Hundert Grab-Schrifften / Mit willen in zwey Theile (also daß das eine meist Historische / daß ander aber er- goͤtzliche Materien vorstelle) getheilet / Vnd Der untadelhafften Welt zum Zeit- vertreib zugeschicket Von Einem Liebhaber der Teuͤtschen Reyme-Kunst. Gedruckt im Jahr 1662 . An den Leser. D Aß / wiewoll kuͤrtz gefaste dennoch viel in sich hal- tende Saͤtze / den Leser uͤber die maß ergetzen / auch zur fortlesung gleichsam unermuͤdet machen / ist anderer zugeschweigen / auß den Geist- und Sinreichen Vberschrifften des Weltberuͤhmten Ovens klaͤrlich ab- zunehmen / diesem in etwas nach zu ahrten / hat ein Liebhaber solcher ahrt Gedichte / dir mit einigen Grab- schrifften an die Hand zugehen / theils zur ruͤckdenckung der verjahrten Geschichte / theils zur sonderlichen er- goͤtzung / sich eingefunden; Wirstu demnach / guͤnstiger Leser / diese mit gewogenen Augen anblicken / kan es ge- schehen / daß in kurtzer Zeit sich noch mehr sehen lassen / wo aber nicht / werden auch diese sich selbsten begraben. An Meister Klugling. Wer sonst nichts anders wil als diese Reyme kawen / Vnd nach des Monmus ahrt / nur wetzen seine klawen An einem schlechten Satz; der wisse dieses frey: Ich denck als jener dacht / er sey auch wer er sey. Grab Schrifften Erstes Theil. 1. Grab Adam. A N statt der Mutter schoß war mir des Hoͤchsten Hand / Das Paradis mein Haus / die weite Welt mein Landt / Zur straffe / weil mier diß zu enge scheinte sein / Schleuͤst dieser schlechte raum den stoltzen Coͤrper ein. 2. Ewen. Wie solte nicht ein Werck den hoͤchsten ruhm erlangen / So zweymahl durch die Hand des Hoͤchsten ist gegangen / Doch drang ein susses wort mir durch den stolzen Sin / Und sturtzte mich / daß ich hieher gekommen bin. 3. Loths. Ich eilt’ auß Sodoma den Flammen zuentgehen / Und konte nicht der Brunst der Toͤchter wiederstehen; Wer macht den armen Loth der schweren Suͤnden loß / Ich bawte Sodoma auff meiner Toͤchter Schoß. 4. Salomons. Die Cedern Libanons / und Ophirs Goldt und Stein / Trug Koͤnig Salomon des Herren Tempel ein / Die Brunst veraͤndert ihm die Sinnen und Gebehrden / Und ließ ihn endtlich selbst des Teuͤffels Tempel werden. 5. Sanct Peters. Hier ist der Grabe Stein / so diesen Stein beschleuͤst / Der nicht mehr wie zuvor die Thraͤhnen von sich geuͤst / Doch soll der todte Stein nicht auff das newe Weinen / So jaget Weib und Hahn von diesen beyden Steinen. A ij Judas Grab Schrifften Erstes Theil. 6. Judas des Verraͤthers. Der Strang emphing den Hals / der schwartze Geist die Seele / Hier ruht der schnoͤde Rest in einer schnoͤden hoͤle. Ich bin ein Martyrer der viel gefaͤhrten spuͤrt / Geldt / Teuͤffel / Pfaff und Geitz / hat mich dazu verfuͤhrt. 7. Alexanders des Grossen. Mier war die Welt zu klein / ich spielte mit der See / Ich speuͤte reichlich auß / Bluth / Fewer / Mordt und Weh; Nun ich Gestorben bin was nutzet mier mein Siegen / Hier koͤnten noch bey mier viel Alexanders liegen. 8. Keysers Nero. Strangk / Fewer / Spies und Schwerdt / trug meine rechte Handt / Viel Tausendt hat mein wort in Pluto Reich gesant. Nicht tadelt mich darumb; Sie solten ihm vermelden / Daß er bereitschafft macht fuͤr einen grossen Helden. 