Des weilant Hoch-Edelgebornen/ Gestrengen/ und Vesten Herrn George Christoff von Neitzschitz / uff Stoͤckelberg/ Woͤhlitz und Zoͤrbitz/ Sieben-Jaͤhrige und gefaͤhrliche Welt Beschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa/ Asia und Africa. Worbey alles/ aller Orte Denckwuͤrdiges fleis- sig erforschet und aufgezeichnet worden/ dergleichen vorhin niemahls an Tag kommen. Nunmehr auf Befoͤrderung dessen Hochansehnlichen Herrn Bruders aus des Seligen Hand-Buche in diese richtige Ordnung gebracht und denen Raritaͤt-Begierigen uff Begehren Einer hohen Person Durch den Druck mitgetheilet Von Mgr. Christoff Jaͤgern/ zu S. Afra und der Churfuͤrstl. S. beruͤhmten Land-Schule in Meis- sen Pastore Prim . Mit Churfl. Saͤchs. Freyheit. Jn Budißin zufinden bey Barthol. Kretzschmarn Buchhaͤndl. Gedruckt von Christoph Baumann / Jm Jahr Christi 1666 . Erklaͤrung des Kupffer-Titul-Blats. Diß Leben gleichet sich der Wanderschafft auf Erden/ Die Muͤh und Ungemach/ Gefahr und voll Beschwerden. Wer Himmel aufgedenckt/ der muß durch Dornengehn Und unters Teufels Bruth von Ungeziefer stehn. Wer selig stirbt/ der geht und schreitet aus dem Leiden Mit breitem sichern Fuß dort auf den Pfat der Freuden/ Geht hin auf Rosen fort zur Himmels-Freuden-Stadt/ Da GOTT ihm Ehr und Cron laͤngst beygeleget hat. Drumb fort! nur hurtig fort von uͤberhaͤuffter Muͤhe Hinauf geschritten fort zur ewig stoltzen Ruhe/ Da Christi Mittler-Hand nimmt auf und weiset ein. Es muß ein saurer Tritt darnach gewaget seyn. Zuschrifft. Dem Hoch-Edelgebornen/ Gestrengen und Wohl-Mannvesten Herꝛn Rudolph von Neitzschitz auf Roͤhrsdorff/ Borthen und Cunerstorff/ etc. Rittern/ Churfuͤrstl. Durchl. zu Sachsen/ ꝛc. hochansehnlichen Obristen uͤber Dero Teutschen Leib-Guardi zu Roß/ Cammerherrn und Ambts- Hauptmann zum Stolpen/ Radebergk und Hohnstein. Meinem Hochgeehrten Herrn und vornehmen geneigten PATRON, Von GOTT durch Christum unsern Heyland GOttes Gnade/ Gesundheit/ Friede/ Gluͤck/ Segen und Seligkeit sambt aller selbst erwuͤnsch- enden Prosperität Leibes und der Seelen zuvor H Och-Edelgeborner Herr und Hochge- ehrter vornehmer geneigter Patron. Vertraut Gut wil ohne Schaden wieder gegeben seyn/ wanns von dem rechten Herrn begehret wird ; Dahero es in de- nen Rechten seine sonderliche Freyheiten hat/ und ha- ben auch die Heyden bestaͤndig druͤber zuhalten wissen/ wie zuse- hen/ daß der beruͤmte Heydnische Meister der natuͤrlichen Weiß- heit/ Aristoteles , schreibet: Es sey viel ungerechter und unverant- wortlicher vertraut Gut vorzuhalten und zuverleugnen/ als ein geliehenes/ Sect. 29. Probl. 2. tom. oper. Also lesen wir beym Herod. im 6. Buch/ daß des Glauci zu Spaꝛta gantzes Geschlecht/ als eines untuͤchtigen Mannes/ ausgerottet worden/ darum/ A 2 daß Zuschrifft. daß er das ihm von Milesio auf zuheben gegebenes Geld leug- nen und nicht flugs seinen Soͤhnen zufoͤrdern wollen/ als sie nach Sparta kommen/ das Warzeichen deßwegen aufgewie- sen und das Geld begehret haben. Und wiewohl das Urthel eben hart/ so sehen wir doch dar- aus der weisen Heyden Tugend und Gerechtigkeit/ damit sie uns Christen offt weit vorgehen und am Juͤngsten Tage be- schaͤmen werden. E. Hoch-Adel. Excell. haben mir hiebevorn ein Reise- Handbuch vertrauet: Das halte ich billich auch nicht vor ein geringes/ dieweil zum theil GOttes Ehre/ zum Theil auch des Nechsten Nutz damit zuschaffen und dann dero Hertzgeliebter Herr Bruder sein Leben druͤber geendet und hielte ich mirs vor GOTT und in meinem Gewissen unverantwortlich/ wenn ich etwas dran haͤtte sparen/ was E. Hoch-Adel. Excell. deß- wegen meiner Wenigkeit angesonnen/ oder damit zuruͤcke hal- ten sollen/ da Sie dasselbe bißhero in angeregter Form so Schrifft als muͤndlich wieder begehret. Wann dann nun dabey gethan/ was GOTT durch mei- nen Fleiß und Arbeit aus Gnaden verliehen/ daß das Werck nicht allein seine richtige Ordnung und Abtheilung in Theile/ Buͤcher und Capitul erlanget/ sondern auch die materi und Sachen darinnen ein iegliches an seinen Orth/ so viel immer muͤglich getragen und gesetzet und dieselben mit verstaͤndlichem Teutsch beschrieben worden/ welches denn einem Reisenden in seinem Hand- und Tage-Buche zuthun nicht muͤglich/ weiln er vor taͤglicher Unruhe und Unbestaͤndigkeit seines Lebens zu Ge- dancken nicht kommen kan/ dann auch Sein Wille und Vor- haben den vollkommenen Zweck noch nicht erreichet und uͤber diß alles seine Muttersprache mit so viel andern Sprachen zer- ruͤttet und verwirret wird. Als uͤberreiche nun E. Hoch- Adel. Zuschrifft. Adel. Excell. ich dasselbe mit freudigem Gemuͤthe/ als Dero es auch von Rechtswegen gehoͤret/ der sichern Hoffnung lebende/ Sie es sich auch mit Christlichen Hertzen werden gefallen las- sen und mir/ wie bißhero ruͤhmlich geschehen/ mit Dero hohen Gunst und vornehmen Gewogenheit noch ferner zugethan verbleiben. Denn so dort Themistocles, der beruͤhmte Fuͤrst zu Atheen/ seine Beuthe/ die er vor seinem Feinde erworben/ nicht besser an- zuwenden wuste und demnach dieselbe mit Freuden seiner Mut- ter in Schoß schuͤttete/ weil er wuste/ daß sie daselbst willkom- men und angenehm waͤre: So wird deßwegen auch mich nie- mand verdencken/ daß ichs mit dieser Ubergabe wage und der Versicherung lebe/ Sie werde bey E. Hoch-Adel. Excell. nicht unfreundlich angesehen/ sondern angenehm und willkommen seyn. Denn was ja meiner Arbeit halben dran mangeln wird/ wil ich mir mit meinem Gebet fuͤr derselbten und dero gantzen Hoch-Adelichen Hauses Leibes- und Seelen-Wohlergehen al- lezeit fleißig lassen angelegen seyn. Die ich auch hiemit in Goͤtt- liche Obhut treulich befehle. Meissen auf meinem Afranischen Zion den 1. Januar. des 1666. Jahrs. E. Hoch-Adel, Excell. zum Gebet und aller Moͤglichkeit stets verbundener Mgr. Christoff Jaͤger von Schkeuditz. An An den woͤhlgeneigten Leser. Vom Reisen/ wie man reisen und Reise- Buͤcher lesen und gebrauchen soll. D As Reisen ist dreyerley: Das Eine ist ein Noth-Rei- sen/ wen die Noth darzu bringet und zwinget/ daß er reisen muß/ wie offtmahls Verfolgung/ Krieg/ Pestilentz/ Armuth und Hun- gersnoth verursachet. Das andere ist ein Aberglaubiges Reisen/ wie diejenigen thun/ fuͤrnemlich im Papsthumb/ welche/ um sonderbares Ver- diensts willen der Gnade GOttes/ an den/ oder jenen Orth Wallfahrten und sich/ als die unverstaͤndigen Kinder/ was sie sonderbahres sehen und hoͤren/ fuͤr sonderbahre Heiligthuͤmer einbilden. Mit diesen beyden Arthen wollen wir nichts zuschaffen haben/ dieweil sie weder Ehre/ noch Nutzen schaffen. Das Dritte ist ein Ehren-Reisen/ da einer Lust und Unlust uͤber sich nimmet/ Laͤnder und Staͤdte/ Wasser und Land durchreiset und nach Ehre/ Kunst und Tugend strebet/ damit er hernach andern Leuten ehrlich zudienen gedencket. Und das ist eine Tugend/ welche an hohen Personen/ Herren und Edlen zuruͤhmen und ihnen allerdings gebuͤhren wil/ dahero der Gelehrte Mann Bernegger in der 173. Frage aus dem Tacito gar herrlich ausgefuͤhret/ daß hohe Personen und wie sie reisen sollen/ dergleichen auch sonst andere vornehme und gelehrte Maͤn- ner gethan. Denn das Reisen ist gar ein noͤthig und nuͤtzlich Werck. Noͤthig ists um der Erfahrung willen/ daß man da mit Augen sehe und glaubwuͤrdig nachsa- gen kan/ wie sich die Laͤnder und Leuthe von Jahren zu Jahren veraͤndern und entweder verringern/ oder bessern und daraus mercke/ daß alle Dinge ihrem gewissen Ziel und Ende entgegen gehen/ was zeitliche Dinge seyn und wie wenig darauf zubauen und dann wie wunderbar und unbegreiflich GOTT in seinem Regimentund Gerichten. Zum Exempel: Willibald/ gewesener Bischoff zu Aichstet/ der des Papsts Canon unter die Heiligen gesetzet/ hat im siebenden Seculo das heilige Land auch durchreiset ; Aber weit anders habens hernach andere nach ihm befunden. Der Edle Bernhard von Breitenbach und hernach Dechant und Caͤmmerer des Ertzstiffts Meintz/ hat dergleichen gethan im Jahr Christi 1483. und wie ers befunden/ in Latein beschrieben und ein gantz Buch davon drucken lassen/ aus wel- An dem wohlgeneigten Leser. welchem hernach Buͤnting seine meiste Nachricht zu seinem Alt- und Neu-Te- stamentischen Reise-Buche genommen. Allein in vielen beschreibts hernach Christoff Fuͤhrer anders in seinem Reise-Buche und nun auch nach ihm der von Neitzschitz in gegenwaͤrtiger seiner Reise-Beschreibung/ der alles selber mit Augen gesehen/ mit grosser Gefahr und Ungemach alle Winckel durchkro- chen und gar genaue Nachricht von solchen Leuten/ die er selber auf seine Ko- sten und Speesen gehalten und mit sich gefuͤhret/ eingezogen. Und ob sich gleich die Laͤnder nicht aͤndern/ was ihren Situm und Stand betrifft/ so aͤndern sie sich doch am Zustande/ daß die Grentzen/ die Namen/ die Herrschafften/ die Jnwohner und Fruchtbarkeit/ die Mores/ Sitten/ Klei- dung und Gebraͤuche/ die Religionen/ das Regiment/ anders/ ja viel Or- the gar zerstoͤhret und aufgehaben/ andere aber angelegt/ gebauet/ oder die gebauete an Gebaͤuen verbessert und geaͤndert werden/ welches uns denn ein grosses Liecht zu nuͤtzlicher und noͤthiger Wissenschafft giebet/ sonder- lich einem andaͤchtigen Christen/ in dem Stuͤcke/ daß/ wenn er da lieset und si- het/ wie das Juͤdische Land so gar zu Grunde verderbet und geaͤndert und in frembde Haͤnde und Herrschafften vertheilet/ er desto mehr versichert und ge- staͤrcket werde in seinem Glauben/ daß gewiß die Goͤttliche Weissagung des Ertzvaters Jacobs/ da er also gesagt zu seiner Zeit im 49. Cap. des 1. B. M. Es wird das Scepter von Juda nicht entwendet werden/ noch ein Meister von seinen Fuͤssen/ biß der Held komme/ das ist: Nicht ehe wird der Heyland kommen/ der/ als ein Held/ das Menschliche Geschlecht aus des Teufels und der Hoͤllen Gewalt erloͤsen wird/ als wenn das Juͤdische Volck sein eigen Koͤ- nigreich und Meisterschafft zu rathen und zu helffen wird verlohren haben und frembder Obrigkeit muß unterworffen seyn/ nunmehr erfuͤllet/ der Heyland und Held kommen und wir mit den verstockten Juͤden auf keinen andern war- ten doͤrffen. Aus diesen Ursachen bin ich auch bewogen worden/ daßich zu Ende die- ses Reise-Buchs einen Bericht von dem Juͤdischen Koͤnigreich/ wie sichs nach und nach geaͤndert und endlich auch gar geendet undaufgehoͤret/ mit angehen- get: Jngleichen/ wie auch der gantze Mosaische Gottesdienst gefallen und dem neuen Bunde des Neuen Testaments des Herrn Meßias Je su Christi/ das ist/ der Ossenbahrung seines heiligen Evangelij/ gewichen und nachgegeben. B Sind An dem wohlgeneigten Leser. Sind demnach diejenigen zuloben/ welche darnach reisen und uns/ als ausgeschickte Bothen/ die rechte Warheit heimbringen und berichten/ damit wir nicht an ungewissen Dingen hengen bleiben und uns damit behelffen doͤrf- fen/ das wir doch anders wissen koͤnnen/ als es die Vorfahren ihrem befinden nach aufgezeichnet. Nuͤtzlich ist das Reisen auch/ denn es bessert im Wissen und Leben und sagt jener fleißige Reisemann nicht unbillig: Reisen ist ein fleißiger Lehrmeister. Denn indem einer nicht nur Staͤdte und Laͤnder/ sondern auch der Menschen Sitten/ Sprachen/ Trachten/ Wercke und Gemuͤther und wie dieselben regi- ret werden/ selber sihet und erforschet/ so sihet er nicht allein Guts @nd Boͤses beysammen und hab die Wahl/ welches wohl oder uͤbel stehet/ Schaden/ oder Nutzen schaffet/ sondern auch es mag einer studirt haben und so gelehrt seyn als er immer wolle/ so wird doch seine Geschicklichkeit dadurch vermehret/ ge- staͤrcket und das Gemuͤthe zur Ehr und Erbarkeit angetrieben und weiß her- nach auch andere weißlich und loͤblich zu regiren/ oder andern regiren zuhelf- fen/ wie Sirach im 39. Cap. seines Hauß-Buchs den Gereiseten zuschreibet. Drumb sagen unsere Alten: Wer nicht auskoͤmmet/ der koͤmmet auch nicht ein. Heimgebackene und Selbst-kluge richten selten viel Gutes aus/ oder muͤs- sen sich mit Einbildungen und Aufschneiden behelffen. Denn die Baͤurische Arth/ die man zu Hause angewohnet/ wird mit dem auslaͤndischen Saltz der Hoͤflichkeit subtil gemacht/ daß man hoͤflich/ Gespraͤchig/ demuͤthig und recht vernuͤnfftig wird/ da man ingegen sihet/ daß die/ so zu Hause im Schatten bey denen ihrigen/ als die Jungen bey den Alten im Neste/ sitzen bleiben/ gemeinig- lich gantz wilde/ eigenwillig/ einbildig/ und staͤrrig bleiben/ die mit niemande umzugehen/ noch sich zuschicken wissen. Besihe hierbey auch den fleißigen Schreiber Zeilerum und seine 99. Epistel im Dritten Hundert. Daß aber auch wohl welche das Boͤse von ihrem Reisen mit nach Hause bringen und nicht allein vor ihre Person davon Boͤse werden/ sondern auch wohl loͤbliche Ordnungen/ Regimenter/ Sitten und Religionen damit be- schmitzen/ verfaͤlschen/ zerruͤtten und verderben/ das gibt die Erfahrung leider! offt und viel/ zumahl in diesen ietzt verderbten letzten Zeiten/ mit Schmertzen zu beklagen. Poli- An dem wohlgeneigten Leser. Politici schreibt Herr Schupp am 8. Blat Dissert. de Nila. \& Italia \& Gal- lia reduces à Patrum nostrorum moribus recedunt \& omnes pulices tu- stire audiunt, semperq́ nova instituta crepant, non quia bona, sed quiæ nova, viel Politici/ wenn sie aus Welschland oder Franckreich wieder heim- kommen/ aͤndern flugs ihrer Vor-Eltern Sitten/ hoͤren die Floͤh husten und wollen lauter neue Anordnungen haben/ nicht daß sie so gut/ sondern weils nur was neues ist. Also wird in des sel. Luth. Tischreden am 74. Blat gedacht/ es sey dem seligen Manne uͤber Tische einsmahls erzehlet worden/ daß einer von Seckendorff sich bey einer Gasterey verlauten lassen: Wenn GOTT ihm sein Reichthumb und Wollust liesse/ daß er tausend Jahr leben und allein seinen Willen treiben moͤgte/ so wolte er hernach GOTT seinen Himmel gerne lassen. Der hatte eine rechte Saue mit aus Franckreich bracht/ wie ihn der sel. Luth. genennet/ in welchen nichts anders als Treber gehoͤren. Solche Leute sind/ traun! wie unerfahrne Aertzte/ die alle Patienten oh- ne Unterscheid mit einerley Artzeney curiren wollen. Oder sie sind gleich wie Unweise/ die sich mit dem Messer schaden thun/ das sie zu ihrer Nothdurfft und besten gebrauchen solten. Oder sie sind/ wie dort Herostratus , der sich beruͤhmt zumachen den herrlichen und in aller Welt beruͤhmten Tempel Dianae zu Epheso in Brand steckte/ wie Strabo im 4. Buch davon schreibet. Dahero denn dieselben mit ihrem boͤsen Verhalten dem ohne des noͤthigen und nuͤtzli- chen Reisen keinen Schandfleck aufklecken/ noch iemand dasselbige verleiten koͤnnen. Und ob gleich auch viel Fabeln/ sonderlich bey den Antiquitaͤten und alten Sachen und mach ungewiß Ding mit einlauffen/ so kans dennoch auch der Wissenschafft des Reisens nicht schaden. Wo ist ein Geschichtschreiber der nicht geirret haͤtte/ vors (1.) weil unser Wissen/ wie die Schrifft redet/ in die- sem Leben nichts/ als stuͤckwerck ist/ und wir alle klagen und bekennen muͤssen: Hæret im ambiguis hominum prudentia rebus, Was der Mensche weiß und dencket/ Jst in Zweiffel eingesencket. Und dann vors (2.) weil ein Geschichtschreiber anderer Leute Bericht nach- schreiben muß/ was er selber nicht sehen und erfahren kan. Drumb muß man B 2 mit An dem wohlgeneigten Leser. mit Verstande lesen/ andere dagegen halten und bescheidentlich urtheln/ im uͤbrigen aber doch ihren unverdrossenen Fleiß loben als welches gleichwohl bes- fer thut/ daß uns etwas mitgetheilet wird/ als daß wir gar nichts davon wissen solten. Wer auf den Jahrmarckt zeicht/ muß sich nach den Kaͤuffern richten und ih- nẽ allerhand Wahꝛen zufuͤhꝛen/ unterdessen aber einem ieglichen die Wahl lassen zunehmen/ was ihm gefaͤllet: Also auch/ wer Reisebuͤcher schreiben/ Laͤnder und Staͤdte beschreiben und/ was allda zusehen/ der Welt mittheilen wil/ der muß doch gleichwohl alles/ so man ihm iedes Orths zeiget/ berichtet und zusehen ist/ mit hinein bringen/ damit sich niemand zubeschweren habe/ als wenn er untreu und nicht fleißig gnung gewesen/ im uͤbrigen aber einem iedlichen frey lassen an- zunehmen/ was ihm gefaͤllet/ einem diß/ dem andern ein anders. Und also ist billig auch zuloben und zudancken dem weiland Hoch-Edlen Herrn George Christoff von Neitzschitz aus dem Hause Wehlitz und Werns- dorff/ ꝛc. Daß derselbe mit hindansetzung seines Vaterlandes/ mit Aufwen- dung seines Vermoͤgens und seiner Gesundheit/ ja auch mit Ausstehung vie- ler Gefahr/ Muͤhe und Ungemach zu Wasser und Lande/ sintemahl es doch war ist, von denen/ so da reisen und frembde Laͤnder besehen wollen/ was im Froschmaͤußler angefuͤhret wird: Wer reisen wil hin durch die Welt/ Und gehen uͤber Meer und Feld/ Weiß aber nicht mit kluger List Zurathen/ wies gelegen ist/ Der koͤmmet leicht in Angst und Noth Und leidet Raub/ wohlgar den Todt. Dahero Dalby, ein gelaͤhrter Daͤne/ dem loͤblichen Rath giebt/ da er c. 8. p. 74. de Peregrinatione mortalium , also schreibet: Si peregrè pergas, semper de nocte quiescas. Manè citò surge, bospitium de luce capessas. Manè Deum lauda surgendo, sicut alauda. Wann du zureisen hast/ so laß die Nacht seyn Nacht. Steh desto fruͤher auf und reise mit Bedacht. Kehr An dem wohlgeneigten Leser. Kehr ein zu rechter Zeit/ weil noch der Himmel leucht. Machs/ wie die Lerche thut/ die in den Luͤfften fleucht Zuloben GOTT mit Macht/ Daß dus so weit gebracht. Daß/ sag ich/ Ehrngedachter Cavallier Sieben Jahr lang gereiset und nicht allein andere/ sondern auch das gelobte Land/ da vor dessen das Volck Jsrael gewohnet und GOTT seine Kirche gehabt und die heiligen Ertz-Vaͤter/ Pro- pheten/ Christus und die lieben Apostel gewandelt/ gepredigt und viel Zeichen und Wunder gethan/ durchzogen und alle Nachricht davon mit seiner eigenen Hand fleißig aufgezeichnet hinterlassen/ nach dem er bald nach seiner Heim- kunfft den Weg alles Fleisches gangen/ nur daß selbige in richtige Ordnung und Verstaͤndlich teutsch gebracht werden muͤste/ zu dessen Befoͤrderung denn des- selben geliebter Herr Bruder/ der Hoch-Edelgeborne und Gestreng-Mannve- ste Herr Rudolph von Neitzschitz uff Roͤhrsdorff/ Borthen und Cunnersstorff Ritter und Churfuͤrftl. Durchl. zu Sachsen hochansehnlicher Cammerherr und Hof-Obrister/ mein vornehmer und großgeneigter Patron keinen Fleiß gesparet/ zumahln er gesehen/ daß einige hohe Personen groß Verlangen dar- nach getragen. Nun habe ich das meinige durch Gottes Huͤlffe/ nach bestem Vermoͤgen/ dabey gethan/ so viel mir neben meinen ordentlichen Ampts-Geschaͤfften muͤg- lich gewesen/ und uͤberreiche es allhier deinen Haͤnden. Darumb nimms zum besten auf/ brauche es zu deinem Nutzen bey guter Gesundheit und Frieden und gedencke meiner/ als eines/ der nichts liebers wuͤnschet/ als der gemeinen Wohlfahrt nach hoͤchstem Vermoͤgen zudienen/ im besten und bitte GOTT fuͤr mich/ gleich wie ich auch fuͤr dich/ auf daß wir alle selig werden/ Amen. B 3 Der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung Der Erste Theil Der Sieben Jaͤhrigen und gefaͤhrlichen Welt-Beschauung Des weilant Hoch-Edelgebornen Herrn Georgen Christoff von Neitzschitzens aus dem Hause Wehlitz und Wernsdorff/ ꝛc. Jst eine Beschreibung der Reise desselben durch Jtalien und von Venedig uͤbers Meer nach Constantinopel und was er unterwe- gens fuͤr Laͤnder und Orthe beruͤhret/ gesehen und besuchet. Das Erste Buch Haͤlt in sich die Anstellung zur Reise und endlichem Fortzug uͤbers Alpen-Gebuͤrge biß an die Jtalianischen Grentzen und was unterwegens zusehen gewesen. Das Erste Capitel Von der Anstellung zur Reise. N Achdem ich bey mir erwogen/ wie Edel der Mensch von seinem GOTT erschaffen und mit Verstande und vernuͤnfftiger Seele begabet/ allen andern unvernuͤnfftigen Thie- ren so weit vorgezogen/ als Himmel und Er- den von einander sind und dannenhero/ wo es bedacht wird/ ein solch Gemuͤthe sich billig in die Hoͤhe schwinget und sich also in dieser Welt zuleben vorsetzet/ damit es zufoͤrderst seinem GOTT recht diene und durch die Gnade Gottes in Christo des Ewigen versichert werde und dann auch mehr lerne/ erfahre und wisse/ als andere gemeine Creaturen und nicht/ wie ein Schiff auf der See/ ohne nach- blei- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung bleibende Spur durch diß Leben hindurch streiche/ iedoch alles aus Liebe dem Nechsten und gemeinen Besten zudienen/ als ha- be auch ich solches zuthun im Namen Gortes bey mir festiglich beschlossen. Und solches werckstellig zumachen habe ich im Jahr nach Christi unsers Heylandes Geburt 1630. meine Sachen zu Hau- se/ so viel muͤglich/ richtig gemachet und ohne Verzug mit gros- ser Lust und Begierde mich im Namen der Heiligen Dreyfal- tigkeit auf die Reise begeben und zu erst nacher Naumburg/ umb allda mit denen auf der Messe anwesenden Kauffleuthen Compagnie zumachen/ welches auch gar gluͤcklich fuͤr sich gan- gen. Das II . Capitel. Von der Fort-Reise biß ans Alpen-Gebuͤrge. V On Naumburg bin ich mit denen Augspurger Kauf Leu- then den 27. Apr. st. v. Nachmittage umb drey Uhr obge- dachtes 1630. Jahres fortgereiset und den 15. May dar- auf gar gluͤcklich und wohl mit gedachten Kauffleuthen in Aug- spurg angekommen/ allwo ich im Wirthshause zur Traube eingekehret. Augspurg ist sonst ohne daß eine beruͤhmte und wohlbe- kante Stadt und demnach unnoͤthig viel Worte davon zuma- chen/ ausser zugedencken/ daß allda die herrliche Wasserkunst/ der heimliche Einlaß und das wolbestallte Zeughauß sonderbar zusehen sind. Deßgleichen auch ist denckwuͤrdig/ daß keine Ra- tzen allda gefunden werden/ und fuͤr gewiß gesagt wird/ daß sie weilant Bischoff Ulrich daselbst/ so Anno 973 gestorben/ hinweg gebethet. Ja wenn man auch gleich von andern Orthen wel- che dahin bringe/ wie offtmahls sol versucht worden seyn/ so sterben sie und bleiben nicht. Es Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Es hat aber mit ietztgedachtem Einlaß eine solche Be- wandtnuͤß: Es sind die Thoren und Zugbruͤcken also gebauet/ daß/ ob sie gleich noch so groß und schwer sind/ dennoch sie sich von sich selber aufthun und niederlassen/ vor denen/ so man in der Nacht allda hinein laͤsset/ und hernach auch von sich selber wieder zuthun und aufziehen/ wenn die Leuthe hinein sind und sihet man niemand weder hinter noch fuͤr sich/ biß man zum in- nern letzten Thore koͤmmt/ da wird eine brennende Latern her- unter gelassen und muͤssen die Eingelassene ihre Namen von sich geben und darbey ein Trinckgeld. Und wenn das geschehen so oͤffnet sich auch dieses Thor und werden die Eingelassene auch vollend in die Stadt gelassen. Und auf solche masse kan man al- le Nacht in Augspurg kommen/ heraus aber wird selten iemand zu Nachtszeit gelassen. Nachdem aber fast maͤnniglich die Staͤdte/ zwischen Naumburg und Augspurg gelegen/ bekant/ achte ich unnoͤthig mit deren Beschreibung das Werck weitlaͤufftig und dem Leser verdruͤßlich zumachen. Wil nur dieselben/ so wir durchreiset/ kuͤrtzlich erzehlen. Von Naumburg aus sind wir demnach zukommen. 1. Nach Jehna/ allwo eine herrliche und weitberuͤhmte Aca- demia und Hohe Schul. Sind aber nur durchgereiset und wei- ter kommen: 2. Nach Sahlfeld/ da wir auch uͤber Nacht verblieben. Wie wir allhier zum Thore einkommen/ sind wir von dem Thuͤr- mer auf dem Thurm mit Trompetenschall empfangen wor- den/ welches auf eine Vereehrung angesehen gewesen/ die er auch von uns im Wirthshause/ da wir eingekehret/ abgeholet und empfangen hat. 3. Nach Donawerth/ 4. Coburg/ 5. Bamberg/ 6. Forch- heim/ 7. Nuͤrnberg und 8. Augspurg. Als Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung Als ich mich nun in die acht Tage in Augspurg aufgehal- ten/ habe ich nach Gelegenheit getrachtet mich mit ehister und bester Zufaͤlligkeit nacher Venedig zubegeben. Und weil gleich gewuͤnscht von Venedig Muͤth-Rosse kommend/ allda in meinem Quartier zur Trauben eingekehret/ habe ich alsbald das Gedinge mit ihnen gemacht/ ein Roß von ihnen gemuͤthet und bin benebenst des Bischoffs von Wuͤꝛtzburg Abgesandten/ dañ einen Schlesischen von Adel und des Herrn Gesandten Vet- ter den 23. May Nachmittage von Augspuꝛg foꝛt uñ nacher Rom zugegangen/ unterwegens aber kommen 1. auf Landsberg/ welches ein Staͤdtlein am Berge liegend fuͤnff starcke Meilen von Augspurg und hat auf der Hoͤhe ein Schloß/ allwo wir uͤber Nacht verblieben. Des folgenden Tages sind wir kom̃en 2. auf Schoncka und 3. Amborgau. Allhier faͤngt sich das Alpen- Gebuͤrge an. Das III . Capitel. Von der Reise uͤber das Alpen-Gebuͤrge. A uf dem Alpen-Gebuͤrge wird kein Heu gemacht auf den Winter zur Beduͤrffnuͤß/ sondern den Sommer uͤber wird das Vieh drauff gehuͤtet/ welches man nennet zu Alp fah- ren. Von Amborgau sind wir kommen 1. auf Seiga sind drey Meilen/ 2. auf Porte-Kirchen vier Meilen/ 3. auf Seelfeld sechs Meilen/ 4. auf Jnsbruck vier Meilen. Zwischen diesen beyden Staͤdten liegt das felsichte Ge- buͤrge/ worauf sich Keyser Maximilianus der Erste dieses Namens/ auf der Gemsen-Jagt verstiegen und in Leib und Le- bens-Gefahr gerathen/ iedoch endlich durch Gottes Gnade ge- rettet worden. Weiter sind wir kommen 5. auf Stoͤnach vier Meilen/ C dann Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung dann uͤber den hohen Berg/ zwey Meilen lang sich erstreckend und der Brenner genant/ 6. auf Stoͤrtzing vier Meilen/ wel- ches eine feine Stadt ist. Von hier aus sind wir unterwegens im freyen Felde kom̃en zu einem gar hohen Stein/ welcher unten ein Loch hatte: Und ist ein alter Brauch/ daß/ der zuvorn da zu nicht gereiset/ sich durch das Loch dringen muß und hat einer/ so sonderlich corpu lent ist/ wohl zuthun/ daß er durchkoͤmmet/ welches denn unserer Reise Gefaͤrten einer wohl in acht genommen und deßwegen lieber einen Ducaten spendiret/ als daß er gleich uns durchkriechen wollen/ fuͤr welchen Ducaten wir uns hernach lustig gemachet/ als wir kommen 7. auf Brixsin vier Meilen von Stoͤrtzing/ welches Brixsin eine Stadt ist in der Ebene am Gebuͤrge lie- gende/ allwo ein Bischoff residiret. Von hieraus sind wir kom- men 8. auf Blumau/ ein Wirthshauß fuͤnff Meilen. Weiter 9. auf Potzen eine Stadt an der Etzsch eine Meile. 10 auf Salur- na ein Dorff vier Meilen und folgends 11. auf Trient drey Mei- len. Trient ist eine bekandte und schoͤne Stadt/ worinnen Teutzsch und Welsch geredet wird/ wie sich denn auch flugs eine Meile davon uͤber dem Berge so Platte genannt wird/ das Gebiethe Welschlandes anhebet. Jst mit guten Mauren und Graͤben wohl verwahret/ und ist sonderlich auch beruͤhmt von der grossen Kirchen-Versamlung/ so daselbst angangen Anno 1546. und gewaͤret biß 1563. welcher viel Fuͤrsten und Herren/ Praͤlaten/ Cardinaͤle/ Patriarchen/ Ertz-Bischoffe uñ Bischof- fe des Papsthums beygewohnet. Jn dieser Stadt Kirche zur lie- ben Frauen bey dem Altar sihet man den Coͤrper des H. Simo- nis, so ein kleines Knaͤblein von ohngefaͤhr 4. Jahren gewesen/ welches die Juͤden hiebevorn gemartert haben/ noch gantz und gar Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gar und unverweset mit Haut und Haar/ aber gantz schwartz/ wie denn auch die Instrumenta, damit sie es gemartert haben/ gewiesen werden/ weßwegen sich noch biß dato von selbiger Zeit an allda kein Juͤde aufhalten darff/ und in dieser Kirchen ist ob- gedachtes Concilium gehalten worden. Von hieraus sind wir kommen 12. auf Clause/ welches ein fester Paß/ dem Ertz-Hertzog in Tyrol gehoͤrig: Jst sehr hoch und fuͤnff und zwantzig Klafftern in Felß gehauen/ zwantzig Elen breit und acht Elen hoch. Endlich sind wir kommen 13. auf Carpenzi, so nur etzliche Haͤuser und endet sich allhier das Alpen-Gebuͤrge. Das ander Buch. Haͤlt in sich die Reise durch Welschland und uͤbers Meer biß in Asia und nach Smirna und was dabey mit vorgelauffen denckwuͤrdig zuvermelden ist. Das Erste Capitel. Von der Reise durch Welschland. W Elschland ist ohne deß bekant und von andern Reisenden ausfuͤhrlich beschrieben/ daß ohne Noth ich mich lange damit aufhalten sol/ ausser was ich im durchreisen biß nacher Venedig einen und andern Ort beruͤhren muͤssen/ deren ich kuͤrtzlich gedencken wil und sind wir von Carpenzi kommen 1. nach Castel franco, welches eine ziemli- che Stadt/ 2. nach Tervis, so eine grosse Stadt/ diese Stadt sol lange vor Christi Geburt gestanden haben. Denn man haͤlt dafuͤr daß sie Osyris, welcher zehen Jahr in Jtalien regiret und hernach Koͤnig in Egypten worden/ gebauet haben sol/ massen denn die Buͤrger noch an vielen Orthen den Ochsen zum War- zeichen dessen denen Reisenden in alten Gemaͤhlden weisen/ wel- C 2 cher Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. cher nach Heydnischen Brauche von dem Volcke verehret wor- den/ weil er nach Absterben Osyridis erschienen und die Heydni- schen Pfaffen fuͤrgeben/ als wenns Osyris waͤre. Diese Stadt liegt fast umb und umb im Wasser/ hat starcke Mauren/ und ist mit Munition und Stuͤcken wohl versehen. Vordessen haben die Lombardischen Marggraffen allda ihren Sitz gehabt/ ietzt aber gehoͤret sie den Venetianern. Von hier aufs suͤsse Wasser ins Meer und in zwey Stunden 3. zu Venedig ange- langet. Allda habe ich im weissen Loͤwen acht Tage stille gelegen und den 8. Junij drauff Nachts zwischen 11. und 12. Uhr mit einem Schiffe/ so gemeiniglich alle Nacht dahin zulauffen pfleget/ 4. nacher Padua kommen und sind wir ohngefaͤhr mor- gens umb 9. Uhr allda angelanget und im guͤldenen Stern ein- gekehret. Als ich mich nun einen Monat allda aufgehalten und/ was zubesehen gewesen/ fleißig in Augenschein genommen/ bin ich mit GOTT schluͤßig worden meine Reise mit dem foͤrder- samsten nach Constantinopel fortzusetzen/ habe mich demnach wieder auf einer gemuͤtheten Land-Gutschen zuruͤcke nacher Venedig begeben/ sind sechs Meilen/ und habe allda mein Logier im schwartzen Adler genommen. Weil ich mich aber des Schiffs halber/ so nacher Constan- tinopel segeln wollen/ in etwas allda aufhalten muͤssen/ habe ich mich aus dem Wirthshause in Cameram locantem begeben und allda nach meinem belieben selber bekostet/ dieweil im Wirths- hause die Speesen ziemlich hoch anlauffen wollen. Und wiewohlich gerne der Stadt Venedig allhier etwas gedencken wolte/ so ist doch des Dings so viel/ daß ichs fast nicht wagen darff. Kurtz aber zusagen/ so halte ich nicht/ daß eine Stadt in gantz Europa der Stadt Venedig an Herrligkeit/ Pracht Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Pracht und Macht vorgehet. Denn zuverwundern ist sich 1. uͤber die Groͤsse derselben/ in welcher 190714. Menschen wohnen sollen. 2. Uber die unzehlichen/ praͤchtigen Pallaͤste/ auch wohl gemeiner Leuthe. 3. Uber die viel herrliche und gantz kuͤnstlich er- bauete Kirchen fast alle von Marmel/ Jaspis/ Alabaster und Porphyrsteinen/ inwendig aufs praͤchtigste ausgeschmuͤcket. Es werden aber drinnen gezehlet 66. Haupt-Kirchen/ 26. Stiff- ter/ 54. Kloͤster/ 18. Capellen/ und 17. Hospitaͤle/ 114. Glocken- thuͤrmer/ 27. gemeine Schlag-Uhren. 4. Uber die vortreffli- che Bibliothek/ 5. Uber das grosse reiche Arsenal oder Zeughauß. 6. Uber der Stadt und Jnwohner grosses Reichthumb und Vermoͤgen/ 7. Uber ihre loͤbliche Policey und Regirung/ sinte- mahl allda 56. Gerichte gehalten werden/ Klaͤgern und Beklag- ten zum besten/ 8. Uber die vielen Bruͤcken/ deren 450. gezehlet werden/ unter welchen die zu Rivo alto die fuͤrnehmste/ denn sie sehr kuͤnstlich und viel tausend Kronen kostet. So liegen auch taͤglich und ohn unterlaß in die 800. Gundelen/ oder Schifflein zum uͤberfahren fertig/ weil Venedig gantz im Wasser liegt und mit vielen Canalen durchflossen ist. 9. Uber S. Marx Platz und Kirche: Da ist Pracht und Herrligkeit zusehen/ daß mann druͤber erstarret und vernarret. 10. Uber die Kauffmanns- Poͤrsen/ deren 53. sind/ da ich Nachricht/ glaub ich/ aus der gantzen Welt haben und hoͤren/ nicht was vor Alters/ sondern von der Zeit passiret und vorgehet/ 11. Uber die schoͤnen sonder- baren Lust-Gaͤrten/ deren 185. an der Zahl. Zuverwundern ist sich auch 12. uͤber der Venetianer Glaßhuͤtten. Dieselben sind auf einer kleinen Jnsul/ ohngefaͤhr eine halbe Meile von der Stadt/ da werden die bey uns in Teutschland beruͤhmten schoͤ- nen Glaͤser in grosser Menge gemachet. Anderer Rarite ten zu- geschweigen. Sonderlich ist zuverwundern. 13. Uber die viel C 3 Laͤn- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Laͤnder der Stadt Venedig/ denn an Jnsuln und Laͤndern ha- ben sie Corfu, Zefalonia, Cerigo, Zante und Creta, oder Candia, fast gantz Friaul und Histria, oder Jsterich. Am Meer in Dal- matia Cataro, Spalato, Zara und andere mehr. An Land-Staͤd- ten Cassano, Castell-Franco, \&c. Bergamo, Brixia, Crema, Vero- na, Vicentia, Tervis, Padua, und andere mehr/ wie davon bey an- dern Scribenten Nachricht zufinden. Das II. Capitel. Von der Reise zur See nach Asia und desselben beruͤhmten Stadt Smirna. N Ach dem nun das Schiff gantz und gar expedirt und zum ablauffen fertig habe ich mich mit meiner zur Reise gehoͤ- rigen Provision im Namen GOttes zu Schiffe begeben. Weiln ich aber damals der Jtaliaͤnisch- und Tuͤrckischen Spra- chen noch nicht kuͤndig war/ habe ich einẽ Niederlaͤnder/ so dersel- ben erfahren und in die 9. Jahr zu Const antinopel sich in Dien- sten des Niederlaͤndischen Ambassadeurs aufgehalten/ von dem er auch aus seiner langwierigen Tuͤrckischen Dienstbarkeit erloͤ- set worden war/ mit mir auf gedachtes Hn. Ambassadeurs Vet- ters Recommendation, mit dem er nur vor zwey Tagen von Constantinopel zu Lande nacher Venedig kom̃en war/ wieder zuruͤcke nach Constantinopel genommen/ wiewohl mit grossen Kosten/ massen ich ihm/ weiln er mit Kleidern uͤbel versehen ge- wesen/ Mantel und Kleider schaffen muͤssen/ welches auf Vier- tzig Reichsthaler hinan gelauffen/ mich aber selber habe ich auf Tuͤrckisch ausstaffiret. Hiernebenst/ als ich mich mit aller zum Winter und aufs Meer behoͤrender Nothdurfft an Kleidern/ Mattratzen/ Hauptpolstern/ Leilachen/ Bettdecken und Provision an Victua- lien und guten rothen Wein auf zwey Personen gnungsam ver- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. versehen/ bin ich den 28. Augusti st. n. Nachts zwischen drey- und vier und zwantzig Welscher Uhr/ teutscher aber ohngefaͤhr sie- ben und achte im Namen Gottes sammt meinen Niederlaͤnder nach dem Reisefertigen Schiffe auf einer Gundela zugefahren: Sind aber/ weil noch alles Gut nicht im Schiffe/ umb Mitter- nacht erst in die weite der See/ nebenst noch zweyen andern grossen Schiffen/ mit guten Winde fortgesegelt/ wiewohl wir nur mit halben Segeln und gemachsam fort gehen doͤrffen/ weil unser Schiffherr umb einiger Verrichtung willen zuruͤcke bleiben muͤssen und erst auf den Tag zwischen 10. und 11. Uhr auf einer grossen Parquen nachkommen nebenst zween Trompe- tern/ welche unser Schiff von weiten ersehend mit ihren Trom- peten-Schall lustig beehret/ biß sie endlich gar zu uns kommen. Nachdem nun unser Schiff- Patron unserm Schiffe sich genahet und dasselbe mit Trommel- und Trompeten-Schall/ wie gedacht/ froͤlich empfangen/ welches schoͤn zuhoͤren war/ auch unser Capitain demselben mit loͤsung dreyer Stuͤcken be- willkommet/ sind wir drauff im Namen Gottes mit heller Stimme dreymahl JESUS/ JESUS/ JESUS schrey- end mit vollen Segeln der weite des Meeres zugefahren. Sind also vom 29. August. biß den 2. Sept. st. n. gar gluͤcklich fortkom- men und haben diesen gedachten 2. Sept . im voruͤber Segeln ohn gefaͤhr auf funffzehen teutsche Meilen zu Gesichte bekommen/ 1. Ancona. Dieses Ancona ist eine ziemliche grosse Stadt und sonder- lich beruͤhmt wegen der Schiff fahrt und starcken Handlung/ die allda getrieben wird/ wie sie denn auch noch ziemlich fest ist/ liegt allenthalben sehr lustig/ unten an einem grossen Berge am Meere/ welcher Berg genennet wird Monte d’ Ancona: Dabey liegt auch ein Castell zur Stadt gehoͤrig/ wor auf ein Cardinal woh- Siebenjaͤhrige Welt-Beschanung. wohnet/ so dieselbe guberniret, gehoͤret alles unters Papsts Ge- biethe. Es ist zwar vor langer Zeit diese Landschafft denen Ve- netianern zustaͤndig gewesen/ aber hernach von ihnen selber Paͤpstlicher Heiligkeit præsentirt und geschencket worden. Vierzehen Meilen davon liegt der beruͤhmte und heilige Orth 2. Loreto eine halbe Meile vom Meer abe. Wird sonst S. Maria di Loreto genennet. Jst zwar eine kleine aber lustige Stadt/ fest und wohl verwahret und wird von dreyerley Leu- ten bewohnet als Geistlichen/ Gastwirthen und Pater noster- machern. An diesem Orthe ist zusehen das Haͤußlein der heili- gen Jungfrauen Marien/ worinnen sie zu Nazareth den Gruß vom Engel empfangen und sol von den Engeln dahin gebracht worden seyn. Dahero denn dahin weit und nahe unzehliche Wallfahrten geschehen/ wovon auch der Orth meistens also be- ruͤhmt worden. Solch Haͤußlein aber ist von Ziegelsteinen und steht in einer sehr grossen Kirche/ die trefflich schoͤn erbauet und ist der Schmuck/ Schatz und Vorrath an Kleinodien/ Gold/ Edelsteinen/ Perlen und Silber bey diesem Marien-Bilde nicht zuglauben/ noch zubeschreiben. Den 3. Sept. haben wir bey grosser Hitze wenig Wind ge- habt/ also/ daß wir unsere Segel nicht viel brauchen koͤnnen. Den 4. Sept. haben wir etwas mehr Wind gehabt und von fer- ne zur Lincken Hand gesehen 3. die Jnsul S. Andreæ, welche gar klein und ōde ist. Weiter aber auf selbiger Hand sind wir an- sichtig worden 4. einen grossen Felsen mitten im Meere/ so we- gen der Form eines Apffels Pomo genañt wird und werden dar- auf viel Falcken gefangen. Gesehen haben wir 5. die Jnsul Leissa, welche nicht groß und denen Venediern zustaͤndig/ liegend bey Sclavonia oder Dalmatia, wie das Land auch genennet wird. Den 5. Sept. sind wir ansichtig worden der Jnsuln 6. Katscha und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und 7. Katschola, auch denen Venediern zustaͤndig/ wiewol sie beide wuͤste/ den 6. Sept. sahen wir 8. die Jnsul Cursolo, wel- che groß und bewohnt ist/ der Stadt Rapusa unterthaͤnig und ligt in Sclavonia . Jtem 9. die Jnsul Pellosa, oder Pelloposa, so auch wuͤst und unbewohnt lieget. Den7. Sept. haben wir den ersten Port wegen grosses Tobens deß Windes und Meers bey einem Flecken 30. Castello Novo . so Tuͤrckisch/ unfern von Rapusan nehmen muͤssen. Dieser Flecken liegt gerade im Meer in terra ferma un- term Gebuͤrge und sind die Jnwohner derselben Gegend sehr boͤse und denen frembden Christen abscheulich nachstellende Tuͤrcken/ weßwegen denn/ als wir/ weil unser von der Fortun zerbrochenes Schiff daselbsten neun Tage/ umb solches wieder zu bessern/ verbleiben muͤssen/ wie im folgenden Capitul mit mehrern soll gedacht werden/ unter solcher Zeit unterschiedene mahl den Flecken/ Leuthe und Gegend zubesichtigen auff un- serm Neben Kaicklein hinuͤber schiffen wollen/ hats uns der Schiff-Capitain treulich widerrathen/ mit Vermelden/ daß/ so bald dieselben Tuͤrckischen Bestien einen fremden deß Landes und Sprachen unerfahrnen Christen antreffen/ sie denselben alsbald gefangen naͤhmen/ so lang verborgen hielten/ biß niemand mehr mit Ernst nach ihm fragte und so dann zu sol- chenschweren Diensten gebrauchten/ worzu man fast kein un- vernuͤnfftig Thier gebrauchen solte/ ja ihn mit Geisseln/ Pruͤ- geln und Plagen auffs alleraͤrgste tractirten/ oder anderweit in ewige Dienstbarkeit verkaufften. Es sind aber gleichwol Griechen selbiger Gegend zu uns kommen/ die uns allerhand Lebens-Mittel zuverkauffen ge- bracht/ da wir auch/ was noͤthig/ um billichen Preiß von ih- nen erhandelt. D Und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Und weil wir zur lincken der Einfahrt solches Hafens/ oder Ports ein schoͤn gruͤnes baͤumichtes Gebuͤrge hatten/ suchten wir etzliche mahl uns alda zuerlustigen/ auch mit Holtz zum Kochen ins Schiff zuversehen/ wiewol in moͤglichster Stille/ und so/ daß wir kein lautes Wore reden dorfften auß Furcht fuͤr denen vorgedachten raͤuberischen Tuͤrcken/ damit sie uns nicht hoͤren und nachstellen solten. Das III . Capitul. Von einem schweren See-Sturm/ worinnen wir bey nahe verdorben weren. D Je Fortun aber und Ungestuͤhm belangende/ die uns in ietztgedachten Hafen genoͤthiget/ hat sich dieselbe albe- reits den 6. Sept. gegen Abend ziemlich starck angehal- ten. Nach dem aber die Booßgesellen sampt andern dem Schif zugeordneten auß dem Gewitter eine grosse Ungestuͤhm auff bevorstehende Nacht vermercket/ haben sie sich aufs Meer hinauß zu begeben nicht rathsam befunden/ sind demnach auf Bitte der Passagiers zum Schiff-Capitain gangen/ jhm gegen- wertige und ie laͤnger ie mehr zunehmende Gefahr der allge- mach hereinfallenden Fortun angezeiget/ zugleich bittende/ den noch alda ietzo in seiner Macht habenden Port einzunehmen und mit dem Schiffe bey zeit einzulauffen/ damit die vor Au- gen schwebende Leibs- und Lebens-Gefahr und aller im Schiff habenden Guͤther verhuͤtet werdenmoͤgte. Weil aber solche treue Warnung stat nicht finden moͤgen/ in dem der Capitain fuͤrwendete/ es wuͤrde dahin nicht kom- men/ haben wir nach Verlassung deß guthen Ports unsern Curs fortnehmen muͤssen: Seynd also mit grossem von denen Booßgesellen wegen deß auch hernach also erfolgten grossen Sturms Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Sturms eingejagten Schrecken im Namen Gottes mit eife- rigem Gebeth fortgeseglet und haben uns in schneller Eil weit von dem Port gefernet und nunmehr ohn einige menschliche Mittel allein in Gottes Gewalt gestanden. Als nun die Nacht eingebrochen und die starcken Winde/ wie gemeiniglich zu Nachts am meisten zugeschehen pfleget/ aufgestanden/ auch es gantz dickfinster worden und ein star- cker Regen noch darzu mit eingefallen/ nebenst unauf hoͤrlichen Donnern und Plitzen/ ist erst die vorhin prophezeyete und in Wind geschlagene Ungestuͤm mit Macht herein gebrochen/ hat das Schiff von einer Seiten zur andern/ bald uͤber/ bald un- tersich mit grausamer Gewalt geworffen. Weilen wir aber zu dem vorhin verlassenen Port nunmehr unmuͤglich wieder ge- langen koͤnnen/ wie sehr der Capitain darnach gewuͤnschet/ ha- ben wir uns drein ergeben/ fleissig gebethet und alles Gott und seiner Barmhertzigkeit anheim gestellet. Zwischen 11. und 12. Uhr in der Nacht ist der Sturm der- massen hefftig worden/ daß auch/ weilen die Segel wegen deß uͤberauß starcken Windes so geschwinde nicht herab genom- men werden koͤnnen/ der Wind den Hauptmastbaum oben her- ab/ iedoch zu unserm grossen Gluͤck/ ins Meer geschlagen/ daß er das Schiff nicht beruͤhret/ da denn erst Lachen zuverbeissen war. Dann in dem wir in solchem grossen windigen/ regenhaf- ten finstern Sturm-Wetter auf dem Meer durch die noch stets zunehmende Ungestuͤhm in Ermangelung unsers Mast- baums mit dem Schiffe bald unter/ bald uͤber sich geworffen wurden/ daß auch das Schiff von denen hefftigen und schreck- lichen Erschitterungen der Meeres-Wellen/ welche nit anders als hohe Berge von ferne auf das Schiff daher waltzeten/ uͤber alle masse gekrachet und geknacket/ haben wir anders nicht ver- meinet/ als daß es diesen Augenblick zu Truͤm̃ern gehen wuͤr- D 2 de Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. de und wir sammt Schiff und Guͤthern in der finstern Nacht im Meer verderben muͤsten. Bald ist das Schiff auf die Seite geschlagen/ daß alle Kesten/ Laden und was drinnen gewesen/ uͤbern Hauffen gele- gen/ welches denn ein solches Krachen und Prausen verursa- chet/ daß man sich allein daruͤber gnugsam entsetzen muste/ wenn gleich sonst keine Ungestuͤhm/ noch einige andere Gefahr waren verhanden gewesen. Jm Schiffe hat man weder stehen noch gehen koͤnnen/ auf den Lagern aber sind wir dermassen herum geworffen worden/ daß uns Hoͤren und Sehen vergangen und in War- heit kein anders Außsehen da war/ als daß uns die Wellen/ die bereits an allen Orthen mit grossem Grausen und Brausen zu uns eingeschlagen/ lebendig versencken uñ ertraͤncken wuͤrden: Und ist uns also diese einige Nachtlaͤnger/ als sonst eine gantze Woche/ vorkommen/ mit unzaͤhlichen Wuͤnschen nach dem An- bruche deß lieben Tages. Jn diesem grausamen See-Sturm sind gleichwol zwey Venetianische Schiffe/ so mit uns von Venedig außgelauf- fen/ wiewol uns vorkommen/ verdorben/ eins/ so zu Druͤm- mern gangen/ das andere/ so versuncken/ dahero wir Gott nit gnugsam zu dancken gehabt/ daß er uns allein so gnaͤdig- lich erhalten und auß so augenscheinlicher Todes-Gefahr dar- von geholffen. Deñ da war wohl recht Lachen zuverbeissen und muͤste ein ieder/ der mit auf dem Schiffe war/ den gemeinen Teutschen Rheim lassen waar seyn/ da man zu sagen pfleget: Wer nicht fleissig bethen kan/ Der werde nur ein Schiffmann. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das IV. Capitul. Von unserm Aufbruch und Fortzug von Castello Novo. Z U Castello Novo haben wir uns/ wie oben gedacht/ im Port 9. Tage aufgehalten/ von welchem ohngefaͤhr in die 18. wel- sche Meilen abgelegen 1. die Stadt Cataro, so an dem Scla- vonischen/ oder Dalmatischen Ufer gelegen und von Natur fest ist/ weil man ihr um der vielen Berge/ rauhen Wege und engen Clausen zu Lande nicht beykommen kan. Jst sonst denen Venetianern zustaͤndig/ wie auch 2. die Stadt Ra- pusa, welche zwantzig Welsche Meilen von gedachtem Castello Novo gelegen. Diese Stadt hat ein freyes Regiment. Weil aber ihre Macht nicht groß gnug/ so muͤssen sie es mit den Nachbarn halten/ und sonderlich dem Tuͤrcken jaͤhrlich 14000. Ducaten Tribut bezahlen. An sich selber ist sie zwar Volckreich/ ob sie gleich so gar uͤbrig groß nicht ist. Ausser der Stadt liegt das Schloß/ S. Laurentij genannt/ welches fest und nicht groß/ aber sehr bequem zur Gegenwehr ist/ dabey es auch gegen Auffgang einen bequemen Fort hat. Bey dem Castell auf der andern Seiten ist ein Bergen an welchem unten die Stadt ge- legen/ nicht weit vom Meer und gar an einem lustigen Orth. Es gibt viel Spring Brunnen denn die von den Bergen herab kommen. Jhre Sprach ist Sclavonisch/ sie reden aber alle auch Jtalienisch. Nach dem nun unser Schiff wieder ergaͤntzet und fertig war/ auch wir uns mit Nothdurfft zur Reise wider versehen/ sind wir den 16ten Sept. mit sehr guthem Winde wieder auß- gelauffen und den 17. Sept. vorbey gesegelt 3. bey der Jnsul Cor- fu, die bey dem alten Griechischen Poë ten Homero sehr beruͤhmt gewesen. D 3 Die Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Die Hauptstadt auf dieser Jnsul heist auch Corfu; ist sehr feste und hat drey Castell/ deren zwey gegen einander/ das eine auff einen sehr hohen spitzigen Berge/ das andere aber etwas niedriger gelegen/ und das dritte liegt unten am Meer/ und sind alle denen Venetianern zustaͤndig. Das Land ist sehr fruchtbar und findet man gantze Waͤlder von Pomerantzen/ Zitronen und Granataͤpfeln drinnen/ Wein und Baumoͤhl Honig und Wachs ist die Menge da/ wie auch kein Mangel an Getreide ist. Keine Raubthierer gibts nicht/ aber sonst aller- hand gut Wildpert. Den 18 den und 19. Sept. haben wir stets guthen Wind gehabt/ biß wir den 20sten um den Mittag gluͤcklich erreichet 4. die Jnsul Zante und in derselben Stadt auch Zante genant/ angelendet. Gedachten 18. Sept. aber sind wir zwischen sechs grossen Steinklippen/ mitten im Meer liegend/ mit grosser Furcht und Gefahr gar nahe hindurch gesegelt/ unter welchen einer Vanus genannt zur rechten Albaniæ den Venetianern gehoͤrig/ wird von Griechen bewohnet und ist gar groß. An diesem Felsen ist manch Englisch- und Hollaͤndisch Schiff zu scheitern gangen/ die der Wind da angetrieben hat: Dahero wir im vorbey Se- geln grosse Vorsichtigkeit gebrauchen und das Schiff mit al- lem Fleiß gubernir en muͤssen/ damit es uns nicht auch ungluͤck- lich gehen sollen. Es erbauet dieser Berg oder Felß auch et- was an Oehl und Getreydig/ die andern 5. Klippen haben wir auf der lincken Hand/ wiewol gar sehr nahe/ gelassen. Das V . Capitul. Von dem Gebrauch der Contumaciæ. A Ls wir nun zu Zante im Port eingelauffen/ haben wir da- selbst vier grosse Hollaͤndische Schiffe mit Soldaten/ wel- che Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. che denen Venetianern zu kommen/ angetroffen/ seynd in die 2000. Mann gewesen. Es hat sie aber die Stadt Zante ohne Contumacia nicht einnehmen wollen/ weil sie dazumahl der Pest halber in Furcht gestanden. Es hat aber mit dieser Gewohnheit/ Contumacia genannt/ solche Bewantniß und Beschaffenheit. Contumaciam machen ist so viel/ als auff eine gewisse Zeit sich der Stadt/ oder eines Orths/ dahin man begehret/ ent- halten: Und geschicht bißweilen wol von 20. biß auff 30. Tage. Da hat man gewisse Haͤuser/ wo vornehme Handelsstaͤdte/ gebauet/ worinnen solche Contumacirer eingesperret und wie im Arrest/ biß zu Außgang der gesetzten Tage sitzen muͤssen. Wo aber keine solche Haͤuser/ kan man sich die Zeit uͤber auf sei- nem Schiffe enthalten. So bald sie nun vermeinen/ daß ein Schiff von verdaͤchtigen Orthen wegen der Peste ohne Fede oder Testimonio von dem Orth/ davon es abgesegelt/ ertheilet/ anlanget/ muß es sich besagter massen auf eine Zeit/ so nach Gelegenheit der Umbstaͤnde/ darzu bestimmet/ deß Orthes entaͤussern. Als wir nun in die Stadt kommen/ seind wir von einer darzu bestellten Person in eine Griechische Kirche gefuͤhret worden/ allda wir unser Gebeth ein jeglicher seiner Religion nach/ zu Gott fuͤr geleisteten gnaͤdigen Schutz auf dem wilden Meer inbruͤnstig abgeleget und gedancket. Das VI . Capitul. Von der Beschreibung der Jnsul und Stadt Zan- te, oder Zacynth@, wie sie auch pflegt genennet zu werden. D Je Jnsul Zante, ist ungefaͤhr 600. Jtalienische Meilen umfangen und liegt Achaja und Cephalonia zwischen inne. Die Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Die Stadt hat den Namen von der Jnsul: ist nicht sonderlich groß und liegt nach der Laͤnge am Meer/ ist von den Tuͤrcken etliche mal abgebrannt und zerstoͤret/ jedoch immer wieder er- bauet und bey Macht erhalten worden. Sie hat uͤber dreissig Griechische Kirchen und zwey Catholische/ und ist Volckreich. Die Jnnwohner sind mit Gewehr wol versehen/ auch bauet es allda sehr guthen und starcken Griechischen Wein/ welcher/ wenn er geraͤth/ in die 18000. grosse Vasse giebet. Die Oehlbaͤu- me/ wenn sie wol zuschlagen/ koͤnnen in die 13000. Vaß Oehl einbringen. Die kleinen Rosinen sind Haͤuffig zu finden/ daß/ so ein guth fruchtbar Jahr ist/ zehen Englische Schiffe ein Jahr lang alda koͤnnen beladen werden/ von Korn/ aber Vieh und andern Sachen/ was sie beduͤrffen/ koͤmmt ihnen auß Tuͤr- ckey gnugsam zu. Jm Castell/ so auf einem hohen Berge gelegen und 1200. kleine Haͤuserlein begreifft/ sind 150. Soldaten/ wiewol ih- rer sonst von rechtswegen 300. sein sollen. Und weil das Castell hoch liegt/ kan man sehr weit in die Jnsul hinein sehen. Dieselbe ist schoͤn eben und unten voller Oelbaͤume und kleiner Rosinen- Straͤucher/ auch sind in der Vestung uͤber 70. Stuͤck Ge- schuͤtz. Oben sind mehr Catholische/ als Criechische Kirchen/ und/ wie man mich berichtet/ uͤber 20. Catholische sammt den Capellen und 8. Griechische. Sonsten sollen sich auf der gantzen Jnsulin 14000. wolbewehrter Mann befinden und geschehen jaͤhrlich zu Herbstzeiten erschroͤckliche Erdbeben drauf/ wie denn zu meiner Zeit/ als ich drauff gewesen/ drey langwaͤrende grausame Erdbeben entstanden/ daß ich anders nicht gemei- net/ als daß die gantze Stadt untergehen solte/ massen denn das Hauß/ darinnen ich logiret/ sich hefftig erschuͤttert/ daß ich nicht zu bleiben gewust fuͤr Angst und Schroͤcken. Der Wirth aber hat mir gesagt/ sie weren deß all gewohnt/ weils alle Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. weils alle Jahr geschehe und niemals aussen bliebe. Auch bin ich berichtet worden/ es pflege alda gar selten zu regenen/ wenn es aber anhuͤbe/ so regene es oft gantzer vier Wochen aneinan- der. Die Hitze ist uͤber auß groß/ daß die Jnwohner nicht zu bleiben wissen/ wie es denn keinen sonderlichen Winter gibt und mehr Regen als Schnee faͤllet. Das VII . Capitul. Von unserer Fortreise von Zante und was un- terwegens mit vorgelauffen- G Egen dieser Jnsul Zante uͤber haben wir gesehen 1. M ore- am und 2. Castellum Porneso. Den 28sten Sept. aber sind wir mit ziemlichen Winde von dannen auffgebrochen/ haben den 29sten M oream auf der lincken Hand gelassen/ wo- selbst zwey Castell Nuovo l’uno Vecchio, l’altro Xlaverino detto zu sehen. M orea (also wird ietzt genennet die Jnsul Peloponnesus ) ist ein feste Land und keine Jnsul zwischen dem Jonischen und Egeischen Meer inne gelegen/ ietzo dem Tuͤrcken gehoͤrig und ist zehen Tagereisen im Umkreiße groß. Jn diesem Land sind gelegen die vor dessen zun Zeiten der heiligen Apostel und ihrer reinen Nachfolger beruͤhmten Staͤdte 3. Corinthus. 4. Lace- dæmon, so auch Sparta genennet worden und 5. Athen, ist uͤber- auß fruchtbar an Korn/ Oel/ Seide/ Wein/ und Vieh/ wel- ches man in grosser Menge drinnen findet. Dieses Land war vordessen der allerbeste Theil Griechenlandes und hatte/ wie ietzt gedacht/ die allerberuͤhmtesten Staͤdte und Republicen, sind aber ietzt alle gefallen und von dem Tuͤrcken zerstoͤret wor- den/ wiewols dennoch mehr bewohnet ist/ als andere Orthe in Griechenland. E Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 30. Sept. haben wir den Berg 6. bey Corinthus, da- hin S. Paulus zwey Episteln geschrieben/ gesehen und haben an diesem Orthe nicht geringe Gefahr wegen der Meer-Raͤu- ber gehabt/ wiewol uns der Allerhoͤchste noch in Gnaden durchgeholffen/ denn eben diese Nacht/ als wir auß dem Port von Zante auffgebrochen/ haben drey Englische Schiffe/ deren eins nacher Venedig/ das andere nach Constantinopel/ das dritte aber in die Jnsul Cypern segeln wollen/ mit zwey grossen Tuͤrckischen Meerraͤuberischen Schiffen hart geschlagen/ ie- doch haben nach langem Gefechte die Englischen die Oberhand behalten und sind gluͤcklich davon kommen/ welches zwischen dem Castell Cerigo und Xlaverino geschehen. Den 1. Octobr. st.n. haben wir unsern Curs nach Cerigo auß Furcht der Cursaren zunehmen wollen/ haben aber wegen Contrari Windes darzu nicht gelangen koͤnnen und also zwey Tage und drey Nachte mit grosser Furcht und Gefahr zuge- bracht. Denn indem wir uns nicht wenig geaͤngstet/ wie wir den Tuͤrckischen Seeraͤubern entkommen mōgten und uns das Schiff zu foͤrdern gemartert/ sind wir den z. Octobr. fruͤh Morgens von einem unverbofften ploͤtzlichen Sturmwind auf einen im Meer liegenden sehr hohen Steinfelsen/ Civo duro ge- nannt nahe am Castell auf die rechte Hand mit solcher Hefftig- keit zweymal aneinander zugetrieben worden/ daß wir anders nicht vermeinet/ als daß uns die Macht deß Windes/ welche uns stets der Klippen zugetrieben/ diesen Augenblick an den Felsen schlagen und wir elendiglich wuͤrden untergehen muͤssen/ sintemal uns die Strenge deß Windes nicht zulassen wolte/ die Segel/ so voller Wind/ so bald/ als von noͤthen war/ zurichten/ gleichwol aber das Schiff/ als ein Pfeil/ in deß den Felsen zuschosse/ worbey ich mir denn schon vorgenommen/ der Augenscheinlichen Gefahr zuentwerden/ da das Schiff wie- der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. der die Klippen lauffen wuͤrde/ daß ich einen Sprung nach dem Felsen wagen wolte. Wir haben uns einen gantzen Tag biß in die Nacht hinein um das Castell herumb gedrehet und doch unmuͤglich ankom- men koͤnnen. Einmahl schlug die Ungestuͤhm das Schiff der- massen auf die rechte Seite/ daß es bereits Wasser zu schoͤpffen anfing und wir nit anders vermeinet/ als daß es ietzt zu grun- de gehen wuͤrde/ dahero deß lamentir ens/ Furcht und Schre- ckens im Schiffe kein Ende war. Den 4ten Octobr. haben wir ein wenig bessern Wind ge- habt und den 5. dito 7. M alvasiam zur lincken Hand vorbey ge- segelt. Jst ein Castell wiewol nicht groß und ist auch noch in M o- rea oder p eloponneso gelegen und den Tuͤrcken zustaͤndig. Alda wurden wir umb diese Gegend zwey Galeen und zwoͤlff Schiffe von weitem ansichtig/ die uns nicht wenig Schrecken verur- sacheten/ weil wir vermeinet/ es der Tuͤrckischen Cursa ren Ar- mada seyn werde. Und weil die zwey Galeen auf uns zulieffen/ giengen wir zu Rathe/ welcher Gestalt wir ihnen aufs beste/ so muͤglich/ begegnen moͤgten/ sind aber endlich vorbey gangen und haben uns die andern Schiffe/ welche Griechen waren/ auf unser freundliches Nachfragen nicht berichten koͤnnen/ wer sie gewesen/ biß wir endlich erfahren/ daß es Maltheser Galeern gewesen/ wiewol wir doch dessen gleichwol keinen gar gewissen Grund gehabt. Zur rechten Hand haben wir gar nahe ersehen die Jnsu- len 8. M afrocarasia, 9. Antimilo und 10. M ilo, zur lincken Hand aber 11. einen grossen Steinfelsen im Meere/ welcher eine Jn- sulist und Falconera genant/ aber nicht bewohnet wird/ wie auch sonst viel andere Jnsulen mehr umb diese Gegend unbe- wohnt liegen. Von M alvasia liegt Lacedæmonia zwey kleine Tagreisen zu Lande. M ilo ist vor Zeiten M elos genennet wor- E 2 den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. den und hat ein hohes Ufer/ so uͤber das Wasser gehet gegen das Vorgebuͤrge M alea in Poloponneso und ist diese Jnsul fast rund und umgriffen in die 24. Franzoͤsische Meilen. Sie hat gar einen Fetten fruchtbarn Boden/ da das Korn und sonder- lich der Weitzen in 40. oder manchmal wenig Tagen druͤber zu vollkommener Hoͤhe koͤmmet und hernach kurtz drauf ge- schn dten werden kan. Sie gibt auch Oel und Wein/ Silber und @den besten Schwefel/ als an einem Orthe gefunden werden mag. Die Jnsul Cerigo, welche sonsten fruchtbar und denen Venetianern zustaͤndig ist/ hat in die zwantzig Doͤrffer und ein Castell/ wird von Griechen bewohnet und ist bey solchem Ca- stell gar ein gefaͤhrlicher Hafen. Denn so ein Ungestuͤhm auff dem Meer entstehet/ sind die Schiffe wegen der Felsen in dem- selben in grosser Gefahr. Von der Jnsul Zante biß Cerigo rechnet man 300. Jta- lienische Meilen: Und ist vielleicht unser groß Gluͤck gewesen/ daß wir die zwey Tage uͤber in solchen Port bey dem Castell Cerigo nicht einkommen koͤnnen/ wegen deß damahls gewese- nen Sturmwindes und Ungestuͤhme deß Meeres/ indem uns dadurch leicht ein grosser Schade erwachsen koͤnnen/ der uns aufreiben sollen/ da wir vermeinet am sichersten zu seyn. Den 4. Oct. Morgens fruͤh/ weil gleich damahls der Tag S. Francisci war/ seind ihm zu Ehren drey Stuͤck geloͤset worden auf unserm Schiffe/ damit/ der Meinung nach/ durch seine in- tercession wir bessern Wind erlangen moͤgtẽ/ wie denn auch ge- schehen. Den 6. Oct. haben wir guhten Wind gehabt und ha- ben im vorbey Segeln zur lincken Hand gesehen 12. Romasniam, auf der Rechten aber/ wiewol von ferne die Jnsulen 13. Cervo, 14. Termia, 15. Sia, 16. Silia, 17. Sonsusa, 18. Dischir, und 19. Tol- buro. Werden von Griechen/ der Tuͤrcken Unterthanen/ be- wohnet/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wohnet/ sind ziemlich groß und bauen Getreydig. Termia aber hat um und um 45. Jtalienische Meilen und gibt guth Volck darinnen. Zur lincken Hand haben wir auch unter andern ge- sehen 20. Napolun, welches eine Stadt ist in Griechenland ge- legen. Den 7. Oct. haben wir Vormittage guthen Wind ge- habt und sind gegen Abend/ wiewol mit schlechtem Winde/ in Port der Jnsul Termia eingelauffen/ daselbst uns wieder mit frischen Wasser zuversehen/ weil uns unser Wasser fast stin- ckend werden wollen. Diese Jnsul hat drey Doͤrffer und ist sonst von hohem Gebuͤrge und weitlaͤufftig/ und der Hafen derselben ist uͤber- auß guth/ um und um mit Gebuͤrge zu besserer Gewahrsam der Schiffe von Natur versehen. Allhier haben wir auch diesen Tag gesehen 21. die Ge- gend/ da vordessen Athen, die beruͤhmste Stadt und Haupt- stadt in Griechenland gestanden/ von Termia ungefaͤhr acht und zwantzig Teutsche Meilen/ welche wir auf der lincken Hand gelassen. Den 8. Oct. sind wir auß diesem Port wieder aufgebro- chen/ als wir uns zu Fortstellung unserer Reise mit frischem Wasser und andern nothwendigen Dingen versehen und sind den 9. Oct. die Jnsuln 22. S. Andreæ zur Rechten und 23. Nigro- ponto zur Lincken nahe vorbey passiret, und den 10. dito 24. die grosse Jnsul Scio, so Tuͤrckisch/ die Jnsul S. Andreæ liegt im Ein- streich deß Meers M arede M armora, welches vor Alters Pro- pontis, das ist/ das Vor-Meer genennet worden/ weil Con- stantinopel dahinter liegt. Gehoͤret den Tuͤrcken zu/ wie auch gantz Griechenland/ dahero auch alle der weisse Wein/ so drauff erbauet wird/ gen Constantinopel gelieffert werden E 3 muß Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. muß/ und ist diese Jnsul meist von Griechen und wenigen Tuͤr- cken bewohnt. Nigroponto, welche die Tuͤrcken Egripos heissen/ hat vor- dessen Eubæa geheissen. Jst eine vortreffliche Jnsul in Archipe- lago. Die Hauptstadt darinnen ist gewesen Chalcis, wird aber ietzt auch genennet/ wie die Jnsul selbst und liegt gantz eben/ das Land ist an sich selber gar fruchtbar und hat keinen Man- gel an allerhand nothduͤrfftigen Fruͤchten. Man hat mich fuͤr gewiß berichtet/ daß man den Amiantstein drinnen finde/ wel- cher so zubereitet werden kan/ als wenn er gesponnen were. Und die Leinwat/ so dar von gewebt wird/ wird nicht gewaschen/ wenn sie unrein worden/ sonderu wird ins Feuer geworffen und dardurch gesaͤubert und wieder rein und schoͤn. Scio, so auch Schio, oder Chius genennet wird/ ist vordes- sen eine maͤchtige Jnsul in Archipelago gewesen/ von grossem Reichthum und einem loͤblichen Regiment/ ist aber ietzt schlecht bestellt/ weil sie der Tuͤrck unter seiner Macht hat/ wel- che ausser dem Bischoff keinen Christen in der Stadt wohnen lassen. Derselbe verrichtet den Gottesdienst in seinem Hause. Rephuͤner aber findet man gnug auf dieser Jnsul/ denn viel Leuthe drauff gefunden werden/ die nichts thun/ als Rephuͤ- ner aufziehen/ wiewol das Land an sich selber wegen seiner Fruchtbarkeit nicht zu tadeln ist/ denn da waͤchst gar ein herr- licher Malvasir/ Pomerantzen so haͤuffig/ daß gantze Donnen außgepreßtes Pomerantzen-Saffts daher kommen/ an Fei- gen und andern Fruͤchten mangelts auch nicht/ sonderlich waͤchst der Mastix alda in grosser Menge. Der Mastix-Baum ist nicht hoch und groß/ bluͤhet fast wie der Lerchenbaum und wenn die Jnwohner den Mastix haben wollen/ so ritzen sie die Rinde auf an demselben/ so dringet er herauß/ als ein Hartz: Und das thun sie das Jahr uͤber gar vielmahl. Wei- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Weiter haben wir auch gesehen 25. die Jnsul Ipsola, wel- che nicht groß und von dem Tuͤrcken unterworffenen Griechen bewohnet ist. Zur lincken Handwerts haben wir/ so feste Land ist/ und keine Jusul/ liegen lassen 26. Natoliam, welches in Asia, dem an- dern Theil der Welt gelegen und klein Asia genennet wirde. Jtem 27. Die Jnsul Mitylene nahe an Asiam stossend/ oder doch noch zu Europa gehoͤrend: Jtem 28. Carabarum, welches auch feste Land ist/ in Asia gelegen/ und habens von Scio zur rechten Handwerts gelassen. Diese verwichene Nacht haben wir Gefahr wegen deß Golfi, so zu segeln gefaͤhrlich/ außgestanden/ wie wir denn fol- gendes Tages groß Ungestuͤhm zwischen Scio und Natolia nach Carabarum zu in Canal außgestanden/ indem das Schiff fast umgesegelt were worden. Den 11. Oct. haben wir wegen solcher grossen Ungestuͤhm auf dem Meer/ welches wir vorige Nacht durch Gottes gnaͤ- dige Huͤlffe und Beystand uͤberstanden/ wiewol nicht sonder grosse Gefahr/ Vormittage in einem Port gar nahe unter Natolia Ancker gesencket und sind also nun dißmahl Gott lob in Asia angelanget/ welches wir gestern zur lincken Hand hatten im vorbey Seglen liegen lassen. Das dritte Buch. Haͤlt in sich eine Beschreibung eines Theils von Asia und was darinnen zu sehen und wir unsers Theils alda außge- standen/ auch wie wir weiter gen Constantinopel kommen und was unterwegens gesehen und er fahren worden. Das Erste Capitul. Von einem abermahls außgestandenem schweren See-Sturm. Die Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. D Je Gegend um Natolia ist eine über alle masse lustige Gelegenheit/ alwo es von Oelbaͤumen/ Wein- wachs und Ackerbau gleichsam lachet und ist darne- ben etwas Gebuͤrgig und das Land sehr fruchtbar/ von dan- nen man biß vollends nach Smirna rechnet 50 Meilen. Gedachten 11. Oct. vier Stunden vor Abend hat uns in diesem Hafen ein solcher Sturm uͤberfallen/ daß wir anders nicht gedacht/ als wir alle zu Grunde gehen wuͤrden/ wie denn vor unsern Augen eine grosse Barcke/ noch ausser dem Hafen/ elendiglich untergangen/ daß war uns ein schlechtes Will- kommen in Asia . Diesen Sturmwind nennet man paraffski, welcher ein boͤ- ser und sehr schaͤdlicher Wind ist. Er erhebt sich gehling und wehet bald gemach/ bald reißt und tobet er dermassen/ als wenn alles uͤbern Hauffen gehen solte/ weßwegen wir drey Ancker werffen muͤssen/ wiewol sie Anfangs nicht eingreiffen wollen/ so uns nicht wenig Furcht verursachet Denn indem das Schiff von einer Seiten zur andern schlug und die An- cker nicht greiffen wolten/ beguͤnte der Schiff-Capitain selber auch kleinlaut zuwerden/ welches uns unsere Furcht ziemlich vermehrete. Zu unserm Gluͤck aber waren die Mastbaͤume oben abgelassen/ sonst hette sie leicht der starcke Wind herunter schla- gen und das Schiff damit zerscheitern koͤnnen. Were sonderlich auch der Wind auß dem Meere auf uns gestanden/ als er uns vom Lande ins Meer anstieß/ were unmuͤglich Rath gewesen/ daß er uns nicht haͤtte ans felsichte Land und zu scheitern getrie- ben/ wie der Schiffleuthe Bericht nach an diesem Orthe manchmahl geschehen/ weil sich die Felsen vom Lande ziemlich ins Meer ziehen. Gott gab aber endlich seine Gnade/ daß die Ancker ein- griffen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. griffen und das Schiff/ nach dem wir uns statlich geaͤngstiget und gemartert hatten/ steiff anhielten/ daruͤber wir uns alle im Schiffe hoͤchlich erfreuet und einer dem andern sein außge- standenes Leid und furchtsame gehabte Gedancken den noch- waͤhrenden Sturm uͤber offenbahret und erzehlet. Diese Fortun und greulicher Sturm hatte biß auf den 13. Oct. in die Nacht hefftig angehalten/ daß auch der Capitain selbst bekannt/ dergleichen Wind habe er/ so lange er zur See gereiset/ nicht gehabt. Es wissens aber die Seefahrende auf ein genaues/ wenn sich dieser Wind will mercken lassen/ weß- wegen sich dieselben flugs bey Zeit fleissig in acht nehmen und auf die Segel ein genaues Auge haben/ damit sie dieselben herunter bringen und dem Winde die Gelegenheit zu toben auß dem Wege raͤumen. Den 13. Octobr. als in der Nacht der Sturm nachgelas- sen und wir besorget/ der Wind moͤgte sich wenden und unsere Gefahr groͤsser werden/ sind wir im Namen Gottes auß dem Hafen wieder in die See gangen und haben uns so den Tag drauff mit schlechtem Winde behelffen muͤssen/ iedoch gleich- wol den 14 Octob. drauf/ Gottlob/ die Stadt Smyrna gluͤcklich erreichet. Das II . Capitul. Von der uhralten Stadt Smyrna. E S ist dieses Smyrna eine sehr alte und beruͤhmte Stadt in Asia am Meer gelegen und zwar an einer sehr lustigen Ge- gend/ wiewol sie nicht so gar groß ist. Jn dieser Stadt ist deß heiligen Apostels und Evangeli- sten Johannis Juͤnger/ P olycarpus, wegen der eyfferigen Be- kantnuͤß Christi mit der Crone der heiligen Maͤrtyrer gekroͤ- F net Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. net worden. Denn zun Zeiten deß heiligen Apostels Pauli war an diesem Orthe eine herrliche Kirche der Glaubigen/ welche gedachter P olycarpus hernach mit seinem Maͤrtyrer-Todte ge- staͤrcket hat. Es bauet an diesem Orthe ein trefliches Getreyde/ daß auch andere Laͤnder dahin kommen und sich daselbst der Le- bensnothdurft erholen/ massen denn eben dieses Venetianische Schiff/ darauf ich biß hieher gereiset/ zu dem Ende allhero ge- segelt war/ um Getreyde zu laden und abzuholen/ dem ich auch deßwegen valedicir en und mich nach anderer Gelegenheit/ wei- ter fort zu kommen/ umthun muͤssen. Habe mich von Hertzen druͤber erfreuet/ in Betrachtung der auf solchem Schiff auß- gestandenen grossen Gefahr/ welcher ich nun zugleich mit va- ledicir et. Weiln ich aber flugs ein groß Englisch Schiff im Ha- fen antroffen/ welches nach Constantinopel gewolt/ habe ich mich auch mit aufgedinget/ mir nothwendige P rovision an Huͤntern/ Wein/ Granataͤpffeln/ Lemonien und andern aufs Meer dienliche Dinge geschaffet und bin mit meinem Hollaͤn- der den 17. Oct. Abends im Namen Gottes zu Schiffe gangen und folgende Nacht mit abgefahren. Von hier haben wir noch acht/ oder neun Tagereisen vol- lend biß gen Constantinopel zu segeln gehabt. Das Schiff aber war sehr wol außgeruͤstet/ hatte uͤber dreyssig grosse Stuͤcke sammt anderer armatur von Mußqueten/ Helleparten/ Degen und allerhand munition, deren man zu Schiffe benoͤthiget ist. Das III . Capitul. Von unserm Aufbruch zu Smyrna und fernerer Reise zur See biß gen Constantinopel/ sampt denen mit beruͤhr- ten Orthen. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. D En 18.19. und 20. Oct. haben wir sehr guthen Wind ge- habt/ der uns auch so fort gefoͤrdert/ daß wir den 19. flugs 1. die Jnsul auch M etlin und M ytilene, so vor Zeiten Lesbos genennet worden/ erreichet/ iedoch zur lincken Hand gelassen/ uf der rechten Hand aber 2. die Jnsul Chio wieder ins Gesicht bekommen/ M itylene ist an Fruchtbarkeit gar eine beruͤhmte Jnsul/ sonderlich gerathen da die Baͤumfruͤchte so wol/ als sonst fast an keinem Orthe/ der Wein gehet allen Griechischen Weinen vor. Den 20. Octob. sind wir 3. die Jnsul Tenedos vorbey gese- gelt und 4. die Gegend der uhralten Stadt Troja in Asia und Griechenland cum montibus Idæ, denn gerade Tenedos gegen uͤber/ in einer Kruͤmme deß Meeres ist noch zu sehen viel alt zerfallen Gemaͤuer und wird fuͤr gewiß vorgegeben/ daß es die Stadt Troja gewesen. Man sihet in solchem Gemaͤuer noch einen grossen viereckichten Thurm und kan man daran gnug abnehmen/ was Troja fuͤr eine herrliche Stadt muͤsse gewesen seyn/ zumahl dennoch hin und wieder Stuͤcken Mauren und Thuͤrne von Marmel mit unter gefunden werden. Ohngefaͤhr eine Stunde hiervon soll auch der Pallast deß Koͤnigs Priami gestanden haben in lauter schoͤnen Wiesen an einem Lorber- baumwalde ist aber nichts mehr davon zu sehen als ein Haufen zerbrochener schwartzer Marmel/ aufs fleissigste poliret und sonst viel zerbrochene Seulen uñ Bildwerck von Marmel/ sind also zwischen Asia und Europa, den beiden Theilen der Welt/ deren das erste zur lincken/ das andere zur rechten Hand blie- ben/ gar nahe durchhin gese gelt. Obgedachten 20. Oct. ist unser Schiff nahe bey der Stadt Callipoli in Hellesponto wegen Seuchte deß Wassers auff den Grund angestanden/ weßwegen es grosse Muͤhe gekostet selbi- F 2 ges Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ges wieder zu ruͤcke zu bringen und haben zu dem Ende vier An- cker sencken muͤssen das Schiff zu ruͤcke zu ziehen/ daruͤber aber von Mittag an/ da uns der Wind contrar worden/ biß in die Nacht/ gantzer sieben Stunden lang/ vollauf zu arbeiten ge- habt. Den 21. Oct. haben wir nur mit dem Schiffe hin und her geschwebet wegen wieder wertiges Windes und haben den/ ob gleich nahe fuͤr uns habenden Hafen nicht erreichen koͤnnen/ biß den 22. Oct. da sind wir endlich 5. zu Callipoli eingelauffen/ wiewol mit schlechtem Winde/ allwo wir uns wieder mit Pro- vision und behoͤrender Nothdurft versehen/ dieweil wir noch 170. Meilen biß nach Constantinopel hatten/ weßwegen wir uns auch hier den 23. Oct. aufgebalten. Dieses Callipoli liegt auf dem Lande/ so heut zu Tage Sanct Georgen Arm genennet wird/ ist eine halbe Jnsul in den engen Fuhrt deß Meers/ Helle- lpontus genannt sich erstreckend Alhier ist eine Uberfahrt auß Europa in Asiam, darum der Tuͤrcke so lang dahin getrachtet/ biß er ihm in seine Gewalt bekommen/ wie auch geschehen An. 1363. und ist diß der erste Paß/ den er in Europa gewonnen hat. Nunmehr hat ers gewaltig befestiget mit zween Dardanellen und Schloͤssern auf jeglicher Seite mit einem. Uber diesem Hel- lespont, schreiben die Poeten/ soll Leander oft zu seiner Buͤlerin/ Hero genannt/ geschwummen seyn/ dieweil das Meer alda nur etwann einer vierthel Meile breit ist. Den 24. nach dem der Wind wieder ftille worden/ haben wir uns gegen Callipoli, welches wir doch schon etwas/ wiewol mit schwerem Winde/ hinter uns gebracht/ wieder wenden und zu Ancker legen muͤssen/ seynd aber den 25. Oct. zu Mitter- nacht mit guthem starcken Winde wiederum außgelauffen und den 26. Oct. daraus 6. die Jnsul Marmoream auff der rech- ten Hand nahe vorbey gesegelt/ von welcher Jnsul auch das Meer Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Meer an diesem Orthe den Namen bekommen/ daß es M are Marmoreum genennet wird. Diese Jnsul hat den Namen von Marmel/ dieweils viel Marmel drauff gibt und darfuͤr gehal- ten wird/ daß vorgedachtes Troja so praͤchtig wol hat koͤnnen gebauet werden/ weil sie den Marmel dahin auß dieser Jnsul kaum 10000. Schritte zu holen gehabt. Den 27. Oct. sind wir mit einem starcken Contra ren Win- de/ im truͤben und starcken Regenwetter umb den Mittag/ Gott lob/ gluͤcklich angelanget 7. zu Constantinopel/ wiewol wir schon vergangene Nacht nicht weit davon gewesen/ nur daß wir wegen Mangel deß Windes nit hinan kommen koͤnnen Das Vierdte Buch. Haͤlt in sich eine Beschreibung der Tuͤrckischen Keyser- lichen Residentz-Stadt Constantinopel und was daselbst in Tuͤrckey herum durch Griechenland und Thracia hin und her denckwuͤrdiges zu sehen ist. Das Erste Capitul. Von unserer Ankunfft zu Constantinopel und was dar- bey vorgegangen. N Ach dem wir vns nun Constantinopel genahet und sonderlich an deß Tuͤrckischen Keysers Burg zur lincken Hand hingesegelt/ sind dem Tuͤrckischen Key- ser/ wie auch andern und sonderlich einem daselbst befindlichen grossen Englischen Schiff/ zu Ehren dreyzehen Stuͤcke Geschuͤtz auf unserm Schiffe geloͤset worden. Es hat uns aber solch Schiff im Port an unserm P andir alsbald erkannt und hat uns fuͤr allen andern anwesenden Schiffen mit mehreen Freudenschuͤssen beehret und freundlich empfangen. Constantinopel gegen uͤber liegt eine feine und sehr lusti- F 3 ge Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ge Stadt Gallata genannt/ dahin ein jeder im Schiffe seinen Sinn gerichtet hatte um sich daselbst zuerlustigen/ welches ich mir auch gefallen liesse/ damit ich allenthalben mich recht um- sehen und was dieses Orths sonderbar/ erfahren moͤgte. Demnach verfuͤgten sich alsbald/ wol in die zwantzig P ür- me, welches sind Tuͤrckische Schifflein/ an unser Schiff/ und ward manches von einer/ zwey/ drey/ vier/ biß sechs Perso- nen/ entweder Tuͤrcken Griechen/ oder armen Sclaven/ von ihren Herren darzu angehalten/ mit Reemen regieret: die bo- then ihre Dienste an die angekommene Fremden/ sammt ihren Sachen/ so ein ieder bey sich hatte/ uͤber Meer zu fuͤhren/ wel- cher Gelegenheit auch ich mich bedienet und bin also hinuͤber nach Gallata gefahren. Das II. Capitul. Von der Stadt Gallata und wie daselbst zu leben sey/ so auch Pera genennet wird. D Je Stadt Gallata ist zwar nicht gar schoͤn und praͤchtig/ aber sie liegt uͤber alle masse lustig und recht in einer Schmaltzgrube/ da man alles was zum delica ten Leben von noͤthen/ gar umb einen guthen Preiß haben kan/ so schoͤn als Constantinopel/ an Gebaͤuen/ ob sie gleich nit so groß ist/ weil sie meisten theils vor Alters von Genuesern erbauet worden. Sie hat eine Ringmauer umher/ so wol am Lande/ als gegen das Wasser und halten sich da die meisten Kauffleuthe von J- talienern/ Franzosen/ Engellaͤndern/ Niederlaͤndern/ Tuͤr- cken/ Juden/ und Griechen auf/ auch wohnen allhier die Am- bassadeur ietzt erzehlter außlaͤndischen Christlichen Kaufleuthe und zwar an einem sonderlichen Orte P era genannt/ weßwegen denn auch die gantze Stadt pflegt also genennt zu werden. Deß Roͤmis. Keysers Resident aber hat seine Wohnung zu Constan- tinopel gemeiniglich am Meer. Es Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Es haben auch die Catholische etliche Kirchen in Gallata unter welchen S. Francisci Kirche die groͤste und schoͤneste ist. Jch hatte mein Quartier bey einem Franzoͤsischen Pa- steten Koch genommen/ biß mir ein Grieche durch meinen Nie- derlaͤnder ein eigen Hauß zugemuͤthet/ ieden Tag davon zu ge- ben 6. Asper/ so ungefaͤhr nach unserer Muͤntze auf 2. Groschen koͤm̃et/ massen man an diesem Orthe ein gantz Hauß mit etzli- chen Zimmern/ wiewol schlecht/ um ein Geringes haben kan. Das meinige hatte drey Kammern/ drey Camin und zwey Vorhaͤuser/ darneben aber auch einen uͤberauß schoͤnen P ro- spect und Außsicht in der Hoͤhe aufs schwartze Meer zwischen Europa und Asia und weisete an deß Tuͤrckischen Keysers Pal- last hinauß/ wie auch ein groß Theil der Stadt Constantino- pel und das Asiati sche Gebuͤrge/ an welchem unten am Meer viel schoͤne Gaͤrten zu sehen sind. Da kan man von Gallata auß in sehr schoͤnen und lustigen Orthen voller Cypressen Baͤume am schwartzen Meer weit hinauf spatziren zu Land und auf dem Meer. Da gibts allerhand schoͤne Gaͤrten/ in welchen die Roßmarie Manns hoch waͤchset/ wird aber nur fuͤr wild Ge- straͤuche und nichts geachtet. Sonderlich ist uns ein Garte am schwartzen Meer und darinnen ein uhraltes von aussen gantz mit Graß uͤberwachse- nes Gewoͤlbe in dicken Straͤuchern von unsern Janitscharen gezeiget worden/ darinnen die Siebenschlaͤffer sollen gelegen sein und muß man durch ein enges Loch hinein kriechen. Und wenn man hinein koͤmt/ so ists gantz finster und sind sieben un- terschiedene Winckel darinnen. Jch meines theils halte aber vielmehr dafuͤr/ daß vor dessen ein Einsiedler drinnen ge- wohnet. Nach dem ich nun uͤber 8. Tage bey diesem Franzoͤsischen Pastetẽ Koche gelegen und viel Geld anworden/ habe ich dieses Orths Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Orths Gebrauch nach einen eigenen Koch umb ein Geringes durch meinen Niederlaͤnder angenommen und habe also viel um ein leichters/ als im Wirthshause/ auß kommen koͤnnen/ ob ich gleich neben mir zwey Personen zu unterhalten gehabt/ denn die victuali en gar umb einen leidlichen Werth zubekom- men sind und gilt die Occa Rindfleisch/ welches an unserm Ge- wichte kommt auf anderthalb Pfund/ 3. Asper/ die machen ei- nen Groschen. Ein Occa Weins/ so groß maß/ welcher uͤber- auß guth/ suͤsse und starck ist/ gilt 6. biß 8. Asper das Brodt ist auch sehr guthes Kauffs: Fische und allerhand edle Fruͤchte von Lemonen/ Zitronen/ Pomerantzen/ Granataͤpffeln/ Fei- gen/ Zwibeben und was man sonst erdencken kan/ alles sehr wolfeil/ daruͤber ich mich zum allerhoͤchsten verwundern muͤs- sen. Von Austern kan man das hundert fuͤr 6. Asper haben/ da in der Christenheit/ sonderlich wo Hofstadten sind/ das hundert wol umb 6. biß 8. fl. bezahlet werden muß. Das III. Capitul. Von Beschreibung der Tuͤrckischen Keyserlichen Residentz. Constantinopel. Z War weil andere die Gestalt und Gelegenheit dieser Stadt auch beschrie ben/ will ich mich der Kuͤrtze befleissen und nur in den vornembsten Stuͤcken Meldung thun/ wie ichs vor meine Person befunden und angetroffen. Es ist diese Stadt Constantinopel vor Zeiten Bysanz geneñet worden/ von ihremersten Grundleger Byzas genannt/ Keyser Constantinus aber hat sie hernach zu seiner Zeit erhoben und fast gantz neu erbauet/ dahero er auch aldahin seine Hofhal- tung gelegt und sie nach seinem Namen Constantinopel genen- net. Die Tuͤrcken nennen sie heute zu Tage Stampo Ida. Das Land Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Land daherum ist vordessen Thracia genennet worden/ ietzt a- ber heißts die Romaney. Es ist aber diß Constantinopel uͤber- auß groß und wie man gewiß dafuͤr haͤlt/ hat sie in ihrem Um- schweiff uͤber 15. Jtalienische Meilen/ welches ich nicht widerre- de/ sintemahlich die gantze Stadt/ so zu Lande/ als auff dem Meer umreiset/ an Menschen schaͤtzt man sie in die acht mahl hundert tausend starck. Sie liegt in der Gestalt einer Triangul in drey Spitzen/ oder Winckel eingetheilet/ der eine bey deß Tuͤr- ckischen Keysers Pallast/ da gleich gegen uͤber Pontus Euxinus, oder das schwartze Meer zwischen Europa und Asia starck herein fleußt und in das weisse Meer faͤllet; der ander bey den sieben Thuͤrmen/ welches ein uhraltes Gebaͤu/ weitlaͤufftig und die Thuͤrme mit Bley gedeckt/ auch sehr lustig gelegen ist; das drit- te aber bey dem alten Pallast deß Keysers Constantini, welcher gar verwuͤstet/ sonst aber ein alt Gebaͤu voller Winckel ist an der Stadt-Mauer angelegen. Diese Seite aber von den Thuͤrmen biß ans alte Gebaͤu Constantini und zwar noch et- was wenigers abwarts zum Wasser/ ist groͤsser/ als der an- dern zweyen eines/ so am Meere liegen und den Triangul schluͤssen. Die Mauren sind sehr hoch und dicke und in die Ring- mauren sind sieben Berge und Huͤgel mit eingefasset. Der eine liegt bey deß Tuͤrckischen Keysers Schloß und Pallast/ welcher deßwegen auch erhoben liegt. Am letzten Berge steht ein alt Schloß mit sieben Thuͤrmẽ/ deren ich zuvor gedacht und ist zuverwundern/ wenn man in dem einen Thurme etwas re- det/ so kan mans durch alle siebene hindurch hoͤren. Es liegt ei- ne gewisse Besatzung drinnen/ davon kein einiger herauß gehen darff ohne ihres Bassen Befehl und auf die Tuͤrckischen zwey hohen Feste im Jahr. Zwischen dem dritten und vierdten Ber- ge ist ein Thaal/ in welchem von neun Jtalienischen Meilen G frisch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. frisch Wasser in die Stadt gefuͤhret wird/ daß kein Mangel daran in der gantzen Stadt zu spuͤren ist. Die Gebaͤu der Stadt Constantinopel belangend/ sind dieselben von gar schlechten Haͤusern von Holtz auffgebauet/ haben von aussen gar kein Ansehen und sind aufs schlechteste/ und liederlichste zugerichtet: Weñ man aber hinein kom̃et/ sind sind sie aufs zierlichste an Waͤnden und um und um auf der Er- den mit schoͤnen Teppichen gezieret/ auch sind die Decken oben/ und wo keine Teppiche hengen/ die Waͤnde mit Gold uñ andern schoͤnen Farben außgemahlet/ daß mans von aussen nicht ge- glaͤubet haͤtte. Keine Glasefenster brauchen sie/ daß man außsehen koͤnte und wenn man ja welche sindet in den Zimmern/ so sind sie in der Hoͤhe unter der Decken/ iedoch von groben dicken Glase/ welches stat deß Bleyes in weissen Thoon eines queerfingers dicke und breit eingesetzet: Wo man aber außsiehet/ sind vier- eckichte offene Fenster/ so man mit Fensterlaͤden schluͤssen kan/ und dieselben macht man im Winter mit Papier zu von Oel uͤ- berstrichen/ daß sie desto liechter seyn. Die Gassen betreffend/ sind selbige schmaal und unge- pflastert/ außbenommen an Haͤusern sind sie auf beiden Seiten mit steinern Absaͤtzen und sind dieselben von grossen breiten Kei- selsteinen/ wie auch/ wo etwan eine Gasse ja gepflastert/ mit der- gleichen Steinen beleget ist. Sonst aber hat Constantinopel viel leere Plaͤtze/ unter welchen ihrer viel mit Cypressen- und andern fruchtbaren Baͤumen außgesetzet sind/ welches denn der Stadt gar einen anmuhtigen Wolstand giebet. Die Kirchen alle deren sammt den Capellen in den Ringmaueren uͤber zwey tausend sind/ sind uͤberauß schoͤn/ in- wendig von dem schoͤnsten Marmel von allerhand Farben/ so wol Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wol auf der Erden/ als oben und an den Seiten/ ohne das die Tuͤrcken durch auß keine Bilder/ weder gemahlte noch ge- schnitzte/ drinnen leiden/ und die Taͤcher sind meistentheils rund und alle mit Bley zugedecket/ wie denn auch die Kirch- Thuͤrme/ welche sehr schmaal und umb und umb/ seinen zwey und wol drey Gaͤnge uͤbereinander haben Brauchen keine Glocken/ sondern wenn Zeit zur Kirchen zu gehen/ welches sechs mahl deß Tages geschiehet/ so trit ein Tuͤrcke oben auf ei- nen solchen Gang/ hat beyde Ohren zugestopfft und schreyet mit aller Macht/ was er kan/ und deutet den Gottesdienst den leuthen an. Wenn aber ihr Sontag/ welcher bey ihnen den Freytag gehalten wird/ zu feyren ist/ so stehen ihrer 8. 