanogrod ab, und erschlug alles, was sich ihm widersetzte. Doch Plettenbergen kam ein andrer Feind ins Lager, nemlich die rothe Ruhr, weil es den Truppen an Salz gefehlet, und einige die rohen und unreifen Fruͤchte zu begierig verschluckt hatten, weswegen er mit seinen Soldaten in die Winterlaͤger eilte, die aber nicht alle so weit kamen; indem viele auf den Doͤrfern Pflege zn suchen genoͤthiget waren. Der Ordensmeister selbst konte kaum sein Schlos erreichen. Der Erzbischof Michael, welcher im Treffen Plettenbergen immer zur Seite gewesen, hielt sich noch am maͤnlichsten, und kam gesund und wohl behalten in Riga wieder an. Die Russen machten sich diesen Zufal der Lieflaͤnder, die nicht aus den 1502 Betten steigen konten, zu Nutze, und thaten in der Fastenzeit einen neuen Einfal. Sie fanden weder Grenzwachen noch Vorposten, und also eine ofne Thuͤr das ganze oͤstliche Liefland zu uͤberfallen, wo sie auch alles, was die Ruhr uͤbrig ge- lassen, mit der Schaͤrfe des Schwerdts aufrieben. Es sollen, wie Venator will, 40000 Menschen auf solche Art an der Ruhr gestorben oder vom Feinde nieder- gemacht und die andern in die Gefangenschaft gefuͤhret seyn. Von festen Schloͤs- X x 2 sern risey recht zu machen wuste. Er lebte mit 5 Erzbischoͤfen in bessrer Eintracht als seine Vorfahren. Ein Wolt er von Plettenberg, Comtur zu Mitau, hat sich in einem Briefe der kleinen Gilde zu Riga 1426 unterschrieben. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1502 sern wurde dismal keins erobert. Der Knese Alexander Opalinsky belagerte zwar Helmet, er sol aber von einen zum Entsatz herbey eilenden Haufen samt 1500 seiner Leute davor erschlagen seyn. Wie nun hierbey jeder auf Plettenbergs Genesung hofte, und des Herrn Meisters Gesundheit wieder hergestellet war; so zog dieser das zerstreute Heer wie- der an sich, zahlte ihnen die Loͤhnung voraus, brachte 7000 Man Reuter, 1500 deutsche Fusgaͤnger, 5000 curische und lettische, auch etliche 100 estnische Bauren auf die Beine, versahe sich mit groben Geschuͤtz, und nahm den Weg nach Plescow zu. Zwey aufgefangene Russen gaben die feindliche Macht auf 90000 Man an, die auch am 13ten September gegen die Lieflaͤnder anruͤckten, und sich in 12 Haufen zeigten. Die starke Artillerie des Ordensmeisters machte unter den Russen viele Unordnung, und sollen von ihnen 40000 geblieben seyn, da hingegen von Seiten der Lieflaͤnder nur 400 gemeine Soldaten, etliche Reu- ter, ein Hauptman mit Namen Matthias Pernauer, sein Bruder der Lieut. Heinrich Pernauer und der Faͤhnrich Conrad Schwarz geblieben. Die- ser ungleiche Vortheil brachte die Russen zum Weichen, das Ordensheer aber ruhete 3 Tage auf dem Schlachtfelde aus, weil es zum Nachsetzen zu muͤde war Dieses doppelt gluͤckliche Treffen wird von manchen Schriftstellern fuͤr eines gehalten, da es doch in unterschiedenen Jahren geschehen; daher es denn gekommen, daß manches dabey vergroͤssert worden. Bredenbach gehet ohne Zweifel zu weit, wenn er schreibt, von den Tattarn waͤren an 100000 Man geblieben und haͤtten uͤber 2 Meilen weit ge- streckt gelegen, von deutscher Seite aber sey nur ein einziger dabey umgekommen. Neustaͤdt berichtet, die Lieflaͤnder haͤtten auf den Knien gefochten, und die Russen selbst gestanden, sie haͤtten mit rechten Teufeln zu kaͤmpfen gehabt. Weil sich Diony- sius Fabricius aͤrgert, daß die Lutheraner aus Neid gegen die Catholiken das rechte Wunder verschweigen; so muͤssen wir hier wol melden, daß viele die heil. Ma- rie in der Luft Plettenbergen helfen gesehen. Von des Faͤhnrich Schwarzens Edelmuͤthigkeit erzehlet der Baron Herberstein, daß er sich zugestossener Ohnmacht wegen nach einem tapfern Ritter umgesehen, welcher ihm die Marien fahne etwas ab- naͤhme, und als Lucas Hammerstaͤdter, der sich von fuͤrstl. braunschweigischem Gebluͤt herleitete, darnach gegriffen, habe dieser sie keinem unechten Ritter anvertrau- en wollen. Hammerstaͤdt habe ihm hierauf die eine, und bey fernerer Weigerung auch die andre Hand abgehauen. Allein Schwarz habe die Fahne noch mit den Zaͤh- nen so fest gehalten, daß sie zerrissen. Mit den zerrissenen Stuͤcken sey Hammerstaͤdt zu den Russen uͤber gegangen, durch welchen Zufal die 400 Fusknechte verungluͤcket. Kelch schreibet, daß Hammerstaͤdt eine Trummel ergriffen; worin ihm Russov vorgegangen. Der Ordensmeister Venator hat Plettenbergen dieses Sieges we- gen mit Juda dem Maccabaͤer verglichen, welches Urtheil in Absicht des darauf er- folgten dauerhaften Friedens richtiger haraus koͤmt, als was der Marquis von Lan- geay behauptet haben sol, nemlich daß nur 3 grosse Helden in der Welt gewesen, Alex- ander der grosse, Julius Caͤsar und Plettenberg. Man sehe eines Ungenan- ten Beschreibung von Liefland Diese artige Schrift ist in 8 unter folgender Aufschrift in Druck gekommen: Description de la Livonie avec une Relation de l’ origine, du progrès et de la decadence de l’ ordre Teutoni- que , etc. A Utrecht chez Guillaume van Poolsum , 1705. Doch ist sie nur eine Uebersetzung von dem Original, so 1701 zu London in gros 8, mit grobem Druck auf 360 Seiten, unter folgender Ausschrift zum Vorschein kam: An Account of Livonia with a Relation of the Rise, Progress and Decay of the Marian Teutonik Order. Die franzoͤsische Uebersetzung hat sich in der alten Historie an Kelchens Vortrag gebunden, und ist zweien zu Utrecht befindlichen Danzigern und zweien andern aus Riga zugeeignet. Vorne ist das Bildnis des Herzogs von Curland, Fridr. Wilhelms vorgesetzt, Der Uebersetzer giebt sich fuͤr eine vom Verfasser un- terschiedene Person aus. Der Verfasser, welcher der curlaͤndische Botschafter, Herr Baron von Blomberg seyn sol, meldet viel merkwuͤrdige Sachen; nur die Stellen von S. 195 bis 287 nebst noch etlichen andern, fand Koͤnig Carl der XII te nicht nach seinem Geschmack; da her dieses Buch damals in Riga verboten worden. Doch hat diese Schrift auch ihre Fehler, wenn z. E. S. 91 dem Alex. Guagnini schoͤne Entdeckungen in der lieflaͤndischen Historie zugeschrie- ben werden, da sie doch dieser Zusammenschmierer aus Bredenbachen mit allen Worten genom- men, ohne diesen Schriftsteller einmal zu nennen. , nach welcher Carl der XI te Koͤnig in Schweden noch gegen Plettenbergen die Hochachtung bezeugte, daß er sein Bildnis an dem neu . Doch Erzb. Mich. Hildebrand. zur Zeit der Reg. Wolthers v. Plettenberg. Doch beide Theile sehnten sich nach dem Frieden, dessen Bedingungen dem Czaar 1503 mit der Post zugeschickt wurden, welcher sie auch gleich bewilligte. Die czarischen Gesandten kamen nach Giselern, wo sie der Herrmeister praͤchtig bewirthete. Man hatte dabey die alten Kreutzkuͤssungen zum Grunde gelegt, aus welchen der Punkt von dem Zins des rechten Glaubens die Hauptmaterie war, den sich der Czaar um so viel weniger abstreiten lies, je steifer seine Vorfahren darauf gehal- ten, und ihn also unumgaͤnglich wolte bestaͤtiget wissen. Zu Plescow ward dieser Friede unter Losbrennung der Stuͤcken und Laͤutung der Glocken, bekant gemacht; und Liefland genos sodann einer Ruhe von mehr als 50 Jahren. Die Tractaten waren im Septemb. unterzeichnet. Von diesem 1503 getroffenen und aus 54 Artikeln bestehenden Frieden sind die Ab- schriften in Liefland unsichtbar geworden. Einige Schriftsteller setzen ihn ins Jahr 1509: allein damals wurden nur einige Kaufmanshaͤndel, und zwar auf 14 Jahr, in Richtigkeit gebracht. Wie der eigentliche Zeitpunkt, von welchem dieser Friede an zu rechnen, nicht gewis ist, so ist die Dauer desselben noch ungewisser. Die mehresten setzen sie auf 50 Jahr, einige auf 40, der Freiherr Cruse auf 30 Jahr. Alle die uͤbri- gen Tractaten, die mitlerweile mit Rusland geschlossen wurden, sind nur so- genante Kaufmansfrieden. Von dem Zins des rechten Glaubens merket Neustaͤdt an, daß die Bauren in uralten Zeiten fuͤr ihre Honigbaͤume etliche livische Pfund Wachs und eine Kopfsteuer nach Nogarden liefern muͤssen; und Hiaͤrne fuͤhrt an, daß die Doͤrptischen an die heilige Dreifaltigkeitskirche im Plescowischen jaͤhrlich eine Verehrung gegeben. Aus diesen Umstaͤnden folgert schon Neustaͤdt, daß das Land in den aͤltesten Zeiten den Russen zugehoͤret, und meldet, der Czaar habe in allen Friedensbriefen auf diesen Zins des rechten Glaubens gedrungen, auch gegen die groͤs- sesten Vortheile seinen Anspruch auf Liefland nicht an den Koͤnig von Pohlen, Ste- phanus, verhandeln wollen. Helms bleibt bey der Aussage der neuenhausischen Bauren, welche jaͤhrlich 10 Lispfund Die in dem ersten Theil S. 109 angebrachte Mutmassung, daß talentum Liuonicum ein Lispfund heisse, erhaͤlt nun ihre Gewisheit. Jn den Gesetzen der grossen Gilde zu Riga 1354 werden die Strafen bestimmet zu 1, 2, ein halb livisch Pfund Wachs, zu einem Schifpfund Honig, zu zwey Artigen, zu einem Schreckenberger auf 18 Schilling rigisch; welche Gesetze nachher, und son- derlich 1610 mit Weglassung der gar unchristlichen Gebraͤuche verbessert sind. Von der Wage zu Luͤbeck heist es nach des Herrn D. Willebrandts Vorbereitung zur hanseischen Chronik S. 47 und 48 in der alten geschriebenen Rathsmatrikel also: Libra apud Trauenam habet vnum fru- stum continens vnum talentum nauale. Item vnum frustum de quatuor talentis Liuonicis , it. vnum de duobus talentis Liuonicis , it. de vno talento Liuonico. Zwanzig gemeine Pfund ma- chen ein Lispfund, 20 Lispfund aber ein Schifpfund. Honig nach Plescow geliefert, so aber seit 100 Jahren unterblieben sey, weil die Russen ihre Grenze immer weiter nach Doͤrpt zu verruͤcket, und in der vormaligen Wildnis Kloͤster und Doͤrfer erbauet, wodurch ihre Honigbaͤume so beschaͤdiget worden, daß sie den Zins nicht mehr abgeworfen. Bey einer so dauerhaften Ruhe des Landes legte Plettenberg den aͤltesten 1504 Ordensrittern eine Walfahrt nach dem heiligen Grabe auf; unter dem Vorwande, daß er in dem Treffen gegen die Russen, selbige in eigner Person zu verrichten, sich bey der heiligen Jungfrau Maria anheischig gemacht, seiner Schwaͤchlich- keit halben aber diese heilige Reise andern anpreisen muͤste. Allein die Ordensher- ren waren gemaͤchlicher als ihr Meister. Sie bedienten sich gleiches Rechts, zu Hause zu bleiben und der Fruͤchte des Friedens zu geniessen. Der einzige Com- thur neu aufgebauten Schlosse zu Riga der Vergaͤnglichkeit entziehen lies. Doch hat der Autor weder Ort noch Bild, noch Unterschrift getroffen. Man erblickt dasselbe unter der Treppe nach dem andern Hofe zu. Das Marienbild fuͤhrt die Unterschrift: Mater Dei, memento mei. Unter Plettenbergs Bildnis lieset man: Wolter von Plet- tenberg Meister dutschen Ordens Anno Domini 1515. Dieses scheinet das Jahr zu seyn, in welchem der Bau des neuen Schlosses zu Stande gekommen. Ob zu Carls des XI ten Zeiten auf der Seite, wo das plettenbergische Bild stehet, das Schlos erneuert worden, wird billig in Zweifel gezogen: vielmehr zeiget die unrichtige Anzeige der unter seinem Bilde befindlichen Worte, und die Stelle aus Plinii Briefen an, daß der vornehme Verfasser das Schlos zu Riga nicht in Augenschein genommen, sondern durch sremde Berichte zu dieser unrichtigen Beschreibung verleitet worden. Y Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, thur Rupert zu Vellyn erbot sich zur Walfahrt, wenn man ihm den Character eines Ordensgesandten zugestehen wolte. Er gieng auch auf Kosten der Ordens- kasse fort, und nahm den damaligen beruͤhmten Ordenssyndicus, Dionys Fa- bri, als Worthalter mit sich. Beide begaben sich mit einer Bedeckung von 50 Reutern an den paͤpstlichen und kaiserlichen Hof, wo sie Paͤsse erhielten, und nach einiger Zeit aus Jerusalem gluͤcklich wieder in Liefland anlangten. 1505 Der roͤmische Kaiser Maximilian gab dem Ordensmeister auf drey Jahr die Zolgerechtigkeit, vermoͤge welcher alle deutsche Schiffe von 1000 Fl. den zwanzigsten Pfennig, von 10000 den 30sten, von groͤssern Summen den 40sten Pfennig zur Erholung der Staͤnde abgeben musten. Die Ungehorsamen fallen in Reichsarrest und Oberacht, die Obrigkeit aber, so nicht daruͤber haͤlt, in Strafe von 100 Mark loͤthigen Goldes. Gegeben zu Bruͤssel, am 13ten Sept. und wiederholet zu Mecheln, den 19ten Sept. Dergleichen Versiche- rung gaben auch vier Churfuͤrsten Freitags nach Cantate zu Oberwesel, 1506 auf ihre Unterthanen, daß sie in den lieflaͤndischen Haͤfen den Zol nach dieser kaiserlichen Taxe erlegen solten. Als Plettenberg durch diese ausgewuͤrkte Verordnung dem Lande gerathen sahe, so legte er sich weiter auf die Verbesserung der Policey, und schafte die liefl. alt- 1507 deutschen Misbraͤuche mit Ernst ab. Er verfaste zu Wolmer, am St. Ja- cobitage, in 11 Artikeln einen Befehl uͤber die Morgengabe und Begiftung auf Hochzeiten, deren vornehmster Jnhalt ist: Die Braut sol an Geschmeide nichts mehr erhalten als 10 Mark loͤthig, und niemand mehr beschenken ausser der Braut und des Braͤutigams Mutter, jede mit einem Nobel, (Rosenobel) jede von der Braut Schwestern mit einem rheinischen Gulden, den Braͤutigam mit einem Hemde, von Werth eines rheinischen Guldens, jeden Knecht mit einer Mark; welche Verordnung doch nicht mit auf Harrien und Wierland aus- zudehnen ist, als deren Privilegien zu unwiederruflichen Zeiten aufs neue hiermit bestaͤtiget werden. Die Appellation in fremde Lande ward hart verboten Wie die lieflaͤndischen Staͤnde vor Alters die unter ihnen entstandenen Streitigkeiteu mehrentheils dem paͤpstlichen, oftmals auch dem kaiserlichen Hofe, oder gar dem kaiserlichen Kammergerichte, als den Schiedsrichterstuͤhlen der gesamten Christenheit, zur Entscheidung uͤberliessen; so durf- ten Privatpersonen sich dieser Rechtsgaͤnge nicht bedienen, sondern musten sich an dem inlaͤndi- schen Urtheil begnuͤgen lassen, welches die gesamten Staͤnde durch ihre Gevolmaͤchtigten in der letztern Jnstanz gesprochen hatten. Die Appellationsordnung laͤst sich am deutlichsten aus einem uns . Die Staͤnde in Liefland sandten ihre Boten Johan Hildorp, Meister 1509 Johan Oldenson, Kanzler, Johan Kammern und Karsten Soͤge, an den Kaiser und Herrn aller Reussen, Waßilie, mit welchem folgendes ver- abredet ward. Die alten Kreuzkuͤssungen bleiben in Wuͤrden. Die Kaufman- schaft wird auf altem Fus getrieben. Die Lieflaͤnder versprechen, mit Pohlen und Litthauen kein Buͤndnis zu errichten. Die rußischen Kaufleute geniessen gute Aufnahme und allen Schutz. Die rußischen Kirchen in Liefland wer- den reinlich und unbeschaͤdigt gehalten, alles nach dem alten Gebrauch. Wie dieser Brief auf die Einwohner von Grosnogarden gerichtet ist; so ist zu gleicher Zeit einer von eben dem Jnhalt fuͤr die plescowischen Russen ausgestel- let. Beide sind unterzeichnet: Grosnogarden, den 25 Merz im 7017ten Jahr Dieser constantinopolitanischen Zeitrechnung bedienten sich die Russen damals in allen oͤffentlichen Unterhandlungen; worinne sie mit den Griechen, Bulgaren, Jlly- riern, Albaniern, Georgianern und andern Nachbaren uͤberein stimmen. Sie brauchen selbige auch in Kirchensachen noch heutiges Tages. Man darf nur die Jahre 5508 davon abziehen, so hat man die europaͤische Jahrrechnung. Die Friedens- schluͤsse mit Rusland sind in vorigen Zeiten alle nach dieser Rechnung eingerichtet. Jn diesen Jnstrumenten mus man nur die Ausdruͤcke richtig erklaͤren. Es heist nem- lich in allen Briefschaften; die lieflaͤndischen Boten waͤren gekommen, ihre Haͤupter zu . Der Erzb. Caspar Linde. zur Zeit der Reg. Wolthers v. Plettenberg. Der Erzbischos Michael starb bald darauf nach einer 25 jaͤhrigen Regierung, 1509 am Abend Dorotheaͤ, und ward seinem Begehren nach zu Riga am Kreutz- gange des Doms auf dem Kirchhofe beerdiget. Das Domkapitel erwehlte hierauf am Sontage Jnvocavit den gewesenen Domdechanten, Caspar Linde, zum Erzbischof, welcher aus Cham in der Pfalz, oder, wie Chytraͤus lieber wil, aus Westphalen gebuͤrtig war. Er holte zu Rom die Bestaͤtigung unterm 23sten May, kam am 5ten Septemb. in Riga wieder an, und wohnte Tages darauf dem Leichenbegaͤngnis seines Vorgaͤngers bey. Er war ein Liebhaber vom Bauen, versahe die Schloͤsser Kokenhausen und Ronneburg mit hoͤhern Mauren und gutem Geschuͤtz. Marienhausen fuͤhrte er von Grund aus neu Y y 2 auf, zu schlagen, und haͤtten das Kreutz gekuͤst. Die hoͤchsten und feierlichsten Eide ge- schahen bey der griechischen Kirche durchs Kreutzkuͤssen, nach welcher Gewonheit sich die Lieflaͤnder vielleicht bequemet haben. Das Hauptschlagen zeigt eine ehrerbietige und tiefe Ehrenbezeugung an. Einige sind der Meinung, die Russen haͤtten damals hohe Muͤtzen getragen, welche sie nach morgenlaͤndischer Art nicht abgenommen, son- dern statt dessen nur mit der Hand ans Haupt geschlagen. Die Lieflaͤnder haͤtten ein gleiches gethan, wenn sie bedeckt zum Gehoͤr gekommen, und das Haupt nicht ent- bloͤssen wollen. Allein es komt uns warscheinlicher vor, daß mit dieser Redensart ein ander Ceremoniel angezeiget werde. Die Russen nennen es Poclan udarith oder Byth Czalom, wenn sich einer auf die Knie legt, auf die Haͤnde stuͤtzet, und den Kopf auf den Fusboden schlaͤgt. Je demuͤthiger ein solcher ist, desto staͤrker hoͤret man den Schlag. Zu unsern Zeiten geschiehet das nur in gewissen Faͤllen und von ge- wissen Personen. Nachdem die alte Kleidung und die grossen Baͤrte abgeschaft sind, so ist auch das Hauptschlagen nicht sonderlich im Gebrauch, als in den entlegensten Provinzien. Doch ist die Redensart beibehalten, ob gleich weiter nichts als eine tiefe Beugung darunter verstanden wird. Czalo-Byth heist ein Schlag an die Stirne, welcher Name jetzo einer Bitschrift oder Supplik beigeleget wird. Man sagt noch bey Bestellung eines Grusses: Mache meinen Hauptschlag, oder, beuge dich meinetwegen. Ob die Lieflaͤnder in eigentlichem Verstande ihre Haͤupter bey der Audienz schlagen muͤssen, laͤst sich nicht bestimmen. Der Jnhalt der Tractaten ist dieser: Wasili von GOttes Gnaden Kaiser und Herr aller Reussen und Grosfuͤrst, wird im Namen des Meisters, des Erzbischofs und der Bischoͤfe von Liefland, durch die deutschen Boten, Johan Hildorp, Meister Johan Oldensen, Kanzler, Johan Kannen und Kersten Soye ersuchet, sreien Handel und Wandel zu verstat- ten, und daruͤber den Stathalter in Nogarden, Fuͤrsten Daniel Wasilewitz und Gregori Federowitz, wie auch dem Stathalter in Plescow, Fuͤrsten Jvan Mi- chaelowitz, Befehle zuzusenden; welches der Kaiser Wasili auf 14 Jahr zugestehet, vom Tage der Bekantmachung 7017 anzurechnen bis 7031. Den Nogardern wird ein Wegweiser durch Liefland zugestanden, und wenn sie ein Pferd in des Meisters Lande kaufen, giebt der Nogarder fuͤr den Freibrief einen Ferding, fuͤr die freie Ausfuͤhrung aber einen Denning. Beiderseitige Unterthanen aber werden nicht mehr gepeiniget, und geniessen jeder in des andern Landen frey Geleite. Das Kreutz kuͤssete unter andern rußischen Bojaren und Kaufleuten der Aelterman der Kaufleute, Alexei Gregorewitz Kyrilow. Der Brief ist vom 25ten Merz in Grosnogarden unterzeichnet und mit 8 Siegeln versehen. Ein andrer von eben demselben Jahre mit 10 Siegeln, betrift die Handelsfreiheit der plescowischen Rus- sen und ist fast von gleichem Jnhalt. Beilaͤufig laͤst sich anmerken, daß die Lieflaͤnder das Wort Czaar schon damals in ihren Translaten durch Kaiser uͤbersetzet. uns zur Hand gekommenen Proces der alten Zeit erkennen. B hatte ein Urtheil auf ein Gut ge- wonnen; A unterwarf sich nicht, sondern appellirte, wie es die hohen Oberrichter ausdruͤcken, wider dieser Lande Gebrauch, von dem gemeinen Herrn Gebietiger Tag. Nach geraumer Zeit und bey ersehenem Vortheil nahm A den Proces von neuen auf. Der Mannrichter Joban von Buckhorst und seine Beisitzer Bernhard Smerten, Vogt zu Rositen, und Dirik Wrede, Vogt zu Baussenborg, sprachen ihm Ao. 1542 das Gut zu. B ergrief die Appellation; doch Meister Hermann Bruͤggeney bestaͤtigte mit seinen Gebietigern und Raͤthen das vorige Urtheil 1543. Beide Urtheile wurden 1544 auf dem Landtage zu Wolmer wieder umgestossen, und ein neues zum Besten des B von den gevolmaͤchtigten Herren der Kapitel, Gebietiger und Raͤthe der Staͤnde aufgesetzet, welches der Erzbischof Wilhelm, die Bischoͤfe Jost von Doͤrpt, Johan von Curland, und selbst der Meister Bruͤggeney unterzeichnet und versiegelt haben. Und da- bey muste es denn sein Bewenden haben. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1509 auf, lies fuͤr die Kirchen viel Geschmeide und Zierrathen machen, und schenkte der rigischen Domkirche ein grosses silbernes Marienbild. Bey allem diesen Staat lies er volle Magazine und Kasse nach, welches lauter Fruͤchte des Friedens und der bluͤhenden Handlung waren. Der hohe Thurm zu Ronneburg, der nachher einfiel, hies nach seinem Namen der grosse Casper. Plettenberg unterzeichnete am Johannistage Da alle Documente und selbst das rothe Buch die Jahrzahl 1509 haben, so wird beim Kelch S. 165 das Jahr 1516 wol unrichtig angegeben seyn, und die Bestaͤtigung des Hakenrichteramts aͤlter werden. Vielleicht hat Kelch einen eigenen Vertrag mit dem Bischof Johan zu Revel gesehen, den auch Menius S. 12 anfuͤhret. Die Hakenrichter wurden schon 1509 ernennet. eine Einigung wegen der Bauren, welche der revelsche Bischof Gottschalck Hagen mit seinen geistlichen Herren und allen Comturen und Gebietigern von Estland, die von Harrien und Wierland mit eingeschlossen, verabredet hatte. Sie enthaͤlt 17 Artikel, und wird darin den Hakenrichtern die Gerichtsbarkeit uͤber verlaufene Bauren, Fuͤßlinge und Lostreiber mit uͤbertragen. Alle unter 30 Jahren Ver- laufene werden an den Eigenthuͤmer eingeliefert. Wer seine Leute an Hals und Haut richten wil, nimt zwey des Herrmeisters Maͤnner dazu, denen das Land- recht bekant ist. Die Schweden bleiben bey ihrem alten Rechte. Der Hakenrichter sind nur zwey, einer in Harrien und der andre in Wierland, die sich dessen nicht weigern duͤrfen bey 6 Mark Strafe, denen nachher der dritte zu Jerwen beigefuͤget wird. Diese lassen in angeschuldigten Halsverbrechen den Bauren das heisse Eisen tragen; der Klaͤger setzt nach alter Gewonheit eine neue Mark entgegen Zur Probe wollen wir doch dis herrmeisterliche Patent hier volstaͤndig zu lesen geben, so uͤber die Einung oder Jnnung, d. i. uͤber die Statuten fuͤr die Bauren zu Revel am St. Johannis tage nieder geschrieben worden. W ir Wolter von Plettenberg, Meister in Liefland deutschen Ordens, thun kund, bekennen und bezeugen offenbar in und mit diesem Briefe, daß wir mit Wissen und ganzer Vollbort der ehrsamen unserer Gemeine Mitgebietigern eine Einigung gemacht haben zu ewigen Zeiten und Tagen, nach dato dieses Briefes, mit dem ehrwuͤrdigen in GOtt Vater und HErren, Herrn Gotschalck Hagen, Electus der Kirche zu Reval, seinen Nachkoͤmlingen und seinem Capitel, Herrn Abt zu Padis, den Ge- bietigern als zu Vellin, Reval, Pernaw, Lehal, den Comthuren zu Narwe, Wesenberg, Jerwen, Oberpahl, Carkus, Poyde mit ihren Lehnleuten und Untersassen, und mit den gemeinen Rittern, Knechten und Einwohnern in Harrien und Wirland, beide geistlich und weltlich, inmassen als hiernach beschrieben steht, und ist gegeben und geendet nach Christi Geburt 1509 am Tage Johannis des Taͤu- fers, mitten im Sommer. Zum ersten, die Leute und Untersassen, die ihrer Herrschaft entgangen sind, oder hernach noch entgehen werden, wo ihr Herr die Leute spuͤret, mag er zu demjenigen ziehen oder senden, welcher die Leute unter sich hat, eine Zeitlang innerhalb 4 Wochen auszurichten. Waͤre es Sache, daß es nicht geschaͤhe, so sol der Klaͤger zum Haken- richter ziehen, oder schicken; der sol ihm innerhalb den nechsten 14 Tagen eine Zeit le- gen in das Gut, da die Leute seyn, und ihm die Leute mit ihrer Haabe ansantworten, und dazu, alles gewonnene Korn und Heu, ausbeschieden, gelehnet oder geheuret, Queck auch ausbeschieden, was Erd- und Nagelfest ist. Und waͤre es Sache, daß der Bauer Roggen gesaͤet haͤtte, der Roggen sol demselbigen Bauren folgen, und sol den Zehnden der Herrschaft geben, dem das Land gehoͤret. Fortmehr, waͤre es Sache, daß jemand ein Haken Mann zukaͤme, mit allen seinem Gesinde und Hofe, so sol derjenige, da der Mann unter koͤmt, das lassen zu wissen thun demjenigen, dem der Mann entgangen ist, innerhalb 4 Wochen sich mit ihm vergleichen, seinen Willen zu machen, oder den Mann ausantworten sonder Wie- derrede. Waͤre es Sache, daß es nicht geschaͤhe innerhalb sothaner vorbenanten Zeit, und der andre seines Gesindes oder Mannes| nachkaͤme; so sol er ihm den Mann ohne Wiederrede ausantworten, und ob er ihm einige Schuld auferleget haͤtte, der darf er ihm nicht bezahlen. Waͤre . Am Erzbisch. Caspar Linde. zur Zeit der Reg. Wolthers v. Plettenberg. Am Tage des heiligen Moriz publicirte er zu Vellyn auf Ansuchen der 1510 estlaͤndischen Gebietiger in 6 Artikeln eine Landesverordnung, daß niemand zum Scha- Waͤre es auch Sache, daß jemand einen Mann also empfangen haͤtte, und seiner Herrschaft vorberuͤhrter massen nicht lassen zu wissen werden, als vorgeschrieben stehet, und der Mann demjenigen innerhalb der Zeit entliefe, oder nach der Verwarnung; so mag der Klaͤger den Hakenrichter in solchem Termin, als vorgeschrieben stehet, an- sprechen, und lassen sich alsdenn von seinem Wiederpart ein Gesinde wieder ausant- worten mit Land und Leuten so lange Zeit, bis ihm redlich fuͤr sein Gesinde geschehen ist, so gut als das gewesen ist von Mann und von Haabe. Fortmehr, waͤre es Sache, daß ein Mann aus einem Gesinde entliefe und sich zu einem andern fuͤr Knecht vermiethete, komt seine Herrschaft dem Manne nach, kan derjenige der Herrschaft Willen kriegen, daß er seine Zeit ausdiene; so sol derjenige auch gut fuͤr den Mann sagen, da er sich hin vermiethet, oder wil er das nicht thun, so sol er ihm den Mann ausantworten: waͤre es, daß es nicht geschaͤhe, so sol es der Richter thun bey 3 Mark Strafe. Ferner so sol kein Zeichen Macht haben uͤber 3 Wochen allein, darum sol niemand ausgeben denn zu 3 Wochen. Jtem, ob einem ein Fuͤßling oder Lostreiber entgangen waͤre, den sol man gleich den Hakenleuten ausantworten sonder Wiederrede. Ferner, welches Hakenmannes Weib, so geechtiget ist, und von ihrem Manne entlaufen, die sol man wieder alle Rechte ausantworten. Geschaͤhe das nicht, so sol der Hakenrichter sie ausantworten, und derjenige sol 3 Mark verbrochen haben, der das Weib enthalten, das die Rechte mag verpfaͤnden, dessen sol ein Mark fallen an das oberste Gericht, ein Mark den Richter und ein Mark den Klaͤger. Jtem, ob jemand etliche Bauren haͤtte 30 Jahr genossen, die alle ungefordert blieben, von dem Erbherrn, er habe Gewalt oder nicht; aber die Bauren, die bin- nen 30 Jahr verlaufen sind, die sol man ausantworten ohne Wiederrede, wie vorge- meldt ist. Welcher seine Leute an Hals und Haut richten wil, der sol dazu nehmen zwey des Herrmeisters Maͤnner, denen das wissentlich ist, daß das Recht nach einem Landge- richte gerichtet sey oder werde. Die Schweden sollen bey ihrem alten Rechte verbleiben. Waͤre aber ein Schwede, der auf einen Haken wolte ziehen und besitzen, der sol in den Rechten Be- sitz besitzen, gleich einem andern Hakenmann. Jtem, so sol man zwey Hakenrichter setzen, einen in Harrien und einen in Wierland, und die sollen sich dessen nicht weigern bey 6 Mark; und wenn der Haken- richter wird gefordert zu richten, so sol er zwey zu sich nehmen des Herrmeisters Maͤn- ner, und sol nach seiner Sinnigkeit richten als vorgeschrieben, nach Anweisung dieser Einigung, und wer in diesem bruchhaftig wuͤrde nach dieser Einigung, den sol der Richter pfaͤnden auf 6 Mark rigisch. Das dritte Part sol ins Obergerichte fallen, das andre Part sol dem Klaͤger, und ein Part demselbigen Richter. Jtem, wenn der Richter komt zu richten, der sol ihm und seine Mitfolger pfle- gen, wil derjenige solches nicht thun, so mag der Richter sich und die Seinigen selbst pflegen. Waͤr es auch Sache, daß dem Richter oder seinen Mitfolgern einiger Wi- derstand geschaͤhe, derjenige der das thut, sol 10 Mark rigisch verbrochen haben, und das Geld nach voriger Art getheilet werden. Desgleichen sol ein Priester und andre geistliche Leute in dieser vorgeschriebenen Sache ihren Eid thun, als ihnen das in geistlicher Art geziemend ist zu thun. Die Richter in Harrien sollen richten in Harrien, zur Pernaw und Leal, und die Richter in Wirland zu Narva, zu Wesenberg, und zum neuen Schlosse. Ferner der jerwische Richter sol richten in dem Ehsten, als Fellin, Jerwen, Oberpahlen und zum Talckawen, alle vorgeschriebene Bruͤche in drey Parten zu theilen, das eine Part dem obersten Rechte, das andre Part dem Klaͤger, das dritte Part demselben Hakenrichter. Waͤr es Sache, daß ein Mann seinem Herrn entzoͤge, und der Herr ihn beschul- digte, um Diestahl, Mord oder andre Missethat, daß dem Hakenrichter misdeuchte, die Sache anders nicht denn mit dem Eisen zu tragen Nicht nur Papst Honorius verwarf die Probe des gluͤenden Eisens als eine Versicherung GOttes, Z z und entscheiden konte, so sol er dem Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Schaden des lieflaͤndischen Rechts sein Recht freventlich an auswaͤrtigen Orten und ausser Landes suchen, keiner auf die Gebietiger des Ordens, noch auf ehrli- che Frauen und Jungfrauen uͤble Reden fuͤhren, keiner mit alten verlegnen Te- stamenten dreißigjaͤhrige Besitzer beunruhigen, fremde Sachen zum Nachtheil der rechten Erben an sich handeln, noch auf den Bierbaͤnken und in den Kruͤgen Heimlichkeiten ausplaudern solle. Der Uebertreter sol aufs hoͤchste gerichtet wer- den. 1511 Der Ordensmeister hielt sich in Tuckum auf, wo er Sonnabends nach Bartholomaͤi die Verordnung untersiegelte, daß, welcher gute Man ein Haus in Goldingen habe und handle oder kriege, derselbige auch buͤrgerliche Abgaben tragen solle. Donnerstags nach Jubilate unterzeichnete der Herzog Bugslaff zu Stettin fuͤr die Gesandten der Staͤdte Rige, Doͤrpt und Revel das Geleite durch seine Lande. 1512 Weil kein Erzbischof befugt gewesen, zum Schaden seiner Nachfolger ohne paͤpstliche Einwilligung Tafelguͤter zu veraͤussern, dem ohnerachtet aber der Erzbi- schof Henning dergleichen gethan; so loͤsete der Erzbischof Caspar um mehrerer Sicherheit seines Gewissens willen die veraͤusserten Guͤter wieder ein, und unter andern das Gut Audern, welches er vor 4000 Mark rigisch erkaufte, und wieder zur Tafel schlug. 1513 Am ersten Dec. bestaͤtigte der Papst Leo der X te alle Privilegien, welche der deutsche Orden vom Honorius dem III ten an bis auf seine und aller kuͤnfti- tigen Paͤpste Zeiten erhalten hatte, oder noch erhalten moͤchte. Die Hauptsumme aller Privilegien wird unter jedem Papst angefuͤhret. Ein unverwerfllicher Beweis, daß das paͤpstliche Ansehen in Preussen und Liefland sehr gewanket. Leo der X te lies den Landmarschal Johan Plater nach Rom fordern, weil selbiger der Stadt die Guͤter Babat streitig machen wolte. Die Stadt erhielt dem Klaͤger eine Zeit legen, von demselbigen Tage als er ihn ansprach uͤber 6 Wochen, so sol sich der Mann der Zeit der Sache mit einem Eisen entsagen, dem sol der Klaͤger eine neue Mark entgegen setzen nach alter Gewonheit. Ob einem guten Manne sein Bauer entgegen kaͤme, der ihm entlaufen waͤre, den mag er greifen und die Herrschaft aufbieten, auf wessen Land er ihn greifet; und ist die Herrschaft nicht zur Stelle, so sol er denn den Thaͤter aufbieten, so sol die Herrschaft mit dem Thaͤter und das ganze Land dafuͤr stehen Die Schweden nennen das Dulga oder Vertuschungsstrafen, wenn die Einwohner eines ganzen Distrikts, und zuweilen die ganze Dorfschaft auf eine Meile herum von den Gerichten zur Entde- ckung des Thaͤters oder zur Bnsse fuͤr selbigen angehalten wurden. Diese Weise war auch in Liefland, und der rußische Gesandte drang 1558 in Doͤrpt darauf, auf solche Art einem Rus- sen wegen seines erschlagenen Bruders Satisfaction zu schaffen. Wenn Feuer im Walde auskam, oder Holz ohne Erlaubnis gehauen wurde, der Thaͤter aber unbekant blieb, so schritte man zu sel- cher Execution. , daß der Thaͤter ihn zum Buͤrgen nimt, und nimt die Herrschaft oder der Thaͤter ihn nicht zum Buͤrgen, so mag er ihn weg zu Hause fuͤhren, und bricht daran nicht. Diesem zu mehrern Zeugnis der Warheit, und auf daß diese vorgeschriebenen Sachen in allen Artikeln aufrichtig und strenge gehalten werden; so haben wir Bruder Wolter von Plettenberg oben benennet, mit Wissenschaft unsrer ehrsamen Mitge- bietiger, unser Jnsiegel diesem Brief lassen anhaͤngen, der gegeben ist in den Jahren unsers HErren nach Christi Geburt 1509, am Tage Johannis Baptistaͤ, mitten im Sommer. und drohete den Bruͤdern mit der Kirchencensur, wenn sie die neuen| Christen unter den Liven damit beschwerten, sondern auch Kaiser Friedrich der II te, der diese leges paribiles gaͤnzlich ab- schafte. Paribiles hiessen diese Gesetze, von parere, das ist apparere, weil aus dieser Probe die Schuld oder Unschuld des Verklagten gleich erhellen solle. Der paͤpstlichen Verordnung thut Onuphrius Panuinius Erwehnung, und Gregorius der IX te hat sie in das 5te Buch der Decreta- len mit gesetzt. Der Beschuldigte trug ein heisses Eisen mit der Hand auf eine gewisse Weite, oder trat auf ein gluͤhendes Blech, oder ging uͤber etliche gluͤhend gemachte Pflugschaaren. Wer damit gut zurechte kam, der wurde absolviret. Daß die Bauren es noch zu Plettenbergs Zeiten tragen muͤssen, beweiset obige Urkunde. Erzbisch. Caspar Linde. zur Zeit der Reg. Wolthers v. Plettenberg. erhielt sie auf 7 Jahr, und die Einkuͤnfte wurden sequestriret. Nach zwey 1515 Jahren wurden gegen Quitung dem Kapitel 140 Mark, 33 Schillinge und 2 Pfennige, laut der wolmerschen Absprache, abgegeben. Der revelsche Bischof Johan von Blanckenfeld Bey dieser Urkunde ist der bischoͤfliche Titel merkwuͤrdig. Blanckenfeldt schreibt sich nemlich. Wir Johan, von GOttes Gnaden und des heiligen Stuhls zu Rom, Bischof der Kirchen zu Revel, zu allen Staͤdten, Nationen, Landschaften, Staͤnden und Reich, dem allerdurchlauchtigsten Herrn, Herrn Maximilian, gekohrnen Kai- ser, und Christiern, Koͤnig in Daͤnnemark, auch den Churfuͤrsten des roͤmischen Reichs Unterworfnen, und Preussen, Liefland, Litthauen, Schweden, Nor- wegen, Staͤdten und Seestaͤdten, umliegende Oerter, unsers allerheiligsten Vaters des Papstes, und des vorbenamten roͤmischen Stuhls, mit voller Macht eines Lega- ten de Latere, Gottschuf und Orator. Jn der Titelsucht scheint Blanckenfeldt den Bischof Simon von der Borg noch uͤbertroffen zu haben. , verglich sich mit 1516 dem Ordensmeister am Tage Petri und Pauli zu Wolmer auf den Fus, daß alle geistliche Klagen kuͤnftig an die Bischoͤfe verwiesen werden solten. Waͤre auch selbst Klage uͤber den Bischof um Landguͤter und Bauersachen, so muͤste das Loos den Ausspruch thun, im Fal daß 8 Richter sich daruͤber nicht vertra- gen koͤnten. Der Ordensmeister sante seine Gevolmaͤchtigten nach Berlin, welche sich 1518 mit dem Hochmeister zur gemeinschaftlichen Fuͤhrung des Krieges gegen Pohlen verbanden. Kraft dieses Vergleichs schickte Plettenberg einige von seinen Voͤl- kern nach Preussen, deren etliche bey Barthenstein von den Pohlen nieder- gemacht, der Hauscomtur von Riga und der von Goldingen aber gefangen 1520 genommen wurden. Der Hochmeister, Marggraf Albrecht, bestaͤtigte zu Koͤnigsberg auf Michaelis den Mitgebietigern in Liefland, in Betrachtung ihrer bis- herigen vielen Dienste, die voͤllige Gewalt, sich einen obersten Gebietiger oder Ordensmeister nach Belieben zu erwehlen, und nicht mehr zwey Personen in Vorschlag zu bringen, oder sie dem Hochmeister zur Wahl vorzustellen, weil die- ser Zwang in Liefland immer viele Verdrieslichkeiten erreget hatte, und man schon viermal davon abzuweichen gezwungen worden. Doch sol der Candidat eine tugendhafte verdiente Person vom Orden seyn, welche der Hochmeister ohne Aufenthalt confirmiren wil. Hierbey ist zugleich die Ceßionsacte aus Estland, welche Ludw. von Erlinghausen dem Orden in Liefland ausgestellet, voͤllig transsumiret und erneuert, auch noch einmal der Besitz der Lande Estland, Harrien und Wirland, nebst den Schloͤssern und Staͤdten Revel, Narva, Wesenberg und Tolsburg mit allem Zubehoͤr bestaͤtiget worden. Unterschrie- ben haben nebst vielen andern Friedrich Truchses, Herr zu Waldburg, un- ser Compan, und Simon von Drache, Groscomtur Russov und nach ihm Chytraͤus setzet hierzu das 1513 Jahr, welches Menius S. 11 in 1521 verabredet. Hiaͤrne, welcher viele Abschriften gegen einander gehalten, und hernach das Original gesehen, findet 1520, womit die uͤbrigen Abschriften uͤberein- stimmen. Plettenberg lies durch seinen Kanzler Magnus Renneberg den Erzbi- schof Caspar um ein Transsumt von diesem Briefe ersuchen, welches dieser auch durch seinen Stiftskanzler, Wolfgang Loß, abnehmen lies, unterm 28ten Octob. 1521. Der Erzbischof heist der Allerehrwuͤrdigste, der Meister, der Hochwuͤrdigste und Gros- maͤchtigste. . Die Kreutzkuͤssung eines neuen Kaufmansfriedens geschahe auch in diesem 1522 Jahr durch Johan Buck, Arend von Lohne aus Doͤrpt, wie auch durch Johan Brandt und Johan Roͤtcher aus Revel, im Namen der 73 Staͤdte. Die Grenzen im Narva strohme werden nach den alten Kreutzbriefen bestimmet. Die Nogarden geben fuͤr die Waaren, so aus den deutschen Schiffen in die Lodigen geladen werden, keinen Zol noch Wagegeld, und erhalten auf Begehren Tolck (Dolmetscher) und Wegweiser. Die Deutschen geniessen Z z 2 in Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1522 in Rußland gleiche Freiheit, nur daß sie kein Salz in Rusland fuͤhren. Die auswertigen Gesandten haben freien Pas und Geleite. Ein Deutscher, so ei- nen Russen an den Bart greift, ist nach dem alten Rechte bruchfaͤllig. Nach Verlauf des vor 14 Jahren getroffenen Friedens ward auch zu Ples- cow ein neuer errichtet. Der rußische Kaiser Wasili, die Fuͤrsten Alexan- der Wolodemirewitz, Michael Wasilewitz und Peter Simonewitz, nebst den Elterleuten zu Plescow, bezeugen, daß von dem edlen Fuͤrsten zu Liefland, Wolthern von Plettenberg, Boten gekommen, nemlich Timen von der Borch, und Johan Lode, welchen auf 10 Jahr, nemlich von 7030 bis 7040, folgendes zugestanden worden: Keiner sol auf der plescowi- schen See in des andern Grenzen fischen, und kein Deutscher auf dem Klit- sari Holm treten. Wer auf fremd Wasser und Land trit, dem sol man das Leben nicht lassen. Die Plescower koͤnnen in den Buͤschen an der Embach ihr Holz ungehindert hauen. Das alte, wie es Kaiser Jvan und sein Sohn der Kaiser Wasili angeordnet, bleibet ungeaͤndert. Die rußischen Kirchen GOttes sollen nicht beschaͤdiget, das Geraubte aber derselben nach der Kuͤssung des Kreutzes erstattet werden. Welcher Deutsche dem Plescower seinen Bart ausrauft, sol hart gestrafet werden. Jvan Constantinowitz, Herr- meister Vielleicht ist dieses ein Fehler des Abschreibers. Man hat von diesen Friedensvertraͤgen Abschrif- ten in rußischer und deutscher Sprache. Die deutschen Uebersetzungen aber klingen so rauh und unverstaͤndlich, daß man an den mehresten Orten kaum einen ordentlichen Verstand heraus bringen kan; welches sich leicht begreifen laͤst, da schon deutsche Originale von diesen Zeiten et- was unverstaͤndlich fallen, zumal wenn die Verbindungswoͤrter und Unterscheidungszeichen in der Rede fehlen, wie vielmehr also die Uebersetzungen? Es bleibt also die Frage, ob das Original oder die Uebersetznng Schuld habe, wenn Venator und Kelch von einigen rußischen Antworten berichten, daß sie weder gehauen noch gestochen gewesen. zu Grosnogarden, hat sich noch unterschrieben. Die Siegel des Czaars, Erzbischofs und des Ordensmeisters sind angehengt; Plettenbergen aber wird der Titel des Vorstenmeisters beigeleget. Nachdem GOtt in Deutschland durch sein gesegnetes Ruͤstzeug D. Mar- tin Luthern, das Licht des Evangelii angezuͤndet hatte, so drang der Glanz desselben auch in Liefland, und zeigete nach so langer Finsternis eine angenehme Morgenroͤthe. Man hatte sich nach dem Anbruch dieses Tages lange gesehnet, allein viele waren daruͤber hingestorben, indem der Papst so wol, als die Bi- schoͤfe in Liefland, die Untersuchung der herschenden Misbraͤuche der Religion, auf so vielfaͤltige Beschwerden der Buͤrgerschaft und anderer redlich gesinten Leute, auf ein algemeines Concilium aussetzte, welcher Punkt seit vielen Jahren in allen Huldigungsbriefen und oͤffentlichen Landesrecessen war versprochen worden. Bey den Greueln aͤrgerlicher Menschensatzungen, hatten die aus Riga kein Herz mehr ihre Kinder den Moͤnchen zur Unterweisung anzuvertrauen, und schickten selbige auf die damals beruͤhmte Schule zu Treptow in Pommern, woran Jo- han Bugenhagen und Andreas Knoͤpken, zwey treue evangelische Lehrer, als Arbeiter stunden. Der caminsche Bischof, Erasmus Manteufel, ver- jagte diese wuͤrdigen Bekenner der unverfaͤlschten Lehre Christi und seiner Apostel; daher Knoͤpken mit seinen Schuͤlern sich nach Riga wandte, und seinen Bru- der Jacob Knoͤpken, einen rigischen Domherren besuchte. Man berief ihn gar bald zum Archidiaconus an die Peterskirche, in welcher er am 23ten Octob. 1522 seine Antritspredigt hielt. Seine Bescheidenheit und sein sanftmuͤthiger Sinn erweckte ihm bey den Buͤrgern Liebe und Zuneigung, und selbst bey denen eine Hochachtung, die aus besondern Absichten mit ihrem Beitrit zur evangeli- schen Kirche an sich hielten. Einige nennen ihn mit Grunde den rigischen Apostel, dessen schoͤne Kirchengesaͤnge vol Geist und Glauben sind, wovon unter vielen andern das herrliche Lied: HErr Christ, der einige GOttes Sohn, zum Beweise dienet. Er lies sich so gar mit den Moͤnchen in eine Disputation ein, welche unter Beisitz und Schutz des Buͤrgermeisters Conrad Durkop, in dem Chor der Peterskirche gehalten wurde, wobey er vielen Ruhm erhielt. Diesen Erzb. Caspar Linde. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. Diesen erwuͤnschten Anfang unterbrach ein Zufal, welchen jedoch die goͤttli- 1522 che Regierung zur weitern Befoͤrderung der reinen Reiligion zu lenken wuste. Knoͤpken erhielt aus Rostock einen Mitarbeiter, der eine Erbschaft von seinem Bruder zu heben ohngefehr angekommen war. Dieser war Sylvester Teget- meier, ein Mann von grosser Beredsamkeit, gewesener Prediger an der Jaco- bi gemeine zu Rostock; welcher den ersten Advent seine erste Predigt uͤber Luc. XIX, 6 in der Jacobi kirche gehalten. Seine zu hoch gespanten Ausdruͤcke und uͤbertriebenen Redensarten von der evangelischen Freiheit, und von dem Goͤtzen- tand und Misbrauch der Bilder, wurden von dem gemeinen Mann noch unrich- tiger verstanden, welcher daraus Anlas zu vielen Ausschweifungen nahm, seinen Eifer an den Bildern auslies, die Leichensteine zerbrach, und dadurch bey andern, die vielleicht noch zu gewinnen gewesen waͤren, viel Aergernis anrichtete Weiter findet man von den Umstaͤnden des Anfangs der Reformation in Liefland nichts gemeldet, so daß sich der P. und Prof. des rigischen Gymnasii M. Johan Brever in seiner memoria reformationis in eccl. Rigensi, Rigae 1680, blos mit dem- jenigen behelfen muͤssen, was Chytraͤus uns aufbehalten. Bey den Kirchen selbst ist keine weitere Nachricht befindlich. Tegetmeier schreibt von sich, daß ihn der Magi- strat zu Doͤrpt 1525 durch den Stadtsecretair Joachim Sassen auf Mariaͤ Rei- nigung nach Doͤrpt holen lassen, um weitere Anstalten zur Aufnahme der evangelischen Lehre zu machen, wo er 4 Wochen lang taͤglich geprediget, und den Propheten Mala- chias in lateinischer Sprache erklaͤret. Ein andermal muste er mit den rigischen Deputirten nach Wolmer auf den Landtag gehen, wo ihn Plettenberg etlichemal predigen lassen, und in Schutz genommen, obgleich die Bischoͤfe auf seinen Arrest ge- drungen, und die Dominikaner ihm wirklich aufgelauret. Die Stadt Riga hatte den ehe- maligen erzbischoͤfl. Kanzler und ihren nachmaligen Sekretair M. Johan Lohmuͤller an D. Luthern gesandt, und ihm von dem vorgefallenen benachrichtiget, welcher nicht nur Knoͤpken ein gut Zeugnis gab, sondern auch gute Erinnerungen ins Land schickte. So befindet sich in Lutheri Tischreden unter den Prophezeiungen der Ausg. Dresden und Leipzig 1723, eine Warnung an die Lieflaͤnder, ingleichen in der leipziger Aus- gabe seiner Werke von 1730 VI Band S. 550 die Auslegung des 127sten Psalms an die Christen zu Riga, von 1524; B. XIIX, S. 487 ein Ermahnungsschreiben an alle Christen zu Riga, Revel und Doͤrpt, von 1523; B. XIX S. 347 eine Ermah- nung an alle Christen in Liefland, vom aͤusserlichen Gottesdienst und Eintracht, 1525. Mehrere Briefe an D. Brisman stehen im ersten Bande der Act. Boruss. S. 793 sqq. Auf der rigischen Stadtbibliothek liegen noch ein paar Briefe von Luthers eigener Hand, deren Jnhalt sehr kurz und zu speciel, auch von keiner Wichtigkeit ist Der deutsche Brief Luthert vom Donnerstage nach Bartholomaͤi 1540 ertheilet dem Rath zu Riga die Nachricht von der Lehre und dem Leben des Magister Engelbrechts. Der lateinische ist an Georgium Sicambrum, einen Prediger, gerichtet, welcher in schwere Anfechtungen gerathen, und daher von Luthern kraͤftig aufgemuntert und getroͤstet wird. Wittenberg, feria 6 post purificationis 1540. Der dritte vom letzten October 1537 an einen E. Rath in Sa- chen zwischen Johan Kannengiesser und Barbar Goͤche, ist eine blosse Abschrift, und betrift die Ehescheidung. . Daß die Herren Meister von Liefland dieses theils aus Klugheit, theils aus Ueber- zeugung von der gerechten Sache, ungehindert geschehen lassen, ist hoͤchst erweislich. Jeder Meister muste vor der Huldigung die Lehre des Evangelii zu schuͤtzen versprechen. Daß die Bischoͤfe von den Pfaffen selbst der vermeinten Ketzerey wegen beschuldiget worden, wird sich weiter unten zeigen. Knoͤpkens Verdienste um die Reformation in Pommern und Liefland erzehlet Thuanus B. XXI. Nach Chytraͤi Bericht brachte er den 1, 3, 23, 25, 33, 116, 125, 133 und 146ten Psalm in deutsche Verse, und verfertigte noch die Lieder: Was kan uns kommen an vor Noth ꝛc. Von allen Menschen abgewandt ꝛc. Hilf uns in deinem Namen. ꝛc. . Sei- ne Amtsgaben machten ihn indessen doch zu einem brauchbaren Manne, wie sein eigner Aufsatz von seinen merkwuͤrdigen Lebensumstaͤnden bezeuget Jn denen noch unausgerissenen Blaͤttern seines Buchs ist folgende Nachricht aufbehal- ten worden. Jnt . Der- A a a Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1523 Dergleichen Verfahren muste bey dem Erzbischof Caspar ein grosses Auf- sehen machen. Er verwarf nicht nur die Bitte des Raths, welcher ihm vorstelte, um des Heils so vieler Seelen willen selbst eine Reformation vorzunehmen, son- dern sandte auch heimlich drey Monche an den kaiserlichen Hof, die bey dem kai- serlichen Statthalter, Marggraf Philip zu Baden, einen Befehl auswuͤrkten, daß in Riga alles, bey Strafe der Oberacht, in vorigen Stand solte gesetzt werden. Die Rigischen pasten diesem unaluͤcklichen Boten auf der Ruͤckreise auf; und weil der eine bereits zu Duͤnemuͤnde ans Land getreten, so holtensie die beiden andern vom Schiffe, von denen einer uͤber ein Jahr im Gefaͤngnis sas, der andre Burchard Waldis aber nach etlichen Wochen los kam, weil er nicht mehr Lust zur catholischen Religion hatte. Der Schloshauptmann zu Riga, Hermann Hoyte, sandte eine Knotenpeitsche Diese Knotenpeitsche wird auf dem Hause der Schwarzenhaͤupter in Riga noch gewie- sen. Ueber der Stiftspforte steht auch noch das kleine eiserne oder bleierne Maͤnchen mit der Peitsche eingemauret. Der Jesuit Conrad Vetter, giebt vor, daß die Pa- pisten damals wirklich zu diesem Thore hinaus gepeitschet worden. Und so war es auch bey dem Kaiser angebracht worden. Allein die Umstaͤnde, unter welchen der Auszug geschehen, zeigen es anders. Daß die Jesuiten so gar bey dem Kalenderstreit 1587 nicht hinaus gepeitschet worden, sondern auf Vorstellung des Raths selbst weggezogen, erweiset der beruͤhmte Herr Conrector an der rigischen Domschule und Bibliotheca- rius Willisch, in seiner 1743 in Fol. in Druck gegebenen Nachricht von der Stadt- bibliothek, aus einer alten Handschrift. Es ist zu bewundern, daß die Pohlen we- der die Peitsche abfordern, noch das Wahrzeichen uͤber dem Stiftsthore herunter neh- men lassen. Jn den Buͤchern der kleinen Gilde ist zwar bey dem Namen des Elter- mans Heinrich thor Weide, beigeschrieben, daß dieser Mann 1587 in eigner Person, in Begleitung zweier Prediger und zweier Herren des Raths, die Jesuiten austreiben helfen; allein daraus folget noch nicht, daß es mit der Peitsche geschehen. Die Stadt entschuldigte sich, daß sie zwar dem Koͤnig versprochen, einen Pleban und etliche andre catholische Priester einzunehmen, nicht aber die Jesuiten, als welche die Ursache des Tumults waͤren, auch sich gegen den Contract mit Gewalt eingenistelt. Die Jesuiten musten diesen Beweis damals 13 Jahr lang gelten lassen. auf das Schwarzehaͤupterhaus, und lies daselbst der versamleten Buͤrgerschaft ansagen, diese Karbatsche gegen die Pfaffen und Moͤnche zu brauchen, wenn sie Friede haben wolten. Die Cle- risey zog aber lieber am Charfreitage mit fliegender Fahne und harten Drohworten freiwillig aus der Stadt, kam aber, als der erste Schrecken voruͤber war, einer nach dem andern in aller Stille wieder zuruͤck. Diese so geschwind zuruͤck gekommenen Pilger lagen dem alten Erzbischof Caspar so lange in den Ohren, bis er sichs gefallen lies, den doͤrptischen Bischof Johan zu seinem Coadjutor zu nehmen, wogegen doch die Stadt auf des Erzbischofs Anfrage einwandte: wofern der neue Stuhlfolger nicht ange- lobte, die Lehre des reinen Evangelii zu beschuͤtzen, so waͤre sie nie gesonnen, ihn fuͤr ihren Erzbischof zu erkennen und anzunehmen. Die Ritterschaft that dieses Jahr dem Verkauf verschiedener Guͤter in die sa- mende Hand, durch eine zu Lemsel aufgerichtete Vereinigung Einhalt, so ihnen gleich Jnt Jahr 18 up Paschen toch ick wedder na Rostock, alß Carlstadt syne positiones tho Lipsick disputerde, unde wort Magister int Jahr 19 des Sondages vor Cathedra Petry. Den Sommer was ick Disputator im roden Lauwen. Jnt Jahr 20 up Paschken wart ick Capelan tho Rostock im Dohm. Doctor Bartholdus Moller was Kerckher. Jn dem Winter wart die Bulle afgekuͤndiget, darinne verdammet wardt Martinus Luther dorch Befehl Sutfeldus Warenborch, de Administra- tor Swerinensis, unde was de erste Verkuͤndigung der Bullen. Ao. 1522 korth vor Michaelis kam ick tho Riga, fandt vor my Herr Andream Knoͤpken, Capelan tho S. Peter. Mynen ersten Sermon dede ick tho Riga am ersten Suͤndage im Advente tho Suͤnte Jacob. Ein mehrers siehe in den Neben- anmerkungen vom Jahr 1525. Erzb. Caspar Linde. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenderg. gleich darauf durch obrigkeitliches Ansehen versichert worden. Die Vereinigunge der Landschaft auf die neuen Mannlehns Rechte, genant die Gnade, mit Erbunge, Verkaufunge und anderer Veraͤusserung der Guͤter, wider die samende Hand. W issentlich und offenbar sey allen und jeglichen, die diesen offenen versiegelten Brief se- hen, hoͤren oder lesen, daß die ganze Gemeine der Ritterschaft der heiligen Kirche und Stifts zu Riga, nemlich allen, die in der Gnaden und neuen Lehnrechte sitzen, und in der Gnade Guͤter haben, zusammen getreten und sich beschweret, daß uns zum gaͤnzlichen untergaͤnglichen Misgedeihen und Verderben, die Guͤter, die in der samenden Hand gelegen, verringert, und daraus in die samende Hand merklich gebracht, dadurchdie samenden Handesguͤter treflich vermehret, und die Gnadenguͤter uns und unsern Nachkoͤm- lingen, Kindern und Erben zum Misgedeihen, hoch und viele entzogen, und noch von den Besitzern der samenden Hand, alle eintraͤchtiglich offenbar in diesem Manntage uns von unsern Gnadenguͤtern in die samende Hand zu bringen, treflich be- fleißiget worden, welches wir alle eintraͤchtig zu Herzen genommen, und dem Abbruch unser und unsrer Kinder und Nachkoͤmlinge vorzukommen, treulich bewogen, drum haben wir alle, wie vor beruͤhret, ein jeder insonderheit im Rathe ganz nothduͤrftig be- funden, und eintraͤchtiglich beschlossen, verwilliget und eingegangen, bey guter Treue und Christenglauben untereinander zu halten belobet, daß wir die Gnadenguͤter aus der Gnade in die samende Hand nicht verkaufen, versetzen oder verpfaͤnden wollen. 1. So jemand durch Noth oder Schulden halben seinen Hof und Guͤter zu verkaufen, zu versetzen oder zu verpfaͤnden, gedrungen wuͤrde, sol und wil derjenige, der das Seine zu verlassen geneigt ist, uns saͤmtliche, die in den Gnadenguͤtern sitzen, wohnen und gebrauchen, zu rechten Zeiten, nemlich ein Jahr, aufs wenigste ein halb Jahr, zuvor ansagen, oder ansagen lassen, so wollen wir ihm einen von uns, der ihm seinen Hof oder Gut abkaufet, oder abpfaͤndet, in der Gnade zu behalten, vor einen moͤgli- chen Pfennig schaffen, und derhalben Schadlos halten. 2. Waͤre es aber, daß je- mand von uns uͤber diese vorgeschriebene eintraͤchtiglich feste Verwilligung sein Hof und Guͤter aus der Gnade verkaufte, verpfaͤndete oder vor die samende Hand braͤchte, der- selbe wil und sol dieselbigen Guͤter zu unsern gemeinen Besten, damit wir diese unsre Sache behaupten und behalten moͤgen, unwiderruflich nach geistlichen und weltlichen Rechte bey Ehre und Treue verfallen seyn. 3. Ferner so es sich nach dem Willen GOttes begaͤbe, daß von unsern Toͤchtern aus der Gnade in die samende Hand bera- thet wuͤrden, denselben sollen und wollen wir oder unsre Nachkoͤmlinge, keine Hoͤfe noch Guͤter mit geben, sondern was den Jungfrauen und Witwen gehoͤrt, am Gelde zukehren, angesehen die Besitzer der samenden Hand ihre Guͤter zur Vermehrung und Gedeihen vor sich und ihre Erben treflich bewahret haben. 4. So es auch kaͤme, daß ein Mann verstuͤrbe, und liesse nach Hof, Guͤter und liegende Gruͤnde, und haͤtte sei- ne nechsten Freunde und Erben, die solche Guͤter erben moͤchten, in der samenden Hand besitzlich, sol das den andern nechsten Erben, die in der Gnade sitzen, mit Gel- de, so hoch als die Guͤter gekauft, und in solchen Terminen, als die Bezahlung der Guͤter geschehen, abgelegt und entrichtet werden, und sollen sothane Guͤter unsrer Gna- den und neuen Mannslehnrechte zum Vorfang in die samende Hand zu erben nicht maͤchtig seyn, in Ansehung des verschiedenen Abbruchs, der bisher durch die samende Hand den Gnadenguͤtern geschehen ist. 5. Es sol auch dieser vorgenante Artikel, auf daß hier nochmals kein Zweifel oder Zwist daraus entstehe, also verstanden werden, daß der nechste Freund in der Gnade sol den in der samenden Hand ablegen, mag der nechste Freund heissen bis ins 5te Glied, so in das erste, andre, dritte, vierte Glied niemand waͤre, und sothane Guͤter in der Gnaden erben und behalten, so wol maͤnnli- chen als weiblichen Geschlechts (koͤnne.) Dieses alles angesehen treulich nothduͤrftig zu Herzen genommen, reiflich erwogen, haben wir alle eintraͤchtiglich, ein jeder inson- derheit, wie vor geschrieben stehet, nichts nicht ausgenommen oder ausgesondert zu halten gelobet, und so unser einer durch dieser Sachen halben von unsern Misgoͤnnern beein- traͤchtiget und beschaͤdiget wuͤrde, so wollen wir ein jeder insonderheit demselben in ge- meldten unsern Sachen beipflichten, treulich ohne einigerley Hindernis bestaͤndig, ein- traͤchtig und nach Nothdurft helfen, weil diese Sachen nicht einen sondern uns alle be- treffen. Die wir nochmals alle Artikel und Punkte, einem jeglichen besonders, bey guten treuen christlichen Glauben vor uns und alle unsre Nachkoͤmlinge und Erben staͤt und . Der Erzbi- 1524 schof gieng auf Petri und Pauli aus dem Getuͤmmel zu seiner Ruhe, und ward A a a 2 im Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1524 im Chor des Doms, am Abend Kiliani, unter einen meßingenen Grabmal begraben. Jhm folgte also sein erwehlter Coadjutor, bisheriger 8 Jahr regieren- der Bischof zu Revel und Doͤrpt, Johan Blanckenfeld, von Geburt ein Berliner, welcher Doctor und Professor der Rechte auf der Universitaͤt zu Frankfurt an der Oder gewesen, und sich bey einem hohen und herrschsuͤchtigen Geiste zu den Ehrenstellen, die er bekleidete, empor geschwungen. Er dachte sich durch sem Ansehen mit einer vorher uͤbersandten seichten Bestaͤtigung aller ri- gischen Privilegien, die Pforten der Stadt zu eroͤfnen, und begehrte auch die Erstattung zweier Kirchen. Jn Lemsel setzte er den Stadtprediger aus dem Dienste. Jn seiner Residenzstadt Kokenhausen verjagte er so gleich die beiden Prediger Bernhard Bruͤgmannen, Paul Bloshagen, und den Rector der Schule Gisbert Schoͤslern, da er doch den Kokenhaͤusern alle Reli- gionsfreiheit versichern lassen. Aus diesem Betragen lernten die zu Riga den Erzbischof kennen, und wandten sich an ihren beliebten Herrn Meister, dem sie mit Ausschliessung des Erzbischofs allein die Huldigung leisteten, und sich ver- pflichteten, mit ihm gegen alle Einsprache gemeinschaftliche Sache zu machen. Blankenfeldds doppelte Botschaft wiesen sie zuruͤck, woruͤber den Domherren in Riga der Muth dergestalt entfiel, daß sie mit Sack und Pack heimlich weggien- gen, auch das Geschuͤtz von dem Thurm und den Mauren hinter sich nachkommen lassen wolten, welches aber der Rath hinderte, und alle liegende Gruͤnde, Haͤu- ser, Muͤhlen, oder was sonst bey der Stadt lag, sequestrirte, den Domher- ren aber doch freies Gewerbe in der Stadt zu treiben erlaubte. Jn und feste, ohne einige Arglist oder Behelf unwiederruflich, ein jeder insonderheit zu halten angeloben. Zu mehrerer Urkunde und Befestigung der sichern Warheit haben wir alle und ein jeder bey sich die in der Gnade Guͤtern sitzen, und wohnen rechtes Wissens, vor uns und unsre Erben unser angeboren Jnsiegel hier unten an diesen Brief ein jeglicher unter seinen Namen gehaͤnget, der gegeben und geschrieben ist in dem Mann- tage zu Lembsel in dem Jahre unsers HErren, Tausend, Fuͤnfhundert und Drey und Zwanzig, Freytags nach Laͤtare Ohnerachtet des Widerspruchs welchen die vier Familien in dem Rechte der samenden Hand, nemlich von Tiesenhausen, von Ungern, von Rosen und von Yrkuͤl, wider diese Vereinigung thaten, bestaͤtigte der Erzbischof Caspar dieselbe dennoch Donnerstags nach Mariaͤ Himmelfahrt, auf Ersuchen der 4 Deputirten 1523 zu Ronneburg, und von neuem der Erzbischof Johan, Dien- stags nach Petri Kettenfeier 1524 zu Lemsel, zuletzt der Kaiser Carl der V te zu Speyer, den 17 Sept 1528, welche kaiserliche Generalconfirmation auf dem Reichstage durch den Pfalzgraf Friedrich, des Kaisers Statthalter ausgefertiget, und von der polnischen Revisionscommißion den 9ten Octob. 1599, mit dem Vidimus versehen worden. Seine Andacht, der Erzbischof Tho- mas, hat diese Bestaͤtigungen zusammen Donnerstags nach Martini 1531 ausm Schlosse Koken- hausen in ein Transsumt gezogen. . Andreas von Patkul, Ridder Friedrich Plater, Vogt zu Kockenhausen. Reinhold Gutzleff. Claus Hastfer. Hans Koßkuͤl, Man- richter. Bartholomaͤus Patkuͤl, Toͤnnis Aderkas. Juͤrgen Berlin. Berthold Schwarthof. Witzand Gutzleff. Johan Noͤrken, der juͤngere. Wulff von Plettenberg. Meyneke von Schier- stede, Hofmeister. Juͤrgen von der Pahl. Johan von der Pahl. Dirich Uxkuͤll. Frantz Blanckenfeldt. Hans Massaw. Bertram Orgies. Reinhold Orgies, Heinrich Vietinghof, von Tepel. Kersten von der Pahl. Dirich Aderkaß. Johan Albedyl. Juͤrgen Kruͤdener, Vogt zu Treyden. Goͤdert von Nagel, Stiftsvogt zu Kocken- hausen. Hinrich Wrangel. Claus Uxkuͤll. Hinrich Saltze. Ernst von Mengden. Kersten Gutzleff. Reinhold Koßkuͤll. Johan Plater. Karsten Hane. Toͤnmes Vagt (Vaget) Erzb. Blankenfeld. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. Jn Revel trieben die redlichen Knechte GOttes, Zacharias Hasse, Jo- 1524 han Lange und Heinrich Boͤckhold, das Werk des Evangelii mit vielem Segen; so wurden auch die Einwohner auf Oesel gegen die reine Lehre geneig- ter, und nahmen sich derselben mit sonderbarem Eifer an. Der oͤselsche Bischof Johan Kiewel begnadigte sein Land mit dem so be- ruͤhmten Freiheitsbriefe, welchen er am Donnerstage nach Luciaͤ zu Hapsal ver- siegelte. Der weitlaͤufige Jnhalt desselbigen laͤuft auf folgende kurzgefaste Punkte hinaus. Die Tafelguͤter fallen nach dem Lehnrechte wieder ans Stift. Der Adel ist frey vom Aufgebot, und kan seine Guͤter nach Belieben verkaufen. Das gnadenreiche Wort GOttes und des heiligen Evangelii wird nach Jnhalt des neuen und alten Testaments gelehret, wie es Christus selbst geprediget. Der Bischof wil gute Pastoren auf den Kirchspielen verordnen, die alda ihren unter- thaͤnigen Schaͤfgen, den armen Bauren, den christlichen Glauben lehren, das heilige Evangelium predigen, und den Kirchspielen sonder einige Beschatzung, Redlichkeit thun. Die Ritterschaft praͤsentirt fromme und gelehrte Leute dazu, welche nach ihrer Verhoͤrung vom Bischof und Kanzler wohl bestaͤtiget werden und auf den Pastoraten bleiben, so lang sie nuͤtzlich seyn. Der Bischof und das Ka- pitel koͤnnen zu Rechte geladen werden, es mus aber durch vier geschworne Raͤthe des Kapitels, und 10 Geschworne von der Ritterschaft geschehen, doch behalten sie sich die Appellation an den roͤmischen Kaiser vor. Jeder bindet seine Waffen ab, wenn der Feind gebannet und man vor Gerichte ist. Die Praͤbenden bleiben bey denen von Adel auf ewig, sie muͤssen aber auch ihre Kinder fleißig zur Schule halten. Die Ritterschaft ist der Warte und Wache frey, darf aber nicht auser- halb Landes dienen. Der grausame Mord und Todtschlag wird peinlich bestra- fet. Zuletzt verspricht der Bischof diesen Brief auf Pergament auszustellen, den man in Ermangelung desselben itzo auf Papier gesetzet. Kaiser Carl der V te be- staͤtigte ihn am 30 Octob. 1527 zu Speier, auf Ersuchen der oͤselschen Dom- herren, Georgs von Ungern, von Puͤrkel und Johan Balcks zu Oesel. Ein gleiches that das Jahr darauf auch der Erzbischof Georg von Tiesenhau- sen zu Hapsal, am Tage Mariaͤ Reinigung. Der Bischof nennet sich aus Gnaden der kaiserlichen Majestaͤt in der Wyck und auf Oesel Fuͤrst. Der rigische Erzbischof Blanckenfeld war bisher vom Herzog Albrecht 1525 in Preussen angegangen worden, dessen Bruder, den Marggraf Wilhelm von Brandenburg, bisherigen Domherrn der Stifte Mainz und Coͤln, zu seinem Coadiutor in Vorschlag zu bringen. Wilhelm stelte sich auch auf dem Landtage zu Wolmer mit vortreflichen Empfelungsschreiben ein, in Hofnung, daß ihm viele Stimmen zu Theil werden solten. Allein die Religionsstreitigkeiten hinderten alles, und der Marggraf muste viele Jahr auf die Coadiutur das Nach- sehen haben, weil selbst der Erzbischof in Verdrus kam. Denn Blancken- felds uͤbermuͤthiges Betragen und unzeitiger Eigensin zog ihm den Has des ge- samten Volks auf den Hals, so daß an seinem Ungluͤck nichts mehr fehlte als die Beschuldigung eines heimlichen Verstaͤndnisses, welches er mit den Russen haben solte. Man sprengte aus, er habe den Czaar aufgehetzet, die Evangelischen we- gen Niederreissung der griechischen Kirche abzustrafen, und deswegen mit den Doͤrptischen und dem Orden anzubinden. Kaum hatte man angefangen dieses auszustreuen, als die doͤrptische Ritterschaft von der Partey ihres Bischofs ab- trat, und sich der bischoͤflichen Schloͤsser bemaͤchtigte. Der Adel des Erzstifts fand es fuͤr noͤthig, sich Blanckenfelds eigner Person zu versichern und nahm ihn Freitags vor Weihnachten zu Ronneburg in Verhaft, alwo er uͤber ein halb Jahr auf seine Freiheit wartetete. Doch kam Blanckenfeld dismal noch gut von Wolmer weg Hier komt uns Tegetmeiers fernerer Aufsatz zu statten, weil er mit zu Wolmer gegenwaͤrtig war. Wir wollen denselben mittheilen, nur ist zu merken, daß man unter dem Bischof zu Riga B b b den . Frei- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1525 Freitags auf Fabian und Sebastian trug der Hochmeister Albrecht dem ehrwuͤrdigen und geistlichen Herrn Wolter von Plettenberg, obersten Gebie- tiger in Liefland in Betrachtung seiner dem preußischen Orden geleisteten Willigkeit, Guͤte und Treue die voͤllige Oberherschaft uͤber Wirland, Har- rien und Allentaken auf, wobey zugleich die vorigen Abtretungsacten beigele- get und mit versiegelt sind, geschehen zu Memel Der Handel war schon vor 5 Jahren zu Koͤnigsberg geschlossen. Der Hochmeister konte damals wegen des Krieges die Ordensbruͤder nicht zusammen haben, und also der Gewohnheit nach nicht das grosse sondern nur das kleine Ordenssiegel gebrauchen. Plettenberg besorgte nicht ohne Grund, die hochmeisterlichen Nachkommen wuͤrden davon . Den den Marggraf Wilhelm, unter dem doͤrptischen aber Blanckenfelden zu verstehen hat, wel- chen Namen man ihm in Riga gab, weil ihn die Stadt noch nicht fuͤr ihren Erzbischof erkante. Jnt Jahr 1525 kort na Wynachten wolde des Bischops Vaget tho Dorpat Melcher Hof- mann einen Koͤrschner fangen nehmen. Darumme dat he dat Evangelium predigte, wortho kemen de Boͤrger und jungen Gesellen sick des Vagedes tho wehren, dat von der Boͤrger Syden 4 doth bleven, 2 Duͤtschen und 2 Unduͤtschen. De Vaget kam upt Schloth, da trat de gemen- de, unde brecken alle Kerken up, schlogen entwey alle Bilde unde Tafeln, in Suͤnt Peters Ker- cken verbrende se alle Tafeln, unde schlogen alle Schappe darup: darna leden se Knechte yn, de kemen von Revel int Schlot, dat nehmen se yn. Jtem Anno 25. des Donnersdages na der Bekehrung Pauli, ta ging von Riga na Dorpt met Jochum Sassen de Stadt-Schryver, und kam dar am Avente Lichtmessen, des andern Dages predigte ick 2 mahl, wie de Rath und de Gemende von my begehrde, was dar ewen 4 Wecke, predigte alle Dage und laß Malachiam latine, beth up den Dingsdag vor Ascherdag, do reisede ick von da, kam tho Riga des Sonnavens Jnvocavit. Anno 25 des Dienstags vor Petri und Pauli reisde ick von Riga met den Geschicketen dersuͤl- wen Stadt Riga na Wolmer thom Landts-Dage, welcher geschah up visitationis Mariae, dar kam ick des Donnerstags up Petri und Pauli, an demsuͤlwen Dage kam de Herr Meister Wolt. von Plettenberg ock dar. Des andern Dages hof ick an tho predigen uth Verloͤw des Her Mei- sters dat Evangelium Matt. 19: Sehet wie hebbent alles verlahten. Des Sonnabends predig- te ick dat Evangelium Matt. 21: Myn Huß ist en Bethhuß. Jn dessen 2 Dagen leth my de Her Meister beschicken, ick wolde ia neuen Uprohr maken, man sege well, wo de Buren upstun- den gege ete Herren. Des Sondages wolde wy hebben de duͤtsche Misse gesungen, schickende an my de Herr Meister den Schaffer, ick wolde my suͤlkes entholden, moͤchte wohl fry predigen, konte syne Gnade woll lyden, de Misse aberst konte he noch nicht tho statten, da hoef ick an tho predigen des Sondages Morgens, darna gingen de Bischope tho samen in der Kerken, na der Missen up den Gildstuwen, dar de Herr Meister erst antoch, warumb de Landtag verschrewen wehre, darna hoef de Bischop von Riga Marg-Graf Wilhelm Wilhelm hies schon der Erzbischof, ehe noch sein Coadiutur fest gesetzet war. Er ertheilte unter- schiedliche Belehnungen, darin er sich Erzbischof schreibet, obgleich der alte Thomas Schoͤning noch munter war, lebte, und noch 9 Jahr regierte. Er war auch noch nicht Coadiutor, als ihn schon viele den Bischof von Riga nanten. de Rigschen tho beklagende beth tho Elwen. Des Sonnavends na Petri und Pauli am Avendt tho 10. (Uhr) kam de Bischop von Ronneborg und de Bischof von Revel met 2 hundert Perde. De Bischop von Revel schreef an den Herr Meister des Frydags na Petri und Pauli, he scholde my gefangen nehmen. Anno 25. am Middage des Sondages predigte ick tho 12 ock dat Evangelium de Festo Visi- tationis. Am Mandage hoef ick an Esaiam den Propheten und predigte alle Dage beth up den andern Sondag. Am Middewecken woͤlde ick predigen, do trat vor my en schwart Moͤnnick up Dominici ordi- nis, de hoef an In nomine Patris etc. da begunde dat Volk tho kurrende, do sprack ick tho em, Broder stieg af, ick wil ersten predigen, predige du darna, do lepen de Haveluͤde uth Hargen und Wyrland tho umme my herde, eine wiesde my dat Mest, de ander de Fuest, und sprecken du Voͤrreder, du Bedreger, du wilt uns drade umme Land und Luͤde bringen, dyn Schalkheit soll nu uphoͤren. Pfy Pfy dy an. Do ging ick her uth der Kerken up S. Antonius Kerk-Hoff, und leeth dat Volck in dem wi- den Felde stahn und predigte dat: Wortho schall my de Veelheit iuwer Offer. Esaiaͤ 1. Deß andern Dages wolde ick dar wedder predigen, do beschickede my der Herr Meister 3 mahl dorch de Ridderschop: Jck wolde my des Sermons entholden einen Dag oder twe, beth dat se thosahmen kemen, thor Handelinge. Jck wolde allickwohl des Donnerdags hebben geprediget, averst de schwarten Hoͤvede helden Gemeinde, darumme blev eth na. Do krech ick fort wedder Verloef tho predigen von dem Her Meister in der Kerken. Des Sondags morgens na Visitationis wolde de Bischop weg theen, do beschickede my de Bi- schop von Doͤrpt Blanckenfeldt dorch Wolfgang Loß, Jck wolde doch by syner Gnaden er- schienen, edder met Herr Wilhelm Titken em folgen na Ronneborg, he wolde met 4 Perden by my blyven, darum ick em antworde: Jck wolde tho em kahmen up Treyden, wenn he my met syner Hand schreve. Erzb. Blankenfeld. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. Den Unterthanen besagter Provinzen schickte er aus Presburg den Befehl 1525 zu, dem Herrn Meister allein zu huldigen, und erlies sie ihres bisherigen Eides; von welchem Handel die Urkunden auf dem Hofe zu Alp von dem revelschen Bischof Georg transsumiret worden, Donnerstags nach Valentini in eben dem Jahr. Der Abt Eberhard von Padis empfieng von Plettenbergen die Be- staͤtigung aller hochmeisterlichen Privilegien seines Klosters, Revel, Montags nach Laͤtare, an welchem Tage alle estlaͤndische Privilegien von dem Meister im Beiseyn des Landmarschals, Johan Plater anders genant von dem Broͤle, des vellinschen Comturs, Robert Grave, des revelschen, Didrich Bock, des jerwischen Vogts Joh. Clodt Er war ein Sohn von Johann Clodt Herrn zu Nortelen, Erbcastellan von der Mark, und Eli- sabeth von Langen aus dem Hause Koͤpingen. Von seinem aͤlteren Bruder, Hinrich Clodt, stammet die noch jetzo im roͤmischen Reiche bluͤhende freyherrliche Linie, von seinem juͤngern Bruder Rolef Clodt aber die in Liefland bekante adeliche Familie der Clodte von Juͤrgens- burg ab, wovon die eine Linie haronisiret worden und sich theils in Estland, theils in Schwe- den fest gesetzt. Mehrere Nachricht von diesem uralten Geschlechte findet man beim Humbrecht vom theinischen Adel, desgleichen in Gauhens Adelslex. dem grosten Universal-dem leipziger und dem baselschen historischen Lexicon. Da alle diese Schriften von dem lieflaͤndischen Zwei- ge nichts wissen, so wird man dessen Abkunft unten in der Note bey Jost Clodt anzeigen. und des Comturs zu Goldin- gen, Gerdt von der Bruͤggen Dieser Gerdt von der Bruͤgge wirkte als Comtur zu Doblen, im Namen der lieben getreuen guten Maͤnner und des Ordensdieners, auch der gemeinen Einwohner des Ge- bietes und Kirchspiels zu Doblen, 1516 am Sontage vor Johannis, zu Wolmer von Plettenbergen einen merkwuͤrdigen Brief uͤber eine Vicarie aus. Wir wollen den Jnhalt desselben unsern Lesern hier mittheilen, um ihnen verstaͤndlich zu machen, was dergleichen Vicarien oder Fickernen in der lieflaͤndischen Geschichte auf sich haben. Obige Stifter hatten in Betrachtung ihrer Versaͤumnis vieler guten Werke, zur Ver- mehrung des Gottesdiensts, zur Seligkeit ihrer Seelen und der Seelen aller ihrer Nachkoͤmlinge, und aller deren, die noch in zukuͤnftigen Zeiten ihre Almosen und Beisteuer darzu legen, sich bewegen lassen eine Summe von 400 Mark rigisch zusam- B b b 2 men , bestaͤtiget worden. Nach- davon abgehen. Ob nun gleich Albrecht solches durch eine ausdruͤckliche Erinnerung zu verhuͤten gesucht hatte, so drang doch der Orden in Liefland von neuem darauf, daß die vorige Acte mit dem grossen Siegel versehen wurde. Hier kam noch hinzu, daß die Lieflaͤnder bey den Defensivkriegen ohne schaͤdliche Entbloͤssung ihrer Laͤnder dem Orden in Preussen helfen sollen, dafuͤr ihnen der Hochmeister keine Schatzung, Steuer oder Beistand auflegen darf, es geschehe dann mit des obersten Gebietigers in deutschen oder welschen Landen und ihrer Raͤthe Einwilligung. Wenn der Hoch- meister ein halb Jahr verzieht, die Regalien dem Herrn Meister zu verschaffen, so kan sie der Herr Meister bey dem roͤmischen Reich, einem jeglichen roͤmischen Kai- ser oder Koͤnige von dem Churfuͤrsten eintraͤchtig gekohren suchen, nehmen und empfan- gen innerhalb Jahr und Tag. Alle ausgewirkte nachtheilige Briefe werden verworfen. Niemand sol mehr dem andern zum Schaden ein paͤpstliches Privilegium holen, sonst wird es fuͤr kraft- und machtlos erkant, des gebuͤhrlichen Gehorsams, mit welchem sie der paͤpstlichen Heiligkeit verwandt und zugethan bleiben, ohnbeschadet. An diesem pergamentnen Briefe haͤngt das groͤssere und Convents Jnsiegel an schwarz und weissen Baͤndern. Als Zeugen haben mit unterschrieben Herr Joͤrge Bischof zu Samland, Herr Erhard postulirter des Stifts Rastenburg, Erich Herzog zu Braun- schweig und Luͤneburg, Comtur zu Memel, Fridrich Herr zu Heideck, Pfleger zu Johannisburg, Michael von Drache Hauscomtur, zu Balge, Heinrich von Miltitz Pfleger zu Berthem, Wolf Herr zu Heideck, Obercompan, Michael Spielberger der Rechten Licentiat, Kanzler, Cleophas Brever und Casper Frie- berger, Rentmeister, Christoph Gattenhofen und Baltzer Scheunemann Secre- tarien. Die Eideserlassung, welche zu Presburg in Ungern ausgestellet worden, zeiget, daß die Estlaͤnder bisher dem preußischen Hochmeister zugleich mit huldigen muͤssen; und weil man in Preussen von Einloͤsung des Landes sprach, fand Pletten- berg fuͤr gut, diesen Weitlaͤuftigkeiten vorzukommen, und sich die Ununterwuͤrfigkeit bestaͤtigen zu lassen. Und damit war die Schutzgenossenschaft der Lieflaͤnder und Preussen zu Ende. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1525 Nachdem Plettenberg in Wenden angekommen, schickte die Stadt Ri- ga ihre Abgeordnete dahin, mit Ersuchen, sie von der Bedingung des kirchhol- mischen Vertrags zu befreien, vermoͤge welcher sie bisher dem Erzbischof mit hul- men zu bringen, mit dem Ersuchen, daß Plettenberg „eine ewige Vicarie in die Ehre „der hochgelobten keuschen Jungfrau Marie bestaͤtigen wolle,‟ welches sich der Ordens- meister und seine Mitgebietiger nach ihrem Begehren, sonderlich zur Ehre GOttes, auf diese Art gefallen lassen. Sie koͤnnen so oft als es noͤthig ist, zur Verlehnung der Vicarie vorschlagen, wen sie wollen. Die Elterleute der Gilde sollen Vormuͤnder der Vicarie seyn, und dazu jaͤhrlich 24 Mark bestimmen; zugleich aber dahin sehen, daß die Zinsen mit der Zeit verbessert, die Vicarie nicht ruͤckwerts sondern vor sich komme, und der Priester einen ehrlichen Stand und guten Behelf davon habe. Der Priester hat bey dem Comtur mit einem Jungen freie Kost, die Herrentafel, und frey zu Schlosse eine Kammer mit einem Schorstein, dafuͤr er verpflichtet ist, alle Woche 2 bis 3 Messen, oder so viel ihm GOtt die Gnade giebt, zu halten, fuͤr Schwestern und Bruͤder le- bendige und todte, und fuͤr die, so ihre Almosen und Handreichung zu dieser Vicarie gethan haben; auch alle Monat eine Vigilie und Seelmesse zu halten fuͤr alle verstorbene Schwester und Bruͤder aus der Gilde, desgleichen sol er des Ordensmeisters, seiner Nachkoͤmlinge und aller die den Ordenshabit tragen, in seinen Messen treulich gedenken. Damit diese Vicarie bestaͤndig bleibe, verleihet Plettenberg den Dobbernischen eine Bruͤderschaft und Gilde zur Ehre unserer lieben Frauen. Die drey Vormuͤnder der Gilde, welche von den gemeinen Bruͤdern gekoren werden, sind Vorweser der Vicarie, welche derselben und der Gilde Geschmeide, Wachs und Geld, und alles was zur Vi- carie gehoͤrt, in ihrer Kiste verwahren, dazu jeder von diesen 3 einen Schluͤssel hat. Der oberste unter ihnen heist der Eltermann, die andern zwey Beisitzer, welche einen deutschen Schreiber geistlichen oder weltlichen Standes bey sich sitzen haben. Der Elterman mus 2 Jahr in seinem Amte sitzen. Alle Jahr in dem Pfingsttrunk sol man von den Beisitzern einen neuen Elterman wehlen, und einen neuen Beisitzer in des neuen Eltermans Stelle, auch 2 Schafner, die das Malz und Hopfen von den Bruͤ- dern und Schwestern empfangen und das Gildebier brauen lassen; der eine sol seyn vom Schlosse, der andre aus der Pillsate. Diese Gilde und Truͤnke werden jaͤhrlich 2 mal gehalten, als in Weihnachten und in den heiligen Pfingsttagen. Wer an dieser loͤbli- chen Bruͤderschaft Theil haben wil, sol erst dem Elterman an der Tafel sitzend Hand- streckung thun mit einem Geluͤbde, daß er nach Vermoͤgen die Gildengesetze halten wil; ein ganzer Bruder oder Schwester zahlt fuͤr ihre Aufnahme eine halbe Mark; ein halber aber nur einen Schilling, und zu allen Truͤnken Wachslicht. An Malz zu diesen Truͤn- ken liefert ein Comtur fuͤr sich und seine Diener 10 Lof, jeder Hauptman 2 Lof, und je- der Freie von den Pilsaten 2 Lof, und jeder nach Proportion des Malzes gleich viel Hopfen. Zuletzt befiehlet Plettenberg allen Bruͤdern und Schwestern dieser loͤblichen Geselschaft, die diesen Trunk in Froͤlichkeit, Liebe und Freundschaft thun wollen, herzlich und ernstlich, daß sie sich fuͤr nachgesetzten Bruͤchen und Strafen huͤten, welche der Elterman nach Gelegenheit der Zeit, Leute und Umstaͤnde mehren oder mindern kan. Die Gesetze sind fol- gende. Ein erkohrner Elterman, Beisitzer oder Schaffener, welcher sein Amt nicht annehmen wil, giebt der Gilde ein Lispfund Wachs. Zu allen Truͤnken werden 2 Schenken er- kieset, aus den jungen Bruͤdern, welche die Truͤnke uͤber Herren und Diener schenken. Diese sehen mit den Schafnern zu, daß der Bruͤderschaft gemaͤchlich geschehe, und kein Undeutscher, der nicht Bruder oder Schwester ist, eingelassen werde, wo er nicht einen Wirth hat, welcher fuͤr den Gast 2 Schillinge zahlt und steht fuͤr alle dessen Ge- brechen. Wer sein Messer in der Gilde auf einen andern loszieht, giebt ein Lispfund Wachs Strafe. Wer den andern verwundet, wird nach Wichtigkeit der Sache vom Comtur gerichtet. Niemand gehet mit seinem Gewehr in diese Geselschaft bey Strafe eines Markpfunds Wachs. Wer der Gilde Glaͤser oder Toͤpfe zerbricht oder zerwirft, laͤst fuͤr jedes 2 neue machen. Wer so viel verschuͤttet, daß ers mit einem Fus nicht bedecken kan, giebt ein Markpfund Wachs. So viel giebt auch der Strafe, welcher sein Trinken in der Gildenstube wieder ausbricht und von sich giebt. Der giebt ein halb Lispfund Wachs Strafe, welcher waͤhrenden Trunks zu Schlosse in seiner Cam- mer Bier aufleget und der Gilde Bruͤder und Schwestern zu sich zieht. Wenn die Elterleute den Tod eines Bruders oder einer Schwester erfahren, so sollen sie selbigen so fort mit Vigilien und Seelmessen begehen lassen, und jeder lebende Bruder oder Schwester, so bald es ruchtbar wird, beten der Seele zum Troste nach 5 Paternoster und 5 Avemaria. Die Schragen werden bey jedem Trunke vorgelesen. Erzb. Blankenfeld. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. huldigen muͤssen. Sie erkennete den Ordensmeister fuͤr ihren rechten natuͤrlichen 1525 und einigen Landesherrn, dem sie allein schwoͤren wolten. Dagegen versichert Plettenberg mit den buͤndigsten Ausdruͤcken, die Stadt bey der Lehre neues und altes Testaments zu schuͤtzen, ihre Privilegien von neuem zu bestaͤtigen, nnd sie bey des Cardinal Bischofs von Modena, Wilhelms, Grenzeinrichtungen ge- gen alle Anspruͤche zu schuͤtzen. Er erlies ihr nicht nur den kirchholmischen Vertrag, sondern uͤbergab auch der Stadt die Guͤter Titiger. Sontags nach Bartholomaͤi, unter 36 Siegeln. Hierdurch erhielt die Stadt alle zwischen dem Kapitel und ihr streitige Guͤter, und sahe es fuͤr ihren geistlichen und zeitlichen Vortheil an, sich allein an den Herrnmeister zu halten. Er bestaͤtigte es auch zu Riga, am Tage Matthaͤi des Apostels. Doͤrpt hatte in diesem Jahr das Ungluͤck, bey dem Segen des Evangelii durch einen Schwaͤrmer verfuͤhret zu werden, der mit erstaunlicher Verwegenheit die gefaͤhrlichsten Haͤndel unternahm und der Sache GOttes viele Laͤsterungen zu- zog. Dieser war ein schwaͤbischer Kuͤrschner, der aus Wittenberg kam. Er hies Melchior Hofmann Daß dieser Kuͤrschner nicht aus Lutheri Schule gewesen, erweisen seine Thaten, und Luthers Warnung fuͤr diesem Geiste des Aufruhrs. Er kam aus Liefland nach Magdeburg und von da nach Holstein, und wurde vom Koͤnig Fridrich zum Hauptprediger in Daͤnnemark berufen. Luther schrieb aber an Wilhelm Pra- west, Pfarrherrn zu Kiel, sie moͤchten sich vor dem Schwaͤrmer in Acht nehmen. Er gab besondere Einsichten in die Offenbarung Johannis vor, und pflegte selbige mit vie- len Misdeutungen zu erklaͤren. Die doͤrptischen Haͤndel dieses Hofmans erzehlet Bredenbach aus des damaligen Dompredigers D. Philip Olmens Munde, welcher Pastor zu Ressen geworden. Die Jahrzahl 1527, welche Bredenbach zu dieser doͤrptischen Schwaͤrmerey setzt, will sich mit der Geschichte dieses seltsamen Mannes nicht wol reimen. Es erhellet auch aus Tegetmeiers Bericht, daß er wenigstens seit 1525 schon in Liefland geschwaͤrmet habe. Wir haben von ihm eine 1526 in 4 ge- druckte Auslegung von 14 Bogen uͤber das 12 Kap. Daniels und uͤber das Evangelium am andern Sontage des Advents, auch vom Sacrament, Beicht und Absolution eine schoͤne Unterweisung, so den auserwehlten Gottesheiligen in Liefland und vornemlich den Geliebten zu Doͤrpt zugeschrieben ist. Der elende Man hatte den Kopf vol von den Zeichen des juͤngsten Tages, die er allein zu erklaͤren verstehen wil. Mit dem juͤng- sten Tage drohet er nach 7 Jahren, und fuͤhret als einen Hauptbeweis von der Gewis- heit desselben an, daß ihm niemand glauben wolle. Unter den Bluthund und Tyrannen versteht er ich weiß nicht was fuͤr einen pohlnischen Koͤnig mit seinen Buben. Jn Liefland, schreibt Hoffmann, ist kein rechter Pastor nach der Schrift erwehlet, doch werden alle auserwehlte und getreue ausgenommen; dabey thut er ganz boͤse, daß man ihn nicht zum Pastor macht, weil es nicht auf Gelehrsamkeit ankomme. Wer ihm vorwirft, er muͤste bey seinem Beruf bleiben, dem begegnet er mit der laͤppischen Jn- stanz, ein Moͤrder und Todschlaͤger muͤsse auf solche Art auch bey seinem Beruf bleiben, welches ja abgeschmackt sey. Das thue der Bauch, welcher spreche, ein Laie und ein Pelzer koͤnne nicht GOttes Wort erklaͤren. Er beruft sich auch auf seine Gemeine, doch veruͤbelt er ihr die Privatbeichte, und klaget, daß sie durch Pomerani Schrift noch verstockter geworden. Sonst lernen wir aus dieser schoͤnen Unterweisung doch so viel, daß zu Ronneburg ein wunderthaͤtiges Marien bild gestanden, so uͤber 200 oder 300 Meilen herbey geholet worden. Er verspricht den Doͤrptischen noch eine Schrift, welche doch zu gutem Gluͤck ausgeblieben. Seinen Anhaͤngern in Deutschland aber, die ihn fuͤr den Elias hielten, und seiner Vertroͤstung nach in Strasburg das neue Jerusalem erwarteten, that er den Possen und starb daselbst 1533 im Gefaͤngnis. Bredenbach ist nicht in Abrede, daß die Leute, nachdem ihnen die Augen durchs Evan- gelium aufgegangen, stark gegen die Catholiken erbittert gewesen. Was dieser Schrift- steller von dem damaligen Verfal aller Staͤnde sagt, hat nach mehrerer Zeugnis seinen Grund; nur laͤst es etwas parteiisch, wenn er die lieflaͤndischen Ordensbruͤder wie Epikurer beschreibet. Die andern Geschichte sind des Anfuͤhrens nicht werth, weil sie den Has des Geschichtschreibers gegen die luthersche Partey gar zu sehr entdecken, und man solche Maͤhrgen nur erzehlen darf, um sie zu widerlegen. Doch da Vena- tor warhafte Begebenheiten daraus macht, so wollen wir sie kurz uͤbersetzen: Der C c c Buͤr- , und nante sich nur den armen Laienpelzer, hin- ter Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1525 ter welcher Demuth aber 7 Teufel steckten. Er gab sich fuͤr Luthers Schuͤler aus, hielt in Doͤrpt am Frohnleichnamstage Winkelpredigten, brachte einige junge Kaufgesellen auf seine Seite und lies sich durch diese neu gesamlete Gemeine in der Schloskapelle zu U. L. Fr. auf die Kanzel setzen. Gleich den naͤchsten Sontag darauf jagten diese verfuͤhrten Neulinge die Priester und Saͤnger aus der Kapelle, rissen die Bilder herunter, und verbranten sie auf dem Markt. Hierauf wandte sich der Schwarm nach der Johannis kirche, brach die Orgel in Stuͤcken, und schlepten die Bilder mit zum Scheiterhaufen. Von hier ranten diese Stoͤrer zum Dominicaner kloster, gaben den Moͤnchen den Laufzettel und liessen ihnen weiter nichts als ihre Gebetbuͤcher mit nehmen. Nun kam die Reihe ans Minoriten- kloster, wo sich der Pater Gardian mit den Moͤnchen vorher aus dem Staube gemacht hatte. Endlich gieng es uͤber das Nonnenkloster Franziscaner ordens her, wobey doch nur den Nonnen angedeutet wurde, daß diejenigen, so ordentlich heirathen wolten, bleiben koͤnten; auch erhielt ein jeder das Buͤrgerrecht, welcher die Moͤnchskutte ablegte. Jn dieser Blindheit vergrif man sich auch an der grie- chischen Kirche, und weil dergleichen zu Riga und Revel schon vorhin gesche- hen, wurde der Czaar von Rußland so empfindlich, daß er in die Worte aus- brach: Wenn der Papst und Kaiser ihre Pfaffen so uͤbel tractiren lassen, so wol- len wir es doch an unsrer Religion nicht leiden, und diesen Bilderstuͤrmern den Krieg ankuͤndigen, so bald die Friedensjahre verlaufen seyn werden. Kurz nach- her zog dieser unruhige Kuͤrschner etliche hundert gemeine Leute zusammen und wol- te die Domherren, welche man ihres Standes wegen bisher geschonet, ebenfals zu Paaren treiben. Sie stiegen also den Domberg hinauf, alwo sie der Commen- dant mit 13 seiner Trabanten erwartete, aber auch so unsanft empfieng, daß ih- rer 4 blieben, 20 verwundet wurden, und die uͤbrigen den Ruͤckweg vom Berge mehr herunter stuͤrzten als liefen. Bey ihrer Ankunft in die Stadt zogen sie die Sturm- Buͤrgermeister loͤset einen goldenen Rock von einem Kirchenraͤuber ein, der um ein Jesus bild gehangen, giebt den Werth davon den Armen, laͤst aber seiner Tochter dar- aus eine guͤldene Halskette machen. Wie die Tochter mit der Kette in die Kirche trit, verlangt der Priester die Gemeine solle aufstehen und auf die Knie fallen, denn das Heiligthum werde getragen. Der Buͤrgermeister setzt den Priester zur Rede; dieser ge- lobte auch das Stilschweigen an, doch muste er auch was von der Beute haben. Man gab ihm also ein Stuͤck Geld, mit welchem er nach Revel gieng. Ein anders von gleichen Jnhalt lautet so: Zwey Buͤrger kommen am heil. Oster abend aus der Ma- rien kirche. Einer bittet den andern auf einen westphaͤlischen Schinken zu Gaste, da es doch strenger Fasttag war. Der andre brachte ein gut Huhn mit. Was geschicht? Der Gast erstickte an einem Huͤnerbeine, und der erste ward den Tag nach Ostern von dem boͤsen Geiste ergriffen, und seines westphaͤlischen Schinkens halber zu Tode ge- martert. Wie gieng es aber einer Buͤrgersfrau, die ihrer catholischen Magd am Mariaͤ Himmelfartstage die Badstube zu heitzen befohlen? die Magd wolte nicht. Die Frau sagte: Maria war ja eben eine Frauensperson wie ich und meines gleichen, ich wil die Stube warm haben; gleich brante ihre Badstube und 2 Haͤuser nieder, das Bund Holz, so die catholische Magd getragen, fand man den andern Tag unversehrt unter der gluͤhenden Asche liegen. Ein Prediger reichte stat der Hostie eine scheiben- weise zerschnittene Ruͤbe herum. Ein anderer gab einem die Absolution ohne die Oh- renbeichte ablegen zu lassen; welches so uͤbel anschlug, daß der Absolvirte auf diese Rechnung noch einen Ochsen stahl. Das aͤrgste hierbey war, daß damals vernuͤnftige Leute solche Dinge andaͤchtig glaubten, die man heutiges Tages zu lesen oder zu berich- ten sich schaͤmen mus. Und wie verdreht lauten nicht manche Beichten? Der Edel- man, schreibt Bredenbach, setzte fuͤr die Bauren in der Fasten zwey Tische hin, ei- nen lutherischen und einen catholischen Tisch. Auf dem erstern stand deutsches Brodt, stark Bier, Fleisch und Braten, auf dem andern schlecht Zugemuͤse und Taar (ein auf geschrotenes Mehl gegossenes gekochtes Wasser). Und doch naͤherten sich die meisten Gaͤste zu diesen letzten. Gewis weil sie kein Fleisch essen durften. Den Bau- ertisch mit deutschem Brodte und Braten hat wol Bredenbach angerichtet, in Lief- land macht sich der Bauer, der an seine Kost gewoͤhnt ist, so wenig draus, als aus frischen Austern. Erzb. Blankenfeld. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. Sturmglocken, jeder lief ins Gewehr, sie fanden aber den Befelshaber nicht zu 1525 Hause, weil er sich auf die bischoͤfliche Residenz versteckt hatte. Der Poͤbel brach mit desto groͤsserer Furie in die Kirche ein; und da gieng es uͤber die armen Bilder her. Nach deren Zerstuͤmmelung gab man in den Haͤusern der Domherren alle Eswaaren preis. Zuletzt ward dieser Lerm mit den Domherren in so weit vergli- chen, daß diese in ihrer Kirche den Gottesdienst ungestoͤrt verrichten solten. Der Rath gab an seinem Theil scharfen Befehl, daß kein Buͤrger bey Strafe 10 Mark in der Domkirche Messe oder Predigt hoͤren durfte, welches auch 30 Jahr hinter- einander genau beobachtet worden. Man schonte auch des Nonnenklosters auf dem Dome, in Betrachtung, daß viele Standespersonen des Landes in selbiges aufgenommen seyn. Freytags vor Johannis zog man den gefangenen Erzbischof Blanken- 1526 feld aus seiner gefaͤnglichen Haft zur Verantwortung auf dem Landtag zu Wol- mer, alwo er nunmehr aus einem gelindern Thon redete, auch verschiedene Be- dingungen eingieng, die er aber nachher wieder umgestossen. Er lies auch eine Protestation nach, that aber in eigener Person eine Reise zu dem Kaiser Carl den V ten nach Madrit. Allein als er nur noch vier Meilen von Placenz, oder 2 Tagereisen von Madrit war, ward er von der Ruhr befallen, und muste den 9ten Novemb. sterben Blanckenfelds wirkliches Regiment bis zu seiner Gefangenschaft wird auf 2 Jahr 3 Monat und 4 Tage angegeben. Chytraͤus und aus selbigem Herr Kelch nennen den Ort Polocz in Litthauen, wo dieser Erzbischof gestorben. Diesen Umweg muͤ- ste der Erzbischof genommen haben um den Auflaurungen des Ordens auszuweichen. Doch ist es warscheinlicher, daß er im Junius zu Wasser abgegangen. Strubicz macht ihn zum Daͤnnemaͤrker und gar zum Deputirten des Ordens, als ob er in des- sen Geschaͤften nach Placenz eine Reise zum Kaiser antreten muͤssen, da er doch uͤber seine Gefangennehmung sich beklagen wolte. Es ist allerdings viel, daß ein Reichs- stand dem andern, und noch dazu von hoͤherm Caracter, so schnoͤde begegnen duͤrfen Die Erz- und Bischoͤfe von Liefland und der Herrmeister hatten als Reichsfuͤrsten Sitz und Stim- me auf den Reichstaͤgen, wie davon viele deutsche Processe zeugen. Die Entfernung des Landes hinderte mehrentheils ihre persoͤnliche Gegenwart. Auf dem Reichstag zu Speier 1529 er chien D. Matthias Unverfordt, im Namen aller geistlichen Praͤlaten von Liefland. Auf dem zu Augspurg 1530 handelte in selbiger Namen der erzbischofliche Secretair Antonius Morgen- stern; im Namen des Herrn Meisters der revelsche Hauscomtur Didr. von Palen, genant Fleck, und der Kanzler Frid. Schneberg. Auf dem zu Worms 1545 setzte der Bischof von Curland den hildesheimischen Bischof Valentin zum Gevolmaͤchtigten wegen seiner Stifte Cur- land und Oesel, dem Heinrich von Muͤnchhausen und Mattbias Wicke zugegeben wurden. Auf dem zu Augspurg 1548 tractirte in Namen des Herrmeisters Philip von Bruͤggen und der Secretair Matthias Uhrader, der Erzbischof von Bremen aber besorgte die Angelegenhei- ten des Stifts Curland. Dieses Stifts Unterhaͤndler war auf dem Reichstage zu Augspurg 1555 Doctor Leopold Dick. Der rigische Hauscomtur Georg Sieburg zu Wischling besorg- te auf selbigem die Angelegenheiten des Ordens, welches Amt er auch 1557 fuͤhrte, und den Se- cretair Michel Brachner zum Beistand hatte. . . Der Kaiser beklagte seinen Tod, daß ein so vornehmer Praͤlat nach der langwierigen hoͤchst beschwerlichen Reise ihn nicht sprechen sollen. Doch lies er sich dessen bey sich habende Briefschaften vorlegen, in welchen das Ka- pitel zu Riga den coͤlnischen Dompropst, Herzog Georgen von Braun- schweig und Luͤneburg zum Postulaten, und den kaiserlichen Vicekanzler, Balzer Waldkirchen zum doͤrptischen Bischof vorgeschlagen hatte. Kaiser Carl 1527 schickte seinen Gevolmaͤchtigten nach Liefland, die Unruhe beizulegen, die Lief- laͤnder in Religionssachen aufs algemeine Concilium zu vertroͤsten und den Her- zog Georg nachdruͤcklich zu empfelen, dabey er alles verwarf, was der Erzbischof zu Wolmer gezwungener Weise versprechen muͤssen. Allein in Liefland litten es weder des Ordens noch der Stadt Vortheil, Geistliche anzunehmen, deren Verwandschaft so hoch und so maͤchtig war; und von des Kaisers gnaͤdigem Regi- mente stund zu glauben, daß er in Gewissenssachen dem Lande keinen Zwang an- thun werde. Man schritte also den 8ten Sept. zur neuen Wahl, und nahm des gewesenen rigischen Buͤrgermeisters und Erzvogts Johan Schoͤnings Sohn, C c c 2 Tho- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1527 Thomas Schoͤning, gewesenen Dechanten zum Erzbischof. Das Stift Doͤrpt wehlte eines dasigen Buͤrgers Sohn Johan Beyen zu seinem geistlichen Haupte. Doch beide waren keine in ihrem Vaterlande sonderlich beliebte Propheten. 1528 Der neue Erzbischof Thomas befand sich unterdessen in Deutschland, wo er den vom Kapitel postulirten Herzog Georg mit Gelde befriedigen solte; worein die rigischen Domherren leicht willigten, indem Plettenberg ihnen beim Magistrat die Erstattung ihrer verlornen Guͤter auszuwirken versprochen hatte. Bey seiner Zuruͤckkunft drang er auf die Erfuͤllung, mit der es aber langweilig zugieng, so, daß Plettenberg daruͤber vors speiersche Kammergericht gela- den wurde. 1530 Am 6ten Jul. uͤberreichten die erzbischoͤflichen Raͤthe den kaiserlichen Befehl von Einraͤumung der Stiftsguͤter, welcher nebst den Vorstellungen des Bischofs zu Doͤrpt den Ordensmeister bewog, daß er die wolmerschen Haͤndel mit Blanckenfelden auch fuͤr unguͤltig erkante, dem Erzbischof die halbe Gerichtbar- keit uͤber Riga wieder uͤberlies, beim Herzog Albrecht aber die Postulation sei- nes Bruders zum Coadiutor zu hintertreiben suchte. Die Stadt willigte im Au- gust zu Dahlen auf einer Zusammenkunft in die Zuruͤckgabe der Stiftsguͤter, wolte aber dem Erzbischof, als einem Paͤpstler, keine Gewalt uͤber die Kirchensa- chen zugestehen, sondern sich bey der evangelischen Lehre geschuͤtzet wissen, wozu D. Johan Brismann von Koͤnigsberg von Seiten der Stadt verschrieben war Das Leben dieses beruͤhmten Gottesgelehrten stehet im erlaͤuterten Preussen B. II, S. 297 u. f. und B. III, S. 180 u. f. Er wurde 1531 durch Marggraf Albrechten von Preussen aus Liefland wieder nach Koͤnigsberg berufen, entweder weil er die lieflaͤndische Luft nicht vertragen konte, oder auch die Unruhe der Wiedertaͤufer in Preussen zu stillen. . Doch da die Clerisey nicht nachgab, so wurde auf Unterhandlung etli- cher Fuͤrsten wegen der Unkosten, des Schadens und anderer unausgemachten Punkte auf beiden Seiten ein Anstand von 2 Jahren genehmiget. Die versam- leten Bischoͤfe und der Ordensmeister nahmen Sonnabends nach der Apostel Thei- lung zu Wolmer sichere Abrede, wie es nach Thomaͤ Tode mit der Stuhlfolge solte gehalten werden. Der Erzbischof war dabey in vielen Artikeln uͤbergangen, auch nicht einmal gegenwaͤrtig. Carl der V te lies durch den maͤynzischen Cardinal Albert, als Erzkanzler, durch den Vicekanzler Waldkirch und den Secretair Alexander Sweich am 5ten August zu Augspurg Plettenbergen das wichtige Diploma uͤber alle lieflaͤndische Vorrechte in den nachdruͤchlichsten Ausdruͤcken ausfertigen, und unter andern die freie Meisterwahl, die Zoͤlle, Accise und Einkuͤnfte dem Orden in Liefland vergewissern. Der Rath der Stadt Luͤbeck hat Montags nach Remigii dieses Diploma noch dasselbe Jahr in einem Transsumt aufgenom- men Die Ausdruͤcke der lateinischen Urschrift lauten kuͤrzer so: Ipsis (magistro et prae- ceptoribus) et eorum ordini praedicto tam in capite, quam in membris vniuersa et singula priuilegia, litteras, concessiones, donationes, emtiones, gratias, libertates, immunitates, indulta, iura, feuda, vasallagia, consuetudines laudabiles, obseruan- tias, liberam inter se et hactenus obseruatam eligendi Magistri electionem, hono- res, castra, villas, districtus, terras, insulas, homines, bona et loca, iudicia et te- lonia, vectigalia, dacias et gabellas, obuentiones, prouentus et reditus, cum sin- gulis rebus, vsibus, vsufructibus, vtilitatibus et emolumentis, quibuscunque etiam specialibus designentur vocabulis, Ipsis et eorum Ordini a diuis Romanorum Impe- ratoribus et Regibus nostris praedecessoribus, ac a nobis aliisque principibus et Chri- sti fidelibus spiritualibus et secularibus indulta et indultas, concessa et concessas, indul- genda et indulgendas, concedenda et concedendas ratificamus, approbamus, inno- uamus, de nouo concedimus, et auctoritate Caesarea ac praesentis scripti patrocinio confirmamus. Den Uebertretern dieses kaiserlichen Befehls ist eine Summe von 1000 Mark reines Goldes zu bezahlen auferlegt. . Ob Erzb. Thom. Schoͤning. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. Ob nun gleich die Ritterschaft und Staͤnde gegen den neuen Coadiutor 1530 Wilhelmen protestirten, daß er ohne ihre Einwilligung und wider die aufge- richteten Recesse erwehlet worden; so fand sich Wilhelm dem ungeachtet ein, und nahm Mitwochs nach Michaelis von dem Schlosse Ronneburg Besitz. 