Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen von Christian Konrad Sprengel , Mit 25 Kupfertafeln . Berlin , 1793. bei Friedrich Vieweg dem æltern. C. Jäck scripsit et scupsit Erklaͤrung der Figuren des Titelkupfers. Die bey diesen und den uͤbrigen Figuren befindlichen Bruͤche zeigen die Vergroͤsserung und Verkleinerung an. \frac{1}{1} be- deutet die natuͤrliche Groͤsse, \frac{2}{1} zweymal vergroͤssert, ½ zweymal verkleinert, \frac{2+}{1} etwas mehr als zweymal vergroͤssert, \frac{2-}{1} etwas weniger als zweymal vergroͤssert, \frac{1}{2+} etwas mehr als zweymal verkleinert ꝛc. Diese Ver- groͤsserung und Verkleinerung aber bezieht sich auf den Durchmesser des abgebildeten Koͤrpers; man muß also den Wuͤrfel des Bruchs suchen, wenn man wissen will, wie stark der Koͤrper uͤberhaupt vergroͤssert oder verklei- nert worden ist. Z. B. in Fig. II. ist sowohl die Blume, als das Insekt dreymal im Durchmesser vergroͤssert; folg- lich sind beide uͤberhaupt 27mal vergroͤssert. I. Eine Zwitterblume des Roßkastanienbaums, Aesculus Hippocastanum, wird von einer Hummel besucht und befruchtet. XXVIII. Ophrys ouata, Zweyblatt. II. Eben diese Blume wird von einer Schlupfwespe besucht. III. Epilobium angustifolium, welches mir die erste Gele- genheit gegeben hat, eine von den wichtigsten Entdeckungen zu machen, welche in diesem Buche vorkommen. Diese Zwitter- blume ist anfaͤnglich maͤnnlichen Geschlechts, indem sie zwar An- therenstaub, aber noch kein Stigma hat. In diesem Zustande wird sie von einer Hummel besucht, und ihres Staubes beraubt. XXVII. In der Folge ist dieseloͤe weiblichen Geschlechts, indem sie zwar ein Stigma, aber keinen Staub mehr hat. In diesem Zustande wird sie von jener Hummel besucht, und durch den aus einer juͤngeren Blume mitgebrachten Staub befruchtet. IV. Der Waldstorchschnabel, Geranium syluaticum. Diese Blume hat die erste Veranlassung zur Entstehung dieses Werks gegeben. V. Gundermann, Glecoma hederacea. Die aͤltere weib- liche Blume. VI. Dieselbe, juͤnger und maͤnnlichen Geschlechts. VII. Orchis militaris. Eine Scheinsaftblume. VIII. Die Blume des Berberitzenstrauchs, Berberis vul- garis. IX. Die gemeine Wolfsmilch, Euphorbia Cyparissias. Die juͤngere Zwitterblume, welche weiblichen Geschlechts ist. XVII. Dieselbe, aͤlter und maͤnnlichen Geschlechts. Bey dieser Zwitterblume findet eine Einrichtung Statt, welche einer- seits eben diejenige ist, welche bey dem Epilobium bemerkt wird, andererseits aber grade das Gegentheil derselben ist. X. Orchis Morio. Eine Scheinsaftblume. XI. Das Maͤrzveilchen, Viola odorata, wird von einer Biene besucht und befruchtet. XII. Der gelbe Huflattig, Tussilago Farfara. XIII. Die gemeine Schwerdtlilie, Iris Pseudacorus. XIV. Veronica triphyllos, Huͤnerraute. XV. Die wilde Salbey, Saluia pratensis, wird von einer Hummel befruchtet. XVI. Das Sumpfveilchen, Viola palustris. Die Krone ist ohne Schatten gezeichnet, damit man das auf ihrem untersten Blatt befindliche Saftmaal besser sehen koͤnne. XVIII. Die gemeine Passionsblume, Passiflora coerulea. XIX. Der weiße Steinbrech, Saxifraga granulata, wird von einer Fliege befruchtet. XX. Kalmia poliifolia. XXI. Die gemeine Osterluzey, Aristolochia Clematitis. Eine Scheinsaftblume. Die aufrechtstehenden Blumen vor der Befruchtung. XXIII. Dieselbe. Die herabhangenden Blumen nach der Befruchtung. )( Erklaͤrung der Figuren des Titelkupfers. XXII. Vergiß mein nicht, Myosotis palustris. XXIV. Pinguicula vulgaris. XXV. Die Braunwurz, Scrophularia nodosa, wird von einer Wespe befruchtet. XXVI. Der wilde Schwarzkuͤmmel, Nigella aruensis, wird von einer Biene befruchtet. Asclepias fruticosa haͤtte mit allem Recht eine Stelle auf dem Titelblatt verdient; ich habe aber das Geheimniß ihrer Be- fruchtung erst, nachdem die Zeichnung schon vollendet war, ent- deckt. In der Mitte sind einige Insekten abgebildet, welche die Blumen besuchen, und sich von dem Saft derselben ernaͤhren. Linker Hand eine Hummel, und unter derselben eine Biene, welche Thierchen, wie in der Natur, so auch in diesem Buche eine große Rolle spielen. Unter der Biene eine Schmeißfliege, Musca carnaria, welche die Schirmblumen besucht. Rechter Hand eben dieselbe Schlupfwespe, welche in Fig. II. abgebildet ist. Neben ihr eine kleinere Schlupfwespe, welche ebenfalls eine solche Blume besucht, und, wie jene, sich einen gewissen Kopf- schmuck aus derselben geholt hat. — In der Mitte ein Kaͤfer, Cantharis fusca, welcher Schirmb lu men und andere, deren Saft sich nicht an einer verborgenen Stelle befindet, besucht. Unten eine Fliege oder Schnacke, welche die Blumen des Berberitzen- strauchs besucht und befruchtet. Vorbereitung . Diese Vorbereitung ist bloß fuͤr diejenigen Leser bestimmt, welche keine botanische Kenntnisse besitzen. I ch hoffe, daß der Inhalt dieses Buchs auch fuͤr solche Personen einiges Interesse haben wird, welche an der Be- trachtung der Werke der Natur ein Vergnuͤgen finden, wel- chen es aber an Zeit oder Gelegenheit gefehlt hat, eine wis- senschaftliche Kenntniß von denselben uͤberhaupt, und von den Pflanzen insonderheit, sich zu verschaffen. Da dieselben nun, ohne einen Begriff von den Bestandtheilen der Blu- men zu haben, das Buch schwerlich verstehen wuͤrden: so habe ich es fuͤr meine Pflicht gehalten, fuͤr sie folgende kurze Anweisung aufzusetzen, wobey ich die einem Jeden bekannte, obgleich in manchen Stuͤcken von der gewoͤhnlichen Struktur der Blumen abweichende, Tulpe zum Grunde legen will. Wenn wir in eine Tulpe, welche sich geoͤffnet hat, hineinsehen, so erblicken wir in der Mitte derselben einen laͤnglichen verloren dreyseitigen Koͤrper, welcher das Pistill (der Stempel, pistillum ) genannt wird. Derselbe besteht aus zwey Theilen. Der unterste laͤngere Theil heißt der Fruchtknoten (germen), und wird zuletzt die Samen- kapsel. Da nun die eigentliche Absicht der Ratur, warum sie die Blume hervorbringt, dahin geht, Samenkoͤrner, d. i., Pflanzenembryone hervorzubringen: so ist dieser Theil der wichtigste unter allen, und die uͤbrigen sind bloß seinet- wegen da. Der oberste kuͤrzere dreytheilige Theil heißt das Stigma , oder die Narbe. Wozu derselbe diene, kann man nicht einsehen, bevor man nicht weiß, was eine An- there ist. Um das Pistill herum stehen sechs Koͤrper, welche man die Staubgefaͤße (Staubfaͤden, stamina ) nennt. Ein jeder von denselben besteht aus zwey Theilen. Den untersten nennt man das Filament (den Faden), den obersten, welchen jener traͤgt, die Anthere (den Staub- beutel). Saͤmmtliche Antheren sind mit einem Staube bedeckt, welchen sie selbst bereitet haben. Dieser Staub dient zur Befruchtung des Frnchtknotens, oder vielmehr der in demselben befindlichen jungen Samen, und wenn nicht ein hinlaͤnglicher Theil desselben auf das Stigma gebracht wird, so kann aus dem Fruchtknoten keine mit guten und zur Fortpflanzung der Art tuͤchtigen Samenkoͤrnern ange- fuͤllte Samenkapsel werden. Wenn aber der Staub auf das Stigma gekommen ist, so dringt zwar nicht er selbst, als der viel zu grob dazu ist, aber doch das feine befruch- tende Wesen, welches er enthaͤlt, durch dasselbe hindurch und in das Innere des Fruchtknotens hinein, und wirkt auf die Samenkeime so, als im Thierreich der maͤnnliche Same auf den Eyerstock des Weibchens. Wegen dieser Aehnlichkeit der Befruchtungsart nennt man die Staubge- faͤße die maͤnnlichen , das Pistill hingegen den weibli- chen Befruchtungstheil, und es ist leicht einzusehen, daß dieses die wesentlichsten Theile der Blume sind. Daß bey dieser Blume das Stigma unmittelbar auf dem Fruchtknoten sitzt, ist das erste Stuͤck, worin sie von der gewoͤhnlichen Struktur der Blumen abweicht. Denn gewoͤhnlich befindet sich zwischen dem Stigma und dem Fruchtknoten noch ein duͤnnerer und oftmals ziemlich langer Theil, welcher der Griffel (stylus) genannt wird. Da also der Griffel in manchen Blumen fehlt, so ist er nicht als ein schlechterdings nothwendiger Theil anzusehen. Ein glei- ches gilt von den Filamenten, welche auch in einigen Blu- men fehlen. Da nun die Tulpe sowohl maͤnnliche, als weibliche Befruchtungstheile hat, so ist sie eine Zwitterblume . Haͤtte sie bloß Staubgefaͤße, aber kein Pistill, so wuͤrde sie eine maͤnnliche , und umgekehrt, wenn sie zwar ein Pistill, aber keine Staubgefaͤße haͤtte, eine weibliche Blume seyn. Und wenn sie weder maͤnnliche, noch weib- liche Befruchtungstheile haͤtte, so wuͤrde sie eine ge- schlechtslose Blume genannt werden. Eine Zwitter- blume ist an und fuͤr sich im Stande, eine Frucht anzu- setzen, eine weibliche Blume kann schlechterdings keine Frucht ansetzen, wenn nicht auch eine maͤnnliche vorhanden ist, von welcher sie Staub erhaͤlt, und eine maͤnnliche kann zwar selbst keine Frucht ansetzen, verursacht aber, daß die weib- liche solches thun kann. Eine geschlechtslose Blume kann weder selbst eine Frucht hervorbringen, noch zur Befruch- )( 2 Vorbereitung. tung einer anderen unmittelbar das geringste beytragen. Hieraus folgt, daß es Pflanzen geben koͤnne, welche bloß Zwitterblumen hervorbringen, aber keine, welche bloß maͤnnliche, oder bloß weibliche Blumen haben, sondern daß sie in jenem Fall schlechterdings auch weibliche, in diesem auch maͤnnliche Blumen haben muͤssen, daß es endlich noch viel weniger solche Pflanzen geben koͤnne, welche keine an- dere als bloß geschlechtslose Blumen haben. Welches alles die Erfahrung bestaͤtigt. Um die Geschlechtstheile der Tulpe herum finden wir sechs Blaͤtter, welche gefaͤrbt sind, d. i., eine andere Farbe haben, als die gruͤne. Dieselben machen zusammen die Krone (corolla) aus. Staͤnden um diese herum noch ei- nige Blaͤtter, welche sich sowohl durch die Gestalt, als durch die Farbe von jenen unterschieden, so wuͤrde man dieselben den Kelch (calyx) nennen. Ein solcher Kelch ist bey den mehresten Blumen vorhanden, und die Abwesenheit desselben ist das zweyte Stuͤck, worin die Tulpe von der gewoͤhnlichen Struktur abweicht. Wenn am Stiel nicht weit von der Blume ein Blatt saͤße, welches in der Gestalt und Farbe sowohl von den Blaͤttern der Pflanze, als auch von den Kro- nenblaͤttern der Blume, und, wenn sie einen Kelch haͤtte, auch von ihren Kelchblaͤttern verschieden waͤre: so wuͤrde man dasselbe ein Blumenblatt (bractea) nennen. Ein solches Blatt finden wir z. B. bey der Linde. Der oberste Theil des langen Blumenstiels, oder viel- mehr des Schafts, auf welchen alle dreyzehn Bestandtheile der Tulpe angefuͤgt sind, heißt der Boden (receptaculum). Die Kayserkrone hat viel Aehnlichkeit mit der Tulpe, sie unterscheidet sich aber von derselben vorzuͤglich dadurch, daß sie im Grunde ihrer Krone sechs Hoͤhlen hat, welche mit einem suͤßen Saft (Honig, nectar ) angefuͤllt sind. Einen solchen Saft finden wir bey den mehresten Blu- men, und der Mangel desselben ist das dritte Stuͤck, wo- durch sich die Tulpe von andern auszeichnet. Denjenigen Theil, welcher diesen Saft enthaͤlt, pflegt man das Nectarium (die Saftgrube, das Saftbehaͤltniß) zu nen- nen. Daß viele Arten von Insekten diesem Saft nachge- hen, und sich davon ernaͤhren, daß insonderheit die Bienen den ganzen Sommer hindurch nicht nur mit demselben sich ernaͤhren, sondern auch ihre Winternahrung, den Honig, aus demselben bereiten, ist einem Jeden bekannt. Zur Erlaͤuterung des Gesagten mag die auf der fuͤnften Kupfertafel abgebildete Passionsblume dienen. Der kleine runde Koͤrper, welchen man in der Mitte der 2. Figur sieht, und welcher in Fig. 6. eyfoͤrmig erscheint, ist der Fruchtknoten. Auf demselben sitzen drey Griffel. Das breite Ende eines jeden Griffels, welches in beiden Figuren punktirt ist, ist ein Stigma. Dieser Fruchtknoten, diese drey Griffel und diese drey Stigmate machen zusammen das Pistill aus. In Fig. 6. sieht man, daß der Fruchtknoten auf einem Saͤulchen steht, aus welchem unmittelbar unter jenem fuͤnf lange Koͤrper entstehen, welche man in Fig. 2. noch deutlicher sieht. Dies sind die Filamente. Die an das Ende derselben angefuͤgten langen Koͤrper sind die An- theren. Die Blume hat also fuͤnf Staubgefaͤße. Der Staub der Antheren ist durch Punkte angedeutet. In Fig. 6. sieht man denselben auf der unteren Seite der drey vordersten Antheren, und in Fig. 2. einen kleinen Theil desselben an den Raͤndern aller fuͤnf Antheren. Da also die Passionsblume sowohl maͤnnliche, als weib- liche Befruchtungstheile hat, so ist sie auch eine Zwitter- blume. Ob aber gleich der Fruchtknoten schon die Samen- keime enthaͤlt, so kann er doch nicht anders eine mit guten Samenkoͤrnern versehene Frucht werden, als wenn ein Theil des Antherenstaubes auf die Stigmate gebracht wird, dessen befruchtendes Wesen hierauf durch die Griffel in den Frucht- knoten dringt. Auf welche Art dieses nun geschieht, wird an seinem Ort gezeigt werden. Diese Blume hat sowohl einen Kelch, als eine Krone. Jener besteht aus den fuͤnf Blaͤttern b b ꝛc. Fig. 2., welche auf der unteren Seite gruͤn, auf der oberen aber weiß sind; diese aus den fuͤnf Blaͤttern a a ꝛc., welche auf beiden Seiten weiß sind. Endlich hat diese Blume auch ein Nectarium, welches an seinem Ort beschrieben werden wird. Ich glaube, daß dieses fuͤr aufmerksame Leser hinrei- chend seyn wird, um so viel mehr, da das mehreste und wichtigste durch Figuren erlaͤutert worden ist. Spandow, d. 18. December 1792. C. K. Sprengel , Rektor. Einlei- Einleitung . A ls ich im Sommer 1787 die Blume des Waldstorchschnabels (Geranium sylvaticum) aufmerksam betrachtete, so fand ich, daß der unterste Theil ihrer Kronenblaͤtter auf der innern Seite und an den beiden Raͤndern mit feinen und weichen Haaren ver- sehen war. Ueberzeugt, daß der weise Urheber der Natur auch nicht ein einziges Haͤrchen ohne eine gewisse Absicht hervorge- bracht hat, dachte ich daruͤber nach, wozu denn wohl diese Haare dienen moͤchten. Und hier fiel mir bald ein, daß, wenn man voraussetzte, daß die fuͤnf Safttroͤpfchen, welche von eben so vie- len Druͤsen abgesondert werden, gewissen Insekten zur Nahrung bestimmt seyen, man es zugleich nicht unwahrscheinlich finden muͤßte, daß dafuͤr gesorgt sey, daß dieser Saft nicht vom Re- gen verdorben werde, und daß zur Erreichung dieser Absicht diese Haare hier angebracht seyen. Die vier ersten Figuren der 18. Kupfertafel koͤnnen zur Erlaͤuterung dessen dienen, was ich sage. Sie stellen den Sumpfstorchschnabel (Geranium palustre) vor, welcher dem Waldstorchschnabel sehr aͤhnlich ist. Jedes Saft- troͤpfchen sitzt auf seiner Druͤse unmittelbar unter den Haaren, welche sich an dem Rande der zwey naͤchsten Kronenblaͤtter befin- den. Da die Blume aufrecht steht, und ziemlich groß ist: so muͤssen, wenn es regnet, Regentropfen in dieselbe hineinfallen. Es kann aber keiner von den hineingefallenen Regentropfen zu einem Safttroͤpfchen gelangen, und sich mit demselben vermischen, indem er von den Haaren, welche sich uͤber dem Safttroͤpfchen befinden, aufgehalten wird, so wie ein Schweißtropfen, welcher an der Stirn des Menschen herabgeflossen ist, von den Augenbrau- nen und Augenwimpern aufgehalten, und verhindert wird, in das Auge hinein zu fließen. Ein Insekt hingegen wird durch diese Haare keinesweges verhindert, zu den Safttroͤpfchen zu gelangen. Ich untersuchte hierauf andere Blumen, und fand, daß verschiedene von denselben etwas in ihrer Struktnr hatten, welches zu eben diesem Endzweck zu dienen schien. Je laͤnger ich diese Untersuchung fortsetzte, desto mehr sahe ich ein, daß diejenigen Blumen, welche Saft enthalten, so eingerichtet sind, daß zwar die Insekten sehr leicht zu demselben gelangen koͤnnen, der Regen aber ihn nicht verderben kann. Ich schloß also hieraus, daß der Saft die- ser Blumen, wenigstens zunaͤchst, um der Insekten willen abge- sondert werde, und, damit sie denselben rein und unverdorben genießen koͤnnen, gegen den Regen gesichert sey. Im folgenden Sommer untersuchte ich das Vergiß mein nicht (Myosotis palustris). Ich fand nicht nur, daß diese Blume Saft hat, sondern auch, daß dieser Saft gegen den Regen voͤllig gesichert ist. Zugleich aber fiel mir der gelbe Ring auf, welcher die Oeffnung der Kronenroͤhre umgiebt, und gegen die himmel- blaue Farbe des Kronensaums so schoͤn absticht. Sollte wohl, dachte ich, dieser Umstand sich auch auf die Insekten beziehen? Sollte die Natur wohl diesen Ring zu dem Ende besonders ge- faͤrbt haben, damit derselbe den Insekten den Weg zum Safthal- ter zeige? Ich betrachtete in Ruͤcksicht auf diese Hypothese andere Blumen, und fand, daß die mehresten sie bestaͤtigten. Denn ich sahe, daß diejenigen Blumen, deren Krone an Ei- ner Stelle anders gefaͤrbt ist, als sie uͤberhaupt ist, diese Flecken, Figuren, Linien oder Duͤpfel von besonderer Farbe immer da haben, wo sich der Eingang zum Safthalter befindet. Nun schloß ich vom Theil auf das Ganze. Wenn, dachte ich, die Krone der Insekten wegen an einer besonderen Stelle besonders gefaͤrbt ist, so ist sie uͤberhaupt der Insekten wegen gefaͤrbt; und wenn jene besondere Farbe eines Theils der Krone dazu dient, daß ein In- sekt, welches sich auf die Blume gesetzt hat, den rechten Weg zum Saft leicht finden koͤnne, so dienet die Farbe der Krone dazu, daß die mit einer solchen Krone versehenen Blumen den ihrer Nahrung wegen in der Luft umherschwaͤrmenden Insekten, als Saftbehaͤltnisse, schon von weitem in die Augen fallen. Als ich im Sommer 1789 einige Arten der Iris untersuchte, so fand ich bald, daß Linn é sich in Ansehung sowohl des Stigma, als auch des Nectarii geirrt habe, daß der Saft gegen den Regen voͤllig gesichert sey, daß endlich eine besonders gefaͤrbte Stelle da sey, welche die Insekten gleichsam zum Saft hinfuͤhret. Aber ich fand noch mehr, nemlich daß diese Blumen schlechterdings nicht anders befruchtet werden koͤnnen, als durch Insekten, und zwar A Einleitung. durch Insekten von einer ziemlichen Groͤsse. Ob ich nun gleich damals diese Vorstellung noch nicht durch die Erfahrung bestaͤ- tigt fand (denn dieses geschahe erst im folgenden Sommer, da ich wirklich Hummeln in die Blumen hineinkriechen sahe): so uͤber- zeugte mich doch schon der Augenschein von der Richtigkeit dersel- ben. Ich untersuchte also, ob auch andere Blumen so gebauet seyen, daß ihre Befruchtung nicht anders, als durch die Insek- ten, geschehen koͤnne. Meine Untersuchungen uͤberzeugten mich immer mehr davon, daß viele, ja vielleicht alle Blumen, welche Saft haben, von den Insekten, die sich von diesem Saft er- naͤhren, befruchtet werden, und daß folglich diese Ernaͤhrung der Insekten zwar in Ansehung ihrer selbst Endzweck, in Ansehung der Blumen aber nur ein Mittel und zwar das einzige Mittel zu einem ge- wissen Endzweck ist, welcher in ihrer Befruchtung besteht, und daß die ganze Struktur solcher Blumen sich erklaͤren laͤßt, wenn man bey Untersuchung derselben folgende Punkte vor Augen hat: 1. Diese Blumen sollen durch diese oder jene Art von In- sekten, oder durch mehrere Arten derselben befruchtet werden. 