Georg Rodolf Weckherlins Gaistliche und Weltliche Gedichte. Amsterdam Bey Iohan Iansson Ao. 1641. An den freindlichen Lesern. Lieber Leser/ W Eil neben andern meinen guͤttern/ welche durch den vnmenschlichen Krieg in meines brudern Ludwigs seeligen haͤnden (zu Stutgart vnd Blochingen) mit allem dem seini- gen/ ja jhme selbsten/ vnd vnserm Vatterland zu grund gegangen/ auch meine hinderlassene schrifften verlohren: Alß hab etlicher meiner gutten Freinden begehren Jch desto baͤlder stat geben/ vnd etliche auß vielen andern/ mehrer- theils von mir/ sydher Jch Teutschland verlas- sen/ geschriebnen Poësyen (weil Jch zwischen meinen wichtigern vnnd stehtigen geschaͤfften kaum einige angenehmere/ dan diese/ mir natuͤr- liche/ ergoͤtzung) zusamen klauben/ vnd hiemit an das Liecht kommen lassen wollen. Denen Jch jung bekant gewesen/ die wissen wol/ daß Jch schon vor dreyssig jahren vnserer Sprach reichthumb vnnd zierlichkeit den Frembden in meinen Gedichten fuͤr augen geleget: Deren die zwey Buͤchlein meiner Oden vnd Gesaͤnge A 2 vor vor langem durch den Druck zu Stutgart an das liecht: die vbrige aber (darunder mich allein meine in vielen Sonneten vnd andern Gesaͤngen vnd Staͤnden beschriebene Buhlschafft (Myrta genant) schier noch betriebet vnd verliebet) in des ellenden Teutschlands fewer vnd aschen gerah- ten; vnd also als meiner jungen thorheit funcken zu nichts worden. Jnmassen dan gewiß daß Gleichwie Wir menschen dahin sterben/ Also auch vnsre Werck verderben. Waferꝛ nu dise wenig stuͤcke auch dir wie andern meinen freinden angenehm seyn/ So moͤgen si e vielleicht aͤlter dan jhre gedachte aͤltere geschwi strigte werden. Zwar ob ich wol glaube/ daß si e nicht Allen gefallen: So berede ich mich doch daß sie auch vielen nicht mißfallen werden. Nichts ist leichter vnd gemeiner/ dan andr e Leut arbeit zu tadlen. Gleichwol dessen vng e schewet/ wage ich diese stuͤck an das liecht/ weil ic h weyß/ daß mich viel hohe vnd fuͤrtreffliche Pe sonen/ (ja auch gute Poeten) in Engellan d Franckreich/ Jtalien/ Hispanien/ vnd ande Landen/ so wol als in Teutschland/ geliebet vn noch lieben. Welches ich allein fuͤr die jeni g melde/ welche jhnen selbs/ mehr dan andere diser Kunst zuwissen/ einbilden vnd sich selbs schrayen doͤrffen. Die Freyheit die ich einem jeden seine eig We Werck herauß zu streichen goͤnne/ Jst auch mir verhoffentlich nicht zu vergoͤnnen. Die zwaite/ vierte/ sechste/ achte ꝛc. Syllaben allzeit lang/ vnd also die Verse auß lauter Spond æ en oder Jamben (wie sie zu nennen) zu machen/ er- achte ich (erwegend einer jeden Sprach eygen- schafft) nicht so bequem in andern/ als in der Engellaͤndischen vnd Niderlaͤndischen Spra- chen. Jedoch wer es auch in der Teutschen hal- ten will/ vnd zierlich fortbringen kan (dann die vbrige vorberuͤhrte Sprachen lassen es jhnen nicht gern einzwingen) der mag es thun vnnd gelobet werden. Doch wuͤnsche ich/ daß er nicht zu gleich die Sprach den Frembden schwer vnd vnangenehm mache: Viel weniger auch viel schoͤne/ vnd insonderheit die vielsyllabige/ vnd zusamen vereinigte Wort von einander abschai- de/ oder jaͤmerlich zusamen quetsche/ oder gar verbanne/ vnd in das ellend vnd die ewige Ver- gessenheit verstosse: Vnd also dem so lieblich fallenden/ vnd (meiner meinung nach) gantz kuͤnstlichen Abbruch in der mitten der langen Versen/ sein merckliches wehrt vielleicht gar benehme. So kan ich auch allhie zugestehen nicht vmbgeben/ daß indem vor vielen jahren viel Frembde/ doch vnserer Teutschen Sprach gantz kuͤndige vnd erfahrne Herꝛen/ mir vnserer Poesy mangel vnd vnmoͤglichkeit fuͤrgeworfen; A 3 An- Andere aber (auch vnsere Sprach zu lernen be- gihrig) daß sie von vnsern zusamen gezognen Worten/ vnd vieler Syllaben/ stummer vnd mitstimmer zusamen zwingung/ davon abge- schroͤcket wurden angedeutet vnd bekennet: Je- ne/ jhnen jhre vbel gegruͤndete Meinung zu wi- derloͤgen/ Vnd daß wan Wir Teutsche vns vn- sere Muttersprach so wol als frembde Sprachen gefallen liessen/ vnd dieselbige (als die Frembde die Jhrige) pur vnnd zierlich zu reden vnd zu- schreiben befleissigten/ Wir keinen Voͤlckern nach zu gehen/ durch meine aigne Gedichte alßbald zu beweisen: Diese aber/ Sie mit mei- ner außfuͤhrlichen vnd vngezwungenen schrei- bung vnserer Worten (dadurch jhnen sich vbe r die harte Außsprach vnserer Sprach zubeklage n benommen/ in dem sie leichtlich gesaget/ vnnd gar nicht gsagt außsprechen koͤnden) gleichsam zu vns zu gast zu laden/ die Gelegenheit zuneh - men mich gezwungen. Wie aber verliere ich mich? Beduncke n nicht einem jeden Affen seine Jungen die hip scheste? Vnd warumb solten auch nicht vn - serm Vatterland (wie sunsten schier einem jede m Land) seine aigne Sprach/ vnnd derselbige Blumen vnd Fruͤchten schoͤn/ lieblich vnd lie seyn. Die meinige/ welche dir hie fuͤrgetrage n werden/ wie sie jmmer seind/ kommen allei n herfuͤ r herfuͤr/ dir/ wie fleissiglich vnd getrewlich Jch Mein Vatterland/ meine Freunde vnd Lands- leut zu ehren vnd zu bedienen begehre/ offentlich zu bezeugen; Vnd mich/ wafern sie freindlich empfangen vnd gehalten werden/ den andern Theil meiner Gedichten dir bald nach diesem mit zu thailen/ zu vermoͤgen. Gegeben an dem Koͤniglichen Hofe in Engelland den letzten Tag Herbstmonats. 1639 . G. Rodolf Weckherlin. A 4 Jn- Jnhalt dises Ersten Theils. Gaistliche stuͤcke/ darunder seind dreyssig Psal- men Davids. Nemlich. D Er Erste Psalm. Beatus vir qui non abiit. Der 2. Psalm. Quare fremuerunt. Der 3. Psalm. Domine quid. Der 4. Ps. Cum invocarem. Der 5. Ps. Verba mea auribus. Der 6. Ps. Domine in furore tuo. Der 8. Ps. Domine Dominus noster. Der 9. Ps. Confitebor tibi Domine. Der 11. Ps. In Domino confido. Der 13. Ps. Vsque quò Domine. Der 30. Ps. Exaltabo te Iehova. Der 34. Ps. Deus auribus nostris. Der 46. Ps. Deus noster refugium. Der 52. Ps. Quid gloriaris in malitia. Der 54. Ps. Deusin nomine tuo. Der 57. Ps. Miserere mei Deus. Der 74. Ps. Vt quid Deusrepulisti. Der 90. Ps. Domine refugium factus es. Der 91. Ps. Qui habitat in adjutorio. Der 93. Ps. Dominusregnavit. Der 104. Ps. Benedic anima mea. Der 113. Ps. Laudate pueri Dominum. Der 119. Ps. Beati immaculati. Der 123. Ps. Ad te levavi oculos. Der 127. Ps. Nisi Dominus. Der 134. Ps. Ecce nunc. Der Der 136. Psalm. Laudate Dominum Der 137. Ps. Super flumina Babylonis. Der 142. Ps. Voce mea ad Dominum. Der 148. Ps. Laudate Dominum. Dan volgen vier andere gaistliche Gedichte. Die Weltliche Gedichte seind abgetheilet. 1. Jn Heroische vnd andere stuͤcke. 2. Etliche Epigrammaten. 3. Buhlereyen vnd Liebgedichte. 4. Oden vnd Gesaͤnge. 5. Drincklieder vnd 6. Gedichte fuͤr Auffzuͤge/ Turnier vnd’ Balleth. ꝛc. A 5 Del Del Sig’. Angelo Trono SONETTO All’ Autore. 1616 . D Oppo ’l quint’ anno, che dal patrio hostello Movendo i passi a glorioso segno, Scorsi più d’un paese, e più d’un regno, E mirai ogni di popol novello: Al fin ritrovo in te ( Rodolfo ) quello, Che non può compartirsi a humano ingegno, Onde l’acquisto mio stimo più degno Che de Colchidi Heroi l’aurato vello. Il mondo cieco; onde è virtù sbandita, Mentre à l’occaso ogn’hor fugge e s’imbruna, Dal tuo soccorso attende e lume e aita: Tu giongi à tempo. Invidia indarno impruna A tuoi passi d’honorla via espedita, E serva al tuo valor scorgo Fortuna. Kling- Kling-Gedichte/ An dieses Buch. 1638 . WJllkom verlangtes Buch/ das vns wirt wider- bringen Was lang verloren war/ was jederman veracht/ Seid man so manche sprach ins Teutschland hat gebracht; Nu must du dich mit macht durch Teutsch- Welsch-Franckreich zwingen. Der Hofman wirt auf dich/ als einen Ketzer/ dringē/ Der Newe Cantzelist ist auff die schmach bedacht/ Dieweil jhm wirt ein Que in sein concept gemacht/ Dan man bey dir nicht hoͤrt die frembde Woͤrter klingen. Willkom gewuͤnschtes Buch/ laß dich nu froͤlich blicken/ Dan deinen aufgang kan kein Neider je ersticken/ Dein Maister schuͤtzet dich bey Hof vnd Cantzeley: Vnd du/ auch selber du; du machest dich schmachfrey. Wie kans auch anderst sein? dich hat derselb ge- macht Der erstlich vnsre sprach widrumb in gang gebracht. Johan Kuͤeffer. Gaist- Register. Gaistliche Gedichte. Psalm Blat. ACh! daß der schwere schmertz. 139. 54. Ach Got/ mein hoͤchster Hort 54. Ach Herꝛ/ ach hoͤchster Got. 147. 5. Ach laß mich dir mein ellend. 14. 137. Alß wir an dem Gestad 123. 113. Dem Hoͤchsten Allweyß/ gut 90. 30. Demnach du gnaͤdig Dein 35. 46. Der einig schirm/ schantz. 48. 90. Du/ Herꝛ/ als vnser Hayl. 68. 57. Erbarme dich Herꝛ vber mich. 57. Es sey gleich daß jhr noch 134. 9. Jch will/ O Got/ dein Lob. 24. 8. Jehova/ hoͤchster Got. 21. 44. Jetzund bedencken wir. 39. 142. Jn meiner hoͤchsten noht 126. 52. Jst es/ Tyran/ dan noch 51. 3. Mein Got/ wie sehr vermehren 8. Mensch kanst du wol 133. 136. Nu lobet Got mit mund. 117. 134. Nu lobet/ ehret/ ruͤhmet. 117. 4. O der du wilst vnd kanst. 11. 148. O Engelische schaar. 128. 1. Recht seelig ist der mensch. 1. 119. Recht selig seind gewiß 92. 6. Verzieh/ Herꝛ/ deinen schweren 18. 93. Vmbsunst der stoltze. 78. 91. Wan alle maur/ schantz. 73. 127. Wa der Hoͤchst nicht mit. 115. 11. Wan 11. Wan ich zugleich in sicherheit. 32 74. Warumb/ Herꝛ vnser Got/ 60. 2. Was wesens machen doch 3. 13. Wie lang/ O hoͤchster Herꝛ 34. 104. Wolan/ ermunder dich. 80. 123. Zu dir/ O hoͤchster Got. 114. Weltliche Gedichte. ALs Arria das schwert 177. An farben bist du gleich. 181. An schoͤn vnd rawheit kan. 227. Auß vilen andern mehr. 154. Botz kreutz/ wie ist. 180. Das auß vndanckbarkeit. 211. Das glick ist allen gleich. 192. Das gold des Morenlands. 206. Daß jhn das alter nicht. 183. Das praͤchtigste Kriegsschif. 205. Dein anschlag ist zu frech 165. Dein aigner muht/ O Held. 159. Demnach mich Amor. 215. Der haß hat all sein gelt. 180. Der Leib des groͤsten Reichs 170. Der Lustich wolt mich. 186. Der menschen wohn ist. 175. Der Knoͤbel gehend nachts 183. Der Schaͤfer Filodor. 194. Der Schlund gieng. 181. Der wahren Tugent. 174. Der Zimpferlin/ dem. 182. Die Lilla sey schoͤn/ wie. 179. Die Die Natur hat ein jedes. 249. Du bist keines weysen. 183. Du bist/ O zart schnee- 224. Du bist Weltwehrter. 163. Du hattest vier Zaͤhn. 186. Er kan mit solcher krafft. 168. Es ist nicht seltzam. 182. Es ist kein maͤdlein in der stat 185. Euch will ich dienen. 279. Fey/ Teufel/ spricht der. 184. Franckreich/ dein ist der Sig. 166. Fratz/ Ewer buhl sich stehts. 189. Frisch auff/ jhr dapfere soldaten 244. Geburth ist schlechter ruhm. 193. Gedrucknet durch die frewd 178. Georg schweiget vnder. 187. Gleichwie ein armer mensch. 209. Glickseelig bin Jch wol. 217. Groß billich ist sein Nam. 160. Hanß laufft dear. 179. Hie schlafet/ vnd Got sey. 189. Ja/ Brissach dein verlust. 164. Ja/ Spannisch bist du Neyd. 162. Jch brenn auß lieb vnd lust. 213. Jch dicht/ ich sag/ ich sing. 202. Jch sah als jhr gesicht. 214. Jch sah in meinem schlaf. 173. Jch weiß nicht was doch. 185. Jn dem mein ohr/ hand. 171. Jn diser erden ist ein. 191. Jn lieblichem geruch. 212. Jhr augen die jhr mich. 210. Jhr Jhr Goͤttin zart. 280. Jhr Nymfen/ deren blick. 273. Jhr Nymfen diser welt 274. Kom Myrta der Lieb wohn 229. Koͤnt jhr mich dan sunst 252. Man findet kein gestirn. 167. Mensch/ bist du klug. 192. Merck/ Glotz/ weil du. 190. Mit Tugent vnd mit ehr. 188. Muß es geschaiden sein. 218. Nein. Es ist nicht mehr noht. 284. Nein. Jhr seit noch nicht alt. 219. O der Lieb liebste garn. 216. O der Lieb wahrer hort. 222. O dessen wehrte werck. 272. O jhr krumme/ schlimme sehlen 238. O Koͤnig/ dessen haupt. 158. Pfaff/ die vergleichung. 187. Printz/ dessen verdienst. 161. Printzessin/ deren ehr. 278. Printzessin gleichloß an. 275. Recht tauget Breutigam. 181. Roß deine schoͤnheit. 184. Roß ewer Controfeht. 190. Seind es haar oder garn 221. Sie ist schoͤn vnd Er weyß 186. Tod ist Gustav der. 169. Verfolgung/ muͤh vnd layd. 156. Vil nennen dich/ hoͤr Jch. 191. Wan man hie keinen. 177. Was alt vnd seltzam. 187. Warumb jhr frawen vnd. 272. Warumb Warumb hat man die. 157. Was kan vns/ Amor. 208. Was tadlet man doch. 189. Was dienet deine brunst. 220. Welchen der Goͤtter schatz. 204. Weil nu der lufft gantz 258. Wer ist doch jmmer so. 250. Wer sein betruͤbets aug. 203. Wie sunst ein Potentat. 281. Wie vnverhinderlich. 247. Wie vns die Lieb ein liecht. 178. Wie bitter/ Dido/ war. 178. Wild bist du nicht. 188. Wir musten gestern. 185. Wir kommen nicht. 277. Witzloß war die fuͤrwitz 207. Yar hipscha Meaza 292. Zerbrich das schwere. 155. Der Leser wird gebetten folgende Fehler (Da die erste Zahl das Blat/ die ander den Vers bedeutet) also zu verbessern. 22. 17. DAs Zaichen (?) ist vn- noͤthig. 26. 3. Liß/ vnsrer 28. 5. Liß/ vnsre. 29. 22. rund. 41. 2. frommem 45. 18. fewr. 48. 7. vnsre. 63. 22. vns fuͤr vnd. 65. 3. widrumb. 85. 12. vngejaget. 97. 11. schew. 99. 6. trit. 103. 6. Diener. 105. 14. meinen. 131. 6. dem. 136. 15. war. 137. 18. den menschen. 169. 7. vnsern. 173. 11. bilds. 176. 10. seine nacht. 186. 1. Der Lustich. 201. 7. verwundrung 205. 12. die augstern. 242. 14. gefaͤhrlich. 244. 7. freyhem. 251. 18. brausend. 254. 4. Schweizer. 255. 5. woͤllen. 269. 6. vergessen. 279. 18. Ob ich wol mehr gefan - gen nicht. Gaist- Gaistliche Poësyen. Der erste Psalm. Beatus vir, qui non abiit. 1. REcht seelig ist der Mensch/ der fromb vnd frey zu leben So fleissig Gottes schul Besuchet/ daß er (Got ergeben) Sich weder in den Raht/ noch auff die Straß/ noch Stul/ Des volcks/ so mit boßheit/ schand vnd spot sich er- goͤtzet/ Achtloß/ fre ch/ sicherlich/ verfuͤget/ stoͤllet/ soͤtzet. 2. Ja/ seelig ist der mensch/ der der welt vngeachtet Allein Gottes gesatz Stets lobet/ liebet vnd betrachtet/ Als den suͤssesten lust/ als den reichesten schatz: Vnd es in frewd vnd laid so lernet/ vnd so lehret/ Daß es jhn tag vnd nacht bewahret vnd bewehret. 3. Einem fruchtbaren baum von guter hãd gepflantzet Jn wolgeschlachtem grund Mit wasserbaͤchen wol verschantzet/ Daß er zu seiner zeit erquicket aug/ naß/ mund/ Ja/ der den gaͤrtner stets erfrewet vnd bereichet/ Gruͤn/ bluͤhend vnd fruchtreich/ ein solcher mensch sich gleichet. B 4. Sein Gaistliche 4. Sein arm/ sein mund/ sein hertz/ verꝛichtet/ redet / tichtet/ Was goͤtlich/ wahr/ gerecht/ Vnd wie jhn Got selbs vnderꝛichtet/ Also gehorchet er/ als ein getrewer knecht/ Daß jhm in allem thun/ von Got reichlich gesegnet / Gluͤcklich gelinget stehts/ vnd kein vngluͤck begoͤgne t 5. Ein vil andre gestalt hat es nun mit den boͤsen/ Ob sie schon groß/ starck/ reich: Ein fluch ist der gottlosen wesen/ Obschon jhr vberfluß des Herꝛen seegen gleich: Sie hoffen ohn bestand/ ohn grund sie sich erfrewen Dan die wind hin vnd her wie sprewer sie zustroͤwe n 6. Auch wirt/ wan alles flaisch soll wieder aufferstehe n Fuͤr des Hoͤchsten gericht/ Der boͤsen jamer recht angehen/ Da jhrer keiner wirt auffhoͤben sein gesicht: Kein suͤnder wirt ja dañ d’ from̃en wohn befloͤcke n Noch sich vnder die zunfft der gerechten verstoͤcke n 7. Dañ ja der grosse Got/ dem aller menschen hande l/ Hertz vnd gedancken kund/ Seiner erwoͤhlten weeg vnd wandel Erkennend/ nimmet sie zu sich in guter stund: Hingegen stuͤrtzen sich in ewiges verderben Die boͤsen/ da sie dann (vnsterblich) allzeit sterben. D er Gedichte. Der ander Psalm. Quare fremuerunt. 1. WAs wesens machen doch die Haiden? Was schwirmen doch mit solcher wuht Die sich auß thorheit vnd hochmuth Von Got vnd seinem volck selbs schaiden? Sie bilden jhnen selbs nichts fuͤr Dann eytelkeit vnd vngebuͤhr/ Von schwerem krieg vnd grossen schlachten Jst all jhr dichten vnd jhr trachten. 2. Die Potentaten hoch vnd maͤchtig Vnd groß/ als wann fuͤr sie die welt Nicht groß gnug: Die durch gut vnd gelt Dick/ auffgeblasen/ frech vnd praͤchtig/ Versamblet gehen fruͤh vnd spaht (Gantz schwirig doch geheimb) zu raht/ Zugleich Gott vnd Christ/ der hernider Vns zu erloͤsen kam/ zu wider. 3. Wa wir vns (sprechen diese thoren) Nicht freyhen von der heuchlerey Last vnd gesatz/ so schwer als new/ So seind wir vnd das volck verlohren: So lasset vns/ daß vnser will Regier/ vnd sich allzeit erfill/ Alsbald die newe strick zerreissen/ Vnd dises schwere Joch zerschmeissen. B 2 4. So Gaistliche 4. So sagen die/ die (gantz vermessen) Nicht Goͤtter sondern koht fuͤr Got; Auch lachet jhrer schon mit spott Der jhnen weit zu hoch gesessen: Der Herꝛ/ der herꝛscher aller welt Verlachet sie/ jhr gold vnd gelt/ Der Herꝛ/ der helffer aller deren/ Die jhn anrufen/ lieben/ ehren. 5. Daher mit jhrer lastern lasten Beschweret/ gantz schwach/ schlecht vnd schlim Wird sie der Herꝛ mit grossem grim Vnd gantz trostlosem zorn antasten; Also daß jhnen/ wann jhr hertz Verzaget/ vnd ein blaicher schmertz Verstoͤllet jhr haupt vnd geberden/ Die welt erst recht zu eng wirt werden. 6. Jch/ der ich mein recht wol zu rechen/ Die feind zu daͤmpffen/ vnd den schweiß Der armen zu vergelten/ weiß (Wirt Er als dann zu jhnen sprechen) Hab meinen Koͤnig in Syon Mit meiner gnaden oͤhl vnd Cron (Euch vnanruͤhrlich) selbs gezieret/ Dadurcher ewiglich regieret. 7. Mei n Gedichte. 7. Mein mund die Satzung nicht verschweiget (Spricht solcher Koͤnig) dadurch mich Der Hoͤchst versichert/ sagend/ Dich Hab Jch heut seliglich gezeuget: Mein einig lieber Sohn bist Du/ Darumb heisch vnd erfordre nu Was von mir jmmer zu begehren/ Vnd dessen will ich dich gewehren. 8. Die/ welche noch zur zeit frey leben/ Die heiden/ deren grosser muth Nichts dann was sie gut duͤncket thut/ Will ich dir fuͤr dein erbthail geben: Ja alle voͤlcker/ alle staͤnd Von einem zu dem andern end Des Erdreichs/ fuͤrhin zu verwalten Solt eigenthuͤmblich Du behalten. 9. Du soltmit einem stab von eysen Nichtsp aren deren vngebuͤhr/ Die sich/ auffleynend gegen Dir/ Vnwuͤrdig deiner huld erweisen: Ja/ wie gefaͤß von thon vnd sand/ Gedichtet durch des Toͤpff ers hand/ Zerschmaͤttert/ sollen sie als scherben Fuͤr dir verfallen vnd verderben. B 3 10. Wol- Gaistliche 10. Wolan/ darumb jhr Potentaten Ohn laͤngern schaͤdlichen verzug Ermundert Euch/ vnd werdet klug Vnd lasset euch nunmehr recht rathen: Jhr Richter/ die jhr andre leut Wie jhr wolt/ richtet/ Es ist zeit Euch recht zu lassen vnderꝛichten Von dem/ der Euch selbs recht wird richten. 11. Die Weyßheit/ die allein vonnoͤthen/ Wie auch die allein beste Lehr/ Jst/ daß man geb allein die ehr Dem/ der beleben kan vnd toͤdten: Dann ja kein mensch/ groß oder klein/ Der disen Got/ (der Got allein) Nicht gern bedienet/ ehret/ preiset Sich recht in seinem ampt erweiset. 12. Nu ewer ampt recht zu vertretten So muͤsset jhr von hochmuht frey/ Gantz fridlich/ freundlich vnd getrew/ Gott allein dienen vnd anbeten/ Vnd auch mit purer lieb/ lust/ frewd (Die zwar ohn zittern/ forcht vnd laid/ Gefahren halben/ nicht zu haben) Jn solchem dienst euch selbs erlaben. 13. Au ch Gedichte. 13. Auch seinen Sohn (der mit verlangen Sich selbs freywillig gnaden-reich Darstoͤllet/ vnd (barmhertzig) euch Vmbfanget) danckbarlich vmbfangen: Vnd fallend forchtsamb jhm zu fuß Mit wahrer demuth/ rew vnd buß/ Vnd mit geluͤbt/ fuͤrhin geflissen Jhm zugehorsamen/ jhn kuͤssen. 14. Dann sunst moͤcht sein Zorn ewer pochen/ Vnd eigensinnigen fuͤrsatz/ Vnd anschlag wider sein gesatz Nicht laͤnger lassen vngerochen; Vnd sein mißfallen vnd verdruß Euch stuͤrtzen in die finsternuß (Mit aller ewrer witz/ weyß/ wesen) Davon euch niemand kan erloͤsen. 15. Ohn seine gnad kan nichts gedeyhen/ Die welt ist seines worts gemaͤcht/ Vnd wie zu straffen er gerecht/ So gnaͤdig ist Er zu verzeihen: So ist nu seelig deren wahl/ Ja/ Seelig/ seelig seind dreymahl Die/ so auff disen felsen bawen Vnd vnserm Got allein vertrawen. B 4 Der Gaistliche Der dritte Psalm. Domine quid, \&c. 1. MEin Got/ wie sehr vermehren sich Die welche mich Verfolgen vnd befahren! Die anzahl deren/ die Gottloß Vnd toll/ sich wider mich verfahren/ Jst nu/ wie meine forcht/ sehr groß. 2. Vil/ vil erhoͤben jhre stim Mit spot vnd grim Mein hertz vnd gaist zu blinden; Vnd schreyhen frech/ Er soll in Got Nu wederhilff noch zuflucht finden/ Noch (klug) entfliehen dieser noht. 3. Du aber bist/ vnd sein du wilt Mein schirm vnd schilt/ O Got/ mich zu beschuͤtzen: Wie du mein ruhm vnd ehr in frewd/ So pflegest du zu vnderstuͤtzen Mit trost mein haupt in allem layd. 4. Vertrawend Gottes starcker hilff Zu jhm ich gilff/ Zu jhm hab ich geschryhen/ Mit lauter stim vmb seinen schutz/ Als Er mir sein gehoͤr verliehen/ Mich troͤstend/ meinem seind zu trutz. 5. Mein Gedichte. 5. Mein Herꝛ/ mein helffer/ mein heyland Mit starcker hand Zu helffen gantz genaiget/ Von dem berg seiner Heyligkeit Hat (gnaͤdig) mir alsbald erzaiget Sein hail/ hilff/ gnad vnd miltigkeit. 6. Auch hoffend/ wann der tag dahin Allzeit auff jhn Loͤg ich mich muhtig nider: Vnd weil er fuͤr mich auff der wacht/ Geniessen meine muͤde glider Nach lust der ruh die gantze nacht. 7. Wan dan der Sonnen ankunfft klar (Der sternen schar Vertreibend) mich erwoͤcket: Dem Hoͤchsten billich lob ich sag/ Dan wie Er mich zu nacht bedoͤcket/ So fuͤhret er mich auch den tag. 8. Es kan vnd will auff seine hut Allzeit mein muth Sich billich gern verlassen; Wan schon mit list/ gewalt/ macht/ schmach/ Vilhunderttaussend mir auffpassen/ So frag ich jhnen doch nicht nach. B 5 9. Steh Gaistliche 9. Steh auff mein Got/ mein Herꝛ/ mein Hort/ Wann ja dein wort Vnd deine hilff nicht fehlet: So straff/ schlag/ schmeiß/ das neyd vnd haß/ Weil haß vnd neyd den feind besehlet/ Mit seiner sehl den feind verlaß. 10. Jn seinem hertzen/ red vnd schrifft Gar nichts dann gifft Hat dises vngezyfer; Darumb zerreiß/ Herꝛ/ jhren bund/ Zerschmaͤtter gaͤntzlich jhren kyfer/ Zertrimmer jhr haͤupt/ zaͤhn vnd mund. 11. Alßdan soll sich jhr spott vnd schimpf/ Vnd falscher glimpf Mit jhrem pracht verkuͤrtzen/ Wann dein zorn (jhrer thorheit lohn) Sie tieff wird in den abgrund stuͤrtzen/ Erfillend vns mit danck vnd wohn. 12. So hat nu dein volck vrsach gnug Stets fromb vnd klug Von dir niemahl zu wancken/ Als welches dir/ vnd niemand sunst Fuͤr sein hail/ Herꝛ/ allein zu dancken/ Als die frucht deiner gnad vnd gunst. 13. Gedichte. 13. Es ist ja deine eigenschafft Mit suͤsser krafft Vnd gnad auff vns zu regnen: Durch deinen seegen/ Herꝛ/ ohn maß/ Ohn ablaß wir dich billich segnen/ Gesegnet von dir ohn ablaß. Der vierdte Psalm. Cum invocarem \&c. 1. ODer du wilt vnd kanst bewahren/ Mein Got/ voll gnad wie voll allmacht/ Jn tausendt aͤngsten vnd gefahren Hab ich bald deine huͤlff erfahren/ Wann ich dir mein laid fuͤrgebracht: Darumb mich auch jetzund zufreyhen Von aller forcht/ gefahr vnd schand/ Laß meine vnschuld mir gedeyhen/ Vnd kom/ O Got/ mir zu verleyhen (Barmhertzig) dein gehoͤr vnd hand. 2. Jhr menschen/ die die menschen ehren Mitwahrer lieb vnd falscher sprach/ Wie lang sol dise torheit wehren/ Wie lang wolt jhr noch wol verkehren Mein lob vnd ehr in schimpff vnd schmach? B 6 Jst/ Gaistliche Jst/ dan zu heuchlen vnd betriegen/ Sunst keine kunst in ewrer brust? Vnd wolt jhr ewre red stets biegen Nach dem gewin? Als ob zu liegen Waͤr allein ewre lieb vnd lust. 3. Bedencket/ daß der/ der regieret Jn dem gesternten Himmels sahl/ Mit reichen gaben mich gezieret/ Vnd in die herꝛschung eingefuͤhret Durch seiner lieb vnd gnaden wahl: Darumb dann wird der Herꝛ mein klagen/ Jn dieser meiner schweren noht/ Nicht in den wind (erzuͤrnet) schlagen/ Noch seinen beystand mir versagen/ Weil Er allein mein Herꝛ vnd Got. 4. So lasset euch nu mehr bewoͤgen/ Ja lasset euch bald durch verdruß/ Durch buß/ durch scham vnnd forcht vermoͤge n/ Was boͤß ist von euch abzu loͤgen/ Vnd hasset alle aͤrgernuß: Versaumet ja nicht/ disen sachen Wol nach zu dencken spaht vnd fruͤh/ Auff ewrem laͤger still zu wachen/ Vnd ewre hertzen frey zu machen Von aller vnruh/ sorg vnd muͤh. 5. D arnach Gedichte. 5. Darnach/ den Hoͤchsten zu erwaichen/ Solt jhr jhm danckbar vnd getrew/ Als ewrer bußfertigkeit zaichen Lob vnd danckopffer vberꝛaichen/ Von eytelkeit vnd meinayd frey: Vnd mit fuͤrsatz das boͤß zu hassen Koͤnt vnd solt jhr alsdann forchtloß Euch auff den hoͤchsten Got verlassen/ Vnd jhn als ewren schilt erfassen Jn allem truͤbsal vnd anstoß. 6. Gemeinglich die Weltkinder pflegen Zuforschen/ wa doch gold vnd gelt Zu haben/ als der beste seegen; Sunst nichts ist jhnen angelegen Noch angenehm in dieser welt: Da doch/ O Hoͤchster hoͤchstgeehret/ Dein einig reicher gnadenglantz Vns/ was von vns wird recht begehret Vnd vns von noͤthen/ stehts gewehret Auß deiner all-reich-vollen schantz. 7. Auch moͤgen Sie nach wunsch vnd willen Jn fruchtbarer Ernd vnd Herbst-zeit/ Mit vilem wein/ getraͤyd/ muhtwillen Die keller/ schewren/ hertzen fuͤllen/ Verachtend andre arme leut: Jch Gaistliche Jch aber soll vnd will gestehen/ O Got/ daß mit vernuͤgtem muht Jch jhnen allen kan vorgehen/ Vnd vielmehr trost/ Herꝛ/ in dir sehen/ Dann sie mit allem jhrem gut. 8. Wan dan mich allzeit zu erlaben/ Wan mit was mir von noͤthen ist Mich allzeit reichlich zu begaben/ Vnd sicherlich auch hand zuhaben/ Du/ O mein Got/ so foͤrtig bist: So will ich nu die ruh nicht fliehen/ Noch mit der sorgen schweren macht Fuͤrhin mein hirn vnd hertz bemuͤhen/ Noch einzuschlaffen mehr verziehen; So geb vns Got ein gute nacht! Der fuͤnffte Psalm. Verba mea auribus. \&c. 1. ACh! laß mich dir mein ellend klagen/ Mein Herꝛ/ mein hayl/ vnd sey nicht fern: Naig dein gehoͤr/ vernimb doch gern Was meinem gaist/ dir fuͤr zutragen/ Dein wort wird sagen. 2. Wa n Gedichte. 2. Wan du mein Koͤnig mich regieren/ Wan du mein Got mich schuͤtzen wilt: So laß/ mein Herꝛ/ mein schirm vnd schilt/ Mein Layd (mich bald darauß zu fuͤhren) Dein Ohr beruͤhren! 3. Hast du mich/ Herꝛ/ offt fruͤh vernommen/ So solt du mit dem fruͤhen tag Auch jetzund hoͤren meine klag; Vnd mein layd soll zu meinem frommen Fruͤh fuͤr dich kommen. 4. Alsbald der tag sich laͤsset sehen/ Da sollen mit der morgenstund Fuͤr dir/ O Herꝛ/ mein hertz/ mein mund/ Ja meine augen vnd mein flehen Zugleich auffgehen. 5. Fruͤh wil ich mich zu dir/ Herꝛ/ schicken; Vnd achtend deine gnad vnd gunst Vilmehr dann aller menschen kunst/ Bitt Jch/ mit deinen gnadenblicken Mich zu erquicken. 6. Zwar wann die/ deren wort erschallen Mehr dann dein wort: vnd die mit spott (Muhtwillig) brechen dein gebott/ Vnd (frech) in alle laster fallen/ Dir gantz mißfallen: 7. Wan Gaistliche 7. Wan fuͤr dir/ die sich selbs erhoͤhen/ Wann die fuͤr vns (ruhmraͤhtig) sich Selbs heilig machen/ schaͤndend dich/ Die (gleißner) jhre red verdraͤhen/ Gar nicht bestehen: 8. Vnd wann du pflegest/ die sich lassen Verfuͤhren/ die auß vbermuth/ Auß fuͤrwitz/ torheit oder wuht/ Was recht vnd billig ist/ verlassen/ (Gerecht) zu hassen: 9. So wirst du kaum Herꝛ (mich zu freyhen) Der luͤgenmaͤuler list vnd lust/ Noch auch der blutgierigen brust/ Ab denen du/ Got/ ein abschewen/ Jemahls verzeyhen. 10. Ja/ Got/ mein stewrmann in gefahren/ Wirt die gottlose freylich nicht/ Seines gerechten zorns gericht Fuͤr aller welt zu offenbahren/ Zu straffen sparen. 11. Jch aber/ Herꝛ/ von allem schaden Erꝛoͤttet/ vnd von truͤbsal frey/ Durch deine suͤsse lieb vnd trew Erquicket/ vnd mit deinen gnaden Reichlich beladen: 12 W ill Gedichte. 12. Will mich bald in dein hauß begeben/ Vnd mit der hayligen Gemein Durch deiner forcht vnd frewden schein Erleuchtet/ vnd mit trost vmbgeben/ Dein lob beleben. 13. O dessen werck dein lob außspraitten/ Handhaber der Gerechten sach/ Geruhwe mir/ der ich zu schwach Vnd hilffloß/ den weeg zuberaitten/ Vnd mich zu laitten! 14. O Gott/ geruhwe mich zu fuͤhren/ Daß nicht der Widersacher zunfft/ Die jhre kunst/ witz vnd vernunfft Zu schaden richten/ mich verfuͤhren Vnd mehr prachtieren. 15. Dan ob sie schon suͤß schmaichlend liegen: Jst doch jhr hertz/ mund/ zung vnd schlund/ Gleich wie ein grab/ gifft/ sarch/ abgrund/ Stehts foͤrtig vns laid zu zufuͤgen/ Vnd zu betriegen. 16. Wan sie dan nichts dan vbels dichten/ Wan sie boͤß zu thun allein klug/ Vnd wan kein vbel jhnen gnug/ So kom/ O Got/ selbst sie zu richten/ Vnd zu vernichten! C 17. Dein Gaistliche 17. Dein vrtheil vber Sie zu faͤllen Verzeuch nicht/ Herꝛ/ Gib/ daß jhr raht Schaͤnd Sie mit vnflat vnd vnraht! Stuͤrtz die sich wider dich gesoͤllen Tieff in die hoͤllen! 18. Alsbald du dieses wirst vollbringen/ So werden alle/ welche dir/ O Gott/ vertrawen/ nach gebihr Sich frewend deine werck erklingen/ Vnd dir lobsingen. 19. Dann weil Sie fromb vnd vnbefloͤcket/ Seind Sie/ O Herꝛ gerecht vnd milt/ Mit deiner gnad als einem schilt (Gesegnet/ sicher/ vnerschroͤcket) Allzeit bedoͤcket. Der sechste Psalm. Domine, ne in furore \&c. 1. VErzieh/ Herꝛ/ deinen schweren grim Außgiessend vber mich/ in diser vngestim Dich wider mich zu rechen! Verzieh dein vrtheyl/ Herꝛ/ biß die Gerechtigkeit Zuvor mit der Barmhertzigkeit Rahtschlaget/ außzusprechen. 2. Ach Gedichte. 2. Ach mein Got! schaw an die trangsal Vnd meines leibs vnd gaists vnleydenliche qual/ Daß Sie einander hassen: Gedenckend wie schwach Jch/ wie schmertzlich mei- ne noht/ Wie schroͤcklich/ maͤchtig Du O Got/ Vergiß mein thun vnd lassen! 3. Ach weh! mein leib/ gesicht vnd mund/ Schier gantz lahm/ blind vnd stum (von deinen pfei- len wund) Bezeugen meine schmertzen: Vnd meiner suͤnden heer/ mit mir in stehter schlacht/ Hat leyder! weder tag noch nacht Anstand in meinem hertzen. 4. Ach! bring mich nicht fuͤr dein gericht/ Betracht/ Herꝛ/ deiner Trew/ nicht meiner schuld gewicht/ Vnd vergiß meiner pflichten: So wirst du vilmehr/ Herꝛ/ durch gnad des men- schen fehl/ Dan vns/ dan mich/ mit leib vnd sehl Durch vngnad gar vernichten. 5. Kein lob ist fuͤr dich in der baar/ Darumb hilff/ eh Jch sterb/ Reiß mich auß der gefahr/ Herꝛ/ laß mich nicht verschmachten! C 2 Thu Gaistliche Thu thraͤnen/ seuftzen/ layd/ so mein aug/ mund gemuͤht/ Mit meinem laͤger/ lufft/ gebluͤht/ Vermischet/ nicht verachten! 6. Ohn ablaß wehret meine pein; Der tag/ gleich wie die nacht/ hat fuͤr mich keine n schein/ Vnd nichts kan mich ergoͤtzen: Jch schwim in meinem beth/ wan nicht der vberflu ß Der seuftzen drucknet mit verdruß/ Was meine zehern noͤtzen. 7. Ach Herꝛ! mein leib vnd glieder seind Numehr (als ob Jch alt) so schwach/ daß mein e freind Mehr/ dan mich troͤsten/ trawren: Hingegen meine feind seind froͤlich/ als Ob Sie Faist machte mein layd/ hunger/ muͤh/ Vnd lassen sich nichts dawren. 8. Doch fort/ fort/ jhr gotlose leut: Dan wan euch allein lieb was mir laid/ so soll heut All ewre frewd sich enden/ Dieweil ich nu mehr spuͤr/ daß Got (mein hayl vn d hort) Sein angesicht/ nach seinem wort Will wider zu mir wenden. 9. D er Gedichte. 9. Der Hoͤchst/ ohn dessen gnad vnd lieb Kein leben wehren kan/ Ohn dessen liecht wir (truͤb vnd finster) all verderben: Der Hoͤchst/ mein Herꝛ vnd Hayl/ erhoͤrend meine klag/ Vnd nu vertreibend meine plag/ Wil mich nicht lassen sterben. 