9. Scevolens. Der Irthum und Verlust macht Scevolen bekandt / Rohm konte nicht so viel als die verbrante Handt: Die Asche liegt alhier vermischet mit der Erden / Noch will aus dieser nicht ein ander Phoͤnix werden. 10. Curtius. Durch diesen weiten Schlundt wardt mit bewehrter Handt / Der Curtius von Rohm nach Pluto reich gesant. Wie ihn die schwarze schaar der Teuffel hab empfangen / Erlernstu mit der zeit / wenn du wirst hingelangen. Koͤnigs Grab Schrifften Erstes Theil. 11. Koͤnigs Gustav Adolffs. So weit alß Majellan den Circkel hat gemacht / Hat meiner Thaten glantz auch das Gericht gebracht. Vor Luͤtzen hat mein Muth mich in das Graß geleget / Doch fiel ich als ein Baum der tausent kleine schlaͤget. 12. Heinrichs des iiij Koͤnig in Franckreich. Ich bin durch Schimpff und Ernst zu meinem Reich gekommen / in unerhoͤrter Mordt hat mier es weggenommen / Was halff mier waß ich ließ? Waß halff waß ich gethan? Nachdehm ein Messer mehr als eine Messe kan. 13. Koͤnig Ludewichs des xiij. Rochelle / Perpignan / mit Brisach und Turin / Undtdecken aller Welt / wer ich gewesen bin / Als Richeli mein Geist von mier ist weg gegangen / So hab ich albereit zu Sterben angefangen. 14. Carl Stuarts / Koͤnig in Engellandt. Steh Wanderßman / steh still / und laß die Traͤnen fluͤssen / Ein Koͤnig liegt alhier / den Neidhart so gebissen / Daß er ein Maͤrtrer wurd. Er must sein Lebens Ziel / Erreichen auff dem Block durchs scharffe Hacke-Biel. 15. Hertzogs d’ Alba. Hier liegt ein Wuͤterich der nichts von Ruh gehoͤret / Biß ihm der blasse Todt ein anders hat gelehret; Er brach ihm seinen Hals und sprach du must verbleichen / Sonst wurd’ ich dier noch selbst im Wurgen muͤssen weichen. A iij General Grab Schrifften Erstes Theil. 16. General Wallensteins. Hier liegt daß grosse Haubt / so itzt wirdt außgelacht / Viel wissen daß von mier / so ich vor nicht gedacht. Dis wust ich / daß ein Stein nicht leicht ein Stern kan werden / Ein Stein wie hoch er steigt faͤlt endlich zu der Erden. 17. Columbens. Der Windt trieb meinen Leib / die Ehre meine Sinnen / Des Hoͤchsten starcke Handt begleitte mein beginnen / Ich fand die Newe Weldt / und trug nicht viel davon / Vor alle meine muͤh / ist dieses Grab mein Lohn. 18. Drakens / Ammiral. In ungestuͤmer See erwarb ich Ruhm und Guth / In ungestuͤmer See verlohr ich Geist und Bluth. Ein Koͤnig mag ein Grab von Goldt und Perlen haben / Mich hat Neptunus selbst in seiner Schoß begraben. 19. Peter Heinsens / Ammiral. Der Spanien betruͤbt und Hollandt hat ergetzet / Ist von der Freuͤnde Handt hierunter beygesetzet / Das Silber must er baldt der Staaden Haͤnde geben / Das Bley verblieb vor ihm und bracht ihn umb das Leben. 20. Hameltons / Ammiral. Mier gab Burgundien viel Worte wehnig Gold / Und zwang den trewen Sinn zusuchen frembden Soldt / Zum Zeugnuß daß ich bloß die Zeichen wolte lieben / So bin ich / wie du siest / hier zu Sanct Thomas blieben. Marschals Grab Schrifften Erstes Theil. 