1531 Ausser dem behielt er auch noch die Schloͤsser Schmilten, Pebalg, Serben, Wainsel, Lemsel und Salis. Der Erzbischof Thomas aber behalf sich mit Treyden, Uxkuͤl, Lennewarden, Kokenhausen, Creutzburg, Lau- don, Seswegen, Schwanenburg, Marienhausen und Luban Es kam auch schon das Jahr vorher so weit mit seiner Wahl zu Stande, daß der Huldigungseid abgefasset wurde, den man in dem lemselschen Vertrag in Richtigkeit zu bringen suchte. Dieser Tractat ist nach Andreas Knoͤpkens Zeugnis ohngefaͤhr am Sontage nach Laurentii 1530 zwischen dem Erzbischof und der Stadt Riga we- gen Erstattung aller entwendeten und eingenommenen Guͤter zu Dahlen erst entworfen, und hat von dem Bestaͤtigungsorte Lemsel 1542 vermuthlich seine Benennung erhalten. Die Huldigung, welche dem Erzbischof von Seiten der Stadt zugesaget war, ward bis 1546 ausgesetzet. Jndessen kan dieses Blat zu einem Muster der Formalien dienen, mit welchen die Stadt ihrem Erzbischof zu huldigen pflegte. Der Lembselsche Vertrag. W ir von GOttes Gnaden Wilhelm, confirmirter und belehnter Erzbischof, Marg- graf zu Brandenburg ꝛc. Johan Storbach, Thumprobst, und Matthias Unvorfert, Senior von uns im Namen und wegen des ganzen wuͤrdigen Capitels der heiligen Kirche zu Riga; dazu Wir Buͤrgermeister, Rath, ganze Gemeine und Einwohner der Stadt Riga thun kund, zeugen und bekennen vor allen maͤnniglich, so diesen unsern ofnen Brief sehen, hoͤren und lesen zu ewiger kuͤnftiger Gedaͤchtnis. Nach- dem sich aus entstandener Neuerung der Lehre und Cerimonien unsrer christlichen Reli- gion, Enderung so wol in Liefland als ausserhalb, fuͤrnehmlich im heil. roͤmischen Reiche deutscher Nation zugetragen, derowegen sich ein ehrbarer Rath und Gemeine unsrer Stadt Riga unsere lieben getreuen sich beschweret, hinfuͤro einen Herrn Erzbi- schof nebst dem hochwuͤrdigen Herrn Meister deutschen Ordens fuͤr ihren Herrn zu ha- ben, darum daß derselbige Erzbischof, so wol als andre Bischoͤfe und andre Erzbischoͤ- fe mehr, als der gedachte Herr Meister mit zweifacher, als weltlicher und geistlicher Jurisdiction und Obrigkeit behaftet, davon Sie die Geistlichen, als der jetzigen Lehre ihres Vermeinens streitige und widrige, keinesweges wuͤsten zu erdulden, und sonder- lich, weil sie dazu neben der Einnehmung etlicher unser, des Erzbischofs, und unsers wuͤrdigen Capitels Guͤter uͤber dis von etlichen unsern Vorfahren verursachet zu seyn ver- meinet, um welcher Jrrung willen wir uns denn aus gnaͤdiger Huͤlfe und Schickung des Almaͤchtigen unter einander guͤtlich vergleichet und vertragen haben nach folgender Wei- se, nemlich: Dieweil sich diese obgemeldte Unsre Lieben Getreuen von wegen unsrer geistlichen Jurisdiction, dermassen wie oben stehet, thun beschweren, so haben wir zur Aufhebung solcher Beschwerde, und auf daß die Verhindernisse unsrer erzbischoͤflichen Person halber hinten angesetzet werde, und ein ehrbarer Rath und ganze Gemeine mehrgemeldter Stadt Riga desto gefuͤglicher uns und unsern Nachkommen wiederum neben gemeldten Herr Meistern fuͤr ihren Herrn und Obrigkeit erkennen, annehmen und huldigen moͤgen mit Rath, Wissen und Consenz und Vorbort unsers wuͤrdigen Capitels und ehrenvesten Ritterschaft uns desfals mit vorgedachter Stadt Riga also entrichtet und vergleichet, also daß das Exercitium oder Uebung unsrer geistlichen Jurisdiction, Herrlichkeit, Stand und Wesens uͤber und in derselben Stadt Riga und derselben Mark, ohne alle Hindernis rechtlich oder thaͤtlich zu einhelliger Erkentnis und Oerte- rung eines gemeinen, freien, christlichen Concilii oder National-Versamlung stehen und beruhen solle. Worauf die gesamte Stadt Riga uns und unsern Nachkommen als ihrem gnaͤdigsten Landesfuͤrsten und Herrn geredet und gelobet die schuldige Eides- pflicht und Huldigung, so bald wir GOtt helfende in Riga kommen von wegen unsrer Herrlichkeit und Gerechtigkeit zu thun in Form und Gestalt, wie folget: Jch N. N. gelobe und schwere Euch dem Hochwuͤrdigsten, Durchlauchtigsten und Hoch- gebornen Fuͤrsten und Herrn, Herrn Wilhelm, confirmirten und belehnten Herrn Erz- bischof des Stiftes Riga, Marggrafen zu Brandenburg, und auf die insinuirte kai- serliche Regalien als einen belehnten Fuͤrsten des heil. roͤmischen Reichs zu Jhrer Fuͤrstl. Gnaden gebuͤhrenden halben Antheil der Stadt Riga treu und hold zu seyn zu D d d Wasser . Carl Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1531 Carl der V te ertheilte am 16ten Jul. zu Bruͤssel Georgen von Ungern Herrn zu Puͤrkel den gar ansehnlichen Gnadenbrief, worin et ihn, seine Haus- frau, Kinder, Schloͤsser, Guͤter, Leute und Unterthanen in seinen und des heil. roͤmischen Reichs Vorsorge, Schutz und Schirm nimt, dem Beleidiger aber 20 Mark loͤthigen Goldes zur Poen aufleget. Jn Wasser und zu Lande, binnen und ausser Landes Jhro Fuͤrstl. Gnaden und Deroselben Nachkommen, wie obberuͤhret, bestes zu wissen und aͤrgestes zu kehren, als es einem je- den getreuen Untersassen seinem rechten natuͤrlichen Landesfuͤrsten und Herrn zu thun schuldig und pflichtig ist, als mir GOtt helfe und sein heiliges Evangelium. Welches wir auch mit einhelligem Rath, Consens und Vollbort unsers wuͤrdigen Kapitels und ehrenvesten Raͤthen allenthalben angenommen, und um solche ihre Ge- treue, Andacht, und Zuneigung willen mit gleichmaͤßigen, einhelligen, zeitigen und reifen Rath Consens und Vollbort, wie es stehet, fuͤr uns und unsre Nachkommen wiederum dieselben unsre lieben Getreuen begnadiget, vertroͤstet und gelobet haben; begnaden, vertroͤsten, reden und geloben auch in Kraft gegenwaͤrtiges unsers versiegelten Briefes, sie frey unbehindert und ungekraͤnkt zu lassen Erstlich bey dem heiligen reinen and allein seligmachenden Worte GOttes und heil. Evangelio, dasselbe frey, recht, rein und klar zu verkuͤndigen und anzuhoͤren, binnen ihrer Stadt und derselben ihrer Stadt Mark und Gebiete, nach Jnhalt und Vermoͤ- ge der heiligen biblischen Schrift altes und neuen Testaments, dazu auch bey demjeni- gen, was in Kraft desselben goͤttlichen Worts weiter verthaͤdiget werden mag, das zu der Ehre GOttes und Nothdurft der Seelen Seligkeit seyn mag, und man mit bestaͤn- diger heiliger reiner goͤttlichen Schrift wahr machen und verthaͤdigen kan und mag, in- gleichen bey allen Kirchen- und Gotteshaͤusern mit ihrer Zubehoͤr und was sonsten unter den Religionssachen begriffen und verthaͤdiget kan werden, doch alles bis zur Oerterung eines gemeinen freyen christlichen Concilii, oder National-Versamlung wie oben ge- schrieben. Zudem haben wir auch den gemeldten unsern lieben getreuen Buͤrgermeister Rath und Gemeine unsrer Stadt Riga aus sonderlicher Gnade und Gunst alle und jegliche Jnjurien, Gewalt, Nachtheil und Schaden, wie die vor und nach geschehen Namen haben moͤgen, nichts ausgenommen so unsern Vorfahren und uns von ihnen hier bevor angelegt und widerfahren seyn moͤgen, gaͤnzlich und allenthalben verziehen und verlassen; verzeihen und vergeben und verlassen ihnen auch hiermit und in Kraft dieses Briefes von uns und allen unsren Nachkommen, also daß noch wir noch sie die gemeldte unsre liebe getreue, die von Riga, deshalben weiter nicht sollen noch wollen noch moͤgen zu bekuͤmmern oder anzusprechen haben mit oder ohne Recht, geistliches oder weltliches, noch ihnen das auch in Argen nimmermehr zu gedenken, sondern sollen hier- mit gaͤnzlich und volkommen getilget und getoͤdtet seyn zu ewigen Zeiten. Nachdem auch die Zwistsache zwischen unsern wuͤrdigen Kapitel und oft gemelden unsern Lieben, Getreuen denen von Riga, von wegen ihrer Religion und was derselben anhaͤngig und einverleibet seyn mag, als die eingenommene geistliche Guͤter, Stiftspforten und Schule zu St. Peter in Riga, noch unentschieden schwebet; so haben die gestimte un- sre lieben getreuen beliebet und bewilliget; derowegen so bald wir unsre Huldigung em- pfangen und eingeritten seyn, fort zu erster Gelegenheit eine guͤtliche und freundliche Handlung vorzunehmen und zu versuchen, ob man denselben Zwist in der Guͤte und Freund- schaft vertragen und beilegen koͤnne. Jm Fal aber die Sache in der Guͤte und Freundschaft nicht kan beigeleget werden, so sol dieselbe Sache zu gerichtlichen Austrag, als sie nun stehet, bis im gemeinen, freien, christlichen Concilio und National-Versamlung oder Reformation im heil. roͤmischen Reiche anstehen und beruhen. Die weil auch die vielgemeldte liebe Getreue uns zu vielen mahlen unterthaͤnigst angelanget und gebeten, die Nothpforte an unserm erzbischoͤflichen Hofe, in massen wie sie jetzo zugemauret ist, bleiben zu lassen und sie hinfort nicht wieder zu oͤfnen, sondern sie gnaͤdiglich damit zu privilegiren; so haben wir ihnen hiermit in Gnaden auch gewilliget und gnaͤdiglich nach- gegeben, daß diese Pforte an dem gemeldten unsern Hofe zu ewigen Zeiten sol zuge- mauret bleiben, dagegen sollen und wollen sie sich gegen uns wiederum erkennen und aller Gebuͤhr und Billigkeit nach, sich halten. Als sich auch die oftgenante unsre lie- ben Getreuen vielmals gegen uns wegen des kirchholmischen Vertrags beklagt haben, daß ihnen derselbe zu merklicher grosser Beschwerung aufgerichtet sey mehrentheils, so haben wir sie der Artikel, darinne sie sich beschweret zu seyn vermeinet, welche sie aus dem gemeldten kirchholmischen Vertrag gezogen und uns schriftlich zugestellet, fuͤr unsre Erzb. Thom. Schoͤning. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. Jn Revel ward der grosse Thurm Kiek in de Koͤke gebauet. Die Stadt 1532 verlor durch eine ansteckende Seuche bey 2000 Einwohner, durch eine unvermu- thete Feuersbrunst aber ihr schoͤnstes Klostergebaͤude und die Kirche der Moͤnche. Jn Riga hatten die Stadtgemeinen das Ungluͤck, daß in ihres Eltermans Kar- sten unsre Person gnaͤdiglich zu ewigen Zeiten auch erlassen, also daß noch sie noch ihre Nachkoͤmlinge hinfort daran nicht sollen gehalten seyn, und sonderlich in Erwehlung und Bestaͤtigung eines Erzvogts, und alle Gerechtigkeit, so dieselben zu ehmaligen Zeiten von einem Herren Erzbischof zu Riga und Meister in Liefland gehabt, da- von nun unsre liebe getreue von Riga gaͤnzlich gefreyet seyn sollen, so ferne sie selbst aus eigenen Befuͤgen keinen Erzvogt erwehlen. Es sol auch hiermit fuͤr unsre Person der Artikel der Appellation ingleichen die Rechtfertigung eines Raths von Riga Sen- tenz, so davon vor und an uns und dem hochwuͤrdigen Herrn Meister geappelliret wird, gaͤnzlich aufgehoben, caßiret, getilget und getoͤdtet seyn, also daß die Rechtfertigung solcher Sentenz ohne Beisein und Retractation gemeldten Raths oder jemand von ihnen geschehen sol Die Stadt hatte schon vorher diesen Dorn des kirchbolmischen Vertrages sich aus dem Fusse zu ziehen gesucht, konte aber nie besser damit zu rechte kommen als unter der Regierung des Herrn Meisters Berndt von der Borg, der in einer alten Urkunde von 1472 diesen Tractat mit allen seinen Clauseln aufgehoben, welches Todesurtheil auch vom Kaiser Fridrich dem III ten 1481 be- staͤtiget worden, daß es also mit der voͤlligen Vernichtung des kirchholmischen Vertrags seine un- streitige Richtigkeit hatte. Der Ordensmeister Freytag suchte ihn von neuem mit Gewalt hervor, welches der Stadt so gefaͤhrlich vorkam und ihr einen solchen Eindruck machte, daß sie in allen folgenden Vertraͤgen die Toͤdtung dieses schaͤdlichen Feindes kaum oft genug wiederholen koͤnnen. Da es mit diesem lemselschen Vertrag nachher nicht zur Bewerkstelligung gekommen sondern sich der Stadt bald groͤssere Vortheile anboten; so hat auf Seiten der Erzbischofe der kirchhol- mische Vertrag nicht so wol durch diese, als durch andere vortheilhafte Tractaten seinen letzten Rest bekommen. . Dieweil wir auch Bericht empfangen haben, daß der Artikel, welcher mit bringet, daß ein Rath von Riga nichts neues aufsetzen solle, ohne Wissen und Willen unserer und des Herrmeisters in Liefland, nicht auf die Herren und Staͤnde dieser Lande, son- dern allein auf eine gemeine, eintraͤchtige und einhellige Beliebung und Bewilligung ei- nes ehrsamen Raths und der Gemeine in unsrer Stadt Riga zu ihrem und unsrer Stadt Besten und auf ihre eigene Kosten sonder unser und der andern Herren und Staͤnde Nachtheil gezogen und gedeutet werden; so wollen wir denselben Artikel derge- stalt und nicht anders fuͤr unsre Person auch in Gnaden nachgegeben haben, jedoch alle andern Artikel in dem kirchholmischen Vertrage enthalten, so uns und andre Herren und Staͤnde dieser Lande mit betreffen, welche die vielgedachte unsre liebe Getreue uns schriftlich nicht uͤbergeben haben, vorbehaͤltlich und unverfaͤnglich. Ferner haben wir in Gnaden bewilliget und versprochen 6 Jahr lang, die nechst nach Dato dieses Briefes folgende, mit vielgedachter unsrer Stadt Riga zu muͤnzen, und vielgedachter unsrer Stadt Riga die Helfte des Schlag-Schatzes folgen zu lassen. Nach Ausgang aber solcher 6 Jahre sol es bey uns und in unsern Gefallen stehen, laͤnger mit ihnen zu muͤn- zen oder nicht, denn so sie die Gebuͤhre und Billigkeit in solcher Zeit gegen uns erzei- gen und schicken werden, sollen und moͤgen sie ferner mit uns muͤnzen, wo nicht, sol es auch seinen Bescheid und Mas haben. Nachdem auch unsrer Stadt Riga, wie wir vielmalen sind berichtet worden, an der litthauischen Strasse, der Nutzen und noͤ- thigen Zufuhre halben, hoch und viel gelegen, so wollen wir allen moͤglichen Fleis, da sich des also gebuͤhren mag, fuͤrwenden, damit dieselbige Strasse zu gemeidter unsrer Stadt Riga Besten frey, offen und ungeschlossen seyn und bleiben moͤge. Wir sol- len und wollen auch an unsern erzbischoͤflichen Hofe zu Riga keine weitere Befestigung mit neuen Thuͤrmen und Mauren allermeist gegen der Stadt werts anlegen, welches wir doch sonst ohne das zu thun ganz ungeneigt, das auch gar nicht traͤglich ist; Jtem so ofte es sich auch begiebt, daß wir mit den Unsern gen Riga kommen, und auf ge- meldten unsern Hofe unser Lager haben werden, wollen wir ernstlich verschaffen, daß unsre Diener und Verwandten wider die Einwohner und Buͤrger, sonderlich die Pre- diger, Kirchendiener und Schulmeister daselbst keine Unlust, oder gewaltsame Uebung, oder wie es sonst Namen haben mag, in unsrer Stadt attentiren oder vornehmen sollen. So es aber (das GOtt verhuͤte!) geschehe, und der Uebertreter ausserhalb unserm erzbischoͤflichen Hofe, dieweil wir da liegen, betreten oder beschlagen wuͤrde, soll er von dem Gerichte derselben unsrer Stadt nach Gebuͤhr und bewandten Sachen die D d d 2 Strafe Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1532 sten Schlottmakers Hause die Buͤcher der Gildestube samt allen Privilegien ausser den Schragen in einem ploͤtzlichen Brande eingeaͤschert wurden. Am 4ten Merz suchte der Erzbischof den verlegenen Tractat zu Kirchholm vor, und ver- langte die Huldigung von der Stadt, wozu ihm die Staͤnde behuͤlflich zu seyn ver- sprachen. Strafe empfangen. So er aber in und auf unserm erzbischoͤflichen Hofe in unserm Geleite, (welches ihnen auf ein Recht und nicht anders sol gegeben werden,) aldieweil wir daselbst gegenwaͤrtig seyn, entkommen; so sollen und wollen wir uͤber solche Mis- haͤndler und klagenden Theil Rechts unverweigert verhelfen und mittheilen. Jmmassen wie sich denn die viel und oft gedachte unsre Lieben und Getreuen gegen uns gleichfals wie- derum zu thun erboten, und thun sollen und wollen. Jedoch so sich einer auswendig der Stadt und Stadtmarken versehen und vergriffen haͤtte, und zu uns Trost und Zu- flucht suchen und nehmen wuͤrde, so sol uns frey seyn, selbige auf unsern erzbischoͤflichen Hofe zu vergleiten. Jmmassen wie denn unsre lieben getreuen Buͤrgermeister und Rath gemeldter unsrer Stadt auch zu thun pflegen. Als wir auch etlichen Ornats und Kirchengeschmeide halben, so noch zur Zeit hin bey einem ehrsamen Rath unsrer Stadt Riga in Verwahrung etliche Jahr gelegen, Anforderung thun lassen, ein ehrbarer Rath aber solche mit in die Religions-Sachen gezogen, des Verhoffens solche dabey zu erhalten, aber doch auch dasselbe zur Eroͤrterung eines gemeinen freyen und christlichen Concilii gestellt, so koͤnnen und wollen wir um Friede Liebe und Einigkeit willen auch wol geschehen lassen, daß solcher Ornat und Kirchengeschmeide bis zu der Zeit bey den gemeldten unsern lieben Getreuen dem Rath in treuer Verwahrung liegen bleibe, doch mit solchem Bescheide, daß solches alles zuvor um Misduͤnkens und Argwohns willen eigentlich inventiret und in beschlossener Verwahrunge behalten, und uns so wol als un- serm wuͤrdigen Capitel auch unsrer Stadt Riga jedem Theil ein Schluͤssel dazu uͤberrei- chet und zugestellet werden moͤchte. Wir haben auch obgemeldten unsern lieben getreu- en aus Gnaden nachgegeben und bewilliget, daß der Raum hinter unsern erzbischoͤflichen Hofe nach der Duͤne werts frey und unbekuͤmmert bleiben solle, also, daß noch wir noch die gemeldte unsre Stadt auf solchen Raum kein Wohnhaus setzen sol oder mag, doch so wir desselben Raums nothduͤrftig seyn wuͤrden, so sol uns uud sonst niemand anders srey seyn, auf solchen Raum unser Bauholz, Kalk und Steine zu unsers Hofes Beduͤrfnis zu legen und einen Zaun, doch den hellen Weg unschaͤdlich, darum ziehen zu lassen. Dagegen haben uns unsre lieben getreuen einen Raum auf ihren Kuthause nachgegeben, dahin wir zur Nothdurft unsrer nnd unsers erzbischoͤflichen Hoffes ein Schlachthaus setzen moͤgen, welches wir auch also zu gnaͤdigen Gefallen an- genommen haben. Dieweil sich auch vielgemeldte unsre lieben Getreuen beklagen, daß ihnen aus vielen und mancherley Bedenken fast beschwerlich, uns zuvor, und ehe wir ihnen eine kaiserliche Declaration ausbringen, daß sie des Eides der einigen Herrlich- keit erlassen und solches oͤffentlich abgekuͤndiget wuͤrde, so wollen wir zu sonderlichen gnaͤdigen Gefallen ihr unterthaͤniges und dienstliches Begehren erfuͤllen, und daran seyn, daß die kaiserliche Declaration, so wir vorhin schon erlanget, zu erster unser Ge- legenheit publiciret, auch der hochwuͤrdige Herr Meister die Verlassung des einigen Ei- des, so unsre liebe Getreue vor Zeiten seinem lieben Vorfahren, Herrn Wolter von Plettenberg gethan, sol oͤffentlich ankuͤndigen lassen, auf daß sie desto unbehinderter uns unsre gebuͤhrliche Eidespflicht und Huldigung thun und leisten moͤgen. Da- neben vertroͤsten und geloben wir die gedachte unsre liebe getreue der Stadt Riga ruhsam und friedlich zu behalten bey allen und jeden ihren Privilegien, Herrlichkeiten, Freiheiten, Rechten und Gerechtigkeiten, alten Besitz, loͤblichen Gebrauch, Her- kunft und Gewohnheit in und ausserhalb unsrer Stadt Riga zu Wasser und zu Lande, wie die ihnen von unsern Vorfahren den Erzbischoͤfen verlehnet und gegeben sind, die wir ihnen hiermit verneuret, bestaͤtiget und befestiget wollen haben, dazu auch unverhindert unverruͤckt bleiben zu lassen bey allen und jeden Privilegien, Herr- lichkeiten, Gerechtigkeiten, Siegeln und Briefen, so ihnen von Paͤpsten, Kaisern, Koͤnigen, Fuͤrsten, Bischoͤfen und Meistern gegoͤnnet und gegeben seyn, so ferne die- selbe dem kirchholmischen Vertrage in den andern Artikeln oben gemeldet, so unsre liebe Getreue daraus nicht gezogen, und uns schriftlich uͤbergeben haben, nicht entgegen und zuwider seyn, wie oben stehet. Alle vorgeschriebene Puncten und Artikel reden und geloben wir obgemeldter Herr Erzbischof und Marggraf, so wol auch wir Buͤrger- meister und Rath von uns, und Gemeinde der Stadt Riga wegen stets und fest alles zu halten, bey fuͤrstlichen Zusagen so wol auch unsre liebe Getreue obgedachte ohne Arg- list und Gefehrde. Erzb. Thom. Schoͤning. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. sprachen. Als der zweijaͤhrige Stilstand im August vorbey war, berief er die Ri- 1532 gischen nach Kokenhausen, die sich auch einfanden, aber ohne vorher aus- gemachte Sicherheit der evangelischen Religion von keiner Huldigung etwas wissen wolten. Jm October ward diese Handlung noch einmal zu Dahlen vorgenommen, wo sich die von Riga mit der auf dem Convent zu Nuͤrnberg vom Kaiser zugestandenen Gewissensfreiheit schuͤtzten, durch welche die vorigen Befehle des Kaisers so lange aufgehoben waͤren. Der Erzbischof steckte sich hin- ter den Ordensmeister, dem er schon Montags nach Oculi die Bestaͤtigung des wolmerschen Recesses ausgestellet. Die Stadt lief hierbey Gefahr, und versi- cherte sich also von neuem aller Haͤuser der Domherren, des Bischofes, und der Stiftsguͤter, die sie vor 2 Jahren nach Jnhalt des kaiserlichen Befehls zuruͤck ge- geben hatte. Sie schickte auch ihrem Anwald Joh. Hofman zu Speier den Verlauf der Sache zu, mit der Anweisung, daß er sich auf den im roͤmischen Reiche bekant gemachten Religionsfrieden beziehen solte. Die Stadt selbst suchte immittelst die Aufnahme in den schmalkaldischen Bund, und erhielt vom Koͤ- nig Fridrich von Daͤnnemark die Bestaͤtigung aller Privilegien seiner Vorfah- ren in daͤnischen Landen, dafuͤr sie ihm nach langen Bedenklichkeiten ein Schif und ein Fahrzeug mit Kraut und Loth, Proviant und Bootsleuten unter dem Seeca- pitain Cord Durkop zuschickten. Der Koͤnig verlangte von der Stadt 5 Or- logschiffe, die er im Sunde mit Manschaft besetzen wolte. Durkop lag uͤber 4 Wochen im Sunde, weil ihm der Wind entgegen war, und kam also zu spaͤte; weil Fridrich den verjagten Koͤnig Christiern schon in Norwegen gefangen bekommen hatte. Gleichwie die deutschen Fuͤrsten der Religion wegen zusam- men getreten waren, so machten es in diesem Jahr, am Donnerstag nach Christi Beschneidung, auch die Staͤnde in Liefland. Plettenberg selbst und die vor- nehmsten des Adels verbanden sich mit dem Rath und der Buͤrgerschaft in Riga bey der reinen Religion alten und neuen Testaments zu bleiben und fuͤr einander zu fechten. Der Marggraf Albrecht, Herzog in Preussen, nahm die Rigi- schen als seine Bundesgenossen um des heil. Evangelii willen in genauen Schutz, davon sich 2 christliche Vereinigungen finden. Wilhelm von der Pahlen, ge- nant Fleck, Comtur zu Windau, verband sich mit dem Rath zu Riga der aug- spurgischen Confeßion wegen, welches so gar die Ritterschaft des Erzstifts Ri- ga nachmachte: da denn jeder Theil dem andern huͤlfliche Hand zu leisten versprach, im Fal er dem Religionsfrieden zuwieder angefochten werden solte, Riga am Dienstage nach Pauli Bekehrung Unter allen Verbindungen, welche die Stadt Riga der evangelischen Lehre halber ge- troffen, ist diejenige wol die wichtigste, welche uns der Herr Mag. Carl Ludwig Tetsch, Pastor zu Libau in dem ersten Versuch seiner curlaͤndischen Kirchengeschichte, Koͤ- nigsberg 1743 in 8 gedruckt aufbehalten. Die allerunterdienstlichsten Fridr. Buttlar von Tuckum, Claus Francke samt seinen Gedruͤdern, Otto Grothaus, Cort und Herman Buttlar Gebruͤder, Walther und Wessel Wichsel, Alexan- der von Sacken, Jasper Freytag, Fridrich Hane, Joh Schoͤning, Claus Berge, Berend Krummes, Hinrich Brincke, Bartholomaͤus Buttlar, Claus und Otto Korf Gebruͤdere, und Joh. Kersfeldt, gute Maͤnner zu Cur- land, danken GOtt, daß er ihnen in ihrem entlegenen Lande das allerheiligste Evange- lium erscheinen lassen. Sie ruͤhmen den hochwuͤrdigsten Fuͤrsten und grosmaͤchtigsten Herrn Wolt. von Plettenberg, daß er es unbehindert zu predigen verstattet, daher sie sich mit den Herrn Buͤrgermeistern und Rathmaͤnnern und ganzer Gemeinheit der loͤbli- chen Stadt Riga bey der reinen Lehre zu bleiben verbinden. Dieses Buͤndnis gelobet die Stadt fuͤr sich und ihre Nachkommen volkommen zu halten, geschehen Dienstags nach Mariaͤ Reinigung 1532. . Der Coadiutor konte aus des Erzbischofs Begegnung sein kuͤnftiges Schick- sal bereits abnehmen, und nahm daher den Ruf der wickischen Ritterschaft zu ihren Bischof mit beiden Haͤnden an, obgleich der Ordensmeister und der Erzbi- schof E e e Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1532 schof ihm solches im Ernst wiederriethen. Er trat also in die Stelle des abgesetz- ten Reinholds von Buxthoͤveden und schrieb sich nunmehro: „Wir von GOttes Gnaden Wilhelm des erzbischoͤflichen Stifts Riga, confirmirter Coad- iutor und Successor, postulirter Herr des Stifts zu Oesel, und Marggraf zu Brandenburg ‟. Hierdurch machte sich dieser sonst kluge Herr noch fuͤrchterli- cher, und seine Gegner wandten alles dran, seine wohlgemeinten Absichten zu hintertreiben. 1533 Das Stift Doͤrpt und dessen Bischof Johan verbanden sich Donnerstags nach Pauli Bekehrung mit dem Ordensmeister gegen alle Gewalt und Wider- waͤrtigkeit desto vester. Plettenberg drang darauf, daß Wilhelm am 1sten April zu Wenden versprechen muste, die Religion nach der heil. Schrift zu ver- kuͤndigen, des ungebraͤuchlichen Scheltens sich zu enthalten, keinen Krieg anzu- zetteln, keinen auswertigen Potentaten in sein Jnteresse zu ziehen, die freie Wahl und Postulation den Staͤnden nicht zu hindern, und vornehmlich seine erste Zusage bey seiner Ankunft ins Land bestens zu beobachten. Der alte Plettenberg schickte auch nach eingeholter Einwilligung des deut- schen Ordensadministrators, Walters von Groͤnberg, seine Bevolmaͤchtigten, den Vogt zu Rositen, Dietrich von Galen und Dietrich Schneebergen an den roͤmischen Koͤnig Ferdinand mit Ersuchen, daß sein Landmarschal Her- man von Bruͤggeney ihm noch bey seinen Lebzeiten als sein Nachfolger und Meister bestaͤtiget wuͤrde. Der Koͤnig Ferdinand ertheilte ihm auch am 8ten Jul. zu Wien die Bestaͤtigung daruͤber, und zwar im Namen des Kaisers seines Bruders. Da diese aber auch fuͤr Hermannen von Bruͤggeney um die Be- lehnung der Regalien anhielten, schlug es Ferdinand am 9ten Jul. ab, und er- bot sich aber so bald sie bessere Volmacht haͤtten, oder ihm von Plettenbergs Tode ein Schein vorgezeiget wuͤrde, dem Herrn Meister das Lehn und die Re- galien gern zu reichen Von Bruͤggeneys Landmarschalwuͤrde mit der es vor der kaiserlichen Bestaͤtigung schon seine Richtigkeit hatte, findet sich bey der Stadt ein Vertrag, den wir in alt- deutscher Sprache anfuͤhren wollen. A llen und Jßliken watterley Standes, Wesens, Condition edder Herligkeit de syn, Gestlick edder Weltlick, dhon kundt vnd betugen opentlik hiemede. Wy Herman von Bruggeney genandt Hasenkamp, des Ridderliken Dutschen Ordenß Landmarschalk tho Lyflandt, und wy Buͤrgermeister unde Raht der Stadt Riga. Alsdehne lange Jahr her viel und mancherley Twist, Gebreke und Schelinge tu- schen Unsern Vorfahren Landmarschalken des geworden Ordenß tho Lyfland, dartho Burgermeistern und Rade genandter Stadt Riga etliker Landschedinge an den Babet- See, und der Fischeryen darsuͤlvigest und in der Semmigaller Aha gestanden, der- halven vele Muete und Unkosten geschen, ock mennig arme Bur um sin Leven gekamen, welker Scheding halven sick en ieder Parte des Mutinensis beropen, und tho lesten de Erwuͤrdige Herr Johan Plater genandt van dem Broͤle, unse negeste Vorfahre loͤ- veliken Gedaͤchtnusse, um Frede, Leve und Endracht willen vor un langen verruͤckten Jahren sodane Ansprake ener Stadt Rige afgetreden, avergeven und verlaten, mit dersuͤlvigen Schedinge, so sick ene Stadt Rige mit dem geroͤrden Mutinensis vermei- net vor sick tho vordhedigen; wo ein so dan upgerichte Segel und Breve klarlik me- debringen, mit dem Anhafte, dat man enmale dersuͤlvigen afgetreten Gebreken und Schedinge besichtigen, und mit behoͤrliken Grenzeteken, umb so widere Twist und Un- eath tho vermiden, bestaͤtigen und befestigen solde. Demnach so hebben wy obgerorde beide Parte, de unsen vollmaͤchtigen Verordneten up de gestimmte Schelinge, so woll der Landschedinge, als Fischeryen halven gesandt, dersuͤlvigen Gebreke tho enem vollkamen Ende bygelegt geschlicht und verdregen, ock bestediget und bevestiget, wie hernach folget: Jnth erste is geflegen, vereniget und verbleven, dat de Landschedinge und Grenze stahn und bliven sall, gelik alß sick der ein Stadt Riga nah vermoͤge Mutinensis Zwee- te beropen hebben und des Ehrwuͤrdigen Herrn Landmarschalcks negeste Vorfahren de- suͤlvigen . Der Erzb. Thom. Schoͤning. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. Der Coadiutor Wilhelm suchte mit Ernst den Verdacht von sich abzuleh- 1533 nen, den man bisher gegen seinen hohen Stand gefasset, und verband sich daher mit den Staͤnden, mit gesamten Kraͤften uͤber den Schriften alten und neuen Te- staments zu halten, das Wort GOttes lauter verkuͤndigen zu lassen, und die Jr- lehrer suͤlvigen Stadt luts Segel und Brefe afgetreden und verlahten, und als die ietzund upt nye vertekent und befestiget iß, wo hernah geschreven steit, nemblick van der Misse an- thogaende beth up de Olter Strowte nah Vermoͤge Mutinensis Linien Richte durch de Wiltnisse up en Krutzkuhle beth up en ander Krutzkuhle mit Kahlen gefuͤllet, von der Kuhlen recht tho gaende bet an en Flehte, genoͤmet Altse, darby ene Kuhle mit Kah- len gefullet, von der oͤver dat Flet tho gaende beth an en ander Kuhle mit Kahlen ge- fullet, und dar de Richte beth an enen Ekenboͤme, dar sick de Semgaller Aha mit der Babat halse tho hope foͤget, mit einem Krutz getekent, beneffen einer Krutzkuhlen mit Kahlen gefullet, mit dem Bescheide, dat Pruͤß de Buer an der Semgaller Aha geseten und sine Nachkommen uth Begunstigung von der Stadt Riga edder den Land- vageden dersuͤlvigen Stadt, edder wenn desuͤlvigen so dant befehlen und uplegen wer- den, alle Jahr hebben, boͤren und haben soll an dem Orde, dar he idt Hoy vorhen in dem Landkyve tho schlan plagh eine Koye Hoyes von theyen Fadenen unverfelschet. Aver der Fischeryen halven is geschlaten, dat alle Strenge und Helse, so uth der Semigaller Aha in de Babat- See gahn, und also wederum von nu an tho allen thokamenden Tyden, sollen geschloten und verbaden tho fischen mit watterley Jnstru- menten und Retschap, id sie von allen Parten buten der geroͤrden Strengen und Hel- sen, nemblik de frye wide Babat- See soll und mag frye sin van allen Syden mit al- lerley Jnstrument und Retschop tho fischen. Jd hebben sick ock de obgeroͤrten Parten sampt und beneffen dem hochwuͤrdigen Her Meister tho Lyfland hierinnen vorbehal- den, dat se, wenner id de Nothdorft tho ehrliken Gastbaden edder sunst erfordert, de de fry hebben moͤgen in den geroͤrden Helsen und Strengen tho thoende, und kener van dersuͤlvigen erer herschaft Buren in demsuͤlvigen Schine darna darin tho stecken. Jn der Semigaller Aha sall und mag man van allen Parten frie und unbehin- dert fischen, dat ganze Jahr durch und durch uthgenamen int erste Vorjahre de Tyd bver Rodoͤyen Fangest, so up desuͤlvige Tydt in der Schlokebecke plegt, tho to gaen, binnen welcker Tydt niemandt in der Semgaller Aha fischen sall mit watterley Ret- schap, welcker Rodoygen fang up hoͤgeste veertyn Dage plegt tho gaen, dergeliken mit dem Schnepelfang in der Semigaller Aha nah den olden tho holden vndt tho bliven, buthen welcker Rodoygen fangs en ider van allen Parten in der Semigaller Aha sine Wahden uptheen mag an beiden Oeveren, wo ehm dat drechtig und beqvem werd syn ohne Behinderun- ge, in der Semigaller Aha und dem Babat- See nah obgeroͤrter Wise tho fischen, de iennen den id nahdem Olden dersuͤlvigeft geboͤhret. Nemblick, dat hochgemelten Hern Meisters Buren um de Schlockesche Becke wohnhaftig des Ehrwuͤrdigen Herrn Landmarschalcks Bu- ren im Gebede thor Mitow und de Stadt Buren und kene andern sineß darin thostaden. De Wahden, Raggen und Nette ein ider nicht lenger tho siende dan veer und ver- tigh Fadene, des Ehrwuͤrdigen Herrn und Landmarschalcks Fischmeister und der Stadt Landknechte frye tho siende, enes idern Parten Wahden, Raggen und Nette tho be- sichtigen, und wohr Gebreke gefunden, desulvigen Wahde, Ragge und Nette antho- holden, welkere man in deß Herschop, dar de Gebreke by beschlagen, bringen sall und de Gebreke, anthoͤgen, welkere Herschap mit gebuͤrliker Strafe ungesumet darin sehen sall. De Overtreter aller desser obgeroͤrten Ordnunge und Verenunge von enes idern Herschap mit Ernste und hoͤchste tho strafen. Unterhandelers deser obgenendten Vereninge sind gewesen von wegen des Ehrwuͤrdi- gen Hern Landmarschalks de Wehrdigen, Erbaren, Vesten, Achtbaren und Wolgeler- de Herr Everdt von Schuren, Huscomthur zu Riga, Hr. Steffen von Wester- ney, Havetmann thor Mitow Dutsches Ordens, Hilbrandt von Brockhusen, Hinrich Lambsdorff, Evert von der Hoffe, Henricus Steenhuus, Schotte Mengde Secretarius, Barthold van Grunde Landknecht, Matthias Pael Fisch- meister thor Mitow; van wegen der Stadt Riga de Ersamen, Wysen und Wolge- lerde Herde Hinrich Vlenbrock Buͤrgermeister, Herr Berthold Friedrichs Rath- mann, Landvogde, Magister Johann Lohmuͤller Dieser brave Man begab sich in die Dienste des Marggraf Albrechts zu Brandenburg nach Preussen, welches bey der Stadt eine kleine Eifersucht erweckte. Doch Heinrich Ulenbruck und Syndicus, Johann Giseler E e e 2 Se- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1534 lehrer nach dreifacher vorgaͤngiger Ermahnung gebuͤhrlich zu bestrafen. Den Ver- gleich unterzeichneten die Herrn Henrich von Tulen zu Jerwen, Hinrich von Galen zu Goldingen, Joh. von der Recke zu Marienburg, Loff von Loh zur Pernau, Joh. von Ekell zu Duͤneburg, Melchior von Gahlen zu Karkus, Juͤrgen von Hoyten zu Dobbelehn Comture. Ebert von Schuren Hauscomtur, Kersten von Rosen, Meyneke von Schier- staͤdt Hofmeister, Herr Matth. Unverfehrt Domherr, Joh. von Tiesen- hausen Hauptman, Heinrich von Ungern, Jurgen von Rosen zur Nabbe, Reinhold von Rosen, Heinrich von Tiesenhausen, Wolf von Schier- staͤdt und Wolf Loß des Erzstits Riga. Juͤrgen von Ungern Herr zu Puͤrkel, Hr. Johan Lode Domherr, Otto Yxkuͤl zu Fickel des Stifts Oesel. Hartwig Plater, Lorenz Schungel, Joh. Bockhorst Raͤthe. Hr. Paul Dreling, Hr. Hinrich Ulenbrock Buͤrgermeister, Conrad Dur- kop Rathsfreund, Mag. Joh. Lohmuͤller Syndicus und Joh. Tiseler Se- cretarius, Verordnete der Stadt Riga. Der Propst Heineman Rode ent- schlos sich auch zu einem guͤtlichen Vergleich mit dem Rath zu Riga, dessen Guͤ- ter so wie die erzbischoͤflichen in Sequester blieben; wie er sich denn nicht gegen die Sache des Evangelii auflehnen durfte. Zur Befoͤrderung des Handels gab Plettenberg zu Wenden an Petri und Pauli Abend die Strasse nach Litthauen von Riga nach dem langen Stei- ne, von da auf die Rekow, von der Rekow auf die Muͤsse, von der Muͤsse auf die Ekow, von da nach Bauskenburg bis uͤber die Grenze in Litthauen frey. Der Termin wird von Michaelis an auf 3 Jahr gerechnet. Ueber das gesetzte werden keine Pferde ausgebracht. Kein Deutscher und Litthauer darf ein Pferd uͤber 14 Meilen, kain Bauer uͤber 10 Meilen uͤber die Grenze fuͤhren, oder sol dasselbige missen. Dem Vogt zu Bauskenburg wird fuͤr jedes gekauf- te Pferd 12 Schilling und dem Tolk 2 Schillinge entrichtet. Kein Schiespulver, Kraut, Loth, trockne und salzige Fische duͤrfen uͤber die Grenze gefuͤhret werden. Geschenkte Guͤter gehen frey heraus, und alles kan ohne Bedenken herein kommen. Die Muͤsse stehet jedem zum Durchzuge offen. Am 21sten November langte der Coadiutor Wilhelm als postulirter oͤsel- scher Bischof in der Wyk an, und besahe seine neue Domkirche zu Hapsal. Er nahm die Schloͤsser Lode, Leal und andre Stiftsguͤter in Besitz, ob ihm gleich Secretarius, Johann thom Dahle Landknechte der Stadt Riga. Tho Urkunde der Warheit sint desser Breve twee gelickes Ludes gemaket, undt upgericht undt mit unser beiden Parten Jnsiegeln hieran hangende versegelt und befestiget, den enen der Erwer- dige Herr Landmarschalck und den andern Burger Meister und Raht der Rige tho sick genamen; Geschehen und geschreven thor Mitow, Diensetags nah Cantate im Jahr nah Christi unsers leven Herrn Geburt 1533. (das hangende Siegel des Landmarschals) (das hangende Siegel der Stadt Riga ) Anm. Jn einem lateinischen Exemplar, so auch besiegelt ist, heissen die Rothau- gen Alburni, die Schnepeln bleiben deutsch; das Fischergeraͤthe reticula, sagenae et retia, der Faden Passus, der Landknecht administrator terrestris. und Conrad Durcop, Rathsherren zu Riga, brachten die Sache zum Vergleich, so daß Loh- muͤller sich am 10ten Septemb. 1537 anheischig machte, das Syndicat beizubehalten, und sich zum Abgeordneten an das kaiserliche Kammergericht, an den Koͤnig von Daͤnnemark, sonderlich an die evangelischen Genossen, und deren Concilium, auch in erzbischoͤflichen Angelegenheiten, die GOttes Wort gemaͤs, sich gebrauchen zu lassen. Dafuͤr erhaͤlt er eine jaͤhrliche Pension von 230 Mark rigisch, die Helste auf Ostern, die Helfte auf Michaelis, wenn er auch Alters und Schwachheit wegen nicht mehr dienen koͤnte. Seine Hausfrau Ursula geniest 50 Mark rigisch zum Witwengelde. Mit seinem Haͤusgen zu Riga bleibt es nach dem Briefe des Kapitels. Das durcopische Wapen unter diesem Reces ist ein Seethier, so aus den Wellen steiget, und einem Seepferd aͤhnlich sieht. Wiewol auch Mathias Hurader ein wachsendes Thier im Wapen fuͤhrte, davon aber das unterste Feld nicht gewellet, sondern gerautet scheinet, so einer erzbischoͤ- flichen Muͤnze wegen zu merken. Erzb. Thom. Schoͤning. zur Zeit der Reg. Wolther v. Plettenberg. gleich in Riga keine lange Dauer dieser Wuͤrde prophezeiet wurde, indem der al- 1533 te Bischof Reinhold sich nach Arensburg auf das Schlos begab, weil ihm die Ritterschaft auf Oesel zugethan blieb, und seinem Nachfolger in Ha- psal die Behauptung dieser Stelle ziemlich schwer machte. Wilhelmen ward diese Art sich ins Amt zu dringen von jederman uͤbel ausgelegt. Der Erz- bischof Thomas selbst trat mit den Bischoͤfen zu Doͤrpt, Curland und Re- vel am 13ten Febr. zu Fellin zusammen, lies sich auch mit dem Ordensmeister 1534 und dessen Landmarschal genauer ein; indem beliebet wurde, daß keiner des Sei- nigen gewaltthaͤtiger Weise beraubet werden solte, wenn es nicht nach ordentli- chem Rechte geschaͤhe, und es alle Herren und Staͤnde auf einem algemeinen Landtage bewilliget haͤtten. Bey sich eraͤugnenden Empoͤrungen und Unruhen versprachen sie sich gemeinschaftlichen Rath und Beistand. Wolte der Marggraf Wilhelm nach endlicher Schlichtung und Beilegung des oͤselschen Zwiespalts mit in dieses Buͤndnis treten, so sol es ihrer fuͤrstl. Gnaden ungeweigert frey und offen stehen. Diese Verordnung machte dem oͤselschen Bischof Reinhold Luft, der die Wyk mit einigen Kriegesvoͤlkern besetzt hielt und Wilhelmen von Hap- sal wegzuziehen noͤthigte, zumal da der wykische Adel die Huldigung zu leisten Bedenken trug. Wilhelm fand bey seiner Zuruͤckkunft auch da die Gemuͤther gegen ihn kaltsinnig, welche gesamte Widersetzlichkeit samt dem eilfertigen Abzug aus der Wyk, und der daraus erfolgten Geringschaͤtzung seiner Person und Ga- ben weder seinem Willen noch gnaͤdigen Betragen, sondern blos der Hoheit seiner Geburt und der Hitze seiner Raͤthe zuzuschreiben war. Am Sontag Oculi nahm der durch seine Froͤmmigkeit sowol als durch alle 1535 einen Regenten zierende Eigenschaften warhaftig grosse Wolter von Plettenberg seinen Abschied aus dieser Welt und gieng unter vielen grossen Bemuͤhungen fuͤr das Wohl des Landes zu seiner Ruhe Sein Grabmal siehet man in der Domkirche zu Wenden mit dieser Aufschrift: Jnt Jahr 1535 des verden Suntages in der Vasten so starf de Hochlofliche ffuͤr- ste Herr Wolter von Plettenberch. d. O. meister to Lifflande regerde 44 Jar. Buͤlow setzt, daß er zu Wenden in Wanis und Hosen fuͤr Alter auf dem Stuhle gestorben. . Jhm folgte Der vier und vierzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Herman von Bruͤggeney genant Hasenkamp Chytraͤus und Russov nennen ihn Herman Hasenkamp. Horner setzet noch dazu von Bruggeney. Praͤtorius schreibt ihn Herman von Bruggeneis Husen- kamph. . A m Freytage nach Mariaͤ Magdalenaͤ unterzeichnete derselbe, nebst dem Landmarschal Hinrich von Galen und dem goldingischen Comtur Ernst von Moͤnninckhusen, den Huldigungsbrief an die Stadt Riga. Er preiset darin die goͤttliche Vorsehung, daß er noch bey Lebzeiten seines Vorgaͤngers in das Meisteramt eingesetzet worden. Der Stadt giebt er auf Ansuchen ihrer statlichen Botschaft aus dem Rath und der Gemei- ne die Erlaubnis zu huldigen, mit beigefuͤgter Eidesformel. Dagegen gelobet er an, die Lehre des Evangelii und alle buͤrgerliche Freiheiten nachdruͤcklich zu schuͤtzen, und die schaͤdlichen Gebaͤude zu Neuermuͤhlen weg zu schaffen. Dem alten Doͤm- dechanten Joh. Norbeck wird bey dessen lebendigen Tagen eine Vicarie bestan- den, F f f Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1535 den, nach dessen Tode dieselbe nebst andern Seelmessen der Stadt uͤberlassen wird, sie zur Ehre GOttes zu gebrauchen. Er erlaubet den Wall zwischen der Sand- und Jacobs pforte fester zu bauen, verbietet alle Vorkaͤuferey, laͤst den an der Stintsee angesessenen Stadtbauren die Holzung in dem Ordenswalde frey, und kein Buͤrger darf ohne Hauptursache gefangen oder arrestiret werden. Die Stadt behaͤlt die Wedde zu ihrem Selbstnutz, dafuͤr sie jaͤhrlich auf Jacobi dem Haus- comtur zu Riga 100 Mark zu entrichten hat. Die Strasse nach Litthauen uͤber Bauske bleibet noch 4 Jahr offen. 1536 Jn Estland entsponnen sich zwischen dem Adel und der Buͤrgerschaft recht ge- faͤrliche Mishelligkeiten. Am Tage Mariaͤ Heimsuchung nahm Bruͤggeney zu Revel die Huldigung an, worauf ihn die Stadt auf dem Rathhause mit einem praͤch- tigen Gastmal bewirthete. Jn dem dabey gehaltenen Turnier gelung es einem jungen Kaufgesellen, daß er einen Landjunker aus dem Sattel hob, woruͤber die Buͤrger ihr Vergnuͤgen zu ausgelassen bezeugten, und dadurch die schon vorher em- pfindlichen Gemuͤther des Adels in noch groͤssere Hitze brachten. Denn die Stadt hatte ein Jahr zuvor einen gewissen Johan Uxkuͤl, Herrn von Riesenberg, durch ihren Boten Schroͤder in Verhaft nehmen lassen, weil er einen von sei- nen Bauren erschlagen, dessen Verwandten ihm das Geleite gesperret. Ja sie lies ihm gar am 7ten May 1535 zwischen den Stadtthoren den Kopf abschlagen, ob er gleich ein ziemlich ansehnliches Loͤsegeld darbot. Dieses Unterfangen nun kam dem Adel bey dem Thurniere wieder in frisches Andenken, es kam zu Strei- chen, und einige waren schon wirklich toͤdlich verwundet. Die Wuth machte sie gegen das Verbot des Herrn Meisters blind und taub, ob er gleich mit Hut, Brod und Teller unter die erhitzten Parteien zum Fenster herunter warf. Nur der wackere Thomas Fegesack, Buͤrgermeister der Stadt, redete den Laͤrmenden so nachdruͤcklich zu, daß der Tumult sich legte, wobey er ihnen die Vertroͤstung gab, daß alles gruͤndlich untersucht werden solte. Wie nun der Adel nach erhal- tenem nicht angenehmen Bescheide dem Ordensmeister Parteilichkeit vorwarf, wur- den einige in Verhaft genommen, die alles Widerspruchs ohnerachtet einige Jahr sitzen musten. Diese Haͤndel griffen zwar noch weiter um sich, wurden aber durch das kluge Betragen des Ordensmeisters nach und nach gluͤcklich abgethan Hieher gehoͤrt die zu Revel 1543 niedergesetzte Commißion, in welcher der Bischof von Curland und bestaͤtigter Administrator des Stifts zu Oesel, Joh. von Moͤnnig- husen, die Comture Joh. von der Recke zu Fellin und Rembert von Scha- renberg zu Revel, diese weit aussehenden Streitigkeiten vornahmen. Der Adel be- schwerte sich, daß sie ihr Korn an die Buͤrger verkaufen und die auswertigen Waaren um den doppelten Preis von den Kaufleuten erstehen muͤsten. Die Buͤrger beriefen sich auf die alten Statuten, und die Hafengelder, weswegen sie vor den Fremden das Vorrecht mit dem Lande zu handeln haͤtten. Wegen der uxkuͤlschen Hinrichtung er- wiederte die Stadt, daß sie nach dem luͤbischen Rechte verfahren, welches von Kai- sern fuͤr Arme und Reiche bestaͤtiget worden Des luͤbischen Rechts bediente sich die Stadt Revel schon von den Zeiten des Koͤnigs in Daͤnne- mark Waldemar des II ten her, wie es nicht nur in Estland sondern auch in Preussen, son- derlich in den Staͤdten Braunsberg, Frauwenberg und am staͤrksten in Elbingen gebraͤuchlich war, wo man noch bis auf des poblnischen Koͤnigs, Sigismund des I sten, Regierung sich auf die Stadt Luͤbeck zu berufen pflegte. Weil es die roͤmischen Kaiser bestaͤtiget, so haben die Koͤnige in Pohlen es nach der Veraͤnderung mit Preussen 1512 abzuschaffen beschlossen. S. Schuͤtzen rerum Pruss. lib. X, f. 444, woraus Hartknoch in der XVII Dissert. von dem Rechte der Preussen und Menius prodrom. S. 13 ihre Nachrichten von Liefland nehmen. Herr Schurz- fleischen komt es vor, als ob Revel einen merklichen Vorzug vor Riga genossen, weil man von ihr nicht an das kaiserliche Hofgerichte nach Speier appelliret, und selbige auch keinem Bischof gehuldiget habe. Allein wie nur die Staͤnde das Vorrecht befassen ihre Processe an den Hoͤfen und Gerichtstaͤten ihrer obersten Schutzherrn, des Papstes und Kaisets, auszufuͤhren; so war hingegen nach den Landesstatuten allen Prwatpersonen auch in Liefland und Riga die Appella- tion an auswaͤrtige Oerter untersaget. Riga aber machte den Erzbischoͤfen und Ordensmeistern die Huldigung immer so lange sauer, bis es almaͤlig die zerstreueten Ueberbleibsel des alten Anse- hens . Jn Ansehung der beim Thurnier vor- gefallenen . Am Erzb. Thom. Schoͤning. zur Zeit der Reg. Herman v. Bruͤggeney. Am Michaelis tage unterschrieben der Erzbischof, sein Coadiutor, die uͤbri- 1537 gen Bischoͤfe samt dem Ordensmeister und dem Landmarschal zu Wolmer einen Reces, in welchem sie sich zur Ehre GOttes verbindlich machen, die Kirchen im bau- lichen Wesen zu erhalten, selbige mit tauglichen Personen zu besetzen, alle Untu- genden abzuschaffen und unter sich Friede und Einigkeit zu halten. Der fellin- sche vor 3 Jahren geschlossene Reces wird zum Grunde gelegt. Jeder Stand behaͤlt das freie Wahlrecht. Die Kleiderbulle und der kirchholmische Vertrag bleiben in ihren Wuͤrden. Die Geistlichen duͤrfen ihre Guͤter an keine weltliche Hand bringen; keiner ohne der Staͤnde Mitwissen Krieg anfangen; Fischwerk, Ochsen, Pferde und allerley Proviant sol nicht zum Nachtheil des Landes nach Deutschland, Rußland oder Litthauen verfuͤhret werden; niemand sol bey Verlust seiner Waaren einen ungewoͤhnlichen Weg reisen, oder ungewoͤhnliche Kruͤge halten. Bauren und Undeutsche sollen mit der Kaͤuferey nichts zu thun haben; kein Bauer darf Geld auf die Hand nehmen, Waaren aufzukaufen. Die Erbbauren werden von den Herrschaften ausgeantwortet. Weil endlich der Marg- graf sich mit in diese Vereinigung begeben, so versehe er sich des Besten, daß wie er gegen die Staͤnde, also auch die Staͤnde gegen ihn allen Verdacht und Arg- wohn werden fahren lassen. Am Sonnabend nach heil. drey Koͤnige schickte Bruͤggeney den Landmar- 1538 schal Heinrich von Galen, den vellinschen Comtur Joh. von der Recke, den Vogt zu Jerwen Heinrich von Teile, die Herren Joh. von Brockhorst, Hartwich Plater, Peter Robel und Wolter von Plettenberg als Com- missarien nach Estland, die zu Weissenstein einen Vergleich zwischen der Rit- ter- und Buͤrgerschaft in Revel trafen. Der revelsche Comtur hatte Andreas Deken und seine Soͤhne auf Befehl des Ordensmeisters in Bestrickung genom- men, welches der Adel dem revelschen Rath zur Last legte, und daher drohete die Buͤrger in Stuͤcken zu zerhauen. Beide Theile erklaͤrten sich zur gemeinschaft- lichen Befriedigung, welche von dem Ordensmeister, Montags nach Mariaͤ Em- pfaͤngnis, zu Wolmer ihre Bestaͤtigung erhielt. Und in einem besondern Gesetze ward die Laͤsterung der hohen Obrigkeit aufs haͤrteste verboten. F f f 2 Am gefallenen Beschimpfung und Vorenthaltuug der entlaufenen Bauren, sagten die Buͤr- ger zu ihrer Verantwortung, daß der Adel den Anfang gemacht, und ihre Stadt ei- nem jeden Nothleidenden und Fluͤchtigen offen stuͤnde. Bruͤggeney traf endlich zu bei- der Theile ziemlichem Vergnuͤgen die Verfuͤgung, daß der Adel sein Korn so lange bey den Kaufleuten aufschuͤtten koͤnne, bis er seinen Vortheil ersehe. Das Thor wo Uxkuͤl enthauptet worden, ward vermauret, und sol der Comtur kuͤnftig die Untersuchung hal- ten, wenn ein Bauer dem Edelman das Geleite sperret. Jn theuren Zeiten wird kein Korn verfuͤhret; die Ritterschaft enthaͤlt sich des buͤrgerlichen Handels, kan aber doch ihr Korn fuͤr baar Geld den Hollaͤndern in die Schiffe liefern, und sich mit allerley nothduͤrftigen Dingen fuͤr Haus und Hof versehen. Die Bauren, die zu Lande Noth- wehr gethan, geniessen in der Stadt gleiches Recht, aber andre muthwillige Todschlaͤ- ger erwarten das Ebentheur des Rechts. Die Kleinodien, Gesetze und Eigenthum des abgebranten Moͤnchsklosters werden der kaiserlichen Reformation uͤberlassen, wie auf dem Reichstage zu Regenspurg beschlossen worden. Die Klosterjungfrauen geniessen bey der Stadt auf Vorbitte der Ritterschaft die alten Privilegien und halten ihren Got- tesdienst bis zum nechstkuͤnftigen General- oder National-Concilio, dagegen sie sich auch in ihrem Kloster nach ihren jungfraͤulichen Geluͤbden zuͤchtig und tugendsam oh- ne Tappen und Schnappen bezeigen, und zum Aergernis oder Vorfang der Stadt keine Leute des Abends zur Arbeit einnehmen, woruͤber der Vogt die Aufsicht hat. Der Raum im Domberge vor der Pforte wird der Ritterschaft zuerkant. Dis waͤren die wichtigsten unter den 18 Artikeln, die am Johannis abend unterzeichnet worden. Doch war hiermit der alte Grol nicht gleich getilget, ob schon beide Theile das Ge- schehene zu vergessen angelobten. hens wiederum zusammen brachte, so mehrentheils nicht ohne Blutvergiessen abgieng, daher auch der alte Rosenstrauch klaget, daß sein Erzbischof nie was rechts mit den Rigischen ausrichten koͤnnen. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1538 Am 11ten Febr. gab Kaiser Carl der V te den Herren Meistern das Privile- gium uͤber die Regalien, welche dieselben 4 Jahr nach angetretenem Meisteramte empfangen solten; und am 28sten dieses Monats einen versiegelten Brief, in wel- chem der Kaiser der Entlegenheit der Laͤnder wegen fuͤr Liefland den Erzbischof zu Coͤln, die Herzoge zu Sachsen, die Marggrafen zu Brandenburg, den Erzbischof zu Bremen, den Bischof zu Muͤnster und Osnabruͤgge, alle Her- zoge zu Julich, die Herzoge zu Braunschweig und Luͤneburg, Mecklen- burg, Stettin und Pommern nebst der Stadt Luͤbeck zu Conservatoren und Handhabern auf 6 Jahr ernennet. Beide sind gezeichnet zu Barcinone, (Barcellona). Der Stadt Goldingen ertheilte Bruͤggeney zu Riga, am Dienstage nach Laurentii, denjenigen Brief, der sie mit Wenden und Wolmer in allem gleich macht, auch ihr alle Wochen einen gemeinen Markt zu halten verstattet. 1539 Der Erzbischof Thomas segnete auf seinem Schlosse Kokenhausen, am Tage Laurentii, das Zeitliche, und ward den Sonnabend darauf in dasiger Pfarrkirche begraben. Die Rigischen drungen so gleich auf die Besetzung des Ha- fens, welche ihnen der Ordensmeister zugestand. Sie zogen die 4 Kloͤster der Mino- riten, der Dominicaner, der Franziscaner, und der Benedictiner nonnen bey der St. Catharinen kirche, welches 1251 gestiftet worden, auf einmal ein, und bemuͤhten sich indessen um die Aufnahme in den schmalkaldischen Bund, ver- sagten hingegen dem neuen Erzbischof Wilhelm die Huldigung und Wiederer- stattung der Domguͤter, bis ihnen hinlaͤngliche Sicherheit wegen der Religion ausgestellet wuͤrde. Dem Domkapitel selbst war wegen der Wankelmuͤthigkeit des Coadiutors in der Religion bange: da aber auf dem Reichstage zu Regen- 1540 spurg alle Beisorge gehoben wurde, erkante es diesen Wilhelm, Marggrafen zu Brandenburg, in der erzbischoͤflichen Wuͤrde ohne die geringste Schwierigkeit fuͤr sein Oberhaupt. Die Ritterschaft des Stifts Doͤrpt hatte ihre Erbschaftsprivilegien durch einen Dechanten, dem sie dieselben anvertrauet, von Handen kommen lassen, da- her sie ihrem Bischof Johan anlag, ihre Gnade zu erneuren und zu vermehren; welche denn auch der Bischof unterm 16 December in Doͤrpt auf folgende Punk- te ausstelte. Die Soͤhne erben die vaͤterlichen und muͤtterlichen Guͤter, und in deren Ermangelung erben die Toͤchter. Die berathene Tochter erbet nicht, so lange Soͤhne und unberathene Toͤchter vorhanden sind. Die unberathenen Toͤch- ter erben auch nicht, sondern werden von den Soͤhnen abgefunden nach ihrem Vermoͤgen. Toͤchter gehen, wo keine Soͤhne seyn, unter sich in gleiche Thei- lung. Der berathenen Schwester Kinder theilen sich ins vaͤterliche und bruͤderli- che Erbe ihrer Mutter in gleiche Theile. Der unbeerbten Frau bleibet alle fahren- de Habe, Hausgeraͤthe, Kleinodien, und alles Korn im Hofe, was aber ausser den 4 Pfaͤlen ist, bleibt bey den Erben. Doch sitzt sie Jahr und Tag im Genus der Guͤter, bis sie nach gesetzten Terminen ihre eingebrachte Morgengabe zuruͤck empfaͤnget. Bey dem ersten Termin raͤumet sie Hof und Gut. Wird ihr die Morgengabe nicht entrichtet, so bleibt sie so lange im Gute sitzen. Die Hausfrau mit Kindern erbet Kindestheil, zu ihrer Leibzucht aber das vorraͤthige Korn im Hofe und was an Winter- und Sommersaat faͤlt. Die Guͤter eines unbeerbten Mannes fallen an die naͤchsten Freunde maͤnlichen und weiblichen Geschlechts. Wenn den Einwohnern der Stadt Doͤrpt auf dem Lande an Ritterguͤtern etwas zustirbt, so sollen sie nach Jnhalt der Gnade davon nicht ausgeschlossen werden. Die Ritterschaft hat freie Hand, Guͤter zu kaufen und zu verkaufen. Alle Jahr wird ein Manntag gehalten. Keiner von Adel wird gefaͤnglich eingezogen, wenn nicht die offenbare That vor Augen ist. Die ritterliche Hand sol sein Buͤrge seyn. Der Abt Gerhard und das ganze Convent des Gotteshauses Valckena wird bey allen Privilegien geschirmet und gehandhabet. Dieses alles verspricht der Bi- schof Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Reg. Herman v. Bruͤggeney. schof als Landesfuͤrst bey seinen fuͤrstlichen Ehren zu halten. Donnerstags nach 1540 Luciaͤ, mit dem bischoͤflichen und des Kapitels Siegel. Durch das Jawort des Domkapitels ward indessen des Erzbischofs Sache bey 1541 den andern Staͤnden nur verschlimmert. Die Ritterschaft in der Wyk und Oesel erklaͤrte sich durch ihren Administrator den Bischof von Curland, daß sie laut der Recesse sich von den andern Staͤnden nicht absondern, sondern mit ihnen und dem Herrn Meister leben und sterben wolte. Der Bischof Arnold zu Re- vel erwehnet gar in einem versiegelten Briefe, daß man bisher die Laͤnder dem roͤmischen Reiche zu entziehen und fremde Regenten einzufuͤhren bemuͤhet gewe- sen; weswegen er sich mit an den Kaiser zu wenden gemuͤßiget werde, den Herrn Meister dergestalt zu begnadigen, daß kein Auslaͤnder oder anderer zu einigem Stift oder obrigkeitlichen Amte erhoͤhet werde, es geschehe denn mit Bewilligung des ganzen Ordens. Sontags nach Aller Heiligen empfieng die Stadt Riga den so lange gesuch- ten Bundesbrief, welchen der Churfuͤrst Joh. Friedrich zu Torgau selbst ver- siegelt, wobey die Abschrift des schmalkaldischen Bundes nebst der zehnjaͤhrigen Verlaͤngerung desselben angehaͤnget ist. Weil die Stadt um die feierliche Auf- nahme in dasselbe Buͤndnis bey den Bundeshaͤuptern fleißige und dienstliche An- suchung gethan, und zu Luͤbeck schon 1400 Fl. erleget, die man bey der grossen Anlage zu Braunschweig berechnet, so haben alle Bundesgenossen vermoͤge des arnstaͤdtschen Abschiedes darein gewilliget; hingegen erklaͤret sich auch die Stadt, sich mit Zusetzung Leibes und Gutes dem Verstaͤndnis gemaͤs zu be- zeigen Der schmalkaldische Bundesbrief von Aufnehmung der Stadt Riga ist uns aus ei- ner Abschrift bekant, die sich in der ehmals beruͤhmten Brieflade des Herrn Oberhaupt- mans Ernst von der Bruͤggen zu Stenden in Curland befunden. Die darin be- findlichen Abschriften haben, weil sie mehrentheils vidimiret waren, der lieflaͤndischen Ritterschaft in Einziehung sicherer Nachrichten manchmal vortrefliche Nothdienste thun muͤssen. . Jn Riga lies der Rath eine in 20 Punkten abgefaste neue Kriegs- und Feu- 1542 erordnung bekant machen. Jn Revel verglichen sich Donnerstags nach Oculi der Bischof samt den Herren Gebietigern und der Ritterschaft wegen des so ge- nanten Sendekorns, welcher Vertrag ein Jahr nachher auf Johannis so weit ausgedehnet wurde, daß der Bischof und sein Kapitel das Sendekorn gaͤnzlich erlies. Jn dieses Jahr faͤlt die kurz vorher in den Anmerkungen gemeldte Commis- 1543 sion zwischen der Ritterschast und den Buͤrgern in Revel. Nach 8 Jahren be- schickten die Rigischen den wolmerschen Landtag, um dem Ordensmeister Bruͤggeney nach angenommenem Habit des ritterlichen Ordens, dem Jnhalt der Kleiderbulle zu Folge, die Huldigung zu leisten. Weil aber die Bevolmaͤchtigten nicht gehoͤrig unterrichtet waren, so solte zu dieser Handlung um Johannis oder Jacobi ein eigner Tag bestimmet seyn, an welchem der Meister sich persoͤnlich in Riga einfinden wuͤrde. Der revelsche Comtur Remmert von Scharen- berg verliehe dem Kloster Padis und dessen Abte Eberhard die Gewalt, alle Missethaͤter durch deutsche und ehrliche Untersassen richten zu lassen; weil durch die Verschreibung der Richter aus Revel und ihrer langsamen Ankunft viele Ver- brecher Zeit zum Entwischen bekommen. Gegeben am Tage Laurentii. Der alte Koͤnig von Pohlen Sigismund der I ste schrieb mit eigner Hand 1544 an die Stadt Riga, daß dieselbe dem Erzbischof die Domkirche, den Minoriten- Nonnen und andern Orden aber die Guͤter wieder einraͤumen moͤchte: da aber die Versicherung wegen der Lehre des Evangelii nicht mit uͤbersandt wurde, so wol- te die Stadt erst naͤhere Sicherheit erwarten. Jndessen bewilligte der Koͤnig das Ansuchen des Landes, daß zwischen Litthauen und Liefland eine richtige Grenze gezogen wuͤrde. Don- G g g Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1545 Donnerstags nach Laͤtare traten die Staͤnde des Landes aus eigener Bewe- gung zu Wolmer zusammen, um ihre Gebrechen zu wandeln, und wieder in gute Ordnung zu bringen, auf welchem Landtage nachstehende Artikel beliebet und nie- dergeschrieben wurden. Weil das Land durch uͤberfluͤßige Bekoͤstigung, Kindel- biere, seidene Kleidung, Begiftigung und andre Unkosten in Theurung und Ver- derb gesetzet wird, so sol jeder von Adel in ganz Estland seine Tochter nach seinem Vermoͤgen berathen. Den unbeerbten Witwen werden auf 400 Mark Mitgabe, 800 Mark Morgengabe, doch in Terminen, zugelegt, und so nach Proportion. Niemand sol seiner Tochter aufs allerhoͤchste mehr denn 10 Mark Silbers, wor- unter das Hauptgeschmeide mit begriffen ist, mit geben. Ein Aermerer giebt we- niger. Die bestickten und belegten uͤberfluͤfligen seidenen Roͤcke samt allen theu- ren Geschmeiden, Perlen, Silber und Unzengolde werden bey Maͤnnern und Frauen abgeschaffet. Stat der gestickten Kragen mag jeder von Adel seiner Toch- ter eine guͤldene oder silberne Kette mit geben. Den Frauen und Jungfrauen wird an Muͤtzen und Legeperlen, sonderlich den Jungfrauen ein bestickter Perlen- kragen zu tragen zugelassen. Der Braͤutigam giebt seinem Vater, Bruder und Diener ferner hin nichts denn Hemden mit weissen geneheten Kragen, ohne alle Per- len oder Gold. Die Frauen in Weichbilden und Pfalzen duͤrfen sich den Adli- chen nicht gleich kleiden bey wilkuͤhrlicher Strafe. Allen andern unzuͤchtigen und mit Warheit beruͤchtigten Weibespersonen, sonderlich den Meyerinnen ist nicht nachgelassen, sich den ehrlichen mit Kleidung und Geschmeide gleich zu zieren, oder auch in loͤbliche Geselschaften neben her zu treten, sondern sich bey gebuͤhrlicher Strafe ihrem Stande gemaͤs zu halten. Die Koͤste des Freytages vor der Koͤste ist ganz abgethan. Der Braͤutigam wird nicht eher als des Sonnabends im Felde empfangen, wobey niemand mit Ausruͤstung und Kleidung in seiner Farbe be- schweret werden sol. Der Braͤutigam giebt der Braut nicht mehr als ein lieflaͤn- disch Paternoster Die lieflaͤndischen Paternoster waren ein wenig gros, und reichten wol bis auf die Erde. Sie bestunben aus einer Reihe von mehr als hundert alten Henkelthalern. Auch die Baͤurinnen tra- gen, sonderlich im Doͤrptischen, solche Pater am Halse. Die Weiber der reichen Letten in und um Riga schuͤrzen einen maßiv silbernen Guͤrtel von sauberer Kettenarbeit, woran gewoͤhnlich ein paar Schluͤssel haͤngen, bey ihren Solennitaͤten um sich, welches Stuͤck oft 80 bis 100 Tthlr. kostet, auch wol stark verguldet, mit schoͤnen Steinen besetzet, und an Silber 4 und mehr Pfund schwer ist. Das gemeine Bauervolk traͤget auch dergleichen altaͤglich, aber nur von meßingenen Ket- gen, und hat stat der Schluͤssel grosse Messer daran hengen. Ein solcher silberner aber kuͤnstlich ausgearbeiteter Guͤrtel wird von den Esten roͤhhud, von den Letten joost genennet. , eine beschlagene Scheide mit Messer, eine samtene Tasche mit einem silbernen Ringe, und an 300 Mark am Gelde oder Silber zum Geschenk. Die Koͤste sol nicht laͤnger, denn den Sonnabend, Sontag und Montag waͤhren, und damit ein Ende haben. Wein und Kraͤuter werden in Brautkammern, Wil- kommenheiten, Kindelbier, Badstuben und Hausbringungen ganz abgethan, aus- genommen Sontags und Montags in der Koͤste, und Sontags in den Kindel- bieren zur Mittagsmalzeit, doch in ziemlicher und nicht uͤberfluͤßiger Masse. Auf Manntagen, Handlungen und Zusammenkuͤnften des Adels sind Wein und Kraͤuter voͤllig zu meiden. Die Witwe, so sich ohne Wissen der Freundschaft mit einem schlechten Gesellen verehliget, die Ehefrau, die ausser ihren Stande sich unehrlicher Weise versiehet, sollen aller ihrer fraͤulichen Gerechtigkeit entbeh- ren, welche so dann an die naͤchsten Freunde erblich verfaͤlt. Wenn ein wohlge- borner Knecht eine Jungfrau mit geliebten oder behenden Worten an Ehren schwaͤchet und zu Fal bringet, sol er sich mit ihr echtigen lassen. Wenn Bauren sich tod schlagen, wird der Thaͤter am Halse gericht, und wer dem Thaͤter beiste- het, sol auch am Halse brechen. Entfuͤhrt ein Bauer eine Dirne ohne der Freun- de Wissen, den richtet man am Hals. Der Bauer, welcher Gewehr bey sich traͤgt ohne Zeichen der Herrschaft, verlieret dasselbe. Ledige unbesessene Bauer- knechte sollen keinen Acker haben, sondern um Lohn sich auf ein Jahr vermiethen, verlaufen sie, so fallen sie in gebuͤhrliche Strafe. Weil die Muͤnchskloͤster zur Unterweisung der Undeutschen, und die Jungfernkloͤster fuͤr adeliche Toͤchter zur Erler- Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regiegung Herman v. Bruͤggeney. Erlernung der Gottesfurcht, Kuͤnste und guten Sitten nicht entbehret werden 1545 koͤnnen, so bleiben sie in Schutz der Obrigkeit, nur daß alle Unordnung, alles Ein- und Auslaufen abgeschaft sey, und die Freunde nicht, wie bisher, selbige ausnehmen, sondern daß sie von den Conventsguͤtern ziemlich und nothduͤrftig er- halten werden. Alle adliche Jungfrauen enthalten sich andern zum Exempel alles Affens (Apens) sonderlich im Tanzen; die gemeinen Diener zumal enthalten sich des unhoͤflichen Scherzens und Handgeberden mit denselben, lassen das Affen nach, und erzeigen sich ihrem Stande gleichmaͤßig. Niemand spannet des andern Diener ab, und nimt sie ohne Pasbrief auf. Die Ritterschaft des Erzstifts Ri- ga appelliret von einem Manntage bis zum andern an die hohe Obrigkeit; die in den uͤbrigen Stiften halten es mit der Apellation nach dem alten. Die in Harrien und Wirland richten sich nach ihren koͤniglichen Privilegien. Die 2 oder 3 mal in ein Pfand versiegeln, sind Ehrenlos. Wer unleidliche Schmaͤhworte braucht, wird nach kaiserlichen und Landsrechten gestrafet. Wer Waldener ist, und mit dem Rechte der Landesobrigkeit sich nicht begnuͤget, faͤlt in Strafe des Rechts. Solten Frau, Soͤhne, Toͤchter, Knechte, Gesinde und Nachkommen gegen diese Gesetze freveln, so ist ihnen eine Poen von 200 rheinischen Guͤlden ange- setzt. Unterzeichnet haben aus dem Erzstift Riga Juͤrg Kruͤdner zu Rosen- beck, Juͤrg. von Rosen zu Nabbe, Goͤddert von Theilen zu Treiden und Kokenhausen Stiftsvogt, Joh. von Rosen zu Hochrosen, Jac. von der Pahle, Didr. von Rosen. Aus dem Stift Doͤrpt. Johan Wran- gel zu Regel und Rogel, Pet. Stakelberg, Heinrich und Fabian von Tisenhausen Raͤthe, Juͤrgen Kursel, Joh. Meks und Elerd Kruse. Aus dem Stift Oesel Otto Uxkuͤl zu Vickel, Wolm. von Treiden, Joh. Farensbeke, Didr. Brakel, Claus Uxkuͤl, Claus von Ungern. Aus Harrien, Johan Taube zu Mart, Lorentz Fersen, Johann Bre- men, Ebert Duͤcker. Aus Wirland Jacob von Loͤwenwolde, Thu- we von Bremen, Otto Gilsen, Arend von Asseri. Aus dem Stifte Curland Otto von Sacken. Etliche Junker und gute Maͤnner aus Jer- wen, Curland, aus allen Gebietern und aus den Lehnrechten in Volmacht der gemeinen Ritterschaft: Johan von Bockhorst, Lorentz Schungel, Pe- ter Robel, Wolt. von Plettenberg, Philip von der Bruͤggen, Juͤrg. von dem Velde, Johan Wrangel von Wedema, Joh. Firx, und Gerd Doenhoff. Bruͤggeney fand bey den schweren Regimentssorgen und seiner Schwach- heit fuͤr rathsam, einen Coadiutor anzunehmen, zu welchem Amte denn Johan von der Recke erkohren ward. Die Stadt Riga verstand sich auch zu dessen Huldi- gung, woruͤber zu Neuermuͤhlen Sontags nach Luciaͤ ein Vergleich errichtet 1546 wurde, wie es dabey gehalten werden solte. Sie hielt es zugleich fuͤr gefaͤhr- lich, dem Orden allein zu huldigen; weswegen sie den Erzbischof den 16 Jahre lang verweigerten Eid gutwillig anbot. Es schien dabey ihre Absicht zu seyn, ei- ner von beiden Parteien durch ihren Beitrit das Uebergewicht zu geben, oder we- nigstens das Gleichgewichte unter ihnen zu erhalten, und solchergestalt zwischen beiden Eifersucht zu erwecken und von einer jeden das zu erlangen, was ihrer Si- cherheit zutraͤglich seyn konte. Hierzu kam der almaͤlig eingegangene schmalkal- dische Bund; weswegen die Stadt von Seiten des Erzbischofs nicht nur Ver- drus besorgte, sondern auch bald die Wirkungen davon erfuhr; und die erzbischoͤ- fliche Titulation eines Marrggrafen zu Brandenburg, zu Stettin, Pom- mern, der Cassuben, und Wenden Herzogs, Burggrafens zu Nuͤrnberg und Fuͤrsten zu Ruͤgen, wie sich Wilhelm zu schreiben pflegte, hatte einen gar zu lan- gen und gehaͤßigen Klang. Ausser dem hatte sich schon der Erzbischof, die Bischoͤfe und der Ordensmeister nebst seinen Comturen am 28sten Jul. zu Wolmer aufs beste erklaͤret, den uͤbrigen Staͤnden zum Verdrus keinen Befehl auszuwirken, die von der Art bereits vorhandenen zu vernichten, und blos bey der Kleiderbulle G g g 2 und Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1546 und dem lemselschen Vergleich zu bleiben, ein ander gemeinschaftlich gegen den Feind zu beschirmen, und keinen Coadiutor ausser Landes von Macht und Anse- hen und fuͤrstlichem Stande einzuverschreiben; welcher letztere Punkt in allen Land- tagen verschrieben, aber auch am wenigsten gehalten wurde. 1547 Am Freitag nach Pauli Bekehrung gab der neue Coadiutor der Stadt Ri- ga vor seinem Einzuge in dieselbe zu Neuermuͤhlen mit den feierlichsten Verbin- dungen die schriftliche Versicherung, die Stadt bey dem allein seligmachenden Worte GOttes und dem Evangelio, nebst den Ceremonien ihres christlichen Got- tesdienstes und allen Privilegien, zu schuͤtzen, die Klagen wegen des Thorschliessens abzustellen, und die alte Gerichtbarkeit des Raths gegen das unzeitige Appelliren zu handhaben. Der Erzbischof stellete schon am Freitage nach Mariaͤ Reinigung eine gleiche Versicherung von sich, daß die Stadt ihm gutwillig den Eid geleistet, daher er alles wie der Herr Meister zu halten angelobet, und die jetzige reine Re- ligion der Stadt mit seinem groͤssern Jnsiegel bestaͤtiget. Der Ordensmeister Bruͤggeney, sein Coadiutor Recke, und der Erzbischof Wilhelm hielten hier- auf den praͤchtigsten Einzug mit 2200 Pferden; die Stadt legte an den Coadiu- tor Recke den Eid ab, und raͤumte die Haͤuser der Domherren der Geistlichkeit wieder ein, welche sie doch nur auf eine kurze Zeit bezogen. Denn am Sontag Exaudi entstund durch Unvorsichtigkeit einer Buͤrgerstochter, die ihrem Vater Klotwachs, oder Wachs im Klumpen schmelzen solte, aber dabey einen jungen Gesellen zu sprechen hatte, ein Feuer in der Vorburg. Die im Rauch haͤngenden Speckseiten flogen nach der Stadt zu, und eine davon zuͤndete den Thurm der Domkirche an, und legte die herrlichste Spitze an der Ostsee in die Asche Auf Weihnachten 1549 wurde schon im Dom die erste Predigt wieder gehalten. Jm Jahr 1595 ward der Hahn und Knopf auf den neuen Thurm gesetzet, welcher Aufsatz auf 9782 Thaler Alb. und 3 Mark rigisch zu stehen kam. Die Domkirche war 1204 gebauet worden, und im Jahr 1213 oder eher brante sie schon wieder ab. Sie lag in der alten Stadt Riga. Die jetzige ward damals ausserhalb der Stadt an der Duͤne gebauet, welcher Raum nachher bey Erweiterung der Mauer mit in die neue Stadt gebracht ward. . Von dem Thurme flog das Feuer in die Vorstadt, wo die Korn und Flachsspei- cher drauf giengen, die Stiftsstrasse und Kaufmansgasse kam zum Theil mit in Brand, und wenig Haͤuser der Domherren wurden gerettet, wodurch dem Propst Matthias Unverfehrt der Vergleich mit der Stadt leichter wurde. Nach Schmelzung der grossen Glocken fiel ein Balken ins Kirchengewoͤlbe, der 6 Faden tief in die Erde drang, wobey man diese Worte zeichnete: Den 21sten May 1547 fiel dieser Balken vom Thurm herunter. Jn diesem Jahr legten die Lieflaͤnder dem Czaar in Rußland wieder ei- nen Stein des Anstosses in den Weg. Dieser in der Staatsoͤconomie erfahrne Herr lies durch seinen Gesandten Hans Schlitte im roͤmischen Reiche an 300 Gelehrte und Kuͤnstler mit Anweisung ansehnlicher Besoldungen fuͤr seine Laͤnder aufsuchen. Aerzte und Weltweise, Papiermacher, Bergwerksverstaͤndige, Bauleute, Goldschmiede, Glockengiesser, Brunnenmeister und dergleichen wa- ren in Deutschland fertig, mit kaiserlicher Erlaubnis nach Rußland zu gehen, doch unter dem Vorbehalt, weder unter Tuͤrken noch Tartern dergleichen Kuͤn- ste einzufuͤhren, noch sie zum Schaden der Deutschen zu gebrauchen. Es ward solches von dem roͤmischen Kaiser desto eher bewilliget, je mehr man sich die eitle Hofnung machte, es wuͤrde der Czaar und desselben Kronprinz zur lateini- schen Kirche treten. Allein auf der andern Seite glaubten die Lieflaͤnder, daß diese Maximen des rußischen Hofes fuͤr ihren Staat gar gefaͤhrlich ausfallen koͤnten. Der Orden hatte auch wirklich so viel beim Kaiser ausgewirkt, daß die- sem Schlitte mit seinen Leuten die Paͤsse in Luͤbeck abgenommen und zuruͤck ge- sandt wurden, woruͤber man in Rußland nachdruͤckliche Beschwerden fuͤhrete, die aber kein Gehoͤr fanden. Die Kuͤnstler selbst nahmen den Heimweg, ohne eine neue Erlaubnis vom Kaiser abzuwarten, wiewol sich auch viele nachher heim- lich in Rußland hinein stahlen. Sal. Henning beschreibet Schlittens Rei- sege- Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Herman v. Bruͤggeney. segeselschaft noch ansehnlicher, und rechnet noch Leute, die im Wasser suchen kon- 1547 ten, Steinmetzen, Maͤnner die zierliche Kirchen bauen konten, Waffenschmie- de, Panzermacher, Rothgiesser, Mahler, und Bildschnitzer. Noch andre fuͤ- gen Gottesgelehrte, Rechtsgelehrte und Staatsleute hinzu, welche die jungen Russen im Lateinischen, in Kirchenceremonien und guten Sitten unterweisen solten, wie auch etliche Jngenieurs, um an den tartarischen Grenzen Vestungen an- zulegen. Der Kaiser schrieb selbst an den Herrn Meister, daß er diese Reisende bis auf weitern Bescheid in Liefland auf halten moͤchte. Da der rußische Mo- narch auf die Verbesserung seiner Laͤnder und die Ausbildung seiner Nation bedacht war, hierdurch aber seine wohlgemeinten Absichten ein uͤbles Ansehen gewannen; so musten ihn diese Hindernisse freilich in Zorn jagen, den er aber doch damals mit vieler Klugheit und Maͤßigung zu verbeissen wuste Russov fuͤhrt in der neuen Auflage Bl. 27 von einigen italiaͤnischen Gaucklern ein Histoͤrchen an, welches wir einigen Lesern nicht vorenthalten duͤrfen. Der Magistrat zu Revel lies ein ungeheures Kabelthau schlagen, das mit einem Ende an die Spitze des hohen Olaithurms befestiget war, und bis nach der Reiferbahne gieng. Hierauf wurden alle Thore der Stadt zugeschlossen; alle Einwohner aber liefen zur grossen Strandpforte hinaus das Schauspiel anzusehen. Der Hochflieger kroch aus eines Lu- cke des Thurms heraus aufs Seil, machte seltsame Luftspruͤnge, und tanzte laͤngst dem Seile uͤber alle Graben, Teiche und Stadtswaͤlle bis auf die Reiferbahne; welcher Flug in der Luft der grossen Hoͤhe wegen fuͤrchterlich anzusehen war. Diese Gaucke- leien wurden auch in andern lieflaͤndischen Staͤdten getrieben. . Am 5ten Feiertage nach Martini gieng der rigische Superintendent und 1548 Rector der Schule, Herr Magister Jacobus Battus mit Tode ab Die vornehmsten Lebensumstaͤnde dieses Battus bringet Pistorius in seinem Epicedio an, welches in elegischen Versen geschrieben ist. Er war eines Bauernsohn aus der Provinz Zeeland, gieng auf die hohe Schule nach Loͤwen und bediente sich der Un- terweisung Erasmi, Goclenii und Clenardi. Von da wandte er sich nach der Uni- versitaͤt zu Paris, und um den beruͤhmten Lud. Vives zu hoͤren, zog er gar nach Spanien. Hierauf nahm er in Antwerpen einen Schuldienst an, den er aber bald niederlegte, weil ihn Lutheri Lehre und die Liebe zum Evangelio nach Wittenberg trieb. Der Rath zu Riga verschrieb ihn auf Luthers Fuͤrsprache an die Schule, in der er 10 Jahr gestanden und Rector gewesen. Weil er unverheirathet lebte, gieng er noch einmal nach Wittenberg, von da ihn der rigische Rath wieder abforderte, und zum Superintendenten berief. Hier muste er viel Verdrieslichkeiten erfahren, son- derlich von seinen Amtsgehuͤlfen, die so wol mit ihm als unter einander viel Zaͤnkerei- en hatten. Seinen Tod leitet Pistorius aus dem Gram uͤber diese Aergernisse her; doch hat er die besondern Umstaͤnde desselben nicht gemeldet. . Die Pest, welche Liefland 5 Jahr hinter einander um seine Einwohner 1549 brachte Liefland muͤste wol ein ungesundes Land seyn, wenn die Pest 5 Jahr lang darin an- gehalten haͤtte. Man mus es also nur von einer gemeinen Seuche verstehen, weil das Land durch die Pest von 1515 oder 1520, und dieser 5 jaͤhrigen unfehlbar zur Einoͤ- de werden muͤssen. Jm Jahr 1550 sollen allein im Doͤrptischen 14000 Menschen da- ran gestorben seyn, und wenn dem Bredenbach zu glauben, so blieb in der Stadt Doͤrpt selbst kein lutherischer Praͤdicant mehr uͤbrig. Diejenigen welche Reckens Regierung in das Jahr 1547 setzen, fangen von dessen Coadiutur an. Die Lehnbriefe erweisen, daß Bruͤggeney 1548 zu Wenden einem rigischen Buͤrger Henrich Schreibern eine Schenke an der rigischen Bruͤcke gegeben, und 1549 Sontags nach Antonii den Tausch des Hofs Avel zwischen Caspar Freytag und den Comtur von Duneburg bestaͤtiget habe. , ergrif nun auch den Ordensmeister und machte seinem Leben nach ei- ner 14 jaͤhrigen Regierung ein Ende. Er liegt in der Domkirche zu Wenden begraben, alwo man auf seinem Grabmal folgendes liest: Anno 1549 man- dach na Marie Lichtmessen ist Herr Hermann von Bruggenei genant Hasenkampf des ritt. d. o. Meister zu Liefland in Gott selliglich vorstorben, hat christl. und wol regiert 14 Jahr. H h h Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Der fuͤnf und vierzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Johan von der Recke Chytraͤus nennet ihn Rek; Russov, von Recke; Kelch, von der Reche; nach Ceumern und Oernhielm heist er von Ruck oder von Rucke; bey Tilemann, Bredenbach und Stangefolen, Joh. von Reck. Thuanus nent ihn einen alt- adelichen Westphaͤlinger aus der Grafschaft Marck. Herr Henrich von Tiesen- hausen zu Berson und Kalzenau, der aͤltere, giebet diesem Herrn ein laͤnger Regi- ment, und widerleget in dem Verzeichnis der russovischen Jrthuͤmer unsre Geschicht- schreiber, mit dem Vorgeben, daß Galen erst 1554 zur Regierung gekommen. Allein obgleich die tiesenhausischen Verbesserungen oft manche schoͤne Warheit bestaͤtigen, so wil doch diese nicht Stich halten, weil sie ausser den Documenten auch noch durch die vorhandenen Muͤnzen umgestossen wird. Der Name Reck sol einen Riesen oder Held bedeuten. Die beiden silbernen und mit 3 rothen Staͤben belegten Querbalken der heutigen Familie erscheinen auf unsern Muͤnzen wie eine Recke, oder leichte Schlit- tenkufe und waͤre also zu den redenden Wapen zu rechnen. . 1549 V on so kurzer Dauer auch das Regiment dieses Meisters war, indem es nur zwey Jahr waͤhrete, so besas er doch Weisheit und Geschicklich- keit genug, die vorgenommene Vereinigung aller Staͤnde ruͤckgaͤngig zu machen. Der Churfuͤrst zu Maynz fertigte als Erzkanzler des Reichs zu Maynz dem Orden unterm 13ten August eine Schrift aus, in welchem Liefland auf dem Reichstage zu Regenspurg wegen steter Gefahr von den Russen von dem gemeinen Anschlag und Abgaben ans Reich frey gesprochen wird. Jns Kam- mergericht sol der Meister zur Unterhaltung gemeinen Friedens jaͤhrlich 50 Fl. ge- ben, seiner und seiner Lande Exemtion, Privilegien und Appellationsfreiheit un- beschadet. 1550 Am Donnerstage nach Judica erneuerte der Ordensmeister zu Vellin der estlaͤndischen Ritterschaft die derselben schon ehmals ertheilte Befreiung von al- ler Schatzung und Beschwerde, auf welche sie von seinem Vorfahren Schutzbrie- fe erhalten. Diejenigen so uͤberfuͤhret werden, daß sie wider das Beste der Lan- de gehandelt, verfallen in das Urtheil der Gebietiger zu Revel und Wesenberg, und werden mit Zuziehung der Raͤthe und Ritterschaft aufs hoͤchste gestraffet. 1551 Am 31sten Jenner, Nachmittags um 3 Uhr, erschien der Secretarius der Stadt Riga, Hr. Bernhard Bruel in Wolmer und wies die Vorschrift auf, mit welcher der dasige Rath seine Gesandten, den Rathsherrn Hinrich Kinwitz, Hans Lembken aus der grossen und Juͤrgen Zabel aus der klei- nen Gilde auf die Vorladung des Erzbischofs nach Kokenhausen abgefertiget: Sie protestirten bey Jhro ehrwuͤrdigen Vaͤterlichkeit gegen den kirchholmischen Vertrag, als der von Schickung GOttes des Almaͤchtigen und der Lande zu Preussen kraftlos, machtlos und von keinem Werthe sey, indem seine Vaͤter- lichkeit wol wisse, daß sie seit Anbegin der Stadt weder Bischof noch Erzbischof gehuldiget, sondern allein dem Herrn Meister den Eid gethan. Hieruͤber fertig- ten Jochim Werneke und Joh. Topf, der Staͤdte Doͤrpt und Revel Se- cretarien, ein eigen Jnstrument aus. Der Erzbischof hat hierauf der Stadt die Domkirche bis zu einem algemeinen Concilio zugestanden, dafuͤr sie 3 Jahr nach einander jedes Jahr 6000 Mark zahlte, den Thaler zu drey und einer halben Mark gerechnet. Die Streitigkeiten der Stadt mit der Aebtißin des St. Magdale- nen klosters, Alheit Wrangel Der Jesuit Conrad Vetter giebt dieser Dame das Zeugnis einer Ordnung liebenden Vor- , und dem Convent des Klosters zu Riga wur- den Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Joh. von der Recke. den Donnerstags nach Bartholomaͤi auch geschlichtet. Die blumenthalsche 1551 Grenze gab zu diesem Lerm Anlas, wobey der Vogt zu Bauskenburg Jost Wolrave, der Hauscomtur zu Riga Georg Sieberg zu Wischlingen, der zu Duͤnemuͤnde Georg von Brabeck, Otto Klokmann, Thomas Grothaus, und Matthias Huroder, von dem Herrmeister zu Commissa- rien ernennet waren. Nach seinem Tode zu Vellin folgte Der sechs und vierzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Hinrich von Galen Bey Henninges heist sein Name durch einen Druckfehler, von Gaden, und bey Stangefoln in der westphaͤlischen Chronik B. 11, K. 10, von Gaten. Aus die- ser Familie stamt der 57ste Bischof zu Muͤnster, Christoph Bernhard von Ga- len, ein in Krieges- und Friedenszeiten beruͤhmter Man her. Die Herren von Gaelen sitzen noch auf der theinischen Ritterbank. Unsre Schriftsteller irren uͤbrigens, wenn sie von dem Czaar Basilewitz dem II ten bey diesem Jahr schreiben, daß er nach der Eroberung von Casan und Astracan erst den kaiserlichen Titel angenommen, dessen er sich doch laut der alten Friedenstractate schon zu Plettenbergs Zeiten und vorher bedienet. . U nter diesem Meister suchten die roͤmisch kaiserlichen Commissa- rien die Sache des Erzbischofs beizulegen. Es wurden auch von den in Vorschlag gebrachten Artickeln achte bewilliget, aber nicht lange gehalten. Am 13ten Jenner verlangten des Herrn Meisters Gevolmaͤch- 1552 tigte, der Comtur zu Revel Rolof Genserad, der rigische Hauscomtur Didr. von der Steinkuhle, Joh. Wrangel von Wedema, Helmet Anrep; Joh. Vischer und Simon Grasmann, seine Secretarien, von der Ritterschaft und der Stadt Revel die Huldigung, zeigten auch die Formalien des vorgeschrie- benen Eides vor, und entschuldigten ihren Principal, daß er sich selbst nicht ein- finden koͤnne, weil er sich gegen die Feinde ruͤste, und eine Gesandschaft aus Poh- len abwarte. Da die Stadt sich uͤber das Aussenbleiben des Meisters beschwerte, wurden ihr Reversalien ausgestelt, daß es wegen des Kuͤnftigen von keinen Folgen seyn solte. Mitlerweile lies der Herr Meister durch seinen Gewalttraͤger Franz von Stiten dem roͤmischen Kaiser den Lehnseid ablegen, wogegen er zu Jnspruck an 22sten Jenner die Regalien, Weltlichkeit und Lehn uͤber alle Lande in Lief- land, Estland, Harrien, Wirland, Allentaken, Jerwen, Oesel, Dagdoͤ, Mohn, Wyck, Sochale, Waigel, Revel und Curland, samt ihren Zubehoͤrungen, Landen, Staͤdten, Schloͤssern, Maͤrkten, Doͤrfern, Guͤtern, Ritterschaften, Manschaften, Herrschaften, Lehnschaften, geistlichen und welt- lichen, mit allen Erzbergwerken, Fischereien, Wildbahnen, Wassern, Weiden, H h h 2 Wacken- steherin, weil sie keine ihrer anvertrauten Jungfrauen aus der Celle, oder heiraten lies. Jhre Nachfolgerin hatte bessere Einsichten. Sie hies Elisabeth von Doͤhn- hoff, die sich in den Ehestand begab, und ihren Nonnen ein gleiches erlaubte. Vie- re blieben doch ohne Maͤnner, Anna Toͤpel, Anna Noͤtken, Ottilia und Anna von Wedberg. Diese lebten noch zu Stephani Zeiten unverheirathet, als auf koͤ- niglichem Befehl dieses Magdalenen kloster den Jesuiten eingeraͤumet wurde. Man sehe nach Vetters historiam Monasterii Virginum St. Benedicti Rigae a tempore hae- resis Lutheranae conservati. Ingolstad. 1615. Ex typogr. Ederiana. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1552 Wackengelde, Bruͤckenzoll, hohen Gerichten, Gerichtszwange, alles nach Art seiner Vorfahren, bey Strafe 50 Mark Goldes fuͤr den, so ihm dieses beeintraͤch- tiget, bestaͤtiget erhielt. Die Stadt Luͤbeck suchte die alten Commercientractate mit Revel zu erneu- ren, und schickte zu dem Ende 2 von ihren Rathsherren, D. Herman Volcken und Albrecht Kleinen, wie auch 2 Buͤrger Hans von Renteln und Hans Grentzen dahin ab, die aber in Revel wenig ausrichteten. Bey der andern Botschaft befanden sich Herman Ploͤnnies und Gottschalck von Wykeden, bey der dritten Herman Boytyn, der nachher nach Rußland gieng. Hier- durch entstand eine ziemliche Kaltsinnigkeit, die Handlung zu Jvanogrod nahm zu, dabey aber musten die Luͤbecker sich aus Uebereilung nachsagen lassen, daß sie zum Untergange der Provinz Liefland vieles beigetragen. 1553 Der Erzbischof Marggraf Wilhelm fand der Schwaͤche des Landes und seines Alters halber fuͤr noͤthig, einen Coadiutor anzunehmen, und brachte des- halb Herzog Christophern von Mecklenburg in Vorschlag, in Hofnung, der Koͤnig von Pohlen Siegm. August, seiner Mutter Bruder, wuͤrde solches durch hohe Vermittelung am bequemsten durchtreiben. Allein diese wohlgemeinte Ab- sicht machte die schwuͤrigen Gemuͤther noch empfindlicher, weil der ganze Anschlag gegen die wolmerschen Recesse lief. Der Ordensmeister trat also mit den geist- lichen und weltlichen Staͤnden von Liefland zusammen, und sandte seine Gevol- maͤchtigten, den Ordensverwandten Joh. Hoywen und seinen Kanzler Chri- stoph Boͤdekern auf den Reichstag nach Ulm, denen ihre Volmacht zu Wen- den am Montage nach Laurentii ausgefertiget wurde. Unter allen gab sich der Bischof Herman von Doͤrpt die meiste Muͤhe, den Kaiser und das Reich in die lieflaͤndischen Vortheile zu ziehen. Zu dem Ende fertigte er seinen Stifts- kanzler und Gesandten Herrn Georg Holtzschuher Der Kanzler Holtschuher, ein Man von grossen Verdiensten, kante die Macht der be- nachbarten Staaten besser als der Orden, und sorgte fuͤr das Beste des Landes ernstli- cher, als es in Riga der Zank zwischen den Ordensmeister, dem Erzbischof und der Stadt zulies. Die Stadt Doͤrpt, als welche gleich im Wurf lag, hatte seit geraumer Zeit schon Ursach, dem Czaar nicht trotzig zu begegnen, noch zu pochen, indem hier mit Grosthun nichts auszurichten war. Man beschuldigte schon den vorigen Bischof Jodocus der Verraͤtherey, weil er gelinder sprach, als es dem wendenschen Kanz- leystil des Meisters gemaͤs war. Holtzschuher, der als ein kluger Patriote den Rath gab, man solte sich in die Zeit schicken, zog sich den Undank der Welt zu, da er doch voraus wuste, daß Schweden fuͤr seinen Schutz uͤber Liefland bezahlt seyn wolte. Wenigstens hatten die kaiserlichen Schreiben nicht mehr Nachdruck, als eine Fuͤrbitte, gegen die man sich mit Entschuldigungen wapnet. Carl der V te schrieb noch bis 1556 nach Schweden. Sein Bruder und Nachfolger Ferdinand der I ste ver- suchte es am 25sten Jul. 1558 noch einmal, und empfal dem Koͤnige Gustav das ver- lassene Liefland und dessen Ordensmeister Fuͤrstenberg. Allein die Schweden wolten billig die Fruͤchte ihrer Werke essen, und ihre Hauptfrage blieb also: Woran halten wir uns? Weil der Kaiser dieses zu bestimmen vergessen hatte, so waren nicht nur diese Briefe, sondern auch die folgenden von Maximilian dem II ten unterm 20sten October 1575 und von Rudolph dem II ten uncerm 30sten October 1579 von ebeu so schlechter Wirkung. , einen edlen Francken, nach Bruͤssel an Carl den V ten ab, welcher die triftigsten Vorstellungen that, aber auch voraus sahe, wo es bey der Kaltsinnigkeit des Kaisers hinaus wolte. Der Kaiser entschuldigte sich mit der Macht der Tuͤrken, daher er allein nicht im Stande sey Liefland zu schuͤtzen. Der groͤste Trost, welchen Carl den lieflaͤn- dischen Gesandten ertheilte, bestand in 3 Briefen, an welche die kaiserliche guͤl- dene Bulle gehaͤnget war. Jn dem ersten bestaͤtiget der Kaiser die doͤrptischen Privilegien fuͤr die Stadt und das Stift, in dem andern verbietet er die Einfuͤh- rung des Metals, der Panzer und der Kriegesruͤstungen in Rußland, in dem dritten empfielt er die Lieflaͤnder dem Koͤnig in Schweden in seinen besondern Schutz. Diese Briefe sind zu Bruͤssel vom 27sten Jun. unterzeichnet. Am Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Hinrichs von Galen. Am Sontage Exaudi kam auf dem Dom zu Revel bey einem Fleischer, 1553 welcher am Sontage Bier braute, Feuer aus, wodurch die meisten Haͤuser des Doms, und viele in der Stadt bis in die Stavestrasse verzehret, und der Hochzeitschmaus auf der grossen Gildenstube manchem versalzen wurde. Jn diesem Jahr sandten die Staͤnde eine Gesandschaft nach Moskau, den Frieden mit dieser Krone zu verlaͤngern. Allein sie kam unverrichteter Sache wie- der zuruͤck, weil sie wegen des Zinses des christlichen Glaubens keine Verhal- tungsbefehle gehabt. Auf dem Landtage zu Wolmer erwehlten die Staͤnde am 6ten Jenner den 1554 jungen Gotthard Kettler fuͤr seine dem Orden oft mit Lebensgefahr geleisteten Dienste zum Comtur zu Duͤneburg, wozu ihm der ehmalige Comtur zu Vellin, Henrich von Thulen, der zu Tarvast sein Alter in Ruhe zubringen wolte, seinen ganzen Staat an Meublen, Geschmeide und Pferden verehrte, damit der Empfang der pohlnischen Gesandtschaft dadurch praͤchtiger und die starke Aus- gabe fuͤr die freie Zehrung so ansehnlicher Durchreisenden, weil Duͤneburg das Grenzschlos gegen Litthauen war, einiger massen ersetzet wuͤrde. Auch dieser Umstand fiel gleich dem Orden verdaͤchtig, indem man den Ueberlauf der Pohlen nicht noch mehr befoͤrdern wolte, als deren Koͤnig, Sigism. Augustus, den Herzog Christoph von Mecklenburg durch seinen Gesandten Casper Lonski nachdruͤcklich und mit allen Rednerkuͤnsten zum Coadiutor des Erzbistums empfe- len lies. Am 17ten Jenner fasten der Erzbischof, die Bischoͤfe und der Ordensmeister von Liefland zu Wolmer einen Schlus ab, worin fest gesetzt ward, daß man der Religion bis zur Eroͤrterung eines algemeinen Concilii freien Lauf lassen, keine Prediger und Seelsorger ohne rechtmaͤßigen Beruf und Zeugnis von ihrer Lehre und Leben annehmen, die unehlichen Beiwohnungen unter den Bauren mit Ernst ab- schaffen; in keine bis ins 4te Glied verbotene Grade des Gebluͤts heirathen, und keine neue Stroͤme und Hafen verstatten wolte. Wegen der Muͤnzen wird ein geschworner Wardein bestellet, der nur halbe Marke, ganze Ferdinge und das Drittheil an Schillingen und Pfennigen praͤgen laͤst. Jeder Kaufman mus den 6ten Theil seines Silbers auf die Muͤnze liefern. Aller Aufwechsel mit kleinem Gol- de ist verboten. Den Botschaftern nach Rußland ward Volmacht ertheilet, einen Frieden auf 30 Jahr beim Czaar zu suchen, nur daß sie wegen der Zufuhr der verbotenen Waaren nichts nachgeben, in keine Paͤsse fuͤr die Auslaͤnder und fuͤr die fremde Kriegsruͤstung willigen, und daß der Russe seine Waaren verlie- re, wenn er sie von den Lieflaͤndern kaufe, dafuͤr diese hoch gestrafet werden muͤsten. Lauter Verhaltungsbefehle, die zur Verlaͤngerung des Friedens sehr zu- traͤglich gewesen seyn wuͤrden, wenn nicht der Czaar, alles puͤnktlich bey dem Alten zu lassen, ernstlich verlanget haͤtte. Jn der Fastenzeit giengen also die Gesandten ab, nemlich Joh. von Bock- horst, Otto Grothusen, Benedict Foͤrstenaw, und der Dolmetscher Melchior Grothusen von Seiten des Erzbischofs und Herrn Meisters. Der Bischof von Doͤrpt sandte Wolmer Wrangeln, Didrich Kawern, und Blasius Becke, die nichts weiter als einen Stilstand auf 15 Jahr erlangten, und innerhalb 3 Jahren sich mit der Zinsemuͤnze einfinden solten Diese Kreuzkuͤssung ist gezeichnet im Monat Junius des 7062sten Jahrs. Der Stadt- halter zu Nogarden, Knees Demitri Fedrowitz, der Stadthalter zu Plescow, Jwan Petrowitz, und sein Unterstadthalter Wasili Petrowitz erhalten darin Befehl, mit Liefland Friede zu halten, weil sich die Staͤnde anheischich gemacht, nicht zu dem Koͤnig von Pohlen zu treten, der Bischof von Doͤrpt auch seinen Zins mit den ruͤckstaͤndigen Schulden abzutragen, und fuͤr jeden Kopf eine deutsche Mark zu erlegen, ver- sprochen. Die rußischen Kirchen und das Land der Kirchen wird gereiniget, der Handel bis auf die Einfuͤhrung der Panzer frey gegeben, die Grenze nach den Holmen im Narva- strom eingerichtet, jedem klagenden Theil Recht geschaffet, alles nach dem Alten. Es J i i be- . Ein Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1555 Ein Jahr vor Schliessung dieses Friedens suchte der Ordensmeister durch eine abgefertigte Gesandschaft den Koͤnig Gustav den ersten in Schweden zur Allianz zu bewegen, der auch mit den Russen gebrochen hatte, und von selbi- gem Feinde in Carelen ziemlich beunruhiget wurde. Nunmehro, da die Schwe- den dem Orden ansehnliche Anerbietungen thaten, und von den Lieflaͤndern unterstuͤtzt seyn wolten, gab Hinrich von Galen dem jerwischen Vogte, Berndt von Smerten, Wolthern von Plettenberg und Rembert Wils- heimen, beider Rechte Doctorn, als neuen Gesandten die Volmacht, den Koͤnig in Schweden dienstfreundlich und nachbarlich zu begruͤssen, und den Orden zu entschuldigen, daß er nicht helfen koͤnne, weil er mit den Russen einen hoͤchstbe- schwerlichen Frieden eingehen muͤssen. Er besorge sich eines Krieges, weil nach 3 Jahren kein Zins einkommen werde, und getroͤste sich der koͤnigl. Huͤlfe. We- gen des Einfals in Carelen bezeugen sie ihr herzliches Mitleiden, verstatten auch dem Koͤnige, in Liefland auf eigne Kosten Reuter und Knechte werben zu lassen, so viel ohne sonderliche Entbloͤssung des Landes moͤglich sey. Er verspricht seine Vermittelung, wenn der Koͤnig mit andern christlichen Potentaten zerfallen solte, und versichert ihn freundlicher, wahrer, treuer Nachbarschaft. Diese Volmacht ist unterzeichnet zu Wenden, am Margarethen Abend. Die ganze Handlung schrieb man sich in Schweden hinters Ohr, und man sahe wohl, daß der Or- densmeister mehr Lust hatte mit eingebildeten nahen Feinden zu fechten, die auch am leichtesten zu bezwingen waren. Hierzu gab der Einzug des neuen Coadiutors Christophs, Herzogs zu Mecklenburg, eine neue Gelegenheit, welcher im Sommer zu Kokenhausen ankam und am 25sten Nov. in Riga unter grossem Gepraͤnge des stiftischen Adels einritte. 1556 Jn der Fastenzeit nahm der duͤnemuͤndische Comtur, Gotth. Kettler, laut des wendischen Herrentages seinen Weg durch Litthauen, Pohlen, Schle- sien und Sachsen auf Luͤbeck, deutsche Soldaten ins Land zu schaffen. Er gerieth deshalb zu Brieg und Breßlau in einige Ungelegenheit, half sich aber doch durch seine Behendigkeit los, er brachte 4 volstaͤndige Compagnien Dieser Kern von deutschen Soldaten solten die Erretter von Liefland seyn; sie brach- ten auch das Schrecken mit sich, aber nur dem Erzbischof. Man zahlete ihnen einen so ansehnlichen Sold, daß selbst Henning bange ist, es werde der Schatz in Lief- land zu ihrer Loͤhnung nicht zureichen. Fuͤrstenberg bediente sich auch ihrer Tapfer- keit; er muste aber vor Lais schimpflich mit ihnen abziehen. Nun konten diese Leute nichts dafuͤr, daß ihrer nicht mehr als 4 oder 5 Compagnien waren, die man zu gros- sen Unternehmungen bestimt hatte. Doch Neustaͤdt zeigt uns ihren Fehler besser: „Das Geld, schreibt er, war verbuttert; die Knechte maulten, daß das Geld weg „war, deswegen zogen sie von einander, und der Winter scheidete sie mit. So gehts „wenn man die Rosen im Schnee brechen wil; Hansgen kan den lieflaͤndischen Win- „ter mit den durchgeschnittenen Kollern so nicht vertragen, auch war das Bier aus den „Zapfen leck auf der Tonne.‟ Der Koͤnig Sigm. Aug. war ein Feind der deutschen Soldaten. Er warf ihnen vor, daß sie Fuͤrstenbergen in Stich gelassen, und an des- sen Ungluͤck Schuld waͤren. Allein die Ursach war, weil der Koͤnig sie entbehren konte, indem er kein Geld hatte, und diese Leute 3 bis 4 mal mehr brauchten als seine pohl- nischen Knechte. auf die Bei- ne, die im Fruͤhjahr von Travemuͤnde aus unter Segel giengen, und in Riga durch den jerwischen Vogt Bernhard von Smerten gemustert wurden. Das bevorstehende Ungluͤck hatte einen Cometen zum Vorboten, welcher seine Stralen wie ein langer Besen von sich streuete. Er gieng mit Anfang des Merz- monats in dem der Sonne gegenuͤber stehenden Zeichen der Jungfrau auf, nahe bey befindet sich an dem Briefe das Siegel des Czaars, des Herrn Meisters, des Erzbi- schofs und 4 anderer. Die doͤrptischen Gesandten drungen stark darauf, daß man diese leidlichen Bedingungen annehmen solte, weil Doͤrpt sonst am ersten im Blute zu baden haͤtte, worauf die Herrmeisterlichen sich unterschrieben. Jn Liefland nante man diese Langsamkeit eine Uebereilung, und war mit aller Geduld des Czaars dennoch nicht zu frieden. Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Hinrichs von Galen. bey dem Stern von der dritten Groͤsse ihres Fluͤgels. Von da eilte er nach den 1556 Arcturus, dem Cepheus, der Andromeda, naͤherte sich dem Nordpol, und beugte von da nach den Widder, worauf er im April mit dem Saturn, Mars, der Venus und Sonne zusammen kam, sich noch einige Zeit vor der Sonnen Aufgang sehen lies, und kurz darauf verschwand Diesen Cometen hatte der Erzbischof mit naͤherm Recht auf seine Gefangenschaft zu deu- ten, als Carl der V te auf seinen Todesfal. Jederman prophezeite dem armen Lieflande hieraus wenig guts, und die Schriftsteller haben auch gleich die Erfuͤllung entdeckt. Man koͤnte hieraus beinahe einen Aberglauben schliessen: nur dieses steht im Wege, daß die Leute damals weder kluͤger noch besser wurden, zum offenbaren Be- weis, daß schon die alten Lieflaͤnder nicht mehr an Cometen geglaubet haben, zumal an diesen, weil er ziemlich spaͤt kam, und Liefland in seinem voͤlligen Untergange an- traf. Die Historie aller lieflaͤndischen Cometen hat uns ein Curlaͤnder, Joh. Sven- burg, zu Riga in 4 auf 4 Bogen 1665 drucken lassen. Er faͤngt sie von 1314 an. Der im Jahr 1529 war der gluͤcklichste, ein Vorbote so vieler Portugaloͤser, die Pletten- berg praͤgen lassen. Dergleichen sind nicht viele mehr erschienen. . Mitlerweile wurden des Erzbischofs mit Ziffern und Caracteren geschriebene Briefe an seinen Bruder, Herzog Albrecht zu Preussen, in welchen er densel- ben um Huͤlfstruppen ersuchet, und ihnen die Haͤfen Duͤnemuͤnde, Pernaw und Salis zur Landung der Voͤlker angewiesen hatte, in Curland aufgefangen. Da ein Ordenssecretarius dieses Geheimnis wolte entdeckt haben; so wurde sogleich uͤberal Lerm geblasen, der Erzbischof von den Staͤnden fuͤr einen Feind des Landes erklaͤret, und ihm von der Stadt der Eid aufgekuͤndiget, woruͤber Galen am 8ten Jun. zu Wenden eiren Revers ausstellete. Dieser nahm indessen zur Ausfuͤhrung seines Unternehmens den Comtur zu Vellin, Wilhelm von Fuͤrstenberg zum Coad- iutor in dem Meisteramte. Der Landmarschal Caspar von Muͤnster, welcher ordentlicher Weise die naͤchste Anwartschaft darauf hatte, protestirte gegen diese Wahl, und setzte an Fuͤrstenbergen aus, daß er sich mit den Pohlen nicht vertragen koͤnne, wie er denn schon als Comtur des Grenzschlosses Duͤneburg sich zu ver- schiedenen Malen mit diesen Nachbarn uͤberworfen haͤtte. Daher rieth er, man moͤchte lieber Gotthard Kettlern annehmen; welcher Meinung auch bald meh- rere von den Mitgebietigern beipflichteten. Und dieser Rath waͤre fuͤr Liefland damals freilich der beste gewesen. Um aber doch seinen Willen zu haben, und dem Ordensmeister einen Possen zu spielen, so ruͤckte der Landmarschal Muͤnster mit seinen Hofleuten in Sege- wolde vor das Schlos Dunemuͤnde, und als der dasige Comtur Juͤrgen von Brabeck auf geheimen Befehl des Ordensmeisters Feuer zu geben drohete, wandte er sich nach Ascherade. Hier wolte ihn auch niemand einlassen, wes- halb er sich denn zu der erzbischoͤflichen Partey schlug, und nach Kokenhausen gieng. Nun wolte ihn zwar der Orden als einen oͤffentlichen Feind ausgeliefert wissen; allein der Erzbischof erwies den zu Lemsel versamleten Stiftsraͤthen die Rechtmaͤßigkeit seiner Beschuͤtzung, und schickte den Landmarschal Muͤnster als seinen Gesandten nach Preussen. Hier gab man ihm Schuld, daß er daselbst wichtige Haͤndel angesponnen, die das gemeine Geschrey in Liefland noch groͤsser machte, ob er gleich in der That nur aus einer persoͤnlichen Rache gegen die Or- densgebietiger, die ihn in der Wahl uͤbergangen, die Vortheile des Erzbischofs et- was zu hitzig verfochte, aber schlechten Dank dafuͤr erlangte Der Landmarschal Caspar von Muͤnster gieng nachher nach Pohlen, wo ihn nach Hennings Urtheil die Rache GOttes verfolgte, daß er sich zu Cauen der Laͤuse und Wuͤrmer kaum, der bittersten Armuth aber gar nicht erwehren konte, ob er gleich bey seinem Amte ehemals in Liefland mit 300 Pferden und etlichen Trompetern zur Tage- fart geritten. Einige gute Leute riethen ihm, die Worte: Ecce homo mit groͤssen Buchstaben auf ein Papier zu schreiben, und forne aufs Kleid zu heften, auf ein mal aber, wenn der litthauische Senat beisammen, sich darzustellen, ob man viel- leicht mit seinem Zustande Mitleiden haben wuͤrde. Er sol es auch gethan haben; worauf . J i i 2 Nun- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1556 Runmehro gieng alles nach den hitzigen Anschlaͤgen des Coadiutors Fuͤr- stenbergs. Der rositensche Vogt, Herr Werner Schall von Bell, ward mit einigen Voͤlkern nach dem Hofe Setzen befehligt, die Malve zu halten und dem Erzbischof den Briefwechsel nach Pohlen und Preussen zu sperren. Der pohlnische Gesandte, Caspar Lonsky, reisete eben dieselbe Strasse, wurde aber in Ermangelung eines herrmeisterlichen Passes zuruͤck gewiesen. Stanislaus Vodt gab ihm den Rath, sich heimlich durchzuschleichen. Man setzte ihm aber nach, beraubte sein ganzes Gefolge, und verwundete den koͤniglichen Gesandten selbst so gefaͤhrlich, daß er den dritten Tag davon starb. Diese Beleidigung em- pfand der Koͤnig hoͤher, als die Haͤndel wider den Erzbischof selbst. Am 16ten Junii schickten die Bischoͤfe von Doͤrpt, Oesel und Curland, der Ordensmeister, und die Stadt Riga dem Erzbischof das Manifest von dem grossen kokenhausischen Kriege zu, dessen Ueberbringer von dem Erzbischof ein Geschenk erhielten. Was dieselben dabey am meisten befremdete, war die Ueber- eilung der Rigischen. Denn man hatte der Buͤrgerschaft eingebildet, daß schon wirklich 10000 Preussen durch Curland nach Riga auf dem Wege waͤren, und etliche Kriegsschiffe den Hafen von Revel gesperret hielten. Der Erzbischof wolte seinem Herrn Bruder davon Kundschaft geben; allein sein Abgeordneter, Georg Taube von Lemsel, ward an der Muͤndung des Salisstroms da er eben ins Boot steigen wolte, am 18ten Junii erschossen. Der segewoldische Com- tur nahm dem Erzbischof Cremone weg, und die Herrmeisterlichen verbranten Ronneburg, welches sich am 21sten Jun. ergab. Der alte Galen hatte Fuͤr- stenbergen schon zu viele Freiheit gelassen, der daher bey allen Erinnerungen sei- nes Vormannes nicht zu regieren war Den Krieg zwischen dem Erzbischof und dem Landmarschal beschreibet Russov Bl. 38, der neuesten Auflage, auf eine recht lustige Art. Es entstand ein greulicher Lerm, als ob ein Haufen Schiffe mit Reuter und Fusvolk aus Preussen im Anzuge waͤren, die von Seiten des Erzbischofs und seines Bruders, des Herzogs von Preussen, Liefland uͤberrumpeln solten. Hierauf giengen Tag und Nacht Briefe an die Landsassen, sich bey erster Erblickung derselben nach Maasgebung ihrer Guͤter zu ruͤsten, und an den Strand zu verfuͤgen. Es war weder Knecht noch Ruͤstung da. Darum musten die undeutschen Staljungen und die alten Sechsferdings-Knechte in der Eil herhalten, die sich schon halb zu Tode gesoffen, sich beweibet, und ihr Lebenlang kaum ein Rohr los- geschossen hatten. Wie sie den alten verrosteten Harnisch uͤber die Haut kriegten, und fortziehen solten, nahmen sie noch einen guten Rausch zu sich, und schwuren bey einan- der zu leben und zu sterben. Etliche setzten sich halb tod zu Pferde, da inzwischen die Frauen, Jungfern, Maͤgde und Kinder heuleten und weineten, als ob sie diese ihre Helden nimmer wieder sehen wuͤrden. Sie ruͤckten hierauf mit aller Macht an den Strand, wo weder Schif noch Mensch zu sehen war, und nach einem Aufenthalt von etlichen Wochen ward den Proviantwagen und Biertonnen der letzte Rest gegeben. Noch satyrischer und vielleicht warhafter lautet die lieflaͤndische Kriegesanstalt, davon besagter Verfasser uns diese Vorstellung macht. Als man in der Eil, schreibt er, Lands- knechte annehmen muͤssen; so war nach langem Suchen kaum ein Trommelschlaͤger zu finden. . Fuͤr- worauf er daß Schlos Ascherade Zeitlebens zur Provision erhalten, zu welcher der Herzog von Curland einige Bauren hergab, weil der Landmarschal ihn schon an Fuͤr- stenbergs Stelle in Vorschlag gebracht. Als Ascherade 1577 an die Russen uͤber- gieng, und die Deutschen weggefuͤhrt wurden, der alte Muͤnster aber Alters halber nicht fortkommen konte, sollen jene ihn unter den Schlosmauren rodgeschlagen und lie- gen gelassen, oder, wie Kelch erzehlet, ihm beide Augen ausgestochen und mit Ruthen zu Tode gepeitschet haben. Daß Henning hier zu hart geurtheilet, beweisen unsre Documente. Kettler verliehe ihm das Schlos Ascherade mit 40 Bauergesinden auf Lebenszeit, und schuͤtzte ihn auch dabey. Wo haͤtte also die grosse Armuth herkom- men sollen? Sigism. August bestaͤtigte den 8ten April 1565 diese kettlersche Schen- kung bey welcher Gelegenheit er die Verdienste dieses wackern Mannes ruͤhmet und ihn Generosum Casparem a Münster , quondam prouincialem Marchalcum Liuoniae nennet. Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Hinrichs von Galen. Fuͤrstenberg ruͤckte am 28sten Junii vor Kokenhausen, wo sich die Ri- 1556 gischen den Tag darauf mit einfanden. Der Coadiutor Christoph von Meck- lenburg, welcher mit bey dem Erzbischof war, lies sich gleich zu den alten Galen nach Wenden bringen, der ihn auch mit etlichen Pferden einholete, und ihm bey seiner Fortbringung nach dem Schlosse Treyden etliche Hengste und verguͤldete Pferdedecken verehrte, in welchem Arrest der Coadiutor doch Erlaubnis hatte, sich durch eigene Boten die Vermittelung des Koͤnigs in Pohlen und der Herzoge von Preussen und Mecklenburg auszubitten. Der Erzbischof ergab sich am 30sten Junii an Fuͤrstenberg, und uͤberlieferte ihm zugleich die Schluͤssel zu seiner Residenz, worauf er mit 100 Pferden nach Smilten und von da nach Azel gefuͤhret wurde, wo man eben nicht gar zu freundlich mit ihm umgieng; in- dem der marienburgische Comtur Philip Schall von Bell beschuldiget ward, daß er die zum erzbischoͤflichen Unterhalt ausgesetzten Gelder in seinen Beutel gestrichen und seinen hohen Gefangenen Noth leiden lassen. Doch konten beide Gefangene zur Lust spatziren, wohin sie wolten. Auf eingelaufene Nachricht von der Gefangenschaft des Coadiutors, schickte der Koͤnig von Pohlen einen neuen Gesandten, sich zu erkundigen, ob Christoph lebendig oder tod waͤre. Er hatte aber bey seinem Gehoͤr so viele Zugeordnete bey sich, die auf alle seine Reden genau Acht geben musten, daß er seines Principalen Trost weder dem Herzoge noch dem gefangenen Erzbischof, den er ebenfals besuchte, oͤffentlich ertheilen konte. Den Lieflaͤndern selbst war bey dieser Unruhe nicht wohl zu Muthe. Sie ersuchten Coͤlln, Juͤlich und Muͤnster, als Reichsstaͤnde, die Staͤdte Luͤbeck, Hamburg, Luͤneburg, Bremen und andre, der Handlung zum besten die Freiheit des Landes zu schuͤtzen. Der ganze Beistand der Gefangenen bestund in Abfertigung etlicher Gesandten, die sich theils keine uͤberfluͤßige Muͤhe gaben, theils mit etlichen |leichten Troͤstungen vorlieb nahmen. Des Hochdeutsch- meisters Abgeordnete, Hans Wilhelm Nothoff, Comtur zu Mergentheim, und ein Herr von Bevern nahmen schon in Luͤbeck ihren Ruͤckweg, wo sie von den daselbst sich aufhaltenden Comturen von Duͤneburg und Riga, Gott- hard Kettlern und Georg Sieborgen, zu Wischlingen die noͤthige Beleh- rung und gute Nachricht empfiengen. Die pommerschen Gesandten, nemlich der blumenthalische Comtur D. Matthias Boes und Joh. Wulf erhiel- ten nach dem am 21sten August beim Erzbischof erlangten Gehoͤr von dem Herrn Meister so viel, daß er die vorgeschlagene Vermittelung des Koͤnigs in Daͤnne- mark, des Churfuͤrsten zu Brandenburg, der pommerschen und juͤlichschen Herzoge, und der Stadt Luͤbeck genehmigte. Die daͤnischen Gesandten und Ritter, Otto Krump, Johan Ochse, Elert Krabbe und D. Johan Strubbe wirkten endlich so viel aus, daß das Erzbistum den Bischoͤfen zu Doͤrpt und Oesel in so ferne zum Sequester uͤbertragen wurde, wenn der Koͤ- nig in Pohlen, und der Herzog in Preussen damit zufrieden waͤren Der Orden ist fuͤr seine Freiheit wol nie so eifersuͤchtig gewesen als damals. Diese bei- den Maͤnner fanden in der Fuͤrbitte so hoher Anverwandten so wenig Schutz, daß sie vielmehr die Eifersucht wider sie anflamten. Es bemuͤhten sich schon vorher der Koͤnig von Pohlen, Sigism. August, der Herzog Joh. Albrecht von Mecklenburg, Marggraf Albrecht von Brandenburg, die Churfuͤrsten Joachim zu Branden- burg und August zu Sachsen, die Herzoge Joh. Friedrich der mitlere, Johan K k k Wil- . Die finden. Wenn die besten Kriegesleute (das waren aber unerfahrne Handwerksbursche) des Abends auf die Wache zogen, so lief jederman vom Tische und hoͤrte das seltsame Spielwerk an. Viele liefen aus der Predigt, um einmal eine Trummel zu hoͤren. Gegen den Herbst kamen viel Reuter und Knechte aus Deutschland, die machten in Curland bey Adel und Bauren mit ihren langen Hosen, Spiessen und Schlachtschwer- tern ein solches Aufsehen, als wenn ein Meerwunder angekommen waͤre. Zwar sind einige Umstaͤnde hiervon ganz natuͤrlich, alle aber zeigen doch eine schlechte Kriegesver- fassung und viel Hitze zum Balgen an. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1557 Die ernstlichen Kriegesanstalten, womit die Pohlen Liefland bedrohe- ten, verursachten zuletzt so viel, daß der alte Galen an einem Vergleich mit dem Erzbischof und dessen Coadiutor arbeiten lies. Er stelte am 12ten Febr. zu Wen- den, den eingezogenen Capitelsherren Johan von der Palen, auf Fuͤrbitte des Koͤnigs in Daͤnnemark, auf freien Fus, unter der Bedingung, daß der entle- digte nichts gegen das Land handeln oder schreiben solte. Es kam auch am 10ten Merz mit allen intereßirten Parteien zu Unterhandlungen, in welchen die Befrei- ung des Marggrafen und Herzogs die Hauptmaterie war, die in den Besitz der erzstiftischen Guͤter wieder eingesetzet werden solten. Die Stadt versprach dem Herzog Christoph zu huldigen; doch wurde alles ans deutsche Reich zur Eroͤr- terung verwiesen. Allein dieser Richter schien dem Koͤnige von Pohlen ein wenig zu entlegen zu seyn; daher er sich in der Zuruͤstung gegen die Lieflaͤnder nicht aufhalten lies, obgleich die daͤnischen Gesandten die Einstellung dieses Feldzuges zu bewirken sich viele Muͤhe gaben. Der alte Ordensmeister, welcher sich schon vorher aus diesen Haͤndeln aus- gewickelt, fand nicht vor gut die Ankunft des Koͤnigs von Pohlen abzuwarten; sondern starb am 3ten May, und hinterlies seine Wuͤrde dem vorher dazu ersehenen Coadiutor Der rigische Comtur Georg Sieborg war von dem alten Galen an den kaiserli- chen Hof geschickt, die Coadiutur fuͤr Fuͤrstenbergen zu suchen. Das Diploma wur- de auch auf Ersuchen Carls des V ten durch seinen Bruder, den roͤmischen Koͤnig Fer- dinand, zu Wien am 13 August ausgestellet, und von beiden Majestaͤten eigenhaͤndig unterschrieben. Unter andern lautet es so, daß Fuͤrstenberg aus triftigen Ur- sachen die Regalien nicht persoͤnlich empfangen koͤnnen, und seine Andacht, der Mei- ster Galen, bey seinem betagten und erlebten Alter einen braven Man noͤthig habe, dessen Schultern etwas ertragen koͤnten. Der Ordensmeister begab sich auch nach Tar- west zur Ruhe, und lies dem Coadiutor in allem freie Haͤnde. Bey diesem aber galt der Soldatengeist mehr als die Regentenklugheit. Es ist kein Wunder, wenn bey Trennung dieser zusammen gehoͤrigen Gemuͤthsgaben groͤssere Reiche, als Liefland, aufgeopfert worden. . Wilhelm und Joh. Friedrich der juͤngere zu Sachsen, Herzog Philip von Pom- mern, Franz Otto Herzog zu Luͤneburg und andre mehr vergeblich, und liessen auf dem Landtage zu Wolmer den 21sten Febr. wiewol vergebens, Vorstellung thun. Riga wurde auch besonders mit eingeflochten, hatte sich aber von dem Herrn Meister und seinem Coadiutor Fuͤrstenberg die verbindlichsten Reversalien ausstellen lassen, daß der Orden sie fuͤr alle Gewalt mit Leib und Gut schuͤtzen wolle. Fuͤrstenberg ver- langte eine Compagnie Knechte. Die Stadt konte keine Soldaten bekommen. Ein jeder muste also seinen Knecht schicken oder selbst mit ziehen. Am 23sten Junii zogen 250 Knechte, 150 Soldtraͤger und 6 gegossene Stuͤcke nach Kokenhausen, die den 29sten davor ankamen, den 30sten sie einnahmen und den 4ten Julii wieder in Riga eintrafen. Das war der ganze punische Krieg. Doch schreibet Neustaͤdt: sie kamen zuruͤck, der Stadt eben zu keiner sonderlichen Freude. Die auswertigen Zeitungen verbreiteten diese Haͤndel ziemlich ungleich. Joachim Camerarius berichtet, man habe den Erzbischof todt gesagt; den Pohlen seyn 200000 Thlr. von dem lieflaͤndi- schen Orden angeboten, wenn es nicht zum Kriege kommen duͤrfte. Bald hies es, die Lieflaͤnder haͤtten uͤber die Pohlen in einem Scharmuͤtzel einen guten Vortheil er- halten. Alle diese Geruͤchte aber werden ungegruͤndet befunden, wenn man sie gegen die einheimischen Beschreibungen haͤlt. Der Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. Der sieben und vierzigste Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Wilhelm von Fuͤrstenberg Er stamte aus der Linie von Fuͤrstenberg Waterlapp, deren Geschlechtsstifter ein gewisser Fridrich war, und von der schwaͤbischen Familie dieses Namens zu unter- scheiden ist. Seine Ahnen erzehlet Dittmar Moller in der fuͤrstenbergischen Ge- nealogie, und andre Schriftsteller dieser Art mehr. Als Comtur zu Duͤneburg hatte er mit der rigischen Buͤrgerschaft einige Verdrieslichkeiten, weil er 1548 einem Dan- ziger, Namens Kroͤsler, 1000 Last Theer verkauft, die der Magistrat auf sein vieles Bitten kaum, die Kaufleute aber gar nicht verabfolgen lassen wolten. Die Sache kam aber zum Vergleich, so daß Fuͤrstenberg in 6 Wochen seinen Theer verschiffet haben, oder selbigen nachher der Gilde verkaufen solte. Unterdessen gaben die Buͤrger allen Fahrzeugen auf der Duͤne ihre volle Ladung, und der Comtur konte nicht eine einzige Last fortbringen; daher die Gilde zu seinem grossen Schaden denselben erstand, und auf ihre Rechnung ausschifte. Selbst aus dem Orden waren nicht alle mit ihm zufrie- den, nicht weil es ihm an Tapferkeit sondern an gehoͤriger Klugheit fehle. S. beim Menius S. 20. Es war kein kleiner Staatsfehler, daß er seine Affecten gegen den Erzbischof auslies, und die Sorge des Landes verabsaͤumte. Doch mus niemand den Verlust von Liefland ihm allein Schuld geben, als woran nicht einer, sondern alle mit einander, gleichsam als dazu gedungen, arbeiteten. Da Fuͤrstenberg den Erzbi- schof so angegriffen, so mus seine Achtung fuͤr den Papst auch nicht gros gewesen seyn. Es findet sich eine Oratio de laudibus Liuoniae habita ab Henrico Montano, Osiliensi , in celeberrima Academia Rostochiana anno 1557. Lubecae apud Georgium Richolff in 8 auf 3 Bogen gedruckt, welche ein Herr von Berg aus Oesel dem Ordensmeister zu- geeignet, und in einem netten Latein aufgesetzt hat. Der Verfasser nent die Schwerdt- bruͤder allezeit Gladiferos und einmal Gladiatorum ordinem. Wir merken daraus nur die Stelle an, in welcher die fruchtlosen Creuzzuͤge zu den argen Absichten des Papsts gezehlet werden: Hoc modo Papae perfidia tot sumtus facti, tot pericula terra ma- rique tolerata, tam multus denique sanguis Christiani orbis effusus, totque summo- rum monarcharum et potentissimorum regum fortissimorumque ducum piissimi co- natus frustra exhausti sunt. Dum etenim ille sanctissimus clauiger pater, humilli- mus seruus seruorum Dei, duplicem vibrat et stringit pro lubitu gladium, carnalem et spiritalem, sicut loquitur, aduersus quosuis, etiam terrarum dominos; omnia tur- bat, coelum terrae, Avernum marique miscet, secures et sceptra dat ac ponit arbi- trio Cardinalis aurae, haec expeditio in irritum cessiit. Welcher Lutheraner haͤtte wol an seinen catholischen Landesherren so schreiben duͤrfen? Es waͤre von Fuͤrsten- bergen, weil er durchdrang, viel Gutes zu hoffen gewesen, wenn ihm nicht der Krieg die Haͤnde gebunden haͤtte. Der lutherische Prediger Magister Georg Moͤller uͤber- reichte ihm im Lager eine Schrift, in welcher er die in Liefland herschende Laster sehr beissend bestrafte, und um Anlegung einiger Schulen im Lande bat. Der Ordensmei- ster lies auch gleich ein so genantes Skola Nauda jaͤhrlich als eine Schatzung eintreiben; allein bey den verwirten Kriegeslaͤuften wurde es so wol von ihm als seinem Nachfol- ger auf die Soldaten verwandt. Kettler wuͤrde mit Anlegung der Schulen besser fortgekommen seyn, wenn der Krieg seine Absichten nicht unterbrochen haͤtte. Er lies Chytraͤum durch seinen Hauscomtur Georg von Sieborg besprechen, ein Gymna- sium in Pernau einzurichten, und desselben Rector zu werden. Er wolte die Rede- kunst, Sprachen und Theologie lehren, die Kinder der undeutschen Esten, Letten und Curen E in Herr, der in allen seinen Unternehmungen Unerschrockenheit und 1557 Herzhaftigkeit bewies, aber dabey zu haͤrtern Mitteln schritte, als die damaligen kuͤtzlichen Zeiten erlaubten. Die Stadt huldigte ihm zu Neuermuͤhlen, Mitwochs nach Bartholomaͤi. Nachdem Sigismund August den zu Wolmer getroffe- nen Vergleich zu seichte befunden, und ihn nicht fuͤr guͤltig erklaͤren wollen; so K k k 2 schlu- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1557 schlugen sich der Kaiser, das Reich, und die Herzoge Barnim und Philip von Stettin und Pommern ins Mittel, und trafen durch ihre Bevolmaͤchtigten Wetzlaff Michaelowitz von Neuenschloß, Valentin Saurmann zur Fels, wie auch D. Lorentz Otto und Henning von Wolde zu Lasen am 12ten Julii zu Wolmer einen neuen Vergleich, worin der erstere zum Grunde geleget, die Kriegeskosten gegen einander aufgehoben, der Herr Meister fuͤr un- schuldig an diesem Kriege erkant, den erzbischoͤflichen Unterthanen, die sich in Schutz des Herrn Meisters begeben, Vergebung ertheilet, dem Coadiutor Chri- stoph wegen seines minderjaͤhrigen Alters zwey Raͤthe aus dem Capitel und zwey aus der Ritterschaft des Erzstifts zugeordnet, und alle bestrickte und verbuͤrgte Personen los gegeben werden. Weil auch hier manches dem Koͤnig nicht anstand, zumal da der Herr Meister die Huldigung der Stadt an den Erzbischof noch durch Processe verzoͤgern, und den Ausgewichenen keine Amnestie zustehen wolte, womit auf den Landmarschal gedeutet wurde; so lief die Unterhandlung gleichfals frucht- los ab. Am 23sten August schickte die Stadt ihre Botschaft nach Neuermuͤhlen, die mit dem Ordensmeister die noͤthige Abrede wegen der Huldigung nahm. Am 24sten kam Fuͤrstenberg selbst nach Riga, und empfieng den Tag darauf den gewoͤhnlichen Eid, wogegen er sich der Lehre das Evangelii aͤusserst anzunehmen, und die Stadt bey allen alten und neuen Privilegien zu schuͤtzen sich anheischig machte. Er erlaubet zugleich den Ordensbauren, das Jhrige frey und ungehindert nach der Stadt zu fuͤhren, leget den Amtleuten des Ordens die ungewoͤhnliche Kaufmanschaft, und bedinget sich aus, beim Schlosse etliche Fischer, Becker, Zim- merleute, Maurer und Brieftraͤger hinzusetzen, welche doch der Stadt zum Nach- theil keine Kaufmanschaft treiben solten. Der Landmarschal Christoph von Neuenhoff genant von der Laye, und der goldingische Comtur Heinrich Steding haben sich dabey mit unterschrieben. Mitwochs nach Bartholomaͤi. Die pohlnische Armee ruͤckte in Litthauen immer weiter, und stand nur 7 Meilen von Bauske zu Paswal nahe bey Birze in Samogitien. Ge- gen diese 80000 Man hatten die Lieflaͤnder sich nicht gewafnet, sondern uͤber- liessen dem Koͤnig die Verbesserung des wolmerschen Friedensschlusses nach sei- nem eignen Gefallen, der denn auch am 5ten Sept. die berufenen Pacta Possolien- sia aufsetzen, und nach deren willigen Annehmung mit dem Orden unterschiedliche wichtige Sachen in Richtigkeit bringen lies. Der Jnhalt des paswalischen Vertrags ist folgender: Der Erzbischof erhaͤlt die Restitution und halbe Jurisdi- ction uͤber die Stadt nach dem alten, nebst Meublen, Muͤtze, Stab, Privile- gien, Buͤchern, Canonen, Panzer, Gewehr, Kugeln, Kriegsvorrath und 100 Last Rocken laut des Jnventarii; was daran schadhaft geworden, wird ergaͤnzet. Weil der Erzbischof den Bedienten des Coadiutors Unterhalt verschaffen muͤssen, werden zu Verguͤtigung desselben uͤberhaupt 50 Last Rocken zugestanden. Die Ein- kuͤnfte des Erzstifts bleiben bis zu weiterm Vergleich in Sequester. Die Unter- thanen des Erzbischofs thun keinen neuen Eid, weil sie nicht freiwillig sondern ge- zwungen seine Partey verlassen. Der Coadiutor wird bestaͤtigt, und ist ungezwei- felter Stuhlfolger, mus sich aber des Verdachts wegen in Preussen oder Meck- lenburg bis zum Tode seines Vorfahren aufhalten Von diesem paswalischen Vertrag finden sich in den Historien verschiedene Be- richte. Einige melden, daß Fuͤrstenberg mit 7000 Deutschen, etlichen 1000 Bauren und 6 Compagnien Auslaͤndern den Pohlen entgegen geruͤckt sey und sich bey Bauske in Semgallen gelagert habe. Der Koͤnig habe von Fuͤrstenbergen verlanget, den Erzbischof und Coadiutor innerhalb 18 Stunden frey zu schaffen, und habe ihm einen Sebel zugesandt, mit welchem Schluͤssel er die Gefaͤngnisse oͤfnen wolte. Henning, der . Den Curen im Latein und der christlichen Lehre unterrichten, und zum Predigtamt zube- reiten lassen. Siehe Chytraͤi Vorrede zur henningischen Chronik. Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. Den 14ten und 15ten Septemb. brachte man zu Paswal mit einem neuen 1557 Buͤndnis gegen die Russen zu. Der Ordensmeister verlanget innerhalb 12 Jah- ren keinen Beistand von Pohlen; wil aber auch nach deren Verlauf ohne koͤni- gliche Einwilligung keinen neuen Frieden mit Rußland eingehen. Am 20sten Septemb. schickte der Herzog Albrecht die Bestaͤtigung des paswalischen Ver- trags ein. Allein andrer Seits setzte es bey dieser Sache noch verschiedene Schwierigkeiten. Der Koͤnig hatte unter den vorlaͤufigen Bedingungen 20000 Thlr. Kriegeskosten und eine voͤllige Genugthuung wegen seines erschlagenen Ge- sandten begehret. Dazu konten mit vieler Muͤhe kaum 15000 Thlr. in Riga zu- sammen gebracht werden, ob man sie gleich auf heil. Drey Koͤnige wieder zu zahlen versprach. Die beiden rigischen Herrn Buͤrgermeister Joh. Butte und Juͤr- gen Padell schossen diese Summe von 15000 Thlrn. auf Wiederbezahlung der Rit- terschaft und Verbuͤrgung der saͤmtlichen Landesstaͤnde vor; bedungen aber auch zu Wenden, daß selbige in keiner Contribution oder Zulage zuruͤck gehalten noch ihnen abgekuͤrzet werden moͤchten. Der Vogt zu Rositen solte nach Wilda kommen, und dem Koͤnig demuͤthige Abbitte thun, den Verwandten des Entleibten Lonsky aber ei- ne Geldbusse erlegen und nachher ins Gefaͤngnis wandern. Doch der Befehlshaber in Wilda, Kettlers guter Freund, vermittelte es bey dem Koͤnige dahin, daß alles unterblieb, nur muste er bey dem Koͤnige sein Versehen erkennen. Der Vogt zog sodann wieder nach Rositen, und bedankte sich ins kuͤnftige vor den Commis- sionen der doch den lieflaͤndischen Winter kennet, schreibet unterm 17ten Decemb. noch von dem Koͤnig, er habe in seinem Gezelte Audienz ertheilet. Nach andern werden die Krie- geskosten zu 60000 Thlr. angegeben. Wir halten uns an die Documente und Herrn Neustaͤdt. Da zu Paswal unterschiedliche Verabredungen genommen worden; so muͤssen die Zeitbestimmungen in der Unterschrift, welche Menius und unsre Schrift- steller verschiedentlich angeben, von mehr als einem Vertrage verstanden werden. Beim Chytraͤus komt S. 967 eine transactio paswaliensis vor, die ganz anders lau- tet, als diejenige, welche die Pohlen in der Revision von 1599 vidimiret haben. Boͤ- cler hat in der Diatriba unter den Documenten eine Constitutionem Paswalicam ab- drucken lassen, welche des Chytraͤus seine ist. Sie sind alle richtig, nur ist der Un- terschied zu bemerken, daß die daͤnischen Gesandten andre Vorschlaͤge als die pom- merschen, und diese andre als die kaiserlichen aufs Tapet gebracht, der Koͤnig aber auch einiges mit dem Herrn Meister allein in Richtigkeit zu bringen fuͤr rathsam ge- funden. Die leidlichen Bedingungen erweisen, daß der Koͤnig Sigismund August in allen ernstlich, aber doch mit kaltem Blute zu Werke gegangen; die gemeinen Poh- len verfuhren hitziger, so daß sie auch den lieflaͤndischen Gesandten fuͤr den Urheber der Feuersbrunst in Wilda hielten, der sich deswegen unvermerkt von den daͤnischen Gesandten trennen und ins Kloster entweichen muste. Sonst entdeckte Kettler, wel- cher sich in Deutschland aufhielt, um diese Zeit in der Grafschaft Pinneberg einen Spion, der vom Erzstift bestellet war, seine Werbung krebsgaͤngig zu machen. Man nahm daher den guten Johan Oversch, so hies der Verraͤther, beim Kragen und schlug ihm dem Kopf herunter, worauf sein Koͤrper aufs Rath geflochten und der Kopf auf einem Pfal gestecket wurde. Er bekante bey der Folter nichts weiter, als daß er mit seinem Spiesgesellen Franz Bonnis zu Sellenhof in Semgallen, 2 Herren von Liven uͤberfallen, von denen sie einen erschossen, den andern aber gegen 1500 Thlr. wieder los gegeben; auch haͤtten sie an einigen rigischen Kaufleuten bey der heil. Aa einen Strassenraub begangen, weswegen sie nun die goͤttliche Rache ver- folge. Daß diese Leute von der erzbischoͤflichen Parthey erkauft gewesen, eine Mord- that an dem Comtur auszuuͤben ist so gar gewis nicht: daß aber doch ein Geheimnis darunter gesteckt, siehet man aus Hennings abgebrochener Erzehlung. Kettler war sehr argwoͤnisch, welches sich weiter hin noch deutlicher zeigen wird. Es muste man- cher seinen Hals hergeben, weil er ein Verraͤther seyn solte. Da ihm der Koͤnig von Pohlen einst einen ungegruͤndeten Verdacht hart empfinden lassen, so hat man darin ein Vergeltungsrecht finden wollen. Doch Kettler ist zu entschuldigen. Die redlich- sten Gemuͤther, die fuͤr das Recht eifern, sehen im Affect selten die Warheit ein, und auch Kluge werden in der Hitze bethoͤret, eher eine Sache zu glauben, als zu unter- suchen. L l l Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1557 sionen des Ordens nach Litthauen, wenn sein Principal, der Herr Meister, seine Gebietiger nicht besser schuͤtzen koͤnte. Am 5ten October ward der Erzbischof und sein Coadiutor des Arrests entle- diget, und beide hielten in Wolmer, wohin das ganze Land verschrieben war, ihren praͤchtigen Einzug mit 300 Pferden, in Begleitung des erzstiftischen Adels und der Herren Raͤthe. Nach etlichen Tagen kam der Erzbischof mit den Herren Raͤthen auf die Rathsstube, gruͤste den Herrn Meister, welcher auch den Erzbi- schof freundlich wilkommen hies, worauf sich beide zum Vertrag die Haͤnde gaben. Wie der Erzbischof nach Riga kam, setzte er sich im Dom nach geendigter Pre- digt aufs hohe Chor in einen Sessel. Der Rath zu Riga trat zuerst hin, und bat nach einer kurzen Begruͤssung um Vergessenheit des Vergangenen, damit es der Stadt nicht zur Last fiele. Er reichte dem Rathe sitzend die Hand, und ant- wortete nur kurz, sie haͤtten es koͤnnen anders machen, doch solle es die gute Stadt nicht entgelten, wenn sie sich nur ferner hin treu erweisen wuͤrde. Nach Abtre- tung des Raths naͤherte sich der Elterman der grossen Gilde, Jasper Romberg, nebst dem Elterman und Eltesten der kleinen Gilde, wuͤnschten eine gluͤckliche Zu- ruͤckkunft und Regierung, baten um Vergessung des Geschehenen und um Fortsetzung der fuͤrstlichen Gnade gegen die Stadt. Der Erzbischof stand hierbey auf, bot den Elterleuten die Hand, und versetzte: Lieben Elterleute und Getreuen, wir nehmen die Entschuldigung wegen der guten Gemeine in Gnaden an, wir kennen auch die doppelten Herzen wohl, es sollen sich aber dennoch Elterleute und Eltesten mit der ganzen Gemeine zu uns nichts anders als aller vaͤterlichen Gnade und Guͤte zu versehen haben. Hierauf reichte er allen insbesondre die Hand, und begab sich vom Chor nach dem erzbischoͤflichen Hofe. Am 12ten Dec. brachen der Erzbischof, der Coadiutor und der Herr Meister nach Litthauen auf, wo sie sich auch in des Koͤnigs Gegenwart die Haͤnde gaben, und sich einer ewigen Freundschaft ver- sicherten. Mitlerweile, da der dreijaͤhrige Termin zu Ende lief, in welchem die doͤr- ptischen dem Czaar den Tribut erlegen solten, und die Russen sich zum Feldzu- ge ruͤsteten, war aus Riga und Wenden wenig Trost zu erwarten, weil der Ordensmeister mit seinem Marggrafen und Herzog, ja selbst mit dem Koͤnig von Pohlen beide Haͤnde vol zu thun hatte. Sie musten also allein fuͤr ihre Sicher- heit sorgen, und damit sie die Russen etwas aufhielten, fertigten sie eine Bot- schaft nach Moscau, die frey Geleite fuͤr eine grosse Gesandschaft auswirken sol- te. Diese Botschafter waren Hr. Jacob Steinweg und Hr. Franz Neu- staͤdt. Sie fanden in Rußland alles zum Feldzuge fertig; viel 1000 Schlit- ten mit Proviant, Kraut, Loth und Geschuͤtz stunden an den Grenzen. Die Post- hoͤfe, die 4 oder 5 Meilen von einander lagen, waren mit doppelten neuen Herber- gen und Stallungen fuͤr 50 und 100 Pferde versehen, und neue Bruͤcken, eine viertel Meile lang und 4 Faden breit, geschlagen. Dem ohnerachtet nahm der Czaar diese Botschaft sehr guͤtig auf, und fertigte sie nach 7 Wochen mit freiem Geleite fuͤr die neuen Gesandten ab. Elerd Cruse und Claus Francke nah- men diese Gesandschaft auf sich, hatten aber keine solche Geschenke mit, als die schwedischen Gesandten, die dem Czaar einen verguldeten Credenztisch mit dem praͤchtigsten Aufsatz an Trinkgeschirren verehrten. Die Lieflaͤnder fanden die erste Unterhandlung sehr schwer, weil sie von neuem den schon durch Briefe und Siegel ausgemachten Zins ableugneten, den ihnen der Czaar aus den alten Creuz- briefen erwies, und so lange stehen gelassen hatte. Auf ihr Achselzucken lies der Czaar noch den plettenbergischen Friedensschlus vorzeigen, und schalt sie fuͤr Leute ohne Treue und Redlichkeit. Jhm gehoͤre fuͤr jeden Kopf eine rußische Mark oder 10 Dennißken. Ob sie denn nicht wuͤsten, daß seine Vorfahren ihnen das Land um gewissen Tribut zu bewohnen uͤbergeben. Er saͤhe wohl, daß man in Liefland fuͤr das Siegel der Gesandten keine Achtung mehr habe, er wolle es von nun an aus der Hand des Herrn Meisters und Bischofs selbst empfangen, und Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. und zu dem Ende noch seinen Gesandten abfertigen, ehe er zu haͤrtern Mit- 1557 teln schritte. Es langte auch der rußische Botschafter Kelar Terpigore mit dem von der lieflaͤndischen Gesandschaft versiegelten Zinsbriefe im Junio zu Doͤrpt an. Man wies ihm Andreaͤ Wassermans Haus am Markte zur Wohnung an. Der Bischof ertheilte ihm auf dem Schlosse Gehoͤr, im Beiseyn aller Herren Land- raͤthe, des Ausschusses aus dem Rath und der Buͤrgerschaft, nebst etlichen Nota- rien die seine Gewerbe urkundlich niederschreiben musten. Er uͤberreichte dem Bischof ein seiden Jaͤgernetz, ein paar moskovische Jagdhunde und einen kostbaren Teppich zum Geschenk. Sein Anbringen bestand in Erhebung der Langmuth seines Principals, der Liefland bey den innern Un- ruhen dieses Landes laͤngst den Garaus machen koͤnnen. Der Grosfuͤrst und Kai- ser aller Reussen verlange nun, daß der Bischof und Fuͤrstenmeister, der genom- menen Abrede gemaͤs, ihrer Gesandten Siegel von dem Zinsbrief abschneiden, und ihr eignes daran haͤngen solten. Man lies hierauf den Gesandten eines gu- ten Bescheides versichern und ihn bitten, in der ihm angewiesenen Wohnung ab- zutreten Die letztern Bischoͤfe zu Doͤrpt sind in der Historie so wol von paͤpstlichen als andern Schriftstellern ganz ohne Grund gemishandelt worden. Fabricius hat uns die spoͤtti- schen Reime des Poͤbels aufgehoben: Herr Bischof Herman Bey, Gab sein Bistum um ein Ey. Herr Jodocus von der Recke, Warf sein Bistum gar in Drecke. Diese saubre Poesie hat sich in alle Chroniken verbreitet. Der alte Russow scho- net das Andenken dieser Maͤnner gar nicht, und die mehresten machen sie noch zu Be- truͤgern und Landesverraͤthern. Jodocus oder Jost von der Recke, ein Vetter des Herrmeisters gleiches Namens, besas ohnstreitig grosse Eigenschaften, welches Breden- bach S. 24 coͤllnischer Ausgabe und S. 220 der frankfurter Auflage, selbst nicht in Abrede ist. Schardian im rußischen Kriege B. III, S. 40, thut seiner auch mit Ruhm Meldung. Chytraͤus S. 467 schreibet Russoven nach, daß er die Stiftsguͤter verpfaͤndet, sich mit den Geldern nach Westphalen begeben und muͤnsterischer Canoni- cus geworden; als ihm aber Wilhelm Kettler, ein Bruder des Ordensmeisters, Gotthard Kettlers, in der bischoͤflichen Wahl zu Muͤnster vorgezogen worden, habe er sein Canonicat aufgegeben und sich mit einer Closterfraͤulein Johanna von Heiden vermaͤhlet. Nach seinem Abzuge sol sich Peter von Tiesenhausen Muͤhe gegeben ha- ben, das Bistum an sich zu kaufen, daher ihn das gemeine Volk in Liefland zum Schimpf Gernbischof nante. Dieses Maͤhrchen schnapft Fabricius auf, und schilt den Handel eine Simonie. War auch wol ein Laster so gros, welches sich die Doͤrpti- schen zu der Zeit nicht musten vorruͤcken lassen? Doch Recke wird noch deswegen ent- schuldiget, daß er weggegangen, weil der Beitrit vieler angesehenen Leute zur lutheri- schen Religion und die Spoͤttereien seines Kapitels, das die Religionsveraͤnderung sei- nem gelinden Regimente zur Last legte, ihm in Doͤrpt das Regiment sauer machte, nicht zu gedenken, was die rechtmaͤßige Furcht vor einem unfehlbaren Kriege mit Rußland zu seinem Wegzuge beigetragen. Seine Stelle bekleidete ein Dominika- ner moͤnch, Herman von Wesel mit dem Zunamen Weyland, der auch aus Doͤrpt anfangs fortwandern und nach der Bernhardiner abtey Valkena 2 Meilen von Doͤrpt ziehen muͤssen. Dieser Ort lag in einer niedrigen und morastigen Gegend, und solte seiner Thuͤrme und Mauren wegen gegen die Russen zur Vormauer dienen. Her- man stund diesem Kloster als Abt vor; und als ihn die doͤrptische Ritterschaft 1553 po- stuliret, sol sie ihm 3 Punkte vorgeleget haben. Erstlich, daß er als ein Reichsfuͤrst die Muͤnchskutte ablegen und eine standesmaͤßige Tracht annehmen solte. Zum andern muͤste er das heilige Abendmal unter beiderley Gestalt ohne Unterschied und oͤffentlich reichen lassen. Wie Herman das erste eingieng, so kam es mit dem andern Punkte nicht zu Stande, weil die doͤrptischen Lutheraner das Nachtmal nicht unter waͤh- render Messe empfangen wolten. Der dritte Punkt war beschwerlicher. Der Bischof solte nemlich sich gegen die Ritterschaft und Stadt mit einem Eide verbinden, daß er weder muͤndlich noch schriftlich der lutherischen Lehre entgegen seyn wolle. Russow nennet Hermannen einen Schusterssohn, und stellet ihn vor als einen Klotz oder Balken, der . L l l 2 Jm Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1557 Jm Schlosse war guter Rath theuer. Man war nur auf die lieflaͤndi- schen Gesandten ungehalten, die sich mit der Unterschrift uͤbereilet haͤtten. Der rußische Botschafter wurde bey der Unentschlossenheit der Doͤrptischen unge- duldig, und wolte auch ohne Bescheid aufbrechen. Jn diesen Berathschlagungen stelte der alte Jacob Krabbe so wol als der Buͤrgermeister Hencke die Noth vor, die aus der Versiegelung entstehen wuͤrde; und doch fand sich keiner, der sie abschlagen oder einen andern Ausweg zeigen konte. Bey dieser Verlegenheit, bey diesem algemeinen Stilschweigen, bey der Eilfertigkeit des rußischen Botschaf- ters trat endlich der bischoͤfliche Kanzler, Herr Georg Holtzschuher auf und sagte: Lieben Herren, so reifliche Ueberlegung dieser Handel sonst erfordert, so muͤssen wir uns doch dismal in die Zeit schicken. Wir wollen durch unsre Nota- rien und den Orator dem grosfuͤrstlichen Gesandten vorstellen: wir haͤtten uns dieser Uebereilung nicht versehen; wir koͤnten nichts ohne Einwilligung Sr. roͤ- misch kaiserlichen Majestaͤt als unsers obersten Lehnsherrn thun; wir protestirten aber indessen gegen den Zins. Was aber die Versiegelung betrift, so koͤnnen wir uns derselben unmoͤglich entschuͤtten Dieser wohluͤberlegte holtzschuhersche Rath, welcher von allen genehm gehalten wurde, und fuͤr Liefland am heilsamsten gewesen waͤre, wenn man demselben seit et- lichen Jahren beigepflichtet und nachgekommen waͤre, ist hier aus der Feder des Herrn Neustaͤdts nachgeschrieben. Russov, der gegen die gemeine Sage gar zu leichtglaͤubig ist, giebt dem Bischof so wol als seinem Kanzler ein Verstaͤndnis mit Rußland schuld, dahingegen Henning solches wohlbedaͤchtig uͤbergehet. Bredenbach bemuͤht sich, den holtzschuherschen Rath laͤcherlich und ungereimt zu machen, und giebt Holtschuhern fuͤr einen grossen Goͤnner der lutherischen Parthey aus. Weil nach- her so viele Schriftsteller diesen Rathschlag nach dem Sin des Poͤbels gehaͤßig vorge- stelt, so ist er in Liefland beinahe zum Spruͤchworte eingefuͤhret. Wer den Zusam- menhang der doͤrptischen Veraͤnderungen einsiehet, wird die gemeinen Vorurtheile fahren lassen. Henning schreibt S. 25 von den Lieflaͤndern, es sey durch ihre Suͤn- den schon so weit gekommen, vt salus ipsa, etiamsi voluisset, eos seruare non potuis- set, und doch suchte man den verzweifelten Schaden in Kleinigkeiten. . Dieser Entschlus fand durchgaͤngigen Bey- der den Stiftsraͤthen und der Stadt Doͤrpt das Regiment gelassen, wobey ein jeder ohne Aufsicht der hohen Obrigkeit gethan, was er wolte. Man habe ihn um des Goldes willen gewehlet, da aber der Bischof ausgebeutelt worden, habe er mit seinem Kanz- ler practiciret, heimlich unter rußischen Schutz zu kommen. Allein der Freiherr Cru- se ruft dieses vor eine oͤffentliche Unwahrheit aus, und giebt uns diese Nachricht: Die Staͤnde des Stifts Doͤrpt waͤren nach der Abreise ihres Herrn Josts von der Recke, welcher sich veraͤndern wollen, veranlasset worden, sich nach einem gelehrten, frommen und aufrichtigen Man umzusehen, und ihrer freien Wahl nach einen Herren zu erweh- len, den sie nirgends gelehrter, beredter, frommer und aufrichtiger zu suchen und zu finden gewust, als in der Person des Abts zu Valckenau, welcher viele Jahre, ihren alten Rechten und Gewohnheiten nach, als ein Haupt der Ritterschaft, ihre Sachen al- lewege mit besonderer Geschicklichkeit vorgebracht und gefuͤhret, dabey von Natur from, und von GOtt mit hohem Verstande begabt, auch von gutem Vermoͤgen gewe- sen. Es habe der Ritterschaft viel gute Worte gekostet, ihn zur Annehmung der Stiftsherrschaft zu uͤberreden. Es habe kein Verfolgungsgeist, sondern ein lauterer Trieb, das goͤttliche Wort zu befoͤrdern, in ihm geherrschet, daher bey der getheilten Religion beide Partheien mit ihm zufrieden gewesen, wie er auch durch seinen Stifts- vogt zur Abtretung der Stiftsschulden viele tausend Thaler bezahlen lassen. Ein andrer ungedruckter Verfasser giebt diesem Herman das Zeugnis, daß er den Lutheranern in vielen Stuͤcken nachgegeben, die 5 Jahre seines bischoͤflichen Amts hindurch keine Messe gehalten, und mit allen oͤftern und liebreichen Umgang geflogen. Die Catholi- ken warfen ihm vor, daß er auf beiden Schultern truͤge, und gaben ihm Schuld, er habe schlechte Leute und nicht ordentliche geweihete Priester hier und da ins Predigamt gesetzt. Die Partheilichkeit oder auch die Einfalt verraͤth sich bey solchen Urtheilen am ersten; doch mus ihn Cruse am naͤchsten gekant, und am besten zu schildern gewust ha- ben. Wie denn uͤberhaupt nach dem Bericht des letzten Schriftstellers der Ungrund von den in der Historie unschuldiger Weise beschimpften Landesverraͤthern nur alzudeutlich in die Augen faͤlt. Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. Beyfal, und es wurde gleich ein besonderer Bote an den roͤmischen Kaiser abge- 1557 fertiget, damit durch dessen hoͤchste Vermittelung und Gesandschaft die Ungnade des Czaars von Liefland abgewendet wuͤrde. Als der Botschafter Kelar Terpigorre nachher aufs Schlos kam und den versiegelten Zinsbrief empfing, so befahl der Orator den Notarien die Protesta- tion nieder zu schreiben. Da sich der Botschafter davon durch den Dolmetscher verstaͤndigen lies, sprach er: Was hat mein Herr mit dem roͤmischen Kaiser zu schaffen? Gebt mir den Brief. Komt die Zinse nicht, so wird sie mein Herr zu holen wissen. Einige Hofjunker begleiteten ihn so dann nach seinem Quartier, welchen er nach Gewohnheit den Brantewein vorsetzte. Er selbst sprang auf den Tisch, und zog die Briefe aus dem Busen, die sein Diener vor seinen Augen in einen seidenen Schleier wickeln und in eine beschlagene Lade legen muste, zu dem er noch die Worte sagte: Verwahre und hege mir das Kalb wohl, damit es gros und fet werde. Der Bischof schickte ihm hierauf ein Geschenk von Fischen, Fleisch, weissem Brodt, Eyern, Gewuͤrze und allerhand Getraͤnken, weil der Czaar den lieflaͤndischen Gesandten ein gleiches zu thun pflegte. Der Magistrat wartete ihm ebenfals mit einigen Erfrischungen auf, lies durch den Stadtkoch einige wohl- bereitete Gerichte auftragen, und dabey zuentbieten, wenn es ihm gefaͤllig sey, wolte er ihm 2 Personen zur Geselschaft an die Tafel mit geben; welches dem Bot- schafter recht angenehm war. Kurz vor seinem Abschiede legte der rußische Botschafter bey dem Magi- strat noch ein Gewerbe ab, da man ihn denn in der Kaͤmmerey mit Confect tractirte, hernach in den Reventer auf einen Sessel nieder zu sitzen noͤthigte, um seinen Vor- trag zu thun. Er hatte einen Russen bey sich, dessen Bruder auf dem plesco- wischen Wege erschlagen worden, und der deshalb bey dem Bischof um eine Be- friedigung von etlichen 100 Thalern, aber vergeblich, angehalten. Nun musten in Ruß- und Liefland, besage der alten Kreuzbriefe, die Nachbaren, in deren Bezirk Raub oder Mordthaten begangen worden, dem Anverwandten des Erschla- genen entweder die geraubten Guͤter erstatten, oder den Thaͤter liefern; der Bi- schof hatte aber mit dem Rechte gegen diesen Russen etwas saumselig verfahren. Man ersuchte also den Botschafter um Geduld, bis die Nachbarn derselben Ge- gend nach Doͤrpt verschrieben wuͤrden. Der Botschafter muthete der Stadt zu, das Geld so lange auszulegen, weil sie wol 12 Tonnen von dieser Waare unter dem Rathhaus liegen habe. Ob nun gleich dieses ein falsches Geruͤchte war; so ver- setzte doch der Buͤrgermeister Joh. Dorstelmann: Wenn auch so viel Geld da ist, so haben doch die Staͤdte Riga und Revel den Schluͤssel mit dazu. Der Botschaf- ter erinnerte also noch die baldige Abtragung des Zinses, nahm Abschied von dem Rath, und zog wieder nach Moscau Jn diesem Jahr lies sich ein seltsamer Mensch, mit Namen Juͤrgen, sehen, welcher von der Mosel durch Preussen angekommen war, und im haͤrtesten Winter nackend und barfus, blos mit einem Sack bekleidet, herum gieng und die im Schwang gehen- dem Laster mit vielem Hochmuth bestrafte. Er nahm weder Geld noch Brodt noch Klei- der, als die er sich mit Arbeit verdiente, wovon er auch in einem Tage mehr vor sich brachte als ein fauler Knecht in vielen Tagen nicht bestellen konte. Er gieng dabey fleißig zur Kirche, und wenn ihm die Prediger seinen Beruf von GOtt zur Bestrafung der Suͤnden zweifelhaft machten, so schalt er sie fuͤr Heuchler. Dieser wunderliche Se- paratist verlor sich auf dem Wege nach Narva, und man glaubt, die Bauren haben ihn auf die Seite geschaft. Siehe Russov Bl. 39. . Jn Liefland uͤbereilte man sich mit nichts weniger als mit Herbeischaffung 1558 der Zinse. Dieses bewog den Czaar bey Plescow eine Kriegsmacht von 40000 Man zusammen zu ziehen. Die Oberbefehlshaberstelle uͤber dieses Heer trug er einem tattarischen Herrn, Namens Czaar Czigaley auf Bredenbach und seine Abschreiber, Guaguini und Venator, nennen diesen Herrn Peter Sisegaleider, welches letztere in der rußischen Sprache 7 Galeien oder Ga- M m m leren , einem von Per- son Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1558 son ansehnlichen und grossen Manne, von vielem Verstande und Bescheidenheit, der am 25sten Jenner mit diesen Voͤlkern in 3 Haufen in Liefland einbrach, und die Grenzen von Doͤrpt, Wirland und der Narve durchstreifen lies, wobey die Vortruppen und Freicompagnien uͤberal Furcht und Schrecken ausbreiteten. Er selbst zog sich gleich wieder nach Plescow zuruͤck. Aus Plescow schickte er ein Schreiben an den Bischof zu Doͤrpt, in wel- chem er ihm und den Staͤnden die Unbesonnenheit vorstelte, wodurch sie das Blut so vieler Unschuldigen auf sich ladeten. Da sie sich doch nicht im Stande befaͤn- ben Gegenwehr zu thun, so moͤchten sie fernerm Unheil vorbeugen, und durch ih- re Gesandten den Zins einliefern, er wolle denselben durch seine Fuͤrsprache beim Czaar zu mindern und einen anstaͤndigen Frieden zu vermitteln suchen. Dis Schreiben fruchtete nebst andern Zwangsmitteln gleichwol so viel, daß die geistli- chen und weltlichen Staͤnde sich zu Wenden auf Oculi versamleten, und Dien- stags nach Judica verschiedene Sachen ausmachten. Man verglich sich dahin, daß eine Reformation angestellet und alle Misbraͤuche der Lehre und Cerimonien abgeschaffet wuͤrden. Man bestimte die Gesandten nach Rußland, und im Fal kein Friede zu erhalten, wurde berathschlaget, wie viel man Compagnien anwerben muͤsse. Man schickte einige Abgeordnete nach Moscau ein frey Geleite auszu- wirken, die auch bald wieder zu Hause eintrafen; worauf die Gesandten, unter welchen Christoph Luggenhusen und der Stadtsecretair Groß mit war, den Frieden beim Czaar um 60000 Thlr. behandelten. Der Bischof von Doͤrpt hatte seinen Bedienten Christoph Lustfer durch einige Versprechungen dahin ver- mocht, daß er mit gieng, und das Beste seines Stiftes mit in Obacht nahm, zu- mal da in Doͤrpt der traurige Anblick so vieler ungluͤcklichen Leute die groͤste Be- stuͤrzung verursachte. Denn da Czigaley ins Doͤrptische ruͤckte, gieng es an ein so entsetzlich Fluͤchten von 10 bis 20 Meilen her nach der Stadt, daß alle Strassen, Kirchhoͤfe und Vorstaͤdte von elenden Menschen wimmelten, deren bey 10000 mit Weib und Kindern in den Stadtgraben zu Doͤrpt lagen, und wegen des strengen Winters theils erfroren, theils verhungerten, theils von den annaͤhernden Russen niedergehauen wurden. Die Leute in der Stadt konten nie- mand einnehmen, sondern verkrochen sich selbst, und dankten GOtt, daß sie den Feind mit dem groben Geschuͤtze von den Mauren abhalten konten. Der laͤngst erwuͤnschte Friede war nun in Rußland zu Stande gekommen; da es aber zum Geldzahlen kam, war nichts bey der Hand. Die Gesandten vermeinten zwar von den rußischen Kaufleuten in Moscau so viel aufzunehmen; allein der Czaar hatte seinen Unterthanen bey Leibesstrafe allen Vorschus untersagen lassen: weil er befuͤrchtete, die Lieflaͤnder wuͤrden seinen Leuten das Wort eben so langsam halten als ihm; wie er denn auch den Gesandten ihre Taͤuschung in heftigen Aus- druͤcken vorwarf, sie bis zur Ankunft des Wechsels als Geissel dazu bleiben noͤ- thigte, und 6 Meilen von Moscau nach Zerna verschickte. Den Gesandten blieb also nichts mehr uͤbrig, als daß sie einen Russen heim- lich um 60 Thlr. erkauften, welcher des doͤrptischen Secretairs Fridrich Grossens Bericht schriftlich uͤberbringen muste. Der Russe gab den Brief in Plescow an Lustfern ab, der ihn dem doͤrptischen Secretair Valentin Neu- leren bedeuten sol, weil er ehmals 7 Raubschiffe angefuͤhret habe. Ein seltsamer Grund! Die Schreibart damaliger Zeiten litte es nicht anders, als diesen Man wie einen Phalaris und seinen Herrn den Czaar wie den andern Nero zu schildern. Breden- bach meinet, daß er die Belagerung von Doͤrpt regieret habe, welches den mehre- sten Zeugnissen entgegen ist. Neustaͤdt ist allen diesen Maͤnnern naͤher gewesen, und ruͤhmte auch das Lobenswuͤrdige an seinen Feinden; ob er gleich manche barbarische Ausschweifungen wuͤtender Soldaten nicht verschweiget. Wenn man dem Camera- rius glauben darf, so waren unter der tartarischen Reuterey viel Weibespersonen, die theils ihr eigen Pferd ritten, theils hinter ihren Maͤnnern aufsassen. Sie waren schon alte Vetteln, sollen aber ganz unbarmherzig auf die Deutschen zugeschlagen ha- ben. So sabelhaft schreibt doch noch kein Geschichtschreiber von Liefland. Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. Neuherz wieder einlieferte. Man setzte so gleich zu Wolmer einen neuen Land- 1558 tag an, und nahm Abrede, daß jeder Haken 4 Mark, und wo die Hakenzahl nicht uͤblich sey, jedes Gesinde gut und boͤse, 4 Mark rigisch die Staͤdte und Landsassen aber von jedem 1000 viere auf Trinitatis zu Wolmer erlegen solten. Der Herr Meister erbot sich zu 12000 Thalern, Harrien und Wirland bewil- ligte 10000 Mark, das Erzstiftskapitel, Raͤthe und Ritterschaft 7000 Mark, das Stift Doͤrpt 10000 Mark, die Staͤdte Riga, Doͤrpt und Revel 10000 Mark innerhalb 8 Tagen zu Doͤrpt zu erlegen. Fuͤr den Rest wolte der Erzbi- schof sorgen, und die Stadt Riga uͤberdis noch ein Darlehn von 15000 Thlr. Montags nach Trinitatis zusammen bringen. Dabey ward dem ganzen Lande angedeutet, daß jeder mit der ersten Grasung aufsitzen und dem Herrn Meister folgen solte. Ein anderes Heer aus Rußland nahm seinen Zug nach Narva, welche Stadt nach vergeblich gethaner Aufforderung 9 Tage vor Ostern mit einer ent- setzlichen Bombardirung beaͤngstiget wurde, weil der Czaar vorher eine starke Ar- tillerie nach Jvanogrod abfuͤhren lassen. Taͤglich flogen 300 Kugeln in die Stadt, unter welchen einige Bomben wol 13 Lispfund wogen. Jn Narva waren wenig Buͤrger und Landsknechte, und solte der arme Ort in Ostern gestuͤrmet wer- den. Da nun an keinem Entsatz zu denken war, trat der Vogt Ernst von Schnellenberg mit dem Rath, der Gemeine und dem revelschen Hauptman Wolf von Strasburg zusammen, und bewirkten bey den Waywoden Alexei Danielowitz Bafmanof und Paul Pietrowitz Sabelinski einen vier- monathlichen Stilstand, um ihre Botschafter an den Czaar abzufertigen, in siche- rer Vermuthung, es werde den Staͤnden in Liefland gelingen, einen General- frieden auszudingen oder um Geld zu erkaufen. Man zwang auch die beiden Kaufleute Jochim Krumhausen, und Arnd von Deden im Namen der Stadt Narva mit dem Czaar zu tractiren, unter sicherer Versprechung, sie schadlos zu stellen, ob gleich ersterer die Bemuͤhung mit 1000 Thlr. abzukaufen sich bestrebte. Diese Gevolmaͤchtigten erreichten Novogrod und langten in Tessowe an, als ihnen die gesamte rußische Macht begegnete. Der Genera- lißimus that ihnen die Ehre und sandte sie auf Postpferden nach Moscau, wo sie mit ihrem Anbringen nicht sonderlich wilkommen waren; indem man des Stat- halters zu Jvanogrod Schreiben so auslegte, als sey der Stadt deswegen ein Stilstand bewilliget, weil die Buͤrger die Stadt und das Schlos zu uͤbergeben versprochen. Der Czaar drohete Narva umzukehren, im Fal der Uebergabe aber ihr die herrlichsten Privilegien zu schenken, wobey er die uͤberschrittenen Tractaten der Stadt, welche sie oft mit Rußland auf dem Narva strom errichtet, vorle- gen lies. Die Deputirten boten eine Summe Geldes fuͤr den Frieden, so bald die Bestaͤtigung davon aus Narva einlaufen wuͤrde; welches der Czaar schlechter- dings verwarf. Nun hatte zwar Krumhausen der Handlung auf Rußland wegen durch des Czaars Beichtvater und dessen Fuͤrbitte einen ansehnlichen Freiheitsbrief fuͤr seine Person erhalten, den er auch manchem Deutschen in friedlichen Zeiten auf seinem Namen geliehen und zu gebrauchen gegeben. Allein da er sich in die- ser Gesandschaft blos auf des Befehlhabers in Jvanogrod Zusage berief, und von dem Czaar kein sicher Geleite aufzuweisen hatte; so wurde beiden Abgeordne- ten der Arrest angekuͤndiget, ohnerachtet die Stadt bey der Abreise dieser Maͤnner eigene Geissel zu Jvanogrod eingeliefert hatte. Doch der Czaar aͤnderte seine Meinung, und befahl seinen Ministern einige Punkte aufzusetzen, die einen gar leidlichen Accord fuͤr die Stadt in sich enthielten. Die Abgeordneten wusten wohl, wie halsbrechend es in Liefland war, etwas anzunehmen, was von einer Ueber- gabe handelte. Sie konten es aber auch nicht ausschlagen, weil ihre Freiheit da- von abhieng; und Krumhausen muste sich noch dazu verbindlich machen, so lange im Ruͤckwege auf Jvanogrod in Arrest zu bleiben, bis Deden den czaa- M m m 2 rischen Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1558 rischen Gnadenbrief den Narvischen uͤberbraͤchte. Und also beurlaubten sich bei- de Abgeordnete, fanden aber bey ihrer Zuruͤckkunft die Stadt in ganz andern Umstaͤnden. Der vellinsche Comtur, Gotthard Kettler, und der revelsche Comtur Franz von Segehafen, genant Azel, waren mit etlichen 800 Man und einigem Feldgeschuͤtze auf dem Wege Narva zu entsetzen; dieses machte einige Constabler von der narvischen Besatzung so uͤbermuͤthig, daß sie auf eine hoͤchst unbesonne- ne Weise unter die in Jvanogrod an einem Festtage bezechten Russen ihr gro- bes Geschuͤtz losbranten, und viele toͤdteten. Die Russen geriethen daruͤber in grosse Bestuͤrzung, und holten von ihren Befehlshabern Befehl zur Gegenwehr ein’ weil sie den Stilstand zu beobachten hatten. Zum Ungluͤck der armen Stadt kam in des Barbiers Cordt Ulken Hause ploͤtzlich Feuer aus, welches unter den mehrentheils hoͤlzernen Haͤusern recht wuͤtend um sich grif und sie in Asche legte. Bey dieser Unordnung schwammen die Russen uͤber den Strom, drungen in die Stadt hinein, besetzten die Thore und halfen noch manches retten. Die Buͤrger- schaft und Besatzung fluͤchtete nach dem Schlosse. Hier erboten sie sich so gleich zur Uebergabe, unter der Bedingung eines freien Abzugs, welcher ihnen auch von den Russen zugestanden wurde. Kettler lag 3 Meilen von der Stadt hinter 3 Bergen, sahe sich aber viel zu schwach den Entsatz zu wagen: doch glaubte er, diese Vormauer von Estland koͤnne ihrer Vestigkeit wegen den grimmigsten An- grif aushalten, zumal da eine auf Kundschaft ausgeschickte Parthey die Nachricht uͤberbrachte, daß sie nur eine halbe Meile von der Stadt gewesen, in welcher das Feuer gluͤcklich gedaͤmpfet worden, und alles ausser Gefahr sey. Doch da man im Lager erst recht ruhen wolte, so kam schon die Buͤrgerschaft und Garnison aus Narva bey ihnen an, und legte von ihrer Uebergabe den warhaftigen Bericht ab. Die Narvischen beklagten sich uͤber die ausgebliebene Huͤlfe, Kettler hingegen, der diesen so unvermutheten Verlust nicht begreifen konte, fiel auf die Gedanken, die Stadt muͤste durch Verraͤtherey uͤbergeben seyn, davon er die Urheber zu ent- decken sich bemuͤhte. Die Eroberung dieses haltbaren Platzes, so am 12ten May geschahe, verursachte in den benachbarten Oertern ein solches Schrecken, daß eine Unordnung auf die andre folgte, und man dieselbe billig fuͤr den Anfang aller wi- derwaͤrtigen Begebenheiten damaliger Zeit halten kan. Zwey Tage nach Einaͤscherung der Stadt Narva kamen die Abgeordneten, Krumhausen und Deden, aus Moscau mit dem czaarischen Gnadenbriefe zuruͤck, und sahen ihr Hab und Gut unter der noch rauchenden Asche verzehret. Sie begaben sich laut ihrem Versprechen nach Jvanogrod und baten um die Frei- heit der eingelieferten Geisseln, weil der Czaar die Stadt seiner Gnade versichert. Man versprach auch sie loszugeben, wenn Krumhausen den Gnadenbrief den ausgezogenen Einwohnern den Augenblick nachschicken wuͤrde, damit sie sich wieder anbauen und die Handlung nach Rußland fortsetzen moͤchten. Ein Buͤrger, Namens Hans Bernd, stelte vor, daß es keine Lieflaͤnder, sondern nur Fremde waͤren, die bisher nach Rußland gehandelt haͤtten, worauf er auch in Freiheit kam, dabey aber angeloben muste, die czaarische Begnadigung der Stadt an Kettlern abzugeben. Der unschuldige Man erhielt ein schlechtes Botenlohn, indem ihn Kettler nach Revel abfuͤhren lies, wo er auf dem Schlosse lange Zeit gefangen sitzen muste. Die Beschuldigung der Verraͤtherey traf endlich Krum- hausen selbst, in welchen Verdacht so gar der Vogt, der Rath und die ganze Gemeine verwickelt wurde Der alte Krumhausen wird von Henningen in der lieflaͤndischen Chronik S. 27 und von andern mit unter die Verraͤther von Liefland gerechnet. Und warum nicht? Es war ja auf der Tortur von andern auf ihn bekant, daß er dem Czaar ein Praͤsent mit 10 grossen Oliven gemacht. Doch die 5 Soͤhne dieses Mannes, Johan, Jo- chim, Michael, Melchior und Abraham retteten die Ehre ihres Vaters, durch einen . Denn die in Jvanogrod nachgebliebenen Geis- seln Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. seln hatten Bernd Briefe an ihre Angehoͤrigen mit gegeben, und ihnen aus des 1558 Czaars Begnadigungsbriefe Trost eingesprochen und Hofnung zur Ruͤckkunft ge- macht, welches Kettler fuͤr heimliche Tractaten des Krumhausen mit dem Czaar ansahe, da man doch Krumhausen zu Jvanogrod hart genoͤthiget, durch seinen Sohn dem Vogt zum Neuenschlosse, Diedrich von der Steinkuhle, eine Abschrift von der Begnadigung einzuhaͤndigen, und ihn zur Uebergabe zu bereden. Jn Doͤrpt machte man aus der Einpackung der 60000 Thlr. endlich ein- mal Ernst, wobey sich die Herren Fabian und Heinrich von Tiesenhausen, der Stiftsvogt Elhard Kruse, der Buͤrgermeister Joh. Dorstelman, die Rathsherren Heinrich Cornelius, Herman von Embden, Johan En- gelstaͤdt und andre mit willigem Vorschus sehen liessen, des Hrn. Neustaͤdts Schwiegervater Dittmar Meier aber noch 500 Thlr. zulegte. Die Gesandten giengen der Eil wegen mit erstem ofnen Wasser nach Plescow, unter welchen sich D. Wolfgang Zaber, ein Man, den man wegen seines Ansehens nur den lieflaͤndischen Papst zu nennen pflegte, mit befand, welcher aber unterwegens von dem Tode eine andre Gesandschaft zu bestellen bekam. Seine Stelle vertrat Johan Taube von Uxkuͤl. Jn Liefland glaubte man, daß dieses Geld alle erwuͤnschte Wirkung thun wuͤrde, und man nicht eben so schnel zu satteln noͤthig haͤtte, obgleich der Bischof von Doͤrpt in oͤftern Briefen auf den Schutz drang, den man ihm in so vielen Vertraͤgen feierlich zugesagt. Einige hielten es nicht fuͤr warscheinlich daß der Czaar gegen Liefland Ernst gebrauchen wolle, weil ers mit dem roͤmischen Kaiser nicht verderben wuͤrde, auch keiner ihrer Correspondenten aus Rußland etwas von dem Einfal der rußischen Voͤlker schriebe. Der Bischof von Doͤrpt war der erste, welcher mit 270 Pferden ins Lager bey Kyrnpeh ruͤckte. Der Ordensmeister Fuͤrstenberg kam auch mit 200 Man zu Pferde; und eine glei- che Anzahl brachte sein Ritmeister Metzauge herbey. Almaͤhlig langte auch der Propst Ulrich Beer wegen des Stifts Curland mit 80 Pferden, und der Vogt von Bauske und Seeleburg, der Comtur von Goldingen, Ma- rienburg und Dobblen mit ihrer Macht an, wobey 1500 Bauren, Schuͤtzen und Feldgeschuͤtz mit kamen, welche dem maͤchtigsten Feinde den Pas wehren sol- ten, einen so betitelten gruͤndlichen Bericht von seiner nach Rußland abgelegten Botschaft. Auch der narvische Buͤrgermeister Herman Zur Moͤhlen, Heinrich Koͤnne Rathsverwandter, und Johan des Vogts zu Narva Secretair beschworen am 22sten May die Umstaͤnde unsers obigen Berichtes, woruͤber der Magistrat in Revel ein pergamentenes Jnstrument zur Bezeugung der Unschuld der narvischen Deputirten aus- stelte, gegeben am 29sten November 1559. Da Russov in seiner letzten Auflage die Krumhausen mit vertheidiget, und Henning seine Beschuldigung in der neuesten Ausgabe zuruͤck genommen; |so ist es viel, daß der Herr Praͤpositus Kelch solches nicht in Erfahrung gebracht, sondern S. 225 einige Herren des Raths zu Narva und diesen Jochim Krumhausen, eines heimlichen Verstaͤndnisses mit dem Feinde hal- ben, den Verraͤthern von Liefland von neuen beizehlet, und ihnen aus Unwissenheit eine Schuld aufbuͤrdet, von der sie schon uͤber 100 Jahr obrigkeitlich losgesprochen wor- den. Und wozu brauchte es grosser Verraͤtherey? Der Czaar entdeckte den lieflaͤndi- schen Staͤnden in seiner Kriegserklaͤrung, Moskau vom Monat November 7066, die Ursachen seines Feldzugs hinlaͤnglich und deutlich. Bredenbach liefert diesen Fehde- brief lateinisch, aus dem ihn Guagnini und Hr. Schurzfleisch abdrucken lassen. Venator hat ihn in deutscher Sprache. Bey allen diesen Schriftstellern findet sich in der Declaration auch nicht eine einzige von den laͤppischen Ursachen und Zunoͤthi- gungen, die einige Scribenten diesem klugen Czaar zur Last legen. Denn daß der Czaar die 5 oder 6 Compagnien deutsche Soldaten nicht in Liefland leiden wollen, und auf ihre Abdankung gedrungen, als aber dieses unterblieben, Krieg angefangen, dergleichen Erzehlungen werden bey Vernuͤnftigen keinen Glauben finden. Jn obigen Schriftstellern mus nur die Jahrzahl des Briefes um ein Jahr zuruͤck gesetzet werden, die bey ihnen 7067 ist und 7066 heissen sol. N n n Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1558 ten, da sie an streitbarer Manschaft noch keine 1500 Man ausmachten. Die Voͤlker des Erzstifts Riga hielt man fuͤr eben so stark, und wartete sehnlich nach ihrer Ankunft; allein der Erzbischof fand sich mit einer Entschuldigung ein, welchem Beispiel die Bischoͤfe von Oesel, Harrien und Wirland folgten. Das Gebiet von Vellin aber muste bey Kettlern in Estland bleiben. Dieser Umstand setzte Fuͤrstenbergen in grosse Verlegenheit, so daß er den Russen schon etliche Vestungen uͤbergeben wolte, welches jedoch die Doͤrptischen durch vieles Bitten noch hintertrieben. Die Unordnung und das Gezaͤnke kam gar so weit, das wenig daran fehlte, daß der Orden und die Doͤrptischen sich uͤbern Haufen geworfen, und selbst erwuͤrget haͤtten, wie denn etliche toͤdlich verwun- det, viele aber in die groͤste Lebensgefahr gestuͤrzet wurden. Der Bischof von Doͤrpt eilte nach seiner Stadt zu, um selbige in Vertheidigungsstand zu setzen, welches alles dem Orden wenig Lust machte, im Felde zu bleiben, im Gegentheil vielmehr Anlas gab, daß man alles Unheil unschuldigen Leuten zur Last legen wol- te, und ihnen den damals nicht ungewoͤhnlichen Namen der Landesverraͤther zur Beschimpfung anhieng. Die rußische Armee wandte sich von Narva nach dem Schlosse Neuen- haus, in welchem sich eine Besatzung von 80 Man und etlichen Bauren befand, uͤber welche Georg Uxkuͤl von Padenorm Hauptman war. Die Russen lagen 6 Wochen lang davor, waͤhrend welcher Zeit durch das unaufhoͤrliche Be- schiessen die Brustwehre, die Mantelmauer und ein Thurm eingeschossen, etliche Manschaft getoͤdtet, und den Belagerten ein vortheilhafter Vergleich war angebo- ten worden. Ob nun gleich der tapfere Uxkuͤl von keiner Uebergabe hoͤren wol- te, so konte doch niemand vor Muͤdigkeit mehr fechten; ja die Soldaten droheten gar ihren Hauptman uͤber die Mauren zu henken, wenn er die angebotenen Be- dingungen ausschlagen wuͤrde. Er muste sich also in die Zeit schicken, und behielt beim Auszuge wenige von seinen Leuten bey sich, weil die meisten von freien Stuͤ- cken bey den Russen Dienste nahmen. Der Bischof hielt dieses Neuenhaus fuͤr den Schluͤssel zu Doͤrpt; da es also Fuͤrstenberg nicht entsetzen konte, ob sich gleich der Bischof Rechnung darauf machte, so wuͤrkte dieses auf beiden Seiten ein neues Misverstaͤndnis. Der Bischof hatte unterschiedliche Unterredungen mit Christoph Muͤnnichhausen und Johan Soͤgen, seinen Raͤthen, wo- zu er auch den Stiftsvogt Krusen aus dem herrmeisterlichen Lager verschrieben; auf die Nachricht von der Uebergabe des neuen Hauses aber war es zu spaͤt, das neue Project auszufuͤhren, und den Koͤnig von Daͤnnemark Christian den III ten um Schutz und schleunige Huͤlfe anzurufen. Die Eroberung dieses wichtigen Platzes zog viele andre Wiederwaͤrtigkeiten nach sich. Der Ordensmeister trauete denen in Doͤrpt so wenig als den Rus- sen, und brach in moͤglichster Eil vor Kyrenpeh auf, zog sich nach Walck in sein Ordensgebiete, und Kettler muste mit eigener grossen Gefahr diesen Ruͤckzug bedecken. Das Schlos Kyrenpeh, worinnen aller Lebens und Kriegsvorrath aufgeschuͤttet lag, wurde auf Fuͤrstenbergs Befehl in Brand gestecket, und die deutsche Besatzung herausgezogen. Die Bauren hingegen liefen wieder hinauf, loͤschten die Glut, soffen sich in Meth, Wein und Bier tol und vol, schickten nachher einen aus ihrem Mittel an die Russen ab, mit Vermelden, die Deut- schen waͤren weg; sie koͤnten das Schlos besetzen. Die Russen saͤumten nicht, schickten aber eine Parthey von ihren Voͤlkern dem fluͤchtenden Ordensheer nach, die auch mit dem Nachtrab der Deutschen blutige Scharmuͤtzel hatten; wobey Kettler, weil er vom Pferde stuͤrzte, bald gefangen worden waͤre, wenn nicht Fuͤrstenberg sich umgewandt und zur Unterstuͤtzung desselben herbey geeilet waͤre. Die Hitze war fuͤr Menschen und Pferde so gros, daß etliche in ihrem Harnisch erstickten, und umfielen. Man erreichte nach Abwerfung einiger Bruͤcken einen Heuschlag bey der olzenschen See, und lagerte sich den folgenden Tag zu Wal- ke. Hier fasten die Staͤnde einen geschwinden Entschlus, und noͤthigten bey Fuͤr- Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. Fuͤrstenbergs hohem Alter den bisherigen Comtur zu Vellin, Gotthard 1558 Kettlern, einen noch jungen aber versuchten Held, die Coadiutur anzunehmen. Die schlechte Beschaffenheit der zur Erhaltung des Landes noͤthigen Mittel, der elende Zustand der Ordenscasse, die Uneinigkeit der Staͤnde, von welchen allen Kettler die beste Kentnis hatte, gaben ihm Entschuldigungen genug an die Hand, diese Buͤrde auszuschlagen. Das Vertrauen aber, so jederman in seinen Helden- muth gesetzet hatte, und die Liebe, so ihm jederman seiner Eigenschaften wegen erwei- sen muste, brachten ihn dahin laut der Ordensregeln diesen Antrag zu genehmi- gen, welches er am 9ten Jul. fruͤh um 7 Uhr unter Vergiessung seiner Thraͤnen einzugehen sich gezwungen sahe. Man kan leicht erachten, daß, wenn die Vormauern des Landes, die noch am besten versehen waren und Entsatz hoffen konten, verloren giengen, die andern nicht so haltbaren Plaͤtze gewis nicht werden im Stande gewesen seyn die rußische Macht aufzuhalten. Gerd Huen von Ansterath, Vogt zu Wesenberg, Die- drich von der Steinkuhle, Vogt zum Neuenschlosse, und Heinrich von Kal- lenbach, Vogt zu Tolsburg, zogen sich mit ihren Leuten ins Feld, welches man sein Haus verlaufen nante, und mit welchem Titel damals mancher braver Man beschimpfet wurde, der sein und der Seinigen augenscheinliches Verderben nicht abwartete. Die Russen besetzten das Schlos Wesenberg, und befestigten es besser; die Stadt, so dabey lag, ward mit Kirchen, Rathhaus und Gildenstu- ben dem Erdboden gleich gemacht. So legten sie auch ihre Voͤlker in Lais, Oberpahlen, Ringen, Kawelecht und andere Oerter mehr, welche die Deutschen gleichfals verlassen hatten, weil das Schrecken und die Verwirrung weder Rath noch Huͤlfe verstattete. Fuͤrstenberg schrieb nach Doͤrpt, er wol- le mit seinen Voͤlkern in die Stadt ruͤcken, dafuͤr sich die Stadt und Stift zu al- ler unterthaͤnigen Treue gegen den ritterlichen Orden erbot; er machte ihr auch sonst viele Hofnung von einem tapfern Beistande, so aber alles aufs neue durch allerhand Mistrauen gestoͤret und krebsgaͤngig gemacht wurde. Der Bischof, welcher zuvor mit 270 Pferden ins Feldlager bey Kyran- peh geruͤcket war, hatte bey seinem Ruͤckzuge lange nicht die Helfte mehr uͤbrig. Einige davon zwang der Ordensmeister bey ihm zu bleiben, und von dem Stiftsa- del folgten dem Bischof nur 17 Man in die Stadt, worunter doch etliche noch ohne Abschied, andre unter mancherley Entschuldigungen abzogen. An Reute- rey waren noch 80 Man vorhanden, die nebst 80 Landsknechten den Dom und ein weitlaͤuftiges Schlos besetzen und vertheidigen solten. Das groͤste Ungluͤck war daß auch die Gesandten zuruͤck kamen, und den Bescheid mitbrachten, der Czaar wolle kein Geld nehmen, sondern verlange in den Besitz der eroberten Plaͤ- tze zu bleiben, weil man es durch das lange Zaudern aufs hoͤchste kommen lassen. So aͤngstlich das Stift und die Stadt an Fuͤrstenbergen schrieb und ihn seiner Zusage von neuem erinnerte; so lies sich der alte Ordensmeister doch von seinen Gebietigern zum Gegentheil bereden, und ruͤhrte sich also nicht aus der Stelle. Ja der marienburgische Comtur, Schall von Bell, lies sich gar oͤffentlich ver- nehmen, dem Orden waͤre das Hemde naͤher als der Rock; daher muͤsse der Mei- ster mehr die Ordenslaͤnder als die Stiftsguͤter zu schuͤtzen trachten. Da die Ordensgebietiger im Lager bey Walck sich mit Abfertigung neuer Gesandten um kaiserliche und daͤnische Huͤlfe beschaͤftigten, kam die rußische Armee der Stadt Doͤrpt immer naͤher. Das schwere Geschuͤtz ward auf der Peipus nach der Stadt gebracht, und das Schlos Werbeck bey Nacht durch 300 Cosaken uͤberrumpelt. Die Besatzung hatte sich den Abend vorher in Wer- beck stark bezecht, und daher das Feuer nicht wahrgenommen, welches dieses streifende Volk mit Pergel und Stroh an die Pforte gebracht. Der Burggraf Claus Gelmuth ergab sich gleich nebst etlichen andern, welche dem rußischen Feldherrn den Zustand der armen Stadt Doͤrpt entdecken musten. Am 11ten Julii als den zweiten Pfingstag ward die Stadt Doͤrpt von dem Feinde berennet. N n n 2 Die Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1558 Die Russen warfen 2 Schanzen auf, eine vor der Drenspforte, die an- dre an der Deutschen Pforte uͤber der Embach, auf der Balbahne, welche man aus der Stadt des dicken Nebels wegen in 3 Tagen nicht sehen konte. Der an- fuͤhrende Feldherr Knees Peter Jvanewitz Zuski forderte die Stadt auf, und bot den Einwohnern einen sehr leidlichen Vergleich an, der aber von Seiten des Bischofs ausgeschlagen wurde. Auf die erste Lage mit dem Geschuͤtz fluͤchte- ten die Domherren und der stiftische Adel des Nachts aus der Stadt, und nah- men ihren Weg nach Riga, wo sie nicht sonderlich wilkommen waren. Der Magistrat entdeckte dem Bischof so gleich die Schwaͤche der Gegenwehr, und wie wenig man sich auf den Entsatz des Herrn Meisters verlassen koͤnne. Von ihren Soldaten, deren 200 in voͤlliger Bereitschaft seyn solten, waͤren viele krank und gestorben. Die Brustseuche habe manchen jungen Buͤrger weggeraffet, und die Handwerksbursche waͤren schon vorher nach Deutschland gezogen. Der Bi- schof frug, ob auch das feindliche Schiessen Schaden angerichtet, worauf der Magistrat versetzte, daß ihrem Quartiermeister Eberhard Starcken auf dem Drensthurm ein Schenkel abgeschossen, zwey Handlanger getoͤdtet und etliche an- dre bey dem Ausfal verungluͤcket waͤren. Die Tag und Nacht zu haltende Wa- che fiele der Buͤrgerschaft und Besatzung zu schwer; indessen haͤtten sie 2 Bauren erkauft, die sich bereden lassen dem Ordensmeister einige Bitschreiben um baldige Huͤlfe zu uͤberbringen; welchen Vorschlag sich denn der Bischof gefallen lies. Die beiden Bauren wurden in der Nacht 3 Stunden von einander mit einem Schreiben an den Meister abgeschickt, die auch beide ankamen, aber keine andre Antwort zuruͤck brachten, als den aufrichtigen Wunsch, die Doͤrptischen moͤch- ten sich heldenmuͤthig betragen, und sich nach Moͤglichkeit wehren; der Orden koͤnne nicht helfen, der Meister wolle fuͤr sie beten, und zur Herbeischaffung eini- ger neu angeworbenen Manschaft Anstalt machen. Das war der ganze Trost in in einer Noth, da der Feind nur 5 oder 6 Faden weit von den Thoren seine Schan- zen errichtet, und den Sandberg unter dem Schlosse schon untergraben hatte. Der Feldherr Zuski, dem Neustaͤdt das Zeugnis eines frommen und sit- samen Mannes giebt, lies die Gnade seines Czaars nochmals unter Trompeten- schal bekant machen, und der Stadt versichern, sein Herr werde sie als ein christ- licher Kaiser und Grosfuͤrst bey ihrer Religion und Rechten nach dem alten Her- kommen schuͤtzen; wie er denn auch allen, die abziehen wolten, freien Pas und freie Ruͤckkehr erlaubte. Der Magistrat nebst der Buͤrgerschaft lagen dem Bi- schof sehr an, er moͤchte sich bey so herrlichen Vortheilen zu Unterhandlungen ver- stehen, zumal da Zuski der Stadt auf 2 Tage einen Stilstand bewilligte; sie er- boten sich aber dabey sich zu wehren und zu fechten, so lange ein Schluͤssel an der Wand und ein Loͤffel im Schranke stecke, wenn nur dieses Verfahren den Na- men einer vernuͤnftigen Tapferkeit und keiner verwegenen Unbesonnenheit verdiene. Ein gleiches versicherte die Besatzung, und verlangte ein Zeugnis von ihrem Wohl- verhalten nebst einem ordentlichen Reisepas. Die Priesterschaft verbot gleichfals alle Widerspenstigkeit, wodurch die Russen erbittert werden koͤnten. Die Ge- meinde hielt nur theils um die Sicherheit ihrer Habe und Guͤter, theils um freien und ungehinderten Abzug an Die Umstaͤnde der doͤrptischen Belagerung findet man am volstaͤndigsten beim Neu- staͤdt. Bredenbach geht in einigen Stuͤcken von ihm ab, legt die Uebergabe den Buͤr- gern allein zur Last, und bezeuget, daß der Bischof sich hart dagegen gestraͤubet, ob er gleich diesen braven Herrn an einigen Stellen nicht so vortheilhaft schildert, weil er den Lutheranern zu gewogen schien. Henning macht, wie sein Herr Meister, lauter Ver- raͤtherey daraus. Russov aber kan es den Doͤrptischen gar nicht vergeben, daß sie ohne Sturm und Verlust aus grosser Furcht und Leichtfertigkeit, ohne Noth, ihre Stadt dem Feinde uͤberlassen. Doch Russov, der dem Wahn des Poͤbels glaubte, wird . Den Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. Am 16ten und 17ten Julii, als unter waͤhrendem Stilstande, machten sich 1558 die Russen zum Sturme fertig, sie musten aber noch den dritten Tag abwarten, den der rußische Feldherr auf Bitte der Stadt zu weiterer Verabredung noch verwilliget hatte. Am 18ten also, des Morgens fruͤh, ward nach langem Ueber- legen endlich beschlossen, daß Zuski am 19ten die Capitulation zur Unterzeich- nung erhalten solte, wobey die Prediger wegen der Kirche und Schule ein wachsa- mes Auge hatten. Der alte Buͤrgermeister Anton Thyle hielt vor der voͤlligen Abfassung eines Entschlusses an den Bischof noch eine Anrede. Erlauchter, hochwuͤrdiger Fuͤrst und Herr, sagte der brave Man, wenn etwan jemand mein- te, daß durch Wehr und Waffen die Stadt Doͤrpt noch erhalten werden moͤch- te, bey dem erbiete ich mich zu stehen und Leib und Leben zu lassen. Sein Vor- trag wird von dem Freiherrn Elerd Kruse Elerd Kruse, ehmaliger Stiftsrath zu Doͤrpt, schrieb einen so genanten Gegenbericht auf Russovs Chronik, und eignete ihn in einer Zuschrift dem damaligen Rathsverwandten in Riga Herrn Frantz Neustaͤdt zu. Doch ist er nie im Druck erschienen. Die Pracht und der Staat in Liefland, den Russov so gros macht, ist hier ziemlich eingeschmolzen, wenn Kruse bezeuget, ein mittelmaͤßiger Adlicher in Deutschland habe mehr Gold, Silber und Edelgesteine auf seine Pferde gehenget, als 5 Comturen und 20 Adliche in Liefland besessen. Das Leben dieses Frei- herrn ist eine Kette vieler seltsamen Begebenheiten, die aber groͤsten Theils in den dritten Theil der Chronik fallen muͤssen. fuͤr seine im Druck gegebene Beschuldigung hart gezuͤchtiget. Es ist GOtt und aller Welt bekant, schreibt Kruse, was sich die Stadt fuͤr Muͤhe gegeben, sich Mauren und Thuͤrme zu bauen, da sie aber auf 3 Sei- ten sandigen Grund und auf der 4ten einen Berg hat, ist ihre Vermoͤgen zu weiteren Vestungswerken unzulaͤnglich gewesen. Die Dompfaffen wolten nichts dazu beitragen. Der Bischof muste wegen Schulden des Stifts sein Schlos in dem alten und schlechten Stande lassen. Das grobe Geschuͤtz war uͤberfluͤßig und nicht zu gebrauchen, weil die Thuͤrme zu schwach waren. Die Russen hatten alles untergraben. An einem Orte lagen 6 Tonnen Pulver unter der Mauer. Der Feind stand schon im Thore. Die Ordensarmee, welche die Stadt entsetzen solte, war 25 Meilen aus dem Felde, nicht marschiret sondern gelaufen. Zwischen einem freien Leben und einem schmaͤligen Tode waren kaum 24 Stunden Unterschied. Was war hierbey kluͤgers zu thun, als die Gnade des Ueberwinders anzunehmen? Die Beschuldigungen von Stolz, Pracht, Eigennutz, Ungerechtigkeit, uͤppigem We- sen und Uebermuth, so Russov den Doͤrptischen zur Last legt, beantwortet Kruse kuͤrzlich so: Wir sind dessen nicht zu uͤberfuͤhren, ob wir gleich vor GOtt uns dessen schuldig geben. Haben wir uns durch Suͤndigen diese Gerichte GOttes auf den Hals geladen, so wird dieser heilige Carthaͤuser ihnen in Revel auch nicht entlaufen. Er fordert Russoven auf, einen zu nennen, welcher ohnlaͤngst die Gelder der Kirchen, Schule, Witwenhaͤuser und Armenanstalten auf sein Haus verschreiben lassen und da- mit fortgezogen sey, und leugnet frey, daß es jemand moͤglich gewesen, den Schuld- nern bey der Uebergabe Renten und Kapital abzufordern, weil durch die vorigen Krie- gesbeschwerden alles ganz erschoͤpft gewesen. Daß aber Russov verlanget, die Rei- chen in Doͤrpt haͤtten sollen mit Gelde helfen, haͤlt Kruse fuͤr unbillig. Viele sagt er, thaten es, zu ihrer und ihrer Erben groͤstem Schaden, und doch ward damit nichts aus- gerichtet. Wer wolte denn etlichen Privatpersonen deswegen die kostbare Errettung von Liefland aufbuͤrden, weil sie reich waͤren. Cruse erklaͤrt es ebenfals fuͤr eine Unwarheit, daß die Russen so viel Schaͤtze in Doͤrpt gefunden haben sollen. Der reiche Fabian von Tiesenhausen hatte seine Baarschaft auf dem Dome zu Revel, und buͤste in Doͤrpt nur etliche Kasten mit Betten und Decken ein. Dieses Mannes baa- res Vermoͤgen giebt Russov auf 80000 Thaler, andre nur auf 40000 Mark rigisch an. Kruse wil, er sey nie so reich gewesen, aber auch bey zugestandenem Fal doch nicht ver- pflichtet den Krieg allein auf sich zu nehmen. Das Kirchengeschmeide der Domherren war nach der Wyk gebracht, wo es Christoph von Moͤnchshausen fuͤr den Koͤnig von Daͤnnemark erkauft haben sol. Die in Doͤrpt gefundenen baaren Mittel betru- gen keine 2000 Thaler, mit welchem kein Heer gegen die Russen angeworben werden konte. Wenn neue Schriftsteller in den Landesgeschichten ihrer Zeit sich so sehr wider- sprechen, was fuͤr Unrichtigkeiten muͤssen nicht in den alten Zeiten zu finden seyn, wo es an Documenten fehlet? O o o Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1558 trag machte einiges Aufsehen. Der Bischof faste sich gleich und antwortete: Ehr- barer, hochweiser Herr Buͤrgermeister, es sol diese Handlung der Uebergabe kei- ner Privatperson schuld gegeben und beigemessen werden. Hierauf wurde unten- stehende Capitulation zum Feldherrn ins Lager gebracht, der sie durch seinen Dol- metscher uͤbersetzen lies, nachher aber des Bischofs und Magistrats Anforderun- gen unterzeichnete, welche groͤstentheils in alten Gewohnheiten bestunden. Die- ser wakere und vernuͤnftige Feldherr gab nicht nur dem Bischof zu seiner sichern Fortbringung nach Falckena eine ansehnliche Bedeckung von 200 Pferden zu, sondern lies auch die Buͤrger, welche ausgezogen, mit sicherer Manschaft durch die streifenden Cosaken begleiten. Ja er handelte so billig, daß er um der schuͤch- ternen Weiber und Kinder willen seine Voͤlker nicht einmal in die Stadt lies, son- dern ein Piquet in die Thore stelte, damit die betruͤbten Einwohner bey ihrem Einpacken durch nichts beunruhiget wuͤrden. Jndessen wurde in Doͤrpt die Stadtwache bezahlt, und die nicht bleiben wolten, kramten das Jhrige zusammen, wodurch das Fuhrwerk sehr selten wurde, und mancher Freund den andern ver- lies Um Bredenbachs Geschwaͤtze zu wiederlegen, als ob der Magistrat ohne Eiwilligung des Bischofs mit dem rußischen Herrn Feldmarschal tractiret habe, folget hier Die Capitulation der Stadt Doͤrpt 1558. I. Von Seiten des Bischofs. 1. Der Bischof bringet fein Leben in dem Kloster Falckenau zu. 2. Erhaͤlt vom Czaar das dabey gelegene Gebiete. 3. Das Kloster wird den Papisten nach des Bischofs Tode ewig gelassen. 4. Die Kapitelsherren behalten den Dom bey der paͤpstlichen Religion, nebst ihren Haͤusern und Guͤtern unter der Jurisdiction des Bischofs. 5. Die Adlichen, so rußische Vasallen werden wollen, bleiben auf ihren Guͤtern. 6. Alle Kornwaaren, Victualien, Getraͤnke, Holz und andre Nothdurft ist Zolfrey. 7. Der Bischof mit seinen Raͤthen bleibt uͤber die Kapitelsherren, Moͤnche und stiftischen Adel Oberherr. 8. Behaͤlt in der Stadt ein freies Haus zu seiner Nothdurft ohne Einquartierung. 9. Seine Botschaft an den Czaar oder seine eigene Person wird mit den benoͤthigten Podwoden ohne Entgelt hin und her geschaft. 10. Er behaͤlt vor der Stadt einen Garten und Holzraum an dem Strome frey. 11. Seine Leute koͤnnen ungehindert in die Stadt ein- und ausgehen. 12. Derselben Verbrechen gegen den Czaar wird von dem Marschal gerichtet. II. Der Magistrat nebst der Stadt uͤbergab folgende Bitte: 1. Die Stadt wird bey der augspurgischen Confeßion ohne Aenderung gelassen. 2. Die Kirchen mit den Ornamenten und der Administration bleiben. 3. Desgleichen auch die Schulen nach dem Alten. 4. Der Rath ist nach dem Alten deutsch, und behaͤlt das Rathhaus, alle Einkuͤnfte, die Gefaͤngnisse, Kornhaͤuser, Brodtschragen, Fischschranken, Muͤnze, Apotheke, Buchschreiberey, Prediger, Schulmeister, der Stadtsdiener Haͤuser, den Marstal, die Muͤhlen, Graben, Teiche, Landguͤter, Fischzuͤge, Wage, Wrake, Gerichts- braͤuche, Weddebraͤuche, Armen- und Kirchenhaͤuser, Zolhaͤuser, samt allen Ren- ten und Einkuͤnften an Wein, Bier, Meth und allen Getraͤnken. 5. Alle Protocolle, Erbbuͤcher, Rentbuͤcher, alte und neue Privilegien werden bestaͤ- tiget. 6. Der Stadtvogt richtet allein uͤber Deutsche und Undeutsche, in geistlichen und weltlichen, peinlichen und buͤrgerlichen Sachen. 7. Die Stadt gebraucht das Schwerdtrichten nach dem alten. 8. Die Bauersprache und alten Gebraͤuche in Processen, Geselschaften, Wahl der Aemter, Schragen, Kornmasse, Gewichte, Elle ꝛc. bleiben. 9. Die Gemeine besitzt beide Gildenstuben zu ihren Hochzeiten und Amtszusammen- kuͤnften. 10. Die Schwarzenhaͤupter behalten ihr Haus zu ihrem Verkehr und Geselschafts- trinken. 11. Nach . Da Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. Da alles vorbey war, so hielt der Feldherr seinen Einzug, nachdem 2 Ka- 1558 pitelherren, etliche Abgeordnete des Magistrats und der Buͤrgerschaft ihm im La- ger die Schluͤssel zum Schlos und der Stadt uͤberreicht hatten. Ein Woywode mit der Friedensfahne ritte voraus; die obgedachten Deputirten aber hatten den Feldherrn in der Mitte. Die Strassen waren mit dem Leibregimente des Czaars besetzt. Die scharfe Manszucht und Ordnung, welche Zuski beobachtete, brachte der erschrockenen Buͤrgerschaft almaͤlig frischen Muth bey. Der Magistrat und die Gemeine schickte dem Feldherrn Wein, Bier, Fische, Erfrischungen, Haber, und ein guͤldenes Trinkgeschir zur Verehrung, welches er auch mit den verpflichte- testen Ausdruͤcken annahm, und sich erklaͤrte, daß seine Stube und Ohren jedem offen stuͤnden; er sey deswegen da, die Uebelthaͤter zu strafen und die Tugendhaf- ten zu schuͤtzen. Dieses versicherte er nochmals auf seinem grossen Gastgebote, welches er auf dem Schlosse dem Rath, den Elterleuten und Eltesten gab, der- gleichen gnaͤdige Versprechungen er einige mal wiederholte. Doch der Bischof Herman ward auf Befehl des Czaars durch einen abgeschickten Haufen von Fal- ckena wieder abgeholet, und bis zum Ausgang des Krieges nach Moscau gefuͤh- ret, weil man dadurch den Frieden zu beschleunigen hofte. O o o 2 Nach- 11. Nach Ruß- und Deutschland bleibt der Handel stets frey ohne allem Zol. 12. Bier, Meth und Brantewein sind Accisefrey, ausser was der Rath darauf leget. 13. Die Heirathen ihrer Soͤhne und Toͤchter mit Auslaͤndern sind erlaubt. 14. Jeder ziehet ab wenn er wil mit Haab und Gut ohne Abzugsgeld. 15. Kan auch das Seine verkaufen an wen er wil ohne Abzugsgeld. 16. Kan frey wieder zuruͤck kommen. 17. Die Kriegesleute ziehen mit Ober- und Untergewehr, mit Sack und Pack ungehin- dert ab. 18. Welcher Buͤrger nicht bleiben wil, bekomt nach Gelegenheit innerhalb 8 oder 14 Tagen seinen Reisepas. 19. Die ausheimischen Kaufleute so wol als die rußischen, koͤnnen bey den Buͤrgern zur Niederlage einziehen und handeln. 20. Kein Gast sol mit dem andern Gast, von Deutschen oder Russen, sondern al- lein mit den Buͤrgern handeln. 21. Der Rath behaͤlt durch seine Amtspersonen die Aufsicht und Gerichte uͤber alle deutschen und undeutschen Aemter, auch uͤber die Geselschaft der Fischer, die man Huͤerlinge nennet. 22. Die Jahrmaͤrkte sind ungestoͤrt. 23. Der Rath ertheilet in zulaͤßigen Faͤllen den Verbrechern ein frey Geleite. 24. Theilet auch die Paͤsse mit zur Hin- und Herreise. 25. Kein Buͤrger wird in seinem Hause mit Kriegesleuten beschweret. 26. Niemand darf nach Rußland abgefuͤhret werden. 27. Alle buͤrgerliche und peinliche Verbrechen, selbst gegen den Czaar innerhalb des Rathsgrenzen, werden von den Voͤgten des Raths bestrafet. 28. Aller verstorbenen Auslaͤnder Nachgelassenschaft wird frey anders wohin verabfol- get. 29. Alle Erbschaften, die in Jahr und Tag nicht abgefordert werden, fallen dem Rath anheim. 30. Die kuͤnftigen Buͤrger sollen von dem Rath das Buͤrgerrecht erhalten, dem Czaar so wol als dem Rath den Eid leisten, und die Gildenstube gewinnen. 31. Begehret ein Rath, daß von ihren gesprochenen Urteln die Appellation moͤge nach dem alten an die Stadt und den Rath zu Riga ergehen, sintemal sie ihr Recht aus den rigischen Rechten, so ihnen von Kaiser und Paͤpsten gegeben, urteln und sprechen. 32. Keines doͤrptischen Buͤrgers oder Kaufmans Geld oder Gut wird in Rußland arrestiret, noch seine Person gehemmet, um Schulden wegen, die zu Doͤrpt ge- macht sind. 33. Die Buͤrger haben Freiheit, Getraide, Victualien, Hopfen und Honig aus Rußland zu holen. 34. Alle Kaufleute aus Ruß- und Deutschland haben ihre freie Niederlage, sind Zolfrey und entrichten blos dem Rathe die Gebuͤhr von Gewichte, Wage und der Wrake. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1558 Nachdem sich Doͤrpt am 19ten Jul. ergeben hatte, fertigte Zuski Bevol- maͤchtigte ab, die die Stadt Revel zur Uebergabe auffordern und ihr die schoͤn- sten Bedingungen anbieten solten. Die Stadt aber, die sich auf weit festere und von der Natur verstaͤrkte Werke verlassen konte, dergleichen Doͤrpt nicht hatte, ertheilte 2 Meilen von Revel in des Raths Hofe den rußischen Unterhaͤndlern die kurze Antwort, daß sie als eine herrmeisterliche Stadt zum Capituliren keine Erlaubnis habe. Da der Orden in Liefland wegen der Uebergabe kleinerer Plaͤtze schon so viel Aufhebens machte, so ist leicht zu begreifen, warum dieses ein wenig befestigte Doͤrpt, das man mit Gewalt fuͤr eine Vormauer des Landes ausgab, bey sei- ner Ergebung noch viel mehr Reden und Verwirrung verursachte. Man nante die Einwohner desselben reiche und bemittelte Leute, die ihr Vermoͤgen zur Ret- tung des ganzen Landes haͤtten anwenden sollen. Man schaͤtzte die Baarschaft an- sehnlicher Stiftsraͤthe, denen man Geitz und Eigennutz vorwarf. Die Aermern beschuldigte man der Schwelgerey und des Durchbringens. Man redete von Verraͤthern, man spottete der Ungluͤcklichen, und verfuhr nicht anders, als ob die Rechnung schon richtig waͤre, daß ein jeder Doͤrptischer wol 100 Russen auf sich nehmen koͤnte. Das erste Gericht hielt man uͤber die aus Moskau zuruͤckgekommenen Gel- der, die zu Riga in der Masselstrasse in dem Hause des Herrn Joh. Uxkuͤls von Mentzen niedergeleget waren, wovon denen Doͤrptern wenig wieder in die Haͤnde kam. Man sahe sie als Gelder an, welche nun rußisch waͤren, und die man daher nicht zuruͤckgeben duͤrfte. Selbst diejenigen Gelder, welche die aus Doͤrpt wegziehenden Einwohner aus Verkaufung ihres Geraͤthes geloͤset, wur- den fuͤr feindlich erklaͤret, und diesen fluͤchtigen Leuten auf dem Wege nach Re- vel durch den Gebietiger Wilhelm Wifferling abgenommen. Der Ordensmeister Fuͤrstenberg, bey welchem der gegen den Bischof ge- faste Argwohn bey diesem Verlust gleichsam von neuem aufwachte, ruhete nicht eher, bis er die vermuthete Verraͤtherey entdecket hatte. Man nahm den bischoͤfli- chen Bedienten Christoph Lustvern in Verhaft, und brachte ihn nach Wenden in den Peinthurm. Dieser der Tortur ungewohnte Hoͤfling that eine ziemlich un- ordentliche Aussage, und muste sie nach empfangenem Abendmahl den 25sten Jul. in Gegenwart des roͤmisch -kaiserlichen Notarii Thomas Tarnow in der hauscomturlichen Kammer Vormittages um 8 Uhr guͤtlich bekraͤftigen, woruͤber der Ordenssecretarius Bastian Dittmarschen das Protocol fuͤhrete. Die Aussage des Weinschenken in Wenden, Reinhold Fackens, hieng nicht ordentli- cher zusammen; gleichwol machte des erstern Bekentnis, daß man den ehrlichen Kanzler Georg Holtschuher in Hapsal einzog, dessen Aussage man wieder so drehete, als ob der Bischof mit Fleis und Vorsatz die Russen ins Land einge- locket, und ihnen die Festungen in die Haͤnde gespielet habe. Dis Verfahren machte den uͤbrigen doͤrptischen Kapitelsherren geschwinde Fuͤsse nach ihrem Va- terlande, damit sie nicht auch das Ungluͤck haͤtten, unschuldiger weise mit in die Jnquisition uͤber die so genanten Landesverraͤther zu gerathen. Lustver fiel selbst uͤber seine Aussage in Verzweifelung und erhieng sich im Gefaͤngnis Lustver bekante unter der Marter, daß ihn der Bischof mit Briefen nach Moskau geschickt, wo ihm der rußische Kanzler eroͤfnet, der Bischof wolle sich unterwerfen, wenn ihm der Kaiser aller Reussen bey seiner Religion und Freiheiten lassen wolte. Lustver flochte den Stiftskanzler Holtschuher mit in den Handel, als ob der Bischof mit diesem alles verabredet. Holtschuher, sagte er, habe ihn vor den Bischof gefuͤh- ret, alsdenn habe ihm der Bischof 55 Thlr. und 45 Mark Ferdinge zum Reisegelde ge- zahlet, 40 Thlr. nachgeschicket, ihm die Hand drauf gegeben, daß er ihn wegen der Reise gegen allen Anklaͤger schuͤtzen wolte, mit den angehengten Worten: Jch wil dich zum Manne machen. Er fuͤhrte auch die Worte an, welche sich der Bischof sol ha- ben verlauten lassen, daß der Czaar Gewalt brauchen, und die doͤrptischen Deutschen mit . Haͤtte Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤnstenberg. Haͤtte sich Fuͤrstenberg im Felde halten, und die noch uͤbrigen nothleiden- 1558 den Schloͤsser beschuͤtzen koͤnnen; so wuͤrde der erste Schrecken nach dem Verlust von Doͤrpt keinen besondern Eindruck gemacht haben. Allein da es mit dem gruͤ- nen Holze so gieng, so war das duͤrre nicht mehr sicher, und der Vogt Bernhard von mit helfen solten, im Fal der Herr Meister sich nicht gegen den Czaar demuͤthigen und unter seinen Schutz begeben wolte. Von sich gestand Lustver noch, daß er dem Czaar den schwachen Zustand der Stadt Doͤrpt und den Mangel an Soldaten entdecket, und die Anschlaͤge auf Kyranpeh angegeben, weil er sich auf seines Bischofs Schutz ver- lassen; die Stadt habe aus ihrem Mittel einen Buͤrger Gert Bock, ein gleiches dem Czaar zu hinterbringen, nach Moskau abgeschickt. Der Weinschenke in Wenden, Facke, sagte aus, daß ihn die Luͤbischen zur Verraͤtherey verfuͤhret, weil sie im Na- men der Hanseestaͤdte durch ihn an den Knesen zu Jvanogrod unterschiedene Ge- schenke gesandt, auch eigne Boten uͤber Schweden oder Pohlen, oder Narva nach Rußland abgehen lassen, um zu Jvanogrod ein Contoir zu errichten. Bey die- ser Aussage schrie Facke unter der Marter ohn Unterlas: Mein Blut wird schreien uͤber die Luͤbischen bis zum juͤngsten Tage, die mich dazu gebracht. Er bekante noch auf einen Amsterdammer, ingleichen auf einen Undeutschen bey Riga Namens Melleke, wie auch auf einen deutschen Kaufgesellen, der sich zu Pleskow umtaufen lassen, und dessen Mutter zu Riga betteln gehe, zuletzt auf 10 ßk. grosse Oliven, die Krumhausen aus Narva an den Czaar mitgenommen, welche aber so wenig des Hochverraths uͤberwiesen waren, als die andern Mitschuldigen. Man sprengte so gar im Lande aus, daß der Kanzler selbst gestanden, er und sein Bischof haͤtten den Russen Doͤrpt in die Haͤnde gespielet. Dieses Geruͤchte kam dem Bischof zu Ohren, als er schon nach Moskau gefangen gefuͤhret worden, welcher denn zur Rettung seiner Ehre und Unschuld 2 Briefe, unterm 15ten Jun. und 12ten Jul. 1559 an den Ordens- meister sandte, beide fast gleiches Jnhalts. Er schreibt, er koͤnne unmoͤglich glauben, daß sein Kanzler von sich und ihm eine Verraͤtherey ausgesaget, wenn selbiges nicht aus Verzweifelung und verruͤcktem Gemuͤthe hergeflossen. Des Kanzlers Abzug aus dem Stifte beweise, daß er keines Verstaͤndnisses mit Rußland zu beschuldigen sey, da er ja sonst in Doͤrpt bleiben und bey dem Czaar Schutz suchen koͤnnen. Lustvers Bekentnis sey durch die Tortur ausgeprest, und haͤtte er, der Bischof, ihn selbst ge- faͤnglich angehalten, weil Lustver faͤlschlich vorgegeben, daß er auf der wolmeri- schen Tageleistung von dem Bischof einen verdaͤchtigen Brief empfangen und dem Czaar uͤberbracht; Lustver wuͤrde nicht dem Herrn Meister seyn ausgeliefert worden, wenn nicht der Bischof sich seiner eigenen Unschuld bewust waͤre; er habe aber wie Ju- das, den Lohn seines boͤsen Gewissens in Verrathung der Unschuldigen empfangen. Der Bischof entschuldiget sich wegen des Schreibens, so Lustvern eingehaͤndiget wor- den. Es sey durch seine Raͤthe, Kapitel und Ritterschaft durch Anreitzung und Be- willigung des ritterlichen deutschen Ordens abgefasset, des etwanigen Jnhalts, es moͤchte der Czaar wegen der langen Verweilung keinen Argwohn fassen, massen die wolmersche Versamlung zur Einschickung einer Ritterschaft vorgenommen sey, wel- chen Brief er zum Beweis seiner Unschuld aus der czaarischen Kanzley wieder auszu- wirken und vorzuweisen verspricht. Und weil der Czaar ihm Versicherung gegeben, daß er nach geschlossenem Frieden wieder in sein Bistum kommen solte, so bittet er fuͤr alle seine Bedienten, daß man mit solchen nicht zum Tode eile, weil sie so wenig als er Schuld haben. Zu seiner eigenen Unschuld fuͤhrt er sein jetziges Elend an, welches ihn unmoͤglich betreffen koͤnnen, wenn er mit dem Czaar in einem Verstaͤndnis gewe- sen waͤre. Der Kaiser und andre Potentaten gaben sich schon vorher Muͤhe, den Kanzler Holtzschuher durch ihre Entschuldigungsschreiben an Fuͤrstenbergen und Kettlern auf freien Fus zu setzen. Ja man glaubte die in der ersten Hitze so gros gemachte Verraͤtherey in Liefland selbst nicht mehr, daher die pohlnischen Revi- sionsherren 1597 diesen Kanzler Generosum Georgium Holtzschuher , nobilem Fran- cum, extraneum quidem, bene tamen de Liuonia et republica meritum nennen. Ob nun gleich dieser beruͤhmte Man seines Arrests entlediget ward, so zog er sich doch diese Kraͤnkung dergestalt zu Gemuͤthe, daß er zu Hapsal, am 6ten Sept. 1559 fruͤh Morgens zwischen 3 und 4 Uhr, nicht im Gefaͤngnis, noch viel weniger morte non honesta, wie Bredenbach und andre ihm nachschreiben, sondern in seinem eigenen Hause verschied, und auf dem Domkirchhof zu Hapsal vor der Kirchenthuͤr begraben wurde. Ein noch vorhandener Brief, in welchem seine Gemahlin an dessen P p p Ver- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1558 von Smerten, verlies das feste Wittenstein, dessen Lebensmittel sich die aus Doͤrpt ausgezogene Besatzung zu Nutze machte, und sich den darin befindlichen Wein und Bier wohl schmecken lies, ohne doch lange an einem so wohl gespickten Orte zu verweilen. Doch der junge Casper von Oldenbockum besetzte das ausgelerte Schlos gleich mit einiger frischen Manschaft, und hielt aus selbigem die herumschweifenden Freibeuter vom rußischen Heer noch etwas im Zaum. Jn Revel wurde die Verwirrung noch groͤsser. Der Domberg, auf wel- chem der Orden ein von Natur und Kunst wohlbefestigtes Schlos hatte, ward bey der durchgaͤngigen Furcht von dem dasigen Comtur, Franz Segehaven von Anstel, in Hofnung auf koͤniglichen daͤnischen Schutz, an einen Edelman aus der Wyk Christoph von Moͤnnichshausen, einen Gevolmaͤchtigten des Koͤ- nigs von Daͤnnemark, uͤbertragen, der auch gleich die in Besatzung liegende Compagnie der Ordenssoldaten seinem Koͤnig schweren lies. Dieser unerwartete Streich veranlaste den Adel in Harrien und Wirland zu einem neuen Ent- schlus, daß sie ihre Gesandten Fabian von Tiesenhausen und Bruno von Wedbergen nach Daͤnnemark abfertigten, in der Zuversicht, der Koͤnig Christian der III te werde seinen Beistand dem Lande um so viel weniger versa- gen, je laͤnger diese Krone in dem Besitz von Estland gewesen. Die Stadt Revel lies ein gleiches durch ihre Abgeordneten Jvo von der Hoͤge, und den Rathsherrn Caspar Breitholtz suchen; bey welcher Gesandschaft der geschickte und beliebte Syndicus Jost Clodt das Wort fuͤhrte. Der alte Koͤnig leh- nete aber nach einigem Bedenken das ganze Anbringen mit der Entschuldigung von sich ab, daß ihm GOtt Laͤnder und Staͤdte genug zu regieren gegeben, und eine groͤssere Buͤrde aufgeleget, als sein graues Alter ihm zu tragen erlaube. Doch schickte er den Ordensherren zur Beihuͤlfe 20000 Thaler, wofuͤr diese Geschuͤtz, Pulver und Lebensmittel ankauften. Tiesenhausen starb in Daͤnnemark, und Wedberg auf dem Schiffe, von denen der letztere in Revel begraben wurde. Moͤnnichhausen der koͤniglichen Befehl erhielt, den Dom dem Orden zuruͤck zu geben, gerieth auf einen andern Ausschlag, und bot denselben der Stadt um eine Summe Geldes an, die aber auch Bedenken trug sich in Weitlaͤuftigkeiten einzu- lassen; daher Moͤnnichhausen seinen Schatz auf eigne Gefahr zu bewahren hat- te, bis im Herbst Gotthard Kettler durch Vermittelung des Herrn Diedrich Behr und Heinrich Uxkuͤl von Fickel das Schlos Revel dem Orden wieder unterwuͤrfig machte. Endlich sties Fridrich Voͤlckersam, Domprost und Obrister uͤber die Voͤlker des Erzbischofs, zu Kettlers Armee, und wagte noch den Sommer die Berennung des Schlosses Ringen, aus welchem er die Russen verjagte, und mit ihnen beim Dorfe Torrifer ein gluͤckliches Scharmuͤtzel hielt. Ein vornehmer rußischer Herr, der einige toͤdliche Wunden bekommen, bat ihn in lateinischer Sprache seiner Heilung wegen Sorge zu tragen und sagte: Rogo dominationem tuam, intercedat pro me apud Dominum suum, Magnum Li- uoniae Verwandte nach Deutschland sein sanftes und gelassenes Ende berichtet, macht ihn zu einem Schutzgenossen des hochwuͤrdigen Fuͤrsten und Herrn zu Oesel und Curland. Seine Gemahlin war Dorothea von Orgies, eine Tochter Bertrams von Orgies genant Rutenberg, und Catharinen von Vietinghof. Sie starb 1576 am 8ten Merz und ward am 12ten eben des Monats in der Domkirche zu Riga beerdiget. Der aͤltere Sohn Georg Holtzschuher kam als Capitain von der Garde des Gra- fen Wilhelm von Nassau, Feldmarschals der vereinigten Niederlande, zuruͤck, ward Domherr des Stifts zu Doͤrpt, und starb 1607 auf dem koͤniglichen Schlos zu Cremone. Der juͤngere Bertram, den Kelch S. 385 unrichtig Bernhard schrei- bet, war Succamerarius von Doͤrpt, koͤniglich- pohlnischer Revisionsherr, her- nach Senator des Reichs, Castellan der Woywodschaft Doͤrpt, Erbherr zu Bre- men und Billenhof, Hauptman, Pfleger und Pfandherr des Schlosses Cremona. Er vermaͤhlte sich mit Gerdruta Voͤlckersam, Walthers von Rein Witwe, und zum andern mal mit Agnes, Wilhelms von Effern auf Stallberg, Burggra- fens von Doͤrpt und Elisabetha von Bilinckhaus Tochter. Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. uoniae Magistrum, vt me in ciuitatem suam ad medicos mittat, quia grauiter et 1558 letaliter sum vulneratus. Er verschied aber unter seinen Haͤnden. Das Schlos Ringen ward also von Kettlern erobert, und weil er 400 Russen in selbigem niederhauen lies, verdros solches den Czaar dergestalt, daß er ausser den Bischof Herman alle Buͤrger und junge Leute aus Doͤrpt nach Plescow zu fuͤhren befahl, die doch aber bald wieder zuruͤck gebracht wurden. Noch erwies der gottselige Koͤnig von Daͤnnemark Christian der III te kurz vor seinem Hintrit aus der Welt den Lieflaͤndern die Gefaͤlligkeit, daß er durch seine Gesandten Claus Uhr, Waslaff Wobesser, Peter Bilde und D. Hieronymus Tennern bey dem Czaar um einigen Stilstand fuͤr die Lief- laͤnder anhalten lies, der aber von den Russen nicht laͤnger als auf ein halbes Jahr genehmiget wurde. Jm roͤmischen Reiche verfuhr man weit kaltsinniger, indem der Kaiser seinen ganzen Beistand auf einige Ermahnungsschreiben an die Staͤdte Luͤbeck und Hamburg einschraͤnkte, daß selbige den Russen nach Narva keine Contrebande zufuͤhren moͤchten; die aber nicht gesonnen waren sich so genau darnach zu richten. Die Lieflaͤnder selbst erhielten keinen weitern Trost, als sich an Schweden zu halten. Die Christenheit sey gros, und koͤnne weder er noch das Reich der Tuͤrken wegen die Christen aller Orten schuͤtzen Jn dem Schreiben Ferdinands des I sten an den Koͤnig von Schweden Gustav aus Wien von 11ten Sept. 1558 fuͤhrt der Kaiser an, daß der Czaar nicht ihm, son- dern der Christenheit Liefland entwenden wolle, welches er der Christenheit gerne wol- te erhalten wissen. Es wuͤrde Schweden gefaͤhrlich fallen, wenn dieser maͤchtige Nachbar Meister von der Ostsee wuͤrde, daher moͤchte Gustav nebst andern benach- barten Maͤchten den Meister und dessen Laͤnder mit Huͤlfe, Trost, Schutz und Bei- stand nicht verlassen, welchen Gefallen der Kaiser mit aller Freundschaft zu verschulden verspricht. So wol dieser als die uͤbrigen kaiserlichen Briefe geben genugsam zu erken- nen, daß weder die Kaiser noch das Reich die Lieflaͤnder fuͤr ihre Unterthanen gehal- ten Dawider streitet nicht, daß der Kaiser so wol, als die Lieflaͤnder Liuoniam Sacri Romani Impe- rii prouinciam nennen. Jn den lateinischen Huͤlfs- und Schutztractaten mit Pohlen, Vilnae d. vltim. Aug. 1559, bedienet sich der Ordensmeister Kettler der Ausdruͤcke: Ne Moschi in S. Rom. Imp. prouinciam, quae nomine protectionis et Clientelae Sacratissimae Ipsius Regiae Maiestatis iam quodammodo facta est, hostilia arma inferant; welche nichts anders sagen, als daß der bey Pohlen gesuchte Schutz dem Koͤnige eine Befugnis und Recht ertheile, fuͤr die Lieflaͤnder zu fechten und sich ihrer anzunehmen. Das Eigenthum dieser Lande aber dem Koͤnig zu uͤbertra- gen, duͤrfte Kettlern dismal wol nicht eingefallen seyn. Ein mehreres von dem Bande, mit welchem Liefland ans deutsche Reich verknuͤpft gewesen, komt am Ende dieses Theils vor. . Jndessen sandte der Kaiser das folgende Jahr des Hoch- und Deutschmeisters Vafallen nach Liefland, um sich von den dasigen Angelegenheiten naͤher zu unterrich- ten. Diese kamen 1560 zu Speier an und stelten die Noth gros genug vor: was half es aber? . Der Czaar unterlies mitlerweile nicht, dem roͤmischen Kaiser Ferdinand dem I sten die Ursachen vorzulegen, die ihn zu diesem Kriege mit Recht gereitzet. Jhr Hauptinhalt lief darauf hinaus, daß die Staͤnde den Tribut, der alle 3 Jahr zu erlegen gewesen, nicht gehoͤrig abgetragen, den rußischen Handel gestoͤret, aus den griechischen Kirchen Zeughaͤuser und Cloaken gemacht, sich an seine Warnun- gen nicht gekehret, sondern wie Pharao verstockt geblieben waͤren; weswegen er sie mit Feuer und Schwerdt heimzusuchen berechtiget sey. Die Lieflaͤnder wandten sich in diesem Gedraͤnge um Jacobi an die Kro- ne Schweden, und sandten nebst Salomon Henning, D. Rembert Gilsen und dem Secretair Michael Brinckmann, den duͤnemuͤndischen Comtur Georg Brabeck nach Abo an den Grosfuͤrsten Johannes in Finn- land, welcher nicht abgeneigt war auf Verpfaͤndung einiger Schloͤsser ein Dar- lehn von 200000 Thlr. zu thun, und dem Lande mit Volk, Munition und Pro- viant beizuspringen, in Hofnung, solchergestalt einen festen Fus in Liefland zu erhalten. Er gab den Gesandten zwar eine Befoͤrderung an seinen Herrn Va- ter mit, verwies ihnen aber die Unachtsamkeit, welche in der lieflaͤndischen P p p 2 Kanzley Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1558 Kanzley mit dem koͤniglichen Titel begangen war, da man den Koͤnig im Lateini- schen nur Jhro Erlauchten genant, und sagte: Die koͤnigliche Majestaͤt von Schweden ist durch GOttes Gnade so verfinstert nicht, daß sie auf die Er- leuchtung der Lieflaͤnder wartet. Jn Stockholm erwies der Stathalter Lorenz Flemming den Gesandten alle Ehre und guten Willen, befoͤrderte sie auch zu dem Koͤnig nach Suderkioͤping in Ostergothland, bey dem sie aber nicht sonderlichen Eingang fanden, indem Gustavus der I ste ihnen den bey vo- rigen Kriegen bewiesenen Wankelmuth vorwarf, da die Schweden sich ehmals der Lieflaͤnder wegen in einen weitlaͤuftigen Krieg verwickelt, und durch den ein- seitigen Frieden des Meisters mit Rußland im Stich gelassen waͤren. Er war- nete auch seinen Prinzen Johan sich mit den Lieflaͤndern auf nichts einzulassen; die Verpfaͤndung erwecke bey Rußland nur Eifersucht, welches diesen Handel fuͤr einen Friedensbruch der Schweden auslegen wuͤrde. Man werde sich den Neid des roͤmischen Reichs, der Krone Pohlen, und Daͤnnemark, ja aller wendischen Staͤdte auf den Hals laden. Die Erhaltung der Pfandschloͤsser sey mit vielen Kosten verbunden, und das Pfand oft nicht so viel werth als das Darlehn. Doch hatte der Koͤnig eine Fuͤrsprache bey Rußland einzulegen ver- sprochen, welche der eine Gesandte nach der Heimreise des andern abwarten wolte. Es gieng aber auch dieses zuruͤck, als der Koͤnig erfuhr, daß Daͤnnemark einen Stilstand bewirken wolle, und den schwedischen Unterthanen auf ihrer Farth nach Narva mancherley Beunruhigungen im Weg geleget worden. So viel ver- sprach gleichwol der Koͤnig, daß er Liefland aufs moͤglichste helfen wolle, wenn der Herr Meister Revel und andre Plaͤtze an Schweden verpfaͤndete. Jn Riga thaten sich viele durchs Evangelium geruͤhrte Personen zusammen, und stifteten die so genante milde Gift, so der Stadt einen ewigen Nachruhm zu wege gebracht Diese recht gesegnete Stiftung laͤst sich nicht ohne Ruͤhrung lesen. Herr M. Johan Brever hat etwas davon auszugsweise in die erbauliche Vorrede zum rigischen Ge- sangbuch beigebracht. Weil aber das gar schoͤne Document von Errichtung dieser mil- den Gift einen klaren Beweis enthaͤlt, daß man die evangelische Lehre von guten Wer- ken nicht trennen, sondern vielmehr die letzten mit der ersten verbinden wollen, uͤber- dem die Namen etlicher wohlverdienter Buͤrger darin aufbehalten worden, davon noch manche Familien bluͤhen, so ist es billig, daß auch Wohlthaten nach dem Tode unver- gessen bleiben, und wir die ganze Stiftungsformel der Nachwelt aufbehalten, die von dieser Stiftung noch jetzo den Genus hat. Vielleicht werden durch dieses Blat noch manche zur Nachahmung ihrer Vorfahren erwecket. Jm Namen der heiligen und unzertheilten Dreyfaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen! K und und offenbar sey allen menniglich, so |diese gegenwaͤrtige Fundadion sehen, hoͤ- ren oder zu ewiger kuͤnftiger Gedaͤchtnis lesen. Nachdem und als von der ewigen Weisheit der Mensch, wie er nach des Almaͤchti- gen seinen Bildnis geschaffen und verordnet ist, das Reich GOttes und die Werke goͤttlicher Tugend und Gerechtigkeit vor allen Dingen zu suchen und zu befoͤrdern, auch so viel als menschliche Sinne und Vernunft aus Einflus und Wirkungen des heiligen Geistes mit Verstand mehr erleuchtet und begabet seyn; die mannichfaltige unaus- sprechliche Gnade und Wohlthat, so der Almaͤchtige an uns gewandt, zu verstehen und zu bekennen; sonderlich aber dieweil er die Gemeine dieser guten Stadt Riga vor etlichen andern umliegenden und benachbarten aus unermeslicher, grosser und unabgruͤnd- licher Gnade und Barmherzigkeit mit dem hochtheurbaren und unvergeltlichen Schatz seines allerheiligsten gnadenreichen und allein seligmachenden goͤttlichen Wortes vor 30 Jahren gnaͤdiglich heimgesuchet, und ihnen durch die Diener desselben ohne einige Ver- faͤlschung und Jrthum lauter und klar nach christlicher apostolischer Lehre vortragen und die hochwuͤrdigen Sacramente beiderley Gestalt, inmassen dieselben von unserm Se- ligmacher dem Herrn JEsu Christo selber eingesetzet und verordnet, zu Lobe seiner hohen goͤttlichen Majestaͤt und uns armen elenden Suͤndern, die wir in diesen weit ab- gele- . Jm Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. Jm Hornung unternahmen die Russen eine erschreckliche Streiferey durch 1558 Liefland, und erlegten den tapfern Dompropst Voͤlckersam nebst vielen aus dem vornehmsten Adel bey Tyrsen, dessen Leiche nach Riga gefuͤhret und im Dom beigesetzet ward. Sie ruͤckten vor Riga vorbey in Curland bis an die litthauische Grenze, und waͤren bis Memel gezogen, wenn nicht ein blinder Lerm entstanden waͤre, daß der mit etlichen hundert Reutern in Curland ange- kommene Coadiutor des Erzstifts, Christoph, Herzog von Mecklenburg, ein fast unzehlbares Kriegesheer bey sich fuͤhre. Die Russen erhielten zugleich Nach- richt von des Czaars Einwilligung in den durch daͤnische Vermittelung verschaf- ten gelegenen Landen gesessen, zum Trost, Heil und ewiger Seligkeit reichen lassen; so sol- len wir wiederum desto geneigter seyn, derselben seiner hohen goͤttlichen Majestaͤt Lob und Ehre dafuͤr zu geben und zu sagen, auch herzlich anzuflehen und zu bitten, uns bey derselbigen Religion goͤttliches Worts, Lehre, ingleichen warhaftigen Sacramenten bis an den Tag, da er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten, gnaͤdig- lich zu erhalten. Und ob nun wol ein ehrbarer Rath, Elterleute und Aeltesten und ganze Gemeine dieser Stadt, unsre Vorfahren, in Zeiten als solches gnadenreiche Licht bey ihnen erschienen, den Herren Praͤdicanten, Kirchendienern und Schulmeistern eine ziemliche Besoldunge nach eines jeden Gelegenheit gestiftet und verordnet haben, und wir hierin benante Personen aber bey uns aus christlichem Gemuͤthe uͤberleget und be- wogen, daß sich die Haushaltung in jetzigen theuren Zeiten von Tage zu Tage je laͤn- ger je mehr steigert, und bekennen muͤssen, daß das goͤttliche Wort nicht allein durch Kirchengehen und das Gehoͤr befoͤrdert und Gehoͤr haben wil, sondern auch dadurch, daß den Verkuͤndigern goͤttliches Worts als unsern Seelsorgern, so ferne sie eines ehr- lichen Lebens, Handels und Wandels seyn, zu ihrer leiblichen Aufenthaltung zu Steu- er und Huͤlfe gekommen werde, auf daß sie die weltlichen Geschaͤfte und sonst die Nah- rung in Vergessen stellen, und ihres Amts desto fleißiger wahrnehmen, und dem vor- stehen moͤgen: so haben wir Untenbenante dem Almaͤchtigen zu besondern Ehren und zur Foͤrderung und Handhabung seines allerheiligsten Worts rechtes Wissens wohlbe- daͤchtig 480 Mark rigisch jaͤhrlicher, ewiger und immerwaͤhrender Rente mit 8000 Mark Hauptsumme aus unsern redesten Guͤtern, willigen christlichen Herzens und Ge- muͤths gestiftet, fundiret und verordnet, des ist eines jeglichen Tauf und Zunamen, ingleichen die Summe seines Zuschusses mit allen weitern Bericht zu vernehmen wie folget: Jch Mk. Vincent Glandorff 1000 Jasper Romberg 500 Melchior Spenckhusen 500 Hans zum Berge 500 Hans Lindemann 250 Reinhold Thene 200 Hans Ludinghausen 200 Gotthard Loddermann 200 Jost von Loch 200 Marten Proͤvestingk 200 Frantz Schroeder 200 Gerdt Friderichs 200 Caspar Drelingk 200 Joachim Ronnenberg 200 Wilhelm Spenckhusen 200 Hinrich Moͤller, der Kramer 200 Johan Dulle 200 Evert Bothe 200 Dirich Menningk 150 Albrecht Hintz 150 Hans Koͤningk 100 Wilhelm von Becke 100 Caspar Hartmann 100 Jch Mk. Bartholomaͤus von Schwie- dern 100 Albrecht Vorwerck 100 Hans Groenne 100 Casper Gantzkaw 100 Wilhelm Teschen 100 Hans Hilken 100 Hinrich Durkop 100 Hans Soͤvenbom 100 Antonius Remenschnider 100 Hinrich von Zinten 100 Carsten Soͤvenbom 100 Herman Hartmann 50 Stephan Grever 50 Casper Moͤller 50 Albrecht Voltel 50 Hans Busch 50 Hinrich Moͤller 200 Lorens Evers 100 Herman Roͤder 100 Hans Westerode 100 Oloff thor Hacke 100 Hans Holtmann. 