10. Laß vns/ O Got/ von deiner hand Zu meiner sehlen ruhm/ vnd meiner feinden schand/ Zugleich gnad vnd straff sehen! Daß danckbar Jch besteh mit deinem volck fuͤr dir/ Hingegen meine feind fuͤr Mir Zu grund (gantz hilfloß) gehen! Der Achte Psalm. Domine, Dominus noster \&c. 1. JEhova/ Hoͤchster Got/ Herꝛ vnser hayl vñ macht/ Wie herꝛlich in der welt ist deines Namens pracht! Dein thron/ O Hoͤchster/ hoͤchst erhoͤhet Jn solcher klarheit voͤst bestehet/ Daß gegen dir/ Herꝛ/ wir (dein volck) bekennen gern/ Daß finster die Sonn selbs/ vnd nidrig selbs die stern. C 3 2. Der Gaistliche 2. Der zarten saͤugling stim/ vñ noch sprachloser mund/ Durch deren schwachheit Vns/ Herꝛ/ deine krafft recht kund/ Wan Sie gleich schreyhen oder schweigen/ Erklaͤren Sie doch/ vnd bezeugen Der boͤsen faschen wohn/ vñ deiner feinden schmach/ Als deren raach vnd schand verdienet deine raach. 3. Wan Jch des tags erblick des hohen himmels zier / Vnd deines fingers werck zu hertzen ernstlich fuͤhr Wan mir die nacht/ die Vns ergoͤtzet/ Mit wunder fuͤr die augen soͤtzet Des wanckelbaren Mohns vnwanckelbaren glantz Der Sonn vnd Sternen schein/ gleich vnd vnglei - chen dantz. 4. Was ist d’ arme mensch/ alßdan bey mir sprich Jch Mit solchen gnaden Jhn/ der stoltz vnd frech an di ch Niemahls gedencket/ zu bedencken/ Vnd deine gaab jhm zu verschencken/ Der gleichloß an vndanck! Jst nicht/ Herꝛ/ sein g e- schlecht? Vnwuͤrdig alles hayls/ zu vngerecht/ zu schlecht? 5. Hast du/ All weiser Got/ auß reicher mildigkeit Des menschen sehl/ verstand vñ stand an wuͤrdigke eit Den Engeln nicht gantz gleich begluͤcket: So hat Jhn gleichwol noch geschmuͤcket (Vn Gedichte. (Vñ danck hab deine gnad) dein all-miltreiche hãd Mit der Vnsterbligkeit Cron/ Scepter vnd gewand. 6. Ja/ vber deine werck/ auß purer lieb vnd trew Hast du/ sein Lehenherꝛ/ von aller aufflag frey Als jhren Herꝛen jhn gesoͤtzet: Vnd daß sein hertz werd mehr ergoͤtzet/ So ist voll lehr/ frucht/ frewd/ der weitten welt vmb- kraiß Des menschen gaists/ munds/ leibs/ betrachtung/ nahrung/ raiß. 7. Was Er begehren kan zu seiner auffenthalt/ Vnd daß Er sicher sey von hunger/ durst vnd kalt/ Das hast du Vatter jhm gegeben: Vnd allein fuͤr sein leben leben Des Meers/ des luffts/ des felds/ der erden (schatz vnd zier) Fisch/ voͤgel/ kraͤutter/ frucht/ auch zam vñ wilde thier. 8. Darumb wan Jch bedenck/ mein Schoͤpffer vnd mein Got/ Wie wunderbar dein werck/ wie wuͤrcklich dein gebot: So kan ich billich nicht abstehen Mit danck vnd wunder zu verjaͤhen: Johova/ Hoͤchster Got/ Herꝛ vnser hayl vnd macht Wie herꝛlich in der welt ist deines Namens pracht! C 4 Der Gaistliche Der Neunte Psalm. Confitebor tibi Domine. \&c. 1. JCh will/ O Got/ dein lob vnd Dich Von gantzem hertzen singen; Die wunder deiner werck will Jch Fuͤr aller welt erklingen. Jch will (O Hoͤchster) mit gebihr Stehts deinen Namen preysen/ Vnd (frey durch dich/ vnd fro in dir) Dein lob auch andern weysen. 2. Dan deiner gnad trostreichen frucht Erwartend vnverdrossen/ Hab Jch durch des feinds forcht vnd flucht Mit hoͤchstem trost genossen: Ja meiner feinden grosse macht Verzagend zu grund gehen/ Vnd zu nichts werden jhren pracht Hab (muhtig) Jch gesehen. 3. Du hoͤchster Richter/ hast gerecht Mein schwaches hertz erlabet/ Jn dem du wider Sie mein recht Vnd handel handgehabet: Jn dem von deinem Richter thron Dein vrtheil außgegangen/ Hat meine sehl bald trost vnd wohn/ Mein feind den fall empfangen. 4. Der Gedichte. 4. Der heyden tollen vbermuth Hast du also gescholten/ Vnd also jhren grim vnd wuht Mit wuht vnd grim vergolten; Daß Sie vnd all die grosse macht/ Die jhnen angehangen/ Mit jhres namens ruhm vnd pracht Gleich wie ein dampff vergangen. 5. Du hast/ das haͤufflein (dem dein bund Lieb vnd wehrt) zu erloͤsen/ Vertilget von der erden grund Der boͤsen lob vnd wesen: Dan wan jhr Nam auß ehrgeitz schon Jn der geschicht platz suchet/ Wird Er doch/ wie Sie selbs/ mit hohn Von moͤniglich verfluchet. 6. So ist numehr der feinden heer/ Das außzog vns zu straffen/ Mit allem ruͤstzeug vnd gewoͤhr/ Staͤt/ voͤstungen vnd wafen/ Ja auch mit aller beut vnd raub Die er von vns genommen/ Mit seinem Namen in den staub/ Vnd zu dem end gekommen. C 5 7. Gleich Gaistliche 7. Gleich wie nu Got der armen layd Stehts zu dem besten wendet/ Vnd nu mit vnser feinden frewd Auch vnser noht geendet: Also will Er allzeit gerecht (Sein voͤlcklein zu beschuͤtzen) Die welt regieren/ vnd mit recht Den Richterstul besitzen. 8. Der Herꝛ will mit gerechtigkeit/ Das Vnrecht zu vernichten/ Die gantze welt mit billichkeit Regieren/ vnd selbs richten: Es sollen die betruͤbte leut Nicht hilffloß allzeit leyden: Noch die Tyrannen auch allzeit Jhr schwere straf vermeyden. 9. Der Herꝛ wirt/ als ein starcker schutz Den armen so bedoͤcken/ Daß jhn des feinds zorn/ grim vnd trutz Nicht weitter soll erschroͤcken: Zu guter zeit ist seine hand Berait vns bey zustehen/ Vnd vns zu vnsrer feinden schand Auß dem Koth zu erhoͤhen. 10. Da umb Gedichte. 10. Darumb auch billich alle die Die dein wort/ Herꝛ/ betrachten/ Vnd die dasselbig mehr allhie Dan gold vnd silber achten: Ja denen dein wort vnd gericht Der wahre trost aufferden/ Auff dich/ Herꝛ/ jhre zuversicht Vnd hoffnung gruͤnden werden. 11. Sie werden billich/ weil allein Du/ Herꝛ/ die zu dir fliehen/ Auß aller noht/ gefahr vnd pein Wilt vnd kanst leichtlich ziehen/ Mit starcker zuversicht/ Herꝛ/ dich Als jhren schilt erfassen; Vnd wie du sie niemahlen/ Sich Auff dich allein/ verlassen. 12. Wolan so lasset nu mit wohn Vns vnserm Got lobsingen/ Ja lasset vns mit lauttem thon Vnd lust sein lob erklingen: Er ist ja Got/ Gut vnd Gerecht/ Der jederman belohnet/ Der vnder Vns (seinem Geschlecht) Jn Syon allzeit wohnet. 13. So Gaistliche 13. So lasset vns sein lob vnd ehr Mit danckbarem gefallen Fuͤr aller frembden welt gehoͤr Erzoͤhlen vnd erschallen: Auff daß Sie hoͤrend vnser stim/ Was er gethan/ vermehren/ Moͤg auch Sich (foͤrchtend seinen grim) Bekehren/ vnd jhn ehren. 14. Allwissend was ein jeder thut Er aller thun bedencket/ Vnd daher der ellenden blut Vergossen/ niemand schencket: Vnd (dan es seine eygenschafft Sich vnser zu erbarmen) Er fordert gute rechenschafft Von den moͤrdern der armen. 15. Sein Ohr ist zu der armen klag Vnd seufftzen nicht beschlossen; Vnd jhre thraͤnen nacht vnd tag Seind vmbsonst nicht vergossen: Sein hertz barmhertzig (hassend die So boͤß zu thun vermessen) Kan der ellenden layd vnd muͤh Zu rechen/ nicht vergessen. 16. Da- Gedichte. 16. Darumb so ruff Jch nu zu dir/ O Herꝛ/ von gantzem hertzen: Der du vor offt geholffen mir Auß vielen schweren schmertzen: Der du mich auß der finsternuß Des tods/ vnd des grabs thoren (Erꝛoͤttend von forcht vnd verdruß) Erhoͤbet vnd erkohren. 17. Erbarm dich vber mich/ O Got/ Laß mich dein hayl erwerben! Laß mich/ Herꝛ/ nicht in diesem spot/ Als mein feind will/ verderben! Betrachtend in wie hartem stand Mich meine haͤsser soͤtzen/ Stroͤck auß/ vnd laß dein rechte hand Sie straffen/ mich ergoͤtzen! 18. Auff daß Jch mit danckbarem fleiß Fuͤr aller frommen scharen Moͤg deiner gnaden wahren preiß Wuͤrdiglich offenbahren: Vnd weil Sie mich mit grossem lust Zu hoͤren vnd einschliessen/ Daß Jch moͤg auß danckbarer brust Deiner hilff lob außgiessen. 19. Die Gaistliche 19. Die hayden/ vnd die/ deren hertz Recht zu thun kein gefallen/ Vnd denen Gottes wort ein schertz/ Die seind nu selbs gefallen: Sie selbs nu sehen wir mit schmach Versuncken oder hangen Jn der grub/ in dem strick/ auß raach Gerichtet vns zu fangen. 20. Dabey Wir dan gantz sonnenklar Des Herꝛen vrtheil sehen/ Vnd muͤessen es gantz recht vnd wahr/ Vnd Jhn gerecht bestehen: Wan die boͤßwichte/ welche sunst Kein recht kan vberwinden/ Durch jhr selbs aigne witz/ macht/ kunst Sich selbs erdappet finden. 21. Zwar also sollen all zu mahl Die boͤsen von der erden Jn die verdiente hoͤllen-qual Schroͤcklich gestuͤrtzet werden: Vnd keine voͤlcker/ die das wort Vergessen/ vnd nicht leyden/ Die sollen (findend keinen hort) Der hoͤllen straf vermeyden. 22. Hin- Gedichte. 22. Hingegen/ wie der boͤsen schuld Vnd straf einander jagen: So wirt der ellenden gedult/ Nicht in den wind geschlagen: Dan Got/ der ein geringe Zeit Die armen mag bekraͤncken/ Mit seiner hilf/ die niemahls weit/ Weist jhrer zu gedencken. 23. O Herꝛ/ du hoͤchster Got/ steh auf/ Vnd widersteh den boͤsen: Steh auf/ Ach Herꝛ/ schlag selbs darauf/ Verstoͤr jhr loses wesen! Ach! laß doch nicht den menschen zu Die vberhand zu kriegen/ Vnd dein wort (vnsern trost vnd ruh) Vertilgend/ zu verliegen! 24. Verleyh vilmehr daß alle die Die deinen dienst verlassen/ Die deinet wegen alle muͤh/ Dich/ dein wort vnd vns hassen/ Hochmuͤhtig bleiben laͤnger nicht Beschwerlich diser erden/ Sondern fuͤr deinem angesicht Gerichtet zu nichts werden! Der Gaistliche Der ailfte Psalm. In Domino confido. \&c. 1. WAn Jch zugleich in sicherheit vnd noht Ohn stoltz vñ forcht auf nichts hoff dan auf Got; Was sprechet jhr (torꝛecht) zu meiner sehlen? Nu must du dich durch schnelle flucht vnd flug Jn das gebuͤrg von deines feinds betrug/ Macht vnd gewalt verstehlen vnd verhaͤlen. 2. Zwar sih! der feind gantz gotloß/ stoltz/ weltweiß/ (Zu vnserm layd berait auf alle weiß) Der spannet an vnd zihlet loß zu schiessen: Er ziehlet schon/ der armen frommen blut/ Die noch bißher enttrunnen seiner wuht/ (Sein falsches spihl beschliessend) zu vergiessen. 3. Wan seine list nu vnsrer freinden bund/ Wan seine haͤnd des Reichs pfeiler vnd grund Nach seinem wunsch zertrennen vnd verstoͤren; Wan dises boͤß Got-trutzendes geschlecht Außrotten will/ Herꝛ/ dein gesatz vnd recht/ Wie kan zu letzt sich der gerecht erwoͤhren? 4. Jedoch der Hoͤchst besitzend seinen thron Ob dem gestirn; der seiner kirchen wohn/ Dem seine kirch ein tempel ausserloͤsen/ Hat alle ding fuͤr seinem angesicht; Vnd seine blick mit ernstlichem gericht Erwegen stehts der menschen kinder wesen. 5. D er Gedichte. 5. Der Hoͤchst/ sprich Jch/ dem das hertz wie der mund/ Vnd dem das hirn wie die stirn klar vnd kund/ Der pfleget nu die frommen zu bewehren: Vnd wie lieb jhm der gerechtigkeit freind/ So sehr vnd mehr der gerechtigkeit feind Sein hertz mit hassz vnd grewel stehts beschweren. 6. Auch auff jhr haupt/ als aller schalckheit sitz/ Wirt er von bech/ glut/ schwefel/ dunder/ plitz/ Ein wetter starck/ Sie zu verzoͤhren/ regnen: Vnd er wirt noch des feinds gemaͤsten haut Durch einen sturm vnd brennende windsbraut Seiner herd blut/ so Sie gesoffen/ segnen. 7. Dan wan der Hoͤchst/ also gerecht als groß/ Liebend allein was gut/ gerecht/ schuldloß/ Die/ so gerecht/ nicht lasset vndergehen: So wirt ja auch der gerechten gesicht Nach jhrem wunsch (ob es wol spaht geschicht) Jn guter Zeit noch recht geschehen/ sehen. D Der Gaistliche Der dreyzehende Psalm. Usquequo Domine. \&c. 1. WJe lang/ O Hoͤchster Herꝛ/ wie lang Soll sich mein hertz bekraͤncken/ Vnd/ das du nicht in disem zwang An mich gedenckest/ schier gedencken? Wie lang verbirget sich fuͤr meiner schweren pein/ Herꝛ/ deiner gnaden fuͤsser schein? 2. Wie lang sol meiner sorgen heer Mein hirn bey tag verstoͤren? Vnd meiner angst vnd vbeln Meer Mein schwaches hertz zu nacht bethoͤren? Wie lang soll sich noch wol durch deines knecht deemuht Auffblasen des feinds vbermuht? 3. Kehr dich zu mir/ O Herꝛ/ mein Got/ Sih vnd betracht mit gnaden Mit wie vil jamer/ layd vnd spot Mein leib/ mein hertz vnd sehl beladen! Erleuchte mein gesicht/ verkuͤrtze deine straf/ Daß Jch nicht in den tod entschlaf! 4. Erꝛoͤt du/ Herꝛ/ mich deinen knecht Von deiner feinden haͤnden; Au ff Gedichte. Auff das/ als ob jhr toben recht/ Sie sich nicht ruͤhmen/ vnd dich schaͤnden: Das nicht mein layd vnd fall des boͤsen frewd vñ ehr Erhoͤb (vnbillich) vnd vermehr. 5. Jch zwar in meines leydens stand Hab an dir kein mißtrawen: Mein hertz ist froh/ auff deiner hand Beystand/ sein zu versicht zu bawen: Vnd dein hayl/ das Jch spuͤhr in meines hertzens grund/ Soll singen mein danckbarer mund. Der dreyssigste Psalm. Exaltabo te Iehova. \&c. 1. DEmnach du (gnaͤdig) dein gesicht/ Herꝛ widrumb gegen Mir gewendet/ Daß meiner feinden lust/ wie mein layd/ laͤnger nicht Gewehret/ sondern sich geendet: So fuͤg Jch nu/ zu dancken Dir/ Auch die begird mit der gebuͤhr. 2. Vnd wie mit truͤbem gaist vnd mund Jch zu dir (Herꝛ) in angst geschryhen: So danck Jch (muhtig) dir/ dieweil du zu der stund Trost vnd gesunheit mir verlyhen; D 2 Vnd Gaistliche Vnd Jch so foͤrtig deine hand Zu hailen/ als zu strafen fand. 3. Mein leib erꝛoͤttet auß dem grab/ Vnd meine sehl auch auß der hoͤllen/ Durch dein gesantes hayl von deinem thron herab Zusamen laͤnger sich gesoͤllen; Vnd mit der lebendigen schar Dein lob/ Herꝛ/ machen offenbahr. 4. So singet nu des Hoͤchsten preiß Mit vns Jhr heyligen zusamen! Betrachtend das der Hoͤchst All-heylig/ maͤchtig weiß/ Lobsinget mit vns seinem Namen! Das sich des Herꝛen ruhm vnd ehr/ Wie seine gnad/ allzeit vermehr! 5. Ja/ seine gnad (Jhm gleich) endloß/ Vns zu erhalten/ voͤst bestehet: Hingegen vns zu trost sein zorn/ wie jmmer groß/ Jn einem augenblick vergehet: Vnd seiner gunst lieb reicher schein Verzoͤhret des tods forcht vnd pein. 6. Kan vns nu trostreich seine lieb Erquicken/ troͤsten/ vnd beleben: So mag der abend wol/ wie vnsre augen/ truͤb/ Vns zu beklagen vrsach geben: Jedo ch Gedichte. Jedoch der frewd-gebaͤhrend tag Verjaget alles layd vnd klag. 7. Alß lang gesundheit/ jugent/ gut/ Vnd wamit sunst das glick begabet (Aufblasend/ wie der wind die seegel/ meinen muht) Mein hertz ermundert vnd erlabet: Nu steh Jch (sprach Jch) als der best/ Zugleich forchtloß/ fall frey/ gantz voͤst. 8. Dan deine faust/ Herꝛ/ deren macht Mit deiner guͤte stehts verbunden; Vnd deiner milten gnad vnd suͤssen lieb Obacht/ Davon dein’ Allmacht vberwunden/ Bevoͤstigend mein hohes hauß Bewahrten mich fuͤr allem grauß. 9. Als aber du von meiner schantz/ Darin Jch sicher lag ohn sorgen/ Abwendend dein gesicht/ Herꝛ/ deiner gnaden glantz Fuͤr mir verfuͤnstert vnd verborgen: Alßdan anfechtung/ angst vnd schmertz Beschwerten meinen gaist vnd hertz. 10. Damahlen zittrend fuͤr dem grim Den Jch in dir/ Herꝛ/ angezuͤndet/ Ernidrigend mein hertz/ erhub Jch meine stim/ Vnd zuversicht/ auf dich gegruͤndet: D 3 Mit Gaistliche Mit lautter stim schryh Jch zu Dir/ Vnd mein gebet bracht Jch dir fuͤr. 11. Ach Herꝛ! Ach Got! wan deine ruht/ Wan deine straf mich solt vmb bringen/ Was kan mein leyden doch/ was kan mein leib vnd bluht Dir/ Herꝛ/ fuͤr lust vnd nutzen bringen? Herꝛ/ hast du mehr haab oder gaab/ So du mich stossest in das grab? 12. Jst nicht der tod stumb/ blind vnd taub/ O Got/ der du ein Got des lebens? Jst dan nicht/ Herꝛ/ das grab; Jst nicht/ Herꝛ/ alle r staub/ Zu deinem preiß vnd ruhm vergebens? Von aschen hast du gar kein Lob/ Noch deine warheit jhre prob. 13. Ach! naig zu mir (Herꝛ) dein gesicht/ Eroͤfne numehr deine Ohren! Hoͤr vñ versteh mein layd/ verlaß mich laͤnger nicht Sunst gantz verlassen vnd verlohren! Zu dir/ mein Got/ Jch seuftz/ schrey/ gilf/ Du bist mein hayland/ send mir hilf. 14. Auf dises mein gebet hast du (Barmhertzig) meine suͤnd verzihen; Vnd miltrung meinem leib/ vnd meinen augen ru h/ Vnd meiner sehlen trost verlyhen: Ve Gedichte. Verkehrend meine klag/ streit/ layd/ Jn ein gelaͤchter/ fried vnd frewd. 15. Die haut an meines leibs gebein/ Den sack an meine haut anklebend/ Hast du veraͤndert/ Herꝛ/ durch deinẽ gnaden-schein/ Vnd du hast mich widrumb belebend (Verstossend all mein layd zu ruck) Gezieret mit der frewden schmuck. 16. Darumb will Jch/ von hertzen grund Dir danckend/ dein lob nicht verschweigen: Ja/ wie mein gaist mit danck/ So soll mit schall mein mund/ Mein Got/ dein ehr vnd preiß bezeugen: Vnd Jch will deiner Miltigkeit Lobsingen/ Herꝛ/ in ewigkeit. Der vier vnd viertzigste Psalm. Deus auribus nostris. \&c. 1. JEzund bedencken wir in diesem layd vnd spot (Herꝛ/ vnser Got) Was vnsre vaͤtter vns/ wie du Sie außerwoͤhlet/ Was du fuͤr Sie gethan/ Sie auß gefahr vnd noht Erꝛoͤttet/ offt erzoͤhlet. D 4 2. Die Gaistliche 2. Die Hayden/ jre feind/ vertrieb mit schmach vñ schãd Dein aigne hand: Vnd wie du jren stoltz vñ macht zu nichts verkehret; Also hast du dein volck einsetzend in jhr land Gesegnet vnd vermehret. 3. Dan ja dein volck das land gar nicht durch eine schlacht Zu wegen bracht/ Vil weniger durch sterck darinnen sich erhalten: Sondern dein aug/ arm/ faust/ voll gnad/ krafft vnd allmacht/ Must es allein verwalten. 4. Auch hat weder jhr thun (von suͤnden niemahls frey) Noch jhre rew/ Noch bußfoͤrtiges hertz Sie also hand-gehabet: Sondern Du hast Sie/ Herꝛ/ auß lauter lieb vñ tre So vaͤtterlich begabet. 5. Wie du nu/ Herꝛ/ allzeit der sturm-leydenden port/ Vnd schwachen hort; So bist du/ So wirst du mein Koͤnig/ Herꝛ/ Hay bleiben: Du selbs bist ja mein Got/ dessen wuͤrckliche wort Jacobs leyden vertreiben. 6. W ie Gedichte. 6. Wie oft doch haben wir/ erhoͤbend vnser horn Mit frommen zorn/ An vnsern feinden Vns mit deiner hilf gerochen? Vnd der anspruͤnger muht sampt jhrem spoͤr vnd sporn Wider den grund zubrochen? 7. Dan Jch hab ja niemahls auff bogen vnd geschoß/ Klein oder groß/ Sondern nur Herꝛ/ auf dich mein zuversicht gesoͤtzet: Vnd meine Woͤhr kont mich nicht mehr dan so Jch bloß Erhalten vnverloͤtzet. 8. Als offt ja vnser schwert/ vnd vnsre starcke straich/ Wie wetterlaich/ Richteten zu der forcht vnd flucht des feinds gedan- cken; Als offt wir ja sigreich/ vnd der feind kalt vnd blaich/ Hatten wir dir zu dancken. 9. Auch dancken wir dir/ Herꝛ/ vnd vnser mund soll dir Nach der gebihr/ Fuͤr deine lieb vnd gnad von hertzen grund lobsingen: Dein lob/ ruhm/ ehr vnd preiß wollen wir fuͤr vnd fuͤr Betrachten vnd erklingen. D 5 10. Nu Gaistliche 10. Nu aber weisend vns ein vngnaͤdiges stuck/ Hast du zu ruck Vns stossend/ vnser heer mit forcht vnd schand be- floͤcket: Vnd sparend deine hilf all vnsern sig vnd schmuck Mit schmach vnd spot bedoͤcket. 11. Dan das heer ziehend nu ohn deinen schutz hinauß/ Jn allem strauß Wirt (zaghafft/ traͤg vnd schwach) bald in die flucht geschlagen; Vnd des feinds grimmer muht kan vns durch vn- sern grauß Mehr/ dan durch sein schwert jagen. 12. Gleichwie du nu/ Herꝛ/ vns: So muͤssen wir zugleich/ Arm oder reich/ Hauß vnd hof/ haab vnd gut/ vnd was vns lieb/ ver verlassen: Jhrem muhtwillen nach verdoͤrben nu dein Reich Die/ welche dein volck hassen. 13. Wie hund/ wie schwein/ wie woͤlf/ vol gailheit/ wus vnd wuht Mit vbermuht Erfuͤllen Sie an Vns/ als schafen/ jhren willen: Erfuͤllen? Nein. Kein layd/ qual/ marter/ tod noch blut Kan jhren lust erfuͤllen. 14. Zu Gedichte. 14. Zustroͤwet werden Wir/ vnd wie leibaigne knecht/ Ohn hilff/ ohn recht/ Erbaͤrmlich hin vnd her geschloͤppet vnd gerauffet: Wir werden wie das vih/ vñ nicht wie dein geschlecht Vertauschet vnd verkauffet. 15. Man fanget/ kauffet vns/ man luͤfert vns dahin/ Vnd kein gewihn Von solcher loͤsung/ Herꝛ/ kan dir zu nutzen ruͤhren: Dein layd vnd vnsern spot die feind gantz stoltz vnd kuͤhn Mit vnserm wehrt summieren. 16. Vnd dise scharpfe straf/ als ein verdienter lohn Durch schimpf vnd hohn Wird in der Nachbarschafft vnd rund vmb vns vermehret: Vnd jhr mitleyden bald durch liegen vnd argwohn Jn schimpf vnd schmach verkehret. 17. Die/ denen weder du/ noch deine warheit kund Ohn allen grund/ Ein beyspihl/ ein sprichwort/ vnd bossen von vns machen: Vnd schitlend jhren kopf/ vnnd kruͤmmend jhren mund/ Ab vnserm weinen lachen. 18. Ab Gaistliche 18. Ab dieser schweren schand/ in dieser tieffen noht/ Wir gantz schamroht/ (Betruͤbet) koͤnden nichts dan seufzen/ zagen/ klagen: Der toͤdliche spot mehr dan der spoͤtliche tod Machet Vns schier verzagen. 19. Darumb auch vnsre feind zu dopplen jhre raach Mit vnsrer schmach Jn schaͤndung vnd schmaͤhwort stehts jhre kurtzweil suchen: Durch jhr verbubtes thun/ durch jr verꝛuchte sprach Verfluchet Sie vns fluchen. 20. All disen heissen sturm/ vnd brennendes blutbad/ Ohn alle gnad/ Hast du/ Herꝛ/ vber vns erzuͤrnet außgegossen: Daß vnsers jamers flut/ schier der hofnung gestad Versinckend vberflossen. 21. Jedoch (Herꝛ/ dir sey lob) kont vnser feind noch nicht Die zuversicht So wir (getrew) zu dir/ auß vnserm hertzen jagen: Wir haben deinen bund/ vnnd vnser schuld vnd pflicht Nicht in den wind geschlagen. 22. Ja Gedichte. 22. Ja (lob sey dir/ O Got) wir haben fahrend fort Nach deinem wort/ Biß wir von dir durchauß bekehret vnd gewehret/ Die seegel vnd gesicht nach keinem andern port (Verzweyflend) vmbgekehret. 23. Ja (dir sey lob/ O Herꝛ) kein layd/ schmach oder schmertz Kont vnser hertz Von seines anckers grund vertreiben oder ziehen: So suchten vnsre fuͤß auch niemahls anderwerts Jrꝛweeg/ dir zu entfliehen. 24. Gleichwol verhaͤngest du/ das doͤrfer staͤt vnd feld/ Wie oͤde waͤld/ Der Raͤuber laͤger/ nein/ der Drachen luͤger bleiben: Vnd das vns solche feind/ als herꝛen aller welt Vmbtreiben vnd aufreiben. 25. Gleichwol verhaͤngest du/ daß stehts ein zeherguß/ Stehts ein blutfluß/ Mit hunger/ pest/ schwert/ fewer/ ohn ablaß vns er- schroͤcket; Daß der tod vnser hertz mit schmertzlichem verdruß Vnd fuͤnsternuß bedoͤcket. 26. Haͤt Gaistliche 26. Haͤt vnser mund/ hand/ hertz/ voll spot/ blut/ heuchlerey/ Dein lob/ ehr/ trew/ Vnd namen/ Hoͤchster Got/ vergessen vnd verlassen: Vnd von der Warheit dienst zu der Abgoͤtterey Sich ja vermoͤgen lassen. 27. So koͤnt/ so solt vns Got/ dem das hertz wie der mund Gantz klar vnd kund/ Der die gedancken selbs er gruͤndet/ wol auß finden: So solten billich wir/ an leib vnd sehl gantz wund/ Die schuld vnd straf empfinden. 28. Groß zwar ist vnsre schuld: Jedoch du vnd dein wort (Herꝛ/ vnser Hort) Jst nu die groͤste schuld daß Vns die feind hin- schlachten: Dein wort/ Herꝛ/ machet nu vnsicher allen Ort/ Das Wir schier gar verschmachten. 29. Ach! Herꝛ/ wach auff/ O Herꝛ/ verlasse deinen schlaf/ Laß deine schaf Von disen Woͤlfen nicht gaͤntzlich zerꝛissen werden Treib deinen schlummer ab/ Treib von Vns dis straff/ Erhalt vns noch auff erden. 30. Wa rumb Gedichte. 30. Warumb ist deines augs trostreicher gnadenschein Vns/ die wir dein/ Verborgen nu so lang/ Als wan dir vnsre sorgen/ Als wan dir des feinds stoltz/ vnd vnser layd vnd pein/ Wie dein trost vns/ verborgen. 31. Sih/ Herꝛ/ gantz hoffnung-loß/ vnd zittrend wie das laub Biß in den staub Hat vnsre sehlen schon das schwere Creutz gezwun- gen: Von dem nie-satten grab (der pest/ schwerts/ hun- gers raub) Schnell werden wir verschlungen. 32. Mach dich doch auff/ O Herꝛ/ vnd stewrend der gefahr/ Erꝛoͤt/ bewahr/ Vns wenig/ welche noch der muͤde tod gesparet: Erhalt vns/ daß dein lob werd durch die kleine schar Endlich geoffenbaret. Der Gaistliche Der Sechs vnd viertzigste Psalm. Deus noster refugium \&c. 1. DEr einig schlrm/ schantz/ schutz ist Got/ Darauff wir vns verlassen: Got koͤnden wir in aller noht Als vnsern schilt erfassen: Ja/ vnser sterck ist Gottes hand Vns freyhend von gefahren; Jn allem laydigen zustand Wir seine hilf erfahren. 2. Vnd wan wir vnsre zuversicht Bestaͤndig zu jhm tragen; So doͤrfen wir vns foͤrchten nicht/ Wir koͤnden auch nicht klagen: Wan schon das erdreich vnd das Meer Vermischend sich erhoͤben Vnd gleichsam als zway wilde heer Die gantze welt erboͤben. 3. Fortfahren mag das Meer mit macht Zu toben/ wuͤten/ wallen/ Das auch der bergen hoͤchster pracht Solt vmbgestuͤrtzet fallen: So bleibet doch des Hoͤchsten stat Mit baͤchlein frisch genoͤtzet/ Durch jhn/ der sie gebawen hat/ Trostreich allzeit ergoͤtzet. 4. D ie Gedichte. 4. Die Heyligen/ des Hoͤchsten knecht/ Mit wohn darinnen wohnen: Der Heyligst selbs/ allzeit gerecht/ Zu strafen vnd zu lohnen/ Hat auß lieb seinen gnaden-thron Bey jhnen eingenommen; Vnd will zu jhrer feinden hohn Jhr zeitlich zu hilff kommen. 5. Wan schon vil Koͤnig starck/ kuͤhn/ groß/ Jhr vbel zuzufuͤgen/ Mit voͤlckern forchtfrey vnd gotloß Sie kommen zu bekriegen: Muß doch/ alß bald des Hoͤchsten stim Gehoͤret wirt auff erden/ Die erd mit jhrer macht vnd grim Verzagend zu nichts werden. 6. Mit vns ist allzeit vnser Got/ Got/ der Herꝛ der heerscharen; Er ist mit vns/ in aller noht Vns schadloß zu bewahren: Auff jhm/ als dessen gnadenfrucht Jacob allzeit ergoͤtzet/ Verbleibet vnser trost/ zuflucht Vnd hoffnung voͤst gesoͤtzet. E 7. So Gaistliche 7. So wach nur auff/ O volck/ vnd merck/ Laß vns ja wol besehen Des Herꝛen wunderliche werck Zu vnsrer zeit geschehen; Was fuͤr verwuͤstung in dem land Hat der Herꝛ angerichtet! Der krieg durch hunger/ pest/ schwert/ brand/ Hat leut/ staͤt/ land vernichtet. 8. Der Herꝛ/ als dessen straf vnd raach Nu jhren lauff vollendet/ Will/ daß das vbel lasse nach/ Vnd der krieg werd geendet: Er/ der zuvor mit vngehewr Vnd jamer vns geschlagen; Verzoͤhret numehr durch das fewr Schwert/ spoͤr/ geschoß vnd wagen. 9. Damit sein volck in frid/ frewd/ ruh Kom nu widrumb zusamen/ Erkennet (rufet Er jhm zu) Vnd ehret meinen namen: Nu stehet ab von fernerm streit/ Jch will/ Jch kan euch schaiden; Mich sollen auch zu aller zeit Erhoͤben hoch die hayden. 10. D ie Gedichte. 10. Die hayden/ welche sich mit buß Zu meinem wort bekehren/ Die sollen (fallend mir zu fuß) Mein Lob vnd Ehr vermehren: Vnd die in jhrer stoltzen wuht Zu loͤstren mich fortfahren/ Die sollen durch jhr aigen blut Vnd tod mich offenbaren. 11. Mit vns ist allzeit vnser Got/ Got/ der Herꝛ der heerscharen; Er ist mit vns/ in aller noht Vns schadloß zu bewahren: Auff jhn/ als dessen gnadenfrucht Jacob allzeit ergoͤtzet/ Verbleibet vnser trost/ zuflucht Vnd hoffnung voͤst gesoͤtzet. Der zwey vnd funfzigste Psalm. Quid gloriaris in malitia, \&c. 1. JSt es/ Tyran/ dan noch nicht gnug? Darff dein mund (eben so vnklug/ Als dein hertz grewlich) dein thun ruͤhmen? Kanst du dan deine wuhterey Auch fuͤr Got/ dessen suͤsse trew Stehts vnser suͤsser trost/ verbluͤmen? E 2 2. Du Gaistliche 2. Du dichtest wol in deinem raht Noch newe duͤck/ dein boͤse that Fuͤr frembden augen zu beschoͤnen; Vnd deine zung mit scharpffer schmach/ Vnd scharschach-gleichen falschen sprach Darff die vnschuldige verhoͤnen. 3. Warheit/ frombkeit vnd redlichkeit Wirt von dir (der du voll schalckheit) Mehr dan vnbillichkeit gehasset: Ja/ list/ betrug/ gewalt vnd macht Jst dein gesatz/ recht/ reichtumb/ pracht/ Darauff sich dein hochmuht verlasset. 4. Vnd wie sich dein verstand vnd mund Des Hoͤchsten kinder mit vngrund Fuͤr der welt zu verleuͤmbden/ vben: Also kan dein hertz vnd gehoͤr Nichts mehr dan falscher zungen maͤhr Vnd boͤser hertzen falschheit lieben. 5. Doch thust du solches nicht vmbsunst. Des Hoͤchsten zorns gerechte brunst Wirt/ dich bezahlend/ bald verzoͤhren. Mit deiner haab auß allem land Wirt dich des Hoͤchsten starcke hand Anßrotten gaͤntzlich vnd verstoͤren. 6. A lß- Gedichte. 6. Alßdan der fromb vnd sein geschlecht/ So deines schweren schwerts vnrecht An vilen glidern nu verloͤtzet/ Soll werden/ deinen letzten spot Anschawend/ von dem starcken Got Zugleich entsetzet vnd ergoͤtzet: 7. Vnd sprechen: Sih/ das ist der groß/ Der sich stehts ruͤhmend/ stoltz/ gotloß/ Nichts auff des Herꝛen sterck gehalten: Sondern wolt mit verkehrtem muht (Haltend fuͤr seinen Got sein gut) Durch wuͤhterey die welt verwalten. 8. Jch aber den des Hoͤchsten wort/ Als mein ewiger trost vnd hort/ Getroͤstet stehts in layd vnd flehen/ Werd/ einem gruͤnen oͤhlbaum gleich/ Alßdan frey/ fridlich/ frewdenreich Jn Gottes weinberg bluͤhend stehen. 9. Auch billich froh zu aller stund Will Jch dir/ Herꝛ/ mit hertz vnd mund Lobsingend/ deine gnad erklaͤren; Vnd in der heyligen gemein/ Als deren lieb dein Nam allein/ Vertrawend dir/ dein lob vermehren. E 3 Der Gaistliche Der Vier vnd funffzigste Psalm. Deus in nomine tuo. \&c. 1. ACh Got/ mein hoͤchster hort/ dem mein layd an gelegen/ Kom nu/ weil mein gefahr sehr groß Hilff mir sunst gantz hilffloß/ Hilff/ Herꝛ/ von deines Namens wegen! Vnd weil Jch durch gewalt/ verfolgung vnd vnrec Nu schier muß vndergehen/ Kom du mit recht vnd macht mir/ deinem arme knecht Auch bey zustehen! 2. Hoͤr mich/ der du zuvor stehts mein gebet erhoͤret/ Vnd mich als mein getrewer Got Jn aller forcht vnd noht (Barmhertzig) deiner hilff gewehret: Ach! naige dein gehoͤr/ hoͤr doch was dir mein mu Mit flehen/ seufftzen/ klagen/ Fuͤr deinen Richterstul auß meines hertzen grund Hat fuͤr zu tragen! 3. Die/ denen dein wort frembd/ die daran kein gefall An denen du/ Herꝛ/ keinen lust/ Voll neyd in jhrer brust Erhoͤben sich mich an zu fallen: D ie Gedichte. Die/ deren gaist vnd hertz von frechem vbermuth Vnd hochfart auffgeblasen (Als meine tod-feind) mich mit tyranney vnd wuht Zu toͤdten/ rasen. 4. Zwar seltzam ist es nicht/ daß leut/ die jhrem willen Allein gehorchen; vnd/ gotloß/ Sich machen reich vnd groß/ Das land mit vbel zu erfuͤllen; Vnd daß die/ welche Got/ sein wort/ all ehr vnd trew Zu schmaͤhen/ sich vermessen/ Je solten Gottes volck layd/ vnrecht/ buberey Zu thun vergessen. 5. Doch sih! mein Herꝛ/ mein hayl/ zu helffen nicht ver- ziehet/ Berait empfind Jch seinen schutz Vnd meinem feind zu trutz Sein trost in meinem hertzen bluͤhet. Ja/ mein Got/ dessen schirm mich freyhet von dem feind/ Vertreibend die gefahren/ Zugleich bewahret mich vnd die/ so mich als freind Freindlich bewahren. 6. Got wirt die/ die mit list nach meinem leben stoͤllen Durch jhre straich/ in jhre strick Jn einem augenblick Mit scharpff-gerechter straff selbs foͤllen: E 4 Ach Gaistliche Ach Got! lassz/ daß dein wort vnd zusag niemahl lang Schwach vnd krafftloß zu nennen/ Durch jhren schnellen fall/ vnd schweren nidergang Die welt erkennen. 7. Alßdan will hertzlich gern Jch dir/ O Got/ lobsingen Vnd (meine hoffnung/ glauben/ trew Vnd lieb bezeugend frey) Lob vnd danckopffer dir fuͤrbringen: Alßdan will Jch/ O Got/ billich vnd muhtiglich Mein hertz danckreich erweysen/ Vnd deinen Namen/ Herꝛ/ groß vnd gut/ offentlich Erklingend/ preysen. 8. Weil mich mein Got vnd Herꝛ/ gantz gut/ gerecht/ allmaͤchtig/ Erꝛoͤttet mit genaigter hand Von layd/ gefahr vnd schand Vnd allen feinden stoltz vnd praͤchtig: Vnd weil Er (troͤstend mich) mit wunder mein ge- sicht An denen/ die vns hassen/ Vnd nu mit angst vnd spot verzweifflen/ sein gericht Hat sehen lassen. Der Gedichte. Der siben vnd fuͤnffzigste Psalm. Miserere mei, Deus \&c. 1. ERbarme dich/ Herꝛ/ vber mich/ Herꝛ/ vber mich erbarme dich/ Dan (Herꝛ) dein hayl allein mein gaist allzeit be- gehret: Vnd wan Jch nur auf dich in meiner wolfahrt trutz/ So nem nu ruffend mich in deiner fluͤgeln schutz/ Als lang auch dises ellend wehret. 2. Jn aller noht ruff Jch zu Got/ Zu Got ruff Jch in diser noht/ O hoͤchster Got zu dir mein aug/ hand/ hertz sich wenden: Dan ja nur deine hand (wie Jch wol weiß vñ merck) Vollendet was sie will/ kan auch vnd wirt dein werck Jn mir vnd fuͤr mich schon vollenden. 3. Ja der Herꝛ/ dem Jch laß die raach/ Wirt mich von allem laid vnd schmach Zufreyhen/ seine hilff herab von himmel schicken: Ja senden wirt der Herꝛ/ was die welt nicht vermag/ Als naͤmlich seine gnad vnd warheit/ nacht vnd tag Mich in anfechtung zu erquicken. 