Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte anderer Theil. Mit Churfuͤrstl. Saͤchs. Gn. Privilegio. LEJPZJG/ bey Thomas Fritsch. 1697. Das I Register Derer in diesem buch enthaltenen Gedichte. A Ber ihr verliebten ihr O. F. v. G. 291 Ach lache nicht/ du preiß der da- men 345 Ach! mutter/ trockne doch. C. E. 36 Ach! wird Vidon ein Pabst H. M. 295 Adonis grab ist hier 68 Alß Doris neulich ließ C. E. 126 Als GOtt das grosse werck 268 Als ich die Lesbia C. H. v. H. 5 Alß Venus ohngefehr C. E. 131 Amando tritt nunmehr E. N. 121 Amanda/ liebstes kind 318 Am besten ists/ daß v. L. 112 Arminde mustu schon C. E. 35 Auff auf bereite dich 227 Auff toͤchter/ die ihr seyd 305 Aurora die den blitz C. E. 43 Aurora suchst du was? C. E. 52 Aus furcht/ er werde das 105 B Eist euch nicht ihr rabenaͤßer. 68 Belise starb und sprach 267 Beruͤhmt und seltner geist B. N. 242 Beschreite der luͤffte 295 Betruͤbte zieht das saltz 194 Blanda wird durch v. L. 116 Bleib/ schoͤnste Solime/ C. E. 28 Bonna ruͤhnit sich v. L. 110 Bꝛandenb. hat diesen zug †††. 328 Brenn im̃er wie du wilt H. M. 266 Bruder sieh/ wie wol diß faͤllt E. C. S. 140 Bullus ist ein artzt C. E. 129 C Elindens mann barkeit C. E. 125 Clorinden kam ohnlaͤngst C. E. 44 Cuptdo lag im krancken-bette H. v. A. v. S. 264 Cupido warff im zorn C. E. 54 D Amon/ der grosse mann B. N. 237 Daphne die war zwar v. L. 111 Dein angesicht ist E N. 119 Dein auge traͤgt C. H. v. H. 9 Dein schwanen-reiner geist 198 Dein sohn zu Genua C. H. v. H. 109 Dein tag der heute ist C. E. 279 Dein wolgestalter leib C. E. 129 Dem nechsten dient ich 134 Den sieg/ der durch den spruch 218 Der adel ist alsdenn 229 Der blitz beruͤhrte juͤngst 105 Der dienstag will mich zwar C. E. 31 Der Deutsche/ der durch 107 Der himmel faͤngt diß jahr B. N. 22 Der kaum die erste frau 106 Der liebes-gott und wir 99 Der mensch und hunde-feind 137 Der menschen wachsamkeit 156 Der Sachsen hohes haupt 98 Der scheußliche Corvin C. E. 126 Der schiffer der bißher 107 Der sommer reist nunmehr 165 Der und jener mag vor mir C. H. v. H. 10 Des himmels ausspruch hat C. E. 53 Dich Lesbia und mich C. H v. H. 14 Die augen schloß ich C. H. v. H 258 Die dama sticht den knecht C. E. 128 Die deutsche frau voll ernst 107 Die goͤttin aus dem schaum C. H. P. 15 Die hosen durfft ich nur 134 Die hoͤrner und die bein 135 Die ihr der erden kraͤyß 195 Die karten sind zwar gut C. E 127 Die kluge weit hat noch B. N. 245 Die lange Lesbia C. H. v. H. 15 Die Laura denckt/ sie sey E. N. 120 Die lieb’ist unvernunft C. H. v. H. 209 B b Die Das I Register Die liebliche Dione 254 Die liebe loͤscht nun aus E. N. 123 Die nacht Aegyptiens C. H. v. H. 76 Die Parcen haben mir 137 Die sonne hatte kaum 138 Dir wuͤnsch ich mehr geluͤck 324 Dir wuͤnsch ich/ werther freund 165 Diß ist die nichtigkeit 168 Diß ist ein edler 106 Diß frische myrthen-laub C. E. 37 Die schoͤnheit deiner braut 20 Die schoͤnen Engellaͤnderinnen 20 Die stoltze Phillis tritt C. E. 55 Die treue die ich sonst C. E. 275 Die thraͤnen stehen dir C. H. v. H. 5 Die Venus hatte selbst C. H. v. H. 109 Die zeiten muͤssen sich 315 Die zihim wohnen hier E. N. 123 Doch/ Amor/ deine faust C. E. 41 Dorinde/ ists nun aus C. E. 30 Drey jahre sind es nun 213 Drey masquen liessen sich 22 Du aber/ Friderich 212 Du blume Schlesiens 89 Du/ der du gehst vorbey 133 Du hast mit dem kopff v. L. 110 Du kanst dein eigenthum 311 Du magst den lentz und som̃er 313 Du sendest mir das blut C. H. v. H. 72 Du spielest hertzen aus C. E. 127 Du tadelst/ eckler schatz/ C. S. L. 60 Du wirst Aurora dich C. E. 43 E Her koͤnt man v. L. 109 Ehr verschwindet v. L. 115 Eifer sucht die dient v. L. 114 Ein antlitz/ welches nur C. E. 26 Ein ausgeuͤbter held C. E. 275 Ein blat/ das von der lust 94 Ein kuß! ein kuß E. N. 119 Ein mann sey wie er im̃er sey 300 Ein meister beym toback 135 Ein printz/ so der 108 Ein schaͤdlich basilisck 130 Ein schmeichler ruͤhmt ein weib E. N. 124 Ein weib sey wie es im̃er sey 300 Eleonora die betruͤbte 330 Entbrich der fessel dich 305 Er ist krancker den C. H. v. H. 70 Ermuntre dich armselige 271 Erzuͤrnter himmel/ bꝛich C. E. 282 Es brach die Lesbie C. H. v. H. 12 Es ist ein schalck deꝛ zeit C. H. v. H. 258 Es fuͤhrte Lesbia C. H. v. H. 13 Es ging die Lesbia C. H. v. H. 11 Es gruͤst dich itzt mein brieff 319 Es muß auch unser gluͤcke 102 Es war der Lisis von v. L. 24 Es zeigt von ihrem hohen stand 102 F Errando hat ein weib E. N. 124 Florette soll ich denn B. N. 74 Flerette/ was umflort B. N. 78 Frau Gaͤrtnern/ ihrer grufft 195 G Antz traurig/ halb entzuckt C. H. v. H. 10 Gar viel edler ist v L. 112 Geehrter/ dieser schein 319 Geh hin/ verhaßte uhr C. E. 33 Gelehrter Puffendoꝛff 270 Gewiß die jungfern kommen mir 291 Gleich bey der ersten schlacht 104 Goͤttinnen mit der 98 Grisette schaute sich C. E. 125 Großmaͤchtigster Marcell 219 Grosse plaudrer insgemein v. L. 113 H Alt! liegst du nun E. N. 118 Hastu den schoͤnen mund C. H. v. H. 9 Hat das verhaͤngnis mir C. H. v. H. 12 Helene/ sonnen-kind C. E. 36 Hier laß ich pfeil und glut 17 Hier lieget Aretin J. P. 137 Hier derer Gedichte. Hier liegt den voͤllerey C. H. v. H. 108 Hier liegt die B*** 267 Hier liegt die/ welcher nichts 132 Hier liegt mein paradieß 16 Hier ruht die/ die nicht frau 132 Hochwerthstes jungfern-volck. C. H. v. H. 1 Holdseliges geschlecht 62 J A traue nur studenten E. N. 121 Jch bin der kleine 99 Jch brenn in einer C. E. 89 Jch dient als general 103 Jch habe manches horn 136 Jch hab’ Oranten juͤngst C. E. 51 Jch hatte weder reich 134 Jch jage/ was ich kan 101 Jch klagte neulich dir C. E. 45 Jch konte ziehen lang 135 Jch machte knecht und magd 135 Jch muß Eudoxe dir 301 Jch nahm mir neulich vor C. E. 130 Jch sah Auroren sich C. E. 129 Jch sahe Lesbien C. H v. H. 14 Jch schreibe/ seligster/ B. N. 181 Jch ward ein kind 133 Jch weiß nicht/ was ich thu C. H. v. H. 7 Jch will itzt meinen geist 338 Jch wundre mich/ daß hier E. N. 122 Jenes maul in deinen v. L. 110 Jhr aͤrtzte kommt E. N. 118 Jhr augen habts gethan C. E. 34 Jhr augen seht forthin 15 Jhr gruͤnenden gemuͤther 316 Jhr kinder suͤsser nacht 16 Jhr naͤrchen/ thut gemach 66 Jhr scheelen augen ihr 57 Jhr schoͤnen aus dem 21 Jhr schwartzen augen ihr C. E. 48 Jhr schwestern/ die ihr schon 65 Jhr sterne/ derer glantz v. L. 23 Jhr stillen luͤffte J. v. M. 81 Jhr stummen redner/ ihr C. E. 29 Jm kuͤssen trifft v. L. 112 Jn dem wir bey der 215 Jris/ klagen sich die alten 22 Jst dieses schnee? C. H. v. H. 13 Jst diß nicht die gestalt C. E. 40 Jung und behertzter held B. N. 233 Jung und erhitzter held 213 Jtzt da die nacht tritt 332 Jtzt da die schwalben gleich C. S. L. 163 K Ans auch wol moͤglich seyn C. E. 40 Kein loch war mir zu tieff 136 Komm Cinthia der fruͤhling C. H. v. H. 6 Komm dann Durchlauchtigster C. E. 276 Kommt endlich nun die zeit 270 Komm/ schoͤne mutter/ komm 18 Kommt! seelen/ die ihr euch H. v. A. 189 Komm tapffrer Gideon 226 Kom̃ Venus/ knuͤpffe mir C. E 38 Kunst ohne kunst ist v L. 115 L Aß Sylvia die reine glut C. H. v. H. 73 Laurette/ seit du mich besieget 343 Libore/ deine gunst C. E. 38 Libore/ die dem glantz C. E. 39 Lisette hat mein hertz 58 Lisette leih mir eins C. E. 47 Lisett und Silvie C. E. 32 Lisimene liebstu nicht 91 M Ammaͤus klaget stets E. N. 124 Man fragt mich/ was die ehe 145 Man fragte mich E. N. 121 Man hat mich offtermahls 134 Man laß die dame gehn C. E. 128 Mannes-sorge macht v. L. 110 Man sagt/ Celinde sey C. E. 88 Man sagt/ Lisette sey C. E. 50 B b 3 Ma- Das I Register Marege s hat mir E. N. 122 Mein hertze brennt in heisser 341 Mein hertze fehlt dir noch C E. 127 Maria klagt und weint C. E. 194 Mein Celadon/ soll meine glut 76 Mein hertze bricht mir schon C. E. 88 Mein hertz enthaͤlt sich kaum S. D. 83 Mein kind/ dich muͤssen S. D. 287 Mein kind/ laß uns fein heimlich 301 Mein leib war wohl versehn 136 Mein leser trit ja nicht 134 Mein schiff treibt lufft und wind C. H. v. H. 8 Mein urtheil ist: ich soll C. E. 85 Mein zeißgẽ nehrte sich J. v. M. 25 Melinde/ deine gunst C. E. 87 Melinde/ geht dein feur C. E. 27 Mich jam̃ert deiner hand C. E. 86 Mir hat das trincken 133 Mirttilo leidst du noch C. E. 281 Mit der wolle/ so die Phillts C H. v. H. 9 Mollis kan nie muͤßig v. L. 115 Mora/ die will keinen v. L. 110 N Areissus liebte sich E. N. 117 Nein! nein! Aurora/ nein! C. E. 42 Nicht bilde dir was ein C. E. 126 Nicht fuͤrchte dich 19 Nichts ist auf erden v. L. 113 Nichts ist suͤsser/ als das lieben E N. 317 Nicht stelle dich/ du engel 340 Nicht wundre/ leser/ dich 132 Niemand der klage ja 133 Nim dann die waffen hin C. E. 86 Nim/ grosser Puffendorff 183 Nim Venus dieses band C. E. 32 Nim/ werther bruder/ diß 148 Nova will den besten freund v. L. 112 Nu Livia du hast C. H. v. H. 109 Nur frtsch! das spiel ist mein C. E. 129 O B ich gleich taub zur welt 135 O kinder! glaubt es nicht 328 O wunder der natur v. S. 292 P Aris verweigert mir C. H. v. H. 9 Phillis meinet/ ihr es gleichen 336 R Jlpus wolt ein v. L. 115 S chatz/ dem kein demaut gleich C. E. 51 Schein floh die alte v. L. 113 Sey/ mißgunst/ ruhig 217 Sie fangen wohl recht E. N. 123 So Agatha mich nicht 288 So du auff das aͤrgste v. L. 111 So gibstu dich/ mein kind 150 So gluͤcklich und vergnuͤgt 268 Soll denn die traurigkeit. C. H. v. H 4 Soll Doris ich denn stets 337 Soll ich des winters art 314 Soll ich in Lybien C. H. v. H. 10 Soll ich/ o sommer/ dich 312 Soll itzt der erden kraͤyß nicht be- ben 296 Soll itzt der erden kraͤyß nicht zit- tern 297 So tassen wir den himmel 103 So muͤst ihr maͤnner doch 269 So recht/ du deutsches volck 207 So recht meineidge hand C. E. 27 So ungeneigt ich auch 172 So weit als menschen witz C. H. P. 158 So will ich auch/ daß meine C. H. v. H 261 So wilst du nun durchaus E. N. 120 Spiel auf dein eines hertz C. E. 128 Strahlt/ schoͤnste sonnen/ mich C E. 53 T Adle frey und nach v. L. 116 Tautzt! guͤldne nymphen/ tantzt C. E. 144 V Eit nimmt eine hur C. E. 126 Ver- derer Gedichte. Vergoͤnne/ daß mir nur C. E. 280 Versteck dich immerhin C. E. 30 Verworssner donnerstag C. E. 35 Verzeth’ daß ich dein grab D. T. 199 Verzeih mir Mecaͤnat E. C. S. 251 Verzeiht dem Adam 269 Verzeih’ uns/ junger held 101 Viel besser ist es ja v. L. 116 Von einer sonnen hab 136 Vormahls wards fuͤr eine v. L. 116 Ungarn muß auch dieses jahr 214 Unverzagt E. N. 290 W Ann/ schoͤnstes fraͤulein/ sich C. E. 56 Warheit solte vor v. L. 109 War ich selbst nicht 132 Warum betruͤbstu mich 80 Warum tadelt v. L. 114 Was ist das schwartze doch 59 Was geist und leben nur C. E. 37 Was hilfft mir mein verliebter sinn 334 Was ist die Alchimie v. L. 112 Was ist die edle zeit 309 Was ist ein tag/ ein jahr? 317 Was ist noͤthig v. L. 115 Was klagt Belise viel 116 Was? kuͤnsiler/ fehlt es dir C. E. 34 Was nuͤtzt es/ daß v. L. 114 Was soll die leuchte doch C. E. 33 Was soll ich von deinen C H. v. H. 9 Was unsern ruhestand 269 Was will der heisse zorn C. E. 31 Was wollen wir denn 101 Weil ich zu geitzig war 136 Wem gleicht sich doch E. N. 117 Weil unser auge nicht C. E. 127 Wenn/ Amor/ wirst du doch C. E. 41 Wenn weltberuͤhmter held E. C. S. 248 Wer keine sonne nicht C. E. 127 Wer nicht gedultig ist 134 Wer ruhm durch tapffern muth 290 Wer sagt/ daß ich nicht solt C. E. 125 Wer sagt/ daß unser ruhm H. M. 303 Werth und begluͤckter platz 21 Wie bitter bist du herber tod H. A. F. v. A. 285 Wie hastu rose 19 Wie hoͤr ich? tadelt man A. E. S. 47 Wie meiner hofnung 133 Wie nun/ du armes hertz C. E. 42 Wie redlich hastu doch C. E. 193 Wie ruhig lebt nicht 100 Wie soll die welt in ruhe 310 Wie? solt das bildnis nicht C. E. 26 Wie trotzt die dame doch C. E. 128 Wie? will mein atlas itzt G. C. K. 223 Wie zuͤrnstu Florida C. H. v. H. 8 Wilhelm sicht uñ Jacob ziehet 104 Willkommcu schoͤnster tag C. E. 29 Wilstu mir Magdalis 92 Wir folgen dem gemuͤths-tyran- nen 263 Wir haben einen weisen fuͤrst 102 Wir sind ja freylich Adams erben 209 Wo find ich mich itzund? 283 Wohin Großmaͤchtigster 204 Wol dem deꝛ schon den berg 293 Wolgang/ der gang ist wol C. E. 131 Wozu hat mich der himmel 342 Wundre dich/ du leser/ nicht v. L. 111 Wundre dich ja/ Spurca/ v. L. 109 Wundre dich nicht v. L. 111 Z Euch/ Cynthia! zeuch deine 339 Zeuch Friedrich mit Charlot- ten 216 Zween Grafen fielen mit 104 Zwey kronen zeigten sich C. H. v. H. 11 B b 4 Das Das II Register Uber die vornehmsten sachen und sonderbah- ren erfindungen dieses andern theiles der Hoffmannswaldauischen Gedichte. Die eꝛstere zahl in diesem Register zeiget das blat/ die an- dere aber nach dem r. die ordnung der raͤtzel an. A Bbitte seines fehlers wegen an Floretten 78. sqq. Abriß eines verliebten 70. sqq. Abschieds-lied 111. 115 Auf das absterben Armindens 35 Auf das absterben Fr. D. E. von Arnimb 172 Auf die abwesenheit deꝛ liebste ein Sonnet 16. sq Achillis schild/ dafuͤr die Troja- ner fliehen 206 Der teutsche Achilles. ibid. \& 220 Adams erben 269 Auf den schlaffenden Adam 268 Wider die/ so stets wider den A- dam schreyen 269 Adel ohne tugend satyrisch duꝛch gezogen 227. sqq. Sie ließ zur ader 126 Der vereinigte adler 206 Adonis grab 68 Affection-baͤndgen ist ein narren- seil 121 Ahnen der Edel-Leute 185. sq. Alchimie 111. 115 Allegorisch Sonnet 318 Auf einen alten ein Gedichte 245 sqq. Auf ein altes und boͤses weib 132 Angebinde 38 Eine angel 357. r. 75 Auff die ankunfft zu den seinigen 248 Auf ankunft eines kriegs-heldens 226. sq. Aretini grabschrifft 137 Argwoͤhuische Maͤnner 105 Armband weigert sie ihm 28 Die arme werden verglichen 162 Fr. D. E. von Arnimb absterben 172 Aria auf einen kriegs-helden 226. Eines braͤutigams 150 Die asche 353. r. 52 Asche und staub ein leichen-Ge- dichte davon 196. sqq. Asinius 115 Augen beschrieben 153 Augen-betrug 35 sind Cometen 50 Augen womit zu vergleichen 161 Seine augen 15 Schele augen 57 Schoͤne augen 23 so schwartz und sauer sehen 48. 59 Schwartz und blauer augen un- terscheid 32 Augen sol sie wegleihen 47 Der augen wett-streit 303 B. Auf hrn. C. B. hochzeit 165 Auf der fr A. C. G. B absteꝛben 194 Bey einem Ballette Gedichte 98 Baͤnckners tod 181 Ein band wird ihm verehrt 32 Seine bande sol Doris loͤsen 337 Barnia toͤdtet 17 4. Bauern in einem Ballette 101. sqq. Bauer lobt die Churf. zu Bran- denburg 102. troͤstet sich 101 Beautwoꝛtung eines hochzeit- briefes 324. sqq. Jhre beantwortung 47 Belin- Das II Register der vornehmsten sachen. Belinde hat ihn zum Sclaven ge- macht 343 Wie der berg Aetna sind ihre bruͤ ste 119 Beschreibung des Sclavonischen Reichs 288 Der Besen 352. r. 42 Besserung seiner gesundheit er- freuer sie 40 Bette der Geliebten 21 Der beutel 357 r. 79 Auf Hrn. Bewerts hochzeit 130 Die bienen 353 r. 47 Jhr bildniß 127. mahlet er 26. ist ihr nicht gleiche ibid. Blaugekleidet/ warum 129 Blumen aus asche zu bꝛingen 198 Blumberg liegt in der asche 174 Von blumen ein Gedichte 251. sqq. Blumẽ bilden die liebe ab 158. sqq. Blumen-garten ein leichen-Ge- dichte davon 195. sqq. Blumen uͤbersenden 43 Das blut ist an ihr nicht gut 126 Die boͤrner 359. r. 89 Boilean entschuldigung beym Koͤ- nige in Franckr. 233. sqq. Bonn wird uͤbergeben 207 erobert 276 Braͤutigam wird mit schwalben verglichen 163 Auf einen braͤut. 133. so gereiset/ ein hochzeit-carmen 148. 165 sqq. Braͤutigam bittet umb den jung- fer-erantz 150. sq. An Se. Churfl. Durchl. zu Bran- denburg 204. 276. eine dancksa- gung 207 Brandenburgische Auxiliar-voͤl- cker gehn nach Ungern ibid. sie- gen 214. in Braband 328 Braut-krone von gruͤnen myr- then 37 Braut tantzet 144. sq. Er brennet vor liebe 89 Briside letzten woꝛte 271 Bruͤder zwey ungleiche 109 Bruͤste beschreibung 9. 154 werden verglichen 119. 162 Der bruͤste wett-streit 304 Ein buch 349. r. 24 Buchstaben-wechsel 130. 275 Budoꝛgis reden wuͤnscht sich einer 166 Die butter 352. r. 40 C. Der calender 350. r. 27 Der camin 352. r. 39 Hr. Geheime Rath von Cauitz ver- liehrt seine Gemahlin 172 Cantata von der rechten liebe 317 Cantor in Lauchstaͤdt kriegt ein hochzeit-schreiben 320 sqq. Auf Carl Philip von Branden- burg 218 Auf den hrn. von Carnitz 20 Die Carosse 356. r. 67 Die Castanie 359. r. 90 Si non casse, tamen cautè 111 Celadons abschied 330. sqq. Celinde ist ein engel 88 Chur Printz zu Brandenburg in Cupidons gestalt 18 Auf die Chur-wuͤrde des Churf- zu Hannover 217 Chuꝛfuͤrstin zu Brandenbuꝛg wird gelobet 102 Das Clystir 354. r. 54 Cometen/ damit werden die au- gen verglichen 50 Conterfeyen der schoͤnsten von Engelland 20 Conterfeit wird von 3 mahlern geaͤndert 41 Corallen 350. r. 29 dienen vor die hitze 45. 47 Corallinen hertze/ welches sie ver- lohren/ sucht sie 52 Ein courtis. ist ein luͤgner 328. sqq. Crantz/ siehe jungfer-erantz. Die Croͤnung des Roͤm. Koͤnigs Josephi 227 B b 5 Cupi- Das II Register Cupido an die schoͤne Barnien 17. verlieret seinen bogen 54. wird gefangen 118. bey gruͤnen myr- thẽ zur braut-erone 37. sein te- stament 264. wiꝛd von ihr nicht gekennt 41. vorbrandt 251. ge- stalt/ darin erseheint der Chur- Pr. von Brandenburg 18 Curland/ auf die kalte lufft dariñ 19. sq. auf des Hertzogs Alex. absterben 168 D. Dachs-hund 136 Dame aus England 88 Die Dame nimmt die hertzen ze- hen 129 Dancksagung des Unter-Rheins an den Churf. zu Brandenburg 207. sq. Der degen 250. r. 31 Degen und feder sollen beysam̃en seyn 186 Dichterey ist Molieꝛen nicht sauer worden 239 Dienstag ist ihr nahmens-tag 31 Donnerstag daran stit bt sie 35 ist ihr nahmens tag 29 Doris sol ihn von den banden be- freyen 337 E. Das echo 354. r. 59 Edelmanns grabschrifft 203 Ehe/ was sie sey 145. sqq. Ehrengriff 125 Ehren tempel zu Rom 185 Eingebrantes sommer-hauß 266 Einladungs-schꝛeiben zuꝛ hochzeit 219 Eleonora klage wegen Celadons abschied 330 Eleonora verwittibte Churfuͤrstin zu Sachsen 361 Das ende 360. r. 96 England/ daraus ist sie eine Dame 88 Engel hat sich in sie gekleidet 127 Entzuͤndende schoͤnheit 37 Entwurff der liebe 265 Erdmesser/ ein Sonnet auf ihn 195 Eroberung Kaͤyserswerth und Bonn 276 Evens fall 268. sq. Ein ey 355. r. 61 Eyfersucht 114 F. Fallen 116 Falschheit der Melinde 80. sq. Falsches alter 110 Farbe/ rothe farbe mangelt/ als sie sich mahlen ließ 34 Feder und der degen sollen bey- sammen seyn 186 Feld/ er sahe sie uͤber feld gehen 11 Ein felß 355. r. 60 An Ferson den General 245 Das feuer 347. r. 4 Feuerfuncken 349. r. 18 Feuerwerck auf einen geburts- tag 279 Das fieber 357. r. 80 Findlina 133 Jhre finger werden verglichen 162 Der finger-hut 357. r. 74 Jm finstern laͤst sie ihn mit der la- terne holen 33 Flectere si nequeo 282 Eine flederntauß 357. r. 76 Flortda 8 Ein floh auf einem schoͤnẽ halse 136 Ein fluß 353. r. 49 Franckr- an den Koͤnig in Franck- reich 231. sqq. Frau kriegt schlaͤge 124 Frauenzimmers lob 1. 190 Wider das frauenzimmer 268 Fraͤulein wil Mora seyn 110 Freytag der Venus-tag 131 Frid. III eine dancksagung an ihn 207. als er 3 jahr regieret hatte 213. als er von der huldigung zu- ruͤcke kam 276 Fri- der vornehmsten sachen. Fridrich Wilhelm zu Brandenb. 204. sqq. 212. sq. Das frohlockende Berlin 276 Frost bey der groͤsten hitze 43 Fruͤchte folgen auf die blumen- zeit 165 Fruͤhlings-fest der Flora 361 Fruͤhlings-gedancken 6. sqq. Fruͤhlings-zeit 311 Bey fruͤhem morgen sahe er sie 87 G. Ein galgen 350. r. 93 Garten ein bild der liebe 158. sqq. Von garten und dlumen ein ster- be-Gedicht 195. sqq. Der gaͤrten schoͤnheit 368. sqq. An Hrn. Gaͤrtnern von Gaͤrtenb. 248 Fr. Gaͤrtnerin absterben 195 Geburts-tag Fridrich des III. 215 Des Chur-Printz. zu Brand. 279 Gefangen giebt er sich der liebe 86 Eines gehangenen gꝛabschrifft 137 Er ist gehorsam 10 Eine geige 358. r. 82 Der geist 347. r. 7. 358. r. 84 Er wird gekroͤnet 134 Gelobtes land ist der himmel 198 Gesichte, so kupfferroth 60 Gespraͤche der sterbenden Belise und Lysis 267 Gesundheit bessert sich 40 Getreyde 356. r. 73 Glaß/ damit veꝛschneidet sie sich die hand 27 Glaube/ liebe/ hossnung beklagen eine Graͤfin 189. sqq. 192 Die glieder mit blumen vergli- chen 160. sqq. Die glocken 356. r. 70 Glorwuͤrdige thaten des Durchl. Hauses Hohen-Zoller 218 Gluͤckselig ist er im traume 334 Das grab 355. r. 64 Grabschrissten 132. 137 Grabschrifft Printz Alex. aus Cur- land 104. einer braut die am hochzeit-tage gestorben 132. der frau v. B. 267. eines Edelmañs 203. eines geitzigen 111. einer huͤndin 275. der gebaͤhrenden jungfern 309. des Marschals v. Schomb. 103. einer schoͤnen 132 Graͤsin von Schaffgotsch wird ge- lobet 189 Michael Probner von Graudenß/ durch buchstaben-wechsel 275. sq. Auf ihre grausamkeit 30 Großmuͤthig 290 Gruͤne myr then zur bꝛaut-kꝛone 37 Jm gruͤnen fand er sie schlaffen 16 Gunst darum bittet er bey ihr 89. sqq. H. Die haare 348. r. 16 Der haare wett-streit 303 Ein hahn 353. r 46. 94 Hahnrey in gedancken 105. sq. 133. sq. Auf einen halß/ so schoͤne ist 24 Des halses wett-streit 304 Der hammer 356. r. 68 Hand verschneidet sie sich mit gla- se 27. sq. Jhre haͤnde werden verglichen 9. 160. Die handschuh 350. r. 25 Hauß wird artig beschrieben 123 Haußhalteꝛ auf einen ungeꝛechten ein Sonnet 193 Hrn. D. D. Heimbergers beerdi- gung 193 Das hemde 359. r. 92 Helden-tod 169. sqq. Helene was es heisse 36 Herbst-zeit 313 Das hertze 348. r. 13. und 358. r. 87. wird von Lisetten geraubet 58. 122. 128. wird im spiel veꝛschenckt 55. hertze wird verstossen 42 Das hertzen aͤß 128 Her- Das II Register Hertzen Dame sticht den hertzen- knecht 128. werden im spiele ge- fodert 127. hat sie alle in der hand 127. zehen wird mit der dame weggenommen 129 Hertzogin von Curland 19 Heyraths-Gedancken 4 Heyrath im trauer-jahre 106 Historia Gustavi Adolphi 270. sq. Hitze/ mittel dafuͤr 45 Bey hitze uͤber frost klagen 43 Hochzeit-lied 140. sqq. Hochzeit-tag ihr sterbe-tag 132 Auf eine hochzeit werden der ver- liebten namen nur geschrieben 130 Eine hoffaͤrtige und heßliche 126 Hoffaͤꝛtiger kesiet die besten fꝛeun- de nicht 112 Hoͤrnertraͤger 133. sq. Hoͤrner erdruͤcken keinen 133. sq. Hosen sind kraͤfftig bey ihrem bet- te 134 Huldigung Friedrichs III. 276 Hundspossen 261 Eine hure kriegt er zum weibe 126 Ein hut 356. r. 71 J. Den iahres-zeiten ist der mensch gleich 194 Ein igel 136 Instat vi patria Pyrrhus 207 Jris vollkommene schoͤnheit 22 Jugend/ darinn sol sie lieben 74. sqq. Jung kan der mensch nicht wie- der werden 242. sqq. Junger edelmann stirbt 199. sqq. Jungferkrantz/ ein bittschreiben umb denselben 150. sqq. Junger und alter jungfern streit umb den vorzug 65. sq. Betagte jungfer 132 Reine jungf. sind seltsam 265. 308 Der jungf. sehnsucht nach maͤn- nern 306. sq. Schwangere jungfern 305. sqq. Jungfern sind wie klettẽ 291. thun zum schein boͤse 307 Jungfern wittwen 117 Die Jungferschafft 351. r. 33. was sie sey? 307. sq. K. Der kalck 352. r. 44 Kaltsinnigkeit entzuͤndet die liebe 341. sq. Ein kam 350. r. 30 Eines kam̃achers grabschrifft 135 Die karte 358. r. 81 Der kaͤse 352. r. 43 Ein kater 355. r. 66 Ein kind vor der zeit 110. 305 Kirchhoffs entzuͤckung 283 Klage 7 Kleiderpracht 287 Kleider sind das schoͤnste an ihr 336 Kleidung macht sie theuer 126 Auf ihre schwartze kleidung 14 Klein-naͤsichter 109 Kloster/ sie wil ins klosteꝛ ziehn/ er auch 120 Die kohlen 355. r. 63 Koͤnigstein die vestung ein Soñet darauf 292 Kosten sol man recht lernen 136 Auf des von Kottwitz beerdigung 199 Krantz vid. jungfer-erantz. Kꝛaͤhen uñ raben wo sie gerne sind 121 Krieg/ beste todes-art im kriege 168. sqq. Kunst geht uͤber kleiderpracht 287 Ein kupfferhaͤndler an seine lieb- ste 60. sqq. Eine kuplerin 132 Ein kuß 349. r. 21. was er sey 119. w a rd ihr genommen 8 116 Kuͤssen 112. daß sie sich moͤchte kuͤs- sen lassen 92. sqq. Rilpus sol sie hinten kuͤssen 115 Landen/ der vornehmsten sachen. L. Landen/ auf das treffen bey Lan- den 218 Landung in Engeland Ludwig Wilhelms 223. sqq. Langsamkeit des Fabius 205 Laterne/ sie ließ ihn mit der later- ne holen 33 Eine laute 358 r. 82 Lauꝛette hat ihn veꝛliebt gemacht 343. sq. Des lebens nichtigkeit 187. sq. Des Leipziger thors uͤbeꝛschꝛifft zu Berlin 105 An Leonoren ein liebes-schreiben 94 sqq. Letzten worte der Prinzeßin Bri- side 271 Liebes-bande kan niemand loͤsen als die Doris 337 Liebe ist bitter 76 Liebe wird durch blumen abgebil- det 158. sqq. Liebes-briefe verbrennet er 123 Der rechten liebe cantata 317 Der Liebe entwurff 265. sq. Er will sich vor liebe ersaͤussen 124 sich gefangen geben 86 Liebe macht heꝛtzeleid 10. 342 Lieben soll sie in der jugend 74 sq. Lieben ist menschlich 85 Liebende sind den ruder-knechten gleich 101 Liebes schreiben an Leon. 94. sqq. Liebe ist keine suͤnde 73. so verho- len ist 76. sqq. verstellet sich 301 Liebhaber verzweifelt 282 Liebster/ so nennet sie ihn 38 Ein licht 348. r. 17 Das licht loͤschte sie aus/ als er kam 30 Die lippen womit sie zu verglei- chen 162 Der lippen-wett-streit 304 Lisimene sol sich zur Liebe bewegen lassen 91 Lob-rede an das franẽ-zim̃er 1. sqq. Lobspruch eines nuͤtzlichen mañes 182. eines treuen freundes 181 Loͤcher/ in allen ist nicht gut wuͤh- len 136 Lupa weiß was maͤnner seyn 116 Luͤgner ist ein courtisan 328. sqq. M. Drey maler andern ihr conterf. 41 Uñ nur ich male grosse proben 275 Mahlen wil sie ihn lehren 44 Alß sie sich mahlen ließ 34 Mangel an woꝛten bey poeten 247 Mann-freundin 114 Sie wil noch keinen mann 125 Mannes-sorge 110 Mann so versoffen 133 Was maͤnner seyn weiß sie 116 Maͤñer sind nicht ohne fehler 300 Margarita 131 An Marggrafen Carl Philip von Brandenburg 218 Der Marilis schwartze augen 59 Eine Masque 351. r. 36 Medieus so ungeschickt 129 Auf eines Medici hochzeit 165. sqq. Meißen hat nicht so gute nahꝛnug als Schlesien 321. sqq. Mensch ist denen jahꝛes-zeiten gleich 194 Der menschl. gedancken nichtig- keit 168. sqq. Messer/ sie hat sich mit einem mes- ser versehret 86 Michel Probner v Grandenß 275 Mißgunst wegen eines seiner lieb- sten 281 An die mißgunst 217 Mittel vor die hitze 45 Molieꝛe sol einen dichten lehꝛẽ 239 Auf Mollem 115 Der mond 347. r. 6 Der gute montag 280 Ein moͤrder wird Pabst 295 Ein muffen 350. r. 26 Mund auf ihren mund 9 Auf ihrem munde wird sein vogel gespeist 25 Muͤßig Das II Register Muͤßig kan Mollts nicht seyn 115 Myrthen zur braut-krone 37 N. Auf Jfr. A. C. C v. N. 198 Die nacht 349. r. 23 Nacht-lied 332. 81 Die nadeln 351. r. 34 Sie naͤhete ein weisses tuch 13 Guter nahme 115 Jhre nahmen werden blos auf der hochzeit geschrieben 130 Namens tag auf den guten mon- tag 280 An ihrem nahmens-tage koͤm̃t sie wieder von der reise 29 An seinem namens-tage spricht eꝛ seine liebste zum ersteumahle 131 Auf den na- mens-tag der Venus 251 hrn. J. W. 319 hn. Nic. Willm. 242 Die nase 347. r. 8 Nelcke wied mit veꝛsen uͤbeꝛsendet 72 Neid wegen eines andern liebste 281. schadet der jugend nicht 186 Neu-jahrs- geschencke 22. sq. Nichtigkeit der menschl. gedan- cken 168. sqq. Eines nuͤtzl. mañes lob-spruch 182 O. Die ohren 348. r. 12 Auf ihre ohren-gehaͤnge 11 Ordingẽ auf den sieg dabey 213. sq. O tod wie bitter bist du 285 P. Auf hr. J. P. abster, ein Soñet. 195 Auf den Papst 295 Das Papler 352 r. 41 Auf das Parisische frauen-zim̃er 9 Die Perle 350. r. 28 Auf hr. Perlitzes hochzeit 163 Die petarde 354. r. 55 Zu pferde sahe er sie 15 Phillis 10 Phillis wendet ihr bisgen auf die kleider 336 Plauderer 113 Ein poete nim̃t abschied von Pa- ris 239. war Moliere 239 Auf einen P. L. C. 250 Ein poete klagt uͤber mangel der worte 247 Poeten/ ungeschickte werdẽ durch- gezogen 231. sq. verarmen heute zu tage 235. sqq. sind bey hofe nicht geachtet 238 Gekroͤnter poet 247 Probe/ und nur ich mahle grosse proben 275 Der proceß 354. r. 57 Auf Pusendorffs absterben 183. uͤ- bersetzte hist. Gust. Adolphi 270 Pulchrumque mori succurrit in ar- mis 168 R. Raben u. kꝛaͤhen/ wo sie sind 121. sq. Auf hrn. J. Raͤdelts hochzeit 165 Raͤtzel 346. sqq. 358. r. 86 Der regen 349 r. 19 Auf eine 3jaͤhrige regierung 213 Eines reisenden ungemach in ei- nem hochzeit-Gedichte beschrie- ben 149 Auf eine reise zum neuen Chur- fuͤrsten nach Hannover 216 Eine retorsion 268 Ring wird ihr abgezogen 51 Rom klagt uͤber einen neuerwehl- ten Papst 295 Rose verwelckt auf Doris brust 19 Rosensafft dienet fuͤr die hitze 45 Rothe farbe mangelt dem mahler bey ihrem conterfatt 34 S. Eine saͤge 353. r. 50 Sackpfeiffer 135 Salanckement/ auf den daselbst er- haltenen sieg 214 Das saltz 354. r. 58 Saͤuffer/ eines saͤuffers schlaff-zet- tel 108 Satyre auf den adel ohne tug. 227 Schafgotsch/ auf der fr Graͤsin ab- sterben 189 Schaͤffer- der vornehmsten sachen. Schaͤffer-lieder 363. sqq. Einer schaͤfferin weh-klage 330. sq. Der scharffrichter 137 Der schatten 349. r. 22 Das scheermesser 357. r. 78 Schein und seyn 113 Schertz-reime 10 Ein schiff in einem feuerwercke praͤsentiret 279 Schild Achillis 206 Schinder sind ehrlich 122 Eine schlacht/ darinne stirbt Schomb. 104. Tureune 170 Schlesien har beßere schnabel-wei- de als Meissen 321. sq. Schminckende frauens 270 Die schmincke 349. r. 20 Duc Schombergs grabschrifft 103 Schomb. bleibt in der schlacht 104 Eine schoͤne 126 Der schoͤnen von Engel. cont. 20. Schoͤningin 20 Schoͤnheit abbildung 20. 22. 62 Schoͤnheit Barniens toͤdtet 17 Schoͤnheit entzuͤndet 37. 348. r. 14 siegende schoͤnheit. 152 wiꝛd ge- ꝛuͤhmet 42. 126. wiꝛd gehoͤnet 120 Auf etl. schreib-federn/ die er ihr geschickt 29 Auf ihre schultern 13 Schuͤrtzen beym frauenzim̃er sind vielerley 123. sq. Schusters grabschrifft 135 Die schwalben ein bild eines bꝛaͤu- tigams 163 Schwangere supplicanten bekom- men von deꝛ Venus antwort 305 Schwestern ihrer zwo 32 Seine schwester wil sie seyn 53 Eines Sclavonischen strichs lan- des beschreibung 288 Segen und abschied 212. sq. Seiden-wurm 354. r. 56 Seiltaͤntzeꝛ/ ein Soñet auf ihn 295 Senicio wiꝛd uͤber dem stifel-aus- ziehen kranck 118 Die seuffzer 359. r. 88 Sieg vid. Salanckement. Soldaten sterben nicht aus schul- digkeit der natur 170 Auf der J. S. C. v. Som̃erfeld hoch- zeit 165 Som̃er-hauß so eingebrandt 266 Auf D. J. A der Som̃erin hochz. 165 Sommer-zeit 312 Die soñe 347. r. 5 trit in ein ander zeichen 39 Sonne/ unter deren bilde wird ei- ne verehret 36 Soñet vom ungerechten haußhal- ter 193. von erdmesse rn 195. an die sterne 16. vom verlohrnẽ Jesu 194. vom geilë wagen der liebe 14 Spiegel 360 r. 95. sind heute nicht mehr gut 125. dariñe besieht sie sich 125. 129. dariñe zeigt sie sich 44 darein wil sie nicht sehen 117 Das spiel 258 Jm spielen ungluͤcklich 125. 127 Jm spielen mit hertzẽ gewiñen 128 Eine spinne 353. r. 51 Die sprache 348. r. 11 Spꝛache der verlieb. ohne zunge 301 Ein stab 355. r. 65 Staffel-jahre sind gefaͤhrlich 187 Der staub 351. r. 35 Staub und asche ein leichen-Ge- dichte davon 196 Sterben muß man lernen 190 Der sterbenden Belise gespraͤch mit Lysis 267 Der sterbende liebhaber 88 An die sterne wegen Barnien 16 Die stirne ist den lilien gleich 161. Stockfisch ein verliebter 124 Ein strick 357. r. 77. 85 Studenten ist nicht zu trauen 121 Ein stummer 135 Von der stunde 316 T. Der taback 353. r. 48 Tadler 110. 111. 116 An die tantzende braut. 144 Ein tauber und stummer 135 Testa- Das II Register der vornehmsten sachen. Testament Cupidons 264 Teutschland an des Marggraffen zu Baden landung in Engel. 223 Der alten Teutschẽ tapferkeit 207 Die Themse-Nymphen 225 sqq. Jn die Theorbe singt sie ein lied 56 Thraͤnen der Liviaͤ 109 Auf ihre thraͤnen 5. sq. Ein thron 356. r. 72 Der todt 358 r 83. ist bitter 285 Vom tode wil niemañ wissen 200 Todes art im krieg die beste 168 Todtgeglaubte lebet noch 40 Todter jungfrau abbildung 109 Toͤdl. geschossener hertzog 168. sqq. Trauer-jahr/ darinne heyrathet einer 106 Ein traum 351. r. 32 Ein im traum gluͤckseliger 334 Eines treuen freundes lob 181 Trinck-lied 263 Trost aus andeꝛer ungluͤcke 172. sq. Die trompete 352. r. 45 Trunckenbold 135 Tugend adelt 112. deꝛ beste schatz in der ehe 156. sqq. wird verliebten leuten recommandi r et 291 Der tugend ehren-ruhm 183 U. Anrede an die verliebten 291. sq. Venns antwort an die schwangern sup- plicanten 305. liegt im garten blos 138. veꝛlohren und wieder gefunden 36. nicht wissen oder sie nicht kennen 41. klag um Adonis grab. 68. erzinnet sich uͤber ihren entlauffenen sohn 31 Sie veꝛaͤndeꝛt die wohnũg mit deꝛ soñe 39 Jhre veraͤnderung ist kalt sinnig 27 Von der verjuͤngung ein Gedichte 242 Verkleidete drey Dames 22 Eines verliebten abriß 70. sqq. Verliebt aber nicht behertzt ist er 339. sq Verliebt/ doch fuͤrsichtig 111 Verliebt ist er biß in den tod 338 Verliebter wil sich ersaͤuffen 124 Vergiß mein nicht 250 Vergleichung der glieder mit den blu- men 101. sqq. Vergnuͤgungs-ode 293 Der verlohrne Jesus 194 Verzweiflungs-gedichte 258. sqq. Eine uhr 351. r. 38 Uhr soll ihr wieder gegeben werden 33 Ungarn von Tuͤrcken bekriegt 296. sqq. Jn Ungaꝛische ꝛoͤcke 3 veꝛkleidete dames 22 Ungluͤck Trost aus anderer ungluͤck 172 Universitaͤt, von dieser kommt einer nach hause 166. auf diese ziehet ein ander 166 Der unmuͤßige Mollis 115 Unter-Rheins daucksagung 207 Untren ist Melinde 80. sq. Sein vogel wird aus ihrem munde ge- speiset 25 Vorzug zwischen jungen und alten jung- fern 65. sq. W. Auf Jgf. M. E. W. hochzeit 165 Geiler wegen der liebe Sonnet 14 Der waͤlder schoͤnheit 368. sqq. Wangen werden beschrieben 161 Der wangen wett-streit 304 Warheit bey hofe 109 Das wasser 346. r. 3 Wehklage Eleonora wegen Celadons ab- schied 330 Weiber sind der hoͤllen gleich 125. alte hof- faͤrtige weiber 114. bose weiber 113. sind nicht ohne fehler 300. keusche wei ber 114 Der wein 354. r. 53. wird gelobet 313 Sie weinete 12 Wett-streit der haare, angen ꝛc. 303 Wiederkunfft zu den seinigen 245. sqq. Wilhelm gewinnet die Jrrlaͤndische schlacht 104 Auf hr. Nic. Willmanns namens-tag 242 Der wind 346. r. 2 Die wind-muͤhle 355. r. 62 Winter-zeit 314 Wirthschafft wird in Coͤlln angestellt 106 Wittwen, ob man sie lieben solle 117 Jhre wohnung verandert sie gegen den winter 30 Frl. wolffskehl eine braut 101 Ein guter wunsch 124 Wund s ch fuͤr einen alten 244 Die wuͤrffel 356. r. 69 Eines Wuͤrmchens grabschrifft 136 Ein Wuͤrmchen koͤmmt zwischen ihren ag- gen um. ibid. Z. Die zaͤhne 347. r. 9 Die zeit 346. r. 1. was sie sey 309 Jahrs-zeit ungleich 310 Die letzte zeit 317 Zeiten veranderung 315 Zeitig sterben 199 Die zeitungen 351. r. 37 Die zunge 347. r. 10 Sie zuͤrnet mit ihm 55 Auf die zuruͤck-kunfft Jhro Churfuͤrstl. Durchl. von Braudend. Galante gedichte. Lob-rede an das liebwertheste frauen-zim̃er. C. H. v. H. H Ochwerthes jungfern-volck/ ihr holden anmuths-soñen/ Jhr auserwehlter schmuck/ der haus und gassen ziert. Wer ist so steinern/ der euch nicht hat lieb gewonnen? Und welchen habt ihr nicht mit fesseln heimgefuͤhrt? Wer ist so kuͤhn/ der darff fuͤr eure augen treten/ Wenn ihr die waaren habt der schoͤnheit ausgelegt? Wer will euch/ liebste/ nicht als einen Gott anbeten/ Weil ihr das bildnis seyd/ das Venus selbst gepraͤgt. Jedoch ich wil nur bloß ein theil von dem beruͤhren/ Mit welchem die natur euch herrlich hat versehn. Der sinnen schiff soll mich in solche laͤnder fuͤhren/ Wo auff der see voll milch nur liebes-winde wehn. Die bruͤste sind mein zweck/ die schoͤnen marmol-ballen/ Auf welchen Amor ihm ein lust schloß hat gebaut; Die durch das athem-spiel sich heben und auch fallen/ Auf die der sonne gold wolriechend ambra thaut. Sie sind ein paradieß/ in welchem aͤpffel reiffen/ Nach derer suͤssen kost iedweder Adam lechst/ Zwey felsen/ um die stets des Zephirs winde pfeiffen. Ein garten schoͤner tracht/ wo die vergnuͤgung waͤchst. Ein uͤber-irrdisch bild/ dem alle opffern muͤssen. Ein ausgeputzt altar/ fuͤr dem die welt sich beugt. Ein crystallinen quell/ aus welchem stroͤme fluͤssen/ Davon die suͤßigkeit den Nectar uͤbersteigt. A Sie Galante Gedichte. Sie sind zwey schwestern/ die in einem bette schlaffen/ Davon die eine doch die andre keinmahl druͤckt. Zwey kammern welche voll von blancken liebes-waffen/ Aus denen Cypripor die goͤldnen pfetle schickt. Sie sind ein zeher leim/ woran die sinnen kleben; Ein feuer/ welches macht die kaͤltste hertzen warm; Ein bezoar/ der auch entseelten giebt das leben; Ein solcher schatz/ fuͤr dem das reichthum selbst ist arm. Ein kraͤfftig himmel-brod/ das die verliebten schmecken; Ein alabaster hauß/ so mit rubinen prahlt; Ein suͤsser honigseim/ den matte seelen lecken; Ein himmel/ wo das heer der liebes-sterne strahlt. Ein scharff geschliffen schwerd/ das tieffe wunden hauet/ Ein rofen-strauch/ der auch im winter rosen bringt. Ein meer/ worauff man der Syrenen kraͤffte schauet/ Von denen das gesaͤng biß in die seele dringt. Sie sind ein schnee-gebuͤrg/ in welchem funcken glimmen/ Davon der haͤrtste stahl wie weiches wachs zerfleust. Ein wasser-reicher teich/ darinnen fische schwimmen/ Davon sich sattsam ein verliebter magen speist. Sie sind der jugend lust/ und aller kurtzweil zunder/ Ein krantz/ in welchem man die keuschheits blume sieht. Sie kuͤrtzen lange zeit/ und stifften eitel wunder/ Weil beydes glut und schnee auff ihrem throne bluͤht. Sie sind ein runder sarck/ wo liebe liegt begraben/ Ein ditrich/ welcher auch des hertzens grund auffschleust/ Ein ort/ indem nur lust will sitz und wohnstadt haben/ Jn dessen hoͤlen milch und nectar haͤuffig fleust. Zwey faͤsser/ welche sind mit julep-safft erfuͤllet/ Lockvogel/ derer thon ein freyes hertze bind. Zwey sonnen/ welche zwar mit duͤnnem flor umhuͤllet/ Doch macht ihr heller blitz die klaͤrsten augen blind. Sie sind ein zart gewand von schwanen-weisser seide/ Daran man sehen kan/ wie ieder faden steht/ Zwey huͤgel/ derer hoͤh’ bedecket ist mit kreide/ Zwey flaͤschgen/ denen nie der wollust milch entgeht. Zwey Galante Gedichte. Zwey bruͤnne/ da nur stets gesunde wasser quellen/ Und wo die duͤrre nicht der adern marck außsaugt. Zwey jaͤger/ welche zahm und wilde thiere faͤllen/ Wo keines wird verschont/ was nur zu fangen taugt. Zwey schneeballn/ welche doch unmoͤglich schmeltzen koͤnnen/ Womit das jungfern-volck der maͤnner seelen schmeist. Zwey aufgestelte garn/ und schlingen freyer sinnen/ Aus denen gar kein mensch/ wie klug er ist/ entreist. Zwey kraͤme/ wo man hold und freundligkeit ausleget/ Und wo ein rother mund nur kan der kauffmann seyn. Zwey koͤrb/ in welchen man bloß marcipan feil traͤget/ Nach derer suͤßigkeit die lippen lechsend schreyn. Zwey thuͤrme/ derer pracht von elffenbein vollfuͤhret/ Darauff Cupidens pfeil die wache fleißig haͤlt. Zwey kleinod/ derer glantz der jungfern leiber zieret/ Wenn ihre freundligkeit den maͤnnern netze stellt. Sie sind ein blasebalg/ ein feuer auffzufachen/ Das durch kein mittel nicht kan werden ausgeloͤscht. Zwey bette/ wo rubin und marmol hochzeit machen/ Wo suͤsse mandel-milch der rosen scharlach waͤscht. Sie sind ein see-compas/ der hurtig rudern heisset/ Eh man in hafen der vergnuͤgung wird gebracht. Ein reiner thron/ auff dem der liljen silber gleisset/ Worauff verliebtes volck nur hat zu sitzen macht. Ein werthes heiligthum/ das keusche lippen kuͤssen/ Fuͤr dem sich hertz und knie in tieffster demuth neigt. Ein meer/ aus dem sich lust und liebligkeit ergiessen/ Ein bergwerck/ dessen grund zwey demant-steine zeigt. Doch niemand lobt den brauch die kugeln zu verdecken/ Darauff man sehen kan/ wo lieb- und lust-land liegt. Ach schoͤnste! glaubet mir/ ihr moͤget sie verstecken/ Ein liebes-auge hat dem allen obgesiegt. Orontes selbst bezeugt/ daß kein verbergen nutze/ Der bruͤste Pharos hat durch zart gewand geleucht. Er ruht im liebes-port ietzt unter ihrem schutze/ Wenn uns ein rauher sturm noch um die seegel streicht. A 2 Wol Galante Gedichte. Wol dem nun/ der wie er kan so vergnuͤget leben! Den so ein weisser schild fuͤr wehmuths-wunden schuͤtzt/ Der seinem munde kan dergleichen zucker geben/ Der so vergnuͤgt/ wie er/ im liljen-garten sitzt! Der so die blumen mag auff weissen wiesen brechen; Der aus der bruͤste schacht rubin und demant graͤbt. Der rosen samlen kan ohn einzig dornen-stechen; Der von der speiß und krafft der suͤssen aͤpffel lebt. Dem so das gluͤcke bluͤht/ den es so bruder nennet/ Dem eine runde brust kan pfuͤhl und polster seyn. Der in der liebsten schooß mit vollem zuͤgel rennet/ Der seiner Venus so floͤst liebes-balsam ein. Heyraths-Gedancken. C. H. v. H. S Ol denn die traurigkeit den gantzen geist beschluͤssen Und die gewuͤnschte zeit samt aller lust verfluͤssen? Sol denn die einsamkeit/ o meisterin der pein! Des hanses bester schatz/ des bettes zierrath seyn? Nein/ nein/ es muͤssen nicht die sehnen muͤßig liegen/ Es soll das alter hier nicht ohne zeugen siegen. Es ist gut einsam seyn/ wenn schnee das haupt bedeckt/ Ein winter-kaltes eyß uns in den lenden steckt/ Und uns der zeiten zahn die besten adern ruͤhret. Wer sonnen-heisse glut noch in den sehnen fuͤhret/ Der tret in zuversicht ein gleiches wesen an/ So glut zu halten weiß/ und glut erregen kan. Jst doch in dieser stadt noch wohl ein bild zu finden/ So die aus Cyperu kan mit schoͤnheit uͤberwinden/ Bey welcher der corall den suͤssen mund bedeckt/ Ja selbst der sonnen krafft in beyden augen steckt/ Von welcher lippen nichts als ancker-tropffen fallen/ So schnee auff ihrer brust vermischet mit corallen. Und welcher mit verdienst das hohe lob gebuͤhrt/ Daß sie den schwanen selbst die farbe hat entfuͤhrt. Das Galante Gedichte. Das ist ein zeitvertreib/ so die erwehlen sollen/ Die in der sterbligkeit mit recht verfahren wollen. Must alles fleisch gepaart in Noens kasten gehn/ Wie will man ungepaart in dieser welt bestehn? Sonnet. Straffe des fuͤrwitzes. C. H. v. H. A Ls ich die Lesbie nechst in der kammer fand/ Da sie sich uͤberhin und schlaͤffrig angeleget; So schaut ich eine brust/ die schoͤner aͤpffel traͤget/ Als iemals vorgebracht das reiche morgen-land. Die brunst zog meinen geist/ der fuͤrwitz trieb die hand Zu suchen/ was sich hier in diesem zirck beweget. Diß hat der Lesbie so grossen zorn erreget/ Daß sie in hoͤchstem grimm ist gegen mich entbrand; Sie trieb mich von sich weg/ sie stieß mich zu der seiten/ Sie hieß mich unverweilt aus ihren augen schreiten. Jch sprach/ indem sie mich aus ihrer kammer stieß/ Dieweil ich allzukuͤhn und mehr als sichs gebuͤhret/ Die mir verbotne frucht der aͤpffel angeruͤhret/ So stoͤst ein engel mich ietzt aus dem paradieß. Auff ihre thraͤnen. C. H. v. H. D Je thraͤnen stehen dir wie perlen im gesichte/ Und fliessen wie crystall durch wangen/ mund und brust/ Dein seuffzen halte ich nicht mehr vor ein gedichte/ Was deine seele kraͤnckt/ ist meiner wol bewust. Und hat mir gleich die angst den treuen mund geschlossen/ Den augen und der hand den zuͤgel angelegt/ So schwer ich/ daß ich mehr der thraͤnen ausgegossen/ Als unser Oder-strom der klaren tropffen traͤgt. A 3 Kan Galante Gedichte. Kan beyder thraͤnen-flut allhier zusammen rinnen/ Komt beyder seuffzer wind verbunden in die lufft/ So wird die Venus selbst ihr schiffen hier beginnen/ Weil sie bey reiner flut auch reiner wind berufft. Fruͤhlings-gedancken. C. H. v. H. K Om Cynthia der fruͤhling trit heran/ Die blume will nicht in der knospe bleiben/ Die nachtigal stimmt ihre lieder an/ Und will die zeit mit Liebligkeit vertreiben; Der weinstock weint zum zeugen seiner lust/ Daß Phoͤbus ihn mit neuen augen gruͤsset/ Feld/ thal und berg schmuͤckt lenden/ schooß und brust/ Wenn Flora sie mit buntem munde kuͤsset. Es ruͤhren sich die kraͤffte der natur/ So durch den frost vor diesem war verschlossen/ Was adern hat/ kommt auff der liebe spur/ Und was der thau des himmels hat begossen. Cupido reist auff seine laute zu/ Die saiten sind des leibes beste sehnen/ Jch/ Cynthia/ verliehre trost und ruh/ Bewegen dich nicht meine heissen thraͤnen? Komm Cynthia/ bewege geist und fuß/ Und komm mit mir in einen schlechten garten/ Der blumen schaar empfindet fast verdruß/ So lang auff dich/ mein schoͤnes licht/ zu warten Was noch der frost mit schlechten banden druͤckt/ Und eine lusst des weissen nordens bindet/ Wird alsobald trloͤset und erquickt/ Wenn sich der glantz von deiner sonnen findet/ Trit froͤlich zu/ denck auff die blumen nicht/ Dieselben durch die fuͤsse zu verderben/ Es ist ihr wunsch also seyn zuger ic ht/ Und durch den fuß/ der himmlisch ist/ zu sterben. Doch Galante Gedichte. Doch liebest du vielmehr die suͤsse rub/ Und bist gesinnt dich in das graß zu setzen/ So laͤst es dir auch diese freyheit zu/ Wie solte sie das schoͤne theil verletzen. So trachte nur/ weil erd und himmel lacht/ Die schoͤne zeit nicht schlaͤfrig zu verliehren. Erwege doch/ was jener sperling macht/ Es will der schalck uns in die schule fuͤhren. Schau was man dort mit jener schmate thut/ Man nimt den stock und pfropffet in die krinne/ Es regt in mir sich adern geist und blut/ Komm/ daß ich auch dergleichen spiel beginne. Klage. C. H. v. H. J Ch weiß nicht was ich thu/ ich weiß nicht was ich bin/ Jch weiß nicht ob ich lieb/ ich weiß nicht ob ich haffe/ Es will mir/ Florida/ nicht leichtlich in den sinn/ Daß ich dich lassen soll/ indem ich dich umfasse. Doch lieb ich dich zu sehr/ so liebt dich diese nicht/ Die unsern vorsatz kan erhalten und zerbrechen/ Und hassen kan ich nicht mein auge und mein licht/ Viel eher wolt ich mir das hertze selbst durchstechen. Zwey wege sind allhier/ und keiner ist nicht gut/ Denn beyde sind geschickt mein hoffen zu zerstoͤren; Es streiten ietzt in mir so wol vernunfft als blut/ Doch weiß ich nicht/ was ich zu erste solte hoͤren. Jch bin ein einsam schiff/ das wind und wellen treibt/ So bey dem ruder auch den ancker hat verlohren/ Jch finde keinen port/ da mein geluͤcke bleibt/ Und schluͤsse/ daß man mich zum leiden hat gebohren. Diß was mir endlich schaͤrfft die uͤberhaͤuffte noth Jst/ daß ich nechst bey dir/ dich werde meiden muͤssen/ Daß mich der hunger plagt/ immittelst korn und brod Und duͤrrer durst verzehrt bey brunnen und bey fluͤssen. A 4 Flo- Galante Gedichte. Florida. C. H. v. H. M Ein schiff treibt lufft und wind/ mich treibet lieb und brunst/ Jch muß in Florida den steiffen ancker sencken/ Beseegel ich die see vergebens und umsonst/ Soll ich denn ohne frucht das schwere ruder lencken? Gold/ perlen/ helffenbein begehrt mein hertze nicht/ Das leere Florida soll mir die augen fuͤllen/ Und ob dem lande gleich der diamant gebricht/ So ist es doch genung mir meine brunst zu stillen. Da soll mein wohnhauß seyn/ da sollen leib und geist Jn hoͤchster freundlichkeit zusammen sich ergoͤtzen/ Da will ich/ wann und wie es das verhaͤngnuͤß heist/ Mich in die grosse zahl der todten lassen setzen. Doch weil so manches schiff auff dieser reise bleibt/ Da alles ist umzirckt mit klippen und mit steinen/ So ruff ich Venus an/ daß sie die wellen treibt/ Und vor den steuermann mir sendet ihren kleinen. Bringt Venus mich an port/ und setzet mich ans land/ So will ich taͤglich mich zu ihrem tempel fuͤgen/ Und ich verspreche ihr mit sinnen/ hertz und hand/ Daß ich ins kuͤnfftig will auff bloßer erde liegen. Auff einen kuß. C. H. v. H. W Je zuͤrnst du Florida so ohne maaß und ziel/ Daß meine zunge hat die graͤntzen uͤbergangen? Die schuld ist nicht zu groß/ und that sie dir zu viel/ Wie hast du sie denn nicht/ wie sies verdient/ gefangen? Doch daß dir kundbar sey/ warum ich es gethan/ Daß ich die zunge dir ließ schlund und gaumen lecken/ Jch dachte/ weil sie mehr/ als billich/ plaudern kan/ Sie moͤchte sonst aus neid mein liebes-spiel entdecken. Auff Galante Gedichte. Auf das Parisische frauenzimmer. C. H. v. H. P Aris verweigert mir fast einen kuß zu schencken. Kein auge wil sich hier auf meine seite lencken/ Das liebliche geschlecht/ so reich an flammen ist/ Hat mich zu einem zweck des hasses ausserkist. Es denckt die schoͤne stadt/ daß farbe/ haut und haare Bey mir zu wenig sind zu handeln schoͤne waare/ Und zwingt/ daß meine faust wirft diese worte hin: Paris verachtet mich/ weil ich nicht Paris bin. Auf ihre Augen. C. H. v. H. D Ein auge traͤgt sich schwartz und fuͤhrt das bild der nacht/ Dieweil es meinen witz verwegen umbgebracht. Augen/ bruͤste. C. H. v. H. W As soll ich von deinen augen/ uñ den weissen bruͤsten sagẽ? Jene sind der Venus fuͤhrer/ diese sind ihr sieges-wagen. Jhre haͤnde. C. H. v. H. M Jt der wolle/ so die Phillis in den weichen haͤnden fuͤhret/ Reibt Cupido seine pfeile/ daß sie nicht der rost beruͤhret. Auf ihren mund. C. H. v. H. H Astu den schoͤnen mund den rosen zugericht/ So pflantz im hertzen doch nur auch: vergiß mein nicht A 5 An Galante Gedichte. An die Phillis. C. H. v. H. D Er und jener mag vor mir Das gelobte land ererben; Laß mich/ Phillis/ nur bey dir Auf den hohen huͤgeln sterben. Sonnet. C. H. v. H. G Antz traurig/ halb entzuͤckt und mit geschraͤnckten fuͤssen/ Saß Sylvius und sprach: Jch fuͤhle todes-macht/ Die so mich in das joch der suͤssen pein gebracht/ Die weiß ich diesen tag nicht billich zu begruͤssen. Ach daß die stunden nicht wie meine thraͤnen fluͤssen! Daß das verhaͤngniß nicht mit mir ein ende macht/ Weil alles uͤber mir in einem nun erwacht/ Und mein verdammtes licht kan keinen trost geniessen. So saß er und entschlief/ die augen fielen zu/ Er war ohn allem trost/ er ruht ohn alle ruh. Er schlief dem auge nach/ es wachten pein und schmertzen/ Jhm stieß ein suͤßer schall die matten augen auf. Mein Sylvius getrost und bemme deinen lauf. Nicht suche Lesbien/ sie wohnt in deinem hertzen. Er ist gehorsam. C. H. v. H. S Ol ich in Lybien die loͤwen-laͤger stoͤren? Soll ich Aetnaͤ schlund entzuͤnden meine hand? Sol ich dir nackt und bloß ins neuen Zembels strand? Sol ich der schwartzen see verdorrte leichen mehren? Sol Galante Gedichte. Sol ich das Lutherthum in den mosqueen lehren? Sol ich/ wenn Eurus tobt/ durch der Egypter sand? Sol ich zu deiner lust erfinden neues land? Sol ich auf Peters stul Calvin und Bezen ehren? Soll ich bey Zanziba die jungen drachen fangen? Sol ich das gelbe gift verschlingen von den schlangen? Dein wille ist mein zweck/ ich bin gehorsams voll/ Es hoͤret/ geht und folgt dir ohre/ fuß und willen/ Was mir dein mund befihlt/ mit freuden zu erfuͤllen/ Nur muthe mir nicht zu/ daß ich dich hassen fol. Auff ihre ohren-gehaͤnge. C. H. v. H. Z Wey cronen zeigten sich an meiner liebsten ohren/ Von westen kam ihr gold/ von ost ihr diamant; Diß alles war vermaͤhlt durch eine kluge hand/ Und fuͤr die Lesbia zu einem schmuck erkohren. Jch weiß nicht wie mir war gelegenheit gebohren/ Daß ich das goͤtter-bild in einem garten fand/ Alß Flora neben ihr/ Pomona vor ihr stand/ So hab ich dieses wort/ so diesem folgt/ verlohrem: Gecroͤnte Koͤnigin/ von mehr als tausend hertzen/ Die kraͤftig sind entbrannt von deiner augen kertzen. Du bist des himmels kind/ und fuͤhrst des himmels schein/ Was sag ich Koͤnigin? o Goͤttin! sollen cronen Der liebes-maͤrtyrer/ die du gemacht/ belohnen/ So muͤsten ihrer mehr denn tausend tansend seyn. Er sahe sie uͤber feld gehen. C. H. v. H. E S gieng die Lesbia in einem schaͤfer-kleide Als Hirtin/ wie es schien/ der seelen/ uͤber feld/ Es schaute sie mit lust das auge dieser welt/ Es neigte sich vor ihr das traͤchtige getraide; Es Galante Gedichte. Es kriegte meine lust auch wieder neue weyde Von wegen dieser brust/ da Venus wache haͤlt; Der schultern/ wo sich zeigt der liebligkeiten feld Und dann der schoͤnen schoos/ des hafens aller freude/ Jch sprach: ach Lesbta! wie zierlich geht dein fuß/ Daß Juno/ wie mich daucht/ sich selbst entfaͤrben muß/ Und Phoͤbus dich zu sehn verjuͤngt die alte kertze; Richt glaube Lesbia/ daß du den boden ruͤhrst/ Und den geschwinden fuß auf graß und blumen fuͤhrst/ Es geht ein ieder tritt auf mein verwundtes hertze. Sie weinete. C. H. v. H. E S brach der Lesbie das seufzen durch den mund/ Die rosen hatten hier den liljen weichen muͤssen. Man sah der thraͤnen bach auf beyden wangen fluͤssen/ Ein heisses ach und weh quall aus des hertzens grund. Jch schaute/ wie der schmertz in ihren augen stund/ Wie ihre strahlen sich durch angst verdecken liessen/ Es lag die freundlichkeit in ohnmacht zu den fuͤssen. Und ihr verworren haar that ihre wehmuth kund. Jch fuͤhlte diese noth auf meine seele dringen/ Es grif die kalte pein auch meine geister an/ Und weil die wehmuth nicht mit freyheit reden kan/ So kont ich endlich nichts als diesen reim erzwingen: Wie meinen geist belebt der schoͤnen augenschein/ So soll ihr weinen itzt auch meine suͤndflut seyn. C. H. v. H. H At das verhaͤngniß mir den steg zu dir verzehrt/ Kan ich/ o Goͤttin! nicht dein rein altar beruͤhren/ Soll auf dein heiligthum ich keinen finger fuͤhren/ So hat mir doch die pflicht noch keine zeit verwehrt. Mein Galante Gedichte. Mein geist muß opfer seyn/ mein hertze wird der herd/ Jch thue/ was ich kan/ und was sich wil gebuͤhren/ Jch weiß/ du wirst itzund mehr als genug verspuͤren/ Was vor ein reiner dampf zu deinem throne faͤhrt. Jch ehre dich allhier/ zwar ohne licht und kertzen/ Durch einen heissen trieb/ aus einem reinem hertzen/ Die flamme brennet zwar itzt durch verdeckten schein/ Und beug ich keine knie/ so beug ich das gemuͤthe/ Acht woͤrter ruͤhren mir itzunder mein gebluͤte: Die Gottheit will geehrt/ und nicht geschauet seyn. Auff ihre schultern. C. H. v. H. J st dieses schnee? nein/ nein/ schnee kan nicht flam̃en fuͤhren. Jst dieses helffenbein? bein weiß nicht weis zu seyn. Jst hier ein glatter schwan? mehr als der schwanen schein/ Jst weiche woll allhier? wie kan sich wolle ruͤhren? Jst alabaster hie? er waͤchst nicht bey saphiren/ Jst hier ein liljen feld? der acker ist zu rein. Was bist du endlich doch? weil schnee und helfenbein/ Weil alabaster/ schwan/ und liljen sich verlieren. Du schaust nun Lesbie/ wie mein geringer mund Vor deine schultern weiß kein rechtes wort zu finden/ Doch daß ich nicht zu sehr darf haͤufen meine suͤnden/ So macht ein kurtzer reim dir mein gemuͤthe kund: Muß Atlas und sein hals sich vor dem himmel biegen/ So muͤssen goͤtter nur auf deinen schultern liegen. Sie naͤhete ein weisses tuch. C. H. v. H. E S fuͤhrte Lesbia in ihrer weissen hand Ein wunderschoͤnes tuch/ dem kreide nicht zu gleichen/ So nur alleine will dem schnee der haͤnde weichen/ Weil dieser es beschuͤtzt vor ihrer augen brand. Doch Galante Gedichte. Doch scheint es/ wie sich selbst das koͤstliche gewand Bloß und alleine will von dieser sonne bleichen/ Und muß die nadel gleich durch seine faden streichen/ So wird es doch durch diß ie mehr und mehr bekandt. O wunderschoͤnes tuch! dir bluͤhet das geluͤcke/ Jhr auge zieret dich/ mich toͤdten dessen blicke/ Dich macht es lieb und werth/ mir hat es haß gebracht/ Dein faden fuͤhlt die stich/ ich fuͤhle sie im hertzen/ Dir bringt er ehr uñ ruhm/ mir macht er noth uñ schmerzen/ Dich setzt er an den tag/ mich in die todes-nacht. Auff ihre schwartze kleidung. C. H. v. H. J Ch sahe Lesbien umschlossen und umhuͤllt Mit kleidung/ welche selbst die traurigkeit erfunden/ Es war ein truͤbes tuch ihr um den schlaff gebunden/ Und ihre stirne war mit wehmuth angefuͤllt: Doch hat die traurigkeit das himmel-reine bild Hier gaͤntzlich abzuthun sich niemahls unterwunden. Der blitz/ so unvermerckt aus diesen naͤchten quillt/ Vermehret meine brunst fast alle tag und sinnden. Es hat ja Venus selbst sich schoͤner nicht gezeiget/ Als da sie in dem schos des truͤben Aetnens saß Und mit der weissen hand die schwartzen kohlen laß/ Man schaut wie daß ein stern aus schwartzẽ wolcken steiget/ Ja selbst die sonne zeigt kein angenehmer licht/ Als wenn sie unvermerckt durch truͤbe wolcken bricht. Sonnet. C. H. v. H. D Jch Lesbia und mich trug nechst ein geiler wagen/ Gleich als die Cynthia begont den lauff der nacht/ Die Flora hat ihn selbst zu ihrem fest erdacht/ Und der verbuhlte gott das holtz herbey getragen. Die Galante Gedichte. Die farben/ so mit fleiß allhier begraben lagen/ Die sagten: Adons blut hat uns hieher gebracht; Die Venus hatte selbst die esse heiß gemacht/ Als ihn mit gutem stahl ihr krummer mann beschlagen. Und hat ihn dazumahl ein schwartzes tuch umhuͤllet/ Schwartz stoͤret keinen schertz und stoͤrt die liebe nicht/ Man schaut wie mancher stern aus schwartzen wolcken bricht/ Und itzt ein wahrer reim aus schwartzem munde quillet. Man soll kein wildes pferd nicht ferner mehr bemuͤhen/ Den geilen wagen soll die geile taube ziehen. Er sahe sie zu pferde. C. H. v. H. D Je lange Lesbia/ so meine freyheit bindet/ Erkuͤhnte sich nechst hin zu schreiten auf ein pferd. Trug gleich ihr schoͤner leib nicht bogen/ spieß und schwerdt/ So fuͤhrt sie doch den blitz/ der alle welt entzuͤndet/ Ein etwas/ so man fuͤhlt und keiner recht ergruͤndet/ Dem kein Bucephalus sich recht und wohl erwehrt/ So Alexandern selbst und seinen muth verzehrt/ Macht daß ihr pferd den trieb/ der himmlisch ist/ empfindet; Wie wirstu Heldin denn itzund von mir genant/ Der ich das erste mahl durch deine glut entbrant/ Jch/ dessen asche noch soll deine wahlstatt zieren. Reit/ reit/ Amazonin/ getrost durch wald und feld: Doch wiltu daß dein knecht die sehnen steiff behaͤlt/ So mustu/ merck es wol/ die bruͤste nicht verlieren. An seine augen. J Hr augen/ seht forthin nicht Lisimennen an. Jhr augen/ die ich euch mir nur zur marter trage/ Jch schwere/ daß ich euch bey Cypris thron verklage/ So fern eur lichter blitz mich nicht erretten kan/ Jhr Galante Gedichte. Jhr habet allzuviel mir itzt schon angethan/ Jhr augen/ daß ichs euch aus grund des hertzens sage/ Jhr schafft mir wenig lust/ nur lauter angst und plage. Jch trete nur durch euch auf diese marter-bahn. Wie ist es/ kan ich euch ihr augen nicht bezwingen? Ach nein! ich kan nicht mehr/ hemt ich gleich euren blitz/ Es wuͤrde Lisimen sich dennoch in euch dringen/ Wo sie nicht allbereit schon in dem hertzen sitzt. Raͤcht/ raͤcht ihr augen euch/ kan sie sich in euch spielen/ So lasset Lisimen auch gleiche schmertzen fuͤhlen. Er fand sie im gruͤnen schlaffen. H Jer liegt mein paradieß mit rosen uͤberdeckt/ Die bruͤste regen sich/ mich mehr und mehr zu quaͤlen/ Der ambra steigt hervor aus ihrer suͤssen kaͤlen/ Hir ligt mein paradies im gruͤnen ausgestreckt. Komm/ geuß auf ihren mund dein perlenes confect/ Du linder Zephir du/ bring ihr die sanften seelen Aus deinen brunnen her/ mit ihr mich zu vermaͤhlen. Schlaf; aber daß sie nicht dadurch werd’ aufgeweckt/ St. Dryas! St. Napee! bleibt dort in dem gepuͤsche/ Dieweil ich manchen kuß auf ihrem mund erwische/ Sol euer schoͤner chor nicht mit ihr spielen gehn? Jndessen schlafe du hier unter diesen baͤumen; Sehnst du denn aber dich nach sanften liebes-traͤumen/ So wache ploͤtzlich auf/ hier kanst du einen sehn. Sonnet. An die sterne wegen Barnien. J Hr kinder suͤsser nacht/ ihr feuer-vollen bruͤder/ Du kleines heer der luft/ du himmels-buͤrgerey/ Die du durchs braune feld nach reiner melodey Erhebest deinen tantz/ und deine schoͤne glteder/ Wenn Galante Gedichte. Wenn itzt der faule schlaff die muͤden augen-lieder Durch einen faulen sieg den sinnen leget bey/ Damit kein wachen mehr bey uns zu spuͤren sey. Jhr kinder suͤsser nacht legt eure fackeln nieder/ Was steht ihr wie zuvor/ und lacht den welt-kreiß an? Laufft durch das goͤldne hauß/ verlast die fenster-scheiben/ Geht ruͤckwerts/ wie ihr solt/ ich will euch ruͤckwerts treiben/ Geht ruͤckwerts wieder hin die alte finstre bahn. Geht kinder wie ihr solt/ flieht lichter/ flieht von mir/ Mein licht/ mein augen-stern/ mein lieb ist nicht allhier. Sonnet. Cupido an die schoͤne Barnien. H Jer laß ich pfeil und glut/ die rosen mit den myrten/ Durch die ich vor der zeit in himmel konte gehn. Hier laß ich krantz und band und alle waffen stehn/ Jch flieh/ und fliehe fort/ und laß es euch ihr hirten. Kein spiel/ kein froͤlich seyn/ kein suͤsses hals-umguͤrten/ Und keine Nymphe soll mit schallen und gethoͤn Mich fuͤrderhin durch thal/ durch pusch und auen sehn/ Kein west-wind soll mich mehr mit suͤssem thau bewirthen/ Weil Barnia mit glantz glut/ feuer/ licht und gifft/ Pfeil/ koͤcher/ krantz und speil und alles uͤbertrifft. Ade/ ich gehe fort zu den entfernten wuͤsten/ Doch nehmt hier warnung an/ und hoͤret noch ein wort: Jhr sterblichen/ wenn ich itzund von euch bin fort/ Last euch nach Barnien/ sie toͤdtet/ nicht geluͤsten. II. Theil. B Seine Galante Gedichte. Seine Chur-Printzl. Durchl. von Branden- burg in gestalt Cupidons/ an ihre Churfl. Durchl. die Frau Mutter/ als dieselbe von Hanno- ver wieder kam und man ihr zu ehren ein kleines lust-ballet tantzete. † † † K Omm/ schoͤne mutter/ komm zuruͤcke/ Dein hof kan ohne dich nicht seyn; Desselben groͤster glantz und schein Steht in den strahlen deiner blicke. So lange wir dich nicht gesehn/ Jst gleichsam aller schmuck verschwunden; Was bleibt in deinen zimmern schoͤn/ Wenn wir dich nicht darin gefunden? Die lust wird man dir gerne goͤnnen/ So dir Hannover machen kan. Allein was haben wir gethan/ Daß du so lange bleiben koͤnnen? Es wuͤrde dich wohl iedes land Als seine koͤnigin verehren; Jedoch ist dir nicht unbekant/ Daß wir dir naͤher angehoͤren. Verzeihe dieser meiner klage Und der gerechten ungedult; Die lieb’ allein ist daran schuld/ Die ich dein Chur-Printz zu dir trage. Du sprichst/ was dich entfernet hielt/ Das sey dein kindliches verlangen; So dencke denn was ich gefuͤhlt/ Dich/ schoͤne mutter/ zu umfangen. Dich aber nun auch zu behalten/ Komm ich in Cupidons gestalt/ Und wuͤnsche mir heut die gewalt Sein amt der liebe zu verwalten. Man Galante Gedichte. Man sagt/ daß dieses schlaue kind Der mutter eigen hertz geruͤhret; Und sie bernach/ ihm gleich gesinnt/ Jhn uͤberall mit sich gefuͤhret. An die auf Doris brust verwelckte rose. † † † W Je hastu rose/ voller pracht/ Auff Doris brust zu sterben wissen? Hat dich ihr schnee beschaͤmt gemacht/ Daß du davor erbleichen muͤssen? Ja freylich blumen-koͤnigin/ Dein purpur weichet dem jeßmin/ Den dieser schoͤne kreiß laͤst spuͤren. Doch sorge nicht ob den verlust. Du stirbst auff meiner Doris brust/ Du solst dadurch gar nichts verlieren. Jch werde nun dein welckes blat/ Jn meynung Doris brust zu kuͤssen/ An meinen mund zu druͤcken wissen/ Und wuͤnschen/ daß an deiner statt Jch fuͤr dich haͤtte sterben muͤssen. An Jhre Durchl. die itzt vermaͤhite Hertzogin von Curland/ uͤber die kalte lufft ihres Curlandes. † † † N Jcht fuͤrchte dich/ Durchlauchtigste Princesse/ Vor Curlands kalten mitter-nacht; Sein Printz/ der dich verehrt nach deiner groͤsse/ Jst schon auff deine lust bedacht. Dein auge selbst mit seinen liebligkeiten Wird sich das land nach deinem wunsch bereiten; Und kennst du nicht (die warheit mag hier schertzen) B 2 Der Galante Gedichte. Der kalten laͤnder eigenschafft? Die liebe hat dort rechte krafft: Je kaͤlter dort die lufft/ je heisser sind die hertzen. Schertz-reime an den Herrn Marschalck von Carnitz/ den tag nach seiner hochzeit mit der von Schoͤningin. † † † D Je schoͤnheit deiner braut hat dich verliebt gemacht/ Die wir die Schoͤningin/ nach ihrer schoͤnheit/ nennen; Und gleichwohl sagt man uns/ daß erst seit dieser nacht/ Du ihrer schoͤnheit preiß beginnest recht zu kennen. Jhr reitzendes gesicht/ mit munterkeit vermaͤhlt/ Erwieß dir zwar genug der schoͤnheit ihre staͤrcke. Jedoch hat sie vor dir/ biß diese nacht/ verhehlt Die allersuͤssesten und schoͤnsten wunderwercke. Heut aber da du ihr den guͤrtel hast geloͤßt/ Siehst du den gantzen Schatz vor deinen augen liegen: Denn eh die Venus nicht die schlancken lenden bloͤst/ Kan ihre schoͤnheit nicht der Paris heissen siegen. O gluͤcke dieser nacht/ die dich an sie getraut! Du freyhest mehr mit ihr/ als sie von sich gepriesen. Die schoͤnheit deiner frau ist groͤsser denn der braut/ Weil dir die hochzeit erst ihr Paradieß gewiesen. Uber die conterfeyen der schoͤnsten von Engel- land/ die ietziger Churfuͤrstin zu Brandenburg von daher geschicket worden. † † † D Je schoͤnen Engellaͤnderinnen/ Die man zum wunder uͤberschickt/ Ent- Galante Gedichte. Entsatzten sich ob dem beginnen/ Als sie Charlotten angeblickt. Was habt ihr/ alle Koͤnigreich/ (Sprach iede) dieser Fuͤrstin gleich? Schickt ihr auch eure Koͤniginnen/ Jhr werdet dennoch nicht gewinnen. Daruͤber/ daß ihre Churfuͤrstl. Durchl. diese conterfeyen in dero zimmer setzen lassen. † † † J Hr schoͤnen aus dem Engellande Seyd wohl die gluͤcklichsten der welt/ Daß man euch/ uͤber eurem stande/ Jn unser Fuͤrstin zimmer stellt! Doch ist es auch bey eurem gluͤcke Um euren gantzen ruhm geschehn/ Wo bleiben eure schoͤnen blicke/ Sehn wir Charlotten bey euch stehn? Aus dem Frantzoͤsischen. An der geliebten bette. † † † W Erth und begluͤckter platz/ Melindens rosen-bette/ Du eintzger zeuge dieser welt/ Von aller liebligkeit die sie verborgen haͤlt/ Ach wenn ich doch dich zum verraͤther haͤtte! Ach daß du zu getreu und zu verschwiegen bist! Vertraue mir denn nur/ was sonst erfreulich ist. Gedenckt sie nicht an den/ der sie verehrt im schweigen/ Und wenn sie halb erwacht/ mit sich alleine spricht/ Nennt sie mich unversehns und in gedancken nicht/ Und hoͤrst du keinen wunsch aus ihrem hertzen steigen? B 3 Uber Galante Gedichte. Uber drey in Ungarischen roͤcken ver- kleidete Dames. † † † D Rey masquen liessen sich bey hofe gestern sehn Jn angenehmer tracht und sehr geschickten roͤcken: Man kante sie gar bald/ sie waren allzu schoͤn; Doch konte die in blau sich weniger verstecken. Verraͤth der diamant sich in dem schatten nicht? Man weiß schon wer sie sey/ auch sonder sie zu nennen. Denn deckt sie gleich vor uns ihr himmlisches gesicht; Kan durch den schoͤnen leib man dennoch sie erkennen. Uber Jris vollkommene schoͤnheit. † † † J Ris (klagen sich die alten) Jst in dieser gantzen stadt Fuͤr das schoͤnste kind zu halten/ Weill sie gar viel schoͤnes hat. Bey den andern/ die uns fliehen/ Sieht man in geringer zahl Nur gewisse blumen bluͤhen: Aber Jris/ uns zur qual/ Jst ein gantzer blumen-thal. Als sie sich ihm zum neuen jahre schenckete. B. N. D Er himmel faͤngt dis jahr mit lauter thraͤnen an/ Und zeigt der erden nichts als nebel/ dampff und regen: Doch Leonore hat das widerspiel gethan/ Und will auff diesen tag die stuͤrme niederlegen. Jch hatte sie erzuͤrnt/ und machte mich bereit/ Die straffen ihrer hand mit demuth zu empfangen: So kehrt sie nacht in tag/ und leid in froͤligkeit/ Und streicht die blasse furcht von meinen todten-wangen. Vor ruthen schickt sie mir sich selber und ihr hertz; Was Galante Gedichte. Was koͤnt’ ich bessers wohl von einem richter hoffen? Mein geist war voller angst/ die seele voller schmertz/ Nun steht mir unverhofft mein gantzer himmel offen. Begluͤcktes neues jahr! wo brieffe buͤrgen seyn/ Und die gedancken so wie ihre worte klingen. Ach aber schoͤnstes bild! du zeigest sonnen-schein/ Und wilst mir in der that nur truͤben regen bringen. Du schenckest was du schon an andre laͤngst verschenckt/ Und giebst mir/ was du doch mit rechte nicht kanst geben. Wie will dein Gelidor/ den du hierdurch gekraͤnckt/ Nun kuͤnfftig ohne dich und sonder hertze leben? Denn deines nimst du ihm/ und seines hast du schon. Doch was bekuͤm̃ern mich doch fremde qual und sehmertzen? Was giebet mir hier Rom? was Gelidor vor lohn/ Daß ich mein gluͤcke soll zu seiner lust verschertzen? Wer schenckt/ der schaue zu/ wie viel er halten kan. Jch nehme/ was du mir so willig angetragen. Du kanst nun/ wilstu gleich/ was deine wahl gethan/ Nicht ohne schand und schmach gar wohl zuruͤcke schlagen. Cupido lehne mir die waffen deiner hand/ Befeßle dieses hertz mit ketten von rubinen/ Und schreib mit goͤldner schrifft an seine kammer-wand: Daß niemand in der welt kan zweyen herren dienen. Auff schoͤne augen. * * v. L. J Hr sterne/ deren glantz der monden nicht kan gleichen/ Jhr sonnen/ deren schein die sonne selbst muß weichen/ Jhr/ die ihr doppelt vor der liebe spiegel stellt/ Jhr/ die ihr j e derman/ so euch nur siehet/ faͤllt/ Jhr/ die ihr gnade wist und ungunst auszutheilen/ Jhr/ die ihr beydes koͤnt verletzen und auch heilen/ Jhr/ die verzweifflung uns so wohl als hoffnung gebt/ B 4 Ver- Galante Gedichte. Verursacht daß man stirbt/ und machet daß man lebt. Jhr schoͤnsten augen seyds/ die ich hier will beschreiben/ Nah darff ich nicht bey euch/ weit kan ich auch nicht bleiben. Der tag der ist mir nacht/ wenn ich euch schaue nicht/ Seh ich euch/ werd ich blind/ weiß nicht wie mir geschicht. Doch dult ich dieses gern/ und will viel lieber leiden/ Als weit entfernet seyn/ und eure schoͤnheit meiden. Ein eintzig blick von euch vergnuͤget mich viel mehr/ Als strahlen die von sonn und sternen kommen her. Auff einen schoͤnen hals. * * v. L. E S war der Lysis von verwunderung entzuͤcket/ Es war ihm seel und finn nicht anders als bestricket: Er wuste selbst nicht recht/ wie und was ihm geschehn/ Jndem er unverhofft was sonders hatt’ ersehn. Er dachte hin und her/ und kont es nicht ergruͤnden/ Er kunte nicht bey sich den rechten schluͤssel finden; Die weisse lilien verlohren ihren preiß Bey diesem wunder-werck; der schnee schien nicht mehr weiß. So kalt als dieser war/ so grosse hitz’ es machte/ Es red’t und schwieg zugleich/ es schien als wenn es lachte/ Jetzt bildet es ihm vor das runde himmels-zelt/ Bald bildet er ihm ein die kugel dieser welt. Als nun in solchem stand war nahe zu ihm kommen Der kleine liebes-gott/ eh ers in acht genommen/ Sprach er ihm also zu: nicht wunder Lysis dich Ob diesem was du siehst; gar viel die haben sich Verlohren an dem ort/ den du anietzt beschauet/ Wenn sie zu kuͤhn gewest/ und sich zu weit getrauet. Diß ist der liebe thron/ der schoͤnheit auffenthalt/ Die wohnung aller lust/ die suͤsseste gewalt/ Die sinn/ gemuͤth und hertz in ihre bande bringet/ Die alles menschliche besieget und bezwinget/ Der ort/ wo nichts als nur vergnuͤgung ist bewust/ Der Galante Gedichte. Der liebligkeiten sitz/ der tempel aller lust. Geh/ lieber Lysis/ geh/ ietzt magstu nur gedencken/ Wie du ein opffer kanst in diesen tempel schencken. Sie speiset seinen vogel aus ihrem munde. J. v. M. M Ein zeißgen nehrte sich bißher von hanff und ruͤben/ Und liesse seinen tranck ein schlechtes wasser seyn. Es ließ den irrdnen napff ihm mehr als gold belieben/ Und bildet sich ein schloß von seinem kaͤficht ein. Nun merckt der vogel erst/ daß glaß chrystallen weichet/ Der ros’ ein nessel-strauch/ dem bisame zibeth/ Nachdem sein neuer stand so wenig jenem gleichet/ Als wenig schnecken-blut nach andern farben geht. Es hat sein altes hauß (von holtze zubereitet/ Mit tannen ausgeziert) um eine hand vertauscht/ Die selbst der kreide trotzt/ und mit der wolle streitet/ Darin der lose gast auff seidnen polstern lauscht. Sein ietzigs trinckgeschirr ist ein rubinen-becher/ Den rings-um die natur mit perlen ausgesetzt/ Jn dessen wunder-safft zu seinem liebes-koͤcher Cupido allemahl die guͤldne pfeile netzt. Mein vogel speist allhier nichts als nur amber-kuchen/ Und trinckt den nectar/ der aus purpur-rosen quillt. Der suͤsse seelen-thau/ den viele geister suchen/ Hat diesen gluͤcklichen zum oͤfftern angefuͤllt. Ach wie verschwendrisch ist bißweilen das geluͤcke! Hier wirfft es alles zu dem/ der gar nichts verdient/ Der nichts erkennen kan/ und der die holden blicke Wol um ein korn vertauscht/ daraus ein hanff-stiel gruͤnt. Ach wolte mir einmahl ein solcher gluͤcks-stern scheinen/ Jch wolt empfindlicher/ als du mein zeißgen/ seyn/ Jch weiß den wahren werth von solchen edel-steinen/ Man nimt die perlen nicht wie ruͤben-saamen ein. B 5 Ein Galante Gedichte. Ein solcher goͤtter-safft mit rosen uͤberdecket Reimt sich/ mein armes thier/ fuͤr deinen schnabel nicht; Ach diese zucker-kost/ die nach jeßminen schmecket/ Jst eintzig und allein den seelen zugericht! Komm tausch einmahl mit mir: Jch schwer bey meinem leben/ Jch will weit mehr vergnuͤgt von deiner taffel gehn. Du armer vogel nimst/ und kanst nicht wieder geben; Jch kans/ und muß dennoch dich vorgezogen sehn. Sonnet. Er mahlet ihr bildnis. C. E. E Jn antlitz/ welches nur dem himmel aͤhnlich stehet/ Das angebohrne pracht vor tausenden erhoͤht/ Und das kein pinsel sich zu mahlen untersteht/ Jst meine feder hier zu bilden hoͤchst bemuͤhet. Der wangen blumen-kreyß/ der voller rosen bluͤhet/ Der augen himmel-blau/ des mundes purpur-roͤth/ Der stirne helffenbein/ die uͤber marmel geht/ Die brust/ die auch dem schnee den silber-glantz entziehet/ Des geistes sittsamkeit/ den englischen verstand/ Und so viel tugenden/ die aller welt bekant/ Darff man in ewigkeit von keinem mahler hoffen; Die kunst ist ihm zu hoch: ich sag’ es ohne scheu. Wer aber siehet nicht/ daß diß Libore sey/ Und daß mein feder-kiel sie gantz genau getroffen? Sie tadelt/ daß diß bildniß ihr nicht gleich sehe. C. E. W Je? soll das bildniß nicht Liboren aͤhnlich seyn/ Das ich zu mahlen mich erst neulich unterfangen? Trifft augen/ stirn und mund/ und die bemilchte wangen Nicht mehr als allzuwohl mit ihrer anmuth ein? Der Galante Gedichte. Der tadel ist gantz falsch. Doch nein! verwegner/ nein! Du mahlst nicht heiß genug der hellen augen schein/ Die wangen koͤnten noch ein beßres lob erlangen/ Der rothe nelcken-mund in schoͤnrem purpur prangen/ Die stirn/ da scham und zucht die keusche wohnung haͤlt/ Die ist nicht weiß genug und praͤchtig vorgestellt/ Den glantz/ vor welchem selbst die Venus muß erblassen/ Den weiß die feder nicht recht schimmrend abzufassen. Jch habe dann gefehlt: und will diß fehlen nennen/ Daß ich nicht schoͤn genug sie hab entwerffen koͤnnen. Auff ihre kaltsinnige veraͤnderung. C. E. M Elinde/ geht dein feur so zeitig schon zu end? Wie geht diß immer zu? kein funcke soll sich ruͤhren/ Du wilt nur schnee und eiß in deinen adern fuͤhren/ Jsts moͤglich/ hat das blat so ploͤtzlich sich gewendt? Doch was verwundr’ ich mich? wenn man die flam̃en treñt/ So muß nothwendig sich derselben krafft verliehren/ Und kan man dieses nicht an deinem hertzen spuͤren/ Das in zertheilter gunst vor mich und jeden brennt? Noch gleichwohl soll ich dich als eine goͤttin ehren/ Und meine liebes-glut fast taͤglich neu vermehren/ Vergeß ich einen blick/ so ists nicht recht gethan. Wie aber reimt sichs wohl: mein gantzes hertz begehren/ Und von dem deinen kaum den kleinsten theil gewaͤhren? O nein! Melinde/ nein! so geht der tausch nicht an! Als sie sich mit einem glase die hand verschnitten. C. E. S O recht! meyneid’ge hand! so werd’ ich einst gerochen/ Und deine falschheit wird mit gleicher maaß belohnt. Ha! unbestaͤndige! noch leichter als der mond/ Wie Galante Gedichte. Wie pflag ich nicht vor dem auff deine treu zu pochen? Was hab ich mir nicht stets vor gunst von dir versprochen? Da aber deine huld auch frembden dienste frohnt/ Und so viel andre mehr dein schmeicheln schon gewohnt/ So wirst du billich itzt biß auff das blut gestochen. Wol mir! ein schlechtes glaß sucht meinen schimpf zu raͤchen! Die rache geht nach wunsch. Was hab ich nun zu sprechen? Fließ dann/ treuloses blut/ biß auf den letzten tropffen/ Jch werde nimmermehr die wunde dir verstopffen: Und wuͤrde deiner hand das leben selbst entfuͤhret/ Gut! wenn kein ander nur mehr wird durch sie beruͤhret. Sie weigert ihm ein armband/ das band der freyen hertzen genannt. C. E. B Leib/ schoͤnste Solime/ bey dem verhasten wahn/ Daß dir der ordens-band alleine will gebuͤhren/ Und daß er/ ausser dich/ soll keinen frembden zieren/ Der sich nicht so/ wie du/ der freyheit ruͤhmen kan. Jch will es gern gestehn/ daß es um mich gethan/ Du weist die blicke schon zu meisterlich zu fuͤhren/ Und kanst durch stille glut das blut in adern ruͤhren/ Ja/ legst dem hertzen selbst die schwerste fesseln an. Was wunder/ daß ich dann um meine freyheit kommen; Nur leugne/ schoͤnste/ nicht/ daß du sie mir genommen/ Und daß dein auge mich und meinen geist entbrandt. Giebstu mir dieses zu/ so laß ich deinen band/ Und will viel lieber ihn und seinen orden missen/ Als meine freyheit nicht durch dich besieget wissen. Als Galante Gedichte. Als sie an einem donnerstage/ ihrem nah- mens-tage/ von einer reise wieder kam. C. E. W Jllkommen schoͤnster tag! du bringst das rechte gluͤcke/ Wornach so mancher sich bißher zu sehnen pflag/ Du wirst uns wohl ein recht verkehrter donnerstag/ Weil deinen donner du durch himmlisches geschicke Verkehrst in lauter lust und guͤldne freuden-blicke. Ein ander hasse dich/ so sehr er immer mag/ Er tadle deinen blitz und rauhen wetter-schlag; Nur wisse: daß ich mich sehr hoch an dir erquicke. Denn/ da du nicht allein Liborens nahmens-fest/ Besondern auch sie selbst uns wieder schauen laͤst/ Wie koͤntestu uns wol ein groͤssres gluͤcke weisen? O! stell dich solcher art noch oͤffters bey uns ein/ Du angenehmer tag! Jedoch/ was wuͤnsch ich? nein! Sonst muͤste sie zuvor erst wieder von uns reisen. An etliche schreib-federn/ die er ihr zuschickte. C. E. J Hr stummen redner ihr/ ihr mahler der gedancken/ Die ihr die heimligkeit des tieffsten hertzens wißt/ Jhr heuchler/ die ihr steckt voll trug und arger list/ Die ihr bald weint und lacht/ bald zuͤrnt und pflegt zu zancken; Jhr silber-roͤhren ihr/ aus deren engen schrancken Glut/ seuffzer/ grimm und haß/ rach/ lieb’ und eifer fliest; Jhr aͤrtzte/ die ihr seyd mit klugheit ausgeruͤst/ Und keinem treuer dient/ als den verliebten krancken: Geht zur Oranten hin/ ihr schlauen hexen-meister/ Die ihr gantz unvermerckt hertz/ seele/ blut und geister Durch eure schwartze kunst bezaubert und verstrickt/ Geht/ doch mit dem beding/ daß ihr mir thut zu wissen/ Wie bald Orante sich zur liebe wird entschliessen/ Und ob ich ewig dann soll bleiben unbegluͤckt? Auff Galante Gedichte. Auff ihre grausamkeit. C. E. D Orinde/ ists nun aus mit meinem armen leben? Hab’ ich nun einst verzehrt das duͤrre kummer-brod/ Und den vergaͤllten tranck/ den deine hand mit bot/ Vor dessen bittrigkeit noch geist und blut erbeben? Jsts moͤglich/ wiltu mich des jammers uͤberheben/ Und seh’ ich denn einmahl die endschafft meiner noth? Ach! ja/ dein grausam seyn bringt endlich mir den todt/ Und will ein schwartzes grab mir zur belohnung geben. Weil dann mein leben nichts in deinen augen gilt/ So saͤume nur nicht lang/ wann du mich toͤdten wilt/ Und uͤberhebe mich nur zeitig meiner plage: Doch glaube sicherlich/ du toͤdt’st mich nicht allein; Mein todt wird auch dein todt/ und dein verderben seyn/ Weil ich dich lebendig in meinem hertzen trage. Als er kam/ loͤschte sie das licht aus/ daß er sie nicht sehen solte. C. E. V Ersteck dich immer hin! schleich heimlich zu der wand! Loͤsch alle lichter aus! du kanst mir nicht verschwinden; Halt dich noch eins so still; ich will dich dennoch sinden: Wird aus dem schatten nicht das helle licht erkant? Glaͤntzt nicht bey dunckler nacht ein echter diamant? Ja/ ob die finsterniß sich selbst wolt unterwinden/ Der sonnen goͤldnes rad in wolcken einzuspuͤnden/ So bricht sie doch hervor durch ihren lichten brand. Licht/ demant/ sonne bleibt in ihrem werth und pracht: Was schad’t die finsterniß/ der schatten und die nacht? Jhr glantz kan desto eh’ uns in die augen steigen. Bistu mir nun mein licht/ demant und sonnen-schein/ So wird die demmerung selbst dein verraͤther seyn/ Und dich durch schatten/ nacht und finsterniß mir zeigen. Die Galante Gedichte. Die uͤber ihren entlauffenen sohn erzuͤrnete Venus. C. E. W As will der heisse zorn? was das vergaͤllte draͤuen? Und was die ruthe dort in deiner rechten hand? Wo kommstu so verwirrt/ so hitzig hergerant? Wie? Venus/ hoͤrstu nicht? sie schwieg; bald hoͤrt’ ich schreyen: Du abgefeimter dieb! lernstu dich noch nicht scheuen? Jch habe dir vorlaͤngst die ruthe zuerkannt; Nun aber solt du seyn aus meiner gunst verbannt. Halt schelm! halt boͤsewicht! es soll dir wohl gereuen! Jch rieff ihr weiter zu: Was? suchstu deinen sohn? Er baut bey Solimen gleich itzt den liebes-thron/ Und muͤhet sich durch sie die hertzen zu entzuͤnden: Bald reitzt er durch ihr aug/ bald wieder durch den mund/ Ach Venus! raͤche mich; er hat mich auch verwundt/ Lauff hin zur Solime/ da da wirst du ihn finden. Der verbindliche dienstag/ ihr nahmens-tag. C. E. D Er dienstag will mich zwar zu deinem dienst entzuͤnden/ Und reitzet meinen geist/ zu binden deine hand; Allein/ so gern ich will/ so leidt es nicht mein stand: Wer selbst gebunden ist/ wie kan der andre binden? Die stricke/ welche sich in deinen blicken finden/ Verwickeln mich zu fest durch ihren wunder-band. Wie ist es moͤglich nun/ da’s so mit mir bewand/ Den marmel deiner hand mit baͤndern zu bewinden? So binde dich dann selbst/ weil ich nicht binden kan/ Und feßle deinen sinn ein wenig fester an/ Der sich nur allzu offt hat meiner lust entrissen: Laß huld und gegengunst bey uns sich finden ein; Jen’s soll mein angebind/ diß deine loͤsung seyn/ Von andrer loͤsung mag ich sonst durchaus nicht wissen. Un- Galante Gedichte. Unterscheid der schwartzen und blauen augen. Auff zwo schwestern. C. E. L Jsett und Silvie/ ihr perlen unsrer zeit/ Jhr koͤnnt den stoltzen preiß vor tausend andern haben: Denn eure freundligkeit und ungemeine gaben Sind ein beruͤhmter zeug der theursten kostbarkeit. Aus eurem wesen strahlt selbst die vollkommenheit/ An eurer anmuth kan sich alle welt erlaben. Jch glaub/ es ist ein geist in beyder hertz vergraben/ Weil ihr an muntrigkeit euch so gar aͤhnlich seyd. Jn einem trefft ihr doch nicht gar zu wohl zusammen; Lisett zeigt offenbahr die blauen himmels-flammen Und den verliebten brand/ der durch die augen blitzt; Hingegen Stlvie brennt heimlich und verstohlen: Denn ihr geschwaͤrtztes aug’ laͤßt wie verloschne kohlen/ Darinnen gleichwohl feur und glut verborgen sitzt. Auff ein ihm verehrtes band. C. E. N Jm/ Venus/ dieses band aus meinen frohen haͤnden/ Das mir von Solimen juͤngsthin geschencket ist/ Jch hab es tausendmahl zu guter letzt gekuͤst/ Und will es dir hiemit in deinen tempel senden. Haͤng/ wo du wilt/ es auff an deinen guͤldnen waͤnden/ Und beut der strengen zeit/ die stahl und marmel frist/ Daß sie nicht gierig sey/ durch falsche tuͤck und list Dem bande weh zu thun/ noch seine pracht zu schaͤnden. Nim es/ als erstlinge der reinsten freundschafft/ hin/ Du siehst/ daß ich getreu/ gerecht und danckbar bin/ Drum foͤrdre/ wie du pflegst/ mein gluͤck auff dieser erden/ Schaff/ daß mir Solime das hertze selber schenckt; Und wenn dein knecht alsdenn nicht ewig an dich denckt/ So laß ihn aller gunst auf eins verlustig werden. Sie Galante Gedichte. Sie fordert ihme zuͤrnend ihre uhr ab. C. E. G Eh hin/ verhaßte uhr/ zur trotzigen Melinden So lieb du mir zuvor/ so feind bin ich dir itzt/ Nachdem du ihren grimm hast wider mich erhitzt/ Und sie mit rach und zorn wilt gegen mich entzuͤnden. Weg nur/ ich mag dich nicht! wer kan dich auch ergruͤnden? Wer weiß/ daß solch ein haß in deinen raͤdern sitzt/ Wodurch ihr unmuths-feur so grimmig auff mich blitzt? An deinem zeiger haͤtt’ ichs ewig nicht kont finden. Doch/ was verfolg ich dich? es ist Melindens art/ Sie hat wohl ehmahls schon das spiel mir so gekart/ Und nichts/ als nur verdruß und pein mir wollen goͤnnen; Die unruh in der uhr ist ihrer sinnen bild/ Die will sie etwan sehn? Jhr wunsch sey dann erfuͤllt! Wie schoͤn wird sie sich nun darinn nicht spiegeln koͤnnen. Sie ließ ihn im finstern mit einer laterne zu sich holen. C. E. W As soll die leuchte doch/ die du mir zugesandt? Gewiß/ statt ihrer kan Cupido mir schon dienen; Denn ob er gleich stockblind sein lebetag erschienen/ Fuͤhrt er/ als gleitsmann/ mich doch sicher bey der hand, Zudem/ er scheut das licht und will nicht seyn erkant An der entbloͤßten haut/ und den verliebten minen; Drum wird er sich auch nie/ als nur des nachts/ erkuͤhnen/ Wenn dunckle schatten sind/ zu streichen durch das land. Weil nun mein wille wird nach seinem wunsch getrieben/ So muß ich mit ihm fort ohn eintzigen bedacht. Jch folg ihm endlich auch gar gern und mit belieben: Gnug! wenn er mich nur fuͤhrt zu dich und deiner pracht. Was hat es denn vor noth/ laternen anzuzuͤnden/ Wann ich die sonne selbst in dir/ mein licht/ kan finden. II. Theil. C An Galante Gedichte. An seine augen. C. E. J Hr augen habts gethan! durch euch bin ich betrogen/ Jhr habt/ als moͤrder/ mich um meine freyheit bracht. Verraͤther! sagt einmahl/ was habt ihr doch gemacht/ Daß ihr von Solimen die flammen eingesogen? Sagt mir: was hat euch doch zu dieser that bewogen? Schweigt still von Solimens verfuͤhrerischen pracht! Sie ist nicht schnee und eiß. Jch hab es wohl gedacht. Jhr augen habts gethan! ihr habt mir vorgelogen. Nun seht auch/ wie ihr sie zur gegen-liebe zwingt. Sagt: daß mein leben selbst schon mit dem tode ringt. Es ist um mich gethan! jetzt duͤrfft ihr nichts verschweigen/ Durch euch/ als fenster/ sieht man in das hertz hinein. Sagt: daß in kurtzen es wird staub und asche seyn/ Denn eure farbe kan davon zur gnuͤge zeugen. Als sie sich mahlen ließ/ und es an rother farbe gebrach. C. E. W As? kuͤnstler/ fehlt es dir an farben zu dem munde? So rieff ich: als zugleich Aurora sich erbot Mit morgen-strahlen ihm zu helffen aus der noth. Man sah’ wie Flora sich mit rosen fertig funde: Die Thetis holete corallen aus dem grunde: Die muͤde sonne gab von ihrem abend-roth: Die purpur-schnecke gieng freywillig in den todt/ Und opfferte ihr blut noch zu derselben stunde. Die berge lieferten den schimmer von rubinen: Und die granate kam mit ihrem safft zu dienen/ Sie stellten alle sich dem kuͤnstler selbst zur hand; Jch aber ließ hierbey mein rothes hertz erblicken/ Und sprach: hier findestu glut/ flammen/ feur und brandt/ Diß wird am besten sich zu deinen farben schicken. Auff Galante Gedichte: Auff ihr absterben. C. E. A Rminde mustu schon des todes opffer werden? Reißt dessen kalter arm dich in die grufft hinein? Ach deine sittsamkeit und heller tugend-schein Entweicht nur allzu fruͤh der kummer-vollen erden Wo bleibt die stille pracht der hoͤfflichen geberden? Arminde/ ohne dich wird mir die welt zu klein/ Dein sterben laͤsset mich nicht mehr am leben seyn/ Und haͤuffet meine noth mit tausend angst-beschwerden. Mit dir ist meine lieb’ aus dieser welt gewichen/ Mit dir ist meine lust und wohlergehn verblichen/ Dein todt macht mich verwirrt/ bestuͤrtzt und traurens-voll/ Bey dir ist meine gunst/ hertz/ seel und geist verblieben/ Was kan ich ferner nun wohl ausser dir mehr lieben/ Als meinen jammer/ der mich ehstens toͤdten soll? Sie stirbt am donnerstage. C. E. V Erworffner donnerstag! du anfang meiner plagen! Hat man dein donnern wohl je grausamer gespuͤhrt/ Als heute/ da dein blitz das hertze mir geruͤhrt/ Und alle meine lust biß in den grund zerschlagen? Wie billig kanstu itzt den strengen nahmen tragen! Wann hat er jemahls dir mit groͤssrem recht gebuͤhrt? Du hast Arminden/ ja! mich selber mir entfuͤhrt/ Und suchst in meiner angst dein suͤsses wohlbehagen. Wer raͤchet mich an dir? fleh’ ich den himmelan? Nein! dieser hat mir mehr/ als wie du selbst/ gethan. Jst diß die freude/ die der freytag mir versprochen/ Als mir der erste blick von ihrer gunst geschah? Wie war ich dazumahl doch meinem gluͤck so nah/ Das so erschrecklich sich itzt hat an mir gerochen! C 2 Die Galante Gedichte. Die verlohrne und wieder gefundene Venus. C. E. A Ch! mutter trockne doch die thraͤnen von den wangen/ Die dein betruͤbtes kind mit seuffzen nach dir schickt! Jch habe dich verlohrn! o kummer/ der mich druͤckt! Wo bist du? laß mich dich nur einmahl noch umfangen! Komm! hertzens-mutter komm! ach komm doch bald gegangen/ Eh’ geist und leben mir aus blut und adern ruͤckt! So klagte Cupido in angst und pein verstrickt/ Und suchte/ doch umsonst/ die Venus mit verlangen/ Er weinte fort fuͤr fort. Hier aber weiß ich nicht/ Woher ihm Solime kam ploͤtzlich zu gesicht; Wie ward er nicht erfreut bey so begluͤckten stunden? Er zog die thraͤnen ein/ man sahe/ wie er lieff Und mehr denn tausendmal ihr diß entgegen rieff: Bleib/ schoͤnste mutter/ bleib/ itzt hab ich dich gefunden! Er verehret sie unter dem bilde der sonnen we- gen ihres nahmens/ Helene/ zu teutsch die sonne genant. C. E. H Elene/ sonnen-kind/ du fackel dieser welt/ Du praͤcht’ges meister-stuͤck des himmels und der erden/ Das ohn erstaunen nicht kan angeschauet werden/ Und recht was goͤetliches in sich verschlossen haͤlt; Ohn dich liegt die natur verfinstert und verstellt. Sie seufftzt nach deinem blick und reitzenden geberden/ Und fuͤhlt nur all zuviel der schmertzlichsten beschwerden/ Wann dein belebter glantz was sparsam auff sie faͤllt. O sonn! ich feyre heut dein hohes nahmens-fest/ Das an nichts niedriges durchaus mich dencken laͤst/ Denn Galante Gedichte. Denn wer zur sonnen will/ muß sich zum himmel schwingen. Was aber opffr’ ich dir? blut/ leben/ seel und geist; Ja! dieses ists/ was mir aus deiner guͤte fleust/ Wer kan was bessres dir auch zum geschencke bringen? Cupido an sie/ bey uͤbersendung etwas gruͤ- ner myrthen zur braut-krone. C. E. D Jß frische myrthen-laub/ das ewig pflegt zu gruͤnen/ Womit die Venus gieng hoͤchst-praͤchtig aufgeschmuͤckt/ Als sie zum goͤtter-fest sich neulichst angeschickt/ Will ich dir/ schoͤnsten/ hier zu senden mich erkuͤhnen. Denn da du mir so schoͤn/ wie Venus selbst/ geschienen/ Als ich vor kurtzem noch dein helles aug’ erblickt/ Das durch sein freundlich seyn fast alle welt entzuͤckt; So muß ihr schmuck mit recht auch dir zum schmucke dienen. Du aber/ heil’ges laub/ das solch ein haupt bekroͤnt/ Von dem du allen glantz und alle pracht entlehnt/ Kein gold noch demant ist dir ferner zu vergleichen; Wie gluͤcklich bist du nicht in deinem gruͤnen schein? Von nun an wird dein stamm den cedern selbst nicht weichen/ Und eine koͤnigin der schoͤnsten baͤume seyn. An ihre entzuͤndende schoͤnheit. C. E. W As geist und leben nur in seinen adern traͤgt/ Kennt die vollkommenheit der schoͤnsten Leonoren/ Die zur verwunderung den menschen ist gebohren/ Und fast die halbe welt durch ihren blick bewegt/ Die durch ein suͤsses wort die hertzen gantz zerschlaͤgt/ Und taͤglich frische glut in unsrer brust erregt; C 3 Ja/ Galante Gedichte. Ja/ die der himmel nur uns zum verderb erkohren/ Daß durch ihr heisses feur gieng stadt und land verlohren. Saat mir: wie heiß’ ich wohl die ungluͤcks-stiffterin/ Durch die ich selbst zur glut und aschen worden bin/ Wie wird auffs grausamste sie doch von mir benennet? Es gleichet ihrem brand kein blitz noch sonnen-schein; Sie kan mit beßrem fug ein hoͤll’sches feuer seyn/ Das tag und nacht uns brennt/ und selber doch nicht brennet. Als sie ihn ihren liebsten nannte. C. E. L Jbore/ deine gunst ist fast zu hoch gestiegen: Du weist ja/ wer ich bin/ und soll dein liebster seyn? Solch ungemeines gluͤck will mir durchaus nicht ein/ Und heist vernunfft und witz bey mir zu boden liegen. Ach! deine hoͤfftigkeit will mich zu starck besiegen! Du gehst verschwendrisch um mit deinem gnaden-schein. Denn dencke/ was du thust: Ein schlechter kiesel-stein Soll sich auff dein geheiß zum diamant verfuͤgen! Zu perlen legt man sonst nicht schwartzen ziegel-grauß/ Und neßeln bindet man in keinen blumen-strauß; Wie schickt sich dann dein glantz zu meinem duncklen wesen! Libore/ glaube mir/ du thust mir wohl und recht/ Wenn du ins kuͤnfft’ge mich nur nennest deinen knecht/ Zu deinem liebsten hat das gluͤck mich nicht erlesen. Er bindet sie an. C. E. K Omm Venns/ knuͤpffe mir ein band von myrthen-zweigen/ Und mische deinen schmuck den frischen blaͤttern ein; Streu Flora/ wo du kanst/ jeßmin und nelcken drein. Auff Thetis! wirstu nicht aus deinen tieffen steigen? Her- Galante Gedichte. Hervor! auch du must uns die nassen schaͤtze zeigen/ Bring’ runte perlen her/ die nur die besten seyn: Jhr berge/ zinset gold/ ihr felsen/ edelstein/ Wir wollen alles hier in eins zusammen reigen. Cupido/ nimm du drauff diß angenehme band/ Und flicht es Solimen um ihre liljen-hand; Doch sag’ ihr auch zugleich von deiner mutter wegen/ Daß sie dir folgen wird in koͤniglicher pracht/ Um ihr den schoͤnheits-preiß/ den Eris hat erdacht/ Den goͤldnen apffel selbst zun fuͤssen hin zu legen. Als sie gegen den winter ihre wohnung ver- aͤnderte an einem tage/ da die sonne aus ei- nem zeichen des himmels in das andere trat. C. E. L Jbore/ die dem glantz des himmels zu vergleichen/ Die uns bißher so offt begluͤckt durch ihren schein/ Wird wohl was spaꝛsam nun die strahlen auf uns streum Und uns von ferne nur die suͤssen blicke reichen. Denn ihre sonne tritt nun in ein andres zeichen/ Und hinterlaͤßt uns nichts/ als frost und strenge pein. Ja/ kan es anders wohl um uns beschaffen seyn/ Wenn licht und sonne will von unsrer gegend weichen? Sie suche denn vor sich ein’ andre wohnung aus/ Und aͤndre ihr bißher so lang bestrahltes hauß; Wer aber darff deßhalb auff das verhaͤngniß fluchen? O stuͤnde mir doch auch dergleichen endrung frey! Mein geist wuͤrd’ heute noch/ ich sag’ es ohne schen/ Kein’ andre wohnung sonst/ als nur ihr hertze/ suchen. C 4 Er Galante Gedichte. Er hatte sie bißhero todt geglaubet/ und fin- det sie unverhofft noch am leben. C. E. J St diß nicht die gestalt der trefflichsten Marinthen/ Die ich bißher so hoch betrauret und beweint? Wie geht diß immer zu? wie ists mit mir gemeint? Diß sind die augen ja/ die mich so schnell entzuͤndten/ Und mit verborgner krafft mein lodrend hertz ergruͤndten/ Diß ist der mund/ der gleich den vollen rosen scheint/ Die wangen/ welchen schnee und liljen aͤhnlich seynd; Diß sind die haͤnde/ die so manche kunst ersinnten. Wie? oder fehl ich auch? gewiß ich glaub es schier; Doch was? sie ist es doch! ich seh sie ja vor mir/ Marinthe ist es selbst! o angenehme stunden! Nein! nein! sie ist nicht todt! o hoͤchst-begluͤckter tag! Da ich/ Marinthe/ dich nun wieder schauen mag/ Und so nach langer nacht dich/ meine sonne/ funden. Als sie sich wegen besserung seiner gesund- heit erfreuete. C. E. K Ans auch wol moͤglich seyn/ daß Phillis nach mir fragt Daß sie die todtes-pein und centner-schwere leiden/ Die mir vor grauen noch durch marck und adern schneiden/ Mehr/ als ich selber fast/ in ihrer brust beklagt? Jsts moͤglich/ daß/ da man von meiner beßrung sagt/ Sie uͤberschuͤttet wird mit so gewognen freuden? O nein! ich darff mich nicht in solcher hoffnung weiden/ Wer dieses glauben wil/ der hat zu viel gewagt. Wie aber? weiß ich nicht/ daß ihr geneigter sinn/ Von dem ich ehermahls so offt genesen bin/ Auch Galante Gedichte. Auch noch ietzunder kan durch meine schmertzen dringen? Hinweg dann artzt und cur! ich darff euch ferner nicht/ Denn wenn mir Phillis nur von ihrer freude spricht/ So kan diß eine mich schon zur gesundheit bringen. Sie sagte: sie wuͤste nicht/ was Venus und Cupido sey. C. E. W Enn/ Amor/ wirstu doch solch einen hochmuth schwaͤchen/ Leidstu/ daß Solime dir trotzet ins gesicht? Hoͤr’/ wie veraͤchtlich sie zu deinem nachtheil spricht/ Sie kenne weder dich/ noch deine mutter nicht: Laͤstu so laͤsterlich mit worten auf dich stechen? Wenn wird einst die gedult in deiner seele brechen? Auff! waffne deinen leib! Es heischet noth und pflicht/ Solch eine frevel-that an Solimen zu raͤchen. Greiff deinen bogen an. Nimm pfeil und blitz zur hand/ Laß deine fackeln stehn in lichterlohem brand/ Heb’ an ihr hertze drauff zu martern und zu brennen/ Geuß immer frisches oͤhl zu diesen flammen hin/ So lange/ biß sie beugt den hart-versteinten sinn/ Und deine mutter lernt nebst deinem nahmen kennen. Als ihr conrerfait von drey unterschiedenen mahlern geaͤndert ward. C. E. D Och/ Amor/ deine faust/ die wird es wohl verrichten/ Was andern saur und schwer/ ja gar unmoͤglich faͤllt. Nim deinen suͤssen kiel und zeige dann der welt Ein bild/ das weder zeit noch unfall wird zernichten: C 5 Ent- Galante Gedichte. Entwirff dein meisterstuͤck! du wirst uns hoͤchst verpflichten/ Und mach ein antlitz/ das die schoͤnheit in sich haͤlt/ Witz/ klugheit und verstand werd’ an die stirn gestellt/ Die anmuth in den mund nebst ihren suͤssen fruͤchten: Bild’ augen/ derer glut mit sanfftmuth angefuͤllt/ Mahl wangen/ welche sich in freundlichkeit verhuͤllt/ Die haͤnde stell uns vor/ als zweene kuͤnstlerinnen; Dann brings Liboren hin/ und gib ihr den bericht: Drey mahler koͤnnen es mit farb’ und pinseln nicht/ Was hier mein kiel gethan/ entwerffen noch beginnen. An sein von ihr verstossenes hertze. C. E. W Je nun/ du armes hertz? wo denckstu ietzt hinaus? Wo wirstu doch hinfort/ sag’ mir/ wo wirstu bleiben/ Weil Solime dich will aus ihrer brust vertreiben/ Und du auff ewig solt verlaßen dieses hauß? O mehr als bitterer! o mehr als herber strauß! Was hastu denn gethan? nichts; doch wer wird dirs glaͤubenk Was aber saͤumstu viel? was suchstu dich zu straͤuben? Umsonst/ du armes hertz! nur fort mit dir! heraus! Wohin/ verworffnes hertz/ wohin wirstu dich fuͤgen? Die Chloris ist zu stoltz/ da findstu kein vergnuͤgen: Arminde ist schon todt: Lisett ist gar zu scheu: Libore weit entfernt/ und Philis ungetreu. Bleib! bleib! bey Solimen; sie aber heist dich eilen: Fort dann! ach! kanstu nicht ein wenig noch verweilen? Sie ruͤhmte die gegenwaͤrtige schoͤnheit einer andern Damen. N Ein! nein! Aurora nein! Filinde ist nicht schoͤn/ Kan licht und finsternuͤß auch bey einander stehn? Wie schickt sich ziegel-grauß und perlen doch zusammen? Was Galante Gedichte. Was ist ihr todtes feur bey deinen wunder-flammen? Nur eine sonne bleibt das auge dioser welt/ Und nur ein himmel ist/ der allen wolgefaͤllt. So wie dein auge nur das eintzige der erden/ Das mit verwunderung hier muß betrachtet werden: Und siehstu endlich ja Filindens angesicht/ So lang es vor dir steht/ mit neuer schoͤnheit prangen/ So muß ihr auge doch von deinen strahlen licht/ Nicht anders als ein stern von seiner sonne/ fangen. Er sendet ihr blumen. C. E. D U wirst/ Aurora/ dich der blumen ja nicht schaͤmen/ Die meine schlechte faust dir zum geschencke beut; Sie seynd ein opffer/ das man deiner schoͤnheit streut/ Und das die goͤtter selbst von menschen haͤuden nehmen/ Wer wolte sie auch nicht zu lieben sich bequemen/ Da sie ein meister-stuͤck des himmels und der zeit/ Und mit so reichem schmuck gezieret und bekleidt/ Als ob sie aus dem schooß der Venus selber kaͤmen? Wiewohl sie aber nun der sonnen toͤchter seyn/ Und auch den perlen selbst entziehen ihren scheln/ Wird ihnen doch der glantz durch deine pracht benommen/ Und siehstu dieses nicht itzt/ da sie zu dir kommen/ Wie gerne sie gestehn/ als halb verwelckte leichen/ Daß irrd’sche schoͤnheit pflegt der himmlischen zu weichen? Als sie in der groͤsten hitze uͤber frost klagte. C. E. A Urora/ die den blitz in beyden augen fuͤhrt/ Auff deren wangen sich die rothen flammen faͤrben/ Will/ Galante Gedichte. Will/ da des himmels glut den gantzen erd-kreyß ruͤhrt/ Jm sommer/ nur allein/ vor frost und kaͤlte sterben. Jhr mund/ der feur und brand auff seinen lippen traͤgt/ Fuͤhrt uͤber schnee und eiß sehr ungegruͤndte klagen/ Und will/ ob schon die glut uns blut und adern regt/ Doch nur von rauher lufft und kaltem wetter sagen. Jhr gantzer leib erstarrt/ die stirne selbst erbleicht/ Und ihre liljen-brust/ die erst dem helffen-beine/ Jtzt aber halb erblaßt dem todten winter gleicht/ Erstirbt/ verwandelt sich/ und wird wie fast zum steine: Der fall/ der sie betrifft/ ist sattsam uns bekandt. Was aber hier vor rath? wird man sie sterben lassen? Jst gar kein retten mehr/ kein mittel nicht zur hand? Auff Amor! laß sie doch nicht vor der zeit erblassen. Hilff/ denn du kanst es thun durch deinen heissen strahl/ Zuͤnd ihre geister an/ laß sie in flammen schwitzen/ Zerbrich ihr kaltes hertz/ das haͤrter noch denn stahl/ Fuͤll es biß oben an mit deinen reichen blitzen/ Zerschmeltze diesen schnee/ der ihre brust bedeckt/ Und laß sie brand und glut in allen adern finden; Doch nim ihr feur in acht/ das in den augen steckt/ Sonst moͤcht es beydes dich und alle welt entzuͤnden. Sie will ihn mahlen lehren. C. E. C Lorinden kam ohnlaͤngst die lust zu mahlen an/ Sie sprach: komm her/ es ist im augenblick gethan ; Was giebstu/ daß ich dich im zeichnen unterrichte? Drauff zog sie mich zu sich vor ihren spiegel hin/ Und zeigte mir so fort ihr englisches gesichte/ Den anmuths-vollen mund/ das wohlgestalte kin/ Die zunderreiche glut der purpurfarbnen wangen/ Der haͤnde weissen schnee/ der haare lichtes prangen/ Des Galante Gedichte. Des leibes treffligkeit/ der stirne hohen sitz/ Der augen helles feur und diamantnen blitz. O! rieff ich/ hoͤr itzt auff ein solches bild zu mahlen; Sonst muß ich allzu theur den blick davon bezahlen! An Lisetten/ welche ihm mittel vor die hitze verordnete. C. E. J Ch klagte neulich dir/ Lisette/ voller pein/ Die heisse todes-angst/ die mir das hertze ruͤhrte/ Und solch ein scharffes weh durch meine glieder fuͤhrte/ Daß ich dem himmel selbst um huͤlffe muste schreyn. Dich jammerte der noth/ die meine sinnen band; Du schlugest mittel vor/ die zur genesung dienen: Cerallen/ rosen-safft/ und was mehr gut geschienen/ Ward zur errettung mir gantz heilsam zuerkant. Corallen? fragt ich: ach! soll diß ein labsal seyn? Soll diß den krancken geist von seiner marter retten/ Und aus der schwartzen grufft und finstren todes-ketten Den abgeschwaͤchten leib erloͤsen und befreyn? Jch gieng auff dieses wort in hoͤchst-verwirrtem sinn/ Mit halb-zerschlagnem muth und schier erstorbnem leben/ Jn hofnung/ meine pein durch einen artzt zu heben/ Zur Amaranthen noch denselben abend hin. Jch fand sie/ wie gewohnt/ in auffgeschickter pracht; Das haar in diamant/ den leib in gold verhuͤllet/ Die augen voller glut/ draus tod und leben quillet/ Die wangen licht wie schnee/ und perlen gleich geacht/ Deu mund/ als einen thron von rosen auffgebaut/ Und Galante Gedichte. Und als ein rothes meer/ gemachsam sich bewegen/ Und purpur und corall in seinen ufern hegen/ Dergleichen die natur nie schoͤnres angeschaut. Corallen? dacht ich itzt: corallen sind ja gut! Hier siehstu rath und trost dir durch corallen spielen; Hier kanstu deinen brand auff rosen lippen kuͤhlen/ Und findest/ was dir wohl bey deiner hitze thut. Auff dieses fuͤgt ich mich zur Amaranthen hin: Doch druͤckt ich meinen mund nur an erhitzte flammen/ Die schlagen mehr und mehr ietzt uͤber mich zusammen/ Und zeigen oͤffentlich/ daß ich verlohren bin. Lisette/ falsches bild/ was hab ich dir gethan/ Daß du mich umgefuͤhrt/ daß du mir vorgelogen/ Und so verraͤthrisch mich hast in ein garn gezogen/ Drauß ich auff ewig mich nicht wieder finden kan? Jtzt fuͤhl ich meine glut durch frische glut gehaͤufft/ Den zunder/ welcher todt/ durch flammen angehitzet/ Ein feur/ das mich verzehrt/ das tieff im hertzen sitzet/ Und wie ein schneller strom mir durchs geaͤder laͤufft. Jch fuͤhle meinen geist in angst und vein verstrickt/ Die seele durch den todt/ den leib auffs blut erschrecket. Ach! Amaranthe/ ach! du hast mich angestecket Und mir des leben selbst durch stille list entruͤckt. Komm mehr/ Lisette/ komm/ und steh mir troͤstlich bey! Komm ietzt/ und reiß mich auch aus diesen steiffen banden! Jch leide bloß durch dich/ wo bist du ietzt verhanden? Jst niemand/ welcher spricht/ wie mir zu helffen sey? Jhre Galante Gedichte. Jhre beantwortung. A. E. S. W Je hoͤr’ ich? tadelt man die rothe meer-corallen? Laͤßt man sich ihren werth und tugend nicht gefallen? Braucht man an ihrer statt der lippen rosen-schein/ Die zwar von farben roth/ doch nicht corallen seyn? Corallen/ die die schooß der kalten see gebohren/ Die die erfahrung hat zur kuͤhlung auserkohren/ Den setzet man hindan/ und kuͤßt den heissen mund/ Der doch den matten geist an kuͤhlungs statt verwundt. Man kan den purpur-mund ja wol corallen nennen/ Doch nicht corallen-werth den lippen zuerkennen: Sonst hielt ein guͤldner schein auch in sich goldes-krafft/ Und rothe distel-bluͤt/ granaten-suͤssen safft. Die rosen kuͤhlen auch/ wer ihren zucker schmecket; Doch hat manch rosen-mund offt seelen angestecket/ Und eine liljen-haut/ die sich mit schnee vermaͤhlt/ Hat unter ihrem eyß offt glut und feur verhehlt. Wer schilt nun meinen rath/ und meine treue lehren? Klag’ eintzig uͤber dich/ daß du nicht wollen hoͤren; Der mangel liegt an dir: ach! table nicht die cur/ Corallen helffen schon: man such’ die rechte nur. Auf ihre Augen. C. E. L Jsette/ leih’ mir eins von deinen schoͤnen augen/ Denn meine wollen gar zur liebe nicht mehr taugen/ Sie hegen keine glut/ kein feuer/ keinen brand/ Kein funcke laͤst sich mehr in ihren aͤpffeln finden/ Was lust und liebreitz heist/ ist ihnen unbekant/ Und alle lockung will aus ihren graͤntzen schwinden. Mein Galante Gedichte. Mein finstres auge weiß von keiner brunst zu sagen/ Es faͤngt im selben kaum vor abend an zu tagen; Hingegen deines fuͤhrt nur lauter sonnen-schein/ Die flammen finden hier den zuwachs ihrer staͤrcke/ Cupido nimmt es selbst fuͤr sich zur wohnung ein/ Und thut durch dessen krafft die groͤsten wunder-wercke. Gib mir/ Lisette/ dann von deinen augen-strahlen/ Jch habe lust/ dir einst die blicke zu bezahlen/ Womit du mich so fest umzogen und geruͤhrt; Mein aug ist viel zu schwach die sinnen zu beruͤcken/ Ach deines/ das zugleich blitz/ pfeil und bogen fuͤhrt/ Taugt gar zu schoͤn fuͤr mich/ dein hertze zu bestricken! Auff ihre schwartze und sauersehende augen. Aus dem Englischen. C. E. 1. J Hr schwartzen augen ihr/ eur schatten-voller grund Macht mein verhaͤngniß mir im gluͤck uñ ungluͤck kund/ Wann ihr in liebe last die strahlen auff mich schiessen/ So seh ich vor mir nichts denn guͤldne berge stehn; Ach! aber/ wenn ihr mich veraͤchtlich wolt begruͤssen/ So heist ihr mich so fort zum finstern grabe gehn. Jhr schwartzen augen ihr/ in euren dunckeln gruͤnden Kan ich itzt gluͤck und todt/ itzt hoͤll und himmel finden. 2. Die sonne/ die den preiß beym sternen-heer behaͤlt/ Siebt/ gegen euch gesetzt/ gantz finster und verstellt/ Und Galante Gedichte. Und muß mit licht und glantz doch eurer schoͤnheit weichen; Jhr gehet fruͤh und spat in gleichem schmuck verhuͤllt/ Sie kan bey tage nur uns ihre strahlen reichen/ Da ihr zu nachts auch seyd mit flammen angefuͤllt. Jhr schwartzen augen ihr/ in euren dunckeln gruͤnden Kan ich itzt gluͤck und todt’/ itzt hoͤll und himmel finden. 3. So wie ein schlauer dieb in finstern winckeln steht/ Wann er bey dunckler nacht auff raub und morden geht/ So lauscht Cupido hier in euren schwartzen hoͤlen/ Und ist auff diebstal nur/ auf list und mord bedacht/ Den er zu uͤben sucht an meiner theuren seelen/ Die von mir hoͤher wird/ denn Jndisch gold/ geacht. Jhr schwartzen augen ihr/ in euren dunckeln gruͤnden/ Kan ich itzt gluͤck und todt/ itzt hoͤll und himmel finden. 4. Wer einen steiffen blick in eure zirckel fuͤhrt/ Wird sehen/ daß allhier nur list und macht regiert/ Und daß Cupido selbst in euren zauber-kreyßen Durch seinen wunder-pfeil in schwartzer kunst sich uͤbt; Ja daß er seine macht vollkommen zu beweisen/ Offt manchen schwartzen dunst uns vor die augen schiebt. Jhr schwartzen augen ihr/ in euren dunckeln gruͤnden Kan ich itzt gluͤck und todt/ itzt hoͤll und himmel finden. 5. Strahlt mich denn immer hin mit sauren blicken an/ Euch steht es gleichwol gut/ und mir wird wolgethan. Ein demant schwartz gefaßt/ prangt mit weit schoͤnrem lichte. Nachtstuͤcken wird ihr preiß durch schatten nur vermehrt. Die finsternis verstaͤrckt in kirchen das gesichte/ Wann brunst und andacht wird durch helles licht gestoͤrt. Jhr schwartzen augen ihr/ in euren duncklen gruͤnden Kan ich itzt gluͤck und todt/ itzt hoͤll und himmel finden. II. Theil. D Jhre Galante Gedichte. Jhre augen sind cometen. C. E. M An sagt: Lisette sey dem himmel anverwandt/ Jhr antlitz zeige nur die schoͤnsten sonnen-blicke/ Jhr auge wiße nichts von schelmerey und tuͤcke/ Und was entzuͤndung heißt/ sey ihr noch unbekandt/ Sie kenne keinen haß/ sie wisse nichts von plagen/ Noch weniger von stoltz und grausamkeit zu sagen. Gewiß! diß alles hegt zwar einen guͤldnen schein/ Und will den sichren schluß uns ins gedaͤchtnuͤs binden/ Wir werden lauter gluͤck in ihrem umbgang finden/ Und niemals ohne trost und suͤsse hoffnung seyn: Die liebe werde sich mit unsrer lust vermaͤhlen/ Und die vergnuͤgung uns zum nechsten nachbar wehlen. Ach! aber weit gefehlt/ es ist umb uns gethan/ Wofern wir auf den stein des bloßen ansehns bauen/ Und ihren blicken uns und unsre wohlfahrt trauen/ Was vor veraͤndrung wird man nicht in kurtzem sehn? Wo wird alsdenn der trost/ wo wird die hoffnung bleiben/ Wenn nun Lisette wird ihr lust-spiel mit uns treiben? Zwar steh ichs selber zu: Sie ist dem himmel gleich/ Dem himmel aber nur/ wenn er in wolcken blitzet/ Wenn er in schwartzer lufft die scharffen pfeile spitzet/ Und zum gehorsam treibt der erden weites reich: O weh! der armen welt/ wie wird die freude schwinden/ Wenn man statt sonnen wird cometen vor sich finden. Heult dann/ ihr junges volck/ eur ende naht herbey/ Lisettens auge will nur lauter unfall draͤuen/ Und nichts als feur und krieg/ und sterben prophezeyen. Jtzt! itzt! entdeckt sie erst und lehrt uns was sie sey: Denn Galante Gedichte. Denn da sie sich geschickt auff mehr denn tausend leichen/ Sagt mir; wer wird doch wol Lisettens grimm entweichen? Sie zuͤrnete mit ihm. C. E. J Ch hab’ Oranten juͤngst nicht auffgeraͤumt gefunden/ Der donner ihres munds/ und ihrer augen blitz Benahm mir allen muth und hemmte meinen witz/ Daß beyde augen mir auch voller thraͤnen stunden. Zwar schaͤmt ich anfangs mich; doch fiel mir endlich ein: Daß blitz und donner nicht kan ohne regen seyn. Auff einen ihr abgezognen schwartz- geaͤtzten ring. C. E. S Chatz/ dem kein demant gleicht/ du bild der ewigkeit/ Das keinen anfang zeigt und auch kein ende kennet; Du abriß des gestirns/ das um den welt-kraͤyß rennet/ Und uns bey stiller nacht die bleiche strahlen beut; Bald stell ich mir durch dich und deines zirckels zier Das grosse rund der welt/ bald gar den himmel fuͤr; Bald wieder auch die pracht und schoͤnheit meiner sonnen/ Die ihrem wesen nach ist eine kleine welt/ Die allen uͤberfluß von anmuth in sich haͤlt/ Und durch verborgne krafft den sieg mir angewonnen. Die Phillis liegt in dir/ und du in ihr gepraͤgt/ Sie ist/ wie du/ ein ring der reinsten liebligkeiten; Jhr auge kan die krafft den diamanten streiten; Das haar/ das sich verwirrt in runde locken legt; Der mund/ der wie ein ring von purpur und rubien/ Durch seine rothe glut beschaͤmt den corallien; D 2 Die Galante Gedichte. Die brust/ die selbst umkraͤntzt mit weißen marmol-ringen; Diß und ein mehrers/ das die mißgunst uns verhuͤllt/ Traͤgt in sich eingedruͤckt dein suͤsses ebenbild/ Und kan durch stilles feur die kaͤltste hertzen zwingen. Vor trug die Phillis dich an ihrer rechten hand/ Zum zeugniß/ daß sie dich in hoͤchsten wuͤrden hielte. Ach! aber/ da das gluͤck so freundlich mit dir spielte/ So wurd’stu ihr mit list/ ich weis nicht wie/ entwand. Jtzt fordert Phillis dich mit ungestuͤm zuruͤck/ Und goͤnnt mir ferner nicht das laͤngst gewuͤnschte gluͤck/ Das ich dich soll/ wie sie/ an meinem finger tragen; Sie nimt kein reden an/ sie hoͤrt kein bitten nicht/ Du selber sehnst dich auch nach ihrem sonnen-licht/ Und fliehst vor meiner noth/ wie sie vor meinem klagen. Geh dann/ du leichtes bild der unbestaͤndigkeit/ Daß/ wie ein rad sich dreht/ bald auff-bald abwerts steiget/ Jtzt uns in himmel hebt/ und drauff die hoͤlle zeiget/ Du spiegel meines gluͤcks/ das lauter ungluͤck draͤut. Dein schwartzer anblick spricht von marter/ angst und noth/ Von finsternis und nacht/ gefaͤngnis/ grab und todt; Du stellst die fesseln vor/ die meinen geist umringen/ Die banden/ die/ wie du/ ohn alles ende seyn/ Die meine lust verkehrn in sorgen-volle pein/ Und hoffnung und gedult letzt zur verzweiflung bringen. Sie suchte ein corallinen hertze/ welches sie verlohren. C. E. A Urora/ suchstu was? und hastu was verlohren? Jst irgend ohngefehr was liebes dir entwandt? Hastu zu deiner lust ein etwas außerkohren/ Das durch sein abseyn dich itzt setzt in kummer-stand? Such- Galante Gedichte. Suchstu vielleicht ein hertz mit freundschafft angefuͤllet/ Ein hertz/ das lieb und gunst zu deinen fuͤssen legt/ Ein hertz/ aus welchem selbst die reinste treue quillet/ Und dessen adern nichts als keusche demuth regt? Nicht suche/ schoͤnstes bild/ du kanst bey mir schon finden Ein hertze/ das dich selbst als seine goͤttin ehrt/ Das sich auff ewig will zu deinem dienst verbinden/ Und dessen reine glut kein sturm der zeit versehrt. Kom̃! kom̃! demnach mein licht! und nimm was dir gebuͤhret/ Reiß diesen treuen schatz nach deinem willen hin/ Und glaube daß ich stets/ so lang mein hertz sich ruͤhret/ Jn unverruͤckter gunst dein treuer diener bin. An ihre augen. C. E. S Trahlt/ schoͤnste sonnen/ mich mit holden blicken an/ Jhr wißt/ was eure glut in meiner seelen kan; Doch nein! versteckt euch nur/ ihr spiegel harter sinnen/ Was nuͤtzt mir eure lust/ und angenehmer schertz? Aurora bleibt doch stoltz/ und ihr ergrimmtes hertz Kan niemand durch gewalt noch bitte mehr gewinnen. Sie erklaͤret sich seine schwester zu seyn. C. E. D Es himmels ausspruch hat mein gluͤcke weit getrieben/ Er heißt mich Phillis nun als eine schwester lieben/ Und will/ ich soll ihr bruder seyn: Denn weil ja meiner treu ein gleiches recht gebuͤhret/ So will er eben auch mich durch ein wort erfreun/ Das nichts/ denn lieb’ und treu/ in seinem munde fuͤhret. Der nahme Phillis ist nur schatten-werck gewesen/ Jch ließ sie bloß daraus ihr steinern hertze lesen D 3 Und Galante Gedichte. Und ihre strenge grausamkeit/ Die sie ihr dazumal zur tugend hat erkohren; Jtzt aber soll er so/ wie jene truͤbe zeit/ Durch diesen neuen bund auff ewig seyn verlohren. Verhaͤngnis/ foͤrdre dann die freundschafft beyder hertzen/ Und goͤnne/ daß ich darff/ als Bruder/ mit ihr schertzen/ Sie thu/ was eine schwester soll/ Und mich erfreut/ das stoltze gluͤck genießen/ Daß ich als engel sie/ zwar aller ehren voll; Doch aber auch dabey als schwester moͤge kuͤßen. Auff die jungfer K***. C. E. C Upido warff im zorn die fackel aus der hand/ Und sprach: was nuͤtzt mir mehr dein wundeꝛ-voller brand/ Da sich die hertzen itzt in harten stein verkehren/ Und deine funcken nichts/ denn schnee und eyß/ gebaͤhren? Denn feuer/ das wol eh den himmel angesteckt/ Und drauff die unter-welt durch seinen blitz erschreckt/ Weiß mehr von keiner glut/ und seine kraͤffte schwinden/ Die stahl und eisen sonst/ wie duͤnnes rohr/ entzuͤnden. Verkehrt/ ihr flammen/ auch in nebel/ dampff und nacht/ Und bleibt durch diesen fluch bey aller welt veracht! So rieff er noch zuletzt zu den verloschnen braͤnden/ Und wolte sich hiermit nach seinem bogen wenden; Ach aber! weil er blind und gar zu sicher war/ So hat’ inzwischen ihm die lose Nymphen-schaar Den scharff-gespitzten pfeil und auffgespannten bogen Durch gantz geschwinde list entruͤckt und weggezogen. Cupido ward so bald des diebstahls nicht gewahr/ Als er sehr klaͤglich that; bald raͤufft er sich ins haar/ Bald schlug er an die brust/ dann fing er an zu weinen/ Daß erd und himmel selbst empfindlich musten scheinen. Wiewohl diß alles war den Nymphen nur ein spott/ Sie hoͤhnten noch dazu den kleinen liebes-gott/ Der/ Galante Gedichte. Der/ weil ihm sein gewehr so raͤubrisch war genommen/ Jtzt ohne bogen nicht dorfft in den himmel kommen. Er riß den flor hinweg/ lieff einsam hin und her/ Und klagte den verlust/ als er von ohngefehr Die art’ge K*** beym nahmen hoͤrte nennen/ Und drauff begierig ward sie in person zu kennen. Jhr nahme/ sprach er/ floͤst mir wieder hoffnung ein/ Jch werde mehr durch sie/ als iemals/ gluͤcklich seyn: Und ob schon gram und leid mir itzt die fluͤgel binden; Doch wieder suͤssen trost in ihrem umbgang finden. Wer kennt den zunder nicht und die verdeckte glut/ Und was ein kuͤhnstock sonst vor seltne wunder thut? Gewiß! hier findet man die nahrung suͤsser flammen/ Die selbst der himmel nicht kan richten noch verdammen. So sprach er gantz erfreut/ als eben drauff geschah/ Daß er die K*** urploͤtzlich vor sich sah/ Er sah den klugen mund/ die augen/ brust und wangen/ Ach! dacht er bey sich selbst: was hertzen werd’ ich fangen ; Hier seh ich schon den sieg/ der durch verstellte list Der welt die freyheit raubt/ und mir bereitet ist; Man soll/ so kalt man ist/ mehr als zu viel erkennen/ Daß ihre blicke mehr/ als meine fackeln/ brennen. Diß war sein letztes wort/ worauff er gleich zur hand Sich mit der K*** durch eyd und pflicht verband/ Die itzt/ wohin sie nur die suͤssen augen wendet/ Verwirrung/ feur und glut durch tausend hertzen sendet. Er schenckt ihr beym spiele sein hertze/ und auff befragen: was sie gern mit fuͤssen traͤte? antwortet sie: sein hertze. C. E. D Je stoltze Phillis tritt mein hertze nur mit fuͤssen/ Sie wirfft ihm gallen-tranck statt rosen-zucker fuͤr; Es sucht zwar sonnenschein/ doch find es nacht bey ihr/ Denn ihre blicke sind ihm lauter finsternißen. D 4 Mein Galante Gedichte. Mein hertze/ das ich doch ihr zum geschencke bot/ Wird itzt so freventlich in schimpff und spott gerissen! Das sie/ als goͤttin/ ehrt/ muß gar zu peinlich buͤssen/ Und wider alle schuld erleiden schmach und todt. Ach! Phillis/ lohnstu so die treue deiner knechte? Jst diß der suͤsse danck/ den deine gunst verspricht? Nein! Phillis/ solcher huld und liebe mag ich nicht/ Und diese grausamkeit laufft wider alle rechte. Ein hertze/ das sich giebt mit allem/ was es hat/ Ein hertze/ das bereit die gantze welt zu lassen/ Welch unmensch koͤnte doch ein solches hertze hassen/ Und thun/ wie du gethan/ dergleichen frevel-that? Welch loͤwe steht so fest auff seinem steiffen willen? Welch tieger nimt/ wie du/ so wenig sanfftmuth an?/ Wer wehlt doch fleisch und blut zu seiner wollust bahn Und sucht da suͤsse lust/ wo nichts denn thraͤnen qvillen? Au weh! mein hertze schreyt! tritt Phillis nicht zu hart/ Es wird gantz gerne sich nach deinem fuß bequemen/ Jch weiß/ du wirst ihm ja nicht itzt das leben nehmen/ Das ihm doch ehermahls durch dich erhalten ward. Gib Phillis/ gib doch nach/ mein hertze laͤst sich beugen; Du siehst ja/ wie es sich nach deinem willen haͤlt; Wiewol du hoͤrst mich nicht: thu dann/ was dir gefaͤllt. Tritt zu! mein hertze kan auch bey der marter schweigen. Als sie ein lied in die darzu gespielte theorbe sang. C. E. W Ann/ schoͤnstes Fraͤulein/ sich dein kluger mund bewegt/ Und ein beseelter thon durch deine lippen dringet/ Der durch ein suͤsses lied dem Hoͤchsten opffer bringet/ So wird der himmel selbst zur andacht angeregt. Ein etwas/ das uns auch schier aus uns selber traͤgt/ Ein gantz geheimer zug/ der unser hertz umringet Und Galante Gedichte. Und durch verborgne krafft die geister selbst bezwinget/ Zeigt/ daß dein hoher schall was goͤttlichs in sich hegt. Es scheint/ die engel sind von oben rab gestiegen/ Und wollen sich durch dich zu unsrem chor verfuͤgen: Denn was man uͤberall nur um sich hoͤrt und spuͤrt/ Und was dein schoͤner mund recht himmlisch abgefungen/ Das ist ein meisterstuͤck von ihren reinen zungen/ Wodurch die seele gantz wird aus sich selbst gefuͤhrt. Auf die scheelen augen. 1. J Hr scheelen augen ihr/ wie wohl ist der daran/ Der einen seiten-blick vor euch geniessen kan: Es gehet euer glantz vor andrer augen-zier; Jhr habt den besten preiß/ ihr scheelen augen ihr. 2. Was nuͤtzet mir ein schein/ dadurch man in verdacht/ Dadurch der liebes-bund wird an das licht gebracht? Jhr aber wist davor gantz heimliche manier/ Wie ihr liebaͤugelen solt/ ihr scheelen augen ihr. 3. Manch auserlesnes paar muß durch verliebten schein/ Wenns gleiche strahlen wirfft/ sein selbst verraͤther seyn/ Es zeiget aller welt die sehnliche begier/ Die in dem hertzen steckt/ ihr scheelen augen ihr. 4. Jhr aber/ wenn ihr gleich gerade von euch blitzt/ So geht es jenen an/ der euch zur seiten sitzt/ Den ihr euch außerwehlt/ und niemand mercket hier Den heimlichen verstand/ ihr scheelen augen ihr. 5. Jhr scheelen augen stralt mit goͤtter-gleichem schein/ Auch Venus wolte selbst also gemahlet seyn. Drum zweiffle niemand nicht/ daß euch die gleiche zier Der schoͤnsten Venus gleicht/ ihr scheelen augen ihr. D 5 Gluͤck- Galante Gedichte. 6. Gluͤckseelig wer also verstohlen brennen kan/ Den greifft kein frembder neid in seinem lieben an. Sein gutes gluͤcke geht den andern allen fuͤr/ Er lebt durch euch begluͤckt/ ihr scheelen augen ihr. 1. L Jsette hat mein hertz auß meiner brust gerißen/ Und laͤugnet den veruͤbten raub/ Sie ist vor meinen bitten taub Und will nicht vom verlust/ noch von erstattung wissen. Mein hertze selbst bekennt/ es leb allein in ihr; Sie aber spricht darzu: sie habe nichts von mir. 2. Mein hertze daurt mich nicht/ Lisette mag es haben/ Jch liefr es selbst ihr willig ein/ Wo kan wol selbes besser seyn? Nur sie verlaͤugne nicht/ daß es in ihr begraben. Ein sclav erschrickt so sehr vor seinen fesseln nicht/ Wenn er nur wissen soll/ wer selbe zugericht. 3. Gestehs/ Lisette/ nur/ du hast es doch genommen/ Der himmel weiset selbst auff dich/ Jch suche auch sonst nirgends mich: Jch weiß ja/ wer da hat mein bestes theil bekommen/ Dein atlaß-weiche hand hats ja aus mir geruͤckt/ Als ich sie unverhofft an meine brust gebruͤckt. 4. Behalts/ Lisette/ denn/ es soll dir zugehoͤren/ Nicht schaͤme dich des schlechten guts: Das kleinste troͤpfchen seines bluts Soll mit besondrer art dich/ meine goͤttin/ ehren. Nur goͤnne/ daß mir diß zum ruhme werd’ gesetzt: Des schoͤnsten leibes ist mein hertze werth geschaͤtzt. Auff Galante Gedichte. Auff die schwartzen augen derMarilis. 1. W As ist das schwartze doch/ mein kind/ Das sich in deinen augen findt? Sag/ ob ich irre/ wann mich duͤncket/ Daß dir das ferne Morenland So schwartze farben zugesandt/ Mit welchen du dein aug geschmincket. 2. Der schoͤnen augen schwartze pracht Entwirfft das bild der mitternacht/ Die solch unsichtbar eisen nehret; Zu dem sich stetig der magnet Verliebter welt und seelen dreht/ Und gleichsam wie gezwungen kehret. 3. Wie aber wird mir umb das hertz? Bey diesen augen ist kein schertz/ Jch sehe dunckle wolcken blitzen/ Jch sehe sonnen in der nacht Und spuͤre/ daß mit aller macht Auch ausgeloͤschte kohlen hitzen. 4. O schwartzes aug/ so alles brennt! O nacht/ die selbst die sonne blendt! O finsterniß bey stetem lichte! O licht bey dicker finsterniß! Wo bleib ich/ meine Marilis/ Forthin vor deinem angesichte? Ein Galante Gedichte. Ein kupferhaͤndler an seine liebste. C. S. L. D U tadelst/ eckler schatz/ nur immer meinen spiegel/ Der/ wie du spoͤttisch sagst/ dir gar zu feurig scheint: Jn deinen augen gleich ich einem kupfer-tiegel/ Mir selber bistu gut/ nur meiner roͤthe feind. Es haͤufft ja deine brust auf schnee carfunckel-spitzen/ Es schliessen deinen halß corallen-baͤnder ein; Und doch soll kein rubin auf meinen wangen blitzen/ Und ich muß dir zum spott ein jubilirer seyn. Wie aͤrgert dich so sehr mein zuͤchtiges gesichte/ Das angebohrne scham mit purpur uͤberfaͤrbt! Liebstu die erbarkeit/ so hasse nicht die fruͤchte/ Denn beydes hab’ ich gleich vom vater angeerbt. Wie kan mein scharlach doch so uͤbel dir gefallen? Es sticht zinober ja die andern farben weg; Dem purpur bleibet doch der vorzug unter allen; Wer in das rothe trift/ der fehlet nicht den zweck. Aurora pfleget sich mit purpur auszukleiden/ Wenn ihr beflammter glantz die finstre nacht verzehrt. Der regenbogen kan das licht der augen weiden/ Wenn dessen bunter creyß den truͤben himmel klaͤrt. Wer wolte den Vulcan deßwegen heßlich nennen/ Dieweil er feuer-roth in seiner schmide schwitzt? Wer wolte nicht den Mars vor einen gott erkennen/ Wenn sein befaͤrbtes kleid der feinde blut bespruͤtzt? Was war wol lieblicher und schoͤner anzusehen/ Als da der rosen-dorn der Venus fuß verletzt: Als auf der marmol-haut ein sanfter riß geschehen/ Jndem ihr schneller fuß dem buhlen nachgesetzt? Es zeigt gesundes blut der geister kraft und wesen/ Und das gesunde blut ist anders nicht als roth. Wird solches angeschwaͤrtzt/ so sucht man zu genesen. Und ist es gar erstarrt/ so deutet es den tod. Es Galante Gedichte. Es mag die gantze welt die schwartzen augen preisen/ Es hebe wer da will derselben ruhm empor! Weit schoͤner koͤnnen sich die rothen lippen weisen/ Denn diese gehen auch den weissen bruͤsten vor. Wer fruͤhlings-rosen bricht/ der wil die roͤthsten haben; Des sommers lesen wir die rothen beeren ab; Die rothe aͤpfel sind des reifen herbstes gaben; Der todte winter ist ein allgemeines grab. So mag den vorzug denn die rothe farbe nehmen/ Weil himmel und natur nebst menschen sie verspricht: Und ich will nimmermehr mich meiner roͤthe schaͤmen; Auch acht’ ich/ eckler schatz/ mehr deines spottens nicht. Mein purpur muß bey dir veraͤchtlich kupfer heißen; Ob aber wol mein ertzt kein goͤldner fuͤrnis deckt/ So pruͤfe meine treu/ ich werde zwar nicht gleissen/ Doch zeigen/ daß auch gold in meinem kupfer steckt. Der gold- und silber-schein kan leicht den kaͤufer truͤgen/ Wer tauscht vor kupfer gold/ das silber-ertzt vor bley? Jch geh’ gerade zu/ ich will dir gar nicht luͤgen/ Besihe was mein schatz und was mein reichthum sey. Gesetzt/ ich habe nichts denn kupfer aufzusetzen/ Genug/ daß kupfer auch kan gelt und gangbar seyn; Die kupfer-groschen sind die schlimsten nicht zu schaͤtzen/ Um solche wechselt man auch oft ducaten ein. Verachtest du bey mir die funckelnden rubinen/ Und sprichst: ach waͤr das geld an crystallin gewandt! So lerne was dir dient/ mein schatz/ und laß dir dienen/ Der koͤstliche rubin folgt nechst dem diamant. Seh ich dir feurig aus/ so kuͤhle meine flammen/ Und oͤfne deinen bach/ daraus mir labsal rinnt; Sonst wird uns beyderseits der tadel-spruch verdammen/ Daß ich zu hitzig bin/ und du zu kalt gesinnt. Ja du hast selbst in mir den Aetna angeleget/ Der flammen uͤber sich durch nas’ und augen streut: Du bist Enceladus/ der meine brust beweget/ Und die verborgne glut in mein gesichte speyt. Laß Galante Gedichte. Laß deiner gegengunst ein zeichen mich erkennen/ Und springe meiner noth mit kuͤhlem labsal bey; Wo nicht so laß mich nur mit dir zugleich verbrennen/ So daß dein schwanen-leib mein scheiter-hausen sey. Du beist mich zwar gar oft ein kleiner glaß erwehlen/ Und wilst/ ich soll nicht mehr so starck als vormals ziehn; Ja wol! allein du must der leber auch befehlen/ Daß sie nicht weiter kocht/ und ich so durstig bin. Es gluͤhet dieser stein und dampft von rauch und hitze/ Jch finde dieser qual kein ende/ keine ruh; Jch duͤrste tag und nacht/ ich aͤchze/ lechze/ schwitze/ Jch gieße stets/ und doch schier nie genung/ hinzu: So schilt nun wie du wilt/ ich will nicht wieder fluchen/ Jchtrage mit gedult/ was ich nicht aͤndern kan. Doch eines faͤllt mir bey/ es stehet zu versuchen/ Vielleichte geht zuletzt noch dieser anschlag an: Schleuß deinen busen auf/ nicht uͤbel wird sichs schicken/ Wenn mein rubinen schmuck in deinen schnee versteckt: Jch will mein angesicht auf deine bruͤste druͤcken/ Zu sehn/ ob deine milch mein purpur an sich leckt. Abbildung der vollkommenen schoͤnheit. H Oldseliges geschlecht/ hoͤr an/ ich will dichs lehren/ Wie es gestalt muß seyn/ was man vor schoͤn soll ehren. Liß diese zeilen durch/ so wird dir seyn bekant/ Wodurch die Helena so trefflich schoͤn genant. Der leib muß seine pracht erst von den farben haben/ Von diesen muͤssen drey sich gleichen schwartzen raben/ Drey muͤssen wie der schnee so weiß seyn anzusehn/ Drey die an roͤthe selbst den purpur uͤbergehn. Drey andre muͤssen ruhm durch ihre kuͤrtz’ erlangen/ Hingegen andre drey mit schoͤner laͤnge prangen; Drey muͤssen seyn was dick/ doch wolgebildt dabey/ Darneben muͤssen schmal und schlanck seyn andre drey. Die Galante Gedichte. Die weite muß man auch an eben so viel ruͤhmen/ Und andern gleicher zahl will eng zu seyn geziemen. Wenn man zu diesen fuͤgt drey/ welche zierlich klein/ So kan die schoͤnheit selbst nicht vollenkommner seyn. Die augen preiset man/ die schwartzen kohlen gleichen/ An strahlen aber doch der sonnen selbst nicht weichen; Und umb dieselbe muß ein schwartzer bogen gehn/ Dadurch diß sternen-paar kan uͤberschattet stehn. Zum dritten muß der pusch/ der jene hoͤle decket/ Jn welcher Venus selbst das ziel der brunst verstecket/ Gantz eingehuͤllet seyn in schwartze dunckelheit/ Weil Amor solch ein kind/ das sich im dunckeln freut. Die haare muͤssen seyn so weiß/ als reine seide/ Der alabaster-halß/ wie nie beruͤhrte kreide/ Die zaͤhne muͤßen stehn/ wie blanckes helffenbein/ Wenn sie von tadel gantz entfernet sollen seyn. Er muß weit uͤbergehn die brennenden rubinen/ Soll sonst der lippen saum den rechten preiß verdienen. Die wangen/ die nicht roth/ sind nicht vollkommen schoͤn/ Und auff den bruͤsten selbst muß roth am gipffel stehn. Die zaͤhne muͤßen kurtz nur seyn in ihren reihen/ Derselben maße sich die fuͤsse gleichsals weihen. Diß einz’ge giebet auch den ohren ihren preiß/ Daß man/ wie andre theil/ sie schoͤn zu nennen weiß. Es muß ein schoͤner leib sich nach den g’raden sichten/ Die wie die saͤulen stehn/ in seiner laͤnge richten. Die haͤnde/ die mit lust der liebe zuͤgel fuͤhrn/ Muß/ wenn sie zierlich sind/ gewuͤnschte laͤnge ziern. Und soll dem Venus-sohn die liebes-jagt geluͤcken/ Muß er aus langem haar ihm netz und sehnen stricken. Denn soll in sclaverey die freyheit seyn gebracht/ So muͤssen feßeln seyn aus langem haar gemacht. Es ist ein solcher leib vor andren hoch zu preisen/ An dem die huͤfften sich in rechter dicke weisen. Auch das/ was die natur zum sitz-platz außersehn/ Jst dadurch/ wenn es dick und ausgefuͤllet/ schoͤn. Und Galante Gedichte. Und drittens muß der ort/ der unsre sinnen raubet/ Wenn er mit schoͤner kraͤuß’ als ein gepuͤsch belaubet/ Seyn einem huͤgel gleich von bergen eingehuͤllt/ So daß er eine hand mit seiner dicke fuͤllt. Die finger/ welche schmal und zierlich sich erstrecken/ Die koͤnnen/ was sonst halb erstorben/ aufferwecken/ Und arme dieser art sind das gewuͤnschte band/ Wodurch man an das joch der liebe wird gespañt. Auch muß ein schoͤnes kind seyn schmal uñ schlanck von beinen/ Daß/ wenn die flammen sich im mittel-punct vereinen/ Gantz umb das oberste das unterste sich schwenckt/ Gleichwie Adonis ward von Venus eingeschraͤnckt. Der weite lob kan man auß dreyen stuͤcken lernen: An augenbraunen/ die von ander sich entfernen/ An lenden/ die nicht gar zu nah beysammen stehn/ Vornehmlich wenn man will in Amors irrgang gehn. Auch muͤßen weit entfernt sich zeigen jene huͤgel Der schwanen-gleichen brust/ daß mit verhaͤngtem zuͤgel Die brunst/ wenn sie genug mit kuͤßen hat gespielt/ Durch dieses thal kan gehn/ wo sie wird abgekuͤhlt. Drey enge muͤßen sich bey jenen dreyen weisen: Ein rosengleicher mund muß enge seyn zu preisen; Die seiten muͤßen eng und dicht zusammen seyn/ Daß eine ehle sie bey nah kan schließen ein. Vor allen aber muß die grufft/ da Venus lachet/ Wo das/ was staͤhlern schien/ wie wachs wird weich gemachet/ Gantz enge seyn/ damit wenn unsre brunst entsteht/ Sie ein und wieder auß mit mehrerm kitzel geht. Und letzlich muͤßen drey seyn zierlich klein zu nennen: Die nase muß man erst deßwegen loben koͤnnen: Die bruͤste gleiches falls/ die eine hand spannt ein; Die gipffel muͤßen drauff gleich kleinen erdbeern seyn. Wann dann der leib gebildt in solchem schoͤnen wesen/ So hat zum wohnplatz ihn die liebe selbst erlesen/ Und wann an diesem auch bald diß bald jenes fehlt/ So hat Cupido schon ein anders auserwehlt; Dann Galante Gedichte. Dann wann die schoͤnheit gleich nicht voͤllig ist zu finden/ So kan die freundlichkeit doch alles uͤberwinden: Der nun die schoͤnheit nicht auff allen gliedern schwebt/ Der rath’ ich/ daß sie sich durch freundlichkeit erhebt. Hie seht ihr/ schoͤnstes volck/ wodurch ihr schoͤn zu nennen/ Werdt ihr ins kuͤnfftige mir besser nachricht goͤnnen/ Soll meine feder euch zum dienst seyn angewand/ Wenn ihr dieselbe fuͤhrt mit eurer schoͤnen hand. Streit der jungen und alten jungfern/ welchen von beyden der vorzug gebuͤhre. Vortrag der jungen. J Hr schwestern/ die ihr schon mehr jahre koͤnnet zehlen/ Als gute zaͤhne noch in eurem munde stehn; Was habt ihr wol vor recht auff unsre lust zu schmaͤhlen? Meint ihr/ wir sollen euch gleich aus dem wege gehn? Nein! eh wir eurem trotz den stoltzen willen lassen/ Soll ein geschaͤrfftes stahl des streites richter seyn; Warum soll unsern schertz ein scheeles auge hassen? Wir jungen bilden uns mehr als ihr alten ein. Jhr habt zwar freylich schon viel mehr als wir erfahren/ Weil unsre jugend euch noch erstlich lehrgeld zahlt; Allein wie? kommt auch wol verstand noch vor den jahren? Drum macht ihr euch selbst alt/ weñ ihr mit klugheit prahlt. Was aber acht man doch ein altes ungeheuer? Ein frisch und junges ding zieht man den alten fuͤr; Ein alter hering kost nicht so viel als ein neuer/ Ein junges pferd das gilt mehr als ein altes thier. Wer steckt die nase gern zu faulen pomerantzen? Wer liebt ein altes licht/ das wie der teuffel stinckt? Wer will doch allererst ein altes schloß verschantzen/ Das allbereits zerfaͤllt und im morast versinckt? II. Theil. E Drum Galante Gedichte. Drum must ihr alten nun uns jungen maͤdchen weichen/ Jhr seyd schon halb verdorꝛt/ wiꝛ seynd noch frisch und gruͤn/ Jhr seyd kaum schwartzem bley/ wir golde zu vergleichen/ Um unsre scheitel bluͤht der herrlichste jeßmin: Jn unserm busen find man schnee und brand beysammen/ Der halß der uͤbertrifft den allerweißten schwan/ Auß unsern augen gehn die staͤrcksten liebes-flammen Und zuͤnden wie ein blitz der maͤnner hertzen an: Die wangen bluͤhen uns voll lieblicher narcissen/ Auff denen liljen-milch und rosen-purpur lacht. Wie mancher pflegt vergnuͤgt auf unsern mund zu kuͤssen/ Der ihm die seel entzuͤckt/ das hertz voll feuer macht. Wir koͤnnen ohne zwang die staͤrcksten uͤberwinden/ Wir schlagen unsren feind durch einen holden strahl; Die liebsten koͤnnen wir so fest als ketten binden Und fuͤhren sie erlaͤchtzt zum frischen liebes-thal. Dann rufft ein ieder uns nicht anders als/ mein engel/ Mein hertzgen/ schaͤtzgen/ kind/ mein morgensteꝛn/ mein licht/ Und streut auff unsern schooß die schoͤnsten nelcken-stengel/ Dergleichen eure hand/ ihr alten/ niemahls bricht. So bleibts demnach darbey/ ihr muͤst zuruͤcke treten/ Weil euer glantz nicht so/ wie unsrer/ schimmern kan; Doch fangt ins kuͤnfftige nur fleißig an zu beten/ Vielleicht bekommet ihr noch endlich einen mann. Antwort der alten. J Hr naͤrrchen thut gemach/ was bildet ihr euch ein? Was habt ihr thoren viel vom alter zu gedencken? Jst dieses euch verhast/ so last euch jung auffhencken/ Halt eure zung im zaum und last das spotten seyn. Mit eurer prahlerey wird wenig außgericht/ Jhr stellt euch allzu stoltz und uͤberaus verwegen/ Ach lernt das ding zuvor vernuͤnfftig uͤberlegen/ Was gilts/ ob euer mund hernach nicht anders spricht. Daß Galante Gedichte. Daß ihr uns alte nennt/ das thut ihr nur aus neyd/ Dieweil wir nicht mit euch so kindisch taͤndeln wollen/ Wir waͤren sonst fuͤrwar noch aͤrger als die tollen/ Es wundert uns/ daß ihr noch stets so kindisch seyd; Zu dem so geht was alt sehr offt dem jungen vor. Die jungen schoten sind zwar allzeit angenehmer; Doch sind die alten schon zum stecken viel bequemer/ Denn ihre keime schiebt den schoͤnsten strauch empor. Der alte wein ist ja viel besser als der most/ Die muͤrben mispeln sind doch immerfort die besten/ Die schoͤnsten fruͤchte stehn offt an den aͤltsten aͤsten/ Und alter honig wird zuletzt zur zucker-kost. Was aber sagt ihr viel von eurer schoͤnheit pracht/ Die ihr bißweilen doch mit flor die flecken decket? Meint ihr/ man wisse nicht/ daß ihr den schalck verstecket/ Und eure glatte haut mit schmincke schoͤner macht? Doch seht euch fleißig fuͤr/ daß euer ruhm nicht saͤllt/ Die schoͤnste rose wird am zeitigsten gebrochen/ Die suͤßste frucht wird offt von einem wurm gestochen. Wohl der/ die ihren glantz stets unbefleckt behaͤlt! Wenn man euch engel nennt/ so nehmt nicht lieber an/ Wie etwan geister thun/ so leiber angenommen/ Das spucken doͤrfft euch sonst nicht allzu wol bekommen. Um engel/ wie ihr seyd/ ists allzubald gethan. Die liebsten ruffen euch: Mein allerliebstes kind! Was gilts/ ihr krieget auch der liebe milch zu saugen/ Jhr seyd ein blumenfeld in eurer buhler augen/ So schaut/ daß sich kein wurm zur zucker-rose findt. Der euch so schaͤtzchen nennt/ der graͤbt gewißlich nach/ Biß daß er seinen schatz/ und euer bergwerck funden. Was seyd ihr vor ein stern/ wenn euer glantz verschwunden? So euer licht verloͤscht/ wird euer schein zur schmach. Drumb stellt/ bethoͤrte/ nur das freche prahlen ein/ Begehrt ihr ie mit uns nicht weiter umzugehen/ So packt euch immer hin/ wir werden euch nicht flehen; Wir bleiben dennoch wol/ die wir gewesen seyn. E 2 Der Galante Gedichte. Der Venus sententz. B Eist euch nicht ihꝛ rabenaͤßer/ sondeꝛn klaget miꝛ den streit/ Heißet das respect erzeiget mir/ als eurer obrigkeit? Nehmt ein ander mahl in acht mir die sachen vorzutragen/ Sonsten werd’ ich beyder part bald von etwas anders sagen. Jtzo aber solt ihr wissen/ daß ich nicht mehr leiden wil/ Daß ihr euch zusam̃en zancket; drumb so schweiget alle still/ Und nehmt diß zum urtheil an/ gleich itzt solt ihr euch versoͤhnẽ/ Und kein boͤses laͤstermaul soll die andre mehr verhoͤhnen. Daß indeßen aber keine von euch alten klagen darff/ Als waͤr ich den jungen guͤnstig und den alten gaꝛ zu scharff; So beschließ ich/ daß hinfort keine jungfer soll auf erden/ Ob sie gleich schon laͤnger lebt/ uͤber dreyzehn jahr alt werden. Verliebte Gedichte. Der Venus klag um Adonis grab. A Donis grab ist hier; mehr sagt die liebe nicht/ Und Venus seel entschlaͤft bey diesem leichen-steine. Ach hochgeliebter leib! ach werthste todten-beine! Ach himmlischer Adon! mein mattes hertze bricht Jn lieb und thraͤnen aus: die thraͤnen sollen zeugen/ Daß meine liebe wird zu keinen zeiten schweigen. Wo ist Adonis sarg? wo ist Adonis grab? Daß Venus nicht zugleich sich auf die baare leget/ Wie wenn ein rauher wind die blumen niederschlaͤget/ Schlaͤgt tulp und nelck entzwey/ und bricht die blumen ab. So war mein lebens-geist von hertz und seel entrißen/ Als meinen lieben schatz ein wildes schwein gebißen. Ach Verliebte Gedichte. Ach ewiger verlust! unwiederruflich fall! Jch habe deine schoos dem himmel vorgezogen/ Holdseeliger Adon! nun seel und geist verflogen/ So stirbt die Venus auch. Jch hoͤrte fast den schall Und wie du mich zuletzt/ mein tausend lieb/ gesegnet/ Als dir diß ungeheur im finstern wald begegnet. Jch ging und suchte drauf mein leben in dem haͤyn/ Und fand da meinen tod/ Adonis sternen glieder Sind durch des wildes biß bespruͤtzet hin und wieder Vom schaum des rothen bluts. Jch bracht ihm himmel-wein Und edlen perlen-tranck/ hertzstaͤrckende muscaten/ Jn hoffnung meinem sohn und besten schatz zu rathen/ Vergebens ob ich schon den weichen mund gekuͤst/ Und tausend mahl geschryn: erwache meine seele! So regte sich kein glied/ ja was ich nicht verheele/ Jch habe selbst zuletzt krafft/ seel und geist vermist. Jch werd auch nimmer schoͤn/ mein’ anmuth ist gestorben/ Und mit Adonis pracht der Venus glantz verdorben. Bedenck ich jene lust und gegenwaͤrtig leid/ Ja wenn der himmel gleich in lauter rosen lebte/ Wenn hoͤchst’ ergoͤtzlichkeit um meine scheitel schwebte/ So blieb ich unbewegt/ biß daß die suͤsse zeit Mich gab Adonis gunst/ den ich verschwendrisch kuͤste/ Sein alabaster arm umschraͤnckte meine bruͤste; So hat niemand geliebt/ und niemand weiß es so/ Die seelen nur allein beschloßen was geschehen/ Der monde hat uns oft gantz holdreich zugesehen/ Er ward an meiner brust/ und ich an seiner froh; Sein mund hieß mein rubin/ ich schenckt ihm himmels-fluͤsse Und selbte macht ich noch mit liebes-zucker suͤsse. Nun seh ich nichts als noth/ und dein verblichner leib/ Mein eintzig liebes kind/ entseelt mein kranckes hertze: Doch daß ein denckmal sey/ wie hoch ich dich beschmertze/ So bau ich hier dein grab/ das keine zeit zerreib’/ Und in vergessenheit die lange naͤchte stuͤrtze/ Mit thraͤnen salb ich dich statt weit-geholter wuͤrtze. E 3 Hie Verliebte Gedichte. Hier ist Adonis grab und auch mein heiligthum. Ein mensch mag bahꝛ und grust mit goͤldnen ampeln zieren/ Jch goͤttin will um dich die stern als fackeln fuͤhren. Und wie die leichen sonst schmuͤckt eine schoͤne blum/ So soll das schoͤne blut in auaͤmonen sincken/ Und bey dem rosen-lentz in purpur-kleidern blincken. Was mehr? den leichgesang/ das bittre todten-lied Stimmt Venus ewig an/ der himmel hilfft mir klagen/ Die luͤfte seuftzen mit/ der westenwind soll sagen/ Wie tief ich traurig sey: Jch bin nicht groß bemuͤht/ Um das beliebte grab viel seulen aufzufuͤhren/ Die liebe soll es mehr mit ihren wundern zieren. Daß Artemisja dort des ehmanns asche tranck/ Jst viel und liebens werth; Jch opffre meine seele/ Die zwar nicht sichtbar ist/ der lieben grabes-hoͤle; Und saget nun iemand/ daß Venus bleich und kranck/ Der wisse/ da Adon mein trost und lieb erblichen/ Daß ich zugleich mit ihm bin aus der welt gewichen. Die uͤberschrifft wird sonst dem marmol einverleibt/ Jch will sie ins gemuͤth der spaͤten nachwelt graben/ Dran soll der buler volck den schoͤnsten spiegel haben/ Wo nicht der große schmertz die lieb ins elend treibt: Hier ruht der schoͤnheit schatz und Venus holde zierden/ Tritt nicht zu nah hinzu! der stein macht die begierden. Abriß eines verliebten. C. H. v. H. E R ist ein krancker/ den ein sinnlich fieber plaget/ Ein jaͤger/ so allzeit auf einem hirsche jaget/ Ein wetterhan/ der stets nach einem winde steht/ Ein schif/ so ungehemmt nach Cypris hafen geht. Ein maͤrterer der brunst/ den freund und feind belachet/ Ein Morpheus/ der ihm selbst bey tage traͤume machet/ Ein Verliebte Gedichte. Ein arm gefangener/ der seine feßel liebt/ Und seinen hencker ehrt/ wenn er ihm streiche giebt. Ein Aetna/ der voll glut/ laͤst flut und stroͤme fließen/ Ein hungriger/ der bloß wil rohes fleisch genießen/ Ein welt Sebastian/ den Venus schuͤtze trifft/ Ein rechter Adams-sohn/ den frauen-hand vergift. Ein wirth/ ein ander kind/ laͤst ernste sachen fahren/ Ein haar/ ein altes band/ sind seine besten wahren/ Jtzt baut er etwas auf/ itzt reist ers wieder ein. Jtzt muß Democritus der sitten meister seyn/ Jtzt ist es Heraclyt. Das hertze/ so er fuͤhret/ Vergleicht sich dem metall/ das ein magnet geruͤhret. Sein himmel ist ihr haupt/ die erd ist ihre schoos. Hier anckert seine lust/ es wird der erden kloß Der uͤberweißte koth dem himmel vorgesetzet/ Und ist ihr auge mehr als Venus selbst geschaͤtzet. So wundre ich mich nicht/ daß man das weib veracht/ Weil sie die erste pein zu erst hat aufgebracht. Sein essen ist ein kuß/ sein tranck sind heisse thraͤnen/ Die zeit verjaget er mit seufftzen und mit stehnen. Und wann ihm etwan traͤumt/ wie er die liebste find/ So hat er nichts als luft/ und kuͤsset nichts als wind. Denn traͤume/ buler/ wind sind gleiches thuns gesellen; Sein schlaffen darf er nicht nach einem wecker stellen; Jndem die weckerin/ so in dem hertzen steckt/ Jhn besser/ als er wuͤnscht/ aus seinem schlaff erweckt/ Und seinen schmertzen ruͤhrt. Zu dornen wird das bette/ So wachet er mit dem im lager in die wette/ Und fuͤhrt der thraͤnen strom um seine wangen her/ Bald wil er aus der welt/ bald wil er uͤber meer/ Und muß doch wie zuvor in seinem hause bleiben/ Muß lernen/ wie sein rath nicht stetig wil bekleiben. Wie erstlich bulerey und die gewoͤlckte nacht Auf anschlag/ aber nicht auf ausschlag ist bedacht; So laͤst er ohne ruh sich fremde sachen lencken/ Laͤst in gesunder haut sich seine schwachheit kraͤncken/ E 4 Liebt Verliebte Gedichte. Liebt nacht und finsterniß bey sonne und bey licht; Jst wie ein schweres schiff/ dem der compas gebricht. Und daß ich nicht zu viel von einer sache sage/ Die allen ist bekandt als allgemeine plage/ So muß der vorhang weg. Das mahlwerck ist vollbracht/ Hier hat der mahler selbst sein ebenbild gemacht. Auf eine uͤbersendete nelcke. C. H. v. H. D U sendest mir das blut von deinem mund und wangen/ Und eine nelcke muß dein theurer bote seyn: Jch schaue zwar das blut auf weißen feldern prangen; Doch stellt die waͤrmde sich hier nicht als nachbar ein. Die negel ehr ich zwar mit mehr als kausend kuͤßen/ Jch bin dazu verpflicht/ sie kommt aus deiner hand; Doch wil nichts feuchtes mir auf mund und lippen fluͤßen: Was geist und waͤrmde heist/ ist ihr gantz unbekandt. Sie weiß mit honigthau mir nicht den mund zu netzen/ Sie kennt das schmaͤtzeln nicht und diß was zuͤngeln heist/ Sie weiß den purpur nicht auf meinen mund zu setzen/ Jch fuͤhle nicht/ was mich auf meine lippen beist. Sie weiß mir meinen mund nicht schluͤpfrig aufzuschließen/ Die feuchte kuͤtzelung kennt diese nelcke nicht. Durch warmes boͤben kan sie keinen kuß versuͤßen/ Weil naͤße/ geist und blut der nelcke stets gebricht. Doch koͤmmt die nelcke mir nicht leichtlich aus dem munde/ Jch aber netze fie durch einen heißen kuß. Ach freundin! wuͤnsche mir doch zeitlich diese stunde/ Da mich entzuͤcken kan dein reicher uͤberfluß. Es reist mich aus mir selbst ein suͤsses angedencken/ Was mir vor hoͤflichkeit dein kuß hat angethan! Du wirst mir einen kuß bey dieser nelcke schencken/ Und zeigen/ daß dein mund mehr als die blume kan. C. H. Verliebte Gedichte. C. H. v. H. 1. L Aß Sylvia die reine glut/ So mir entzuͤndet geist und blut/ Dich liebste nicht zum zorn bewegen. Wer kan fuͤr deinen augen stehn/ Und unentbrant von dannen gehn/ Wenn sich des geistes trieb will regen . 