21. Marchals d’Ancre. Wer Hoff und Hoffnung liebt / wer Fuͤrsten Worten trawet / Und auff der Herren Gunst geringe grunde bawet / Den lehret diese Grufft das er nicht wollgethan / Weil auch ein Acker nicht bey Hoffe halten kan. 22. Cardinals Richelie. Hier liegt ein Cardinal der Franckreich hat gezieret / Und seine Lilien durch manches Land gefuͤhret. Er bandt Neptunen selbst / und nahm sein Tijrus ein / Durch ihn kan Ludewig ein Alexander seyn. 23. Artemisien. Wer Landt und See durchstreicht / und diese grosse Welt / Ihm als ein grosses Buch vor daß Gesichte haͤlt / Der muß nicht wie man pflegt alhier voruͤber traben / In diesem Grabe liegt ein ander Grab begraben. 24. Cleopatren. Hier liegt Cleopatra das wunder ihrer zeit / Wer sie gewesen ist das weiß man weit und breit / Ein jeder huͤte sich viel Perlen herzubringen / Weil sie gewohnet ist dieselben zuverschlingen. 25. Catharinen de Medices. Gantz Franckreich liebte mich umb meines Nahmens willen / Alß solte meine Handt ihr grosses uͤbel stillen / Die Hoffnung wahr umbsonst / man fing mich an zuhassen / Ich konte sonsten nichts als nur zur Aderlassen. Marien Grab Schrifften Erstes Theil. 26. Marien Stuartin. Mier hat Elisabeth die Freyheit weggenommen / Ich bin durch Heng-mans Hand von meinem Leben kommen / Was der und jener Klagt ist mehrentheils erdacht / Mich hat ein guther Kopff umb meinen Kopff gebracht. 27. Koͤnigin Elisabeths. Ich habe Crohn und Schwerdt doch keinen Man getragen / Es mag mein Koͤnigreich von meinen Thaten sagen / Die Todten reden nicht / wer ehrt den faulen Leib? Ich sage nichts alß diß: Hier ruht ein Englisch Weib. 28. Marien de Medices. Die Mutter-Stadt Florentz ließ mich nicht ohne schmertzen. Parieß empfing mich zwar / doch nicht mit trewen Hertzen / Den ich zu groß gemacht / stieß mich in strenge flucht / Zu Coͤln hat mich der Todt nicht ungewuͤnscht gesucht. 29. Marien Magdalenen. Hier ruht das schoͤne Haupt / hier ruht die schoͤne Schoß / Auß der die Lieblichkeit mit reichen Stroͤmen floß. Nachdehm daß zarte Weib verließ den Huͤren-orden / Sint auch die Engel selbst der selben Buhler worden. 30. Lucretien. Ein wolverwahrtes Loch fraß meines ruhmes Schaͤtze / Ein Loch in meiner Brust gab mich deß Todes netze / Ein Loch nicht weit von hier beschleist den zarten Leib / Drey Loͤcher sint zuviel zufellen nur ein Weib. Helenen. Grab Schrifften Erstes Theil . 31. Helenen. Das Gifftloch hat zu Rohm viel tausent auffgerieben / Durch deines Helena sindt Ihrer mehr geblieben / Zwar jenes hat ein Man mit Roß und Schwerdt gefuͤlt/ Doch hir hat keiner nicht die geile Brunst gestilt. 32. Tais. Die Taiß liegt alhier / die Venus ihrer zeiten / So aller Maͤnner Hertz vermochte zubestreiten / Durch Flammen die sie warff auß Augen Hertz und Handt / Hat Alexander auch Persepolis verbrandt. 33. Seneca. Der Heiden halber Christ der Klugen halber Gott / Der Roͤmer groͤster Ruhm / de Kaͤyser groͤster spott / Ließ hier / was Irdisch war / beschliessen diesen Stein / Der Sinnen trefflichkeit war diese Welt zu klein. 34. Cicero. In diesen engen Raum ward Cicero gelegt / Der daß beruͤhmte Rom nach willen hat bewegt / Mein Leser schewe nicht daß schlechte Grab zu kussen / Es ligt der Roͤmer Mundt zu deinen schleichten Fussen. 35. Diogenes. Pracht / Reichthumb / falscher Schein / wardt von mir außgelacht / Ich habe mehr nach Ruh / alß grossen Ruhm getracht / Mein Wohnhauß war ein Faß / mein Becher war die Handt / Die weite Welt mein Buch und auch mein Vaterland. B Esopus. Grab Schrifften Erstes Theil. 