4. Verzeihend meine suͤnd vnd fehl Wirt Er erꝛoͤtten meine sehl E 5 Von Gaistliche Von der gotlosen wuht/ die mich rings vmb besetzen; Wie brenner/ moͤrder/ thier/ toll/ grewlich/ vngehewr/ Mit zaͤhnen/ zungē/ mund/ als woͤhren/ pfeilen/ fewr/ An ehr/ leib/ sehl mich zu verloͤtzen. 5. Darumb/ O Got/ beweiß nu mehr/ Daß du hast dein wort/ macht/ gnad/ ehr/ Hoch vber das gewoͤlb des himmels zu beraittet: Daß deine herꝛlichkeit durch deiner feinden fall/ Vnd deines volcks bestand mit angenehmen schall Werd durch den weltkraiß auß gespraittet. 6. Sih/ wa Jch meine trit hinsetz Befind Jch daß sie strick vnd netz Mir richten/ vnd mein hertz mit forcht vnd angst be- laden: Sie sparen weder list/ gewalt/ schalckheit noch muͤh/ Sie richten fallen zu/ ja gruben graben Sie/ Die doch nur jhrem leben schaden. 7. Vorsehend jhren fall vnd spot Beraittet sich mein hertz/ O Got/ Mein hertz beraittet sich/ dich/ mein hayl zu bekennen; Ja/ mein hertz sehnet sich/ sich selbs auß danckbarkeit Mit stim vnd saitten thon fuͤr deine guͤtigkeit Als ein Lobopfer zu verbrennen. 8. Wolan mein mund vnd meine haͤnd/ Wolauff harpff/ Jnstrument behend Ver Gedichte. Vermaͤhlet spihl vnd stim anmuhtiglich zusamen: Fruͤh/ fruͤh eroͤffne sich ein jedes augenltd/ Wach du fruͤh auff mein gaist/ daß ja ein jedes glid Hoͤr vnd vermehr des Hoͤchsten Namen. 9. Dich will Jch allzeit loben/ Herꝛ/ Nicht nur hie/ sondern weit vnd ferꝛ/ Daß auch die heyden selbs mich hoͤren vñ dich ehren: Vnd Jch will noch die werck vnd wunder deiner hand/ Mit danck das volck zu buß in manchem frembden land Zu bringen/ danckbarlich vermehren. 10. Dan deine guͤtigkeit/ die sich/ So weit des himmels vmbgang dich/ Erklaͤret/ kan allein was du wilt bald ergaͤntzen: Vnd keiner wolcken lauff/ noch winds behendigkeit Kan deiner warheit liecht/ trost vnd bestaͤndigkeit Verduncklen/ hindern/ oder graͤntzen. 11. Darumb (O Got) erzaig numehr/ Daß du dein wort/ macht/ gnad vnd ehr/ Hoch vber das gewoͤlb der himmeln zuberaittet: Daß deine herꝛlichkeit durch deiner feinden fall/ Vnd deines volcks bestand mit suͤssem widerhall Werd durch den vmbkraiß außgebraittet. E 6 Der Gaistliche Der Vier vnd Sybenzigste Psalm. Ut quid Deus repulisti \&c. 1. WArumb/ Herꝛ vnser Got/ ohn welchen vnser leben Ohn lieb/ vnd vnser leib ohn krafft/ Hat dein zu schwerer grim vns/ deines bunds erb- schafft Der feinden hochmuht dargegeben? Verstossest du dan vns in ein ewiges layd? Hast du dan deines bunds vnd vnsers ruhms ver- gessen? Verlassest du dan gantz vns/ die herd deiner wayd/ Den woͤlfen auffzufressen? 2. Wan vnsre suͤnden schon (Herꝛ) deinen zorn an- zuͤnden/ Wan vnsrer schulden last so groß/ Daß vnsre thraͤnen jhn zu loͤschen schier fruchtloß/ Daß wir billich die buͤrd empfinden: Bedenck du doch daß wir/ als dein volck/ dir einmahl So lieb vnd angenehm/ daß es dein lust gewesen/ Vns von der dienstbarkeit vnd jrꝛthumb schweren qual Gantz thewer zu erloͤsen. 3. Gedenck an dein erbland/ vnd deines diensts beloh- nung/ Jetz vnsrer feinden boßheit lohn: Sih Gedichte. Sih doch wie nu jhr pracht der Edel berg Syon/ Einst vnser wohn/ vnd deine wohnung: Vnd fuͤhrend zu gemuͤht/ wie sehr dein volck/ bund/ feind/ Hilffloß/ verachtet/ stoltz/ vergiß was wir begangen; Vnd sey zu helffen vns so foͤrtig/ als Sie seind Arglistig vns zu fangen. 4. Auff/ Herꝛ/ straf vnsern feind/ auff daß Er (recht be- lohnet) Nicht laͤnger aͤrgerlich stoltzier; Straf/ Herꝛ/ straf deinen feind/ d’ als ein wildes thier Nicht deines heyligthuͤmbs verschonet: Vnd dessen grober zorn in deinem aignen hauß/ Dir/ Got/ vnd vns zu spot/ getobet vnd gebruͤllet/ Vnd solches mit hohn/ schimpff/ wuht/ schelmerey vnd grauß Halßstarꝛiglich erfillet. 5. An stat deiner gesaͤtz/ als jhn sein gaift anhoͤtzet/ Hat Er des Abgots mißgebot/ Vnd an stat deines worts hat Er zu deinem spot Bildstoͤck vnd goͤtzen aufgesoͤtzet: Die taflung/ das gewoͤlb vnd allen andern pracht Hat er mit groͤsserm ernst verdoͤrbet vnd verstoͤllet/ Dan wan ein hauff holtzleut mit vngestim vñ macht Baͤum in den waͤlden foͤllet. 6. Nach seines Abgots wort/ andeutung vnd exempel Jn deinem tempel vnd vmbhang Zu- Gaistliche Zubrach Er vnd zerꝛiß mit schmach/ mord/ schand vnd zwang/ Herꝛ/ deines gaists ehr-reiche tempel: Vnd nach dem sein (mehr muͤd dan vernuͤgter) muhtwill Mit wuht vnd wust den Ort gotsloͤsterlich befloͤcket/ Hat Er es/ daß er ja gantz sein gebot erfill/ Gar in den brand gestoͤcket. 7. Ja/ dises ist nicht gnug. Die schnoͤd-verkehrte hertzẽ/ Nach jhrer pfaffen raht vnd lehr/ Erfinden/ deinem Wort (so vnsre groͤste ehr) Noch zu vnehren/ newe schmertzen; Sie brauchen newe list zu moͤrden; vnd ohn schew Frey schreiben/ schreyhen Sie: Nu soll auf diser erden Nicht eines ketzers kind/ geschlecht/ buch noch gebaͤw Vbergelassen werden. 8. Auch (stoͤrꝛig) martern Sie/ verstoͤren vnd verzoͤhren Durch den strang/ pfal/ rad/ schwert vñ brand/ Herꝛ/ deine knecht/ dein volck/ die tempel/ schulē/ land/ Ja dein wort kan sich nicht erwoͤhren: Sondern gleich wie sie nu/ mit vnerhoͤrter schmach Gern wolten alle die Vns vnderꝛichten/ richten: Also will auch jhr stoltz vnd jhr torꝛechte raach Dein wort vnd recht vernichten. 9. Also wir ohn dein wort/ ohn Koͤnig/ ohn Propheten/ (Weil Sie tod oder in der Acht) Erse- Gedichte. Ersehen/ layder! mehr kein zaichen deiner macht Vnd gnad in disen vnsern noͤhten. Vnd weil vns kein mensch mehr mit troͤstlichem be- schaid Kan oder darff des layds vñ ellends end fuͤrbringen/ Will vns noch der Tyran/ ab dem Joch/ vnserm layd/ Nicht zu beklagen/ zwingen. 10. Ach wie lang wilt du noch nicht allein vns verlassen? Sondern wie lang/ Got vnser hort/ Wilt du den feinden auch dich selbs/ dein recht vnd wort Zu loͤstern (vngerecht) zu lassen? Soll dan vnstraͤflich stehts jhr naͤrꝛischer hochmuht (Vermehrend taͤglich sich durch dises dein still- schweigen) Dein ehr vnd vnser lehr/ Jhr vnd der hoͤllen wuht Gespoͤt zu sein/ bezeugen? 11. Ach! was verziehest du Vns schuͤtzend zu bedoͤcken/ Vnd dein gerechte rechte hand/ Die vnsers glaubens trost/ vnd deiner gnadenpfand/ Zu vnserm beystand auß zustroͤcken? Du bist ja vnser Got/ Herꝛ/ Hayl/ vnd zuversicht/ So vns von anbegin fuͤr sein volck angenommen/ Vnd sunst in aller noht/ fuͤr aller welt gesicht Vnd stehts zu hilf gekommen. 12. Du/ Gaistliche 12. Du/ du hast/ als dein volck/ gantz trawrig/ dich be- tawret (Verhindrend des Meers hindernuß) Gleich wie Meergruͤne stein der wellen schnellen fluß Zu beeden seitten auffgemawret: Vnd fuͤhrend Jsrael gantz wunderlich dardurch Hast du der Drachen stoltz (stehts wider dich erhabē) Mit jhrer macht vñ pracht/ recht mitten in der furch Des Meers anlaufs begraben. 13. Jhr haupt selbs/ daß kein blut/ froͤsch/ fliegen/ laͤuß/ seucht/ dunder/ Hewschrecken/ finsternuß/ beul/ tod/ Halßstoͤrꝛig lehren kont/ damahls durch gleiche noht Wurd der Meerwunder groͤstes wunder; Du hast sein heer vnd jhn (dem an betrug/ meinayd/ Hochmuht vnd wuͤhterey die grobe feind gleich leben) Den thieren fuͤr jhr aaß/ dē volck fuͤr ein schaw-wayd Jn der einoͤd gegeben. 14. Dein volck (durch deine gnad reichlich allzeit begabet Wie arm es auch an danckbarkeit) Hast du durch eine quell/ so dir die haͤrtigkeit Des drucknen felsen gab/ erlabet. Dein allmaͤchtige gnad/ vnd gnaͤdige allmacht Hat deinem volck zu lieb des Jordans strom zuspaltē Vnd jhm biß daß du es/ schutz reich/ hindurch ge bracht/ Den zaum zu ruck gehalten. 15. Es Gedichte. 15. Es ist dein gnaden-werck wunderlich zu erzaigen Dem Tag die Welt/ der Welt den Tag; Vnd wiederumb durch die nacht/ nach der muͤh/ plag vnd klag Der sterblichen mund zu geschwaigen: Der Sonnen glantz vnd gang/ so mit liecht/ lust vnd frucht Die erd/ das hertz vnd aug/ erfuͤllet vnd ergoͤtzet/ Hat die krafft deines worts/ so deines volcks zuflucht Vns zu dienst auffgesoͤtzet. 16. Du hast in dem vmbkrayß (ein Werckstuͤck rund er- gaͤntzet) Verbraͤmend mit dem Meer das land/ Verbluͤmend auch das Meer mit des lands gruͤnem rand Das ein vnd ander land gegraͤntzet: Vnd daß ein jeder sich ab seinem gut vnd sitz Froͤlich vernuͤgen moͤcht/ hast du die Zeit geaͤndert/ Vnd in vier thail/ mit kaͤlt die hitz/ die kaͤlt mit hitz Zu lindern/ abgesoͤndert. 17. Wan es dir dan so leicht vns wider zu ergoͤtzen/ Ach! so gedenck doch deines bunds; Gedenck doch/ hoͤchster Herꝛ/ des loͤsterlichen munds Damit dich vnsre feind verloͤtzen: F Vnd Gaistliche Vnd waferꝛ du dein volck ja nicht bedencken wilt/ Ach! so bedenck doch/ Herꝛ/ wie hoch Sie (Riesen) steigen/ Wie jhre torheit noch stehts deinen Namen schilt/ Vnd mach sie doch stillschweigen! 18. Ach! Got/ kanst du dich wol enthalten/ anzuschawe n Wie der Raubvogel/ Loͤw vnd Drach/ Vnd andre wilde thier dein turteltaͤublein schwac h Zu toͤdten oͤffnen jhre klawen? Ach Vatter! hoͤr/ sih/ merck/ sein seufzen/ klag/ ge fahr/ Erroͤtt/ Herꝛ/ seine sehl auß dieser thieren rachen; Laß die feind laͤnger nicht/ vergessend dein volck ga r Ab seinem weinen lachen! 19. Eroͤfne dein gesicht/ vnd sehend wie die armen/ Die ohn dich weder muht noch gut/ Gantz vberwaͤltiget durch dieser raͤuber wuht/ Laß dein hertz jhrer sich erbarmen! Ach! sih numehr zu ruck auff deiner buͤndnuß trew/ Weil in der finstern welt ja nichts dan fluchen/ schmaͤhen/ Verꝛaͤhterey/ betrug/ schand/ mord vnd zaubere Zu hoͤren vnd zu sehen. 20. Ac h Gedichte. 20. Ach! laß/ Herꝛ/ deine knecht; laß/ V atter/ deine kinder/ Wund/ ellend/ schwach/ ohn hilff/ ohn ehr/ Ja gar verzagen nicht: Sondern mach Sie vilmehr Noch jhrer Siger vberwinder! Daß/ wie jetz vnsre feind/ so statlich/ stoltz vnd groß/ Dir/ Herꝛ/ vnd V ns zu spot jhr aigen lob erklingen; Wir alß dan jhm zu schimpff/ deemuͤhtig/ schlecht vnd bloß/ Dir/ vnserm Got/ lobsingen. 21. Erwach/ O Herꝛ/ steh auff/ vnd zeuch selbs auß zu- streitten/ Es ist ja gantz dein aigne sach/ Es ist dein aigen Wort/ das diser stoltze Drach Will durch sein gift vnd macht außreuͤttẽ: Darumb gedenckend nu mit wie gnadloser hand Mit wie giftvollem mund/ vnd moͤrderischen wa- fen/ Die arg vnd stoltze feind stehts suchen deine schand/ Vergiß nicht Sie zu strafen! 22. Dieweil ja dein sanfftmuht der feinden stoltz ver- mehret/ So schweig darzu nicht langer still; Sondern erweiß numehr/ daß jhr pracht vnd muht- will Dich selbs so wol als vns beschweret: F 2 Er- Gaistliche Er weiß/ daß du jhr Feind/ wir aber dein geschlecht/ Daß sie/ die wider Dich sich mehr vñ mehr verbindē/ Jhren Raht falsch/ Vns froh/ dein wort wahr/ Dich gerecht/ Befinden vnd empfinden. Der Neuͤnzigste Psalm. Domine refugium factus es, \&c. 1. DV/ Herꝛ/ als vnser hayl/ wohn/ wohnung/ schir vnd schutz/ Jn ellend/ layd/ gefahren/ Hast vns bewahret stehts/ vnd (vnseꝛm feind zu tru Kanst vnnd wilt du vns auch noch fuͤrhin stehts b wahren. 2. Dan eh die Welt des tags/ der tag der erden prac Vnd stoltze berg gesehen; Bestund vor aller zeit ohn anfang deine Macht/ Vnd die wirt auch ohn end nach aller zeit bestehen 3. Zermalmet wirt der mensch (zwar deiner haͤnd werck) Von dir in staub vnd erden: Man sihet/ wie du wilt/ der menschen kinder sterck Vnd leben auff dein wort frisch oder zu nichts wer 4. D em Gedichte. 4. Dem schnell-verlofnen tag/ der der verflossnen nacht Durch seine flucht must weichen/ Ja des tags viertem thail/ der naͤchtlichē schiltwacht Fuͤr deinē augen/ Herꝛ/ sich tausent jahr vergleichen. 5. Gleichwie ein wasserstrom/ mit schneller vngestim Abfliessend/ sich verlieret: Gleichwie ein kurtzer traum/ oder ein suͤsse stim Ein kleine weil den gaist/ oder das Ohr beruͤhret: 6. Gleichwie ein frisches graß/ oder ein zarte blum/ So mit dem tag auffgehet/ Wirt/ sich veraͤndrend bald/ ohn krafft/ geruch vnd ruhm/ Vor abend von dem wind welck vñ dirꝛ hingewehet: 7. Also wan vnser thun vnd lassen deinen Zorn Vnd schweren grim erwoͤcket/ Empfindet vnser hertz alßbald den scharpffen Dorn Vnd schnellen strahl des tods/ der ploͤtzlich vns auß- stroͤcket. 8. Zwar billich ist dein grim/ gerecht ist dein gericht/ Weil vnsre missethaten Dir nicht verborgen seind/ weil deinem angesicht Sich vnsre suͤnden selbs (wie heimlich auch) verꝛahtē. F 3 9. Da- Gaistliche 9. Daher (wan du vnwuͤrsch) mit dem tag vnser tag Vertrieben dahin fliesset; Vnd vnsers lebens zeit wie ein gespraͤch/ red/ klag/ Sich/ eh wir es gewahr vñ foͤrtig/ schnell beschliesset. 10. Kan auß vnsrer vnzahl durch der gefahren schaar Nur einer sich durchdringen/ So kan er in sein grab syben mahl zehen jahr/ Wie sybenzig jahr jhn zuletzt in sein grab bringen. 11. Jst einer staͤrcker noch/ vnd lasset sich so alt Noch von dem tod nicht fangen: So machen jhn zuletzt (alßdan schwach/ alt vnnd kalt) Die viermahl zweinzig jahr zu seiner bahr gelangen. 12. Vnd alle seine Zeit/ durch die mit pracht vnd macht Er spreissend sich gerissen/ Jst in der warheit nichts/ dan daß jhn tag vnd nacht Muͤh/ truͤbsal/ arbeit/ sorg/ zerreissend stehts gebissen. 13. Doch wie lang seine muͤh/ so kurtz ist auch sein tag/ Damit Er sich betrieget: Dan seines lebens flucht (er lach gleich oder klag) Wie eines vogels flug/ bestandloß/ dahin flieget. 14. War- Gedichte. 14. Warumb ist dan der mensch so sicher/ blind vnnd schlim/ Sein ellend nicht zu sehen? Wer vnder allen will/ wie er solt/ deinen grim/ Vnd deine macht/ O Got/ verstehen vnd gestehen? 15. Wen vermag doch dein zorn/ Herꝛ/ vnd sein aigner schmertz Dich nicht mehr zu verloͤtzen? Vnd gehend in sich selbs hinfuͤr sein newes hertz/ Mit wahrer buß/ forcht/ ehr/ auff dich allein zu soͤtzen? 16. Darumb der du/ O Got/ allwissend vnd allweiß Vns alles kanst gewehren/ Geruhwe vns dein wort/ dein vrtheil/ deinen preyß/ Vnd vnsers stands schwachheit vnnd vnbestand zu- lehren! 17. Gib vns die wissenschafft (deines Gaists lehr vnd gaab) Recht vnsre tag zu zoͤhlen/ Daß vnser hertz allein mit weißheit sich erlab/ Vnd moͤg allein was noht vnd gut allzeit erwoͤhlen! 18. Ach/ wie lang ruffen wir/ wie lang soll vnser klag Dich/ O Got/ nicht bewoͤgen? Ach! wuͤrdige numehr/ barmhertzig/ vnsre plag Zugleich sampt deinem zorn vñ vrthail bey zu loͤgen! F 4. 19. Ach! Gaistliche 19. Ach! wende dich zu vns/ Vns/ die wir (dein geschlecht) Dich vmb verzeyhung bitten/ Vnd ob wir schon kein nuͤtz/ seind wir doch deine knecht; So troͤst nu wider V ns/ die wir so viel erlitten! 20. Kom/ du hayl-reiche Sonn/ durch deinen gnaden- glantz Fruͤh wiedrumb/ vns zu woͤcken! Vnd mit trost-reichem hayl/ gewand vnd frewden- krantz/ Nu widrumb vnser hertz/ leib vnd haupt zu bedoͤcken! 21. Vnd wie du schon vil jahr in truͤbsal/ kreutz vnd layd Vns/ gleichsam tod/ begraben: So kom V ns/ vnsre tag mit newem trost vnd frayd/ O helfer/ hayl vnd Herꝛ/ begabend zu erlaben! 22. Wan dein ellendes volck von noth/ verfolgung/ schãd Zufreyhen vnd erhalten/ Ein werck ist/ das allein die allmacht deiner hand (Nach deiner Lieb zusag) kan/ will vnd wirt verwaltẽ: 23. Wan es/ daß es dein ruhm/ den armen hilff vñ recht Zuthun/ nicht zu verneinen: Laß deinen dienern/ Herꝛ/ vnd vber jhr geschlecht Fuͤr aller welt gesicht dein werck vñ wehrt erscheinen! 24. Ge- Gedichte. 24. Geruhwe/ hoͤchster Gott/ V ns deiner gnaden schatz Nu wider zu verleyhen! Das deine herꝛlichkeit in vnserm thun/ fuͤrsatz/ Vnd wandel sich erzaig/ vnd wir durch dich gedeyhē! 25. Der du V ns/ wie du wilt/ Allweiß/ Allgroß/ Allgut/ Kanst fuͤhren/ ziehen/ wenden/ Regiere vnsre hand/ vnd vnsern mund vnd muht Daß wir nichts ohn dich/ Herꝛ/ anfangen noch vol- lenden! Der Ein vnd Neuͤnzigste Psalm. Qui habitat in adjutorio, \&c. 1. WAn alle maur/ schantz/ voͤstung/ schloß/ Gebruͤchlich/ als die so sie bawen: Wan keinem man/ nein heer/ wie jmmer starck vnd groß Ohn zweyfel zu vertrawen: So wohnet nur der/ Gott getrew/ Sich vnder seinen schutz verborgen/ Als in dem schatten/ froh vnd frey/ Ohn forcht/ gefahr vnd sorgen. F 5 2. Darumb Gaistliche 2. Darumb so sprich ich meines thails/ Jch will zuruck nu nicht mehr sehen: Dan ja auff dir/ mein Got/ kan vñ wirt meines hayls Gewißheit wol bestehen. Du/ Herꝛ/ bist mein schirm/ zuflucht/ port/ Die ich vnd welche mich erfassen; Auff dich will ich/ nach deinem wort Stehts hoffend mich verlassen. 3. So sey getrost/ O meine sehl/ Wan dich der vogler zu ergreiffen Durch seine kunst vnd list/ durch deine luͤst vnd fehl Schon brauchet netz/ strick/ pfeiffen: So will doch Gottes aug vnd hand Zugleich dir wachen/ dich bewahren/ Daß weder gifft/ pest/ seucht noch schand Jemahls dich soll befahren. 4. Got will/ wan des feinds wuht vnd glut Die welt erschroͤcken vnd befloͤcken/ Mit seiner federn schirm/ mit seiner fluͤgeln hut Dich sicherlich bedoͤcken. Frey/ sicher bist du/ so du wilt/ Wan Jchzit dich ja wolt verloͤtzen/ Der warheit stehts wehrhafften schilt Des vngluͤcks stoß fuͤrsetzen. 5. Der Gedichte. 5. Der nacht frost/ feuchte/ fuͤnsternuß/ Dardurch sich layd vnd leyden mehren/ Die striemen/ druͤckne/ hitz/ so mit schnellem verdruß Den leib bey tag beschweren: Der seuchten macht/ der boͤsen that/ Des wuͤrgers pfeil/ der weltling rechten/ Der haͤsser fluch/ anschlaͤg vnd raht/ Soll dich niemahls anfechten. 6. Jn hilffloß/ allschroͤckender noht Mag wol zu deiner lincken seitten Schwert/ hunger/ pestilentz/ dem niemahl-satten tod Ein taussend seelen beutten: Der tod soll zehen tausent noch Auff deiner rechten hand hinfuͤhren Zu seinem alldaͤmpffenden joch; Dich aber nicht beruͤhren. 7. Du solt gantz frey vnd ohn gefahr Jn allgemeiner noht bestehen: Vnd Gottes lieb vnd zorn/ gnad vnd straff offenbahr Jn dir vnd andern sehen: Jn dir zwar seine gnad mit wohn/ Vnd seine straff in dem verderben Der boͤsen: dan sein zorn der lohn/ Den Sie (torꝛecht) erwerben. 8. Zwar Gaistliche 8. Zwar solches soll sein wahr vnd kund/ Dieweil du/ der welt vngeachtet/ Des Herꝛen hayl allein in deines hertzens grund Geruͤhmet vnd betrachtet: Weil du dich nicht wie die Erd-wuͤrm Jn dem Jrꝛgarten hast verlohren/ Sondern des Hoͤchsten hoͤchsten schirm Fuͤr deinen sitz erkohren. 9. Darumb will dich mit ruh vnd frayd Dein grosser schutzherꝛ also segnen/ Daß dir an leib vnd seel kein vnfall/ sturm noch layd Beschwerlich soll begegnen; Verzweiflung/ zagheit vnd gericht/ Die den hayllosen vnd vnfrommen Getroͤwet werden/ sollen nicht Zu deiner wohnung kommen. 10. Dan daß du moͤgest ja das heer. Vnd auffsatz alles layds vermeyden; Vnd nicht auff diser welt gantzvngestuͤmmem Meer Gefahr/ ja Schiffbruch leyden: So hat Er außlieb/ fuͤrsorg/ gnad/ Den guten Engeln selbs/ dein leben Zufuͤhren recht auff seinem pfad/ Beselch ernstlich gegeben. 11. Ge- Gedichte. 11. Gehorsamb werden Sie mit fleiß Jhr laͤger vmb dich (ruhend) schlagen; Vnd in deinem beruff dich wandlend gleicher weiß Auff jhren haͤnden tragen: Das kein Jrꝛthumb/ schwachheit/ verdruß Soll deinen gaist/ leib/ hertz/ beschweren; Kein stein noch grub soll deinen fuß Verhindern noch versehren. 12. Von schaden vnd gefahr gantz frey Solt du durch wilde thier passieren/ Dich sollen gifft/ betrug/ verklagung/ wuͤhterey/ Vnd schmaichlen nicht vexieren: Dir soll kein Loͤw/ Wolff/ Otter/ Schlang Layd oder schaden vervrsachen; Schadloß soll sein dein stand vnd gang Auff Loͤwen vnd auff Drachen. 13. Weil/ spricht Got/ Seiner lieb inbrunst Wahr vnd klar gegen mir zusehen/ So will ich gnaͤdig Jhm mit gleicher lieb vnd gunst Jn aller noht beystehen; Vnd weil Er meines Namens lehr Vnd erkantnuß so trew gehalten/ Will Jch jhn auch in ruh vnd ehr Erhoͤben vnd erhalten. 14. Alß- Gaistliche 14. Alßbald Er ruffet/ soll mein Ohr Berait sein seine bitt zu hoͤren; Ja meine hand soll auch (kommend seiner bitt vor) Jhn meiner hilff gewehren: Mit foͤrtiger gnad vnd allmacht Von aller macht will ich jhn freyhen; Vnd meinen seegen vber nacht Gantz reichlich jhm verleyhen. 15. Mit wolfahrt/ alter/ ehr vnd wohn Soll Er nach seinem wunsch satt werden; Vnd endlich nemend jhn zu dem ewigen thron Des himmels von der erden; Will ich/ das kein ohr/ mund/ aug/ hertz/ Kan hoͤren/ melden/ sehen/ dencken/ Da kein geschray/ klag/ thraͤnen/ schmertz/ Mein hayl jhm gaͤntzlich schencken. Der Drey vnd Nuͤnzigste Pfalm. Dominus regnavit. \&c. 1. Vmbsunst der stoltze triumfieret/ Der Hoͤchst/ als Herꝛ allein/ die gantze welt regieret: Jn seiner Weißheit schmuck/ mit seiner Warheit Crõ/ Mit seiner allmacht heer/ vnd Gerechtigkeit wafen/ Besitzet (ewig) Er/ als richter/ seinen thron/ Der Frommen feind zu strafen. 2. Du Gedichte. 2. Du hast den vmbkraiß diser erden Bevoͤstiget/ daß er nicht kan bewoͤget werden; Ja/ wie du/ hoͤchster Got/ ein Herꝛ von ewigkeit: Also daß dein volck werd durch hoffnung stehts er- goͤtzet Hat deine Rechte hand den thron der herꝛligkeit Voͤst ewiglich gesoͤtzet. 3. Es moͤgen die feind jhr vermoͤgen/ Vnd jhr gantz stoltzes heer zu vnserm tod bewoͤgen; Gleichwie ein starcker fluß mit schaumendē gethoͤß/ Mit rauschend-lauttem lauff die leut vnd thier er- schroͤcket/ Mit tobendem außbruch zugleich was gut vnd boͤß Fuͤr eine zeit bedoͤcket: 4. Wie das Meer mag der feind starck brausen/ Wie ein sturm vnd windsbraut laut durch die wellen sausen; Die lufft/ die erd/ die hoͤll mag hagel/ dunder/ plitz Glut vñ wuht wider vns auß giessen/ schiessen/ speyhẽ; So kan doch vnser Got/ von seinem hoͤchsten sitz Durch seine sterck vns freyhen. 5. Dan vnserm Got nichts zu vergleichen/ Vnd aller menschẽ macht muß seinē dunder weichẽ/ Fuͤr jhm der herꝛen stoltz vergehet wie ein dunst/ Fuͤr jhm wird jr gewalt selbs dẽ gewalt beschwerlich/ So ist der fuͤrsten zorn fuͤr seinem zorn vmbsunst/ Sein ruhm ist vnvermehrlich. 6. Wan Gaistliche 6. Wan himmel vnd erd schon vergehen/ Soll doch/ O Got/ dein wort vnd warheit stehts be- stehen: Wie dan auch deine Kuͤrch/ als die von deiner hand Den schmuck der heyligkeit/ die kleynot deiner lehren Empfangen/ soll mit ruhm zu jhrer feinden schand Fuͤr vnd fuͤr (seelig) wehren. Der Hundert vnd Vierte Psalm. Benedic anima mea, \&c. 1. WOlan ermundre dich/ mein hertz vnd meine sehl/ Dem hoͤchsten meinen danck/ Sein lob der welt zu weisen: Hassz vñ verlassz zugleich der welt lust/ vndanck/ fehl/ Des Hoͤchsten wort vnd werck/ weißheit vnd macht zu preisen. 2. Wie aber/ hoͤchster Herꝛ/ allweiß/ allgut/ gleichloß/ Kan Jch gebuͤrlich dich vnd deine werck nur nennen? Wan deine krafft/ macht/ ehr/ so starck/ so hoch/ so groß/ Daß aller menschen sinn zu schwach sie zu erkennen. 3. Wie Gedichte. 3. Wie maͤchtig bist du/ Herꝛ/ wie praͤchtig seind die werck Der allmaͤchtigen hand/ die den vmbkraiß regieret! Mit herꝛlichkeit vnd ruhm/ mit macht/ mit krafft/ mit sterck/ Bist du gantz herꝛlich/ Herꝛ/ als einem klayd gezieret! 4. Der Ehrē pomp vñ schein/ gantz vnvermehrlich klar/ Sich mit ewigem tag vmb deinen thron außstroͤcket: Des liechts ewiger glantz ist gleichsam der thalar/ Der deine Mayestet mit schmuck vnd preiß bedoͤcket. 5. Als mit einem gantz schoͤn lasur-farben vmbhang/ Mit zwitzerendem gold stern-weiß reichlich gesticket/ Hat mit den him̃eln rund den weltweitten vmbgang Dein maysterliche hand bedoͤcket vnd geschmuͤcket. 6. Fuͤr deine hoffstat/ Herꝛ/ ist dein pallast von eyß/ Vnd von gewaͤssers glaß/ als ein gewoͤlb/ gegossen: Die zimmer vnd die saͤhl seind gantz durch scheinend weiß/ Mit gebognem Cristall gefuͤget vnd beschlossen. 7. So du wilt/ dz gewuͤlck schwartz/ fewrig/ dunckel/ hell/ Gebrauchest du/ Monarch/ fuͤr deinen triumfwagen: Vnd deinem willen nach die wind starck/ stuͤrmig/ schnell/ Muͤssen deinen befelch vnd dich durch die luͤft tragẽ. G Gei- Gaistliche 8. Geister/ die gut vnd rein gehorsamlich dein wort Vollbringen/ pflegest du/ als botten/ auß zu senden: Plitz/ dunder/ stralen/ fewr/ zu seiner zeit vnd ort/ Seind deine diener auch dein vrtheil zu vollenden. 9. Mit gantz fruchtreicher art/ in vollkomner gestalt Hast du des erdreichs grund fuͤr vns so voͤst geleget/ Daß weder der zeit saͤg/ noch des alters gewalt Verꝛingert seinen pomp/ noch sein gewicht bewoͤget. 10. Der Erden junger leib hat als ein waiches klaid Die tieffin aller See zuvor vmbsich getragen: Da dan so wol die berg/ als auch die thal ohn wayd/ Ohn thier/ ohn frucht/ ohn baum vnter den wassern lagen. 11. Stracks aber auff dein wort/ war jres bleibens nicht/ Sie flohen alßbald hin/ vnd zogen sich zusamen: Auff deines dunders stim/ fuͤr deines gaists gesicht Die wellen jhre flucht schnell in den abgrund namen. 12. Alßdan auff dein gebot hat sein haupt stoltz vnd hoch Auffrichtend in den lufft ein jeder berg erzaiget; Vnd die thal jhres thails/ gleichsam vnder das joch Sich stroͤckend/ auff den grund/ gehorsamlich ge- naiget. 13. Vnd Gedichte. 13. Vnd daß fuͤrhin das Meer in seiner graͤntzen rand Verbleib/ vnd laß die erd sicher/ vnuͤberflossen/ Hast du mit des gestads vnverbruͤchlichem band Vnd mit des vfers zihl solches wol einbeschlossen. 14. Brunquellen/ baͤch vnd fluͤß/ hell/ frisch/ gesund/ vnd suͤß/ Entspringend auß dem grund schlanglecht fort- schleichend fliessen; Vnd wendend durch die thal/ der thal vnd baͤumen fuͤß Mit rauschendē getoͤß/ gleichsambleckend/ begruͤessen. 15. Dahin verfuͤgen sich die thier/ so auff dem feld Durch zug/ last/ oder pracht muͤh fuͤr die menschen haben: Die herden auff der wayd/ vnd der einoͤd vnd waͤld Jnwohner/ jhren durst loͤschend/ sich zu erlaben. 16. Dort vmbher pfleget sich die schnell fliegende schar Mit freyhem wohn vnd thon zu noͤsten vnd zu setzen; Vñ auff den zweigen gruͤn mit stimlein rein vñ klar/ Luft vnd erd vmb vnd vmb ergoͤtzend/ zu ergoͤtzen. 17. Durch regen vnd durch taw/ wan dz erdreich saftloß/ Wirt des trucknen gebuͤrgs goͤhnender durst gestillet/ Der guͤpfeln brust mit milch/ des thals fruchtbare schoß Mit frucht/ der erden leib mit safft vnd krafft erfillet. G 2 18. Dan- Gaistliche 18. Dannenher wirt das feld mit blum-reich gruͤnem klaid Vnd lieblichem geruch bereichet vnd gezieret/ Dannenher wirt dz Vih durch new-wachsende waid Genoͤhret/ vnd das hew in die schewren gefuͤhret. 19. Dannenher saht/ stoͤck/ baͤum/ das aug/ die naß/ den mund/ Mit korn/ weintrauben/ obs beladen frey anlachen; Dannenher brod/ wein/ oͤhl/ wolgeschmack/ frisch/ gesund/ Des menschen leib/ hertz/ haupt/ starck/ froͤlich/ glaͤn- zend machen. 20. Des Hoͤchsten hoͤchste baum/ mit wisperendem lust Mit erquickendem safft belebet/ frisch bestehen; Der Cedern stam/ aͤst/ zweig/ voll safft/ voll laub/ voll blust/ Durch jhre hoͤhin Got jhren pflantzern verjaͤhen. 21. Vnd neben frucht vnd holtz erthailen jhre aͤst Dem fliegenden geschlecht freyheit sicher zuwohnen; Die hohe Tannenbaͤum erhoͤben hoch das nest Der voͤgeln die mit lieb der elter lieb belohnen. 22. Gaiß/ gembsen vnd steinboͤck finden zuflucht vñ speiß Hoch auff den wolckengleich vñ erschroͤcklichē bergē Jgell vnd koͤniglein auff gantz widrige weiß Sich tieff vnder den grund der steinkluͤfften verbergē 23. Di e Gedichte. 23. Die zeit in arbeit/ ruh/ tag/ wochen/ monath/ jahr/ Durch liecht/ nacht/ hitz vñ kaͤlt/ gethailet/ zu vertreibē/ Wilt du/ Herꝛ/ daß der Mohn gantz/ halb/ schwartz oder klar/ Mit bestaͤndigem lauff soll vnbestaͤndig bleiben. 24. Wã sich die schwartze nacht (setzend mit stillem gang Des himmels liechter auff) vns zu stillen bemuͤhet/ Vnd auff deinen befelch jhren dunckeln vmbhang Mit schlaͤferiger hand vmb der welt laͤger ziehet: 25. Alßdan kommet herfuͤr der wilden thieren hauff/ Ohn forcht sich auff den raub nahrung halben zu- wagen: Die junge Loͤwen auch wachen nu hungrig auff/ Vnd nemen dise zeit vngezaget zu jagen. 26. Doch/ weil ohn deine hilff nichts lebet/ pflegen Sie Vmb vrlaub/ HErꝛ/ zu dir gantz erschroͤcklich zu bruͤllen/ Vnd dan das schwache wild mit forcht/ mit flucht/ mit muͤh/ Vnd mit blutiger speiß leztlich sich selbs/ zu fillen. 27. Wan dan die Morgenroͤht mit perlein laub vñ graß/ Mit rosen das gewuͤlck/ mit kaͤlt die luͤfft verehret; Wan die soñ/ spieglend sich in des Meers klarē glaß/ Die berg/ die welt des scheins vnd liechts wider ge- wehret. G 3 28. Alß- Gaistliche 28. Alßdan die wilde thier/ deren wuht vnd betrug/ Als jhrer sicherheit das liecht des tags zu wider/ Stoͤllen jhr straiffen ein/ nemen jhren abzug Dem holtz vnd loͤchern zu/ vnd loͤgen sich dort nider. 29. Alßdan der arme mensch entmuͤdet/ munder/ frisch/ Sich in seinem beruff vnd arbeit gern bemuͤhet/ Daß er zier/ fill/ bedoͤck/ sein hauß/ schewren vnd tisch/ Biß jhn der abend-stern zu der ruh widerfuͤhret. 30. Wie vnderschidlich schoͤn/ wie wunderꝛeich/ O Herꝛ/ Seind deiner Weißheit werck/ die kein mensch kan erfassen! Jn dem weitten weltkraiß hast du/ Herꝛ/ nah vñ ferꝛ/ Hoch vnd tieff/ an reichtumb vnd frucht nichts oͤd gelassen! 31. Wie vnerschoͤpflich groß/ tieff vnd brait ist das Meer/ Darinnen sich an art vnd zahl die fisch vermehren/ Also das wimlend voll/ als sonderbahre heer/ Sie/ wie des Meers anlauff vnd ablauff/ vns be- thoͤren. 32. Da sihet man die schiff mit schmalem fordern thail Jn nicht wehrende furch den waichen marber spaltē; Vnd stoltz mit manchem mast/ schraub/ seegel/ an- cker/ sail/ Oftmahls mit gleichē wind vngleiche seeglũghalten. 33. Der Gedichte. 33. Der Walfisch/ dessen leib/ wellenreich/ wellengleich/ Mit hohem wasserguß die luft vnd Meer vermischet/ Regieret als ein Printz in dem vnstehten reich/ Vnd schertzend/ die boßknecht erschroͤcket/ sich er- frischet. 34. Also was leben hat/ mit schupen/ federn/ haar/ Beklaidet/ burger ist des Meers/ luffts vnd der erden/ Das wartet/ Herꝛ auff dich/ dem jhr muht offenbar/ Zu rechter zeit mit speiß gesaͤttiget zu werden. 35. Die gaaben/ welche du zu wasser oder land Darꝛeichest/ samlensie jhren hunger zu stillen: Offnest du dan (miltreich) dein allgebende hand/ So kommen sie nach lust mit guͤttern sich zu fillen. 36. Wendest du dein gesicht von jhnen anderwerts/ (Wan jrgend deiner sie/ vnd jhrer Du vergessen) Befindet sich alßbald jhr aug/ jhr leib/ jhr hertz (Beraubet alles trosts) mit macht/ qual/ angst be- sessen. 37. Wan jhres ahtems gang vnd jhres lebens trumb Gespoͤrꝛet auff dein wort vnd abgebrochen werden/ So fallen sie dahin/ vnd luͤfern wiederumb (Als jhrer schulden zinß) der erden jhre erden. G 4 38. Sen- Gaistliche 38. Sendest du Herꝛ dan (milt) deinen gaist wider auß/ So werden alle ding erschaffen vnd erquicket: Vnd was zuvor war oͤd/ holtz/ feld/ stat/ baum vnd hauß/ Wirt bald mit wild/ graß/ volck/ frucht vnd kindern beglicket. 39. O daß des Hoͤchsten ruhm/ vnd seines Namens ehr Durch alle seine werck allzeit vermehret wehren! O daß des Hoͤchsten frewd ab vnsers lebens lehr/ Vnd seiner wercken frucht stehts wehrend moͤg ver- mehren! 40. Dan ja der Herꝛ so groß/ daß der grund vñ abgrund Ab seines anblicks zorn forchtsam zittert vnd zaget; Vnd daß das hoͤchst gebuͤrg mit rauchend-schwar- tzem mund/ So es beruͤhret wirt (als seuffzend) sich beklaget. 41. Darumb will ich allzeit/ so lang des Herꝛen hand Bestimmet meinen mund/ des Herꝛen namen sin- gen; Vndmeinen Got/ so lang durch dises lebens band Mein gaist vnnd leib alhie verbunden/ stehts er- klingen. 42. Ach! Gedichte. 42. Ach! daß nu mein gesang/ Ach! daß doch mein gedicht Moͤg meinem lieben Got allzeit so wol gefallen/ Als hertzlich ich begehr daß Er mich vnderꝛicht/ Sein lob vnnd meinen danck fruchtbarlich zu er- schallen! 