12. oder auch wohl mehr auf solchen Gaͤngen und schreyen zugleich/ welches denn in der gantzen Stadt auf allen Thuͤrmen/ deren uͤber auß viel sind/ ein erschroͤcklich Gethoͤne verursachet: Und ehe die Tuͤrcken in ihre Kirchen gehen/ waschen sie sich zuvor aussen vor den Thuͤren an Haͤnden/ Armen/ Fuͤssen/ Gesicht und mit ehren zu melden/ hinden und fornen/ wie denn zu dem Ende aussen vor den Kirchen viel Laßzapffen/ oder Haͤhne/ das Wasser her auß zu lassen eingemauret/ vermeinen also desto reiner von Suͤnden in die Kirche zukommen und angenehmer vor Gott zuerscheinen. Jhre Baͤder sind naͤchst den Kirchen die schoͤnsten Ge- baͤude in der Stadt/ deren sehr viel alle mit runden von Bley gedeckten Taͤchern/ auf welchen oben runde glaͤserne Hafen/ dadurch daß Liecht hinein fallen kan. Sind inwendig unten uñ oben von lauterm Marmel außgebauet und voller schoͤnen Marmel-Saͤulen. Der Griechen Kirchen sind dagegen klein und schlecht er- bauet. Jn deß Patriarchen Kirche zu Constantinopel sihet man ein Stuͤck graue Seule/ rund und zwey Elen lang und G 2 soll Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. soll/ Vorgeben nach/ von der Seule seyn/ woran Christus der HErr gegeisselt worden/ von welcher noch andere zwey Stuͤ- cke mehr/ eins zu Rom/ das andere zu Jerusalem/ zu sinden seyn/ massen ich sie denn alle drey gesehen habe. Jst gar ein son- derbares Wunder/ daß gleichwol/ wie ich selber mit Augen ge- sehen/ zur Fasten-Zeit diese Seule schwitzet und wenn ich die Tropffen noch so rein abgewischet/ so sind flugs andere dage- gen wieder herfuͤr gedrungen. Sonst siehet man auch in dieser Kirche noch etzliche Coͤr- per der Heiligen/ welche gantz unversehrt und bekleidet sind/ ungeacht sie der Griechischen Moͤnche Vorgeben nach/ schon vor viel 100. Jahr verstorbẽ sind. Der Stuhl dar auf der Pa- triarch in gedachter Kirche sitzet/ ist mit Tuͤrckoißẽ versetzet. Die Kirche ist an sich selbst sonst nicht groß und niedrich vom Tache/ der Boden aber mit Marmel gepflastert. Die Decke oben ist rund und mit Farben außgestrichen/ an deren kleine Fenster- lein zur Seiten/ dadurch das Liecht in die Kirche faͤllet. Sonsten wird auch in einer uhralten Kirchen/ S. Sophia genannt/ so vor alten Zeiten eine Kirche der Christen gewesen/ anietzo aber Tuͤrckisch/ und unter etzlich hunder Tuͤrckische Kir- chen die allerschoͤnste und am Gebaͤu die kunstreichste ist/ darin- nen von den Tuͤrcken eine steinerne Mulde/ auß welcher die Jungfr au Maria ihr Christkindlein gebadet haben soll: Jtem in der Mauer ein brauner Marmelstein/ welcher deß Nachts helle glaͤntzen soll/ gewiesen wird. Diese Kirche hat innwendig fast mehr Marmelstein/ Porfyr- und andere edle Steine als andere gemeine Steine/ und ist ihrer kunstreichen Erbauung wegen nicht gnugsam zu beschreiben. Man haͤlt sie vor ein Werck deß Keysers Iustiniani und wird von den Tuͤrcken auch Ala Sophia, das ist H. Sophia ge- nannt/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nannt und halten offt und viel ihre Andacht drinnen/ sonderlich weil ein Stuͤck Marmel drinnen stehet/ auf welchem die Jung- frau Maria ihrem Sohne/ den die Tuͤrcken gleichwol fuͤr einen grossen Propheten halten und ehren/ pflegen sein Geraͤthe zu waschen. Jhre deren vier sind Thore/ sind alle auß Ertz und uͤ- berauß hohen und allerhand geistlichen Figuren außgearbei- tet/ auch sihet man noch da die alten Gemaͤhlde der Christen/ welche aber von den Tuͤrcken alle zerkratzet/ weil wie gedacht sie kein Bild leiden/ außgenommen das Bild Maria mit dem Christ kindlein auf den Armen/ stehet noch drinnen/ wiewol mit einem Tuch behenget/ daß mans nicht sehen soll. Diese Kirche hat auch vier Thuͤrme mit Bley gedeckt/ wie denn die gantze Kirche an sich selbst auch uͤber und uͤber mit Bley gedeckt ist. Oben ist sie innwendig gewoͤlbt und ruhet das Gewoͤlbe auf sechzehen koͤstlichen starcken Pilaren oder Pfei- lern. Viere sind von Marmel dem Jaspis gleich/ viere auß schneeweissen Marmel/ viere auß Porphyrstein/ und viere auß derm koͤstlichem Marmel. Nicht weit von dieser Kirche ist eine andere sehr schoͤne gantz neuerbaute Tuͤrckische Kirche/ hat 6. Thuͤrme/ deren vier oben an der Spitze/ so mit Bley bedeckt/ uͤber und uͤber verguͤl- det/ die andern zwey uͤbers Bley gruͤn verglasset sind. Solche Kirche ist innwendig uͤber alle massen schoͤn und durchauß mit dem allerschoͤnsten Marmel von allerhand Farben außgezie- ret/ ausserhalb ist ein grosser und weiter Hof voller der schoͤn- sten Marmelseulen. Dieser Hof wird genennet auf Tuͤrckisch Admeidan, auff Teutsch ein Roß-Platz/ darum/ weil die Tuͤrckischen Spahilar, daß sind der Tuͤrcken Soldaten zu Roß/ an ihrem Sabbath/ so den Freytag gefaͤllet/ sich mit Rennen und Stechen darauff G 3 exerciren. Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. exerciren . Solcher Platz ist uͤber 400. Schritte lang/ und 200. breit/ von welchem unterschiedene Stiegen und Thuͤren hin- auf auf vorgedachte Kirche gehen. Auf diesem Platze stehet ein grosser Marmelsteinerner Pyramis von allerhand außgehauenen Egyptischen Charatern und ist auß einem gantzen Stuͤcke Stein von Marmel in die 30. Elen hoch/ stehend auf vier grossen runden Kugeln von Me- tall/ darunter ein hohes schoͤnes mit allerhand Figuren auß- gehauenes marmelsteinern Postament. Nicht weit davon ist ein andere Seule von Ertz/ so gantz gewunden/ mit drey Schlan- genkoͤpffen/ ungefaͤhr zwey Mann hoch uñ nebenst dieser stehet eine gar hohe von Marmelstein auffgefuͤhrte sehr alte Seule/ welche/ wie man sagt/ der Satan aufgebauet haben soll unter waͤrender Zeit/ ehe der marmelsteinerne Pyramis ist aufgefuͤhret worden und ist hoch zuverwundern/ wie eine solche grosse schwere Last von einem Stuͤck in die 40. Elen hoch/ wie ichs deñ selbst abgemessen/ hat aufgerichtet werden koͤnnen. Sonst ist auch noch eine uͤberauß hohe Columna von brau- nen Stein/ so von einem gantzẽ Stein seyn soll: ist rund und um uñ um mit vielen eiseꝛen Reiffen umschlossen. Wegen unterschie- dener Feuerbruͤnst ist sie gar bruͤchig und muͤrbe worden. Auß der daran befindlichen Jahrzahl kan man abnehmen/ daß sie uͤber 1200. Jahr alt/ stehet bey dem Teutschen Han, welches ein grosses viereckichtes Gebaͤu ist mit vielen gewoͤlbten Zellen/ wie in Kloͤstern/ darinnen der Keyserl. Legat, so einer zum Tuͤrcki- schen Keyser abgefertiget dahin koͤmmet/ sammt den Seinigen logi ret. Jst uͤber und uͤber mit Bley gedeckt. Ausser den Kaͤm- merlein sind/ als in einem Closter/ Gaͤnge umher und von aus- sen in der Hoͤhe runde mit Bley gedeckete Daͤcher. Auch ist noch eine andere Columna, Historialis genannt/ stehet bey dem Auratbaschar welches ein Tuͤrckisch Wort und so viel Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. viel heißt/ als Weiber-Marckt. Diese Seule ist inwendig hohl/ hat eine Schnecken hinauf und ist sehr hoch von schoͤnen weissen klaren wie ungearbeiteten Marmelstein und von aussen mit uͤberauß kuͤnstlichen grossen außgehauenen Bildern und Figu- ren gezieret und stehet auf einem weissen sehr langen hohen und breiten Marmelsteinern mit grossen Bildern außgehauenen Grunde. Uber dieses ist noch eine runde hohe Marmelsteinerne Seule zusehen/ auf welcher oben ein steinerner Kasten/ und ist dieselbe zu dem Ende allda aufgerichtet worden: Als eines Tuͤrckischen Keysers Gemahl einsmals den elenden Zustand eines toden Menschen/ so im Grabe von Schlangen und Wuͤr- men verzehret werden muß/ bey sich betrachtet/ hat sie sich dar- uͤber hefftig entsetzet und deßwegen angeordnet/ wenn sie ster- ben wuͤrde/ solte man sie mit dem steinern Sarge auff eine sehr hohe steinerne Seule setzen/ damit sie fuͤr den Schlangen und anderm Gewuͤrme moͤgte sicher seyn und von ihnen nicht ver- zehrt werden koͤnte/ welchem ihrem Begehren auch nach ihrem Tode ein Genuͤgen geschehen. Es sind aber die Schlangen wunderbarer weise die glatte marmelsteinerne Seule hinauf zum Sarge gekrochen und den toden Coͤrper zuverzehren gesuchet/ welches ja eine augen- scheinliche Straffe Gottes gewesen der verzweiffelten Hoffart/ damit ja wahr bleibe/ was Gottes Wort saget: GOTT wi- derstehe denen Hoffaͤhrtigen/ aber denen Demuͤthigen gebe er Gnade. Am Ende der Stadt stehet aussen vor Constantini Pfor- te ein hoch aufgemauerter Garte voller schoͤnen Cypressen- Baͤume/ welcher uͤber die massen lustig anzusehen. Jn Constantinopel gibts fuͤnff grosse Schulen/ darin- nen die Tuͤrckischen Sofhi, oder Studenten unterwiesen werden. Da Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Da hat ein ieglicher sein Bett in seiner Cammer/ ein Tapet/ stat deß Tisches/ auf der Erden. Jeden Tag giebt man einem ieglichen zwey Broͤtlein und sein Getraͤncke von Gerstenwas- ser gemacht/ und deß Jahrs zwey Kleider. Damit muß er das erste Jahr zu frieden seyn. Das andere Jahr bekommt ein ie- der deß Tags noch einen Asper darzu/ und der wird folgends alle Jahr mit noch einem Asper verbessert. Wollen sie was mehr haben/ so muͤssen sie es mit Schreiben bey andern verdie- nen/ wenn sie sonst von den Jhrigen keine Zubusse haben. So sind in Constantinopel auch sehr viel Hospitaͤl fuͤr Frembde/ Ar- me und Krancke von grossen Einkommen/ massen denn die Tuͤr- cken es den Christen an Gutthaͤtigkeit und Wercken der Liebe weit zuvor thun. Die Korn und Proviant-Haͤuser werden stets voll gehalten/ iedoch alle drey Jahr erneuert/ damit der Vorrath frisch bleiben soll/ und stehen solche Kornhaͤuser an ei- ner Ecke der Stadt gegen Gallata uͤber und sind mit maͤchtigen eisern Thoren verwahret. Das grosse Zeughauß hat mich auch uͤber die masse verwundert/ und steht flugs am Ufer deß Mee- res. Jst sehr weitlaͤufftig/ massen ich 180. gewoͤlbte Bogen ge- zehlet/ die alle voller Ruͤstung seyn/ und hat man mich fuͤr ge- wiß berichtet/ daß 46000. Arbeiteꝛ drinnen zu thun haben/ und gehet doch alles gar ordentlich zu. Das Regiment und Iustiz ist hoͤchlich zu loben. Der Obriste Richter/ so uͤber Tod und Leben zu sprechen hat/ heißt Stambol Cadish . Sonderlich sind die Tuͤrcken dem Diebstahl feind und straffen ihn ohn alle Gnade an Leib und Leben. Der Ort da man die Gefangene Christen verkastffet/ ist eine grosse Gasse/ da denn abscheulich anzusehen/ wenn ein Tuͤrcke einen solchen armen Menschen Manns und Weibs- Geschlechtes kauffen will. Er sihet demselben in den Mund/ ob er etwann Mangel an den Zaͤhnen. Er bekuͤcket und befuͤhlet ihn Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ihn an Haͤnden/ Fuͤssen/ Armen und fast am gantzen Leibe/ ob er etwan hie/ oder da Mangel habe. Nach dem ein solcher Kauffbarer Sclave jung/ schoͤn/ gesund und zu arbeiten ge- wohnt/ so wird er auch desto hoͤher geschaͤtzet von 500. biß 1000. mehr oder weniger Thaler. Wenn ich offt durch gangen bin/ haben sie mich um Gottes willen gebeten ihnen in ihrer Außloͤ- sung zu Huͤlffe zu kommen/ massen sie lieber von Chriften/ als von Tuͤrcken gekaufft wollen seyn/ dieweil sie von Tuͤrcken un- barmhertzig gequaͤlet und gemartert werden. Das ist also die kurtze/ iedoch warhafftige und eigentliche Beschreibung der Stadt Constantinopel. Das IV . Capitul. Von Beschreibung deß Meeres zu Constantinopel. D As Meer ober- und unterhalb Constantinopel ist gar ungleich breit und groß und hat deme nach auch unter- schiedene Namen. Oberhalb Constantinopel gegen Mitter- nacht heißt es Pontus Euxinus und ist maͤchtig weit/ aber eben bey Constantinopel zeucht sichs in eine Enge/ daß es auß Eu- ropa in Asiam uͤber die Enge nicht mehr als 4. stadia sind/ oder eine halbe welsche Meile/ denn ein stadium haͤlt 125. Schritte und 8. stadia machen eine Jtalienische Meile/ das ist ein Vier- thel von einer Teutschen Meile. Diese Enge aber heißt Bospho- rus Thracius und ist 120. stadia lang und heißt am selben Orth Propontis. Darnach thut sichs wieder zusammen und wird gantz enge/ also/ daß von Europa in Asiam hinuͤber nicht mehr sind/ denn sieben stadia und heißt am selben Orthe Euripus, oder Hellespontus und darnach geußt sichs ins Egeische Meer. Am Hellespont liegen zwey Schloͤsser gegen einander/ ei- nes in Chersoneso, mit Namen Sestus, das andere druͤbẽ in Asia, H Abydus Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Abydus genannt/ dieselbén hat vor Zeiten Xerxes mit einer Bruͤcke zusammen gehenget und sieben mahl hundert tausend Mann zu Roß und Fusse druͤber gefuͤhret. Hellespontus wird heute zu Tage genennet Stritto di Callipoli und die beyde Schloͤs- ser Sestus und Abydus werden auf Tuͤrckisch genennt Bogazaslar, das ist/ Schloͤsser an der Enge deß Meeres. Das V. Capitul. Von der uhralten Stadt Chalcedonia, wie sie diese Zeit beschaffen und was um selbige Ge- gend zu sehen. D Jese uhralte und vordessen beruͤhmte Stadt ist ietzt ein Dorff/ liegt auch uͤber dem Bosphoro deß Thracischen Meeres in Asia, woselbst deß Tuͤrckischen Keysers Pallast/ ie- doch besser hin außwerts zum Meere uͤber. Da hat man uns auch die Kirche gewiesen/ worinnen vordessen das Concilium gehalten worden. Sehr alt ist dieselbe/ aber nicht gar groß. Da siehet man am Meer hinauß auch unterschiedene schoͤne Gaͤr- ten/ welche alle dem Tuͤrckischen Keyser gehoͤren. Als ich einsmahls mit deß Roͤm. Keysers Residen ten auf dem Meer hinauß in etliche Jnsulen/ darinnen Griechische Cloͤster/ gereiset/ als das Closter S. Andrea und S. M aria und an- dere mehr/ sind wir in einem deß Tuͤrckischen Keysers Lustgar- ten gelassen worden/ darinnen wir eine schoͤne Cysterna voll kla- res lauter Wasser gesehen/ in welcher sich deß Tuͤrckischen Key- sers Weiber/ wenn sie mit ihm spatzieren fahren/ zu Sommers- Zeiten in Gegenwart ihres Keysers baden muͤssen. Jst o- benauff ein schoͤnes Springwasser und nicht weit darvon seine Schlaff kammer/ darinnen er mit seinen Concubin en ruhe haͤlt/ welche wir auch besehen haben. Die Betten sind alle von rothen Sammet und Atlaß uͤberzogen und mit schoͤner Wolle auß- ge- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gefuͤllet: Auch sind allda etzliche seine Tuͤrckische seidene Roͤ- cke/ die er im Garten gebrauchet. Als wir aber auf die Jnsuln zu den Griechischen Muͤn- chen kommen/ haben sie uns gar freundlich empfangen und uns in Cloͤstern und Kirchen uͤberall herumb gefuͤhret. Wir hatten aber auch einen Tuͤrckischen Tschausch bey uns/ so zuvor auch ein Griechischer Muͤnch gewesen war und seine Lateini- sche/ Jtalienische/ Griechische und Tuͤrckische Sprache per- fect verstund/ der mit uns reden und tolmetzschen konte/ was wir nicht verstunden. Und weil sehr viel Caninichen in denselben Jnsuln zubefinden/ haben wir mit denselben unsere sonderba- re Lust gehabt/ biß wir nach etzlichen Tagen wieder nach Con- stantinopel geschiffet. Das fuͤnffte Buch. Haͤlt in sich meine Reise von Constantinopel durch Thraciam und Ungarn hindurch nacher Wien in Oesterreich und was unterwegens mit vorgangen. Das I . Capitul. N Ach dem ich mich nun ein gantzes Jahr zu Con- stantinopel auf gehalten/ bin ich bey mir schluͤssig woꝛ- den/ mich auch nunmehr weiter umbzusehen und son- derlich meine Reise durch Thraciam hindurch zu Lande auf Wien zu nehmen/ worzu mir denn der Keyserl. Resident grosse Huͤlfe gethan. Habe mich demnach/ als ich meinen Wechsel von Hause erhalten/ den 29. Oct. st. n . deß 1631. Jahres mit einem Tuͤrckischen Tschauschen uñ einem Curirer auf der Post/ so uns biß nacher Ofen in Ungarn begleiten muͤssen/ im Namen Got- tes auf die Reise begeben und meinen Weg nacher Wien in H 2 Oesterreich Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Oesterreich zugenommen und sind wir zu Constantinopel ge- dachtes Tages gegen dem Mittag miteinander aufgewesen. Es hat aber gedachtes Keyserl. Resident ens Befoͤrder- ung unter andern auch dieses gefruchtet/ daß mich weder Postrosse/ noch andere Speesen andeꝛs gekostet/ als daß ich dem Tuͤrckis. Tschauschen 3. Ducaten/ dem Currirer 10 Reichstha- ler und unter wegens dem Postilionen ein Trinckgeld verehret/ damit sie mich mit guten Rossen versehen moͤgten. Die erste Post haben wir gehabt 1. zu Selymbria, sieben Meilen von Constantinopel. Jst eine kleine Stadt am Vor- Meere Propontis genannt gelegen und pflegt wol sonst der Cur- rirer biß hieher auf dem Meer zu reisen weils einen Port hat fuͤr kleine Schiffe/ die grossen aber muͤssen haussen im Meere bleiben: Aber weil dazumahl wegen grosses Sturm\&sr/ der viel Schiffe Anckerloß gemachet/ unmuͤglich war/ haben wir uns zu Lande zu reisen muͤssen gefallen lassen. Von dar haben wir noch eine Stunde/ ehe es Abend worden/ reisen koͤnnen/ und sind deß Nachts in grossem Regen 2. nach Tschorli kommen. Jst ein grosser Marck/ so aber vor Zei- ten eine Stadt gewesen und ist allda die andere Post. Und als wir etwann anderthalbe Stunde geruhet/ ein wenig gespeiset/ so guths uns die Tuͤrcken fuͤrgesetzet/ und uns am Feuer in et- was wieder außgetrucknet/ sind wir in der Nacht wieder auf gewesen und 3. nach Pornass kommen. Allda ist die dritte Post/ haben demnach wieder frische Rosse genom- men und sind biß 4. nach Adrianopel geritten/ welches eine sehr alte und grosse Stadt in Thracia gelegen und ist alda die vierdte Post. Diß Adrianopel ist vordessen der Tuͤr- ckischen Keyser Residentz eine gewesen/ wiewol sie jetzt mit Graͤ- ben und Waͤllen schlecht verwahret ist und wird von den Tuͤr- cken Endrem genennet. Von Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Von dar sind wir mit frischen Pferden kommen 5. nach Mustafabascht schopri, alwo abermahls eine neue und zwar die fuͤnffte Post/ da wir denn frische Pferde bekom̃en und 6. nach Haspai, welches die sechste Post/ gangen und drauff 7. nach Philippopolis die siebende Post. Jst eine grosse Stadt zwischen uͤber auß grossem und zwar etwas abgelegenem Gebuͤrge/ ie- doch meist auf dem Berge Hæmo gelegen/ wiewol sie sehr zer- stoͤrt ist. Sonderlich ist allda noch zu sehen ein alt Amphithea- trum, daran noch viel Marmel/ aber die marmelsteinerne Stuffen haben die Tuͤrcken meist alle hinweg gefuͤhrt/ worauß wol zuerkennen/ was es fuͤrdeß muß fuͤreine Stadt gewesen seyn. Nicht weit davon liegt auch Nicopolis . Und nach dem wir abermals allhier unsere Rosse geaͤn- dert und vor unsere ermuͤdete frische bekom̃en/ sind wir 8. nach Tartarbassartschitz gangen/ welches die achte Post: Weiter mit frischen Rossen 9. nach Ichtiman, allwo auch eine Post und zwar die 9. gewesen/ weßwegen wir uns abermahls mit frischẽ Pferden versehen und geritten sind/ biß 10. nach Sophia, welches eine grosse Stadt ist im Koͤnigreiche Bulgaria gelegen. Das II. Capitul. Von der Reise durch die Bulgarey. S Ophia ist/ wie ietzt gedacht in Bulgarey/ die erste und zwar eine gꝛosse Stadt/ iedoch hat sie keine Maurẽ. Hier sind wir wieder mit neuen Post-Rossen versehen worden und sind fort geritten 2. nach Tschargoi, allwo die 12. Post ist. Von dannen sind wir kom̃en 3. auf Nisse. Das ist die 13. Post: Jst vor alten Zeiten eine vornehme Stadt gewesen/ wie noch auß denen alten Mauren abzunehmen. Und nach dem wir fri- sche Rosse bekommen/ sind wir 6. nach Jagetna gangen/ welches H 3 ist Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ist die 14. Post/ allwo abermals frische Roße zuerlangen. Von dannen sind wir kommen 4. nach Pitiscina, ist die 15. Post/ da wir wieder frische Rosse bekommen und damit 5. nach; Issart- schin gangen/ welches die 16. Post und endlich 9. abermahls mit frischen Rossen vollends nach Griechisch Weissenburg/ all- wo sich Ungern anhebet und unsere Post-Rosse auffgehoͤret. Das III. Capitul. Von der Reise durch Ungarn biß auf Wien. G Riechisch Weissenburg ist die erste Stadt in Ungern/ bey welcher zwey Wasser/ als die Donau und Sau/ an der Festung/ so in der Hoͤhe liegt/ unten weg fliessen/ und hat dieselbe der Tuͤrcke inne/ der sie hiebevorn der Christenheit durch Krieges-Macht abgenommen im Jahr Christi 1520. und wird Belgrad genennet. Von hier haben wir von Tuͤrckischen und unsern Unter- thanen Wagen bekommen biß nacher Wien und sind demnach also zu Wagen kommen von Griechisch-Weissenburg 1 auf Pe- geba 2. auf Mitrovviz, 3. auf Okovvar, 4. auf Ossek, welches eine Stadt/ Ferner 5. auf P ernovvars . 6. auf Mochatsch . 7. auf Patos- sek. 8. auf Tona 9. Fodvvar 10. Tschoan, 11. Kordera, alsdenn 12. auf Ofen. Ofen wird auch Buda genennet/ dieweil sie Buda deß Attilæ Bruder erbauet haben soll/ liegt wol am besten Orth in Ungern und ist sehr feste und doch im Jahr Christi 1526. vom Tuͤrcken eingenommen und biß dato behauptet worden. Hier haben wir uns wegen einiger Verrichtung bey dem daselbst regierendẽ Bassa in etwas verhalten uñ sind taͤglich von einem Tuͤrckischen Tschausch bewachet worden/ zu dem Ende/ damit uns von den Tuͤrcken kein Leid wiederfahren sollen. Von dannen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. dannen sind wir aufgebrochen und 13. nach Gran kommen/ welches abermahls eine Festung und vordessen eine Ertz- bischoffliche Stadt gewesen nunmehr aber gleichfalls dem Tuͤꝛ- cken zu theil worden. Von Gran sind wir kommen 14. auf Commora oder Go- morra welches eine gewaltige Festung und dem Roͤmischen Keyser zum Koͤnigreich Ungern zustaͤndig ist. Fliessen hart an solcher Festung zwey Wasser/ als die Donau und Wage/ zu- sammen/ also/ daß sie zwischen beiden inne/ wie auf einer Jnsul lieget/ gleich wie auch zu Gran zwey Wasser/ als die Donau und Gran/ zusammen kommen. Von Comorra oder Gomorra sind wir vollends fort ge- reiset/ weils nun immer gemach sich zum Ende genahet und drauf den 26. Nov. st. n . gegen 4. Uhr auf den Abend gluͤcklich und wol nach Wien kommen: Und sage ich meinem Gott von Her- tzen danck fuͤr seine mir biß hiher geleistete Huͤlffe und wunder- baren Beystand/ deme ich mich auch noch ferner zu seinem Schutz in hertzlichem Vertrauen befehle. Der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Der Andere Theil. Der siebenjaͤhri gen und gefaͤhrlichen Welt-Beschauung. Deß weilant Hoch-Edelgebornen Herrn Georgen Christoff von Neitzschitzens aus dem Hause Wehlitz und Wernsdorff/ ꝛc. Jst eine Beschreibung der ander weiten Reise desselben von Wien auß nach Constantinopel und was sich bey solcher Reise iedes Orths denckwuͤrdiges begeben und zubeschreiben von noͤ- rhen gewesen. Das Erste Buch. Haͤlt in sich die Reise von Wien biß wieder nach Con- stantinopel mit beygefuͤgtem Bericht/ was unterwegens ge- sehen und merckwuͤrdiges von iedem Orthe beyzubringen gewesen ist. Das Erste Capitul. Von der Gelegenheit und Anstellung zu solcher Reise. Z U Wien/ deß Roͤmischen Keysers und allge- meinen Oberhaupts der gantzen Christenheit Residenz in Oesterreich an der Donau belegen/ ha- be ich mich in die zwey Monat lang auff gehalten. Will mich aber mit der Beschreibung solches Orts und Hofes nicht auffhalten/ weiln es vorhin gnugsam bekañt/ den Unwissenden aber von vielen andern zum besten fleissig be- schrieben ist. Jch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Jch habe mich aber hier auf meiner Andacht halben/ auch hinunter nacher Preßburg in Ungern begeben und allda in die drey Monat enthalten/ weilen daselbst die Evangelische Luthe- rische Lehre ihre freye Ubung hat/ von dannen ich mich wieder den u. Maij Anno 1632. nacher Wien begeben und allda biß den 23. Nov. st. n. verblieben/ weil ich von darauß wegen meines Wechsels nach Hause zuschreiben bessere Gelegenheit haben koͤnnen. Den 10. Dec. aber bin mit Jhrer Gn. Herrn Johann Eustachio, Freyherrn von Althañ von Duͤrrenholtz in Maͤhren nacher Kirchstaͤdten auf sein Schloß in Oesterreich verreiset und daselbst bey ihm in die 5. Monat verblieben/ auch so dann mit Jhr. Gn. Herrn Vetter/ Herrn Johann von Althann auf die Festung Loͤbens in Ungern/ dahin derselbe von Roͤm. Keys. Majest. als Commissarius verschicket worden/ da wir denn un- terwegens auf Nidrau zukommen/ welches geschehen im Jahr Christi 1633. den letzten Aprilis. Jndeß/ als wir wieder nacher Wien kommen/ nach dem wir sechs Wochen aussen gewesen waren/ begab sichs/ daß von damahls regierender Roͤm. Keyserl. Majest. Ferdinando II . Christmildester Gedaͤchtniß eine Legation nacher Constanti- nopel an die Ottomannische Pforte beschlossen und zu selbiger der Herr Graf von Buchhaim ernennet war/ in dessen Suite auch der Herr Graf von Althann mit zu gehen und eine Reise nacher Jerusalem und ins gelobte Land zu thun willens hatte/ habe auch ich mich durch recommendation desselben Herrn Vettern/ Herrn Johann Eustach von Althann zugedachten Herrn Grafen begeben um auch nun die Morgenlaͤnder zu be- sehen/ wornach ich laͤngst groß Verlangen getragen hatte/ welcher mich auch gar gnaͤdig aufgenommen und michs die Reise uͤber wol geniessen lassen. J Denn Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Denn Herrn Legat en haben 150. Personen/ unter wel- chen fuͤnff Trompeter und ein Paucker gewesen/ aufgewartet und ist also mit einer ansehnlichen Suite den 8. Jan. Anno 1634. von Wien außgezogen Nachmittage zwischen 2. und 3. Uhr/ deme Jhre Gn. der Herr Graf aber und ich bey desselben Suite erst 8. Tage hernach/ weiln denselben noch einige Verrichtun- gen zuruͤcke gehalten/ gefolget/ dahero wir den Herrn Lega ten Grafen von Buchhaim/ erst zu Ofen eingeholet. Und diß ist al- so die Gelegenheit und Anstellung zu dieser meiner andern Rei- se gewesen. Das II. Capitul. Von unserm Auffbruch und Fortzug von Wien. D En 16. Jan. ietzt gedachtes Jahres sind wir denmach zu Wien Nachmittage ohngefaͤhr um 3. Uhr auff gebrochen 1. auf die Schwecht/ einen grossen Marckt zwey Meilen von Wien gelegen/ kommen und selbigen Tag noch 2. Fischemund erreichet/ welches ein ziemlicher Flecken vier Meilen von Wien abgelegen ist/ allwo wir auch die Nacht uͤber blieben. Den 17. Jan. sind wir fruͤh Morgens kurtz fuͤr Tage wieder fort gerei- set und um 9. Uhr 3. gen Bruͤck angelanget 2. Meilen von Fi- schemund allda wir flugs vor der Stadt uͤbers Wasser/ die Leith genannt/ welcher Fluß Oesterreich und Ungern scheidet@ gefahren und gegen Mittag 4. nach Muͤnchhofen/ welches ein Dorff ist/ kom̃en/ eine Meile von Bruͤck an der Leith uñ all- da Mittagsmahl gehalten: nach einer Stunde uns aber fort gemachet und selbigen Abend biß 5. nach Zanneck/ 3. Meilen von Muͤnchhofen kommen/ allwo wir auch uͤbernachteten. Den 18. Jan. sind wir fruͤh Morgens um 4. Uhr wieder aufgewesen und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und selbigen Tag in einem Futter biß 6. nach Raab/ welches gar eine vornehme Festung in Ungern in der Donau gelegen ist/ so vor unuͤber wuͤndlich geschaͤtzet wird vor und noch zur Zeit in der Christen Haͤnden ist/ gereiset/ allwo wir auch um 4. Uhr gegen Abend angelanget/ allda wir uͤber Nacht verblieben und ist von Zanneck 6. starcke Meilen biß dahin. Den 19. Jan. fruͤh um 4. Uhr/ noch bey fuͤnsterer Nacht/ sind wir mit einer Zscheuͤcke welche zwey Stuͤcklein gefuͤhret und auf ieder Seiten zwoͤlff Ruder von Raab aufgebrochen/ weßwegen uns auch die Festung geoͤffnet werden mussen/ wel- ches sonst nicht leicht geschicht/ und um 7. Uhr auf der Donau 7. zu Comorha/ 5. Meil wegs von Raab/ angelangt/ vermeinend/ allda den Herrn Legat en vor uns zu finden/ wiewol vergebens. Den 20. Jan. Nachmittage sind wir auf unserer Zscheuͤ- cke auf der Donau wieder fortgefahren und Abends um 6. Uhr 8. zu Nirgesfifalo, welches ein Dorff 3. Meilen von Comorrha/ ankommen und daselbst uͤbernachtet. Den 21. Jan. als wir kurtz fuͤr Tage aufgewesen/ sind wir endlich 9. biß nach Gran kommen/ zwey Meilen von Nirgesfi- falo, welches Gran eine vornehme beruͤhmte Festung in Un- gern dem Tuͤrcken gehoͤrig/ und ist der Herr Gesandte nur ei- ne Stunde zuvor allda mit einem starcken Comitat von sechs in siebenhundert Tuͤrcken zu Roß aufgebrochen/ und haben wir ihn also abermahls nicht angetroffen. Zu Gran hat uns der Ober Waivvoda, nach dem er Jhre Gn. den Herrn Grafen Al- thann wol tractiret, drey Wagen geben lassen/ hat Jhre Gn. nicht allein biß zum Wagen gar freundlich begleitet/ sondern auch mit 40 Heiducken/ von welchen Jhr. Gn. aber nur zwoͤlf- fe zu Danck angenommen/ convouir en lassen. Sind also diesen Tag biß in die Nacht um 10. Uhr unterwegens gewesen und ha- ben deßwegen 10. zu Altofen uͤbernacht bleiben muͤssen. Jst J 2 nur Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nur ein Dorff von Ofen ohngefaͤhr eine guthe vierthel Meile abgelegen. Den 22. Jan. sind wir fruͤh um 7. Uhr 11. zu Ofen ankom- men/ allwo wir den Herrn Gesandten angetroffen/ welcher den vorigen Tag auf der Festung daselbst mit Loͤsung etzlicher 20. Stuͤcke gar solenn empfangen uñ angenommen war worden/ wie wir solches unsers theils unterwegen gehoͤret/ da wir ein Stuͤck Wegs von Gran herauß gewesen. Das III . Capitul. Von den Visiren zu Offen abgelegt und wie wir allda tractirt worden. D En 23 Jan. haben Jhre Excellenz, der Herr Legat Graf von Buchhaim die Visite bey dem Vezier angestellet/ bey welcher 23. Cafftan/ seynd lange Tuͤrckische Roͤcke mit langen fliegenden Ermein von guͤldenen/ silbern und allerhand Far- ben seidenen Blumwerck gearbeitet/ denen Cavallieren und Officirern geschencket worden/ den andern Dienern aber Tuch. Den 24. Jan. aber haben Jhre Graͤfl. Gn. den Vezier abson- derlich ersuchet und ist ihm der andere Cafft an verehret wor- den/ welcher durchaus mit grossen guͤldenen in weisse seide ge- wuͤrckten Blumen gewesen. Bey der Audienz haben die Beegen und Bassen aufgewartet und dem Herrn Grafen ist neben den Vezier ein Sessel gerucket werden. Den 25. Jan. hat Jhre Excellenz zum andernmahl bey dem Vezier visite abgeleget und sind ihm drey Gefangene loß gegeben und geschencket worden. Diesen Tag haben wir auch mit ihrer Excellenz die war- men Bade eine vierthel Meile von der Stadt besehen/ da denn dieselbe und viel Cavallier und Officirer gebadet. Sind vor Zei- ten mit Bley bedeckt gewesen/ inwendig von lauterm Marmel. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das Wasser ist von Natur so heiß/ daß man eine Henne drinnen bruͤhen und Eyer in geschwinder Eilgar sieden kan und fleußt endlich in die Donau/ welche hart darbey wegfleußt. Den 26. Jan. haben Jhre Gn. bey dem Murath Bassa gar fruͤh Audienz gehabt und ist allda wol und mit vielen Hoͤflig- keiten und complimen ten tractiret worden. Das IV. Capitul. Von unserm Auffbruch und weiterm Fortzug von Ofen auß. A Ls wir uns nun ziemlich in Ofen umgesehen und gar wol tractirt waren worden/ gingen unsere Wagen den 27. Jan. voran hin und brachen Jhre Excell. den 28. Jan. drauff fruͤh um 9. Uhr auch auf und reiseten wir also selbigen Tag/ wiewolin gar unfreundlichen Schnee- und bloͤder Wetter biß 1. nach Ertzschin. Jst ein Dorff an der Donau/ allwo ein Ca- stell/ drey starcke Meilen von Ofen gelegen/ und sind allda uͤ- ber Nacht verblieben/ da denn die Tuͤrcken bey unser Ankunft/ dem Herrn Legaten zu Ehren etzliche Doppelhacken abgeschos- sen/ massen denn auch auf der Strassen von gedachtem Castell eine Cavallerie in guther Ordnung auf uns gewartet/ die uns vollends in Ertzschin begleitet. Den 29. Jan. sind wir fruͤh um 7. Uhr von Ertzschin ab- gereiset und Abends um 3. Uhr 2. nach Foͤdwar kommen/ sind sechs Meilen und allda zu Nacht logir et. Den 30. fruͤh um sechs Uhr sind wir wieder aufgebrochen und Abends zwischen 3. und 4. Uhr 3. nach Tolno, so 6. Meilen/ kommen. Hier sind wir den 31. Jan. stille gelegen um anderer Wagen willen/ so uns die Bauren verschaffen sollen. Der Pagagi und anderer unserer Wagen sind uͤber sechzig gewesen. J 3 Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 1. Feb. st. n. haben wir uns von Tolno wieder auf den Weg gemachet fruͤh um neun Uhr und Nachts um acht Uhr 4. nach Mohatsch, sechs Meilen kommen/ und haben wir diese beide Tage fast in lauter Gehoͤltze und Weingebuͤrge/ beschwerlich reisen gehabt/ weßwegẽ wir auch den 2. Febr. stille liegen muͤssen/ biß die Wagen alle nach- kommen/ die um deß boͤsen Weges willen nicht gleich folgen koͤnnen. Kurtz vor Mohatsch ist das Baͤchlein/ oder vielmehr ietzt eine Pfuͤtze und Morast/ darinnen der Koͤnig in Ungarn umkommen und zwischen diesem Mahatsch und Osseck hat da- mahls/ als dieser Koͤnig geschlagen worden/ der Tuͤrckis. Keyser seine Schantze und Zelt gehabt. Den 3. Febr. sind wir wieder aufgebrochen fruͤh mit dem Tage und Abends um 3. Uhr 5. nach Osseck angelanget fuͤnff Meilen von Mohatsch . Jst eine Stadt mit einer Mauer umher/ wiewol die Stadt nicht gar groß ist. Hierhaben wir den 4. Febr. um andere Wagen zuerlangen abermahls stille liegen muͤssen. Den 5. Febr. fruͤh zwischen 7. und 8. Uhr sind wir wieder fortgezogen und Mittags um 11. Uhr 6. nach Wocovvar, ein Staͤdtlein mit einem grossen alten steinern Castell kommen/ drey Meilen von Osseck. Allhier haben wir uͤber eine lange stei- nerne Bruͤcke gemuͤst/ worunter gar wenig Wasser/ so ein Stuͤck von der Donau/ fleust/ dergleichen Bruͤcke wir auch hatten/ ehe wir nach Osseck kommen/ die sich zu Tarta, einem Tuͤrckischen Dorffe anfaͤhet/ und eine gute Teutsche Meile waͤ- ret uͤber lauter Morast/ hat bißweilen auf beiden Seiten Ab- saͤtze/ da man etwas bey Seite fahren und einander weichen kan/ wann Reisende auf derselben zusammen kommen. Als wir nun dieser Brucken ein Ende gehabt/ sind wir in einer Platten uͤber die Trage/ welches ein Fluß/ so bald am selben Orth in die Donau faͤllet/ gesetzet worden/ welches gar lang- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. langsamb und verdruͤßlich damit zugangen und sind so dann nach gedachtem Wocovvar kommen/ und haben uns ausser dem Staͤdtlein in einem Holtze gelagert. Den 6. Febr. sind wir fruͤh um 7. Uhr von hinnen wieder abgereiset und Mittags zwischen 11. und 12. Uhr 7. nach Dovvar- nick, sind 3. Meilen/ kommen. Den 7. Febr. sind wir fruͤh mit Anbruch deß Tages/ so ungefaͤhr um 6. Uhr gewesen/ wieder reisefertig worden und Mittags um 12. Uhr 8. nach Mizrovvitz ankommen/ welches 5. Meilen. Hier ist alles um ziemlichen Preiß gewesen/ als ein Hase um 2. Asper/ eine Henne 4. Asper/ ꝛc. Unser Wirth/ so ein Tuͤrcke war/ hat dem Herrn Grafen eine Ganß verehret/ welches/ weil die Tuͤrcken sonst gewaltig Geld- gierig und ohne Geld wenig vergeben/ man fuͤr ein groß Præ- sent halten muͤssen/ wie geringe es auch an ihm selber gewe- sen. Den 8. Febr. um Sonnen Aufgang sind wir fortgereiset und Mittags um 11. Uhr 9. auf Tobrinzi kommen/ sind drey Meilen. Jst ein Dorff unter der Erden. Oben uͤber der Erden siehet man nicht mehr davon/ als etwas die Daͤcher von den Haͤusern/ die Wohnungen aber sind alle unter der Erden ein- geschnidten und eingebauet/ welches gar seltzam und wunder- lich anzusehen. Den 9. Febr. sind wir fruͤh kurtz fuͤr 7. Uhr wieder aufge- wesen und um den Mittag 10. nach Semon kommen drey Mei- len. Zur lincken Hand liegt ein Berg/ auf welchem ein alt stei- nern Castell stehet/ nunmehr mit einer Mauer umzogen mit 4. Thuͤrmen/ da unten beyhin ein Fluß/ die Sau genannt fleußt. Den 10. Febr. um 7. Uhr fruͤh Morgens sind wir 11. zu Griechisch-Weissenburg gluͤcklich ankommen. Jst eine vorneh- me Festung/ den Tuͤrcken gehoͤrig eine halbe Meile von Semon und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und fliessen zwey Wasser bey derselben hin. Wegen solcher zwey Wasser liegt die Stadt gar sonderlich lustig und viel Schiff- Muͤhlen auf der Donau. Oben auf der Hoͤhe ausser dem Ca- stell siehet man die Stuͤcken/ welche in Eroberung dieser Fe- stung den Christen von den Tuͤrcken abgenommen worden/ und kan man da in einem Lusthaͤußlein alldar gar anmu- thig in die beiden Fuͤsse und sonst allenthalben weit herum sehen. Den 16. Febr. sind wir von dannen um zehen Uhr Vor- mittage wieder aufgebrochen und darauff Abends um 5. Uhr 12. zu Jsartschick 3. Meilen von Griechisch-Weissenburg ankom- men. Allhier haben wir zu erst in eine Carabassari einkehren muͤssen. Der Herr Gesandte ist eine Stiege oben auf logirt worden/ wir aber haben uns unten bey den Rossen behelffen muͤssen/ wie es denn in diesen Landen/ wegen Mangel der Wirthshaͤuser/ die Gelegenheit anders nicht giebet. Es sind aber solche Carabassari en grosse Weite viereckichte und theils mit Bley gedeckte Gebaͤu/ welche auf allen vier E- cken herum inwendig Cammine haben/ daß man Feuer drin- nen machen und Kochen/ auch zu Winterzeit dabey waͤrmen kan. Solche Cammine sind uͤber einen von Steinen aufge- fuͤhrten Absatz nicht gar eines Mannes hoch gebauet und un- ter solchem Absatz stehen die Rosse und liegen dabey auch die Personen/ so darzu gehoͤren. Jst eine schlechte bequemlichkeit/ sonderlich zu Winterszeit und mag zwar allda einkehren/ wer da will/ aber bringt er selber nicht zu essen mit/ so wird er wol ungegessen lassen muͤssen und wird Hungerleiden seine beste Ar- beit seyn. Und wo es wol zutrifft und an manchem Orthe noch ja etwas zu kauffen funden wird/ so ists mehr nicht/ als trucken Brot. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 17. Febr. fruͤh mit dem Tage haben wir unsere wuͤ- ste Carabassari mit Freuden verlassen/ und wieder auf den Weg begeben und sind gleich zu Mittage/ da der Tuͤrcke auf dem Thurm Mittag geschryen @2. nach Colar, drey Meilen von J- sartschick kommen: Den 18. Feb aber/ als die Sonne aufgan- gen/ wieder allda aufgebrochen und nach Mittage um 1. Uhr angelanget 14. zu Hassanbaschabalanka, vier Meilen/ allwo dem Herrn Gesandten zu ehren auf dem Castell etzliche Stuͤck- lein und Doppelhacken geloͤset worden. Wir sind aber diese drey Tage stets ohne grosses Gebuͤrge nur im Felde und Holtze gereiset. Das V. Capitul. Von einer sonderbahren Ehe-Steuer und von dem Preiß der Victualien. H Jesiges Orthes haben die Tuͤrcken gar einen boͤsen Brauch unter ihren armen Christlichen Unterthanen/ welches ein Catholischer Priester dem Herrn Gesandten gar wehemuͤhtig beklagte. Wenn ein Christ sich zum erstenmahl verheyrathet/ so muß er dreissig Asper/ nach unserer Muͤntze/ zehen gute Gro- schen/ geben/ heyrathet er zum andern mahl und eine Jungfer 12. Silber-Cronen/ nimbt er aber eine Wittwe/ sechs Silber-Cronen und von ieder Kirche muͤssen die Christen jaͤhr- lich zahlen einen Zickin/ welches der Schismati sche Bischoff/ also nennet man den Bischoff/ so uͤber die Christen gesetzet/ gleich wie etwann in Paͤpstischer Kirchen die Inquisition Meister/ durch Janit scharen einbringen laͤsset. An vielen Orthen sind die Victualien sehr wolfeiles Kaufs. Zu Colar ein Reheboͤcklein um 25. biß 30. Asper. Zu Griechisch- Weissenburg ein Occa Weins/ welches so groß ist/ als ein Un- K ge- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gerisch Pint/ um 4. Asper. Zu Hassanbaschabalanka anderthalb Occa um 5. Asper. Das VI . Capitul. Von unserm Aufbruch zu Hassanbaschabalanka. V On hinnen sind wir den 19. Febr. aufgebrochen und wie- der fort gegangen um Aufgang der Sonnen und zwi- schen 3. und 4. Uhr auf den Abend 1. nach Patischina, so ein groß Dorff/ kommen/ und sind drey Meilen: Den 20. Febr. kurtz nach der Sonnen Aufgang wieder aufgebrochen und nach Mittag um 2. Uhr 2. nach Japotna kommen. Sind 3. Mei- len und ist ein groß Dorff. Allhier haben wir die erste Uhr gehoͤ- ret/ so bißhero in der Tuͤrcken Gebiethe nicht braͤuchlich gewe- sen/ den sie weder Glocken noch offentliche Schlag-Uhren ha- ben/ außgenommen kleine Halßuͤhrlein/ die sie sehr gerne ha- ben und viel drauff halten. Und diese Uhr ist von Canische an den Orth gebracht worden/ als die Tuͤrcken selbiges Canischa eingenommen und unter ihre Gewalt gebracht. Zu Japotna sind wir biß auf den 22. Febr. stille gelegen/ nicht auß Noth/ ob wir gleich vorigen Tag eine schwere Reise uͤber lauter holtziges Gebuͤrge zu reisen gehabt/ sondern weilen unsere Wagen/ deren uͤber 60. waren/ nicht so geschwinde uͤber den Fluß Morava gefoͤrdert werden koͤnnen/ wie wir denn den 22. Febr. fruͤh um 10. Uhr ans Wasser kommen und dennoch bey Untergange der Sonnen erst alle hinuͤber gefoͤrdert wur- den/ da wir denn hernach noch zwey Stunden in die Nacht in starckem Wind/ Plitzen und Regen reisen muͤssen/ ehe wir 3. Barochin, drey Meilen von Japotna, erreichet/ da wir uͤber Nacht Quartier genommen/ wiewol wir nicht einen Trunck Wasser hatten bekommen koͤnnen unsern den Tag uͤber erlit- tenen grossen Durst zu stillen. Von Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Von Griechisch-Weissenburg biß auf den Fluß Moravam wird das Land Servia genennet/ von dar aber hebt sich das Koͤ- nigreich Bulgaria an und sein wir darinnen gereiset biß 3. an Te- mir Capi. Das ist gar ein merckwuͤrdiges Orth. Denn da stehet auf einem hohen Gebuͤrge gar ein uhraltes von gehauenen Steinen sehr hohes und oben rund zugewoͤlbtes Thor/ welches vor alten Zeiten ein fester Paß gewesen/ dahero es auch auff Tuͤrckisch Temir Capi, das ist/ ein eisern Thor genennet worden. Von Temir Capi sind wir an Macedoniam, das uhralte be- ruͤhmte Koͤnigreich kommen/ wie unten im 9. Capitul mit meh- rerm soll gedacht werden. Den 27. Febr. fruͤh gegen 7. Uhr haben wir uns wieder auf den Weg gemachet und sind Abends gegen 7. Uhr 4. nach Alexintschi kommen/ welches sind 4. Meilen. Haben also den gantzen Tag in lauter Wald und hohem Gebuͤrge gar schwer Reisen gehabt. Und weil da keine Gelegenheit den Herrn Lega- ten zu logir en/ hat er an einer Tuͤrckischen Kirchen in einem Ve- stibulo, oder Halle vorlieb nehmen muͤssen/ wir aber sind in der Carabassari verblieben. Den 24. Febr. fruͤh um 6. Uhr sind wir aufgebrochen und Nachmittage um 2. Uhr 5. nach Nissa kommen/ sind 4. Meilen und ist abermahls um deß hohen Gebuͤrgs und vielen Gehoͤltze willen eine sehr beschwerliche Tagesreise gewesen/ wobey wir den Fluß Moravam immer zur rechten gelassen. Das VII . Capitul. Von Nissa der alten Hauptstadt deß Bulgarischen Reiches. D Jeses Nissa soll vorzeiten die Hauptstadt deß Bulgari- schen Reichs gewesen seyn/ wie man denn an dem alten Gemaͤuer und andern Dingen wol siehet/ daß es eine K 2 gros- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. grosse Stadt muß gewesen seyn. Der Fluß Nissena fleußt mit- ten durchhin und theilet gleichsam den Flecken/ uͤber welchen Fluß eine schoͤne steinerne Bruͤcke/ oben mit hoͤltzern Gespren- ge/ gehet/ welche der Bassa zu Ofen verfertigen lassen. Es lieget dasselbe fast um und um in und zwischen Gebuͤr- ge sehr lustig und hat um sich her viel Aecker und Weinberge/ so wol disseits hinein/ als jenseits den Weg nach Const antinopel zu. Es waͤchset auch viel Reiß allda und gilt die Occa des- sen/ welches unsers Gewichts ist anderthalb Pfund fuͤnff Asper: Das VIII. Capitul. Von unserm Auffbruch und Fortreisen von Nissa. A Ls wir nun den 26. Febr. wiederumb fruͤh mit der Sonnen Auffgang von dannen fortgezogẽ/ sind wir Abends um 6. Uhr als es dunckel worden/ 1. nach Isvvar kom̃en/ vier Mei- len von Nissa gelegen/ da wir denn uͤber das hohe Gebuͤrge/ Conavviza, so voller Holtzung und etwas Weinwachs und flugs vor Nissa her aussen noch von weiten gesehen werden kan/ in sehr boͤsen und grausamen Wege reisen muͤssen/ woruͤber uns Zeit und Weile lang worden. Den 27. Febr. fruͤh um Aufgang der Sonnen haben wir uns wieder aufgemacht und sind Nachmittag um 1. Uhr unge- faͤhr 2. zu Pieroth, Tuͤrckisch Schörkoi genannt/ ankommen drey Meilen. Jst ein gepflasterter Marckt/ wiewol man sonst viel vornehme Staͤdte bey den Tuͤrcken ungepflastert findet. Es ist ein sehr altes Schloß allda mit zwey steinern Mauern umher/ ligt aber oͤde und unbewohnt und nahe dabey fleußt ein kleiner Arm von der Nisseua, so auch sonst unterschiedener Orthe durch diesen Marck rinnet und von solchem Wasser ge- theilet wird/ als wie die Stadt Nissa. Die- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Dieser Marckt/ wie mich ein Tuͤrcke berichtet/ bestehet in vierthalb hundert Feuerstaͤdten. Umher ist ein ziemlich lustiges Gebuͤrge und ausserhalb deß Marcks reiset man uͤber eine schoͤ- ne grosse und ziemlich weite Heide. Den 28. Febr. haben wir in Pieroth stille gelegen und zu unserer Ergetzung die Faßnacht gehalten. Den 1. Martii sind wir fruͤh um 6. Uhr von dannen wieder auf gebrochen und um 4. Uhr Abends 3. nach Dragomanti kom- men/ drey Meilen von Pieroth. Zwey Meilen haben wir ohn- gefaͤhr zwischen schoͤnen ebnen Aeckern zu beiden Seiten aber holtzigem Gebuͤrge/ und den uͤbrigen Weg zwischen gar engen sehr hohen Steinfelsen hingereiset. Sonderlich aber stehet zur rechten Handwerts zwischen vorgedachten Felsen ein uͤber die andern außgehender sehr grosser und hoher Stein/ gantz frey und allein/ von welchem die Tuͤrcken fuͤr geben und festiglich glaͤuben/ ihr Heiliger einer/ Hali auf Tuͤrckisch genannt/ ist so viel/ als Elias, habe diesen Felsen mit einem Sebel auf einen Hieb also voneinander gehauen/ wie man denn den Hieb na- tuͤrlich siehet und das abgehauene Theil an dem groͤssern an- lehnet/ welches billig zuverwundern. Da haben wir im tieffen Schnee/ starckem Wind und stetigem Ploͤdern durch diß enge Gebuͤrge hindurch gemuͤst/ weßwegen wir auch auß dem Quartir etzliche Bulgarische Bauern mit Schauffeln/ die uns Bahne machen uñ den Weg weisen muͤssen/ welchen wir vor dem grossen Wind- und Schnee-Stoͤbern unmuͤglich haͤtten treffen koͤnnen/ mitge- nommen biß ins Nachtquaꝛtier. Kurtz ausser dem hohen Felsich- ten Gebuͤrge sind wir uͤber die Nissau/ woruͤber eine hoͤltzerne Bruͤcke gangen/ gefahren. Von Dragamenti sind wir den 2. Martij fruͤh um 8. Uhr wieder aufgewesen/ haben zwar stets eben Weg gehabt in lau- K 3 ter Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ter Ackerbau ohne Gebuͤrge/ aber den gantzen Tag nichts/ als Schnee und Ploͤdern und sind Nachmittage um 1. Uhr 4. nach Pötrötschon kommen/ und sind zwey Meilen. Das IX. Capitul. Von der strengen Fasten der Bulgaren. A Ls wir in grossem schneeichten und windigen Wetter zu Pötrötschon ins Quartier kommen/ und den Stall einnah- men/ da die Bauren ihr Vieh unserm Begehren nach außgetrieben/ damit wir Platz haben moͤchten/ fintemahl bey ihnen der Stall alles in allen ist/ wir allda ein Feuer/ uns zu truͤcknen und zu waͤrmen/ angemachet/ haben wir endlich un- ser Kaͤß und Brot/ weils besser nicht vorhanden/ herfuͤr gesu- chet unsern Hunger zu stillen. Nach dem wir aber den Bauer und sein Weib/ so ein Klei- nes Kind auf den Armen hatte/ ansichtig worden/ haben wir sie neben uns auch zum Feuer sitzen lassen und ihnen von un- serm Kaͤß und Brote fuͤrgeleget/ aber sie haben sich davon zu es- sen zum hoͤchsten entschuldiget um ihrer Fasten willen. Es er- greifft aber das Kind ohngefaͤhr nur ein kleines Broͤcklein vom Kaͤse/ faͤhret alsbald damit zum Munde und issets hinunter. Was geschahe? Da es die Mutter gewahr werde/ stunde sie mit solchem Wehklagen und Zettergeschrey alsbald auf/ daß wir meinten/ sie were unsinnig/ biß wir uns der Ursache we- gen durch einen unter uns/ der ihrer Sprache in etwas kundig war/ bey ihr erkundigten/ da sie uns sagen liesse: Jhr Kind het- te ietzo eine schwere und fast unvergebliche Suͤnde begangen/ indem dasselbe etwas von dem Kaͤse genossen/ weßwegen sie sich eine schwere Verantwortung auf den Halß geladen. Und ob wirs ihr wol bestes Fleisses auß dem Sinne geredet/ hats doch nichts Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nichts helffen wollen/ biß wir endlich gesagt/ daß wir die Suͤn- de vor Gott zuverantworten auf uns nehmen wolten/ welches sie zwar in etwas zu frieden gestellet/ ist aber doch gleichwol biß auf die letzte Stunde unserer Abreise immer noch bekuͤmmert druͤber gewesen. Es sind diese Leuthe Griechisches Glaubens und ist hoch zubeklagen/ daß man auch bey dem hellen Liecht der Christlichen Lehre Gott zu ehren und seiner Seelen zu zeitli- chem und ewigen Heil nicht halb solchen Abscheu vor Suͤnde und Unrecht traͤget/ als solche arme Leuthe nur bey ihren Ein- bildungen. Darum/ ob sie es an jenem Tage wol nicht entschul- digen wird/ so werden sie doch gleichwol alle solche muthwillige Suͤnder unter uns beschaͤmen und verdammen. Das X . Capitul. Wie mir und meinen Reiß-Gefehrten die Bulgarische Hochzeit gesegnet worden. H Jer faͤllet mir gleich auch mit ein zuerzehlen/ wie mirs auff meiner ersten Reise von Constantinopel nacher Wien/ die ich mit einem Curirer auf der Post gethan/ um dieser Gegend Landes zu Isvvor, dessen ich oben im 8. Capitul dieses ersten Buchs und dieses andern Theils gedacht/ ergangen ist. Es hat uns der Tuͤrcke/ so mich und den Currirer biß nach Ofen in Ungern begleiten muͤssen/ in ein Bauerhaͤußlein auf eine Bulgarische Bauer-Hochzeit gefuͤhret. Zwar als wir hinein kommen/ sind wir von den Bauren vertraulich gnug auff genommen und an einen langen schmalen Tisch/ al- wo zwey grosse Kuͤbel/ oder Fasse voll mit rothen und sehr starcken Wein stunden/ gefuͤhret und zu sitzen gebethen worden. Jn solchen Weinfassen lagen von außgehoͤlten Kuͤrbissen/ der- gleichen denn im Lande viel wachse/ etzliche Trinckgeschirre/ damit Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. damit/ wem beliebete zu trincken/ von dem Weine schoͤpffete und tranck/ so viel und oft er wolte/ worbey sich denn diese Bau- ren recht barbarisch erzeigeten/ wie sie es auch sonst waren. Weil ich aber ein Tuͤrckisch Kleid anhatte/ fragten sie mich/ ob ich ein Christe were/ denen ich theils auf Tuͤrckisch/ theils auch mit Zeichen zuverstehen gab/ daß ich ein Christ were/ woruͤber sie denn hoͤchlich erfreuet worden und haben auß ihren Wein-Kuͤbeln den Wein/ wie Wasser geschoͤpffet und auff mich loß getruncken. Es ist aber auf den Morgen auß solcher Freude und Lust eine ziemliche Unlust kommen/ deren wir uns zwar nicht versehen hetten. Es ist aber dieselbe/ kurtz zuerzehlen/ daher entstanden: Als wir damahls von Pieroth mit andern Rossen abge- reiset und zwey davon nicht wol fort konten/ ist uns ein Bauer mit etzlichen Rossen begegnet/ mit dem unser Tuͤrcke ein Wechsel hielt und unsere Schwache fuͤr seine frische gab/ iedoch mit der Bedinge und Verheissung/ daß er sie zu Isvvor wieder finden solte/ wie denn auch warhafftig geschehen were. Es war aber der Bauer keines Wegs zu frieden und koͤmmt uns nach gegen Morgen voller Zorn und Unmuth in besagtes Dorff und beklagt sich gegen seine noch volle Nachbarn und Mitbauren/ wie es ihm mit uns gestern ergangen were/ gleich da wir uns ietzt zur Reise fertig machten und wieder fortreisen wolten/ massen wir uͤbernacht schlecht accommodament ge- habt und unter freyem Himmel im Hofe verlieb nehmen muͤs- sen. Da kommen die Bauren mit Pruͤgeln und grosser unge- stuͤhm auf uns zu und schlugen tapffer auf den Tuͤrcken und Postilion loß/ ich aber/ der ich bereits zu Pferde saß/ habe mich aller Orthe fleissig umgesehen/ ob ich auch was haben solte: al- lein es ist doch gleichwol das Ungewitter neben hingestrichen und haben mich vielleicht/ daß ich mich den Abend zuvor ei- nen Christen erklaͤret/ geniessen lassen. Weil Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Weil aber kein Aufhoͤren/ noch Versoͤhnen stat finden wolte/ ist der Currirer zum Tuͤrckischen Richter gangen und hat die Barbarischẽ Bauren verklaget/ worauf alsbald befoh- len worden die Anfaͤnger solches Streits mit funffzig Strei- chen auf die Fußsohlen einen ieglichen abzustraffen/ woruͤber sie hefftig erschrocken und kleinlaut worden/ massen es denn auf gestrig-genossenen starcken Wein auch ein ziemlicher star- cker Brantewein war/ der sich schwerlich gar zu wol drauf schi- cken moͤgte. Allein wir gesegnetens ihnen und ritten mit un- serer Part Stoͤsse auch fort. Das XI . Capitul. Wie der Herr Legat zu Sophia eingeholet worden. D Amit ich aber wieder auf diese meine andere Reise/ mit Jhrer Excell. Herrn Grafen von Buchhaim/ Jhrer Roͤm. Keys. Majest. Abgesandten in die Ottomannische Pforten verrichtet/ kom̃e/ davon ich mit jetzt gethaner Erzeh- lung abgesetzet/ sind wir den 3. Martij von Pötrötschon kurtz nach der Sonnen Auffgang aufgebrochen und nach Mittage um 2. Uhr zu Sophia ankommen/ zwey Meilen. Denn ob wir gleich in lauter ebnen Wegen und zwischen Feldern gereiset/ so ist doch der Weg sehr boͤse gewesen/ weßwegen wir auch vori- ges Tages Sophiam nicht erreichen koͤnnen. Als wir nun eine gute vierthel Meile nach von der Stadt abgewesen/ sind uͤber 1000. Tuͤrcken zu Roß und Fuß/ nemlich 600. zu Roß und 400. zu Fuß uns entgegen kommen und ha- ben uns mit Trom̃eln und Trompeten/ ihrer Manier nach einbegleitet/ welches sehr schoͤn anzusehen gewesen/ dieweil Roß und Reiter aufs schoͤnste außgeputzt waren. Und welches wol zu mercken/ konte man unterm Fuß-Volcke/ das sich bey L un Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. unserm Einzuge zu beiden Seiten eingetheilet/ flug an ihren seltzamen Kleidungen und instrumenten erkennen/ was Profes- sion und Handwercks ein jeder war. Jhrer viel hatten von dem edelsten Rauchwerck an Tieger und andern Haͤuten/ so zu Roß als zu Fusse/ sich behenget. Uñ sind wir also solenn un̄herr- lich zu Sophia, davon die gantze Stadt rege worden/ wie doch zugeschehen pfleget/ wann etwas ungewoͤhnliches zu sehen ist/ eingezogen. Den 4. und 5. Martii sind Jhre Excell allhier zu Sophia stille gelegen und haben etwas außgerastet/ womit auch uns gedienet gewesen. Das XII. Capitul. Von unserm Aufbruch zu Sophia und fernerer Fortreise. S Ophia ist sonsten eine ziemliche Stadt iedoch ohne Ring- mauren. Jst ietziger Zeit die Hauptstadt in Bulgaria / hat ein schoͤnes warmes Bad/ 2. Wasserkuͤnste und eine kleine Kir- che Patrum S. Franscisci, und sind um dieselbe herum uf etzliche Meilen in schoͤnen ebenen der Felder gar viel Huͤgel zu sehen/ von zehen biß fuͤnffzehen Elen hoch und haͤlt man dafuͤr/ daß es tieffe Gruben gewesen/ darein man vor Zeiten die Todten zu werffen und zu begraben pflegen. Den 6. Martii fruͤh Morgens um halb 8. Uhr sind wir wieder aufgebrochen und um 3. Uhr 1. nach Wackarel kom- men/ 4. Meilen von Sophia. Sind in schoͤnen ebenen Feldern zwischen etwas abgelegenen hoͤltzigen Gebuͤrge/ ohngefaͤhr a- ber eine Meile von Wackarell in und uͤber das hohe Gebuͤrge Kabra genannt/ gezogen/ in welchem ietztgedachtem Gebuͤrge viel schoͤne klare Fluͤßlein fliessen/ biß wir endlich uͤber ein Was- ser/ die Isker genannt/ kommen. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 7. Martij haben wir uns zu Wackarell fruͤh um 7. Uhr wieder auf den Weg gemacht und sind nach Mittage um 2. Uhr kommen 2. nach Ichtimon, welches drey Meilen von Wa- karel abgelegen. Den 8. Martij fruͤh um 8. sind wir wieder fort und 3. nach Capitschik, da die TemirCapi ist/ deren oben in 6. Ca- pitul gedacht worden/ kommen: Und haben wir von Ichti- mon uͤbers hohe Gebuͤrge gemuͤst/ auf welchem gedachte Temir Capi, oder eisernes Thor/ stehet/ worbey ein Doͤrfflein/ Derfent genannt/ da sich auch im vorigen Capitul gedachte und um die Stadt Sophia herum angefangene Begraͤbniß-Huͤgel enden. Von der Stadt Sophia biß auf Constantinopel haben wir das uͤberauß hohe Gebuͤrge/ Herebum, und zur lincken Hæ- mum gehabt. Dieser ist 6000. Schrit/ oder anderthalbe Meile hoch und wie die Historien vermelden/ soll der Koͤnig Philippus in Macedoni en/ Alexandri M. Vater vier Tage hinauf und zwey herunter gereiset sein und kan man da Welsch- und Teutschland den Donaustrom und das Venetianische Meer sehen/ unge- acht es doch in die hundert Meilen davon gelegen. Von Ca- pitschik sind wir 4. nacher Wedrin, drey Meilen voneinander gelegen kommen/ wo wir denn auch uͤber Nachts verblieben und ist allhier das Gebuͤr ge Nofak. Den 9. Martii fruͤh um 6. Uhr sind wir wieder aufgewe- sen und um 12. Uhr 5. nach Tattarbassartschik, welches ein schoͤner Marckt ankommen/ welchen Tag wir auch alda stille gelegen und uͤbernachtet/ sind drey Meilen. Den 10. Mart. als wir fruͤh um 6. Uhr wieder aufgewesen/ sind wir nach Mittags 6. zu Philippopoli ankommen/ welches abermalhs drey Meilen von Tattarbassartschik abgelegen ist. Das XIII . Capitul. Von Philippopoli, der Koͤnigl. Macedonischen Resi- den tz-Stadt. L 2 Die- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. D Jeses Philippopolis ist eine sehr alte Stadt/ absonderlich deßwegen beruͤhmt/ weil Alexandri M . Vater allhier auf einem Berge/ deren etzliche in der Stadt gelegen/ seine Re- siden tz gehabt/ wie deñ das alte Gemaͤuer/ so noch davon uͤbrig aber wegen langwieriger Zeit mit Graß uͤberwachsen/ auß- weiset. Diese Stadt ligt in dem uhralten beruͤhmten Koͤnigrei- che Macedonia unten am Gebuͤrge Rhodope. Sie hat keine Mauren/ iedoch sind um und um Berge von unaußsprechlicher Hoͤhe und haben wir da die andere Uhr ins Tuͤrcken Gebieth schlagen hoͤren. Auf obgedachter Berge einem in solcher Stadt auf der ecke oder Spitze desselben stehet eine sehr alte gar kleine Capelle/ oben rund zugewoͤlbet und von Steinen in- und auß- wendig aufgefuͤhret/ inwendig aber mit alten Gemaͤhlden außgezieret und sagt man/ daß der Apostel Paulus Messe darinnen gelesen haben soll. Diesem Berge gegen uͤber auf einem andern seynd wir mit 5. Trompetern und Heerpaucken lustig gewesen und von Wein und Semmel uns allda eine Collation gemacht und ha- ben wir uns uͤber alle Masse weit herum umsehen koͤnnen. Das XIV . Capitul. Von unserm Auffbruch und fernerer Fortreise von Philippopoli. V On Philippopoli sind wir den 12. Martij fruͤh um 6. Uhr wieder aufgebrochen und Abends um 5. Uhr 6. zu Soso- vvitze ankommen. Den 13. Martij fruͤh um 6. Uhr sind wir wieder aufgewesen und um 2. Uhr 7. nach Usumtschova, so drey Meilen/ kommen/ an welchem Orthe denn eine schoͤne Kirche zu sehen ist. Den 14. Martij fruͤh um 6. Uhr haben wir uns wieder von dan- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. dannen aufgemacht und sind 8. Hermanli kommen/ drey Mei- len Hat ein fliessend Wasser/ Büuktersa genannt und eine sehr lange steinerne Bruͤcke. Und eine Meile von diesem Orthe wird die Erde/ Bolus Armenus genannt/ gefunden und gegraben. Den 15. Martij fruͤh um 6. Uhr sind wir wiedeꝛ aufgewesen und 9. nach Mustofa Baschatschopri kommen/ welches von Herman- li drey Meilen abgelegen. Hat auch eine steinerne Bruͤcke von 400. gemeinen Schritten lang und 9. Schritte breit/ massen denn auch gar eine schoͤne Carabassari 135. Schritte lang und 35. Schritte breit/ also/ daß eine grosse Anzahl Rosse darinnen ge- stellet werden koͤnnen. Von dannen sind wir den 16. Martij in aller fruͤhe aufgewesen und drauff um 11. Uhr gluͤcklich ankom- men 10. zu Adrianopel, von welchem Orthe im folgenden Ca- pitul soll gesagt werden. Das XV . Capitul. Von der Stadt Adrianopel, wie wir allda empfangen worden und was denckwuͤrdiges allda zu sehen ist. W Je wiꝛ uns an diese Stadt genaͤheꝛt/ sind Jhre Excell . von den Tuͤrcken zu Roß und Fuß gar praͤchtig angenommen und eingeholet worden/ kurtz aber vor der Stadt haben uns 12. Tuͤrcken und Zigeuͤner aufgewartet mit ihrer Barba- rischen Music und also damit in die Stadt begleitet. Es liegt die Stadt in einem Thaal/ weßwegen wir sie auf eine Meile wegs sehen koͤnnen/ ehe wir hinan kommen und fleußt dran hin das Wasser Moriza, uͤber welches eine sehr lan- ge steinerne Bruͤcke gehet. Sie ist ziemlich groß und hat eine neue Kirche mit vier Thuͤrmen/ allenthalben mit Bley gede- cket und ist wol zu sehen/ denn es gewiß ein uͤber auß schoͤnes Werck ist/ nach dem es die Tuͤrcken erbauet haben/ von denen L 3 man Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. man sonst dergleichen nicht wol gewohnt ist/ worbey den der Marmelstein nicht gesparet worden. Einsmahls gehe ich mit etzlichen der unsern auf deren Thuͤr- me einẽ um die Stadt der schoͤne halber und ihre lustige Gegend herum recht zu besehen und stosse unvorsichtig im Tunckeln einẽ Oelkrug um. Als aber der Tuͤrcke/ so die Ampeln auf dẽ Thurm um ihres heiligen Abends willen anzuͤnden wollen/ uns zu- gleich auch wieder herunter fuͤhren/ solches gewahr worden/ hub er uf seine Sprache an zu schelten und zu fluchen und wolte es kurtzum von uns bezahlet haben/ oder wolte uns von dan- nen nicht lassen. Weil wir denn andere Ungelegenheit befahren musten/ haben wir uns mit ihm um 8. Asper verglichen und sind in Frieden voneinander geschieden. Wann sie ihren Wairam, also nennen sie ihr hoͤchstes Fest/ halten/ zuͤnden sie vier gantzer Wochen lang auf allen Thuͤr- men/ deren eine unaußsprechliche Summa/ wil nicht sagen zu Constantinopel, sondern nur allhier zu Adrianopel, schoͤne Figu- ren von Lampen von einem Thurm zum andern mit langen Seulen an/ als wie halbe Monden/ Cypreßbaͤume und ande- re mehr/ welches denn deß Nachts/ sonderlich wenns sehr fin- ster/ ein uͤberaus schoͤnes Ansehen gibt/ daß mans weit und fern sehen kan/ wie ich denn oftmahls deß Nachts/ sonderlich zu Constantinopel deß Tuͤrckischen Keysers Burg uͤber/ die vornehmsten Kirchen in der Stadt auß meinem Hause zu Gal- lata und die auff den Thuͤrmen derselben angezuͤndete Lam- pen Figuren lange mit hoͤchster Lust und Verwunderung an- gesehen und betrachtet. Die vier Wochen uͤber halten sie den gantzen Tag/ auch in der groͤsten Hitze im Sommer/ welche denn uͤberaus groß allda ist/ ihre Fasten so strenge/ daß keiner einen Tropssen Wasser/ noch Bissen Brod geniessen darff/ biß man die Ster- nen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nen am Himmel siehet: Da bringen sie denn wieder ein/ was sie den Tag uͤber versaͤumet/ in dem sie die gantze Nacht in Fres- sen/ Sauffen und allerhand abscheulichen Suͤnden und Un- zucht zubringen. Auf solche vermeinte vierwoͤchentliche Fasten folget denn ihr Fest und waͤret drey Tage und haben dabey al- lerhand Freudenspiele nach ihrer Weise. Von Unglaͤubigen Heiden gehets hin/ wann aber nur der Allerhoͤchste nicht auch von denen meisten Christen klagen und sagen muͤste: Was verkuͤndigest du meine Rechte und nimmst meinen Bund in deinen Mund/ so du doch Zucht bas- sest und wirffest meine Worte hinter dich? Das XVI. Capitul. Von unserm Aufbruch zu Adrianopel und fernerer Fortreise. D En 18. Marti@ fruͤh um 6. uhr sind wir von Adrianopel fortgezogen/ unterwegens kommen 1. auf Opolbassa und 2. auf Hapsa, welches ein Marckt/ allwo auch ein Hann/ da man logir en kan. Haben den gantzen Tag im truͤben Re- genwetter zubracht und eine schwere Reise uͤber Berg und Thal gehabt, biß wir auf den Abend 3. gen Babba kommen/ so 7. Mei- len und uns in Hann daselbst logiret . Allhier hats gar eine statliche Bruͤcke uͤber 200. gemeine Schritte lang und sehr breit/ uͤber den Fluß Mariza, so doch nicht sehr breit/ wie denn unser etzliche von den Wagen abgeses- sen und uͤber die Bruͤcke/ selbige recht in Augenschein zu neh- men/ gangen. Zur lincken Handwerts ist eine uhralte Capelle mit einer oben rund gemauerten Coppel/ darinnen haben wir ein Grab eines Heiligen/ Namens Nicolai, gesehen/ so von ei- nem Griechischen Weibe bewachet wird/ wiewol die Capelle ietzo Tuͤrckisch/ da sie zuvor Griechisch gewesen. Unfern von die- ses Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ses Heiligen Grabe siehet man auch einen uͤberauß grossen Pfeil von Eisen und ein Armbrust/ welches er im Leben gefuͤh- ret haben soll. Den 19. Martij sind wir fruͤh um halb 7. Uhr zu Babba aufgewesen im starcken Re gen und Wind und haben aber- mahls einen sehr boͤsen Weguͤber Berg und Thaal und um ein Uhr nach Mittage 4. nacher Borgas kommen/ allwo wir uͤber eine steinerne Bruͤcke fahren muͤssen nach dem Hann/ da wir uͤ- bernacht logir et. Dieses Borgas ist ein Marckt und ist ein Tuͤr- ckisch Gestiffte daselbst/ daß man die Durchreisende allda spei- sen muß. Hier sind wir ans Meer/ Propontis genannt/ kom- men. Den 20. Martij sind wir wieder fortgezogen fruͤh Mor- gens um 3. Uhr und um halb 7. Uhr 5. nach Schorli kommen. Jst ietzo ein Marckt/ vorzeiten aber eine beruͤhmte Stadt gewesen und ist 7. Meilen von Borgas gelegen/ das Wasser so bey hin fleußt/ wird Johann genennet und der Herr Logat muste an ei- ner Tuͤrckischen Meschit, oder Kirche logir en. Den 21. Martij ohngefaͤhr eine Stunde nach der Son- nen Aufgang sind wir zu Schorli wieder fort und Abends um 5. Uhr 6. nach Selymbria kommen fuͤnff Meilen von Schorli ab- gelegen. Jst eine Stadt nicht uͤbrig groß am Meere gelegen und haben wir diese Tagreise abermahls in lauter truͤben Regen- wetter und boͤsen Wegen zwischen engen Thaalen und Bergen zugebracht/ und ist uns hier S. Agnetis Coͤrper unverweset in deꝛ Hoͤhe gewiesen worden/ wie denn auch eine sehr schoͤne Bruͤcke von 32. steinern Jochen allda zu sehen/ wiewol wenig Wasser unter hinfleusset. Den 22. Martij fruͤh um 7. Uhr haben wir uns wieder auf den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. den Weg gemacht und sind Mittags um 2. Uhr 7. nach Ponte- grande, weiches ein Dorff/ zwey Meilen ankommen. Ausser Selymbria ist uns der Roͤmis. Keyserl. an der Otto- mannischen Pforten residir ende Rath/ Herr Johann Ru- dolph Schmid/ entgegen kommen/ welcher Jhre Excell. den Herrn Gesandten/ vollends nach Constantinopel begleitet. Zu Pontegrande ist eine sehr schoͤne lange und breite stei- nerne Bruͤcke/ wovon auch das Dorff den Namen bekommen daß es Pontegrande, das ist/ Großbruͤcke heisset. Diese Bruͤ- cke ist gar sonders wol erbauet/ denn bald gehet sie auf-bald nie- derwerts und fleußt ein Arm vom Meere drunter hin. Von hier sind wir kommen 8. nacher Ponte Piccolo den 23. Martij und alda biß auf den 25. Martij stille gelegen/ ehe wir vollends nach Constantinopel fortgangen. Ausser der Stadt Constantinopel/ ungefaͤhr eine halbe Meile/ habẽ ihre Excell . alle Wagen/ deren uͤber 50. gewesen/ im freyen Felde stille halten lassen und sich zum Einzuge geschicket. Ausser der Stadt aber sind Jhre Excell. der Hollaͤndische/ Ve- netianische und Engellaͤndische Resident entgegen kommen und haben denselben aufs freundlichste empfangen. Haben uns al- so gemachsam der Stadt Constantinopel genaͤhert und sind/ Gott Lob/ nach lang auß gestandener Kaͤlte/ Frost/ Regen und Schnee und sonst vielem Ungemach um Mittage daselbst gluͤck- lich angelanget/ von Tuͤrcken zu Roß und Fuß begleitet. Un- sere Trompeten aber haben wir nicht hoͤren/ noch die Paucken ruͤhren lassen doͤrffen/ wie wir denn auch mit zu gewikkelten Cornet eingezogen. Das XVII. Capitul. Wie wir in Constantinopel tractirt und gehalten worden. M Als Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. A Ls nun der Herr Gesandte das erste mahl bey dem Tuͤrcki- schen Keyser audienz haben sollen/ sind uns von den Tuͤr- cken die aufs schoͤnste gebutzte Rosse vorgezogen worden/ wor auf wir in die Keyserl. Burg einreiten sollen/ da wir denn/ nach dem wir in die Burg kommen/ unten auf der Erden in ei- nem weiten Hofe gespeiset worden/ auf gut Barbarisch/ ohne Tisch/ Baͤncke und Tischtuch. An stat deß Weins haben wir frisch Wasser/ oder Scherbeth gehabt. Haben also kurtze Tafel gehalten/ da wir gar fein ver- nuͤnfftig blieben. Was aber nach uns in den grossen Schuͤsseln uͤbrig blieben/ das haben die Tuͤrcken/ da wir aufgestanden/ alsbald hinweggenommen und sich drum gerissen und fast ge- schmissen. Hetten wir nicht sorgen muͤssen/ daß wir die Tuͤr- cken/ als ob wir sie ver achteten/ erzuͤrnen moͤgten/ hetten wir ihnen ihr Pancket wol gelassen. Jhre Excell. der Herr Gesandte nebenst den anwesenden vornehmsten Tuͤrckischen Bassen, Veziern, Muffti, \&c. sind ab- sonderlich tractirt worden in einem darzu deputirt en und aufge- putzten sonderlichen Zimmer Die Grafen und Herrn/ so ihrer Excell angehoͤrig gewesen/ haben auchi hre tractation abson- derlich gehabt. Als nun hier auff die audienz verrichtet/ sind wir wieder- umb nach unserm Hann/ da wir logir et/ gekehret und sind ih- rer Excell. dero Cavallirn und Officirern bey dieser Keyserl. Au- dien tz schoͤne Cafftan von Gold/ Silber und Seiden gewuͤrckt außgetheilet worden/ darinnen sie/ biß in den Hann/ reiten muͤssen: Und als wir dahin kommen/ sind alsbald Tuͤrckische Musicanten mit ihren Schallmeyen/ Trummeln/ die sie oben mit einem und unten zugleich mit einem Kloͤppel spielen und mit messingen Trommeten/ wiewol anders/ als unsere ge- macht/ uns aufzuwarten erschienen und dem Herrn Legaten da- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. damit zubeehren/ welches aber schlecht genug und also geklun- gen/ daß man bald die Ohren darfuͤr zustopffen moͤgen. Das XVIII . Capitul. Von der Tuͤrcken ruͤhmlichen Gerechtigkeit ein sonderbares Exempel. A Lhier muß ich eine sonderbare Geschicht/ die sich zu unser Zeit etwann zehen Schritt von unserm Hann uͤber zu Constantinopel zugetragen/ erzehlen. Es wurde eins- mahls in der Nacht zu verbothener Zeit ein Tuͤrcke auf der Gassen von der Wache er griffen/ welcher ein kleines Kaͤstlein untern Armen gehabt und endlich auf scharffe Zurede gestan- den/ daß ers gestohlen. Den nimmt alsbald die Wache ohn al- le Verantwortung/ Urthel und Recht/ wirfft ihm einen Strick um den Hals und hing ihn an den nechsten Baum bey gedach- tem Hann. Das Kaͤstlein aber setzte man unter den Baum/ daran der Dieb hieng/ damit iederman deß erhenckten Ubel- that wuͤrcklich sehen solte/ wie dem Fuͤrgeben nach/ der Tuͤrcki- sche Keyser selber dabey gewesen und selbiges besehen haben soll. Denn den Gebrauch hat der Keyser/ welches gewiß/ daß er deß Nachts oft und vielmahls hin und her reitet und also die Justi tz zubefoͤrdern und zuerhalten hoͤchlich befliessen ist. Ja auch deß Tages wol gehet er vielmahl mit schlechten Kleidern und mit wenig/ oder wol gar keinen Dienern die Gassen und Maͤrckte durch/ da das meiste verkaufft und gekaufft wird/ damit er sie- het/ ob man verbothenen Wucher und Ubersatz treibet. Das were wol noth bey unsern Kramern/ welche das fuͤr ihr bestes Gluͤck achten/ ie mehr sie an einer Wahr gewinnen koͤnnen und nicht betrachten/ obs wieder Gewissen und Christliche Liebe lauffe oder nicht. M 2 Die Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Dieser Tuͤrckische Dieb/ so damals in der Nacht aufge- hencket ward/ muste hernach drey Tage und Sonnenschein/ andern zum Exempel und Abscheu/ am Baum hengen bleiben: Und hassen die Tuͤrcken unter andern Lastern sonderlich auch den Diebstahl zum hoͤchsten. Solchem alle Gelegenheit abzu- schneiden/ darff sich zu nachts keiner nach verbothener Zeit auf der Gassen betretten lassen. Wird aber einer ertappet und hat nicht hohe wichtige Ursachen dessen fuͤrzuwenden/ stehet traun sein Leben in hoͤchster Gefahr. Ein hoher Cavallir/ so ein Christ und dem Tuͤrcken gedienet hatte/ sagte mir einsmahls/ wenn man etwas bey den Tuͤrcken auß der hoͤchsten Gefahr unter eine Wache gebracht/ so wirds geachtet/ als haͤtte mans Gott in seine Haͤnde aufzuheben gegeben. Wird demnach gewiß von denen Barbarischen Tuͤrcken in allen Stuͤcken/ nichts außgenommen/ die liebe Justiz uͤber alle massen eiferigst befoͤrdert und gehandhabet/ und werden ohn einige Verlaͤngerung der Rechts-Haͤndel und vieles Ad- voca ten-Gebetsse die Sachen in wenig Tagen/ oder wol Stunden zu Ende gebracht und die Parten außeinander ge- setzet. Bey vielen Regierungen unter den Christen gehets lei- der mit Rechtshaͤndeln/ wie bey ungewissenhafften Artzten/ welche die Schaͤden darumb auffhalten/ daß sie desto mehr Geld drauß schneiden koͤnnen und verderben damit sehr viel Patienten gar/ daß sie zu Kruͤpeln werden/ oder gar Erde druͤ- ber kaͤuen muͤssen. Das XIX . Capitul. Von unserm Aufbruch und Ruͤckzug von Constantino- pel wieder nacher Wien. A Ls nun Jhre Exell. der Herr Legat seine Verrichtung am Tuͤrckischen Hofe zu Constantinopel abgeleget/ hat sich der Tuͤrckische Keyser nach Adrianopel erhoben/ sich wider den Koͤ- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Koͤnig in Pohlen ins Feld zu ruͤsten und etzliche Tage darauff sind auch wir auff gebrochen den 4. May Anno 1634. und ha- ben unsern Ruͤck-Weg wieder nach Wien zugenommen@/ wie wir denn auch allda den 27. Junij ietztgedachtes Jahres mit Gottes Huͤlffe gluͤcklich angelanget. Ehren und Schuldigkeit halben bin auch ich wieder mit Jhrer Gn. zu ruͤcke gezogen/ wiewol doch sonst mein Vorha- ben weit anders gefasset war. Will demnach auch allhier nicht melden und viel schreiben von unserer Ruͤck-Reise/ weil wir doch meist die Orthe wieder beruͤhret/ dar auff wir im Hin- reisen nach Constantinopel kommen sind/ damit meine Reise- Beschreibung nicht allzuweit leufftig fallen und der Leser zum Eckel und Mißfallen verursachet werden moͤge. Beschliesse al- so hiermit das andere Theil und schreite im Namen Gottes zum Dritten. M 3 Der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Der Dritte Theil. Der siebenjaͤhrigen und gefaͤhrlichen Welt-Beschauung. Deß weiland Hoch-Edelgebornen Herrn Georgen Christoff von Neitzschitzens aus dem Hausel Wehlitz und Wernsdorff/ ꝛc. Jst eine Beschreibung der dritten Reise desselben nach Palæstinam, oder dem gelobten Lande/ gen Jerusalem und an andere Orthe im Morgenlande herum und was allda rar es zu sehen und zuerfahren gewesen. Das Erste Buch. Begreifft die Zurüstung gegen solche Reise und darauf erfolgter Aufbruch und Fortzug durch Oesterreich/ Steuer- marck/ Kaͤrndten/. Krain und Jtalien/ biß nach Venedig. Das I . Capitul. Von der Zuruͤstung zu solcher Reise. N Ach dem nun bey Jhrer Gnaden/ dem Herren Grafen von Buchhaim ich mich biß in den vierdten Monat auffgehalten/ habe ich wiederumb eine Reise nach Preßburg meiner Andacht halben in Ungern gethan und daselbst biß fast zu Ende deß Monats May Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. May Anno 1635. verblieben. Hier auf bin ich wieder zu ruͤcke nach Wien und von dar nacher Baden gezogen um auch allda mich in etwas umzusehen und meinem Gemuͤthe Gnuͤge zu thun. Es ist aber gedachtes Baden eine Stadt unter in Oester- reich 2 Meilen von Wien gelegẽ/ und ist ein wollerbauetes war- mes Bad allda/ deme zugefallen viel hohe und niederige Per- sonen/ Fuͤrsten/ Grafen/ Freyherrn/ Edle und andere/ ja offt- mahls wol der Keyser und die Keyserin selber dahin reisen und baden/ fuͤrnemlich im Fruͤhlinge/ da das Bad am kraͤfftigsten gehalten wird/ dieweil viel Kranckheiten dadurch curir et worden. Von Baden bin ich nach Edenburg/ welches eine kleine Stadt in Ungern/ gereiset. Nach dem aber Jhre Gn. Herr Eustach/ Freyherr von Althann von meiner Ankunfft ver- nommen/ mich zu sich erfordern lassen und mir gnaͤdig ange- bothen/ wo mirs beliebe/ ich mich so lange/ als ich wolle/ bey ihm auffhalten solle/ habe ichs auch in Unterthaͤnigkeit ange- nommen und mich biß auf den 19. Febr. st.n. deß 1636 sten Jah- res/ da ich auch meinen Wechsel von Hause bekommen/ auff ge- halten und ist mir ieder Zeit/ so wol vor jetziger Reise nach Con- stantinopel/ als auch dißmahl von Jhrer Gn. alle Gnade und Gutes erwiesen worden/ die ich nicht gnugsam ruͤhmen kan. Dieweilich nun meinen Wechsel und Geld in die Haͤnde bekommen hatte/ war mein einiges Tichten und Dencken auff die Reise nach dem gelobten Lande/ habe demnach von Jhrer Gn in aller Unterthaͤnigkeit und mit schuldigster Dancksagung Uhrlaub genommen und vorgedachtes 19. Febr. fruͤh um 8. Uhr in grossem Schnee von Edenburg mit einem Landgutscher abgereiset/ zu Mittage nach Wampersdorff/ welches schon wie- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wieder in Oesterreich lieget und 4. Meilen von Edenburg/ ge- speiset/ sintemahl der Fluß Leithau/ Ungern und Oesterreich voneinander scheidet. Von hier sind wir auf Windpaͤssing kommen. Jst ein Marckt uͤber der Leithauer Bruͤcken gelegen/ allwo es ein schoͤ- nes Kloster hat oben auf einem Berge liegend Minoriten S. Franc. Ordens. Von dar auf Hohenau gegen Abend kommen zwey Meilen/ da wir auch uͤber Nacht verblieben. Deß folgen- den Tages haben wir die uͤbrigen zwey Meilen vollends biß nach Wien vollbracht/ allda wir den 20. Febr. fruͤh um 7. Uhr in grimmiger Kaͤlte und scharffen Winde ankommen. Habe mich demnach alsbald mit einem Tuͤrckischen Kleide und an- derer zur Reise nach Jerusalem behoͤrender Nothdurfft ver- sehen und mich also/ so viel muͤglich/ auf den Weg geschickt gemacht. Das II . Capitul. Von meinem Auffbruch zu Wien und Fort- zuge. N Ach dem ich nun also zur Reise fertig war/ habe ich mich den 5. Martij st. n . fruͤh Morgens um 9. Uhr im Namen der heiligen Dreyfaltigkeit zu Wien auffgemacht und sel- bigen Tag noch 1. nach Dreissigkirchen 4. Meilen von Wien ge- legen/ gereiset. Jst gar ein lustig Dorff und hat um die Kirche einen Graben mit Wasser/ eine Mauer und Bruͤcke uͤbers Wasser/ anzusehen/ wie ein Kloster. Den 6. Martij sind wir uͤber die Neustaͤdter Heide/ so 7. Meilen lang und biß nach Klockenitz gehet/ gereiset 2. auf Sa- lanau und so foͤrters um 2. Uhr 3. zur Neustadt angelanget vier Meilen. Jst eine feine lustige Stadt und eine Bischoͤffliche Re- den tz. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 7. Martij sind wir mittags 4. zu Neutaverna an- kommen: Jst nur ein Wirthshauß und gehoͤret zum Schlosse/ Potschaff/ abends aber 5. nach Schettwien. Jst ein langer Marckt/ duꝛch welchen mitten hin ein Floͤßlein gehet/ auf dessen beiden Seiten die Haͤuser langs hin gebauet stehen. Hat zwey Thor und eine starcke Festung auf einem hohen scharffen Fel- sen/ welcher gar gehlings sich in die Hoͤhe ziehet und ist die Stie- ge hinauf gantz in Felß gehauen/ der Marckt aber ligt zwischen gar engen Felsen in der Tieffe. Fruͤh Morgens den 8. Martij sind wir wieder auff gewe- sen und uͤber den hohen Berg Soͤmmering/ der sich flugs aus- sen vor dem Marckt anhebet und drey vierthel Meilen hoch ist/ gereiset. Zu oͤberst auf solchem Berge stehet ein hoͤltzern Creutz welches Oesterreich und die Steuermarck voneinander schei- det/ davon ohne Zweiffel auch der nechst angrentzende Orth Schedwien den Namen bekommen und so viel heissen soll/ als scheide Wien/ weil sich dabey Wienerland und die Steuermarck scheiden. An diesem Berge haben die Fuhrleute grosse Noth ehe sie hinuͤber kommen und muͤssen immer von 26. biß 30. Ochsen fuͤr einen Wagen spannen/ so schwer gehets daher und fuͤhren sol- che Fuhrleute gemeiniglich Ochsenhaͤute uñ Kupffer in Kaͤrnd- ten. Der Schnee liegt gar lange drauf/ da unten keiner zu sehen ist. Haben also diesen Tag uͤber lauter Berg und Thal reisen muͤssen/ sind 6. auf Klocknitz zu kommen/ da ein Benedictiner- Closter auf einem Berge gelegen/ worinnen ein Abt wohnet: Weiter 7. nach Spittel/ da wir Mittags-Mahlzeit gehalten und dann ferner 8. nach Meerzuschlag. Jst ein schoͤner und wolgebauter Marckt/ welcher auch zwey Thor einander gleich entgegen hat/ eben wie Schetwien/ wiewol er nicht so groß ist/ N vier Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. vier Meilen von Schettwien abliegend/ biß wir auf den Abend 9. nach Langwang kommen/ da wir auch uͤbernachtet. Langwang gehoͤrt dem Herrn von Schoͤfftenberg: das Schloß ligt in der Hoͤhe zur lincken Hand gar lustig. An diesem Orthe bin ich von einem Gutscher um einen gantz neuen gefuͤt- terten Rock und Saͤbel betrogen worden/ dem ichs mit auf sei- nen Wagen vertrauet/ weil er sich von Graͤtz genennet. Kurtz vor dem Dorff Langwang ist er in einem Waͤldlein zuruͤcke blieben. Alsich aber in Graͤtz unter den Gutschern und Fuhr- leuten nach ihm gefraget/ ist er niemand bekant gewesen und muͤste ich also meinen guten Rock und Saͤbel entperen. Den 9. Martij sind wir fruͤh wieder aufgewesen 10. nach Kruͤgel und dann um Mittag/ da wir gespeiset/ 11. nach Wart- berg kommen: von darauß 12. nach Kinnberg/ welches ein Keyserlicher Marckt/ weiter 13. nach Mertzhofen 14. Morein/ 15. Haffendorff und 16. nach Karpffenberg/ allwo wir uͤber- Nacht blieben. Es ist aber solch Karpffenberg ein Marckt/ den Herrn von Stubenberg gehoͤrig. Das Schloß ligt gar auf einem ho- hen Berge und fließt unten das Wasser/ Mertz genant/ beyhin und um den halben Flecken umher und gehet eine Bruͤcke druͤ- ber. Sind also diesen Tag vier Meilen gereiset. Den 10. Martij fruͤh um 9. Uhr sind wir wieder fort ge- reiset und um 10 Uhr 17. zu Bruͤck an der Muer in der Ober- Steuermarck eine Meile von Karpffenberg einkommen/ Jst eine kleine/ iedoch die Hauptstadt in Ober - Steuermarck von 170. Haͤusern/ ohne Vorstadt und hat vier Thore einander ge- gen uͤber und fleußt das Wasser die Muer an derselben hin/ wie denn auch auf der andern Seiten die Mentz von Karpfen- berg her fliessend drein faͤllet. Das Schloß ligt auf der Hoͤhe/ und ist mit Mauren umzogen. So hat es auch allhier gar einen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. einen schoͤnen grossen Platz gleich wie der Burgplatz zu Wien ist. Den 10. Martij sind wir fruͤh auf die Muer gesessen und also zu Wasser diesen Tag zwischen hohen von Dannenbaͤu- men bewachsenen und steinfelsichten Gebuͤrge hingefahren/ so gar lustig gewesen/ auf einen Marckt 18. Frohnleiden genannt/ zukommen und gegen Abend 19. nach Eckenfeld/ da wir denn auch uͤber Nacht verblieben. Das III . Capitul. Von dem Jungfer-Sprung. Z Wischen Frohnleiden und Eckenfeld ist zur rechten Hand ein zimlich hoher jaͤhlinger Felß/ den man den Jungfer- sprung nennet und hat mit demselben eine solche Beschaffen- heit. Einsmahls hat um selbige Gegend eine Jungfeꝛ die Geissen gehuͤtet und als sie ein Soldate nothzuͤchtigen wollen und sie ihre Ehre zuretten auf diesen Felsen sich begeben uñ gesehen/ daß kein ander Mittel gewesen auß deß Boͤsewichts Haͤnden zuent- kommen/ ist sie oben vom Felsen her ab uͤber die Muer unverlezt ihrer Ehre und Lebens gesprungen. Als solches der Soldate gesehen/ ist der Boͤßwicht auß Gottes gerechtem Gericht an solchen Felsen angeschlagen und ein groß Loch drein geschlagen und sich druͤber zerschmettert/ daß man den Fall gar eigentlich sehen uñ erkennen kan. Ein we- nig uͤber den Jungfer-Sprung zur lincken Hand ist von der Muer auf ein langer Weg in den Felsen gehauen. Den 11. Martij sind wir von Eckenfeld zu Wasser wieder auff gewesen und 20. uf Grewein zur rechten Hand werts lie- gend kommen/ auf der lincken Hand aber haben wir 21. S. Veit liegen lassen und sind darauff fruͤh um 9. Uhr 22. auf Graͤtz kom- men. N 2 Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das IV. Capitul. Von Beschreibung der Festung Graͤtz in Steuermarck. D Jese Festung liegt auf einem Felsen/ der Hoͤhe nach der zu Preßburg in Ungern fast gleich/ erbauet/ ist uͤber auß fest und Starck/ hat viel Pasteyen und war dieser Zeit mit hundert Soldaten besetzt. Oben sind drey Brunnen/ da- von einer sein Wasser auß der Muer/ so unten vorbey fleust/ hat/ ist so tieff/ daß man gar wol ein Vater unser außbethen kan/ ehe ein Stein hinab faͤllet. Gegen der Stadt ist der Felß gar/ auf der andern Seite aber wo er ans Land henget ist er vom Lande mit einer tieffen Krufft abgeschnidten. Oben auf dem Wall stehen in dreyen Wachhaͤusern/ an beyden E- cken und in der Mitten Soldaten/ welche so oft die Uhr schlaͤgt/ ein ieglicher eine Glocke anziehen/ die flugs bey ihm im Wacht- hause henget/ und einen Loͤsungs Schrey thun muß/ also/ daß/ so bald der eine nur den Mund zuthue/ der andere flugs mit seiner Glocke und Geschrey antwortet. Unten liegt die Stadt Graͤtz/ welche die Hauptstadt und Residen tz der Ertz-Hertzogen von Oesterreich in Nieder- Steuermarck und ziemlich groß und wol erbauet ist/ also/ daß man gleichwoleine Stunde haben muß/ wenn man herumb gehen will. Die Muer fleußt gar nahe beyhin/ woruͤber eine lange Bruͤcke in die Vorstatt gehet/ auf welcher in die 15. Krahmladen sind. Unterm Schloß ist ein Thiergart/ in welchem dißmahl Dannhirsche giengen. Um die Stadt umbher sind acht star- cke Pasteyen von gebrandten Steinen wie auch die Stadt- maͤu er von solchen Steinen ist. Auf den Pasteyen stunden dißmahl 36. Stuͤcke alle mit Daͤchern besonders verwahret/ und hat die Stadt vier Thore: das Sackthor/ an welchem wir Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wir bey unserer Dahinkunfft vorbey gefahren und ist drey- fach/ das Unter-Mittel- und Ober Sackthor. Das Ober ist bey dem Muer-Thor/ hernach ist wieder noch ein Muer-Thor ausserhalb bey der Pastey; das andere Stadt-Thor ist das Eisen-Thor/ ist sehr fest und gantz mit Ei- sen beschlagen: Das dritte ist das Pauls-Thor/ deren auch 2. hintereinander/ eins aussen/ das andere innen. Der Graben ist tieff/ hat aber kein Wasser/ außbenommen bey dem ersten Muerthor/ biß an das Eisen-Thor. Das eusserste Sack- Thor ist von der Festung ab mit einer Mauer umschlossen/ wie auch das Pauls-Thor. Damals war Jahrmarck allda/ welcher drey Wochen wārete und darff sich in der Zeit niemand schlagen bey hoher Straffe. So bald aber der Marck wieder außgeleutet ist/ mag einer kuͤhnlich seine revange suchen. Wo man von Sommering den hohen Berg/ nach Lang- wang gehet/ ist das Mentzthaal/ allwo etzliche Eisen-Schmeltz- Huͤtten sind und hat solch Thalden Namen von dem Wasser Mentz/ so durch denselben hinfleußt. Jn Steurmarck und Kerndten wohnen die Bauren auff hohem Gebuͤrge/ brennẽ Spaͤhne von Dannen Holtz an statt der Liechte/ die sie arthlich auf hohe Leuchter/ oben mit einer ey- sern Scheere/ die den Spahn haͤlt/ siecken/ und kan mans hoch und niedrig ziehen/ oder sie legen gedachte Spaͤhne auff ein klein gemachtes Heerdlein mit einem Rauchfange. Von Klock- nitz an biß an Graitz waͤchset gar wenig Wein. Das V . Capitul. Von meinem Auffbruch von Graitz. N Ach dem ich mich um drey Tage in Graitz auffgehalten und umgesehen/ bin ich den 14. Martij nach Mittage um 2. Uhr Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. 