2. Nicht falle doch der meinung bey/ Daß reine liebe suͤnde sey/ Die GOtt in unser hertz geschrieben/ Die selbst sein mund im paradies Jn uns mit unserm athem bließ/ Der uns geboten hat zu lieben. 3. Soll meine liebe suͤnde seyn/ So wisse/ daß dein schoͤner schein Zu dieser suͤnde mich getrieben/ Und glaube/ daß die kluge welt Vor leibliche geschwister haͤlt/ Die schoͤnheit und den trieb zu lieben. 4. Drum folg ich der natur gebot/ Jch bin kein stein und auch kein gott/ Jch muß in deinen flammen brennen. Mir ist gefesselt geist und muth/ Drum will ich auch des hertzens glut Vor GOtt und dir nur frey bekennen. 5. Hier ist mein demuth-volles hertz/ So sich verbindt in lieb und schmertz Mit gleicher andacht dir zu dienen. Nun Sylvia das opfer hin/ Laß augen-trost in deinem sinn/ Vergiß mein nicht im hertzen gruͤnen. E 5 Jch Verliebte Gedichte. 6. Jch bleibe dein/ biß daß mein geist Aus meinem reinem hertzen reist/ Biß man mich wird zur leiche machen. Laß Sylvia mein tausend-schoͤn Mich nur bey deinen rosen stehn/ So will ich aller dornen lachen. An die Florette. B. N. F Lorette soll ich denn in flammen untergehn? Jst nichts als kalter schnee in deiner brust zu finden? Kan sich dein purpur-munb mit hitze nicht verbinden? Und sieht man auch den neyd auff reinen wangen stehn? Ach! schaue dich doch selbst mit andern augen an! Der schoͤnheit fuͤrniß kan nicht ewig farbe fassen/ Dein schimrend waßer wird/ wie truͤbe glut/ erblassen; Denn iede stunde zeigt/ wie sie dir trotzen kan. Was heute carmasin und scharlach uͤberdeckt/ Wo muschel und corall um alabaster glaͤntzen/ Was himmel und natur mit rosen-schein umkraͤntzen/ Wird morgen durch das gifft der truͤben zeit befleckt. Der fruͤhling wird dir nicht stets um die lippen stehn/ Der beste nelcken-strauch wird endlich hingerißen/ Und deine blumen sind nur fluͤchtige nareißen/ Die heute praͤchtig bluͤhn/ und morgen untergehn. Dem sommer folgt der herbst/ dem herbste winters-zeit/ Florette dencke selbst/ wie deine fruͤchte reiffen; Ach! laß sie/ werthe/ doch den winter nicht ergreiffen/ Ein frischer apfel giebt die beste liebligkeit. Schleuß deinen garten auff/ weil dich der himmel liebt/ Ein rebenstock ist ja fuͤr menschen aufgeschoßen/ Was hilfft ein suͤsser trunck/ der keinen mund befloßen? Was nuͤtzt granaten-frucht/ die keine kerne giebt? Ein Verliebte Gedichte. Ein weib das fleisch und blut in ihrem busen traͤgt/ Und doch die jungfrauschafft will lebendig begraben/ Jst werth/ wenn schlang und wurm den leib gefressen haben/ Daß man ihr diese schrifft auf ihren leich-stein praͤgt: Hier lieget pech und stroh/ das keine flammen fing/ Ein schweflicht wesen/ das beym feuer nicht entbrante/ Ein zunder-voller leib/ der keine glut erkante/ Ein glantz/ der in der lufft wie truͤber rauch verging: Ein brunn der seine quell in feste mauren schloß/ Ein balsam/ den wir nur von weitem angerochen. Ein suͤsser citronat/ den keine faust gebrochen. Ein artzt/ der seine krafft auff kalte tuͤcher goß. Ein bunter blumen-platz/ den ieder nur beschaut. Ein feld/ das weder pflug noch schare durchgeschnitten. Ein wolgeziertes pferd/ das keinen sporn erlitten/ Und wie Bucephalus dem schatten kaum getraut. Ein himmel/ der nur schmertz und keinen trost gebahr. Ein amber-voller kram/ der keinem feil gewesen/ Und will man alles hier aus einer zeile lesen: Hier liegt ein todes mensch/ das keine menschin war. Jm leben wolte sie die Juno selber seyn/ Jhr mund vermaͤhlte sich mit schimmrenden rubinen/ Jtzt muß ein kahler sarg zum trauer-zimmer dienen/ Und schliest den gantzen rest in diese breter ein. Florette schreckt dich nun die schwartze grabes-schrifft/ So lerne/ schoͤnste/ dich doch selber recht erkennen/ Laß auch die liebes-glut in deiner brust entbrennen/ Und meide mit bedacht das truͤbe todtes-gifft. Das bette steht dir mehr als schwartze bahren an; Der kittel wird dich nicht so wie die federn zieren/ Das alter soll den tod/ die jugend luͤste spuͤren/ Weil sich der sommer nicht mit kaͤlte schwistern kan. Ein schatten volles grab hegt schlechte lebens-lufft/ Man kan der lippen ruhm nicht vom gerippe lesen: Und was dein purpur-mund und deine pracht gewesen/ Zeigt nur dein ebenbild/ und keine todten-grufft. Was Verliebte Gedichte. Was ist die jungfrauschafft? ein schlechtes rosen-blat/ Das mit dem alter auch die kraͤffte laͤst verschwinden/ Da pracht und zierde sich auff kurtze zeit verbinden/ Und der beliebte glantz bestimmte stunden hat. Ein kurtzer augenblick reist alle sonnen ein/ Kein schimmer kan so bald/ als diese glut erblassen/ Und daß wir mit der zeit das leben selber hassen/ Komt/ daß wir in der zeit zu faul gewesen seyn. Wol der/ die schertz und lust in stiller andacht treibt/ Die nichts als nectar laͤßt um ihre lippen lachen/ Und das verliebte spiel der kleinen wundersachen Durch zucker-suͤsse krafft auff alabaster schreibt. Die kan/ wann muth und krafft von winden untergehn/ Wenn auge/ mund und hertz wie truͤber dampff verstreichen/ Und der entseelte leib im grabe muß erbleichen/ Doch in dem Contrafait der zarten kinder stehn! Auf die bitterkeit der liebe. C. H. v. H. D Je nacht Egyptiens/ des Aetna wildes feuer/ Das wuͤten von der see/ der wuͤsten ungeheuer/ Des drachen gelbes gift/ der Garamanten sand/ Des neuen Zembles eyß/ der hoͤllen heisser brand/ Der Scythen haupt-gefahr/ der donner-berge grausen/ Des Caucasus verdruß/ des norden kaltes sausen/ Jst nur ein schattenwerck und bild derselben qual/ Damit die Venus hat gezieret ihren saal. An den Celadon. 1. M Ein Celadon sol meine glut/ Die mir durchwandert marck und blut/ Nicht rauch und flammen von sich treiben/ Soll Aetna in dem hertzen stehn/ Und Phlegeton in adern gehn/ Und ihre kraft verborgen bleiben. Jch Verliebte Gedichte. 2. Jch mameluckin deꝛ natur Darf keine rechte liebes-spur Vor meines liebsten augen laßen/ Mein hertze soll entzuͤndet seyn/ Mein hertze fuͤhlt die suͤsse pein/ Und mit den lippen muß ich haßen. 3. Jch weiß nicht/ wie die kluge welt Die thorheit zum gesetze stellt/ Und netze macht sich selbst zu plagen. Wie kan man/ wenn die starcke hand Uns trift mit feuer/ glut und brand/ Von wasser und von kaͤlte sagen. 4. Jch zwinge mich so viel ich kan/ Und nehme was verstelltes an/ Beherrsche lippen und gesichte/ Weil doch die gar zu kluge welt Zu keiner zeit vor schwestern haͤlt/ Bekante brunst und gut geruͤchte. 5. Mein Celadon bleibt doch geliebt/ Ob schon die glut nicht funcken gibt/ Und er mich nicht kan sehen brennen. Zeigt mein beseeltes helffenbein Gleich nicht der hellen flammen schein/ So wird man doch die asche kennen. 6. Macht gleich mein unverdienter mund Nicht meiner seelen regung kund/ Schwebt brunst und gunst nicht auf der stirne; So kan ich doch bey stiller nacht/ Wenn nichts als meine liebe wacht/ Dein bildniß kuͤßen im gehirne. Hoͤrt Verliebte Gedichte. 7. Hoͤrt gleich mein Celadon itzt nicht/ Was mein verliebtes hertze spricht Und meine treue seele bringet/ Weiß schon die meisterin der zucht/ Daß meine brunst die maße sucht/ Und sich mein reines auge zwinget. 8. So hof ich dennoch auf die zeit/ Da sich der glieder zanck und streit Jn fried und freyheit wird verkehren; Und daß des hertzens suͤsser brand/ Des willens unbequaͤmes band Durch seine flammen wird verzehren. 9. Und solte meiner jugend pracht/ Und dieses was mich lieblich macht/ Das grab mit aller hofnung haben; So weiß ich doch/ daß jederman Von meinem hertzen sagen kan: Alhier liegt Celadon begraben. B. N. 1. F Lorette was umflort dein himmlisch angesicht? Kan auch ein blitz auß lichten strahlen schiessen? Laͤst jaspis und saphier auch kruͤben regen fliessen? Schont denn die sinsterniß der sonnen nicht/ Und zeigen die entflammte kertzen/ Daß nichts als nebel und comet Um deinen liebes-himmel steht/ Und nach entbrandter glut stets donnerkeilen schertzen? So Verliebte Gedichte. 2. So ist es: aber ach! was brauchstu doch fuͤr macht/ Mich schwachen sclaven voͤllig zu besiegen? Sprich nur/ so will ich dir zu deinen fuͤssen liegen/ Die wunder und natur zu marmel macht. Jch will die schuld mit thraͤnen buͤssen/ Als zeugen meiner liebes-pein/ Und solte dieß zu wenig seyn/ So soll mein warmes blut zu deinen fersen fliessen. 3. Jch laͤugne/ werthe/ nicht/ daß Myrto fehlen kan; Der fall ist mir als menschen angebohren/ Du bist als engel mir zum richter außerkohren/ Drum nehm ich mit gedult die martern an. Bestraffe nur mein bittres leiden Durch allzu heißen eyfer nicht; Denn was mir noch das hertze bricht/ Jst/ daß ich armer soll von meiner seelen scheiden. 4. Florette laß dir doch den schmertz zu hertzen gehn; Ein treuer knecht kan Fuͤrsten ja bewegen; Der himmel selber muß die ruthe niederlegen/ Wann wir vor ihm in heißer andacht stehn. Jch falle dir zu deinen fuͤssen/ Mein hertze brennt dir fuͤr und fuͤr/ Warum wiltu denn laͤnger mir Vor einen apfel-griff dein Paradieß verschliessen? 5. Verzeihe/ schoͤnstes bild/ ich rede fast zu viel: Ein reiner mund kan alle fehler decken; Der menschen liebe kan die goͤtter nicht beflecken/ Man faͤllt nicht/ wann man gleich hier fallen will. Was hab ich armer denn entzieret/ Jndem ich deine liljen-brust Vor zucker-suͤßer liebes-lust Durch einen feuchten kuß auf erden angeruͤhret? Wiltu Verliebte Gedichte. 6. Wiltu der tugend nach ein rechter Engel seyn/ So mustu auch/ was menschlich ist/ verdammen: Deñ schoͤn und grausam seyn/ schickt uͤbel sich zusam̃en; Ein nebel reißt der sonnen purpur ein; Und deiner blitze liebes-wesen/ Das aus den lichten augen faͤhrt/ Jst weiter keiner wunder werth/ Dafern du dir den zorn zum bruder außerlesen. 7. Nun ach! Florette nim die demuth wieder an/ Empfange mich mit gnaden-vollen armen/ Bestrahle deinen knecht durch quellendes erbarmen/ Der ohne deine gunst nicht leben kan; Sprich/ daß dein himmel nach dem krachen Mir wieder voller rosen steht/ So muß/ noch eh der tag vergeht/ Die sonne meiner lust mit frischer anmuth lachen. 1. W Arumb betruͤbstu mich/ der dich so hertzlich liebet/ Und so viel seufftzer dir zum treuen opffer giebet/ Jch dacht/ es zeigte licht in deinen augen sich/ Jtzt find’ ich flecken drein/ warum betruͤbstu mich? 2. Die vormahls treue hand/ die ich so offt gedruͤcket/ Befind ich nicht mehr treu/ sie hat mich nur beruͤcket; Auch frembden fingern ist ihr kuͤtzel schon bekandt/ Sie druͤckt mich nicht allein die vormahls treue hand. 3. Die schoͤne liljen-brust voll lieblicher narcissen/ Mit rosen auffgespitzt/ die ich nur pflag zu kuͤssen/ Hegt frembden lippen nun auch blumen suͤsser lust/ Warum ist sie so falsch die schoͤne liljen-brust? Die Verliebte Gedichte. 4. Die quelle meiner lust/ ob sie noch rein verschlossen/ Und nicht auch frembde saat mit ihrem thau begossen? O nein! verstreustu schon die liljen deiner brust/ Bleibt auch die schooß nicht rein/ die quelle meiner lust. 5. Der mund ist etwas kreu; doch wills nur also scheinen/ Jndem er kraͤfftig denckt die fehler zu verneinen; Doch nein/ ich glaub es nicht/ bring mir nicht unschuld bey/ Aug/ hand/ brust/ schooß sind falsch/ der mund ist etwas treu. 6. Mein hertz bezwinge dich/ dasselbe zu verlassen/ Was du so hertzlich liebst/ die untreu muß man hassen. Kroͤnt dich/ Melinde/ nur dergleichen treu/ wie mich/ Jch ließ dich nimmermehr; mein hertz bezwinge dich. Nacht-lied. J. v. M. 1. J Hr stillen luͤffte dieser nacht/ Mit denen ich zum oͤfftern schwatze/ Fangt auff den thon/ den meine rede macht/ Und tragt ihn hin nach jenem platze/ Da wo mein engel liegt/ Und in der hut der schoͤnsten Amoretten Auff schwanen-brust und feder-betten Wird eingewiegt. 2. Eilt hin und seht an meiner statt Das grab der edlen schoͤnheit stehen/ Was zeit und gluͤck mir abgesaget hat/ Das koͤnt ihr unverwehrt durchwehen/ Jhr solt der spiegel seyn/ Darinnen ich diß himmels-bild betrachte/ Was ich verehr und goͤttlich achte/ Wist ihr allein. II. Theil. F 3. Jch Verliebte Gedichte. 3. Jch weiß/ daß dort der hoͤchste preiß Der schoͤnheit ausgekramet lieget/ Dran die natur mit ihrem groͤsten fleiß Ein wunder an das andre fuͤget. Wer doch so selig waͤr/ Daß nur ein blick so kuͤhn/ so hoch duͤrfft steigen/ Solt er auch gleich sich wieder neigen Zur wiederkehr. 4. Sind gleich die augen zugethan; Die sonnen sind nur untergangen/ Um wenn der tag wird wieder brechen an/ Mit mehrer glut und glantz zu prangen. Die schoͤnheit wird bey nacht Verstohlen/ (und waͤr es gleich nicht ihr wille/) Viel sichrer und mit mehrer stille Als tags betracht. 5. Des munds rubin bleibt ohne licht Und in dem schlaff gleich hoch geroͤthet; Doch dienet er zum kuͤssen ietzo nicht/ Wer schlaͤfft/ der scheinet halb getoͤdtet. Drum kan die seele nicht Zum kuͤssen sich auff ihre lippen setzen/ Und jene seele recht ergetzen/ Die kuͤsse bricht. 6. Schlaff sanffte/ goͤttin/ in der pracht/ Der wunder deines leibes gaben/ Der kuͤhlen lufft in dieser stillen nacht Sey die verwundrung eingegraben/ Die aus dem hertzen quillt/ Das sich verwirrt in deiner schoͤnheit netze Und gantz mit liebe deiner schaͤtze Jst angefuͤllt. Ab- Verliebte Gedichte. Abschieds-lied. S. D. 1. M Ein hertz enthaͤlt sich kaum/ es will und muß zerbrechen/ Mein geist geht in der irr/ und kennt sich selbst nicht wohl/ Weil ich nicht weiß/ mein lieb/ wenn ich euch werde sprechen/ Jndem ich itzt so weit von hinnen ziehen soll. 2. Jhr winde/ kehret um/ und stellt euch mir zu wieder/ Biß daß ich sie/ gleich wie sie mich/ gesegnet hat! Jhr segel haltet an/ legt euren hochmuth nieder! Wir letzen uns noch erst/ und weinen uns recht salt. 3. Last ab/ mein’ Argine/ und schonet eurer thraͤnen/ Was schwaͤcht ihr eu’r gesicht/ ich muß doch endlich fort! Je mehr ihr weint/ ie mehr werd’ ich mich nach euch sehnen/ Und irren ohne trost dort um den fremden port. 4. Jch will in meine seel ein kleines hauß euch bauen/ Jn welches eure stets soll eingeschlossen seyn/ Und will hergegen euch auch meine seele trauen/ Die hebt euch auff/ und schliest sie eurer seelen ein. 5. Kein thraͤnlein fliesset ietzt von euren bleichen wangen/ Und muß kein seuffzer auch aus eurem hertzen gehn/ Jch habe sie mit fleiß zur beylag auffgefangen/ Und lasse meine seel hiemit gefuͤllet stehn. 6. Die sollen mit mir ziehn durch wetter/ wind und wellen/ Jch nehme sie fuͤr euch zu meiner liebsten an/ Auff daß sie euer bild mir stets fuͤr augen stellen/ Und tragen/ was ich selbst nicht mit mir nehmen kan. 7. Mit ihnen will ich mich besprechen und ergetzen/ Sie sollen seyn mein trost in noth und traurigkeit; F 2 Kein Verliebte Gedichte. Kein gluͤck/ kein boͤser fall soll mir diß volck verletzen/ Kein sturm und wilde fluth/ auch keiner winde streit/ 8. Kein frembdes weib soll sie durch ihre gunst vertreiben/ Sie sollen (hilfft mir Gott gesund hie zu euch her/) Bezeugen meine treu und mein bestaͤndig-bleiben/ Und sagen/ wie ich nie ein ander lieb begehr. 9. Jhr werdet selbst alsdann es an mir koͤnnen schliessen/ Wenn dieses euer pfand durch meiner augen bach Aus lieb und froͤligkeit euch wird entgegen fliessen/ Und ruͤhmen meinen sinn/ mein lieben vor und nach. 10. Mit dem bedinge nun geh ich von euch zu scheiden. Du/ Venus/ die du uns zusammen hast gefuͤhrt/ Komm abentlich zu steur mit deinem licht uns beyden/ Was sie und mich betrifft/ werd auch an dir gespuͤhrt. 11. Traur ich wo/ oder sie/ so zeige deine wangen Erblast/ als waͤrest du auch neben uns in noth: Stehts wohl um sie und mich/ so solt du/ goͤldne/ prangen Mit deinem besten glantz gemahlet rosen-roth. 12. Und wo mir je mein lieb will etwas sagen lassen/ So schick dein liebes volck fuͤr ihren zarten mund/ Die meiner liebsten red’ in ihre koͤcher fassen/ Und thun sie nachmahls mir vom hohen himmel kund. 13. Muß gleich das wilde meer uns von einander trennen/ So wollen wir durch dich dennoch beysammen seyn/ Und unser beyder thun und leben stets erkennen/ Uns freuen in dem gluͤck und troͤsten in der pein. An Verliebte Gedichte. An Climenen. C. E. M Ein urtheil ist: ich soll verbrennen/ Und doch darff ich die glut nicht nennen/ Die meinen geist verzehrt. Die sinnen sind verkehrt/ Noch gleichwohl muß ich schweigen. Mein hertz soll stahl und eisen seyn; Wer aber hat doch fleisch und bein/ Dem blut und regung nicht auch in die seele steigen? Climene/ du kanst meine flammen Fuͤrwahr mit rechte nicht verdammen: Denn dein verliebter blitz Hemmt selber meinen witz/ Und wilst du mehr noch wissen? Dein heisser strahl hat mich entzuͤndt/ Mein feu’r ist deiner sonnen kind/ Wie soll ich aͤrmster denn nicht seine mutter kuͤssen? Ach! leugne nicht/ was du veruͤbet/ Jch bin ein mensch/ und drum verliebet; Laß engel/ engel seyn/ Sie fuͤhlen keine pein; Wir aber haben glieder/ Und sind aus fleisch und blut erbaut/ Wem vor des leibes bloͤsse graut/ Der bring uns Adams stand und Evens unschuld wieder. Du stehest selbst/ ich bin getrieben/ Der himmel will/ ich soll dich lieben: Denn mein entbrandter schmertz Leidt ferner keinen schertz/ Dein blick hat mich entzuͤndet/ Jch brenne nur/ dieweil ich muß/ So zeige nun durch einen kuß/ Daß man zwar dort den todt/ hier aber leben findet. F 3 Sie Verliebte Gedichte. Sie hat sich mit einem messer versehret. C. E. M Jch jam̃ert deiner hand/ mich schmertzen deine wunden/ Die du/ Climene/ juͤngst durch einen schnitt empfunden; Das messer/ welches dich biß auff das blut geruͤhrt/ Hat mich und meinen geist in gleiche noth gerissen/ Jch muß so wohl/ wie du/ den kuͤhnen frevel buͤssen/ Den es nur wider dich allein hat ausgefuͤhrt. Diß leid ich neben dir; nur du fuͤhlst nicht die schmertzen/ Die dein erhitztes aug’ in meiner brust erregt; Der schaden ist zu groß/ den mir die liebe schlaͤgt/ Climene/ lache nicht/ hier gilt fuͤrwahr kein schertzen: Denn eine wunde/ die das hertze selber trifft/ Hat selten etwas guts/ offt gar den todt gestifft. Er giebt sich der liebe gefangen. C. E. N Jmm dann die waffen hin/ Cupido/ gott der liebe/ Jch folge dir und deinem heissen triebe/ Und mag des eitlen ruhms der stoltzen freyheit nicht. Jch opffre dir das hertz/ den leichten sinn/ Den unbestand/ und was ich bin/ Ja selber mein vergnuͤgen. Dein strahl; doch nein! Aurorens angesicht Hat seinen blitz auff meine brust gericht/ Und sucht mich armen voͤllig zu besiegen/ Sie traͤgt den sieg davon/ und dir bleibt der gewinn; Nimm dann die waffen hin. Er Verliebte Gedichte. Er sahe sie wider die gewohnheit bey noch gantz fruͤhem morgen. C. E. M Elinde/ deine gunst will mich zu fruͤh begluͤcken/ Mein schlumꝛend auge waꝛ vom schlaffe kaum eꝛwacht/ Da kont es allbereits an deiner pracht erblicken Ein etwas/ so dich selbst der sonnen aͤhnlich macht. Jch sah’ ein lodrend feur aus deinen augen blitzen/ Und einen solchen brand/ der sonnen nur gebuͤhrt; Ein feur/ das durch und durch die geister kan erhitzen/ Und sternen-gleiche krafft in seinen strahlen fuͤhrt. Hegt nun dein heisses aug’ der sonnen glut und flammen/ Trifft glantz und wuͤrckung selbst so reichlich bey dir ein/ So wirstu warlich nicht ein kuͤhnes wort verdammen/ Das dich mit hoͤchstem recht heist meine sonne seyn. Die sonne bringt den tag/ der tag giebt freud und leben; Melinde/ glaube mir/ du bist mein sonnen-licht/ Drum kanstu anders nichts als anmuth von dir geben/ Wenn dein befeurter glantz durch beyde augen bricht. Und wie der sonnen glut die gantze welt erhitzet/ Und alle flammen auch durch ihre krafft besiegt; So weistu/ wann dein feur auff unsre hertzen blitzet/ Daß geist und seele selbst durch solchen brand erliegt. Hat in der alten welt bey den bethoͤrten heyden Der sonnen/ als eim gott/ ein goͤttlich lob gehoͤrt; Wie viel mit groͤsserm recht kan man auff erden leiden/ Daß du als goͤttin wirst von aller welt verehrt. Denn laß die sonne gleich den kreyß des himmels zieren/ Laß ihren glantz auch gehn weit uͤber sternen-pracht; So wird sie warlich dir auch nicht den ruhm entfuͤhren/ Daß dich der himmel selbst zur irrdschen sonne macht. Genug! ich kan nicht wohl von deinen sonnen sprechen/ Ein sterblich auge wird durch solchen glantz verblendt; Nur laß ihr feuer nicht zu hefftig auff mich stechen/ Sonst glaube fuͤr gewiß/ daß sich mein leben end. F 4 Man Verliebte Gedichte. Man schertzte/ sie waͤre eine dame aus England. C. E. M An sagt/ Celinde sey von Englischem gebluͤte; Jch laͤugne warlich nicht/ was aller welt bekandt/ Es giebts uns sattsam kund ihr englischer verstand/ Jhr englisch wesen und ihr himmlisches gemuͤthe. Noch mehr: die anmuth/ die in ihren mund gepraͤget/ Die schoͤne aͤhnligkeit/ die sie mit engeln fuͤhrt/ Macht/ daß vor andern ihr ein solches wort gebuͤhrt/ Das nichts/ denn liebligkeit in seinen sylben traͤget. Celinde/ weil du nun ein engel bist zu nennen/ Weil nichts/ als englisches aus deinen augen blitzt; So laß dann deine brust in liebe seyn erhitzt: Denn liebe laͤsset sich von engeln niemahls trennen. Ja wilt du engel seyn/ so mustu dich bemuͤhen/ Daß deine gegenwart mir oͤffters sey gemein. Du weist/ daß engel doch gern um die menschen seyn; Wie kanstu denn mit recht dein auge mir entziehen? Der sterbende liebhaber. Jn eines andern nahmen. C. E. M Ein hertze bricht mir schon: es zittern meine glieder: Die augen sind umwoͤlckt mit truͤber dunckelheit: Bringt meinen sarg herbey: reicht her das sterbe-kleid: Stimmt/ eulen/ euren thon: hebt an die trauer-lieder: Erscheine blasser todt/ setz bey den sarg dich nieder/ Du solt der marschall seyn von meinem grab-geleit: Folgt geister/ paar bey paar/ es ist schon hohe zeit: Folg’ angst als schwester mir/ folgt schreck und rach als bruͤder: Vesuv und Aetna leucht statt fackeln mir zur seiten; Dein Verliebte Gedichte. Dein brausen/ nord-wind/ soll die todten-glocke laͤuten. Du aber/ armes hertz/ sey du der leichen-stein; Laß jeden wandersmann die bittre grabschrifft lesen: Charlottens grausamkeit riß hier mein leben ein; Jch aber bin ihr treu biß in den todt gewesen. An Doretten. C. E. J Ch brenn in einer stummen glut/ Und opffre leben/ geist und blut/ Dorette/ deinen wunder-flammen; Mein feuer quillt aus deinem brand/ Es nimt im hertzen uͤberhand/ Und du wilt meine glut verdammen? Betrachte doch dein heisses licht/ Das aus so suͤssen augen bricht/ Und lerne deine macht erkennen. Mein hertz ist nicht von stahl und stein/ Es muß bey dir empfindlich seyn/ Und wider deinen willen brennen. Nicht tadle denn die reine glut/ Die dir ja keinen schaden thut/ Und doch aus deiner krafft entspringet. Jch bin vergnuͤgt bey meiner noth Und liebe gar den suͤssen todt/ Der mich durch dich zum sterben zwinget. 1. D U blume Schlestens/ du sonne dieser welt/ Die die annehmligkeit auff purpur-blaͤttern traͤget/ Auf welche Venus selbst ihr ebenbild gepraͤget/ Als/ irrdsche goͤttin/ sie dich kaum ans licht gestellt. Du bist der schoͤnheit preiß/ ein auszug aller zierden; Doch auch ein marmolstein an fuͤhlen und begierden. F 5 2. Wirff Verliebte Gedichte. 2. Wirff itzt von deinem blitz auch einen schlechten blick Auff deinen armen knecht/ und laß ihn einmahl wissen/ Daß deine hohe gunst will auff die knechtschafft fluͤssen/ So lebet er in ruh/ so lebet er in gluͤck. Es wird die hohe gunst ihn ewig dir verbinden/ Wenn dein erhaͤrter sinn aus seel und leib wird schwinden. 3. Doch alles ist umsonst/ es ist um mich geschehn/ Die scharlach-lippen sind entgeisterte corallen/ Der kugeln schoͤnes paar/ nur alabaster-ballen/ Auff welchen man noch nie die regung hat gesehn. Sol der granaten schmuck auf deinen amber-lippen Fast mehr entseelet seyn/ als berge/ felß und klippen? 4. Bedencke schoͤnes kind/ wilstu ein bild ja seyn/ Daß todte bilder auch annehmligkeiten geben/ Dein eigen conterfait sah ich nechst um mich schweben/ Als sich ein suͤsser schlaff bey mir gestellet ein. Es wolt die liebligkeit sich dar auch lassen finden/ Und mit der schoͤnheit sich verschwestern und verbinden. 5. Mehr hab ich nicht gesehn: ich bin mit dem vergnuͤgt/ Was eine taffel mir erwuͤnschter stunden zeigte/ Als sich so holden-reich die sonne zu mir neigte. Jch sah/ mit einem wort/ dich engel da besiegt. Es schertzten mund und blick mit suͤssen liebes-flammen/ Und der beseelte schnee vermengte sich zusammen. 6. Wie hastu dazumahl/ als dich der schlaff umschraͤnckt/ Du wunder der natur! auch eine pein empfunden/ Als dein vergoͤttert bild in den begluͤckten stunden Mit schalen reicher gunst der lippen mich getraͤnckt? Hastu/ dir unbewust/ mich dar erquicken koͤnnen/ So kanstu einen blick mir itzt auch wohl vergoͤnnen. 7. Es Verliebte Gedichte. 7. Es pflegte vor die welt/ gereitzt durch falschen wahn/ Zu beten an ein bild/ zu ehren einen goͤtzen; Sol ich dich auffs altar/ als gott und bildniß/ setzen/ So nim mein seuffzen doch und auch mein bitten an: Und soll ich rosen-kind nicht alsobald verderben/ So laß mit einem kuß mich deine gunst erwerben. An Lisimenen. 1. L Jsimene liebst du nicht? Wilstu ewig einsam leben? Soll der augen sternend licht Mir nicht die vergnuͤgung geben? Ach die sonnen sind zu schoͤne/ Lisimene! 2. Jst der lippen ihr rubin Vor die todten nur erkohren? Gibst du so die rosen hin/ Die vor goͤtter sind gebehren? Ach der purpur ist zu schoͤne/ Lisimene! 3. Traͤgt nicht deine zarte hand/ Der die perle nicht zu gleichen/ Ein verwundtes hertz im band? Kan dich dieses nicht erweichen? Ach die haͤnde sind zu schoͤne/ Lisimene! 4. Es haͤngt an dem weissen schild/ Der die runden huͤgel traͤget/ An dem halse ja ein bild/ Da Cupido drauff gepraͤget. Ach Verliebte Gedichte. Ach der hals der ist zu schoͤne/ Lisimene! 5. Soll der marmor deiner brust/ Welchen du mit fleiß verhuͤllet/ Nicht zum lieben tragen lust/ Wenn er auff und nieder quillet? Ach die aͤpffel sind zu schoͤne/ Lisimene! 6. Ach ich bitte/ zuͤrne nicht/ Daß ich neulich auff der wiesen Gantz verstohlen/ o mein licht! Konte deinen leib erkiesen. Ach der leib der war zu schoͤne/ Lisimene! 7. Es trit dein geschickter fuß Die betruͤbten einsamkeiten/ Wie ich glaube/ mit verdruß/ Weil ich ihn naͤchst sahe gleiten. Ach die fuͤsse sind zu schoͤne/ Lisimene! 8. Schoͤnste/ nimst du den nicht an/ Der sich itzt vor deinem throne Leget als dein unterthan? Giebst du dich ihm nicht zu lohne? Nein! ach nein! du bist zu schoͤne/ Lisimene! An die Magdalis/ sie moͤchte sich kuͤssen lassen. 1. W Jlst du mir Magdalis/ Princeßin meiner sinnen/ Der Verliebte Gedichte. Der schoͤnheit goͤldnes fliß/ Ein kuͤßgen nicht vergoͤnnen? Ein kuß ist ambrosiner safft/ Der nichts als nur vergnuͤgen schafft. 2. Scheu dich o goͤttin nicht Jm kuͤssen dich zu uͤben/ Weil selbst der sterne licht Sich uͤber in dem lieben/ Man schaut sie paar bey paaren stehn/ Die sonne mit dem monde gehn. 3. Es will ein schlechtes blat Sich in das andre schluͤssen/ Und was kein leben hat/ Das uͤbt sich doch im kuͤssen: Die einsamkeit ist seine pein/ Und kan allein vergnuͤgt nicht seyn. 4. Man sieht/ wie nach und nach Ein fluß das ufer kuͤsset/ Wenn seine silber-bach Mit sanfften rauschen fluͤsset/ Und das smaragden gleiche graß Bleibt offt vons thauens kuͤssen naß. 5. Nichts ward zur straff gesetzt/ Als kuͤssende umschlossen Zwey goͤtter dort ein netz; Man lachte nur der possen/ Daß ein verkruͤmmter alt Vulcan Nicht so wie Mavors kuͤssen kan. 6. Der liebe altes recht Befiehlt den mund zu kuͤssen/ Es will kurtz/ rund und schlecht/ Wer Verliebte Gedichte. Wer kuͤsse will geniessen/ Daß er auff einen zucker-kuß Candirte kuͤsse setzen muß. 7. Es ist die beste kost Wenn mund am munde klebet/ Ein kuß setzt keinen rost/ Wer kuͤssen widerstrebet/ Der kennt kein rechtes hertz-confect/ Das liebenden am besten schmeckt. 8. Gedencke/ daß corall/ Das deine lippen heget/ Jst goͤldenes metall/ Auff das man kuͤssend praͤget Der liebligkeit ihr ebenbild/ Das nur aus deinem marmor quillt. 9. Drum straffe/ schoͤnste/ nicht/ Daß ich zu offte kuͤsse/ Nur glaube/ o mein licht! Daß ich davor schon buͤsse/ Es ist/ seit ich dich nicht gesehn/ Um mich und meine kuͤß’ geschehn. Liebes-schreiben Graf Rudolphs an die Leonore. E Jn blat/ das von der lust der liebe fast geschwollen/ An dem ich armer selbst das feste siegel bin/ Und was ich sonsten kan in diesen zedel rollen/ Faͤllt/ Leonore/ dir zu demen fuͤssen hin. Nicht frage was es will: mein hertze steht dir offen/ Komm schaue diß nur selbst mit frischen augen an? Drum laß ihm auch ein theil von deiner wehmuth hoffen/ Und dencke/ daß ich itzt nicht anders schreiben kan. Jch Verliebte Gedichte. Jch darff nun weiter nicht geschminckte worte fuͤhren/ Wie purpur und scarlat von deinen lippen lacht: Wie deiner augen blitz kan alle glieder ruͤhren/ Und sterne selber offt zu blassen fackeln macht. Die schoͤnheit laͤst sich nicht in enge federn zwingen/ Ein schimmrend antlitz ist vor pinsel auch zu groß: Gnug/ daß die geister noch durch alle nieren dringen/ Durch die der liebe strom in meine lenden schoß. Der schmertz hat der gedult den zuͤgel abgerissen/ Jch schliesse mich nicht mehr in blinde circkel ein: Und wilt du noch ein wort von deinem Rudolph wissen; Er will dein schlaff-genoß und auch dein liebster seyn. Nicht taͤdle vor der zeit das luͤstrende beginnen/ Der kitzel/ der mich sticht/ ist deiner liebe kind. Wie soll ich armer denn auff fremde mittel sinnen/ Weil man die beste kost doch bey der mutter findt. Du laͤst ja selber glut zu meinen ampeln schiessen/ Dein brennend oͤle flammt auch meine kertzen an: So laß denn auch den thau um meine glieder fliessen/ Der durch beperlte krafft die flammen kuͤhlen kan. Die liebe laͤst sich nicht durch stumme seuffzer daͤmpffen/ Ein abgeschmackter kuß fuͤhrt schlechte liebligkeit: Und wer sich selber will durch stille glut bekaͤmpffen/ Hat feuer zwar geschoͤpfft/ nicht aber ausgestreut. Darffst du doch nicht die bahn durch deinen fehler brechen/ Die mutter hat es schon vor diesem auch gethan/ Und Eva schaute selbst/ ohn alles widersprechen/ Das kinder-bette vor/ als ihre hochzeit/ an. Die freuden-feste sind nur menschliche gesetze/ Da man die gaͤste satt/ den priester reicher macht. Was hat der poͤbel nicht durch flattrendes geschwaͤtze Vor missethaten offt aus reiner lust erdacht? Wir irren in der welt auff feder-weichen stegen/ Der glaube legt uns offt vor rosen doͤrner bey/ Und die gefahr wird noch die blinde furcht erregen/ Daß auch kein liljen-blat mehr ohne disteln sey. Hier Verliebte Gedichte. Hier soll die zunge sich vor manchem offt entsetzen/ Dort stoͤst der eckel uns aus crystallin empor/ Hier will ein schwartzer blick die sonne selbst verletzen/ Und stellt das reinste gold mit truͤben farben vor/ Die buͤcher wollen uns zu mammelucken machen; Wer aber kennet nicht den zunder der natur? Muß nicht noch alle welt der stillen anmuth lachen/ Die Caͤsar auff der brust Cleopatrens erfuhr? Selbst Masanissa liegt zu Sophonisbens fuͤssen/ Und Alexander fiel vor seine feindin hin: Drumb wird der poͤbel leicht den fehler bergen muͤssen/ Daß ich in deinen schoß/ mein schatz/ gesuncken bin. Laß nur die bloͤde furcht dich laͤnger nicht erschrecken/ Reiß der entbrandten lust die schwache fessel loß/ Und zeige was den geist vor duͤnne tuͤcher decken/ Der mit dem leben dir in alle glieder floß Du wirst es selber wohl an deiner brust empfinden/ Was vor ein suͤsser dampff aus ihren bergen quillt/ Wenn flammen/ lufft und schnee mit ambra sich verbinden/ Und der beseelte platz von reinem winde schwillt. Kein funcke spielt umsonst von den bemilchten wangen/ Die fruͤchte sind dir nicht vergebens angepfropfft/ Und dein verliebter geist haͤlt selber sich gefangen/ Dafern du der natur die quelle zugestopfft. Auch liljen reissen wir in gruͤner jugend nieder/ Aus rosen presset man erst nach der bluͤthe safft/ Und tulipanen bluͤhn mit gleicher anmuth wieder/ Wenn ein erwuͤnschter bruch der wurtzel lufft geschafft. Wer laͤst den reben nicht die blaͤtter vor beschneiden? Welch garten ruͤhmet sich wohl fremder arbeit nicht? So muß sich die natur auff ihren auen weiden/ Biß der verliebte zeug in volle kraͤffte bricht. Die stroͤme muͤssen selbst aus ihren adern ruͤcken. Ein zugedeckter brunn ist keiner augen werth/ Und einen schoͤnen ort mit schweren schloͤssern druͤcken/ Heist stuben zwar verwahrt/ nicht aber ausgekehrt. Nun Verliebte Gedichte. Nun ach/ bedencke dich/ entlarve die gedancken/ Und schaue dich noch eins als Leonoren an/ Denn mache selbst den schluß/ ob meine feder wancken/ Und mein begluͤckter fuß auff wolle straucheln kan. Jch fuͤhle schon den dampff der balsamirten luͤste/ Der kuͤtzel schmecket schon den zucker dieser zeit/ Und jede regung lehrt/ wie deine marmel-bruͤste Selbst himmel und natur mit nelcken uͤberstreut. Jch falle gantz umgarnt zu deinen liebes-fuͤssen/ Und stelle mich als knecht auff deinen willen ein; Doch dencke biß dabey/ daß trauben zwar verfluͤssen/ Und mandeln oͤffters auch fuͤr treue sclaven seyn. Der kuͤtzel/ den die lust wird in die glieder treiben/ Hegt/ werthes kind/ vor dich auch moscateller-safft/ Ein augenblick soll dir auff deine rosen schreiben/ Daß allzu grosse brunst auch grosse kuͤhlung schafft. Mehr wird die gegenwart von deiner huld geniessen: Ein offt erregtes wort bekroͤnet nur die that: Doch glaube/ wo du laͤst zinnober auff mich fliessen/ Daß Rudolph perlen-milch vor deine flammen hat. II. Theil. G Sinn- Sinn-Gedichte. Sinn-Gedichte. Unterschiedene personen aus dem kleinen lust- ballette/ welches Sr. Churfl. Durchl. von Sachsen/ Johann Beorg dem Vierdten/ zu ehren den 9 Februarii anno 1692 in Ber- lin getantzet worden. † † † 1. Mercurius/ der voꝛredner/ verkuͤndiget die an- kunfft der goͤtter bey dem angestellten ballet/ und entschuldiget/ mit der uͤbermaͤßigen freude und der eilfertigkeit/ die dabey besorgliche unordnung. D Er Sachsen hohes Haupt ist nach Berlin gekommen/ Deß freut sich Brandenburg/ und jeder stand und zunfft. Soldaten/ stadt und land/ und die es nur vernommen/ Verheissen sich was guts von der zusammenkunfft. Die jugend huͤpfft und springt/ und selbst der Nymphen menge/ Ja goͤtter lauffen zu und halten einen tantz; Nicht aber warte man auff kunst bey dem gedraͤnge; Die freude/ die man zeigt/ gilt mehr als die cadantz. Wer kan bey wahrer lust sich nach gesetzen zwingen/ Wenn man vor freudigkeit sich selbst nicht halten kan? Die zeit war auch zu kurtz ein recht ballet zu bringen/ Der Held/ den es verehrt/ nimt unsern willen an. 2. Mars warnet die vom himmel kommende Goͤttinnen und ihre Nymphen vor die beyden jungen Helden/ Sr. Churfuͤrstl. Durchl. von Sachsen und dero Herrn Bruder Hertzog Friedrichen. G oͤttinnen mit der Nymphen-schaar/ Seht Sinn-Gedichte. Seht daß ihr nicht zu nah der erden ruͤcket; Nachdem vordeß euch schaͤffer schon entzuͤcket/ Was seyd ihr nicht bey Fuͤrsten in gefahr! Seht jenen jungen Held/ Und jenen Printz/ der sich vor euch gestellt/ Jch fuͤrchte sehr/ ihr werdet vor dem scheiden Was menschliches von diesen menschen leiden. 3. Die beyden vom himmel kom̃ende goͤttinnen entsetzen sich uͤber der ausbuͤndigen gestalt Jhrer Durchlauchtigkeiten der Churfuͤrstin von Bran- denburg/ und der Fr. Marggraͤfin von Anspach. D Er liebes-gott/ und wir goͤttinnen/ Der mit uns seinen thron verlaͤst/ Besuchen auch diß freuden-fest/ Ein hertz vielleicht da zu gewinnen. Man weiß von goͤttern und goͤttinnen/ Daß sie der liebe suͤßte frucht Nur auff der unter-welt gesucht. Was aber seheu wir auf erden? Sitzt doch bey jener Fuͤrsten-schaar Das praͤchtigste goͤttinnen-paar/ Das je gebohren koͤnnen werden. Eilt schwestern wieder von der erden/ Sie sind im himmel kaum so schoͤn/ Als wir sie hier auff erden sehn. 4. Cupido/ der kleine Marggraf von Anspach/ von seiner mutter der Venus. J Ch bin der kleine wunder-knabe/ Dem ost und west zu fuͤssen liegt/ Weil ich die schoͤne mutter habe/ Die uͤber alle goͤtter siegt. G 2 Wer Sinn-Gedichte. Wer kennt nicht meines bogens tuͤcke? Doch siegt die mutter mehr als er; Sie zwingt mit einem blossen blicke Mehr als mein gantzes koͤcher-heer. O moͤchte sie bey diesem reihen/ Da alles schertzt bey tantz und wein/ Mir einmahl ihre augen leihen/ Was hertzen solten dienstbar seyn! 5. Die vier schaͤfferinnen/ so vier cammer-fraͤu- leins/ ruͤhmen ihre beherrscherin die Churfuͤrstin von Brandenburg/ und wuͤnschen die Fr. Marg- graͤfin mit ihrem frauen-zimmer allezeit in Berlin zu sehen. W Je ruhig lebt nicht von uns allen Jedwede treue Schaͤfferin? Dieweil wir dienen und gefallen Der allerbesten Churfuͤrstin. Wir singen stets/ bey unserm weiden/ Der Fuͤrstin ruhm auff allen heiden; Und ieder schaͤffer/ der sie sieht/ Gesteht ihr herrschafft und gebiet. Doch wuͤrden unsre bunten auen Viel voͤller und vergnuͤgter stehn; Waͤr allezeit darauf zu schauen/ Die wir ietzt bey uns weiden sehn. Wir meinen dich/ mit deinen schwanen/ Eleonora/ geh es ein: Was brauchst du deiner unterthanen? Wohin du kommst/ wird alles dein. 6. Dia- Sinn-Gedichte. 6. Diana/ das Frl. Wolffskehl/ so eine braut. J Ch jage was ich kan/ die helden zu bewirthen/ Und werde/ wie ein wild/ vom liebes-gott erjagt. Wer kennt Endymion/ den so geschlancken hirten? Der hat mich uͤberrascht; wer haͤtt’ es mir gesagt! So geht es/ wenn man sich gar zu vermessen wagt: Man jagt und wird erjagt; Jtzt such ich/ fuͤr den wald/ der Venus liebes-myrthen. 7. Die vier matrosen an Se. Churfuͤrstl. Durchl. zu Sachsen. V Erzeih uns junger held/ daß wir matrosen fragen: [Du kanst es uns vielleicht aus der erfahrung sagen/] Gleicht uns die liebe nicht auff unsern ruder-baͤncken? Jm rudern kehren wir den ruͤcken nach dem port; Und der ist doch der ort/ Wohin wir unser schiff mit allen kraͤfften lencken. Die schlauen liebenden/ die machens freylich so/ Sie stellen sich gar kalt/ und brennen lichter-loh: Sie sehen nicht dahin/ wohin sie doch gedencken. 8. Die vier bauern. Der erste bauer troͤstet sich bey diesen schweren zeiten mit der guten obrigkeit die wir haben. W As wollen wir denn arme bauren/ Da alles heute sich ergetzt/ Allein des krieges wegen trauren/ Der uns in manche sorgen setzt? G 3 Es Sinn-Gedichte. Es sind ja freylich schwere zeiten/ Der Rhein ist voller hertzeleid; Doch schauen wir es nur von weiten/ Durch sorgfalt unsrer obrigkeit. Wer weiß nicht/ daß ein Herr regieret/ Der uns an rechten vaters statt? Und der auch/ wie es ihm gebuͤhret/ Die wuͤrdigste gemahlin hat? Der andere erzehlet absonderlich die ge- muͤths-gaben Sr. Churfl. Durchl. W Jr haben einen weisen Fuͤrsten/ Der fromm/ gerecht und tapffer ist/ Der nicht (wie viel nach blute duͤrsten/) Die Unterthanen plagt und frist. Er ist genaͤdig/ liebt die seinen/ Bleibt aber allen lastern feind; Und derer/ die es treulich meinen/ Jst er zugleich ein guter freund. Der dritte preiset die vollkommenheit der Churfuͤrstl. Gemahlin. E S zeugt von ihrem hohen stande Selbst unser Fuͤrstin geist und leib/ Sie ist in unserm gantzen lande Die kluͤgste frau/ das schoͤnste weib. Wer wolte sie nicht herrschen lassen? Sie herrscht mit billiger gewalt. Sie uͤbertrifft die untersassen An hoheit/ tugend und gestalt. Der vierdte ruͤhmet die gute nachbarschafft und die verdienste Sr. Churfl. Durchl. von Sachsen. E S muß auch unser gluͤcke wachsen Durch unsre gute nachbarschafft/ Weil Sinn-Gedichte. Weil der erwuͤnschte Held der Sachsen Mit uns vereinigt seine krafft. Er hat als Printz so grosse proben Von seiner tugend abgelegt/ Daß/ da ihn GOtt zur Chur erhoben/ Gantz Teutschland ihn auff haͤnden traͤgt. Die bauern alle vier zusammen thun einen wunsch. S O lassen wir den himmel walten/ Wie seiner allmacht es gefaͤllt; Wenn wir die herrschafft nur behalten/ Sind wir die gluͤcklichsten der welt. Wir wuͤnschen ihnen langes leben/ Und ihrem hohen werthen gast/ Daß GOtt ihm ein Gemahl mag geben/ Wie du/ o thenrev Friedrich! hast. Grabschrifft des Ducs und Mareschalls von Schomberg/ der/ wie bekandt/ in der letzten Jrr- laͤndischen schlacht geblieben. J Ch dient’ als General vier grossen Potentaten/ Jn Franckreich/ Engeland/ der Marck und Poringall. Der Kaͤyser suchte mich/ nebst den vereinten Staaten/ Jch ward durch meinen arm Lord/ Grand/ Duc/ Mareschall Jch halff vier Portugall und die drey Britannische kronen. koͤnigreich an ihre rechten erben/ Und gab mein gantzes gluͤck fuͤr meinen glauben hin. Diß war mehr als genug/ dadurch beruͤhmt zu sterben; Doch macht mein helden-tod mich erstlich was ich bin. Jch starb in einer schlacht: (diß wird den neid beschaͤmen! Jch starb/ als ich gesiegt/ diß ist was mich erhebt. Wer wird dem grauen haupt ietzt seine lorbeer nehmen/ Nun es auff selben stirbt/ und sie mit sich begraͤbt? G 4 War- Sinn-Gedichte. Warum er in der Jrrlaͤndischen schlacht bleiben muͤssen? † † † G Leich bey der ersten schlacht fuͤr der Britanner kronen/ Bleibt Schomberg im gefecht/ und Wilhelm siegt allein. Warum? weil dieser held den sieg und seine thronen Sonst keinem/ als sich selbst/ hat sollen schuldig seyn. Wer koͤnig von Engelland sey/ Wilhelm oder Jacob? † † † W Jlhelm ficht und Jacob ziehet/ Fragst du/ wer denn koͤnig bleibt? Der/ der aus dem reiche fliehet/ Oder der den andern treibt? Jacob spricht/ ich muß mich schaͤmen/ Wilhelm kan nur Koͤnig seyn. Solt’ er Engelland nicht nehmen? Raͤum’ ichs ihm doch selber ein. Grabschrifft des Printz Alexanders aus Cur- land/ welcher nebst den gebruͤdern/ der beyden Grafen von Dohna/ A. 1686 in dem bekandten sturme vor Ofen geblieben. † † † Z Ween Grafen fielen mit/ als Ofen mich begraben. Es solte ja ein Fuͤrst auch ein gefolge haben. Und daß ich sicher waͤr’ hier unter diesem stein/ So musten diese zween/ zween treue bruͤder seyn. Der aͤlteste fiel erst/ hernach ich/ in der mitten. Der juͤngste blieb nach mir/ so/ wie wir auch gestritten. Wie artig nimt der tod/ der sonst verwirrung macht/ Die ordnung der natur und standes hier in acht! Uber Sinn-Gedichte. Uber das Friedrich Wilhelms- oder so genañte Leipziger-Thor zu Berlin/ an welchem Anno 1688 den 1 Sept. der blitz kurtz nach dem tode des sel. Churfuͤrstens/ von der ihm zu ehren gesetzten uͤberschrifft/ diese worte beruͤhret hatte: FRIDERICVS, ELECTOR, FELIX. Friedrich/ Churfuͤrst/ gluͤckseelig. † † † D Er blitz beruͤhrte juͤngst die eine von den pforten/ Und traff die uͤberschrifft am Friedrich Wilhelms-thor. Der vorwitz ist besorgt/ ob den gestreifften worten; Was aber stellt man sich fuͤr fremde deutung vor? Der held/ dem diß geweiht/ ist aus der welt gewichen/ So Diß glaubten die alten/ wenn es/ wie hier/ ohne verletzung/ und bald nach dem tode desjenigen geschah/ dem es zu ehren auffgerichtet. Jtzt regierende Churfuͤrstl. Durchl. heiligt denn der blitz diß sein gedaͤchtnißmahl/ Und hat/ zu unserm trost/ hingegen unterstrichen/ Was uns von ihm verbleibt. Welch hoͤchst erwuͤnschte wahl! Sein † Friedrich/ Chur und gluͤck ist uns zuruͤck geblieben; Wer glaubt dem himmel nicht/ der dieses unterschrieben? Wider die allzu argwoͤhnische maͤnner. † † † A Us furcht/ er werde das/ was er verdient zu seyn/ Sperrt er das arme weib als wie ein hencker ein. Sein argwohn kommt von nichts/ als seinem boͤsen leben. Er weiß was er gethan; drum kan er achtung geben. Sie ist die tugend selbst/ ein engel in dem hauß; Er aber fuͤrchtet sich/ die rache bleibt nicht aus. Er fuͤhlt sich alle tag/ ob er es schon geworden/ Ob er die zeichen spuͤrt von dem besorgten orden. G 5 Was Sinn-Gedichte. Was hilfft da ihre treu? sie hat doch keine ruh. Worzu sie ihn nicht macht/ da machet er sich zu. Er machet sich ja selbst zum hanrey in gedancken/ Wie kan er anders thun/ als mit der frauen zancken? Uber einen/ der noch im traur-jahre wieder heyrathet/ und die neugeheyrathete gleichfalls in demselben jahre verliehret. † † † D Er kaum die erste frau/ so gut sie war/ bedaurt/ Will um der andern todt vor hertzeleid sich toͤdten. Alleine haͤtt’ er nur die erste recht betraurt/ So haͤtt’ er dieser traur anietzo nicht von noͤthen. Die fuͤnff vornehmsten personen aus der zu ehren Sr. Hochfuͤrstlichen Durchl. von Hanno- ver angestelleten wirthschafft/ in Coͤlln an der Spree den 10 Dec. 1692. † † † Ein Venetianer von dem Venetianischen Edelmann/ Sr. Hochfuͤrstl. Durchl. dem Hertzoge von Hannover. D Jß ist ein Edler unsrer stadt/ Der allerdings in den geberden Was grosses und erhabnes hat/ Und bey uns Doge muͤste werden; Wenn Sinn-Gedichte. Wenn Teutschland seinen helden-thaten Nicht etwas hoͤhers auffgethan; Wiewol die hoheit aller Staaten Jhn nicht genug erhoͤhen kan. Die deutsche Frau/ Jhro Hochfuͤrstl. Durchl. die Hertzogin. D Je deutsche frau voll ernst und guͤte Zeigt uns der Deutschen majestaͤt; Doch ist ihr koͤniglich gebluͤte Das minste stuͤck das sie erhoͤht. Die sprache vieler nationen Hat sich in ihren mund gesetzt; Und traͤgt sie gleich nicht so viel kronen/ Wird sie doch derer werth geschaͤtzt. Der alte Deutsche/ Se. Churfuͤrstl. Durchl. zu Brandenburg. D Er Deutsche/ der durch seinen fleiß Bey den entbrandten krieges-flammen Das deutsche reich zu retten weiß/ Und haupt und glieder haͤlt zusammen/ Laͤßt seine deutsche redligkeit Jn allen seinen thaten spuͤren/ Und allerdings sein deutsches kleid Muß uns der warheit uͤberfuͤhren. Die schifferin/ Jhre Churfuͤrstl. Durchl. die Churfuͤrstin/ deren mann der Hannoͤverische ober-stallmeister der von Harling. D Er schiffer/ der bißher nach Jndien gefahren Und Mogols reichem schatz im handel nachgestellt/ Vergist nunmehr das gold aus jener fremden welt/ Nun ihn des loßes gunst so gluͤcklich wollen paaren. Er Sinn-Gedichte. Er spricht/ wie solt’ ich mich den wellen anvertrauen/ Was hat denn Jndien das meinen schaͤtzen gleich? Ein blosser augenblick von meiner neuen frauen/ Vergnuͤgt und gilt auch mehr als Mogols gantzes reich. Der apothecker/ Se. Hochfuͤrstl. Durchl. der Erb-Printz von Hannover. E Jn Printz/ so der schwadronen-orden Gar offt gefuͤhrt in kampff und feld/ Jst heut ein apothecker worden/ Weil es das loß so angestellt. Was aber zeigt des gluͤckes tand/ Das sonst die menschen pflegt zu aͤffen? Als daß des klugen Printzens hand Jn allem kan die dose treffen. Schlaff-zedel. C. H. v. H. H Jer liegt den vollerey und wollust hat bestricket/ Der unter Bachus fahn sich wohl gehalten hat/ Den noch die suͤsse last von starckem weine druͤcket/ Und stetig wohl gefolgt der gurgel nassem rath. Den manche Delila in ihrer schoß geschlossen/ Und dessen thaten noch das haupt von Elsaß kennt/ Der manches reine feld mit seiner brunst begossen/ Und so mich recht beduͤnckt/ auch in dem schlaffe brennt. Schlaf/ schlaf/ es wachet doch das uhrwerck im gehirne/ Der Venus schluͤpffrigkeit/ des Bacchus toller wein Bestricket dir itzund die boßheit-reiche stirne/ Und zeiget dir mit fleiß/ was beyde goͤtter seyn. An Sinn-Gedichte. An jhre thraͤnen. C. H. v. H. N Un Livia du hast bey ungluͤck lauter gluͤcke: Dein wasser brennt mich mehr als sonsten deine blicke. Auf die abbildung einer todten jungfrauen. C. H. v. H. D Je Venus hatte selbst um deinen mund geschrieben: Die vorschrifft ist verloͤscht/ die nachschrifft ist geblieben. Auf zwey ungleiche bruͤder. D Ein sohn zu Genua ist dick und ungeschickt; Der zu Siena zart/ so mann und weib erquickt. Nim diesem hembd und rock/ gieb jenem glaß und wein/ So kan Cupido hier und dort ein Bachus seyn. Warheit. * * v. L. W Arheit solte vor bey hofe/ sonsten nirgends seltzam seyn. Jtzund ist der warheit mangel aller orten sehr gemein. Auf einen klein-naͤsichren. * * v. L. E Her koͤnt man sonnen-staͤubgen/ ob es gleich schon spaͤt/ erkennen/ Als ein naͤsgen/ wann es helle/ wer wolt es denn nase nennen? Auf Spurcam. * * v. L. W Undre dich ja/ Spurca/ nicht/ daß du keinen mann kanst kriegen; Wer begehret wohl ein bett/ da viel tausend gaͤste liegen? Blon- Sinn-Gedichte. Blondille. * * v. L. M Annes sorge macht Blondillen/ sonsten nichts nicht/ un- gemach/ Wolte keiner zu ihr kommen/ lief sie selbst doch ihnen nach. Letzlich fand sich dennoch einer/ der sich trauen ließ mit ihr/ Sie gab ihm aus gutem willen vor der zeit ein kind dafuͤr. Mora. * * v. L. M Ora/ die will keine jungfer/ sondern eine fraͤulein seyn. Und was wunder? weil von jungfern nichts an ihr als nahm und schein. Falsches alter. * * v. L. D U hast mit dem kopff geaͤndert auch dein hertz/ du falscher greiß/ Diß ist schwartz wie raben worden/ und dein kopf hingegẽ weiß. Bonna. * * v. L. B Onna ruͤhmt sich/ daß sie alles eigentlich uñ wol gedenckt/ Nur diß weiß sie nicht mehr/ welchem sie die jungfrau- schafft geschenckt. Auff einen tadler. * * v. L. J Enes maul in deinen augen ist zu groß und diß zu klein/ Diese hat zu grobe haͤnde/ jene solten weisser seyn; Ja fast alles/ was nicht schoͤn/ kanstu wohl an andern kennen/ Nur dich selber kennst du nicht/ weil dich alle/ tadler/ nennen. Grab- Sinn-Gedichte. Grabschrifft eines geitzigen. * * v. L. W Undre dich du leser nicht/ was die ursach muͤsse/ seyn/ Daß mit eisen dieses grab uͤberdeckt ist/ nicht mit stein. Der/ so drinnen ruhen soll/ war wie eisern in dem leben/ Drum hat eisen nach dem todt eine deck’ ihm muͤssen geben. Auff Daphnen. * * v. L. D Aphne die war zwar verliebet/ doch fuͤrsichtig auch dabey: Scheuet/ sprach sie/ nur die mutter; bey mir steht euch alles frey. Die liebe. * * v. L. W Undre dich nicht/ daß die liebe meistens unbestaͤndig ist; Venus die hat eine stelle beyn planeten ihr erkiest. Auf einen tadler. * * v. L. S O du auf das aͤꝛgste wilst/ Momus/ einen mensch verachtẽ/ Kanstu vor den spiegel gehn/ und dich selber da betrachtẽ. Alchimie. * * v. L. W As ist die Alchimie/ als eine kunst zu luͤgen? Was dient sie anders wohl/ als menschen zu betruͤgen? Was bringt sie dir/ mein freund/ als asche/ seuffzer/ schweiß/ Als hoffnung/ leeren wind/ und schande vor den fleiß? Kuͤssen. Sinn-Gedichte. Kuͤssen. * * v. L. J M kuͤssen trifft ein mensch nicht leicht das rechte ziel/ Je mehr man hat gekuͤst/ je mehr man kuͤssen will/ Je mehr man wird gekuͤst/ je mehr man wuͤnscht diß spiel. Tugend adelt. * * v. L. G Ar viel edler ist ein edler/ den beglaͤntzet tugendschein/ Als der/ bey dem/ statt der tugend/ alte wapen muͤssen seyn. Auff den Nova. * * v. L. N Ova will den besten freund/ weil er lebet/ gar nicht kennen/ Trotz! demselben der ihn solt vetter oder schwager nennen: Doch weñ reich’ aus ihrer zahl/ waͤren es auch bauren/ sterben; Will er von denselbigen/ als der nechste vetter/ erben. Gleich und gleich. * * v. L. A M besten ists/ daß gleiche gleich sich paaren/ Die alten nicht mit den/ so jung an jahren; Die jungen nicht mit dem/ so grau von haaren; Die runtzlich sind/ mit schoͤnen und mit klaren/ Die milden nicht mit denen/ so da sparen/ Die arm/ mit dem so reich an geld und waaren. Denn thun sie es/ so muͤssen sie erfahren/ Ein braut-bett werde leicht zu schwartzen bahren. Plau- Sinn-Gedichte. Plauderer. * * v. L. G Roße plaudrer insgemein nicht viel nuͤtzen oder tuͤgen; Denn duꝛch viel es plaudeꝛn wird meist gebohren vieles luͤgen. Der welt brauch. * * v. L. S Chein floh die alte welt/ und liebte nur das seyn: Seyn haßt die neue welt/ und suchet nur den schein. Boͤse weiber. * * v. L. N Jchts ist auf erden uͤber boͤse weiber/ Sie fressen ihren maͤnnern aus das hertz; Sie machen matt die sonsten frische leiber/ Gebaͤhren nichts/ als unruh/ sorgen/ schmertz/ Sie saugen aus das marck aus allen beinen/ Und machen sie durch zancken muͤd und faul/ Daß sie gleich ausgedorrtem holtze scheinen/ Und wie ein duͤrr und abgeschlagner gaul. Man hoͤrt sie wie die boͤsen hunde bellen/ Wenn sie einmal von zorn und grimm entbrandt; Kein gutes wort kan sie zu frieden stellen/ Sie wollen allzeit haben oberhand. Der mann muß donner/ hagel/ hoͤren stuͤndlich/ Es heist: du bettelhund/ bey tag und nacht; Zu allen schlaͤgen sind sie unempfindlich/ Und werden aͤrger nur dadurch gemacht. II. Theil. H Alte Sinn-Gedichte. Alte hoffaͤrtige weiber. * * v. L. W As nuͤtzt es/ daß ihr euch mit solchem fleiß und sorgen Die duͤrren beine deckt/ bemahlt die gelbe haut/ Die runtzeln machet glatt/ bespiegelt/ und beschaut/ Nicht nur die halbe nacht/ auch noch den gantzen morgen? Denckt ihr durch dieses lieb und gunst euch zu erwecken? O eitles narrenwerck! haut bleibt haut/ bein bleibt bein. Man keñt/ was weiß/ was gelb/ was glatt/ was runtzeln seyn/ Ein stock/ der bleibt ein stock/ ob ihn gold/ seide decken. Man liebet altes geld/ nicht aber alte leiber; Die welt die hasset euch/ ob ihr sie schon nicht hasst/ Jhr machet ihr beschwerd/ wie sehr ihr sie umfast/ Es ist kein aͤrger ding/ als alt- und stoltze weiber. An mann-freunden. * * v. L. W Arum tadelt man deñ mich/ daß ich bin den maͤñern huld? Waꝛ mein vater nicht ein mann? es ist angebohꝛne schuld. Eyfersucht. * * v. L. E Yfersucht die dient zu nichts/ als zu schimpff und eigner schande/ Wenn sich selbst ein weib nicht haͤlt/ halten keine feste bande: Es hilfft keine starcke thuͤr. Die ist keusch und fehler rein/ Die sich huͤtet/ daß der mann nicht erst darff der huͤtter seyn. Gu- Sinn-Gedichte. Guter nahme. * * v. L. E Hr verschwindet/ gluͤck vergeht/ geld nimmt ab und alle sachen: Nichts kan frey vom untergang als ein guter nahme machen. Auf Mollem. * * v. L. M Ollis kan nie muͤßig seyn/ Trinckt er nicht/ so schenckt er ein; Und so bald er satt gespeiset/ Er so fort zu bette reiset. Auf Rilpum. * * v. L. R Jlpus wolt ein frauenzimmer gleich hin kuͤssen auf den mund/ Selbe gab ihm hoͤnisch antwoꝛt/ spꝛach: diß ist ihm nicht gesund/ Und fuͤr andre schon bestellt. Sein gerichte das ist hinden/ Er wird eben dieses fleisch/ doch im andern sode finden. Alchimie. * * v. L. K Unst ohne kunst ist Alchimie/ stuͤckweꝛck ist ihr gantzes wißẽ: Nutz/ den man daran erlangt/ hencken oder betteln muͤssen. Auf Asinium. * * v. L. W As ist noͤthig/ daß du viel ruͤhmest die/ so dich gebohren/ Jeder merckt es gleich an dir und an deinen esels-ohren. H 2 Auf Sinn-Gedichte. Auf Blandam. * * v. L. B Landa wird durch einen fall nicht so leicht zu schaden kommen; Denn beym fallen hat sie acht/ daß sie wird in arm genommen. Auf Zoilum. * * v. L. T Adle frey und nach belieben meine sachen und auch mich; Mir wirds nicht verdruß erwecken/ denn viel hundert tad- len dich. Uber einen ihr genommenen kuß. W As klagt Belise viel mich eines diebstals an/ Und fuͤhrt um einen kuß proceß auf leib und leben? Jch leide/ was das recht fuͤr straffe drauf gethan/ Und will/ was ich entwandt/ ihr fuͤnffach wiedergeben. Auf Lupam. * * v. L. V Ormahls wards fuͤr eine suͤnde von dem jungfer-volck geacht/ Wenn sie noch in ihrem stande maͤnner haͤtten angelacht. Lupa meint; es waͤre suͤnd/ wofuͤr sie muͤst ewig buͤssen/ Wenn sie nicht/ was maͤnner seynd/ haͤtt/ als jungfer/ sollen wissen. Witt- Sinn-Gedichte. Wittwen. Jungfern. * * v. L. V Jel besser ist es ja/ daß man fuͤr wittwen jungfern liebe. Denn wer trinckt gerne wein/ den andre schon gemachet truͤbe? Wer kauffet gerne diß/ was andre laͤngsten abgetragen? Nach dem/ was gantz/ wird man viel eh/ als nach zerbroch- nen fragen. Laura will in keinen spiegel mehr sehen. E. N. N Arcissus liebet sich/ Wenn er sein angesicht in einem brunnen sieht/ Wie milch und blut so schoͤn darinnen bluͤht: Drumb will er nicht von diesem spiegel gehen/ Er sieht sie drinnen stehen/ Und denckt/ daß ihn ein goͤttlich bild bethoͤrt. Hier ist es umgekehrt/ Wenn Laura sich im spiegel will beschauen/ So faͤngt ihr an zu grauen/ Und laufft zum hause naus/ Als wenn der teuffel selbst zum spiegel seh’ heraus. Von Jsmenien. E. N. W Em gleicht sich doch Jsmeniens gestalt? Jst wol die brust ein alabaster-stein? So waͤre sie auch kalt. Doch ist der mund ein glaͤntzender rubin/ So muͤst er harte seyn. H 3 Soll Sinn-Gedichte. Soll purpur wol die vollen wangen mahlen? Auch dieses trift nicht ein/ Sie wuͤrden bleicher seyn. Sind ihrer augen strahlen Ein helles sonnen-licht? Auch diß ist nicht zu glaͤuben/ So koͤnte man vor ihren strahlen bleiben. Was ist sie denn? Jch weiß es selber nicht/ Wie man sie soll benennen/ Ach solch ein wunderbild ist schwerlich zu erkennen. Senicio ein alter kerl ist kranck. E. N. J Hr aͤrtzte kommt herbey/ Senicio liegt sehr gefaͤhrlich nieder/ Jhr fragt/ woher die kranckheit kommen sey? Jch weiß es nicht/ obs daher ruͤhren mag/ Als ihm vergangnen tag Die junge magd die stieffel ausgezogen/ So schlug ihm was in unterschiedne glieder; Die kranckheit ist mir zwar noch unbekant/ Jch waͤhne nur/ es sey der kalte brand. Cupido ist gefangen. E. N. H Alt liegstu nun vor mir/ Und bittest um quartier? Du kleiner baͤrenheuter/ Wohlan du hast pardon. Verlangstu auch noch deine’ rantzion? So lege mir ein tausend kuͤße dar. Sie sind bey dir wol schwerlich im vermoͤgen/ Drum laß sie nur Charlottens mund erlegen/ Jch Sinn-Gedichte. Jch warte wol ein halbes viertel-jahr/ Und auch vielleicht noch laͤnger/ Wofern sie mir auf ieglichen termin Zweymahl so viel zum interesse zahlet. Bey solcher schuld geht solcher wucher hin. Doch nein/ ich mag nicht borgen/ Vergnuͤge mich/ sonst stirbstu noch vor morgen. An Selimenen. E. N. D Ein angesicht ist eine reiche see/ Wo purpur-muscheln wachsen. Die bruͤste sind der Aetna selbst zu nennen: Denn außen liegt ein wollen-weicher schnee/ Da innerlich viel tausend flammen brennen. Vor diesem stuͤrtzte sich Empedocles hinein. Solt auch mein schicksal seyn/ Das lebens-garn im feuer abzukuͤrtzen/ So moͤcht ich mich in diese flammen stuͤrtzen. Auf einen kuß. E. N. E Jn kuß! ein kuß! ein kuß! Ach ich bin gantz entzuͤckt/ Da mich doch nur ein eintziger erquickt/ Ein kuß/ das ist ein kuß. Ach soll ich noch mehr sagen/ So muß ich noch einmahl die suͤssen lippen fragen/ Wovor man wol solch labsal halten muß? Doch/ Jris/ stimme nur mit hundert kuͤßen bey/ Jch sage so/ daß kuͤßen in der liebe Die quinteßence sey. H 4 Von Sinn-Gedichte. Von der schoͤnen Laura. E. N. D Je Laura denckt/ sie sey vortreflich schoͤne. Und wenn ich sie nur hoͤhne/ So bildet sie sich doch die wahrheit ein. Sag ich zum spaß/ die wangen waͤren rosen/ Die dennoch quitten seyn/ So weiß sie sich abscheulich lieb-zu kosen. Nenn ich die augen sonnen/ Die um und um mit butter voll geronnen/ So giebt sie mir ein solch entzuͤckt gesichte/ Als wie ein kater niest. Nenn ich den halß und busen alabastern/ Der gelber marmel ist/ So schicket sie sich gar zu einem kuße/ Da denck ich mit verdruße: Du blinde welt/ wie lange schenckstu rastern? An Lisetten. E. N. S O wilstu nun durchaus ins nonnen-closter gehn/ Und in der heiligkeit als eine schwester stehn? Nun gut/ ich habe mir den muͤnchs-stand vorgenommen/ So darf ein bruder wol zu einer schwester kommen. Lisette laß mich nur in deine zelle nein/ Jm beten solstu selbst mein paternoster seyn. Aman- Sinn-Gedichte. Amando traͤgt ein affection-baͤndgen am rocke auf der brust. E. N. A Mando trit nunmehr in einen ritter-orden/ Wo lauter hasen seyn. Ein baͤndgen ist sein ruhm/ Das ihm die liebste gab. Er nennts ein heiligthum. Jst groͤßre fantasie auch ie erhoͤret worden? So gehts. Er bauet nun auf dieses band sein heil: Doch wenn mans recht besieht/ so ists ein narren-seil. An die betrogene Laurette. E. N. J A traue nur studenten Und ihren complimenten/ Das sind die rechten gaͤste. Sie stellen sich zwar treflich ehrenveste/ Und schweren stein und bein/ Wenns zum versprechen geht/ Und halten doch nicht die geringste sachen. Wer ihre art und minen nicht versteht/ Und was sie sonst vor artge leutgen seyn/ Der kan sich bald treuhertzig lassen machen/ Und wird doch bey der nase rumgefuͤhrt. Sie achtens nicht ein maͤgdgen zu betruͤgen/ Wann sie nur geld und weisse waͤsche kriegen. Dein bestes ist/ du musts zum besten kehren. Studenten muͤssen sich recht wunderlich ernehren. Madrigal Auf die vielen kraͤhen in ‒ ‒ E. N. M An fragte mich in einer compagnie: Warum ist doch so viel geschmeiße hie H 5 Von Sinn-Gedichte. Von kraͤhen und von raben? Jch sagte: weil sie gute nahrung haben/ So lassen sie sich in der menge sehen; Denn wo viel schinder seyn/ Da gibt es auch viel kraͤhen. Maregilis ist ein dieb. E. N. M Aregilis hat mir das hertz gestohlen/ Schickt in die facultaͤt Und last ein urtheil holen; Doch wann es hier nach gunst und gaben geht/ So schickt in schoͤppenstuhl. Laͤufft so ein urtheil ein/ Sie waͤre mit den straffen zu belangen/ Die sonst vor diebe seyn/ So lasset sie an meine lippen hangen. Madrigal. Einer verwundert sich uͤber ‒ ‒ E. N. J Ch wundre mich/ daß hier die universitaͤt Jn solchem flore steht. Jch wundre mich/ daß hier in allen staͤnden Ein ieglich ding recht ordentlich bestellt. Und will ich mich nach schoͤnen sachen wenden/ So sind ich hier die schoͤnsten von der welt. Jch will itzt nicht von schoͤnen haͤusern sagen/ Man sehe nur das frauenzimmer an/ So will ich ieden fragen/ Ob er sich wol genug verwundern kan? Kurtz: alles ist zu ‒ ‒ wunderns werth. Doch gibt mir diß den groͤsten wunder ein/ Daß gleichwohl hier die schinder ehrlich seyn. Aman- Sinn-Gedichte. Amando bekehret sich. E. N. D Je liebe lescht nun aus/ da ihre pfaͤnder brennen. Man soll mein kaltes hertz an dieser glut erkennen. Jhr briefe lodert auf/ ihr lieder muͤst hinein/ Du solst/ du zauberband/ zu staub und asche seyn. So bleibt mir dieser trost von meinen liebes-sachen/ Daß sie zu guter letzt ein freuden-feuer machen. Auf ein gewisses hauß. E. N. D Je zihim wohnen hier/ Die ohim auch deßgleichen/ Man findet da der igel ihr quartier/ Und hoͤret bald von drachen und von eulen Eins umb das andre heulen: Bald schwartze raben schreyen/ Die geyer und die weyhen/ Und was noch mehr von solcher rauber-zunfft/ Die halten hier auch die zusammenkunfft. Feldteuffel und dergleichen saubre geister/ So ihnen aͤhnlich seyn/ Die finden sich mit ihrem obermeister Jn grosser anzahl ein. Der kobolt legt auch seinen kram hier aus. Nun rathe zu: Was ist das vor ein hauß? Madrigal Auf die vielfaͤltigen arten der schuͤrtzen beym frauenzimmer. E. N. S Je fangen wohl recht artge moden an: Die eine setzt sich was vom golde dran/ Die/ Sinn-Gedichte. Die andre traͤget frangen/ Und die Brabanter spitzen/ Die andre hat/ ich weiß nicht was/ dran sitzen. Die naͤhet sie mit ihrem nahmen aus/ Die eine macht des liebsten seinen draus. Soll ich davon mein wenig urtheil faͤllen/ So moͤchten sie noch wohl zu dulden seyn; Man nehe nur die worte mit darein: Hierunter ist der nechste weg zur hoͤllen. Mammaͤus wil sich ersaͤuffen. E. N. M Ammaͤus klaget stets/ und fluchet auf die liebe/ Jndem sie allemahl sein ziel zuruͤcke triebe. Er klaget/ flucht/ und spricht: ich muß des todes seyn. Die martern mehren sich und druͤcken mich mit hauffen. Wie werd ich ihrer loß? ich will ins wasser lauffen. Jch dachte: gut/ so kommt ein stockfisch mehr hinein. Ein guter wunsch. E. N. F Errando hat ein weib das nicht den hencker werth. Er schmiert sie weidlich ab. Ein esel oder pferd Kan diese schlaͤge nicht auf seinem buckel tragen. Sie hat es zwar verdient. Doch dieses faͤllt mir ein: Ach schade/ daß die frau nicht soll von golde seyn/ So koͤnte doch der mann ducaten aus ihr schlagen. Von weibern. E. N. E Jn schmeichler ruͤhmt ein weib/ sie sey ein himmelreich; Doch wer die warheit liebt/ der wird daruͤber lachen/ Hin- Sinn-Gedichte. Hingegen umbgekehrt den klugen ausspruch machen: Ein weib ist eine grufft und selbst der hoͤllen gleich. Drum muß die seele sich vor dieser grufft bewahren/ Wer wolte thoͤricht seyn und in die hoͤlle fahren? Sie erblickte sich im spiegel. C. E. G Risette schaute sich in einem spiegel an; So bald sie inne ward ihr runtzlichtes gesichte/ Der gantz zerbrochnen zaͤhn’ halbausgefaulte schichte/ Und was mehr scheußliches sich an ihr finden kan/ Die außgedorrte haut der abgefleischten wangen/ Und das begreißte haar umb ihren scheitel hangen/ Rieff sie mit blintzenden und halb erstorbnen augen: Vor funffzig jahren sah’ ich mich weit schoͤner an/ Da ich nichts aͤhnlichs nun mehr an mir finden kan; Die spiegel muͤssen itzt in warheit nicht mehr taugen. Sie wolte noch keinen mann haben. C. E. C Elindens mannbarkeit faͤngt zeitig an zu reiffen/ Nur sitzt die jungfrauschafft bey ihr noch gar zu tieff; Sie leidt zwar keinen mann/ doch manchen ehrengriff/ Da sie sich in der eh’ von vielen vor-laͤßt greiffen. Er spielte gegen sie ungluͤcklich. C. E. W Er sagt/ daß ich nicht solt im spielen gluͤcklich seyn? Gantz falsch! wer also spielt wie ich/ der darff nicht klagen/ Jch kan gewinn und gluͤck doch stets vom spiele tragen/ Bekomm ich gleich kein spiel/ ist doch Celinde mein. An Sinn-Gedichte. An eine hoffaͤrtige heßliche. C. E. N Jcht bilde dir was ein/ Licene/ theurstes bild/ Wann dein beruffner preiß die gantze stadt erfuͤllt. Weißt du woher es kommt/ du niedlichs ungeheuer? Die kleidung macht dich nur/ und nicht die schoͤnheit theuer. Auff Corvinum. C. E. D Er scheußliche Corvin betheurte neulich hoch/ Lupine sey der geist zu seines coͤrpers hoͤle. O allzu freches wort! rieff ich; wie schickt sich doch Zu deinem raben-leib solch eine schoͤne seele? Nach dem Hollaͤndischen. C. E. V Eit nimmt eine hur zum weibe/ nicht um schoͤnheit/ stand und gut/ Nein! nur bloß aus geilen luͤsten/ weil sie seinen willen thut/ Jtzt duͤnckt er sich viel zu seyn/ und vor andern wol gepostet/ Weil er das umsonst geneußt/ welches andern geld gekostet. Sie ließ zur ader. C. E. A Ls Doris neulich ließ ihr schwartz-gebranntes blut/ Und man mir hoffnung gab: Sie wuͤrd itzt besser werden/ So rieff ich: nur umsonst! Sie zeigt ja selbst der erden/ Daß auch/ wie kranck sie ist/ das blut nicht an ihr gut. Auff Sinn-Gedichte. Auf ihr bildniß. C. E. W Eil unser auge nicht den glantz der engel leidet/ Ein engel aber gern beyn menschen wolte seyn; So hat er endlich sich und seinen wunder-schein Hier in ein sterblich bild zu unsrer lust verkleidet. Auf dasselbe. C. E. W Er keine sonne nicht/ noch blitze kan vertragen/ Der muß sich nicht zu nah zu diesem bilde wagen. Sie foderte im spiel hertzen. C. E. D U spielest hertzen aus/ und sprichst zu mir: bekennt! Da doch mein hertze laͤngst vom leibe mir getrennt: Jch habe denn kein hertz/ als nur des hertzens rinden/ Wiltu mein hertze selbst/ kanstu bey dir es finden. Er bekam kein spiel. C. E. D Je karten sind zwar gut/ die meine hand itzt fuͤhrt; Was aber helffen sie/ wenn dir das gluͤcke dienet? Wer mit dem gluͤcke selbst zu spielen sich erkuͤhnet/ Was wunder/ wenn er auch das beste spiel verliehrt. Sie hatte alle hertzen in der hand. C. E. M Ein hertze fehlt dir noch/ ob schon du alle hertzen Jn deiner engen hand zusammen haͤltst gefaßt; Doch nein! es fehlt dir nicht/ weil du es ohne schertzen/ Ob gleich nicht in der hand/ doch fest im hertzen hast. Sie Sinn-Gedichte. Sie sticht den hertzen knecht mit der dame. C. E. D Je dame sticht den knecht/ und diß bleibt ungerochen? Jedoch/ es muß so seyn; du spielest wol und recht/ Und machst es eben so mir/ deinem armen knecht/ Dem du vorlaͤngsten schon sein hertze weggestochen. Sie spielet die hertzen dame aus. C. E. M An laß die dame gehn; sie acht der knechte nicht. Es muß ein koͤnig seyn/ der solch ein hertze sticht. Und bin ich nun dein knecht/ welch thoͤrichtes beginnen/ Daß ich mich untersteh dein hertze zu gewinnen? Sie spielete die hertzen dame aus/ ein ander gab den koͤnig drauff; Er sticht beydes mit der zehen. C. E. S Piel auff dein eines hertz; es soll mir nicht entrinnen/ Und schluͤg ein ander gleich den koͤnig selber drein: Ein hertz ist nur zu schwach; zehn hertzen muͤssens seyn/ Wofern man anders will dein eines hertz gewinnen. Er stach die dame mit dem hertzen aͤß. C. E. W Je trotzt die dame doch und prahlet sonder scheu/ Als ob kein hertze mehr/ das ihr gewachsen sey? Halt ein! hier ist ein blat/ das/ weiß ich/ soll dich lehren: Daͤß noch ein hertze sey/ das auch die damen ehren. Sie Sinn-Gedichte. Sie nimmt ihm die hertzen zehen mit der dame weg. C. E. N Ur frisch! das spiel ist mein/ so vieler hertzen wegen/ Sagt mir: welch hertz ist wol zehn hertzen uͤberlegen? Wie aber? sticht man mich? halt! doch ich muß’s verschmertzen/ Ein damen hertz gilt mehr/ als zehen andre hertzen. Sie gieng blau gekleidet. C. E. D Ein wolgestalter leib/ die sittsame geberden/ Der zarten glieder pracht und ihre treffligkeit/ Gehn/ Leonore/ gantz in blauen stoff verkleidt; Warum? dieweil du bist ein himmel auff der erden. Sie sahe in den spiegel. C. E. J Ch sah Auroren sich nach ihrem spiegel drehen/ Und fand in selbigem ihr antlitz wunderschoͤn/ Aurora! rieff ich drauff/ mustu nicht selbst gestehn/ Daß man noch nie ein glaß hat schoͤner spiegeln sehen? Auff einen ungeschickten Medicum. C. E. B Ullus ist ein artzt geworden und versteht das hand- werck nicht/ Lesen hat er nie gelernet/ und das schreiben will ihm fehlen/ Gleichwohl kan er lauter gluͤck unter seine curen zehlen. Die recepte/ die er giebet/ sind von andren eingericht. Vor das fieber/ vor den stein/ vor die stiche zu dem hertzen Traͤgt er beyde saͤcke voll/ und bestillt die groͤste schmertzen. II. Theil. J Ju- Sinn-Gedichte. Julep/ edle hertzens-pulver/ pillen/ safft und elixir/ Zieht er/ wie das gluͤck es fuͤget/ aus der taschen bald herfuͤr/ Schickt es in die apotheck/ und so bald es eingenommen/ Spricht er zu dem krancken drauff: GOtt laß alles wol be- kommen. Auff die hochzeit des Churfuͤrstl. Brandenb. hoff- und cammer-gerichts-raths Hn. BEWERTS mit der Jungfer Lehmannin. C. E. J Ch nahm mir neulich vor die hochzeit zu besingen/ Und den verlangten tag/ da ihr geehrten zwey Einander saget zu gunst/ lieb und ew’ge treu; Allein/ es war umsonst/ mir wolte nichts gelingen/ Die freude ließ sich nicht in enge reimen zwingen/ Jch schrieb und aͤnderte wohl zehnmal eine reih/ Biß ich voll ungedult auffsprang/ und rieff: es sey! Jch kan unmoͤglich heut ein wort zu wege bringen. Apollo sah’ an mir den unmuths-vollen sinn; Was? schalt er/ setzstu denn nicht eine zeile hin? Ach! schaͤme dich/ und laß dir nimmer das belieben! Begreiffe dich und nim die feder noch zur hand/ Der wille wird gar offt auch vor die that erkannt: Schreib ihre nahmen nur/ so hastu gnug geschrieben. JOHAN VVOLGANG BEWERDT. HELENE MARGVERITE LEHMANIN. Durch buchstaben-wechsel: O libe! vermaͤhl ihr gemuͤtt wohl genau ann einander! An Sinn-Gedichte. An denselben/ als er seine liebste das erste mahl an seinem nahmens-tage sprach. C. E. W Olgang/ der gang ist wohl und gluͤcklich unterfangen/ Da du das erste mahl zu deiner braut gegangen. Ach die zusammenkunfft war frembd und ungemein/ Du traffest einen tag/ der deinen nahmen fuͤhrte/ Und wie der himmel selbst das gantze spiel regierte/ So muste dieser tag auch gar ein Freytag seyn. Welch ein geheimniß laͤst in diesem fall sich finden? Du soltest dich mit ihr befreyen und verbinden/ Der außgang wuͤrde wol und gut von statten gehn. Ja das verhaͤngnis hat dein nahmens-fest erkohren/ Damit der schluß gewiß und sicher koͤnte stehn: Du seyst fuͤr sie benennt/ wie sie fuͤr dich gebohren. Ein anders. C. E. A Ls Venus ohngefehr auff die gedancken kam/ Nach ihrem tag Der freytag/ zu lateinisch/ der Venus tag. zu sehn/ und den calender nahm/ Weiß ich nicht/ wie es sich zu deinem vortheil schickte/ Daß sie gantz unverhofft dein nahmens-fest erblickte. Berintho/ sprach sie/ der mir so viel ehr erweißt/ Der mich und meinen sohn nach hoͤchsten wuͤrden preißt/ Den ich/ dieweil er lebt/ getren und werth erfunden/ Wie? solte dieser nicht von mir seyn angebunden? Hierauff verknuͤpffte sie hertz/ seele/ muth und hand/ Und deine freyheit selbst mit einem perlen-band. Perle/ zu lateinisch/ Margarita/ ist der liebsten nahme. Wie artig/ rieff sie/ wird es dem Berintho stehen/ Wenn er ins kuͤnfftige wird so gebunden gehen. Grabschrifften. J 