43. O daß die/ welche dir/ O Got/ vnd deiner lehr/ Vnd denen darumb du zuwider/ zu nichts werden! O werden alle die/ deren ehr deiner ehr Zuwider/ ohn außflucht vertilget ab der erden! 44. Du aber laß nicht ab/ mein hertz vnd meine sehl/ Dem Hoͤchsten meinen danck/ Sein lob der welt zu weysen! Ja lasset vns doch all/ verlassend allen fehl/ Schand/ suͤnden vnd vndanck/ den Hoͤchsten allzeit preysen! G 5 Der Gaistliche Der Hundert vnd Dreyzehende Psalm. Laudate pueri Dominum. 1. DEm Hoͤchsten all-weyß/ gut/ gerecht/ Lobsinget nu zusamen; All jhr des Hoͤchsten wahre knecht Lobsinget seinem Namen. 2. Des Herꝛen Nam/ so fuͤr vnd fuͤr Gesegnet heylig wehret/ Werd in vnd von Vns nach gebuͤhr (Vnvermehrlich) vermehret. 3. Von Ost zu West/ vnd wa man mehr Die Sonn kan sehen glaͤntzen/ Soll nichts das wehrte lob vnd ehr Des Hoͤchsten Namens graͤntzen. 4. Billich wirt der Herꝛ/ dessen hand Kan (mangelloß) begaben Mit frewd vnd frucht das volck vnd land/ Mit lieb vnd lob erhaben. 5. Zwar vmb des Erdreichs haͤrtigkeit Des himmels schmuck sich stroͤcket; Aber des Hoͤchsten herꝛlichkeit Die himmel selbs bedoͤcket. 6. Wer Gedichte. 6. Wer ist dem Hoͤchsten/ vnserm Got/ Dem alle Goͤtter weichen/ Fuͤr dessen ruhm jhr Ruhm ein spot (Stehts gleichloß) zuvergleichen? 7. Hoch/ da ein vnsaͤglicher wohn Die seel (seelig) ergoͤtzet/ Hat er sein all-herꝛschenden thron Beharꝛlich auffgesoͤtzet. 8. Doch dises nidrig Element Thut er auch wol versorgen/ Nichts ist jhm in dem Firmament/ Auff erden nichts verborgen. 9. Er ist berait/ sich vnsrer noht Vnd truͤbsaal zu erbarmen/ Den schwachen zeucht Er auß dem koht/ Vnd auß dem staub den armen. 10. Er bringet sie herfuͤr ohn muͤh Bey Fuͤrsten ein zufuͤhren′; Zu Fuͤrsten befuͤrdert Er Sie/ Daß sie sein volck regieren. 11. Das Gaistliche 11. Das oͤde hauß/ das proͤge weib/ Die jhm jhr layd fuͤrbringen/ Mit kindern vnd fruchtbarem leib Erfrewet/ jhm lobsingen. 12. Darumb Got/ der Allgroß/ gut/ weyß/ Lobsinget nu zusamen/ Lob/ seegen/ ehr/ danck/ ruhm vnd preyß Sey Got dem Hoͤchsten/ Amen. Der Hundert vnd Neuͤnzehende Psalm. Beati immaculati. Aleph . 1. REchtseelig seind gewiß die auff des Hoͤchsten pfad/ Seinem gesatz gemaͤß/ auffrichtig stehts fortwan- dlen: 2. Ja seelig/ deren hertz die zeugnuß seiner gnad Bewahret/ vnd die gern nur mit vnd in jm hãdlen. 3. Sie gehen (recht vnd schlecht) ohn gleißnerey fromb fort/ Als auff dem rechten weeg seiner gerechten lehren/ 4. Auff welchen vns du selbs/ O Hoͤchster/ durch dein wort Gewisen/ mit verbot davon vns abzukehren. 5. O Gedichte. 5. O daß du meine fuͤß (O einig wahrer Got) Auff deiner warheit weeg anweisest fort zugehen! 6. Daß mein hertz vnd gesicht zugleich ohn forcht vnd spot Gehorsamb vnd getrew auff deinen willen sehen! 7. Alßdan/ wan ich versteh dein gerechtes gericht/ Soll mein auffrechtes hertz dein lob mit lust er- schallen: 8. Dein will soll sein mein will/ verlaß du mich nur nicht/ Vnd daß ich dir wol folg/ so laß mich ja nicht fallen! Beth . 9. Was anders dan dein wort/ vnd ein genaigter muht Vermag der jugent lauff von fehl vnnd fall zu freyhen? 10. Darumb verlanget mich nach dir/ mein Got/ mein gut/ O laß mich kein gut sunst võ disem gut abscheyhẽ! 11. Der schatz deiner gesaͤtz hab ich/ daß wider dich Jch keine suͤnd begeh/ in mein hertz wolbeschlossen: 12. Darumb lobsing ich dir/ dã ja du selbs/ nicht ich/ Hast deiner satzung lieb in meine brust gegossen. 13. Gib/ Herꝛ/ daß deines munds befelch/ recht/ satzung/ lehr/ Durch meinen mund allzeit mit frucht erklaͤret werden! 14. Dan dein gesatz der schatz/ vnd deine lehr die ehr/ Die mir viel lieber seind dan alles gut der erden. 15. Ver- Gaistliche 15. Verleyh/ Herꝛ/ daß mein hertz mit eyfer/ ernst vnd fleyß Moͤg deine wort vnd weeg erwegen vnd ermessen! 16. Daß deiner lieb vñ trew (getrew dir/ in dir weyß) Mit frewden/ lob vnd danck ich niemahl moͤg ver- gessen! Gimel . 17. Daß ich gehorsamb leb/ vnd andre dir gewinn/ Jn deinem schwachen knecht laß deine sterck Sie sehen; 18. Erleuchte mein gesicht/ erleicht all meine sinn/ Die wunder deiner lehr zu sehen/ zu verstehen! 19. Verbuͤrge nicht fuͤr mir/ der ich ja kein welt- kind/ Sondern ein frembdling bin/ dein recht/ gefallen/ willen; 20. Dan biß ich deines worts geheimbnuß recht außfind/ Kan sich mein schwacher gaist nicht stillen/ nicht erfillen. 21. Wan die/ so auß hochmuht/ verachtend dein gebot/ Verlassen deinen pfad/ gestuͤrtzet vnd verfluchet: 22. So wend du von mir ab der boͤsen schimpff/ schmach/ spot/ Der ich stehts dein gericht geliebet vnd gesuchet. 23. Ob ich schõ wider mich mit worten/ raht vñ that Die Fuͤrsten selbs erfahr/ will ich doch nit ablassen/ 24. Die zeugnuß deiner lehr/ als meinen besten raht/ Als meine lieb vnd lust mehr vnd mehr zuerfassen. Da- Gedichte. Daleth . 25. Dein gaist woͤll meinen gaist in angst/ in qual/ in staub/ Als tod/ nach deinem wort beleben vnd erlaben: 26. Dein Ohr zu meiner beicht vnd bit war niemahl taub/ So wirst du mich auch jetz mit deinẽ trost begabẽ. 27. Verstand in deinem recht/ bestand auff dei- nem weeg Verleyh mir/ deine gnad vnnd wunder zu ver- mehren! 28. Den gaist gantz kranck vnnd schwach/ den leib gantz bloͤd vnd traͤg/ Kom du/ Herꝛ/ deines hayls vnd staͤrcke zu ge- wehren! 29. Laß mich abgoͤtterey vnd falschheit nimmer- mehr/ Doch deiner wortten trew allzeit getrewlich glau- ben! 30. Laß deiner warheit glantz/ vnd deiner satzung ehr/ Die mir erkohren seind/ mich gar kein ding be- rauben! 31. Laß mich/ dem dein gesatz als ein klaid/ schmuck vnd pracht/ Jn keine schmach/ schand/ spot vnd aͤrgernuß ein- fallen: 32. Erquick mit deiner gnad/ erfrisch durch deine macht Mein hertz/ daß ich schnell lauff nach deinem wol- gefallen! He . Gaistliche He . 33. Herꝛ/ lehr vnd laitte mich auff deines willens pfad/ Vnd laß mich nichts davon biß in das end ab- naigen: 34. Verleyh/ daß meine sinn/ wort vnd werck deine gnad/ Vnd meines hertzens lieb bezeugen vnd erzaigen! 35. Herꝛ/ fuͤhre meine fuͤß/ daß sie (behend auß lust) Auff deiner satzung weeg nicht strauchlen/ fallen/ jrꝛen: 36. Zu deiner zeugnuß lieb/ Herꝛ/ oͤffne meine brust/ Laß weder sorg noch geitz dieselbe lieb verwirꝛen! 37. Mach meiner augen liecht zu aller eytelkeit Gantz fuͤnster/ aber klar was recht vnd gut zusehē: 38. Gib/ Herꝛ/ krafft deinem wort/ daß ich in ewig- keit Moͤg als ein guter knecht voll lieb vnd forcht be- stehen! 39. Vnd wan du ja zugleich barmhertzig vnd ge- recht/ So freyh mich von der schmach/ damit der feind mir traͤwet; 40. Vnnd wie ich jnniglich lob/ lieb/ vnnd uͤb dein recht/ Also werd mein gemuͤht nach deinem wort er- frewet! Vau . Gedichte. Vau . 41. Herꝛ/ der barmhertzigkeit/ durch welche vns dein bund Versichert deines hayls/ laß mich alßbald ge- niessen/ 42. Daß trawend deinem wort ich aller spoͤtter mund Moͤg selbs durch deine werck zu deiner ehr be- schliessen! 43. Herꝛ/ deiner warheit wort von mir doch nich t entzieh/ Dan dein gericht gerecht d’warheit nach gerichtet/ 44. Zusehen sehnet mich; O Herꝛ gib daß ich flieh/ Bewahrend stehts dein wort/ was menschen witz erdichtet! 45. Gib daß mein hertz vnd fuß in deinem wort vnd pfad/ Erweittert vnd behend/ froͤlich vnd frey fortfahren! 46. Daß ich moͤg ohn gefahr vnd schaw/ durch deine gnad/ Die wunder deiner werck fuͤr Fuͤrsten offenbaren! 47. Alßdan/ Herꝛ/ nach gebuͤhr will ich auß lust/ lieb/ trew/ Dir meine haͤnd/ mund/ hertz/ auff hoͤben/ oͤffnen/ uͤben/ 48. Der Warheit wort/ hayl/ trost/ begihrig/ danck- bar/ frey/ Mit andacht/ eyfer/ fleiß/ zu fordern/ ruͤhmen/ lieben. H Zain . Gaistliche Zain . 49. Ach Herꝛ/ laß deines bunds gedaͤchtnus vnd bestand/ So meiner hoffnung grund/ nichts jemahl wider- streben; 50. Dan deines munds verspruch/ das oͤhl/ der gaist/ die hand/ Die mich in layd/ noht/ angst/ mit trost/ trew/ hayl beleben. 51. Dein wort verlaß ich nicht/ ob schon mit schimpff vnd schmach/ Boͤß/ stoltz/ torꝛechte leut deßhalben mich verachtẽ: 52. Jch empfind trost/ ruhm/ ehr/ dein recht/ gericht vnd raach/ Die dein volck allzeit sah/ andaͤchtig zubetrachten. 53. Zwar muß ich/ wan ich sih das leben vnd den lohn Der suͤnder/ die dein wort verwerffen/ mich ent- soͤtzen: 54. Doch singend deine werck kan ich alßbald mit wohn Jn meiner walfahrt/ raiß vnd herberg mich er- goͤtzen. 55. Die stille ruh der nacht (sunst noͤtig fuͤr den schlaff) Ermundert mich/ dein wort zu lernen/ dich zu preysen: 56. Das hab ich/ weil ich mich/ vermeidend deine straff/ Vnd suchẽd deine gnad/ pfleg glaͤubig zuerweisẽ. Heth . Gedichte. Heth . 57. Herꝛ/ dessen lieb vnd trew mein kleinoth vnd erbthail/ Jch sprich/ versprich/ gelob/ dein wort allzeit zu halten: 58. Jch such inbruͤnstiglich dein antlitz/ gaist/ vñ hail/ Laß deiner gnaden hitz in mir ja nicht erkalten! 59. Betrachtend meinen weeg erweg ich meinen gang Stehts meiner fuͤssē tret auff deine spur zu wendẽ; 60. Auff deiner satzung bahn gantz willig vnd ohn zwang Begehr ich meinen lauff leicht vnd schnell zu vol- lenden. 61. Jch flieh zu deinem wort/ wan mich mit list vnd macht Der feind/ die welt/ das fleisch/ will fangen/ halten/ rauben: 62. Dir/ der du meine ruh/ dancksag ich vmb mit- nacht Fuͤr dein gerechtes Recht/ vnnd ruff dich an vmb glauben. 63. Bey tag besuch ich die/ in deren hertz vñ mund Jch deine forcht vnd lob find friedlich/ fruchtbar bluͤhen: 64. Herꝛ/ deine guͤttigkeit/ dem gantzen vmbkraiß kund/ Wirst du auch nicht von Mir/ der Jch sie lieb/ entziehen. H 2 Teth . Gaistliche Teth . 65. Herꝛ/ deinen worten nach/ so nicht wort son- dern werck/ Hast du so freindlich mich gesegnet vnd versehen/ 66. Daß ich mehr nichts begehr/ in dem ich dein wort merck/ Dan was recht/ nuͤtzlich/ gut/ weiß/ vnd wahr zu verstehen. 67. Vndanckbar/ fruchtloß/ proͤg erfand mich deine ruht/ Doch hat mich jhre zucht bald gegen dir bekehret 68. Daß/ weil du gegen mir gantz gnaͤdig/ milt vnd gut/ Jch stehts bit/ daß ich werd noch mehr vnd meh r gelehret. 69. Ja/ dein gebot/ mein Got/ halt ich in meine brust/ Wan schon der ftoltzen red sich wider mich ver bluͤmet: 70. Vnd deiner zeugnuß lehr ist meines hertzens lust Wan schon jhr hertz vnnd mund faist/ falsch vn voll sich ruͤhmet. 71. Layd zeuget in mir frayd/ vnnd straff gebaͤr rew/ Rew zeuget trew vnnd fleyß dein wort wol zu e fassen: 72. Darumb wolt ich dein wort/ so koͤstlich/ suͤs getrew/ Vmb alles silber/ gold vnnd schaͤtz der welt nich lassen. Iod . Gedichte. Jod . 73. Herꝛ/ meines leibs gebaͤw ist deiner hand ge- maͤcht/ Send du weiß heit vnd lehr darinnen zu regieren: 74. Daß meines glaubens frucht auch andre from- me knecht Anschawen/ vnd mit mir dich lobend jubilieren. 75. Weil dein gericht gerecht; vnd ich in deiner schul Vil zu fahrlaͤssig war wuͤrd ich billich geschlagen; 76. Doch kom ich nu vmb trost zu deinem gnaden- stul/ Vnd bit/ nach deinem wort/ geschwaig nu/ Herꝛ/ mein klagen! 77. Ach! raich mir wider/ Herꝛ/ der barmhertzigkeit hand/ Sih/ dein gesatz lieb ich/ So frist mir nu mein lebẽ! 78. Dein recht betracht ich/ Herꝛ/ die stoltze straff mit schand Die meiner vnschuld stehts mit liegen widerstrebẽ. 79. Gib mir fuͤr meine freind die/ welche recht vnd schlecht/ Bezeugen dein gesatz in reden/ thun/ geberden: 80. Gib daß ich selbs allzeit von hertzen schlecht vnd recht/ Voll hoffnung/ glauben/ lieb/ nicht moͤg zu schan- den werden! H 3 Caph . Gaistliche Caph . 81. Mein gaist nach deiner hilff zu gilfen (tag vnd nacht Gewartend deines trosts) mit schwachheit wirt beschweret: 82. Auch mein gesicht vnnd leib verlieret krafft vnd macht/ Zu fragen/ wan werd ich erhoͤret vnd gewehret? 83. Dan ja mein schwacher leib/ so nichts dan haut vnd bein/ (Zwar deiner ingedenck) verwaͤlcket/ krafftloß/ drucken; 84. Wie vil/ Herꝛ/ moͤgen wol der truͤbē tag noch sein? Wan wilt du/ Herꝛ/ die mich hart drucken/ vnder- drucken? 85. Zorn vñ list brauchen sie mein leben in die bahr Zufoͤllen/ stoltz vnd arg deinem befelch zuwider: 86. Wan nu jhr fuͤrsatz falsch/ vnd dein gesatz/ Herꝛ/ wahr/ So kom/ vnd richt nu/ Herꝛ/ hilff mir auff/ schlag sie nider! 87. Eyl/ Herꝛ/ dan in dem ich in deinem wort mich uͤb/ So hat mich jhre wuht schier gaͤntzlich auffge- fressen: 88. Erquick (barmhertzig) mich durch deine suͤsse lieb/ Vnd Jch wil deines bunds vnd hayls niemahls vergessen! La- Gedichte. Lamed . 89. Des Himmels klarer pomp mit stehtem gang vnd fleyß Erklaͤret tag vnd nacht daß dein wort stehts be- stehet; 90. Der erden schoͤner schmuck/ gruͤn/ gelb/ falb oder weyß/ Bewehret fuͤr vnnd fuͤr daß dein wort nicht ver- gehet: 91. Mit bestaͤndigem lauff/ mit lauffendem be- stand/ Als deiner gantz getrew thun sie stehts deinen willen; 92. Vnd solche lehr allein/ voll lust wie voll verstand/ Erꝛoͤttend meinen gaist/ kan jhn in vnruh stillen. 93. Darumb weil ich dardurch ein newes leben hab/ Soll dein wort nimmermehr auß meinem hertzen fahren: 94. Dan weil darinnen ich mich uͤb/ besih/ erlab/ So bin ich aigen dein/ vnnd du wirst mich be- wahren. 95. Ja/ der gotlosen zunfft verfolgēd toͤdlich mich/ Soll von deinem gesatz mich nimmermehr ab- schroͤcken; 96. Dan auch die beste ding aͤndern vnd enden sich/ Vnd nichts dan dein befelch kan sich endloß er- stroͤcken. H 4 Mem . Gaistliche Mem . 97. Wie lieblich/ lieb vnd wehrt/ ist mir dein wort/ O Got/ Jch pfleg den gantzen tag darinnen zu studieren: 98. Darumb auch meine feind/ verachtend dein ge- bot/ Seind nicht so weiß als ich/ der ich nicht kan ver- lieren. 99. Durch deiner zeugnuß lehr/ die ich mit ernst erlern/ Bin ich gelehrter selbs dan welche mich gelehret: 100. Ja kluger bin ich auch/ alßlang ich dein wort gern Verꝛicht/ dan die so man von alters wegen ehret. 101. Zwar enthalt ich die fuͤß von alles vbels pfad/ Daß ich nicht wider dich moͤg vngebuͤhrlich handlen: 102. Doch daß ich nicht verjrꝛ/ so lehret deine gnad/ So laittet deine hand mich richtig fort zu wan- dlen. 103. Der suͤssest honigsamb ist nicht so suͤß/ gut/ pur/ Als deiner warheit red/ die meine seel er- labet: 104. Darumb acht ich sie hoch/ vnd haß der falsch- heit spur/ Dan jene mit verstand/ die mit betrug begabet. Nun . Gedichte. Nun . 105. Dein wort als eine lamp vnnd liecht/ Herꝛ/ leuchtet mir/ Die fuͤnsternuß vnd sturm der welt durch zu- passieren: 106. Jnmassen ich mich/ Herꝛ/ in meiner kindheit dir Verpflichtet/ schwoͤr auch noch daß mich nichts soll verfuͤhren. 107. Gedenckend deines worts bedenck nu auch mein layd/ Hilff mir/ vnd stewre/ Herꝛ/ denen die mich be- truͤben! 108. Laß dir mein lobgesang/ gebett/ geluͤbd vnd ayd (Erhoͤrend/ lehrend stehts mein hertz) allzeit be- lieben! 109. Sih Herꝛ/ mit deiner lehr ich mich allein er- quick/ Ob schon auff meiner hand mein gaist gleich- samb vmbschwebet: 110. Wan mir der gotloß schon gerichtet seine strick/ Hab deinem willen ich doch nicht gewider- strebet: 111. Sondern dein will vnd wort/ mein reichtumb vnd erbthail Stehts meinem gaist mit trost/ mein hertz mit wohn bereichen; 112. Darumb ergib ich mich dir gantz/ mein Herꝛ/ mein hail/ Vnd will in ewigkeit von deinem wort nicht weichen. H 5 Sa- Gaistliche Samech . 113. Auff einmahl lieb vnd hassz besitzen meinen muht/ Jch lieb dich vnd dein wort; Jch hassz der boͤsen wesen: 114. Die boͤsen/ wanckelhafft in boßheit/ thũ kein gut/ Du bist mein schirm/ schilt/ schutz/ darunder ich genesen. 115. So weich nu ferꝛ von mir/ verꝛucht/ ver- fluchte schar/ Daß der Herꝛ seinen knecht moͤg gut vnd emb- sig finden: 116. Vnd du/ Herꝛ/ kom herbey/ mach deine zufag wahr/ Vnd meiner hoffnung nach freyh mich von schand vnd suͤnden! 117. Vnd weil mein flaisch ja schwach/ so hail vnd staͤrcke mich/ Mach sicher vnnd gesund mich dein gebot er- wegen: 118. Dan billich trittest du zu grund die/ welche (dich Verlassend/) wandern fort auff jhren eyteln wegen: 119. Vmbsunst ist jhr betrug fuͤr dir/ Herꝛ: Dan dein zorn Schmettert sie all/ als schaum der nichts wehrt/ zu der erden; 120. Es grauset meiner seel/ vñ ich fihl taussent dorn/ Gedenckend wie schwer sie gestrafet sollē werden. Ain . Gedichte. Ain . 121. Wan ich vrthail vnnd richt nach billichkeit vnd recht So lassz meiner vnschuld die loͤstrer nicht ob- sigen: 122. Herꝛ/ der du mir stehts gut/ sey gut fuͤr deinen knecht/ Lassz mich nicht jhrem stoltz vnd vnrecht vnden- ligen! 123. Herꝛ/ mein gesicht/ gaist/ hertz/ wirt dunckel/ schwach/ zaghafft/ So lang nach deiner hilff zu sehnen vñ zu sehẽ: 124. Erzaig nach deiner guͤt in mir dein hayl vnnd krafft/ Vnd mach mich mehr vnd mehr dein wort vnd werck verstehen! 125. Jn deinem Diener/ Herꝛ/ vermehre den ver- stand/ Jn allem deinem werck vñ wort dich zuerkeñen: 126. Es ist ja hohe zeit/ O Got/ das deine hand Verhindre deine feind dein wort vnd volck zu trennen. 127. Darumb lieb ich dein wort mehr dan das purest gold/ Durch der verfolgung fewr so wol vnd offt be- wehret: 128. Darumb als meinem schatz bin ich jhm hertzlich hold/ Vnd aller falschheit feind/ als dein gesatz mich lehret. Pe . Gaistliche Pe . 129. Mein gaist betrachtet stehts wie deine werck als wort/ Wie deine wort als werck die welt mit wunder fillen: 130. Vnd kein mensch fahret ein in dieses lebens port/ Dem dein wort als ein liecht nicht weise deinen willen. 131. Die kinder lehret es: Darumb ich mit begihr Hab deine lehr in mich als mit dem mund ge- sogen: 132. So wend (barmhertzig) nu dein antlitz gegen mir/ Sey mir/ wie du dan stehts den frommen/ wol- gewogen! 133. Setz allzeit meine tritt auff deiner satzung wacht/ Von uͤbel vnd vnrecht freyh mein thun/ red/ gedancken! 134. Vnd widersetz fuͤr mich den loͤstrern deine macht/ Daß meine sinn (dir stehts gehorchend) nie- mahls wancken! 135. Laß mich Herꝛ deiner lehr: O Herꝛ/ mein Got/ laß mich Des scheins deines gesichts/ milt vnd trostreich/ geniessen! 136. Wan meine augen truͤb/ weil die gotlosen dich Verachten/ trawriglich zween zaͤherbaͤch auß- giessen! Tsa- Gedichte. Tsadde . 137. Du aller Goͤtter Got/ Monarch allein ge- recht/ Thust mit gerechtigkeit die gantze welt regieren: 138. Befehlend daß auch wir/ vermeydend was vn- recht/ Ein leben deinem wort vnnd warheit gemaͤß fuͤhren. 139. Darumb ist mein hertz schwer von eyfer/ zorn vnd pein/ Das die feind deines worts nicht achten/ nicht gedencken; 140. Vnd nichts dan deine red/ gantz koͤstlich/ pur vnd rein/ Entzuͤndend mich mit lieb/ kan mein gemuͤht entkraͤncken: 141. Wan mich die spoͤtter schon als forchtsam/ schlecht/ gering/ Verachten/ soll mich doch jhr spot davon nicht treyben: 142. Dan dein gericht vñ lehr/ wan all jrꝛdische ding Vergehen/ ewiglich gerecht vñ wahr verbleibē. 143. Wan ich fihl muhts/ leibs/ gaists/ angst/ kranckheit/ trawrigkeit/ So pfleget mir dein wort trost/ hilff vnd frewd zu geben: 144. Dan endloß ist die quell deiner barmhertzigkeit/ Erfrisch mich/ Herꝛ/ damit verstaͤndiglich zu leben! Coph . Gaistliche Coph . 145. Erhoͤr/ gewehr mich/ Herꝛ/ der ich mit hertz vnd mund Zu dir schrey/ vnd will mich in deinem dienst nicht sparen: 146. Hoͤr mich/ Herꝛ/ derich dich anruff von hertzen grund; Daß ich dein wort bewahr/ eyl du mich zu be- wahren! 147. Erwartend deiner trew mit traͤhnen/ seufftzen/ klag/ Pfleg ich dem morgen thaw/ lufft/ roͤhtin vor zu kommen: 148. Vnd meine augen/ Herꝛ/ hast du offtmahls vor tag Wachtsamer dan die wacht ob deinem wort vernommen. 149. So hoͤr nach deiner gnad/ mein Got/ nu meine stim/ Mach meinen leib vnd gaist durch deine staͤrcke bluͤhen! 150. Dan sih/ es nahen sich vmb mich voll list/ macht/ grim/ Verfolger/ welche (stoltz) von deiner lehr weit fliehen: 151. Doch wie weit sie davõ/ so nah bist du bey mir/ Dā sich ja kein betrug in deinem wort befindet; 152. Alß ich schõ langst erkant/ daß es von dir/ mit dir Jn alle ewigkeit zu wehren/ voͤst gegruͤndet. Resh . Gedichte. Resh . 153. Herꝛ schaw mein ellend an/ hilff mir/ weil ich mit fleiß Allzeit nach deiner lehr gerichtet meinẽ wandel: 154. Herꝛ mit trostreicher hand auß aller noht mich reissz/ Verthaͤdigend dein wort zugleich vnd meinen handel. 155. Fern von der boͤsen zunfft ist hail vñ seeligkeit/ Je ferner sie sich selbs võ deinem willen wenden: 156. Doch vnermeßlich ist/ Herꝛ/ die barmhertzigkeit Die/ hoff ich/ will vnd wirt mein laid mit frew- den enden. 157. Darumb je groͤsser auch meiner verfolger hauff/ Vnd je mehr laids sie thun/ je mehr will ich dir trawen; 158. Zwar sehend wie sie sich wider dich leynen auff/ So pfleget hertzlich mir ab jhrer schand zu grawen. 159. Daß also meine lieb/ dir gnugsam offenbahr/ Erwarttet deines trosts mein uͤbel zu ver- treiben: 160. Der vrsprung deines worts ist ja gerecht vnd wahr/ Vnd soll in ewigkeit gerecht vnd wahr ver- bleiben. Schin . Gaistliche Schin . 161. Printzen verfolgen mich/ wie ohn schuld so vmbsunst/ Dan mein hertz foͤrchtet mehr dein wort dan all jhr troͤwen: 162. Ja jhr trefliche beut/ geschenck/ ehr/ gunst vnd kunst Kan mich nicht wie dein wort befreinden noch erfrewen. 163. Jch hassz/ verwirff/ verfluch/ betrug/ list vnd vngrund/ Vnfalsche lieb vnd trew zu deiner lehr zutragē: 164. Vnd all tag syben mahl pfleg ich mit hertz vnd mund Fuͤr dein gericht vnd recht dir lob vnd danck zu sagen. 165. Wan ich auch find das die/ so suchen dein ge- sicht/ Die beste sicherheit vnd wahren frieden haben; 166. So wirst du mich/ der ich deinē befelch verricht/ Durch deine hilff vnd hayl/ darauff ich wart/ erlaben. 167. Dan ja mein gaist/ hertz/ hand/ khuͤn/ eyferig/ getrew/ Herꝛ/ dein wort/ lehr/ gebot/ betrachtet/ lernet/ haltet: 168. Vnd (wie ich noch thun will) hab ich mit stehter trew Fuͤr dir (zwar durch dich/ Herꝛ) meinen beruff verwaltet. Thau . Gedichte. Thau . 169. Ach Herꝛ! hoͤr mein geschray/ send mir lehr vnd verstand/ Die wunder deines worts/ wercks/ willens zu- verstehen: 170. Ach Herꝛ! hoͤr mein gebet/ send mir hilff/ trost/ bestand/ Jn allem zufall recht zu stehen vnd zu gehen. 171. Alßdan soll dir mein mund auff new-erlernte weyß Mit gantz lehrꝛeicher kunst ein lobgesang fuͤr- singen: 172. Alßdan soll meine zũg/ zu deines namens preyß Mit wunderꝛeicher lehr dein wort vnd recht fuͤrbringen. 173. Wolan Herꝛ/ deine hand stroͤck auß zu mei- ner hilff/ Hilff mir/ Herꝛ/ dein gesatz/ so mein schatz/ zu bewahren! 174. Herꝛ/ hilff mir/ der ich stehts fuͤr dein hayl zu dir gilff/ Wuͤrcklich/ daß deine lehr mein lust/ zu offen- bahren! 175. Also fro/ fridlich/ frey/ soll mein mund/ hertz vnd seel/ Dich/ Herꝛ/ dein wort/ vnd dir/ stehts loben/ lie- ben/ leben: 176. Vnd so ich als ein schaff auß einfaͤltigem fehl Solt jrꝛen/ so kõ du/ mein hirt/ mir hilff zugeben! J Der Gaistliche Der Hundert vnd drey vnd Zweinzigste Psalm. Ad te lcvavi oculos \&c. 1. ZV dir/ O hoͤchster Got/ Herꝛ dessen hoͤchster thron Hoch vber Sonn vnd Mohn Wird ewiglich bestehen; Zu dir/ mein schoͤpffer/ Herꝛ/ mein vatter/ zuversicht Erhoͤb ich nu mit flehen Mit dem gesicht des leibs/ auch meines gaists gesicht. 2. Wie auff der herꝛen haͤnd vmb beystand/ raht vnd recht Die augen guter knecht Vnderthoͤniglich schawen; Vnd wie getrewe maͤgd durch jhrer augenblick Die haͤnde jhrer Frawen Ersuchen fleissiglich vmb gunst vnd besser glick: 3. Also Herꝛ/ pflegen wir mit ernstlichem gemuͤht Auff dein endlose guͤt Der sehlen aug zu setzen: Nach dir/ Herꝛ/ sehnet vns; vnnd du (Herꝛ Got) allein Kanst vnd wirst vns ergoͤtzen Durch demer gnaden brunst/ vnd barmhertzigkeit schein. 4. Er Gedichte. 4. Erbarm dich vber vns/ Jehova hoͤchster Got/ Ach sih doch an den spot Damit wir vberladen; Erbarm dich vber Vns/ vnd bleibend ja nicht ferꝛ/ Nah dich zu vns mit gnaden/ Die wir mit forcht zu dir vns nahen/ hoͤchster Herꝛ! 5. Ach Herꝛ Got! vnsre seel von vnsrer feinden wuht/ Spot/ schimpff vnd vbermuht Biß auff den tod versehret/ Erwartet kaum daß nu durch dein gerechte hand Werd auff einmahl verkehret Jhr reichtumb/ pracht vnd ruhm in armut/ schimpff vnd schand. Der Hundert vnd syben vnd Zweinzigst Psalm. Nisi Dominus \&c. 1. WA der Hoͤchst nicht mit aigner hand Das hauß auffbawet vnd erhaltet: Wa der Hoͤchst die staͤtt vnd das land Nicht selbs bewachet vnd verwaltet: So ist der bawlent muͤh/ fuͤrsorg/ arbeit vnd kunst/ Der Obrigkeit weißheit/ der Landsknecht sterck vmb. sunst. J 2 2. Vmb- Gaistliche 2. Vmbsunst seit jhr auff spaht vnd fruͤh/ Jhr wuͤrm/ liebhaber diser erden/ Vnd lasset euch fuͤr angst vnd muͤh Das harte brot kaum zu lieb werden: Jn dem die/ deren lieb vnd trost ist allein Got/ Außruhwen (frey) ohn layd/ vnnd leben (fro) ohn noht. 3. Vnd daß kein arbeit/ fuͤrsorg/ pein Ohn Gottes seegen euch gedeyhet/ Jst vnlaͤugbar/ weil er allein/ Was vnd wem er nu will/ verleyhet: Ja auch die kinder selbs seind seiner lieb erbschafft/ Vnd des leibs liebe frucht ist seines seegens krafft. 4. Wie wan starck vnd scharpff die geschoß Jn eines weysen helden haͤnden Jhn machen dapffer vnd forchtloß Vnd gegen seinem feind sich wenden: So groß vnd groͤssern trost gebaͤhren junge Soͤhn/ Jn Gotsforcht/ arbeit/ lehr/ geuͤbet/ starck vnd schoͤn. 5. Der dessen koͤchern Gottes gnad Mit solchen pfeylen wol versehen/ Der gehet starck auff rechtem pfad/ Vnd ist gluͤckseelig zu verjaͤhen: Dan ohn verlust vnd hohn kan Er fuͤr dem Gericht/ Anschawend seinen feind/ auffhoͤben sein gesicht. Der Gedichte. Der Hundert vnd Dreyssig vierte Psalm. Ecce nunc. \&c. 1. NV lobet/ ehret/ ruͤhmet/ preyset Got allweiß/ gut/ gerecht/ All jhr/ die jhr zu nacht euch/ als getrewe knecht/ Jn seinem hauß erweyset. 2. Mit ewern haͤnden hoch-erhaben/ Froͤlich zugleich vnd fromb/ Lobsingend dancket jhm in seinem Heyligthumb/ Fuͤr seiner gnaden gaben. 3. Der Herꝛ auß Syon/ Syons wegen/ Der dessen wort allein Erschuff was in der welt je wahr/ ist/ vnd wirt sein/ Verleyh dir seinen seegen! Der Hundert vnd Dreyssig sechste Psalm. Laudate Dominum \&c. 1. NV lobet Got mit mund vnd muht Weil Er so gut/ Das seine guͤte stehts vermehret Ewiglich wehret. J 3 2. Lo- Gaistliche 2. Lobet ohn heucheley vnd spot Der Goͤtter Got; Alß dessen guͤtte hoͤchst geehret Ewiglich wehret. 3. Lobsinget Jhm der nah vnd ferr Der Herren Herr Dan seine guͤte weit bewehret Fuͤr vnd fuͤr wehret. 4. Seiner hand werck allein (ich merck) Seind wunderwerck; Vnd seine guͤte stehts vermehret Ohn ablaß wehret. 5. Vns machen seine weiß heit kund Die himmel rund/ Dan seine guͤte stehts vermehret Ewiglich wehret. 6. Vermaͤhlet hat sein starcke hand Das Meer vnd land/ Dan seine guͤte weit vermehret Fuͤr vnd fuͤr wehret. 7. Auch Gedichte. 7. Auch liechter ließ Er manglen nicht Vnserm gesicht/ Dan seine guͤte hoͤchst geehret Ohn ablaß wehret. 8. Zu tag die Sonn vns fillet gantz Mit frucht vnd glantz/ Dan seine guͤte stehts bewehret Ewiglich wehret. 9. So zaigen stern vnd Mohn zu nacht Jhr liecht vnd pracht/ Dan Gottes guͤte weit vermehret Fuͤr vnd fuͤr wehret. 10. Egypten durch der kinder tod Zuͤchtiget Got/ Dan seine guͤte stehts bewehret Ewiglich wehret. 11. Vnd Jsrael dienend mit grauß/ Bracht Er darauß/ Dan seine guͤte/ die vns lehret/ Ewiglich wehret. J 4 12. All- Gaistliche 12. Allmaͤchtig bracht sie seine hand Jn bessern stand/ Dan seine guͤte weit vermehret Ohn ablaß wehret. 13. Das rohte Meer zu seiner ehr Zuthailet Er/ Dan seine guͤte hoͤchst geehret Fuͤr vnd fuͤr wehret. 14. Er fuͤhret als durch eine furch Sein volck hindurch/ Dan seine guͤte all vermehret Ewiglich wehret. 15. Doch Pharao mit seinem heer Starb in dem Meer/ Dan Gottes guͤte stehts geehret Ohn ablaß wehret. 16. Durch die einoͤd hat seine macht Sein volck gebracht/ Dan seine guͤte stehts vermehret Ewiglich wehret. 17. Die Gedichte. 17. Die stoltze koͤnig nicht ohn spot Schlug er zu tod/ Dan seine guͤte wol bewehret Fuͤr vnd fuͤr wehret. 18. Vnd grosse Printzen die vnfromb/ Die bracht Er vmb/ Dan seine guͤte stehts geehret Ohn ablaß wehret. 19. Der Amoriter Fuͤrst Sihon Hat gleichen lohn/ Dan Gottes guͤte hoͤchst vermehret Ewiglich wehret. 20. Auch Og/ der Koͤnig von Basan Nicht mehr gewan/ Dan Gottes guͤte hoͤchst geehret Fuͤr vnd fuͤr wehret. 21. Vnd andern gab Er zu Erbschafft All jhr herrschafft/ Dan seine guͤte wohl bewehret Ohn ablaß wehret. J 5 22. Er Gaistliche 22. Er gab Jsrael seinem knecht Erbschafft vnd recht Dan seine guͤte hoͤchst vermehret Ewiglich wehret. 23. Jn vnserm layd hat seine macht Vnsrer gedacht/ Dan seine guͤte stehts bewehret Fuͤr vnd fuͤr wehret. 24. Er machet vns nach seiner trew Von feinden frey/ Dan seine guͤte hoͤchst geehret Ohn ablaß wehret. 25. Er raichet allem flaisch mit preyß Gedranck vnd speyß/ Dan seine guͤte stehts bewehret Ewiglich wehret. 26. So lobet nu in frewd vnd noth Den hoͤchsten Got. Dan seine guͤte stehts geehret Fuͤr vnd fuͤr wehret. Der Gedichte. Der Hundert vnd syben vnd Dreyssigst Psalm. Super flumina Babylonis. 1. ALs wir an dem gestad der wasser Babylon Gantz trawrig/ trostloß sassen/ Gedenckend wie doch in Syon Das land verstoͤret war vnaußsprechlicher massen: Alßdan vermehrten wir auß doppeltem verdruß Den fluß mit vnserm zeherfluß. 2. Die harpffen/ darauff wir mit suͤssem thon vnd wohn/ Vor vnserm schweren leyden/ Erhuben zu des hoͤchsten thron Sein lob vnd vnsre lieb/ wir hiengen an die weyden; Durch welche dan des winds mit seufftzender durch- gang Gab einen mit-leydigen klang. 3. Damahls der stoltze feind/ der mit torꝛechter wuht Vns alles boͤß zufuͤget/ Vnd dessen spoͤttischer hochmuht Ab vnserm ellend/ angst vnd muͤh sich nicht vernuͤget/ Jn vnsrer bittern qual suchend ein suͤsse fraid/ Fordert ein lied von vnserm layd. 4. Hola! ruff Er vns zu/ jhr fromb kunst-reiche leut/ Lasst vns die Psalmen hoͤren/ Dadurch jhr in Sig-reicher zeit Jn Syon ewern Got gepfleget zu vermehren; Vnd Gaistliche Vnd stillet nu zumahl durch ewer spihl vnd stim Jn euch das layd/ in vns den grim. 5. Ach weh! gedachten wir/ durch disen newen spot Voll eyfer/ zorn vnd schmertzen/ Wie solten wir in diser noht Euch singen mit dem mund/ Got klagen mit dem hertzen? Ach weh! solt dises volcks vnehrliches gehoͤr Entehren des heyligsten ehr? 6. Ferꝛ/ ferꝛ/ Jerusalem/ sey von vns dise schand Daß deiner wir (vermessen) Nu solten hie in frembdem land Gedencken aͤrgerlich/ oder gaͤntzlich vergessen: Nein. Daß eh vnsre faust zu dē spihl/ zu der schlacht/ Vergeß die kunst/ verlier die macht. 7. Daß vnsre zungen sich ohn krafft/ geschmack vnd sprach An vnsre rachen hencken/ Wa wir nicht in der hoͤchsten schmach/ Als in der hoͤchsten ehr an dich trewlich gedencken: Wa nicht/ wie jetz dein schmertz ist vnser schmertz vnd pein/ Dein trost stehts vnser trost soll sein. 8. Du Gedichte. 8. Du aber/ hoͤchster Got/ der du das layd/ vnrecht/ Verfolgung/ spotten/ schmaͤhen/ Damit auch des Edoms geschlecht Deinem vnd vnserm feind beygestanden/ gesehen; Gedenck wie sie gethan/ die vns so nah verwant/ Als ob wir jhnen nicht bekant. 9. Verhoͤrget/ schryhen sie/ vnd schlaiffet auff den grund All die bild-lose tempel/ Vnd machet nu dem vmbkraiß kund Ewrer gleichlosen macht ein gnadloses exempel: Daß keines ketzers leib/ weib/ saͤugling/ kind/ vih/ hauß/ Bleib-uͤber/ rottet alles auß. 10. Overkehrtes geschlecht! vnerhoͤrter schalckheit Vnd frembdem geitz ergeben/ Der Herꝛ wirt deiner haͤrtigkeit Jn kurtzem gleiche maaß/ als du vns gabest/ geben; Vnd mit gerechter raach dise gewisse lehr/ Daß sein zorn langsamb aber schwer. 