2. Uhr wieder aufgebrochen und auf Feldkirchen/ Sultz/ Neu- dorff und durch Waldhan/ welchs ein schoͤner langer Marck mit zweyen Thoren ist und noch einmahl so lang/ als Schett- wien/ gangen. Auf der Hoͤhe eines hohen Berges liegt ein Schloß/ den Fuͤrsten von Eckenberg zustaͤndig. Haussen vor Waldhan muß man uͤber eine Bruͤcke/ worunter die Muer hingehet/ und reiset man uͤber etwas Gebuͤrge auff S . Mar- greten zu/ allwo wir uͤbernachts blieben und also diesen Tag vierthalbe Meile gereiset. Den 15. Martij sind wir auf Handschuh zukommen/ allwo die Sulm fleust und auf den Mittag S. Johann erreichet vierdthalbe Meil und allda verblieben. Unterwegs haben wir uͤber den Eselsberg gemuͤst/ so nicht sonderlich hoch und Lem- nitz/ so ein Marck ist/ zur lincken Hand gelassen/ nahe aber da- bey ein Schloß auf einem hohen Berge/ dem Bischoff von Se- kau gehoͤrig/ so Leidtnitzsch genannt/ wo unten die Sulm hin- flenßt und faͤllet nicht weit davon in die Muer. Diesen ietztgedachten Tag sind wir uͤber oben und unten mit Tannenbaͤumen bewachsenes Gebuͤrge gereiset/ sonderlich uͤber den gar hohen Berg Raͤmschnick/ so sich fast eine vierthel Meile vor S. Johann anfaͤhet und ist eine Meil Wegs hinauf. Zu hoͤchst oben liegt eine Kirche wie auch etliche Bauer huͤttlein/ und kan man drauff das Graitzer Schloß gar eigentlich sehen/ obs gleich neun Meilen davon lieget. Um S. Johann ist sehr hoch Gebuͤrge/ dahero allda schwer Reisen ist und haben wir zwar diesen Tag noch Tragar- ten/ wiewol sehr spat/ erreichet und diese Nacht allda verblie- ben. Hat von der Traga den Namen/ welche bey Tragarten hinfleust. Von S. Margreten biß Tragarten rechnet man sechs Meilen. Den 16. Martij sind wir auf Marrburg/ so ein Dorff ist/ kom- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. kommen/ allwo ein Nonnen-Kloster S. Dominici, ausser dem Dorffe bey einem Berge/ worauff ein Schloß gelegen dem Herrn Stuͤbig gehoͤrig/ sind wir zu kommen auf einen Marck/ die Meut genannt und ist auf einer Hoͤhe gelegen/ dabey unten die Traga hinfleußt/ so wir zur lincken Hand gehabt. Nicht weit von diesem Marckt liegt eine Kirche/ worbey ein Baͤchlein/ da scheidet sich Steuermarck und Kaͤrndten/ des- sen wir nun hier nechst gedencken wollen/ wie ichs auf meiner Reise befunden habe. Das VI. Capitul. Von meiner Reise durch Kaͤrndten. V Nweit/ ja gar nahe von dem Orth/ da sich Steuermarck und Kaͤrndten scheiden/ ist die Clause/ so gesperret werden kan daß weder Wagen noch Pferd hindurch kan. Auf der lincken Hand ist die Traga gar nahe am Paß: Zur Rechten sehr hoch Gebuͤrge. Auf den Mittag sind wir auf Trageberg kommen/ welches ist ein verschlossener Marckt mit einem Schlosse/ so auf einem Berge liegt und den Pr æ laten von S. Paul gehoͤret und wird biß hieher gerechnet auf dritthalbe Meile/ da wir diesen gantzen Tag in lauter ho- hem Gebuͤrge/ welches voller Schnee gelegen und noch den gantzen Morgen darzu geschneyet/ reissen muͤssen. Allhier gibts mehr Weinwachs/ als in der Steuermarck und gilt ein Vierthel/ welches so viel/ als 2. gute Meißnische Kannen guter Wein zu Tragberg mehr nicht/ als 6. Teutsche Groschen. Und weil gleich dieser 16. Martij war der Palmen-Son- tag/ so brachte das Volck hauffenweise grosse lange Buͤnd außgeschlagene Wasserweiden auß den Doͤrffern uͤber Feld daher getragen zu denen Kirchen um dieselbe weihen zu lassen/ mit Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. mit welchen sie hernach das Jahr uͤber raͤuchern fuͤr allerhand Boͤses. Diese Nacht uͤber sind wir zu Eiß verblieben/ so nur drey Haͤußlein sind gar allein im Gebuͤrge gelegen und hatte den Namen recht mit der That/ sintemal es eine gar kalte Herber- ge und Kuͤche war/ auf unser beschwerliche Tagesreise/ da wir diesen Tag sechs starcke Meilen gereiset/ und sind wir von Tra- geberg auß/ unter Wegs uͤber ein Wasser zu einem Marckt/ Lauffmuͤnde genannt/ von dannen auf Warmstuͤbel/ ein Wirthshauß allein im Holtze gelegen/ kommen/ ehe wir die kalte Eiß-Herberge erreichen koͤnnen. Den vorigen 16. und den 17. Martij haben wir zwischen und uͤber lauter hohes Gebuͤrge voller Schnee und mit Schnee bedeckte Aecker reisen muͤssen/ (denn Kaͤrndten ligt viel hoͤher/ als Steuermarck weßwegen es auch groͤssere Kaͤlte und mehr Schnee darinnen gibt als in Steuermarck) biß wir den siebenzehenden Martij auff den Mit- tag auf Faͤlckenmarckt/ vorhero aber auch auf ein Wirths hauß/ Tieffenbach genannt/ kommen. Und ist dieses Faͤlcken- marckt eine Stadt nur mit zwey Thoren und liegt etwas in deꝛ Hoͤhe drittehalbe Meile von Eiß/ und habe ich allda fuͤr ein Vierthel Bier zwey Kreutzer gegeben/ auf den Abend sind wir nach Klagenfurth kommen/ drey starcke Meilen von Faͤlcken- marckt da wir auch uͤber Nacht verblieben. Das VII. Capitul. Von der Stadt Klagenfurth und ihrer Gegend. D Jese Stadt liegt fast viereckigt/ ist sehr fest und so groß/ daß man sie in einer halben Stunde umgehen kan. Ausser der Vorstadt fleußt ein Wasser/ die Gurck genannt und hat vier Thore/ als das Faͤlckenmaͤrcker das Vitringer- das Vil- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Villacher- und S. Veit-Thor. Jst um die Stadt herum ein tieffer Wasser graben/ hat einen sehr breiten Wall/ an der Mauer und 7. oder 8. Pasteyen und in den Thoren sehr star- cke Wache. Eine halbe Meile vor der Stadt ist eine See uͤberauß grosser Tieffe/ die sich biß nach Felden/ ein Dorff/ auf 2. Meilen erstrecket/ auß welcher ein Canal biß an den Stadt-Graben am Villacher Thore gehet/ durch welchen das Wasser in den Stadt-Graben gefuͤhret wird/ so viel man hinein haben will. Sonst gehet auch ein Fluͤßlein durch die Stadt/ welches uͤber den Stadt-Graben auff einem mit viel Hoͤltzern Saͤulen ge- faßten hohen Gang/ bey S. Veits-Thore hinein gefuͤhret wird. Das Gebuͤrge aber ist nicht gar zu sonderlich weit von der Stadt gelegen. An ietzt gedachter See liegt ein sehr schoͤnes Schloß/ hie- bevorn den Grafen Kaͤfenhiller gehoͤrig/ so aber hernach Kayserl. Majstaͤt denselben/ da sie Lutherischer Religion hal- ber das Land raͤumen muͤssen/ abgenommen. Das. VIII. Capitul. Von unserm Auffbruch von Klagefuhrt. D En 18. Martij sind wir von Klagefuhrt nach dem Dorff Felden gereiset zwey Meilen und allda uͤbernacht blieben haben allezeit den gedachten See zur lincken Hand ge- habt. Den 19. Martij sind wir auff Villach kommen/ auch 2. Meilen. Jst eine Stadt um und um mit der Trage umgeben/ woruͤber eine Bruͤcke gehet. Die Stadt ligt in die Laͤnge und hat zwey Thor/ oben und unten eins und bey dem Ober Thor stehet die Pfarrkirche/ S. Jacob genannt und ist mit Bley O ge- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gedecket. Die Stadt ist so groß/ daß man sie in einer guten vier- thel Stunde umgehen kan und ist nicht feste/ ist aber eine Han- dels Stadt und eine grosse Niederlage der Wahren alldar. Ausserhalb derselben eine starcke halbe Meile davon ist ein grosse Grube/ allda vor Zeiten eine grosse Stadt gestanden/ welche versuncken: Und siehet man noch zur lincken Hand eine sehr uhr alte Kirche uͤbrig/ in die Grube aber soll ein sehr hoher statlicher Thurm versuncken seyn/ der vorhero auff der Stette gestanden. Gegen Abend sind wir vollend auf das Dorff Tzschau ei- ne halbe Meile von Villach kommen und allda uͤbernacht ver- blieben. Unterwegs sind wir uͤber ein Wasser mit einer Bruͤcke/ die Geil genannt gefahren. Den 20. Martij haben wir uͤber den gar jaͤhen und hohen Berg/ die Wurtzel genannt/ gemust/ daß wir auf das Dorff Wurtzel/ so unten am Berge liget/ kommen und unweit hiervor entspringet das grosse Wasser/ die Sau/ wie sie dann deßwegen auch an diesem Orthe gar klein und schmaal ist: Und ehe man in das Dorff/ Wurtzel/ koͤmmt/ scheidet sich unten am Berge Kaͤrndten und Krain. Und das ist also auch das Land Kaͤrndten/ so sich ein we- nig unterm unter Tragberg anfaͤngt und zu Ober-Tragberg endet/ ohngefaͤhr dreissig Meilen lang/ iedoch nicht breit. Das IX . Capitul. Von meiner Reise durchs Land Kraͤin. D Jeses ietztgedachte Dorff Wurtzel ist das erste Dorff in Kraͤin und sind wir diesen Tag noch auf Eßling kom̃en fuͤnff starcke Meilen von Villach gelegen/ da wir auch uͤ- ber Nacht verblieben sind. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 21. Martij sind wir von Eßling wider auffgewesen und nach Roßmandorff und also forder nach Gradenburg/ ist ein Staͤdtlein in der Hoͤhe auff einem Felsen gelegen mit ei- ner Mauer und zween Thoren und einem kleinen Schloͤßlein. Auff der rechten Hand im Reisen nach Labach fleußt die Sau unten an der Stadt beyhin/ uͤber welche eine hoͤltzerne Bruͤcke gehet von dreyhundert gemeinen Schritten und soll nach Labach die vornehmste seyn/ zur andern Seite fleußt die Sau. Jst von Eßling biß hieher zwischen diese Wasser auff Kraͤinerisch Metbaddoma genannt fuͤnffthalbe Meil/ allda wir auch uͤber Nacht bey einem Teutschen blieben. Den 22. Martij/ welchen/ wie auch vorigen Tag/ wir nicht mehr hohes Gebuͤrge/ sondern ebenen Weg zu reisen gehabt/ sind wir auff Labach kommen. Das X. Capitul. Von der Hauptstadt Labach in Kraͤin. D Jeses Labach ist die Hauptstadt in Kraͤin/ zwischen Stadt und Vorstadt fleußt das Wasser/ die Labach hin- durch/ uͤber welches eine Bruͤcke gehet. Die Stadt hat fuͤnff Thore/ als das Spittal-Thor/ das Vitzthumer-das Teutsche Thor/ wobey auch eine Teutsche Kirche und etwas vor dieser Kirche das Kloster-Thor und das Carlstaͤter Thor. Das Scholß ligt auf einem hohen hoͤltzigten Berge und kan die Stadt von dem Schlosse etwas beschuͤtzt werden. Jnsgemein wird Windisch in der Stadt geredet/ weil sie auff der Grentze deß Windischen Landes gelegen ist. Eine halbe Stunde ohngefaͤhr von der Stadt ist S. Christoffs Kirche/ wo man noch die Graben sihet/ da vor- dessen der Tuͤrcke die Stadt belagert/ wiewol nicht einbekom- O 2 men Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. men/ und sind auch in selbiger Kirche biß dato eine Tuͤr ckische Trummel und zwey Fahnen zu sehen. Der Wein ist allhier ziemlich theuer und muste die Kanne deß Rothen um 12. Kreutzer bezahlen/ das Pfund Rindfleisch 9. Pfennige/ das Bier 4. Kreutzer. Das XI . Capitul. Von meiner Fortreise von Labach. D En 23. und 24. Martij wegen einfallenden Osterfests sind wir allhier stille gelegen/ den letzten Ostertag abeꝛ/ als den 25. Martij bin ich mit zween Patribus S. Francisci zu Schif auff der Laͤbach aufgewesen und sind den 26. Martij fruͤh um Sonnen Aufgang zu Ober Labach/ vier Meilen von Labach gelegen/ ankommen/ allda wir Rosse biß nach Tꝛiest/ eine Stadt in Istria am Meere gele gen/ gedinget/ welche von Ober Labach/ 12. Teutsche Meilen liget und haben wir von iedem Roß 2. fl. 5. Groschen Teutscher Muͤntze geben muͤssen. Alsbald eine Stunde nach unserer Anherokunfft sind wiꝛ von Ober-Labach wider auff gebrochen und nacher Triest zu- geritten. Es gehet aber ein gepflasterter Weg in die 9. Meil Weges lang dahin/ wiewol er oft sehr boͤse und zerbrochen ist und reilset man stets zwischen und uͤber Felsichtes Gebuͤrge/ koͤm̃t auch auf einen mit Mauren beschlossenen Marckt/ Tsino- schitz genannt/ dabey auf einem hohen Felsen ein alt zerstoͤrtes Schloß/ den Grafen von Portzi zugehoͤrig. Von hierauß sind wir uͤber den Jaberg gereiset. Derselbe ist zwar nichr sehr hoch/ dennoch erhebt sich oft ein solcher star- cker Wind auf demselben/ wie wir vor gewiß berichtet worden/ daßer Roß und Mann ohn alles erhalten zu Boden wirfft. Weiter sind wir kommen auf Tuatschli, ein Dorff/ allwo wir auch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. auch uͤber Nacht bleiben muͤssen weil uns die Nacht uͤberfallen/ ehe wir uͤber den Berg kommen/ der sich auch biß an Tuatschli erstrecket. Den 27. Martij sind wir fruͤh vor Mittage nach Triest kommen und haben wir diesen gantzen Tag in und zwischen sehr grossen Steinen/ einen ziemlichen Weg reissen muͤssen/ so uns sehr verdrießlich gewesen/ sintemal der Weg dermassen mit Steinen verfallen/ daß kuͤmmerlich fortzukommen gewe- sen und endlich die Rosse die Felsichten Hoͤhen herunter gefuͤh- ret werden muͤssen/ da wir denn mit Grauen gesehen/ in was gefaͤhrlicher Hoͤhe wir gereiset/ so wir vorhin auf der Hoͤhe sel- ber nicht in Acht genom̃en/ biß wir die Jaͤhlinge herab gemust und die Stadt Triest und das Meer vor uns gesehen. Das XII. Capitul. Von der Stadt Triest und mein er Ankunfft zu Venedig. D Je Stadt Triest ligt uͤber die Masse schoͤn am Meer/ ist fest und bat 3. Thore/ als das Labacher-das Capuciner- und Meer-Thor/ da die Schiffe/ so nach Venedig und weiter gehen/ anlauffen/ weßwegen auch der Hafen genennet wird Golfo di Trieste. Es hat dieselbe auch ein Schloß/ welches auf einem hohen Berge lieget/ welches mit 50. Soldaten pfle- get besetzet zu seyn. Hart dabey ist die Domkirche/ so ein sehr al- tes grosses finster Gebaͤude. Gehoͤret diese Stadt noch dem Roͤmischen Keyser zu und ist nicht beym besten allda vor Rei- sende/ also/ daß man zu seinem Gelde fast hunger leiden muß. Den 2. April fruͤh um 3. Uhr nach Teutscher Rechnung bin ich von dannen aufgebrochen und mit vorgedachten zwe- en Patribus Franciscanis auf einer zufaͤlliger Parquen nacher O 3 Be- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Venedig gereiset/ und habe fuͤr meine Person allein 6. Pfund/ welches mehr ist nach Teuscher Muͤntze/ als 1. fl. Faͤhrlohn ge- ben muͤssen. Sind von Triest biß Venedig uͤber Meer 100. Jta- lienische Meilen/ woruͤber wir fast drey Tage zubracht/ indem wir den 4. April nach Mittage ohn Gefaͤhr um 3. nach Teut- scher Uhr daselbst ankommen. Das andere Buch. Begreifft die Reise von Venedig uͤber Meer biß in Egy- pten und die beruͤhmte Stadt darinnen/ Alexandria/ sampt dem/ was vor Orthe unter Wegs und sonst von andern denckwuͤrdigen Dingen zu sehen gewesen. Das I . Capitul. Von meinem Aufbruch und Zuruͤstung zu Vorhabender See-Reise zu Benedig. N Ach dem ich mich nun achtzehen Tage zu Venedig aufgehalten/ habe ich mich auf ein Fran- zoͤsisch/ so von ihnen Latino, Von den Venetia- nern aber Tartana geneñet wird/ verduͤnget/ mich deßwegen mit allerhand zur See nothwendigen Victualien und Provision versehen/ und sind im Namen Got- tes gleich den Sontag/ war der 27. April Nachts um 9. Uhr zu Venedig aufgebrochen und haben uns in die See begeben/ wiewol mit schlechtem Winde. Es fuͤhrete selbiges 6. kleine und ein grosses Stuͤck und war mit drey Segeln versehen. Den folgenden Tag haben wir biß Mittag die Stadt Venedig noch immer/ wiewol von weiten im Merr sehen koͤnnen. Nach Mit- tage haben wir mittel Wind bekommen und Abends die Stadt Maco Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Maco zur lincken Hand gesehen/ und haben wir diesen 21. und 22. Aprill gar schoͤn und helle Wetter gehabt. Das II. Capitul. Von weiterer und voͤlliger Fortstellung unserer Reise nach Egypten. D En 22. Aprilis haben wir die Stadt Parenza und Roinno, so klein/ zur lincken Hand gar nahe und mit geringem Winde gelassen/ uñ ist dieses Land alles Istria. Istria, Jster- reich/ ist eine Landschafft Welschlandes und faͤngt sich dassel- be schon zu S , Veit an/ wie theils wollen. Unterwegs aber/ ehe wir noch auff Roinno kommen/ sind wir auch Roschera, so dem Papst gehoͤret/ vorbey passir et. Zur lincken Hand sind wir an etzlichen Schochlin en mit etwas Straͤuchern bewachsen vorbey gesegelt/ und Abends drauff Campo Dipola, alda eine kleine Stadt in der Hoͤhe deß Gebuͤr- ges/ zur lincken Hand gelassen. Den 23. April hatten wir schwachen Wind und sind den Berg Carnero Onia, eine Jnsul/ zur lincken Hand beyhin passi- ret. Der 24. Apr. war regenhafftig und sind wir zu S. Piedro di Nimre in Sclavonia ankommen/ so wir vorigen Abend nichts voll endserreichen koͤnnen. Es ist aber dieses S. Piedro eine Kirche zur lincken Hand in Punta, oder an der Ecke/ ehe wir den hohen Steinfelß im Meer verlassen. Und weil wir schwachen Wind hattẽ haben wir nach Mittage ohngefaͤhr um 2. Uhr dẽ Port bey der Jnsul Parmuida eingenommen/ sind also aufs Land gestiegen und in ein auf ei- nem hohen Berge gelegenes Dorff/ welches Schelna genannt wurde gangen/ willens etwas von frischem Fleisch/ Eyern oder anderer Nothdurfft einzu kauffen/ haben aber nichts/ als ein klein Geißlein bekommen und mit auf unser Schiff gebracht/ wel- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. welches unten bey einem kleinen Kirchlein am Meere auf An- cker lage. Jn diesem Monden Aprilis hat an dem Orthe schon das Korn anfangen zu bluͤhen/ wie denn auch alsbald am Ende deß August Monats die Wein-Erndte angehet. Es ist sonst die- ser Orth umher gantz steinicht und mit gruͤnen Gestraͤuche/ sonderlich mit der Mirtella, wie es die Einwohner nennen/ be- wachsen. Jst unsern Buchsbaͤume nicht ungleich/ nur daß es einen uͤberauß lieblichen und starcken Geruch hat/ den man von weitem riechen kan. Allhier haben wir uns wider mit frischem Wasser und gruͤnem Buschholtze/ so wir abgehauen/ versehen und haben wir diesen Abend uf dem Lande unsere Abend-Mahlzeit ver- zehret/ da uns ein Sciavonier einen gar grossen Meer-Krebs/ ohngefaͤhr einer Elen lang/ verkaufft um 3. Solt/ oder nach Meißnischer Muͤntze um 6. Pfennige. Diese Jnsul ligt von der Stadt Zara, 40. Jtaliuͤnische Meilen und hat der Zarische Bischoff druͤber zugebiethen. Weil nun der Wind hefftig starck uns zuwider war/ sind wir mit unserm Schiff in Port eingelauffen und fruͤh den 26. drauff wieder/ iedoch mit schwachem Winde/ außgangen. Den 27. Aprill haben wir eine starcke Fortun im Meer mit dem wi- drigen Winde Schieroko gehabt/ weßwegen wir gezwungen bey der Jnsul Melada uns auf Ancker legen muͤssen. Diese Jnsul Melada wist eine sehr grosse Jnsul und groͤsser als Parmuida, und wird von einem Gentil Huomo von Zara so noch 19. Jtalienische Meilen von dannen ligt/ gubernirt, dessen Castell wir zur rechten Hand auf einem hohen Berge ligen se- hen/ da wir den Port eingenommen/ welcher Port um und um mit kleinen Bergichten und mit gruͤnen Gestreuche be- wachsenen Jnsulen umgeben und ist besser/ als der zu Parmui- da, der nicht also umbgeben ist. Die- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Diesen Abend ist ein junger Paͤpstischer Pfaffe zu uns aufs Schiff kommen und hat uns frische Fische zuverkauffen bracht/ die er uns auch verzehren helffen und haben wir aller- hand lustige Gespraͤche und Kurtzweil mit ihm gehabt. Der Wein hat an dem Orth das Jahr hindurch man- chen harten Stand/ sintemal der Wind Borio, wenn sich dersel- be erhebt/ ihn in Grund verderbet. Entzwischen wir aber/ wie ietzt gedacht/ allda auf Ancker gelegen/ sind noch mehr Schiffe zu uns kommen/ daß wir fast eine ziemliche Armada zusammen bracht. Venedig ligt von hier 200. Jtaliaͤnische Meilen und hatten wir noch von Ale- xandria in Egypten 1600. Jtaliaͤnischen Meilen zu Teutschen Meilen gerechnet fuͤnff hundert und drey und dreyssig und ein Vierthel drey Meilen Jtal. wie zur See Gebrauch/ vor eine Teutsche. Den 29. Aprill war es regenhafftig: den 30. sind wir mit gutem Winde fortgangen und hatten wir denselben im Hintertheil deß Schiffs/ wiewol nicht sonderlich starck. Zwischen Parmuida und Melada haben wir in der Naͤhe keine andere Stadt/ als Zara, so unten am Meer gelegen/ ge- habt/ welcher wir diesen Abend zur lincken Hand vorbey passir et. Der 1. Maij st. n. ließ sich fruͤh Morgens mit starckem Donner und starckem Regenwetter an und hatten wir nach Mittage fast keinen Wind/ biß wir gegen Abend die Jnsul Lisna zur lincken Handwerts vorbey passir et. Den 2. Maij liessen wir vor Mittage zur lincken Hand die Jnsul Liesna, den Venetianern zustaͤndig/ welche Jnsul ziem- lich groß ist und hat ein Closter drauff/ dem wir nahe vorbey muͤssen/ von welcher Jnsul die Stadt Spaladra 25. Jtal. oder acht und ein Vierthel Teutsche Meilen gelegen. P Von Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Von der Jnsul Liesna sind wir zwischen Turcula, welches eine kleine Jnsul zur lincken Handwerts und der Jnsul Corsu- la, so sehr groß und zur rechten gelegen hin passir et. Etliche Tage vor unserer Ankunfft ist ein Venetianisches Schiff Barca longa genannt aus dieser Jnsul Corsula, durch den Sturm wieder eine an diesem Orth unterm Wasser verbor- gene Klippe getrieben/ zerscheitert und in Grund gestuͤrtzt worden. Von Venedig auß/ biß hieher/ haben wir entweder con- trari Wind/ sonderlich Schirono, oder Bonaza und gar keinen Wind gehabt und werden von Venedig/ biß hieher 400. Jtal. Meilen und von hier/ biß auf die Jnsul Zara auch 400. Jtal. Meilen gerechnet: Von Zante aber biß in die Jnsul und Koͤ- nigreich Creta, so ietzt Candia genannt wird/ 500. Jtal. Meilen und weiter von Creta biß nach Alexandria im Koͤnigreich Egypten auch 500. Jtal. Meilen. Den 2. Maij Abends haben wir uns unfern von der Stadt Corsula, so von der Jnsul Corsula den Namen hat bey etzlichẽ Haͤuserlein in einem Port auf Ancker leget/ weil wir we- gen einfallender finsteren Nacht die Stadt nicht vollends er- reichen koͤnnen/ zumal bey schwachem Winde/ und sind also diese Nacht im Meer verblieben/ da wir zur lincken Handwerts feste Land hatten/ zur rechten Hand Corsulam . Zu gedachter lincken Hand ist uns auf dem festen Lande ein hoher Berg ge- zeiget worden/ worauff eine Kirche stehet/ da sich der Rapuser Land anfahen soll/ dessen Hauptstadt die Stadt Rapusa ist 701. Jtal. Meilen von der Stadt Corsula gelegen. Den 3. Maij sind wir fruͤh vollends an die Stadt Corsu- lem lavir end kommen und haben also nicht weit davon unser Schiff mit Anckern befestiget. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das III. Capitul. Von der Stadt Corsula und ihrer Gegend in der Jnsul Corsula. D Je Stadt Corsula ist keine grosse Stadt/ mehr am Meer/ als am Lande liegend und gegen dem Meere zu fast rund etwan ohngefaͤhr/ wie dessen Jnnwohner berichten/ von 150. Haͤusern/ so bewohnt. Hat eine wohlerbauete schoͤne hohe steinerne Mauer mit grossen Thuͤrmen. Fast mitten in der Stadt ist ein hoher zierlicher Thurm/ der der gantzen Stadt ein Ansehen macht. Die Stadt hat zwaꝛ hohe steinerne Haͤuser/ aber gar niedrige strumpsige Daͤcher/ enge Gaͤßlein und einen kleinen Platz/ allerhand Sachen drauff zuverkauffen/ auf welchem eine hohe steinerne Seule mit der Venetianer Wapen/ als ein Loͤwe ein Buch in der Klaue haltend zum Zeichen ihrer Herrschafft uͤber sie. Bey der Stadt ist ein außbuͤndiger schoͤner Hafen/ und ausser derselben auf einem Berge eine feine Kirche und unten am Berge ein Kloster Prediger-Ordens damals von sechs Muͤnchen bewohnt/ davon ihrer zwey auff einem kleinen Schifflein zu uns auf unser Schiff kommen und uns um ein Al- mosen angesprochen. Die Jnsul Corsula hat sonst keine Stadt mehr/ als diese/ beynebenst aber derselben doch gar viel Doͤrffer/ unter welchen sonderlich das Dorff Platta weit groͤsser/ als die Stadt Corsula selbst ist. Zur lincken Handwerts hat die Stadt Terram firmam, oder Feste Land/ zur Rechten aber die Jnsul Corsulam und ist ohngefaͤhr das feste Land 3. oder 4. Mußqueten Schuͤsse von dieser Jnsul. P 2 Dein Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Der Wein ist in dieser Jnsul trefflich guthes kauffs und kaum halb so theuer/ als zu Venedig/ sintemal ein Pocal 7. biß 8. Solt/ zu Venedig aber wol 16. Solt gilt/ das ist zwey Groschen 8. Pfenning nach Meißnischer Muͤntze: Ein Pocal aber haͤlt guth anderthalbe Kanne. Das IV. Capitul. Von unserm Auffbruch zu Corsula. A Ls wir nun lange mit Schmertzen auf guthen Wind ge- wartet/ in dem uns an einer Seiten lauter schwartz truͤ- bes Gewoͤlcke schreckete/ an anderer Seiten schoͤn heller Sonnenschein anblickete und unsere Hoffnung zur See zoge/ sind wir den 4. Maij fruͤh/ wiewol ohne Wind im Port aufge- brochen und haben auf der Barka unser Schiff an Seilen ins Meer ziehen lassen/ biß endlich ein Wind aufgestanden/ der die Segel gefuͤllet und uns der Jnsul Augusta zugetrieben/ wel- che klein ist/ gegen Abend aber sind wir der Jnsul Melitæ, so groß ist zur rechten Hand vorbey passir et/ da wir den gantzen Tag fast contrari Wind gehabt. Den 5. Maij haben wir stets lavir en muͤssen und hatten wir den Wind im Vordertheil deß Schiffs/ also/ daß wir zur rechten Hand die Jnsul Melite gar nahe/ zur lincken Hand a- ber der Rapuser Land hatten. Und weil der coatrari Wind sehr starck warde/ sind wir gegen Abend bey der Ponta, oder Ecke der Jnsul Melite zwischen Rapusar Land zur Lincken und der Jnsul Schopona zur Rechten in Bocca di Stanphono von der Stadt Stanphono nahe vorbey gelanffen. Bocca di Stanphono ist ein geschlossener Port/ sonderlich wol verwahret. Den 6. Maij ist der Wind sehr starck im Foͤrdertheil deß Schiffs im Port gewesen/ daß also den gantzen Tag biß Abend grosse Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. grosse Fortun und contrari Wind sich erzeiget/ weßwegen wir denn den Port inne behalten muͤssen/ weil das Schiff auch im Port starck von den Wellen bewegt worden/ uñ haben uns also diesen Tag in der Nechsten Jnsul mit Holtz wieder ver- sehen. Den 7. Maij sind wir stille gelegen wegen eben derglei- chen contrar en Win des im Foͤrdertheil deß Schiffs/ wie vori- ges Tages/ weßwegen wir denn nahe zur Stadt Rapusa diese beyde Tage/ wiewol der Schiff-Capitain vermeinet/ unmuͤg- lich gelangen koͤnnen. Den 8. Maij fruͤh haben wir uns wegen Wind Mangels auf unserer Barka auß dem Port ziehen lassen muͤssen: Kurtz a- ber darauff ist uns gar guter Wind hinter dem Schiff auff- gestanden/ so uns den gantzen Tag favorisir et. Auff der rech- ten Hand sind wir die Jnsul Del Mezo S. Andrea vorbey passi- ret/ so den Rapuse rn gehoͤrig/ wie zuvor gedacht worden. S. Andrea ist nicht groß/ aber bewohnt und sind hin und her Haͤuser auf der Hoͤhe erbauet. Nicht weit davon gegen uͤber fast auf der lincken Hand ist festes Land und sind wir von dannen mit guthen Wind der Stadt Rapusa nahe fuͤrbey passir et/ welche ohngefaͤhr so groß/ als Corfu, von welcher Stadt fast im Anfang meiner Rei- se Meldung geschehen. Unfern von der Stadt Rapusa liegt die Jnsul Cruma, de- nen Venedigern zustaͤndig. Jst gar klein/ worauf ein Kloster und gar groß hohes Gebuͤrge/ so dißmal voller Schnee lag. Gegen Sonnen Untergang sind wir der Gegend/ da die Stadt Cattaro zur lincken Hand bey einem hohen Berge und Pelastro, wiewol jene naͤher am Meer/ als diese gelegen/ passir et/ deren Gebiethe und Land uͤber und ausser der Stadt Rapusa sehr weit sich endet und ist alles Tuͤrckisch. P 3 Die- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Diesen 8. Maij/ als es beguͤnte finster zu werden/ stund uns der schaͤdliche boͤse Wind Schirocko so ploͤtzlich auff/ daß/ da die Segel nicht alsbald/ wiewol mit grosser Muͤhe und Ar- beit/ weren herunter gelassen worden/ das Schiff ohn allen Zweifel von der grausamen stuͤrmenden Macht deß Windes were umgesegelt worden/ und zu Grunde gegangen. Haben demnach an stat der grossen/ zwey Kleine Segei am Haupt- mastbaum auffgezogen/ worauff denn folgende Nacht das Meer gantz stille worden. Das V. Capitul. Von dem schaͤdlichen Meer-Winde Schirocko. M Jt diesem Winde Schirocko hats die Beschaffenheit: Er entstehet in einem Augenblick und ehe man sichs versie- het. Erst erhebt er sich zwar mit einem gar leisen uñ gerin- gen Blasen/ bald aber wird er so hefftig und starck und bricht dermassen ein ins Schiff/ daß wo nicht alsbald die Segel her- unter gelassen werden/ er solche grosse Gewalt im Schiffe ge- winnet/ daß ers in einem Augenblick uͤbern Hauffen wuͤrffet und in Grund stuͤrtzet. Lange waͤret er nicht und selten uͤber eine halbe Stunde/ aber die kurtze Zeit weiß er seine Gewalt desto besser zu brauchen. Dahero wann solche und der gleichen Ungestuͤmmen auf- gestanden/ sind wir Marinari en und reise Personen auf dem Schiffe allemahl vom Schiff-Capitain hinab in die finstere Sentina deß Schiffs geschaffet worden/ damit die Bootsleu- te das Schiff desto ungehinderter bearbeiten und der Gefahr vorbauen koͤnnen/ welches uns zum theil angenehm/ zum theil auch verdruͤßlich und beschwerlich gewesen. Jenes/ weil wir uns alle gerne wolten geholffen wissen/ dieses aber/ weil es un- saͤg- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. saͤgliches Schrecken giebet und man da im Finstern und im Stancke stecken und sich nicht besehen kan/ sondern immer in Sorge und Furcht stecket/ wenn die Macht der Wellen an das Schiff stoͤsset/ als wenn grosse Stuͤcken auf dasselbe loß gien- gen/ jetzt gehe es in Stuͤcken und zu Grund und Boden. Es wissen aber die Schiffleute dieses Windes Natur und Eigenschafft gar genau/ wenn er ausstehen und sich erheben will/ weßwegen sie deñ alsbald bedacht seyn/ wie sie ihm durch Mittel vorkommen und der Gefahr abhelffen koͤnnen. Wenn nun aber das Meer so hefftig bewegt wird/ so scheinets bey der Nacht/ welches/ als ein sonderliches Werck der Natur/ wol zu mercken/ als wenn man durch gluͤend flies- send Metall hin schiffe/ wie ich den wunderhalben selber probi- ret/ daß/ wenn man eine Hand ins Wasser tauchet und her- außzeicht/ sie gantz gluͤhend feuricht scheinet/ auch so man das Wasser auf die Erde giesset/ es nicht anders/ als gluͤend Metall fliesset und anzusehen ist. Das VI . Capitul. Von fernerm Progress unserer Reise. D En 9. Maij gegen Sonnen Aufgang haben wir/ und sel- bigen gantzen Tag/ den Wind im Hintertheil deß Schiffs gehabt/ da wir noch das Raguser Land von weiten sehen koͤnnen. Gegen Abend aber ist der Wind etwas schwach wor- den/ weßwegen denn das Meer das Schiff hin und her ge- worffen/ weils nur geschwebet und nicht starck fort segeln koͤn- nen auß Mangel deß Windes/ da uns denn selbige Nacht der Schirocko abermals und zwar mit einem grossen Platzregen ploͤtzlich angefallen und uns mit aller Macht zugesetzet/ daß wir die Segel wieder abnehmen muͤssen/ damit er nicht Scha- den verursachen solte. Nach Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Nach außgestandenem Sturm aber ist uns der Wind wider ins Hintertheil deß Schiffs kommen/ mit welchem wir einem Schiffe/ das uns allzeit weit vor gewesen war/ geschwin- de vorkommen/ daß wir uns alle verwundern muͤssen. Wann sich denn auf dem Meer solche Ungestuͤmmen er- heben und man keinen Port erreichen kan/ so muß man kleine oder halbe Segel machen und also das Schiff im Namen Got- tes auf dem weiten und wilden Meere hinsegeln lassen. Denn @0. Maij haben wir den gantzen Tag das Meer ruh- ig/ oder Bonaza gehabt/ sind bey einer vierspitzigen Scolio, das ist/ einer im Meer ligenden Steinklippe zur lincken Hand/ mit fast grossem Unwillen/ verblieben/ zumal weiln wir da feste Land vor uns sahen/ massen sich denn allda der Raguser Land endete und Griechenland angienge. Diesen Curs hatten wir die Jnsul Corfu, den Venetianern zuͤstaͤndig/ im Gesichte/ worzu uns ein schwacher Wind/ der uns gegen Sonnen Untergang zur Seiten entstund/ befoͤrderlich war. Den 11. Maij haben wir den gantzen Tag schwachen Wind gehabt und sind vier mit gruͤnen Straͤuchern bewachse- nen felßsichten Jnsuln/ so wir zur rechten Hand gehabt/ wie auch der Jnsul Corfu zugefahren/ zur lincken Handwerts die Gegend Pilermo habend/ so noch weit von Corfu. Und weil sich der Wind etwas schwach anließ/ sind wir selbige Nacht zwi- schen oftgedachter Jnsul und Griechenland bey einer alten am Meer gelegenen Kirche auf Ancker blieben. Als wir diesen Abend den Port zugesegelt/ seind Sentinol- le Morte, welche Feuer haben aufgehen lassen/ von gar weiten in dieser Jnsul Corfu von uns gesehen worden. Diesen Tag ist eine Griechische Polacro, ist ein Schiff von den Griechen also genannt/ ausser der Jnsul Corfu zu unserer Latino gesegelt/ auf welchen etzliche Franzosen/ so uns berichtet/ daß sie ihr Schiff wel- Siebenjaͤhrige Reiß-Beschauung. welches von Alexandria auß Egypten kommen/ vor 14. Tagen ausser der Jnsul Zante in dem weiten Meer 200. Jtal. Meilen mit dem Schiff-Capitain und andern vielen darauff gewe- senen Personen/ Sachen und Wahren/ den Tuͤrckischen Meer- Raͤubern gefangen uͤbergeben muͤssen/ sie aber vor ihre Per- son haͤtten sich alsbald auf die kleine damals am grossen Schiff liegende Barka begeben und mit der Flucht salviret, uͤber welcher Post wir nicht wenig erschrocken/ sintemahl wir eben selbige Strasse mit unserm Schiffe zumusten. Weil aber dazumahl gleich zu unserm grossen Gluͤck ein grosses Schiff von 30. Stuͤcken und zehen Segeln zu uns kam/ worauff 150. Soldaten waren/ so die Venetianer auf ihr Ca- stell oder Festung im Koͤnigreich/ oder der Jnsul Creta, schick- ten/ und mit uns in Compagni, biß dahin segelte/ gaben wir uns besser zu frieden und giengen im Namen Gottes miteinan- der fort. Den 12. Maij sind wir mit schwachem Winde fruͤh auß dem Port gangen und den gantzen Tag allzeit nahe bey festem Lande zur Lincken und der Jnsul Corfu zur rechten gesegelt und sind also um 19. Jtalienischer Uhr/ Teutscher aber nach Mitta- ge um 1. Uhr in Port zur Stadt Corfu, eben wie die Jnsul ge- nannt/ mit unserm Schiff eingelauffen und nicht weit vom Castell Vecchio, so ans Gebuͤrgige Land stoͤßt/ Ancker gesencket und nach Ablassuug der Segel ein Stuͤcklein im Schiffe ge- loͤset. Das VII . Capitul. Von der Jnsul Corfu und derselben Hauptstadt/ auch Corfu genannt. D Jese Jnsul ist vor Zeiten Corcyra geneñer worden und ist maͤchtig zur See gewesen/ liegt im Jonischen Meer nicht Q weit Siebenjaͤhrige Reiß-Beschauung. weit auf der einen Seite von Albania, auf der andern von Ca- labrien. Und weil sie bald diesen/ bald jenen Herrn gehabt und also iedermans Raub gewesen/ dahero sie von allen Kraͤfften kommen/ hat sie sich Anno 1382. an die Venetianer ergeben/ die sie auch noch ietzt haben und sehr verbessert. Man findet dar auff gantze Waͤlder Pomerantzen/ Zitro- nen und Granaten/ welches zuverwundern/ so ist weder Wolf/ Beer/ noch ander schaͤdliches Wild/ sonst aber viel gu- tes Wildpert auf dieser Jnsul. Jn dieser Jnsul Corfu wird viel Flachs erbauet und in der Stadt Corfu ist noch ziemlich zu leben und gilt 1. Pfund Rindfleisch @1. Solt unserer Muͤntze 2 Pfennige ein Pocal Wein/ so kleiner/ als in Venedig/ groͤsser aber/ als ein Unge- risch Bind/ 6. biß 7. Solt/ welches nach unserer Muͤntze 1. Gro- schen oder 15. Pfenninge außtraͤgt: Aber sehr untreu und boͤ- se Volck gibts in dieser Stadt/ so ist auch das Wasser in dersel- ben gantz ungesund uñ muß deß guten Wassers von der Stadt Papiopoli nicht weit davon holen/ als bey welcher gar ein schoͤ- ner gesunder Brunn ist und um selbige Gegend sind auch wel- che Saltzbrunnen/ die so reich/ daß die gantze Jnsul fast alle ihre Gefaͤlle den Venetianern davon entrichten koͤnnen. Als wir nun mit starcken Regen diesen Port zugesegelt/ und uns auf Ancker im selben geleget/ sind wiꝛ außgetreten um die Stadt zubesehen/ da haben wir befunden/ daß daselbst drey sonderbare unterschiedene Festungen zu finden/ welche dem besorgenden Erb- und andern Feinden den Paß im Meer verwehren und sie zu ruͤcke halten koͤnnen. Zwey Festungen sind neu/ welche beyde auff einem sehr hohen Berge aneinan- der/ die dritte aber/ so alt/ unten am Meere gelegen und nicht sonderlich hoch erbauet. Ausserhalb der Stadt ist ein Wachthauß/ S. Matonna ge- Siebenjaͤhrige Reiß-Beschauung. genannt/ zur lincken Hand im Einfahren/ wie denn auch der Stadt naͤher eine lustige gruͤne Jnsul gleicher Gestalt zur lin- cken Hand/ wird Fito genannt/ so etwas von Haͤusern erbauet. Zur rechten Hand ligt ein schoͤn groß Lazaret, so mit dem Meer umgeben. Die Stadt liegt sonst am Berge und scheinet das alte Ca- stell in der Hoͤhe/ wann man im Port liegt/ etwas hoͤher seyn/ als die Stadt/ da es doch nicht etwas/ sondern bey weitem hoͤher. Die Castell/ wie gedacht/ sind einander gegen uͤber/ das eine nach dem Meere zu/ so nicht so hoch/ hat dreyfache Pa- steyen und unter den neuen zwey Castellen kan man von einem zum andern unter der Erden kommen. An Haͤusern und Gebaͤuen ist sonst die Stadt nicht son- derlich schoͤn/ wie denn auch die Gassen nicht so gar groß und sauber gehalten werden und ist von Venedig 700. Jtal. Mei- len und der halbe Weg biß nach Alexandria in Egypten und 200. Jtal. Meilen bis in die Jnsul Zante . Gleich bey unserer Ankunfft hielten die Griechen deß vor etzlich hundert Jahren zu Alexandria gewesenen Bischoffs Athanasij Fest mit aller Glocken Schall/ Trummeln und Pfeif- fen zu Abwendung kuͤnfftiger grassi ren den Seuche der Pesti- lentz/ da gleich den Tag vorhero sich ein grosser runder Zirckel mit Regenbogen-Farben um die Sonne herum sehen liesse/ in- wendig aber deß Zirckels unterschiedene schwartze runde Wol- cken/ wie Berge/ welches von vielen Leuten vor gut/ von vielen auch boͤse gedeutet wurde. Von diesem Orth muste wieder eine iegliche Person ihre Fede mit nehmen/ gleich wie auch eine jegliche von Venedig eine mitbracht hatte/ zum Zeugnuͤß/ daß er von gesunden Orten komme/ sintemal man sonst/ wenn er gleich in drey hundert Meilen gereiset were/ nicht eingelassen wird/ sondern muß Q 2 ent- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. entweder wieder zuruͤcke reisen dergleichen Fede zu holen/ oder auf 3. oder 4. Wochen lang sich in einem grossen von der Stadt abgelegenen Hause auff halten/ welches von ihnen Contumacia genennet wird und allda mit grosser Beschwer zehren/ biß man siehet/ daß er nicht mit der Seuche angesteckt ist/ gestalt deñ zu dem Ende schon in Jtalien an den vornehmsten Orthen solche Haͤuser erbauet seyn. Den 13. Maij hatten wir truͤbe Regenhafftig Wetter und grosse Hitze dabey und kam eine Christen Gallee im Port vor Corfu zu uns/ welche in die 40. Tuͤrcken-Koͤpffe/ die sie Coisa- ren oder Meer-Raͤubern/ abgenommen/ auffzuweisen hatte/ diesen und folgenden Tag deß 14. Maij war Bonaza, oder Windstille auf dem Meer/ nach Mittage aber stund uns ein starcker Wind auf. Das VIII . Capitul. Von unserm Auffbruch zu Corfu. W Eil uns denn der Wind ziemlich fuͤgete/ brachen wir den 14. Maij nach Mittage zu Corfu im Hafen auf und liessen das Feste/ nemlich Griechenland/ hinter uns/ welches sich unserm Ansehen nach auch zugleich mit der gegen uͤber gelegenen Jnsul Corfu endete.| Zur lincken Hand sind wir eine steinfelsichte Jnsul/ Pock- schin genannt/ nahe vorbey passiret, und gehoͤret den Venetia- neren zu/ nicht weit von der Jnsul Corfu abgelegen/ welche wir nach der Sonnen Untergang verlassen. Ausser dieser Jnsul ist uns ein Franzoͤsisch Schiff/ oder Tartana, so auß der Franzoͤ- sischen Provin tz und derselben ihr gleich genanten Stadt Mar- silia kommen und seinen Cours nach Venedig gerichtet gehabt/ so allbereits einen Monat unterwegen gewesen war/ begegnet/ wel- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. welches wir mit Abschuͤssung eines Stuͤcks auf unserm Schiff/ Meeres Gebrauch nach/ salutir et/ wie sie denn uns dergleichen auch gethan: Seynd drauff lustig mit unserm Schiff fort ge- strichen/ weil wir diese Nacht sehr guten/ ob gleich nicht allzu starcken Wind hatten/ dergleichen denn auch folgenden 15. Maij war. Diesen Tag sind wir vor Mittags die Jnsul Cephalonia, auch den Venetianern gehoͤrig/ welche wol so groß/ als Zan- te, kleiner aber/ als Corfu, vor bey passir et. Jm Anfange ist sie weit vom Lande/ gegen dem Ende aber ist sie nicht weit von festem Lande. Diesen Tag war die Hitze sehr groß/ und weil wir sehr weit im Meere waren und die Vogel/ so sich zu weit vom Lande gemachet/ vor solcher Hitze ermuͤdet das Land nicht erreichen koͤnnen/ haben sie sich zu uns aufs Schiff nieder gelassen/ daß wir derselben unterschiedene gehaschet. Um diese Gegend/ wie sonst gemeiniglich/ war es der Corsar en uñ Meerr aͤuber halben sehr unsicher/ weßwegen deñ auf dem Ober Hauptmast baum im Korbe stets durch die Boß- knechte Wechsels weise fleissige Wache halten lassen musten/ da- mit uns das Ungluͤck nicht/ ehe wirs vermuthet hetten/ uͤbern Hals kommen solte/ noch koͤnte. Cephalonia ist/ wie zuvor gedacht/ eine grosse Jnsul und hat eine Stadt und Vestung nach ihr genennet. Jn dieser Jn- sul Cephalonia gibts weder Bruͤnne noch fliessende Wasser/ o- der Baͤche/ daher denn das Vih darauf wenns Menschen nicht traͤncken/ Abends und Morgens hin trit unter freyen Him̃el und den Thau mit aufgesperten Rachen auffaͤnget und also sich selber traͤncket. Die Stadt ist nicht groß und ligt etwas auf der Hoͤhe in- schoͤnen gruͤnen Gebuͤsche ein wenig vom Castell@ abe am Ber- Q 3 ge. Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ge. Jst nicht/ wie die Stadt Zante, am Meer gelegen/ son- etwas davon entlegen/ die Hoͤhe an und haben wir gegen Abend um Sonnen Untergang unsern Cours gar nahe am Ca- stell weggenommen. Uns entgegen war uns gelegen eine kleine Jnsul/ zwischen welcher und Cephalonia wir hin segelten/ biß wir endlich die Jnsul Zante, die wir den vorigen gantzen Tag von weitem im Gesichte hatten/ erreichet und den folgenden 16. Maij noch eine guthe Zeit vor der Sonnen Auff gang zu Zante im Port gluͤcklich eingelauffen. Das IX. Capitul. Von unserer. Ankunfft zu Zante und was daselbst vorgegangen. W Eil wir nun so gar fruͤh ankommen/ da noch alles stille und in Ruhe war/ haben wir nicht flugs außtreten und in die Sadt gehen wollen/ sondern haben uns indessen im Schiffe fertig gemacht und sonderlich unsere ledige Wasser- Fasse zur Hand geschaffet/ damit wir sie wieder zur Reise mit nothduͤrfftigen frischen Wasser fuͤllen und mit anderer Noth- durfft foͤrderlich versehen und versorgen koͤnnen. Als nun die Sonne Auf gangen war/ haben wir Brauche nach/ ein Stuͤcklein im Schiffe geloͤset/ und sind nach abgege- bener unserer Fede drauff in die Stadt gefahren mit unserer Barcka um allda frisch Fleisch/ Butter/ Eyer/ Brot und ande- re zur Meerfahrt behoͤrende Labungen einzukauffen: Wir ha- ben aber grossen Mangel am Brote darinnen befunden/ also/ daß man ein klein Broͤtlein/ kaum der holen Hand breit und dicke/ um 3. Solt oder 6. Pfennige bezahlen muͤssen und noch zu grosser hoher Bitte/ daß mans erlangen koͤnnen/ massen denn offt uͤber die hundert Personen vor dem Hause/ da das Brodt zu Kauffe gewesen/ gestanden/ davon der wenigste Theil etwas er Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. erlangen koͤnnen und haben sich also die arme Leute stat Brots mit rohen Erbsen und Bohnen saͤttigen muͤssen/ und also ha- ben auch wir keine Pißkoten zu Kauffe bekommen koͤnnen/ wie hoch wirs auch benoͤthiget gewesen. Zante ist auch eine Jnsul den Venetianern Zustaͤndig/ ist vordessen Zazynthus genennet worden und ligt zwischen Acloa- ja und Cephalonia innen. Jst von Getreide und Rosinen/ Wein und Oel gar reich. So hat sie auch keinen Mangel an gesunden Brunnen und Holtze. Diesen Tag ist abermahls eine grosse Hitze gewesen und haben wir wieder unsere leere Faͤsser mit frischem Wasser gefuͤl- let und aufs Schiff geschaffet/ damit wir zur fort Reise geschickt seyn moͤgten. Abends kam das grosse Schiff/ dessen oben ge- dacht ist/ Nave di Fortuna genannt/ mit 30. Stuͤcken und 10. Segeln und 150. Soldaten/ die in die Jnsul Candia zur Besa- tzung solten/ im Port mit Trommeln und sechs blasenden Trompetern an/ welches wir mit Loͤsung eines Stuͤckleins freundlich empfingen. Und obs gleich einen Tag vor uns zu Venedig außgangen war/ haben wirs doch nicht allein auf dem Meer eingeholet/ sondern auch weit zu ruͤcke gebracht/ weiln unser Schiff viel leichter siegelte/ als dasselbe. Es hat aber solch Schiff in Port nicht einkommen koͤn- nen/ weil es nicht Wasser gnug hatte/ sondern eine gute Ferne von der Stadt bleiben muͤssen wegen seiner Groͤsse und hat das Venetianische Pandir außgestecket/ welches war ein Loͤ- we/ der ein Buch in einer Klauen hielte/ hat auch etzliche Stuͤcke zur salutation abgehen lassen. Den 17. Maij regnete es den gantzen Tag gar starck und Abends kam gar spat ein groß Englisches Schiff so mit Trom- mel und Trompetenschall/ auch Loͤsung eines Stuͤcks im Port empfangen ward/ welches auch wider drey Stuͤcken ab- gehen liesse. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 18. Maij fruͤh sind auch fuͤnff Galeen von Corfu im Port ankommen/ so von drey andern schon im Port ligenden Galeen mit vielen Freuden-Schuͤssen empfangen worden. Gedachten fuͤnff Kriegs Galeen seynd mit kleinen Paucken und Schalmeyen/ wie denn der Gebrauch im Meer-Hafen ist/ eingelauff en/ und haben drauff alle mit Stuͤcken Feuer gegeben. Diesen Morgen ist die schlechte Reuterey allhier in der Stadt Zante so zur defension allda liegen/ mit ihrem Gewehr/ als Copien/ aufgefuͤhret worden. Vorgedachte drey Galeen/ so damals allbereit/ als die andern fuͤnffe eingelauffẽ/ im Port auf Ancker gelegen/ sind die vorige Nacht/ da wir folgenden Morgen drauff im Port vor Zante ankommen/ im Meere zu uns kommen und sich erkundiget/ wer wir weren und wo wir her koͤmmen/ sintemal sie vermeinet/ daß wir Feind/ oder Cur- sar en/ weil sie um Corfu und Zante das Meer rein zu halten be- or dert und bestellet waren: Als sie aber vernamen/ daß wir Freund waren/ haben sie ihren Curs weiter fort genom̃en und uns Gluͤck auf die Reise gewuͤnschet. Vorgedachtes Englisches Schiff hat diesen Mittag fuͤnffzehen Stuͤck/ weil es gleich Sontag war/ mit Trommel und Trompeten Schall/ auch Außsteckung zweyer Pandir/ deren iedes ein weiß Creutz im rothen Felde gehabt/ massen denn Schiff Gebrauch nach alle Sontage zugeschehen pfleget/ abgehen lassen und auff den Abend hat es widerum 20. Stuͤck abgeschossen. Heut und gestern ist im Hintertheil deß Schiffs guter Wind gewesen/ welcher uns denn zu unserm Auffbruch sehr dienlich gewesen. Weil aber unser Schiff-Capitain/ Wein auf die Reise zu nehmen/ noch keine Licen tz erlanget/ haben wir nicht fortkommen koͤnnen/ sondern noch laͤnger bleiben muͤssen und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und ist dar auff den Tag das Meer so ungestuͤm gewesen/ daß das Sch iff im Hafen bald uͤber/ bald unter sich gangen/ weß- wegen denn auch die grossen zwey Segelbaͤume/ damit der Wind und Sturm keine solche grosse Gewalt haben solte/ halb herunter gelassen worden/ dergleichen sich denn dieses Orths gar offt begeben soll/ ob gleich der Wind noch so klein/ wie wir denn von denen Matinari en berichtet worden. Einer grossen nahe an uns ligenden Galee gieng in solcheꝛ Ungestuͤhm der Timon auß/ welchen zwey Personen mit Leib und Lebens Gefahr hinter der Galee im Meer/ weil sie der Sturm mit Wind und Regen hin und her warff/ endlich wie- der einhoben. Dazumal war das Feld schon voller Flachs/ Reiß/ Ha- fer/ die Weinstoͤcke voller Traͤublein an den Haͤusern und die Feigenbaͤume mit gnugsamen Feigen zu sehen/ nur daß sie noch hart und nicht reiff waren/ daß es eine Lust zu sehen war. Den 19. Maij um Mittag ist ein groß Hollaͤndisch Schiff auß der Jnsul Creta ankommen und hat im Einlauff drey Stuͤcke geloͤset. Diesen Tag habe ich auch mit meinen Bißkot- Vorrath reine Arbeit gemachet/ weil ich in der Stadt keins/ noch auch zwierback bekommen koͤnnen und habe mich biß auf einen andern Orth gedulden muͤssen/ wie wir denn auch diesen und vorigen Tag den Wein auf fernere Reise einpartiret. Den 20. Maij ist das unlaͤngst eingekommene Engellaͤn- dische Schiff fruͤh von dannen fort gesegelt/ welchem zu Ehren und Valet die andern Englischen im Port Trommeln und Trompetenschall stattlich klingen lassen. Es ist aber mit dem- selben zugleich auch ein Griechisches Schiff abgesegelt und nach Mittage sind auch wir sammt einer andern Latino, oder Franzoͤsischen Schiff/ Di Fortuna, mit Freuden auff gebrochen: Und weil der Wind damals etwas schwach/ haben zwey grosse R Ga- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Galeen dasselbe auß dem Meer-Hafen mit Macht ziehen muͤs- sen. Das X. Capitul. Von unserer Fortreise von Zante. N Ach dem nun gedachte zwey Galeen solch Franzoͤsisch Schiff Di Fortuna etwas dem Winde in die Ferne deß Meeres zugefuͤhret hatten/ giengen sie nach genommem freundlichem Abschied von uns wider dem Hafen zu und ließ mehrgedachtes grosses Schiff 9. Stuͤck in die weite See gehen/ als denn auch wir auf unserm Schiffe zwey Stuͤcke zuͤnden lies- sen/ indem die beyden Galeen uns vorbey strichen/ dergleichen wir auch vorhin mit drey Stuͤcken thaͤten/ als wir im Port auf wahren. Es kamen aber vor unserm Aufbruch zween Augustiner Muͤnche/ auß der Jnsul Malta buͤhrtig/ auf unser Schiff/ wel- che unser Capitain auf ihr Bitten mit ins Koͤnigreich Candia nahm. Diesen und folgenden 21. Maij haben wir keinen Wind gehabt/ da haben wir fruͤh noch beide Jnsulen Zante und Cepha- lonia sehen koͤnnen/ wie denn auch zur rechten Hand auf 40. Jtal. Meilen von Zante die Jnsul Steplia, allda unten am Meer ein Kloster gelegen. Jst eine kleine Jnsul und gehoͤrt auch den Venetianern/ zur lincken Hand aber haben wir gesehen das feste Land Moream in Griechenland. Den 22. Maij ist uns die Jnsul Sapienza, so unbewohnt/ zu Gesichte kommen zur lincken Handwerts liegend und ist gar klein. Heute ist abeꝛmals kein Wind gewesen und haben bey ietzt gedachter Jnsul von ferne 4. Schiffe und eine Galee gesehen/ daruͤber wir hoch besorget worden/ es moͤgten Corsar en/ oder See- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. See-Raͤuber seyn/ haben demnach auf dem hoͤchsten Mast- baum/ auf welchem man sehr weit ins Meer sehen konte/ fleis- sige Wache angeordnet/ um zuerfahren/ welchen Strich sie vornehmen wuͤrden. Diesen Tag sind auch unsere drey Schiffe/ so zugleich mit uns auß dem Port gelauffen/ offt auf dem Meer durch den Wind so nahe zusammen getrieben worden/ daß wir miteinan- der freundlich reden und kurtzweilen koͤnnen/ als denn auch der Kauffmann auß unserm Schiffe/ Paul Nordio ein Jtaliener/ so dasselbe beladen/ im fortsegeln auf das grosse Schiff uͤber ge- stiegen um mit Spielen und anderer Kurtzweile die Zeit zuver- treiben. Den 23. Maij deß Nachts hatten wir guten Wind und haben fruͤh Morgens die Jnsul Ceripo von ferne gesehen/ wel- che wir auch um halben Abend vorbey passir et/ wie dann auch die Jnsul Cerichotto eben falls auff der lincken Hand/ welches eine kleine Jnsul also/ daß zwischen beyden Jnsuln innen liegt die bekandte greuliche Meer-Klippe Ovo duro genannt. Weit uͤber Cerichotto haben wir das Koͤnigreich/ oder die Jnsul Creta, oder Candia gesehen. Weil uns aber dazumahl ein trefflicher guter Wind auffstund/ unsere Tartana aber leich- ter fort segelte als das grosse Schiff/ so bey uns war/ wir auch/ weiln wir Candia stets im Gesichte behielten/ wegen der See- raͤuber keine Gefahr mehr zubesorgen hatten/ haben wir mit ei- nem Stuck-Schuß freundlich valedicir et, dergleichen auch das grosse Schiff wider gegen uns gethan/ und sind im Namen Gottes vor aus hingestrichen/ da wir denn das grosse Schiff gar geschwind weit zuruͤcke gebracht. Ceripo liegt von Candia etwas unter 200. Jt. Meilen/ von Zante aber ohngefaͤhr 300. von vor gedachtem grossen Schiffe trat auch auf unser Schiff ein Griechischer Edelman mit seinem R 2 eini- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nigen Soͤhnlein sammt drey Dienern/ der Meinung desto ge- schwinder fort und auf Candia zu kommen/ wie denn auch ge- schahe. Den 24. Maij um Mittag seynd wir zur laͤngst verlang- ten Jnsul mit Gluͤck angelanget und liegt nicht weit davon im Meer eine Jnsul Carbosa genannt/ so viel mehr eine Scochlio. Heute habe ich Cerichotto zur lincken Hand von ferne ge- sehen. Weil uns aber der Wind zu unserer Einkunfft im Port allerdings nicht favorabel, haben wir uns in die Jnsul und an die Stadt Candia hinan lavir en muͤssen. Und obwol gestern A- bend der Wind sich gut angelassen/ hat er doch nicht angehal- ten. Ausser diesen beiden Jnsulen Cerichotto und Candia haben wir sonst kein Land gesehen und zwar Candia zur rechten und ge- gen uͤber Cerichotto . Als wir nun vor Candia eingangen/ sind wir nahe bey der Stadt Canea vor bey passir et/ welches eine kleine am Meer und unter hohem Schnee-Gebuͤrge gelegene Stadt/ allwo die mit uns von Zante außgelauffene andere Tartano, oder Latino verblieben/ auch sind wir diese Nacht vor der Stadt Sitia vor- bey gestrichen/ so auch auf der Jnsul Candia liegt. Den 25. Mais nach Mittage seynd wir der laͤngst ver- langten Stadt Candia, so bey und unter sehr hohem Schnee- Gebuͤrge am Meer gelegen/ mit grossen Freuden ansichtig worden. Den 26. Maij ist eine uͤber auß grosse Hitze gewesen/ und ward die Ernde damals in dieser Jnsul schon vor vier Wochen angangen/ wie sich denn dieselbe gemeiniglich mit dem Meyen anhebet/ dahero man auch sonst von allerhand Fruͤchten ha- ben konte. Gegen halb Abend kamen wir im Port vor Candia der Stadt in der Jnsul Candia an und legten uns hart Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. hart bey dem Castell auf Ancker und wurden auf unserm Schiffe zwey Stuͤcke geloͤset. Nachmals/ als der Griechi- sche Gentil huomo außgetreten und in die Stadt gan- gen/ ist ihm zu Ehren wegen geleisteten præsents vom Schiff- Capitain auch ein Stuͤck geloͤset worden/ dergleichen denn auch unserm Schiff zum Willkommen von einer andern Lati- no, so im Porte lag/ geschehen. Das XI. Capitul. Von der Stadt und Jnsul Candia und was etwan son- derliches allda zu sehen. D Je Jnsul Candia liegt im mittellaͤndischen Meer und ist der bequemsten/ besten und beruͤhmtesten Jnsulen eine in demselben. Wie groß sie sey, kan man nicht gewiß wissen/ iedoch wird sie ins gemein auff 700. Jtal. Meilen geschaͤtzet und hat den Namen von der Hauptstadt Candia/ wiewol sonst noch drey Staͤdte drinnen sind nemlich Canea, Sitia und Rheti- mo. Vor Zeiten aber sollen hundert Staͤdte auf dieser Jnsul gewesen seyn/ davon sie auch Heccatompolis genennet worden/ und hat damals geheissen Creta, zu Rhetimo hats gar einen schlechten Hafen/ aber der zu Candia und Canea sind viel besser ingegen aber sind Rhetimo und Sitia von Natur feste. Die Stadt Candia hat in ihrem Umkreiß sechs Jtal. Mei- len. Und als wir allda ankommen/ wurden unten am Castell bey der untern Pastey unsere Feden und Zeugnuͤß Brieffe von denen darzu verordneten Personen/ welche gar von ferne von uns stunden auß Furcht der Pest/ bey uns abgefordert. Die Stadt ist sonst ziemlich fein erbauet/ hat aber uͤber den Haͤusern gar sehr kleine/ flache und niedrige Taͤcher gleich wie corfu, corsula und Zante, also/ daß man drauff hernm spa- zieꝛen und die ankom̃ende und abgehende Schiffe im Meere von R 3 wei- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. weitem sehen kan/ welches denn sehr lustig anzusehen. Wenns aber regnet/ so sind die Taͤcher mit Roͤhren versehen/ durch wel- che das Wasser ablauffen kan. Jetzt vorgedachte Staͤdte sind meisten theils ungepfla- stert/ die Haͤuser ohne Glaßfenster und nur mit hoͤltzern Laden/ oder Holtzguͤttern vermacht. Der Port an der Stadt Candia ist klein/ fast wie ein Hertz formirt und theils mit der Stadt/ theils mit der Festung umschlossen. Jst fuͤr grosse Schiffe nicht sonderlich/ denn er nicht tieff/ noch weit gnug/ dahero diesel- ben denn weit im Meer ausser der Stadt/ da sie Raum und Tieffe haben koͤnnen/ liegen muͤssen. Das Gemaͤuer der Vestung stoͤßt vom Castell biß ans Stadtthor/ unten ans Meer/ welches gewaltig dran streicht/ wenns wuͤtet und stuͤrmet/ daß es einem ein Grauen anzusehen machet. Sonst wird auf der Festung/ wie auch hin und wider in der Stadt fleissige Auffsicht und Wache gehalten. Aussen am Port ist ein breiter gepflasterter Weg und ge- het eine Mauer mit grossen Fenster-Loͤchern vom Castell an/ biß ans Stadthor/ so breit/ daß oben drey Personen gar wol neben einander gehen koͤnnen. Auff der Festung ist eine Glocke/ so zweymahl aneinander/ die Stunde anzudeuten/ geschlagen wird. Bey dem Thore zum Meerhafen ist ein neu lang erbau- tes Hauß/ an welchem uͤber einer Pforten/ oder Thor dessel- ben ein grosser steinerner Loͤw zu sehen/ der eine Metalline Kro- ne auff dem Kopffe hat/ welches das Zeichen deß Koͤnigreichs Creta ist/ denn diese Jnsul gehoͤret den Venetianern/ dahero sie auch den Loͤwen in ihrem Wappen fuͤhren. Jn diesem Hause sind der Signori Schiff Pißkotten/ oder Zwier back verwahret. Aussen beym grossen Port bey S. Marcus Thurm/ allwo drey Seulen vom Holtz zu sehen/ stehet ein lang Hauß an einem Gra- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Graben/ welches der Signori Provianthauß und am Platze bey S. Marcus ist ein uͤberauß schoͤner kuͤnstlicher Brunn/ doch ist einer bey den Juden daselbst in ihrer Stadt/ welcher natuͤr- lich/ als ein Felß erbauet und demnach jenen weit uͤbertrifft. Auf solchen Juden-Brunn stehet Moses mit der rechten Hand einen holen Stecken/ in den Felsen befestiget/ mit der lin- cken Hand aber das Gesetz-Buch haltende: Zur rechten Hand aber stehet Aaron/ sein Bruder/ beide in vollkommener Lebens- Groͤsse in Stein gehauen/ welcher in der rechten Hand ein Raͤuchfaß/ die lincke Hand aber uͤbersich haͤlt. Hinter Aaron stehen etzliche Personen/ wie auch hinter Mose und springet das Wasser gar frisch auß dem gemachten Felsen in ein rundes weis- ses Marmel-Gefaͤß und auß demselben wieder herab in ein groͤsser und weiteres/ an Gestalt den Kleinern gleich/ durch Loͤ- wen-Koͤpffe und ist der Felß von Leim so kuͤnstlich zusammen geleimet/ als wenn es gewachsener Felß were und ist krauß und knoͤpfficht. Die Figuren hinter Mose und Aaron/ welche auch Man- nes-Groͤsse haben/ sollen bedeuten die Kinder Jsrael in der Wuͤ- sten/ da sie Wasser von Mose zu trincken haben wollen: Und gehet dieses Wasser durch ein Canal weit auß dem Gebuͤrge her- ein unter der Stadt her. Den 26. Maij bin ich in die Kirche zum Salvator genannt/ gangen/ allda ist mir ein Coͤrper gewiesen worden/ welcher wei- land eines Großmeisters in der Jnsul Rhodis gewesen/ hatte noch Haut an den Beinen/ ungeacht er schon eine sehr lange Zeit todt gewesen. Jtem ein Marmelsteinern Marien-Bild/ Christum im Schosse habende/ stehet auff einem Altar neben ietzt gedachten Coͤrper und ist von vorgedachtem Großmei- ster Feindes halben von Rhodis dahin geflehet worden/ sind hernach allda verblieben. Wird fuͤr ein sonderbares Kunst- Stuͤck Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Stuͤck gehalten/ dieweil man alle Adern an Christi Armen er- kennen kan und nicht anders ist/ als wenns leibhafftig also we- re. Jtem ein Adler von Ertz/ welcher sehr groß und von einer Seite zur andern gewendet werden konte. Hatte außgebrei- tete Fluͤgel/ darauff man stat eines Pulpets die Buͤcher le- gete. Die Gassen in der Stadt Candia sind gar enge und fast nur die Gasse vom Thor unten am Meer biß auf den Platz/ da man feil hat/ gepflastert und werden die Jnnwohner dieser Jn- sul von der uͤberauß grossen Hitze gewaltig verbrennt und ge- faͤrbet. Die Bauren auf dieser Jnsul gehen in weiser Leinwat/ nach welscher manier, gemacht in Hosen und Camisolen/ haben auf den Ruͤcken grosse breite Dolche/ oder lange Degen/ wenn sie von denen Doͤrffern in die Staͤdte gehen. An der Stadt Candia sind zwey hohe Berge/ einer etwas uͤber der Stadt Monte di Geove, oder der Jupiter Berg/ wel- cher uͤber alle masse hoch und der hoͤchste Berg im gantzen Koͤ- nigreich ist und hat allda vor langẽ Zeiten ein maͤchtiger Fuͤrst gewohnet/ so sich vor den Gott Jupiter außgegeben/ dahero auch der Berg solchen Namen bekommen. Der andere Berg/ so auch sehr hoch und zugespitzt/ ist etwas unterhalb der Stadt Mente di S. Cruce, der Berg deß heiligen Creutzes genannt. Allhier muß ich noch eines sonderlchen Wunders geden- cken/ daß wol zu mercken ist. Jn dieser Jnsul haben die Weiber gar eine sonderbare boͤse gifftige Natur. Denn wenn sie zornig werden und einen Mann so etwann mit ihnen in Zanck geraͤth/ beissen/ derselbe muß davon deß Todes seyn und kan von solchen gifftigen Biß nicht geheilet werden. Da moͤgte wol der Wunsch gelten/ als sonst an einem Orthe in der Welt/ wenn Sirach @pricht: Kein Zorn ist bitterer/ denn der Frauen Zorn. Jch wol- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wolte lieber bey Loͤwen und Drachen wohnen/ denn bey einem b@osen Weibe. Was die Fruchtbarkeit anlanget/ so gibt damit diese Jn- sul keiner nach wie sie auch Namen haben mag/ denn sie traͤgt allerhand schoͤne und herrliche Fruͤchte/ sonderlich waͤchst da der Malvasier in grosser Menge und ist deßwegen gar wol- feil/ massen denn ein Pocal desselben/ wie auch anders Weins/ nicht hoͤher denn 7. Casset/ so etwas mehr ist/ als 12. Solt/ so nach unserer Meißnischen Muͤntze ein wenig uͤber 2. Groschen ist/ gilt. Deßgleichen wachsen auch die Cypressen Baͤume sehr groß und in grosser Menge auf dieser Jnsul. Alsbald im Junio hats reiffe Weinbeeren/ auch waren schon vor vierzehen Tagen Reiffe/ Aepffel/ Kirschen/ Morellen und ander Obst zu bekommen gewesen/ wie wir auch noch bey unserer Ankunfft zubefinden gehabt. Die Muͤntze in dieser Jnsul ist von Kupffer meistentbeils von allerhand Sor ten/ sonderlich Casset, deren viere acht Solt/ oder 12. Quatrin außtragen: achthalb Solitiu machen 3. Qua- trin, welche sind ein Casset und gibt ein Spanisch Real 10. Pfund und 8. Solt. Und weil Brot/ Wein/ Fleisch und andere Lebens Mit- tel allhier besser/ als in der obgedachten Jnsul Zante, zubekom- men und sehr wolfeil sind/ habe ich mich wider aufs Schiff zu fernerer Reise versehen und eingekaufft/ was mir abgegangen war. Das XII . Capitul. Von unserm Auffbruch und Fortreise auß Candia. N Ach dem sich den 28. Maij gegen halb Abend ein uͤberauß guter starcker Wind/ den wir lange gewuͤnscht harten/ er- S hub Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. hub/ sind wir im Namen Gottes alsbald aufgewesen/ und ha- ben uns/ wiewol mit sehr grosser Gefahr/ auß dem engen Port auf einer Barcken hinauß in die See gezogen/ sintemahl wir uns nicht getrauen doͤrffen wegen der grossen Macht deß Win- des mit aufgezogenen Segeln auß dem Hafen zu lauffen/ denn uns der Wind gar leicht wider das Castell treiben und das Schiff zuscheittern koͤnnen/ massen uns gar nahe auch also ge- schehen were/ daß der starcke Wind den Hintertheil deß Schiffs aus Castell geschlagen haͤtte/ wenn wir nicht demselben mit so fleissiger Arbeit vorkommen waͤren/ dergleichen nur vorm Jahre einem Frantz-Schiffe geschehen war/ daß es am Castell gescheittert/ als es einfahren wollen/ und alles was drauff ge- wesen/ verlohren gangen/ so auf 10000. Real geschaͤtzet worden/ woruͤber sich auch der Kauffmann dermassen bekuͤmmert/ daß er kurtz darauf deß Todes gewesen. Als wir nun auß dem Port kommen/ haben wir zur rech- ten Hand im Hinaußsegeln an einer Eck/ oder Spitze/ daß Ho- spital/ so gar wol erbauet gewesen/ gelassen/ und da haben wir auch das vorige grosse Schiff wieder angetroffen/ deme wir mit Loͤsung eines Stuͤcks Valet gegeben/ dergleichen dasselbe auch gegen uns gethan und sind also im Namen Gottes der Weite deß Meeres zugesegelt und gegen der Sonnen Unter- gang zur lincken Handwerts die Jnsul Esthanthia, welche klein ist und absonderlich hinaußwerts eine Scochlio dabey gesehen. Ehe wir aber gar zur Jnsul kommen/ hat die Prora oder foͤr- der Theil am Schiff schon Wasser geschoͤpffet und haben wir anders nicht vermeinet/ als daß das Schiff gantz versincken wuͤrde/ haben deßwegen das grosse Hauptsegel muͤssen herun- ter lassen und ein kleines auffziehen/ damit der uͤberauß grosse Wind nicht so grosse Macht haben koͤnnen in die Segel einzu- brechen. Die Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Die folgende Nacht hatten wir gar guten Wind und sind der Jnsul Locaso zur lincken Hand vorbey passiret, die ich Mor- gens fruͤh drauff den 29. Maij von ferne gesehen/ den Tag aber uͤber biß auf halben Abend wards wider stille/ deßwegen/ als wir fruͤh um 7. Uhr bey Capo di Candia, allwo der gute beque- me Port/ Policastro, ist/ an kamen/ sind wir allda liegen blie- ben. Da uns aber der Wind wider gut ward/ haben wir die Jn- sul Candia zur rechten Handwerts gantz verlassen und diesen gantzen Tag kein ander Land mehr/ als ietzt gedachtes Capo, oder Ecke von Candia gesehen/ welches wie das Ende dieses Koͤnigreichs war. Den 30. Maij zur Nacht war gar kein Wind/ sondern befandt sich untern Wasser/ dahero das Meer sehr ungestuͤm und unruhig war/ daß die Wellen das Schiff von einer Seite zur andern mit erschrecklichen Krachen und Prasseln warffen. Darauff erhub sich gar ein guter Wind und hielt denselben gantzen 31. Maij Tag und Nacht im Hintertheil deß Schiffs starck an und sahen wir nirgends kein Land. Weil wir aber von Zante auß biß nach Alexandri en in E- gypten wegen der Meer-Raͤuber/ so Mohren und Tuͤrcken waren/ grosse Gefahr und Unsicherheit zubefuͤrchten hatten/ liessen wir/ derselben vorzukommen/ auf dem hoͤchsten Mast- baum von den Boßknechten Wechsels weise fleissige Wache halten/ biß wir endlich mit Freuden nach Alexandrien kamen nach außgestandener vielfaltigen Gefahr und Noth/ welche unmuͤglich alle zuerzehlen ist. Das dritte Buch. Begreifft die Reise in Egyypten herum und was allda allenthalben denckwuͤrdiges zu sehen ist. S 2 Cap. Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das I . Capitul. Von Egyptenland und desselben Beschaffenheit. E Gypten ist ein beruͤhmt und auch in Gottes Wort bekan- tes Land und Koͤnigreich/ dessen Koͤnige vordessen Pha- raones genennet worden und reich und gewaltig gewesen sind/ ietzt aber hats der Tuͤrcke unter sich. Wo dasselbe eigentlich hin zu rechnen/ ob in Asiam, oder Africam, sind die allen Geographi zwar nicht einig: allein weil man insgemein im selbigen das rothe Meer fuͤr die Theilung Asiæ und Africæ haͤlt/ so kans nicht anders seyn/ Egypten muß nothwendig zu Africa gehoͤren. An Fruchtbarkeit/ wiewol ungleich/ ist in diesem Koͤnig- reiche kein Mangel/ iedoch nechst Gott hats auch dieselbe meist dem Fluß Nilo zuzuschreiben. Denn wenn diß Wasser thaͤte/ welcher mit seinem Auß- und Ubeꝛlauff/ dem Wachsen und Fal- len nach/ iedes Jahr 80. Tage lang das Land waͤssert und durch seinen mit sich fuͤhrenden fetten Schlamm duͤnget/ so wuͤrde es schlecht beschaffen seyn. Es ist abeꝛ/ wie ich sage/ gleich- wol ungleich. Denn unter der Stadt Alkair theilet sich der Ni- lus in zwey grosse Arm/ welche. Schiffreich sind und faͤlt einer davon bey Damiata, der ander bey Rosseto ins Meer und thei- len das Land wie eine Triangel/ weßwegen es auch am selben Orte die Einwohner Delta nennen/ nach der Gestalt deß Grie- chischen Buchstabens Delta, Δ, weil dasselbe einem Triangul gleich siehet/ um deßwillen ist nun auch diese Gegend das fruchtbarste Theil Landes/ weils von dem Fluß Nilo um- flossen ist/ und sonst auch noch von zwey kleinen Abtheilungen des N@li mehr gewaͤssert wird: Und ist diese Refier nicht klein/ sondern also/ daß sie sich in ihrem Umgrieff auf 300. Jtal. Mei- len erstrecket. Jn Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Jn Egypten wird meisten theils die Arabische Sprache geredet/ massen denn auch dasselbe meistentheils von Arabern und Mohren bewohnet wird. Die Schafe im Lande sind wunderlich anzusehen. Haben grosse runde fette Schweiffe/ als eine ziemliche zieñerne Schuͤs- sel und sind dieselben an manchem Schafe so schwer von Fett/ daß sie sie nicht tragen koͤnnen/ sondeꝛn man ihnen dieselben auf kleinen Waͤgelein nach fuͤhren muß/ wie mich die Egyptier sel- ber fuͤr wahrhafftig berichtet und auch der Augenschein selber gab. So haben sie auch grosse hengende Ohren und lange zoti- ge Fuͤsse/ daß sie recht abscheulich anzusehen. Mit der Tracht und Kleidung der Mohren in Egypten hats diese Beschaffenheit: Manns- und Weibs. Personen tra- gen lange weisse/ oder blaue weite Hembden mit langen Erme- len fast zwey Elen weit/ welche sie um den Leib mit einem brei- ten ledern Guͤrtel auf@chuͤrtzen. Unter solchen Hembden aber tragen theils auch eben von solcher Leinwat lange Hosen biß auf die Fuͤsse hinab und gehen barfuß/ sonderlich auf den Doͤrf- fern. Die Haͤuser auf den Doͤrffern in Egypten sind fast wie die Backoͤfen anzusehen/ nur daß sie hoͤher und groͤsser sind. An sich selbst sind sie von grund auf entweder von schwartzen Lei- men/ oder von solchen dar auß zugerichteten ungebranten Zie- geln aufgebauet/ haben unten herum niedrige und enge Daͤ- cher/ als die Schuͤrtze und oben in der Mitte ein rund Loch/ in welches eine irdine Roͤhre gesetzet/ dadurch der Tag in die Huͤt- ten hinein fallen kan. Jnwendig sind auch wol theils mit rohen ungebranten Ziegeln außgesetzet und oben auch wol damit außgemaͤuert und gleichsam gewoͤlbet. Die Ziegel aber machen sie also: Wenn sie dieselben nun auß der Erde geformet undge- S 3 truck- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. trucknet/ so setzen sie dieselben in grosse Hauffen und machen ein Feuer/ davon werden sie hart und roth. Jn Egypten gibts gar keinen Winter/ weßwegen die Ein- wohner deß Feuers zum Waͤrmen nicht bedoͤrffen und um so viel desto mehr auch mit wenigern Holtze und Feurung auß- kommen koͤnnen. Und weil das Holtz gar sehr seltzam ist/ so ge- brauchen sich diese Barbarische Voͤlcker stat dessen/ aufgedoͤrr- ten Cameel- oder Puͤffel-Koth. Unter deß aber regnet es doch gleichwol in Egypten auch/ und ist seltzam Ding/ daß man es hiebevorn vermeinet/ sinte- mal ichs mit Augen selber gesehen/ aber es soll gar selten gesche- hen und der Regen auch nicht so starck und haͤuffig seyn/ als wol anderer Orthen zugeschehen pfleget. Die Staͤdte in Egypten sind Alexandria, Caipo oder Al- kair, oder Babylon/ so auch Gran cair genennet wird/ Fuoa, Ros- seto, Damiata und der Flecken Sues an der Ecke deß rothen Meers/ auf dem halben Wege von Babylon nach dem Berge Sinai in der ungeheuren Arabischen Wuͤsten. Das II. Capitul. Von der beruͤhmten Stadt Alexandria in Egypten. G Leich den 1. Junii st. n. welcher damals ein Sontag war/ sind wir zu Alexandria ankommen/ um welche herum die Gegend meistens eine schoͤne/ wiewol sandige Ebene ist/ dahero wir das Land eher nicht/ als die Stadt selber sehen koͤn- nen. Und als wir im Port ankommen/ sind wir von zween Po- lacri oder Schiffen mit zween Stuͤcken empfangen worden/ de- nen wir auch wider mit dreyen geant wortet/ wie denn auch Ge- brauch nach eins heraussen beym Castell geloͤset ward. Ale- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Alexandria ist eine uhralte Stadt in Egypten noch von Alexandro M. erbauet/ von dem sie auch den Namen bekom̃en/ alsdenn auch noch ietzo desselben Koͤnigliche Burg und Schloß daselbst nicht weit von der Stadtmauer zu sehen ist/ iedoch der- massen zerstoͤrt/ das nichts mehr davon uͤbrig/ als sehr starck weitlaͤufftig zerfallenes Gemaͤuer. Nach Alexandri M. Tode hat allda der andere Koͤnig Ptolemæus Philadelphus, ein sehr gelehrter Herre/ regieret/ wel- cher eine statliche Hohe Schul und derselben zum besten eine ge- meine Biblioteck von siebenmal hundert tausent Buͤchern an- gerichtet/ sonderlich hat er auch durch die 72. Tolmetscher das Alte Testament lasen in die Griechische Sprache bringen Weil denn damals alles noch geschrieben werdẽ muͤssen/ ist zuachten was vor Muͤhe und Unkosten hierzu erfordet worden/ und wie hoch sich dieser loͤbliche Koͤnig um die Studia verdienen koͤnnen. Solte heute zu Tage ein solcher Landes Vater gefundẽ werden/ so solte es grosse Muͤhe kosten. Mehr aber ist ietzt nicht davon zu sehen/ als wo etwa das Hauß gestanden. Alles ist verwuͤ- stet. Auch ist die Stadt an sich selbst wuͤst und meistentheils zerstoͤret und voller Schuͤtt- und Steinhauffen/ welche Steine die Tuͤrcken außgraben und zu andern Gebaͤuen brauchen. Jst doppelt/ alt und neue Stadt/ sehr groß und liegen beyde am mittel Meer hinan fast wie ein halber Monden. Die alte Stadt hat doppelte Mauren/ welche noch gantz uñ in vollem Stande sind/ dahero die Stadt denn sehr fest/ sonderlich gegen das Meer zu/ da man gar lustig unter Schwibbogen gehen kan/ und ist darneben mit viel hohen Thuͤrmen gezieret/ dergleichen die neue Stadt nicht hat/ iedoch ist diese lustiger/ als die Alte. Jn der Alten Stadt sind etzliche Erd-sonderlich aber ge- gen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gen die Neu-Stadt nach S. Athanasiii Kirchen zu gar ein der- gleichen Berg/ auf welchem ein hoher Wach-Thurm stehet/ stets mit einer Wache besetzet/ damit dieselbe Land und Meer darauff besehen kan und soll. Auch sind in dieser alten Stadt zu sehen etzliche Piramides, oder obenauß zugespitzte Seulen gantz von Marmel unaußsprechlicher Hoͤhe und Dick gantz auß ei- nem Stuͤcke gearbeitet/ worein allerhand Bilder von Stoͤr- chen/ Katzen/ Hunden und der gleichen/ gestochen/ sintemal auf solche masse die alten Egyptier zuschreiben und ihre Meinung an Tag zu geben pflegen/ gleich wie man heute zu Tage mit Buchstaben thut. Und weil sie ohne Zweifel uͤber 2000. Jahr gestanden/ sind theils davon nieder gefallen/ theils aber stehen noch/ wiewol unten herum um die Fuͤsse die Erde ziemlich auf- gewachsen/ vielleicht also vom Winde hinan getrieben Die Gas- sen sind nicht gepflastert/ sondern mit Sande beschuͤttet/ damit sie nicht sollen Kothig seyn/ wenns etwan regnet. Auch sind die Haͤuser ohne Daͤcher/ es ist aber die Stadt an keinem Orthe noch so erbauet/ als auff der Seite gegen das Castell zum Ansehen. Wol zu sehen ist die Kirche S. Catharina, welche ziemlich tieff in die Erde stehet/ weßwegen man viel Stuffen hinunter zu gehen hat. Jn derselben stehet ein vierckichter Marmelstein/ welcher in der Mitte ein Loch/ hat/ iedoch nicht gantz durch/ auf welchem S. Catharina soll enthaͤuptet worden seyn. Und nahe bey dieser Kirche ist das Canal, worinnen das suͤsse Wasser in die Stadt gefuͤhret wird. So wird auch allda gewiesen die Kantzel auf welcher Marcus der heilige Evangelist geprediget/ als er deñ in dieser Stadt der erste Bischoff gewesen/ und der Stein/ auff welchem er endlich enthauptet worden. Nach diesem ist auch der beruͤhmte Lehrer Athanasius, der das bekante Symbolum und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und Glaubens-Bekentniß gemachet hat/ Bischoff allda gewe- sen und hat die Apostolische Lehre treulich fort gepflantzet. Ausserhalb der Stadt sind sehr viel schoͤne lustige Gaͤrten von Pomerantzen/ Feigen/ Tatteln uñ andern koͤstlichẽ Fruͤch- ten/ sonderlich auch findet man allda die Adamsaͤpffel/ oder Pharaonis Feigen/ welche drunten unter der Stadt Baruth sol- len beschrieben werden. So stehet auch aussen vor der Stadt eine gar hohe braune Marmelsteinerne Seule/ rund und auß einem Stuͤcke. Der Grund ist zwey Klafftern und drey Spannen dick von groben Marmel. Oben auf demselben lag damals ein grosser viereckichter Stein/ von welchem ein Stuͤck abgebrochen gar unten lag/ das sieben Elen dicke war/ worauß abzunehmen/ was das gantze Corpus fuͤr ein Stuͤck muͤsse gewesen seyn. Und diese Seule wird von theils P ompeij, von theils Cæsaris Seule genennet/ weil sie Keyser Cajus Julius richten lassen zum Siegs-Zeichen/ da er den Pompejum uͤber- wunden. Sonderlich ist allhier zu Alexandria zu ruͤhmen das neue uͤber alle masse feste Castell/ so uns im Einsegeln an der Ecke der Stadt zur rechten Hand gelegen war und wird genennet Torre del Pharro . Dasselbe ist mit grossen starcken Mauren wohl verwahret. Es liegt zwar eine grosse strecke ins Meer herauß auf einem Felsen/ aber es ist mit zwey starcken Mauren durchs Meer an die Stadt gehencket und stehen auf solchen Mauren sechzehen Thuͤrme. Und wenn die Schiff im Poꝛt ein- lauffen/ muͤssen sie dem Tastell zu Ehren die Segel streichen und herunter lassen/ sonst hat der Castellan macht ein Stuͤck auf solch Schiff abgehen zu lassen. Kein Christe wird auff solch Ca- stell gelassen/ weil sie sich drauff der Verraͤtherey und anderer Ungelegenheit befuͤrchten. Um Alexandria herum und in selbiger Gegend waͤchst ein T klein Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. klein niedriges Kraͤutlein/ oder vielmehr Straͤuchlein/ wel- ches die Jnwohner zu Asche brennen und dieselbe Asche ver- kauffen/ denn sie gar haͤuffig nach Venedig gefuͤhrt und allda Seiffe drauß gesotten wird. Zu Alexandria, wie auch anderer Orte in Egypten ist ein sonderlicher Orden/ die man Santoni nennet. Gehen meist na- ckend/ oder die wenigsten behengen sich etwan mit einem Tuch um die Scham. Die haͤlt man fuͤr heilige Leute und bauet ihnen zu Ehren Kirchen nach ihrem Tode/ dariñen viel Leute ihre Be- graͤbnisse nehmen und Katzen hinein ordnen/ fuͤr welchen sie ein gewiß Jahr auß kommen ordnen/ davon sie gespeiset und er- halten werden koͤnnen/ ihres Begraͤbnuͤsses zu huͤten/ weil die Egyptier die Katzen vor andern Thieren hoch halten. Allhier gibts auch um Alexandria herum und in Egypten uͤber die masse viel Cappern und wachsen dieselben im freyen Felde und bluͤhen und ruͤchen fast/ wie der Mohn. Die Blaͤtter gestalten fast/ wie ein Hertz. Zeit meines da seyns waren theils reiff/ theils stunden noch in der Bluͤht/ da ich denn auch gesehen/ daß man von den Reiffen abgenommen zum ein- machen. Jm Anfang deß Meymonats neues Calenders findet man zu Alexandria schon reiffe Fruͤchte und sonderlich die Me- lonen gar haͤuffig. Nur diß ist zuverwundern/ daß allda und zu Rosseto weder Kirschen noch Aepffel wachsen. Zu Alexandria habe ich auch beym Venetianischen Con- sul zwo junge Straussen gesehen/ so schon ziemlich groß und starck waren und werden mit Gerste gefuͤttert. Die Naturkuͤn- diger schreiben diesem Vogel nach/ daß er Eisen soll verdauen koͤnnen/ welches ich aber nicht gesehen/ wiewolich offt darnach gewuͤnschet. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das III. Capitul. Von der Stadt Rosseto und meiner Reise dahin. A Ls ich mich nun zu Alexandria gnug umgesehen hatte/ ha- be ich mich den 2. Junii um halb Abend/ oder Ikindi, wie es die Egyptier nennen/ nebenst noch 4. andern Personen/ worunter auch ein Janitzschar war/ aufgemacht und sind auf Maul Eseln nach Rosseto geritten/ da wir deñ bald vor Alexan- dria heraussen zur lincken Hand bey lauter Tattel- und Pal- menbaͤumen hin und meist am Meere geritten/ biß ohngefaͤhr zwey Stunden vor Rosseto, da wir dasselbe zur lincken Hand gelassen. Die Strasse ist sehr tieff sandig/ also/ daß an vielen Orten der Sand vom Winde/ wie hohe Berge/ zusammen gewehet lieget/ wie wir denn auch den gantzen Weg nichts/ als solche Sandberge/ zu sehen gehabt. Und weil denn offt die Wege und Strassen vom Sande anders nicht/ als im Winter allhier vom Schnee verwehet werden/ daß man nicht weiß/ wo auß und wozu man reisen soll in solcher wuͤsten Flaͤche/ so gibts allent- halben auf den Strassen von grossen dicken Steinen zusam̃en gemauerte/ iedoch nicht gar zu hohe Seulen/ bey welchen man die Wege und Strassen kennen und finden soll. Aussen vor Rosseto sihet man nichts/ als Sand/ biß gantz an die Stadt hinan und Tattel- und Palmenbaͤume in grosser Menge/ welche auß dem heissen und weissen Sande her- fuͤr gewachsen und gar anmuthig anzusehen seyn/ wie es denn auch nicht wenig zuverwundern/ daß der tode Sand noch so viel Frucht treiben soll. Den 4. Junij fruͤh eine Stunde nach der Sonnen Auf- T 2 gang Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gang sind wir nach Rosseto kommen und im hineinreisen sahen wir einen hohen Thurm auf einem auch hohen Berge. Jst sonst noch eine ziemliche Stadt von Gebaͤuden/ hat aber keine Mauren/ sondern wird auf einer Seite von dem Schiffreichen Wasser Nilo, dem ich da zum ersten mahle sahe/ umgeben/ der denn an dem Orthe ziemlich breit ist/ und gegen uͤber ist ein gewaltiger grosser Campo oder Platz mit Palmenbaͤumen be- wachsen/ welches sehr lustig zu sehen ist. Die Gassen in der Stadt sind ungepflastert und voller Sand/ die Haͤuser aber meistentheils von Ziegelsteinen auff- gebauet uñ nahmen wir unser Quartier in einem grossen Hau- se/ so die Tuͤrcken einen Han heissen/ worinnen auch der Vene- tianische Consul logir te/ der uns alle Ehr und Liebe erwiese. Sonst ist zu Rosseto uͤber die masse gut und wolfeil zu zeh- ren. Vor ein Mettin, sind 3. Tuͤrckische Asper/ konte man zwey grosse Brat fische kauffen. Um 4. Mettin ein Pocal Wein/ groͤs- ser/ als ein halb Ungrisch Pint. Fuͤr ein Mettin ein Brot/ so weiß als Keyser- oder Zucker-Brot und so groß/ als in Alexandria, noch einmal abeꝛ so groß/ als in der Jnsul Zante. Das IV. Capitul. Von meiner Reise nach Gran Cair, oder Babylon. D En 4. Junij um Mittag habe ich mich auf eine Mohren- Barka gesetzet und bin auf ydem Fluß Nilo von Rosseto nach Gran Cair, oder Babylon mit gefahꝛen/ darum denn hierbey zu melden nicht undienlich/ was enzwischen merckwuͤr- diges etwan mit vorgegangen. Diesen Tag hatten wir gar guten Wind und passir ten folgende Nacht ein Egyptisch Dorff/ Fria genannt/ vorbey/ bey Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. bey welchem ein schoͤner Wald von lauter Palmen und Gra- nat-Baͤumen/ dahero denn dieses Orths die Granat-Aepffel gar wolfeillseyn und einer zweyer Haͤnde groß mehr nicht gilt/ als einen Asper/ das ist vier Pfennige. Nicht weit von diesem Walde ist zwischen zweyen kleinen Huͤgeln der Orth/ wo der Nilus in die Stadt Alexandriam ge- fuͤhret wird. Auch fuhren mit uns zugleich von Rosseto auß noch etzli- che andere Schiffe mit zerhackten Stroh ohne Gefaͤhr eines Gliedes lang beladen. Soll so viel seyn/ als bey uns der Hecker- ling. Dasselbe koͤnnen sie artig laden/ und in einander schrenckẽ/ daß/ uneracht es hoch uͤbers Schiff gehet/ dennoch der Wind/ wie starck er auch ist/ es nicht von einander wehen und zerstreu- en kan/ welches denn von solchen Barbarischen Leuten zu se- hen/ nicht wenig zuverwundern und solch Stroh fuͤhren sie al- so aller Orthen hin zuverkauffen zum Futter vor das Vieh im Lande. Allhier am Nilo sind viel grosse Raͤder zu sehen/ unter welchen tieffe von Steinen außgesetzte und gewoͤlbte Gruͤben/ worinnen sich das Wasser samlet/ welches hernach durch viel grosse dicke Hafen/ oder Toͤpffe von zwey Ochsen/ so am Ra- de ziehen/ herauß und ins Felde geleitet wird dasselbe damit zu waͤssern und zu feuchten. Um diese Gegend herum hats sehr boͤse raͤuberische Leute/ die auch wol um eines Hellers willẽ einen Frembden erschlagen sollen/ wie wir denn deßwegen auß unserm Schiffe mit keinem Fusse aufs Land treten doͤrfften/ wo wir nicht den Janitscha- ren allewege zur Salvaguardi mit genommen. Den 5. Junij und die folgende Nacht war es gantz stille vom Winde/ dahero die Mohren das Schiff meist mit Seilen auf dem Lande ziehen/ ja wir auch endlich unter einem Egypti- T 3 schen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. schen Dorffe/ Tunop genannt/ gar still liegen musten. Jndeß stiegen wir auß/ giengen aufs Land/ der Meinung etwas von Vogeln/ oder andern Thieren zu schiessen/ haben aber mehr nicht/ als zwo Turteltauben bekommen koͤnnen/ weil wir uns der Raͤuber halben nicht gar zu weit von unserm Schiffe wa- gen dorfften. Dieselben Tauben wolten uns hernach weder Tuͤrcken/ noch Mohren zurichten/ denn es bey ihnen vor grosse Suͤnde gehalten wird Turteltauben zu schiessen/ oder umzu- bringen/ andere Vogel aber und Tauben umbzubringen und den Christen zuzurichten achten sie nicht fuͤr unrecht und Suͤn- de. Durch den Fluß Nilum tragen die Egyptier allerhand hindurch wie ich denn selber gesehen/ daß die Mohren grosse Buͤrden und Buͤndel von Palmen-Zweigen hindurch getra- gen. Sie ziehen ihre Hembden auß/ binden sie auff die Koͤpffe/ nehmen ihre Tracht auf den Halß und lauffen also nackend da- mit hindurch/ dergleichen auch unsere Mohren auf der Bar ka thaͤten. Wenn der Wind halbicht schwach war/ entbloͤßten sie sich vor uns allen ohne Scham und Scheu/ sprungen ins Was- ser und zogen also das Schiff mit Seilen. Jst also bey diesen Barbarischen Voͤlckern so wenig Schaam/ als bey dem un- vernuͤnfftigen Vieh. Den 6. Junij sind wir zur rechter Hand lauter sandiges Gebuͤrge vorbey passiret und war den Tag/ wie auch folgende Nacht/ gar guther Wind/ biß wir den 7. Junij fruͤh vor Son- nen Aufgang nach Bulaco kommen und waren deßwegen alle froh/ weil wir vorige Nacht wegen der Raͤuberischen Mohren grosse Furcht und Gefahr außgestanden hatten. Das V. Capitul. Von der Stadt Bulaco und ihrer Beschaffenheit. Diese Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. D Jese Stadt ligt am Flusse Nilo zur lincken Hand/ wenn man hinein segelt/ ist noch einmal so groß/ als Rosseto mit gar feinen nach Landes Arth erbaueten Haͤusern/ ohne gefaͤhr eine halbe Stunde von Babylon gelegen/ dahero es auch fast fuͤr eine Vorstadt derselben zu rechnen. Denn da ist das Zollhauß/ da alle Schiffe aufahren und sich visitir en lassen muͤssen So hats auch gar einen schoͤnen Garten allda/ der mit hohen Mauren verschlossen und stehen allerhand schoͤne frucht- bare Baͤume darinnen/ worunter man sich erkuͤhlen und belu- stigen kan. Von Rosseto an/ biß an den Nilum hinauf nach diesem Bulaco ist das das Land nicht hoch/ sondern gar niedrig. Und ge- gen Bulaco uͤber liegt jenseits deß Nili gar ein lustig Dorff mit- ten in und zwischen Palmen- und andern fruchtbaren Baͤu- men. Das VI . Capitul. Von dem beruͤhm ten Fluß Nilo und dem darinnen sich auffhaltenden Crocodil. E S ist der Fluß Nilus groͤsser und viel breiter/ als die Do- nau und koͤnnen wegen seiner Tiefe ziemliche grosse Schif- fe drauf segeln. Hat keinen geraden Lauff/ sondern fleust krumm und gebogen/ welches denn fuͤr eine sonderbare Gabe Gottes fuͤr diß Land ist. Denn wenn es gerade fuͤr sich hin/ wie andere Wasser/ floͤsse/ wuͤrde es das gantze Land ersaͤuffen/ wenn er außfleust. Er hat gar ein fuͤsse/ lieblich und gesund Wasser und haͤlt sich der abscheuliche schaͤdliche Wurm/ der Crocadil drinnen auf. Dieser Wurm ist von fuͤnff biß sechs Elen lang/ fast ge- stalt/ wie ein Eidex/ hat vier Fuͤsse und eine harte scharffe Haut/ einen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. einen langen zugespitzten Schwantz und grossen langen spitzi- gen Kopff/ in seinem Riessel grosse lange Zaͤhne/ den Hauer- Schweinen nicht ungleich. Und wo derselbe einen Menschen zu- berwaͤltigen Gelegenheit bekommet/ so verschlingt er ihn als- bald/ dergleichen denn ehermals geschehen seyn solle/ sonderlich wenn die Leute Andacht halben kommen/ alda am Nilo nieder fallen und ihr Gebet verrichten/ wie die Egyptier sehr im Brauch haben und es halbicht etwann darbey versehen/ wie einsmals einem Tuͤrckischen Tzschauß zu Cairo wiederfahren/ indem er allda am Ufer gedachtes Nili auf seinem aufgebreite- ten Tapet gelegen und gebethet/ wie mir glaubwuͤrdig allda er- zehlet worden, Ehe es aber geschicht/ daß dieser gifftige Wurm einen Menschen verschlinget und frisset/ soll er zuvor auß den Augen haͤuffig Wasser herauß fallen lassen/ gleich als weinte er und waͤre ihm selber leid/ daß er solches thun und einen Menschen fressen solte. Dahero dann dieser Wurm gar eine augenschein- liche Abbildung ist aller falschen und unrichtigen Hertzen und Gemuͤther/ welche vorwarts sich freundlich gegen dem Nech- sten stellen und auch wol darzu weinen/ im Hertzen aber auf Schaden und Verderben dencken. Daß ich aber deß Nili weiter gedencke/ so soll derselbe einer seyn von den vier Fluͤssen und Wassern deß Paradises/ der Gi- hon ist genannt wordẽ/ dieweil er von Morgen durch Mohren- land/ biß in Egypten fleußt. Und weil derselbe so gar fruchtbar ist/ wo er hinfleußt/ so wird bestaͤndig darfuͤr gehalten/ er fuͤh- re eine fette Erde auß dem Paradeiß mit sich/ wiewol es eine betruͤgliche muthmassung ist. Unterdeß aber ist doch gleichwol diß gewiß/ daß man seinen Ursprung nicht erfahren/ noch die Ursache seines jaͤhrlichen Außlauffs wissen noch ergruͤnden kan. Und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Und wiewol man offtmals Schiffe uff lange Zeit außge- ruͤstet und gnugsam versehen außgeschicket und nachforschen lassen/ ob denn was gruͤndliches davon zuerfahren/ so haben sie doch mehr nicht zu ruͤcke gebracht/ als daß/ wenn sie binter Jndien hinein kommen/ sie nichts/ als grosse Wildnuͤsse ange- troffen/ auß welchen der Nilus herauß geflossen kommen und grausame grosse Hitze/ weiter hinein aber greuliche hohe Ber- ge und Felsen/ unter welchen das Wasser mit erschrecklichem Saussen und Prausen haͤuffig herauß geschossen kommen/ daß von dar nicht weiter zu kommen gewesen und sie von fernerm Nachforschen abstehen und zur richtigen Nachricht nimmer gelangen koͤnnen. Sonst theilet derselbe diese beide Theile der Welt/ Asiam und Africam, voneinander/ also/ daß man Africam zur lincken und Asiam zur rechten Hand hat/ wenn man von Babylon auf dem Nilo nach Rosseto schiffet. Die Griechen schreiben Νειλος und weil sie mit Buchsta- ben zehlen und Ν bey ihnen bedeut 50. das ε 5. das ι @0. das λ 30. das ο 70. und das ς 200. so koͤmmt gleich herauß die Zahl der Tage im Jahre/ deren sind 365. gleich als haͤtte Gott fuͤr diese Laͤnder auf iedes Jahr biß ans Ende der Welt die grosse Wol- that der fruchtbaren Uberschwemmung diesem Wasser in sei- nem Nahmen gefasset gehabt. Und so viel von diesem Fluß Nilo. Das VII . Capitul. Von der Egyptier Tresch-Arth. N Ach dem ich in Egypten auch gesehen/ wie man allda das Getreide zu treschen pfleget/ will ich allhier auch etwas davon melden. V Sie Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Sie haben ein Instrument, fast einem Schlitten gleich/ mit drey/ oder vier runden hoͤltzern Wellen/ in deren ieder vier eiserne Rincken/ fast wie bey uns heraussen die Stoß-Scheu- ben/ so man vorne an die Wagen-Raͤder zustecken pfleget/ dar- an spannen sie starcke Puͤffel-Ochsen und ziehen solchen Tresch- Wagen auf dem im freyen Felde außgebreiteten Korn herum. Diese gedachte runde scharffe Rincken/ oder Scheiben schneiden das Stroh klein/ indem die Puͤffel den Wagen auff dem Korn herum schleppen/ und da fallen alsdann die Koͤrner fein sauber auß den Aehren herauß/ welches gar lustig anzuse- hen und doch auch zuverwundern ist/ daß solche Barbarische Voͤlcker noch so viel Witz und Verstand haben solche kuͤnstliche Handgriffe zuer finden und zugebrauchen. Das VIII. Capitul. Von meiner Reise von Bulaco biß vollends gen Babylon. Z Ur Zeit dieser meiner Reise war die Ernde schon vor zwey Monden allhier geschehen. Und weil kein Wein allda waͤchst oder doch gar wenig/ so er von andern Ortẽ/ sonderlich auß auß der Jnsul Tenedo und denen zween Koͤnigreichen Candia und Cypern/ dahin gebracht. So ist auch/ wie bereits oben gedacht worden/ grosser Holtz-Mangel in diesen Laͤndern und muß dasselbe vom schwartzen Meer her/ nach Alexandriam ge- fuͤhret werden/ weßwegen es dann sehr theuer und habe ich ge- sehen/ daß zu Gran Cair, oder Babylon ein Buͤndlein von zwoͤlf kleinen Knittelchen kaum einer Elen lang/ um zwey Mettin, welches fast zwey Meißnische Groschen macht/ verkaufft wor- den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. den. Auch wird zum wenigsten das Wasser in den Staͤdten von Camelen in grossen weiten ledern Schlaͤuchẽ und Saͤcke zu kauffe von Gassen zu Gassen umgefuͤhret. Und wiewol es in Egypten zu Winters Zeit zuweilen etwas zu regnen pfleget/ so gibts doch allda weder Schnee noch Eiß. Vorgedachten 7. Junij fruͤh gegen Morgen sind wir Bocca de Damiata vorbey passir et. Drauff habe ich einen kleinen Esel/ dergleichen man in den grossen Staͤdten stat der Pferde zubrauchen pfleget/ wenn man weitlaͤuftigkeit halben weit zugehen hat/ um etzliche Mettin gemuͤthet und noch einem andern dabey/ welcher meine Sachen getragen/ und bin also vollends/ biß nach Babylon/ geritten/ um daselbst mich auch umzusehen und zuerfahren/ was es mit dieser be- ruͤhmten Stadt vor Gelegenheit habe. Der Weg von Bulaco biß hieher/ wie auch diese gantze Gegend herum ist lauter tieffer Sand/ iedoch gleichwol mit schoͤnen gruͤnen Palmen-Baͤumen bewachsen/ welches gar lustig zusehen ist. Ehe und bevor ich aber fort reiten und reisen dorffte muste ich denen Tuͤrcken alle meine bey mir habende Sachen durchsuchen lassen/ um zuvor davon den gewoͤhnlichen Tri- but/ oder Zoll zuentrichten/ wo etwas drunter waͤre/ das verzollet werden muͤste. Weil ich mich aber gutwillig darzu stellete/ begehrten sie so genau nicht zusuchen und liessen sich mit einem geringen Trinckgelde vergnuͤgen/ ich aber haͤt- te gar wohl die kostbaresten Sachen durchbringen koͤnnen/ die sich sonst nur selber im Felleiß zuverwahren geschickt haͤt- ten. Bin also im Namen deß HErꝛn fortgeritten und gegen Mittag in Gran Cair, oder Babylon einkom̃en/ da ich Gott von V 2 Her- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Hertzen gedancket/ daß er mich bißhero so gnaͤdig gefuͤhret und behuͤtet hat. Das IX . Capitul. Von der uͤberauß grossen Stadt Gran Cair, oder Baby- lon was daselbst geschehen und zu sehen ist. D Jese Stadt hat unterschiedene Namen und wird genen- net Cairo, oder Gran Cair, den Cair, auf Arabisch eine Stadt heist und die Tuͤrcken nennen sie Mistier, ins ge- mein aber Babylon. Sie ist aber ietziger Zeit die rechte Hauptstadt in Egy- pten und die vornemste Handelsstadt in gantz Tuͤrckey/ dahin aus aller Welt sehr starcker Handel getrieben wird. Nach dem ich nun in die Stadt kommen/ bin ich gleich in deß Herrn Nordi, welcher ein Venetianischer Kauffmann war und von Venedig auß mit mir biß hieher gereiset hatte/ Bru- dern Hauß zur Mittags-Mahlzeit ankommen und bey dem- selben eingekehret. Denn die Tuͤrcken und Mohren haben den Brauch/ daß sie gar zeitlich Mittags-Mahlzeit halten. Nach gehaltener Mahlzeit habe ich meine Recommenda- tion -Schreiben/ so mir von Venedig mit gegeben worden wa- ren/ um halb Abend durch einen Niederlaͤndischen Kauffmann dem Herrn Santo, Niederlaͤndischen und Venetianischen Con- sul, uͤbergeben lassen/ welcher mir nach Verlesung derselben alle Ehre/ Liebe und Freundschafft angeboten/ solches auch her- nach die gantze Zeit uͤber/ als bey ihm ich mich aufgehalten/ mit der That erwiesen und es an nichts fehlen lassen/ was mir zu meiner Befoͤrderung und Besten noͤthig gewesen. Den 9. Junij habe ich mich mit meinem Janitzscharen ieglicher auf einen kleinen Esel gesetzet und bin also neben ihm/ mich Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. mich umzusehen/ durch die Stadt geritten. Denn selbiges Orts ist es also braͤuchlich/ ja auch die Weiber pflegen auf solchen klei- nen Eseln durch die Stadt zu reiten. Und wenn also Frembde geritten kommen/ sonderlich wenn sie vermercken/ daß es Chri- sten seyn/ da gibts ein greuliches Zulauffen/ von dem Tuͤrckis. Poͤfel/ allermassen denn mir wiederfuhr/ weßwegen auch mein Janitzschar immer voran reiten und Platz machen muste/ wol- te er mich anders ohne Schimpff und Ungelegenheit durch- bringen. Dannenhero/ wie ichs befunden/ so wol dieses/ als auch das andere wal bey meiner Ruͤckreise auß Egypten/ da ich laͤnger in Babylon war und also mehr Zeit hatte mich umbzu- sehen und nach ein und anderer Nachricht zu forschen/ will ich hieher zusammen setzen/ damit es den wolgeneigten Leser nicht irren soll/ wenn ers hier und da mit Verdruß Stuͤckweise zu- sammen suchen soll. Diese Stadt soll von etzlichen Maͤnnern von Babylon auß Chaldea auf Erlaubniß einer Egyptischen Koͤnigin an- fangs nur als ein Castell und mit gar wenig Haͤusern erbauet und deßwegen zum Gedaͤchtniß von ihnen Babylon genennet worden seyn. Hernach aber hat sie von Jahren zu Jahren zugenommen/ daß sie nunmehr eine Stadt ist/ die sich auff sie- ben grosse starcke Teutsche Meilen erstrecket/ ohn alle andere um und anliegende Orthe/ doch meistentheils in die Laͤnge und in die Breite eineguthe halbe Teutsche Meile. Die Groͤsse dieser Stadt ist etzlicher massen auch hierauß abzunehmen/ daß/ wie zum Theil zu sehen gewesen/ zum Theil ich auch glaubwuͤrdig berichtet worden/ man alle Nacht in die dreyzehen biß vierzehen tausend Gassen/ wegen so grosser Weit- laͤufftigkeit und desto ehe Auffruhr zu verhuͤten/ veꝛschleußt/ ob sie gleich alle aneinander stossen. V 3 Auch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Auch sind sehr viel Tuͤrckische Musqueen oder Kirchen in der Stadt/ welche inwendig von lauter hell pollirten Marmel aufs zierlichst gebauet seyn und umher allenthalben voll bren- nende Lampen hengen/ welche denn die Kirchen von dem Mar- mel voll Glantz und Klarheit machen/ so uͤber alle masse praͤch- tig zu sehen ist. Solten die Kirchen den Contraten nach gerechnet wer- den/ deren in die vier und zwantzig tausend/ in ieder aber drey und auch wol vier Kirchen zu finden sind/ so wuͤrde man/ nur zu dreyen zurechnen/ in die zwey und siebenzig tausend Muß- queen/ oder Kirchen aufbringen. Und sind dieselbe nicht schlecht/ sondern meist sehr statlich erbauet/ massen dann die Tuͤrcken viel auf ihren Gottesdienst halten. An und um solche Kirchen herum stehen wunderschoͤne hohe Thuͤrme/ die mei- sten oben zu hoͤchst drauff mit runden steinern/ oder bleyern Knoͤpffen und Spitzen und manche mit drey Gaͤngen uͤberein- ander umher/ welches denn gar zierlich und praͤchtig anzuse- hen ist. Und weil die Tuͤrcken keine Glocken/ wie wir in der Chri- stenheit/ haben/ sintemal sie uns Christen das fuͤr Suͤnde und Thorheit zurechnen/ daß wir Glocken gebrauchen/ da uns doch GOTT den Mund und die Stimme zu seinem Lob und Ehren gegeben/ so muͤssen durch gantz Tuͤrckey ihre Hotschilar, die bey ihnen so viel/ als bey uns die Gloͤckner und Meßner sind/ auff solche Kirch Thurm-Gaͤnge treten und uͤber die Staͤdte den Gottes-Dienst mit Schreyen andeuten. Und damit die- selben ja starck gnug schreyen koͤnnen/ so stopffen sie beyde Oh- ren mit den Fingern zu und schreyen so greulich/ daß sie ver- schwartzen moͤgten. Dergleichen geschicht alle Tage sechs/ deß Freytags aber steben mahl deñ der ist ihr Sabbath/ oder Son- tag/ da stehen offt auf einem Thurm und desselben unterschie- denen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. denen Gaͤngen von achtzehen/ biß zwantzig Hotschilaren . Und weil manche Kirche vier/ ja wol sechs Thuͤrme hat/ wie sonder- lich in Constantinopel/ so ist leicht zu achten/ was es fuͤr ein Barbarisches Geschrey geben muͤsse/ zumahl weil ihrer so viel und sie alle zugleich auß gantzen Leibes Kraͤfften schreyen. Wers nicht wuͤste und solte es unvermuthet mit anhoͤren/ der solte meinen/ daß es lauter tolle und unsinnige Leute waͤren. Jhren Gottes-Dienst aber haben sie den Tag uͤber also eingetheilet/ daß sie ieden Tag sechs Stunden drauff wen- den/ die ersten zwey Stunden fruͤh vor Tage/ die andere weñ der Tag anbricht/ die dritte vor Mittage/ ohngefaͤhr um 9. Uhr/ die vierdte zu Mittage/ die fuͤnffte um halb Abend und die sechste wenns finster worden: Freytags aber/ weils/ wie gedacht/ ihr Sabbath/ nehmen sie noch eine Stunde darzu uñ halten dieselbe drey Stunden vor Mitternacht. Sind also diese Barbarische Voͤlcker viel fleissiger emsiger und unverdrossener zu ihrem falschen Gottes-Dienst/ als wir Christen bey unserm wahren Gottes-Dienst/ welches hoch zubeklagen ist. Wenn nun die Tuͤrcken zur Kirchen gehen/ worzu denn das Weibs Volck nicht verbunden/ ziehen sie her aussen vor den Kirchthuͤren alle ihre Schuh aus/ so meistentheils von roth o- der gelben Leder/ und da gehen die Hotschilar vor ihnen her und treiben ihr Tuͤrckisches gemurmel daß man nicht weiß/ was es ist. Und wenn sie nun in die Kirche kommen/ fallen sie auf die Erde nieder und kuͤssen dieselbe zuviel unterschiedenen malen/ drauff richten sie sich wider auf/ bleiben aber kniend und Murmeln etwas daher/ bald stecken sie die Finger in die Ohren/ bald stehen sie auf und legen beyde Haͤnde in die Seiten/ bald fallen sie wieder auf die Erde und trei- ben mit vielen starcken Gemurmel solche Gauckeley eine lange Zeit/ biß sie endlich meinen daß sie ihren Sachen gnug Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gnug gethan/ alsdann gehen sie wider herauß zu ihren Schu- hen/ ziehen sie an und gehen nach Hause und hat also ihr ver- meinter Gottesdienst ein Ende. Moͤgte sich aber hier iemand wundern/ wie denn ein iegli- cher seine Schuh wider funden und kennen koͤnne und ob ihm denn der weile dieselben nicht gestohlen wuͤrden/ indeß er in der Kirchen seines Gottes-Dienst abwartete? dem ist zu antwor- ten: Ein ieglicher ists versichert/ daß wie er seine Schuh setzet/ er dieselben gewiß auch also wieder findet und darff also nicht lange suchen und fragen/ wenn er nur die Stelle in acht nim- met. Zu dem so ist ers auch gewiß/ daß ihm dieselbe niemand stielet/ sintemahl der Diebstahl bey den Tuͤrcken fuͤr das groͤste Laster geachtet und ohn alle Barmhertzigkeit gestrafft wird. Und also behaͤlt ein ieglicher das Seinige und wird viel unnoͤ- thiges Sorgen/ Zancken/ Rechten und Fechten/ ja Mord und Todschlag vermieden. Jn welchem Stuͤck diese unglaͤubige Barbarische Voͤlcker abermals die Christen weit uͤbertreffen und am Juͤngsten Gerichte beschaͤmen und anklagen wer- den. Die Stadt Babylon ist uͤberaus Volckreich/ also/ das alle Gassen voll wuͤmmeln und anzusehen seyn/ wenn mans von der Hoͤhe herab siehet/ als ein lebendiger Amsen-Hauffen Wenn die Pestilentz halbicht grassir et/ so koͤnnen flugs einen Tag von 12. bis 14000. Menschen dahin sterben/ woraus leicht- lich abzunehmen/ was fuͤꝛ eine greuliche Menge Volcks muͤsse in solcher. Stadt zu finden seyn. Vordessen sind in dieser Gegend unterschiedene auch ge- waltige Staͤdte gestanden/ als Tanis, oder Zoan, allwo damals die Koͤnige in Egypten Hof gehalten/ wo auch die Kinder Jsra- el/ besage des andern Buchs Mosis/ so sind geplagt und end- lich von Gott erloͤset worden/ wo Moses auch so viel Wunder vor Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. vor Pharao dem Koͤnige in Egypten gethan/ davon der 78. Psalm sagt: Fuͤr ihren Vaͤtern thaͤt er Wunder in Egypten- Land auf dem Felde Zoan/ oder Taneos und ist eine herꝛliche und praͤchtige Stadt gewesen/ massen denn auch noch in ietzigem ihrem Stande zum Wahrzeichen der vorhin daselbst gestandenen Stadt Tanis zwoͤlff grosse Korn-Behaͤltnisse ge- zeiget werden/ welche Joseph/ der sorgfaltige und fleissige Lan- des Vater und Vice-Roi, das Getraide in den wolfeilen Jah- ren auffzuschuͤtten bauen lassen und werden Magasine di Joseph genannt. Gestanden hat an dem Orte Heliopolis, welche im 19. E- sa. Irheres genennet worden/ auch eine schoͤne und praͤchtige Stadt/ noch vom Koͤnige Busiris erbauet/ massen denn auch noch ietzt ihre stelle/ wo sie ohngefaͤhr gestanden haben solle/ an etzlichen Merckmahlen gezeiget wird. Es soll gar eine fuͤrtreffli- che Hohe Schule daselbst gewesen und die freyen Kuͤnste fleis- sig getrieben worden seyn/ wie gnugsam abzunehmen auß ietzt angezogenen 19. Capitul Esaias. Dahero auch fuͤr gegeben wird/ ob dem also sey/ daß Dyonisius zur Zeit deß Leidens Chri- sti allda gewesen/ und nach dem er gesehen/ daß die Sonne am hellen Tage verfinstert worden/ zu einem Sophisten gesagt: Entweder leidet Gott der Natur/ oder die Welt wird unter- gehen/ welchen Dyonysium hernach S. Paulus zu Atheen be- kehret und zum Christlichen Glauben gebracht hat. Gestanden hat an dem Orthe auch Memphis, welche Noph genennet wird im 19. Esaias. Tanis lag von Heliopolis zwey Teutsche Meilen und eine Meile von Memphis, sechs und funffzig Teutsche Meilen von Jerusalem. Folgender Zeit aber nach dem diese Staͤdte zum Theil zerstoͤret/ nachmals aber wie- der zugenommen und mit obgedachtem Schloß und Flecken Babylon zusammen gehenget und eine Stadt drauß worden/ X hat Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. hat sie den Namen Babylon behalten und die andern verloh- ren/ wiewol doch die Rudera von Memphis die Gegend der Py- ra miden uͤber den Nilum eine Strecke von Babylon ab im fla- chen Sand-Felde gezeiget werden/ da noch viel zerbrochene Marmelsteinere Seulen stehen und liegen und viel altes Ge- maͤuer zu sehen/ daß ich darfuͤr halte/ wie auch einige Nach- richt davon vorhanden/ das alte Memphis mag sich wol biß dahin erstrecket und geschleppet haben. Denn man siehet auch noch daselbst etzliche verfallene Gebaͤude/ die nicht schlecht muͤs- sen in ihrem Stande gewesen seyn/ von denen vorgegeben wiꝛd/ daß es Potiphars Pallast gewesen/ bey dem Joseph gedienet und von seiner unzuͤchtigen Frauen zum Ehebruch gereitzet worden. Die Gassen in Babylon sind nicht gepflastert/ sondern nur voller Sand und fleußt der Nilus durch die Stadt. Die Haͤuser sind hoch/ aber wenig von Steinen und oben ohne Daͤ- cher/ daß man drauff herum gehen und sich weit und fern um- sehen kan/ aber inwendig sind sie gar schoͤn gemahlet und mit Teppichen gezieret/ daß mit Lust hinein zu gehen ist. Das Schloß worauff der Tuͤrckische Bassa Hof haͤlt und das vortreffliche Castell/ welches mit lauter Janitzscharen starck besetzt ist/ sind meines Erachtens und Befindens wol die weitlaͤufftigsten und fuͤrtrefflichsten Gebaͤude in der Stadt. denn das Castell ist vortrefflich erbauet/ hat viel starcke Thuͤr- me und Mauren und sehr viel lauter eiserne Thuͤren/ durch wel- che man in die Hoͤhe hinauff gehen muß und ist so hoch/ daß ich fast die gantze Stadt uͤbersehen koͤnnen/ sammt dem Wasser Nilus, welches denn uͤber die masse schoͤn zusehen war/ wiewol sonst die Stadt in sich selber offen und ohne Mauren ist und in zwey Staͤdte/ alt und neu Babylon/ getheilet/ iedoch das alte nicht so wol erbauet/ noch so Volckreich bewohnet wird/ als das Neue. Es Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Es hat sehr viel Baͤder in dieser Stade/ wie denn die Tuͤr- cken gar viel drauff halten und deßwegen dieselben sehr statlich bauen. Auch hat S. Petrus drinnen vordessen seine erste Epi- stel geschrieben/ wie darauß abzunehmen/ daß/ indem er am Ende derselben seine bekehrte Heiden nicht allein im Namen sei- ner glaͤubigen Babylonier sondern auch Marci, der ihm sein E- vangelium von Christo nachgeschrieben/ gruͤsset/ weil er ihn nahe hatte und derselbe Bischoff zu Alexandria war. Uber diß ist auch gar ein vornehme beruͤhmte Apotheke allda/ dergleichen sonst unter denen Barbarischen Leuten gantz ungewoͤhnlich und nicht zufinden ist. Uber Zehrung und Lebens-Mittel ist auch nicht zu klagen und fehlet an nichts/ als an Wein-Wachs. Man hat mich fuͤr warhafftig berichtet/ daß in die 20000. Garkuͤchen allda seyn sollen/ welches nicht unglaͤublich/ sintemal wie ich selber gese- hen/ unglaͤublich viel von Tuͤrcken und Mohren allda sind/ die nichts thun/ als nur fuͤr andere Leuthe kochen/ bey denen die/ so nicht selber kochen wollen/ noch koͤnnen/ die Speisen also warm holen lassen und zwar um einen leidlichen Preiß/ daß michs Wunder genommen. Ja daß noch mehr ist/ so gehen auch wol die meisten von solchen Koͤchen auf oͤffentlichen Gassen herum/ haben kleine Heerdlein mit Feur auf den Koͤpffen/ die Speisen drauff und bringen sie also den Leuten vor die Thuͤren und gar in die Haͤuser hinein/ und bedoͤrffen dieselben keine grosse Muͤ- he weit darnach zu gehen/ oder zu schicken/ welches den Reisen- den und Einheimischen gar bequem faͤllet/ bevorab weil das Holtz theuer und seltzam ist. Man hat in Babylon auch eine sonderliche Arth Bruͤth- Oefen/ die sind also zugerichtet/ daß man die Eyer von aller- hand Feder-Vieh drinnen bey grosser Menge auf einmal auß- bruͤten kan/ iedoch wollen sie gleichwol ihre gewisse Zeit haben X 2 und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und mit sonderbarer Bescheidenheit geheitzet seyn/ wie sie a- ber eigentlich allenthalben formiret und zubrauchen seyn/ habe ich nimmer erfahren koͤnnen/ wie sorgfaltig ich auch dar- nach gewesen bin. Als ich nun mit meinem Janitzscharen/ wie oben gedacht worden/ durch die Stadt dahin geritten/ sind wir endlich zu ei- ner Kirchen kommen/ Della Madonna genannt/ so den Cofthi, das ist/ denen Ketzerischen Christen/ zustaͤndig war/ in welcher neun Stuffen hinunter unter der Erden ein Orth und Hoͤle gezeiget ward/ da sich die heilige Jungfrau Maria mit ihrem lieben Jesulein soll verborgen gehalten haben/ als sie von He- rode verjagt in Egypten kommen. Und weils sehr finster drun- ten war/ musten wir ein Liecht anzuͤnden/ daß wir uns besehen konten. Es steht auch ein viereckichter Marmelsteinerner Ka- sten drunten/ nicht sehr tieff/ in welchem die Jungfrau Maria ihrem lieben Jesulein sein Geraͤthe soll gewaschen haben. Deß- gleichen siehet man auch noch ein kleines Heerdlein drunten/ worauff@ste gekochet/ wie auch nicht weit davon einen Brunn/ darauß sie ihr Wasser geholet. Und unten in der Mauer ist ein Loch/ wie ein Backofen/ darinnen sie soll gebacken haben. Vor- an aber im Ofen liegt ein viereckichter weisser Marmel in der Mitte mit einem Creutz/ auf welchem der Priester Messe lieset und scheinet uͤber alle masse alt seyn. Diese Kirche ist in alt Cairo nechst bey einer Kirche und Nonnen-Kloster/ S. Georg genannt/ welches sehr hoch gebauet daß man auf demselben nicht allein fast uͤber die gantze grosse Stadt/ sondern auch fast sehr weit hinauß ins weite flache sandige Feld/ biß zu dem Pyramidibus uͤberm Nile gelegen/ se- hen kan. Ehe ich aber zu solcher Kirche S. Madonna kommen/ sind wir zur rechten an einem Stuͤck vom Fluß Nilo, zur lincken aber an Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. an einem grossen alten steineckichten Gebaͤu hingeritten uñ da sind die Aqua-Ductus. Sind uͤberaus viel und sehr hohe weit außgewoͤlbte Schwibbogen/ auf welchen das Wasser in bley- ern Roͤhren ins Castell gefuͤhret wird und in vorgedachten al- ten Hause wird das Wasser durch gewisse Raͤder in die Hoͤhe den Schwibbogen zugetrieben und also einen langen Weg ins Castell gefuͤhret. Nicht weit davon liegt eine alte zerbrochene Tuͤrckische Musquee oder Kirche/ worinnen der Jnwohner Fuͤrgeben nach nimmer keine Fliege zu finden und zu sehen seyn soll/ dieweil et- was drinnen/ so den Fliegen solle zu wider seyn. Die Mohren und Egyptier moͤgen sonst die Fliegen noch wol vertragen koͤn- nen/ denn zuverwundern ist/ wer es sehen soll/ wie sie offt diesel- ben so haͤuffig in und um die Augen herum/ so wol an sich selbeꝛ/ als sonderlich ihren Kindern koͤnnen kriechen beissen uñ schmeis- sen lassen/ daß sie dieselben kaum dafuͤr auffthun koͤnnen und begehren sie nicht einmahl weg zu schlagen. Koͤnten demnach nur in ietzgedachte ihre Kirche gehen/ so koͤnten sie leicht deß Unzieffers loß werden. Den 10. Junij bin ich mit meinem Janitzscharen nach S. Chatharinen gangen/ welches ein Griechisches Muͤnchs- Kloster ist/ um dasselbe auch zubesehen. Auf diesem Kloster hat man gar ein lustiges Außsehen und kan man weit und ferne herum sehen/ wie die gantze Stadt so gar schoͤn/ lustig und an- muthig unter allerhand gruͤnen/ meistentheils aber Palmen- Baͤumen lieget. Den 17. Junij bin ich mit meinem Janitzschar aberm als auf zweyen kleinen Eseln hinauß fuͤr die Stadt fast auf drey Vierthel Wegs nach S. Mattoria geritten. Da ist ein schoͤner Garte von Balsam Palmen/ Lemonien und andern mir un- bekanten fruchtbaren Baͤumen/ unter welchen auch waren X 3 zwey Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. zwey grosse Feigen-Baͤume/ deren Holtz gar bewehrt vor das Fieber seyn soll/ wenn man davon trincket/ weßwegen ich denn wundershalben auch etwas davon geschnidten und zu mir ge- stecket uñ kan mit Warheit sagen/ daß dasselbe bey mir gewach- sen und zugenommen/ wie und auf was masse/ kan ich nicht wissen/ massen ichs wol so eigentlich in acht genommen/ als ich immermehr gekont/ sonst haͤtte ich leicht gedencken koͤnnen/ als wenn mirs iemand heimlich außgewechselt gehabt. Das soll der Garte seyn/ worinnen sich die Jungfrau Marie mit dem lieben Jesulein sieben Jahr lang in ihrem Exi- lio vor Herode auff gehalten und haͤlt iederman dafuͤr/ daß davon dieser Baum solche vorgedachte Krafft bekommen/ wie denn auch mehr betheuret wird/ daß dersolbe vordessen ein außgehoͤltes Loch gehabt/ wie die holen Baͤume zu haben pfle- gen/ worein kein uneheliches Kind steigen/ oder kriegen koͤnnen/ wiewols ietzo nun von den Tuͤrcken auß Neid gegen die Christen verderbet ist. Auch ist in solchem Garten ein Brunn von trefflichen klaren und gesunden Wasser. Und ehe man in den Garten koͤm- met/ ist ein Hauß und mitten in demselben eine mit Steinen angesetzte Cistern, oder Wasser-Haͤlter/ in welchem ein schoͤnes klares und gesundes Wasser/ so tieff/ daß es einen biß unter die Arm gehet. An der Mauer dabey ist ein viereckicht Loch zwey Spannen hoch/ darinnen stets eine brennende Lampe zu fin- den/ unten im Loche ist eine weisse helle Marmelsteinerne Schei- be/ wie ein ziemlicher Teller/ oben aber und an den Seiten/ braun gruͤnlicht und grauer Marmel/ damit das Loch außge- setzt und gleich wie getaͤffelt ist. Jn solch Loch soll die Jungfrau Maria offt und viel ihr Kindlein gesetzet haben/ wie die Egy- ptier fuͤr geben. Jch hatte im Willen/ zum Waꝛzeichen ein Stuͤck davon abzubrechen und mit zu nehmen/ allein es ward mir Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. mir zum allerhoͤchsten widerrathen/ mit Fuͤrwenden/ es haͤt- te vor weniger Zeit ein Franzoß auch ein Stuͤcklein abgebro- chen/ und mit sich genommen/ der were bald drauf kranck wor- den und endlich zu Rodiß gestorben. Noch eines zugedencken: Wer in Babylon/ oder Gran Cair fremd ist/ der darff ohne Geleitschafft eines Tuͤrcken/ oder welches sicherer/ eines Janitzscharen nicht uͤber die Gassen ge- hen/ sonst hat er entweder von Tuͤrcken/ oder Mohren Ungele- genheit/ oder/ koͤnnen sie es muͤglich schaffen/ muß er gar ge/ waͤrtig seyn/ daß sie ihn verschleppen und in ewige Dienstbar- keit verkauffen/ darum sich einer wol fuͤrzusehen und fuͤr solcher Gefahr zu huͤten hat. Den 22. Junij haben wir etzliche uns zusammen beredet hinauß zu denen kuͤnstlichen Pyramidibus und Wunder-Saͤu- len/ welche unter die sieben Wunderwercke der Welt von denen Geschichtschreibern gerechnet werden/ zureiten/ haben dem- nach abermals wegen der raͤuberischen Mohꝛen zweene Janitz- scharen zur Salvaguardi mit uns genommen/ daß unser zusam- men dreyzehen waren/ sind eine Stunde vor Tage auf kleine Esel gesessen und nach dem wir uͤber den Nilum setzen lassen/ im Namen Gottes miteinander dahin geritten und ein wenig nach der Sonnen Aufgang dahin zugedachten Pyramidibus und Wunder-Seulen kommen. Das X. Capitul. Von der Egyptier Wasser-Freude/ wann der Nilus waͤchst und endlich uͤbergehet. E He und bevor ich aber die Pyramides beschreibe/ will ich auch der Egyptier Freude und Frolocken gedencken/ so sich unter ihnen erhebt/ wenn der Nilus begint zu wachsen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wachsen und endlich auch auß- und uͤber gehet und das Land uͤberschwemmet. Allda zu Babylon/ oder Alkair ist ein Thurm/ in welchem eine grosse hohe Seule stehet mit gewissen Abtheilungen/ daran man das Wachsen und Fallen abmercken/ wie auch sehen kan/ wenn und an welchem Gemercke er ein guthes Jahr bedeutet. Darzu sind gewisse Personẽ bestellet/ die acht drauf geben muͤs- sen/ ausser denen sonst niemand leichtlich darzu gelassen wird. Und wenn denn gedachter Nilus ins Wachsen und zuneh- men koͤmmet/ so entstehet deßwegen im gantzen Koͤnigreich grosse Freude und kommen alsdenn die Wasser-Waͤchter/ Mohren und Araber/ vom Nilo in die Stadt gelauffen und schreyen auf den Gassen auß/ wie hoch das Wasser denselben Tag und Nacht gewachsen/ weßwegen ihnen denn die Jnn- wohner fuͤr Freuden viel Trinckgeld geben. Und das geschicht alle Tage/ so lange der Nilus waͤchset. Es hebt aber der Nilus den 15. Junij an zu wachsen und waͤret funffzig Tage also. Und wenn derselbe nun gnug ge- wachsen hat/ so gehet er alsdenn aus und uͤber und trit in der Stadt Babylon/ oder Gran Cair, in die an vielen Orthen dar- zu gemachte Graben und Schleussen/ daß man mit Schiffen durch die Stadt fahren kan und stehet also von 16. biß 20. Ta- ge lang/ ehe er wider faͤllet und das geschicht alle Jahr nur ein- mahl. Jch habe gesehen/ daß das Erdreich vor grosser Duͤrre so aufgerissen gewesen/ daß man mehr als eine gute quer Hand drein legen koͤnnen/ dahero denn freylich iederman froh wird/ wenn der Nilus uͤbergehet/ damit das Erdreich erquicket wird. Jch habe gesehen/ daß die vornehmsten Tuͤrcken von Ba- schen und auch andern auf Schiffen hinaus an den Nilum ge- fahren mit allerhand ihrer Art nach Musicalischen Jnstru- men- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. menten/ als kleinen Baͤuckgen/ die sie unten und oben mit ab- wechselnden Schlaͤgen schlagen: mit Schallmeyen und mes- singen Trompeten/ auch fast den Schalmeyen gleich gestalt: mit Tuͤrckischen Geigen/ welche einen langen geraden Halß/ unten aber ein rundes Corpus, als eine ziemliche grosse Boß- Kugel/ haben und auf der Seite nach den Seiten zu mit Per- gament uͤberzogen sind. Gar unten aber im runden Corpus ha- ben sie einen langen spitzigen Stachel/ wie unsere Baß-Geigen/ damit sie in Fiedeln gewiß stehen und nicht wancken koͤnnen. Weiter haben sie auch noch ein ander und sonderliches In- strument. Jst ein rundes Corpus, nicht gar zu hoch/ ohngefaͤhr als unsere Wuͤrtz-Siebe gestalt/ welches auch mit Pergament uͤberzogen und um und um mit viel kleinen hellklingenden Schellen behenget ist und wenn sie drauff spielen/ so geschichts auf solche masse: Sie schlagen mit beyden Haͤnden wechsels- weise oben und unten aufs Pergament da gibt nicht allein das Pergament einen halben Paucken-Klang/ sondern es machen auch die Schellen ein greuliches helles geschwirre drein/ daß es einen durch den Kopff schmittertund wenn mans gehoͤret/ es lange nicht wider drauß loß werden kan. Mit solchen Instrumenten machen sie sich uͤber dem Auß- Fluß deß Nili lustig. Dabey sparets denn das Volck auch nicht/ sondern treiben ein greuliches Barbarisches Schreyen drun- ter/ daß man beyde Ohren dafuͤr zustopffen moͤgte. Heissen mit solchem Geschrey gleichsam den Nilum willkommen und dan- cken Gott/ daß auf solche Masse das Land befeuchtet/ getraͤn- cket/ erquicket und fruchtbar gemachet werden soll/ ohne wel- ches sonst dasselbe von allzu grosser Hitze verbrennen muͤste und nichts von Fruͤchten auff bringen wuͤrde/ weils um den Re- gen ein sehr seltzam und wundersparsames Ding ist. Y Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das XI. Capitul. Von denen koͤstlichen Pyramidibus und Wunder- Saͤulen in Egypten. A Ls wir nun zu denen Pyramidibus kommen und dieselben allendhalben wol betrachtet/ sind unserer etzliche willens worden hinauff zu steigen und uns allda recht umzusehen. Und obs uns zwar zum fleissigsten widerrathen worden/ die- weils eine uͤberaus grosse Hoͤhe und uͤber alles die Steine und Stuffen sehr zerfallen/ daß entweder schwerlich/ oder doch mit Gefahr Leibes und Lebens hinauf zu kommen war/ haben wirs doch auß grosser Begierde der gruͤndlichen Wissenschafft da- von/ gewaget/ unsere Esel und abgelegete Kleider/ die uns be- schwerlich dauchten/ den Janitzscharen in Verwahrung gege- ben und den Anfang gemachet. Es hat aber mit solchen Pyramidibus von aussen eine solche Beschaffenheit/ sonderlich mit dem/ dar auf wir gestiegen seyn. Es ist derselbe wie auch die andern Pyramides alle viereckicht von unten/ biß obenauß/ immer ein grosser langer Stein auff den andern gesetzet/ daß einer dem andern vorgehet/ wie Stuf- fen und man also hinauf/ biß auf die oberste Spitze/ steigen kan/ wie sie unten denn scheinet/ da sie doch so breit/ als ein ziem- licher grosser Tisch ist/ wenn man hinauf koͤmmet/ daß man drauf gar geraͤum und ohne Gefahr sitzen kan wenn ihrer gleich ziemlich viel sind. Und gehet also der gantze Pyramis von der Erden auf immer schmaͤler und schmaͤler zu. Uff der Seite/ da ich hinauf gestiegen/ habe ich gezehlet 230. Steine/ oder Stuffen/ iede von ein/ anherthalbe/ biß zwey Elen hoch und dritthalbe Elen lang/ theils auch wol drey Elen und sind ins gevierde gearbeitet uñ gantz glatt/ als ein wolpolirter Marmel. Auf der einen Seite unten auf der Erden ist ein Loch/ dadurch wir mit grossen Grausen und Beschwer hinein gekro- chen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. chen/ nachdem wir wieder von der Hoͤhe herunter kommen/ und sind von solchem Loche biß an die eine Ecke dieser Seite 160. meiner gemeinen Schritte und eben so viel auch biß zur andern Ecke/ daß also/ weil das Loch recht in der Mitte/ die gantze Seite 320. Schritte breit ist/ dahero deñ bald zu achten/ wenn man alle vier Seiten zusammen rechnet/ daß der gantze Umgriff und die Dicke solcher Wunder-Saͤule auf der Erden seyn muß 1280. Schritt. Als wir nun endlich mit Gefahr und grosser Muͤhe hin- auff kommen/ haben wir uns uͤber alle masse lustig umsehen koͤnnen. Denn wir konten die gantze grosse Stadt Babylon und den Fluß Nilum gantz wol und eigentlich uͤber das flache sandige Feld hinuͤbersehen und sonderlich das ohne das auf ei- nen sehr hohen Berg erbauete Castell. Und wenn wir Menschẽ herunten auf der Erden sahen/ schienen sie uns vor grosser Hoͤ- he/ als gar kleine Kinder. Deñ die Pyramides sind nicht allein an sich selber hoch/ sondern stehen auch an einem erhabenen Orte/ woherum es etwas steinigt und sandicht/ sonst aber allenthal- ben eine schoͤne Ebene und flache Gegend ist/ daß einen recht umzusehen nichts hindern kan. So wohnen auch nahe an den Pyramidibus viel Araber und Ziegeuͤner/ unter groben brau- nen/ oder schwartzen leinwaten Zelten/ welche vielmahl die Fremden/ so sich ohne Janitzscharen hinauß wagen/ berauben/ oder wol gar ermorden/ wie sie denn auch uns/ ungeacht un- sere bey uns habenden Janitzscharen/ hart anfielen und Geld von uns haben wolten. Als wir uns nun wol umbgesehen und wieder herunter kamen/ Gott Lob/ ohne Schaden/ wolten wir gleichwol auch nun gerne wissen/ wie der Pyramis inwendig beschaffen wer und machten uns demnach miteinander an voꝛgedachtes Loch/ daß auf der Seiten unten auf der Erden war. Und weils uns was langweillig und Muͤhsam vorkam/ zumal weil wir uͤberm Y 2 Lo- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Loche eine schoͤne in Stein gearbeitete/ iedoch mit Steinen ge- blendete ungeschlossene Thuͤr ansichtig worden/ so namen wir vorhero etwas von Speise zu uns und er quicketen uns mit dem was wir bey uns hatten/ liessen auch etzliche Mohren um ein Trinckgeld den Sand auß dem Loche/ vom Winde hinein ge- wehet hinweg raͤumen/ sintemal der Eingang zu solchem Loche sehr enge/ daß sich eine Person mit grosser Muͤhe durchdrin- gen/ sehr niederig/ daß man sich gantz zusammen buͤcken und ge- waltig finster und tieff war/ daß man/ wie in einen Abgrund/ hinunter kriechen muste. Jn dem es nun darzu kam/ daß wir hinunter solten/ kam etzlichen ein solch Grauen an/ daß sie zu ruͤcke blieben/ wir un- sers Theils aber wagtens/ schickten aber zweene Mohren mit brenenden Liechtern voran hinein/ nicht allein darum/ damit wir uns desto besser besehen und von ihnen von einem und an- dern Bericht erlangen koͤnten/ sondern auch/ weil wir uns be- sorgeten/ daß entweder Moͤrder/ oder wilde Thiere drinnen seyn moͤgten und krochen also einer nach dem andern hernach durch den finstern/ engen/ niedrigen und tieffen Einschluff/ da man fast weder Lufft/ noch Athem schoͤpffen konte. Und weils unten am Boden den gantzen Gang enhinder von Stei- nen sehr glatt gewesen war/ hat man/ um daß man desto bes- ser fussen koͤnnen/ vordessen Gruben/ stat der Stuffen/ ge- hauen. Als ich nun in solchem Loche gestecket/ habe ich weder hin- der/ noch vor sich kommen koͤnnen/ daß mir auch recht Angst uñ bange worden. Muͤste mich demnach laͤngst auf den Ruͤcken legen und also bey den Fuͤssen mit schwerer Muͤhe fortschleppen lassen/ biß ich hinein kam/ wie wir denn alle von Hertzen froh waren/ da wirs uͤberstanden hatten und waͤre gewiß keiner un- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. unterm Hauffen gewesen/ der es um viel noch einmal gewa- get haͤtte. Nach dem wir nun gar in solche Wunder-Saͤule hinein waren funden wir zu allererst einen grossen gewoͤlbten Raum und Platz/ da zuͤndeten wir alle unsere Liechte an/ und giengen erst in ein und ander finster Gewoͤlbe/ von dannen sind wir ei- nen engen und etwas jehlingen glatten felsichten/ oder steinich- ten Gang/ in welchen mit fleiß Stuffen gehauen waren/ da- mit man im Hinaufsteigen desto besser solte hafften koͤnnen/ hinauf gestiegen/ welches denn sehr lange gewaͤret also/ daß wiꝛ auf beyden Seiten eine greuliche tieffe Grufft unter uns ge- habt/ uͤber welche wir hingehen/ ja fast mehr klettern muͤssen. Endlich sind wir auf einen gar engen steinernen Gang kommen/ dazu ende dessen ein Gemach/ oder Kammer gewe- sen/ welche viereckicht/ sehr hoch und finster war und oben an der Decke waren neun schoͤne grosse viereckichte steinerne Ta- feln eingesetzet/ an den Mauren aber braun und weiß sprenckli- che grosse gleissende Steine/ meinem Ansehen und Erachten nach/ als Porphyr Stein/ nur daß er grob war. Jn dieser Kam̃er stehet ein grosser Sarg in einem gantz schwartzen Stein gehauen/ ist zehen gute Maͤnner-Spannen lang und viere breit und wenn man mit etwas dran schlaͤgt/ so klingets/ als wie eine Glocke/ ist aber offen und stehet auf der blatten Erden/ zum Fuß Orthe deß Sarges gehet ein Loch in die Erde hinab: Und soll Koͤnig Pharao in diesem Sarge bey- gesetzt worden seyn/ nach dem er im rothen Meer ersoffen und umkommen/ massen er ihm denn auch vorhero solch Begraͤb- niß mit uͤberauß grossen Unkosten zu ewigen Ruhm und Ge- daͤchtnuͤß soll haben erbauen lassen. Diese Pyramides und Wunder Saͤulen sind zu keinem an- dern Ende vor Zeiten erbauet worden/ also daß die Koͤnige in Y 3 Egypten Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Egypten ieglicher eine zu seinem Begraͤbnuͤß haben sollen. Gleich als haͤtten sie gewust/ daß ihr Reich gantz in frembde Haͤnde kommen wuͤrde/ damit ihr Gedaͤchtnuͤß gleichwol blei- ben solte. Deßwegen den auch solche Saͤulen so sonderlich und kostbar erbauet worden sind. Man gibt fuͤr gewiß aus/ das uͤ- ber einer in die 360000. Mann zwantzig Jahr lang zu thun gehabt/ ehe sie fertig worden/ dahero auch theils Koͤnige/ ob sie gleich noch so reich und vermoͤgend gewesen/ sich gar arm druͤ- ber gebauet haben sollen. O vani taͤt/ was ists nun! Und den- noch haben sie noch viel Gesellen in der Welt/ welche mit ihrem Schaden und Verderben der Welt ihre vani taͤten bauen helf- fen und nicht gedencken/ daß sie davon muͤssen und wie sie wol davon kommen wollen. Das XII . Capitul. Von meiner Ruͤckreise wider gen Babylon und ei- nem Oraculo unterwegens. N Ach dem wir uns nun bey denen Pyramidibus gnugsam umgesehen/ haben wir uns wieder auf die Ruͤckreise nach Babylon gemacht. Nicht weit aber von demselben sind wir kommen zu einem Felsen unaußsprechlicher Groͤsse/ und natuͤrlich wie ein Menschen Kopff gestalt mit grossen Ohren/ Augen/ Haren und langem Halß. Jn diesem ungeheuren Kopffe/ soll vor viel hundert Jah- ren ein Oraculum oder Teufelischer Wahrsager-Geist gewoh- net haben/ welcher zu erst in vorbeschriebenem Pyramide in ei- nem gar tieffen finstern Loche/ dem wir auch vorhin mit gros- ser Vorsichtigkeit im Auf- und Absteigen vorbey gehen muͤssen/ soll gesessen/ hernach aber unter der Erden hin in diesen Kopff gezogen seyn und aus demselben den Heiden Rath und Lehre gegeben haben von denẽ Dingen/ warum sie es gefraget haben. Wenn der Wahrsager-Geist die Gestalt/ als der Kopff außsiehet/ præsentir et/ were kein Wunder/ man were mehr vor ihm Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ihm gelauffen/ als ihm einige Lehre und Warheit zugetrauet. Drum kan man sich nicht hoch gnug uͤber die grosse Blindheit der armen Leute verwundern und Gott dancken/ daß wir da- von erloͤset und mit der seligmachenden Erkentniß deß einigen wahren Gottes erleuchtet sind. Nicht weit von diesem ungeheuren Kopffe zur lincken Hand sind uhralte Gemaͤuer zu sehen/ welche/ wie man uns glaubwuͤrdig berichtet/ schon vor Pharaonis Zeiten sollen ge- standen haben und haͤlt man dafuͤr/ daß es die uhralte Stadt Memphis gewesen. Als wir nun wieder zuruͤcke und an Babylon hinan kom- men/ hielten wir uns zu Mittage in einem schoͤnen lustigen Tuͤrckischen Garten auf/ und Fruͤhstuͤckten von der kalten Kuͤ- che/ so wir eruͤbriget hatten. Es war der Tag uͤber die Masse sehr heiß und deßwegen kam uns auch desto mehr anmuthig zu statten ein sehr schoͤner/ hoher/ breiter und vierfach schattichter Feigenbaum/ worunter wir uns fuͤr der grossen Sonnen Hitze bergen konten und brachten allda zu/ fast biß auf halb Abend. Denn bey solchem Feigenbaum war gar ein schoͤn Lusthauß/ in welchem eine mit Quaterstuͤcken außgesetzte Cistern, darinnen man zu baden pflegte/ wiewol dißmal kein Wasser drinnẽ war und konte man oben auf dem Lusthause gar lustig unter den Aesten deß vor gedachten Feigenbaums hin und her gehen. Der Garten an sich selbst war sehr lang von Palmen- Lemonien-Pomer antzen und andern Baͤumen wol ausgesetzet und war nahe gelegen an dem Ort/ da man/ wie oben gedacht/ den Fluß Nilum, wenn er waͤchset und zunimmet/ misset und in acht nim̃et/ weßwegen wir denn auch von hier aus vollends in dem weitẽ/ tieffen langen Graben/ worinne sonst der gewachse- ne Nilus in die Stadt gehet/ weil er gleich damahls ausgefuͤhret und gereiniget war/ biß in die Stadt und vor unser Quartir/ deß Herrn Consulis Santo Behausung geritten. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das vierdte Buch. Begreifft die Reise durch die grausame grosse Arabische Wuͤstung biß zu dem heiligen Berg Sinai. Das I . Capitul. Wie ich mich zur Reise geschicket und bereit gemacht und endlich auß Babylon fortgereiset. A Ls ich mich in Egypten gnugsam umgese- hen und meinen Sinn auch auf Arabien/ allda den Berg Sinai und andere denckwuͤrdige Dinge zu sehen zugerichtet hatte/ war nur mei- ne einige Sorge/ wie ich fortkommen moͤgte/ damit ich die grosse Gefahr/ so ich wol wuͤste in etwas ringern koͤnte. Es wurde mir aber Nachricht gegeben/ daß eine starcke Carovan von tausent Mohren und Arabern und 700. Came- len nach dem Berge Sinai gehen und denen daselbst wohnen- den Griechischen Muͤnchen allerhand Victuali en von Wein/ Oehl/ Mehl/ Oliven/ gedoͤrreten Fischen und andern Fasten- Speisen zu fuͤhren wuͤrden/ der gleichen alle Jahr drey/ oder viermahl geschicht/ dieweil selbige Muͤnche ihr lebetage kein Fleisch zu essen pflegen/ weßwegen ich mich desselben gewiß machte und mit aller Nothdurfft zur Reise versahe. Vor allen Dingen aber wolte mir/ weil mir weder Volck noch Sprache bekannt/ ein getreuer Gefaͤhrte hoͤchst von noͤthen seyn/ auf den ich mich auf allen Nothfall verlassen koͤnte. Und weil mir der Venetianische Consul, Herr Sauto, einen Tuͤrcken Namens Deff Bascha, vorschlug/ der neben seiner Mutter-Sprache auch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. auch der Arabischen/ Armenischen und Jtalienischen Sprache kundig war/ bin ich mit ihm eins worden und demselben 16 Reichsthaler gegeben/ habe zweene Cameel/ das eine vor mich und das andere vor ihn um 9. Ducaten gemuͤthet/ mit nach folgenden Victuali en/ als mit Wein vor 60. Mettin/ mit Meh vor 45. Mettin/ und Pißkotten vor 35. Mettin/ in zwey starcker weiten Egyptischen viereckichten Saͤcken/ um 29. Mettin er kaufft/ mit gedoͤrtem Rindfleisch/ vor 18 Mettin/ welches aber weils nicht im Rauch/ wie bey uns Teutschen/ sondern nur an der Lufft gedoͤrret war/ ich selber nicht essen konte/ sondern dem Tuͤrcken allein lassen muste/ dem es gar wol bekam/ mit Oel vor 40. Mettin in einem Oel-Schlauch um 7. Mettin erkaufft und zween Rauch ledernen Saͤcken mit frischem Wasser angefuͤl- let beladen/ habe sie im Namen Gottes mit der Carovan voran hingehen lassen und bin ich den 25. Junij fruͤh Morgens auf 2. gemuͤtheten Eseln mit meinem Tuͤrcken auß Babylon nach geritten und habe meine Camele im sandigen Felde bey einer schoͤnen Tuͤrckischen Kirchen mit zwey schoͤnen hohen zierlichen Thuͤrmen angetroffen. Das II . Capitul. Von Babylon biß nach Sues und wie sich meine Reise angelassen. D Je gantze Reise von Babylon aus biß an den Berg Si- nai und die gantze Wuͤste hindurch ist nicht mehr/ als ein einiges Staͤdtlein/ Sues genannt/ und sonst weder Hauß/ noch Dorff zu sehen/ wie auch weder Graß/ noch Kraut/ son- dern nichts als Himmel und Sand/ dahero es recht die Wuͤ- sten genennet werden kan und musten wir also die gantze Zeit uͤber im Sande unter freyem Himmel logir en/ bald wegen der Z grossen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. grossen Hitze abbacken/ und ein wenig rasten/ bald wieder auf- backen und sonderlich den Abend/ die Nacht und den Morgen mit nehmen: und warde mir flugs die erste Tagreise/ als ich unter einem gemachten Zeltlein mit zweyen Griechischen Muͤn- chen ein wenig speisete/ von einem Mohr ein grosse steinerne Egyptische Flasche mit Weine gestohlen und lieff der Dieb da- mit wieder in die Stadt Babylon hinein/ allwo ich ihn wol un- gefunden muͤste lassen. Den 26. Junij sind wir fruͤh mit der Sonnen Aufgang wieder aufgebrochen und auf den Mittag haben wir abermals in der Sand-Wuͤsten die Camel abgeladen und habe ich unter meinem Zeltlein in sehr heissen Sande mein Mittags-Mahl verzehret/ welches war Bißkotten/ eingemachte Oliven und ein Trunck Weins und damit war mein Vorrath vollends hin und muste ich die grosse heisse Wuͤsten hindurch vielmahl greu- lichen Durst leiden/ wolte ich das stinckende triebe Wasser/ worzu wir offtmals raͤumen musten/ nicht in mich schlagen/ wiewol ich doch ohne deß aus hoͤchster Noth manchen Tag uͤ- ber in die sechs/ oder acht Kannen getruncken/ es moͤgte gesund oder schaͤdlich seyn/ sintemahl Durst sehr wehe thut. Nach ohngefaͤhr anderthalber Stunde sind wir wieder fortgereiset/ haben lustig und schoͤn Wetter gehabt und sind wir gar nahe zur rechten Hand an dem Orthe vor bey gereiset/ allwo Alexander M. 400. Elen tieff nach Wasser graben lassen und keines sindẽ koͤnnen/ welche Grufft anietzo meist mit San- de durch den Wind wieder zugewehet worden. Auf dieser rechten Seite auch haben wir ziemlich Stein-Gebuͤrge gehabt. Abends eine Stunde nach der Sonnen Untergang sind wir wieder zur Carovan welche etwas voran gegangen war/ kommen/ gleich da mir uns im heissen Sande lagern wollen/ und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und da habe ich gesehen/ wie und auf was Manier diese Moh- ren auf der Reise ihr Brot zu backen pflegen. Sie machten etzliche Feuer auf den Sand/ hernach na- men sie ihre rauchhaͤrige lange Roͤcke/ schuͤtteten Mehl drauff/ feuchteten dasselbe mit Wasser an/ und ruͤhretens/ wie einen Teig/ daraus machten sie Kuchen/ in solcher Groͤsse und Run- de als ein ziemlicher Teller und eines Daumens dicke/ schoben dieselben in den vom Feuer erhitzten Sand/ daß sie gantz mit Sande bedeckt warden. Und wenn sie kaum eine halbe vierthel Stunde gelegen hatten/ als denn zogen sie sie wider herfuͤr und konten den Sand so rein wieder davon streichen/ daß man nicht ein Koͤrnlein dran gewar ward/ oder erbeissen konte. Solch gebackenes Brot namen sie hernach so warmes war/ brock- tens in eine tieffe hoͤltzerne Schuͤssel/ gossen Oehl und Essig drauf/ ruͤhre@ens stat der Loͤffel/ mit den Haͤnden um/ die offt so schoͤn aussehen/ als wenn sie in Jahr und Tag nicht waͤren gewaschen worden/ setzten sich in den Sand dahin und frassen auch so mit den Haͤnden/ wie die Schweine. Das mogte wol eine Sau-Mahlzeit seyn/ ob sie gleich so begierig darzu waren. Nach dem es nun den 27. Junij beguͤnte wieder Morgen zuwer den/ machte sich die Carovan wieder auf den Weg und haben wir denselben Tag zur rechten und lincken Hand hoch Stein-Klippen-Gebuͤrge gehabt/ in der Ebene aber ein uhral- tes Castell angetroffen/ an den Ecken mit Rundelen darinnen ein Thurm/ aussen aber etzliche gemauerte Graͤben und dabey kleine Thuͤrmlein. Jn diesem Castell liegen in die 150. Mohren und Tuͤrcken/ auch sind etzliche Stuͤck drinnen und wird zu dem Ende ge- halten/ damit sie den raͤuberischen Mohren wehren Z 2 sol- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. sollen/ welche die reisende Carova nen anzugreiffen und zuer- morden pflegen/ wie wir denn viel unterschiedene Graͤber sol- cher Erschlagenen angetroffen haben. Bald hier auf haben wir iedoch noch von weiten das rothe Meer zu Gesichte bekommen: Gegen Mittag aber sind wir zu einem Brunnen kommen/ welcher viereckicht und außgemauert gewesen/ bey welchem ein Mohr wohnet/ der das Wasser mit Ochsen aus einer tieffen Hoͤle herauß ziehet/ nicht allein vor die Carova nen/ sondern dasselbe wird auch in das Staͤdtlein Sues zuverkauffen getra- gen/ wiewol solch Wasser mehr saltzig als suͤsse ist/ weil der Brunn dem rothen Meer fast nahe gelegen ist. Das III. Capitul. Von dem Staͤdtlein Sues, ausser welchem sonst weder Stadt/ noch Dorff in der Arabischen Wuͤsten zwischen Babylon und dem Berge Sinai zu finden ist und von dem rothen Meer. D Jeses Staͤdtlein Sues ist ein sehr uhr altes Staͤdtlein/ nicht sonderlich groß und von gar kleinen geringen/ engen und finstern Haͤuserlein. Die Gassen sind ungepflastert und voller Sand. Hat vor Zeiten eine Mauer gehabt/ die nun sehr zerfallen ist/ sonderlich ist noch zu sehen ein starckes Rundel und ist dasselbe Staͤdtlein meistentheils mit dem rothen Meer um- flossen. Von gedachtem Brunn/ wobey die gantze Carovan gele- gen/ ligts ohngefaͤhr eine halbe Teutsche Meile/ das rothe Meer aber von diesem Brunn eine vierthel Meile und wird der halbe Weg zwischen Babylon und dem Berg Sinai ge- rechnet. Allhier Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Allhier am rothen Meere haben wir zu Zeiten gar ein liebliches anmuthiges Luͤfftlein gehabt/ welches uns bißhero in der Wuͤsten selten so guth worden war. Deñ weil der Sand aͤrger als die heisseste Asche brennet/ und dem/ so drinnen reisen soll/ eine unsaͤgliche Beschwerung machet/ hat uns denn der- gleichen Luͤfftlein gewaltig erquicket/ sonst waͤre unmuͤglich/ daß man fuͤr grosser Hitze thauren koͤnte und nicht verschmach- ten und verderben muͤste. Allhier habe ich wegen grosser Hitze im rothen Meere ge- badet. Auch kan man von hier aus auf diesem Meere biß in Jn- dien hinein schiffen. Es verhaͤlt sich aber mit demselben also: Das Wasser scheinet roͤthlicht und geschicht ohn allen Zweifel von dem rothen Grund und Boden/ denn es hat/ absonderlich aber/ wenn die Sonne hell drein scheinet/ ie roͤther es alsdenn auch ist und waͤchset an vielen Orthen auch Schilff darinnen. Liegt ohngefaͤhr noch drey Tage-Reisen vom Berge Sinai. Und wenn hier in der Wuͤsten der starcke schaͤdliche Wind Schi- rocko wehet/ so treibt er das Meer wol fast eine Teutsche Meile herauß auf den sandigen Boden/ da man denn mit Leib und Lebens-Gefahr reisen muß/ wem es ertappet/ zumal man in lauter tieffen Sande waten muß/ welches nicht foͤrdert. Die Araber in dieser Wuͤsten sind wilde und Viehische/ schwartze oͤhlfarbige ungestalte Leute/ welche meistentheils na- ckend gehen/ nur daß sie irgends ein haͤrin Tuch um sich haͤn- gen/ gehen mit einem langen Spießlein auf den Raub herum/ leben/ wie die unvernuͤnfftigen Thiere/ in wuͤsten Steinklip- pen/ auch wol drey Tage ohne Essen und Trincken und haben Gemeinschafft mit den Camelen/ Haben sie aber Weiber/ so sinds nicht ehelich getraute Weiber/ wie dieser Leute unten mit mehrern gedacht werden soll. Allhier hab ich mich wieder mit frischem Wasser versor- Z 3 get Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. get und habe einen Uter/ oder Schlauch/ so ohngefaͤhr als ein mittelmaͤssig Felleiß groß gewesen/ um 3. Metrin/ Meißnischer Muͤntze um 3. Groschen bezahlen muͤssen. Auch giebts hier einen Tuͤrckischen Tranck Buso genannt/ welcher an Farbe und Dicke den Hefen gleich ist und starck von Geschmack und deßwegen wol Tuͤrckisch Bier genennet werden koͤnte. So sind auch allhier die eingemachten Datteln sehr gu- tes Kauffs/ denn ich die Occa, welches anderthalb Pfund/ vor ein Mettin kauffen koͤnnen. Das VI . Capitul. Von den zwoͤlff Mosis-Brunnen. D En 28. Junij sind wiꝛ kurtz vor der Sonnen Aufgang wie- der fort gezogen und um Mittag zu den 12. Brunnen Mo- sis kommen in einem Grunde ohngefaͤhr eine Teutsche vierthel Meile vom rothen Meer gelegen und werden darum also genennet/ weil Moses sich mit den Kindern Jsrael allda gelagert und Ostern gehalten/ nach dem sie von Babylon/ in Egypten nach dem gelobten Lande außgegangen. Von diesen Brunen sind wir/ biß nach dem Berge Sinai eben die Strasse gereiset/ als Moses mit den Kindern Jsrael/ wie wir denn zum Wahrzeichen dessen noch viel grosse Steine unterweges angetroffen mit uhr alter hebreischer/ wiewol fast verblichener uñ unleßbarer/ Schrift: Aber biß zu diesen Brun- nen ist Moses weiter nach der rechten Hand/ als wir/ kommen/ weil er von Alt-wir aber von Neu Babylon außgezogen und ist derselbe also mit den Kindern Jsrael uͤbers Gebuͤrge her ab gerades Weges alsbald ans rothe Meer kommen und so denn truckenes Fusses durch dasselbe hindurch gangen und alsdenn erst zu vorgedachten Brunnen gelanget. Diese Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Diese zwoͤlff Mosis Brunnen soll Moses den Kindern Jsrael auß dem duͤrren Sande von Gott erbeten haben und sind ietzo meistentheils verwuͤstet/ und etzliche nur als kleine Pfuͤtzen/ iedoch noch ziemlich tieff. Weil aber gleichwol noch Wasser drinnen/ iedoch voller Schlamm und Sand/ haben wir etzliche derselben durch die Mohren raͤumen lassen/ damit wir Wasser gnug haben moͤgten/ weil unser viel uñ in der gros- sen Hitze alle erdurstet waren. Und wiewol solch Wasser gantz schwartz schlammicht und faul war/ zwangs uns doch die gros- se Noth und Durst zu Halse. Das V . Capitul. Von etzlichem sonderbaren Arabischen Ungezieffer. E S hat aber an diesem Orthe herum sehr viel allerhand Un- geziefer/ als von Schlangen/ Eydexen/ Egyptischen Maͤu- sen/ Pharaonis Laͤusen und dergleichen/ die sich im tieffen Sande aufhalten. Die Eydexen sind einer guten Spanne lang und auch theils laͤnger/ fast wie ein Croco diel gestalt mit einem langen zugespitzen Schwantze/ vier Fuͤssen und einem langen spitzigen Kopffe/ nur daß sie nicht so eine harte scharpffe Haut haben/ gleich wie der Crocodiel. Die Egyptischen Maͤuse/ so auch Pharaonis Maͤuse ge- nannt werden/ sind silberfarbig/ auch theils weiß bund/ haben vorne hoͤhere Fuͤsse/ als hinten/ einen Schwantz am Ende mit einem Buͤschelein/ gleich wie ein Loͤwe/ einen Kopff/ fast wie ein Katzen Kopff und sind an Groͤsse/ wie ein jung Kaͤtzlein/ nur daß sie fast Schweinruͤssel und sehr scharpffe spitzige Zaͤhne ha- ben. Sie thun grossen Schaden in Zuckerrohr auf dem Felde. Da- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Dahero die Bauren den Huͤtten Rauch nehmen und in die Ae- cker unterschiedener Orthen legen. Denn wenn sie davon fres- sen/ oder auch wol nur den Geruch empfinden/ so muͤssen sie sterben. Die Pharaonis Laͤuse aber sind so groß und rund/ als eine Haselnuß/ grau und braunlichter Farbe und beissen uͤber die massen sehr und scharff/ deñ sie haben die Staͤrcke uñ Macht darnach. Jst daß Pharaonis Plage gewesen/ da er die Kinder Jsrael nicht ziehen lassen wolte/ so ist sie gꝛoß gnug gewesen/ denn sie koͤnnen Menschen und Vieh gewaltig abmatten. Wenn die Cameel unter ihrer Last sich in Sande niederlegen und ruhẽ sol- len/ so kriechen sie auß dem fast unleidlichen heissen Sande herfuͤr und fressen sich in solcher Menge in die armen Thiere so tieff ein/ daß man sie offt nicht wider herauß kriegen kan/ man wehre auch/ so fleissig man immer wolle. Um deßwillen sind wir von diesen zwoͤlff Mosis Bruñen fast gegen halb Abend wider aufgebrochen und noch eine gute halbe Stunde weiter fort gerucket/ da wir uns in einem Thal geleget und die von unserer Carovan zuruͤcke gebliebene erwar- tet/ biß sie nachkommen. Allhier habe ich wider ans rothe Meer/ weils nicht weit von uns gewesen/ und wir ohne deß diesen Abend stille gelegen/ gehen wollen/ habe aber wegen deß tieffen Sandes/ wie man mich berichtet/ ich auch zum Theil selber gesehen/ unmuͤglich fort kommen koͤnnen und also zu ruͤcke bleiben muͤssen. Das VI . Capitul. Von unserer Reiß biß vollends zum Berge Sinai. D En 29. Junij/ welcher auf einen Sonntag gefiel/ nach dem wir eine gute Stunde vor Aufgangder Sonnen wi- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wieder aufgebrochen/ haben wir einen stets abhengenden/ huͤglichten und sehr sandigten Weg gehabt und fiel den Morgen ein solcher starcker Thau/ davon ich/ weil ich einen gar duͤnnen blau und weiß gewuͤrckten Egyptischen Rock an hatte/ der nicht lange nachhalten konte/ mir aber sonst in der grossen Hi- tze gleichwol gar bequeme war/ durch und durch naß ward. Das rothe Meer hatten wir ohngefaͤhr drey Teutsche vierthel Meilen zur rechten Hand im vorbey Reisen und war sehr breit anzusehen und sind darauf selbigen Mittag an den Orth kommen/ den Moses von obgedachten Brunnen aus biß vollends an den heiligen Berg Sinai mit dem Volck Jsrael ge- zogen/ allwo wir uns zwischen gruͤnem Gebuͤsche in Sand leg- ten/ unsere Camele abluden und ein wenig ruheten. Zu beyden Seiten hatten wir sehr hohe Steinklippen/ konten aber das rothe Meer noch immer sehen/ sonderlich kam uns wol zu statten/ daß uns der heisse Sonnen-Schein mit ei- ner anmuthigen Lufft temperiret ward. Nach dem nun die Carovan, so etwas zuruͤcke geblieben war/ allhier wieder zu uns kam/ haben wir unsere Cameel wie- der belastet/ und um halb Abend weiter fortgereiset/ biß eine Stunde nach der Sonnen Untergang/ da wir uns alsdenn wieder lagerten und hatten zur lincken Hand hohes Ge- buͤrge. Diesen Abend erhub sich zwischen einem Griechischen Muͤnch und einem Mohr ein harter Streit. Der Mohr hatte dem Muͤnch seinen Rock genommen und wolte sich die Nacht damit decken und weiler denselben nicht wider her geben wolte/ ersahe der Muͤnch sein Vorthel und nahm dem Mohren seinen vornen auf der Brust habenden grossen Dolch und schlugen drauf einander tapffer mit Faͤusten herum/ biß der Mohr den Rock wieder von sich gab und also der Streit geschlichtet ward. A a Auch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Auch kam diesen Abend ein Grieche zu uns/ welcher unterwe- gens/ da er vom Berge Sinai mit einem Cameel und Treiber auf deß oben gedachte Sta@em Sues zum rothen Meer reisen wollen/ von 60. Mohren beraubet und bey nahe waͤre ermor- det worden. Den 30. Junij eine halbe Stunde vor Tage sind wiꝛ wider aufgebrochen und mit einem kuͤhlen und ziemlich starcken Win- de/ der sich nur gegen Morgen erhub fortgereiset. Vorige Nacht aber zog uns der Capo, oder Haupt der gantzen Carovan, da wir noch im Sande ruheten/ welcher zu Sues zu ruͤcke blieben war mit 60. Reutern und einer Baucke vorbey. Denn derselbe pflegt gemeiniglich deß Nachts zureisen/ wegen der grossen Hitze deß Tages/ die Carovan aber der Ca- mei deß Tages/ weil sie die Hitze und Durst besser thauren koͤnnen. Folgendes Tages den 1. Julij sind wir in aller fruͤh dem Capo, zur rechten Hand/ da er in einem Thal unter Zelten lag/ voꝛbey gangen uñ vor Mittage zwischen viel hohen/ Sand- Huͤgeln/ so der starcke Wind vor langen. Zeiten also zusammen getrieben/ hingezogen und ist so wol zur rechten/ als lincken Hand uͤber den Huͤgeln groß Gebuͤrge gewesen und sind drauf in einem abhengenden Thaal/ so anfangs zwar steinig und sandig anzusehen/ nachmals aber mit schoͤnen anmuthigen gruͤnen Gebuͤsche bewachsen gewesen/ kurtz vor Mittage an- kommen/ und wird derselbe von den Mohren/ oder Arabern Ugrim- Thaal genennet. Da haben wir unsere Cameel ab- geladen. Dieser Thaal war sehr lang und allendhalben voll gruͤn Gebuͤsche/ iedoch mit hohen steinfelsichten Gebuͤrge beschlos- sen und hab en wir also diesen gantzen Tag/ als sonst noch nie- mals Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. mals/ in lauter grossem Gebuͤrge reisen muͤssen/ da wir uns denn unter einen gruͤnen Baum/ dem Sadenbaum nicht un- gleich/ in Schatten geleget. Zur rechten Handwerts dem Meere zu/ stieß uns ein ziemlicher Wind an/ wiewol wir nun schon so weit vom Meere abwaren/ daß wirs nicht mehr sehen konten. Nachmittage sind wir wieder aufgebrochen und war sehr heiß/ iedoch kam uns ein kuͤhles Luͤfftlein zu statten und sind auf das hohe Steinklippen-Gebuͤrge kommen/ worauf wir den schoͤnen gruͤnen langen Thaal/ darinnen wir Mittags- Ruhe hielten/ gar lustig durchsehen koͤnnen. Nach halb A- bend habẽ wir uns wieder gelagert auf solcher Hoͤhe dieses Fel- ses und hatten zur lincken Hand abermals viel gruͤn Gebuͤsche und lagen biß gegen Mitternacht: da wir denn wider fort zo- gen und reiseten etzliche grosse alte Steine vorbey/ in welchen uhralte Hebreische Schrifft/ welche aber ziemlich außgangen war/ gehauen war/ von den Kindern Jsrael zum Wahrzei- chen/ daß sie alle durch gereiset/ zu ruͤcke blieben/ wie uns die Mohren berichtet und sind gegen Anbruch deß Morgens zwi- schen Gebuͤrge auf einen ebenen Weg kommen. Den 2. Julij ließ sich flugs fruͤh Morgens eine grosse Hi- tze an/ da wir denn nach zweystuͤndigem Reisen durch einen gar engen Paß zwischen grausamen schwartzen und braunen gleissenden wie zerschmetterten hohen Steinfelsen zu beiden Seiten hindurch gehen musten und war der Weg nicht anders anzusehen/ als wenn er gehauen und mit Fleiß durch den Felß gearbeitet gewesen waͤre. Uf beiden Seiten aber solches Weges waren gruͤne Buͤschlein auff Sand-Huͤgeln gewachsen/ wie sonst an vielen Orthen mehr durch diese Arabische Wuͤsten hin- durch. A a 2 Ein Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Ein par Stunden vor Mittage kamen wir in einen Thal/ da legten wir uns unter einem hohen stachlichten Gummi- Baum in den heissen Sand und lasteten unsere Cameel abe/ damit sie auch ein wenig rasten solten/ und solcher Thal war um und um umgeben mit dergleichen hohen schwartzen und braunen gleissenden Felsen/ weit und breit in die Wuͤsten hinein welche sich auch biß uͤber den Berg Sinai erstreckten. Diese hohe und in grosser Menge allhier stehende grausa- me Felsen/ wie auch die grosse Menge deß Sandes/ werden von der Sonnen Hitze dermassen erhitzet/ daß auch/ da ich von meinem Cameel abgesessen/ und unerachtet gleich mit guten starcken Schuhen angethan gewesen/ ich demnach auf dem heissen Sande unmuͤglich stehen und thauren koͤnnen/ sondern mich entweder alsbald wieder aufsetzen/ oder auf mein bey mir habendes Wollen Bette treten/ oder sitzen muͤssen/ sintemahl die Hitze alsbald durch die Sohlen brennet und das Leder an den Fuͤssen versenget. Die Mohren aber/ weil sie es gewohnt uñ ihre Fuͤsse wie ein hartes Horn todt gebrannt sind/ lauffen ohn alle Empfindung der Hitze in dem allerheissesten Sande par- fuß dahin/ woruͤber ich mich nicht gnugsam verwundern koͤnnen. Das VII. Capitul. Vom Gummi Baum und wie leicht ich unter dem- selben zu Schaden kommen waͤre. J Ch muß aber allhier den Gummi- Baum etwas eigentli- cher beschreiben und erzehlen/ wie leicht ich unter einem solchen Baume zu grossen Schaden kommen koͤnnen/ wo mich GOTT nicht sonderlich behuͤtet und bewahret haͤtte. Dem Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Der Gummi- Baum/ dergleichen wir nun folgenden Weg biß zu dem Berge Sinai viel angetroffen/ ist so hoch und groß/ als ein Pirn- oder Aepffel-Baum/ breitet sich mit seinen Aesten sehr weit auß/ hat dornichte Stacheln eines halben Fingers lang/ traͤgt Fruͤchte wie Bohnen/ von Gestalt und Schalen denselben gleich/ iedoch nicht so groß/ sondern etwan noch zweymahl so groß/ als eine zimliche Linse und schwartz und hat der Baum kleine zaͤckichte Blaͤtterlein/ fast wie Wickenstroh. Jndem ich nun auf meinem Cameel sitzend daher kam und entschlaffen war/ das Cameel aber die Frucht unter den Gummi- Baͤumen/ so in ziemlicher Menge abgefallen waren uñ auf der Erden lagen/ gewahr ward und derselben nachging/ sintemal es den Cameelen gar ein angenehme Futter ist/ haͤtte es gar leicht geschehen koͤnnen/ daß mirs die Augen auß dem Kopffe unter solchem stachlichten Baume herauß gerissen/ oder mir das Gesichte und den Leib wol sozugerichtet haͤtte/ daß ich wuͤrde haben muͤssen deß Todes druͤber seyn. Der allerhoͤchste aber gab sonderlich seine Gnade/ daß ich erwachte und gewahr ward in was grosser Gefahr ich stack. Und weil ich nicht wieder zu ruͤcke konte/ legte ich mich auf dem Cameel nieder/ so tieff ich konte und ließ es gehen/ da es denn gewaltig uͤber meinen pun- ten Rock ging/ daß wenig dran blieb/ iedoch war es gleichwol ehe zuvergessen/ als wenn ich gar ums Gesichte und mein Leben haͤtte komm en sollen. Von denselben Gummi- Baͤumen nun rinnet ein solches Gummi oder Hartz herab/ fast wie von Kirschbaͤumen/ nur daß es haͤrter und suͤsser ist/ dahero es deñ die Mohren vor eine son- derbare delicate und anmuthige Speise fressen/ derglichen deñ auch mir ein Mohr ein ziemlich Stuͤcke dar both/ in Meinung A a 3 mir Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. mir dadurch gar einen sonderlichen Gefallen zu thun. Und weil ich das vermerckte/ nahm ichs auch mit freundlichen Geber- den an und leckte mit der Zungen dran/ welches er sich gar wol gefallen ließ/ warff es aber verborgener Weise weg und stel- lete mich/ als wenn ichs gar wol verwahret haͤtte zu meinem Gebrauch und Geniessung/ damit ich ihn nicht verunwillen wolte. Das VIII . Capitul. Von weiterer Forstellung unserer Reise. D As ich aber wieder auf unsere Reise komme/ so habe ich in diesem sandigen Thaale unter und zwischen dem grau- samen grossen hohen Steinklippen-Gebuͤrge abermals etzliche sehr grosse breite herab gefallene schwartze Steine gese- hen und angetroffen/ in welche die Kinder Jsrael Hebreische Schrifft gegraben/ so hoͤher/ als ein Finger lang ist/ war/ wie- wol sie vor Alter uͤbel mehr zuerkennen und manche Buchsta- ben fast dem Steine gleich worden waren. Auch habe ich dar- neben gesehen allerhand Egyptische Character/ welche aber auch schon ziemlich verloschen und uͤbel mehr zuerkennen waren. Eine halbe Stunde nach Mittage sind wir wiedeꝛ mit den Cameelen aufgebrochen. Zur rechten Hand gar nahe hatten wir lauter Huͤgel und noch immer Stein-Klippen/ zur lincken aber lauter hoch Stein-Gebuͤrge. Der Weg war von Sand und gewachsenen glatten Steinen/ die Huͤgel stunden in ebe- nen Thaal. Zwischen diesen Huͤgeln uñ Steinfelsen ist ein Mohr mit seinem Weibe/ die das Gesichte verdeckt hatte/ auß einer tieffen und hohlen Stein-Klufft/ in dergleichen sich denn die Moh- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Mohren und Araber/ als das wilde Vieh/ auff halten/ zu uns kommen/ hatte einen ledern Sack bey sich und bath uns um et- was Wasser/ wie wir ihm denn auch etwas mittheileten/ ob wirs gleich nicht uͤbrig hatten und es lieber behalten haͤt- ten. Und weil ich oben bey Beschreibung deß Staͤdtleins Sues der Mohren zugedencken den Anfang gemachet/ als will ich allhier ein wenig außfuͤhrlicher reden von ihrem Zustande/ Leben und Sitten. Ein Viehisches Volck ist es/ denn sie wohnen entweder in solchen tieffen finstern Hoͤhlen und Kluͤfften/ oder spannen da in der Wuͤsten auf dem Sande schwartze/ oder weisse grobhaͤri- ge Tuͤcher auf/ darunter sie vor der Sonnen Hitze kriechen/ le- ben/ wie das unvernuͤnfftige Vieh/ nehmen zwar Weiber/ aber keine zur Ehe und achten keine Bluthfreundschafft und leiden Hunger und Durst/ wie sie denn nichts haben/ als was sie rau- ben und stehlen/ davon sie sich und ihre Kinder erhalten. Jhre Cameel lassen sie da in der Wuͤsten im Sande frey gehen und moͤgen sehen/ wie und wovon sie sich erhalten/ dann von ihren Herrn sie sich weniger Huͤlffe zugetroͤsten. Dieser Mohr satzte sich auf sein Cameel und ritte mit uns freywillig einen ziemlichen Weg/ da kamen wir an einen Orth/ woselbst etzliche solche grobe haͤrinne Tuͤcher aufgespan- net waren/ worunter Mohren wohneten/ bey denen er zuruͤ- cke blieb. Kurtz hier auf kam wieder eine Mohrin und bath um einen Trunck Wasser/ den sie auch erlangete. Gegen halb Abend kamen wir in einen Thaal. Und weil wir allda eine Mohrin antraffen unter einem schwartzen aufgespanten haͤrinnen Tuche wohnend/ deren Mann Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Mañ aber eine Zeit lang von ihr gewesen und sich ohne Zweifel auf dem Raube mit seinen Gesellen aufhielt/ haben wir uns bey ihrem Tuche gelagert/ weil ihr Mann sonst darzu bestellet war/ daß er wegen der grossen Unsicherheit der hieherum streif- fenden Mohren die Carova nen deß Nachts bewachen muͤssen/ allermassen es denn auch diese Nacht das Weib in Abwesenheit deß Mannes verrichtete. Diesen Abend/ als wir uns gelagert hatten/ ist eine Moh- rin zu uns kommen mit zweyen schon erwachsenen und gleich- wol gantz nackenden Kindern/ die uns einen Krug mit guthen frischen Wasser verehrete/ welches sie gar weit geholet hatte und thaͤt uns damit einen sehr grossen Dienst/ weil wir Mangel dran hatten und das wenige/ so wir noch im Vorrathe hat- ten/ gantz warm und stinckend worden war. Hiervor verehrete ich ihr und ihren Kindern hinwiderum etzliche weisse Pißkotten/ welche ihnen gar groß Ding waren/ krochen demnach bald damit unter ihre haͤrinne Decke und brachten bald darauf auch einen Krug voll Kameel Milch/ die ich nicht trincken konte/ mein Tuͤrcke aber soffe sie also warm/ wie sie gemolcken war/ mit Lust hinein/ gosse auch davon ein Schuͤssel voll ein/ brockte Pißkotten drein und aß sie auß mit seinem natuͤrlichen Loͤffel/ nemlich seinen Haͤnden/ die er wol wie lange/ dem hoͤflichen Ansehen nach/ nicht gewaschen hat- te. Das haͤtte einem wol einen appetit erwecken koͤnnen/ wenn er gleich sonst nicht hungerig/ noch durstig gewesen waͤre. Und weil ich von ietzt gedachter Mohrin Nachricht be- kam/ wo solch frisch Wasser im Gebuͤrge zu holen/ schickte ich mit einem Mohr dahin und ließ mir auf einem Kameel auch ei- nen Uter desselben holen/ damit ich mich wieder auf die Reise be- helffen konte. Den 3. Julij fruͤh um Sonnen Aufgang seynd wir wie- der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. der fort gereiset und haben uns eine Stunde vor Mittage un- ter einem stachlichten Gummi-Baum gelagert/ weil wir diesen Morgen unaußsprechliche Hitze außgestanden. Seynd allezeit im Thaal unter und zwischen uͤberauß hohen grossen Steinfel- sen und etwas Bergen gereiset und halte ich dafuͤr/ weil dieses Gebuͤrge weit um und um anders nicht/ als schwartz roth und Braun gleissend und also wie verbrannt scheinet/ daß solches von der uͤber auß grossen unaußsprechlichen und fast unertraͤg- lichen Hitze verursachet werde. Es moͤgte hier wol iemand wundern und fragen: Wo doch die Mohren herkommen we- ren? ohne ist zwar nicht/ daß sie die grausame Sonnen-Hitze also verbrennet/ weil sie harte Steine und Felsen verbrennen und schwaͤrtzen kan. Allein weil sie gleichwol auch flugs schwartz gebohren werden/ so wolte ich gleichwol nicht vermeinen/ es muͤsse auch zugleich noch eine andere innerliche/ ob gleich uns verborgene Ursache dabey seyn. Es gibt gleichwol nirgendswo solche schwartze Leute/ als in Africa, an denen Mittellaͤndischen Orthen. Schlage demnach keines Weges in Wind/ was mir einsmahls ein vornehmer Juͤdischer Rabbi sagte: Cham/ der Gottlose Sohn Noha/ haͤtte sich auch in der Arche mitten un- ter waͤrender Suͤndfluth aus grosser Geilheit deß Beyschlaffs gebrauchet/ dahero hernach der Sohn/ so drauf waͤre geboh- ren worden und alle seine Nachkommen solche schwartze Leute worden waͤren/ uñ muͤste also ihre schwaͤrtze so eine Straffe von Gott zum ewigen Zeugnuͤß der Boßheit ihres Groß- und Ur- sprungs-Vaters Chams/ als auch daher folgends von Na- tur und nicht nur von der aͤusserlichen Sonnen-Hitze seyn. Und das bestaͤttiget die Sache auch um so viel desto mehr/ (1.) weil Chus, der ein Enckel war Chams/ und seine Nachkommen die- se Laͤnder bewohnet und (2.) ohn allen Zweiffel daher kommen/ daß man einen Mohr Chusaph nennet/ das ist/ ein Nachkoͤm̃- B b ling Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ling Chus . Jedoch ruͤcke ichs zu dem Ende mit ein dem begierigẽ Leser Gnuͤge zu thun und nicht disputir ens halben/ oder einen Glaubens-Artickel drauß zu machen. Allhier haben wir unterwegen viel Stein-Huͤgel gesehen an und unter denen die Mohren ihre Wohnungen hatten/ wie wir denn auch hierum gar viel Spuren der Schlangen und Heydexen gesehen. Jn diesem Thal fließt ein Wasser/ fast einer Elen tieff/ koͤmmt von dem hochschwartzen-Gebuͤrge herab und gehet ei- ne Tager eise von hier zur rechten Hand/ da wir reiseten/ ins rothe Meer. Auch sihet man noch allda etzliche uhralte mit von den Stein-Felsen abgebrochenen Steinen erbauete steinerne Mauren etwas den Felsen hinan die aber ietzt mehren theils zu Steinhauffen worden/ und sollen/ wie man mich berichtet/ zu uhralten Zeiten Juͤden allda gewohnet haben. Die Mohren welche hier zu der Carovan der Cameelen be- stellet/ werden in ihrer Sprache Pedubeen genannt/ die aber zu den Eseln/ Muk ker . Die Cameelotten/ oder Pedubeen gehen/ wie oben gemeldet/ in den allerheissesten und von der Sonnen entbrandten Sande entweder gantz barfuß/ welches ich doch in guthen starcken Schuhen nicht thun koͤnnen/ oder brauchen Sohlen von Cameel-Haut/ die sie fest anbinden/ tragen lange weisse/ oder blaue Hemden mit langen weiten Ermeln von an- derthalben Elen weit und sonst keine andere Kleider. Um den Leib guͤrten sie sich mit einem breiten ledern Guͤrtel und auf der Brust fuͤhren sie an demselben Guͤrtel einen langen spitzigen uñ krummen Dolch/ oder Messer/ ihr Gewehr aber ist ein langer Spieß/ dessen Schafft ohngefaͤhr eines guthen Daumens di- cke und von 14. biß 16. Schuh lang/ woran oben ein klein spitzi- ges eisen. Allhier regnet es gar selten/ schneyet aber offt im Winter/ dennoch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. dennoch bleiben die Mohren in der Wuͤsten in den finstern tief- fen außgehoͤlten Steinklippen/ obs gleich im Winter noch so kalt ist in diesem Gebuͤrge. Anderthalbe Stunde ohngefaͤhr nach Mittage sind wir wieder fortgezogen in einen roth sandigen und mit gruͤnen Buͤschen bewachsenen gantz ebenen Thaal zwischen gar hohen schwartz/ braun und rothgleissenden Felsen/ so uns gar nahe auf beiden Seiten war/ also/ daß der Thal nicht eines Buͤchsen- schusses breit anzusehen war/ welches ohngefaͤhr ein vier Stun- den also gewaͤhret/ hernach hat er sich angefangen mit grossen rothen/ braunen Steinen und ist uͤber alle masse schwerlich mit den Kameelen fortzukommen gewesen und hat gewaͤhret so lange/ biß sich Tag und Nacht gescheiden hat: Da ists erst noch schlimmer worden und war der gantze Thaal so voll Steine und Felsen/ daß gar kein Weg mehr zu reitem war/ sondern ha- ben absitzen und die Cameel fuͤhren muͤssen/ welches wol eine gute Stunde also angehalten/ alsdenn folgte wieder ein ebe- ner sandiger Boden. Da haben wir in einem rothsandigẽ Thal viel Graͤber funden dahin Reisende begraben werden/ die von den Raͤuberischen Mohren sind erschlagen worden. Diesen Abend seynd wir zwey Stunden in die Nacht zu der Carovan, welche wir im Finstern von weiten zwischen sehr hohen Steinklippen liegend an ihren angezuͤndeten Feuern er- kennen koͤnnen/ kommen und haben uns auch bey sie gelagert/ mat und muͤde und habe ich mich widerum erquicket/ wiewohl/ wie sehr/ ist leicht zu achten/ sintemalich mich die gantzen elff Tag und Nacht/ die wir auß Egypten in der Wuͤsten gereiset/ mit lauter harten Pißkotten/ mit stinckendem faulen Wasser/ Oehl und Essig behelffen muͤssen/ welches meine Speise und Tranck war/ welches schlechte Kraͤffte und Staͤrckung geben kan. B b 2 All- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Allhier habe ich auch den alten Griechischen Muͤnch bey der Carovan wieder gefunden/ welcher mit der staͤrcksten Men- ge den ersten Julij voran gangen war/ der gleichen er allemahl thaͤt/ weil er zu dem Ende vom Kloster zu Sinai gesandt war/ daß die Victuali en/ so solchem Kloster zugebracht werden solten/ nit allein gehen solten. Der gieng nun auch dißmal gegen Mor- gen wider mit voran und reiseten wir im̃er auf etliche Parten. Es war aber zu Nachts ein Cameel verlohren worden/ solches wieder zu suchen die Mohren und Pedubeen in aller fruͤh außgelauffen waren und mich damit den andern Cameelen al- leine gelassen. Nachdem ich nun eꝛwacht und niemand um mich sehe/ auch kein Geschrey/ der Mohren Gebrauch nach hoͤre/ bin ich zum hoͤchsten erschrocken und gedacht/ daß nun andeꝛs nicht seyn koͤnte/ als daß die raubende Mohren kommen und mich da in der Wuͤsten verlassenen auf meinem Wollen-Sacke mau- se todt schlagen wuͤrden. Und ob ich gleich die zuruͤck gelassene Cameel sahe/ wolte michs doch wenig troͤsten/ weil ich wuste/ daß die Mohren ihre Cameel also im Sande loß gehen zu las- sen/ sie aber in Hoͤlen und Kluͤfften zu wohnen und hernach die Reisenden zuuͤberraschen pflegten/ welches mir auch leichtlich geschehen koͤnte/ ehe ich mirs vermut hen doͤrffte. Nach dem ich mich aber mit solcher Furcht und Gedan- cken plage/ kommen zu meinem grossen Gluͤck die Mohren mit dem gefundenen Cameel wieder zuruͤcke. Wer war froͤher als ich/ daß ich zugleich auch meinen Tuͤrcken und Camelotten wi- der bekam? Hier auf haben wir mit zwey Cameelen in einem etwas im Gebuͤrge entlegenen Orthe/ knine genannt/ ohn gefaͤhr eine Jtalienische Meile weit frisch Wassar holen lassen und rei- seten also den 4. Julij wieder mit Freuden fort und kamen bald drauff in einen ebenen sandigen und buͤschigen Thaal und ha- ben den Tag abermals grosse Hitze außgestanden. Sind zwi- schen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. schen sehr hohen Steinfelsen zu beiden Seiten hingezogen/ biß wir wegen der unertraͤglichen grossen Hitze einen sehr anmu- thigen hohen weiten Felsen angetroffen und Mittags Ruhe drunter genommen und uns mit Speiß und Tranck/ so guth wirs hatten/ wieder erquicket. Und wie mich der Muͤnch berich- tet/ so solte dieses unsaͤgliche Wuͤste Stein-Gebuͤrge sich biß an den Berg Sinai erstrecken und mit dem Griechischen Kloster grentzen. Jch hatte mich bißhero in der starcken Sonnen Hitze heff- tig abgemattet/ nimmer keinen warmen/ noch guthen Bissen gessen und Tag und Nacht in Unruhe/ Hunger und Durst/ Furcht/ Angst und Gefahr/ wie ich ohne Schaden in solcher wilden fremde und wuͤsten Einoͤde unter so viel Barbarischen Voͤlckern hinkommen moͤgte/ zubracht/ darum war mir dieser erquickende Felsen sonders angenehm und sehr erfreulich zur Ruhe/ ob es gleich eine geringe Weile waͤren konte. Denn mit solchem Felsen war es also beschaffen: Er war von unten hinauf so hoch/ als ich kaum mit aufgehabenen Haͤn- den reichen koͤnnen und weit enhinder gantz hohl 250. Spannen umbher als wenn er mit fleiß außgewoͤlbet/ oder außgearbeitet gewesen were. Und wenn man von aussen hinein sahe/ ließ eꝛ sich ansehen/ wie man die Hoͤlle mit ihrem abscheulichen Rachen abzumahlen pfleget. Dahero weil die Son- ne nicht hinein scheinen konte/ es drunter ziemlich frisch und kuͤhle war. Der Felß war roth/ weiß und schwaͤrtzlich vom Stein und so hart/ als ein Kieselstein und waren weiland He- breische Buchstaben drein gehauen gewesen/ die man doch Al- ters halben nicht wol mehr erkennen konte. Sollen auch von denen Kindern Jsrael/ wie mich die Mohren berichtet/ allda zum Warzeichen ihrer Reise hinterlassen worden seyn. Bey diesem Felsen stehet auch noch ein anderer/ der et- was kleiner ist: Und wird dieser Orth von den Mohren Prach B b 3 ge Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. genennet/ deme nicht weit gegen uͤber ein Brunnen ist/ so Fer- dama genennet wird. Nach Mittage sind wir wieder aufgebrochen und fort gezogen und zur rechten Hand das lange spitzige und hohe Ge- buͤrge Pharan ansichtig worden und hernach allgemach hinter uns gelassen. Jnwendig dieses Gebuͤrges sihet man eine alte zerbrochene und zerstoͤrte Stadt und Schloß/ welche Stadt vordessen auch Pharan genennet worden/ von der noch eine an- dere Wuͤsten/ sieben Meilen von Jerusalem gegen Mittag ge- legen/ in welcher Jsmael/ Abrahams und Hagar Sohn/ ge- wohnet haben soll/ den Namen bekommen/ daß sie auch die Wuͤsten Pharan ist genennet worden. Gegen halb Abend sind wir in einen gar roth steinigten Thaal/ wie gestern Abend kommen/ der doch nicht lange ge- waͤhret/ hernach in eine grosse weite Ebene/ und haben das Ge- buͤrge Pharan hinter uns im Ruͤcken verlassen. Eine Stunde nach der Sonnen Untergang haben wir gar nahe zur rechten Hand bey dem gꝛentzenden und dem Grie- chischen Kloster angelegenen Gebuͤrge unsere Cameel abgela- den und allda im Sande verblieben. Und obwol diß Gebuͤrge an deß Kloster Grentzen anstoͤs- set/ so ists doch demselben noch sehr weit entlegen und erstreckt sich jenes zur rechten Handwerts in eine Wuͤsten hinein. Den 5. Julij sind wir also ein paar Stundẽ vor der Son- nen Auffgang wider aufgebrochen und etwann noch andert- halbe Stunde zu einem engen Thaal kom̃en/ allda Moses einen uͤberauß hohen schwartzen sich weit erstreckenden und aneinan- der hangenden Felsen mit seinem Stabe voneinander getheilet/ damit er die Kinder Jsrael desto naͤher dem Berge Sinai zufuͤh- ren koͤnte. Sind also zwischẽ uͤberaus grausamen hohẽ gleissen- den und zerstickelten Steinfelsen hingeritten und haben zur lincken Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. lincken Hand einen hohen rothen absonderlichen Stein gesehen. Uff dessen Hoͤhe ist ein Loch/ wie in einem ledern Stuhl so glat/ als wenn er eine lange Zeit were gebraucht und drauff gesessen worden/ etwas abhengig und gehen etzliche Stuffen hinan. Jn diesem Stuhl sol Moses gesessen seyn/ sonderlich zu der Zeit/ wenn sie GOtt ein Opfer in der Hoͤhe gethan. Denn da wird auf den Felsen auch noch ein Stein gewiesen/ welcher weiß ist/ worauff geopffert worden. Halte dafuͤr/ daß man ietzt schwerlich drauf sitzen koͤnte/ weil er abhengig und sehr glatt ist/ auch unten die Fuͤsse wegen der Tieffe nicht ruhen koͤn- ten. Von diesem rothen Felß ist der enge Thal/ nicht wol eines Pistol Schusses weit/ gelegen/ hat auf beiden Seiten gantz schwartz und braunlichtes unaußsprechliches jehes steinfelsig- tes Gebuͤrge. Ferner hinaus unten auf dem Thaal ist ein ander grosser rother Stein/ in dessen Mitte ein rundes Loch: und sagen die Mohren/ daß zur selbigen Zeit/ als Moses mit seinem Stabe den Felß zertheilet/ er daselbst eine grosse Schlange gefun- den/ dieselbe zerhauen und den Kopf auf das hohe Gebuͤrge zur rechten Hand/ wenn man in den Thal reiset/ geworffen haben solle. Jn diesem Thal sind wir also fortgezogen und sind noch vor Mittage/ GOTT Lob/ nach aus gestandenem grossen Hunger/ Durst/ Hitze/ Wachen/ Tag- und Nachts-Reisen vie- ler Angst und Leib- und Lebens-Gefahr an den heiligen Berg Sinai und in das Griechische Kloster dabey gluͤcklich und mit Freuden ankommen/ da ich denn meinem GOTT von Her- tzen gedancket/ daß ichs mit seiner Huͤlffe so weit gebracht und geseufftzet/ Er wolle mich auch noch weiter durch seinen heili- gen Macht-Engel fuͤhren und behuͤten. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das fuͤnffte Buch. Begreifft einen Bericht von dem Berge Sinai in Ara- bien und was selbiger Orthe denckwuͤrdiges zu sehen ist. Das I . Capitul. Von meiner Ankunfft im Kloster und wie ich im sel- bigen angesehen gewesen. N Ach dem ich nun ins Kloster kommen/ haben mich die Muͤnche alsbald gar freund- lich empfangen und meine Sachen in Ver- wahrung nehmen lassen/ mich abeꝛ in eine Ca- pelle gefuͤhret und begleitet/ damit ich daselbst auf meinem Glauben zu meinem Gott mein Gebet und Dancksagung ablegen solte/ wie denn auch geschehen und ich dessen hohe Ursache hatte. Unter- dessen habe ich mich bey dem Herꝛn Bischoff anmelden und um gnaͤdige Audien tz anhalten lassen/ wie mir solches auch gar gnaͤdig bewilliget worden. Hierauf bin ich in ein groß Zimmer gefuͤhret worden/ worinnen der Bischoff auf einem hohen Throne saß und um ihn her stunden seine gantze Clerisey und Muͤnche in aller devo- tion und Sittsamkeit. Und nach dem ich meine devotion und reveren tz abgeleget/ ließ ich durch meinen Tolmetscher/ den Tuͤrcken/ mein Anbringen thun in Arabischer Sprache/ wel- ches er mir hernach Jtalienisch erklaͤrete: Nemlich aus was Ursachen und warum ich diese schwere und gefaͤhrliche Reise dahin gethan durch diese Wuͤste und wilde Wuͤsten zu diesem heili- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. heiligen Berge Sinai/ woruͤber er denn ein grosses Gefallen hatte und fertigte alsbald einen von seinen Muͤnchen abe/ ließ eine Schuͤssel voll schoͤne Pirn holen und mir vortragen und mich zu Geniessung derselben noͤthigen. Hiernebenst ließ er auch eine Flasche mit Brantewein langen/ ein Glaͤßlein davon einschencken und mir præsentir en. Weil mirs aber hoͤchst zu wider/ sintemal ich den Brantewein mein Tage nicht wol vertragen koͤnnen/ meist mich aber besor- gete/ so ich dieses ungewohnte hitzige Getraͤncke auf bißhero außgestandene grosse und nochhabende Hitze in mich giessen wuͤrde/ daß ich mir eine schwere Kranckheit uͤbern Halß ziehen moͤgte/ da ich denn unter solchen barbarischen Leuten der elendeste Mensch gewesen waͤre/ habe ich mich durch meinen Tuͤrcken und Tolmetscher aufs beste muͤglich ge- wesen/ entschuldigen und meine bewegliche Ursachen melden lassen. Solches nam auch der Bischoff gar freundlich auf und ließ mir nicht allein nach meinem selbst ei- genen Gefallen ein halb Glaͤßlein einschencken/ welches ich auch zu grossem Dancke annahm/ sondern griff auch zu Be- zeigung sonderbarer affection in die Schuͤssel und reichete mir eine Hand voll Pirn. Und war also alle Sache mit mirguth. Weil ich damals das Meinige verrichtet hatte/ habe ich durch meinen Tollmetscher fuͤr die mir erwiesene grosse Gnade dancken und bitten lassen mir einen gnaͤdigen Abtritt zuveꝛstat- ten/ mit Fuͤrwenden/ daß Jhrer Gnaden ich nicht laͤnger be- schwerlich seyn/ noch sie an ihrer hochwichtigen Ampts-Ver- richtung hindern wolte/ wie vielleicht ich ohne deß bißhero mehr als zu viel gethan/ auch daß mich Jhre Gnaden ferner zu ihrer Gnade und Foͤrderung wolle befohlen seyn lassen/ welches er mir auch versprochen und in der That bewiesen hat. Hierauff hater mich in eine Kammer bringen lassen/ worinnen etwann einer halben Elen hoch von der Erden mit C c Bretern Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Brettern eine Stelle erhaben und mit schoͤnen Tapeten bede- cket war/ dar auf lagen zwey unterschiedene Wollene Matra- tzen. Uber meiner ein roth sammete Decke und Polster/ auf wel- chem man deß Tages zu sitzen pfleget/ meines Tuͤrcken aber und Tolmetschers war von allerley Farben gemahlter klarer Baumwolliner Leinwat mit Wolle gestopffet und gefuͤllet. Auf den Abend kamen zwey Muͤnche zu mir in die Kam- mer und wolten mir Kloster Brauch nach und zu Bezeugung der Liebe das Haupt und die Fuͤsse waschen/ davon ich endlich auch das erste geschehen lassen muste/ deß andern aber mich mit schwerer Muͤhe erwehrete. Diese Kammer/ wie denn in den Griechischen Kloͤstern gemeiniglich der Brauch/ ich auch in vielen selbst gesehen/ war in der Hoͤhe mit starckem Rohr beleget/ uf welchem hernach Erdreich und Estrich geschlagen war/ und hatte kleine enge Fenster ohne Glaß. Wenn ich aus dieser meiner Kammer ausgesehen/ habe ich das grausame rauhe gantz erschreckliche steinigte Gebuͤrge gar nahe fuͤr den Augen gehabt. Dieses Kloster liegt in einem tieffen Thaal auf einer Sei- ten im hinein Reisen in lauter hohem Stein-Gebuͤrge/ flugs vor demselben her aussen ist ein langer schoͤner Lustgarten mit hohen Mauren umbgeben. Unten umher im Thaal fast biß an die Kloster-Mauren wohnen Mohren. Ausser dem Thaal zur rechten Hand nicht weit vom Garten ist ein kleiner rothsandi- ger felsichter Berg/ allda Aaron den Gottesdienst in aufge- schlagenen Zelten verrichtet haben soll/ auch wo das Feuer vom Himmel gefallen und seine zween Soͤhne Nadab und A- bihu verzehret/ darum/ weil sie fremde Feuer fuͤr den HErrn geopffert hatten/ davon zu lesen im 3. Cap. deß 3. B. M. Uber das Kloster/ nach dem Berge Sinai zu/ ist der Berg/ so von unten gruͤnlicht scheinet und zwar ein lauter hoher Felß/ den- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. dennoch aber mit hart stengligten Kraͤutern bewachsen/ auf welchem Moses seine Schafe gewie@et und schleust gleich das Thal/ wo das Kloster in der Mitte lieget/ wiewol auch noch an- dere Thaͤler zur Seiten zusehen seyn. Das II. Capitul. Von dem Griechischen Kloster und seinem Zustande Jnsonderheit. D Jeweil es doch meines erachtens/ mit diesem Kloster in dieser grausamen Einoͤde gar ein besonderes ist/ als kan ich nicht unterlassen/ deßwegen einen richtigen Bericht hieher zu setzen/ damit dem begierigen Leser ein Genuͤgen ge- schehe. Dieses Kloster/ wie kurtz vorhero gedacht worden/ liegt in einem tieffen Thaal unten am Flusse deß Berges Sinai in lauter Steinklippen und ist in die 1200. Jahr alt/ eben von dem Meister erbauet/ welcher die in aller Welt beruͤhmte Kirche S. Sophia zu Constantinopel gebauet hat und hat dasselbe der beruͤhmte Keyser Justinianus M. der das Recht durch den gelehr- ten Mann Trebonianum in ein richtiges Corpus bringen lassen- fundir et und gestifftet/ die Muͤnche drinnen seynd deß Ordens S. Catharinæ. Es ist ein sehr weit groß und feste Gebaͤu/ hat um und um sehr hohe starcke steinerne Mauren mit grossen Qua@erstuͤcken von unten/ obenaus aber von andern Steinen erhoͤhet und hat drey starcke eiserne Thuͤren im Eingange/ uͤber der Mittlern aber oben ein Loch/ da die Muͤnche wenn die Mohren e@wann mit Gewalt was suchen wollen/ wie zum oͤfftern geschiehet/ siedend Wasser unter sie giessen uñ mit Steinen werffen koͤñen. Denn da muͤssen sie taͤglich in die 50. und bißweilen wol in die hundert in den Steinklippen wohnende Mohren speisen und unterhalten/ und wo sie es nicht thaͤten/ C c 2 muͤsten Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. muͤsten sie in Leib und Lebens Gefahr sitzen und im- mer gewaͤrtig seyn/ daß das lose Gesindlein das Kloster anfiele und sie mit Strumpf uñ Stiel außrottete. Zu dem Ende werden auch/ jaͤhrlich drey oder viermahl auß Egypten dem Kloster so viel victualien zugefuͤhret/ daß sie solch Anlauffen außstehen und der hungerigen Mohren Boßheit stillen koͤñen. Vor Zeiten ist ein groß Thor ins Kloster gewesen/ ietzt a- ber ist es zugemauert/ daruͤber drey grosse runde Steine und oben drauff ein Loch/ wie ietzt gedacht zu ihrer defension. Das Kloster hat kein Tach und kan man oben wie auf ei- nem Althan spatziren gehen/ die Zimmer aber in demselben/ wie auch viel Capellen sind oben mit schwachen Balcken/ wor- uͤber die Tecke mit Rohr eines starcken Fingers dicke geleget und Estrich drauff geschlagen ist. Jm Kloster hats eine uͤberaus schoͤne Kirche/ welche in- wendig unten am Boden mit allerley schoͤnen klaren farbich- ten Marmel besetzet ist/ wie denn auch auf ieder Seite in die Laͤnge sechs starcke solche Marmelsteinerne Saͤulen stehen/ in deren ieder sonderliche Heiligthuͤmer alter Heiligen/ so uͤber ie- der Seule in einer viereckichten uͤberguͤldten Tafel abgemahlet in darzu eingehauenen viereckichen Gruben/ oder Schrancken eingefast/ verwahret sind. Die Kirche ist von lauter Quaterstuͤcken und oben mit Bley gedeckt/ wiewol die Daͤcher flach und schmal sind/ unter welchen durch die Mauer viel kleine Fenster und unter densel- ben wieder ein ander Dach mit Bley gedeckt ist. Hinten an dieser Kirchen gegen Morgen ist eine Capelle/ Joh. Baptistæ genannt/ worinnen unten an denen Waͤnden herum die aͤltisten Historien der Buͤcher Mosis abgemahlet zu sehen. Gegen uͤber ist auch flugs der Berg/ auf welchen Moses hat sehen den Busch brennen und nicht verbrennen. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 6. Julij bin ich auf Bitte auch in diese Capelle/ wie- wol barfuß/ gefuͤhret worden. Denn weil Gott damals Mosi um seiner heiligen Gegenwart willen heissen seine Schuh auß- ziehen/ da er zum feurigen Busch hinzu tretten wollen/ so muͤs- sen nun noch heute zu Tage alle Pilgriam ihre Schuh außzie- hen/ wenn sie da hinein gehen wollen. Das Oerthlein/ wo der Busch gebrannt/ ist ietzt unter ei- nem weissen viereckichten Marmel einer Spanne hoch umher mit Kupffer gefasset/ als ein halb Rundel/ so in die Mauer ge- arbeitet und oben ist wieder ein Blat von weissen Marmel auf vier dergleichen runden Saͤulen/ welche schmal und nicht son- derlich hoch sind. Unterm Blat zwischen den vier Saͤulen bren- nen drey Lampen und muß zum wenigsten eine davon ohn Un- terlaß brennen/ damit dieser heilige Orth nimmer ohne Liecht sey. Die Decke obẽ ist viereckicht roth mit vielem Holtzwerg auch in viereckichte Felderlein iedes einer Spannen weit aneinander außgetheilet und weiß angestrichen/ mit viel silbernen bren- nenden Lampen behenget. Als ich aus gedachter Capelle gangen/ bin ich gleich in die grosse Kirche zu S. Catharinen Kaͤstlein genañt kommen an dem hohen Altar zur lincken Hand/ von welcher hernachmals Meldung geschehen soll. Dem Ausgange dieser Kirche gleich gegen uͤber ist eine sehr tieffe Cistern/ oder Brunn/ meistentheils in Felsen ge- hauen/ aus welcher Moses seine Schafe getraͤncket/ dieweil er schon zu Mosis Zeiten allda gewesen seyn soll. Hat gut frisch Wasser/ welches von sich selber quillet und nimmer abnimmet/ dergleichen wir unter wegens wol mit Fingerlecken haͤtten wuͤnschen sollen/ da wir uns mit dem warmen faulen und stin- ckenden Wasser behelffen und plagen muͤssen. C c 3 Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das III. Capitul. Von dem Berge Sinai und was auf demselben denckwuͤrdiges zu sehen ist. D En 6. Julij hat mir der Bischoff einen Muͤnch zugeord- net/ mit demselben sammt meinem Tuͤrcken/ der mein Tolmetscher war/ und zween Mohren/ so uns die Kost und Brantewein nachtragen musten/ bin ich auf den Berg Sinai gestiegen. Flugs unten vor dem Kloster am Aufgange deß Berges ist ein tieffer weiter und langer Brunn/ darein von dem Mosis-Gebuͤrge das Regenwasser faͤllet und hat densel- ben eben der Meister verfertiget/ der das Kloster gebauet hat/ welcher oben von aussen nach dem Kloster zu gewoͤlbet ist. Als wir nun ein wenig den Berg hinan kommen/ seynd wir zu einem Brunnen kommen/ so unter einem Steinfelsen entspringet/ dahero wir uns auch in demselben/ weil er sehr frisch und wir uns ziemlich erhitzet hatten/ recht wol erquicke- ten. Dieser Brunn ist wunderlich und auf solche Weise ent- sprungen: Es sind einsmals in diesem Kloster so viel gifftige Wuͤrmer/ Schlangen und ander Unziefer gewesen/ daß auch die Muͤnche Willens gewesen dasselbe gar zuverlassen und sich mit dem Leibe S. Catharina anderswohin zubegeben. Weil sie aber noch zu guther Letzt die heiligen Steten hin und wieder mit andacht ersuchten und mit einer Procession um die heiligen Berge giengen und nun wieder im herab gehen waren/ ist in deꝛ Hoͤhe uͤber dem Brunn/ wo ietzo ein Kirchlein im rauhen fel- sichten Gebuͤrge zum Gedaͤchtnuͤß erbauet ist/ ihnen die Jung- frau Maria erschienen und hat sie mit solchen Worten angere- det: Sie solten keines Weges auß dem Kloster weichen/ sie wol- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. te bey Gott so viel zu wege bringen/ daß hinfort kein Wurm/ noch schaͤdlich Unziefer drinnen mehr solte gesehen werden/ und ist hierauf bald fuͤr ihren Augen verschwunden/ woruͤber sich die Muͤnche hefftig entsetzet und vermeinet/ daß es ein Gespenst gewesen. Seynd demnach mit Furcht vollends herab/ biß an diesen Brunn gangen/ allda auf ihre Knie gefallen und Gott im Himmel angeruffen und gebeten/ daß/ dafern es ein Goͤttliches Gesichte gewesen/ Gott zu Bestettigung dessen an dem Orthe einen Brunn entspringen lassen wolle. Und das ist auch geschehen. Denn in dem sie im vollen Beten sind/ ent- springet dieser Brunn allda unterm Felsen in einem Augenblick/ welcher ein schoͤn lauter und wolschmeckendes Wasser hat und noch heute zu Tage allda zu sehen ist. Drauff sind die Muͤnche wiedeꝛ ins Kloster gangen und haben von da an biß auf die heu- tige Stunde vom Ungeziefer Friede gehabt. Das muß man einem Papisten sagen: Bey denen Evan- gelischen erleuchteten Christen ist es/ Gott Lob nunmehr zu helle zu dergleichen Fabeln und Legenden/ dieweil sie wissen/ daß sie im Namen CHRJSTJ GOTT selber um seine Wolthaten ansprechen und nicht erst der Heiligen Vorbitte gebrauchen/ noch Gott versichen doͤrffen. Der Weg von unten im Thaal an/ biß fast zu hoͤchst hinauff/ ist so beschaffen/ daß man fast wie Stuffen steigen kan. Als wir ein wenig uͤbern Brunn hinauf kommen/ stieß uns von der Hoͤhe ein ziemlicher starcker Wind an/ drauff ka- men wir in eine kleine alte Capelle mit einem gar niedrigen en- gen Thuͤrlein/ Sanct Maria genannt/ an welcher war ein klein Kaͤmmerlein. Jn dieser Capelle raͤucher- te der Muͤnch/ zuͤndete ein Wachsliechtlein an/ und ließ es bren- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. brennen/ als wir her aus giengen. Ausserhalb der Capelle sind zwey reihen Steine geleget/ allwo die Muͤnche/ so vor langer Zeit allda gewohnet/ zu essen pflegen. Ein wenig weiter hinauf wie auf einer Stiege sind wir zu einer oben rund gewoͤlbten Thuͤr kommen/ welche zwischen den Klippen/ als einem engen Passe vor alten Zeiten erbauet worden/ worbey vordessen allemahl ein Muͤnch Wa- che halten muͤssen und keinen ohne deß Bischoffs eigenen Befehl auf den Berg Sinai doͤrffen kommen lassen. Bey dieser Pforten hat sich vor dessen gar ein sonderba- res zugetragen/ welches ich allhier zuerzehlen nicht unter las- sen kan. Es hat sich auf eine Zeit ein Juͤde zugleich mit unter etz- lichen Christen hinauf auf den Berg Sinai partiren wollen und hat auch niemand anders gewuͤst/ als wenn er auch ein Christ were/ denn sonst durchaus kein Juͤde wissentlich hinauf gelassen wird. Was geschicht? Als er nun neben den Christen vor diese Pforte koͤmmt/ der Meinung/ vollends mit auf den Berg Sinai hinauf zu kommen und die Christliche Pilgrim schon alle hinein sind/ kan er weiter von der Stelle nit/ noch eini- gen Fuß fort setzen. Und als sie ihn fragen: Warum er nit nach- kaͤme/ gab er zur Antwort: Er sehe uͤbeꝛ der Thuͤr Christum/ den Heyland der Christen/ am Creutze hangẽ und weil er kein Chri- ste/ sondern ein Juͤde were/ so were ihm unmuͤglich uͤber die Schwelle zu schreiten/ hat sich alsbald tauffen lassen und ist auch ein Christe worden/ alsdenn er hernach auch freudiges Gemuͤthes und ungehindert durch diese Pforte und auf den heiligen Berg Sinai gehen koͤnnen. Um welches wunders wil- len sich noch biß auf den heutigen Tag kein Juͤde unterstehet zuversuchen/ daß er durch diese Pforte begehrte auf den Berg Sinai zu gehen/ die anders Wissenschafft darum haben. Von dieser Thuͤr etwas weiter hinauf ist wieder eine an- dere Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. dere/ dabey Winterszeit der Schnee so tieff faͤllet/ daß man ohne Gefahr nicht hinein kommen/ noch gehen kan. Hernach sind wir zu einem zwischen dem hohen rauhen Klippen - Gebuͤr- ge weiten ebenen Platze kommen/ allda der Berg Horeb an- gehet/ welcher von rothen und braunen Steinfelß/ der wie zer- schmettert und zerbrochen ist/ und stehet solcher Berg gantz frey und ist sehr hoch/ der viel hoͤher ist/ als der Berge Sinai/ ob gleich der Berg Sinai gleichsam der Fuß deß Berges Horeb ist. Denn unten ist der Berg einfach/ oben aber theilet er sich in zwey Spitzen/ deren eine der Berg Sinai genannt/ der an- dere aber Horeb genennet wird. Von unten im Thaal beym Kloster an/ biß auf obgedach- ten weiten Platz/ heisset der Berg Sinai von der Gegend der Wuͤsten/ welche die Wuͤsten Sin genennet wird/ als auch in heiliger Schrifft geschicht/ hernach aber theilen sich die Namen den beyden Spitzen nach. Auf obgedachten ebenem Platze war ein schoͤn lustig Gaͤrtlein/ zur lincken Hand aber drey kleine laͤnglichte schmale Capellen aneinander gebauet mit flachen niedrigen Taͤchern so von Estriche gewesen waren und sind hart an den Berg Ho- reb angebauet. Die erste wird genennet S. Mariæ die andere und mittelste deß Propheten Elisæi und die dritte deß Prophetẽ Eliæ Capelle. Jn denselben raͤucherte der Muͤnch gar lieblich und fleissig/ denen ietzt gedachten Heiligen zu Ehren/ fuͤr welche sol- che Capellen auch erbauet sind. Die Capelle deß Propheten Elisei war noch da die beste/ oben rund und gewoͤlbet/ weßwegen wir auch unser Nachtla- ger drinnen aufzuschlagen willens waren/ weil uns die Nacht uͤbern Halß kam. Und wiewol uns der Berg Horeb wegen seiner Hoͤhe und Rauhe uͤber die masse schrecklich anzusehen war/ iedennoch/ D d weil Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. weil wir fast noch eine Stunde Tag hatten und ich begierig war mich auch allda ein wenig umzusehen/ so weit zukommen wuͤrde muͤglich seyn/ habe ichs mit dem Griechischen Muͤnche gewaget und sind durch das rauhe unebene und uͤber und uͤber wie zerbrochenes und hangendes Stein-Gebuͤrge dahin ge- klettert/ worinnen er mir etzliche uhralte kleine zwischen die ho- hen Steinklippen erbauete Capellen/ S. Gregorii die eine/ die andere S. Johannis und die @. S. Bartholomæi und daran gelege- ne Gaͤrtlein gewiesen. Allein die grosse Gefahr/ der Abend und mir eingebildete Unmuͤgligkeit weil anders nichts/ so weit man sehen konte/ als Klippen und Felsen grausamer Gestalt und un- außsprechlicher Hoͤhe/ zusehen waren/ noͤthigte mich wieder zu ruͤcke herunter und stiegen also mit sehr muͤden Fuͤssen uͤber sol- ches zerbrochene und rauhe unebene Gebuͤrge wieder herab und kamen ziemlich spat in vorgedachte unsere Nachtherberge/ die Capelle deß Propheten Elisei/ namen unsere Nacht mahl/ zeit ein/ welche war von eingemachten Oliven mit Oehl und Es- sig sammt einem Brantewein aus Tatteln gemacht auf einem alten verwuͤsteten Altar in solcher Capelle/ den wir stat eines Tisches gebrauchten und legte ich mich drauf an die Wand auf die Erden auf harte Dornstengel und Disteln/ nam einen Stein/ stat deß Polsters unters Haupt und schlieff also bey stets brennendem Liechte vor grosser Muͤdigkeit auf meinem weichen Bette/ so gut es seyn konte/ gar sanffte die gantze Nacht hindurch/ biß an den hellen Morgen/ und hatten wir drauf gar einen schoͤnen hellen Tag/ der uns noch weiter umzu- sehen sehr dienlich war. An und in S. Elias Capellen Gemaͤuer aussen an der Ecke ist ein sehr harter rother Fels/ so absonders und niedrig und inwendig gantz schwartz rund und hohl ist/ worinnen der Prophet Elias gesteckt haben soll/ vor der Koͤnigin Jesabel Grimm und Blutdurst/ da er hatte die Baalspfaffen erwuͤr- get Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. get und Gott mit Jhm geredet und ihn getroͤstet/ daß er ihm seine Kirche schon erhalten haͤtte/ obs gleich dem eusserlichen Ansehen nach schiene/ als weñ alles auf die Baalitische Abgoͤt- terey gefallen waͤre/ biß auf seine eintzige Person. An dem Gaͤrtlein obgedachtes Platzes ist ein grosser rother Stein/ worauf die Kinder Jsrael Hebreisch gegraben und vor dem Garten drey aneinander gesetzte Zeilen Steine/ auf deren zwey eussersten die Muͤnche vor viel hundert Jahren gesessen/ wenn sie gespeiset und auf dem mitelsten/ als ihrem Ti- sche/ das Essen stehen gehabt. So ist auch ein schoͤner frischer Brunn an diesem Orthe nahe bey dem Garten. Die Capellen S. Mariæ und Eliæ sind oben mit Rohr be- legt und Estrich drauff geschlagen/ ohne Tach und haben gar enge und niedrige Thuͤrlein/ daß man nit hinein gehen/ sondern gar sehr gebuͤckt kriechen muß und kan man auß einer in die an- dere gehen. So sind auch alle drey Capellen erhoͤhet/ sonderlich deß Elia nach dem Berge Sinai zu/ da wir hinauf stiegen und wieder herab. Dieser Platz ist umher mit wilden und sehr hohen stein- felsichtem Gebuͤrge umschlossen: Und sagt man/ ja weiset auch Nachricht/ daß S. Helena, deß grossen Constantini Mutter/ von Constantinopel aus Griechenland hier auf zu kommen und ih- ren Weg so fort weiter nach Jerusalem gewallet. Zu hoͤchst auf einem hohen Felsen kamen wir zu drey Kaͤmmerlein so in den Felß gearbeitet waren. Jn demselben sollen zweene Bruͤder/ eines Griechischen Keysers zu Constan- tinopel Soͤhne/ sammt einem Diener/ als Einsiedler/ ge- gewohnet haben welche hernach Muͤnche worden und unten im Griechischen Kloster am Berge Sinai gestorben seyn. Den 7. Julij fruͤh um Sonnen Aufgang seynd wir vollends den Berg Sinai und Horeb hinauf gestiegen/ da uns deñ zur lincken Hand im Felsen ein Loch gezeiget worden worinnen ein D d 2 Ma- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Marien-Bild gestanden. Der Muͤnch stellete/ es recht zubese- hen/ ein brennen des Liecht hinein und erzehlete: Es waͤre auf ei- ne Zeit ein Altvater voller Unmuths dahin kommen sein Gebet und Andacht zu halten/ zu dem waͤre die Jungfrau Maria kommen und haͤtte ihn gefragt/ was die Ursache und warum er so Unmuths und traurig waͤre? Derselben haͤtte er zur Ant- wort gegeben/ es waͤre das Kloster unten am heiligen Berge Sinai von den Mohren gesperret. Hier auf haͤtte ihn die heilige Jungfrau Maria getroͤstet und mit solchen Worten angere- det: Gehe nach Cairo in Egyptenland und bleibe im selbigen Kloster. Und deßwegen ist hernach und biß auf diese Stunde solcher Orth gar sonders hoch und heilig geachtet und geehret worden. Haͤtten sies auch nicht Ursache? Aber den Orth/ da Gott Mose im feurigen Busche erschienen war/ hoch zu achten belohnet der Muͤhe mehr. Nechst diesem war ein anderer zersprungener rother Stein/ in welchem eine rechte natuͤrliche Cameel-Trappe/ oder Tritt zu sehen war und sagen die Mohren diß davon: Es waͤre ihr Prophet Mahometh mit einem Cameel den heiligen Berg hinauf geritten und da haͤtte das Thier durch Gottes Schi- ckung einen solchen Tritt und Gedaͤchtnuͤß-Spur nach sich las- sen muͤssen/ die nun noch biß auf den heutigen Tag zu sehen waͤ- re und sich im geringsten nicht aͤnderte. Ignorantas delectantur fabulis. Besser hinauf/ nicht weit von diesem/ ist ein langer brei- ter/ abhengiger/ brauner und ebener Stein/ von welchem ein groß Stuͤck von oben biß untẽ aus/ als wie mit einem Schwert abgehauen und also vom Felsen zertheilet und sagt man vor ge- wiß davon nach folgende Geschicht: Als einsmahls der Pro- phet Elias zu oberst auf den heiligen Berg steigen wollen und an diesen Orth kommen/ waͤre der Ertz-Engel Michael mit ei nem- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nem blossen Schwerdte da gestanden/ und haͤtte mit demsel- ben vor dem Propheten diesen Felsen zerhauen und eine solche Klufft gemachet/ damit zuverstehen gebende/ daß er nun nicht weiter gehen/ sondern Gott wolte/ daß er wieder umkehren und auf den Berg nicht kommen solte. Man siehet den Hieb so natuͤrlich/ wie man mit einem Schwerdte hauen kan/ daß man drauf schweren solte/ es waͤre nicht anders/ wenn sonst etwas/ es zu glaͤuben/ dran gelegen waͤre. Also spielet offtmahls die Natur in ihren Geschoͤpffen durch die wunderbare Hand Gottes. Ehe wir auf die hoͤchste Spitze deß Berges Sinai von unten im Thaal ankommen/ haben wir wol vier Stunden zu- bracht/ dahero leicht zu achten/ wie hoch er seyn muͤsse. Da Mo- ses die zehen Geboth in zwo steinerne Tafeln mit Gottes Fin- ger geschrieben empfangen/ ist zu hoͤchst oben geschehen. Zur lincken Seiten derselben Stelle im hinauf Steigen ist eine steinerne Capelle mit einer geschlossenen eisern Thuͤr gantz auff der eussersten Spitze deß Berges. Solche Capelle ist oben auf mit Rohr belegt und Estrich drauf geschlagen/ inwendig aber ist sie unterschieden/ denn in einem Theil die Catholischen und andere fremde Christen/ im andern aber die Griechen ihr Ge- beth verrichten/ iedoch ist der Catholischen Theil etwas kleiner als der Griechen. Der Altar in solcher Capelle ist nur ein Stein und stehen etzliche Bilder dabey und bey solchem Altar ist eine hole oben zugemauerte runde Wand/ wie eine halbe Kugel/ habe aber nicht erfahren koͤnnen/ was sie bedeute. Jn dieser Capelle kan deß Nachts kein Mensche bleiben/ denn es treibets ein Gespenst und boͤser Geist ohn Unterlaß mit Werffen und anderm gepolter uͤber alle masse drinnen/ wie man denn unterschiedene mahl versucht hat/ aber unmuͤglich drinnen thauren koͤnnen. D d 3 Ge- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Gegen uͤber und fast auf der andern Spitze deß Berges ist eine Mohren Capelle/ darinnen sie ihren vermeinten Got- tes Dienst verrichten/ wenn sie den Heiligen zwar mit grosser devotion und Andacht thun/ besuchen. Unter dieser Capelle ist ein hoher/ hohler und geraumer Stein/ darinnen Moses sei- ne vierzigtaͤgige Fasten ohn einige Speise und Tranck gehal- ten. Gehen eilff Stuffen hinunter in diesen hohlen Felsen Mo- sis/ also daß die Capelle recht auff solcher Hoͤhle stehet und ge- bauet ist. An der Ecke deß Berges/ da der Christen Capelle ist/ ist noch ein grosser merckwuͤrdiger Stein/ der sich wol und mit Verwunderung sehen laͤsset. Denn in selbigem siehet man ei- ne natuͤrliche Gestalt eines grossen Menschen mit Kopff/ Ach- seln und Leibe allenthalben hohl/ gleich als wenn er sich zur lin- cken Hand im hinauf Steigen an den andern Felsen etwas an- lehnete. Und unter diesem Stein soll sich Moses gesetzt haben/ wenn Gott mit ihm reden und sich offenbahren wollen. Denn weil ihm derselbe im Feuer und Plitzen erschienen/ habe er sich auß Furcht da hinein begeben/ daß er daher aus sehen koͤnnen/ wie die Figur und Bildung deß Steins ausweiset/ sintemahl das Haupt schief auf die lincke Seite uͤber sich gerichtet/ als ei- nes/ der mit sonderbarer Andacht noch etwas in die Hoͤhe sie- het und also der Leib rechten Seite nach mit der vollkommenen Achsel zu sehen/ die Lincke aber wie in den Felsen gedruckt ist. Wundershalben bin ich hinein gekrochen/ wiewol das Loch ziemlich enge war und mirs hinein zu kommen nicht wenig Muͤhe machte und habe mich recht in die Form geleget. Allein ich habe es in weiten nicht ausfuͤllen koͤnnen und muͤste deme nach Moses ein grosser Mann gewesen seyn. Nachdem wir uns nun zu hoͤchst droben auf dem Berge wol gnug umgesehen/ seynd wir im herunter Steigen nach dem Klo- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Kloster der viertzig Maͤrtyrer in einem langwaͤrenden wie zer- brochenen rauhen felsichten Gebuͤrge gegangen/ wol ein zwey Stunden lang/ und sind hinab endlich in einen Thaal kommen allwo wir etwas vom Brote zu uns genommen und uns mit einem frischen Trunck Wasser auß einem Brunnen daselbst er- quicket. Dieser Thaal nun/ welcher lang und tieff ist/ lieget unter und zwischen diesem Berge Sinai Horeb und den Berg Sinai- Catharinæ und scheidet sie von dem andern Gebuͤrge/ wiewol doch dasselbe gleicher Gestalt auch mit dem gemeinen Namen das Gebuͤrge Sinai genennet wird/ dieweil sie alle nahe anein- ander grentzen/ ob gleich das eigentlich der rechte Berg Sinai ist/ der sammt dem Berge Horeb zwischen diesen Bergen oben uͤber die andern alle vor und ausgehet/ ausbenommen den Ca- tharinen Berg/ welcher der allerhoͤchste ist. Auf einem am Berge Sinai nechst anstossenden Felsen ist auch noch ein Kloster/ welches wir von ferne gesehen. Den Berg Sinai an sich selbst kan man in einem halben Sommertage umgehen/ wie wir ihn denn ziemlich umgangen seyn. Oben ist er nicht so gar weit und breit umfangen: Die angrentzende aber und zu nechst dem Berge Sinai angelegene felsichte Berge erstrecken sich biß ans Kloster der viertzig Maͤr- tyrer und ist uͤber alle masse hoch/ weñ man herunter ins Thaal koͤmmet. Von dem Berge/ wo das Gesetz auffgegeben worden/ biß zu dem Kloster/ hat man fuͤnf Stunden weit zu gehen/ vom Berge Sinai aber/ biß zum Kloster der viertzig Maͤrtyrer zwey Stunden/ ungeacht wir doch nicht gar langsam gegangen seyn. Jn diesem Kloster der viertzig Maͤrtyrer ist eine Capelle/ so oben gewoͤlbet/ welches dieser Lande nicht gemein. Ausser dieser sind noch vierzig und wohl mehr andere Ca- pellen viereckicht/ ohne Tach und wuͤste immer eine an Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. an die andere gebauet mit kleinen engen und niedrigen Thuͤr- lein. Jnwendig im Kloster ist eine grosse eisserne Thuͤr flugs beym Garten. Solcher Garten ist sehr lang/ so im Thaal laͤngst hinab zwischen dem hohen Gebuͤrge und zur lincken Hand den Berg Sinai/ zur Rechten aber den Berg Catharinæ zu gehet. Jn demselben stehen die Oelbaͤume/ wie ein Wald dicke/ davon sich die Griechischen Muͤnche der Oliven zum Einma- chen und deß Baumoͤls zu ihrer Nothdurfft erholen muͤssen/ wie denn auch sonst an andern kostbaren Baͤumen/ als Man- del-Granat- und andern fruchtbarn Baͤumen kein Mangel. Allda muß stets ein Muͤnch wohnen nebenst einem Mohren/ welcher denen in der Wuͤsten im Sand und Hoͤhlen wohnen- den Mohren taͤglich Speise reichen muß/ damit das Kloster Friede vor ihnen haben moͤge. Nachmittage/ ohngefaͤhr um ein Uhr/ bin ich mit dem Muͤnche und meinem Tuͤrcken auß dem Kloster den hohen schiefferigen und steinigten schwartzen und braungleissenden S. Catharinen-Berg hinauf gestiegen und haben unter wegs etzliche kuͤhle Bruͤnnlein gefunden/ um welche herum es voll wolriechende fremde und mir unbekante Kraͤuter gestan- den. Von diesem Kloster der viertzig Maͤrtyrer biß auf die Hoͤhe dieses S. Catharinen Bergs hin und her sind zwoͤlff J- talienische Meilen/ wiewol vom Kloster biß an den Berg gar nicht weit ist und solcher Weg gegen die Hoͤhe deß Bergs nicht zu rechnen ist. Jch habe mich offt verwundert/ wie alle Felsen in der gan- tzen Wuͤsten so gar harte/ daß sie auch klingen als ein Ertz/ o- der Eisen/ und einerley Farbe/ nemlich schwartz und rothbraun seyn Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. seyn und kan nicht anders dencken/ als daß es von der immer- waͤrenden grausamen Sonnen Hitze/ die mit gantzer Macht an dieselben schlaͤget/ also zugerichtet werden. Auf diesen S. Catharinen-Berg/ welcher vor Sinai und Horeb vorgehet und der hoͤchste ist/ haben wir mit grosser Muͤ- he und hoͤchster Leib - und Lebens-Gefahr steigen muͤssen. Deñ so einem eine Hand oder Fuß entgangen waͤre/ haͤtte er sich un- muͤglich erhalten koͤnnen/ sondern ohn alle Huͤlffe herab zu tode gestuͤrtzet und zerschmettert. Als wir nun zu hoͤchst hinauf kommen/ haben wir auf der Spitze ein von Steinen aufgefuͤhrtes kleines Gemaͤuer und Huͤttelein funden/ so oben gantz schlecht und eben mit grossen Steinen auf kleinen Balcken gedecket war/ das soll der Orth seyn/ wohin der heiligen Jungfrau Catharin æ Leib und Coͤrper von den Engeln auß Egyptenland nach wegen ihres Glaubens Bestaͤndigkeit ausgestandenem ihrem Maͤrtyrer-Kampff und Todt gebracht und getragen worden/ massen man denn allda siehet einen weissen glatten Stein von 10. Spannen lang/ wor- auf der Engel den Coͤrper geleget und siehet man gar eigentlich die proportion und Spur/ wie er gelegen. Wo das Haupt gele- gen/ ist eine Grube: Die Bruͤste/ Achseln/ Halß/ Bauch und Fuͤsse abwarts liegend alles erhoben sind gantz eigentlich zu se- hen/ als wenns also mit Fleiß aufs gletteste polirt in den Stein gearbeitet waͤre. Und so groß der Stein ist/ so weit ist auch das Huͤttlein. Jch habe versucht zum Gedaͤchtnuͤß etwas davon abzuschlagen/ ist mir aber/ weils ein natuͤrlicher Felß und der- selbe wie Stahl und Eisen war/ unmuͤglich gewesen. Vor diesem Huͤttlein heraussen kan man den zweyspitzi- gen Berg Sinai und die Mohren-Capelle uͤber alle masse schoͤn und eigentlich sehen. Dieser sehr hoher felsichter Berg S. Catharinæ, ist um und E e um Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. um mit einem sonderlichen Thaal/ wie auch der Berg Sinai Horeb umgeben und hat derselbe oben ein kleines/ iedoch nicht tieffes/ Thaͤlichen/ welches den Berg theilet und demselben 2. Ecken macht/ auf deren einer obgedachtes Catharinen-Huͤtt- lein stehet/ wo von ohne Zweiffel/ und das/ vorgeben nach/ die heilige Martyrin Catharina dahin soll gebracht worden seyn/ dieser Berg seinen Namen bekommen und der Cathari- nen Berg genennet worden. Auf diesem Berg Sinai-S. Catharinæ, welcher/ wie mehr gedacht und man augenscheinlich sehen kan/ unter allen vie- len grossen Felsen in der Wuͤsten der allerhoͤchste ist/ kan man nicht allein das rothe und Jndianische Meer zur lincken Hand werts und zur Rechten das Einsiedler Kloster S. Antonii, so doch drey starcke Tagereisen davon gelegen/ sondern auch dasselben fernes und weites Gebuͤrge und Egyptenland gar eigentlich sehen/ woraus unzweiffelich zuerachten die grausa- me und fast unglaubliche Hoͤhe dieses Berges/ welche ich mir selber nicht wol einbilden wuͤrde koͤnnen/ wenn ichs nicht mit Augen gesehen haͤtte. Uber alle Masse aber lustig sind zusehen die vielfaͤltigen schoͤnen lustigen Gaͤrtlein/ welche die Griechischen Muͤnche allda in der grossen Wildnis in denen zwischen solchen schreck- lichen hohen Bergen in denen Thaͤlern erbauet und gepflan- tzet. Wenn man da von dem rauhen und blossen hohen Ge- buͤrge herunter und in dieselben hinein und wie sie mit aller- hand schoͤnen Baͤumen und Fruͤchten gezieret/ siehet/ so er- quicket und erfreuet es einen gar. Das ist auch der armen Muͤnche/ die allda in der gros- sen weiten Wildnis/ als Einsiedler/ von allen Menschen ab- gesondert und weit und fern herum weder Staͤdte/ Doͤrffer/ noch Haͤuser wissen/ leben muͤssen/ ihre einige Lust/ davon sie auch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. auch zugleich/ wie oben gedacht worden/ ihre Nahrung ha- ben muͤssen. Noch eins zu gedencken: Als wir aus dem Kloster der 40. Maͤrtyrer ausgegangen und schon ziemlich hoch auf den Berg hinauf gewesen/ haben wir zur rechten Hand im Gehen einen sehr hohen sich weit ausbreitenden Felsen gesehen/ deꝛ hat- te uͤber und uͤber rechte natuͤrliche Aeste/ Zweige und Blaͤter/ einen langen Stamm und viel Wurtzeln und konte man alles so vollkommen sehen/ als wenns ein warhaftiger Baum gewe- sen und zum Stein verwandelt worden were. War ein rechtes Wunder/ daß man sich nicht satt sehen kunte/ dahero ich auch bewogen worden/ daß ich etzliche Zweige davon mit herauß ge- bracht. An Farbe ist dieser Felß sonst grau/ um sich her aber hat er allenthalben weit und breit nichts anders/ als schwartz braunes Gebuͤrge. Die Griechischen Muͤnche daselbst geben fuͤr/ es solle die- ser Felß seiner Gestalt nach/ den in der Wuͤsten zun Zeiten Mo- sis brennenden Busch bedeuten. Als wir uns nun wol und nach Hertzens-Lust umgesehen sind wir nach Sonnen Untergang wieder vom Berge herun- ter gestiegen/ wiewol mit grosser Muͤhe und Furcht und Ge- fahr von den raͤuberischen Mohren/ die sich in denen Klippen aufhalten und nichts guthes stifften und sind ins Kloster der viertzig Maͤrtyrer kommen/ darinnen wir auch diese Nacht uͤ- ber blieben sind. Es ist aber solch Kloster gar schlecht gebauet/ viereckicht und im Hofe mit zweyen Gaͤngen uͤbereinander und wachsen uͤbers Hauß schoͤne Weinstoͤcke und hat/ wie vorhin gedacht worden/ den schoͤnen lustigen Thal und Garten von allerhand frucht baren Baͤumen/ sonderlich Oliven. Folgendes Tages/ war deß 8. Julij/ nach Soñen Aufgang E e 2 nach Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nach dem uns der daselbst wohnende Muͤnch Brodt und ein- gemachte Oliven vorgesetzet und wir uns auch damit gesaͤttiget hatten/ sind wir wieder nach genommenem Abschiede fortgan- gen und in einen langen tieffen steinigten Thaal kommen/ da wir einen sehr hohen/ dicken und gantz frey liegenden Felsen an- getroffen/ an Farbe weiß/ roͤthlich und grau sprenglich von greulicher Haͤrte und hat zwoͤlff langlichte Spalten. Es stehet aber dieser Felß in diesem langen Thaal zwischen dem Berge Sinai und S. Catharinæ . Und das ist der Felß/ den Moses mit seinem Stabe ge- schlagen/ daß das Wasser haͤuffig draus gesprungen und die durstigen Jsraeliten zu trincken bekommen die viertzig Jahr/ weil sie dieses Orths in der Wuͤsten gewohnet/ ehe sie ins gelob- te Land Canaan eingegangen sind/ massen denn auch unter diesem Felsen ein groß Loch ist/ worinnen das Wunder-Was- ser zusammen geflossen und wie in einem Brunnen von GOtt gefasset worden. Und dieser Orth wird genennet Raphidim, wie davon zu lesen im 17. des 2. B. Mosis ohne Zweiffel darum/ weil Moses den durstigen und vermatteten Jsraeliten mit seiner Hand eine Artzney geschaffet/ daß sie nicht dursts sterben doͤrffen/ denn Raphidim wird verteutscht eine Hand Artzeney. Von hieraus sind wir kommen zu dem Orthe/ da die Kin- der Jsrael sich unten am Berge enthalten und blieben sind/ da Moses oben auf der Hoͤhe das Gesetz von Gott empfangen in denen zwo steinern Taffeln. Jst ein sehr weiter sandiger Thaal umher und uͤberaus hohes Stein-Gebuͤrge: Und ist das Was- ser von dem Felsen/ so Mose geschlagen/ geflossen biß hieher an den Orth/ da die Kinder Jsrael gelegen sind. Ehe wir aber zu diesem Wasser-Felsen kommen/ sind wir auch in ein Gaͤrtlein gefuͤhret worden/ worinnen ein hoher Felß gestanden/ an dem eine kleine alte wuͤste Capelle stund und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und eine Hoͤhle dabey/ in welcher vor alten Zeiten der alte Onu- phrius gewohnet und gar ein strenges Leben gefuͤhret/ auch all- da gestorben ist. Weiter sind wir kommen in ein kleines Kloͤsterlein/ zun Aposteln genannt/ worinnen Griechen wohneten/ und dabey gar ein lustiger Garten zu sehen war. Gegen uͤber zur rechten Handwerts war das Kloster S. David/ allda auch gar ein grosser lustiger Garten von Mandeln/ Granaten/ und andern frembden Baͤumen und Ge- waͤchsen und Fruͤchten/ wiewol dißmal noch nichts reiff war. Auch sind ums gantze Kloster herum lauter schoͤne lustige Gaͤrtlein und einer noch ausserhalb/ welcher groß und einen herrlichen frischen Brunnen hat. Das Kloster S. David hat zween Kirchlein/ eins S. An- tonii, so sehr finster und das ander S. Maria und wo man hinein gehet ins Kloster/ seynd alte eiserne Thuͤren/ welchem Kloster Jaͤhrlich 500. Spanische Real von Messina, einer Stadt in der Jnsul und Koͤnigreich Sicilia, wie auch 900. vor die um Jerusa- lem herum wohnende Griechische Muͤnche/ mit Bewilligung deß Pabsts ausgezahlet und gereichet werden und koͤm̃t das erste Gestiffte der 500. Spanischer Realen her von der Capelle oben auf dem Berge Sinai. Es soll vor sehr langen Jahren einsmals ein alter Grie- chischer Muͤnch von einẽ Engel nach Rom in deß Papsts Kirche gebracht worden seyn. Als ihn der Papst gesehen/ nicht aber ge- wust wo er her kommen/ biß er eines Schluͤssels bey ihm an- sichtig worden/ worauf geschrieben gewesen: Aus und vom Berge Sinai/ hats der Papst gar fuͤr eine sonderbare Schi- ckung Gottes gehalten/ sich hoͤchlich druͤber verwundert und diß Gestiffte dahin zu gedachter Capelle gemachet. Jn diesem Kloster wohnte nur ein einiger Muͤnch/ mas- E e 3 sen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. sen denn die Araber in keinem Kloster mehr zulassen/ und hatte derselbe einen Mohren bey sich/ welcher sein Schutz und gleich- sam Salvaguardi seyn muste wieder andere streiffende Mohren und wie gedacht/ so muß der in solchen Kloͤstern wohnende Muͤnch ieglicher Orts die umschweiffende Mohren taͤglich mit Nahrung unterhalten/ sonst waͤre kein Kloster eine Stunde/ noch sie alle ihres Lebens nicht sicher/ die in solchen Kloͤstern sich enthalten. Hier regnet es im Sommer nicht/ oder doch gar sehr sel- ten/ aber an Statt deß Schnees im Winter regnet es im Ge- buͤrge nur. Nicht gar so weit von S. David nach dem Griechischen Kloster unten am Berge Sinai/ da ich gast und vor etlichen Tagen mit meinem Muͤnch und Tuͤrcken außgegangen war/ ist ein weisser Stein im weiten Thaal/ wo die Kinder Jsrael das gegossene Kalb angebetet und Moses im herab-Gehen vom Berge Sinai im Zorn die zwo steinerne Gesetz-Tafeln zerworf- fen/ und ist davon ein Loch/ wie ein Ochsen-Kopff mit Hoͤrnern im Steine. Nicht weit von dannen zur rechten Hand siehet man uhr- altes Gemaͤuer/ Binnen welchem der Kinder Jsrael Begraͤb- nuͤsse gewesen/ so an und unters Gebuͤrge angebauet. Die Graͤ- ber sind aneinander gemauert/ recht also mit Maͤuerlein/ fast wie die Zellen der viertzig Maͤrtyrer. Bald hier auff sind wir zur rechten Handwerts zu einem weißgrauen Stein kommen/ allwo Mosis die Schlange erhoͤ- het hat/ auf welchem lange Schrammen und Streiffe zu sehen gleich wie Schlangen Spuren ziemlich tieff in den Stein: Und sagen die Griechen/ daß die Tafeln Mosis unter diesem Stein verborgen liegen. Hier herum ist auch der Orth/ da den Kindern Jsrael das Man- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Manna/ oder Himmel-Brodt vom Himmel in Gestalt/ wie Coriander oder wie kleine Erbsen-Samen/ gegeben worden/ wie es auch noch zu gewieser Zeit im Jahr zu fallen pfleget. Jst ein dicker Thau/ wie mir gewiesen worden/ suͤßlichs Geschmacks welches man/ wie ein zerschmoltzenes Wachs/ oder viel mehr wie einen weichen Teig zusammen sammlen und behalten kan. Vorgedachtes 8. Julij vor halb Abend/ nach dem wir nun in der Wuͤsten allerhand uhralte Sachen besichtiget/ seind wir wieder zu ruͤck ins Kloster/ da wir fruͤh Morgens außgegangẽ waren/ kommen/ und biß den 10. Julij stille gelegen und haben außgeruhet/ da ich denn mit dem Muͤnche fruͤh vor der Son- nen Aufgang auf den Berg gegangen/ auf welchen Moses sei- ne Schafe geweidet. Alda ist noch diese Stunde zu sehen der Stein/ auf welchem Mosis zu sitzen pflegen/ weñ er die Schafe geweidet und ist derselbe gantz roth. Unten im Thaal ist der Orth/ da er den Busch brennen sehen. Sind also in die andert- halbe Stunde den Berg auf und abgangen: Unterwegens a- ber nach dem Kloster zu ist ein langer schwartzer nackender Mohr auß den Steinklippen zu uns kommen/ welcher nicht mehr/ als ein lang Cameelhaͤrin Tuch an sich hatte/ auf den Achseln einen langen schwachen Spieß/ fuͤr welchem wir uns nicht wenig entsetzten/ weil wir allein in der Wuͤsten waren und kein Gewehr bey uns hatten/ begehrte aber anders nichts/ als Brodt/ massen er auch alsbald dem Muͤnch uͤber all besuchte und wegnam/ was er am B rote fande/ und verschlug sich als- bald wieder in das rauhe/ wuͤste/ wilde und steinigte Gebuͤrge und ließ uns unsern Weg zum Kloster vollends passiren. Diesen Abend bin ich einen schoͤnen langen lustigen Gar- ten ausser dem Kloster von 2. Griechis. Muͤnchen so uͤber densel- ben zugebiethen hatten zu Gaste geladen wordẽ/ die mich auch ihrer Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ihrer Gelegenheit nach/ mit gruͤnen Mandeln/ Feigen/ Oliven und Aepffeln aufs freundlichste tractir er. Jn diesem Garten ist auch ein Capelle und Brunn. Den 11. Julij hat mich mein Muͤnch/ so mich bißhero al- lenthalben herum gefuͤhret/ zwey Stunden vor Tage aufgewe- cket mir die Hand und Hirnschale S. Catharinæ zu zeigen/ wel- ches denn allemahl mit sonderbaren Ceremonien zugeschehen pfleget. Solche Stuͤcke/ als die Hirnschale/ so sehr groß und gantz braun ist/ als waͤre sie lange in Oel gelegen/ und lincke Hand/ welche noch alle Glieder und ihre vollkom̃ene Haut hat und am Daumen und Zeiger-Finger mit viel Ringen gezieret ist/ liegen in Baunwolle gar sauber eingewickelt in einem weissen mit al- lerhand Figuren außgehauenen Marmelsteinern kleinen Kaͤst- lein mit drey Schloͤssern verwahret und stehet neben dem Al- tar zur rechten Hand im Hinzugehen etwas hoch. Es wird von den Muͤnchen gar als ein sonderbares Heiligthum gehalten. Denn nicht allein im Hinzugehen ward es von allen Muͤnchen mit sonderbarer Reverentz venerir et sondern dergleichen auch wider gethan/ als ichs besichtigte und von ihnen allen mit gros- ser Andacht und Seuffzen gekuͤsset. Jch meines theils habe ei- nen Ring mit drey Rubinen sammt drey Ducaten ins Kaͤstlein præsentir et/ weil mir die Zeit uͤber von den Muͤnchen alle Ehre und Dienste geschehen waren/ welches ihnen denn sehr lieb und als eine sonderbahre Ehrerbietung erkannt und angenommen ward. Und nach dem ich nun dieser Orte allenthalben alles/ was denckwuͤrdig zu sehen gewesen war/ besehen hatte/ habe ich mich wieder auf meine Ruͤckreise nach Babylon in Egypten geschickt gemachet/ zu welcher mich die Muͤnche mit Mehl/ Oel/ Brodt und Oliven ziemlich versahen/ und war mir gar ein ange- neh- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. mer Dienst/ als wir sonst mit nichts erwiesen haͤtte werden koͤn- nen/ weiln ich mich gantz verzehret gehabt/ und bin ich noch die- sen Tag drey Stunden ohngefaͤhr vor Mittage im Namen Gottes aufgebrochen. Das sechste Buch. Begreifft einen Bericht von meiner Ruͤckreise vom Berge Sinai wieder nach Babylon in Egypten. Das I . Capitul. Von meinem Aufbruch im Griechischen Kloster unten am Berge Sinai. N Ach dem ich mich nun wieder/ wie ietzt gedacht/ auf den Weg gemachet und die bei- den Kloͤster S. David und Apostolorum noch ein wenig hinter uns sehen koͤnnen/ haben wir uns in einem Steinfelsen im Sande gelagert und sind ein wenig stille gelegen/ biß der Mit- tag vorbey war/ alsdenn sind wir wieder auf gewesen und einen engen steinigten Thaal hinab/ so sich ziem- lich gefaͤhrlich ansehen liesse/ kommen/ in welchem wir Felß auf/ Felß ab zwischen sehr hohen zerbrochenen Stein-Gebuͤrge in die zwey Stunden gereiset und am Ende desselben auf der Hoͤ- he ein weites tieffes sandiges Thaal voraus gehabt/ in welches hinab sehr grausam zu sehen/ geschweige zu ziehen war/ wie- wol wirs nicht aͤndern konten. Vor halb Abend sind wir wieder unter einen sehr grossen hohlen Stein zu rasten kommen/ welches darumb geschehen F f mu Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. muste/ weiln uns unsere Camele nach Sonnen-Untergang von etwas abgelegenen Orthen zugebracht werden muͤssen/ und deßwegen drauf warten muͤssen. Nach dem aber un- sere Camele nach zwey Stunden in der Nacht ankommen/ sind wir wieder auf gewesen und haben in die drey Stunden gereiset und hernach in der Wuͤsten im Sande/ biß an dem Morgen/ etwas geruhet. Den 12. Julij nach Sonnen Aufgang sind wir wieder auf unsern alten Weg/ den wir im Hineinreisen gehalten/ kommen bey den Gebuͤrge Pharan so uns ietzo in der Ruͤckreise zur lincken Hand blieb/ sind in einen ebenen lustigen Thaal/ fortgereiset/ alwo wir auch biß Mittags gelegen. Gestern und heute ists sehr heiß gewesen/ diese Nacht aber ziemlich frisch. Nach Mittage sind wir in einem schoͤnen ebenen weiten Thaal zwischen hohen felsichten Gebuͤrge/ an- derthalbe Stunde ohngefaͤhr geritten/ hernach in einen buͤr- gichten etwas auf- und abgehenden steinigten Wege/ so etzli- che Stunden lang gewaͤhret/ dann uͤber die alten Steinhauf- fen der zerfallenen Haͤuser der Kinder Jsrael/ da wir endlich fast eine Stunde vor Sonnen Untergang in einen tieffen Thal kommen/ alwo wir geruhet/ wiewol in lauter Furcht und Ge- fahr vor den Mohren. Habe auch also meine Mahlzeit/ ob gleich schlecht gnung von Pißkoten und Wasser/ dennoch in Furcht/ verzehren muͤssen. Denn wo es die Mohren inne worden waͤren/ haͤtten sie mirs doch nicht gelassen. Nach etz- lichen Stunden sind wir wieder aufgebrochen/ und des Nachts fortgereiset/ biß zu Anbruch des Tages/ damit wir einen be- quemern Orth angetroffen/ weil wir an diesem Orthe um der daselbst befindlichen vielen schwartzen Schlangen willen nicht bleiben koͤnnen. Waren grosse lange schwartze und sehr gif- tige Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. tige Schlangen in treflicher Menge/ davon auch die Mohren mit ihren Spiessen gar viel umgebracht und erstochen ha- ben. Den 13. Julii sind wir Bergab ziemlich hoch und steinigt gezogen/ hernach in einen langen Thaal kommen/ da wir drey Stunden vor Mittage geruhet/ unter einen stachligten Gummi-Baume und haben wir uns wegen der raͤuberischen Mohren abermals ziemlich fuͤrchten muͤssen/ sintemahl uns etzliche Mohren/ so aus dem wuͤsten Gebuͤrge zu unsern Moh- ren kommen und mit denselben gessen/ so viel zuverstehen ge- geben/ daß sich dergleichen sehr raͤuberisches Gesinde aufhiel- te in dieser Gegend. Von Mittag aus haben wir erstlich sandig Gebuͤrge/ auf gehabt/ vor halb Abend aber sind wir zwischen sehr engen steinigten hohen Gebuͤrge widerum in Thaal abkommen/ so sehr tieff von Sande war/ weßwegen wir abgesessen und uns ein wenig niedergelassen und stille gelegen/ wiewohl es aber- mals an dem Orthe sehr viel Schlangen/ Ottern und Edexen gegeben/ die uns nicht wenig vexiret haben. Als sich nun Tag und Nacht gescheiden/ sind wir wieder auf gewesen und in drey biß vier Stunden in der Nacht mit grosser Furcht und stille geritten/ hernach bis an den Mor- nen in sandigen Wege geruhet/ wiewohl leicht zu achten/ wie die Ruhe seyn koͤnnen. Den 14. Julii sind wir wieder fort und durch einen Thaal voll tiefes Sandes gezogen/ biß wir hernach in einen engen weißfelsichten Thaal kommen/ so uͤber zwey Stunden lang gewaͤhret/ da wir kurtz vor unsern Mittags Lager das rothe Meer ohngefaͤhr auf eine halbe teutsche F f 2 Meile Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Meil Wegs wieder sehen koͤnnen. Und haben wir uns gestern und heute der Mohren wegen/ so sich zur rechten Hand in ei- nem weiten Grunde/ Grundel genennt/ wegen deß Wassers/ sich und die Cameele dabey zu traͤncken/ oft aufzuhalten pfle- gen/ abermals sehr zubefuͤrchten gehabt/ wiewol uns der aller- hoͤchste bißhero noch immer in Gnaden behuͤter hat. Das II. Capitul. Vom Pharaonis-Bade. K Urtz zuvor/ ehe wir aus dem weißfelsichten Thaale/ des- sen vorhin gedacht worden/ kommen/ haben wir unter ei- nem gar tieffen finstern Felsen zur lincken Handwerts Pharaonis-Bad gesehen/ mit welchem es folgende Beschaf- fenheit hat. Es ist solch Pharaonis-Bad ein sehr finster langes Loch und ziemlich tieff in den weissen Steinfelsen hinein. Zur lincken Handweit hinein gehet ein Seil/ daran man sich halten muß/ wer hinein gehen will. Und weil es sehr finster drinnen ist/ kan man ohne Liecht nicht hinein kommen. Jnwendig ist ein klein Oertlein fuͤr eine Person/ allwo ein tieffer Stein/ wie ein Moͤr- sel/ darein heisses Wasser oben aus dem Felsen herab rinnet und hernach unten hinweg ins rothe Meer laͤufft: Weñ man neun Eyer in solch heiß Wasser im Loche leget/ findet man nimmer davon mehr als achte wieder/ daruͤber sich den hoch zuverwun- dern und weiß niemand zu sagen/ wie es zugehe/ noch wo das neunde hinkomme. Man sagt daß der boͤse Feind leibhafftig drinnen wohnen soll und ist eine uͤberaus grosse Hitze drinnen. Und so viel von Pharaonis Bade. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das III. Capitul. Von meiner fernern Fortreise. V Nd daß ich wieder auf meine Reise komme/ so haben wir diesen obgedachten 14. Julij aus Furcht und Gefahr vor den Mohren wieder einen andern Weg nehmen muͤssen. Haben unaussprechliche Hitze im heissen Sande und hohen Steinfelsen ausstehen muͤssen/ wo wir den Mittag gelegen/ ist es wieder lufftig gewesen und haben wir das rothe Meer un- gefaͤhr noch etwan eine kleine Teutsche Meile vor uns gehabt. Unsere Ruhe aber diesen Mittag war abermals unter einem ebenen weiten sandigen Thaal fortgereiset und hatten wir ei- nen starcken/ aber doch sehr warmen Wind/ den Thaal aber Grundel genannt/ haben wir nicht weit von unserm Mittags Lager zur lincken Hand gelassen. Und weil wir daselbst Cameele liegen sahen/ erschracken wir nicht wenig/ vermeinende/ daß es welche von streiffenden Moh- ren waͤren/ und liessen alsbald zweene von unsern Camelotten hingehen und Kundschafft einziehen/ obs Feind oder Freund waͤre/ erfuhren aber/ daß es eine Carovan waͤre/ so zum Berge Sinai zu reisen willens/ welches uns wider erfreuete. Sind also unsern Weg fortgeritten und an dem rothen Meer anderthal- be Stunde vor Sonnen Untergang stille gelegen. Allhier habe ich mich ein wenig wider abgekuͤhlet und gewaschen/ weils sehr heiß war und war mir nicht so gar unangenehm. Da sich Tag und Nacht nun scheidete/ sind wir wider fort gerucket/ haben das rothe Meer und das daran gelegene hohe Gebuͤrge stets zur lincken Hand gehabt und sind etzliche Stun- den in der Nacht abermahls in grosser Furcht und Stille gereiset. F f 3 Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 15. Julij fruͤh Morgens mit oder Sonnen Aufgang haben wir uns gelagert und ein wenig gerastet/ drauf sind wir wieder fort und einen schoͤnen sehr weiten ebenen strauchichten und Buͤschichten Weg gezogen/ da wir zu zweyen Brunnen kommen/ wiewolmit truͤbem Wasser/ allda wir unsere Cameele getraͤncket. Es hat aber unter diesen Barbarischen Voͤlckern mit den Cameelen ein seltzame Arth und Gewohnheit. Wenn sie trin- cken sollen/ so singen die Cameloten/ oder Knechte dabey ihre Barbarische Gesaͤnge/ oder Geschreye/ so heßlich und abscheu- lich/ daß es einem in Ohren und Kopffe wehe thut/ damit sie die Camele desto besser trincken sollen/ gleich wie man bey uns zu dem Ende den Pferden pfeiffet/ damit sie desto besser trin- cken sollen/ welches also dort die Camele gewohnet seyn und ver- stehen/ gleich wie bey uns die Pferde das Pfeiffen aus Ge- wohnheit verstehen. Bißher sind wir die Zeit/ als wir vom Griechischen Klo- ster außgezogen/ ziemlich fortgereiset/ welches auf unserer hin- ein Reise nicht geschehen war/ wiewol uns auch vielmahl die Noth und Gefahr wegen der Unsicherheit der rauberischen Mohren fortriebe. Das IV . Capitul. Von denen Rarit aͤten und unterschiedenen seltzamen Din- gen deß rothen Meeres und der Mumia. N Ach dem ich/ wie vorgedacht/ mich im rothen Meer ge- waschen/ habe ich mit Verwunderung gesehen/ wie das- selbe allerhand Dinge außgeworffen/ wie denn seine Arth ohne unterlaß also seyn soll/ wie ander Reisende und Ein- heimische selbiger Lande wissen und berichten. Unter andern a- ber wirfft er auch grosse Meerschnecken aus fast einer halben Elen lang und sehr weit/ so unten Spitz zu gehen und an vielen Orthen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Orthen der Christenheit/ dahin sie von den Seefahrenden ge- bracht werden/ vor Trinckgeschirre gebraucht werden. Am Strande deß Meeres habe ich auch grosse weisse Co- rallen-Aeste mit vielen Zacken in grosser Menge gefunden/ und wachsen in diesem Meere unter dem Wasser rechte hohe Co- rallen-Baͤume mit vielen Aesten und Zweigen/ wie ich mit Verwunderung gesehen: Und sind solche Baͤume so starck und dicke/ daß offtmahls die Schiffe/ wenn sie anfahren/ sich dran zerstossen und zu Stuͤcken gehen. So gibts auch in diesem Meere allerhand seltzame Thiere als Meerhunde/ welche die Menschen fressen/ Meer-Maͤnner oder Meer Wunder welche oben Menschen-Gestalt/ unten a- ber Fisch Gestalt haben/ wie ich denn zu Babylon in Egypten oder Kair bey einem Franzosen eine gantze Hand von derglei- chen Meer Menschen gesehen/ welche die gantze Gestalt einer Menschen-Hand mit Gliedern/ Haut und Naͤgeln hatte/ nur daß die Finger mit einem duͤnnen Haͤutlein zusammen giengen und hiengen/ wie an Gaͤnsen/ Aenten und andern schwim̃enden Thieren zu sehen ist. Dieser Franzose/ welcher ein Goldschmiede war/ war gar ein sonderbarer Liebhaber dergleichen fremder und wun- derbarer Thiere/ wie er denn auch unter andern Fische hatte mit Fliegeln/ dergleichen ich auch hernach gar viel zu Ptoloma- dis, welches gar eine beruͤhmte Stadt ist im heiligen Lande/ aus dem Meere fliegen sehen/ auch hat er zwey lebendige Cro- codil/ ein Cameleon/ welches ein kleines Thierlein ist und aller- ley Farben an sich nehmen kan/ bey denen es liegt/ oder zu welchen es koͤmmet/ deßgleichen gantz weise rothsprencklichte und von Gifft gantz gleissende Egypti- sche Schlangen/ welche vorn am Kopffe zwey weisse Hoͤrner haben/ sammt andern viel seltzamen gifftigen Thie- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Thieren/ sonderlich hatte er auch eine Mumiam, wie mans nen- net/ oder gantzen Menschen-Coͤrper/ der gar sehr alt und also mit sonderbarem Balsam balsamiret erhalten worden war. Denn in denen Egyptischen Landen/ sonderlich in der Stadt Babylon/ pflegt man die Verstorbene durch und durch zu balsamiren/ hernach nehmen sie Leinwat/ leimen sie fast zwey Finger Dick aufeinander wie einen Kasten/ legen den Todten drein und setzen ihn ausser der Stadt in sonderliche im Sande tieff gemachte Hoͤhlen/ dergleichen in Babylon bey grosser Menge geschiehet. Und solche Coͤrper liegen gar sehr lange Zeit unverweßlich/ wie man den gefunden/ die zu tausend Jahren gelegen. Und dieselben nennet man Mumia und werden weit und fern in die Apotecken bracht und fuͤr einen grossen Schatz in der Arrtzney gehalten/ sintemal das Fleisch, von dem Balsam dermassen durchkrochen/ daß es gantz hart worden und mit dem Messer geschabt werden kan. Das V . Capitul. Von weiterm Verlauff meiner Ruͤckreise durch die wilde Arabische Wuͤsten. N Un komme ich wieder auf die grosse/ wilde Arabische Wuͤsten/ nach dem ich wegen der Rari taͤten deß rothen Meeres und der Mumia etwas davon abschreiten muͤs- sen. Diese Nacht ist ein sehr scharffer Wind entstanden und drauf ein kalter Thau gefallen. Haben wegen der Mohren und Rauber fleissige Wache halten muͤssen. Vorgedachten 15. Julij sind wir zu Mittage nicht weit vom rothen Meer unter Buͤschen und Decken im Sande gele- gen/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gen/ weils sehr heiß war. Eine Stunde aber nach Mittage sind wir mit unsern Cameelen wieder fort gereiset und zur rechten Hand das Suesser Gebuͤrge/ das man in dem oben gedachten Staͤdtlein Sues sehen kan/ zur Lincken aber das Meer gar na- he gehabt. Und weil solch Meer seiner unergruͤndlichen Natur und Eigenschafft nach taͤglich zu gewisser Zeit abzulauffen pfleget/ und dergleichen eben auch da geschehẽ war/ bin ich mit meinem Cameel an den abgelauffenen Orth und Boden deß Meeres mit sonderbarer Lust dahin geritten. Weil aber der Grund et- was schlipfferig war/ fing das Cameel an zu gleiten/ bevorab weil ich gleich zu meinem Ungluͤck keinen Zaum hatte/ damit ich regiren und ihm helffen haͤtte koͤnnen und haͤtte nicht viel ge- fehlet/ es haͤtte mit mir gestuͤrtzet und mir nicht geringer Scha- de meiner Gesundheit/ oder des Lebens gar daraus entstehen sollen. Denn weil ein Cameel ein hoch und starck Thier ist/ ist leicht zu achten/ daß wenns ins Fallen kaͤme/ deꝛ einen schlechten Vorthel davon haben wuͤrde/ so darauf sitzet/ wiewol sie sonst gewiß und sicher gnung gehen und zwar einen langsamen/ ie- doch dabey sehr starcken Schritt. Nach der Sonnen Untergang haben wir zur rechten Hand in der Hoͤhe die zwoͤlff Brunnen Mosis gelassen und nicht weit davon uns hernach in einem Grunde gelagert. Als es aber dunckel worden/ sind wir noch zwey gute Stunden fortgerucket und uns alsdeñ wieder gelagert und biß an Mor- gen liegen blieben/ wiewol ich diese Nacht fuͤr wachen wegen der Raͤuber wenig geschlaffen. Den 16. Julij sind wir mit der Sonnen Aufgang wieder aufgebrochen/ war sehr warm und sind fast im halben Mittag zu dem Staͤdtlein Sues, so fast vom vom rothen Meer umge- G g ben Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ben ist/ gluͤcklich und deßwegen mit grossen Freuden wieder an- kommen und haben unsere Sachen in der Stadt bey und an der Stadt-Mauer abgeladen. Und weil wir ausser der Stadt/ nach den Brunnen zu/ eine Carovan von vielen Cameelen ansichtig worden/ haben wir uns druͤber erfreuet und gedacht mit derselben desto sicherer vollends biß nach Egypten hindurch zu kommen/ haben uns demnach aufs muͤglichste wieder fort gefoͤrdert/ nach dem sich ein jeglicher und sonderlich auch ich mich wieder mit frischem Wasser in meine rauche Bockhaͤute und Schleuche versehen. Als wir aber gedachte Carovan eine halbe Teutsche Mei- le von der Stadt antraffen/ welche uͤber hundert Cameel starck war und hoͤreten/ daß sie einen andern Weg hielten/ haben wir sie liegen lassen und sind unsern Weg fortgezogen/ da wir denn wieder in die vorige Strasse kommen/ die wir im Hineinrei- sen gehalten und also in drey biß vier Stunden in die Nacht in lauter sandigem Wege/ nicht mit geringer Beschwer/ reiten muͤssen/ biß wir uns alsdenn gelagert und unsere Nachtruhe nehmen wollen. Zu meinem Ungluͤck aber hatten eben an dem Orthe/ wo ich liegen solte/ die Mohren eine grosse abscheuliche Schlange umgebracht/ dergleichen sie denn/ wie ich gesehen/ gar oft ge- than. Auch haben wir den Weg von Sues aus am rothen Mee- re viel todte Cameel im Sande liegen sehen/ so aus Arabien von der Stadt Mecha wieder zu ruͤcke nach Egypten ziehen wollen und umgefallen waren/ welches denn einen greulichen Stanck gab/ davon uns Maul und Nase voll kroch/ weil es sehr heiß war und der Wind uns den Gestanck auf den Halß trieb/ daß ich mich auch druͤber ziemlich uͤbel auf befand. Es gehet aber von Kair aus Egypten der Weg nach Mecha in Arabien gleich auf das Staͤdtlein Sues zu. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Denn 17. Julij sind wir fruͤh so bald der Himmel ange- fangen zu grauen/ wieder aufgebrochen und stets im hartsan- digen Wege gereiset und sind Alexandri M . Brunn/ dessen auch oben gedacht worden/ vor halb Mittag/ wiewol ziemlich weit/ zur lincken Hand vorbey passir et/ denn wir wieder etwas von unserm Hinein Wege abgangen. Allda fanden wir auf der Strasse zweene todte Mohren/ so von der grossen Sonnen Hitze fast gantz gebraten waren/ deßgleichen wir auch gestern und heute uͤber dreissig tode Ca- meel gefunden/ so wegen unaußsprechlicher Hitze und auß Mangel deß Wassers verschmachtet gewesen/ von welchen uns denn abermahls die Lufft einen greulichen Stanck von weiten flugs zugetrieben/ daß kein Wunder gewesen/ wir vor Stancke gar sterben/ geschweige kranck werden moͤgen/ wenn uns Gott nicht in Gnaden gestaͤrcket haͤtte. Als wir aber nicht mehr weit von Babylon hatten/ ka- men etzliche Mohren auf ihren Cameelen zu mir und meinem Tuͤrcken geritten und begehrten mit grosser Ungestuͤmm das von der Reise noch uͤbrig behaltene Meel/ Wasser und Pißko- ten. Nun haben wir zwar nicht weit mehr zur Stadt iedoch weil wir gleichwol diese Nacht noch im Felde bleiben muͤssen und nicht allein diese Mohren hart droheten uns die Haͤlse zu- brechen/ sondern auch wegen der andern streiff enden Mohren allerhand zubefuͤrchten war/ hats mein Tuͤrcke muͤssen folgen und fahren lassen und haben wir also selber diese Nacht fasten muͤssen/ nach dem wir uns anderthalbe Stunde in die Nacht wegen grosser Furcht und Sorge vor den Mohren/ die gar sonderlich pflegten hieherum zu streiffen/ in einem tieffen Thaal allda nieder gelassen und uns in grosser Stille biß auf den Mor- gen halten muͤssen. G g 2 Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 18. Julij mit Anbruch deß Tages sind wir wieder fortgereitet und kurtz nach der Sonnen Aufgang nach viel- faltiger in der weiten und wilden steinigten Sandwuͤsten aus- gestandener Leib und Lebens-Gefahr/ Hunger/ Durst/ Hitze/ Wachen und anderer Ungelegenheiten mehr durch Gottes Gnade gluͤcklich wieder aus den rauhen unfruchtbaren wild- nuͤssen deß Koͤnigreichs Arabien in das lustige und fruchtbare Koͤnigreich Egypten und desselben Haupt-Stadt Babylon angelanget und sind eben durch diese Pforte wieder eingezo- gen/ durch welche wir ausgereiset waren. Ausser der Stadt a- ber sind wir zur lincken Hand bey einem Egyptischen Koͤnigs- Grabe vorbey gereiset. War mit einer Kirche uͤberbauet/ wel- che oben/ Landes Brauch nach/ gantz eben und ohne Tach war mit vielen spitzigen aus gehauenen Steinen/ und zwey schoͤnen hohen Thuͤrmen/ deren ieglicher auswerts drey Gaͤnge uͤber- einander hatte und war ein uͤberaus schoͤn und groß Ge- baͤu. Zur rechten Hand war noch einander Koͤnigs-Begraͤb- niß/ welches auch schoͤn aber etwas kleiner/ als voriges war. Das VI. Capitul. Wie ich in S. Catharinen Kloster zu Babylon aufgenom- men und tractirt worden. A Ls wir nun in die Stadt hinein kamen/ seynd wir alsbald nach dem Griechischen Kloster/ S. Catharinæ genannt/ zu- geeitten/ da ich auch meine Sachen gelassen/ nach dem ich sie aus dem alten Gemaͤuer vor der Stadt/ woselbst die Camee- le abgeladen worden/ durch zweene Pedubeen oder Cameel- Knechte herein bringen lassen. Denn diese Pedubeen, und Moh- ren/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ren/ so mir meine Cameel in der Wuͤsten und auf der Reise hin- durch gewartet/ sich in die Stadt nicht wagen doͤrffen/ weil sie nur vom Raub und Mord in der Wuͤsten ohne Obrigkeit leben. Denn wenn dieselben in den Staͤdten erkannt und ertappet werden/ so haben sie nichts gewissers/ als daß man sie spiesset/ zubefoͤrchten/ weßwegen sie sich denn leicht nicht in eine Stadt machen. Wem sie aber ihre Dienste versprechen/ bey dem wa- gen sie gewiß auch Leib und Leben auf der Reise gegen andere rauberische Mohren/ wenn sie von denselben angefallen wer- den. Jn gedachtem Kloster aber habe ich meine Dancksagung vor allen Dingen abgeleget gegẽ den Vornehmsten uñ Obristen darinnen wegen mir geleisteter guten Befoͤrderung zu dieser gluͤcklich vollbrachten Reise uñ sind demselben zugleich auch die Briefe/ so der Bischoff vom Berg Sinai durch meinen Tuͤrcken zuruͤcke gesendet/ uͤberantwortet worden/ die er auch unten im Hofe in Gegenwart 23. anwesender und sitzender Muͤnche ab- gelesen/ worauff ich sam̃t meinem Tuͤrcken zur Danckbarkeit in ein langes Gemach gefuͤhret/ und mit Wein und kleinen einge- saltzenen Fischlein in Oel zugerichtet tracti ret worden. Und weil dazumahl eine uͤber aus grosse Hitze war/ ist alle- zeit/ so lange wir bey der Mahlzeit gesessen/ ein Muͤnch gestan- den/ der uns Lufft und Kuͤhlung machen muͤssen/ solcher Ge- stalt und also: Er hatte ein sonderbares von Bretern zugerich- tetes Instrument, war breit und muste ohne Zweifel inwendig in der Hohle/ wie ein Blaßbalg/ zugerichtet seyn/ denn wenn er dasselbe an einem Bande zog/ so gab es gar einen anmuthi- gen Wind und Kuͤhlung/ welches in solcher unglaͤublichen Hi- tze/ wie in Egypten ist/ eine uͤber alle masse angenehme Erqui- ckung giebet. G g 3 Als Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Als wir nun vom Tische aufgestanden/ sind wir zu hoͤchst aufs Kloster/ weils oben gantz eben und ohne Tach war/ und darneben sehr hoch/ hinauf gefuͤhret worden/ da man denn die gantze Stadt Babylon/ guthes Theils uͤbersehen koͤnnen/ wie denn auch das uf dem hohen Berge liegende Castel und Paschen-Hauß in alt Cairo. Vor Mittage bin ich durch zwey Griechische Muͤnche uf Befehl ihres Obristen wiederum nach des Herrn Santho Hauß/ allwo ich mich vor meinem abreisen vorhin aufgehal- ten und herrlich tracti ret worden war/ einen ziemlichen Weg begleitet worden. Denn das soll also der Brauch seyn/ wie man mich berichtet/ daß man die Pilgrim/ wenn sie vom Ber- ge Sinai wieder zuruͤck kommen/ auf solche Masse in ihre Her- bergen/ oder Quartire begleitet. Bey gedachten Herrn Santho Venetianischen und Hol- laͤndischen Consul/ bin ich biß auff den 28. Julii und also/ biß zu meiner gaͤntzlichen Abreise verblieben und uͤberaus wol in einem und andern der Nothdurft nach in acht genommen worden/ welches denn in solcher wilden Frembde kein gerin- ges Stuͤck der Liebe ist und solte wol in Teutschland/ mitten in der erleuchteten Christenheit/ ein seltzam Wilpret seyn/ ehe man solche Liebe und Wolthaten finden solte/ wenn man gleich bey hellem Tage mit Diogenis brennender Laterne umsuchen wuͤrde. Das VI . Capitul. Von dem/ was ich noch bey meiner Wieder Kunft zu Babylon/ oder Alkair gesehen. D As Castell zu Babylon wird so genau in acht genom- men/ daß kein Mensch hinauf gelassen wird/ er sey denn gar wohl bekannt. Jch hatte aber allda einen sonderba- ren guthen Freund/ welcher ein Doctor Medicina war/ de Kroy genan- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. genannt/ und auß Niederland gebuͤhrtig Und weil derselbe etz- liche Tuͤrckische Patienten unter der Besatzung drauff hatte/ und mir anbot mit ihm zu gehen/ hielt ichs fuͤr ein Gluͤck und bin zwey Tage nacheinander mit ihm hinauf gegangen/ als den 24. und 25. Julj/ da ich mich denn allendhalben wol umge- sehen/ so viel mir anders ohne Verdacht muͤglich gewesen und dem wolgeneigten Leser unten im 9. Cap. deß 3. Buchs bey der Beschreibung der Stadt Babylon/ oder Alkair Part davon gegeben. Allhier zu Alkair habe ich gesehen/ das trefflich auf Ge- rechtigkeit gehalten worden. Man hat mich fuͤr glaubwuͤrdig berichtet/ wenn sich ein Handwercksmann auf Untreu ertap- pen liesse/ er hefftig gestrafft wuͤrde/ massen mir denn Exempels weise gedacht/ auch die Straffe gewiesen ward/ wenn ein Be- cker das Brodt zu klein gebacken haͤtte/ wie man mit ihm umzu- gehen berechtiget/ nemlich: Er wuͤrde gantz nackend außgezo- gen und nur mit einem Tuch unten behenget/ hienge ihm ein Instrument, welches wie ichs gesehen/ von etzlichen schweren Bretern/ fast wie eine Thuͤr anzusehen/ zusam̃en gemachet waꝛ und in der Mitten ein Loch/ unten aber Schellen hatte ziemli- cher Groͤsse/ an den Halß/ daß der Kopff oben herauß gienge und das schwere Instrument auf den Achseln ruhete setzte ihm einen spitzigen Papirnen Hut auf und peitschte ihn also zur Stadt hinaus mit ledernen knotigen Peiitschen. So wird auch auf die Wahren-Steigerung der Kauffleute fleissige Auffsicht gehalten/ damit niemand uͤbersetzt werden soll. Die Todtschlaͤger und Moͤrder werden/ nach Befindung der Mordthat/ entweder gespiesset/ oder in grosse spitzige Ha- cken entweder durch den Halß/ oder durch den Leib geschlagen/ leben oft daran noch wie viel Tage und muͤssen sich hefftig quaͤ- len/ ehe sie sterben. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den Raͤubern und grossen Dieben hauet man Haͤnd und Fuͤsse ab und die Ehebrecher und Ehebrecherin werden entwe- der ersaufft/ oder auf andere Weise hingerichtet und nichts de- sto weniger gehen doch greuliche Raubereyen/ Hurereyen/ Blutschanden/ Sodomitereyen und andere schreckliche Laster im Schwange/ die nicht gestrafft werden/ entweder daß sie vertuschet/ oder sonst auß Gunst uͤbersehen werden. Ja auch wol an denen Orthen/ welche die Tuͤrcken und Araber selber vor heilig und dahin ihre Wohlfahrten halten/ Vergebung ih- rer Suͤnden zuerlangen/ schlagen die Huren ihre Zelte und Huͤtten auf/ fressen und sauffen/ haben ihre Spielleute/ tantzen und springen und locken also die Reisende hinan zu ihrer Wollust und Unzucht/ wie sonderlich auf der Reise nach Mecha und Medina geschiehet. Uber dem Gottes Dienst wird so steiff gehalten/ daß/ wenn iemand am Sabbath ergriffen wird/ daß er einige Ar- beit thut/ weil andere Leute in der Kirchen sind und Gott die- nen/ derselbe fuͤr die Kirch Thuͤre hingestellet und entweder mit stinckendem Rinds-Geschluͤncke ums Maul geschlagen/ oder mit einem Ohre angenagelt wird/ da er so lange stehen und außhalten muß/ biß der gantze Gottes-Dienst geendiget ist. Geschehe das bey uns Christen/ O wie mancher wuͤrde deß Brantewein-Hauses und sonst anderer nichtswuͤrdigen Ver- richtungen muͤssig gehen und sich ingegen fleissiger und andaͤch- tiger zur Kirchen halten. Den 27. Julij bin ich mit meinem Tuͤrcken in ein Nonnen- Kloster der Coffit en/ dasselbe zubesehen/ gegangen/ da uns denn die Aebtißin darinnen sehr wohl tractir et/ wie es ihres Landes Brauch war. Denn sie setzte uns fuͤr einen grossen Krug vollsonderliches von Rosen und andern koͤstlichen Spetzerey- en gantz suͤsse und sehr wohlschmeckendes Wassers/ welches gar frisch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. frisch und kuͤhlend war/ wie denn auch das Getraͤncke/ Caffa genannt. Dasselbe ist gantz schwartz dicke und siedend heiß und wird also auch getruncken. Dem Geschmack nach ist es/ als wenn harte Rinden Brot drinnen gesotten/ oder gekocht waͤ- ren/ soll aber gar gesund und der Gesundheit fuͤrtraͤglich zu trincken seyn. Dergleichen Getraͤncke der Caffa pflegen die Tuͤrcken von fruͤh an/ biß in die Nacht/ gantz heiß und flugs vom Sode hin- weg/ iedoch wenig auf einmahl/ in grosser Menge zu trincken. Es sind gar sonderliche Haͤuser darzu erbauet/ in welchen die Caffa gesotten/ oder gleichsam gebrauen wird: Da gehen sie hinein/ setzen sich zusammen hin und trincken/ gleich wie unsere Bier- oder Wein-Bruͤder in oͤffentlichen Schenck-Haͤusern mit einander zu trincken pflegen. Weiter ließ uns auch obgedachte Aebtißin in ihrem Klo- ster fuͤrsetzen Mandeln mit Zucker-Brodt und eine Schuͤssel mit braunen zugerichteten und geliefferten Zucker/ welches denn eine grosse Ehre seyn solte. Es waren aber damahls in diesem Kloster mehr nicht/ als drey und zwantzig Nonnen/ iedoch lebeten sie gleichwol nicht so strenge und eingezogen/ als wol sonst zu geschehen pfle- get oder doch von rechts wegen geschehen soll. Denn die Aebtis- sin nebenst zweyen Nonnen kam selber zu uns/ setzte sich zu uns auf die Erde und redete gar freundlich und lustig mit uns. Jch meines theils war ihrer Sprache nicht maͤchtig/ da- hero mir mein Tuͤrcke alles erklaͤren und auslegen muste/ da- mit ich Red und Antwort geben konte auf das/ was sie redete und mich fragte. Wir sassen aber in der Aebtissin Capelle auf der Erden/ so mit schoͤnen Tapeten beleget war. Oben in der Mitte der Capelle war ein groß Loch/ das war das Fenster/ dadurch der Tag hinein fiel/ daß man drinnen sehen konte. H h Mit Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Mit der Muͤntze hat es dieser Landes-Arth nach und in Egypten eine solche Beschaffenheit: Der Ungerische Ducaten gilt 64. Mettin/ wenn man denselben verwechseln will/ acht und sechzig Mettin aber/ wenn man etwas kauffet/ vier und dreyssig Mettin machen ein Spanisch Real, welches ein wenig mehr ist als ein Reichsthaler. Die Ungerischen Ducatẽ nennen die Tuͤrcken und Araber Ebrimi, einen Tuͤrckischen Ducaten a- ber Scheriff und einen Venetianischen Zickin. Diese gelten im Wechseln 66. im Kauffen aber wol biß 70. Mettin/ wenn sie recht wichtig sind. Ein Real di Piastro gilt im Wechsel drey und dreissig/ im Kauffen aber fuͤnff und dreissig Mettin. Ein Mettin macht drey Asper/ welche machen einen Teutschen Groschen/ ieder Asper vier Pfennige. Es gibt auch Kupffer-Muͤntze allda. Ein Stuͤck/ so groß/ als ein Dreyer und eines Messerruͤckens dicke/ deren achte ma- chen ein Mettin. Und damals konte ich neun biß zehen Granat- Aepfel um einen Mettin kauffen. Man siehet aber nicht/ daß sonst in der Muͤntze einige Aenderung fuͤrgienge/ wie es denn auch einem Herrn an seinen Unterthanen keinen Vorthel und Foͤrderung gibt/ sondern viel mehr grosse Unrichtigkeiten verursachet/ wenn die Muͤntze ge- aͤndert und entweder abgesetzet/ oder der Preiß gemindert wird. Das VII . Capitul. Von der Tuͤrcken Walfahrt nach Mecha und Me- dina Thalnabi in Arabien. Wer Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. W Er dahin will/ muß abermals die Gelegenheit wol in acht nehmen/ daß er mit reiset/ wenn die Caravanen und und sehr starcke Gespanschafften dahin reisen. Denn weil nicht allein der Weg an sich selber rauh und wuͤste/ sondern auch weit und um deꝛ grausamen Rauberey willen sehr gefaͤhr- lich/ so doͤrffen sich wenig dahin nicht wagen/ sondern muͤssen Hauffenweise reisen/ als wenn sie fuͤr einen Feind ziehen wol- ten. Da gehoͤret Proviant/ Volck und munition darzu. Man rechnets von Alkair biß nach Medina auf 1000. Welsche Meilen und daruͤber bringen sie zu sechs Wochen und wissen sich unterwegs nichts ums Geld zuerholen/ darum deñ alles mit nachgeschleppet werden muß und hat mich nur wun- der genommen/ daß die armen Leute so blind seyn und einem solchen Verfuͤhrer und Betruͤger zugefallen wie der Mahomet gewesen ist/ so viel Unkosten/ Gefahr und Muͤhe aufwenden und nach seiner Gebuhrt und Begraͤbnuͤß-Stadt ziehen und Walfahrten. Der rechte Weg aber von Alkair gehet auf das Staͤdtlein Sues zu/ alwo sich Egypten und Arabien theilen und scheiden. Von diesem Staͤdtlein hat man noch biß nach Mecha zwantzig Teutsche Meilen. Dasselbe ist zwar eine offene/ iedoch mit dem Gebuͤrge fast verwahret und wie befestiget und ist ge- legen in dem Theil Arabien/ daß man das gluͤckselige Arabien heisset. Da soll der Mahomet gebohren seyn. Die Kirche stehet mitten in der Stadt und etwas in die Erde hinein/ daß man etzliche Stuffen hinunter steigen muß und von aussen her- um sind allerhand Kramlaͤden. Mitten in der Kirchen ist das Hauß deß Ertzvaters Abrahams welches weiland der Ertz- Vater Abraham erbauet und bewohnet haben soll/ dahero der Orth gar heilig gehalten wird und henget voll brennender Lampen/ oben aber gehet ein Loch hinein/ dadurch der Tage in die Kirche faͤllet. H h 2 Nechst Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Nechst dabey stehet eine Capelle/ mit eissern Gattern um und um beschrencket/ darinnen soll der Ertz-Vater Abraham begraben liegen. Derowegen wissen sie nicht/ was sie vor gros- ser Andacht thun sollen/ die dahin Walfahrten kommen. Sie waschen sich/ wie vielmahl/ lauffen hin und her/ murmeln und bremmeln/ scheren die Haar vom Haͤupte/ ziehen die Schuh aus und stellen sich/ als wenn sie nicht wol bey Sinnen waͤren/ denn sie halten dafuͤr/ daß auf solche Masse an dem Orthe ge- wiß Vergebung ihrer Suͤnden zuerlangen. Wenn das geschehen/ so nehmen sie ihren Weg weiter fort nach Medina Thalnabi . Das ist eben eine solche Stadt/ wie Mecha und wird eine der andern nicht viel nachgeben. Frucht- barkeit darff man bey keiner viel suchen/ ob sie gleich im gluͤckse- ligen Arabien liegen und liegt diese von jener sechs/ oder sieben Tagereisen. Der Tempel stehet auch mitten in der Stadt/ in welche der Tag von oben hinein faͤllet und darinnen ist das Grab Mahomets/ welches mit einem eisern verguͤldeten Guͤt- ter umschraͤncket ist. Und weil keiner hinein darff/ so lauffen sie dreymahl ausser solchem Gitter um das Grab herum mit eben denen Ceremonien/ wie zu Mecha geschicht und ruffen mit lau- ter Stimme La asah alla Muhamed rahul allah, das ist/ Gott ist allein Gott und sein Goͤttlicher Prophet Mahomet. Keinen einigen Christen ist vergunnt solche und andere der Tuͤrcken Heilige Orthe zubetreten. Wuͤrde er ertappet/ so waͤre es um sein Leben geschehen und muͤste ohn alle Barmher- tzigkeit verbrannt werden. Man hat vor dessen geschrieben und vorgegeben/ als wenn deß Mahomets Sarg von einem Magnet in dieser Kirche oben am Gewoͤlbe schwebend gehalten wuͤrde/ ist aber nichts. Denn waͤre dem also/ so koͤnte ja ein Vernuͤnfftiger selber er- achten/ daß es mit Zauberey und durch die Macht eines Magne- t en Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ten nicht geschehen koͤnte. Allein der Augenschein gibt das Wi- derspiel/ daß er nicht schwebet/ sondern in etwas auf erhoͤheten Seulen stehet und wie vorgedacht mit eisern Gittern um und um umschraͤncket ist. Wann nun die armen Leute das gesehen/ so ziehen sie wie- der heim/ eben in solcher Gefahr und Beschwer/ als sie kommen sind. Keiner hat mehr davon als die Kauffleute die ihre Wah- ren dabey anwerden und mit einem guten Gewinn nach Hau- se ziehen. Denn wie der Teufel bey solchen Teuteleyen seinen Seelen-Marckt haͤlt: Also halten auch die Kramer ihren Wahren-Marckt. Das VIII. Capitul. Von der grossen ungeheuren Arabischen Wuͤsten. E He ich mich nun aus Egypten wende/ muß ich auch noch eine Beschreibung derselben allhier mit beyfuͤgen. Wenn ich aber solche Wuͤsten ansehe und gruͤndlich da- von reden soll/ so muß ich mit Warheit bekennen/ daß ich sie so nimmermehr beschreiben und abbilden kan/ als man sie be- findet/ wer selber durch dieselbe reiset und alles mit Augen siehet. Zwar die grosse Begierde muß einem die Lust machen und den Grauen vertreiben/ sonst wuͤrde es keiner wagen hin- durch zu reisen/ wenn er nur den geringsten Blick und Vor- schmack der darinnen obhanden schwebenden Gefahr haben solte. Diese Wuͤsten hat wol recht den Namen mit der That. Denn es ist ein wuͤster Orth von Menschen/ Vieh und Fruͤch- ten. Da siehet man weder Doͤrffer/ noch Staͤdte/ ausser dem H h 3 kleinen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. kleinen alten Staͤdtlein Sues am rothen Meer und deßwegen wohnet kein Mensche drinnen/ als abscheuliche nackende Moh- ren/ die sich deß Raubens und Mordens befleissigen ohne Reue Scheue und Barmhertzigkeit und in den Hoͤhlen und Kluͤfften wohnen/ wie das unvernuͤnfftige grimmige Vieh. So sind auch weder Aecker/ noch Wiesen drinnen/ sinte- mahl nichts/ als brennender Sand und sonst weder Laub/ noch Graß/ Sondern allein von unsaͤglicher Sonnen-Hitze verbrante duͤrre Stengel zu sehen und zu finden sind/ dahero das Land von Natur zu bauen und zu nutzen gantz untauglich und im geringsten nicht geschickt ist und demnach auch weder lauffende/ noch fliegende Thiere tragen und ernaͤhren kan. Jngegen aber gibts schreckliche hohe/ schwartze und zerschmet- terte Steinklippen/ so sich weit und fern durch die gantze Wuͤ- sten hin erstecken und darneben auch abscheuliche Tieffe und zum Theil enge Thaale/ daß man meinte/ die Berge legen ei- nen auf dem Halse/ oder woltẽ einen in die Erde hinein schlagen/ wenn man zwischen hinreiset. Dahero es an abscheulichen Gif- tigen Unziefer und Gewuͤrme nicht fehlet/ daß die Reisende wol zu sehen muͤssen/ wie und wo sie sich lagern/ damit sie Friede fuͤr demselben haben und nicht Schaden nehmen moͤ- gen. Wol recht nennet sie die heilige Schrifft im 2. Jerem. Ein Bilde deß Todes/ mit solchen Worten/ da der heilige Geist den Juͤden ihre Undanckbarkeit gegen Gott vorruͤcket und spricht: Keiner denckt nie einmahl/ wo ist der HERR/ der uns aus E- gyptenland fuͤhret und leitet uns in der Wuͤsten/ im wilden ungebaͤhnten Lande/ im duͤrren und finstern Lande/ (im Lande deß Schattens deß Todes/ wie es in der Grund-Spra- che Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. che lautet) im Lande/ da niemand wandelt noch kein Mensche wohnet. Denn weil Gott dennoch das Jsraelitische Volck in dieser Wildniß gantzer viertzig Jahr wunderbarlich erhalten/ gespei- set mit Brote vom Himmel herab/ getraͤncket mit Wasser aus dem harten Felsen heraus geschlagen/ gekleidet/ indem ihre Klei- der am Leibe/ noch ihre Schuh an Fuͤssen nicht reissen muͤssen/ da sie aus Egypten Land kamen und ehe sie ins gelobte Land gelangeten/ so war es gleichwol ein schaͤndlicher Undanck/ daß sie es nicht erkannten und GOTT dem HERRN/ als fromme Kinder/ von Hertzen dieneten/ sondern mit allerhand groben Suͤnden/ Schanden und Lastern hefftig zu wider wa- ren und deß Abweichens nur mehr machten/ ie oͤffter sie GOTT straffte und warnen liesse. Kein Wunder demnach/ daß sie es endlich auch mit ihrem eussersten Verderben buͤssen und bezahlen muͤssen. Das IX. Capitul. Von meiner Reise nach Damiata und was mir unterwegs denckwuͤrdiges vorge- stossen. N Ach dem ich mich nun in Egypten und Arabien wol umge- sehen und nun meinen Sinn in Syrien gerichtet hatte und aber am bequemsten bey Damiata uͤber Meer dahin gelangen konte habe ich mich nach Nothdurfft zur Reise ver- sehen/ habe ich mich den 28. Julij kurtz vor Mittage zu Babylon oder Alkair im Namen GOttes aufgemacht. Es gab mir aber Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. aber Herr Santo einen Janitzscharen wegen der Mohren zur Salva Guardi und einen Juͤdischen Tolmetscher zu/ damit ich de- sto besser fortkommen solte. Die musten mich biß nach Herpo- laco, welches ein klein Staͤdtlein ist eine gute halbe Stunde von Babylon/ am Nilo gelegen bringen. Jch hatte aber auch noch einen Goldschmieds Gesellen bey mir der ein Franzose war. Und weil von hier alle Mon und Freytage pflegt eine Scherme nach Damiata auf dem Nilo zu gehen/ habe ich den Janitzschar und Juͤden um ein Trinckgeld wieder zu ruͤck ge- schickt und habe mich mit dem Goldschmiede aufs Schiff bege- ben/ da ich denn vor meine Person/ biß nach Damiata, ein und zwantzig Mettin zum Fuhrlohne geben muͤssen. Den 30. Julij in dem wir nun auf dem Nilo dahin segel- ten/ kam in der Nacht/ weils uͤber aus finster war und wir im sichern Schlaffe lagen/ eine Barcka mit Mohren/ welches ein Raubschiff war/ gar nahe an unsere Scherme und gedachten ihr Heil zuversuchen/ obs ihnen gelingen moͤgte uns zu uͤber- raschen. Zu unserm grossen Gluͤck aber war auf unserer Scher- me, worauf sonst lauter Mohren und Tuͤrcken waren und ich sammt dem Goldschmieds-Gesellen gantz allein unter ihnen/ auch mit ein Tuͤrckischer Spahilar, oder Reuter/ der solches Raubschiffes noch flugs bey Zeit gewahr ward und sie an- schriehe und fragte: Warum sie uns so nahe auf den Halß kom- men und was sie begehrten? Sie solten sich packen und ihrer Strasse fahren/ oder es wuͤrde nicht gut werden. Weil sie aber stille schwiegen/ gab er alsbald Feuer auf sie/ da giengen sie zur Seite. Und als er den andern Schuß thaͤt/ da thaueten ih- nen die Maͤuler auf/ fingen an zu schreyen und sagten: Wir solten gemach thun/ sie begehrten uns ja das geringste Leid nicht Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nicht zu thun. Moͤgten also damit zu frieden seyn/ was sie be- kommen hatten/ dann ohne Zweifel war er von diesen beiden Schuͤssen so gar ohne Schaden nicht abgangen: Wir aber danckten Gott/ daß wir also angeputzt weg kommen/ da wir sonst leicht um Leib und Leben haͤtten kommen koͤnnen/ wenn dieser Spahilar gethan haͤtte. Denn der Nilus ist wegen der raͤu- berischen Mohren sehr gefaͤhrlich und unsicher zu reisen/ son- derlich bey der Nacht/ da man wol Wache und gefast seyn muß/ wenn man nicht in Schaden und Ungluͤck gerathen will. Den 31. Julij fruͤh mit Sonnen-Aufgang sind wir gluͤck- lich zu Damiata ankommen/ da ich denn meines Theils GOtt von Hertzen gedancket/ daß er mir abermals so gnaͤdiglich durch eine so augenscheinliche Gefahr hindurch geholffen. Das X . Capitul. Von der Stadt Damiata und was allda zu sehen gewesen. N Ach dem wir nun ankamen/ musten ich und der Gold- schmied wol eine guthe halbe Stunde heraussen am Was- ser verziehen/ die Ursachen dessen war diese: Es war der Divan, allwo die Tuͤrcken zu Rathe gehen/ noch nicht offen. Derowegen/ als derselbe nun geoͤffnet war/ ward ich von etzli- chen Tuͤrcken abgeholet und an den Orth hingebracht: Da muste ich mein Felleiß biß auf den Grund ausraͤumen und se- hen lassen/ ob ich auch etwas bey mir hatte/ das einigen Ver- dacht machen koͤnte. Weil sie aber nichts fanden/ liessen sie mich passir en und mogte ich einkehren in der Stadt/ wo mirs belie- big war. Weil ich aber vom Herrn Santo zu Alkair Lobe-Briefe mit bekommen hatte an einen Kauffmann daselbst/ Higlorenzo genannt/ welcher gar eine lustige Wohnung am Nilo hatte/ J i un- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. unter welcher im selben Hause das schwartze warme Tuͤrckische Getraͤncke/ Caffa zu kauffe war/ bin ich bey demselben auch ein- gekehret und verblieben/ so lange ich da zu Damiata war. Dieses Damiata ist gar eine feine und beruͤhmte Stadt von Groͤsse/ Gebaͤuen und Gegend. Sie liegt fast am Meere da der Nilus ins Meer faͤllet/ dahero man auch von daraus zu Schiffe in Syrien/ und wohin man in der Welt begehret/ kommen kan und moͤgte dieselbe gar wol ein Schluͤssel zu Egy- pten genennet werden. Und wiewol sie noch fest gnung ist/ so muß sie doch vor Zeiten noch viel fester gewesen seyn/ sintemahl/ wie noch daselbst Nachricht gewiesen wird/ die Teutschen mit ihren Bunds-Verwandten im Jahr Christe 1217. viel Muͤhe gehabt/ daß sie dieselbe einbekommen und noch vielmehr die Tuͤrcken/ da sie selbige wieder belagert und im Jahr Christi 1222. eingenommen. Uber nichts habe ich mich mehr verwundern muͤssen/ als daß man da zu Damiata Tauben hat/ also abgerichtet/ daß sie gar in geschwinder Eyl die Post nach Alkair/ oder Babylon bringen/ wenn die Schiffe zu Damiata aus dem Meee ankom̃en seyn. Man bindet ihnen die Brieffe unter die Fluͤgel/ oder an die Fuͤsse und laͤßt sie damit hinfliegen. Es ist ober gar wolfeil zehren da vier schoͤne weise Brote der Farbe nach fast wie das Zucker-Brodt und so groß/ als ein ziemlicher hoͤltzerner Teller und fast zwey quer Finger dicke/ konte ich um ein Mettin kauffen. Dahero/ weil ich immer wie- der fort gedachte ich mich auch alsbald auf die Reise versorge- te und kauffte/ was ich von noͤthen hatte/ von Brodt/ Eyern und eine Tschare Cyprischen Wein/ dafuͤr ich nicht mehr/ als 17. Mettin gab/ da ich wol zu Babylon 30. Mettin hatte geben muͤssen. Jndem ich abeꝛ bey gedachtem Hiplorenzo gleich zu Tische sitze/ werde ich berichtet/ daß aussen vor der Stadt noch auff dem Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Nilo eine Mohren-Galliott lege/ welche ihren Curs nach Syri- en haͤtteund bald aufbrechen wuͤrde. Das war mir demnach eine gewuͤnschte Post/ machte mich auch alsbald auf/ dingte mir eine eigene Barcka und nam um ein Trinckgeld einen Ja- nitzschar durch Huͤlffe Herrn Hiplorenzens zu mir/ damit ich der Mohren wegen nicht allein moͤgte desto sicherer seyn/ sondern auch damit er mich an dem Galliott-Capitain gedachtes Hi- plorenzens wegen bestes antragen und mit ihm der Gebuͤhr halben handeln solte/ und fuhr also im Namen Gottes von Damiata ab dahin nach gedachter Galliott/ die wir auch eine gute Stunde von der Stadt bey einem Dorffe/ zur rechten Hand gelegen/ antraffen. Dieselbe hatte auf beiden Seiten dreyssig Ruder/ zwey Maste und Segel und darneben etzliche kleine Stuͤcklein Geschuͤtz. Es waren aber auf solcher Galiott lauter Mohren und hatten etzliche gar die Pest am Halse/ woruͤber ich mich nicht wenig entsatzte/ weil mir nicht dar von war gesagt worden/ ehe ich ihnen auf den Halß kam. Und weil mirs der eine wol anmer- cken konte/ iedem ich mich seiner eusserte/ wo ich konte ergrim- mete er hefftig wider mich uñ drohete mir offt mit seinem krum- men Messer/ daß er/ der Araber Brauch nach/ vorn auf der Brust trug. Allein weil ich ihn mit dem Galiott-Capitain/ als dem ich fleissig anbefohlen worden war/ trohete/ muste er sich doch gleichwol etwas scheuen und dorffte sich so muthwillig an mir ohne gegebene Ursache nicht vergreiffen. Unterdeß aber/ weil wir beyde Christen gleichwol unter sol- chen Barbarischen Voͤlckern allein seyn mustẽ/ ist leicht zu ach- ten/ wie uns muͤsse zu gute gewesen seyn. Traun anders waren wir nicht/ als die Eylen untern Vogeln/ in Leib uñ Lebens-Ge- fahr und musten wir muthe Fremdlinge/ verlassen von aller Menschliche Liebe und Treue/ uns schmie gen und biegen/ woltẽ wir durchkom̃en/ alsdeñ hernach weitlaͤufftiger gesagt werden. soll. J i 2 Und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Und hiermit beschliesse ich nun das Koͤnigreich Egypten und Arabien/ weil ich mich zur Gnuͤge drinnen aufgehalten und kehre mich von dannen auch in Syrien zuerzehlen/ wie ichs drinnen gesehen und gefunden habe. Das siebende Buch. Begreifft meine Reise in Syrien und andere anliegen- de Orte und wie ich allenthalben die heiligen Staͤten/ da Christus/ unser lieber Seligmacher/ gewandelt und gelebet/ fleissig besich. tiget. Das I. Capitul. Jst eine Beschreibung von dem Lande Syrien. D As Land Syrien wird ingemein dafür gehalten/ als wenns vordessen von Aram/ einem Sohne deß Ertz-Vaters Sems/ der ein Sohn war Noha/ nach der Suͤndfluth waͤre erbauet und bewohnet worden und demnach auch Aram nach seinem Namen genennet worden. Es ist aber dasselbe im an- dern Theil der Welt/ nemlich Asia, gelegen/ an einem bequemen und fruchtbaren Orthe der Welt/ ist sehr weitlaͤuftig/ also daß viel andere Laͤnder/ ja Koͤnigreiche und Herrschafften drinnen begriffen seyn. Und wenn ich genau davon reden will/ so ists als wenns die Natur selber in drey Theil unterschieden und ge- theilet haͤtte. Das erste Theil hebt sich an bey Tyro/ welches die Bar- ba- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. baren heute zu Tage Sait heissen/ gleich wie aus Sydon Sur, und erstreckt sich biß an den Golfo di Lajace. Die Gegend zwi- schen den beiden Bergen Libanus und Antilibanus ist der andere Theil und die Gegend am Euphrat Strom biß an Armeni en hinan/ ist der dritte Theil. Jm ersten Theil liegen die Staͤdte Barutho, Tripoli, Tortoja, Damascus und Laodicea. Jm andern Theil liegt Antiochia welches aber ietzt gantz zerstoͤrt und nur aus dem alten zerfallenen Gemaͤuer etzlichen Thuͤrmen uñ dem Castell auf einem Berge noch zu sehen/ was es fuͤr eine herrliche und praͤchtige Stadt muͤsse gewesen seyn. Das denckwuͤrdigste ist/ daß die lieben Apostel allda zu erst eine Kirche bestaͤtiget/ da- hero auch allda die Glaͤubigen zu erst Christen genennet wor- den/ wie zu lesen im 11. deß Apostolischen Geschicht Buchs. Ja man zeiget allda auch noch den Orth/ wo der Apostel Petrus solle haben pflegen mit hauffen Christen zu tauffen. Darum auch/ waͤre ein Orth/ oder Kirche werth fuͤr das Haupt der Kirchen zu halten/ so waͤre es Antiochia und nicht Rom. Allein weil Gott damit nicht gedienet/ so muß Antiochia auch zerstoͤ- ret seyn. Jm dritten Theil liegt die beruͤhmte Tuͤrckische Han- dels Stadt Aleppo. Jst zwar an sich selber groß gnung/ aber an Gebaͤuen schlecht erbauet/ ausgenommen die Musqueen, o- der Tuͤrckischen Kirchen und das Schloß darinnen/ worunter dieses noch ziemlich/ jene aber desto schoͤner anzusehen sind. Deßgleichen ist auch gar ein schoͤner grosser Han allda fuͤr die fremden Kauffleute. Die vornehmsten Handels-Staͤdte in gantz Tuͤrckey sind diese: Babylon oder Alkair in Egypten/ Gemming/ die ge- waltige Stadt in Arabien Damascus und Aleppo in Syrien/ welche mit Carovan en und grossen Gesellschafften nach Mecha und Medina Thalnabi Wallfahrten/ in Arabien reisen und handeln. J i 3 Sonst Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Sonst wird Syrien an fuͤnff Provintzen und Laͤnder ein- getheilet/ als Palæstinam, oder Philister Land/ weils vorhin die Philister inne gehabt/ ehe es durch Gottes Gnad und Schi- ckung/ in deß Juͤdischen Volcks Haͤnde kommen/ in Phœnici- am, Celesyriam, Syriam und Comagenem . Palæstinam theilet der Jordan wieder in zwey Theil. Deñ das Juͤdische/ oder das Volck Jsrael theilte sich also nach Gottes selbst eigenen Anschlage in dieses Land/ daß der Stam̃ Ruben/ Gad/ und der halbe Stamm Manasse den Theil deß Landes uͤbern Jordan einnahmen und sich alda zu wohnen gaben/ die andere Helffte aber deß Stamms Manasse sam̃t den uͤbrigen andern Staͤmmen kamen heruͤber und wohne- ten disseits des Jordans. Dieses Theil nun wird widerum in drey Provintzen und Laͤnder/ als in Jud æ am/ zwischen dem todten und mittel Meer/ worinnen Jerusalem die Hauptstadt ist und recht mitten in der Welt gelegen seyn soll/ in Samariam und Galilæam . Wenn man genau rechnen wolte/ so belaͤuft sich diß Theil Syrien kaum uͤber acht und viertzig Teutsche Meilen in die Laͤnge und neun biß zehen Meilen in die Breite/ noch dennoch hat sich ein solch maͤchtig und herrlich Koͤnigreich/ nemlich J- srael/ davon erhalten und groß Reichthumb samlen koͤnnen. Denn da Koͤnig David das Volck und die streitbare Mann- schafft zehlen liesse/ da wurden ohne die zwey Staͤmme/ Levi und Benjamin/ befunden dreyzehen mal hundert tausent Mann. Ja daß noch mehr ist/ so muste hernach diß Land tra- gen zweene Koͤnige/ nach dem sich das Reich theilete ins Koͤnig- reich Juda und Jsrael wo were es heute zu Tage muͤglich/ man moͤchte lauffen und suchen in der Welt/ wo man wolte? Denn der Staat waͤchset sammt den Suͤnden und der Seegen Gottes nimmet ab und neiget sich alles zum Ende und Fall/ gleich wie die Krone und alle Herrligkeit deß Juͤdischen Koͤnig- reichs gefallen und ein Ende genommen hat. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das II . Capitul. Von meiner Reise uͤbers Meer nach Syrien und wie mirs unterwegs ergangen ist. G Leich den 1. Augusti st. n. sind wir mit obgedachter Moh- ren-Galliott aus dem Nilo ins Meer gegangen und mu- ste ich vor meine Person/ biß nach Baruth in Syrien fuͤnff Real zum Schifflohne geben. Wir brachten aber wol eine halbe Stunde druͤber zu/ ehe wir auskommen konten/ denn wir musten ein groß lediges Schiff dingen/ weils uns nicht fuͤgen wolte und unsere Galli- ott aus dem Nilo ins Meer ziehen lassen. Nach dem wir aber hinaus waren/ konten wir mit gutem Winde ziemlich fort- streichen/ also/ daß wir unserer dreyssig Ruder nicht von noͤthen hatten. Zwar laͤnger waren wir nicht unterwegs/ als vier Ta- ge und Nacht: Allein weil wir nichts/ als Himmel und Was- ser sahen/ und man unter denen Barbarn seyn muste/ als weñ man blind/ taub und stumm waͤre/ dieweil man sich mit ihnen einzulassen nicht getrauen dorffte/ ward mir Zeit und Weile lang und haͤtte mich lieber aufs weiteste von ihnen gewuͤnschet wenns muͤglich gewesen waͤre. Uber diß alles/ so thaͤten mir und dem Franzosen die untreuen muͤrrischen Mohren zu wider was sie konten/ daß wir wol vergassen uns das geringste gute zu ihm zuversehen. Es hatte uns der Capitain auf der Galliott o- ben gar einen feinen Platz eingegeben im Hindertheil deß Schiffs und einen schoͤnen Tuͤrckischen Teppich drauff/ worauff wir leegen solten: allein die Mohren/ so die Pestilentz am Halse hatten/ trieben uns mit Sturm und Gewalt davon und droheten uns/ wo wir uns wehren und we- gern wolten/ sie wolten uns alsbald uͤber Port ins Meer Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Meer siuͤrtzen. Muͤsten also/ weil wir uͤbermannet waren/ schweigen und noch die freundlichsten Minen darzu machen. Und ob wirs gleich dem Capitain klagten und ihn seiner Zusage erinnerten/ auch vorwandten/ wir muͤsten ihm gleich- wol unsern guten Lohn geben/ deßwegen er uns auch Schutz und Friede schaffen solte/ so stund er doch mit dem Hertzen bey seinen Mohren und wiese uns nur mit falschen Worten abe, da nichts darhinter war und waͤre wol gewiß/ daß es schon verge- ben gewesen waͤre/ wenn wir gleich ins Wasser waͤren ge- worffen worden. Derowegen weil wir ihren Pact zusammen mercketen/ druͤckten wir und behalffen uns auf einem kleinen engen und unebenen boͤsen Raͤumlein/ das nimmer treuge ward von dem stetig drauff schlagenden See-Wasser/ so gut wir konten ferner Ungluͤck zuverhalten und getroͤsten uns/ daß es bald ein Ende nehmen und nicht lange waͤren wuͤrde. Hierzu kam auch noch das stets waͤrende Rumoren/ Zancken und schlagen der muͤrrischen und unbaͤndigen Araber unternander und musten wir immer in Furcht und Sorgen leben/ wenn auch wir moͤgten mit Haaren drein gezogen wer- den. So war auch das suͤsse Wasser so seltzam/ daß wir nicht so viel haben konten/ womit wir uns deß Dursts haͤtten erweh- ren koͤnnen und kan ich mit Warheit sagen daß ich kaum mei- ne gantze Reise uͤber so viel Durst erlidten/ als diese vier Tage unter diesen untreuen Leuten allein geschehen. Nach dem wir nun gnusam ausgestanden/ sind wir ja endlich durch Gottes Huͤlffe unserer Angst loß worden und den 4. Aug. gluͤcklich zu Baruth in Syrien ankommen/ da wir denn unsere Galliott an dem grossen Castell daselbst auf An- cker geleget/ woselbst auch flugs das Stadt-Thor war/ da wir hinein in die Stadt giengen nach unserm Logiment/ worinnen wir uns aufhalten und so lange bleiben wolten/ biß wir unsere Reise weiter fortstellen koͤnten. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das III. Capitul. Von der Stadt Baruth in Syrien und was sich allda begeben und zugetragen. D Jeses Baruth ist eine sehr alte Stadt/ wie man denn lie- set/ so muß dieselbe schon zu den Zeiten deß Propheten E- zechiel gewesen seyn/ weil er ihrer gedencket im 47. Cap. seiner Weissag. Sie liegt um die Gegend Antiochia und dem- nach uͤber 70. Meilwegs von Jerusalem. Jst sonst noch an Groͤsse und Gebaͤuen ziemlich/ wiewol auch verwuͤstet und ist vordessen Beeroth, ietzt aber Barutho, oder Baruth genennet und hat noch ietzt gar ein gutes Castell/ so stets mit Tuͤrckischer Besatzung besetzt ist. Einen stattlichen Han hat es daselbst/ der sehr groß und weitlaͤufftig ist. Der Hof ist ins gevierdte und uͤberaus groß/ in welchem an den Seiten herum etzliche Brunnen sind/ oben a- ber ists voller Kaͤmmerlein/ wie in den Kloͤstern die Zellen/ auff welchen man/ weil sie eben sind/ umher spatzieren und sich lu- stig umsehen kan und unten drunter im Hofe herum sind Ge- woͤlbe und Staͤlle. Dergleichen grosse weitlaͤufftige Haͤuser und Hoͤfe gibts in denen Morgenlaͤndern gar viel und werden von denen Jn- wohnern Hanne genennet. Sonderlich ist keine Handelsstadt/ da nicht welche innen zu finden seyn/ zu dem Ende/ damit die fremden Kauffleute und sonst auch andere fremdereisende Herren ihr Gelaß und Logir darinnen haben und nehmen sollen. Und in diesem Han bin auch ich mit meinem Gefaͤhrten dem Franzoͤsischen Goldschmieds Gesellen/ bey einem Fran- zoͤsischen Kauffmanne/ Faber genannt aus der Stadt Marsilia buͤhrtig/ eingekehret/ weiler eine Kammer allda vor sich innen hatte. K k Bey Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Bey diesem Kauffmann sind wir auch die Zeit uͤber/ als wir allda gewesen/ zu Tische gegangen und hat einer vor die Mahlzeit ein Vierthel eines Reals geben muͤssen/ welches gar wol zu geben war/ weil man derer Orthe nicht so Gast-Hoͤfe/ oder Wirthshaͤuser hat/ wie in der Christenheit: Mit dem Nacht-Lager aber musten wir unter freyem Himmel oben auf dem Hause im Kuͤhlen verlieb nehmen neben zween Capuziner Muͤnchen@ Hart an diesem Hause unten war ein Gottes-Acker/ auf welchem die Maronitischen Weiber oft wol drey Tage nach einander/ wie ich in acht genommen/ Hauffenweise mit gros- sem Klagen/ Heulen und Weinen zusammen kommen. Gehen gantz in weissen langen Hembden und schlagen immer die Haͤnde zusammen/ als waͤre ihnen noch so groß Hertzeleid wi- derfahren/ knien neben die Graͤber ihrer verstorbenen Freun- de/ pruͤllen und heulen/ wie vorgedacht und stellen sich aufs ungeberdigste/ daß sich einer druͤber entsetzen muß/ der es vor- hin nicht gesehen/ noch deßwegen gewohnt ist. Diese Maronit en sind Christen/ so von Marone, ihrem Or- dens-Stiffter/ herkommen sollen/ haben zwar ihren eigenen Patriarchen/ der zu Tripoli in Syrien wohnet/ erkennen aber doch den Pabst zu Rom fuͤr das Haupt der Kirchen und Chri- stenheit/ welches die Griechischen Christen nicht thun. Sie venerir en so wol ihre/ als die Paͤpstische Pfaffen mit tieff ge- buͤcktem Leib und Haͤupte und mit Haͤnde kuͤssen und legen den- selben ihre Haͤnde/ als auch an ihre selbst eigene Brust/ welches fuͤr ein sonderbares Ehren-Zeichen gehalten wird. Jhre Wei- ber lassen sie in den Haͤusern niemand sehen/ noch zu Gesichte kommen und ihre Priester gehen/ wie andere Leute und Welt- liche in Kleidungen gantz schlecht und hat ein ieglicher sein Weib/ hey- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. heyrathen aber nicht wieder/ wenn dieselbe stirbet und mit todt abgehet. Hier muß ich doch wuuderhalben erzehlen/ wie es mei- nem Tisch und Reise-Gesellen/ dem Fanzosen/ allhier zu Baruth ergangen ist. Den 6. Augusti gehet er ohngefaͤhr seinen Geschaͤfften nach uͤber die Gasse und als er wieder heimgehen will/ sitzt ein voller Mohr in einem finstern Kram-Laden/ und da derselbe ihn ansichtig wird/ koͤmmt er heraus gelauffen und faͤllet ihn mit grosser Furi, und Ungestuͤm an/ der Meinung/ Geld aus ihm zu zwingen. Weil sich aber der Franzose darzu nicht verstehen will/ sondern mit ihm reisset und ringet/ daß er seiner loß werden will/ zeicht endlich der Mohr seinen Sebel aus und will dem Franzosen mit Gewalt zu Leibe/ der aber die Hand vorwirfft und sich hefftig verwundet/ indem derselbe ohnge- faͤhr den Sebel in die Hand zu fassen bekoͤmmet und der Mohr ihm denselben durch die Hand zeucht. Und weil das Geschrey ehe in den Han kam/ als er/ bin ich alsbald mit unserm Wirth/ Herr Fabern / dahin gangen und recht nach der Sachen Beschaffenheit gefraget. Es konte uns aber niemand anders berichten/ als daß es aus lauter Frevel und Muthwill geschehen war/ dahero Herr Faber alsbald zum Richter allda gieng/ den man Musalem hiesse und verklag- te den Mohr deßwegen. Den ließ der Musalem auch alsbald su- chen und ihn/ da er vorgebracht ward/ auf Tuͤrckisch von der Fußsohlen an jaͤmmerlich abpruͤgeln und also seinen Muth- willen wol eintraͤncken/ der arme Schweiß aber muste gleich- wol seinen Schaden und Schmertzen behalten. Dieser Streit aber kam daher: Als wir auf dem Meere K k 2 zwey Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. zwey Tage und Nacht kein Land sehen konten und gleichwol unter diesen Barbaren in Leib und Lebens Gefabr viel Unlust dulden musten/ ward uns Zeit und Weile lang und hatte et- wann dieser Franzose gegen diesen Mohr lauffen lassen/ weil er damals auf unserer Galliott ein Booßknecht war/ er wolte ihm ein guth Trinckgeld geben/ wenn er vom Korbe am Mast herab die Zeitung und gute Post bringen wuͤrde/ daß man Land sehen koͤnte. Weil nun solches geschehen und der Franzose sein Wort nicht gehalten/ hatte der Mohr gemeinet/ weil er ihn allda gleich gelegen antreffe/ er wolte sich auff solche Masse bezahlt machen/ welches ihm aber gar uͤbel bekam. Auß diesem Exempel ist abermals zu sehẽ/ daß gleichwol auch unter solchen Barbarischen Leuten auf Gerechtigkeit gehalten wird/ da es oft wol unter Christen dran fehlet. Allhier in Syrien habe ich diese Zeit fast groͤssere Hitze/ als in Egypten/ befunden und wird gleichwol unerachtet dessen/ die Frucht allda und im Juͤdischen Lande spaͤter reiff/ als in E- gypten/ woruͤber sich zuverwundern. Als zum exempel: Zu Baruth wird der Wein fast gar zu Ende deß Julij reiff/ in E- gypten aber und zu Babylon flugs im Junio, wiewoles im Ge- buͤrge gleichwol auch noch spaͤter geschiehet. Zu Baruth habe ich auch gar eine sonderbare Arth Wein- trauben gesehen. Eine Beere warso groß/ als ein grosser Spil- ling. Auch hats gar sonderliche Feigen allda/ dergleichen ich auch in Egypten zu Alexandria gesehen/ welche Pharaonis Fei- gen genennet werden. Sie wachsen aus den dicken Aesten/ wie Weintrauben und sind nicht wie andere Feigen/ sondern in der Groͤsse/ als eine kleine welsche Nuß von 12. biß 20. an einem Puͤ- schel. Sind safftiger und vielsuͤsser/ als andere Feigen und dar- neben uͤber alle masse lieblich und anmuthig zu geniessen. Etzli- che heissen sie Adams-Aepffel und halten dafuͤr/ daß diß die Frucht Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Frucht deß Verbotenen Baums im Paradiß solle gewesen seyn/ daran sich Adam und Eva sollen versuͤndiget haben/ die- weil man alle mahl ein Crucifix drinnen siehet/ so offt man ein Scheiblein abschneidet/ das Laub und die Blaͤtter sind auch gar sonderbar und ungewoͤhnlicher Groͤsse. Die Gassen in der Stadt Baruth sind zwar zum Theil gepflastert/ aber doch ist das Pflaster gantz zerbrochen und al- lendhalben voll Gruben und Loͤcher. Es gibt viel schoͤne Gaͤr- ten allda/ in welchen um der Seidenwuͤrme willen viel Maul- beer-Baͤume gezeuget werden/ weil die Seidenwuͤrme von de- nen Maulbeer-Blaͤttern ernehret und erhalten werden. Denn an dem Orte wird so viel Seide gemacht/ als sonst irgendswo/ zu dem Ende denn die Jnwohner die Seidenwuͤrme halten und spinnen lassen. Von Tattel-Baͤumen gibts auch sehr viel allda und waͤchst die Frucht nicht/ wie sonst/ aus den Zweigen/ sondern Puͤschel Weise/ einer von 3. biß 4. geballten Faͤusten groß/ wel- ches denn gar anmutig zu sehen ist/ wenn sie also auf den Baͤu- men hengen. Aussen vor der Stadt wird auch gezeiget der Brunn/ bey welchem der ungeheure Drache deß Koͤnigs Tochter soll begegnet und derselbe vom Ritter S. Georgen ertoͤdtet und also deß Koͤnigs-Tochter von ihm errettet worden seyn. Liegt ohngefaͤhr 400. Schritte vom Meere und ist gar ein sehr lusti- ger Weg hinaus zu solchem Brunnen zwischen lauter schoͤnen fruchtbaren Gaͤrten/ weßwegen denn auch ich sammt einem Franzoͤsischen Kauffmanns Diener hinaus geritten und mich daselbst umgesehen/ dieweil so viel Schreibens uñ Sagens von dieser Geschichte ist und dieselbe nicht allein vor warhafftig/ sondern auch gedachter Ritter vor einen grossen Heiligen allda gehalten wird. K k 3 Dem Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Dem Castell gleich gegen uͤber anderthalbe Tagereise von der Stadt ist das sehr hohe gruͤne und schoͤne Gebuͤrge Liba- nus, oder Libanon/ dessen in heiliger Schrifft offt gedacht wird und uͤbern Libanon liegt die beruͤhmte Handels-Stadt Alep- po drey Tagereisen von der Stadt Baruth/ die Jnsul Cypern aber einen Tag und Nacht. Sonderlich aber hat mir an diesem Orte bey vorgedach- tem Brunne uͤber alle Masse wol gefallen/ daß man die Stadt Baruth und ihre Gegend so gar lustig und anmuthig sehen kan/ wie sie so schoͤn gelegen ist. Und da wir uns gar wol umgesehen hatten/ sind wir beide wieder in die Stadt hinein geritten und haben uns zur Abreise geschicket/ weil ich mich nun vor meine Person in die sechs Ta- ge zu Baruth aufgehalten und gnugsam umgesehen hatte. Das IV . Capitul. Von meiner Reise von Baruth nach Sydon und was unterwegs und iedes Orts denckwuͤrdiges zu sehen. ist. D En 10. Augusti st. n. bin ich zwey Stunden nach der Son- nen Aufgang von Baruth aufgebrochen und habe den nechsten Weg nach Sydon zugenommen. Es begleiteten mich aber biß dahin mein gewesener Wirt/ Herr Faber, mit noch sechs andern Franzoͤsischen Kauffleuten alle zu Pferde. Und ob ich gleich fuͤr mein muͤth-Roß und Zehrung sechs Real/ wel- ches mehr/ als sechs Reichsthaler ist/ geben muste/ so liesse ich mir doch wol genuͤgen/ weil ich alle gute Ergetzlichkeit dafuͤr hatte. Der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Der Weg war sehr lustig. Erstlich sind wir zwischen lau- ter lustigen Gaͤrten/ hernach durch Tannen-Baͤume/ die nie- drig und dicke von Zweigen waren und sich weit ausbreiteten/ hingeritten und endlich zwischen gar viel Oehl-Feigen- und Jo- hannis-Brodt-Baͤumen/ da wir uns denn mit dergleichen Fruͤchten wol ergetzten/ weils niemand gewehret/ noch ver- boten war zu nehmen und abzubrechen/ wie viel ihm beliebte/ sintemal solche Baͤume da stehen im freyen Felde/ als wilde Baͤume/ die niemand achtet und wartet/ gleich wie bey uns hier zu Lande die wilden Holtz-Aepffel und Birn-Baͤu- me. Das Johannis-Brodt war gleich damahls reiff und sa- he so schoͤn schwartz braun aus/ als mans hieraussen bey uns in den Apothecken/ oder Zucker Kraͤmen bekoͤmmet. Allein frisch also zu essen ists gar eine sonderliche angenehme Frucht/ wie wir uns denn wohl drinnen hielten und deß Abgefal- lenen nicht achteten/ sondern nach dem besten griffen wie es denn zu gehen pfleget/ daß/ ie mehr man eines Din- ges hat/ ie mehr man auch darinnen wehlet und sich immer zuverbessern gedencket/ biß es endlich abnim- met. Hierauff bekamen wir das mittel-Meer gar nahe an die rechte Hand/ uͤber welches wir kein Land erkennen konten. Zur lincken Hand hatten wir Gebuͤrge und gar nahe wiewol nicht gar hoch/ welches auch voll gruͤn Gebuͤsche und Johannis-Brot-Baͤume stund. Mittags nahmen wir unsere Ruhe bey einem Dorffe/ Bariasch genannt/ unter einem Johannis-Brodt-Bau- me und verzehreten allda unsere Mittags-Mahlzeit: Un- sere Pferde aber bunden wir derweil am Meere an Oehl- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Oelbaͤume/ anmassen denn dieses Dorff mit lauter Oelbaͤumen umgeben war. Kamen also/ weil wir uns etwas unterwegs aufhielten/ nach halb Abend gen Sydon/ allwo wir auch dieselbige Nacht uͤber verblieben sind. Das V . Capitul. Von der Stadt Sydon und ihrer Gegend und was allda zu sehen und davon zu melden ist. D Jese Stadt Sydon ist vordessen eine sehr grosse/ reiche und maͤchtige Kauff- und Handels-Stadt gewesen/ wie auch Gottes Wort sie deßwegen ruͤhmet. Hat den Na- men Sydon von der Seyde/ und von der koͤstlichen Leinwat Sindon genannt/ wie denn auch der Purpur allda gemachet worden ist. Um ihrer Hoffart aber und Gottlosigkeit willen hat sie Gott gantz umkehren und zerstoͤhren lassen/ wie sie denn auch noch heute bey Tage also lieget/ ausgenommen/ daß stat ihrer am Mittel-Meer ein klein geringe Staͤdtlein wider auff- gebauet ist/ welches ietzt Sait genennet wird. Einen feinen Hafen und Port hats allda/ darinnen auch Galleen stellen koͤnnen. Nicht weit davon zuꝛ lincken Hand vorwarts wird noch gewiesen die Stelle/ wo Sarepta soll ge- standen haben/ da der Prophet Elias einer Wittwen verstor- benen Sohn vom Tode erwecket und lebendig gemachet/ da- von zu lesen im 17. deß 2. B. der Koͤn. Weiter noch zur lincken Hand ist gelegen gewesen das grosse Cana/ woraus das Ca- naneische Weib soll gewesen seyn/ deren Tochter uͤbel vom Teu- fel geplagt ward/ wie sie Christo klagte. Dahero auch noch an der Stelle hart am Meere eine kleine alte viereckichte Capelle zum Warzeichen von andaͤchtigen Hertzen vor Alters erbauet zu sehen/ wo gedachtes Cananeische Weib dem HErrn JEsu den Weg verlauffen und geschryen: Ach HErꝛ/ du Sohn Da- vid/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. vid/ erbarme dich mein! Meine Tochter wird vom Teufel uͤ- bel geplagt/ daß er derselben helffen solte. Diese Gegend wird Phœnicia genennet/ ietzt aber Casamia . Und weil sie im Lande Syrien gelegen/ so nennet die Schrifft dahero gedachtes Cananeische ein Syro-Phoenicische Weib. Weiter hinuͤber zur lincken Hand da liegt der Berg Libanon und Antilibanon/ und wird dieser Berg darum also genennet/ weil er zweyhuͤglicht ist. Vorwarts gegen die Stadt Sydon zu wird er Anti Libanon/ auf der andern aber Libanon genen- net/ auf dessen Seite vor sich hin ist gelegen die St adt Da- masco . Unten aus dem Fusse deß Anti- Libanons entspringet der Jordan/ der mitten durchs Juͤdische Land fleußt und dasselbe theilet. Bey Capernaum faͤllet er ins Gallileische Meer/ oder/ wie es auch geneñet wird/ in die See Genezareth/ fleußt durch- hin und endlich ins tode Meer/ da vor Zeiten Sodom/ und Go- morrha gestanden/ die Gott um ihrer Gottlosigkeit willen mit Feuer und Schweffel vom Himmel verderbet hat. Erst sinds zwey Quelle/ deren einer Jor der ander Dan genennet wird und weil sie hernach an dem Orthe/ wo vor Zeiten Cæsarea Phi- lippi gestanden/ in einen Strom zusammen fliessen/ so wird derselbe Jordan genennet/ welcher hernach sich von 23. biß 24. Teutsche Meilen lang erstreckt und ein groß tieff und breites Wasser ist. Besage heiliger Goͤttlicher Schrifft sind gar viel Goͤttliche Wunder in und bey demselben geschehen/ wie der wolgeneigte Leser sich daselbst Nachrichts erholen kan. Das VI . Capitul. Von meiner Reise von Sydon biß nach Tyro und was unterwegs geschehen und gesehen worden. L l Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. D En 11. Augusti halb um Mittag bin ich mit gedachtem Herrn Fabern von Sydon wieder abgereiset und sind nach Tyro miteinander zugegangen/ welches von Sy- don vier gute Teutsche Meilen abgelegen/ fuͤnff und zwantzig Meilen aber von Jerusalem. Erst sind wir durch lauter lustige Gaͤrten/ hernach aber zur lincken Hand bey steinfelsigtem Gebuͤrge/ so iedoch nicht all- zu hoch war/ hin passir et/ worunter gar eine schoͤne Ebene war/ welche voller schoͤn Getreyde und Baumwolle stund/ daß es mit Lust zu sehen und hindurch zu reisen war. Es war aber dißmal die Baumwolle noch nicht reiff/ deñ dasselbe geschicht erst im September hin und hat mit derselben wie sie waͤchset und hernach/ wie sie zum Gebrauch handthie- ret wird/ eine solche Beschaffenheit: Sie waͤchset an kleinen subtilen Stengeln einer Elen bißweilen hoch/ biß weilen auch hoͤher und niedriger. Solche Stengel haben kleine Blaͤtterlein und runde Knoͤpffe einem grossen Kirsch-Kern gleich/ in wel- chen die Baumwolle stecket. Und wenn sie recht reiff/ bersten die Knoͤpff lein von sich selber auff und blicket alsdenn die weisse Baumwolle herfuͤr. Wunders und Nachrichts halben habe ich etzliche solche Knoͤpfflein abgebrochen und aufgemacht/ da fand ich die Baumwolle noch in einer nassen und suͤssen waͤsseri- gen materi liegen/ weil sie/ wie vorgedacht/ dißmal noch nicht reiff war und konte sie zermusen/ wann man sie riebe und druck- te. Wenn sie aber gantz reiff ist/ so haben sie sonderliche instru- menta darzu/ damit sie dieselbe aus den Schalen gar behende heraus treiben/ aufsammlen und hernach gebrauchen/ oder in fremde Lande verfuͤhren und verhandeln. Das Meer hatten wir stets zur rechten Hand/ und um halb Abend kamen wir wie oben gedacht worden/ der Capelle deß Canenischen Weibes vorbey und da hatte ich ein groß Un- gluͤck Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gluͤck/ daß ich fast deß Auffstehens vergessen sollen. Denn in- dem mein Pferd mit mir stuͤrtzte/ thaͤt ich einen solchen Fall/ daß man mich fuͤr tod auffhub und ich hernach uͤber vier Wo- chen dran zu klauben hatte/ ehe ich mich wider erholen konte. Hier auff kamen wir zu einem Fluß/ welcher sehr tieff und das Wasser driñen gantz gruͤn war/ und soll/ wie man mi be- richtete/ ein Arm vom Jordan seyn. Es gieng eine alte boͤse zer- brochene und loͤcherige Bruͤcke hinuͤber/ uͤber welche wir ge- faͤhrlich reiten hatten und konten doch nicht um hin. Wir legten uns aber zuvor ein wenig dabey nieder und ruheten in etwas/ da befand ich mich von meinem Fall erst recht uͤbel und war mir nicht wol zu muthe dabey/ in Erwegung/ daß ich da in der weiten Fremde unter solchen Barbarischen Leuten war/ von denen ich wenig guten Willen und Liebe/ dem Ansehen nach/ wuͤrde zu hoffen gehabt haben/ wenn ich mich kranck haͤtte le- gen sollen/ oder waͤre doch an Artzneyen und Nothduͤrfftigen Wartungs-Mitteln nichts zuerlangen gewesen/ wie in diesen Laͤndern es gehet/ wenn ich gleich sonst allen guten Willen ge- habt. Aber Gott halff mir/ daß es uͤberhin gieng und dar- nach sassen wir wieder auf/ wagtens und kamen auch/ Gott Lob/ ohne Schaden uͤber diese boͤse Bruͤcke/ woruͤber wir alle froh waren. Allhier haben wir Tyro schon sehen koͤnnen/ welches wir denn auch bald nach halb Abend erreichet und uns nach Nothdurfft allda umgesehen haben/ wiewol wir nicht drinnen blieben seyn. Das VII . Capitul. Von der Stadt Tyro/ Tripolis, Damasco und Laodicæa . D Je Stadt Tyro ist ietziger Zeit nach gar ein kleines und fast ja so ein geringes Staͤdtlein/ als Sydon/ wiewol sie L l 2 vor Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. vor Zeiten eine uͤber aus grosse maͤchtige uñ fast unuͤberwindli- che Festung gewesen von solcheꝛ grossen Gewalt uñ Reichthum/ daß sie andere vornehme Staͤdte bauen und sich ihre Kaufleute als Fuͤrsten halten koͤñen/ wie zu sehen im 23. Esa. Dahero sie oh- ne Zweifel auch Zor, das ist/ ein Felß/ genenn et worden. Sie ist mehr ins Meer/ als aufs feste Land gebauet/ eine geschlagene Meile davon/ wo sonst das alte Tyro gestanden und wird ietzo Sur genennet und der Port und Hafen dabey El porto de Sur . Es hat sie aber ihre grausame Abgoͤtterey und Gottlo- sigkeit und Gottes Zorn also zugerichtet und verderbet/ da- hero ich diese Orthe ohne Bewegung meines Gemuͤthes nicht ansehen koͤnnen. Man hat mir fuͤr gewiß gesagt/ daß Keyser Friedrich Barbarossa, der so ritterlich wider den Erbfeind fuͤr die Christen gefochten und es sehr weit gebracht/ wie in denen Historien zu lesen/ im Jahr nach Christi Gebuhrt 1190. in vorgedachtem Wasser mit der boͤsen Loͤcherigen Bruͤcke soll ertruncken/ indem er mit dem Pferde hinein gestuͤrtzet und hernach zu Tyro be- graben worden seyn. Auch soll der beruͤhmte alte Kirchen- lehrer/ Origenes, allda gestorben und begraben seyn/ massen denn auch allda die Kirche/ zum heiligen Grabe genannt und in derselben sein Grab gewiesen wird. Weil ich aber noch in dieser Gegend mich auffhalte/ kan ich nicht vorbey gleichwol auch der Staͤdte Tripolis, Damasco und Laodicea in etwas mit zugedencken. Tripolis ist eine feine Stadt/ darinnen allerley Handel und Wandel getrieben wird und liegt auch am grossen Mittel- Meer/ wiewol noch uͤber Sydon und Baruth/ dahero wir auch nicht drauf zukommen seyn/ sondern nur dieselbe von fern gesehen. Soll um und um mit gar schoͤnen luftigen Gaͤrten um- geben und gleichsam geschmuͤcket und gezieret seyn. Da- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Damascus aber ist huͤbscher und feiner dem Ansehen nach und liegt auch in einer uͤber die masse lustigen Gegend und treibt gar einen grossen Handel von allerhand Kunst und an- dern Wahren/ die allda gemacht werden. Sonderlich hats ein schoͤn Castell allda/ welches vordessen ein zum Tuͤrckischen Unglauben gefallener Christ von Florentz soll erbauet haben/ dem der Tuͤrckische Keyser diese Stadt geschenckt gehabt/ weil der selbe ihme das Gifft wieder abgetrieben/ so ihm beyge- bracht worden war. Sie ist auch noch gar Volckreich und ist zu verwundern/ daß sie sich noch so lange vor den unglaubigen Saracenen erhalten hat. Jedoch haben sie auch groß Genieß davon. Man siehet in heiliger Schrifft/ daß sie schon zun Zeiten deß Ertz-Vaters Abrahams gestanden Denn sein Haußvoigt/ Eleazar/ der Jsaac auf die Freyhte fuͤhrte/ war aus derselben buͤhrtig/ wie zu sehen im 15. deß @. B. M. v. 12. Die armen Christen allda muͤssen sich schmuͤgen und bie- gen und wenn sie sterben/ so haben sie kaum die Erde/ darein sie sollen begraben werden. Man sagt/ die Stelle/ da sie einge- scharret werden/ solle warhafftig die Stelle seyn/ da der HErr JEsus Saul vom Himmel angeschryen und gesagt: Saul Saul/ was verfolgst du mich? und ihn also erleuchtet und be- kehret/ daß er ein hochnuͤtzlicher Paulus worden/ davon zu le- sen im 9. der Apostel Geschichte. Auch reiset man um die Gegend Damasco den Orth/ da Cain seinen Bruder soll erschlagen haben. Damascus heißt ein Sack deß Blutes. Wolte man dem Namen nachgehen/ so waͤre es auch keines Wegs zuverneinen/ weil der Allerhoͤchste selber sagte von dieser schaͤndlichen Bruder Mordthat: Die Erde haͤtte ihr Maul aufgethan und das unschuldige Blut von der Moͤrder Haͤnden empfangen und gleichsam eingesa- L l 3 cket/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. cket/ daß es vor Gott zur Rache solle behalten werden und ohn unterlaß um Rache anhalten und schreyen/ wie das 4. Cap. deß 1. B. M. zeiget. Laodicæa ist auch eine Stadt in Syrien/ ist aber nicht groß beruͤhmt. Denn sie nicht ist das Laodicæa in Phrygia, da S. Paulus seine erste Epistel uñ Brief an Timotheum geschrie- ben hat. Sie ist gar abgelegen in Syrien zu eusserst hinterm Li- banon und in die 60. Teutsche Meil wegs von Jerusalem/ deßwegen ich mich nicht lange druͤber auffhalten will. Damit ich demnach wieder auf den ordentlichen Curs meiner Reise komme/ so ritten wir von Tyro ab vollends hin- aus zu den Brunnen der Lebendigen/ weiche eine gute Stunde oder Meil Wegs von der Stadt abgelegen sind. Diese Brunnen soll/ wie vorgegeben wird/ Koͤnig Salo- mo haben bauen lassen und hat derselbe sie genennet Fontes a- quarum viventium, Brunnen lebendiges Wasser/ ohne Zwei- fel darum/ weil sie sters gequollen und ihren bestaͤndigen Zu- gang vom Libanon gehabt. Wir kamen aber zu denselben Brunnen/ da es schon Nacht und finster war/ weßhalben wir/ uns recht dabey umzusehen/ es biß an den folgenden Morgen versparen musten. Es verhaͤlt sich aber mit solchen Brunnen also: Es sind derselben viere/ einer aber ist doch der groͤste/ viereckicht und viertzig Schuh lang und breit und sind sehr tieff/ aus gemauert und um und um mit einem gemauerten Schurtz und haben gaꝛ ein schoͤn klar und reines wolschmeckendes Wasser/ dahero auch dasselbe/ wie noch die gemauerten Canale ausweisen/ in die Stadt Tyro gefuͤhret worden und moͤgen ohngefaͤhr eines guten Bogen Schusses vom Meere abgelegen seyn. Daß diese Brunnen aber gewiß vom Koͤnige Salomo moͤgen erbauet worden seyn/ er scheinet daraus eꝛweißlich/ daß er Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. er ihrer im 4. Cap. seines Hohenl. gedencket und spricht: Sein Koͤnigreich/ oder unter demselben die Christliche Kirche gemei- net/ sey wie ein Garten-Brunn und wie ein Brunn lebendiger Wasser/ die von Libanon fliessen. Jnsonderheit aber ist an solchen Brunnen nicht ohne Verwunderung zu sehen/ daß an dem Gemaͤuer/ woruͤber weiland das Wasser gefuͤhret worden/ eine Materi in grosser Menge henget/ welche anzusehen ist/ als Bimsstein/ ja auch leicht ist/ als ein Bimsstein und von dem Wasser also worden ist wegen deß stetigen Rinnens. Niemand solte es glauben daß ietzo ein Stein seyn solte/ welches vor Jahren duͤnnes uñ leichte Wasser gewesen/ weñichs nicht selber haͤtte mit Augen gesehen. Deßwegen habe ich zum Wahrzeichen 2. ziemliche Stuͤcke abge- schlagen und dieselben mit in die Chꝛistenheit heraus genom̃en. Das VIII. Capitul. Von meiner Reise nach Ptolemais und dem Berge Karmel und was unterwegs und allda zu sehen gewesen. N Ach dem wir nun die Nacht bey diesem Brunnen zuge- bracht und der Morgen anbrach/ wir uns auch bey den- selben wol umgesehen hatten/ sind wir den 12. Augusti wi- der aufgewesen und drauff zum weissen Meer kommen/ zur lincken Hand aber hatten wir Gebuͤrge/ da wir denn so fort nahe am Meer uͤber gantz kreidenweiß Gebuͤrge gar gefaͤhrlich hin reisen musten. Da ist der erste Caffar, oder Tuͤrckis Zoll/ welcher in einem daselbst zu dem Ende erbauten Hause/ an welchem unten an der Mauer ein schoͤner frischer Brunn/ gegen uͤber aber hart am Meere ein viereckichter starcker stumpffer Wach-Thurm liegt/ eingenom̃en wird und muß iede Person einen Real geben vor unsere Person wiewol wir durch Herrn Fabern erhielten/ daß wir nur ein vierthel eines Reals geben dorfften. Als wir nun unsern Zoll erlegt hatten/ und unsere Strasse Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Strasse fortreiseten/ kamen uns etzliche Mohren mit Roͤhren nachgelauffen/ die fielen uns mit Ungestuͤm und Gewalt an/ der Meinung/ als wenn wir ohne abgelegten Zoll davon ge- ritten waͤren. Nach dem sie aber hoͤrten/ daß wir gezahlet hat- ten/ gaben sie gar gute Wort und liessen uns unsere Strasse frey und ungehindert passiren. Sonst ists hie herum der Mohren halben sehr unsicher/ dieweil sie allenthalben ihren Unterschleiff haben koͤnnen/ indem es bald Gebuͤrgig/ bald etwas in der Ebene zu reisen ist. Gegen Mittag haben wir/ unter einem Feigenbaume et- was geruhet und da haben wir die Stadt Ptolemais und den Berg Karmel zu erst ins Gesichte bekommen. Da wir aber wieder fortzogen/ hatten wir solche grausame Hitze/ daß wir uns kaum erhalten konten und endlich gezwungen wurden Mittags Ruhe zu halten. Wir traffen aber allda zu unserm Glūcke an einen grossen von Quaterstuͤcken gemauerten Schwibbogen/ durch welchen wir ohne deß Hinreisen musten: Da zogen wir unsere Esel unter und warteten so lange/ biß die grausame Hitze vorbey und es ein wenig kuͤhler war/ auch wir und unsere Esel ein wenig Mahl und Futter genossen hatten. Hierauf giengen wir der Stadt Ptolemais zu und reiseten etz- liche Wach-Thuͤrme vorbey/ biß wir um halb Abend nach Ptolemais kommen. Das IX . Capitul. Von der Stadt Ptolemais und dem Berg Karmel. P Tolemais ist vor Zeiten gar eine vornehme Handels- Stadt gewesen/ von dem Koͤnige Ptolæmæo in Egypten erbauet und nach ihm Ptolemais vorhin/ aber auch Akon genennet worden/ weßwegen sie ohne Zweifel auch noch ietzt S. Joann de Acria genennet wird. Liegt 19. Meilen von Jerusa- lem Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. lem und mehr ins Meer erbauet/ als aufs feste Land/ wiewol sie heute zu Tage meistentheils zerstoͤrt ist und voll alter zerbro- chener Mauren und dermassen mit tieffem Sand in allen Gas- sen angefuͤllet/ daß man darinnen/ wie im Schnee gehet und waten muß. Da liegen hier und da grosse Schutthauffen von Steinen und Erde von denen alten zerfallenen und wuͤsten Haͤusern/ daß man kaum davor fort kommen kan und ist also nichts sonderliches mehr daselbst uͤbrig zu sehen von ihrer vori- gen Herrligkeit/ ausbenommen/ daß es einen schoͤnen Port al- da hat vor die Galleen/ welcher mit grossen Steinen ausgesetzt und unterschieden ist. Es hat auch ein Schloß da/ flugs der Johannis Kirche gegen uͤber und ist nicht groß und gar schlecht und ohne beson- der Ansehen erbauet. Gedachte Johannis-Kirche aber ist schoͤn und von lauter grossen Mauer-Steinen gebauet und vordes- sen ohn allen Zweiffel ein kuͤnstlich und praͤchtig Werck gewe- sen/ wie annoch dran zu sehen ist. Jn der Stadt sonderlich wo wir hinein kamen/ stunden sehr viel Feigen-Baͤume im tieffen Sande/ welches mich wun- der nam/ daß sie gedeyen konten/ denn sie waren uͤber und uͤber so vom Sande bestoben/ als wenn sie waͤren beschneyet gewe- sen. Haussen vor der Stadt im Hineinreiten zur lincken Hand kamen wir etzliche uhralte zerstoͤrte Kirchen und Gebaͤu- de vorbey woraus abzunehmen/ wie weit vordessen die Stadt muß heraus gegangen seyn. Nach dem wir aber hinein kamen/ kehrten wir in einem Hann ein/ wo sonst alle Kauffleute auß der Christenheit von den Jtaliaͤnern/ Franzosen/ Nieder und Engellaͤndern pfle- gen einzukehren und giengen bey einem Franzoͤsischen Koche zu Tische/ wie wir miteinander kommen waren/ allwo ich M m auch Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. auch so lange verblieben/ biß ich meinen Stab weiter setzen konte. Jn dieser Stadt ist weiland Jonathas/ der tapffere Held und Bruder Jud æ Maccabæi, von dem untreuen Manne Tryphon schelmischer weise unter dem Vorwandt und Schein guter Freundschafft hingerichtet und auf die Fleischbanck ge- opffert worden/ davon zu lesen im 12. Cap. deß 1. B. der Macc . Der Berg Karmel liegt von Ptolemais drey Meilen und sechzehen Meilen von Jerusalem auch am grossen mittel-Meer und am Bach Kison und ist ein hoher Berg/ bey welchem vor- dessen zu Josua Zeiten ein Heidnischer Koͤnig gewohnet/ wie zu lesen im 12. und 15 Capituln Josua. An dieser Bach Kison/ wie ihn die Schrifft nennet/ haben vor dessen die Jsraeliten den Cananiter Koͤnig/ Jabin von Hazor sammt seinem Feldmar- schall Sissera erleget und sich seines Landes bemaͤchtiget wie zu lesen im 4. Cap. deß B. der Richt worauff sich auch der 83. Ps. berufft v. 10. An dieser Bach hat weiland der Prophet Elias auch aus Goͤttlichem Eifer die Abgoͤttischen Baalspfaffen ge- schlachtet und der Aergernuͤß im Volck Gottes abgeholffen/ wie zu lesen im 18. Cap. deß @. B. der Roͤn. v. 40. Hernach hat sich der Prophet und Mann Gottes/ Elias/ eine geraume Zeit drauff aufgehalten und seine Wohnung gehabt/ an welche Stelle nun eine Kirche und Kloster erbauet ist von andaͤchtigen Christen/ in welcher hiebevor Muͤnche gewohnet/ so man die Carmeliten geneñet hat/ davon auch ihr Orden seinẽ Ursprung genom̃en/ daß man ihn den Carmeliten Orden geheissen hat. Es hatten aber damals die Muͤnche den Orth aus Mangel ihres Unterhalts verlassen/ und sich anderswohin wenden muͤssen und stund also gantz wuͤste und oͤde und war kein Mensche mehr auf demselben Berge bey gedachter Kirche und Kloster zu sehen/ noch zu hoͤren. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das X . Capitul. Von meiner Reise gen Cana und Nazareth und was unterwegs und allda zu sehen gewesen. D En 14. Augusti bin ich nebenst meinem Franzosen um Mitternacht von hier wieder aufgebrochen/ da wir denn biß dahin am Meere unter freyem Himmel verlieb nehmen musten/ weil der Han geschlossen ward/ so bald die Kauffleute den vorigen Tag auch hinweggezogen waren und konte also der Han uns allein zugefallen nicht offen gehalten werden/ noch dorffte. Von hier aus sind wir erst in eineꝛ schoͤnen Ebene zwischen Baumwollen Gebuͤsche und Getreyde/ hernach gegen Mor- gen zwischen lustigen gruͤnen Gebuͤrge/ nicht sonderlich hoch/ hingereiset und war es wegen der streiffendẽ Mohren hieherum sehr unsicher/ weßwegen wir im̃er in Furcht und Sorgen stehen musten/ daß wir ihnen in die Haͤnde kommen moͤgten/ wie auch wol geschehenwaͤre/ wenn uns Gott nicht gefuͤhret haͤtte. Weiter sind wir zur lincken Hand an und unter ziemli- chem hohen Gebuͤrge die Gegend und Gelegenheit Cana an- sichtig worden/ indem wir zur rechten Hand ein zerstoͤrtes Dorff vorbey ritten/ allwo wir einen schoͤnen reinen und fri- schen Brunnen antraffen. Und weils sehr warm und dem- nach ich meines theils sehr durstig war/ habe ich mich recht sat getruncken und wol gelabet/ auch so/ daß ich mich fast nicht satt trincken konte/ dieweil das Wasser zumal so gar schoͤn klar/ an- muthig und wolschmeckend zu trincken war. Nach diesem kamen wir Cana nahe. Allein wir hatten gewiß dahin einen solchen boͤsen Weg uͤbers Gebuͤrge/ bald in die Hoͤhe/ bald jaͤhling herab zu reisen/ dz man im̃er sorgen muste M m 2 man Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. man wuͤrde stuͤrtzen und Hals und Beine brechen. Zu hoͤchst o- ben lag ein Dorff/ worbey wir hinreiseten und weil wir einen Pater und zweene Fratres und Muͤnche aus dem Kloster zu Na- zareth bey uns hatten/ die uns gar hoͤflich tractit ten und be- gleiteten/ so gaben sie uns die Nachricht/ daß der Prophet Jo- nas in demselbigen Dorffe begraben lege/ allwo man auch noch das Grab weisen koͤnte. Diß ist das Cana in Gallilea/ so zum Unterscheid deß an- dern Cana in Phoenicien/ um die Gegend Tyro und Sydon gelegen/ das kleine Cana genennet worden/ weil jenes das grosse Cana hieß/ allwo der HErr Christus zu seiner Zeit sam̃t seiner Mutter und Juͤngern zur Hochzeit gewesen und sein er- stes Wunderwerck in seinem angetretenen Predigampt ge- than/ indem er Wasser zu Weine gemacht hat. Es liegt sehr lustig unten am Gebuͤrge in der Ebene/ ist a- ber ietzo gantz zerstoͤret und nur ein Dorff: Da zeiget man noch den Brunn/ woraus die Hochzeit-Diener und Auffwaͤrter das Wasser geschoͤpffet/ so der HErr JEsus zu Weine gema- chet. So weiset man auch noch den Ort und die Stelle allda/ wo das Hochzeit Hauß soll gestanden seyn/ welches man um so viel gewisser glauben muß/ weil es tieff in die Erde gehet/ daß man etzliche Stuffen hinunter steigen muß/ sintemal draus zu schliessen/ daß die Christen ieder Zeit uͤber solche Orthe muͤssen gehalten und die Heiden durch so vielfaltiges Zerstoͤren und Verschuͤtten derselben und der Christen Nachraͤumen verur- sachet/ daß sie so unter die Erde gerathen. Von hierab sind wir in der schoͤnen Ebene eine ziemliche Weile fort gereiset/ endlich aber wieder uͤber Gebuͤrge voller Oelbaͤume und alte zerbrochene Haͤuser/ sonderlich aber zur lincken Handwerts hohes zerfallenes Gemaͤuer/ so wir unten in der Ebene schon haben koͤnnen liegen sehen. Und das waͤrete also/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. also/ biß nach Nazareth/ daß wir abermals bald Berg auf/ bald Berg unter reisen musten und kamen wir dahin den 15. Augustigegen Abend. Nazareth ist gleichsfalls gar ein lustiger Orth der Gele- genheit nach. Es liegt zwar theils Berg an/ theils Berg ab/ und mit lauter duͤrren Bergen umgeben/ wiewol dieselben nicht hoch sind allein es ie tzt nur ein Dorff und nicht groß/ ie- doch hats zur lincken Hand gar ein schoͤn lustiges Thaal und fruchtbare Gegend. So hats auch ein fein Kloster deß Ordens S. Francisci allda und ein Hauß/ da der Tuͤrckische Caffar, oder Zoll eingenommen wird. Allhier hat die Jungfrau Maria die Potschafft vom En- gel Gabriel bekommen/ daß sie solte Gottes Sohn zum Hey- land der Welte gebaͤhren und wird die Stelle noch gezeiget/ wo das Hauß Mari æ solle gestanden seyn/ darinnen diese Geschicht geschehen ist/ zu dessen Gedaͤchtnuͤß vordessen eine Kirche dahin erbauet worden. Allda ist hernach Christus auch erzogen worden/ an welchem Orthe vor Zeiten auch eine Kirche erbau- et worden/ wie hiervon im folgenden 11. Capitul am Ende wei- ter soll gedacht werden. Es ist gaꝛ wolfeil zehren zu Nazareth/ denn ich ein ziemlich groß wild Schwein habe sehen um ein Real bezahlen/ ein Rep- hun fuͤr ein Mettin uñ fuͤr ein Mettin konte man wol dreyssig Eyer kauffen/ daß ich mich verwundern muͤssen. So sind auch Huͤner und andere Victuali en gar gutes Kauffs. Jch meines theils aber habe mich im Kloster allda aufgehalten und ist mir von dem Convent alle Guͤte und Wolthat erwiesen worden/ so lange ich da gewesen bin. Noch denselben Abend/ als wir gen Nazareth kommen/ haben mich die Muͤnche auf den Berg und an den Ort auf dem- selben gefuͤhret/ wo die Juͤden Christum haben wollen herun- M m 3 ter Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ter stuͤrtzen. Jst ein sehr hoher Berg und der Orth gantz jeh hinab. Gegen uͤber war ein sehr boͤser abhengender steinigter Thaal/ der sich biß an das weite und ebene Campo, Esdrelon in der Schrifft genannt zwischen sehr nahe zusammen gelegenen hohen gruͤnem Gebuͤrge/ von welchem Campo wir an seinem Orte weiter reden wollen. Darnach kamen wir zu dem Felß/ worinnen sich Chri- stus verborgen haben solle/ vor der Juͤden Grimm/ da sie ihn den vorgedachten Felß hinab stuͤrtzen wollen und er ihren Haͤnden entgangen ist/ und wird fuͤr gewiß ausgegeben/ daß sich solcher Felß selber solle haben voneinander gethan und den HErrn JEsum/ als ein armes gescheuchtes Taͤubelein/ auf- genommen. Er ist fast/ wie eine Triangul mit drey Spitzen. Die Orientalischen Griechischen Christen haben ihn hernach besser und tieffer ausgehauen/ damit sie Messe drinnen halten koͤnnen. Oben auf diesem Felsen kan man sich uͤber die masse lustig umsehen und sonderlich abermals das schoͤne weite Feld Esdre- lon. Dasselbe liegt zwischen den Bergen Thabor/ Hermon und und Gilboa und fleußt der Bach Kison dahindurch. Jn diesem Felde sind viel blutige Schlachten geschehen/ nemlich da Gi- deon die Midianiter geschlagen/ Saul von den Philistern/ worauf derselbe verzweifelt und sich mit seinem eigenen Schwerte erstochen hat und andere mehr. Der Berg Thabor ist ein sehr hoher Berg und liegt Es- drelon von Nazareth aus zur Rechten/ der Berg Hermon aber welcher dagegen gantz niedrig ist/ zur Lincken und dabey liegt Naim, wo Christus den Juͤngling/ der Wittwen Sohn daselbst vom Tode erwecket/ als man ihn schon unterm Thore heraus zu Grabe getragen. Dieses Naim aber ist ie tzt nur ein Dorff und nicht mehr zu- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. zusehen daß es zu Christi Zeiten eine mit Mauren und Thoren verwahrte Staͤdt gewesen. Von da weiter heruͤber uͤber den Bach Kison liegt eine halbe Meile vom Berge Hermon daß Gebuͤrge Gilboa und er- streckt sich in die zwey Teutsche Meilen. Um die Gegend hat sich Koͤnig Saul erstochen und aus diesem Gebuͤrge entspringet der Bach Kison in zwey Stroͤme und fleußt einer gegen Mor- gen zu ins Galileische Meer/ der andere aber gegen Mitter- nacht ins grosse mittel-Meer. Weiter ist um diese Gegend auch zu sehen der Orth/ wo die zehen Aussaͤtzigen Maͤnner dem HErrn JEsu begegnet seyn/ aber von dem Marck/ oder Flecken ist ietzt weder Strumpff noch Stiel mehr zusehen/ sondern stat dessen ein Dorff/ davon Nachricht im 12. Capitul zu finden. Nach dem wir uns nun allenthalben wolumgesehen und uns der Abend vollends auf den Hals kommen wolte/ giengen wir wieder zu ruͤcke ins Kloster und kamen eben mit der Son- nen Untergange hinein. Das XI . Capitul. Von meiner Reise von Nazareth ans Galileische Meer und gen Tyberias. D En 16. Aug. gegen Mitternacht machten wir uns zu Na- zeth wieder auf und reiseten nach dem Galileischen Meer/ oder dem See Genezareth. Wir musten uns aber in aller Stille und wie verstohlen fortlesen/ daß man unser nicht ge- wahr ward/ denn wie mich die Muͤnche berichteten/ so solten die Leute daherum die Reisendẽ gewaltig schatzen uñ ums Geld prenckeln. Sind bald im Gebuͤrge/ bald in der Ebene zwischen Aeckern mit Baumwolle bepflantzet hinkom̃en. Anderthalbe Stunde ohngefaͤhr vor Tage haben wir uns im Felde unter ei- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. einen Oelbaum schlaffen nieder gelegt und geruhet/ biß der Tag anbrach/ unsere Maulthiere aber bunden wir derweile an die Baͤume/ weil wir nunmehr etwas sicherer waren. Mit Anbruch deß Tages machten wir uns wieder auff den Weg und kamen mit der Sonnen Auffgang dem Galilei- schen Meere so nahe/ daß/ weil wir auf der Hoͤhe daher kamen/ wir dasselbe unten im Thaal gar eigentlich uͤbersehen konten/ wie uns auch die Stadt Tyberias stets im Gesichte war/ als zu welcher wir stets Berg ab zu reisen hatten und dieselbe ohn- gefaͤhr eine gute Stunde nach Auffgang der Sonnen erreich- ten. Die Stadt Tyberias ist vor Zeiten eine grosse beruͤhmte Stadt gewesen am Galileischen Meere ohngefaͤhr 13. Meilen von Jerusalem gelegen/ ist aber damals von solchem Meer/ welches fast die Gestalt/ als eine Harpffe hat/ Cinnereth ge- nennet worden/ wie zu sehen im 34. C. deß 4. B.M.v. 11. undim 13. deß Buchs Josua v. 27. denn das Wort Chinnereth/ oder Cin- nereth heisset in der Hebreischẽ Sprache eine Harffe. Nachdem sie aber hernach Herodes/ der Johannis-Moͤrder/ verbessert/ hat er sie einen Fuchsschwantz zuverkauffen/ dem damals re- gierenden Roͤmischen Keyser/ Tyberio, zu Ehren und Gefal- len Tyberias genennet. Jetziger Zeit aber ist sie gantz zerstoͤret und sind uͤber zwoͤlff Haͤuser nicht mehr da. Die Mauren ste- hen noch/ zum Theil zerfallen/ zum theil noch gantz/ daß man sehen kan/ wie weit sich vordessen die Stadt am Galileischen Meere hin erstrecket/ wie man denn auch noch von denen Ge- baͤuden Steine und Stuͤcken daherum zerflreuet liegen siehet. Gegen das Meer ist sie offen gewesen. Wie sie ietzt ist/ hat sie nur noch ein Thor und eins/ wie man siehet/ das zugemauert ist. Von der Stadt zur lincken Handwerts gegen Mittag zu gehet Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gehet man aufs Gebuͤrge: Da hat es sehr koͤstliche gesunde warme Baͤder. Die befanden wir so heiß/ daß wir harte Eyer drinnen sieden und uns also eine Mahlzeit bereiten konten. Satzten uns demnach und verzehrten dieselbe mit einem guten Trunck Wein/ den wir mit dem Wasser aus dem See Gene- zareth/ oder dem Galileischen Meere vermischten. Das Wasser in dieser See ist nicht gesaltzen/ wie ander Seewasser pflegt zu seyn/ sondern gar klar/ suͤsse und lieblich zu trincken und reich von allerhand guten Fischen/ iedoch ist auch der schaͤdliche Crocodil driñen/ wie im Nilo. Die Muͤnche/ so bey uns waren/ badeten drinnen/ dergleichen ich meines theils wol gerne auch gethan/ wenn mirs nicht an reinem Weissen ge- raͤthe gefehlet haͤtte/ denn man es gar fuͤr ein gesund Bad haͤlt und verdroß mich also nicht wenig/ daß ichs wider mei- nen Willen muste anstehen und bleiben lassen. Jn dieser Stadt ist auch ein Tuͤrckischer Caffar- und Zoll- oder Geleits-Hauß und muste iede Person ein Vierthel/ oder Orth vom Real geben und zahlen. Nicht weit von dem Meere in der Stadt ist noch zu sehen eine vor alters wol schoͤn gewesene/ ietzo aber gantz zerbroche- ne Kirche/ worinnen an der Mauer zwey Fische und Netze in einem ziemlich grossen runden Stein gehauen sind. Daraus schließt man/ daß solche Kirche vor Zeiten von andaͤchtigẽ Chri- sten den lieben Aposteln zu Ehren und Gedaͤchtniß erbauet worden/ weil sie meist Fischer gewesen uñ in dieser See gefischet haben/ massen denn auch fuͤr gewiß berichtet wird/ daß der HErr Christus an dem Orthe/ wo nun diese Kirche stehet/ Pe- tro den Binde- und Loͤse-Schluͤssel solle vertrauet haben/ weil er von Christo so ein herrliches Bekaͤntniß gethan und gesagt: Du bist Christus deß lebendigen Gottes Sohn/ unterdessen aber ihn gleichwol nicht zum Papst und Haͤupt der gantzen N n Christ- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Christlichen Kirchen gemachet/ dieweil den andern Aposteln dergleichen eben auch/ so wol als ihm/ vertrauet worden. Nur das ist Schade und hoch zubeklagen/ daß diß so uhr- alte Gebaͤu und gleichwol gewesene Gottes-Hauß ietzo von den Mohren so schaͤndlich verunehret und unflaͤtig gehalten wird/ indem sie Esel und ander Vieh drinnen stallen und halten. Al- lein so gehets zu: Wann Gott in solchen Haͤusern von den Menschen nicht von Hertzen will gedienet werden/ daß er sie hernach in die Rappuse gibt und entheiligen und schaͤnden laͤs- set. Darum denn der rechte Schmuck und Ruhm der Kirchen nicht bestehet in der/ oder jener Ruhmwuͤrdigen Antiqui taͤt und daß dieses/ oder jenes Merckwuͤrdige drinnen geschehen ist/ oder daß sie sonst von Kunst/ Golde/ oder einiger eusserlichen Zierde gleissen und scheinen/ sondern wenn Gott mit seinem Heilig- thumb drinnen wohnet/ welches ist/ wenn sein Wort und Sa- cramenta darinnen rein und unverfaͤlscht nach Christi Ord- nung und Einsetzung zu finden und die Leute dabey andaͤchtig/ Christlich und Gottsfuͤrchtig seyn. Oben auf der Hoͤhe bey den warmen Baͤdern haben wir unten zur lincken Handwerts am Galileischen Meere auch die Stadt Capernaum liegen sehen in einer uͤber die masse schoͤ- nen lustigen und fruchtbaren Gegend. Vor dessen ist dieses Capernaum eine herrliche und geehꝛ- te Stadt gewesen/ darinnen Christus der ewige Sohn Got- tes und Erloͤser der Welt persoͤhnlich gewohnet/ viel geprediget und grosse Wunder gethan/ dahero sie auch Christi Stadt genennet worden/ wie es auch ihr Nahme gibt/ sintemal das Wort Capernaum so viel/ als Lieb oder Lust-Stadt heisset- Es liegt recht in der Mitte zwischen Tyro und Sydon und zwi- schen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. schen Jerusalem. Und da wolte der Mittler/ Christus/ wohnen damit Juͤden und Heiden sich zu ihm halten solten. Allein um ihrer Sicherheit und Verachtung willen die- ser Gnadenreichen Heimsuchung ist sie von Gottes Angesicht biß in die unterste Hoͤlle verstossen worden/ wie ihr Christus geweissaget hatte im 11. Matth. v. 23. und liegt dieselde nunmehr gantz zerstoͤret und ist mehr nicht/ als ein Dorff/ wiewol von wenig Haͤusern/ die gar geringe und von armen Fischern be- wohnet seyn. Auf solcher Hoͤhe haben wir auch ein wenig weiter von der Stadt Capernaum am Galileischen Meere hin gesehen die zerstoͤrte Stadt Bethsaida/ aus welcher die beyden Apostel Pe- trus und Andreas buͤhrtig gewesen. Wir haben gesehen den Brunn Joseph und Jacobs Bruͤcke und weiter hinuͤber nach der See Genezareth zu haben wir eine schoͤne lange und weite Ebene gesehen/ da ietzo Getreide und Baumwolle waͤchset/ auf derselbẽ soll der HErr Christus vordessen fuͤnff tausend Mann mit fuͤnff Gersten Broten und zween Fischen gespeiset haben/ die seinem Wort und Wunderwercken nachgezogen waren/ davon in denen Evangelischen Geschichten zu lesen ist. Es ist die lustige Gegend nicht gnugsam zu beschreiben und sihet man noch heute bey Tage/ daß freylich zu der Zeit/ da diß Wunder allda geschehen/ viel Graß am selben Orthe muß gewesen seyn/ dieweil man noch sihet am Berge herum viel fett Graß stehen/ das andere aber ist nun davon eingeackert wor- den. Von hier ab haben wir uns wieder zuruͤcke nach der Stadt zugewendet/ da sind wir uͤber die Stelle geritten/ wo vor Zeiten die rechte Stadt Tyberias gestanden. Da sihet man/ anders nichts/ als lauter alt zerbrochenes Gemaͤuer herum geworffene und zerstreuete Steine und Schutt N n 2 und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und Erdhauffen/ woraus zuerkennen/ was die Stadt vordes- sen einen weiten Umfang muͤsse gehabt haben. Was sind doch alle zeitliche Dinge? Nichts/ als lauter Vergaͤngligkeit davon endlich nur das Zeugnuͤß zuruͤcke bleibet/ daß sie da ge- wesen sind und man hernach mit dem Prediger Salomo da- bey seuffzen und sprechen muß: Es ist alles gantz eitel! Es ist alles gantz eitel! Darnach sind wir nach dem Berge der acht Seeligkei- ten geritten/ unterwegs aber gleich da der Tuͤrckische Hotzschi- lar auf dem Thurm zu Mittag geschryen/ unten am Berge der acht Seeligkeiten in ein Dorff kommen/ Hattin genannt und allda unter Pomerantzen- und Lemonen-Baͤumen/ so an die- sem Orte in grosser Menge gestanden/ ein wenig ausgeruhet und haben in die 1000. kleine und noch nicht gantz reiffe saͤuerli- che Lemonien fuͤr 11. Mettin, so ohngefaͤhr ein halber Teutscher Guͤlden/ kauffen koͤnnen. Auch stehen daherum/ weil die Ge- gend schoͤn eben und fruchtbar ist/ gar viel fruchtbare Oehl- Baͤume. Um halb Abend sind wir wieder aufgewesen und vollends auf den Berg der acht Seeligkeiten geritten. Dieser Berg ist sehr hoch und felsicht iedoch lehn und nicht jeh auf/ und mit viel starckem stenglichten und theils schilffichten Graß bewachsen. Und weil der HErr JEsus auf demselben die schoͤne Predigt/ im 5. Matth beschrieben von den achterley Seeligkeiten ge- than/ so ist solcher Berg deßwegen genennet worden der Berg der acht Seeligkeiten in Wellscher Sprache Ill Monte d’ otto Beatitudini, massen denn an dem Orthe/ wo Christus unter- waͤrender solcher Predigt oben auf dem Berge gestanden/ eine tieffe Grotta, oder Hoͤhle/ da man von oben hinab steigen kan/ wiewol sie nunmehr fast verfallen will. Sehr weit kan man sich auf diesem Berge umsehen/ denn er gleichsam dreyfach uͤber- ein- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. einander ist und stehen viel Oehlbaͤume drauff. Auch hat vor Zeiten eine Capelle drauf gestanden/ wie man noch an dem Ge- maͤuer sehen kan/ bey welchem auch noch eine Hoͤhle ist unter der Erden mit drey starcken Bogẽ ausgemauret/ so noch gantz und unzerfallen stehet. Nach dem wir uns nun allendhalben wolumgesehen und uns ziemlicher massen erlustiret/ sind wir wieder zu ruͤcke gen Nazareth/ unterwegens aber einer zur lincken Hand gelegenen Kirche/ darinnen noch ein Krug von denen sechs steinern Was- ser-Kruͤgen zu Cana gezeiget wird/ vorbey gangen und andert- halbe Stunde in die Nacht dahin kommen. Weil wir aber sehr muͤde und matt waren nachdem wir ins Kloster kamen/ haben wir uns/ so bald wir nur ein wenig Speise genossen/ zur Ruhe begeben/ damit wir den morgenden Tag mit dem fruͤhesten wieder auf seyn und uns noch weiter umsehen konten/ was wir dieses Orts noch zu ruͤcke hatten. Den folgenden 17. Aug. mit Anbruche deß Tages bin ich sammt zweyen Franciscaner Muͤnchen und einem Maroniti- schen Pfaffen zu Nazareth aufgewesen und nach dem Berge Thabor in einem lustigen Wege fortgeritten. Anfangs sind wir uͤber eine Hoͤhe gangen/ da wir den Berg schon sehen konten. Hernach sind wir unten am Berge in ein Dorff kommen/ Thebora genannt/ haben die Pferde und Maul-Esel allda in eine alte zerbrochene und wuͤste Kirche ge- zogen/ worinnen eine Cistern war oben mit einem rundẽ Loche/ wie ein Brunn ziemlich tieff mit schwartzen Steinen ausgesetzt darinnen aber kein Wasser/ wie auch im Dorffe selber wenig Wasser anzutreffen war. An diesem Orte soll damals der HErr JEsus die andern Juͤnger zu ruͤcke gelassen haben/ als er mit denen dreyen/ nem- lich Petro/ Jacobo dem Groͤssern und Johannes seinem Bru- N n 3 der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. der auf den Berg Thabor gangen und darauf verklaͤret wor- den/ zu dem Ende hernach die alten Gottseligen Christen an die Stelle solche Kirche zum Gedaͤchtnuͤß erbauet haben sol- len. Als wir nun auf den Berg Thabor gestiegen/ haben wir gut zwey Stunden zugebracht/ ehe wir gar hinauf kommen seyn/ dieweil er oben naufwarts sehr steinig und voller grosser Kieselsteine und demnach gar schwerlich und muͤhsam zustei- gen ist. Von unten auf und von andern Bergẽ scheinet er anzu- sehen/ als wenn er gantz rund und wie eine halbe Kugel waͤre/ wenn man aber hinauf koͤmmt/ so ist er gar breit und weitlaͤuf- tig/ fast auf eine Vierthel Meile im Umfange und uͤber und uͤ- ber mit allerhand gruͤnen Baͤumen und vielem grossen Gebuͤ- sche bewachsen und sehr lustig/ zumal weil die Vogel haͤuffig darauf aufs lieblichste in den Baͤumen singen. Vor alten Zeiten soll eine grosse feste Stadt drauf gestan- den seyn von gewaltigem Steinwerck erbauet die noch zun Zei- ten der Jsraelitischen Kriege gestanden haben soll/ ietzo aber gantz zu Grunde zerftoͤret ist. Man kan noch allenthalben/ son- derlich die Gegend nach Nazareth zu/ sehen daß sehr starcke fe- ste Gemaͤuer/ wie auch auf dem Berge umher einen ausge- mauerten tieffen Graben und einen schoͤnen grossen lustigen Platz/ den es in der Stadt gehabt und hat man gewisse Nach- richt/ daß allezeit Koͤnige drauff gewohnet und allda ihren Sitz gehabt/ den sie sich auch nicht besser haben wuͤnschen koͤn- nen. So funden wir auch drauf eine tieffe Cisterne/ iedoch wenig Wasser drinnen uñ die drey Tabernacul und Huͤtten un- ter der Erden/ welche S. Helena, Constantini M. Mutter bauen lassen. Bey solchen Tabernaculn ist eine alte zerbrochene Kirche/ wobey stehend man den Berg Hermon und das daran gelege- ne Naim gar eigentlich hat liegen sehen koͤnnen/ wie denn auch das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. das sehr lustige Feld und grosse Thaal Esdrelon, welches wei- land wie oben gedacht zu Kriegs-Zeiten der Kinder Jsrael oft und viel mit Blute gefeuchtet worden. Nach dem wiꝛ uns nun wol muͤde gestiegen hatten/ setzten wir uns unter einen Baum/ ein wenig vor Mittage/ und ver- zehrten das jenige vollends mit rechter Lustund Ergetzlichkeit/ was wir von Essen und Trincken mit aus Nazareth gebracht hatten/ dieweil wir uͤber dem Essen zugleich auch unsere Au- gen und Gemuͤther mit dem Anschauen so vieler heiliger Staͤd- ten weiden konten. Und weil wir nahe bey ietzt gedachter Cister- ne sassen/ muste uns auch derselben Wasser dienen unsern Wein damit zu mischen und zuerfrischen. Nach verrichteter Mahlzeit habe ich mich allein von mei- ner Gesellschafft abgesondert/ denn sie wolte ich weiter nicht be- muͤhen/ und damit ich mich noch einmal recht satt sehen wolte/ bin eilend durchs alte Gemaͤuer hindurch gelauffen/ und an ei- ner Ecke des Berges zu einer hohen dicken Mauer kommen/ auf welche ich mit grosser Lebens-Gefahr/ iedoch mit noch groͤsserer Lust gestiegen/ da ich denn sehr weit und ferne herum sehen uñ viel heilige in Gottes Wort mit eingefuͤhrte denckwuͤr- dige Orte mit Lust beschauen koͤnnen. Das waͤre mir bald/ als ein Fuͤrwitz/ uͤbel bekommen/ sin- temal ich nicht vermeinet/ daß ich mich so weit von meiner Ge- sellschafft solte verlaufen haben/ als doch in dem alten zerfallen- en Gemaͤuer geschehen war. Lief also herum/ als ein irre Schaf/ ruffte und schrye/ was ich konte/ aber da war niemand/ der mir antworten wolte und war mir Angst und bange/ unwissend wie ichs in der Wuͤsteney/ da mir alle Haare zu Berge stunden machen und angreiffen solte/ biß ich sie endlich plumbs halben ansichtig ward/ da ich lange gnug gelauffen war. Da ward mir solcher mein Vorwitz erst verwiesen und dabey Bericht ge- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gethan/ daß es sehr unheimlich auf diesem Berge waͤre/ wel- ches mich noch mehr haͤtte schrecken sollen/ wenn ichs vorhere wuͤrde gewust haben/ sintemal es eben in der Mittags-Stun de war/ da ich also in der Jrre herum gelauffen war. Hierauf sind wir alsbald wieder vom Berge gestiegen und uͤber lustiges Holtziges Gebuͤrge noch vor halb Abend wi- der in Nazareth hinein kommen und ist mir heraussen vor dem- selben ein grosser dicker Stein/ der unten etwas ausgehoͤlet war/ gezeiget und vor gewiß dabey gesagt worden/ daß der HErr JEsus offt und viel mit seinen Juͤngern auf demselben solle gesessen haben. Auch hat man mir den Brunn gezeiget/ bey dem die Jungfrau Maria/ weil sie in Nazareth gewohnet/ und das Kindlein JEsus pflegen Wasser zu holen/ wie denn auch den Orth/ da sie gewohnet und den HErrn JEsum erzogen/ worauff ietzo ein alt Griechisches Kirchlein stehet/ deßgleichen auch/ wo ihr der Engel Gabriel die Bottschafft gebracht/ daß sie eine Mutter werden soͤlte deß ewigen Sohns Gottes/ an welche Stelle auch eine kleine Kirche gebauet ist/ so aberiezo zer- stoͤret und verwuͤstet ist. Und weil ich mich nun durch so viel Klettern und Steigen der Berge ziemlich ermuͤdet hatte/ bin ich in Nazareth den 18. Aug. noch stille gelegen/ habe ein wenig ausgeruhet und mich zu weiterer Fortstellung meiner Reise fertig und geschickt ge- machet. Das XII . Capitul. Von meiner Reise nach Samaria/ ietzt Sebaste ge- nannt und was allda und unterwegens zu sehen gewesen. D En 19. Aug bin ich noch halb Abendzeit zu Nazareth auf- gewesen und haben erstlich in und zwischen Gebuͤrge rei- sen muͤssen/ hernach haben wir das lange lustige Thaal und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und Feld Esdrelon einbekommen und so lange im selbigen fort gereiset/ biß wir endlich das Gebuͤrge Gilboa gar nahe zur lin- cken Hand vorbey gegangen. Drauff sind wir an den Orth/ Marckt oder Flecken kommen/ vor welchem die zehen Aussaͤtzi- gen dem HErrn Christo begegnet/ da derselbe hinein gehen wollen. Jst ietzo ein ziemlich groß Dorff Janin genannt und liegt von Nazareth sechs gute Stunden zu reiten/ dahero wir drey Stunden in die Nacht erst allda ankommen/ weils schon nach halb Abend war/ da wir uns zu Nazareth auf den Weg machten/ und musten wir also im Caffart oder Zollhause die Nacht bleiben/ da wir uns denn im Hofe unter freyem Him̃el ein par Stunden nieder legten und ruheten. Zwey Stunden vor Anbruch deß Tages den 20. Aug. haben wir uns wider aufgemacht und musten bald uͤber Ge- buͤrge da es denn ziemlich frisch war/ bald in Thaͤlern reiten. Da begegnet uns ein Caffartschi reitend/ die uns hart anfiel und Tribut/ oder Zoll von uns haben wolte/ oder uns Trotz both/ wo wir von der Stelle reiten wuͤrden. Weil wir aber den- selben schon zu Nazareth erlegt hatten und iede Person vor sich und sein Pferd acht Ducaten biß nach Jerusalem erlegen muͤs- sen/ war er zu frieden/ da wirs ihm unsere Mucker oder Geleits- Tuͤrcken/ denn so werden die auf Tuͤrckisch genennet/ so mit den gemietheten Pferdten/ oder Maulthieren mit lauffen/ um dieselben wieder zu ruͤcke zu bringen/ sagen liesen/ auch selbsten mit freundlichen Geberden zuverstehen gaben. Kamen also von ihm ab und reiseten im Namen Gottes unsern Weg wieder fort/ bald in der Ebene/ bald im Gebuͤrge und konten wir schon oben von der Hoͤhe die Stadt Samaria/ oder Sebaste/ unten zwischen den Bergen liegen sehen/ da es denn am Hange her- unter sehr viel Oelbaͤume gab und gar lustig zu reiten war/ wie wolder Weg so uneben und steinigt war/ daß man gar schwer- O o lich Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ilch reiten konte und der Thaal unten war gar enge/ in welchem wir endlich zwischen lauter Oelbaͤumen und Bergen hin an ein Dorff kamen Purka genannt/ allwo die Mukir ihre Maulthie- re fuͤttern wolten/ musten aber wider ihren Willen weiter mit uns fort/ biß nach Sebaste, oder Samaria/ alldahin wir noch vor Mittage mit guter Musse ankamen. Diese Stadt ist vor Zeiten eine schoͤne Stadt und Resi- den tz der Koͤnige Jsrael gewesen/ fast drey Vierthel Meilen um- fangen und Samaria genennet worden. Nachdem sie aber die Assyrer zerstoͤret und sie nach diesem Herodes/ der Kindermoͤr- der/ ja so schoͤn und groß wieder aufgebauet und zu seiner Resi- den tz genommen/ nach dem ihn Keyser Augustus zum Vierfuͤr- sten ins Land gesetzet/ hat er sie Sebaste genennet/ welchen Na- men sie noch bißhero behalten. Sie ist aber ietzo gantz zerstoͤret und nur noch ein kleines Dorff/ auf der Hoͤhe gelegen/ daß mans ihr nicht das geringste ansiehet/ wer sie vordessen gewe- sen ist. Das hat sie mit ihrer Boßheit und Verachtung Gottes verdienet/ massen noch allda ein finster Gewoͤlbe/ oder Hoͤhle gewiesen wird/ worein Johannes der Taͤuffer von seinen Juͤn- gern begraben worden/ nach dem er zu Macheruat auf Anstif- tung der Herodias enthaͤuptet worden war/ uͤber welcher noch eine alte numehr gantz zerstoͤrte Kirche stehet. Auch kan man noch sehen dem ietzigen Sebaste gegen uͤber/ wo die alte Stadt Sebaste vordessen gestanden ist. Also hat Gott sein Heer aus- geschickt/ diese Moͤrder umgebracht und ihre Stadt angezuͤn- det/ weil sie diesen getreuen Knecht Gottes gegriffen/ gehoͤhnet und getoͤdtet/ welcher auch wie ietzt gedacht allda begraben lie- gen soll zwischen diesen beiden Propheten Elisa und Obadja. Sehr lustig liegt sie/ zwischen lauter schoͤnen fruchtbarn Oel- baͤumen/ und um und um mit Bergen umgeben. Das ist auch alles/ was an ihr zu sehen und ietzt zu loben ist. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das XIII. Capitul. Von meiner Reise nach Sichem/ ietzt Napolosa ge- nannt und was unterwegens und daselbst zu sehen ist. A Ls wir nun zu Sebaste gefuͤttert und ein wenig geruhet hatten/ machten wir uns wieder auf den Weg. Ohngefaͤhr eine Stunde von Sebaste ab kamen wir in einen langen schoͤnen uͤber und uͤber mit fruchtbaren Oelbaͤumen bewachse- nen Thaal und waͤrete biß eine halbe Stunde an Napolosa hin- an/ da wir vollends zwischen lauter lustigen Gaͤrten hinein zu- reiten hatten und brachten in allen in die dritthalbe Stunde zu von Sebaste biß nach Napolosa, wie sie ietzt von den Einwoh- nern genennet wird/ vordessen aber Sichem. War der 20. Aug. da wir gen Napolosa kamen anderthalbe Stunde noch vor A- bends blieben aber heraussen vorm Thore/ legten uns in einen Garten unter einem dicken Baume nieder und ruheten die Nacht aus/ biß zwey Stunden vor Morgen/ welcher war der 21. Augusti. Jn etwas aber dieser Stadt zugedencken/ weil sie in heili- ger Schrifft mit angefuͤhret/ und was sich daselbst begeben/ gedacht wird/ so ist dieselbe deßwegen in GOTtes Wort be- ruͤhmt/ daß die Tochter deß Patriarchen Jacobs/ Dina/ da- selbst von Sichem/ Hemors Sohne/ von welchem sie ohne Zweifel damals erbauet/ auch er Herre druͤber gewesen/ ge- schaͤndet und beschlaffen worden/ weßwegen die Soͤhne Jacob diese Untreue an den Jnwohnern gethan/ daß/ ungeacht diesel- ben ihren Glauben angenommen/ ja auch die Soͤhne Jacob sie in ihre Freundschafft aufgenommen/ dennoch aber dieselben uͤ- berfallen und mit der Schaͤrffe deß Schwerts geschlagen/ woꝛ- uͤber sich auch der alte Vater Jacob hoch betruͤbt und geeifert hat. O o 2 Die- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Diese Stadt liegt gantz im Grunde am duͤrren steinigten hohen Gebuͤrge in einem Thaal hinab. Jst lang/ aber nicht breit/ iedoch zur rechten Hand liegt sie naͤher ans gedachte Ge- buͤrge/ als zur lincken Hand/ dahero man mit Steinen von den Bergen in die Stadt werffen kan/ weil das Thaal enge und die Stadt nicht ehe zu seben ist/ als biß man gar nahe darzu koͤm̃t und stehen um und um viel Pomerantzen-Feigen- und andere edle Baͤume und lustige Gaͤrten/ zwischen welchen ein anmu- thiges frisches Waͤsserlein hinfloß/ an dem sichs die Nacht uͤ- ber nicht unsanffte schlaffen liesse. Nach dem wir nun/ wie obgedacht/ den 21. Aug. zwey Stunden vor Morgen wieder fort reiseten/ kamen wir in einer guten halben Stunde an den Brunn/ zur rechten Hand an der Strassen/ so nach Jerusalem gehet/ gelegen bey welchem Christas mit dem Samaritischen Weibe/ die am selbigen Was- ser holen wollen/ ein freundlich Gespraͤche gehalten/ davon zu lesen im 4. Johan. Wird Jacobs-Brunn genennet/ weil ihn der Ertzvater Jacob soll haben machen lassen/ massen denn auch bald dabey der Orth gezeiget wird/ da derselbe seinen Hof gehabt und gewohnet hat Liegt uͤber alle masse lustig/ daß ich fast dergleichen lustige Gegend noch nie gesehen habe/ ist aber ietzt gantz wuͤste und der Brunn mit Schutt und Steinen zu- gefuͤllet/ daß nichts/ als die Spur davon zu sehen ist. Zur lincken Hand deß Brunnen/ etwann ein gute halbe Stunde davon ist noch zu sehen alt zerfallen und zerstoͤrtes Mauerwerck/ welches vordessen die alte Stadt Sichem soll gewesenseyn. Von diesem Brunn an hatten wir eine weile gar einen ebenen Weg/ drauff kamen wir gleich mit Anbruche deß Tages zur lincken Hand uͤber eine steinigte Hoͤhe und dann in einem lustigen holtzigem Gebuͤrge eine Hoͤhe an/ biß wir endlich wie- der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. der ein schoͤn eben Feld einbekamen/ welches aber nicht lange waͤhrete/ so musten wir wieder uͤber einen holtzigen lustigen Berg. Endlich kamen wir in eine schoͤne lustige Ebene/ die voll Oelbaͤume stund und war daselbst auch ein alt baufaͤlliges Hauß/ einem Tuͤrckischen Hann gleich/ darinnen man mit Pfer- den/ Maulthieren und Eseln zu logir en pfleget. Nach dieser Ebene musten wir wieder uͤber einen hohen steinigten Verg voller Baͤume/ auf welchem man denn ein uͤ- ber alle masse lustiges Absehen in ietztgedachtes schoͤne gruͤne Thaal hatte und war darum zumal anmuthig zu sehen/ weils nicht allein zwischen den Bergen gelegen/ sondern auch an sich selber von Oliven- und andern schoͤnen Baͤumen lustig be- wachsen war-So war auch zur rechten Handwerts den Berg hinab noch ein ander Thaal/ welche beide Thaale hernach un- ten zwischen den Bergen zusammen lieffen/ da wir denn zur rechten Hand ein frisches Bruͤnnlein antraffen/ welches unter einem Steinfelsen heraus qualle/ dahero wir uns auch dieser Lust zubedienen gegen demselben uͤber und nicht weit davon unter einen Baum geleget/ eine halbe Stunde geruhet und ei- ne kalte Kuͤche und Flasche Wein/ so wir bey uns hatten/ zu uns genommen. Hierauf kamen wir theils zwischen/ theils uͤber Gebuͤrge zu einem langen wuͤsten steinigten Hause/ ohne Dach und dañ an den Orth/ wo vordessen der Ertzvater Jacob im Schlaffe die Himmels-Leiter geseben/ daran die heiligen Engel auf- und abgestiegen und Gott der HErr oben drauf ihm und seinen Nachkommen selbige Gegend und Land folgender Zeit zu eigen zu geben verheissen/ welches auch geschehen/ weßwegen Jacob solchen Orth Bethel/ das ist/ ein Hauß GOTTES genennet hat. Vor alten Zeiten haben die andaͤchtigen Christen eine O o 3 Ca- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Capelle dahin gebauet/ die zwar nunmehr gantz zerstoͤret ist/ biß aufs Gemaͤuer uñ ein Stuͤcke Gewoͤlbe von der Thuͤr auf/ da denn flugs zur rechten Hand derselben die Schlaffstete Ja- cobs zu sehen/ gar tieff in die Erde hinab und ist um und um stei- nigt und mit Holtze bewachsenes Gebuͤrge. Auch ist ein wenig vorwarts zu sehen noch viel alt verfallenes Mauerwerck/ wie von Haͤusern/ daraus zu schluͤssen/ daß vordessen der Orth Be- thel auch muß von Leuten bewohnet und es eine Stadt gewe- sen seyn. Hierauf sind wir abermals uͤber und zwischen steinigt und buͤschiges Gebuͤrge hingereiset und so dann zur rechten Hand uͤber eine steinigte Hoͤhe kommen/ da wir viel alt Ge- maͤuer und grosse zusammen geworffene Steinhauffen antra- fen und dabey einen tieffen Brunn. Soll vordessen die Stadt Lutz oder Luß gewesen seyn/ da der Ertzvater Abraham seine Huͤtte aufgeschlagen und gewohnet/ als er von Ur in Chaldea/ aus seinem Vaterlande auf Gottes Befehl ausgegangen/ wie davon zu lesen im 13. und 28. Cap. deß 1. B. M. Zwischen hier und Jerusalem/ recht auf halben Wege/ liegt ein kleines Dorff/ Pira genannt/ da es denn/ ehe man auff solches Dorff koͤmmet/ viel steinigt und buͤschicht Gebuͤrge und unterschiedene kuͤhle Brunnen giebet/ auch wegen der streiffer- den Mohren grosse Unsicherheit und Leib und Lebens-Gefahr fuͤr Reisende. Nicht weit aber von diesem Dorffe haben wir zur lincken Hand auf der Hoͤhe eine alte Kirche angetroffen/ welche drey runde Bogen und auf ieder Seite zum Altare zu drey kleine o- ben gerundete Fenster/ wiewol gantz zerbrochen/ hatte. Liegt gar sehr lustig/ wie gedacht/ auf der Hoͤhe im Gebuͤsche und wird fuͤrgegeben/ als wenn die werthe Mutter Maria allda ihꝛ liebes Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. liebes Jesulein mit Schmertzen gesucht haben solle/ nachdem sie dasselbe zu Jerusalem verlohren gehabt. Flugs aussen vor ietztgedachtem Dorffe Pira sind zwey grosse schoͤne gemauerte Cisternen nebeneinander/ iedoch ist ei- ne groͤsser als die andere/ haben aber beide kein Wasser. Neben der Kleinern ist ein schoͤner frischer Brunn/ woruͤber eine Tuͤr- ckische Musquee, oder Kirche gebauet ist. Da traͤncketen wir un- sere Maulthiere und Pferde und oben in der Musquee zwischen den frischen Mauren namen wir unsere Ruhe und kuͤhleten uns von der grossen Hitze ein wenig ab/ daß wir hernach vollends biß gen Jerusalem thauren konten. Alsbald auch vor Pira heraussen kamen wir in einen stei- nigten Thaal/ welcher gar lange waͤhrete zwischen Bergen und Steinhuͤgeln/ da uns denn zur lincken Hand auf dem Gebuͤrge der Maccabeer Begraͤbnuͤsse gewiesen worden. Und als wir den nechsten Berg vom Thaal aus einbekamen/ konten wir schon Jerusalem unten im Grunde zwischen den Bergen liegen sehen/ aber doch noch viel eigentlicher und schoͤner auf dem hier- auf nechst folgenden Berge/ woruͤber wir alle hoͤchlich erfreu- et waren. Ehe wir aber noch uͤber diesen Berg kamen/ hatten wir zur lincken Hand einen sehr dicken starcken/ hohen und runden Thurm auf der Hoͤhe/ wiewol oben ohne Spitze. Und von die- sem Berge an gehet vollends zwischen lauter Mauern und Gaͤrten ein in etwas erhabener Weg biß vor die Stadt Jeru- salem hinan. Wir kamen aber an das Thor Porta di Damasco genannt/ welches viereckicht und nicht sehr hoch ist mit zween Fluͤgeln, so mit starckem eisern Bleche beschlagen sind. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das X . Capitul. Von dem Oelberg und seiner heutig-taͤgigen Beschaffenheit. W Eil wir auf ietzt gedachtem Berge und desselben Hoͤhe un- ter andern auch gar eigentlich den Oelberg/ uns damals zur lincken Hand/ konten liegen sehen/ gibt mirs Anlaß allhier davon zuschreiben/ wie wir hernach denselben bey un- serm Augenschein auch befunden haben. Es hat der Oelberg drey Spitzen und Abtheilungen. Auf der foͤrdersten gegen uns zu im Hinanreisen nach der Stadt ste- het ietzo ein schoͤn Tuͤrckisches Bassen- Hauß. Auf diesem Berge sollen die Apostel gestanden und dem HErrn JEsu nachgese- hen haben/ als derselbe gen Himmel gefahren/ welchen zweene Engel/ oder wie sie in der Apostel Geschichte genennet werden/ zweene Maͤnner in weisen Kleidern/ zuredeten und sagten: Jhr Maͤnner von Galilea/ was stehet ihr und sehet gen Him- mel? dieser JESUS/ welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel/ wird kommen/ wie ihr ihn gesehen habt gen Him- mel fahren. Auf dem andern und mittelsten Berge ist der Orth/ wo Christus gen Him̃el gefahren und das ist eigentlich der Oelberg. Da stehet eine achteckichte Capelle drauf und in der Mitte ist ein ebener Platz mit einer Mauer umgeben. Die Capelle ist aus- wertsvon lauter schoͤnen Marmel aufgefuͤhret uñ oben hat sie eine runde steinerne Capell. Jn der Capelle drinnen ist es oben herumb mit vielen kleinen Marmelsteinern Seulen gezieret/ auch haben die Tuͤrcken in die Mauer einen Abtrit/ so groß/ daß ein par Personen drinnen knien/ oder stehen koͤnnen/ aus son- derbarer Andacht zur Himmelfahrt Christi/ da sie ihren ver- meinten Gottesdienst halten lassen/ wem es unter ihnen belie- bet/ massen denn auch flugs ansolche Mauer aussen eine Tuͤr- ckische Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ckische Musquee angebauet ist. Unten auf der Erden in ge- dachter Capelle siehet man einen Stein/ welcher viereckigt und gantz glatt ist/ als ein schoͤner weiser Marmel/ da es doch nur ein gemeiner Stein ist/ und siehet man gar eigentlich einen blos- sen lincken Fuß-Tritt im selbigen Steine/ recht/ als wenn der Fuß/ wie im weichen Wachs/ oder Thoon/ gegleitet/ oder ge- schleppet haͤtte. Und das soll der letzte Tritt Christi auf Erden gewesen seyn/ da er gen Himmel gefahren. Den rechten Fuß- Tritt desselben haben die Tuͤrcken fuͤr grosser Andacht hinab in die Stadt in den Tempel Salomonis getragen. Da kan und darff nunkein Christe bey Verlust seines Glaubens und Le- bens hinein kommen/ sondern die Tuͤrcken allein. Denn sie hal- ten solchen Tempel gar fuͤr ein sonderbares Heiligthumb und die Christen viel zu unwuͤrdig denselbigen zubetreten. Die dritte Spitze deß Oelberges gegen den toden Meere zu ist kleiner und niedriger ohne Graß und Baͤume/ da sonst der Oelberg allendhalben mit Palm- und Oelbaͤumen und an- dern mehr gar schoͤn bewachsen und lustig anzusehen ist/ zumal der Palm- und Oelbaͤume halben/ welche Winter und Som̃er gruͤn bleiben. Und so viel vom Oelberge. Das XI . Capitul. Von unserer Ankunfft gen Jerusalem und was allda denckwuͤrdiges zu sehen ist. D En 21. Aug. st. n . sind wir gluͤcklich zu Jerusalem ankom- men/ gleich da der Tuͤrcke auf dem Thurm halb Abend ruffte/ musten aber haussen vorm Thore gute anderthal- be Stunde warten/ ehe wir Bescheid bekamen/ ob sie uns hin- ein lassen wolten/ oder nicht/ weches uns nicht wenig zuwider war/ musten aber doch die besten Worte geben und darzu bit- ten und flehen. P p End- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Endlich/ da der Bescheid kam/ war derselbe also beschaf- fen: Wir musten unser Wehr ablegen und von uns geben/ wel- ches ein Tuͤrcke zu sich nahm und der weile verwahren solte/ so lange biß wir wieder von dannen reisen wuͤrden/ neun Tuͤrcken aber fuͤhrten uns zu fusse in die Stadt ins Convent und Klo- ster der Franciscaner Muͤnche/ dahin wir auch begehrten. Kein fremder Christe darf sich unterstehen in diese heilige Stadt zu reiten/ ausbenommen die Einheimischen. War uns dennoch gut/ daß wir unsere Pferd und Maulthiere nicht wei- ter/ als biß hieher gedinget hatten. Schickten sie demnach wie- der zu ruͤcke und giengen wir also zu fusse desto Sorgenfreyer mit unsern Fuͤhrern/ denen gedachten neun Tuͤrcken/ in die Stadt hinein. Nach dem wir nun ins Kloster bracht worden/ satzte sich der Vornehmste unter solchen neun Tuͤrcken/ der ohne Zwei- fel ein Befehlshalber war/ alsbald an einen von der Erden et- was erhoͤheten Orthe auf einen aufgebreiteten schoͤnen Tuͤr- ckischen Teppich nieder und traten die uͤbrigen acht Tuͤrcken al- le um ihn herum. Wer kein gut gewissen gehabt haͤtte/ solte sich wol eingebildet haben/ als wenn sie Halsgerichte uͤber uns hal- ten und uns zum tode verurtheln haͤtten wollen. Allein wir musten mit unsern Felleisen hervor/ dieselben aufmachen und allendhalben durchsuchen lassen/ zu dem Ende/ ob wir vielleicht von wichtigen Wahren etwas bey uns haͤtten/ so Brauche nach verzollet haͤtte werden muͤssen. Weil sie aber nichts fanden/ waren alsbald die Franciscaner-Muͤnche zugegen/ welche die offenen Felleissen zusammen nahmen und in ein groß Gemach trugen/ darinnen sie verwahret werden solten. Nach geendeter Vesper/ weil wir gleich nun dieselbe Zeit ankamen/ kamen auch die andern Muͤnche und der Pater Guar- dian, als Regent deß Klosters zu uns/ empfiengen uns gar freund- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. freundlich und fuͤhrten uns in eine Kammer von drey Betten/ in welcher wir uns aufhielten und schlieffen/ so lange wir da- selbst waren. Auch ward ein Muͤnch bestellet/ der uns alle Auf- wartung thun muste/ massen ers auch an nichts fehlen liesse/ woraus seine Liebe verspieret werden konte. Und weils sehr heiß war/ brachte er uns alsbald eine Kanne mit frischem suͤssen und weissen Wein und darbey gar schoͤn weiß und wolschmaͤ- ckend Brot. Als aber indeß Essens-Zeit herbey kam/ wurden wir ins Refectorium, so nennen sie das Gemach/ darinnen die Muͤnche speissen/ gefuͤhret/ allda wir/ ich sammt meinen Reise-Gefaͤhr- ten/ nemlich denen drey Franciscaner Muͤnchen/ die von Na- zareth mit mir kommen waren/ absonderlich uͤber einen langen schmalen Taͤflein gar wol tractir et warden/ also/ daß einem ie- dern sein Schuͤßelgen mit Speise und Kaͤnnichen mit Wein fuͤrgesetzt ward/ massen denn auch die andern Muͤnche auf sol- che Masse an etzlichen dergleichen Taffeln beysammen sitzende gespeisset warden. Nach gethaner Mahlzeit fuͤhrte mich ein Muͤnch oben aufs Kloster/ sintemal dasselbe kein Dach hatte/ wie bey uns o- ben zugeschaͤrffet/ sondern war nach Arth der Morgenlaͤndi- schen Haͤuser gantz flach und eben/ daß man drauf herumb ge- hen konte/ wie auf einem Altan. Da habe ich nicht allein die gantze Stadt Jerusalem/ sondern auch den Oelberg/ den Berg Zion und andere Orthe ausser der Stadt/ sammt dem Tempel Salomonis binnen derselben/ das heilige Grab und andere heilige Staͤdten mehr uͤbersehen und gar wol betrachten koͤn- nen/ daruͤber ich mich nicht wenig in meinem Hertzen er- freuet. Jndeß ließ sich der Muͤnch mit mir ins Gespraͤch ein und P p 2 frag- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. fragte/ wenn ich denn solche Orte zubesuchen willens/ damit ich nuch vorhero mit andaͤchtiger Confession und Communion darzu schicken koͤnte/ weil es hoͤchst unbillig/ daß einer ohne vor- hergehende gnungsame Vorbereitung dieselben besuchen und sehen solte. Hierauf gab ich ihm diß zur Antwort/ weil ich wol mer- cken konte/ daß der Muͤnch zu dem Ende mit diesem Gespraͤch an mich abgeordnet war/ damit man Nachricht meiner Reli- gion und Glaubens erfahren moͤgte: Es waͤre an dem/ daß ich freylich mit hoͤchster Begier diesen fernen und gefaͤhrlichen Weg daher kommen solche heilige Orte zubesehen und stellete es zu der Herren Fratrum selbst eigenem Gefallen und guten Gele- genheit/ wenn sie mir die hohe Gunst erweisen und mich an sol- che Orte fuͤhren wolten/ iedoch wanns alsbald den morgenden Tag geschehen koͤnte/ waͤre mirs um so viel desto lieber/ damit ich mich desto ehe wieder zu meiner vorhabenden Reise foͤrdern koͤnte. Belangende aber meine Confession und Communion, so koͤnte ich mich sonder Verletzung meines Gewissens darzu nicht verstehen/ alldieweil ich der reinen waren Evangelischen und Lutherischen Religion mit Hertz/ Mund und Leben zuge- than waͤre/ wolte auch deßwegen den Herrn Pater Guardian zum hoͤchsten gebeten haben mich in dem Fall nicht zuverun- ruhigen. Denn wie ich keines wegs hoffen/ noch Sorgetragen wolte/ daß sie mir das geringste zumuthen wuͤrden/ also wuͤrde auch ich durch Gottes Huͤlffe im geringsten Punct nicht wei- chen von der einmahl erkannten Evangelischen seeligmachen- den Warheit und solte ich auch gleich unverrichteter Sache wie- der von dannen ziehen und von denen heiligen Orthen und re- liquien mein Tage nicht das geringste sehen. Hierauf bin ich auch alsbald mit dem Muͤnche wieder herunter gegangen und ihn gebeten/ er solle mit mir hingehen zum Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. zum Pater Guardian, damits ihm beyzeit wissend gemacht wuͤr- de/ was meine Erklaͤrung waͤre und auch ich erfuͤhre/ wessen ich mich zuversehen haͤtte/ alsdenn auch geschahe. Da wir aber ka- men/ fanden wir ihn gleich im Hofe auf einem Stuhl im Kuͤhlen sitzen. Und nach dem ihme der Muͤnch meine Erklaͤhrung erzehl- te/ hat er sich verwundert und auf Jtalienisch zu mir gesagt: Es muͤsse gar eine sonderbare Gnade Gottes seyn/ daß ich so ei- nen weiten gefaͤhrlichen Weg zu Wasser und Lande ohn allen Schaden und Verletzung einiges Gliedes/ ja/ welches noch mehr/ ohne Zustoß einiger Kranckheit und deß Todes/ wie na- he mirs doch sonder Zweifel vielmahl wuͤrde gewesen seyn/ an den Orth kommen und koͤnne nicht anders gedencken/ als daß mich Gott um der Ursache willen durch den Schutz seiner heili- gen Engel so gluͤcklich geleitet und fort gebracht/ damit ich zu dem waren aͤltesten Catholischen Glauben bekehret werden solle. Jm Fall ich um diese mir an die Hand gegebene heilsame Mittel und Wege nicht woll in acht nehmen/ sondern ausschla- gen und verachten wuͤrde/ duͤrffte ich mir keine andere Gedan- cken machen/ als daß Gott billig Hand von mir abziehen und mich nim̃er so gluͤcklich wieder zu ruͤcke nach Hause zu den Mei- nigen kommen lassen wuͤrde/ wie er bißhero mich so Vaͤterlich gefuͤhret und so wunderbarlich erhalten haͤtte. Und als ich mich abermals erklaͤrte und sagte: Es waͤre mit Gott meine bestaͤndige Meinung und solte nimmermehr kein Mensch anders von mir erfahren/ als daß ich in dem Glau- ben/ auf den ich getaufft und in welchem ich erzogen und unter- wiesen waͤre/ durch Gottes Gnade zu leben und zu sterben ge- daͤchte/ gewiß verhoffende dabey vor Gott gerecht und seelig zu werden/ es schickte es auch derselbe/ wenn und wie er immer wolte/ hat er sich diese meine Standhafftigkeit zwar nicht miß- P p 3 fallen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. fallen lassen und mir mein Suchen versaget/ iedoch dieses da- gegen eingewandt und gesagt: Er wolle doch hoffen/ es wuͤrde noch GOTT alsdenn endlich wol einen rechtschaffenen Eiffer zur wahren Catholischen Religion in mir erwecken/ wenn ich wuͤrde die heiligen Staͤtten mit Andacht beschauen und besu- chen/ zu dem Ende denn ich den Allerhoͤchsten fleissig anruffen solle/ dergleichen er denn auch selbsten zuthun nicht unterlassen wolle. Und damit ich seine grosse Begier und Liebe zu meiner Erleuchtung spuͤhren solle/ solle mir hiermit voͤllig verguͤnstiget seyn alle heilige Oerther und Antiqui taͤten so in/ als ausser der Stadt Jerusalem/ nach meinem selbst eigenen Gefallen und Willen zubesichtigen und solle mir auch das Geringste biß zum Groͤsten nicht verhalten werden. Das geschach auch also/ sin- temal er alsbald einen von den anwesenden Muͤnchen zu sich geruffen/ welcher ein Franzoß war/ und demselben anbefohlen daß er mich morgendes Tages in aller Fruͤhe und Kuͤhle aus- fuͤhren und mir in und ausser Jerusalem alle denckwuͤrdige Sa- chen von dem Kleinsten biß zum groͤsten zeigen und genaue nach- und Unterricht davon geben solle/ welches denn solcher Muͤnch gehorsamlich zu thun versprochen. Und nach dem ich mich demuͤthig bedancket/ um fernere affection und Gewogenheit gebeten und Abschied und gute Nacht von ihm genommen/ habe ich mich in meine Kammer begeben und ohne Sorge/ iedoch mit erfreulichem Ver- langen deß morgenden Tages/ im Namen Gottes schlaffen geleget. Deß andern Tages gar fruͤh kam der Muͤnch flugs vor meine Kammer/ weckte mich auf und sagte: Dafern mirs be- liebte/ solte ich aufstehen und mit ihm gehen. Das war mir gar eine liebe Post/ sagte ihm Danck und machte mich alsbald fer- tig. Nach dem wir uns nun mit einer guten Flaschen Wein und etzli- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. etzlichen guten Broten versehen hatten/ sind wir den 22. Aug. im Namen GOTTES mit angehendem Tage miteinander aus- gegangen und die heiligen Orthe zubesehen einen Anfang ge- machet. Erstlich sind wir zu einem alten und halb zugemauerten Thor kommen/ welches zur lincken Hand an der Ecke der Stadt war und Porta Judiciaria genennet wird/ daran eine gruͤne Saͤule in der Mauer zu sehen ist. Und ist dieses das Thor/ durch welches der HERR CHristus zum Creutz Tode nach dem Berge Calvaria ausgefuͤhret worden/ da er sein Creutze sel- bertrug/ daran er leiden und sterben solte. Allhier faͤngt sich an die Schmertz-Strasse/ welche auff beiden Seiten Absaͤtze hat/ in der Mitte aber voller Staub und Sand ist/ dahero leicht zu achten/ wie der liebe Heiland da ei- nen verdruͤßlichen Gang mit seinem schweren Creutz hinaus gehabt. Diese Strasse wird so heilig gehalten/ daß der Muͤnch ehe er noch einen Fuß darauf gesetzet/ seine Holtz-Schuh aus- gezogen und barfuͤssig gegangen/ welches er denn auch mir zwar zugemuthet zu thun: Allein weil ich mich entschuldiget/ ich haͤtte gar enge Tuͤrckische Stieffeln an und koͤnte dieselben so gar schwerlich aus- und anbringen/ hat er mich ferner damit verschonet und nichts weiter vom Barfußgehen gedacht. Hiervon abe zur lincken Hand gehet man zum Gefaͤng- nuͤß/ worinnen der Apostel Petrus in Ketten und Banden ge- legen/ da ihn der Engel deß HErrn aufgewecket und loß und le- dig heraus gefuͤhret/ massen auch noch der Stein drinnen ge- wiesen wird/ auf welchem Petrus gesessen ist und ist derselbe sehr groß und glatt: Auch stehet nahe bey solchem Gefaͤngniß eine alte zerstoͤrte Kirche/ welche vordessen die Maltheser Ritter eine lange Zeit inne gehabt. Weiter kamen wir zum Tempel deß heiligen Grabes/ so Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. so eben in dieser Gasse/ oder Schmertz-Strasse zur rechten Hand/ weiter hin auf den Berg Moria/ auf welchem ietzt ein alter Abyssiner Muͤnch wohnet/ so ein Mohr ist. Zur rechten Hand im Hinauffteigen auf den Berg Moria siehet man oben einen Oelbaum/ um welche Gegend der Orth gewiesen wird/ da der Ertzvater Abraham den Wieder im Buͤsche verfitzt ge- sehen zum Opffer/ daß er seines Sohnes schonen konte. Von der Porta judiciaria abwerts die Schmertz-Strasse hin ist zur rechten Hand das Hauß der heiligen Veronica, oder vielmehr der Ort/ wo sie dem HErrn Christo/ als er mit seinem Creutz matt und voller Schweiß vorbey gangen/ ein Wuͤsch- tuch vor Jammer und Mitleiden gereichet/ daß er sich damit abtruͤcknen koͤnnen/ in welchem auch sein allerheiligstes Ange- sichte/ gar eigentlich zu sehen/ zum Warzeichen soll geblieben und also der heiligen Veronica zu ruͤcke gegeben worden seyn/ wie man vor warhafftig berichtet und vorgiebet. Als wir aus dieser Gasse gewesen/ sind wir vor das Da- masker Thor kommen/ durch welches wir hinein gangen/ da ward mir der Ort gezeiget/ wo der reiche Mann gewohnet/ der den armen Lazarum vor seiner Thuͤr verschmachten lassen/ weßwegen er auch hinwiderumb mit Unbarmhertzigkeit zur Hoͤllen verstossen worden und allda ewige Qual und Pein lei- den muͤssen. Zur rechten Hand nach dem Thore zu im Anfange der Gassen/ ehe man hinein koͤmmt/ zeiget man einen Ort/ da der HErr JEsus mit dem schweren Creutze/ das er schon biß da- her aus dem Hause Pilati getragen hatte/ zu Boden soll gefal- len seyn und wird dabey berichtet/ daß/ als der HErr JEsus also darnieder gefallen und seine liebe Mutter/ so ihme nach- gefolget/ es gesehen/ fuͤr Hertzeleid an der Ecke der Gassen in Ohn- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Ohnmacht gefallen/ massen denn auch noch an dem Orte zum Gedaͤchtnuͤß ein weisser glatter Stein zu sehen ist. Besser hinauf zum Thor S. Stephani ist erstlich zur rech- ten Hand die Staͤtte/ da sich Christus umgesehen und die Gottseligen Weiber/ so ihm nachgefolget und uͤber ihn gewei- net ansichtig worden und sie also angeredet: Jhr Toͤchter von Jerusalem weinet nicht uͤber mich/ sondern weinet uͤber euch selber und uͤber eure Kinder. Hernach zur lincken Hand auf der Hoͤhe liegt Herodis Hauß/ welches sehr groß ist und Pilati Hauß nicht weit davon. An solchem Hause Pilati siehet man auch noch einen alten gewoͤlbten Bogen/ so sich uͤber die Gasse hinuͤber strecket/ auf welchen heraus Pilatus den HERRN Christum gefuͤhret denselben dem Volcke gezeiget/ wie blutig ihn die Kriegs-Knechte zergeisselt und gesagt: Ecce homo, se- het/ welch ein Mensch! Auf solchen Bogen bin ich mit dem Muͤnche hinauff gestiegen/ ist oben ziemlich breit und hat zweene Fenster. Weiter nach dem Stephans-Thor ist ein alter Gewoͤlb- ter Stall/ an dessen Stelle der HErr Christus soll gegeisselt worden seyn. Besser aber droben zur rechten Hand ist der Tem- pel Salomonis und gegen uͤber ein alter Thurm/ so ziemlich hoch/ welchen der Roͤmische Keyser M. Antonius erbauen lassen. Zur lincken Hand heraussen am Tempel Salomonis ist Pisci- na probatica, oder probir-Teich auf Teutsch genannt. Jst ein grosser tieff ausgemauerter Teich/ der zu Christi Zeiten zu ge- wisser Zeit von einem Engel vom Himmel pflegte bewegt zu werden und ward allemahl der Krancke gesund/ der zu erst auf solche Bewegung hinein kam und sich baden konte/ mit was Kranckheit und Leibs-Beschwer er auch beladen war/ und ward derselbe Bethesda genennet worden. An solchem Teiche gar nahe ist das Thor in den Tempel Salomonis. Q q Solcher Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Solcher Tempel Salomonis ist sehr schoͤn/ wie ich von aussen sehen koͤnnen. Hat ein rundes mit Bley gedecktes Tach/ auf welchem widerum ein kleines Spitzlein/ oder vielmehr run- des Haͤublein stehet. Unterm Tache sind umher blaue und gruͤ- ne glasurte Steine eingemauert/ so gar zierlich ausein ander kommen und nicht uͤbel anzusehen seyn. Von der innern Zierde und Schoͤnheit dieses Tempels kan ich nichts sagen/ sintemahl wie obgedacht/ weil kein Christe bey Verlust seines Glaubens und Lebens zum wenigsten auch nicht auf die eusserste Stuffen treten/ geschweige gar hinein gehen darff/ auch ich mich dessen enthalten muͤssen und hat mir so gut nicht werden koͤnnen/ wel- ches mich nicht wenig gekraͤncket. Man hat mich aber berichtet und mir nicht Wunders ge- nug erzehlen koͤnnen/ wie wunderschoͤn er von Marmel erbau- et und gezieret seyn soll und henget derselbe ohn Unterlaß voller brennenden Lampen. Jst schade/ daß die Tuͤrcken denselben in- ne haben und ihre Mahometische Greuel in demselben treiben sollen/ die sie doch mit so grosser Andacht verrichten. Umher um den Tempel ist ein sehr grosser lustiger Hof mit sehr viel hohen Cypressen-Baͤumen besetzet/ welches gar schoͤn anzusehen ist/ zumal weil oben umher gar lustige Gaͤnge mit schoͤnen zierlichen Marmelsteinern Saͤulen und unten un- terschiedene frische Brunnen sind. Es waͤre mir aber diese Lust bald gar uͤbel bekommen/ wenn ich alleine gewesen waͤre. Denn nachdem ich mit dem Muͤnche/ meinem Gesellen und Anweiser/ dahin auf den Platz kam und mich in Besichti- gung deß Tempels und Hofs am besten belustigte/ kam ein Mohr daher/ der einen Wasser-Krug auf dem Kopffe hatte/ willens im Hofe Wasser zu holen/ rannte wider mich die Stiegen hinauf und schnausete mich aufs aͤrgste an: Jch haͤtte ihr Recht gebrochen und waͤre uͤber das geordnete Ziel am hei- ligen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ligen Tempel geschritten/ dessen ich incht wenig erschrack und mir fast nicht trauen wolte/ ob mich der Muͤnch dessen gruͤnd- lich gnung und recht treulich unterrichtet/ oder nicht. Allein der Muͤnch nam sich meiner gar ernstlich an uñ entschuldigte mich nicht allein gegen alle zulauffende Tuͤrcken/ sondern uͤberwiese auchdiesen Boͤsewicht/ dz er mir Gewalt uñ Unrecht thaͤte und endlich sich schaͤmen und schweigen muste/ als ich denn auch mit Wissen dergleichen nicht gethan und ich mich wol so genau in acht genommen hatte/ das ich besser nicht thun haͤtte koͤnnen. Es lernete sich auch wol/ denn sagte der Muͤnch/ wenn ich auch nur einen Fuß auf die Stuffen gesetzet haͤtte/ und haͤtte dieser verlogene Mohr/ oder Tuͤrcke/ es auf mich bringen koͤnnen/ so waͤre es um mich und mein Leben geschehen gewesen/ welches alles mir der Muͤnch vorhero zur Warnung gesagt hatte. Von vorgedachtem Gesund-Teiche sind wir endlich vol- lends zum Stephans-Thor kommen und dabey in eine grosse wuͤste und ietzo Tuͤrckische Kirche/ so vordessen ein schoͤner Christen-Tempel gewesen/ in welchen uns die Tuͤrcken um ein Trinckgeld gar gerne liesen. Jn solcher Kirche wiese man uns den Orth unter der Erden und war ein finster Gewoͤlbe/ also/ daß man von oben mit Liechten durch ein enge Loch hinunter steigen muste/ damit man sich besehen konte/ da die Jungfrau Maria von ihrer Mutter/ Anna/ soll geboren worden seyn. Es stehet auch an dieser Kirche ein alter zerstoͤrter hoher Thurm/ auf welchem ich abermals die heilige Stadt Jerusa- lem mit allen in und umliegenden Bergen und lustigen Gegen- den gar schoͤn und eigentlich uͤbersehen koͤnnen/ woran ich mich auch eine ziemliche Weile erlustiret. Von hieraus sind wir abwarts zum Thal Josaphat gegan- Q q 2 gen/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gen/ etwas aber vom Thor ab hinunter ist der Ort/ wo S. Ste- phanus gesteiniget worden. Allda hat man mir einen Stein ge- wiesen/ in welchem eine Grube war/ recht nach der Runde ei- nes halben Kopffs und soll S. Stephanus, nach dem er zu boden gesteiniget worden/ daß er fallẽ muͤssen/ auf solchem Steine im Fallen aufgeschlagen und davon diß Warzeichen blieben seyn. Unten im Thaal muste man uͤber einen Gewoͤlbten und gemauerten Bogen gehen/ unter welchem war der Bach Ki- dron/ woruͤber der HErr Jesus zu seinem blutigen Leiden ein- gegangen. Dieser Bach Kidron fleußt sonst durchs Thaal Josaphat/ war aber dißmal gantz trucken und sagt man/ daß er nur bißweilen und zu gewissen Zeiten im Jahre Wasser haben und fliessen solle. Hierauf sind wir zur Kirchen und Begraͤbniß der heiligen Jungfrauen Marien kommen/ so unten am Oelberge gelegen ist. Diese Kirche ist oben gewoͤlbt und gehet unten gar tieff in die Erde/ also daß man in die dreissig Stuffen hinunter gehen muß/ ist sehr lang und breit und von schoͤnen glatten Steinen gebauet und hat unten in der Tieffe einen Brunn und zur rech- ten Hand/ wenn man hinunter koͤmmet/ ist das Begraͤbniß der heiligen Jungfrau Marien/ welches etwas groͤsser/ als das Grab Christi ist. Die Kirche hat zwey Thuͤren/ durch deren eine man hinein und durch die andere wieder heraus gehet und ist mit lauter schoͤnen Marmel uͤberzogen und gezieret: Um dieselbe herum haben die Armenier/ Griechen und andere Christen ihre Altare/ iedoch haben die Catholischen den besten Orth/ nemlich das Grab der Jungfrau Maria. Jst sonst ziemlich tunckel hinunter/ wenn man vom Tage hinein koͤmmet/ ungeacht sonst eine grosse Thuͤr hinein ist/ durch wel- che das Liecht hinein fallen kan. Wenn man die lange und weite Stiege wieder herauf ge- het/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. het/ weiset man zur lincken Hand das Grab S. Annæ der Mut- ter der Jungfrau Maria und darnebẽ das Grab S. Joachim/ deß Vaters der J. Maria; zur rechten Hand das Begraͤbnuß S. Josephs/ deß Braͤutigams der Jungfrau Maria und dar- neben Simeons/ so Christum zu Jerusalem im Tempel bey sei- ner lieben Mutter Kirchgange auf seine Arm genommen und gesagt: HErr nun laͤssestu deinen Diener im Friede fahren/ wie du gesaget hast/ denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen/ welchen du bereitet hast fuͤr allen Voͤlckern/ ein Liecht zuerleuchten die Heiden und zum Preiß deines Volcks Jsrael. Als wir nun wieder herauf gestiegen/ habe ich unten am Oelberge/ nechst an der Begraͤbnuͤß eine Grufft gesehen/ das soll die Staͤtte seyn/ da Christus zur Zeit seines angehen- den Leidens etzliche mahl von seinen Juͤngern allein gebetet und endlich auch druͤber blutigen Schweiß geschwitzet. Die Grufft ist/ wie ich sie selber gemessen/ sechs und zwantzig gemei- ne Schritte und also/ wie die Schrifft bezeuget/ freylich einen Steinwurff lang/ oder weit von dem Ort/ wo Christus seine drey mit gar an den Oelberg genommene Juͤnger gelassen und dieselben hernach schlaffend gefunden. Man muß acht/ odeꝛ neun Stuffen in diese Grufft hinunter steigen und sind im Hin- untersteigen zur rechten Hand vier andere schmale Hoͤhlen mit Seulen in Felß gehauen unterscheiden und an den Seiten of- fen/ daß man aus einer in die andere gehen kan/ und von oben gehet ein Loch hinunter/ dadurch der Tag hinein faͤllet. Wenn man wider herauf steiget/ ist besser hinauf den Oel- berg nan mir ein sonderlicher Stein gewiesen worden/ auf wel- chem man soll uñ wil den Guͤrtel der Jungfrau Marien gefun- den haben/ den sie soll haben fallen lassen/ als sie gen Himmel aufgenommen worden/ gleich wie dort der Prophet Elias sei- nen Mantel/ da er mit feurigen Rossen und Wagen gen Him- Q q 3 mel Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. mel fuhr. Und solchen Guͤrtel soll der heilige Apostel Thomas auf gehoben haben. Und weil man in dem gedachten Stein ei- nen Krummen Strich siehet/ der zwar nunmehr ziemlich ver- wischet/ so gibt man fuͤr/ der Guͤrtel soll denselben im Fallen al- so geschlagen haben. Ein wenig abwarts nach dem Garten/ oder Hofe Geth- semane zur lincken Hand weisete mir der Muͤnch einen Stein an einer Ecke/ oder Maͤuerlein/ auf welchem die Jungfrau Maria gesessen/ da der H. Stephanus waͤre geste iniget wordẽ. Und eben von diesem Maͤuerlein gehen drey Stuffen hinauf in den Garten Gethsemane/ da flugs oben drauf die drey A- postel deß HErrn/ Petrus und die beide Soͤhne Zebed æ i/ nem- lich Jacobus und Johannes/ die der HErr JEsus gar sonder- lich zu spectator en und damit sie seinen blutigen Seelen-Kampf mit ansehen sollen/ mit genommen/ gelegen und geschlafen/ wie die Evangelisten bezeugen. Flugs anter diesen Stuffen stehet ein ander runder Stein und soll der Ort seyn/ da Petrus dem Malchus/ deß Hohenpriesters Knechte/ das Ohr abgehauen und flugs um selbige Gegend herum wurde mir auch die Stel- le gezeiget/ welche auch ihr Merckmahl hat/ wo Judas dem HErrn JEsu den verraͤtherischen Kuß gegeben und der HErr JEsus von den Kriegs-Knechten gefaͤnglich angenom̃en wor- den. Unten am Oelberge stehen viel Oelbaͤume/ unter welchen ich neun gar sonderlich grosse gezehlet habe. Nach diesem bin ich auch vollends gar auf den Oelbeꝛg gestiegen und habe mich wol drauff umgesehen/ auch also befunden/ wie ich ihn vorhin von ferne gesehen/ als ich gen Jerusalem vors Thor kommen und ihn beschrieben habe/ weßhalben ichs auch hier nicht wiederho- len/ sondern den geneigten Leser vorthin gewiesen haben wil- Ausser Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Ausser dem aber was ich etwan noch sonderliches auf dem Oel- berge gesehen/ soll folgend mit beruͤhret werden. Von hier ab sind wir ins Thaal Josaphat gangen und erstlich an den Orth kommen/ wo Christus die uͤbrigen Apostel gelassen/ indeß er mit vorgedachten dreyen an den Oelberg gangen und ist derselbe mit einem Maͤuerlein bezogen. Dar- nach sind wir zu Absolons Grabe kommen/ dasselbe ist in einem schoͤnen dicken und kuͤnstlichem Felsen/ welches der ungerathe- ne Absalom ihm zum Gedaͤchtnuͤs erbauet hatte/ und nicht hinein kam/ sondern von dem Volcke im Walde in eine Grube geworffen ward/ so veracht/ daß sie ein groß Hauffen Steine auf ihn warffen/ weil er den Fluch deß vierdten Gebots an sei- nem Vater David verdienet und es am Eichbaume mit dem Leben ausbaden hatte muͤssen/ wie davon Nachricht zu lesen im 18. Cap. deß 2. Buchs Sam. unterm 17. und 18. Versiculn. Denn was die Gottlosen gerne wolten/ das ist verlohren. Da- hero denn auch solcher Orth ietzt aus Gottes Gericht von Tuͤr- cken und Mohren voll Steine hat muͤssen geworffen werden/ damit ja seine/ als eines Gottlosen/ Ehre zur Schmach und Schande worden und nun allen ungerathenen Kindern allda zur Warnung stehen soll. Nicht weit davon wird auch gezeiget und gewiesen das Begraͤbniß deß Koͤnigs Josaphats/ in welches eine viereckich- te Thuͤr gehet. Besser envor aber ist der Orth/ da sich der Apo- stel Jacobus/ so lange der HErr Christus im Grabe gelegen/ ungessen und ungetruncken soll enthalten und den schmaͤhlichen Tod seines lieben HErrn und Meisters betrauret haben. Nicht weit davon ist auch das Begraͤbniß deß Propheten Zacharias/ iedoch so ist auch/ ehe man noch zum selben koͤm̃et/ der Ort noch zu sehen/ wo sich Judas aus Verzweiflung erhencket und am Stricke entzwey geborsten/ daß ihm sein Eingeweide vor die Fuͤs- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Fuͤsse gefallen/ wie davon zu lesen im 1. Cap der Apost. Gesch. unterm 18. Versicul. Weiter ins Thaal Josaphat hinein ist ein Brunn/ der Brunn S. Mari æ genannt/ welcher trefflich gut Wasser hat und sehr frisch ist/ massen ich denn/ mich zuerfrischen/ dreis- sig Stuffen hinab gestiegen bin/ dahero denn auch die Tuͤrcken und Mohren das Wasser aus diesem Brunn in grossen ledern Schlaͤuchen haͤuffig in die Stadt Jerusalem zuverkauffen fuͤhren und dasselbe von den Jnwohnern noch eins so lieb/ als ander Wasser gekauffet wird. Nach diesem sind wir zum Brunnen Siloha kommen. Jm Hingehen aber etwas auf der Hoͤhe ist der Orth/ wo der Pro- phet Esaias von dem Gottlosen Koͤnige Manassesoll mit einer hoͤltzern Sege entzwey geschnidten worden seyn/ an welcher Stelle ietzund ein schoͤner gruͤner und lustiger Baum stehet. Jetzt gedachter Brunn Siloha ist gar tieff in Felß gehauen. Der Felß hat einen grossen Riß/ als wenner zerspalten waͤre und gehet tieff hinein/ und als ich etwas hinein getreten/ habe ich das Wasser drinnen gar grausam rauschen hoͤren. Aussen vor dem Brunnen aber ist eine kleine Grube voll Wasser/ daß man sich drinnen frischen und waschen kan. Deßwegen wir uns alda gesetzet und etwas von unserm bey uns habenden Brot und Wein zu uns genommen/ weil wir den Wein mit diesem gesun- den Wasser zu mischen gute Gelegenheit hatten. Endlich sind wir zum Brunn Nehemiæ kommen/ da sich der Thaal Josaphat endet/ da denn nicht weit davon ein Orth gezeiget wird/ da sich die lieben Apostel aus Furcht sollen ver- krochen haben/ nachdem sie flohen und ihren HErrn und Mei- ster verliessen/ als er zu seinem Leiden gefuͤhret ward. Jst eine rauhe und gantz finstere Hoͤhle zur rechten Hand ein wenig auf der Hoͤhe/ darinnen es schiene/ als wenn sich noch gar kuͤrtzlich ie- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. iemand muͤste aufgehalten haben/ wie auch wohl muͤg- lich/ weil die Mohren/ so sich vom Raube nehren/ gerne solche Loͤcher suchen und sie zu ihrem Vorthel gebrauchen. Zur lin- cken Hand war ein Thaal/ CampoSanto . oder das heilige Feld genannt/ in heiliger Schrifft aber Hakeldama, oder Blut-A- cker/ darum also genennet/ weil er um die dreissig Silberlinge/ fuͤr welche der untreue Judas den HErrn Jesum Verrathen/ erkaufft worden zum Begraͤbniß uñ Gottes-Acker fuͤr die Pil- grim. Und darzu wird er noch heute zu Tage gebraucht/ wie ich denn selber von oben herab unten etzliche Coͤrper in weisser Lein- wat nach der Ordnung da liegen sehen. Umher sind sehr viel lange/ tieffe und weite Hoͤhlen in Fel- sen/ welche Sommerszeit sehr frisch und in denen man sich so gar gemachlich niedersetzen und ruhen kan/ weilen darinnen gar ordentliche Sessel in Felß gehauen seyn. Nach diesem sind wir auf den Berg Sion gestiegen/ der- selbe ist sehr hoch also/ daß man fast die gantze Stadt drauff uͤ- bersehen kan und deßwegen ist vor Zeiten auch Davids Schloß und Residen tz drauf gestanden/ die nim gantz zerstoͤret ist iedoch stehet gar eine statliche Kirche drauf. Weil sie aber die Tuͤr- cken inne haben und gebrauchen/ lassen sie keinen Christen hin- ein und sich drinnen umsehen. Es ist aber auch sonst auf diesem Berge Sion noch eine andere Capelle mit Bley gedeckt und soll der Ort seyn/ wo der heilige Geist in sichtbarer Gestalt uͤber die heiligen Apostel außgegossen worden/ wie denn auch Koͤnig David allda begraben seyn soll. Auf diesem Berge Zion beym Thor an der Pforten Si- on/ gleich dem Convent, oder Kloster gegen uͤber wird gezeiget der Ort/ da Caiphas gewohnet/ dahin ietzt ein Kloster der Ar- menier gebauet ist. Jm Hof aber dessen/ wenn man hinein ge- het zur lincken Hand weiset man den Ort in der Mayer/ wo der R r Hahn Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Hahn gesessen und gekrehet/ als Petrus den HErrn Christum verlaͤugnet. Auch ist allda ein Platz mit Steinen umlegt/ wo sich Petrus am Kohlfeuer gewaͤrmet und seine Verlaͤugnung gethan/ durch eine elende Magd darzu erschrecket und veran- lasset. Etwas davon wird auch gezeiget der Orth/ wo Petrus seinen Fall bitterlich beweinet/ als er vom Kohlfeuer hinaus gangen war. Jn der Kirchen dieses ietztgedachten Klosters/ nicht weit vom Altar/ ist ein enge dunckel gemauertes Oerthlein/ darin- nen der HErr Christus gefangen gesessen/ auch wird allda ge- zeiget der Stein/ welcher vor dem Grabe Christi gelegen. Und mdem man nun wieder hinab in die Stadt gehet/ ist zur rech- ten Hand das Hauß deß Hohenpriesters Hannæ, welches ietzo auch die Armenier/ als Orientalische Christen/ inne haben. Da stehet ein uhr alter Oelbaum/ an welchem der HErr Jesus zur Zeit seines Leidens soll gebunden gewesen seyn. Hierauf bin ich in die Kirche gefuͤhret worden. Da slehet ein Stein/ welcher in der Mitte ein Loch hat und gibt man vor/ daß der heilige Apostel Jacobus drauf soll gekoͤpfft woꝛdẽ seyn/ und hengen um und um viel brennende Lampen. Besser hinab nach dem Paͤpstischen Kloster zu/ wo ich ausgangen war/ ist das Hauß der drey heiligen Marien/ von dem wir endlich zum Schlosse in der Stadt kommen. Dasselbe Schloß ist von ho- hen/ starcken/ dicken und festen Mauern und hat einen Gra- ben/ uͤber welchen eine Bruͤcke gehet. Und nach dem wir nun so weit kommen waren und uns allenthalben nach Nothdurfft umgesehen/ auch uns der Abend auf den Hals kommen wolte/ daß wir weiter nicht gehen kon- ten/ sind wir wieder ins Kloster gangen und die Nacht uͤber allda blieben und haben ausgeruhet. Deß folgenden Tages haben wir uns fruͤh wieder auf- gemacht/ sind durch die gestrigen Gassen der Stadt und zum Ste- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Stephans Thor hinaus gangen/ haben im Thaal Josaphat enhinder/ da wir unterwegens den Feigenbaum/ welchen Chri- stus/ weil er keine Fruͤchte dran fand/ verfluchte/ gesehen und wol besehen. Drauf sind wir zum Hause Simeonis deß Aussaͤ- tzigen kommen und ist davon mehr nicht zu sehen/ als alte wuͤ- ste Mauern/ wie denn auch nicht weit davon ein uhraltes ver- wuͤstetes steinernes Hauß gezeiget und dabey vorgegeben wird/ daß Lazarns drinnen gewohnet haben soll. Und dann sind wir vollends nach Bethanien kommen. Jst ietzo nur ein klein Doͤrffgen ohngefaͤhr eine halbe Meilwegs vou Jerusa- lem etwas im Grunde gelegen. Allda zeiget man auch das Grab Lazari/ in welches wir hinab gestiegen und ist unten eine kleine Hoͤhle/ da Christus Lazarum von den Toden erwecket/ als er bereits vier Tage im Grabe gelegen war und schon stanck/ wie deß Toden Schwester/ Martha zu Christo sagte und klagte im 11. Joh. unterm 39. Versicul. Ausser Bethanien ist zur rechten Hand etwas auf der Hoͤhe Maria Magdalenen und nicht weit davon Martha/ ih- rer Schwester Hauß gestanden/ von denen man aber nichts mehr/ als alt zerstoͤrtes und wuͤstes Gemaͤuer siehet/ wie denn auch die gantze Gegend/ biß hieher/ voll lauter Wuͤste zerstoͤrte und zerbrochene Mauern ist/ daß man sehen kan/ daß vor Zei- ten Bethanien so weit gangen ist. Jetzund aber ist der Ort vol- ler Eydexen/ Schlangen und ander Unziefer/ massen wir denn/ indem wir also herum gangen/ eine Schlangen Haut in den Steinen gefunden/ die gut eines Mannes lang war. Hier hat man die lustige Gegend um Jericho herum und dann den sehr hohen Berg in der Wuͤsten/ auf welchen der Sa- tan den HERRN CHristum zur Zeit seiner vierzigtaͤ- gigen Fasten und Versuchung gefuͤhret und ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrligkeit gezeiget/ der albern Meinung/ der HERR JESUS wuͤrde sich drinnen R r 2 ver- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. verblieben und seinen lieben himmlischen Vater verlaͤugnen/ davon zu lesen im 4. Matth. zwischen andern hohen Bergen gar eigentlich herfuͤr sehen koͤnnen. Allhier stehet auch in ebenem Felde/ ein wenig von dieser wuͤsten Staͤtte/ ein Stein/ wie mir gezeiget und gesagt worden auf welchem Christus soll gesessen seyn/ als er mit Maria und ihrer Schwester Martha sein heiliges Gespraͤch gehalten. Und weil wir von hierab nach dem Oehlberge zu gegan- gen und hinauf gestiegen seynd/ muß ich allhier vollends bey- bringen/ was ich allda gesehen und es am vorigen Berichte und Beschreibung fehlen lassen/ iedoch den geneigten Leser drauff vertroͤstet/ damit ich seiner Begierde ein Genuͤgen thue. Als wir nun von obgedachtem Steine nach dem Oelberg dahin gangen/ ist nicht weit davon ein Brunn/ bey welchem ein Mohr an meinen Muͤnch kommen/ ihn mit grosser Ungestuͤm angefallen und die Flasche mit Wein/ so wir/ gleich wie voriges Tage@ geschehen war/ aus dem Kloster mitgenommen hatten/ nehmen wollen: Weil er ihn aber auf Arabisch hart angeredet und ihm gedrohet/ er es klagen wolle bey der Obrigkeit/ hat er gebrummet und gemurret/ von uns abgelassen und uns wider seinen Willen unsern Weg gehen lassen. Drauf sind wir gen Bethphage/ so ietziger Zeit mehr nichts ist/ als altes der Erden gleich zerstoͤrtes und wuͤstes Gemaͤure/ kommen. Und weils sehr warm war/ wir auch allbereit ziemlich herum gegangen und muͤde waren/ haben wir uns allhier ein wenig niedergese- tzet und etwas von unserm bey uns habenden Brodt und Wein zu uns genommen/ da mir denn der Muͤnch den Orth gezeiget/ wo der HErr Christus das Fuͤllen und die Eselin abloͤsen und holen lassen. Nachdem wir nun ein wenig geruhet hatten/ machten wir uns wieder auf und stiegen vollends auf den Oehlberg hin- auf/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. auf/ da wir denn oben auf der Hoͤhe desselben das tode Meer/ gleich wie in einem halben Zirckul/ unter dem hohen felsichten Arabischen Gebuͤrge/ sonft der Moabiter genannt/ gar schoͤn und eigentlich sehen koͤnnen/ weil gleich die Sonne gar helle schien und der Himmel klar war. So ist mir auch gezeiget worden der Orth/ wo S. Appolonia, die vorhin gewesene grosse Suͤnderin/ ernstliche Busse gethan/ sich auch gutwillig ver- mauern lassen und endlich gestorben und allda begraben wor- den. Das uͤbrige findet der geneigte Leser droben bey der Be- schreibung deß Oelberges. Jm Heruntersteigen ward mir gezeiget eine graue stei- nerne Seule/ an welcher Stelle Christus seinen Juͤngern vom Juͤngsten Gerichte geprediget und gegen uͤbeꝛ/ wo er ihnen das Vater unser zu beten gelehret/ besser hinabwerts aber/ wo die zwoͤlff Apostel ihr Christliches Glaubens-Bekaͤntnuͤß in zwoͤlf Artickuln aufgesetzet und sich also eine gleichstimmige Lehr und Glaubens-Formul abgefasset/ wornach sie alle ihre Lehre rich- ten und anstellen wolten/ da sie in alle Welt ausgehen und nach Christi befehl das Evangelium predigen solten. Solcher Ort bestehet in zwoͤlf unter der Erden ausgemauerten und ge- woͤlbten Bogen/ nach der Zahl der zwoͤlff Apostel/ deren iegli- cher absonderlich in einer solchen Hoͤhle seine Andacht vor sich gehabt und gleich wie sein Seelen-Gespraͤch mit dem heiligen Geist uͤber seinen Artickul gehabt und gehalten. Weiter hinunter sind wir auf die Staͤte kommen/ da der HErr JEsus soll stille gestanden seyn/ die Stadt Jerusalem angesehen und uͤber ihre Unbußfertigkeit und ihr deßwegen vorstehenden endlichen Zerstoͤrung und Untergang bitterlich geweinet haben/ wie man denn an dem Orte die Stadt so ei- gentlich uͤbersehen kan/ als wenn man sie auf eine Tafel ge- mahlt vor sich haͤtte. Hierauf sind wir vollends den Beꝛg hinab R r 3 gange Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gangen und unten im Garten Gethsemane/ nicht weit vom Bache Kidron/ ein wenig ausgeruhet und endlich wieder durch die Stadt hinein ins Convent, oder Kloster eingekehret. Weil wir aber noch etwas am Tage uͤbrig hatten/ bin ich vollends auch noch zur Porta speciosa bey dem Tempel Salo- monis gangen/ da man allerhand Sachen feil hat und da zur rechten Hand man uͤber eine Stiege/ dem Tempel zu/ gehen kan und denn zur lincken Hand zum Hause der Kinder Zebædei, her- nach zur eisern Thuͤr/ wo der Engel deß HErrn den Apostel Pe- trum heraus gefuͤhret. Weiter sind wir kommen zu S. Marx- Kirchen/ welche ietzo die Surianer/ so auch Orientalische Chri- sten seyn/ inne haben. Weiter sind wir kommen/ wo der Apostel Thomas gewohnet haben soll. Und hiermit ist also auch der 23. Aug. beschlossen worden und bin ich wieder mit im Kloster ein- gekehret und habe diese Nacht abermals drinnen ausgeruhet. Den folgenden 24. Aug. welcher damals war der Son- tag/ haben wir uns nach verrichtetem Gottes-Dienst wieder aufgemacht und sind um halb Abend von Jerusalem na- cher Bethlehem/ welches von Jerusalem gute andert- halbe Teutsche Meilen war/ auf kleinen gemuͤtheten Eseln/ Landes Brauch nach/ geritten und nahmen wir zugleich auch einen Mohr mit/ damit wir vor den andern streiffenden Moh- ren wolten desto sicher seyn. Wir ritten zur Bethlehemiti- schen Pforte/ oder Porta di Rama, hinaus/ da ich denn ausser dem Thor zur rechten Hand den Teich gesehen/ worinnen Bathseba deß Urias Weib/ soll gebadet haben/ als Koͤnig Da- vid/ nach dem er sie von seiner Burg und Wohnung herab/ nicht weit davon zur lincken Hand auf dem Berge Sion ge- legen/ gesehen/ mit unehrlicher Liebe gegen sie entbrannt und hernach so viel Hand zu wercke geleget/ biß er ihren Mann/ Uriam/ auf die Fleischbanck geopffert und er dieselbige zum Weibe bekommen/ nach dem er sie vorhero zum Ehebruch ge- brau- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. brauchet hatte/ massen denn annoch das alte Gemaͤuer allda in der Hoͤhe daran zu sehen ist. Solcher Teich ist sehr tieff/ lang und weit mit Steinen gantz ausgemauert und muß man auf steinern Stuffen hinab steigen/ wiewol dißmal kein Wasser drinnen und derselbe gantz drucken war. Von hier sind wir uͤber eine steinerne Bruͤcke geritten/ ha- ben zur rechten Hand ein altes zerfallenes Hauß auf der Hoͤhe/ welches uͤber die masse lustig gelegen/ gelassen/ darinnen vor Zeiten der alte Simeon/ welcher Christum zu Jerusalem im Tempel auf seine Arme genommen und gesagt: HErr nun laͤssest du deinen Diener im Friede fahren/ ꝛc. gewohnet haben soll. Drauf sind wir zu einem Baume kommen/ von welchem dieses Wunder fuͤrgegeben wird. Als auf eine Zeit die Jung- frau Maria mit ihrem Jesulein von Jerusalem nach Bethle- hem gehen wollen und unter und zu diesem Baume kommen/ soll er sich gar sehr und fast biß zur Erden gebogen und also dem lieben Jesu und seiner lieben Mutter in der grossen Hitze Kuͤh- lung/ Lufft und Schatten gegeben haben/ wie er denn noch die- se Stunde so krumm und gebogen da stehet/ als wenn er im Buͤcken erstarret waͤre. Jst gar ein alter dicker Baum und hat kleine runde Blaͤtter und darff kein Christe/ noch Tuͤrcke was davon hauen/ oder schneiden/ so heilig wird er gehalten Allhier sind wir zur lincken Hand zu einer Cisterne kom- men/ da den heiligen drey Koͤnigen/ als sie aus Jerusalem von Herode fort und nacher Bethlehem reisen wollen/ der Stern/ so vorhin/ da sie vor die Stadt Jerusalem kommen/ ver- schwunden war/ wieder erschienen. Zur rechten Hand aber ist ein altes zerstoͤrtes grosses Gemaͤuer uf der Hoͤhe zusehen/ von welchem man vorgibt/ daß an dem Orthe der Prophet Habacuc von den Engel des HERRN bey dem Schopf/ als er den Schnittern auffs Feld Essen bringen wol- len/ ergriffen und in Chaldeam gefuͤhret worden zum Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. zum Propheten Daniel im Loͤwen-Graben und ihm daselbst die Speise bringen und reichen muͤssen. Ein wenig weiter hin auch zur rechten Hand stehet ein Griechisches Kloster und flugs aussen vor und an demselben ein grosser breiter Stein/ auf welchem der Propher Elias viel- mahl soll geruhet und gelegen seyn/ massen denn auch noch in solchem Stein die Gestalt eines Menschẽ zu sehen. Hierauf sind wir wieder zu einem sehr alten hohen zerbrochenen Gemaͤuer kommen/ in welchem vor Zeiten der Ertzvater Jacob gewoh- net haben soll/ wie denn auch zum Warzeichen dessen seiner lie- ben Rahel Begraͤbnuͤß zur rechten Hand hinabwerts gar nahe dabey gewiesen wird/ welches eine kleine alte gemauerte Capelle ist/ oben mit einer runden steinern Haube und stehen da im Felde/ eben an dem Orte allwo sie in Kindes-Noͤthen blieben und gestorben und allda von ihrem Manne/ dem Ertz- vater Jacob/ begraben worden. Unter diesem alten zerfallenen Gemaͤuer abwarts ist ein Acker mit dem sich nachfolgende Geschichte zugetragen haben soll: Als einsmals die Jungfrau Maria bey diesem Acker mit ihrem Jesulein vorbey gangen und einen Seemann auf dem- selben funden und gefragt/ was er see? Derselbe aber zur ant- wort gegeben/ er see Steinlein und die liebe Maria drauf ge- sagt: Seyns Steinlein/ so bleibens Steinlein/ so waͤren die Erbsen alsbald allemal in Steine verwandelt worden/ so offt er andere Erbsen geseet haͤtte/ biß er endlich nachlassen muͤssen. Nun ist es gewiß an dem/ daß der gantze Acker voll uͤber und uͤ- ber solche runde Steinlein lieget/ welche an Groͤsse/ Runde/ Ge- stalt und Farbe den Erbsen natuͤrlich sehen/ daß man sich druͤ- ber verwundern muß und niemand weiß/ wie es zugehet/ da- hero ich denn solcher Erbssteinlein viel mit heraus in die Chri- stenheit gebracht und hernach nach und nach unter gute Freun- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Freunde zum Warzeichen vertheilet habe. Ja welches noch mehr ist/ so siehet man nicht das geringste/ daß sie abnehmen und weniger wuͤrden/ ob gleich dieselben von denen Reisenden so haͤuffig mit hinweg genommen werden. Abwerts nach Bethlehem/ ohnegefaͤhr eine gute halbe vierthel Teutsche Meile ist die Cisterne Davids/ wie sie genen- net wird/ daraus er Wasser zu trincken sich gesoͤhnet/ da er um selbige Gegend wider die Philister zu Felde gelegen und die Philister solchen Brunn starck besetzt gehabt/ welches Was- ser ihm auch drey tapffere Helden geschaffet und gebracht/ in demsie sich mitten durch die Feinde durchgeschlagen und etwas davon geholet/ wiewol es David hernach nicht trincken wollen sondern dem HErrn geopffert und ausgeschuͤttet und gesagt: Gott solte ihn vor solcher Vermessenheit bewahren/ daß ers uf solche masse begehren und trincken solte/ denn es waͤre der Maͤnner und Helden Blut/ die ihr Leben druͤber gewaget und es geholet haͤtten. Diese Cisterne ist sehr tieff und weit/ auch etwas an dem Wege zur Seite abgelegen. Sind also drauf etwas Thaal ab Abends/ gleich da die Muͤnche gespeiset/ nach Bethlehem ins Kloster kommen/ wiewol wir dasselbe schon heraussen auff der Hoͤhe gar schoͤn und lustig vor uns liegen sehen/ dieweils ein groß und weitlaͤufftig Gebaͤude und sehr wol erbauet ist. Da wir nun hinein kommen/ ist mir noch diesen Abend flugs der Orth gewiesen worden/ wo Christus von der Jung- frauen Marien ein wahrer Mensche zur Welt gebohren wor- den. Seind von einer Capelle oben aus mit brennenden Liech- tern eine steinerne Stiegen hinab zwischen einem engen fin- stern Wege zu erst in den Stall kommen/ da die Krippe gestan- den. Dieser Orth ist nicht sonderlich weit und groß/ oben aus- gemauert und mit vielen silbern brennenden Lampen behenget S s und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und unten sind auf beiden Seiten grosse Steine gelegt/ darauf die Muͤnche sitzen und knien koͤnnen. Oben druͤber stehet die schoͤne Kirche Helenæ, von welcher hernachmals soll gedacht werden. Aus derselben herab gehen zwey unterschiedene lange breite Stiegen/ iede von neun Stuffen/ die lincke im Hinge- hen zum Altar gedachter Kirche gebrauchen die Catholische/ die andere aber zur rechten Hand gebrauchen die Griechischen Christen. Auf der Seite/ wo die Griechen hinunter gehen/ ist eine kleine gemauerte Hoͤhle/ und das soll eigentlich der Orth seyn/ da die Krippe und dabey das Vieh gestanden und wird vorgegeben/ daß dahin das liebe Jesulein von seiner werthen Mutter aus sonderbarer muͤtterlichen Sorgfallt sey gebracht und geleget worden/ nachdem sie ihn zur Welt gebohren ge- habt/ weils allda vom Viehe warm gewesen und solches ihrem lieben neugebornen Kindlein zu gute kommen sollen. Jn solcher Hoͤle stehet auch ein klein Altaͤrlein an der Stelle/ wie man vor- gibt/ da die Weisen aus Moꝛgenland vor Christo nieder gefallẽ/ ihn angebetet und ihr glaͤubiges Bekaͤntniß von ihm gethan/ und drauf auch ihre irrdische Schaͤtze aufgethan und ihn mit Gold/ Weyrauch und Myrrhen beschencket. An dieser gemauerten kleinen Hoͤhle ist noch eine andere Grosse/ aus welcher man drey steinerne Stuffen herunter in die Kleine gehet/ worbey eine Marmelsteinerne Seule stehet und in solcher kleinen Hoͤhle hengen etliche silberne brennende Lampen zur Andacht und Gedaͤchtniß/ daß das Liecht der Welt/ JEsus Christus/ allda gefunden worden/ daß in der Finsternuͤß dieser Welt erleuchtet alle/ die es begriffen und an- genommen haben. An diesem Orte/ wo die Krippe gestanden/ ist ietzt zu se- hen ein wunderseltzamer grauer Marmelstein/ wie denn auch sonst daherum alles mit schoͤnen klaren Marmel uͤberzogen ist/ das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. daß es schimmert und glaͤntzet. Jn demselben grauen Marmel siehet man ein Bildniß eines alten Muͤnchs mit seiner Kutte und Caput/ mit einem langen Bahrt/ Gesicht und allen Glied- massen deß Leibes so natuͤrlich und eigentlich/ als wenns drauf gemahlt waͤre und ist doch von Natur also gewachsen/ welches ein groß Wunder der Natur ist/ daß ichs nicht gnung an- sehen koͤnnen. Mann hat mir gesagt/ es solle das Bildniß deß alten heiligen Kirchenlehrers Hieronymi seyn. Derselbe schlug um diese Gegend in seinem hohen Alter/ da er nicht mehr fort konte/ im Lehr- und Predigampte/ seine Wohnung auf und war von dem Kripplein seines JEsu nicht hinweg zu bringen/ biß in den Tod/ ob er gleich zu einem vornehmen Bischoff-Am- pte beruffen ward. Er sagte: Nein/ man bringt mich vom Krip- lein Christi nicht hinweg/ denn nirgends ist mein Seele ruhiger und froͤlicher/ als hier. Darum eben an dem Orte/ da mir Gott aus Liebe seinen Sohn vom Himmel gegeben/ will ich ihm bil- lig auch meine Seele gen Himmel schicken. Kurtz aber vor seinem Ende hat er gesagt und geschrie- ben: So offt ich diesen Ort anschaue/ so haͤlt mein Hertz sein Seelen-Gespraͤche mit dem Kindlein Jesu. Jch spreche: Ach HErr JEsu/ wie zitterstu/ wie hart liegstu um meiner Seelig- keit willen! Wie soll ich dirs im̃ermehr verdancken? Da duͤnckt mich/ als wenn mir das Kindlein antwortete: Nichts begehre ich lieber Hieronyme, als singe von Hertzen: Ehre sey Gott in der Hoͤhe ! Laß dirs nur lieb und deinen Trost seyn/ ich wil um deinetwillen noch viel geringer werden am Oelberge und am Stamme deß Creutzes. Jch spreche weiter: Liebes Jesulein ! Jch muß dir gleich- wol auch was geben. Jch will dir mein Geld und mein gantzes Vermoͤgen geben/ da antwortet mir das liebe Jesulein: Jst doch vorhin Himmel und Erden mein/ drum bedarf ichs S s 2 nicht. Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nicht. Gibs armen Leuten/ das will ich annehmen/ als haͤtte ichs selber empfangen. Jch rede weiter: Liebes Jesulein/ ja das will ich gerne thun/ aber ich muß dir auch selber etwas geben/ o- der ich muß fuͤr Leide sterben. Das Kindlein gibt mir zur Ant- wort: Lieber Hieronyme, weil du ja so kostfrey bist/ so will ich dir sagen/ was du mir geben solst: Gib mir her dein boͤses Ge- wissen/ deine Suͤnde und Verdamniß. Jch spreche: Was wilst du denn damit machen? Da antwortete mir das liebe Jesulein: Jch wils auf meine Schultern nehmen. Das soll meine Herr- schafft und herrliche That seyn/ wie Esaias vor Zeiten verkuͤn- diget hat/ daß ich deine Suͤnde tragen und hinweg tragen wol- le. Da fange ich alsdenn an/ spricht Hieronymus, bitterlich zu weinen und sage: Kindlein/ ach liebes Kindlein/ wie hast du mir das Hertz geruͤhret! Jch dachte du woltest was gutes haben/ so wilstu bey mir haben alles/ was in und an mir boͤse ist. So nimm demnach hin/ was mein ist und gib mir dagegen was dein ist/ so werde ich der Suͤnden loß und deß ewigen Lebens ge- wiß. Das habe ich also allhier mit gedencken wollen/ was der heilige Hieronymus an dem Orte bey dem Kripplein Christi fuͤr geistreiche seelige Gedancken gehabt/ wannenhero schwerlich zu glauben/ daß die Natur mit seiner Gestalt im Muͤnchs-Habit also in obgedachtem grauen Marmel spielen koͤñen/ dieweil die Muͤnche vom Wege zur Gerechtigkeit und Seeligkeit weit anders glaͤuben und reden/ als Hieronymus allhier beym Kripplein Christi geglaͤubet und davon geredet hat. Uber obgedachten drey Stuffen heraussen zwischen den auch gedachten beiden Stiegen/ gleich da oben in der Kirchen Helenæ der Altar druͤber stehet/ ist der Orth/ wo die allerheilig- ste Jungfrau Maria den Heiland aller Welt gebohren/ von dannen sie ihn hernach in obgedachte kleine Hoͤhle getragen und in die Krippe geleget hat. Von Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Von dieser Gebuhrts-Stelle der Lenge nach ist die Thuͤr zu welcher wir von oben herab in den Eingang kommen und zur lincken Hand im Winckel ist unten ein Loch mit Marmel- stein ausgesetzt/ aus welchem wie man mich berichtet/ zur Zeit der Gebuͤhrt Christi dieselbige gantze Nacht Oel gequollen ha- ben soll. Ausserhalb dieser Hoͤhle/ oder Stall/ sind unten herum an Seiten noch andere steinerne Hoͤhlen/ als: Wo Joseph/ Christi Pflegvater/ im Traum vom Engel gewarnet und auf- geweckt worden/ vor Herodis Bluthdurst mit Maria und dem lieben Jesulein in Egypten zu fliehen. Darnach das Begraͤb- niß deß heiligen Hieronymi und anderer Heiligen/ sonderlich auch/ wo die unschuldigen Kinderlein sollen zusammen hinbe- graben worden seyn/ welche deß lieben Jesuleins Maͤrtyrer und Blut-Zeugen seines Elendes in der untreuen und undanck- barn Welt worden sind. Ja zum wenigsten auch die Thuͤr weiset man/ da die Weisen in den Stall eingegangen seyn/ als sie den Heiland aller Welt sehen/ ehren und beschencken wollen. Nach dem ich nun unter der Erden alles wol und fleissig besichtiget hatte/ bin ich wieder hinauf in die Kirche/ uͤber dem Stall und die Krippe erbauet/ gefuͤhret worden. Diese Kirche hat deß Keysers Constantini Magni Mutter/ S. Helena dem Kripplein Christi zu Ehren erbauen lassen/ wie man denn fuͤr gewiß saget/ daß sie hin und wieder im Juͤdischen Lande uͤ- ber dreyhundert Kirchen und am Meere herum/ sonderlich auf den Vorgebuͤrgen/ sehr viel hohe Thuͤrme/ als Warten und Wach-Thuͤrme/ erbauet. Diese Kirche nun der Helena zu Bethlehem ist uͤber alle masse schoͤn/ sehr lang uñ weit/ daß ich nit wuͤste/ ob dergleichen heute zu Tage sonst solte zu finden seyn. Sie hat erstlich inwen- dig vier Reihen gar hohe und gantz Marmelsteinerne Seulen S s 3 und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und Pfeiler/ darnach ist sie uͤber und uͤber inwendig mit dem reinsten und hell pollirtesten Marmel uͤberzogen und drittens an den Waͤnden um und um mit der allerschoͤnsten gemahlten und verguͤldeten Mosaischen Arbeit gezieret von aussen hat sie vors vierdte ein sehr langes Tach mit grossen bleyern Taffeln uͤber und uͤber bedecket und hat noch einen alten zerbrochenen stumpffen Thurm ohne Tach/ iedoch ohne Glocken/ weil die Tuͤrcken keine Glocken leiden und alsbald abschaffen/ wann sie einen Ort uͤbermeistern. Und eben so ist auch die Kirche selbst inwendig sehr verwuͤstet und zernichtiget/ welches hoͤchlich zu bethauren/ iedoch kan man gleichwol noch alles sehen/ was fuͤr ein herrliches Kunst-Stuͤck und Gedaͤchtnuͤß es gewesen ist. Jch habe auch gesehen/ wie hoch die Tuͤrcken selber diese Kirche gehalten und daß sie gleichwohl CHristo zu Ehren drin- nen kniend ihre Andacht gar fleissig uͤben/ weil sie Christum fuͤr einen grossen Propheten halten/ vor GOTTES Sohn aber und der Welt Heiland gleichwol nicht erkennen wol- len. Ausser dieser grossen Kirch e stehet zur lincken Hand/ weñ man hineingehen will/ S. Nicolai Capelle und in derselben nicht weit von einer Stiegen ist ein schoͤner frischer Brunn. Weil uns aber die finstere Nacht uͤbereilete/ haben wir uns diesen Tag weiter nicht umsehen koͤnnen/ sondern es biß auf den folgenden Tag versparen muͤssen. Den 25 Aug. war Montag/ bin ich nebenst zween Muͤn- chen hinaus gegangen in den lustigen Thaal/ wo die Hirten ihre Heerde gehuͤtet/ als ihnen der Engel deß HErrn vom Him- mel herab die Gebuhrt Christi verkuͤndiget und der gesammte Chor der Himmlischen Heerscharen drauf abgedancket und dem Menschlichen Geschlecht angekuͤndiget/ weß sie deß lieben Christkindleins solten gebessert seyn. Die- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Dieser Orth liegt ausser Bethlehem/ ohngefaͤhr eine Teutsche vierthel Meile davon/ und ist mit sehr lustigem Ge- buͤrge umgeben. Da ist unter andern auch das Gebuͤrge Engeddi/ wo Koͤnig David vor der Verfolgung Koͤniges Sauls sich in eine Hoͤle versteckt hatte und Koͤnig Saul gleich auch hinein kam/ unwissend/ daß David drinnen war. Und als sich Saul drinnen satzte seine Fuͤsse zudecken/ das ist/ seine Nothdurfft/ mit Ehren zumelden/ zuthun/ wolte David sei- ne Hand nit an ihn legen/ wie er leichtlich thun haͤtte koͤñen/ auch seine beysich habende Knechte riethen/ sondern gieng hin schneid ihm einen Zippel vom Rocke/ zum Wahrzeichen/ daß er Liebe und Barmhertzigkeit an ihm gethan/ da ingegen er/ Koͤnig Saul/ es bißhero nicht um ihn verdienet/ sondern ihn unschul- diger weise verjaget und geplaget/ wormit er hernach Koͤnig Saul zur Erkaͤntnis brachte/ daß er beschloß/ er wolts nim̃er- mehr mehr thun/ David solts nur die Seinigen nicht entgelten lassen/ wenn er nach ihm wuͤrde Koͤnig werden. Also ists doch war/ was S. Paulus sagt/ daß man mit Wohlthun und Liebe auch seinen aͤrgsten Feinden gluͤhende Kohlen aufs Haͤupt sammlen kan. Dieser Thal ist lang und weit und stehet/ wenn man von Bethlehem aus hinein gehet/ dicke voll schoͤne Oehl-Baͤume/ dahero es uͤber allemasse schoͤn und lustig ist. Und an dem Orthe/ wo die Hirten die Himlische Freuden-Post bekommen/ ist vor alters eine schoͤne Kirche erbauet gewesen/ die man ge- nennet Angelus ad Pastores, der Engel zu den Hirten/ von wel- cher aber itziger Zeit mehr nicht/ als ein Gewoͤlbe und alt zer- brochenes Gemaͤuer zusehen ist. Als wir nun wieder zuruͤcke hinein nach Bethle- hem gegangen/ sind wir zur lincken Hand an eine Ci- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Cisterne kommen/ darinnen Wasser war/ von welcher die Jn- wohner dieses berichten: Als auf eine Zeit die heilige Jungfrau dahin kommen/ sehr durstig gewesen und das Wasser nicht er- reichen koͤnnen/ sey es alsbald auf ihr soͤhnliches Seuffzen und Weinen so haͤuffig zugequollen/ daß der Brunn uͤbergelauffen und sie ohne Muͤhe trincken koͤnnen. Ausserhalb dieses Hirten-Thaals ist auf der Hoͤhe ein alt zerbrochen Gemaͤuer/ woselbst vordessen Joseph/ Mari æ Braͤutigam/ gewohnet haben soll/ wie denn auch noch in die- sem Thaal etzliche Haͤuser stehen/ welche zusammen ein Doͤrff- lein bedeuten sollen. Hierauf sind wir wieder in Bethlehem hinein gangen und daselbst in eine Grufft und Hoͤle unter der Erden gefuͤhret worden. Erst musten wir durch ein enges niedriges Thuͤrlein hinein gehen/ hernach weit unter der Erden fort kriechen/ biß in gedachte Grufft/ von welcher man fuͤrgibt/ daß sich die Jungfrau Maria darinnen eine Zeitlang mit ihrem lieben Jesulein aufgehalten/ damit sie vor ihren Feinden habe wollen sicher seyn. Der Grund unten in dieser Grufft ist gantz Krei- denweiß/ gantz milde und mirbe/ wie das beste Krafftmehl/ und hat nicht allein gar einen suͤssen/ lieblichen und anmuthi- gen Schmack/ sondern soll auch zu vielen Gebrechen in der Artzney einen kraͤfftigen Nutzen haben. Das alles soll Fuͤrge- ben nach daher kommen: Es solten der lieben Jungfrauen Marien ihre Bruͤste mit Milche so haͤuffig uͤbergangen seyn/ daß der felsichte Boden in dieser Grufft davon also durchnaͤs- set und uͤbergossen und gantz muͤrbe/ weiß/ wolschmaͤckend und gesund worden waͤre. Jst sonsten gantz finster drunten und die gantze Hoͤhle in Felsen gearbeitet wie ein tieffer Keller/ daß man ohne Liecht nicht einen Stich sehen kan. Was Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Was aber hiervon zu halten/ beides daß sich Maria al- da mit ihrem Jesulein solle verborgen gehalten haben/ als auch daß ihre Bruͤste so viel Milch von sich schiessen koͤnnen und den Felsen so weiß und kraͤfftig damit gemachet/ wird jenes ein er- leuchteter Christ aus der Gegenhaltung heiliger Schrifft/ die- ses aber ein Natur-Erfahrner leicht abnehmen koͤnnen. Qui facilè credit, facilè fallitur. Hexel mit unter. Nach der Mittags-Mahlzeit habe ich einen kleinen Esel gemuͤthet und bin nebenst einem Maronitischen Christen/ welcher der Jtalienischen Sprache kundig war/ zum Bruñen Salomonis geritten. Anfaͤnglich sind wir zwischen Gaͤrten/ nachmals aber uͤber steinigte Berge hinkommen/ biß wir zu gedachtem Brunn kommen. Jn diesen Brunnen muß man von oben hinunter unter einem grossen Baum durch ein Loch mit grosser Muͤhe steigen/ ist deßwegen gantz finster drunten/ daß man Liechte gebrau- chen muß/ wenn man sich recht besehen will. Und auf solche mas- se habe ich gesehen/ daß der Brunn sehr weit mit etzlichen Bo- gen umfangen ist und hoͤret man mit Lust das liebliche und an- mutige Rauschen deß suͤssen frischen Wassers in denen zum theil felsigten und zum theil gemauerten tieffen und langen Hoͤ- len. Koͤnig Salomon aber soll diesen Brunn haben bauen las- sen/ wannenhero er auch den Namen bekommen/ daß er Sa- lomonis Brunn genennet wird/ als er denn auch um diesen Brunn herum seine schoͤne Weingaͤrten gehabt. Von dannen sind wir zu drey grossen weiten und tieffen Teichen kommen/ welche/ wie leicht zu achten/ mit grossen Un- kosten in harten Felß gehauen sind. Man muß an etzlichen Stuffen hinein steigen und daß Wasser sammlet sich hinein vom hohen Gebuͤrge herab/ wenns regnet. Auß solchen Teichen wird/ wie ich gesehen/ das Wasser in Canalen und Roͤhren zwi- T t schen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. schen und um das Gebuͤrge krum herum/ welches sich biß an Jerusalem hinan erstrecket/ auf die fuͤnff Teutsche Meilen/ ge- fuͤhret/ welches denn mit Verwunderung anzusehen/ wie es so eine lange Zeit und mit so grossen Unkosten erhalten worden. Hierauf sind wir gegen die Stadt Jerusalem hinan zu denen Lust-Gaͤrten Salomonis kommen/ welche unten im Thaal bey einem Dorffe gelegen gewesen/ massen denn noch allda wie ich gesehen/ allerhand schoͤne gruͤne Baͤume davon uͤbrig zu sehen seyn/ wiewol sie nicht mehr in so gutem Stande und fruchtbar seyn/ weil sie keine rechte Wartung mehr haben. Von hieraus sind wir uͤber groß steinigtes Gebuͤrge wieder nach der Stadt Bethlehem zugeritten/ allda hin wir um halb Abend kom̃en uñ die Nacht uͤber wie der im Kloster blieben sind. Den 26. Aug. fruͤh Morgens zwey Stunden vor Tage haben wir uns wieder aufgemacht/ der Meinung/ das Juͤdische Gebuͤrge und den Ort wo Johannes geprediget/ zu- besichtigen: Sind drauf an den Ort kommen gegen Morgen- werts/ wo Josua und Caleb/ die Moses abgeschicket das Land Canaan zuverkundschaffen/ die grosse Traube abgeschnidten und zum Wahrzeichen an einer Stange getragen mit zu ruͤcke gebracht. Dieses Gebuͤrge ist zur rechten Hand ziemlich hoch und liegt uͤber alle masse schoͤn: Und kan ich mit Warheit sagen/ daß ich da Trauben gesehen uñ davon gegessen/ die einer halben Ele lang und die Beere daran zwey Glied lang waren eines Fin- gers/ dahero leicht abzunehmen/ daß jene Traube sehr groß muß gewesen seyn/ die Josua und Caleb gebracht haben. Hernach zur lincken Hand sind wir an den Ort kom̃en/ wo der Apostel Philippus der Koͤnigin Candaces in Mohrenland Kaͤmmerling bekehrt und getaufft hat. Dieser Brunn laufft in einen grossen weiten steinern Kasten durch das Gebuͤrge hin- durch. Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. durch. Weiter vonhieraus sind wir zur rechten Hand uͤber ho- hes Gebuͤrge im dicken starcken Nebel geritten. Und weil we- gen der Hoͤhe und grossen starcken Steine deß Berges mein E- sel der zugleich auch meine kalte Kuͤche tragen solte und muste/ mich nicht hinauff tragen konte/ muste ich zu Fusse hinuͤber ge- hen und einmal einẽ Eseltreiber geben/ damit ich alles veꝛsuchte. Als wir nun hinuͤber waren/ kamen wir an Johannis deß Taͤuffers Wuͤsten/ allwo auf der Hoͤhe eines felsichten Ber- ges ein uhraltes zerstoͤrtes grosses Gemaͤuer zu sehen war und soll vor Zeiten ein Kloster und Kirche gewesen seyn/ dabey ist ei- ne Hoͤhle/ oder Grotte gehauen/ in welche zwey Thuͤren/ oder Loͤcher gegangen/ da man vor den Felß hinausgehen und sich lustig umsehen kan/ sintemahl umher sehr hohes steiniges und gruͤnes Gebuͤrge/ unter dem herunten und tieffen Thaal Ara- bische Haͤuser stehen. Und in solcher Hoͤhle zeiget man noch den Orth/ wo Johannes der Taͤuffer seine Ruhe und Lager ge- habt/ massen denn der Felß an demselbigen Orthe noch diese Stunde anzusehen/ als ob er durch langes ligen nach der Ge- stalt eines Menschẽ eingedruckt uñ gleichsam abgenuͤtzet waͤre. Von hinnen sind wir den jehen Felß wieder hinab gestie- gen: Und als wir bald hinunter waren/ war ein tieffes uñ ziem- lich weit in Felsen ausgearbeitetes Loch/ uͤber welches der Felß uͤberhieng und war dasselbe voller Wasser/ darinnen sich mein Mohr/ so mit mir gieng/ ziemlich lustig machte/ kuͤhlete und ba- dete. Und als wir uns allhier gnugsam umgesehen/ haben wir uns unten im Thaal in der Wuͤsten nieder gesetzet und unsere kalte Kuͤche mit einander verzehret/ die wir an Wein/ Brot/ ge- bratenen Huͤnern und Eyern mitgenom̃en hatten. Endlich ha- ben wir unsern Ruͤckweg wieder nach Jerusalem zugenom̃en. Nicht weit von hinnen kamen wir zu einem erhoͤheten Stein/ auf welchem Johannes der Taͤuffer soll gesessen seyn/ T t 2 wenn Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wenn er in der wuͤsten geprediget hat. Zur lincken Hand hier- von abe haben wir unten ein tieffes weites Thaal gehabt/ welches sehr lustig war und das Thaal Terebinth genennet wird und soll eben der Orth seyn/ wo Koͤnig Davidden grossen Riesen Goliath erleget und zu tode geschleudert hat. Besser envor sind wir auf der Hoͤhe zu uhralten steinern Maͤuer-Werck kommen/ worbey auch eine alte zerbrochene Capelle war und gibt man fuͤr/ daß Zacharias Johannis deß Taͤuffers Vater allda gewohnet und seinen Lobgesang ver- fertiget haben soll. Liegt sonst an einem sehr lustigen hohen und mit gruͤnen Baͤumen bewachsenem Orte. Unter diesem Hause ist ein alt Gewoͤlbe ziemlich unter der Erden in welchem die Jung-Maria ihre Muhme Elisabeth be- sucht. Unter solchem Hause Zacharias zur rechten Hand am Wege ist auch ein lustiges frisches Spring-Bruͤnnlein. Ab- warts ist die alte Stadt Juda ein wenig auf der Hoͤhe und ist noch eine alte finstere gewoͤlbte Kirche allda zu sehen/ woselbst Johannes der Taͤuffer soll gebohren worden seyn. Besser vor- warts zur rechten Hand war ein alt zerbrochenes Gemaͤuer und soll das Hauß seyn/ in welchem Simeon soll gewohnet ha- ben. Endlich sind wir in einen Thaal kommen voll allerhand edler und fruchtbarer Baͤume/ da stehet ein Kloster der Geor- gianer genannt. Jn diesem Kloster ist mir in der Kirche ein ziemliches wei- tes und tieffes Loch gewiesen worden/ in welchem der Stamm soll gestanden seyn/ davon Christi Creutz gezimmert worden. Und um diese Gegend herum soll Koͤnig Salomo auch seine Lust-Gaͤrten gehabt haben/ wie denn der Orth an sich selber lustig gnung darzu ist/ daß deme nach wol nicht daran zu zwei- feln. Nach Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Nach dem wir nun bald wieder ans Thor vor Jerusa- lem hinan gewesen/ welches das Bethlehemitische Thor genen- net ward/ hat man mir zur lincken Hand ein Orth gezeiget/ wo Koͤnig Salomon soll gekroͤnet worden seyn/ und stehen drey kleine Capellen dabey. Weiter hat man mir auch noch ausserhalb der Stadt vor dem Thor Ephraim eine sehr grosse Hoͤhle gewiesen/ wel- che so hoch ist/ daß man kaum mit einer langen Picquen oben anreichen kan. Jst in die sechzig gemeine Schritte lang und wird La Grotta di san Jeremiæ genannt/ darum/ weil/ wie sie vorgeben/ der Prophet Jeremias seine Klage-Lieder drinnen geschrieben/ wie man denn flugs zur lincken Hand im Hinein- gehen im Winckel den Orth zeiget/ an welchem er gesessen seyn solle. Dahero auch die Tuͤrcken und Mohren einen sonderli- chen Ort darinnen mit Breten verschlagen haben/ da sie dem gedachten Propheten zu Ehren ihren falschen Gottes-Dienst zu halten pflegen. Von hier ab bin ich weiter kommen an den Orth/ wo der Evangeliste Marcus soll gewohnet haben und also dꝛauf wieder in die Stadt Jerusalem. Weils aber noch gar zeitlich war nach Mittage/ habe ich die Zeit nicht so vergeblich wollen hinstrei- chen lassen/ sondern mir vorgenommen mich noch weiter um- zusehen/ wo noch etwas denckwuͤrdiges moͤgte zu sehen und zu- erkundigen seyn. Haben uns demnach um halb Abend-Zeit wieder aufge- macht und sind zum Tempel deß heiligen Grabes Christi auff dem Berge Calvariæ gegangen. Es halten aber die Tuͤrcken diesen Tempel gar hoch und heilig weßwegen sie ihn stets verschlossen und verwahret hal- ten. Da sitzet vorm Thore desselben allezeit ein Tuͤrcke und war- tet auf die Pilgrim und Reisende/ der nicht allein auf und zu- T t 3 schliessen/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. schliessen/ sondern auch den Tribut davon einnehmen muß/ den die Tuͤrcken drauf gelegt haben/ anders sonst niemand hinein gelassen wird/ er mag auch seyn/ wer er immer wolle/ dannen- hero denn/ als auch wir dahin kommen/ habe ich als bald ehe er noch die Thuͤr angeruͤhret/ zwoͤlff Ducaten Tribut zahlen muͤssen. Daraus denn leicht zu sehen/ warums denen unglaͤu- bigen Barbaren mit den heiligen Orten zu thun/ nemlich weil sie ihnen viel eintragen und man vor gewiß saget/ das nur das heilige Grab allein dem Tuͤrcken jaͤhrlich in die 30000. Zickin/ oder Ducaten einbringen soll. Waͤre es ohne das/ man wuͤrde wol all laͤngst von einem und dem andern Orte schon vor lan- Zeit nichts mehr gewust haben. Nach dem wir nun in solche Kirche hinein kommen/ sind wir zuerst zu einem langen und fast viereckichten weissen glat- ten Stein kommen/ welcher auf der Erden lieget/ und laͤngst herunter an einem Bande mit vielen aufgehenckten brennen- den Lampen behenget ist. Auf diesem Stein soll der allerheilig- ste Leichnam Christi/ als er vom Creutz abgenommen worden von Joseph und Nicodemo gesalbet und in weisse Leinwat ein- gewickelt worden seyn. Hierauf sind wir in den Felsen deß heiligen Grabes kom- men. Derselbe ist innwendig weißgrauer Farbe/ allein von de- nen stets drinnen brennenden Lampen gantz beraͤuchert und vom Rauche schwartz worden. Jst nicht gar lang und koͤnnen uͤber fuͤnff Personen der Laͤnge nach neben einander nicht ste- hen. Der Sarg/ oder Kasten/ darinnen der HErr Christus ge- legen/ ist ietzt gantz mit weissen Marmel uͤberzogen und ist wie ichs gemessen habe/ acht Spannen lang und fuͤnff Spannen breit. Der Felß ist inwendig mit Steinen gewoͤlbt und ausge- maue rt/ ohne der Ort zur rechten Hand im Hineingehen in den Felsen/ wo das Grab ist/ ist der Felß gelassen worden/ wie er von Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. von Natur ist/ allwo man denn auch sehen kan/ daß es ein na- tuͤrlicher Felß ist. Hat keine Fenster/ dahero es auch gantz stich finster drinnen seyn wuͤrde/ wenn die brennende Lampen nicht waͤren. Denn da henget derselbe voller silbern brennende Lampen uͤber dem heiligen Grabe/ wo Christus/ der HErr/ ge- legen und geruhet hat. Ehe man aber noch in diesen heiligen Felß deß Grabes Christi koͤmmet/ muß man in der Kirchen Helenæ etzliche Schritte lang barfuß uͤber einen von schoͤnen glatten und hell- pollirten grossen Marmelstein hingehen durch ein kleines Thuͤrlein in eine kleine Capelle/ welche aussen an den Felß deß Grabes Christi angebauet ist. Jns Grab aber hinein ist noch ein klein niedriges Thuͤrlein und aussen davor ist unten ein Stein eingemauert/ der etwas vorgehet/ auf welchem der En- gel soll gesessen seyn/ als die Weiber fruͤh morgens zum Grabe kommen und den Leichnam Christi salben wollen. Muß man sich also buͤcken und kriechen/ ehe man gar hinein ins H. Grab koͤmmet. Und wenn man hinein koͤmmt und weil man drinnen ist/ ist einem Angst und bange und hat nichts/ als Grauen und Schrecken/ wie ich nicht allein an mir selber erfahren/ sondern auch von allen gehoͤret/ die drinnen gewesen/ daß ihnen derglei- chen begegnet und weiß niemand/ wo es her koͤmmet. Uber dasselbige ist gar eine schoͤne von allerhand faꝛbigem pollirten Marmel kleine Capelle gebauet/ welche oben ein run- des steinernes Haͤublein hat/ stehet auf glatten Marmel-Saͤu- len in der grossen Kirchen Helenæ gantz frey/ unten aber um den Felsen herum ists mit dem allerschoͤnsten hellesten Marmel be- kleidet und belegt. Um diese Capelle herum sindrunde ge- woͤlbte Bogen uͤbereinander mit allerhand schoͤnen Marmel- steinernen Figuren und Bildern/ auf und uͤber welchen ein Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ein weites hohes rundes Tach als das aͤusserste unter dem freyen Himmel in die Hoͤhe gefuͤhret/ und hat zu oberst mitten in solche Dache ein grosses rundes Loch/ durch welches das Ta- ge-Liecht hinein auf den Grabes-Felß fallen kan. Jnwendig und unterm Bley ist dieses Tach mit schoͤnen gelben Cedern Bretern ausgekleidet und gefuͤttert. Unten an dieser Capelle haben die Christen auch noch ein ander kleines Raͤumlein/ da sie ihren Gottes-Dienst und An- dacht halten und verrichten/ wie denn in dieser grossen Kirchen Helenæ stets Christen wohnen und die heilige Staͤte gebrau- chen/ denen man durch ein viereckichtes Loch in der Thuͤr das Essen und Trincken hinein langet und giebet/ weil die Thuͤr wie oben gedacht/ allezeit verschlossen gehalten wird. Als ich nun nach Hertzens-Lust und mit Freuden hier- herum und in den heiligen Felsen deß Grabes Christi alles mit Fleiß besichtiget hatte/ bin ich wieder heraus und in der grossen Kirche Helenæ an einen Orth nicht weit von dem heiligen Gra- be gefuͤhret worden/ allda zween runde schoͤne Marmelsteine fuͤnff biß 6. Schritte von einander auf der Erden gelegen/ auf deren eines Stelle der HErr Christus am heiligen Ostertage der Marien Magdalenen in Gaͤrtners Gest alt (massen denn damals noch an der Stelle der Garten gestanden/ wo ietzo die- se Kirche stehet/) erschienen/ auf der andern Stelle aber die Maria Magdalena soll gestanden seyn/ vermeinende/ daß es der Gaͤrtner im Garten waͤre/ biß sie den HErrn an der Stim- me erkant/ iedoch so nahe zu ihm nicht hinan und ihn anruͤhren doͤrffen/ weil der HErr zu ihr gesagt: Ruͤhre mich nicht an/ denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Bruͤdern und sage ihnen: Jch fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater/ zu meinem GOtt und zu eurem Gott/ wie davon zu lesen im 20. Cap. Johann. unterm 17. Versicul. Von Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Von hierab bin ich in die Kirche oder Capelle der Muͤr- che gefuͤhret worden. Jn derselben liegt auf der Erden ein run- der weisser Marmelstein und wird davon fuͤrgegeben/ es solle der Orth seyn/ an welchem die Gottselige Helena, Keysers Con- stantini M. Mutter/ nachdem sie die Creutzen deß HErrn Chri- sti und der beiden Schecher funden/ dieselben auf die Probe ge- setzet/ welches unter denselben Christi waͤre/ indem sie eins nach dem andern auf ein todes Weib geleget/ und dasselbe lebendig worden/ da das Creutz Christi auf sie geleget worden/ woran man auch erkennet/ daß es Christi Creutz seyn muͤsse. Weiter ist in dieser Capelle der HErr Christus nach sei- ner Aufferstehung seiner lieben Mutter/ der heiligen Jung- frau Maria/ erschienen. Jm Eingange zur rechten Hand ist in der Mauer ein blind und vergittiert Fenster/ in welchem ein Stuͤck weiß graulichte steinerne Seule zusehen/ von der Seule/ daran Christus in Pilati Richthause gegeisselt worden/ wie denn auch ein Stuͤcke vom weissen Felsen deß Grabes CHristi- Und in dieser Capelle haben die Catholischen Muͤnche auch ih- rem Chor und Stuͤle und um solcher Heiligthuͤmer willen ih- ren Gottesdienst. Von hieraus zur lincken Hand bin ich in eine andere Ca- pelle gefuͤhret worden/ welche in einem Felsen gehauen und ge- arbeitet ist und ist ein Altaͤrlein drinnen/ weil davon fuͤrgege- ben wird/ ob solten die Juͤden Christum so lange dahinein ge- steckt und versperret gehabt haben/ biß das Creutze waͤre fertig und die Grube gemacht gewesen/ darein das Creutz gesetzet werden sollen auf dem Berge Calvariæ, oder an der Schedel Staͤte. Weiter bin ich gefuͤhret worden an den Ort/ wo die Creu- tziger deß HErrn JEsu um seine Kleider gespielet und ist dersel- be auf dem Berge Calvariæ, Golgata/ oder Schedelstaͤte/ auf U u wel chem Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. welchem der HErr JEsus neben zweyen Ubelthaͤtern gecreu- tziget worden. Auf solchem Berge iedoch noch nicht gar oben stehet eine Kirche/ aus welcher wir erstlich eine breite steinerne Stiege von dreissig Stuffen hinab in eine Capelle/ S. Helenæ genannt/ gegangen/ in welchem bey dem Altar Fenster vol- lends hinab in tieffste Hoͤhle/ wo/ wie ietzo gedacht werden soll/ das Creutz Christi gefunden worden/ gehen. Auch stehen in dieser Capelle vier steinere Seulen/ worauf das gantze Ge- woͤlbe der Capelle ruhet und sollen diese Saͤulen hiebevor in Pi- lati Hause gest anden seyn/ wannenhero/ wie sie bey der Ver- urthelung Christi angefangen/ also noch biß dato und auf die- se Stunde schwitzen sollen/ wie ich denn mit meinen Augen ge- sehen/ und nachdem ich etwas von solchem Schweiß abgewi- schet/ befunden/ daß derselbe roͤthlicht anzusehen gewesen. Wenn man aber diese Stiegen herab koͤmmt in S. Helenæ Ca- pelle/ sind auf beiden Seiten noch zwey Capellen/ welche in den Felsen gearbeitet und deßwegen gantz finster sind. Und in der zur lincken Hand gehet man noch elff Stuffen in Felß gehauen hinab in eine laͤnge grausame tieffe finstere Hoͤhle und also oben vom Berge zusammen ein und viertzig Stuffen. Und soll diese Hoͤhle der Orth seyn/ an welchem die heilige Helena drey hun- dert und siebentzig Jahr nach CHRJSTJ Leiden und Ster- ben Christi Creutz und der beiden Schecher soll gefunden und aus der Erden wieder hervor haben arbeiten lassen/ nachdem es allda zum Theil verfallen/ zum Theil auch von denen Un- glaͤubigen verworffen und verschuͤttet gewesen war/ weßwe- gen denn auch oben in der Capelle bey dem Altar am Fenster ein alter steinerner Stuhl stehet/ auf welchem Helena gesessen seyn soll/ damit sie hinab den Arbeitern in der Grufft und Hoͤ- le zusehen koͤnnen. Dieser Felß ist unten gar schoͤn weiß. Allein weil stets bren- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. brennende Lampen drinnen hangen/ welche einen gewaltigen Dampff von sich geben/ so ist der Stein gantz beraucher und schwartz davon worden. Als ich mich nun unten in der Hoͤhle und auf dem Berge Calvariæ allendhalben wol besehen hatte/ sind wir wieder hin- auf in den Tempel gestiegen und von dar weiter in eine Capelle der Abyssiner/ gleich heraussen zur Lincken an der Kirch-Thuͤr der grossen Kirche stehend/ in welcher Capelle unter einem Al- tar ein schlechter dicker Stein gewiesen und von demselbigen ge- sagt wird/ daß Christus im Richthause Pilati drauf gesessen/ als ihm die Gottlose Schaar der Juͤden die Dorne Crone aufs Haupt geflochten/ ihm ein Rohr stat Koͤnigliches Scepters in die rechte Hand gegeben/ sich fuͤr ihm gebeuget und geneiget/ ihn angespeyet und das Rohr auf dem Haupt entzwey geschlagen und aufs aͤrgste verspottet/ und gesagt: Gegruͤsset seystu Juͤ- den Koͤnig/ gleich als haͤtte er groß Unrecht gethan/ daß er sich einen Koͤnig genennet. Vorgedachte Abyssiner aber sind auch eine Arth der Mor- genlaͤndischen Christen und halten ihren Gottesdienst und An- dacht in dieser Capelle auf dem Berge Calvariæ . Haltens zwar nicht mitdem Papst/ deñ sie gebrauchen das Abendmal in bey- derley Gestalt uñ ihre Priester leben ehelich ꝛc. Allein darneben haben sie doch gleichwol noch viel Jrrthuͤme/ denn sie halten die Beschneidung und nicht allein bey denen Knaͤblein/ wie die Juͤ- den und Tuͤrcken/ sondern auch bey denen Maͤgdlein. So tauf- fen sie auch die Kinder/ iedoch nicht mit Wasser/ wie Gott be- fohlen sondern mit Feuer und so fortan. Nach dem ich wieder aus solcher Capelle heraus kom- men und an der grossen Kirche herum gangen/ bin ich zu einer Stiege von vierzehen Stuffen kommen und auf derselben vollends hinauf auf den Berg Calvariæ gestiegen/ da hab ich gefunden zwey gewoͤlbte schoͤne weite Bogen. U u 2 Jn Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Jn dem einen zur lincken Hand im Hinaufgehen wird gewiesen das Loch/ darinnen das heilige Creutz Christi gesteckt haben soll/ als derselbe dran gehangen hat. Und ist solch Loch eines gu- ten Elenbogens tieff und einer gute Spanne weit/ wie ichs