36. Esopus. Den ungeschickten Leib verdeckte mein verstand / Mein Ruhm lieff fliegende durch aller Voͤlcker Landt / Und hab ich Zung und Mundt / Lufft Erd’ und See gegeben / So muß ich billig auch auff allen Zungen leben. 37. Eraßmus. Mein Leser stelle dich zu diesem schlechten Steine / Eraßmus lieget hier / hier sindt die wehrten Beine / Ich schwere das kein Staub in diesem Grabe liegt / So nicht der Barberie mit macht hat obgesiegt. 38. Lipsius. Mich fuͤhrt die kluge Welt im Hertzen Mund und Handt / In Flandern ruht der Leib / den Ruhm behaͤlt Brabandt / Man lobte noch vielmehr die hoheit meiner Sinnen / Haͤtt’ ich im alter nur zwey Weiber lassen koͤnnen. 39. Opitzens. Mich hat ein kleiner Ohrt der Teutschen Weldt gegeben / Der Wegen meiner wirdt mit Rohm die wette Leben / Ich suche nicht zuviel ich bin genug gepriesen / Das ich dir Venus selbst im Teutschen unterwiesen. 40. Eines Gesanten. Mein Koͤnig sante mich in ein beruͤhmtes Land / Ich hofte frey zu sein von aller Feinde Hand / Mein hoffen war umbsonst / der Todt hat mich erschlagen / Der Flegel wuste nicht waß die Juristen sagen / Eines Grab Schrifften Erstes Theil. 41. Eines ungleichen Richters. Wer hier begraben liegt darff keiner recht bekennen / Ein jeder huͤtet sich fuͤr Staupen und fuͤr Brennen / Ein Wort geht noch wol hin / doch druͤck ein Auge zu / So sag ich / dieser Mann war eben so wie du. 42. Eines ungerechten Advocaten. Daß schlechte macht ich krum / das krumme macht ich schlecht / Die Sachen nerten micht: Verwirrung / zang und recht. Doch wo Justinia wird fuͤr den Richtstuel kommen / So werd ich woll gewiß verblassen und verstummen. 43. Eines unwissenden Artztes. Des Todes Lietenant hat sich hieher geselt / Nachdehm sein Recipe viel tausent hingefaͤlt. Mich wundert das der Todt nicht seiner hat verschonet / Und ihm den trewen Dienst auff andre ahrt belohnet. 44. Eines Jesuiten. Ich war ein Dieterich zu grosser Herren Hertze / Ick zuͤndte Laͤnder an / mein Hochmuth vor die Kertze / Mein Mund der ehrte Gott / den Teuffel Hertz und Sin / Ey Leser rathe doch war ich gewesen bin. 45. Eines Tadelhafften Moͤnchen. Ich Glaubt’ und weiß nicht wie / Ich Sang und weiß nicht waß / Mein Teuffel war ein Buch / mein Heiligthumb ein Glaß / Mein Todt die Fasten zeit / die Kirche meine Helle / Ich ruffe hier zu Gott / wie vor in meiner Zelle. B ij Eines un- Grab Schrifften Erstes Theil. 46. Eines ungelahrten Dorff Priesters. Ein frembder in der Schrifft / ein Burger in Postillen / Muß diesen engen Raum mit seinem Leibe fuͤllen. Es weint das gantze Dorff / es schalt in aller Ohren / Das Bierhauß und Altar hat seinen Schatz verlohren. 47. Eines einfaͤltigen Schulmeisters. Hier liegt Hortensius ein alt Parnassus Kindt / Er wolt’ ein Fuͤhrer sein und war doch selber blindt. Wer auff den Grabstein hier wird seine Nothturfft legen / Dem wird die duͤrre Handt die blossen Backen fegen. 48. Eines Juͤden. Die Christen wolten mich in keinen Zuͤnften leiden / Ich solte Kauffmanschafft und allen Handel meiden / Die Wahrheit bringt mir itzt nicht wenige gefahr / Mann haste mich darumb weil ich beschnitten war. 49. Eines Spaniers. Hier ruht ein Ritter-Man / ein rauher Reichs-zerstoͤrer / Den Rom geehret hat als einen Kirchen-mehrer / Viel mehres sag ich nicht / was hier vor Beine liegen / Ein wort: Die Assche stinckt nach Knoploch und nach Ziegen. 