2 Einer Sinn-Gedichte. Einer braut die am hochzeit-tage gestorben. H Jer ruht die/ die nicht frau und dennoch war getraut/ Die innig hat geliebt/ und wieder ward geliebet/ Die ihren mann durch nichts/ als ihren todt betruͤbet/ Und daß er sie im sarg/ nicht in dem bett geschaut. Einer schoͤnen. H Jer liegt die/ welcher nichts an schoͤnheit konte gleichen/ Der die vollkommensten an tugend musten weichen/ Die alle hertzen zwang durch anmuths-volle blicke. Der tod/ der nahm zu bald ihr und der welt dis gluͤcke. Eines alten boͤsen weibes. E Jn schaͤdlich basilisck/ ein grimmig tieger-thier/ Ein weib/ das wie ein hund zum beissen trug begier/ Und in dem leben hat gleich einer sau gerochen/ Die ist in dieses loͤch nur allzu spaͤt gekrochen. Einer kuplerin. W Ar ich selbst nicht bequem zu dem/ was liebe giebet/ So halff ich diesem doch/ was liebt und ward geliebet/ So kont ich aller welt lust und vergnuͤgung geben/ Nur mir nicht/ was mir lieb: Ein etwas laͤnger leben. Einer betagten Jungfrau. N Jcht wundre leser dich/ daß sich in so viel jahren Die jungfrau/ die hier ruht/ nicht hat verlangt zu paaren. Der todt hat sie ihm laͤngst erwehlt zu einer braut/ Weil sie so fett wie er/ und mehr als reich an haut. Eines Sinn-Gedichte. Eines Findlings. J Ch ward ein kind/ und doch ward ich nie kind genennet/ Weil ich die eltern nie und sie mich nicht erkennet. Letzt nahm die erde mich/ als aller mutter/ auff/ Jch fand im sterben diß/ was nicht im lebenslauff. Eines braͤutigams. W Je meiner hoffnung schiff gleich gluͤcklich solte landen/ So must es bey dem port ohn alle huͤlffe stranden. Der tod nahms leben mir/ wie ich auff hochzeit dachte/ Jn lauter freuden schwamm/ und braut-caleuder machte. Eines bequemen mannes. M Jr hat das trincken mehr/ als lieben/ freude bracht/ Weil dieses kraͤffte nahm/ und jenes staͤrcke macht: Doch ist mein weib dabey nicht unvergnuͤgt geblieben/ Sie ließ mir frey den trunck/ ich ließ ihr frey das lieben. Jtem. D U/ der du gehst vorbey/ vergoͤnne mir die ruh! Jch war ein guter mann/ der krum gieng und gebuͤcket/ Von solcher last beschwert/ die druͤckt und nicht erdruͤcket/ Als ich nahm unten ab/ so nahm ich oben zu. Jtem. N Jemand der klage ja das gluͤcke faͤlschlich an/ Daß es zu sparsam sey mit allen seinen gaben/ Die crone/ die ich trug/ ist ohne muͤh zu haben/ Weil sie ein freundlich weib im schlaff erwerben kan. J 3 Jtem Sinn-Gedichte. Jtem. D Je hosen burft ich nur aus weibes bette hencken/ So war es schon genung/ es folgte drauff ein kind. Wer nicht vererbet ist/ der laß ihm diese schencken/ Wer weiß/ ob andre so/ wie meine/ kraͤfftig sind? Jtem. M Ein leser/ tritt ja nicht zu nah zu diesem stein/ Es liegt hier eingesenckt Actaͤons wahrer erbe/ Der nur mit horn werck trieb im leben sein gewerbe. Vielleicht darff dieses gut itzt deine erbschafft seyn. Jtem. W Er nicht gedultig ist/ der komm zu meinem grabe/ Und lerne: daß gedult die allergroͤste gabe. Fast alles uͤbel kam auf meinen kopff und mich; Doch lidt ichs/ weil mein weib trug schwerer noch als ich. Jtem. D Em nechsten dient ich vor mit meinem geist und leibe/ Zu zeiten auch wol gar mit meinem lieben weibe; Ja auch nach meinem tod sind nuͤtzlich meine sachen/ Von meinen hoͤrnern kan man feste kaͤmme machen. Jtem. M An hat mich oftermahls genennet hahn und reh/ Nach diesem als ich kaum war kommen in die eh: Der todt der nahm mich doch/ ließ sichs nicht fechten an/ Ob ich ein rechter mensch/ ein reh sey oder hahn. Jtem. J Ch hatte weder reich noch thron/ und war gekroͤnet/ Bey meiner frau macht sich fast ieder stand belehnet. Denckt nicht/ daß mein geschlecht mit mir gegangen ein/ Weil solcher koͤnige noch viel auf erden seyn. Eines Sinn-Gedichte. Eines trunckenboldes. E Jn meister beym toback/ ein held bey bier und wein/ Ein esel von verstand/ ein affe von geberden/ Ein mensch dem nahmen nach/ den wercken nach ein schwein/ Der muste toll und voll hier eingesencket werden. Eines sackpfeiffers. J Ch machte knecht und magd recht lustig duꝛch mein pfeiffen/ Niemahls war ich beschwert zum druͤcken/ blasen/ greiffen/ Jtzt liegt nach meinem todt die pfeiffe gantz allein. Thu mir den liebes-dienst und blaß einmahl darein! Eines tauben und stummen. O B ich gleich taub zur welt gebracht war und gebohren/ Ob ich schon nie kein wort aus meinem mund verlohren/ Und nicht was suͤnde heist kont hoͤren oder sagen/ So must ich doch den tod/ der suͤnden straffe/ tragen. Eines schusters. J Ch konte ziehen lang das leder mit den zaͤhnen/ Wenn in der arbeit es nicht langen wolte zu; Das leben aber nicht mir etwas laͤnger dehnen/ Da mirs doch lieber war/ als alle meine schuh. Eines kamm-machers. D Je hoͤrner und die bein die haben mich ernaͤhret/ Fast iedem hab ich was zu seinem haupt gewaͤhret. Der todt/ so sorge trug fuͤr sein verdorrt gebein/ Nahm mir das leben/ bloß daß er kont sicher seyn. J 4 Jtem Sinn-Gedichte. Jtem. J Ch habe manches horn verthan und auch verkaufft/ Da dennoch in der welt es voller hoͤrner laufft. Jhr/ die ihr etwan auch mit solcher last beladen/ Klagt/ daß ich schon bin tod/ zu eurem groͤsten schaden. Eines igels. M Ein leib war wol versehn mit vielen scharffen spitzen/ Daß meine feind’ ich kont mit selben stech- und ritzen. Des todes stachel hat mich endlich doch gefaͤllt; Diß troͤstet mich: ich starb gewaffnet wie ein held. Eines dachs-hundes. K Ein loch war mir zu tieff und keines auch zu klein/ Jch suchte fuchs und dachs/ dem jaͤger zu gefallen/ Jch buͤßte letzlich doch im loch mein leben ein/ Drumb trau den loͤchern nicht und wuͤhle nicht in allen. Eines wuͤrmchens/ das zwischen einer schoͤ- nen damen augen umkommen. V On einer sonnen hab ichs leben erst bekommen/ Zwey sonnen haben drauff mir wieder-es-genommen. Wie solt ich aͤrmster wurm ertragen doppel-schein/ Da fuͤr zwey sonnen selbst die welt ist viel zu klein. Eines flohes/ der auf einem schoͤnen halß gesessen. W Eil ich zu geitzig war zu kosten von der speise/ Die den verliebten offt so grossen hunger macht; So hat die suͤsse kost mich um das leben bracht: Drum wer da kosten will/ lern erst die rechte weise. Eines Sinn-Gedichte. Eines gehangenen. D Je parcen haben mir das leben nicht genommen/ Die sonsten spinnerin der lebens-faden sind: Jch bin durch einen mensch und strang um selbes kommen; Ach daß bey menschen man so grosse strenge findt! Eines scharffrichters. D Er mensch- und hunde-feind/ des todes lieutenant/ Der viel pflag vor der zeit dem tode zuzufuͤhren/ Liegt hier: Jm fall sein grab von hunden wird erkant/ So duͤrfften sie es leicht mit einem denckmahl zieren. Grabschrifft des Aretini. J. P. H Jer lieget Aretin/ der Fuͤrsten nur geschaͤndet/ Dem seine schmaͤhsucht nichts als dieses grab geendet. Nur GOtt und himmel blieb von ihm noch unvernicht/ Verwundre dich nicht drob: Er kante beyde nicht. J 5 Hoch- Hochzeit-Gedichte. Hochzeit-Gedichte. Die schlaffende Venus Nach des Claudiani lateinischen. D Je sonne hatte kaum den mittag heiß gemacht/ Als Venus gantz ermatt ihr eine hoͤl erwehlet/ Wo weder schlaff noch ruh/ noch kuͤhler schatten fehlet/ Und wo ein reben-blat gab dunckel-gruͤne nacht/ Jn die ein linder west mit sanftem rauschen spielte/ Und so der goͤttin hertz und muͤde seele kuͤhlte. Sie warf die sternen-pracht/ die glieder in das graß/ Der blumen hoͤchster wunsch war so gedruͤckt zu werden/ Die nelcke schien ein feur/ die ros’ ein stern der erden/ Die veilg ein blau saphir/ die lilg ein spiegelglaß/ Und Venus goldnes haupt entschlieff nur auff narcissen. Jesminen legten sich zu pfuͤl und unterkuͤssen/ So lag die lust der welt ohn alle kleider bloß/ Jndem die volle brust die trauben nachbar nennte/ Und der belebte schnee von zwey rubinen brennte. Hold/ freude/ lieb und gunst ruht’ in der schoͤnen schoos/ Der suͤß geschwollne mund war etwas aufgeschlossen/ Aus dem die zucker-baͤch und nectar-quellen flossen. Den schlaf ergoͤtzte noch ein angenehmer bach/ Der sein bemostes haupt mit reinem silber traͤnckte/ Und nichts als liebligkeit auf gruͤne wiesen lenckte/ Der etwas zitternd floß/ und kuͤsse nach und nach Dem lieben ufer gab/ das lorber-baͤume zierten/ Um die die Gratien holdreiche taͤntze fuͤhrten/ Biß sie auch muͤd und matt die augen schlossen zu. Die liebes-engel gehn indessen wie sie wollen/ Und dencken daß sie samt der mutter ruhen sollen; Der bogen hengt am baum/ der pfeil hat seine ruh. Der leere koͤcher seuftzt allein nach liebes-flammen/ Die fluͤgel-knaben gehn/ und spielen eins zusammen/ Die Hochzeit-Gedichte. Die laufen ins gestraͤuch/ und nehmen nester aus/ Die andern schwingen sich auf hohe jelmen-baͤume/ Theils lesen aͤpfel auf/ theils huͤten/ daß die traͤume Der goͤttin niemand stoͤhr/ der bindet einen straus Von frischem kraͤntzelwerck/ und jener jagt die Faunen/ Wirft feuer in ihr hertz/ daß sie vor lieb erstaunen. Drauf bricht ein laut geschrey der Venus holden traum/ Und von der naͤchsten stadt kommt neue post geflogen/ Die Chloris haͤtte schon den brautrock angezogen. Mirmillo sey der schatz; wald/ acker/ thal und baum Besingen eben diß: Als Cypris aufgefahren/ So wie sie sich gelegt in ungeflochtnen haaren/ Jhr zarter finger druͤckt dem schlaff die augen aus/ Sie ruft dem liebes-volck/ und unter tausend engeln Vermerckt sie alsobald/ daß Hymen muͤste mangeln/ Wie/ sagt sie/ ist denn itzt mein braut-gott nicht zu hauß/ Ohn dessen angetrieb darff niemand sich vermaͤhlen/ Noch irgend ihm ein lieb ohn sein bewust erwehlen? Doch seht/ dort spuͤr ich ihn/ er pfeifft ein hirten-lied/ Singt seinen alten thon und dencket nicht ans lieben/ Treibt sein gewohntes spiel/ so er schon laͤngst getrieben. So bald der Hymen nur der liebe mutter siht/ Entfaͤllt ihm pfeif und kunst/ die scham mahlt seine wangen/ Gleichwie die morgenroͤth in purpur kommt gegangen. Die augen schimmern hell/ das nie beschnittne haar Schien ohne zierrath schoͤn: Sie faͤngt ihn an zu fragen/ Wie er nur immer lust zu pfeiffen koͤnne tragen? Daß er der Nymphen nicht/ so brennten/ nehme wahr/ Und vielmehr seine freud’ an rauhen felsen habe/ Als daß er baͤumen wo ein lied von lieb eingrabe. Er sprach: mich wunderts sehr/ o goͤttin! daß solch eh Dir unbewust mag seyn; zwey hochberuͤhmte haͤuser Verknuͤpfen wuͤrd’ und glantz/ und flechten lorber-reiser Um ihre scheitel rum; des ehrenstandes hoͤh Erfordert gleich gedicht/ des braͤutgams grosse tugend Verschonet auch zugleich der braut hochedlen jugend. Als Hochzeit-Gedichte. Alß Venus diß gehoͤrt/ so schmuͤckt sie bald ihr haupt Mit perlen und demant/ flicht ketten an die haare/ Er kiest zum hochzeit-kleid des hoͤchsten purpurs waare/ Der wagen wird mit blum und kraͤntzen ringst belaubt/ Der weg/ wohin sie reist/ reucht wie das land Jdumen/ Der tauben zaͤume sind die allerschoͤnsten blumen/ Dem wagen/ der von stein und lauter golde stralt/ Sind ztschiz und ztschizernde die geil verbulten spatzen Vereinigt nachgefolgt; der andern voͤgel schwatzen Zeigt an der goͤttin fahrt/ wie ihre schoͤnheit mahlt/ Des himmels lichter schein/ der erden blumen-menge Und angeborne zier treibt haͤuffiges gepraͤnge. Die Venus hatte kaum das hochzeit-hauß beruͤhrt/ Bald streut die liebes-schaaꝛ des fruͤhlings schmuck uñ gabẽ/ Den rosen-hagel aus/ und was man sonst kan haben/ Wird uͤppig ausgetheilt/ was Tmolus nur gebiehrt Und was Arabien vor edlen balsam giebet/ Was Syrien erwehlt und Palestina liebet. Cytera nimmt darauf das hochvertraute paar/ Verspricht ihm stete gunst und junge stammes-erben/ Sagt: wie die jungferschafft bey allen muͤsse sterben/ Und daß ein neues licht entsteh von solcher baar. Knuͤpft endlich beyder hertz mit fried und gold zusammen/ Und wuͤnschet stete glut den neuvermaͤhlten flammen. Hochzeit-lied Auß Rom nach Koͤnigsberg geschrieben. 1. B Ruder/ sieh/ wie wol dieß faͤllt/ Jch beseh’ die große welt/ Und du thust es bey der kleinen! Rom/ der Christen haupt/ haͤlt mich/ Und dein schatz/ Christinchen/ dich. Wol! wann Bruͤder sich so einen! Wol! ruff ich bey meinem stand! Wol! auch du bey deinem band! Jch Hochzeit-Gedichte. 2. Jch besehe mit begier/ Was an alterthuͤmern hier/ Was an gaͤrten/ was an fluͤssen/ Huͤgeln/ gruͤnden/ graͤbern/ stein/ Schrifften/ oder sonst mag seyn/ Welches wuͤrdig ist zu wissen: Denn so klein fast nichtes ist/ Drauß nicht etwas guts erspriest. 3. Du beschaust das meister-stuͤck/ Das der Hoͤchste hielt zuruͤck/ Biß sich alles fertig fuͤnde. Du hast doppelt huͤgeln hier/ Die dem Pindus selbst gehn fuͤr/ Du hast deine fluͤß und gruͤnde/ Da/ wenn wo zu heiß der tag/ Deine lieb’ sich kuͤhlen mag. 4. Deine gaͤrten tragen dir Des ie laͤng ie liebers zier/ Tausendschoͤn und Amaranthen: Tag und nacht/ und mannes-treu/ Augentrost und was dabey Von dergleichen anverwandten/ Die kein Tyfoli allhier Noch Fraskati bringt herfuͤr. 5. Was von graͤbern ist gedacht/ Jst/ was dir das bette macht/ Drein die jungfrauschafft sich leget/ Und bedecket mit dem stein Der vergessenheit will seyn/ Darauff diese schrifft gepraͤget: Dieser todt/ der hier regiert/ Jst/ drauß alles leben ruͤhrt. 6. Jch Hochzeit-Gedichte. 6. Jch nahm uͤberall in acht/ Was ein land gluͤckseelig macht/ Wie das regiment bestellet/ Wie der handel eingericht/ Was fuͤꝛ buͤndniß gut und nicht/ Wie der ein den andern schnellet/ Was fuͤr sitten hier gemein/ Dort fuͤr art der leute seyn. 7. Du greiffst selbst den scepter an/ Da du dich wirffst auff zum mann Eine fraue zu regieren: Jrr’ ich oder glaub ich recht/ Daß es wol so viel seyn moͤcht/ Als ein weites land zu fuͤhren: Sonderlich wenn sie von muth/ Daß sie gerne traͤgt den hut. 8. Du auch must nicht minder sehn/ Daß dein feld mag fruchtbar stehn/ Was dein handel soll erjagen/ Was dein buͤndniß bringet ein/ Sollen lauter Erben seyn/ Die dein schatz wird jaͤhrlich tragen; Und so haben ich und du Unsre arbeit immerzu. 9. Dieß ist nur der unterscheid Unter uns vertrauten beyden/ Daß ich immerfort muß wallen Und in unbestaͤndigkeit/ Meinem stand nach/ jeberzeit/ Der bald so/ bald so kan fallen/ Und gantz nichts von meiner reis’/ Als was GOtt will/ sicher weiß. Du Hochzeit-Gedichte. 10. Du hingegen kommst zur ruh/ Laͤst fort/ wer will wandern zu/ Reisest sonder boͤsen wegen/ Schiffest sonder sturm und wind/ Reitest/ wo nicht raͤuber sind/ Gehst/ wo du dich auch kanst legen/ Und bist/ summa/ uͤberall Sonder furcht fuͤr feindes fall. 11. Wol/ ich goͤnne dir dieß gern/ Will es einst mein gluͤckes-stern/ Daß ich auch so gut soll fahren/ Krieg’ ich endlich wol das mein/ Du must hier ber erste seyn/ Der du mir gehst vor an jahren/ Und was mir noch mangelt meist Schon von diesem stande weist. 12. Schreibe gleichwohl/ wie es dir Fort in deiner welt schlaͤgt fuͤr/ Wie ich meine dir entdecke: Was der himmel hier dich heiß/ Wie weit sich der erden-kreiß Und ihr horizont erstrecke/ Wo die mittel-linje steht Und wie hoch der pol erhoͤht. 13. Jn der grossen friert es itzt/ Daß ihr kaum euch gnugsam schuͤtzt/ Deine/ weiß ich/ ist gelinde; Oder/ wo noch kalt der stand/ Hastu Venus an der hand Neben ihrem suͤssen kinde/ Wo dieselben kehren ein/ Kan es schwerlich frostig seyn. Drum Hochzeit-Gedichte. 14. Drumb bestelle deine welt/ Wie es selber dir gefaͤllt/ Nur mach’/ wenn nach GOttes willen Jch euch wieder sehen soll/ Daß du alles seegens voll Meinen wunsch wol moͤgst erfuͤllen/ Und da ich dich/ bruder/ ließ/ Vater/ dann erfreuet gruͤß. Auff die hochzeit eines guten freundes. An die tantzende braut/ und das uͤbrige hochzeit- liche frauenzimmer. C. E. T Antzt! guͤldne Nymphen/ tantzt! hat alles seine zeit/ So ist nun tantzens-zeit/ da sich die sterne neigen/ Und zur gewuͤnschten nacht euch nichts denn froͤligkeit Bey dieser hochzeit-lust aus offnem himmel zeigen. Jhr sonnen die ihr steht/ wenn mond und sonne faͤllt/ Und noch die strahlen zeigt/ wenn alles licht verschwindet. Zerschmeltzet itzt den schnee der annoch freyen welt/ Die sich schon halb geruͤhrt in euren strꝛcken findet. Bewaffnet eur gesicht mit stiller freundligkeit/ Laßt die verdeckte glut durch mund und augen spielen/ Und ieden/ der sich euch zu widersetzen draͤut/ Den suͤssen wunder-brandt in blut und adern fuͤhlen. Tantzt! tantzt! Jhr Gratien/ laßt eurer glieder pracht/ Und den geschickten leib biß zur verwundrung schauen? Ach! aber gebt zugleich auf eure freyheit acht; Dem guten Wetter darff man nicht zu sicher trauen. Jhr tantzet nicht allein; Cupido sieht euch zu/ Und Venus selber ist in euren reihen kommen: Sie hat wol ehermals den Nymphen ihre ruh/ Cupido aber gar die hertzen mit genommen. Jtzt Hochzeit-Gedichte. Jetzt wirfft er angeln aus. Hier legt er netz und strick; Dort aber sucht er euch verschmitzt ins garn zu bringen. Es ist um euch gethan/ wofern ihm dieser tuͤck/ Und solch ein meister-streich nach wunsche wird gelingen. Was aber sorgt ihr viel? ach! schoͤnste/ gebt euch doch! Jhr seyd die ersten nicht/ die diese regung kennen; Die braut zieht selber mit am suͤssen liebes-joch/ Der zur ergetzung heut die hochzeit-fackeln brennen; Die flamme keuscher brunst/ die ihre seele ruͤhrt/ Wird sie/ ihr werdt es sehn/ noch diesen abend buͤssen; Jhr/ und nicht sie allein/ werd itzt mit auffgefuͤhrt/ Sie tantzet nur voran/ ihr werdet folgen muͤssen. Mich deucht/ ich spuͤr auch schon/ daß Venus endlich siegt/ Und daß ihr kleiner sohn nicht alle macht verlohren. Seht! seht! wie eiffrig man sich zur Melinden fuͤgt; Wie hier wird lieb und gunst/ dort treu und huld geschworen. Wie man die Dorilis um ihre neigung bitt/ Und bey Auroren sich laͤst keine muͤh verdriessen; Wie man dort Sylvien verfolgt auff ieden schritt/ Und ietzt die haͤnde druͤckt/ ietzt sucht den mund zu kuͤssen. Die glut bemeistert schon der augen suͤsses licht/ Die funcken aͤussern sich/ die in der seelen stecken. Orante thut verliebt/ sie lacht und scheut sich nicht Den gantz geheimen brand durch blicke zu entdecken. Mirtille steht beschaͤmt/ sieht bald auff mich und dich/ Und laͤst manch schlipffrig wort sich in die ohren sagen: Climene giebt sich gar; nur Phillis weigert sich/ Die will ihr hertze gantz mit sich nach hause tragen. Auff eine hochzeit. M An fragt mich was die ehe sey? Das kan ich warlich keinem sagen; Denn daͤcht ich gleich den kopff entzwey/ So koͤnt ich doch in vierzehn tagen/ II. Theil. K Und Hochzeit-Gedichte. Und waͤr ich auch nur gantz allein/ Nicht mit mir selber einig seyn. 2. Man lese vor und hinter sich/ Die ehe ist und bleibet ehe; Und ist es so gar wunderlich/ Daß ich es selber nicht verstehe/ Wie zwey und eins/ und eins und zwey Nur eins und doch gedoppelt sey. 3. Das ist ein seltzam einmahl ein/ Wann zwey auff eins gerechnet werden. Soll diß in aller einnahm seyn/ So ist kein besser ding auff erden: Doch das behaͤlt die eh vor sich/ Drum ists so wunder-wunderlich. 4. Das capital ist bey dem mann/ Hab ich wohl ehmahls hoͤren sagen; Und was an renten fallen kan/ Das muͤsse dann das weibgen tragen. Jch weiß es nicht/ es steht dahin/ Jch bleibe noch auff meinem sinn. 5. Zwey hertzen sollen eines seyn/ So/ spricht man/ sey die eh vollkommen. Diß will mir gantz und gar nicht ein/ Daß eine muß ja seyn genommen: So eins des diebstals sich beschwert/ So ist das andre henckens werth. 6. Und treten dann gleich zwey in eins/ So ist die sache nicht gehoben: Denn wie man saget/ eins ist keins; Und sind dann zwey in eins geschoben/ So Hochzeit-Gedichte. So muͤssen beydes zwey und ein Nicht mehr als keins und nichtes seyn. 7. Auch hat kein theil ein gantzes hertz; Denn ist es ja bey einem jeden/ So ist ihr lieben nur ein schertz/ Und ist kein theil damit zu frieden/ Hat liebe keinen falschen schein/ So muß das hertz getheilet seyn. 8. Jst aber denn das hertz getheilt/ Wird jedes nur ein halbes tragen/ Wie wuͤrde denn der bruch geheilt? Da moͤcht ein kalter brand zuschlagen. Ein halbes hertz kan nicht bestehn/ Es muͤste denn auff steltzen gehn. 9. So kan man ein verliebtes hertz Nicht doppelt/ auch nicht einfach nennen/ Nicht halb/ nicht gantz/ und ohne schertz/ Wenn ich die warheit sol bekennen/ So denck ich wohl und sag es frey/ Daß gar kein hertz in beyden sey. 10. Soll aber das das hertze seyn/ Das stets so zappelt und sich reget? So bild ich mir wohl gaͤntzlich ein/ Wenn erst der puls der liebe schlaͤget/ Daß die verliebten insgemein Sonst nichts als lauter hertze seyn. 11. Herr braͤutigam was duͤncket euch/ Jhr habt das lehrgeld nun gegeben/ Seyd ihr euch beyd am hertzen gleich/ Die ihr zusammen sollet leben? K 2 Wo Hochzeit-Gedichte. Wo nicht/ so saget mir dabey/ Bey welchem theil das meiste sey. 12. Doch halt ich/ wißt ihrs selbst noch nicht/ Drum wird es auff erfahrung stehen/ Jhr solt noch heut vors liebs-gericht/ Da solt ihr eure part versehen/ Jch wette/ wenn ich gleich verliehr/ Die liebste hat mehr hertz als ihr. Auf das Waltsgott- und Hilmannische hochzeit-fest. N Jm werther bruder diß/ so gut als meine liebe Dir in der einsamkeit von ferne dienen kan. Es steht mein Helicon ietzunder etwas truͤbe: Dir bricht ein helles licht/ mir nacht und schatten an Dein himmel schmuͤcket sich mit einer goͤldnen sonne/ Es duͤnckt mich deine lust ein blosser traum zu seyn/ Du lebst wie du verlangst in suͤsser Oster-wonne; Allein bey mir allhier faͤllt erst die fasten ein. Doch schau/ der ferne weg zeucht mich von deinen freuden Nicht gar so gaͤntzlich ab: es will mein bestes ich An deiner froͤligkeit sich gegenwaͤrtig weiden; Mich duͤnckt/ ich seh bereits dich/ theurer bruder/ dich. Jch komme gantz zu dir/ und lasse nur die schaale/ Und das befleischte hauß bey seinen musen stehn: Jch komm und sehe dich in einem hochzeit-saale/ Und ein recht himmlisch kind an deiner seite gehn. Entbrich dich doch so viel von deiner hochzeit-freude/ Und schau noch einst zuruͤck/ wohin das gluͤcke zielt: Wie selbtes dich nunmehr in lauter rosen weide/ Nachdem es manchen dorn in deine brust gespielt. Dich riß ein fester schluß in abgelegne graͤntzen/ Wo einst der erden-kreiß ein knecht und sclave hieß; Wo Hochzeit-Gedichte. Wo dich der himmel ließ in neuer wuͤrde glaͤntzen/ Jndem man dir den lohn der Hygiene wies. Zwar erstlich stroͤmte dir das gluͤcke nicht zu wider/ Es schien als waͤr es dir mehr als zu viel geneigt/ Es satzte dich die fluth durch sanffte westen nieder/ Da wo die zier der welt aus Thetis busen steigt. Und weil dir jederzeit die seele grosser staͤdte Mehr als der bau gefiel: so rieth Hygea dir Zu schaun/ was die natur vor kuͤnstliches geraͤthe Stellt der verwunderung an Arnus ufern fuͤr. Drauff sahestu das aaß der fuͤrstin aller reiche/ Wo/ was die Donau ist/ vorhin die Tyber war: Und mercktest: daß die zeit/ die allgemeine seuche/ Der menschen ewigkeit selbst leget auff die bahr. Hier schien dein schutz-gestirn sich nach und nach zu neigen/ Jndem manch wilder sturm auff deine seegel drang/ Es schiene dir die fluth ein nasses grab zu zeigen/ Die fluth/ die Cajus einst in eine bruͤcke zwang. Doch hat das gluͤcke dir auch wiederum gebluͤhet; Allein es stuͤrtzte dich dort wieder in gefahr: Da wo Jtalien beflammten athem ziehet/ Jndem schon Plinius dein nechster nachbar war. Und jetzo schuͤttete das gluͤcke seine blitzen Auff dich viel haͤrter aus; ein scharffer donnerschlag Schien einen schweren keil auf deine brust zu spitzen/ Als Griechenland bereits vor deinen fuͤssen lag: Du hattest kaum das land/ das werthe land beschritten/ Was vor geraumer zeit der musen mutter hieß/ Als gleich ein feindlich schall und angeranntes wuͤtten Dich mit genauer noth so fort zu schiffe wieß. Hier gab der himmel auch ein feindliches gesichte/ Ein wetter schloß den tag in nacht und wolcken ein: Der mittag wurd’ allein durch rauhe blitzen lichte/ Und trennte wolck und nacht nur durch geborgten schein. Die seegel winselten mit klaͤglichem gethoͤne/ Die luͤffte pfiffen selbst ein furchtsam todten-lied/ K 3 Die Hochzeit-Gedichte. Die hoͤchst-erregte see brach ruder/ strick und sehne/ Biß endlich doch der tod samt blitz und wolcken schied. Jtzt ist nun alles hin: des gluͤckes saure minen/ Die fuͤllen sich nunmehr mit lauter lachen an; Die uͤberstandne noth muß dir zur wollust dienen/ Weil dich der rechte port nun voͤllig troͤsten kan. Du hast den port erreicht/ wenn dich dein schoͤner engel/ Begluͤckter bruder/ dich an ihre lippen druͤckt/ Bey der ein Argus auch nicht die geringsten maͤngel/ Auch nicht den minsten fleck an geist und leib erblickt. Wie soll diß auge dich nicht gantz in flammen stecken/ Das so viel geist und glut auf deine seele schmeist? Wie muß doch wohl ein kuß von solchen lippen schmecken/ Wo solch ein nectar-safft auff hohen nelcken fleust? Mich duͤnckt/ mein auge siht/ wie deine geister wallen/ Jm fall du an den zweck entbrandter kuͤsse denckst; Es ist als hoͤrt’ ich selbst der lippen lautes schallen/ Wenn du an deiner braut verliebten wangen henckst. Was wird die nette hand dir nicht vor wincke geben/ Die hand/ die selbst der schnee sieht ziemlich neidisch an? Wie solte selbte denn nicht deinen trieb beleben/ Die/ was gestorben war/ zum leben wecken kan? Genug/ dein braͤutgen winckt; umfasse brust und seiten/ Und dencke wohl darauff/ wenn dich dein schatz erblickt: Wie doch ein braͤutigam soll diese sprache deuten/ Wenn die verliebte braut auff ihn ein auge druͤckt. Geh hin/ ich folge dir aus deinem hochzeit-saale/ Es wuͤnscht mein treuer geist/ was du im sinne traͤgst: Er russet dir gluͤck zu! wenn du im liljen-thale Dir einen festen grund zu deinem gluͤcke legst. Aria/ im nahmen des Herrn Braͤutigams. S O giebst du dich mein kind in deines dieners armen/ Und siehest meinen schmertz mit milden augen an! Du Hochzeit-Gedichte. Du pflagst dem himmel gleich dich endlich zu erbarmen; Nach dem du mir das joch der fessel angethan. Doch laß dich scham und furcht nur laͤnger nicht verweilen: Es ist ein himmlisch werck: die matten seelen heilen. Mein engel roͤthe nicht die unentweihte wangen/ Und lieffre willig mir den werthen jungfern-crantz. Ach wuͤnsche laͤnger nicht in solcher zier zu prangen/ Es ist ein falscher schmuck/ und ein geschminckter glantz. Verwirff die muͤrbe pracht/ die zwar die scheitel schmuͤcket/ Und doch die freyheit nur mit centner-lasten druͤcket. Bedencke nur vielmehr du/ meine werthe taube/ Wie du der Venus magst geschickt entgegen gehn. Es wird dir/ liebster schatz/ die suͤsse frauen-haube/ Mehr als du selber denckst/ gesichert/ artig stehn; Drum schaue nur getrost die zarten blumen beugen/ Weil doch ein Phoͤnix soll aus ihrer asche steigen. Verwirff das rauhe pfand der unerfahrnen sitten/ Und lerne was die glut der warmen adern will. Es schaut der strenge crantz genau nach allen tritten/ Und setzt der jungferschafft ein gar zu enges ziel. Wie kan ein wespen-stich die blumen leicht verletzen/ Und ein erhitzter strahl sie aller zier entsetzen! Drum ach beseuffze nicht du engel meine liebe/ Und achte meinen kuß vor keine galle nicht; Der beste nectar-safft schmeckt in der ersten truͤbe/ Gnug/ daß man auch zugleich von dornen rosen bricht. Dann pflegt das groͤste leid die beste lust zu machen/ Wenn man nach kurtzem weh die seuffzer kan belachen. Nun schatz/ der abend-stern tritt allgemach zur wache/ Und die empfindligkeit wil schon zu bette seyn. Cupido steht und lauscht vor unserm schlaffgemache/ Und fordert selbst den schmuck von deiner scheitel ein; Er rufft: verliebtes paar/ komm/ schleuß den muͤden reihen/ Die glut ist schon bereit/ das opffer einzuweihen. Mich deucht/ ich breche schon die himmel-suͤsse kuͤsse Von deinen lippen ab: drum engel eile doch; Die seele wallet schon auff die verliebten bisse/ K 4 Ach Hochzeit-Gedichte. Ach komm und laß den crantz/ das kleine kummer-joch; Denn soll er dich hinfort nicht zieren/ meine schoͤne/ So schau/ daß dich hiervor der nahmen; mutter/ kroͤne. Die siegende schoͤnheit/ bey der hochzeit H. E. v. B. mit Jgf. A. L. C. H. P. D Je goͤttin aus dem schaum der saltzen-fluth gebohren/ Der eine muschel war zur wiegen auserkohren/ Als sie zu allererst an Cyprus ufern schwam/ Der auch die maͤchtigsten sich unterthan erkanten/ Der alle sterblichen ein grosses opffer branten/ So bald ihr heller glantz nur aus den wellen kam/ Ließ neulich einen thron in ihren garten setzen/ Daß sie sich am geruch der rosen moͤcht ergoͤtzen/ Die dort das gantze jahr in voller bluͤthe stehn. Der stuhl war lauter gold versetzet mit rubinen/ Die bey der sonnen glantz als lauter rosen schienen/ Aus welchen immer fort verliebte flammen gehn. Am ober-deckel war durch kuͤnstlers hand gegraben/ Wie viel der liebes-fahn den eid geleistet haben. An ieder seite stund ein spiegel fremder art/ Jn dessen wunder-glaß die schoͤne konte mercken/ Wer durch das weite rund in lieb und liebes-wercken Mit seuffzen und mit lust ihr eingeweihet ward. Auff dieses thrones spitz da sahe man sich kuͤssen Das weisse tauben-paar/ die ohne lehrer wissen/ Das kuͤssen suͤsses oͤhl zu reinen flammen sey. Es hielt zur lincken hand der leichte schwanen-wagen/ Der diese fuͤrstin muß durch lufft und wasser tragen/ Wann ein verliebtes paar sie selber lockt herbey. Jhr kleid war silber-stuͤck mit seide durch gewebet Von farben als die see/ wann sie sich nicht erhebet. Des guͤrtels hohes blau strich selbst der himmel an/ Der auff der huͤffte war geknuͤpfft mit demant-spangen/ Den Hochzeit-Gedichte. Den schleier ließ sie um die zarten schultern hangen/ Dadurch er die gestalt bewegter fluth gewan. Den alabaster hals hielt eine schnur umfasset Von perln aus morgen-land/ vor deren glantz erblasset Die groͤste pracht der welt. Jhr braungelocktes haar Schwam auf dem anmuths-see der reinen liljen-bruͤste/ Jhr gantzes wesen schien ein paradieß der luͤste/ Da lieb und majestaͤt durch huld verknuͤpffet war. Zu ihren suͤssen saß der kleine welt-regierer/ Das weit beruͤhmte kind/ der blinde seelen-fuͤhrer/ Der in entzuͤckungs-krafft der schoͤnen mutter gleicht. Sein holder ruͤcken trug die wollust-reichen waffen/ Die er (der traͤgen welt erhitzten muth zu schaffen) Jm theuren ambra-safft aus Cypris becher weicht. Ach mutter fieng er an (und kuͤsset ihre haͤnde) Sind auff der gantzen welt auch festre seelen-baͤnde/ Als die ein schoͤnes aug aus seinen strahlen flicht? Der demant schneidet glaß/ glut kan durch eisen dringen/ Hingegen beydes kan theils fluth/ theils hammer zwingen/ Was aber ist das sonst durch seel und geister bricht? Sie sind der heisse brunn/ da blitz und feuer quillet/ Der ort da krieg und sieg mit anmuth sich umhuͤllet/ Der platz da freundligkeit und schoͤnheit selber wacht. Sie reden ohne wort/ man kan aus ihnen sehen/ Wann hoffnung/ lieb und furcht durch hertz und sinnen gehen/ Was lieben heist/ ist erst durch sie nur auffgebracht. Doch siegt die schoͤnheit nicht/ wo nicht die mund-rubinen Jn ihrem seelen-krieg als treue kaͤmpffer dienen/ Dieweil ihr purpur auch voll brand und flammen steckt. Um diese rosen fleust der thau verliebter seelen/ Die zimmetreiche lust der warmen lippen-hoͤhlen Hat manchen schwachen geist zur munterkeit erweckt. Hier ist das lust-revier/ wo sich die seelen kuͤssen/ Wann zwey verliebete mit lippen lippen schliessen. Der reine goͤtter-tranck gleicht nicht der liebligkeit/ Die hier die freundligkeit aus schoͤnheits schalen schencket. K 5 Hier Hochzeit-Gedichte. Hier ist das netz wo sich ein freyer geist verschrencket/ Das immer tag und nacht zum hertzen-fang bereit. Das angenehme feld der bunt-bebluͤmten wangen Hat auch nicht wenig krafft mir seel und hertz zu fangen/ Weil ieder ruh und lust auff diesen nelcken sucht. Hier paart sich milch und blut/ hier sind die anmuths-wiesen/ Hier will die schoͤnheit nicht durch firniß seyn gepriesen/ Hier waͤchst vor aug und hand ein himmel-suͤsse frucht. Der bruͤste schnee-gebuͤrg/ das zucker-rosen bringet/ Sind felsen da der sieg der schoͤnheit recht gelinget. Hier sind vom himmel selbst jasminen eingesetzt. Und wer dieselben wird in ihren thaͤlern pfluͤcken/ Den kan das schlaue garn der liebe leicht beruͤcken/ Wann ihn die zauberey der kurtzen lust ergetzt. Wenn diese berge sich durch schnelle seuffzer heben/ So muß in sclaverey die freyheit selbst sich geben/ Auff ihren ballen steht der liebe blut-geruͤst/ Darauff sie geist und muth in feste ketten leget. Hier hat der himmel selbst sein bildniß eingepraͤget. Hier ist das liljen-feld/ da milch und ambra fliest. Die schoͤnheit triumphirt nach allen ihren siegen/ Wann sich zu bruͤst- und aug- und wangen haͤnde fuͤgen/ Da vor der sanffte schwan mit seinen federn weicht. Die schoͤnsten finger sind die angenehmen schlingen/ Dadurch ein hertz sich leicht in dienstbarkeit laͤst bringen/ Dieweil kein staͤhlern band sich ihren kraͤfften gleicht. Ja kuͤrtzlich schoͤnheit ist das heiligthum der seelen/ Dem alle koͤnige ihr hertz zum opffer wehlen/ Jn ihren nelcken wird die liebe selbst gewiegt/ Sie uͤbersteigt die pracht der morgen-roͤthe fluͤgel. Voraus wann freundligkeit regiert der schoͤnheit zuͤgel/ So wird die gantze welt ohn widerstand besiegt. Diß lehrt das edle paar/ das ietzt durch keusche flammen/ Frau mutter/ ihre macht in Rostock knuͤpfft zusammen/ Bey denen zierd und kunst in gleichem grade stehn/ Die schoͤnheit dieser braut hat voͤllig obgesieget/ Daß Hochzeit-Gedichte. Daß ihren liebsten nichts als ihre huld vergnuͤget/ Dieweil was er gewuͤnscht er bloß an ihr gesehn. Es hat ihn muͤh und schweiß nicht koͤnnen uͤberwinden/ Er ließ im ehren-kampff sich unverdrossen finden/ Er hat den klugen geist den sternen zugelenckt/ Es hat die falsche lust ihm niemals lust erwecket/ Jhn hat allein ergetzt/ was nach dem himmel schmecket/ Biß daß ihm Themis selbst den lorbeer-krantz geschenckt. Nun aber weicht er gern/ dieweil ihn schoͤnheit zwinget/ Jndem ein frommes kind ihn in die fessel bringet/ Davon sein hertze nie begehret frey zu seyn. Ein solches tugend-bild das keuschheit aufferzogen/ Das aus der mutter brust die froͤmmigkeit gesogen/ Nimt ihm itzt seel und geist mit lauter anmuth ein. Der himmel haͤtt es nicht gewuͤnschter koͤnnen fuͤgen/ Als daß ein solches paar einander muß vergnuͤgen/ Ein solch vollkommen paar/ dem nichts als mangel fehlt. Der edle braͤutigam kriegt alles nach verlangen/ Er kan sein himmels bild/ sie ihren trost umfangen/ Jst auch wohl auff der welt ein besser paar erwehlt? Hier schwieg der knabe still/ und wolte gleichsam wissen/ Ob er der warheit nicht in allem sich beflissen. Worauff die goͤttin diß mit holdem laͤcheln sprach: Mein sohn/ du redest recht; die schoͤnheit muß gewinnen/ Wann sie mit freundligkeit bezaubert freye sinnen/ Wie dieses treue paar itzt giebet an den tag. Der himmel lasse sie so manches gluͤck erleben/ Als bienen um den safft von Hyblens bruͤsten schweben/ Als sternen an dem saal des weiten himmels stehn/ Als wuͤnsche durch die lufft vor ihre wolfahrt fliegen/ Als schnecken/ sand und stein an Balthis ufern liegen/ Als wellen auf der see/ und fisch in wellen gehn. Es muͤssen ihre jahr an Nestors alter reichen/ Jhr gluͤck sey angefuͤllt mit lauter freuden-zeichen/ Mit ehren-palmen wird ihr scheitel seyn bekraͤntzt. Das schicksal muͤsse sie und ihren saamen mehren/ Daß Hochzeit-Gedichte. Daß ihr beruͤhmtes lob so lange koͤnne waͤhren/ So lange Phoͤbus an den himmels-hoͤhen glaͤntzt. Dar hielt die goͤttin ein. Und meine feder sincket/ Sie wuͤnscht euch gute nacht/ weil Hesperus schon wincket Und euch zu bette rufft. Geht fangt das schertzen an/ Geht angenehmes paar das feuer zu vermehren/ Die flammen werden euch das loͤschen selber lehren/ Dadurch man unsre braut einst mutter nennen kan. Tugend der beste schatz in der ehe/ bey der E. und K. hochzeit-freude. D Er menschen wachsamkeit/ das nimmer muͤde sorgen/ Die arbeit sonder ziel/ die ruhe sonder ruh/ So biß zum abend waͤchst und steigt vom hellen morgen/ Diß alles sucht gewinn und rennet schaͤtzen zu. Der bergmann graͤbet sich lebendig in die gruͤffte/ Warum? der todte schatz des silbers locket ihn. Was scheuet ein soldat die donner-schwangern luͤffte/ Wann er an schaͤtzen reich kan von der wahlstatt ziehn? Ein kauffmann faͤhrt mit lust von westen biß zu osten/ Zu sammlen geld auff geld/ zu haͤuffen gold auff gold; Er laͤst sichs fleiß und schweiß und saure muͤhe kosten/ Biß ihm das gluͤck gelacht/ das schicksal wohlgewolt. Wie aber sucht nicht auch die liebe theure guͤter/ Und pflegt sie sich nicht auch nach schaͤtzen umzusehn? Nachdem die regung treibt der liebenden gemuͤther/ Wird bald auff diß/ bald das derselben wahl geschehn. Die schoͤnheit zeigt sich erst in kostbarem gepraͤge; Die muͤntze solcher art gilt durch die gantze welt. Das hertze wird erhitzt/ die sinnen werden rege/ So bald dergleichen stuͤck uns in die augen faͤllt. Jedoch/ wie manchem bleibt nur kupffer in den haͤnden/ Er wehlet ertz vor gold/ vor silber wasserbley; Wird er die muͤntze nur auff jene seite wenden/ So sieht er/ daß sie nicht vom besten schlage sey. Das Hochzeit-Gedichte. Das bild der phantasey/ der menschen grosser goͤtze/ Die ehre/ machet auch allhier die laͤden auff/ Und daß ich deutlicher die rechte meynung setze: Man schliest offt mit dem amt/ nicht mit der braut den kauff. Wiewohl die reue pflegt sich offt mit einzudingen/ Wann zwar des Jovis stand/ doch Juno nicht gefaͤllt. Zu dem: zu ehren soll man nicht durch ehen dringen/ Weil diese stuffe doch gar selten feste haͤlt. Und endlich findet man/ die sich dem mammon weihen/ Jn meynung; bey metall da wache sanffte ruh; Die mit den haͤnden mehr/ als mit den augen freyen/ O blinde! druͤckt doch nicht die augen beyde zu! Jhr fesselt hertz und sinn/ wer kan euch also retten? Wer will ein sclave doch des schnoͤden geldes seyn? Jhr legt die ducatons an schloͤsser und an ketten/ Und schliesset eure lust mit in den kasten ein. So gehts den thoͤrichten/ sie greiffen nach den schatten/ Denn schoͤnheit/ ehre/ geld doch lauter schatten sind; Wird aber sich ein mensch erst mit der tugend gatten/ So ist gewiß/ daß er schoͤn-reich-seyn mit gewinnt. Denn tugend ists allein/ so lieben lieblich machet/ Die schoͤnheit sonder sie/ ist schlackwerck sonder gold; Die ehre schlaͤfft/ wo nicht bey ihr die tugend wachet/ Und reichthum bleibet auch der edlen tugend sold. Die liebe stammt von GOtt und ist ein heilig wesen/ Sie leget mit verdruß ein falsches mundwerck an/ Und wer die liebe sich als liebe auserlesen/ Der hat den besten fund in dieser welt gethan. Geehrtes paar/ so itzt in solchem gluͤcke pranget/ Und dem nichts schaͤtzbarers als wahre tugend ist/ Jhr findet beyderseits den schatz so ihr verlanget/ Und was ein treu gemuͤth in sein gemuͤthe schliest. Hier strahlet witz und kunst der schatz geuͤbter sinnen/ Dort glaͤntzt der tugend gold/ das silber weisser treu/ Wie solte dieses nicht ein ander lieb gewinnen Und gern beysammen seyn von aller falschheit frey. Ein Hochzeit-Gedichte. Ein stein in gold gefaßt wirfft crystallinen schimmer; Wo tugend tugend kuͤßt/ da muß es helle seyn/ Ein himmel wird alsdenn das braut-gemach und zimmer/ Wann man in solchem schmuck als engel tritt hinein. Es will die liebligkeit das weiche bette machen/ Die federn lieffert ihr der Venus weisser schwan/ Die eintracht ruͤhmet sich im schlaffgemach zu wachen/ Und tritt ein solches amt mit allen freuden an. So liebet dann vergnuͤgt/ und brauchet diese schaͤtze/ Die GOtt/ natur und gluͤck euch reichlich mitgetheilt/ Es will der liebe schluß/ es fordert ihr gesetze/ Daß man mit ihrem gut nicht in den kasten eilt. Der himmel wird hinfort mit seegen euch bethauen Und euer fuß wird stets auf gluͤckes-rosen gehn/ Jhr werdet euer wohl in vollem wachsthum schauen: Denn wo die tugend bluͤht/ muß auch die wolfahrt stehn. Die wiege kan indeß auff junge schaͤtze hoffen/ Es praͤge sich darauff der eltern bildniß ein/ So hat die fabel dort/ hier warheit eingetroffen; Ein diamanten-paar das koͤnne fruchtbar seyn. Die durch blumen abgebildete liebe bey dem hochzeit-feste Herrn L. v. K. mit C. K. C. H. P. S O weit als menschen-witz und auge durchgedrungen/ Macht lieb’ und liebes-trieb durch unzaͤhlbare zungen Ein’ unumschraͤnckte macht und holdes etwas kund/ Und ob das saltz der see auch gleich ihr erstes wesen/ Die perlen-muschel ihr zur wiege war erlesen/ Reicht ihre herrschafft doch biß an des himmels rund. Denn daß die liebe wohnt im schaum der wilden wellen/ Kans meeres fruchtbarkeit durch brutt der fisch’ erhellen; Ja waͤr’ ein wallfisch nicht in liebe brennend heiß/ So Hochzeit-Gedichte. So wuͤrd’ ers wasser nicht wie siedend von sich schicken/ Kein meerschwein leihet dem Arion seinen ruͤcken/ Das/ wie sein gantz geschlecht/ nicht auch zu lieben weiß. Noch mehr/ die wellen selbst umarmen strand und klippen/ Sechs stunden kuͤßt die fluth der ufer feuchte lippen/ Sechs stunden schlaͤfft die ebb’ in hohler stroͤme schooß. Die silberne Dian druͤckt selbst die gruͤnen bruͤste Des schilffichten Neptuns/ wann sie der see geruͤste Zweymahl in tag und nacht macht klein und wieder groß. Der himmel gleichesfals muß sich zur liebe schicken/ Er laͤsset sie mit gold auff blauen atlaß sticken/ Von Phoͤbus sonnen-rad biß auf sein kleinstes kind/ Es liebet sonn und mond/ es lieben alle sternen/ Endymion laͤst es zusamt der Daphne lernen/ Daß auch die irrenden im lieben standhafft sind. Des nordens kalter baͤr hat ehmahls selbst gebrennet/ Die leyer zeuget noch/ wies Orpheus fuß gerennet Um sein’ Euricide/ selbst in Avernus nacht. Des thier-kreiß zweytes bild haͤlt noch die brunst verstecket/ Die eifersucht hat in Jnnonens brust erwecket/ Als um Europen sich ihr mann zum stier gemacht. Wie liebet Titan nicht der erden alte glieder? Er machet alle jahr zu seiner braut sie wieder/ Wann er die berg' erwaͤrmt biß in der thaͤler grufft. Der himmel laͤchelt zwar mit mehr als Argus augen; Doch wenn die lied ihm will der kraͤffte marck aussaugen/ So seuffzt sein klagend mund mit donner durch die lufft. Diß stellet uns zwar vor ein schoͤnes bild der liebe/ Doch kan ein kluger geist liebreichre liebes-triebe Am farben-reichen rock bebluͤmter gaͤrten sehn/ Da mischet die natur/ wie Amor/ schnee und flammen/ Da fuͤgt sie blaß und roth/ artzney und gifft zusammen/ Da laͤst sie nesseln-brand beym oͤhl der liljen stehn. Daß in gekroͤntem haupt auch liebes-triebe wohnen/ Beweist das purpur-kleid der stoltzen kaͤyser-kronen/ Die aber darum nicht von thraͤnen-tropffen leer. Die Hochzeit-Gedichte. Die stets gekroͤnte frucht der koͤrnichten granaten Laͤst an dem scharlach-schmuck der theuren blum’ errathen/ Daß koͤnige zu fuͤhrn/ der liebe nicht zu schwer. Was das verliebte Rom der heiligkeit geweihet/ Jst in dem purpur-hut von liebe nicht befreyet/ Diß stellets Cardinals blut-rothe blume fuͤr. Und hat der adel gleich ein recht durch ritter-spohren/ So ist die liebe doch bey bauren nicht verlohren/ Weil bauer-rosen auch sind eine garten-zier. Daß sie die gantze welt beherrscht in ihren graͤntzen Zeigt sie mit blumen an/ der schnee-ball-baum laͤst glaͤntzen Des kalten nordens bild; der braunen Jris flor Die Susa mitgetheilt/ mit dem was dunckles decket Den schwartzen tulipan/ lehrt wie sie angestecket Jm heissen Africa den halb-verbrandten Mohr. Sie herrscht beym riesen-volck und bey dem heer der zwergen/ Die griechisch Aloe/ die gleich den stoltzen bergen/ Jhr haupt zum himmel streckt/ zeigt jenes klaͤrlich an. Die braune niedrigkeit der Mertzen-veilgen zeuget/ Daß/ weil die liebe sich auch zu den zwergen neiget/ Die eifersucht auch nicht davon entfernt seyn kan. Die spielend’ Orchis die bald menschen-bilder traͤget/ Bald thiere/ voͤgel/ ja bald ungeziefer heget Jn ihrer fremden blum/ thut allen augen kund/ Daß nicht allein der mensch den trieb der liebe spuͤret/ Besondern/ daß worinn ein lebens-geist sich ruͤhret/ Sey alles insgesamt gefast in diesen bund. Die eigenschafften selbst der all-erfuͤllnden flammen Stehn auff der garten feld in blumen-schrifft beysammen: Die rothe rose weis’t entzuͤndter hertzen brand/ Die winden mancherley/ der ephen samt den kletten Sind gleich in ihrer art den fesseln und den ketten/ Damit die schlaue lieb umschlinget hertz und hand. Der himmel-schluͤssel dient die kraͤfften anzuzeigen/ Weil durch die lieb’ allein der himmel zu ersteigen. Daß alle welt sie ehrt/ zeigt sich im ehren preiß. Wie Hochzeit-Gedichte. Wie suͤsse daß sie sey/ ersieht man an Melissen/ Weil die die bienen nur des honigs wegen kuͤssen. Die mannes-treu bestaͤrckt/ daß sie von treue weiß. Wo dann nun lieb und treu/ da findet sich verlangen/ Die sonnen-wende sagts/ die sich nach Phoͤbus wangen Als ihrem abgott kehrt. Es sehnt der augen licht/ Wann ihm sein augen-trost ein zeitlang nur verborgen; Wie die fast welcke blum nach dem bethauten morgen/ Und bleibt der eintz’ge trost und wunsch: vergiß mein nicht. Bestaͤndigkeit laͤst sich in unverwelcktem wesen An der unsterbligkeit der amaranthen lesen/ Die selbst der allmacht buch ausziert mit ew’gem ruhm. Die zart’ anemone/ die frucht der schoͤnsten thraͤnen/ Die Venus um Adon vergoß/ als sie mit sehnen Die keuschheit angelobt/ verbleibt der keuschheit blum. Die blasse furcht dringt sich auch in der gaͤrten auen/ Man kan ihr aͤhnlichs bild an weissen rosen schauen. Denn lieben ohne furcht ist noch nicht auff der welt. Es kan die Eifersucht nicht schaͤrffern gifft ausstreuen/ Wenn liebes-blumen erst anfangen zu gedeyen/ Als gifftiger napell in seinen helmen haͤlt. Die hoffnung zeiget sich an aller blumen stuͤtzen/ Dieweil die blaͤtter/ die an ihren stengeln sitzen/ Jn gruͤner hoffnungs-farb und anmuth sind geziert. Nur eintzig colchis blum entspringt aus blosser erden/ Die will/ verzweiffelung! dein rechtes bildniß werden/ Weil ihre blume lieb’ ohn hoffnungs-blaͤtter fuͤhrt. Was ferner liebens werth an einer schoͤnen frauen/ Das laͤst der garten-schmuck in aller voͤlle schauen/ Die schoͤnheit zeugt an ihr nichts als was blumen gleich. Der blaue hyazinth durch Phoͤbus wunsch entsprossen/ Zeigt holdes augen-blau/ in welches eingegossen Die funcken seiner macht/ das gantze sternen-reich. Der rosen scharlach/ mit dem glantze der jaßminen Kan zarter wangen feld zum gleichen abriß dienen/ Der flachen stirne glantz reicht jenes silber dar/ II. Theil. L Das Hochzeit-Gedichte. Das auff dem zepter bluͤht der milch-beschaͤmten liljen/ Das angenehme gold wolriechender junckiljen Zeigt als im spiegel an ein gold-geziertes haar. Das blut der lippen quillt auf blut-beseelten nelcken/ Mit diesem zusatz doch/ daß jene nimmer welcken/ Weil stets der liebes-thau auff ihren blaͤttern schwebt/ Der suͤsser anmuth als die muscus-rose kennet/ Ja noch mit mehrer glut und roͤthern kohlen brennet/ Als auf der feurigen ranunckel blaͤttern lebt. Die bruͤste/ die der welt mit wollust-milch liebkosen/ Sind blumen-toͤpffe/ die gefuͤllt mit tuberosen/ Sind betten/ die besaͤt mit tausend tausend-schoͤn; Sind gaͤrten/ darinn bluͤt der pomerantzen bluͤhet/ Auf deren staͤmmen schon der fruͤchte purpur gluͤhet/ Sind berg’/ in deren thal der thaͤler liljen stehn. Die runden armen sind narcissen-schwangre weiden/ Die sammit-blume zeigt der haͤnde sammt und seiden/ Die ringel-blume deutt der finger zierrath an. Und was in Eden sonst an Even war zu preisen/ Das will an blumen sich in unsern gaͤrten weisen/ Dar Ev’ und Edens-bild man taͤglich schauen kan. Hier sieht er/ theurer freund/ den meine sinne ehren! Hier sieht er/ was uns kan ein schoͤner garten lehren/ Hier sieht er abgemahlt was blum- und liebreich ist/ Der himmel will ihn heut in solchen garten setzen/ An dessen blumen er sich taͤglich kan ergetzen/ Biß zu gewuͤnschter zeit er seine fruͤchte kuͤst. Er find an seinem schatz/ was meine hand beschrieben Am schoͤnsten blumen-strauß/ er findet/ was zu lieben Jn einem garten ist/ an ihrer gegenwart; Doch mit dem unterscheid/ daß wann er vor sie brennet/ Sie selbe flammen mit gantz gleicher glut erkennet/ Die ja so wohl an ihr-als seiner brust verscharrt. Nun dann/ so lebt und liebt in blumen-reichen freuden/ (Jch kan/ mein werthester! noch nicht von blumen scheiden/) Biß knospen aus der blum’/ aus knospen fruͤcht entstehn/ Der Hochzeit-Gedichte. Der himmel woll’ an euch ein edle jucca zeigen/ Aus deren doppel-stamm stets wechsel-aͤste steigen/ Die jaͤhrlich einen zweig in bluͤte lassen sehn. Es bluͤhet engel-suͤß an felsen und an eichen/ So muͤss’ auch euer suͤß sich eich- und felsen gleichen/ Lieb stoͤckel welcke nicht bey euch durchs gantze jahr/ Kein gifft der wolffes-milch/ kein mehlthau thu euch schade/ Hingegen bluͤhe stets die reiche GOttes-gnade/ Biß daß cypressen kroͤnt eur winter-graues haar. Auf die hochzeit Hn. Friedrich Perlitzes mit Jungfer Anna Dorothea Sommers. C. S. L. J Tzt da die schwalben gleich beginnen abzuziehen/ Und dieser lande sich verliehren allgemach/ So sucht herr Perlitz auch dem winter zu entfliehen/ Und zeucht mit dieser schaar dem warmen sommer nach. Mich duͤnckt ich werde nicht was ungereimtes setzen/ Wenn meine feder ihn den schwalben aͤhnlich macht. Die frechen adler sind den raͤubern gleich zu schaͤtzen/ Und tauben machet fast die einfalt gar veracht. Bey schwalben aber ist mit unschuld witz verbunden/ Wie uns ihr kluͤglich thun und frommer wandel zeigt: Und beydes hat bey ihm/ herr braͤutigam/ gefunden/ Wer sein gemuͤth erforscht und ihm nicht abgeneigt. Die schwalben sind mit schwartz bekleidet auf dem ruͤcken; Und diese farbe schlaͤgt auch seinem stande bey: Wie jener reine brust beschneete liljen schmuͤcken; So ist sein hertz geziert mit ungefaͤrbter treu. Wo Gottes-haͤuser sind/ da nisten an den waͤnden Nicht ungern/ wie man sieht/ sich diese voͤgel ein: So hat ihn GOttes schluß in tempel wollen senden/ Und seine wohnstatt wird nah an der kirchen seyn. Jsts also/ wie gar viel von den gelehrten schreiben/ Daß sich die schwalbe nur allein im fluge nehrt; L 2 So Hochzeit-Gedichte. So kan auch diesesfals das gleichniß fuͤglich bleiben/ Dieweil ihm GOtt sein theil bey steter muͤh beschert. Die schwalbe bringet uns die freuden-post getragen/ Wenn der begruͤnte lentz nunmehro vor der thuͤr: Und Evangelium heist gute botschafft sagen/ Das traͤgt er oͤffentlich dem volcke GOttes fuͤr. Die schwalben-nester sind mit federn auffgebettet/ Vielleicht ist eben so sein lager zugericht. Wie jene von gewalt der aberglaub errettet: So weiß er/ daß sein amt ihm sicherheit verspricht. Und also kan er sich den schwalben zugesellen/ Weil gleich und gleiche doch sich wohl zusammen schickt; Er darff nur den compas nach seiner liebsten stellen/ So hat sein zug alsbald ins sommer-land geruͤckt/ Er wird in ihrem schoß den schoͤnsten sommer finden/ Als die ohn ursach nicht sich von dem sommer nennt. Sie wird durch freundlich thun ihm hertz und geist entzuͤnden/ Mit feuer das zwar waͤrmt/ und dennoch nicht verbrennt. Er wird ohn unterlaß gut wetter bey ihr haben/ Zwey sonnen scheinen ihn aus ihren augen an. Die pflantze seiner lust wird thau vor regen laben/ Der von den lippen faͤllt/ und lebend machen kan. Sie wird ihn nicht allein mit suͤsser bluͤth erfreuen/ Er wird zu seiner zeit auch reiffe fruͤchte schau’n/ Er wird mit tausend lust die garben hoͤren schreyen/ Und eine scheune denn ins wochen-bette bau’n. Der himmel wolle gluͤck zu diesem zuge geben/ Den mit den schwalben er nach seinem sommer thut/ Er lasse sein genist in lauter perlen schweben/ Beschirmet vor gewalt/ gesichert vor der glut. Und wie man insgemein das sprichwort angenommen/ Daß eine schwalbe nicht den bunten fruͤhling macht: So soll er nicht zu uns den sommer wieder kommen/ Er habe denn mit sich ein schwaͤlbchen noch gebracht. Auf Hochzeit-Gedichte. Auf Hn. J. Raͤdelten mit jungfer S. C. v. Sommerfeld hochzeit. D Er sommer reist nunmehr der blumen purpur ein/ Die felder bruͤsten sich mit koͤrner-vollen aͤhren Und lehren: daß der mensch soll wie der acker seyn/ Und nach der blumen-zeit auch rechte frucht gewaͤhren. Denn wie ein rosen-strauch den stoltzen carmasin Auch mit den blaͤttern laͤst in truͤber lufft verschwinden: So laͤst die jugend offt den lebens-glantz verbluͤhn/ Wo frucht und bluͤte sich nicht vor der zeit verbinden. Sie hat/ hochwerthe braut/ in ihrer fruͤhlings-zeit Mehr blumen/ als der lentz narcissen/ auffgetragen: Wie nun ein sommer-feld nach blumen fruͤchte streut/ So denckt auch ihre frucht im sommer auszuschlagen/ Drum faͤngt sie mit bedacht ein ander leben an/ Sucht glut und sonnenschein in ihres liebsten augen; Und wie der morgen-thau die felder kuͤhlen kan/ So will sie wieder krafft aus seinen lippen saugen. Und dieses nicht umsonst: denn wenn der himmel blitzt/ Wenn donner/ wind und sturm auff alle felder schlagen; So weiß sie/ daß ihr feld in stetem friede sitzt Und sonder alle furcht kan seine fruͤchte tragen. Drum wuͤnsch ich: lebet wohl und brauchet eurer zeit. Der himmel lasse nichts als gold und perlen thauen/ Biß daß eu’r sommerfeld gefuͤllte koͤrner streut/ Und ihr die fruchtbarkeit laßt in der wiege schauen. Auf die hochzeit Hn. C. B. mit jungfer M. E. W. D Jr wuͤnsch’ ich/ werther freund/ mehr freudenreiche stunden; Als anmuths-rosen auf derselben wangen steh’n/ Die durch des himmels trieb sich deiner hand verbunden/ Und will/ o schoͤne nacht! mit dir zu bette geh’n; L 3 Dir Hochzeit-Gedichte. Dir wuͤnsch ich einen may voll lieblicher jeßminen/ Die keine zeit verdirbt/ und immerwaͤhrend gruͤnen. Mir aber wuͤnsch ich glut und flammenreiche sinnen/ Ein blat mit amber-rauch und bisam-oͤl benetzt; Und einen kiel/ daraus Budorgis reden rinnen/ Damit der fremde reim einheimschen gleich geschaͤtzt/ Von dir/ geehrter freund/ mit froͤlichen geberden/ Bey deinem freuden-fest kan durchgelesen werden. Es stund mir dazumahl ein feld der freuden offen/ Jch weiß nicht/ wie ich dich dasselbe mahl empfieng; Als ich dich reisenden zum ersten angetroffen/ Da deiner kuͤnste schiff gefuͤll’t zu hause gieng/ Und du aus Preussen schon mit dem zuruͤcke kommen/ Was ich mir in der Marck zu holen vorgenommen. Der inhalt dessen war: (so viel ich noch gedencke) Willkommen liebster freund/ der musen schoͤnste zier; Du kommst vom Helicon/ wohin ich mich erst lencke/ Der Hoͤchste leite dich/ und sey zugleich mit mir: Er lasse dich zu hauß in steten freuden schweben/ Und mir von deinem thun viel gute nachricht geben. Jch hatte kurtze zeit die fremde lufft gefuͤhlet/ Und bey der musen-schaar mich kaum bekant gemacht; Bey Hippocrenens quell mich wenig abgekuͤhlet/ Und der Minerva noch nicht oͤffters opffer bracht/ Als mir ein liebstes blat (was ich von GOtt begehrte/) Von dir/ mein hertzens-freund/ erwuͤnschte post gewaͤhrte. Dein vetter/ der von Brieg nach Padua gegangen/ (Schrieb eine treue hand) und ruͤhmlich disputir’t; Hat von dem musen gott dort einen crantz-empfangen/ Der sein gelehrtes haupt mit schoͤnen blumen zier’t/ Jst Hochzeit-Gedichte. Jst auch von GOtt gefuͤhrt gesund zuruͤcke kommen/ Und hat ihm einen stand vor vielen eingenommen. Jetzt kommt die andre post/ ein kern der liebligkeiten/ Ein ausbund aller lust/ ein meer der froͤligkeit; Ein ambrosinen-thau/ so mich von allen seiten Mit rosen-safft benetzt/ und wollust uͤberstreut: Die freude/ die mich ietzt der himmel laͤst geniessen/ Macht/ daß der reime werck nicht will wie sonsten fluͤssen. Ein bild der Gratien/ des himmels meister-stuͤcke/ Das einen blumen-may auff ihren wangen traͤgt/ Und ihrer eltern ruhm/ geist/ leben/ witz und blicke Nebst einem inbegriff der tugend in sich hegt; Hat durch des Hoͤchsten schluß/ o wohl erhoͤrtes bitten! Mit dir/ vergnuͤgter freund/ den eh-stand eingeschritten. Mit dieser braut wird dir dein saurer schweiß belohnet/ Den du zu Koͤnigsberg/ mein vetter/ angelegt; Da du den Pindus-berg viel jahre durch bewohnet/ Und Aganippens quell ohn unterlaß beweg’t; Mit diesem schmucke wird dein Doctor-hut gezieret/ Und was ein Aesculap gezeugt/ dir zugefuͤhret. So nehmt/ verliebte zwey/ von dessen treuen haͤnden/ Der diesen freuden-tag entfernt im geiste haͤlt/ Was er in diesem reim statt seiner wollen senden Und itzt in einem wunsch zu euren fuͤssen stellt; So wuͤnscht ein treuer freund aus unverfaͤlschtem hertzen: So reimt ein musen-sohn auf eure liebes-kertzen: Sie lebe/ schoͤnste braut/ forthin in eitel freuden/ Sie lebe sonder schmertz/ sie leb’ in eitel lust; Die anmuth lege sich wie ein gewand von seiden/ Von gold und diamant um ihre schwanen-brust; L 4 Der Hochzeit-Gedichte. Der juley/ den ihr grtzt ihr wird zu kosten geben/ Vertreib’ ihr allen schmertz/ und frucht’ ein langes leben. Der aber/ so anietzt erregte flammen fuͤhlet/ Den Amathuntens sohn mit seinem pfeil beruͤhrt/ Sey fort in seiner glut von diesem schnee gekuͤhlet/ Den sein geliebter schatz auff ihren bruͤsten fuͤhrt: Es muͤsse dieser grtzt sein amt nach GOtt verwalten/ Viel lebend machen/ und vom tode viel erhalten! Begraͤbniß-Gedichte. Pulchrumque mori succurrit in armis, Oder beste todes-art im kriege/ uͤber Hertzog Alexanders aus Curland absterben/ welcher in dem beruͤhmten sturm vor Ofen den 26 Jul. 1686 toͤdlich geschossen ward/ und etliche tage darauff an seiner wunde verschied. † † † D Js ist die nichtigkeit der menschlichen gedancken! Wir nehmen in der welt uns grosse dinge vor; Die hoffnung reitzet uns und schmeichelt unser ohr; Die jugend stecket sich die wei t sten lebens-schrancken. Die hoheit der geburt/ das gluͤcke das uns bluͤht/ Jst selbsten nicht genug die ehrsucht zu vergnuͤgen; Sie sucht ein hoͤher ziel/ und eh man sichs versieht/ Sieht man nebst unserm wunsch/ uns auf dem ruͤcken liegen. Dis so verkehrte spiel in allen unsern dingen Jst jedem stande zwar mehr als zu wohl bekandt; Doch kennet meist der krieg desselben unbestand/ Allwo wir zu der ehr durch lauter schwerdter dringen. Der diesen augenblick auf seinem posten ficht/ Und Begraͤbniß-Gedichte. Und nebst vermeintem ruhm denckt beute zu erjagen; Faͤllt selbst durch einen schuß/ indem er schiest und sticht/ Und wird/ wie dessen feind/ auff piquen weggetragen. Welch absehn hatt’ ich nicht auff diesem hall der erden! Der titel Printz zu seyn/ beschloß nicht meine ruh. Der nahme/ den ich trug/ bließ mir was groͤssers zu/ Jch wolte gar der welt zum Alexander werden. Der zug/ der mich bereits nach Pohlen juͤngst gebracht/ Erweckte meinen geist auch Ungarn zu beschauen; Und weil uns Ofen selbst den schauplatz auffgemacht/ Wolt’ ich da meinen ruhm auff tuͤrcken-koͤpffen bauen. Allein was kan der schluß des himmels doch nicht stoͤhren! Ein kleines stuͤckchen bley bezwang mich vor der zeit. Die faust/ die tausenden den untergang gedraͤu’t/ Kont’ einer kugel sich von weiten nicht erwehren. Jch fiel wie Dohna fiel/ und tausend andre mehr/ So der beruͤhmte sturm vor Ofen auffgerieben; Wir lieffen tapffer an/ vielleicht auch allzusehr/ Nachdem es von uns heist: Sie sind davor geblieben. Doch sag’ ich dieses nicht/ uns damit zu beklagen. Was uns betroffen hat/ kan uns nicht fremde seyn. Ein held steht uͤberall auff seinem leichen-stein/ Weil zwischen sieg und tod wir uns zum kampffe wagen. Todt/ oder sieghafft seyn/ ist beydes unser ziel/ Was auch von beyden kommt/ muß uns doch ehre bringen; Und weil diß unser zweck/ so gilts uns gleiche viel/ Ob lebend oder tod wir uns zur selben schwingen. Weil man ja sterben muß/ wer will nicht stehend sterben? Diß ist die todes-art/ so kaͤyser auch begehrt. Der auff dem bette liegt/ von kranckheit ausgezehrt/ Muß/ vor dem tode schon/ verwesen und verderben. L 5 Hin- Begraͤbniß-Gedichte. Hingegen ein soldat/ der auff der wahlstatt bleibt/ Stirbt mit demselben muth/ mit dem er ausgegangen; Und da sein testament er mit dem degen schreibt/ Will er zugleich bewehrt den letzten feind empfangen. Nicht schoͤner stirbt ein held/ als in den kuͤhnen waffen; Und sonderlich ein Printz/ der von der helden-that/ Der ahnen tapfferkeit/ den fuͤrsten-purpur hat/ Und sich/ durch sie auch selbst/ sucht einen glantz zu schaffen. Er stirbt in seiner pracht/ von helm und schild geziert; Der tod ergreiffet ihn auf ritterlichen wegen; Und weil diß sein gewehr er fuͤr die tugend fuͤhr’t/ Muß man es ihm aufs grab zu dessen zeugniß legen. So kan auch unser ruhm/ nach welchem wir hie trachten/ Durch nichts vollkommener/ als solchen todt/ bestehn: Daß man in einer schlacht Turenne sterben sehn/ Macht ihn uns mehr bekant/ als alle seine schlachten. Weil unser leben kurtz in dieser sterbligkeit/ Jst ein beruͤhmter tod die ewigkeit im leben. Wie aber sterben wir beruͤhmter als im streit/ Wo wir als maͤnner stehn/ und uns der welt begeben? Jm kriege stirbt man nicht wie sonst die menschen sterben; Nicht sich und der natur/ aus schuldigkeit und noth: Man geht fuͤr’s vaterland freywillig in den tod; Und diese willkuͤhr muß uns eben ruhm erwerben. Wer fuͤr das vaterland und seinen herren faͤllt/ Mag tod und eitelkeit als schattenwerck verlachen; Weil der/ fuͤr den man stirbt/ uns ungestorben haͤlt/ Und die gesetze selbst uns unverweßlich machen. Was vortheil wird denn nicht aus meinem grabe sprossen? Da fuͤr die Christenheit/ des Kaͤysers reich und land/ Die ehre Brandenburgs/ und aller ruhestand/ Jch Curlands helden-blut/ das mich beseelt/ vergossen? Die festung/ so mit sturm noch niemahls uͤberging/ Ver- Begraͤbniß-Gedichte. Versuchten wir dennoch durch waffen zu gewinnen; Und da an Ofens fall des Tuͤrcken unfall hing/ Wie starb ich/ als ein Printz/ im edlerem beginnen? Die Christen musten ja des barbers frevel raͤchen. Und wie hier iederman erhitzt zum kampffe war; Erstritt’ ich mir vorher den vorzug der gefahr; Es ist bekant/ daß Se. Durchl. mit andern Obersten/ gleiches alters/ um den vorzug dieser attaque gestritten/ und den vor- zug behauptet/ wiewohl die andern eben wohl zum sturm gegangen und mit erschossen worden. Als Hertzog wolt’ ich auch zu erst die mauren brechen. Hie stand der ehren-thron der tugend ausgesetzt; Gluͤckselig/ wem der tod den aufftritt wollen goͤnnen! Denn die gelegenheit wird billig werth geschaͤtzt/ Dieweil sie uns so gut nicht wiederkommen koͤnnen. Was schad’t es/ daß ein Printz im felde sterben muͤssen; Blaͤst nicht der rauhe wind auch fuͤrsten zimmer an? Den harnisch/ den ich nicht im anlauf’ angethan/ Braucht’ ich mit grosser pracht zu meinem sterbe-kuͤssen. Hier uͤberwand ich erst den menschlichen verdruß; Es kont in freyer lufft mein ruhm auch mehr erschallen; Der denn auch in der welt gewiß erschallen muß/ Da mich/ auf dieser bahn/ drey laͤger sehen fallen. Mein Curland/ das mich liebt/ beklagt zwar mein verblassen; Doch bleibet diß sein trost/ daß ich verewigt bin; Und ihm und Brandenburg zum mercklichen gewinn Die helden Casimir und Ferdinand verlassen. Wobey auch selbst das haupt des reiches mich bedaurt; Und Brandenburg fuͤr mich gar thraͤnen lassen fliessen; Voraus sein Friederich/ der mich noch stets betraurt/ Und mein gedaͤchtnis sucht in stein und ertz zu schliessen. Es ehren meinen tod auch Brandenburgs carthaunen/ Die durch sein gantzes land man von mir sausen hoͤrt/ Wo nur mein leich-gepraͤng mit meinem coͤrper faͤhrt. Wie Begraͤbniß-Gedichte. Wie blaͤst man meinen ruhm aus helleren posaunen? O allzupraͤchtige belohnung meiner treu! Was kan ich wuͤrdigers mit in die grube nehmen? Was laß’ ich auch der welt/ das groͤß- und staͤrcker sey/ Tod und vergessenheit auff ewig zu beschaͤmen? So wird die nachwelt mich von meinem tode loben; Ein kaͤyserlicher tod vergoͤttert mein geruͤcht; Und war ich gleich allhier ein Alexander nicht; Hat mich dennoch mein tod ietzt uͤber ihn erhoben. Er fiel verkleinerlich/ durch gifft und hinterlist; Jch starb/ in einem sturm/ den tod der helden-erben; So/ daß ich ietzo hin/ was er gewesen ist: Er war im leben groß/ ich bin es ietzt im sterben. Trost aus anderer ungluͤck/ an den Hn. ge- heimten Rath von Canitz/ bey dem verluste seiner eh-gemahlin/ Dorothea Eme- rentia von Arnimb. † † † S O ungeneigt ich auch zum schreiben/ Kanst du dennoch/ betruͤbter freund/ Jndem dein treues auge weint/ Von mir nicht ungetroͤstet bleiben. Jch ruͤhre/ wie du mir gethan/ Mitleidig deine wunden an. Dir wird dein eh gemahl entrissen. Was dir der tod mit ihr entwandt/ Jst beydes hof und stadt bekandt; Doch wer kan deinen kummer wissen? Weh dem! den die erfahrung lehrt/ Wie sehr dich dieser fall beschwert. Als GOtt/ das erste weib zu bauen/ Die ribbe/ davon Eva kam/ Aus Begraͤbniß-Gedichte. Aus Adams seiner seiten nahm/ Must’ Adam diesen riß nicht schauen. Er schlieff/ weil ihm zu weh geschehn/ Dergleichen schmertzen auszustehn. O! wer begreifft dann itzt das leiden/ Da wir das schon erbaute weib/ Und mit ihr unser seel und leib/ Sehn in das grab auf ewig scheiden! Da man uns/ wer es nur erkennt/ Wie mitten von einander trennt. Gewiß/ die von den frauen sagen: Daß sie die unruh/ die man spuͤhrt/ Zum ersten in die welt gefuͤhrt/ Die solten deinen jammer tragen. Denn diß gespoͤtte wird nicht wahr Als auf der frauen todten-bahr. Zum minsten ist der tod der deinen Die allererst- und letzte that/ Womit sie dich betruͤbet hat/ Und wodurch du hast lernen weinen. Die unruh/ die sie dir gebracht/ Jst/ daß sie dich zum wittwer macht. Man weiß wie liebreich sie gewesen/ Wie fromm/ wie guͤtig/ wie erfreut; Und ihres hertzens mildigkeit Kont man aus ihren augen lesen. Diß aber alles wieß sie dir Mit so viel hertzlicher begier. Viel/ die sich vor der ehe scheuen/ Begunten/ wenn sie euch gesehn/ Von ihrem duͤnckel abzustehn/ Und Begraͤbniß-Gedichte. Und in gedancken schon zu freyen. Jch aber sah auff euer gluͤck Mit einem sorgens-vollen blick. Jch dacht’/ o hoͤchstbegluͤckten beyde! Doch machte mein verlust mir bang. Seyd gluͤcklich/ sprach ich; doch wie lang! Wie bald stoͤrt euch der tod die freude? Was hilfft euch dann die gute wahl/ Je suͤsser eh/ je groͤsser qual! Ein weib kan alle tugend haben/ Auch schoͤnheit/ stand und uͤberfluß; Und wuͤrcket dennoch nur verdruß Mit allen ihren vorzugs-gaben: Wenn nemlich sie voll uͤbermuth/ Bey ihrer tugend trotzig thut. Dir war die deine so ergeben/ Als wenn in ihr kein wille waͤr’/ Als sucht ihr gantzer wunsch nichts mehr/ Denn deinem voͤllig nachzuleben. Was dir beliebig und bequem/ War ihr durchgehends angenehm. Jn freuden war sie dein vergnuͤgen/ Jm trauren deine troͤsterin. Wie wuste sie dich abzuziehn/ Und aller unlust vorzubiegen? Wie machte sie es noch den tag/ Als Blumberg in den aschen lag. Jhr saht das halbe gut verbrennen/ Das vorspiel leider! deiner noͤth/ Worinn dich nun gestuͤrtzt ihr tod! Doch war es kaum bey ihr zu kennen. Die Begraͤbniß-Gedichte. Die klage lieff von hauß zu hauß/ Nur ihr saht unbekuͤmmert aus. Ja selbst der tod mit seinem schrecken/ Als er sich endlich eingestell’t/ Vom brandte gleichsam angemeld’t/ Kont’ ihr doch keine furcht erwecken. So ruhig wie sie pflag zu seyn/ Schlieff sie auch in dem sterben ein. Sie sprach: seht ihr nicht daß ich schlaffe? Und schloß darauff die augen zu. Sie starb/ als gienge sie zur ruh/ Und litte nicht der suͤnden straffe. Die freundlichkeit verließ auch nicht Jhr schon erblastes angesicht. Kaum kan ich mich hierbey erwehren/ Die thraͤnen netzen meine schrifft. Wie aber muß dann/ den es trifft/ Dich/ werther freund/ diß leid verzehren! Der du in ihr/ die du verlierst/ Die guͤte selbst zu grabe fuͤhrst! Man kennt dich von den welt-geschaͤfften/ Die du so ruͤhmlich uͤberstrebt. Man weiß/ wie standhafft du gelebt/ Und nun bist du von allen kraͤfften: Weil nemlich/ was dich ietzt ergreifft/ Das hertze trifft/ und uͤberhaͤufft. Du bist von den belebten feelen/ Die zur empfindligkeit geneigt/ Und von der musen brust gesaͤugt/ Sich Begraͤbniß-Gedichte. Sich mehr als grobe sinnen quaͤlen: Dieweil je zaͤrter ein gemuͤth/ Je mehr und weiter es auch sieht. Sag’ ich: du soltest dich besinnen/ Was noch fuͤr trost dein leiden hat/ Das beyleid dieser gantzen stadt/ Ja zweyer grossen Churfuͤrstinnen. Sprichst du: ein trost von solcher hoͤh Rechtfertige vielmehr dein weh. Sag’ ich: daß von den sieben erben/ Das liebste pfand von ihrer treu/ Dein sohn dir uͤberblieben sey: Siehst du in ihm sie taͤglich sterben. Jndem ihr bildniß/ das er traͤgt/ Dir ihren tod vor augen legt. Sag’ ich denn/ dich vergnuͤgt zu machen/ Sie schlaffe/ wecke sie nicht auf/ Durch deiner thraͤnen steken lauf: So wartest du/ sie soll erwachen. Doch wenn der neue morgen tagt/ Wird sie viel hefftiger beklagt. Dermassen weiß ich nichts zu finden/ Wodurch dein schmertz zu stillen sey. Die wunden sind noch allzu neu/ Und nur die zeit muß sie verbinden. Zumahl dein kummerreicher geist Sie immer weit und weiter reist. Jedoch/ wofern ich was soll rathen/ Weil doch mein unfall mich geuͤbt: Verlaß den ort/ der dich betruͤbt/ Und sieh dich um in fremden staaten: Viel- Begraͤbniß-Gedichte. Vielleicht wird deine traurigkeit/ Wo nicht vertrieben/ doch zerstreut. Du kanst ohn diß/ in diesem stande/ Bey uns nicht bleiben/ wo du bist. Der tod hat hier dem hauß verwuͤst’t/ Das feuer aber auf dem lande. Wohin sich nur dein auge kehrt/ Liegt alles einsam und verstoͤrt. Zeuch hin/ weil noch der schmertz am groͤßten/ Wo der beruͤhmte Graͤvius/ Wo Spanheim/ Brockhuß/ Francius/ Den grossen Koͤnig Wilhelm troͤsten: Der eine Koͤnigin bedaurt/ Um welche gantz Europa traurt. Es klagen so viel nationen/ Als stuͤrb in ihr zugleich dahin All dieser voͤlcker Koͤnigin: Doch muß ihr wittwer es gewohnen. Was einen solchen troͤsten kan/ Nimt billiger dein leiden an. Bist du nun/ wo die musen hausen/ Auf der Bataver Helicon; Wirst du vielleicht nicht weit davon Auch die carthaunen hoͤren sausen: Wo gleichsam sich die halbe welt Zu streit und kriegen eingestellt. Da wird der held/ von dem wir sprechen/ Den kummer/ der ihn traurig macht/ Wo nicht in einer strengen schlacht/ Dennoch an einer vestung brechen: II. Theil. M Und Begraͤbniß-Gedichte. Und so mir recht ist/ hoͤrt man schon Vor Namur seinen donner-thon. Was duͤnckt dich bey den dicken waͤllen/ Den steilen felsen/ da sie stehn/ Den mauren/ die kaum abzusehn: Solt’ einen hier auch etwas faͤllen? Voraus/ da Boufler sie beschuͤtzt/ Und zwischen hundert stuͤcken sitzt. Gieb acht/ die dort ihr lager schlagen/ Die ruͤsten sich in diese klufft/ So hoch erhaben in die lufft/ Den tod durch feur und schwerdt zu tragen: Und brechen wuͤrcklich durch den stein Von allen eck- und seiten ein. Da wird ein gantzes werck ersteigen/ Und hier ein halber thurm gesprengt: Da sieht man freund und feind vermengt/ Bey tausenden darnieder liegen. Des siegers und besiegten fall Fuͤllt in- und ausserhalb den wall. Und zwar wilst du bekandte suchen/ Besieh der Brandenburger schaar. Wie draͤngen die sich zur gefahr/ Daß auch die Frantzen auff sie fluchen/ Als wenn von ihrer seiten her Der tod noch eins so graͤßlich waͤr. Allein/ indem sie auffwerts klimmen/ Und an den fels wie gemsen ziehn; Klagt manches stamm-hauß in Berlin: Daß Begraͤbniß-Gedichte. Daß ihrer viel im blute schwimmen/ Und mancher/ der uns lieb gewest/ Den geist hier in die luͤffte blaͤst. Ja selbst die stadt mit ihren mauren Zerfaͤllt und sinckt in asch’ und grauß. Jst in derselben auch ein hauß/ Jn welchem man nicht hoͤre trauren? Zumahl da oͤffters weib und kind Zugleich mit auffgeflogen sind. Bey so viel unzehlbaren leichen/ Mit maur und wall dahin gestreckt; Was meynst du/ wirst du nicht erschreckt/ Dein leid mit dieser fall vergleichen? Und finden gegen ihrer last/ Daß du gar nicht zu klagen hast. Wie duͤrfftest du vom tode klagen/ Wo sterben ein geringes ist? Diß/ warum du bekuͤmmert bist/ Sieht man auff allen gassen tragen: Wenn nur nicht/ an des grabes statt/ Das hauß sie uͤberschuͤttet hat. Wie viel sind hier zu wittwen worden/ Wie vielen stirbt der gantze stamm? Was dir der tod geruhig nahm/ Faͤllt hier durch lauter schwerdt und morden/ So daß auch oͤffters die gebein Der todten nicht zu finden seyn. Als dorten gar kein trost zu hoffen/ Da Tullius sein kind verlohr/ Hielt man ihm die verwuͤstung vor/ Die damahls Africa betroffen/ M 2 Und Begraͤbniß-Gedichte. Und welche durch des raubes hand Die gantze gegend umgewandt. Wenn du diß wirst vor Namur finden/ Alsdann wird deine kuͤmmerniß/ Zum wenigsten so lang gewiß/ Als du vor Namur bist/ verschwinden: Wie sich ein kleiner fluß verliert/ Wenn er sich in das meer gefuͤhrt. Alsdann wirst du/ nach allen faͤllen/ Die du vor Namur siehst und hoͤrst/ Wenn du nun wieder zu uns kehrst/ Dir auch Berlin