sel- ber gemessen und inwendig umher ists mit Bleche ausgefuͤt- tert. Aber die Loͤcher/ darinnen die Creutzen der Schecher ge- standen/ siehet man nicht/ weil sie verschuͤttet oder gantz ver- fallen sind. Unter diesem Bogen bey gedachtem Creutz-Loche Christi brennen stets Lampen und darneben ist eine schreckliche Klufft tieff in den Felß hinunter/ recht als wenn derselbe zerbrochen waͤre und soll also zur Zeit/ da Christus am Creutze verschieden/ zurissen und zerspalten seyn/ wie die Schrifft bezeuget. So ist auch ein Altar unter solchem Bogen/ dieweil die Griechische Christen allda ihren Gottes-Dienst zuhalten pflegen. Jn dem andern gewoͤlbten Bogen zur rechten Hand im Hinaufsteigen wird gezeiget der Ort/ wo die Juͤden den HEr- ren CHristum ans Creutz genagelt und ist auch ein Altar da- bey/ welchen die Catholischen zu ihrer Andacht brauchen und inne haben/ aber es ist vor demselben gar ein schoͤner grosser ge- woͤlbter Chor und also mehr Raum drinnen/ als in dem vori- gen Gewoͤlbe und Bogen. Von hieꝛ sind wir wieder hinab in die Kirche gestiegen und dann unten in eine weite Capelle untern Berg kommen/ da man den vorgedachten Riß und Spalte gar eigentlich im Fel- sen sehen konte/ welcher oben bey Christi Creutz-Staͤte ange- het. Man gibt vor/ daß in solchem Felß-Risse Adams-Haupt soll gefunden worden seyn. Jn ietztgedachter Capelle liegen be- graben die beiden Hierosolimitischen Christen-Koͤnige/ Gottfried von Bolognia und sein Bruder Baldvvin. Liegen ein- ander gleich gegen uͤber in langen schoͤnen ausgehauenen weis- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. weissen Marmelsteinernen Kasten/ darauf ihre Ahnen stehen/ wiewohls uͤbel zu lesen ist und solche Kasten stehen auf Marmel- steinernen Seulen von der Erden empor. So ist auch noch ein ander Begraͤbniß alda zu sehen/ von welchem man sagt/ daß es Melchisedechs deß Koͤnigs und Priesters deß Hoͤchsten zu Salem/ das ist/ Jerusalem seyn soll/ von welchen die Altvaͤter gewiß darfuͤr halten/ daß er gewesen der Ertz-Vater Sem/ als zu lesen im 14. deß 1. B. Mose und ein Vorbild auf Christum/ wie zu lesen im 110. Psalm und im 7. Cap. an die Hebreer. Deñ gleich wie dieser Melchisedech Abraham und sein Volck mit Brot und Wein speisete/ als sie aus der Schlacht kamen von den Kedorlaomar: Also speiset Christus alle Welt mit seinem heiligen Evangelio. Weiter ist auch diß noch zu sehen auf dem Berge Calvariæ: Eben an der Stelle/ wo der HErr Christus gecreutziget oder ans Creutz genagelt worden/ stehet eine kleine Capelle und ge- het man bey dem Platze der grossen Kirche vollends eine Stie- ge hinauf zu derselben/ soll zum Gedaͤchtniß der heiligen Jung- srauen Marien dahin gebauet worden seyn/ weil sie an dem Orthe/ mit was Thraͤnen und Hertzens-Schmertzen/ ist leicht zu achten/ mit ansehen muͤssen/ wie ihr liebstes Kind ans Creutz geschlagen worden. Diese Capelle war bißhero vermauert ge- wesen und ward erst ietzt bey meinem Daseyn wieder aufgebro- chen. Weiter wird auch zur rechten Hand dieser Capelle/ wenn man hinauf koͤmmt/ ein rundes Loch gewiesen unten in der Er- den/ von welchem gesagt wird/ daß alda das Centrum und Mittel-Theil der Welt seyn soll und ist ein weisses Zelt druͤber gezogen. Endlich ist mir auch noch gezeiget worden das Begraͤb- niß Nicodemi und Josephs von Arimathia . Sind gar nahe U u 3 beym Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. beym heiligen Grabe/ enge und in Felsen gehauen und habens ietzt die Syrianer zu ihrer Andacht und Gottes-Dienst inne. Dieselben sind auch Griechische Christen/ warten aber dersel- ben nicht so fleissig abe/ weil sie meist arme Tageloͤhner sind und ihr Brot unter den Tuͤrcken/ denen sie dienen und zur Hand ge- hen/ zu Wasser und Lande suchen muͤssen. Und also ward dieser Tag hingebracht und beschlossen. Den 27. Aug. fuͤhrte mich der Muͤnch ausser der Stadt an den Orth/ wo der Apostel Petrus den schweren Fall seiner Verlaͤugnung bitterlich beweinet und ist derselbe Orth uͤber dem Mist Thor nicht weit von dem Hause Caiphas gelegen unter altem zerstoͤrten und zerbrochenen Gemaͤuer. Und das war also/ was ich in und ausser Jerusalem und in selbiger Gegend herum deß heiligen Landes gesehen habe/ worfuͤr ich denn meinem Gott von Hertzen gedancket/ daß er mich dessen gewuͤrdiget und dadurch in meinem Christenthum erbauet hatte und nam mir vor meinen Stab nun auch wei- ter zu setzen und mich auch anderer Orten vollends umzusehen/ wo etwas denckwuͤrdiges moͤgte zu sehen seyn. Das XII . Capitul. Von meiner Reise gen Rama und Joppen und was allda denckwuͤrdiges zu sehen ist. N Achdem ich nun also zu Jerusalem/ Bethlehem auf dem Juͤdischen Gebuͤrge und in der Wuͤsten Johannis deß Taͤuffers alles fleissig besichtiget und durchgekrochen hatte/ dem Pater Guardian eine danckbare Verehrung gethan/ daß er mich in seinem Kloster diese Tage her so freundlich be- wirthet und sonst zu meinem Vorhaben alle moͤgliche Foͤr- derung gethan/ auch noch mit einer guten Flasche suͤsses Jeru- salemitischen Weins auf die Reise beschencket und mich einem Griechen bestes zu fernerer Begleitung anbefohlẽ/ bin ich noch die- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. diesen Tag sammt diesem Griechen/ der Jtalienischen Sprache kundig und mit mir reden kondte/ einem Mohren und Tuͤrcken im Namen GOTtes von Jerusalem aufgebrochen und nach Joppen zugegangen. Mein Gleitsgeselle/ der Muͤnch/ so mich bißhero aller Orte herum gefuͤhret/ gab mirs Geleite/ biß vors Thor/ allda wir freundlich voneinander Abschied nahmen und loͤsete ich meinen Tuͤrckis. Sebelum ein Trinckgeld in der Wache wieder ein/ den ich vorhin bey meiner Hinkunfft/ dem Brauche nach/ hatte ab- legen muͤssen/ wie oben gedacht worden. Meinen Esel ließ ich durch die Stadt hinaus fuͤhren/ weil kein frembder Christe durchreiten darf und gieng also mit gedachtem Muͤnche zu Fusse nach. Satzte mich also vorm Thore auf und bin diesen Tag noch wiewol erst gegen Mitternacht gen Rama kommen. Dieser Orth wird in heiliger Schrifft auch Arimathia ge- nennet und ist aus derselben der fromme Joseph buͤrtig gewe- sen/ der den Leichnam deß HErrn JEsu bey Pilato vom Creu- tze loß bath und nebenst Nicodemo in seinem eigenen neuen Grabe/ das er vor sich hatte lassen in einen Felß hauen/ gar Christlich und ehrlich beysetzen halff/ weßwegen er auch einen unsterblichen Ruhm in Gottes Wort erlanget und von ihm gesagt worden von denen Gottseligen alten Christen: Ein frommer Mann bath einen Schalck/ das war Pilatus/ um ei- ne Gabe/ die groͤsser ward denn Himmel und Erde: Das war der Leib Christi. Es liegt aber diese Stadt in der Hoͤhe auf dem Gebuͤrge Ephraim und wird anderswo/ als im 1. Cap. deß 1. B. Sam. Ramathaim Zophim genennet. Der Prophete Samuel ist daselbst geboren und auch begraben/ wie noch zu sehen und auch die Schrifft bezeuget. Jst eine ziemliche. Stadt ie- doch ohne Mauren/ der Weg von Jerusalem dahin ist sehr Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. sehr boͤse und hat man erst einen grossen steinigten Weg hernach uͤber lauter Berg und Thaal zu reisen/ biß man endlich eine grosse steinigte Hoͤhle hinab koͤmmt in ein Thaal/ welches weit und sehr lustig und schoͤn gruͤn bewachsen ist/ liegt vom Hinrei- sen zur lincken Hand und wird Therebynthi genannt und ge- sagt/ das allda David mit seiner Schlaͤuder den Goliath er- leget/ der im Heer der Philister dem Volck Gottes Hohn sprach und dasselbe ausforderte. Dieses Thaal hatte ich auch vorhin schon von ferne gesehen und trug Verlangen/ biß ich dißmal nun gar dahin kam und mich recht allda umsehen kente. Jn diesem Gebuͤrge blieb unser Mohr zuruͤcke und hatte gedacht sich mit denen ihm vertrauten Sachen davon zu ma- chen/ ward aber noch wieder ereilet und zuruͤcke gebracht. Von hinnen kamen wir auf ebener Strasse zu einem grossen Castell/ Castello di Latroni genannt/ aus welchem der eine Schecher/ so mit Christo gecreutziget worden/ buͤrtig soll gewesen seyn/ und haben zur rechten Hand den Flecken Emahus liegen lassen. Sind vom Castell aus Thalab in der Ebene erst zu einem Dorf- fe und hernach um Mitternacht/ wie vorgedacht/ gen Rama kommen-Allda sind wir in einem grossen weiten Hause/ mit ei- nem Hof umgeben/ und mit vielen Gewoͤlben und Kammern/ eingekehret/ allein diese Nacht daselbst unter freyem Him̃el blieben/ dieweil es gar lieblich und kuͤhle war und gehoͤret dieses Hauß den Muͤnchen zu Jerusalem. Jch lidte aber diese Nacht wegen ausgestandener grosser Hitze uͤber die massen grossen Durst/ und mein Mohr und Tuͤrcke hatten mir meinen Wein/ so mir im Kloster mitgegeben ward/ verpartiret. Allein weil zu meinem Gluͤck meines Grie- chen/ der mein Gleitsmann war/ Vater allda wohnete/ wel- cher gar ein reicher Mann war/ und ich ihn bitten liesse mir um Be- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Bezahlung einen Trunck Wein zu schicken/ schickte mir dersel- be alsbald eine gute Flasche und ließ mir sagen/ weils nun- mehr sehr spat waͤre/ solte ich mich biß morgen gedulden/ ehe wir wuͤrden von dannen nach Joppen reisen/ wolte er zu mir kommen und eine auf Tuͤrckisch gekochte fette Henne und noch einen Krug voll Wein mit bringen und mit mir speisen/ welches denn auch geschahe und muste ich ihm fuͤr solche Mahlzeit einen Ducaten zahlen. Den 28. Aug. sind wir nach Mittage zu Rama aufgewe- sen und sind um halb Abend nach Joppen kommen. Der Weg entzwischen ist gut/ lustig und eben. Auf beiden Seiten stehen nach der Laͤnge hin schoͤne fruͤchtbare Oel-Baͤume in grosser Anzahl/ zwischen denen man lustig hinreiset/ wie es uns denn auch Anlaß gab/ weil uͤberaus grosse Hitze war/ daß wir uns allda der Gegend bedieneten/ im lieblichen Schatten nieder- legten und etwas ausruheten/ dieweil wir doch noch mit guter Musse um halb Abend uns getraueten zu Joppen zu seyn/ wie denn auch geschahe. Und als wir dahin kommen/ sind wir dieselbe Nacht nahe am Meer zwischen und auf den Felsen blieben. Joppen ist eine Uhralte/ iedoch ietzo gantz verwuͤstete Stadt/ da man fast anders nichts/ als altes zerstoͤrtes und zer- brochenes Maͤuer-Werck siehet/ ohne das auf der Hoͤhe noch 2. starcke Thuͤrme und unten am Gebuͤrge und Meere etzliche schlechte Haͤuserlein stehen und unterschiedene tieffe Hoͤhlen im Felsen gegen dem Meere zu sehen. Allda berichtet man gar fuͤr glaubwuͤrdig/ daß diese Stadt noch vor der Suͤndfluth er- bauet worden/ welches nicht unglaublich/ weil sie im alten Te- stament Japho genennet wird und es das Ansehen hat/ als wenn sie Japhet/ der Sohn Noha erbauet. Dahero sie ohnal- len zwelfel anjetzo Jaffa heisset. So wird ihrer auch im Buͤchlein X x Judith Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Judith gedacht und sonst hin und wieder in heiliger Schrifft/ daß viel denckwuͤrdiges Dings allda geschehen/ sonderlich daß sich der Apostel Petrus allda aufgehalten und die Tadæam eine bekehrte Juͤngerin/ oder Christin/ vom Tode aufferwecket/ wie zu lesen im 9. der Apostel Geschichte und im 1. und 2. Buch der Maccabeer. An dem alten Spurzeichen kan man sehen/ daß die Stadt Joppen auf den Bergen in der Hoͤhe gelegen und sich nach dem Meer abwerts gezogen. Denn es ist gar ein schoͤ- ner Hafen da/ da man aus dem grossen Mittel Meer anlandet wenn man vollends zu Lande gen Jerusalem reisen will. Dar- umb auch der Prophet Jonas allda zu Schiffe gegangen und aufs Meer geflohen/ da er nicht nach Ninive wolte/ Busse zu predigen/ wie Gott geboten hatte. Allhier muste ich abermals denen Tuͤrcken sieben Duca- ten Caffar, Zoll/ oder Tribut zahlen/ wie alle Reisende thun muͤssen/ damit sie ungehindert fort kommen koͤnnen. Das XIII. Capitul. Von meiner Reise nach Jericho und was daherum denck- wuͤrdiges zu sehen und davon zu melden ist. J Ndeß ich nun zu Joppen oder Jaffa war/ und mich ohne deß etwas gedulden muste/ ehe mir Gelegenheit fort zu- kommen fuͤrstieß/ nam ich meine Reise auch vollends hin nach Jericho. Deñ ob dieselbe gleich von hier aus etwas wieder zu ruͤcke lag gegen Nordosten zu/ so wolte ich michs doch um der Antiqui taͤten willen/ so daselbst zu sehen/ nicht abschrecken und zu ruͤcke halten lassen. Ob nun zwar solches Jericho gantz und gar zerstoͤret war und ietziger Zeit nur ein klein Doͤrflein ist von wenig kleinẽ Haͤu- serchen/ so siehet und weiset man doch gleichwol allda noch die Orte und Spurzeichen eines und anders denckwuͤrdigen Din- ges/ welche allda geschehen seyn/ besage H. Goͤttlicher Schrifft/ als: Daß Z achæus, der grosse reiche suͤndhafftige Zoͤllner da- selbst bekehret worden/ da denn noch die Stelle gewiesen wird/ wo Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wo sein Hauß solle gestanden haben und der Maulbeerbaum/ auf welchen er gestiegen vor grosser Begierde und Liebe den HErrn Jesum zu sehen/ weil er von Person klein war und vor dem grossen Gedrenge deß Volcks nicht hinan zu dem HErrn Jesu kommen konte. Deßgleichen auch heraussen vor Jericho dem Ort/ wo der blinde Bettler Bartimæus gesessen und dem HErrn JEsu zuge- schryen: Ach HErr du Sohn David/ erbarme dich mein/ auch darauf von Christo sehend und gesund gemacht worden. Der Gegend und Landes Arth nach liegt Jericho uͤber die masse lustig und ist auch daherum sehr fruchtbar Land/ aber doch koͤmts dem nicht gleich/ wie es gewesen fuͤr alten Zeiten/ da die Jsraeliten noch da gewohnet/ wie in Gottes Wort davon Nachricht zu finden ist/ als zum Exempel: Vordessen ist allda zu finden gewesen die edle Rose von Jericho/ wie sie also deßwe- gen dem Orte nach genennet worden/ ietzt aber nicht mehr/ son- dern Jericho gegen uͤber jenseit deß Jordans wol in die vier Meilwegs davon/ iedoch kan man sie da bekom̃en/ wer nicht sel- ber darnach reisen und sie doch gerne haben will. Sie wird aber beschrieben/ daß sie wie Pflaum-Baͤume Gestalt/ iedoch gleich- wol denẽ Rosenstraͤuchern nach stachlicht seyn sollen. Die Bluͤh- ten seynd gantz treuge und duͤrre dem Ansehen nach/ und thun sich in der Christnacht auf und ausser derselben wieder zu. Wie das zugehen mag/ das ist Gott bekañt. Niemand kan Rechen- schaft davon geben/ Sir. im 24. Cap. gedenckt dieser Rosen/ oder Blumen und spricht: Die Weißh. sey gleich wie die Rosenstoͤcke/ die man zu Jericho erzeiht. Etwan eine kleine Stunde zu gehen von der Stadt istein Wasser/ dz seinen gewissen Quell hat. Das- selbe ist vordessen bitter und ungesund gewesen/ auch so/ daß/ woruͤber es gelauffen/ allda nichts aufkommen und wachsen koͤnnen/ wie denn die Einwohner gegen den Propheten Elisa druͤber zu seiner Zeit geklaget und gesaget: Siehe! Es ist gut wohnen in dieser Stadt/ wie mein HErr siehet/ aber es ist boͤse X x 2 Was- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Wasser und das Land unfruchtbar/ biß der Prophete Elisa Saltz in den Quell warff/ Da ward es wolschmeckend/ gesund und das Land fruchtbar/ wie davon zu lesen im 2. Cap. deß 2. B. der Koͤn. und bey diesem Brunn herum sollen diese Rosen von Jericho vordessen gewachsen und gestanden seyn. Die Theolo- gi machen von solcher Rose eine Deutung auf die unbefleckte heilige Gebuhrt der Jungfrauen Marien/ welches ich denen- selben zuerklaͤren anheim stellen will. Weiter: Daß vordessen auch hieherum und bey Jericho viel Balsam-Gaͤrten gewesen/ da der allerbeste Balsam ge- samlet worden/ wie denn auch koͤstliche Weinberge und Pal- men-Baͤume ohne Zahl/ davon auch Jericho in der Schrifft Palmen-Stadt genennet worden im 1. und 3. Cap. deß Buͤch- leins der Richter: Aber ietzo ists nicht mehr zu sehen und ist ein augenscheinlich Exempel deß Goͤttlichen Gerichts/ weil dort Josua/ der Fuͤrst deß Volcks Gottes/ seinen Ampts-Schwur und Fluch uͤber sie gethan und gesagt/ nachdem er sie so wun- derbarlich gewonnen und geschleifft hatte: Verflucht sey der Mann fuͤr dem HErrn/ der diese Stadt Jericho wieder auf- richtet und bauet/ wie bekannt aus dem 6. Cap. deß Buchs Jo- sua. Darum hat man sich wol zu huͤten fuͤr dem Fluchen und Wuͤnschen frommer oͤffentlicher Ampts-Personen. Zwischen Jerusalem und Jericho/ iedoch Jericho naͤher als Jerusalem/ ist eine grosse Wuͤstẽ/ Quarentene genannt/ in wel- cher es gar sehr unsicher ist/ weßwegen ich mir denn auch gera- de dahin durchzureisen nicht habe trauen wollen/ dieweil die raͤuberischen Mohren und Tuͤrcken uͤbel drinnen hausen sollen/ mit Stehlen/ Rauben uñ Morden/ weßwegen deñ auch wol zu glauben/ daß der HErr Jesus auf solche Wuͤsten sein Absehen gehabt in dem Gleichniß von dem unter die Moͤrder gefallenen und verwundeten Menschen/ so von Jerusalem hinab gen Je- richo Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. richo gegangen/ zu lesen im 10. Luc. So wird auch in dieser Wuͤ- sten gewiesen der Bach und Waͤsserlein/ so in der Schrifft der Bach Crith genennet wird/ an welchen hin Gott den Prophe- ten Elias gehen und sich daselbst verstecken hiesse/ da er Jsrael um ihrer schrecklichen Suͤnde willen mit Duͤrre/ theuer-Zeit und Hungers Noth straffen wolte/ damit er nicht fuͤr sie bitten solte/ ihn aber den Propheten Eliam/ ernaͤhrte Gott wunder- barlich durch die Raben/ so ihm Abends und Morgens Brot und Fleisch zutragen musten/ wie zu lesen im 17. Cap. deß 1. B. von den Koͤnigen. Der vierdte Theil. Der siebenjaͤhrigen und gefaͤhrlichen Welt-Beschauung. Deß weyland Hoch-Edelgebornen Herrn Georgen Christoff von Neitzschitzens aus dem Hause Wehlitz und Wernsdorff/ ꝛc. Jst eine Beschreibung seiner Rückreise aus Orient wie- der in die Christenheit/ und was ihm allda unterwegens zuge- stossen und iedes Orths denckwuͤrdiges zu sehen gewesen. Das Erste Buch. Begreifft meinen Abschied in Orient und Reise über Meer nach dem Koͤnigreich Franckreich. Das I. Capitul. Von meinem Abschied zu Joppen und wie ich mich zur Reise uͤbers Meer verdinget und fertig gemachet. N Ach dem ich nun in und um Jericho herum alles X x 3 in Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. in Augenschein genommen und erkundiget hatte/ habe ich mich wiederum zu rucke nach Joppen oder Jaffa begeben. Und weil ich gleich ein Schiff antraff/ das zu meinem Vorhaben gewil- let war/ habe ich mich alsbald Seefertig gemachet/ mich zu Schiffe begeben und sind noch selbigen Tag den 29. Augusti von Joppen abgefahren und gegen Abend nach Ptolemais kommen mit Gluͤck und ohne Gefahr/ weil wir ausserlesenen guten Wind hatten. Und eben an dem Orthe/ wie bereits o- ben auch gedacht worden/ habe ich die gefluͤgelte Fische ge- sehen/ wie sie sich aus dem Wasser empor in die Lufft geschwun- gen. Den 30. Augusti haben wir unsern Curs nach Tyro zuge- nommen. Weil wir aber hoͤrten/ daß es wegen der Seeraͤuber dahin zu kommen sehr mißlich und demnach nacher Sydon leichter kommen koͤnten/ haben wir/ gleich wie auf der Wage stehend/ zweymal ab und wieder dahin zugesegelt/ und hat uns Gott endlich doch gluͤcklich dahin geholffen. Denn es hat an diesem Orthe/ wie bereits auch oben ge- dacht worden bey meiner Reise zu Lande/ gar einen sonderba- ren guten Port und Hafen/ weßwegen auch zu Winters-Zei- ten die Schiffe von Sydon und Ptolemais oder wie es heute zu Tage genennet wird/ Joan di Acria hieher gebracht werden/ die- weil an beiden/ Orthen die Porte nicht so gut sind/ sondern un- term Wasser voller scharffen Felsen/ daran sich die Ancker- Seile zerfitzscheln und zuschneiden von dem steten hin und wie- der Schwancken der Schiffe/ durch den Wind und die Gewalt deß Wassers verursachet/ dahero denn vielmahl geschehen/ daß die Schiffe loß worden und sich untereinander zerscheitert und zerstossen. Die Stadt Tyro ist vordessen mitten im Meere gelegen gewesen/ ietzo henget sie/ wiewol das wenigsẽ Theil/ am Lande und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und der groͤste Theil davon erstreckt sich ins Meer hinein/ wo- von der guͤnstige Leser oben ein mehrers finden und lesen kan/ dahin ich ihn freundlich will gewiesen haben. Diesen Tag um Mittag haͤtten wir gar bald ein solch Un- gluͤck nehmen koͤñen davon wir alle waͤren zu Grunde gangen. Denn zwischen Tyro und Ptolemais lieff eine Griechische Barka mit vollem Segel auf uns zu und konte so geschwinde kein Se- gel herab gewinnen/ daß es nicht eine Haare gefehlet/ sie haͤtte uns uͤbern Hauffen geworffen/ wenn wir nicht das Gluͤck ge- habt uñ mit unserer Barcka ein wenig auf die Seite gerichtet. Gegen Abend verlohr sich der Wind gar/ weßwegen wir uns vollends nach Sydon in den Hafen rudern und arbeiten musten/ daß wir auch erst zwey gute Stunden in die Nacht hin- ein kamen. Zwischen Tyro und Sydon worden wir zur rechteu Handwerts auf dem Lande ansichtig eine Capelle/ und soll e- ben der Ort seyn da das Cananeische Weiblein den HErrn Je- sum angefallen und fuͤr ihre vom Teuffel besessene und uͤbel ge- plagte Tochter gebeten und zwar 3. harte Staͤnde gehabt/ ie- doch aber Huͤlffe und Rath erlanget hat/ welche Capelle ich vorhin im Ausreisen von Sydon zu Lande auch zur rechten nach Hand hatte. Diesen Abend ward ich von unsern Griechischen Schiff- leuten berichtet/ daß sich den Tag uͤber allda ein Franzoͤsische Tartana, oder Latino ausgeruͤstet und folgenden Tag drauf Marsilien segeln wolte. Und weil ich den willens war wieder in die Christenheit heraus zu reisen/ zumal ich nun ziemlich muͤde war mit denen unglaͤubigen und barbarischen Leuten umzugehen/ war mirs eine grosse Freude zu hoͤren/ dingte mit dem Schiff-Capitam/ welcher ein Franzose war/ uͤber Haupt ihm fuͤr Kost- und Fuhrlohn von Sydon biß nach Marsilien 25. Reichsth zugeben und ging im Namen Gottes drauf den folgendẽ Ta zu Schiffe. Der Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Der Preiß war zwar endlich nicht hoch/ sintemahl wir uͤber sechs Wochen unterwegens waren/ ehe wir nach Marsi- lien kamen; Allein die Noth zwang mich darzu/ weil ich in so ge- schwinder Eyl zu nothduͤrfftigen Lebens-Mitteln aufs Schiff nicht rathen konte und gleichwol wuste/ daß/ wenn mir diese Gelegenheit entgienge/ keine andere zu hoffen war. Denn ich hatte vorhin schon erfahren/ wie man einen um sein Geld auf den Schiffen zubekoͤsten pfleget/ wie ich auch dißmahl hernach wol erfahren muͤssen/ sintemal ich zu vielmalen den gantzen Tag mit harten Pißkoten und etzlichen Glaͤsserlein Wein muͤs- sen verlieb nehmen. Und ob ich mich gleich gegen den Capitain druͤber beschweret/ so hat er sich doch entschuldiget und fuͤrge- wendet/ man koͤnne der Ungestuͤmm wegen keinen Topff am Feuer behalten und etwas warmes zurichten. Und ist demnach viel besser/ wers nur immer thun und schaffen kan/ es bekoͤste sich einer selber/ wer auf dem Meere zu Schiffe reisen soll und will. Man kan nicht allein genauer weg kommen/ sondern sich auch um sein Geld viel besser warten und guͤtlicher thun. Und wie es hernach darzu kam/ so mangelte es uns nicht nur am Wein und Essen/ sondern auch am Wasser gar/ daß wirs vielmahl stehlen musten uns deß Dursts zuerwehren. Und wenn uns/ wie manchmal geschah/ der Capitain druͤber ertap- pete/ konte er zwar nicht viel sagen/ weil ers uns schuldig war/ bath aber vor Gott und nach Gott/ wir solten doch das Was- ser sparen/ weil wir nicht wuͤsten/ ob wir so bald Land antreffen wuͤrden wiederum frisch Wasser zuerlangen oder nicht. Er wolle uns lieber Wein zu trincken geben/ weil er haͤtte/ damit wir den Durst loͤschen koͤnten. Ehe wir aber forgesegelt/ habe ich mich vorhero noch um Sydon herum auf dem Lande recht umgesehen und bin in eine gewoͤlbte Capelle gefuͤhret worden/ zwischen schoͤnen Gaͤrten und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und Weinwachs gelegen/ in welcher Sebulon/ ein Sohn deß Ertzvaters Jacobs und Bruder Joseph/ soll begraben liegen/ da ich denn auch das Grab noch sehen koͤnnen. Jst sehr lang und zugemauert und habens die Juͤden in ihrer Verwahrung. Denn die Stadt Sydon liegt sehr schoͤn und lustig am Meere/ da denn nicht weit davon der in H. Schrifft beruͤhmte Berg Libanus, da Koͤnig Salomo die Cedern hauen und gen Jerusa- lem fuͤhren lassen zu seinem damals vorhabenden Tempel- Bau. Hat drey Castelle und viel schoͤne lustige Gaͤrten/ welche alle zur Stadt gehoͤren/ also/ daß an diesem Orte sehr lustig zu wohnen ist. Das XX . Capitul. Von meiner Fortreise uͤbers Meer nach Franckreich und was unterwegens mit vorgegangen und denckwuͤrdiges gesehen worden. D En 21. Aug. sind wir aufgewesen/ haben aber diesen Tag schlechten Wind und folgende 1.2.3. und 4. Sept. st. n. wi- derwertigen Wind und zum Theil Bonzza, das ist/ stille und keinen Wind gehabt. Den 2. Sept. fruͤh haben wir das Koͤnigreich und Jnsul Cypern/ das sich in die 700. Jtalienische Meilen weitet/ ins Gesichte bekommen. Gehoͤret ietzo den Tuͤr- cken/ die es hiebevorn den Venetianern abgenommen. Nach Mittage sind wir gar nahe bey der Stadt Salvia, so auf die Jn- sul Cypern gehoͤret und am Meere liegt/ vorbey gesegelt. Und weil gleich damals etzliche Schiffe/ worunter auch ein Franzoͤ- sche Polacro war/ allda im Port und Hafen lagen/ haben wir dieselben/ See-Brauche nach/ im Vorbeysegeln mit Loͤsung eines Stuͤcks und Zeigung unsers weissen Panthirs/ worinnen drey gelbe Lilien stunden/ begruͤsset und verehret/ worauf uns zu Ehren die Polacro gleicher Gestalt ein Stuͤcklein geloͤset und uns gleichsam Gluͤck zur Reise gewuͤnschet. Wir haben aber Y y diese Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. diese Jnsul und Koͤnigreich vom andern biß den 5. Sept. zur rechten Hand stets im Gesichte gehabt/ und den 5. Sept. das hohe Gebuͤrge darauf von ferne gelassen. Den 6. Sept. hatten wir zur Nacht groß Ungestuͤmm/ also/ daß unser Schiff von denn Wellen bald in die Hoͤhe/ bald zu Boden/ bald auf die Seiten und hin und her weidlich ge- worffen ward/ biß fruͤh am Morgen/ da bekamen wir guthen Wind/ den wir mit grossem Verlangen gewuͤnschet und er- wartet hatten/ dahero wir auch den 7. und 8. Sept. kein Land mehr sehen konten/ ob gleich den 8. Sept. der Wind schwach war/ so war er uns doch gut und einstehend und ward gegen Abend erst recht starck. Den 9. Sept. war ein starcker Wind/ der uns zur lincken Hand gegen die Barbarey trieb/ also/ daß wir zur rechten Hand die Jnsul und Koͤnigreich Candia gar von weiten sahen. Den 10. Sept. haben wir gar von weiten die Jnsul wieder ins Gesichte bekommen. Den 11. Sept. sind wir in aller Fruͤhe zur lincken Hand wieder Land ansichtig worden/ welches die wilde Barbarey war/ wie wir hernach gewahr worden/ da wir um Mittag gar nahe allda vorbey segelten. Es ist aber solche Barbarey zwar ein eben/ iedoch sandi- ges/ buͤschiges und wuͤstes Land/ da man sehr weit hinein we- der Hauß/ noch Dorff/ vielweniger einige Stadt siehet/ son- dern nur stat dessen etzliche kleine schwartze Arabische Zeltlein haben wir gesehen/ welche da im Sande aufgeschlagen waren/ sonderlich sollen viel Loͤwen drinnen zu finden seyn. Wegen der Meer-Raͤuber sind wir auch in dieser Gegend in grosser Gefahr gewesen/ weßwegen wir auf dem grossen Mast fleissige Wache muͤssen halten lassen/ massen wir denn die- sen und vorigen Tag stets zwey Schiffe von weiten nachgehen gesehen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. gesehen und nicht gewust/ obs Freund oder Feind seyn moͤgte/ weil wir so nahe zusammen nicht kommen konten wegen steti- ges widerwertigen Windes. Den 12. Sept. um halb Mittag aber kamen wir der einen Barcka naͤher/ machten uns fertig und gedachten/ es wuͤrde nun zum Fechten kommen/ biß wir noch naͤher kamen/ daß wir unser Panthir aufzogen und fliegen liessen/ dergleichen auch von ihnen geschahe/ da sahen wir/ daß es ein Franzoͤsisch Schiff war mit Guͤtern und Wahren beladen und hatten wir uns al- so keins fuͤr dem andern zufuͤrchten. Das andere Schiff war etwas kleiner und kam erst um halb Abend an uns und loͤsete/ indem es geruhet bey uns hin ging/ ein Stuͤckgen/ nachdem wir vorhero zu beiden Seiten einander die Panthire gewiesen/ denen auch wir mit einem Stuͤcke auf unserm Schiffe antwor- teten und uns also miteinander freundlich gesegneten. Gegen Abend entstund gar ein starcker Wind/ daß wir uns auch an der Barbarey eine gute halbe Stunde schon vor Sonnen Niedergang musten auf Ancker legen/ und dem Ungestuͤmm ein wenig seinen Willen lassen/ ehe wir wieder fort kommen konten. Nach Mitternacht brachen wir/ iedoch mit widerwerti- gem Winde/ wieder auf/ dieweil er uns nit so sehr als der vorige schaden konte/ da wir denn den 13. Sept. die Barbarey noch se- hen konten und kam diesen Tag eine Barcka an uns/ welche hefftig klagte/ es waͤren die Maltheser an sie kommen und haͤt- ten ihnen ihre Bißkotten und Wein und was sie gehabt abge- nommen. Es sind aber die Maltheser Galleen/ so auf dem Meere wegen der Cursaren/ oder Meer Raͤuber Creutzen muͤssen/ um dieselben zu wehren und Widerstand zu thun. Y y 2 Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 14. Sept. haben wir weiter kein Land gesehen und ist diesen Tag von fruͤh morgens an/ biß nach halb Abend/ das Meer mit grossen Wellen gegangen/ auch starcker contrari. Wind gewesen/ weßwegen wir der steten Bebung und Er- schuͤtterung wegen deß Schiffs keinen Topff beym Feuer be- halten/ noch etwas kochen koͤnnen/ sondern uns mit Bißkotten und etzlichen Glaͤserlein Wein behelffen muͤssen. Jn solchem Ungestuͤm war Lachen zuverbeissen/ massen denn unser Schiff dermassen geworffen ward/ daß es schon Wasser schoͤpffte/ weßwegen wir drey Segel herunter nehmen musten und also mit gar einem kleinen Segel am mittel Haupt- Mastbaum in Gottes Gewalt dahin fahren/ biß nach Son- nen Untergang der Sturm etwas nachließ und die Nacht drauf stille ward. Den 15. Aug. hatten wir wieder Contrari- Wind/ auch lieff das Meer gewaltig wieder an und auf. Den 16. Aug. be- kamen wir die Barbarey wiederum ins Gesichte/ welches wir gegen Sonnen-Untergang vorbey segelten. Den 17. Aug. hatten wir abermals wieder wertigen Wind und haben die Barbarey nicht mehr sehen koͤnnen. Dieser Wind verschlug uns vom 13. biß 17. Sept. zuruͤckwarts hinter die Jn- sul Candia/ da wir denn erst wiederum unsern grossen Haupt- segel den 17. Sept. um Mittag gebrauchen konten/ den wir biß- hero unterm Mastbaum hatten muͤssen liegen und gleichsam ruhen lassen. Und haͤtte es laͤnger gewaͤhret/ so haͤtten wir auch unserm schon gefaßten Willen nach unumgaͤnglich auf die Jnsul Candia zulauffen und uns salviren muͤssen. Den 18. Sept. als es zu Tagen begunte sind wir mit contra rem Winde Candia zur rechten Hand vorbey passir et/ also/ daß wir nach Sonnen Aufgang schon nicht mehr sehen koͤnnen und da fing uns an der Wasser-Mangel zu plagen/ weil Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. weil uns das uͤbrige/ so wir noch hatten/ gantz stinckend wor- den war. Den 19. und 20. Sept. war uns der Wind wieder contrar und zuwider/ hatten darzu ein Schiff im Gesichte/ weßwegen wir uns immer gefast halten musten mit ihm zuschlagen/ weil wir nicht wusten/ obs Feind oder Freund seyn moͤgte/ wiewol es uns endlich aus dem Gesichte lieff und nicht an uns kam/ da- hero wir auch unserer gefasten resolution nicht bedorfften. Den 21. Sept. war fruͤh schwacher Wind/ welcher aber hernach den Tag uͤber und ie naͤher den Abend und die Nacht hindurch immer staͤrcker worden und von hinten ins Schiff eingestanden/ welches uns sehr angenehme war. Den 22. Sept. hat sich der Wind gewandt und uns gegen die Jnsul und das Koͤnigreich Sicilien getrieben/ also/ daß wirs zur rechten Hand hatten. Um halb Abend aber hat er sich wie- der gewandt uñ uns zur lincken Hand gegen die Jnsul Maltha getrieben. Den 23. Sept. hatten wir noch den gestrigen Abend Wind. Den 24. Sept. aber hatten wir abermals gantz wider- wertigen Wind/ welcher uns gegen Sicilien verschlug/ iedoch hatten wir noch diese Lust dabey/ daß die grossen Meer-Schilt- Kroͤten hauffenweise zu uns ans Schiff hinan kamen und das Brodt auffchnappeten/ so wir ihnen hinaus wurffen. Den 25. Sept. plagte uns abermals widerwertiger Wind/ so uns nach der rechten Hand verschlug/ wie es denn vom 22 biß den 25. nicht anders ging/ daß wir immer lavir en und das Schiff den einen Tag und Nacht zur rechten/ und den andern zur lincken Seite halten musten und also die Segel im- mer von einer Seite zur andern wenden. Diesen Tag kam/ gleich da wir assen/ ein grosser Hauffe Delphine oder Meerschweine ans Schiff/ so bald unters Wasser fuhren/ bald wieder empor kamen und sich im Wasser rund Y y 3 um- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. umher warffen/ welches denn ein greulich Prausen/ Spruͤtzen und Platzschern gab. Es sind solche Delphine grosse Fische/ welche Koͤpffe und Ruͤssel haben/ wie die Schweine/ deßwegen sie auch Meerschweine genennet werden. Den 26. Sept. kam in der Nacht ein sehr starcker Wind/ welcher uns biß um den Mittag entgegen war. Um Sonnen- Untergang sind wir einer wuͤsten Jnsul oder dreyspitzigen Sco- gli discedendo ansichtig worden/ wusten aber nicht/ obs Maltha seyn mogte/ worzu wir den 27. Sept. fruͤh kommen sind. Allhier vermeinten wir gewiß frisch Wasser zubekommen/ dieweil wir grossen Mangel dran lidten/ aber es war vergebens und nichts allda zuerlangen/ ob gleich die Boß-Knechte aussetzten und sich in solcher wuͤsten Jnsul fleissig darnach umsahen/ so kamen sie doch leer wieder zuruͤcke und brachten nichts/ als Habichte und Stein-Falcken/ die sie in den Steinklippen ausgenommen hat- ten. Unser Capitain ließ dieselben kochen und speissen/ war aber ein schlecht Essen/ dessen man bald gnung kriegen konte. Heute Morgens hatten wir gar schlechten und sehr schwachen Wind. Um Mittag biß an den Abend hatten wir ihn zwar zum Vorthel im Hintertheil deß Schiffs/ allein er war uns gar zu schwach/ daß wir nichts damit richten konten/ dahero uns nicht wohl dabey war/ weils bey dieser wuͤsten Jn- sul wegen der Cursaren sehr unsicher war und wir uns immer zum Schlagen und Widerstand fertig halten musten. Diese wuͤste Jnsul wird genennet Lignoso und liegt/ wie die Schiff- leute berichteten sechzig Jtalienische Meilen von der beruͤhm- ten festen Jnsul Maltha und ist von dannen noch acht hundert Jtalienische Meilen biß vollends in Franckreich nach Marsi- lien. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Den 28. Sept. war deß Nachts guter Wind/ wie auch den dar auf folgenden Tag/ an welchem wir fruͤh zweene Schiffe zur lincken Hand/ eins gegen Morgen zu/ das seinen Lauff fort nahm/ das andere aber gerade gegen uns gewendet gesehen. Und weil wir den Wind hinden im Schiffe hatten/ der uns trefflich zu statten kom̃en waͤre/ wars uns nicht wenig zu wider/ daß wir ihn nicht brauchen dorfften/ sondern wider zu ruͤcke wenden musten nach Pandeleria, allwo eine Stadt und Castell war/ damit wir einen Vorthel innen haͤtten und sicher waren/ dieweil uns das Schiff zu groß und gantz unbekannt war. Diese Jnsul ist gar eine Weinreiche Jnsul/ denn es waͤchst gar viel und guter Wein drinnen. Es war uns aber gleich- wol auch nicht wohl bey der Sache/ daß uns die Noth dahin- ein getrieben hatte/ dann diese Jnsul gehoͤrte den Spaniern/ und selbiger Koͤnig war gleich damals deß Koͤnigs von Franck- reich Feind. Dahero wir diesen Tag uns so gewiß deß Schla- gens versehen muͤssen/ als bißher noch niemalhs geschehen war/ weil uns die Raubschiffe auf den Halß gingen/ als daraus ab- zunehmen war/ daß sie ihren Curs aͤnderten und uns starck nachfolgeten/ welches gute Schiffe nicht zu thun pflegen und denn auch wir uns aus der Jnsul nichts gutes zuversehen hat- ten. Allhier muß ich etwas mit wenigen gedencken: Wenn die Maltheser/ so der Tuͤrcken Feinde sind/ auf Tuͤrckischen Schiffen/ welches gar offt geschiehet/ reisende Christen an- treffen/ indem sie dieselben Tuͤrckische Schiffe uͤbermei- stern/ so pflegen sie ihnen alles/ was sie bey sich haben/ abzunehmen/ ausgenommen Leben und Freyheit lassen sie Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. sie ihnen/ den Tuͤrcken aber nemen sie nicht allein Schiffe und Guͤther/ sondern auch Leben und Freyheit. Diesen 28. Sept. war gleich Sonntag sind wir flugs gar fruͤh die Jnsul Pandeleria vorbey passir et/ 60. Jtal. Meilen von dem Koͤnigreiche Tunis in Barbarien. Auf dem Meer werden drey Jtalienische Meilen fuͤr eine Teutsche gerechnet und waͤ- ren also nicht weiter/ als 20. Teutsche Meilen von der Baꝛbarey gewesen und/ wie die Schiffleute berichten/ kan man in ieglicheꝛ Stunde mit gutem Winde vier Teutsche Meilen segeln. Als wir nun wider zu ruͤck gingen nach dieser Jnsul Pan- deleria und zwar wider den Wind/ haben wir dieselbe um hal- ben Mittag wieder ins Gesichte bekommen und sind nach halb Abend gar nahe dabey gewesen also/ daß Cursaren Latino hin- ter uns im Hindertheil deß Schiffes blieb. Den 29. Sept. war biß um halb Abend gar schwacher Wind/ hernach aber biß zuꝛ Soñen-Untergang Bonaza, das ist/ Stille deß Meers. Den 30. Sept. aber deß nachts hatten wir grossen Sturm/ daß wir auch die Segel herab nehmen musten und doch denselben gantzen Tag drauf Bonaza und Stille deß Meeres und dabey Regen/ Donnern und Plitzen/ sonderlich gegen Untergang der Sonnen und um den Abend hin. Und weil wir um solche Noth und Mangel am Wasser hatten/ ja auch endlich am Weine gar uñ man deßwegen so ge- nau damit thun muste/ daß keiner zwischen der Mahlzeit einen Tropffen Wein mehr bekommen konte/ weil wir nicht wusten/ ob wir bald Land erreichen koͤnten/ oder nicht/ haben wir we- gen unaussprechlicher Hitze und heissen Wetters dermassen Durst leiden/ aͤchzen und Lechzen muͤssen/ daß ichs nicht be- schreiben kan und haͤtte man sich lieber den Todt wuͤnschen als laͤnger solches ausstehen und leiden sollen Dahero denn ich aus hoͤchster Noth und weil ichs zumahl uͤbel gewohnet war/ heim- licher Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. lich erweise uͤber einen grossen im Schiff versteckten Wein-Es- sig Krug kam/ etzliche mahltapffer ansetzete und den Durst ein wenig damit stillete. Also sammlet man denn zu Schiffe und auf den Reisen nach und nach immer mit ein/ daß sich hernach an der Gesundheit und Leben weiset und ausschaͤlet. Den 1. Oct. st. n. hatten wir deß Nachts widerum contra- ren Wind/ und den folgenden Tag uͤber ward er so starck daß er uns gegen Morgen trieb. Fruͤh Morgens sahen wir gegen Morgenwarts Land/ welches war die Jnsul Jacheita, welche wuͤst und unbewohnt war und sonst nichts/ als wilde Ziegen/ haͤuffig drauf zu sehen. Aber wer war froher/ als wir/ weil wir frisch Wasser da antraffen. Das war uns ein recht gluͤckseliger Freuden-Tag/ sintemahl keine Seele im Schiffe war/ die sich nicht von Hertzen druͤber erfreuet haͤtte daß wir der unsaͤglichen Pein deß Dursts entlediget warden und nunmehr wider satt Wasser zu trincken haben solten. Dahero wir uns alle wol be- sacketen und labeten/ als wenns der koͤstlichste Malvasiir/ oder Nectar gewesen waͤre. Jn dieser Jnsul waͤchst auch die Roßmarie in grosser Menge/ wie auch die Corallen an diesem Orte im Meere gar haͤuffig und schoͤn zu finden seyn. Wir hatten aber diesen Tag gegen Morgen den Wind in puppi und hinder uns/ welches auch ein sonderlich Gluͤck war/ dahero wir desto besser an dieser Jnsul ankommen konten und haben als Tag und Nacht sich scheideten/ allda Ancker geleget. Zur rechten Hand aber im Hineinsegeln war absonderlich eine spitzige Scoglio, wie ein Pyramis, die wir noch weit von ferne se- hen konten. Auch haben wir diesen Tag die Barbarey/ wiewol von sehr weitem/ gesehen. Jn dieser Jnsul ists mehrertheils steinfelsigt/ duͤrre und wenig Graß zu sehen und war dißmahl daherum auch sehr un- Z z sicher Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. sicher der Raubschiffe wegen von denen Barbarn/ weßwegen wir da mit hoͤchster Furcht und Gefahr im Port lagen und immer die Beysorge haben musten/ daß wir uͤberrumpelt und in Schaden gesetzet werden moͤgten/ wie auch leicht geschehen koͤnnen. Den 2. Oct. hatten wir einen sehr starcken Sturm und den gantzen Tag truͤbe Regenwetter und die vorige Nacht greulichen Platz-Regen/ weßwegen wir wieder unsern Wil- len im Port musten stille liegen bleiben und aushalten. Wir hatten aber gleichwol auch unsere Lust dabey mit einem sonder- baren Fisch-Fange. Es giebt am selben Orte bey dieser Jnsul Jacheita eine Art Fische/ etwas groͤsser/ als grosse Karpen/ welche/ wie die Schiffleute berichten/ sich haͤuffig und gerne zu den Schiffen halten und denselben in die 200. Jtal. Meilen nachschwimmen sollen/ darum weil die Schiffe unten am Bauche dicke mit Schmeer und Fett geschmieret werden/ damit sie desto leichter segeln und dann auch das scharffe See Wasser das Holtz nicht so geschwind angreiffen und wandelbar machen soll/ und aber gedachte Fische das Fett gerne Fressen und abnagen/ woruͤber sie denn auch hernach so haͤuffig gefangen werden/ und zwar auf folgende Masse und Weise: Sie haben aufden Schiffen lange Stangen/ an welchen unten ein breit Eisen zweyer queer Haͤnde breit/ an denen Enden aber Zincken waren/ in Gestalt einer Gabel. Die liessen sie hinab in das Wasser deß Meers/ da faßten sich die Fische zwischen die Zincken und liessen sich also gar leicht aus dem Wasser her aus ins Schiff ziehen. Deßgleichen haben wir auch auf dieser Jnsul viel Sperber gefangen/ die hernach auf dem Schiffe/ iedoch schlecht gnung/ zugerichtet und verspeiset wurden. Den 3. 4. und 5. Oct. war uns der Wind contrar und dar- auf Bonaza, kontens demnach nicht aͤndern und musten den ge- dach- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. dachten 3. Sept. zwey Stunden in die Nacht dennoch mit con- trar en Winde fort und hatten den 4. uñ 5. die Barbarey wiedeꝛ im Gesichte/ sonderlich den 5. sind wir gar nahe dran vorbey gesegelt/ da wir denn fast diesen gantzen Tag Bonaza, oder Windstille hatten und demnach nicht groß foͤrdern/ noch fort kommen konten. Den 6. Oct. zur Nacht hatten wir gar starcken Wind hin- den im Schiffe und von Abend biß an den Morgen stetiges Plitzen und Wetterleuchten worauf ein starcker Regen am Morgen folgete/ da sich denn am selben Morgen fruͤh wieder- um 2. grosse Schiffe sehen liessen/ welche uns denn abermahl grosse Furcht und Sorge verursachten und musten uns mit der Flucht salviren und dem schoͤnen Winde zu wider segeln/ weil wir mit ihnen zu schlagen uns nicht bastant befanden und gleichwol in Gedancken stehen musten/ als wenn sie Feind waͤ- ren. Und ob wir gleich ein wenig Nachricht bekamen/ daß es entweder Engellaͤnder/ oder Hollaͤnder waͤren/ die aus Orient kaͤmen/ so dorfften wir doch nicht trauen/ sondern musten un- sern Vorthel/ aufs beste wir konten/ in acht nehmen und uns nicht selber in Gefahr geben. Also muß sich auf dem Meere im- mer einer vor dem andern fuͤrchten/ weils wegen der Meerraͤu- ber so vielfaltige Noth/ Gefahr uñ Unsicherheit zur See giebet. Von heute an haben wir noch 400. Jtal. Meilen biß nach Mar Glien in Franckreich vor uns gehabt/ auf deren Ende und Beschluß ich denn mit grossen Verlangen wartete/ weil ich der Unruhe nunmehr fast ziemlich satt und muͤde war. Dieser Tag der 6. Oct. war durch und durch truͤbe/ hatten aber guten Wind im Hindertheil unsers Schiffs/ der uns wol foͤrderte. Um den Mittag erkanten wir erst die beiden grossen Schiffe und sahen/ daß sie Englisch waren/ dahero wir unsere Panthier aufzogen und fliegen liessen/ dergleichen sie aber nicht thaten aus Hoffart/ weil sie uns dessen Z z 2 nicht Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. nicht wuͤrdig achteten. Denn das haben die grossen Englischen und Hollaͤndischen Schiffe im Brauch/ iedoch aber sich aus Hochmuth und wider Meeres-Gebrauch angenommen/ daß sie andern und geringern Schiffen/ denen sie bastand sind/ zu Ehren ihre Panthire nicht fliegen lassen/ sintemal sie sich den Koͤnig deß Meeres zu halten und zunennen pflegen. Diesen Tag haben wir abermahls kein Land gesehen und gegen Abend hatten wir uns einer grossen Ungestuͤm zube- fuͤrchten/ wie sich denn der Himmel allendhalben gantz schwartz bezog/ weßwegen wir beide Segel herunter liessen und dage- gen den kleinen aufzogen/ dar auf es hefftig zu regnen anfing und das Meer lieff darzu auf und stuͤrmete und tobete gewal- tig/ daß unser Schiff gewaltig/ grausam und schrecklich hin und wieder geschlagen und geworffen ward/ daß einem die Haare empor stunden/ wer es mit ansehen und ausstehen solte. Den 7. Oct. war wieder sehr guter Wind im Hindertheil deß Schiffes/ wiewol der Tag truͤbe und es gegen Abend re- genhafftig war und hatten wir abermals kein Land zu sehen. Den 8. Oct. hatten wir deß Nachts guten instehenden Wind/ welcher aber auf den Tag gar schwach ward und sahen wir um Mittag etwas buͤrgicht Land/ vermeinend/ es waͤre die Provin tz/ in welcher Marsilia gelegen war/ so aber Spanisch/ Catalonia war/ wie wir denn den 9. Oct. fruͤh gar nahe an die Stadt Palamo kamen/ auch so/ daß wir schon die Galleen und Schiffe im Port unter der Stadt gar eigentlich se- hen und erkennen konten/ da wir denn erst sahen/ daß wir be- trogen und in Gefahr waren/ dar auf wir denn denselben gan- tzen Tag gnung zu thun hatten/ daß wir wieder zuruͤcke ge- gen Levent nach Morgenwerts wenden konten/ dieweil uns der Wind noch ziemlich fuget/ ober gleich nicht eben instehend war. Musten also durch den Golfo di Lyon hindurch/ welcher sehr Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. sehr gefaͤhrlich wegen deß Sandes/ wenn eine Ungestuͤmm ent- stehet und ist von hier noch 150. Jtalienische Meilen/ biß nach Marsilien in Franckreich. Das war uns gut/ daß wir vorige Nacht nicht so gar starcken Wind gehabt hatten/ sonst wuͤrden wir schrecklich weit haben muͤssen wieder von Palamo nach Ori- ent zu ruͤcke gehen. Konten also diese elende Schiff leute ihr eigen Land nicht erkennen von dem Spanischen/ noch sich finden/ wiewol sie doch diesen Weg sehr offt gesegelt hatten. Um den Abend giengs uns eben auch also/ daß sich die Schiff leute nicht finden konten/ wo sie segelten/ wiewol sie offt uͤber ihre Mappen und Charten lieffen. Was demnach einer fuͤr Gefahr bey dergleichen Faͤl- len mit ausstehen muß/ ist leicht zuerachten/ sintemahl keinem gar wohl dabey war auf dem Schiffe/ dahero denn ein Fran- zoͤsischer Kauffmann/ Monnsi cur di Lilo einem/ der am ersten Franckreich ansichtig werden und die Post davon bringen wuͤrde/ eine mit allerhand Farben uͤber die masse schoͤne Tuͤr- ckische Bett Decke fuͤr drey spanische Real zur Belohnung und Trinckgelde aufsetzte/ denn wir nun vom 9. Oct . an biß auf den 11. auf dem Meere hin und her/ bald gegen Morgen/ bald ge- gen Mittag/ geschwancket und herum geschweiffet und dort und da die Provin tz, Franckreich anzutreffen und zu finden ver- meinet und es doch dahin nicht bringen koͤnnen. Den 10. Oct . hatten wir deß Nachts und folgenden Ta- ges schwachen Wind und haben noch immer Spanien zur lin- cken Hand/ sonderlich einen hohen Berg davon gesehen/ wel- ches uns denn keinen geringen Verdruß verursachete. Den 11. Oct. zu Nachts hatten wir noch weniger Wind/ wurden aber morgens fruͤh Franckreich/ darauf wir mit hoͤch- sten Verlangen gewartet/ etwas zur rechten Hand/ iedoch mehr fuͤr uns/ ansichtig/ welche Zeitung zu erst ein Booß- Z z 3 Knecht Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Knecht brachte und also das versprochene Præsent von gedach- tem Kauffmanne erlangete/ woruͤber er zwar sehr/ iedoch wir uͤber seiner Post noch vielmehr erfreuet waren/ als solche/ die mit Schmertzen auf Erloͤsung warteten. Den 12. Oct . deß Nachts gabs grosse Ungestuͤmm/ die uns abermals wiedeꝛ zuruͤcke trieb Abeꝛ ohngefaͤhr 2. Stunden vor Morgen stund ein ander Wind auf/ der uns zu laviren ver- ursachte und gegen die Stadt Marsilien zu trieb. Beschliesse also hiermit das Orient/ welches ich Gott Lob/ durch Gottes Gnad zuruͤcke gebracht und schreite nun wieder in die liebe ge- wuͤnschte Christenheit/ aus der Nacht und Finsternuͤß in den Tag und das helle Liecht. Das andere Buch. Haͤlt in sich meine Reise in Franckreich/ wie weit ich drinnen kommen und wie mirs da ergangen und ich denckwuͤrdiges allda gesehen habe. Das I. Capitul. Wie ich nach Marsilien kommen und wie mirs da er- gangen ist. A Ls wir nun den Wind also zum Vorthel hatten/ kamen wir flugs fruͤh noch bey guter Zeit vor Marsilien an/ dafuͤr wir Gott alle hoch dancketen/ daß er uns so gnaͤdiglich auf dieser gefaͤhrlichen Reise aus Orient durch die Bar- barey uͤbers wilde Meer gefuͤhret und behuͤtet hatte. Es kam aber auch noch ein ander Schiff/ so von Smirna aus Asia abgesegelt war/ neben uns und dasselbe lieff flugs im Port und Hafen ein/ wir aber musten mit unserm Schiffe zu zu ruͤcke und ausser der Stadt auff Ancker liegen bleiben/ die- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. dieweil wir aus Syria von der Pest wegen verdaͤchtigen Or- then kamen. Um Mittag fuhren wir mit einem kleinen Booth an das Hauß/ oder Orth an/ wo man den ankommenden Schiffen der Contumacia wegen Bescheid ertheilet/ baten die Herren in- staͤndig uns in Port und die Stadt einzulassen/ ward uns a- ber abgeschlagen/ wenn wir nicht vorhero die gewoͤhnliche Contumaciam leisten wolten/ wurden demnach drauf an den Orth gebracht/ Infermaria genannt/ da wir etzliche Wochen in- ne liegen solten/ biß man der Verdacht wegen einiger mit ge- brachten infection an uns versichert waͤre/ da wir denn unsere Sachen auf dem Bothe vom Schiffe abholen und auch an die- sen Ort der Contumaciæ bringen liessen. Das Schiff aber/ muste mit seiner zu Sydon geladenen Wolle wieder zuruͤcke/ sich ausser der Stadt am Castell stellen und allda etzliche Wo- chen auf Ancker liegen. Dieser Orth Infermaria ist ein von der Stadt fern abge- legenes Hauß/ um her mit einer Mauer umgeben/ hat unten und oben viel Kammern/ und ist der Laͤnge nach fast wie ein Kloster gebauet. Liegt gar lustig am Meer/ hat unten einen grossen weiten Hof und im selbigen schoͤne lustige Weingaͤrten/ frische Brunnen und eine gar einsame Capelle mit einem Kaͤm- merlein dabey/ welche ein Einstedler zu seiner Andacht zu brau- chen inne hat. Und in solch Hauß werden die inficir ten/ oder die zum wenigsten nur den Verdacht der infection habẽ/ gebracht und muͤssen sich drinnen etzliche Wochen/ nachdem ihnen zuer- kant wird/ aufhalten und werden/ wo sie nicht anders rathen koͤnnen/ aus der Stadt um ihr Geld gespeiset und unterhalten. Wir aber kochtẽ uns entweder selber/ was wir gerne essen wol- ten/ oder liessens uns in der Stadt zugericht einkauffen. Und weil der Aufseher solches Hauses schon Wein in Vorrath hat- te/ so namen wir/ so viel wir bedorfften/ bey ihm und dorfften nicht erst in der Stadt holen lassen. Das Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Das II . Capitul. Wie ich aus der Contumacia in der Infermaria loß lassen und mir in die Stadt Marsilia zu gehen verstattet worden. N Achdem ich nun biß auf den sechsten Tag in der Inferma- ria contumaciam gehalten/ und gute lange Weile gehabt/ iedoch gleichwolgesund dabey blieben war/ ward mir end- lich den 18. Oct. auf vielfaltiges Bitten und Anhalten erlaubt in die Stadt zu gehen. Und weil ich sonderlich unter den Kauff- leuten nach Lands-Leuten Teutscher Nation nachfragen liesse/ die mich aus der infermaria in die Stadt begleiten moͤgten/ kam einer mit Namen Zolicover, welcher ein Schweitzer und von S. Gallen war/ unten in Hof zu mir/ empfing mich gar freund- lich und erbot sich aller Liebe und Freundschafft gegen mich/ wiewol gantz Frembden und Unbekanten/ fuͤhrte mich uͤbern Port in einem kleinẽ Schifflein mit in sein Hauß/ gab mir einen Teutschen Diener zu/ der sein Schneider war/ welcher mich gar in ein gut Logiment brachte/ in welchem ich auch verblieben und nicht allein alle Liebe und Freundschafft von solchem Kauffmanne genossen/ sondern auch um mein Geld wol be- wirthet worden/ so lange ich mich allda zu Marsilien aufgehal- ten und verblieben bin. Und weil ich damals noch in Tuͤrckischen Kleidern ging und damit nicht in die Stadt gehen wolte/ auch nicht konte/ weil ich mich gantz ablegen und auf Anordnung der zur Infer- mari verordneten Inspectorn meine Kleidung noch zwey oder drey Tage allda lassen und also mich von blossem Leibe auf an- ders kleiden muste/ in Gegenwart einer hierzu verordneten Person/ die mit fleiß acht drauf geben muß/ damit zum wenig- sten auch die alten und verdaͤchtigen Kleider die neuen nicht be- ruͤhren und anstecken sollen/ ließ mir derselbe durch seinen Die- ner Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. ner gar ein schoͤn Tuchenes Kleid holen mit aller Zubehoͤr und und gab mir frey es so lange zubrauchen/ biß ich mich selber/ guter Gelegenheit nach/ auskleiden koͤnte/ welches mir denn nicht eine geringe angenehme Freundschafft und Foͤrderung war. Das III. Capitul. Von der Stadt Marsilia und was allda zu sehen gewesen. D Je Stadt Marsilia liegt sehꝛ lustig am Meer und von dem- selben Berg an/ da denn aus derselben gegen das Meer hinaus uͤber die Mauer gar viel Stuͤcken liegen. Jst an Gebaͤuden nicht sonderlich schoͤn aber ziemlich groß und weit- laͤufftig und hat einen sehr bequemen tieffen Port/ daß auch die groͤsten Schiffe biß an die Haͤuser hinan lauffen und allda lie- gen koͤnnen. So kan man auch solchen Port quer uͤber von ei- nem Ufer biß zum andern mit Ketten verschliessen/ welches sonst gar selten zu finden ist. Die Stadt hat keinen Graben um sich iedoch gleichwol eine Mauer und alte zerbrochene Pasteyen und ist also nach dem Lande zu gantz nicht feste/ nur daß sie Volckreich und die Haupt-Stadt in Provence ist/ dahero sie auch die Franzosẽ Mar- se ille en Provence heissen. Sie hat zwey Pforten uñ fuͤnff Tho- re/ unter welchen eins Porta di Re, das ist/ deß Koͤnigs Thor ge- nennet wird/ darum/ weil der Koͤnig dahinein zu ziehen pfleget/ wenn er dahin koͤm̃et und ist dasselbe mit hohen starcken Thuͤr- men befestiget und mit allerhand schoͤnen Figuren gezieret. Die Franzoͤsische Sprach wird nicht zierlich/ sondern gar grob allda geredet: Aber was die Victuali en und Wein betrifft so ist gar wolfeil da zu leben. So hab ich auch vor ein ei- gen Logiment und Bette nicht mehr als zweene Stuͤber oder Solt 15. Pfennige/ unserer Muͤntze nach/ ieden Tag geben A a a doͤrf- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. doͤrffen. Man gibt vor/ daß diese Stadt in die 600. Jahr vor Christi Gebuhrt erbauet worden und zwar von den Griechen/ welche mit ihrem Haupt Perano alldahin kommen der deß da- mahligen Koͤnigs Tochter geheyrathet. Ausser der Stadt und derselben fast gegen uͤber liegt ein altes Castell auf festem Lande und etwas vom Meer abe/ wel- ches mit Soldaten besetzt ist/ darum/ daß sie der Raubschiffe wegen muͤssen Wache und Aufsicht halten/ denn man kan sich auf solchem Castell gar sehr weit umsehen/ dahero sie allmahl/ wenn sie grosse Schiffe sehen/ so viel Zeichen geben muͤs- sen/ als derselben seyn/ deß Nachts aber thun sies mit angezuͤn- deten Feuerwischen/ welches man denn unten gar eigentlich se- hen kan. Es hat auch einen Thum in der Stadt. Bey derselben ist eine alte finstere Kirche/ daran stehet ein uhr alter hoheꝛ Heydni- scher Thurm damahls ohne Tach/ auf welchem uͤberaus schoͤ- nes Gelaͤute ist/ welches auch gar auf sonderbare Manier pflegt gelautet zu werden/ also/ daß die Glocken bald gar langsam und gravi taͤtisch/ bald wider geschwind und so fort gezogen wer- den. Nicht weit von dieser Kirche ist eine kleine Capelle und wird gesagt/ daß an dem Ort die grosse Suͤnderin/ Maria Magdalena/ den damals Heidnischen Voͤlckern oͤffentlich den Christlichen Glauben geprediget/ ehe sie sich in die Wildniß hin- aus in einen sehr tieffen finstern Felsen/ nicht weit von der Stadt begebẽ allda wahre Busse zu thun. Auch soll ihr Bruder Lazar aus/ von Christo zu Bethanien von den Todten aufer- wecket/ in der Stadt/ nachdem sie zum Christlichen Glauben bekehret worden/ der erste Bischoff gewesen und in vorgedach- ter Dumkirche begraben seyn. Und soll dieser Lazarus wunder- bar- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. barlich dahin kommen seyn/ nemlich: Er soll mit zween Schwestern und andern frommen glaͤubigen Hertzen auf ei- nem Schifflein ohne Ruder allein durch GOTTES Huͤlffe und Regirung aus dem heiligen Lande auf dem wilden stuͤrmenden Meere daher geschwommen kommen seyn. Was davon zu halten/ stellet man vernuͤnfftigem Nachden- cken billich anheim. Dem Port/ oder Hafen gegen uͤber liegt ein altes weit- leufftiges/ grosses und reiches Benedicti ner Closter/ in welchem mir das Creutz/ woran der heilige Apostel Petrus gecreutzi- get worden/ und andere sehr viel Heiligthuͤmer gezeiget wor- den. Ausserhalb der Stadt gibts viel Oel-Baͤume und Wein- Gaͤrten/ wie denn das Baumoͤl allda in grosser Menge und gaꝛ wolfeil zubekommen ist. Das IV . Capitul. Was in der Marsilischen Gegend und Pro- vintz denck wuͤrdiges zu sehen gewesen. N Achdem ich nun etwas von meiner Meer-Reise in Marsili en ausgeruhet und mich in die drey Wochen allda in der Stadt gnungsam umgesehen hatte/ wolte ich auch gerne wissen/ was denn auch ausserhalb in selbiger Gegend denckwuͤrdiges zu sehen waͤre/ habe ich mich hinaus nach S. Pomo begeben/ und bin demnach den 8. Nov. st. n. aufgesessen und sammt etzlichen guten Freunden dahin gerit- ten. Dieses S. Pomo liegt ohngefaͤhr zwey biß dritthalbe Mei- le von der Stadt. Erst musten wir uͤber sehr hohes Gebuͤrge reitten/ iedoch ist dasselbe mit schoͤner starcker und dicker Roßmarie eines ziemlichen Mannes hoch/ wie auch A a a 2 mit Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. mit andern wolriechenden Kraͤutern/ als Jsop und Lavendel bewachsen/ welches/ also hindurch zu reiten/ eine grosse Lust und anmuthigen/ auch sonderlich er quickenden Geruch giebet/ daß ob gleich das Gebuͤrge sonst wegen seiner Hoͤhe und Rauhigkeit noch so beschwerlich zu reisen ist/ einem dennoch durch diesen lieblichen Anblick und Geruch alle Beschwer und Unlust ver- gehet und einem Zeit und Weile nicht lang wird. Darnach kamen wir in einen ebenen Weg biß an ein Holtz uͤber welches wir den sehr hohen jehen Felß heruͤber ragen ge- sehen/ darinnen Maria Magdalena ihre Busse gethan. Da wir demnach vollends durchs Holtz waren/ welches denn sehr lange waͤrete/ sind wir an denselben Felsen kommen. Sehr hoch droben stehet ein ziemlich groß Gebaͤude/ oder Hauß/ welches natuͤrlich wie ein Schwalben-Nest lebet und wunderbarlich von unten hinauf anzusehen ist. Sind demnach miteinander hinauf gestiegen/ musten aber erst durch etzliche eiserne Thuͤren gehen und also auf steinern Stuffen hinauf steigen/ da funden wir einen Wirth/ welcher frembde Leute/ die dahin kom̃en den Ort zubesehen/ mit Essen/ Trincken/ Betten und anderer Noth- durfft um ihre Zahlung gar wol versorget. Der empfieng auch uns gar freundlich uñ fuͤhrete uns in ein Zim̃er/ das hinaus ge- gen das Gehoͤltze lag/ und ließ es an nichts mangeln/ wormit wir wol und statlich tractirt und bewirthet werden konten. Nach diesem fuͤhrten sie mich hinunter in eine tieffe Hoͤhle welche im Felsen war/ woruͤber ich mich hoͤchlich verwundern muste/ denn sie war sehr lang/ tieff und hoch und nassete al- lenthalben so/ daß sie troffe/ ausgenommen der Orth/ wo Ma- ria Magdalena ihre Buß-uñ Thraͤnen-Staͤte gehabt/ biß an ihr Ende/ da war es treuge und haͤtte man weder Naͤsse/ noch Tropffen gesehen/ massen denn derselben Bildnuͤß eben an der Stel- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Stelle die Laͤnge noch in klaren weisen Stein gehauen lieget/ gleich als wenn sie ruhete. Man sagt vor gewiß: Es soll ihr einsmals zeitwaͤrender ihrer Busse am Wasser gefehlet haben/ daß sie grossen Durst leiden muͤssen. Als sie aber Gott hertzlich drum gebeten/ waͤre durch Gottes Schickung flugs gar nahe heraussen vor ihrer Hoͤhle deß Felsen ein suͤsser lieblicher Quell entsprungen/ welcher noch diese Stunde allda zu sehen ist und ist derselbe ziemlich tieff und weit. Jnwendig in der Hoͤhle sind auch Altare/ die- weil zweene Prediger-Muͤnche drauf bestellet sind/ welche or- dentlich den Gottes-Dienst drinnen halten und verrichten muͤssen. Und nachdem ich nun mich an diesem Orthe gnungsam umgesehen hatte/ nam ich meinen Ruͤckweg wieder zu ruͤcke nach Marsili en/ dieweil ich nun gedachte mit dem ehesten von dar ab nach Welschland wieder zu reisen/ dahero auch/ als ich in die Stadt wieder kam/ ich alsbald im Logiment Richtigkeit machte und mich auf ein Schiff dingete/ das nach Genua wolte und schon da Segelfertig lag/ nur daß es auf bequemen Wind wartete. Das dritte Buch. Haͤlt in sich meine Reise über Meer von Marsilia in Franckreich nach Jtalien und was mir entzwi- schen vorgestossen. Das I . Capitul. Wie wir zu Marsili en aufgebrochen und biß nach Cassi kommen und wie mirs enzwischen ergangen. D En 16. Nov. st. n. deß Nachts um 10. Uhr sind wir zwar mit gutem/ iedoch schwachen Winde/ allda vor Marsili en auf einer Barcke mit 6. kleinem und einem A a a 3 grossen Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. grossen Stuͤcke aufgebrochen und abgesegelt. Denn weil wir Hoffnung hatten diese Stadt durchzugehen/ haben wir uns alsbald darzu geruͤstet und sind gegen Abend ausser den Ket- ten hinaus geruͤcket und haben uns am Port geleget/ wiewol wir nicht weit kommen konten und also in unserer Hoffnung betrogen worden. Den 17. Nov. sind wir nach Mittage mit starckem Regen und Sturm in einen gar engen Port zwischen Felsen gelegen mit grosser Furcht und Gefahr eingelauffen/ denn es das An- sehen hatte/ als wenn wir gerade auf den Felsen lauffen und den Augenblick zu Trim̃ern und boden gehen solten und hat- ten wir also nicht mehr/ als drey Franzoͤsische Meilen von Marsili en zuruͤcke gebracht. Den 18. Nov. ward ich gewahr/ wie mirs zu Marsilien bey unserm Aufbruche ergangen war. Jch hatte aus Orient eine Schachtel mitbracht/ darinnen ich allerhand Briefe hatte und unter andern auch die Capelle deß Grabes Christi zu Jerusa- lem und deß Stalls zu Bethlehem gar sauber und kuͤnstlich in Oel-Holtz geschnitzet/ sammt andern Rari taͤten mehr. Die hatte ich allda zu Marsilien vergessen und stehen lassen/ woruͤ- ber ich nicht wenig betruͤbt und bekuͤmmert war/ vermeinende es wol all dahin und verlohren seyn und bleiben wuͤrde. Weil ich aber gleichwol wuste/ daß ich bey guten Leuten gewesen war und demnach alle Muͤgligkeit versuchen wolte zuerfahren wie es damit stuͤnde/ begab ich mich aufs Land/ bevorab weil da flugs ein groß Dorff am Meere lag etwann eine gute halbe Stunde vom Port Cassi genant. Da muͤthete ich zweene Pfer- de und einen Knecht um 25. Solt/ macht einen halben Thaler/ ohne Futter und Essen und ritte damit wieder zu ruͤcke nach Marsilien, fand aber meine Schachtel nicht/ sondern bekam die Nachricht sie waͤre auf ein ander Schiff/ das nach uns selbige Nacht Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Nacht von Marsilien abgelauffen waͤre/ mit gegeben und mir nachzubringen dabey befohlen worden. Muste also in Zweiffel und Hoffnung wieder zu ruͤcke nach Cassi reiten. Als ich aber auf den Abend wieder dahin kam/ ward mir meine Schachtel von ietzt gedachtem Schiffe unversehrt gegen Darlegung ei- nes Trinckgeldes an Port gebracht/ woruͤber ich froh war und gedachte selbige Nacht in Cassi zu bleiben/ weil ich auch andere Passagiers von unserm Schiffe allda antraff. Als wir aber am lustigsten waren und uns mit einem gu- ten Weinlein guͤtlichen thaͤten/ bekamen wir Post von unserm Capitain/ daß wir uns alsbald aufs Schiff begeben solten/ sintemal er gewiß hoffete diese Nacht gluͤcklich durchzugehen/ wie denn auch also geschahe/ weil uns der Wind fuͤgete. Als wir nun nach dem Schiffe zueileten/ zuͤndeten wir ein groß stuͤcke Kuͤhn an/ weils gantz schwartz finster war und wir keine Fackel hatten/ auch weder Weg noch Steg wusten und nur nach Geduncken gehen musten. Allein Kurtzweile hal- ben muß ichs doch erzehlen/ wie possirlich es uns ging. Unsere Kuͤhn-Fackel ging uns aus/ da musten wir den Weg uͤber Berg und steinigte Wege oft kriechen/ fuͤhlen und suchen/ wie wir konten Und nachdem wir endlich das Meer er- reichten mit Muͤhe und Marters-Noth/ kamen wir in einen gar engen Winckel/ da ein klein Schifflein stund angehencket an dem Ufer. Da kam uns ein alter Man/ ein Franzoß und De- mant-Schneider/ wie er sich ausgab/ welcher gantz voll und Fadennacket war/ entgegen und wolte uns an unsere Barcka fuͤhren/ worzu wir noch ziemlich weit ins Meer hatten. Und wenn ich nicht zum hoͤchsten widersprochen uñ gesagt/ wie leicht wir Ungluͤck haben und gar um Leib und Leben kom̃en koͤnten/ weil Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. weil auch wir etwas truncken waren und uns in der finstern Nacht mit einem solchen fremden tollkuͤhnen vollen Manne aufs Meer wagen und selber in Gefahr geben wolten/ so haͤt- tens die meisten gewaget/ es haͤtte moͤgen gerathen/ oder ver- derben. Wurden demnach schluͤssig und rufften unsern eignen Schiffleuten zu/ welche auch endlich nach langem Ruffen mit einem Kaicklein an Strand kamen und uns nach unserm Schiffe abholeten. Das II . Capitul. Von unserer Reise von Cassi biß vollends uͤbers Meer nach Jtalien. D A wir nun alle wieder beysammen im Schiffe waren/ sind wir noch diese Nacht fort gesegelt. Der Wind aber war uns zu wider und trieb uns zu einem Castell præpau- son genannt und den Franzosen gehoͤrig funffzehen Franzoͤsi- sche Meilen von Marsilien gelegen/ daß wir da im Port ein- lauffen musten. Den 19. Nov. noch vor Sonnen Aufgang sind wir von diesem Castell wieder abgesegelt/ weil wir guten Wind in puppi und Hindertheil deß Schiffs hatten. Es sind uns aber dieselbe Nacht wegen starcken Windes unterschiedene Barcken an un- ser Schiff gelauffen/ sonderlich ging uns eins mit vollem Se- gel dermassen hart an/ daß unser Schiff-Zeichen/ welches war das Bildniß S. Laurentii, mit greulichen Krachen herunter fiel und dasselbe Schiff ein groß Loch in unsere Barcka stieß/ von welchem schrecklichen Prasseln ich aus dem Schlaff erwachte/ nicht anders gedachte/ als daß wir entweder an einen Felsen zu Scheitern gelauffen/ oder/ da ich vom Loch stossen hoͤr- te/ es waͤre nun das Schiff schon all voll Wasser und muͤsten zu- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. zusammen ersauffen. Es befand sich aber zu unserm Gluͤck/ daß solch Loch uͤberm Wasser uñ hinden im Schiffe war/ da es nicht so leicht Wasser schoͤpffen kan/ als unten und auf der Seite/ weßwegen wir uns zu frieden gaben/ alsbald zu solchem Loche raͤumeten und wieder ergaͤntzen liessen/ und fuhren also bald mit gutem/ bald mit widerwertigem Winde dahin. Das III . Capitul. Wie wir zu Genua in Jtalien ankommen und wie es uns bey unserer Ankunfft gangen. N Ach dem wir nun etzliche Tage also/ bald mit gutem/ bald mit widerwertigem Winde gesegelt und auf dem Meere daher geschwebet hatten/ kamen wir den 25. Nov. war der Tag S. Catharinæ, vor Mittage mit starckem Regen/ Wind und Sturm/ den wir vorhergehende Nacht ausgestanden hat- ten/ zu Genua an/ welches von Marsilien 300. Jtalienische Mei- len lieget und von Genua biß nach Livorno ist 120. Jtalienische Meilen. Und ob wir gleich von einem der Pest wegen unverdaͤch- tigen Orte kamen/ auch deßwegen unser Fede und Zeugniß vor- zuweisen hatten/ wolte man uns doch nicht einnehmen/ son- dern musten uns etzliche Tage ausser der Stadt im Port auff dem Schiffe aufhalten und nicht unters Volck gehen/ biß man sahe/ ob wir vielleicht etwas an uns haben moͤgten/ dieweil es offt geschicht/ daß/ weil man also auf den Schiffen beysam̃en steckt und offt Hunger und Kummer leiden muß/ sich auch auf den Schiffen eine Kranckheit entspinnet und hernach einer den andern anstecket/ dahero solche Fuͤrsichtigkeit nicht zuverach- ten. Weil wir denn nun ja im Port bleiben musten und es kalt war/ wir aber von Regen sehr durchnaͤsset und erkaltet/ haben B b b wir Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. wir das Schiff mit starcker doppelter Leinwat uͤberzogen/ da- mit wir vor dem noch anhaltenden starcken Wind und Regen sicher waren/ machten ein Feuer und truckneten und waͤrmeten uns wieder aus/ damit wir uns so lange behelffen konten. Un- terdessen aber hielten wir so lange an und bathen/ daß wir end- lich in die Stadt gelassen wuͤrden/ zumahl weiln man selber sa- he/ daß wir mit Gefahr und Ungemach allda liegen musten. Denn ob gleich der Port vor dieser Stadt Genua an sich selber sehr gut und die Schiffe drinnen gar gut liegen haben/ so ist doch offtmals der Wind so hefftig/ wie es denn dißmahl auch also war/ daß er die grossen Schiffe/ Thau- und Anckerloß ma- chet und entweder ineinander schmeißt/ oder an den Strand und Ufer schmeißt uñ zerscheittert/ wo nicht mit hoͤchstem Fleis- se und Aufsicht demselben vorgebauet und solch Unheil verhuͤ- tet wird. Das IV . Capitul. Von der beruͤhmten Stadt Genua und was allda denckwuͤrdiges zu sehen und zu ruͤhmen ist. W Eil ich denn nun frey hatte nicht allein in die Stadt hin- ein zu kom̃en/ sondern auch mich allendhalben umzusehen muß ich gleichwol dem guͤnstigen und wolgeneigten Le- ser hiervon eine kurtze Beschreibung derselben mit beyfuͤgen. Es ist diese Stadt Genua sehr lustig am Meere gelegen/ iedoch etwas dem Lande zu Berg an/ ist sehr groß und mit einer starckẽ Mauer umgeben und von hohen uñ voꝛtrefflichen Haͤu- sern und Pallasten nicht gnugsam zu ruͤhmen/ daß ausser Ve- nedig in gantz Welschland fast ihres gleichẽ nicht zu finden. Und wie ich sage/ so sind die Haͤuser solcher schrecklichen Hoͤhe/ daß sie den Gassen/ sonderlich wo sie nicht gar sehr weit sind/ Lufft und Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. und Liecht benehmen und man in den untersten Zimmern gar zeitlich im Tage Liecht gebrauchen muß. Auch sind die Haͤuser so gar kuͤstlich und wol gebauet/ daß man sie mit Lust und Ver- wunderung ansiehet/ zumahl der sonst der gleichen nicht gese- hen hat. So gibts auch allda uͤber alle masse viel kostbare Lust- Gaͤrten/ deren Vortrefflichkeiten mit Worten nicht zubeschrei- ben/ noch gnungsam zu ruͤhmen sind. Sie hat ihre eigene Rempublicam und freyes Regiment/ auch ihren eigenen Hertzog/ den sie erwehlet/ wo sie will/ gleich wie die Stadt Venedig/ wiewol sie an Macht und Reichthum Venedig nicht gleich ist. Sonderlich ist wol zu sehen deß Her- zogs Palatium, denn es ist dasselbe uͤberaus schoͤn/ groß und hoch an einem lustigen Platz und Orthe der Stadt aufgefuͤh- ret. Die Guardi bestehet in lauter Teutschen/ wie denn in Jta- lien bey denen vornehmsten Potentaten die Teutschen vor al- len Nation en in hohem Werth gehalten werden/ dahero auch der Papst selber seine Leib- Guardi, an seinen nechsten Zimmern und Gemaͤchern aufzuwarten/ aus Teutschen erwehlet und laͤst sie auf Schweitzerisch kleiden/ von gelben/ rothen und viol- blauen Strichen/ ieglichen einer guten Hand breit/ wechsels- weise das gantze Kleid und Strimpffe also zusammen gesetzet. Und fast eben also hat auch der Groß-Hertzog zu Florentz sei- ne Teutsche Trabanten/ oder Leib- Guardi, so er in unterschie- denen seinen Staͤdten/ wie ich selber zu Florentz und Siena ge- sehen/ gekleidet. Weiter ist auch zu Genua ein gewaltiger grosser Handel von allerhand fremden Kauff- und Handels Leuten aus un- terschiedenen Laͤndern/ auch zu Land und Meer weit entlegenen Voͤlckern. So ist zu dem Ende auch am Meer ein schoͤn grosses Arsenal vor die Galleen erbauet. B b b 2 Bey Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Bey solcher Beschreibung lasse ichs vor dißmal bewenden/ da- mit meine Reise-Beschreibung nicht zu Land-Beschreib- ung werde/ weil hiervon bey dergleichen Schreibern mehr zu finden und fahre fort/ wie ich meine Reise ferner durch Jtalien und nach meinem lieben Vaterlande fortgestellet. Das V . Capitul. Von meiner Reise nach Livorno und was davon denckwuͤrdiges zu melden ist. N Achdem ich mich nun vom 25. Nov. biß auf den 10. Dec. und also biß in die dritte Woche zu Genua wol umgesehen hatte/ habe ich mich wieder aufgemacht eben mit diesem Schiffe/ auf welchem ich von Marsilien kommen war/ und sind von Genua den 10. Dec. fruͤh um Glocke 8. Teutscher Uhr/ nach Welscher aber um 15. abgefahren und den 11. Dec. deß Nachts ungefaͤhr nach Teutscher Uhr zwischen 11. und 12. und also in einem Tage und halber Nacht nach Livorno 120. Jtal. Meilen bey hellem klaren Monden-Schein kommen. Dieses ist eine kleine/ aber feste Stadt mit vielen starcken Pasteyen/ Waͤllen und Castellen wol verwahret. Sie gehoͤret dem Groß-Hertzog von Florentz/ welcher sie auch damahls al- so hatte befestigen lassen und hat ziemliche weite Gassen/ mit grossen Steinen ausgesetzet/ wie auch zweene schoͤne Port und Hafen/ den einen ausser der Stadt vor die grossen ankommen- den Schiffe/ den andern vor die Galleen/ von welchem man um und um biß ans Thor gehen kan. Jst sehr lang und mit ei- ner sehr hohen dicken Mauer von dem andern abgetheilet und gehet biß an das alte Castell/ so mit dem Meere/ wie zwar auch sonst fast die gantze Stadt/ umschlossen. Denn diß Livorno ist auch eine gewaltige Handels- Stadt/ so wol/ als Genua, dahin viel fremde Nation en und Voͤlcker kom̃en uñ ihre Kauf- und Handelschafft datrieben. Jch mei- Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. meines theils habe mich nicht lange allda aufgehalten/ sondern bin alsbald den andern Tag/ als den 13. Dec. wieder aufgewe- sen und weiter fort gereiset/ habe demnach mit dem Capitain deß Marsilischen Schiffs Richtigkeit getroffen/ dem ich drey Ducaten vor die Schiff-Fuhre von Marsili en biß nach Livorno zahlen muͤssen und habe mich nach anderer Gelegenheit/ so nach Pisa ging/ umgethan und meine Reise dahin genom- men. Das VI. Capitul. Von meiner Reise von Livorno biß gen Pisa . D En 13. Dec . fruͤh zwischen 8. und 9. nach unserer Teutschen Uhr habe ich mich zu Livorno aufs suͤsse Wasser/ Fossa di Pisa genannt/ gesetzet und bin gegen Abend nach 3. Uhr zu Pisa ankommen und allda im Gast Hofe Alle tre Donzelle, oder zum dreyen Jungfern genannt/ eingekehret. Pisa ist eine grosse Stadt und groͤsser/ als Livorno, wiewol nicht am Meere/ sondern an dem grossen Wasser und Fluß Ar- na gelegen/ uͤber welchem jenseits noch eine Stadt lieget/ die et- was kleiner ist/ als die hieruͤben disseits dem Wasser. Diese beide Staͤdte sind mit einer sehr langen Bruͤcke uͤbers Wasser/ die Arna, zusammen gehencket/ daß man aus einer zur andern fah- ren/ reiten und gehen kan. Es hat auch ein statliche Academi an diesem Orte/ wiewol ihr doch die zu Siena vorgehet und gehoͤret diese Stadt auch den Groß-Hertzogen von Florentz. Eins muß ich gedencken: Es ist ein sehr hoher/ dicker/ runder und starcker Thurm da zu sehen/ uͤber welchen man sich verwundern muß. Er hat oben in der B b b 3 Hoͤhe Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Hoͤhe unterschiedene Gaͤnge uͤbereinander mit starcken Mar- melsteinern Saͤulen umher und so kuͤnstlich und gantz krumm gebauet/ als wenn er sich beugte und man gedencken solte/ er wuͤrde diesen Augenbluͤck uͤbern Hauffen fallen. Gegen uͤber ist ein wunderschoͤne Marmelsteinerne Kir- che/ mit Bley gedeckt. Die ist sehr grosser Hoͤhe und allendhal- ben mit schoͤnen Figuren gezieret/ und die Thor und Pforten sind von Metall aufs kuͤnstlichste gearbeithet. Auch hat die Universitaͤt allda einen wunderschoͤnen Garten/ in welchem ich gesehen/ wie zierlich er angeleget ist/ und kostbar gebauet und besetzet mit allerhand schoͤnen Fruͤchten und fremden Gewaͤch- sen/ darneben denn auch ein herrliches Hauß stehet/ darinnen viel ungewoͤhnliche und sehr wunderbare Riesen-Gebeine und Gliedmassen zu sehen sind. Jndem wir uns an diesem Orthe gnungsam umge- sehen hatten/ bin ich mit meiner Reise-Gesellschafft zu Rathe gangen und sind zusammen schluͤssig worden/ daß wir nun un- sern Weg am nechsten nach Rom zunehmen wolten/ weßwe- gen ich denn dem wolgeneigten Leser allhier auch beyfuͤgen muß/ wie fuͤr Reisende allda am bequemsten fort zu kommen ist. Das VII. Capitul. Von meiner Reise von Pisa biß gen Rom und was unterwegens denckwuͤrdiges zu sehen ist. D En 14. Dec. Mittags um 11. Uhr sassen wir zu Pisa zu Pfer- de/ die wir bey unserm Wirthe daselbst muͤtheten und rei- seten Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. seten im Nahmen Gottes mit einander fort und kamen auf den Abend nach 6. Uhr zu Scala an/ allwo wir auch diese Nacht uͤ- ber blieben. Den 16. Dec. machten wir uns wieder auf und reiseten vollends nach der Stadt Florentz zu/ kamen auch durch Got- tes Gnade gar gluͤcklich dahin/ lagen etzliche Tage stille allda uñ sahẽ uns wol um. Unterwegens zwar kamẽ wiꝛ auch auf etzliche kleine Staͤdtlein/ von welchem aber nichts zu melden/ weßwe- gen auch nicht noͤthig/ derselben absonderlich zugedencken. Nachdem wir aber von hier nach Rom keine andere Ge- legenheit haben konten/ haben wir andere frische Pferde ge- muͤthet/ seynd den 29. Dec. aufgesessen und wieder fortgeritten/ da wir denn drauff nach Siena kommen. Jst eine kleine Stadt/ liegt aber auf der Hoͤhe gar lustig und ist eine statliche Hohe Schule allda/ dahero denn auch die Jtalienische Sprache vor allen andern Staͤdten in Welschland daselbst am zierlichsten geredet wird. Von dannen sind wir auf Viterbo kommen. Jst eine ziemliche grosse Stadt/ wiewol nichts sonderbares allda zu se- hen ist/ dahero auch/ als wir uns nach Nothdurfft daselbst umgesehen hatten/ sind wir wieder fortgeritten und haben den nechsten Weg nach Rom gesuchet/ musten aber unterwegens durch einen gantzen Kastanien-Wald hindurch/ ehe wir dahin kommen. Das VIII. Capitul. Wie wir nach Rom kommen und was allda denckwuͤrdi- ges zu sehen und davon zu melden ist. Den Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. D En 12. Jan. st. n. sind wir Anno 1637. gluͤcklich nach Rom kommen. Und weil mirs sonderlich wol allda gefiel/ habe ich mich in die 6. Wochen daselbst aufgehalten und mich allendhalben in der Stadt/ in Kirchen/ Kloͤstern und wo was zu sehen war fleissig umgesehen und sind mir sehr viel Heiligthuͤ- mer gezeiget worden. Weil mich aber fuͤrm Kopff stoͤßt/ daß diß mein schlechtes Reise Buch allzuweitlaͤufftig werden moͤgte/ wil ich nur der vornehmsten davon gedencken und der uͤbrigen wegen den wolgeneigten Leser zu andern Schreibern weisen/ die hiervon gantze Buͤcher verfertiget und geschrieben haben. Als in der Kirchen S. Joan di Lat. wird gewiesen das Tuch der heiligen Veronica, in welchem das vollkommene Angesicht Christi/ unsers allerliebsten Heilandes/ zu sehen ist/ wie es von Natur gestalt gewesen. Und dasselbe ist so damit zugangen. Man sagt/ daß solch Tuch dem HErrn JEsu/ als er unter sei- nem schweren Creutz zu Jerusalem zur Stadt hinaus an sei- nen Creutz-Tod gegangen/ aus dem Hause Veronicæ gereichet worden/ worein er also sein blutschweissiges Angesichte gewi- schet haben soll/ weßwegen es auch zum Gedaͤchniß dessen/ als gar ein groß Heiligthum/ allda zu Rom in dieser Kirche ver- wahret und gewiesen wird. Deßgleichen werden auch allda gewiesen acht lange stei- nerne Stuffen/ welche zur Zeit deß Leidens CHRJSTJ zu Jerusalem an Pilati Hause sollen gelegen seyn/ auf welchen man von der Gassen hinauf ins Hauß Pilati gegangen. Und weil der HERR CHRJSTU Sauch druͤber gehen muͤssen/ so hat man so ein groß Heiligthum draus gemacht/ daß man sie von Jerusalem her geholet und gen Rom gebracht hat. Sie Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Sie sind von grau und weissen glatten Marmelstein/ in deren einer ein Loͤchlein zu sehen/ uͤber welches ein viereckicht messinges Guͤterlein gemacht und gelegt/ dessen Ursache diese seyn soll/ weil sonderlich auf diese Stuffe/ Vorgeben nach/ der HErr Christus seine allerheiligste Bluts-Troͤpfflein soll haben fallen lassen/ davon hernach solch Loͤchlein hinein worden/ nach dem man die Staͤtte vor grosser Andacht mit so viel Rosarien bestrichen und mit Thraͤnen und andern Heiligthuͤmen beruͤhe ret und angenetzet hat. Ja es werden diese acht Stuffen heute zu Tage so heilig gehalten/ daß kein Mensch mit Fuͤssen drauf treten/ oder druͤber gehen darff/ sondern/ weil sie heraussen an gedachter Kirch- S. Joan. Lat. vor der Kirch-Thuͤr liegen/ so muͤssen die jenigen/ so zum Gottes-Dienst in dieselbe hinein wollen/ auf den Knien hinauf gehen und kriechen. Es sind aber dieselben nim̃er ledig/ sondern/ wie ich selber mit Augen gesehen/ alle Augenblick mit solchen armen (ich sage albern) Kriechern angefuͤllet. Ach wenn die Kinder deß Liechts bey dem hellen Liecht deß heiligen Evangelij solchen Eifer brauchen solten/ nimmermehr wuͤrden sie es thun/ oder doch die allerwenigsten von denselben. Drum ist hieraus zu sehen/ wie fest der Teufel die Seinigen zu seinem falschen Gottes-Dienst verbindet und wie leicht er das Menschliche Hertz zu allen Aberglauben bereden kan/ wenn dasselbe von Gottes Wort abweichet und ist ja wol wahr mit ihnen/ was S. Paulus sagt im 2. der 2. Ep. an die Thessa- lonicher untern 10. 11. und 12. Versiculn: Dafuͤr/ daß sie die Liebe zur Warheit nicht haben angenommen/ daß sie selig wuͤrden/ darum sendet ihnen Gott kraͤfftige Jrrthuͤme/ daß sie glaͤuben der Luͤgen/ auf daß gerichtet/ oder gestrafft werden C c c alle/ Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. alle die der Warheit nicht glaͤuben/ sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit. Das IX . Capitul. Wie ich von Rom meinen Weg vollends wieder nach Teutschland und in mein Vaterland genommen. A Ls ichs nun zu Rom auch satt hatte/ sintemal mich die Lie- be meines geliebten Vater-Landes nicht wenig zog/ bin ich den 19. Febr. st. n allda wieder aufgebrochen und aber- mals zu Pferde den nechsten Weg nach Loreto gangen/ d@ soll das Hauß seyn/ darinnen die Jungfrau Maria den Englischen Gruß empfangen und mit dem ewigen Sohne GOTTES schwanger worden und soll dasselbige von Nazareth dahin ge- bracht worden seyn. Von dannen bin ich auf Ancona kommen/ welches eine grosse Handels-Stadt ist am Meere gelegen. Hier habe ich an- dere Pferde gedinget und bin nach Bononien, welches auch ei- ne vornehme und sehr grosse Stadt und deß Papstes ist. Von dannen auf Ferrara, eine uhralte und sehr feste Stadt. Weiter nach Ruigo, auch eine Stadt und von dannen auf die beruͤhm- te sehr grosse und feste Stadt Padua den Venetianern gehoͤrig und endlich auf Venedig/ allda ich wieder zum weissen Loͤwen eingekehret/ da ich hiebevorn auch auf meiner Hinein-Reise lo- gir et hatte/ wie der wolgeneigte Leser drunten in dieser meiner Reise-Beschreibung finden/ auch von einem und anderm Orte Nachricht haben wird/ welches ich Kuͤrtze halben hier nicht wie- derholen kan. Habe Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Habe mich demnach vor dißmal laͤnger nicht/ als zwey Tage/ in Venedig aufgehalten/ sondern alsbald meine Reise durch Friaul genommen/ erstlich auf die Stadt Palma. Jst zwar nicht groß/ aber eine uͤberaus starcke Festung und ist nimmer ohne Besatzung. Die Waͤlle um dieselbe sind trefflich starck und so hoch/ daß man die Haͤuser darvor nicht sehen kan. Von dannen bin ich nach Kratiskia kommen. Jst zwar auch nicht eine grosse Stadt/ iedoch noch eine staͤrckere Festung als Palma und ist dem Roͤmischen Keyser zustaͤndig und ge- hoͤrig. Aus Friaul bin ich den nechsten Weg durch Kerndten ge- zogen und darinnen auf die Stadt Villach und dann auf S. Veit eine andere kleine Stadt kommen. Darnach durch die Steyermarck und darinnen auf die Staͤdte Juͤdenburg/ so auf der Hoͤhe gelegen/ auf Knittelfeld/ Laban an der Muer und dann auf Bruck/ auch an der Muer. Drittens durch Oesterreich und darinnen auf die Staͤdte/ als Neustadt/ welche wegen deß Morrasts daherum sehr feste/ auf Bruck an der Leitte. Vors vierdte durch das Koͤnigreich Ungern und darinnen auf die ietzige Haupt-Stadt Preßburg und dann wiederum auf die Roͤmische Keyserliche Residen tz- Stadt Wien in Oesterreich. Vors fuͤnffte durch Maͤhren und darinnen auf die Staͤdte Nickolsburg/ Znehm/ Jglau und andere Fle- cken. C c c 2 Vors Siebenjaͤhrige Welt-Beschauung. Vors sechste durch das Koͤnigreich Boͤhmen und darin- nen auf die Haupt-Stadt Prage/ ꝛc. biß ich endlich wieder ins werthe Meißner-Land kommen und im selbigen auf die be- ruͤhmte Berg-Stadt Freyberg/ Dreßden/ Meissen/ Oschatz/ Wurtzen und Leipzig/ am allerfreulichsten aber zu meines Va- ters Hause und zu meiner laͤngst gewuͤnschten Freundschafft. Also beschliesse ich dieses Reise-Buch/ gebe Gott die Ehre/ dem wohlgeneigten Christlichen Leser den Nutzen und mir durch Christum/ meinen allerliebsten Heyland einseliges ENDE .