50. Eines Moren. Kein Europeer soll die schlechte Grab-Schrifft lesen / Vnd lachen daß ich Schwartz und Nackent bin gewesen. Ich trug der Mutter Bild / dich kleidet Bock und Kuh / Du bist mehr Vieh als Mensch / ich war mehr Mensch als du. Das Das ander Theil. Grab Schrifften ander Theil. 1. Eines Alchimisten. I Ch war ein Alchimist / ich dachte Tag und Stunden / Auff eine newe Kunst deß Todes frey zu sein / Das was ich stets gesucht das hab ich nie gefunden / Und was ich nie gesucht das stelt sich selber ein. 2. Eines Blumisten so Alchimisterey geuͤbet. Mein Geld blieb in der Gluth / mein Blumwerck in der Erden / Der kummer ließ mich nicht zu einem Betler werden. Ich starb zu rechter zeit und ward gewuͤnscht entbunden / Die Blumen hat der Leib das Geld die Seel gefunden. 3. Eines Gehangenen Seyltaͤntzers. Ich bin in freyer Lufft auff Stricken stets gegangen / Ich ward an einem Strick in freye Lufft gehangen / Mein Leib der nehrte sich von Stricken und von Lufft Nun bringt mich Lufft und Strick auch endlich in die Grufft. 4. Eines Schlaffsuchtigen. Hier liegt ein fauller Leib / der auß dem Tage Nacht / Und auß dem Leben Todt durch Schlaffen hat gemacht / Auß alzugrosser furcht das er nicht werd’ erwecket / So hat er sich alhier in diese Grufft verstecket / 5. Eines Soldaten. Ich Brante / Hieb und Stach / ich Wachte / Brach und Raubte / Ich Jagte / Schoß und Warff / ich Drawte / Zoͤrnt’ und Schnaubte / Die Arbeit die ich that ist nicht umb sonst verbracht / Sie hat mier Weg und Steg zur Hellen weit gemacht. Eines Bau- Grab Schrifften Ander Theil. 6. Eines Bauren. Das Erdreich gab mier Brodt / das Brodt erhielt mein Leben / Vor Brodt hab ich das Fleisch der Erden hingegeben / Ich Gebe woll zu viel; das Fleisch kam auß der Erden / Und muß auch / was es war / in kurtzen wieder werden. 7. Eines Schlavens. Im Leben war ich Knecht im Tode bin ich frey / Es brach des Todes-Handt die Fessel leicht entzwey / Die Ketten flecken nicht; ich kenne mein Gebluͤthe / Und Sterb’ ein Knecht durch zwang / mit nichten von Gemuͤthe. 8. Eines Betlers. Mein Bette / Tisch und Stuel war dieses weite Rund / Zwey sachen plagten mich: Der Magen und der Mund / Ich wuͤnschte nichts so sehr als Ehrlich sein Begraben / Damit nicht hinterm Zaun mich fraͤssen noch die Raben. 9. Pyramen und Thißben. Es zeigt die kleine Grufft der Venus Meisterstuͤck / Ein außersehen Ziel / zersprenget durch das Gluͤck / Der Buhler Seel Compas / hier ist genug bericht / Wer kennet Pyramen und seine Thißbe nicht. 10. Leanders. Die Liebe war mein Licht bey schwartz geferbter Nacht / Das Feuwer das ich trug bestrit der Wellen macht / Ich fiel in Nerens Reich / es ist mier nicht gelungen / Es hat die grosse Fluth die grosse Gluth bezwungen. Zweyer Grab Schrifften Ander Theil. 