vor augen stellen: Und da auch finden/ was dein leid Durch fremde traurigkeit zerstreut. Da wird sich (derer zu geschweigen/ So Namurs sturm dahin gerafft) Selbst deines Fuͤrstens leidenschafft Und seines nechsten dieners zeigen: Der/ wie sein Fuͤrst/ durch gleichen schluß Um einen bruder trauren muß. Da wird dir (wilst du wittwers haben/) Dein Below zum exempel stehn. Da wirst du einen Kniphauß sehn/ Der gar drey leichen muß begraben: Und Lottum/ dem der tod entreist/ Was selbst der neid unschaͤtzbar heist. Da wirst du endlich auch erfahren/ Wie alles trauren ohne frucht: Wie ich/ der dich zu troͤsten sucht/ Mich Begraͤbniß-Gedichte. Mich leide seit so vielen jahren; Und den verlust/ den ich gethan/ Die zeit auch nicht ersetzen kan. O laß doch zu/ daß bey dem singen/ Von deiner Arnimb suͤssen eh/ Jch einmahl noch mein herbes weh/ Die Kuͤhleweinin laß’ erklingen! Vielleicht/ in dem ich solches thu/ Vergist du dich/ und hoͤrst mir zu. Auf Hn. Adam Baͤnckners tod in Brieg. B. N. J Ch schreibe/ seligster/ von lieb und treu getrieben/ Wo anders thraͤnen-saltz kan schwartze dinte seyn? Denn diß ist nur allein von allem uͤbrig blieben/ Was dir mein hertze kan auf deine leiche streun. Ach freund! was aber freund? ach kern gerechter seelen! Wird so die redligkeit auf erden unterdruͤckt? Was wunder/ daß mein trost in deines grabes hoͤlen/ So wie der sonnen glantz bey truͤber lufft erstickt? Du bist von jugend auf der ulmen-baum gewesen/ An dem mein auge so wie gruͤne reben hieng/ Der spiegel/ der mich oft von weitem lassen lesen/ Wie die verlarvte welt mit flecken schwanger gieng. Denn dieses ist und bleibt der freunde bestes zeichen/ Beysammen voller frucht wie dattel-baͤume stehn/ Am wesen aber sich den reinen sternen gleichen/ Und ohne schminck und fleck stets von einander gehn. Die meisten haben zwar mit hermelinen fellen Jhr hertze/ wie der schnee mit schimmer/ sich bedeckt; Wenn aber sonn und zeit sie auf die probe stellen/ So sieht man/ daß auch nur in beyden kaͤlte steckt. Du hast/ gleich wie ein blat von pommerantzen-zweigen/ Die zung und auch das hertz beysammen stets gefuͤhrt; M 3 Jch Begraͤbniß-Gedichte. Jch aber offt mehr lust aus deinem treu-bezeigen/ Als ein granaten-baum bey myrthen krafft/ gespuͤhrt. Jedoch was nenn ich mich? Brieg hat dich auch verlohren. Denn thau und sonne sind vor einen garten nicht/ Die besten mandeln nicht vor einen mund gebohren/ Und kluge koͤpffe nur vor alle zugericht. Drum war dein meistes thun/ dem lande recht zu dienen/ Dem oberherren treu/ den gleichen hold zu seyn/ Und unter schweiß und muͤh/ wie arbeits-volle bienen/ Die undanck-volle welt mit honig zu erfreun. Und warlich nicht umsonst. Denn rath und buͤrger wissen/ Was deine redligkeit vor proben abgelegt/ Was du vor knoten offt durch deinen witz zerrissen/ Und vor bescheidenheit den untern eingepraͤgt. An palmen-baͤumen ist sonst alles zu gebrauchen; Dein gantzer lebens-baum war voller nutzbarkeit/ Und hat/ wenn andere wie Sodoms frucht verrauchen/ Die meisten aͤpffel offt beym kummer ausgestreut. Was preiß ich aber noch die kinder deiner sorgen? Was ruͤhm ich aͤrmster hier den irrdischen verstand? Da sich dein hertze doch/ wie blumen ieden morgen Zur sonnen/ von der welt dem himmel zugewandt. Denn muͤh und arbeit gleicht nur einer purpur-schnecken/ Die eh das edle zeug der perlen nicht gebiehrt/ Biß sie vom morgen-thau kan safft und zucker lecken/ Und ihr der himmel selbst die schwache geister ruͤhrt. So geht es auch mit uns. Wir sorgen nur vergebens/ Und bringen nichts als schmertz und thraͤnen zu der welt/ So lange durch gebet der seegen unsers lebens/ Wie muscheln ihre krafft/ nicht von dem himmel faͤllt. Dein hertze/ seligster/ ließ alle menschen lernen/ Daß GOtt und andacht nur der ehren wachsthum seyn/ Drum goß sein gnaden-licht/ gleich wie die sonne sternen/ Auch deiner matten brust stets frische nahrung ein. Wie aber trifft man doch in reinen paradiesen So leichtlich eine brutt von falschen schlangen an? Du Begraͤbniß-Gedichte. Du hast der erden nichts als redligkeit bewiesen/ Dir hat man nichts zuletzt als falschheit angethan. Verfluchte danckbarkeit! was soll ich weiter schreiben? Gantz Brieg weiß/ wie du hier dein leben zugebracht. Drum goͤnne/ weil dein ruhm doch wird auff erden bleiben/ Daß dir mein hertze nur noch diese grabschrifft macht: Zwey freunde ruhen hier/ der eine in gedancken/ Der ander aber schon warhafftig in der that. Zur lehre sterblichen: daß ihrer liebe schrancken Auch noch der blasse tod nicht unterbrochen hat. Der tugend ehren-ruhm bey absterben ihrer Freyherrl. excellenz des Hn. von Pufendorfs. N Jm/ grosser Pufendorff! nicht ungenaͤdig auff/ Daß ich bey deiner bahr auch lasse thraͤnen fluͤssen. Denn weil die wehmuth mich gantz aus mich selbst gerissen/ So kan ich meinem schmertz nicht hemmen seinen lauff. Jch wuͤnschte/ daß mein geist recht hoch sich koͤnte schwingen/ Und dir ein praͤchtig lied bey deinem grabe singen. Doch wird dein sanffter geist/ der nichts von schnoͤder pracht Und wort-gepraͤngen hielt/ auch einfalt nicht verschmaͤhen; Hat Artaxerxes doch das hertz nur angesehen/ Als in der hand ein knecht ihm wasser hat gebracht. Drum glaͤntzt mein reim schon nicht von gold und edelsteinen/ So goͤnne/ daß ich nur mag mit papier erscheinen. Jch seh/ daß Teutschland itzt legt flor und schleyer an/ Und die gelehrte schaar empfindet leid und schmertzen/ Als der dein todes-fall geht leider so zu hertzen/ Daß sie vor traurigkeit sich kaum begreiffen kan. Sie steht bestuͤrtzt/ erblaßt mit klaͤglichen geberden/ Weil ihre klugen man traͤgt nach und nach zur erden. M 4 Was Begraͤbniß-Gedichte. Was aber sag ich doch? ist Teutschland nur allein/ Das dich/ o theurer mann/ bejammert und beklaget? Mich duͤnckt/ Europa selbst/ von dem du viel gesaget Und seinen staat erzehlt/ wird meistens traurig seyn; Denn weil dein hoher ruhm weit in der welt erklungen/ So wird von musen auch dein tod ietzt weit besungen. Diß ist gewiß: daß du sein preiß gewesen bist/ Mit dem es dieser zeit so herrlich koͤnte prangen; Jn Norden ist durch dich ein solch licht aufgegangen/ Das die gelehrte welt zum Pharus nun erkiest. Jch schweige! was itzund der Brennen land wird sagen/ Da deines gleichen es nicht leichtlich wird erfragen. Zwar ist verwegenheit/ daß ich mich untersteh/ Dein welt geprießnes thun zu ruͤhmen und zu loben/ Apelles wolte nicht vom schuster seyn erhoben/ Als er sein urtheil schwang von schuhen in die hoͤh. Drum machs ichs nach der art der Jndianer-weisen/ Die druͤcken ihren mund/ wenn sie was grosses preisen. Viel laͤnder reisen durch/ viel sachen sehen an/ Von kuͤnsten mancher art viel stunden herzuschwaͤtzen/ Und fast zu jedem ding ein wunder-wort zu setzen/ Scheint zwar/ daß der was weiß/ doch offters wenig kan: Denn wenn es koͤmmt/ daß man was kluges her soll schreiben/ Da muß ein plauder-held gewiß zu hause bleiben. Laufft in die alte zeit/ und schaut was Griechenland Vor maͤnner zeigen kan/ die hochberuͤhmt gewesen/ Was Aristoteles und Plato euch laͤst lesen/ Was vom Thucydides und Strabo ist bekant: Diß hat zwar wohl sein lob/ doch nicht/ so diesem gleichet/ Was unsers seligsten gelehrter kiel erreichet. Sucht alte Roͤmer auf/ und nehmt den Livius/ So Begraͤbniß-Gedichte. So viel von selbigem noch uͤbrig ist geblieben/ Der fuͤrsten psalter-buch/ was Tacitus geschrieben/ Von dem der vorwitz stets was gleiches finden muß/ So sich auf unsre zeit und unsern staat laͤst ziehen/ Les’t ietzt den Pufendorff! ihr werdet jene fliehen. Es ruͤhme Gallien den Gramond und Thuan/ Den Serre/ den Mornay/ und andre kluge geister/ Es poche Spanien/ Saavedra sey der meister/ Der nur die koͤnige staats-klugheit lehren kan; Es lasse Niederland den Meteran auffstehen/ Auch selbst dem Grotius wird Pufendorff vorgehen. Was wunder! da dein geist allhier sich schwang so hoch/ Und den verstand und witz kont allenthalben zeigen/ Daß drauff die ehre dich hieß ihren thron besteigen? Denn stand kommt durch verstand; die tugend adelt noch. Wer mit verstande nur und tugenden kan prangen/ Der wird auch mit der zeit so stand/ als gut/ erlangen. Der Gothen tapffrer Carl vertraute dir den staat/ Nach diesem musten dich die Brennus-helden haben/ Allwo dein kluger sinn und hohen geistes gaben Sich hoͤchst-verwunderlich der welt gewiesen hat. Denn diese kan man recht vor grosse fuͤrsten zehlen/ Die kluge diener selbst sich wissen zu erwehlen. Zu Rom kam niemand vor in ehren-tempel ein/ Der durch den tempel nicht der tugend war gegangen; Alsdenn so kont er erst des adels wuͤrd erlangen/ Sie muste nicht durch geld und list erkauffet seyn; Denn tugend ist der stamm/ daraus der adel sprießet/ Die quell/ aus welcher gluͤck und aller wohlstand fließet. Es zehlt offt mancher zwar viel edler ahnen her/ Er blaͤht sich druͤber auff/ und pocht auff sein geschlechte/ M 5 Blickt Begraͤbniß-Gedichte. Blickt andre finster an/ als etwa seine knechte/ Denckt: ob ein weiser ihm nicht gleich und edel waͤr? Wenn aber man von ihm nimt weg des adels nahmen/ So ist sein zierrath hin; Er steht gleich wie die lahmen. Viel andre macht der Mars durch blutvergiessen groß; Doch/ wo nicht sind gepaart die feder und der degen/ Vor denen welt und volck sich muß zu fuͤssen legen/ So steht der held nur halb/ und ohne degen bloß. Denn diß ist nicht genug den hut mit federn zieren/ Viel schoͤner/ wer sie weiß auch in der hand zu fuͤhren. Wie aber? soll nicht der so gut als jener seyn/ Der seinen adelstand durch tugend hat erworben/ Als der/ der ihn geerbt von ahnen die gestorben? Man schaͤtzt von hoͤherm werth den neusten edelstein. Nach art und eigenschafft der sterblichen im leben/ Sind diß die edelsten/ die nach dem hoͤchsten streben. Zwar hat wohl immerzu kunst und geschickligkeit Das ungluͤck/ daß zu ihr sich gern der neid gesellet/ Der ihren ehren-ruhm verkleinert und vergaͤllet; Doch boͤser menschen thun besteht nur kurtze zeit/ Sie muͤssen insgemein selbst schlechten nachklang haben: Denn offt wird nahm und ruhm mit ihrer haut begraben. Ob schon die sonne selbst/ das auge dieser welt/ Die uns viel gutes thut/ und alles lebend machet/ Von voͤlckern wilder art verflucht wird und verlachet/ Auch von dem himmel offt mit wolcken gantz verstellt/ Bleibt sie doch sonn/ und kan ihr nichts den ruhm entziehen/ Ob fledermaͤuse gleich und eulen selbe fliehen. Drum wer will etwas seyn/ der zeige sich der welt Und thu wie du gethan/ gelehret und geschrieben; So Begraͤbniß-Gedichte. So wird man gleichfals auch ihn ehren/ loben/ lieben/ Es ist ja nicht genug/ daß man nur urtheil faͤllt. Dort konte Momus zwar viel tadeln und verlachen/ Doch aber selber nicht was schlechtes besser machen. Du stellst/ mein Pufendorff/ ein herrlich muster dar! Dein unermuͤdter fleiß und feurige begierde Hat sich der welt gezeigt in recht vollkommner zierde/ Und wiese/ daß an dir was mehr als edles war. Staats-rechts- und weißheit-lehr/ beschreibung der geschichte/ Und sitten-kunst spielt ietzt von dir mit neuem lichte. Ach ungemeiner geist! ach schmertzlicher verlust! Soll denn dein edler kiel schon feyer-abend machen/ Und uns nicht ferner mehr beschreiben kluge sachen? Vergebens! denn der schluß des Hoͤchsten spricht: du must! Es achtet nicht der tod natur- und voͤlcker-rechte/ Er raubt ohn unterscheid die herren wie die knechte. GOtt theilt zwar iedes ding nach maaß und zahlen ein; Doch unser vorwitz hat noch nicht gewiß ergruͤndet/ Warum manch mensch sein end im staffel-jahre findet Und neun und sieben ihm gefaͤhrlich sollen seyn? Daß neun und viertzig meist und drey und sechzig jahre Die klugen mehrentheils gebracht zur todten-bahre. Betruͤbte/ derer hertz in blut und thraͤnen schwimmt/ Daß euer ehgemahl und vater ist erblasset; Hemmt eure traurigkeit/ wo ihr euch selbst nicht hasset! Wohl dem! der aus der welt so ruͤhmlich abschied nimt/ Und vor dis jammerthal den himmel kan ererben; Es bleibet doch dabey: wir muͤssen alle sterben. Was ist das leben doch? nichts als gebrechlich glaß; Ein nebel/ wie diß wort wird umgekehrt gelesen/ Der Begraͤbniß-Gedichte. Der unvermerckt verraucht/ als waͤr er nie gewesen; Ein meer voll angst und leid; ein leicht verdorrend graß; Ein schau-platz/ den der mensch mit thraͤnen muß beschreiten/ Und die abtretende auch thraͤnende begleiten. Drum stellt das klagen ein/ was geist und leben schwaͤcht/ Und doch nicht maͤchtig ist die leichen auffzuwecken! Es lebt der seligste nun sonder qual und schrecken/ Und hoͤrt von engeln ietzt ein goͤttlich voͤlcker-recht: Er sitzt nunmehr bey GOtt in diamantnen zimmern/ Wo pracht und herrligkeit wird sonder ende schimmern. Was weint ihr? weinet nicht! wischt eure wangen ab! GOtt der die wunden schlaͤgt/ der wird sie auch verbinden/ Und wider euren schmertz ein heilsam pflaster finden. Er bleibt der wittwen trost/ der waysen schutz und stab. Goͤnnt nur dem seligsten/ daß er vorangegangen/ Er wird euch einst im reich der herrligkeit empfangen. Nun schlaff mein Pufendorff! schlaff biß an grossen tag. Ach wie viel angst und noth wirst du doch noch verschlaffen/ Kein donnrend feld-geschrey/ kein schwirren grauser waffen Jst maͤchtig/ daß es dir die ruhe stoͤren mag. Man klagt daß deine hand den frieden nicht beschreibet; Du aber lebst bey GOtt/ wo ewig friede bleibet. Betruͤbte stehet auf! last uns von hinnen gehn! Die sonne sinckt zur ruh/ kommt aber morgen wieder. Legt buch und ehren-schild itzt bey dem grabe nieder! Des ruhmes guͤldne fahn soll bey den sternen stehn; Und glaubt: so lange noch die welt wird buͤcher schreiben/ Wird Pufendorffes lob und nahm unsterblich bleiben. Auf Begraͤbniß-Gedichte. Auf das absterben Fr. A. Graͤfin von Schaffgotsch. H. v. A. K Ommt! seelen/ die ihr euch der tugend sclaven nennt/ Die ihr der gottesfurcht/ als mutter aller tugend/ Ohn heuchel-schein geweiht die blumen eurer jugend/ Da auch der jahre schnee von andachts-flammen brennt! Jhr/ die das kleen-blat der himmlischen geschwister/ Glaub/ lieb und hoffnung schreibt in ihꝛ geschlechts-register. Kommt! die des gluͤckes arm weit uͤbern poͤbel traͤgt/ Daß ihr vom Apennin der hoͤchsten ehren schauet/ Wie eurer hoheit man altar und tempel bauet/ Wie man haupt/ mund und hand zu euren knien legt. Weil GOtt und kaͤyser euch hat cronen auffgesetzet/ Dargegen gold und stein wird koth und staub geschaͤtzet. Kommt! ihr/ die weißheit hat den sternen beygesellt/ So/ daß die welt euch traͤgt auf blaͤttern und auf zungen/ Nachdem sich euer witz biß an den pol geschwungen; Ja/ rechnung mit der zeit/ buch mit dem himmel haͤlt/ Und/ als durch prophecey/ laͤst in die welt erschallen/ Ob diß und jenes hauß wird stehen oder fallen? Kommt! die ihr habt erlernt das hertzen-regiment/ Und durch ein kluges wort mehr seelen koͤnt bezwingen/ Als strick und feuer nicht/ noch scharff-geschliffne klingen/ Und was recht und gewalt hat fuͤrsten zuerkennt. So/ daß ein helden-hertz in frauen-haͤnden lieget/ Und zeigt/ wie sanfftmuth hat dem staͤrcksten obgesieget. Kommt! die ihr euch beruͤhmt von haͤuß- und wirthligkeit/ Weil ihr in Thekoa zur schulen seyd gegangen/ Und mit dem ehren-ruhm Abigails koͤnt prangen/ Jhr/ derer keuschheit rufft Zenobien zum streit; Die Begraͤbniß-Gedichte. Die ihr in kinder-zucht den adlern abgewonnen/ Und eure jungen fuͤhrt tag-taͤglich zu der sonnen. Kommt! die ihr alles koͤnt/ was kunst und tugend heist/ So/ daß das buch der welt vor euren ruhm zu enge/ Eur lob unzehlbarer/ denn selbst der sternen menge/ Daß zung und feder stuͤmpfft den himmel-hohen geist; Kommt! ich beschwer euch hier bey him̃el/ geist und sternen/ Sagt/ und bekennet mir: habt ihr auch sterben lernen? Jhr wist: an diesem punct hengt ja die ewigkeit! Laßt euren lebens-lauff in demant-taffeln stechen/ Wird nicht ein ruͤhmlich tod mit in der sache sprechen/ So liegt im augen-blick der bau undenckb’rer zeit. Wer in der hohen schul will doctor-wuͤrd’ erlangen/ Der pflegt das grosse buch von hinten anzufangen. Kommt denn! und naͤhert euch der grossen Graͤfin grufft/ Last ehrerboͤtigkeit euch ja hieher begleiten/ Wer boͤs’ und lasterhafft/ der komm auch nicht von weiten/ Hier ist ein heilig ort/ und GOtt-geweihte klufft; Hier wird ein stummer mund die kunst der kuͤnste zeigen/ Daß Plato/ Socrates/ und Stagirite schweigen. Trat je ein frauen-bild auff dieses rund der welt/ Das man den sammel-platz mag aller tugend nennen/ Wo stand und weißheit sich als rechte schwestern kennen/ Dem mensch und engel selbst die wahre lob-schrifft stellt/ Daß sie vom tugend-circk der mittel-punct gewesen/ So kan man/ glaubet! diß von unsrer Graͤfin lesen. Vor ihre gottesfurcht zeugt tempel und altar/ Ja der gemeinden schmertz rufft allen in die ohren: Ach! unsre kirche hat die priesterin verlohren/ Die mit dem Hoͤchsten hier stets in den waffen war; Und Begraͤbniß-Gedichte. Und das gemeine heyl dem himmel abgedrungen/ Weil thraͤnen und gebet den Hoͤchsten offt bezwungen. Die hoheit ihres stamms ist allzu hoch vor mich/ Mein schwaches lob-lied muß vor dieser wuͤrde schweigen/ Vor diesen demant muß mein kiesel-stein sich neigen; Doch nimt der zeiten buch die muͤhe selbst auff sich Und laͤst (besinn ichs recht?) von ihr die nachwelt lesen: Koͤnigs-stamm/ weil sie ihren ursprung von George Podibrad in Boͤhmen hat. Sie sey von koͤnigs-stamm/ und fuͤrsten-blut gewesen. Hoͤrt! wie manch kluger mund von ihrer weißheit spricht? Die redner sind bemuͤht die todte zu beleben/ Will sie/ was erde war/ der erden wieder geben. Kennt doch ihr himmlisch geist auch ietzt die erde nicht. Es will der seelen-pfau sie nach gebuͤhr erhoͤhen: Denn was von sternen kam/ muß auch bey sternen stehen. Der ungemeine zug/ so seelen fesseln kan/ War von dem himmel ihr zur eigenschafft geschencket; Und dieses ists/ was ietzt in seelen-leid versencket Das kleinod Schlesiens/ des Kaͤysers theuren Mann/ Den Grafen und Gemahl/ so thraͤnend aus-will sagen: Mein Agnes hat mein hertz in ihrer hand getragen. Der Graͤflich-hohe stamm/ und was darzu sich zehlt/ Durch blut und freundschaffts-pflicht/ durch eyd und treu verbunden/ Fuͤhlt allgemeinen schmertz/ traͤgt allgemeine wunden/ Der sonder gleich Anthon/ die toͤchter so vermaͤhlt/ Entdecken aller welt durch seuffzer/ ach und zaͤhren/ Daß sich ihr Canaan in Mara will verkehren! Kurtz! was die kluge welt vor kunst und tugend schaͤtzt/ Ja alles/ was man kan von helden-frauen hoffen/ Ward Begraͤbniß-Gedichte. Ward bey der seligsten vollkommen angetroffen: Doch hat sie alles diß weit unten hin gesetzt. Sie wuͤnschte diesen ruhm vor allen zu erwerben: Daß sie der kuͤnste kunst gelernet/ wohl zu sterben! Kommt sterbliche! und last der Graͤfin duͤstres grab Dem duͤstrenden verstand zu licht und sonne werden/ Sie war/ indem sie war/ ein sonnen-bild auf erden/ Das seinen tugend-strahl durch staͤdt und laͤnder gab. Doch lernt ihr himmlisch geist bey guter zeit verstehen: Die lebens-sonne koͤnn’ im auffgang untergehen. Drum war ihr gantzes thun gerichtet auff den todt/ Jns lebens mittel-punct begunte sie zu sterben/ Sie ließ beym purpur ihr die todten-baare faͤrben/ Und macht aus myrrhen sich ein suͤsses himmel-brod. Dem Heiland wiese sie stets die gefaltnen haͤnde/ Und bat/ durch seinen todt/ ein sanfft und selig ende. Ein vater/ der sein kind liebt als sein eigen blut/ Pflegt/ was es von ihm heischt/ demselbten zu gewaͤhren/ So lebt es denn vergnuͤgt/ es spart die heissen zaͤhren. Schaut! was der grosse GOtt an diesem kinde thut? Die seele/ die ihm ist vermaͤhlt durchs glaubens kette/ Die holt er aus der kirch in Edens hochzeit-bette! Die selig-todte will von ihrer arbeit nun/ Von tugend/ gottesfurcht/ und tausend liebes-wercken/ Dabey sie GOtt und mensch ließ ihren glauben mercken/ Nach vieler jahre muͤh/ im schooß der mutter ruhn: Sie will/ indem sie stirbt/ die sterbens-kunst uns lehren/ Auf! sterbliche! last uns diß still’ oracul hoͤren! Der gute leimund spricht fuͤr sie die woͤrter aus/ Jhr ruhmbar lebens-lauff/ ihr noch mehr ruͤhmlich ende/ Kirch/ schulen/ hospital/ ja stein und stumme waͤnde/ Beschreiben ihren ruhm; den nicht das todten-hauß Bedeckt/ Begraͤbniß-Gedichte. Bedeckt: denn auch die krufft ihr wird zum ehren-tempel/ Und sie auch sterbende der lebenden exempel. Jch schweige; denn itzt tritt glaub/ lieb/ und hoffnung auf/ Sie schlagen an die brust/ sie rauffen ihre haare/ Mit thraͤnen netzen sie der theuren schwester baare/ Sie kuͤssen ihren stein; die gottesfurcht schreibt drauff: Verwesung! zaͤhme dich! du solt kein recht hier haben/ Mein hertz und auge liegt in dieser grufft begraben. Sonnet Auf die beerdigung Hn. D. D. Heimbuͤrgers/ Archidiaconi zu Berlin; nach anleitung des Evangelii vom ungerechten haußhalter. C. E. W Je redlich hastu doch dem Herren haußgehalten/ Der die geheimniß dir des himmels anvertraut: O theurer seelen-artzt! wer hat dich nicht geschaut Mit unermuͤdtem fleiß dein schweres amt verwalten? Wann so viel donner-wort’ aus deinem mund erschallten/ Welch hartes felsen-hertz ward nicht dadurch erbaut? Jtzt aber da du schweigst/ erschuͤttert uns die haut/ Und unser hertz will schier samt deinem leid erkalten: Du legst die rechnung ab vor GOttes lichtem thron/ Und uͤberkommst daselbst den theuren gnaden-lohn/ Die engel nehmen dich in ihren frommen orden: Und da dein leib hier nicht mehr haͤuß auff erden haͤlt/ Verlaͤst als pilgrim du die huͤtten dieser welt/ Und bist nunmehr daheim ein himmels-buͤrger worden. II. Theil. N Son- Begraͤbniß-Gedichte. Sonnet Auf das absterben einer freundin/ nach anleitung des Evangelii: vom verlohrnen JEsu. C. E. M Aria klagt und weint/ daß sie ihr kind verlohren; Und ihr/ betruͤbtste/ steht in bleicher kuͤmmernis/ Da eben itzt der todt durch einen strengen riß Eur allertheurstes gut zu seinem raub erkohren. Ach klaͤglicher verlust/ den euch diß jahr gebohren! O schmertz! allein gedult! Euch troͤstet dennoch diß/ Daß der erzuͤrnte schluß des himmels sich gewiß Nicht ewig wider euch mit ach! und weh! verschworen. Nicht sucht die seeligste beyn nachtbarn und bekandten; Umsonst! ihr findt sie nicht beyn freunden und verwandten. Sie ist numehr in dem/ das ihres vaters ist. Drumb zieht die thraͤnen ein/ und last den kummer schwinden; Was ihr drey tage lang auff erden hier vermißt/ Werdt bey den lehrern ihr im himmel wieder finden. Auf das absterben Fr. A. C. G. B. B Etruͤbte/ zieht das saltz der schweren thraͤnen ein/ Und schlagt zugleich die last der sorgen in die erden: Denn sagt/ wo koͤnte wol der mutter besser seyn/ Als itzt da mund und hertz zu lauter sternen werden. Jhr wißt wol daß ein mensch den jahres-zeiten gleicht/ Die erstlich nichts als lentz und suͤsse sommer zeigen/ Biß daß der kuͤhle herbst dem kalten winter weicht/ Und endlich beyde sich zum untergange neigen/ Dann faͤngt der naße mertz den fruͤhling wieder an/ Die strenge lufft zertrennt den dicken dunst der erden/ Und denn bricht der aprill die bunte blumen-bahn/ Und laͤst den kalten schnee zu frischen purpur werden: So Begraͤbniß-Gedichte. So must es/ traurige/ der mutter auch ergehn; Jhr alter war nunmehr biß in den winter kommen: Weil sie von neuem nun soll wieder aufferstehn/ So hat der krancke mertz die kaͤlte weggenommen. Wir graben nichts als schnee und schwache glieder ein; Dort aber scheinet schon der fruͤhling ihrer seelen/ Und schreibt euch insgesamt auf ihren leichen-stein: Wer GOtt liebt/ soll sich nicht um fromme seelen quaͤlen. Auf das absterben Hn. J. P. Sonnet. D Je ihr der erden creyß nach maaß und circkel mest/ Und einem ieden theil gewisse graͤntzen schreibet/ Des himmels grosse welt in eur gehirne treibet/ Und was noch uͤber der der Hoͤchste hangen laͤst/ Zu gruͤnden niemals nicht ermuͤdet seyd gewest; Glaubt/ daß sehr viel von euch noch ungemessen bleibet: Und ob ihr maaß und ziel den sternen einverleibet/ So schaut doch/ daß ihr nicht eur selbst darbey vergest: Mest diesen engen raum/ wo Placentinens glieder Bey vielen andern sich zur ruhe lassen nieder: Sagt uns/ wie breit und lang/ wie tieff des todten grufft? Wie kan den grossen mann diß kleine grab umbschlissen/ Der seine wissenschafft die halbe welt ließ wissen? Doch ruht er hie/ nun GOtt ihn aus dem leben rufft. Auf das absterben Fr. F. Gaͤrtnerin/ G. S. F Rau Gaͤrtnern/ ihrer grufft gebuͤhrt ein blumen-garten/ Die Flora solte selbst mit ihr zu grabe gehn/ Und ihrer bilder glantz/ die blumen bester arten/ Um ihren zarten leib in voller bluͤthe stehn: N 2 Es Begraͤbniß-Gedichte. Es solten tulipen/ violen und narcissen/ Jasmin und lilien die blassen schlaͤffe schluͤssen. Weil aber strenger frost die sternen unsrer auen/ Der Chloris kinder itzt mit kaltem eiß beschwert/ Und wo der fruͤhling sonst lust-haͤuser pflegt zu bauen/ Ein blumen-feind/ der nord/ durch unsre gaͤrten faͤhrt; Bemuͤh’ ich mich umsonst ihr leichen-tuch zu mahlen/ Und diesen letzten dienst mit blumen abzuzahlen. Zu dem ist meine harff und leyer gantz verstimmet/ Jn iede fuge fuͤgt sich ach und winseln ein; Weil der betruͤbte fall ihr allen klang benimmet/ Geschweige daß ich ihr ietzt blumen solte streu’n/ Die denen nur/ so sich der himmel eingegoßen Und Castalis getraͤnckt/ aus ihren federn sproßen. Doch ich erinnre mich/ du kern der klugen frauen/ Was vor ein kluges wort aus deinem munde ging; Als das verhaͤngniß dir mit kranckheit fieng zu drauen/ Und sich der marter-stein an deine seiten hieng; Wie du im geiste schon das haus der ruh’ erblicket/ Und diesen schwanen-thon den wolcken zugeschicket: Mein blumen-garten traͤgt nur eitel granadillen/ Der allerliebste freund/ mein Gaͤrtner/ ist dahin; Es kan kein Aesculap die trauer-schmertzen stillen/ Biß daß mein monde wird zu seiner sonnen ziehn: Jch weiß von keiner lust im marter-haus der erden/ Bis dieser sieche leib wird staub und asche werden. So nimm nun asch und staub/ prophetin/ deiner leiche Von meiner schwachen hand/ statt fruͤhlings-blumen/ an/ Die ich nach landes-art mitleidend uͤberreiche/ Und bahn der werthen asch aus aschen eine bahn; Geh’ Begraͤbniß-Gedichte. Geh’ Artemisia zu deines mannes grabe/ Damit sich deine glut in seiner aschen labe. Was uns das heydenthum von todten-asche lehret/ Bevor das goͤldne Rom/ die koͤnigin der welt/ So ihrer keyser asch’ in golde hat geehret/ Wuͤrd’ ihrer aschen auch nicht unrecht angestellt; Wenn nicht des himmels braut/ die goͤttin ihrer huͤtten/ Das diamanten zelt der sternen uͤberschritten: Denn dieser goͤttlich seyn/ und ewig helle strahlen/ So keine wolcke deckt/ und nimmer untergeh’n/ Macht/ daß wir der natur die pflicht mit lust bezahlen/ Und den bestimmten tod ohn alle furcht ausstehn: Daß wir den aschen-dienst der unbesonnen heyden/ Dieweil der schatz verwahrt/ mit gutem rechte meyden. Zwar eitlen augen ist die grabschrifft schwer zu lesen/ Und fuͤllt der lichter paar mit milden thraͤnen an/ Daß man diejenigen/ so goͤtter hier gewesen/ Jn ihrer hand voll staub nicht mehr erkennen kan: Daß engel von gestalt/ narciß und liljen-glieder Den augen ungeheur/ und dem geruch zuwider. Allein dergleichen rest von unsrem seelen-kleide Weis’t nur/ wie unser haus/ der leib zum fall geneigt: Er ist nur ein entwurff/ ein pinsel eine kreide/ So die gebrechlichkeit der rothen erden zeigt; Dort aber eine saat/ ein saamen der die aͤhren/ Deß frucht der himmel liebt/ vielfaͤltig wird gewaͤhren. Drum will ich diesen staub und asche nicht entweyhen/ So uns ein ebenbild der aufferstehung weißt: Der saame/ den wir hier in diese grufft verstreuen/ Und den der freunde leid mit thraͤnen uͤbergeust/ Wird in dem paradieß die schoͤnsten blumen tragen/ Die weder frost/ noch glut/ noch winde niederschlagen. N 3 Das Begraͤbniß-Gedichte. Das wunder unsrer zeit/ so die natur durchgangen/ Und ihre heimligkeit der nachwelt kund gethan/ Herr Kircher/ hat schon laͤngst zu zeigen angefangen/ Wie man aus nessel-staub die nessel bringen kan; Biß andre diese kunst in blumen auch erwiesen/ Und Kirchern einen printz der wissenschafft gepriesen. Der meister der natur/ der schoͤpffer aller sachen/ Der Herr/ der niederschlaͤgt und wieder auferweckt/ Wird einst aus diesem staub viel schoͤnre blumen machen/ Fuͤr denen Chloris pracht und purpur sich versteckt; Die Titans heisse gluth im minsten kan verletzen/ Die ewig gruͤnen stehn/ die ewiglich ergetzen. Betruͤbtste/ die ihr hier in staub und aschen sitzet/ Laßt euch der todten staub zu einer troͤstung seyn: Das ungluͤcks-wetter/ so umb eure scheitel blitzet/ Erschuͤttert/ aber bricht doch keine saͤulen ein. Und ob ein irrdisch leib von flammen untergehet/ Genung/ daß dorten doch ein Phoͤnix aufferstehet. Bey beerdigung Jfr. A. C. C. v. N. D Ein schwanen-reiner geist/ der aus der wohnung schritt/ Eh’ man durch mittel ihn zu bleiben konte zwingen/ Befiehlet uns itzund die leiche zu besingen. Ein schatten-leises ach! ist itzt dein hochzeit-lied/ Nachdem du durch den todt bist aus der welt geschwommen/ Und ans gelobte land in sichern hafen kommen. Da siehestu die welt/ wie wir den schneeball/ an/ Der unumzirckte glantz dient dir zu einem kleide/ Die unschuld schmuͤckt dein haupt an statt der weissen seide/ Die auch der liljen-pracht entfaͤrbet machen kan/ Dein zimmer ist gebaut in die gestirnten zinnen/ Worunter schnee und blitz auff menschen sich entspinnen. Hier Begraͤbniß-Gedichte. Hier liegt das blasse nichts von iederman beweint/ Es ruhet zucht und ehr vor deiner schlaffstaͤtt schwelle/ Die keuschheit lehnt sich drauff/ ein unzertrennt geselle Und was ersinnlich ist/ und was noch uͤbrig scheint/ Das schlachtet sie dir noch. Das wohnhauß deiner seele Bewacht der Hoͤchste dir in deines grabes hoͤhle. Du schlaͤffst im seegen ein/ des vaters treue hand Druͤckt dir die augen zu/ du ruhst in seinem hertzen/ Die seele brennet dir an statt der hochzeit kertzen/ Ein herber thraͤn verbleibt sein allerbestes pfand/ Das er zuletzte dir in tieffstem kummer schencket Aus einem vater-hertz durch diesen riß gekraͤncket. Grab! das die tugend selbst mit ruhme uͤberdeckt/ Grab! das mit recht verlacht smaragden und rubinen/ Weil alle todtenbein auch wieder sollen gruͤnen/ Grab! das uns ingesamt ein grosses leid erweckt/ Du solst die zeile hier auff deinem leichstein haben: Der kern der ist bey GOtt/ die schalen sind vergraben. Tod der frommen Bey beerdigung Hn. G. A. v. Kottwitz. D. T. V Erzeih/ daß ich dein grab mit fernem auge netze/ Der um ein ander grab ich hier bemuͤhet bin/ Und statt der letzten pflicht dir diese zeilen setze/ Mein Kottwitz/ dessen mund so zeitlich muß verbluͤhn; Dein stundenglaß zerbricht/ dein lebens-licht verschwindet/ Kaum eh es die natur gestellt und angezuͤndet! So ists/ des HErren rath hegt so verborgne schluͤsse! Es ist der alte spruch: Der fromme stirbet fruͤh. Nichts hindert/ was man auch vor sorg und ausflucht wisse; Daß nicht des Hoͤchsten arm die seinen nach sich zieh: N 4 Wer Begraͤbniß-Gedichte. Wer einmahl sich dem thun des himmels hat ergeben/ Kan nirgends besser als bey dessen sternen leben. Zwar das verwehnte fleisch/ und mehr als zarte wallen/ Das nach dem ersten fall in unsern adern gluͤht/ Sucht lieber auff der welt sein hoͤchstes wolgefallen; Jndem es irrdsche kost in seine nahrung zieht: Man will mit grossem schein von vielem unrecht sagen/ Wenn uns Gott zeitig laͤst zu unserm grabe tragen. Bald soll der lichte schmuck gekroͤnter diamanten/ Der hoch-erhabne thron/ des purpers fuͤrstlich schein/ Des zepters maͤchtig gold/ die schaaren der trabanten Uns von der finstern nacht der engen grufft befreyn: Und keiner fast bedenckt/ wie der verklaͤrte schimmer Der hellen ewigkeit trotz’ alle kaͤyser-zimmer. Bald soll der vorfahrn thun/ die laͤngst die grufft geschauet/ Und vieler schilde werth/ und vieler fahnen pracht/ Das schloß das dazumahl der anherr noch gebauet/ Verhindern und verwehrn des todes strenge macht: Und niemand kennt den glantz der edlen seraphinen/ Die um den sieges-stuhl des streitbarn lammes dienen. Und die/ die durch verstand der erden sich entrissen/ Und an der sterne pol den klugen geist gebracht/ Begehren gleichfals nichts von irrdscher grufft zu wissen/ Sie kleben an der welt/ die doch ihr sinn verlacht: Verwegen; denn es ist nur stuͤckwerck ihr studieren: Dort kan der weißheit brunn das gantze werck vollfuͤhren. Bald aber soll die zier der rosen-vollen wangen/ Der fruͤhling/ der verjuͤngt auf allen gliedern bluͤht/ Die heßliche gestalt des todes nicht erlangen/ Man ist vor wurm und wust mit safft und kraut bemuͤht: Und Begraͤbniß-Gedichte. Und dieser schimmel kan uns doch zu engeln machen/ Und in den Eden fuͤhrn/ wo tausend blumen lachen. Auch die mit geld und gut bis oben an gefuͤllet/ Bey derer uͤberfluß die kargheit taffel haͤlt/ Die haben darum nie den hunger recht gestillet/ Weil ihre naͤrrsche furcht auf spaͤtes alter faͤllt: Unwissend/ daß der nutz der himmelischen schaͤtze Weit mehr als irrdscher koth der seelen wunsch ergoͤtze. Ja/ die erfahrenheit/ und der verdienste menge/ Erfindung/ die der welt viel neues hat entdeckt/ Haͤlt das gesetzte ziel der grufft vor allzuenge; Als waͤre noch so viel in unsrer brust versteckt: Und ieder weiß/ daß doch die kentniß aller dinge Uns erst im paradis’ und nach der grufft gelinge. Am meisten aber bricht der menschen kuͤhnes klagen Bey uͤbereiltem fall der fruͤhen jugend aus; Da weiß man nicht genug von hoffnungen zu sagen: Bejammern und verlust erfuͤllt das gantze hauß: Da fallen pfeiler ein und schloͤsser der gedancken: Da will der gantze bau von unsrer freude wancken. Verwehnte sterblichen! und mehr als irrdsche sinnen! Klebt euer niedrig geist so gar dem untern an? Betrachtet nur einmahl die uͤberirrdsche zinnen/ Die ohn empfindlichkeit kein mensch betrachten kan! Geht einmahl aus euch selbst/ entreißt euch der gedancken/ Die euren geist verwirrn/ in diese erden-schrancken! Und/ o wie bald solt ihr dis arme rund verachten/ Und dessen eitelkeit mit eckel schauen an: Wie gantz begierig solt ihr nach den schloͤssern trachten/ Wo euch das hoͤchste gut unendlich werden kan: N 5 Euch Begraͤbniß-Gedichte. Euch soll in kurtzer zeit so sehnlich bange werden; Umb nur so fort zu fliehn die eiteln lust-beschwerden! Denn was verfuͤhrt uns mehr in abgrund boͤser luͤste/ Als das Sirenen-lied der lockend-schlauen welt? Dis wohnhauß/ da wir sind/ ist eine weite wuͤste/ Wo loͤw und tieger uns nach fleisch und leben stellt: Ein kercker/ in dem wir gefesselt speise nehmen/ Und uns um kurtze lust zu ewger pein bequemen. Wer diesem netze nun bey zeiten noch entgehet/ Eh ihn die eitle pracht in dessen schlingen trieb/ Eh er den schlauen kram der laster recht verstehet/ Hat den des Hoͤchsten hertz nicht wol vor andern lieb? Das schaf ist aller list des wolffes bald entschwunden/ Das zeitig seinen weg ins hirten-hauß gefunden. Und also macht es auch der himmel mit den seinen/ Die ihm in dieser welt mit treuer brust gedient: Er fodert sie zu sich/ eh sie und wirs vermeinen/ Und stellt sie an den ort/ wo sichres wohlseyn gruͤnt: Kein frommer/ wie gar bald er auch wird weggenommen/ Jst/ wenn mans recht bedenckt/ der welt zu fruͤh entkommen. Und so verletzen wir auch mehr mit unsern thraͤnen/ Mein Kottwitz/ deinen tod/ als unsrer pflicht gebuͤhrt. Du hast den port erlangt/ wornach viel tausend sehnen/ Die dieser wuͤsten welt gefaͤhrlich Scylla ruͤhrt. Du bist zwar fruͤh/ doch fromm/ und mit viel nutz gestorben: Denn eh du recht gekaͤmpft/ hast du den sieg erworben. Du stehst mit groͤßrer pracht nun vor des HErren throne/ Als tausend edele uͤm ihren fuͤrsten stehn: Nun deckt dich ein gewand/ nun schmuͤckt dich eine krone/ Vor derer kostbarkeit uns aug’ und ohr vergehn/ Und Begraͤbniß-Gedichte. Und deine seiten schleust der engel heilig orden: Denn ihrer anmuth ist dein alter gleiche worden. Mehr kan mein sterblich kiel in keine reime bringen/ Hier schwindet mein verstand/ der dir weit unten steht; Du hoͤrst die aͤltesten des HErren heilig singen/ Da meine lehrsamkeit mit kindern noch umgeht: Wer der entseelten stand vollkommen will beschreiben/ Muß selbsten auch nicht mehr in seinem leibe bleiben. Viel besser muͤh ich mich/ bey deinen grufft-cypressen Dein fromm-gefuͤhrtes thun nachruͤhmlich zu erhoͤhn: Mein Kottwitz/ deiner wird man nicht so bald vergessen/ So lange diß noch wird auf deinem grabe stehn: Hier liegt ein Edelmann/ der/ weil er in dem orden Der frommen hat gelebt/ zum himmels-fuͤrsten worden. Ver- Vermischte Gedichte. Vermischte Gedichte. An Seine Churfuͤrstl. Durchl. zu Brandenburg Friedrich Wilhelm/ Uber ihre anno 1686 unter dem von Schoͤ- ning nach Ungern geschickte auxiliar- voͤlcker. † † † W Ohin Großmaͤchtigster wird noch dein nahme steigen? Wem hat nicht Brandenburg schon schrecken eingejagt? Soll sich dein kuͤhnes heer nun auch den kaͤysern zeigen/ Nachdem es sich genug mit koͤnigen gewagt? Denn zieht es nicht ins feld den Tuͤrckschen zu bekriegen/ Und fuͤr die majestaͤt des Roͤmischen zu siegen? Der grosse Leopold verfolgt die Saracenen/ An denen schon sein arm viel wunders hat gethan; Und weil ein neuer zug soll seine siege kroͤnen/ Spricht er dich dieses mahl um deinen beystand an: Weil ihm dein volck bekandt/ und man ihm auch gepriesen/ Wie es vor Neutra Anno 1664 halfen die von Sr. Churfl. Durchl. ihrer Kaͤy- serl. Majestaͤt wider den Tuͤrcken/ unter commando des Her- tzogen von Holstein/ zu huͤlffe geschickte voͤlcker Neutra und Lebentz belaͤgern und erobern; und als die Tuͤrcken die- sen letzten platz entsetzen wolten/ schlugen die Brandenbur- gischen nebst denen Kaͤyserlichen sie dergestalt zuruͤcke/ daß der Erbfeind viel stuͤcke und mannschafft dabey ein- buͤßete. schon und Lebentz sich erwiesen. Wie Vermischte Gedichte. Wie treulich rathest du dem gantzen vaterlande! Du hast zu erst daheim der unruh abgewehrt; Und da der stillestand Man meinet den anno 1684 auf 20 jahr zwischen dem Reiche und Spanien mit Franckreich gemachten stillstand. / durch deinen rath/ zum stande/ Schickst du auch außerweꝛts dein laͤngst gerufnes schwerdt. Wofuͤr man aber dir um so vielmehr verbunden; Als du die sicherheit vorher dazu erfunden. Durch dich hat man nunmehr mit einem nur zu kaͤmpfen/ Und iederman behaͤlt die arme darzu frey. Wie leicht laͤst sich ein feur von vielen haͤnden daͤmpfen? Doch deine langsamkeit traͤgt hier das meiste bey; So daß die nachwelt auch von dir wird muͤssen sagen: Des Fabius verzug hat Hannibaln geschlagen. Dein heer ist im besitz der groͤsten helden-thaten/ Sein fuͤhrer Der von Schoͤning. klug und kuͤhn/ der keinen sebel scheut: Du selbst der es gesandt/ der Vater der soldaten/ Und wider den es zieht/ der feind der Christenheit. Diß und das Roͤmsche haupt/ das recht von seinen sachen/ Kan uns nunmehr den sieg so viel gewisser machen. Besonders wird dein volck hierdurch erweckt zum streiten/ Daß es dich/ seinen Mars/ zu pferde hat gesehn; Denn da du dich verjuͤngst/ und kraͤffte nimst zu reiten/ Es ist bekant/ daß Se. Churfl. Durchl. dero nach Ungarn gehende voͤlcker zu pferde besehen; so aber nur darum an- gefuͤhret wird/ daß Seine Churfuͤrstliche Durchlauchtigkeit es im 67sten jahre ihres alters thun koͤnnen. Kriegt es auch neuen muth auf seinen feind zu gehn. Wobey du aber auch dem reiche wollen zeigen: Daß du/ zu dessen dienst/ noch kanst zu pferde steigen. Zwar Vermischte Gedichte. Zwar/ was du diesen zug nach Ungarn hast ernennet/ Jst nur ein kleiner theil und ausschuß deiner macht. Allein hat es nicht eh ein grosses heer getrennet/ Und gantze ordnungen/ mit GOtt/ zur flucht gebracht? So wird es auch anitzt den alten nahmen raͤchen/ Und auch dem Mahomet die staͤrcksten laͤger brechen. Sieht es dich gleich nicht selbst mit sich zu felde ziehen/ Schliest deine tugend sich doch deinen waffen ein. Wie vor Achillis schild Man dichtet/ daß/ als Achilles seinem freunde dem Patroclus seine waffen wider die Trojaner geliehen/ diese fuͤr selbige geflohen/ glaubende Achilles stritte selbst mit ihnen. die helden Trojens fliehen; So wird in fremder hand dein schwerdt auch schrecklich seyn. Voraus wenn in der that/ an deiner leute klauen/ Achilles unser zeit/ Wie Churfuͤrst Albrecht der teutsche Achilles genant wor- den; also nennet ietzige Churfl. Durchl. der beruͤhmte Schle- sier/ Caspar von Lohenstein/ den andern Achilles seines hau- ses und Teutschlandes. der Barber dich wird schauen. Zu dem soll dieses volck auch nicht alleine streiten; Der wunsch der christenheit begleitet dessen pfad/ Und deinem adler steht der Roͤmische zur seiten/ Der sich zu gleichen kampff mit dir vereinigt hat. Weil nun die adler sonst ein sinnebild der staͤrcke/ Verheist uns euer bund auch lauter wunderwercke. Zieht denn ihr adler hin mit euren adler-fahnen/ Jhr voͤgel Jupiters ersteigt des monden hauß: Der himmel wird euch selbst die strasse darzu bahnen/ Und diese unter-welt macht diesen schluß daraus: Wenn unser adler erst den monden uͤberstiegen/ So koͤnnen sie hernach leicht in die sonne fliegen. Danck- Vermischte Gedichte. Dancksagung Des befreyten Unter-Rheins an Se. Churfuͤrstl. Durchl. zu Brandenburg Friedrich den Dritten. Nach der uͤbergabe von Bonn Anno 1689. † † † Instat vi patria Pyrrhus. 2. æn. 491. S O recht/ du deutsches volck/ ihr tapfern Alemannen/ Es kostet euch nur ernst die Frantzen zu verbannen. So oft’ ihr euch am Rhein geruͤstet lassen sehn/ Kan schon/ von alters her/ kein Gallier bestehn. Wo sind die rauber hin? ein zug hat sie zerstreuet/ Und mein beschwerter strohm ist wiederumb befreyet. Euch hab’ ich schon gedanckt/ beschirmer um den Mayn/ Die Maintz wieder einnahmen/ und unter denen auch Seine Churfuͤrstliche Durchlauchtigkeit zu Sachsen Johann Georg der Dritte. Nun komm ich auch zu dir/ held an dem Unter-Rhein. Jung und sieghaffter Held/ ruhm des beruͤhmten Brennen/ Wie wuͤrdig wird man itzt dich seinen folger nennen! Faͤngt doch dein regiment mit solchen wundern an/ Die Friedrich Wilhelm selbst/ im alter erst/ gethan. Du treibst im ersten jahr dein und der welt gewerbe. Du bringest deinen Freund zu seinem Koͤnigs-erbe. Der vorschub deines heers befoͤrdert diesen schluß/ Daß er/ so schwer es schien/ dennoch gelingen muß. Du staͤrckst die Bataver/ deckst dein’ und ihre laͤnder. Du knuͤpffest in dem reich die allerfesten baͤnder. Durch deinen klugen rath hat Teutschland sich vereint/ Und schlaͤgt mit einer hand den allgemeinen feind. Jhr helden war dein wort/ die fuͤrsten zu erwecken: Welch ungeheures feur darf unsern Rhein erschrecken? Ein Vermischte Gedichte. Ein volck/ dem vor der zeit vor unserm blick Sæpe numero sese cum iis congressos, ne vultum quidem atque aciem oculorum ferre potuisse, erzehlen von den Teut- schen die Galli er selbst bey dem Cæsar lib. 1. de bello Gall. gegraut/ Hat eines uͤberfalls sich abermahls getraut. Woher ruͤhrt dieser muth? das sind nicht ihre wercke. Sie brauchen unsern zwist zu ihrer traͤgheit staͤrcke. Bey unser einigkeit hat Caͤsar auch gezagt; Da itzt ein Koͤnigreich sich uns zu hoͤnen wagt. Seht doch den frevel an. Uns staͤdt und land verheeren/ Nennt Jn dem damahls ausgegebenen Manifest. Franckreich/ zum gespott/ des reiches ruh begehren. Uns/ die selbst Koͤnige/ schreibt es gesetz und spruch; Und/ daß wir uns verwahrt/ Durch das zu Augspurg gemachte buͤndniß. ist ihm ein friedens-bruch. Wie nun/ soll Gallien die teutschen ufer draͤngen? Genug gedult gehabt der langmuth nachzuhaͤngen. Jhr helden wachet auf/ und samlet eure macht/ Hier steht gantz Brandenburg fuͤr euch zu hauf gebracht; Wir sind und heissen noch die streitbaren Germanen. Der bund ward kaum beliebt/ so zogen deine fahnen. Dein heer/ zu welches sich mehr voͤlcker zugesellt/ Schlug gleich/ bey Ordingen/ die draͤnger aus dem feld: Nahm Rheinberg/ durch vergleich/ wie sie es eingenommen; Und wo vor ehmahls selbst ihr Koͤnig muͤssen kommen. Jm fruͤhling/ da man nun den groͤsten grimm befahrt/ Verstaͤrcktest du den zug mit deiner gegenwart. Als hauptmann sah man dich vor deinen scharen ziehen/ Und vor denselben her die wachen feinde fliehen: Du zwangst in einem lauf das feste Kaͤyserswerth: Du wandtest dich nach Coͤlln/ das deinen schutz begehrt: Erstiegst die Bonner-schantz’/ und nach gelegten bruͤcken/ Befahlstu/ uͤber mich/ die laͤger fortzuruͤcken/ Hier Vermischte Gedichte. Hier stundst du unbedeckt/ behertzter Friederich. Wo aber bliebst denn du/ du grosser Ludewig? Auf zwantzig meilen war kein mann von dir zu spuͤren/ Obgleich du Auf der von Feuillade ihm aufgerichteten ehren-feule. im triumph mich spoͤttlich duͤrffen fuͤhren. Wilst du ein sieger seyn/ hier haͤtt’ es sich gehoͤrt. Du aber siegest gern/ wenn keiner dich verstoͤrt. Die Teutschen haͤtten wohl zu ernstlich moͤgen rechten. Wo man dir widersteht/ verschmaͤhestu zu fechten. Hingegen Zepter-Fuͤrst/ du stelltest dich vor Bonn. Das feld/ diß Mont-Royal/ erschuͤtterte davon. Du liest auch dein Gemahl um deine laͤger sitzen/ Durch dieser Pallas blick die kaͤmpfer zu erhitzen. Du hieltst/ und wartest lang’/ ob ein entsatz zu sehn: Allein sie kommen nicht/ wenn wir bewaffnet stehn. Dem frieden einbruch thun/ beschleichen und verrathen/ Sind ihrer tapferkeit bequeme wunderthaten. Du grifst darauf den platz mit feuer-wercken an. Du machtest dir zugleich die gegend unterthan/ Hiest aus dem Trierischen den regen Boufler jagen; Da Bonn indeß zerfiel von deiner moͤrser lagen. Dein Weiler macht’ auch hier die feuers-macht bekand/ Die ehmals schon Stetin/ und gantz Stralsund verbrand. Doch/ als auch diß nicht half/ so musten deine hauffen Mit einem vollen sturm an diese festung lauffen. Der feind gestand es dir/ daß er dergleichen kampf Noch nimmer nicht erlebt. Jhn wuͤrgte streich und dampf/ Jhm halfen weder wehr/ noch burg/ noch hohe schantzen/ Du mustest/ noch den tag/ die piquen darauf pflantzen. So bald man zum gefecht das frohe zeichen gab/ Sprang dein erhitztes volck von obenwerts hinab. Du hattest nur bestimmt den graben einzunehmen; Umsonst/ es must’ auch sich das ravelin bequemen. Viel II. Theil. O Vermischte Gedichte. Viel liefen ungezaͤhmt gar auf den steilen wall. Da merckte Hazefeld den vorgesetzten fall/ Er eilte den vergleich/ nach deinem wunsch/ zu schliessen/ Und dich/ der ihn bezwang/ als sieges-herrn zu gruͤssen. Das heist den wetter-strahl gluͤckselig ausgelegt/ Der deinen nahmen strich/ und nun die Frantzen schlaͤgt. Der himmel/ der dein haupt nach deinem vater kroͤnet/ Hat mit der donnerkrafft desselben dich belehnet. Welch grosses meister-stuͤck fuͤr einen jungen held! Du lagst/ wie dein soldat/ in offenem gezelt. Dein erster feind ist gleich der allerstoltzste Koͤnig. Ein ander gegenpart war zum versuch zu wenig. Du rittest vor den wall/ und auch auf kundschafft aus. Wer redet nicht/ bestuͤrtzt/ vom Poppelsdorfschen straus/ Die kugeln schneyten recht/ die vor dir niederfielen. Du lachtest der gefahr/ die auf dich schien zu zielen. Du sahst den wercken zu/ und muntertest sie auf. Du ordnetest den sturm/ und seinen gantzen lauf. Und wie war uͤberdiß dem thun so unterschieden! Du stuͤrmetest vor Bonn/ und schlost in Holstein frieden. O weiser Fuͤrst und held/ du dritter Friederich! Dein Vater lebt in dir; o wie verehr’ ich dich! Welch unerschoͤpffter rath muß deinen staat beseelen; Doch welch ein loͤwen-hertz muß selbigem befehlen! Kan mehr ein feldzug thun? du schlaͤgst der Frantzen kern; Du bringst den unter-Rhein an seinen rechten herrn. Erhaͤltst das platte land/ und zwingst zur uͤbergabe Die staͤrcksten festungen/ die ich am ufer habe. Hat sich Tiberius ein mahl am Rhein gesetzt/ Hab’ ich viel billiger dich dessen werth geschaͤtzt. Die Nyenpfen singen schon in ihren muschel-grotten Von dir/ und deinem stern/ der freudigen Charlotten. Weil mich dein helden-arm dem joche da entreist/ Alwo mein fluß/ getheilt/ sich in das meer ergeust: Wil ich auch deinen ruhm/ durch alle beyde thuͤren/ Jn den welt-ocean/ nebst deinem nahmen/ fuͤhren. Erst Vermischte Gedichte. Erst sag’ ichs Engeland/ wo man dich gerne sieht: Wo dein Oranjen-stamm/ im dritten Wilhelm/ bluͤht. Euch tastet Ludwig an/ er hat sich viel vermessen/ Er duͤrffte sich den tod an den Orangen essen. Hernachmahls mach’ ich es in Franckreich selbst bekant; Sein Koͤnig weiß es zwar/ doch nicht sein armes land. Die Teutschen haben dort stets unterliegen muͤssen; Nun soll man auch daselbst von ihren siegen wißen. Allein/ noch nicht genug: beharret in dem streit. Ermahne/ wie du thust/ das reich zur einigkeit. Euch fuͤrsten ist der Rhein ein gar zu enger schrancken; Jhr muͤsset nach Paris zu euren alten Francken. Der vorschlag scheinet schwer; doch nur im anbegin. Faͤhrst du so weiter fort/ fuͤhrst du sie selbst dahin. Jhr Teutschen habt ja Rom und dessen macht verschlungen/ Das vormahls Gallien/ euch aber nie bezwungen. Zogt ihr die meisterin/ das kaͤyserthum zu euch; Warum nicht die provintz/ der Frantzen koͤnigreich? Dann wird/ an meiner statt/ die stoltze Sene beben/ Und lernen daß annoch die schreck-Germanen leben. Dann wird euch ingesamt/ ihr helden/ euer Rhein/ Und dir der niedertheil auf ewig danckbar seyn! O 2 Aus Vermischte Gedichte. Aus dem lob-gedichte Friedrich Wilhelms des Großen/ Chur-Fuͤrstens zu Brandenburg. Der seegen und abschied Seiner Churfuͤrstlichen Durchl. an ihren/ von der Oranischen Gemahlin/ hinter- lassenen Erb- und Chur-Printzen Friedrich. † † † D U aber/ Friederich/ mein aͤltst- und theurster sohn/ Du erbe meines reichs/ nim ein den vater-thron/ Sey freudig und getrost/ und laß vor nichts dir grauen: So schwer des zepters hefft auch immer anzuschauen. Jch lasse dir viel land; doch auch viel faͤhigkeit/ Jch kenne deinen muth zum frieden und zum streit. Die thaten meines lauffs kan zwar kein jahrbuch faßen; Doch hab ich viel/ noch viel zu thun dir hinterlassen. Die groͤsse hat/ nechst GOtt/ dein Brandenburg von mir; Doch die gluͤckseeligkeit erwartet es von dir. Du bist der eintzige/ den ich mir kan erkiesen/ Von der verstorbenen Oranischen Luysen. Doch lebt von dem gebluͤt ein Wilhelm noch der welt/ Der mit dir sein geschlecht und meinen ruhm erhaͤlt. Es werden (wo mein tod vermag zu prophezeyen) Vor euch sich koͤnige der groͤsten reiche scheuen. Er nimt/ (ich seh’ es schon) sein koͤnigs-erbtheil ein/ Und du wirst ihm/ als freund/ hierinn behuͤlflich seyn. Er wird/ nach dem gesetz/ ein frevel-kind verjagen/ Und du wirst unterdeß den bunds-genossen schlagen. Der Vermischte Gedichte. Der neid hat euch bißher veraͤchtlich angesehn/ Nun aber wird euch GOtt selbst uͤber ihn erhoͤhn. Jhr werdet beyde seyn/ die Streitbaren und Dritten; Du Friederich bey uns/ er Wilhelm bey den Britten; Du in dem Roͤmschen reich/ er aber uͤber meer/ Und beydes wird bestehn durch euer krieges-heer. Jhr habt euch beyde zwar getheilt in meinen nahmen; Doch werdt ihr/ ungetheilt/ beschuͤtzen euren saamen. Ein blut/ ein muth/ ein hertz wird schrecken euren seind/ Und wenn ihr euch und mich also in euch vereint/ Wird Fridrich Wilhelms geist (der himmel woll’ es geben!) Jn euren tugenden und nahmen ewig leben. Als Se. Churfl. Durchlauchtigk. zu Brandenburg Friedrich der Dritte das dritte jahr ihrer regierung zuruͤckgeleget. D Rey jahre sind es nun/ gluͤckseelig ausgefuͤhret/ Daß Churfuͤrst Friederich der Dritte hat regieret. Wer die geschichte wird von den drey jahren lesen/ Wird dencken/ daß es gar drey Friederichs gewesen. Sonnet An Se. Churfl. Durchl. zu Brandenburg uͤber den wider Franckreich erhaltenen ersten sieg bey Ordingen. † † † J Ung und erhitzter held auf helden’-reiche thaten/ Du faͤngst dein regiment mit lauter wunder an; Du hast in einem jahr zehn jahre werck gethan. Hie hilfft dein kuͤhnes heer; dort hilfft dein ansehn rathen. O 3 Hier Vermischte Gedichte. Hier rettest du das reich; dort kroͤnst du Potentaten. Dein Schoͤning/ der nur juͤngst den aufgeblaßnen Hahn Durch deines Adlers macht vertrieben von dem plan/ Zeigt/ daß du alles kanst mit deinen kern-soldaten. Was werden sie noch thun bey deiner gegenwart? Dein Grosser Vater lebt ja noch auf solche art/ Und bleibt durch deinen muth der theure reichs-beschirmer. Wolan dann Friederich! raff auff dein gantzes heer/ Erweis’ uns in dem reich wie neulich uͤber meer: Daß du ein raͤcher seyst der stoltzen freyheits-stuͤrmer; Du gabst zu dessen heil den allerersten rath/ Du bist auch/ ihm zum schutz/ der erste mit der that. Jhrer Kaͤyserlichen Majestaͤt Neu-erhaltener sieg bey Salankement in Ungarn/ Durch beystand der Chur-Brandenbur- gischen huͤlffs-voͤlcker. † † † U Ngarn muß auch dieses jahr Mit den Brandenburgern siegen; Und beweiset wunderbar/ Wie sichs immer muͤssen fuͤgen/ Daß so offt wir uns zum streit Fuͤr dis Koͤnigreich verbunden; Leopold daun allezeit Ungezweifelt uͤberwunden. Ofens nie gezaͤhmter wall Ward durch uns zu erst erbrochen; Und den letzten uͤberfall Hat itzt dieser sieg gerochen. Was der Groß-Vizier gewan Jst durch diese schlacht zernichtet; Und was hat auff diesem plan Nicht vorlaͤngst ein Sparr verrichtet? Aber Vermischte Gedichte. Aber kan es anders seyn? Oesterreichs und unsre waffen Scheinen gleichsam uͤberein Und fuͤr einen mann geschaffen. Adler fast einander gleich/ Die von einem stamm entsprossen/ Sind einander fuͤr das reich Auch die besten huͤlffs-genossen. Wohl uns bey der eigenschafft! Wie sie itzt fuͤr Ungarn streiten/ Also wird sich ihre krafft Bald auf Franckreich selbst erbreiten. Wenn die Adler erst den mond/ Als die vor-maur uͤberstiegen; Werden sie/ wie sie gewohnt/ Leichter in die sonne fliegen. Uber Sr. Churfl. Durchl. zu Brandenburg Friedrich des Dritten Erfreulichsten geburts-tag/ den 1 Julii 1692. † † † J Ndem wir bey der schweren zeit Das hertz mit vielen sorgen kraͤncken/ Antwortet uns der himmel heut/ Und spricht: Was kan ich euch mehr schencken? Erhalt ich euren Friedrich nicht? Den ich auch ferner will bewachen/ Und dessen tugend euch verspricht/ Euch allerseits begluͤckt zu machen. Zwar hat mans bey dem truͤben blick Des krieges noch nicht recht empfunden; Doch bindet sich auch unser gluͤck An keine selbst-gesetzte stunden. O 4 Was Vermischte Gedichte. Was uns von dir/ mein Fuͤrst/ bewust/ Heißt uns die sichre hoffnung fassen/ Daß du uns gluͤcklich machen must/ Wird dir nur zeit genug gelassen. So muß bey deines festes schein/ Die wohlfahrt uͤber uns zu schuͤtten/ Dis einzig unsre sorge seyn/ Dir zeit und jahre zu erbitten. Der himmel/ der dir gnaͤdig ist/ Verleih’ uns nur dein langes leben! Das uͤbrige wird durch die frist Uns dann schon deine tugend geben. An Se. Churfuͤrstl. Durchl. zu Brandenburg/ uͤber dero und der Gemahlin reise/ zum neuen Churfuͤrsten nach Hannover/ den 18 Jan. 1693. Z Euch Friedrich mit Charlotten bin Hannovers Chur-hut zu begruͤssen/ Und mit der neuen Churfuͤrstinn/ Des landes freude zu geniessen. Du siehst/ wie dieses hohe hauß An glantz fuͤr dich auch zugenommen; Nachdem du dein gemahl daraus/ Und mit ihr solches recht bekommen. Diß hauß steigt wieder in den stand/ Den es vor langer zeit besessen; Doch hat es weniger das land/ Als dessen fuͤrst sich beyzumessen. Das reich/ und selbst des Kaͤysers thron/ Sind seiner tugend so verbunden/ Daß sie sonst keinen andern lohn Fuͤr seine tapferkeit gefunden. Was Vermischte Gedichte. Was iedem vorfahr noch zu schwer/ Muß endlich Ernst August vollfuͤhren. Und war nicht solches laͤngst vorher An seiner hohen eh zu spuͤren? Es war der kluge Fuͤrst bedacht/ Sich koͤniglich erst zu vermaͤhlen. Denn was die Koͤnigs-wuͤrde macht/ Kont’ ihm durch eine Chur nicht fehlen. Nun was sein muth beschlossen hat/ Jst seinen thaten schon gelungen; Gluͤckseelig/ Friedrich/ wo dein rath Jhm hierin huͤlfreich beygesprungen! Wer eltern ehrt/ ehrt die natur/ Wie aber kan man sie mehr ehren? Als daß ein Sohn/ mit einer Chur/ Des Vaters Hoheit hilfft vermehren. An die mißgunst. S Ey/ mißgunst/ ruhig mit der zeit/ Ob Ernst Augustens neuer ehre. Was findet doch an ihm dein neid/ Das nicht des Chur-huts wuͤrdig waͤre? Verdienst und stamm/ sein stand im reich/ Sein koͤnigs-hertz in allen sachen/ Koͤnt’ ihn nicht koͤnigen nur gleich/ Besondern gar zum koͤnig machen. Noch schweigt man der Gemahlin thron/ Und seinen grossen Schwieger-Sohn. O 5 Auf Vermischte Gedichte. Auf das treffen bey Landen an den Marggꝛaff Carl Philip von Brandenburg. D En sieg/ der durch den spruch der tugend unser war/ Hat mit gewalt das gluͤck uns aus der faust gerissen/ Das gluͤck/ so uns verfolgt/ und denen gantz und gar Sich nicht verbinden will/ die unsers bunds geniessen. Drumb muͤssen wir das feld/ so mit des feindes blut Wir reichlich durchgenetzt/ ihm/ als dem fleger/ lassen/ Und um ein spann-breit erd/ so wir mit grossem muth Auffs aͤusserste behaupt/ den ruͤckweg endlich fassen. Wann uns der nachruff nicht unuͤberwindlich schreibt/ Wird uns die ehre doch das lob der braven geben: Auch uͤberwunden seyn/ wann die gewalt es treibt/ Hat einen sieg bey sich/ und laͤst mit ruhme leben. So steht man unbewegt den großen Wilhelm stehn/ Und hertzen mit der macht und menge zu vergleichen/ Der tapfre Bojoar laͤst unerschrocken sehn/ Wie man zum grossen werck die tapffre hand muß reichen. Du auch/ des vaterlands geweihter trost und lust/ Du unerschreckner Carl/ des grossen Vaters spiegel/ Stehst diesen beyden bey mit felsen-gleicher brust/ Fuͤhrst an dein heer/ und laͤst der tapfferkeit den zuͤgel. Dir/ Hertzog/ jauchtzt dein volck/ und deine gegenwart Zuͤndt glut und feuer an den muthigen soldaten: Des feindes raserey hingegen stutzt und starrt/ Und wird als bloͤd und feig durch deine helden-thaten. Daß dein so junges blut so tapffres wesen hegt/ Jst/ was dem feinde selbst unschaͤtzbar scheint zu schaͤtzen/ Daß was dein grosser muth ihm als fuͤr augen legt/ Zwingt ihn/ daß er dir selbst muß ehren-bogen setzen. Diß lachet der Jber/ und laͤst sein schoͤnes gold/ Das er und Tagus zinst/ mit reichen adern fliessen/ Der Belg und Bataver liebt dich/ und ist dir hold/ Der Britten strand erschallt von deinen ehren-gruͤssen. Diß Vermischte Gedichte. Diß ist ein trost fuͤr uns! hierdurch wird uns ersetzt/ Was uns vorhin betruͤbt und unsern geist gequaͤlet: Wir lachen unsers bluts/ und wie wir seyn verletzt/ Dieweil man selbiges zu deinem ruhme zehlet. Wenn das verhaͤngniß goͤnnt/ daß Brennus adler sich/ Die ietzt zerstreuet seyn/ zusammen moͤgen bringen/ Und durch den kuͤhnen flug/ vereiniget durch dich Und deine tapfre faust/ dem feind entgegen schwingen: So wird es wiederum nach altem ruhme gehn; (Die hoffnung triegt mich nicht) mit kriegen und mit siegen: Des Brennus nahme wird unuͤberwindlich stehn/ Und was sich feindlich nennt zu dessen fuͤssen liegen. Diß laß dein werck auch seyn/ so deinen stamm-baum ziert; Die wahre weissagung auff dich/ du zier der Brennen/ Gibt mir mein Helicon/ daß man dich billig wird Auch nach dem fuͤnfften einst den sechsten Carl benennen! Die glorwuͤrdigste thaten des Durchl. Hauses Hohen-Zollern wider die Tuͤrcken an den Großmaͤchtigsten Churfuͤrsten zu Brandenburg Friedrich Wilhelm den Grossen. G Roßmaͤchtigster Marcell/ du adler von den helden/ Der sich durch tapfferkeit bis an die sonne schwingt/ Die welt kan mehr von dir als Alexandern melden/ Kein ore ist/ wo man nicht von deinen thaten fingt. Die Barbern reden noch vom blitze der granaten/ Den dein erlauchter glantz auff ihren kopf gestreut/ Und deine Majestaͤt verehren Potentaten/ Vor deren waffen sich auch wohl ein Caͤsar scheut/ Die Tartarey hat schon vor zweymahl funffzehn jahren Zu dir nach Koͤnigsberg gesandten abgeschickt/ Jtzt kommen andre mehr auch von dem grossen Czaaren/ Wer weiß/ wer kuͤnfftig noch nach deinem throne blickt? Die Vermischte Gedichte. Die Tuͤrcken fuͤrchten sich vor dir als vor dem wetter/ Weil dein geschuͤtz so starck auf sie gedonnert hat/ Sie sagen selbst/ du seyst der Christen ihr erretter/ Vor deiner krieges-macht bestehe keine stadt: So muß/ Durchlauchtigster/ dein starcker arm bezeigen/ Daß Brandenburgisch blut voll lebens-geister steckt/ Daß aus beruͤhmtem stamm auch wieder helden steigen/ Vor derer kuͤhnen faust die barbarey erschreckt. Gewiß von adlern wird auch adlers-art gebohren/ Und wie die wurtzel ist/ so pflegt die frucht zu seyn/ Der Ahnen ehr und ruhm die sind der tugend sporen/ Jhr blut das floͤßt zugleich den andern feuer ein. Darumb so waͤchst noch stets der Brandenburger hertze/ Das durch entflammten trieb die schoͤnsten palmen findt; Es brennt in ihrer brust noch immerfort die kertze/ Die in dem ersten stamm die tugend angezuͤndt. Das hauß von Zollern hat den festen grund geleget/ Darauf die tapferkeit ihr lust-hauß aufgebaut/ Man hat den edlen zweig/ der so viel fruͤchte traͤget/ Schon vor sehr langer zeit in schoͤnster pracht geschaut. Der tapffre Rudolph war schon vor achthundert jahren Des Kaͤysers Heinrichs arm/ als er die Hunnen schlug/ Und diese helden-art ist nachmals fortgefahren/ Sie machte sich beruͤhmt durch manchen krieges-zug. Wer hat der Christenheit den untergang geschworen/ Auff den nicht dis geschlecht den blancken stahl gewetzt? Es zitterten vor ihm schon dazumahl die Mohren/ Und seine klinge ward mit Scythen-blut benetzt. Als Mahumedis brut zu leben angefangen/ Und das gelobte land in wuͤsteney verkehrt/ Jst Burggraff Conrad selbst dem feind entgegen gangen/ Jst nun nicht diese that der schoͤnsten cronen werth? Von dem Johann kan noch die schnelle Donau sagen/ Was seine treue hand an Sigismund gethan; Denn als der Bajazeth den Kaͤyser gantz geschlagen/ Errettet jener ihn durch einen kleinen kahn. Durch Vermischte Gedichte. Durch Friedrich/ der zu erst den Chur-hut uͤberkommen/ Wuchs auff den Boͤhmschen krieg der goͤldne friedensstab/ Der Tuͤrcke hat durch ihn gantz gluͤcklich abgenommen/ Weil seine hand dem reich viel tausend guͤlden gab. Der andre Friedrich war dem Tamerlan ein schrecken/ Daß deßfals Pohlen ihn zur crone ruffen ließ/ Albertus halff das feld mit Tuͤrcken-blut bedecken/ Weßwegen man ihn denn Achill der Teutschen hieß. Nachdem nun auch Johann/ sonst Cicero genennet/ Durch seinen mund den streit umb Schlesien geschlicht/ So hat der Kaͤyser/ gleich wie alle welt bekennet/ Von dar den krieges-zug auff Moldau zugericht. Der erste Joachim hat auch mit holden worten Das Roͤmsche reich so sehr auff drachenblut erhitzt/ Daß vieler Fuͤrsten macht an unterschiednen orten Auff den geschwornen feind der Christen loßgeblitzt. Vom andern Joachim weiß Oestreich zu erzehlen/ Daß Solymann von ihm sehr hart geschlagen sey/ Und weil die Teutschen ihn zum general erwaͤhlen/ So legt man ihm mit recht den nahmen Hector bey. Johann Georgens ruhm steht noch in frischer bluͤthe/ So lange danckbarkeit den helden cronen macht/ Europa ruͤhmet noch sein feuriges gemuͤthe/ Das mit dem hoͤchsten fleiß der Christen beyl bewacht. Von diesem grossen baum sind nun die cedern kommen/ Die mit der hoheit itzt biß an den himmel gehn/ Jhr theures wachsthum hat so reichlich zugenommen/ Daß auch die aͤste schon voll guͤldner fruͤchte stehn. Jhr werther schatten bringt dem vaterlande seegen/ Den Teutschen tausend gluͤck/ den Christen sicherheit. Wer fuͤrcht sich unter ihm vor hagel/ brand und regen/ Den Oßmanns hoͤllen-geist auff GOttes kinder streut? Weiß Maximilian der andre nicht zu zeugen/ Daß Jochim Friederich ein blitz den Tuͤrcken sey? Die welt wird nimmermehr von seinem lobe schweigen/ Den grundstein seines ruhms bricht keine zeit entzwey. Jo- Vermischte Gedichte. Johannes Sigismund/ von welchem man erzehlet/ Daß er mit einem stern zugleich aufgangen sey/ Hat seiner tochter hertz mit Bethlehem vermaͤhlet/ Drumb fuͤrchte sich vor ihm die gantze Barbarey. George Wilhelm gab dem reiche neues leben/ Weil er den alten brand der zwietracht ausgethan/ Drum kunt es seinen arm um desto mehr erheben/ Und griff mit munterm geist die Janitscharen an. Nun du/ Durchlauchtigster/ hast auch durch tapffre waffen Dem Achmet offtermahls den stoltzen halß gedruͤckt/ Du machst durch deine krafft demselben viel zu schaffen/ So offt du frisches volck dem Kaͤyser zugeschickt. Die grosse Pforte muß vor deiner macht erschuͤttern/ Wann dein geschuͤtze brennt/ zerschmeltzt der Tuͤrcken hertz/ Vor deiner schaaren macht sieht man die feinde zittern/ Wann du die glieder schlaͤgst/ so fuͤhlt ihr haupt den schmertz. Ward Neutra nicht durch dich vom Tuͤrckschen joch befreyet/ Des feindes untergang war dein erwuͤnschtes spiel/ Leventz stand um und um mit leichen uͤberstreuet/ Weil der Barbaren macht durch deine waffen fiel. Weil du dein tapffres volck zu unterschiednen mahlen Auff Achmets stoltzen hals den Pohlen zugeschickt/ So wollen sie dafuͤr dir gruͤnen lorbeer zahlen/ Der mit dem gipffel schon bis an den mond geruͤckt. Kaum hastu neulichst dich in Ungarn sehen lassen/ So fielen bald darauff die staͤrcksten mauren ein/ Vor deiner klarheit muß der halbe mond verblassen: Denn wo die sonne strahlt/ da darff kein mond nicht seyn. Jtzt ist Jerusalem/ was Babylon gewesen/ Weil deines eyffers glut vor Ofen feurig war. Kein mensch darff nun daselbst den Alcoran noch lesen/ Und niemand opffert mehr auff Belials altar. So weiß der grosse GOtt die seinigen zu schuͤtzen/ Wann er den wilden feind durch tapffre Fuͤrsten schlaͤgt: Wil sie ein scorpion mit seinem gifft bespruͤtzen/ So wird der bestie gar bald ihr haupt erlegt. Ge- Vermischte Gedichte. Gewiß der himmel hat die hand mit in dem spiele/ Und stellte sich der feind gleich wie ein crocodill/ GOtt macht den blitz zum pfeil/ und seinen kopf zum ziele/ Es steht auf sein gebot auch gar die sonne still. Die helden aber sind hierbey des Hoͤchsten haͤnde/ Durch die er seine stadt/ die Sionsburg/ beschirmt/ Wann er ihr hertze ruͤhrt/ so laufft der krieg zum ende/ Der friede bluͤhet schon/ auch wann der feind noch stuͤrmt. Drumb muͤssen wir ihr haupt mit siegeszeichen kroͤnen/ Wir aͤtzen ihren ruhm in diamanten ein/ Apollo der befiehlt auch seinen liebsten soͤhnen/ Daß sie mit zung und schrifft stets sollen fertig seyn. So nimm nun/ theurer held/ du wunder unsrer zeiten/ Auch deines knechtes schrift von ihm genaͤdig an/ Wir wollen uns dabey zu einem wunsch bereiten/ Und zweiffeln nicht/ du bleibst den Musen zugethan. GOtt aller Herren HErr laß deine waffen siegen/ Es muͤsse stets dein volck als feste thuͤrme stehn/ So wird noch Mahumed zu deinen fuͤssen liegen/ Und wer die christen druͤckt/ vor dir zu grunde gehn. Auff des Marggraffen zu Baden Ludwig Wilhelms gluͤckliche landung in Engelland 1694. G. C. K. Teutschland. W Je? will mein atlas ietzt von seiner staͤte weichen? Haͤlt mich sein helden-arm nicht wie er vor gethan Soll dann mein schutz-gestirn schon seinen west erreichen/ Eh’ als sein milder strahl mich recht erwaͤrmen kan? Verlaͤst mein tapfrer Fuͤrst mich nun in meinen noͤthen/ Die seine gegenwart nur erst gemindert hat? Wer wird der feinde macht am Rhein und Neckar toͤdten/ Wann mir ein Fabius entzieht den klugen rath? Sein Vermischte Gedichte. Sein festgesetzter geist eilt zu den kuͤhnen Britten/ Kein sturm noch ungemach hemm’t diesen grossen schluß/ Es scheint/ er hat nunmehr erd’/ feuer/ meer bestritten/ Weil iedes element ihm dienstbar werden muß. Jhr voͤlcker Albions/ die muth und tugend zieret/ Nehmt meinen helden doch/ mein kleinod/ wol in acht/ Und wisset/ daß mit sich er unsre hertzen fuͤhret/ Und vor der Christen heil noch unermuͤdet wacht. Engelland. D Ein zustand gehet mir mehr als du denckst zu hertzen/ Gleichwie mein steiffer bund der liebe zeugniß ist; Doch laß auch dieses wort ietzt lindern deine schmertzen: Daß dein Arminius den hafen hat erkießt. Das gluͤcke/ so vor ihm selbst seine seegel streichet/ Ja sein gefehrte stets geschworen hat zu seyn/ Hat dieses theure pfand/ vom himmel uͤberreichet/ Jns koͤniges palast mit lust gefuͤhret ein. Jch kenne sein verdienst und seine wunder-thaten/ Die bey der ewigkeit stets aufgezeichnet steh’n; Jch weiß es/ daß er nie an seinen feind gerathen/ Daß man nicht auch den sieg von ihm erlang’t geseh’n. Die Donau hat er offt mit Tuͤrcken-blut gefaͤrbet/ Constantinopel ist noch ietzt bey sich bestuͤrtzt/ Daß bey Salankemen er ihre macht verderbet/ Und ihres Divans rath durch tapferkeit verkuͤrtzt. Teutschland. S O muß das gluͤcke dann das steuer-ruder fuͤhren/ So offt ein Caͤsar sich der wilden see vertrau’t? Und mein durchleuchter Held kan nichts als wohlseyn spuͤren/ Wann bey den Britten er die Majestaͤten schau’t. Des Vermischte Gedichte. Des grossen Wilhelms gunst/ Mariens gnaden-blicke/ Die wie das morgen-licht die welt erfreuen kan/ Sind seiner tugend lohn/ ein koͤstliches gesticke; Denn adler sehen nur der sonnen strahlen an. Da wird sein treuer geist auch auff mein bestes dencken/ Und uͤber meine ruh’ offt mit zu rathe geh’n/ Der Hoͤchste/ dessen hand mir ihn hat wollen schencken/ Der laß ihn mich vergnuͤgt in kurtzen wieder seh’n. Euch aber/ die ihr ietzt dem gluͤck im schosse sitzet/ Und aus der sichern ruh’ der goͤldnen zeiten lacht/ Beschwer ich bey der treu/ die unser buͤndnis stuͤtzet/ Daß meinen fuͤrsten ihr zu lieben seyd bedacht. Engelland. J A freylich sorget man fuͤr dein und mein vergnuͤgen/ Und diß sicht unsern feind am allermeisten an/ Dem des verhaͤngniß spruch/ in fernern krieges-zuͤgen/ Den laͤngst beschloß’nen fall bereits hat kund gethan. Auf Teutschland/ laß uns dann macht/ muth und treu verneuẽ. Ein edler friede wird doch nur durch streit gekroͤnt. Mein Koͤnig und dein held/ die uns in noth erfreuen/ Die werden nur durch diß/ was uns behagt/ versoͤhnt. Wie aber wird von mir dein theurer Fuͤrst geehret? Den ich den meinen auch mit rechte nennen mag. Sein elter vater hat mir diesen ruhm gewaͤhret/ Da er in meiner schoß erblickt den ersten tag. Es liebt sein ohre zwar mehr der carthaunen knallen; Doch seine freundlichkeit verschmaͤh’t kein schlechtes lied/ Das meiner toͤchter chor zu seinem lob laͤst schallen/ Wo an der Themse man die weisse schwanen sieh’t. II. Theil. P Die Vermischte Gedichte. Die Themse-Nymphen. Aria. 1. K Omm tapffrer Gideon/ zu palmen auserkohren/ Nachdem du Midian bekriegt/ Und Tuͤrck und Tartar hast besiegt; Wird unter Jsrael dein ruhm stets neugebohren. Wir nehmen dich mit jauchzen an/ Es singet/ was nur singen kan: Erklinget ihr stimmen bey lauten und geigen/ Weil trummeln/ canonen und paucken jetzt schweigen. 2. Der Adler/ welchen nord/ suͤd/ ost und west verehret/ Hat sich an deiner glut erquickt/ Da du den fahlen mond erstickt/ Und durch den heissen strahl den Alcoran versehret; Uns aber muß dein helden-schein Ein aufbot dieser lieder seyn: Erklinget ihr stimmen bey lauten und geigen/ Weil trummeln/ canonen und paucken jetzt schweigen. 3. Dein nahme/ welcher sonst dem donner gleich gewittert/ Der blitz und schlaͤge mit sich fuͤhrt/ Und wo der Hellespont sich ruͤhrt/ Die Dardanellen hat durch seinen knall erschuͤttert; Jst uns ein angenehmer klang/ Bey deines ruhmes lobgesang: Erklinget ihr stimmen bey lauten und geigen/ Weil trummeln/ canonen und paucken jetzt schweigen. 4. Was moͤgen wir uns nicht von deiner faust versprechen? Die so viel wunderwercke thut; Wann unsres Koͤnigs witz und muth Der feinde stoltze macht mit dir zugleich wird brechen. Dann Vermischte Gedichte. Dann werden unsre zungen sich/ Wie itzt/ erheben freudiglich: Erklinget ihr stimmen bey lauten und geigen/ Weil trummeln/ canonen und paucken ietzt schweigen. 5. Last immer Mond und Hahn uns tausend uͤbel draͤuen/ Der Mond bleibt doch vor Sonnen bleich/ Und England nicht/ noch Oesterreich/ Erschrickt vor hahn/ geschrey/ wie dort Cyrenens leuen. Es sicht uns keine furcht nicht an/ Als unser mund hier zeigen kan: Erklinget ihr stimmen bey lauten und geigen/ Weil trummeln/ canonen und paucken ietzt schweigen? 