100 Q q q Und Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1559 ten Stilstand, daher sie nach vielen zuruͤckgelassenen Fusstapfen eines erbitterten Feindes eilfertig wieder nach Moskau kehrten. Da sich die erwuͤnschte Huͤlfe fuͤr Liefland aus keinem Theile der Welt ein- finden wolte, so wandten sich die Staͤnde an ihren Paswalischen Bundesver- wandten, den Koͤnig Sigismund August von Pohlen, und stelten ihm die Gefahr vor, welche durch den Untergang von Liefland auch seinem Reiche naͤ- her traͤte. Allein die Herren Pohlen hatten auch nicht Lust ihre Pferde fuͤr die Lieflaͤnder umsonst zu satteln, und gedachten den Frieden mit Rußland nicht so leichtsinnig zu brechen; daher die Gesandten auf dem Reichstage zu Peterkaw nicht einmal zum Gehoͤr gelassen wurden, sondern dem Koͤnig nach Cracau fol- gen musten. Um aber Zeit zu gewinnen, nahm der Coadiutor Kettler von dem Ordensmeister eine hinlaͤngliche Volmacht, und gieng auf der Post mit etli- chen Ordensraͤthen in eigener Person nach Cracau. Jn Pohlen lies sichs ziemlich zur Huͤlfe an, doch wolte der Koͤnig erst die Meinung der Republik ver- nehmen, Und so hinfort etliche mehr aus gemeldter Bruͤderschaft auch gleichfoͤrmig solchem christlichen Werke mit ihren milden Gaben zu Huͤlfe kommen, dieselben sollen ihre Summen unten aufs Spatium dieser Fundation nebst Setzung ihres Namens und Zu- namens benennen und zu mehrerer Sicherheit ihr Pitschier anhangen. [Nachdem nun die ganze Verwaltung dieser Gelder einigen aus der Gemeine uͤber- tragen, und fuͤr arme aber doch tuͤchtige Buͤrgerskinder etwas mit zum Stipendio ausgesetzt worden, wenn sie sich zum Predigtamt wollen zubereiten lassen, so heist es zum Schlusse:] Jn Urkund und mehrerer Befestigung obgeschriebener Dinge haben wir Stifter mit Namen, wie vorgemeldet, vor uns und unsre Nachkommen unser gewoͤhnlich Pit- schier unten an diese Fundation und Stiftungsbriefe wissentlich hangen lassen, der gege- ben und geschrieben zu Riga am heiligen Osterfeste nach Christi unsers Herren Geburt funfzehn hundert und darnach im acht und funfzigsten Jahre. [Durch dieses loͤbliche Exempel wurden noch mehrere zur Nachfolge gereitzet und trugen zu dieser Anstalt bey] Jch Mk. Jeronymus Krab 50 Lammert Sturmann 100 Peter Wibers 100 Wilhelm Folckener 100 Diedrich Rigemann 200 Marcus Wibers 100 Jochim Ebel 200 Hans Proͤvestingk 50 Dirich Ackermann 100 Philips Middendorff 50 Evert Loddermann 100 Franz Roͤck 100 Caspar Meyer 100 Simon Oldenburg 150 Baltzer zum Berge 200 Paul Thoͤle 100 Andreas Wincken 200 Roͤtger zur Horst 200 Jochim Rigeman 100 Ludolph Halder 100 Andres Fridrichs 150 Jch Mk. Gosin Parbes 50 Caspar zum Berge 200 Evert Oettingh 500 Lutke Heine 150 Berend Fridrich 150 Berend Speyer 50 Evert Husmann 150 Berend Sternberg 100 Herbert Vlrichs 100 Hans Mens 100 Peter Schoͤtteler 400 Jochim Grassell 100 Jacob Kuse 100 Tewes Weuer 100 Hans Schmidt 50 Hans Munster 100 Hinrich Muckenborg 100 Hans Burentin 100 Harman Carstens 100 Didrich Junge 50 [Endlich traten noch hinzu:] Mk. (Ao. 1618) Hans Witte 500 (Ao. 1635) Antonii Christianus 1500 Mk. und Hans Krum. 1500 Erzb. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Wilhelms v. Fuͤrstenberg. nehmen, bestelte demnach Kettlern auf den 24sten Junii nach der Stadt 1559 Wilda. Kettler war willens den Reichstag zu Augspurg unterdessen zu besuchen; woran ihn aber der zu Wilda angesetzte Termin hinderte. Doch sprach er in Wien ein, wo er dem Kaiser die Absicht seiner Reise nach Pohlen umstaͤndlich eroͤfnete, und auf die neuen Zuruͤstungen der Russen, weil der halbjaͤhrige Stil- stand verlaufen, auch neue Ansuchung um Huͤlfe that. Der Kaiser lehnte dieses mit vieler Gelassenheit ab, und verwies ihn auf den Reichstag. Der Bevol- maͤchtigte des Ordens, Georg Sigeburg Georg Sieburg war erst Comtur zu Duͤnemuͤnde, hernach Hauscomtur zu Riga, und zuletzt fuͤrstl. juͤlichscher Rath und Hauptman auf Blanckenstein. Einige, als Scharden, Christian Cilicius und Menius, machen diesen Man zu stolz, als habe er eine so geringe Kleinigkeit von 100000 Ducaten nicht annehmen wollen, woruͤber der Herr Meister ganz ungehalten gewesen. Andre berichten, die Lieflaͤn- der haͤtten auf die Staͤdte Hamburg, Luͤbeck und Luͤneburg zwar Anweisung er- halten: allein gemeldte Staͤdte haͤtten fuͤr Liefland so viel Geld nicht in Bereitschaft gehabt; weil ihnen die Handlung nach Narva geschmaͤlert worden. Bey dieser Un- wisheit merken wir nur dieses als das Gewisseste an, daß darauf nimmermehr auch nur ein Kreuzer an Liefland ausgezahlt worden. , that auch zu Augspurg so triftige Vorstellungen, daß die Reichsstaͤnde auf so viele Fuͤrsprache andrer christlichen Ge- sandten in eine Beisteuer von 100000 Ducaten willigten, aber keine sichere An- weisung darauf gaben, so noͤthig auch Liefland diese Mittel damals brauchte. Kettler reiste wieder nach Pohlen, und setzte sein Gesuch fort, doch alles auf dem Fus, daß dem roͤmischen Reich an seiner Oberherrschaft uͤber Liefland kein Eintrag geschehe. Da Kettler in auswaͤrtigen Landen die Vortheile von Liefland besorgte, so richtete der alte Ordensmeister Fuͤrstenberg es bey den Gebietigern in die Wege, daß sie Kettlern das Meisteramt uͤbertrugen, daß er mit seinen Unterhandlungen in Pohlen desto ungehinderter und freier fortkom- men koͤnte. Es wurde also Kettlern von seinem Vorfahren das Patent nach Wilda zugeschicket, und Fuͤrstenberg schrieb selbst einen Brief an den Koͤnig von Pohlen, worin die Ordensgebietiger ihre Volmacht mit beigeleget, daß, weil Fuͤrstenberg Alters und Schwachheit halber die Regierung verbeten, sie Kettlern an seine Stelle genommen, welcher also als Oberhaupt Befugnis ha- be alles zu handeln und zu schliessen, was zur Errettung von Liefland irgends dienlich und noͤthig seyn koͤnne. Fuͤrstenberg erwehlte Vellyn zu seiner Ruhe, wo er eine Campagnie deutsche Soldaten, seine alten Bedienten, und das grobe Geschuͤtz bey sich hatte; womit er sich doch schlecht genug schuͤtzen konte. Also folget Der acht und vierzigste und letzte Ordensmeister in Liefland, deutschen Ordens, Gotthard Kettler Das vornehme Geschlechtregister dieses Herrn hat uns Chytraͤus zum Theil aufbehal- ten , E in in seinen Voreltern und Nachkommen grosser Herr, dessen un- gemeine Regententugenden ihn deswegen uͤber den grossen Plet- tenberg erheben, weil sein Regiment in die elendesten und verwor- rensten Zeiten in Liefland fiel, und er waͤrend seiner kurzen Regie- rung der bedraͤngten Republik mehr Dienste leistete, als jener in langen Jahren Ge- Q q q 2 legen- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1559 legenheit gehabt hatte. Er war damals der einzige, den man, seiner Staats- und Kriegserfahrenheit und seines wahren Heldenmuths halber, zu dieser Wuͤrde am tuͤchtigsten befand. Er hatte zu Wilda am 3ten September den Tractat unterzeichnet, in wel- chem der Koͤnig sich zu aller Huͤlfe gegen die Russen verbindet, wogegen der Erz- bischof der Kron Pohlen die Schloͤsser, Lenewarden, Marienhausen, Berson und Luban, der Meister aber ein Stuͤck von Ascheraden, die Schloͤs- ser Lutzen, Rositen, Duͤneburg, Seleburg und Bauschkenburg fuͤr die aufzuwendenden Kriegeskosten verpfaͤndet. Bey kuͤnftiger Wiedereinloͤsung derselben bezahlet der Erzbischof auf seinen Theil 100000, und der Meister 600000 Gulden, jeden zu 24 Groschen litthauisch gerechnet. Solte indessen Lief- land Friede erhalten, so laͤst sich der Koͤnig mit einer geringern Erstattung be- gnuͤgen Die Vertraͤge wegen der Pfandhaͤuser hatte Kettler schon am letzten August 1559 be- schworen. Am 10ten oder 14ten Febr. 1560 nahmen die koͤniglichen Bevolmaͤchtigten Stanislaus Gabriel Narkurski, Domherr zu Vilna, und der koͤnigliche Se- cretair Nicolaus Naruscewitz in Riga auch von einigen Ordensgebietigern den Eid, welchen Christoph von Neuenhof ( de villa noua ) sonst Leye, Senior; Philip Schall von Bell auf Goldingen und Matthias von der Recke zu Do- blin Comture; Heinrich von Galen Senior in Bauske; Christoph Sytar von Dornburg ( a dumeto ) in Candau; Wilhelm Schilling Senior in Selburg; nebst den Voͤgten Johan Bockhorst und Gerhard Nolle ablegten. Das Jn- strument haben unterzeichnet, die mit Rettlern zu Wilna geschworen, Caspar von Biberach in Vischlingen Vicecomtur zu Riga, und der herrmeisterliche Rath Ot- to Grothausen. . Die Stadt Riga, welche dieses Buͤndnis fuͤr den ersten festen Fus der Pohlen in Liefland hielt, und fuͤr ihre Freiheit, noch mehr aber fuͤr die Religion besorgt war, bezeugte uͤber die Tractaten keine sonderliche Freude, sondern nahm es noch in Bedenken, ob man die Huldigung nicht aufschieben solte, wel- che doch der Orden an Kettlern bey seiner Zuruͤckkunft aus Pohlen schon abge- leget hatte. Kettler kehrte sich daran nicht, sondern uͤberlies dem Erzbischof Wilhelm immittelst die Stadt zur Beschuͤtzung uͤber, der mit dem Koͤnig am be- sten zu rechte kommen wuͤrde. Er selbst entschlos sich, in Estland den weitern Einfaͤllen der Russen Einhalt zu thun, und den Untergang der Provinz abzu- wehren. Dazu war Geld noͤthig; und gleichwol war die Ordenskasse leer. Er ver- pfaͤndete demnach an den Herzog Albrecht von Preussen das Schlos Gru- bin auf 5 Jahr um 50000 Gulden, und den Hof Kegel an die Stadt Revel um 46000 Mark, weil Fuͤrstenberg schon 60000 Mark darauf gehoben. Jnglei- chen bediente er sich der aus Rußland zuruͤckgekommenen Gelder, und lies auch viel Silber, Geschmeide und Wagen wegnehmen, mit welche die Doͤrpti- schen sich unter der Hand aus dem Lande machen wolten. Ein alter Kaufgeselle zu Riga, Billerbeck streckte ihm gegen Handschrift 30000 Mark vor. So kam es auch am 5ten October mit der alten Anforderung des Ordens auf die Guͤ- ter des Klosters Padis zur Richtigkeit. Der Abt Georg empfaͤngt freien Un- terhalt auf Lebenszeit, nebst 200 Mark rigisch, eine Kammer auf dem Hause, eine Badstube auf dem Holm mit freiem Holze, das Gesinde Raßibold, wenn er Leute zum verschicken gebraucht, einen Garten, Futter fuͤr 2 Pferde, eine Magd, einen Jungen, jaͤhrlich 2 Pf. Pfeffer, 1 Pf. Safran, von Hausgeraͤ- the, was ihm ansteht, wie auch die Freiheit, seine Verlassenschaft nach seinem To- de an die naͤchsten Erben zu vermachen. Den uͤbrigen Geistlichen kam diese Ueber- lassung des Klosters der Nachahmung wegen bedenklich und gefaͤhrlich vor. Bey ten. Allein alle genealogische Buͤcher weisen uns dasselbe volkommener mit allen ho- hen Abkoͤmlingen. Dieselben nebst deren Wapen abzuschreiben, moͤchte sich wol besser zu einer herzoglichen Historie von Curland, als zu einem so kleinen Periodus der kett- lerschen Thaten schicken. Jnzwischen kan man sich Kirchners Reden zum Durchle- sen bedienen, die manches von seinen Lebensumstaͤnden enthalten. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Bey der Huldigung, welche er in der Mittwoche nach St. Gallen in Re- 1559 vel annahm, sprach er alle Estlaͤnder von der Schatzung und andern Be- schwerden fuͤr sich und seine Nachkommen los, weil sie den Russen mit grossem Schaden ihrer Guͤter standhaften Widerstand gethan. Mit den zu Revel gehobenen Geldern zog der Ordensmeister Kettler auf Martini auf den schlimsten Wegen, wo weder Geschuͤtz noch Reuter durch kon- ten, gegen die Russen zu Felde, und schlug sein Lager 3 Meilen von Doͤrpt bey der Kirche zu Nugge auf, hielt auch ein gluͤcklich Gefechte bey Ruyn, weil ihn des Erzbischofs Coadiutor mit Manschaft unterstuͤtzte. Bey Doͤrpt selbst kam es auch zu einigen Scharmuͤtzeln, in deren einem der Hauptman Lucning von den Thuͤrmen der Stadt durch die Russen erschossen ward. Die Lieflaͤnder waren zu schwach, sonst haͤtten sie damals in Doͤrpt mit eindringen koͤnnen. Der Befelshaber der Stadt lies die Buͤrgerschaft indessen auf dem Rathhause ver- schliessen, aber doch wohl versorgen, bis das Lager bey Nugge aufgehoben war, womit die Buͤrger ziemlich zu frieden zu seyn schienen, in Betrachtung, daß sonst die Quartiere in Plescow viel beschwerlicher gewesen seyn wuͤrden. Lais wur- de von Kettlern auch zweimal bestuͤrmet: doch gerieth die Belagerung bey anbre- chendem Winter ins Stecken, weil die Soldaten nicht mehr im Felde dauren kon- ten. Die grossen Stuͤcke wurden nach Vellyn gefuͤhret, wo sie bey dem dritten Einfal den Russen in die Haͤnde geriethen. Vor Lais wurde mancher braver Soldat und Gebietiger aufgeopfert, worunter der revelsche Hauptman Wulf von Strasburg auch sein Ende fand, weil der Coadiutor schon mit seinen Leu- ten in die Winterlaͤger aufgebrochen, und Kettler sich den Siegeskranz ein we- nig zu hitzig erfechten wolte. Der gemeine Soldat war des lieflaͤndischen Winters ungewohnt, hatte auch nichts zu leben, weswegen die Besatzung auf Oberpahlen mit aufsaͤtzig wurde, und Geld oder den Abschied forderte. Doch Kettler wuste sie mit guten Worten zu befriedigen, und wies sie in die Winter- laͤger. Ein schoͤnes Mittel auf eine kurze Zeit! Der misgelungene Anschlag auf Lais zog Kettlern wieder sein Verschulden uͤble Nachreden zu. Jndessen bekam er zu seiner Ermunterung in Vellyn ein erzbischoͤfliches Schreiben, darin ihn Wilhelm zu frischer Hofnung ermunterte, so lange ihm Riga und Revel noch den Ruͤcken gesichert hielten. Den alten Fuͤr- stenberg lies der roͤmische Kaiser auch nicht ungetroͤstet. Er schickte seinen Kammerherrn Zacharias Hofmann an denselben ab, der das kaiserliche Schrei- ben an den Czaar von Rusland vorzeigte, und eine nachdruͤckliche Veraͤnderung versprach. Etwas unangenehmer fiel Kettlern der Brief des Koͤnigs in Schweden Gustavs, unterm 30sten November, als welcher die Schadlos- haltung der koͤniglichen Unterthanen von dem Orden mit mehrerm Nachdruck be- gehrete. Mit den Haͤndeln, welche in diesem Jahr zwischen Schweden und Liefland vorgefallen, hat es folgende Bewandnis. Der Czaar hatte sich bis- her die Buͤrger in Doͤrpt durch gar betraͤchtliche Vorzuͤge in seinen Landen ver- bindlich gemacht, um durch dieselben den andern Staͤdten bessere Gedanken von ihm beizubringen, und sie zur Unterwerfung zu bereden. Als dieses Mittel den gesuchten Zweck nicht erreichte; so schickte er der Stadt Revel einen so genanten Absagebrief zu: worauf die Stadt sich in guten Vertheidigungsstand setzte, in aller Eil das grosse Rundel bey der Schmiedepforte, viele Waͤlle, Mauren, Gra- ben und Steinwehren verfertigte, bey welcher Arbeit Buͤrger und Gesellen die Hand anlegen musten. Die Buͤrgerschaft hatte auch einige Kaper in See ste- chen, und etliche rußische Loddigen oder Fahrzeuge pluͤndern lassen, die auf dem schwedischen Fahrwasser bey Biorkioͤ, (Borgo) und andern Hafen in Nyland Handlung trieben. Diese Kaper hatten sich aber endlich auch an schwe- dischen Schiffen vergriffen, weil sie den Russen nach Narva Salz zugefuͤh- ret, und den Schiffer Veit Olden gepluͤndert, den andern aber Hans Gam- la unter Eckholm auf den Strand gejagt; wodurch der Gouverneur in Wi- R r r burg Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1559 burg, Clas Christerson Horn, sich genoͤthiget sahe die Kaufleute aus Re- vel, Berlhold Bussen, Meinhard Frilsen und Diedrich Resenkam- pen zu Wiburg in Verhaft zu nehmen. Der Koͤnig selbst lies einige Kriegs- schiffe zur Bedeckung seines Handels in dem finnischen Meerbusen kreutzen. Der Koͤnig bezeuget dem Ordensmeister, daß an diesem Unfug nicht die Zufuhr Schuld habe, indem man ja aus Riga uͤber Plescow weit staͤrker mit Ruß- land handele, sondern der Neid, daß Schweden hierdurch etwas gewinne. Er versichert, die Gefangenen in Wiborg nicht eher los zu geben, bis seine ge- pluͤnderten Unterthanen befriediget worden; zuletzt verlanget er auch fuͤr die auf schwedischen Kuͤsten beraubten Russen eine Genugthuung. Allein die Kriegs- unruhen verstatteten den Lieflaͤndern nicht dieses alles zu volziehen. So schlecht musten sich auch die Luͤbecker befriedigen lassen, denen man etliche Schiffe wegnahm, und die Waaren fuͤr Contrebande erklaͤrte. Die Sa- che kam fuͤr die Hanseestaͤdte. Diese thaten nun zwar den Ausspruch zum Vor- theil der Stadt Revel; allein die Luͤbecker liessen sichs nur in so weit gefallen, wenn andre Nationen auch den Handel nach Wiborg und Narva unterliessen. Sie beriefen sich zugleich auf das kaiserliche Privilegium, vermoͤge dessen sie bis an die Newa nach Nyen handeln koͤnten; ingleichen auf des Herrn Meisters Gottfrieds Brief, worin ihnen so gar in feindlichen Zeiten mit Rußland der Handel offen gelassen worden. Sie gewannen auch das Urtheil bey Ferdinan- den, welcher bey Kettlern auf die Wiedererstattung der Guͤter drang. Der Ordensmeister wolte von Vellyn nach Revel gehen und die Haͤndel naͤher unter- suchen, weil fast alle Nationen nach Narva fuhren und die Kaufmanschaft zu Revel verderbten. Allein die Ankunft der pohlnischen Gesandten, Sta- nislaus Narkuski, Praͤpositus zu Vilna, und des litthauischen Schatzmei- sters Nicolaus Naruscewitz, noͤthigten ihn nach Riga zu reisen, woruͤber der Handelsproces ins Stecken gerieth, und an keine Ruͤckgabe mehr gedacht wurde. Sonst meldet Russov bey diesem Jahre noch, daß der Tater Cham auch seine Botschafter an den Ordensmeister gesandt, und Huͤlfe gegen den Russen ver- sprechen lassen, wobey aber die Botschafter begehret, ihren Herren mit Geschen- ken und Boten wieder zu besuchen. Allein auf diesen Rohrstab wolte Kettler sich nicht stuͤtzen. 1560 Mit Anfang des neuen Jahrs brach die gesamte rußische Macht in Lief- land ein, nachdem sie sich noch eine Zeitlang uͤber den Ablauf des Stilstandes geduldet hatte. Der Comtur von Marienburg, Caspar Sieburg, der sich dieses unvermutheten Ueberfals nicht versehen, sich auch nicht im Stande der Ge- genwehr befand, capitulirte gleich, wurde aber von Kettlern nach Kirchholm ins Gefaͤngnis geschickt, worin er bis an sein Ende liegen muste. Der Ordensmeister fertigte nach genommener Abrede mit dem Pohlni- schen Gesandten seinen Bevolmaͤchtigten mit an den Koͤnig ab, welcher bisher den Lieflaͤndern ganz kaltsinnig begegnet war, und mit Verlegung seiner Truppen in die geraͤumten Pfandhaͤuser sehr langsam verfuhr, theils den Russen keine Be- schwerden zu verursachen, theils die Staͤnde in Liefland etwas zappeln zu lassen, und zu billigern Bedingungen zu bewegen. Ja es lies sich jetzo mehr als sonst da- zu an, daß diese Ordensrepublik nicht lange mehr wuͤrde bestehen koͤnnen. Der Czaar war wegen eines dauerhaften Friedens unsicher, und wolte die Handlung seiner Unterthanen nicht gern stoͤren lassen. Die Schweden waren schon zur See beunruhiget worden, ohne Genugthuung zu erhalten. Die Daͤnen wolten sich auch nicht umsonst eine Last aufbuͤrden. Der Kaiser hatte noch naͤhere Sor- gen. Des roͤmischen Reichs Staͤnde fanden sich dadurch beleidiget, daß man in Liefland keine andere Nation als Westphaͤlinger aufnahm. Die Hanseestaͤd- te waren eifersuͤchtig, weil Liefland ihnen ihren Handel nach Rußland beneidete, und ihren Schiffen feindlich begegnete. Es war niemand, der sich des Landes in seiner Armuth und Noth annahm, ohne einen Vergleich, der dem Orden nach- thei- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. theilig fiel. Und so machten es auch die Pohlen, die doch endlich nach langem 1560 Zaudern den Kronunterkanzler Philip Padenewski und den Waywoden von Vilna, Nicolaus Radzivil, Herzog von Olika, nach Seleburg schick- ten, welche mit den Haͤuptern des Landes in naͤhere Unterhandlung traten, die haltbarsten Plaͤtze besichtigten, und nach und nach den Besatzungsvoͤlkern Befehl zum Anzuge ertheilten. Kettler muste auch die 4 Schloͤsser Goldingen, Ha- senpot, Durben und Windau um 80000 Gulden an Pohlen versetzen, um nur so viel in die Haͤnde zu bekommen, daß er die deutschen Soldaten be- friedigen konte, die nicht mehr von guten und boͤsen Worten leben konten, und deren etliche schon mit fliegenden Fahnen aus dem Lande ziehen wolten. Jm Lan- de war fuͤr diese armen Leute auch um Geld nicht viel zu haben, da alles verheeret lag, und viele adeliche Besitzer nicht mehr den Roßdienst zu leisten im Stande waren. Der Hunger, welcher sonst den beherztesten Kerl feige machen kan, band selbst dem Ordensmeister die Haͤnde, daß er dasjenige mit seinen Soldaten nicht auszufuͤhren vermochte, wozu sein nie gebeugter Muth den gehoͤrigen Nach- druck und Standhaftigkeit besas. Solche kuͤmmerlichen Umstaͤnde brachten diesen um das Wohl des Or- dens besorgten Herrn wie schon ehemals also auch jetzo in unterschiedliche Versuchun- gen. Er sahe so gar den Herzog Albrecht von Preussen fuͤr einen Mitwerber um Liefland an, welche Furcht er doch ziemlich fahren lies, als ihm der Herzog unterm 17ten Merz schriftlich versicherte, daß er fuͤr seine Person, Erben und Nachkommen Liefland alle freundschaftliche Nachbarschaft verspreche, und sich des Adels und der Unterthanen auf der ihm versetzten Vogtey Gruben nicht wei- ter, als die Pfandverschreibung enthalte, anmassen wolle. Die Ankunft des Herzogs Magnus von Hollstein, welcher am 14ten April in den Ostertagen zu Arensburg ans Land stieg, um von der Jnsel Oesel Besitz zu nehmen, duͤnkte Kettlern weit gefaͤhrlicher und bedenklicher zu seyn Dieser noch nicht 20 jaͤhrige junge Prinz hatte einen starken Anhang von dem Adel, der ihn fuͤr einen uͤber die See ihnen zugefuͤhrten Schutzherrn von Liefland hielt, aber auch das Schicksal, daß die ehmaligen Raͤthe des Stifts Doͤrpt aus Grol gegen den Ordensmeister ihm allerhand Anschlaͤge in den Kopf setzten, zu deren gluͤcklichen Ausfuͤh- rung der Nachdruck fehlte. Sein Herr Bruder, der Koͤnig Friedrich, schickte Ge- sandten an den Czaar mit, um ihm diesen Prinz bestens zu empfelen, nnd wegen der Niederreissung der rußischen Kirchen in Liefland eine Vermittelung zu treffen. Aber die Gesandten gelangten nicht zu ihrem Zweck; welches der Koͤnig fuͤr kein gut Zeichen hielt, und daher seinen Bruder Magnus zum Coadiutor des Stifts Hildes- heim erwehlen lies, welche Wahl aber der dasige Bischof Burchard hintertrieb. Er gieng 1561 wieder nach Daͤnnemark, wo ihm der Koͤnig Ueppigkeit, Schulden und andre Fehler vorruͤckte, welches doch seine Frau Mutter alles wieder ins Gerade brachte. Der Koͤnig schrieb an ihn nach Oesel, und an die dasige Geistlichkeit, sie moͤchten in Religionssachen bescheiden und sanftmuͤthig zu Werke gehen; wodurch denn die Reformation vollends zu Stande kam. Seine Rechnung auf die daͤnische Huͤlfe schlug ihm fehl, und den schwedischen Schutz hatte er ausgeschlagen, welches seinen Absichten zu grossem Nachtheil gereichte. Die Begebenheiten dieses Herrn, sein ab- wechselndes Gluͤck, seine Vermaͤhlung mit einer rußischen Prinzeßin Eudoxia, die ihm voͤllig aͤhnlich gesehen haben sol, oder nach andern mit Maria Da sowol die rittershusische als hammelmannische Genealogie, ja selbst Chytraͤus S. 618 in dem Verwandschaftsnamen dieser Prinzeßin Maria irren sollen: so wollen wir dieselbe aus einer Hand- eines Wal- demar Andrewitz Prinzeßin Tochter, seine uͤbrigen Verdrieslichkeiten und das Ende derselben gehoͤren in den folgenden Theil. Daß Magnus, als nachmaliger Koͤnig von Liefland, wovon man eine Muͤnze aufzeigen wil, auf alle seine Titel ohne Pfand keine hundert Mark geborgt bekommen koͤnnen, meldet unter andern der Baron von Holberg in der daͤnischen Reichshistorie B. II, S. 515 u. f. Die ungeheure Be- schreibung seiner Person, welche der catholische Fabricius von ihm gemacht, ist den daͤni- . R r r 2 Der Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1560 Der Vater dieses Herrn, Koͤnig Christian der III te von Daͤnnemark, hatte schon vor 2 Jahren fuͤr diesen seinen zweiten Prinz um die Wyk und Oesel ge- handelt, den Kauf aber nicht zu Stande gebracht. Als nun, nach Absterben des alten Koͤnigs, der Herzog Magnus von seinem Herrn Bruder, dem folgenden Koͤnige Fridrich dem II ten, fuͤr sein Antheil an Hollstein befriediget seyn wolte, so trieb Friedrich den Handel im vorigen Jahr ernstlicher, und kaufte von dem dasigen Bischof Johan von Muͤnchhausen das Bistum. Das Kapitel, die Raͤthe und die oͤselsche Ritterschaft nahmen den neuen Bischof begierig an; weil ihnen der Koͤnig schon seit einem Jahre allen Schutz zugesaget und in einer zu Nieburg abgefasten Urkunde die freie Wahl eines Bischofs aus ihrem Kapitel zugestanden. Ob nun wol der Orden besagten Johan von Muͤnchhausen auf Fuͤrsprache seines Verwandten Ernsts von Muͤnchhausen, Comturs auf Goldingen, nur mit der Bedingung zum Bistum gelassen, daß er ohne Ein- willigung des Ordens sein Stift nicht veraͤndern solte, welches auch der Kaiser unterm 4ten May 1541 bestaͤtigen muͤssen; so wolte sich doch der Bischof nichts vorschreiben lassen, sondern nahm die 20000 Thlr. und gieng damit nach Hause. Der koͤniglich daͤnische Bevolmaͤchtigte, Ulrich von Baͤhr, setzte den Handel auf das Stift Curland fort, womit es aber langsam hergieng. Und damit der regierende Koͤnig Friedrich fuͤr sich und seinem Bruder um sein baares Geld noch mehr Verdrieslichkeiten erhandelte, so brachte er auch das Bistum Revel von dem Bischof Moritz Wrangel kaͤuflich an den Herzog Magnus. Ja Magnus hatte das Gluͤck, daß der Ordensvogt Hinrich von Luͤdinghusen, genant Wolf auf Sonneburg, ihm sein Schlos gutwillig uͤbergab, unter dem Vorwand, daß Magnus es gegen die Schweden vertheidigen und dem Orden wieder uͤberlie- fern solte, wobey sich aber der Vogt uͤbel bettete. Kurz vor seiner Ankunft gieng Kettler in Riga mit den Staͤnden des Lan- des zu Rathe, und machte den 5ten April diesen Abschied: Alle wollen GOtt bitten, daß ihr bisheriges suͤndliches Leben in ein christliches busfertiges Wesen moͤge verkehret werden. Da ihre Bemuͤhung auswaͤrtige Huͤlfe zu suchen, frucht- los abgelaufen, und sie sich ein Gewissen machen, Liefland zum Schaden der Christenheit in andre Haͤnde gerathen zu lassen; so wollen sie zu guter letzt noch einmal ihre Kraͤfte anwenden, und bey christlichen Potentaten auf allerley Be- dingungen Huͤlfe, Trost, Errettung und Geld suchen, dabey es denn sein Be- wenden haben solle. Koͤnte der Herr Meister durch eine christliche Heirath zum Heil der bedruͤckten Lande etwas ausrichten, so bewilligen sie nicht nur dieses, son- dern lassen sichs auch gefallen, wenn er die Ordenslande erblich und eigen als ein natuͤrlicher Erbfuͤrst bey dem zutraͤglichsten Potentaten erhalten kan, nur daß alle Einwohner bey dem Besitz ihrer Guͤter gehandhabet werden. Solten aber keine huͤlfliche Mittel ausfuͤndig gemacht werden koͤnnen, so wollen sie sich an den Koͤ- nig von Pohlen wenden, weil sie sich mit demselben schon durch ein doppeltes Band daͤnischen und lieflaͤndischen Berichten zuwider. Sie ist eine foͤrmliche Schmaͤh- schrift auf lutherische Prinzen, und lautet dabey so niedertraͤchtig, daß Fabricius dieser und vieler andern Unsinnigkeiten wegen das Buͤrgerrecht unter den lieflaͤndi- schen Geschichtschreibern schon lange verloren hat. Handschrift anfuͤhren, welche die gelehrte Feder des Herrn von Reutern entworfen, und dem Herrn Vicepr. von Brevern zugeschickt. Jvan Czaar von Moskau † 1505 Wasili vorher Gabriel Czaar zu Moskau † 1527 oder n. a. 1535. Andreas Jvan Wasiliwitz, geboren 1528 den 26. Aug. † den 28. Merz 1584 war Czaar von Moskau und hatte 7 Gemahlinnen Wolodimar Andrewitz, der 1568 mit seiner Gemahlin und 4 Kinder erschla- gen wurde. Die einige so uͤbrig blieb, war Maria, Gemahlin des Herzogs Magni. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Band so wol des paswalkischen Vergleichs als der Pfandschloͤsser verbun- 1560 den Wir fuͤhren diesen Abschied aus den Documenten an. Kettler wolte nachher das Herzogtum Curland lange nicht annehmen, sondern wieder nach Deutschland gehen, bis er sich endlich durch instaͤndiges Bitten, Flehen und Vermahnen seiner abgedankten Raͤthe, welche ihn mit heissen Thraͤnen und klaͤglichen Geberden, muͤndlich und schrift- lich darum baten, dazu bewegen lies. Diese gar zu grosse Selbstverleugnung berich- tet uns Henning S. 65. Er schreibt es als koͤniglich pohlnischer Secretair und Rath des Herzogs von Turland. . Kettler hatte sich bisher wieder den Verkauf des revelschen Bistums hart gestraͤubet, gleichwol aber den Handel nicht hintertreiben koͤnnen. Er schickte ei- nige Reuter nach Oesel, die Sonneburg wieder besetzen und den Vogt abho- len solten, woruͤber bald ein einheimischer Krieg entstanden waͤre. Denn Ma- gnus lies die Schuͤten oder Fahrzeuge beschlagen, die Ordenspersonen verstri- cken, und legte seine Manschaft bey den Domherren in die Haͤuser. Doch weil Magnus von seinem Herrn Bruder ein Empfelungsschreiben an Kettlern hat- te, so beehrte ihn der Ordensmeister mit einer Gesandschaft, die ihn bewilkomme- te, und alle gute Versicherungen seines Wohlmeinens empfing. Nur dieses fiel den Gesandten verdrieslich, daß seine Raͤthe sich in einer Geselschaft etwas leise besprachen, und der Herzog nebst unterschiedlichen andern Punkten auch die Ab- tey Padis heraus forderte, welche der Orden bisher sequestriret hielt. Um Pfingsten fiel der Feind mit 16000 Man in Harrien ein, woselbst er das bischoͤfliche Schlos Fegefeuer, nebst vielen adlichen Hoͤfen und Doͤrfern verbrante. Da er noch in dem Kirchspiel Koskuͤl stand, versamleten sich einige von Adel mit ihren Leuten und fielen zu Neuenhof bey neblichtem Wetter mit 95 Pferden auf einen Haufen Russen mit ziemlichem Gluͤck. Als es aber heiter wurde, ruͤckte eine staͤrkere Macht an, die sich in einem Hegewalde ohnweit Neu- enhof verborgen hatte, und trieb diese hitzigen Streiter aus dem Felde, die meh- rentheils unterweges blieben, und unter denen man den tapfern Ebert von Del- wig bedauerte. Der Rest fluͤchtete in die koskuͤlsche Kirche, wo ihrer 32 sich gefangen geben musten. Die Russen, welche bisher der Kirchen im Lande gescho- net hatten, steckten diese in Brand, und eroberten | Neuenhof, woraus der erste Anfal auf sie geschehen. An sich fruchtete solche schwache und kraftlose Gegen- wehr weiter nichts, als einen erzuͤrten Feind noch erbitterter zu machen. Da es nun mit dem Ordenslande auf allen Seiten mislich stand, fand Kettler fuͤr dienlich, der Stadt Riga behutsamer zu begegnen, und gegen Ver- sicherung ihrer Privilegien die Huldigung anzunehmen, welche ihm an 24sten Junii zu Riga geleistet wurde Damit unsre Leser aus einem Huldigungsbriefe alle die andern ihrem Hauptinhalte nach kennen lernen, so wollen wir hier den liefern, welchen der letzte Herrmeister der Stadt Riga gegeben, nachdem er ihr schon den Wall von der Jacobspforte an bis ans Ende des Jungfernklosters, und uͤber dem die Sandmuͤhle mit der Wasserleitung, am Johannistage abgetreten: W ir von GOttes Gnaden Gothardt, Meister des ritterlichen Ordens zu Lyfland, thun kund, bekennen und bezeugen vor allermaͤnniglich so diesen unsern offenen versiegelten Brief sehen, hoͤren oder lesen, zu ewiger kuͤnftiger Gedaͤchtnisse. Nachdem wir dann nechst goͤttlicher Vorsehung durch ordentliche Wahl der Unsern zur Wuͤrde und Hoheit des Meisterthums zu Liefland gekohren, auch derhalben von der roͤmisch- kaiserlichen Majestaͤt, Unsern allergnaͤdigsten Herrn, verlehnet, bestaͤtiget und befestiget, und aber die ehrsamen, vorsichtigen und wohlweisen Buͤrgermeister, Rath, und Gemeine unser und unsrer Ordensstadt Riga unsern Vorfahren samt allen derselben Nachkom- men mit Eid und Unterthaͤnigkeit verpflichtet gewesen, haben sie den 22sten Jun. durch ihre statliche Botschaft aus dem Rath und ganzer Gemeine zu Riga, mit uns nach Ueberreichung und Zustellung der von dem hochwuͤrdigen grosmaͤchtigen Fuͤrsten nnd Herrn, Herrn Wilhelm Fuͤrstenbenbergs, alten Meister zu Liefland unsern S s s freund- . So suchte er auch den Anforderungen des Her- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1560 Herzogs Magnus ein Gnuͤge zu thun. Zu Pernau war im Julius ein Land- tag angesetzet, auf welchen der Erzbischof, der Coadiutor, der Herzog und Kett- ler freundlichen lieben Herrn und Vater versiegelten und unterschriebenen Special-Re- mißion voriger Eidesleistung Die Stadt wolte ihres Eides an Fuͤrstenbergen los seyn, und hatte bisher mit der kettlerischen Huldigung angestanden. Endlich schickte ihr der Ordensmeister den Ablasbrief, datiret zu Hel- mete den 25sten May 1560. Die Unterschrift heist: Wyllem fforstenberg, Olle meyster to Lyflandt. Mit versiegelt hat der Landmarschal Philip Schall von Bell. etliche Unterredung und Handlung ihrer Privilegien und Herrlichkeiten halben, nebst Empfangung unsrer Pflicht und Herrlichkeit der Stadt Riga gehalten, also, daß sie uns und unsern Nachkommen geredet und gelobet die schuldige gebuͤhrliche Eidespflicht und Huldigung, alsobald von wegen unser und un- sers Ordens Herlichkeiten und Gerechtigkeiten zu thun in Form und Gestalt wie folget: Jch N. N. lobe und schwere dem hochwuͤrdigen, grosmaͤchtigen Fuͤrsten und Herrn, Herrn Gotthardt, Meister des ritterlichen deutschen Ordens zu Liefland, ihrer fuͤrstlichen Gnaden desselben ritterlichen deutschen Ordens Nachkoͤmlingen zu ih- rer fuͤrstlichen Gnaden gebuͤhrenden halben Antheil der Stadt Riga treu und hold zu seyn, zu Wasser und zu Lande, innen und aussen Landes ihrer fuͤrstlichen Gna- den und derselben Nachkommen, wie obberuͤhret, bestes zu wissen und aͤrgstes zu kehren, als das ein getreuer Unterthan seinem rechten natuͤrlichen Landesfuͤrsten und Herrn zu thun schuldig ist, als mir GOtt helfe und sein heiliges Evangelium. Hinwiederum haben wir Gotthardt Meister obgemeldt mit reifem Rathe, Consenz und Vollbordt unsrer wuͤrdigen Mitgebietiger, vor uns und unsre Nachkommen und ganzen Orden zu Liefland dieselben unsre lieben getreuen begnadiget, vertroͤstet und belobet; begnadigen, vertroͤsten, reden und geloben auch gegenwaͤrtig in Kraft unsers versiegelten Briefes sie frey unverhindert und ungekraͤnkt bleiben zu lassen, auch nach Billigkeit und Vermoͤgenheit zu schuͤtzen und zu beschirmen; ins erste und vor alles bey dem reinen und heiligen und allein seligmachenden Worte GOttes und Evangelium, neben den Ceremonien, christlichen Gottesdienste und zubehoͤrigen Herrlichkeiten, wie sie solches jetzt in Riga nach Jnhalt und Vermug der heiligen Biblischen Schrift al- tes und neues Testaments angerichtet haben und gebrauchen, dazu auch bey allen, das dasselbige goͤttliche Wort weiter vermag, und zur Ehre GOttes und der Seelen Se- ligkeit nothduͤrftig seyn mag; dagegen aber allen Jrthum, falschen Lehren, Rotten und Secten nach Vermoͤgen wehren und dieselbigen aus dem Wege raͤumen. Darnach vertroͤsten, reden und geloben wir, die gedachten unsre lieben Getreuen der Stadt Riga samt und sonderlich ruhsamlich und friedsam zu behalten bey allen und jeglichen ihren wolhergebrachten rechtmaͤßigen Privilegien, Herrlichkeiten, Freyheiten, Rechten und Gerechtigkeiten, Bauersprachen, rechten alten loͤblichen Besitzen, Ge- wonheiten, Gebraͤuchen und Herkuͤnften innen und aussen der Stadt zu Wasser und zu Lande, wie so dans sie vom alten herbracht haben, und ihnen die von unsern Vorfah- ren, Meistern deutsches Ordens zu Liefland und unsern Orden verlehnet und gegeben seyn, welche wir ihnen hiermit verneuet, bestaͤtiget und befestiget wollen haben, dazu auch unverhindert und unverruͤckt bleiben zu lassen, bey allen und jeden Privilegien, Herrlichkeiten, Freyheiten, Siegeln und Briefen, so ihnen von Paͤpsten, Kaisern, Koͤnigen, Fuͤrsten, Erzbischoͤfen und Bischoͤfen gegoͤnnet und gegeben seyn unverfaͤng- lich unsers Ordens Herrlichkeit und Gerechtigkeit. Wir wollen auch obgedachte unsre lieben Getreuen in Anmerkung und Erwegung der gethanen Treue und Eidespflicht sie wiederum in allen rechtmaͤßigen billigen Sachen bey Recht und vor Gewalt unsers Ver- moͤgens beschuͤtzen, beschirmen und handhaben. Als sich denn auch vielgemeldte unsere lieben Getreuen des Schluͤssels halben zu der Schlospforten beklaget, daß derselbe unordentlich mit Auf- und Zuschliessen des Nachts gemisbraucht und fast uͤbel gewartet wuͤrden, wodurch sie sich in jetzigen so wol als kuͤnfti- gen Zeiten uͤbereilet zu werden befuͤrchten; demselben vorzukommen, wollen wir bey unserm Hauscomthur vorgedacht ernstlich verschaffen, dieselben Schluͤssel hinfuͤrder zu Schlosse in guter verschlossenen Verwahrung zu halten, und wenn die Stadtspforten geschlossen, die Nacht nicht, denn aus ehhafter Noth nach der Beliebung gemeldter unser lieben Getreuen uͤber die andern Stadtpforten geschehen, zu oͤfnen. Jtem das vorfaͤngliche und schaͤdliche Gebaͤu in der Vorburg an der Stadt Mauren und bey un- sern Schlosse dasebst und zu Neuermuͤhlen uͤber der Bruͤcken belangend, wollen wir jetzund Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. ler mit aller Genehmhaltung am 6ten August einen Anstand oder Vertrag unter- 1560 S s s 2 zeich- jetzund daselbst besichtigen und ernstlich beschaffen, daß dasjenige, was jetziger Zeit Gelegenheit nach schaͤdlich befunden, auch alten Vertraͤgen, Siegeln und Briefen nicht zugegen, abgethan, mit den andern aber dermassen gehalten werden sol, gleich solches von unsern Vorfahren und sonderlich weiland Herrn Herman von Bruͤggeney genant Hasenkamp vermoͤge desselben Huldigungsbriefe der Stadt Riga belobet und zugesaget ist bey dem Bescheid, daß uns sol frey seyn etliche Fischer, Boͤtticher, Zim- merleute, Brieftraͤger, Mauerleute zu des Schlosses Behuf dahin zu setzen, welche aber keine Kaufmannschaft der Stadt Riga zum Vorfange daselbst uͤben sollen. Wir wollen auch hinfuͤrder daran seyn, und mit Ernst befehlen, daß unsre und des Ordens Bauren, wenn sie uns und ihrer Herrschaft die gewoͤhnliche und gebuͤhrliche Gerechtig- keit und Schulden ausgerichtet, mit ihrer Waare nach der Stadt und wo es ihnen be- liebet, da ihnen vor das ihrige die gebuͤhrliche vollkommene Bezahlung geschicht, frey und unverhindert reisen und wandeln sollen, und moͤgen auch denselben unsern Amt- leuten so wol als andern unsern Unterthanen die ungewoͤhnliche Kaufmanschaft, der man sich vor unsern Vorfahren loͤblicher und seliger Gedaͤchtnis und gemeinen Staͤnden dieser Lande zu mehrmalen merklich beklaget, ernstlich verbieten und abschaffen, dassel- be auch bey unsern Mitgebietigern, ihrer Gebiete Verwandten und Amtleute halben, so viel moͤglich, fortstellen Das Huldigungsformular der Ritterschaft hat gleichen Laut, nur daß in derselben nach dem Eide die Verflichtung das Lehn aufs neue von dem Meister zu nehmen angedeutet wird. Da die Huldi- gungsbriefe der Herrn Meister an die revelsche Buͤrgerschaft und der darin befindliche Eid der Stadt fast mit den rigischen uͤbereinkommen, so koͤnnen wir zum Abdruck eines solchen Exem- plars erforderten Raum zu noͤthigern Materien sparen. . Auch sol der Pfefferzoll, so bisher dem alten zuwieder vom Landknechte zur Mi- tow von dem Holz-Loddigen genommen, gaͤnzlich ab und unsre lieben Getreuen da- mit forthin keinesweges zu beschweren seyn; und dieweil denn vorhin unsre Vorfahren und wir jetzund eine Stadt Riga mit Gerichte und Recht und andern bewiedmet und befestiget haben; damit nun demselben durch uns oder die unsern nicht zuwieder gehan- delt werde; so wollen und verordnen wir hiermit, ob jemand von den Buͤrgern zu Ri- ga, Buͤrgers Kindern oder Buͤrger Gesellen oder sonst jemand seine Handthierung zu Riga brauchend seine Mitbuͤrger oder Mitverwandten in Sachen in Riga gewandt, oder sich zwischen ihnen in Riga begeben und zugetragen, in auswendigen Gerichten unsers Ordens beklagen wolten, daß dieselben an einem ehrsamen Rathe und der Stadt Gerichte wiederum verwiesen sol werden; allda seines gebuͤhrlichen Rechtens auszuwar- ten, und daruͤber niemand in Thoren oder Gefaͤngnis geworfen, besetzet oder bestricket werde, auch keine Sachen annehme, denn die, so durch Prorogation und ordentliche Wege der Appellation nach altem Gebrauch, als nemlich die Sachen, so an ewig Ver- derb der Guͤter den Parten gereichen, und solches durch den Parten bey seinem Eide vor einem ehrsamen Rathe erhalten, auch die, so injurioͤse Sachen seyn, an uns gelan- gen, jedoch daß niemand uͤber beschriebenes rigisches Recht und die Billigkeit beschwe- ret werde, oder daß jemand als ein Veraͤchter der Stadtgerichte verachtende das Vor- wette, oder daß jemand der Stadtsverwandten gegen den andern mit gegenwaͤrtiger frischer That in unsers Ordensgerichte solche thaͤte verwirken, daß demnach ein solcher ordentlich nach Klag und Antwort nach gewandter Sache vorgenommen, nach Gele- genheit der Sachen und auch nach Vermug der Rechten mit der Strafe fortgefahren werde, jedoch unsers Ordens Herrlichkeit und Gerechtigkeit des Geleits unschaͤdlich und vorbehalten. Es sol aber forthin keiner, so niemand gleich und recht thun wolle, und Schuld halber eussern oder zum Droͤge wuͤrde, dem alten und gemeinen beschriebenen Rechten zu wieder keinesweges vergleitet werden. Diesem allen nach geloben wir Gotthardt, Meister obgemeldt, vor uns und alle unsre Nachkommen, diese vorher- gehende Puncte und Articul voll und alle staͤt und fest bey fuͤrstlichen Ehren, Zusagen und Glauben ohne alle Argelist und Gefaͤhrde zu halten. Jn Urkund und Befestigung der Warheit haben wir Gotthard obgenandt, Meister, Philip Schall von Bell, Landmarschalck zu Liefland, und Werner Schall von Bell, Comthur zu Gol- dingen vor uns und unsre Nachkoͤmlinge Meister zu Liefland und ganzen Orden un- ser Jnsiegel wissentlich an diesen Brief thun hangen, der gegeben und geschrieben zu Riga den 24sten Junii nach Christi unsers Herrn Geburt funfzehn hundert und dar- nach im sechzigsten Jahre. Godert, Meister, mit eigener Hand. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1560 zeichneten Diese geistliche Herren haben so lange Titel, daß sie in den Documenten eine ganze Seite wegnehmen. Z. E. „Wir Wilhelm von GOttes Gnaden, Erzbischof zu Ri- „ga, Marggraf zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der Cassuben und „ Wenden Herzog, Burggraf zu Nuͤrnberg und Fuͤrst zu Ruͤgen, und von Des- „selben Gnaden Wir Christoph, erwehlter Coadiutor des Stifts Riga, Administra- „tor des Stifts Ratzeburg, Herzog zu Mecklenburg, Fuͤrst zu Wenden, Graf „zu Schwerin, der Lande Rostock, und Stargard Herr, thun kund und bekennen „vor jedermaͤnniglich, wes Standes, Wuͤrden, oder Beschaffenheit sie seyn; Nachdem „zwischen dem hochwuͤrdigen, hochgebornen Fuͤrsten und Herrn Magnus, erwehlten „Bischof des Stifts Oezel, Wyk und Curland, Administrator des Stifts Revel, „Erben zu Norwegen, Herzog zu Schleswig Holstein, der Stormarn und „ Ditmarschen, Grafen zu Oldenburg und Delmenhorst, unsern freundlichen ge- „liebten Oheim, Schwager und Bruder, und dem hochwuͤrdigen grosmaͤchtigen Fuͤr- „sten, unserm insbesondre geliebten Freunde, Nachbarn und Bruder Herr Gott- „hard Kettler, deutschen Ordens zu Liefland Meister und seiner lieben Vorfahren, „dem alten Herrn Meister allerley Wiederwillen Zwist und Uneinigkeit erwachsen ꝛc.‟ Der ganze Vergleich enthaͤlt folgende Punkte. Die hohen Mitler haben sich persoͤnlich nach der neuen Pernau begeben, um einen sichern Stilstand zn Wasser und zu Lande bis auf Pfingsten 1561 zu stiften. Dem Herzog Magnus steht frey, das Stift Re- vel einzunehmen oder einnehmen zu lassen. Kettler sol die Soldaten, so bald sie be- zahlet, aus der Domherren Haͤusern wegschaffen, innerhalb Monatsfrist die Abtey Pa- dis einraͤumen, und das Entfuͤhrte wieder erstatten. Die beiderseitigen Jnjurien wer- den beim roͤmischen Reiche eingeklaget und geurtelt. Des Ordensmeisters Soldreu- ter, so sich in Magni Schutz begeben, werden nicht geheget, die aber der Mitler Buͤrgschaft annehmen und sich friedlich bezeigen, oder wieder in die Ordensdienste tre- ten, sind ausgenommen. Der Vogt von Sonneburg wird den Soldreutern nicht ausgeliefert, sondern der Herzog Magnus sol ihn auf Anfordern tod oder lebendig stellen. Des Meisters eingenommene Hoͤfe werden zuruͤck gegeben, dahingegen Kett- ler die mit Lebensmitteln beladene Schute, welche Fuͤrstenberg anhalten lassen, wie- derum erstattet, auch dem Domherrn Richart von Walde das auf Fellin und Torbs weggenommene wiederlieset. Beiderseitige Kriegsvoͤlker enthalten sich der Schmaͤhworte und Beleidigungen. Alle Gefangene werden auf freien Fus gestellet. Gezeichnet zur neuen Pernau am 6ten August 1560. . Der steife Sin des Herzogs, dem Kettler bey diesem Vergleich in allem zu willen seyn muste, war diesem jungen Herrn vermuthlich durch die alten bischoͤflichen Raͤthe des Stifts Doͤrpt, von denen er einige um sich hatte beigebracht, weil sie hierdurch Gelegenheit hatten sich wegen der ihnen Schuld gegebenen Ver- raͤtherey an den Orden zu raͤchen, und ihren alten Widerwillen auszulassen. Die Geschichtschreiber, so fuͤr den Orden gesinnet sind, beurtheilen diese Hand- lungen des Herzogs und seiner Raͤthe freilich ungleich; darin aber sind sie einig, daß wenn die Russen auf Pernaw losgegangen waͤren, sie die Standeshaͤupter des Landes gleichsam im Sacke fangen und dem ganzen Kriege ein geschwindes En- de machen koͤnnen. Doch die rußische Armee nahm ihren Weg unter Anfuͤhrung des Knesen Andrei Kurpsche nach dem Ordensschlosse Ermis, wo sie auf die erzbischoͤfli- chen und Ordensvoͤlker sties, 500 von denenselben erlegte, und den Landmar- schal und Comtur zu Segewolde, Philip Schall von Bell, seinen Bruder den Comtur von Goldingen, Werner Schall von Bell, den Vogt zu Baus- ke, Hinrich von Galen, den Vogt zu Candau, Christoph Sieborgen und einen vornehmen Stiftsadlichen, Namens Reinhold Sasse, samt an- dern mehr gefangen bekam und nach Moskau schickte Diese Ordensherren wurden nachher hingerichtet. Jn der Art ihres Todes gehen die Geschichtschreiber von einander ab. Russov berichtet, sie seyn mit Keulen vor die Koͤpfe geschlagen, und jaͤmmerlich umgebracht worden. Henning schreibt, man habe sie mit draͤthnen Knotenpeitschen durch die Gassen hindurch gegeisselt, hernach enthau- ptet und den Thieren vorgeworfen, bis einige christliche Gemuͤther sie aus Mitleiden verscharret. Des Landmarschals Standhaftigkeit in der Religion, indem er sich nicht um- . Hierauf gieng der Zug Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Zug nach Vellin. Der Ort wurde am Tage Mariaͤ Magdalenaͤ beschossen, 1560 die Mauren eingeworfen, und das Staͤdgen bis auf 5 Haͤuser verbrant. Die einzige Compagnie Soldaten hielt sich auf dem Schlosse noch 4 Wochen. Als sie weiter nichts als die unausbleibliche Gefangenschaft zu erwarten hatten, sprachen sie von Unterhandlungen. Ob nun wol der alte Fuͤrstenberg, welcher sich hier der Ruhe halber niedergelassen, alle sein Gold und Silber den murrenden Soldaten so lan- ge anbot, bis er sie mit gepraͤgter Muͤnze wuͤrde befriedigen koͤnnen, auch an Vorrath noch kein Mangel war; so war doch weder aus der Naͤhe noch Ferne ein Entsatz zu hoffen. Die Besatzung bedung sich also freien Abzug, und lies trefliches Geschuͤtz im Stiche. Doch wolte sie sich wegen des ruͤckstaͤndigen Soldes selbst bezahlt machen, und erbrach Kisten und Kasten, in welche der alte Fuͤrstenberg und viele vom Adel aus der Naͤhe ihre Geraͤthe eingepacket hatten, in der Mei- nung selbige zum Reisegelde zu gebrauchen. Allein die Russen bekamen Wind davon, jagten den unrechtmaͤßigen Jnhabern die gepluͤnderten Schaͤtze wieder ab und sandten die Leute nackend und kahl nach Riga. Hier machte ihnen Kettler einen kurzen Proces, und lies sie als Verraͤther aufhaͤngen. Fuͤrstenberg wur- de samt seinem Diener von den Russen nach Moskau auf das Schlos Lubin gefuͤhret, und ihm selbiges Zeitlebens zum Leibgedinge uͤberlassen, wo er auch To- des verblichen Es lautet sehr gefaͤrlich was D. Lucas Osiander, Heinrich Petri, Nigrinus, M. David Foͤrster und viele andre von Fuͤrstenbergs Gefangenschaft schreiben. Wir wollen stat aller Muͤnstern in seiner Cosmographey B. III, Bl. 1165 hoͤren: Da Vellin eingenommen, setzt Muͤnster mit voͤlliger Unwarheit, haben die Russen den Herrn Meister Wilhelm von Fuͤrstenberg gefangen genommen. Sie schmie- deten ihn in Ketten, schickten ihn in die Moskau, fuͤhrten ihn alle Nacht einmal an Ketten wie einen Baͤr zum Schauspiel, liessen ihn grossen Hunger leiden; seiner Knech- te einer folgte ihm willig nach, wolte nicht von seinem Herrn weichen, bis nach der Niederlage vor Wittenstein, da erzuͤrnte der Moskowiter, lies ihn und den Knecht toͤdten. Elerd Kruse berichtet, daß die Russen alle Lieflaͤnder, die sie vor Per- nau, Revel und Hapsal gefangen bekommen, und worunter viele von Adel gewesen, nach Wittenstein gefuͤhret, sie meist alle erwuͤrget und ihnen die Haͤlse abgestochen. Was Fuͤrstenbergen betrift, so findet sich von ihm ein Brief aus Lubin unterm 16ten Decemb. 1563, der mit einer weissen Oblate oder Hostie versiegelt ist, in welchem er Nicolaum Radewille, (so hies dieser Herr gemeiniglich in Liefland ) seinen alten und bekanten Freund, ersuchet, den Koͤnig von Pohlen zur Fuͤrsprache fuͤr ihn bey dem Czaar zu vermoͤgen. Er nennt seinen Aufenthalt in Moskau ein Exilium, und sein Schlos ein Gefaͤngnis, thut aber von seinen Banden keine Erwehnung, die doch hier haͤtten zuerst angefuͤhret werden muͤssen. Endlich bittet er um die 6000 Thaler, die er ehemals diesem Waywoden vorgeschossen. Der deutsche Hochmeister Wolfgang Schutzbar zu Milchlingen nahm sich des gefangenen Fuͤrstenbergs 1564 eifriger an, und schickte Bernhard von Bevern, Theobald von Romschwag, Melchior Dermo und Franz von Hatzfeld, Ordensritter, ingleichen Johan Wagnern und Oswald Lurznig, beide Doctoren der Rechte, an den Czaar ab. Weil man diesel- ben fuͤr kaiserliche Gesandten angesehen, und das Ceremoniel zu vornehm eingerichtet hatte, so erlangten sie schlechtes Gehoͤr, und musten mit einer uͤbelverstandnen Antwort uͤber Narva wieder nach Deutschland gehen. Jm Jahr 1565 lies der Czaar Fuͤr- stenbergen vor sich kommen, und bot ihm in Beiseyn des gewesenen Mannrichters Joh. Tauben und Elerd Crusens die Provinz Liefland an, wenn er dem rußischen Scepter huldigen wolte. Aber Fuͤrstenberg, schreibt Neustaͤdt, wolte sein Gewissen nicht beschweren. Daher der Czaar aus Unwillen ihn wieder nach Lubin schafte. Der Koͤnig von Pohlen giebt in einem Briefe an den Koͤnig von Daͤnnemark den Deutschen Schuld, daß sie Fuͤrstenbergen verlassen und an die Russen verrathen. Russov nennet sein Gefaͤngnis fuͤrstlich. Es bezeugens auch andre, daß die Gefan- genen Lieflaͤnder es in Moskau ertraͤglicher gehabt als man in Liefland glauben T t t koͤnnen. . Als umtaufen lassen wolte, gefiel dem Czaar dergestalt, daß er ihm seine Begnadigung noch nach dem Gerichtsplatze schickte, welche aber zu spaͤt einlief. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1560 Als Vellin am 22sten August uͤbergegangen, theilte sich das rußische Heer in 3 Haufen. Die kleinste Partey ruͤckte im September vor Weissenstein, wel- ches der obgemeldte Casper von Oldenbockum tapfer vertheidigte, und beschos das Schlos 5 Wochen. Die umliegende Gegend wurde verheeret, dem Schlos- se aber war nicht beizukommen. Ein andrer Haufen gieng; nach Wenden und Wolmar. Die Buͤrgerschaft von Wolmar that mit 3 Rotten Schuͤtzen einen Ausfal, um das weggetriebene Vieh zu erbeuten, wagte sich aber so unvorsichtig, daß sie voͤllig umringet und gefangen genommen, auch so gleich nach Moskau geschickt wurde. Die dritte Abtheilung schlug sich nach der Wyk, wohin die Harrischen ihr Vieh und ihre Kostbarkeiten geschaffet, weil man dieses Land, des Herzogs Magnus wegen fuͤr sicher hielt, allein weil Magnus mit auf dem pernauischen Landtage gewesen, und sich bey den Russen verdaͤchtig gemacht, so wurden auch aus diesem Kreise die Einwohner nach Moskau gebracht. Selbst Magnus hielt sich in Hapsal nicht sicher, sondern stieg ins Boot und fuhr nach koͤnnen. Brakel Timan Brakel, ein Lieflaͤnder, schrieb als augspurgischer Confeßion Prediger zu Antdorf 1579 in 8. Rhythmos de excidio Liuoniae. Nachdem er aus Rußland wieder in Freiheit gekommen, berief ihn der daͤnische Landshauptman Claus von Ungern nach Oesel zum Pastor auf Piha, wo er aber der vielen Bemuͤhungen dieses rechtschaffenen Herrn ohnerachtet ziemlichen Wider- stand antraf, und daher den Einfal der Russen auf Oesel als ein goͤttliches Strafgericht herleitet. Die armen Leute waren so vol Angst, daß die Bauren beim Anzuge der Russen in die pihaische Kirche fluͤchteten, und auf den Kirchthurm stiegen. Als aber die Russen die mit Stroh gedeckte Kirche in Brand steckten, warfen die Muͤtter aus Verzweifelung ihre im Rauch winselnden Kin- der selbst vom Thurm herunter ins Feuer, damit der Feind ihr Geschrey nicht hoͤren solte. , welcher das Uugluͤck in Liefland klaͤglich genug vorstellet, und die Russen ziemlich grausam beschreibet, giebt deutlich zu verstehen, daß das Schre- cken und die Furcht groͤsser gewesen, als die Erfahrung es gerechtfertiget. Er selbst wurde als evangelischer Prediger zu Doͤrpt auf luͤgenhaftes Angeben 1559 in Stri- cken und eisernen Fusbanden nach Moskau gebracht, genos aber auch in Plescow viele Liebe, wo die alten Deutschen Kaufleute ihm Reisegeld gaben. Jn Nogar- den schenkte ihm der Stathalter die Freiheit von Banden, und in Moskau selbst wurde ihm viel Gutes erwiesen. Er ruͤhmet an den Russen, daß sie ihm auch in den Banden sein priesterlich Amt frey treiben lassen, da doch die Prediger augspurgischer Confeßion in Doͤrpt viel von den Catholiken deswegen leiden muͤssen. Einigen Ge- fangenen gab der Czaar Freiheit zuruͤck zu kehren, worunter der ehrliche Mag. Joh. Wettermann Dieser gelehrte Man war beim Czaar sehr wohl angeschrieben, und muste die vortrefliche czaarische Bibliothek in Ordnung bringen, welche ehmals aus Rom gekommen, und wol uͤber 100 Jahr hinter drey Gewoͤlbern versteckt gelegen. Er war seiner Gemeine freiwillig in die Gefangen- schaft gefolget, und hatte sie bald zu Pferde bald zu Fus von einer Stadt zur andern aufgesucht, sie getroͤstet, und uͤberal Schulmeister verordnet, die ihnen die Postille vorlesen musten. Nach Neustaͤdts Rechnung ist dieser Wettermann erst 1565 aus Doͤrpt den damals weggefuͤhrten Buͤrgern nachgezogen, und hat wol Brakel in der Bestimmung seines Todesjahrs geirret. , Pastor der Kirche zu Unsrer lieben Frauen in Doͤrpt war, und daselbst 1564 starb. Was die Geschichtschreiber, einheimische und fremde, von den unmenschlichen Grausamkeiten einer damals ungesitteten Nation melden, darf nicht schlechterdings geleugnet werden. Doch lies es die Parteilichkeit nicht anders zu, als aus einer Geschichte 100 Historien mit eben so viel angehengten poͤbelhaften Erzehlun- gen zu machen, und von einem einzelnen Fal auf alles zu schliessen. Wie schoͤn mach- ten es die kaiserlichen Soldaten in dem 30 jaͤhrigen Kriege, die Franzosen und Spa- nier in der Pfalz, die man doch fuͤr christliche und gesittete Voͤlker hielt? Die ganz neue Historie unsrer Zeiten hat ja noch klaͤglichere Vorfaͤlle aufzuweisen. Es ist aller- dings wahr, daß die mehresten Leute von den Feindseligkeiten der Russen graͤslichere Vorstellungen gehabt, als sie haͤtten haben sollen. Was machen die Geschichtschreiber von der Tragoͤdie zu Wenden 1577 nicht fuͤr ein Aufheben, da viel 100 Personen aus Furcht vor dem Feinde sich auf dem Schlosse zu Wenden in die Luft sprengten? Sie sind wol gar auf die damaligen Prediger in Riga ungehalten, wenn sie wieder diesen heroischen Selbstmord geeifert. Jn den Umstaͤnden worin sich der Czaar befand, haͤt- te sich ja wol die groͤste Sanftmuth in Zorn verwandeln muͤssen, da er die Vornehm- sten Jnnehaber eines belagerten und fast eingeschossenen Schlosses zu seinen Fuͤssen lie- gen sahe, und ihnen das Leben schenkte, mitten unter seiner Begnadigung aber die Kugeln um sein Haupt sausen und brausen hoͤrete. Siehe Henning S. 136. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. nach Oesel. Aus der Wyk zogen die Russen mit der Beute fuͤr Revel vor- 1560 bey, und schlugen 2 Meilen davon auf dem Hofe Harke ihr Lager auf. Die Revelschen wolten gern von dem Weggebrachten etwas retten, und wagten sich am 11ten September Morgens fruͤh zu Pferde und zu Fus aus der Stadt, wo sie sich zwar einiger Gefangenen und etlicher 1000 Stuͤck Rindvieh bemaͤchtigten: weil aber die Fusgaͤnger mit dem Geschuͤtz nicht so geschwind herbey eilen konten; so kam ihnen die feindliche Macht gar zu stark auf den Leib, so daß sie sich in der groͤsten Unordnung wieder zuruͤck ziehen, und den nachsetzenden Russen Beute und Stuͤcke samt den Rathspferden uͤberlassen musten. Von Adelichen vermiste man insonderheit Johan von Galen, Juͤrgen von Ungern und Lorenz von Ermis, von den Staͤdtschen den Rathsherrn Luͤtke von Oyten, den Buͤrger Blasius Hochgref samt andern Buͤrgern und Kaufgesellen. Viel brachte man hart verwundet nach der Stadt. Die Russen selbst konten sich uͤber die Unbesonnenheit dieses Ausfals nicht genug verwundern. Die Russen suchten alle Todten zusammen, schlepten sie nach den umliegenden Doͤrfern, verbranten die Koͤrper, so daß die Doͤrfer daruͤber mit im Rauch aufgiengen, und schlugen sich hierauf nach der Gegend von Wittenstein. Der Erzbischof, der zur Errettung des Landes auch was thun wolte, brachte es beim Koͤnig von Pohlen so weit, daß ihm 200 Man Reuterey geschickt wur- den, die, wie es in den Tractaten heist, zum Trost des roͤmischen Reichs und zum Schutz der gesamten Christenheit ihre Tapferkeit beweisen solten. Die Stadt machte aber gegen ihre Aufnahme so viel Ausfluͤchte, daß sie sich vom Erzbischof unterm 3ten December und vom Herrn Meister unterm 21ten Decemb. eigene Si- cherheitsbreife geben lies, worin beide die theuresten Versicherungen wegen der evangelischen Religion unterschrieben, und der Stadt zur Sicherheit die herrlich- sten Vortheile zugestehen musten. Die harrischen und wykischen Bauren wolten Schutz oder Freiheit ha- ben, und rotteten sich daher haufenweise zusammen, pluͤnderten die adlichen Hoͤfe aus, und erschlugen die Herren Jacob Uxkuͤl von Luͤmmat, Otto Uxkuͤl von Kirketa, Juͤrgen Risbyter, und Hinrich (nach andern Diedrich ) von Liwen, sandten auch einige aus ihrem Mittel nach Revel, und boten der Stadt ein Buͤndnis an, wovon der Adel ausgeschlossen werden solte. Als der Rath ih- nen die Unbesonnenheit vorruͤckte, und sie zum Gehorsam ermahnte, belagerten sie das Schlos Lode, wohin viele von der Ritterschaft ihre Zuflucht genommen hatten. Christoph (oder nach andern Wilhelm ) von Muͤnchshausen trieb aber die ungedungenen Krieger so gluͤcklich zuruͤck, daß eine ziemliche Menge von ihnen auf dem Platze blieb. Die Raͤdelsfuͤhrer, welche man gefangen bekommen, wurden theils vor Lode theils vor Revel hingerichtet. Waͤhrend dieser recht aͤngstlichen Zeit gereichte dem Lande zu einem wiewol kurzen Trost, daß der Koͤnig von Schweden Gustav der I ste die Staͤnde er- mahnen lies, weder der Macht von Rußland noch den Liebkosungen der Kron Daͤnnemark nachzugeben, sondern bey dem Herrn Meister treulich auszuhal- ten; wobey die Gesandten, die mit 3 Galeien angekommen, noch versicherten, daß ihr Koͤnig keinem andern Potentaten das Land goͤnnen wuͤrde; er wolle sie mit Le- bensmitteln und Kriegsvorrath versehen, und im Fal einer Belagerung koͤnten die Revelschen Weib und Kinder nach Finnland schicken, woselbst sie Versorgung und Sicherheit finden solten. Der Ordensmeister schickte denn auch so gleich Gesand- ten nach Stockholm, wohin sie der pohlnische Gesandte Christoph Co- narski begleitete. Sie kamen dahin, fanden aber nach einer vierwoͤchentlichen Reise zur See den Koͤnig Gustav in letzten Zuͤgen, welcher sie deshalb an seine Prinzen und Reichsstaͤnde verwies. Den Gesandten war in ihrer Vollmacht auf- getragen, entweder Huͤlfe, oder Vermittelung eines Friedens, oder Geld auszu- wirken. Der Herzog Erich, welcher an des nunmehr verstorbenen Gustavs Stelle kam, gieng mit der Antwort sehr bedaͤchtig zu Werke, daß auch die Stadt T t t 2 Re- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1560 Revel, welcher die Zeit zu lange waͤrete, aus Furcht fuͤr der rußischen Belagerung ihre eigenen Deputirten den Rathsherrn Johan Schmiedemann und den Elte- sten der grossen Gilde Claes tor Hake den 5. Sept. nach Stockholm abfertigten, eine gewisse Summe Geldes auszuwirken. Weil diese mit den herrmeisterlichen und pohlnischen Gesandten alles uͤberlegten, so fand es der Koͤnig fuͤr rathsam, die Revelschen allein zu sprechen, und die Herrmeisterlichen mit der kurzen Ant- wort zu beurlauben: er traue den Lieflaͤndern nicht, weil sie Schweden schon einmal sitzen lassen; doch wolle er ihnen gegen Verpfaͤndung der Stadt Pernaw 60000 Thlr. vorschiessen, verlange aber fuͤr die Kaperey auf die Schiffe seiner Unterthanen noch vor Ostern eine hinlaͤngliche Genugthuung. Also kam aus Schweden nichts, und aus Deutschland nichts bessers, ohnerachtet der deutsche Hochmeister durch seine Gesandten, den Landcomtur der Balley Hessen Johan von Rehen, Georg Hund von Wenckheim, Comtur zu Frank- furt und den Doctor der Rechte, Thomas Meyerhoͤfer, auf dem Reichstage zu Speier wegen der Errettung der Republik Liefland die triftigsten Vorstel- lungen thun lassen. Die herrmeisterlichen Gesandten hatten bey ihrer Ruͤckreise aus Schweden noch das Ungluͤck, daß, da sie in der Mitten des Jenners von 1561 Helsingfors nach Revel uͤber das Eis wolten und des Abends die Jnsel Nar- joͤ 3 Meilen von Revel erreichten, des Nachts ein so ploͤtzliches Thauwetter ein- fiel, daß sie mit genauer Noth auf einem Bote die schlechte Antwort des Koͤnigs ihrem Meister uͤberbringen konten. Sodann bot Koͤnig Erich den revelschen Gesandten seinen Schutz, Huͤl- fe und Geld unter der Bedingung an, wenn die Stadt sich seiner Botmaͤßigkeit unterwerfen wolle: doch meinte er noch sicherer zu gehen, wenn ganz Estland die Unterwerfung unter den schwedischen Scepter annaͤhme, gleichwie Lief- land mit den Pohlen in Tractaten stand; indem es doch dem Czaar bedenklich fallen wuͤrde, sich um dieser Laͤnder willen zwey maͤchtige Nachbarn zu Feinden zu machen. Die Stadt Revel uͤberlegte die Willensmeinung des Koͤnigs mit der Ritterschaft von Harrien und Wirland, und sodann schickte der Adel Her- man Szoͤgen und Rembert von Gilsen, die Stadt aber den Buͤrgermeister Johan Koͤnig, den Rathsherrn Juͤrgen Huͤnerjaͤger, und den Secretair Lorenz Schmidt an den Ordensmeister Kettler ab, und entdeckten ihm nach ihrem langen und vergeblichen Aussehen um Huͤlfe ihren gefasten Entschlus, Schweden zum Oberherrn anzunehmen. Kettlern gieng es freilich nahe; er that daher wieder gute Versprechungen, schickte auch eine Compagnie Pohlen mit, die aber mit den Buͤrgern so viel Lerm machten, daß der Magistrat ihnen eine Belohnung austheilen und sie wieder zum Thore hinaus ziehen lies. Jn der Fastenzeit am 25sten Merz fanden sich von schwedischer Seite die Gevolmaͤchtigten ein, welche die Unterwerfung des Herzogthums Estland unter die Kron Schweden gluͤcklich zu Stande brachten. Sie hiessen Clas (Claudius) Christerson, Herr auf Amine, Hans Larsson zu Jsnes, nebst dem koͤniglichen Secretair Herman Bruser. Jhr erstes Anbringen be- stand in der Zuruͤckforderung der geraubten Kaufmansguͤter, dem sie durch Vor- weisung des koͤniglichen Befels Nachdruck gaben, und vermoͤge welcher die schwe- dischen Hauptleute Hans Kyle, Erich Timmeson, Casper Wittenberg und Lille Marten, die mit einigen Kriegesschiffen und Voͤlkern in Finnland lagen, befehliget wurden, auf Anforderung der Herren Commissarien sich fertig zu halten. So wurde auch Anders Peerson zu Ferdahl aus dem beruͤhmten Geschlechte der Lilienhoͤeke mit einigen Schiffen, Geschuͤtz, und andrer Kriegs- geraͤthschaft, und 3 Compagnien Soldaten nach Revel geschickt. Kettler war nicht gesonnen auf diese Nachricht nach Revel zu kommen, daß es also den Com- missarien leicht fiel, den Einwohnern die Annehmung des schwedischen Schu- tzes angenehm und suͤs vorzustellen. Die Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Die Staͤnde des Herzogtums Estland giengen allerdings mit schwerem 1561 Herzen daran, sich von ihrem lieben Ordensmeister loszureissen. Sie bemerkten aber bey ihren Mitbruͤdern in Liefland selbst kein gros Vertrauen zu den Poh- len, uͤberdem waren sie der weiten Entfernung halber besorgt, daß die pohlni- sche Huͤlfe zu spaͤt kommen moͤchte, noch vielweniger konten sie die Vortheile der Kaufmanschaft hoffen, welche Riga gaͤnzlich an sich gezogen. Die Nation war ihnen fremder, hatte andere Sitten und Sprache, und was das Vornehmste war, eine verschiedene Religion, und ihre Soldaten waren zu uͤbermuͤthig. Von Daͤnnemark waren sie abgewiesen, und der Herzog Magnus kam mit seinen schwachen Vorstellungen zu spaͤt. Schweden hatte nicht nur einerley Religion, sondern war ihnen auch zum Beistande im Kriege, und zur Handlung uͤberaus wohl gelegen Alle die Ursachen, aus welchen die Stadt Revel sich der Krone Schweden unter- warf, kamen Kettlern unzureichend vor. Er saͤumte also nicht den Estlaͤndern diese Unterwerfung mit vielen Vorstellungen zu widerrathen, ruͤckte ihnen anch in ei- nem Schreiben aus Lode diese Spaltung empfindlich vor, auf welches aber die Stadt nothduͤrftig antwortete. Kettler wagte es noch 1563 den 26sten October, der Stadt einen heftigen Strafbrief aus seinem Feldlager bey Pernaw zu uͤberschicken, daß auch der Stadtsecretair nach Durchlesung desselben auf die Urschrift die 3 Worte schrieb: Herbe, bitter und scharf, welches Original in dem schwedischen Archiv verwah- ret wird. Der Herzog nennet den Jnhalt der Antwort unverschaͤmt, und stellet vor, es werde diese ungeziemte Auffuͤhrung der ganzen deutschen und andern Nationen be- kant werden, die es aber noch zur Zeit ihrer Jugend nicht wissen koͤnten, wuͤrden es kuͤnstig aus den Chroniken und Geschichtbuͤchern erfahren. Er klaget, daß die Re- velschen haͤrter als seine Feinde die Russen verfahren, da diese ihm nur sein Land, je- ne aber die Ehre genommen. Man habe durch allerley tuͤckische Griffe die Sache vor ihm heimlich gehalten, und der unverschaͤmte Schreiber habe ihn noch letztlich in Mi- tau zugeredet, daß er sich im geringsten nichts von Schweden einbilden moͤchte, wie denn auch andre ihren Gesandten versichert, daß ob ihnen gleich beschwerlich fiele, pohlnisch zu seyn, sie doch noch viel weniger schwedisch werden wuͤrden. Er prophe- zeiet ihnen fuͤr diesen treulosen Abfal immer mehr Jammer, Herzeleid, Noth und Drangsale, wil ihnen aber solches nicht wuͤnschen. Die Beschuldigung der Revel- schen, als ob die Koͤnige von Pohlen und Daͤnnemark und Kettler sich wieder die Estlaͤnder mit den Russen und Tartern verbunden, nennet er eine hohe Beschimpfung, und sagt, er habe zwar tartarische und reußische Kriegesleute bey sich, aber nicht als Bundesgenossen, sondern als Kriegesknechte und Unterthanen; allein er koͤnne ja auch fremde vor Geld bekommen. Der von Schweden, faͤhret Kettler fort, habe als ein fremder aufgenoͤthigter Koͤnig nicht den geringsten Anspruch und Befugnis auf Liefland; indessen moͤchten sie mit ihm wohl fahren, die Zeit und der Ausgang wuͤr- den alles geben. Allein es blieb einmal dabey. Estland versprach sich nach damali- gen Umstaͤnden von Schweden weit ansehnlichere Vortheile, als es von Pohlen nim- mermehr erhalten konte. . Da nun die Ritterschaft von der Stadt nicht abtreten, sondern mit ihr gleiches Schicksal erwarten wolte; so fertigte jene Reinholden von Lode Dieser Reinhold von Lode war Hauptman der estlaͤndischen Ritterschaft und Erbherr auf Rocht, und muste Amts halben diesen halsbrechenden Gang zum Herrmeister wagen, weil keiner von der Ritterschaft eine so gefaͤhrliche Verrichtung uͤbernehmen wollen. Henning meldet uns das Formular der Aufkuͤndigung: Es koͤnte und moͤchte nun nicht anders seyn, seine fuͤrstliche Gnaden solten sich darum nicht irren. Ob nun gleich der Herrmeister dieses zu verbeissen wuste; so bemerket doch der Herr Manrichter Lode in seiner Handschrift, daß Kettler als Her- zog es noch dessen Erben nicht vergeben koͤnnen. Denn als die Russen nachher ganz Estland wegnahmen und dem Koͤnig von Schweden nur Revel nebst etlichen um die Stadt belegenen Hoͤfen nachliessen, so musten diese lodischen Erben auch ihre Guͤter missen, und fluͤchtig werden. Sie wandten sich nach Curland, wo sie bey ihren Blutsfreunden und alten Bekanten das Un- gewitter des Krieges abwarten wolten. Allein der Herzog Kettler trieb sie da weg, und lies ihnen wissen, daß es um ihres Vaters willen geschehe. Dieser Umstand ist in der general Re- vision von Estland 1586 aufgenommen, da man den Erben die Guͤter ihres Vaters wieder zuge- sprochen. , diese aber den Rathsherrn Johan Winter an den Herrn Mei- ster U u u Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1561 ster nach Mietau ab, welche demselben den bisher beobachteten Eid aufkuͤndigten, und rund heraus sagten, das sie nicht mehr herrmeisterlich sondern schwedisch waͤren. Kettler gab davon dem Koͤnig in Pohlen durch einen Curier schleunige Nachricht, und schickte auch Heinrich von Dohna, Johan Fischer sei- nen Kanzler, und Jost Clodt Jost Clodt, den unsre Geschichtschreiber auch Jodocus Clodt, die Pohlen aber in ihren lateinischen Documenten Justus Claudius schreiben, ist der aͤltere Sohn Rolef Clodts, eines Edelmans aus dem Hause Nortelen in Westphalen, der 1515 nach Revel gekommen, alwo er geheirathet und sein kurzes Leben geendiget. Er ist der beruͤhmte Anherr vieler um das Land und ihren Koͤnig treuverdienter Nachkommen, die mit den angesehensten Familien in Lief-Est-Curland und Schweden ver- schwaͤgert worden. Dieser Jost Clodt hatte schon als Syndikus der Stadt Revel die Angelegenheiten des Ordens zu besorgen; daher ihm der Ordensmeister Galen im ersten Jahr seiner Regierung aus Erkentlichkeit fuͤr seine dem Orden geleistete Dienste am 1sten September 1552 das Gut Wallkuͤl in Estland verlehnet, welches Kettler auf Quasimodogeniti 1560 ihm, als seinem damaligen Rathe, mit 2 Doͤrfern und dem voͤlligen Allodialrecht vermehrte, so laut der Revision von 1586 auf 43 Haken betrug. Seine Nachkommen schreiben sich Clodt von Juͤrgensburg, weil der Herr Meister Gotthard Kettler dieses Schlos denenselben in einem Briefe vom 22sten Merz 1561 als ein Allodium mit besondern Privilegien fuͤr die dabey geruͤhmten vielfaͤltigen treuen Dien- ste, so er dem Orden und Lande erwiesen, gegeben. Nach der Veraͤnderung des Staats von Liefland und geschlossenem Unterwerfungsvergleich machte ihn Herzog Gotthard von Curland zu seinem Kanzler. Nachdem der Koͤnig Sigismund Au- gust waͤhrender Unterhandlungen an ihm ein gnaͤdiges Wohlgefallen gefunden, nahm er ihn als Secretair in den auswertigen Angelegenheiten in seine Dienste, und gab ihm unterm 10ten May 1562 in einem offenen Briefe die Versicherung auf ein Zeit Lebens zu hebendes gewisses Jahrgeld. Er ward in vielen Gesandschaften gebraucht, und fuͤhrte auch zu Hause den Briefwechsel mit auslaͤndischen Ministern, welche Dienste ihm hochgedachter Koͤnig mit verschiedenen Erbguͤtern und andern Gnadenbezeugungen reich- lich belohnte. Er gieng 1568 als Gesandter nach Schweden, dem Koͤnig Johan den III ten zu seiner Gelangung zum Thron Gluͤck zu wuͤnschen, und blieb bis im Som- mer 1570 daselbst. Zuletzt trat er als dritter pohlnischer bevolmaͤchtigter Minister seine Reise nach Stettin an, wo er mit andern Gesandten der hohen Potentaten und Mitler den Frieden vom 13ten December zwischen Schweden und Daͤnnemark zu Stande bringen half. Er starb 1572 und ward zu Riga im Dom begraben. Es koͤnte zwar einigen Zweifel in den Stamtafeln veranlassen, daß dieser Jost Clodt in Revel geboren worden, auch daselbst anfaͤnglich Syndicus gewesen, so wie sein Bru- der Hinrich die Stelle eines Rathsherrn daselbst bekleidet; daß er das alte Geschlechts- wapen geaͤndert, und vom Koͤnig Sigismund August auf dem Reichstage zu Lub- lin 1566 den 1sten August ein eigenes Diploma nobilitatis erhalten. Doch wie er sol- ches letztere des pohlnischen Jndigenats wegen als ein koͤniglicher Minister nothwen- dig haben muste, wie es die Documente erklaͤren, so bekraͤftigen insonderheit 4 vorhan- dene Original-Diplomata, welche wir auf Pergament geschrieben mit ihren angehaͤng- ten Jnsiegeln vor Augen gehabt, daß Jost Clodt vor und zu Anfang der koͤniglich pohlnischen Regierung in Liefland bereits als ein wohl angesessener und wohl ange- sehener Edelman bekant gewesen, weil ihm darin von Herren und Potentaten der vol- kommen adliche Titel eines Nobilis et Generosi beigeleget wird; als erstlich des Herr- meisters Gotthard Kettlers vom 22sten Merz 1561, ferner des von seinem Koͤnige und der ganzen Republik Pohlen bestelten Gevolmaͤchtigten, des Herzogs Nicolaus Radziwil von 10ten Merz 1562 und endlich des Koͤnigs Sigismund Augusts selbst, so wol unterm 22sten April als dem 10ten May 1562. Die Verbindung der lieflaͤndi- schen Familie mit dem Stamhause in Deutschland erhellet ganz deutlich aus den vie- len avthentischen Urkunden und der mit den aus Deutschland erhaltenen Nachrichten gar genau uͤbereinkommenden Genealogie; wie denn die lieflaͤndische Linie von Rolef Clodt ihre 8 Geschlechtsfolgen eben so richtig, als das in Deutschland anseßige Haus, von dem aͤltesten Bruder Hinrich Clodt, im genauesten Zusammenhange aufweiset. Daß aber von 1420 an bis jetzo keine Buͤrger dieses Namens weder nach den aͤltesten Stadtbuͤchern noch nach den Registern der Buͤrgerschaft in Revel seshaft oder anzutref- fen gewesen, hat dasiger Magistrat unter beigedrucktem Jnsiegel der Stadt bezeuget. Ein mehrers gehoͤret in die Geschlechtsregister. seinen Rath eiligst nach Revel, um einen kur- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. kurzen Stilstand zu treffen, bis er den Koͤnig von Schweden selbst darum be- 1561 sprechen lassen. Estland aber wartete solches nicht ab, sondern leistete den schwedischen Commissarien den 4ten Junii die Huldigung, die Stadt that ein gleiches den 6ten Junii. Das daruͤber errichtete Jnstrument enthaͤlt der Gesand- ten Bekentnis, daß Erich, ihr Oberherr, Estland und die Stadt Revel auf Ansuchen der Herrn Raͤthe, Ritterschaft und Adel der Kreise Harrien, Wir- land und Jerwen in seinen Schutz nehme; wovon die Commissarien die Bestaͤ- tigung herbey zu schaffen angeloben. Kettlers Abgeordnete wurden in Revel nicht einmal recht vorgelassen, und als man den von Dohna allein aufs Rath- haus beschied, behielt er sein Gewerbe im Busen, protestirte aber gegen das Un- ternehmen als eine unbefugte Handlung. Also geriet dieses Herzogtum in schwe- dische Gewalt, und erhielt dieselben Vortheile von Schweden erfuͤllet, die Liefland von Pohlen nur versprochen bekam. Der junge Casper von Ol- denbockum, welcher Weissenstein so wohl vertheidiget, war von Kettlern zum Comtur auf Revel ernennet, und wolte den Schweden das Schlos nicht uͤbergeben. Allein die koͤniglichen Commissarien beaͤngstigten ihn mit Carthaunen und Schlangen 6 Wochen lang; und weil kein Entsatz zu hoffen, auch der Vor- rath zu Ende war, so capitulirte er am Johannis tage, und erhielt freien Abzug Die Berichtschreiben, welche die schwedischen Gesandten aus Revel an den Koͤnig nach Schweden uͤberschickten, geben uns in der estlaͤndischen Unterwerfungs- angelegenheit verschiedene Erlaͤuterungen. Wir wollen das wichtigste aus denensel- ben hier anfuͤhren. Herman Bruser meldet unterm 30sten Merz: „ Rettler hat „den Deutschen Soldaten fuͤr ihre Loͤhnung das Schlos zu Revel zum Unterpfande „verschrieben; als aber die Soldaten ihre Neigung gegen die Schweden verriethen, „suchte Caspar von Oldenbockum und Diedrich von Gahlen mit List selbiges zu „schuͤtzen. Ein verschlagener Doctor, Mattheus Fresner und ein anderer Bruder „ Wilhelm Weiferling practicirten einen Haufen Pohlaken hinauf, die ihre Roͤh- „re und Sebel in Kasten und Saͤcke verstecket, und mit Huͤlfe der Diener auf dem „Schlosse die Soldaten im Zuͤgel halten solten. Jndessen kam der Schloshauptman „mit 2 Briefen vom Herrn Meister zuruͤck, deren erster einen Trost zur Bezahlung, „der andre eine Abdankung der Soldaten enthielt, mit welchem letzten die Soldaten „noch weniger zu frieden waren, daher beide Parten die Zugaͤnge zum Schlosse so besetzt „hielten, daß es daruͤber am Wasser gebrach. Die Stadt, der Rath und der Adel „legten den Handel so bey, daß es zu einem 14 taͤgigen Vergleich kam, bis beide ihre „Boten von dem Herrn Meister zuruͤck bekaͤmen. Die Boten konten Kettlern nicht „zu Hause antreffen, weil er auf einen Tag 3 Curiere aus Pohlen erhalten, und sich „also nach der Wilda in Litthauen begeben hatte. Doch lies Kettler den Solda- „ten Seidenzeug und Sammet zur Bezahlung ihres ruͤckstaͤndigen Soldes anbieten, mit „welcher Waare er die Soldaten zu Wittenstein und Pernau befriediget hatte: al- „lein der murrische Soldat pochte, und gab zur Antwort, er wolle sein Pfand, das „Kloster Padis und den Brief auf das Schlos Revel wieder versetzen, es moͤchte es „ein Christenherr loͤsen, welcher es wolle. Weil die Commissarien nicht wusten, „den Herrn Meister aufzusuchen, so haben sie Andreas Bioͤrsson mit der koͤniglichen „Bewerbung an ihn abgesandt, der zugleich von allem Kundschaft einziehen solte.‟ Ferner berichtet Brusser: „Die Stadt Revel leidet grossen Mangel am Malz. Der „Koͤnig moͤchte von Stockholm oder Abo 3 bis 4 Galeien vor Revel schicken, de- „nen, die gut pohlnisch waͤren, eine andre Gesinnung beizubringen. Das pohl- „nische Kriegesvolk in Revel sey ein geringer Haufen nackender junger Bursche, die „nichts zu zehren noch zu verkleiden haͤtten, und ein Stuͤck Brodt mit Betteln suchten. „Das Geruͤcht habe sich verbreitet, als ob der Herr Meister das Schlos Wittenstein „mit dem ganzen Districte an Casper von Oldenbockum und seine Kinder nach ihn „erblich zum Lehn geschenket habe, wenn er den Pohlen getreu seyn und 300 Pohlen „samt 30 bis 40 Deutschen zur Besatzung einnehmen wolle.‟ Unter den 11ten April berichten die Commissarien ein, „daß die Stadt Revel sich fest entschlossen, mit der „Ritterschaft zusammen zu halten, auch heute ihre Gesandten nach Mietau abgesertiget, ei- „ne Protestation in Abwesenheit des Herrn Meisters da zu lassen, darin sie ihm den „Eid aufkuͤndigten, und nicht laͤnger mit so vielen eiteln Vertroͤstungen, und blossen „Hof- . U u u 2 Un- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1561 Unterdessen sandte die estlaͤndische Ritterschaft ihren Gesandten Claes Meck, und die Stadt ihren Buͤrgermeister Johan Pepersack, die Rathsher- ren „Hofnungen aufgehalten seyn wollen. Den 6ten April sind die deutschen Soldaten „mit den Pohlen uneins geworden, in welchem Auflauf 7 Pohlen und 3 deutsche „Knechte umgekommen. Die Buͤrger liefen mit hinzu, und schrieen daß man alle „ Pohlaken todt schlagen solle. Es durfte sich kein Pohle auf der Strasse sehen „lassen, der pohlnische Hauptman aber lies sich verlauten, daß sie gerne wegzoͤgen, „wenn sie nur auf den Strassen sicher waͤren, und nicht fuͤr einem zweiten Ostergastge- „bot bange seyn muͤsten.‟ Ein anders Schreiben vom 18ten April eroͤfnet, wie „ Casper von Oldenbockum mit einigen Reutern und Bauren das Kloster Padis be- „stuͤrmet; doch die aus Revel zur Besatzung eingelegten deutschen Knechte, denen „es der Herr Meister verpfaͤndet, wiesen diese Stuͤrmenden mit blauen Augen und blutigen „Koͤpfen zuruͤck, ohne die auf den Lauf giengen. Auf Ansuchen der schwedischen „Commissarien brachte es der Rath so weit, daß Casper von Oldenbockum die Be- „lagerung aufgab. Die domschen Schlossoldaten boten auch dem revelschen Rath „ihren Pfandbrief auf das Schlos zu loͤsen an, welches der Rath um keine uͤbeln Ur- „theile bey Kettlern zu veranlassen, abschlug, zu ihrer Nothdurft aber aus der Stadt „allerhand abfolgen lies. Sie trugen es auch den schwedischen Commissarien an, „die aber mit ihnen in keine Tractaten treten wolten, ob gleich diese Herren taͤglich von „ihnen uͤberlaufen wurden. Wie aber Andreas Bioͤrsson mit der Zeitung zuruͤck „kam, daß 400 Pohlen im Anzuge waͤren, so nahmen die Commissarien 400 oder „600 Gulden auf, und gaben sie dem Rathe, welcher in seinem Namen den ausge- „hungerten armen Soldaten einen Vorschus thun muste.‟ Um den Jnhalt der uͤbrigen Briefe kurz zu melden, so wollen wir denselben nach Art eines Tagebuchs hersetzen. Den 4ten May vereinigte sich die Stadt mit der Rit- terschaft, von keiner andern Obrigkeit etwas zu wissen, als von GOtt und dem Koͤnig von Schweden. Ein alter und ansehnlicher Adelsman in der Wyck Reinhard von Rosen, des Herzogs Magnus Vasalle, war gut schwedisch, und versaͤumte nichts, seinen Verwandten in Harrien, Jerwen und anderwerts gleiche Gesinnun- gen beizubringen, in Magnus Gegenwart sprach er fuͤr die Daͤnen. Den 17ten May vertrieb Engelbrecht von der Lippe und Casper von Oldenbockum die domschen Knechte aus ihrem Pfande dem Kloster Padis heraus, die sich gleich zu den Schweden schlugen. Den 30sten May kamen Heinrich Flemming und Joͤran Monson mit Briefen an. Hans Kyle und Andreas Peerson langten zu gleicher Zeit mit ihrer Geselschaft, Schiffen, Geschuͤtze und Gelde an. Den 21sten May ward das Schlos belagert. Den 27sten May giengen die Tractaten mit den Commissarien an. Selbige zoͤgerten bis zur Zuruͤckkunft Johan Winters, welcher wegen Kett- lers Unpaͤslichkeit langsam zur Audienz kam, und in selbiger den Eid foͤrmlich aufsag- te. Der Hauptman Johan Plate bezahlte den domschen Knechten die Loͤhnung, und half mit Rath und That, daß sie ihre Pfandhaͤuser quit wurden. Jn seine Stel- le kam Juͤrgen Leuthener, ein junger Man von 23 oder 24 Jahren, beim vorigen Koͤnig Gustav Canzelist und nachmaliger lieflaͤndischer Hauptman zur Zeit des rus- sischen Krieges. Hinrich Boysmann ward auch Ritmeister uͤber 100 Knechte. Den 23sten Junii accordirten die Commissarien mit dem Stathalter Oldenbockum, dem Vogte vom neuen Schlosse Diedrich von der Steinkuhle, und dem Feldmar- schal der Herrn Meisters Diedrich von Galen, daß die herrmeisterlichen und pohl- nischen Voͤlker gegen 7000 Gulden das Schlos raͤumen solten, welches auch den 24sten Junii geschahe. Am Johannis tage nach der Predigt um 10 Uhr waren alle Soldaten versamlet, und besetzten den Weg zwischen der Nothpforte und Schwesterpforte auf beiden Seiten mit fliegenden Fahnen, daß die vom Schlosse zwischen ihnen durch nach der Stadt marschiren musten. Hans Krafts Compagnie zog zur Nothpforte ein, und besetzte alle Thuͤrme und Thore, steckte die Fahne aus, worauf alle Canonen auf dem Schlosse, auf dem Thurme, auf den Schiffen und von den Waͤllen der Stadt geloͤset wurden. Dis setzte ganz Liefland in Bestuͤrzung, und den Herzog Magnus nicht weniger. Die herrmeisterlichen Raͤthe entschuldigten ihren Herrn bestens, daß er sich wol auf gu- te Wege haͤtte lenken lassen, wenn es der Koͤnig von Pohlen nicht so ernstlich verhin- dert haͤtte. Sie schrieben dieses aus Pernaw nach Revel, allein die Stadt hatte sich die Absicht dieser glatten Worte durch die schwedischen Commissarien sehr ver- nehmlich erklaͤren lassen. Der Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. ren Johan Schmiedemannen und Johan Bettholtz nach Schweden, 1561 welche nach der zu Upsala am 29sten Junii volzogenen Kroͤnung dem Koͤnig Erich Der Hauptman Hinrich von Burchhausen auf Wittenstein lies waͤhrender Belagerung des Schlosses Revel so viel Pohlen in sein Schlos, daß sie wegen Ueber- legenheit der Menge die deutschen Soldaten mishandelten, wie sie wolten. Da nun Casper von Oldenbockum freien Abzug aus Revel erhielt, und nach Kettlern ge- hen wolte, schickte er seine Diener nach Wittenstein, die aber von den Pohlen nicht eingelassen wurden, sondern in Hakelwerck liegen musten. Den 31sten Julii streiften die Russen und eroberten Wolmar, Wenden, Tarwest, Karkus, Helmet, Lemsel, Salis und andre Schloͤsser, fuͤhrten auch alles mit sich weg, daß man bis 6 Meilen von Pernau und 4 Meilen von Riga so wol auf der See-als Landseite we- der Hund noch Hahn hoͤrete. Den 4ten August wolte der Freiherr von Donau, Commendant der Stadt Pernau, den Comtur des Schlosses Pernau uͤberraschen, litte aber einen derben Verlust. Die Buͤrger trieben alle Polaken aus der Stadt und einige liessen sich vernehmen, daß, wenn die Schweden kaͤmen, sie ihnen gleich die Schluͤssel geben wolten. Der Commissarius Claes Christerson schickte alsbald einen Vertrauten von Adel Johan Kudling nach Pernau, der versuchen solte, ob der Comtur sich gegen die Schweden bequemen wolle, welcher sich 14 Tage Bedenkzeit ausbat. Den 15ten August sandte der Herzog Magnus seinen Muͤnzmeister an den Commissarius Christerson, und hielt um Freiheit an, ein Muͤnzhaus auf dem Bi- schofshofe zu erbauen, wie der Meister und Erzbischof in Riga zu thun gewohnt ge- wesen. Der Rath aber protestirte dagegen, weil nie ein Bischof zu Revel seine eige- ne Muͤnze gehabt habe. Andre urtheilten, er habe heimlich dadurch seine Leute in die Stadt zu bringen und sie zu uͤberrumpeln gesucht. Lars Flemming, Erich Hacken- son und Erich Henningson erhielten vom Koͤnig Erich Befehl nach Revel zu ge- hen und dem Herrn Christerson sein weitlaͤuftiges Amt zu erleichtern. Der Herr Meister sandte Otto Tauben, Robert von Gilsen und Johan Fischern an den Herzog Magnus, ihm das Kloster Padis aufzutragen. Christerson ruͤckte gleich auf erhaltene Nachricht vors Kloster, und nahm es den 8ten September mit Accord ein, weil der rechte Capitain Engelbrecht von der Lippe nicht zugegen, sondern nur 4 bis 5 Deutsche und 23 Pohlaken darin waren, uͤber die Juͤrgen Bengk com- mandirte. Valentin von Ulmitz erhielt uͤber selbiges die Hauptmansstelle. Chri- sterson eilte mit Besetzung dieses Posten, weil Magnus seinen Unterthanen verboten hatte, nicht ein Huhn nach Revel zu bringen, und die Zufuhre an Korn auch zu hin- dern drohte, indem Padis auf dieser Seite gleichsam der Schluͤssel zu Revel war. Den 27sten November kam ein lieflaͤndischer von Adel Robert Brehmer von Mos- kau, wo er ein Jahr gefangen gewesen, und ver meldete, daß die Russen bey dem ersten Frost Wittenstein und Pernau belagern wolten. Den 14ten December schrieb Lars Flemming an den Koͤnig, daß er vor 8 Tagen zu Revel angelanget, aber bey solchen Umstaͤnden weder in geistlichen noch weltlichen Dingen etwas vornehmen koͤnte. Die Russen eigneten sich Resick, Kolck und Walkuͤl zu, die Pernaui- schen wolten sich mit den Schweden nicht einlassen. Den 28sten September fertigte Magnus seine Gesandten, den oͤselschen Domherrn Andreas Friedrich und die beiden Gevettere Weinrich und Heinrich Fahrensbecken nach Revel ab, und wol- te Padis wieder eingeraͤumet wissen; lies sich auch des gesperten Handels wegen ent- schuldigen, weil der Ochsen, Schaafe und Schweine zu viel abgefuͤhret worden, und er dadurch nur die schaͤdliche Vorkaͤuferey zu hindern gesucht. Den 2ten December uͤbergab der Comtur Rutgerd Wolf das Haus und Gebiete zu Pernau dem koͤni- glichen pohlnischen Statthalter Heinrich von Dona mit der Bedingung, daß er den Hof zu Leal erblich, den zu Matsel aber auf Lebenszeit behalten koͤnne. Jn den Berichtschreiben der schwedischen Herren an ihren Koͤnig vom Jahr 1562 melden selbige die Ankunft der pohlnischen Gesandten, des Grafen Johan von Tentzen und des Barons von Dona, welche den 22sten Jan. von Revel nach Finn- land aufbrachen. Wilhelm Weiferlingen nennen sie einen Kaufman und Erzbu- ben, der mit den Seeraͤubern, so bey Wiborg gekapert, die Waaren getheilet und verkaufet, und beschreiben die Pohlen und Litthauer, so in Pernau zur Besatzung lagen, nicht als Kriegesvolk, sondern als einen Abschaum von Bauren, Hollunken und Lostreibern, die nichts zu zehren haͤtten, als was man ihnen dann und wann an Gruͤtze oder Erbsen kochte. Wolten sie was bessers als das kahle Wasser trinken, so muͤsten X x x sie Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1561 Erich in Stockholm vorgestellet wurden. Claes Meeks Die uralte Familie der Herren Meeks oder Meex ist in Estland seit vielen Jahren verloschen. Jn Liefland sind die Herren von Meck noch bekant. Ein Jacob Meck schlos als letzter Domde- chant zu Riga die Tractaten mit Pohlen insbesondere wegen des Erzstifts. Er erhielt hierauf das Schlos und Gebiete Sonzel vom Koͤnig Sigismund August mit gar besondern Privilegien erblich, und zugleich das Diploma nobilitatis im Lande. Er unterschrieb noch als Dechant des Erz- stifts vor andern, die sonst die ansehnlichsten des Landes waren, die Erbvereinigung der Ritter- schaft mit Litthauen am 10ten December 1566. Er scheinet in Liefland der erste von seinem Stam gewesen zu seyn. Seine Erben besitzen noch das Gut Sonzel. ward am 13ten Julii vom Koͤnig zum Ritter geschlagen, und erhielt fuͤr das Land eine ansehnli- che Summe Geldes; der Stadt aber entrichtete der Koͤnig die 106000 Mark, wel- sie mit einem Eimer von Hause zu Hause um duͤnn Bier betteln gehen. Sie verstuͤn- den fein unvermerkt zuzugreifen, doch duͤrften sich diese pohlnischen Maͤrterer vor den Russen nicht sehen lassen, viel weniger koͤnten sie ihnen Widerstand thun. Oldenbockum habe etwas Volk von Deutschen als Hofleute darinnen. Die Er- oberung von Pernau berichten sie nach der Reihe so: „Montags im heiligen Pfingsten „giengen Heinrich Boysmann und Valtin von Gittel mit ihren Fahnen voraus, „und berenneten die Stadt den Freitag darauf. Den 20sten May folgte Christerson „mit dem Geschuͤtze, Reutern und Kriegesvolk nach, fieng an zu schanzen und stund „mit seinen Stuͤcken den Fronleichnamstag schon uͤber dem Bache. Die Pohlen tha- „ten einen ungluͤcklichen Ausfal. Den 30sten May Sonnabends vor Trinitatis lies „ Christerson in den staͤrksten Thurm ein gros Loch schiessen und stuͤrmen, verlor 20 „Man und muste sich retiriren. Den folgenden Tag ward wieder gestuͤrmet, wor- „auf die Pernauischen auf 8 Tage Stilstand begehrten, bis sie an den Koͤnig von „ Pohlen geschrieben hatten. Dis schlugen ihnen die Schweden ab. Sie erhielten „also einen Stilstand von einer Nacht. Den andern Tag kamen etliche aus dem Rath „ins schwedische Lager, mit vermelden, daß die Pohlen sich aus der Stadt ins „Schlos gemacht, und alles Gewehr, Pulver und Bley mitgenommen, auch keine „Huͤlfe vermutheten. Weil der Herr von Dohna in Litthauen, ihr Hauptman „ Bonaventura aber nicht zur Stelle waͤre, so wuͤsten sie keinen andern Ausweg, als „sich Jhro Majestaͤt zu ergeben. Den 4ten Junii schwor die pernauische Buͤrger- „schaft dem Koͤnig von Schweden die Treue zu. Die Pohlen auf dem Schlosse wol- „ten auch capituliren, allein der schwedische Feldherr lies ihnen wissen, sein Koͤnig „habe mit der Kron Pohlen nichts anders als lauter Gutes zu thun; was geschehen „waͤre, geschaͤhe wegen des Herrmeisters, und lies sie mit Pick und Pack herausziehen. „Eben kam der alte Hauptman Bonaventura aus Litthauen zuruͤck, und wolte sich „in Pernau hinein practiciren, wurde aber gefangen eingebracht. Die Schweden „besetzten Stadt und Schlos mit 400 Knechten und 100 Pferden. 500 Pohlen, die „auf Fourage ausgegangen, wurden vier und eine halbe Meile von Pernau von etli- „chen Schweden, die auf sie stiessen, befraget, wessen man sich von ihnen zu verse- „hen haͤtte. Sie gaben stat der Antwort Feuer, wurden aber nach Verlust etlicher „ihrer Reuter in die Flucht gejaget.‟ Zum Verfolg der uͤbrigen Begebenheiten dieses Jahrs gehoͤren Hans Larssons Briefe an den Koͤnig Erich vom 10ten Junii, daß er mit 4 Schiffen nach den nar- vischen Fahrwasser ausgelaufen, 9 Schiffe mit aller ihrer Ladung weggenommen, 2 daͤnische aber unter selbigen mit guten Worten so lange aufgehalten, bis man Daͤn- nemarks Absichten naͤher merke. Den 25sten Julii empfieng Christerson von seinem Hofe die Nachricht, daß der Friede mit Rußland geschlossen worden, welches den Lieflaͤndern keine sonderliche angenehme Zeitung war, insonderheit dem armen und vertriebenen wirischen Adel und andern von Narva und Wesenherg. Den 19ten Angust zog Christerson mit seinem Kriegesvolk nach Wittenstein. Mit dem An- fange des Septembers stiessen 60 schwedische Reuter 2 Meilen von Pernau auf etli- che tausend Pohlen, die Pernau belagern wolten, und erlegten 64 Man, die andern flohen theils den rigischen, theils den karkuschen Weg zuruͤcke. Den 12ten Sept. kam Graf Svante zu Revel an. Den 1sten November wolte Herzog Johan bey seiner Ruͤckreise aus Pohlen mit seiner Gemahlin der pohlnischen Prinzeßin, des re- gierenden Koͤnigs Schwester Catharina, Riga paßiren, muste aber sein Quartier aus- ser der Stadt auf St. Juͤrgens Hof nehmen; auf seine Beschwerden wies ihm der Buͤrgermeister und Rath der Stadt den koͤniglichen Befehl vor, den Herzog Johan in Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. welche sie den Ordensmeistern auf Kegel vorgeschossen, mit 30000 Thlr. wieder. 1561 Estland bekam viel Proviant, das revelsche Schlos alle erforderliche Noth- durft; ja viele Estlaͤnder, welche nach Schweden reiseten, um dem Koͤnig ihren Schaden, den sie an ihren Guͤtern vom Feinde erlitten, zu zeigen, em- pfiengen theils Geld, theils Landguͤter, und keiner gieng misvergnuͤgt nach Hause. Kurz vor der Kroͤnung schickte Erich seine Gesandten nach Rußland, nemlich Hrn. Nils Krummen zu Oerboͤholm, Mag. Erich Bischof zu Linkoͤping, Johan Peterson Both zu Sigtuna, Nils Himning zu Thyrsoe, und den Secretair Olof Larsson, welche dem alten Gebrauch nach den Frieden bestaͤtigen und dem Czaar die Ursachen eroͤfnen solten, weswegen er Estland in seinen Schutz genommen, damit dieses Herzogtum auch mit in den Frieden eingeschlossen wuͤrde. Gegen den Herbst kamen die Gesandten wieder zu- ruͤck, mit dem Gegenbericht, der Czaar wolle dem Reiche einen zweijaͤhrigen Stil- stand gewaͤren, und seine Legaten nach Schweden abfertigen; da denn wegen Estland und Revel durch selbige naͤherer Bescheid erfolgen solte. Am 20sten Julii kam der pohlnische Gesandte, Graf von Tensky in Stockholm an, welcher ein Buͤndnis wider Rußland errichten, zum Kriege 100000 Thaler aufnehmen, und eine Vermaͤhlung mit der pohlnischen Prin- zeßin Catharina, des Koͤnigs Schwester, und dem Herzog Johannes, nach- maligem Koͤnige, in Vorschlag bringen solte. Dem Grafen wurden zwar guͤtige Versicherungen gegeben, doch begehrte Erich dabey, daß die Pohlen ihre Be- satzung aus den ordensmeisterlichen Festungen herausnehmen solten, weil Kettler sein Feind sey, dahingegen er die Pfandhaͤuser Neustaͤdt verwechselt diese Pfandhaͤuser mit denenjenigen, so der Koͤnig Sigismund August dem Herzog Johan von Finnland als Pfandhaͤuser uͤbertrug, als der Her- zog sich mit dessen Schwester Catharina vermaͤhlte. Dieser Brautschatz bestand in den Schloͤssern Karkus, Helmet, Tricaten, Ermes, Ruyn und Burtneck, mit welchen es einem gewissen Grafen von Arce, welchen der Herzog bey seiner Ab- reise nach Finnland zum Generalhauptman daruͤber gemacht, im folgenden Jahre hoͤchst ungluͤcklich gieng. Der Koͤnig Erich der XIV te war nemlich uͤber die ganze Heirath scheelsuͤchtig, und lies daher seinen Bruder Johan zu Abo in Verhaft neh- men, auch das Hauptschlos Karkus uͤberrumpeln. Der Graf von Arce kam bey die- sen unbestritten lassen wolte. Zum X x x 2 Vor- in die Stadt Riga nicht einzulassen, woruͤber dieser grosse Augen machte Das Stuͤck der Historie Johannis des III ten in dem 4ten Stuͤck der schwedischen Bibliothek er- oͤfnet uns auch etwas von den Verdrieslichkeiten, so dieser Herr als Grosfuͤrst von Finnland noch in Liefland erdulden muͤssen. Den 4ten October, heist es, begieng Johannes seinen Hochzeits- tag mit des Koͤnigs Sigismund Augusts Prinzeßin Schwester Catharine. Der Brautschatz und die Aussteuer beliefen sich auf 350000 Thaler. Der Grosfuͤrst solte diese Summe zum Theil in Riga heben. Jn Riga muste er in der Vorstadt bleiben, und der Befelshaber wies die koͤ- nigliche Ordre vor, ihn nicht einzulassen. Man glaubte, dieser Possen sey ihm vom Radzivil gespielet worden, welcher junge Witwer die andre pohlnische Prinzeßin zur Gemahlin zu erhal- ten hofte, um die der Grosfuͤrst fuͤr seinen Bruder, den Herzog Magnus von Ostergothland geworben hatte. Wie der Grosfuͤrst Johannes in Riga kein Reisegeld erhielt; so fertigte er ei- nige Minister an den Koͤnig von Pohlen ab, worauf ihm der Koͤnig 7 Schloͤsser versetzte, deren Werth sich auf fuͤnftehalb Tonnen Goldes belaufen haben sol. Jn Revel fand es der Grosfuͤrst erst schlim, alwo ihm nicht die geringste Handreichung gethan wurde, weil ihn sein Bruder der milzsuͤchtige Koͤnig Erich in uͤblem Verdacht hatte. Der Graf Svante, Claes Christerson und Dionysius Beurer verlangten von ihm die Auslieferung der Pfandschloͤsser. Als diese mit Gewalt drohten, uͤberlies er ihnen doch das Schlos Karkus mit dem Beding, daß der Koͤnig mit dem Grosfuͤrsten gleiche Besatzung darin halten solle. Nach 4 Tagen segelte der Grosfuͤrst von Revel ab. Der Gouverneur half ihm mit etwas Geld und Schifsproviant, welches Johan- nes auf eine bestimte Zeit zu bezahlen versprach. Diese kleine Gefaͤlligkeit kam dem Commen- danten so theuer zu stehen, daß ihm der Koͤnig den Kopf abschlagen lies. . Den 18ten November ergab sich Wittenstein, und ward mit 400 Knechten und etlichen Hofleuten unter dem Commando Andr. Peersons und Hinrich Knutzens besetzet, nach- dem Johan Groll sie aus Hunger nicht laͤnger behaupten konte, vorher aber durch Sprengung eines Pulverthurms den schwedischen Feldmarschal Christerson die Be- lagerung aufzuheben genoͤthiget hatte. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1561 Vorschus der Gelder ward gleich Rath geschaft, so bald die Pohlen Duͤne- muͤnde, Wollmer und Wenden zur Hypothek einraͤumten. Jn Harrien fielen den Schweden immer mehr Plaͤtze zu. Fegefeuer und Borgholm wurden eingenommen. So muste sich auch im Herbst das ziemlich befestigte Kloster Padis in welchem der Ordenscomtur Engelbrecht von der Lippe bisher zur Vertheidigung gelegen hatte, an den koͤniglich schwe- dischen Obercommissarius Clas Christerson Horn ergeben. Am 2ten August unterzeichnete der Koͤnig Erich zu Norkioͤping den Schutzbrief fuͤr die Provinzen Harrien, Wirland, Jerwen und die Stadt Revel, welchen die Commissarien vorher versichert hatten, nebst den angeheng- ten Bedingungen des Vergleichs, vermoͤge dessen alle Einwohner bey der Lehre des Evangelii geschuͤtzet werden solten. Die Land- und Stadtsuperintendenten haben Macht Pfarrherrn zu verordnen und einzusetzen, die untuͤchtigen Lehrer aber abzuschaffen. Alle alte Privilegien bleiben in ihrem Gange. Die 2 Jung- frauenkloͤster in und ausser der Stadt werden nach Abschaffung der Abgoͤtterey in ihrem Wesen gelassen, und der Ritterschaft die Vergeltung ihrer treuen Dienste zugesaget, wie sie solche in herrmeisterlichen Zeiten belohnet bekommen Die Tractaten der Schweden mit den Estlaͤndern befinden sich lateinisch im Fasc. III Liuonicorum S. 131, und derselben Bestaͤtigung S. 134. Volstaͤndiger aber ist Erichs Privilegium auf deutsch in dem rothen Buche zu Revel, worin uͤberdem der Ritterschaft erlaubet wird, des schwedischen Reichs Farbe, Feldzeichen und Wapen, wenn es ihr beliebet, in ihren Fahnen zu fuͤhren. Weil auch der Koͤnig der Ritterschaft Geld, Pferde, Buͤchsen und Harnisch vorgestrecket, so ist selbige verbun- den in Nothfal ihre Guͤter zu verdiensten. Solte jemand bey dem Koͤnig angegeben wer- . Den Frei- sen Haͤndeln ins Gedraͤnge, zumal da die Russen diese Vestungen auch forderten, und er sich nicht im Stande der Gegenwehr sahe. Sein Ansuchen bey den Pohlen um Huͤlfe wurde mit kurzen Vertroͤstungen ohne Nachdruck abgewiesen. Der Graf, um seines Herrn Pfandhaͤuser nicht ganz zu verspielen, hielt es fuͤrs rathsamste mit dem rußi- schen Befelshaber in Doͤrpt, Knesen Andrei Kuͤrpsche, einem leutseligen und klu- gen Herrn, die Abrede zu nehmen, er wolle dem Knesen Helmet so lange zum Pfande geben, bis sein Herr aus dem Gefaͤngnis los kaͤme, und weitere Verabredung treffen koͤnte. Er beftelte auch den Knesen zu einem Besuch nach Helmet, wo die Ueberga- be in der Stille geschehen solte, versahe es aber darin, daß er den Handel etlichen sei- ner Leute vertrauete. Diese waren der Absichten des Grafen ganz unkundig, und rede- ten unter sich einen Hinterhalt ab. Denn da sie mit dem Grafen zu Tische sassen, er- wischten sie ihn am Halse bey der guͤldenen Kette, steckten ihn in ein finster Loch, und gaben auf den Knesen und dessen Leute Feuer, welches diesen redlichen Man zwar zum Ruͤckzuge, aber auch zur groͤsten Verbitterung brachte. Sie lieferten den Grafen an den Herzog von Curland aus, welcher ihn Mittwochs vor Weihnachten 1563 mit gluͤ- enden Zangen zerreissen, viertheilen und auf 4 Raͤder legen, seinen Secretair aber mit dem Schwerdt hinrichten lies. Da Henning S. 78 und 79 diese Begebenheit gar partheiisch erzehlet; so bezeuget hingegen Neustaͤdt, daß fast jederman von der Un- schuld des Grafen und seinen billigen Absichten uͤberzeuget gewesen. Die Umstaͤnde von seiner Hinrichtung sind allerdings bedenklich. Der Rathsherr Vincentz Klan- dorf, den die schmaͤlige Marter des Grafen jammerte, gieng nach Hause, zog sich ab, und blieb gleich tod. Eine Frau, die vom Boden herunter ihn mit gluͤhenden Zangen zwicken sahe, fiel herab und brach den Hals. Ein Bauer, welcher dabey stand, sties sich das Messer durch die Brust. Der Buͤttel, welcher die Kohlen blies, stieg vom Wagen, legte den Kopf auf dem Blasebalg und blieb auf der Stelle todt liegen. Von seinen Verraͤthern sind die meisten blind geworden. Der Knese der der Ungnade seines Czaars halber nach Pohlen fluͤchtete, hat die Unschuld dieses Mannes mit vielen Seufzern beklaget. Sonst war der Graf von Arce ein verstaͤndiger Herr, und in Anlegung guter Festungen, ja in der ganzen Kriegeskunst wohl erfahren, wie denn auf seinen Rath die Stadt und Schlos Revel mit Graben, Waͤllen und Streich- wehren wohl befestiget worden. Henning berichtet, daß er aus Liebe zu seinem Le- ben sich erboten seine uͤbrige Lebenszeit hindurch vor einem Stalle an einer eisernen Ket- te wie ein Hund zu liegen, und nur Wasser und Brod zu essen. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Freiherrn zu Sundby, Lorenz Flemmingen, bestaͤtigte er zum ersten Gou- 1561 verneur, Clas Christerson zum obersten Feldmarschal, Erich Hakenson zum Schlosvogt zu Revel, und Johan von Geldern zum Superintendenten der Stadt. Doch der Gouverneur starb am 27sten Febr. bald nach seiner Ankunft; so giengen auch in der Fischermaye etliche 1000 Schweden an einer ansteckenden Seuche darauf, die aber nicht unter die Buͤrger kam, woraus der gemeine Man den Schweden wenig Gluͤck in Estland prophezeiete. Da es Schweden so leicht geworden, Estland unter sich zu bekommen, so wolten die Pohlen auch Liefland nicht so theuer einkaufen, zumal da sie die Schwaͤche des Landes naͤher kanten. Sie verstunden sich also weiter zu nichts, als zu den ausgemachten Besatzungsvoͤlkern; im Fal aber Liefland weiter Huͤlfe brauchte, verlangten sie schlechterdings die Unterwerfung. Kettler kam hieruͤber ins Gedraͤnge. Der Mitwerber um Liefland waren viel, und er durfte den rechten Zeitpunct nicht versaͤumen, ein Erbfuͤrstentum zu erhalten, zumal da die Ritterschaft gut pohlnisch gesinnet war, und nicht viel Bedenklichkeiten hatte Sigismund zum Schutzherrn anzunehmen. Nur Riga trauete gleichsam aus einer geheimen Ahndung den Pohlen nicht. Jngleichen war der Coadiutor des Erzbischofs, Herzog Christoph von Mecklenburg dem Unterwerfungshandel entgegen, obgleich der Koͤnig von Pohlen, sein naher Anverwandter, ihm zur Behauptung seiner Wuͤrde in voriger Zeit behuͤlflich gewesen war. Er begab sich am 18ten Julii auf die Reise an den kaiserlichen Hof, und walfartete bey schlech- ter Vertroͤstung uͤberal herum, bis er doch endlich den Pohlen nicht laͤnger ent- gehen konte Der Herzog Christoph von Mecklenburg hatte sein Bistum Ratzeburg stehen, und sich in Hofnung auf die erzbischoͤfliche Wuͤrde zu Riga zum Coadiutor waͤhlen lassen; konte aber nicht ein halb Jahr ruhig in Liefland zubringen. Seine Absich- ten erforderten, daß er sich um Liefland mehr Muͤhe gab, als der Kaiser und das Reich selbst. Nach vergeblich gesuchter Huͤlfe am kaiserlichen Hofe wandte er sich nach Schweden, und erlangte auf die vorgeschlagene Heirath mit des Koͤnigs Erich juͤngern Prinzeßin Schwester Elisabeth einige Huͤlfsvoͤlker, mit welchen er 1562 in Revel ankam, die Weihnachten daselbst feierte und nach Liefland gieng. Er fand den alten Erzbischof auf dem Sterbebette, huͤtete sich aber denselben zu besuchen. Nach seinem Tode wolte er sich der Guͤter des Erzstifts mit Gewalt bemaͤchtigen, erstach auch daruͤber einen pohlnischen Rittmeister Stanislaus Waskowitz uͤber Tische mit dem Dolche, er wurde aber durch den Herzog von Curland und den deutschen Kriegsobersten Ernst Weigern bey Dalen auf der Jagd weggeschnapt, oder wie Henning meldet, auf Dalen belagert, und gefangen nach Pohlen geschickt. Jn den Briefschaften des Koͤnigs Sigismund Augusts, wie solche der Herr Professor Mencke 1703 in Leipzig herausgegeben Diese Briefe verdienen ihres historischen Jnhalts wegen eine Bekantmachung. Der Koͤnig Si- gismund August bedienet sich in den Lateinischen folgender Titulaturen. An das Rigische Domcapitel: Venerabiles, deuoti nobis dilecti. An die Herren Stiftsraͤthe: Generosi, fideles dilecti. An die stiftische und herrmeisterliche Ritterschaft: Nobiles fideles dilecti. An den Rath zu Riga: Spectabiles et famati fideles dilecti. An den Magistrat andrer Staͤdte: Famati fideles dilecti. Doch die mehresten Umstaͤnde sind nachher zum Vergnuͤ- gen der Stadt, die oft in diesen Briefschaften mitgenommen worden, abgethan. Beilaͤufig mer- ken wir an, daß die Pohlen die lateinischen Titulaturen der Lieflaͤnder gleichsam abgezirkelt, worin Stephanus fast was aberglaͤubiges an sich gehabt. , stehet wenigstens an 4 Orten, daß der Herzog Christoph capituliret habe. Jn Dalen solte Christoph 100000 Thaler schwe- . Y y y Die werden, als habe er gegen den Eid gehandelt, und derselbige waͤre in Harrien, Wir- land und Jerwen ein besitzlicher oder unbesitzlicher Edelman, der schildbar ist; so wird der Verklagte nicht mit Gefaͤngnis beschweret, sondern gerichtlich citiret; erschei- net er nicht, so wird ihm nachgestellet, und er in ein ritterlich Handgeluͤbde und in adliche Bestrickung gebracht, bis zur Eroͤterung der Sache. Jst er der That uͤberwiesen; so wird ein solcher durch den koͤniglichen Stathalter mit Huͤlfe, Rath und Beistand der gemeinen Ritterschaft und gemeiner Lande ohne alle Gnade gestraft. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1561 Die Unterwerfung unter Pohlen war also die Frucht aller Gesandschaften, mit welchen die Lieflaͤnder einige Jahr her alle Reichstage und Landesversamlun- gen zu Cracau, Peterkau, Warschau, Parschoff, Lublin, Vilna und Grodno beschicket hatten. Sie war der ganze Trost, welchen der koͤnigli- che Gevolmaͤchtigte Nicolaus Radzivil in Begleitung etlicher 100 pohlni- scher Reuter nach Liefland uͤberbrachte. Dieser gar gnaͤdige, ansehnliche und beliebte Herr ruͤckte mit dem grosmuͤthigsten Anerbieten koͤniglicher Huld und Huͤl- fe vor Riga, schlug sein Hoflager auf Kellers Acker auf, und versicherte aufs edelmuͤthigste, der Stadt auf alle ihr Ansuchen die koͤnigliche Einwilligung zu schaffen, welchen Vorstellungen des Radzivils der Herr Meister durch sein An- sehen und sanftes Zureden noch mehrern Eingang verschafte. Auf solches gefaͤlli- ge Versprechen, erlaubte ihm der Rath die Stadt durchzureiten und alles in Au- genschein zu nehmen. Die Armenier, Tuͤrken, Tatern, Ukrainer, Rus- sen, Wallachen, Deutschen, Pohlen und Litthauer, und wer weis was sonst noch fuͤr Fremde Nationen, die unter diesem Gefolge waren, machten bey ihrem Einzuge mit Gewehr, Kleidung, Musik und Waffen ein so ungewohn- tes Aufsehen, daß sich der gemeine Man darin vergafte, die Buͤrger aber nicht ohne nasse Augen diesen ihrer Freiheit drohenden Aufzug mit ansahen. Radzi- vil bezog hierauf sein Hoflager wieder, und begab sich zum Koͤnige, nachdem er der Stadt unterm 8ten September die so genante erste radzivilische Caution ausgestellet, und ihr die Freiheit von der roͤmischen Reichsacht, die Beibehal- tung der evangelischen Religion und die Bestaͤtigung ihrer Privilegien bis zur weitern Erlaͤuterung des Koͤnigs versiegelt hatte Cautio Radziviliana Prima. N icolavs radzivil , Dei gratia in Olika et Nieszwictz Dux, Dominus in Kleczko et Grodek , Palatinus Vilnensis , Magni Ducatus, Lithuaniae supremus Marschalcus et Archicancellarius, Brzestensis, Kawnensis, Boriszoviensis et in magna Schawle Capitaneus Generalis etc. Notum testatumque facimus per praesentes litte- ras nostras, vniuersis et singulis, quorum interest, quod cum a Sacra et Serenissi- ma Regia Maiestate Poloniae , Magnoque Duce Litthuaniae, Russiae , terrarum Prussiae, Samogitiae Masoviaeque Domino et Haerede etc. Domino nostri cle- mentissimo, legatione apud Reuerendissimos et Illustrissimos Principes, Do- minum Guilhelmum Dei gratia Archiepiscopum Rigensem , Marchionem Branden- burgensem etc. et Dominum Gothardum Kethlerum , Equestris Ordinis Teutonici in Liuo- . Vilna schwedischer Gelder niedergeleget haben. Weijer bat sich den vierten Theil aus, wenn er Dalen einbekaͤme. Der Koͤnig gestand es zu. Hernach bekamen beide nichts, weil nichts da war. Er sas beinahe 6 Jahr zu Rava gefangen, wobey ihm nur 7 Bedienten gelassen wurden, unter welcher Zeit seine Schwester Anna an den Her- zog von Curland war verheirathet worden. Als Christoph 1569 auf freien Fus kam, genos er die Einkuͤnfte von Ratzeburg, denen sein Bruder noch etliche Aem- ter beifuͤgte, und zog eine Pension von etliche 1000 Ducaten, die ihm der R. K. Maximilian der II te und dessen Thronfolger Rudolph auszahleten. Er vermaͤhlte sich mit Friedrichs des I sten Koͤnigs in Daͤnnemark Prinzeßin Dorothea, die aber nach 2 Jahren starb. Sein zweites Beilager hielt er 1581 in Stockholm mit hoch- erwehnter Prinzeßin Elisabeth, mit der er eine Prinzeßin gleiches Namens zeugte. Er fuhr mit seiner Gemahlin in Begleitung von 15 Kriegesschiffen nach Wismar, gieng von da nach Gadebusch, und starb endlich im 56 Jahr seines Alters am 4ten Merz 1592 zu Schwerin, alwo ihm Chytraͤus die Leichenpredigt gehalten. Seine ruͤhmlichen Personalien erzehlt Chytraͤus S. 839, seine Schicksale in Liefland aber Sturcius in der 2ten und 3ten Oration. Der Herzog Johan Albert von Meck- lenburg schlug gegen den Koͤnig Sigismund August seinen jungen Prinz an seines Bruders Christophs Stelle zum Coadiutor zu Riga vor, und versprach dem Koͤnig alle Jahr 4 Monat lang 200 Reuter auf eigne Kosten in Liefland zu halten. Der Koͤnig aber antwortete ihm aus Petrikow vom 15ten May 1563, daß so wenige Man- schaft zum Schutz des Stifts nichts vorstelle. Der Handel waͤre richtig geworden, wenn der Herzog Albert nach den koͤniglichen Anmuthungen nur mit mehrerm Volk heraus geruͤcket waͤre. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Vilna war der Ort, wo man die Freiheit der Ordens zu Grabe trug, und 1561 wo der Unterwerfungshandel zu Stande kam. Sigismund August begab sich mit den litthauischen Magnaten gleich im Anfang des Octobers dahin, und machte dazu die erforderlichen Zuruͤstungen. Nicht lange hernach fand sich der Erzbischof zu Riga, Marggraf Wilhelm Der Erzbischof und Marggraf Wilhelm nahm am 4ten Febr. 1563 Abends um 5 Uhr auf dem Stiftshofe zu Riga ein erbauliches Ende, und ward am 25sten August in ei- nem von der Erde auf gemauerten Begraͤbnis auf der Seite des Altars in Dom im Beiseyn der pohlnischen Gesandten begraben. Er hatte als wirklicher Coadiutor 9 Jahr weniger 8 Tage und als Erzbischof allein 23 Jahr 25 Wochen und 2 Tage das geistliche Regiment gefuͤhret. Der Herzog von Curland nahm laut koͤniglicher Volmacht so gleich von den Stiftsguͤtern bis zu anderweitiger Wahl des Erzbischofs Besitz, und uͤbertrug auf Befehl des Koͤnigs dem bisherigen erzstiftischen Rath, Heinrich von Tiesenhausen, Herrn zu Berson und Kalzenau, alle Aemter und Schloͤsser auf der koken- und der Ordensmeister Kettler Y y y 2 zu Liuonia Magistrum, reliquosque status ac ordines nempe Ecclesiastici, secularis, equestris et ciuilis fungeremur, mediantibus sufficientibus mandatis et sufficienti ple- nipotentia in personam nostram patenti diplomate, manu Sacrae et Serenissimae Regiae Maiestatis subscripto factam, in qua hoc expresse habetur, quod Sacra et Se- renissima eius Regia Maiestas promittat verbo suo regio omnia rata et grata habere, firmiterque et solide obseruare, quaecunque per nos Nicolaum Radzivillum , Palati- num Vilnensem etc. cum ordinibus huius prouinciae acta, gesta, constituta et litte- ris mandata fuerint, post explicationem mandatorum nostrorum, et in progressu ne- gotiorum, a nobis hic in Liuonia nomine Sacrae et Serenissimae Regiae Maiestatis eius gestorum, Spectabilis Senatus suo totiusque populi ciuitatis Rigensis nomine no- bis specialiter proposuisset, si apud sacrum Romanum Imperium consensus subiectio- nis fraudi Rigensibus non sit futurus: Si deinde salua Religio secundum Augusta- nam Confessionem illis permanere; postremo iura, libertates, immunitates, con- suetudines, transactiones hinc inde factae, tum Priuilegia sarta tecta habere possint, eorumque ampliationem auctionemque Sacra Regia Maiestas eis promittere ac de iis Nos cauere ciuitati, fidemque nostram ea in parte interponere vellemus, tum ipsum Senatum Populumque ac totam communitatem praefatae Ciuitatis Rigensis velle sacrae et Serenissimae Maiestatis Regiae fidem sequi et debitam subiectionem exemplo principum suorum prositeri. Proinde Nos cupientes ex dignitate Secrae Regiae Maiestatis negotio nobis commissa et ex salute hujus prouinciae et vrbis pro fidei et mandatorum nostrorum debito constituere, scrupulumque Senatui Populoque Ciuitatis Rigensis , qui eos vnice angebat, eximere, publice et per expressum his litteris no- stris attestamur, cauisse nos et fidem nostram Viri Principis interposuisse, prout praesentibus cauemus, et interponimus, quod Sacra Regia Maiestas curatura est, ne quidquam honori, dignitati, existimationi samaeque Rigensium decedat, nullique banno aut proscriptioni a Sacro Romano Imperio profectae expositi nec poenam in- cursuri sint. Deinde quod Sacra Regia Maiestas Senatum Populumque ac adeo to- tam ciuitatem, territoriumque Rigense circa illorum Religionem Euangelicam con- fessionis Augustanae conseruabit ritus Ecclesiasticos hactenus introductos et seruatos non mutabit, nec mutari patietur, sed potius manu tenebit. Iura, Priuilegia, li- bertates et immunitates; consuetudines, transactionesque omnium generum Iurium, tum ipsius Senatus, quam Collegiorum aliarumque publicarum et priuatarum perso- narum iureiurando et verbo suo Regio, tum et sufficientibus diplomatibus confir- mabit et ratificabit, confirmareque ratificare et de conseruanda religione illis recipe- re tenebitur, antequam Senatus Populusque ac tota Communitas praefatae ciuitatis Rigensis fidem, subiectionem et obedientiam Sacrae Regiae Maiestati medio corpo- rali iuramento professa fuerit, saluo tamen super iis omnibus Sacrae Regiae Maie- statis et Amplissimi Senatus sui circa harum rerum couclusionem exactiori sapientio- rique iudicio. Harum testimonio litterarum, quibus in fidem praemissorum sigil- lum nostrum est subappensum. Datum in Ciuitate Rigensi , Octaua Mensis Septem- hris Anno Domini Millesimo Quingentesimo Sexgaesimo Primo. ( Sigillum Ducatus. ) Nicolaus Radzywil , manu propria. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1561 zu benanten Vilna ein. Jm Namen der Ritter- und Landschaft hatten Philip von Oldenbockum, turischer Manrichter, Johan Wrangel von Wai- demar, Otto Grothaus, Valentin Hane, Johan Treiden, Johan Plettenberg, Sander Nettelhorst, Claus Wahl, Johan Smoͤ- ling, Johan Anrep, Christoph von der Rope, Dionysius von Oelsen mit Genehmhaltung des Herrn Thies von der Recke und anderer Or- densverwandten desselben schon am 12ten September ihren Gevolmaͤchtigten die noͤ- thigen Verhaltungsbefehle mit dem Koͤnig zu handeln ertheilet. Weil sie vom roͤmischen Reiche ohne Trost geblieben und klaͤglich und erbaͤrmlich verlassen, auch von denen, die sie retten solten, feindlich angegriffen waͤren, so bitten sie, daß sie nach ihrer Unterwerfung unter Pohlen bey der Religion, Kirchenordnung und Kirchenguͤtern, alten Freiheit, deutschen Obrigkeit und altem Erbrechte bleiben moͤgen. Die Gevolmaͤchtigten, nehmlich der Doctor der Rechte Rem- bert Gildesheim, Georg Francke, Heinrich Plater, Johan Meden, und Fabian von der Borg ersuchen alsdenn, was Radzivil versprochen, zu bestaͤtigen, als: daß die Kirchenordnung unveraͤndert bleibe, die untergeschlage- nen Kirchenguͤter wieder herbey geschaffet, alle Rechte und Gewohnheiten bestaͤti- get, und das Erbschaftsrecht auf das maͤnliche und weibliche Geschlecht beibehal- ten werde, wogegen sie den Eid der Treue angeloben lassen. Des kranken Platers Stelle muste nachgehends Heinrich von Meden vertreten Diese Volmacht der lieflaͤndischen Gesandten ist zwar in den Collectaneis Liuonicis abgedruckt, weil aber die Collectanea in Liefland selbst sehr selten und in wenig Hoͤn- den sind; so theilen wir solche hier volstaͤndig mit. Volmacht der Ritter und Landschaft fuͤr ihre Abgesandten an die koͤ- nigliche Majestaͤt in Pohlen, Herrn Sigismundum Augustum, da das ganze Land vom roͤmischen Reiche huͤlflos verlassen, den Russen zum Raub uͤbergeben, aus unvermeidlichen nothdrengenden Ursachen nach Veraͤnderung des Or- dens der Crone Pohlen sich hat uͤbergeben muͤssen. Jm Jahr 1561. W ir Philippus von alten Bockum, Curischer Manrichter, Johan Wrangel von Waidemar, Otto Grotthaus, Valentin Hane, Johan Treyden, Johan Plettenberg, Sander Nettelhorscht, Clawes Wahl, Johan Schmoͤ- ling, Johan Anrep, Christopher von der Rope, Dionisius von Guͤlsen we- gen des gemeinen Adels, und der von der Ritterschaft, so anhero, und auch noch un- ter dem hochwuͤrdigen, grosmaͤchtigen Fuͤrsten und Herrn, Herrn Godarten, Mei- stern des ritterlichen deutschen Ordens in Liefland und desselben Orden besessen, thun kund und bekennen hiermit oͤffentlichen fuͤr allermaͤnniglichen, daß nachdem hochgedach- ter unser gnaͤdiger Landes-Fuͤrst und Herr, auch wir armen von Adel samt allen andern Jnwohnern dieses Landes von der roͤmischen kayserl. Majestaͤt und allen Chur- fuͤrsten, Fuͤrsten und Staͤnden des heiligen Roͤmischen Reichs, Teutscher Nation, wieder den Russen, in ungehoͤrten Mord, Brand, Raub, Naͤhm, ver- hergen, verderben, und verwuͤsten, ungeacht alles Klagens, Vermahnens, Flehens und Bittens, so dahero unaufhoͤrlichen beschehen, nun in das vierdte Jahr huͤlf- und trostlos klaͤglichen und erbaͤrmlichen nicht allein verlassen, dann auch von andern, die uns billig mitleiderlich erretten helfen solten, unverschuldt wieder GOtt und alle Billig- keit feindlich angegriffen, dergestalt, daß hochgemeldten unsern Landes-Fuͤrsten, auch uns . Am kokenhausischen so wol als treidenschen Seite, die nicht mit koͤniglichen Besatzungs- voͤlkern versehen waren, zur Administration auf. Ueber die Schloͤsser des gewesenen Coadiutors, nemlich Treiden, Wainsel, Lemsel und Salis bekam der gewesene Ordensherr Caspar von Oldenbockum die Aufsicht und Verwaltung. Die Dom- herren vergassen mit der Zeit die Wahl, nahmen den weltlichen Stand an, liessen sich die geistlichen Guͤter erblich geben, und bahnten dadurch den Weg zu der bald darauf erfolgten Secularisirung. Dafuͤr legte der Koͤnig Stephanus 1583 ein neues Bistum zu Wenden an. Leutingers Bericht ist also falsch, daß der Erzbischof Wilhelm sein Stift aufgegeben, zu seinem Bruder Herzog Albrecht nach Koͤnigsberg gezogen, daselbst gestorben und auf dem Kneiphof begraben liege. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Am 19ten October, welches der fuͤnfte Tag nach ihrer Ankunft war, hatten 1561 sie saͤmtlich das erste Gehoͤr beim Koͤnig. Nach vielen Unterredungen kam endlich dieses wichtige Werk zu seiner Reiffe, und Sigism. August unterzeichnete am 28. Nov. das recht herrliche und Liefland so heilsame Privilegium, dessen Fruͤchte die Lieflaͤn- uns ganz unmuͤglichen, uns derogestalt laͤnger uffzuhalten, und haͤtten wir, wenn uns GOtt wunderparlich nicht erhalten, laͤngst in solchem Creutz verliegen muͤssen, und wie- wohl die koͤnigliche Majestaͤt zu Pohlen sich unser in diesem unserm merklichen Oblie- gen Christlichen und Koͤniglichen angenommen, so hatten sie sich doch nicht ferner, denn allein wieder den Russen eingelassen, da dagegen Jhrer Majestaͤt durch obgenandter anderer Leute Zunoͤthigen nicht allein ihr Vorhaben verhindert, denn wir seynd auch so viel aͤrmer und unvermuͤgener geworden; daß wir dennoch uff jetzo beschehene koͤnigliche Beschickung und Unterhandlung des durchleuchtigen, großmaͤchtigen Fuͤrsten und Herrn, Herrn Nicoli Radziwilln, Hertzogen in Olyka und Nieschwitz, des Groß-Fuͤr- stenthums Littawen Ertz-Marschalch und Cantzler ꝛc. ꝛc. samt unsern gnaͤdigen Landes- Fuͤrsten und Herrn, und allen desselben Staͤdten und Staͤndten aus unvorbeygaͤngli- cher Noth gedrungen und verursachet, wo wir nicht gar aus seyn und das Land verlas- sen wollen, damit Jhre koͤnigliche Majestaͤt sich nicht unser als Fremdlinge, dan gleichst ihren eigenen Untersassen dester ehe und ernstlicher anzumassen, und wieder alles wem Hand zu haben, daß wir wohlbedaͤchtichen, einhelliglichen und unvorscheidentlichen be- williget und eingegangen der koͤniglichen Majestaͤt zu Pohln uns underwuͤrffig zu machen. Und nachdem dagegen von wegen Jhrer koͤniglichen Majestaͤt uns Schutz und Beschir- mung wieder maͤnniglichen, auch Gericht und Gerechtigkeit zugesagt, und daß wir bey der reinen Evangelischen Lehre der Augspurgischen Confeßion, auch allen unsern Eh- ren, Wuͤrden, Herlichkeiten, Freyheiten, Privilegien, Siegeln und Brieffen, Ge- richt und Gerechtigkeiten, landlaͤuffigen Gebraͤuchen und Gewonheiten, unter einer deutschen Herrschafft gelassen, und unter fremde Gezwenge nicht ge- zogen werden solten. Welches hoͤchstgedachte koͤnigliche Majestaͤt in persoͤnlicher Verhandlung zum theil Anfangs schweren, nnd insonder Diplomaten sich verschreiben und versiegeln solten; worauff wir allerseits nebenst andern Staͤnden, auch unsern vollmaͤchtigen Botschafften an hoͤchstgemeldte koͤnigliche Majestaͤt nebenst unserm gnaͤdi- gen Landes-Fuͤrsten abfertigen solten, die solcher Handlung abwarten, sich nebenst ih- rer fuͤrstlichen Gnaden ihrem koͤniglichem Eyd anhoͤren, und nebenst demselben die Be- staͤttigung, Vermehrung, und Verbesserung aller vorgemeldten Dingen zu bitten und auszubringen und alles zu thun und lassen Macht haͤtten, was die Nothdurfft daselbst erfuͤrdern und mitbringen muͤcht, als haben wir demnach vor uns, unsern Erben und Nachkommen und aller andern wegen volmaͤchtigen, die Ehrenvesten, Hochgelahrten und Achtpahrn, Herrn Reimperten Gyldesheim der Rechte Doctorn, Georgen Franken, Heinrich Plahtern, Johan Medem und Fabian von der Burgck zu solchem Handel verordnet und abgefertiget, ihnen in Krafft dieses offnen versiegelten Brieffs vollkommen Gewalt und Macht gebend nebenst unserm gnaͤdigen Fuͤrsten und Herrn, oder auch besonderlichen nach Rath ihrer Fuͤrstlichen Genaden und Gelegenheit der Sachen sich der Koͤniglichen Majestaͤt ihre Subjection in aller Unterthaͤnigkeit zu praͤsentiren, nach gnaͤdigster Anneh- mung derselbigen Jhrer koͤniglichen Majestaͤt unterthaͤnigste Dancksagung zu thun, den Koͤniglichen Eyd mit anzuhoͤren, mit Fleiß zu verzeichnen, auch nach Rath unsers gnaͤdigen Landes-Fuͤrsten und Herrn, in unser aller Nahmen und eines je- den besondere Seelen einen leiblichen Eyd zu schweren, und darauff umb Be- staͤttigung desjenigen zu bitten, was der Durchleuchtigster und Großmaͤchtiger Fuͤrst und Herr Herr Nicolaus Radziwill, Herzog in Olyka und Nieschwitz, Woy- wod zur Wilda ꝛc. Sich ihrer Koͤniglichen Majestaͤt wegen versprochen. Nehmbli- chen, daß wir bey Gottseeliger Christlicher Lehre der Augspurgischen Confeßion und allen Christlichen Ceremonien, Sacramenten und Kirchen-Regimenten unvorirret und unvorhindert gelassen und duͤrfften zu ewigen Zeiten nicht gedrungen, denn vielmehr ver- sehen werden muchte, wo die Kirche etwa mit nothduͤrfftiger Unterhaltung nicht versor- get, daß dieselbe von Jhrer Koͤniglichen Majestaͤt zu Derselben ewigen Koͤniglichen Ruhm miltiglichen versorget und versehen, und was von Kirchen-Guͤtern etwan unter- schlagen, daß dieselben wiedrum dazu gebracht werden mochten, vor das erste. Zum andern, daß wir allesambt und sonderlichen bey Ehren, Wuͤrden, Herrligkeiten, Freyheiten, Privilegien, Siegeln und Brieffen, deutschen rechten Gericht und Ge- Z z z rech- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1561 Lieflaͤnder in allen nachfolgenden Zeiten zu geniessen hoften. Der summarische Jnhalt desselben betrift sonderlich nachfolgende Stuͤcke. Der Koͤnig sorget, daß die Unterwerfung Lieflands demselben vom roͤmischen Reiche keine Verdries- lichkeiten zuziehe. Die evangelische Religion nach Masgebung der augspurgi- schen Confeßion bleibt ungekraͤnket. Alle Gerechtigkeiten, Lehne, Privilegien, die Erbfolge maͤnlichen und weiblichen Geschlechts, alle Superioritaͤt, Vorzug, Wuͤrden, Besitz, Freiheit, Vertraͤge, Wilkuͤhr und Jmmunitaͤten, ja die gan- ze Jurisdiction nach den alten Gesetzen und Gewohnheiten werden bestaͤtiget. Die koͤniglichen Gerichte und Aemter werden nach dem Exempel des Herzogtums Preussen aus dem deutschen und lieflaͤndischen Adel, die Stadtgerichte aber aus den angesessenen von der Buͤrgerschaft besetzet. Der Herr Meister Gott- hard Kettler wird zum Herzog von Curland und Semgallen erklaͤret. Die Grenzen seines Landes werden so gezogen, daß alles, was disseits der Duͤne, zwischen Samogitien und Litthauen dem Orden gehoͤret, dem Herzog zufal- le, die Gegenden uͤber der Duͤne aber, und vornehmlich dei Stadt Riga der Kron Pohlen| zustaͤndig sey. Der Herzog wird zugleich Stathalter des Erzstifts Ri- ga. Der koͤnigliche Burggraf wird aus dem Stadtrath erwehlet, wie der zu Dan- zig vom Koͤnig bestaͤtiget, und schweret dem Koͤnig. Die bischoͤflichen Guͤter in Curland behaͤlt der neue Herzog, fuͤr welchen Abgang Herzog Magnus von Hollstein mit den Schloͤssern Sonneburg, Leal und Hapsal befriediget wird. Das Recht auf der Helfte der Duͤne zu fischen, behaͤlt der Herzog, wel- cher rechtigkeiten, Landlaͤuffigen Gebraͤuchen und Gewohnheiten bey teutscher Herrschafft und Verwaltung derselben gelassen, bestedigt und confirmirt werden mugen. Zum dritten, Nachdem wir sambt unserer Herrschaft der Koͤnigli- chen Majestaͤt zu derselben Koͤniglichen ewigen Ruhm und Besten, derselben Koͤnig- reich, Land und Leute zugetretten, daß wir uns auch alle unsere Nachkommen die Deutschen Jhrer Koͤniglichen Mildigkeit, und Begnadigung so viel mehr zu beruͤh- men und zu erfreuen haben muͤgen, Jhre Koͤnigliche Majestaͤt uffs unterthaͤnigste dis zu pitten, daß wir unser Weib und Kinder, beyde Maͤhn- und Weiblicher Geschlechte der Spill als die Schwerth-Seiten mit unsern inhabenden Landen und Lehnguͤtern von Jhrer Koͤniglichen Majestaͤt allergnaͤdigst versehen und begnadigt, und das einem jedweden Geschlechte frey seyn muge, nach desselben Gelegenheit mit andern Geschlecht in diese samende Handes Gerechtigkeit zu vereinigen, zu verbuͤnden, und daß solchs folgend von Jhrer Koͤniglichen Majestaͤt zu ewigen Zeiten bestaͤtigt und confirmirt werden muͤge, und was in solchen und andern obgedachte unsere vollmaͤchti- ge Gesandten in unserm Nahmen und zu unserm Pesten bedenken, handeln und las- sen werden, dasselbig wollen wir vor uns, unsere Erben und Nachkommen fest halten und dem mit hohem starckem Fleiß und Ernst nachsetzen, was in unser Seelen ver- sprochen, gelobt und geschwohren, wie wir uns hiemit Krafft unser Vollmacht ver- pflichten, und ob hieruͤber und sonsten in allen vorfallenden Haͤndeln und Sachen ob- gemeldete unser verordneten mehrer Gewalts beduͤrffen, wollen wir Jhnen dieselbige auch hiemit zugestalt haben, als wenn selbige von Worten zu Worten hiezu verleibet und begriffen, und was also von unsern obgesatzten Gesandten gehandelt, gethan und ge- lassen, dasselbige alles ist und heist unser samt und sonderlicher Will und bestaͤndige Meinung, darob wir auch stetlichen und fest halten wollen, bey Christlichen Adelichen Glauben recht waren treuen, wie wir uns des hiemit vor uns, unser Erben und Nach- kommen und aller der von Adel wegen bestaͤndigst vorsprechen, Sie auch allenthalben dieser Abfertigung wegen schadloß zu halten, an Eydes statt gantz getreulich und ohn alle Gefehrde und Argelist: Zu Urkund mehrer Versicherung haben wir obgemeldte Philips von alten Bockum Mannrichter in Churlandt, Johann Wrangel von Waydemar, Otto Grotthaus, Valentin Hane, Johann Treyden, Johann Plettenberg, Sander Nettelhorst, Clawes Wahl, Johann Schmullingck, Johann Anrep, Christoph von der Rope, Dionisius von Guͤlsen unser ange- porn Pitzschafft an diesen Brieff wissentlich hangen lassen, der gegeben und geschrieben zu Riga den zwoͤlfften Septembris Anno nach Christi unsers lieben Herrn und Hey- landes Geburth, tausend, fuͤnfhundert und darnach im ein und sechzigsten. Und ich Herr Thies von der Recke neben andern meines Ordens verwandten Persohnen ha- ben bestaͤndigst diese des gemeinen Adels Vollmacht mit approbiret. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. cher mit seiner Ritterschaft, so wie Liefland, von der gegenwaͤrtigen Kriegeslast 1561 frey bleibet. Zum Abtrag seiner in-und auslaͤndischen gemachten Schul- den versichert der Koͤnig alle Beihuͤlfe. Der Herzog praͤget auf seine Muͤnzen das Bild des Koͤnigs, oder das Reichswapen, auf der andern Seite sein eigen Bildnis oder das kettlersche Wapen. Der Herzog kan Aemter verkaufen oder verpfaͤnden, doch behaͤlt sich der Koͤnig in solchem Fal das Naͤherrecht. Wenn der Koͤnig Estland einbekomt, so empfaͤngt der Herzog nach Abzug der Krieges- kosten die Helfte davon. Der Koͤnig schaft nach geendigtem Kriege bey Raͤumung der Staͤdte und Schloͤsser, das vorhandene Geschuͤtz wieder von gleicher Groͤsse und Guͤte. Die Juden sollen in Liefland nicht handeln, noch Zoͤlle pachten. Diese Stuͤcke beschwor der Koͤnig, dagegen ihm seine neue Provinz Liefland den Huldigungseid ablegte. Am 3ten Tage nachher, ward der Koͤnig mit dem, was er mit dem Erzbi- schof, dem Meister, und Staͤnden des Landes insonderheit in Richtigkeit zu brin- gen hatte, fertig. Viele Punkte des vorigen wichtigen Privilegii wurden in ein mehreres Licht gesetzet, uud die Materien von Versorgung der Waisen, von den Jungfernkloͤstern, dem algemeinen Land-und Lehnrechte, den verlohrnen Privi- legien, der Soldatenloͤhnung, den Ackergrenzen nach der Hakenzahl, den Roß- dienstsgeldern, den Policey-und Handelssachen, dem Landwesen und Bauren, der Muͤnze, der Domaine und mehrere Stuͤcke in 26 Artikeln genauer erlaͤutert und vom Koͤnig bekraͤftiget Diese 2 wichtigen Privilegien von 28sten November und 6 Tage nach Catharinen findet man lateinisch gedruckt beim Chytraͤus, Boecler und andern; mit beigefuͤg- ter deutschen Uebersetzung aber bey Ceumern Casparis von Ceumern, Salcensis Sorabi , (aus Salze im Magdeburgischen, ) Theatridium Liuonicum oder kleine lieflaͤndische Schaubuͤhne, ist bey Nollern zu Riga 1690 in 4 in Druck gekommen. Er hat erstlich als Advokat, darnach als Secretair, ferner als Assessor und Vice- praͤsident des doͤrptischen Hofgerichts und endlich als Landrath in Liefland bey einer 40 jaͤhrigen Uebung eine feine Kentnis des Landes erlanget. Sein Verzeichnis des lieflaͤndischen ausgestor- benen und noch lebenden Adels ist auf dem Landtage zu Wenden 1692 aus dem Grunde bestrit- ten worden, weil er einige aͤchte Familien ausgelassen, und einige ohne satsame Ursache unter den lieflaͤndischen Adel gezehlet haben sol. Daß nach seiner Zeit manche Familien aus Curland und andern Orten sich wieder in Liefland niedergelassen, die hier unter die ausgegangenen gerech- net worden, benimt dem Werthe seiner Arbeit nichts. Die Koͤnigin Christina verliehe ihm am 27sten November 1651 von Stockholm aus die Volmacht, alle lieflaͤndische Privilegien, Ver- ordnungen und Statuten zusammen zu tragen, wobey er grossen Fleis bewiesen, und sich dadurch eine Erfahrung zu wege gebracht. Jn der Vorrede urtheilet Ceumern von dem alten Russov, daß man ihn ohne den Lieflaͤndern zu viel zu thun nicht ganz durchlesen koͤnne. Er meldet auch von D. Laur. Moͤllers Historien, die Liefland angehen, daß selbige zu des Au- ctoris Zeiten in Rostock ihrer Unrichtigkeiten halber unterdruͤckt worden. Es starb dieser geschick- te Man im 80sten Jahr seines Alters am 22sten November 1692 und liegt im Dom zu Riga begraben. Sein Wapen ist uͤber der Treppe nach dem Studentenchor oben aufgehangen. S. 30 und 62. Weil das letztere den deutlichen Jnhalt §. 10 hat, daß die auf beiden Seiten der Duͤne wohnende Ritter- schaft mit Anverwandten so wol als Fremden die gesamte Hand eingehen, ihre Guͤter verschenken, vergeben, verkaufen, veraͤussern und nach eignem Gefallen anwenden kan, ohne erforderte Bewilligung der Obrigkeit, und in Erbschaften dem harrischen und wirlaͤndischen so wol, als dem neuen Manlehnsrechte gefolget werden sol: so ist bald die Zeit nachzurechnen, wenn man die Wirklichkeit und das Daseyn besagten Pri- vilegii unterm 6 Tage nach Catharine zu bestreiten angefangen; zumal da das Origi- nal aus der lieflaͤndischen Canzley sich unsichtbar gemacht, oder auch in unrechte Haͤnde gerathen seyn sol. . Ob es gleich der Koͤnig 3 Tage nach dem vorigen versiegelt, so wird doch das Datum nicht der 30ste November, sondern der 6te Tag nach Catharinen genant, und dieser Unterschrift wegen heissen es die Lieflaͤnder Priuilegium Sigism. Augusti feria sexta post festum S. Catharinae Der Verfasser der kurzen Nachricht von der wahren Beschaffenheit der Landguͤter in Est-Liefland und auf Oesel, so 1720 gedruckt worden, hat die Wirklichkeit dieses letztern Privilegii, denn vom ersten ist die Frage nicht, deutlich erwiesen 1) aus den Verhaltungsbefelen der nach Wilna geschickten Abgeordneten, welche die Verbesse- rung . Z z z 2 Das Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1561 Das darin bestaͤtigte Erbrecht auf alle Lehnguͤter ist der unschaͤtzbare Preis fuͤr ih- re gutwillige Unterwerfung gewesen. Als die Republik und folgende Koͤnige in so kostbaren Kriegen mit den Russen Liefland gleichsam von neuen kaufen mu- sten; so schienen die Pohlen mit diesem von Sigismund versiegelten Diplo- ma nicht gaͤnzlich zu frieden zu seyn. Mit rung der Privilegien zu suchen hatten, und solche auch in Betrachtung so vieler Mitwerber um Liefland von dem bedaͤchtigen Koͤnige Sigismund August bei- huͤlflich erhalten konten; 2) aus dem Zeugnis zweier alten Chronikenschreiber, des Chytraͤus, welchen von dem pohlnischen Secretair David Hilken eine Abschrift davon erhalten, und Hennings, welcher als herrmeisterlicher Secretair den Handel selbst entwerfen helfen. So viel ist unstreitig, daß der Koͤnig Stephanus die Be- staͤtigung dieses Privilegii zu ertheilen sich weigert, welches auch Menius in Prodr. S. 33 bezeuget, folglich das Privilegium selbst da gewesen seyn mus; 3) aus der pohlnischen Generalrevision von 1599, worin es als ein urkundliches Document er- kant worden, welches der damalige Landmarschal Johan von Tiesenhausen in der Urschrift aufzuweisen gehabt; 4) aus der urkundlichen Genehmhaltung der litthaui- schen Staͤnde vom Jahr 1572. 5) aus 2 beglaubten Abschriften desselben, worunter die eine von dem Grafen Jacob de la Gardie, als Praͤses der 1627 gehaltenen Gene- ralrevision, die andere aber von dem Feldherrn Gustav Horn und dem Gouverneur Andreas Erichson 1629 beglaubiget worden, aus welchen Urschriften man dieselbe 1670 in das Corpus Priuilegiorum uͤbertragen: Doch beide Abschriften waren so wol als ihr Original verloren gegangen, bis endlich der Herr Cammerjunker Clodt von Juͤr- gensburg das Vidimatum principale von 1627 in ganz gutem Stande auf dem Landtage 1730 wieder eingeliefert; 6) aus seiner Guͤltigkeit, die es 130 Jahr hindurch gehabt, ehe man dasselbe angefochten, und aus dem noch fortdaurenden Gebrauch desselben in Cur- land Ein gar wichtiger Beweis fuͤr die koͤnigliche Unterzeichnung des Privilegii liegt in David Hil- chens Aufsatz eines Landrechts, welcher das vornehmste Stuͤck des Privilegii, nemlich das gleich- foͤrmige Erbrecht des ganzen lieflaͤndischen Adels als bestaͤtiget zum Grunde leget. Da dieses Werk durch die Censur der Deputirten aus 3 Kreisen gegangen, die es genehmiget und unter- schrieben, auch dem Koͤnige mit aller Zuversicht vorgeleget haben, und niemand dawieder einen Zweifel eingewandt; so laͤst sich daraus freilich auf dessen wirkliches Daseyn schliessen. Gleich- wol blieb die Bestaͤtigung aus, wie leicht zu erachten, aus dem vorgefasten Entschlus, die Lief- laͤnder einzuschraͤnken, womit die Pohlen doch nicht zu rechte kamen. Mehrere Gruͤnde fuͤr dieses Privilegium giebt uns das Memorial der lieflaͤndischen Deputirten in den Collectaneis Liuonicis S. 75 und S. 130 an die Hand. Die Koͤnige von Pohlen bestaͤtigten nicht nur alle Erbrechte, sondern liessen die Lieflaͤnder auch im Gebrauch ihres alten deutschen und eignen Rechts. Zwar sind des Koͤnigs Stephani Constitutiones Liuonicae zu Cracau 1583 bey Ni- colaus Scharffenberg gedruckt, aus welcher Schrift sie Gvagnini genommen. Doch sind sie mehr pro forma iudiciorum als fuͤr ein certum ius anzusehen. Manchmal verwiesen die Pohlen auch Processe an das Jus Magdeburgense, worunter sie aber das lieflaͤndische Landuͤbli- che Recht verstanden, weil es mit dem Sachsenspiegel uͤberein kam, dessen Geburtsstadt Magde- burg gewesen. . Eine zum Zweifeln sehr aufgelegte Feder hat wider diese Beweistuͤmer eins und das andere erinnern wollen: es haben aber geschickte Maͤnner schon seit dem Jahr 1690 das Daseyn dieses Privilegii von dem 6ten Tage nach Catharinen mit den buͤn- digsten Gruͤnde erhaͤrtet; wie denn nicht nur Peter der Grosse solches seiner Bestaͤti- gung wuͤrdig geachtet, sondern dasselbe auch von allen Nachfolgern seines Reichs fuͤr guͤltig erkant, von der Kaiserin Anna aber und unsrer allergnaͤdigsten Kaiserin Eli- sabeth so gar mit ausdruͤcklicher Benennung des Datums aufs allerfeierlichste bestaͤ- tiget worden. Man trift dasselbige auch mit dem beruͤhmten Diplomate Radziviliano vom 1sten Merz 1562 in den Collectaneis Liuonicis an. Doch da forschbegierige Liebhaber dergleichen selten gewordene Buͤcher auch um doppelt Geld nicht mehr habhaftig wer- den koͤnnen, so hoffen wir ihnen einen Gefallen zu thun, wenn wir ihnen das ganze merkwuͤrdige Privilegium hier zu lesen geben. Es ist mit allen Auctoribus genau ver- glichen, die vielen Druckfehler in selbigen gehoben, und die Uebersetzung von einem hier studirenden jungen Herrn von Adel verfertiget, die wir mit Fleis selbst nachgesehen, und daher fuͤr ihre Richtigkeit stehen koͤnnen. Priui- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Priuilegium de feria sexta post Catharinae; Nobi- litati Liuonicae concessum, varia variorum epicrisi olim attentatum, per Summos vero Russiarum Imperantes perpetua auctoritate stabilitum denuo atque clementissime confirmatum. S igismvndvs avgvstvs , Dei gratia, Rex Poloniae , Magnus Dux Lithua- niae; Russiae, Prussiae, Masouiae, Samo- gitiae, Liuoniaeque etc. Dominus, et hae- res, Notum facimus per praesentes litteras, quorum interest, aut in posterum quoquo modo intererit, Vniuersis. Cum Liuonia prouincia graui ac diuturno Moschico bello, multisque cladibus afflicta, vastata atque magna ex parte in potestatem hostium re- dacta esset; cumque et propter multarum ciuitatum arciumque et propugnaculorum amissionem, et ob maximam in omnes partes depopulationem vastitatemque ferro atque igni in eo allatam, et propter quo- tidianas incursiones, magnumque hostis ad eius reliquias occupandas apparatum, ad eam angustiam ac difficultatem ordines il- lius redacti essent, vt nequaquam opibus viribusque propriis statum suum defende- re, atque se a seruitute crudelitateque ho- stili tueri ac vindicare possent; Illustrissimus ac Reuerendissimus Domi- nus Guilhelmus , Archiepiscopus Rigensis , Marchio Brandenburgensis, Stettini, Po- meraniae, Cassubiorum et Vandalorum Dux, Rugiae Princeps, Burggrauius Norimber- gensis , ac Illustrissimus Dominus Gothardus Ketlerus , equestris ordinis Teutonici in Liuonia Magister, statusque et ordinis Li- uoniarum vniuersi, et Ciuitatum nnncii, dum et omnia domestica praesidia sua con- uulsa, et se ab aliorum praesidiis destitutos animaduerterent, magnam autem spem in nostro et ditionum nostrarum auxilio depo- nerent: matura deliberatione habita, publi- coque et concordi omnium consensu, se prouinciamque suam in fidem et potestatem nostram tradiderunt, ac in perpetuum di- tionibus dominiisque nostris, ad instar ter- rarum Prussiae , adiunxerunt et incorpora- runt. Itaque nos et foederibus et vicinitate con- iunctae nobis prouinciae periculo, clade, vastitate et seruitute permoti, et pro Chri- stiani principis officio pertinere ad fidem nostram intelligentes, vt homines prouin- ciamque Christiani nominis a caede, popu- latione, seruitute barbari ac crudelis hostis prohibeamus, eosdem in fidem et ditio- nem nostram accepimus. Qua quidem fi- de ac necessitate, in iure, libertate, fortu- nis, omnibusque commodis caeterorum subditorum ac dominiorum nostrorum con- ser- Verdeutschtes Privilegium des Koͤnigs Sigismundi Augusti, an die Staͤnde und Staͤdte von Liefland, ertheilet den Tag nach Cathari- nen 1561. S igismund August, von GOttes Gna- den, Koͤnig in Pohlen, Groß-Her- zog in Litthauen, von Reussen, Preussen, Masovien, Samogitien und Liefland ꝛc. Herr und Erbe, fuͤgen durch gegenwaͤrtigen Brief allen und jeden, denen daran gelegen ist, oder inskuͤnftige daran gelegen seyn moͤchte, zu wissen: Demnach die Provinz Liefland durch den schweren und langwierigen rußischen Krieg und die erlittenen Niederlagen hoch be- draͤnget, verheeret und groͤstentheils in feindli- che Gewalt gerathen, auch derselben Staͤnde durch Verlust vieler Staͤdte, Schloͤsser und Vestungen, ja durch das allenthalben veruͤbte Sengen, Brennen, Morden, wie auch durch bestaͤndige Streifereien und grosse Zuruͤstun- gen der Feinde, die noch den Rest und die Ueber- bleibsel davon einzunehmen trachten, in solche Angst und Noth gesetzet worden, daß sie durch eignes Vermoͤgen oder durch eigene Kraͤfte ih- ren Staat zu vertheidigen und sich vor des Fein- des Sclaverey und Grausamkeit zu schuͤtzen, oder aufrecht zu erhalten, im geringsten nicht sich vermoͤgend befunden. Als haben der durchlauchtige und hochwuͤrdigste Herr, Wil- helm, Erzbischof zu Riga, Marggraf zu Brandenburg, zu Stettin und Pommern, der Cassuben und Wenden Herzog, Fuͤrst zu Ruͤgen, Burggraf zu Nuͤrnberg und der durchlauchtige Herr Gotthard Ketler, des deutschen Ritter-Ordens in Liefland Meister, wie auch alle lieflaͤndische Staaten, Staͤnde und Abgeordnete der Staͤdte, da sie sich voͤllig des einheimischen Schutzes entbloͤsset und fremder Huͤlfe beraubt sahen, eine grosse Hof- nung aber auf unserer Reiche Huͤlfe setzten, nach reifer Ueberlegung und mit oͤffentlicher einhel- liger Bewilligung sich und ihre Provinz Lief- land in unsern Schutz und Botmaͤßigkeit uͤber- geben, und auf ewig unsern Reichen und Herr- schaften, nach Art des Landes Preussen, zu- gefuͤget und einverleibet. Wir sind daher durch die Gefahr, Nieder- lage, Verwuͤstung und Dienstbarkeit solcher uns durch Buͤndnis so wol als Nachbarschaft verwandten Provinz bewogen, und haben die- selbe in unsern Schirm und Schutz aufgenom- men, weil wir wol wissen, daß es uns, als einem christlichen Fuͤrsten, unsers Glaubens wegen ob- liege, Land und Leute, so Christum bekennen, vor Mord, Verwuͤstung und der Dienstbarkeit eines barbarischen und grausamen Feindes in Sicherheit zu setzen. Jn welcher Beschuͤtzung und Verbindung, Wir sie in ihren Rechten, A a a a Frei- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, seruandis et tuendis obstrictos esse nos de- nincimus et obstringimus. Cum autem inter reliquos status eius- dem prouinciae Liuoniae , qui ad prositen- dam et recognoscendam subiectionem suam apud nos comparuerunt, vniuersus eque- stris ordo totius illius prouinciae, nempe ipsa Nobilitas, indigenae tam vltra citraque Dunam habitantes, per certos nuncios, et plenipotentes suos, videlicet nobiles, Rem- pertum Gilzenium , Juris doctorem; Geor- gium Francken; Fabianum a Borch; Hen- ricum et Johannem de Medhen , cum sussi- cienti plenipotentiae suae mandato, Sigillis multorum nobilium ex tota prouincia Li- uonia consignato, apud nos comparuissent, nosque suo ac totius nobilitatis Liuonicae nomine, de confirmatione iurium, liber- tatum, priuilegiorum et immunitatum sua- rum, humiliter atque suppliciter compel- lassent; Obtulerunt nobis in scriptis certa capita seu articulos, quos a nobis in omni- bus eorum punctis, clausulis et conditionibus confirmari, approbari et ratisicari debita cum instantia supplicauetunt; Quorum quidem capitum seu articulorum tenor de verbo ad verbum sequitur, et est talis: Religio Au- gustanae Confessionis maneat. I. Primum et ante omnia Sacrae et Se- renissimae Maiestati vestrae, domino no- stro clementissimo, et tum libertatis no- strae vindici, tum et liberatori, in quo omnem spem et fiduciam liberationis no- strae concepimus, debita, qua par est, hu- militate, nostro totius nobilitatis Liuoniae nomine supplicamus, vt sacrosancta nobis et inuiolabilis maneat Religio, quam iuxta Euangelica Apostolicaque scripta purioris Ecclesiae, Nicenae Synodi, Augustanamque Confessionem hactenus seruauimus; neue vnqum vllis siue Ecclesiasticorum siue secu- larium praescriptis, censuris et adinuentio- nibus grauemur turbemurque quouis modo. Quod si praeter spem acciderit; nos tamen iuxta Sacrosanctae scriptarae normam, qua praecipitur, plus Deo, quam hominibus obtemperandum esse, nostram retineamus religionem, consuetasque Ceremonias, neque nos in vlla ratione ab hac auelli si- nemus. Si vero errores, quorum malus ille Daemon autor est, in illa suboriri con- tinget, vt hisce dirimendis tollendisque Euangelici Apostolicique Doctores purio- ris Ecclefiae Augustanae confessionis adhi- beantur. Freiheiten, Guͤtern und allen Vortheilen, gleich unsern andern Unterthanen und Herrschaften, zu erhalten und zu schuͤtzen gehalten seyn wol- ten, wozu wir uns auch hiemit verpflichten und verbinden. Es haben aber unter andern Staͤn- den der Provinz Liefland, so bey uns erschie- nen und sich zur Unterwerfung erklaͤren und verstehen wollen, auch der gesamte Ritterstand derselben Landschaft, nemlich der Adel vor sich selbst und alle so wol disseits als jenseits der Duͤna wohnende Landsassen, durch ihre beson- dere Abgeordnete und Gevolmaͤchtige, nemlich die Edlen Rembert Gilzen, der Rechten Do- ctor, Georgius Francken, Fabian von Borck, Henrich und Johan von Mehden mit genugsamer und einer durch viele von Adel aus der ganzen Provinz Liefland versiegelten Jnstruction und Volmacht, bey uns sich ein- gefunden, und uns in ihrem und der ganzen lieflaͤndischen Ritterschaft Namen um die Bestaͤtigung ihrer Rechte, Freiheiten und Be- gnadigungen unterthaͤnigst und demuͤthigst an- geflehet: Dabey sie uns einige Capitel oder Artikel schriftlich uͤberreichet, und damit selbige in allen ihren Puncten, Clauseln und Bedin- gungen von uns confirmirt, approbiret und ra- tificirt werden moͤchten, gehoͤrig supplicirt ha- ben. Welche Capitel, oder Artikel ihrem Jn- halt nach von Wort zu Wort, wie folget, al- so lauten: Erstlich und vor allem flehen wir Jhro koͤ- 1. Die Reli- gion angspur- gischer Confes- sion sol blei- ben. nigliche Majestaͤt, unsern allergnaͤdigsten Herrn, den Retter unserer Freiheit, so wol als dersel- ben Erhalter, auf welchen wir alle Hofnung und Zuversicht wegen unserer Befreiung gese- tzet haben, in schuldigster Unterthaͤnigkeit, in unsern und der ganzen lieflaͤndischen Ritter- schaft Namen, hiedurch demuͤthigst an, daß wir ungehindert und unverletzt bey derjenigen hoch- heiligen Religion, welche wir nach den evange- lischen und apostolischen Schriften der recht- glaͤubigen Kirche, auch des nicenischen Sy- nodi und der augspurgischen Confeßion bis- her erhalten haben, moͤgen gelassen, und nie- malen durch einige geist- oder weltliche Vor- schriften, Censuren, und Menschensatzungen auf einige Weise beschweret, oder beunruhiget werden. So auch wider Verhoffen sich der- gleichen begeben solte, daß wir dennoch nach Masgebung der heiligen Schrift, worin gebo- ten wird, man solle GOtt mehr gehorchen denn den Menschen, unsre Religion und gewoͤhnliche Kirchengebraͤuche beybehalten, und uns auf keinerley Weise davon wollen lassen abwendig machen. So sich aber Jrrungen und Spal- tungen, davon der boͤse Geist Anstifter ist, in derselben ereignen solten, daß zur Entscheidung und Hebung derselben evangelische und apo- stolische Doctores von der rechtglaͤubigen Kir- che, die der augspurgischen Confeßion zu- gethan seyn, moͤgen gezogen werden. II. Pro- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Curatemplo- rum. II. Proximum est, vt Ecclesiae conseruen- tur, collapsae restituantur: et quae ministris puri Euangelii Doctoribus siue concionatori- bus, et istorum honesta sustentatione, non prouisae, vt hisce ex liberalitate Sacrae Re- giae Maiestatis prouideatur; et si quis cen- sus sundique hisce ademti vel suppressi fue- rint, vt illi vel restituantur, vel aequi- ualente pretio compensentur. Pauperum habenda ratio III. Tertium, ne pauperes negligantur: illorum enim iuxta atque religionis ratio- nem habendam esse censemus. Cum no- bis porro constet, quanta sit calamitas pau- perum, qui hac bellorum clade ex diui- tibus pauperes facti sumus; suppliciter pe- timus, vt collapsa hospitalia bonaque il- lis olim consecrata restituantur, et in qui- bus ante locis antiquitus erecta nulla fue- rint, vt erigantur, et tam a sacra vestra Regia Maiestate, quam a principe nostro, pro regia munificentia et liberalitate, dotentur. Quo facto christvs (qui haec in se collata reputabit) vestrae Re- giae Maiestati regnorum ditionumque sua- rum feliciorem splendidioremque faciet gubernationem. Ac cum hoc bello (proh dolor!) afflictissimae, maritis parenti- busque caesis, multae viduae, orbae pa- rentibus virgines, in eam egestatem re- dactae sint, vt quo vitam tolerent, vix habeant; obnixe oramus, vt inprimis de Collegia Vir- ginum et Collegiis caelibum virginum ita constitua- tur, vt afflictissimae et miserrimae vi- duae virginesque maritis parentibusque or- batae, in haecce recipiantur, necessa- rioque victu amictuque prospiciantur, do- nec vel caelibem optent vitam, vel san- ctum petant matrimonium, neque enim in hoc vel caelibum virginum, quarum numerus non ita magnus est, vel prae- fectorum earundem priuatum commo- dum, sed commune potius bonum spe- ctandum est. Vtque idem cum Coeno- biis Monachorum, si illa Sacrae Regiae Maiestati vestrae aliquando ex manibus ho- stium restituta fuerint, constituatur, pro- Nosocomia et Scholae in- stituantur. pter miseros exanimatos senes, et pu- pillos parentibus orbos, paternisque bo- nis destitutos, qui in iisdem ali, edu- cari, et humanioribus litteris erudiri po- terunt, cum maximo Reipublicae commo- do. Ita enim ex coenobiis praefatis ve- tus collegiorum forma restituetur, ex qui- bus honorifica Ecclesiae et Reipublicae or- gana, quandocunque necessarium fuerit, depromi poterunt. Zum andern, daß die Kirchen erhalten, die 2. Erhaltung und Versor- gung der Kir- chen und ihrer Diener. verfallene wieder errichtet, denen aber, so mit Dienern GOttes mit Lehrern und Predigern des reinen Evangelii und derselben geziemen den Unterhalt nicht versehen sind, von der Mil- thaͤtigkeit Jhro koͤniglichen Majestaͤt Vorsorge wiederfahre, und so einige Einkuͤnfte oder Gruͤnde denenselben abgenommen oder vorent- halten wuͤrden, ihnen entweder solche wieder abgetreten, oder durch einen gleichguͤltigen Werth ersetzet werden. Das dritte ist, daß die Armen nicht aus der 3. Vorsorge fuͤr die Armen durch Erneu- rung der Col- legien, Hospi- taͤler und Schulen. Acht gelassen werden: denn wir sind der Mei- nung, daß man auf dieselben eben so wohl, als auf die Religion zu sehen habe. Da uns fer- ner das Ungluͤck der Armen nicht unbekant ist, weil wir selbst bey diesen ungluͤcklichen Krie- geslaͤuften das unsere eingebuͤsset und in Ar- muth gerathen; so bitten wir demuͤthigst, daß die verfallenen Hospitaͤler erbauet und die ehe- mals denselben zugelegten Guͤter ihnen wieder zugestellet, auch, wo vor langen Zeiten keine gewesen, Armenhaͤuser wieder errichtet, und so wol von Jhro koͤniglichen Majestaͤt, als auch von unserm Landesfuͤrsten, aus koͤniglicher Freigebigkeit und Gnade mit gnugsamen Ein- kuͤnften versehen werden. Fuͤr diese Wohlthat wird Christus (der dieses als ihm selbst erzei- get halten wird) Eurer koͤniglichen Majestaͤt die Regierung Dero Reiche und Laͤnder gluͤck- seliger und herrlicher machen. Und weil leider durch diesen Krieg, da Maͤnner und Eltern jaͤmmerlich umgekom̃en, viele hoͤchstbetruͤbte und elende Wittwen auch der Eltern beraubte Jung- fern in solche Armuth gerathen, daß sie kaum ihren Lebensunterhalt zu finden wissen; so bit- ten wir instaͤndigst, daß insonderheit wegen der Jungfernkloͤster dergleichen Verordnung erge- he, damit solche hochbedraͤngte und armselige Wittwen und Jungfern, so ihre Ehegatten und Eltern eingebuͤsset, darinnen aufgenommen und mit nothduͤrftiger Nahrung und Kleidung ver- sehen werden moͤgen, bis sie entweder den ledi- gen Stand erwehlen, oder in den heiligen Ehe- stand treten; wobey man nicht auf der unver- heiratheten Jungfern, deren Anzahl nicht gros ist, noch ihrer Vorsteher Privatnutzen, son- dern auf das algemeine Beste sehen muß. Daß auch eben solche Anstalten gemacht wer- den, in Ansehung der Moͤnchskloͤster, wenn Jh- ro koͤnigliche Majestaͤt dieselben dereinst aus feindlichen Haͤnden erhalten solten, in Absicht der elenden abgelebten alten Leute, und jungen Waisen, die Vater, Mutter und Guͤter verlo- ren, damit sie in denselben ernaͤhret, erzogen und zum grossen Vortheil des Staats in den freien Kuͤnsten unterrichtet werden koͤnnen. Denn solchergestalt wird aus obgedachten Kloͤstern ei- ne Art der ehemaligen Collegien entstehen, aus welchen man ruͤhmliche Werkzeuge der Kirche und des gemeinen Wesens, so oft es die Noth- durft erfordert, wird nehmen koͤnnen. A a a a 2 III. Cum Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Magistratus e Germanis eligendus IIII. Cum nihil respublicas magis quas- sare atque concutere soleat, quam legum, consuetudinum atque morum mutatio; Sa- cra Regia Maiestas vestra bene constitu- tas Respublicas hac ratione non modo ser- uandas, sed collapsas restituendas pruden- tissimo atque vere diuino consilio censuit; quod per Illustrissimum et Magnificum principem ac Dominum Nicolaum Ratze- will , in Olika et Nischewitz ducem, Pa- latinum Vilnensem , Dominum nostrum clementissimum, Principibus, Nobilibus, Ciuitatibus atque Statibus Liuoniae , sub ipsius Sacrae Regiae Maiestatis plenae po- testatis mandatique proposito scripto pro- miserit, nobis non solum Germanicum Ma- Iura Germa- norum ser- uentur. gistratum, sed et iura Germanorum pro- pria atque consueta permissuram, con- cessuram atque confirmaturam se esse, quod et ad praesentis status conseruatio- nem et collapsi erectionem restitutionem- que facit plurimum. Ius Prouin- ciale commu- ne scribatur. Vt autem certum atque commune ali- quod prouinciale ius, quo omnes prouin- ciales teneantur, ex consuetudinibus, pri- uilegiis, latisque sententiis autoritate ve- strae Sacrae Regiae Maiestatis constituatur: etiam atque etiam oramus, vt ad eam rem certi homines, in iuris prudentia versa- ti, ex autoritate Maiestatis vestrae desi- gnentur, qui talem formulam Iuris prouin- cialis concipiant, componant, et commu- nibus Reipublicae Liuoniae ordinibus con- sentientibus ad recognoscendum, confir- mandum et promulgandum vestrae Sacrae Regiae Maiestati offerant. Soli Indige- nae officiis publicis praesunto. V. Vt solis indigenis, et bene possessio- natis dignitates, officia et capitaneatus, ad instar terrarum Prussiae , conferre di- gnetur, prout nobis Regiae Maiestatis no- mine promissum est, atque praescriban- tur a nobis dignitates, officia et capitanea- tus, et quando, et quibus quisque praefi- cietur. Adpellatio- nis modus. VI. Quamuis inficias ire non possumus, Appellationis remedium ad tribunal Regium superioritatem Sacrae Regiae Maiestatis ma- xime respicere, neque nostri instituti sit, illam attenuare velle: tamen putamus, Sacram Regiam Maiestatam, propter com- modum et prouectum prouincialium, ali- am viam, et eam quidem compendiosio- rem, et ex consensus communis arbitrio, et vestrae Sacrae Regiae Maiestatis appro- batione inuenire constituereque posse, ne vel propter itinerum dissicultatem, loci- que intercapedinem maximam, vel pro- pter miserorum inopiam, plures caussam in iudicio delatam deserere, et diuitibus, impro- Weil nichts einen Staat mehr zu verwirren 4. Zu Obrig- keitlichen Per- sonen sollen nur Deutsche gewehlet, und und zn zerruͤtten pfleget, als die Veraͤnderun- gen der Gesetze, Gewohnheiten und Gebraͤu- che, so haben Jhro koͤnigliche Majestaͤt nicht nur um wohl eingerichtete Staaten auf solche Art zu erhalten, sondern auch die verfallenen wieder in Aufnahme zu bringen, aus hochwei- sem und gewis von GOtt selbst eingegebenem Rath vor gut befunden, daß hoͤchst dieselbe durch den Erlauchten und grosmaͤchtigen Fuͤr- sten und Herrn Nicolaus Radzivil, Herzo- gen zu Olika und Nischewitz, Woiwoden zu Wilna, unsern gnaͤdigsten Herren, denen Fuͤr- sten, der Ritterschaft, wie auch den Staͤdten und Staͤnden Lieflandes, unter Eurer koͤniglichen Majestaͤt uns vorgelegten Volmachts- und Be- deutsche Rech- te beibehalten fehlsschreiben versprochen, nicht nur deutsche Obrigkeitspersonen, sondern auch die eigenen und gewoͤhnlichen deutschen Rechte uns zu lassen, zu erlauben und zu confirmiren. Ein Punct der so wol zur Erhaltung des gegenwaͤrtigen, als zur Errichtung und Verbesserung eines ver- fallenden Staats hoͤchst ersprieslich und zutraͤg- lich ist. Damit aber ein gewisses und algemeines Landrecht, wornach sich alle Landseingesessenen zu richten haͤtten, aus den Gewohnheiten, Pri- vilegien und gefaͤlten Urtheilen, durch Eurer koͤ- niglichen Majestaͤt hohes Ansehen, verfasset wer- de; so bitten wir instaͤndigst daß zu solchem En- de gewisse in Rechten wohl erfahrne Maͤnner auch ein alge- meines Land- recht verfasset werden. auf allerhoͤchsten Befehl Eurer koͤniglichen Ma- jestaͤt verordnet werden, die ein solches Land- recht verfassen, aufsetzen und mit algemeiner Bewilligung der lieflaͤndischen Staͤnde Ew. koͤniglichen Majestaͤt Untersuchung, Confirma- tion und oͤffentlichen Kundmachung uͤbergeben koͤnnen. Daß die Ehrenstellen, Aemter und Haupt- 5. Zu allen oͤf- fentlichen Aemtern wer- den nur Ein- heimische be- stellet. manschaften nur mit Einheimischen und Lan- deseingesessenen, gleichwie in preußischen Lan- den geschicht, besetzet werden, wie uns solches im Namen Jhro koͤniglichen Majestaͤt ver- sprochen worden, und daß solche Ehrenaͤmter und Hauptmanschaften von uns benennet, vor- geschlagen und dabey eroͤfnet werde, wenn und mit welchen Personen jedes zu besetzen sey. Ob wir zwar nicht in Abrede seyn koͤnnen, 6. Einrich- tung der Ap- pellation. daß das Huͤlfsmittel der Apellation an den Thron Jhro koͤniglichen Majestaͤt vornemlich auf die Oberherrschaft Jhro koͤniglichen Maje- staͤt ein Absehen haben, es auch unser Vorha- ben nicht ist, dieser Hoheit was zu benehmen; so halten wir doch dafuͤr, daß Jhro koͤnigliche Majestaͤt zum Besten nnd Aufnehmen der Landseingesessenen, wie wir solches durch ein- hellige Einwilligung beliebet, und es nur auf hoͤchst deroselben Genehmhaltung beruhet, einen andern und zwar bequemern Weg treffen und verordnen koͤnnen, damit nicht entweder wegen der beschwerlichen Reisen und gar weiten Ent- e genheit des Ortes, oder auch wegen Duͤrftig- keit Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. improbis, maleuolisque hominibus inso- lentiae materiam praeberi contingat. Con- sultum itaque nobis videtur, vt Sacra Re- gia Maiestas vestra in ciuitate Rigensi , tamquam totius prouinciae metropoli, certos Iudices seu Senatores suos constituat, idque ex indigenis per nostrum equestrem ordinem delectos, per Maiestatem vero vestram confirmandos, qui semel bisue in anno Rigam statis temporibus vna conue- uiant, et caussas appellationum, ex au- ctoritate Maiestatis vestrae decidant: ab il- lo vero senatus Maiestatis vestrae iudicio, in caussis grauibus et maximi momenti, ad tribunal Maiestatis vestrae, non minus ex Archiedioecesi, quam ex Maiestatis ve- strae et Illustrissimi Domini Magistri ditio- nibus, hoc est, ex tota prouincia, ad Maiestatem vestram, tamquam ad supre- mum et haereditarium dominum nostrum, appelletur: Ita tamen, vt temerariae et friuolae appellationes praecidantur, sta- stuatur expressa poena in temerarie appel- lantes, et extrahentes litem siue iusta, legitima et probabili ratione; et vt tali- ter delinquentes condemnentur in decimam partem caussae, cuius dimidia pars fisco Maiestatis vestrae, altera dimidia pars ap- pellato dependatur. Confirmatio praediorum et iurium No- bilitatis. VII. Cum hoc proprium Regium decus sit, atque ipsa Maiestas, quae neminem vel minima laesione offendere, vnicui- que, quod suum est, tribuere, quod vniuscuiusque est, ex amplitudine muni- ficientiae suae adaugere consueuit; libera- lissime vestrae Sacrae Regiae Maiestatis no- mine promissum est nobis omnibus atque singulis, de quorum nomine missi sumus, quod nobis atque ipsis beneficiorum, feudorum, a principibus et praedecessori- bus suis acceptorum, diplomata, consi- gnatas litteras, possessiones, consuetudi- nes, Priuilegia, ac libertates, et quae- cunque longissimo temporum vsu acqui- siuissent obtinuissentque, non solum in- uiolabiliter seruari et confirmari: sed, si quae maiora ipsis omnibus atque singulis ex vsu esse possent, quod ea quoque ex Regia liberalitate de nouo concedi debe- rent. Quam Regiam facilitatem, cle- mentiam et benignitatem vt obseruanti pe- ctore animorum nostrorum prosequimur; ita eam fortunis nostris omnibus, vita, sa- luteque ipsa demereri sedulo parati erimus. Proinde petimus, qua decet, humillima obseruantia, vt non modo quae antea di- cta sunt praestentur nobis; verum cum plures keit der Armen die meisten bey den Gerichten anhaͤngig gemachten Sachen ins Stecken gera- then, und reichen gottlosen, und uͤbelgesinneten Leuten Anlas zu vielem Uebermuth gegeben wer- de. Wir sehens dannenhero fuͤr rathsam an, daß Eure koͤnigliche Majestaͤt in der Stadt Ri- ga, als der Hauptstadt des ganzen Landes, De- ro gewisse Richter und Raͤthe verordnen, und zwar aus den Eingesessenen des Landes, so von unserer Ritterschaft zu erwehlen, von Euer koͤ- niglichen Majestaͤt aber zu confirmiren sind, welche ein oder zweimal des Jahrs zu gewissen Zeiten in Riga zusammen kommen und die Appellationssachen im Namen Eurer koͤniglichen Majestaͤt entscheiden und abmachen koͤnnen: Und daß von solchem Eurer koͤniglichen Maje- staͤt verordneten Gerichtsraͤthen in schweren und hoͤchstwichtigen Sachen die Apellation an Eure koͤnigliche Majestaͤt, nicht weniger aus dem Erzstift, als dem Gebiete Eurer koͤniglichen Ma- jestaͤt und des durchlauchtigen Herrn Mei- sters, das ist, aus der ganzen Provinz an Eure koͤnigliche Majestaͤt als unsern Ober- und Erb- herrn ergriffen werde. Jedennoch daß zu Ver- huͤtung leichtfertiger und frevelhafter Appella- tionen eine gewisse Strafe auf diejenigen, so ohne Ursache appelliren und den Proces ohne rechtmaͤßige, hinlaͤngliche und wahrscheinliche Ursache ins weite Feld spielen, gesetzet, inglei- chen daß die, so dawider handeln auf den ze- henden Theil dessen, so hoch sich die Sache be- laͤuft, gestrafet werden, davon sie die Helfte dem koͤniglichen Fisco, die andere Helfte dem Appellaten zu erlegen gehalten seyn sollen. Da dieses eine fuͤr Koͤnige ganz eigene Eh- 7. Der Adel wird in seinen Guͤtern und Rechten be- staͤtiget. re ist, ja selbst die koͤnigliche Hoheit hierin be- stehet, daß sie niemand durch die geringste Be- leidigung kraͤnken, sondern einem jeden das Sei- nige zu geben, und dessen elende Umstaͤnde in- sonderheit aus hoher koͤniglicher Huld zu ver- bessern gewohnt sind, so ist uns allen und einem jeden, in deren Namen wir hieher abgefertiget worden, auf Eurer koͤniglichen Majestaͤt Namen gnaͤdigst versprochen worden, daß uns und ih- nen die von unsern Fuͤrsten und Eurer koͤnigli- chen Majestaͤt Vorfahren erhaltene Begnadi- gungen und Lehnguͤter, die daruͤber empfange- nen Diplomata, Siegel und Schriften Kauf- briefe, Gewohnheiten, Privilegien und Freihei- ten, so sie durch den Genus in so langen Zeiten fuͤr sich erworben, erhalten und gebraucht ha- ben, unverletzt solten gelassen und confirmirt werden. So auch was mehrers ihnen allen und einem jeden zum Vortheil gereichen solte, daß solches ihnen gleichfals aus koͤniglicher Gnade von neuem gegeben und concedirt sey. Wie wir nun solche koͤnigliche Zuneigung, Gna- de und Wilfaͤhrigkeit mit unterthaͤnigst erkent- lichem Herzen verehren wollen, also werden wir, uns derselben mit Dranwagung unsers Leibes, Gut und Bluts wuͤrdig zu machen, stets bereit und geflissen seyn. Da auch viele Familien B b b b in Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, plures sint in Liuonia , qui cum consan- guineis suis atque aliis familiis Ius simulta- neae siue coniunctae manus contrahendi fa- cultatem olim nacti sunt, vt hoc ipsum priuilegium a vestra Sacra Regia Maiestate ceteris quoque omnibus, videlicet vniuer- sae nobilitati, aeque illis, qui sub domi- nio Magistri ceterorumque principum man- suri, ac illis, qui Sacrae Regiae Maiestati vestrae immediate subditi futuri sunt, nostris- que personis ex liberali fauore, pro Re- gio vestro splendore atque amplitudine, gratiosissime concedatur, in omnibus il- lorum bonis feudalibus, quae modo obti- nent, quae in futurum, quouis modo, siue speciali gratia, siue contractu licito obtinere poterunt, non modo cum con- sanguineis et affinibus, sed aliis quoque exteris familiis atque sociis tale ius simulta- neae siue coniunctae manus coire atque contrahere: Hoc est, vt habeamus libe- ram et omnimodam potestatem de bonis nostris disponendi, dandi, donandi, vendendi, alienandi, et in vsus bene- placitos, non requisito Maiestatis vestrae consensu et alterius cuiusuis superioris, conuertendi. Amissa hoc bello priuile- legia reno- uentur. VIII. Si forte in hac belli calamitate, depraedatione, igneue vel alio casu cuius- que diplomata, monumenta priuilegiorum, libertatum, aliarumque concessionum at- que obligationum amissa, absumta, per- ditaque essent, vt illa a Sacra vestra Re- gia Maiestate nouis diplomatis, non mo- do innouentur; si de bonorum haereditatio- ne tranquilla atque continua possessione constiterit: Verum vt etiam obligatoria- rum litterarum, quae hoc tumultu belli- co perditae sint, fructu ii non careant, qui duorum vel trium testium auctoritate obsirmare possint, tales litteras penes ipsos fuisse, et ex aduerso de soluto numerato vel satisfacto per alia litterarum argumenta nil constet. Praerogati- uae Nobilita- tis eaedem quae Pruthe- norum. IX. Vt Sacra ipsius Regia Maiestas no- biles atque proceres Liuoniae omnium ho- norum, dignitatum, Iurium, liberta- tum atque praerogatiuarum, quibus hacte- nus tam Ecclesiastici, quam seculares Baro- nes atque Nobiles domini regni Polonici vtun- tur et fruuntur, iuxta formam atque modum, quibus Prutheni sub Sacra ipsius Regia Ma- iestate positi ab Ipsa obtinuerunt, partici- pes facere dignetur. Liberrima in feudis Gra- tiae successio cum Iure he- X. Vt nobis libertatem gratiae (vt vulgo nostri appellant) pro regia benignitate con- cedat, quemadmodum in successione seu- dorum in Liefland sind, so mit ihren Verwandten oder auch andern Familien zum Iuri simulta- neae, oder coniunctae manus schon vorlaͤngst berechtiget gewesen; so bitten wir in gebuͤhren- der Unterthaͤnigkeit, daß Uns nicht allein ob- gedachtes gewaͤhret, sondern auch dieses Privi- legium von Eurer koͤniglichen Majestaͤt eben- fals uns andern allen, nnd unsern Personen aus freier Gnade und zur Vergroͤsserung Eurer koͤniglichen Majestaͤt hohen Glanzes und Viel- vermoͤgenheit gnaͤdigst bewilliget werde: Nem- lich daß der ganzen Ritterschaft, so wol denen, so unter der Herrschaft des Herrn Meisters und der andern Fuͤrsten verbleiben, als denen so Eurer koͤniglichen Majestaͤt unmittelbar unter- worfen seyn moͤchten, nachgegeben werde, uͤber alle ihre Lehnguͤter, so sie nun haben, oder ins- kuͤnftige, auf was fuͤr Art es wolle, entweder aus sonderbarer Gnade oder durch rechtmaͤßi- ge Contracte erhalten moͤgen, nicht nur mit ih- ren Blutsfreunden und Verwandten; sondern auch andern auswaͤrtigen Familien und Alliir- ten dergleichen Ius simultaneae, oder coniun- ctae manus einzugehen und zu contrahiren. Das ist, daß wir freie, voͤllige Macht haben, mit unsern Guͤtern nach Belieben zu schalten und zu walten, dieselbigen zu vergeben, zu ver- schenken, zu verkaufen, zu veraͤussern und auf eine selbst beliebige Art zu brauchen und zu nu- tzen ohne Eurer koͤniglichen Majestaͤt oder sonst eines andern Genehmigung erst hieruͤber ein- zuholen. So auch bey diesen Landverderblichen 8. Die im Kriege ver- loren ge - gangene Pri- vilegien wer- den von neuem ertheilet. Kriegszeiten, durch Beraubung, Brandscha den, oder einigen andern Zufal jemand um sei ne Diplomata oder Documente von Privile gien, Freiheiten und andern Begnadigungen und Obligationen gekommen waͤre, daß solche von Eurer koͤniglichen Majestaͤt durch neue Di- plomata erneuert werden, wenn der Guͤter ru- higer und continuirlicher Erbbesitz notorisch ist. Denjenigen aber, so bey diesen Kriegsunru- hen ihre Obligationes verloren, sol sothaner Verlust an ihrem Recht keinesweges hinder- lich seyn, wenn sie mit zwey oder drey Zeugen darthun koͤnnen, daß sie solche Verschreibungen besessen, vom Gegentheil hingegen die Zahlung oder Vergnuͤgung durch andere schriftliche Urkunden nicht bewiesen werden kan. Daß Jhro koͤnigliche Majestaͤt gnaͤdigst ge 9. Der lieflaͤn- dische Adel hat gleiche Vor- rechte mit dem preußischen. ruhen wollen, den Adel und die Vornehmsten der Provinz Liefland aller Guͤter, Wuͤrden, Rechten, Freiheiten und Praͤrogativen theil- haftig zu machen, deren bisher so wol Geistli- che, als Weltliche Freiherren und Edelleute des Koͤnigreichs Pohlen zu geniessen und sich zu erfreuen haben, nach Art und Weise, wie die Preussen, als sie unter Eure koͤnigliche Majesraͤt gekommen, solches erlanget haben. Daß uns das Gnadenrecht (wie man es bey 10. Den Lief- laͤndern wird unumschraͤnk- te Gewalt ge- uns gemeiniglich nennet) aus koͤniglicher Guͤte bewilliget werde, gleichwie die Unterthanen des Her- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. reditatis in vtraque vtri- usque sexus linea ple- nissimo. dorum subditi ducatus Estoniae, Harriae, Wironiae , ac dioecesis Rigensis , olim a Regibus Danorum singulari beneficio vsque in hunc diem obtinuerunt, vt eodem mo- do nos eiusdem priuilegii fructum ex ve- strae Sacrae Regiae Maiestatis ampliore au- gustioreque munificentia capessere, atque cum perpetua Augusti nominis celebratione posteris nostris relinquere possimus; hoc est, vt habeamus potestatem succedendi, non modo in descendenti, sed etiam in collaterali linea vtriusque sexus: Ita tamen, vt praeferatur masculinum, et foemellae pro modo facultatum dotentur; masculis vero non existentibus, soemellae in omni- bus succedant, saluo tamen Maiestatis Re- giae iure fisci seu iure caduco. Subiectorum securitas a Censura Im- perii Roma- no-Germa- nici. XI. Cum nos Sacrae Regiae Maiestati vestrae, illiusque regno, magno Ducatui Lithuaniae ac ditionibus, ineuitabili neces- sitate in hisce nostris angustiis, quibus pro- pter barbari hostis insolentiam ad extremum cum principe nostro redacti, et ab impe- rio Romano deserti, nos, vitamque no- stram, parentes, vxores, et liberos tue- ri non possimus, sed medius fidius in ho- stis crudelissimi potestatem venire oportue- rit, priusquam ab imperio defenderemur, in subiectionem consenserimus; Sacra ipsius Regia Maiestas efficiat, quemadmo- dum cautum est, vt propter hanc princi- pis nostri deditionem, nosque subditos apud inuictissimum Imperatorem, Ele- ctores, Principes ac Status Romani Impe- rii, tueri honorem, substantiamque no- stram (liceat) , ne censura Imperii publica, aliaue infami nota vexemur, damnoue affi- ciamur, quin potius indemnes conserue- mur. Miles non ciuium soci- orumque sed hoftium prae- da alatur. XII. Vt nos in posterum a Sacra Regia Maiestate non solum contra Moschum , sed quoscunque hostes nostros, coniunctis regni Poloniae omniumque ditionum sua- rum viribus, de facto defendamur, ho- stem in propriis ditionibus integra belli mole quam primum adoriamur, ne vel hostilibus, vel sociis armis, sociorum terris grauiora maioraque damna inferan- tur: Melius etenim est ex hostium san- guine aestuare, quam nostri sociorum- que depraedatione perditioneque saginari. Agrorum in limites de- scriptio. XIII. Vtnemo in suis granietibus atque con- stitutis limitibus praediorum suorum, qui ex certis Herzogthums Estland, Harrien, Wirland lassen, auf bei- derley Ge- schlecht und in beiden Linien ihre Guͤter zu erben, und da- mit zu ma- chen, was sie wollen. und des rigischen Stifts solches in Succes- sion der Lehnguͤter aus sonderbarer Gnade der Koͤnige von Daͤnnemark bis auf diesen Tag genossen haben. Daß wir auf gleiche Weise den Genus sothanen Privilegii aus Eu- rer koͤniglichen Majestaͤt hohen und milden Gna- de erhalten, und zum ewig waͤhrenden Ruhm Eurer koͤniglichen Majestaͤt hochpreislichen Namens unsern Nachkommen es hinterlassen und auf dieselben vererben moͤgen. Das ist, daß wir moͤgen berechtiget seyn, nicht nur in herabsteigender sondern auch von der Seiten- linie beiderley Geschlechts, zu erben, jedennoch dergestalt, daß das maͤnliche Geschlecht vorge- he, und das weibliche nach Beschaffenheit der Umstaͤnde ausgesteuret werde: so aber keine maͤnliche Lehnsfolger vorhanden, daß die Toͤch- ter in allem succediren und erben, jedoch sey Eurer koͤniglichen Majestaͤt ius Fisci oder Recht auf die wegen ausgestorbener Erben verfallene Guͤter vorbehalten. Da wir durch des barbarischen Feindes 11. Sie wer- den wider die roͤmische Reichsacht in Schutz ge- nommen. Grausamkeit, nebst unsern Fuͤrsten in die aͤus- serste Gefahr gerathen, vom roͤmischen Reich aber in der Noth verlassen worden, und daher weder uns und unser Leben, noch auch unsre Eltern, Weiber und Kinder beschuͤtzen koͤnnen, wir auch unvermeidlich in die Gewalt des al- lergrausamsten Feindes gerathen waͤren, ehe wir von dem Reiche einige Huͤlfe und Schutz erlanget: so haben wir, aus unumgaͤnglicher Nothwendigkeit, in dieser unserer Bedraͤngnis Eurer koͤniglichen Majestaͤt Dero Reiche, Gros- fuͤrthum Litthauen und Herrschaften uns zur Unterwerfung verstanden. Es wolle dannen- hero Eure koͤnigliche Majestaͤt, der geschehe- nen Versicherung nach, es dahin vermitteln, daß wegen dieser Ergebung unsers Fuͤrsten, und unsrer als Unterthanen, bey Jhro roͤmisch kai- serlichen Majestaͤt, wie auch bey den Churfuͤr- sten, Fuͤrsten und Staͤnden des roͤmischen Reichs unsre Ehre und Vermoͤgen Schutz ge- niesse, damit wir nicht mit der Reichsacht, oder anderer Schmach bestrafet oder gefaͤhret, son- dern vielmehr schadlos gehalten werden. Daß Eure koͤnigl. Maj. inskuͤnftige uns nicht 12. Soldaten muͤssen sich auf feindlichen Boden versor- gen. allein wider den Russen, sondern wider alle unsre Feinde, mit vereinigter Macht des Reichs Pohlen und aller dazu gehoͤrigen Provinzen ohne Verzug vertheidigen auch dem Feind in seinen eignen Landen die ganze Kriegeslast je eher je lieber auf den Hals welzen, und den- selben angreifen wollen, damit weder durch des Feindes, noch unsre eigne Waffen unserm Lan- de mehr und groͤsserer Schade zugefuͤget werde. Denn es ist besser in dem Blut der Feinde zu baden, als sie mit unsern und unse- rer Bruͤder geraubten und verheerten Guͤter zu maͤsten und fett zu machen. Daß niemand innerhalb seinen Grenzen und 13. Eingren- zung der Guͤ- ter und Laͤn- dereien. aufgerichteten Grenznmahlen seiner Guͤter, B b b b 2 wel- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, certis monumentis liquent, perturbetur; sed in posessione illorum a Sacra eius Re- gia Maiestate tueatur. Si vero quidam li- mites temporum vetustate corrupti amissi- ue essent, vt illi siue per delegatos, siue per arbitros, prout aequitatis postulauerit ratio, innouentur restituanturque. Vbi vero in terris Liuoniae dispersi inter se no- bilium, item rusticorum agri habentur, et vt Germanice appellantur, Streulande und Hakenland, isti secundum consuetam mensuram vuicuique integri absque vlla diminutioue laesioneue permittantur, vt scilicet iuxta veterem praescriptam formam quilibet vncus aut mansus agri, quem vul- go Haken nominamus, sexaginta sex fu- nes, siue, vt dicitur, bastas, qua- rum bastarum quaelibet sexaginta sex Faden contineat. Quae vero ex vastis nemori- bus multo longoque sudore acquisita, primi occupantis, iuxta iuris communis ordinatio- nem, manebunt; nisi prior occupans il- la deinceps pro derelicto habuisset, ac alius ea abunde possedisset, legitimeque praescripsisset, vt is quoque in tali pos- sessione retineatur, tueaturque- Immunitas a teloniis. XIIII. Vt nobilibus Liuoniae integrum atque liberum sit, per Regnum Poloniae , magnum Ducatum Lithuaniae , aliasque suae Regiae Maiestatis ditiones, Regali- bus viis, et vbicunque ipsis negotium fue- rit, absque vlla remoratione telonii, ali- arumue datiarum impositione, vel requi- sitione, libere ire atque transire, mer- catoribus exceptis, idque tam terra quam mari, caeterisque fluminibus, cum omni immunitate permittatur. Et si aliquem istorum in praefato regno, magnoque Ducatu Lithuaniae , aliisque ditionibus, quidquam deponere contingat, vt idem fine vlla molestia, vlloque telonii et qua- rumuis aliarum datiarum grauamine, in- de reuocari et reduci, quandocunque vi- sum fuerit, integrum liberumque maneat. Viae regiae reparentur. XV. Vt confecto hoc bello in Liuonia , veteres regales et communes stratae resti- tuantur in pristinum statum, seruenturque; reliquae vero ab vsu communi alienae prae- cludantur, propter varia incommoda, quae vltro citroque dominis vicinis eorum- que subditis inde suboriri possunt. Captiui redi- mantur. XVI. Ab hostibus pro defensione com- munis patriae capti, et postliminii iure, et redemtionis beneficio per vestram Sa- cram regiam Maiestatem fruantur atque gaudeant: vt etsi seruitutis calamitate mor- tui welche aus zuverlaͤßigen Urkunden erhellen, be- unruhiget, sondern bey ihrem Besitz von Eurer koͤniglichen Majestaͤt geschuͤtzet werde; und so einige Grenzmale durch die Laͤnge der Zeit ver- ruͤckt oder ganz verloren worden, daß selbige entweder durch Commissarien, oder durch selbst erwehlte Mittelspersonen, nach der Billigkeit erneuert und wiederum aufgerichtet werden. Wo aber in Liefland die adlichen und Bauer- Laͤndereien unter einander zerstreuet liegen, wel- che man auf deutsch Streulande oder Hacken- lande nennet, daß dieselben einem jeden nach der gewoͤhnlichen Abmessung gelassen werden, ohne einige Verringerung oder Abkuͤrzung, dergestalt, daß nach der alten vorgeschriebenen Form ein jeder Hacken oder Morgen Landes, sechs und sechzig Stricke, oder wie man saget Baste, und iede Baste sechs und sechzig Faden halte. Was aber in grossen Waͤldern durch langwierige grosse Muͤh und Arbeit geroͤdet, oder zum Acker gemacht worden, daß solches nach Jnhalt algemeiner Rechte demjenigen verbleibe, welcher solches zuerst in Besitz ge- nommen; wenn auch der erste Jnhaber solches unbrauchbar liegen lassen, und ein anderer das- selbe durch einen langen Besitz rechtmaͤßig ver- jaͤhret haͤtte, das alsdenn dieser bey sothanen Besitz gelassen und geschuͤtzet werde. Daß den Edelleuten aus Liefland vol- 14. Freie Durchreise der Lieflaͤnder durch des Koͤ- nigs und der Republik Land. kommene Freiheit zugestanden sey, durchs Koͤ- nigreich Pohlen, Grosherzogthum Litthan- en und andre Herrschaften Eurer koͤniglichen Majestaͤt auf den Heerstrassen, und wo sie nur was zu schaffen haben, ohne einigen Aufent- halt von Zoͤllen, Abgaben, Auflagen und Durchsuchung frey hin und wieder zu reisen, so wol zu Lande, als zur See und uͤber die an- dern Stroͤme, wovon doch die Kraͤmer und Kaufleute ausgenommen seyn. Und so es sich auch zutragen solte, daß jemand in obgedach- tem Reiche, dem Grosfuͤrstenthum Litthauen und andern Herrschaften etwas niederlegen und stehen liesse; so sol es demselben unverwehrt frey seyn, solches ohne einigen Verdrus, Zoll, oder andern Auflagebeschwerden, wenn es ihm beliebet, von da wieder abzufordern und abzufuͤhren. Daß nach diesem geendigten Kriege in Lief- 15. Ausbes- serung der Landstrassen. land, die alten grossen und freien Heerstrassen in ihren vorigen Stand gesetzet und beibehal- ten; die andern aber, so nicht zum gemeinen Besten dienen, wegen des vielen Nachtheils, so den benachbarten Herrschaften und ihren Unterthanen daher entstehen kan, versperret werden. Daß die, so bey Vertheidigung ihres Va- 16. Ranzio- nirung der Ge- fangenen. terlandes vom Feinde gefangen genommen worden, das Ius postliminii, oder Wieder- kehrrecht, wie auch die gnaͤdige Ranzioni- rung von Eurer koͤniglichen Majestaͤt zu ge- nies- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. tui censeantur; tamen spe recuperandae libertatis viuere videantur. Quemadmo- dum Seruitia bellica sint praestanda. XVII. Quamuis maior pars nobilitatis per hostem partim bonis suis feudalibus spoliata, partim diuturnitate belli fortunis exhausta, vt vxorum atque liberorum su- stentationis plerisque plane nihil, aliis vel minimum supersit; tamen illos singularis erga Sacram vestram Regiam Maiestatem obseruantia, item fortunarum, liberta- tum, dignitatis, vitae etiam atque salu- tis propriae respectus eo impellunt (quae ipsis partim beneficio vestrae Sacrae Re- giae Maiestatis hactenus vtcunque seruata sunt, partim Dei beneficio seruatum ac re- stitutum iri sperant) vt non modo ipsam omni honore venerentur, sed vita atque salute ipsa illud libenter contestabuntur. Et cum plurimi nostrorum nihil reliquum habeamus praeter vitam, hanc parati su- mus quoquo tempore apud sacram Regiam Maiestatem vestram exponere: Reliqui vero, etiamsi et ipsi belli quinquennalis sumtibus exesi; tamen se illi offerunt, et nos vna cum eis offerimus ad omnia, quae possibilia esse poterunt: speramus- que, vestram Sacram Regiam Maiestatem, si ad expeditionem bellicam eo, quo con- sueueramus, equitatu propter exhaustas vires prodire non poterimus, illud non tam vlli neglectui aut proteruitati, sed im- possibilitati imputaturam esse. Postulamus itaque, vt vnusquisque secundum restan- tes facultates bellicam expeditionem Sacrae Regiae Maiestati vestrae seruiat; non au- tem secundum eas, quas ante, rebus in- tegris stantibus, obtinuit: et vt eodem plane modo, si qui extra numerum sui debiti ac soliti equitatus atque seruitii, in honorem atque commodum Sacrae Regiae Maiestatis vestrae, plures equites atque milites educere possent ac vellent, stipen- dia conferantur, quemadmodum caeteris Sacrae vestrae Regiae Maiestatis regni et Magni Ducatus Lithuaniae incolis numera- ri et conferri consueuerunt; vtque id tam in praesenti, quam futuris belli temporibus perpetuo seruetur. In neminem indicta caussa vis liceat. XVIII. Cum digna vox maiestate regnan- tis sit, fateri, Imperium subiectum esse le- gibus; ne deinceps vllus Princeps, vllus Magistratus, siue superior siue inferior, vel quiuis alius, extra cognitionem caus- sae, nobiles vasallos, vel quosuis alios possessionibus temere exsuat, destituat, spolietue sed si quid iuris in alium habere quis- niessen, und derselben sich zu erfreuen haben, damit, ob sie gleich wegen der ungluͤcklichen Gefangenschaft vor tod zu halten, sie dennoch durch die Hofnung zur Freiheit gleichsam von neuem aufzuleben scheinen. Obgleich die mehresten von der Ritterschaft 17. Wie die Roßdienste zu entrichten. durch den Feind theils ihrer Lehnguͤter berau- bet, theils durch den langwierigen Krieg derge- stalt an Vermoͤgen erschoͤpft worden, daß den meisten zur Unterhaltung ihrer Frauen und Kinder wenig oder nichts uͤbrig geblieben: dennoch treibet sie ihre besondere Unterthaͤnig- keit gegen Eure koͤnigliche Majestaͤt und die Erwegung ihrer Guͤter, Freiheiten, Wuͤrden, Lebens, ja selbst ihrer Wohlfarth, an, (welche ihnen bisher durch Eure koͤnigliche Majestaͤt zum Theil so viel moͤglich erhalten worden, und weswegen noch ein Theil in Hofnung ste- het, daß solche durch die Gnade GOttes erhal- ten und ihnen wiederum werden erstattet wer- den) daß sie nicht allein Eure koͤnigliche Ma- jestaͤt mit schuldigster Unterthaͤnigkeit verehren, sondern auch solches mit Aufopferung ihres Leibes und Blutes, ja aller ihrer zeitlichen Wohl- farth, willigst bezeugen wollen. Und weil die meisten unter uns nichts, als das liebe Leben uͤbrig haben, so sind wir jederzeit willig und be- reit, solches bey Eurer koͤniglichen Majestaͤt dran zu wagen. Ob auch gleich die andern durch fuͤnfjaͤhrige Kriegskosten ganz herunter gekommen, so erbieten sie sich doch und wir mit ihnen, zu allem, was moͤglich seyn wird: und hoffen, es werden Eure koͤnigliche Maje- staͤt es nicht unserm Ungehorsam und Halsstar- rigkeit, sondern einzig und allein der Unmoͤg- lichkeit zu schreiben, wenn wir bey erschoͤpftem Vermoͤgen nicht mit der gewoͤhnlichen Man- schaft zu Pferde bey dem Kriege und im Felde werden erscheinen koͤnnen. Wir ersuchen dem- nach, daß ein jeder, nach Proportion des ihm noch uͤbriggebliebenen Vermoͤgens, bey einem Feldzuge Eurer koͤniglichen Majestaͤt den Roß- dienst leisten duͤrfe, nicht aber darnach, wie ers bey vorigem Wohlstande thun koͤnnen; und daß gleichermassen, wenn etliche uͤber die Zahl ih- res schuldigen Roßdienstes, zum Besten und zur Ehre Eurer koͤniglichen Majestaͤt mehr Reuter und Soldaten ins Feld stellen wolten und koͤnten, solchen Leuten ihr Sold gereichet werde, gleichwie den andern Untersassen in Eurer koͤniglichen Majestaͤt Reich und Gros- fuͤrstenthum Litthauen gegeben und gezahlet wird, und daß solches so wol zu diesen, als kuͤnftigen Kriegszeiten stets also gehalten werde. Da es ein fuͤr die regierende Majestaͤt hoͤchst 18. Niemand sol ohne Er- kentnis seiner Sache ange- tastet werden. anstaͤndiges Bekaͤntnis ist, daß ein Reich de- nen Gesetzen unterworfen sey; so ersuchen wir daß nach diesem kein Fuͤrst, keine hohe noch niedere Befehlshaber noch sonst jemand, ohne Erkaͤntnis der Sache, adliche Lehnleute, oder auch andre ihres Besitzes entsetze, beraube und davon verstosse; sondern so jemand einiges C c c c Recht Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, quisquam putarit, hoc ipsum coram iudi- cio ordinario Senatorum Maiestatis vestrae Regiae, vel prouinciali conuentu expe- riatur. Non enim aequum est, vt in propria caussa quis ipse sit iudex. Sicut enim Ius oritur ex facto; ita de vniuscu- iusque facto aut culpa non nisi mediante iure, lege, et sanctione per Iudicem de- cidi debet. Nemo itaque in posterum caussa indicta, non conuictus, neque le- gitimo Iuris processu damnatus, fortunis atque facultatibus suis exsuatur; quemad- modum antea exsuti sunt nonnulli honesti, et in suos Principes et Magistratus obedien- tes, fideles et officiosi ciues. Et vt in tali facto liceat oppresso ad tribunal Sacrae Regiae Maiestatis vestrae Regium extraordi- narie, coram Notario, instrumento gra- naminis, et de saluo conductu ad cogni- tionem caussae Sacrae Regiae Maiastatis ve- strae supplicare. Spolii, Cae- dis, Stupri poena. XIX. Vt nullus, cuiuscunque eminen- tiae aut conditionis existat, personis, ca- stris, domibus, aut possessionibus ali- cuius, vllam violentiam inferre, incur- siones facere, in publicis stratis insidias ponere praesumat. Qui autem super his conuictus, vt iuxta leges capitis poena plecta- tur. Simili modo hi, qui honestas matronas, viduas, virginesque raperent, vel per vim stu- prarent, comprimerentue, cum alias ipsis omnis debeatur honos atque reuerentia, ac merito, vt eodem capitis snpplicio puniantur. Ne quis in pagis villis- que merce- tur. XX. Cum etiam mercatores, praeser- tim peregrini siue exotici homines, in no- bilitatis ac ciuitatum iniuriam, pelles, fru- menta, lupulum, et alia mercium genera in villis ac pagis clam et publice coëmere, negotiationesque illicitas exercere soleant: vt illud vestrae Sacrae Regiae Maiestatis au- toritate caueatur prohibeaturque, ne id de caetero fiat. Vt autem ratio Dominorum Nobilitatisque habeatur cum pellibus fera- rum et bestiolarum, Sacra Regia Maiestas vestra prouidebit. Siluarum vsus fructus XXI. Quemadmodum antiquitus omni- bus Liuoniae proceribus, Nobilibus, Equi- tibus, Vasallisque libera in vniuersum huc vsque ferarum lustra atque meatus fuerunt, ipsaque venatio liberrima; ita filuarum, nemorum, pascuorum, pratorum, actuum- que liberrimum habuerunt vsumfructum, quod ex feris bestiolisque silvestribus pel- les, quas vulgo Wildwerk nominant, ex nemoribus siluisque omnium lignorum vsum qualemcunque meliore fructu habere obti- nereque potuerunt, quod Waldwerk di- cimus in omnibus speciebus eiusdem, in cinerum fiue liquoris picei extractione, si- ue Recht wider den andern zu haben vermeinet, daß er solches vor dem gewoͤhnlichen Gerichte der von Eurer koͤniglichen Majestaͤt hochver- ordneten Raͤthe oder auf dem Landtage aus- fuͤhre, weil es nicht billig ist, daß jemand in seiner eignen Sache Richter sey. Denn gleich- wie das Recht aus einem Vorfal entstehet, al- so mus auch uͤber eines jeden Handlung oder Verschulden, vermittelst der Rechte Gesetze und Verordnungen von dem Richter geurteilet wer- den. Es sol demnach niemand unverhoͤrter Sache, der nicht uͤberfuͤhrt, oder durch recht- maͤßigen Proces verurtheilet worden, seiner Haab und Guͤter beraubet werden, wie vor die- sem einigen redlichen und gegen ihren Fuͤrsten und Obrigkeit gehorsamen, treuen und dienst- geflissenen Unterthanen widerfahren ist. Und daß in solchen Faͤllen dem gravirten Theile er- laubet sey, an Eurer koͤniglichen Majestaͤt Hof- gericht extraordinarie im Beiseyn des Notarii durch ein Jnstrument seiner Beschwerden, um einen Saluum Conductum zur fernern Erkent- nis seiner Sache zu suppliciren. Daß niemand, wes Hoheit, oder Standes 19. Strafeder Raͤuber, Moͤr- der und ande- rer Verbre- cher. er sey, sich unternehme an jemandes Person, Schloͤssern, Haͤusern oder Guͤtern einige Ge- waltthaͤtigkeit zu veruͤben, selbige zu uͤberfallen, oder auf freier Heerstrassen ihnen nach zustellen, und wer dessen uͤberwiesen wird, denen Gese- tzen zu folge am Leben gestrafet werde. Glei- chergestalt sollen auch diejenigen mit dem Le- ben buͤssen, so ehrliche Matronen und Jung- fern entfuͤhren, nothzuͤchtigen und schwaͤchen, weil denselben billig alle Ehre und Hochach- tung gebuͤhret. Da auch die Kaufleute, insonderheit, Frem- 20. Heimlichen Aufkauf der Waaren im Lande ist ver- boten. de und Auslaͤnder zum Nachtheil der Ritter- schaft und Staͤdte auf den Hoͤfen und Doͤr- fern, Haͤute, Getreide, Hopfen und andre Wah- ren heimlich und oͤffentlich aufzukaufen, und verbothenen Handel zu treiben pflegen: daß solches durch Jhro koͤniglichen Majestaͤt Befehl verhuͤtet und untersaget sey, damit es hinfuͤhro nicht weiter geschehe. Auf daß aber der Herr- und Ritterschaft Jnteresse gleichfals beobachtet werde, werden Eure koͤnigliche Majestaͤt wegen der Thierbaͤlge und Haͤute selbst eine Verord- nung zu machen geruhen. Gleichwie von Alters her alle lieflaͤndi- 21. Adliche Rechte der Jagd. sche Herrn adelichen und ritterlichen Standes, und die Vasallen, des Wildes Lager und Spu- ren uͤberal zu suchen, befugt gewesen, auch denselben die ganze Jagd nach Belieben frey gestanden; also haben sie auch freie Nutzung der Waͤlder, Buͤsche, Weiden, Wiesen und Viehtriften gehabt, welche darin bestanden, daß sie von den Thieren und Wildpret die Felle, so insgemein Wildwerk genant wird, aus den Waͤldern aber und Holzungen aller- hand nuͤtzliche Holzwaaren, so man insgemein Waldwerk nennet, mit gutem Nutzen geho- ben, daneben auch Aschwaaren, Pech- und Theer- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. ue aliis lignorum diuersis sectionibus is comparari vnquam poterat; Ita quoque mutua atque transitoria fiat, vt est adhuc hodie, seruitus, qua vltro citroque alter in alterius fundo liberrima habet apum pa- scua et mellifluas arbores. Quemadmodum haec omnia inuestiturarum monimentis lon- gissima praescriptaque consuetudine adhuc hodie ab omnibus Nobilibus obtinentur et seruantur: Ita quoque omnes Nobiles at- que proceres Liuoniae hactenus habuerunt Nobilium Ius coquendae cereuisiae. Ius coquendae Cereuisiae, illiusque ad suas tabernas vendendi potestatem, absque vl- lius impedimento, vel datiarum vel assi- siarum grauamine. Ne vero in posterum callidis officiario- rum adinuentionibus, ne dicamus expila- tionibus, in talibus libertatibus quoquo mo- do grauentur; petunt Nobiles ac proceres Liuoniae , vt haec specialius priuilegio re- gio explicentur, ne omissa impraesentia- rum nocuisse olim, sed quae expressa, iam prodesse et in futurum et perpetuum profuisse videri potuerint; publica tamen contributione, et alio vectigali communi consensu ordinum et vniuersae nobilitatis ad Sacrae Regiae Maiestatis vestrae et Rei- publicae necessitatem pro tempore decer- nenda, semper excepta. Rustici de- tenti reddan- tur. XXII. Vt rustici, qui vel per principis concessionem in alicuius potestate fuerunt, ab aliis non capiantur neque detineantur; sed ad eius, cuius intersit, postulationem exhibeantur: nisi certis diplomatum argu- mentis, viuisque testibus edocere quis po- terit, illos sibi a legitimis ipsorum dominis concessos atque translatos esse, manebunt in potestate eiusdem, in quem eum in mo- dum concessi translatique fuerunt; alias re- stituantur secundum receptum morem et an- tiquam consuetudinem Liuoniae. Rusticorum opera et labo- res. XXIII. Vt hactenus Nobilium rustici ad sola Dominorum suorum opera fuerunt obstricti: Ita petimus prouideri, ne ad alia feruitia in libertatis nostrae praeiudi- cium cogantur, sed ut antiqua consuetudo obseruetur. Finium tu- tela. XXIIII. Vt fines terrarum diligenter ob- seruentur, ne praedones et grassatores in- grediendo impune grassentur. Iudicatae res ne retracten- tur. XXV. Ne lites atque controuersiae trans- actionibus iudicatae vel sopitae in posterum re- Theerbrennen, auch verschiedene Arten Klap- holz und Balken, wie solches immer geschehen moͤgen, zu ihrem Profit anwenden koͤnnen, daß diese Servitute auch gemeinschaftlich werde und ins Wechsel gehe; da es zumal auch noch eine Servitute ist, vermoͤge deren hin und wie- der einer auf des andern Grund und Boden Honigweiden und Bienenstoͤcke zu halten frey hat. Wie dieses alles nach den alten urkund- lichen Lehnsbriefen, und einer uralten, verjaͤhr- ten Gewohnheit noch heut zu Tage von dem ganzen Adel also beobachtet und beibehalten wird; also haben auch alle Edelleute von Lief- land bisher das Recht gebraucht, Bier zu und des freien Bierbrauens. brauen nnd solches in ihren Kruͤgen zu verkau- fen ohne einige Hindernis, und ohne von Zoll und Accise beschweret zu werden. Damit sie aber nicht inskuͤnftige durch listi- ge Erfindungen oder wol gar Aussaugungen derer Beamten, in solchen Freiheiten auf eini- ge Weise belaͤstiget werden; als bittet der lief- laͤndische Adel und Ritterstand, daß ihnen sol- ches, durch ein besonderes koͤnigliches Privile- gium bestimter und eigentlicher moͤge ausge- macht werden, damit man sehen koͤnne, daß das, was jetzt uͤbergangen worden, niemalen zu unserm Nachtheil gereiche, sondern, daß das, was alsdenn ausdruͤcklich gesetzet wird, nun und zu ewigen Zeiten zu unserm Vortheil beob- achtet sey. Jedoch algemeine Contributionen und andere Zoͤlle, so mit Einwilligung der Staͤnde und der ganzen Ritterschaft, zu Eurer koͤniglichen Majestaͤt und der Republik Noth- durft, voritzt, moͤchten bewilliget werden, alle- zeit ausgenommen. Daß die Bauren, wenn sie auch mit Ver- 22. Vorent- haltene Bau- ren werden ausgeliefert. guͤnstigung des Fuͤrsten in eines andern Bot- maͤßigkeit befunden worden, nicht gefangen ge- setzt, vorenthalten, sondern auf des Eigenthuͤ- mers Begehren ausgegeben werden moͤgen; es sey denn, daß jemand durch unverwerfliche Ur- kunden und mit lebendigen Zeugen darthun koͤnne, daß solche von ihren rechtmaͤßigen Her- ren an ihn abgestanden und uͤberlassen worden; in welchem Fal sie in dessen Gewalt verbleiben, sollen, den sie solchergestalt abgestanden und uͤberlassen sind. Widrigenfals werden sie nach landuͤblichem alten lieflaͤndischen Ge- brauch, restituirt und ausgeantwortet. Wie bisher der Edelleute Bauren nur zu 23. Bauren dienen nur ih- rem Herrn. ihrer Herren Diensten allein verbunden gewe- sen, als bitten wir gnaͤdigste Vorsehung zu thun, daß sie nicht zu andern Diensten, unserer Freiheit zum Praͤjudiz moͤgen gezwungen, son- dern daß hierin der hergebrachten Gewohnheit nachgelebet werde. Daß die Grenzen bestaͤndig bewahret wer- 24. Grenzpo- stirungen wer- den bestellet. den, damit nicht Raͤuber und Strassendiebe, ins Land kommen und in demselben ungestraft herum streifen. Daß keine Processe und Streitigkeiten, so 25. Keine ab- gethane Sa- che wird von vor diesem, durch Vertraͤge abgethan und bei- C c c c 2 gele- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, resuscitentur, suaeque Sacrae Regiae Ma- iestati inclitisque senatoribus molestiam in- ferant, vt in genere transactiones ac de- finitiuae sententiae omnes a principibus Liuo- niae dictae lataeque per Sacram Regiam Maiestatem vestram confirmentur. Rusticorum dominos in- terficientium poena. XXVI. Cum saepenumero in Liuonia ac- ciderit, quod nonnnulli Nobiles a pro- priis rusticis clam occisi sint; Vt vero in posterum a tatibus flagitiis deterreantur, petunt Nobiles Liuoniae , vt de singulari gratia, merique Imperii Sacrae eius Re- giae Maiestatis potestate, suis curiis capi- talis ciuilisque iudicii priuilegium, quemad- modum Nobiles Estoniae Ducatus olim a Regibus Danorum consecuti sunt, et in hunc vsque diem obtinent, annectatur con- cedaturque. Monetae con- sormis valor. Vltimo, Cum ex Monetae inaequalita- te hactenus varia et inexplicabilia Damna atque incommoda Liuoniae illata sint; pe- timus de illa etiam certum quid constitui: scilicet, vt ea excudatur in posterum mo- neta, quae in graui valore et aestimatione par Polonicae et Lithuanicae existat, vt vltro citroque Polonica Lithuanicaque mone- ta in Liuonia, Liuonica e conuerso in Polo- nia et magno Ducatu Lithuaniae currat. Nos itaque sigimvndvs avgvstvs, Rex Poloniae , et Magnus Dux Lithuaniae , praefatus, etc. praeinsertos Articulos et hu- miles supplicationes vniuersi equestris Ordi- nis Nobilitatis Liuonicae , tanquam iustas et legitimas, autoritate nostra Regia, tan- quam directus dominus, cui merum et mixtum imperium in totam prouinciam, vigore praesentis subiectionis nobis profes- sae, competit, in omnibus eorundem postulationum et articulorum clausulis, pun- ctis et conditionibus confirmandos, appro- bandos, et ratificandos esse duximus, prout confirmamus, approbamus et rati- ficamus praesentibus hisce litteris nostris, decernentes, eos ab hinc et in posterum ro- bur debitae et perpetuae firmitatis obtinere debere: vtili tamen dominio Illustrissimi Domini Magistri per hanc confirmationem nostram in terris Illustritatis Eius nihil de- rogantes, Harum testimonio litterarum; quibus in fidem praemissorum sigillum no- strum praesentibus est subappensum. Datae Vilnae , feria sexta post festum S. Catharinae. Anno MDLXI. regni ve- ro nostri XXXI. geleget, inskuͤnftige wieder hervorgesucht, und neuem aufge- nommen. Eurer koͤniglichen Majestaͤt und Dero hochan- sehnlichen Raͤthen dadurch einige Beschwerde verursacht werde, sondern daß uͤberhaupt alle Vertraͤge und Endurtheile, so von den lief- laͤndischen Fuͤrsten ausgesprochen und gefaͤl- let worden, von Eurer koͤniglichen Majestaͤt confirmirt werden moͤgen. Es hat sich in Liefland zum oͤftern zuge- 26. Strafe der Bauren, wenn sie an ih- ren Herren Mord bege- hen. tragen, daß einige Edelleute von ihren eignen Bauren heimlich umgebracht worden. Da- mit nun selbige inskuͤnftige von solchen Untha- ten moͤgen abgeschrecket werden, als bittet der lieflaͤndische Adel, daß, aus sonderbarer Gna- de und Macht Jhro koͤnigliche Majestaͤt Rei- che und Hoheit, sie auf ihrem Hoͤfen mit der Gerichtshegung in peinlichen und civilen Sa- chen moͤgen begnadigt und versehen werden, wie solches der Adel des Herzogthums Est- land vor Zeiten von den Koͤnigen in Daͤnne- mark erlanget und bis auf diesen Tag behal- ten hat. Da auch letztlich wegen Ungleichheit der Muͤnze nach pohlnischen Werth wird eingefuͤhrt. Muͤnzen mancherley und unvermeidlicher Scha- de und Ungelegenheit in Liefland entstanden, so bitten wir, daß auch deswegen gewisse Ver- ordnungen gemacht werden; nemlich, daß hin- fuͤhro dergleichen Muͤnze gepraͤget werde, wel- che an Korn und Schrot den pohlnischen und litthauischen gleich sey, damit die pohl- nische und litthauische Muͤnze in Liefland, die lieflaͤndische hingegen auch in Pohlen und dem Grosfuͤrstenthum Litthauen in Gang komme. Wir Sigismund August, Koͤnig in Pohlen und Grosfuͤrst in Litthauen haben demnach die obgedachte 26 Artikel und demuͤ- thigstes Gesuch des ganzen Adels und der Rit- terschaft in Liefland, als rechtmaͤßig und bil- lig, durch unser koͤnigliches Ansehen, als rech- ter und eigentlicher Herr, dem das merum und mixtum imperium uͤber die ganze Pro- vinz, kraft gegenwaͤrtiger gegen uns erklaͤrter Unterwerfung zustehet, in allen deren Bitten, Artikeln, Clauseln, Puncten und Conditionen, zu confirmiren, zu approbiren und zu ratifici- ren geruhet; wie wir denn solche durch gegen- waͤrtigen unsern offenen Brief confirmiren, approbiren, ratificiren, und beschliessen, daß solche von nun an und zu ewigen Zeiten ge- buͤhrender massen stets steif und unverbruͤch- lich sollen gehalten werden. Wobey wir je- dennoch dem vtili dominio des durchlauchti- gen Herrn Meisters mit dieser unsererer Con- firmation in seiner Durchlauchtigkeit Landen nichts derogiren oder entziehen. Urkundlich und zu mehrerer Beglaubigung alles vorge- setzten, haben wir unser Jnsiegel gegenwaͤrtig unten dabey angehaͤnget. Gegeben zu Wilna, den sechsten Tag nach S. Catharinen. Jm Jahr Christi 1561. Unsers Koͤnigreichs im 31sten Jahre. Die- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Mit dem Schlus des Hornungs langte der zur Annehmung des Unterwer- 1562 fungseides gevolmaͤchtigte koͤnigliche Gesandte zu Riga an, der so gleich die Lan- desstaͤnde verschreiben und den 5ten Merz zur Huldigung nach der Stadt berufen lies, nachdem der Ordensmeister den 3ten Merz der Stadt Riga ihren bisheri- gen Eid erlassen Des Herrmeisters Gotthards Remißbrief. V on GOtttes Gnaden wir Gotthard Meister deutsches Ordens zu Liefland thun kund und bekennen mit diesem offenen Briefe vor uns und unsern ganzen Orden und sonst maͤnniglich. Nachdem diese Lande in Liefland von dem Russen in das 5te Jahr mit erbaͤrmlichen Rauben, Brand und Todschlag so gar vernichtet, daß sie sich laͤnger durch eigen Vermoͤgen zu erhalten mit nichten gewust, und obwol wir mit fle- hentlichem Suchen, Bitten und Anhalten die roͤmisch -kaiserliche Majestaͤt, unsern al- lergnaͤdigsten Herrn, samt des heiligen Reichs Churfuͤrsten und Staͤnden auf vielen Reichsversamlungen um Huͤlfe, Trost und Rettung angelanget, die uns und gemeiner bedruckten Landschaft zu Liefland statlich verheissen, aber im geringsten uͤber Verhof- fen nichts erfolget, ohne daß wir auch mit Verpfaͤndung auch freiwilliger Abtretung etlicher unsrer Land und Leute die benachbarten Potentaten und Koͤnige zum Beistand bewegen wollen, als haben wir doch bey demselbigen gar nichts beschaffen koͤnnen, und ist uns endlich etlicher benachbarten Huͤlfe und Beistand mehr zum Schaden als From- men gerathen, welches alles, da nicht allein wir, besondern die algemeinen Herren Staͤnde und Staͤdte in diesen Landen angemerket, haben sie lieber einmuͤthig sich bene- benst uns der koͤniglichen Majestaͤt in Pohlen als dem nechstgesessenen Potentaten un- tergeben und vertrauen wollen, als in solcher Ungewisheit das Uebrige dem Russen zum Raube bleiben und uns und sie sonst des Landes entsetzen lassen wollen. Und alsdenn solche Unterwerfung die koͤnigliche Majestaͤt hoͤchstermeldt nicht annehmen wollen, wir haͤtten Jhro koͤnigliche Majestaͤt dann unser Antheil an der Stadt und Hause Riga und was Gerechtigkeit unsere Vorfahren und wir daran gehabt, und damit durch die roͤmische kaiserliche Majestaͤt und Paͤpstliche Rechtens, auch sonst erhaltener Gewohnheit, Re- cessen und Vertraͤge versehen und bekommen, volkommen cediret, abgetreten und Jhro Majestaͤt gaͤnzlich uͤberlassen. Ob wol dis uns ganz schmerzlich zu thun, dennoch, da- mit die armen Lande deshalben auch laͤnger nicht versaͤumet und unschuldig Blut weiter vergossen moͤchte werden, haben wir Jhro koͤniglichen Majestaͤt Ansinnen stat geben muͤssen. Dieweil das aber nicht anders in Ceßion desselben angestanden, denn das wir gemeldte Stadt und darinnen wohnende Buͤrger bey der wahren Religion aug- spurgischer Confeßion erhielten, Jhnen auch Sicherung bey hoͤchst ermeldter koͤnigli- chen Majestaͤt ausbraͤchten, daß solche Subjection der Stadt samt den Einwohnern ohne Verletzung ihrer Ehre und ohne Schaden ihrer Nahrung seyn moͤchte, zudem daß ihnen alle ihre Rechte, Gerichte, Privilegia, Statuten, Gewohnheiten, und darauf D d d d der . Nicolaus Radzivil, Herzog zu Olika, welchen sein Koͤnig Dieses alles bestaͤtigte der Koͤnig mit nachfolgendem Eide. Iuramentum Sacrae Regiae Maiestatis. E go sigismvndvs avgvstvs Dei gratia Rex Poloniae Magnus Dux Lithua- niae, Russiae, Prussiae, Mazouiae, Samogitiae, Liuoniaeque Dominus et Haeres, iuro, spondeo et promitto, ad haec sancta DEI Euangelia, quod omnia iura, libertates, priuilegia, immunitates prouinciae Liuoniae , ecclesiasticas et secula- res, ecclesiis quoque et spirituali eorum Statui, Archiepiscopo, Episcopis, Princi- pibus, Magistris, Capitulis, Commendatoribus, Aduocatis, Nobilibus, Vasallis, Ciuibus, Incolis et quibuslibet personis, cuiuscunque status ac conditionis existen- tibus, per Imperatores Romanos , et alios quoscunque Reges, Duces, Principes, Ordinis Teutonici Magistros, et alios legitimos magistratus illi Prouinciae et Stati- bus concessas, manu tenebo, seruabo, custodiam et attendam in omnibus conditio- nibus atque punctis. Omnia illicite ab eadem Prouincia alienata, aut per hos belli tumultus Moscho- rum auulsa, pro posse meo et coniunctarum Prouinciarum mearum ad proprieta- tem eiusdem prouinciae armis siue pactionibus recuperabo, aggregabo. Terminos eiusdem Prouinciae non minuam, sed pro posse meo diminuta et in potestatem hostium redacta recuperabo, defendam et dilatabo. Sic me DEVS adiuuet, et haec fancta DEI Euangelia. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1562 Koͤnig zu diesem ansehnlichen Geschaͤfte ernennet hatte, versicherte nach einer kur- zen Anrede nochmals allen die ausnehmende koͤnigliche Huld und betheurte mit ei- nem foͤrmlichen Eide, soͤ wahr ihm GOtt helfe und diese heiligen Evangelia, wel- che Worte er in die Seele seines Principalen schwur, daß alle vorerwehnte und nunmehr mit des Koͤnigs Hand unterzeichnete Artikel nach ihrem ganzen Jnhalt ge- treulich und ohne Gefehrde gehalten werden solten. Er nahm hierauf Kettlern den Eid der Treue ab, welcher sein Ordenskreutz, das grosse Siegel, die kaiserli- chen und koͤniglichen Urkunden und Gnadenbriefe, die Schluͤssel zum Schlos und der Stadt, zuletzt aber mit seinem Gebietigern den Ordensmantel ablegte, und alles unter vielen Thraͤnen der saͤmtlichen Anwesenden in die Haͤnde des koͤniglichen Gevolmaͤchtigten uͤberreichte. Die Comturen und Voͤgte, die Ritterschaft und Vasallen, die Buͤrgermeister der Staͤdte mit der gesamten Buͤrgerschaft schwuren ihren besondern Eid. Zuletzt verlas der Herzog Radzivil das koͤnigliche Diplo- ma, laut welchem der bisherige Ordensmeister Gotthard Kettler zum Herzog von Curland und Semgallen bestaͤtiget war, worauf der Landadel hinzu trat, und dem Herzog huldigte. Den Tag nachher, als den 6ten Merz, fuͤhrte Rad- zivil den neuen Herzog als immerwaͤhrenden koͤniglichen Gouverneur der Pro- vinz Liefland auf dem Rathhause der Stadt ein, und uͤberreichte ihm die Schluͤs- sel der Stadt von Seiten des Koͤnigs in treue Haͤnde. Solchergestalt fiel diese schoͤne Provinz der Kron Pohlen anheim. Die Lieflaͤnder, samt der Stadt Riga, hatten an der pohlnischen Regimentsform viele Jahre zu lernen, und konten selbiger doch nie recht gewohnt werden; daher sich die Stadt Riga bey Unterwerfung des ganzen Landes allein an das roͤmische Reich hielt, und dem Koͤnig den Eid zu thun, sich fast 20 Jahr weigerte Die Lection war der Stadt so schwer, daß sie erst 1581 dem Koͤnig in Pohlen den wahren Huldigungseid hersagte. Man sehe den Menius Prodr. S. 32 und die noch vorhandenen Documente. Henning Salomon Henning Thuringus Vinariensis lies 1589 als curlaͤndischer Kirchenvisitator in Liefland einen warhaftigen und bestaͤndigen Bericht von Religionssachen des Fuͤrstenthums Cur- land und Semgallen in Liefland, nebst dem Leben und Sterben des ersten Herzogs von Cur- land zu Rostock in Folio drucken, dem hinten sein adliches Diploma angehaͤnget worden. Jm Jahr hat also geirret, wenn er S. 68 meldet, Ri- ga . Nun- der Stadt Freiheiten stuͤnden, confirmiret und bestaͤtiget wuͤrden, ehe sie von uns des Ei- des und Pflicht erlassen, damit sie uns verbunden und solches uns von hochgemeldter koͤnig- lichen Majestaͤt nicht allein statlich zugesaget und belobet, besondern auch an stat Jhro Ma- jestaͤt von dem durchlauchtigsten Fuͤrsten und Herrn, Herrn Nicolao Radzivil, in Qlika und Niswitz Herzogen, wilnischen Woywoden, die Zeit alhier anwesenden koͤniglichen Gesandten aus habender Volmacht confirmiret und bestaͤtiget worden. Und wir daher vernommen, daß unsre liebe Unterthanen und gemeine Stadt Riga in glei- cher Freiheit unter die kaiserliche Majestaͤt kommen koͤnte, als sie von uns erlassen, und ihnen daran nichts mehr mangelte, denn allein, daß wir sie durch oͤffentliche Remis- sion des Eides, Gehorsams und Pflicht erliessen, damit sie uns verwandt gewesen; als bedanken wir ihres Gehorsams und Treue, die sie bey uns in friedlichen so wol als jetzigen Zeiten erwiesen; Erlassen sie derowegen kraft dieses Briefes, vor uns und un- sern ganzen Orden aller Pflicht, und wollen, daß sie im Namen und Furcht GOttes sich in der koͤniglichen Majestaͤt zu Pohlen Treue und Gehorsam begeben, und wuͤn- schen ihnen von Herzen, daß der almaͤchtige GOtt die gute Stadt unter ihrer Majestaͤt Regierung lange gottselig, friedlich und zu allem Guten erhalten wolle, und damit des- halben niemand an Ehren zu besprechen oder auch zur Unbilligkeit zu Rede zu setzen, haben wir ihnen von uns und unserm ganzen Orden diesen Brief williglich gegeben, mit unserm Amts Jnsiegel besiegelt und mit eigener Hand unterschrieben. Gegeben zu Riga den 3ten Martii, nach Christi unsers Herren Geburt 1562. ( L. S. ) Goddertt, Meister manu propria. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. Nunmehr stand das zertheilte weitlaͤuftige Liefland unter 5 gebietenden 1562 Herren, die ihren neuen Unterthanen das veraͤnderte Regiment durch mancherley zugestandene Vortheile ertraͤglich zu machen suchten. Der Czaar von Rußland, Jvan Basilowitz, welcher ausser der Stadt Narva das ganze Stift Doͤrpt, D d d d 2 Allen- ga habe dem Koͤnig schon 1562 am 6ten Merz ordentlich geschworen, welches doch in der neuen Auflage weggeblieben; obgleich das seine Richtigkeit hat, daß Kettler ih- renthalben mit Sigismund Augusten in Unterhandlung getreten. Sie hat sich ihr urspruͤngliches Recht, den dritten Stand in Liefland abzugeben, und ununterworfen zu bleiben, weder von dem Erzbischof noch dem Orden ganz abstreiten lassen. Man mus ihr Betragen, ihre Widerspruͤche und die Ausfuͤhrung derselben wider die bei- den andern Staͤnde in der Historie aus einem ganz andern Gesichtspunkt ansehen, als aus dem Verhaͤltnis der Unterthanen gegen ihre ordentliche Obrigkeit. Jetzo wurde sie einer Last von selbst los, an der sie sich uͤber 200 Jahr, von ihrer Unterwerfung unter dem Orden an zu rechnen, fast muͤde geschuͤttelt. Kurz Riga genos unter roͤmisch- kaiserlichem Schutz ihre uralte Freiheit, und praͤgte auf ihren Muͤnzen zum Andenken dieser Unabhaͤngigkeit ihr Wapen auf beide Seiten: sie hat aber nie den roͤmischen Reichsadler nach dem Beispiel andrer freien Reichsstaͤdte gefuͤhret, und den Kaiser nur als Schirmherrn, nicht aber als Oberherrn erkant. Als sich bey dieser fast 20 jahrigen Freiheit viele Wolken aufzogen, wolte die Stadt diesem Gewitter entgehen, und unter- warf sich der Krone Pohlen mit einem unerwarteten und ungleich groͤsserm Verlust ih- res Gluͤcks, als das Land nach seiner Unterwerfung kaum erfahren koͤnnen. Paulus Piasecius in seiner Chronik berichtet ausdruͤcklich, daß die Stadt aus Bewunderung der heldenmuͤthigen Thaten des Koͤnigs Stephani und aus freiem Triebe ihm gehul- digt, und den Eid der Treue in die Haͤnde des Demetrius Solikovski abgelegt habe. Allein diese Willigkeit hatte ihren Grund theils in den glatten und suͤssen Worten, theils in den scharfen Drohungen der Pohlen, hauptsaͤchlich aber in den vortreflichen zugestan- denen Freiheiten, Vorrechten und Privilegien von Seiten eines grosmuͤthigen Koͤnigs, an deren Erfuͤllung hingegen die Republik nicht immer gebunden seyn wolte. Die Hi- storie der rigischen Unterwerfung ist nach dem Archiv kuͤrzlich diese: Die Stadt fer- tigte den 7ten Octobr. 1561 eigene Gevolmaͤchtigte nach Vilna ab, wozu die Buͤrger- meister Hinrich von Ulenbrock und Johan zum Berge, der Syndicus Stephan Schoenbach, der Rathsherr Melchior Kirchhoff und der Secretair Johan Tastius ernennet waren. Als der Erzbischof und Herrmeister den Unterwerfunfseid leisteten, so gab die Stadt nur den Handschlag, sich von den Pohlen nicht zu trennen, weigerte sich aber so lange den Eid abzulegen, bis sie die Bestaͤtigung ihrer Privilegien, Rechte und Freiheiten erhielt, und der Kron Pohlen einverleibet wuͤrde, und erbot sich indessen mit ihrem Siegel die vorige Versicherung zu unterzeichnen. Sie protestirte aber gleich gegen alles, da der Koͤnig dem Erzbischof und seinem Coadjutor bey seinem Stifte uud Kirchen geistlich oder weltlich zu bleiben freie Macht gab, dem Herrmeister aber ein Theil von Liefland mit dem fuͤrstlichen Titel zuzuwenden versprach. Daher verfertigte der kluge Radzivil den 17ten Merz 1562 die so genante zweite Caution und gelobte die koͤnigliche Bestaͤtigung, dieselbe auf dem naͤchsten Reichstage zu Petricow daruͤber zu verschaffen. Weil diese noch grosmuͤthiger als die erste heraus kam, lies sich die Stadt gefallen, einen Eventualeid nach diesem Formular abzulegen. Jch N. N. lobe und schwoͤre, daß ich bey der Unterwerfung, welche dem aller- durchlauchtigsten Fuͤrsten und Herrn, Herrn Sigismund Augusto, Koͤnig zu Pohlen, Jahr 1590 kam seine lief- und curlaͤndische Chronik zu Rostock durch Augustin Ferber den Juͤngern in Folio zum Druck, welcher Ausgabe wir uns bedienet haben. Sie wurde zum andern mal zu Leipzig 1594 durch Zachariam Berwaldt in eben dem Format zu drucken angefangen und 1595 geendiget. Jn dieser letzten sind 4 Blaͤtter auf Befehl des Koͤnigs von Pohlen, und der Churfuͤrsten des Reichs unterdruckt worden, weil die Stadt Riga durch ihren Syndicus Hilcken drauf drang, und ist unter andern Unrichtigkeiten die Beichuldigung des Krumhausen, Bl. 32 aber der koͤniglich pohlnische Eid weggeblieben. Chytraͤus muste gleichfals in seiner an- dern Auflage das Privilegium vom 6ten Tage nach Catharinen weglassen, wie es denn auch in desselben deutschen Uebersetzung nicht mit befindlich ist. Doch dadurch ist weder das herrliche Privilegium vertilget, noch der koͤnigliche Eid aus dem corpore priuileg. Nobilit. Liuoniae aus- gekratzet worden, als welcher ein wesentliches Stuͤck der Unterwerfungsvertraͤge in selbigem aus- macht. Henning befoͤrderte die schoͤne Kirchenordnung, welche der Herzog Kettler zu Rostock 1570 drucken und in Curland einfuͤhren lies, die aber nun sehr selten und fast unsichtbar ge- worden. Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1562 Alentacken, einen Theil von Wirland und Jerwen, ja alle Schloͤsser und Oerter laͤngst der rußischen Grenze erobert hatte, zog viele Buͤrger und Kauf- leute ins Land, und befoͤrderte die Handelschaft. Der Koͤnig von Schweden Erich der XIV te, welchem die Provinz Harrien mit der Hauptstadt Revel und einem Pohlen, Grosfuͤrsten zu Litthauen, Reussen, Preussen, Samogitien und Liefland Herr, von mir geschehen, erklaͤret und bekant habe, so ferne dasjenige, was der durchlauchtige Fuͤrst und Herr wilnischer Woywode in seiner fuͤrstlichen Durchlauchtigkeit Verhandlung und gegebenen Caution zu volziehen zugesaget, durch Jhro koͤnigliche Majestaͤt bestaͤtiget, und auf dem Reichstage zu Peterkow durch Verwilligung der Subjection nebst der Einverleibung durch alle Staͤnde des Reichs des Grosfuͤrstenthums Litthauen und allen andern zugehoͤrigen Herrschaften wird ratificirt, angenommen und gehalten werden, bestaͤndig und unwiederruflich wie ein getreuer Unterthan bleiben wil, und mich mit Gehorsam und Treu an keinen andern Herrn schlagen; als mir GOtt helfe und sein heiliges Wort. Es giengen hierauf neue Abgeordnete zur Einholung der bestaͤtigten Privilegien ab, nemlich der Buͤrgermeister Hinrich von Uhlenbrock, der Rathsherr Lorenz Zimmer- mann, und die Elterleute beider Gilden Jost Lohmann und Urban Rosendahl, sie empfiengen aber unterwegens das koͤnigliche Schreiben, in welchem der Reichstag verscho- ben ward. Dem ohnerachtet giengen sie vor den Koͤnig, der sie nach Empfang zweier uͤberguͤldeten Pocale mit ihrem Ansuchen auf den rechten Reichstag verwies. Doch mit der Zeit wurde aus der grossen radzivilschen Vorstellung nichts und die Stadt nahm ihren Eid zuruͤck, weil die Bedingungen der freiwilligen Unterwerfung unerfuͤllet blieben. Wie auch einsmals Chotkiewitz Ernst brauchen wolte, und in die Worte ausbrach: Er komme nach Riga nicht wie der Orator Radzivil, sondern als koͤniglicher Admini- strator, so kam er doch wegen des starken Wiederspruchs nicht zu seinem Zweck. Jn- dessen kostete es der Stadt ein ansehnlich Geld und viele Muͤhe, sich in Freiheit zu erhal- ten. Blos zu Sigismundi Augusti Zeiten wurden eilfmal kostbare Gesandten an den Koͤnig abgefertiget, der auch neunmal seine Commissarien an die Stadt schickte, und Un- terhandlungen uͤber die Unterwerfung anfangen lies, von welchen aber der Koͤnig in 12 Jahren das Ende nicht erlebte. Zur Zeit der Thronerledigung sandte die Stadt ihre Abgeordnete einmal nach Pohlen, zweimal an den Kaiser Maximilian, und viermal an den Koͤnig Stephanus, wuͤrde auch den Kaiser zu ihrem unmittelbaren Schutz- herrn angenommen haben, wenn Wien so nahe als Warschau gewesen waͤre, und sie nicht nach dem Beispiel der Staͤdte Thoren, Danzig und Elbingen sich beson- derer Freiheiten getroͤstet haͤtte. Denn ob ihr gleich der Herzog Hans zu Mecklen- burg, wie auch der jnnge Herzog Barnim in Pommern anlagen, daß sie ihren Schutz annehmen moͤchte, so fand sie doch weder bey einem nach dem andern Vorschla- ge eine dauerhafte Sicherheit. Die zweite radzivilische Caution ist werth hier auf- gehoben zu werden, da sie zumal noch nirgends gedruckt gelesen worden. Cautio altera Radziwiliana. N icolavs radziwil, dei gratia, in Olika etc. Nieszwises Dux, Dominus in Grodek et Klecztko , Palatinus Vilnensis , Magni Ducatus Lithuaniae supre- mus Marechallus et Cancellarius Brzestensis, Caronen. Boriszoviensis Schawlenque Capitaneus generalis. Significamus praesentibus literis nostris vniuersis et singulis quorum interest: Quod cum serenissima Regia Maiestas Poloniae , ex innata Regia benignitate ac propensa voluntate, pro salute Reipubl. Liuoniae , nos iam ad status eiusdem Prouinciae ablegarit, vt a reliquis statibus, qui id Vilnae non praestiterant, pro ratione vniuscuiusque conditionis homagium fidelitatis ac obedientiae, iuramen- ti Religione, firmandum exigeremus, itaque, Vilnae pacta et constituta expedire- mus; Eaque nobis commissa negotia cum Consulibus Senatoribus, totique commu- nitati Ciuitatis Rigensis , necessariis ad haec circumstantiis proponeremus, ac scriptis cum illis tractaremus, donec tandem sese in eam sententiam declararint, quod pro- fessae iam antea Sac. Reg. Maiest. conditionali subiectioni, gratia propriae omnium salutis etiam num insistere, eamque hisce renouatam ac corporalis iuramenti praesta- tione, iuxta statutam desuper formulam, eo, vt sequitur, modo confirmatam, ei- que prorsus inhaerere censuerint. Primo, ne cautioni nostrae eis praeterita aestate anni sexagesimi primi super praestito tunc consensu datae, aliqua in parte deroge- tur, sed in praefixis suis terminis firmiter ac inuiolabiliter seruetur, ac a Sac. Reg. Ma- Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. einem Theil von Wirland zugehoͤrte, that ein gleiches, und berief die ausgetre- 1562 tene Ritterschaft aus Rußland zuruͤck, mit Versicherung, daß ein jeder die Guͤter erblich besitzen solte, die er den Russen abnehmen wuͤrde. Der Herzog Mag- nus von Hollstein, welcher Herr uͤber die Jnsel Oesel und die Wyck war, ver- Maiestate, sicuti non aliter sperant, idoneis ac ad rem facientibus modis ac mediis ad effectum perducatur, Promittimus itaque ac recipimus iis Sac. Reg. Maiest. I. omnia, in praestita illa nostra cautione prouisa, ratificaturam, approbaturam, omniaque ac singula, in ea retenta, honori ac famae totius communitatis Rigensis cedere perfecturam, ita vt nihil damni et incommodi iis inde metuendum sit quod quidem omne Sacra eius Regia Maiestas Regni sui Poloniae , Magnique Ducatus Li- thuaniae , ac reliquorum suorum Dominorum ad id adducto atque obligato pa- trocinio praecauebit ac auertet. Secundo, quandoquidem eiuitas ac com- II. munitas haec, medio hoc iuramento Sacram Regiam Maiestatem suum Domi- num recognoscit: ideoque a nobis Sacrae Regiae Maiestatis Oratoris nomine omnia Priuilegia, Iura, beneficia, libertates, gratias, immunitates, Iudicia, statuta, omnis generis, omniumque iurium transactiones, pacta, eiusque generis reliqua, cuius- cumque nominis sint, Ciuitatis Iurisdictioni, consuetudini, vsui ac proprietati di- cata, spiritualia siue ciuilia, a quibuscumque etiam concessa iis sint, sibi confirmata velint, vt ea in vniuersum omnia et singula, auctoritate Sacrae Regiae Maiestatis nobis concessa illis ratificare, stabilireque dignaremur: cum igitur agnoscimus id ipsum ex Regio mandato, quo fungimur, ab officio nostro alienum non esse: Id circo nomine Sacrae Regiae Maiestatis omnia ea ac singula, pro fide Principis Viri, expressis, ac indubitatis verbis hisce confirmamus ac ratificamus, ac sicuti literis ac sigillis comprehensa ac munita vel longa praescriptione ac consuetudine obtenta ac possessa sunt: Ita etiam Senatui ac toti communitati ea omnia libera atque integra habere ac retinere hisce concedimus, vt iis absque Sacrae Regiae Maiestatis vel vllius impetitione ita affectualiter atque executiue vti ac frui possint; Si etiam in aliquo istorum omnium siue a Domino Archi-Episcopo, siue Magistro Liuoniae turbati ac molestati sint, ex tractatis hisce negotiis inde nihil prorsus Iuris ad Serenissimam Regiam Maiestatem deuoluetur, sed penes Ciuitatem remanebit. Concedimus etiam acilibe- ram illis relinquimus facultatem cum Sacra Regia Maiestate de omnibus suis Priuile- giis, quae et qualia ea etiam sint, vel in posterum acquirantur, in genere et in specie solidius agendi, et ab eius Sacra Regia Maiestate eorundem corroborationem expe- tendi, prout etiam hisce nos obligamus Sacrae Regiae Maiestatis consensum et con- firmationem subsecuturam ac Senatum, Populumque ciuitatis huius ea vice satis su- perque securos fore. Praecipue autem cauemus, in quibus partibus contra Domini Magistri datas literas homagiales, vel in aliis suis Iuribus ac libertatibus, praeser- tim ex nouis prope arcem structuris ac molestis in Dunae flumine, nec non in ipso portu illatis, sese laesos sentiunt, subsecuta primo quoque tempore Regia confir- matione, eos in iis omnibus pristinae suae attributae libertati statim restituendos, et omnia contraria ac noxia fore amouenda. Tertio, quia igitur Senatus, totaque Communitas Sacrae Regiae Maiestati iu- III. ramentum fidelitatis iam offert, certiores eos fieri sane conuenit ac necesse est, quod si et in quantum professa haec subiectio a statibus Regni Poloniae non approbaretur et neque regno neque aliis coniunctis Sacrae Regiae Maiestatis dominiis incorpora- retur, atque ita non vnita separaretur; Quod eo casu Ciuitas Rigensis Magno Du- catui Lithuaniae subiecta esse non censebitur. Qua propter recipimus et cauemus, quod Ciuitas Rigensis eo casu Magno Ducatui Lithuaniae subiecta et incorporata esse non debeat. Nec erit etiam ad vnionem aliquam separatim obstricta, sed saltem coniunctim cum Regno Poloniae , Magno Ducatu Lithuaniae , et reliquis ditionibus pro arbitrio, sicuti id ex refore visum fuerit, sese vnire ac incorporare licebit; Haec autem omnia, vbi statuum Regni Poloniae ac Magni Ducatus Lithuaniae consensu recepta fuerint: Recipimus etiam Sacram Regiam Maiestatem eos ad praesentissima huic ciuitati ferenda auxilia, promptos habituram qui ingruente periculo Ciuitatem sua ope non deserent: Vnione autem ac defensione non sublecuta Ciuitas Rigensis Sacrae Regiae Maiestati tantum Iuramento ac fide obstricta censebitur, ita tamen, vt si (quod absit) controuersia siue discordia in Sacrae Regiae Maiestatis Regno ac Dominiis oriretur, Ciuitas Rigensis se nulli parti applicet, neque aduersus alteram partem belli ansam praebeat. Quod si etiam Sacra Regia Maiestas necessarium, ac E e e e pro- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, 1562 verschafte seinen Untersassen schoͤne Freiheiten, welche sein Herr Bruder, der Koͤ- nig Fridrich von Daͤnnemark, den 14ten Merz versiegelte. Der Koͤnig von Pohlen Sigismund August, raͤumte seiner Provinz Lettland, in welcher der Erzbischof Wilhelm nur noch wenige Guͤter hatte, ein Vorrecht nach dem andern ein. Curland und Semgallen genossen unter ihrem Herzog Gott- hard ein gar gnaͤdiges und gluͤckliches Regiment. Jedoch da diese Theilung un- gleich und nicht nach jedermans Geschmack war, so legte sie den Grund zu vielen schaͤdlichen Unruhen, und machte das ausgemergelte Liefland noch lange Zeit zu einer betruͤbten Schaubuͤne blutiger und landverderblicher Kriege Dis war also das Ende des geistlichen und Ordens-Regiments in Liefland. Die Haͤupter der lieflaͤndischen Republik uͤbten alle oberherrschaftliche Rechte aus. Nach diesem Rechte landesherrlicher Hoheit schrieben sie Landtaͤge aus, nahmen die Huldi- gung von Vasallen und Unterthanen an, ertheilten die Landesgesetze, bestimten die oͤf- fentlichen Abgaben, hielten ihre eigene Manschaft, fuͤhrten Kriege fuͤr ihr Eigenthum, schlossen Frieden, trafen Buͤndnisse, liessen Muͤnzen praͤgen, und das alles nach Art aller freien Republiken mit einer aristocratischen nnd unumschraͤnkten Gewalt. Sie stelten Privilegien aus, belohnten verdiente Leute mit Guͤtern, bestaͤtigten das alte Her- kommen, blos mit Rath, Vorwissen und Vollbort ihrer ehrsamen Mitgebietiger; welchen Handlungen manchmal das paͤpstliche, und manchmal das kaiserliche Ansehen ein proprio de sanguine natum haeredem successorem non habuerit, regnique admini- strationi renunciauerit, et aliis cesserit electionem eam et cessionem Sacrae Regiae Maiestati integrum non erit absque consensu Ciuitatis Rigensis instituere. Vbi autem et quatenus regnum Poloniae simul et Magnus Ducatus Lithuaniae cum reliquis Do- miniis vnum Regem Poloniae , vt omnium illorum Dominorum Regem agnoscunt ac colunt, eo casu Ciuitas Rigensis Maiestati Regiae fide ac obedientia obstricta erit: quatenus a se (quod absit) diuiserint, et diuisos Reges ac Dominos cooptauerint, tunc Ciuitati Rigensi licebit sequi partes quas voluerint, siue Regni, siue Magni Du- catus Lithuaniae. Quatenus vero Ciuitati integrum non fuerit, sese alterutro horum Dominorum subiicere, liberum ei relinquitur, tunc sese aliis Regibus ac Principibus applicare; quo casu omnia Ciuitatis huius Sacrae Regiae Maiestatis iam resignata ac acquisita Iura tunc rursum Ciuitati libera cedent Dieser Satz, daß die Stadt bey einem etwanigen Kriege zwischen Pohlen und Litthauen neu- tral bleiben, oder nach Belieben sich nach einen andern Herrn umsehen koͤnne, wenn Pohlen und Litthauen, jedes seinen eigenen Koͤnig erwehle, war dem Koͤnig Stephanus ein Dorn im Au- ge. Chytraͤus S. 528 bemerket, daß Stephanus, als ihn die Deputirten der Stadt um die Bestaͤtigung dieser Caution oͤfters ersuchet, endlich in die Worte ausgebrochen, er wolle lieber die Stadt Riga gar nicht haben, als auf die radzivilische Buͤrgschaft und die darin enthaltenen be- schwerlichen Conditionen selbige annehmen. . Quae omnia et singula, cum Consules, Senatus ac tota communitas Ciuitatis Rigensis humillime nos rogauerint, vt autoritate Sacrae Regiae Maiestatis, qua hoc nomine fungimur, consensu nostro affirmare, corroborare, eorundemque ratificationem, vlteriorem confirmationem, adauctiouem, et incrementum apud Sacram Regiam Maiestatem recipere atque illis cauere dignaremur. Nosque ratione mandati ac plenipotentiae nobis in hac parte concessae, officii nostri esse duximus, vt hisce adeo rationi ac aequitati conuenien- tibus precibus nos faciles praebeamus. Quam ob rem, nomine et ex mandato Sa- crae Regiae Maiestatis nobisque in hac parte concessa facultate pro fide Principis Viri, promittimus, veris recipimus verbis ac cauemus, quod omnes clausulas et articulos, hisce supra insertos firmiter ac fideliter seruare, eorundemque omnium effectum, ratificationem, approbationem, confirmationem et adauctionem apud Sacram Regiam Maiestatem praestare ac perficere velimus, absque vllo dolo et ma- chinatione, fideliter ac fincere iuramenti loco. Harum testimonio literarum, quas manu nostra subscripsimus et sigillo nostro communiri mandauimus. Datae ex Ri- gensi Arce d. 17 Mens. Martii Anno Domini 1562. ( L. S. Ducis Radzi- wilii. ) Nicolaus Radzewill , manu propria. Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. ein groͤsser Gewicht gab. Liefland erkante damals keinen hoͤhern Landesherrn als seinen Erzbischof, seine Bischoͤfe und seinen Herrn Meister. Daß dieses Land ein Reichslehn, feudum imperii, eine Reichsprovinz, Sacri Ro- mani Imperii prouincia, und dessen Regenten Reichsfuͤrsten, Principes Imperii, gewe- sen, ist aus den Documenten unleugbar, in welchen oͤffentlichen Schriften Liefland dem heiligen roͤmischen Reich und der ganzen deutschen Nation unterworfen heisset, auch in vielen die Zeitrechnung nach den kaiserlichen Regierungsjahren bestimmet wird. Da aber andre feuda imperii mit kaiserlichen oder Reichsvoͤlkern auf Kosten des Kai- sers oder des Reichs erobert, Liefland hingegen von seinen ersten Bezwingern Schrit vor Schrit auf eigene Kosten, mit Wagung ihres Lebens und Blutes, gewonnen wor- den; so wird hier noͤthig seyn, die Verknuͤpfung dieser Provinz mit dem deutschen Reich naͤher zu bestimmen. Doch tragen wir diese Materie nur problematisch vor, uͤberlassen die weitere Ausfuͤhrung den Staatskundigen, und noͤthigen niemand seine Einsicht nach der unsrigen zu aͤndern. Die Paͤpste hatten bey den veranstalteten Kreutzzuͤgen nichts weniger zur Absicht als die Vermehrung der Reichsprovinzen. Ausser der Erweiterung ihrer Oberherrschaft sahen sie vielmehr auf die Schwaͤchung und Verringerung der kaiserlichen Macht, und andrer christlichen Potentaten, wie denn die Paͤpste des 12ten und 13ten Seculi recht ab- gesagte Feinde der Kaiser waren. Platina in vitis Pontif. Sie masten sich die Herschaft uͤber alle 3 bekante Theile der Welt an, und wurden von allen Mitgliedern der roͤmi- schen Kirche dafuͤr erkant. Sie waren also das Oberhaupt der Christenheit, auf de- ren Erweiterung sie bedacht zu seyn vorgaben. Aus diesem Officio conseruatorio mus man auch die paͤpstliche Gewalt uͤber Liefland in den catholischen Zeiten herleiten. Kraft derselben ernante der Papst auch andre zu Schirmvoͤgten und Conservatoren der Kirche. So trug Benedictus der XI te 1305 dem deutschen Orden das Schirmamt uͤber die Cisterzienserkloͤster in den Bistuͤmern Doͤrpt, Revel, und Lincoͤping wider den daͤnischen Stathalter auf. Jm Jahr 1316 machte Johannes der XXII ste die Erzbischoͤfe von Coͤlln und Magdeburg, wie auch den Bischof zu Utrecht zu Be- schirmern der lieflaͤndischen Ordensguͤter. Jn den blumenthalschen Tractaten vom 2ten Merz 1486 unterschreibt sich die Krone Schweden ecclesiae Rigensis conserva- trix. Dieses Amt uͤbte der Papst auch uͤber den Orden aus, weil er nicht nur geistlich war, sondern auch seine Stiftung und nachmalige Vereinigung dem Papst zu danken hatte. Die Paͤpste liessen es aus guter Ueberlegung geschehen, daß die Kaiser als weltliche Oberhaͤupter der Christenheit an diesem Schutzamt Theil nahmen. Die Publicisten nennen es ordentlich das Ius Aduocatiae, nach welchem der Kaiser berechtiget war, als das Haupt nicht von Deutschland, sondern von der gesamten Christenheit, alle christ- liche Provinzen und darunter das zum catholischen Glauben bekehrte Liefland, nicht des Landes sondern des Ordens wegen, zu beschuͤtzen. Hiedurch erhielt der Kaiser das dominium uͤber alle geistliche Stifte und Orden, weswegen er dominus und zwar su- premus heist, weil er das Haupt der Christenheit war, directus aber, weil er als un- mittelbarer Protector angesehen wurde, der zugleich andre Koͤnige und Fuͤrsten zu do- minis indirectis ernennen konte. So ertheilte Friedrich nicht als Kaiser, sondern als Protector 1481 an die Koͤnige von Pohlen, Daͤnnemark, Schweden und an den Grosfuͤrsten von Litthauen Befehl, bey Verlust aller ihrer Lehne, Gnaden, Freihei- ten und Privilegien sich auf sein Begehren des Ordens gegen den Erzbischof anzuneh- men. Dieses giebt in den Subjectionspacten der Clausel: Saluo Romani Imperii di- recto dominio, einen ordentlichen Verstand, auf welches Oberrecht die Lieflaͤnder sich so standhaft und zuversichtlich beriefen, und worauf sonderlich die Stadt Riga gegen die Pohlen zn pochen pflegte. Selbst die Ausdruͤcke in den Lehnsbriefen sind hiernach zu erklaͤren, daß durch die ersten Bezwinger, so ferne sie Christen waren, die Grenzen der Christenheit; und so ferne sie Deutsche, obgleich nur Privatleute waren, die Grenzen des deutschen Reichs ausgebreitet und erweitert worden. Bey diesem Schutz- amte hatte der Kaiser kein groͤsser Recht auf Liefland, als auf die ganze Welt. Und so wolten es eben die Paͤpste haben, die den Kreutzfahrern mit ansehnlicherm Vorschub, Rechten und Freiheiten zu Huͤlfe kamen, als die Kaiser nie thun koͤnnen, da ihnen um des oftmaligen paͤpstlichen Bannes willen die Macht in Kirchensachen geleget war, und es ihnen beim Volk an Ansehen fehlte. Da also der Kaiser keine andre oberherschaftliche Gewalt als das Schutzamt uͤber Liefland ausgeuͤbet; so laͤst sich nun daraus der Kaltsinnigkeit des Kaisers und des Reichs eine mildere Deutung geben, welche zur Zeit der lieflaͤndischen Unterwerfung die Er- haltung ihrer eigenen Laͤnder und Unterthanen einer Schutzprovinz und deren Einwoh- E e e e 2 ner Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, nern mit Recht vorziehen konten. Aus dieser Quelle fliesset auch die Rechtmaͤßigkeit al- ler Vertraͤge, welche die Haͤupter der 3 Staͤnde, nemlich der Erzbischof, der Herr Meister und die Stadt Riga mit der Crone Pohlen errichtet, weil sie uͤber ihr eignes, nicht aber uͤber ein kaiserliches Land schalteten, obgleich gegen diese Befugnis verschie- dene Einwendungen zum Vorschein kamen. Menii prodrom. S. 37. Nach diesem Grunde nennet Ferdinand I in dem Schutzschreiben an den Koͤnig Gustav von Schweden 1558 die Provinz Liefland gar eigentlich Seiner Andacht, des Herrn Meisters, und Jhres Ordens Lande. Selbst das Betragen der estlaͤndischen Rit- terschaft und der Stadt Revel mus hieraus gerechtfertiget werden, die dem Herrmei- ster den Eid aufkuͤndigten, und so wie ihre Mitbruͤder in Liefland sich berechtiget hiel- ten, einem andern christlichen Potentaten gegen die vortheilhaftesten Bedingungen die Unterwerfung anzubieten. Ausser diesem Rechte der Advocatur oder des Schutzamts hat weder der Kaiser noch das Reich uͤber Liefland sich irgend etwas anmassen koͤnnen noch wollen, welches aus folgenden Beweisthuͤmern klaͤrer wird. 1. Aus der Belehnungsart. Die Paͤpste befoͤrderten durch Bullen und Ablas die Bekehrung der Heiden. Der dritte Bischof Albert erhielt zur Bezwingungderselben von dem daͤnischen Hofe Geschenke und Schiffe. S. Grubers Orig. beim Jahr 1198 Not. d) und 1199 §. 1. Als er in Gegenwart des Kaisers Philip die Frage auf- warf, ob Liefland unter paͤpstlicher Protection stehen solte, ward selbige mit ja beant- wortet. Er sahe sich nach der Huͤlfe andrer Koͤnige um, wandte sich 1205 ans Reich, nahm Liefland zum Lehn, solte auch vom Kaiser Philip jaͤhrlich 100 Mark zur Bei- huͤlfe empfangen, die aber nicht ausgezahlet wurden. Ein so ausserordentliches Lehn, das die Jnhaber sich mit ihrem Blute und auf eigene Kosten erwarben, dem Lehnsherrn uͤbergaben, Geld dazu begehrten, und hernach wieder in Empfang nahmen, kan wol in keine andre Classe als unter die feuda Aduocatiae des Reichs kommen. Das dritte Theil dieses Lehns verliehe Albert an den Orden, welches der Papst 1206 §. 3 bestaͤtigte. Albert zerfiel 1219 mit den Daͤnen wegen Estland. Er behauptete standhaft gegen sie, daß die Pilger und Rigischen unter der heiligen Marienfahne Gerwen erobert, und ihre Priester frey in Wirland predigen koͤnten. Dis machte den Koͤnig eifersuͤch- tig, und hemte die bischoͤfliche Vortheile. Der Bischof wandte sich an den Papst und den Kaiser; konte aber sein Liefland schlecht anbringen, und uͤbergab dasselbe mit Estland in die Gewalt des Koͤnigs von Daͤnnemark, doch mit der Bedingung, wenn seine Geistlichen, der Orden und die Rigischen darein willigen wuͤrden. Als der koͤnigli- che Vogt Gottschalck 1220 davon Besitz nehmen wolte, wiesen ihm die Lieflaͤnder den Heimweg. Jm Jahr 1221 begab sich der Koͤnig dieses Rechts, welches er auch 1224 §. 6 bestaͤtigte. Aus Estland schafte der paͤpstliche Legate Deutsche und Daͤ- nen heraus, und nahm es bey den Streitigkeiten fuͤr den Papst in Sequester, der es bey der Vereinigung der Lieflaͤnder mit dem deutschen Orden den Daͤnen wieder zu- sprach, dem Orden aber Gerwen beilegte. Was nun vorher schon durch den Papst geschehen war, setzte der Kaiser Friedrich in seinen Lehnsbriefen als zweiter Schutzherr in groͤsseres Ansehen. 2. Aus der Bezwingungsart. Weder der Kaiser noch das Reich haben Liefland besetzen lassen. Einige Privatpersonen, die bey Gelegenheit der Kaufmanschaft ein Land entdeckten, und etliche Geistliche zur Bekehrung der Heiden mit in ihre Vortheile zogen; etliche Edle, die sich vom Bischof mit dem Kreuz bezeichnen, und zur Verge- bung ihrer Suͤnden zum Kampf wider wilde Barbaren muthig machen liessen; selbst einige Herzoge, Fuͤrsten, Grafen, Freiherren, die zur Seligkeit ihrer Seele, wie es die Einfalt ihrer Zeiten glaubte, dieses Kreuz aufnahmen, und eine freiwillige Pilger- schaft zur Ausbreitung des christlichen Namens auf eigne Unkosten antraten; alle diese Streiter machten keine Reichsarmee aus, die ihr Vaterland verliessen, um fuͤr den Kai- ser und das Reich neue Laͤnder zu erfechten. Das Reich hat nie das gelobte Land fuͤr seine Provinz angesehen, obgleich unter den Kreuzzuͤgern die Hauptarmee aus Deut- schen bestanden. 3. Aus der Natur des Schirmamts. Nach selbigem hatte der Papst so viel Recht als der Kaiser. Des erstern Bann stellete wenigstens noch so viel als eine kleine Armee vor. Der letztere hat keinen Man fuͤr Liefland zu Felde gehen lassen, auch nicht in Faͤllen, wo es die Noth erfordert haͤtte. Estland war durch die Daͤnen erobert. Der Papst sorgte dennoch dafuͤr, und nach Goldasten bot der Kaiser Friedrich den Esten die Freiheit an. Beide wolten der Krone Daͤnnemark dadurch ihr Eigentumsrecht nicht streitig machen. Waͤre der Schutzherr zugleich Landesherr; so wuͤrde der Orden Estland um sein baares Geld fuͤr den Kaiser und das Reich erkauft haben. Wie aber Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. aber dieses niemand sagen wird; so wird es wol bey dem Sprichwort der Publicisten bleiben: Schutz und Schirm giebt keine Obrigkeit; welcher Ausdruck nichts an- ders zu verstehen giebt, als daß die Schutznehmung andrer einen nicht gleich zum Lan- desherrn, oder die Beschuͤtzten zu Unterthanen desselben mache. Das Schutzamt machte dem Papst so wol als dem Kaiser eine unzehlbare Menge Schutzverwandte in allen christlichen Reichen der Welt, keinesweges aber Vasallen und Unterthanen. 4. Aus dem deutschen Staatsrechte. Vermoͤge desselben konte keine Provinz dem Reiche zugeschlagen werden, welche ein Staat des Reichs auf eigne Kosten ausserhalb Deutschland eroberte. Die ersten Bezwinger von Liefland empfiengen vom Reich keinen Kreutzer, sondern uͤbertrugen nur dem Kaiser das Land zur Beschirmung, dessen Schutzamt uͤber die geistlichen Guͤter ausser dem deutschen Rechte auch in den paͤpstli- chen und roͤmischen Gesetzen gegruͤndet war. 5. Aus der Natur der geistlichen Guͤter selbst. Weder der Kaiser noch das Reich genossen den geringsten Nutzen davon, indem Liefland, als eine Provinz eines geistli- chen Ordens von allen Steuren, Abgaben und Contingenten frey blieb, der Kaiser auch uͤber die Abgaben der Tempelherren, weil sie geistliche Guͤter besassen, nichts ver- anstalten konte. Daher auch weder der Kaiser noch das Reich ihre Truppen in Lief- land zum Schutz fertig hielten, welcher Schutz gewis eine eigene Armee erfordert haͤtte. Der Erzbischof Friedrich uͤberlies im 13 Jahrh. sein Stift dem Koͤnig von Daͤnnemark zur Beschuͤtzung, dabey an das saluum Romani Imperii directum dominium nicht ge- dacht worden. 6. Aus der Gleichguͤltigkeit des Kaisers gegen die lieflaͤndische Unterwerfung un- ter Pohlen. Weder das Reich noch der Kaiser wuͤrden dieser Unterwerfung so ge- lassen zugesehen haben, wenn sie ihre Unterthanen, nicht aber Schutzgenossen betroffen haͤtte. Jn der ganzen Historie komt kein Beispiel vor, da der Kaiser oder das Reich sich ein so wichtiges eigenes Land ohne Schwerdtschlag und Protestation entziehen lassen. Niemand protestirte wider die Veraͤusserung der Bistuͤmer Oesel und Curland. Niemand hat sich deswegen mit Daͤnnemark uͤberworsen. Die Schweden blieben wegen Estland so wol unangefochten, als die Pohlen wegen Liefland. Den Lief- laͤndern selbst ist vom Reiche kein Vorwurf des Abfals und der Untreue gemacht wor- den. Der Kaiser dachte bey Schweden in 90, bey Pohlen und Daͤnnemark aber in 100 Jahren nicht an Liefland. Was beim stetinschen Friedensschlusse 1570 wegen Zuruͤckgebung der Stadt Revel erinnert wurde, war unerheblich. Was Franciscus Jrenicus von vielfaͤltigen Protestationen wider die lieflaͤndische Zer- gliederung im 17ten Seculo schreibet, ist ohne Beweis angefuͤhret. Wenigstens mach- te der Kaiser Leopold auf dem olivischen Frieden noch keine Anspruͤche auf Liefland. Solte aber wol ein so grosser Monarch seiner Rechte und Anspruͤche so unwissend seyn, oder wenn er sie gewust, so saumselig, dieselben aufrecht und guͤltig zu erhalten? 7. Aus des Kanzlers Goldasts Zeugnis. Liefland straͤubte sich auf dem Reichs- tage zu Trier 1512 eben so wie Boͤhmen und Preussen, als man diese Laͤnder einem deutschen Kreise zuschlagen wolte, damit es nicht den Schein einer Unterwerfung ha- ben moͤchte. Der Papst litte auch nicht, daß der Kaiser dem Herrn Meister gegen die Stadt Riga Vorschub that, sondern that den Herrn Meister in den Ban und setzte ihn den 13ten December 1481 ab, verbot auch den Preussen, ihm keine Huͤlfe zu lei- sten, den 14ten Julii 1482. War nun der Kaiser nach catholischen Lehrsaͤtzen das Schutz- haupt aller geistlichen Geselschaften; so war es auch der Papst. Beide gaben sich mit politischen Haͤndeln ab. Der Papst belehnte den Orden, der Kaiser auch, zum deut- lichen Beweis, daß der Kaiser uͤber das alte Liefland nichts mehr als der Papst zu sagen hatte. Kurz, sie waren beide Schutzherren. Es liessen sich fuͤr die Ununterwuͤrfigkeit von Liefland unter das Reich noch viel andre Gruͤnde anbringen, als: daß die freiherrliche Familie von Ungern sich einen besondern kaiserlichen Schutzbrief ausgewirket, daß der Kaiser Liefland nie in seinem Titel ge- fuͤhret, daß ihm von den Lieflaͤndern nie gehuldiget worden, daß von Seiten des Reichs nie ein Soldat im Lande gelegen, daß die alten und neuen Erdbeschreiber die Weichsel als die Grenze von Deutschland ansetzen; wenn diese Beweistuͤmer einer Ausfuͤhrung noͤthig haͤtten. Der beruͤhmte Doctor der Rechten und Professor zu Strasburg, Herr Johan Heinrich Boecler hat 1711 in 4. eine Diatribam de acquisito et amisso Imperii Ro- mano-Germanici in Liuoniam iure herausgegeben, in welchem Tractat der Verlust des roͤmischen Reichs in Absicht seiner Anspruͤche auf Liefland zwar erwiesen, dabey aber ein altes landesherrliches Recht des Kaisers von ihm, wie von andern Publici- sten, voraus gesetzet worden. Er fuͤhret den Beweis davon aus unterschiedlichen F f f f Gruͤn- Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister, Gruͤnden, die wir hier nach der Reihe anfuͤhren, und aus der Geschichte kuͤrzlich be- antworten wollen. Es beruft sich dieser gelehrte Man zum Beweis des ehemaligen kaiserlichen Rechts an Liefland auf folgende Gruͤnde: α) Auf den Reichsreces von 1500, darin der Orden befehliget wird, seine trefliche Botschaft gen Nuͤrnberg zu schicken, und den Kaiser und das Reich mit Empfang ihrer Regalien zu erkennen. A. Diese Ausdruͤcke beweisen eben keine Unterwuͤrfigkeit. Der Hochmeister in Preussen muste laut dieses Recesses so wol die Regalien empfangen, als der Ordens- meister in Liefland. Daß aber diese Redensart weiter nichts als die kaiserliche Schutz- belehnung und Protection bedeute, erhellet aus dem Reichsabschiede von 1500, wo es ausdruͤcklich heist, wenn der Orden wegen Preussen ein Glied des Reichs werden wolle, so muͤsse er auch ins kuͤnftige den deutschen Kaiser als seinen Lehnsherrn zu er- kennen anfangen. Und in dem Abschied des coͤllnischen Reichstages von 1512 heist es eigentlich: Es sey noch nicht wissend, ob der Hochmeister sich als ein Glied zum Reich thun wolle oder nicht. Da nun der deutsche Orden viel hoͤhere Privilegien vom Kai- sern erhalten, als der lieflaͤndische; der Hochmeister aber dadurch kein Glied des Reichs geworden: so hat der lieflaͤndische mit dem Reiche nicht naͤher verwandt seyn koͤnnen, als der deutsche. Der Kaiser verlangte, daß die Koͤnige von Pohlen und Ungern auch ihre trefliche Botschaft nach Nuͤrnberg schicken solten, welche dadurch keine Unterthanen des Reichs wurden, so wenig protestantische Universitaͤten dem Papst oder Kaiser unterwuͤrfig werden, wenn sie sich paͤpstliche und kaiserliche Privilegien aus- wirken. Auch andre Reichsfuͤrsten nehmen vom Kaiser die Belehnung auf ihre Laͤn- der, ohne daß ihre Buͤrger des Reichs Unterthanen seyn, zugeschweigen daß die kai- serlichen Privilegien mehr die Person als das Land des Ordensmeisters betrafen, da der Kaiser ihnen kein Land erobert hatte, und daher in eigentlichem Verstande auch keines zum Lehn geben konte. Wenn der Orden auf Deutsche gestiftet ist, und wenn das zu Deutschland gehoͤret, wo deutsche Herren regieren, so ist es Deutschland leicht auf ganz Europa Anspruͤche zu machen; welche unguͤltige Folge schon von andern um- gestossen worden. Man sehe hier des Herrn Ohlii beide Disputationen, davon die ei- ne zu Halle 1740 unter dem Vorsitz des beruͤhmten Heineccius, die andre das Jahr darauf zu Koͤnigsberg gehalten worden. β) Auf den Goldast de regno Bohemiae lib. IV, c. 8, §. 6, welcher aus den Reichsrecessen erweiset, daß die Regenten von Liefland vor der pohlnischen Regie- rung Sitz und Stimme auf den deutschen Reichstagen gehabt. A. Sitz und Stimme sind hoͤchstens nur ein Zeichen, daß Plettenberg und die folgenden Ordensmeister fuͤr ihre Personen eben so wie die Erzbischoͤfe und Bischoͤfe von Liefland die Fuͤrstenwuͤrde getragen, dadurch aber ihre Laͤnder keinesweges zu kai- serlichen oder Reichslanden wurden. Es liesse sich auch daraus schliessen, daß die Regenten einer Schutzprovinz des roͤmischen Reichs das Vorrecht, Sitz und Stim- me zu fuͤhren genossen. Dabey doch anzumerken, daß Goldast eben keine sonderliche Glaubwuͤrdigkeit hat. Sonst waͤre der Beweis fuͤr uns noch staͤrker. Der Hochmei- ster hatte Sitz und Stimme auf den Reichstagen; der Hochmeister war 1512 noch kein Reichsglied; also kan einer Sitz und Stimme haben und noch kein gewisses Glied des Reichs seyn. γ) Auf die Klagen, welche die Erzbischoͤfe wieder den Orden bey den Kaisern an- gebracht. Z. E. Johan von Sinten bey Carl dem IV ten, Blanckenfeld, Schoͤ- ning, Georg von Braunschweig bey Carl dem V ten. A. Diese Beschwerden liefen auch am paͤpstlichen Hofe ein. Die catholische Christenheit erkante keine hoͤhere Richter und Mitler auf Erden als den Papst und Kai- ser. Die darauf ergangenen Rescripte enthielten mehrentheils Vermahnungen uud ent- schieden nichts. Obgleich der Kaiser unter den Deutschen der hoͤchste Schiedsman hies, so wurden die Staͤnde in Liefland doch durch kein Urteil desselben ruhig. Es kam vielmehr darauf erst zum Handgemenge. Und wenn Friede werden solte, so verglich man sich dahin, daß die am paͤpstlichen und kaiserlichen Hofe wider einander errunge- nen Urteile aufgehoben werden solten. Ueberhaupt aber war mit der Schutzgerechtig- keit die Erkentnis der Streitsachen zwischen den Schutzverwandten jederzeit verbunden. δ) Auf die kaiserlichen Privilegien und Rescripte, als: die Warnungen wegen der Re- ligionsunruhen, das Verbot keine Waffen nach Rußland zu fuͤhren. A. Auch diese beweisen nur die Pflichten eines Schutzherrn. Der Kaiser dachte nicht an Liefland, als er 1547 den deutschen Kuͤnstlern nach Rußland zu gehen er- laubte, und wurde zur Untersagung dieser Reise nur durch die anhaltenden Vorstellun- gen der Lieflaͤnder veranlasset. Nicht der Kaiser, sondern die Lieflaͤnder klagten uͤber Erzbisch. Wilhelm. zur Zeit der Regierung Gotthard Kettlers. uͤber die Luͤbecker, als diese zur Zeit des Krieges den Russen contrebande Waaren zufuͤhrten. Privilegien aber werden auch an Fremde und Auslaͤnder ertheilet, derglei- chen Riga bey vielen Potentaten erhalten hatte, ohne derselben Oberherschaft unterwor- fen zu werden. ε) Auf den Rechtshandel, welchen Reinhold von Rosen und Reinhold von Vie- tinghoff vor der Reichskammer 1524 gefuͤhret haben. Mynsinger singul. obseru. centuria IV. obseru. 54, und Gylmann in praeiudiciis camerae Imperialis p. 31. A. Dieser einzelne Fal, wenn er auch richtig waͤre, wuͤrde dennoch zum Beweis des Hauptsatzes unzulaͤnglich seyn. Die Streitigkeiten zwischen dem Meister und Erz- bischof zur Zeit der Reformation verstatteten keinen unparteiischen Richter fuͤr beider- seitige Vasallen, die sich deswegen an den algemeinen Schiedsrichter der Christenheit wandten. Aber auch diese Freiheit unter Privatpersonen lief gegen die Landesstatuten nach welchen kein Urteil ausser Landes, wie ehemals geschehen, gesuchet werden durfte. Und als der Gegenpart die Unguͤltigkeit des Gerichts zu Speier zeigte, ward dieser Proces ganz zuruͤck gewiesen. Wolte man zu diesen Einwuͤrfen noch einige hinzufuͤgen, z. Ex. daß Liefland zu seinem Contingent 50 Fl. an das Reich erlegen muͤssen, daß die Staͤnde sich auf des roͤmischen Reichs Huͤlfe bezogen, daß der Kaiser Liefland ausdruͤcklich seine und des Reichs Provinz nenne; so kan unserm Satze daraus kein Nachtheil erwachsen. Denn 1) ist es was gewoͤnliches, daß ein freies Volk dem andern fuͤr seine Buͤrg- schaft eine gewisse Summe abtraͤget. Liefland hatte vorher solche Schutzbuͤndnisse mit Schweden errichtet, ohne daß das roͤmische Reich dabey befraget worden. 50 Fl. die nicht einmal ordentlich entrichtet wurden, thaten dem Schutz des Reichs nicht Genuͤge, geschweige, daß sie als eine Erkentlichkeit des Lehntragers angese- hen werden koͤnten. Hoͤchstens zeigen sie so viel an, daß zwischen dem Reiche und Liefland eine Art der Verbindung gewesen: wie weit diese aber gegangen, wird sich bald aus den kaiserlichen Briefen zeigen. 2) Daß der Kaiser Liefland seine und des Reichs Provinz nennet, ist kein un- bequemer Ausdruck, weil auch Schutzlaͤnder Provinzen des Reichs seyn koͤnnen. Alle diplomata protectoria des Kaisers hatten zur Absicht, den lieflaͤndischen Staͤnden Ansehen und Schutz zu verschaffen; weiter gieng diese Huͤlfe nicht. Und wenn auch der Kaiser Liefland seinen und des Reichs Augapfel genennet haͤtte, so mus doch die Rich- tigkeit dieses Satzes mehr aus dem kaiserlichen Betragen als den Worten erklaͤret wer- den. Da die Noth am groͤsten war, so rechnete der Kaiser die Lieflaͤnder zur gesam- ten Christenheit, und entschuldigte sich, daß er dieselbe nicht aller Orten schuͤtzen koͤnne, welches er auch mit der That bestaͤtigte. 3) Am allerwenigsten beweisen es die durch die Groͤsse der Noth erpresten Worte der hochbedraͤngten Lieflaͤnder, welche hinter diesem Palladio die Freiheit ihres Lan- des zu behaupten hoften. Sie suchten mit aͤusserster Bemuͤhung den Schutz beim Kai- ser, den sie bey keinem Nachbar ohne Unterwerfung erlangen konten. Denn gegen die Unterwerfung fand sich uͤberal Schutz fuͤr sie. Sie muͤssen also ununterworfen gewe- sen seyn. Fuͤrnemlich hatte Kettler darauf zu dringen, daß das Reich ihm entweder helfen, oder ihm in seinen Vertraͤgen freie Haͤnde lassen moͤchte. Das Beispiel des Hochmeisters Albrechts in Preussen hatte ihn gewitziget, als welcher 1532 in die Acht erklaͤret wurde; nicht weil er sich vom deutschen Reiche losgerissen, sondern, wie es im Decret heist, weil er den Orden verlassen, und dessen gemeinschaftliche Guͤter fuͤr seine Person zu Lehn genommen. Sonst waren auch gewisse Vorrechte auf deutschem Grund und Boden damit verknuͤpft, wenn man sich unter den Schutzgenossen des Reichs befand. Die Lieflaͤnder waren also ein freies Volk, das nie etwas anders beim Kaiser gesucht als die Schutznehmung. 4) Haben die Staͤnde in Liefland sich allerdings mit diesem Titel bey der Un- terwerfung Vortheile zu wege gebracht, die sie vielleicht ohne solche Berufung auf das roͤmische Reich nicht erhalten haben wuͤrden. Die Stadt Riga beweiset solches am deutlichsten. Sie berief sich auf den Kaiser, und lebte 20 Jahr in besondrer Freiheit. Daß sie aber dem Kaiser nicht unterthan gewesen, ist daraus klar, weil sie mitlerwei- F f f f 2 le Leben und Thaten der lieflaͤndischen Ordensmeister. le zu Rathe gieng, ob es rathsamer sey, kaiserlich zu werden oder nicht. Doch fruch- tete dieses so viel, daß sie vom Koͤnige in Pohlen herrliche Privilegien und Guͤter davon trug. Das vortrefliche Privilegium Sigismundi Augusti vom 6ten Tage nach Catharinen 1561 ist ohne Zweifel eine Frucht dieses durch den kaiserlichen Schutz erhaltenen Vorzuges fuͤr das ganze Liefland. Die Verbindung des Schwerdtbruͤderordens mit dem deutschen Orden in Preus- sen beweiset die Oberherrschaft des deutschen Reichs uͤber Liefland eben so wenig; weil der deutsche Orden eben so wol von einigen Privatleuten, nemlich bremischen und luͤbischen Buͤrgern angefangen worden, als der lieflaͤndische, und also seine Stiftung nicht dem Reiche und dessen Guͤtern zu danken hat. Daher bekuͤmmerte sich das Reich um die mit Preussen vorgegangene Aenderung 1454 so wenig als um die lieflaͤndische. Mascov, Hoffmann, Legnich, Lilienthal und der Kanzler Ludwig haben schon Preussens Jndependenz vom roͤmischen Reiche weitlaͤuftig er- wiesen Diese Schriftsteller richten ihren Satz weit schaͤrfer ein. Sie beweisen daß Preussen niemals un- ter keinerley Namen dem roͤmischen Reiche unterwuͤrfig gewesen, daß es nie zum roͤmischen Reiche gehoͤret, daß alle actus possessorii des Reichs auf Preussen fuͤr unrechtmaͤßig angemasset zu halten. Man kan ihre Gruͤnde mit leichterem Fortgang auf Liefland anwenden. Uns be- gnuͤget nur hier gewiesen zu haben, daß der Kaiser nie Landesherr, sondern Schutzherr von Liefland, und die alten freien Lieflaͤnder nicht Unterthanen, sondern Schutzgenossen des roͤ- mischen Reichs gewesen. Eben treffen wir wider unser Vermuthen von der Jndependenz und Souverainitaͤt der lieflaͤndischen alten Staͤnde gleiche Gedanken an, die der Herr Kanzler von Ludwig seinem Russov beigeschrieben. Sie finden sich abgedruckt in dem Catalogus, darin der Rest seiner aus der Auction nicht abgeholten und eingeloͤsten Buͤcher verzeichnet stehet, und lauten S. 192 also: Anno 1204 (1201 debuit scribere Vir Illustris) idem papa, non imperator, nouum ordinem instituit cruciferorum, qui arma verteret in paganos Liuonos , sibique ha- beret, quidquid sibi vindicaret ferro, sed tamen in cli e ntela pontificali. Sed a. 1238 papae consilio hi ordines subiecti Teutonicis in Porussia , qui illis inde magistros dederunt; ( Or- dens-Meister ) contra Porussiae magistri inde adpellati sunt Hohemeisters vel Hochmeisters. In- de Dani, Sueci, Russi multa bella in Liuonia. Quorum iugo vt se subtraherent ordines, haud dubie maluerunt subesse S. R. I. Verum de nexu aliquo, quem subierunt cruciferi vl- tro, nihil habetur in annalibus. Vnde eadem facies, quae Teutonicorum in Porussia: nisi quod magister Porussicus omnia habuit sub imperio suo, non crucifer in Liuonia , vbi epi- scopi, Dorpatensis, Reualiensis, Rigensis, Curlandiae in ciuilibus sui iuris erant, neque vl- lum agnouerant dominum, sed regnarunt in societate prouincialium ordinum cum omni imperio ( souverain, absolut ). Fabulae ergo sunt inanes, Germanico Imperio addictam esse Liuoniam. Crescente tamen in Liuonia Russorum potentia, tum demum Rigensis archiepi- scopus obtulit obsequia sua Carolo V, et magister factus Imperii princeps. . Siehe das erleuterte Preussen B. V, S. 647. Mit welchen Gruͤnden wuͤrde man die Unterthaͤnigkeit Lieflands unter dem Reiche behaupten koͤnnen, da Preussen noch mit dem Kaiser zu thun hatte? Zuletzt bemerken wir noch, daß der Ordensmeister und seine Mitgebietiger, die Erz- und Bischoͤfe mit ihren Kapiteln, das Regiment in Gemeinschaft unumschraͤnkt gefuͤhret haben. Sie setzten Regenten ab und ein, wie eine freie Republik zu thun pfleget: doch alles unter paͤpstlichem und kaiserlichem Schutze. Nur die Eifersucht der Staͤnde wider einander unterbrach diese gluͤckliche Regierungsart gar zu oft. Ei- ner glaubte von dem andern, er wolle sein Land von dem heiligen roͤmischen Reiche trennen. Der Bischof Arnold zu Revel sahe es fuͤr eine Verraͤtherey an, daß man Schweden ein gutes Auge machte. Alle Freundschaft mit den Nachbarn wurde ver- daͤchtig. Der Klagen wurden zu viel, und den Schutzherrn das Amt saurer gemacht. Der Papst ward desselben uͤberdruͤßig, weil ganz Liefland fast die paͤpstliche Lehre verlies. Der Kaiser ward auch gleichguͤltig, weil Liefland mehr forderte als es dem Reiche einbrachte. Also nahm dieses freie und ununterwuͤrfige Regiment durch die Un- terwerfung unter Pohlen, bey vielen Thraͤnen der damaligen Zeugen, sein verhaͤngnis- volles Ende. . Die Die I. Tabelle, von den Erzbischoͤfen, Bischoͤfen und Herrmeistern des alten Lieflandes. §. 1. D iese Tabelle ist aus etlichen tausend Kauf- und Lehnbriefen ausgezogen, und aus gedruckten Schriftstellern volstaͤndiger gemacht. Wer das Gluͤck kuͤnftig hat, mehrere alte Briefschaften zu brauchen, wird in manchen Classen noch einen und den andern hinzuzusetzen finden. §. 2. Mit dem Antritsjahr der Erzbischoͤfe und Herrmeister hat es groͤstentheils seine Richtigkeit, weil die erstern ihren Briefen das Jahr ihres Regiments gewoͤhnlich beigeschrieben, beide Regenten aber beim Antrit ihrer Re- gierung die Privilegien der Stadt Riga bestaͤtigen muͤssen. Anders aber verhaͤlt es sich mit den Bischoͤfen, denen man nur das Jahr ihrer ersten bekanten Urkunde beigelegt, daher ihr Antritsjahr, zumal in aͤltern Zeiten, ungewis geblieben. §. 3. Die Bischoͤfe von Curland durchs 14te und 15te Jahrhundert bis auf Martinum sind in ihren Jahren noch ungewisser. Man hat sich blos eines alten Verzeichnisses bedienen koͤnnen, das die Laͤnge ihres Regiments an- giebt, denen also von Martino an, dessen Antritsjahr man bestimmen konte, eine etwanige Jahrzahl durch das Zuruͤcktechnen beigefuͤget worden. Bischoͤfe zu Riga. Meinhard von Segeberg 1186 Berthold von Lockum 1196 Albert I. Herr von Apeldern 1198 Nicolaus von Magdeburg 1231 Erzbischoͤfe zu Riga. Albert II. von Sauerbeer 1254 Joh. I. von Luͤnen, weil die lateinische Fuͤnfe und Zwey schwer in den Urkunden zu un- terscheiden ist, so ist sein An- tritsjahr ungewis. Jn den Privilegien der Stadt, sich ei- nen Vogt zu wehlen, heist das Jahr 1275 das erste seines Pontificats, welches mit meh- rern uͤbereinstimt. 1274 Joh. II. von Fechten 1286 Joh. III. von Schwerin 1296 Jsarus, gab das Privilegium uͤber Altenwoge im wen- denschen Kreise, so in dem Kloster Duͤnemuͤnde, 1302 in Gegenwart des Meister Gottfrieds ertheilet worden. 1299 Friedrich aus Boͤhmen 1302 Engelbert von Dahlen 1340 Fromhold von Fyfhusen 1348 Sigfried von Blomberg 1369 Joh. IV. von Sinten 1373 Joh. V. von Wallenrode, ward Bischof zu Luͤttich. 1394 Joh. VI. Habundius Naso, gewesener Bischof zu Chur. 1416 Henning Scharfenberg, schrieb sich Electus und Dom- propst zu Riga. 1423 Silvester Stobwaͤsser 1448 Stephan von Gruben 1479 Michael Hildebrandt 1484 Jaspar Linde 1509 Joh. VII. von Blanckenfeldt 1524 Thomas Schoening und sein Coadjutor 1527 Wilhelm, Margg. zu Bran- denburg Der Marggraf war schon 1525 in Liefland. Sein hoher Stand war ihm in allem hinderlich. Sein Bistum auf Oesel war von schlech- ter Dauer; mit der Coadjutur in Riga hielt es schwer, und als Erzbischof erlebte er manche un- gluͤckliche Veraͤnderungen. und dessen Coad- jutor 1540 Christoph Herzog zu Meck- lenburg. 1553 Estlaͤndische Bischoͤfe. Fulco, nach Oernhiel- men Julius. 1170 Theodoricus I. 1210 Revelsche Bischoͤfe. Wesselinus oder Wescelo 1218 Guilielmus, in vielen Documenten. 1225 Torchillus 1240 Wirlaͤndische Bischoͤfe. Ostradus nach Albe- ric. Chron. 1218 Theodoricus, Chron. Mont. Franc. * 1257 Jn einem daͤnischen Docum. beim Huitfeld S. 285 heist er Trugetus. Aus den Urkunden ist er noch bis 1277 bekant; da- her irren diejenigen, welche den wirlaͤndischen Bi- schof Theodoricus hier einschieben. Jn unsern Documenten heist er auch Thurgot. Allein in einer Donation der Muͤhle zu Sagentaken erschei- net ein Theodoricus Bischof zu Revel von 1250 auch von 1251. Johannes I. uͤbertrug der Stadt Revel das Ius eccles. und episcopale 1284. 1280 Heinrich I. 1298 Nicolaus I. erbauete die Nicolaikirche Gottschalck nach Huitfeld S. 396 1317 Olaus erbauete die Olai kirche 1329 Heinrich II. aus seinen Briefen 1364 Ludwig 1376 Johan II. Rekeling 1393 Johan III. Ocke 1407 Heinrich III. 1424 Christian 1426 Gottschalck I. - - Heinrich IV. von Uxkuͤl, bauete den Bischofshof. Er weihete 1434 das Brigitten kloster ein. S. Kelch S. 136. Der Stadt erlaubte er 1438 aus- serhalb der grossen Strandtpforte die Gertruten- kapelle zu bauen, und sie mit einem Priester zu ver- sehen. 1434 Eberhard, aus des revelschen Professors Aulini Bischoͤfen, und unsern Documenten. 1472 Simon von der Borg, gewesener Canonicus zu Hildesheim. 1477 Nicolaus II. Rottendorp, hielt die Kirchenvisi- tation. Das dabey ausgerichtete Tractament be- schreibt Kelch S. 157, und mit einiger Verschie- denheit Ceumern S. 138. 1501 Gottschalck II. Hagen 1509 Joh. IV. Blanckenfeldt, nachher Bischof zu Doͤrpt und Erzbischof zu Riga. 1516 Georg von Tiesenhausen, war seit 1527 zugleich po- stulirter Bischof zu Oesel 1520 Arnold von Anneberg, er verschrieb dem Dechan- ten und Kapitel zu Oesel den Hof Jackenwolde mit der Riesenmuͤhle 1549 um 1000 Thlr. gegen 60 Thlr. jaͤhrliche Renten. 1537 Friedrich, aus den Stadtprivilegien 1553 Mauritius Wrangel, ihm kaufte das Bistum ab 1560 Magnus Herzog von Holstein. Semgallische Bischoͤfe. Bernhard, Graf von der Lippe, solte zu Mepthen und nachher zu Selburg residiren 1217 Lambert 1226 Balduin von Alna 1232 Curlaͤndische Bischοͤfe. Herman I. nach Gribern S. 183 Heinrich I. nach Gribern S. 183 und laut unserer Do- cumente. 1250 Emund bey Brandis und andern, komt zu fruͤh. Engelbert, ward von den Curen erschlagen 1245 Heinrich II. v. Luͤtzelburg, war nach Semgallen be- stimmet; weil aber Sem- gallen zu Riga geschlagen war: so bekam er das Stift Pilten und das Haus des semgallischen Bischofs in Riga, bis es in Pilten und Curland ruhiger ward 1252 Emund, uͤbertrug die Muͤh- le bey Memel an den Or- den, den 9ten Maͤy 1290 Johannes und Burchard, deren Jahre un- gewis sind Paulus I. 1317 Joh. I. 1326 Joh. II. 1332 Ludolph 1353 Jacob 1362 Otto 1374 Rutgerd 1398 Gottschalck 1404 Johannes III. Tirgarde 1426 Paulus II. von Walkris. Doct. 1458 Martin zu Pilten, mit dem Zunamen Levit. 1475 Michael Gualteri oder Wolthers Heinrich III. Bazdore 1512 Herman II. Konnenberg, rigischer Dechant 1530 Johan IV. Bisch. zu Cur- land und Oesel v. Muͤnch- hausen, ihm kaufte das Bi- stum ab 1541 Magnus Herzog von Hol- stein starb 1583, liegt in der Schloskirche zu Pilten be- graben 1560 Estlaͤndische Bischoͤfe in der Wyck zu Leal. Theodoricus, ein Cistercien sermoͤnch, ward 1218 in dem daͤnischen Lager von den Esten ermordet. Herman von Apeldern, seit 1218 Abt Benedictiner or- dens zu St. Pauli in Bremen, verlegte das lealsche Stift nach Doͤrpt. Gottfried, Prior der Himmelspforte, 1224, ward Bi- schof der Wyck und Oesel. Oeselsche Bischoͤfe. Gottfried, der vorh. zu Leal 1228 Heinrich I. 1235 Laut der Doc. mus hier noch ein Heinr. gefolget seyn bis 1256 Herman II. von Buxhoͤve- den nach Huitfelds Chro- nik schon 1251 1271 Henricus II. 1293 Conrad I. vertrug sich mit dem Orden deshalb, daß er die Bruͤ- der von Leal getrieben, brach aber den Frieden ohne Einwilli- gung des Kapitels, welches sich daher mit dem Orden wieder ihn verband. Er komt noch 1304 vor, und setzte 1306 die Stadt Riga zur Beschuͤtzerin seiner Laͤnder ein. 1298 Marcus, dem man keine Jahr- zahl beilegen koͤnnen. Hartwich od. Hartthungus 1310 Jacob 1324 Herm. III. v. Oßnabruͤgge 1334 Conrad II. - - Heinrich III. 1381 Weinrich v. Knipenrode, er fuͤhrte 3 Voͤgel im Wapen. 1389 Caspar Schoͤneflug 1422 Christian Gorband oder Rohband 1424 Joh. I. Schuͤtte 1434 Ludolph 1446 Joh. II. Krauel 1450 Jodocus oder Jost von Hagerstein 1461 Joh. III. Vatelkanne, ver- drang den vorigen mit Bei- huͤlfe des Ordens 1461 Peter Wedberg starb 1491 Jn diesem Jahrhundert fallen die Jahre in den Docum. sehr unordentlich aus, weil sich 3 heil. Vaͤter zugleich um den Sitz zank- ten, und theils von dem Papst, theils von dem Herrmeister, theils von dem Kapitel unterstuͤ- tzet wurden. 1472 Joh. IV. Orgies starb den 19 Merz 1515 1499 Joh. V. Kiewell, starb 1527. 1516 Georg von Tiesenhausen, starb zu Revel 1536. 1530 Wilhelm Marg. zu Bran- denb. Coadj. des Erzst. zu Riga und sein Gegner 1532 Reinhold v. Buxthoͤveden, war einmal abgesetzt bis 1538 1538 Joh. VI. v. Muͤnchhausen, ihm kaufte das Bistum ab 1541 Magnus Herz. v. Holstein 1560 Doͤrptische Bischoͤfe. Herm. I. von Apeldern 1224 Bernhard I. 1247 Alexander, Huitfeld S. 274, wird von den Heiden erschla- gen. 1272 Fridrich 1274 Bernhardus II. uach Rus- sow. Jn den Documenten lebte er noch 1299. Crantz Wandal. B. 7, K. 42, erweh- net eines Alberts aus dem herzogl. mecklenburgisch. Hause, legte ihm aber keine Jahrzahl bey. Er sol nach ei- nem Jahre getoͤdtet seyn. 1294 Theodoricus I. 1304 Nicolaus, Huitfeld S. 413 war in Daͤnnemark S. 382. 1315 Engelbrecht von Dalen, ward rigischer Erzbischof. 1326 Johannes I. 1341 Joh. II. Damerow oder Damme. 1378 Joh. III. Hebet. Nach Crantz Bl. 310, ward er mit Urba- no zugleich Cardinal. 1382 Diedrich II. komt noch vor 1416. 1395 Theodorus oder Theodo- ricus III. 1426 Bartholomaͤus 1449 Henricus - - Andreas 1472 Joh. IV. nennet in den an- zenschen Documenten einen Vorfahren Heinrich. 1476 Theodorus auch Theodori- cus der IV. 1486 Johan V. 1499 Bernhard III. andre Ger- hard aus des valckenai- sch. Abt Lamberts Briefe. 1511 Christianus 1516 Joh. VI. Blanckenfeldt, ward rigischer Erzbischof. 1520 Joh. VII. Gellingshausen 1528 Herm. II. Bey, ein Buͤr- gerssohn aus Doͤrpt Dieser Herman Bey hat in der Historie keine gewisse Jahrzahl. Gellings- hausen erscheinet auf den Muͤnzen bis 1542, und auf denen von 1543 komt Jo- docus oder Judocus vor. Da dieser letztere, 2 Jahr hindurch, sich Electus nen- net, so ist es warscheinlich, daß er sich mit seinem Competenten, Herman, durch ein Stuͤck Geldes abgefunden, daher man spotweise im Spruͤchwort gesaget: Bey ha- be sein Bistum fuͤr ein Ey gegeben; mit welchem er in Deutschland ein ruhiges Leben suchte. . 1543 Jodocus oder Jost von der Recke. 1543 Herman III. Weyland von Wesel. 1552 Meister des Ordens der Ritterschaft Christi in Liefland. α) Schwerdtbruͤderordens. Vinno 1201 Volquin 1208 β) Deutschen Ordens. Herman Balcke 1238 Heinrich v. Heimburg 1244 Didrich v. Groͤningen 1246 Andreas v. Stuckland 1251 Eberhard von Seine 1256 Anno von Sangerhausen 1258 Burchard v. Hornhausen 1261 Juͤrgen von Aichstaͤdt 1264 Werner von Breithausen 1267 Conrad von Meden 1269 Otto von Rodenstein 1272 Andreas v. Westphalen 1274 Wolter v. Nordeck 1275 Ernst von Ratzeburg 1277 Conrad v. Feuchrwangen 1279 Wilhelm von Schauerburg 1281 Conrad von Herzogenstein 1287 Bodo von Hohenbach 1289 Heinrich von Dumpeshagen, oder von Dincelaghe 1294 Bruno 1296 Gottfried von Rogga 1298 Gerdt von Jocke 1307 Eberhard von Monheim 1328 Burchard von Dreyleven, oder Drogeleven 1341 Goswin von Hericke 1347 Arnold von Vietinghoff 1360 Wilhelm von Freymersen 1364 Robin von Eitzen oder Lobbe von Huͤlsen 1374 Wennemar von Bruͤggenei 1392 Conrad von Vietinghoff 1402 Didrich Torck 1413 Sifert Lander von Spanheim 1417 Cysse von Rutenberge 1424 Francke von Kersdorff, oder bes- ser von Kersebruͤgge 1434 Heinr. v. Buckenvorde anders geheissen Schungell 1436 Heidenreich Vincke v. Oberberg 1439 Joh. Mengden and. gen. Osthoff 1451 Joh. Wolthus von Fersen 1470 Berndt von der Borg 1471 Joh. Freytag von Loringhoff 1486 Walther von Plettenberg 1494 Herman von Bruͤggenet genant Hasenkampf 1535 Joh. von der Recke 1549 Heinr. v. Galen 1551 Wilhelm von Fuͤrstenberg 1557 Gotthard Kettler 1595 G g g g Die Die II. Tabelle von den Sigillen der Ordens- und andrer geistlichen Personen nebst den aͤltern und neuern Sigillen und Wapen der Staͤdte. Vorerinnerung. §. 1. D iese Jnfiegel befinden sich groͤstentheils unter den clodischen Documenten, und sind von der geschickten und genauen Feder des Herrn Richards von der Hardt von den Originalen abgerissen. Von diesem in alten Papieren und Urkunden bewanderten Man, dessen Gelehrsamkeit aus seinem beliebten Werke: Holmia litterata, mit erhellet, hat schon der hallische Superintendent D. Joh. Michael Heineccius in Syntagm. de Veterum Sigillis part. I, c. XIII, §. 12, p. 155 die erhaltenen Siegel des Herrmeisters und des Hauscomturs von Liefland in Kupfer stechen lassen. Wir haben uns nur der oͤffentli- chen Sigille bedienet, die vielen Privatsiegel der alten lieflaͤndischen Ritterschaft aber mit Fleis weggelassen, weil die meisten heutigen Nachkommen das alte Wapen ihrer beruͤhm- ten Ahnherrn aus der Ordenszeit beibehalten und mehr verzieret haben; welche Samlung der Wapen und genealogischen Stamtafeln ein eigenes und kostbares Werk erfordert, in einer Chronik aber gar nicht angebracht werden kan. §. 2. Einige Ordenssiegel, als die Geburt Christi, desselben Flucht in Egypten, und dergleichen lassen sich kurz beschreiben. Man siehet sie fast in allen Kirchengemaͤhlden, oder Bilderbibeln. Auch die Kinder kennen sie aus ihren Evangeliumbuche. Die Andacht der damaligen Zeit fand in diesen biblischen Geschichten und ihrer natuͤrlichen Abbildung ein fuͤr ihren geistlichen Ordensstand uͤberaus bequemes Sinbild. §. 3. Die dabey stehende Jahrzahl ist das Jahr der Urkunde, unter der sie vorkom- men. Wo dasselbe gefehlet, da ist auch dem Siegel keines beigesetzet. Jn den neuern Zeiten des Ordens scheinen die Hauptsiegel unveraͤndert geblieben zu seyn, ob sie gleich in aͤltern Zeiten einige Veraͤnderung gelitten. Aus Versehen des Nachschreibers sind die Abbreviatu- ren der Moͤnchsschrift nicht uͤberal beobachtet, sondern ausgeschrieben. Dahin gehoͤret auch das der Hand so gelaͤufige ae, dafuͤr die Moͤnche ein schlechtes e gebrauchten. §. 4. Verblichene Siegel sind von der hardtischen Feder mit einer Figur bezeichnet, die sich in ihren ungewissen Linien, die noch dazu zertruͤmmert und im Graus lagen, so schwer als gar keine errathen lies. Diesen durch die Einbildungskraft eine Figur zu geben, waͤre zu dreist gehandelt; daher man sie gar weglassen: die aber, so noch kentbar geschienen, lieber mit algemeinen Ausdruͤcken einer Person und eines Heiligen benennen, als sie genauer bestimmen wollen. Doch haben wir verschiedene darunter aus einer betraͤchtlichen Menge Originalsiegeln ergaͤnzen koͤnnen, die uns zu diesem Endzweck von geneigter Hand erlaubet worden. §. 5. Von den Stiftssiegeln der Erz- und Bischoͤfe waͤre noch zu merken, daß sie fast alle den Bischofsstab zur Rechten, das lange Kreuz aber oder den Patriarchenstab zur Linken, beide en sautoir, haben. §. 6. Die Siegel und Wapen der Staͤdte haben wir der schoͤnen Samlung des Herrn Obervogts von Schievelbein, und die Wapen der herrmeisterlichen Familien den saubern Abzeichnungen des Herrn Buͤrgermeisters Gotthard von Vegesack in Riga zu danken. Sie sind hier in der Ordnung angebracht, wie sie mit vieler Muͤhe haben angeschaft werden koͤnnen. Mit der Zeit kan man eine volstaͤndige Samlung derselben hoffen. §. 7. Die groͤsten Jnsiegel sind mit O bezeichnet. Die andern haben diese Gestalt und Groͤsse. No. 1. Runde, wie der groͤste Doppelthaler oder Ducaton. 2. Runde, in der Groͤsse eines starken Thalers. 3. Runde, in der Groͤsse eines halben Thalers. 4. Viereckigte oder rautenfoͤrmige. 5. Elliptische oder laͤnglichtrunde von der ersten Groͤsse. 6. Elliptische von halber Groͤsse. 7. Ovale, kleine. 8. Runde ganz kleine. H h h h Sigille Die II. Tabelle von den Sigillen Sigille der Haͤupter und Befehlhaber des Ordens. H inricus Dei gratia Romanorum Rex et Semper Augustus. Ein grosses rundes Siegel in weissem Wachs, auf welchem der Koͤnig in seiner koͤniglichen Residenz und Krone mit ausgereckten Armen sitzend, in der Rechten das Scepter mit dem Kreuz an der Spitze, in der Linken den Reichsapfel mit dem Kreuz haͤlt. Aus der Beschreibung des Trans- sumts, welches der luͤbische Bischof Eberhard, auf Vorzeigung des rigischen Dom- herrn, Johannis Bocheym, durch den kaiserlichen Notarius Joh. Lenardi, bre- mischen Clerikus, abnehmen lassen. Der Urkunde ist Indictio XIV beigeschrieben. Mo- dulus. Die uͤbrigen kaiserlichen Briefe haben nur diejenige Chifre, wie sie Muͤnster in der Cosmographie abnehmen lassen. O Sigillum Waldemari Dei Gratia Danorum Regis, Ducis Aesthoniae. Der Koͤnig mit der Krone, dem Scepter und Reichsapfel, unter einem Baldachin sitzend, auf einem Thron oder Zelte, so auf 4 Saͤulen ruhet. Auf der andern Seite siehet man 3 Leoparden uͤber- einander, die hier gekroͤnet scheinen, und eben die Umschrift haben. Ein anderes Siegel von eben demselben, wo der Koͤnig stehend und Apfel und Scepter mit ausgerecktem Arm haltend abgebildet ist. Beide haͤngen an den estlaͤndischen Ces- sionsacten von den Jahren 1346 und 1352. 2 und 3. Sigillum Magistri Livonie, auf welchem nach den aͤltesten Documenten die Geburt Christi abgebildet ist, dergleichen Siegel 1349 unter den Briefen Goswins von Herike erschei- net. Noch 1426 bediente sich Syse von Rutenberg dieses alten Sigils. Allein nach- her erwehlte man die Flucht Christi in Egypten, da Maria mit dem Kinde auf dem Esel reitend vorgestellet wird, dergleichen sich unter den Briefen Heidenrik Vinckens von 1442 findet. Auf den folgenden begleitet Joseph das Kind, oder leitet den Esel, z. E. 1451 unter Johannis von Mengede Documenten. Sie sind insgesamt auf roth Wachs gedruckt; die alten aber haben recht ungeschickte Figuren. Das kleinere von der dritten Groͤsse brauchte Plettenberg in unterschiedlichen Briefen und Handschreiben. So findet sichs in den Originaldocumenten der Stadt Riga. Jn denen ritterschaft- lichen hat schon Cyse von Rutenberg den walckischen Vertrag 1424 mit dem neuen herrmeisterlichen Siegel unterzeichnet. Gemeiniglich lieget das Ordens- und Geschlechts- wapen, jedes in eigenem Schilde, darunter. 3. Sigill. Landmarschalki in Liuonia. Ein geharnischter Ritter zu Pferde in vollen Spruͤngen mit ausgestrecktem Speer oder Lanze, zur Linken mit dem deutschen Ordensschilde bedeckt. 1364 in gruͤnem Wachs. Dieses Siegel fuͤhrte auch der Grosmarschal des deutschen Ordens in Preussen, aber in rothem Wachs. 2. Sigill. Commendatoris Domus Theutonicorum in Lyuonia. Die Geburt Christi 1277 rothem Wachs. 3. Sigillum Commendatoris Dom. Teuton. in Liuonia. Ein im Bette liegender Kranker, zu dessen Haupt ein Engel, zu den Fuͤssen aber ein Pilger mit dem Wanderstab stehet: oben, wohin der Kranke die Augen schlaͤget, siehet man das Kriplein Christi mit hervorragenden Ochsen und Esel. 1320. 2. Der Groscomtur in Preussen hat das Jesusbild, so Mariam segnet, in gruͤnem Wachs. 1451. 3 und 2. Sigill. Commendatoris de Vellin. Der Koͤnig Ahasverus, der den Scepter zur Esther neiget, 1320; oder in gelbem Wachs den Vater, der Mariam segnet 1451. 3. Sigillum Commendatoris in Dunemunde. Eine Jungfrau mit der Maͤrtererkrone, welche in der Rechten ein zur Erde gesenktes Schwerdt, und in der Linken das Rad haͤlt. 1347. 6. Sigillum Commendatoris in Wenden. Das juͤngste Gericht. 1347. 3. Sigillum Commendatoris de Segewolde. Ein Mandelbaum. 1320. 5. Sigillum Commendatoris de Leal. Ein Adler der nach der Linken zu siehet. 1320. Sigillum Commendatoris in Wittenstene. Der auferstandene Heiland, mit der Siegesfah- ne in der Rechten. Dieses ist uns von dem oͤselschen Bischof Winrich in einem Trans- sumt beschrieben. 3. Sigillum Commendatoris in Goldingen. Der barmherzige Samariter, welcher die Wun- den des Menschen von Jericho auswaͤschet, 1347, in gelbem Wachs. 3 und 2. Sigillum Commendatoris de Revalia. Die Anferstehung JEsu Christi mit den beim Gra- be bestuͤrzten und zu Boden gelegten Waͤchtern, 1364, in gruͤnem Wachs. 6. Sigillum Commendatoris de Perona. Ein Ordensbruder in Ruͤstung, der in der Rechten den Spies, und in der Linken das Ordenswapen mit dem Kreuze haͤlt. 1347. Si- der Ordens- und andrer geistlichen Personen. Mo- dulus. 6. Sigillum Commendatoris de Windau. Ein Eichenzweig, zwischen zwey ruͤckwerts gesetzten Voͤgeln, die sich nach einander umsehen. 1347. Das Siegel der Comture von Mitau war ausgefallen. O Sigillum Ducatus Livoniae. Ein silberner Grelf mit dem Schwerdt im rothen Felde, auf dessen Brust der gekroͤnte guͤldene Namenszug des gesalbten Oberhaupts zu sehen ist. Sigismund August ertheilte dem Lande dieses Wapen in dem Privilegio von 26sten Septemb. 1566. Aus dem Kajolawitz ist erweislich, daß die Lieflaͤnder den Greif aus Gefaͤlligkeit gegen den ersten pohlnischen Generaladministrator und Freiherrn Joh. Chotkiewitz, der ihn auch fuͤhrte, ins Wapen genommen. Der Herr Landrath von Ceumern hat das Wapen von Liefland vor seinem Theatridio, mit diesem Disticho: In campo erigitur rubro Gryps ensifer albus; Cor Regis titulos et diadema gerit. Jm Siegeln ist das Wapen mit einer Krone gedeckt. Jn der lieflaͤndischen Fahne aber ists dem rußischen Reichsadler auf die Brust gesetzt. 2. Sigillum Ludovici Marchionis Brandenburg. Ein Adler im deutschen Schilde, so mit Laubwerk gezieret ist. Es findet sich dasselbe unter den Verkaufbriefen von Estland. O S. Walther von Cronenberg Administrator des Hochmeisteramts und Maister Teut- sches Ordens in Teutschen und Welschen Landen. Ein sehr grosses Siegel, dessen Umschrift in der Runde 2 Zeilen einnimt. Ein Schild mit zierlicher Einfassung, welches durch das Ordenskreuz in 4 Felder getheilet wird, darin das deutsche Ordens- wapen mit dem Geschlechtswapen abwechselt. Das Mittelschild hat den Adler. Sigille der Ordensvoͤgte. 3. S igillum Aduocati de Oberpahlen. Ein Lilienkreuz. 1347. 3. Sigillum Aduocati de Karkus. Eine besaamte Rose. 1347. 3. Sigillum Aduocati de Wesenberg. Ein Ordensbruder im Harnisch, der in der Rechten eine Fahne, und in der Linken das deutsche Ordensschild haͤlt. 3. Sigillum Aduocati de Ierwen. Die Mandelruthe Aarons. 1438. Ein aͤlteres von 1364 gleicht einer Lilienstaude. 6. Sigillum Aduocati de Sackala. Ein Kreuz im deutschen Schilde. 1347. Sigillum Aduocati de Sünneburg. Ein ganz kleines Siegel. Zwey ins Andreas kreuz gesetzte Schwerdter, mit zur Erde gesenkten Spitzen. 1438. 2 und 3. Sigillum Aduocati de Kokenhusen. Ein Praͤlatenstab und Schwerdt im Andreas kreuz. 1417. Die Siegel der Voͤgte von Ermis und Rositen waren ausgefallen. 2. Sigillum fratrum militiae Christi in Livonia. Zwey Heilige, die aber ganz verblichen. 1256. Sigillum Capitanei Peregrinorum. Ganz klein und rund. Ein blosses Kreuz. 1298. 2. Sigillum Hospitalis S. Mariae. Das Marien bild in gelbem Wachs. Auf der andern Sei- te der Heiland, der Petro die Fuͤsse waͤschet: Domus Teutonicorum fratrum. 1451. Siegel der Erz- und Bischoͤfe des alten Lieflandes. D ie paͤpstlichen Bullen haben alle die 2 bleiernen Siegel von der Groͤsse 3. Sie zeigen 2 Gesichter mit der Aufschrift S. P A. S. P E. und auf der andern Seite den Namen des Papsts. 1. S. Alberti D. G. Livoniensis Episcopi. Ein Bischof im Pontificalhabit, hinter welchem ei- nige Spitzen wie Stralen hervorragen. 1224. 5. S. Alberti Archiep. Bapt. O. gentes e. abluentes. Ein in der Hoͤhe eines praͤchtigen Altars sitzender Erzbischof, an dessen rechtem Fus in einer Kapelle ein andrer Bischof stehet, mit der Unterschrift Pruss. Am linken Fus ist ebenfals ein Bischof mit der Unterschrift Livon. unten aber eine Menge Taͤuflinge, mit der Unterschrift Estonie. 1255. 3. Sigill. Ioh. Dei Gr. Sanctae Rigensis Eccles. Archi-Episcop. Ein sitzender Bischof mit dem Stabe, mit der rechten Hand segnend. Rev. Secretum Iohannis Archiep. Rig. Die Kroͤnung der Jungfr. Mariaͤ, unter ihr ein Bischof, welcher sie mit gebognen Knien anbetet. Aus einen Transsumt beschrieben 1277. So steht auch des damaligen oͤsel- schen Bischof Hermanns Secret bezeichnet. 3. Secret. Henningi Archiep. Rig. Ein im Chor betender Bischof mit gebogenen Knien. Un- ter ihm zwey zusammen gesetzte Schilde, in deren einem der Patriarchenstab und Bi- schofsstab quer uͤber einander liegen, in dem andern aber die Lilie als das Kapitelswapen zu sehen ist. 1426. H h h h 2 Sigill. Die II. Tabelle von den Sigillen Mo- dulus. 4. Sigill. Silvestri D. G. Sancte Ecclesie Rigen. catholice Archi Episcopus Ordinis Theutonici. Der heil. Franciscus im Chor mit seinen Wunden. 1457. 5. Auf einem andern schmaͤlern ist die Mutter GOttes mit gefaltenen Haͤnden, ihr gegen uͤber GOtt der Vater, der sie mit der Rechten segnet, und in der Linken die Erdkugel haͤlt. Beide fuͤhren unten 2 zusammen gesetzte Schilde, in deren einem der Bischofsstab zur Rechten und der lange Kreuzstab zur Linken quer uͤber einander liegen, in dem andern aber 3 Sterne als sein angenommenes Wapen erscheinen. Den Zwischenraum fuͤllet die Stifs- lilie. 1472. Herr Rich. von der Hardt liest ordinis Theologici, welches wir in Theutonici ver- wandelt. Silvester bediente sich auch in deutschen Urkunden des Ausdrucks: Erzbi- schop duͤdsches Ordens, blos aus Gefaͤlligkeit; welche Ehre ihm seine Nachfolger ganz allein uͤberlassen haben, weil sich nachher kein Erzbischof so mehr geschrieben, ausser daß Casper von Linde diese Formel wieder hervorsuchte. 5. Sigill. Domini Iasparis Sancte Rigensis Ecclesie Archiepiscopi ord. Teuton. Ein im praͤchtigen Altarchor stehender Erzbischof mit dem Patriarchenstab, und zum Segnen auf- gehabener rechten Hand. Unten ein in vier Felder getheiltes Wapenschild, darin das Patriarchenkreuz und der Krumstab mit dem Lindenbaume abwechselt. 1521. Die meh- resten Siegel dieses Erzbischofs sind praͤchtig und haben eine laͤngere mit vielen Abkuͤrzun- gen versehene Umschrift z. Ex. b. eatae Mar. iae Teuton. icorum in Liuonia. 5. Sig. Dom. Iohannis Archiep. Rigens. Episco. Tarpat. Ein Erzbischof in Pontificalibus. Zu seinem Fuͤssen ist das in sechs Felder getheilte blankenfeldische Wapen, und oben ne- ben seinem Haupt die Dreieinigkeit, in der Hoͤhe eines schoͤnen und mit Cherubinen gezier- ten Altarchors. Die Umschrift enthaͤlt beide Stiftstitel. 1526. 1. Sigill. Willhelmi Dei Gratia Arch. Rig. March. Brandenb. Ein vierfach getheiltes Schild mit abwechselndem Adler und Greif. Das Mittelschild ist das Amts-Stifts-Kapitel- und Stadtwapen im deutschen gevierten Schilde. 1545. 8. S. Wilhelmi D. G. Archi. Rigensis Marchio. Brande. Ein geviertes Schild; im 1 Felde ist der Adler, im 2 der Greif, im 3 der Loͤwe, im 4 das hohenzollerische Wapen. Das Mittelschild ist auch geviert und hat im 1 Felde das lange Kreuz und den Krumstab quer uͤber einander liegen, im 2 die Stiftslilie, im 3 das Ordenskreuz und im 4 die Stadtschluͤs- sel von Riga. Ueber dem ganzen Schilde ist die Jahrzahl 1545. 5. Sigill. Henrici D. Gr. Episc. Revaliens. Ein Marien bild im praͤchtigen Altarhause mit dem Kinde und dem Scepter in den Haͤnden. 1448. 1. Ein anderes mit dem Marien bilde, so das Kind in der linken Hand haͤlt. Jn der Mitte zur Seiten stehen die Apostel Petrus und Paulus. Zu den Fuͤssen ein Bischof mit der Muͤtze, welcher die Mutter GOttes anbetet. Die Umschrift ist der vorigen gleich. 1426. Die Bischoͤfe aber sind unterschiedene Personen. Anm. Siebmacher B. I, S. 12, stellet das Wapen des Bistums Revel so vor: Jn der Mitten ist ein ganz rothes Schild; die Feldung umher ist mit blau und Gold abgetheilet. 1. Secretum Eberhardi D. G. Episcopi Revaliensis. Das Marien bild in einem mit Engeln gezierten Altar. Unten in 2 zusammengesetzten Schilden der Praͤlatenstab und der lange Kreuzstab; im andern 3 Balken. 1472. 2. Sigil. Fratris Simonis D. G. Episc. Reval. Die Mutter GOttes mit dem Kinde in der lin- ken und dem Scepter in der rechten Hand. Unten im Altarchor liegt det Patriarchenstab im Andreas kreuze. Jn dem andern Schilde das borgische Geschlechtswapen, 3 Am- seln. 1478. Jn einem anden Sigil siehet man an den Seiten | des Altars die beiden Apostel, die ein darunter liegender Bischof anbetet. 1481. 8. Nicolaus Episcopus Revalie. Ein deutscher Schild, oben mit der Bischofsmuͤtze bedeckt; das linke Feld ist verblichen, das rechte hat 2 Sparren. 1501. 6. Sigill. Herman. D. G. Lealensis Episc. 1224. Ein Bischof. 5. Sig. Bartholomaei D. G. Episc. Tarbat. Ein zierliches Altarchor mit der Mutter GOttes und dem Kinde auf dem Arm. Jn der Mitten Petrus und Paulus; unten ein Win- delkind. Zur Rechten und Linken das Stifts- und Geschlechtswapen, nemlich Schwerdt und Schluͤssel, und ein wachsender Widder. 1457. Die Bischoͤfe von Doͤrpt siegelten wie alle Bischoͤfe in roth Wachs, welches auch aus einem verblichenen Sigil des Bischofs Theodorici von 1424 erhellet. 5. Ein praͤchtiger Altarchor, in welchem die Maria sitzet, zu deren Seite die Apostel Paulus und Petrus in eignem Haͤusgen stehen. Oben in der Spitze siehet man ein Schwerdt mit dem Praͤlatenstab ins Andreas kreuz geleget, und uͤber solchem eine Bischofsmuͤtze. Zur Rechten liegt ein Schild, wo Schwerdt und Schluͤssel, zur Linken ein anders, wo Schluͤs- der Ordens- und andrer geistlichen Personen. Mo- dulus. Schluͤssel und Schwerdt quer uͤber einander. Unter | dem Marien bilde ist das gevierte Wapen, in dessen 1stem und 4ten Felde das Stiftswapen, in dem 2ten und 3ten das Familien- wapen erscheinet. Dabey zu merken, daß das 2te und 3te Feld quer getheilet, und 2 Ha- ken in Metal, und einer in Farbe stehen. Sig. Iohannis Episcopi Terbatensis. 1540. 1. Sig. Hermanni D. G. Episc. Tarbat. Ein geviertes Wapenschild, in dessen ersten und 4ten Felde Schwerdt und Schluͤssel kreuzweise; im 2ten und 3ten eine halbe Lilie von 2 Rosen zur Rechten begleitet vorkommen. 1552. 6. Frater Henricus D. G. Episcop. Osilie. Ein Praͤlate in Pontificalibus. 1242. 1. S. Winrici Episc. Osiliens. Ein Bischof mit Stab und Jnsel in einer Kapelle; zur Rechten ein sich umsehender Adler, zur Linken 3 Voͤgel. 1389. 3. Sigill. Christiani Episc. Osiliens. Ein am Pfeiler angespantes Rind oder Widder. 1426. 3. Secr. Ludolphi Ep. Osil. Eine grosse Rose, in welcher ein schraͤgrechts gelehntes deutsches Schild lieget, worin ein Schweinskopf mit den Zaͤhnen. 1457. 1. Sigil. Iohannis Vatelkanne electi ecclesiae Osiliens. episcop. Das Wapen der Stadt Hapsal. 1461. 5. Sigil. Petri de Wedberg Episcop. ecclesie Osiliens. Ein Mespriester mit dem Kelch in der Hand. 1472. 1. Sigil. Iohannis D. G. Osiliens. episc. administrat. Curon. Ein zierlich quadrirter Schild mit abwechselnden agnus Dei und Adler. 1545. 6. Sig. Emundi D. G. Episc. Curon. Ein auf einem Quadratstein stehender Bischof im Chor- rock, mit dem Stab in der Linken, die Rechte zum segnen ausstreckend. Zu beiden Sei- ten 2 hervorsehende Thiere. 1290. 3. Sig. Iohann. D. G. Episcop. Curoni. Maria auf einem halben Mond stehend, in der Rech- ten das Kind, in der Linken den Scepter haltend in lauter Strahlen. Zur rechten Sei- ten der Adler, zur Linken ein punctirter Schild. 1426. 2. Secretum Pauli Episcop. Curon. Ein Altar mit dem Mespriester, so den Kelch reichet. 1457. 5. Sigil. Martini D. G. Episc. Curon. Eccles. Ein mit Heiligen geschmuͤckter Altar, worun- ter der Bischof stehet, der zur Rechten ein agnus Dei, zur Linken die stralende Sonne hat. 1495. Einige fremde, doch unter lieflaͤndischen Documenten befindliche Sigille. 7. S. Wilhelmi Episc. Mutinens. Ein Bischof im Ornat. 1226. 6. S. Petri miseratione diuina Epis. Albanens. Ein Bischof, mit den 6 Buchstaben zu beiden Seiten C-H. M-G. V-S. 1251. 6. S. Ioh. D. G. Episcop. Lubicens. Der Bischof, hinter dessen Kleidern 2 Thiere zur Seite den Kopf hervorstrecken. 1270. 1. S. Marcelli Episc. Eccl. Skalholtens. Ein Bischof im Ornat. Zu beiden Seiten 2 kreuz- weise liegende Schluͤssel. Unten ein Schild mit einem Loͤwen. 1469. 2. Jn gruͤnem Wachs, das Marien bild mit dem Kinde auf einem praͤchtigen Sessel sitzend: Sig. Mag. Gener. Hospitalis Fratrum Hierosolym. Der Revers hat in rothem Wachs das deutsche Ordensschild. Sanctae Mariae domus Teuton. 1451. 2. Sigill. Hospitalarii. Ein Bruder, der dem andern die Fuͤsse waͤschet, 1451, in gelbem Wachs. Sigille der Aebte, Proͤpste, Kapitel und Kloͤster im alten Liefland. 1. S. Capituli sancte Rigensis Ecclesie. Die Mutter GOttes wird vom Vater gesegnet. Zur Rechten Petrus und Paulus, zur Linken ein Praͤlate. 1457. 1. S. Eccles. Sanct. Mariae Rigens. Das Marien bild mit dem Kinde sitzend. 1224. 2. Dergleichen, wo das Marien bild uͤber den Thoren einer Stadt sitzend vorgestellet wird. 1271. Mit der Zeit ward das Stiftswapen geaͤndert, und der lange Kreuzstab, mit dem Krumstabe ins Andreas kreuz geleget, zum Wapen angenommen. Das rigische Dom- kapitel siegelte entweder mit der Lilie, oder dem Ordenskreuz, auf gruͤnes Wachs. Sib- macher, dem sonst nicht immer zu trauen ist, fuͤhrt das erzbischoͤflich- rigische Wapen unter den geistlichen Praͤlaten an der 9ten Stelle so an: Jm rothen Felve ein gelbes Kreuz, uͤber dem Wapen die Bischofsmuͤtze, hinter welchem Schwerdt und Krumstab durchgesteckt erscheinen. Vermuthlich sol dieses das Wapen des Erzbischofs Wilhelmi J i i i seyn, Die II. Tabelle, von den Sigillen Mo- dulus. seyn, welcher als ein geborner Reichsfuͤrst sich des Degens bediente; da hingegen die an- dern Bischoͤfe dafuͤr den Kreuzstab oder Patriarchenstab gefuͤhret. 2. Sig. Capituli Tarbatensis. Ein Stern von 6 Strahlen in einem die Laͤnge herab getheilten Schilde, im rechten Felde die Ruthe Aarons. 1457. 1. Auf einem gepflasterten Postement 2 Chorstuͤhle, auf dessen rechten Petrus mit dem Schluͤs- sel, auf dem linken aber Paulus mit dem Schwerdte sitzet. Sigillum Ecclesie Tarba- tensis. 1540. 2. Sig. Capituli Arensborgens. 1383. Ein Adler mit dem Ringe um den Kopf, und auf einem Zettel oder einer Pergamentrolle stehend, worauf die ersten Worte des Evangelii Jo- hannis gelesen werden: In principio erat, weil die Domkirche dem Evangelisten Jo- hannes geweihet war. 1. Ein anders. Sig. Capituli Osilie. Andreas mit dem Kreuze. 1457. 5. Sig. Capituli Curoniensis. Eine sechseckigte Figur, in welcher Herodes sitzend und der nackte Heiland fuͤr ihn stehend vorgestellet wird. 1457. 6. S. Ioh. Abbatis in Padis. Ein im Chor stehender Abt 1393. 5. Die andern Aebte bedienten sich eines groͤssern Siegels, von recht schoͤnem Griffelstich. 5. Secret. Herman. Abbatis in Valckena. Ein im Altarchor stehender Abt. 1457. 3. Sig. Henrici de Kniperode Prouisor. Eccles. Osilien. Jm deutschen Schilde 3 Voͤgel, durch welche ein Querbalken gehet. 6. S. Ioh. Rigens. Praepositus. Ein Predigermoͤnch auf einem Stein stehend, 1271. Jtem der Evangelist Johannes. 1518. 7. S. Ioh. Praepositi Osiliens. Eine verblichene Person, die ein Kind bey der Hand fuͤhret. Unten 2 ins Andreas kreuz gelegte Pfeile. 1376. 2. S. Praepositi Curoniens. Ecclesie. Ein Predigermoͤnch mit dem Evangelio in der rechten, und dem Kreuz in der linken Hand. 1290. 6. Secre. Godfridi Decani ecclesie Revaliensis. Ein Marien bild im Chor, so von einer knienden Person angebetet wird. Unten ein Schild mit einem Menschenhaupte. 1347. 5. Sig. Prioris fratrum Ordinis Praedicat. in Revalia. Eine auf dem Postement stehende Person in der Rechten mit empor gehobenem Schwerdt, in der Linken mit dem Rade, zu dessen Knien eiuer anbetet. 1364. 7. Sig. Prioris fratrum Ordinis Praedicat. in Riga. Johannes, welcher in einem Schilde das Laͤmlein mit der Kreuzfahne haͤlt, und uͤber seinem Priesterrocke die Worte: Ecce agnus Dei lesen laͤst, in gruͤnem Wachs. 1281. 6. Sig. Gardiani Praedicat. in Rige. Ein gekroͤntes Bild, in der Rechten ein Schwerdt, in der Linken ein Rad haltend. 1290. 6. Sig. Fratrum Praedicat. in Rige. Eine Person auf dem Stuhle sitzend. 1426. 6. Sig. Conuentus fratr. Minorum in Rige. Die Taufe Christi. 1256. 6. Sigillum custodis Frm. minor. Liuonie et Prusie. Der am Oelberg kniende Heiland, wel- chen ein Engel staͤrket. 1518. 6. S. Matris et Dom. ns. Sororu. Francisci in Riga. Das Marien bild mit dem Kinde auf dem rechten und dem Scepter auf dem linken Arm. Aus dem Fundationsbriefe eines Elend- oder Siechenhauses beider grauen Nonnenkloͤster 1495, am Tage Antonii des heiligen Beichtigers. Sie waren von der 3ten Regel des heiligen Franciscus und wohn- ten an der Norderseite des Peters kirchhofs. Der oberste Pater von der ersten Regel des heiligen Franciscus in Liefland, der wuͤrdige geistliche Vater und Herr Hinrich Voß war zum Volzieher dieser Siechenanstalt eingesetzet, wie der selige Buͤrgermeister Peter Hinrichs sie in seinem Testament angeordnet. Roth Wachs. 3. Sigillum Officialatus curiae Dni Archi. Epi. Rig. Ein Taͤufling mit gefaltnen Haͤnden auf die Gnade der Taufe wartend, und in einer Wasserkuͤbe oder Bottich ganz nackend sitzend. 