11. Zweyer Verliebten. Hier sindt zwey liebende in dieser Grufft begraben / So lange zwahr gebuhlt / doch nie genossen haben. Und rieß der grimme Todt gleich ihre hoffnung ein / So muste doch ihr Leib alhier vermischet seyn. 12. Eines Verliebten. Der hier begraben liegt ist auß der Buhler orden / Nicht wunder dich zu sehr / das es zur Aschen worden / Sein Leib war voller Gluth und voller Flammenschein / Wie sollte dan der Mensch nicht Asche worden seyn. 13. Der Jungferschafft. Viel machten viel auß mier viel Lachten nur dazu / Ich wahr / Ich war auch nicht, jetzt lieg ich in der Ruh / Doch will ich meinen Todt zu melden nicht verschieben / Ich bin durch einen Ritt im Ringelrennen blieben. 14. Einer Nonnen. Man nahm mier meinen Schmuck und ließ mier Fleisch und Bluth. Man schnit die Locken weg und ließ mier meine Gluth. Im bethen hat mir stets der Glaube wollbehaget / Weil er vom aufferstehn daß Fleisches etwas saget. 15. Einer Alten Magt. Ein ungebrauchtes Schloß / ein ungenutzter Heerdt / Ein Kecher ohne Pfeil ein unbeschritten Pferdt / Die konten solte man sie recht und woll begraben / Bey dieser alten Magd ein fuͤglich leichmahl haben. Einer un- Grab Schrifften Ander Theil. 16. Einer unbestendigen Jungfrawen. Mein Leben endert ich nach meiner Augenblicke / Mit unbestendigkeit beschaͤmt ich daß geluͤcke. Die groͤste buͤberey hat mier der Todt gethan Die weil ich dieses Grab nicht auch veraͤndern kan. 17. Einer Lustiegen Jungfrawen. Hier liegt Flavia bey Tausenden begraben / Ihr Mund hat nie gewunscht ein eigen Grab zu haben / Sie hatt der Freunde Hand zu schreiben auff den Stein / Gleich wie der Coͤrper wahr / so soll die Grabstaͤt seyn. 18. Einer Verbuhlten. Die vor geschencktes Geld entbloͤste Schoß und Brust / Macht der ergrimte Todt / zu des Gewurmes kost / Ihr buhler last alhier die Traͤhnen-stroͤme fliessen / So kan noch mancher Wurm bey Speise Tranck geniessen. 19. Eines Alten Braͤutigams. Cupido jagte mier die Pheile nach dem Hertzen / Er gab mier wehnig Krafft / und nicht geringe Schmertzen / Der wille war bereit die Kraͤffte fehlten mier / Mein Lieb Kuͤst frisches Fleisch / ich faule schon alhier. 20. Einer Alten Braut. Mein Liebster hieß mich Braut / und meinte nur das Geldt / Die Pest rieß mich von ihm und ließ ihn in der Welt / Der Todt saß in der Schoß der Winter in den Beinen / Ist Todt und Winter hier / so mag ein ander weinen. C Einer Cop- Grab Schrifften Ander Theil. 21. Einer Coplerin. Die Jugendt hab ich stets mit Buhlen zugebracht / Alß nun das Alter kahm und meiner Jahre nacht / Da ward ich Kohlen gleich / die Jungens Holtz entzuͤnden / Die Asche wird man noch umb diese gegendt finden. 22. Eines Alten greulichen Weibes. Ein Aeffe von gestalt ein Teuͤffel von gemuͤthe / Ein’ Eule von geschrey / ein Drache von gebluͤthe / War dieses alte Weib. Wer wolte woll nicht lachen / Der Teuͤffel liegt alhier bey Eulen / Affen / Drachen. 23. Einer unzuchtigen Metzen. Der Ottomannen Schild liegt hier in guther Ruh / Ein jeder halte doch die duͤnne Nase zu / Der traͤgt kein Vortheil weg so lange hier verharret Denn diese Leiche stanck eh sie noch ward Verscharret. 24. Eines an den grossen Pocken gestorbenen. Dieß waß uns nebenst Gold hat Indien geschuͤcket / Hat diese fromme Haut auß dieser Welt geruͤcket / Mein leser soll es dir auch nicht also ergehn / So laß den Siegelring der geilen Venus stehn. 