2. Dieses soll also geschehen, daß die Insekten, indem sie dem Saft der Blumen nachgehen, und deswegen sich entweder auf den Blumen auf eine unbestimmte Art aufhalten, oder auf eine bestimmte Art entweder in dieselben hineinkriechen, oder auf den- selben im Kreise herumlaufen, nothwendig mit ihrem mehrentheils haarichten Koͤrper, oder nur mit einem Theil desselben, den Staub der Antheren abstreifen, und denselben auf das Stigma bringen, welches zu dem Ende entweder mit kurzen und feinen Haaren, oder mit einer gewissen, oft klebrichten, Feuchtigkeit uͤberzogen ist. Im Fruͤhjahr 1790 bemerkte ich, daß Orchis latifolia und Orchis Morio zwar voͤllig die Struktur einer Saftblume haben, daß sie aber keinen Saft enthalten. Diese Bemerkung muͤste, dachte ich anfaͤnglich, meine bisher gemachte Entdeckungen, wenn nicht gaͤnzlich uͤber den Haufen werfen, doch wenigstens sehr zweifelhaft machen. Denn da diese Blumen z. B. ein Saftmaal haben (so nenne ich den anders gefaͤrbten Fleck auf der Krone), und doch dieses nicht fuͤr die Insekten ein Wegweiser zum Saft seyn kann, da kein Saft vorhanden ist: so schien hieraus zu fol- gen, daß auch dieses Saftmaal bey denen Blumen, welche wirk- lich Saft enthalten, nicht zu diesem Endzweck da sey, und folg- lich dasselbe ein bloßes Hirngespinst sey. Ich muß also gestehen, daß diese Entdeckung mir keinesweges angenehm war. Aber eben dieses spornte mich an, diese Blumen desto aufmerksamer zu un- tersuchen, und auf dem Felde zu beobachten. Und da entdeckte ich endlich, daß diese Blumen von gewissen Fliegen befruchtet werden, welche, durch das Ansehen derselben getaͤuscht, im Einleitung. Horn Saft vermuthen, und daher hineinkriechen, indem sie aber dies thun, die Staubkoͤlbchen aus ihren Faͤchern her- ausziehen, und auf das kiebrichte Stigma bringen. Derglei- chen Blumen, welche voͤllig das Ansehen der Saftblumen haben, ohne Saft zu enthalten, nenne ich Scheinsaftblumen. Daß es mehr solche Blumen giebt, sahe ich in eben demselben Jahr an der gemeinen Osterluzey (Aristolochia Ciematitis). Ich fand nemlich, daß auch diese Blume, welche keinen Saft enthaͤlt, voͤl- lig wie eine Saftblume gebildet ist, und eben deswegen allerley kleine Fliegen in dieselbe hineinkriechen. Im folgenden Sommer aber sahe ich vollkommen ein, daß diese Blume ein wahres Wun- der der Natur ist, daß nemlich diese Fliegen deswegen von dem Ansehen der Blume verleitet werden, hineinzukriechen, damit sie dieselbe befruchten, und daß sie so lange darin gefan- gen gehalten werden, bis sie sie befruchtet haben, so bald dieses aber geschehen ist, aus ihrem Gefaͤngniß wieder her- ausgelassen werden. Im Sommer des vorher genannten Jahres entdeckte ich an dem Epilobium angustifolium etwas, worauf ich von selbst nie wuͤrde gefallen seyn, nemlich daß diese Zwitterblume von Hum- meln und Bienen befruchtet wird, aber nicht ein jedes Indivi- duum vermittelst seines eigenen Staubes, sondern die aͤlteren Blu- men vermittelst desjenigen Staubes, welchen diese Insekten aus den juͤngeren Blumen in dieselben schleppen. Diese Entdeckung verbreitete ein großes Licht uͤber viele von meinen fruͤheren Ent- deckungen. Besonders empfand ich ein großes Vergnuͤgen, als ich bey dem wilden Schwarzkuͤmmel (Nigella aruensis) eben diese Befruchtungsart entdeckte. Im Sommer 1788 hatte ich die schoͤne Einrichtung der Saftmaschinen dieser Blume entdeckt. Im folgenden Sommer lehrte mich die Erfahrung, daß sie von den Bienen befruchtet wird. Ich glaubte damals auch voll- kommen einzusehen, wie solches geschieht. Nun aber fand ich, daß ich mich in Ansehung des letzten Punkts geirret haͤtte, weil ich damals noch geglaubt, alle Zwitterblumen muͤßten durch ihren eigenen Staub befruchtet werden. Als ich endlich im letztvergangenen Sommer die gemeine Wolfsmilch (Euphorbia Cyparissias) untersuchte, so fand ich, daß bey derselben eine Einrichtung Statt findet, welchegkade das Gegentheil von der so eben angezeigten ist, daß nemlich diese Blume von Insekten befruchtet wird, aber so, daß sie den Staub der aͤlteren Blumen auf die Stigmate der juͤngeren bringen. Auf diese sechs in fuͤnf Jahren gemachten Hauptentdeckungen gruͤndet sich meine Theorie der Blumen. Ehe ich sie vortrage, muß ich zwey Vorstellungen, welche man sich bisher von dem Endzweck des suͤßen Safts der Blumen Einleitung. gemacht hat, nicht unberuͤhrt lassen. Denn so wie sie selbst einander entgegen gesetzt sind, eben so wiedersprechen sie beide meiner Theorie. Verschiedene Botaniker haben geglaubt, daß dieser Saft un- mittelbar und zunaͤchst den Blumen selbst zu Statten komme, indem er entweder die Befruchtung des Fruchtknotens befoͤrdere, dadurch, daß er denselben feucht und geschmeidig erhalte, oder indem er den Samen, welchen er schwaͤngere, bey seiner Tuͤch- tigkeit zu keimen erhalte. Nach dieser Vorstellung wuͤrde der Um- stand, daß Insekten diesem Saft nachgehen, nicht nur fuͤr etwas zufaͤlliges und eine Nebensache, sondern sogar fuͤr etwas den Blu- men nachtheiliges angesehen werden muͤssen. Nun ist zwar in vielen Blumen dieser Saft dem Fruchtkno- ten nahe genug, in manchen wird er sogar von demselben selbst bereitet und abgesondert; aber hieraus folgt noch nicht, daß er auch dem Fruchtknoten unmittelbar zu Statten komme. Sollte der Fruchtknoten durch den Saft geschmeidig erhalten werden, oder sollten die in demselben eingeschloßnen Samenkoͤrner von ihm geschwaͤngert werden: so wuͤrde es zweckmaͤßiger seyn, daß er denselben behielte, als daß er ihn absondert. Bey vielen Blu- men hingegen ist der Saft so weit und auf eine solche Art vom Fruchtknoten entfernt, daß man nicht begreifen kann, wie er sollte zu demselben gelangen koͤnnen. Dies hat auch der Verfasser der Dis- sertation de nectario florum, welche in Linne’s Amoenitatibus academicis enthalten ist, eingesehen. Er sagt, dieser Hypothese stehe dieses im Wege, daß maͤnnliche Blumen, welche von den weiblichen oft weit entfernt sind, ein nectarium haben. Roth hat seine Anmerkungen uͤber diesen Gegenstand in das Magazin fuͤr die Botanik (1787. 2. Stuͤck. S. 31.) einruͤcken lassen. Um diese Hypothese zu beweisen, sagt er unter andern, daß bey den Afrikanischen Storchschnaͤbeln der Saft sich zwar in einer langen Roͤhre befinde, aber in derselben hinauf bis zum Fruchtknoten steige. Allein dieser Fruchtknoten ist mit den unterwaͤrts zusam- mengewachsenen Filamenten umgeben, kann folglich vom Saft nicht unmittelbar beruͤhrt werden. Eben das Antirrhinum Li- naria, welches er auch anfuͤhret, haͤtte ihn schon auf eine andere Vorstellung bringen sollen. Denn er hat ganz richtig bemerkt, daß der Saft dieser Blume nicht von dem Sporn, in welchem er enthalten ist, abgesondert wird, sondern von einer unten am Fruchtknoten befindlichen Druͤse, und daß er von derselben in den Sporn hinabfließt, Wie kann er nun wieder aus dem Sporn hinauf zum Fruchtknoten steigen? Und wenn dieses auch ge- schaͤhe, welche unnuͤtze Weitlaͤustigkeit wuͤrde das seyn? Wie kann in der Passiflora, im Helleborus, in der Nigella, im Aconitum der in Einem oder mehrern besonderen und vom Frucht- Einleitung. knoten entfernten Behaͤltnissen eingeschloßne Saft zum Fruchtkno- ten gelangen? Vielleicht durch die Insekten. Was haben aber die Insekten, wann sie den Saft verzehret haben, beym Frucht- knoten zu schaffen? Die andere Hypothese hat Kruͤnitz in seiner Oekonomischen Encyclopaͤdie (4. Theil. S. 773.) vorgetragen. Er sagt, daß die Bienen den Pflanzen einen dreifachen Nutzen verschaffen. Er- stens: „Der Saft, den die Blumen absondern, wird denselben „schaͤdlich, wenn er nicht von den Bienen abgeholet wird. Denn „derselbe ist anfangs fluͤssig, veraͤndert sich aber, ohne zu ver- „duͤnsten, haͤufet sich zu bald an, wird endlich ganz verdickt, ver- „stopfet und uͤberzieht dort, wo er liegen bleibt, die feinsten Aus- „gaͤnge, und verhindert und vernichtet die folgende voͤllige Aus- „bildung und Wachsthum der hoͤchst zarten Fruͤchte.“ Diese Hy- pothese ist der ersten grade entgegengesetzt. Nach der ersten ist der Saft dem Fruchtknoten nuͤtzlich, nach der andern schaͤdlich; nach der ersten ist der Umstand, daß der Saft von den Insekten ver- zehrt wird, etwas zufaͤlliges und den Blumen schaͤdliches, nach der andern ist derselbe den Blumen nuͤtzlich, und scheint eine Ver- anstaltung der Natur zu seyn. Um zu beweisen, daß auch diese Hypothese ungegruͤndet ist, habe ich nicht noͤthig, mich nach irgend einer zu dieser Absicht vor- theilhaften Blume umzusehen, da ich eben diejenigen, deren ich so eben erwaͤhnt habe, hiezu anwenden kann. Denn aus eben dem Grunde, woraus ich gefolgert habe, daß der Saft dem Fruchtknoten nicht nuͤtzlich seyn koͤnne, ergiebt sich auch, daß er demselben nicht schaͤdlich seyn koͤnne, weil er nemlich immer in ei- niger Entfernung vom Fruchtknoten bleibt. Der Saft mag sich veraͤndern, wie er will, so hat dies auf den Fruchtknoten keinen Einfluß. Und wenn in andern Blumen der Saft dem Frucht- knoten nahe ist, so folgt hieraus eben so wenig, daß er demselben schaͤdlich sey, als, daß er ihm nuͤtzlich sey. Was endlich diejeni- gen Blumen betrifft, deren Fruchtknoten selbst den Saft abson- dert: so scheint zwar eben daraus, daß derselbe den Saft abson- dert, zu folgen, daß dieser ihm schaͤdlich sey. Indessen kann man theils schon aus der Analogie das Gegentheil vermuthen, theils wird sich auch in der Folge hinlaͤnglich zeigen lassen, daß der Fruchtknoten dieser Blumen den Saft nicht als etwas ihm schaͤdliches, sondern zu einer gewissen Absicht absondert, und daß folglich die Insekten zwar dem Fruchtknoten durch Abholung des Safts nuͤtzlich werden, aber nicht unmittelbar durch diese Abho- lung selbst, sondern durch die bey derselben nothwendig erfolgende Befruchtung desselben. Zweitens sagt er, daß die Bienen, indem sie den Staub sammlen, denselben auf das Stigma bringen, sowohl in Blumen A 2 Einleitung. von halb oder ganz getrennten Geschlechtern, als in Zwitterblu- men. In Ruͤcksicht auf die letztern sagt er: „Wie oft wird durch „ganz gemeine und gewoͤhnliche Zufaͤlle die natuͤrliche Wirkung „dieser Geschlechtstheile in einander vermindert, gehemmt, oder „gar vereitelt, daß z. E. der Samenstaub der einen Blume nicht „gut, der Staubweg aber noch wohl beschaffen ist, und umge- „kehrt. Diesen Nutzen leisten auch, außer den Bienen, andere „honigsaugende Insekten, die zwar dem Staube nicht nachgehen, „jedoch denselben fortschleppen ꝛc.“ Hier ist Wahres und Falsches mit einander vermengt. Daß die Bienen und andere Insekten den Staub auf das Stigma bringen, ist gewiß, daß aber die erstern solches nur alsdenn thun, wann sie den Staub sammlen, ist unrichtig, da sie, auch wenn sie bloß dem Saft nachge- hen, ohne sich um den Staub zu bekuͤmmern, den letztern, sie moͤgen wollen oder nicht, nothwendig auf das Stigma bringen muͤssen, welches ich in der Folge auf die augenscheinlichste Art erweisen werde. Daß die Bienen und andere Insekten die Be- fruchtung der Zwitterblumen nur in so fern befoͤrdern, als diese, welches oft geschehe, gewisse zufaͤlligerweise entstandene Maͤn- gel haben, welche die Befruchtung verhindern (woraus also fol- gen wuͤrde, daß diese Blumen im unverdorbenen Zustande ohne Dazwischenkunft der Insekten befruchtet werden), ist auch un- richtig. Denn erstens gereicht diese Vorstellung der Natur nicht sonderlich zur Ehre. Die Natur bringt, nach derselben, Zwit- terblumen hervor, in der Absicht, daß sie sich selbst befruch- ten sollen, sorgt aber nicht dafuͤr, daß sie dieses auch immer thun koͤnnen, sondern laͤßt es geschehen, daß oftmals, ja gewoͤhnlich solche Veraͤnderungen in ihnen vorgehen, welche diesen wichtigen Endzweck vereiteln wuͤrden, wenn nicht zu gutem Gluͤcke die In- sekten die Blumen besuchten und befruchteten. Wenn aber dieses nicht zufaͤlligerweise, sondern nach der Absicht und durch die Ver- anstaltung der Natur geschieht, welche dadurch jenen Maͤngeln abhelfen will: so verfaͤhrt die Natur, dieser Vorstellung zufolge, hierin eben so, wie ein Mensch, welcher, weil er nicht im Stande ist, ein einziges sicheres Mittel, um zu irgend einem Zweck zu gelangen, zu erdenken, zwey Mittel erwaͤhlt, damit, wenn das eine ihn nicht zu seinem Zweck fuͤhren sollte, er das andere ge- brauchen koͤnne. Und eine Blume, deren Staubweg verdorben ist, kann uͤberhaupt nicht, und also auch nicht von einem Insekt, befruchtet werden. Also wuͤrde durch dieses Mittel der gesuchte Endzweck nur zur Haͤlfte erreicht werden. Zweitens ist der ver- dorbene Zustand der Geschlechtstheile in den Blumen keinesweges etwas gewoͤhnliches, sondern vielmehr etwas eben so seltenes, als er es bey den Thieren ist. Hievon kann man sich durch die taͤgliche Erfahrung uͤberzeugen. Und wenn dieser verdorbene Zu- Einleitung. stand der Geschlechtstheile etwas oͤfters vorkommendes waͤre, so muͤßte derselbe eben sowohl bey denjenigen Blumen, welche kei- nen Saft haben, und vom Winde befruchtet werden, Statt fin- den, als bey den Saftblumen. Hieraus wuͤrde, nach jener Vor- stellung, folgen, daß die Befruchtung bey den erstern Blumen oͤfter fehlschlagen muͤsse, als dey den letztern, da jene nicht, wie diese, von den Insekten besucht werden. Hievon aber lehrt die Erfahrung grade das Gegentheil. Bey den saftleeren Blumen erfolgt die Befruchtung, wenn nicht sicherer, doch allgemeiner, als bei den Saftblumen, wenigstens bey verschiedenen Arten der- selben. Die Ursach hievon ist leicht einzusehen. Denn wenn z. B. der Wind den Antherenstaub maͤnnlicher Espen auf benachbarte weibliche Baͤume fuͤhret, so kann es bey der großen Menge Stau- bes, welche als eine Wolke auf die weiblichen Baͤume zum oͤftern faͤllt, nicht leicht geschehen, daß eine merkliche Anzahl von Frucht- knoten nicht etwas von diesem Staube erhalten, und dadurch be- fruchtet werden sollte. Es kann aber manches Maͤrzveilchen ver- bluͤhen, ohne von einer Biene oder einem aͤhnlichen Insekt einen Besuch erhalten zu haben. Und alsdenn kann es keine Samen- kapsel ansetzen, weil es weder sich selbst befruchten, noch vom Winde befruchtet werden kann. In die mehresten Blumen der gemeinen Osterluzey kriechen kleine Fliegen hinein, und befruch- ten dieselbe; in viele aber nicht. Diese koͤnnen auf keine Weise befruchtet werden. Durch den Wind geschieht die Befruchtung der Blumen im Großen, durch die Insekten im Einzelnen. Ein einziger Windstoß, dessen Direktion vom maͤnnlichen Baum nach dem weiblichen geht, kann in Einem Augenblick viel tausend Bluͤ- ten befruchten; eine Biene hingegen kann auf einmal nur Eine Blume befruchten. Drittens haben die meisten Zwitterblumen eine solche Struktur, daß sie, auch im vollkommensten Zustande ihrer Geschlechtstheile, schlechterdings nicht anders befruchtet wer- den koͤnnen, als von den Blenen und andern Insekten. Dieses werde ich in der Folge durch so viel Beyspiele, und auf eine solche Art beweisen, daß auch der hartnaͤckigste Zweifler nicht ferner daran wird zweifeln koͤnnen. Drittens endlich sagt er, daß die Bienen die schaͤdlichen Wachs- und Honigausduͤnstungen aus den Blumen der Wiesen und Weiden saugen; daher man in verschiedenen Laͤndern bemerkt habe, daß die Viehweiden an solchen Orten, wo viel Bienen ge- halten werden, weit gesunder und nahrhafter fuͤr das Vieh, be- sonders die Schafe, sind, auch das Heu an solchen Orten wohl- riechender, kraͤftiger und gesunder sey. Hier wird den Bienen ein Verdienst um die Pflanzen zugeschrieben, welches ihnen eben so wenig, als andern Insekten, zukoͤmmt. Sie befoͤrdern die Befruchtung vieler Blumenarten, welche ohne ihre Beyhuͤlfe Einleitung. schlechterdings unbefruchtet bleiben muͤßten, verursachen also, daß eben so viele Pflanzenarten sich vermehren, und keine von denselben untergeht. Zur Verbesserung aber und zur Veredelung der Pflanzen koͤnnen sie nicht das geringste beytragen. Wenn also die Bienen die Viehweiden, besonders die Schafweiden, verbes- sern, so kann dies nur also geschehen, daß sie die Blumen solcher Pflanzen, welche dem Vieh zutraͤglich sind, vorzuͤglich besuchen und befruchten. Und dieses ist, besonders was die Schafweiden betrifft, sehr wahrscheinlich. Denn unter denjenigen Pflanzen, welche Gleditsch (Vermischte Abhandl. 1. Th. S. 284. ꝛc.) als solche anfuͤhret, welche vorzuͤglich von den Schafen gesucht wer- den, tragen die mehresten solche Blumen, welche unmoͤglich sich selbst befruchten, oder vom Winde befruchtet werden koͤnnen, sondern bloß von den Bienen und andern Insekten befruchtet wer- den muͤssen, und von welchen verschiedene, wie ich aus der Er- fahrung weiß, von den Bienen wirklich besucht werden. Bey allen denen Blumen, welche wirklich Saft absondern, muͤssen folgende fuͤnf Stuͤcke bemerkt werden. 1. Die Saftdruͤse. Die Saftdruͤse ist derjenige Theil einer Saftblume, welcher den Saft bereitet und absondert. Die Gestalt derselben, und der Ort, an welchem sie sich befindet, ist hoͤchst mannigfaltig und ver- schieden. Oft faͤllt dieselbe, wenn man die Blume ansieht, so- gleich in die Augen; oft ist sie ziemlich versteckt, so daß es, be- sonders wenn sie dabey sehr klein ist, einige Muͤhe kostet, sie zu finden. Oft ist sie der Fruchtknoten selbst, oder ein Theil dessel- ben, oft aber von demselben ganz verschieden und entfernt. Sie ist fleischicht, oder von einer gewissen Dicke. Denn waͤre sie so duͤnne, als z. B. die Kronenblaͤtter der mehresten Blumen sind, so koͤnnte sie nicht eine gewisse, wenn auch sehr kleine, Quantitaͤt Saft bereiten. Wenn also das Ende eines Horns oder Sporns fleischicht ist, so ist solches die Saftdruͤse; ist es aber eben so duͤnue, als der uͤbrige Theil, so muß man die Saftdruͤse anderswo suchen. Sie ist ferner kahl und glatt. Denn so wie sich kein Grund an- geben laͤßt, warum sie, wie andere Theile vieler Saftblumen, mit Haaren oder Wolle uͤberzogen seyn sollte: so muß sie schon aus der Ursache glatt seyn, weil sie mehrentheils ein Theil des Saft- halters, oft der Safthalter selbst ist, von welchem ich bald zeigen werde, daß er bestaͤndig glatt ist. Wenn also der Fruchtknoten mit Haaren uͤberzogen ist, so kann er nicht die Saftdruͤse seyn. Ist aber der oberste Theil desselben haaricht, und der unterste glatt, oder umgekehrt, so ist dieser glatte Theil, besonders wenn er sich noch durch eine wulstfoͤrmige Gestalt und durch eine besondere Farbe unterscheidet, die Saftdruͤse. Endlich ist die Saftdruͤse mehren- Einleitung. theils gefaͤrbt, und selten gruͤn. Die gewoͤhnlichste Farbe ist gelb, die seltnere weiß, pomeranzengelb, kirschroth’ ꝛc. Diese verschie- dene Farbe ruͤhrt vermuthlich mehrentheils bloß von der verschie- denen Beschaffenheit und Mischung ihrer Bestandtheije her; zu- weilen aber scheint noch durch dieselbe eine gewisse Absicht erreicht werden zu sollen, daß nemlich die Saftdruͤse den Insekten in die Augen falle. 