11. Du Babylon/ ein sitz vnd pfitz der hurerey/ Schul vnd pful aller suͤnden/ Seelig ist/ der die wuͤhterey/ Dadurch dein hertz so stoltz/ dein hertz machet em- pfinden! Ja/ seelig/ dessen faust wirt schmaͤttern an die stein Deiner Saͤugling blut/ hirn/ gebein! Der Gaistliche Der Hundert vnd Viertzig zwayte Psalm. Voce meâ ad Dominum \&c. 1. JN meiner hoͤchsten noht/ Jn meiner seelen hoͤchsten schmertzen/ Schryh ich zu meinem Got Mit deemuͤhtigem mund vnd hertzen; Jn hoͤchster angst/ gefahr/ trangsahl Got ich zu gnaden mich befahl. 2. Fuͤr seinem angesicht/ Als daß allein gerecht zu richten/ Verbarg ich mein layd nicht/ Noch meine sinn/ gedancken/ dichten; Sondern entdoͤckend jhm mein layd Mein hertz fand in jhm trost vnd frayd. 3. Zwar war schon von gefahr Mein gaist schier gaͤntzlich uͤberkommen; Doch als kein hoffen war/ Hast du/ Herꝛ/ meiner war genommen: Des feinds mir nah gelegte strick Entdoͤckte mir dein gnadenblick. 4. Vmbsunst nach einem freind Sah ich mich vmb zu beeden seitten; Dan keiner vor dem feind Mich kennen wolt/ noch fuͤr mich streitten: Ohn Gedichte. Ohn außflucht/ ohn zuflucht mein stand Fand zu hilff keines menschen hand. 5. Zwar mich verlangte sehr Mit haissem sehnen meiner seelen/ Mein leben/ leib vndehr Jn deinen schutz/ Herꝛ/ zu befehlen: Du bist/ sprach ich/ allein mein hayl/ Vnd vnverlierliches erbthail. 6. Erhoͤr/ Herꝛ/ meine stim/ Verlaß mich nicht sunst gantz verlassen/ Hilff mir von deren grim/ Die mich vnd dein wort zugleich hassen: Erweiß dich staͤrcker/ wie du bist/ Dan der Tyrannen wuht/ macht/ list. 7. Ach! richt vnd halt mich auff Lassz meine seel nicht vndergehen: Daß der gerechten hauff (Fro mich froͤlich vnd frey zu sehen) Seh an mir deiner gnaden prob/ Sing mit mir dein preiß/ ehr vnd lob! Der Gaistliche Der Hundert vnd acht vnd Vierzigste Psalm. Laudate Dominum. \&c. 1. OEngelische schaar/ jhr himmels Legionen/ O die jhr vber schand vnd suͤnden gantz sigreich/ Vnd seelig/ schon mit Got (durch Gottes gnad) zu wohnen/ Erschallet Gottes reich! 2. Sonn/ deren glantz die welt mit frucht vnnd frewd belebet: Mohn/ dessen khuͤler schein ist der nacht klarer pracht/ Vnd jhr groͤssere stern/ die jhr hin vnd her schwebet/ Erweyset Gottes macht. 3. Gewoͤlb võlasurfarb mit gold sternweiß geschmuͤcket/ Hochschwimmendes gewuͤlck/ davon das druckne land Wirt auff des Herꝛen wort mit safft vnd krafft er- quicket/ Lobsinget Gottes hand. 4. Lobsinget Gottes hand/ dan Sie (allein allmaͤchtig) Erschuff was in der welt/ erhelt alles geschlecht; Vnd was die welt der welt kan schawen reich vnnd praͤchtig/ Jst seines worts gemaͤcht. 5. Er Gedichte. 5. Er hat der Natur selbs die ordnung eingegraben/ Die sie erfillen muß geflissen vnd getrew: Kein Scepter/ Cron noch macht (wie jmmer hoch erhaben) Von seiner macht ist frey. 6. Darumb auch jhr geschoͤpff/ des Meers/ der lufft vnd erden/ Bewoͤget durch den flug/ das schwimmen vnd den gang/ Die jhr auß staub gemacht zu staub solt wider werdē/ Erklinget sein gesang. 7. Jhr grosse wunderthier/ jhr schroͤcklich boͤse Drachen/ Vnd jhr landgleiche fisch/ verlasset den abgrund/ Mit Meer verschlingendem/ Meer-auß giessendem rachen/ Sein lob zu machen kund. 8. Jhr dunder/ plitz vnd strahl/ die jhr mit fewerflam̃en/ Vnd boͤbendem getoͤß des Herꝛen straff vnd grim Erweiset aller welt/ Lobsinget seinem Namen Mit dunderender stim. 9. Schnee die von dē gebuͤrg abgehēd brausend rauschē/ Huͤpffende hagelstein/ frost vnd steinhartes eyß/ Deßhalben wir dz schiff offt vm̃ ein pferd vertauschē/ Vermehret Gottes preyß. K 10. Jhr Gaistliche 10. Jhr sturmwind vnd windsbraut/ die durchsausendes toben Die zagende schiffleut offt lehret (zwar zu spaht) Zu betten/ vnd mit rew die ackerleut zu loben/ Bezeuget Gottes that. 11. Jhr deren hohes haupt mit wolcken (stoltz) gekroͤnet/ Als Koͤnig in dem land/ gantz hoch kluͤfftige berg; Jhr huͤgel mit gestaͤud vnd Cedern wol beschoͤnet/ Erhoͤbet Gottes werck. 12. Jhr gaͤrten/ weinberg/ foͤrst/ jhr aͤcker/ halden/ hayden/ Die Got allein mit frucht/ laub/ kraͤuttern/ trauben/ graß/ Mit broñen/ blumen/ korn/ kan jaͤhrlich new beklaydē/ Jhn lobet ohn ablaß. 13. Was lebet in der welt/ was flieget/ kriechet/ gehet/ Jhr voͤgel/ wuͤrm vnd thier/ in allem thun/ zeit/ ort/ Jn leben/ tod/ geburt/ lobsingend laut verjaͤhet Des Hoͤchsten starckes wort. 14. Jhr Fuͤrsten/ deren pomp/ gericht/ raht vnd geberden Seind (wie jhr wolt) dem volck ein joch leicht oder schwer/ Die jhr erden fuͤr Got/ vnd Goͤtter hie auff erden Vermehret Gottes ehr. 15. Jhr Gedichte. 15. Jhr voͤlcker gegen Ost/ Suͤd/ West vnd Nord ge- legen/ Mit sonderbarer sprach/ man vnd weib/ jung vnd alt/ Fruͤh/ mittags/ abends/ nachts/ stehts segnet Gottes seegen/ Vnd seines Worts gewalt. 16. Den Glentzen/ Sommer/ Herbst vnd Winter ewrer jahren Solt jhr/ die jhr noch frisch wie auff bem feld die blum/ Solt jhr/ die jhr schier dirꝛ/ gleich wie das hew/ nicht spahren Zu Gottes lob vnd ruhm. 17. Kuͤrtzlich all jhr geschoͤpff/ den Schoͤpffern stehts zu ehren Bezeuget all zu mahl/ von hertzen/ sehl/ gemuͤht/ Was die stim/ was der mund nicht gnugsamb kan erklaͤren/ Des Hoͤchsten macht vnd guͤt. 18. Dan Er ist Herꝛ allein/ der ewiglich regieret/ Vnd vber himmel/ lufft/ erd/ meer ist seine Cron/ Der himmel vnd abgrund (mit ehr vnd forcht be- ruͤhret) Zittert fuͤr seinem thron. K 2 19. Ja Gaistliche 19. Ja/ Er ist Gott allein/ Got/ welcher vnsre schmertzen Jn frewd veraͤndern will: Vnd in noht/ schmach vnd spot Beweiset seinem feind (erquickend vnsre hertzen) Daß Er ein starcker Got. 20. Darumb was war/ was ist/ was sein wirt soll ver- mehren/ Sein Reich/ krafft/ Mayestet/ gnad/ macht vnnd herꝛlichkeit/ Als die allein ohn zahl/ ohn maß/ ohn anfang wehren Jn alle ewigkeit. Etliche Gedichte. Etliche andere Gaistliche Gedichte. Ermahnung. Wachsende Reymen. 1. MEnsch kanst du wol dein thun ohn weh vnd ach Erwegen? Nein: Darumb so bet vnd wach/ Daß dich nicht find der boͤse gaist zu schwach. 2. Huͤt dich/ daß nicht hart als stein oder ertz Der feind erfind dein hoffnung loses hertz/ Vnd dan hernach ab demem Verlust schertz. 3. Wan recht zuthun dir allzeit frembd vnd and/ Vnd wan fuͤr Got dein bestes thun ein tand/ So bist du/ Mensch/ in einem boͤsen stand. 4. Begehrest du daß Christ zeuch bey dir ein/ So mach dein hertz von allen suͤnden rein/ So ist es jhm ein angenehmer schrein. 5. Eroͤffne doch Got deines hertzens aub/ Vnd merck/ weil ja dein leben wie ein laub/ Daß fuͤr dein hayl das mittel ist der glaub. K 3 6. Dem- Gaistliche 6. Demnach von Got beruffen werden all Durch seines Worts welt-weit erhoͤrten hall/ So sing auch du sein lob mit lauttem schall. 7. Bett tag vnd nacht/ auff daß er dich (zwar ohn Verdienst) auß gnad mach weissz wie schnee vnnd rohn/ Vnd endlich bring mit wohn fuͤr seinen Thron. Lobgesang. Vber Vnser Erloͤsers/ Jesu Christs Gebuhrt. 1. ES sey gleich daß jhr noch in ewern coͤrpern lebet/ Oder dz jhr bandloß mit andern Engeln schwebet/ Jhr Sehlen/ die fuͤr ewern pfad Jhr (seelig) Gottes wort erkoren/ Vnd deren trost ist Gottes gnad/ Erschallet froͤlich/ heut ist des Tods tod geboren. 2. Heut hat d’ hoͤchst Monarch/ d’ Fuͤrst him̃els vñ erdē/ Gewuͤrdiget/ wie wir/ geborner mensch zu werden; Vnd zugleich die bahn/ die artzney/ Die loͤsung/ das hayl/ ja das leben/ Vns/ die wir jrꝛend/ wund/ nicht frey/ Verlohren/ ja gantz tod/ barmhertzig dargegeben. 3. Heut Gedichte. 3. Heut ist die suͤsse blum gantz lieblich auffgegangen/ Welche das erdreich hat von der welt liecht empfan- gen; Die vnverwelcklich schoͤne blum/ Deren blaͤtter mit blut befeuchtet/ Haben das firmament mit ruhm/ Die lufft mit lieblichkeit/ die welt mit hayl erleuchtet. 4. Heut hat Got/ der zuvor ob dem gestirn gesessen/ Gedenckend vnsers layds des himmels frewd ver- gessen: Der/ dem allzeit der Engeln schaar Zu dienen sich gantz seelig achtet/ Jn hunger/ kummer vnd gefahr Vns armen suͤndern hie zu dienen nicht verachtet. 5. Jetzmahl/ weil vnser flaisch mit seinem Got ver- bunden/ Befinden wir vns frey/ die hoͤll sich vberwunden; Nu haben wir (O suͤsse haab!) Weil das geschoͤpff/ weil der gefangen/ Den Schoͤpffern/ den Erloͤsern gab/ Des lebens suͤsse frucht von des Tods baum em- pfangen. 6. Bedenck/ O Sehl/ wie schwach von deiner suͤnden wegen Der/ der allstarck vñ Got/ in der krippen gelegen! K 4 Da Gaistliche Da deiner augen bloͤdigkeit Durch seinen schein nicht zu erschroͤcken/ Er seiner allmacht herꝛlichkeit Mit deines leibs beschwerd vnd ellend wolt bedoͤcken! 7. O haisser Liebe werck/ das sich zu trost vns hayden Das ewig klare liecht mit finsternuß wolt klaiden! Vnd daß Got wuͤrd des menschen sohn/ Mit menschen lebend hie auff erden/ Damit Sie in des himmels thron Moͤchten leben mit Got/ vnd Gottes kinder werden. 8. Du/ mensch/ entsetz dich nicht/ in zehern/ klagen/ flehē/ Jn armut/ kaͤlt vnd noht der welt Hayland zu sehen: Er ist noch Got/ vnd ewig zwar/ Der deine menscheit gern empfangen; Allein was er zuvor nicht wahr/ Das hat Er (dir zu trost) zu sein jetz angefangen. 9. Mensch fieng er an zu sein (doch thut er Got stehts bleiben) Mit seiner allmacht krafft dein fleisch ein-zu verleibē; Vnd schwach hat Er sich gern gemacht Daß er fuͤr dich leyd des Tods noͤhten/ Behaltend gleichwol seine macht/ Daß/ als ein starcker Got/ Er den tod selbs moͤcht toͤdten. 10. Wel- Gedichte. 10. Welche stirn/ welche stim/ kan verstehen/ kan singen/ Was wunderwerck Er that (suͤnd vnnd hoͤll zu be- zwingen) Da man von eines sternleins schein Der Sehlen klare sonn auffgehen/ Ein keusche Jungfraw schwanger sein/ Des Ewigen sohn (Got) mensch werden hat gesehen? 11. Got sah man werden mensch/ von vns menschen verachtet/ Man sah fuͤr vns vor Got jhn von vns selbs ge- schlachtet; Der doch vns menschen sein erbgut/ Ja/ als ein Pelican/ sein leben (Belebend vns mit seinem blut) Auff daß durch seinen tod wir sigeten/ gegeben. 12. Wie groß ist deine gnad/ wie gar nicht zuermessen! Wie groß ist dessen suͤnd/ der jhrer kan vergessen! Du machtest dich der menschen knecht/ O Got/ vns menschen frey zu eroͤnen; Vns groß zu machen bist du schlecht/ Vnd durch den tod mit Got dem menschen zuver. soͤhnen. 13. Warumb/ O hoͤchster Got/ hast du vns so beglicket/ Vnd deinē aignen sohn fuͤr vnsre schuld verstricket! K 5 Wirt Gaistliche Wirt nicht/ Herꝛ/ die gerechtigkeit Durch vngerechte gnad vernichtet/ Wan zu grosse barmhertzigkeit Freyhet den Dieb mit ehr/ vnnd den schuldlosen richtet? 14. Ach Herꝛ Got/ das sey fern: dein recht/ mit gnad vnd guͤten Vereiniget/ will stehts deine geschoͤpff behuͤten: Wie aber in deinem gesatz Sich kein fehl noch vnordnung findet: Also ist dein raht vnd fuͤrsatz So tieff/ dz jhn kein hirn/ keine vernunfft ergruͤndet. 15. Zwar scheinet es gar nicht vnsrer vernunfft zugegen/ Daß der da wolt fuͤr vns vnsre hauptschuld ablegen/ Sey beedes Got vnd Mensch zumahl; Der (vnsterblich) willig zu sterben Solt vnd kont vns durch des Tods qual Was allein Got vermoͤcht/ der Mensch verlohr/ erwerben. 16. Er kont nicht/ purer Mensch/ der menschen schmer- tzen wenden/ Er kont nicht/ purer Got/ fuͤr Vns sein leben enden: Darumber Got vnd Mensch zugleich Vns kont/ vns wolt vnd solt entfaͤhren: Als Got allein weyß/ maͤchtig/ reich/ Solt eine Jungfraw jhn/ als Mensch ein Weib ge- baͤhren. 17. Wan Gedichte. 17. Wan deine geburth dan fuͤr vns an vns verlohren/ Wan wir nicht widrumb new werden in dir gebohrē: So nem fuͤr deine krippen mich/ O kind/ quell/ vrsprung meiner frayden; Daß du in Mir/ vnd durch dich ich Gebohren new/ von dir mich nichts moͤg jemahls schaiden! Beicht vnd Buß. 1. ACh! daß der schwere schmertz/ damit ich nu ge- schlagen/ Vnd der mein hertz/ aug/ mund/ mit trawren/ thraͤ- nen/ klagen/ Erfuͤllet/ vilmehr meine schuld Bezeuget dan was ich erduld! 2. Von meinen suͤnden/ Herꝛ (die du mir wirst ver- zeyhen) Vnd nicht von deiner ruht gezwungen muß ich schreyhen: Dem vbel/ Herꝛ/ gib maaß vnd zihl Daß ich begeh/ nicht daß ich fihl! 3. Dan Gaistliche 3. Dan wie tieff jmmer mich/ Herꝛ/ deine hand verloͤtzet/ Halt ich dir doch gern still/ vnd bit (zwar gantz ent- soͤtzet) Gib mir (Herꝛ) mehr gedult vnd pein/ Daß was dir/ moͤg auch mir lieb sein! 4. Jch kan O Got (so groß seind meine missethaten) Nu weder deiner hilff noch deiner straff entrahten: Zwar wie die groͤste straff zu schlecht/ So deine hilff ist kaum gerecht. 5. Dan wie freygebig du den menschen zubegaben/ Vnd durch der erden frucht vnnd reichthumb zu er- laben/ Vnd wie jhn gantz barmhertzig du Beruffest in dein Reich vnd ruh: 6. Also vnd noch vilmehr vndanckbar vnd vergessen Jst der mensch/ ja bin ich; ich selbs (gantz boͤß/ ver- messen) Verdoͤrb/ vergissz/ verwirff/ veracht/ Herꝛ/ deine gaab/ liecht/ gnad/ allmacht. 7. Darff sich mein schlim̃es hertz nur zu bedenckēwagē/ Wie ich/ Herꝛ/ dein gesatz stehts in dē wind geschlagē: So grausset mir/ O Got/ daß ich (Jch koht vnd staub) erzuͤrnet dich: 8. Dich/ Gedichte. 8. Dich/ Got/ d’ du allein was war/ ist/ wirt/ verwaltest/ Der du ohn auffenthalt die gantze Welt auffhaltest; Durch dessen wort/ ja blick allein Kont alles nichts/ nichts alles sein. 9. Ja/ billich grauset mir/ dich also zuverachten/ Daß ich schier muß auß angst verzweiflen vnd ver- schmachten; Weil mich bedoͤcket dein gebot Zumahl mit forcht/ grauß/ schãd vñ spot. 10. Herꝛ/ dein gesatz mich ja so scheuzlich conterfehet/ Daß alle hoffnung mich zu saͤubern mir entgehet/ Jch find in mir nichts dan vnlust/ Jch bin voll vnflat/ grewel/ wust. 11. Mein gaist/ den du/ O Got/ selbs deines gaists ge- wehret/ Hat seinen schoͤnen schmuck entehret vnd verkehret/ Vnd schwirmend auß des himmels pfad Verachtet deine stim vnd gnad. 12. Ja meine sehl/ die du vnsterblich mir gegeben/ Hab (moͤrdor) ich gebracht vmb jhr liecht/ hayl vnd leben: Wan/ wie der leib ohn die sehl tod/ Die sehl auch tod ohn jhren Got. 13. Mein Gaistliche 13. Mein hertz/ dein tempel/ Herꝛ/ ward von mir so ver- saumet/ Daß auch dem Loͤstergaist ich solches eingeraumet/ Der fillet es durch seinen brand Mit lust/ zorn/ gifft vnd aller schand. 14. Die augen/ die du mir der Weltbuch zu beschawen Verlyhen/ erhub ich hin vnd her/ wie die pfawen/ Zu boͤsem stehts klar vnd geschwind/ Fuͤr deine werck vnd wort gantz blind. 15. Die Ohren/ die ich hat/ Herꝛ/ dein gebot zu hoͤren/ Williglich liessen sich mit affterꝛed bethoͤren: Taub fuͤr dein wahre lehr vnd wort/ Fuͤr falscheit ein stehts offner port. 16. Mein mund/ an stat dein lob zu lehren vnd zu singen/ Pflag vnwuͤrdiger leut thũ vñ ruhm fuͤr zubringen: Stum zu des Schoͤpffers ehr vnd preyß/ Zu des geschoͤpfs lob faͤlschlich weyß. 17. Die haͤnde/ die du dir zu dienen/ vnd mein leben Mit arbeit/ fleiß vnd muͤh zu schalten/ mir gegeben/ Kein nuͤtze werckzeug des wollusts Seind zeugen meines trosts verlusts. 18. So Gedichte. 18. So pflagen meine fuͤß/ wan sie mich solten tragen Auff deinem rechten weeg/ dem boͤsen nach-zujagen; Fern von dir lieffen sie allzeit/ Gern lieffen sie zu krieg vnd streit. 19. Nach dem des Luͤgners schulich (torꝛecht) zugeloffen/ Hab ich bald in der kunst den Maistern vbertroffen: Ein abgot war ich durch hochmuht/ Vnd mißgunst machte boͤß was gut. 20. Durch geitz empfand ich auch mein hertz so tieff ver- gifftet/ Das/ hassend frey zu sein/ es seinen dienst selbs stifftet: Jch hoͤret offt mit vngedult Andrer leut nohtdurfft vnd vnschuld. 21. Kurtz/ alle meine siñ/ mein trachten vnd mein dichtē: Befuͤrdrend dz vnrecht/ wolten was recht vernichtē: Auch ist so grewlich mein gestalt Taß ich schier keinen trost behalt. 22. Zwar was erzoͤhl ich dir/ O mein Got/ meine suͤnden/ Dir/ dem sie gantz bekant/ der du mein hertz ergruͤn- den/ Vnd mich durch meiner suͤnden zahl Kanst stuͤrtzen in der hoͤllen quahl. 23. Dan Gaistliche 23. Dan wie kan jmmer ich dich (hoͤchster Got) erwaichē/ Wan ich ab deinem ernst auß schroͤcken muß ver- blaichen? Wan ich ab deiner gnad schamroht? Wan ich fuͤr deinem zorn gantz tod? 24. Jedoch erzoͤhl ich dir/ Herꝛ/ meine missethaten/ Auff daß du mein Fuͤrsprech mir armen moͤchtest rahten/ Vnd mir/ schier tod/ ein Artzt getrew Herꝛaichen deines hayls artzney. 25. Jch/ legend sie dir fuͤr/ will jhrer nicht vergessen/ Daß (weil wie deine gnad/ Sie gar nicht zuermessen) Sie/ O mein Vatter/ weitter nicht Betruͤeben dein hertz noch gesicht. 26. Ach! darff ich schlechter wurm dich/ Richter/ Vatter nennen? Ach! darff dir/ grosser Got/ ich mein ellend bekennen? Watssz ich nicht/ daß ich so todkranck/ Daß ich fuͤr dir nichts dan gestanck? 27. Ja freylich waiß ich wol/ daß meine alte suͤnden/ Mu newen suͤnden sich vermehrend/ stehts entzuͤn- den Des Hoͤchsten billichen verdruß Daß er (gerecht) mich straffen muß. 28. Jch Gedichte. 28. Jch hab (ich suͤnden-stock) in suͤnden grob empfangē/ Mit dencken/ reden/ thun/ suͤnd vber suͤnd begangen: Zu leben in mir ist allein Vbel zu thun vnd boͤß zu sein. 29. Vnd gleichwol leb ich noch/ gleichwol kan ich noch schlafen/ Jch/ den fuͤr meinen lohn tod vnd hoͤll solten strafen! Vnd gleichwol sih ich noch den tag/ Den tag/ dem ich ein last vnd plag! 30. Was dienet doch dem strahl/ was fallet doch dein dunder Auff felsen oder baͤum? wan mein hertz selbs (O wun- der!) Jst waicher oder besser kaum Dan ein felß oder dirꝛer baum? 31. Ja billich solt du/ Herꝛ/ (mein leben zu verkuͤrtzen) Mich in der hoͤllen grũd stehts zu verbreñen/ stuͤrtzen: Wan dein hertz nicht so gnaden reich/ Vnd dein will deiner Macht waͤr gleich. 32. Daher/ durch deine lieb vnd gnad/ O Got/ behaget/ Sich mein betruͤbter gaist buß foͤrtiglich nu waget Zu schreyhen auß pein/ angst vnd noht Jch hab gesuͤndiget/ O Got! L 33. Ge- Gaistliche 33. Gesuͤndiget hab ich/ ich schandfleck diser erden/ Vnd bin nicht wuͤrdig/ Herꝛ/ dein kind genant zu- werden! Ach! laß mich (Ob ich wol zu schlecht) Nur sein deinen geringsten knecht! 34. Erbarm dich/ Herꝛ/ vnd hilff/ daß ich doch moͤg ge- nesen/ Vnd weil mir hertzlich layd/ daß ich so boͤß gewesen/ Vnd weil ich layder! auch fuͤrhin Recht zu thun gantz vnnuͤtzlich bin: 35. So laß du deine staͤrck in meiner schwachheit sehen/ Vñ kom/ O starcker Got/ mir schwachen beyzustehē/ Belebend meinen leib vnd sehl Behuͤt sie frey von weitterm fehl! 36. Hilff meinem gaist/ mund/ ohr/ sehl/ hertzen/ hand vnd fuͤssen/ Daß jhrer keines dich moͤg durch vnrecht verdriessen! Daß jedes dir werd angenehm/ Vnd sich nach deinem wort bequehm! 37. Hilff mir in deinem wort vnd dienst mich gern zuuͤbē/ Vñ meinen Nechsten auch/ gleich wie mich selbs/ zu lieben! Hilff daß ich dir mich gantz ergeb/ Vnd stehts fuͤr dich vnd mit dir leb! Amen. Be- Gedichte. Betrachtung Des 23. 24. vnd 25. vers: des 10. Cap. Jerem. 1. ACh Herꝛ/ ach hoͤchster Got/ wir wissen/ wir be- kennen/ Daß wir gantz arm vnd schwach/ Vñ daß jemehr die leut vns hoch vñ maͤchtig neñen/ Je groͤsser vnsre schmach. 2. Wir koͤnden vns ja nicht fuͤr hitz/ kaͤlt/ hunger freyhē/ Wie jmmer stoltz/ toll/ laut; Wan vns die voͤgel/ thier vnd fisch nicht allzeit leyhen Flaisch/ federn/ wollen/ haut. 3. Vnwissend was vns mag in einer stund begoͤgnen/ Waher auch blaß der wind/ Wie lang es schoͤn mag sein/ vnd wie lang es mag regnen/ Jst vnser gaist gantz blind. 4. Jn einem augenblick wirt/ was vns lieb/ beschwer- lich/ Vnd boͤß die beste waid: Vnd ohn des Hoͤchsten glait ist aller weeg gefaͤhr- lich/ Vnd keine frewd ohn laid: L 2 5. Ja Gaistliche 5. Ja sicher ist/ ohn Got/ kein schloß/ stat/ land noch laͤger/ Kunstloß ist alle kunst; Niemand verlasse sich auff bruͤder/ freund noch schwaͤger/ Noch keines fuͤrsten gunst. 6. Kan sich dan kein mensch selbs regieren noch er- halten/ Weil all blind/ schwach/ lahm/ arm; So muß ja alle welt allein allzeit verwalten/ O Got/ dein starcker arm. 7. O Got/ dein starcker arm (zu helfen vnd zu strafen So maͤchtig als gerecht) Jst numehr gar zu schwer/ zu scharpff seind deine wafen Auff deines bunds geschlecht. 8. Wie lang soll vnser feind sein boͤse sach verbluͤmen! Wie lang soll doch sein spot Sich (dir vnd vns zu trutz) vnuͤberwindlich ruͤhmen/ Als ob du Got nicht Got? 9. Ach sih nicht langer zu/ daß er (dich zuverspotten) Dein wort vnd vns vertreib: Ach! laß jhn langer nicht vns vñ dein wort außrottē/ Biß niemand vberbleib. 10. Dan Gedichte. 10. Dan eylest du nicht/ Herꝛ/ alßbald zu widerstehen Der boͤsen raht vnd that/ So ist es (dan es schier jetzund) mit vns geschehen/ Vnd alle hilff zu spaht. 11. Dan also wan dein zorn durch vnsre suͤnd genoͤhret Die werck deines gerichts Der welt erweysen will/ wirt dein volck bald ver- zoͤhret/ Vnd wirt gar bald zu nichts. 12. O Schoͤpffer/ Vatter/ Herꝛ/ laß nach vns all zu toͤdten/ Spahr dein werck/ kinder/ knecht; Vnd endend deinen Zorn zugleich mit vnsern noͤhtē/ Erhalt dein aigen Recht! 13. Wan aber staͤrcker ist/ dan der strom vnsrer thraͤnen/ Der suͤnden dicker ruß; Vñ wir ja von der welt noch nicht gar zuentwoͤhnen Durch dise bittre buß: 14. Wan vnser grosse noht/ layd/ klagen/ weinen/ schreyhen/ Von deiner hand die ruht/ Vnd von der straff das land kan ja nicht gaͤntzlich freyhen/ Noch daͤmpffen deine wuht. L 3 15. Ach Gaistliche 15. Ach! so bedenck doch/ Herꝛ/ dz du vns/ wir dir thewer/ Bedenck dein wort/ volck/ hauß! Vnd wendend deine hand von vns/ wirff nu dein fewer/ Vnd geuß die hoͤffen auß! 16. Ja/ stoß auß allen zorn auff die trewlose hayden/ Die/ deren aberglaub Will dein volck/ Herꝛ/ von dir vnd deinem wort ab- schaiden/ Als zu dem sie gantz taub. 17. Verzoͤhꝛ die/ welche dich nicht ehren/ kennen/ suchen/ Vnd deren mund vnd hertz/ Dich niemahl neñen will ohn spot/ trutz oder fluchen/ Vnd denen Got ein schertz. 18. Dan seitenmahl jhr stoltz vnd boßheit all-vermessen (Verwerfend alle klag) Dein armes volck/ O Herꝛ/ numehr gantz auffge- fressen Mit vnmenschlicher plag: 19. Vnd jhre pferd vnd sich geschwimmet vñ gewaschen Jn deines volcks blut-see/ Begrabend haͤuser/ staͤt/ vnd kirchen in die aschen/ Die lufft in ach vnd weh: 20. Nach Gedichte. 20. Nach dem sie das gewuͤlck/ land/ wasser/ gar bedoͤcket Mit rauch/ gebein vnd blut/ Vnd schier den himmel selbs/ gleichwie die erd/ be- floͤcket Durch jhrer suͤnden wuht: 21. Bereden sie sich noch auff einmahl zuverschlingen Jn jhr welt-weitte brust Die gantze weitte welt: Ja (torꝛecht) auch zu zwingen Got selbs nach jhrem lust. 22. Darumb du/ starcker Got/ dich selbs vnd vns zu- rechen Erweiß nu deine macht/ Vnd laß sie jhre zaͤhn vnd kuͤferbein zubrechen/ Vernichtend jhren pracht! 23. Ja! du Gerechter Got/ auff daß sie schnell empfinden Die werck deines gerichts/ Mach jhren raht wie kaht/ vnnd kunst wie dunst ver- schwinden/ Vnd sie selbs gantz zu nichts! L 4 Weltliche Poesyen Durch Georg Rodolf Weckherlin. L 5 He- Heroische/ Vnd andere Gedichte. An den Lesern. AVß vilen andern mehr wag ich hie diese stuͤck/ Befindet man sie boͤß/ So ist/ wie sie/ jhr glick Kurtz. Seind sie aber gut/ vnd als gut angenom̃en/ So seind sie vil: vnnd mehr soll bald nach jhnen kommen. Son- Gedichte. Sonnet. An das Teutschland. ZErbrich das schwere Joch/ darunder du gebunden/ O Teutschland/ wach doch auff/ faß wider einen muht/ Gebrauch dein altes hertz/ vnd widersteh der wuht Die dich/ vnd die Freyheit durch dich selbs vber- wunden. Straff nu die Tyrañey/ die dich schier gar geschũden/ Vnd loͤsch doch endlich auß die (dich verzoͤhrend) glut/ Nicht mit dein aignem schwaiß/ sondern dem boͤ- sen blut Fliessend auß deiner feind vnnd falschen bruͤder wunden. Verlassend dich auff Got/ folg denen Fuͤrsten nach/ Die sein gerechte hand will (so du wilt) bewahren/ Zu der getrewen trost/ zu der trewlosen raach: So laß nu alle forcht/ vnd nicht die zeit hinfahren/ Vnd Got wird aller welt/ daß nichts dan schand vnd schmach Des feinds meynaid vnd stoltz gezeuget/ offen- bahren. Son- Weltliche Sonnet. Gemachet in dem Jahr. 1619. VErfolgung/ muͤh/ vnd layd ist allein das bannier/ Darunder durch die welt sich Gottes kinder schlagen; Vñ der Hoͤchst (General) hat acht wie mã sie fuͤhr/ Vnd wie ein jeder sich begehr fuͤr jhn zu wagen. Offtmals erlaubet Er/ daß der feind triumfier/ Doch lasset Er sein volck gaͤntzlich niemahls ver- zagen; Sondern damit sein feind nicht gar zu vil stoltzier/ Verkehret (maͤchtig) Er sein jauchzen bald in klagen. Darumb jhr deren will (des Teufels willen gleich) Vnd deren lust allein ist Gottes volck zu schaden/ Wie ewer zorn/ grim/ wuht/ sein wort/ sein volck/ das Reich/ Mit schmach/ mit qual/ mit schãd/ verbrant/ verbant/ beladen: Also in ewerm blut zu stehter schand soll Euch Noch zwingen mein Marggrav Georg Fride- rich zu baden. Vber Gedichte. Vber den Tod \&c. Herꝛen/ Johan Ernsten Hertzogen zu Sachsen \&c. Vnd Herꝛen Ernsten Graven von Manßfeld. \&c. WArumb hat man die/ welche seind Der Freyheit vnd der Warheit feind So rasend/ doll vnd fro gesehen Zu Pfaffen stat vnd anderstwa? Weil jhnen nu zu widerstehen Kein rechter Ernst mehr da. Von Weltliche Von dem Koͤnig von Schweden. 1631 . OKoͤnig/ dessen haupt/ den Weltkraiß zu regieren/ Vnd dessen faust die welt zu sigen/ allein gut; O Herꝛscher/ dessen hertz/ Herꝛ/ dessen grossen muht Gotsforcht/ Gerechtigkeit/ staͤrck/ maaß vnd weiß- heit zieren; O Held/ fuͤr dessen schwert die verfolger die wuht/ Jhr klagen/ forcht/ gefahr die verfolgte verlieren; Mars/ goͤtlichen geschlechts/ võ der Erꝛoͤtter blut/ Wehrt vber Tyranney vnd stoltz zu triumfieren. Des Feinds zorn/ hochmuht/ hassz/ durch macht/ be- trug/ vntrew/ Hat schier in dienstbarkeit/ Vnrecht/ Abgoͤtterey/ Des Teutschlands freyheit/ Recht vnd Gottes- dienst verkehret; Als ewer haupt/ hertz/ hand/ gantz weiß/ gerecht/ be- wehret/ Die Feind bald jhren wohn vnd pracht in hohn vnd rew/ Die Freind jhr layd in frewd zuverkehren/ gelehret. Vber Gedichte. Vber den Tod Hoͤchstermelter Jhrer Koͤnigl: Mayt: Des Koͤnigs von Schweden. DEin aigner muht/ O Held/ weil Gotsforcht/ Ehr vnd Recht Dein hertz vñ schwerd allein gestoͤrcket vñ gewoͤtzet/ Weil auch der erdenkraiß fuͤr dich zu eng vnnd schlecht/ Hat in den himmel dich (zu fruͤh fuͤr vns) versoͤtzet. Dan gleichwie deine faust der glaͤubigen geschlecht/ Als es in hoͤchster noht/ erꝛoͤttet vnd ergoͤtzet: Also hat durch dein haupt die kugel (layder!) recht Der Teutschen Freyheit hertz vnd Tugent haupt verloͤtzet. Sigreich vnd seelig zwar hat dich/ weil in der schlacht Du frey fuͤr Gottes wort dein thewres blut ver- gossen Jn die endlose frewd vnd ehr dein end gebracht: Jedoch in layd vnd noht seind deine bunds-genossen/ Weil deine herꝛschung du mit sig/ triumff vnd pracht Dort in dem himmelreich anfangend/ hie be- schlossen. Von Weltliche Von Hoͤchstermelter Koͤnigl. Mayt. Gustav dem Grossen. GRoß billich ist sein Nam/ als dessen wehrt so groß/ Daß Fridenszeit sein haupt zu herschen vnd zu rahten/ Daß Kriegszeit seine faust durch grosse Helden- thaten Der Helden Phoenix jn bewehrten stehts gletchloß. Kein wehrters haupt noch hand/ gewafnet oder bloß/ Trug jemahls Scepter/ Cron/ schwert/ zierd der Potentaten; Von keinem edlern blut/ belebend die Soldaten/ Sah man jemahls schamroht der erden blaiche schoß. Auch kont kein andrer Held/ wz Er gethan/ verwaltē/ Noch vnnachthunlich sein in sicherheit vnd noht/ Daß weder Sig noch fall sein Kriegsheer kont erkalten. O wonder! Er allein sigreich durch Got/ fuͤr Got Vergiessend nu sein blut/ hat vor/ in/ nach dem Tod/ Stehts vnvergleichlich Groß den Sig/ die Cron erhalten! An Gedichte. An Jhre Fuͤrstl: Gnad: \&c. Herꝛen Bernhard Hertzogen zu Sachsen \&c. PRintz/ dessen verdienst doch noch groͤsser dan dein preyß/ Wiewol dein wahres lob die himmel selbs kaum graͤntzen; Fahr fort/ O grosser Held/ vñ vnserm feind beweiß Daß die plitz deines schwerts mehr dan des Ad- lers glaͤntzen. Je mehr der dolle feind auff alle grobe weiß Will seinen Sig vnd pracht durch vnsern fall er- gaͤntzen; Jemehr lehr du sie/ Held/ gerecht/ starck/ fromb vnd weiß/ Daß nur dein haupt allein wehrt jhrer Lorbeer- Craͤntzen. Jedoch/ weil vnsre forcht/ als dein muht/ billich groß/ So hoͤr auch vnsern Raht Dich vnd Vns zube- wahren/ Vnd foͤrcht mit Vns dein hertz/ vil zu groß/ vil zu bloß. Dan wer erkennet nicht/ wan du stehts mit gefahren Erquickest deinen muht/ daß du an muht gleich- loß Kanst keinen groͤssern feind dan dein hertz selbs erfahren? M Von Weltliche Von Hochermelten Seinen Fuͤrstl. Gn. \&c. Hertzog Bernharden \&c. JA/ Spannisch bist du Neyd/ vnd torꝛecht du Mißgunst/ Jhr koͤnt so wenig schmach an Hertzog Bernhard finden/ Als wenig als der Riß mit aller macht vnd kunst/ Nach seinem falschen wohn; den Weltkraiß vber- winden. Dan er gedencket/ thut vnd redet nichts vmbsunst/ Sein gaist kan des feinds list vnd fuͤrsatz bald er- gruͤnden/ So loͤschen seine wort d’ schnoͤden auffruhr brunst/ Vñ seiner wafen plitz den Adler selbs verblinden. Koͤnt er weyß/ khuͤn/ vnnd starck/ des feinds list/ macht/ betrug/ Entdoͤckend/ jhn zuruck nicht schlagen vnd ver- treiben/ So haͤtten wir laͤngst nichts/ vnd doch der feind kaum gnug. Jedoch ohn deren schand kan man sein lob nicht schreiben/ Die (Stiefsoͤhn des Teutschlands) traͤg/ forcht- sam vnd vnklug/ Durch seinen raht vnd hilff gefreyhet/ nicht frey bleiben. An Gedichte. An Hoͤchst ermelten Helden/ ꝛc. Herꝛen Bernhard Hertzo- gen zu Sachsen \&c. DV bist/ Welt-wehrter Held/ wuͤrdiglich hochge- achtet/ Der wahren Dapferkeit ein wahrer Erb vñ Sohn: Du bist die blum/ der ruhm der Teutschen Nation/ Nur von dem/ der Got selbs verachten darff/ ver- achtet. Dein schwerd/ so wie der strahl vnd des tods saͤgis schlachtet Was dir zu wider ist/ ist der Gotlosen lohn/ Der angefochtnen trost/ vnd der vertribnen wohn/ Ja auch der pracht des Reichs/ das sunst auß scham verschmachtet. Wan C æ sar sehen solt von deinen straichen schwer Die Donaw vnd den Rhein so offt in scharlach sliessen/ Vnd deinen gaist/ hertz/ mund so reich an ehr/ macht/ lehr: Wuͤrd Er/ sich naigend bald zu seines Sigers fuͤssen/ Bekennen/ daß dir/ held/ nichts Kayserliches mehr Ermanglet dan der Nam/ vnnd dich selbst C æ sar gruͤssen. M 2 An Weltliche An Brissach von Hoͤchstermeltem Helden \&c. Bernhard Hertzogen zu Sachsen \&c. Eingenommen. JA/ Brissach/ dein verlust ist dein gewin vnd preyß; Du hast/ in dem du dich verloren/ dich gefunden; Du hast/ von disem schwert erobert/ vberwunden; Vnd vneinnehmlich nu wirst du auff dise weiß. Dan diser Fuͤrst/ Held/ Mars (dein Siger) ist so weiß/ So guͤtig/ maͤchtig/ groß/ daß dein verdruß ver- schwunden/ Alßbald dich seine faust zu seinem dienst verbun- den/ Darumb mit frewd vnd danck gehorsam dich er- weiß. Sih doch/ bedenck vnd merck/ wie herꝛlich Er dich zieret/ Vñ du mit nichten Jhn; wie durch jhn Got in dir/ Als durch Got vber dich Er (sigreich) triumfieret! So lern nu seine lehr (vnd gib jhm danck darfuͤr) Weil Got den Fuͤrsten selbs/ wie der Fuͤrst dich/ regieret/ Daß jhm allzeit der Sig/ vnd Got die