25. Eines Bastarten. Wo meine Mutter liegt da bin ich auch begraben / Ich wolte nechst bey ihr mein Leich begaͤngnuß haben / Zum Vater hett’ ich mich auch gerne hin verfuͤegt / Daß wust ich wo er lag / und nicht wo er jetzt liegt. Eines gei- Grab Schrifften Ander Theil. 26. Eines geilen Menschen. Hier liegt ein geiler Mann / so der verkehrten Weldt / Den grif der schlipffrigkeit hat kuͤnstlich fuͤrgestelt / Die Venus / daß ihr Sohn den Bogen besser dehne / Nam ihr verbuhltes Glied / und gab es ihm zur sehne. 27. Einer Hebammen. Durch meine kluge Handt lebt eine junge Welt / Viel waß mich jetzt betruͤbt / daß hab ich auffgestelt. Ruͤhmt / Ruͤhmt euch Heldinen; Doch sagt wie sichs gebuͤhret / Ihr habt viel abgefuͤhrt und ich viel auffgefuͤhret. 28. Einer Mutter in Kindeßnoͤthen gestorben. Dem ich das Leben gab der hat es mir genommen / Ich bin durch die gebuͤhrt an diese Staͤtt gekommen / Doch wil ich diese schmach nicht unbeklagt vertragen / Ich wil es alsobald der Grossen Mutter sagen. 29. Einer unkeuͤschen Ehefrawen. Sieh’ erstlich deinen Leib und den die Grab-Schrifft an / In dehm nicht jederman alhier bestehen kan: Hier liegt ein geiles Weib / so schmertzlich hat gebethen / Es soll kein Joseph nicht zu ihrem Grabe treten. 30. Eines Wochen Kindes. Ich Gruͤste kaum die Welt und dessen weite Pracht / So zwang mich meine schuld / zu geben guthe nacht / Das Fruͤstuͤck hat ich kaum in meinen Mundt genommen / Da war die Paßport mier schon in die Haͤnde kommen. C ij Eines so Grab Schrifften Ander Theil. 31. Eines so seinem Weibe feind gewesen. Mein Teuͤffel war das Weib / ihr Bette meine Helle / Der Marter frey zu seyn / erwehlt’ ich diese Stelle / Doch wo mein boͤses Weib hier ihre Ruh’ erkuͤst / So gleuͤb ich daß mein Leib stets in der Hellen ist. 32. Einer Keuͤschen Jungfrawen. Nicht Rede hier zuviel / entbloͤsse dich auch nicht / Hier ruhet Cijnthia der Keuͤschheit helles Licht; Den Leib / den keine Brunst vermochte zu versehren / Den soltu / Reyseman / auch bey den Todten ehren. 33. Eines Lasterhafften. Die Leber ist zu Wien / das Gliedt zu Rohm geblieben / Das Hertz in ein einer Schlecht / und das Gehirn im Lieben / Doch daß der Leib nicht gantz verlohren moͤchte sein / So leget man den Rest hier unter diesen Stein. 34. Eines so sich an Most zu Tode gesoffen. Der Schiffer wuͤnschet ihm auff seiner See zu Sterben / Der Bergman achtet nicht im Schachte zuverterben. Der Buhler Stirbt getrost auff seiner Liebsten Brust. Hier liegt ein volles Schwein / ersticket durch den Most. 35. Eines Kupffernaͤsichten. Es war zu meiner zeit das Kupffer hoch geacht / Undt mancher Offentopff zu Pfennigen gemacht / Auß furcht / ich moͤchte auch umb meine Nase kommen / So hab ich meinen sitz hierunten eingenommen. Eines pol- Grab Schrifften Ander Theil. 36. Eines Pollnischen Schutnickels. Die Weichsel war mein Meer und Dantzig der Weldt Ende / Da fuͤrchtte man mein Maull und haste meine Haͤnde / Ich Starb und war nicht recht in Charons Naggen kommen / Da hatt’ ich alsobaldt den besten Rock genommen. 37. Eines Mahlers. Der Kunstriß meiner Handt / ziert meines Fursten Schaͤtze / Doch faͤlt er durch den Spruch der Himlischen gesetze / Die Taffel frist der Wurm / mein Mahlwerck frist die Zeit / Hier wirdt der Mahler selbst ein Bildt der Sterblichkeit. 