2. Der Safthalter. Der Safthalter ist derjenige Theil einer Saftblume, welcher den von der Saftdruͤse abgesonderten Saft empfaͤngt und enthaͤlt. Seine innere Oberflaͤche ist jederzeit glatt, und zwar aus zwey Ursachen. Denn so wie erstens die innere Oberflaͤche derjenigen Gefaͤße, in welchen man fluͤssige Koͤrper aufbewahren will, glatt seyn muͤssen, besonders wenn die fluͤssigen Koͤrper edel und kostbar sind, damit bey Ausleerung derselben nichts zuruͤckbleibe, welches geschehen wuͤrde, wenn ihre innere Oberflaͤche rauch waͤre: eben so muß auch der Safthalter inwendig glatt seyn, damit die In- sekten den Saft rein aussaugen oder ablecken koͤnnen. Zweitens zieht ein Koͤrper von glatter Oberflaͤche einen fluͤssigen Koͤrper staͤr- ker an, als ein solcher, dessen Oberflaͤche rauch, oder mit Haaren oder Wolle uͤberzogen ist, weil jener mehr Beruͤhrungspunkte hat, als dieser. Nun soll der Saft im Safthalter so lange bleiben, bis er von den Insekten abgeholet wird, keinesweges aber von selbst herausfallen, noch durch den die Blume hin und her schuͤt- telnden Wind herausgeworfen werden. Der Safthalter muß ihn also stark anziehen, folglich glatt seyn. Die Gestalt des Saft- halters, und der Ort, wo er sich befindet, ist sehr mannigfaltig und verschieden. Mehrentheils ist derselbe unmittelbar bey der Saftdruͤse befindlich, zuweilen von derselben entfernt, oft ist die Saftdruͤse selbst zugleich der Safthalter. 3. Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen. Die Saftdecke. Die Saftblumen sind so eingerichtet, daß zu ihrem Saft zwar die Insekten leicht gelangen koͤnnen, die Regentropfen aber, welche auf oder in dieselben gefallen sind, immer in einiger Ent- fernung von ihm bleiben, und sich folglich mit demselben nicht vermischen, noch ihn verderben koͤnnen. So wie die Men- schen die Oeffnungen derjenigen Gefaͤße, in welchen sie koͤstliche Fluͤssigkeiten aufbewahren, zustopfen, damit weder diese Fluͤssig- keiten verduͤnsten, noch Staub, Regen und andere fremdartige Koͤrper sich mit denselben vermischen: eben so hat auch der guͤtige und weise Urheber der Natur, nicht zufrieden damit, daß er in A 3 Einleitung. den Blumen einen koͤstlichen Saft fuͤr die Insekten bereitet hat, auch die zweckmaͤßigsten und vortrefflichsten Anstalten getroffen, damit dieser Saft vor aller Verderbung durch den Regen gesichert sey. Daß auch die erste angefuͤhrte Absicht hiebey Statt finde, daß nemlich der Saft nicht verduͤnste, glaube ich nicht. Der Verfasser der oben angefuͤhrten Dissertation behauptet dieses von der Campanula und einigen andern Gattungen. So wie ich, wenigstens was die Campanula betrifft, an seinem Ort beweisen werde, daß er sich geirret hat: so findet theils bey diesen Gattun- gen die zweyte Absicht unfehlbar Statt, theils aber giebt es viele Gattungen, bey welchen man an die erste Absicht schlechterdings nicht denken kann. Denn der Saft derselben ist der Luft ganz ausgesetzt, so daß, wofern er anders ausduͤnstet, dieses durch nichts verhindert wird, zugleich aber gegen die Vermischung mit einem Regentropfen, sollte derselbe sich auch ganz nahe befinden, voͤllig gesichert. Diese Absicht wird nun entweder durch die Struk- tur und Stellung einer Blume schon hinlaͤnglich erreicht, oder es ist noch etwas besonderes irgendwo in derselben vorhanden, welches bloß zu Erreichung derselben dienet. Dieses nenne ich die Saftdecke. So wie sich die Weisheit eines Menschen in ihrem staͤrksten Licht zeiget, wenn er zwey Absichten zugleich zu erreichen weiß, deren eine die Erreichung der andern zu verhindern, oder wohl gar unmoͤglich zu machen scheint: eben so kann man sich schon a priori vorstellen, daß diejenige Veranstaltung in den Blumen, durch welche zwey sich einander aufzuheben scheinende Absichten, nemlich daß der Zugang zum Saft den Insekten offen stehe, den Regentropfen aber verschlossen sey, zugleich voͤllig erreicht werden, die Weisheit des Blumenschoͤpfers aufs deutlichste an den Tag legen muͤsse, besonders wenn man bedenkt, daß dieselbe wegen der hoͤchst mannigfaltigen Bildung der Blumen hoͤchst mannig- faltig seyn muß. Damit ich vorlaͤufig einige oͤfters vorkommende Mittel anzeige, welche zu diesem Endzweck dienen, so gehoͤrt dahin vornemlich, daß die Krone mehrentheils sehr duͤnne ist, und folglich, well sie nur wenig koͤrperliche Masse hat, auch nur wenig Anziehungskraft besitzt, daß ihre innere Oberflaͤche, zuweilen auch die aͤußere, mit feinen Haaren, oder Wolle, oder Puder uͤberzogen ist, daß, wenn diese Oberflaͤche glatt ist, die Krone ein subtiles Oel auszuschwitzen scheint. In allen diesen Faͤllen aͤußern die Theile eines auf die Krone gefallnen Regentropfens, weil sie von derselben wenig angezogen werden, ihre Anziehungskraft mehr gegen einander selbst, und der Regen- tropfen bekoͤmmt eine sphaͤroidische Gestalt, so daß die Flaͤche, mit welcher er die Krone beruͤhrt, kleiner ist, als diejenige, welche jener parallel durch seinen Mittelpunkt geht. Auf solche Art kann er nicht lange in oder auf der Krone haften, sondern muß, sobald Einleitung. die Blume vom Winde geschuͤttelt wird, heraus- oder herabfallen. Wenn er aber auch sitzen bleibt, so kann er doch nicht bis zum Saft kommen. Er trifft, indem er hinabfließt, eine Reihe von Haaren an, welche uͤber dem Safthalter angebracht sind, und mehrentheils nach oben zu mit der Oberflaͤche der Krone einen spitzen Winkel machen, folglich ihm ihre Spitzen zukehren, und ihn vom Safthalter abhalten; oder er geraͤth an einen Ansatz, vor welchem er stehen bleiben muß. Zuweilen beruͤhrt er einige Antheren. Weil nun diese dicker sind, als die Filamente, so zie- hen sie ihn auch staͤrker an. Er bleibt also zwischen den Antheren und der Krone sitzen, und kann nicht zu dem Safttroͤpfchen, wel- ches unten an den Filamenten sitzt, gelangen. Oft sind die Fi- lamente oben dicker) als unten. Faͤllt also ein Regentropfen auf den obersten Theil derselben, so bleibt er aus gleicher Ursache hier sitzen. Eine aͤhnliche Erscheinung kann man nach einem Regen an den Nadeln der Kiefer bemerken. Besiehet man solche Na- deln, welche ihre Spitze der Erde zukehren, so findet man einen Regentropfen nicht unten an der Spitze, sondern etwas uͤber der- selben. Denn wenn ein Regentropfen auf eine solche Nadel ge- fallen ist, so muß er wegen seiner Schwere an derselben hinab- fließen, und die Nadel kann dieses nicht verhindern, weil sie nach ihrer ganzen Laͤnge gleich dicke ist. Ist er aber bis dahin hinab- geflossen, wo die Nadel anfaͤngt sich in eine kegelfoͤrmige Spitze zu endigen, so muß er hier stehen bleiben, weil er von diesem Theil der Nadel staͤrker angezogen wird, als von ihrer Spitze. Viele roͤhrenfoͤrmige Blumen haben eine ziemlich weite Oeffnung. Weil aber dieselbe durch fuͤnf oder mehr Filamente in eben so viel kleinere Oeffnungen getheilet wird, so kann kein Regentropfen durch dieselben in die Roͤhre hineinfließen. Oder es sitzen an der Oeff- nung fuͤnf oder mehr Antheren, welche den Raum derselben bey- nahe ausfuͤllen. Auch hier kann kein Regentropfen hineindrin- gen. In beyden Faͤllen aber koͤnnen kleinere Insekten leicht hinein- kriechen, und groͤßere ihren Saugeruͤssel hineinstecken. Oft hat sich die Natur, um diesen doppelten Endzweck zu erreichen, der Elasticitaͤt bedient. Sie hat gewisse Deckel angebracht, welche von einem Insekt leicht in die Hoͤhe gehoben, oder herabgedruͤckt werden koͤnnen, damit es zum Saft gelange, welche aber wenn das Insekt sich wieder zuruͤckbegiebt, wieder zufallen, damit kein Regentropfen hindurchdringen koͤnne. Die Elasticitaͤt findet nun freylich bey den Blumen nicht in dem Grade Statt, in welchem sie einige Samenbehaͤltnisse besitzen. Dieses ist theils nicht moͤg- lich, da eine Blume von viel weicherer Substanz ist, als ein Sa- menbehaͤltniß, theils auch nicht noͤthig, da es hier nur darauf angesehen ist, daß ein von einem Insekt aufgehobener Deckel wie- der zufalle, keinesweges aber, daß gewisse Koͤrper weit fortgewor- Einleitung. fen werden, wie jene Samenbehaͤltnisse ihre Samenkoͤrner weit sortwerfen . Endlich bezieht sich auf diesen Endzweck die Eigen- schaft, welche viele Blumen haben, sich nur bey schoͤner Witte- rung zu oͤffnen, bey regnichtem und truͤbem Wetter hingegen ver- schlossen zu bleiben. Die mehresten Blumen haben eine bestimmte Stellung. Soll nun der in ihnen enthaltene Saft gegen den Regen gesichert seyn, so muß wegen der perpendikulaͤren Direktion der herabfallenden Regentropfen ihr Bau verschieden seyn, je nachdem ihre Stel- lung verschieden ist. Erstens giebt es grade aufrecht stehende Blumen. Diese sind regulaͤr, da die Natur jederzeit die Regularitaͤt der Irregularitaͤt vorzieht, und, wenigstens in Ruͤcksicht auf den Regen, keine Ur- sache vorhanden ist, weshalb sie bey diesen Blumen von diesem Gesetz abweichen sollte. Da die innere Seite derselben den herab- fallenden Regentropfen entgegengesetzt ist, und die hineingefall- nen Regentropfen vermoͤge ihrer Schwere zu dem unten im Grunde der Blumen befindlichen Saft hinabzudringen streben: so muͤssen sie am meisten durch besondere Anstalten gegen das Ein- dringen derselben verwahrt seyn. Ihre Kronenblaͤtter sind oft in schmale Stuͤcke zertheilt. Denn da, wie sich unten ergeben wird, eine jede Krone so groß als moͤglich seyn muß, so wuͤrde die Krone dieser Blumen, wenn sie groß, und dabey ganz waͤre, zu viel Regentropfen empfangen und behalten, welche sich leicht mit dem Saft vermischen koͤnnten. Von diesen Blumen laͤßt sich vorzuͤg- lich erwarten, daß sie sich bey regnichter Witterung nicht oͤffnen werden. Zweytens giebt es grade herabhangende Blumen. Auch diese sind regulaͤr, und zwar aus eben der Ursache, aus welcher es die ersten sind. Sie kehren ihre aͤußere Seite den herabfallenden Re- gentropfen zu; die innere ist denselben wenig, oder gar nicht bloß- gestellt, besonders wenn sie eine glockenfoͤrmige, oder walzenfoͤr- mige, oder kugelfoͤrmige Gestalt haben. Und der Saft befindet sich oben im Grunde der Blumen, zu welchem hinaufzusteigen die Regentropfen durch ihre eigene Schwere verhindert werden. Man darf also bey ihnen am wenigsten besondere Anstalten zur Abhaltung der Regentropfen erwarten. Ihre Kronenblaͤtter muͤs- sen ganz seyn, damit die Regentropfen auf der aͤußern Seite der- selben sitzen bleiben, da sie im Gegentheil, wenn jene in schmale Stuͤcke zertheilt waͤren, leicht auf die innere Seite derselben und in den Safthalter kommen koͤnnten. Diese Blumen haben nicht noͤthig sich bey regnichtem Wetter zu schließen. Da der Regen mehrentheils mit einem Winde vergesellschaf- tet ist, so ist dieser Umstand zwar allen Blumen vortheilhaft, selbst denen, welche keinen Saft absondern. Denn da der Wind die Einleitung. Blumen tuͤchtig schuͤttelt, so verursacht er, daß die meisten auf dieselben gefallnen Regentropfen wieder herabfallen, und weder den Saft, noch den Staub der Antheren verderben koͤnnen. Den grade aufrechtstehenden und herabhangenden Blumen aber ist die- ser Umstand noch auf eine andere Art vortheilhaft. Dieses habe ich auf der 25. Kupfertafel vorgestellt. In Fig. 4. ist Ranuncu- lus acris in seiner natuͤrlichen aufrechten Stellung abgebildet. Die fuͤnf punktirten Linien stellen die Direktion so vieler Regen- tropfen vor, welche dieselben bey einer Windstille haben. Diese Stellung der Blume ist bey dieser Direktion der Regentropfen die nachtheiligste; denn alle fuͤnf Regentropfen fallen in die Blume hinein. In Fig. 5. sieht man die Stellung der Blume und die Direktion der Regentropfen, welche jene und diese von einem maͤßigen Winde erhalten. Diese Stellung ist bey dieser Di- rektion der Regentropfen vortheilhafter, indem nur hoͤch- stens zwey Regentropfen in die Blume hineinfallen. Endlich ist in Fig. 6. die Stellung der Blume und die Direktion der Regen- tropfen bey dem heftigsten Winde vorgestellt. Hier faͤllt kein einzi- ger von den fuͤnf Regentropfen in die Blume hinein, sondern sie fal- len alle auf ihre aͤußere Seite, und dieses ist die vortheilhafteste Stellung, welche die Blume bey dieser Direktion der Regen- tropfen haben kann. In Fig. 9. ist Campanula rotundifolia in ihrer natuͤrlichen Stellung abgebildet. Dies ist die vortheilhaf- teste Stellung, welche diese Blume bey einer Windstille in Ansehung der alsdenn perpeudiculaͤr herabfallenden Regentropfen haben kann. Wehet aber ein Wind, so giebt derselbe, er sey schwach oder stark, der Axe der Blume und der Linie, in welcher die Re- gentropfen herabfallen, eine ungefaͤhr gleiche Richtung, und sie behaͤlt in Ansehung der Regentropfen immer die vortheil- hafteste Stellung. In Fig. 6* ist die Blume in derjenigen Stel- lung abgebildet, welche sie bey einem maͤßigen Winde hat, und in Fig. 10. in derjenigen, in welche sie der heftigste Wind ver- setzt. Folglich ist der Wind, welcher einen Regen begleitet, den grade aufrechtstehenden Saftblumen dadurch nuͤtzlich, daß er sie aus der nachtheiligsten Stellung, welche sie haben, in eine weni- ger nachtheilige, oder vortheilhafte Stellung bringt, und den grade herabhangenden leistet er den Dienst, daß er sie in der vor- theilhaftesten Stellung, welche sie haben, bestaͤndig erhaͤlt. Endiich drittens giebt es horizontale Blumen. Die Oeff- nung ihrer Krone ist dem Horizont zugekehrt, ihre Roͤhre mag nun entweder auch horizontal seyn, oder sich der Perpendikulaͤr- linie mehr oder weniger naͤhern. Diese sind mehrentheils irregu- laͤr, und haben zwey Lippen. Soll ihr Saft gegen den Regen gesichert seyn, so muß die obere Lippe der Krone ganz anders ge- staltet und beschaffen seyn, als die untere Denn die Regen- Einleitung. tropfen fallen auf die aͤußere Seite jener, hingegen auf die innere Seite dieser. Jene muß folglich der Krone der grade herab- hangenden, diese der Krone der grade aufrecht stehenden Blumen aͤhnlich seyn. Jene ist also gewoͤlbt, unzertheilt, hat inwendig keine Haare; diese ist flach, oftmals zertheilt, und vor der Oeffnung der Roͤhre haaricht. Diese Blumen sind ent- weder bestaͤndig geschlossen, als die Maskenblumen, oder ihr Saft ist auf eine andere Art vor dem Regen vollkommen verwahrt, daß sie also nicht noͤthig haben, sich bey Regenwetter zu schließen. 4. Veranstaltung, daß die Insekten den Saft der Saftblumen leicht finden koͤnnen. Krone. Geruch. Saftmaal. Daß die meisten Blumen Saft absondern, und daß die- ser Saft gegen den Regen gesichert ist, wuͤrde den Insekten nichts helfen, wenn nicht zugleich dafuͤr gesorgt waͤre, daß sie dieses ih- nen bestimmte Nahrungsmittel leicht finden koͤnnen. Die Natur, welche nichts halb thut, hat auch in diesem Punkt die zweck- maͤßigsten Anstalten getroffen. Erstlich hat sie dafuͤr gesorgt, daß die Insekten die Blumen schon von weitem gewahr werden, ent- weder durch das Gesicht, oder durch den Geruch, oder durch beyde Sinnen zugleich. Alle Saftblumen sind deswegen mit ei- ner Krone geziert, und sehr viele duften einen Geruch aus, wel- cher den Menschen mehrentheils angenehm, oft unangenehm, zuweilen unausstehlich, denjenigen Insekten aber, fuͤr welche ihr Saft bestimmt ist, jederzeit angenehm ist. Die Krone ist (sehr wenige Arten ausgenommen) gefaͤrbt, d. i. anders gefaͤrbt, als gruͤn, damit sie gegen die gruͤne Farbe der Pflanzen stark abste- che. Zuweilen ist auch der Kelch gefaͤrbt, und zwar, wenn eine vollstaͤndige Krone da ist, anders als diese, oder, wenn er mit derselben Ein Ganzes ausmacht, auf der inneren Seite eben so, als die Krone. Fehlt aber die Krone, so vertritt er ihre Stelle. Bey vielen Arten sind auch die Blumenblaͤttir (bracteae) zu eben diesem Endzweck gefaͤrbt, jedoch mehrentheils anders, als die Krone. Wenn nun ein Insekt, durch die Schoͤnheit der Krone, oder durch den angenehmen Geruch einer Blume gelockt, sich auf die- selbe begeben hat: so wird es entweder den Saft sogleich gewahr, oder nicht, weil dieser sich an einem verborgenen Ort befindet. Im letztern Fall koͤmmt ihm die Natur durch das Saftmaal zu Huͤlfe. Dieses besteht aus Einem oder mehrern Flecken, Linien, Duͤpfeln oder Figuren von einer andern Farbe, als die Krone uͤberhaupt hat, und sticht folglich gegen die Farbe der Krone schwaͤ - cher oder staͤrker ab. Es befindet sich jederzeit da, wo die Insek - ten hineinkriechen muͤssen, wenn sie zum Saft gelangen wollen. Einleitung. Regulaͤre Blumen haben ein regulaͤres, irregulaͤre ein irregulaͤres Saftmaal. Wenn der Safthalter von der Oeffnung, durch wel- che die Insekten hineinkriechen, entfernt ist, so zieht sich das Saftmaal, weiches vor der Oeffnung anfaͤngt, durch dieselbe hin- durch bis zum Safthalter, dienet also den Insekten zu einem sichern Wegweiser. Hat eine Blume mehrere Eingaͤnge zum Saft- halter, so hat sie auch eben so viel Saftmaͤler. Wenn eine Blume mehrere Safthalter hat, welche ringsherum um den Fruchtknoten stehen, oder zwar nur Einen, welcher aber in der Gestalt eines Ringes den Fruchtknoten umgiebt, und dessen Saft das Insekt nicht anders verzehren kann, als wenn es im Kreise um denselben herum laͤuft, und seinen Saugeruͤssel oͤfters hineinsteckt: so hat das Saftmaal eine ringfoͤrmige Gestalt, und fuͤhrt das Insekt im Kreise herum. Bey Gelegenheit des Saftmaals muß ich von der Verschieden- heit der Saftblumen reden, welche auf der Tageszeit, in welcher sie bluͤhen, beruht. So wie es Insekten giebt, die bloß bey Tage umherschwaͤrmen, und solche, die bloß des Nachts ihrer Nah - rung nachgehen, eben so giebt es auch Tagesblumen und Nacht - blumen. Die Tagesblumen brechen des Morgens auf. Viele von den - selben schließen sich des Abends, oder senken sich, da sie am Tage aufrecht standen, oder es geht eine andere Veraͤnderung mit ihnen vor, woraus man schließen kann, daß sie nur fuͤr Tagesinsekten bestimmt sind. Manche schließen sich am ersten Abend, und oͤff - nen sich am folgenden Morgen nicht wieder, bluͤhen also nur Ei - nen Tag; die mehresten bluͤhen mehrere Tage. Die Tagesblumen sind mit einem Saftmaal geziert, obgleich nicht alle. Die Nachtblumen brechen des Abends auf. Bey Tage sind die mehresten von denselben geschlossen, oder welk und unansehn - lich, woraus erhellet, daß sie fuͤr Tagesinsekten nicht bestimm t sind. Manche bluͤhen mehrere Naͤchte; die gemeine Nachtker ze (Oenothera biennis) bluͤhet zwey Naͤchte. Die Nachtblumen haben eine große und hellgefaͤrbte Kron e damit sie in der Dunkelheit der Nacht den Insekten in die Auge n fallen. Ist ihre Krone unansehnlich, so wird dieser Mangel dur ch einen starken Geruch ersetzt. Ein Saftmaal hingegen findet b ey ihnen nicht Statt. Denn haͤtte z. B. die weiße Krone ein er Nachtblume ein Saftmaal von einer andern, aber auch hell en Farbe, so wuͤrde dasselbe in der Dunkelheit der Nacht gegen d ie Farbe der Krone nicht abstechen, folglich ohne Nutzen seyn. Haͤt te sie aber ein dunkelgefaͤrbtes Saftmaal, so wuͤrde dies nicht in die Augen fallen, folglich eben so unnuͤtz seyn, als jenes. 