1508, in rothem Wachs. Wa- Da gemeiniglich die Transsumte auch die Siegel mit vieler Genauigkeit beschreiben, so wollen wir das erzbischoͤflich- wallenrodische und Kapitelinsiegel aus dem lateinischen Transsumt des Bi- schofs Theodor von Doͤrpt 1486 ausfuͤhrlich beibringen, welche Siegel dem Diploma von 1317 auf das Recht der samenden Hand, so die Herren von Tiesenhausen erhalten, angehaͤnget sind: Duobus Sigillis, vno videlicet a parte dextra dictae litterae oblongo, ab extra de alba, et ab intra de rubea cera facto, cum cordula fili rubei coloris appenso; in cuius rubeae ce- rae medio apparuit sculptum Tabernaculum quoddam oblongum, in cuius tabernaculi parte inferiori erat quaedam Imago pastoralis, mitram in capite ac baculum Pastoralem in modum crucis in manu habens, ac in superiore parte adparuit sculpta coronatio Beatae Virginis Mariae, nec non in inferiori parte eiusdem tabernaculi duo erant clypei sculpti, qui a dex- tra parte cruce et baculo pastorali, et sinistra parte similiter quadam Cruce oblonga et aliqua- liter subleuata respectiue signati fuerunt cum litterarum circumferentia huiusmodi: Sigillum Iohan- und Wapen der Staͤdte und Flecken. Wapen und Siegel der Staͤdte und Flecken. R iga. Das aͤlteste Stadtsiegel von 1232 zeiget eine Mauer mit freiem Thor und 5 Zin- nen, auf der Mauer 2 Thuͤrme, zwischen den Thuͤrmen 2 empor gerichtete Schluͤssel mit aufwerts und auswerts gekehrten Schliesblaͤttern; zwischen den Schluͤsseln ein langes erzbischoͤfliches Kreuz, weil schon damals die Paͤpste Jnnocentius der III te und Hono- rius der III te dem rigischen Bischof die Gewalt eines Crzbischofs verliehen, ob ihm gleich der Titel noch fehlte. Die Umschrift heist: Sigillum Burgencium in Rige manen- cium. Als die Stadt dem Orden huldigte, blieben zwar die Thuͤrme und Mauren; al- lein ohne Zinnen. Das Thor bekam ein Falgatter, unter dem ein Loͤwenkopf hervorgu- cket. Ueber dem Thor siehet man ein Ziegeldach mit 2 Windfaͤhnlein, welche uͤber sich die 2 Schluͤssel in Form des Andreas kreuzes mit auswerts gekehrten Schliesblaͤttern ha- ben. Ueber den Schluͤsseln ist nicht mehr das Patriarchenkreuz, sondern das kleine Kreuz des deutschen Ordens, z. E. auf dem Siegel von 1349 mit der Umschrift Sigillum ciuita- tis Rigensis. Diese Stuͤcke sind als wesentlich beibehalten worden. Schon zu den herrmei- sterlichen Zeiten nahm die Stadt die Loͤwen zu Schildhaltern an, wie solches das auf der Wage am Markte in Stein gehauene Wapen von 1554 bezeuget. Diese Loͤwen erscheinen auch auf den Muͤnzen, welche die Stadt waͤrend ihrer 20 jaͤhrigen Ununterwuͤrfigkeit ge- praͤget. Jngleichen finden sich die Loͤwen als Schildhalter auf den Stadtmuͤnzen von pohlnischer Regierung, wie auf denen unter dem Koͤnig Stephano 1586 und Sigis- mund dem III ten 1592 geschlagenen Goldstuͤcken von 10 Dukaten zu sehen ist. Daher man sie in der Historie nicht aus der koͤniglich schwedischen Regierung herleiten darf. Der Kaiser Maximilian der II te schenkte der Stadt die Freiheit mit rothem Wachs zu siegeln, unterm 9ten April 1576, weil die Stadt sich damals ans Reich hieng, und dem Hause Oesterreich ihre Stimme zum pohlnischen Thron versprach. Als Koͤnig Carl der XI te in Schweden in einem zu Stockholm den 23sten November 1660 gedruckten Diploma fuͤr die im Jahr 1656 ausgestandene pohlnische Belagerung den Buͤrgermeistern und dem Rath der Stadt den Adelstand auf dem Rathsstul ertheilte; so verliehe er der Stadt die Krone uͤber dem Loͤwen im Thor, und uͤber dem kleinen Kreuze, und gestand ihr den naͤchsten Rang nach Stockholm vor allen andern schwedischen Staͤdten zu, welche Vorrechte ihnen auch von dem rußischen Kaiser Peter dem Grossen allergnaͤdigst bestaͤtiget wurden. Auf diese erhaltene Distinction lies die Stadt 1660 die in der Muͤnztabelle beschriebene Gedaͤchtnismuͤnze in Gold und Silber praͤgen. Als 1723 die Buͤrgerschaft ihre neuen Fahnen erhielt, nahm sie an stat der Loͤwen zwey mit offenen Fluͤgeln in die Hoͤhe aufrecht stehende gekroͤnte Adler zu Schildhaltern an. Das kleinere Wapen der Stadt sind die 2 ins Andreas kreuz gelegten Schluͤssel mit einem daruͤber gesetzten Kreuze, so nach Dili- chii Zeugnis in der bremischen Chronik S. 76 das Wapen des Erzbistums Bremen ist; dahingegen die Stadt Bremen nur einen Schluͤssel fuͤhret. Die Blasonirung des rigischen Wapens ist diese: Das Feld ist blau, die Thuͤrme und Mauer roth, die Thurm- spitzen und Schluͤssel silbern, die Thurmfahnen, Kronen und das Kreuz guͤlden, die Schildhalter in natuͤrlicher Farbe. Revel. Jn alten Sigillen, und auch in neuern von 1545, stehen 3 gekroͤnte Leoparden uͤber einan- der im deutschen Schilde; und daruͤber ein gekroͤntes Haupt. Secret. Ciuit. Revalien- sis. Das jetzige Wapen sind 3 leopardirte oder gehende blaue Loͤwen mit ausgeschlagener Zunge im guͤldenen Felde. Auf einigen Wapen haben auch diese Loͤwen eine Krone. Ueber diesem Wapen siehet man einen gekroͤnttn Helm, aus welchem ein gekroͤntes Weibs- bild mit geschlungenen Armen und fliegenden Haaren hervorwaͤchset, so vielleicht die heili- ge Brigitta seyn sol. Auf den Sigillen dieser Art lieset man die Worte: Secretum ci- J i i i 2 uitatis Iohannis Wallenradi Dei Gratia Sacro Sanctae Rigensis Ecclesiae Archiepiscopi: altero ve- ro a sinistra parte quodam magno rotundo cum Pergameni pressula appendente, et similiter ab extra de alba, et ab intus de viridi cera facto; in cuius quidem viridis cerae medio etiam videbatur quoddam tabernaculum quadratum cum duabus turribus oblongis sculptum, et in parte inferiori ipsius tabernaculi tres adparuerunt imagines sanctorum trium Regum, in su- periori autem parte, et in medio ipsarum turrium, similiter duae erant imagines, vna Salua- toris, alia etiam beatae et gloriosae Virginis Mariae, et vt prima facie apparebat, fult si- militer eius gloriosa coronatio, in extremitate antem ipsius Sigilli duo etiam erant Clypei reipectine armis signati, vnus videlicet a dextris Cruce, alius vero a sinistris Lilio, vna cum huiusmodi litterarum circumferentia: Sigillum Capituli Sacr. Sae Rigensis Eccle- siae. Das wallenrodische Geschlechtswapen heist hier keine Schnalle; welches daher einigen den Zweifel beigebracht, ob auch dieser Erzbischof zu der beruͤhmten Familie in Preussen gehoͤre. Das Concilium Constantiense, welches das erzbischoͤfliche Wapen in Kupfer zeiget, laͤst uns wegen der Schnalle keinen Zweifel uͤbrig, obgleich in diesem Siegel nur das Ehren- und Stifts- wapen, nicht aber das Geschlechtswapen angebracht worden. Die II. Tabelle, von den Sigillen uitatis Revaliensis. Zu andern Sigillen bedienet sich auch die Stadt dos daͤnischen sil- hernen Kreuzes von Dannebrogge im rothen Felde. Das Wapen dieser Art decken 2 Strausfedern, eine rothe und eine silberne, die auf einem Helm ohne Krone stehen. Beide Wapen hat die Stadt von Waldemaro den II ten, Koͤnig von Daͤnnemark, erhalten, weswegen auch auf den aͤltesten uͤber dem Schilde Waldemars gekroͤntes Haupt zu sehen ist. Narva. Das alte Stadtwapen ist ein Fisch, uͤber welchem eine Krone schwebet. Cysse von Rutenberg ertheilte ihr im Namen des Hochmeisters Paul Pelnitzer von Ruß- dorff 1426 das Lilienkreuz, in dessen rechten und linken Oberwinkel 2 Rosen mit dem Stengel herabhangen. Koͤnig Johannes der III te in Schweden verliehe ihr den 22sten Julii 1585 zum Wapen und Siegel ein im blauen Felde oben schiefgelegtes blosses Schwerdt, auf dessen ieder Seite eine schwarze Karthaunenkugel lieget. Jn der Mitte des Schildes siehet man 2 schwimmende Fische, unter den Fischen einen Sebel, der seine Spitze wie das Schwerdt nach der rechten | Seite richtet, unter dem Sebel aber die dritte schwarze Karthaunenkugel. Dieses Wapen befindet sich auch auf den narvischen Muͤnzen unter koͤniglich schwedischer Regierung. Nach dem Wapenbuche der schwedischen Ritter- schaft und des Adels von 1650 bestehet zwar das narvische Wapen in einem geviertem gekroͤn- ten Schilde mit abwechselnder Burg und Schiesscharten, und zweien Kugeln, in deren Mitte schraͤglinks eine Thurnierlanze durchgehet, deren Faͤhnlein das daͤnische Kreuz fuͤhret und in dem linken Oberwinkel zu stehen komt; allein Kaiser Peter der Grosse behielt das Wapen von 1585 bey, und verwandelte die schwarzen Kugeln in rothe Feuer- kugeln, lies auch den Sebel mit der Spitze nach der linken Seite kehren. Das Wapen der gegen uͤber liegenden Festung Jvanogrod ist ein aus dem linken Winkel schraͤgrechts fliessender Wasserstrom zwischen zwey Mauren mit Schies- scharten. Pernau. Eiu silbern Kreuz im blauen Felde, so von einem aus den Wolken herorragen- den linken Arm gehalten wird. Die Wolken sind roͤthlichblau, der Arm hochroth, die Handkrause weis, der Handschuh gelb, und dessen Stolpe silbern. Das Kreuz begleitet ein silberner Schluͤssel, der sein Schliesblat demselben zukehret. Die Stadt Pernau fuͤhrte in alten Zeiten den Namen Embeck, nach dem daran vorbey- fliessenden Strome. Es beweiset solches nicht allein das oben angefuͤhrte mandrische Privilegium Vellin vom 5ten April 1265, sondern auch ein anders von Jocken unterm 15ten November 1318, wo es unter andern heist: Praedicta ciuitas Embeck, quae nunc Pernau vocatur. Und in dem grossen Hensereces von Epiphanias 1388 lieset man Pernova von olderß Perona oder Porona. Heut zu Tage ist die Stadt wohl befestiget, hat einen bequemen Hafen und treibt gute Handlung mit Holz, Bretern, Korn und Lebens- mitteln; nur muͤssen die neuern Erdbeschreibungen ihr keine Universitaͤt mehr beilegen, weil schon um das Jahr 1709, da die Flamme des Krieges in vollem Brande war, die Musen sich nach andern Universitaͤten, und sonderlich nach Schweden, wandten. Unter denen ehemaligen Professoribus sol der Herr Wilde, als koͤniglicher schwedischer Histo- riographus, noch jetzo am Leben seyn. Doͤrpt hies in alten Zeiten Tarbete, welches eben so viel ist als Tarabita, d. i. Thar, hilf. Das groͤssere Jnsiegel der Stadt zeiget eine rothe Burg mit 2 Thuͤrmen, unter der Mauer ein ofnes Thor, mit silbern Falgattern, unter demselben einen goldenen Stern, unter dem Sterne einen blauen halben Mond. Auf dem Portal des Thers stehet ein Loͤ- wenkopf, auf der Mauer liegen 3 blaue Kugeln, davon die mitlere groͤsser ist. Ueber der Mauer liegt ein| silberner Schluͤssel und ein natuͤrlich gefaͤrbtes Schwerdt mit golde- nem Handgrif im Andreas kreuz. Ueber diesen schwebet eine goldene Krone. Das kleinere Jnsiegel hat Schluͤssel und Schwerdt mit daruͤber schwebender Krone allein. Das Consistorialsecretum hat die Ruthe Aarons, in deren rechten Oberwinkel eine der Ruthe zugewandte Krone sich befindet. Jn dem Diario der 1599 gehaltenen grossen Re- visionscommißion ist am 24sten April beliebet worden, daß das Siegel des doͤrptischen Landgerichts ein Greif seyn solle, der in der Vorderpfotel die in die Quer gelegten Spies- se, als des Groskanzlers Zamoiski Wapen, halte. Wenden. Diese ehemalige herrmeisterliche Residenz hat auf ihrem Siegel die Umschrift: Sigillum Civitatis Vendensis, und zum Wapen eine Stadt im silbernen Felde; uͤber dersel- ben einen geharnischten Ordensbruder, der mit dem rechten Arm uͤber dem Kopfe ein Schwerdt, auf einigen Wapen aber einen krummen Sebel, mit dem linken unterwerts, doch uͤber dem Knie, einen Schild haͤlt, und mit ausgesperten Beinen stehet. Die Fuͤsse ruhen auf 2 runden Thurmknoͤpfen zwischen 2 mit dem Ellenbogen gleich hohen Thurm- spitzen, die ihre Wetterfaͤhnlein haben. Mit den Beinen schliesset er 2 hinter dem Stadt- und Wapen der Staͤdte und Flecken. Stadtthore hervorragende Thuͤrme mit Wetterfaͤhnlein ein. Das Thor hat ein Ziegel- dach, und darunter ein Falgatter, das uͤbrige des Thors ist offen. Jn der wendischen Stadtfahne zeigen sich die Farben so: Die Thurmfahnen, Knoͤpfe, Koppeln und Kraͤn- ze sind verguldet; Thuͤrme und Fenster schwarz; der Harnisch des Ritters, sein Schild am Rande und in der Mitten, die Schienbeine bis an den Fus, das Schwerdtgefaͤs, der Ellenbogen des Harnisches und das Falgatter sind verguldet; Sebel oder Schwerdt eisen- farbig, die Thuͤrme und Stadtmauren graulich, der Grund vor dem Thore gruͤn. Jn einem Document von 1365 siehet man Proconsules und Consules ciuitatis Wendae unter- schrieben. Auf dem daran hangenden alten Siegel hat die Stadt einen Haag oder Ge- haͤge um sich herum; womit man vielleicht auf den Namensursprung Zaͤhsis d. i. Indago, Septum, gesehen. Lemsel. Diese ehemalige erzbischoͤfliche Residenzstadt brauchte 1439 einen Rost von 5 Zacken zum Siegel in gruͤnem Wachs. Seit 1553 fuͤhrt sie eine ordentliche Burg mit 2 bedeck- ten Thuͤrmen im Wapen. Jn der Mitte stehet ein niedriger breiter Thurm mit rundem Dache, mit einem Faͤhnlein, in welchem unten das Thor mit ofnen Fluͤgeln mit einem Fal- gatter versehen ist, worunter ein Loͤwenkopf hervorraget. Ueber der Burg schwebt ein Kreuzstab und Krumstab ins Andreas kreuz geleget, oben aber ein bischoͤflich Gesicht mit der Jnsel und Vitte. Sigillum Ciuitatis Lemsaliae. Der Erzbischof Henning leg- te sie an, nach welchem Liebhaber der Baukunst auch der hohe Thurm zu Kokenhau- sen nur der lange Henning genant wurde. Wolmer. Ein rother Schopf mit Ohren von einem Buͤffelskopf, zwischen dessen 2 Hoͤr- nern eine gruͤne Eiche mit daneben auswachsenden braunen Sturz in guͤldenem Felde ste- het. Die Legende ist Sigillum ciuitatis Wolmariensis Comitum Södermöre; weil dieses Staͤdtgen dem Grafen Axel von Oxenstierna geschenkt war, der Eekhof besas, und den die Koͤnigin Christina 1645 zum Grafen von Soͤdermore gemacht. Walck. Ein aus dem linken Rande im gruͤnen Felde hervorgehender guͤldner Arm im Har- nisch, der mit einem silbernen, manchmal gekroͤnten, Sebel drohet, mit der Umschrift: DAS WALKISHE SIGEL. Anno 1590. Der Koͤnig Stephanus machte sie 1584 aufs neue zur Stadt, und Sigismund der III te gab ihr im Jahr 1590 die Freiheit in gruͤn Wachs zu siegeln, oder nach Belieben weis Wachs zu brauchen. Ein Sigil von 1424 hat den geharnischten Arm mit einem Schwerdte. Auf dem grossen Hensereces von 1387 heist die Stadt von dem vorbeifliessenden Bache, Poͤdel oder Poͤdeln, das ist Walck, und in einem von 1391 steht: tho Poͤdeln up dem Walcke. Fellin. Das Ordenswapen ist im rothen Wachs ein Marien bild mit dem Jesus kinde. Zu beiden Seiten Blumenzweige. Das in den pohlnischen und folgenden Zeiten ge- brauchte Wapen ist ein rothes rundes Siegel, so in der Mitten ein blaues Schild traͤget mit einer silbernen Rose. Ueber dem Schilde schweben 9 goldene Sterne 5 und 4. Aus dem rechten Oberwinkel waͤchset ein silbernes Kreuz heraus, dessen Stellung schraͤge ist. Jn den pohlnischen Zeiten hatte die Stadt einen eignen Burggrafen, und noch im vori- gen Jahrhundert einen Magistrat und Buͤrgermeister. Hapsal. Eine halbe Burg im blauen Felde. Der rechte Thurm steht gedeckt, die mit Schiesloͤchern und Zinnen durchbrochne Mauer ziehet sich unten am Schildrande in der Runde nach einem ofnen Thor hin, dessen Seitendach roth ist, und einen starken unge- deckten Thurm uͤber sich hat. Der braune Adler siehet sich um, und sitzet entweder auf dem Thordache, oder ist mit halben Leibe an das Thor angeleget. Sigillum ciuita- tis Hapsaliae. Das kleinere Stadtsiegel ist ein Anker. Arensburg. Eine Burg mit gedecktem rechten, und ungedecktem linken Thurm. Das Thor ist in der Mauer. Jm Thor nimt der Adler den Flug nach der linken Seite. Sigillum ciuitatis Arensburgensis 1563. Auf dem ofnen Helm siehet man einen Flug. Mitau. Jm purpurfarbenen Felde ein gekroͤnter natuͤrlicher Elendskopf mit seinem Ge- weihe. Auf dem Halfe das kettlersche Stamwapen, ein silberner Kesselhaken, in dessen Mitte ein rothes Feld mit einem silbernen Kinbacken eines Wolfes Die 3 Wolfszaͤhne in der Kinlade erhielt Kettler als Herzog 1579 vom Koͤnig Stephanus, als deffen Stamwapen sie waren, weil sie dem Hause Bathori zukommen. Hennings lief- und curlaͤndische Chronik S. 145. Weil die neuern Heraldtkschreiber den Kesselhaken nicht gekant, so haben sie solchen gar weggelassen und hingegen der gezahnten Kinlade des Wolfes, die Figur eines gezackten Hakens gegeben, der noch lange kein Kesselhacken wird, ob er gleich in Silber er- scheinet. Selbst in einigen curlaͤndischen Wapen ist die Wolfskiefer zwar gezahnt, aber mit mehr als 3 Zaͤhnen. Jn einigen heraldischen Buͤchern wird den Wolfszaͤhnen unrichtig die linke Seite im Mittelschilde angewiesen. mit 3 Zaͤhnen besetzt, und den blauen Buchstaben S. A. so durch einander geschlungen sind, und so wol als die K k k k Wolfs- Die II. Tabelle von den Sigillen Wolfszaͤhne von einer guͤldenen Krone bedecket werden. Das ganze Schild decket eine Krone und wird von 2 zuruͤcksehenden Loͤwen gehalten. Das Gerichtssiegel der Stadt ist eben so gestochen, und wird in gruͤn Wachs gedruckt. Goldingen. Goswin von Herike gab ihr das Siegel in gruͤn Wachs, die heilige Ca- tharine mit der guͤldenen Maͤrtererkrone und fliegenden Haaren. Sie haͤlt in der rechten Hand das Maͤrtererrad, in der linken ein zur Erde gesenktes Schwerdt, und stehet auf ei- nem Erdreich, wo Gestraͤuch waͤchset. Dieses Siegel in rothem Wachs von No. 6 fuͤhrte die Mutter des Klosters der grauen Schwestern St. Francisci der dritten Regel in Riga, Namens Caͤcilia zum Amtssiegel 1518. Die Maͤrterin hat das Schwerdt in der rechten und das Rad in der linken Hand. Liebau erhielt ihr Siegel 1625 vom Herzog Friedrich zu Curland, einen rothen Loͤwen der einen Lindenbaum anfasset, im blauen Felde. Jhre Seeflagge ist ein deutscher roth und weis quer getheilter Schild. Windau. Ein Jaͤgerhorn, uͤber dem das Kreuz stehet, mit der Umschrift: SECRE- TVM DER STADT WINDA. Anno 1643. Bauske. Ein Loͤwe in rothem Wachs. Sigillum civitatis Bauske 1609. Jm Wapen ist der Loͤwe guͤlden, das Feld roth. Der Loͤwe sieht in einigen groͤssern nach der Linken, und steht zum Raube geschickt. Pilten. Das kleinere Siegel hat 2 ins Andreas kreuz gestelte Krumstaͤbe, uͤber denen eine Kugel lieget, und uͤber der Kugel zur Rechten und Linken 2 Thuͤrmgen stehen. Si- gillum Civium in Pilten. Das groͤssere stellet eine Stadt vor mit durchsichtigen Thuͤrmen. Sigillum Civitatis Piltensis 1694, in gruͤnem Wachs. Grubin. Ein Kranich der in der linken Pfote einen Stein haͤlt 1697. Das Amt Gru- bin hat im Siegel den Alandsbleier, so im Wasser schwimmet, und uͤber demselben eine goldene Krone. Dis Siegel verliehe ihr der Herrmeister Rettler 1560 zum Andenken eines uͤberausreichen Fischzuges. Hasenpot. Das Wapen dieses Staͤdgens ist ein Ordensmeister, der in der linken Hand den Kelch haͤlt, mit darunter hangendem Wischtuche. Das Feld ist weitlaͤuftig gegittert. Tuckum. Jst jetzo blos ein Hakelwerk. Der dasige Herr Oberhauptman bedienet sich des herzoglich curlaͤndischen Siegels mit denselben Jnsignien und der Umschrift: Sigillum Iudicii Tuckum. Blasonirte Wapen einiger mit den Herrn Meistern verwand- ten Familien. 1. V on Vitinghof. Ein durch einen schwarzen Balken schraͤgrechts getheiltes Schild, dessen oberstes Feld golden, das untere silbern ist. Auf dem Balken liegen 3 silber- ne Austermuscheln. Auf dem Helm lieget ein schwarzer Hut, auf dem ein rother Fuchs nach der rechten Seite schreitet. Sibmacher S. 146 macht den ganzen Schild weis, die Muscheln gelb, den Hut zu einen weissem Bischofshute, das Geschlechte aber zu Thuͤ- ringern, legt auch den Balken schraͤglinks. Doch hat Sibmacher B. II, S. 116 den rhein- und niederlaͤndischen Vitinghoͤfen den Balken schraͤgrechts gelegt, behaͤlt aber das ganz weisse Feld und die gelben Muscheln; nur ist der Hut gekrempt, und beidesmal der Name Uttinghoff unrichtig ausgedruckt. 2. Von Torck. Ein von roth und Silber quergetheiltes Schild. Jm Silber liegen sie- ben blaue rautenfoͤrmige Tuͤrkisse, 4 und 3. Dasselbe ganze Schild lieget uͤber dem Helm zwischen einem Fluge, dessen linker Fluͤgel silbern, der rechte roth ist. 3. Von Rutenberg. Sieben schwarze Rauten 4 und 3 im goldenen Felde. Auf dem Helme ein rother Hut mit schwarzem Knopf und gruͤnen Federn. Sibmacher hat es S. 182 unter den braunschweigischen Familien. 4. Von Mengden. Ein silbernes Feld mit 2 schwarzen Querbalken. Ueber dem Helm 2 Fluͤgel, der linke schwarz, der rechte silbern. Die Helmdecken sind silbern mit schwarz gemischt. Dieses Wapen macht auf dem groͤssern freyherrlichen Wapen nur das Herz- schild aus. 5. Von Borg. Drey Staare, 2 und 1, im silbernen Felde. Auf dem Helm ein schwarzer Flug mit einem dazwischen stehenden einzelnen Staar, mit natuͤrlicher Farbe. Sibma- cher S. 172 hat das Wapen unter den saͤchsischen Geschlechtern. 6. Von Freytag von Loringhof. Jm blauen Felde 3 silberne Ringe, 2 und 1. Ueber dem Helm 2 blaue Fluͤgel, in jedem die 3 Ringe, allein 1 und 2 gesetzt. Nach Sibmachern S. 190 ist das Feld weis, die Ringe schwarz, auf dem Helm 2 weisse Federn, in deren Mitte 3 schwarze Ringe uͤbereinander stehen. 7. Von und Wapen der herrmeisterlichen Familien. 7. Von Plettenberg. Ein von blau und Gold in die Laͤnge getheiltes Schild. Auf dem gekroͤnten Helm zur Rechten eine guͤldene, zur Linken eine blaue Strausfeder Die Farben dieser Schilde hat man von den Wapen der noch bluͤhenden Familien entlehnen muͤssen, die doch in den ordensmeisterlichen Schilden haben anders seyn koͤnnen. Kettler verwandelte die Farben seines Stamwapens als Herzog. Plettenberg hat auf den Muͤnzen sein blaues Feld gegittert, das ist, schwarz vorstellen lassen. Nach Sibmachern ist das rechte Feld Gold und das linke blau, so auch mit den Muͤnzen uͤberein komt. . 8. Von Bruͤggeney genant Hasenkamp. Jm silbernen Felde 3 rothe Querbalken. An dem Helme ein geschlossener silberner Flug mit durchgehenden 3 rothen Querbalken. Die Helmdecke ist silbern mit rothen Verzierungen. Sibmacher hat es B. II, S. 111 unter den rheinlaͤndischen Geschlechtern. 9. Von der Recke. Jm blauen Felde eine silberne Recke oder 2 schmale Hoͤlzer in die Que- re neben einander geleget mit 3 rothen darauf gelegten Balken. Den Helm decket eine guͤldene Krone, woruͤber ein blauer Flug mit derselben Recke erscheinet. Einige nennen es einen Querbalken oder eine Querstrasse in der Mitte roth und weis abgetheilet. Das Wapen der Freyherren von Recke stellet Sibmacher S. 30 quadrirt vor. 10. Von Galen. Drey rothe Haken, 2 und 1, im guͤldenen Felde. Auf dem gekroͤnten Helm ein Flug, dessen rechten Fluͤgel guͤlden, der linke roth ist, zwischen beiden 2 Haken neben einander. Die Herrn von Gaelen rheinlaͤndischer Linie haben nur einen Haken zwischen dem Fluge oben. 11. Von Fuͤrstenberg. Zwey rothe Querbalken im goldenen Felde. Auf einem gekroͤn- ten Helm 2 guͤldene Schwungfedern, jede mit 2 rothen Balken. Der Helmzierrath ist roth mit Golde. 12. Von Kettler. Ein rother Kesselhaken im guͤldenen Felde. Ueber dem gekroͤnten Helm dasselbige Schild zwischen 2 guͤldenen schraͤgliegenden Birkhansfedern. Sibmacher S. 187 macht das Feld weis, und die beiden Fasanfedern auf dem Helme halb roth und halb weis. Das alte Wapen des Herzogs Gotthards aus dem Hause Kettler liefert Henning im Anfang seiner Chronik, mit Frowins thor Hake Beschreibung desselben in elegischen lateinischen Versen. Ein geviertes Schild mit abwechselnden rothen Loͤ- wen in silbernen Felde und einem hervorschreitend natuͤrlich gefaͤrbten Elend im blau- en Felde. Der Mittelschild ist roth, und fuͤhret den silbernen Kesselhaken, in welchem zur Rechten die drey Wolfszaͤhne im Balten, zur linken S. A. oder der zusammengefloch- tene Namenszug des Konigs Sigismund Augusti von einer Krone bedecket werden. Diese Thiere im Schilde sind ohne Kronen. Oben stehen 3 gekroͤnte Helme. Aus dem mitlern wachsen 2 Birkhahnsfedern, die den Kesselhaken zwischen sich haben; aus dem Rechten ein gekroͤntes Elend, und aus dem Linken ein gekroͤnter Loͤwe. Da der Kesselhaken, den Frowin immer Climacter nent, zum redenden Wapen nothwendig und wesentlich erfordert wird; so hat es wol keinen Grund, wenn man ihn entweder auslaͤst, oder stat dessen dem Wolfskinbacken kleine Zacken giebt. Auch zeugen Farbe und Geweihe, daß nicht silberne Hirsche, sondern graue Elendsthiere das Wapen von Semgallien vorstellen sollen. Jn der curlaͤndischen Kirchenordnung vom Jahr 1570, vor welcher das kettlersche Wapen stehet, sind die aus gekroͤnten Helmen wachsende Thiere, der Loͤwe und das Elend, ungekroͤnt. Auf denen herzoglichen Fahnen so wol als in Gebaͤuden hat die Einbildungs- kraft der Mahler und Bildhauer selbst des ersten Originals verfehlet, welches aus dem Henning hergestellet werden mus. Doch ist unter dem Bildnis des Herzogs Friedrich Wilhelms, so der Description de la Livonie vorgesetzet worden, das curlaͤndische Wa- pen ziemlich getroffen. Auf einigen Schaustuͤcken des Herzog Friedrichs und des Her- zog Wilhelms praͤsentiret sich das curlaͤndische Wapen am deutlichsten, und ist der henningschen Abbildung in allem gleich, nur das die Elendsthiere nicht hervor schreiten, sondern hervor springen. Andre Muͤnzen stellen die Elende volkommen dar, so aber was neues ist. K k k k 2 Die Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Die III. Tabelle von den Muͤnzen, so in Liefland zur Zeit des Or- dens und nachher gepraͤget worden. Vorerinnerungen. §. 1. Z u diesem Versuch einer Beschreibung der lieflaͤndischen Ordensmuͤnzen haben wir das wohlversehene lieflaͤndische Muͤnzcabinet des Herrn Cammerjunkers Clodt von Juͤrgensburg zum Grunde gelegt, welchem die bequeme Eintheilung dieser Muͤnzen nach ihren Landsmanschaften beliebig gewesen, da sie hingegen in andern vermischt und blos nach der Folge der Jahre erscheinen. Die Vermehrung ist aus den Samlungen des Herrn Manrichters von Torck in Curland, und des Herrn Obervogts von Schievelbein in Ri- ga genommen, zu deren Volstaͤndigkeit man sich etlicher Privatsamlungen bedienen muͤssen. §. 2. Ausser andern sind sonderlich das toͤrnhielm- und gyllengriepische Cabinet in Stockholm, bey uns aber die zahlreichen Samlungen des Herrn Vicepraͤsidenten von Brevern, und des Herrn Vicepraͤsidenten von Schultz in diesem Seculo beruͤhmt gewe- sen. Sie sind in Erbschaften zerstreuet, und warten vielleicht auf ihren Erretter. §. 3. Wenn diese Muͤnzen durch unsre Beschreibung bekanter werden, so kan man sich Hofnung machen, noch viel mehr zu entdecken. Wie viel liegen nicht noch bey Auslaͤndern, die Fluͤchtige mitgenommen haben? Mancher Bauer wird seines Gluͤcks froher werden, wenn ihm eine und die andere unter dem Pflug aufstoͤst; da er sie bisher nicht anbringen koͤnnen, sondern in eigennuͤtzige Haͤnde fuͤr altes Silber verwenden muͤssen. §. 4. Vor dem 16ten Jahrhundert laͤst sich keine Jahrzahl auf diesen Muͤnzen sehen. Sehr viele Jahre sind mit Auslassung der groͤssern Zahl nur mit den beiden letzten ausge- druckt, die entweder im Rande, oder uͤber dem Wapen stehen, oder auch so angebracht sind, daß sie beide die Figur zwischen sich haben. Die Moͤnchsschrift auf der Vorder- und Ruͤckseite geht uͤber das dritte Decennium hinweg. Die Kreuze sind theils schlecht, theils am Ende der Staͤbe mit Lilien, Kerben und Stufe verzieret. Auch ist das kleine revel- sche Stadtkreuz mit diesen Zierraten versehen, gleichwie das kleine rigische Stadtkreuz oft nagelspitz ist. §. 5. Die Fortsetzung dieser lieflaͤndischen Muͤnzen unter den koͤniglich pohlnischen und koͤniglich schwedischen Regierungen ist sehr ansehnlich. Doch haben die Herren Samler in Liefland mehr die einheimischen, gleichwie die in Curland ihre herzoglichen volstaͤndig zu machen gesucht. Alle Cabinete aber haben die Volkommenheit nicht, daß sie eine ununterbrochene Folge aufweisen koͤnten. §. 6. Alle lieflaͤndische Muͤnzen, die Kreuzschlillinge ausgenommen, sind rar, auch selbst in Liefland. Die seltensten haben wir unter den seltenen ausdruͤcklich bezeichnet. Doch ist ihre Seltenheit nur beziehungsweise, und fuͤr den so sie suchet, zu bestimmen. Die aͤltesten und kleinsten, so unsichtbar sie auch sind, trift man manchmal bey halben Du- tzenden in den Haͤnden solcher Leute an, die sich nicht darauf verstehen, und sie daher zum Schmelztiegel des Goldschmids mit andern groͤssern aufheben; dergleichen Feuerprobe schon viele, und vielleicht die besten und schoͤnsten, haben ausstehen muͤssen. §. 7. Jhre Groͤsse nach dem Durchmesser zu bestimmen, war etwas ungewis und schwer. Wir haben deswegen ihre Vergleichung gegen andre gangbare Muͤnzen eingerich- tet, und weil die saͤchsischen unter den Deutschen am bekantesten sind, so dienet folgen- der Schluͤssel zur Anzeige des Moduli der Grossen. A Goldstuͤcke. Th Thaler. T Halbe Thaler, dabey die so genanten Marke besonders angefuͤhret werden. Model der kleinen. a Wie kleine saͤchsische Pfennige, und heissen Artiger, oder Pfennige. b Sind Schillinge. Die alten fallen wie Sechser, die neuern kupfrigen noch nicht so gros wie Dreier. c Sind doppelschillinge, die selten vorkommen, in der Groͤsse eines Groschens. d Wie Zweygroschenstuͤcke oder luͤneburger 6 Marien groschen, oder Viergro- schenstuͤcke von feinem Silber. Wir heissen sie mit ihrem alten Namen Ferdinge. e Dieselbigen, nur theils dicker, theils mit breiterm Rande, und sind auch Fer- dinge. f Wie so in Liefland zur Zeit des Ordens und nachher gepraͤget worden. f Wie Achtgroschenstuͤcke oder Reichsoͤrter, doch schlechter Silber, und von leich- tern Gewichte, sind halbe Mark. §. 8. Zuletzt legen wir eine oͤffentliche Fuͤrbitte bey allen stillen Besitzern fuͤr diese Ge- fangenen ein, sonderlich bey den frommen Matronen, die weiter nichts an ihnen als das bisgen Silber zu brauchen wissen, daß sie ihnen Freiheit und Leben schenken wollen, woge- gen ihnen alle Kenner und Liebhaber noch mit vielem Dank das Aequivalent nach Billigkeit erstatten werden. I. Herrmeisterliche Muͤnzen in Wenden gepraͤget. Mod. D ie wendenschen Muͤnzen des 15ten Jahrhunderts sind ohne Jahrzahl. Die kleinen Annus Muͤnzen haben das Ordenskreuz, so in die Umschrift des Randes trit, am Ende aber nach Art des Malteserkreuzes eingeschnitten, und zugleich durchbrochen ist. Am Rande lieset man die Moͤnchsschrift: MON. ETA. WEN. DEN; oder WEN. D e NS is . Auf dem Revers erscheinet das Geschlechtswapen, an welchem sie allein erkant werden. b So haben zum Exempel die Schillinge von Meister Berendt von der Borg 3 Voͤgel; die freytagischen 3 Ringe; die plettenbergischen ein in die Laͤnge herab getheiltes Schild, dessen linke Seite gegittert ist. Die Umschrift dieser Seite heist: MAGI- STRI LIVONIE. a Die aͤlteste unter ihnen ist ein kleiner Artiger oder Pfennig von feinem Silber, doch sehr verblichen, im clodtischen Cabinet. Das Ordenskreuz geht uͤber die ganze Muͤn- ze Moneta Rev. Magis. Das Wapen scheint quergetheilt. Oben waͤchst der Kopf und Hals eines Thiers hervor, unten siehts aus, als ob ein Baum da stuͤnde. Th Plettenbergs geharnischtes voͤlliges Bildnis mit starkem Bart, in der Rechten das Schwerdt 1525. empor mit der Linken das Schild mit dem Ordens- und Geschlechtswapen an einem Ban- de vor dem Knie haltend, mit der Umschrift: MONE. NOVA. MAGRI. LIVO- NI. Rev. Ein gekroͤntes und mit Stralen umgebenes Marien bild mit dem Kinde JE- su auf dem linken Arm. S. MARIA. 9 SERVA. POPVLV. TVV. 25. Die- ser Thaler war in der beruͤhmten Muͤnzsamlung des Herrn Obristen Gyllengriep in Stockholm befindlich. Er ist auch in dem Thalercabinet beschrieben. Jn Liefland ist er bis jetzo nicht zum Vorschein gekommen. A So rar dieser Stempel an Silber ist, so haͤufig ist er in Golde bey vielen Liebhabern anzutreffen, und siehet bey nahe wie gegossen aus. Ein solches Stuͤck wiegt 10 Dukaten, und ist, wie Russow es ausdruckt, am Gewichte, Schrot und Korn wie ein Portu- galoͤser. Auf der rechten Seite des Schwerdts zeiget sich ein Kreuz und gegen uͤber eine Rose. Auf etlichen wird die Rose durch einen Stempel bedeckt, da die Stadt Riga ihr kleines Wapen, nemlich die 2 ins Andreas kreuz gelegten Schluͤssel mit dem kleinen Or- denskreuz daruͤber zum Zeichen der Verhoͤhung drauf praͤgen lassen. A Daß der Herr Assessor von Dunte ein dergleichen Goldstuͤck von 20 Dukaten besessen habe, ist hier bekant. Die Noua litteraria maris Balthici et Septentrionis, Lubecae in in 4to Mense Augusto 1699 p. 234 Tab. VIII, 4 |zeigen uns dieses Stuͤck von 20 Duka- ten im Kupferstich. Der Herrmeister hat das Kreuz auf der Brust und steht mit ent- bloͤstem Haupte. f Das herrmeisterliche Wapen in geviertem Schilde, worin das Ordenskreuz und die 3 galen- 1556. schen Hacken abwechseln. Das Schild ist mit kleinen Roͤsgen gezieret. HEINRICH. V. GALEN. MEISTER. DES. Rev. RITTERLICHEN. D. eutschen O. rdens ZVLIVLANDT. Das Ordenskreuz im Schilde. d Ein Ferding mit selbiger Umschrift und von diesem Gepraͤge. Weil diese Muͤnze den Ort 1556. des Stempels nicht anzeiget, so hat man selbige nicht unter die Revelschen bringen koͤnnen; und ist also das wendische Ordenskreuz im Revers, nicht aber das revelsche Stadtkreuz. Dieser Ferding ist der einzige, den wir von dieser Art gefunden, dahinge- gen die vorhergehenden halben Markstuͤcke sich oͤfterer sehen lassen. Er liegt im clodti- schen Kabinet. b Ein rarer Schilling. Das lange Ordenskreuz und am selbigen im deutschen Schilde die 1556. 3 galenschen Haken. Hin. d. Ga. M. Livon. Rev. Das kleine Ordenskreuz Meist. to Liflandt 56. Aus der Gestalt dieses Kreuzes liesse sich am ersten erweisen, daß diese Muͤn- zen von 1556 in Revel gepraͤget waͤren. T Eine Klippe oder viereckte Muͤnze ohne Revers und Umschrift, mit dem gevierten Wapen- 1558. stempel, darin das Ordenskreuz und die fuͤrstenbergischen 2 Querbalken umwechseln, und uͤber dem Wapen die Jahrzahl 58. L l l l Diese Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. Diese Muͤnzen sind sehr irregulair, fuͤnfeckigt, und auch ganz rund. Der Stempel Annut ist bald oben, bald in einer Ecke. Da sie im Silber die Probe halten, kan man sie nicht unter die Nothmuͤnzen rechnen. f Eine Klippe mit vorigem Stempel, am Gewichte einen Reichsort haltend. 1558. T Ein halber Thaler, ebenfals viereckigt und wie der vorige gepraͤget. 1559. A Ein schoͤnes Goldstuͤck am Gewichte ein und ein viertel Dukaten. Der Herrmeister im Har- 1559. nisch und Bart, mit der Linken sein geviertes Wapenschild vor sich haltend. WIL- HELM FVRSTE: NBERG D. G. M. LI. Rev. Das Marien bild mit dem Kinde in Stralen. Die Worte umher lauten schon evangelischer als die plettenbergi- schen: CHRISTVS SALVS NOSTRA. 59. Th Ein Noththaler ohne Revers und Umschrift. Jn der Mitten steht ein klein geviertes Schild 1559. mit abwechselnden Ordenskreuz und Kesselhaken. Oben druͤber liest man die 4 lateini- schen Buchstaben G. otthard M. eister Z. u. L. iefland. T Ein halber Thaler von selbigem Stempel befindet sich in den breverschen Abrissen einiger 1559. lieflaͤndischen Muͤnzen. d Ein Ferding mit des Herrmeisters baͤrtigem Gesichte und Feldkragen: Gothrt. Ketler. D. 1559. G. auf dem Revers das gewoͤhnliche gevierte Schild, mit der Jahrzahl 59. Mag. Teut.onici Ord. inis. A Eine guͤldene Muͤnze von ein und ein viertel Dukaten. Des Herrmeisters geharnischtes Brust- 1560. bild in der Rechten das Schwerdt haltend, und die Linke auf einen Todtenkopf lehnend, mit dem Ordenskreuz auf der Brust. Gothard. D. G. Magis. Liuoniæ. Rev. Ein ge- vierter Schild mit abwechselnden Ordenskreuz und Kesselhaken. Das Schild wird von 2 Helmen bedeckt, zwischen denen ein Crucifix steht. Auf dem rechten Helm sieht man das Ordenskreuz, auf dem linken, der gekroͤnt ist, den Kesselhaken. Mariae fili ser- ua nos. A Ein Goldstuͤck von zwey und einem halben Dukaten nach vorigem Gepraͤge im torckischen 1560. Kabinet, aus der Samlung des Herrn Magister Rhanaͤus. d Ein Ferding mit geviertem Schilde, wobey 60 stehet. Gothard 9 D. G. Magistri Livon. 1560. Rev. Das lange Ordenskreuz im Schilde. Moneta. noua. Magis. Livon. II. Herrmeisterliche Muͤnzen, so in Riga gepraͤget worden. b D iese haben alle das Wapen der Stadt auf einer Seite. Doch findet sich in dem tor- ckischen Kabinet ein Schilling von dem Herrmeister Borg, auf dessen einer Seite das Ordenskreuz mit der deutlichen Moͤnchsschrift: MONETA RIGENS. auf der andern Seite die 3 Voͤgel MAGISTRI LIVONIE zu sehen sind. Ein andrer ist nachher ins clodtische Kabinet gekommen. d Ein Ferding von feinem Silber. WOL. BLET. MAGIS. LIV. Ein Marien bild 1526. mit dem Kinde auf dem linken Arm, darunter das mit dem Ordenskreuz abwechselnde plettenbergische Wapen. Rev. Das ganze rigische Stadtwapen. MONE. NO- VA. RIGEN. 1526. Einige Exemplare sind mit dem doͤrptischen Stiftsstempel, Schluͤssel und Schwerdt kreuzweise geleget, zur Verhoͤhung gestempelt, deren eine hat PLET. MA. Jn Rhanaͤi Samlungen befand sich eine dergleichen von 1523. Die Umschrift war: WOLT. PLAS. MAG. LIV. und MONE. NOV. RIGS. Noch ungeschickter hat der Stempelschneider den plettenbergischen Namen ausgedruckt in einer Muͤnze von der Groͤsse e, der man wegen der ungewissen Jahrzahl keinen rechten Ort anweisen koͤnnen. Sie weiset ein Marien bild, so das Kind in der Rechten, und in der Linken das Scepter haͤlt. Unter dem Brustbild stehet das kreuzweis gesetzte Ordens- und Geschlechtswapen; am Rande die Schrift: BLAT. MAG. LIWO. Rev. Das klei- ne rigische Wapen, zu dessen linken Seite die Zahlen 12 und zur rechten 9 sichtbar sind. Die Umschrift hat auch 11 Buchstaben MONE. NOVA. RIG. Jhr Alter ist 1509 oder 1519, weil die 5 auf den alten lieflaͤndischen Muͤnzen oft wie eine 2 gestaltet ist. A Ein halber Dukaten. WOLTER. V. PLETBAR. M. LIVO. Ein geviertes 1528. Schild, in welchem das Ordenskreuz mit dem Stamwapen abwechselt, daruͤber 28. Rev. Das kleine rigische Wapen. MONE. NO. RIGENSIS. 1528. A Ein doppelter Dukaten. Plettenbergs geharnisches Bildnis, in der Rechten das Schwerdt, 1528. in der Linken das gevierte Schild unter sich haltend, zu dessen rechten Seite ein kleines Kreuz, zur linken eine 3 blaͤttrichte Rose liegt. WOLT. VA. PLETBAR MA. LIVON. Rev. Das groͤssere Stadtwapen. MONE. NOVA. RIGENS. 1528. d Eine Silbermuͤnze. Mone. nova Rig. 1529 und Wo. Blet. Mag. Li. sonst wie die oberste. 1529. Einige haben das Kind auf dem rechten Arm, sind mit dem revelschen Wapen erhoͤhet, und fuͤhren beim Marien bilde die seltsame Umschrist WO. BIST. MAG. LI. Zwey so zur Zeit des Ordens und nachher in Liefland gepraͤget worden. Mod. d Zwey dergleichen. Mone. nova. Rigensis und Wolt. Plettcnb. Ma. Livo. Annus 1532. a Eine kleine aber sehr seltene Muͤnze ohne Umschrift, blos mit dem Ordenskreuz, an welchem 1533. des Herrmeisters Wapen haͤnget. Rev. Das kleine Stadtwapen. Sie ist auch von 1532. Noch ein kleiner sauberer Artiger von voriger Art ohne Jahrzahl. Zur Zierrath sind die Luͤcken der hervorstehenden Figuren auf beiden Seiten mit kleinen Cirkelgen oder Nullen ausgefuͤllet. A Ein halber Dukaten. Das gewoͤhnliche vierfeldige Schild. WOLTI. DE. PLET- 1533. TENB. MA. LIV. Rev. Das kleinere Stadtwapen MONE. NO. AVREA RIGENSIS. Zur linken Hand steht bey den Schluͤsseln das Ordenskreuz, zur rechten Hand eine dreiblaͤttrichte Blume. Einige Stempel haben an RIGENSIS das letzte S weggelassen. b Ein Schilling. WOL. PLETTENB. MA. LIV. Das herrmeisterliche Wapen, 1533. hinter welchem das Ordenskreuz bis uͤber die Schrift des Randes gehet. Rev. MONE. NOVA. RIGENSIS. 1533. und das kleinere Stadtwapen. Sie sind auch von 1532. b Ein dergleichen. Wo. d. Plet. Mag. Livo. 1534. b Noch von dieser Forme. 1535. A Ein rarer Dukaten. Das Marien bild mit dem Kinde auf dem rechten Arm und dem 1535. Scepter in der linken Hand. Unter demselben die 3 Querbalken, als das bruͤggeneische Wapen. Zur Seiten des Bildes die Buchstaben T. R. als Namen des Muͤnzmeisters. Die Umschrift heist: HERMAN. D. BRVG. M. LIVO. Rev. Das groͤssere rigi- sche Stadtwapen. MONE. NOVA. RIGENS. 1535. Er ist noch jetzo der einzige in seiner Art. Solche Goldgulden blieben nicht lange im Lande Plettenberg hat auf vielen Landtaͤgen mit den Staͤnden uͤber das Muͤnzwesen conferiret. Jn ei- nem Briefe an den Rath zu Riga von 1527, da er Lutheri Lehre der Neuerung beschuldiget, und sich auf ein kaiserlich Warnungsschreiben beziehet, klagt er uͤber die Ausfuhre der guten Muͤn- ze, wodurch der Goldguͤlden, welcher seit Menschen Gedenken 60 Schillinge gegolten, auf 90 ßl. erhoͤhet sey. Herman von Bruggenei verliehe 1547 die Muͤnze an Thomas Rammen und dessen Sohn Christoph, weil der vorige Muͤnzmeister Gerdt Schriver sie aufgegeben. Ramm macht sich verbindlich, die Muͤnze nach dem alten Fus, wie sie zu Revel und Doͤrpt gebraͤuchlich, zu praͤgen. Fuͤrstenberg gab die Muͤnze 1557 an diesen Ramm und erlaubte ihm zu praͤgen, doch alles auf den alten Fus, nemlich: Muͤnzsorten Pfennige, in welche gewoͤhnlich eine Mark loͤthig Pagament ge- schrotet worden; 142 Wurf à 4 stk. zwey weniger oder mehr. Die gewogene Mark macht 5 mk. 9 ßl. rigisch Schillinge 49 Wuͤrfe 2 stk. à 4 ßk. das ist, die gewogene Mark loͤthig 5½ mk. rigisch Ferdingsstuͤcke, neue nach dem alten Schrot, 72 stk. auf die mk. loͤthig; einen Ferding zu 9 Schil- ling; in die gewogene Mark gehn 18 mk. rigisch Halbe Markstuͤcke, eins so schwer als 2 Ferdinge, 36 stk. pro mk. in die gewogene Mark 18 mk. ri- gisch Gulden nach dem luͤbischen Schrot, jeder haͤlt ins feine Thaler nach dem alten Schrot ins feine haltend halten ins feine die Mark 2½ Loth. Nach dem luͤbischen Rechenbuche von 1553 giengen 3 solche Pfennige auf einen Schil- ling, 9 ßl. auf einen Ferding, 14 ßl. auf einen alten Ferding, 108 Pfennige, oder 36 ßl. oder 4 Fer- ding auf eine Mark rigisch 3 Loth 9 Loth 1 qtl. 9 Loth 1 qtl. 22½ Grade 13½ Loth dem Muͤnzmeister zum Remedio 2 Pfennige in der Probe oder am Korn. 2 Wurf am Schrot. 2 stk. im Schrot. 2 pf. in der Probe. 1 stk. am Schrot. 2 pf. am Korn. ½ stk. am Schrot. 2 pf. am Korn. ¼ stk. am Schrot. 3 Grade am Korn. 2 Pfennige. Fuͤr die Mark loͤthig wird 9 ßl. rigisch entrichtet. Der Erzbischof und Marggraf Wilhelm uͤbergab diesem Ramm 1561 die Muͤnze auf ihrer beiden Lebenszeit, darin das Muͤnzreglement dem vorigen gleich komt, ausser daß die Ferdinge so wol als die halben Marke nur acht und ein halb Loth ins feine halten, dagegen der Muͤnzmeister von jeder Mark loͤthig einen Ferding schlagschatz giebt. Auch werden halbe litthauische Gro- schen des Handels wegen geschlagen 168 stk. pro Mark, die haͤlt ins feine 5 und ein halb Loth, davon dem Muͤnzmeister zum Remedio am Schrot 1 stk. und an Korn 2 Pf. nachgegeben werden. Nach den erzbischoͤflichen Edicte von 4ten Merz 1560 galt 1 Thlr. 4 Mk. 10 ßl. ein halb Mark- stuͤck 24 ßl. 1 Ferding 12 ßl. 1 Schilling 4 Pfennige, ein alter Ferding 20 ßl. 1 Schock lit- thauisch 9 Mk. 9 ßl. ein schwedisch Markstuͤck 1 Mk. 8 ßl. ein Portugaloͤser 80 Mark. Sonst zeigen auch die plettenbergischen Verordnungen, daß die kleinen Artiger zu seiner Zeit Pfen- . L l l l 2 Herm. Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. Herm. de Bregna. M. Livon. Rev. Mo. Nov. Argent. Civ. Rig. Annus 1535. d Her.de Brug. Ha. Ma. Li. Rev. Moneta noua Rigensis, ein Schilling. 1535. b Herm. de Bregna. Ma. Liv. Rev. Moneta noua Rigensis. Eine dergleichen von 1537, 1538, 1536. b 1539, 1540, 1543, 1545, 1546, ebenfals Schillinge. HER. D. BRVG. H. K. M. LIVO. Des Herrmeisters Herman von Bruͤggenei ge- 1547. f nant Hasenkamp |geharnischtes Bildnis mit einem grossen Bart und blossen Haupt, in der Rechten das Schwerdt, in der Linken das Wapen vor sich unten haltend. Rev. Das groͤssere Stadtwapen. Mone. No. Rigens. 47. Sie ist rar. Ein Schilling, worauf nach Art dieser Muͤnzsorte das Ordenskreuz mit angehenktem Ge- 1547. b schlechtsschilde. HER. D. BRVG. H. K. M. LIVO. Rev. Das kleine Stadtwapen MONE. NO. RIGENS. 47. IOAN. D. RE. D. iuina. O. rdinatione M. agister LIVO. Das reckische Wapen, eine 1549. b Recke in der Mitte. Das Ordenskreuz gehet wie auf andern Schillingen mitten durch bis in die Randschrift. Rev. MONE. NO. RIGENSI. 49, und das kleine Stadt- wapen item von 1550. Anmerk. Eine Recke sieht aus wie eine Wagenleiter. Das Wort ist deutsch, und bedeutet die obersten Hoͤlzer an einem Bauerschlitten. Die Esten sagen reggi die Let- ten raggou, beide verstehen aber den ganzen Schlitten des Bauers. Alle Muͤnzsorten dieses Herrn sind hoͤchst rar. Die halben Marke von ihm fast in Groͤsse ei- nes Ortsthalers werden in unsern Kabinetten vermisset. Ein Schilling. Die 3 Haken. Hinric. v. Gal. Ma. Liuo. Rev. Das kleine Stadtwapen. 1551. b Mone. no. Rigens. Hinri de Gal. D. G. Mag. Liv. Des Herrmeisters geharnischtes Bildnis, mit blossem Haupt 1556. f und grossem Bart, Schwerdt und Wapen gewoͤhnlich haltend. Rev. Moneta noua Rige. 56. Das ganze rigische Wapen. Eine ganze Mark. Der Herrmeister im Harnisch, blossem Haupt und starkem Bart, in 1557. T der Rechten das Schwerdt, in der Linken den Schild vor sich haltend, daneben 1557. Auf dem Brustharnisch siehet man das Ordenskreuz. Die Umschrift heist: Henricus de Galen D. G. M. Livon. Rev. Das ganze Stadtwapen ohne Schildhalter, so bis in den Rand gehet: Moneta noua Rigensis. Eine dergleichen. Henrich de Gale. D. G. M. LIVON. Das koͤnigsbergische Thaler- 1557. f kabinet fuͤhrt diese Muͤnze auch unter den Thalern an. Die casseburgische Samlung von Thalern hat sie S. 91, wo es aber Garen G. M. Livoni. heisset. Jn Liefland war- Th tet man stark auf die Zuruͤckkunft dieser in die Jrre gerathenen zweiloͤthigen Exulanten. WILHELM. VORSTENB. D. ivina O. rdinatione M. agister LI. Fuͤrstenbergs 1557. f Bildnis im Harnisch mit entbloͤstem Haupt und baͤrtig, das Schwerdt in der Rechten, das Wapen in der Linken vor sich unten haltend, auf den Seiten die Jahrzahl 57. Rev. Das ganze rigische Wapen. Moneta noua Rigensis. Man hat sie noch von 1559. Diese 3 Stuͤck sind halbe Mark rigisch, aber von schlechtem Silber. Das Thalerkabinet Th fuͤhret die letzte unter den zweiloͤthigen Muͤnzen an, liest aber des Herrmeisters Namen unrecht VON STERNBERG. So ist auch ein Thaler von diesem Stempel in Cas- seburgs preußischer und pohlnischer Thaler-Samlung S. 91 angefuͤhrt. Die 2 Querbalken als das fuͤrstenbergische Wapen im deutschen Schilde, so an dem 1558. b grossen Ordenskreuz haͤnget, daneben 58. Wilhelm V. D. G. M. Liv. Rev. Das kleinere Stadtwapen Moneta noua Rige. Got- Pfennige geheissen. Zu Zeiten des Erzbischofs Johannis Habundi 1422 musten diese Pfennige halb Silber und halb Kupfer seyn. Die gewogene Mark solte haben 8 Loth loͤthig Silber, und die gezehlte Mark, nemlich 36 Schillinge, 7 Loth loͤthig Silber. Dieser neuen Pfennige giengen 4 auf einen Schilling, und die gewogene Mark ward geschrotet auf 41 Schilling. Jm Jahr 1425 berechnen die Muͤnzherren Herman Voß und Hans Borthagen dem rigischen Rath den Schlagschatz mit 550 Mark neuen Pagament, so 2200 alte Mark betragen. 1426 war der Stadt Gewin an der Muͤnze 158 Mark 15 Oer, und am neuen Gelde, so von dem alten ge- macht war, 633 Mark 1 Ferding. 1427 ist der Stadtnutzen aus der Muͤnze 1259 und eine hal- be Mark neues Geldes gewesen. Ob nun gleich um diese Zeit eine neue Mark 4 alte gewogen; so mus man sich die ganz alten doch nicht zu leicht vorstellen. Die Stadt hatte nemlich nach ei- ner siebenvierteljaͤhrigen Belagerung an Monheimen 5 Vicarien, jede zu 6 Mark rigisch ver- sprochen. 1421 wolte Meister Sifert Lander jede Mark rigisch mit einer Mark loͤthigen Sil- bers nach dem Contract bezahlet haben. Doch die Stadt antwortete durch ihre Deputirten, ob es gleich ehemals zwischen Deutschen und Undeutschen so Gebrauch gewesen, und sie selbst vor- mals so bezahlet, so werde sich der Meister mit der Muͤnze dismal begnuͤgen, weil sie nichts dafuͤr koͤnne, daß die Marke so schlecht gemuͤnzet wuͤrden. Die gar schnelle Veraͤnderung der Marke in folgenden Zeiten verdienet allerdings Aufmerksamkeit. Der Herr Landrath von Ceumern hat in seinem Theatridio ein langes Register von dem wunderns wuͤrdigen Verfal der Marke, so doch aus den Nachrichten der Archive volstaͤndiger gemacht werden kan. Jn Beurtheilung der Pfand-Lehn-Schuld- und Kaufbriefe ist dergleichen Kentnis von ausgebreitetem Nutzen. so zur Zeit des Ordens und nachher in Liefland gepraͤget worden. Mod. b Gothard Mag. Liv. Revers Moneta no. Rigensis. Annus 1560. b Eine dergleichen. Beide haben den Kesselhaken in einem blauen Schilde. Der erste hat in 1561. dem Kesselhaken eine Kugel, die wol vom Stempel des Muͤnzmeisters herkomt. Der Revers hat das kleine rigische Wapen. d Ein Ferding mit quadrirtem Schilde, worin das Ordenskreuz und der Kesselhaken abwechseln. Gothard. D. G. M. Livoni. Rev. Das kleinere Stadtwapen. Moneta, noua, Rige. 1561. Ein andrer Stempel liest: Moneta no. Rigensis. 61. Die herzoglich kettlerschen Schillinge von 1570, 71, 72, 73, 74, 75, 76 und 77 haben in dem Kesselhaken die zusammengezogenen Buchstaben S. A. mit der Umschrift: MO- NE. NOVA. ARGENTEA. Auf der andern Seite den Loͤwen: DVCIS CVR. ET SEMIGA. Anm. Der Kesselhaken hat gewoͤhnlich die Gestalt einer Davidsharfe ohne Saiten, deren Bauch eingekerbt ist. Doch viele gehen unten mit einem Bogen zu, an dem die Zacken sich verlieren. Einige Heraldici lassen aus Unwissenheit gar die Zacken weg, und geben den Kesselhaken ganz unrecht fuͤr einen Steigbuͤgel aus. III. Herrmeisterliche Muͤnzen in Revel gepraͤget. D iese Muͤnzen, wenn | sie entweder gar keine oder unleserliche Schrift haben, erkennet man an dem daͤnischen Kreuz im deutschen Schilde, als dem kleinern in vorigen Zeiten aber sehr uͤblichen Wapen der Stadt Revel. Die kleinere Muͤnzsorte hat das grosse Ordenskreuz, so uͤber die Schrift hinaus trit, und manchmal eingekerbet, oder auch mit dem Zierrath des Lilienkreuzes versehen ist. b Man hat einige Schillinge mit alter Moͤnchsschrift Moneta Revalie. ✠; die in der Mitte ein kleines mit breiten Enden versehenes Kreuz, so in jedem Winkel von 3 Kugeln begleitet wird, aufweisen. Auf dem Revers stehet Magistri Livonie und obbeschriebenes kleine revelsche Stadtwapen, dessen Schild oben einen Ring zum aufhenken hat. Sie sind von gutem Silber und sehr rar. Eine andre Sorte, vermuthlich so genante Artiger, deren 4 einen Schilling gegolten. Weil ein solcher Artiger oder Pfennig aber etwas mehr als ein Viertheil des vorigen Schillings wieget, so hat man ihm auch schlechter Korn gegeben. Jhre Umschrift ist mehr zu erra- then als zu erkennen. Auf den neuern findet man das Gepraͤge der revelschen Schillin- ge mit dem Buchstaben WO. PL. M. LI. Revers: MONET. REVAL. Jhre Seltenheit ist gros, doch haben die alten fein Silber. a Hieher gehoͤren die so genanten Blaumiser. Ein solcher Blaumiser ist ein kuͤpfrigtes rundes Blech, mit erhabenem gestreiften Rande. Jn der Mitte ist das kleine Kreuz tief einge- schlagen, wodurch auf der andern Seite 4 erhabene grosse Punkte entstehen. Sie sind ohne Jahrzahl und Umschrist, aber auch rar. Ob es aber eben das revelsche Kreuz sey, getrauen wir uns nicht zu bestimmen. b Schillinge von etwas groͤsserer Forme, aber auch geringerm Pagement. Sie fuͤhren das grosse Ordenskreuz bis an die Spitze des Randes durch die Schrift durch, MAGISTRI LIVONIE ✠ und das kleine Stadtwapen, MONETAREVALIE. Dis sind die alten Kreuzschillinge, so von dem gemeinen Man zu Curen und magischen Kunststuͤcken sehr aberglaͤubisch gemisbraucht worden. Die alten haben unten am Kreuz einen erhabe- nen Punkt, oder einige eine kleine Null, so einfaͤltigen Leuten die Zahl Eins, d. i. einen Schilling bezeichnen sol, gleichwie die vormaligen rußischen fuͤnf Copeckenstuͤcke von Kupfer 5 Punkte, die silbernen Griwen oder 10 Copeckenstuͤcke aber zehn Punkte auf- weisen. Auf etlichen ist im Rande ein grosser Stern zu sehen, der nur ein Einfal des Stempelschneiders ist. b Ein Schilling nach Art eines Bracteaten. Er ist ohne Revers und Jahrzahl und hat das revelsche Kreuz mit der Umschrift: Magistr. Livonie. e Ein feines Silberstuͤck mit dem revelschen Kreuz oder kleinern Stadtwapen und der Um- 1515. schrift MONETA NOVA REVALIE, uͤber dem Wapen die Jahrzahl 1515. Rev. Ein Marien bild mit dem Kinde auf dem linken Arm, das von dem rechten Arm angefast wird. Darunter ein Schild in dessen 4 Feldungen das Ordenskreuz und das pletten- bergische Stamwapen abwechseln. Diese Muͤnze ist mit dem kleinen Stempel der Stadt Revel verhoͤhet, wiewol nicht in allem Gepraͤge. Auf der andern Seite steht CON- SERVA NOS DomiNA. c Ein Ferding mit dem Marien bilde nach Art des vorigen, CON Ser VA. NOS. CHRIS. 1527. Rev. Das revelsche Kreuz. Moneta noua Revel. Ueber dem Schilde 1527, davon die zwey letzten Ziffern so schief liegen, daß sie die Buchstaben NA vorstellen, im clodtischen Kabinet. M m m m Eine Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. T Eine rare Mark. Des Herrmeisters Bild mit blossem Haupte und Bart im weiten Man- Annus 1528. tel, vor sich ein quadrirtes Schild haltend. Walter9 Pletten. Mgr. Livonie. Das Bild ist sehr ungestalt. Rev. Moneta noua argenti. Revalie. Anno. Ueber dem deut- schen Schilde mit dem Kreuz steht 1528. e Ein Ferding nach obiger Art, nur daß das Kind auf dem rechten Arm getragen wird, und Ma- 1528. ria in der Linken das Scepter fuͤhret. Sie ist auch mit dem vorigen Stempel verhoͤhet. Einige aͤndern die Umschrift: Consva nos Cris. und Moneta noua Reval. e Ein dergleichen. MONETA NOVA REVALIEN ✠. Rev. SALVA NO.s 1530. CRI. ste. Eine andre hat Revali. o und Salua. n. Cris. auch Salua. no. Crist. und Mo- neta no. Revalie. e Eine andre, wo CHRIS. te gelesen wird. Rev. Moneta nov. Revaliens. Sie ist mit 1533. dem doͤrptischen Stempel erhoͤhet. Jngleichen CRISTHE und Moneta noua ari- hent. Reval. von sauberm Stempel. e Noch eine von selbiger Art mit dem Stempel der Stadt Revel erhoͤhet, und mit der Um- 1534. schrift: Moneta noua Revalie. Ein ander Gepraͤge fuͤhret den Stempel des Stifts Doͤrpt zur Erhoͤhung. Um diese Jahre sind die obbeschriebenen Kreuzschillinge nicht mehr rar, ausser bey Lieb- habern, die sie nach den Jahren completiren wollen. Sie aͤndern sich aber in den Wa- pen des Herrmeisters, an Groͤsse und innerm Gehalt, und in den Buchstaben. Die b Moͤnchsschrift bleibt weg, die lateinischen Buchstaben erscheinen wie gewoͤhnlich, und das Korn wird immer kupfriger. Aus diesem Seculo hat man welche von den Jahren 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 49, 51 und wer weis wie viel sonst noch? Die kettlerschen sind am schlechtesten von 1560 und 1561. Th Der geharnischte Ordensmeister unter sich das blosse Schwerdt haltend, mit dem Wapen zwi- 1536. schen den Fuͤssen. HERMAN. BRVGNA MAGIS. LIVO. Rev. Das revel- sche Stadtkreuz im Blumenschilde, daruͤber die Jahrzahl 1536. Moneta noua argen- tea Revaliensis. Ein schoͤner Thaler, welchen das Thalerkabinet aus den hamburgi- schen Remarquen anfuͤhret, und der auch einmal wieder den Heimweg zu nehmen gebe- ten wird. d und e Ein sauber Stuͤck, auf dessen einen Seite des Herrmeister Galens Wapen, in welchem das 1553. Ordenskreuz mit den 3 Haken in quadrirtem Schilde abwechselt; Hinr. de Galen; Mag. Livonie; und auf der andern Seite das kleine Stadtwapen zu sehen ist, mit der Umschrift: Mo. No. Revalie. 1553. Einige Stempel gehen ab, und haben Ma. Liv. d Eine dergleichen; nur stehet Ma. Liv. drauf. 1554. d Noch eine: Hinri de Galen Ma. Liv. Rev. Mo. No. Revalie. 1555 auch Hinr. de Ga- 1555. len Ma. Liv. d Von eben der Art eine andre. Man sehe von diesem Jahre nach bey den wendischen Muͤn- 1556. zen der ersten Classe. e Eine silbene Muͤnze vom vorigen Gepraͤge. HINR: DE: GALEN: MA: LIV: 1557. Rev. MO: NO: REVALIE. e Eine dergleichen. 1558. d WILH: FVRST: MAG. LIV. Das Ordenskreuz mit dem Geschlechtswapen wech- 1558. seln ab in einem gevierten Schilde. Rev. MO. NO. REVALIE, und das kleine Stadtwapen. Jst rar. d Eine dergleichen. 1559. d GOTHART. M. LIVONI. Das Ordenskreuz und das kettlersche Geschlechtswa- 1560. pen, der Kesselhaken, wechseln ab in einem gevierten Schilde. Rev. Das kleine Stadt- wapen, MONE. NO. REVAL. 60. ingl. eine andere ohne Jahrzahl; manche schrei- ben die Jahrzahl 06. b Den Beschlus dieser Muͤnzen machen die kettlerschen Schillinge. Sie haben den Kessel- 1560. haken im deutschen Schilde mit der Umschrift Gothard Ma. Li. Rev. Das Ordens- kreuz bis in den Rand der Schrift: Mo. no. Re. Dergleichen sind auch von 1561. IV. Erzbischoͤfliche Muͤnzen, mit herrmeisterlichen Wapen und Titel. b E ine silberne Muͤnze, auf deren einer Seite das Ankerkreuz als das erzbischoͤfliche Amts- wapen. Arci. Epi. Rigensis. Auf der andern des Herrmeisters Plettenbergs Ge- schlechtswapen, und hinter solchem das Ordenskreuz mit eingeschnittenen Staͤben in Ge- stalt eines Gabelkreuzes. Magistri Livonie. b Eine dergleichen, nur daß stat des Amtswapens der Erzbischof Jasper Linde sein redend Geschlechtswapen, einen Lindenbaum, drauf praͤgen lassen. Eine so in Liefland zur Zeit des Ordens und nachher gepraͤget worden. Mod. a Eine silberne doch etwas kupfrige Muͤnze, nach Art der Bracteaten oder Blechmuͤnzen, nur Annus auf einer Seite gepraͤgt. Sie stellet die zwey Wapen des Erzbischofs Linde und des Herrmeisters Plettenberg neben einander vor, daruͤber steht das kleine Kreuz ohne Schrift und Jahrzahl. Jst rar und vermuthlich ein alter Pfennig. a Man hat auch kleine Artiger mit dem erzbischoͤflichen und herrmeisterlichen Wapen. Nur ist die Form laͤnglich rund nach Art der rußischen Copeken. a Eine kleine runde Silbermuͤnze mit dem Lindenbaum als dem erzbischoͤflichen Wapen: ARCHI- EPIS. RIGE ; auf dem Revers Plettenbergs Wapen, und dahinter das Ordenskreuz. W. P. M. Li. a Einige dergleichen mit der Jahrzahl 1530. Diese haben die Groͤsse eines deutschen Pfen- nigs kaum. T Des Erzbischofs Jasper Linde und des Herrmeisters Plettenbergs Brustbild neben ein- 1515. ander. Jeder hat sein Wapen unter sich. MO. NO. ARCHEPI. ET MAGI- STRI LI. Revers. Das Marien bild: DOMINA. MARI. CONSERVA. NOS. Jhr Werth ist eine Mark, und war vom Original in Silber abgegossen, am Gewichte ⅝ Loth. e Ein Stuͤck von feinem Silber hat auf der einen Seite das grosse Ordenskreuz, an dem die 1515. Geschlechtswapen des Erzbischofs Linde und des Herrmeisters Plettenbergs neben ein- ander hangen, daruͤber 1515 mit Moͤnchsschrift herum: MO. ARHC. RI. ET MA- GI. LIV. auf der andern Seite die heilige Maria in Strahlen mit dem Kinde. MA- tER. TVuM SALVA PO. pulum. Andre haben fuͤr mater MARI. TV. und TVM, und auf der ersten Seite: MO. ARCH’PI. ET MAGI. LIV. e Eine von gleicher Jnvention mit der Umschrift: MO. AR. EPI. ET MAGIS. LI- 1516. VON. Rev. MARIa TVM. SALVA. PO. e Eine dergleichen mit der Umschrift: MO. ARC. EPIS. ET MAGRI LIV. Rev. O 1516. MARIA SAL. PO. TV. d Eine dergleichen. MO. ARCH. RIGEN. ET. MAGIS. LIV. Rev. CON- 1516. SERVA NOS DOMNA ; andre DOMI. Ueberhaupt aͤndern sich die Umschrif- ten von diesem Jahr stark. e Eine andre: MO. ARCHEPIS. ET MAGIS LIVON. Rev. MARIA. TV. 1516. M. ea DOM. ina. e Noch eine mit der umgebognen 6 auf diese Art 2. ARCIEPIS. ET MAGIS LIV. 1516. Rev. MARIA S. ancta. TV Mea. DO. mina. T Ein rarer halber Thaler. Der Erzbischof Linde in der Jnsel, mit der rechten Hand seg- 1516. nend. Zur linken Plettenberg im blossen Haupte mit dem Ordenskreuz an der linken Brust auf dem Mantel. Jeder hat sein Geschlechtswapen MO. NO. ARCHIEPI ET MAGISTRILI. Rev. Maria mit dem Kinde und Scepter in Strahlen, auf dem halben Mond stehend, CONSERVANOS DOMINA MARIA. Wir fuͤh- ren ihn nur aus dem Thalerkabinet an. T Ein Exemplar von selbiger Groͤsse eines halben Speciesthalers findet sich hier unter einer et- 1516. was geaͤnderten Umschrift: MONETA NOV. ARCHIEP. ET MAGISTRI LIVONIE. Rev. DOM. MINASAN. cta CONSERVANOS. Dem Gewichte nach ist er eine Mark, deren 3 einen Thaler betragen. T Ein anders von gleichem Gepraͤge; davon uns nur der Abgus bekant geworden und das 1516. ⅞ Loth wieget. MO. NO. ARCHIE. ET. MAGISTRI. LIVONIE. RI. Rev. DOM. MINA. SAN. CON. SERVA. NOS. 1516. e Ein Ferding nach Art der obigen Ferdinge. IASPER. ERZEPS. ET MGR. LI- 1518. VONIE. Rev. SALVA NOSDOMINA. Einige Stempel haben CONSERVA. e Dergleichen: IASPER ARCHIEPS. ET MGR. LIV. Rev. Das Marien bild si- 1520. tzend und das Kind im linken Arm mit der rechten fest haltend. SALVA NOS DO- MINA. Auf einigen Stempeln ist das Kind auf dem rechten Arm. Man hat dis Gepraͤge auch von halber Groͤsse, oder von dem Modul c, und feinem Silber. MO. AR. ET. MA. LI. Rev. O. Mari. tu. sal. p. ohne Jahrzahl. e Ein Ferding; das Marien bild. Salua nos Domina. Rev. Ein Kreuz unter welchem zur 1521. Rechten die Linde im Schilde, zur Linken das plettenbergische Wapen haͤnget. Iasper Erchi. Eps et Mgr. Livoni. b Ein alter Schilling vom Erzb. Wilhelm. Der brandenb. Adler. Wilh. D. G. Arch. 1551. Rig. 51. und Joh. von der Recke Wapen, eine Recke. Ioan. d. Re. D. O. M. Livo. b Ein andrer; der Adler. Wilh. D. G. Arche. Ri. 51. Rev. Das lange Ordenskreuz, an 1551. welchem ein deutsches Schild mit den 3 Haken, 2 und 1, als dem galenschen Wapen herget. Hinnric. v. Gal. M. Liuo. M m m m 2 Eine Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. f Eine halbe Mark. Ein Schild mit 4 Feldern, in dessen erstem der brandenburgische Annus 1553. Adler, im 2ten der pommersche Greif, im 3ten der nuͤrnbergische Loͤwe, im 4ten das hohenzollersche von Silber und schwarz quadrirte Wapen zu sehen. Das Mittelschild ist auch vierfeldig; in dem ersten und 4ten Felde liegen der Patriarchenstab und Bischofs- stab kreuzweise, im 2ten ist das Ordenskreuz als das erzbischoͤfliche Amtswapen, im 3ten die Lilie als das Kapitelswapen. WILHELM. D. G. ARC. E. RIGENS. MAR. chio BR. and. Rev. Galens vierfeldiges gewoͤhnliches Schild. HINRICVS DE GALE. D. O. M. LIVONIE. Man hat auch solche von 1554 und 1556, wo in dem ersten Felde des Mittelschildes das Kreuz, im 2ten und 3ten die Staͤbe, und im 4ten d die Lilie liegen, und sind gleichfals halbe Marke. Man hat von diesem Gepraͤge auch Ferdinge von 1553, 1554 und 1555. b Der brandenburgische Adler. Wilhelm. D. G. Arci. E. Rigen. Rev. Das herrmeister- 1553. liche Wapen, dahinter das Ordenskreuz. Hinric. v. Galn. D. O. M. Livoni. b Eine dergleichen Muͤnze. Hinr. v. Gal. D. O. M. Livon. 1554. b Ein andre wo der Erzbischof Gvilhel. sich schreibet. 1554. b Noch eine, da dem erzbischoͤflichen Titel die Buchstaben M. B. zugefuͤget werden. 1555. b Noch eine, da der Erzbischof Gvil. heisset. 1555. b Ein Schilling mit vielen Zusatz. Ein Schild mit dem Adler. Gvilhelm. D. G. Epis. Rig. Rev. Ein Schild mit dem Kesselhaken. Gothar. D. G. M. Livo. Sie ist ohne Jahr- zahl. V. Erzbischoͤfliche | Muͤnzen in Riga geschlagen. D iese Muͤnzen unterscheiden sich durch den ins Andreas kreuz gelegten Patriarchenstab und bischoͤflichen Krumstab; oder haben die Lilie als das Wapen des Stifts zum Zeichen. b Ioharines Arcps. Hat in der Mitten ein quergetheiltes Schild, wo uͤber 6 Rauten ein Ein- horn auf aufgehobnen Forderfuͤssen hervor steiget. Rev. Moneta Rigensis. Der Pa- triarchen- und Bischofsstab kreuzweis gelegt. Jst sehr rar. Da sie das blankenfel- dische und wallenrodische Wapen nicht hat, mus sie etwa vom Iohannes Habundi seyn. b HENIC 9: ARCHEPS. Des Erzbischofs Henning Scharfenbergs Bildnis in der Jnfel, ohne Bart, gerade sehend. Rev. Moneta Rigensis. Die beiden Staͤbe sind, wie gewoͤhnlich ins Andreas kreuz gelegt, an welchen unten die Stiftslilie haͤnget. Die- se beiden sind von feinem Silber und die letzte schwerer als die erstere. b Der lange Kreuzstab und Krumstab kreuzweise. Moneta Michaelis. Rev. Das Anker- kreuz als das erzbischoͤfliche Ehrenwapen: Moneta Michaelis. Andre fuͤhren bey den Staͤben die Umschrift Archiepiscopi Rige. b MONET. CIVITATIs RI. Eine Lilie. Rev. - - - Ecclesie. - - Die 2 Staͤ- be ins Kreuz. b Moneta Ecclesie. Die beiden Staͤbe. Rev. et civitatis Rigens. Die 2 Schluͤssel mit dem kleinen Kreuz als dem kleinen rigischen Stadtwapen. Jst leicht. b Moneta arc. Ein Wapenschild mit dem Ankerkreuz. Rev. Arch. Rigens. Die 2 Staͤbe. Jst schwerer und besser am Silber als die 2 nechst vorhergehenden. a Moneta. Die 2 Staͤbe. Rev. Rig- - - - wieder die 2 Staͤbe. a Moneta. Die 2 Staͤbe. Rev. Rigensis, ein sechseckigter Stern. Diese beiden sind ver- muthlich alte Artiger. b Schillinge mit der Jahrzahl. MO: NO. ARC. EPI. RIGE. Das Wapen ist eine 1533. Sparre begleitet von 3 Baͤumen. Rev. MO. ECLSIE. RIGEN. Die 2 Staͤbe. Dergleichen hat man von den Jahren 34, 35, 36, 37, 39, 40. Sie lassen sich leicht mit dem doͤrptischen Schwerdt und Schluͤssel verwechseln, zumal wenn die Obertheile der Praͤlatenstaͤbe sich nicht deutlich genug zeigen. Diese Schillinge von Thomas Schoͤningen findet man haͤufig unter dem ausgeschossenen alten Gelde, so nicht mehr gaͤnge ist. Einige haben ICLESIE RIGENSI. Die von 1540 haben auch die 4 nach der Nulle. T Eine feine Silbermuͤnze. An einem erzbischoͤflichen Stabe haͤnget ein quadrirtes Schild, 1537. dessen erstes Feld die Sparre mit 3 Baͤumen, das 2te Kreuz und Krumstab kreuzweise, das 3te die Lilie, das 4te das kleinere Stadtwapen zeiget. MO. NO. DO. THO. SA. RI. ECLE. ARG. EPIS. Rev. Das Marien bild mit dem Kinde auf dem linken Arm, in Strahlen. ORA PRO FAM ulis SAN. cta MA.ria TVIS. Wieget ⅝ Loth. b GVILH, D. G. ARCHIEP. RIG. Die Lilie und daruͤber 2 Staͤbe. Rev. M. ater 1540. D.ei TVA EST POTESTA. s TV. um RE. gnum. Der Adler, als das bran- denburgische Wapen. Ein- so zur Zeit des Ordens und nachher in Liefland gepraͤget worden. Mod. Eine dergleichen 1541, 1544, 1545, 1546, welche noch oft vorkommen, wie denn auch Annus manche keine Jahrzahl haben, andre aber TVA EST. OTENSIA fuͤr POTEN- TIA lesen; man findet auch Otinsia; und sind von 1550 und 1555. d Gvilhelm. D. G. Arch. Rig. Sein vierfeldiges Wapen mit abwechselndem Adler und Greif- 1561. Loͤwan im gevierten hohenzollerischen Schilde. Jn dem Mittelschilde, so auch quadrirt ist, wechselt die Lilie und Kreuz mit dem kreuzweis gelegten Schwerdt und Praͤlatenstab ab. Rev. Mo. nov. Rig. Das kleine Stadtwapen. d Ein dergleichen rares Stuͤck von selbiger Groͤsse und gutem Silber hat zur Umschrift Gvil- helm D. G. Arcepis. Rig. Rev. Das kleinere Stadtwapen. Moneta. No. Rigen- sis. 61. b Ein Schilling. GVIL HEL|M. M. B. A. EP. RIG. Der brandenburgische Ad. 1562. ler mit dem Brustschilde. Rev. MON. ETA NOVA RIGEN. Das kleine Stadt- wapen. b Ein Schilling von merkwuͤrdigem Gepraͤge. MONET. GVILHE. RI. GE. Das 1562. kleine Kreuz aus dem Stadtwapen mit der Oberhelfte der 2 Schluͤssel; darunter der Ad- ler, mit Kopf, Brustschild und linkem Fluͤgel lieget. Hierbey die Zahl 62. Rev. GVIL HELM. D. G. A. RIGE. Noch einmal das kleine Kreuz, die Oberhelfte des einen und die Unterhelfte des andern Schluͤssels, wobey die Ziffer 6, weil die 2 von dem Fluͤgel bedecket wird. Alsdenn ein Stuͤck von dem Brustschilde, der linke Fluͤgel samt dem Fus und ganzen Schwanz des Adlers. Ein rares Stuͤck, wodurch der Erzbischof seine genaue Verbindung mit der Stadt Riga an Tag legen wolte und liegt im clodti- schen Kabinet. b Noch ein Schilling. GVILM. D. AR. -. -. -. -. -. mit der Zahl 15. Der bran- 1562. denburgische Adler mit dem Brustschilde. Rev. Domine TV. EST. POTEN- SIA. TV. RE. Ein in die Quere getheilter Wapenschild, oben die 2 Staͤbe kreuz- weis, unten die Lilie. d Ein rarer Ferding. Des Erzbischofs vierfeldiges Wapen, und in solchem das quadrirte 1563. Mittelschild. Gvilhelm D. G. E. Rige. Ma. Bra. Rev. Das kleine Stadtwapen. 63. b Ein andrer Schilling von vorigem Gepraͤge. GVILH. D. G. ARCHIEP. RI- 1563. GENS. Rev. MONETA NOVARIGENSIS. Dergleichen sind auch da von 1561, 1562. c Ein Doppelschilling mit dem Adler, auf dessen Brust ein geviertes Schild als das hohen- 1563. zollerische Wapen. GVILHEL M. D. G. AR EP. RIGE. Rev. Das rigische groͤssere Stadtwapen. MONETA. NOV. RIGENSIS. Diese Doppelschillinge hiessen in alten Zeiten Nagate. Ein sehr erfahrner Kenner versichert von diesem Wilhelm mit der Jnfel und langem Bart einen Thaler in Holzschnit gesehen zu haben, von dem er aber ungewis ist, ob er zur IV ten oder V ten Classe gehoͤre. Er befand sich in einem duͤnnen Folianten, worin die 2 loͤthigen Silbermuͤnzen, und im andern Theil die einfachen und doppelten Dukaten ab- gedruckt stunden. Dieser lag zu Stockholm im gyllengriepischen Kabinette, und scheinet den Verfassern der neuern Thalerkabinette unbekant gewesen zu seyn. VI. Bischoͤfliche Muͤnzen in Doͤrpt gepraͤget. D ie Muͤnzen dieser Art fallen in alten Zeiten sehr unleserlich. Die Namen der Bischoͤfe sind gleichfals schwer heraus zu bringen, und dabey so homonymisch und vieldeutig, daß sich keine Jahrzahl dazu finden laͤst, zumal da so gar die Geschlechtswapen abgegrif- fen und verblichen sind, auch die noch kentbaren vermisset werden. Alle aber lassen sich an den ins Andreas kreuz gelegten Schluͤssel und Schwerdt, oder manchmal an Schwerdt und Schluͤssel erkennen; weil das Stift die Apostel Petrum und Paulum zu Patronen habe, so von dem Dom zu Osnabruͤgge beibehalten worden, obgleich die doͤrptische Domkirche dem heiligen Dionysius gewidmet war. Kelch S. 68 und 456. Sieb- macher S. 11 stellet das naumburgische bischoͤfliche Wapen wie das doͤrptische vor. a Iohannes Epus. Drey laͤnglichte und zugespitzte Blaͤtter. Rev. Das doͤrptische Stifts- wapen, Schwerdt und Schluͤssel Moneta Ta. Ein kleines rares Stuͤck von feinem Sil- ber. Das Wapen gleicht dem Mellinckrodischen bey Siebmachern S. 189 oder den ronnbergischen S. 132. b TIDERICVS EPI. Des Bischofs Bildnis gerade sehend mit der Bischofsmuͤtze. Rev. MONETA TARPAT. Zwischen dem Schluͤssel und Schwerdt sind 2 Bischofs- staͤbe auch kreuzweise, als das bischoͤfliche Ehrenwapen. Jst rar. b IOANNES EPVS. Des Bischofs Bildnis im Hute und gerade sehend. Rev. MONETA TARPA. Oben ist zwischen Schluͤssel und Schwerdt ein ganzes N n n n Hirsch- Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. Hirschgeweihe. Das Modul ist kleiner als der vorigen, aber um den vierten Theil Annus schwerer. a IOANNES EPVS. Ein ganzes Hirschgeweihe, in dessen Mitte eine Kugel schwebet. MVNETA TARP. Das gewoͤhnliche Stiftswapen, Schwerdt und Schluͤssel. Fein Silber und wieget ein Drittel der vorigen. b TIDERICVS EPVS. Das bischoͤfliche Bild in der Muͤtze, hat an der Nase beim lin- ken Auge ein Gewaͤchse, das sich auch auf den abgeschlissenen Stuͤcken erkennen laͤst. Rev. Moneta TARBAT. Ueber dem Stiftswapen siehet man eine Figur wie einer halben Lilie oder eines Zweiges, und unter dem Wapen einen Stern mit 6 Strahlen. b HINRICVS EPVS. Das Brustbild in der Jnfel. MONE. TARBET. Das Stiftswapen, daruͤber 2 Fluͤgel oder ein Geweihe ganz klein zu sehen. b IOHANNES EPS. THA. Das Bischofs Bildnis. Rev. Ueber dem Stiftswapen eine Lilie. Moneta Thar - - - Einige Stempel haben Iohannes Epc. T. und Mone- ta Tharbe. b TIDERICVS EPVS. Des Bischofs Bildnis gerade sehend. Rev. Das Stiftswapen MONETA. TERBE. Zwischen dem Stiftswapen eine Figur wie ein Palmenzweig, unten ein kleiner Ring. Eine andere von diesem Gepraͤge liest THARBET. b S. PETRE OR. P. N. Ein laͤnglicht erzbischoͤfliches Gesichte. Rev. Schluͤssel und Schwerdt: Mo. no. Tarpaten. a Eine ganz kleine Muͤnze von feinem Silber mit dem bischoͤflichen Gesichte. Rev. Schluͤssel und Schwerdt. Die Umschrift ist unleserlich. a Eine dergleichen mit Zusatz von Kupfer. MONETA. Schluͤssel und Schwerdt. Rev. THARBAT. und wie der Schluͤssel und Schwerdt. Diese kleine Stuͤck ist hoͤchstrar. Beide aber sind so klein als ein saͤchsischer Pfennig. Diese letztere hat man auch von dem feinsten Silber. a Eine gleichschwere doch etwas groͤssere und von besserm Korn. BARTHOLO. EPS. Eine Menschenhand. Rev. Moneta Tar. Das Stiftswapen. Andre dieser Art lesen Bortolo. Eps. c Ein Ferding. Der sitzende Petrus hat zun Fuͤssen ein kleines doch leeres Wapen. S. PE- 1515. TRV. OR. P. NO. Rev. Schluͤssel und Schwerdt, uͤber dem Schilde 1515. MO. NO. ARGENTA. TARPAT. e Ein Ferding. S. PETERE OR.a P.ro NO.bis. Der auf einem Lehnstuhl sitzende Pe- 1515. trus haͤlt einen grossen Schluͤssel aufwerts, und vor den Knien ein quer getheiltes Wa- pen. Jn der Oberhelfte ein Thier mit aufgespertem Rachen, und der Streitaxt in den Klauen. Jn der untern Helfte 3 Figuren, die man fuͤr Reiser oder Zweige ansehen koͤnte. Rev. MO. NO. ARGENTA. TARPT. Das Stifswapen. e Eine dergleichen, die der Herrmeister Galen mit seinem Stempel erhoͤhen lassen. Jn der 1516. Umschrift steht ARGENTEA. a Moneta. no. Tar. Schluͤssel und Schwerdt. Rev. Des Bischofs Blankenfelds Wa- pen mit 6 Feldern. Ein Artiger: man hat mehr dergleichen, doch von unterschiedenem Stempel. o IOAN. E. T. MONE. NO. ARG. Das Stiftswapen, daruͤber 1221. Rev. Petrus 1521. im Brustbilde, in der Rechten den Schluͤssel empor, in der Linken das Evangeliumbuch haltend, unter ihm das sechsfeldige blankenfeldische Familienwapen. SAN.cte P.etre OR.a PRO. N. c Eine dergleichen, mit der Jahrzahl 1222. Jn diesen beiden Muͤnzen ist die erste 2 eine um- 1522 gekehrte 5, welche auf andern Stempeln dieses Jahrhunderts vorkomt. T Von den blankenfeldischen Muͤnzen sol der Herr Obriste Gyllengriep eine ganze Mark mit der 2 stat der 5 besessen haben. Sie bestand aus feinem Silber, hatte die Groͤsse ei- nes Viertheilthalers oder Reichsorts, aber das Gewichte einer Mark, deren 3 auf einen Thaler giengen. d Petrus Santus. Petri Brustbild darunter das bischoͤfliche Wapen. Rev. Das Stiftswa- 1525. pen. Moneta noua ar. Tar. Um diese Zeit hat man das Ora pro nobis weggelassen. Auf einigen ist unter Petri Bilde das Schild leer. b Dom. Iohan. E. Tarb. Das bischoͤfliche Gesichte. Rev. Moneta no. Tarb. Das Stifts- 1528. wapen. a Ein sauberer Artiger. 3 Haken zwey und eins Io. Ep. Ta. das Stiftswapen. Mo. no. Ta. ist ohne Jahrzahl. d SANTVS PETRVS. Des Apostels Brustschild, mit unterliegendem gellinghausi- 1532. schen Wapen in 4 Feldern, Schluͤssel und Schwerdt im ordinairen Kreuz im ersten und vierten Felde. Rev. Das Stiftswapen Schwerdt und Schluͤssel. Moneta noua ar. Tarpt. Das gellingshausische Wapen sind 3 Haken, 2 und 1 gestelt, die aber ver- kehrt so in Liefland zur Zeit des Ordens und nachher gepraͤget worden. Mod. kehrt liegen, da man sie in des Herrmeister Galens Wapen ordentlich liegen siehet. Annus Siebmacher S. 187 hat die Figur in dem Wapen der Herrn von Prabeck. Doch hat auf einigen Schillingen der Stempelschneider diese Haken, wie die galenschen gemacht. e SANTVS PETRVS. Petri Brustbild, wie gewoͤhnlich mit dem Schluͤssel und Evan- geliumbuch. Jn dem darunter gesetzten Schilde liegt im ersten und vierten Felde Schwerdt 1533. und Schild nicht kreuzweise, sondern schlecht neben einander, wie es auch auf einigen blan- kenfeldischen Muͤnzen schon vorgekommen, daß die Spitze des Schwerdts oben stehet. Das 2te und 3te Feld zeiget das Geschlechtswapen. Rev. Schluͤssel und Schwerdt. Moneta noua. ar. Ta. Dieser Stempel leidet starke Abaͤnderungen; andre lesen Tar. e Eine dergleichen, nur daß in dem 1sten Felde das bischoͤfliche Wapen, Schluͤssel und Schwerdt 1534. wieder kreuzweis gesetzt, und im 4ten Felde Schwerdt und Schluͤssel so gelegt sind, wie etwan auf einigen paͤpstlichen bleiernen Bullen S. PA. S. PE. stehet, ob sonst gleich Pe- tro der Vortrit zuerkant wird. Die Schillinge mit diesem Wapen gehn bis 1542; auf selbigen nennet sich der Bischof Electus. b Eine Muͤnze mit vielem Zusatz mit dem Stiftswapen. MON. NO. TARPT. Rev. DOMI. IOHA. EL. ectus TA. Das gellingshausische Wapen. Hat keine Jahrzahl. Einige Stempel haben: DOMIN. IOHAN. EL. TARP. b Ein Schilling Dns. Iudocus El. Ta. Die Recke sehr schmal. Rev. Das Stiftswapen 1543. Mone noua Ciuetat. b Ein Schilling mit dem reckischen Wapen. DNS. IVDOCVS EL.ectus TA. Das 1544. doͤrptische Wapen MONE. NOVA. CIVI. TA. b Ein Schilling. Die Recke. Iodocus a Reck. Ep. Tf. Rev. Schluͤssel und Schwerdt. Mo. 1545. noua Tarbate. Th Ein gegossenes Stuͤck von 4 Loth und grobem Stempel. Das bischoͤfliche Bild in Chorrock 1545. und Bart nach der Linken sehend, und mit der Linken den Degen haltend. Iodocus a Reck episcopus ac Dns Terbaten. Rev. Ein gevierter Schild mit abwechselnden Stifts. und Geschlechtswapen, hinter dem zur Rechten der Bischofsstab, zur Linken das Schwerdt durchgesteckt ist. Das ganze Wapen wird von einer Bischofsmuͤtze bedeckt. Es hat zur Seite 1545 und zur Umschrift: Civitas benedictione rector. fortunatur. b Iodocus a Re. Ep. D. 46. Die Recke als das Geschlechtswapen. Rev. MO. NOVA 1546. TARPEENS. Das Stiftswapen. Jst von schlechtem Silber. d Von diesem Jahre fuͤhrt der selige M. Rhanaͤus in einem Briefe eine Muͤnze d an, mit 1546. der Umschrift MON. NO. TARBATEN. und S. PETRE ORA P. NO. wovon die Jahrzahl irrig scheinet. b Noch ein Schilling von voriger Art, mit der Recke. Iodocus a Reck Epise. Tarb. Rev. 1547. Mon. nov. Tarb. it. Iodocus Re. Ep. D. 47. die Recke. Rev. Das Stiftswapen. Mo. noua Tarpata. b Ein Schilling: die Recke. Iodocus aRe. Ep. D. 49. Schwerdt und Schluͤssel Mo. no- 1549. ua. Tarpata. d Eine feine Silbermuͤnze, etwas leicht. HERMA. DEI G. EPI. TA. Ein in die 1554. Laͤnge getheilter Schild, in dessen rechtem Felde Schluͤssel und Schwerdt, im linken eine halbe Lilie und daneben zwey Rosen liegen. Rev. MONETA NOVA. TA. Das Stiftswapen. d Eine dergleichen. Rev. Mone. noua. ar. 55. Andere: Moneta noua Tarpt. und uͤber dem 1555. Schilde 55. d Eine dergleichen, mit der Umschrift HERMA. DEI. G. EP. T. Rev. MONETA 1556. NOVA. TA. mit den vorigen Wapen. Eine andre hat NVA; EPIS. und eine klei- ne 6, ist aber von feinem Silber. b Eine Silbermuͤnze. HER. DEI. G. EP. T. Das bischoͤfliche Familienwapen allein, 1557. nehmlich die halbe Lilie mit 2 Rosen uͤbereinander zur Linken begleitet. Rev. Das Stifts- wapen: MO. NO. TARP. Die uͤbrigen Ferdinge und Schillinge dieses Hermans sind ohne Jahrzahl, unter ihnen aber haͤlt man den Abdruck fuͤr den schoͤnsten, der die Lilie und Rosen nach heraldischer Art gros praͤsentiret, und im clodtischen Kabinet verwahret liegt. VII. Oeselsch-bischoͤfliche Muͤnzen in Hapsal und Arensburg gepraͤget. D iese Gattung wil sich auch in den beruͤhmtesten Samlungen nicht uͤber die Regierung des letzten Bischofs Magni finden. Sie unterscheidet sich durch einen Adler, welcher mit seinem langen Halse wie ein Kranich zuruͤck siehet, und mit etwas aufgehobenen Fluͤ- geln auf einem Zettel stehet, welches das Oeselsche Wapen ist. Andre haben 2 Balken, als das oldenborgsche Stamwapen. Sie sind mehrentheils von schlechtem Silber. N n n n 2 Ein Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. d Ein Ferding ohne Jahrzahl. Magni geharnischtes Brustbild mit der Feldbinde und befe- Annus dertem Hute. MAG. D. G. EPS. OSI. CV. ET RE. Rev. Der Adler: MO- NETA. NOVA. HABSA. d Noch einer ohne Jahrzahl, wo um den Adler gelesen wird: MO. NOVA. ARENS. BVR GENSYS. d MAGNVS D. G. E. O. siliæ W. ykiæ RE . valiæ. Des Herzogs Brustbild geharnischt mit 1562. der Brustbinde und Federhute. Rev. MONE. NOVA HAPSAL. 62. Der obbe- schriebene Adler. Ein anderer Stempel hat zwischen O und W, noch ein C, das ist Curlandiæ. d MAG. D. G. EPS. CV. rlandiæ ET. RE. valiæ. Das Bild wie auf der vorigen. Rev. 1562. Die oldenburgischen Balken. MO. NO. HAPSALIE. b MO. NO. HAPSAL. Der sich umsehende Adler. Rev. MO. NO. HAPSALIE. Die oldenburgischen Balken, ohne Jahrzahl. b Eine von schlechterm Korn. MAG. D. G. E. O. C. R. Die Balken. Rev. MO. NO. HAPSALIE. Der Adler. Andre lesen nur Hapsel. 62. und Hapsal. b Mag. D. G. E. Osil. Die Balken. Rev. Mon. Arensborch. der Adler. 1562. d MAGN. D. G. EP. OSIL. CV. ET RE. HE.res NOR W.agiæ. Das Brustbild. 1563. Rev. Ne derel. inquas me Dom. der Adler. b Magn. D. G. Ep. Osil. E. R. Das Brustbild. Rev. Mon. nov. arg. Arensb. Der 1564. Adler. b Mag. D. G. Episc. Osil. Cu. et Re. Ein Brustbild, stat des Federhelms eine herzogliche 1564. Krone auf dem Haupte tragend. Rev. Der Adler. Moneta noua Arensburgensis. b Mag. D. G. Eps. O. C. Re. Ein geviertes Wapen mit abwechselnden oldenburgischen 1564. Balken und delmenhorstischem Kreuz. Rev. Der Adler. Mo. no. Arensbur. Die- ses Wapen gleichet dem herrmeisterlich- fuͤrstenbergischen, und mus mit selbigem nicht verwechselt werden. d MA. D. G. EP. OSI. C. E. RE. Sein Brustbild. Rev. Der Adler. MON. ARENS- 1564. BORCH. Von schlechtem Silber. e Eine dergleichen von feinem Silber. 1565. Th Eine schoͤne Medaille. MAG. D. G. EPS. OSIL. CVR|ON. ET RE. H. NORV. 1565. Magni Bildnis in einem weiten mit Blumen bestreuten Pelz. Rev. NE DERE- LINQVAS ME DOM. 65. Sein ganzes Wapen in 3 auf einander liegenden Schil- den. Das innerste hat 2 Balken wegen Oldenburg. Der andre Schild hat 4 Felder. Jm ersten den norwegischen Loͤwen mit der Streitaxt; im 2ten die schleswigischen zwey gehenden Loͤwen, im 3ten das hollsteinische Nesselblat, im 4ten den stormarschen Schwan mit der Krone am Halse; in dem aͤussersten vierfeldigen Schilde wechseln der Adler und das Lam mit der Kreuzesfahne ab, so die Bistuͤmer Oesel und Deutschland bedeuten. Den Schild zieren 3 Helme, auf deren mittelsten der Loͤwe mit der Streitaxt, dem rech- ten 7 Fahnen, und dem linken 3 Pfauenschwaͤnze erscheinen. Diese rare Medaille besas der selige Herr Vicepraͤsident von Schultz, wir haben sie nur aus dem Abris davon beschrieben; doch ist sie nach dem Zeugnis derer, so sie im Ur- bilde gesehen, groͤsser als ein Thaler. b Die 2 Balken. MA . D. G, E. O. C. E. RE. 67. Rev. Der Adler. Mon. Arensbor. 1567. Nach diesen Jahren verschwinden die oͤselschen Muͤnzen wieder, wie denn auch keine von Magno mehr gesehen werden. Die Buchstaben RE. welche der Stempelschnei- der noch etwan mit einem Kreuz geschlossen, moͤgen vielleicht einige auf die Meinung ge- bracht haben, daß dieser Herr sich auf seinen Muͤnzen REX nenne. VIII. Rigische Muͤnzen, welche die Stadt Riga zur Zeit ihrer zwanzigjaͤhrigen Freiheit praͤgen lassen. D iese Muͤnzen haben auf der einen Seite die zwey ins Andreas kreuz gelegten Schluͤssel mit dem kleinen Kreuz, und auf der andern, das groͤssere ganze Stadtwapen. Wir duͤrfen daher nur ihre groͤsse und Umschrift melden. b Ein Schilling. MONETA NOVA ARG. Rev. CIVITATIS RIGENSIS. 1563. b Einer von demselben Schlage. 1564. b Noch ein solcher. 1565. f Ein Stuͤck wie ein Ort, nur leichter, und von schlechterm Korn, war eine halbe Mark ri- 1565. gisch oder 18 Schillinge. Das kleine Stadtwapen. Moneta nova argentea. 65. Rev. Das ganze rigische Wapen mit 2 Loͤwen zu Schildhaltern. CIvitatis Rigensis. Man hat von diesem Jahre unterschiedene Stempel, nur daß das kleine Stadtkreuz uͤber den Schluͤsseln nagelspitz gemacht ist; auch haben einige die Jahrzahl zur Seite. Ein so in Liefland zur Zeit des Ordens und nachher gepraͤget worden. Mod. Th Ein ganzer Thaler, und ein halber Thaler aus dem torkischen Kabinet, mit derselbigen Annus 1565. T Umschrift. d Ein Ferding, der 9 Schillinge gegolten, und deren 4 eine Mark rigisch betragen, mit vo- 1565. riger Umschrift. Eine Sorte ist von feinem Silber; obgleich die mehresten sehr kuͤpfrig fallen. f Eine halbe Mark von der Groͤsse eines Reichsorts, doch geringhaltiger. 1566. d Ein Ferding: zwischen den Schluͤsseln ein nagelspitziges Kreuz. 1566. d Ein Ferding. Moneta noua argentea. Rev. Civitatatis Rigen. 1567. b Ein Schilling. 1567. T Ein halber Thaler, wie der obige. 1567. f Eine halbe Mark wie obige. 1568. d Ein Ferding. 1568. b Ein Schilling. Moneta no. age. von schoͤnem Gepraͤge. 1569. b Ein alter Schilling. Moneta no. argen. Rev. Civitat. Rigensis, auch einer von 1571. 1570. a Ein recht saubrer Artiger von Kupfer, ohne Umschrift, mit dem kleinen zugespitzten Kreuz und 1571. beiden Stadtwapen. T Moneta noua argentea. Rev. Civi. Rigensis. Jst ein schoͤnes Stuͤck, fast von der Groͤsse 1572. eines halben Thalers. Unter dem Loͤwenkopf im Stadtthore lieset man 1 Mark rigisch. Jn dem pagencoppischen Kabinet ist dieses Stuͤck in Gold abgenommen, obgleich ar- gentea darauf gepraͤget ist, und wieget 3⅛ Ducaten. Jst eine Hauptrare Mark, an Silber ⅞ Loth. Th Ein Reichsthaler. Das kleine Stadtwapen im Schilde; daneben 73. Denarius Argenteus 1573. XVIII Ferd. R. Auf der andern Seite das ganze rigische Wapen doch ohne Schildhal. ter. Civitatis Rigensis. Unten 18 F. ist ein sauberes und rares Stuͤck. Th Ein andrer Reichsthaler aus der andreischen Samlung, von dem Gepraͤge, wie ihn Loch- 1573. ner unter dem Jahr 1574 beschreibet. b Ein Schilling. 1573. Th Ein andrer Thaler. DENARIVS NOVVS ARGENTEVS. Rev. CIVITA- 1574. TIS RIGENSIS. Unten 18 F. Lochner fuͤhret hiervon noch einen Stempel an, nach welchem das s in civitatis von dem i abgesondert steht, und die 18 F. umgekehrt, wie mit der Randschrist in einem Text gelesen werden muͤssen. Was sonst dieser geschickte und fleißige Auctor S. 68 von einem rigischen Goldstuͤck von 1421 schreibet, ist ohne Zweifel ein Druckfehler, und sol 1621 heissen. Siehe Lochners Samlung merkwuͤrdiger Medaillen im Jahr 1741 bey der 9ten Woche. b Ein Schilling wie die obigen Schillinge. 1575. b Dergleichen 1576. b Dergl. 1577. b Dergl. 1578. b Und noch einer. 1579. Diese Muͤnzen nennen die Bauren schwarze Schillinge, weil sie mehrentheils in der Erde gefunden werden, und beim Abreiben viel Kupfer zeigen. Die Ferdinge von die- sem Gepraͤge fuͤhren wir deswegen nicht alle an, weil einige keine Jahrzahl haben; dahin- gegen die von 65 und 66 sie auf beiden Seiten fuͤhren. Sie gehen bis 1579, und sind die letzten von sauberm Gepraͤge. So weit gehen die Muͤnzen der Stadt zu einer Zeit, da sie ihr eige- nes Oberhaupt war. Die folgenden Muͤnzen unter den pohlnischen und schwe- dischen Koͤnigen machen in den Kabinetten eine schoͤne Samlung aus an Goldstuͤ- cken, Dukaten, Thalern, Schau- und Gedaͤchtnismuͤnzen, welche alle auf der einen Seite das rigische Wapen haben. Unter den ersten pohlnischen sind die Groschen am schoͤnsten, welche des Koͤnigs Bild mit der Krone zeigen: Steph. D. G. Rex. Pol. M. c D. Li. und auf der andern das grosse rigische Wapen haben, Grossus civitatis Rig. mit der Zahl 81, 82 und 84. Jn der Taxa des rigischen Portorii von 1582 werden 35 pohl- nische Groschen auf einen Thaler gerechnet. Sechse giengen auf die Mark rigisch, und einer betrug 6 rigische Schillinge. Sie fuͤhren schoͤn Korn und haben die Groͤsse eines deutschen Groschens. Andre haben zum Revers das pohlnische und litthauische Wa- pen, unter dem das kleine Stadtwapen lieget. a Auch ist die ganz kleine Muͤnze rar, die auf der einen Seite das koͤnigliche gekroͤnte Bildnis aufweiset: Step. D. G. Rex. Po. Rev. Das ganze rigische Wapen, civitatis Rige. 82. Die Folge davon siehe weiter unten. A Nicht weniger ist ein Goldstuͤck denkwuͤrdig, welches der bekante Buͤrgermeister Ecke als eine Privaperson muͤnzen lassen. Es zeiget sein Brustbild nach roͤmischer Art: Nicolaus O o o o Ecke Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. Ecke ætatis 60. Rev. Sein Wapen: ein Greif, mit der bedenklichen Umschrift: Ode- Annus rint. dum. benefaciam. Anno 1601. Es wieget an Golde 8 Dukaten. XI. Muͤnzen des Herzogthums Liefland. D iese sind zur Zeit des koͤniglich pohlnischen Administrators Chorkiewitz gepraͤget, und werden an dem lieflaͤndischen Greif erkant, der in den Vorderklauen ein Schwerdt haͤlt. Von den Klippingen dieser Zeit ist uns keiner zur Hand gekommen. Sie muͤs- sen laut koͤniglicher Verordnung 1 Gulden pohlnisch oder 4 Mark rigisch gelten, 10 Stuͤck auf eine Mark loͤthig gehen, und in 10 Stuͤcken 10 Loth fein Silber seyn, so daß 16 Stuͤck eine Mark fein, oder 16 pohlnische Gulden ausmachen. Sie fielen schlechter als das herrmeisterliche Geld. Denn nach der Muͤnztaxa vom 5 May 1582 galt gegen die pohlnischen Gulden: Ein fuͤrstenberger Gulden 1 fl. 28 gr. pohlnisch, oder 9 mk. 18 ßl. rigisch. Ein ungerscher und Meistergulden 1 ‒ 26 ‒ ‒ 9 ‒ 12 ‒ Ein fuͤrstenberger Klipping 1 ‒ 5 ‒ ‒ 5 ‒ 30 ‒ Ein Meister-Klipping 1 ‒ 3 ‒ ‒ 5 ‒ 18 ‒ Es galt aber damals ein Portugaloͤser 19 fl. 10 gr. pohlnisch oder 96 mk. 24 ßl. rigisch, und ein Kreuzgulden 8 mk. 6 ßl. rigisch; welcher Kreuzgulden doch im Jahr 1560 nur 7 mk. vor 1553 aber 5 mk. betrug. b Schillinge, sehr geringhaltig an Silber mit der Aufschrift 1 SCHILLING. 72. und der 1572. Umschrift: Mone. noua. argentea. Rev. Der vorbeschriebene Greif. Ducatus Livonie. Diese Sorte hielt 2 Loth, galt 3 Pfennige, und 36 machten eine Mark rigisch. T Ein schoͤn Stuͤck von der Groͤsse eines halben Thalers, doch schlechterm Korn. Zwey neben- 1573. einander gesetzte Schilde mit dem pohlnischen Adler und litthauischen Reuter, und daruͤber EINE MARK, mit der Umschrift: MONE. NO. ARGENTEA. Rev. Der Greif mit dem Schwerdte DVCATVS LIVONIE. Sie galten 5 Loth, und 18 Stuͤck machten eine Mark loͤthig. Jedes Stuͤck galt eine Mark rigisch. f Eine gleichartige halbe Mark von demselben Gepraͤge und der Aufschrift: HALB 1573. MARCK. Sie galten 18 Schilling, hielten 5 Loth, und gehen 36 auf die Mark loͤthig. d Ein Ferding mit der Aufschrift: 1 FERDING und selbigem Stempel, wie vorbeschrie- 1573. ben. Sie halten 5 Loth, gelten 9 ßl. und 72 betragen eine Mark loͤthig. X. Unbekante und fremde Muͤnzen, die in Liefland aus der Er- de gegraben worden. D iese Art Muͤnzen finden sich hier haͤufiger als die einheimischen. Sie sind dem Metal nach theils silbern, theils kupfern, der Forme nach theils rund, theils laͤnglich, theils eckigt, dem Gepraͤge nach roͤmische, griechische, persische, tuͤrckische, rußische, pohlnische, gothische und runische vom Koͤnig Magnus von Norwegen und Daͤnnemark, und wer sagt uns, wie sie sonst noch claßificiret werden muͤssen. Man hat Bracteaten von Groͤsse eines Reichsthalers; arabische auf Gothland gefundene Muͤnzen, englische Sterlinge von Edelredo und Canuto, arabische in Siberien gegrabene Stuͤcke. Es finden sich auch deutsche kaiserliche mit den Namen Otto, Hen- ricus ꝛc. bischoͤfliche, sonderlich coͤllnische, auch schwedische aus den letzten 4 Se- culis. Auf einigen deutschen und saͤchsischen laͤst sich die Umschrift der Moͤnchsbuch- staben noch ziemlich lesen. Wir fuͤhren sie hier zur Nachricht der Leser an, weil einige von ihnen wider ihr Verdienst unter die lieflaͤndischen gerathen, die es doch nicht sind, da denn Ungeuͤbte sich durch ihre scheinbare Zeichen leichtlich noch blenden lassen koͤnnen. So geht es mit einer clevischen Muͤnze, daran das C vorne verblichen ist, und man da- her DVC. LIVIAE gelesen. Desgleichen mit einer bischoͤflichen bremischen, auf der manchmal die Moͤnchsumschrift nicht kentbar ist. Sie kan billig die Mutter der lieflaͤn- dischen Muͤnzen heissen. Jhre Groͤsse ist wie eines Viergroschenstuͤcks. Sie hat das Marien bild in Stralen, und auf der andern Seite die zwey creuzweis uͤbereinander ge- legten Schluͤssel. Die alten luͤbischen mit dem Kreuz, die regenspurgischen mit den 2 Schluͤsseln, auch alte ungerischen Dukaten mit dem Marien bilde, koͤnnen bey undeut- licher Umschrift bald den lieflaͤndischen Muͤnzen beigezehlet werden. Man versiehet sich leicht mit den alten hamburgischen, die ein Kreuz, und auf der andern Seite eine Stadt haben. Sonderlich hat man mit den lieflaͤndischen nicht zu verwechseln etliche preußi- sche, deren Umschrift unleserlich geworden, und die wegen ihrer Ordenskreuze den lieflaͤndi- schen oder revelschen Schillingen am aͤhnlichsten kommen. Eine gothlaͤndische, mit einem Querbalken MONETA WISBV, auf andern MOETA WISBYE. Rev. Das Lam mit der Siegesfahne. AGNE DEI MI.serere MEI. Da nun der Stem- pel so zur Zeit des Ordens und nachher in Liefland gepraͤget worden. Mod. pel oft einige Buchstaben uͤber den Rand gebracht, und daher WIKYE gerathen wor- Annus den; so man hat sie fuͤr eine hapsalsche oder oeselsche angesehen. Die Muͤnzen des Stifts Wisbu haben stat des Balkens eine zierliche Lilie. Diejenige Blechmuͤnze, welche sonst dem ersten Bischof Albert zugeeignet wird, ist in der Chronik gleich vorne beschrieben. Von einigen andern Bracteaten aus feinem Sil- ber, die einen Menschenkopf unter einem Stadtthor zeigen, und keine Umschrift haben, ist ungewis, ob man sie den lieflaͤndischen beilegen kan, ohnerachtet sie in Liefland ehe- mals gefunden worden. Da auch die alten daͤnischen wegen des dannebrogischen Kreuzes und den 3 Loͤwen leicht fuͤr revelsche Muͤnzen aufbehalten werden, so haben Lieb- haber derselben Verwechselung wohl zu verhuͤten. Ueberhaupt faͤlt es schwer, aus der fast unzehlbaren Menge aͤhnlicher Muͤnzen alle die Kenzeichen anzugeben, um Ungeuͤbten den Jrthum zu benehmen, wozu eine vergriffene oder verblaste Umschrift verleiten kan. Neuere Muͤnzen. E s wird einigen Liebhabern nicht unangenehm fallen, wenn wir die Folge der neuern Muͤn- zen in diesen Laͤndern vorstellen, welche sich fuͤglich in 4 Abhandlungen anbringen lassen, die aber alle viere eben darum, daß sie neu, wenig gesamlet werden, dennoch rar nnd schwer aufzutreiben sind, sehr mangelhaft erscheinen. Jnsbesondre lassen sich die kleinsten auch von mehrern Jahren noch hier und da von ohngefehr finden, wenn sie sorgfaͤltiger auf- gesuchet wuͤrden. I. Muͤnzen der Stadt Riga unter ihren Koͤnigen, wobey man die schoͤne Samlung des Rathsherrn zu Riga, Herrn George Chri- stoph Andreaͤ zum Grunde geleget, selbige aber aus des Herrn Rentmeisters Olderog- ge Vorrath ansehnlich vermehret hat. Ausser denen zu Ende der 8ten Classe angefuͤhrten merken wir noch: A Ein Goldftuͤck von 10 Dukaten. Das halbe Bild des Koͤnigs, in der Rechten das Scepter, und mit der Linken das Degengefaͤs haltend. Stephanus. D. G. Rex. Polo. niæ. 1586. Mag. nus D. ux. Li.thuaniæ. Rev. Das ganze Stadtwapen, mit den Loͤwen zu Schild- haltern, und darunter 1586. Monet. noua. aurea. ciuitat. Rigens. c Ein Dreygroschenstuͤck. Des Koͤnigs Bildnis Steph. D. G. Rex. Pol. Rev. Das ganze 1586. Stadtwapen klein. Gros. Arg. Trip. Civi. Rige. A Ein Goldstuͤck von 10 Dukaten. Der Koͤnig in ganzer Positur geharnischt, in der Rechten 1592. das Scepter haltend, mit der Linken den Degen anfassend. Sigismundus III. D. G. Rex Pol. M. D. Lit. Rev. Das ganze Stadtwapen, darunter 1592. Moneta noua aurea Ciuitat. Rigensis. e Um diese Zeit fangen die sigismundischen Dreygroschenstuͤcke der Stadt an. Alle haben 1588. das Kopfstuͤck des Koͤnigs in der Krone, und die Umschrift: Sig. III. D. G. Rex Po. D.ux Li.thuaniæ oder M.agnus D. L. Auf dem Revers ist eine III, unter selbiger das ganze Stadtwapen im kleinen, und neben solcher das Jahr. Die Unterschrift lautet: Gros.sus. Arg. Trip.lex ciui. tatis Rige. und bey diesem Worte die Garbe als das Wapen der Koͤ- nige aus dem Hause Vasa. Sie sind je aͤlter, je besser. Man findet sie von 1588, 1589, 90, 91, 92, 94, 96, 97, 98, 1600, bis 1621, davon die beiden letzten Jahre merklich schlecht fallen. Wir nennen sie hier gemeiniglich Marke. Sie sind also von den Mar- ken der Ordenszeit sehr unterschieden; denn sie halten nur 2 Ferdinge. Ein Ferding aber in diesen neuern Muͤnzen ist kaum der 5te Theil eines alten Ferdings der vorigen Ta- bellen. Th Eine grosse silberne Medaille aus die schwedische Eroberung der Stadt Riga. Der Koͤ- 1621. nig Gustav Adolph zu Pferde mit dem Commandostab; um sich her das schwedische Lager vor der sehr fein gestochenen Stadt Riga. Ueber einigen Wolken 2 Engel, so ei- ne Krone uͤber seinem Haupte halten. Unten mit dem Namen des Medailleurs S. D. Die Umschrift heist Gustauus Adolphus Magnus Dei Gratia Suecor. Gothor. et Vanda- lor. Rex Augustus. Rev. Die ganze Stadt Riga nach der Seite der Duͤne sehr sauber entworfen, mit dem Flus und dem schwedischen Lager. Ueber den Wolken das groͤs- sere Stadtwapen mit den Loͤwen zu Schildhaltern, welches von 2 Engeln mit einem schwe- benden Siegeskranz gekroͤnet wird. Unten der Name des Muͤnzdirectors. H.ermann W.inckelmann. Die Umschrift enthaͤlt die Zahrzahl: rIga DeVICta VICtorIa VenIt ab aXe LaVrV VbI gVstaVI CInXIt raD Iante CapIL Los. Der Stempel dieser Medaille ist ungemein sauber. Sie wieget 4 Loth und hat die Groͤsse eines Doppelthalers. Man hat sie auch in Gold. A Ein Dukate. Des Koͤnigs Brustbild Gustav. Adol. D. G. Rex. Sve. Got. V. Rev. 1621. Das ganze Stadtwapen. Mone. no. aur. ciui. Rigensis. 1621. O o o o 2 Ein Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. Th Ein Thaler. Des Koͤnigs halbes Bild mit dem blossen Degen in der rechten, und den Reichs- Annus 1629. apfel in der linken Hand. Gustauus Adolphus D. G. Rex Sueco. Gott. Van. Rev. Das ganze rigische Wapen mit den Loͤwen zu Schildhaltern, dazwischen 1629, unten des Muͤnzdirectors Name: M.artin W.olff. Moneta noua argentæa ciuitatis Rigensis. T Ein halber Thaler wie voriger: Sveco. Got. V. und Rigensi. 1629. Th Ein ganzer Thaler wie der vorige. Gustauus Adolphus D. G. Rex Svecor. Got. Va. Der 1630. Revers ist vorigem gleich, die Jahrzahl steht uͤber den Schildhaltern. Th Ein ganzer Thaler von obigem Gepraͤge, nur daß die Worte des Reverses so lauten: Mone- 1631. ta noua argentæ ciuitatis Rigensis. Th Ein Thaler mit dem halben Bilde der Koͤnigin, vor einem Tische, auf dem die Reichsin- 1639. signien liegen, wobey die junge Koͤnigin nach dem Scepter greift. Christina D. G. Sve. Got. Van. des.ignata reg. ina e.t. principissa. He.reditaria. Rev. Das ganze Stadt- wapen, unter selbigem M. W. als des Muͤnzdirectors Name. Moneta noua argentæ ciuitatis Rigensis. Man sagt, es sey noch wo ein Doppelthaler der Stadt auf ihre Kroͤ- nung vorhanden. A Eine Goldmuͤnze von 4 Dukaten. Der Koͤnigin Brustbild. Christina D. G. Sve. Got. 1643. Van. q. de. regi. et princip. hæ. Das ganze Stadtwapen. Moneta noua aurea ciui- tatis Rigensis. Faͤlt klein, aber dick. A Ein doppelter Dukaten nach dem vorigen Stempel. 1643. Th Das halbe Bild der Koͤnigin. Christina D. G. Sve. Got. Van. q. ue. de. regi. \& Princip. 1643. hæ. Rev. Das ganze Stadtwapen und unter selbigem 1643. Moneta noua argentea ciuitatis Rigensis. Zwischen den Fuͤssen der Loͤwen die Buchstaben H. einr. W.olff. Die- ser Thaler ist von schlechterm Stempel. Doch findet sich ein Gepraͤge, so desto sau- berer ist. Th Das Bruststuͤck der Koͤnigin. Christina D. G. Sve. Got. Vand. q. de regi. \& Princip. H. 1644. Rev. Das Stadtwapen ganz. Moneta noua argentea ciuitatis Rigensis. Gepraͤgt von H. W. Ein anderer Stempel hat im Abschnit die Jahrzahl, und unterscheidet sich durch die Umschrift. A Ein Goldstuͤck von 8 Dukaten. Der Koͤnigin halbes Bild. Christina D. G. Sve. Got. 1644. Van. q. de. regi. et prin. hæ. Rev. Das ganze Stadtwapen, so von einer Sonne mit dem Namen Jehovah bestralet wird. 1644; darunter H. W. Die Umschrift lautet: Ex auro solido regia ciuitas Rigensis fieri fecit. A Ein Dukaten. Der Koͤnigin Brustbild. Christina D. G. Sve. Go. Va. g. d. reg. et 1644. Prin. H. Rev. Das ganze rigische Wapen. Moneta anrea ciuitatis Rigensis. 1644. Unten H. W. Th Ein Thaler. Der Koͤnigin Brustbild in fliegenden Haaren und kleiner Krone. Christina 1645. D. G. Sve. Go. Wan.q. Des. Reg. Rev. Das rigische Wapen. Moneta argentea ci- uitatis Rigensis. 1645. Aus dem Thalerkabinet. A Ein Goldstuͤck von 5 Dukaten. Der gekroͤnte Koͤnig im Brustbilde, geharnischt. Carolus 1645. Gustauus X. D. G. Svec. Goth. Va. Rex. Unter der rechten Armschiene ist die Jahrzahl 1645 ganz klein und kaum erkentlich, obgleich sehr deutlich. Rev. Die Stadt Riga, vor welcher viele Schiffe auf der Duͤne liegen; oben druͤber das ganze Stadtwapen, so von 2 Engeln mit einem Siegeskranz bedecket wird. Ex aureo solido ciuitatis Rigensis me fieri fecit. Der Stempel ist von besonderer Schoͤnheit, obgleich die Jahrzahl 1654 heis- sen solte, und gehoͤret also wegen ihrer Umschrift so wol als Jahrzahl zu den singulairen Muͤnzen, ob sie gleich hier nicht selten gefunden wird. A Ein Goldstuͤck von 3 Dukaten. Das halbe Brustbild der Koͤnigin. Christina D. G. Sve. 1646. Got. Van. q.ue Regina \& Princip. iffa Hæ. reditaria. M.agna D.ucissa F. inniæ. Rev. Das zierlich angebrachte ganze Stadtwapen wobey H. W. und die Jahrzahl 1646 dar- unter. Ex auro solido regia ciuitas Rigensis fieri f. ecit. A Ein doppelter Dukaten nach Art des vorigen. 1646. Th Ein Thaler. Der Koͤnigin Brustbild. Christina D. G. Svec. Got. Van. Q. Regina et 1646. Princ. Hæ M. D. F. Rev. Das Stadtwapen, im Abschnit 1646. H. W. Moneta noua argentea ciuitatis Rigensis. A Eine goldene Medaille von 10 Dukaten ohne Jahrzahl. Das koͤnigliche gekroͤnte Brustbild im Harnisch. Carolo Gustavo D. G. Svecorum Goth. Vand. Regi. Rev. Die Stadt Riga nach der Duͤnen seite, unten mit dem ganzen Wapen der Stadt, uͤber welchem Wapen 2 Palmenzweige durch einen Lorberkranz durchgesteckt erscheinen, unter den Wapen aber der Name des Muͤnzmeisters I. H. zu sehen ist. Ueber den Wolken steht ein lan- ges Scepter und ein Schwerdt, um welches sich ein Schlangenkoͤnig windet, mit der Auf- schrift: Prudenter et fortiter. Sie ist mit grosser Kunst gearbeitet. Eine so zur Zeit des Ordens und nachher in Liefland gepraͤget worden. Mod. A Eine goldene Medaille von 13 Dukaten. Des Koͤnigs und der Koͤnigin Brustbild neben Annus 1654. einander gestelt. Unter der Armschiene erscheinet ganz fein das Jahr 1655. Carolo Gu- stauo et Hedwigi Eleonoræ Augg. Regg. S. S. Rev. Eine umwundene Pyramide, an deren Piedestal das Stadtwapen mit den Schildhaltern; zur Rechten unten ganz sauber die andere Jahrzahl 1654 und zur Linken S. D. zeiget. Hinter der Pyramide praͤsentiret sich die Stadt Riga von der Wasserseite. TE STANTE VIRESCO. Man hat sie auch von Silber. A Ein Goldstuͤck von 10 Dukaten. Des jungen Koͤnigs Brustbild im Harnisch. Carolus D. 1660. G. Sveco. Gotho. Vandalo. Rex. Rev. Das ganze rigische Wapen, in welchem der Loͤwe unterm Thore jetzo gekroͤnet erscheinet, wie denn auch eine aus den linken Wolken hervorgehende rechte Hand eine Krone uͤber das Wapen haͤlt. Ciuitatis suæ Rigensis fidem coronauit. An den Seiten der Thuͤrme ist des Muͤnzmeisters Name I.ochim M.eincke. Von der Zeit an sind die Kronen im rigischen Wapen beibehalten worden, aber die Schildhalter weggeblieben. Th Ein Thaler von selbigem Gepraͤge. Ein anderer Stempel macht das Gesichte aͤlter, und 1660. hat groͤssere Buchstaben. Die Ursache der Umschrift findet man bey Beschreibung des Wapens von Riga. A Ein Doppeldukaten. Des jungen Koͤnigs Brustbild. Carolus D. G. Sveco. Goth. Vand. 1667. Rex. Rev. Das gekroͤnte Wapen der Stadt. Neben den Thuͤrmen 1667 und I. M. Die Umschrift. Moneta noua aurea ciuitatis Rigensis. Einige Stempel lesen nur ciuitat. Th Ein Thaler. Des Koͤnigs Brustbild. Carolus D. G. Sveco. Goth. Vand. Rex. Rev. 1668. Das gekroͤnte neue Wapen; daneben 1668 und des Muͤnzmeisters Name I. M. Moneta noua argentea Ciuitatis Rigensis. T Ein halber Thaler. Des Koͤnigs Brustbild. Carolus D. G. Sveco. Gotho. Vandalo. Rex. 1668. Der Revers ist wie auf vorigem Doppeldukaten, die Umschrift aber: Moneta noua ar- gentea ciuitatis Rigensis. f Ein Reichsort, oder eigentlich eine Caroline. Der Avers wie die vorige Muͤnze und mit 1668. der Umschrift: Carolus D. G. Svec. Goth. Vand. Rex. Der Revers komt vorigem gleich. Moneta noua argent. ciuitatis Rigensis. A Ein Dukaten. Des Koͤnigs Brustbild. Carolus D. G. Svec. Goth. Vand. Rex. Rev. 1673. Das ganze Stadtwapen. Moneta aurea ciuit. Rigensis. Des Muͤnzmeisters Name W G. A Ein Dukaten, nach dem Gepraͤge des folgenden, wo stat des Muͤnzmeisters Namen dessen 1700. Wapen zu sehen. A Ein Dukaten. Des Koͤnigs Brustbild in langer Peruque. Carolus XII. D. G. Rex. Sve. 1701. Das ganze Stadtwapen; unter selbigem die in Zug gebrachten Buchstaben von den Namen des Muͤnzmeisters G.eorg H.ill. Die Umschrift lautet. Mon. noua aurea ciuitat. Ri- gensis. A Einer von selbiger Art; nur daß die Thuͤrme in rigischen Wapen ohne Fahnen und Kreuz 1707. erscheinen, unten mit des Muͤnzmeisters Namen im Zuge I. B. C. Die kleinen Muͤnzen der Stadt, welche in diesem Periodus viel Jahre fuͤllen, sind bey den Muͤnzliebhabern in keine sonderliche Betrachtung gekommen, und daher nur in dem ac- curaten clodrischen Kabinet gesamlet worden. Sie bestehen b 1) in Dreypoͤlchern oder wie sie jetzo heissen, in Ferdingen, und fangen sich mit dem Jahr 1621 an. Sie haben auf einer Seite das koͤniglich schwedische gekroͤnte Wapen- schild, in welchem die 3 Kronen mit dem Loͤwen abwechseln. Das Mittelschild ist bey den Koͤnigen aus dem Hause Vasa, die Wase oder Garbe, bey den folgenden der zweibruͤcki- sche Loͤwe. Einige Stempel haben zum Mittelschild eine viereckigte Raute, in der die bay- rischen Wecken als kleine Punkte zum Wapen angebracht zu seyn scheinen, so doch bald geaͤndert worden. Etliche fuͤhren unter den koͤniglichen Wapen noch die beiden Schluͤssel als das kleine rigische Wapen im Rande. Die Umschrift aller meldet den Namen des regierenden Koͤnigs mit dem Zusatz D. G. Rex Sve. Der Revers hat wie die deutschen Groschen den Reichsapfel, daneben die kleinere Zahl des Jahrs, und in dem Apfel 24. Unten im Rande ist eine 3, so laut dem Archiv drey Poͤlcher bedeutet. Die 24 im Apfel hingegen laͤst sich auf keine Muͤnzsorte reduciren, und sol daher vielleicht nur die Aehnlich- keit mit deutschen Groschen vorstellen. Sie hoͤren auf mit dem Jahr 1701, und sind umschrieben: Mon. nov. Civ. Rig. a 2) in Schillingen, deren 9 Stuͤck einen Dreypoͤlcher oder rigischen Ferding betragen, obgleich die sigismundischen den Dreypoͤlchern an Groͤsse fast gleich kommen. Alle Schillinge fuͤhren das kleine rigische Wapen mit der Umschrift: Solidus Ciuitatis Rigen- sis. Auf der andern Seite ist der koͤnigliche Name in der Mitte, und mit voͤlligerm Ausdruck im Rande. Die stephanischen und sigismundischen weisen in der Mitten P p p p den Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. den Buchstaben S, und in selbigem die 3 Wolfszaͤhne oder die Garbe. Die gustav- Annus adolphischen fuͤhren in dem G das A, und erscheinen mit diesem Stempel nach 1633. Die von der Koͤnigin Christina haben im C die Garbe, die carl-gustavischen im C ein G; die von Carl dem XI ein durch R gezogenes C. Von Carl dem XII finden sich keine Schillinge. Manche sind nur wie ein deutscher Pfennig, kleiner oder groͤsser, sehr kuͤpfrig, auch wol ganz roth. Um der Fehler willen, die auch noch in neuern Schriften begangen werden, kan man sich von den rigischen Muͤnzen folgenden Tarif merken: Alberst haler, oder creuz- burgunder- hollaͤndische Thaler. Es ist auch eine sehr uͤbliche Mode, diesen Thaler auf 90 Gr. alberts zu berechnen. Weil die Alberrs groschen keine gepraͤgte Muͤnze sind, so gelten 90 Gr. gleich 80 Fer- dingen. Eine Mark wird mit einem pohlnischen oder preußischen Dreigroschenstuͤck, oder einem Kaisergroschen, oder 2 Dreipoͤlchern oder 2 schwedischen Oeren an Silber verguͤtet. Die Ferdinge bezahlet man mit schwedischen Weissen oder den in Pohlen, Preussen, Curland und Riga gepraͤgten Ferdingen oder Dreipoͤlchern. Schillinge gehn im Handel gar nicht, und kommen selten vor. Ein Alberts thaler wird auch ge- gen 112-120 Copeken umgewechselt. Jn den uͤbrigen Staͤdten von Lief- und Estland ist die rußische Muͤnze gangbar, nemlich 1 Rubel ist = 10 Griwen = 100 Copeken = 200 Denisken = 400 Polusken. Also ist ein viertel Rubelstuͤck 25 Cop. ein halbes Rubelstuͤck 50 Copeken. Es gehoͤren auch in diesen Periodus einige Muͤnzen, die zur 9ten Classe oben nicht fuͤg- lich gebracht werden konten, nemlich die Koͤniglich schwedischen Muͤnzen des Herzogthums Liefland. Den 27 April 1641 erhielt ein gewisser Marsilius Philipsen von der Koͤnigin Chri- stina die Muͤnzgerechtigkeit, und legte in dem Kloster bey der Jacobik rche ein Muͤnz- haus auf eigene Kosten an. Jn dieser Fabrike wurden die so genanten Dreipoͤlcher gepraͤ- get, die 5 loͤthig seyn solten, 185 Stuͤck pro Mark, die Mark fein zu 29 fl. 18 ßl. Die Schillinge 1⅜ loͤthig giengen zu 348 stk. auf die Mark, und kam die feine Mark auf 45 fl. Beide Sorten musten mit einer crakauischen Mark allewege richtig aufgezogen werden. Auf die Dreipoͤlcher ward im Schrot 2 Stuͤck, im Korn 2 Pfennige; auf die Schillinge im Schrot 5 Stuͤck, im Korn 2 Pf. nachgegeben. Wir wollen die erstern mit b, die letz- tern mit a bezeichnen, weil keine kleinere Muͤnze damals vorhanden gewesen. Da auch der Name der Dreipoͤlcher in diesen Laͤndern unbekant ist, so paßiren sie alle unter dem ge- woͤhnlichen Namen der Ferdinge. b Das koͤniglich schwedische Wapen mit abwechselnden 3 Kronen und dem gothischen Loͤwen 1648. in geviertem Schilde. Jm Mittelschilde die Garbe von Vasa. Christina D. G. R. S. Rev. Der Reichsapfel mit der Zahl 24. Mon. noua. Livon. a Das C mit der Garbe. Christina D. G. R. S. Rev. Der lieflaͤndische Greif: Solidus 1648. Liuoniæ. 