ehr/ gebihr. Von Gedichte. Von Hoͤchst ermeltem Helden/ Hertzog Bernhard ꝛc. An Brissach vnd Landscron. DEin anschlag ist zu frech/ zu schwach dein wider- stand/ O torꝛecht stoltzer feind. Die warheit dir zusagen/ Muß dises Helden lieb vnd dein layd dir behagen/ Weil seine gnad dein trost/ wie sein zorn deine schand. Mit weißheit/ muht vnd macht sein wehrtes haupt/ hertz/ hand Gezieret/ krieg vnd ruh/ sig vnd gnad zugleich tragen; Mit jhm ist nur ein werck zu sigen vñ zuschlagen/ Nichts kan vnmuͤglich sein fuͤr sein schwert vnd verstand. So soll nu billich sich dz Reich mit Brissach naigen/ Mit wahrer huld vñ bitt: O du der Tugent Sohn Nem vns (glickseelig) auff/ dieweil wir nu dein aigen! Du bist ja vnser Herꝛ/ wie der Hoͤchst dein Patron/ Vnd da ist/ da muß sich/ wa du dich wilt/ erzaigen/ Der Welt Wohn/ des Rechts Thron/ des Reichs vnd Teutsch Lands-Cron . M 3 Von Weltliche Von dem Cardinal De Richelieu. \&c. FRanckreich/ dein ist der Sig. Du bist der Reichest Ort/ Das beste Reich der Welt/ gleichloß durch Got- tes seegen; Zwar nicht/ weil fruchtreich du der frembden trost vnd hort/ Auch nit weil deine leut/ wie du/ gut zuthũ pflegen: Nicht weil du der Lieb sitz; der sturmleydenden port/ Nicht deines weisen Rahts/ vnd dapfern Adels wegen; Noch weil dein Koͤnig groß durch seine werck vnd wort Bezeuget/ dz jhm nichts dan dein hayl angelegen. Nein. Sondern weil dir wehrt ein solcher Cardinal/ Daß jhm auch an verdienst sunst kein mensch gleich zu finden/ Wan in der weitten welt dir Got schon geb die wahl. Darumb laß weder forcht noch hoffnung dich ver- blinden/ Dieweil gantz seelig du/ durch Got vñ jhn zu mahl Kanst/ so du wilt/ die welt/ dich kein feind vber- winden. Von Gedichte. Von Herꝛen Achseln Oxenstiern \&c. Schwedischen Reichs Cantzlern. \&c. 1633 . MAn findet kein gestirn/ das mit so klarem brand Vnd starckem gegenschein als diser Nord- stern scheinet/ Stracks wider die zu weit vnd hart greiffende hand/ Darunder dz numehr gejochte Teutschlãd weinet. Man findet keine Stirn / darunder mehr verstand/ Erfahrung/ weißheit/ kunst/ des Risen/ der ver- meinet Daß jhm gehorchen solt ein jedes Meer/ Volck/ Land/ Zu weit-goͤnenden munds welt-weitten lust ver- neinet. Hat schõ dein Hercules (Gustav der Groß) mit muht Sich durch der Risen heer den Goͤttern zuge- schlagen/ So foͤrcht/ O frommer hauff/ du doch nicht jhre wuht. Dan solt der himmel sich vil foͤrchten oder klagen/ Alßlang des Hoͤchsten hand/ Allmaͤchtig vnnd allgut/ Bewahret dise seul vnd Achsel jhn zu tragen. M 4 Von Weltliche Von Wolermeltem Herꝛn \&c. H. Reichs Cantzlern. ER kan mit solcher krafft/ vnd wunderreichẽ schein Die forcht in vnserm feind/ den muht in Vns vermehren/ Dz jn als eine Soñ/ nicht einen Stern gemein/ Mit wunder moͤniglich muß sehen/ segnen/ ehren. Zufluͤchtig suchen jhn reich vnd arm/ groß vñ klein/ Die pleget seines rahts vñ trosts Er zugewehren; Daß Er als der Welt Stirn / nein hirn vnd haupt zu sein (Allfaͤhig) allein wehrt zu ruͤhmen/ zu begehren. Darumb verbleibet Er (ein wunder aller zeit) Durch seiner Gotsforcht/ Trew vnnd Weißheit edle thaten/ Der inhalt aller lehr; der probstein weyser leut; Des Fridens lehr vnd lieb; ein beyspil der Soldaten; Der Spiegel guter Raͤht; Sigweyser in dem streit; Der Tugent gantze Sum; Lehrbuch der Poten- taten. Wider- Gedichte. Widerumb An Wolermelten Herꝛen. ꝛc. TOd ist Gustav der Groß/ Sigreich/ vnuͤber- wunden/ Er/ dessen starcke faust/ Er dessen grosser muht Ein schrecken seines feinds/ vnnd seiner freinden huht/ Jhm jene mit zagheit/ dise mit lieb verbunden. Tod ist Gustav der Groß; von Vns ist Er ver- schwunden/ Nach dem fuͤr sein haupt/ hand vnd hertz (stehts weiß/ starck/ gut) Er vnserm vndanck groß/ zu schlecht der feinden wuht/ Vnd dan die gantze welt zu schlim vnd eng be- funden. Auch alßbald diser Held/ sein jrdisches gewand Beyloͤgend/ in den saal des himmels eingetretten/ Empfand es Atlas selbs/ vnd hielt kaum seinen stand. Darumb von vndergang den Weltkraiß zuerꝛoͤtten/ Hat mit gemeiner stim man Euch/ ewern verstãd Vnd Achsel (Oxenstern) darzu leyhen erbetten. M 5 An Weltliche An Herꝛen Theodor de Mayerne Rittern vnd Koͤnigl: Raht vnd Artzt/ \&c. Meinen (der Grossen vnd Kleinen Welt kundigen) Hochgeehrten freind. DEr leib des groͤsten Reichs des menschen leib sich gleichet/ Jn beeden sihet man/ wie mit muͤssigkeit schand/ Durch schand vneinigkeit/ Durch zertrennung auffstand/ Durch entpoͤrung schwachheit/ durch schwachheit der Tod schleichet. Doch wã durch Gottes gnad dz boͤß dē guten weichet Auff gutē raht vñ hilff des haupts vñ auch d’ hãd/ Alßdan gesundheit/ frid vnd frewd zugleich dz lãd/ Wie auch des menschē leib lieblich wider bereichet. Ach nem das Teutsche Reich/ das jtzt in seinem blut Gantz zaghafft/ trostloß/ schwach mit des tods band vmbfangen/ Mayerne deinen Raht allein getrew/ weiß/ gut; So solt es nicht allein trost/ hilff vñ hail empfangen/ Sondern sein hertz/ hand/ hirn/ von zagheit/ schwachheit/ wuht/ Gefreyhet/ solten noch Vnsterblichkeit erlangen. An Gedichte. An Herꝛen Martin Opitzen Fuͤrtrefflichen Teutschen Poeten. JN dem mein Ohr/ hand/ mund schier muͤd/ die schwere plagen Die diser grosse Krieg mit hunger/ schwert/ pest/ brand/ Vnd vnerhoͤrter wuht auff vnser Vatterland Auß giesset/ ohn ablaß zu hoͤren/ schreiben/ klagen/ Da ward mit wunder mir vnd mit wohn fuͤrgetrage: Mein Opitz/ deiner lieb vnd freindschafft wehrtes pfand/ Pfand/ welches mir alßbald die feder auß der hãd/ Vnd auß dem mund vnd gaist die klag vnd layd geschlagen. Dan ja dein Orgelstraich/ vnd deiner Harpfen klang So lieblich das gehoͤr vnd hertz zugleich beruͤhren/ Daß (wer siñreich) mit mir erforschet jhrē zwang/ Der kan nichts dan dein werck vnd wehrt zu hertzen fuͤhren/ Vnd sein mund muß dich bald mit einem lobge- sang/ Vnd seine hand dein haupt mit Lorboͤrzweigen zieren. An Weltliche An Herꝛen Hanß Jacob Grob \&c. Meinen alten werthen vnd gelehrten Freind. ODessen wehrte werck vnd weißheit wol bezeugen/ Daß nichts dan nur dein Nam an dir zu neñen Grob / Grob waͤr ich selbs vnd boͤß/ lang vor der welt dein lob/ Welches der Musen zunfft vermeldet/ zu ver- schweigen. Zwar dein verdienst bedarff nu weitter keine zeugen/ Weil Landgraff Moritz schon (den zwar/ wie ich dich lob Durch jhn/ ich mit dir ehr) auff vnfehlbare prob Dein haupt gekroͤnet hat mit seinē gnaden-zweigē. Darumb sehr grob gewiß ist deren vnverstand/ Die auß deines beruffs (dir noch vngleichen) ehren Nicht abnemen den schmuck/ den dir gab Gottes hand; Noch groͤber seind/ die dich zu ehren nicht begehren; Vnd groͤbest / deren hertz nicht wuͤnschet dem Teutschland/ Daß deines lebens trumb moͤg/ zart vnd starck/ lang wehren. Traum Gedichte. Traum. JCh sah in meinem schlaff ein bild gleich einem Got/ Auff einem reichen thron gantz praͤchtiglich er- haben/ Jn dessen dienst vñ schutz zugleich auß lust vñ noht Sich die Torꝛechte leut stehts hauffen weiß begabē. Jch sah wie dieses bild dem wahren Got zu spot Empfieng (zwar niemahl sat) geluͤbd/ lob/ opfer- gaben; Vnd gab auch wem es wolt das leben vnd dē tod/ Vnd pflage sich mit raach vnd boßheit zuerlaben. Vnd ob der him̃el schon offtmahl des bilds vndanck Zustrafen/ seine stern versamlete mit wunder; So war doch des bildes stim noch lauter dan der dunder: Biß endlich/ als sein stoltz war in dē hoͤchsten schwãck/ Da schlug ein schneller plitz das schoͤne bild her- vnder/ Verkehrend seinen pracht in koht/ wuͤrm vnd ge- stanck. Vber Weltliche Vber den fruͤhen tod der Jungfrawen E. T. Staͤnde. DEr wahren Tugent glantz/ der klar in dem auff- gang Dich mehr dan der Mittag in andern wolte zieren/ Bezeugte/ daß dein lauff gantz loͤblich vñ nit lang Solt/ wie ein schoͤner tag/ schnellfluͤchtig fort pas- sieren. Die blumen/ welche sich erzaigen reiff zu fruͤh/ Die werden von dem frost bald welck/ vnd weg- genommen: Vñ kein zufruͤhe frucht kã/ wã man schõ mit muͤh Sie lang behalten wolt/ den Winter vberkommen. Dan der Natur gesatz/ das der mensch halten muß/ Gebeut/ dz nichts alhie gluͤck seelig lang soll wehrē; Vnd das was herꝛlich ist/ gleichsam zu einer buß Soll (die welt nicht zu lang zuehren) bald auff- hoͤren. So deine Jugent zart mit arbeit/ ehr vnd zucht/ Mit Weißheit vnd Gotsforcht/ wissenschafft viler zungen/ Mit deiner Schoͤnheit blust/ mit deines verstands frucht/ Zog dich bill ich herfuͤr bey alten vnd bey jungen. Daher der freche tod/ sehend wie deine sehl War mit vernunfft vnd kunst des alters selbs ge- schmuͤcket/ Hat als ein reiffe frucht dich (frey von allem fehl) Mit gãtz gnadloser hãd/ noch bluͤhend/ abgezwicket. Ob Gedichte. Ob aber wol der Tod dir/ vnbefloͤckte blum/ Durch seiner sichel straich den fall zu fruͤh gegebẽ; So bluͤhet allzeit doch frisch deiner tugent ruhm/ Weil die lang leben gnug/ die recht vnd wol gnug leben. Wan dan/ O suͤsse seehl/ dein leben vnd dein Tod Vns deines hayls gewin/ vnnd vnsern verlust weysen/ So moͤgen billich wir Got klagen vnser noht Doch also/ dz wir jhn auch fuͤr dein leben preysen. Ode. DEr Menschen wohn ist falsch/ betruͤglich die ver- jaͤhung/ Als ob des Glicks allmacht/ der ewigkeit versehung/ Vnd des himmels gesatz (mit zwang der Goͤtter hand Verkuͤrtzend) ohn jhr schuld veraͤnderten den stand Der Menschen vnd der Welt. Das werck recht zube- sehen So muß der Mensch/ daß er die vrsach selbs/ gestehē. Dã ja ein jeder mensch/ dem groͤsten Koͤnig gleich/ Hat der Anmuhtungen vnd der begirden reich (Die seine vernunfft stehts solt maistern) zu regieren: Vnd Sie/ was farb vnd schein Sie auch in dem schilt fuͤhren/ Zu buͤssen jhren lust (als schmaichler) jhres thails Vergessen offt des Reichs vnd jhres Fuͤrsten hayls. Da Weltliche Da wil des menschen hertz der Schoͤnheit sich er- geben; Dort ein kraußlechtes haar kan seine seel verweben; Hie eines augs anblick/ mehr dan ein scharpfer plitz Dort eine weisse hand beraubet jhn der witz; Ja/ ein geschmoͤll/ ein wort/ ein seuftz kā nach gefallen Der Vernunfft Mayestet zu fuß jhm machen fallen. Bald hochmuht/ hoffnung/ lust/ frewd/ ehrgeitz/ schimpff vnd schmach/ Bald kleinmuht/ forcht/ neyd/ hassz/ verdruß/ layd/ zorn vnd raach Verfuͤnstern seinen tag/ als jhres Herꝛens Mayster/ Vnd fewren seine macht/ als vngehewre gayster/ So daß der arme Mensch (torꝛecht vnd vngerecht) Ein Koͤnig von geburt/ wird seiner knechten Knecht. Vñ wie Er auch sein lob vermeinet zuverbluͤmen/ So hat doch billich Er vollkom̃en nichts zuruͤhmen. Ein hagel/ ein sturmwind/ ein wogen in dem Meer/ Ein schuß/ straich/ stich/ fall/ thier/ so leichtlich als ein heer/ Ja des hofs vberfluß/ der Staͤtt vñ Doͤrffer suͤnden (Die nach lust wider vns bald einen vortheil finden) Dem Ackerman die ernd/ dem Kauffmã all sein gut Dẽ Hofmã seinen pracht/ dẽ Kriegsmã seinen muht/ Dem Buͤrgern seine ruh/ vnd jedem noch das leben Beraubend/ Sollen vns vnd jedem die lehr geben Daß wer von grossem layd/ von sorg/ anfechtũg/ pein Begehret/ wa nicht frey doch etwas loß zu sein/ Das beste mittel ist/ Sich zu dem kreutz zubiegen/ Vnd mit der armut sich verbindend zuvernuͤegen. Epi- Gedichte. Epigrammaten. 1. Von vnd zu Mir selbs. 1615 . W An man hie keinen fort will fuͤhren/ Dan nur wer schmaichlen kan vñ schmieren; Vnd wan du anderstwa in gunst/ Was bleibest du dan hie vmbsunst/ Mit Herꝛen groß ohn lehr vnd kunst? Zu ruͤck/ fort mit dir hin weg Herꝛlin. Dan wan der Fuhrman selbs vnnd Satler den Raht geb/ Wird Er sein/ daß nicht lang der Weckherlin hie leb So zeuh nu wider hin weg kherlin. 2. Arꝛia. ALs Arꝛia das schwert von jhrem hertz blut roht Suͤß-trawrig jhrem Man darꝛaichet/ Ab diser wund/ sprach Sie/ mein antlitz nicht ver- blaichet/ Sondern die ewrig/ Herꝛ/ ist mein schmertz/ layd vnd tod. N 3. Nio- Weltliche 3. Niobe. GEdruͤcknet durch die frewd vnd pein Der Kinder/ welche ich geboren/ Vnd wider durch den tod verloren/ Bin Jch selbs mein Grab vnd Grabstein. 4. Leander vnd Hero. WJe vns die Lieb ein Liecht/ ein Lufft das leben gab/ Vnd wie ein Fewr (vns beed verliebend) vns er- leuchtet: So hat ein Wasser auch erdrenckend vns befeuchtet/ Vnd nu von einer Erd bedoͤcket Vns ein Grab. 5. Dido. WJe bitter/ Dido/ war die frucht Der beeden Maͤnner lieb denen du beygewohnet: Des Einen tod hat dich mit flucht/ Des andern flucht mit tod belohnet. Des Gedichte. 6. Des Catullen Cinthia formosa est \&c. DJe Lylla sey schoͤn/ wie mit fleissz Vil ruͤhmen kan ich nicht gestehen: Sie ist (ohn witz/) lang/ auffrecht/ weissz/ Recht wie ein schoͤnes Bild zu sehen: Da meine Myrta hipsch/ suͤß/ weyß Vnd gantz holdseelig zubekennen/ Verdienend aller hertzen preyß/ Die Schoͤnheit selbs allein zu nennen. 7. Von dem Schwaben/ Hanß Latzen. HAnß laufft dear Graita noh ell tritt/ Vnd wills haun: Jst Er nit gscheid gnuog, Grait will da Hanßa kurtz vmb nitt/ Jscht Suy nit gscheider/ liebar luog! N 2 Von Weltliche 8. Von H: Haßen. DEr Haß hat all sein gelt verloren/ Vnd darff es gleichwol niemand klagen: Dan die/ die Er/ die Jhm/ geschoren/ Wirt/ jhm zu spot/ es schon gnug sagen. 9. An die Fraw A. Hahnin. BOtz Creutz/ wie ist (O schand/ O schmach!) Der Heurat ein verdoͤcktes essen! O Hertzlayd nimmer zu vergessen! Mit seuftzen die Fraw Hanin sprach: Jch hoffet/ als man jhn mir gab/ Daß einen Hanen Jch genommen/ So hab ich/ (ach weh daß ich hab!) Nur einen Copaunen bekommen. 10. An Gedichte. 10. An die Witfraw Leicht. AN Farben bist du gleich den Hetzen/ Vnd an geberden/ gailen Metzen. 11. Vberdes H. Schlunds Tod. DEr schlund gieng nuͤchter nachts zu beth/ Darauff Er den gaist auffgegeben: Wan Er sich voll gesoffen het/ Wer Er/ ohn zweifel/ noch bey leben. 12. Von eines Metzgers vnd einer Gerberin Hochzeit. REcht tauget Breutigam vnd Braut/ Das Flaisch vermehlet mit der Haut. N 3 13. Von Weltliche 13. Von dem Zimpferlin. DEr Zimpferlin/ dem mit anstreichen Mit falschen haaren krauß vnd lang Die Huren von Rom muͤssen weichen/ Vnd dessen Ey-sparender gang Recht einer Braut gang zuvergleichen/ Hat mit der Kaͤtt in den ehstand Zu tretten/ jhme fuͤrgenommen. Alß Er jhr nu gleich an gewand/ Vnd gleichem Huren-augen brand/ Mit jhr fuͤr den Altar gekommen; Vnd der Pfaff sah jhr beeder hand/ Jhr haar/ gesicht vnd alles gleich/ Thet Er (bossierig) Sie anreden: Wer doch (sprach Er zu jhnen beeden) Jst wol der Breutgam vnder euch? 14. An die Fraw M: Stinckerin. ES ist nicht seltzam/ daß dein hund So leckerhafft nach allen Dr— Dan wer dich kennet/ dem ist kund/ Daß er dein maul selbs offt kan lecken. 15. Von Gedichte. 15. Von H: Glaͤtzlin. DAß jhn das alter nicht graw mach/ Weisst Glaͤtzlin ein bewehrte sach/ Ein artzney voll geheimer tugent: Er ist kahl worden in der jugent. 16. Von H: Knoͤbeln. DEr Knoͤbel/ gehend nachts zu hauß/ Gedacht daß jhm ein gaist begoͤgnet/ Zu dem/ nach dem er sich gesegnet/ Sprach Er also/ zwar nicht ohn grauß: Bist du von Got/ so wirst du die leut lieben Bist du dan boͤß/ wirst du mich nicht betrieben; Dan (zweifels ohn) du mir verschwaͤgert bist/ Jn dem mein Weib ein wahrer Teufel ist. 17. An Herꝛen Witzlehren. DV bist keines Weysen freind/ Weil du selbs keiner: Vnd den Narꝛen bist du feind/ Weil du selbs einer. N 4 18. Von Weltliche 18. Von dem Welschen Morian. FEy Teifel/ spricht der Morian/ Wan sein weib zancket vnd laut schreyet: Jch bin der Weib/ du bist die Man/ Laß mich/ groß Fossz/ doch vngeeyet; Wan aber Sie zu zeiten lachet/ Spricht Er/ du bist mein kleiner Fossz; Jst also allzeit wahr der bossz/ Daß Er sich Knecht/ Sie Maister machet. 19. An die alte Roß. ROß/ deine schoͤnheit ist dahin/ Dein aug glaͤntzet wie alte scherben; Kein Knecht will deine haut mehr gerben/ Er wissz dan vor/ was sein gewin: Vnd solt sich einer ja verfahren/ Vnd stoͤllen/ als ob Er dir hold/ Glaub du/ Er lieb nicht deiner haaren/ Sondern nur deines beuttels gold. 20. Von Gedichte. 20. Von H: Witzlehren. ES ist kein Maͤdlin in der stat Das Witzlehr nicht wehrt vnd lieb hat/ Spricht Er/ ob wahr/ kan ich nicht wissen: Das aber kan ich wol vergwissen/ Daß keine Jungfraw in der stat Lieb vnd wehrt den Witzlehren hat. 21. Von demselbigen. JCh waiß nicht was doch der Witzlehr Den hipschen Maͤgdlin hin vnd her (Als Er sich ruͤhmet) wol zuschreibet: Jedoch das waiß ich wol/ daß Er Von jhrer aller newen mehr/ Gruß vnd briefen gantz sicher bleibet. 22. Von Doctor Schlechten. WJr musten gestern so starck sauffen/ Daß mein Pferd vnd Jch vbern hauffen Gefallen/ sprach der Doctor Schlecht: Vnd Jch vermein/ Er redet recht (Als der die warheit wolt bekennen) Den Esel nach dem Pferd zu nennen. N 5 23. Der Weltliche 23. Der Hofe. DEr lustig wolte mich gern lehren/ Daß der Hof gleich dem Paradiß: Dem Greuͤner (den spruch zuverkehren) Jst der Hof wie die Hoͤll gewiß/ Weil da kein vnderschid (sprechen Sie) der personen. Jch sag/ der Hof ist Hof/ nicht Hoͤll noch Himmel- reich; Da man/ weil suͤnd der tugent gleich/ Was boͤß nicht strafen will/ Noch auch/ was gut/ belohnen. 24. Von Herꝛen vnd Frawen R. SJe ist schoͤn vnd Er weyß/ doch dz sie zu bezahlen Man jhr fuͤr jhre liebste that/ Man jhm fuͤr seinen besten Raht Geb kaum eine Nußschalen. 25. An die Zahnlose Maͤgerin. DV hattest vier zaͤhn vor zway jahren/ Von denen stoß dir auß der hust das letzte jahr Ein paar/ vnd dieses Jahr ein paar/ Daß numehr weder zaͤhn noch husten du zuspahren. 26. An Gedichte. 26. An Herꝛen K. der Antiqui- teten Liebhabern. WAs alt vnd seltzam ist thust du mit muͤh vñ fleissz Jn dein Studier-stuͤblein auffhencken: Darumb dein Weib (ist Sie ja weiß) Mag jhr gewissen wol bedencken. 27. Georgen des Trometers Grabschrift. GEorg schweiget vnder disem Wasen/ Weil Er sein letztes außgeblasen. 28. An den Pfarꝛern Schand- flecken. PFaff/ die vergleichung deiner haaren Mit deinen suͤnden must du sparen: Dan jene nemen ab/ die zu/ mit deinen jahren. Von Weltliche 29. Von der schoͤnen Jungfra- wen E. Wilde. WJld bist du nicht/ du zartes bild/ Doch darff ich dich auch nicht zahm nennen: Allein muß jederman bekennen/ Daß der/ der dich nicht liebet/ wild. 30. Der Frawen Lob. MJt tugent vnd mit ehr die Fraw ist wol gezieret Wer darff doch sagen daß sie wirt boͤß vnd ver- fuͤhret Taͤglich Sie kommet (fromb) mit dem gebet fuͤr Got Selten auß jhrem Man Sie machet einen spot Allzeit dem Man will Sie wol dienen vnd gefallen Niemahls das gantze hauß muß võ jhr widerschallē Tag vnd nacht jhr gemuͤht gleichet sich jhrem mund Nicht weiß ist der die Fraw nur liebet eine stund. Außloͤgung vnd Entschuldigung. VOn dem geschlecht wehrt aller ehren Wol vnderschaiden ist wol lehren. 31. Von Gedichte. 31. Von der Jungfraw Liebwelt. WAs tadlet man doch die Liebwelt/ Als ob nicht jhre haar jhr aigen; Wan ich bezeugen will vnd zaigen/ Wa sie dafuͤr gab gut paar gelt. 32. Grabschrifft Der Frawen Sch: HJe schlafet (vnd Got sey gedancket) Ein weib/ das tag vnd nacht gezancket; Ach trettet nicht hart/ liebe Leut/ Sunst woͤcket jhr ein newen streit. 33. An Herꝛen Fratzen. FRatz/ ewer buhl sich stehts beklaget/ Daß jhr den Huren gern nachjaget; So rund zu reden ist fuͤrwahr Gar frembd/ Ob es schon sonnenklar. 34. An Weltliche 34. An die Roß. ROß/ ewer Conterfeht ist Euch (Zwar schoͤner dan jhr/ jedoch) gleich Jn dem/ daß jhr beed hipsch gemahlet/ Vnd man auch fuͤr Euch beed bezahlet. 35. An Herꝛen G. MErck/ Glotz/ weil du wilt daß ich dir Soll einen guten Raht fuͤrschreiben/ Den starcken geruch/ welcher Mir Vnd andern nicht lieb/ zuvertreiben. Wilt du/ wan du ja Lauch must essen/ Daß man es riechend nicht erfahr/ So solt du darauff zwibel fressen/ So wirt man jenes nicht gewahr. Knoblauch/ die zwibel zu vertragen/ Vertreibet den geruch hinweg; Des Knoblauchs geruch zu verjagen/ Frissz (sunst waiß ich nichts) einen Dr — 36. An Gedichte. 36. An Herꝛen Burern. VJl nennen dich (hoͤr ich) Hanß Hurer/ Jch aber/ weil du nu alt/ Vhrer: Auch ruͤhmet deine alte Hur Dein angesicht jhr Sonnen vhr; Weil dein mund seine Zaͤhn offt bloͤcket/ Den dein Naß Zaiger-gleich bedoͤcket. So oͤffnend deinen weitten mund (Jn dem acht oder sechs zaͤhn stehen) Kan man gar leichtlich des tags stund Bey deiner Nasen schatten sehen. 37. Der Sp: Soldaten Grabschrifft. JN diser erden ist ein saht Des gebeins deren Raht vnd that Befuͤrdert des Lands krieg vnd plagen. Solt nu der grund so fruchtbar sein Daß er fuͤr eins solt hundert tragen/ So verleyh Got/ daß stehts darein Der hagel/ plitz vnd dunder schlagen! 38. All Weltliche 38. All Glick gut. DAs Glick ist allen gleich vnd gut/ Ja auch bestaͤndig heut vnd morgen. Den Reichen gibt es forcht/ muͤh/ sorgen; Den Armen hofnung/ sinn vnd muht. 39. Leben/ Nebel. MEnsch/ bist du klug/ Vnd wilt recht wissen was dein Leben; So merck das woͤrtlein Leben eben/ Da hast du gnug; Liß es zu ruck/ so wirst du sehen/ Was es vnd wie es thut vergehen. 40. Nichts Gedichte. 40. Nichts Jrꝛdisches Wehrhafft. GEburt ist schlechter Ruhm/ Ehr wie ein plitz vergehet/ Schoͤnheit ist eine Bluhm/ Reichthumb nicht lang bestehet/ Herꝛlichkeit ist ein glantz/ Ruhm wie ein rauch verflieget/ Wollust ist nur ein Dantz/ Die welt allzeit betrieget. Auff erden/ Herꝛ/ bleib du bey Mir/ Jm Himmel laß mich sein mit Dir! O Buhlereyen. Weltliche Buhlereyen. Oder Lieb-Gedichte. Eine Eclog oder Huͤrten gedicht. DEr Schaͤfer Filodor hat schon durch seine tugent/ Durch seine lieb vnd trew/ die ehr vnd lehr der jugent/ Der Lieblichkeit gestirn/ der holdseeligkeit blum/ Der Zucht vnd Keuschheit form/ vnd aller Schoͤn- heit Ruhm/ Der Jnsul Albion wohn vnd Cron so bewoͤget/ Daß andrēr Schaͤfer dienst vnd lieb sie beygeloͤget: Vnd wie Er/ Dein bin Jch/ O Myrta/ jhr zuvor/ So sagte Sie nun jhm/ Dein bin Jch/ Filodor/ Als Er mit Corydon/ den Cloris hielt gefangen Jn jhrer haaren strick/ zu jhnen kam gegangen. Daher/ als Myrta nu vnd Filodor mit lust Empfunden gleiche hitz vnd lieb in jhrer brust/ (Wie Cloris anders thails wolt/ stoltz vnd hart/ eh sterben/ Dan daß Er Corydon solt jhre huld erwerben) Sprach Gedichte. Sprach Myrta/ Filodor/ gantz glicklich ist dein gang/ Dieweil (wie Jch verhoff) du vns nu ein gesang Mit Corydon/ der auch wol singen kan/ wilt lehren. Er/ der nichts dan was Sie begehret/ kan begehren/ Beredet Corydon/ der von dem angesicht/ Darinnen seine sehl/ sich kan abwenden nicht/ Sich zu den Nymfelein mit jhm alßbald zusoͤtzen/ Vnd (wan es moͤglich wer) Sie vnd sich zuergoͤtzen. Da alßdan Filodor auß grosser lieb vnd fraid/ Da alßdan Corydon auß grosser lieb vnd layd/ Durch ein schier gleiches lied/ doch mit vngleichem willen/ Fieng an auff dise weiß der Myrt bit zu erfillen: O 2 Filo- Weltliche Filodor. OZartes Liebelein/ O suͤsses Diebelein/ Dein hertz thut sich erwaichen/ Jch mag nicht mehr verblaichen Durch hofnung-lose pein. Darumb so laß vns hoͤren Wie meiner Liebe lehr/ Wie deiner Schoͤnheit ehr Die Waͤld vnd Feld vermehren. Corydon. ODu Cometen schein/ O harter Kiselstein/ Nichts kan dein hertz erwaichen/ Vnd Jch muß tods verblaichen Durch hofnung-lose pein: Darumb so laß vns hoͤren Wie meiner schmertzen ehr/ Vnd deiner Rawheit lehr Die Wald vnd Feld vermehren. Filo- Gedichte. Filodor. Hoͤr/ wie der Widerhall/ Hoͤr/ wie die Nachtigall (Als die die Lieb auch fihlen) Von deiner Schoͤnheit spihlen Mit zwitzerendem schall: Hoͤr/ mit wie suͤssem singen Die praͤchtig-suͤsse macht/ Den maͤchtig-suͤssen pracht Der Lieb Sie vns fuͤrbringen! Corydon. Hoͤr/ wie der widerhall/ Hoͤr/ wie die Nachtigall Von deinem hochmuht spihlen/ Bezeugend das sie fihlen Mein schweres layd vnd fall: Hoͤr/ wie wir beed sie zwingen/ Mir/ der verzweiflung macht/ Dir/ der grewlichkeit pracht Beklagend/ fuͤrzubringen! O 3 Filo- Weltliche Filodor. SChaw/ Lieb/ wie diser Fluß Mit rauschendem auß guß Die macht der lieb bekennet; Vnd weil er auß lieb brennet Fort rauschet ohn verdruß: Schaw wie sein sanfftes rauschen Vermehrend seine brunst/ Begehrend deine gunst/ Wolt auch gern kuͤß vertauschen. Corydon. SChaw/ Cloris/ wie der Fluß Durch meiner Zeher guß Zunemend/ dir bekennet Das wider dich er brennet Vnd rauschet von verdruß: Schaw wie sein starckes rauschen Versuchend meine brunst Verfluchend deine kunst Wolt gern sein layd vertauschen. Filo- Gedichte. Filodor. SJh/ wie frey dise schaf Von aller forcht vnd straf Ab deiner jugent Mayen Vnd Schoͤnheit sich erfrewen Mehr dan durch wayd vnd schlaf: Hoͤr/ wie die Laͤmblein bloͤcken/ Vnd jauchtzen auß wollust/ Daß deine tritt die blust Vnd blumen hie erwoͤcken. Corydon. SJh/ wie schnell dise schaf Durch deiner Rawheit straf/ Durch deiner anblick troͤwen Sich fliehend selbs zerstroͤwen Von jhrer wayd vnd schlaf: Hoͤr wie die Laͤmblein bloͤcken Vnd klagen auß vnlust/ Weil der schnee deiner brust Vnd deine blick sie schroͤcken. O 4 Filo- Weltliche Filodor. DAmit wir nu die Zeit Nach langem layd vnd streit Mit lieb vnd lust vertreiben; So will ich/ Myrta/ schreiben Die Zeugnus vnsrer beut: All mein layd ist gestorben/ Weil der Lieb suͤssen lohn/ Die suͤsse Myrten Cron/ Jch Filodor erworben. Corydon. WEil Jch nicht mehr die Zeit Nach langem layd vnd streit Verzweiflend kan vertreiben/ So muß Jch/ Cloris/ schreiben Die zeugnuß meiner beut; Dieweil ich nichts erworben Von Euch dan hassz zu lohn/ Bin Jch hie Corydon Auß lieb vnd layd gestorben. Alß- Gedichte. Alßdan der arme Huͤrt/ beschliessend seinen mund/ Sunck mit dem haupt gantz blaich vnd sprachloß zu dem grund; Als Cloris solches sah/wolt sie gar nicht verziehen/ Sondern fieng an davon/ schnell wie ein Reh/ zu fliehen/ So voll zorn/ stoltz vnd hassz/ Als Sie den Filodor Vnd seine Myrt verliessz/ voll lieb vnd lust zuvor/ Vnd voll verwunderung jetz/ vnd als voll des tods zaichen Sie sahen Corydon auß lieb vnd layd verblaichen/ Vnd sterben/ wa sie nicht mit fleiß/ mit trost/ mit macht/ Jn seinen schwachen leib den gaist zu ruck gebracht. O 5 Etliche Weltliche Etliche Sonnet oder Kling geseng von seiner Liebsten. 1. Vorꝛede vnd bitt an Seine Liebste. JCh dicht/ Jch sag/ Jch sing: Ach nein/ Jch seuftz/ schrey/ klag/ Die lieb/ dz layd/ damit mein junges hertz gestrittē/ Verlierend allen trost vnd hofnung mit dem tag/ Verwundet durch vnd durch endlich den tod er- litten. Kein soldat in der schlacht vnd groͤsten niderlag War jemahls/ als mein hertz/ zerhacket vnd zer- schnitten; Vnd bittend vmb quartier kont ich weder vertrag/ Noch meiner feindin gnad erbeutten noch erbitten. O grewliche Schoͤnheit/ die mit ernst oder schertz/ Nach ewerm aignen lust/ den sehlen widerstrebet/ Erkeñet doch wie groß ewer stoltz vñ mein schmertz! O die Jhr/ wan jhr wolt/ den tod/ das leben/ gebet/ Verleyhet das durch Euch/ weil ja durch Euch mein hertz Getoͤdtet/ mein Gesang hingegen werd belebet! Jhrer Gedichte. 2. Jhrer Schoͤnheit wunderliche Wuͤrckung. WEr sein betruͤbtes aug ab aller Goͤtter pracht/ Vnd ab der Natur kunst zu erquicken begehret/ Der kom vnd schaw die sonn/ die mit goͤtlicher macht Mich/ ja die fuͤnstre welt des liebē liechts gewehret. Doch kom Er (seelig) bald: Dan mit zu fruͤher nacht Der tod/ sparend was boͤß/ dz best allzeit beschweret: Vnd dise Goͤttin wirt mit eyfer vnd obacht Der Goͤtter/ als die zierd des himmels/ schon ge- ehret. Ein wunderꝛeiches werck/ da lieblichkeit mit ehr/ Da tugent mit schoͤnheit/ in einem leib vermaͤhlet Soll segnen sein gesicht mit lust/ sein haupt mit lehr; Daß Er gestehen muß/ daß mein gesang weit fehlet/ Jn dem (bestutzet) ich jhr lob nicht gnug vermehr/ Weil mich jhr aug zugleich entsehlet vnd besehlet. 3. Jhr Weltliche 3. Jhr Lob ist vnaußsprechlich. WElchen der Goͤtter schatz/ der Natur beste kunst/ Des himmels koͤstlichkeit allhie zu sehen soͤhnet/ Der segne sein gesicht durch die Schoͤn/ deren gunst Erquicket meinen gaist/ vnd diese welt beschoͤnet. Doch kommet Er nicht bald/ so kom̃et Er vmbsunst/ Dan schon ein jeder Got begihrig nach jhr goͤhnet/ Damit in purer lieb vnd gantz hayliger brunst Er werd mit ehr von jhr/ vnd sie von jhm gekroͤnet. Der tugent suͤsse krafft/ der Lieb vn̄ Schoͤnheit prob/ Mit der holdseeligkeit vnd goͤtlichen geberden Jn eines Engels leib er sehen wird auff erden/ Bekennend/ daß allein des suͤssen Engels lob Von eines Engels mund kan recht gesungen werden/ Vnd daß ohn Sie die welt gantz ellend/ arm/ vnd grob. Sie Gedichte. 4. Sie ist die groͤste Reichtumb. DAs praͤchtigste Kriegs schiff/ dem je das Meer war kund/ Hat keinen mast so hoch/ als hoch ist mein begehrẽ; Kein aͤncker halb so starck vñ beissend in den grũd/ Als meine lieb vñ trew/ die vnauffhoͤrlich wehren. So knuͤpfet auch kein sayl noch leyn ein solchen bund/ Als die zart krause haar/ die meinen gaist be- schweren; Kein wind bließ jemahl auff die seegel stoltz vnd rund Als mich die suͤsse lufft des rohten munds bethoͤrē. Kein Schiffmā hat jemahls in einer schwartzē nacht Ein halb so klares liecht oder gestirn erblicket Als hell seind de augstern/ mein trost vnd Amors pracht: So hat auch noch kein schiff/ nach langer fahrt be- glicket/ Ein Kleinoth so viel wehrt zu vns võ Ost gebracht/ Als dises Kleinoth ist das alle welt erquicket. Sie Weltliche 5. Sie ist gantz lieblich vnd loͤblich. DAs gold des Morenlãds/ wie pur es auch kã sein/ Muß jhres krausen haars koͤstlichem schimmern weichen: Der rohteste Coral/ des schoͤnsten Rubins schein Jst jhres Rosenmunds reichtumb nicht zuver- gleichen: Vnd keine perlein seind so weissz/ so gleich/ so rein/ Als die/ die jhres munds red vnnd geschmoͤll be- reichen: So kan auch die Natur vñ Kunst kein helfenbein/ Das so zart/ glat vnd weissz/ wie jhr leib/ herauß streichen. Kurtz/ meine Nymff Myrt ist ein Kunst-stuͤck der Natur/ Der hertzenbrunst vnd wunsch/ die herꝛscherin der seelen/ Der holdseeligkeit quell/ der lieblichkeit figur/ Der augen suͤsse wayd/ die todte zu besehlen/ Der Schoͤnheit gantze sum/ der Tugenten Richt- schnur; Wie kan ich jm̃er dan/ Sie liebend/ lobend/ fehlen? Venedig Gedichte. 6. Venedig gegen seiner Liebsten verglichen. WJtzloß war die fuͤrwitz/ aufsaͤtzig der fuͤrsatz/ Creutz-geitzig der ehrgeitz/ die mich so sehr be- thoͤret/ Daß eines Fuͤrsten will/ der Schoͤn vnd Liebgesatz Zuwider/ mich gleichwol gehorsamen gelehret. Dan wz seind doch die Brent/ Galleen/ Marxenplatz/ Die statliche pallaͤst/ der schatz so weit vermehret/ Gegen der haaren strom võ purem gold bewehret/ Vnd gegen der Schoͤnheit vnd tugend groͤsserm schatz? Was ist des Hertzogs/ Rahts/ vñ Curtisanen prangē Jn purpur/ scharlach/ gold/ in bestem saal vnnd mahl/ Verglichen mit dem schmuck der lippen vnd der wangen: Was seind die Muͤntz/ Zeughauß/ geschuͤtz vnd Ar- senal/ Gegen dem schoͤnen aug/ dz billich (mein verlangẽ Zustrafen) so weit ab mich toͤdet wie ein strahl? Sie Weltliche 7. Sie ist steinin. WAs kan vns/ Amor/ doch vor jhrem stoltz be- wahren? Vmbsunst seind deine pfeil/ vmbsunst ist mein Vnfall/ Je mehr Jch vnsre schand mit jhrem lob erschall/ Je weniger Sie mich vermeinet zu entfahren. Dem blaichen Agstein gleich ist der strom jhrer haarẽ/ Jhr runde kehl vnd halß ist pur als ein Cristall/ Ein Marber jhre brust/ das waͤrtzlein ein Corall/ Ein alabaster glat die haͤnde offenbahren: Vnd jhre zween augstern seind funckende Saphir/ Ein lachender Rubin auff jhrem mũd prachtieret/ Von hartestem deemant hat Sie ein hertz in jhr. Jst es ein wunder dan/ daß Sie (stoltz) triumfieret/ Amor/ vnd ist so hart stehts gegen dir vnd Mir/ Wan Sie die Natur selbs gantz steinin gefor- mieret? Jhr Gedichte. 