5. B e Einleitung. 5. Befruchtung der Saftblumen durch die Insekten. Dichogamie. Ich habe schon oben gesagt, daß alle diese Anstalten sich zwar zunaͤchst und unmittelbar auf die Insekten, vermittelst der Dazwi- schenkunst dieser aber auf die Blumen selbst beziehen, indem der letzte Endzweck derselben dahin geht, daß die Blumen von den Insekten befruchtet werden. Daß die Insekten zur Befruchtung der Blumen das Ihrige beytragen, ist an und fuͤr sich schon von Andern bemerkt worden. Meines Wissens ist Koͤlreuter hierin am weitesten gekommen, welcher dieses z. B. an der Iris und einigen andern Gattungen entdeckt, und sehr wohl erwiesen hat. Es hat aber noch Niemand gezeigt, daß die ganze Struktur der Saftblumen auf diesen End- zweck abzielet, und sich aus demselben vollstaͤndig erklaͤren laͤßt, weil Niemand dasjenige, was ich die Saftdecke und das Saft- maal nenne, fuͤr das, was es ist, erkannt hat, ob es gleich ein Jeder gesehen hat. Auf eine so vollstaͤndige, befriedigende und keinen Zweifel uͤbrig lassende Art, als ich z. B. die Struktur des wilden Schwarzkuͤmmels erklaͤrt habe, hat noch Niemand die Struktur weder dieser, noch einer andern Blume erklaͤrt. Von dieser Befruchtung der Blumen durch die Insekten ist ein unlaͤugbarer Beweis die von mir zuerst entdeckte Einrichtung sehr vieler Zwitterblumen, vermoͤge welcher ein jedes Individuum derselben nicht durch seinen eigenen, sondern bloß durch eines an- dern Staub befruchtet werden kann. Denn wenn diese Blumen auf eine mechanische Art befruchtet werden sollten, d. i. so, daß entweder die Antheren das Stigma unmittelbar beruͤhrten, und demselben ihren Staub mittheilten, oder daß der Staub der erste- ren auf das letztere herabfiele, oder daß derselbe vom Winde auf dasselbe gebracht wuͤrde: so wuͤrde diese Einrichtung die Errei- chung dieser Absicht im ersten Fall schlechterdings vereiteln, und in den beyden letzten wenigstens sehr erschweren, folglich im ersten Fall ungereimt, und in den letzten wenigstens zweckwidrig seyn. Diese Einrichtung nenne ich das ungleichzeitige Bluͤhen der Geschlechtstheile, oder eigentlich der Antheren und des Stigma, oder kuͤrzer die Dichogamie. Dieselbe besteht aber darin. Nach dem die Blume sich geoͤffnet hat, so haben oder erhalten die Fi- lamente entweder alle zugleich, oder eines nach dem andern, eine bestimmte Stellung, in welcher ihre Antheren sich oͤffnen, und ihren Staub zur Befruchtung darbieten. Unterdessen aber befin- det sich das Stigma an einer von den Antheren entfernten Stelle, und ist noch klein und festgeschlossen. Es kann also der Staub der Antheren schlechterdings weder auf eine mechanische Art, noch durch ein Insekt auf das Stigma gebracht werden, weil es noch Einleitung. nicht existirt. Dieser Zustand waͤhret eine bestimmte Zeit. Wann, nach Verfließung derselben, die Antheren keinen Staub mehr haben, so gehen mit den Filamenten verschiedene Veraͤnderungen vor, deren Resultat dieses ist, daß die Antheren nicht mehr die Stelle einnehmen, die sie bisher eingenommen hatten. Unter- dessen hat sich das Pistill so veraͤndert, daß nun das Stigma grade an der Stelle sich befindet, wo vorher die Antheren waren, und, da es sich nun auch oͤffnet, oder die Theile, aus welchen es be- steht, von einander breitet, nun oͤfters auch ungefaͤhr eben den Raum einnimmt, welchen vorher die Antheren eingenommen ha- ben. Indessen kann es von den Antheren keinen Staub erhalten, weil dieselben keinen mehr haben. Nun ist aber diejenige Stelle, wo anfaͤnglich die bluͤhenden Antheren, und hernach das bluͤhende Stigma sich befinden, in jeder Blume so gewaͤhlt, daß das In- sekt, fuͤr welches die Blume bestimmt ist, nicht anders zum Saft gelangen kann, als daß es zugleich mit einem Theil seines Koͤr- pers in der juͤngeren Blume die Antheren, und in der aͤlteren das Stigma beruͤhrt, den Staub von jenen abstreift, und auf die- ses bringt, und auf solche Art die aͤltere Blume durch den Staub der juͤngeren befruchtet. Diese dichogamische Zwitterblumen sind also, was die Be- fruchtung betrifft, den Blumen mit halbgetrennten Geschlechtern aͤhnlich. Im Anfang sind sie maͤnnliche, und zuletzt weibliche Blumen. Daß diese Einrichtung derselben sehr zweckmaͤßig ist, laͤßt sich leicht zeigen. Denn wenn die Antheren und das Stigma zu glei- cher Zeit bluͤheten, so wuͤrden jene verhindern, daß die Insekten dieses beruͤhrten, und umgekehrt, dieses wuͤrde dieselben verhin- dern, jene zu beruͤhren. Nach dieser Einrichtung aber finden die Insekten in der juͤngeren Blume bloß die Antheren in ihrem Wege, deren Staub sie folglich rein abstreifen muͤssen, und in der aͤlteren Blume bloß das Stigma, welches sie folglich mit dem an ihrem Koͤrper hastenden Staub ganz uͤberstreichen muͤssen. Diese Einrichtung hatte ich im July 1790 an dem Epilobium angustifolium entdeckt. Von dieser Zeit an bis zum May des fol- genden Jahres bemerkte ich dieselbe an verschiedenen Gattungen, ja an ganzen Familien, z. B. den Schirmblumen, so leicht und so deutlich, daß ich mich daruͤber wundern mußte, daß dieselbe nicht schon laͤngst von Andern, und nicht weit eher von mir entdeckt worden war. Waͤhrend dieses ganzen Zeitraums kam mir aber niemals der Gedanke in den Sinn, ob wohl auch das Gegen- theil dieser Einrichtung von der Natur moͤchte beliebt worden seyn, ob es also Blumen gebe, deren Stigma anfangs bluͤhet, deren Staubgefaͤße aber erst nach vollendeter Befruchtung des Fruchtknotens zu bluͤhen anfangen. So natuͤrlich es war, auf B Einleitung. diese Vorstellung von selbst zu fallen, so blieb mir doch dieselbe so lange fremde, bis mich die Natur selbst darauf brachte. Und dieses geschah, als ich im May des naͤchstvergangenen Jahrs die Euphorbia Cyparissias untersuchte. Ich sahe nemlich, daß, so bald eine Blume aufgebrochen ist, zuerst die Stigmate aus der- selben hervorkommen, grade in die Hoͤhe stehen, und sich von- einander breiten. Nach einigen Tagen koͤmmt das ganze Pistill, welches auf einem eigenen Stielchen sitzt, aus der Blume heraus, verliert nach und nach die aufrechte Stellung, und kehrt end- lich die Stigmate der Erde zu. Alsdenn erst kommen die Staub- gefaͤße eines nach dem andern aus der Blume zum Vorschein, und die Antheren nehmen nun eben die Stelle ein, welche vorher die Stigmate eingenommen hatten. Da ich nun schon lange vor- her entdeckt hatte, daß diese Blume eine Saftblume ist, so sahe ich ein, daß dieselbe wegen dieser Einrichtung nicht anders als von Insekten befruchtet werden koͤnne, daß sie aber auch wegen eben derselben von denselben befruchtet werden muͤsse. Denn wenn diesel- ben die aͤltere Blume besuchen, so muͤssen sie nothwendig den Staub der Antheren abstreifen. Und eben deswegen, damit sie dieses ungehindert thun koͤnnen, hat das Pistill seine vorige Stelle verlassen, und sich der Erde zugekehrt. Wenn sie aber hierauf die juͤngere Blume besuchen, so muͤssen sie wieder nothwendig mit ihrem bestaͤubten Koͤrper die Stigmate beruͤhren, dieselben bestaͤu- ben, und auf solche Art die juͤngere Blume mit dem Staube der aͤltern befruchten. Da es also zwey Arten von Dichogamie giebt, so muͤssen diesel- ben durch verschiedene Beywoͤrter von einander unterschieden wer- den. Die zuerst entdeckte nenne ich die maͤnnlich-weibliche, und die zuletzt entdeckte die weiblich-maͤnnliche Dichogamie ( Dicho- gamia androgyna, Dichogamia gynandra ). Das Gegentheil der Dichogamie heißt Homogamie. Weil die letzten Blumen einer dichogamischen Pflanze von der ersten Art ihren Staub den naͤchst vorhergehenden Blumen mittheilen, und ihr Stigma unbestaͤubt bleibt: so koͤnnen sie keine Frucht ansetzen. Und weil die ersten Blumen eines weiblich-maͤnn- lichen Dichogamisten ihren Staub den zunaͤchst folgenden Blumen mittheilen, und ihr Stigma auch unbestaͤubt bleibt: so koͤnnen auch sie keine Frucht ansetzen. Daß dieses die Erfahrung bestaͤti- get, werde ich in der Folge durch verschiedene Beyspiele erweisen. Es ist gewiß, daß viele Blumen von mehrern Arten von In- sekten befruchtet werden, z. B. die Schirmblumen, die Euphor- bien. Diese werden von allerley Insekten besucht, weil ihr Saft denselben sobald in die Augen faͤllt, als sie sich den Blumen genaͤhert haben, so daß denselben auch die duͤmmste Fliege leicht finden kann. Indem nun diese Insekten auf diesen Blumen auf Einleitung. eine unbestimmte Art umherlaufen, und bald die aͤlteren, bald die juͤngeren Blumen einer Umbelle ihres Safts berauben: so muͤssen sie nothwendig bald Antheren, bald Stigmate beruͤhren, und den Staub der ersteren auf die letzteren bringen, und zwar auf eine ganz unbestimmte Art. Es ist aber auch gewiß, daß viele Blumen bloß von Einer Art von Insekten, und zwar auf eine sehr bestimmte Art, befruchtet werden, da die uͤbrigen entwe- der zu dumm sind, um zu wissen, wo der Saft versteckt ist, und wie sie zu demselben gelangen koͤnnen, oder, wenn sie es wissen, entweder zu groß sind, um in die Blumen hineinkriechen zu koͤn- nen, oder zu klein, als daß sie beym Hineinkriechen die Antheren und das Stigma beruͤhren sollten. So wird, wie ich an seinem Ort beweisen werde, Nigella aruensis bloß von den Bienen be- fruchtet, Iris Xiphium hingegen bloß von Hummeln, beide aber auf eine sehr bestimmte Art. Fuͤr die letztere Blume sind die Bie- nen zu klein und zu schwach, und koͤnnen sich nicht in dieselbe hineinarbeiten. Antirrhinum maius wird, und zwar auf eine bestimmte Art, von einer großen Hummel befruchtet, Antirrhi- num Linaria eben so von einer kleinen Hummel. Die große Hummel kann die letztere Blume nicht befruchten, weil diese klei- ner ist, als daß sie sollte in dieselbe hineinkriechen koͤnnen. Daher gebraucht die Hummel Gewalt, beißt ein Loch in den Sporn, welcher den Saft enthaͤlt, steckt durch dasselbe ihren Saugruͤssel, und verzehrt den Saft. Was nun diejenigen Insekten betrifft, von welchen ich aus der Erfahrung beweisen kann, daß sie die Blumen befruchten, so sind dieses vorzuͤglich die Bienen und die Hummeln. Die Ge- schicktheit dieser Thierchen, den Saft zu finden, wenn er auch noch so sehr versteckt ist, hat mich oft in Erstaunen gesetzt. Wie klein sind nicht die Saftmaschinen des wilden Schwarzkuͤmmels? Und wie viel kleiner ist nicht derjenige Theil derselben, welcher als eine kleine Buͤchse gestaltet, und mit einem elastischen Deckel ver- sehen ist, und den Saft enthaͤlt? Die Biene, vom ringfoͤrmi- gen Saftmaal geleitet, laͤuft im Kreise herum, oͤffnet jedes Buͤchs- chen, und holet den Saft heraus. Wer keine Kenntniß von den Blumen hat, wird vielleicht, wenn er das Antirrhinum maius zum erstenmal sieht, glauben, daß die Unterlippe desselben mit der Oberlippe ein einziges Stuͤck ausmacht, denn beide schließen dicht an einander; und aus dem gelben Fleck auf der Unterlippe wird er um so viel weniger das Gegentheil zu schließen im Stande seyn, da keinem einzigen Botaniker bisher der Endzweck desselben bekannt gewesen ist. Hat sich aber eine Hummel der Blume ge- naͤhert, so wird sie nicht etwa erst Versuche anstellen, ob und wie sie hineinkommen koͤnne. Da sie sehr wohl weiß, was der gelbe Fleck bedeutet, so setzt sie sich sogleich auf die Unterlippe, entfernt Einleitung. dieselbe von der Oberlippe, und kriecht zwischen beiden in die Blume hinein. Damit diese Thierchen die Blumen befruchten koͤnnen, so ist ihr Koͤrper uͤberall haaricht, weil sie in dieser Blume mit diesem, in jener mit einem andern Theil desselben den Staub der Antheren abwischen und auf das Stigma bringen sollen. Daß diese Thierchen unter den Insekten einen vorzuͤglichen Rang behaupten, erhellet nicht nur aus dieser ihrer Geschicktheit, son- dern auch aus der Vorsorge, welche die Natur fuͤr die Erhaltung ihres Lebens bey diesem Geschaͤfte getragen hat. Fliegen, welche einige Arten der Aselepias besuchen und befruchten, bleiben oft in einem gewissen Theil dieser Blumen, als in einem Fangeisen, hangen, und muͤssen entweder eines jaͤmmerlichen Todes sterben, oder wenigstens ein Bein sitzen lassen, um ihr Leben zu behalten. Kleine Fliegen, welche einige Orchisblumen befruchten, bleiben an dem klebrichten Stigma, wie die Voͤgel an den Leimruthen, sitzen, und muͤssen sterben. Noch nie aber habe ich bemerkt, daß einer Hummel, und nur einigemal, daß einer Biene bey dem Besuch einer Blume ein Unfall begegnet sey. Daß nun diese und andre Insekten, indem sie in den Blu- men ihrer Nahrung nachgehen, zugleich, ohne es zu wollen und zu wissen, dieselben befruchten, und dadurch den Grund zu ihrer und ihrer Nachkommen kuͤnftigen Erhaltung legen muͤssen, scheint mir eine von den bewundernswuͤrdigsten Veranstaltungen der Na- tur zu seyn. Da die Befruchtung des Fruchtknotens durch Insekten der letzte Endzweck ist, auf welchen sich die ganze Struktur der meh- resten, ja vermuthlich aller eigentlichen und mit einer Krone ver- sehenen Saftblumen bezieht: so ist diese Struktur alsdenn voll- staͤndig erklaͤrt, wenn man gezeigt hat, daß und wie alle Theile derselben zur Erreichung dieses Endzwecks das Ihrige beytragen. Die erste Frage, welche bey Untersuchung irgend einer Blume beantwortet werden muß, ist, ob sie eine Saftblume sey, oder nicht. Denn wenn man eine Saftblume fuͤr saftleer haͤlt, so wird man schlechterdings nicht im Stande seyn, einen Grund an- zugeben, warum sie diese und nicht eine andere Struktur erhalten habe. Wer z. B. die Scheibenblumen im Viburnum Opulus, oder in den zahlreichen Arten der Centaurea fuͤr saftleer haͤlt, der wird es nie ergruͤnden, zu welcher Absicht die geschlechtslosen Randblu- men da sind. Hat man sich nun davon uͤberzeugt, daß eine Blume eine Saftblume ist, so ist die zweyte Frage, ob dieselbe von Insekten besucht und befruchtet werde. Wer diese Frage nicht gehoͤrig zu beantworten sucht, sondern glaubt, daß die Blume auf eine me- Einleitung. chanische Art befruchtet werde, und nach dieser vorgefaßten Mei- nung den Bau derselben, und die Veraͤnderungen, welche er in derselben bemerkt, zu erklaͤren sucht, der wird in die groͤßten Irr- thuͤmer gerathen. So ist es dem Linn é und andern großen Bo- tanikern gegangen. Sie bemerkten, daß mit den Geschlechtsthei- len verschiedener Blumen waͤhrend ihrer Bluͤhezeit verschiedene Veraͤnderungen vorgingen. Ganz richtig urtheilten sie, daß dieses nicht etwas zufaͤlliges, sondern eine Einrichtung der Natur sey, durch welche sie einen gewissen Endzweck, nemlich die Be- fruchtung der Blumen, erreichen wolle. Nur darin fehlten sie, daß sie ihre Aufmerksamkeit bloß auf die Blumen richteten, den Umstand aber, daß dieselben von Insekten besucht werden, wel- chen sie oft genug bemerken mußten, fuͤr etwas zufaͤlliges und kei- ner Aufmerksamkeit wuͤrdiges hielten. Indem sie nun jene Ver- aͤnderungen immer aus einem unrichtigen Gesichtspunkt betrachte- ten, weil sie glaubten, daß die Blumen auf eine mechanische Art befruchtet wuͤrden: so mußte auch natuͤrlicherweise die von ihnen gegebene Erklaͤrung derselben immer vielen Zweifeln und Einwen- dungen ausgesetzt seyn, hatte also niemals das Gepraͤge einer na- turmaͤßigen Erklaͤrung der Naturerscheinungen, welches darin be- steht, daß sie den Leser, dem es bloß um die Erforschung der Wahrheit zu thun ist, vollkommen befriediget, weil er das Un- gezwungene und Ungesuchte derselben mit Wohlgefallen bemerkt. Ganz unmoͤglich aber machte es ihnen diese Erklaͤrungsart, auch nur den Versuch zu machen, folgende Fragen zu beantworten: Wozu dienet der Saft dieser oder jener Blume? Wozu ihre Krone? Wozu der besonders gefaͤrbte Fleck auf derselben? Wozu die Haare und Ansaͤtze an irgend einem Theil derselben? In wel- chem Zusammenhange stehen alle Theile der Blume, welche Be- ziehung haben sie auf die Frucht, welche aus derselben entstehen soll, und wie vereinigt sich alles, was wir an ihr waͤhrend ihrer ganzen Bluͤhezeit sehen und bemerken, zu Einem schoͤnen Ganzen? Wer sich also Blumen aus den Gaͤrten und vom Felde holen laͤßt, und sie auf seinem Studierzimmer untersucht, der wird kei- nesweges den Plan der Natur im Bau derselben entdecken. Man muß vielmehr die Blumen an ihrem natuͤrlichen Standort unter- suchen, und besonders darauf Achtung geben, ob sie von Insek- ten, und von welchen Insekten sie besucht werden, wie sich diese ver- halten, indem sie in die Blumen hineinkriechen, und ihren Saft verzehren, ob sie die Antheren und das Stigma beruͤhren, ob sie irgend eine Veraͤnderung in Ansehung irgend eines Theils der Blumen hervorbringen ꝛc. Kurz, man muß die Natur auf der That zu ertappen suchen. Ich wuͤrde nie im Stande gewesen seyn, den vortrefflichen Bau der Nigella aruensis und das Ge- B 2 Einleitung. heimniß ihrer Befruchtung zu entdecken, wenn ich sie nicht auf dem Felde beobachtet haͤtte. Die Bienen, welche ich auf der- selben antraf, brachten mich auf die richtige Spur. Die kleine Fliege, welche ich auf der Serapias longifolia in ein Spinnenge- webe verwickelt und mit den Staubkoͤlbchen beladen antraf, uͤber- zeugte mich voͤllig von der Richtigkeit der Vorstellung, welche ich von ihrer Befruchtung hatte. Diese Vorstellung gruͤndete sich aber auf andere vorher auch auf dem Felde gehabte Erfahrungen. Man muß es sich also nicht verdrießen lassen, lange bey einer bluͤhenden Pflanze sich zu verweilen, und dergleichen Beobachtungen Einer Art von Blumen oͤfters zu wiederholen, weil dieselbe nicht jeder- zeit sogleich das erstemal grade von demjenigen Insekt besucht wird, welches zu ihrer Befruchtung bestimmt ist. Man muß die Blumen in