38. Eines Narren. Mit Lachen soll dein Mundt die kurtzen worte lesen; Hier liegt ein lustig Haͤupt / so vielen lieb gewesen / Der Schellen kan dein Kopf kein rechter erbe sein / Der mangel ist bey dir / sie sint dir gar zu klein. 39. Eines Hoͤrntraͤgers. Zwey Hoͤrner liegen hier in dieser Gruͤfft begraben / Nicht dencket daß ein Bock hier mag die Ruh-stad haben / Hier liegt ein gutter Man der Hoͤrner hat bekommen / Nach dehm ihm die Natur das stossen hat benommen. 40. Eines Kammachers. Nicht spotte daß mein Hauß stets voller Hoͤrner stundt / Undt daß verachte Wort ernehrte meinen Mundt / Ich sage dir ein wort / undt bistu noch so Edel / Ich fuͤhrt’ es in der Handt / du aber auff dem Schedel. C iij Eines Zwer- Grab Schrifften Ander Theil. 41. Eines Zwerges. Der Eltern kleinen Leib besamte Floh und Lauß / Ein’ alte Haselnuß war im ein weites Hauß. Ein Wurmlein hat den Sohn im Kaͤmpffen auffgefressen / Als er Sanct Gergen selbst zu trotzen sich vermessen. 42. Eines Ziegenners. In strenger Wanderschafft bracht ich mein Leben hin / Zwey Reime lehren dich wie ich gewesen bin. Egypten / Vngern / Schweiz / Beelzebub undt Schwaben / Hatt mich genant / Gezeigt / Ernehrt / Erwurgt / Begraben. 43. Eines Henckers. Die Marter und der Todt / erworben mier das Brodt / Mein Handtwerck war der Mord / mein Leben war der Todt. Undt welcher (wer ich war) nicht gaͤntzlich kan verstehen / Der mag / nach mehr bericht / an Radt undt Galgen gehen. 44. Eines Diebes. Das Fleisch fant seinen raum im Kropff der schwarzen Raben / Der duͤrre Knochen-rest soll hier die Grabstaͤt haben; Undt so du Leser auch nicht wilt in Luͤfften schweben / So laß jedtwedem daß was Gott ihm hat gegeben. 45. Eines Hundeleins. Das Bette macht ich mier auff meiner Jungfer Brust / Mein Zunglein war ihr schwam / ihr Beuchlein meine Kost / Mein Leser wiltu nicht der schlechten Leiche lachen / So will ich dir allein die Lagerstadt vermachen. Einer Pa- Grab Schrifften Ander Theil. 46. Einer Papegayen. Die Frembden ehrten mich / mein Herr der war mier huld / Daß ich Gestorben bin ist meine Zunge Schuld / Ich / weil ich meiner Fraw den Titel recht gegeben / Verlohr baldt ihre Gunst / und auch zugleich mein Leben. 47. Einer Ganß. Der Fluͤgel bestes theil fuͤhrt fuͤhrt manches Fursten Handt / Die Gurgel traget Zwirn / die Federn ehrt das Land / Wird dieser schlechte Reim auff das Privat genommen / So ist die Grabeschrifft zu ihrem Coͤrper kommen. 48. Einer Fliegen. In einer Buttermilch verlohr ich Geist und Leben / Ein zarter Weiber Bauch hat mir das Grab gegeben. Sey nicht Domitian vergoͤnne mir die Ruh' Und schließ in dieser Grufft die forder Thuͤre zu. 49. Eines Flohes. Ein schwartzer Rittersman fiel durch ein weisses Weib / Indehm er ohne scheu betrat den zarten Leib. Doch ist sein alter Ruhm nicht gantz und gar vertorben / Indehm er eben so wie Curtius gestorben. 50. Eines Todtengraͤbers. Der Bader waͤscht sich selbst / der Schneider kan sich kleiden / Der Koch darff ohne Koch nicht seine Mahlzeit meiden. Ich / der ich vor begrub die klugen und die Narren / Kan nun / wie sichs gebuͤhrt / mich selber nicht verscharren. Ex Ex eodem flore \& apicula mel \& aranea toxicum colligit.