48. a Dergleichen. Carolus Gustav. D. G. R. S. 57. 1657. a Noch eine Art. Carolus D. G. Rex. S. 65. 1665. b Ein Dreipoͤlcher wie der erste. Carolus. D. G. R. S. und Mon. noua. Livoniæ. 69. 1669. Diese und die rigischen Scheidemuͤnzen wurden endlich so schlecht, daß die Ritterschaft viel Beschwerden daruͤber fuͤhrte, wie unterschiedliche Recesse, Acten und besondere Nachrichten zeugen. Siehe die Patkuliana p. 40 lit. D. §. 2etc. Sie galten auch in an- dern Laͤndern nichts, noch weniger taugten sie zum Umschmelzen. Nichts destoweniger rouliren sie nicht, sondern werden dann und wann nur in Klingebeuteln gefunden. Ver- muthlich sind manche in Kriegeszeiten vergraben, der Bauer aber, der sie findet, traͤget sie mit den alten Ordensschillingen pfundweise zum Kupferschmidt, dem sie ein gu- tes Metal abgeben. Die Stadt Riga stelte gleich anfaͤnglich der Koͤnigin den geringen Profit und den grossen Schaden dieses Muͤnzhauses vor. Es gieng auch mit allen diesem kleinen Gelde den Ruͤckgang. Denn im Jahr 1664 gab man gegen hartes Geld schon 40 pro Cent agio. 1665 war das Aufgeld 75 Thlr. und 1666 wechselte man 100 Thlr. grobe Muͤnze mit 220 Thlrn. kleiner Muͤnze ein, so daß ein ganzer Thaler um 33 Mark oder 198 Gr. vertauschet wurde. Unter die Ursachen dieses Verfals rechnet man erstlich, daß die lieflaͤndische Muͤnze in Pohlen verboten war, und zweitens, daß die Schwe- den so in Liefland zur Zeit des Ordens und nachher gepraͤget worden. Mod. den in dem pohlnischen Kriege eine unsaͤgliche Menge klein Geld aus Litthauen mit- Annus brachten, bis das letztere sich almaͤlig aus dem Lande wieder verzog, und man 1670 nur 58 Thlr. Aufgeld auf 100 harte Thaler zahlte. Da die Stadt Riga selbst ihre Scheide- muͤnze zu haͤufig schlug, und deren Werth beliebig zu ihrem Vortheil und zum Schaden des Landes oft veraͤnderte, das Land aber damit uͤberhaͤufet ward, so ist es allerdings eine curieuse Frage, wo doch endlich alle geblieben, weil die Schillinge nur von den Bauren in die Kirchenkasten geleget werden, die Dreipoͤlcher oder so genanten Ferdinge aber nur maͤßig unter dem Courantgelde mit unterlaufen. 2. Muͤnzen der Stadt Revel unter der koͤniglich schwedischen Regierung. D iese haben gewoͤhnlich das Kopfstuͤck oder den gekroͤnten Namenszug des Koͤnigs auf der einen, und das revelsche Kreuz, mehrentheils aber die 3 uͤbereinander gehenden Loͤwen oder 3 Leoparden zum Revers, an welches Schild oft das kleine Kreuz haͤngend vorge- stellet wird. T Ein schoͤnes Stuͤck in Groͤsse einer doppelten schwedischen Caroline. Jn einem gewunde- 1561. nen und gekroͤnten Dval das schwedische Wapen mit der Wase oder Garbe im Mittel- schilde. Ericus XIIII. D. G. Sve. Got. V. Rex. Rev. Ein gewundener Ovalschild, im selbigen das revelsche Kreuz. Moneta noua Revaliensis. 1561. f Das koͤnigliche Bruststuͤck in der Krone. Ericus XIIII. D. G. Sve. Got. Van. Ren. Rev. 1561. Moneta noua Revaliensis. 1561. Ein ovaler Schild mit dem revelschen Kreuz. Eine feine Mark. d Ein Ferding. Des Koͤnigs Brustbild. Ericus D. G. Rex Sveciæ. Das revelsche Kreuz 1561. mit der Krone. Mon. noua Reval. Einige Stempel aͤndern die Umschrift. T Ein Stuͤck von der Groͤsse einer doppelten Caroline, gleich der vorigen. Ericus XIIII. D. 1562. G. Sve. Got. V. Re. Rev. Ein zierlich eckigter Schild mit dem revelschen Kreuz. Moneta noua Reualiensis. 1562. T Eine andere Muͤnze, gleich einer doppelten Caroline. Des Koͤnigs Brustbild in der Kro- 1562. ne. Ericus XIIII. D. G. Sue. Got. Van. Rex. Rev. Moneta noua Revaliensis. 1562. Das revelsche Kreuz in ovalem Schilde. Diese grossen Stuͤcke galten damals 16 Oer. Wir haben sie, wie einige andere schoͤne, aus der Samlung, welche der Rathsherr und Commercienrath, Herr Joh. Herman Haecks in Revel besitzet. d Ein Ferding mit der Umschrift: Ericus XIIII. D. G. Rex Sveciæ. Rev. Das Kreuz im 1562. Schilde. Mone. nova Revalie. Dis Gepraͤge ist von unterschiedenem Stempel. b Ein Schilling mit dem gekroͤnten E. Rev. Das Kreuz, dessen Staͤbe auf diesen Schillingen 1562. am Ende nach Art eines Gabelkreuzes gebogen sind. b Ein Schilling mit dem gekroͤnten E, hat auf dem Revers die drey Leoparden. 1563. b Dergleichen 1564. b Dergleichen 1565. b Ein anderer dieser Art. 1566. d Ein Schilling. Das gekroͤnte E und daneben 67. Eric. XIIII. D. G. R. SW. Rev. Die 1567. Loͤwen. Mon. noua Reval. d Ein Ferding. Ericus 14 D. G. Rex. Svecie. Das koͤnigliche Bild in der Krone. Rev. 1567. Die 3 Loͤwen. Moneta noua Reval. Ein anderes Gepraͤge liest Eric. XIIII. D. G. Rex Swe. und Mone. noua Roval. 67. d Ein Ferding wie voriger. 1568. b Ein Schilling. Das gekroͤnte E. Eric. 14. D. G. Rex. Rev. Die 3 Loͤwen. Mo. no. 1568. Reval. auch Mo. noua Reva. c Der Namenszug des Koͤnigs I. R unter der Krone. Iohann 3 D. G. Rex. Svec. 69. 1569. Rev. Drey Loͤwen. Moneta noua Revalie. b Ein Schilling, das gekroͤnte I. R. Iohann III. D. G. Rex. Rev. 3 Leoparden. Mo. noua 1569. Rev. Einige sind ohne Jahrzahl und veraͤndern die Buchstaben der Umschrift. b Der blosse Buchstabe I unter der Krone. Iohan. 3. D. G. Rex. Rev. Die 3 Loͤwen ohne 1570. Schild, daneben 70. Mo. noua. Reval. e Ein schoͤnes Silberstuͤck. Das koͤnigliche Brustbild gekroͤnt. Sigis. D. G. Sve. et Pol. 1597. Rex. 97. Rev. Die 3 Loͤwen. Zur Seite des Schildes 1. O. d. i. Ein Oer. Mone- ta noua civi. Reval. NB. Diese und die folgenden Muͤnzen sind nach den schwedischen Reichsfus gepraͤ- get, und werden unter der Groͤsse b von nun an die weissen Rundstuͤcke, unter c die dop- pelten und unter d die vierfachen verstanden. b Die Weissen von Carl dem IX ten haben den gothischen Loͤwen mit doppeltem Schwanze 1605. daneben 1605 und 1606. Die Umschrift Carolus D. G. Rex. Sve. Rev. Die 3 Loͤwen P p p p 2 in Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. in deutschem Schilde mit einem Henkel am Wapen, daruͤber die Krone neben dem Schil- Annus de 1. R. d. i. Ein Rundstuͤck. Mon. nov. Civit. Reval. d Die Wase oder Garbe. G. A. R. Moneta noua. Rev. Die Loͤwen. Civitat. Reval. Ein 1622. rares viereckigtes Stuͤck mit rundem Stempel. Diese Klippe scheinet ein Oer gewesen zu seyn. b Die Weissen von Gustav Adolph zeigen die Garbe des Hauses Vasa, daneben G. oben 1625. A, und zur Seite unten R.ex. Die Umschrift Moneta noua. Rev. Die 3 Loͤwen. Civitat. Reval. b Dergleichen. 1626. b Ein Weissen. Die Garbe. Christina D. G. Re. Svec. Rev. Die 3 Loͤwen, daneben 1 ör, 1648. Mone. noua Civdat. Reva. b Ein Weissen, denen folgenden aͤhnlich, doch mit der Benennung 1 ör. 1649. A Ein schoͤner Dukaten. Der Koͤnigin Brustbild. Christina D. G. Svec. Goth. Vand. Q. 1650. Regina. Rev. Ein laͤnglichter oval Schild, in selbigem die 3 Loͤwen daneben 1650. Die Umschrift Nummus aureus ciuitat. Revalien. Der Muͤnzmeister nent sich unten G. P. b Die Weissen haben auf einer Seite die Garbe im Schilde, daneben die Jahrzahl. Chri- 1650. stina D. G. Re. Sve. Rev. Die 3 Loͤwen im schmalen Schilde, uͤber welchen die Krone und schwebet. Mon. nov. Civita. Reval. Neben dem Schilde steht 1. R. Man hat sie 1651. auch von 1655. Th Ein Thaler. Christina D. G. Svec. Goth. Vand. Regina. Der Koͤnigin Brustbild mit 1652. der kleinen Krone. Rev. Das gekroͤnte Wapen der Stadt Revel. 1652. Nummns ar- gent. Civitatis Revaliensis. Unten der Name des Muͤnzmeisters ganz fein G. P. c Ein doppelt weis Rundstuͤck. Der koͤnigliche Namenszug C. R. S. gekroͤnt und mit um- 1660. zogenen Loberkranz. Rev. 3 Loͤwen in gekroͤntem Schilde, daneben 2 R. und 1660. b Die Weissen dieses Koͤnigs haben den gothischen Loͤwen, und zum Revers die revelschen 1663. Loͤwen, auch auf beiden Seiten Umschrift. T Ein halber Thaler, nach der Groͤsse eines ganzen. Des jungen Koͤnigs Brustbild. Ca- 1664. rolus D. G. Sve. Goth. Wan. q. Rex et Pr. Hæ. Rev. Die 3 revelschen Loͤwen in ge- kroͤntem Schilde, unter diesem das revelsche Kreuz im eigenen Schildgen; zur Seite 4 M. d. i. vier Mark. Die Umschrift ist Mon. nov. Revaliens. Ein anderer Stempel hat das Wapen mit Helmzierrathen, aus dem gekroͤnten Helm waͤchset ein Frauenzim- mer und hat zur Seite 4. M. Die Umschrift heist: Moneta noua arg. Ciuitatis Reva- liens. hat aber keine Jahrzahl. f Eine Caroline. Des Koͤnigs Brustbild. Carolus D. G. Sve. Goth. Van. q. Rex. Pr. Hæ. 1664. Die 3 Loͤwen, neben der Krone des Schildes 2 M. Unten das revelsche Kreuz. c Jn einem Loberkranz die gekroͤnten Buchstaben C. R. S. Rev. Die 3 Loͤwen im gekroͤnten 1665. Schilde, darunter zwey Palmzweige. Neben dem Schilde 2 R. b Der gothische Loͤwe. Carolus D. G. Rex. Sve. Rev. Die 3 Loͤwen in gekroͤntem Schil- 1665. de, daneben 1 R. Umher Mon. nov. Civit. Reval. b Die Buchstaben C. R. S. unter der Krone im Loberkranz. Rev. Die 3 Loͤwen in gekroͤntem 1665. Schilde, darunter 2 Palmzweige 1. R. b Ein Weissen nach der vorigen Art. 1666. c Ein doppelter Weissen, wie oben; unten haͤngt am Loͤwenschilde das kleine Kreuz. 1667. c Dergleichen. Cxi, unter der Krone. 1668. d Die 4 Rundstuͤcke weisen 3 Loͤwen in gekroͤntem Schilde, worunter das kleine Kreuz haͤnget. 1668. Zur Seiten stehet die Jahrzahl und 4 R. Die Buchstaben C. R. S. stehen in einer Zei- le mit dem Lorberkranz umwunden. d Ein anderes Gepraͤge hat das gekroͤnte C mit der Umschrift: Dominus Protector meus. 1668. d Noch ein Stempel von diesem Jahre hat ausser bemeldten Worten auf dem Revers zur Um- schrift: Mon. arg. civ. Revaliensis. d Das gekroͤnte C. Dominus Protector meus. Rev. Die 3 Loͤwen in gekroͤntem Schilde, 1669. daneben 4 R. und die Umschrift: Mon. noua arg. Civit. Reval. b Die Weissen mit Cxi. haben keine Umschrift. 1669. A Ein Dukaten. Der junge Koͤnig im Brustbilde. Carolus XI Rex Svecie. Rev. Die 1669. 3 Loͤwen. Mon. nov. aur. Civ. Revaliens. 1669. A Ein Doppeldukaten. Des Koͤnigs Brustbild im Loberkranze. Carolus XI D. G. Rex 1669. Sveciæ. Rev. Die Loͤwen. Mon. aur. Civ. Reualiensis. A Ein Dukaten nach vorigem Gepraͤge. 1670. d Die 4 weissen Rundstuͤcke dieses Jahrs lassen die Umschrift des Reverses weg, sonst gleichen 1670. sie dem erstern von 1668; unter den Loͤwen haͤngt das kleine Kreuz. d Eine andere Sorte hat auf beiden Seiten keine Umschrift, sondern zeigt nur den gekroͤnten 1670. Namen C R S im Blumenschilde, und auf der andern Seite die Loͤwen. Ein so zur Zeit des Ordens und nachher in Liefland gepraͤget worden. Mod. b Ein Weissen. Das gekroͤnte C; in selbigem die XI. Rev. Die Loͤwen im gekroͤnten Schilde, Annus 1670. daneben 1 R. b Ein Weissen nach voriger Art. 1673. d Diese lassen nur die Umschrift des Reverses weg. 1674. b Ein Weissen. 1674. b Die Weissen dieses Jahrs stellen das C ohne die Ziffer XI dar. 1675. Th Ein Thaler mit dem Bildnis dieses Koͤnigs befand sich in der schoͤnen schulzischen Sam- lung. 3. Muͤnzen der Stadt Narva zur Zeit der koͤniglich schwedischen Regierung. E ine kupferne aber sehr sauber gestochene und rare Muͤnze. Die Buchstaben C. R. S. 1670. e Rev. Das narvische Wapen; zur Seite 2 R. d. i. zwey Rundstuͤck und die Jahrzahl. Ein solches Stuͤck galt ein Dritteloer, denn 6 Rundstuͤck betrugen ein ganzes. e Die Buchstaben C. R. S. unter der Krone, um die ein Loberkranz gehet. Rev. Das nar- 1670. vische Wapen; darunter 2 Palmzweige. Neben dem Schilde die Jahrzahl 1670 und 2 R. b Cxi. im Lorberkranze. Rev. Das gekroͤnte narvische Wapen, daneben 1 R. und 1670. 1670. Unten L. N. im Zuge. d Das gekroͤnte C. mit der Umschrift: Dominus Protector meus. Rev. Das narvische 1671. Wapen; daneben 4 R. Jm Rande Mon. arg. Civ. Narvæ. A Ein recht schoͤner Dukaten. Des jungen Koͤnigs Kopfstuͤck. Carolus XI. D. G. Rex Sveciæ. 1671. Rev. Ein Schild mit der Krone, darin ein Degen, dessen Spitze in den linken Oberwin- kel trit, begleitet von 2 Kugeln; unter dem Degen 2 schwimmende Fische, unter den Fi- schen ein gerade liegender Sebel, unter dem Sebel die 3te Kugel, welche Figuren das narvische Wapen formiren. Mon. aur. Civ. Narvæ 1671. Unten der Name L. evin N.ummers, Rathsherrn daselbst, der die Muͤnze der Stadt in Pacht gehabt. Ein ra- res Stuͤck. e Ein doppelt Rundstuͤck von Silber. C. R. S. im Kreuze. Rev. Das narvische Wapen; 1671. alles ohne Umschrift, neben dem Wapen 2 R. b Ein Rundstuͤck von Silber. Cxi. Rev. Das Stadtwapen; daneben 1 R. beides ohne Um- 1671. schrift; L. N. im Zuge. c ein doppelt weis Rundstuͤck wie obiges. 1672. b Ein zwiefach weis Rundstuͤck gleich dem vorigen; zur Seiten die Buchstaben L. N. ohne Zug. 1972. 4. Muͤnzen der Herzoge von Curland. A usser denen zu Ende der andern Classe angefuͤhrten kettlerschen Schillingen kommen in der Samlung des Herrn Hofgerichtsadvokaten Christoph George Ziegenhorn fol- gende vor, die uns derselbe aus Mietau zugesandt. Wir haben den Namen jeder Muͤnze gleich beigefuͤget. Sie richten sich nach dem pohlnischen Reichsfus. Man haͤlt nach unserm Gewichte die zu Mietau gemuͤnzten Thaler fuͤr 12 loͤthig, gleichwie die zu Riga 13 und die deutschen 14 loͤthig, dafuͤr sie auch in gerichtlichen Urteilen taxiret wer- den. Doch halten auch viel rigische Thaler den deutschen Reichsfus. Die Groschen heissen wegen der 24 uneigentlich Groschen. Eigentlich sind es Dreypoͤlcher oder so ge- nante Ferdinge, deren 2 drey pohlnische Groschen betragen. Th Das ganze herzogliche Wapen auf einem schoͤnen Thaler, doch ist der bathorische Wolfszahn 1575. noch nicht in der Mitte des Kesselhakens. Gothart. D. G. Dux Curlan. et Semgal. Rev. Der pohlnische Adler und litthauische Reuter neben einander, daruͤber die Jahrzahl 75, unten aber 5 Mark Rig. Moneta noua argen. ducatus Curland. Th Ein anderer Thaler. Das herzogliche Wapen, wie auf vorigem. Gothardi D. G. Ducis 1576. Cur. et Semiga. Rev. Das pohlnische und litthauische Wapen; oben 1576; unten 4½ mk. R. d. i. vier und eine halbe Mark rigisch. Moneta noua argente. ducis Curlan. A Eine goldene ovale Schaumuͤnze von 8½ Dukaten. Der herzoglichen Witwe Brustbild mit grosser Krause und praͤchtigem Hauptzierrath. V.on G.ottes G naden ANNA. G.ott- hards Zu. C.urland V.nd S.emgallen H.er Z.ogs O. Gemahlin V.nd N.achgelassene W.ittwe. Rev. Das curlaͤndische Wapen, ohne Umschrift. A Ein Schaustuͤck von 4½ Dukaten mit dem herzoglichen Brustbilde im Barte. D. G. Fri- dericus in Livo. Curl. et Sem. Rev. Das ganze volstaͤndige Wapen, mit Elenden, die hervorspringen. Das Mittelschild ist der Kesselhaken, in dessen rechtem Felde die 3 ba- thorische Woflszaͤhne, in dem linken der Namenszug des Koͤnigs S. A. zu sehen. T Dasselbige in Silber. Q q q q Ein Die III. Tabelle von den Muͤnzen, Mod. A Ein dergleichen Schaupfennig. D. G. Wilhelm in Liefland. Z. Curl. v. S. H. Das her- Annus zogliche Brustbild. Rev. Das curlaͤndische Wapen. T Derselbige in Silber. A Ein Schaupfennig nach dem vorigen. W. D. G. in Livon. Curl. et Semgal. Dux; auch faͤlt der Bart etwas kuͤrzer. T Derselbige in Silber. c Ein Duͤtchen. Das Kopfstuͤck des Herzogs. Mone. arg. Cur. Rev. III. d. i. Triplexi 1590. darunter der pohlnische Adler und litthauische Reuter neben einander. Unter diesen Gros.sus. ar.genteus tri.plex ducum Cu. et Se. c Dergleichen. 1596. c Ein Duͤtchen selbiges Gepraͤges, nur daß die Umschrift des Averses hat. Mo. arg. Du- 1596. cum Cur. c Dergleichen. Mo. arg. Ducum Cur. et Sem. Andre von diesem Jahr sind den Duͤtchen 1598. von 1590 in allen gleich. c Ein anders. 1599. c Dergleichen. Sie gehen bis 1619. Zwoͤlfe derselben wiegen einen Speciesthaler. Sie 1600. haben meistentheils zwischen dem Adler und Reuter die Garbe im eignen kleinen Schilde. a Schillinge. Der curische Loͤwe. Moneta ducum Cur. et. Sem. Rev. Der Buchstabe S, 1600. a in dessen Mitte die Garbe des Hauses Vasa. Solidus nov. Cur. et Se. a Auf diesen ist auf der Seite des S eine Umschrift. Sigis. III. D. G. Rex P. M. D. L. 1601. Ein anderer dieser Art. 1607. Th Ein Thaler. Das herzogliche Brustbild. Iacobi. D. G. Ducis Curlandiæ et Semgalliæ. 1644. Rev. Der pohlnische Adler und litthauische Reuter in einem die Laͤnge herab getheilten Schilde. Moneta noua argentea Anno 1644. Ein anderer Stempel hat das Bruft- bild groͤsser. A Ein Goldstuͤck von 10 Dukaten nach diesem Stempel. 1644. Th Ein Shaler nach Art des vorigen. 1645. A Ein Dukaten. Des Herzogs Kopfstuͤck. Iacobi D. G. Ducis Curland. Semgal. Rev. 1646. Das pohlnische und litthauische Wapen neben einander gestellet. Moneta noua au- rea anno 1646. Es ist noch ein Dukaten von diesem Herzoge uͤbrig, den wir aber nicht zu sehen bekommen, und daher dessen Jahrzahl nicht anzugeben wissen. Th Eine grosse Medaille. Des Herzogs Bruststuͤck. Iacobus Dei Gratia in Livonia Curlan- diæ et Semigalliæ Dux. Rev. Das ganze curlaͤndische Wapen nach Gotthard Rett- lers Einrichtung und ohne Umschrift. a Die Schillinge haben 3 gekroͤnte III, die mit einem Querstrich zusammen gezogen sind. 1662. Solidus Curlandiæ. Rev. Der pohlnische Adler, der das curlaͤndische Wapen auf der Brust traͤget. Iacobi D. G. Ducis. Sle sind von unterschiedlichen Jahren da. Th Eine silberne Medaille, nicht sonderlich gravirt. Das herzogliche halbe Bild, Iacobus Dei Gratia in Livonia Curlandiæ et Semigalliæ dux. Rev. Das curlaͤndische ganze Wapen. Th Eine silberne Gedaͤchtnismuͤnze. Der Herzogin Brustbild. Lovysa Charlot. D. G. M.ar- 1676. chionissa E.t P.rincipissa E.lectoralis B.randenburgi. M.agdeburg: I.n P.russia, I.uliaci C.liuiæ, E.t M.ontium. S.tetini P.omeraniæ, I.n L.ivonia C.urlandiæ E.t S.emgalliæ D.ucissa. P.rincipissa H.alberstad. E.t M.inden. C.omitissa I.n R.avensberg. D.omina I.n. R.avenstein. Rev. Jn der Mitte Herr Iesu nim meine Seele in deine Hænde und las sie dir befohlen seyn. Amen. Die Umschrift Nata ao. MDCXVII d. III Sept. denata MDCLXXVI. d. XVIII Au. ætat. LIX. Die Buchstaben sind alle von ungeschickter Hand. d Die Groschen oder eigentlicher die Ferdinge, oder Dreypoͤlcher haben das curlaͤndische Wa- 1687. pen Frid. Cas. in L. Cur. et S. D. Unten eine 3, die Poͤlcher bedeutet. Neben dem Wapen 87. Rev. Der Reichsapfel mit 24. Ioh. III. D. G. Rex Pol. M. D. L. A Ein Dukaten. Des Herzogs Brustbild. Frid. Cas. in L. Cur. et Sem. Dux. Rev. 1689. Der pohlnische Adler, auf dessen Brust das curlaͤndische Wapen mit seinem Mittel- schilde, doch ohne Helmdecken. Unter dem Adler ist der litthauische Reuter. Mone- ta noua aurea. Th Eine silberne grosse Medaille auf die gefaͤhrliche Seereise des Herzogs. Ein Schif, so bey stuͤrmischem Himmel umschlagen und scheitern wil, mit der Umschrift Iuuante ’ con- seruor. Rev. Das Brustbild des Herzogs. Frid. Casim. in Liv. Cur. et Semig. Dux. A Dieselbige Medaille in Golde. A Eine goldene Medaille auf gleiche Begebenheit. Sie faͤlt etwas kleiner, hat stat des hebraͤischen Iehovah die Buchstaben DEO , und aͤndert die Umschrift des Reverses. Frid. Cas. in L. Cur. e. Sem. Dux. T Dergleichen ist auch in Silber vorhanden. Ein so in Liefland zur Zeit des Ordens und nachher gepraͤget worden. Mod. Th Ein silbernes Vermaͤhlungsstuͤck. Der neuen Herzogin Brustbild. El. Soph. Pr. El. Br. Annus D. in L. Cur. et Sem. Rev. Ein fliegender Cupido, der ein brennend Herz nach dem Lan- de bringt, mit dem Lemmate: Ablatum refero. A Ein Goldstuͤck von 11 Dukaten. Das Bruststuͤck des Herzogs. Frid. Cas. in L. Cur. e. Sem. Dux. Rev. Das Bruststuͤck der Herzogin. Soph. Amel. Duc. in. L. Cur. e. Sem. Pr. a Nass. Th Dieselbe Medaille von Silber. 1689. b Ein Ferding nach obiger Art. 1689. b Einer von gleichem Gepraͤge. 1690. f Die Tympfe haben das herzogliche Bruststuͤck. Frid. Cas. in L. Cur. et S. D. Rev. Ein 1694. geviertes gekroͤntes| Schild mit abwechselndem pohlnischen Adler und litthauischen Reu- ter. Moneta ducis Curland. Zur Seiten stehen 18. d. i. 18 Groschen. Einige schrei- ben die Jahrzahl aus, andere lassen die groͤssere Zahl weg. b Die Schostake. Das herzogliche Kopfstuͤck. Frid. Cas. in L. Cur. et S. D. Rev. Das 1694. pohlnische und litthauische Wapen, daher sie auch Seckser heissen. Moneta Ducis Curland. Andere haben zur Umschrift Frider. Casim. D. G. in. Livon. Rev. Curland et Semgal Dux, und sind beide von diesem Jahre. b Die Ferdinge dieses Jahrs fallen nach Art der obigen, verlieren aber den Kesselhaken und 1695. haben nur den Wolfszahn. b Dergleichen. 1696. a Die Schillinge haben das Bruststuͤck des Herzogs. Frid. Cas. in L. C. S. Dux. Rev. Der 1696. pohlnische Adler, der das curlaͤndische Wapen auf der Brust traͤget. Solidus Cur- landiæ. 1696. a Andere Schillinge haben nur den durchflochtenen Namenszug F. C. unter einer Krone. So- lidus Curlandiæ. Rev. Der vorbeschriebene Adler. Frid. Cas. D. G. Ducis. Zur Jahrzahl ist der Raum leer geblieben. Von Herzog Fridrich Wilhelm wil sich keine Muͤnze finden. Er hat sich aber durch einen den 13ten May 1710 gestifteten Orden, l’ ordre de la reconnoissance genant, in den Kabinetten beruͤhmt gemacht, wo man das Ordenskreuz aufhebet. Selbiges ist von Gold, weis emaillirt, gleichet dem Malteserkreuz, und hat an seinen 8 Ecken goldene Kugeln. Es haͤngt an einem Ring, der aus einer gewundenen Schlange formiret ist. Das guͤldene ovale Bruststuͤck zeiget das ganze curlaͤndische Wapen en email mit sei- nen heraldischen Farben. Die Elende sind natuͤrlich braun im blauen Felde. Der Wa- penmantel roth mit Hermelin gefuͤttert, und stat der Helme in vorigen, erscheinet hier ein rother Herzogshut mit Hermelin besetzt. Die andere Seite des Bruststuͤcks hat die Buchstaben F. W. im Zuge. Zwischen den Zacken des Kreuzes lieset man: Pour les honnêtes gens. Die Staͤbe sind mit guͤldenen Ketteln als 2 zusammengeschobene C oder ♓ verbunden. A Vom letzten gewesenen Herzog ist nichts mehr vorhanden als eine auswertige Medaille von 1736. 4 Dukaten. Ein Arm aus den Wolken schlaͤgt mit einem Hirtenstab an einen Felsen, aus welchem lebendiges Wasser springet. Auf dem grasichten Felde weiden Laͤmmer, da- von die groͤssern ein Kreuz auf dem Ruͤcken haben; einige trinken schon, andere laufen noch hinzu. Die Umschrift ist: Esurientes impleuit bonis. Luc. I. 53. Jm Abschnit lieset man Aeternæ Dei Cæsaris Bironii memoriæ, wo die noͤthigen Unterscheidungszeichen weggelassen sind. Rev. Ein brennender Altar, auf dessen Postement B, auf dem Opfer- herzen aber ein W, als der Name der Stadt Wartenberg zu sehen. Oben faͤlt Feuer vom Himmel, das Opfer anzuzuͤnden, dessen Flammen wieder empor steigen. Vor dem Altar kniet das Bild der Gottseligkeit, so die Stadt Wartenberg vorstellet, in der Lin- ken das Kreuz, in der Rechten die Weihrauchpfanne haltend, vor ihr liegt eine ofne Bi- bel. Die Umschrift heist: Dies, quem fecit Dominus Pf. 118, 24. Jm Abschnit findet man: Ob Sacra Evangel. Wartenbergæ instaurata 1736 d. 4. Nov. T Dergleichen in Silber. Q q q q 2 Die Die IV. Tabelle der Staͤdte, Festungen, Die IV. Tabelle der Staͤdte, Festungen, Schloͤsser, gemaurten Haͤuser und Kloͤster des alten Lieflandes. Vorbericht. §. 1. D iese Tabelle ist an Namen ziemlich reich. Man hat sich aber unter Schloͤssern nicht immer Grenzfestungen oder wichtige Forteressen vorzustellen, weil den ersten deutschen Eroberern des alten Lieflands ein steinernes mit Mauer und Graben versehenes Haus fuͤr dem Ueberfal der Feinde schon hinlaͤngliche Sicherheit verschaffen konte. Einige darunter moͤgen nur wohlgebaute Edelhoͤfe gewesen seyn. Jn der Folge der Geschich- te werden die eigentlich festen Plaͤtze bekanter werden. Wir haben einige aus Strubiczen beibehalten, welche derselbe arces nennet, und sie von prædiis und villis wol unterscheidet, ob sie gleich in unsern Tagen keine Spur mehr von Schloͤssern aufzuweisen haben. §. 2. Von nicht wenigen haben sich selbst die Truͤmmern fast ganz verloren. Und weil die neuern Besitzer einen unordentlichen Steinhaufen zu bequemern Gebaͤuden nutzen koͤnnen, so ist obige Ungewisheit daraus entstanden. Manche oͤffentliche Schloͤsser sind noch mit diesem oder jenem Fluͤgel in wohnbarem Stande. Andere sind von ihren Privatbesi- tzern von neuem gut aufgebauet, darunter vornehmlich in Curland noch viele zu Rittersitzen recht artig angeleget sind. §. 3. Zu einer ziemlichen Menge hat Juͤrgen Helms in seiner geschriebenen Chronik aus alten Nachrichten das Erbauungsjahr beigesetzet, welche Chronologie aus echten Doku- menten stark verbessert worden. §. 4. Wo der Este und Lette in der deutschen Benennung abweichet, ist solches an- gemerkt. Verschiedene sind uns nur dem Namen nach bekant, daher ihr Erbauer und Er- bauungsjahr wegbleiben muͤssen. §. 5. Die heutigen Herren Besitzer waͤren leicht nahmhaft zu machen gewesen. Weil aber haͤufige Aenderungen darin vorfallen, auch hier und da einer uͤbergangen werden moͤchte, so hat man lieber diese Ordnung nicht anfangen, als sie unvolkommen und mangelhaft aus- fuͤhren wollen. Anne- Schloͤsser, gemaurten Haͤuser und Kloͤster des alten Lieflandes. R r r r Ca- Die IV. Tabelle der Staͤdte, Festungen, schen Schloͤsser, gemaurten Haͤuser und Kloͤster des alten Lieflandes. R r r r 2 tur Die IV. Tabelle der Staͤdte, Festungen, Leal Schloͤsser, gemaurten Haͤuser und Kloͤster des alten Lieflandes. S s s s erhaͤlt, Die IV. Tabelle der Staͤdte, Festungen, Pad- Schloͤsser, gemaurten Haͤuser und Kloͤster des alten Lieflandes. S s s s 2 Ewst, Die IV. Tabelle der Staͤdte, Festungen, Te- Schloͤsser, gemaurten Haͤuser und Kloͤster des alten Lieflandes. T t t t ge- Die V. Tabelle/ Die V. Tabelle oder Verzeichnis des gesamten Raths zu Riga, der Herren Buͤrgermeister zu Revel, und des gesamten evangelischen Ministerii beider Staͤdte bis ins Jahr 1562. Vorbericht. §. 1. D ie Namen der rigischen Herrn des Raths sind so wol aus den Briefschaften, als aus alten Registern von verschiedener Art zusammen getragen. Sie erscheinen hier vor andern aufs zahlreichste, ob man gleich aus dem 13ten Jahrhundert viele wegge- lassen, die ein gewisses Verzeichnis aus Versehen unter die Rathsherren gebracht, da es nur zu Zeugen angefuͤhrte Buͤrger in alten Documenten gewesen, indem jederman nicht die Namen in verjaͤhrten Briefen fertig zu lesen verstanden; und daher oft stark abgewichen. Man hat ih- re Fortsetzung bis 1710, da die Pest dieses Collegium duͤnne machte; die weitere Folge dersel- ben wuͤrde auch kuͤnftig besorget werden koͤnnen. §. 2. Fuͤr ihre Volstaͤndigkeit laͤst sich keine Gewehr leisten. Aus Revel ist uns nur das Namenverzeichnis der Herren Buͤrgermeister eingesandt, die man mit einer ziemlichen Liste aus dem Rathsherrnstande haͤtte bereichern koͤnnen, wenn man gleich anfangs auf diese Tabelle gedacht haͤtte. §. 3. Das Register der evangelischen Prediger in Revel faͤlt weitlaͤuftiger als das zu Riga, weil jene Stadt freiere Haͤnde hatte. Riga hingegen muste zur Zeit der Reforma- tion bey der nahen Gegenwart ihrer roͤmisch- catholischen Regenten einen maͤchtigern Wi- derstand uͤberwinden. Selbst Plettenberg warf ihr in mehrern Rescripten vor, daß sie bey Aus- Verzeichnis des gesamten Raths zu Riga und Revel. Ausbreitung der evangelischen Religion vom Kaiser huͤlflos und ihren Feinden werde uͤberlas- sen werden. Weiter hin ist das evangelische Ministerium staͤrker besetzet worden. §. 4. Die Buchstaben E. V. bedeuten Erzvogt, und B. Buͤrgermeister. Die ver- richteten Legationen betreffen das Jnteresse der Stadt, mehrentheils auf den Hensetagen, in Absicht der Kaufmanschaft. Buͤrgermeister und Rathsherren der ehemaligen erzbischoͤflichen und Ordensstadt Riga. Herr 1230 A delbert, Advocatus, oder Archi-Praͤ- tor, Obervogt. Theodorus de Berewick, Pro-Cons. Johannes de Horehusen, Pro-Cons. Wernerus, Rathman. Thidericus de Wenden. 1258 Conrad genant Prawegalle B. Ludolphus. 1296 Werner von der Rope, Statvogt. 1298 Joh. v. Vellin. 1300 Henning Mey, Buͤrgermeister. 1302 Tidemann, Vogt. Gottfried Langesuͤde. Wolqwin v. Osthusen. Henr. v. der Mytowe. 1306 Joh. v. Warendorpe. B. 1307 Lambert Seyme, - - Heinrich Holst, - - Gyseler Wymann, - - Gerlach Rese, Buͤrgermeister. 1308 Henrich Ronne. 1310 Harmen Rode. 1315 Henricus Gigas, (Rese). 1317 Joh. v. der Rhatpor te. 1318 Gerhard Bobbe Buͤrgerm. - - Leonhard Bobbe, Rathman, liegt auf dem St. Jacobs kirchhof begra- ben, vor der grossen Thuͤrschwelle. 1319 Ernst Reiche (Dives). 1321 Gottschalck Wichmann B. † 1358, neben dem vorigon begraben. 1323 Joh. Langeside. 1373 Brun Cullik, Gesandter nach Luͤ- beck zum Hansetage. 1373 Johan Duhrkop, zweimaliger Ge- sandter nach Luͤbeck. 1376 Meiner von Bockhem, Gesandter nach Doͤrpt. Arnold Vorwerck gieng mit. 1381 Frowin Romlingrode, hat 3 Ge- sandschaften verrichtet, nach Doͤrpt, Luͤbeck und Walck. Peter von Ardren. 1383 Tiedeman Grona. 1384 Tiedeman von Halle, hat 7 Gesand- schaften verrichtet. Meinert von Sandbahr. 1385 Wolfart von Ravensborch. Meinert von Sandsbochen und 1387 Conrad Duhrkop, hat 4 Legationes verrichtet. 1388 Johan Kalmar. Johan von Coͤlln. Herr 1390 Herman Winckel. hat 4 Gesandschaften verrichtet. 1391 Tiedeman von der Hacke. 1392 Tiedeman von der Niebruͤgge B. Wulfhard von Rawenschlage. 1393 Conrad Fisch, hat 4. Gesandschaften verrichtet. 1394 Wolfradt von Stade. 1397 Johan von Wysenbergh. 1398 Borcherd Wesendahl. 1399 Joh. Fristenberg. 1400 Johan Rostock. - - Hartwich Steinhoͤfer. 1401 Lubbert Wittenbargher B. 1405 Gottschalck Bredebecke. 1406 Ewert Stehwer. 1407 Johan Wantschede. 1408 Herman Bobbe B. - - Albrecht Stockman, besuchte den Hansetag zur Pernau, † 1420. 1409 Goͤdecke Oldenslohe. 1410 Harbert von der Heide. - - Hinrich Durkop. 1411 Tideman von der Nihenlohe. - - Joh. up dem Orde. 1412 Godecke Schuweher, B. war zu Luͤneburg auf dem Hansetage. 1420 Johan Looman. - - Meinhard von Bochheim B. 1421 Lubbert Mistenborch. 1422 Lubbert von der Pahle. 1424 Joh. Folsan, Erzvogt. 1434 Gottschalck Vischer. - - Niclas Otterstede. 1434 Hinrich Brederworder. - - Reinhold Solt Rumpt. 1437 Heilwich Kleinschmidt, Vorsteher zum heil. Geiste. 1440 Johan Eppinghusen. 1448 Joh. von dem Wege B. - - Hinr. Schoͤnhart. 1450 Joh. von Dicke. 1453 Hinrich von Wele oder Welinck. - - Joh. Genitzen. - - Joh. Goedeken. 1454 Joh. von Sundern, Stadtvogt. 1455 Joh. Geismer, Stadtvogt. - - Joh. Volbrecht. - - Herman Reinerman. - - Cordt Bartman B. 1456 Joh. Woninckhusen B. - - Hinr. Mey, Stadtvogt. - - Grewin Gendena, B. T t t t 2 Cordt Die V. Tabelle, Herr - - Cordt Vischer, B. und Erzvogt † 1486. - - Wennemer Harmes. - - Herm. Radenow. 1457 Engelbrecht Gunter. - - Frowin Solt-Rump. - - Joh. Solt-Rump, B. und Erzvogt. 1458 Hinr. Wesbom, Erzvogt. - - Gerdt Schluter. - - Stephan vom Sande. 1459 Hartwich Voet, B. † 1464 ist in St. Jacob begraben. - - Gottschalck Polemann. 1460 Hartwich Siefried. - - Hinrich Eppinghusen, B. 1461 Joh. Brecker. - - Joh. Groessen. - - Hinr. von den Brocke. - - Joh. Buckenwerder. 1465 Joh. von der Borch. - - Harmen von Sonders. 1467 Ewert Tier. - - Thomas von der Borch. 1468 Gabriel von Howe. - - Herman Meye. - - Joh. Luckelin. - - Cordt Durkopf. 1470 Lambert Hulscher, B. und Erzvogt. 1473 Joh. Schoͤning, B. und Erzvogt; war 1486 bey der Friedenshandlung zu Blomdahl. 1474 Hinrich Kriwitz. - - Hinrich Moller, Stadtvogt. 1475 Reinhold Hodde. 1477 Joh. Tierrave. 1479 Peter Mannen. 1480 Herman Voss. - - M. Joh. Molner, Synd. und Pro- curator der Stadt aus Sehausen. 1483 Tetse Sulke, Kaͤmmerer. 1484 Joh. Holthusen. - - Peter Hinrichs, B. - - Cordt von Loͤwen, B. - - Herm. Helwich. 1485 Evert von Steven. - - Niclas Feldt. 1486 Carsten Herberdes, B. 1488 Goswin Menninck, B. † 1515. - - Merten Breckerfeldt, B. und Erz- vogt. 1490 Werner Weddemeyer. 1492 Joh. Camphusen, Vogt † 1492. 1493 Joh. Scheper. 1494 Wilhelm Strick. - - Joh. Endthorn. 1495 Herm. Duncker. 1496 Joachim Rodenberch. - - Anton von Scheden, Untervogt. 1497 Niclas Holst. - - Wilhelm Meyer. - - Joh. Reuter. Herr - - Joh. Broetze. - - Ludert Streper. - - Lutke Lembeke. 1499 Joh. Schroeder. - - Joh. Wyckhausen. - - Wenemer Mey. - - Toͤnnis Suileken. - - Christoffer Meyer. - - Lubbert Witte. - - Asmus Suileken, B. - - Gerdt von Steven. - - Hinrich Stenhauer. 1500 Joh. Meteler, B. - - Gerdt Hultscher, Erzvogt. 1501 Frowin Geismer. 1503 Hinrich Hane. 1506 Joh. Camphausen. - - Joh. Rodenberg. 1507 Carsten Bonnickhusen. - - Mag. Bernhardt Brandt, Secret. † 1515. 1508 Wilhelm Titzens, (Tidiken) B. - - Peter Grauert. 1510 Jurgen Koning, B. - - Joh. Spenckhusen † 1532. 1512 Toͤnnis Muyter, (Muth) B. u. Erzv. 1513 Herman Buring. - - Stobel von Dale, Erzvogt. - - Joh. Meyer. 1514 Paul Drehling, Erzvogt. - - Jacob vom Hoffe. 1515 Niclas Borch. - - Caspar Kolthoff. - - Herman thor Moͤlen. 1516 Goͤdeke Durkop. - - Martin Brekerfeld. 1517 Heinrich von Carpen. - - Joh. Becker. 1518 Mag. Joachim Sasse, Procurat, und Secret. der Stadt. 1519 Herman Schleper. 1520 Herman Bulow. - - Mag. Joh. Lomoͤller. 1522 Antoni Tileken. 1524 Hinrich Goͤtte, B. † 1540. - - Heinrich v. Ulenbrocke, B. † 1541 den 22sten Jan. 1526 Troclus Klocke. 1527 Jordan Pleskau. - - Johan Duvel. - - Johan Butte, B. 1529 Carsten Stoͤrling. 1530 Johan Schleper. - - Bernhardt Bruel, Stadtsecretair. 1531 Barthold Friderichs. - - Cordt Durekop, † 1548 schrieb sich hochdeutsch Theuerkauf. 1533 Peter Boninghusen, starb zu Luͤ- beck. - - Johan zum Berge, † 1564. 1535 Caspar Spenckhusen, † 1547. Ben- Verzeichnis des gesamten Raths zu Revel. - - Bendix Wilken, † 1564. 1536 Herman Schriver, † 1563. - - Juͤrgen Padel, † 1571. 1542 Frantz Ronning. - - Evert von Karpen. 1543 Jasper Kolthoff, Vogt. - - Michel Schultze, † 1563. 1545 Joh. Spenckhusen, B. † 1570. - - Niclas Peitauw. - - Dominicus Becker. 1547 Caspar vom Hoffe, Oberkaͤmmerer, † 1577. - - Werner Meye. 1548 Roͤtgert Schulte, † 1566. - - Juͤrgen Koͤnig. - - Thomas thor Moͤlen, † 1563. 1549 Melchior Kirchhoff, † 1571. - - Hinrich Hake, † 1566. - - - - Gravesand. 1551 Balthasar Ganskaw, † 1557. - - Heinrich Kinwitz - - Laurens Timermann, † 1572, hat al- le Aemter bedienet. 1555 Joh. thom Bergen, B. † 1576 den 30 Sept. - - Gerdt Friedrichs. 1556 Mag. Stephan Schoͤnbach, Synd. 1557 Vincentz Glandorff, † 1566. - - Nicolaus Ficke. 1558 Heinrich von Ulenbrock, B. † 1576 den 1 May. - - Casper Rombarch † 1564. - - Hinricus Rigemann, I. V. L. B. † 1576 den 27sten Dec. 1560 Roͤtgert Eweken, † 1571. - - Ewert Oetting, Stadtvogt, † 1581. 1562 Johann Groͤne, † 1584. - - Jost Lohmann. Rigisches Stadtministerium seit der Reformation. 1. Andreas Knop oder Rnoͤpken, starb 1539. Auf seinem Leichenstein stehen die Worte: Mors, ero mors tua, morsus tuus, inferne. Die drey Knoͤpfe auf sei- nem Leichenstein liegen 1 und 2, da sie sonst in seinem Wapen 2 und 1 liegen Jn der St. Petri Kirche an der linken Seite, wenn man aus dem Chor nach der Priester- kammer gehen will, stehet an dem Pfeiler auf einer meßingenen Platte: D. O. M. Epitaphion Domini Andreæ Knopii Pastoris hujus templi, qui obiit extemum diem An- no Domini M. D. XXXIX. d. XVIII. Mensis Februarii. Primus Evangelii Lucem qui sparsit in oram Livonicam, Andreas Knopius iste fuit. Qui quamvis magno docuit discrimine vitæ Deterrere tamen non potuere mali. Istius hoc terræ redivivum conditur antro Corpus, sed certò spiritus astra colit. Credentes etenim defuncti munere vitæ In regno vivunt, optime Christe, tuo. Mors certa est, incerta dies, Hora agnita nulli, Extremam quare quamlibet esse puta. Am Rande des Grabsteins, so daselbst vor dem Altar lieget, ist folgende Schrift ausgehauen. Ao. 1539 die 18 Febru obiit Venerabilis verbi divini Concionator Dominus Andreas Knopke , hujus ecclesiæ Pastor, cujus Lateri accumbit cara Vxor Anna defuncta Anno 1538. 14 die Aprilis, quorum animæ conquiescant in Christo, Domino nostro, Amen. . 2. Sylvester Tegetmeyer, kam 1522, und diente an der Jacobi kirche. Seine An- tritspredigt hielt er den ersten Advent uͤber Luc. 19, v. 6. 1542 ward er Pastor prima- rius zu St. Petri, und starb 1552. 3. Johann Brismann, der Gottesgelahrt- heit Doctor, kam 1527 den 22sten Oct. mit seiner Frau und seinem Sohn, Elias, nach Riga, und richtete mit Beihuͤlfe der beiden vorigen Prediger die Kirchenge- braͤuche auf wittenbergischen Fus ein, gieng aber bald wieder nach Koͤnigsberg. 4. Mag. Jacob Batt, Superintendent und Rector der Schule, brachte 1529 sein Recommendationsschreiben von Luthern und Melanchthon mit sich, und starb den fuͤnften Feiertag nach Martini 1548. 5. Mag. Wenceslaus Laͤmken kam in demselben Jahr mit Batten herein. 6. Johann Moͤller der Aeltere, kam auch 1529, und starb 1566. 7. Georg Sterbel, kam 1552, und ward am 30 Nov. mit wittenb. Gebraͤuchen ordiniret. 8. Roͤtger Becker oder Pistorius, wur- de 1553 ordiniret, und 1558 Oberpastor. 9. Matthias Knoͤpken, des ersten Luthe- rischen Predigers Sohn, wurde mit vori- gen zugleich ordiniret, und starb den 14ten Dec. 1581. 10. Joachim Moͤller der juͤngere erhielt U u u u mit Die V. Tabelle, mit beiden vorigen zugleich die Ordination, und starb den 3ten Dec. 1565. 11. Mag. Gregorius Ploͤnius oder Pli- nius, ward ordiniret 1554, war Senior Ministerii, und sind unter ihm den 13ten Merz 1558 die ersten Vesperpredigten in Riga gehalten worden. 12. Johannes Reckmann, ein Luͤbecker, ordinirt den 15ten Jul. 1558, lebte im Am- te 43, im Ehestande 36 Jahr und starb im 69sten Jahr seines Alters den 11ten Febr. 1601. Er liegt beim Altar in den Peters- kirche begraben. Verzeichnis der Herren Burgermeister der kaiserlichen Ansee- und Handelsstadt Reval, wie solche vom J. 1346 an bis 1562, so viel man deren aus denen alten Protocollen und Canzeley-Nachrichten hat aufsuchen koͤnnen, geheissen haben: Herr 1346 H ermann Movemann. Reinekin Kowel. Wenemar Hollogher. 1397 Curt Kegeler. 1400 Marquart Bretholt. 1415 Gert Witte. 1430 Matthias Schanze. Nicolaus Staͤmler. 1436 Jurgen Knickmann. 1438 Cast. von Borstell. Hinrich Schelwent. Johann Suͤnnenschyn. 1457 Albert Rumor. 1480 Joh. Grefft. 1482 Hinr. Schelwente. Gert Schale. 1499 Didrich Hagen und Johann Gru- ther. 1504 Johann Kullerde. Herr 1512 Albrecht Fegesack. 1519 Johann Viant. 1520 Heise Patiner. 1521 Johann Hudde. 1522 Jacob Richgerdes. 1523 Matthias Depholt. 1524 Johann Kullert. 1525 Both Schroͤder. Hinrich Schmidt. 1526 Thomas Fegesack. 1527 Carsten Loͤningk. 1550 Johann Hower. Johann Egeling. Thomas von Wernen. Jacob Hynneke. 1554 Joharn Pepersack. 1559 Arent Packebusch. 1662 Johann Koͤning, der in Schweden die Capitulation von Estland be- trieben. Lutherische Superintendenten und Pastores zu Reval. 1. Zu St. Olai. 1517 Z acharias Hasse, der erste Prediger der reinen Evangelischen Lehre in Reval, starb in der Pest Anno 1531. 1540 M. Henricus Bockius, Hamelen- sis, wurde vom Rath in Reval ver- schrieben, welchen D. Luther, M. Philippus Melanchthon, D. Bu- genhagen und D. Justus Jonas von Wittenberg hieher recomman- diret, den 17ten May 1540, starb in der Pest 1549 eines schnellen Todes. Sei- ne Grabschrift in der Nicolai kir- che liefert Kelch S. 185. Reinhold Geist, starb 1551 den 6ten Febr. Herman Groͤnau, war zuvor Pastor zu St. Michaelis im Kloster, starb im hohen Alter 1563. 1561 Johannes Robertus, Geldrensis, war vorher Diaconus zu St. Olai 1551, nachgehends Superintendens uͤber Reval, und endlich Bischof uͤber Ehstland, starb 1572. 2. Bey St. Nicolai. 1522 Johann Lange, der erste evangeli- sche Prediger hieselbst, starb in der Pest 1531. Siehe das aͤlteste Mini- sterial kirchenbuch S. 545. 1532 Joachim Walter, starb den 13 Ja- nuarii 1556. 1556 Johann von Kaesfeldt, Westpha- lus, den 4ten Jul. sein Bildnis und Epitaphium stehet in der Nicolai kir- che bey der kleinen Thuͤr. Er starb den 23sten Nov. 1558. 1559 M. Nicolaus Ziegelmeister, von Rostock, starb im Nov. 1566. 3. Bey der heil. Geistkirche. 1520 Heinr. Boͤckhold, starb in der Pest 1531. 1532 Johann Kohl starb den 16 May 1540. 1540 Reinhold Beseler, Pastor barbaro- rum ad Spir. S. starb den 17 Febr. 1554. 1554 Marcus Papius, ecclesiastes piscato- rum, hat gelebt zur Zeit Bockii bey der St. Gerdruthen kirche in der Fi- schermaye, starb den 24sten Aug. 1549. 1550 Her- Verzeichnis des gesamten Raths zu Riga und Revel. 1550 Hermann Ehrenstein. 1560. Thomas Harderus, alias Mün- drix, primo Pastor leprosorum ad D. Johannnis, postea Pastor ad Spir. S. starb 1565. 4. Diaconi bey der St. Olaikirche. 1550 Gerhard Cullmann. Bartholdos Froͤling starb 1559. M. Johannes Robertus, damals sind sowol bey Olai, als bey Nico- lai zwey Diaconi, oder ein Diaco- nus und ein Catechet nebst einem Pa- store gewesen. 5. Diaconi bey der St. Nicolai- kirche Ausser bemeldeten drey Kirchen sind noch in Revel die Domkirche, die Klosterkirche, die Rußische grosse Kirche, nebst einigen Kloͤstern; die Siechenkirche; und in der Vorstadt die domsche Hospital- kirche, nebst der Hospitalkirche zu St. Johannis. . 1540. Herman Brinck † in der Pest 1540. 1550 Johann Hobbing, Koͤsfeldensis. 1556 Christianus Tangermundensis, † 1563. Einige Zusaͤtze und Verbesserungen. Seite 1, in der letzten Zeile der Note a ) mus es heissen: sol sich nicht auf das feste Land beziehen. Zu S. 32, beim Eid der Bauren ist zu wissen, daß der Schwoͤrende in der linken Hand eine ausgeloͤschte Kohle, in der rechten einen duͤrren Stab hielt, mit dem einen Fus auf einem duͤrren Rasen stand, und auf dem Kopfe einen Stein trug. Der Herr Vicepraͤsident von Brevern bezeugen in einer Hand- schrift, daß sie beim Landgerichte zu dessen Abschaffung vieles geholfen. Seite 34, Z. 13, mus gelesen werden dimidium Fertonem, dafuͤr doch einige Abschriften Franconem le- sen, welche letztere Muͤnze auch in dem alten Preussen sehr uͤblich war. Beim Jahr 1274 zwischen den 29 Aug. und 5 Nov. mus ver Erzbischof Johann anf den Stuhl gekommen seyn. Zu Seite 92 not. *) diener zur Erleuterung des Worts: Domicellus, daß der erste Erzbischof Jsarnus in einem Briefe von 1302 die Herren Woldemar von Rosen, Andreas von Koskuͤl, Ritter, die Herren Helmold von Rosen, und Rudolphinus von Ungern Domicellos und Vasallos nenne, welches erste Wort sich durch Junker ausdrucken laͤst. Jm Jahr 1400 wurden des Meisters Einkuͤnfte aus seinen Guͤtern auf 4000 Mark taxiret. Die Voͤgte von Karkus, Helmet und Ruyen musten alle Jahr in des Meisters Kammer geben 2000 Mark. So meldet auch Besoldi Theatrum unter dem Worte: Erbaͤmter, daß der Herr Meister, der Erzbischof und die Bischoͤfe von Liefland bey Empfang des kaiserlichen Lehns an die Erbaͤmter ein gewisses an Gel- de gegeben. Zu S. 112, not. f ) Hiezu gehoͤren die Exempel: Wy Broder Henrich Stamme, Voghet zu Oberpa- len 1406. Wy Broder Herbert von der Heide, Voght zu Oberpalen 1418. Hingegen stehet 1468: Jch Gerdt von Wellingraden, Bruder duͤtsches Ordens zu Liefland, Vogt tho Oberpalen. Seite 115 not. c ) hat Carl der IV te die Urkunde nicht fuͤr unguͤltig, sondern fuͤr aͤcht erkant. Jm Jahr 1446 unterschrieb sich am Tage der elf dusend Meide zu Segewolde Heidenreich Vin- cke, mik dem Zunamen von Oberbeck, der Ordensmeister Johann Woldhus aber braucht 1470 den Beinamen von Kerse. 1506 unterschrieb ein gewisser Schreiber von Randen, Namens Hinrich Mandel, ein Palloper- sches Document, mit der saubern Jahrzahl IVIIIIII. Seite 185 not. i ) Dieterichs Hilaria Liuoniae berichten in der Dedication, daß Knoͤpgens Erklaͤ- rung der Epistel an die Roͤmer 1525 zu Strasburg gedruckt sey. Knoͤpgens gesamte Lieder aber ste- hen im rigischen Gesangbuch, das der 1615 gedruckten Ordnung des Kirchendienstes beigefuͤget ist, al- so citiret: Von der christlichen Kirche: Hilf GOTT, wie geht es immer zu, daß alles Volk so grimmet. Psalm III. Ach GOtt, mein einger Trost und Heil, warum sind meiner Feinde so viel ꝛc. Ps. XXIII. Was kan uns kommen an fuͤr Noth, so uns der HErre weidet. Ps. XXV. Von allen Menschen abgewandt, zu dir mein Seel erhoben. Ps. XXXIII. Jhr Frommen, freuet euch des HErrn. Ps. CXVI. Jch glaub es fest und bins gewis, daß mir mein Suͤnd vergeben. Ps. CXXV. Da es wol ging, mein Herz und Sinn, Stunden stets in Furchten. Ps. CXXXIII. Sieh, wie ganz lieblich und wie fein, Stehn Christus und die Sein. Ps. CXLVI. Preis, meine Seel, GOtt, deinen HErrn, lob, sing, dank und stets ehre. HErr Christ der einge GOttes Sohn. Das Lied aber, Hilf uns in deinem Namen, du allmaͤch- tiger GOtt, daß an uns nicht erjage der Satan seinen Muth ꝛc. hat zur Rubrik: Verkaͤntnis, der neuen, als man sagt, Lehre wider die, so der irrigen Geister und des Teufels Lehren anhaͤngig sind, 1 Tim. IV. U u u u 2 Jm Einige Zusaͤtze und Verbesserungen. Jm Jahr 1528 war Thomas noch zu Speier, und unterschrieb das Privilegium uͤber Rosen- beck Thomas S. Ecclesiae Rigensis Electus, hatte auch noch nicht das Stiftssiegel. Den 12 Sept. nent ihm Carl V. Erzbischof zu Riga unsern Fuͤrsten und lieben Andaͤchtigen. Karkus heist in alten Documenten, anch 1552, Kerckhuus. Jin dem Jungferkloster zu Lemsel muste 1532 Hinrich Wrangel auf Befehl des Erzb. Tho- mas mit seinem Beisitzer Kersten Gutsleff und Gerdt von Meden auf Hans Noͤtkens Ansuchen einen Verhoͤr anstellen, und bekennet die ehrbare und tugendsame Jungfer Syster Grete Balckin, daß sie die erste Schwester sey, seit dem das Kloster gestiftet worden, samt Syster Grete Vysch, Sy- ster Elsaben, und Syster Engel, daß sie mit ihren Augen gesehen, daß sel. Michel Noͤtken das Dorf zu Stecklen um 400 Mark verpfaͤndet. 1552 war Georg Syburg Hauscomtur zu Riga, Gotthard Kettler Schoͤsser zu Wenden, Evert Syburg Cumpan zu Riga, und Claus Nieroth Landknecht zu Tuckum. Ronneburg liegt an der Raune, und hatte wie Wenden ein rigisches Thor. Man sieht hieraus, warum das Thor in der Vorstadt Riga, wo man nach Ronneburg reiset, die Raunspfor- te heissen koͤnne. Gleichwie Liefland ehemals eine Provinz Sontagana hatte, so hat es auch noch die Guͤter Sontagen, die sonst ein Obristlieut. Wolmer Anton von Schlippenbach, und ein Major, Rein- hold von Ungern Sternberg, besessen. Seite 120 Z. 47 schenkte der Koͤnig von Schweden nicht 50 Centner, sondern 50 Schifpfund Kupfer zum Dach der Peterskirche, die 5000 Rthlr. ausmachten. Seite 181 not. *) heist es: Versuchung GOttes. Zu den Wapen der Staͤdte ist noch hinzuzufuͤgen: Friedrichstadt. Ein gekroͤnter Greif. Sie siegelt in gelb Wachs, mit der Unterschrift: Sigillum Friedrich-Stadt. Anno 1646. Seite 277 ist das schoͤne Privilegium Sigism. Aug. nicht den Tag, sondern den 6 Tag nach Cathrin. ertheilet. Jn der Vorrede heist der Rigische Stadtelterman nicht Kleeburg, sondern Kleeberg. Seite 337, die Schostacke in Curland haben den Model d, und weil sie uͤber dem Wapen die VI haben, heissen sie Sechser. Daß die aͤltesten Kirchen dieser Laͤnder fast durchgehends Kloͤster neben sich oder in der Naͤhe ge- habt, ist warscheinlich. Wie noch in Estland die Ueberbleibsel des alten Schlosses Roͤtel vorhanden, so siehet man auch in Liefland hinter Kokenhausen an der andern Seite der Duͤne gegen Klauenstein uͤber die Rudera ei- ner alten Burg, die vieleicht Gercike gewesen. Regi- Register der merkwuͤrdigsten Sachen. A. A bel, Koͤnig von Daͤnnemark, Schen- kung desselben an den oͤselschen Bischof Hermann, und den Herrmeister Andr. von Stuckland 50 . 51 Adalica, wird zum Kloster Gudwall gekauft 48 Adel, alter lieflaͤndischer, Titel desselben 112 f ) Adelin. Titel der aͤltesten daͤnischen Prinzen 92 *) Adolph, Graf von Holstein, Beistand der Lief- laͤnder gegen die Russen 45 Adolph, Graf von Schauenburg, thut einen einen Feldzug nach Liefland 41 ꝛc. Age Saxeson, daͤnischer Stathalter in Revel 78 von Aichstaͤdt, S. Juͤrgen. Albert, Herzog von Sachsen, Freiheiten, so er den rigischen Kaufleuten verstattet 34 Albert, Bischof von Riga, Bemuͤhungen dessel- ben zur Aufname von Liefland 7 . legt ein Kloster an 8 . stiftet das Hospital S. Juͤrgen 14 . Freiheiten, so er vom roͤmischen Koͤnig Heinrich erhalten 14 h ). 15 . verfasset ein Rit- ter- und Landrecht 23 . Tod desselben 33 Albert, Erzbischof von Liefland, Banbrief desselben wider die Strandkaper 52 ꝛc. Erwaͤlung des- selben zum Erzbischof 53 . Vertraͤge desselben mit dem Orden, der Stadt Riga und des Schlos- ses Gercicke wegen 54 vermittelt einen Stil- stand zwischen dem Orden und den Litthauern 58 . Tod desselben 63 Albrecht, Koͤnig in Schweden, Gefangenschaft und Befreiung desselben 115 . 116 Albrecht, Herzog von Preussen, freundschaftli- che Erklaͤrung desselben gegen den Orden in Liefland 251 Alenpois, wird dem Orden vom Koͤnig von Daͤnnemark abgetreten 51 Alexander, Groskoͤnig von Nogarden, erobert Pleskow von dem Orden 46 Alexander, Bischof von Doͤrpt, bleibt im Gefecht wider die Russen 62 Alexander IV, Papst, gestehet den Rigischen eini- ge Vortheile zu 54 Alexander, Grosfuͤrst zu Litthauen, Buͤndnis der Lieflaͤnder mit demselben 175 Allentaken, wird dem Ordensmeister unterwuͤr- fig gemacht 190 Alumbus, wird von Herman der lieflaͤndischen Ritterschaft abgetreten 15 Ampoten, wird von den Russen belagert 48 . Stif- ter desselben 49 Anno von Sangerhausen, Herrmeister in Lief- land 56 . 57 . wird zum Hochmeister des deut- schen Ordens berufen 57 . Siege desselben uͤber die Litthauer und ihre Bundsgenossen 63 Arce, (Graf von) ungluͤckliches Schicksal dessel- ben 267 m ) Arensborg, (Graf von) koͤmt Eberhard von Man- heim wider Gedimin zu Huͤlfe 93 Arnstein, (Graf von) einer von den lieflaͤndischen Feldzuͤgern. 19 Arrenkuͤlle, wird den Bruͤdern von Erich VII zu Lehn gegeben 69 Artig, was es fuͤr eine Muͤnze gewesen 128 Ascherade, wird von Westhard uͤberfallen 19 Aßisa, Bedeutung dieses Worts 20 B. Babat, wird der Stadt Riga zuerkant 182 . 183 . von Baͤhr, Ulr. daͤnischer Gevolmaͤchtigter in Liefland 252 Balduin, ein semgallischer Bischof, erweitert die rigischen Stadtgrenzen 35 Balke, Herman, wird zum Herrmeister erwaͤlet 38 . 40 . Gluͤck desselben gegen die Russen 44 . 45 . Tod desselben 45 Barnim, Herzog von Pommern, Abzug desselben aus Liefland 19 Barwin, Herr von Rostock, giebt den Rigischen die Zolfreiheit 55 Battus, Jac. Tod desselben 213 Bauerrecht, lieflaͤndisches 28-30 Bauersprache, S. Buursprache Bauorduung, erste rigische 69 Baurentumult in Liefland 95 . 98 Berno, Hans, Gefaͤngnis desselben 232 von Berenwich, Dietr. bringet die Grenzen der Stadt Riga in Richtigkeit 34 Bernhard, Bischof zu Doͤrpt, Schenkung des- selben an den Orden 47 c ). Vergleich dessel- ben mit dem Herrmeister Heinr. von Dumpes- hagen 70 Berthold von Oesterreich, gluͤckliche Gefechte desselben mit den Litthauern 72 Bettholtz, Joh. Abgeordneter des revelschen Raths an den Koͤnig Erich von Schweden 265 Bischoͤfliche Titel, Beispiel ausschweifender Ver- groͤsserung derselben 183 g ). 256 f ) Bischofschronick, Nachricht von diesem Buch 72 *) von Blankenfeld, Joh. Bischof zu Revel 183 . wird zum Erzbischof von Riga erwaͤlet 188 . vom Adel in Verhaft genommen 189 . Erledi- gung und Tod desselben 185 von Blomberg, Sigfried, Erzbischof von Ri- ga 108 . Tod desselben 109 von Blomberg, (Baron) Verfasser einer engli- schen Beschreibung von Liefland 176 * Bodo von Hohenburg 13 . 14 Bockhold, Heinr. einer von den Reformatoren zu Revel 189 Bonifacius IX, Forderungen desselben an den lieflaͤndischen Orden 115 von der Borg, Bernh. Herrmeister 153-163 . wird abgesetzt 163 - - - Simon, Bischof zu Revel 157 der Borge Tucht 164 Borgholm wird von den Schweden einge- nommen 268 Botel, Heinr. Ordensmarschal, ungluͤckliches Gefecht desselben gegen die Litthauer 59 Bredenbach, Tileman, Nachricht von seinem Buch Bellum liuonicum 111 * von Breithausen, Werner, Herrmeister 60 . 61 Bremer, kommen nach Liefland 3 . 4 Brisman, Joh. wird nach Riga verschrieben 196 von Bruͤggene, Wennemar, Herrmeister 113-118 von Bruͤggeney, Herman, Bestaͤtigung seiner Landmarschalwuͤrde 202 ꝛc. herrmeisterliche Wuͤrde desselben 203 . 205 . Tod desselben 213 Bruͤhan, S. Berthold von Oesterreich Bruel, Bernh. rigischer Secretarius 214 X x x x Bru- Register der merkwuͤrdigsten Sachen. Bruno, Herrmeister 70 . 71 Buchdrucker, erster in Riga 24 von Buckenvorde, Heinr. Herrmeister 133 . 134 Burchard von Hornhausen, Herrmeister 57-59 Buursprache der Stadt Riga 109 ꝛc. von Buxthoͤveden, Reinhold, wird aus dem Bistum Oesel verdrengt 202 . 205 C. Canen, ein litthauisches Schlos, wird von den Ordensbruͤdern erobert 106 Carls des 5 Diploma von den Vorrechten des Ordens in Liefland 196 . Einige Briefe dessel- ben zum Vortheil der Lieflaͤnder 216 Caspar Linde, S. Linde. der grosse Casper, Name eines Thurms zu Ron- neburg 180 S. Catharinenkloster in Riga 105 Cautio Radziviliana prima 270 Christerson, Claes, Verrichtungen desselben in Estland fuͤr die Krone Schweden 265 . wird zum obersten Feldmarschal ernant 269 Christian III, Koͤnig von Daͤnnemark, Vorspra- che desselben bey dem Czaar fuͤr die Lieflaͤnder 243 Christoph, Erichs VII Bruder, wird von die- sem mit Estland belehnet 75 Christoph II, Koͤnig von Daͤnnemark, verschenkt Estland an den Herzog Cnut 81 . 82 Christoph, Herzog zu Mecklenburg, wird zum Coadiutor des Stifts Riga ernant 217 . 218 . Gefangenschaft desselben 221 . Loslassung des- selben 226 . nachmalige Schicksale desselben 269 Cistercienser, Geschichte dieses Ordens in Lief- land 79 d ) Clausberg, wird von den Semgallern zerstoͤrt 18 Clemens IV, vortheilhafte Anstalt desselben fuͤr den Orden in Liefland 60 Clodt, Jost, Haupt einer revelschen Gesandschaft nach Daͤnnemark 242 . mehrere Nachricht von ihm 261 k ) Clodtisches Geschlecht, einige Nachricht von demselben 191 * 261 k ) Cnut, Porse, Herzog von Holland und Samsoe, Nachricht von ihm 82 f ) Coͤlnische Erzbischoͤfe werden zu Beschirmern des deutschens Ordens in Liefland ernant 79 Conarski, Christoph, polnischer Gesandter in Liefland 259 Conrad, Bischof von Oesel, Zwistigkeiten dessel- ben mit dem Orden 74 . vereinigt sich mit dem- selben 74 f ) Cruse, Elerd, doͤrptischer Gesandter nach Rus- land 226 Culmias, wird zum Kloster Gudwall gekauft 48 Curland, zwey Theile davon werden dem Orden eingeraͤumet 46 . neuer Vertrag deshalb zwi- schen dem Bischof von Curland und Eberhard von Seine 52 Curland, ein Schlos, Stifter desselben 49 . eben- daselbst d ) Curlaͤnder, heidnische, Vergleich derselben mit der rigischen Kirche 33 . Eintheilung ihres Landes unter den Orden und Bischof 46 . Un- ruhen derselben 47 . 48 . aͤlteste Nachrichten von denselben 49 d ) Cysse von Rutenberge, S. von Rutenberge Czigaley, Anfuͤrer des rußischen Heers gegen die Lieflaͤnder 229 D. Daghoe, wird von dem Kloster Padis ver- aͤussert 98 Damerow, Johann, Unruhen wegen seiner Wahl zum doͤrptischen Bischof 111 Danhof, ist an den Koͤnig von Daͤnnemark ver- pfaͤndet 150 Danziger, pluͤndern die Gegend von Oesel 148 von Deden, Arnd, narvischer Gevolmaͤchtigter am rußischen Hofe eines Friedens wegen 231 Denow, wird vom Mindow der Orden vermacht 57 Deutscher Orden, wenn er gestiftet worden 38 a ) Gebraͤuche bey der Wahl seiner Glieder und deren Verpflichtung 39 . Generalkapitel des- selben zu Marienburg unter Conr. von Jungin- gen 119 . bekomt seine Freiheiten von Leo den 10 bestaͤtigt 182 Diedrich, Bischof von Wirland 55 Diedrich, Bischof zu Doͤrpt, Haͤndel desselben mit dem Orden 116 Dieterich, ein estlaͤndischer Bischof, Reise des- selben nach Rom 8 Dobbesyne, ein samogitisches Schlos, wird von den Ordensvoͤlkern zerstoͤret 100 Dobblensches Schlos, erbauet 93 Doͤrpt, Unruhen, so Melchior Hoffman daselbst angerichtet 193 . 194 . Anstalten der Stadt zur Beschuͤtzung der evangelischen Religion 202 mus dem Czaar einen Tribut erlegen 217 . 226 . 233 . wird von den Russen belagert 235 . 236 . ergiebt sich an dieselben. 238 . wird des- halb von den Rigischen sehr mitgenommen 240 Doͤrptische Ritterschaft, Privilegien derselben 208 von Dreyleven, Burchard, Herrmeister 94-99 Drillen, was es fuͤr Leute seyn 126 . 127 Duͤne, ergiest sich 105 Duͤnemuͤnde, Vertrag, so der Abt Wilhelm die- ses Klosters halben mit der Stadt Riga errich- tet 58 . 59 . Lage desselben 68 *) wird von den Rigischen zerstoͤret 162 . wird von Pletten- berg befestiget 175 von Dumpeshagen, Heinr. Herrmeister 70 Durben, wird an Polen versetzt 251 E. Eberhard, Abt von Padis 191 Eeck, Nicol. Haͤndel desselben mit Dav. Hil- chen 24 Eifland, verdorbener Name von Liefland 2 Ekowemuͤnde, wird von dem Erzbischof Albert der rigischen Buͤrgerschaft geschenkt 63 Elert, Stathalter in Revel 65 von Eltzen, Robin, Herrmeister 109-113 Emmajoͤggt, Flus, wird dem Orden abgetre- ten 16 Emund, Bischof von Curland, uͤberlaͤst den Or- den das Schlos Memel 69 Engelbert, curlaͤndischer Bischof, wird von den Curen umgebracht 46 Engelbert, Bischof zu Doͤrpt 86 . wird Erz- bischof von Riga 94 . stirbt 102 Erich, Bischof zu Lincoͤping, schwedischer Gesand- ter nach Rusland 267 Erich V, Koͤnig von Daͤnnemark, Vergleich des- selben mit dem Bischof zu Revel 43 . 44 Erich VI, schickt den Revelschen Huͤlfsvoͤlker ge- gen die Russen zu 62 . giebt den Rigischen in seinem Reich die Zolfreiheit 64 Erich VII, vortheilhafte Gesinnung desselben ge- gen die Buͤrger zu Riga 72 . Vergleichung desselben mit dem Orden wegen der Grenzstrei- tigkeiten 79 Erich VIII, bekomt Estland 260 . 261 . 263 . Friedensschlus desselben mit Rusland 266 . 267 Schutz- Register der merkwuͤrdigsten Sachen. Schutzbrief desselben fuͤr Harrien, Wirland, Jerwen und Revel 268 von Erlinghausen, Ludw. preußischer Hoch- meister, bestaͤtigt die Handfeste der Ritterschaft von Harrien und Wirland 139 . 140 . Abfal der Ordenslaͤnder von demselben 143 . Ver- gleich desselben mit dem Koͤnig Christian von Daͤnnemark 144 giebt dem Orden in Lief- land die oberherschaftliche Gewalt uͤber Est- land 149 ꝛc. von Ermis, Lorenz, bleibt in einem Gefecht gegen die Russen 259 Ernemod, erster Bischof in Curland 12 Esten, Altertuͤmer und Sprache derselben 10 d ) 11 Estland, erstes Lehnrecht desselben 10 . wird vom Papst dem Koͤnig in Daͤnnemark, Walde- mar, zugesprochen 38 . an denselben vom Or- den abgetreten 40 . 41 . Erklaͤrung der Ritter- schaft wegen der Abhaͤnglichkeit dieses Landes von Daͤnnemark 74 . wird von Erich VII dem Herzog Christoph zur Lehn gegeben 75 . Ver- fertigung einer neuen Landordnung dieses Stifts 76 . es wird dem Bischof Heinrich uͤber- tragen 76 . wird vom Christoph 2 an dem Herzog Cnut verschenkt 81 . 82 . dem Orden abgetreten 92 . Kaiser Ludwigs Verordnung wegen des Besitzes desselben 93 . es wird vom Waldemar an den Hochmeister Heinrich Dusemer verkauft 100 . von demselben dem Herrmeister Großwin von Hericke uͤberlassen 100 . Mis- helligkeiten zwischen dem Adel und der Buͤrger- schaft daselbst 206 . ergiebt sich an Schwe- den 260 . 262 Estlaͤndische Ritterrechte werden verbessert 79 Estlaͤndische Ritterschaft, Verpflichtung der- selben an Christoph 2 in Daͤnnemark wegen einer Geldschuld 85 Estnische Bauren, Einfuͤrung einer Getraidauf- lage derselben 66 Evangelische Religion, Verstattung derselben in Liefland vom Koͤnig in Polen 274 Evenius, Sigism. erster Rector des revelschen Gymnasii 78 F. Fabry, Dionys. Ordenssyndicus, reiset nach dem gelobten Lande 177 Fabricius, Dionys. Nachricht und Urtheil von seiner lieflaͤndischen Geschichte 3 *) Faden, ein lieflaͤndisches Feldmaas 44 Falkenau, an der Embach, erbauet 34 von Fechten, Johann, wird zum Erzbischof von Riga erwaͤlet 67 . stirbt 70 Fegefeuer, ein Schlos in Harrien, wird von den Russen verbrant 253 . wird von den Schwe- den eingenommen 268 Fegesack, Thom. Buͤrgemeister zu Revel, stillet daselbst einen Tumult 206 Fellin, wird von den Russen erobert 159 von Feuchtwangen, Conr. Herrmeister 66 Fischwehren in Liefland, Beschreibung derselben 16 *) Flemming, erster schwedischer Gouverneur von Estland 269 Franciscaner, bekommen die Kirche des h. Gei- stes in Riga 166 Francke, Claus, doͤrptischer Gesandter nach Rusland 226 Frauenburg, Erbauung dieses Schlosses 94 von Freden, Diedr. Probst zu St. Jacob in Riga 108 Freitag, Joh. S. Loringhof von Freymersen, Wilh. Ordensmeister 107-109 Friedrich 2 roͤmischer Kaiser, Freiheiten, so er dem lieflaͤndischen Orden verstattet 19 . Frei- gebigkeit desselben gegen sie 38 Friedrich 3 bestaͤtiget den lieflaͤndischen Staͤdten ihre Privilegien 138 . ertheilet den lieflaͤndi- schen Ordensmeistern grosse Vorrechte 160 Friedrich, Koͤnig von Daͤnnemark, bestaͤtiget den Rigischen ihre Vorrechte in seinen Landen 201 Friedrich, Bischof von Doͤrpt, Freiheiten, so er den lief- und estlaͤndischen Kaufleuten er- theilet 63 . 64 Friedrich, Erzbischof von Riga 74 . Buͤndnis desselben mit den Litthauern 84 h ). Tod dessel- ben 194 von Fuͤrstenberg, Wilhelm, Hermeister 223 ꝛc. Verpflichtungen desselben gegen die Stadt Ri- ga 224 . legt die Regierung nieder 247 . wird gefangen nach Rusland gefuͤret 257 von Fyfhusen, Fromhold, Erzbischof von Ri- ga 102 . Verklagt den Orden beim Papst 105 Vergleich desselben mit dem Orden wegen der Stadt Riga ꝛc. 108 . Tod desselben, ebend. von Galen, Joh. bleibt in einem Gefecht gegen die Russen 259 von Galen, Hinr. Herrmeister 215 ꝛc. bewerk- stelliget einen Frieden mit Rusland 217 . schlaͤgt Schweden seinen Beistand wider die Russen ab 218 . stirbt 222 - - - Hinrich, Comthur von Goldingen wird von den Russen gefangen 256 Gedinim, Koͤnig der Litthauer, vergebliche An- stalten zur Taufe desselben 83 . Haͤndel dessel- ben mit dem Orden 92 Geistlichkeit in Liefland, Verordnung wegen ih- rer Kleidertracht 128 von Geldern, Joh. Superintendent von Revel 269 Gelmuth, Claus, ergiebt sich an die Russen 235 Georg, Abt zu Padis, Versorgung desselben vom Orden 248 Georg, Herzog von Braunsch. wird zum Postula- ten von Riga vorgeschlagen 195 Gercicke, Vergleichung der Erzb. Alberts und des Ordens uͤber dieses Schlos 54 Gerhard, Graf von Holstein, schenkt den rigi- schen die Zolfreiheit 50 Gerlach, befoͤrdert die Vereinigung des Schwerdt- traͤger- und deutschen Ordens 37 . ebend. y ) 83 Gerwen, wird dem Orden vom Koͤnige von Daͤn- nemark abgetreten 51 Goldingen, Erbauung dieses Schlosses 46 . ei- nige Rechte desselben 87 . Grenzscheidung die- ses Orts 105 . erhaͤlt vom Arn. von Vietinghof neue Vorrechte 106 . die Rathmaͤnner daselbst erhalten die Freiheit von den Buͤrgern Schos zu heben 108 . die Grenze der Stadt wird er- weitert 112 . bekomt von Bruͤggeney neue Vorrechte 208 . wird an Rusland versetzt 251 Goswin von Aschenberg, hebt eine bischoͤfliche Gesandschaft an den Pabst auf 128 Gothlaͤndisch verbessert Recht 31 . wird vom Erzbischof Friedrich bestaͤtiget 75 Gottschenius, Pet. zweiter Rector des revelschen Gymnasii 78 Grand, Joh. schlaͤgt das rigische Erzbistum aus 73 Graue Schwestern von der dritten Regel Francisci, Verordnung wegen der Aufnam der- selben 166 Gregorius XIII, vereinigt den Schwerdtbruͤderor- den mit dem deutschen 39 b ) 40 Grubers lieflaͤndische Chronik, Verbesserungen der- selben 8 Grubin, wird an Herzog Albrecht in Preussen verpfaͤndet 248 X x x x 2 von Register der merkwuͤrdigsten Sachen. von Gruͤningen, Dietr. wird zum Herrmeister des lieflaͤndischen Ordens vorgeschlagen 38 . Re- gierung desselben 47 ꝛc. dankt von der Mei- sterschaft ab 49 . Vergleich zwischen| ihm und dem Erzbischof 49 Gudwall, Bereicherung dieses Klosters von dem Koͤnig Erich in Daͤnnemark 48 . Nachricht von den Umstaͤnden dieses Klosters 48 b ) Gurgustia, S. Fischwehren. Gustav I, von Schweden, wird von den Lief- laͤndern um Huͤlfe wider die Russen angespro- chen 244 . Anforderungen desselben an Kett- lern 249 . 250 . freundschaftliche Erbietungen desselben gegen die Lieflaͤnder wider die Russen 259 H. Habundi, Joh. Erzbischof zu Riga 124 ꝛc. Tod desselben 125 Hagersche Guͤter in Juͤtland, Gesuch des Koͤnigs Carls von Schweden deshalb an dem Orden 150 Haken, Bestimmung dieses lieflaͤndischen Feld- maasses 43 d ). 44 Hakenrichter 180 Hakenson, wird zum Schlosvogt zu Revel be- stellet 269 Hanhele, wird Volquin von dem B. Albert zu Lehn gegeben 15 Hanseestaͤdte, Verordnungen derselben 124 ꝛc. lieflaͤndische, bekommen ihre Freiheiten vom Koͤnig Christoph in Daͤnnemark bestaͤtiget 135 Hapsal, wird von dem Orden dem Bischof von Oesel weggenommen 77 . von Diedr. Jxkuͤl gepluͤndert 112 Harrien, wird von Heinrich VII dem lieflaͤndi- schen Orden geschenkt 22 . die dasige Ritter- schaft bekomt vom Koͤnig in Daͤnnemark ihre Briefschaften bestaͤtigt 79 . wird dem Ordens- meister voͤllig unterwuͤrfig gemacht 190 . Em- poͤrung der Bauren daselbst 259 Hartwig, Bischof von Oesel, Zwistigkeiten des- selben mit dem Orden 81 Hauptschlag, eine rußische Ehrenbezeugung 179 Anm. Hasenpot wird an Polen versetzt 251 Hasse, Zach. einer von den Reformatoren zu Re- vel 189 Heiligenfeld, Heinrich, Probst zu Riga, Un- ternemungen desselben gegen den Orden 162 . Vergleich desselben mit dem Erzbischof Michael Hildebrand 165 Hebet, Johan, bischoͤfliche Wuͤrde desselben zu Doͤrpt 111 Heinrich VII, roͤmischer Koͤnig, schenkt dem lief- laͤndischen Orden verschiedene Laͤnder 22 Heinrich, Bischof von Revel, weihet das Klo- ster Padis ein 136 Heinrich, Bischof auf Oesel, Vertrag desselben mit dem Herrmeister Herman Balke 41 . ver- stattet den Schiffen in seinem Hafen die Zol- freiheit 95 . jaͤmmerliches Ende desselben 112 Heinrich von Heimburg, Herrmeister 46 Heinrich, Herzog von Mecklenburg, tuͤrkische Gefangenschaft und Befreiung desselben 55 e ) Helmet, Erbauung dieses Schlosses 60 von Helfenbach, Martialis, Landcomthur von Samogitien, wird von den Einwohnern er- mordet 119 Helms, Juͤrgen, Nachricht von seiner lieflaͤndi- schen Chronik 68 *) von Herike, Goßwin, Herrmeister 99-105 . dankt von dieser Wuͤrde ab 105 Herman, Bischof zu Doͤrpt, Freiheiten, so er vom roͤmischen Koͤnig Heinrich erhalten 14 . 15 . verlegt den bischoͤflichen Sitz nach Doͤrpt 15 . erbauet das Kloster Falkenan an der Embach 34 . Tod desselben 34 u ) Herman, Bischof zu Oesel, bekomt von Daͤnne- mark das oͤselsche und wykische Bistum geschenkt 50 ebend. b ) Herman von Wesel, Bischof zu Doͤrpt 227 e ) Herman von Salze, Hochmeister des deutschen Ordens, nimt den Schwerdtbruͤderorden in denselben auf 35-38 Herrmeister in Liefland, erhalten von Friedrich 3 grosse Vorrechte 160 . erhalten vom Carl 5 die Regalien 208 von Herzogenstein, Conr. Herrmeister 68 Heuschlaͤge, Vergleich zwischen der rigischen Rit- ter- und Buͤrgerschaft deshalb 94 Hexenprocesse in Liefland 3 *) Hilchen, Dav. verbessert das lieflaͤndische Ritter- recht 23 p ). Nachrichten von seinen Lebens- umstaͤnden 23 *) Hildebrand, Michael, Erzbischof von Riga 163 . stiftet einen Vergleich zwischen dem Ordens- meister und Schweden 166 . Tod desselben 178 Himming, Nils, schwedischer Gesandter nach Rusland 267 Hirren, was es fuͤr ein Volk gewesen 49 d ) Hofmann, Melchior, Verwirrungen, so derselbe in Doͤrpt angerichtet 193 Hofman, Zacharias, kaiserlicher Botschafter nach Liefland 249 von Hohenbach, Bodo. Herrmeister 69 . 70 Holtzschuher, Georg, Kanzler von Doͤrpt 216 . kluger Rath desselben wegen des noͤtigen Ver- haltens gegen die Russen 228 . wird von Fuͤr- stenbergen gefaͤnglich eingezogen 240 Honorius 3 . Papst, Bulle desselben wegen der Rechte des lieflaͤndischen Ordens 21 ꝛc. von Hornhausen, S. Burchard 5 Hoveselle, wird an das Kloster Padis verkauft 81 Huldigungsbrief des Ordensmeisters an die Stadt Riga 253 ꝛc. von Hurenhusen, Joh. Bevolmaͤchtigter zur Grenzeinrichtung der Stadt Riga 34 J. Jacob, Bischof von Oesel, Vergleich des Ordens mit demselben 75 Anm. 86 Jacobs kirche in Riga, Volquins Streitigkeiten wegen des Jur. Patronatus bey derselben 17 Jaczwingi, Nachricht von diesem Volk 57 *) Jagello, Koͤnig in Polen, Haͤndel desselben mit Vitold 113 . stehet demselben gegen den Or- den bey 121 Jaroslaw, richtiges Vermaͤchtnis desselben an die Kirche zu Doͤrpt 47 Jecresin, wo es gelegen 57 *) Jerwen, wird von Heinrich VII dem Orden in Liefland geschenkt 22 . demselben von Walde- mar abgetreten 40 Jesuiten, Abzug derselben aus Riga 186 Jesusbore, Erbauung dieses Schlosses 46 von Jocke, Gerdt, Hermeister 77-86 Jodocus Hagenstein, Bischof von Oesel 150 Jodocus von der Recke, Bischof von Doͤrpt 227 e ) Johann, Herr von Mecklenburg, Freiheiten, so derselbe den Rigischen verstattet 47 Johann, Graf von Holstein, schenkt den Rigi- schen die Zolfreiheit 50 Johannes von Luͤnen, wird Erzbischof von Ri- ga 63 . Freiheiten, so er den rigischen Buͤr- ger verstattet 64 . | Tod desselben 67 . Jo- Register der merkwuͤrdigsten Sachen Johannes von Fechten, Erzbischof von Riga 67 . stirbt 70 Johannes von Schwerin, Erzbischof von Ri- ga 70 . Gefangenschaft und Befreiung dessel- ben 72 . Tod desselben, ebend. Johann von Sinten, S. von Sinten Johann, Bischof von Doͤrpt, schrenkt die Ge- walt des Ordens in seinem Stifte ein 105 Jsarnus, wird Erzbischof von Riga 72 . ver- gleicht die Zwistigkeiten zwischen dem Orden und der Stadt Riga 75 Jsrael Birgerson, schwedischer Reichsrath, stirbt 106 Juͤrgen von Aichstaͤdt, Herrmeister 59 . 60 Juͤrgen, ein wunderlicher Separatist 229 e ) S. Juͤrgen, Hospital, Stiftung desselben 14 Juͤrgens kirche wird dem Orden angewiesen 17 S. Juͤrgenshof, wird von den Rigischen zerstoͤret 76 die S. Juͤrgenbruͤderschaft in Riga 107 * von Jungingen, Conr. Hochmeister des deut- schen Ordens 117 . haͤlt ein Generalkapitel zu Marienburg 119 - - - - - Ulrich, Hochmeister, wird von den Pohlen und Litthauern aufs Haupt geschla- gen 121 Jwan Basilewitz, Einfal desselben in Liefland 159 . Herrschaften, so derselbe von Liefland bekommen 291 Jwanogrod, wird von den Schweden in Brand gesteckt 165 b ) Jxkuͤl, Diedr. pluͤndert das Schlos Hapsal 112 K. Kale, wird an das Kloster Gudwall gekauft 48 Kallis, wird zum Kloster Gudwall gekauft 48 Kanen, Joh. bauet die Stadt Revel weiter aus 77 Kapitelpforte zu Riga, Vergleich zwischen der Stadt und dem Kapitel daruͤber 78 . Strei- tigkeiten, so zwischen beiden daruͤber entstanden 86 Karkus, wird von den Russen erobert 265 Karinemme, wird dem Kloster Padis geschenkt 81 Kawelecht, wird von den Russen besetzt 235 Kegel, wird an Revel verpfaͤndet 248 Kettler, Gotthard, wird zum Comthur zu Duͤ- neburg bestellet 217 . wirbt in Deutschland Voͤlker 218 . Gefar desselben in einem Gefecht wider die Russen 234 . wird zu Wilh. von Fuͤrstenberg Coadjutor ernant 235 . erobert das Schlos Ringen von den Russen 243 . sucht sich gegen dieselben mit Polen zu verbinden 246 . wird zum Herrmeister erwaͤlet 247 . nimt von der Stadt Riga die Huldigung ein 253 . frucht- lose Gesandschaft desselben nach Schweden um Huͤlfe wider die Russen 260 . Vorrechte, so er bey der Unterwerfung des Landes unter Polen erhalten 274 . Remisbrief desselben 289 Kiek in de Koͤke, Erbauung dieses revelschen Thurms 199 Kiewel, Joh. Bischof zu Oesel, Freiheitsbrief derselben 189 Kieystut, Grosfuͤrst der Litthauer, doppelte Ge- fangenschaft desselben 105 106 der Kirchholmische Vertrag 137 ꝛc. wird vom Erzbischof Sylvester getilget 143 Kniprode, Hochmeister des deutschen Ordens 108 Knoͤpken, Andr. erster Urheber der Reformation in Liefland 184 Koͤnig, Ludolph, preußischer Hochmeister 99 Koͤnigsberger, Haͤndel derselben mit den Einwo- nern von Bethen 58 Kokenhausen, wird den Herrn von Tiesenhau- sen abgenommen 116 Komet, Erscheinung desselben im Jahr 1556 . 218 . 219 Krewen, Krewitzen, alte Benennung der Rus- sen 37 *) Krumhausen, Joachim, narvischer Botschafter nach Rusland eines Friedens wegen 231 . wird der Verraͤterey beschuldiget 232 233 Krumme, Nils, schwedischer Gesandter nach Rusland 267 Kuͤlmet, Gehalt dieses Maasses 66 d ) Kurpsche, Andrei, Anfuͤrer der rußischen Voͤl- ker in Liefland, gluͤcklicher Fortgang seiner Waffen 256 ꝛc. Kylabesine, ein samogitisches Schlos, wird von den Ordensvoͤlkern zerstoͤret 100 Kyrenpeh, ein Schlos, wird in Brand gesteckt 234 L. Lais, wird von den Russen besetzt 235 . von Kett- lern vergeblich bestuͤrmet 249 Lange, Joh. einer von den Reformatoren zu Revel 189 Larsson, Oloff, schwedischer Gesandschaftssecre- tair nach Rusland 267 Leale, wird Volquin von dem B. Albert zu Lehn gegeben 15 . von Gerdt von Jocke dem Bi- schof von Oesel weggenommen 477 . dem Or- den von dem Bischof Joh. Vatelkanne abge- treten 150 Lehnguͤter, lieflaͤndische, verschiedene Arten derselben 146 *) Leichensteine einiger Herrmeister 173 d ) 174 Leipzig, Ursprung des Namens dieser Stadt 2 der Lembselsche Vertrag 197 ꝛc. Lettischer Bauereid 32 Libau in Curland, woher es so heisse 2 Liefland, Ursprung seines Namens 1 a ). Ent- deckung desselben von den Bremern 3-5 . dasi- ges Feldmaas 43 d ). Verschiedenheit des lief- laͤndischen Erzbistums von dem rigischen 53 *) grosse Pest und Hungersnot daselbst 80 e ). der dasige Handel wird mit Daͤnnemark eingerich- tet 113 . Buͤndnis der Lieflaͤnder mit Schwe- den wider die Russen 173 . grosse Pest in die- sem Lande 213 . wird von allen Abgaben ans Reich frey gesprochen 214 . unterwirft sich dem Koͤnig von Polen 270 ꝛc. Linde, Caspar, Erzbischof von Riga 179 . loͤ- set die von seinem Vorgaͤnger veraͤusserte Guͤ- ter wieder ein 182 . Tod desselben 187 Linkerlaͤnder 117 g ) Litthauer, Vortheile, so Dietr. von Gruͤningen uͤber sie erhalten 48 . werden vom Andreas von Stuckland gedemuͤtiget 51 . schlagen die Deutschen in Curland 59 . werden von Juͤr- gen von Aichstaͤdt aus Curland gejagt 59 . 60 . schlagen den Otto von Rodenstein 63 . schla- gen den Hermeister Ernst von Ratzeburg 65 . 66 . Vereinigung derselben mit dem Erzbi- schof von Riga wider den Orden 71 . 72 . Strei- fereien derselben in Estland 83 . Friedens- schlus derselben mit den Estlaͤndern 84 . Ein- fal derselben in Semgallien und Liefland unter Burch. von Dreylewen 98 . 99 . Haͤndel dersel- ben mit Conr. von Vietinghoff 118 Liven, aͤlteste, Wonungen derselben 4 *). Spra- che derselben 10 d ). Regierungsart derselben 14 Anm. Lochstedt, Erbauung dieser Festung 60 Y y y y von Register der merkwuͤrdigsten Sachen. von Lode, Reinhold, Botschafter der estnischen Ritterschaft an Kettlern 260 Lodhe, wird Volquin von dem B. Albert zur Lehn gegeben 15 . wird von Gerdt von Jocke dem Bischof zu Oesel weggenommen 77 . wird von den aufruͤrigen Bauren belagert 259 Lonsky, polnischer Gesandter, schimpfliche Be- gegnung desselben von den Lieflaͤndern 220 von Loringhof, Joh. Freitag, Herrmeister 163-173 Lucning, Hauptman unter den Ordensvoͤlkern, Tod desselben 249 Ludwig, Marggraf von Brandenburg, bekomt Estland vom Koͤnig Waldemar in Daͤnnemark verschrieben 93 Ludwig von Oettingen, Vicemeister des deut- schen Ordens 35 . 38 Luͤbecker, bekomt von Gottfr. von Rogga ein Handelsprivilegium 73 . erneuern ihre Com- mercientractate mit Riga 216 . Haͤndel der- selben mit den Revelern 250 Luͤbisches Recht, Einfuͤrung desselben in Revel 206 von Luͤdinghusen, Hinr. uͤbergiebt dem Herzog Magnus das Schlos Sonneburg 252 von Luͤnen, Joh. Erzbischof von Riga, S. Jo- bannes. von Lunen, Johann, wird vom Erzbischof zu Riga mit verschiedenen Doͤrfern belenet 65 Lustfer, Christoph, Abgeordneter des doͤrpti- schen Bischofs an den rußischen Hof 230 . wird von Fuͤrstenberg als ein Landesverraͤter in Verhaft genommen 240 . elendes Ende dessel- ben, ebend. M. Magdeburgische Erzbischoͤfe werden zu Be- schirmern des Ordens in Liefland ernant 79 Magnus, Koͤnig in Schweden, bestaͤtiget der Stadt Riga die Zolfreiheit in seinen Landen 62 . 64 . Schutzbrief desselben fuͤr die rigischen Kaufleute 104 Magnus, Herzog von Holstein, Ankunft und Anspruͤche desselben in Liefland 251 . 252 . Ver- gleich desselben mitt Kettlern zu Pernau 254 ꝛc. 256 f ). mus von den Russen entweichen 258 Margaretha Sambiria, Koͤnigin von Daͤnne- Mark, Verordnungen derselben wegen der Stadt Revel 60 Marianerorden, Zeit der Stifturg desselben 38 a ) Marienburg, Erbauung dieses Schlosses 94 . Eroberung desselben vom Vitold 113 . ergiebt sich an die Russen 250 Marienhausen wird von dem Erzbischof Caspar Linde neu aufgebauet 179 . 180 Marienthal, ein Brigittenkloster bey Revel, Stiftung desselben 120 Matthias, daͤnischer Reichsdroste, bleibt in ei- nem Treffen gegen die Russen 62 Maximilian, roͤmischer Kaiser, giebt dem Herr- meister Plettenberg auf drey Jahr die Zolge- rechtigkeit 177 Meck, Claes, Abgeordneter der estlaͤndischen Ritterschaft an den Koͤnig Erich von Schwe- den 264 . wird von demselben zum Ritter ge- macht 266 von Meden, Conr. Herrmeister 61 . 62 Meekische Familie, Nachricht von derselben 266 *) Memel, Theilung dieses Orts zwischen den Bi- schof von Curland und den Orden 52 . wird vom Bischof Emund dem Orden ganz uͤber- lassen 69 . wird an den Hochmeister Werner von Orzela abgetreten 87 Memelsche Muͤnze, Guͤltigkeit derselben 52 von Mengden, Engelbr. vermeret das lieflaͤndi- sche Landrecht 23 - - - - - Gustav, Poesien desselben 24 **) - - - - - Johann, Herrmeister, Vergleich desselben mit dem Erzbischof Silvester 136 ꝛc. Buͤndnis desselben mit dem Koͤnig Christian von Daͤnnemark 143 . 146 . spricht die Rit- terschaft von Harrien und Wirland von allen Schatzungen frey 146 . Buͤndnis desselben mit dem Erzbischof Silvester 147 ꝛc. seine Ordination zum curlaͤndischen Bischof 147 *) Menius, Friedr. Nachricht von seinem Entwurf einer lieflaͤndischen Geschichte 5 . 6 . persoͤnliche Nachrichten von demselben 7 Mesoythen, wird vom Walther von Nordeck zerstoͤret 64 Metzenkuͤlle, wird zum Kloster Padis geschenkt 81 Michaeliskloster zu Revel, Nachricht von dem- selben 77 b ) Milde Gift in Riga, Stiftung derselben 244 ꝛc. Mitau, erbauung des dasigen Schlosses 93 . wird von den Litthauern in Brand gesteckt 98 Mocke, wird von Herman der Ritterschaft ab- getreten 15 . Abel, Koͤnig von Daͤnnemark, begiebt sich seiner Anspruͤche darauf 51 Moͤnche zu Falkenau, List derselben, ihre Ein- kuͤnfte zu vermeren 34 von Moͤnnichhausen, Christoph, besetzt das Schlos zu Revel 242 Mollin, Nicol. erster Buchdrucker in Riga 24 Mone, ein Theil davon schenkt der Orden dem Bischof auf Oesel 41 von Monheim, Eberh. Herrmeister 87-94 Muͤnchhausen, Joh. Bischof von Oesel, uͤber- laͤst sein Stift dem Herzog Magnus 252 Muͤnster (das Haus von) eine Gildenstube in Riga 104 von Muͤnster, Casp. Landmarschal 219 Muͤnzen, alte, so in Fin- und Estland gefun- den worden 15 i ) Muͤnzordnung der geistlichen und weltlichen Herrn von Liefland 127 Myndow, Haͤndel desselben mit dem lieflaͤndi- schen Orden 47 . 48 . nimt das Christentum an 51 . Veranlassung dazu 51 d ) Vermaͤcht- nis desselben an den Orden 56 . 57 . bekriegt denselben 61 . wird meuchelmoͤrderischer Wei- se ermordet 62 N. der Nackende Brief 89 ꝛc. Narkusky, Stanisl. polnischer Abgesandter an Kettlern 250 Narva, wird dem lieflaͤndischen Orden verschrie- ben 97 . bekomt ein besonderes Siegel und Wapen 127 . wird von den Russen belagert 231 . gehet an dieselben uͤber 232 Naruscewitz, Nicol. polnischer Abgesandter an Kettlern 250 Nes, Nos ꝛc. Bedeutung dieser Worte 43 *) Neuenhaus, gehet an die Russen uͤber 234 Neuermuͤhlen wird vom Bitenes belagert 71 Neuhaus, wird vom Vitold erobert 113 Neustaͤdt, Franz, Nachricht und Urtheil von seiner lieflaͤndischen Geschichte 2 ***) Nicolaus, wird zum Bischof von Riga erwaͤ- let 33 Nicolaus, Abt zu Padis 98 Nienhus, wird von den Russen belagert 111 Nogarden, freier Handel dahin angelegt 83 . wird vom Czaar Jwan Basilewitz erobert 158 . Nachricht von der Aufnam und Verfal des da- sigen Handels 158 f ) Norbeck, Joh. bekomt eine Vicarie 205 von Register der merkwuͤrdigsten Sachen. von Nordeck, Walther, Herrmeister 64 Normegunde, wird dem Orden vom Koͤnig von Daͤnnemark abgetreten 51 Normes, wird an das Kloster Padis verkauft 81 O. Oberpahlen, wird von den Russen besetzt 235 Oertgen, was es fuͤr eine Muͤnze sey 30 *) Oesel, wird dem Bischof Herman geschenkt 50 . wird vom Koͤnig Christoph in Daͤnnemark in Schutz genommen 136 Oeseler, Empoͤrung und Demuͤtigung derselben von Andr. von Velwen 42 . 43 . bekommen vom Andr. von Stuckland neue Freiheiten 45 e ). Unruhen derselben werden vom Juͤrgen von Aichstaͤdt gedaͤmpft 60 . ein gleiches geschiehet von Gotfr. von Rogga 74 von Oldenbockum, Casp. vertheidiget Weissen- stein gegen die Russen 258 . uͤbergiebt Revel an die Schweden 263 Olgerod, Grosfuͤrst der Litthauer, wird vom Goswin von Herike geschlagen 99 Orden in Liefland, Versamlung und gemeinschaft- liche Schluͤsse desselben zu Doͤrpt 75 . bekomt die Volmacht der Absolution 116 . bekomt vom Hochmeister Conr. von Jungingen seine Vor- rechte bestaͤtiget 117 . 118 . wird auf der kost- nitzischen Kirchenversamlung verklagt 123 . waͤ- let seine Meister selbst ohne Zuziehung des Hochmeisters 133 . Vergleich zwischen demsel- ben und dem Erzbischof, wegen der Graͤnzen ihrer Laͤnder 134 . bekomt von dem Hochmei- ster die oberherrliche Gewalt uͤber ganz Estland 148 . 149 . bekomt vom Hochmeister das freie Wahlrecht 183 . sucht sich mit dem Reich wider die Russen zu verbinden 216 Ostrad, Bischof von Wirland 55 d ) Otela, wird dem Orden abgetreten 16 Otto, ein daͤnischer Prinz, trit in den deutschen Or- den 100 Ovelack, Joh. Vermaͤchtnis desselben an die ri- gische Stadthibliothek 24 Oversch, Joh. wird Verraͤterey gegen den Or- den halber hingerichtet 225 P. Padenewsky, polnischer Gevolmaͤchtigter in Liefland 251 Padis, neue Ausbauung dieses Klosters 80 . kur- ze Geschichte desselben 79 d ) Grenzen desselben werden von den Herrn von Scherenbeck bestimt. 95 . Einweihung desselben 136 . gerichtbar- keit desselben 209 . Anforderungen des Ordens an dasselbe 248 . wird von den Schweden ein- genommen 268 von der Palen, Joh. Befreiung desselben aus der Gefangenschaft 222 Passagia, was es bedeute 20 **) Paswalischer Vertrag zwischen Polen und Lief- land 224 Paternoster, Gestalt derselben bey den Lieflaͤndern 210 Pebalgen, wird vom Erzbischof Fromhold an Berthold von Tiesenhausen verpfaͤndet 105 Pepersack, Joh. Abgeordneter der Stadt Revel an den Koͤnig Erich von Schweden 264 Pernau, erhaͤlt vom Koͤnig von Schweden ein Handelsprivilegium 108 . Landtag der Haͤu- pter von Liefland daselbst unter Kettlern 254 ꝛc. wird von den Schweden eingenommen 266 Pernau, das alte, wird von den Samogiten zer- stoͤret 61 Pernawer, Heinr. daͤnischer Statthalter in Re- vel 78 . 79 Pernispaͤ, wird zum Kloster Gudwall gekauft 48 Peterskirche in Riga, Erbauung derselben 119 Peterson, Joh. schwedischer Gesandter nach Rus- land 267 Philip, Bischof von Ratzeburg, Lebensgefar und Tod desselben 8 . 9 . Begraͤbnisort desselben 9 c ) Phrimer, Herrmeister 86 k ) Pilten, Erbauer dieses Schlosses 12 Pleskow, die Stadt, wird von dem Orden er- obert 45 . (das Fuͤrstentum) wird zur Haͤlfte der rigischen Kirche vermacht 47 . (die Stadt) wird von Otto von Rodenstein belagert 63 . von Gerdt von Jocke erobert 77 . von Eberh. von Monheim wieder zum Gehorsam gebracht 93 Plescower, werden von Conr. von Vietinghof geschlagen 120 . 121 . Haͤndel derselben mit dem Bischof zu Doͤrpt 128 von Plettenberg, Wolther, wird zum Herr- meister erwaͤlet 174 . erhaͤlt einen Sieg uͤber die Russen 175 . 176 . bekomt vom Kaiser drei- jaͤrige Zolgerechtigkeit 177 . Patent derselben uͤber die Einung der Bauren zu Revel 180 ꝛc. erneuert den Frieden mit den Russen 184 . be- komt die voͤllige Oberherschaft uͤber Wirland, Harrien und Allentaken 190 . bekomt von Carl 5 ein Diploma uͤber die Vorrechte des Ordens 196 . Anstalten desselben zur Beschuͤ- tzung der evangelischen Religion. 201 . 202 . Einrichtung desselben zur Befoͤrderung der Han- delschaft 204 . Tod desselben 205 Polen, Buͤndnis derselben mit den Lieflaͤndern ge- gen die Russen 225 Predigermoͤnche, Schenkungen der Stadt Riga an dieselben 90 . 91 R. Radzivil, Nicol. polnischer Bevolmaͤchtigter in Liefland 251 . bringt die Unterwerfung dieses Landes unter Polen zu Stande 270 ꝛc. Ragg, Bedeutung dieses lettischen Worts 43 *) von Ratzeburg, Ernst, Herrmeister 65 . 66 Rawaldson, Erich, Gefangenschaft desselben 155 von der Recke, wird von dem Herrmeister Bruͤg- geney zu seinem Coadjutor angenommen 211 . herrmeisterliche Regierung desselben 214 Reimer, Herrmeister des Ordens in Liefland 86 Reckelings, Joh. Bischof zu Revel, Streitigkei- ten desselben mit dem Abt zu Padis werden bei- gelegt 114 Revel, wird von Heinrich VII dem lieflaͤndischen Orden geschenkt 22 . vom Papst dem Koͤnig von Daͤnnemark zugesprochen 38 . bekomt von der Margaretha Sambiria die Muͤnzgerech- tigkeit 60 . die Domherrn des Stifts bekom- men die Freiheit, selbst einen Bischof zu waͤlen 64 . die Abhaͤnglichkeit desselben von Lunden wird aufgehoben 64 . wird vom Erich dem VI beschenkt 67 . Stiftung des dasigen Gymnasii 78 . 81 . wird an den Marggraf Ludwig von Brandenburg verschenkt 92 . wird dem Or- densmeister zur Vormundschaft uͤbergeben 96 . erhaͤlt vom Koͤnig von Schweden ein Handels- privilegium 108 . bedenkliche Buͤrgschaft, so sie uͤbernommen 115 . 116 . Theilnemung der- selben an der Reformation Lutheri 189 . An- steckende Seuche und Feuersbrunst daselbst 199 . gefaͤrlicher Tumult daselbst 206 . abermalige Y y y y 2 Feuers- Register der merkwuͤrdigsten Sachen. Feuersbrunst daselbst 217 . das Stift wird kaͤuflich an den Herzog Magnus gebracht 252 . sucht bey Schweden Huͤlfe wider die Russen 260 Revelsche Familien, alte 85 *) Riga, Ursprung des Namens dieser Stadt 110 *) Zeit der Erbauung derselben 114 a ). sie er- halten von den Pohlen und Russen ein Handels- privilegium 23 . erste Anlegung einer Buch- druckerey daselbst 24 . Stadtrecht derselben 30 . 31 . Grenze derselben durch paͤpstliche Be- volmaͤchtigte bestimt 34 . dieselben werden von Balduin erweitert 35 . erste Schiffart dersel- ben 41 . Einwoner werden im holsteinischen zolfrey gemacht 50 . wird zum Erzbistum er- hoben 53 . vom Papst Alexander IV mit ver- schiedenen Freiheiten versehen 54 . Vertraͤge derselben mit Barwin, Herrn von Rostock 55 . bekomt von Schweden die Zolfreiheit 62 . der dasige zeitliche Richter bekomt das Recht, sich einen Substituten zu setzen 64 . Feuersbrunst daselbst 69 . wird von dem Erzbischof der Kron Daͤnnemark ergeben 74 e ). Jrrungen zwischen dieser Stadt und dem Bischof von Oe- sel, Conrad 76 . neue Vorrechte, so die Stadt vom Erzbischof Friedrich bekommen 78 . allerley Zwistigkeiten zwischen der Stadt und der Geist- lichkeit 78 *). sie wird von der Zollieferung an Schweden frey gesprochen 81 . Belagerung der- selben von Eberhard von Monheim 78 ꝛc. Er- gebung derselben an dem Orden 90 . Nach- richt von den Kirchen der Stadt 91 *) Schutz- brief fuͤr die rigischen Kaufleute von Magno, Koͤnig in Schweden 104 . die Stadt komt wie- der unter den Erzbischof 105 . 107 . 108 . uͤber- nimt die Buͤrgschaft fuͤr einen Waffenstilstand Woldemars mit den Hanseestaͤdten 107 . erhaͤlt vom Koͤnig von Schweden ein Handelsprivile- gium 108 . Neuerung in der Kleidung des dasi- gen Erzbischofs und seiner Domherren 109 . Einkuͤnfte des Stifts 115 *). Vergleich der Stadt mit Cyssen von Rutenberge wegen Er- lassung einer Abgabe 127 . Vergleich derselben mit Johann von Mengden 150 . 151 . bekomt neue Freiheiten von dem Hermeister Bernhard von der Borg 154 . Friedrichs 3 und Sixti 4 widersprechende Befele wegen ihrer Oberherrn 160 . Haͤndel der Einwoner mit dem Herrmei- ster Joh. Freitag von Loringhof 163 . sie be- kommen vom Papst Volmacht zu einer neuen Auflage 166 . Einfuͤrung der Reformation in dieser Stadt 184 ꝛc. unterwirft sich Pletten- bergen 193 . Einziehung verschiedener Kloͤster daselbst 208 . wird in den schmalkaldischen Bund mit aufgenommen 209 Rige, ein Flus in Liefland 110 *) Ringen, wird von den Russen besetzt 235 . die- se werden von Friedr. Voͤlkersam daraus ver- trieben 242 Ritterrecht, rigisches 23 . Auszug daraus 25 ꝛc. Ritterschaft, lieflaͤndische, Vortheile so ihr der doͤrptische Bischof Herman zugestanden 15 . neues Privilegium, so sie vom Erzbischof Sil- vester erhalten 145 . lemselsche Vereinigung derselben wider den Verkauf der Guͤter ꝛc. 187 ꝛc. Volmacht derselben fuͤr ihre Abgesand- ten an den Koͤnig von Polen bey dem Unter- werfungshandel von Liefland 272 ꝛc. Rodenpois, Lage dieser See 13 ***) von Rodenstein, Otto, Herrmeister 62 . 63 von Rogga, Gottfr. Herrmeister 71-77 Ronneburg, wird von den Ordensvoͤlkern in Brand gesteckt 220 Rotaleven, wird Volquin von dem B. Albert zur Lehn gegeben 15 Rupert, Comthur zu Vellin, thut eine Walfart nach dem gelobten Lande 178 von Rußdorf, Paul, Hochmeister des deutschen Ordens, dankt von dieser Wuͤrde ab 134 . 135 Russen, werden von Heinr. Balke geschlagen. 44 . 45 . Haͤndel derselben mit Werner von Breithausen 61 . mit Otto von Rodenstein 63 . werden von Gerdt von Jocke zum Frieden ge- noͤtiget 77 . Handelsvergleich zwischen ihnen und den Lieflaͤndern 125 . vergeblicher Versuch des Meisters Vincke gegen dieselben 135 . Ein- faͤlle derselben in Liefland unter Plettenberg 175 Zeitrechnung derselben 177 d ). Einfal dersel- ben in Harrien 253 von Rutenberge, Cysse, Herrmeister 226-228 S. Saccala, wird von Herman der lieflaͤndischen Ritterschaft abgetreten 15 Salinger, Joh. lieflaͤndischer Ordensmarschal, stirbt 36 Samogiten, werden von Walther von Nordeck bezwungen 64 . von Wennemar von Bruͤggene uͤberfallen 117 . ihr Land wird an den Or- den abgetreten 118 . gefaͤrlicher Aufstand der- selben 119 . ihr Land faͤlt wieder an Litthauen 121 . reiben einen Haufen lieflaͤndischer dem Hochmeister zu Huͤlfe geschickten Voͤlker auf 151 Samoythen schenkt Myndow dem Orden 57 von Sanenschein, Eberh. Antheil desselben an der vorgehabten Absetzung des Hochmeisters Paul von Rusdorf 134 . 135 von Sangerhausen, S. Anno. Schalowen, schenkt Mindow dem Orden 57 Schall von Bell, Phil. und Werner, werden von den Russen gefangen und hingerichtet 256 . ebend. g ) Scharenbecke, Joh. pluͤndert das Schlos Hapsal 112 Scharfenberg, Henning, Erzbischof von Riga 125 . stirbt 136 von Schauerburg, Wilh. Herrmeister 67 Scherf, eine lieflaͤndische Muͤnze 128 Schlitte, Hans, rußischer Gesandter 240 Schmiedeman, Joh. Abgeordneter des revel- schen Raths an den Koͤnig Erich in Schweden 265 Schungell, Herrmeister 133 . 134 Schwarzer Pfennig, Gehalt dieser Muͤnze 31 *) Schwarze Haͤupter in Riga 107 *) Schweden, Buͤndnis der Lieflaͤnder mit densel- ben wider die Russen 173 Schwerdtbruͤderorden, wird mit dem deutschen Orden vereiniget 35-38 Schworben, was darunter zu verstehen sey 43 *) Sclodo, greift die Litthauer an 59 Scyren, was es fuͤr ein Volk gewesen 49 d ) von Seine, Eberhard, Herrmeister 54-56 Semgaller, werden von Volquin geschlagen 19 . von Conrad von Meden gedemuͤtiget 61 . von Wolther von Nordeck bezwungen 64 . Haͤndel desselben mit Conr. von Feuchtwangen 66 . wer- den von Conr. von Herzogenstein geschlagen 68 Semgallien, ein Theil davon wird dem Orden eingeraͤumet 46 b ) Serwen, wird von den oͤselschen Bischof dem Or- den geschenkt 43 Sicudel, wird zum Kloster Gudwall gekauft 48 Sieborg, Christoph, Vogt zu Candau, wird von den Russen gefangen 256 Sieborg, Georg, Gesandschaft desselben an den Kaiser 222 i ). mehrere Nachricht von ihm 247 u ) Sie- Register der merkwuͤrdigsten Sachen. Sieburg, Casp. wird wegen Uebergebung des Schlosses Marienburg an die Russen ins Ge- faͤngnis gelegt 250 Sigismund, roͤmischer Kaiser, nimt sich des Lieflaͤndischen Ordens gegen die dasige Geistlich- keit an 125 Sigismund August, Koͤnig von Polen, Unter- handlungen desselben mit dem lieflaͤndischen Or- den 223 . 224 . 246 . verbindet sich mit demsel- ben gegen die Russen 248 . bekomt Liefland un- ter seine Herschaft 271 ꝛc. Privilegium, so er den lieflaͤndischen Staͤnden ertheilet 277-288 von Sinten, Johann, Erzbischof von Riga 109 . Haͤndel desselben mit dem Herrmeister Wenne- mar von Bruͤggene 114 Sirgall, Verbindungen desselben mit dem Herr- meister Robin von Eltzen 112 Skergelo, Grosfuͤrst von Litthauen. 113 Sluck, verschiedene Lieflaͤnder dieses Namens 9 Sobolit, wird dem Orden abgetreten 16 Soͤst (das Haus von) eine Gildenstube in Riga 104 Soltrump, Joh. Stadtvogt zu Riga 148 der Sonebrief 88 ꝛc. Sonneburg, Nachricht von der Erbauung die- ses Schlosses 98 g ). es wird dem Herzog Magnus von Holstein eingeraͤumet 252 Sophia, eine griechische Princeßin, heiratet den Czar Jvan Basilewitz 153 . 154 Sotakele, wird Volquin von Alberto I zu Lehn gegeben 15 von Spanheim, Sifert Lander, Herrmeister 123-126 Sternberg, erbauet 41 Stephan von Gruben, Erzbischof zu Riga 157 . Tod desselben 161 Strubycz, Matth. Beurtheilung seiner Beschrei- bung von Liefland 5 von Stuckland, Andr. Herrmeister 50 ꝛc. Sylvester Stobwasser, Erzbischof von Riga 136 . Privilegium desselben fuͤr die Ritter- und Manschaft zu Riga 145 ꝛc. Buͤndnis dessel- ben mit dem Herrmeister Johann von Mengden 146 ꝛc. Zwistigkeiten desselben mit Bernhard von der Borg 156 . Schicksale desselben vor Erlangung der erzbischoͤflichen Wuͤrde 156 c ) T. Tageleistung des lieflaͤndischen Adels zu Waimel 161 Tapiaw, Erbauung dieser Festung 60 Tarwest, wird von den Russen erobert 159 . 265 Tarwede, wird von den Litthauern erobert 98 . wird von Walther von Nordeck zerstoͤret 64 Tater Cham, bietet Kettlern Huͤlfe wider die Russen an 250 Taube, Georg, wird erschossen 220 Tegetmeier, Sylvester, einer von den ersten Reformatoren in Liefland, vornemste Lebens- umstaͤnde desselben 185 . 186 . 190 Tensky (Graf) polnischer Gesandter am schwedi- schen Hofe 267 Terpingorre, Kelar, rußischer Botschafter an den doͤrptischen Bischof 227 . Verrichtungen des- selben 229 Thoraida, Nachricht von diesem Flus 58 *) von Thulen, Hinr. Geschenk desselben an Gott- hard Kettler 217 Thyle, Ant. Buͤrgemeister von Doͤrpt, herzhafte Erklaͤrung desselben bey der Belagerung dieses Orts von den Russen 237 von Tiesenhausen, Heinr. bleibt in einem Treffen gegen die Litthauer 66 - - - - - - Johan, mus Kokenhausen ab- treten. 116 - - - - - - Engelrecht und Peter, be- kommen das Recht der gesamten Hand 124 - - - - - - Fabian, wird als Gesandter nach Daͤnnemank geschickt 242 Titiger, wird dem rigischen Kapitel geschenkt 155 Torchill, vortheilhafte Bewilligung des Koͤnigs Waldemar an denselben 42 . Schenkung Koͤ- nig Erichs an denselben 48 Torck, Diederich, Herrmeister 122 . 123 Tragereverre, wird an das Kloster Padis ver- kauft 81 Tramate, Anfuͤrer der Samogiten, Haͤndel des- selben mit Werner von Breithausen 61 . er- mordet den Myndow 62 Trave, wird von Waldemar gesperret 41 Treider, Matthi. wird auf Dav. Hilchens Be- fel erschossen 24 U. Uggenois, wird dem Orden abgetreten 16 Ugri, wird zum Kloster Gudwall gekauft 48 von Ungern, Georg, erhaͤlt einen Gnadenbrief von Carl 5 198 von Ungern, Juͤrgen, bleibt in einem Gefecht gegen die Russen 259 von Urenbach, Wilh. Hochmeister des deutschen Ordens 46 Utrechtsche Bischoͤfe, werden zu Beschirmern des Ordens in Liefland ernant 79 Uxkuͤl, Georg, Hauptman im Schlos Neuen- haus 234 - - - Jac. und Otto, werden von den schwuͤ- rigen Bauren erschlagen. 259 V. Vatelkanne, Joh. Vergleich desselben mit dem Orden wegen Leale 150 Vellin, wird von den Russen erobert 257 von Velven, Andr. demuͤtiget die aufruͤrigen Oeseler 42 . 43 . Ordensmeisterschaft desselben 45 e ) Verpfaͤndung, Vertrag, so deshalb zwischen der harrischen und wirischen Ritterschaft und den Revelschen errichtet worden 99 . Verord- nung der Revelschen deshalb 170 Vicarien, lieflaͤndische, was es damit zu bedeu- ten habe 191 o ) von Vietinghof, Arn. Haͤndel desselben mit den Russen 94 . wird zum Herrmeister des lieflaͤn- dischen Ordens erwaͤlet 205 - - - - - Conr. Herrmeister 118-121 Vincke von Oberbergen, Heidenreich, wird zum Herrmeister des lieflaͤndischen Ordens er- nant 133 . 134-136 Vinno, Herrmeister 1 ꝛc. 5 ꝛc. Vitalienbruͤder 117 Vithenes, Grosfuͤrst der Litthauer, Einfal dessel- ben in Liefland 71 Vitold, Haͤndel desselben mit dem Orden 113 . hilft dem Erzbischof von Riga wider die Rus- sen 128 Voͤlkersam, Friedr. erhaͤlt einige Vortheile wi- der die Russen 242 . bleibt in einem Treffen gegen dieselben 245 Volkarson, Volquins Abgeordneter an den Kai- ser Friedrich 2 . 19 Volguin, Herrmeister, 8 ꝛc. wird von dem Bischof Albert mit einigen Laͤndern belenet 15 . vergeblicher Versuch desselben, den Schwerdt- Z z z z bruͤ- Register der merkwuͤrdigsten Sachen bruͤderorden mit dem deutschen zu vereini- gen 33 Volstinicz, wird von den Litthauern zu ihrem Regenten erwaͤlet 62 c ) W. Wagithe, daͤnischer Stadthalter in Revel 78 Waigele, wird vom Herman der lieflaͤndischen Ritterschaft abgetreten 15 . Abel, Koͤnig von Daͤnnemark, begiebt sich seiner Anspruͤche dar- auf 51 Waldemar, Koͤnig von Daͤnnenark, Vergleich desselben mit dem lieflaͤndischen Orden 40 ꝛc. gesteht dem revelschen Bischof neue Zehenden zu 42 Waldemar, Koͤnig in Schweden, bestaͤtiget den Rigischen die Zolfreiheit 62 Waldkirch, Balzer, wird zum doͤrptischen Bi- schof vorgeschlagen 195 Walfisch von ausserordentlicher Groͤsse, gefan- gen 108 Walkischer Reces, wird errichtet 126 . 127 von Wallenrode, Joh. Erzbischof von Riga 115 . Verrichtungen desselben auf der Costni- zer Kircherversamlung 122 . wird Bischof zu Luͤttich und stirbt 124 Wattele, wird an das Kloster Padis ver- kauft 81 von Wedbergen, Bruno, wird als Gesandter nach Daͤnnemark geschickt 242 . die Wedde, wird der Stadt Riga ertheilet 158 der Weinbrief, Verfertigung desselben 158 Weissenstein, vergeblicher Versuch der Russen darauf 258 Wenden, wird von Plettenbergen befestiget 175 von den Russen erobert 265 Werbeck, wird von den Cosacken uͤberrumpelt 235 Werner von Ursula, Urheber einer Samlung von Gesetzen des deutschen Ordens 134 Wesenberg, wird dem Ordensmeister zur Vor- mundschaft uͤbergeben 96 . wird von den Rus- sen besetzt 235 Westhard, Handel desselben mit den Deutschen in Liefland 19 von Westphalen, Andr. Herrmeister 63 . 64 Wieborg, Haͤndel zwischen dieser Stadt und Re- vel werden beigelegt 95 Wilhelm, Bischof von Modena, wenn er nach Liefland gekommen 6 . 7 . Verrichtungen dessel- ben darinnen 17 . Verordnung desselben wegen der Streitigkeiten der Clerisey und des Ordens 20 ꝛc. Einrichtung desselben wegen Curland 46 Wilhelm, Marggraf von Brandenburg, ver- gebliches Gesuch desselben um die Coadjutur zu Riga 189 . Anzug desselben in Liefland 197 . Schwierigkeiten gegen die Aufnam desselben 201 . nimt die bischoͤfliche Wuͤrde zu Oesel an 202 . Vergleich desselben mit den Lieflaͤndischen Staͤnden der Religion halber 203 . 204 . mus Reinholden von Buxthoͤveden weichen 205 . geraͤth in Verdacht der Landesverraͤtherey 219 . Gefangenschaft desselben 221 . Erledigung des- selben 226 Windau, wird an Polen versetzt 251 Wirische Bischoͤfe, wo sie ihren Sitz gehabt 55 d ) Winter, Joh. Botschafter der Stadt Revel an Kettlern 260 ꝛc. Wirland, wird von Heinrich VII dem lieflaͤndi- schen Orden Geschenkt 22 . wird dem Ordens- meister voͤllig |unterwuͤrfig gemacht 190 Wisbyer, Zwistigkeiten derselben mit den Est- laͤndern 71 Wisbyer Seerecht 33 t ) Woidat, ein litthauischer Prinz, wird von den Ordensbruͤdern gefangen genommen 106 Woldemar der dritte, Koͤnig in Daͤnnemark 93 f ). Reise desselben nach Estland und da- selbst getroffene Anstalten 97 . Auszug aus einigen Briefen desselben 97 e ). Reise desselben nach Preussen und dem gelobten Lande 100 Woldemarisches Lehnrecht 11 e ). 12 Wolmar, Gefangenschaft eines Theils der dasi- gen Buͤrgerschaft bey den Russen 258 . die Stadt wird von den Russen erobert 265 Wolmersche Absprache 167 ꝛc. Wolmerscher Landtag vom J. 1545 210 Wolthus von Fersen, Johan, Herrmeister in Liefland 152 Wonei, wird zum Kloster Gudwall gekauft 48 Wrangel, Alheit, Aebtißin des Magdaleuenklo- sters zu Riga 214 Wrangel, Moritz, Bischof von Revel, ver- kauft sein Stift an den Herzog Magnus 252 die Wyck, wird Volquin von dem B. Albert zu Lehn gegeben 15 . wird dem Bischof Herman vom Koͤnig in Daͤnnemark geschenkt 50 . Ein- fal der Russen in dieselbe 258 . Empoͤrung der Bauren daselbst 259 X. Xalemachie, wird zum Kloster| Gudwall gekauft 48 Z. Zaber, Wolfgang, stirbt auf dem Wege nach Rusland 233 Zela, ein samogitisches Schlos, wird von den Ordensvoͤlkern zerstoͤret 100 von Zewen, Anfuͤrer der Lieflaͤnder gegen die Lit- thauer 58 Zoll, wird den nach Liefland handelnden Kauf- leuten erlassen 65 Zuski, rußischer Feldherr, erobert Doͤrpt 238 Jn der Vorrede S. 5 Anm. *) Z. 1 mus anstat 1563 gelesen werden 1663. S. 63 beim Jahr 1379 anstat Beursberg, Braunsberg. S. 326 beim Jahr 1565 anstat Oesel und Deutschland, Oesel und Curland.