verschiedenen Tageszeiten beobach- ten und untersuchen, damit man erfahre, ob sie Tages- oder Nachtblumen sind, und bey verschiedener Witterung, z. B. waͤh- rend eines Regens und nach demselben, damit man einsehe, auf welche Art ihr Saft gegen den Regen gesichert ist. Besonders aber sind die Mittagsstunden, wenn die am unbewoͤlkten Himmel hoch stehende Sonne warm, oder wohl gar heiß scheint, diejenige Zeit, da man fleißig Beobachtungen anstellen muß. Denn die Tagesblumen erscheinen alsdenn in ihrer groͤßten Schoͤnheit, und buhlen mit allen ihren Reizen um den Besuch der Insekten, und ihre Befruchtung kann alsdenn um so viel leichter von Statten gehen, weil der Staub auch solcher Antheren, welche an der freyen Luft liegen, voͤllig trocken ist. Die Insekten aber, denen die groͤßte Hitze grade am liebsten ist, sind alsdenn in und auf den Blumen in der groͤßten Thaͤtigkeit, um, ihrer Absicht nach, im Nektar derselben zu schwelgen, nach der Absicht der Natur aber, um sie zugleich zu befruchten. Im Reich der Flora, deren Weisheit nicht minder bewundernswuͤrdig ist, als ihre Schoͤnheit, geschehen alsdenn Wunderdinge, von welchen der Stubenbotaniker, welcher unterdessen sich damit beschaͤftiget, den Forderungen seines Magens ein Genuͤge zu thun, nicht einmal eine Ahndung hat. Man muß bey der Aufsuchung der Saftdruͤse einer Blume an die oben angezeigten Eigenschaften derselben, nehmlich daß sie fleischicht, glatt und mehrentheils gefaͤrbt ist, um so viel mehr ge- denken, da sie oftmals sehr klein und mit ungewaffneten Augen kaum zu sehen ist. Glaubt man wegen des Orts, der Gestalt, oder andrer Umstaͤnde einen gewissen Theil fuͤr die Saftdruͤse hal- ten zu muͤssen, und es finden sich diese drey Eigenschaften an dem- selben: so ist derselbe gewiß die Saftdruͤse. Zuweilen ist sie, wenn sie dem Fruchtknoten nahe, oder gar ein Theil desselben ist, zwar gruͤn, aber heller oder dunkler gruͤn, als der Fruchtknoten, oder Einleitung. der uͤbrige Theil desselben, daß man sie also auch in diesem Fall leicht erkennen kann. Man muß ferner, wenn man die Saftdruͤse einer Blume aufsucht, bey dem Fruchtknoten, als dem Mittelpunkt derselben, anfangen, und, wenn man sie da nicht findet, zu den von dem- selben entfernten Theilen weiter gehen. Wer umgekehrt verfaͤhrt, und von der Peripherie der Blume anfaͤngt, und von da nach dem Mittelpunkt weiter geht, wird leicht einen Theil fuͤr die Saft- druͤse halten, der etwas ganz anders ist. Wenn der unterste Theil einer Blume eine Roͤhre, oder, wenn die Krone mehrblaͤttricht ist, roͤhrenfoͤrmig ist, so muß man die Saftdruͤse jederzeit im Grunde dieses Theils, keinesweges aber an der Oeffnung desselben suchen. Denn entweder gab die Natur deswegen der Blume diese Gestalt, damit der im Grunde der Roͤhre befindliche Saft gegen den Regen gesichert sey; oder wenn sie solches aus einer andern Ursache that, so mußte sie von dieser fuͤr die Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen vortheilhaften Ge- stalt Gebrauch machen, folglich die Saftdruͤse im Grunde der Roͤhre anbringen, keinesweges aber in der Oeffnung derselben, wo der Saft dem Regen ausgesetzt seyn wuͤrde. Eine sehr kleine Blume muß man nicht, ohne vorhergegan- gene sehr genaue Untersuchung, bloß deswegen fuͤr saftleer halten, weil sie sehr klein ist. Denn obgleich das Safttroͤpfchen, welches sie abzusondern im Stande ist, uͤberaus klein seyn muß, so kann es doch irgend einem Insekt Nahrung verschaffen. Denn je klei- ner die Blumen einer Pflanze sind, in desto groͤsserer Anzahl pfle- gen sie auch vorhanden zu seyn. Obgleich also eine jede nur ein sehr kleines Safttroͤpfchen enthaͤlt, so machen doch die Safttroͤpf- chen aller Blumen zusammengenommen eine betraͤchtliche Quanti- taͤt aus. Die Blumen der Schirmpflanzen sind sehr klein, und haben dennoch eine Saftdruͤse und Saft. Wie groß aber ist nicht die Anzahl der Blumen Einer solchen Pflanze? Der Saft, den sie insgesammt enthalten, verschafft einer Fliege eine uͤberfluͤßige Mahlzeit. Da ich in vielen groͤsseren Blumen aus der Synge- nesia Saft gefunden habe, so schließe ich daraus nach der Analo- gie, daß alle, auch die kleinsten Blumen dieser Klasse, als z. B. Achillea, Artemisia, Saft enthalten, und nehme bloß die Rand- blumen in der Syngenesia frustranea und in einigen Gattungen der Syngenesia superflua aus, als welche zu einem andern End- zweck vorhanden sind. Wer sich daruͤber wundert, daß so kleine Blumen eine Saftdruͤse haben sollen, der muß sich auch daruͤber wundern, daß sie Befruchtungstheile haben. So wie diese zu den wesentlichsten Theilen dieser Blumen gehoͤren, so gehoͤrt auch jene zu denselben, und so wie diese uͤberaus klein sind, so ist es auch jene. Und so wie das Safttroͤpfchen uͤberaus klein ist, so ist Einleitung. es auch fuͤr uͤberaus kleine Insekten bestimmt. Denn man be- denke nur die Groͤsse der Blasensuͤße, welche sich fast in allen Blu- men aufhalten, man bedenke die Groͤsse der noch weit kleineren Insekten, welche man zuweilen in den Blumen findet, und man versuche alsdenn genau zu bestimmen, wie groß eine Blume zum wenigsten seyn muͤsse, wenn sie so viel Saft soll absondern und enthalten koͤnnen, als zur Ernaͤhrung so kleiner Thierchen erfor- derlich ist. Man muß einer Blume, besonders wenn man wirklich Saft in derselben findet, nicht deswegen die Saftdruͤse absprechen, weil dieselbe nicht ein besonderer und von den uͤbrigen Theilen unter- schiedener Theil ist. So urtheilt der Verfasser der oben ange- fuͤhrten Dissertation de nectario florum ganz unrichtig, wann er sagt, daß man dem Lamium, der Anchusa, der Galeopsis und einigen auslaͤndischen Gattungen, ob man gleich im Grunde ih- rer Roͤhre Saft finde, ferner denjenigen Blumen, deren recep- taculum oder Kelch Saft enthaͤlt, kein eigentliches Nectarium zueignen koͤnne, weil in denselben keine besondere Saftdruͤse be- findlich sey. Denn erstens gehoͤren die drey ersten Gattungen gar nicht hieher, indem sie wirklich besondere Theile haben, welche bloß zur Bereitung und Absonderung des Safts bestimmt sind, welche er aber wegen ihrer Kleinheit nicht gesehen hat. Zweitens, wenn manche Blumen nicht ein eigentliches Nectarium haben, so haben sie ein uneigentliches. Ein uneigentliches Necta- rium aber ist ein Ausdruck, wobey sich nichts denken laͤßt. Drittens scheint derjenige, welcher also urtheilt, die edle Simplicitaͤt und die große Sparsamkeit der Natur ganz zu verkennen. Nach die- ser Art zu schließen muͤßte man auch sagen, daß die Natur zwar den Ochsen dadurch, daß sie ihm Hoͤrner gegeben, wehrhaft ge- macht habe, keinesweges aber das Pferd, weil dasselbe, ob es gleich sich mit seinen Hinterbeinen zu wehren im Stande sey, dennoch keine besondere Waffen von derselben erhalten habe. Wenn die Natur in einer Blume, ohne eine besonders gestaltete und von den uͤbrigen Theilen unterschiedene Saftdruͤse, Saft be- reiten kann, so wuͤrde es eine unnuͤtze Weitlaͤuftigkeit seyn, wenn sie derselben eine solche Saftdruͤse gaͤbe. In diesem Fall ist also derjenige Theil der Blume, welcher den Saft absondert, zugleich die Saftdruͤse, er sey nun entweder der Fruchtknoten, oder ein Theil desselben, oder der Boden, oder ein Theil der Krone, oder der Filamente. Die Saftdruͤse faͤllt, wann die Blume verbluͤhet, entweder zugleich mit der Krone ab, oder sie bleibt sitzen. Ist letzteres, so ist sie entweder vom Fruchtknoten abgesondert, oder ein Theil desselben. Im ersten Fall vertrocknet sie, schrumpft zusammen, und wird unansehnlich. Im letztern vergroͤssert sie sich zugleich Einleitung. mit dem Fruchtknoten, unterscheidet sich aber doch noch immer durch ihr aͤußeres Ansehen, durch ihre Glaͤtte ꝛc. von demselben. In diesem Fall kann man von ihrem Daseyn gewisser werden, und von ihrer vormaligen Gestalt sich einen bessern Begriff ma- chen, wenn sie zur Bluͤhezeit sehr klein, und kaum bemerkbar ge- wesen ist. So siehet man an dem voͤllig erwachsenen Roggenkorn die vormalige Saftdruͤse sehr deutlich, welche man zur Bluͤhezeit mit bloßen Augen kaum sehen kann, weil der Fruchtknoten selbst alsdenn sehr klein ist. Den im Kelch eingeschloßnen Samenkap- seln der Silenen sieht man es schon von außen an, an welcher Stelle die vormalige Saftdruͤse sitze. Weil der Safthalter jederzeit glatt ist, so ist dieß ein gutes Huͤlfsmittel, um ihn zu finden. Bey Blumen, welche mit einer Roͤhre versehen sind, wird man mehrentheils finden, daß der oberste laͤngere Theil der Roͤhre inwendig mit Haaren oder Wolle uͤberzogen, der unterste kuͤrzere aber glatt ist. Der letztere ist in diesem Fall jederzeit der Safthalter. Wenn man in einer Blume Saft gefunden hat, so hat man zugleich den Safthalter gefunden, und wird auch die Saftdruͤse nicht weit von demselben antreffen. Nur muß man davon ver- sichert seyn, daß die gefundene Fluͤssigkeit auch wirklich Saft, und nicht ein Regentropfen ist. Mehrentheils wird man zwar sehen, daß diese Fluͤssigkeit sich an einem solchen Ort befindet, wo ein Regentropfen unmoͤglich, oder nicht leicht hinkommen kann. Oft aber wird man sie auf einem freystehenden und der Luft ausgesetz- ten Theil finden, da man denn oͤfters nicht wissen wird, ob es Saft, oder ein Regentropfen sey. Durch den Geschmack kann man dieses nicht jederzeit entscheiden. Denn der Saft schmeckt zwar jederzeit suͤß; wer hat aber einen so feinen Geschmack, daß er die Suͤßigkeit eines Troͤpfchens, welches noch viel kleiner, als ein Nadelknopf ist, sollte empfinden koͤnnen? Findet man, daß mehrere Troͤpfchen auf der Blume regelmaͤßig sitzen, daß alle Blu- men an eben derselben Stelle entweder mit Einem oder mehrern Troͤpfchen versehen sind, findet man bey trockner Witterung der- gleichen Troͤpfchen: so kann man mit Grunde es fuͤr sehr wahr- scheinlich halten, daß dieses Saft sey. Zur voͤlligen Gewißheit aber wird man kommen, wenn man dergleichen Blumen mit nach Hause nimmt, und solche, welche noch nicht aufgebrochen sind, ins Wasser stellt. Sobald sie aufgebrochen sind, werden sie, wenn sie Saftblumen sind, anfangen, den Saft abzusondern. Auf solche Art habe ich mich z. B. uͤberzeugt, daß die Troͤpfchen, welche ich in der Heide auf dem Anthericum ramosum fand, wirklich Safttropfen waren. Sie saßen auf dem Fruchtknoten also, daß man leicht glauben konnte, sie seyen Regentropfen, wofuͤr sie auch ein Botaniker hielt, dem ich sie in der Heide zeigte. B 3 Einleitung. Man findet zuweilen in Blumen, welche wirklich Saftblu- men sind, keinen Saft, entweder weil er schon von Insekten ist verzehret worden, welcher Fall um so viel mehr moͤglich ist, wenn man nur einige Exemplare hat und untersuchen kann, oder weil die spaͤte Jahreszeit daran Schuld ist. Manche Pflanzen brin- gen zwar noch bey spaͤter Jahreszeit Blumen hervor, scheinen aber nicht mehr so viel Kraft zu haben, um in denselben auch Saft bereiten zu koͤnnen. Eben dieses gilt von solchen Blumen, welche man im Winter aus einem Gewaͤchs- oder Treibhause erhaͤlt. Die erkuͤnstelte Waͤrme scheint manche Blumen nicht zu einer sol- chen Vollkommenheit bringen zu koͤnnen, daß sie auch wirklich Saft absondern. Wer aber von dem Bau der Blumen einige Kenntniß hat, wird demungeachtet sich oftmals in dergleichen Faͤllen davon uͤberzeugen koͤnnen, daß dergleichen Blumen Saft- blumen sind. So untersuchte ich im Spaͤtherbst die Jasione mon- tana. Saft fand ich in derselben nicht; dennoch schloß ich aus einem Umstand, welchen ich in ihrer Struktur bemerkte, daß sie eine Saftblume sey. Und daß ich richtig geschlossen hatte, lehrte mich im folgenden Sommer die Erfahrung. In der Coronilla Emerus, welche ich im Winter aus einem Gewaͤchshause erhalten hatte, fand ich keinen Saft. Aus ihrer ganzen Struktur aber sahe ich ein, daß sie eine Saftblume sey. Als ich die Blume nach- gehends im Sommer untersuchte, fand ich wirklich Saft in derselben. Die Insekten koͤnnen uns bey dieser Untersuchung sehr be- huͤlflich seyn. Eine Blume, welche von Einer oder mehrern Ar- ten von Insekten haͤufig besucht wird, hat wahrscheinlich Saft. Nur muß man hievon die Bienen ausnehmen, als welche auch saftleere Blumen besuchen, nehmlich des Staubes wegen, und von den Hummeln wenigstens Eine Art, welche gleichfalls Staub sammelt. Von einzelnen Insekten kann man jedoch leicht irre ge- fuͤhrt werden, wenn man es an gehoͤriger Untersuchung fehlen laͤßt. Denn zuweilen suchen sie in saftleeren Blumen, oder in solchen Theilen der Saftblumen Saft, welche den Saft nicht enthalten, wovon ich unter andern bey der Lychnis dioeca ein Beispiel anfuͤhren werde. Dies gilt aber nur von Fliegen, Blatt- laͤusen, Blumenkaͤfern und andern unedleren Insekten, keineswe- ges aber von Bienen und Hummeln, als welche den Saft jeder Blume sehr leicht zu finden wissen. Wenn eine Blume eine solche Struktur hat, daß vermittelst derselben die Regentropfen von ihrem Innersten abgehalten wer- den, so kann man erwarten, daß sie Saft habe. Dahin gehoͤren die roͤhrenfoͤrmigen Blumen, ferner diejenigen, welche herabhan- gen, besonders wenn sie dabey eine glockenfoͤrmige, oder gar wal- zenfoͤrmige Gestalt haben. Daß Blumen, welche eine Roͤhre Einleitung. haben, Saft in derselben enthalten, ist so allgemein, daß bloß die Scheinsaftblumen hievon eine Ausnahme machen; aber eben dieses ist zugleich die Ursache, warum die Scheinsaftblumen eine Roͤhre oder einen roͤhrenfoͤrmigen Theil haben, welches wenig- stens von den vier mir bis jetzt bekannt gewordenen Scheinsaft- blumen gilt. Denn wenn die Natur ihre Absicht erreichen wollte, welche dahin geht, die Insekten zu taͤuschen, und sie zu verleiten, in diese Blumen hineinzukriechen: so mußte sie denselben eine solche Bildung geben, daß die Insekten nothwendig sie fuͤr Saftblu- men halten muͤssen. Folglich mußte sie dieselben mit einer Roͤhre versehen, weil die Insekten aus der Erfahrung wissen, daß eine Roͤhre Saft enthaͤlt. Blumen, welche eine besondere Saftdecke haben, muͤssen auch Saftblumen seyn. Wenn man also in einer Blume Haare findet, so halte man dieselben fuͤr die Saftdecke, und man wird unterhalb derselben den Saft bald finden. Wer dieses nicht weiß, wird in vielen Malvenblumen die Saftdruͤsen lange und dennoch vielleicht vergebens suchen. Denn sie befinden sich an einer ziem- lich verborgenen Stelle. Wem dieses aber bekannt ist, der schlie- ßet aus den Haaren, welche er im Grunde der Krone sieht, so- gleich, daß unter denselben der Saft befindlich seyn muͤsse, und findet diesen und die Saftdruͤsen bald. Wenn eine roͤhrenfoͤrmige Blume um die Oeffnung der Roͤhre herum gewisse Ansaͤtze hat, so halte man dieselben nicht, wie Linn é zuweilen gethan hat, fuͤr Saftdruͤsen, sondern fuͤr die Saftdecke, schließe aus der Gegen- wart derselben, daß die Blume Saft haben muͤsse, und suche die- sen im Grunde der Roͤhre oder des roͤhrenfoͤrmigen Theils: so wird man denselben daselbst leicht finden. Blumen, welche ein Saftmaal haben, sind mehrentheils Saftblumen. Und so wie dasselbe den Insekten behuͤlflich ist, den Saft zu finden, so koͤnnen auch wir uns desselben zu gleichem Endzweck bedienen. Nicht jede mit einer Krone versehene Blume hat Saft. Denn um nicht der Scheinsaftblumen zu gedenken, so giebt es noch an- dere, welche eine ansehnliche Krone, nnd doch keinen Saft ha- ben. Die Krone dieser Blumen ist entweder etwas ganz unerklaͤr- liches, oder sie dienet dazu, daß die Blumen den Bienen, welche den Staub derselhen sammlen, von weitem in die Augen fallen. Und wenn dieses richtig ist, so folgt hieraus, daß auch diese Blu- men, welches ich durch verschiedene Beispiele aus der Erfahrung beweisen werde, von den Bienen befruchtet werden. Denn wenn sie auf eine mechanische Art befruchtet werden sollen, so ist der Umstand, daß Bienen ihren Staub sammlen, den Blumen nicht vortheilhaft, sondern nachtheilig, weil ihre Befruchtung eben so sehr erschweret wird, als ihr Staubvorrath vermindert wird. Folglich Einleitung. wuͤrde ihre Krone bloß dazu dienen, daß Bienen, durch dieselbe herbeygelockt, ihre Befruchtung erschwerten, und sie wuͤrde den- selben den groͤßten Schaden, welcher durch keinen Vortheil auf- gewogen wuͤrde, verursachen, welches ungereimt ist. Sind alle Blumen, welche riechen, Saftblumen? Diese Frage getraue ich mich nicht zu bejahen. Denn die Blumen des Hollunders ( Sambucus nigra ) z. B. haben einen starken Geruch; ich habe aber bisher weder Saft in, noch Insekten auf denselben angetroffen, ausgenommen Maykaͤfer und eine seltene Fliege von der Groͤße einer großen Hummel, welche aber, wie ich genau be- merkt habe, den Antherenstaub verzehrten. Alle Blumen, welche keine eigentliche Krone, noch an der Stelle derselben, einen ansehnlichen und gefaͤrbten Kelch haben, noch riechen, und welche man Bluͤthen zu nennen pflegt, sind saftleer, und werden nicht von den Insekten, sondern auf eine mechanische Art, nemlich durch den Wind besruchtet , welcher ent- weder den Staub von den Antheren ab-, und an die Stigmate anwehet, oder dadurch, daß er die Pflanze oder die Blume schuͤt- telt, verursacht, daß der Staub von den Antheren herab und auf die Stigmate faͤllt. Daß aber die mechanische Befruchtung, und zwar selbst bey Saftblumen, auch auf die Art geschehe, daß die Antheren unmittelbar das Stigma beruͤhren, und demselben ih- ren Staub mittheilen, wuͤrde ich gar nicht glauben, wenn die Befruchtung des Lilium Martagon sich auf eine andere Art er- klaͤren ließe. Indessen werde ich durch mehrere Beispiele bewei- sen, daß die Beobachtungen, aus welchen man diese Befruch- tungsart in Ansehung vieler anderen Saftblumen hat folgern wollen, unrichtig sind. Von dem ersten Theil dieser Behauptung machen jedoch die Blumen der Graͤser eine Ausnahme. Denn sie haben keine ei- gentliche, ansehnliche, gefaͤrbte und in die Augen fallende Krone, und dennoch Saft. Daß aber dieselben, ob sie gleich Saft ent- halten, nicht von Insekten, sondern durch den Wind befruchtet werden, werde ich beweisen, wann ich vorher den Unterschied zwischen solchen Blumen, welche vom Winde, und solchen, welche von den Insekten befruchtet werden, angezeigt haben werde. Die Blumen von der ersten Art unterscheiden sich von den Blumen von der andern Art erstens durch die groͤßere Menge Staubes. Wenn z. B. die Blumen einer weiblichen Pappel durch den Staub eines benachbarten maͤnnlichen Baums vom Winde sollen befruchtet werden, so muß der maͤnnliche Baum bey weitem mehr Staub bereiten, als grade zur Befruchtung aller Blumen des weiblichen Baums noͤthig ist. Denn der Wind wehet nicht jederzeit den Staub grade auf den