8. Jhr Hertz ist gefroren. GLeich wie ein armer mensch/ auß jrꝛdischem ver- stand/ Vermeinet/ horchend zu des Aberglaubens lehren/ Ein schoͤn-gemahltes bild/ als seines gaists hay- land/ Mit bitten/ opfern/ lob vnd anderm dienst zu ehren: Also/ vñ mehr fehl Jch (witzloß) durch mein begehren/ Wan ich fuͤr euch erhoͤb mein hertz/ gesicht vñ hãd/ Wan ich mich darff ab euch beklagen vnnd be- schwehren/ Da schuldig doch allein mein aigner vnverstand. Ja. Goͤttin/ deren gnad mich koͤnt allein erlaben/ Euch klag ich an vmbsunst/ vmbsunst hoff ich den lust/ Daß ewer hertz mit lieb werd meine lieb begaben. Dan/ solt ich/ als ich sah ewrer schnee-weissen brust Bezauberende buͤhl/ nicht (kluͤger) gedacht haben/ Daß vnder solchem schnee ein hertz von eyß sein must? P Von Weltliche 9. Von jhren vberschoͤnen augen. JHr augen/ die jhr mich mit einem blick vnd plitz Scharpf oder suͤß nach lust koͤnt strafen vnd be- lohnen; O liebliches gestirn/ Stern/ deren liecht vnd hitz Kã/ zuͤchtigend den stoltz/ der zuͤchtigen verschonen: Vnd jhr/ der Lieb werckzeug/ kundschaffter vnsrer Witz/ Augbrawen/ ja vilmehr triumfbogen/ nein/ Cronē/ Darunder lieb vnd zucht in vberschoͤnem sitz Mit brauner klarheit schmuck erleuchtet/ leuch- tend wohnen! Wer recht kan ewre form/ farb/ wesen/ wuͤrckung/ krafft/ Der kan der Engeln stand/ schein/ schoͤnheit/ thun vnd gehen/ Der kan der wahren lieb gewalt vñ aygenschafft/ Der Schoͤnheit schoͤnheit selbs/ der seelen frewd vnd flehen/ Vnd der Glickseeligkeit vnd Tugenten freind- schafft/ Jn Euch (der Natur kũst besehend) wol verstehen. Der Gedichte. 10. Der Schoͤnen wunderliche Kunst. DAß auß vndanckbarkeit/ oder auß mißverstand/ Sie mein lob/ lieb vnnd layd als einen schimpf verlachet/ Jst mir nicht wunderbar; Dieweil des himmels hand Sie also raw als schoͤn zu meiner qual gemachet. Vnd daß nach dem verlust/ ohn alles gegenpfand/ Von seiner hofnung traum mein gaist noch nicht aufwachet/ Jst mir kein wunder auch: Dan meines gaists bestand Verliebet sich in dem/ was sein laid verursachet. Das aber ist mir frembd/ daß jhr so schoͤner mund Die/ deren hertzen Sie durch jhre blick versehret So leichtlich lehren kan der hitzigsten lieb grund. Dan alle meine witz mit wunder wirt beschweret/ Wan Sie so schnell vnd wol das was jhr selbs nicht kund/ Was Sie nicht lernen will/ die dolleste koͤpff lehret. P 2 Jhre Weltliche 11. Jhre Schoͤnheit von Rosen vnd Gilgen. JN lieblichem geruch auff frischem gruͤnem thron/ Den tau sent Liebelein (auffwartend) allzeit zieren/ Erhube sich die Roß/ mit l aͤc hlend-suͤssem wohn/ Als blumen-Kayserin froͤlich zu triumfieren. Jn reicher Mayestet/ gleichloß in jhrem wohn/ Mit vnbefloͤcktē pracht ließ sich die Gilg auffuͤhrẽ/ Vermeinend/ demnach jhr allein gebuͤhr die Cron/ Als Koͤnigin das land der blumen zu regieren. Alßbald bewoͤgte sich beeder Princessin schoß Durch eyfer vnd hochmuht/ der offt die Schoͤn- heit quaͤlet/ Sie fangen an den streit/ vnd sparen kein geschoß: Jedoch jhr hassz in lieb (weil Amors raht nicht fehlet) Verkehret/ hat zu letzt zugleich die Gilg vnd Roß Auff ewerm angesicht zu prachtieren/ vermaͤhlet. Vn- Gedichte. 12. Vnendliche Liebs pein. JCh brenn auß lieb vnd lust/ doch kan der brunst verdruß Meines haupts feuchtigkeit vnd thraͤnen nicht verzoͤhren: Jch wein auß lieb vnd layd/ doch kan mein zeher- fluß Meiner brust grossen brunst vnd flammen gar nicht woͤhren. Ja/ vilmehr pfleget stehts meiner brunst vberfluß Den quellen meines layds die nahrũg zu beschoͤrẽ: Ja/ vilmehr pfleget stehts meines layds zeherguß Die flam̃en meiner Lieb zu stoͤrcken vñ zu noͤhren. Jn dem mein weinen nu/ in dem nu meine brunst Einander jhre hilff zu wechslen nicht verneinen/ So leyd ich dise lieb/ vnd lieb das layd vmbsunst. Dan findend in dem fewr/ das ewiglich muß scheinē/ Vnd in dem stehten fluß der zehern keine gunst/ So muß (O schmertz!) mein hertz stehts brennen vnd stehts weinen. P 3 Jhrer Weltliche 13. Jhrer Schoͤnheit vbernatuͤrliche Wuͤrckung. JCh sah/ als jhr gesicht/ der Morgenroͤhtin gleich/ Als jhre zwilling brust/ so weiß als schnee zu sehen/ Vnd jhren glatten hals vil taussent ringlein reich Von jhrem krausen gold vmbgaben/ Sie auff- stehen. Auffstehen sah ich Sie/ so kunstloß als liebreich/ Mit solcher schoͤnheit schatz ohn muͤh/ ohn sorg versehen/ Daß Sie so schoͤn/ so fruͤh/ in der Lieb Koͤnigreich Kont andern vmb mittag gezieret weit vorgehen. Alßbald ich Sie ersah/ O wunder/ schryh ich bald/ Was kan von diser brunst vnd disem band mich freyhen/ Wan goͤtlich Sie an macht/ vñ goͤtlich an gestalt; Vnd wan/ als sie mir wolt jhr angesicht verleyhen/ Je bloser jhre brust/ je staͤrcker jhr gewalt/ Je freyher jhre haar/ je mehr sie mich entfreyhen. Lieb Gedichte. 14. Lieb gegen lieb. DEmnach mich Amor selbs nu mehr ein lange Zeit Gezuͤchtiget/ vnd recht zu kriegen vnderꝛichtet/ Hat endlich sich mein muht/ mein lang-erwuͤnsch- te beut/ Oder den schoͤnsten tod zuerwerben/ verpflichtet. Darumb als in dem feld sich Myrta/ nicht mehr weit Von mir/ forchtloß befand/ vn̄ newe list erdichtet/ Hab/ wie sie wider mich/ ich wider Sie (den streit Anfangend) die geschoß d’ anblick stracks gerichtet. Das treffen war sehr groß. Dan jhrer augen blick Nicht nur wie pfeil vnd plitz/ sondern wie grosse stuͤck/ Zerschmetterten mein hertz/ vorhin voll taussent wunden. Endlich hat meine kunst vn̄ muͤh den weeg gefunden/ Daß/ wie Mein/ so jhr hertz/ numehr mit gleichem glick Verwundet/ sich ergab/ sigreich vnd vberwunden. P 4 Schoͤne Weltliche 15. Schoͤne haar. ODer Lieb liebste garn/ der Schoͤnsten schoͤnste haar/ Wan schertzend in dem lufft jhr schon bandloß vmbflieget/ Befind ich doch alßbald/ daß jhr mein hertz be- trieget/ Vnd daß je freyer jhr/ je groͤsser mein gefahr. O goldfluß blaich vnd reich/ Goldstriemen wahr vnd klar/ Wan euch jhr weisse hand in taussent ringlein bieget/ Befind ich auch alßbald/ daß jhr mein hertz be- krieget/ Vnd je mehr ewre knoͤpff/ je mehr ich strick erfahr. Zwar wie solt dises garn doch meine sehl verdriessen? Jst ein hertz in der welt das disem schatz nicht hold? Wer wolt nicht einen strom von gold gern sehen fliessen? O reiche haar/ zugleich der Freyhet strick vnd sold/ Wie jhr/ als der Lieb strick/ mich pfleget zu be- schliessen/ Also belohnet jhr mich auch mit bestem gold. Schoͤne Gedichte. 16. Schoͤne Haͤnde. GLickseelig bin ich wol/ weil sie mir jhre hand/ Hand vnsers vertrags zeug/ vnd vnsers fridens zaichen/ Auch jhrer gunst vnd lieb vnverwuͤrfliches pfand Numehr/ nach meinem wunsch zu kuͤssen/ will darꝛaichen. O hand/ die du zuvor mein hertz mit taussent straichē Gefoltert/ du bist nu fuͤr meine wund ein band; O hand/ ab deren schnee man mich oft sah ver- blaichen/ Zuvor ein brãd der lieb/ du bist nu mein wolstand. Wan du dan so wol kanst beleben vnd entleiben/ Vnd kanst den Goͤttern selbs der Lieb vnd Ehr gesatz Fuͤrschreibend/ frewd vnd layd mitthailen vnd vertreiben: So schwoͤr ich dir/ O hand/ ich schwoͤr bey disem schmatz/ Du sanfftes helfenbein solt fuͤrhin stehts mein schatz/ Vnd meines lebens hand/ band/ brand/ pfand/ wolstand bleiben. P 5 Schai- Weltliche 17. Schaiden vnd Lieb vnsterblich. MVß es geschaiden sein? Jst dises dan die stund/ Die stund/ ach nein/ die wund/ die vns will haben schaiden? Wie! schaiden muß ich dan? Ach nein/ Jch muß verschaiden/ Dan ja zu groß mein schmertz/ vnd zu tieff meine wund. Zwar nicht mein aigen laid/ sondern/ mein Rosen- mund (Mund/ dessen suͤsse kuͤß mein hertz gantz goͤtlich waiden) Dein seuftzen/ weinen/ klag mich zu dem tod be- schaiden/ Vnd machen deinen tod mir/ meinen tod dir/ kũd. So laß mich nu von dir/ thu du von mir/ empfangen Den letzten letzin-kuß. O suͤsser tod! Ach nein/ O newe lebens-krafft/ die wir zu gleich erlangen! Dan meine sehl in dich/ in mich dein sehlelein (Verwechßlend) haben sich durch disen kuß ver- gangen/ Daß vnser tod vnd lieb nu muß vnsterblich sein. An Gedichte. 18. An eine/ sich alt zu werden beklagende/ Schoͤnheit. NEin. Jhr seit noch nicht alt. So zart/ so schoͤn/ so klar/ Pfleg ich stehts ewer flaisch/ farb vnd aug zuer- fahren/ Dz jhr mir billich jung. frisch/ hurtig/ suͤß ist zwar Der glatten jugend Lieb/ vñ Fruͤling vnsrer jahren. Daß vnser Som̃er auch gantz liebreich sey/ ist wahr; Doch ist die hitz so groß/ daß sein gedranck zu spahren Jhm kaum kan moͤglich sein: Daher er matt vnd bahr Durch der Lieb starcke brunst in taussenten ge- fahren. Wan nu/ weil noch zu jung/ fruchtloß die Fruͤhlings zeit; Der Sommer vil zu heissz: Jst weder zu ver- schweigen/ Noch zu erhoͤbẽ gnug des Herbsts lust-reiche beut. Dan Er ergoͤtzet Vns mit so Lieb-reiffen Feigen/ Mit solcher Wollusts frucht/ daß er ohn allen streit Die ander vbertreff/ jhm gnug an zweyen Zeugen. An Weltliche 19. An eine alte vppige Fraw. WAs dienet deine brunst/ dein muhtwill vnd ver- langen? Dein Som̃er ist dahin/ dein Herbst ist eingebracht/ Dein Winter auff dem halß: vmbsunst ist diser pracht/ Nim doch hinweg den busch/ lassz ab von deinem prangen. Was reich vnd schoͤn vmb dich mag einen geitzhalß fangen/ Wa deines leibs gestaͤud/ wa deiner augen nacht/ Wa deines munds saphir/ vnd deines athems macht/ Deiner brust Corduan/ vñ das gold deiner wangē/ Wa dein von bein vnd haut/ flaischloses angesicht Nicht dein Jch waiß nicht was/ vnd ehr so wol bewahren/ Daß seine Lieb gewiß/ wie dein lob/ ein gedicht. Doch wan er seine lieb/ dir sich zu offenbahren (Meinaydig) schwoͤrẽ solt/ So liebet er doch nicht Wie deines benttels gold das silber deiner haaren. Von Gedichte. Von jhrer Schoͤnheit Wundern- Staͤnde. 1. SEind es haar oder garn das kraußlecht/ reine gold/ Nach dessen purem schatz die Goͤtter ein verlangen? Ach! Es seind zarte haar/ meiner lieb wehrter sold: Nein. Es seind starcke garn/ da sich die sehlē fangen. 2. Ein gestirn oder stirn ist dan das helfenbein/ Darauff sich Mayestet/ weiß heit vnd zucht erfrewet? Es ist ein glatte stirn/ die hofnung meiner pein: Nein. Es ist ein gestirn/ das die freche betroͤwet. 3. Seind es blick oder plitz der schnell vnd helle glantz/ Darab wir vns zugleich entsoͤtzen vnd ergoͤtzen? Ach! Es seind suͤsse blick auß Amors starcker schantz: Nein. Es seind scharpfe plitz/ so die hertzen verloͤtzen. 4. Jst ein brust oder blust der zwirig-boͤbend thron/ Darauff die Charites den Liebelein liebkosen? Es ist ein voͤste brust/ da wohnet all mein wohn: Es ist ein edle blust von erdboͤr-gilg-vnd-rosen. 5. Jst Weltliche 5. Jst ein hand oder band der fuͤnffgezincket ast/ Dessen schneeweisser pracht das aug vnd hertz ver- blindet. Es ist ein zarte hand/ erleuchtend der Lieb last: Es ist ein hartes band/ das die Freyheit verbindet. 6. Wie seelig bin ich doch/ O haar/ stirn/ blick/ brust/ hand/ So koͤstlich/ freindlich/ klar/ anmuhtig vnd beglicket! Daß ich durch solches garn/ gestirn/ plitz/ blust vnd band/ Gefangen bin/ freyh/ wund/ erquicket vnd verstricket! Ode oder Gesang/ Von Vberschoͤnen augen. 1. ODer Lieb wahrer hort vnd port/ Jhr meiner schoͤnen Myrten augen/ Wan anderst ein so schlechtes wort Kan euch zu nennen gnugsam taugen! Zwar augen kan man euch/ weil jhrem angesicht Jhr klare augen seit/ zu sein verlaͤugnen nicht: Doch darff man euch kaum augen nennen/ Weil jhr so schoͤn vnd tugenthafft/ Sondern von wegen ewrer krafft Muß man euch himmelisch bekennen. 2. Zwar Gedichte. 2. Zwar mit so wunderꝛeichem pracht/ Damit sich diese augen zieren/ Kan (es sey gleich tag oder nacht) Der himmel selbs niemahls prachtieren: Wan schon dem himmel gleich jhr haitter glatte stirn Erleuchtet dise welt durch Euch/ als ein gestirn: So ist jedoch in euch vermischet Das braun vnd liecht mit solchem schein/ Daß es ja muß ein wunder sein/ Wie jhrer jedes Vns erfrischet. 3. So darff auch mein warhaffter mund Euch mit der Sonnen nicht vergleichen/ Weil jhr glantz (wie dem Vmbkraiß kund) Muß ewerm glantz vnd wuͤrckung weichen: Vnd zwayer Sonnen schein bedeutet krieg vnd layd/ Da ewer Zwilling liecht erwoͤcket frid vnd frayd; Die Sonn durch jhre brunst beschweret/ Die sie anschawen/ mit verdruß: Da jhr mit suͤssem lusts einguß Durch das gesicht das hertz versehret. 4. Wer sich (glickseelig) kan in Euch Besehen/ wirt reichlich gesegnet/ Dan jhr gantz wunderlich liebreich Sein hertz mit frewden vberꝛegnet. Die strahlen ewers liechts/ vnd ewers anblicks glantz Seind zugleich der Lieb pfeil/ vnd auch der keuschheit schantz; Dan Weltliche Dan Sie mit lieb vnd lust entleben/ Vnd dan mit suͤsser forcht vnd ehr Widrumb belebend/ Vns die lehr/ Den Engeln gleich zu leben/ geben. 5. Daher/ O augen braun vnd klar/ Schwartzlecht vnd hell/ wie plitz vnd dunder; Der Schoͤnheit vnd Lieb wieg vnd bahr/ Der Natur schatz vnd groͤstes wunder/ Gantz vbermenschlich schoͤn muß ich mit layd vnd wohn Bekennen Euch zugleich der Goͤtter straff vnd lohn: Dan jhr koͤnt ja mit ewern blicken (Der Schoͤnheit/ Lieb vnd Tugent sitz) Wie durch geschuͤtz/ hitz/ spitz vnd plitz Das hertz zerstuͤcken vnd erquicken. Ode oder Gesang. Von Schoͤnen Haͤnden. 1. DV bist/ O zart schnee-weisse hand/ Der beste Zeug die lieb zu weben; Du bist der Trew erwuͤnschtes pfand/ Damit man kan vernuͤget leben; Wan auff der Lieb bit oder frag Du wilt zu fridlichem vertrag Stillschweigend deine Zusag geben. 2. Du Gedichte. 2. Du kanst/ O hand/ bald den verdruß Bald das gefallen verursachen; Bezeugend zwayer lieb beschluß Bist du die vrsach daß sie lachen: Gleichwie wan du der buhler schoß Zuruck verstossest hofnung-loß Du sie kanst leichtlich weinen machen. 3. Schnell/ lauffend/ zittrend/ vnd kunstreich/ Kanst du das Jnstrument beruͤhren; Vnd der wolredenheit recht gleich Jn das gehoͤr die hertzen fuͤhren: Vnd mit schneeweissem hellen glantz/ Vnd deiner fingern leichtem dantz/ Den thon/ die stim/ die saitten zieren. 4. Was jmmer vns der Natur gunst Verleyhet/ kanst du bald vergleichen/ Vnd es mit farbenreicher kunst Bald vber kuͤnstlich herauß streichen: Du kanst mit des verstands gesatz/ Vnd der gedancken grossem schatz Getrewlich das papier bereichen. 5. Jn meiner hand (O suͤsser lohn!) Wan du/ O schoͤne hand/ gefangen/ Gedrucket druckest du mit wohn Vnd lust mein hertz/ hand vnd verlangen: Q Ge- Weltliche Gefangen fanget deine Zucht Also/ daß niemahls durch die flucht/ Der dich gefangen/ dir entgangen. 6. Gehalten bist du stoltz vnd frey/ Du vberwindest mich gebunden: Du bist getrew vnd vngetrew Als triumfierend vberwunden: Du pflegest mit vnruh vnd ruh Je sanffter vnd je bloser du/ Je tieffer mein hertz zu verwunden. 7. O zartes/ glattes Helfenbein/ Welches die Rosen etwas faͤrben! O von der Morgen roͤhtin schein Gezierter schnee/ schwer zu erwerben! Auff deiner lieblichkeit bericht Gib Jch dir hiemit meine pflicht Bey dir zu leben vnd zu sterben. Ode Gedichte. Ode oder Gesang. Von seiner Lieb vnd jhrer Rawheit Bestand. 1. AN Schoͤn vnd Rawheit kan man euch/ O Myrta/ keine Nymff vergleichen: An Lieb ist mir auch keiner gleich/ Vnd an Trew will ich keinem weichen: Dan hertzen haben wir von stein/ Wie/ Myrta/ moͤniglich mag sehen/ Jch/ außzustehen solche pein/ Jhr/ meine pein nicht zu verstehen. 2. Dan wir ja laͤngst/ ohn widerstand/ Beed weichend weren vberwunden; Jhr/ Myrt/ von meiner Lieb bestand/ Jch/ von vnzaͤhlich schweren wunden: Also daß die selbs stoͤck vnd stein/ Die zu halßstarrig vns nicht sehen/ Mich/ auß zustehen solche pein/ Euch/ solche pein nicht zu verstehen. 3. Gantz steinin ist gewiß mein hertz Gequaͤlet stehts/ euch stehts zu lieben: Das ewrig auch/ dieweil mein schmertz Euch (gnadloß) gar nicht kan betruͤben: Q 2 Also Weltliche Also muß man vns beede stein/ Ja harte felsen sein/ wol sehen/ Mich wegen grosser lieb vnd pein/ Euch meine pein nicht zu verstehen. 4. Jch hab bestaͤndig meine trew/ Alßbald Jch Euch sah/ Euch geschworen: Bey Euch bestaͤndig stoltz vnd frey/ Jst all mein laid vnd lieb verloren: Daß also ich an trew ein stein/ Vnd jhr an stoltz ein felß zusehen; Jch/ ohn ablaß so schwere pein/ Jhr/ mein laid ohn laid außzustehen. 5. Wan dan/ O felß an haͤrtigkeit/ Mein weinen Euch nicht kan erwaichen: Wan ich felß an bestaͤndigkeit Durch vndanck nicht kan tods verblaichen; So seind wir ja zween harte stein/ Jch/ solche marter außzustehen; Jhr/ ewer macht vnd meine pein Vnd vnsern verlust nicht zu sehen. Die Gedichte. Die Roß. Philodor. KOm/ Myrta/ der Lieb wohn vnd wohnung/ Der Schoͤnheit pracht/ der Tugent Cron/ Vnlangst meiner trew werther wohn/ Jetz meiner wehrten trew belohnung: Kom/ Myrta/ dises fruͤlings ruhm/ Vnd aller blumen schoͤnste blum/ Dich zu mir auff das gruͤn zusoͤtzen; Daß du dich in der blumen zier/ Daß Jch der blumen zier in dir Besehend/ wir Vns beed ergoͤtzen. Myrta. Weil Amor nu allein zu gegen/ Der stehts durch deine augen Mich/ Der stehts durch meine augen Dich Kan allein halten vnd bewoͤgen: So will Jch/ ja so kan ich nicht Wendend mein/ fliehen dein gesicht; Sondern der bluͤmelein zu ehren/ Die als stern dises Element Machen ein blumen-firmament/ Begehr ich dein gesang zu hoͤren. Q 3 Φ. Weltliche Φ. Solt ich zu singen mich bemuͤhen Von andern/ dan den bluͤmelein/ Die vnder deiner augen schein Jn dir frisch/ vnverwelcklich bluͤhen? Die gilg vnd rosen/ die gewiß Ein wahres blumen paradiß Auff deinem leib vns mahlen/ zwingen Mich auch/ der Natur gunst vnd kunst Jn dir betrachtend/ nichts mehr sunst Dan dich der blumen ruhm zu singen. M. Vnnoͤhtig/ Lieb/ ist dein liebkosen/ Weil wir nu vnder einem joch; Wan ich dir dan lieb/ so sing doch Jetzund von diesen suͤssen Rosen: Sing von den Rosen/ edler schatz/ Vnd ich will dich mit einem schmatz (Vnd nicht zuvor) reichlich belohnen: Vnd wie lieb du mir auch/ solt du (Enthaltend deine hand in ruh) Jhn vor zu haben/ mir verschonen. Φ. O Rosen/ die kein frost kan toͤdten/ Durch welche ich widrumb gesund; O Rosen/ die den schoͤnsten mund Vnd wangen/ liebfaͤrblich/ beroͤhten; Euch Gedichte. Euch Rosenmund/ vnd allein Euch Gebuͤhret in der Schoͤnheit Reich Auff der Lieb thron befelch zugeben: Mir aber Euch/ die jhr gleichloß/ Vnd aller Rosen schoͤnste Roß/ Dienstlich gehorsamend zu leben. Wie in dem Himmel/ so auff erden Kan nichts (dan deine herꝛlichkeit) An schoͤnheit vnd an suͤssigkeit Der Rosen gleich gefunden werden: Daher dan/ wan die Fruͤlings zeit Die welt zu der Lieb streit vnd beut Behertzet/ vnd das erdreich zieret/ Erhebet sich die Roß mit wohn/ Allda/ weil Sie der blumen Cron/ Sie vnder allen triumfieret. Die Morgenroͤhtin/ new-geboren/ Der Sonnen kind/ von thraͤnen nassz/ Doch schmollend/ bald durch lieb vnd hassz Von jhr verfolget vnd verloren/ Wan sie sich will mit hoͤchstem pracht Vnd in der newest schoͤnsten tracht Beklaiden/ muß sie alle morgen/ Sich zu beschoͤnen/ zwar ohn scham/ Auß dem lieblichen Rosen-kram All jhre anstreich-faͤrblein borgen. Q 4 Dan Weltliche Dan fruͤh alßbald wir nur erwachen Vnd fuͤr dem jungen Sonnenglantz Die stern vns jhren schein vnd dantz Verbergen/ vnd vnsichtbar machen: Mit lieblichen pomp vnd geruch Gleichsam des Blumen-tags anbruch/ Die Roß/ den Lufft vnd vns ergoͤtzet/ Vnd vns des himmels frische ehr/ Als ob sie himmelisch selbs wer/ Mit wunder fuͤr die augen soͤtzet. Der rohte morgen muß verblaichen (Verliebet) ab der Rosen Zier/ Vnd kuͤssend lasset er auff jhr Der suͤssen kuͤssen feuchte Zaichen: Verbuhlet auch der Lufft vnd Wind/ Durch lieb vn d eyfer taub vnd blind/ Mit jhr offt jhre kuͤssz vermischen/ Vnd (frech) sich selbs vnd andre auch Mit jhrem gleichsam suͤssen rauch Zu mahl erfrewen vnd erfrischen. Alßbald entknoͤpfend Sie auffstehet Auß jhrem laͤger gruͤn vnd new/ Alßbald Sie jmmer frisch vnd frey Als eine kleine Sonn auffgehet: Da sihet man sie bald von zorn (Beschuͤtzet zwar von manchem dorn So Gedichte. So jhre quardy wol zu nennen) Warnemend daß jhr/ wie dem gold Schier jederman gefaͤhrlich hold/ Schamroht vnd zuͤchtig gleichsam brennen. Jn jhrem vrsprung war vorzeitten Die Roß so weissz/ daß mit jhr kaum Des schnellen wassers frischer schaum Noch auch des Morgens frost koͤnt streitten; Noch koͤnt des silbers purer schein/ Der Milchrohn/ noch das helfenbein/ Bey jhrer weissin wol bestehen: Ja/ weisser war die suͤsse Roß Dan auff der kalten erden schoß Der new-gefalne schnee zu sehen. Als aber Venus hie auff erden Durch jhrer schoͤnheit gegenwart/ Mit jhren bruͤstlein zart vnd hart/ Mit hertz-entzuͤndenden geberden/ Mit seel-ergruͤndend suͤsser gunst/ Mit gaist-verblindend gailer kunst/ Mit kuͤssen Nectar-gleich befeuchtet/ Mit jhrer augen liebem glantz/ Mit froͤlich-muͤdend-jungem dantz Das volck bereichet vnd erleuchtet: Q 5 Da Weltliche Da sah man sich die menschen naigen/ Vnd (lieb zu sein) auff alle weiß Sich freindlich/ hoͤflich/ sitsam/ weyß/ Auch wacker/ statlich/ kuͤhn erzaigen: Bald sah man dise fro auß lieb/ Vnd durch lieb jene kranck vnd truͤeb; Die eine sah man/ jhre schmertzen Beklagend/ ohn trost/ hofnung/ hail: Vnd andre frisch/ kurtzweilig/ gail/ Sich hertzend/ mit einander schertzen. Die Goͤttin selbs/ sich zuergoͤtzen/ Zog mit Adonis/ der jhr hertz/ Jhr kurtzweil/ wollust/ schimpff vnd schertz/ Hinauß zu jagen vnd zu hoͤtzen: Ohn schew/ damit Sie jhre brunst Moͤcht daͤmpfen durch des Jaͤgers gunst/ Sah man Sie netz vnd garn auffstoͤllen/ Nicht wegen eines thiers gewin/ Sondern vilmehr begihrig jhn Darnach in jhre arm zu foͤllen. Einmahl/ als Sie jhm nach zu lauffen Zu hitzig vnd vnachtsam war/ Vnd ließ die hoͤcken jhre haar/ Die stauden das gewand hinrauffen; Daher ein jedes laub/ graß/ kraut/ Ast vnd gewaͤchs/ jhr schoͤne haut Zu Gedichte. Zu kuͤssen/ gleichsam ein verlangen: Da doͤrft sich auch ein Rosenstock Sich wagen vnder jhren rock/ Vnd sie zu fangen vnderfangen. Alßbald sich da die Roß ergoͤtzet Beruͤhrend jhren weissern fuß/ So bald mit beeder seits verdruß Ein dorn jhr zartes fleisch verloͤtzet: Die Goͤttin zugleich blaich vnd wund/ Vnd roht die Roß wurd zu der stund; Die Rosen vnd der Goͤttin wangen/ Schamroht ab jhrem Rosen-blut/ Zu mahl mit newem pracht vnd gut Bald wider mit einander prangen. Dan Venus war bald wol vernuͤget/ Vnd achtet wenig jhrer pein/ Als jhres bluts schamrother schein Sich lieblich auff die Roß verfuͤget: Vnd daß man der Roß suͤssigkeit/ Durch jhr goͤtliche lieblichkeit Vermehret/ moͤchte hoͤher schaͤtzen/ Verlyh sie jhr der Schoͤnheit krafft/ Des edlen geruchs aygenschafft Mit hundert taussent suͤssen schmaͤtzen. Dich Weltliche Dich (sprechend) will ich nu bestoͤllen Als meine blum/ der erden ehr/ Mit dir soll sich die Schoͤnheit mehr Dan sunst mit keiner blum gesoͤllen: Du bist fuͤrhin der blumen Cron/ Vnd der Liebhaber erster lohn/ Die groͤste zier in einem garten/ Mit dir die Schoͤnheit zieret sich/ Vnd du/ wie die Schoͤnheit auff dich/ Solt auff die Schoͤnheit allzeit warten. Der Nymfen suͤsser mund vnd wangen Vnd jhre glaich/ an schoͤnheit reich/ Die sollen sein den Rosen gleich/ Ja sollen mit den Rosen prangen: Losieren sie dan auff die brust Dich/ suͤsse Roß/ solt du den lust Durch eines Buhlers augen baitzen; Vnd bald mit deinem falschen brand Sein schnoͤd-gekuͤtzlet-gaile hand Zu einem falschen griff anraitzen. Der gleichen wuͤrckung solt du haben/ Wan eine Nymff dich auff jhr haar Solt stoͤcken: dan du solt/ wie klar Auch solches gold/ das aug erlaben: Ein zarte hand/ ein gruͤner krantz Soll deine suͤssigkeit vnd glantz/ Wie Gedichte. Wie du die jhrige/ vermehren: Ja/ moͤniglich/ alt/ jung/ klein/ groß/ Gesund vnd kranck/ soll dich/ O Roß/ Stehts lieben/ loben/ vnd begehren. Myrta. Mein Schatz/ der mich/ den ich erkoren/ Wie schnell doch hat sich dein gesang Der Rosen frischheit/ vnd der gang Dieses so schoͤnen tags verlohren? Ein end hat dein lied vnd der tag/ Die Roß ist welck. Wie kan/ wie mag Sich ruͤhmen doch der Mensch bedencklich? Wan seine kunst/ wollust/ lob/ ruhm/ Vnd Schoͤnheit/ wie ein zarte blum/ Nicht wehrhafft/ sondern schnell zergaͤnglich? Philodor. Wan dan die jahr/ die tag/ die stunden/ Wan alle menschen/ alle ding/ Wie jmmer koͤstlich vnd gering/ Von der zeit werden vberwunden: Wan vnser leben/ frewd vnd glick/ So leicht in einem augenblick Kan aͤndern/ oder muß verfliessen: Warumb/ mein edles hertz vnd seel/ Solt ich ohn allen weittern fehl Nicht deiner Rosen bald geniessen? Ode. Weltliche Ode. Der Mensch betruͤb sich oder lach/ Er ist stehts eytel/ schlecht vnd schwach. OJhr krumme/ schlimme sehlen/ Wolt jhr euch Laster-reich Nu mit dieser welt vermaͤhlen? Bochet nicht auff ewre stoͤll/ Dan die welt nur eine Hoͤll/ Euch zu martern vnd zu quaͤlen. Wollet jhr ein weil nu leben Nach gebuͤhr/ So solt jhr Alß bald nach dem himmel streben: Jst der himmel euch nicht lieb/ So seit jhr nicht wehrt/ jhr dieb/ Daß er euch sein liecht gegeben. Lasset euch zu hertzen gehen Was fuͤr frayd/ Was fuͤr layd Jmmer in der welt zusehen: Kan ein mensch auff disem Meer Jn so vieler vbeln heer Sicher vnd forchtloß bestehen! Biß Gedichte. Biß in das grab von der wiegen Muß alhie Vnder muͤh Vnd ellend der mensch sich biegen: Dan anfechtung/ Creutz vnd noht Jhn biß in den bittern tod Stehts verfolgen vnd bekriegen. Auch ist sein geburth so klaͤglich Daß die plag/ Mit dem tag Gleich anfangend/ kaum ertraͤglich: Seine schwachheit vnd der schmertz/ Toͤdtend seiner Mutter hertz/ Seind empfindlich vnd vnsaͤglich. Wan durch schmertzen tieff empfunden Er voll pein Schwach vnd klein Die geburth nu vberwunden: Wirt Er seinem stand gemaͤß/ Als ein vbelthaͤter boͤß Eingewicklet vnd gebunden. Wie offt muß/ jhn zugeschwaigen/ Jhm mit fug Ohn verzug Seine Saͤugam hilff erzaigen; Vnd den saͤugling von dem wust Reinigend/ mit bloser brust Jn der groͤsten kaͤltin saͤugen. Ne- Weltliche Nemend jhn bald auff bald nider/ Sunst hilffloß/ Auff der schoß Wieget sie jhn hin vnd wider: Biß Er/ weil jhr sorg vnd muͤh Reibet seine bein vnd knuͤe/ Stoͤrcket seine schwache glider. Fanget Er dan an zugehen/ Auch die sprach Nach vnd nach (Bloͤd vnd lisplend) zuverstehen: Jst sein gang vnd seine bitt Halbe wort vnd halbe tritt/ Schwach zu reden/ schwach zu stehen. Seine kraͤfften mit den jahren/ Seine witz/ Seine hitz/ Seine arbeit/ muͤh/ gefahren/ Nemen mit einander zu/ Allein nimmet ab die ruh/ Nichts kan jhn fuͤr layd bewahren. Alßbald seine tag nu bluͤhen Kan sein muht Sich der wuht Seiner jugent nicht entziehen; Groß ist dan sein vnbestand/ Vnd er felt in dise schand Wan er will von jener fliehen. Spih- Gedichte. Spihlend mag Er sich wol vben Weil Er noch Ohn ein joch; Aber jhn mehr zu betrieben Reuttet jhm auff einmahl auff Aller lastern grosser hauff Biß daß er sich muß verlieben. Alßdan vnder Amors wafen Taub vnd blind Wie ein kind Koͤnden jhn zway augen strafen: Hofnung/ trost/ wollust/ genuß/ Forcht/ verzweyflung/ zorn/ verdruß/ Wollen jhn nicht lassen schlafen. Kan er dises vberwinden/ Findet Er Noch vil mehr Truͤbsal vnd vnglick dahinden: Ehrgeitz/ geltgeitz/ vbermuht/ Hader/ haͤndel/ zanck vnd wuht Wollen jhn zu schinden binden. Kommet Er dan fortgegangen Daß das glick Vnd die strick Aller laster jhn nicht fangen: Wirt Er auß der jugent saal Jn der alten leut spital Schlim vnd liederlich empfangen. R Dan Weltliche Dan da kommen auffgezogen Kalte Fluͤssz Fuͤr die kuͤssz Die jhn vnlangst jung betrogen: Zittrend werden haͤnd vnd fuͤß/ Das gicht/ zipperlin vnd gruͤß Machen jhn krumb vnd gebogen. Vnd wan schon das Alter ehrlich/ Jst die ehr Jhm doch schwer/ Weil jhm alles gantz beschwerlich: Seine zaͤhn nu fallen auß/ Haupt vnd hertz voll schnee vnd grauß Mahlen alle ding gefoͤhrlich. Ach wie langsam Er nu schreittet/ Weil die buß Auff dem fuß Folgend allzeit jhn bestreittet: Alle hofnung ist dahin/ Ach vnd weh ist sein gewihn/ Biß daß jhn der Tod erbeuttet. Wa/ wie/ wan er auch mag leben Jung vnd alt/ Warm vnd kalt/ Jhn die kranckheiten vmbgeben: Schwachheit/ sorgen/ falsche freind/ Luͤgen/ neyd/ verleumbdung/ feind/ Jhm verdruͤßlich wider-streben. Wie Gedichte. Wie ein vogel durch sein fliegen Wie ein pfeyl Jn der eyl Leichtlich kan das aug betruͤegen: So schnell ist des menschen haab/ Vnd sein schrit zu seinem graab Jst nicht weit von seiner wiegen. Endlich muß er sein vermoͤgen Als den raub Jn den staub Mit dem coͤrper niderloͤgen: Also endet nu das spihl/ Daß weder luͤtzel noch vihl Kan jhn/ kan er nu bewoͤgen. Wan man dan nicht kan verneinen Daß allhie Taussent muͤh Wider vns sich stehts aufleynen: Solten wir von hertzen grund Vnser ellend alle stund Nicht beklagen/ vnd beweinen? Kan vns aber nichts klug machen/ Sondern wir Ohn gebihr Wollen lachen diser sachen: Ach! so lachet reich vnd arm/ Lachet/ daß es Got erbarm/ Ewers ellends selbs zu lachen! R 2 Ode. Weltliche Ode. Wie die Soldaten man vorzeiten Laut mit dem mund: So Sie jetzund Ermahnet der Poët zu streitten. FRisch auff/ jhr dapfere Soldaten/ Jhr/ die jhr noch mit Teutschem blut/ Jhr/ die jhr noch mit fruͤhem muht Belebet/ suchet grosse thaten! Jhr Landsleut/ jhr Landsknecht frisch auff/ Das Land/ die Freyheit sich verlieret/ Wa jhr nicht muhtig schlaget drauff/ Vnd vberwindend triumfieret. Der ist ein Teutscher wolgeboren/ Der von betrug vnd falschheit frey/ Hat weder redlichkeit noch trew/ Noch glauben/ noch freyheit verlohren: Der ist ein teutscher ehren wehrt/ Der wacker/ hertzhafft/ vnverzaget/ Fuͤr die Freyheit mit seinem schwert Jn die groͤste gefahr sich waget. Dan wan jhn schon die feind verwunden/ Vnd nemen jhm das leben hin/ Jst doch ruhm vnd ehr sein gewin/ Vnd Er ist gar nicht vberwunden: Ein Gedichte. Ein solcher tod ist jhm nicht schwer/ Weil sein gewissen jhn versuͤsset; Vnd Er erwirbet lob vnd ehr/ Jn dem er sein blut so vergiesset. Sein Nahm vnd ruhm allzeit erklingen Jn allem land/ in jedem mund: Sein leben durch den tod wird kund/ Weil sein lob die Nachkoͤmling singen: Die edle freyheit ist die frucht/ Die er dem Vatterland verlasset; Da der hertzloß durch seine flucht Wirt gantz verachtet vnd gehasset. Also zu leben vnd zu sterben Gilt dem redlichen Teutschen gleich: Der Tod vnd Sig seind schoͤn vnd reich/ Durch beed kan er sein hayl erwerben: Hingegen fliehen allen danck Die fluͤchtige vnd der verꝛaͤhter/ Vnd jhnen folget ein gestanck/ Weil sie verfluchte vbelthaͤter. Wolan derhalb/ jhr wehrte Teutschen/ Mit Teutscher faust/ mit kuͤhnem muht/ Daͤmpfet nu der Tyrannen wuht/ Zu brechet jhr joch/ band vnd beutschen: Vnuͤberwindlich ruͤhmet sie Jhr titul/ torheit vnd stoltzieren: Aber jhr Heer mit schlechter muͤh Mag (vberwindlich) bald verlieren. R 3 Ha! Weltliche Ha! fallet in sie: jhre fahnen Zittern auß forcht: Sie trennen sich/ Jhr boͤse sach helt nicht den stich/ Drumb zu der flucht sie sich schon mahnen: Groß ist jhr heer; Klein ist jhr glaub/ Gut ist jhr Zeug/ boͤß jhr gewissen: Frisch auff/ sie zittern wie das laub/ Vnd weren schon gern