6. Es segne/ tapffrer Fuͤrst/ der Hoͤchste dein beginnen/ Der deinen arm zu streiten lehr’t/ Und ihm so manchen sieg gewaͤhr’t: Er schuͤtze deinen leib/ und staͤrcke deine sinnen/ So wird/ so lang’ der Themse strand/ Und unsre schoͤnheit bleibt bekandt/ Erklingen dein nahme bey lauten und geigen/ Wann trummeln/ canonen und paucken gleich schweigen. Auf die croͤnung des Roͤmischen Koͤniges Josephi. A Uff! auff bereite dich du gantzes rund der erden/ Vom auf- zum niedergang/ von suͤd biß mitternacht/ Laß unsern Koͤnige/ laß unsern Joseph werden/ Was ihn zwar groͤsser nicht/ doch ausgezierter macht. Gib/ fernes Peru/ gold aus deinen reichen kluͤfften/ Die GOtt und gluͤck geschenckt dem stamm von Oesterreich; Daraus vor Josephs haupt die crone selbst zu stifften/ Der auff der gantzen welt ist keiner crone gleich. Du fremdes Decan must ihm diamanten schicken/ An deren werth nicht reicht/ Florentz/ dein wunder-stein/ P 2 Damit Vermischte Gedichte. Damit der cronen gold so herrlich auszuschmuͤcken/ Daß selbst der sonnen glantz nicht glaͤntzender kan seyn. Verbrandtes morgenland treib an die braune Mohren/ Laß weisse perlen hol’n aus deiner gruͤnen fluth/ Zu dieses koͤnigs schmuck hat die natur erkohren/ Was berg und wellen fuͤhrn als ihr kostbarstes gut. Laß weites Mexico dein coxenil ersetzen/ Wann Tyrus purpur nicht den mantel roͤthet an; Doch nein/ wir wollen ihn mit eignem blute netzen/ Weil diß die teutsche treu noch mehr beweisen kan. Ceilon beut helffenbein/ das rothe meer corallen/ Den marmor Welschland an zu seines thrones stand; Doch sind ihm mehr gerecht die Zemblischen crystallen/ Die zwar nur eiß/ doch eiß das ewig wird genannt. Wolan dann/ wann er glaͤntzt in koͤniglichem wesen/ Das selbst nachs Hoͤchsten wort was goͤttlichs in sich haͤlt/ So soll ihm unser hertz zum altar sein erlesen/ Vor dem getreue brunst auff ihre knie faͤllt. Wir wollen vor sein heyl unloͤschbar feuer weihen/ Das schoͤnre kohlen naͤhrt als selbst der sternen licht/ Jn dieses wollen wir so haͤuffig weyrauch streuen/ Daß kaum der sonnen glantz durch seine wolcken bricht. Du bist gluͤckseeliges Arabien erkohrn/ Daß dieser grosse fuͤrst solch rauchwerck von dir nimt. Denn weil das gluͤck sich selbst zu seinem heyl verschworen/ Muß auch was gluͤcklichs seyn das ihm zum opffer glimmt. Wir wuͤnschen nur indeß mit niedrigen geberden/ Daß unser teutscher held sey seinen Teutschen hold/ So liebet unser geist/ so ehren wir auff erden Nichts eifriger als ihn/ nechst GOtt und Leopold. Uber- Vermischte Gedichte. Ubersetzung der fuͤnfften Satyre des Boilcau. * * D Er adel ist alsdenn kein blosser dunst zu nennen/ Wenn man aus solchem blut/ das helden zeugen koͤnnen/ Entspriest/ und nach dem satz/ den strenge tugend stifft/ Auch so der ahnen spur/ wie du/ mein Dangeau/ trifft. Nur kraͤnckt mich/ wenn ein thor/ der sich in schnoͤden luͤsten Pflegt eintzig und allein mit seinem stand zu bruͤsten/ So unverschaͤmte pracht mit fremdem schmucke treibt/ Und andrer leute lob auff seine rechnung schreibt/ Sein tapfferes geschlecht mag durch beruͤhmte sachen/ Die aͤltste chronicken zu dicken buͤchern machen. Gesetzt: daß ein Capet/ der Franckreichs scepter fuͤhrt/ Der ahnen ritter-schild mit liljen ausgeziert; Wozu soll aber ihm der leere vorrath dienen/ Wenn er von solchem stamm/ der ehmahls groß geschienen/ Der welt nichts weisen kan/ als ein verlegnes blat/ An dem das pergament der wurm geschonet hat? Wenn er was goͤttliches an seiner quelle spuͤret/ Und doch in seinem sinn zugleich ist uͤberfuͤhret/ Daß man nichts grosses mehr an ihm zu sehen kriegt: Als daß ein stoltzer jeck in weicher wollust liegt. Doch scheint es/ wenn er sich so uͤbermuͤthig blehet/ Daß sich nach seinem winck des himmels axe drehet/ Und daß des schoͤpffers hand/ mit reiffem vorbedacht/ Jhn aus viel besserm thon/ als mich/ hervor gebracht. Was ist es fuͤr ein thier/ du geist von hohen gaben! Das wir gemeiniglich am allerliebsten haben? Jsts nicht ein muntres pferd/ das krafft und feuer blaͤßt/ Und keinem neben sich das ziel erreichen laͤßt? Da offt ein koppelgaul wird ohngefehr bezahlet/ Ob gleich manch schoͤnes roß in seinem stamm-baum prahlet/ Und traͤgt/ wenn er nicht taugt/ den rentzel uͤber land/ Wo man das schind-vieh nicht gar in die karre spannt. P 3 Wie Vermischte Gedichte. Wie aber/ wilst denn du uns andre so bethoͤren/ Daß iederman an dir soll was vergangnes ehren? Mein freund du irrest dich/ und kennest nicht die welt/ Wo ich nicht tugend seh’/ da seh ich keinen held. Getranst du dich dein blut von helden herzuleiten/ So zeig’ auch gleiche glut/ wie sie zu ihren zeiten/ Ein hertz das ehre sucht/ und das die laster scheu’t. Lebst du wie sichs gebuͤhrt/ fleuchst ungerechtigkeit/ Kanst den/ der dich bestuͤrmt/ von deinen mauren treiben/ Und biß zum morgen-thau im harnisch stecken bleiben/ Alsdenn erkenn’ ich dich/ daß du recht edel bist/ Weil man aus deinem thun des adels probe list. Alsdenn sey dir vergoͤnnt die ahnen zu erlesen Aus denen/ welche selbst monarchen sind gewesen/ Jns tausende gelied magst du zuruͤcke gehn/ Die laͤngst verstrichne zeit soll dir zu dienste stehn/ Du kanst der helden reih/ wenn dirs gefaͤllt/ durchwandern/ Komm von Achilles her/ von Caͤsarn/ Alexandern. Der neid der streut umsonst dir einen zweiffel ein/ Und bist du nicht ihr sohn/ so soltest du es seyn. Hingegen/ hast du gleich beweiß genug in haͤnden/ Daß du von grad zu grad stammst aus Alcidens lenden; Schlaͤgst aber aus der art/ so legt der eltern grab Am ersten wider dich ein schlimmes zeugniß ab/ Und ihrer wuͤrde glantz/ den du beginnst zu schwaͤchen/ Beleuchtet desto mehr dein schaͤndliches verbrechen/ Es hilfft nicht/ daß du dich mit ihren nahmen deckst/ Wenn du dich auf der haut des muͤssigganges streckst. Und wilst du dergestalt der ahnen schutz gebrauchen? So wird er wie ein dampff und leichter noch verrauchen. Du bleibst ein bloͤder held/ der in geheim betreugt/ Ob er gleich oͤffentlich viel goͤldne berge leugt. Ein falscher/ der verraͤth und lauter meineyd bruͤtet/ Ein thor/ doch so ein thor/ der in dem wahnwitz wuͤtet/ Und wenn man den entwurff in zweyen worten fast: Von einem schoͤnen baum ein abgefaulter ast. Wird Vermischte Gedichte. Wird meiner Musen zorn sich auch zu sehr ergiessen? Laͤst sie nicht schon zu viel vergaͤllte worte fliessen? Sie geht vielleicht zu weit und kennt die weise nicht/ Nach der man insgemein mit stands-personen spricht. Wolan so will ich denn mit glimpff nur dieses fragen: Jsts lange daß man hoͤrt von deinem adel sagen? Schon gantzer tausend jahr. Und dein bekandtes hauß Steckt seiner ahnen zahl auff zwey und dreyßig aus. Jn warheit/ das ist viel/ zumahl da zu erweisen/ Daß ihrer titul pracht fast alle schrifften preisen/ Jhr nahme lebt/ und trutzt dem schiffbruch rauher zeit/ Das alles ist sehr gut; doch wer schwert einen eyd/ Daß binnen solcher frist der muͤtter keusches lieben Den maͤnnern immer treu/ den buhlern seind geblieben; Daß nie ein kuͤhner freund sie gluͤcklich angelacht/ Und durch den adel-stand dir einen streich gemacht; Und daß ein reines blut aus nicht geringerm orden/ Stets durch Lucretien dir zugefloͤsset worden? Verflucht sey jener tag/ an dem der eitle tand Zu erst die reinigkeit der sitten weggebannt. Als die noch zarte welt lag gleichsam in der wiegen/ Durfft einer sich auff nichts als auff die unschuld triegen/ Das volck das war vergnuͤgt und in gesetzen gleich/ Verdienst war adels werth und galt ein koͤnigreich. Da fand man keinen held/ der sich auf herkunfft stuͤtzte/ Und der nicht von sich selbst mit eignen strahlen blitzte/ Biß daß man mit der zeit die tugend so verließ/ Daß man sie buͤrgerlich/ das laster edel hieß. Der neu’ erwachsne stand hielt andre bald fuͤr sclaven/ Das land ward uͤberschwemmt von Herren und von Grafen/ Man hatte tugend gnug/ wenn man sich titul gab/ Und wieß an statt des kerns die welt mit schalen ab. Bald ward ein wapen-recht mit regeln ausersonnen/ Daß/ weil es im gehirn der schwaͤrmer angesponnen/ Jhm eigne woͤrter macht und unvernehmlich spricht/ Die schilde bald bekroͤnt/ bald in vier theile bricht. P 4 Bald Vermischte Gedichte. Bald pfaͤhlt und gegenpfaͤhlt/ bald kerbet und verbindet/ Und was dergleichen mehr die herolds-kunst erfindet. Da ward nun die vernunfft der therheit unterthan/ Die ehre war beschaͤmt/ denn keiner sah sie an/ Die kosten nahmen zu/ man ließ verschwendung spuͤhren Den vorzug der geburt nach wuͤrden auszufuͤhren/ Man baute schloͤsser auff/ und gab zum unterscheid Der hoffbedienten schaar ein bunt gebraͤmtes kleid. Da muste man viel troß zum ansehn bey sich haben/ Und wer gar vornehm war/ der hielt sich edel-knaben. Als aber geld und gut des adels bald verschwand/ Und er zum unterhalt kein leichter mittel fand/ Ward er aus duͤrfftigkeit in einer kunst geuͤbet/ Die allenthalben borgt/ und nichts nicht wieder giebet/ Kein scherge war so frech/ der sich an ihm vergriff Und wenn ein glaͤubiger nach der bezahlung lieff/ Ließ ihn ein solcher herr fuͤr seiner schwelle frieren/ Biß man ihn zum beschluß sah’ in den schuld-thurn fuͤhren/ Da er/ wiewohl zu spaͤt/ sein ungemach beklagt/ Wenn ihn des richters spruch von hauß und hof gejagt: Diß gab gelegenheit/ in dem die nothdurfft fehlte/ Daß er aus lumpen-volck ein reiches weib erwehlte/ Der ahnen alterthum das gab er in den kauff Und halff sich auß dem schimpff mit schande wieder auff. Denn wo der adel nicht den schein vom golde lehnet/ Und bloß sein alter liebt/ so bleibt er wohl verhoͤnet/ Ein ieder haͤlt ihn werth/ ins toll-hauß einzugehn/ Und wer ihm anverwandt/ der will es nicht gestehn. Jst aber iemand reich/ nach dem wird alles fragen/ Ja haͤtt’ er in Pariß gleich liberey getragen/ Und wuͤste selber nicht/ wie recht sein nahme sey/ Ein schmeichler steht ihm bald mit hundert ahnen bey/ Und wird ihn/ wer er ist/ aus den geschichten lehren. Auff! Dangeau/ den verdienst und gluͤck fuͤr andern ehren/ Der du des hofes meer so kluͤglich durchgespuͤrt/ Daß deine tugend nie die klippen hat beruͤhrt/ Dich Vermischte Gedichte. Dich hat des koͤnigs huld zu einem stand geruffen/ Da du ihn taͤglich siehst auff neuen sieges-stuffen; Und wie was goͤttliches/ das ihm ist eingepraͤgt/ Mehr als der liljen glantz an ihm zu schimmern pflegt. Wie ers veraͤchtlich haͤlt/ wenn andre majestaͤten Vor ihrer uͤppigkeit im purpur nicht erroͤthen/ Wie er die traͤge lust fuͤr eine buͤrde schaͤtzt/ Dem wanckelbaren gluͤck durch klugheit graͤntzen setzt. Und ihm sein wohlergehn mit eignen haͤnden bauet/ So daß der erden-kreiß an ihm ein muster schauet/ Wie man soll koͤnig seyn; auf! sag ich/ sey bemuͤht/ Wenn dein rechtschaffner muth den ruhm zum zweck ersteht/ Wie du durch treuen dienst/ und tapfferes beginnen/ Magst deines herren hertz je mehr und mehr gewinnen/ Und zeig ihm/ daß er heut noch unterthanen findt/ Die solches koͤniges/ wie er ist/ wuͤrdig sind. Aus dem Franzoͤischen des beruͤhmten Boilcau. B. N. An den koͤnig. J Ung und behertzter held/ fuͤrst/ dessen witz und list Nicht eine spaͤte frucht des faulen alters ist; Der nach der goͤtter art auff keinen diener bauet/ Allein in allem herrscht/ und alles selber schauet. Mein koͤnig und mein herr/ wofern ich mit bedacht Bißher fuͤr deinen ruhm noch keinen verß gemacht; So ist es darum nicht/ als ob ich/ wie ich solte/ Dir den verdienten preiß nicht willig opffern wolte: Nein; sondern weil ich nicht zum loben tuͤchtig bin: Denn meine Muse bebt/ und mein verwirrter sinn Erzittert fuͤr der last so einer schweren buͤrde; Aus furcht/ im fall ich dich nicht recht besingen wuͤrde/ Daß ich bey deiner pracht und deiner hoheit schein/ Auf deinen lorbeer-krantz nur duͤrffte flecken streun. P 5 Drum Vermischte Gedichte. Drum mag ich selber mich mit keinem wahne blenden/ Jch messe meinen lauff nach meinen schwachen lenden/ Und bin vernuͤnfftiger bey meiner bloͤdigkeit/ Als andre/ die mit schimpff und aus verwegenheit/ Durch abgeschmackten rauch dir dein altar entzieren: Die auf der ehren-bahn/ wo nutz und geitz sie fuͤhren/ An deinem nahmen sich fast halb zu tode schreyn/ Durch meldung deiner macht dir nur beschwerlich seyn/ Und taͤglich/ wie du weist/ mit einer heisern kehlen Dir dein selbeignes thun und deinen sieg erzehlen. Der faͤngt ein schaͤfer-lied mit stoltzen worten an/ Und stellet eingangs gleich sich selber auff die bahn; Jndem er seinen ruhm an jede zeile haͤnget/ Und dein durchlauchtes lob mit narren-dunst vermenget. Ein ander quaͤlt umsonst beym reimen den verstand Und nimt wohl zwantzig mahl die raspel in die hand/ Und endlich sucht er dich/ o ungemeine sachen! Am ende des Sonnets der sonne gleich zu machen. Zwar ihre feder ist vom Helicon veracht: Die Musen haben laͤngst zur fabel sie gemacht: Calliope hat nie die stuͤmper angesprochen; Und Pegasus hat sich fuͤr ihnen gar verkrochen. Jedennoch wenn man sieht/ mit was fuͤr zuversicht Jhr frecher hochmuth dir Apollens gunst verspricht/ So daͤchte man wohl gar/ daß sie sein hertz in ketten/ Und den geweihten berg zu ihren diensten haͤtten. Ja wenn man ihnen glaubt/ so sind sie in der welt Vom Phoͤbus gantz allein fuͤr deinen ruhm bestellt/ Und dein gepriesner nahm’ in suͤden/ west und norden/ Jst/ ihrer meynung nach/ durch sie unsterblich worden. Dein nahme/ welcher doch durch sein belebtes licht Jhr baͤurisches gebluͤt’ ein wenig auffgericht: Und der allein gemacht/ daß ihre kluge grillen Nicht laͤngst den hohlen bauch der matten wuͤrmer fuͤllen. Denn dieser schuͤtzet sie: gleich wie man etwa sieht/ Daß sich ein schwacher baum durch stuͤtzen auffwerts zieht/ Der Vermischte Gedichte. Der ohne diese krafft/ durch die er nun kan steigen/ Sich sonsten gantz verschmacht zur erden wuͤrde neigen. Doch alles straff ich nicht/ und mein vermeßner kiel Verwirfft nicht/ daß man dir/ o held/ gefallen will. Von so unzehlichen/ die deinen nahmen nennen/ Kennt die Apollo schon/ die dich recht loben koͤnnen. Und unter dieser zahl/ die deine thaten preißt/ Findt man so wohl Corneill’ als Pelletierens geist. Das aber kan ich nicht in meinem hertzen leiden/ Daß einer/ der den verß muß nach dem reime schneiden/ Sich gantz unnoͤthig zwingt/ dir weyrauch aufzustreun. Wer den August besingt/ der muß ein Maro seyn. Und jener held that recht/ der nicht gestatten wolte/ Daß/ nechst Apellens hand/ ihn iemand mahlen solte. Jch demnach/ der den mund des Phoͤbus nie geschmeckt/ Und von den Musen bloß ein wenig milch geleckt/ Denck’ immer/ daß die zeit mich noch wird kluͤger machen. Darum bemuͤh ich mich nur in geringen sachen: Und da dein helden-arm/ fuͤr dem die erde bebt/ Mit blitzen in der hand recht und gesetz’ erhebt/ Und die verstockten weiß mit straffen zu bedraͤuen/ Brauch ich den feder-kiel/ die laster auszuschreyen; Klag’ ohne schmeicheley mich selbst am schaͤrffsten an/ Und sage dem papier offt was mein hertz gethan. Daher/ wenn sich in mir die straff-begierde ruͤhret/ Folg’ ich der biene nach/ die/ wenn der lentz regieret/ Die krafft den blumen stiehlt/ und honig daraus schafft: So koch’ aus thorheit ich hingegen wermuth-safft. Jch wandre alles durch/ wovon ich nur kan singen/ Und halte keinen weg/ an statt/ den kiel zu zwingen/ Erlaub’ ich ihm vielmehr/ ich muß es nur gestehn/ Bey dieser freyen kunst gerade durchzugehn. Das alleraͤrgste ist/ daß ich das maul verbrenne Und gerne jedes ding bey seinem nahmen nenne: Das macht/ daß ihrer viel ein stiller zorn entzuͤndt/ Die nemlich aussen schnee/ von innen kohlen sind: Aus Vermischte Gedichte. Aus furcht/ daß so ein mann/ den lust und ernst auffwecken/ Nicht ihnen mit der zeit die larven gar abdecken/ Und nach erlangter macht die sitten umzudrehn/ Der warheit allzuweit moͤcht in das hertze sehn. Ein so vergifftes volck nimt auch den blossen nahmen Von einer stachel-schrifft zu einem zwietrachts-saamen/ Schleppt jeden/ der nur lacht/ zum richter mit gewalt/ Und wo nur in der stadt der kleinste ruff erschallt/ Daß ein gelehrter kopff sich etwa will bemuͤhen/ Jhr heuchlerisches thun in buͤchern durchzuziehen/ So hoͤrt man/ wie die brut auf allen gassen schreyt: Paris/ es ist geschehn um ehr und redligkeit! Ein so abscheulich werck ist nie zuvor erhoͤret: Das heisset/ wider recht und himmel sich empoͤret. Allein verstellet euch/ ihr luͤgner/ noch so wol! Ein kluger weiß ohndem/ wie viel er glauben soll. Jhr sucht euch aͤuserlich mit tugend auszuschmuͤcken/ Da euren feigen geist doch stoltz und hoffart druͤcken. Eur hertze kennt sich wohl: drum fliehet es das licht Und ist nicht gerne da/ wo man die warheit spricht: Eur hertz/ das/ wie es scheint/ zwar GOttes wort verspeyet/ Und dennoch den Tartuff’ und Moliere scheuet. Doch wo verfall ich hin? mein fehler hengt mir an. Du siehest/ grosser held/ daß ich nicht schmeicheln kan. Jch mag wie andre nicht aus zwergen grosse sachen/ Aus hasen Hercules/ aus narren engel machen. Jch lauffe keinem nach/ und meine flamme brennt Fuͤr keinen Jupiter/ der nicht die tugend kennt. Man wird mich niemals sehn/ auch gar in solchen dingen/ Die deinen ruhm angehn/ sinn und gedancken zwingen. Und wie gefaͤhrlich auch mir deine macht kan seyn; So solte/ stimmte nicht das hertze mit mir ein/ Mir dennoch weder gut/ noch hoffnung/ noch behagen/ Dir zu gefallen auch nur einen verß abjagen. Alleine wenn ich seh/ wie muͤhsam sich dein geist Jn mehrung deines reichs und deiner macht erweist; An Vermischte Gedichte. An statt/ daß mancher fuͤrst/ den schweiß und arbeit schrecket/ Den halb verfaulten fuß nicht aus dem lande strecket: Ja wenn ich ferner schau/ wie dein gemeßner rath Durch suͤssen uͤberfluß das volck bereichert hat; Wie Tag’ und Tiber sich zu deinen fuͤssen buͤcken; Die flotte sonder furcht ins freye meer kan ruͤcken; Und dein geuͤbtes heer/ das deinen großmuth liebt/ Dem adler seine krafft und staͤrcke wiedergiebt: Wie Franckreich unter dir dem gluͤcke selbst befiehlet: Wie deine krieges-macht zur see den meister spielet: Und endlich/ wie man gold/ auch wider fluth und wind/ An oͤrtern/ wo die sonn es selber bildet/ findt; So frage ich nicht erst/ was saget Phoͤbus oben: Denn alles brennt in mir und hebt dich an zu loben. Jedoch den augenblick springt die vernunfft herbey/ Die unterbricht den lauff der schoͤnen phantasey/ Und laͤst mich aͤrmsten sehn/ wie sehr ich mich vergangen/ Daß ich dich ohne krafft zu singen angefangen. Alsbald entsetz’ ich mich und mein erschrockner kiel Steckt bey so schwerer last ihm ein gewisses ziel/ Und will nicht weiter gehn. Drum schließ ich meine reimen/ Und wie ein schiff entweicht/ wenn meer und wellen schaͤumen/ So seh’ ich auch nicht an/ mein koͤnig/ wo ich bin/ Entreisse der gefahr und flieh zum ufer hin. Die erste Satyre. B. N. D Amon/ der grosse mann/ der so geraume zeit/ Durch seinen musen-schertz hat hof und stadt erfreut/ Jnzwischen aber sich in grobes tuch nur kleidet: Jm winter kaͤlt und frost/ im sommer hitze leidet; Und dessen trockner leib und hungrige gestalt Den ruhm gar sehr beschimpfft/ der doch von ihm erschallt/ Ward endlich muͤd und satt sein guͤtgen zu verschwenden/ Und so viel sauren schweiß an einen reim zu wenden/ Da- Vermischte Gedichte. Dadurch er nichts verdient/ wohl aber in gefahr/ Jn schulden/ um sein kleid und alles kommen war; So daß er nichts bey sich als seinen kummer fuͤhrte: Drum sucht er fried und ruh/ die er doch nirgends spuͤrte/ Und sann auf sichre flucht und einen wuͤsten hayn/ Wo weder rath noch knecht ihm koͤnte schaͤdlich seyn. Bevor die krumme hand der ihm verhasten rechte Jhn in das finstre loch des kerckers werffen moͤchte/ Und er noch etwan gar sich schimpflich muͤste sehn Bey seiner lorbeer-pracht im gruͤnen hute gehn. Jedoch indem er schied/ gantz blaß und abgezehret Als einer/ den die last der suͤnde noch beschweret/ Zur letzten fasten-zeit; so sah er auf sein hauß Und stieß voll grimm und feu’r noch diese woͤrter aus: Weil denn in dieser stadt/ wo Phoͤdus stets gewohnet/ Verdienst und klugheit nicht wie vormahls wird belohnet; Weil die Poeten ja von GOtt verlassen sind/ Und man hier weder scham/ noch wahre tugend findt; So last uns einen ort in hohlen felsen suchen/ Wo uns kein haͤscher-knecht/ kein scherge mehr darff fluchen. Und weil wir ohne dem umsonst zum himmel schreyn/ So laßt der zeit zu trotz uns einst verborgen seyn. Dieweil noch meinen fuß kein schwerer fessel druͤcket; Dieweil sich nicht mein leib fuͤr grauem alter buͤcket/ Mein gang/ gleichwie zuvor/ noch alle schritte mißt/ Und meines lebens rest nicht gantz versponnen ist: Das ist der beste rath/ den ich mir ietzt kan geben. Es lebe Goͤrg’ allhier/ weil Goͤrge hier kan leben/ Den eine million/ die sein betrug erschnellt/ Aus einem pfaff und knecht in grafen hat verstellt. Es lebe Jacob hier/ der durch sein kluges scheren Uns noch mehr schaden wird/ als pest und krieg gebaͤhren; Der seine rennten gar ins A. B. C. gebracht/ Und einen band daraus/ wie Caleßin/ erdacht; Er herrsch’ in dieser stadt! Er kan mit rechte lachen. Jch aber in Paris was solt ich doch hier machen? Jch Vermischte Gedichte. Jch bin nicht auff betrug und falschheit abgericht; Und waͤr ich es auch gleich/ nein/ luͤgen mag ich nicht. Jch kan den uͤbermuth der narren nicht verschweigen/ Fuͤr denen andre sich des soldes wegen beugen: Jch schreibe kein sonnet mit schmeicheln in die welt/ Und wen ich loben will/ den lob ich ohne geld. Fuͤr ein so schlechtes amt bin ich zu hoch gebohren: Mein geist ist etwas starck und baͤurisch abgejohren; Jch sage/ wie es ist. Ein sieb nenn’ ich ein sieb/ Ein kaͤtzgen eine katz/ und Rolet einen dieb. Verliebten weiß ich nichts geschicktes auszusinnen/ Jch kan auch nicht die kunst die maͤgdchen zu gewinnen/ Und leb in dieser stadt so einsam und verzagt/ Als ein halb-todter leib/ den die verstopffung plagt. Wer aber/ wirfft man ein/ heist solche tugend lieben/ Die man sonst nirgends sieht als in spitaͤlen uͤben? Die hoffart stehet nur bey gut und gelde fein/ Ein armer aber muß zum dienen willig seyn. Durch kuppeln kan ein mann den noth und hunger schwaͤchen/ Den einfluß und die macht der falschen sterne brechen. Durch kuppeln hebt das gluͤck/ bey dieser harten zeit/ Auch schreiber/ wenn es will/ zur hoͤchsten herrligkeit. So gar ist tugend ietzt vom schicksal unterdruͤcket. Ein schulfuchs triumphirt und wird empor geruͤcket/ Der/ haͤtt’ er oͤffters nicht durch falsche wissenschafft Das grade krumm gemacht/ und durch der stimmen krafft Das arme land gepreßt/ wol sonst an seinem wagen Selbst wuͤrde kutscher seyn und liebereyen tragen. Jch weiß wohl/ daß die furcht/ von wegen dieser that/ Erst neulich einen mann von uns entfernet hat: Allein die taxe hat ihn nur umsonst geschrecket: Man wird ihn wieder bald mit fremder pracht bedecket/ Und raͤuberey gespickt durch alle gassen gehn/ Und GOtt/ der ihn doch haßt/ verzweiffelt pochen sehn. Jndeß/ daß Pelletier den todten knochen gleichet/ Und Vermischte Gedichte. Und stets von einer thuͤr zur andern betteln schleichet/ Der doch die kunst versteht/ die ieder kluger ehrt/ Und Monmaur eher zeit hat in Paris gelehrt. Zwar unser koͤnig zieht zu unserm grossen gluͤcke Den schwachen Phoͤbus noch aus dem spital zuruͤcke/ Erhaͤlt ihn fuͤr dem fall und wirfft bey krieg und ruh Den Musen offtermals geneigte blicke zu. Man weiß/ daß dieser held bloß nach verdienst erhebet: Was aber hilfft August/ wo kein Mecaͤnas lebet? Wer wolte sich doch wohl bey meiner schweren pein So viel erniedrigen und meine stuͤtze seyn? Und waͤr auch dieses gleich; wie braͤch ich durch den hauffen Der reimer/ die ihn meist aus hunger uͤberlauffen/ Die stets die ersten sind/ wo seine hand sich ruͤhrt/ Und stehlen/ was doch offt dem letzten nur gebuͤhrt. Gleichwie die wespen thun/ die selber nichts verdienen/ Und doch den honigseim der arbeits-vollen bienen Jn ihren rachen ziehn. Drum habet gute nacht/ Gewinste/ weil ihr nur verwegne gluͤcklich macht. Amandus hatte nichts als seine kunst zum besten/ Sein gut und erbtheil war ein rock mit einer westen/ Ein blat/ wo fiat stund/ ein bett’/ ein struͤmpffchen lichts/ Und endlich kurtz gesagt: Amandus hatte nichts. Als er nun muͤde war sein leben so zu fuͤhren/ Dacht er durch dieses nichts dem gluͤcke nachzuspuͤren/ Und kam zu einer zeit bey hofe/ voller wahn/ Mit einer gantzen last von schoͤnen versen an. Wie lieff es aber ab? Er kam mit schimpffe wieder/ Warff voller schand und spott sich auf das bette nieder/ Und seuffzte/ biß zuletzt das fieber und der gram/ Noch eh’ er hungers starb/ ihn von der erde nahm. Poeten waren zwar vordem bey hofe mode; Heut aber schmecken sie der welt nach narren-sode. Schreib einer noch so klug/ und mit der groͤsten muͤh/ So hat er doch nicht mehr das gluͤck des Angeli. Was Vermischte Gedichte. Was soll ich denn nun thun mein elend einst zu enden? Soll ich vom Helicon zum Bartolus mich wenden? Und Louets buch durchgehn/ das so viel zaͤucker macht? Wie? oder soll ich gar in einer langen tracht Den advocaten-saal mit meinem rocke kehren? Ach! dieses blosse wort kan meinen muth verzehren. Jch? solt ein anwald seyn in dieser wilden stadt? Wo die gerechtigkeit laͤngst ihren abschied hat; Die unschuld betteln geht/ und bey so vielen rechten Ein ieder mit gewalt das unrecht will verfechten; Wo man das schwartze weiß/ weiß schwartz zu machen sinnt; Wo Patru weniger als Mazier gewinnt/ Und zungen-drescher offt den Cicero beschaͤmen? Ha! eh’ ein solcher schluß soll meinen sinn einnehmen/ Eh soll auf sanct Johann das wasser eiß und stein/ Arnaud ein Huguenot/ Pavin ein heuchler seyn. Wolan! so last uns denn diß freche land verlassen/ Wo gluͤck und redligkeit sich unauffhoͤrlich hassen: Wo laster/ schand’ und list mit voller macht regiert/ Die falschheit cron und schwerd/ betrug den scepter fuͤhrt: Wo man die wissenschafft verfolget/ druͤcket/ plaget/ Und als ein huren-kind von hauß und hoff verjaget: Wo man auff nichts mehr denckt/ als wie man stehlen will: Wo alles mich verdreust: wo ‒ ‒ doch ich schweige still. Wer ist nun wohl so kalt/ der ob so groben suͤnden/ Wenn er sie taͤglich sieht/ nicht solte zorn empfinden? Und dem nicht/ wenn er sie mit ernste durch-wil ziehn/ Auch ohne Phoͤbus krafft die besten reime bluͤhn? Nein/ nein/ so offt man sich hierinnen sucht zu zeigen/ So darff man nicht/ wie sonst/ auff den Parnassus steigen: Apollo darff auch nicht erst unser helffer seyn; Denn was er sagen kan/ giebt schon der eifer ein. Sieh’ da/ spricht mancher hier/ du faͤngest an zu rasen. So hohe redens-art schmeckt nach gelehrten hasen. Geh’ auf die cantzel hin/ und juͤckt dich ja das maul/ So mache da das volck durch deine reden faul. II. Theil. Q Da Vermischte Gedichte. Da kanst du was du wilst/ gut oder uͤbel sprechen. So schwatzt ein blinder narr/ den meine schrifften stechen. Der bey der thorheit sich gantz klug und sicher acht/ Wenn er fein hoͤhnisch nur mein ernstes thun verlacht/ Der bald den himmel pocht/ bald wie die froͤsche zittert/ Der GOtt nicht eher kennt/ biß er ein fieber wittert/ Und keine hand auffhebt/ als wenn es knallt und blitzt; So bald es aber klar/ schon wieder spotten sitzt. Denn daß ein solcher mensch alsdenn zu dencken pflege/ Daß GOtt durch seine macht den bau der welt bewege/ Und daß nach dieser zeit ein ander leben sey/ Wird er zum wenigsten bey seiner pralerey/ Doch muͤndlich nicht gestehn: ich aber/ der ich glaͤube/ Daß keine seele sterb’ und GOtt den donner treibe/ Befinde/ daß ich mich von hier entfernen soll. Wohlan! ich weiche denn. Paris/ gehab dich wohl! Die andre Satyre. An den Herrn von Moliere. B. N. B Eruͤhmt und seltner geist/ der wegen seiner gaben Nicht weiß/ was ihrer viel fuͤr muͤh im dichten haben. Fuͤr dem Apollo selbst muß seinen schatz ausstreu’n/ Und der gar wohl versteht/ was gute verse seyn. Erfahrner held in dem/ was witz und kunst ergruͤndet/ Moliere/ sage doch/ wie man die reimen findet. Man schwuͤre/ wenn du wilst/ so lieffen sie dir nach; So gar fließt ieder verß dir sonder ungemach. Du darffst nicht allererst viel in gedancken traͤumen/ Denn was dein mund nur spricht/ das sind schon lauteꝛ reimen: Jch aber/ den der wahn und eine blinde macht Zur straffe/ wie es scheint/ aus reimen hat gebracht/ Bekenne/ daß ich mich oft nur umsonst erhitze. Jch suche mehr/ als du; ich sinne/ denck und schwitze/ Und spare weder fruͤh noch abends meinen fleiß; Doch Vermischte Gedichte. Doch sagt das hertze schwartz/ so spricht die dinte weiß. Red’ in gedancken ich von einer hof-figure/ So reimt mein feder-kiel darauff den abt von Pure. Fehlt mir ein grosser mann und dichter in dem schluß/ So spricht der reim Kainant/ an statt Virgilius. Mit einem wort’: ich mag mich hin und her bewegen/ So laufft mir dennoch stets das widerspiel entgegen. Weil ich mit aller muͤh nun nichts ersinnen kan/ So denck’ ich weiter nicht fuͤr schmertz und eifer dran/ Verfluche mit verdruß die geister/ die mich treiben/ Und schwere tausendmahl/ nicht mehr ein wort zu schreiben. Doch wenn ich lange zeit den Musen-gott verflucht/ So find ich offt den reim/ wo ich ihn nicht gesucht. Alsbald durchdringt die glut vom neuen meine glieder: Jch nehme/ doch mit zwang/ papier und dinte wieder/ Vergesse meinen eyd/ und warte sonder ziel/ Biß wieder nach und nach ein verßchen kommen will. Ach waͤre doch mein geist nur nicht so undescheiden/ Und koͤnte wenigstens ein hartes beywort leiden; So waͤr ich auch vielleicht wie andre woͤrter-reich; Denn alles guͤlte mir alsdenn im reimen gleich. Rennt ich die Rosilis/ der erden lust und wonne/ So setzt’ ich gleich darauff: schoͤn/ wie die liebe sonne. Erhuͤb’ ich aber gar in versen einen held/ So spraͤch ich augenblicks/ das wunder dieser welt. Und also duͤrfft ich nur von lauter wunder-dingen/ Von himmel/ stern und licht und seltner schoͤnheit singen: Und wenn ich nur fein offt so stoltze woͤrter-pracht Haͤtt’ ohne muͤh und kunst im dichten angebracht; Ja/ wann ich noch dazu der syllben thon verletzte/ Und bald ein woͤrtgen hier/ das andre dahin setzte/ So koͤnten/ traͤff es gleich auch nur in stuͤcken ein/ Doch meine verse leicht Malherbens aͤhnlich seyn. So aber will mein geist sich leider! nicht bequemen/ Er mag zum schlusse nichts/ als was sich schicket/ nehmen/ Und kan unmoͤglich sehn/ daß meine redens-art Q 2 Sich Vermischte Gedichte. Sich mit der zeile bloß des reimes wegen paart. Wenn er vier worte sagt/ laͤst er nur eines bleiben; So daß ich offt mein werck muß zwantzig mahl umschreiben. Verflucht sey doch der mann/ der bloß aus unbedacht Die ersten regeln hat im reimen auffgebracht: Der seiner reden krafft in zahlen eingeschraͤncket/ Und sie nebst der vernunfft in solche noth versencket! Waͤr dieses handwerck nicht/ was haͤtt’ ich fuͤr gewinn? Die tage lieffen mir voll suͤsser stunden hin: Jch duͤrffte nichts mehr thun/ als singen/ trincken/ lachen/ Und wie ein thumherr mich nach willen lustig machen. Jch koͤnte ruhig seyn/ bey zeiten schlaffen gehn/ Bey tage muͤßig seyn und ohne sorgen stehn. Und weil mein hertz ohndem zum grame sich nicht schicket/ Ein feind der mißgunst ist/ die ehrsucht niederdruͤcket/ Die stoltze gegenwart der grossen herren scheut/ Und der Fortuna nicht im Louvre weyrauch streut. Wie gluͤcklich waͤr ich doch/ wenn/ meine ruh zu stoͤren/ Nur das verhaͤngniß mich nicht haͤtte reimen lehren. Allein seit dem der wahn/ den diese pest gebiehrt/ Durch seinen nabel mir die sinnen hat geruͤhrt/ Und ein verdammter geist/ bloß seinen spott zu treiben/ Mich auf den schluß gebracht/ recht wohl und rein zu schreiben; So sitz ich tag fuͤr tag bey einem wercke still/ Veraͤndre diß und das/ was sich nicht reimen will: Flick’ an und streiche weg/ und heb offt an zu fluchen/ Daß mich die Musen nicht wie Pelletieren suchen. Begluͤckter Scuderi! du schwitzest nicht wie wir/ Und bringest monatlich ein neues werck herfuͤr. Zwar deine schrifften sind nichts als gemeine lieder/ Ohn arbeit/ ohne kunst/ und der vernunfft zuwider: Allein sie treffen doch/ was man auch sagen kan/ Viel narren zum verkauff und auch zum lesen an. Und endlich wenn der reim am ende richtig klinget/ Was ist es denn nun mehr/ ob der verstand sich zwinget? Der ist in warheit wohl rechtschaffen arm und blind/ Der Vermischte Gedichte. Der seinen freyen geist an kunst und regeln bind’t. Ein narr hat tausendmahl mehr lust in seinem dichten/ Er darff sich/ wenn er reimt/ nach keinen woͤrtern richten/ Liebt alles/ was er macht/ und bildet selbst ihm ein/ Daß er und seine schrifft die groͤsten wunder seyn. Allein ein hoher geist sucht nur umsonst auff erden/ Jn dieser schweren kunst vollkommen klug zu werden. Er ist stets mißvergnuͤgt ob dem/ was er verricht/ Gefaͤllet aller welt/ nur bloß ihm selber nicht; Und da ein ieder mensch ihn preisen muß und lieben/ Wuͤnscht er zu seiner ruh: er haͤtte nichts geschrieben. Drum bitt ich nochmahls dich/ du fuͤrst der dichterey/ Moliere/ bringe mir die kunst zu reimen bey: Jst aber dieses dir unmoͤglich/ mir zu zeigen/ So lehre mich die kunst im reimen gar zu schweigen. Auff den nahmens-tag Hn. Nicolaus Will- mann/ Churfuͤrstl. Brandenburgischen amts- und steuer-raths. B. N. D Je kluge welt hat noch biß heute nicht ergruͤndt/ Was Martyr dennoch will vor eine warheit schreiben; Ob in Longuca sich ein wunder-brunn befindt/ Der alte leiber kan in junge formen treiben: Diß aber ist gewiß: daß GOttes stille krafft Verlebten dingen offt das meiste leben schafft. Wie spielt nicht die natur an dem gestirnten bogen? Des monden silber faͤllt und nimmet wieder zu: Die wolcken werden ab- und wieder auffgezogen: Q 3 Die Vermischte Gedichte. Die sonnen-kugel sucht in der bewegung ruh/ Und da wir alle gleich von ihrer flamme zehren/ Sieht man sie taͤglich doch ein neues feur gebaͤhren: Diß thut der himmel nur; was nicht die unter-welt? Die uns mehr wunder laͤßt als jener sterne schauen. Denn wenn die graue zeit den marmel fast verstellt/ Muß witz und kunst daraus erst grosse tempel bauen/ Und die erfahrung giebt: daß barben und der wein Jm alter koͤstlicher als in der jugend seyn. Ein crocodil der waͤchst/ so lang er sich beweget: Die stroͤme mehren sich durch ihren weiten lauff. Je mehr ein feigen-baum auf erden fruͤchte traͤget/ Je mehr setzt die natur ihm wieder knospen auf. Ein adler kan ihm selbst die jugend wieder bringen/ Ein todter phoͤnix sich aus staub und asche schwingen. Der arme mensch allein bricht wie der porcellan/ Und steckt voll ungemach/ wie duͤnste voller regen. Er weint/ so bald er nur die augen auffgethan/ Mit thraͤnen muß er sich auch wieder niederlegen/ Und iedem kinde zeigt sein schreyend A und E/ Daß man mit Armuth auf/ mit Elend untergeh. Drum reißt die ungedult zuweilen aus den schrancken/ Und floͤßt den sterblichen die falsche lehren ein: Die goͤtter waͤren nichts als schatten und gedancken; Sonst muͤste ja der mensch mehr wie die thiere seyn. Denn diese schlieffen offt auf rosen und jaßminen/ Wenn jenem tod und blitz an statt der sonne schienen. So denckt die blinde welt: doch sonder alles recht. Denn fleisch und blut sind nicht die nahrung unsrer seelen. Je mehr der matte leib sich an begierden schwaͤcht/ Je weiter ruͤckt der geist aus seinen moͤrder-hoͤlen; Weil/ wenn die rosen uns am munde niedergehn/ Die seelen insgemein erst in der bluͤte stehn. Und Vermischte Gedichte. Und also waͤchst der mensch an weißheit und verstande/ So wie die thiere nur an gliedern und gestalt. Die geile jugend fliegt/ wie mutten nach dem brande/ Die maͤnner werden schon in suͤnden wieder kalt; Ein alter aber kan am ende beyden zeigen: Wie weit ein Jcarus soll in die wolcken steigen. Sein silber-weisses haupt ist lauter redligkeit/ Und oͤffnet doch zugleich ein zimmer voller kohlen/ Aus dem die armen trost in der bedraͤngten zeit/ Die fuͤrsten rath und licht/ gelehrte flammen holen. Drum hat uns Syrach schon wie Sparta dargethan: Daß man das alter nicht genug verehren kan. Erlaube demnach auch du crone grauer weisen/ Daß mein gemuͤthe dir ein kleines opffer bringt. Jch suche dir hiemit nicht deinen ruhm zu preisen/ Den auff der strassen schon ein jedes kind besingt; Nicht deine grosse treu/ die wie ein regen-bogen Dem gantzen lande nichts als sonne zugezogen. Dein geist ist viel zu groß vor feder und papier/ Nachdem ihn die natur so offters umgegossen: Doch der genaden-brunn/ den GOttes guͤte dir Durch deinen nahmens-tag vom neuen aufgeschlossen/ Hat wie der Musen-quell/ durch seine wunder-macht/ Mein hertze statt der kunst in diese reimen bracht. Jhr himmel schwaͤngert euch mit segen und gedeyen Und schließt diß theure haupt in frische rosen ein! Schafft daß die luͤffte gold/ die wolcken perlen. schneyen/ Die speisen ambrosin/ die traͤncke nectar seyn/ Und wenn euch Willmann wird um euren willen fragen/ So laßt ihm allemal/ man will/ zuruͤcke sagen. Q 4 An Vermischte Gedichte. An den General Fabian Ferson/ als er Ao. 1675 mit erster schiffarth nach Stockholm ankam. E. C. S. W Enn/ welt-beruͤhmter held/ ein knecht sich darff erkuͤhnen/ Nach aller moͤglichkeit dich heute zu bedienen/ So hab ich diß zu thun vor andern gutes recht; Denn ich erkenne mich fuͤr deinen schlechten knecht. Jch lege mich hiermit zu deinen fuͤssen nieder/ Und uͤberreiche dir die unvollkommne lieder/ Mit welchen ich in eil den frohen tag beehrt/ An welchem du gesund bey uns bist eingekehrt. Wir dancken GOtt dafuͤr/ ob schon die lieben deinen/ Die du zuruͤcke liest/ umb dich noch traurig scheinen/ Fuͤrnehmlich weil ihr feind in voller ruͤstung steht/ Und/ wie berichtet wird/ an ihre graͤntzen geht. Man sagt/ die Duͤn’ als sie dein abseyn haͤtt vernommen/ Sey in der wilden see sehr weit dir nachgeschwommen/ Und weil sie dich nicht fand/ hat sie/ die nun betagt/ Jhr schilfficht haupt beraufft und dich sehr hoch beklagt. Es rieff dir sehnlich nach ihr gantzes hoffgesinde/ Vor allen andern doch die junge Duͤnamuͤnde/ Die ihre tochter ist/ rieff immer diese wort: Ach vater! ziehst du weg? ach vater! ziehst du fort? O ach! und laͤssest mich in haͤnden meiner neider? Jndem sie dieses sprach/ zerriß sie ihre kleider/ Wie ihre mutter that; seit dieses ist geschehn/ Hat man sie beyde bloß und nackend gehn gesehn. Wie schmertzlich sie nun dort dein abseyn ietzt bereuen/ So hertzlich koͤnnen wir uns deiner ankunfft freuen; Der alte Mehler selbst/ wie mir wird fuͤrgebracht/ Hat unter seinem eiß heut uͤber laut gelacht. Es stroͤhmte neben ihm die liebliche Syrene Durch ihre silberfluth ein jauchzendes gethoͤne/ So daß ihr heller schall den fluth-crystall durchbrach: Die klippen sprachen ihm mit schweren lippen nach Und Vermischte Gedichte. Und sperrten kluͤffte auff; der hall fiel in die gruͤffte/ Und Echo rieff ihm nach in weite breite luͤffte/ Die luͤffte drehten sich durch staͤdte/ feld und wald: So ist dem ankunfft nun im gantzen land erschallt. Die meiste/ welche sich nebst mir derselben freuen/ Begunten uͤberall zu jauchzen und zu schreyen/ So lange biß der Loͤw in dieser mitternacht Von ihrem freuden-schall aus seinem schlaff erwacht. Der hochgeehrtste Loͤw/ so seine guͤldne klauen Anietzt zum ersten mahl den feinden giebt zu schauen/ Und gleich in schrancken springt/ erfreuete sich sehr/ Als er die post vernahm: daß Ferson kommen waͤr. Sein praͤchtiges Stockholm/ nach dem es dich empfangen/ Spꝛach: dieses ist der mann/ nach dem ich trug verlangen/ Sey sehr willkommen hier/ du kuͤhner krieges-held/ Dem selbst der wilde Mars verzagt zu suͤssen faͤllt. Weil dir denn iederman rieff gluͤck und heyl entgegen/ Beschloß ich meine pflicht in reimen abzulegen/ Und brach in hoͤchster eil/ wie unser Phoͤbus weiß/ Held! dir zu ehren ab diß duͤrre lorbeer-reiß. Jch hatte neulich zwar mir gaͤntzlich fuͤrgenommen/ Gantz nicht/ ja nimmermehr auff Aons hoͤh zu kommen/ Nur darum/ weil man hier die tichterey verlacht/ Weil sie hans liederlich zum bettel-stabe macht. Jch waͤr auch gantz gewiß bey diesem vorsatz blieben/ Und haͤtte diese kunst nicht wiederum getrieben/ Wo nicht mein freyer sinn/ der unersaͤttlich geitzt/ Nach grosser herren gunst mich hierzu angereitzt. Diß aber reitzt mich mehr: Jch weiß daß du vordessen Auf Poͤons Helicon hast oben an gesessen/ Und daß du tichter wohl zu unterscheiden weist Von bettlern/ welche lang auf ihre kunst gereist. Die gehen mich nichts an/ auch nicht die meister-saͤnger/ Die lange sylben kurtz und kurtze sylben laͤnger/ Als sich gebuͤhret/ ziehn/ nachdem das hoͤltzgen ist/ Womit ihr aberwitz die armen reime mist. Q 5 Wer Vermischte Gedichte. Wer nach der elen reimt/ den muß man tichter nennen/ Ob am gedichte gleich nichts tuͤchtigs zu erkennen/ Er ist/ er heist und bleibt ein kuͤnstlicher poet/ Warum? weil P. L. C. nach seinem nahmen steht. Diß sey und bleib er auch/ biß andre ihn vertreiben/ Und ihn zu Nuͤrenberg in pritschen-orden schreiben. Jch habe meines theils auf aff- und hasen-jagt Noch keinen hund gehetzt/ auch keinen schluß gewagt. Fuͤr diese schnoͤde lust bemuͤh ich mich zu melden Von grosser tapfferkeit beruͤhmter krieges-helden/ Wie der und jener sich durch seine feinde drung/ Und sich durch schwerd uñ spieß uñ dampf zun wolckẽ schwung. Zwar ich bin nicht gesinnt vor dieses mahl zu sagen/ Was/ Ferson/ deine faust vor ruhm davon getragen/ Als du mit selbiger Gradivum selbst bekaͤmpfft/ Sein blutig schwerd geraubt und ihn damit gedaͤmpfft. Wer diß verrichten soll/ muß Buchners hohe gaben/ Muß Gryphens hohen geist und donner-worte haben/ Er muß beredet seyn als unser Opitz ist/ Der erste teutsche schwan/ und ruͤstig seyn als Rist/ Er muß entzuͤndet seyn von Flemmings himmels-flammen/ Wer nicht von jugend an der dreymal-dreyen ammen Gelehrte brust gesaugt/ darff sich nicht unterstehn/ Dich sternen gleichen held noch hoͤher zu erhoͤhn. Drum will ich deinen ruhm viel lieber hier verschweigen Und mich mit worten nicht/ wie Phaeton/ versteigen/ Der/ weil er uͤberschritt sein vorgestecktes ziel/ Schnell uͤber hals und kopff vom himmel runter fiel. Woferne dieser reim/ der dir zun fuͤssen lieget/ Dein auge schauen kan/ so bin ich schon vergnuͤget; Wenn aber finsterniß ihm solt im lichte stehn/ So wird die sonne mir heut blutig untergehn. Damit nun dieser tag befreyet sey vom leide/ So goͤnn auch mir ein theil von deiner ankunffts-freude/ Und nim/ ich weiß du kanst/ dich deines dieners an/ Sonst ist es um mein gluͤck und wolfarth gantz gethan. Jch Vermischte Gedichte. Jch bitte dich/ durch dich/ durch deine tapffre ahnen/ Durch deinen helden-muth/ durch deine sieges-fahnen/ Durch dein vergoͤttert lob/ das sich durch belt und feld Und welt geschwungen hat biß an der sternen zelt. Laß meine hoffnung nicht vor dißmahl mich betruͤgen/ Hilff mir durch deinen sieg mein ungluͤck uͤbersiegen/ So soll der frohe tag/ an dem du eingekehrt/ Benebenst dir/ von mir/ seyn ewig hochgeehrt. An den Hn. Gaͤrtner von Gaͤrtenberg zu Stockholm zugeschrieben. E. C. S. V Erzeih mir/ Mecaͤnat/ wenn diese schlechte zeilen Zu unbequemer zeit zu deinen fuͤssen eilen/ Wenn meiner feder mund nicht redet nach gebuͤhr/ So bitt’ ich/ stoß mich nicht von deiner garten-thuͤr. Weil ich die gaͤrtner-kunst von jugend an geliebet Und mich nach moͤgligkeit in selbiger geuͤbet/ Hat selbst Apollo mir/ aus sonderbarer gunst/ Mit eigner hand gelehrt ein theil von selber kunst. Er fuͤhrte mich mit sich in einen schoͤnen garten; Weil ich nun willig war den blumen auffzuwarten/ Hab ich mit stetem fleiß es letzt dahin gebracht/ Daß er mich uͤber sie zum gaͤrtner hat gemacht. Der garten/ welchen zwar sonst niemand noch geschauet/ Als nur der dichter schaar/ war ziemlich ungebauet/ Zur rechten stund ein wald/ zur lincken Floren zelt/ Hier ein erhoͤhter berg/ dort gruͤn durchkleetes feld. Es gienge Castalis mit perlen-weissen fuͤssen Jm garten hin und her die blumen zu begiessen/ Bey meinem garten-hauß an einer schoͤnen stell Entsprunge Hippocren/ die hell und schnelle quell/ Mit murmeindem geraͤusch und fuͤhrte gold im sande/ Es stunden rosen-puͤsch an ihrem gruͤnen strande/ Jn selber wohnete der helle wiederschall/ Mit Vermischte Gedichte. Mit dem besprachte sich die laute nachtigal. Der garten/ wie gedacht/ war uͤberall geschmuͤcket/ Mit schoͤnen blumen hier/ mit kraͤutern dort gesticket/ Mein’ augen haben stets/ was sie begehrt/ geschaut/ Nur keine muͤntze nicht und tausend-guͤlden kraut. Mein Phoͤbus hatte sich auf beyde nicht beflissen/ Auch nicht auf loͤffel-kraut und nichtige narcissen/ Weil sie so fluͤchtig seyn. Zu selber schoͤnen zeit Wust ich von keiner angst/ von keinem hertzen-leid. Jch sah’ den ehren preiß in seiner ehre sitzen/ Die hohe sonnen-blum als eine sonne blitzen/ Die kecke lilje stund in ihrer gelben glut/ Die raut in graß-schmaragd/ die ros’ in milch und blut. Jch sah den nelcken-stock sein purpur-kleid empfangen/ Mein schoͤnes tausend-schoͤn vor tausend blumen prangen/ Und meinte/ daß mein hertz/ das damahls war im meer Voll unerschoͤpffter lust/ nicht zu betruͤben waͤr. Nun aber hat die zeit/ mit der sich alles endet/ Mich aller lust beraubt/ mir alle freud’ entwendet; O Solon! du hast recht/ so lange Titan tagt! O Solon! du hast wahr und mehr als wahr gesagt. Jndem du niemand nicht vor gluͤcklich hast erkennet/ Eh seine seele ab- vom leibe sich getrennet/ O Solon! du hast recht. Als ich im garten saß/ Und vor der blumen zier fast meiner selbst vergaß/ Erhub sich unverhofft ein unaussprechlich brausen/ Der wuͤttrich Boreas hub grausam an zu sausen/ Der sturm nahm schrecklich zu/ es ruderte die see Aus ihren syrten raus zum himmel in die hoͤh. Die weite breite lufft ward uͤberall bezogen Mit dicker finsterniß und truͤben wasser-wogen; Die wolcken rollten fort/ ihr rauher donner-knall Erschuͤtterte die lufft/ es zitterte der ball Der erden selbst vor furcht; es rasselten die waͤlder Und prasselten vom sturm/ der meine blumen-felder Mit schlossen/ regen/ blitz und schrecken uͤberfiel; So Vermischte Gedichte. So wurde mir verruͤckt mein vorgesetztes ziel. Mein gaꝛten ist verheert/ die blumen sind verschneyet/ Von lufft aus mitternacht die meisten abgemeyet. Mein gruͤnes wintergruͤn hat seinen todt gesehn/ Und meinem tausendschoͤn ist eben so geschehn. Der kirschbaum/ als der sturm so wuͤterisch gehandelt/ Hat seine gruͤne frucht in rothes blut verwandelt/ Die rose hat aus schmertz ihr auge zugedruͤckt/ Und thraͤnen raus geprest/ als sie den frost erblickt/ Er fiel in seinem grimm auff meinen laͤnger-lieber/ Und uͤberschuͤttet ihn mit seinem todten fieber: Ein eintzig bluͤmchen nur kam ihm nicht zu gesicht; Diß/ gaͤrtner/ schenck ich dir/ es heißt: vergiß mein nicht. Woferne sich dein knecht zu bitten darff erkuͤhnen/ So bitt ich/ wann es moͤcht in deinen garten dienen/ Vergoͤnn’ ihm einen ort; wird es nicht untergehn/ So soll es ewiglich zu deinen diensten stehn. Mein poley ist verwelckt/ der hyacinth verschwunden/ Die roßmarin verschwartzt; wo vormahls veilgen stunden Schießt bittrer wermuth auf; fuͤr gruͤnen majoran Dringt blaue sorge vor und strenger wiederthan. Nun leb’ ich gar in furcht/ es werd’ ein sturm aus norden Mir meinen lorbeer-wald noch jaͤmmerlich ermorden/ Weil sich der moͤrder schon um ast und gipffel schwingt Und mit der blaͤtter zier um leib und leben ringt. Giebt mir der Hoͤchste nicht/ wornach mein hertze strebet/ So hat mein ehren-preiß die sterbligkeit erlebet/ Auch mein vergiß mein nicht/ nimt diß erst seinen tod/ So liegt mein hoͤchstes gluͤck in seiner letzten noth. Diß kraut/ vergiß mein nicht/ traͤgt dir dein knecht entgegen/ Und gleich itzt will er es zu deinen fuͤssen legen: Zum zeichen daß er dir zu dienen willig ist/ Biß mein/ vergiß mein nicht/ letzt seiner selbst vergißt. Hilff! denn du kanst es thun/ dein arm ist unverkuͤrtzet/ Hilff diesem/ der sein gluͤck in abgrund hat gestuͤrtzet/ Er- Vermischte Gedichte. Erwege diese wort/ und reiche dem die hand/ Der nichts bestaͤndigs hat als gluͤckes-unbestand. Der verbrandte Cupido. D Je liebliche Dione/ Der schoͤnheit schoͤnste krone/ Saß nechst auf ihrem throne/ Und rief dem kleinen sohne/ Dem nackten fluͤgel-schuͤtzen/ Dem schuͤtzen/ der mit flitzen Kan vieler hertz zerschlitzen/ Und tieffe wunden ritzen/ Und heisse flammen spruͤtzen. Komm/ sagte sie/ geliebter/ Jm lieben ausgeuͤbter/ Und bitte mir ietzt gaͤste Zu meinem nahmens-feste. Du solt die jungfern laden/ Die schwimmenden Najaden/ Die gruͤnen Oreaden/ Wie auch die Nereinen/ Samt ihren lust-Delphinen/ Die schnellen feld-Napeen/ Und was du mehr stehst gehen Von meinem frauen-zimmer. Doch huͤte dich/ du schlimmer/ Daß du mir keine hertzest/ Noch gantz verwegen schertzest. Wenn du sie eingeladen/ So bitte nicht Menaden Und bockgefuͤste Faunen/ Die auf den feld-posaunen/ Ein garstig lermen blasen. Denn maͤnner/ so nur rasen/ Die kan ich gar nicht leiden Bey meiner wollust freuden. Du Vermischte Gedichte. Du must mir schoͤne knaben/ Die blut und geister haben/ Zu meinem feste bitten/ Sonst ist die lust verschnitten. Die lieblich koͤnnen singen/ Die hurtig koͤnnen springen/ Die tapffer koͤnnen ringen Und bey gestalten dingen Dem frauen-zimmer bringen Beliebt’ ergoͤtzligkeiten/ Und lust-vollkommenheiten. Als liebreitz diß gehoͤret/ Umfiel er gantz bethoͤret Der mutter perlen-bruͤste/ Die er so sehnlich kuͤste/ Daß auch auf seinen lippen/ Den hochgeschwollnen klippen/ Der purpur blieben kleben/ Und den befasten reben Der silberreichen bruͤste/ Der liebe lust-geruͤste. Drauff ist er ausgeflogen/ Elisien durchzogen/ Und hat die Venerillen/ Die schoͤnen Chilesillen/ Die braunen Amarillen/ Die weissen Violillen Und keusche Galateen/ Die edlen Astereen Zu diesem fest geladen/ Und seiner mutter gnaden Dienstfertig angezeiget/ Demuͤthig sich gebeuget/ Sie bey der hand gefuͤhret/ Mit myrthen sie gezieret/ Jn rosen eingeschmieret/ Ließ Vermischte Gedichte. Ließ sie zur mutter kommen/ Die sie in schooß genommen/ Mit nectar sie getraͤncket/ Und mildiglich geschencket. Drauff koͤmmt der liebe waͤchter Und treibt ein hell gelaͤchter Fuͤr Venus goͤldnem throne Und rieff: mein ist die crone! Seht diese junggesellen/ Wie sie sich koͤnnen stellen/ Die sollen heute tantzen/ Und ihre fuͤsse pflantzen Jn kunstgebognen reihen/ Auf/ blaset die schalmeyen. Jch nehme diesen becher/ Der schweren sorgen brecher/ Jch wills der schoͤnsten bringen/ Es soll mir noch gelingen. Auf meiner mutter gluͤcke/ Des himmels meisterstuͤcke/ Auff meiner mutter leben Muß dieser becher schweben Jn aller hand und munde/ Bald leert er zu der stunde Die umgestuͤrtzte schale/ Und spielet auf dem saale. Weil aber tausend fackeln An goͤldnen leuchtern wackeln/ Und in den schoͤnen zimmern Viel hundert ampeln schimmern/ Sind die entbrandten funcken Auf seinen kopff gesuncken. Bald brennen ihm die haare/ Die goldgekraͤuste waare/ Bald schlaͤget in den flammen Der fluͤgel schwung zusammen/ Und Vermischte Gedichte. Und Amor waͤr verbrennet/ Wenn nicht herzugerennet Die Venus und holdinnen/ Samt ieden mensch-goͤttinnen. Sie salben drauf den knaben Mit reichen balsams-gaben/ Die staͤrckenden jesminen/ Die muͤssen dazu dienen/ Wie auch des ambers seele/ Das ros- und liljen-oͤle/ Und was mehr zu erdencken Von kraͤfftigen getraͤncken. Darnach entsteht ein klagen/ Wer ihn zu bett soll tragen/ Von jungfern wil nicht eine/ Sie sprechen: ja der kleine Und abgefeimte schelme Hat unter seinem helme Noch list und tuͤck verborgen. Er hat die liebes-sorgen Uns in das hertz gegossen/ Ja unerhoͤrte possen Gleich denen die geschossen Uns in die seel gesprenget/ Und gut und blut vermenget. Am besten daß er hencket/ Und daß man ihn ertraͤncket/ Damit nicht ferner schmertzen Bestuͤrmen unsre hertzen. Das frauenzimmer lauffet/ Und siht/ wie diß’ ihn rauffet/ Und die mit zangen zwicket/ Ein andre fast zerstuͤcket; Nur uͤber den gantz armen Traͤgt eine noch erbarmen. II. Theil. R Da- Vermischte Gedichte. Damit er friede haͤtte/ So fuͤhrt sie ihn ins bette. Als Venus diß gesehen/ Was Amor war geschehen/ Versprach sie hoch und heilig/ Es solte nicht nachtheilig Den Nymphen seyn und heissen/ Sie wolle sich befleissen/ Daß bey den wenig tagen Ein iedes moͤchte sagen: Die schoͤnsten von den Nymphen/ Die nicht der neid kan schimpfen/ Traͤgt nunmehr krantz und krone Fuͤr ihre treu zu lohne. Das spiel. C. H. v. H. E S ist ein schalck der zeit/ ein zunder zu dem zancken/ Ein rechtes freundschafts-gifft/ ein hencker der gedancken/ Des krieges ebenbild/ ein diebstahl den man liebt/ Ein wesen/ so kein christ recht mit gewissen uͤbt/ Ein suͤsses hexenwerck/ ein ungewisses lachen/ Und daß ich nicht zu viel darff von dem spiele machen/ Wenn der beruͤhmte tag wirfft erd und himmel ein/ So wird das spielen doch der teufel labsal seyn. Verzweifflungs-gedichte. C. H. v. H. D Je augen schloß ich traurig zu/ Die haͤnde deckten meine stirne/ Jch war entbloͤst von lust und ruh/ Der kummer fuͤhlte das gehirne/ Bald Vermischte Gedichte. Bald wacht ich auff/ bald schlieff ich ein/ Bald wolt ich tod und asche seyn/ Bald wuͤnscht ich weit von hier zu leben; Und daß ja nichts sey unbekant/ So hat die thorheit/ meiner hand Papier und feder uͤbergeben. Auf auf mein sinn und du mein fuß/ Jch kan nicht laͤnger hier verziehen/ Mein warten bringet mir verdruß/ Jch wuͤnsche von der welt zu fliehen. Jch spey auf scepter und auff gold/ Man sey mir feind/ man sey mir hold/ Es soll mich beydes gleich erquicken; Die liebe/ so uns naͤrrisch macht Und uns bezwingt mit dicker nacht/ Soll mir nicht den compaß verruͤcken. Jch lache/ wenn ich uͤberhin Mein tummes leben uͤberlege/ Und diß/ worauf ich kommen bin/ Jn den gedancken recht erwege/ Mir zittern beydes marck und bein/ Die stirne wird wie eyß und stein/ Es will gebluͤt und geist erstarren; Genug geirrt/ genung geklagt/ Den irrthum hat die zeit verjagt/ Jch will nicht laͤnger hier verharren. Jch eil in eine weisse gruft/ Die keine sonne hat beruͤhret/ Und da die eingesperrte luft Uns zeitlich zu dem tode fuͤhret/ Der schlangen gifft und drachen rauch/ Der fuͤlle nase/ brust und bauch/ R 2 Und Vermischte Gedichte. Und endlich meinen geist vertreibe/ Auf daß die ausgedorrte brust Als eine recht bestimmte kost Fuͤr junger drachen zaͤhne bleibe. Und werd ich ja nicht hingericht/ Durch schlangengift geschickt zu toͤdten/ Will keine drachen-mutter nicht Mir freundlich seyn in meinen noͤthen/ So lauf ich in das heisse land/ Jn welchem der entbrannte sand Nichts als die loͤwen will ernehren/ Die werden endlich meine noth (Denn nichts begehr ich als den todt) Und auch zugleich mein fleisch verzehren. Und will mir weder gifft noch zahn Die seele von dem leibe scheiden/ Jst nichts so mich verzehren kan/ So mag dich doch nicht ferner leiden: Es soll mir diese schwache hand Sein wider meine brust gewand/ Sie soll den schnoͤden leib durchstechen; Hat mich das faule blut geplagt/ Und in viel grosse noth gejagt/ So bin ich fertig mich zu raͤchen. Die haare gehn den bergen zu/ Wenn ich erwege dieses leben/ Bey welchem froͤligkeit und ruh Verschworen hat mir platz zu geben. Jch bin ein todter der da geht/ Ein gas so auf den fuͤssen steht/ Und ein verfaulter ohne bahre/ Ein brand von boͤser brunst gemacht/ Ein scheusal/ dessen ieder lacht/ Ein enger kram verachter wahre. Und Vermischte Gedichte. Und daß die feder nicht zu viel Von meinem boͤsen leben sage/ So habe sie hiermit ihr ziel/ Jch will nicht daß sie ferner klage/ Mit diesem geht mein wallen an/ Wol iedem der da bleiben kan/ Mein wolseyn such ich im verderben. Jhr guten freunde/ gute nacht/ Der wunsch sey euch von mir vermacht/ Mein leben mag mein feind ererben. Hundspossen. C. H. v. H. S O will ich auch/ daß meine lieder/ Du hingelegter Rodomont/ Dem glut und muth in augen stund/ Besingen deine kalten glieder. Nur klag ich/ daß kein harzicht schwein Hat sollen dein geferte seyn/ Und neben dir sich strecken muͤssen/ Daß dein und deines feindes blut Nicht schaͤumig soll zusammen fliessen/ Und roth besiegeln deinen muth. Doch weil du schienst zu seyn gebohren Um Jupiters gezelt zu stehn/ Und durch sein donnerreich zu gehn/ Ward dir ein donner-tod erkohren/ Ein donner so aus eisen kracht/ Den schwefel und salpeter macht/ Wenn hitz und kaͤlt einander fliehen/ Schlug dein geschicktes haupt entzwey; Wir aber wollen uns bemuͤhen/ Daß deiner unvergessen sey. R 3 Kommt Vermischte Gedichte. Kommt ihr bekanten hoͤllen-hunde/ Die kleinen reckel ruff ich nicht/ Den kraft und wuͤrdigkeit gebricht/ Heult eifrig aus dem tiefen schlunde/ Heult traurig durch die gantze nacht/ Biß daß der himmels-hund erwacht/ Von dem die heissen tag entspriessen. Jch weiß/ er heult so gut als ihr/ Daß sich der baͤr wird fuͤrchten muͤssen/ Und neben ihm der kuͤhne stier. Des Cerberus gedritten rachen Wird auch eroͤfnen dieser fall/ Er soll durch ungemeinen schall Den hof des Pluto wacker machen ! Der schwartze pfoͤrtner/ den die last Der schweren ketten hat umfast/ Wuͤnscht Rodomonden zu empfangen. Der aͤrmste fuͤhlt beschwer und pein/ Verlangt die freyheit zu erlangen Und Rodomonden gleich zu seyn. Nun Rodomond spielt auf dem strande/ Da der recht edlen hunde geist Der grossen wollust sich befleist/ Jn einem wunderschoͤnen lande. Er rennt und fuͤhlt nicht muͤdigkeit/ Reich an vergnuͤgung/ arm an leid/ Schertzt mit Dianens geilen hunden/ Er ist auf bulerey bedacht/ Nur dis/ was ich nicht recht befunden/ Jst/ daß er keine junge macht. Trinck- Vermischte Gedichte. Trinck-lied. W Jr folgen dem gemuͤths-tyrannen/ Der sucht die lust in glaß und kannen/ Er geht des Bachus satzung ein/ Er wirft die pfeil in nechsten graben/ Und wuͤnscht kein ander glaß zu haben/ Als seinen helm/ bald voll zu seyn. Sein gantzes volck ist ihm getrennet/ Er zecht/ daß er sich selbst nicht kennet/ Wiewohl er ohne binde kaͤmpft. Er sencket allbereit die nase/ Man siht/ wie er mit einem glase Den rest von seiner fackel daͤmpft. Ein ander mag die Chloris kuͤssen/ Das kuͤssen steht auf schlechten fuͤssen/ Und streicht nicht sonder eckel hin: Die kurtzweil aber von dem trincken Laͤst allen unmuth von uns sincken/ Und staͤrcket uns geschmack und sinn. Jhr bruͤder/ geht nicht von dem saale/ Wir leeren denn die grosse schaale/ Und giessen oͤle zu der glut. Wir wollen uns daran nicht kehren/ Und solte sie auch ewig waͤhren: Je groͤsser streit/ ie groͤsser muth. R 4 Cupi- Vermischte Gedichte. Cupidinis testament. H. v. A. v. S. 1. C Upido lag im krancken-bette/ Und stellte sich recht klaͤglich an/ Als wenn er lust zu sterben haͤtte/ Es war um alle krafft gethan; Drum wuͤnscht er wegen seiner sachen/ Ein richtig testament zu machen. 2. Er schickte nach dem advocaten/ Alsbald kam ein notarius/ Der half in allen sachen rathen/ Und also fiel indeß ein schluß: Verlaß ich was nach meinem sterben/ So soll das frauenzimmer erben. 3. Die lieben jungfern sollen haben Den uͤberaus verliebten geist/ Auch alle andre leibes-gaben/ Und alles was sonst maͤnnlich heist; Und zwar wie alles steht und liget/ Jch weiß sie sind damit vergnuͤget. 4. Den weibern wil ich gleichfals dienen/ Vor die sind meine fluͤgel gut/ Dieweil dergleichen haußrath ihnen Zum allermeisten noͤthig thut/ Sie brauchen sie zu flederwischen/ Und zu der maͤnner federpuͤschen. 5. Was aber mach ich mit den alten? Mein letzter stulgang ist zu schlecht: Gelt! wenn der podex wird erkalten/ Der ist vor alte weiber recht. Ja Vermischte Gedichte. Ja ja es soll darbey verbleiben/ Der herr beliebe nur zu schreiben. 6. Crumpificus war wol zu frieden/ Er sprach: der herr thut wohl daran/ Denn so bleibt aller streit vermieden; Doch ehe diß geschehen kan/ So mus ich sieben zeugen sehen/ Sonst kan kein testament geschehen. 7. Cupido lag in letzten zuͤgen/ Die zunge ward almaͤhlich schwer/ Er sprach aus lauter unvergnuͤgen: Holt sieben reine jungfern her/ Die noch von keinen maͤnnern wissen/ Die sollen dieses werck beschliessen. 8. Er lief als wenn er fluͤgel haͤtte/ Cupiden fiel indeß ein fluß/ Und also starb er auf dem bette/ Zugleich kam auch Crumpificus; Und hatt’ in vier- und zwantzig stunden Nicht eine reine jungfer funden. Entwurff der liebe. C. H. v. H. D Je lieb ist unvernunfft/ die mit vernunfft vermengt/ Ein fried gesellter haß/ betrug vermischt mit glauben/ Ein hoffnungs-volle furcht/ ein schiffbruch dessen rauben Uns dennoch suͤsse duͤnckt/ ein stein so uns bedraͤngt/ Ein angenehm Charybd/ und ein gesundes krancken/ Ein hunger der sich muß mit seiner sattheit zancken/ Ein vollgezechter durst/ und trunckne nuͤchternheit/ Ein schoͤnes freuden-spiel/ das garstig ungluͤck endet/ Ein port der uns verschlingt/ wenn man schon angelendet/ R 5 Ein Vermischte Gedichte. Ein suͤsser uͤbelstand/ und uͤble suͤßigkeit/ Ein bittrer honigsafft/ der von geruch beliebet/ Und der uns im geschmack gifft/ pest und galle giebet/ Ein wetter das man wuͤnscht/ und eine lichte nacht/ Ein dick verfinstert licht/ ein abgestorbnes leben Und ein belebter tod; ein fehler der vergeben/ Doch nicht vergessen wird. Ein schandfleck/ der mit pracht Und schmincke sich bestreicht. Ein tugendhafftes lafter Und schnoͤder missethat gelindes artzney-pflaster/ Ein unbestaͤndig spiel und ein bestaͤndig trug/ Ein’ ausgekraͤffte krafft/ ein gantz beweglich festes/ Ein allgemeiner schluß/ den narrheit nennt sein bestes/ Ein rath der urtheil spricht gantz ohne recht und fug/ Ein wolstand der betruͤbt/ ein gluͤck das nicht erscheinet/ Ein lust-haus/ da die seel den freyen stand beweinet. Auf das am sonntag Cantate an. 1681 zu nacht eingebrante sommer bauß tit. Hn. Zach. von Fritschens. H. M. Sonne t . B Renn immer wie du wilt/ du altes sommer-hauß/ Den freunden nur zur lust/ den nachbarn nicht zum schrecken/ Es darff kein waͤchter hier den brand zu loͤschen wecken: Denn ob du gleich anitzt vergehst in asch und grauß/ So baut der herr von Fritsch dich schoͤner wieder aus/ Und Venus will dich selbst mit ihren rosen decken/ Ja/ statt der ziegel schenckt sie ihre purpur-schnecken/ Gedenckt auch alle jahr zu halten einen schmauß. Der Nymphen schoͤnes volck wil dich hinfort bewohnen/ Die nackten Amor’n gehn und legen zwibeln ein/ Daß kuͤnftig wachsen auf narcissen/ anemonen/ Und daß ein ewig lentz um deine burg muß seyn. Wer Vermischte Gedichte. Wer aber/ frag’ ich auch aus frevel nicht vor witze/ Versetzte dich in brand? ach! ach! der spieler hitze! Gespraͤch Der sterbenden Belise/ und ihres sie beklagende Lysis. B Elise starb/ und sprach im scheiden: Nun/ Lysis/ nun verlaß ich dich! Jch stuͤrbe willig und mit freuden/ Liebt eine dich so sehr als ich. Ach! sprach er/ mag dich das betruͤben/ Belise? nur dein tod ist schwer! Kanst du mich selbst nicht laͤnger lieben/ Bedarff ich keiner liebe mehr. Grabschrifft. Der seeligen Fr. v. B***. H Jer liegt die B***. das beyspiel wahrer liebe/ Die/ was sie nur gehabt/ gut/ schoͤnheit und verstand/ Jhr leben und ihr hertz dem ehmann zugewandt/ Und nichts von ihm begehrt/ denn daß er sie begruͤbe. Drey kinder hatte sie ihm hoͤchst vergnuͤgt gebracht/ Und die gesetzte zahl der liebe vollgemacht. Doch weil sie auch dadurch/ worzu sie war gekommen/ Jhr gantzes liebeswerck vollfuͤhret und erfuͤllt/ Ward sie dem zum beweiß/ als wie ein liebes-bild/ Es ist bekandt/ daß die Charitas/ oder das bild der liebe/ mit dreyen kindern und das eine am arm haltend/ gemahlet wird. Mit einem kind’ im arm/ in himmel aufgenommen. Nun traͤgt sie dort den lohn der ehelichen treu; Daß aber sie auch hier nicht unbelohnet sey/ Muß sie (o schwerer dienst!) ihr ehmann selbst begraben. Diß ist die danckbarkeit/ die sie hat wollen haben. Wi- Vermischte Gedichte. Wider das frauenzimmer auß dem Frantzoͤischen. † † † A Ls GOtt/ das grosse werck der schoͤpfung zu beschliessen/ Den Adam und in ihm sein ebenbild gemacht/ Stund der begluͤckte mensch aus nichts hervorgebracht/ Und sah die gantze welt/ als herr/ zu seinen fuͤssen. Was erd und Paradies/ was thier und vogel hiessen/ War alles ingesamt auf seine ruh bedacht. Er lebt’ auch hoͤchst vergnuͤgt; allein o kurtze pracht! Sein gluͤcke war zu groß es lange zu geniessen. Jn meinung/ wie man sprach/ er waͤre gantz allein/ Gab man ihm eine frau; kont’ auch was aͤrgers seyn? Der arme lag und schlief/ und konte sich nicht wehren/ Man schuf aus ihm ein weib/ das brachte man ihm zu. Er nahm; doch leyder nur sich ewig zu beschweren! Sein allererster schlaf war seine letzte ruh. Antwort eines Teutschen/ in form einer retorsion. † † † S O gluͤcklich und vergnuͤgt der Adam schien zu seyn/ Alß er das Paradies zur wohnung einbekommen; Sprach doch der schoͤpfer selbst: Er waͤre noch allein/ Und gab ihm eine frau vom Adam selbst genommen. Er schlief/ und Gott der Herr fuͤhrt’ ihm die Eva zu. Er kriegte sie im schlaf/ sie war auch seine ruh/ Und dacht’ ihm/ durch den fall/ mehr gutes zu erlesen. Daß aber sie dadurch den ruhestand verlohr/ War ihre meinung nicht/ sie wust’ auch nicht zuvor/ Daß Adams fleisch und bein so schwacher zeug gewesen. Oder Vermischte Gedichte. Oder kuͤrtzer. † † † W As unsern ruhestand verlohr/ Jst freylich Evens fall gewesen! Allein was konte sie davor/ Daß man so schwachen zeug erlesen? Sie war von Adams fleisch und bein/ So konte sie nicht staͤrcker seyn. Wider diejenigen/ die immer wider den Adam schreyen. V Erzeiht dem Adam/ ihr veraͤchter/ Daß Even er gefolget hat. Denn was er fuͤr die mutter that/ Das thun wir taͤglich fuͤr die toͤchter. Ein vornehmes frauenzimmer in der Schlesien nimt solches von den maͤnnern fuͤr bekant an: S O must ihr maͤnner doch bekennen/ Daß Adam that/ was Eva wolt. Damit ihr ihm nachfolgen solt/ Ließ er euch seine erben nennen. Antwort der maͤnner. W Jr sind ja freylich Adams erben/ Wir folgen einer Even rath. Allein wie heilsam diese that/ Das weist ihr lohn: wir muͤssen sterben. Wie- Vermischte Gedichte. Wider die sich schminckende Frauens. † † † K Omt endlich nun die zeit/ daß in der nacht-cornette Sie sich zum schlaffe schickt/ so eile nicht zu bette; Wart’ erst mein lieber mann/ biß deine schoͤne frau Die farben ihrer haut dem nacht-tisch anvertrau; Biß sie die lilien und rosen ihrer wangen Der waͤscherin geschickt/ in tuͤchern aufgefangen; Die zwar den gantzen tag ihr angesicht geputzt/ Nun aber auf einmahl vier tuͤcher eingeschmutzt. Auf die ins teutsche uͤbersetzte historie Gustaphi Adolphi. † † † G Elehrter Puffendorff/ der teutschen Musen Pan! Nachdem du uns bißher ein Grotius gewesen/ Nennt die gelehrte welt dich unseren Thuan/ Jndem von deiner hand wir staats-geschichte lesen. Es sollen nun nicht mehr vom nord und teutschen Rhein Die helden/ wie zuvor/ mit ihren thaten sterben; Du schreibest ihren ruhm im ewigen latein/ Und uͤbergiebst ihr bild der nachwelt ihren erben. Daß Schwedens wunder-held Gustavus wieder lebt/ Macht daß ihn dieses buch heißt aus dem grabe steigen. Wer weiß von unserm thun/ nachdem man uns begraͤbt/ So die gelehrten es vergessen und verschweigen? Daß helden helden sind/ wird uns durch euch erzehlt; Achilles kennt man nur aus des Homerus schrifften; Und weil es uns vordeß an schreibern hat gefehlt/ Liegt vieler Teutschen ruhm verscharrt in ihren gruͤfften. Gluͤck- Vermischte Gedichte. Gluͤckseelig aber ist die tugend unser zeit/ Die dich und deinen muth zum herold angetroffen. Wie praͤchtig zeigst du uns Gustavens tapfferkeit? Was laͤst auch nicht dein geist vom andern Gustav hoffen? Und da der feur’ge Carl/ mit seiner Koͤnigin/ Der ahnen thaten erst noch hoͤher sucht zu treiben; Siht man dich unterdeß/ in demant und rubin/ Den Teutschen Hercules von Brandenburg beschreiben. Kein wunder ist es dann/ daß unser vaterland Und frembde/ was du schreibst/ in ihre sprachen setzen; Und daß hingegen auch des neides kuͤhne hand Den schulen-griffel darf an deine feder wetzen. Die ehrsucht greiffet stets geprießne tugend an: Allein wenn sie sich schon dir nachzuthun beflisse; Spricht doch fuͤr dich die wahl/ so Koͤnige gethan/ Daß keiner unser zeit dir gleich zu schreiben wisse. Letzten worte der Prinzeßin Briside uͤber die von ihrem Vater an ihrem geliebten Gra- fen vollbrachte enthauptung. Arie. E Rmuntre dich/ armseelige Briside/ Eh dich der letzte geist verlaͤst/ Nach schwanen-art/ mit einem todten-liebe Erst zu begehn dein sterbe-fest; Zu sagen/ daß die nachwelt es erfahre/ Die liebe sey dein sarg/ die treue deine bahre. Ein schweres thun/ selbst seine noth besingen; Wer ruͤhrt wol seine wunden an? Die fackel schmeltzt nur mehr von vielem schwingen/ So sonst noch laͤnger brennen kan: Doch Vermischte Gedichte. Doch hab ich auch nichts als das angedencken/ Das mir was ich gehabt hier koͤnte wiederschencken. Wo aber fang ich an mich zu beklagen? Mein schmertz und leiden ist zu groß/ Mein eigner freund hat leider! mich geschlagen/ Mein hencker wohnt in meinem schoos. Was ich gehabt/ gebeut mir mich zu hassen/ Nicht daß es treuloß ist/ nur daß es mich verlassen. Der tod/ der mir bereits klebt an der zungen/ Erschreckt mit nichten meine brust; Diß aber ists/ er ist durch den entsprungen/ Der auch der ursprung meiner lust. Jch klage nicht/ daß ich nicht sterben wollen/ Nur daß ich nicht fuͤr den/ der tod ist/ sterben sollen. Die rothe schuld faͤllt auf des vaters lenden/ Er kehret meine glut in rauch: Des Grafens fall kommt ja aus seinen haͤnden/ Was ihn ermordt/ erschlaͤgt mich auch. O grausamkeit in eines vaters hertzen/ Die zweyen hertzen sucht duꝛch einen strich zu schmertzẽ . Entseelter Graf; doch der in meiner seele Noch wuͤrcklich geist und leben hat. Ruhst du anletzt in einer todten hoͤle? Jch folge meinem trauer-pfad. Dein grab/ so dir die treue hat gegraben/ Soll bald zur uͤberschrifft: hier liegt die fuͤrstin! haben. Was kan ich mehr? ich folge deinem traume/ Und leiste dir die letzte pflicht/ Kein palmbaum bleibt/ wenn seinem palmen-baume/ Der bey ihm steht/ die wurtzel bricht. Der Vermischte Gedichte. Der Pyramus stirbt neben seiner Thisbe/ Und Masinissens gifft trinckt seine Sophonis be. So kan mein hertz nicht laͤnger in mir bleiben/ Es scheut sich ohne dich zu seyn/ Es eilt kein pfeil so sehr zu seiner scheiben/ Als mich verlangt nach meiner pein. Denn kan ich wohl was angenehmers hoffen/ Als diß: du bist mein ziel/ ich habe dich getroffen? Zwar kan ich nicht/ wie du/ gewaltsam sterben/ Es fehlt mir eisen und gewehr; Doch soll ein schmertz mir leib und geist verderben/ Der grausam ist und auch so schwer. Verzweifelung/ angst/ bangigkeit und schrecken (cken. Solln/ weñ ich halb entseelt/ mich marternd wieder we- Wie Aetna sich selbst innerlich verzehret/ Und sich verbrennt zu asch und grauß/ Wie seinen tod ein seiden-wurm ernehret/ Und selbst erbaut sein todten-haus; So soll mein hertz in meiner brust zerspringen/ Und was dein schwerd gethan/ dir gleich zu seyn voll- (bringen. Hast du ein reich verschmaͤht um meinet wegen Und koͤnigs-cronen ausgelacht/ So will ich auch den purpur nieder legen Und was mich sonst durchlauchtig macht/ Mein fuͤrstenthum tret ich mit beyden fuͤssen/ Weil es dich/ liebster Graf/ nicht fuͤrsten heissen muͤssen. Verschwindet auch ihr perlen meiner bruͤste/ Mein scharlach/ lasse meinen mund/ Mein paradieß verwandle sich in wuͤste/ Mein amber werde keinem kund/ II. Theil. S Mein Vermischte Gedichte. Mein balsam soll in wuͤsteney verrauchen/ Weil meines Grafen hand ihn doch nicht kan gebꝛauchẽ. Die rosen solln verbluͤhn auf ihren stoͤcken/ Darauf der kuͤtzel nie gebluͤht/ Kan sie der mund nicht meines Grafen schmecken/ Jsts recht/ daß sie kein auge siht. Weg aller schmuck und alle zierlichkeiten/ Die faͤulnis soll sich bald auf meinen blaͤttern breiten. So geh denn hin armselige Briside/ Vollbringe was du schuldig bist/ Hoͤrt auf zu wehn ihr baͤlge meiner schmide/ Weil meine kette fertig ist/ Die mich mit dem auf ewig wird verbinden/ Den ich allhier gesucht und nimmer koͤnnen finden. Was kan die welt von unserm falle sagen? Die lieb ist keiner strafe werth/ Sie hat ein weib den sternen zugetragen/ Die einen engel hat begehrt/ Die ewigkeit wird selbst uns wuͤrdig schaͤtzen/ Und diß zu unsern ruhm in festen marmor aͤtzen. Ein paar/ das in der welt sich ehloß hat ge q uaͤlet/ Liegt hier in dieser gruft verehlichet und ruht; Das brautbett war ein grab/ dariñ es ward vermaͤhlet/ Der priester war der tod/ der trauring liebes blut. Schluͤßt sterbliche/ ob nicht diß paar muß ewig leben/ Weil/ was es scheiden soll/ zusammen hat gegeben. Grab- Vermischte Gedichte. Grabschrifft einer huͤndin Fidele genant/ als sie in den wochen starb. C. E. D Je treue/ die ich sonst in meinem nahmen trug/ War zwar im leben groß/ doch ach! nicht starck genug; Denn da der tod itzt kam die jungen mir zu wuͤrgen/ Trat ich den kampff mit ihm auff leib und leben an. Jch wagte mich fuͤr sie: wiewohl der todt gewann/ Und fraß die schuldner auff zusamt dem treuen buͤrgen. Jtzt deckt den kleinen leib ein kleiner leichenstein. Mein leser/ nim zuletzt noch