weiblichen Baum hin, bringt Einleitung. auch nicht ein jedes Staͤubchen grade auf eine solche Blume, welche noch nicht befruchtet ist. Auch waͤschet der Regen nicht nur viel Staub von den Antheren ab, da dieselben ihm bey dergleichen Blumen sehr ausgesetzt sind, sondern er schlaͤgt auch den schon ab- geflogenen und in der Luft befindlichen Staub nieder. Und wenn die weiblichen Aehren eines Riedgrases durch den herabfallenden Staub der uͤber ihnen befindlichen maͤnnlichen Aehren sollen be- fruchtet werden, so faͤllt der groͤßte Theil desselben vorbey. Folg- lich muß auch hier weit mehr Staub vorhanden seyn, als grade zur Befruchtung noͤthig ist. Dieses wird durch die Erfahrung be- staͤtiget. Denn die beiden angefuͤhrten Gattungen bereiten sehr viel Staub. Die Kiefer ( Pinus syluestris ) hat so viel Staub, und verstreuet denselben in solcher Menge in die Luft, daß es waͤh- rend ihrer Bluͤhezeit, wie die gemeinen Leute sagen, zuweilen Schwefel regnet. Wie viel groͤßer sind nicht beim Haselstrauch und bey der Else die maͤnnlichen Kaͤtzchen, als die weiblichen Bluͤ- then und Kaͤtzchen? Mit den Blumen von der andern Art ver- haͤlt es sich ganz anders. Gesetzt, eine Pflanze hat dergleichen Blumen, und zwar maͤnnliche und weibliche, und die letztern sol- len von Bienen durch den Staub der erstern befruchtet werden, und zwar so, daß diese, indem sie in die maͤnnlichen Blumen hineinkriechen, mit dem Ruͤcken den Staub von den Antheren ab- streifen, und, wann sie hierauf in eine weibliche Blume hinein- kriechen, mit dem bestaͤubten Ruͤcken das Stigma beruͤhren, wel- ches zu dem Ende grade da befindlich ist, wo in der maͤnnlichen Blume die Antheren sind: so siehet man ein, daß hier nicht viel Staub noͤthig ist. Auch dieses bestaͤtigt die Erfahrung zur Genuͤge. Man schlage z. B. mit einem Stock auf einen bluͤhenden Zweig einer Kiefer, einer Haselstaude, oder einer Else, so wird man eine große Staubwolke hervorbringen. Man schlage aber auf einen bluͤhenden Johannis- oder Stachelbeerenstrauch, so wird sich keine solche Staubwolke zeigen. Die zweylippichten Blumen haben nicht mehr als vier Antheren, einige nur zwey, koͤnnen also nur wenig Staub bereiten; dieser ist aber zur Befruchtung voͤllig zureichend, weil dieselbe nicht durch den Wind, sondern durch die Insekten geschieht. Hierbey ist jedoch noch zu merken, daß jener Versuch, um sich von der Menge des Staubes der Blumen von der ersten Art zu uͤberzeugen, nur bey windstillem Wetter geschehen muß. Denn wenn der Wind wehet, wird sich wenig oder gar kein Staub zei- gen, weil der Wind denselben schon verwehet hat. Nemlich auch dadurch unterscheiden sich diese Blumen von den Blumen der andern Art, daß ihr Staub sehr fluͤchtig ist, und durch das ge- ringste Luͤftchen leicht fortgefuͤhrt wird, da der Staub der letztern fester sitzt. Man breche im Fruͤhjahr von der Haselstaude, der Einleitung. Espe, der Else Zweige ab, welche mit noch nicht bluͤhenden, aber vom Bluͤhen nicht mehr weit entfernten maͤnnlichen Kaͤtzchen ver- sehen sind, folglich von ihrem Staube noch nichts verloren ha- ben. Stellt man dieselben in einem mit Wasser angefuͤllten Gefaͤße auf ein Fenster, durch welches die Mittagssonne scheint, so wird man nach einigen Tagen finden, daß die Kaͤtzchen sich verlaͤngert, und die Antheren sich geoͤffnet haben. Blaͤset man alsdenn auf diese Zweige, so wird sich eine große Staubwolke zeigen. War- tet man aber, ohne diesen Versuch zu machen, noch einige Tage, bis alle Antheren sich geoͤffnet haben, und blaͤset alsdenn: so wird man allen Staub rein wegblasen, und wenn man nach einigen Tagen diesen Versuch wiederholt, wird man keinen Staub mehr gewahr werden. Einen gleichen Erfolg wird man bemerken, wenn man die Zweige schuͤttelt. Von den Antheren einer Blume von der andern Art hingegen wird man den Staub keinesweges so leicht wegblasen koͤnnen. Denn derselbe sitzt fester, und gleicht mehr einem Mehl, welches etwas feucht ist, und deswegen eini- germaßen zusammenhaͤngt, als einem trocknen Staube, welchen das geringste Luͤstchen wegfuͤhrt. Man stelle mit einem Zweige des maͤnnlichen Wersts ( Salix caprea ) diesen Versuch an, und man wird finden, daß man weder durch Blasen noch durch Schuͤt- teln eine solche Staubwolke hervorbringen kann. Man blase die Antheren des Crocus, der Tussilago Farfara, der Cornus ma- scula, des Ornithogalum luteum an, so wird man zwar einzelne Koͤrnchen, aber nicht den ganzen Vorrath des Staubes, in der Gestalt eines eigentlichen Staubes, wegblasen koͤnnen. Ja selbst bey der Anemone Hepatica und dem Papauer dubium, welche keinen Saft, aber eine Krone haben, wird sich ein gleiches zei- gen. Hieraus und aus andern Umstaͤnden, welche ich an seinem Ort anfuͤhren werde, schließe ich, daß diese und die ihnen aͤhnli- chen Blumen von den Bienen befruchtet werden. Daß nun diese verschiedene Beschaffenheit des Staubes sehr zweckmaͤßig sey, sieht ein jeder von selbst ein. Das Gegentheil dieser Einrichtung wuͤrde die Absichten der Natur gaͤnzlich vereiteln. Denn wenn der Staub der Blumen von der ersten Art fest saͤße, so wuͤrde derselbe nicht vom Winde auf die oftmals sehr weit entfernten Stigmate gefuͤh- ret werden koͤnnen; und wenn der Staub der Blumen von der andern Art vom Winde leicht weggewehet werden koͤnnte, so wuͤr- den die Insekten, wenn sie die Blumen besuchten, wenig oder gar keinen Staub abstreifen, und folglich dieselben nicht befruch- ten koͤnnen. Endlich muͤssen bey den Blumen von der ersten Art sowohl die Antheren, als die Stigmate frey an der Luft liegen, damit der Wind den Staub von jenen auf diese fuͤhren koͤnne, und die Stigmate muͤssen von ansehnlicher Groͤße seyn, weil, wenn sie Einleitung. sehr klein sind, es nur selten geschehen kann, daß sie Staub er- halten. Bey den Blumen von der andern Art hingegen ist weder jenes noch dieses noͤthig, sondern es koͤmmt bey denselben bloß darauf an, daß die Antheren und Stigmate grade an einer sol- chen Stelle sich befinden, daß sie von dem zur Befruchtung der- selben bestimmten Insekt, indem dasselbe hineinkriecht, nothwendig beruͤhrt werden muͤssen, und wenn das Stigma in diesem Fall auch noch so klein ist, so wird es doch jedesmal von dem Insekt bestaͤubt. Um nun wieder auf die Blumen der Graͤser zu kommen, so beweise ich, daß sie nicht von Insekten, sondern vom Winde be- fruchtet werden, erstens aus der Menge des Staubes, welchen sie bereiten, zweitens aus der Fluͤchtigkeit desselben. Wenn man z. B. bey schoͤnem und zugleich windstillem Wetter die bluͤhende Rispe der Dactylis glomerata klopfet oder anblaͤset, so bringt man eine Staubwolke hervor, welche in die Luft verfliegt. Drit- tens daraus, daß die Filamente sehr lang und duͤnne sind, so daß die Antheren in einer ziemlichen Entfernung unter den Blumen hangen. Dieses dient offenbar dazu, daß der Wind die Antheren desto besser schuͤtteln, und ihren Staub abwehen koͤnne. Vier- tens aus der ansehnlichen Groͤße und der Gestalt der Stigmate, vermoͤge welcher dieselben im Stande sind, viele vom Winde auf sie hingewehete Staubtheilchen zu empfangen. Endlich fuͤnftens daraus, daß ich keine Insekten auf diesen Blumen angetroffen habe. Die Blumen der Graͤser halten also das Mittel zwischen den Blumen der Riedgraͤser und aͤhnlicher Pflanzen und den Saftblumen. Jenen sind sie darin aͤhnlich, daß sie vom Winde befruchtet werden, unaͤhnlich aber darin, daß sie Saft haben. Mit diesen kommen sie im letzten Stuͤck uͤberein, unterscheiden sich aber von denselben in Ansehung des ersten. Wozu dienet aber ihr Saft? Diese Frage bin ich nicht im Stande zu beant- worten. Was Linn é schon bemerkt hat, daß nemlich viele Blumen deswegen eher zum Vorschein kommen, als die Blaͤtter, damit der Wind von den letztern nicht verhindert werde, den Staub fortzufuͤhren, gilt bloß von Blumen von der ersten Art, als z. B. von den Bluͤthen der Ulme, der Pappeln, des Haselstrauchs ꝛc. Die Blaͤtter der Fichtenarten koͤnnen die Befruchtung durch den Wind nicht sonderlich verhindern, da sie sehr schmal und glatt sind. Bey der europaͤischen Linde hingegen wuͤrden die Blaͤtter dieses allerdings thun. Schon hieraus laͤßt sich vermuthen, daß ihre Blumen Saftblumen sind, und von Insekten befruchtet wer- den. Zu dieser Bemerkung Linn é ’s fuͤge ich noch dieses hinzu, daß dergleichen Baͤume nicht nur eher bluͤhen muͤssen, als sie selbst Blaͤtter haben, sondern auch eher, als die Baͤume uͤberhaupt Blaͤtter Einleitung. Blaͤtter haben. Denn wenn z. B. Espen, welche in einer Heide stehen, erst alsdann zu bluͤhen anfingen, wann andere Baͤume, welche zwischen ihnen stehen, schon belaubt sind: so wuͤrden diese den Wind verhindern, den Staub der maͤnnlichen Espen auf die weiblichen Baͤume zu fuͤhren. Nun giebt es aber auch Saftblumen, welche eher zum Vor- schein kommen, als die Blaͤtter. Dahin gehoͤren z. B. die Kor- nelkirsche (Cornus mascula), der Kellerhals ( Daphne Meze- reum ), der Huflattig ( Tussilago Petasites und Farfara ) und die Zeitlose ( Colchicum autumnale ). Bey diesen kann die vom Linn é angegebene Ursache nicht Statt finden, da sie nicht vom Winde, sondern von Insekten befruchtet werden. Die eigentliche Ursache dieser Einrichtung scheint mir in der Bluͤhezeit zu liegen. Die Zeitlose ist eine von den zuletzt, und die uͤbrigen Arten ge- hoͤren zu den zuerst bluͤhenden Saftblumen. Da sie also insge- sammt in einer solchen Jahreszeit bluͤhen, in welcher es außer ih- nen sehr wenig Saftblumen giebt: so war es noͤthig, es zu ver- anstalten, daß die Bienen und andere Insekten dieselben um so viel leichter finden koͤnnen, da sie die einzigen, oder fast die ein- zigen sind, welche ihnen Nahrung verschaffen koͤnnen. Und zur Erreichung dieser Absicht war es sehr dienlich, die Blumen eher bluͤhen zu lassen, als die Blaͤtter zum Vorschein gekommen sind, damit jene, nicht von diesen verdeckt, desto mehr schon von wei- tem den Insekten in die Augen fallen. Da der Endzweck der Krone, welcher allezeit Statt findet, dahin geht, daß die Blume den Insekten von weitem in die Au- gen falle: so muß dieselbe jederzeit so groß seyn, als moͤglich ist. Diese Moͤglichkeit aber beruhet vornehmlich auf ihrer Gestalt. Wenn sie flach ist, so kann sie sehr groß seyn, und ist wirklich so groß, als ihre Dicke es zulaͤßt. Dieß finden wir z. B. bey den Malvenblumen, dem Mohn, den Nelkenblumen, den Randblu- men des Viburnum Opulus und der Syngenesisten. Hat sie aber z. B. eine kugelfoͤrmige Gestalt, als bey der Heidelbeere (Vaccinium Myrtillus), so kann sie unmoͤglich groͤßer seyn, als sie ist, weil sonst die Blume selbst groͤßer seyn muͤßte. Da aber zur Erreichung dieses Endzwecks ihre Dicke unmittelbar nichts beytraͤgt, so ist sie auch jederzeit, wenn bloß diese einzige Absicht durch dieselbe erreicht werden soll, sehr duͤnne. So hat z. B. Connolunlus tricolor eine sehr duͤnne Krone, obgleich bey der- selben nicht einmal bloß jene Absicht statt findet, sondern außer derselben noch drey andere, nemlich daß sie sich bey Tage in konoi- bischer Gestalt ausspanne, welches zur Erreichung der ersten Ab- sicht dienet, daß sie sich des Nachts schließe, und daß ein, ver- muthlich groͤßeres, Insekt auf derselben stehen koͤnne, um zum Saft zu gelangen. Da diese Absichten eine gewisse, wenn auch Einleitung. noch so geringe, Dicke der Krone noͤthig machen, so wuͤrde, wenn dieselben wegfielen, die Krone vermuthlich noch duͤnner seyn. So oft also die Krone dicke oder fleischicht ist, so muß mit jener noch eine andere Absicht verbunden seyn. So pflegt sie in solchen Blu- men, welche keinen Kelch haben, fleischicht zu seyn, sowohl, weil sie im Knospenzustand derselben des Kelchs Stelle vertreten, und die noch zarten Geschlechtstheile beschuͤtzen muß, als auch, weil sie, wann dieselben aufgebrochen sind, von keinem Kelch unter- stuͤtzt, sich selbst in ihrer Stellung erhalten muß. Eine jede Blume muß zwar immer eine solche Gestalt haben, daß sie bey der Stellung, welche sie hat, den Insekten am leich- testen in die Augen fallen kann. Was aber diese Stellung selbst betrifft, so muß dieselbe, da die Blume nicht ihrer selbst, sondern der Frucht wegen da ist, aus der Frucht hergeleitet werden. Und man muß nicht so schließen, die Frucht hat diese oder jene Stel- lung, weil die Blume dieselbe haben mußte, sondern umgekehrt, die Blume hat diese oder jene Stellung, damit die Frucht dieselbe haben koͤnne. Die Filamente und der Griffel sind bloß deswegen da, damit die Antheren und das Stigma sich grade an derjenigen Stelle be- finden, wo sie von dem zur Befruchtung der Blume bestimmten Insekt, indem es in dieselbe hineinkriecht, nothwendig beruͤhrt werden muͤssen. Wenn also diese Stelle in Ansehung des Stigma unmittelbar uͤber dem Fruchtknoten, und in Ansehung der An- theren unmittelbar uͤber dem Boden ist: so hat die Blume in jenem Fall keinen Griffel, und in diesem keine Filamente. Daß die Fi- lamente und der Griffel zu diesem Ende wirklich vorhanden sind, wird man fast bey allen in der Abhandlung vorkommenden Blu- men ohne mein Erinnern von selbst leicht einsehen. Daß die Fi- lamente zu diesem Ende fehlen, wird sich bey den abgehandelten Orchisblumen von selbst ergeben. Daß endlich der Griffel zu die- sem Ende fehlt, wird man bey der Parnassia palustris einsehen. Auf die Abwesenheit oder Gegenwart dieser Theile muß man also bey Untersuchung der Blumen sehr aufmerksam seyn, vorzuͤglich aber darauf, wie sich dieselben, wenn sie wirklich vorhanden sind, waͤhrend der ganzen Bluͤhezeit verhalten, wie sie nach und nach sich verlaͤngern, sich kruͤmmen, sich grade strecken ꝛc. So wie die- ses alles leicht bemerkt werden kann, so wird man auch, wenn man untersucht, wozu es denn wohl geschieht, oftmals bald auf die richtige Spur kommen. Mau kann nicht laͤugnen, daß die Natur die Antheren und das Stigma vieler Blumen vor dem Regen sehr wohl verwahrt hat, weil derselbe sowohl jenen, als diesem nachtheilig ist. Je- nen, indem er ihren Staub zusammenklebt, auch vielleicht zur Befruchtung untauglich macht; diesem, es mag nun mit Haaren, C Einleitung. oder mit einer gewissen Feuchtigkeit uͤberzogen seyn, indem er es in beiden Faͤllen verhindert, den Staub aufzunehmen. Indes- sen giebt es doch auch nicht wenig Blumen, in welchen man eine solche Veranstaltung nicht findet, deren Saft aber gegen den Re- gen voͤllig gesichert ist. Ja es giebt Blumen, deren Stigmate und Staubgefaͤße eben deswegen dem Regen ausgesetzt sind, da- mit sie die Regentropfen auffangen, und dieselben verhindern, zu dem hinter oder unter ihnen befindlichen Saft zu dringen. Da- hin gehoͤren z. B. verschiedene Malvenblumen. Die Ursache, warum die Natur mehr Sorge fuͤr den Saft, als fuͤr die Anthe- ren und das Stigma in Ansehung des Regens getragen hat, laͤßt sich leicht entdecken. Der Saft ist in den Blumen das, was in einer Uhr die Feder ist. Nimmt man den Blumen den Saft, so macht man dadurch alle ihre uͤbrige Theile unnuͤtz, so vernichtet man ihren letzten Endzweck, nemlich die Hervorbringung der Fruͤchte. Ein gleiches erfolgt, wenn Regenwasser sich mit dem Saft vermischt, und denselben verdirbt. Denn die Insekten, welche treffliche Schmecker sind, verschmaͤhen die lose Speise, und lassen die Blumen unbesucht, und folglich unbefruchtet. Wenn also gleich die Antheren und das Stigma einiger solcher Blumen durch den Regen zur Befruchtung untuͤchtig gemacht worden sind, so erstreckt sich dieser Nachtheil doch nur auf sie, und das Insekt, welches in denselben eine unverdorbene Nahrung gefunden hat, setzt das ihm aufgetragene Befruchtungsgeschaͤft mit Vergnuͤgen fort, und befoͤrdert dieses doch wenigstens wirklich in denjenigen Blumen, welche nichts vom Regen gelitten haben. Waͤre aber der Saft durch den Regen verdorben worden, so koͤnnte das In- sekt leicht eine Abneigung gegen die ganze Art bekommen, folg- lich sich zu einer andern wenden, und jene unbefruchtet lassen. Die Natur hat einer jeden Blume eine gewisse Lebensdauer bestimmt, dieser eine kuͤrzere, eine laͤngere jener. Manche bluͤhen nur Einen Tag, als Hemerocallis fulua, andere mehrere Tage. Diejenige, welche nach meinen bisherigen Beobachtungen am laͤngsten bluͤhet, ist Vaccinium Oxycoccos, denn sie bluͤhet acht- zehn Tage lang. Auf die Dauer der Bluͤhezeit muß man sehr auf- merksam seyn. Daß ich mich in meiner ersten Vorstellung von der Art, wie Nigella aruensis von den Bienen befruchtet wird, geirrt hatte, haͤtte mich schon der Umstand lehren sollen, daß diese Blume, nachdem diese vermeintliche Befruchtung vollzogen wor- den, noch eine geraume Zeit zu bluͤhen fortfaͤhrt, und dann erst die Kronenblaͤtter, die Staubgefaͤße und die Saftmaschinen ver- liert. Ich uͤbersah aber damals diesen Umstand. Ich sah noch nicht ein, wie die Natur, immer nur ihren Hauptendzweck, nem- lich die Hervorbringung der Frucht, vor Augen habend, eine jede Blume grade so lange vegetiren laͤßt, als zur Befruchtung des Einleitung. Fruchtknotens erforderlich ist, und wie sie, sobald der Fruchtkno- ten befruchtet ist, die Blume ihres ganzen Schmucks, in welchem sie bis dahin so herrlich prangte, beraubt, weil derselbe nunmehr ein ganz unnuͤtzer Staat seyn wuͤrde. Die Krone faͤllt alsdenn entweder ab, oder sie wird, wenn sie sitzen bleibt, welk, unan- sehnlich und ganz unkenntlich. War der Kelch vorher gefaͤrbt, so wird er nun gruͤn, weil die junge Frucht bis zu ihrer Reise nichts weniger als in die Augen fallen soll, damit sie, von keinem Thier bemerkt und beschaͤdigt, fortwachsen und reifen koͤnne. Koͤlreuter und Medikus wollen an verschiedenen Arten der Scrophularia beobachtet haben, daß die Staubgefaͤße, welche anfangs in einer zirkelfoͤrmigen Kruͤmmung im Grunde der Krone liegen, und sich in der Folge eins nach dem andern grade strecken, ihre alsdenn reife Antheren auf das Stigma legen, daß folglich die Blumen auf diejenige mechanische Art befruchtet werden, von welcher ich oben gesagt habe, daß man das Daseyn derselben aus unrichtigen Beobachtungen hat folgern wollen. Waͤren nun diese Maͤnner auf die Dauer der Bluͤhezeit dieser Blumen aufmerksam gewesen, so wuͤrden sie nicht nur gefunden haben, daß sie sich bey dieser Beobachtung geirrt haͤtten, sondern sie wuͤrden auch die Dichogamie leicht haben entdecken koͤnnen. Sie wuͤrden nemlich bemerkt haben, daß diese Blumen ungefaͤhr zwey Tage lang bluͤ- hen, ehe eine Anthere zum Vorschein koͤmmt. Haͤtten sie nun also geurtheilt: Die Natur kann unmoͤglich diese Zeit hindurch die Blumen vergebens bluͤhen lassen: so wuͤrden sie leicht