außgerissen. Ha! schlaget auff Sie/ Liebe bruͤder/ Jst die muͤh groß/ so ist nicht schlecht Der sig vnd beut: vnd wol vnd recht Zuthun/ seind sie dan jhr viel muͤder: So straff/ O Teutsches hertz vnd hand/ Nu die Tyrannen/ vnd die boͤsen; Die Freyheit vnd das Vatterland Must du auff dise weiß erloͤsen. Ode. Gedichte. Ode. Horatianisch. Eheu fugaces. \&c, WJe vnverhinderlich ein Jahr Schnell nach dem andern dahin fliehet! Wie vnempfindlich vnser haar Sich graw zu faͤrben nicht verziehet! Vmbsunst die Frombkeit selbs/ die stirn Von ruͤntzeln/ vnd von sorg das hirn Zu freyhen sich bemuͤhet. Lauff alle tag der Kirchen zu/ Vnd dien dem/ der allein Allmaͤchtig; Vnd ohn erquickung/ nahrung/ ruh/ Erweiß dich tag vnd nacht andaͤchtig Vnd Christlich: So wirt endlich doch Das vnvermeidenliche Joch Des Tods auch durch dich praͤchtig. Die suͤnd/ die alle menschen gleich Gemachet/ machet sie fortgehen/ Vnd lasset weder arm noch reich Sich laͤnger spreissen vnd stillstehen: Ein Juncker/ Herꝛ/ Graff vnd Monarch Wirt wie ein baur mit einem sarch Vnd einem grab versehen. R 4 Vmb- Weltliche Vmbsunst der forchtsam fuͤr ein weil Dem Meer/ dem Krieg/ der Pest entfliehet/ Dan ja der Tod/ der dan in eyl/ Dan langsam ist/ nicht lang verziehet: Gleich ist jhm der klein vnd der groß/ Vnd der gewafnet vnd der bloß/ Der welck/ vnd der noch bluͤhet. Vmbsunst sich setzet vngedult Forcht vnd geheul dem Tod entgegen: Es muß ein jeder dise schuld Auff die bestimpte zeit abloͤgen: Nichts kan den Tod/ vnser geschlecht (Von staub vnd aschen ein gemaͤcht) Zu sparen je bewoͤgen. Da muͤssen wir dan alles gut So wir begehret vnd erfassen/ Was vns mit hochmuht vnd vnmuht Jemahls zu lieben vnd zu hassen Beliebet/ mit dem lieben leib/ Hauß/ hoff/ spil/ kurtzweil/ kinder/ weib/ Vnd freind dahinden lassen. Hat einer (nichts mehr dan gestanck) Verlassend alles dan beschlossen/ Erfolget dafuͤr schlechter danck Vermischet mit spot/ schmach vnd bossen; Wan Er erꝛungen vil alhie Fuͤr andre leut mit sorg vnd muͤh/ Vnd (Narꝛ) selbs nicht genossen. Ode. Gedichte. Ode. Anacreontisch. DJe Natur hat ein jedes thier Mit sonderbarer gaab vnd zier Sorgfaͤltiglich so wol veꝛsehen/ Daß jhrer jedes mag (billich Vernuͤget) dessen ruͤhmen sich/ Vnd neben andern wol bestehen. Ein horn dem Einhorn auff das hirn Dem Stier zwey hoͤrner auff die stirn/ Dem Hirsch ein geweyh ist gesoͤtzet: Die Voͤgel hat sie durch den flug/ Vnd die Fuͤchs mit list vnd betrug Zu jhrer sicherheit ergoͤtzet. Der Fisch kan schwimmen/ vnd das Pferd Jst wegen guten hufs mehr wehrt/ Die Loͤwen haben zaͤhn vnd klawen; Das lauffen ist der Hasen pfand/ Der Man hat goͤtlichen verstand; Was haben dan die zarte Frawen? R 5 Die Weltliche Die Frawen seind mit der Lieb pracht/ Vnd mit der Schoͤnheit hoͤchsten macht So vnvermeydenlich gezieret/ Daß jhr holdseelige gestalt Allein regierend/ ohn gewalt Vber die hertzen triumfieret. Ode. Oder Drincklied. Anacreontisch. WEr ist doch jmmer so geschossen/ Daß ab dem lieben rebensafft (Der vnsers hertzens trost vnd krafft) Er vnwuͤrsch sein solt vnd verdrossen? Dan was kan doch ohn drincken wehren? Vnd ist nicht vnder dem gedranck Der Wein das best/ mit lob vnd danck Vor allem/ was nassz/ hoch zu ehren? Besehet doch (freind) wan es regnet Wie durch den starcken regenguß/ Bißweilen auch durch einen fluß Das erdreich sich vollsauffend segnet? Die Gedichte. Die Kraͤuter vnd gewaͤchß der erden/ Ja alle baͤume klein vnd groß/ Verschmachten trostloß vnd fruchtloß/ Wan sie nicht oft bezechet werden. Den durst die thier vnd voͤgel stillen Nach lust mit wollust: vnd die Fisch Die suchen stehts was nassz vnd frisch/ Damit (begihrig) sie sich fillen. Das Meer will auch den rausch nicht fliehen/ Sondern es pfleget ohn ablaß Brait tieffe fluͤssz vnd baͤch ohn maß Garaussend in den wanst zu ziehen. Jst es dan durch den drunck getroffen/ So fahet es ein wesen an/ Als ob es auch wolt jederman Ersaͤuffen/ weil es selbs besoffen. Vnd warumb fallen offt zuhauffen Die tobend-krausend-lautte wind? Weil sie/ zu bausen sehr geschwind/ Das Meer gern wolten gar außsauffen. Jn dem Meer vnd in allen Bronnen Die Sonn selbs loͤschet jhren durst; Vnd der Mohn wer schon ein Bratwurst/ Wan Er nicht voll wuͤrd von der Sonnen. Drumb Weltliche Drumb soll Vns fuͤrhin niemand woͤhren (Wan nichts will vnbesoffen sein) Auch miteinander bey dem Wein Frolockend tag vnd nacht zu zoͤren. Dan wer vnwuͤrsch ist vnd verdrossen Ab disem guten Rebensafft/ Der vnsers hertzens trost vnd krafft/ Der ist/ zwar nuͤchtern/ doch geschossen. Ode. Drunckenheit. Koͤnt jhr mich dan sunst gar nichts fragen/ Jhr Herꝛen/ meine gute Freind? Dan was ich euch koͤnd newes sagen/ Wie starck vnd wa jetzund der Feind? Jch bit (doch wollet mir verzeyhen) Mit fragen nicht zu fahren fort/ Dan sunsten will ich euch verleyhen Kein einig wort. Jch red nicht gern von schmaͤhen/ troͤwen Von raub/ brunst/ krieg/ vnglick vnd noht/ Sondern allein/ Vns zuerfrewen/ Von gutem wildbret/ wein vnd brot. Den Man der wein mit lieb entzuͤndet/ Vnd das brot staͤrcket jhm den leib Daß Er das wildbret besser findet Bey seinem Weib. So Gedichte. So lang zu reden/ lesen/ hoͤren/ Vnd mit dem haupt/ hut/ knuͤ/ fuß/ hand Gesanten/ Herꝛen/ Koͤnig ehren/ So lang zu sprachen an der wand; So lang zuschreiben vnd zu reden Von Gabor/ Tilly/ Wallenstein/ Von Franckreich/ Welschland/ Dennmarck/ Schweden/ Jst eine pein. Darumb fort/ fort mit solchem trawren/ Daß man alßbald bedoͤck den tisch/ Vnd keiner laß die muͤh sich dawren/ Wan wein/ brot/ flaisch vnd alles frisch; Der erst bey tisch soll der erst drincken/ So/ Herꝛen/ wie behend? wolan/ Schenck voll/ die Fraw thut dir nicht wincken/ Nu fang ich an. Ho! Toman/ Lamy/ Sering/ Rumler/ Es gilt euch diser muß herumb/ Jch waissz/ jhr seit all gute Tumler/ Vnd liebet nicht was quad vnd krumb/ Dan nur das/ so man kaum kan manglen/ Die weiber wissen auch wol was Gedenckend alßbald an das anglen/ Auß ist mein glaß. Nim Weltliche Nim weg von meinem Ohr die Feder/ Gib mir dafuͤr ein Messer her; Ho/ Schweitzer/ kotz Kreutz/ zeuch von leder/ Vnd Schwaitzer gleich streb nu nach ehr: Wolan/ jhr dapfere soldaten/ Mit vnverzagtem frischem muht/ Waget zu newen/ freyen thaten Nu flaisch vnd blut. Feind haben wir gnug zu bestreitten Jn dem Vortrab vnd dem Nachtrab/ Nu greiffet an auff allen seitten/ Vnd schneidet koͤpff vnd schenckel ab: Jn dem sich straich/ schnit/ bissz vermischen/ Vnd der Nachtrab mag hitzig sein/ So ruff ich stehts euch zu erfrischen/ Ho! schenck vns ein. Sih/ wie mit brechen/ schneiden/ beissen/ Dem lieben Feind wir machen grauß! Laß mich das Spanfaͤhrlein zerꝛeissen/ Stich dem Kalbskopff die angen auß: So/ so/ wirff damit an die Frawen/ Die wan sie schon so suͤß vnd milt Doch koͤnden hawen vnd auch klawen; Es gilt/ es gilt. Wan Gedichte. Wan die soldaten vor Roschellen/ Wan die soldaten vor Stralsun d/ Die Mawren koͤnten so wol faͤllen/ Wie hertzhafft wir in diser stund Nu stuͤrmen waͤllen die Pasteyen/ Jch sag die starck wildbret pastet/ So wuͤrden sich nicht lang mehr freyhen Die beede Staͤt. Frisch auff/ wer ist der beste treffer? Ha/ ha/ frisch her! ho/ ich bin wund/ Das pulver ist von saltz vnd pfeffer/ Ho! die brunst ist in meinem mund: Doch sih/ es hat euch auch getroffen; Zu loͤschen muß es nicht mehr sein Gedruncken/ sondern starck gesoffen/ So schenck nur ein. Durch disen becher seind wir Siger; So sauff herumb knap/ munder/ doll/ Drinck aus/ es gilt der alten Schwiger/ Jch bin schon mehr dan halb/ gar/ voll: Darumb so lassz den Kaͤß herbringen; Kom kuͤssz/ so kuͤß mich artlich/ so; Laß vns ein lied zusamen singen/ Hem hoscha ho! Die Weltliche Die Schwaͤblein/ die so gar gern schwaͤtzen Jn Thuͤringen dem dollen land/ Frassen ein Rad fuͤr eine bretzen Mit einem Kaͤß auß Schweitzerland: Jn vnsrer hipschen Frawen namen/ Schwab/ Schweitzer/ Thuͤringer/ Frantzoß/ So singet froͤlich nu zu samen/ Kom kuͤß mich Roß. O daß die Schweitzer mit den laͤtzen/ Die Schwaben mit dem Leberlein Die Welschen mit den frischen Metzen Die Thuͤringer mit bier vnd wein Jn jhrer hipschen Frawen namen Ein jeder froͤlich/ frisch herumb Sing/ spring vnd drinck: vnd allzusamen/ Kuͤssz mich widrumb. Nu schenck vns ein den grossen becher/ Schenck voll/ So/ ho! Jhr liebe freind/ Ein jeder guter Zecher/ Stecher/ So offt als vil Buchstaben seind Jn seines lieben Stechblats namen Hie disen gantz abdrincken soll/ Jch neunmahl/ rechnet jhr zusamen/ Es gilt gantz voll. Wol/ Gedichte. Wol/ hat ein jeder abgedruncken/ Drey/ fuͤnff/ sechs/ sieben/ zehen mahl? Jst dises kaͤß/ fisch oder schuncken? Jst dises pferd graw oder fahl/ Darauff ich schwitz? gib her die flaschen/ Es gilt Herꝛ Grey/ Herꝛ Gro/ Gro/ groll/ So. dise waͤsch wirt wol gewaschen/ Seit jhr all doll? Ho/ seind das Reutter oder Muͤcken? Buff/ buff/ es ist ein hafenkaͤß: Zu zucken/ schmucken/ schlucken/ drucken/ Warumb ist doch der A. das gsaͤß? Pfuy dich/ kiß mich/ thust du da schmoͤcken? Wer zornig ist der ist ein Lump/ Hey ho/ das ding die Zaͤhn thut bloͤcken Bumb bidi bump. Ha/ duck den kopff/ scheiß/ beiß/ Meerwunder. Nu brauset/ sauset laut das Meer; Ein regen/ hagel/ blitz vnd dunder/ Hey/ von Hayschrecken ein Kriegsheer; Ho! schlag den Elefanten nider/ Es ist ein storck/ ha nein/ ein lauß/ Glick zu/ gut nacht/ kom kuͤssz mich wider/ Das liecht ist auß. S Alß- Weltliche Alß dan vergessend mehr zu trincken Sah man die Vier/ wie fromme schaf Zu grund vnd auff die baͤncke sincken/ Beschliessend jhre frewd mit schlaf: Vnd in dem Sie die zeit vertriben/ Hat disen seiner Freinden Chor Alsbald auff dise weiß beschriben Jhr Filodor. Ode. Oder Paranesisch/ Bacchisch vnd Saty- risches Gemuͤß. WEil nu der lufft gantz vngestim Mit schnee vnd regen sich vermischet/ Vnd nu der wind mit nichten stum Das erdreich gleichsam saiffend waschet: So lasset Vns auch/ Liebe Freind (Was sprachen wir auch jmmer reden) Den tisch bedoͤcken zu der stund Mit flaschen/ schuncken/ Kaͤß vnd Fladen. Bring Gedichte. Bring her die glaͤser/ vnd schenck ein/ Wem kan zutrincken doch miß fallen? Der Wein hat gleichsam den rock an/ Alsbald wir jhn in ein glaß fillen: Jedoch das rein Cristallin glaß Des weins leib/ nicht die farb/ bedoͤcket/ Also (O wunder vber groß) Den wein vnd vnser aug erquicket. Dan er kaum ruͤnnet auß dem loch Der schwangern Kanten oder Flaschen/ Daß wie er schmollet Jch auch lach Begehrend mich bald zu erfrischen: Halt Jch jhn dan in meiner hand Daß auß dem glaß er werd gefreyet/ Merck Jch daß er mein hertz vnd mund/ Eh daß Jch jhn versuch/ erfrewet. Darumb wer doppeltes gut will Anschawen/ riechen/ schmoͤcken/ spiren/ Der muß nu einen becher voll Des edlen rebensaffts nicht sparen: So nem ein jeder sein geschuͤtz/ Vnd eh wir es zugleich hinrichten/ Muß er mit mir den reichen schatz Zu loben/ singend nicht verachten. S 2 Die- Weltliche Dieweil nu dises ein Rhein-wein/ Oder dem Rheinwein zuvergleichen; So schenck jhn in den becher ein/ Jhn mit gold noch mehr zu bereichen: Er ist klar/ lieblich/ frisch vnd reich/ Darumb muß er herumb passieren: Jhr Herꝛen disen bring Jch euch/ Daß keiner moͤg die zeit verlieren. Jst jener roht wein ein Frantzoß/ So thut er wol zu vns zu kommen: Er laͤchlet wie ein rohte Roß/ Vnd wirt von Vns gern angenommen: Jch hoͤr nicht mehr des winds getoͤß/ Sydher wir mit dem wein parlieren/ Beuvons. Messieurs, a vos santez, So lasset vns all garaussieren. Ho! wein her/ den vns das Welschland Ohn des Bapsts sig vnd segen sendet/ Ein schalen voll in meiner hand Davon/ wirt bald wol angewendet: Die farb ist angenehm Jch sih/ Vnd sein geruch thut excellieren: Signori, facciam brindisi, Er kan nicht dan euch aggradieren. Ein Gedichte. Ein ander Welschland weiß ich noch/ Da man auch zechend froͤlich lebet Mit Brot vnd Kaͤß/ vnd ohn den Koch (Schier Schweitzer gleich) nach ehren strebet: Raich her das volle Kraͤußlein da/ Es gilt den Herꝛen vnd den Frawen: M’y fato chwi ( Ho !) miy fa, So das ist artlich gnewch in llawen. Jst Engelland schon ohn Weinwachs/ Hat man doch gute wein darinnen/ Vnd mancher drincket als ein Sachs/ Wan er die schlacht gern wolt gewinnen: Drinck mir ein glaß des besten zu/ Mit welchem die Jusuln prachtieren: Then lett us drink, J’le drink to you, Kan ein wein disen surpassieren? Die Nider-Teutsche frische Fisch/ Die gern lang hinder dem tisch sitzen/ Lieben den wein der starck vnd frisch/ Vnd zechen gern biß daß sie schwitzen: So gib auch jhretwegen nu Den grossen Kelch damit zu zehren: Myn Heeren, ho, ick brengh het u, So. dises haisset recht laveeren. S 3 Seit Weltliche Seit jhr den Spaniern hie feind/ So langsamb jhrer zugedencken? Seind sie doch aller Laͤnder freind/ Wan sie den wein schon nicht verschencken: Gib jhres weins das glaͤßlein da Damit Jch besser moͤg hablieren/ A su salud, O, alla va, Wer will mag emborraciarsieren. Jn Jrland war ich auch einmahl/ Vnd sah dort manche ding verwirꝛen/ Doch wissend wol die rechte wahl Ließ ich mich billich nicht verjrꝛen: Schenck ein ein wenig Vsquebagh Jn Jrland vberall geliebet: Sho fed tuorim; den go sugagh, So/ dises haisset wol geuͤbet. Hoͤr ich nicht Fratzen/ den Dickkopff/ Der/ witzloß/ jederman will lehren? Vnd welcher/ ein recht grober Knopff/ Ohn sich selbs niemand sunst will ehren? Es gilt hie sechs/ in einem suff/ Herꝛ Fratz/ jhr muͤsset das auß sauffen/ Es gilt/ Fratz/ Curly/ Murly/ Buff/ Biß alle fallen vbern hauffen. Jch Gedichte. Jch glaub/ jhr liebe Domini, Daß jhr das Latein gar verschworen/ Vnd auch das Griechisch/ alß ich sih/ Jst nu verachtet vnd verloren: Doch weil ein Christliches Raͤuschlein Nicht kan ( ut credo ) offendieren: Bring ich euch/ Monsier, das glaͤßlein/ Vnd wolt euch jetzt nicht gern turbieren. Ho! Herꝛ Fratz/ was bedeuten doch Schmorotzer/ Blacken vnd Bachanten/ Die so verhasset von dem Koch/ Als Schulfuͤchs/ Penalen/ Pedanten? Warumb darff ohn ein Narꝛenkapp Ein Narꝛ halb welsch vñ halb Teutsch glotzen? Warumb doch will ein jeder lapp Fuͤr gut Teutsch a la mode kotzen? Jst es nicht eines bloͤden hirns Vnd eines Hasenkopfs merck-zaichen/ Der wol wehrt eines langen horns Vnd gar nicht wehrt mit Vns zu zechen? Mit Vns/ die wir dem guten wein Allein zu ehren welsch gegecket/ Vnd doch mit groͤsserm fleiß vnd wohn Jn der welt grosses buch gegucket. S 4 Glick Weltliche Glick zu du ohn ein G. gesel/ Hat mich der Dominus verstanden? Er glaub mir/ daß dem Monsieur soll Jch auffwarten in wenig stunden: Dan certè wan Jch jhn recht ken/ So hat er sehr gevoyagieret. Der Teufel hol Euch (ohn ein N. Herꝛ Hanß) weil jhr vns all vexieret. Wer Teutsch ist der red auch gut Teutsch/ Wie der Welsch will gut welsch parlieren; Zu fuß geh wer ohn pferd vnd gutsch/ Vnd wer ein Narꝛ/ kan nicht vil lehren: So sprechet nu ein Vrthail auß (Vnd maͤniglich mag es wol hoͤren) Gleich ist ein halb-Welsch-Teutscher Haß Den angestrichnen krancken Huren. Vnd gleich wie der ein schwein/ ganß/ kalb/ Der gut vnd boͤsen wein vermischet; So dem gehoͤrt ein Narꝛen-kolb/ Der Teutsch vnd Welsch zusamen waschet: Sein hirn vnd red seind gelb/ weiß/ schwartz/ Gruͤn/ roht/ vnd blaw/ ein schneider kuͤssin/ Ein alter schurtz/ ein lamer schertz/ Vnd gantz vnwuͤrdig mehrer bossen. Kom Gedichte. Kom (schenckend das glaß wider ein) Vns des lusts wider zu begaben: Daß drinckend/ singend/ redend/ rein/ Wir Vns vnd andre auch erlaben: Doch drinck wer will: Jch hab zuvil/ Wer will mag drincken/ dantzen/ springen/ Frey bleibet jedem alles spihl/ Vnd wer will mag nu mit mir singen: Frisch auff/ frisch auff/ seit wol zu muht Herumb das glaͤßlein bald muß fahren: Boͤß ist das wetter/ der wein gut/ Vnd jhrer keines nu zu spahren. Der wein sparet zwar die witz Mit nichten/ Weil er mit zu starcker hitz Druͤcknet vnser dichten. Jch waiß zwar noch wol wa Jch bin/ Darff aber wol fuͤr etlich schwoͤren/ Daß sie sehr gern jhr hertz vnd sin All tag verbausen vnd verzoͤhren: Bleibet jhr verstand ohn wein Dahinden/ Koͤnden sie/ als stoͤck vnd stein Drinckend jhn nicht finden. S 5 Sih Weltliche Sih da/ wie weiß der Dominus Sich vnder Vns allhie erzaiget/ Er beissz mir doch auff dise nussz/ Sprach Fratz mit drincken nicht geschwaiget: Vnd profecto ich will nu Selbs reymen Besser dan jhr/ Ja dan du/ Vnd das loch verleymen. Jch hab die laͤnder diser welt Schon vil Jahr her gedurch-marschieret/ Vnd hab auch per dio vilmehr gelt Dan all jhr welsche verspendieret; Kan ich aber nicht vil welsch Parlieren/ So kan ich doch (gar nicht falsch) Meinen becher loͤhren. Jhr Herꝛen Jch brauch keine List/ Jch drinck vnd hab nichts zu bedencken: Zu drincken ist allein mein lust/ Es gilt/ vnd solt mir keiner dancken: Will dan ewer keiner mir Antworten/ Sollet jhr auch biß ich mehr Euch hofiere/ warten. Wie Gedichte. Wie offt hab ich mit einem wort Verjaget manche dolle Katzen? Wie offt hab ich mit meinem schwert Zerhacket manchen tollen Kautzen? Dise faust hat so vil blut Vergossen/ Daß ohn blut kein stein/ baum/ blat/ Keine waͤld/ feld/ gassen. So bin ich auch offt auff dem Meer Schier in der Sonnen selbs ersoffen: Daher ich auch schwartz als ein Mohr Hat mit der Venus offt zuschaffen: Vnd durch manchen haissen schmatz Verliebet/ Hat der Proserpina schmotz Offt mein hertz erlabet. Was hat sie vnder jhrem Boͤltz/ Daß sie sich ließ so gern auffschuͤrtzen? Jch waiß nicht was fuͤr Plutons boltz/ Der pflag gar Teufelisch zu schertzen. Ha. Er ist ein arger Fuchs Ohn zweifel/ Er ist alles vbels Dux, Vnd ein rechter Teufel. Er Weltliche Er hat zway hoͤrner als ein Ochs/ Vnd seine seuftzen seind fewrflammen; Dem Dunder gleich ist seine Vox, Weil er von allen strahlen stammen: Seine augen/ wan es nox Klar brennen: Jst es tag/ so ist er mox Fuͤnsternuß zu nennen. Die Strix verehrte mir die puͤchs/ Dabey mein hertz an sie gedencket/ Dieweil zuvor der hipsche Phryx Dieselbig jhr auß lieb geschencket: Wie Er/ hab ich mit jhr fuͤchs Gejaget/ War es regen oder nix, Hab ich es gewaget. Gleich wie ein doppelt klare fax Die anblick jhrer augen leuchten: Vor jhrem Man ein Tuͤrck vnd Thrax Muß zittern/ stincken vnd bald beuͤchten; Jhre Magd/ die wie ein Dachs Sich bucket/ War auch vrsach/ daß sich pax Zwischen Vns offt drucket. Wer Gedichte. Wer ist begihrig jhres specks/ Dem will ich bald ein bißlein schneiden; Sehr groß ist jhrer grillen grex, Die koͤnt ich lieber dan Euch leyden: Dan ich mag nicht ewers Dr … Vergissen: Drinck da/ drinck/ das ist das lex, Welcher nicht will essen. Fuͤr meine witz ist hie kein lux, Fuͤr mein gesicht kein liecht zu sehen; Fuͤr meine hand kein Kelch/ kein crux, Fuͤr meine fuͤß kein stand zu stehen; Ho! wer hat mich bey dem haar Gerauffet: Mord/ raub/ raub/ mord/ O gefahr/ Alles rund vmblauffet. Ach wie kam ich in dieses schiff? Es grauset mir; ich kan nicht schwimmen: Hilff/ hilff/ ein sail/ stoß oder griff; Ach weh! nu hab ich auch das grimmen: Alles layder! ist vmbsunst/ Wir sincken. Was? Ja wol in diser brunst Brennen wir/ vnd stincken. Ho! Weltliche Ho! helffet/ raichet das geschirꝛ; Es ist vmbsunst/ es ist geschehen. Jch bin gantz nassz; Jch bin gantz dirꝛ/ Stum/ lahm/ kan ich nichts hoͤren/ sehen: Ach/ die hagelstein/ plitz/ strahl Vnd dunder Kammend auff mich auff ein mahl Schlagen mich hinunder. Wa ist mein fuß/ wa meine stirn/ Oh/ mein kopff waltzet auff der erden/ Halt/ ich verlier sunst all mein hirn/ Was wird doch endlich auß mir werden? Jst kein hilff in diser noht Zu haben? Got erbarm es. Jch bin tod Vnd auch schon begraben. Der volle Narꝛ/ der wuͤste Fratz/ So wol besoffen als geschossen/ Hat als ein stinckend nasser Ratz Sein abenthewer nu beschlossen: Vnd zu gedechtnus seiner that Soll Er hie seine Grabschrifft sehen/ Wan von dem Rausch der grob Vnflat Soll wider-wachend aufferstehen: Fratz Gedichte. Fratz liget vnder diser banck/ An leib vnd seel sehr wuͤst besudlet/ Der mancherlay gedranck/ gestanck Vnd sprach vermischet vnd verhudlet. Ach Leser/ wuͤnsch/ daß jhm/ dir/ mir/ Got das gedeyhen wolle geben/ Daß vnser jeder nach gebihr Moͤg besser reden/ drincken/ leben! Gedichte Weltliche Gedichte Fuͤr Auffzuͤge/ Balleth vnnd Mascaraden gemachet. Lied Bey der Spiegler Balleth zu Stutgart gehalten. 1616 . WArumb jhr Frawen vnd Jungfrawen Spieglet jhr euch so williglich/ Wan die Sonn jhren glantz zu schawen Pfleget in euch zu spieglen sich; Vnd wan die klarheit ewrer augen Kan wol fuͤr einen spiegel taugen? Jhr wahre Spiegel aller ehren Pfleget mit durchdringendem schein Die Goͤtter vnd menschen zu lehren Wie tugenthafft sie sollen sein/ Dieweil die klarheit ewrer augen Kan besser dan kein spiegel taugen. Darumb die Goͤtter mit verlangen Als Spiegelmacher gar voll glantz/ Zu ehren Euch kommen gegangen/ Zu spieglen sich in jhrem dantz/ Dieweil die striemen ewrer augen Fuͤr spiegel jhren spiegeln taugen. Fuͤr Gedichte. Fuͤr ermeltes Balleth. Sonnet. JHr Nymfen/ deren blick mit wunderbarem schein Kan vnser hertz zugleich erlaben vnd versehren/ Vnd deren angesicht/ ein spiegel aller ehren/ Erfuͤllet Vns mit forcht/ mit hofnung/ lust vnnd pein: Wir bringen vnsern Kram von Spieglen klar vnd rein/ Mit bit/ jhr wollet euch zu spieglen nicht beschwerē; Die spiegel/ die so klar Vns ewre schoͤnheit lehren/ Die lehren euch zumahl barmhertziger zu sein. Wol. So belieb es Euch mit lieblichen anblicken Erleuchtend freindlich Vns vnd vnsern leichten Dantz Vnd spieglend Euch zumahl in Vns/ Vns zu erquicken; Solt aber vngefehr Vns ewrer Schoͤnheit glantz/ Vnnd ewrer haaren schein verblinden vnnd ver- stricken/ So troͤste beederseits Euch der Krantz/ Vns die Schantz. T Bey Weltliche Bey einem Auffzug fuͤr ein Ring- rennen. 1616 . Lucidor. An das Frawen Zimmer. JHr Nymfen diser welt der einig wehrte pracht Mit deren lieblichkeit die himmel sich erlaben; Die Goͤtter haben sich schier mangelhafft gemacht Euch reichlich zu begaben. Auch ist das lob so groß von der vollkommenheit Dadurch die Helden jhr der freyheit gern beraubet/ Daß es das grobe Volck fuͤr eine eytelkeit Schier haltend vngern glaubet. Weil aber ich nu sih daß ewer angesicht Mit so liebreicher brunst das beste hertz versehret/ Sprich Jch daß ewer lob mit einigem gedicht Die warheit nicht vermehret. Dan ewrer augenschein ist so suͤß/ keusch vnd klar Daß wer sich jmmer Euch zu loben wolt bemuͤhen/ Der kan/ wie weiß er auch/ mit seiner witz gefahr Kaum seiner schand entfliehen. Jch Gedichte. Jch meines theils kam nu weit vber Meer hieher/ Euch allen nach gebuͤhr ehr vnd dienst zu erzaigen: Venus ist fro vor Euch (als jhrer herschung ehr) Gebuͤhrlich sich zu naigen. Wolan so lasset nu mich Ewrer augen glantz/ Vil klarer dan die Sonn/ inbruͤnstiglich erquicken! Nur ein liebreicher blick kan mit dem Lorboͤr-Krantz Mich alsobald beglicken. Venus an das Frawen Zimmer. PRin cessin/ gleichloß an gestalt/ Vermehrend meines Sohns gewalt/ Jhr deren haar/ stirn vnd augbrawen (Darunder himmelische blick Entdoͤcken aller hertzen glick) Wie Triumfbogen anzuschawen. Jhr/ deren schoͤnheit/ ehr vnd zucht Jst nu mein trost/ schutz vnd zuflucht (Weil niemand Euch kan widerstreben) Zu Euch kom ich mit meinem Sohn/ Euch vnsern Apfel/ Scepter/ Cron Vnd Schoͤnheit selbs zu vbergeben. T 2 Dan Weltliche Dan ja ein jede vnder euch/ So goͤtlich schoͤn/ so weiß/ so reich/ Den guͤldin Apfel kan begehren: Jch/ Juno vnd Pallas zu mahl Schamroht ab dem streit vnsrer wahl Euch alle nu mehr billich ehren. Darumb jhr Nymfen keusch vnd rein/ Jhr deren hertz-leuchtender schein Kan alle hertzen bald enttruͤben/ Vermehret mein vnd ewer lob/ Vnd fahret fort mit suͤsser prob Keusch vnd bestaͤndiglich zu lieben. Jhr/ deren augen klarer preiß Den sehlen pfleget jhre speyß Mit lieb zu nemen vnd zu geben/ Verkuͤndet/ daß das groͤste layd Verkehret sich durch lieb in frayd Vnd das recht lieben ist recht leben. Jhr/ deren hertzen noch gantz frey Mit vnversprochner freyer trew Sich hin vnd widerfliegend vben; Wisset daß alle frewd vmbsunst/ Wa man nicht hat der Liebe gunst/ Vnd das wol leben ist wol lieben. Cartel Gedichte. Cartel Des Ehrwerbenden Teutschen Adels/ auffgefuͤhret Bey H. Achilles Friderichen Hertzo- gen zu Wirtemberg/ ꝛc. 1616 . WJr kommen nicht hieher Vns selbsten vil zu ruͤhmen/ Oder durch frembde sprach die warheit zuverbluͤmē/ Als ob wir kaͤmen her auß einem End der Welt/ Oder wider belebt von Elisischem Feld. Nein. Teufel seind wir nicht/ noch Risen/ noch halb- Goͤtter/ Noch Helden/ noch Wildleut/ noch vnsers Lands verspoͤtter; Das edle Teutsche Reich ist vnser Vatterland Teutsch seind wir von geburt/ von stammen/ hertz vnd hand; Was dient es frembden preiß vnd Namen zu ent- lehnen? Teutschland bedarff sich nicht mit Außlaͤndern be- schoͤnen: Wie dan die welt wol weist/ daß Teutschland alle zeit Hat leut fuͤrtrefflich gnug zum friden vnd zum streit. T 3 Darumb Weltliche Darum̃ ob wir wol jung nicht sonders vil erfahrē/ Begehrē wir doch nicht die haut noch faust zu spahrē: Sondern erscheinen nur in vnser Teutschen tracht Mit redlich-Teutschem muht/ vmb vnser erste macht An disen Rittern hie (die so hoch triumfieren) Jhrer begird gemaͤß/ gewafnet zu probieren; Verhoffend/ zweifels frey/ daß dise erste prob/ Vollendend jhren ruhm/ anfangen soll das lob/ So man von nunan wirt durch die straich vnsrer woͤhren Vnder dem Firmament taͤglich erschallen hoͤren. Die gefangne Venus. An das Frawen Zimmer. PRincessin/ deren ehr vnd liebliche geberden/ Vnd deren Tugent pracht ein Paradis auff erdẽ/ Jhr deren leib vnd sehl an allen gaben reich Seind vnvergleichlich gleich. Jhr/ deren suͤsse blick liebreich/ nach ewerm willen/ Die sehlen kan mit trost oder mit forcht erfillen: Jhr deren angesicht der hertzen suͤsse waid Kan stewren meinem layd: Jhr Goͤttin/ duldet nicht dz mein Kind da soll hangẽ/ Noch dz Jch (Goͤttin) selbs bleib spoͤtlich hie gefangẽ: Dan groͤsser meine Rew/ wan meine schuld ist groß/ So sprechet mich nu loß. Mein Gedichte. Mein weinen soll (hoff ich) bald ewer hertz erwarmen; Weil der ellenden sich die Frawen gern erbarmen: Die hohe Goͤtter selbs auff eines suͤnders rew Der straff jhn lassen frey. Jch schwoͤr bey ewrem haar/ darein die sehlē schwebē/ Ewerm exempel nach fuͤrhin stehts keusch zu leben/ Vnd vbergib zugleich in ewre wehrte hand Mein Reich vnd macht zu pfand. Dancksagung fuͤr jhre erledigung. EVch will ich dienen/ loben/ ehren/ O Nymfen/ der welt bestes glick/ Weil (gnaͤdig) hoͤrend mein begehren Jhr Vns gefreyhet von dem strick Sich bey euch in dienst zu begeben Vil besser ist dan frey zu leben. Mein Richter war bald vberwunden Als Er sah ewer angesicht. Doch bin ich noch so hart verbunden Ob ich wol gefangen nicht: Zwar sich in ewern dienst begeben Jst ein glickseelig-freyes leben. T 4 Fuͤr- Weltliche Fuͤrhin solt jhr mein Reich regieren/ Damit die welt glickseelig sey/ Die laster auch den schwanck verlieren Vnd moͤniglich auß frewden schrey: Jn ewern dienst sich zu begeben/ Jst das glickseeligiste leben. Der Pilger Gesang Fuͤr die Hertzlose Ritter. JHr Goͤttin zart/ jhr deren herꝛlichkeit Die Goͤtter selbs nicht koͤnden widerstreben/ Ach stehet ab von ewrer haͤrtigkeit Vnd lasset doch den Rittern hie das leben. Jhr junges hertz ließ sich durch der Lieb brunst/ Die ewer aug erwoͤcket/ schnell verzoͤhren: Jedoch nach lust durch eines anblicks gunst Koͤnt jhnen jhr ein newes hertz beschoͤren. So troͤstet sie mit einem suͤssen blick Damit sie nicht hie laͤnger hertzloß ligen: Dan ewer ist das Lob/ vnd Jhr das Glick Wan sie durch Euch behertzet/ muhtig sigen. Neptu- Gedichte. Neptunus an das Frawen Zimmer. Fuͤr ein Fuͤrstlich Wirtembergisches Balleth. 1618 . WJe sunst ein Potentat/ der weit vñ brait regieret/ So wol daß Er erzaig seine leutseeligkeit/ Als auch daß er sein volck/ in friden/ einigkeit/ Vnd gutter lieb erhalt/ dieselbe visitieret: Also thaͤt ich auch laͤngst (vñ billich zwar) beschliessen/ Die quellen/ see/ vnd fluͤß/ die mit standhaffter trew/ Von anbegin von Mir jhr lehen halten frey Durch diser welt vmbkraiß einst freindlich zu be- gruͤssen. Demnach Jch mich numehr auff dise raiß begeben/ Traf (vngefehr) Jch an auff meinem nassen Reich Jn diser Jnsul gruͤn zwoͤlf Ritter (die sehr gleich An dapferkeit vñ muht) forchtloß hin vñ herschwebē. Gantz fro traf ich sie an/ als die ich offt gesehen/ Vnd Sie mit gleicher frewd mir machten alßbald kund/ Daß mein Alsische Nymff den suͤssesten Liebs-bund Mit meinem Neckar hie begehrte zu begehen. T 5 Als Weltliche Als solches Jch vernam/ wolt ich sie selbs herfuͤhren/ Zu Euch/ O schoͤne schar/ nach deren augenblick Sich richtet auff dem Meer vnd auff dem Land das glick/ Mit jhnen eweꝛ Fest/ jhr fest mit Euch zu zieren. So nemet sie nu auff zu stehts lieb-reichen frayden/ Dan wie gleichloß in euch der Lieb holdseeligkeit/ So groß ist jhre Lieb/ sterck vnd bestaͤndigkeit/ Daß nichts soll sie von euch/ Nichts euch von jhnen schaiden. Ein Schwaͤbisch Lied. Jm Taun: Was sott Jsinga. Der Schwaͤbischen Bawren. Bey einem Fuͤrstlichen Auffzug. YEr hipscha Meatza luogat zuo Mar wettat gaun mit Vy a kuo (Mit gaunst vnd guotan ayhro) Mar dumlat as reacht/ As depfere kneacht/ Mit diena graussa hayra jo hayro. Wem mara wenga bsoffa send/ Vnd das mar aunsarn Spilman hend/ Dear Gedichte. Dear aß kan zdanza pfeiffo: So sem mar schaun fraw/ Vnd kennat gaun aw Dmedla depfar angreiffa jo greiffo. Was derfs vil weasas do/ botz bleach/ Lend aß sien wear verduot duy zeach/ Lend aß gaund’stanga leyho: So muoß aß gaun sain Vm mar stoͤckats nain Sotts schaun dia gsella kheya jo kheyo. Nan so gend aß an healla blick Den Vyar gsicht ischt lauttar glick/ Vnd macht aß dstang erschittlo: Vyr hor des ischt aw As glitzig aß schtraw/ Wie raun send uyra ditla jo ditlo. Vnd vyra goscha send so rawt/ Aw suͤssar wedar kaͤß at brawt Wen ar dzaͤn froindly bloͤckot: Ar frayata gaun Aß wem mar dschtang schaun Hettat mitta nein gschtoͤckat/ jo gschtoͤckot. Staͤnde Weltliche Staͤndevber die Wirtembergische Auffzuͤge vnd Ritterspihl/ ꝛc. NEin/ es ist nicht mehr noht sich ab dem grossen pracht Des Roͤmischen triumfs stehts also zu entsetzen: Teutschland hat wol nu mehr dergleichen fuͤrge- bracht Daß man damit gnug kan gesicht vnd sehl ergoͤtzen. Nein/ es ist nicht mehr noht/ mit welsch-vermischter sprach Außlaͤndische wolluͤst vnd frewden zu erzoͤhlen; Teutschland empfacht dardurch weder gespoͤt noch schmach/ Sondern hat in sich selbs noch frewd gnug zu er- woͤhlen. Nein/ es ist nicht mehr noht der frembden kunst vnd witz Erfindungen vnd spihl vnnachthunlich zuachten: Dan Teutschland/ welches selbs der erfindungen sitz/ Erweyset vil mehr kunst den frembden zu betrachten. Eben alhie sah man die Printzen mit wolstand Verꝛichten jhre laͤuff wie herꝛschende Planeten: Dazu die Nymfen dan durch jhrer angen brand Mit suͤsser Jnfluentz leuchteten wie Cometen. Got/ Gedichte. Got/ welcher geber ist vnsers vnd alles guts/ Geb daß die Teutschen auch (folgend jhren Vor- fahren) Wie freygebig sie seind jhrer reichthumb vnd bluts/ Begihrig bleiben sein vnd jhr ehr zubewahren! ENDE .