hier die grabschrifft ein: Aus liebe ließ ich mich in diese grufft versperren/ Denn treue schlug allhier selbst ihren eignen herren. Michel Probner von Graudenß durch buchstaben-wechsel: Und nur ich male große proben. C. E. Erklaͤrung. E Jn außgeuͤbter held graͤbt mit erhitztem muth Die proben tapffcer faust in seiner feinde blut/ Und ein gelehrter sucht in klug gesetzten schrifften/ Wie ich durch mahlen mir ein ehrenmahl zu stifften. Wir treffen alle drey das vorgesteckte ziel/ Wenn ein Darius dort fuͤr Alexandern fiel/ Und noch ein Grotius auff tausend zungen schwebet/ So wie mein theurer ruhm in hundert bildern lebet. Das wunderwerck der welt/ Rom/ sage was ich kan/ Es melde Brandenburg/ was meine faust gethan/ Es spreche (stehts doch frey) ob nicht fuͤr andern allen Nur ich entworffen hab/ was vielen wolgefallen/ Ob nicht mein pinsel sich/ es komm auch wer da will/ Schon groß genug gemacht; doch was? ich schweige still! S 2 Mei n Vermischte Gedichte. Mein nahme: und nur ich/ ich male grosse proben/ Wird sich/ nebst meiner kunst/ schon von sich selber loben. Das frohlockende Berlin/ Als Se. Churfuͤrstl. Durchl. zu Brandenb. Friederich der Dritte/ Nach eroberten Keyserswerth und Bonn/ auch ein- genommener Clevischen huldigung wieder zuruͤck kamen. C. E. K Omm dann/ Durchlauchtigster/ und stille das verlangen/ Wormit in unterthaͤnigkeit Dein armes volck so lange zeit Gewuͤnschet hat dich zu empfangen! Komm/ zieh in gnaden bey uns ein! Dir brennen tausend freuden-kertzen: Nimm diesen andachts-vollen schein Zum ew’gen opffer an von unsren treuen hertzen. Laß immer hin die sonn von unsren graͤntzen eilen; Gehstu doch/ landes-sonn/ uns auff. Was kuͤmmert uns der sonnen lauff/ Wann du nur bey uns wilt verweilen? Dein gnaden-volles angesicht Bestrahlt uns aus weit beßren zimmern/ Und laͤßt sein hocherlauchtes licht Mit ungemeiner glut auff unsre demuth schimmern. Welch zusatz aber will nicht unser gluͤck umbkraͤntzen/ Da itzt/ bekroͤnter sieges-held/ Die lorbern der beruͤhmten welt Umb deinen theuren scheitel glaͤntzen? Wie Vermischte Gedichte. Wie reichlich koͤmmstu nicht bepalmt? Und wer wird deinen zug nicht loben/ Der stahl und felsen auch zermalmt/ Und so den feinde lehrt die allerschwerste proben? Dein adler kan nicht nur im offnen felde siegen; Er greifft auch waͤll’ und mauren an. Welch wunder hat er nicht gethan Jn den nur vorgespielten kriegen? Der hahn/ so keck er sonsten ist/ Laͤst sich in enge winckel schliessen/ Wann du mit flammen ausgeruͤst Den strahl bewehrter faust auff seinen kopff laͤst schiessen. Bonn scheut dein scharff gefecht/ und Kaͤyserswerth ingleichen/ Denckt an dein donnrendes geschuͤtz/ Sie fuͤrchten deiner schwerdter blitz/ Nebst den gefuͤhrten doppelstreichen; Sie kennen deines adlers macht/ Und seine kriegerische klauen/ Und sind zu solcher furcht gebracht/ Daß ihnen nach der zeit wird sattsam vor dir grauen. Umb wie viel roͤther wird nicht nun dein adler scheinen/ Nun er durchs hahnen blut benetzt? Er ist und bleibet unverletzt/ Weil GOtt und tugend ihn umbzaͤunen. Und kan er gar der sonnen licht Durch strengen schwung entgegen gehen; Wie? solt er denn auff erden nicht Auch unter rauch und dampff der stoltzen feinde stehen? Dein Cleve will also zum ersten dich umfassen. Du warst der nordstern in der hoͤh/ Wornach es auff ergrimmter see Sein sehnlichs auge schiessen lassen. S 3 Da Vermischte Gedichte. Da nun der blutge feind bekaͤmpfft/ Der es zum raube wolt erjagen/ Und durch dein truncknes schwerdt gedaͤmpfft/ Sieht man es billich dir den crantz entgegen tragen. So sehr es aber sucht dich laͤnger zu verweilen/ So schaffet doch dein steiffer schluß/ Daß es mit heisser wehmuth muß Dich sehn von seinen graͤntzen eilen. Du wuͤnschest auch dein uͤbrigs land Jn hohen augenschein zu fassen/ Und bey so hoͤchst begluͤcktem stand Wiltu dich endlich hier voll gnaden niederlassen. So komm nun/ theurer held/ und laß dich bey uns finden/ Komm und erfreue diese stadt/ Die laͤngst den altar fertig hat Dir brand und opffer anzuzuͤnden: Die palmen sind dir schon gestreut/ Nim hier noch an die letzten zweige/ Die zwar von schwacher faust berelt; Doch unsrer tieffsten pflicht sind ein bewaͤhrter zeuge. Wir hoffen fest zu GOtt/ die lorbeern werden bluͤhen/ Womit dein hohes haupt umkraͤntzt/ Der sieg/ so aus den blaͤttern glaͤntzt/ Wird keinen unfall nach sich ziehen. Denn dieser schluß bleibt fest gesetzt: Der GOtt/ der sonst die adler schuͤtzet/ Haͤlt auch die lorbeern unverletzt/ Wenns noch so ungeheur umb ihre gipffel blitzet. Erklaͤ- Vermischte Gedichte. Erklaͤrung des feuer-wercks/ welches Seiner Chur-Printzlichen Durchl. zu Brandenburg an dero hohen geburts-tage/ den 4 Augusti 1697 auff der Spree vorgestellet ward. Es zeigte sich ein schiff/ dessen ruder von der Fama und der zeit/ das steuer aber von der Pallas gefuͤhrt wurde. Jn der mitten des schiffes hielte die Ewigkeit Sr. Chur- Printzl. Durchl. nahmen mit einer sonnen umge- ben. Dem schiffe schwommen verschiedene kinder und Tritons nach. C. E. D Ein kag/ der heute ist mit jauchzen zugebracht/ Weicht endlich/ theurer Printz/ der anmuths-vollen nacht/ Darinn wir unsre pflicht allhier zu deinen fuͤssen/ Jn einem freuden-feur noch suchen zu beschließen. Dein leben/ das mit recht sich einem schiffe gleicht/ Das gluͤck und hoffnung bringt/ und so voruͤber streicht/ Wird von der schnellen zeit/ die unser thun regieret/ Bißher/ als wie im traum/ gemachsam fortgefuͤhret. Doch nicht als wie im traum; denn Fama sitzt zur hand/ Die macht dein fruͤhes lob der weiten welt bekandt/ Und weckt die menschen auff/ damit sie dein gedencken/ Und augen und gemuͤth nach deiner tugend lencken. Die Pallas/ die indeß das kluge steuer regt/ Wodurch dein lebens-schiff hoͤchst-ruͤhmlich wird bewegt/ S 4 Gibt Vermischte Gedichte. Gibt dich der Ewigkeit zu gantz getreuen haͤnden/ Die sich samt deinem ruhm will zu den sternen wenden. O hoͤchstbegluͤckter Printz! den selbst die weißheit fuͤhrt/ Jn dessen wesen man so seltne klugheit spuͤhrt Dein nahme wachse fort biß zu den lichten graͤntzen/ Wo sonn und ewigkeit in einem zirckel glaͤntzen. Die Tritons aber die noch hier im wasser gehn/ Die geben/ Chur-Printz/ dir mit freuden zu verstehn: Daß unsre hertzen so/ wie diese kinder/ brennen/ Und sich/ wohin du ziehst/ von dir nicht lassen trennen. Der gute montag auff einen nahmens-tag. C. E. V Ergoͤnne/ daß wir uns bey deinem nahmens-fest/ Du foͤrdrer unsers gluͤcks/ ein wenig lustig machen/ Und mit erfreute m muth der guͤldnen stunden lachen/ Die heute uͤber uns der himmel kommen laͤßt. Denn da wir gantz vergnuͤgt/ von keiner noth gepreßt/ Noch uͤber unserm kopff sehn blitz und donner krachen; Wie solten wir denn nicht bey so gestalten sachen Heut deinen nahmens-tag begehn auffs allerbest? Es kan nicht anders seyn: wir legen wunsch und sinn Fuͤr deines hauses gluͤck/ und deine wolfahrt hin: Der montag muͤsse sich dir oͤffters noch verneuren/ Und wie der volle mond/ dir zeigen licht und schein; Er muͤsse dir und uns ein guter montag seyn/ Der sich/ so offt er kommt/ mit jauchzen lasse feyren. An Vermischte Gedichte. An einen guten Freund/ dem man seine liebste mißgoͤnnete. C. E. M Jrtillo/ leidstu noch von deiner tugend wegen/ Geht hoͤll’ und teuffel wider dich/ Und will das ungewitter sich Nicht einst zur stillen ruhe legen? Speyt die verfluchte neider-schaar Auff dich noch ihre laͤster-flammen/ Und wirstu taͤglich nur gewahr/ Wie sie dein freyes thun vergifften und verdammen? Es ist des neides art: er nagt an hohen fachen/ Er haßt/ was er nicht haben kan/ Und sieht mit scheelen augen an/ Was ihm entweicht aus seinem rachen. Laß aber ihn nur immer gehn/ Laß ihn noch eins so hefftig blasen/ Du bleibst wie feste cedern stehn/ Ob sturm und nordwind gleich umb deine gipffel rasen. Kein blitz noch donner kan dein felsen-hertze schwaͤchen/ Das nichts aus seinem stande ruͤckt. Die last/ die einen strauch zerdruͤckt/ Kan steiffe palmen nicht zerbrechen; Du hebst nur hoͤher dich empor/ Daß haß und neid auch drob erschrecken/ Und brichst mit hellerm glantz hervor/ Je mehr dich finsterniß und schwartze wolcken decken. Bellt dann/ so gut ihr koͤnnt/ ihr heißer zuͤrnten hunde/ Jhr hemmet nicht des monden lauff/ Er geht mit schoͤnren strahlen auff/ Und spottet eurem laͤster-munde. S 5 Mir- Vermischte Gedichte. Mirtillo haͤlt die tugend-bahn/ Und ist bereits dahin gestiegen/ Da er die sonne sehen kan/ Und keine fledermauß ihm iemahls nach wird fliegen. Ja wol/ du traͤgst den schatz/ Mirtillo/ in den haͤnden/ Den dir kein Pluto rauben kan; Noch um ein kleines ists gethan/ So siehstu sich das wetter wenden. Ach! glaub’ es kan nicht anders gehn; Wer sich im paradieß will laben Und neben einem engel stehn/ Muß hoͤll und fegefeur erst wohl versuchet haben. Der verzweifflende liebhaber. Flectere si nequeo superos, Acheronta movebo. C. E. E Rzuͤrnter himmel/ brich mit deinem blitz herein! Jhr berge oͤffnet euch und eure dunckle gruͤffte/ Gebt her von schwefel-dunst/ und von verdammtem giffte/ Mischt diamanten-staub und schlangen-geiffer drein/ Thut drachen-blut hinzu zur kuͤrtzung meiner pein; Streut pech und flammen auß/ ihr donner-schwangern luͤffte; Reicht stahl und elsen her/ ihr harte felsen-kluͤffte; Jch kan/ doch was? ich will nicht mehr am leben seyn. Kommt/ foͤrdert meinen tod/ zerstuͤckt die schwachen glieder/ Entgeistert fleisch und blut/ schlagt in den staub mich nieder/ Helfft meinem leben ab/ das mit verzweiflung ringt/ Daͤmpfft meine liebes-glut/ die mich zum sterben zwingt; Trit/ hoͤlle/ selbst hervor mit deinen lichten flammen; Will erd und himmel nicht/ wirs t u mich doch verdammen. Kirch- Vermischte Gedichte. Kirchhoffs-entzuͤckung. W O find’ ich mich itzund? auff was fuͤr stillem sande Steht mein erstarrter fuß? bestuͤrtzte einsamkeit! Wer herrscht und wohnet hier im huͤgel-vollen lande/ Wo taxen und napel gantz haͤuffig hingestreut? Jst dieses nicht das feld/ wo tausend schedel liegen/ Und unter meinem fuß die blancke todten-bein Mit schlangen-blauem rost in der verwesung kriegen/ Wo leichen-volle gruͤft’ um mich gehuͤgelt seyn? Jch schaue nichtes mehr/ als creutzer/ pfaͤl’ und steine; Ein faules schweigen stutzt den halb entraften sinn/ Und haͤuffet sich noch mehr durch die bemosten zaͤune: Ein kirchhof ist es ja/ worauf ich itzund bin. Gluͤck zu/ du todten thal/ und ihr besteckten huͤgel/ Umb welche/ wie ich schau/ nur tod und sterben siegt! Gluͤck zu/ ihr creutzer/ pfaͤl’/ ihr stein’ und todten-siegel/ Auch die ihr halb und gantz im sarg vermodert liegt! O suͤsses schlaf-gemach! hier steh’ ich/ umb zu lernen/ Was wahre weißheit heiß’t und endlich unser zweg: An diesem anblick muß sich aller witz entfernen; Denn du bist eintzig nur der groͤß’sten weißheit weg. Wen aber find’ ich hier/ der mein begehren stillet/ Und/ was ich lernen will/ mich deutlich unterrichtt? Soll wol die einsamkeit/ die diesen ort umbhuͤllet/ Dem werck gewachsen seyn? O nein/ bey weitem nicht! Wie wird mir? schauert nicht die haut und alle glieder? Umschleust nicht kaltes eiß das hertz in meiner brust? Reißt’ nicht ein wacklen mich in diesem sande nieder/ Und raffet meinen geist in einen duncklen wust? Erblick ich nicht/ wie mond und sterne gantz erblassen/ Und wie nur finsternuͤs mich um und um bedeckt? Jch fuͤhl’/ und weiß nicht wie/ durch was mich umgefassen/ Und nicht durch schlechte furcht biß auf das blut erschreckt. Wie? augen/ schaut ihr nicht die creutzer sich bewegen/ Und die entweltzten stein’ in voller hoͤhe stehn/ Und Vermischte Gedichte. Und alle todten sich in ihren saͤrgern regen/ Und eine duͤrre leich aus iederm huͤgel gehn? Hilf GOtt! was sind dies doch fuͤr scheußliche gesichte/ Und heßliche geripp mit schimmel angefeucht? Wenn ich mein angesicht nach threm scheitel richte/ So schau ich eine schlang/ die aus demselben kreucht; Und ihr entaugtes aug’/ und zungen-loser rachen/ Auch abgefleischte nas’/ die zeigen eine kluft/ Jn welcher tausend wuͤrm und gruͤne nattern wachen/ Draus iedes hier auf mich ein heis’res zischen rufft. Sind dieses/ was ich schau/ wol menschen ie gewesen/ Und was ich itzund noch mit gelst und leben bin? Aus dieser heßlichkeit ist solches kaum zu lesen; Ach! ach! wo faͤllet nicht des menschen leben hin? Wie kan ich doch allhier an diesen knochen kennen/ Wer cron/ wer zepter trug/ wer einen betrel-stab? Wen soll ich schoͤn/ wen jung/ wen alt/ wen heßlich nennen? Ein gleicher stempel pregt mir hier ein bildnuͤs ab. Wen hat hierunter doch geschicklichkeit gezieret? Wen tausendfache kunst? wen ein gelehrter geist? Wer hat in kuͤhner schlacht den degen wol gefuͤhret? Wer ist der Julius/ der Alexander heißt? Wer ist Justinian/ der uns gesetz geschrieben? Wer ist Galen/ der hier der kraͤuter krafft erdacht? Wer ist Demosthenes/ den alle redner lieben? Und wer Virgilius/ der tichter ruhm und pracht? Jch kenne keinen nicht hier seh’ ich alle schweigen/ Wo nicht die schlange noch durch ihre kehle zischt; Hier seh ich keinen nicht den fuß noch scheitel neigen/ Wo nicht ein truckner wind noch durchs gerippe gischt. Hier schau ich/ was wir seyn/ und was wir endlich werden; O anblick/ drob ich mich nicht gnug entsetzen kan! Kommt alle/ die ihr lebt auf diesem rund der erden/ Und schant euch recht und wohl in diesem spiegel an. Hier koͤnnt ihr rechte kunst und wahre weißheit lesen; Hier seht ihr euer bild faͤllt euer leben ein. Wie Vermischte Gedichte. Wie diese haͤupter stehn/ und diese glieder wesen/ Wird endlich euer leib auch so vermodert seyn. Hier lieget schoͤnheit gantz verdorret und verbluͤhet/ Auf welche mancher geist so grosse wunder setzt. Seht/ wie nur ungestalt aus iedem gliede stehet/ Und ieder knochen hie von schlangen ist zerfretzt. Schaut doch dies kleine reich/ in das wir uns verstecken/ Sind auch drey ellen wol desselben breit und laͤng’? O schlecht gebautes hauß! und doch must du uns decken; Die kleine todten-huͤtt ist keinem nicht zu eng. Laß nur/ gerechter GOtt/ mein end mich gluͤcklich finden/ Und bald zu diesem heer der leichen seyn gebracht! Doch/ seh’ ich das gesicht nicht wiederum verschwinden? Ja/ ja/ ich weiß genug: nun/ todten/ gute nacht! Uber die worte Sirachs: O todt/ wie bitter bistu! H. A. F. v. A. W Je bitter bistu herber todt/ Wenn du uns das entziehst/ Was uns auff dieser welt nechst GOtt Am allerliebsten ist: Wenn mit betruͤbten hertz-zerschneiden Die treusten freunde von uns scheiden. Wie bitter bistu blasser tod/ Wenn du dich findest ein/ Weil noch die frischen wangen roth Und unverfallen seyn/ Wenn wir/ weil keine kraͤffte fehlen/ Noch wollen lange jahre zehlen. Wie bitter bistu herber todt/ Wenn du den thron umschmeist/ Worauff ein stoltzer erden-gott Zu prangen sich befleist/ Wenn Vermischte Gedichte. Wenn der fuͤr dir muß unten liegen/ Der viel noch dachte zu besiegen. Wie bitter bistu herber tod/ Wenn den dein pfeil beruͤhrt/ Der frey von kummer/ sorg und noth Sein sichres leben fuͤhrt/ Der sich bey ehre/ gut und schaͤtzen/ Noch laͤnger meinte zu ergetzen. Wie bitter bistu herber todt/ Wenn einer wird bezielt/ Der von dem schweren suͤnden-koth Sich uͤberladen fuͤhlt/ Der seine rechnung so getrieben/ Daß er zu tief in schulden blieben. Wie bitter bistu herber todt/ Wenn deine sand-uhr schreckt/ Den vormahls seine seelen-noth Vom schlaffe nie erweckt/ Den sein gewissen selbst verklaget/ Und in der hoͤllen aͤngste jaget. Wie leichte bistu stiller todt/ Dem/ der verfolgt/ geprest Und arm bey seinem thraͤnen-brod Viel seufftzer nach dir laͤst/ Biß du ihn solcher angst enthebest/ Sein elend neben ihn begraͤbest. Wie leichte bistu sanffter todt/ Wenn dich empfindt der leib/ Dem stetes siechthum/ weh und noth Sein bester zeit-vertreib/ Wenn du die folter-gleichen schmertzen Benimmst dem abgekraͤnckten hertzen. Wie Vermischte Gedichte. Wie suͤsse bist du seelger todt/ So offt du wohl bereit Die muͤde seele schickst zu GOtt Aus allem kampff und streit/ Den leib mit ruh in seine kammer Fuͤhrst zu verschlaffen leid und jammer! Herr uͤber leben und den todt/ Der du den todt gekost/ Damit wir auch auf dein gebot Zum sterben haben lust/ Gib daß fuͤr mich in deinen wunden Auch werd’ im todte trost gefunden. Kunst gehet uͤber kleider-pracht. S. D. 1. M Ein kind/ dich muͤssen leute lieben/ Vor welchen ich ein schatten bin; Drum wundert mich es/ daß dein sinn Zu meiner einfalt wird getrieben: Es pfleget ietzt ja zu geschehn/ Daß alle nur auff hochzeit sehn. 2. Jch weiß mich so nicht auszuputzen/ Wie itzt die geile jugend thut/ Und die ihr vaͤterliches gut Jm halben jahr offt gantz verstutzen; Was hoch und uͤber stands-gebuͤhr/ Da eckelt meiner seelen fuͤr. 3. Wie schlecht ich auch herein mag gehen/ So schaͤmest du dennoch/ mein licht/ Dich Vermischte Gedichte. Dich nimmer meiner liebe nicht; Du darffst es offentlich gestehen Und sagst/ durch keines zwang und trieb: Ja ja/ mein kind/ ich hab euch lieb. 4. Jch hab es Venus wissen lassen/ Sie hat es Amorn kund gethan/ Die haben ihre lust daran/ Und lieben dich auch bester massen/ Daß du/ o frommer seelen lust/ So treu und redlich bey mir thust. 5. Gehabt euch wohl ihr stoltzen pfauen! Jch kenn und liebe wenig gold/ Und dennoch ist mir treu und hold Die zier und crone der jungfrauen/ Die mehr auff ein beruͤhmtes lied Als auff verguͤldte kleider sieht. Beschreibung des Sclavonischen strichs unfern von Labach. S O Agatha mich nicht vergessen hat zu lieben/ Nachdem man dich von mir und mich von dir getrieben/ Und meine wenigkeit gerissen von der brust/ Die stets bereichert steht mit suͤsser liebes-kost; So wird sie dis papier/ den zeugen meiner sinnen/ Die ewig dienstbar sind/ nicht gantz umbstossen koͤnnen/ Und hoͤren/ wo und wie derselbe sich befindt/ Der durch die seufftzer itzt vermehret luft und wind. Jch/ edle Agatha/ bin hier umzirckt mit steinen/ Der regen mehrt die pein/ den regen mehrt mein weinen. Jch seh und hoͤre nichts als klippen und den thon/ Der von dem seuftzen kommt/ und dann zu meinem hohn Ein Vermischte Gedichte. Ein felsen widerbillt; ich bin in einer wuͤsten/ Da nichts als bestien und wilde voͤgel nisten; Mit kurtzem: hab ich mich ie deinen knecht genannt/ So bin ich es gewiß hie in der Sclaven land; Und wilstu von der art des volckes etwas wissen/ So sag ich wie es ist/ man weiß hier nichts von kuͤssen/ Jndem das rauhe land fast keine schoͤnheit kennt/ Die/ so am dicksten ist/ wird Helena genennt: Jch glaube/ daß man sie nach dem gewichte schaͤtzet. Dieß/ was das wilde volck am kraͤftigsten ergetzet/ Jst feuer/ knobloch/ wein/ und endlich ein geschrey/ Zu zeigen daß allhier Cyclopen-wohnung sey. Das brodt/ so man geneust/ traͤgt steine/ sand und erden/ Die stube will mit macht zu einer hoͤlle werden; Reucht heftiger als selbst die apothecken nicht/ Nur daß ihr bloß allein die liebligkeit gebricht/ Und vor zibeth der mist die duͤnne nase fuͤllet. Wer hier zu bette geht/ der lieget nicht umhuͤllet Mit leinwand von Cambray/ er kriegt an dessen statt Ein altes laͤmmerfell/ so tausend gaͤste hat Und stuͤndlich reicher wird. Kein bild ist hier zu holen/ So nicht ein starcker knecht mit einer geilen kohlen Den zweck und auch den pfeil des buhlers abgemahlt; Jn dem er nicht zu viel hat vor den trunck gezahlt/ Und auf die liebe denckt; an statt der porcellanen Da steht ein eßig-krug/ so von den groben ahnen Auf grobe kinder stammt; vor ein Venedisch glaß Prangt eine kaͤse-form/ und denn/ ich weiß nicht was/ Schuh/ hechel/ striegel/ strumpf ligt bey den maͤuse-fallen; Wiewohl das arme thier gewiß vor andren allen Hier ohne schulden stirbt: Mein eifer reist mir aus/ Jch schwere/ das privet ist groͤsser als das hauß. Hier schließ ich Agatha die reimen/ nicht den willen/ Dasselbe was du sprichst mit freuden zu erfuͤllen; Nur tadele mir hier die kuͤrtze nicht zu sehr/ Denn gantz Sclavonien hat keine dinte mehr. II. Theil. T Die Vermischte Gedichte. Die großmuͤthigkeit. E. N. U Nverzagt! So soll die losung heissen: Sie foͤrdert rath und that. Wer hertz im leibe hat/ Wird sich darauff befleissen. Ein eisenfresser Frist drum die leute nicht. Und schneidet er gleich mit dem grossen messer/ Gnug/ daß es nicht in leib und leben sticht. Wem stracks das hertz zun hosen faͤllt/ Der ist gar leicht zu schrecken/ Und in den sack zu stecken. Doch welcher wiederhaͤlt/ Und seinen mann beweist/ Der s i ehet/ daß ein praler Ein garstger vetter heist. Ein redlich teutsches blut Zeigt immer seinen muth. Doch eine feige memme Jst/ was denn? bloß ein zuckerhut. Arie. W Er ruhm durch tapfern muth erwirbt/ Wird selber die tugend zum ehrenmahl haben. Doch wer von bloßem drohen stirbt/ Den soll man mit esels-carthaunen begraben. Das ist ein mann/ der ist von helden art/ Wer keine courage zur ehre nicht spart. Unverzagt! Wenn man sich will verlieben/ So wird das auch zur losung vorgeschrieben. Ob schon das vorgesetzte ziel Nicht gleich ergehen will/ S o Vermischte Gedichte. So lasse man den muth nicht sincken. Kein baum faͤllt auf den ersten schlag. Doch wenn das maͤdchen gar nicht mag Und laͤst sich etwas duͤncken; Nur unverzagt! Man wird bald eine finden/ Die nicht den tantz versagt. Die lieb ist vorn wie hinten. Wofern ein ort nicht geht/ So wird das andre rumb gedreht. An solchen dingen ist kein mangel ie gewesen. Aus tausenden hat man zehnhundert auszulesen. Die sich am meisten sperrn/ Die habens dennoch gern. Aria. G Ewiß die jungfern kommen mir Nicht anders als die kletten fuͤr/ Die machen sich erschroͤcklich groß Und gehn vom stocke schwerlich loß. Doch tritt man nur was naͤher dran/ So haͤngen sie sich selber an. O. F. v. G. 1. A Ber ihr verliebten ihr/ Last die tugend euch fuͤr allen/ Nicht des leibes eitle zier/ Nicht die wollust wohlgefallen/ Last die tugend bloß allein Eures hertzens endzweck seyn. 2. Schoͤnheit/ die uns haute ziert/ Wird vor morgen hingerissen/ T 2 Wenn Vermischte Gedichte. Wenn die einmahl sich verliehrt/ Muß sie allen glantz vermissen/ Und die abgewelckte pracht Wird von aller welt verlacht. 3. Nur die tugend wird allein Nach dem tode nicht vergessen/ Jhrer gaben hoher schein Wird durch keine zeit gefressen; Jst sie gleich auch noch so alt/ Wird sie doch nicht ungestalt. 4. Frommer himmel/ laß mich doch Dieses grosse gluͤck erleben: Wenn ich soll dem liebes-joch Meine sinnen untergeben/ So beschere mir ein kind/ Das die tugend lieb gewinnt. 5. Wiltu mir nun uͤber dem Eine schoͤne zugesellen/ Jst mirs gleichfals angenehm; Nur ich will in allen faͤllen Deiner obsicht nur allein/ Himmel/ unterworffen seyn. Sonnet Auff die festung Koͤnigstein. v. S. O Wunder der natur/ o werther Koͤnigstein! Wer will dein hohes lob zu singen sich erkuͤhnen? Dein rauher felsen laͤst die harten klippen gruͤnen/ Und geben gnuͤglich dar holtz/ wasser/ brodt und wein; Es darff kein sterblich arm um dich bemuͤhet seyn/ Die Thetis schliesset selbst den grund der tieffsten minen Dir Vermischte Gedichte. Dir zu gefallen auff; dich wuͤrdig zu bedienen/ Fuͤllt Bacchus in ein faß sein gantz vermoͤgene in; Mars aber haͤlt auch hier/ den frieden einzuschencken/ Sein trinck-geschirr bereit/ und kan hier freund und feind Genug bewirthet seyn; wiewohl nicht zu gedencken/ Daß iemand sich an dich zu stossen sey gemeint. Der himmel kuͤßt dein haupt/ die erde deinen fuß; Wer ist/ der deinen herrn und dich nicht ehren muß? Vergnuͤgungs-ode. W Ol dem der schon den hohen berg erstiegen/ Wann andre sich noch um die wurtzeln schmiegen/ Der kan gewiß wol recht vergnuͤget seyn: Wenn andre erst um reich und scepter streiten/ So siht man ihn in cron und purpur schreiten/ Jhn huͤllt der sieg in tausend freuden ein. Wenn jener bitt zu stehen fuͤr den fuͤssen/ Kan dieser schon die rosen-wangen kuͤssen/ Und druͤckt den mund an ihre liljen-brust. Wenn jenen noch die hofnung haͤlt gefangen/ Kan dieser schon derselben frucht erlangen/ Und sitzt allda in voller hertzens-lust. Was kan uns mehr als dieses wol vergnuͤgen! Wenn sich der stock will selbst zum pflocke biegen/ Und beut uns an das schoͤne rosen-haupt. Wenn jener sich bemuͤht sie abzubrechen/ Jst diß sein raub/ daß er sich pflegt zu stechen/ Sonst weiter ist ihm nichtes nicht erlaubt. Der sitz umzirckt in seiner schoͤnheit armen/ Und kan mit lust an ihrer brust erwarmen/ Wenn er list auf den suͤssen liebes-thau. Da dieser sich mit tausend sorgen kraͤncket/ Und manches mal mit leeren baͤchen traͤncket/ Fast halb verwirrt auf seiner liebes-au. Wenn er sich plagt biß an den hellen morgen/ Ja halb erstirbt in lauter liebes-sorgen/ T 3 Und Vermischte Gedichte. Und gleichsam wie aus einer nacht erwacht. Will dieser schon in lauter anmuth lachen/ Und einen schertz aus allen sorgen machen/ Er ist auf nichts als nur auf lust bedacht. Wenn man den kahn will von dem hafen trennen/ Siht er sein schiff mit vollem segel rennen/ Es neigt zu ihm sich der erwuͤnschte port/ Das ufer will als goͤttlich ihn selbst ehren/ Da jenen doch ein fels draͤut zu versehren/ Und zeiget ihm oft die verfaͤlschte pfort. Gluͤckseelig ist derselbe ja zu nennen/ Nach dessen blick der schoͤnsten hertz wil brennen/ So tag und nacht in voller wache steht/ Wenn er die glut sieht aus dem hertzen stammen/ Die ihm erweckt vergnuͤgungs-volle flammen/ Wenn durch den schnee der liebe westwind geht. Da jener noch das feuer soll aufblasen/ Da er sich oft verbrennen kan die nasen/ Wenn er nicht wohl mit umzugehen weiß. Gesetzt auch/ daß es endlich ihm gelinge/ Daß funcken er zu einer flamme bringe/ So lescht sie selbst der arbeits-volle schweiß. Die rose kriegt vom stocke nicht den adel/ Die zwibel bringt der tulpen keinen tadel/ Wann sie gleich schwartz und ohne zierrath ist. Des goldes werth wird dennoch stets verbleiben/ Ob sichs gleich nicht aus Jndien kan schreiben/ Und waͤr es auch im kothe nur erkist. Es mag ja wer da will nach Tyrus lauffen/ Um purpur ihm daselbsten einzukauffen/ Jch habe schon mein werthes schnecken-blut. Der Orient mag perlen dir gewaͤhren/ Den demant wird kein blosser ort verfehren/ Wann nur sein glantz und feuer spielet gut. Ein ander mag mit schalen sich vergnuͤgen/ Jch bin/ wenn nur der kern ist gut/ zu friden; Denn Vermischte Gedichte. Denn dieser ists der mich erquicken kan. Diß ists/ woraus ich mein vergnuͤgen sauge: Ein schoͤner leib und ein holdseligs auge Jst meiner lieb und seelen kegel-plan. Auf den neuerwehlten Pabst aus dem Jtaliaͤnischen. H. M. A Ch wird Vidon ein Pabst? ihr heilgen purpur-muͤtzen/ Entroͤthet ihr euch nicht zu croͤnen den Vidon? Soll die dreyfache cron auf dessen haupte sitzen/ Der als der moͤrder haupt verdienet andern lohn? Ein moͤnch der in der welt stets suchte sein vergnuͤgen/ Ein Bischoff der zugleich ein juͤd’scher Simon war/ Ein Nuntius/ der nie/ was heimlich war/ verschwiegen/ Ein abgesandter/ doch aus Simous falscher schaar; Solt dieser auf den stuhl? der mir mein leben ende? Der meine Tyber kehr in ein blutrothes bad? Mich schrecken des Vidons blutduͤrst’ge moͤrder-haͤnde/ Jch hoͤchst-betruͤbtes Rom/ wo such ich klugen rath? Die thraͤnen fliessen nicht umsonst von meinen wangen; Die ursach ist bekandt: mir zittert bein und haut: Denn der die mutter oft mit pruͤgeln hat empfangen/ Der wird sich auch nicht scheun zu pruͤgeln seine braut. An einen seil-taͤntzer. Sonnet. B Eschreite der luͤfte zerflossene bahn/ Verwandle die glieder in segel und fluͤgel/ Dein Pegasus schwinge sich uͤber die huͤgel/ Und trete herunter in Acherons kahn/ Streck alle die kraͤfte des leibes noch an/ Und loͤse der schenckel gebundene zuͤgel/ Dein wackelfuß rennet mit offenem buͤgel Viel schneller als irgend ein westwind gethan. T 4 So Vermischte Gedichte. So webet Arachne die netze zusammen/ So drehet und endert ein irrsal den gang/ So pflegen die flammen verschrencket zu stammen/ So mischt sich der vielmals vermengete klang. Diß springen/ diß treten/ diß rencken und schwencken Kan alle gebeine wie raͤderwerck lencken. Auff das vom Tuͤrcken bekriegte Ungern. S Oll itzt der erben kreiß nicht beben und erzirtern/ Da sich des himmels grimm mit allen ungewittern Hat wider uns geruͤst? da Tuͤrck und Seyth erwacht/ Und gantz Pannonien zu einer leiche macht. Der Jster/ so zuvor gekroͤnt von unsern siegen Und fremdem blut gefaͤrbt/ muß nun an fesseln liegen/ Die schnelle welle hebt ihr schwaches haupt empor/ Weil vor den lorber-crautz veraͤchtlich schilf und rohr Die stoltze scheitel druͤckt. Das ufer klingt von klage/ Und jenseits starrt von blut die schwesterliche wage/ Jndem der Neutra-strom der freyheit purpur traͤgt/ Den unser krieges-mann daselbsten abgelegt/ Als Ottomannes blitz Neuhaͤusel angefallen/ Und unaufhoͤrlich ließ die mord-geschuͤtz erschallen/ Da ieder augenblick mit donner schwanger ging/ Und an des himmels dach unendlich feuer hing. Ach schauplatz aller noth und frevler grausamkeiten! Dort sahe man den feind/ hier wenig christen streiten/ So eintzig und allein ein enger wall beschloß/ Wann sich dort Asien mit donnerndem geschoß Abscheulich hoͤren ließ/ und spieß und schwerdter k l ungen/ Wann kugeln in der luft mit lichtem schwefel sprungen/ Und den geaͤngstigten und jammerreichen tag Ermordter coͤrper zahl fast wie zu schwaͤrtzen pflag. Uns reitzte tapfrer muth vors vaterland zu sterben/ Den bluthund unser land von grund aus zu verderben/ Drum Vermischte Gedichte. Drum stuͤrtzt er leich auf leich/ und wie zur fruͤhliings-zeit Der maͤder blum und graß mit seiner sens abmeyt. So hat der sebel auch viel menschen aufgefressen/ Wiewol Neuhaͤusels ruhm so gar nicht zu vergessen/ Es stritte weil es kont/ und gab es tropfen blut/ So speyte sie gewiß der Tuͤrcken groͤßre fluth Von ihm geprest heraus. Und ist es uͤberwunden/ So hat Scyth und Hircan auch da den sarg gefunden. Das feld/ so zwar von graß/ doch nicht von todten rein/ Kan gar mit gutem recht des feindes kirchhof seyn. Die abgefleischte bein und abgeschlagne schaͤdel Bezeugen diese that/ daß unser kriegsmann edel Und hurtig in dem kampf sich iederzeit gestalt/ Wird schon sein werthes blut/ so wird sein ruhm nicht kalt. Beschreckte Christenheit von deinem aͤrgsten feinde/ Ermuntre deinen sinn und suche den zum freunde/ Der waͤll’ und welt beherrscht. Vertrage mit gedult Die ruthe/ die dich staͤupt ob vieler suͤnden schuld/ Zuͤnd’ andachts-opfer an/ laß seuffzen GOtt erweichen/ So bleibst du unversehrt in kriegen/ brand und seuchen: Jsts denn des Hoͤchsten schluß/ daß nichts soll bleiben stehn/ So kanstu mit der welt zugleich zu grabe gehn. Dasselbe gedichte in eine ode verfasset. 1. S Oll itzt der erden kreiß nicht zittern/ Da sich mit allen ungewittern Der himmel wider uns entruͤst/ Da Tuͤrck und Tartern rasend wachen/ Und Ungarn gantz zur leiche machen/ Das nunmehr seiner gantz vergist? 2. Der Jster/ so gekroͤnt von siegen/ Muß blutig itzt an fesseln liegen/ T 5 Und Vermischte Gedichte. Und lebt nicht frey mehr wie zuvor. Sein lorber-crantz der wird gantz eitel/ Weil nun die hocherhabne scheitel Verhoͤhnt zerbrechlich schilf und rohr. 3. Ja selbst das ufer klingt von klage/ Und jenseits starrt die schnelle wage/ Gefuͤllt mit schon erkaltem blut/ Jndem den freyheits-purpur traͤget/ Den unser kriegsmann abgeleget/ Nunmehr des Neutra gelbe fluth. 4. Als Ottomannus nach gefallen Das d onnernde geschoß ließ schallen/ Und hagel nach Neuhaͤusel bließ/ Daselbst erschrack des himmels anger/ Wie er stets gieng mit blitzen schwanger/ Um sich unendlich feuer schmiß. 5. O schauplatz aller grausamkeiten! Dort sah man wenig Christen streiten/ Die kaum ein enger wall umschloß. Hier liessen des Hircanus soͤhne Mit zitternd-bebendem gethoͤne Abscheulich hoͤren ihr geschoß. 6. Die blancken spieß und schwerdter klungen/ Das runde bley die kugeln sprungen Mit lichtem schwefel uͤberall/ Und die geaͤngsten anger stunden/ Sich gleichsam wie beschwaͤrtzt befunden/ Von der zerfleischten coͤrper zahl. 7. Uns reitzte tapfrer muth zu sterben Vors vaterland/ das zu verderben Der Vermischte Gedichte. Der bluthund emsig war bereit; Er hat die leichen so gestuͤrtzet/ Gleichwie der maͤder abgekuͤrtzet Die graͤser in der sommer-zeit. 8. Viel tausend hat sein schwerdt gefressen/ Wiewol so gar nicht zu vergessen Neuhaͤusels tapfrer helden-muth. Es stritt/ und must es selber bluͤten/ So wieß es doch weit groͤßre fluthen Gepreßt aus der verfluchten brut. 9. Und ist es gleich schon uͤberwunden/ Hat doch auch da den sarg gefunden So wohl das Scythische geschlecht: Das feld mit grasse vor bedecket/ Ein grauen aber nun erwecket/ Jst zu des feindes kirchhof recht. 10. Die abgefleischten bein und schaͤdel Bezeugen mit der that/ wie edel Sich iederzeit der christ gestalt/ Wie hurtig er im streit gewesen/ Drumb wird man wenig von ihm lesen/ Sein ruhm sey nicht im blut erkalt. 11. Erschroͤckter mensch von deinem feinde/ Steh’ auf und kiese den zum freunde/ Den kein Tuͤrck aus dem himmel treibt/ Und dencke nur getrost zu dulden/ Was du verdient mit deinen schulden/ Die ruthe/ die dich itzund staͤupt. 12. Laß andachts-opfer GOtt erweichen/ So wirst du wol fuͤr krieg und seuchen Be- Vermischte Gedichte. Befreyt und unversehret stehn; Wil aber er ein ende machen/ So kanst du/ wann die welt wird krachen/ Zugleich mit ihr zu grabe gehn. Die weiber sind nicht ohne fehler. E Jn weib sey wie es immer sey/ So wird ihr doch was fehlen; Die schoͤne die ist selten treu/ Die garstige macht quaͤlen; Die kluge commandirt zu viel/ Die dumme treibt nur narren-spiel; Die junge bringt galans ins haus/ Der alten stinckts zum halse raus; Die reiche laͤst dirs geld nicht frey/ Die arme wird dirs stehlen. Ein weib sey wie es immer sey/ So wird ihr etwas fehlen. Die maͤnner auch nicht. E Jn mann sey wie er immer sey/ So wird ihm doch was fehlen; Der saͤuffer legt das geld nicht bey/ Er jagt es durch die kehlen; Der jung ist liederlicher art/ Und nascht gern auf der seiten; Der alte ist ein noͤßelbart/ Und kan wol nicht zu zeiten. Der geitz des reichen leidet noth Bey seinem vollen kasten; Der arme laͤst bey schwartzem brodt Das arme weibchen fasten. Der krieger ist kein courtisan Und macht es nicht fein sachte; Dem Vermischte Gedichte. Dem keuschen kommts nicht allzeit an; Dem wilden alle nachte. Der hochgelahrte ist erpicht Allein auf seine buͤcher; Der ignorant taugt folgends nicht Und ist noch wunderlicher. Mit kurtzem: es bleibt wohl dabey Und ist nicht zu verhehlen; Ein mann sey wie er immer sey/ So wird ihm doch was fehlen. Jch muß Eudoxe dir/ und Creon/ doch entdecken/ Wie ich euch gestern sah verbotner speise schmecken: Denn da ihr beyderseits gantz sicher dacht zu seyn/ So guckt ich unverhofft zum schluͤssel-loch hinein. Doch weil ich schweigen kan/ so soll kein mensch nicht wissen/ Daß ihr euch oͤffters so pflegt ingeheim zu kuͤssen. Nur dieses rath ich euch/ und bitte/ folgt mir doch; Wolt ihrs noch weiter thun/ verstopfft das schluͤssel-loch. Der verstellte liebhaber. 1. M Ein kind/ laß uns fein heimlich lieben/ Nicht wie es sonst pflegt zu geschehn; Wir muͤssen unsre lust verschieben/ So offt es andre leute sehn; Wir muͤssen uns ein wenig druͤcken Und lernen in die leute schicken. 2. Wir wollen so zusammen halten/ Daß niemand uns verrathen kan; Wenn du mich fiehst die haͤnde falten/ So bet ich deine schoͤnheit an; Wenn meine arme sich bewegen/ So wuͤnsch ich dich herein zu legen. Schlag Vermischte Gedichte. 3. Schlag’ ich die augen in die hoͤhe/ So gehn die seuftzer uͤber sich; Und wenn ich fuͤr mich niedersehe/ So gruͤsset mein gehorsam dich. Merck/ wenn ich an die lippen ruͤhre/ Daß durch die lufft ich kuͤsse fuͤhre. 4. Wenn ich mit meinen fingern spiele/ So druͤck ich gleichsam deine hand: Und wenn ich an die stirne fuͤhle/ Bedeut es heimlichen verstand/ Ja ihre stellung vor den leuten Muß etwas sonderlichs bedeuten. 5. Kein mensch soll mercken/ was ich mache/ Und wie es um uns beyde steh’/ Jch gehe traurig wenn ich lache/ Und lache wenn ich traurig geh’: Aus mir kan keinem was erhellen/ Jch kan mich stellen und verstellen. 6. Wir beyde reden ohne zungen/ Vernehmen uns auch ohngefehr; Wirstu zu tadeln mich gezwungen/ Halt ich es doch fuͤr eine ehr; Du wirst es auch nicht uͤbel nehmen/ Wenn ich aus noth dich muß beschaͤmen. 7. Hoͤrst du mich/ oder ich dich/ nennen/ Wird keine roͤth uns abgejagt; Wir thun als wenn wir uns nicht kennen/ Und wissen nicht was jener sagt: Vexirt man uns/ so braucht man luͤgen Sich mit der warheit zu begnuͤgen. Nun Vermischte Gedichte. 8. Nun dieses wollen wir so treiben Und uns so lieben unvermerckt Und immer bey dem laͤugnen bleiben/ Biß unser bloͤdigkeit sich staͤrckt; Das aber kan so offt geschehen/ So offt wir uns alleine sehen. 9. Verschwiegenheit in liebes-sachen Jst eine recht bewaͤhrte kunst. Wir wollens fein behutsam machen Und gantz nicht aͤussern unsre brunst. Jst ein verliebter nur verschwiegen/ Kan er die kluͤgsten auch betriegen. Sechstinne. Wett-streit der haare/ augen/ wangen/ lippen/ halß und bruͤste. H. M. Haare. W Er sagt/ daß unser ruhm nicht goͤldne fessel schencket/ Wenn sie ein linder west um beyde bruͤste schwencket/ Entkerckert frey und loß? hier wird ein geist umschrencket Mit steter dienstbarkeit/ der vor sich weggelencket Von band und ketten hat. Ein ewig nectar traͤncket Der haare liebes - reitz/ der nur auf lust gedencket. Augen. W O unser flammen quell nicht heisse strahlen schencket/ Und den entbrandten blitz in hertz und seele schwencket/ So wiꝛd kein steꝛblich mensch mit huld und gunst umschꝛaͤncket/ Hat unser leitstern nicht der liebe glut gelencket/ So wird sie gantz und gar in thraͤnen-fluth ertraͤncket; Wer ist der iemahls liebt/ und unser nicht gedencket? Wan- Vermischte Gedichte. Wangen. U Ns hat Cupido glut/ die rose blut geschencket/ Die lilje schnee/ der sich um beyde zirckel schwencket/ Hier stehet helffenbein mit purpur rings umschraͤncket/ Und manch verliebter mund steht bloß auf uns gelencket/ Wen nicht die liljen-milch und rosen-oͤle traͤncket/ Der ist ein marmolstein/ der nie an lust gedencket. Lippen. D En koͤcher voller pfeil hat Venus uns geschencket/ Und ist es wunderns werth/ daß unsre glut sich schwencket Biß an das sternen-dach? Hier liegt ein brand versencket/ Der ewig zunder gibt/ der mit rubin umschrencket/ Die feuchte suͤßigkeit/ wenn mund am munde hencket/ Und die vergnuͤgte seel mit zimmet-saͤfften traͤncket. Halß. S Eht meine perlen an/ die Venus selbst getraͤncket Jn ihrem liebes-schoß: Seht was sie mir geschencket/ Als umb der mutter halß Cupido sich geschwencket/ Und seine suͤsse pein ins helffenbein versencket; Hier lieget schnee und glut im gleichen kreyß geschwencket/ Jch bin der thurm/ an dem der liebe ruͤstzeug hencket. Bruͤste. D Jß schwesterliche paar/ das voll von flammen hencket/ Von aussen vieler hertz mit liebes-oͤle traͤncket/ Jnwendig aber feur als wie ein Aetna schencket/ Da doch das schnee-gebuͤrg sich von dem athem schwencket/ Und wieder von dem west der seuftzer nieder sencket/ Haͤlt alle lust und lieb in seinem platz verschrencket. Nach- Vermischte Gedichte. Nachklang der Sechstinne. D Er haare schoͤnes gold/ der augen lichter brand/ Der wangen paradieß/ der lippen himmel-wein/ Hat mit des halses zier/ ohn allen zwang/ bekannt/ Daß auff den bruͤsten soll der liebe ruhstatt seyn. Er entsaget ihrer liebe. E Ntbrich der fessel dich und fleuch den falschen wahn/ Daß Roselinda sey vor goͤttlich mehr zu schaͤtzen/ Nicht laß dich ihren kuß/ so wie vorhin/ ergoͤtzen/ Es ist nunmehr um sie und ihren ruhm gethan/ Weil auch ein sclave selbst sich ihr gebrauchen kan/ Und seinen schlechten mund an ihre lippen setzen: Du must sie warlich ietzt aus seel und geiste aͤtzen/ Jn dem ihr schnoͤder fuß betrit die laster-bahn. Es weicht der purpur selbst von den bekandten lippen/ Es flieht der marmor weg der doppelt runden klippen/ Schau wie sich noth und spott ihr zur gefaͤrtin macht! Die tuber-rosen sind von wespen angestochen; Es ist der siegel-ring der keuschheit ihr zerbrochen. Mit einem wort: sie hat ein kind zur welt gebracht. Antwort der Venus an die schwangere sup- plicanten/ deren trost-gedancken im ersten theil dieser gedichte. A Uf toͤchter/ die ihr seyd in meinen schutz gewichen Und mir auf mein altar verliebten weyrauch streut/ Jhr habt euch von der last der fessel schon befreyt/ Weil mit der jungferschafft auch alle schmach erblichen: Die war es/ die euch stets in tieffe qual gerissen/ Die euren reinen leib mit seuffzern offt befleckt; Jtzt wist ihr/ was ihr seyd/ was gut und boͤse schmeckt/ Und doͤrfft vor weiter nichts als eure wollust buͤssen. O zucker-suͤsser schimpff! o schaden ohne wunden! II. Theil. U So Vermischte Gedichte. So schreibt man seinen ruhm ins buch der ewigkeit/ So wird die stoltze zahl der ahnen zubereit/ Und unser nahmens-lob der nachwelt eingebunden. Wahr ist es/ daß das volck nach seiner art wird lachen/ Wahr/ daß eu’r titul wird auff vielen zungen stehn/ Daß manches laͤster-maul um euren busen gehn/ Und mancher donner wird um eure wohnung krachen. Mich deucht/ ich hoͤre selbst schon diese worte klingen: Ey lieber! schaut mir doch die schoͤnen jungfern an/ Seht wie die thierchen sich so niedlich angethan/ Wie sie den dicken leib in enge kleider zwingen. Wer aber hat die that der andern aufgeschrieben? Wer hat den meisten wohl den nabel recht besehn? Wer weiß was hier und dort im winckel ist geschehn? Und was des baders hand durch ihre kunst vertrieben? Nicht alle sind gerecht/ die wie die engel treten/ Und die den busen offt biß oben zugeschnuͤrt: Da wo der teuffel nicht studenten hingefuͤhrt/ Muß offt ein schlechter knecht das Pater noster beten. Nicht alle sind gerecht/ die keine lieder lieben/ Und auf ein iedes wort uns aus den augen gehn. Was wegen argwohn nicht darf auf den lippen stehn/ Das hat der kuͤtzel doch dem hertzen eingeschrieben. Nicht alle sind gerecht/ die alle lust verlachen/ Die vor ein compliment kaum sagen grossen danck/ Und von dem rathhauß an biß zu der kirchen-banck Fast sieben tausend mahl und sechzig schritte machen. Sie lassen mehr als ihr gedaͤmpffte seuffzer fliegen/ Sie fuͤhlen mehr/ als ihr/ die centner-schwere pein; Und daß sie endlich noch so halbe jungfern seyn/ Das macht die blinde furcht/ sie moͤchten kinder kriegen. Wie manche moͤcht bey nacht vor thraͤnen fast zerfliessen/ Wenn sich der bruͤste schnee durch geile brunst bewegt/ Wenn der beperlte safft die steiffen lenden regt/ Und sich die seele selbst will aus den adern giessen. Ach! denckt sie/ wenn ein traum kan solche lust erwecken/ Wenn Vermischte Gedichte. Wenn schlaff und schatten-werck so voller zucker stehn/ Was mag doch wohl vor dampf aus allen gliedern gehn/ Wenn man das honig darff aus rechten muscheln lecken. Ach daß ich diese nacht mit ehren schwanger wuͤrde/ Ach waͤre nicht der tranck mit galle zubereit/ So truͤg ich heute noch mich in den maͤnner-streit/ Und denn drey viertel jahr die suͤsse liebes-buͤrde. So aber darff mein feld der saate nicht geniessen/ Mein blumen-garten darff kein wasser an sich ziehn/ Mein stamm muß ohne kern und ohne fruͤchte bluͤhn/ Und meine beste krafft auf kalte tuͤcher fliessen. So spielt das jungfern-volck bey nachte mit den plagen; Bricht aber allererst der morgen wieder an/ Ach! GOtt/ wer ist wohl denn/ der recht beschreiben kan/ Wie sie die erbarkeit in hundert falten schlagen? Da will die zehnde kaum von liebes-sachen wissen/ Da heist ein freyes wort stracks eitel hurerey/ Da fluchen sie getrost von pulver/ blitz und bley/ Wenn man in ehren nur will ihre lippen kuͤssen. Da schreyn sie: ach! mein herr/ was? will er mich beflecken? Was bildt er sich wohl ein? wer/ meynt er/ daß ich bin? Witz aber recken sie die gusche selber hin/ Und lassen unverhofft das theure leder lecken. Will denn ein guter kerl biß in den busen schiffen/ Da hoͤrt man allererst/ was rechte keuschheit sey/ Da geht der donner loß; und dencken doch dabey: Ach! warum habt ihr mir nicht besser dran gegriffen? Und endlich sprechen sie/ wenn alles vorgegangen: Mein schatz/ es steht dir frey/ nur dieses bitt ich noch/ Verschone meiner scham und meiner ehren doch/ Sonst magst du wie du wilt mit meinem kraͤntzchen prangen. Drum trauret laͤnger nicht/ ihr toͤchter/ um die suͤnden/ Was euch ietzund betrifft/ hat manche schon gefuͤhlt; Die auf dem haupte noch mit blumen heute spielt/ Kan morgen wohl vielleicht sich ihrer last entbinden. Was ist die jungferschafft? ein blaͤtchen voller wunden/ U 2 Das Vermischte Gedichte. Das manches maͤgdchen oft nur mit der hand zerreist/ Das auch Fallopius kaum selber uns erweist/ Und unter tausenden bey dreyen nur gefunden. Und soll ich endlich ja die rechte warheit sagen: Es ist ein lumpen-ding mit kummer angefuͤllt/ Ein roͤs’gen das nur auf ein viertel stuͤndchen gilt/ Und vor ein groschen-stuͤck offt viel zu marckte tragen. Jch schwere bey mir selbst und aller goͤtter leben: Giebt eine jungfer sich von achzehn jahren an/ Die mir das rare pfand vor augen stellen kan/ Sa will ich tausend marck ihr zu der hochzeit geben. Was sucht ihr weiter denn mit thraͤnen zu beschaͤmen Ein ding/ das euch vielleicht das tantzen laͤngst geraubt/ Das selber die natur mit dornen uͤberlaubt Und kaum ein ehrlich kerl darff in die haͤnde nehmen? Ach denckt doch wer ihr seyd/ und was ihr seyd gewesen! Schaut euren neuen stand mit frischen augen an; Denn sagt/ was dem die lust der liebe schaden kan/ Der so die aͤpffel darff aus reinem marmel lesen. Gesetzt auch/ daß ihr solt gar in die wochen kommen/ Was ist es endlich mehr mit kindern schwanger gehn? Es wird euch doch fuͤrwar zu mehrerm ruhme stehn/ Als wenn das alter euch haͤtt ins spital genommen. Jhr habt bey weitem nicht so grosse schmach erlitten/ Als manch verschrumpelt thier/ die stets die liebe quaͤlt/ Die so viel jahre fast als zaͤhn im maule zehlt/ Und sich vor kummer offt muß in die grube bitten. Genug/ daß ihr kein geld vor eure lust begehret/ Daß ihr den guͤrtel noch mit ehren abgelegt; Ein andre/ die den leib vor sieben groschen traͤgt/ Mag klagen/ daß der crantz auch ihren glantz verzehret. Euch aber ist der tag der freuden aufgegangen/ Jhr saugt canari-sect aus zucker-schalen ein/ Und lasset bey der nacht/ was jungfern/ jungfern seyn/ Wenn eure rosen nur mit gleichem purpur prangen. Ja wie ein bunter platz gefaͤrbter tulipanen/ Wenn Vermischte Gedichte. Wenn man den stengel bricht/ doch wieder blumen streut; So wird der suͤsse bruch/ der euren schoß bemeyt/ Euch allererst den weg zu frischer bluͤte bahnen. Die kinder werden euch nur zum ergoͤtzen dienen/ Wenn euch eur ebenbild wird unter augen stehn/ Wenn eure liebligkeit von ihren lippen gehn Und eure freude wird auff ihren wangen gruͤnen. Und endlich seyd ihr nicht die ersten unter allen Die liebe/ lust und list mit flammen angefuͤllt/ So ist vor langer zeit das wunderschoͤne bild/ Des grossen Carles kind/ die Emma/ selbst gefallen. So musten meinen thron Augustens toͤchter kuͤssen/ So rieff Cleopatra mich um erbarmen an/ So trat Columbula die feder-leichte bahn/ Und legten ihren crantz zu meinen goͤtter-fuͤfsen/ Doch/ solte wer von euch in der geburt erblassen/ Und giengs ihr etwa nicht nach weiber weise woll/ So schwer’ ich/ daß mein sohn nicht eher schlaffen soll/ Biß er diß denckmahl wird auf euren stein verfassen: Steh leser! diese grufft haͤlt weib und kind verbunden/ Diß/ weil das leben ihm den tod zu wege bracht; Sie aber/ weil ihr kind hier vor des neides macht Hat ausser ihren leib’ kein besser grab gefunden. Die zeit. W As ist die edle zeit/ die allezeit vergehet? Ein kleiner punct/ worauf der grosse welt-kreiß stehet: Ein schneller blick/ der uns weist/ daß sie etwas sey: Nichts/ ehe sie kommt an; nichts/ wenn sie schon vorbey. Jhr wesen laͤst die zeit nicht bloͤde sinnen kennen/ Das kluge seelen kaum verstehen recht zu nennen; Sie giebt in der natur den anfang und beschluß/ Lehrt/ was verschwunden ist/ zeigt/ was geschehen muß. Wenn sie vergangen ist/ wer kan sie wieder bringen? Wer kan/ wenn sie noch fern/ sie bald zu kom̃en zwingen? U 3 Wie Vermischte Gedichte. Wie starck ist ihre krafft? sie bricht den stein und stahl/ Veraͤndert staͤdt und leut’/ ist maͤchtig uͤberall. Wohl dem/ wer in die zeit sich allzeit weiß zu schicken/ Und/ was zukuͤnfftig ist/ bey zeiten kan erblicken. Wer seine zeit auf GOtt wendt in der sterbligkeit/ Der macht ihm hier und dort aus boͤser gute zeit. Wie lang ist unser zeit? spricht der betruͤbten klage/ Weil kummer/ kranckheit/ angst uns macht aus stunden tage. Wie kurtz ist bey der lust die zeit der ewigkeit/ Wo tausend jahre sind nur eines tages zeit. Von der ungleichen jahres-zeit. W Je? soll die welt in ruhe stehen/ Weil die verstaͤndige natur Die werck in ihrer grossen uhr Einander laͤst zu wider gehen? Erregt nicht eine jahres-zeit Vier mahl auf erden neuen streit? Des fruͤhlings angenehme sonne Zerschmeltzt des kalten winters eiß: Des duͤrren sommers heissen schweiß Vertreibt des kuͤhlen herbstes wonne: Giebt jedes monats unterscheid Dem felde nicht ein ander kleid? Jhr sterblichen/ schaut an die gaben/ Die uns der lentz und sommer giebt/ Was man im herbst und winter liebt/ Wer soll den preiß des vorzugs haben? Des lentzes graß? des sommers klee? Des herbsies wein? des winters schnee? Des fruͤhlings schoͤne stirn und wangen? Des sommers warme hand und brust? Des herbstes mund- und augen-lust? Des winters wild- und vogel-fangen? Die leibes-staͤrck und liebes macht? Der kurtze tag/ die lange nacht? Jch Vermischte Gedichte. Jch kan den gruͤnen lentz nicht hassen: Ja mir gefaͤllt des sommers frucht: Was man im herbst auf baͤumen sucht: Was man im winter soll umfassen. So bringet mir vergnuͤgsamkeit Ein iedes theil der jahres-zeit. Von der fruͤhlings-zeit. D U kanst dein eigenthum ausbreiten/ O gruͤner lentz! in voller pracht: An der uns seine weise macht Der Schoͤpffer zeigt auf allen seiten/ Wenn deine liebliche gestalt Vergnuͤgt das feld/ den berg und wald. Du hast die grosse welt gebohren/ Den anfang aller zeit gemacht: Das beyl den menschen wieder bracht/ Als zu der mutter ward erkohren Die jungfrau/ deren wunder-sohn Sitzt auf des Allerhoͤchsten thron. Du sahest ihn im grabe liegen/ Der an dem creutze war verblast/ Nach abgelegter todes-last/ Hoch uͤber seine feinde siegen. Dir ist die reine seelen-lust Der Christen heiligthum bewust. Dein mertz weiß alles zu erfreuen/ Was erde/ wafser/ lu ff t erhaͤlt. Ob dein april sich offt verstellt/ Pflegt er die welt doch zu verneuen. Lehrt nicht dein allerschoͤnster may/ Daß er der beste mahler sey? Die warmen sonnen-strahlen muͤssen Dir zu der wollust dienlich seyn/ U 4 Wenn Vermischte Gedichte. Wenn iedes thier fuͤhlt suͤsse pein/ Das/ vielmahl deiner zu geniessen/ Die von natur erweckte brunst Lehrt die gemeine liebes-kunst. Von der sommer-zeit. S Oll ich/ o sommer/ dich beschreiben? Wer fuͤhlet deine staͤrcke nicht/ Die offt den leib so hefftig sticht/ Daß er nicht mehr bedeckt kan bleiben? Vermehrt doch schon dein hoher preiß Auf beyden wangen meinen schweiß. Du bist ein braͤutigam der erden/ Der in der liebe sich erhitzt/ Bey dem die braut entbloͤsset sitzt/ Wenn sie von dir will fruchtbar werden/ Weil ihre kinder nicht dein brod Umkommen laͤst in hungers-noth. Du giebst in allerlaͤngsten tagen Der arbeit ihr gewuͤnschtes licht/ Erfreuest aller angesicht An dem/ was baͤum und aͤcker tragen/ Laͤst nicht der bauren haͤuser leer/ Ernehrst der thiere grosses heer. Dein heu speist rinder/ schafe/ pferde/ Wenn sich der winter eingestellt/ Der/ was uns giebt dein wald und feld/ Traͤgt auf den tisch von seinem heerde/ Weil ihm sein thun nichts leget ein. Kan deines reichthums erbe seyn. Doch muͤssen dich viel ohren hassen/ Wenn dein gewitter blitzt und schlaͤgt/ Die furcht in zarte hertzen praͤgt/ Niemanden will in ruhe lassen. Denn Vermischte Gedichte. Denn hoͤret man des hoͤchsten stimm: Jhr suͤnder/ fuͤrchtet meinen grimm. Von der herbst-zeit. D U magst den lentz und sommer preisen/ Mir/ mir gefaͤllt des herbstes frucht/ Die man in grossen faͤssern sucht/ Jn schoͤnen glaͤsern pflegt zu weisen. Wo froͤliche gemuͤther seyn/ Da bist auch du/ o edler wein! Du kanst den helden staͤrcke machen/ Wenn sich der feind im felde zeigt/ Wenn/ ehe man die stadt ersteigt/ Die moͤrsel und carthaunen krachen. Wo tapffere soldaten seyn/ Da bist auch du/ o edler wein! Du kanst durch deine macht erwecken Der klugen geister eigenschafft/ Der unerschrocknen redner krafft/ Die nach dem himmel pflegt zu schmecken. Wo fertige poeten seyn/ Da bist auch du/ o edler wein! Du heist die maͤnner laͤnger sitzen Jn loͤblicher geschellschaffts-lust: Wem die melancholey bewust/ Kanst du das kalte blut erhitzen. Wo die verliebten hertzen seyn/ Da bist auch du/ o edler wein! Du bist der beste koch auf erden/ Der beste leib artzt in der welt/ Der zu gesunden sich gesellt/ Die schwachen wieder starck laͤst werden. Darum soll mir/ o edler wein! Der herbst ein gantzes wein-jahr seyn. U 5 Von Vermischte Gedichte. Von der winter-zeit. S Oll ich des winters art nicht lieben/ Weil er des jahres alter heist/ Der gaͤrte zierrath nieder reist/ Wenn er der felder lust vertrieben/ Als ein unangenehmer greiß/ Verkleidet liegt in schnee und eiß? Der winter macht aus wasser bruͤcken/ Auf welchen ich kan sicher stehn/ Auf welchen pferd und wagen gehn/ Der winter heilt mir brust und ruͤcken/ Wenn mir des ofens liebligkeit Macht in der stube sommer-zeit. Jm winter hab ich zu geniessen/ Was mir der kuͤhne jaͤger bringt/ Was nicht mehr in dem winter singt/ Kan in den magen sich verschliessen/ Des winters kaͤlte machet hitz Jn der verborgnen liebe sitz. Jm winter koͤnnen wir die sternen Viel besser als im sommer sehn/ Und ist im winter nicht geschehn/ Was der ehristmonat giebt zu lernen? Als du stiegst von des himmels thron/ Und wardst ein mensch/ o GOttes sohn! Uns haben dein reich vorzumahlen/ Daß in der gnaden-reichen zeit Uns schenckt die lust der ewigkeit/ O JEsu! deine klare strahlen/ Den schoͤnsten tag aus schwartzer nacht/ Den winter zu dem lentz gemacht. Von Vermischte Gedichte. Von der zeiten veraͤnderung. D Je zeiten muͤssen sich vergleichen/ Weil alle zeiten fluͤchtig seyn/ Tritt wiederum der fruͤhling ein/ So pflegt der winter ihm zu weichen/ Vergeht des sommers heisser brand/ So koͤmmt des herbstes kuͤhler stand. Warum wolt ihr die zeiten hassen/ Jhr/ die ihr seht der zeiten streit? Weil euch in unvergnuͤgsamkeit Lentz/ sommer/ herbst und winter lassen/ Weil aller zeiten lauff verrancht/ Eh’ iemand ihrer recht gebraucht. Was zeigt uns dieses wechsels schatten? Ein bild der unbestaͤndigkeit; Ein werck der unvollkommenheit: Weil nicht der himmel will verstatten/ Daß etwas hier soll ewig stehn/ Das mit den zeiten soll vergehn. Jhr aͤndert ja der zeiten soͤhne/ Der zeiten toͤchter/ allezeit/ Jndem ihr macht aus freude leid/ Was gleich ist/ krum; was arg ist/ schoͤne; Was starck ist/ schwach; was kalt ist/ heiß; Was klein ist/ groß; was schwartz ist/ weiß. Ein jahr ist unser gantzes leben: Der fruͤhling haͤlt der jugend art/ Der sommer/ der verliebte paart/ Kan schoͤne frucht zu wiegen geben/ Der herbst nimt an den kraͤfften ab/ Der winter legt uns in das grab. Von Vermischte Gedichte. Von der stunde. J Hr gruͤnen den gemuͤther/ Erkennt die schoͤnen guͤter/ Die euch die edle zeit Jn eure schooß will legen/ Nehmt an des Hoͤchsten seegen/ Des gluͤckes guͤtigkeit. Verachtet keine stunde/ Die aus gelehrtem munde Praͤgt klugen ohren ein/ Durch auserwehlte lehren/ Was GOttes ruhm zu mehren/ Der welt kan dienlich seyn. Denckt nicht/ wenn eitelkeiten Euch von der schul ableiten/ Was eine stunde sey/ Wenn nach und nach verschwunden/ Mehr als acht tausend stunden/ Sey erst ein jahr vorbey. Kan nicht in vielen dingen Euch eine stunde bringen Den nutzen langer zeit? Kan euch aus suͤssem lachen Nicht eine stunde machen Des lebens traurigkeit? Wer hohe weißheit liebet/ Der tugend sich ergiebet/ Haͤlt jede stunde werth/ Denckt in des hertzens grunde Stets an die letzte stunde/ Die er von GOtt begehrt. Von Vermischte Gedichte. Von der letzten zeit. W As ist ein tag/ ein jahr? die zeit von hundert jahren/ Jn welcher aus der welt viel tausend seelen fahren/ Ein spiel das vielen kurtz/ und vielen lang muß seyn/ O mensch nim alle zeit genau in augenschein! Ein tag kommt/ dessen macht die jahre wird verschlingen/ Ein jahr kommt/ dessen lauff nicht mehr wird tage bringen/ O wunderbares jahr! o wunderbarer tag! Jn welchem auffersteht/ was in den graͤbern lag/ Wer soll nicht alle tag an dieses jahr gedencken/ Das aller zeiten stand wird in zwey theil verschrencken/ Wo stete trauer-nacht/ wo stetes freuden-licht/ Des himmels wollust-strahl/ der hoͤlle marter sticht. Jhr freches laster-volck/ ach lasset alle tage Zu beyden ohren ein des letzten tages klage: Nun muß die gantze welt vor ihrem richter stehn/ Der keiner suͤnde zeit laͤst ungestrafft hingehn. Wolt ihr/ o sterblichen! nicht mit der zeit verderben/ So legt die zeit wohl an im leben und im sterben; Der ist klug/ der wird fromm/ wer stets denckt an die zeit/ Wenn ihn ein augenblick setzt in die ewigkeit. Cantata von der rechten liebe. E. N. Aria. N Jchts ist suͤsser als das lieben/ Lieben ist ein himmelreich; Menschen/ die das wesen uͤben/ Sind dadurch den goͤttern gleich. Ja zwey recht vertraute hertzen Sind zwey engel auff der welt/ Weil ihr angenehmes schertzen GOtt und menschen wohlgefaͤllt. Wie- Vermischte Gedichte. Wiewohl die liebe muß auf rechtem fusse stehn. Wo keine treu/ wo keine keuschheit ist/ Wo man das tugend-ziel vergist/ Da muß die schoͤne lust zergehn. Und was ein himmel heist Muß eine hoͤlle werden. Jedoch ein reiner geist Befleckt sich nicht. Gedancken und geberden Sind tugendhafft und edel eingericht. Die kuͤsse sind die seele bey dem lieben/ Wann diese rein geblieben/ So muß die seele leben/ Und tausendfache lust verliebten coͤrpern geben. Aria. W Eicht nun ihr bloͤden sinnen/ Welcht von hinnen/ Die die liebe nicht verstehn. Denn es pflegt das schoͤne schertzen Edlen hertzen Zur vergnuͤgung anzugehn. Allegorisch Sonnet. A Manda liebstes kind/ du brustlatz kalter hertzen/ Der liebe feuerzeug/ goldschachtel edler zier/ Der seuffzer blasebalg/ des traurens loͤsch-papier/ Sandbuͤchse meiner pein/ und baum-oͤhl meiner schmertzen/ Du speise meiner lust/ du flamme meiner kertzen/ Nachtstuͤlchen meiner ruh/ der Poesie clystier/ Des mundes alecant/ der augen lust-revier/ Der complementen sitz/ du meisterin zu schertzen/ Der tugend quodlibet/ calender meiner zeit/ Du andachts-fackelchen/ du quell der froͤligkeit/ Du Vermischte Gedichte. Du tieffer abgrund du voll tausend guter morgen/ Der zungen honigseim/ des hertzens marcipan/ Und wie man sonsten dich mein kind beschreiben kan. Lichtputze meiner noth/ und flederwisch der sorgen. Auf den nahmens-tag herrn J. W. G Eehrter/ dieser schein/ der heute dich begluͤcket/ Strahlt unser hertzen auch mit frischen blicken an/ Und zeuget/ wie die lust/ die deine brust entzuͤcket/ Auch freunde durch den glantz zugleich entflammen kan . Wir fuͤhlen jeden kuß/ den dir der himmel reichet/ Wir schmecken auch den safft beperlter liebligkeit/ Und lernen/ da er dich mit bisam uͤberstreichet/ Daß seine gunst auf uns canarizucker streut. So nim denn/ werther/ hin/ was unsre freude zollet/ Ein farben-armes blat/ das kein zinober deckt/ Das unser aller hertz in einen zedel rollet/ Und mehr nach redligkeit/ als bunten pinseln schmeckt. Der himmel kraͤntze dich mit gruͤnen anmuths-zweigen/ Und schliesse deine lust begnuͤgten armen ein; Er lasse steten ruhm aus deiner feder steigen/ Und dein bepalmtes lob der ehren wurtzel seyn. Biß/ wenn dir alles wird mit vollen stroͤmen fliessen/ Und suͤden/ west und nord in tuberrosen stehn/ Wir endlich deinen fleiß durch quellendes versuͤssen Jn lorbeer-reicher pracht und tausend knospen sehn. Einladungs-schreiben zur hochzeit an einen guten freund in Meissen. H. M. E S gruͤst dich ietzt mein brief/ o alter schul-geselle/ Von kindheit treuer freund/ mein werther Seidemann; Und wuͤnscht/ er sehe dich nur selber zu der stelle/ Nun mir des himmels gunst das hochzeit - kleid legt an. Denn Vermischte Gedichte. Denn ich kan ohne dich vergnuͤget nicht erscheinen/ Du weist/ wie freundschafft uns genau zusammen bindt/ Und der ist von metall/ von felsen und von steinen/ Der einen landsmann weiß/ und ihn nicht selber find. Kein Greiffenberger wird erfreulich koͤnnen greiffen/ Wenn nicht sein mitgesell empfindet gleiche lust/ Jch tantzte noch so gut/ wenn du mir wuͤrdest pfeiffen/ Dieweil du keinen sprung vergebens selber thust. Nun hoͤre/ wie das gluͤck so vortheilhafftig handelt/ Es sieht uns bald geneigt/ bald wieder sauer an: Nach dem mein erstes weib zur langen ruh gewandelt/ So dacht ich auch/ nun ists mit dir durchaus gethan. Jch wolte durch die welt aufs neue wieder reisen/ Jch wolte/ gleich wie du/ in fremde graͤntzen ziehn/ Jch meinte/ keinem gehts als wie dem herren Weisen/ Der ietzt in Breßlau kan in vollem seegen bluͤhn. Jch schloß: du bist nicht schwer/ dich druͤcket keine buͤrde/ Es macht dir weder kind/ noch stieffkind schwere pein So nannt ich grossen stand und allzu hohe wuͤrde Melonen/ die fuͤr mich gar nicht zu essen seyn. Bald dacht ich wiederum: Wo wird dein freund itzt leben? Mir war zwar wohl bekandt/ daß Meissen dich umschloß: Jch sorgte/ wird es ihm auch satt zu essen geben? Die blick und worte sind da freundlich/ reich und groß. Dann sah ich wiederum und auf mich selbst zuruͤcke/ Und zog mit frohem geist nach meinem vetter hin/ GOtt fuͤgt es wunderlich/ ich fand da mein geluͤcke/ Er sprach: bleib bey mir hier/ erwarte den gewinn. Jch folg und lasse den/ der mich erschaffen/ walten/ Verehre meinen GOtt mit bruͤnstigem gebet/ Voll hoffnung/ daß er werd’ auch sein versprechen halten/ Daß kein rechtglaͤubiger umsonst ihn angefleht. Jch gehe drauff getrost/ und suche lieb und hulden/ Und finde diese frau/ der ich mich ietzt vertraut. Sie spricht/ ich solle mich ein weniges gedulden/ Biß daß sie mein gemuͤth und hertze vor beschaut. Sie Vermischte Gedichte. Sie ziehet nachricht ein von meinem thun und leben/ Und hoͤret/ wer ich bin/ und was ich je gethan/ Und weil die Jauter mir ein gutes zeugniß geben/ So nimmt sie mich zum schatz und ihrem braͤutgam an. Jch werde nun getrost zum kretschmar/ Urbar/ schreiten/ Nicht wundre dich mein freund/ daß ich den schluß gemacht. Was sind studenten doch bey den elenden zeiten? Es wird ein arm gesell verspottet und verlacht. Was hilfft uns alle kunst/ wenn man soll hunger leiden/ Und auf den doͤrffern wohl praͤceptor sterben muß? Wenn bauren sich in tuch und wir in leinwand kleiden/ Und ein zerrißner schuh kaum decket unsern fuß? Die Musen betteln itzt/ und stehen vor den thuͤren/ Es ist kein schlechtrer mensch/ als ein gelehrter mann/ Und solt ich diesen wahn mich laͤnger lassen fuͤhren/ Mein hertz-vertrauter freund/ ich griff es anders an. Jch mag nicht auf der welt die bogen voller titel/ Vor mir mag jederman vorn an der spitzen stehn. Beschert der hoͤchste GOtt nur mir zu leben mittel/ So laß ich andre gern im ersten paare gehn. Nun bruder Seidemann/ daß ich den zweck erreiche/ Komm auf mein hochzeit-fest ein hochgewuͤnschter gast/ Es wird kein edelmann indeß zu einer leiche/ Von dem du irgend noch fuͤnff groschen rechnung hast. Du wirst zu Breßlau noch so eine mahlzeit finden/ Die deiner Meißnischen durchaus die wage haͤlt/ Es soll ein safftig staͤhr dir das gebluͤt entzuͤnden/ Daß er wie bitter bier dir in die kehle faͤllt. Behuͤte GOtt dafuͤr! ich will dein land nicht tadlen/ Das reine Meissen ist ja voller-reinligkeit/ Und weil es sparsamkeit und kluge kargheit adeln/ So leg ich alles diß/ was widrig ist/ bey seit. Allein/ o alter freund/ du wirst es selbst bekennen/ Daß unser Schlesten viel beßre nahrung hat. Wer einmahl zu uns kommt/ wird leicht davon nicht rennen/ Und spricht : diß paradieß sey meine vater-stadt. II. Theil. X Du Vermischte Gedichte. Du wirst den gantzen tisch mit speisen sehn besetzet/ Wenn ein gerichte kaum bey euch die augen fuͤllt/ Man dencket/ wie nur recht der magen werd’ ergetzet/ Und daß er nicht so bald fuͤr neuem hunger billt. Jch will dir schwartzen schoͤps und neues bier gewaͤhren/ Bedencke jene zeit/ wie du gezogen hast/ Du magst bey mir so frisch/ als wie die schlemmer/ zehren/ Die zahlung kommt auf mich/ du bist mein lieber gast. Die huͤner sind allhier nicht auf dem mist gemaͤstet/ Wie man bey euch gewohnt/ das kalbfleisch ist recht fett/ Und wen das rindfleisch hier zum besten nicht gekoͤstet/ So glaub ich/ daß er nicht vernunfft und sinnen haͤtt. Es soll an wildpret dir und vogeln gar nicht mangeln/ Da du zu Lauchstaͤdt nur spatz und goldammern speist/ So darffst du nicht wie dort erst deinen weißfisch angeln/ Weil sich ein welß und aal hier auf dem tische weist. Zu diesem geb ich wein/ den safft von edlen trauben/ Der gar weit herrlicher als euer eßig schmeckt. Du magst/ mein Seidemann/ mir kuͤhn- und kecklich glauben/ Daß nach dem nectar-tranck man alle singer leckt. Verzeihe/ daß ich ietzt mit dir auffrichtig schertze/ Denn freunden ist ja nicht dergleichen lust versagt. Du kennst mein treu gemuͤth und mein getreues hertze/ So weiß ich/ daß dir auch ein reiner schertz behagt. Mein mund wird kuͤnfftig GOtt ein Halleluja singen/ Wenn dein betruͤbter hals nur miserere schreyt/ Wenn dir die knaben nicht genugsam holtz einbringen/ Und bey dem strengen frost der baur zehlt jedes scheit. Zwey freunde haben gantz ein sonderbahr geluͤcke/ Mich deckt ein steinern hauß/ dich eine leimern wand. Jch kauff ein halstuch ein/ du kuͤh- und kaͤlber-stricke/ Mein boden der ist fett/ und mager ist dein land. Es will die duͤrfftigkeit stets deine nachbarn heissen/ Wenn eine kirmeß dir nicht noch ein traͤncklein giebt. Du spinnst wohl seide nicht/ mein Seidemann/ in Meissen/ Dein garn das ist zu grob/ dein faden nicht beliebt. Das Vermischte Gedichte. Das kraut ist heuer klein/ der kohl ist nicht gerathen/ Die ruͤben sind verdorrt/ die moͤhren sonder safft. Ach! welche theure zeit/ ach welche magre braten! Die dir dein cantor-amt zu Lauchstaͤdt reicht und schafft. Es wird ein schlechtes muß mit etwas kalten speisen Und mehr als schwartzes brod in deine gurgel ziehn/ Da hasen/ hirsch und reh/ capaunen bey herr Weisen Zum besten zugericht auf seinem tische bluͤhn. Bald staͤrckt uns Ungarns wein/ bald sect den bloͤden magen/ Da dir ein brantewein den besten purpur schenckt. Und laͤst du eine wurst den sonntag dir vortragen/ So glaube/ daß bey mir gantz voll der trender hengt. Ein gantzes bier bringt mehr/ als deine gantze schule/ Ob schon das herbst-quartal das allerbeste scheint/ Du sitzst auff einer banck und ich auf einem stuhle/ Und meine nahrung ist mit deiner nicht vereint. Bedencke/ wenn du must die nackten backen fegen/ Und dir ein stinckend dampff in das gesichte steigt/ So spuͤr ich GOttes gunst und seinen milden seegen/ Den er mir uͤberall in meinem Urbar zeigt. Zwey knechte stehen dar zu meinen dienst und willen/ Da nicht ein knabe da/ zu wischen deine schuh; Hoͤr ich laut’ und viol/ so hoͤrst du kuͤhe bruͤllen/ Und Lauchstaͤdts bremmer schreyt ein grob runda dazu. Und kaͤm ich gleich zu dir/ was kanst du mir vorsetzen? Der schulen fenster sind ietzt mit papier bedeckt/ Ein wenig zwiebel-fisch und etwas von den pletzen/ Und knoblauch ist der schatz/ der noch zu Lauchstaͤdt steckt. Das neu-jahr ist sehr schlecht/ der baur ist gantz verarmet/ Du wirst wohl heuer nicht viel fette schincken sehn/ Und wo der himmel sich nicht uͤber dich erbarmet/ So duͤrffte dich der wind mit samt dem hauß wegwehn. Doch lob ich deinen muth/ den helden-muth in allen/ Du bist Auroren gleich/ frisch munter im gesicht/ Und wird ein brandtewein zur morgen-stunde fallen/ So glaub ich/ daß du tauschst mit cron und scepter nicht. X 2 So Vermischte Gedichte. So gehts/ o Seidemann! was nuͤtzen die camoͤnen/ Was hilfft es/ daß man sich zu tode hat studirt? Es wird ein reicher baur nur unsre kunst verhoͤnen/ Wenn Merseburger bier er in den keller fuͤhrt. Entbrich dich diesem joch/ entbrich dich solchen knaben/ Barfuͤssern in dem lentz/ floͤh-saamen wenn es schneyt; Was wilst du laͤnger noch ihr garstig fell beschaben? Wie daß ein schilling dann so hertzlich dich erfreut? Verlaß das Babylon und seine wuͤsteneyen/ Bey diesem volcke gilt noch harffe noch gesang. Ein cantor als wie du von schoͤnen melodeyen/ Dem wird zu Lauchstaͤdt nur die zeit und weile lang. Komm als ein hochzeit-gast/ vielleicht kan es gelingen/ Daß dir dein vaterland goͤnnt wieder feur und herd. Jch weiß/ dein liebes weib eilt schon mit vollen springen/ Wuͤnscht/ daß in Schlesien ihr sey ihr grab beschert. Kein thon auff dieser welt soll mich so sehr erquicken/ Als wo ein hochzeit-lied mein Seidemann noch singt/ Es wird dich vetter Weiß in arm und beine zwicken/ Und sagen: schaue doch/ wie Langen es gelingt. Jch will dich laͤnger nicht mit meiner schrifft verweilen/ Die knaben stehn schon da/ und ruffen A B C; Zu dem so heist mich auch der bote fort zu eilen/ Leb unterdessen wohl/ mein liebster freund/ ade! Beantwortung eines empfangenen hoch- zeit-brieffes. D Jr wuͤnsch ich mehr geluͤck als Ceres garben zeiget/ Als Bacchus trauben liest/ als Phoͤbus tage macht. Und weil mein schlechter geist sich hoͤher nicht versteiget/ Mehr als die Wiener post mir schreiben hat gebracht. Jch schwere/ daß ich nichts von deiner hand erbrochen/ Das nicht/ wie mich bedeucht/ nach rosen hat geschmeckt; Beson- Vermischte Gedichte. Besonders dieser brieff/ den du vor wenig wochen Mir zugeschickt/ war gantz mit ambra angesteckt: Denn unter andern fand ich dieses auch geschrieben/ Das ich/ wie billig war/ mit freuden angeschaut. Es war ein kurtzer satz: nach goͤttlichem belieben/ Jst mein geliebtes kind und tochter eine braut. Ein bisam-wort fuͤr mich! ietzt kenn ich meine pflichten/ Und was ich/ hoher freund/ dir mehr als schuldig bin. Du forderst dieses auch/ ich soll ein braut-lied tichten/ Fuͤrwar die beste krafft der poesie ist hin. Der stern/ so mir zuvor die geister hat erwecket/ Scheint ietzund weit von mir/ mein feuer geht mir aus/ Es hat die alte glut ein kalter schnee bedecket/ Mein gantz Parnassus wird zu staub und ziegel-grauß. Aus armuth muß ich nur bey diesem brieffe bleiben/ Der schlechter art und auch so niedrig ist wie ich. Jch traue mir nicht mehr ein geistig lied zu schreiben/ Den sternen zuzugehn ist nun nicht mehr fuͤr mich. Die edle Donau hegt ietzt tausend haupt-poeten/ Und mein geringer kram scheut dieser sonnen licht. Die feld-trompete lacht der engen kinder floͤthen/ Und ascherfarbe schickt sich zu dem purpur nicht. Doch wahre freundschafft wiegt alleine das gemuͤthe/ Schaut gute meinung mehr als gute sylben an. Jch kenne/ werther freund/ zu deutlich deine guͤte/ Die nur durch redlichkeit vergnuͤget werden kan. Jn dieser zuversicht entschuͤtt ich geist und hertze/ Und lasse meine lust mit vollen stroͤmen aus. Jch sehe/ wie nunmehr des himmels freuden-kertze Mit strahlen seiner gunst bestrahlt dein liebes hauß. Was kan dir lieber seyn/ als diesen tag zu schauen/ Da du mit vaters hand der eh’ geliebte frucht Desselben redlichkeit wirst sollen anvertrauen/ Der sie durch reinen trieb der tugend hat gesucht? Da du der tochter hand in dessen hand solt legen/ Der deinem kinde treu und ehre dir verspricht; X 3 Der Vermischte Gedichte. Der nichts so eiffrig sucht als deines mundes segen/ Und seinen geist auff dich als seinen Pharus richt. Welch gaͤrtner wird da wohl die thuͤre gantz verschliessen/ Und laͤst die frucht allein die last der aͤste seyn? Wer klug ist/ wird mit witz wohl zu eroͤffnen wissen/ Er stellt die suͤsse frucht getreuen haͤnden ein. Wer seine waare stets im krame will verwahren/ Und niemals in das licht und fremde haͤnde stellt/ Erwirbt ihm endlich nichts/ als daß bey vielen jahren Der waare alter glantz mit ihrem werth verfaͤllt. Was dienet uns ein schatz der stets verborgen lieget/ Mit dem der himmel schertzt/ den sinsterniß verwacht/ Dem sich die einsamkeit nur an die seite fuͤget/ Und keinem menschen nicht zu nutze wird gemacht? Die perle so allein in ihrer muschel pranget/ Das gol d so allezeit der berge daͤrme druͤckt/ Hat niemahls einen ruhm in dieser welt erlanget Und niemals in der noth ein mattes hertz erquickt. Was sind wir menschen doch/ wenn wir uns selbst verschluͤssen? Was ist ein geist/ der sich nur in sich selbst verzehrt? Nur rosen so den stock zum sarge haben muͤssen/ Nur veilgen/ die der wind im stengel hat verheert. Der menschen halben seyn die menschen auch gebohren/ Und stetes einsam-seyn/ ist mehr als halber tod. Wer nicht erkiesen kan/ und stirbt auch unerkohren/ Durch den bleibt unerfuͤllt das paradieß-gebot. Daraus ist nun dein witz/ geliebter freund/ zu schauen/ Daß du vermaͤhlen wilst diß angenehme pfand/ So dir des himmels gunst hat wollen anvertrauen/ Es bleibet doch dein kind/ ob gleich in fremder hand. Durch deinen seegen wird hier stets geluͤcke bluͤhen/ Denn tugend-wurtzel welckt zu keinen zeiten nicht. Es wird dein eydam sich zu aller zeit bemuͤhen/ Daß thun und lassen sey nach deinem blick gericht. Er- Vermischte Gedichte. Erquicke dich nunmehr/ verlaß die bleichen sorgen/ Nicht dencke was der rath/ was hof und kammer macht: Denn diese sachen seyn vor einen andern morgen/ Und heute wird von dir gewiß kein brieff erdacht. Heut ist ein solcher tag/ der niemals dir erschienen/ Du hast kein sonnen-licht noch dergestalt geschaut. Es will die freudigkeit auf allen seiten dienen/ Und die ergoͤtzlichkeit wacht um die junge braut. Der Oedenburger safft/ der schatz der besten reben/ Ersetze/ wo der lust an kraͤfften was gebricht. Diß/ was das edle land des Rheines weiß zu geben/ Verloͤscht/ wie uns bekandt/ die hochzeit-fackel nicht. Nur froͤlich/ diese lust sey leitstern andrer freude/ Der himmel schaue dich mit mehrerm seegen an. Es spinne seine hand ins kuͤnfft’ge solche seide/ So deiner tochter noch zur haube dienen kan. Jch weiß/ die mutter wird mit tausend freuden-zaͤhren Die keusche tochter braut begleiten zu der ruh. Was kan der mutter hand wohl kraͤfftigers gewaͤhren/ Als wenn der tochter sie auch legt den seegen zu? Mein freund/ geneuß forthin die fruͤchte von dem seegen/ Und kuͤsse mit der zeit auch deiner kinder kuß/ Wenn man den enckel dir wird in die armen legen. Diß sey des hertzens wunsch/ und meines briefes schluß. X 4 Uber Vermischte Gedichte. Uber Sr. Churfuͤrstl. Durchl. zu Branden- burg Brabandischen feldzug/ da sie nach der Alliir- ten verlohrnen schlacht bey Fleury mit ihren voͤl- ckern ihnen zu huͤlffe kam und die gantze Alliirte armee anno 1690 commandirte. † † † B Randenburg hat diesen zug Nicht belaͤgert noch geschlagen; Und des sieges doch genug/ Ja noch mehr davon getragen. Denn es hat nach einer schlacht/ Die den freunden mißgelungen/ Den sieghafften feind verdrungen/ Und fuͤr eine stadt zu nehmen/ viel in sicherheit gebracht. Leichter ist es uͤberwinden/ Als den uͤberwinder binden. Leichter eine festung stuͤrmen/ Als ein gantzes land beschirmen; Und bey unvergluͤckten dingen Sie zum stande wieder bringen. So zeuch dann Friedrich/ weil es dir geziemet/ Wilst du nicht uͤberwinder seyn; Zum wenigsten wie jederman dich ruͤhmet: Als der Niederlande retter/ als ein restqurator ein. C. E. 1. O Kinder! glaubt es nicht/ was mit gefaͤrbtem schein/ Was mit geschmincktem mund pflegt unser wort zu seyn/ Was offt bey seiner seelen Ein courtisan verspricht/ Jch Vermischte Gedichte. Jch mags euch nicht verhehlen/ O kinder! glaubt es nicht. 