bemerkt ha- ben, daß das Stigma in den beiden ersten Tagen bluͤhet, daß folglich diese Zwitterblumen waͤhrend dieser Zeit weibliche Blumen sind. Sie wuͤrden ferner gefunden haben, daß die erste Anthere nicht eher zum Vorschein koͤmmt, als nachdem der oberste Theil des Griffels nebst dem Stigma verwelkt ist, und sich niederwaͤrts gekruͤmmt hat, daß folglich diese Zwitterblumen, so lange die An- theren bluͤhen, welches auch ungefaͤhr zwey Tage dauert, maͤnn- liche Blumen sind, und die Befruchtung keinesweges waͤhrend dieser Zeit von den nach und nach zum Vorschein kommenden An- theren geschehen kann, sondern schon vorher, da die Antheren noch im Grunde der Blume steckten, geschehen seyn muß. Aus dem allen haͤtte sich nun der Schluß von selbst ergeben, daß diese Blumen nicht im Stande sind, sich mit ihrem eigenen Staube zu befruchten, folglich ihre Befruchtung schlechterdings nicht anders als so geschehen koͤnne, daß Insekten den Staub der aͤlteren Blu- men auf das Stigma der juͤngeren schleppen. Haͤtten sie nun, um die Richtigkeit dieses Schlusses durch die Erfahrung bestaͤtigt zu sehen, die Blumen bey schoͤnem Wetter oͤfters beobachtet, so wuͤrden sie gefunden haben, daß Wespen und andere Insekten dieselben besuchen, und daß diese nicht des Safts theilhaftig werden Einleitung. koͤnnen, ohne zugleich in den aͤlteren Blumen die Antheren, und in den juͤngeren das Stigma mit ihrem Koͤrper stark zu beruͤhren, und folglich jene ihres Staubes zu berauben, und mit demselben dieses zu versehen. Sollen die Blumen von den Insekten besucht und befruchtet werden, so muͤssen sie von denselben, und zwar schon von wei- tem, leicht bemerkt werden koͤnnen. Folglich muͤssen sie einen freyen Stand haben, und weder von den Blaͤttern ihrer Pflan- zen, noch von andern benachbarten Pflanzen verdeckt werden. Laͤßt sich aber dieses aus anderweitigen erheblichen Ursachen nicht thun, so muͤssen sie einen desto staͤrkern Geruch haben. Daß die Erfahrung dieses bestaͤtiget, werde ich in der Abhandlung durch einige Beispiele beweisen. Drey Umstaͤnde sind es, aus welchen man, so wie vieles an- dere, was die Struktur der Blumen betrifft, also auch, warum sie regulaͤr, oder irregulaͤr sind, erklaͤren kann. Der erste ist die Inflorescenz, oder die Art und Weise, wie die Blumen an den Stengel, oder an die Zweige einer Pflanze angefuͤgt sind. Der zweite, dessen ich schon oben erwaͤhnt habe, ist, daß die Regen- tropfen, wenigstens bey einer Windstille, perpendikulaͤr auf die Blumen herabfallen. Der dritte ist die Absicht der Natur, daß die Insekten die Blumen befruchten sollen, wenn man dabey zu- gleich auf die natuͤrliche Stellung der Insekten Ruͤcksicht nimmt, welches im Fliegen allezeit, und im Gehen und Stehen gewoͤhn- lich die aufrechte ist. Denn ob sie gleich auch in umgekehrter Stel- lung gehen und stehen koͤnnen, so werden sie es doch ohne drin- gende Ursache nicht thun, weil es ihnen mehr Muͤhe verursacht, indem sie sich, um nicht herabzufallen, anklammern muͤssen. Zum Beispiel einer grade aufrecht stehenden Blume waͤhle ich den Dianthus superbus, Tab. XIV. 15. 18., einer grade herabhan- genden das Leucoium vernum, Tab. X. 42. 47., einer horizon- talen stehenden das Lamium album, Tab. XVI. 8. 9., und einer horizontalen hangenden die Digitalis purpurea, Tab. XVII. 22. 25. 33. Was die erste Blume betrifft, so sieht man leicht ein, daß weder von Seiten des Regens, noch der Insekten die geringste Ursache vorhanden ist, warum dieselbe nicht regulaͤr seyn sollte. Sie steht am Ende eines Zweiges, und zwar einzeln, aufrecht, und wird also durch nichts gehindert, ihre Krone, um den In- sekten von weitem in die Augen zu fallen, auf allen Seiten so weit auszubreiten, als zu diesem Endzweck noͤthig ist. Sie wird also die Krone nach allen Seiten, und zwar auf eine gleiche Art, aus- breiten, weil ein Insekt sich bald auf dieser, bald auf jener Seite befindet, und keine Ursache da ist, warum sie in dem einen Fall nicht eben so wohl, als in dem andern, und in dem einen nicht Einleitung. eben so sehr, als in dem andern sich den Insekten bemerkbar ma- chen sollte. Nun dient der oberste aus dem Kelch hervorragende Theil der Kronenblaͤtter, oder das Plaͤttchen, auch dazu, daß das Insekt auf demselben bequem stehen koͤnne, um zum Saft zu gelangen, es mag hergeflogen kommen, von welcher Seite es will. Aus beiden Ursachen muͤssen die Kronenblaͤtter in Ansehung dieses Plaͤttchens sich einander gleich, jedoch besonders wegen der ersten Ursache, von ansehnlicher Groͤße seyn. Nachdem nun das Insekt sich auf die Blume gesetzt hat, so soll ein Fleck von beson- derer Farbe, als das Saftmaal, ihm den Weg zu dem im Grunde des Kelchs befindlichen Saft zeigen. Da nun das In- sekt sich zufaͤlligerweise bald auf dieses, bald auf jenes Plaͤttchen gesetzt hat, so muß ein jedes Plaͤttchen sein Saftmaal in gleicher Entfernung von der Oeffnung der Roͤhre haben. Indem es nun in die Roͤhre hineinkriecht, so soll es die Blume befruchten, und zwar also, daß es in der juͤngeren den Staub der bluͤhenden An- theren abstreife, und in der aͤlteren denselben wieder an die bluͤ- henden Stigmate anstreiche. Folglich muͤssen die Stigmate so- wohl, als die Antheren, nicht nur eine regulaͤre Stellung gegen die fuͤnf Kronenblaͤtter, und also auch gegen die Axe der Blume haben, sondern auch, wegen dieser besonderen Art der Befruch- tung, diese ungefaͤhr eben den Raum einnehmen, welche jene ein- nehmen. Also stehen diese und jene in der Mitte. Auf diese auf- rechtstehende Blume fallen die Regentropfen grade herab, deren keiner in den Grund des Kelchs zum Saft kommen soll. Ob sie nun gleich in die enge Roͤhre nicht leicht hineindringen koͤnnen, in welcher sich noch dazu die Staubgefaͤße und Stigmate befinden, und den Raum derselben zum Theil ausfuͤllen: so war es doch nicht uͤberfluͤßig, es zu veranstalten, daß kein Regentropfen, wel- cher auf die Krone gefallen ist, sich der Oeffnung der Roͤhre naͤ- hern koͤnne. Zu dem Ende sind die Kronenblaͤtter erstens in sehr schmale Stuͤcken ausgeschnitten, damit sie so wenig Regentropfen als moͤglich, auffangen, und es ist keine Ursache vorhanden, warum sie nicht alle, und warum sie nicht auf eine gleiche Art so ausgeschnitten seyn sollten. Zweitens haben sie nicht weit von der Oeffnung der Roͤhre auf eben der Stelle, wo das Saftmaal ist, Haare, welche auswaͤrts gekehrt sind, und es laͤßt sich keine Ur- sache gedenken, warum sie nicht alle, und nicht an eben derselben Stelle diese Haare haben sollten. Die zweite Blume stimmt in manchen Stuͤcken mit der ersten uͤberein, in andern ist sie derselben grade entgegengesetzt, weil sie nemlich herabhaͤngt. Sie ist an das Ende des umgebogenen Sten- gels befestiget, kann sich von allen Seiten gleich ausbreiten, kann von allen Seiten den Insekten in die Augen fallen. Denn das erstere wird von dem groͤßern aufrecht stehenden Theil des Sten- C 2 Einleitung. gels gar nicht, und das letztere nur sehr wenig verhindert. Folg lich muͤssen ihre sechs Kronenblaͤtter sich einander voͤllig gleich seyn. Die Biene, welche die Blume besucht, und vermuthlich auch be- fruchtet, soll, nachdem sie sich, auf welcher Seite sie will, auf die aͤußere Oberflaͤche der Krone gesetzt hat, ein Saftmaal finden, durch welches sie gelockt werde, in die Blume hineinzukriechen. Dieses Saftmaal mußte folglich auf der aͤußern Oberflaͤche der Krone angebracht werden, und zwar auf eine regulaͤre Art. Folg- lich mußte ein jedes Kronenblatt am Ende einen Fleck von anderer Farbe haben. Nachdem sie in die Blume hineingekrochen ist, so soll sie, indem sie den Saft verzehrt, zugleich die Blume befruch- ten. Und dieses geschieht wahrscheinlich also, daß, indem sie den am Griffel befindlichen Saft ableckt, sie zugleich an einige Anthe- ren stoͤßt, da denn der in denselben enthaltene Staub aus den am Ende befindlichen Oeffnungen heraus, und auf den Koͤrper der Biene faͤllt, von welchem ein Theil auf das Stigma koͤmmt, weil die Biene mit dem bestaͤubten Theil ihres Koͤrpers dasselbe noth- wendig beruͤhren muß. Da nun die Befruchtung auf diese Art jedesmal geschehen soll, von welcher Seite auch die Biene in die Blume hineingekrochen seyn mag: so ist keine Ursache vorhanden, warum in Ansehung der Antheren und des Griffels nebst seinem Stigma eine Irregularitaͤt Statt finden sollte. Was den Regen betrifft, so mußte die Blume zwar in Ruͤcksicht auf denselben eine an- dere Struktur erhalten, als die erste, da die Regentropfen auf die aͤußere, nicht aber auf die innere Oberflaͤche ihrer Krone fallen. Die Kronenblaͤtter mußten z. B. ganz, und nicht in schmale Stuͤcken zerschnitten seyn, wie bey der ersten. Und weil auf solche Art das Inwendige der Blume vor dem Regen hinlaͤnglich ge- sichert ist, so war es nicht noͤthig, hier eine besondere Saftdecke, wie bey der ersten, anzubringen. Indessen ist doch auch in Ruͤck- sicht auf den Regen keine Ursache vorhanden, warum die Blume nicht regulaͤr seyn sollte. Eine ganz andere Bewandniß hat es mit der dritten Blume. Sie sitzt nicht am Ende des Stengels, oder eines Zweiges, son- dern an der Seite des Stengels, und zwar nicht einzeln, sondern nebst mehrern, welche den Stengel umgeben, und einen Quirl bilden. Sie kann sich nur von vorne gehoͤrig ausbreiten, und zwar, wegen der benachbarten Blumen, mehr in die Laͤnge als in die Queere, keinesweges aber, des Stengels wegen, von hin- ten. Sie faͤllt auch den Hummeln, welche sie befruchten sollen, nur von vorne in die Augen, obgleich der ganze Quirl von allen Seiten. Eben so koͤnnen zwar die Hummeln von allen Seiten zum Quirl, aber nur von Einer Seite, nemlich von vorne, zu einer Blume gelangen. So wie also keine Ursache da ist, warum der Quirl nicht regulaͤr seyn sollte, so sind sowohl von Seiten der Einleitung. Hummeln, als auch in Ansehung des Regens, mehrere Ursachen vorhanden, warum die Blume irregulaͤr seyn, und diejenige Ge- stalt haben mußte, welche sie wirklich hat. Wenn eine Hummel, durch saͤmmtliche Kronen des Quirls gelockt, sich demselben genaͤhert hat, so setzt sie sich auf denjenigen Theil einer Blume, welcher ihr wegen ihrer aufrechten Stellung hierzu am bequemsten ist. Dieser Theil ist die Unterlippe der Krone, welche also sowohl wegen dieser Ursache, als auch, weil sie, als ein Theil der Krone, zu dem so eben erwaͤhnten Endzweck der Kronen, das Insekt anzulocken, das Ihrige beitraͤgt, von be- traͤchtlicher Groͤße seyn muß. Das auf der Unterlippe befindliche und sich bis an die Oeffnung der Roͤhre erstreckende Saftmaal zeigt der Hummel den Weg zum Safthalter, welches der unterste Theil der Roͤhre ist. Vergleicht man also diese Blume mit der ersten, so kann man sich dieselbe in Ansehung ihrer Unterlippe als ein Fuͤnftheil jener vorstellen. Jene hat fuͤnf Kronenblaͤtter und eben so viel Saftmaͤler und Saftdecken, welche um die Axe derselben regelmaͤßig stehen: diese hat nur Ein Kronenblatt (die Unterlippe) und Ein Saftmaal. Was aber die Saftdecke betrifft, so haben zwar andere mit ihr verwandte Blumen, z. B. Nepeta Cataria, Glecoma hederacea, auf der Unterlippe Haare; bey dieser hin- gegen sind diese Haare nicht auf ihrer Unterlippe, sondern im Grunde der Roͤhre unmittelbar uͤber dem Safthalter angebracht worden. Dieß ist Eine Irregularitaͤt. Nun soll die Hummel nicht umsonst den Saft der Blume verzehren, sondern zur Ver- geltung dieselbe befruchten, und zwar vermuthlich auf eben die Art, welche bey der ersten angezeigt worden ist. Zu diesem Ende ist es zwar noͤthig, daß die bluͤhenden Antheren in der juͤngeren Blume eben diejenige Stelle einnehmen, weiche das bluͤhende Stigma in der aͤlteren erhaͤlt, damit die Hummel sowohl jene, als dieses mit eben demselben Theil ihres haarichten Koͤrpers be- ruͤhre; weil aber die Hummel nicht von verschiedenen Seiten, sondern nur von Einer Seite, und jedesmal auf die nemliche Art in die Blume hineinkriecht: so ist es nicht noͤthig, daß die Anthe- ren und das Stigma eine in Ansehung der Axe der Roͤhre regel- maͤßige Stellung haben, sondern diejenige, welche die schicklichste ist. Daher biegen sich die Filamente und der Griffel außerhalb der Roͤhre von der Axe ab, und nach der vordersten Seite zu. Zweite Irregularitaͤt. Endlich sollen sowohl die Antheren und das Stigma, als auch die Roͤhre, welche den Saft enthaͤlt, durch die Oberlippe gegen den Regen geschuͤtzt werden. Die Ober- lippe mußte folglich wegen dieses verschiedenen Endzwecks auch eine ganz andere Einrichtung erhalten, als die Unterlippe. Sie mußte gewoͤlbt seyn, da diese flach ist, am Rande mit Haaren versehen seyn, welche diese nicht hat, bedurfte des Saftmaals Einleitung. nicht, welches bey dieser noͤthig war, mußte ganz seyn, da diese in einige Abschnitte getheilet ist. Dritte Irregularitaͤt. Bey die- ser Irregularitaͤt besitzt die Blume indessen doch auch Regularitaͤt. Man kann sie nemlich in Gedanken durch eine perpendikulaͤre Flaͤche in zwey vollkommen gleiche Theile theilen. Denn so wie sie zwar von oben nach unten zu irregulaͤr seyn mußte, so war keine Ur- sache da, warum sie von einer Seite zur andern nicht regulaͤr seyn konnte, weder in Ansehung des Regens, noch der Hummel, de- ren Koͤrper, ungeachtet seiner Irregularitaͤt, gleichfalls so weit regulaͤr gebauet ist, daß er durch eine perpendikulaͤre Flaͤche in zwey voͤllig gleiche Theile getheilet werden kann. Diese Blume ist also in Ansehung der Unterlippe, die Saftdecke ausgenommen, der ersten, und in Ansehung der Oberlippe, das Saftmaal aus- genommen, der zweiten aͤhnlich. Endlich wollen wir die vierte Blume mit der zweiten verglei- chen. Dieselbe sitzt nicht, wie diese, am Ende des Stengels, oder, wie die erste, am Ende eines Zweiges, sondern vermittelst eines kurzen Stiels an der Seite eines Zweiges, und ihrer viele bilden eine einseitige Traube (racemus secundus), welche von vorne gesehen am meisten in die Augen faͤllt. So wie nun die ganze Traube, eben so macht sich auch eine jede Blume den zu ihrer Befruchtung bestimmten Hummeln und Bienen von vorne hauptsaͤchlich bemerkbar, und ist deswegen zu den horizontalen Blumen zu rechnen. Folglich mußte auch sie eine irregulaͤre Bil- dung erhalten. Die Natur fand fuͤr gut, ihr eine solche Stellung zu geben, daß sie zwischen den voͤllig horizontalen und den grade herabhangenden Blumen ungefaͤhr das Mittel haͤlt. Insofern ist sie der zweiten Blume aͤhnlich, mit welcher sie eben deswegen auch darin uͤbereinstimmt, daß sie sich mit der aͤußeren Oberflaͤche ihrer Krone, keinesweges aber, wie die erste und dritte, mit der inne- ren vorzuͤglich bemerkbar macht. Sie weicht aber von der Regu- laritaͤt jener in folgenden Stuͤcken ab. 1. Die Krone ist am Rande in vier Abschnitte getheilet, von welchen zwar die an beiden Seiten sich gleich sind, der unterste aber breiter und laͤnger ist, als der oberste. Der Endzweck dieser Irregularitaͤt ist, damit dem Insekt, nachdem es sich der Blume genaͤhert hat, die Oeffnung der Krone sich besser zeige, und derje- nige Theil der Krone, auf welchen es sich nach seiner aufrechten Stellung bequem setzen kann, wie auch das auf demselben befind- liche Saftmaal sogleich in die Augen falle. 2. Das Saftmaal konnte nemlich nicht, wie bey der zweiten Blume, auf der aͤußeren Oberflaͤche der Krone angebracht werden. Weder so, daß alle vier Abschnitte einen Fleck von anderer Farbe erhalten haͤtten. Denn diese Flecken wuͤrden auf den beiden Sei- tenabschnitten wenig, auf dem hintersten oder untersten aber gar Einleitung. nicht bemerkt worden seyn. Noch so, daß nur der vorderste oder oberste Abschnitt einen solchen Fleck erhalten haͤtte. Denn als- denn haͤtte das Insekt, nach Anleitung dieses Saftmaals, sich auf den obersten Theil der Krone setzen, sich alsdenn umkehren, und in umgekehrter Stellung in die Blume hineinkriechen muͤssen. So viel Muͤhe wuͤrde sich das Insekt nicht gegeben haben, son- dern es wuͤrde vielmehr, ohne sich an das Saftmaal zu kehren, auf der untersten Seite der Krone hineingekrochen seyn, und auf solche Art die Befruchtung, welche nach der ersten Art hineinzu- kriechen kalkulirt war, keinesweges bewerkstelligt haben. Da also das Insekt natuͤrlicherweise auf der untersten Seite hinein- kriecht, so mußte auch das Saftmaal auf der inneren Oberflaͤche der untersten Seite angebracht werden. 