2. Jst etwas in der welt/ das frevel-luͤgen liebt/ So ists ein courtisan/ der suͤsse worte giebt/ Der sich erbeut zu sterben; Glaubt ja nicht/ seyd ihr klug; Was ihr denckt zu ererben/ Jst thorheit/ ist betrug. 3. Der will eur selave seyn/ und mit gebognem knie Euch warten auff den dienst/ so spaͤt/ so wieder fruͤh; Der steht mit krancken sitten Und betet euch schier an; Meint ihr/ daß solches bitten Von hertzen gehen kan? 4. Dort lobt euch ein phantast/ und euer augenschein Muß auch der sonnen glantz weit vorzuziehen seyn; Kein blitz ist euch zu gleichen Noch eurer lichter pracht; Die sternen muͤssen weichen/ Weil ihr sie schamroth macht. 5. Kommt man biß an die hand/ da ist nicht maaß noch ziel/ Trotz der sie nicht dem schnee an weisse vorziehn will! Was schnee? der muß verdunckelt Vor euren haͤnden stehn; Was gleich dem demant funckelt/ Jst bloß an euch zu sehn. 6. Nicht daß ich euer lob zu goͤnnen nicht vermeint; Jch selber lob euch mit: doch rath ich als ein freund/ Wolt ihr seyn unbetrogen/ So mercket ihre list; X 5 Denn Vermischte Gedichte. Denn alles ist erlogen/ Was so gefedert ist. 7. Ein kind ist auf der welt/ das mich von hertzen liebt/ Dem sich auch mein gemuͤth zum gegendienst ergiebt/ Dem sey diß nicht geschrieben/ Dem sey mein hertz verpflicht/ Die will ich treulich lieben/ Jhr andern glaubt es nicht. Celadons abschied und seiner schaͤferin weh klage. † † † E Leonora die betruͤbte Gieng in dem gruͤnen auf und ab/ Als ihr der schaͤffer/ der geliebte/ Den letzten kuß mit thraͤnen gab. Ach! sprach sie/ daß ich ietzt muß leben/ Und meinem schaͤffer abschied geben. 2. Sie rung die liljen-weisse haͤnde/ Sie schrie mit lauter weh und ach! Ach ich! ach ich! ach ich elende! Jch bin fuͤr meine noth zu schwach! Mein Celadon will von mir scheiden/ Der mit mir pflag allhier zu weiden. 3. Sie schrie und sanck vor ohnmacht nieder/ Red’ und bewegung starb in ihr. Der athem fand sich endlich wieder; Doch blieb die wehmuth fuͤr und fuͤr: Sie schrie; doch sah man von der auen Sie gantz erstarrt gen himmel schauen. 4. Die schaͤflein selbst die sah man klagen/ Und traurig in dem grase gehn. Klagt/ Vermischte Gedichte. Klagt/ sprach sie/ denn in wenig tagen Wird man nicht mehr mich weiden sehn. Nehmt diesen crantz und diese myrthen Und sucht euch einen andern hirten. 5. Der schaͤffer lieff sie auffzurichten/ Sie schloß sich ihm um hals und mund; Zeugt ihr/ sprach sie/ ihr nahen fichten/ Was euch von meinen schmertzen kund. So offt es nur beginnt zu tagen/ Hoͤrt ihr Eleonoren klagen. 6. Mein Celadon du machst die schmertzen/ Fieng sie zu ihrem schaͤfer an: Du bist ein theil von meinem hertzen/ So ich auch nimmer missen kan. Du aber wilst ietzt von mir ziehen/ Und die verliebte huͤrden fliehen. 7. Die schlancken arme wurden muͤde/ Und Celadon von selben frey; Wie klagst du/ sprach er/ zum abschiede; Bin ich doch auch abwesend treu. Jch schwere dir bey meiner heerde/ Daß ich bich ewig lieben werde. 8. Sie kuͤsten sich/ und weinten beyde. Der schaͤfer fieng an fort zu gehn. Sie lief ihm nach die gantze heyde/ Um Celadon noch eins zu sehn/ Woselbst sie mit gebrochner zungen/ Jhm ferner also nachgesungen; 9. Zeuch hin/ GOtt sey dein gut geleite/ Es kommt mir nun nicht mehr die zeit/ Daß Vermischte Gedichte. Daß ich den fruͤhling um dich spreite. Zeuch hin/ o meine liebligkeit! Zeuch hin/ und dencke deiner lieben/ Die sich um deine trifft betruͤben. 10. Zeuch hin/ zeuch! darauff schwieg sie stille/ Die thraͤnen flossen in die schooß/ Die wiesen stunden sonder fuͤlle/ Die gruͤnen waͤlder wurden bloß; Sie aber ist mit blassen wangen Bey dunckler nacht nach hause gangen. Nacht-lied. 1. J Etzt da die nacht tritt ihre herrschafft an/ Und glantz und licht mit braunem mantel decket/ Da uns der schlaff die muͤden glieder strecket/ Und einsamkeit fuͤr lust tritt auff die bahn; So scheinet doch der schoͤnheit holde kertze/ Und treibet uns den flammen-brand ins hertze. 2. Ach Lisillis! erblick uns gnaͤdig an/ Und sieh die hoͤchst-verpflichten knechte stehen/ Der alles zwingt/ zwang uns hieher zu gehen; Wir sagen dirs: die liebe hats gethan. Wenn deine sonne scheint/ so mag der sterne Hell-glaͤntzend licht sich machen in die ferne. 3. Jhr augen/ denen sonn und monde weicht; Jhr spiegel-glaß der tieff-verliebten seelen; Kan auch ein mensch die heisse glut verbelen/ Die uns geschwind/ eh man es hofft/ beschleicht/ Die unsre freyheit wirffet auff die bahre Jm schoͤnsten May/ im lentzen frischer jahre? 4. Ach Vermischte Gedichte. 4. Ach strahl! ach blitz! den Listllis itzt streut; Muß nicht das wachs der zarten jugend fliessen? Ja herrscherin/ wir werden hingerissen Vor deinen thron/ von Amor selbst geweiht. Was wollen wir von nacht und schatten klagen/ Wenn du geneigt uns fackeln vor-wilst tragen? 5. Denn diese hegt der augen schoͤnste glut; Wir nennen sie die himmlischen planeten; Jhr blinckern kan die groͤste sorgen toͤdten/ Und fuͤhlt mit lust der adern brunn/ das blut. Wilst du denn auch noch lichter sehen brennen? Der hertzen loh’ giebt flammen zu erkennen. 6. Wir hegen die/ so lang ein geist sich regt/ Der treu zu seyn auff ewig sich verschworen: Du seelen-kind/ zu lieben nur gebohren/ Hoͤr an wie ietzt der schall der luͤffte schlaͤgt: Er klopfft bey deiner thuͤr/ laß sie ihm offen/ So haben wir ein labsal noch zu hoffen. 7. Ein eintzig kuß ist unser himmels-brod/ Verliebter seelen Ambrosiner-speise. Gieb uns nur diß auf die betruͤbte reise/ So laͤst uns Charon gehn/ so wird der todt Das leben zwar/ doch nicht die lieb erdruͤcken/ Die unverletzt die geister will erquicken. 8. Doch weil die nacht uns weiter schweigen heist/ So schlaffe wohl und laß die traͤume sagen/ Was wir dir ietzt ergeben vorgetragen; Wie unter deiner brust ruht unser geist; Wie deine zier in treuen seelen bluͤhet; Wie flamm und glut in hoͤchstem purpur gluͤhet. 9. Du Vermischte Gedichte. 9. Du Gratie der allerhoͤchsten zier/ Du schoͤnste ros’/ hellscheinend gold der jugend/ Du lilje du der unbefleckten tugend/ Des landes lust/ der keuschheit ihr saphier. Schlaff Lisillis! wir wollen dich nicht stoͤren/ Doch wollen wir dich unablaͤßig ehren. Er ist gluͤckselig/ aber nur im traum. 1. W As hilfft mir mein verliebter sinn/ Weil ihre gottheit ihn verschmaͤhet? Jhr leichten winde nehmt ihn hin/ Biß ihr sein eitles thun verwehet: Sein urtheil ist ihm schon gesprochen/ Die staͤbe sind entzwey gebrochen. 2. Die gantze erd’ ist mir zu klein/ Der himmel ists/ der mich nicht kennet; Wie kan ich bey mir selber seyn/ Weil mir umsonst die hoffnung brennet? Jch ruffe/ erde/ himmel/ hoffen! Und keines hat die ohren offen. 3. Was hab ich armer doch gemacht/ O tugend-goͤttin aller schoͤnen! Daß sie mich niemahls wuͤrdig acht Mit ihrer gottheit zu versoͤhnen? Soll ich denn keine ruhe finden Vor nie begangne liebes-suͤnden? 4. Laͤngst hab ich ein altar gesetzt/ Ein denckmahl harter buß zu stifften/ Jn welchen Amors hand geetzt Mit diamant und guͤldnen schrifften . Der Vermischte Gedichte. Der schoͤnsten goͤttin von der erden Soll dieser eintzig heilig werden. 5. Darauff wenn sich der morgen roͤth/ Laß ich mein hertz als weyrauch gluͤhen/ Und wenn mir Phoͤbus untergeht/ Vergeß ich nicht davor zu knien. Es hat mich nie der schlaff bezwungen/ Biß ich ihr goͤttlich thun besungen. 6. Dann leg ich mich zur sanfften ruh/ Zu meiner mutter neuer schmertzen: Jch schliesse zwar die angen zu/ Und wache dennoch stets im hertzen; Jm schatten bringts die nacht getragen/ Was mir der tag pflegt zu versagen. 7. Dann tret ich endlich zu ihr hin/ Wir singen/ spielen/ tantzen/ lachen/ Sie hasset gar nicht meinen sinn/ Sie pflegt es so/ wie ich/ zu machen/ Wir wechseln mund und haͤnd zusammen Und doppeln unsre liebes-flammen. 8. Ach aber der ich schatten lieb Und traͤumend nur auf rosen gehe/ Jch fange wasser durch ein sieb! Denn dis/ was ich erwachet sehe/ Jst leichtes stroh und feder-kuͤssen/ Die blumen sind hinweg gerissen. 9. Hinweg! verlognes schatten-werck/ Du irrwisch der betruͤbten hertzen/ Du starcke glut/ doch sonder staͤrck/ Du falscher zunder meiner schmertzen/ Soll Vermischte Gedichte. Soll ihre gnad im traum nur scheinen/ So muß ich wachend druͤber weinen. Jhre kleider sind das schoͤnste an ihr. 1. P Hillis meinet/ ihres gleichen Findt sich nicht in dieser welt/ Habe sie gleich nicht viel geld/ Muͤssen ihr doch andre weichen/ Weil ihr ungemeiner pracht Sie vor andern herrlich macht. 2. Jhre wunder-schoͤne kleider/ Die sie offt verwechseln kan/ Stehen ihr so trefflich an/ Daß das gute maͤgdchen leider! Alles/ was ihr wird geschenckt/ Wieder an den hintern henckt. 3. Gleichwohl hat sie vorzuschuͤtzen/ Daß der blosse kleider-pracht Sie zu einer dame macht/ Sonsten kan sie wenig nuͤtzen/ Weil es ihr am angesicht Mehr als allzu viel gebricht. 4. Denn sie ist gantz schwartz von farben/ Doch mit gelben untermengt/ Wie die schweine so man sengt/ Mit viel tausend pocken-narben/ Und die nase samt dem mund Wiegen ein und zwantzig pfund. 5. Wenn sie liebe will erwecken/ Muß sie seyn darauf bedacht/ Daß Vermischte Gedichte. Daß sie gute anstalt macht/ Jhr gefichte zu bedecken/ Liesse sie es unbedeckt/ Wuͤrde man nur abgeschreckt. 6. Drum so ist sie ja zu loben/ Daß sie mehr als andre prangt/ Weil es an den kleidern hangt/ Daß sie hoͤher wird erhoben/ Als nach aller leute wahn Jhrem stand gebuͤhren kan. 1. S Oll Doris ich denn stets in banden gehn/ Soll schertz und schmertz stets an der spitze stehn/ Soll seel und mund so hart gekraͤncket seyn/ So faͤllt gewiß der liebe grundstein ein. 2. Entbinde mich durch deiner schoͤnheit macht/ Und sprich mich frey von dieser truͤben nacht: Denn wo dein aug nicht pol und leitstern ist/ So hat mein mast den schiffbruch schon erkist. 3. Dein mund der ist ein nachen von rubin/ Der meiner seelen schiff kan an sich ziehn/ Die muscheln/ so der hafen in sich traͤgt/ Hat die natur mit perlen angelegt. 4. Allein mir ist mein mund durch dich verhuͤllt/ Der zucker/ der aus deinen lippen qvillt/ Muß ein vergaͤlltes gifft vor artzney seyn/ So stuͤrtzt man mich ins todten-hauß hinein. 5. Drum schoͤnstes kind/ entbinde mich von mir/ Und nim/ als unterthan/ mich gantz zu dir: Ein sclave/ den der ketten klang bewegt/ Traͤgt durch gedult viel leichter was er traͤgt. II. Theil. Y J. H. Vermischte Gedichte. J. H. 1. J Ch will itzt meinen geist nicht auf der erden/ Weil seine fluͤgel nach den sternen ziehn/ Was sterne liebt/ kan zwar nicht sternen werden/ Weil nesseln nicht so wie die rosen bluͤhn: Doch kan dein hoher sinn mich/ Flora/ tragen Dahin/ wo mir das gluͤck sonst will absagen. 2. Magnet zieht eisen an/ und du mein hertze Jch leg es dir zu treuen haͤnden hin; Denck nicht daß ich mit bunten farben schertze/ Du siehest mein gesicht/ doch nicht den sinn: Wenn moͤgligkeit mir will ihn lassen mahlen/ So wirst du liebe auch mit liebe zahlen. 3. Schau ich dich goͤttin an und dein gesichte/ So seh ich mehr als klar des himmels zier/ Wie deiner augen paar den glantz vernichte/ Den sonn und monde brauchet fuͤr und fuͤr; Und wie du holtz und berg und thal entzuͤndest/ Wo du/ was zunder nur und schwefel/ findest. 4. Seh ich die weisse hand und deine glieder/ So muß der alabast zu grabe gehn. Der wangen liebligkeit giebt mir kaum wieder/ Daß ich vermag auf meinem fuß zu stehn; Weil milch und purpur hier vermaͤhlet lieget/ Weiß ich/ daß deine pracht zur sonnen flieget. 5. Dein schoͤner mund sticht weit corallen abe/ Rubin der siehet ihn als mutter an/ Es stirbet deine pracht auf seinem grabe/ Weil dein mund selbsten sich nicht kuͤssen kan; Erweichst du deinen sinn und dein gemuͤthe/ So seh ich meinen wunsch in schoͤnster bluͤthe. 6. Was Vermischte Gedichte. 6. Was sind die bruͤste? ambrosiner kuchen/ Die doch vor dich nicht selbst gebacken seyn; Sie wuͤrden mit der zeit dir selber fluchen/ Drum lade einen gast zu diesen ein/ Doͤrfft ich mit einem blick dieselben ruͤhren/ So wuͤrdest du mich aus mir selber fuͤhren. 7. Diß/ was ich hier gesagt/ ist wohl zu ruͤhmen/ Doch mehr dein hoher geist der in dir lebt; Die tugend will dir stets dein haar bebluͤmen/ Die sie vom schoͤnsten golde hat gewebt; Sie muß dir immerfort zu dienste stehen/ Denn du kanst anders nicht als mit ihr gehen. 8. Jch opffre meinen sinn dir/ Flora/ eigen/ Nim ihn auch/ wie du wilt/ zu diensten hin/ Es soll das tieffe meer eh gantz verseigen/ Wenn ich nicht immerfort dein diener bin. Eh soll das wasser/ lufft zu steine werden/ Und mein erblaster leib zu weisser erden. 9. Wenn ich gestorben bin/ soll meine seele Vor deinem schoͤnen mund zur wache stehn/ Und schweben stets um die corallne hoͤle/ Ja nimmermehr von dar zuruͤcke gehn. Wenn nun um dein gesicht die lufft wird spielen/ So wirst du meinen letzten seuffzer fuͤhlen. S. K. 1. Z Euch/ Cynthia! zeuch deine strahlen ein/ Jch will hinfort ja dein gefangner seyn/ Es ist umsonst daß man den feind bekriegt/ Der ohne diß schon untern fuͤssen liegt. Y 2 2. Dein Vermischte Gedichte. 2. Dein hoher geist und meine niedrigkeit/ Die stecken mir der liebe ziel zu weit/ Die bloͤde scham/ der liebe widerpart/ Macht/ daß ich dir nicht eh hab auffgewarte. 3. Jtzt seh ich erst/ wenn ein verzagter liebt/ Wie er versaͤumt was ihm das gluͤcke giebt. Weg! bloͤdigkeit/ ich bin mir selber feind/ Daß ichs nicht eh mit dir hab gut gemeint. 4. Laß deine gunst die du mir kund gethan/ Hertzliebstes kind/ auffs neue fangen an/ Es wirfft sich dir der ausverschaͤmte sinn/ O Cynthia! gantz willig fuͤr dich hin. 5. Der hohe fels der meine qual gehoͤrt/ Der weiß sehr wohl/ wie ich mich abgezehrt. Ach Cynthia! ach was ist das vor pein! So sehr verliebt und nicht behertzt zu seyn. 6. Nun bin ich frey/ indem ich nicht mehr frey/ Jm fall mir nur dein mund gewogen sey. Jch schwer dir treu/ ich schwere dir bestand: Sieh Cynthia! hier hast du hertz und hand. 7. Gib mir hingegen die genaden-hand/ Den schoͤnen blick/ daran ich mich verbrand/ Jch weiß daß du nicht bloß nur schoͤne bist/ Daß freundligkeit der schoͤnheit boden ist. 1. N Jcht stelle dich/ du engel dieser welt/ Als wuͤst du nicht/ wer dir zu fuͤssen faͤllt; Ein mensch/ der dich zu einen abgott macht/ Hat seine brunst genug ans licht gebracht. 2. Du Vermischte Gedichte. 2. Du sprichst: Es sey dir gaͤntzlich unbekant/ Wer dir sein hertz als weyrauch angebrant; Und deine hand hat flamm und feur gefuͤhlt/ Als meinen mund ich damit abgekuͤhlt. 3. Mein auge lad’t dich stets zum opffer ein/ Kan dir/ was alle sehn/ verborgen feyn? Die seele giebt dir heerd und rauchfaß dar/ Und meine brust ist tempel und altar. 4. Jch drehe mich nach dir als ein magnet/ Wie? siehst du nicht/ wer dir vor augen steht? Du meinst/ du loͤschst so den gebrandten grauß/ Und giessest oͤhl vielmehr auf selben aus. 5. Dein laulicht-seyn verloͤscht nicht meine glut/ Den kalck entbrennt des wassers kalte fluth/ Weil Bathseba sich in den brunnen findt/ Wird Davids geist viel schaͤrffer angezuͤndt. 6. Je mehr du fliehst/ je mehr verfolg ich dich/ Durch sturm und wind vermehrt das feuer sich/ Stellstu dich noch so fremd und eckel an/ Liebt doch mein hertz/ so viel es lieben kan. 7. Laß diesen schluß dir dein gebluͤte ruͤhrn Und glut aus glut sich wiederum gebiehrn. Die lieb allein ist wieder liebe werth/ Und tempel stehn dem offen der sie ehrt. 1. M Ein hertze brennt in heisser glut Und wirfft die flammen dennoch nicht empor/ Jch weiß nicht/ wie mir ist zu muth/ Mein seuffzen bring ich nur mit schmertzen vor; Y 3 Der Vermischte Gedichte. Der augen naß/ so haͤuffig kommt gerannt/ Entzuͤndet mehr/ als loͤschet/ meinen brandt. 2. Den krancken ist zu helffen leicht/ Wenn er die schmertzen nur dem artzt bekennt/ Eh ihm das gifft zum hertzen steigt/ Und eh die seele sich vom leibe trennt; Jch aber sterbe lieber tausend mahl/ Eh daß ich solt eroͤffnen meine qual. 3. Jch liebe gleichwohl meinen tod t Und halte viel vom ursprung meiner pein; Die/ so mich hat gebracht in noth/ Die laß ich mir doch nicht zu wider seyn. Lebt in der welt ein unvergnuͤgter sinn/ Fuͤrwahr so weiß ich/ daß ich solcher bin. 4. Es saget zwar der weisen zunfft: Man soll die lust was enger spannen ein/ Damit die herrschafft der vornunfft Dem hertzen moͤge vorbehalten seyn; Jch fuͤhle doch/ so fern es einer fuͤhlt/ Daß liebe nur tyrannisch meister spielt. 5. Jhr freunde habet gute nacht/ Hinfuͤro lieb ich nur die einsamkeit/ Ach! ach! wer haͤtte diß gedacht/ Daß aus der lust entspringe hertzenleid ? Jch liebe zwar/ so fern es lieben heist/ Wenn einer irrt ohn hertze/ seel und geist. 1. W Orzu hat mich der himmel doch ersehn? Muß denn mein hertz nur gantz in banden stehen? Ach freylich ja/ es ist um mich geschehn! Jch soll hinfort der freyheit muͤßig gehen. Du Vermischte Gedichte. Du hast mich dir/ o liebliche Belinde/ Zum sclaven gantz durch einen blick gemacht/ So daß ich mich gantz ausser mir befinde. Wie weit hat mich die lieb e doch gebracht! 2. Euch bet ich an/ ihr feuerreichen augen/ Die ihr mich habt in volle glut gesetzt/ Aus euch muß man die liebe in sich saugen/ So bald man sich an eurem glantz ergetzt; Es muß euch selbst der schoͤnste demant weichen/ Sein blitz wird nie gleich eurem strahle gehn; Belinde ist dem himmel zu vergleichen/ Dieweil an ihr so schoͤne sterne stehn. 3. Erzuͤrne nicht/ du sonne meiner seelen/ Daß sich so weit mein mattes hertze wagt/ Jndem es dir mit zittern und mit quaͤlen Demuͤthigst ietzt sein bittres leiben klagt. Die anmuth/ so auf deinen wangen spielet/ Hat selbiges verfesselt und verstrickt/ Und weil es nichts als lauter feuer fuͤhlet/ So will es auch durch feuer seyn erquickt. 4. Hier liege ich zu deinen zarten fuͤssen/ Nim schoͤnste mich zu deinem diener an; Jch suche nichts als deine hand zu kuͤssen/ Die stets so sehr die hertzen fesseln kan: Das meinige sey dir hiemit ergeben/ Verschmaͤh es nicht/ es ruͤhris ein keuscher trieb; Es wuͤnscht bey dir in diensten stets zu leben/ Denn du bist mir mehr als mein leben lieb. 1. L Aurette/ seit du mich besieget Und ich durch dich verwundet bin/ Y 4 So Vermischte Gedichte. So fuͤhl ich nichts/ das meinen sinn Und lebens-geister mehr vergnuͤget/ Als wenn durch deine freundligkeit Mein brennend hertze wird erfreut. 2. Ein strahl von deinen liebes-blicken Hat meine geister angesteckt; Was nun die flammen mir erweckt/ Das kan hinwieder auch erquicken: Drum such ich auch bey dir allein Die suͤsse lindrung meiner pein. 3. Kein blitz der sonst verliebt sich zeiget/ Kein kuß/ wie heiß er angebracht/ Kein freundlich-seyn hat solche macht/ Als deine liebligkeit; sie neiget Mein gantzes hertze zu dir hin/ Daß ich auch nicht mehr meine bin. 4. Jch fuͤhle taͤglich noch die blitze/ Damit du erstlich mich geruͤhrt Und gleichsam mich mir selbst entfuͤhrt/ Mein auge/ das verraͤth die hitze/ Die ich zu erst von dir empfand/ Und macht sie dir genug bekant. 5. Dein bildniß praͤgt sich meinem hertzen Noch stuͤndlich immer fester ein/ Jch muß entfernt auch um dich seyn Und in gebancken mit dir schertzen: Mein geist wohnt uͤberall bey dir Und stellt dich mir im schlaffe fuͤr. 6. Jch glaube/ daß mir diese flammen Der himmel selber hat erregt/ Daß nur zu dir m ein sinn sich traͤgt/ Und Vermischte Gedichte. Und andre liebe muß verdammen; Ein sondrer trieb der reitzt mich an/ Daß ich nur dir bin zugethan. 7. Wolan/ ich will der deine bleiben/ Mein leitstern/ bleib du meine nur/ Und laß von dieser liebes-spur Durch keine widrigkeit dich treiben; So schwer ich: keiner zeiten lauff Soll unsre liebe halten auff. H. M. 1. ACh lache nicht du preiß der damen/ Daß deine gunst ein knecht begehrt/ Mein feuer/ das der busem naͤhrt/ Fuͤhrt von der tugend seinen saamen. Was schadt es/ daß ein dorn sich um die rose flicht/ Und in der stoltzen lust die rothe blaͤtter bricht. 2. Wahr ists/ ich habe mich verstiegen; Doch weil die lieb ein feuer ist/ Das sich in keinen kercker schliest/ Kan es wohl an den himmel fliegen: Du bist mein himmel/ nur dein auge ist der pol/ Dahin mein hertze sich auf ewig lencken soll. 3. Du sprichst/ wo weisse liljen blitzen/ Da darff kein wilder schwartz-dorn stehn: Wo aber bunter tausendschoͤn/ Pflegt keine nessel nicht zu sitzen. Wohl! aber dennoch deckt die zwiebel schwartzer sand/ Und ihre zierde bricht des gaͤrtners treue hand. 4. Jch weiß/ du wilt mit deinen dingen Vortrefflich weit und hoch hinauß: Y 5 Laß Vermischte Gedichte. Laß ich mich nun zu weit heraus Und werde es zu wege bringen/ So bleibt mir doch der ruhm/ daß nur ein himmels-kind Jn reiner liebe mich hat gegen dich entzuͤndt. 5. Verhaͤrtst du aber deine sinnen/ Und wilst ein alabaster seyn/ So goͤnne mir zum leichen-stein Dein hertze/ wenn ich muß von hinnen/ Und schreibe diese schrifft mit stahl und eisen an/ Wo anders auch ein stahl dein hertze zwingen kan. 6. Adanis konte sonst nicht lieben Als was der himmel selber liebt; Was einem steten nahmen giebt War nur sein eintziges vergnuͤgen: Deswegen/ als er fiel/ so konte nur allein Vom himmel/ dem er gleich/ sein letztes fallen seyn. Raͤtzel. 1. JCh bin schnell wie wasser ist/ ein tyrann deꝛ welt und koͤnig/ Aller moͤrd- und vater auch: vor mir gilt die staͤrcke wenig/ Alles theils durch liebe wird/ theils durch zwang von mir regieret/ Tod und leben wird durch mich auf der erden eingefuͤhret. 2. Jch bin wie ein vogel schnell/ eines alters mit der erden; Doch ein solch zerstoͤrer auch/ als nur kan gefunden werden. Keiner ist/ der mich nicht kennet auf der see/ in meinem reich/ Ob er mich nicht hoͤrt und siehet/ scheut eꝛ dennoch meine streich. 3. Seit daß ich gebohren bin/ muß ich unaufhoͤrlich lauffen/ Alle welt die suchet mich/ kommt zu mir mit grossem hauffen/ Ob- Vermischte Gedichte. Ohne glieder ist mein coͤrper/ habe weder arm noch hand/ Und dennoch thut keine staͤrcke meiner staͤrcke widerstand. 4. Es geschieht duꝛch meine kꝛafft/ daß ein mensch kan laͤnger lebẽ/ Jch kan allem/ auch den tod/ was nur ist und lebet/ geben. Da/ wenn alles muß vergehen/ werd ich bleiben nur allein/ Meinen platz alsdenn veraͤndern/ ewig und unsterblich seyn. 5. Jch ein coͤrper ohne schatten bin sehr schoͤn und ungemein/ Nuͤtzlich allem was nur lebet/ kan darbey auch schaͤdlich seyn. Jch bin eines coͤrpers auge/ da mir fehlt der augen licht/ Und kan andern klarheit geben/ nur ich selber sehe nicht. 6. Jch laß/ wenn es mir gefaͤllet/ sehn mein haupt ohn schmuck uñ haar/ Welcher mein gestchte schauet/ siehet mich auch gantz und gar/ Denn und wenn so zeig ich nur von demselben eine selte/ Halte meinen steten gang/ ausser den ich niemals schreite. 7. Ohn bewegung kom̃ ich fort/ weiß was da und dort geschehen/ Bin ohn augen und kan doch schaͤꝛffer als kein luchs nicht sehẽ/ Habe meine freye willkuͤhr/ und wehl offt fuͤr freude leid/ Bin von anfang bey den menschen biß zu ihrer sterbens-zeit. 8. Mich hat die natur gesetzt mitten zwischen helle lichter/ Gegen einen grund ich henge/ wohin ich nicht fallen kan: Aus mir wird vor heꝛr und frauen mancher unflath weggethã/ Meine schoͤnheit die gefaͤllt auch dem aͤrgsten splitter-richter. 9. Wir sind erstlich weiß wie schnee/ weñ wir an zu leben fangen/ Ohn uns kan nicht leicht ein mensch recht mit seineꝛ schoͤnheit prangen/ Wir bewegen uns von unten/ oben stehen wir gar still/ Wenn die gelbe farb uns mahlet/ niemand uns mehꝛ habẽ will. 10. Meine farb dem feuer gleicht/ ohne bein bin ich gemachet/ Werde wie der hoͤchste fuͤrst von soldaten wohl bewachet/ Jch Vermischte Gedichte. Jch hab frieden in den haͤnden/ und kan machen krieg der welt/ Weil man mich fuͤrs allerbeste/ wie auch fuͤr das schlimste haͤlt. 11. Bald mit zucker/ bald mit gift/ wie es kommt/ bin ich gefuͤllet/ Durch mich mancher fchwerer streit ohne schwerdt-streich wird gestillet. Ungesehn entdeck ich diß/ was ein mensch nur mag gedencken/ Und die hertzen kan ich so/ wie es mir gefaͤllet/ lencken. 12. Man veꝛtꝛaut uns solche dinge die sonst keiner wißẽ soll/ (wol/ Weil nichts kom̃t aus unseꝛm munde/ tꝛaut ein ieder uns gar Bey dem hof und in der stadt schmuͤckt man uns mit gold und steinen/ Da gesang und saiten-spiel uns viel angenehmer scheinen. 13. Ob man mich schon nicht gesehen/ so weiß ich doch gar gewiß/ Daß ein jeder mich sehr liebet/ und verlanget eben diß. Man kan ohne mich nicht seyn/ ohne mich kan niemand leben/ Eher pfleg ich mich nicht weg/ biß ich recht verliebt/ zu geben. 14. Nichts ist auf der welt zu finden/ was ich nicht bezwingen kan/ Sieger die sind meine sclaven/ koͤnige mir unterthan. Die ich unter mich gebracht/ pfleg ich meistens zu betruͤben/ Und am aͤrgsten quaͤl ich die/ die mich mehr als andre lieben. 15. Es geschiehet nicht aus armuth/ sondern aus bequemligkeit/ Daß ich meistens geh entbloͤsset/ ohne deck und ohne kleid. Eben so machts meine schwester/ sie haͤlt es fuͤr keine schand/ Ob sie schon vor allen leuten nackend wird/ wie ich/ erkant. 16. Wegen unser grossen zahl kan man uns unmoͤglich zehlen/ Wenn wir lang und dicke sind/ so will keiner uns verhoͤhlen. Der/ so uns am schoͤnsten thut/ laͤsst uns jaͤm̃erlich beschneiden/ Ja wir muͤssen auch wol gar einen brand vom feuer leiden. 17. Wo es praͤchtig gehet zu/ kan man melner nicht entbehren: Fuͤrsten machen mir oft platz/ jeder pflegt mich zu begehren. Feuer/ Vermischte Gedichte. Feuer/ das ist meine seele/ frist den leib mir aber auf/ Und mit heissen thraͤnen-fluͤssen endigt sich mein lebens-lauff. 18. Ob ich schon viel vaͤter habe/ nimt der tod mich doch geschwind: Denn in einem augen-blicke lebend mich und tod man findt. Feuer thut mir an den tod/ feuer giebet mir das leben/ Und was wunderns wuͤrdig ist: muß die luft ein grab mir ge- (ben. 19. Jtzt pfleg ich auf erden furcht/ bald verlangen zu erwecken/ Jhrer viel die werden sich/ wenn sie mich ersehn/ verstecken: Jederman will vor mir lauffen/ meistens die so in der stadt; Doch der landmann haͤlt mich weꝛther/ deꝛ gefallen an mir hat. 20. Ob ich schon der schoͤnheit affe/ hab ich nie viel guts gemacht: Habe vielẽ statt der schoͤnheit/ marter/ schand und schimpf ge- bracht/ Straffe diese durch sich selbst/ welche meiner sich bedienet/ Und zu trotze der natur/ schoͤn zu machen sich erkuͤhnet. 21. Von dem feuer/ wasser/ luft/ werd zugleich ich zubereitet/ Zu dem lieben von natur angefrischet und geleitet/ Niemahl waͤhr’ ich lang genug/ ob ich lange schon gewaͤhret; Deñ je mehr man mich geneust/ desto mehr man mich begehret. 22. Was nur siehet/ fieht auch mich/ da ich doch bin ohne leibe/ Wie der sonnen es gefaͤllt/ weich ich/ wo ich bin und bleibe; Sterbe/ wenn sie gehet auf/ lebe bey dem untergehen: Menschen folg ich immer nach/ wo sie gehen oder stehen. (hin/ 23. Der die gantze welt durchrennet/ kom̃t/ wo ich/ niemahls nicht Und da/ wo er sich einfindet/ ich auch nicht zu sehen bin. Jch flieh ihn/ er fliehet mich/ und niemahls ist noch geschehen/ Daß man ihn und mich zugleich haͤtt auf dieser welt gesehen. 24. Klugen bin ich uͤber alles/ narren dien’ ich nicht gar viel/ Keiner der kan mich entbehren/ der viel lern und wissen will. Mich Vermischte Gedichte. Mich deckt eines thieres haut. Hat mein vater was verbꝛochen/ Wird mit feuer es an mir/ aber nicht an ihm gerochen. 25. Unsrer fuͤnffe maͤuler sind voll-mit menschenfleisch gefuͤllet/ Niemals wird der hunger uns mehr/ als weñ es kalt/ gestillet/ Weñ ein bruder uns verlassen/ werden wir gar schlecht geacht/ Thun/ wenn man von uns begehret/ alles/ was die hand sonst (macht. 26. Meine zwey behaarte loͤcher/ die gantz nah beysammen sind/ Stehen offen iederman/ der sich nur hinein will wagen: Was von kaͤlt erstarret ist/ das wird da von hitze sagen/ Weil man drinnen solche waͤrme/ wie bey einem ofen/ findt. 27. Wenn ein jahr zu ende laufft/ haben wir auch unser ende/ Narren kommen wir so wohl/ als den kluͤgsten/ in die haͤnde: Man beschuldigt uns zwar offt/ daß wir unwahr reden sollen/ Da von uns nichts wird gesagt/ als was unsre meister wollen. 28. Mein gefaͤngniß ist viel schoͤner/ als der praͤchtigste pallast/ Meiner mutter liebes-eyfer ist mir eine rechte last/ Wenn man mich nicht ohn gefahr aus den aꝛmen ihꝛ genom̃en/ Pfleg zu fuͤrst und herren ich/ und zum groͤsten schatz zu kom̃en. 29. Die natur pfleg ich zu aͤndern gleich mit meinem element/ Die vernunfft/ die stutzt hieruͤber/ wenn sie diß an mir erkeñt; Denn sie mercket/ daß die sonne nur mit einem blicke kan Mich in felsen so verwandeln/ wie Meduse hat gethan. 30. Allen leuten dien’ ich treulich/ welche meiner duͤrfftig seyn/ Wo es voll verwirrung stehet/ fuͤhr ich gleich die ordnung ein/ Zaͤhne hab ich die man siehet/ doch damit verletz ich keinen/ Niemals ess’ ich/ sondern faste/ und doch pfleg ich fett zu scheinẽ. 31. Eng und klein ist meine wohnung/ mein verstand der ist nicht groß/ Jn den fried- und krieges-zeiten pfleg ich offt und viel zu nuͤtzẽ/ Man- Vermischte Gedichte. Mancher der wird recht gefaͤrbet/ wenn ich ihm begegne bloß; Doch weiß ich fuͤr schimpf und schand meine herrschaft zu be- schuͤtzen. 32. Jch bin nichts uñ bin auch etwas/ wedeꝛ mensch u. wedeꝛ thier/ Auch die allerkluͤgsten kan ich durch meine kunst beruͤcken: Diesem mach ich sorg und angst/ jene pfleg ich zu erquicken/ Ohne licht kan ich bey nacht wahr- und falschheit stellen fuͤr. 33. Duꝛch mich unter gantzẽ voͤlckeꝛn wiꝛd der unteꝛscheid gemacht/ Da ich nur bin eine blume/ die man meistens bricht bey nacht. Ohne scham werd ich genennet/ niemahls aber sonder ehr; Wenn ich einmal bin verlohren/ so gelt ich hernach nicht mehr. 34. Jch bin gold- und silber-farben/ traure denn zu zeiten wohl/ Frau und jungfeꝛn suchen mich/ auch die maͤñeꝛ mein begehien/ Ja die groͤste fuͤrstin kan meiner dienste nicht entbehren/ Vielmahls so verletz ich diese/ welchen ich doch dienen soll. 35. Wasser das veraͤndert mich offt in einem augenblicke/ Ohne fluͤgel flieg ich hoch/ niedrig/ vor mich/ und zuruͤcke/ Alle von sich weg mich jagen/ sprechen daß ich fressen kan/ Da ich doch kein leben habe/ noch viel minder maul und zahn. 36. Jch hab augen und kan nicht sehen himmel oder erden/ Der verliebten augen offt sehr durch mich betrogen werden/ Frauenzim̃er dien’ ich endlich/ wenn die sonne scheinet heiß/ Schoͤn und heßlich ist mir eines/ achte weder schwartz noch weiß. 37. Ob ich gleich zu hause bin/ weiß ich doch was sonst geschiehet/ Was viel hundert meilẽ weit vorgeht/ man durch mich ersihet/ Vielen den gefaͤllt mein reden/ wenigen giebt es verdruß: Jch darf diß nur unterscheiden/ was man sag- und schweigen muß. 38. Meine reise geht nie weit/ ob ich iederzeit schon gehe/ Kein mahl sonsten/ als wenn ich bin verderbet/ stille stehe/ Mei- Vermischte Gedichte. Meine richtschnur ist die zeit; doch hengt es an einem faden/ Ob ich lange leben kan/ oder mir der tod soll schaden. 39. Weiß als kreide bin ich erstlich/ werde bald als wie ein mohr; Denn die hitze endert mich/ die mein armer leib muß leiden: Nach belieben kommet man zu mir/ pflegt auch so zu scheiden/ Keiner wird mich leichtlich hassen/ es sey denn ein albrer thor. 40. Meinẽ ursprung nehm ich erst zwischen zwey behaarten beinẽ/ Pflege da so schoͤn und weiß/ als der schnee wohl ist/ zu scheinen: Drauf so sperrt man mich in loͤcher/ wo man mich offt stoͤßt und schlaͤgt/ Biß mein leib fuͤr seiner weisse/ gelbe farben an sich traͤgt. (schlagen/ 41. Jetzund waͤscht uñ schneidt man mich/ bald werd ich geprest/ ge- Jtzund ziert man mich mit gold/ bald muß ich was schwartzes tragen. Jch mag doch kein saͤuffer heissen/ ob ich schon viel trinckẽ muß/ Bacchus hat mir niemals freude/ aber wohl gemacht verdruß. 42. Keine fruͤchte trag ich nicht/ unter sich stehn meine zweige: Aeste hab ich ohne blatt: meine reinligkeit ich zeige Aller orten wo ich bin. Nehme weg/ was bringet schaden/ Bey den alten steh ich mehr/ als bey kindern/ in genaden. 43. Aus mir mach ich mir ein kleid/ dieser nur alleine siehet/ Ob ich gut sey oder schlimm/ der mir aus dasselbe ziehet. Jtzund bin ich rund/ bald eckicht/ itzund groß/ bald wieder klein/ Nach dem ort/ wo man mich machet/ muß ich auch geneñet seyn. 44. Ungluͤck das verfolget mich/ wenn ich an zu leben fange/ Jch muß/ wie ein andrer will/ leben/ nicht wie ich verlange: Bald verdam̃t man mich zum feueꝛ/ bald soll ich im wasseꝛ seyn/ Kaͤlte machet daß ich brenne/ hitze giebt mir weissen schein. 45. Jch bin auf dem land uñ meer/ dien’ in frieden uñ bey schlachtẽ/ Ruhm mich offtermals begleit; ich die/ so nach ehren trachten. Weit Vermischte Gedichte. Weit und nahe/ laut und stille/ wie es kommt/ werd ich gehoͤrt/ Allen menschen ich gefalle/ wenn mein herr ist wohl gelehrt. 46. Jch bin gleiche den monarchen/ wenn auf meinem mist ich bin/ Keinen ich zu meinem throne laß ohn streiten kommen hin. Jch bin eines volckes vater/ so stets federn tragen mag. Jch bin ein prophet des wetters/ ruffe/ weñ man spuͤrt den tag. 47. Jn dem winter/ wie im sommer/ nichts als arbeit uns erfreut/ So bald als das licht sich zeiget uñ es warm/ so sucht man beut; Offentlich traͤgt man den raub/ den wir uns geholt/ zusammen/ Und kein richter mag bißher diesen schoͤnen raub verdammen. 48. Jch entsteh aus kleinen blaͤttern/ und muß leiden doch so viel. Jch muß uͤber land und meer/ es sey krieg/ sey friede/ reisen. Meistens geh ich auf im rauch/ bald verderb’ ich auch durchs ei- Der und jener/ so mich liebet/ mich zu pulver machen will. (sen. 49. Jch und meine kinder gehen/ und hat keines keinen fuß/ Acht es nicht/ wenn ich von ihnen ein und anders mißen muß. Ob ich schon ohn unterlaß lauff und pflege fort zu gehen; Bleib ich doch an einem ort fast zu allen zeiten stehen. 50. Diß was nagen meine zaͤhne/ das genieß und eß ich nicht/ Wie aus meinem magrem leibe man es sieht/ und dem gesicht: Was von mir zermalmet ist/ wird vom wind herum gejaget/ Von dem allerschlechtsten volck werd am meisten ich geplaget. 51. Jn der lufft bau ich mir selbst ohne huͤlff ein hauß zu wohnen/ Alles/ was darzu gehoͤret/ ich in mir/ sonst nirgends/ find. Dieser bau an kunst beschaͤmet auch des Daͤdals labyrinth: Doch der mensch pflegt mir die muͤh mit dem tode zu belohnen. (viel. 52. Ob ich selbst schon nicht viel gelte/ gilt doch/ was mich machet/ Keiner der kan mich erlangen/ der nicht feuer machen will. II. Theil. Z Feu- Vermischte Gedichte. Feuer hilfft zu meinem wesen/ gibt mir aber nichts von sich. Lufft bringt mir den groͤsten schaden uñ der wind veꝛjaget mich. 53. Die vernunfft die schlaͤff ich ein/ und ermuntre vieler siñen/ Jch mach arm/ und mache reich/ toͤdte gifft/ und gleiche spiñen. Lang und kuꝛtz mach ich das leben/ mach es schlim̃ und mach es wohl/ Jch sterb in demselben leibe/ dessen krafft ich staͤrcken soll. 54. Wenn ich ein-wo gehen soll/ bin ich still/ nehm mir die weile; Aber wenn ich gehe fort/ ich mit grossem poltern eile. Niemahls bleib ich auff deꝛ stelle/ wo man mich hat hingethan/ Dem/ dem einmahl ich gedienet/ steh ich weiter nicht mehr an. 55. Ein erzuͤrnt und schaͤdlich geist wohnt in meinem kleinen leibe/ Wo ich immer komme hin/ furcht und schrecken ein ich treibe/ Alles raͤum ich aus dem wege/ was verhindern kan und mag; Ob ich erst schon stille scheine/ knall ich wie ein donnerschlag. 56. Jaͤhrlich werd ich einmahl jung/ werd auch alt im selben jahre/ Sterb ohn daß von meinen kindern ich was sehe noch erfahre/ Jch selbst spinne/ was die Parce sonst der welt zu spiñen pflegt/ Werde praͤchtig wie monarchen in ein reiches grab gelegt. 57. Nichts das giebet mir mein leben/ und verzehre doch so viel/ Jenem mach ich schweres leiden/ diesem bin ich nur ein spiel: Dennoch pfleg ich eher lieb’ gegen mich/ als hatz/ zu spuͤren/ Mancher ließ sich hencken eh’/ als er solte mich verlieren. 58. Allen menschen bin ich nuͤtze/ fuͤrsten werd ich vorgesetzt/ Auff dem land und in den staͤdten iederzeit sehr hoch geschaͤtzt: Wenn man kommet in die welt/ wird alsbald nach mir geeilet/ Werd’ in alles/ was natur nur erzeuget/ außgetheilet. 59. Niemahls laß ich mich nicht schauen/ lufft die ist mein element/ Sterb und lebe wieder auff tausendmahl in einem tage. Red Vermischte Gedichte. Red und habe keine zunge/ antwort iedem der mich nennt/ Diesem/ der mich reden macht/ alle woͤrter nach ich sage. 60. Auch den allertieffsten grund kan ich mit den fuͤssen gruͤnden/ Da ich doch mit meinem haupte fast biß an die wolcken geh. Voͤgel/ wilde thier und fisch/ sich in menge bey mir finden/ Und zu einer zeit so wohn ich in der erd und in der see. 61. Da soll ich am besten seyn/ wenn ich auf die welt erst kommen/ Meine guͤte die wird mir durch das alter weggenommen/ Komm von weibern ohne mann/ pfleg auch kinder zu gebaͤhꝛen/ So mir andre ziehen auff/ weil ich sie nicht kan eraaͤhren. 62. Jch thu nichts weñ mie nicht hilffet zu der aꝛbeit lufft uñ wind/ Fliege niemahls von der stelle/ da doch fluͤgel an mir sind: Doch geschiehets nicht aus furcht/ sondern ich muß also bleibẽ/ Biß dem menschen es gefaͤllt/ daß er mich herum wil treiben. 63. Dieser giebet mir den tod/ der mir vor das licht gegeben/ Ohn ihn kan ich gar nicht seyn/ er kan ohne mich nicht leben/ Durch ihn werd ich nur erhaltẽ/ durch mich er sich auch erhaͤlt/ Feuer bringt mich auf die erdẽ/ feuer bringt mich aus der welt. 64. Jch bin dieser fels/ bey dem alle menschen auff der erden/ Auch die kluͤgsten auf der see/ in den sand gesencket werden/ Keiner koͤmt mir gern zu nah/ den behertzten mach ich grauen/ Aller orten findt man mich/ will man gleich nicht nach mir schauen. 65. Jch bin keine knosp und bluͤte/ weder rinde/ frucht noch blatt/ Und doch ist kein baum zu finden/ so mich nicht gezeuget hatꝛ Jch bin dicke/ duͤnne/ lang/ ich bin kurtz/ bin groß und kleine/ Alle farben nehm ich an/ bin auf erden sehr gemeine. 66. Jch bin keine katze nicht/ ob ich schon den katzen gleiche/ Und wie diese um den brey/ so um maͤuß und ratzen schleiche. Z 2 Kein Vermischte Gedichte. Kein betruͤger bin ich auch/ ob ich listig schon wie schlangen/ Uñ kein moͤrder ob ich gleich mir zur nahꝛung was muß fangẽ. (zu/ 67. Mit der herrschafft muß ich trauꝛẽ/ hab ich gleich nicht recht da- Jn der stadt und auf dem land werd ich offt herum gefuͤhret/ Von dem großẽ gar viel mehr/ als dem schlechten volck vexiret/ So zu nachte/ wie bey tage/ hab ich keine rast noch ruh. 68. Wenn ich mich will hoͤren lassen/ zittert alles unter mir/ Ob ich schon nicht hoch gewachsẽ/ gꝛosse macht ich bey mir fuͤhr/ Jst schõ meine herkunfft schlecht/ ist es mir drum keine schande/ Weil ich muͤntze schlagen darff/ wie der groͤste fuͤrst im lande. 69. Aehnlich pflegen wir einander alle drey und gleich zu seyn/ Eine gleiche haut bedecket unsrer aller dreyer bein/ Jtzund stoͤsst und wirfft man uns/ bald drauff werden wir ge- schlagen/ Drey und sechzig loͤcher wir allenthalben umb uns tragen. 70. Man henckt uns in einen thurn auff mit stricken und mit eisẽ/ Laͤßt uns hencken tag und nacht/ will uns keine gnad erweisen/ Ob wiꝛ auch schon weꝛdẽ laut/ weñ man hin und heꝛ uns ziehet/ Laͤsst mans schallen in der lufft: keine huͤlffe man ersiehet. 71. Bin ich gleich gefangen nicht/ so bin dennoch ich gebunden/ Bin ich gleich kein wasseꝛfluß/ wird ein ꝛand bey mir gefunden/ Komm ich schon von schlechten eltern/ so geh uͤber fuͤrsten ich/ Und die helffte von den menschen/ die bewirbet sich um mich. 72. Fuͤr monarchen bin ich nur/ nicht fuͤr die geringen leute/ Offt mit fuͤssen trirt auff mich der/ so mich bekommen heute: Zweyen bin ich nie bedienet/ und doch feindet man mich an/ Da ich aus den menschen/ goͤtter auf der erden machen kan. 73. Jch sterb offt und werde doch wieder allzeit neu gebohren/ Eh ich leben kan/ muß ich durch verfaulung gehn verlohren. Die- Vermischte Gedichte. Dieser ort der mich erzeuget/ der begraͤbet wieder mich/ Jn dem krieg und in dem frieden bin ich allzeit nutzbarlich. 74. Wenn man mich mit menschen-fleische fuͤllet und mit bein und haut/ Dien’ ich dem aus allen kraͤfften/ welcher arbeit mir vertraut: Aber/ weñ mein bauch nicht voll/ nuͤtz ich nichts an keinem orte/ Giebt man mir freywillig nichts/ so verliehr ich keine worte. 75. Vielmals muß ich in das wasser/ weñ dem menschen es gefaͤllt/ Jhrer vielẽ ists ein wunder/ daß das schwaͤch das staͤrckste haͤlt. Wenn den feind ich fassen kan/ wird er mir nichts abgewiñen/ Und er faͤsselt sich nur mehr/ wenn er dencket zu entrinnen. 76. Meine mutter bringet mich auff die welt/ wie sie/ vollkommen/ Werde gleich wie sonst gemein an die brust von ihr genom̃en: Aber daß ich zaͤhne habe und ohn federn fliegen kan/ Dieses ist was ungemeines. Doch steh ich nicht menschen an. 77. Wie viel nutzen pfleg ich nicht bey der wiꝛthschafft zu gewaͤhꝛẽ/ Starck- und grosse kan ich halten/ ob ich schon bin schwach und klein. Offt buͤsst der/ so mich gemachet/ selbst durch mich das leben ein; Doch ein ieder wird gar gern mein in diesem fall entbehren. 78. Wo ein bauer mich erdult/ muͤssen mich auch fuͤrsten leiden/ Jch komm frey dem groͤsten koͤnig/ wie den bettlern/ ins gesicht/ Nehme stets/ und gebe nie; doch will keiner mich nicht meiden. Alle suchen meine huͤlffe/ nur das frauenzimmer nicht. 79. Ohne thuͤre werd ich auff-ohne thuͤr auch zugemachet. Jch bin mehr bey reichen leuten/ als wol bey der armen welt: Da bin ich am allerbesten/ wenn man mich gefuͤllet haͤlt/ Jeder mich vergnuͤgungs voll an-in solchem stande lachet. 80. Aller orten werd ich an- und zu gleicher zeit getroffen/ Jch bin kuͤhn und habe staͤrcke/ vor mir zittert alle welt: Z 3 Fuͤr- Vermischte Gedichte. Fuͤrsten habẽ nicht mehr gnad’ als ihr volck bey mir zu hoffen/ Komm ich bald zu dem und jenem wo ich will und mirs gefaͤllt. 81. Jch vergiesse niemahls zaͤhren/ und mach andre wohl betruͤbt/ Niemand wird von mir geschlagen/ dennoch mir man schlaͤge glebt: Jtzund heißt mich einer gut/ boͤse mich der andre nennet/ Wenn ich lang genung gedient/ werd ich endlich gar verbreñet. 82. Weil ich in den waͤldern blieb/ war ich todt und ohne leben/ Konte damals keinen schall und auch keinen klang nicht geben. Jtzt nun ich gestorben bin/ so kan ich durch suͤsses klingen Nicht die ohren nur allein/ sondern selbst die hertzen zwingen. 83. Jch kan andern dieses geben/ was mir selbsten doch gebricht/ Alles muß mir seyn gehorsam/ was beschaut der sonnen licht. Vor mir fuͤrcht sich alle welt/ ich zehl ab die zeit und stunden/ Aller orten werd ich sonst/ nur im himmel nicht/ gefunden. 84. Alle die mich haben nicht/ meynen den noch mich zu haben/ Groß und kleine nennt man mich/ bin weit uͤber andre gaben. Hat aus ungluͤck einer mich in dem leben gleich verlohren/ Werd in seinem sterben ich bey ihm als wie neugebohren. 85. Wenn mein vater mich will machen/ hencket er die mutter an/ Jeder sie an seinem leibe so gut/ als er/ sehen kan. Es geht zwar sehr langsam zu/ eh die mutter mich gebiehret/ Denn sie endlich sich in mir selbst/ durch die geburt/ verlieret. 86. Jch bin angenehm und gut/ weil man mich noch nicht erkennet: Doch geschiehets nicht aus fuꝛcht/ daß man anfangs mich nicht nennet/ Der/ von dem ich her bin kommen/ es so von mir haben will/ Jhr seht mich vor euch hier stehen/ und duͤrfft erst nicht rathen viel. 87. Vermischte Gedichte. 87. Offtmahls werd ich weggeraubet/ bleibe dennoch wo ich bin/ Komme keinem in die haͤnde/ kuͤnstlich jedem ich entrinn. Jch bin von den kleinsten dingen uñ von groͤsten auch zugleich/ Keiner kan mich recht beschauen/ daß ich nicht auch tod eꝛbleich. 88. Ungluͤck unser vater ist/ unsern leib beseelen schmertzen; Dennoch wir die artzney sind fuͤr die wunden in dem hertzen. Offteꝛs wiꝛd von uns entdeckt/ was kein mensch hat sollẽ wissen; Darumb wir zur straffe auch kaum gebohren sterben muͤssen. 89. Tragen kan man uns gar wol/ ohne daß man es vermercke; Aber sicht bar machen nicht unsre groͤß und unsre staͤrcke. Dieser kan uns leichtlich geben/ der uns nie gehabt/ noch hat/ Jn gedancken man uns siehet/ niemahls recht und in der that. 90. Jch gebaͤhr mich aus mir selber/ mein geschlecht ist zweyerley/ Zieh drey und mehr kleider an/ es mag/ wen es will/ verdruͤssen; Eher kan man meiner nicht/ biß ich nackend bin/ geniessen/ Weil man mich vorher verwundet/ so geschichts daß ich nicht schrey. 91. Jch mach daß die fruͤchte wachsen/ uñ der mensch sein leben hat/ Es wird durch mich ausgerichtet manche boͤß und gute that: Tod und leben kan ich geben/ bringe sachen auff die bahn/ Derer man in allen staͤnden nuͤtzlich sich gebrauchen kan. 92. Alles volck ist unter mir/ hohe/ niedre/ maͤnner/ frauen/ Allen bin ich gleich bedienet/ in des arm und reichen hauß. Manche schoͤnheit seh ich bloß/ die sonst keiner kan beschauen/ Offters wird in meinem beyseyn liebes-glut geleschet aus. 93. Viele ding eh’ man sie kauffet/ die versuchet man vorher; Doch ist keiner der zuꝛ probe mich/ ohn zwang und muß/ begehr. Z 4 Doch Vermischte Gedichte. Doch hat einer mich versucht/ wird so leicht man keinen sehen/ Der da klage fuͤhren wird/ daß ihm unrecht sey geschehen. 94. Meine stimm ein thier erschrecket/ so das staͤrckste wird genant/ Mit dem rothen barte bin ich auf der welt sehr wohl bekant; Jch bin muthig/ obgleich klein/ laß mich kein gesetze binden. Weiber hab ich ohne zahl/ die zu meiner lust sich finden. 95. Alles weiß ich ohne farb/ ohne pinsel/ vorzustellen/ Von der schoͤn und heßligkeit urtheil/ das gerecht/ zu faͤllen. Die natuꝛ hat nichts gemachet/ menschen list hat nichts eꝛdacht/ Was aus mir nicht wird lebendig und sehr kuͤnstlich vorge- bracht. 96. Leser/ du kanst hier mich finden/ nichts verhindert dich daran/ Jch steh frey vor deinen augen/ keine deck ist vorgethan. Welcher mich erlanget hat/ kan nicht mehr auf erden leben/ Muß entweder in der hoͤll oder in dem himmel schweben. Flo- Vermischte Gedichte. Floren fruͤhlings-fest/ zu ehren der Durchl. Eleonoren/ verwittibten Chur-Fuͤrstinn zu Sachsen/ ꝛc. ꝛc. in einem ballet und singspiel vorgestellet. Die goͤttin der schaͤfer/ Pales/ kuͤndiget das fest ihrẽ schaͤfern an/ und weihet solches der Durchl. Eleonoren. DJe winterzeit hat sich verlohren/ Der fruͤhling kommt mit seinem west. Auf schaͤfer auf und feyret eurer Floren Das ihr geweyhte fruͤhlings-fest. Auf schaͤfer auf/ laßt ihr zu ehren Die allerbesten lieder hoͤren. Auf schaͤfer auf/ laßt ihr zu ehren Die allerbesten lieder hoͤren. Die Durchl. Eleonora wird zur Flora erklaͤret. ES kommt die blumen-goͤttin Flora/ Doch solst du heute Flora seyn/ Durchlauchtigste Eleonora/ Dein auge bringt den fruͤhlings-schein. Du solt auch unser Flora seyn. Zuruff der Pales an die neue Flora. DU bist fuͤr uns die goͤttin Flora Durchlauchtigste Eleonora. Z 5 Das Vermischte Gedichte. Du bist fuͤr uns die goͤttin Flora/ Durchlauchtigste Eleonora. Dein auge bringt den fruͤhlings-schein/ Du solst auch unser Flora seyn. Dein auge bringt den fruͤhlings-schein/ Du solst auch unser Flora seyn. zeiget die gleichheit der Durchlaucht. Eleonoren mit der Floren. DJe Fuͤrstinn kommt nach vielgehabtem leide/ Wie Flora nach der winters-zeit. Beyde bringen lust und freude/ Beyde nach der traurigkeit. Nachdem die rauhe lufft vergangen/ Laͤßt Flora wieder blumen sehn/ Und der Eleonoren wangen Sind nach den thraͤnen wieder schoͤn. Zuruff der Pales: Du bist fuͤr uns die goͤttin Flora/ Durchlauchtigste Eleonora. Du bist fuͤr uns die goͤttin Flora/ Durchlauchtigste Eleonora. Dein auge bringt den fruͤhlings-schein/ Diß fest soll auch dein eigen seyn. Das Vermischte Gedichte. Dein auge bringt den fruͤhlings-schein/ Diß fest soll auch dein eigen seyn. Auf/ schaͤfer auf/ last ihr zu ehren Die allerbesten lieder hoͤren. Auf/ schaͤfer auf/ last ihr zu ehren Die allerbesten lieder hoͤren. Erster Aufzug Die Schaͤfer kommen zum tantze/ haben sechs kleine schaͤfer-knaben mit schalmeyen vor sich herge- hend/ nachdem sie ihren ersten tantz gehalten/ singet der schaͤfer Tirsis: SOlten wir uns nicht erfreuen Uber Floren fruͤhlings-fest? Da sie unsern schaͤfereyen Graß und blumen wachsen laͤßt. Da die schaͤflein in den gruͤnden/ Die nechst diesen bergen stehn/ Jhre nahrung wieder finden/ Und in tieffer weite gehn. Se. Durchl. Marggraf Albrecht/ einer von den Schaͤffern/ tantzet allein/ und darauff singet abermals Tirsis: ABer auf den bunten wiesen Wird heut/ an der Floren statt/ Einer Fuͤrstinn lob gepriesen/ Die der Floren gleichheit hat. Schaͤ- Vermischte Gedichte. Schaͤfer seht Eleonoren/ Jst sie nicht der goͤttin gleich? Da sich beyder leid verlohren/ Sind sie beyde blumen-reich. Zween Schaͤfer tantzen allein/ und hernach alle zusammen/ worauf wieder ge- sungen wird. DOch soll bey den frohen heerden Auch der Held/ der uns besitzt/ Fridrich/ nicht vergessen werden/ Weil er unsre huͤrden schuͤtzt. Da so manche laͤnder klagen Ob des krieges hertzeleid/ Wissen wir von keinen plagen/ Als der Doris grausamkeit. Die schaͤferinnen kommen/ und unter ihnen singet: WEg trauren und klagen/ Weg kummer und plagen/ Der liebliche may Kommt wieder herbey. Die blumen die bluͤhen/ So Flora verliehen; Wir stellen uns ein/ Mit euch/ ihr schaͤfer/ froh zu seyn. Die Vermischte Gedichte. Die schaͤferinnen tantzen erstlich alle zusam- men/ und hernach zwo unter ihnen allein/ und nach dem tantze singen Tirsis und Doris mit einander/ Die schaͤferinnen zu ermahnen/ das fest recht zu fey- ren/ blumen zu bringen/ lob-lieder anzustimmen und sich zusam̃en/ wie das fest erfodert/ in einen reihen zu schliessen. NYmfen/ hirken/ Suchet myrthen/ Geht nach frischen blumen aus. Jede Jeder bring heut einen straus. Floren fest muß kraͤntze finden/ Und ihr Nymfen hirten solche winden; Geht nach frischen blumen aus. LAßt den reihen Euch erfreuen/ Bringt dis opffer Floren dar: Schliesset euch in eine schaar. Floren fest liebt blumen-kraͤntze/ Aber auch gesang und taͤntze/ Bringt dis opfer Floren dar. Die Vermischte Gedichte. Die Schaͤfer und schaͤferinnen tantzen mit ein- ander/ und nach ihnen tantzet Seine Durchlaucht. Marggraf Albert mit einer schaͤferinn ein menuet, wobey SChoͤner schaͤfer/ gleich dem weste/ All dein thun ist ungemein. Ehre Floren auf das beste/ Doch vergiß dabey nicht dein. Du bist unter uns der groͤste/ Auff dich sieht man auch allein: Und bey einem freuden-feste/ Schleichet sich immer die liebe mit ein. Die Schaͤfer und schaͤferinnen ziehen ab; und Doris bleibet allein/ sich uͤber ihrem unbekand- ten leiden/ der liebe/ zu beschweren/ die sie be- sorget fuͤr den schaͤfer Tirsis zu haben. ERwuͤnschter tag der gantzen schaͤfer-heyde/ Der du Floren heilig bist. Wir freuen uns; doch was hilfft alle freude/ Mir armen Doris da ich leide/ Da mich ein stiller kummer frißt. Wenn das hertze traurig ist/ Hilfft kein aͤusserliche freude. JCh wuste nichts von lieb und liebes-triebe/ Und weiß auch noch nicht/ ob ich liebe; Doch macht die unruh/ die ich spuͤr/ Daß/ wie die liebe mir beschrieben/ Jch Vermischte Gedichte. Jch von dir fuͤrchten muß/ o ungeheures lieben! Du seyst nun leyder auch in mir! Tirsis/ (muß ich sein gedencken!) Tirsis scheint mein hertz zu lencken! O Flora sieh mir bey! Die armen Nymfen schreyen Uber viel verraͤthereyen: Vielleicht ist Tirsis auch nicht treu! O Flora steh mir bey/ Und mache mich von diesen sorgen frey! Sie singet ihre schaͤflein an: WEide/ weide kleine heerde/ Sey vergnuͤgter als ich bin. Doris deine schaͤferinn/ Plaget sich mit viel beschwerde; Aber du geliebte heerde/ Sey vergnuͤgter als ich bin. Kaum verliebt/ und gleich geliebet/ Jst nur euch ihr schaͤflein kund. Bey den menschen liebt der mund/ Der offt falsche worte giebet; Aber hertzlich seyn geliebet/ Jst nur euch ihr schaͤflein kund. stehet/ der Doris unwissend/ hinter ihr/ und wiederholet die beyden letzten zeilen: Aber hertzlich seyn geliebet/ Jst nur meiner Doris kund. Doris beschaͤmet/ daß sie gehoͤret worden/ entweichet/ und der aufzug der jaͤger und gaͤrtner kommet. Andrer Vermischte Gedichte. Andrer Aufzug. Der jaͤger und Nymfen der Dianen. Sylvanus/ der gott der waͤlder/ und Vertumnus der gott der gaͤrte/ treten zugleich auf/ und ruͤh- men/ jener die schoͤnheit seiner waͤlder/ dieser die schoͤnheit seiner gaͤrte. ERfreut euch meine waͤlder/ Flora macht euch wieder gruͤn. Laub und graß deckt wieder buͤsch und felder/ Jhr seht das wild aus seinen hecken ziehn. Jhr seht die Nymfen der Dianen Nun wieder bey den wald-Sylvanen; Jhr seht das wild zu seiner weide ziehn. Erfreut euch meine waͤlder/ Flora macht euch wieder gruͤn. O Ungezehlte blumen-menge/ Wie wunderbar ist eure pracht! Jhr mahlet meiner gaͤrten gaͤnge/ Und zeuget von der Floren macht. Hier sieht man euch/ als wie smaragden/ gruͤnen/ Hier brennet ihr als wie rubinen/ Dort werdet ihr dem tuͤrckis gleich geacht. Der bunte schmeltz/ den man auf euch erblicket/ Der atlaß und damast/ der eure blaͤtter schmuͤcket/ Jst reicher/ als was sonst natur und kunst erdacht. O ungezehlte blumen-menge/ Wie wunderbar ist eure pracht! Jhr Vermischte Gedichte. Jhr mahlet meiner gaͤrten gaͤnge/ Und zeuget von der Floren macht. SO bald der tag beginnt zu grauen/ Beleuchten uns die perlen-vollen auen: Da man auf den feuchten fluren/ Wenn der morgen hat gethaut/ Jeder seiner Nymfen spuren/ Und des wachen wildes schaut. Da sieht man das gefluͤgel nisten/ Da hoͤren wir der nachtigallen klang/ Ein iedes thier haͤlt seinen lobgesang/ Und alles reget sich in den begruͤnten wuͤsten. O wald/ o neubelebter wald/ Wie schoͤn ist nicht dein auffenthalt! SO bald Aurora nur mit ihrem rosen-schein/ (den: Und/ durch der sofien glantz/ ihr thau zugleich verschwun- So finden alsobald die Nymfen und die stunden Mit ihren Gratien sich bey den blumen ein. Bald kroͤnen sie der helden haupt und siege/ Bald auch der Venus ihre kriege; Bald schmuͤcken sie der goͤtter ihr altar/ Und bald sich selbsten brust und haar. Jhr blumen bluͤht; und muͤst ihr ja verderben/ So habt ihr offt/ (o wuͤrdiges geschick!) So habt ihr offt allein das gluͤck/ Auf einer schoͤnen drust zu sterben. WJr wollen heut nicht um den vorzug streiten/ Was euch und unsern wald erfreut/ Kommt beydes doch von Floren guͤtigkeit; II. Theil. A a Laßt Vermischte Gedichte. Laßt uns vielmehr von beyden seiten/ Uns zu ihrem fest bereiten. Sylvanus und Vertumnus vergleichen sich/ und fordern zusam̃en ihre jaͤger und jaͤgerinnen/ gaͤrtner und gaͤrtnerinnen auf. KOmmet jaͤger/ jaͤgerinnen. Kommet gaͤrtner/ gaͤrtnerinnen. Kommt zu dieser fruͤhlings-zeit/ Unser Floren fest zu feyren/ Und durch eure danckbarkeit Jhre guͤte zu erneuren. Die jaͤger und die Nymfen der Dianen kommen und tantzen. Se. Durchl. Marggraff Albrecht tantzen allein/ und nach derselben/ zween andere jaͤger. Dritter Aufzug Der gaͤrtner und gaͤrtnerinnen. Die gaͤrtner und gaͤrtnerinnen folgen/ wie sie geruffen worden/ den jaͤgern und jaͤgerinnen/ und tantzen erstlich unter einander allein/ hernach- mahls aber mit den jaͤgern und jaͤgerin- nen zusammen. Nach dem tantze/ und bevor sie aus einander scheiden/ ermah- nen Sylvanus und Vertumnus in einer chaconne ihre Nym- fen zur liebe: jener mit bewegungs-gruͤnden von seinen waͤl- dern und jagten; dieser mit bewegungs-gruͤnden von seinen gaͤrten und blumen hergenom̃en/ und beyde sich auf das fruͤhlmgs-fest der Floren beruffend. SChoͤne Nymfen der Dianen. Schoͤne blumen-gaͤrtnerinnen. Last Vermischte Gedichte. Sylv. Last euch Floren fest ermahnen. Last euch Floren fest gewinnen. Der fruͤhling und diß fest lehrt/ daß man lieben soll: So scheidet nicht von uns/ als suͤsser liebe voll. HOert unsre waͤlder an/ wie sie doch klingen/ Wie alles/ was nur lebt/ von seiner liebe spricht. Es wuͤrden nicht so viel die kleinen vogel singen/ Erweckte sie der trieb der suͤssen liebe nicht. DJe blumen/ die ihr seht/ und heut gelesen/ Sind menschen/ die verliebt ehmahls gewesen. Die purpur-Anemon/ Die kommet vom Adon/ Wie man im hyacint Apollons liebe findt. DJana/ die uns fuͤhrt/ ward selbst gefangen; Wie offt sie auch der macht der liebe war entgangen. Sie sah Endymion/ im gruͤnen hingestreckt/ Und ward/ indem er schlief/ zu seiner gunst erweckt. ES wolte Proserpin von nichts als blumen wissen. Allein wie hat sie es der liebe buͤssen muͤssen! Der Pluto ward verliebt/ und riß die Proserpin/ Jndem sie blumen laß/ mit ihren blumen hin. SO liebet/ eh der zwang/ und auch die jahre kommen. Eh Flora noch den glantz der blumen weggenommen. Die Flora liebte selbst den angenehmen west/ Und dieses bleibt das recht von ihrem fruͤhlings-fest. A a 2 Die Vermischte Gedichte. Die jaͤger und gaͤrtner treten mit ihren goͤttern und Nymfen ab. aber der wegen ankunfft der jaͤger und gaͤrtner gehindert worden/ seiner Doris zu antworten/ kommet und suchet sie; und weilen er sie nicht findet/ beklaget er sich/ bey sich selbst/ uͤber den zweifel/ den sie wider ihn zu haben bezeiget. JCh suche Doris/ ohne sie zu finden. O Doris/ warum fliehst du mich? Du zweifelst ob ich treu/ die liebe schrecket dich. Was mag doch deinen argwohn gruͤnden? Du weist nicht was dein kummer spricht. Daß du mich falsch/ die liebe grausam nennest/ Macht/ daß du sie und mich nicht kennest. Kennst aber du dich selbsten nicht? Laß andre Nymfen schreyen Uber viel verraͤthereyen; Was geht diß meine Doris an? Sie hat genug/ was sie befreyen kan; Sie hat genug sich zu befreyen/ Von allem was die liebe kraͤncken kan. SOlt’ ich von der Doris weichen/ Wie ungluͤcklich wuͤrd’ ich seyn! Meine Doris nein/ ach nein. Du hast nirgends deines gleichen. Wie ungluͤcklich wuͤrd’ ich seyn/ Koͤnt’ ich iemahls von dir weichen! Meine Doris nein/ ach nein. Du hast nirgends deines gleichen. Mein hertz kan nicht von dir weichen. Do- Vermischte Gedichte. Doris laͤst sich sehen; aber weilen Venus zugleich anlanget/ und Tirsis dannenher abermals an seiner antwort gehindert wird/ nim̃et er sich vor seinen mit der Doris habenden zwist von der Ve- nus entscheiden zu lassen. DOris! Dor. stehst du nicht die Venus kommen? Ach haͤtte sie/ was ich geklagt/ vernommen. Sie muß doch unseꝛn zwist/ sie muß doch von uns beydẽ Den streit noch diesen tag entscheiden. Vierdter Aufzug Der Cupidons und Gratien. Venus mit ihrem gewoͤhnlichen gefaͤhrten Mer- curius/ erzehlet die blumen/ um derentwil- len sie zum feste komme. VEnus kommt/ Venus kommet auch zum fest/ So die Flora feyren laͤst. Sie braucht myrten/ sie braucht rosen/ Sie verehrt die Anemon; Venus kommt mit ihrem sohn/ Floren heute liebzukosen. Venus kommt/ Venus kommet auch zum fest/ So die Flora feyren laͤst. DJe myrten sind der Venus angeerbet/ Die rosen hat ihr purpur-reicher fuß/ Die Anemon/ (o allzuherber schluß!) Das blut von dem Adon gefaͤrbet. A a 3 Ve- Vermischte Gedichte. Venus/ sich ihres Adons erinnernd/ verfaͤllt auf gar bewegliche tone. O Anemon! O Anemon! Du bist/ (o muß ich es erwehnen!) Du bist/ (o zeuge meiner thraͤnen!) Du bist das blut von dem Adon! Adon/ geliebtester Adon! Du lebest in der Anemon. Doch will sie der freude des festes nichts abbrechen. FLora dieser blumen wegen/ Daß du ihrer moͤgest pflegen; Komm ich/ komm’ ich auch zum fest/ So du heute feyren laͤst. Sie ruffet ihꝛen Cupidons und Gꝛatien/ die zugleich auftreten: aber bittet dabey/ daß im blumenle- sen sie der Anemon schonen moͤgen. KOmmt Cupidons mit euren taͤntzen/ Kommt Gratien mit euren kraͤntzen. Aber wolt ihr blumen lesen/ Schonet/ schont der Anemon: Es ist Adon/ mein werthester Adon/ Es ist mein freund Adon gewesen! Die Cupidons und Gratien tantzen zusammen/ und nach ihrem ersten tantze singet Mercu- rius sie an. TAntzet kleine liebes-goͤtter/ Tantzet kleine Gratien. Streuet aus die rosen-blaͤtter/ Daß man Venus macht erkenn. Jhr Vermischte Gedichte. Jhr fuß hat sie faͤrben muͤssen; Doch zu ehren ihrer pein/ Last den dorn/ der sie gerissen/ Heut in aller hertzen seyn. Venus fragt nach ihrem sohn/ den rechtẽ Cupidon/ den Se. Chur-Printzl. Durchlauchtigkeit vorstellen. ALlein wo bleibt der rechte Cupidon/ Vom Mars mein eigentlicher sohn? Die andern/ die ihr scht/ die von den Nymfen flam̃en/ Sind Cupidons nur fuͤr gemeine flammen; Diß aber ist der Venus rechter sohn/ Der liebes-gott fuͤr goͤtter und den thron/ Der liebes-gott fuͤr koͤnigreich und thronen. Er kommt; er kommt/ ihr hertzen fuͤrchtet euch/ Es kommt/ der keines darf verschonen. Jedoch besorget nichts/ wofern ihr ihm nicht gleich. Jedoch besorget nichts/ wofern ihr sonder kronen. Seine Chur-Printzl. Durchlauchtigkeit kommen und tantzen/ und Venus und Mercurius singen zusammen: WJe vergnuͤgt wird man besessen/ Von dir schoͤner Venus-sohn! Doch gedencket nicht Printzessen/ Daß es nur ein Cupidon. Den ihr itzt seht pfeile tragen; Der wie seine mutter schoͤn/ Wird bald mit des vaters wagen Auch als Mars zu felde gehn. A a 4 Die Vermischte Gedichte. Die dꝛey andeꝛn Cupidons tantzen allein/ ingleichen die drey Gratien. Se. Chur-Printzl. Durchl. tantzen noch einmahl/ und zwar in der mitte der Cupidons und Gra- tien/ worauf der tantz sich endiget. erscheinet vor der Venus/ und ver- klaget die Doris. VEnus/ Doris will nicht lieben. Sie traͤgt vor deinen trieben schen/ Und zweiffelt ob auch iemand treu. O! wo ist deine macht geblieben! O! wo ist deine macht geblieben! Benimm/ benimm ihr den verdacht/ Und zeig uns/ wenn du sie wirst lencken/ Daß alles unter deiner macht. So lang ein hertz sich kan bedencken/ Hast du es noch nicht unter dich gebracht. Doris besorgend/ daß man ihre sache nicht recht vorbringen moͤchte/ traͤgt solche selbst vor/ und ge- stehet/ daß ihr theils das lieben an sich/ theils auch der zweifel der bestaͤndigkeit/ furcht mache: woruͤ- ber sie von Venus und Mercurius belehret wird. JCh ehre deine wunder-krafft/ Wie ich dich selbst/ o goͤttin! ehre; Doch wenn nur deine leidenschafft So suͤß/ als wie dein nahme waͤre. Doch Vermischte Gedichte. Doch wenn nur deine leidenschafft Nicht so voll heissen kummers waͤre! WOfern die liebe dich beschweret/ Macht/ schaͤferin/ es deine gegenwehr. Das lieben ist an sich nicht schwer/ Es wird es nur/ wenn man sich wehret. Das streiten mit sich selbst/ das vielerley bedencken/ Der zweifel/ den man hat/ bringt das vermeinte kraͤn- Das lieben aber ist nicht schwer. (cken; Jhr bertzen truͤget euch mit eurer gegenwehr. Sie hilfft zu nichts/ denn daß sie euch beschweret; Sie hilfft zu nichts/ denn daß sie mehr und mehr Euch heftiger verstrickt/ ie staͤrcker ihr euch wehret. WEnn man vor der liebe fliehet/ Faͤngt man sich in seiner flucht: Wie ein vogel sich beziehet/ Wenn er auszureissen sucht. Er ist sicher in den schlingen/ Bleibt er nur in seiner ruh; Aber/ wann er sich will schwingen/ Zieht er strick und schlinge zu. O Meine freyheit! bist du hin? Wer aber sagt mir armen schaͤfetznn/ Ob ich zum wenigsten nur treu geliebet bin. WAs kuͤmmert euch/ vereinte seelen/ Die sorge der bestaͤndigkeit? Es wird euch nicht an treue fehlen/ Wofern ihr recht vertraͤulich seyd. A a 5 Was Vermischte Gedichte. Was einmahl uns recht zu gefallen wissen/ Gefaͤllt uns auch wohl allezeit/ Und wird uns leicht an sich gewehnen muͤssen. VEnus kommet aus dem meer/ Von dem saltz der wellen her/ Welches alle hertzen lehret: Daß die liebe/ wenn sie suͤß/ Staͤrcker wird durch den genieß/ Wie das saltz den durst vermehret. fuͤhret endlich die gluͤckseeligkeit der regie- rung an/ unter welcher wir leben/ und suchet in- sonderheit auch dadurch der Doris die liebe leichter zu machen. UNd zwar was fuͤrchtest du/ die liebe zu ertragen/ Jn diesen graͤntzen wo du bist? Wo alles so geruhig ist/ Daß ihr von keinen andern plagen/ Als eurem liebes-kummer wißt. Der held/ der euch besitzt/ Laͤst euch nichts mehr zu sorgen: Und ich/ die eure liebe schuͤtzt/ Bin auch nicht unter euch verborgen. Jch bin bey euch/ (ihr seht in was gestalt) Es ist nicht noth/ in wem ich bin/ zu nennen; Wer augen hat/ muß sie erkennen; Zum minsten fuͤhlt ihr die gewalt. Geliebten liebt/ die Venus ist auf erden/ Und darff nicht erst herab geruffen werden. Jhr sindet sie in einer/ die mir gleich. Geliebten liebt/ die Venus ist auf erden/ Und Vermischte Gedichte. Und darff nicht erst herab gerussen werden: Befinget euer gluͤck/ die Venus ist bey euch. gehorchen der Venus/ und singen: O Angenehme dienstbarkeit! Wie gerne laͤst man sich regieren/ Wenn uns ein solcher mund gebeut/ Der auch das hertz kan zum gehorsam fuͤhren. Wir sind dir fuͤrstinn unterthan/ Weil uns die schuldigkeit verbindet; Daß aber unser hertz dir mitgehorchen kan/ Macht/ daß es dich so uͤberirrdisch findet. Fuͤnffter Aufzug der helden. Trompeten und paucken werden gehoͤret. eꝛscheinet mit sechs helden/ uñ weilen er/ als der letzte zum feste/ sich in etwas verspaͤtet/ bittet er die morgenroͤthe/ daß sie noch etwas anhalten/ und als diejenige/ die alle blumen zu schmuͤcken pfleget/ auch seine blumen schoͤn machen und auszieren wolle. MArs/ der gott der krieges-heere/ Folgt der goͤttin aus dem meere/ Folget seiner Venus nach. Wart’ Aurora/ wart’ Aurora/ Mars kommt auch zum fest der Flora/ Schleuß noch nicht dein schlaff-gemach. Laß von deinen rosen-blicken Sich Vermischte Gedichte. Sich auch meine blumen schmuͤcken/ Schleuß noch nicht dein schlaff-gemach. Er erzehlet/ wodurch er Floren verbunden/ und ermahnet die helden das fest zu feyren. MArs ist durch rath der blumen-goͤttin Floren/ Und durch der blumen krafft gebohren. Mars brauchet auch der blumen zu den kronen/ Seine helden zu belohnen: So feyret er auch billich Floren fest. Jhr helden/ die mit mir erschienen/ Feyret/ feyret Floren fest. Was diese goͤttin wachsen laͤst/ Muß euch und meinen siegen dienen. Mars erinnert sich/ daß diesen fruͤhling so grosse krieges-heere ausgezogen/ und ermahnet dan- nenher die helden/ von der Flora fuͤr dieses jahr auch desto mehr blumen zu erbitten. NOch nicht genug. Jhr wißt/ daß dieses jahr viel helden ausgezogen; Und daß insonderheit der held/ dem wir gewogen/ Der große held von dem Oranjen-stamme/ Mit einer ungeheuren schaar/ Das feld bedeckt zur neuen krieges-flamme. Was meinet ihr/ mit wie viel sieges-kraͤntzen Wird nicht sein heer noch vor dem herbste glaͤntzen? Zu- Vermischte Gedichte. Zumahl da Friederich/ sein mitgenoß im kriegen/ Jhm seiner adler schicket zu; Und abermahls/ als wie ein Mars der ruh/ Den feind von weitem hilft besiegen. Wolan/ ihr helden/ suchet denn/ Floren heute zu verbinden: Daß die holden Gratien/ Die fuͤr uns die kraͤntze winden/ So vielmehr der blumen finden. Die belden/ und unter ihnen Se. Durchl. Marg- graff Albert/ tantzen abermals; woruͤber Mars sein vergnuͤgen bezeuget. SO recht/ helden/ seyd erfreut/ Da ihr bey dem feste seyd. Jauchzet ihr doch wenn ihr streitet; Sonderlich wenn deren hand/ Die euch euer hertz entwandt/ Euch den sieges-krantz bereitet: O wie eilt ihr denn zum streit! So recht/ helden/ seyd erfreut/ Da ihr bey dem feste seyd. Mer- Vermischte Gedichte. der goͤtter bote kommet/ von wegen der Venus dem Mars anzudeuten/ daß alle die uͤbri- gen von dem fest wieder kommen/ sich mit dem Mars und seinen helden zu dem bevorstehen- den grossen ballete zu vereinigen. MArs/ es kommt die gantze schaar/ Die bey diesem fest erschienen/ Floren ingesamt zu dienen: Bleib’ auch du bey dem altar. Bleib auch du mit deinen helden; Venus laͤst es dir vermelden. MArs kan zwar die helden zaͤhmen/ Mars zwingt alles in der welt; Aber Venus ist sein held/ Der ihm kan die waffen nehmen; Aber Venus ist sein held/ Welchem er sich muß bequemen. Mars wartet. Venus mit allen uͤbrigen treten auf/ und alle zusammen tantzen darauf das grosse ballet. Be- Vermischte Gedichte. Beschluß. Die blumen-goͤttin Flora erscheinet selbst und ersuchet die andern goͤtter/ daß gleich wie sie schon zu anfange des festes die Durchl. Eleonora an ihrer statt zur Flora erklaͤren lassen/ die uͤbrigen goͤtter sie auch dafuͤr annehmen/ und das fest mit einem wunsch an die Flora beschlies- sen moͤchten. DAs fest ist nun vorbey/ Und wuͤrdiglich begangen. Allein ihr goͤtter wist/ wer heute Flora sey/ Und was auf mein gesuch die Pales angefangent Sie hat/ wie ich es selbst begehret/ Zur Flore Die Eleonore Fuͤr dieses jahr gewehlet und erklaͤret. Beliebt auch ihr was Pales hat gethan/ Und nehmt/ an meiner statt/ die fromme Fuͤrstinn an. Sie hat ja/ wider ihr verschulden/ Wie Ariadne muͤssen dulden. Sie wird auch dermaleins mit einem gleichen glantz/ Wie Ariadnen blumen-krantz/ An unferm himmel leuchten muͤssen: So seyd denn/ vor der zeit/ auf ihren ruhm beflissen/ Und last/ ihr leid ihr zu versuͤssen/ Einen wunsch das gantze fest beschliessen. Alle Vermischte Gedichte. Alle vom ballet tantzen/ nach gewohnheit des Flo- ren-festes/ uͤm den altar der neuen Floren/ und die goͤtter und goͤttinnen singen SEy froh/ sey froh Eleonora! Sey froh du neue Flora! Sey nunmehr gluͤcklicher nach uͤberstrebtem leide! Der himmel kroͤne dich mit steter fruͤhlings-freude! Die blumen schuͤtten sich zu allen zeiten aus Auf dich und dein erlauchtes haus! Wir ehren dich/ o neue Flora! Wir ehren dich Eleonora! Sey gluͤcklich neu-erwehlte Flora! Eleonor/ Eleonora! ENDE.