3. Indem das Insekt also hineinkriecht, um zu dem oben im Grunde der Kronenroͤhre befindlichen Saft zu gelangen, so soll es die Blume befruchten, und zwar auf eben dieselbe Art, als bey der ersten gemeldet worden. Dieser Ursache wegen stehen weder die Filamente regelmaͤßig um die Axe der Krone herum, noch befindet sich der Griffel in der Axe, wie bey der zweiten Blu- me, sondern jene sowohl, als dieser schmiegen sich, sobald sie die kurze Roͤhre verlassen haben, dicht an die oberste Seite der Krone, damit das Insekt mit seinem haarichten Ruͤcken in der juͤngeren Blume den Staub der Antheren abstreife, und in der aͤlteren den- selben auf das Stigma bringe. Endlich 4. ist die Krone, zur Abhaltung der Regentropfen vom Saft, zwar auf dem untersten Abschnitt, in Ansehung dessen die Blume der zweiten unaͤhnlich ist, keinesweges aber auf den drey uͤbrigen, in Ansehung derer sie derselben aͤhnlich ist, mit Haaren versehen. Aus der Vergleichung aller vier Blumen mit einander ergiebt sich der allgemeine Satz, daß grade aufrechtstehende und grade herabhangende Blumen, weil bey ihnen keine untere und obere Seite statt findet, sondern alle Seiten von gleicher Hoͤhe sind, regulaͤr seyn muͤssen, damit das Insekt, es mag sich setzen, auf welche Seite es will, dieselben befruchten koͤnne, daß im Gegen- theil horizontale Blumen, weil sie eine obere und untere Seite ha- ben, und das Insekt jedesmal sich auf die untere setzt, und auf einer von beiden hineinkriecht (denn bey dem Maͤrzveilchen setzt sich zwar die Biene auf die untere Seite, kehrt sich aber alsdenn um, und kriecht auf der obern hinein), irregulaͤr seyn muͤssen, indem die Art und Weise, wie die Befruchtung von demselben ge- schehen soll, nur nach diesem einzigen Fall bestimmt werden muß. Es giebt verschiedene Umstaͤnde, aus welchen man schließen kann, daß ein Insekt, welches eine Blume besucht, zur Befruch- tung derselben bestimmt sey, oder nicht. Daß die Bienen zur C 3 Einleitung. Befruchtung der gemeinen Salbey ( Saluia officinalis ) bestimmt sind, erkennt man daran, daß dieselben diese Blume uͤberaus haͤufig besuchen, folglich der Saft derselben ihnen wohl bekoͤmmt, und daß sie grade so groß sind, daß sie beim Hineinkriechen nothwen- dig die Antheren der juͤngeren, und das Stigma der aͤlteren Blu- men beruͤhren muͤssen. Ein gleiches gilt von der Linde, obgleich ihre Befruchtung auf eine andere Art geschieht. Die Iris Germa- nica hingegen sollen die Bienen nicht befruchten, denn sie sterben von ihrem Saft; eben so wenig die Parnassia palustris, denn sie werden beim Besuch derselben ohnmaͤchtig. Iris Xiphium soll von einer großen Hummel befruchtet werden. Denn diese weiß den Saft sehr leicht zu finden, kann auch in die Blume hineinkriechen, wel- ches zu thun die Biene zu schwach ist. Ein Insekt, welches an einer Blume einen Frevel veruͤbt, ist zur Befruchtung derselben nicht bestimmt. Die kleinen Maykaͤfer, welche die Blumen des Viburnum Opulus zerfressen, sollen dieselben nicht befruchten. Die große Hummel, welche, wie ich oben gesagt habe, sich des Saft des Antirrhinum Linaria von außen gewaltsamerweise be- maͤchtiget, weil der natuͤrliche Eingang fuͤr sie zu klein ist, ist zur Befruchtung dieser Blume nicht bestimmt. Die Ohrwuͤrmer sind zur Befruchtung der Blumen ganz und gar nicht bestimmt. Denn sie gehen nicht dem Saft derselben nach, sondern verzehren ihre zarte Geschlechtstheile, machen also die Befruchtung derselben un- moͤglich. Da sehr viele Blumen getrennten Geschlechts, und wahr- scheinlich wenigstens eben so viele Zwitterblumen Dichogamisten sind: so scheint die Natur es nicht haben zu wollen, daß irgend eine Blume durch ihren eigenen Staub befruchtet werden solle. Einen einzigen Versuch kann ich anfuͤhren, welcher diese Behaup- tung in Ansehung der homogamischen Blumen bestaͤtiget. Es bluͤhete nemlich im letztvergangenen Sommer in meinem Garten eine Pflanze der Hemerocallis fulua. Einige von ihren Blumen habe ich mit ihren eigenen Staube (denn es bluͤhete jedesmal nur Eine) auf eine kuͤnstliche Art zu befruchten gesucht. Es hat aber keine einzige einen Saamenkapsel angesetzt. Da die Saftblumen entweder fuͤr mehrere Arten von Insek- ten, oder nur fuͤr Eine Art bestimmt sind, so muß auch im ersten Fall die Befruchtung des Fruchtknotens und die Erzielung der Frucht leichter vor sich gehen, als in dem letzten. Dieses bestaͤti- get die Erfahrung. Die Schirmblumen und die Euphordien, welche von allerley Insekten besucht werden, bringen Samen im Ueberfluͤß hervor. Verschiedene Irisarten hingegen, welche bloß von Hummeln besucht werden, haben oftmals unvollkommne Kap- seln und keinen Samen in denselben. Waͤre der Regen, dadurch, daß er den Staub von den Antheren abspuͤlet, die einzige Ursache Einleitung. der Unfruchtbarkeit der Blumen, so muͤßte die Erfahrung grade das Gegentheil zeigen. Denn bey den Schirmblumen und den Eu- phorbien sind die Antheren dem Regen voͤllig ausgesetzt, hingegen in der Iris sind sie gegen den Regen gesichert. In der Iris Xiphium z. B. kann schlechterdings kein Regentropfen zu den Antheren gelan- gen. Auch habe ich zuweilen an solchen Blumen, welche aͤhrenweise am Stengel sitzen, nachdem die ganze Aehre schon lange verbluͤ- het war, bemerkt, daß einige eine Frucht angesetzt hatten, andere aber nicht. Diese Blumen waren aber zum Theil von einer sol- chen Struktur, daß ihre Antheren und ihr Stigma gegen den Regen voͤllig gesichert waren, z. B. Hyacinthus comosus. Dieß laͤßt sich nicht anders erklaͤren, als so, daß nur Eine Art von In- sekten zur Befruchtung solcher Blumen bestimmt ist. Denn eine Aehre bluͤhet nicht auf einmal, sondern die untersten Blumen fangen zuerst an zu bluͤhen, und dann nach und nach die obersten. Die bluͤhenden Aehren waren also von dem zur Befruchtung der Blumen bestimmten Insekt zufaͤlligerweise zu einer Zeit besucht worden, und zu einer andern nicht. — Nicht weniger, obgleich aus einer andern Ursache, muß die Befruchtung der Scheinsaft- blumen oftmals unterbleiben, welches die Erfahrung an der ge- meinen Osterluzey, und denjenigen Orchisarten, welche Schein- saftblumen sind, lehret, indem die wenigsten Blumen eine Frucht ansetzen. Dieses werde ich in der Abhandlung an seinem Ort be- weisen. Auslaͤndische Blumen koͤnnen in unsern Gaͤrten aus zwey Ur- sachen unbefruchtet bleiben. Erstlich, wenn sie bloß im Winter, folglich in Gewaͤchs- oder Treibhaͤusern bluͤhen, und also von den Insekten nicht besucht werden koͤnnen. Dieß gilt von vielen Pflanzen, welche man aus der suͤdlichen Hemisphaͤre nach Europa gebracht hat, und welche nach dieser Wanderung fortfahren, in dem dortigen Sommer, oder unserm Winter zu bluͤhen. Zwei- tens, wenn sie in ihrem Vaterlande von einem solchen Insekt be- fruchtet werden, welches sich in unsern Gegenden nicht aufhaͤlt. Es scheinet, daß gewisse Arten von Spinnen die Saftblumen von den saftleeren zu unterscheiden wissen, und daß ihnen das Be- duͤrfniß der Insekten jene zu besuchen sehr wohl bekannt ist. Denn sie halten sich in der Nachbarschaft solcher Blumen auf, oder krie- chen in dieselben hinein, und lauren im Grunde derselben auf die Insekten. Wer den Absichten der Natur in der Einrichtung der Fruͤchte nachspuͤret, findet wahrscheinlich ein eben so weitlaͤuftiges und an Einleitung. moͤglichen Entdeckungen eben so reiches Feld vor sich, als dasjenige ist, auf welchem der Blumenforscher umherschweift. Jenes ist mir noch sehr unbekannt; da aber beide zusammengraͤnzen, so bin ich natuͤrlicherweise zuweilen veranlaßt worden, aus diesem in je- nes hinuͤber zu gehen. Die wenigen Bemerkungen, welche ich dort gesammelt habe, und welche sich nur auf Eine Art von Fruͤch- ten beziehen, will ich der weiteren Pruͤfung des Lesers uͤber- lassen. So wie die Blumen entweder auf eine mechanische Art, oder durch die Insekten befruchtet werden, so werden auch die in den Fruͤchten enthaltenen Pflanzenkeime, welche man Samen nennet, entweder auf eine mechanische Art, oder von Thieren in den muͤt- terlichen Schooß der Erde gebracht. Und so wie diejenigen Blu- men, welche von den Insekten befruchtet werden, mehrentheils etwas genießbares, nemlich den Saft, in sich enthalten, durch welches gelockt, die Insekten jenes Geschaͤfte verrichten: so haben auch die Fruͤchte, deren Samen von Thieren auf den Erdboden ausgesaͤet werden, zu diesem Endzweck etwas genießbares an sich, nemlich das Fleisch. Verschiedene Arten von Voͤgeln verzehren verschiedene Arten von Beeren, und verdauen zwar das Fleisch derselben, aber nicht ihre Samenkoͤrner, sondern geben diese un- verdaut und unbeschaͤdigt wieder von sich. Da unterdessen aber eine geraume Zeit verflossen ist, und sie sich folglich an einem von derjenigen Pflanze, welche ihnen die Beeren lieferte, entfernten Ort befinden: so befoͤrdern sie dadurch die Absicht der Natur, welche dahin geht, daß die Samenkoͤrner in weiten Entfernungen von der Mutterpflanze ausgesaͤet werden sollen. In dem Koth, worin die Samenkoͤrner sich befinden, finden dieselben zugleich, wann sie hervorkeimen, ihre erste Nahrung. So wie endlich die mehresten saftleeren Blumen sehr unansehnlich sind, die Saftblu- men hingegen durch ihre gefaͤrbte Krone sich bemerkbar machen: eben so sind die Fruͤchte, deren Samenkoͤrner auf eine mechanische Art auf den Erdboden gebracht werden, unansehnlich und unge- faͤrbt, diejenigen hingegen, welche durch den Leib der Thiere wan- dern sollen, um auf den Erdboden verstreut zu werden, sind an- sehnlich und gefaͤrbt, damit die Thiere sie von weitem bemerken, und, durch ihr einladendes Ansehen gereizt, sie verzehren. Meine in der Abhandlung vorkommende Bemerkungen beziehen sich bloß auf die erste Art von Fruͤchten. Ich beweise nemlich, daß diesel- ben so eingerichtet sind, daß die in ihnen befindlichen Samenkoͤr- ner so weit als moͤglich von der Mutterpflanze entfernt, und auf den Erdboden verstreuer werden, wodurch die Natur ihren großen Endzweck erreicht, nemlich die Erhaltung der Arten, und die Ver- mehrung der Individuen jeder Art. Einleitung. Die Natur hat sich hiebey verschiedener Mittel bedient. Manche Samenkoͤrner hat sie mit einer Haarkrone, andere mit einem Fluͤgel versehen, welche weit groͤsser, zugleich aber weit leich- ter sind, als der Same, und vermittelst welcher dieser vom Winde oft meilenweit fortgefuͤhret wird. Andere sind uͤberall mit Haken uͤberzogen, und bleiben an der Wolle der voruͤbergehenden Thiere und an den Kleidungsstuͤcken der Menschen haͤngen, und werden von jenen und diesen allenthalben verschleppt. Manche Kapseln sind elastisch, und werfen, wann sie, von der Sonnenhitze getrock- net, ausplatzen , die in ihnen befindlichen Samenkoͤrner mit großer Kraft fort. Andere sind so eingerichtet, daß, wann sie sich geoͤff- net haben, der Same nicht von selbst herausfallen, sondern nur vom Winde herausgeworfen werden kann, und folglich weit ver- streuet wird. Um eben diesen Endzweck zu erreichen, hat die Natur derglei- chen Pflanzen eine so große Fruchtbarkeit in Ansehung der Menge der Samenkoͤrner, welche sie erzeugen, ertheilt, daß sie in diesem Stuͤck verschwenderisch zu seyn scheint, welches sie doch keineswe- ges ist. Zu demjenigen, was Buͤsch (Encyclopaͤdie S. 95.) hieruͤber sagt, fuͤge ich noch folgendes hinzu: Keinesweges, wie er richtig bemerkt, wachet eine besondere Vorsehung uͤber jeden Pflanzenkeim, damit er nicht umkomme; aber auch keinesweges bringt der Schoͤpfer durch individuelle Veranstaltungen einen jeden auf eine solche Stelle des Erdbodens, welche fuͤr ihn schicklich ist, sondern er uͤberlaͤßt die Aussaͤung der Samenkoͤrner z. B. dem Winde. Dieser fuͤhret aber die wenigsten grade dahin, wo sie auf- gehen, und sich in Pflanzen verwandeln koͤnnen. Zum Beispiele mag Chondrilla iuncea dienen. Diese Pflanze koͤmmt bloß auf schlechtem sandichten und dabey etwas hohen und trocknen Boden fort. Ihre Samen sind mit einer Haarkrone versehen, und koͤn- nen vom Winde weit fortgefuͤhrt werden. Wird derselbe sie nun wohl insgesamt auf einen solchen Boden aussaͤen, welchen sie ver- langen? Wird er nicht den groͤßten Theil derselben ins Wasser, in Suͤmpfe, auf Wiesen, auf gutes Erdreich, in Waͤlder, in Gaͤrten fuͤhren, wo kein einziger aufgehen wird? Und selbst von denjenigen, welche der Wind auf einen ihnen angemessenen Boden fuͤhrt, mißra- then doch die meisten. Viele fallen auf die kleinen Rasen der Sand- graͤser und anderer Sandpflanzen, kommen also nicht einmal in die Erde. Viele gehen auf, werden aber von den benachbarten Pflanzen erstickt. Die wenigsten fallen auf eine solche Stelle, wo sie sich wirk- lich in Pflanzen verwandeln koͤnnen. Also geraͤth von hundert, ja vielleicht von tausend Samenkoͤrnern ein einziger, und es muß jaͤhr- lich eine so große Menge von Samen erzeugt werden, damit die Art nicht irgend einmal gaͤnzlich ausgehe. Jasminum. Syringa. Zweyte Klasse. Diandria. Zwitterblumen mit zwey Staubgefaͤßen, welche 1) von gleicher Laͤnge, 2) nicht zusammengewachsen sind, und 3) nicht auf dem Pistill sitzen. Diese drey Kennzeichen gelten auch von den naͤchstfolgenden eilf Klassen. Jasminum. O bgleich in Linn é s Beschreibung der Gattung vom Nectario nichts vorkoͤmmt, so sind dennoch die zu derselben gehoͤrenden Ar- ten Saftblumen, welches ich durch die zwey folgeuden beweise. Jasminum fruticans. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst. 2. Der Safthalter ist die unterste inwendig glatte Haͤlfte der Kronenroͤhre. In derselben findet man eine ziemliche Quantitaͤt Saft. 3. Zur Saftdecke dienen die weichen Haare, mit welchen die oberste Haͤlfte der Kronroͤhre inwendig uͤberzogen ist. Auch hal- ten die Antheren, welche nicht weit unterhalb der Oefnung der Kronenroͤhre sitzen, die Regentropfen vom Safthalter ab. 4. Die gelbe Krone hat kein Sastmaal. Jasminum officinale. Diese Art ist der vorhergehen- den in Ansehung der Saftdruͤse und des Safthalters aͤhnlich. Auch hat die weiße Krone, welche einen starken und angenehmen Geruch ausduftet, kein Saftmaal. Was aber die Saftdecke be- trifft, so ist zwar die oberste Haͤlfte der Kronenroͤhre nicht inwen- dig mit Haaren uͤberzogen; demungeachtet kann kein Regentropfen in den Safthalter hineinfließen, weil die großen Antheren und das Stigma solches verhindern. In Blumen, deren Krone schon abgefallen war, fand ich noch auf dem Fruchtknoten den klebricht gewordenen Saft, weil derselbe von keinem Insekt hatte verzehrt werden koͤnnen. Denn ich hatte die Blumen im Anfang des De- cembers aus einem Gewaͤchshause erhalten. Syringa. Syringa vulgaris. Spanischer Flieder. Tab. I. 44—46. 44. Die vergroͤsserte Blume. Die vorderste Haͤlfte der Krone ist weggeschnitten. Im Grunde ihrer Roͤhre sieht man den obersten Theil des Griffels und das zweylappichte Stigma, und oben an der Oeffnung derselben Eine Anthere. 45. Das Pistill. Veronica. 46. Die von den Antheren verschloßne Oeffnung der Kro- nenroͤhre. Diese Blume ist eine Saftblume. Linn é sagt nichts vom Nectario; Gleditsch hingegen (Vermischte Abhandlungen. 2r Th. Diesen Theil dieses Buchs meine ich jederzeit, wenn ich bloß den Namen des Verfassers und die Seitenzahl anfuͤhre. S. 217.) hat in derselben Saft gefunden. Sie ist dem Jasminum officinale in ihrer Einrichtung sehr aͤhnlich. Auch bey ihr sind die beiden Antheren, welche die Oeffnung der Kro- nenroͤhre verschließen, die Saftdecke. 5. Daß diese Blume keinesweges auf eine mechanische Art, sondern von Insekten befruchtet werde, ist keinem Zweifel unter- worfen. Denn erstens sind die Antheren vom Stigma entfernt. Wenn die Befruchtung auf eine mechanische Art geschehen sollte, so muͤßten die Antheren das Stigma unmittelbar beruͤhren. Denn daß der Wind den Staub jener auf dieses nicht fuͤhren koͤnne, lehrt der Augenschein. Zweytens, geschaͤhe die Befruchtung auf eine mechanische Art, so muͤßte sie auch nur in den wenigsten Blumen fehlschlagen, da sie doch in den mehresten fehlschlaͤgt. Denn ich habe oftmals zur Herbstzeit den Strauch betrachtet, und jedesmal nur sehr wenig Samenkapseln auf demselben ange- troffen. Welches Insekt die Blumen besuche und befruchte, weiß ich nicht, da ich den bluͤhenden Strauch noch nicht beobachtet habe. Auf der Syringa Persica fand ich, als ich den im Freyen stehen- den bluͤhenden Strauch besahe, keine Insekten, ob es gleich das schoͤnste Wetter war. Veronica. Die zu dieser Gattung gehoͤrenden Arten sind saͤmmtlich Saftblumen, welches weder Linn é , noch Gleditsch , noch Pollich gewußt hat. Linn é erwaͤhnt in seiner Beschreibung der Gattung des Nectarii mit keinem Wort. Gleditsch fuͤhrt (S. 152.) zwey Arten als Bienengewaͤchse an, sagt aber nicht, was die Bienen aus den Blumen holen. Von der Veronica serpyllifolia aber sagt er (S. 155.) daß sie den Bienen Wachs liefert. Veronica. liefert. Folglich hat er keinen Saft in derselben gefunden. Pol- lich sagt bey Beschreibung seiner Arten nicht einmal, daß er kein Nectarium gesehen habe, welches er doch sonst zu thun pflegt. Folglich muß er wegen der Kleinheit der Blumen nicht einmal daran gedacht haben, daß sie Saft enthalten koͤnnen. Da diese Blumen nun Saftblumen sind, so sollen sie nicht auf eine mechanische Art, sondern von Insekten befruchtet werden. Dieselben sind an den voͤllig oder fast aufrecht stehenden Sten- gel oder Zweig entweder unmittelbar, oder vermittelst eines Stiels angefuͤgt, und bilden also eine mehr oder weniger aufrecht stehende dichte oder lockere Aehre oder Traube. Sie mußten also eine horizontale oder fast horizontale Stel- lung haben. Denn wenn sie von Insekten besucht und befruchtet werden sollen, so muͤssen sie auch denselben vermittelst ihrer Krone in die Augen fallen. Nun faͤllt eine aufrecht stehende Blumen- aͤhre und Blumentraube weit besser in die Augen, wenn sie von irgend einer Seite, als wenn sie von oben gesehen wird. Denn im ersten Fall sieht man dieselbe nach ihrer ganzen Laͤnge, und erblickt folglich so viel Blumen auf Einmal, als man aus irgend einem Gesichtspunkt erblicken kann; im letzten Fall hingegen er- scheint dieselbe dem Auge in ihrer moͤglich groͤßten Verkuͤrzung, und man sieht nur die obersten Blumen, von welchen die unter- sten verdeckt werden. Weil nun die Blumen eine horizontale Stellung haben, so muͤssen sie irregulaͤr seyn. Diese Irregularitaͤt besteht vorzuͤglich darin, daß, da der Kronensaum in vier Abschnitte getheilt ist, zwar die beiden Seitenabschnitte sich einander gleich sind, der oberste aber breiter ist, als der unterste. Denn da wegen der groͤssern oder geringern Konkavitaͤt der Krone der oberste Abschnitt die Regentropfen auf seiner aͤußeren, der unterste aber auf seiner inneren Oberflaͤche erhaͤlt: so ist der in der Kronenroͤhre befind- liche Saft durch diese Einrichtung gegen den Regen mehr gesichert, als nicht nur im umgekehrten Fall, sondern auch, wenn beide Abschnitte von gleicher Breite waͤren. Veronica spicata. Bergehrenpreis. Tab. I. 1—6. 1. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung von der Seite gesehen. 2. Der Fruchtknoten nebst der (punktirten) Saftdruͤse von der Seite gesehen. 3. Derselbe von vorne gesehen. 4. Die Kronenroͤhre von der Seite gesehen. 5. Dieselbe von vorne gesehen, oder die durch Haare ver- schloßne Oeffnung derselben. Veronica. 6. Die auf der untersten Seite der Laͤnge nach aufgeschnit- tene und flach ausgebreitete Krone. a b Die Haare, welche zur Saftdecke dienen. 1. Die Saftdruͤse ist der wulstige dunkelgruͤne Koͤrper, wel- cher die Basis des gelblichgruͤnen Fruchtknotens umgiebt. Unter- waͤrts ist derselbe dicker, als oberwaͤrts. 2. Der Safthalter ist der unterste Theil der Kronenroͤhre. Diese ist am untersten Ende enger, als in der Mitte, damit sie fest sitze, und die Krone nicht leicht abfalle. 3. Die Kronenroͤhre ist 1) auch an ihrem obersten Ende, oder an ihrer Oeffnung enger als in der Mitte, und 2) daselbst mit langen Haaren uͤberzogen. Beides dient zur Abhaltung der Regentropfen vom Saft. 4. Diese Haare sind weiß, da der Kronensaum blau ist. Folglich sind sie zugleich das Saftmaal. Veronica maritima. Strandehrenpreis. Tab. XXIII. 22—24. 22. Die vergroͤsserte juͤngere Blume von vorne. 23. Dieselbe von der Seite. Von der Krone ist vorne et- was weggeschnitten worden, damit man den Griffel sehen koͤnne. 24. Die aͤltere Blume von der Seite. Daß diese Blume, welche von der vorhergehenden nicht son- derlich verschieden ist, nicht umsonst, sondern bloß zu dem Ende Saft enthaͤlt, damit sie von den demselben nachgehenden Insek- ten befruchtet werde, erhellet daraus, daß sie ein Dichogamist, und zwar von der maͤnnlich weiblichen Art ist. Denn anfangs, wann die Antheren sich geoͤffnet haben, und voller Staub sind, ist der Griffel abwaͤrts gebogen, und liegt auf dem untersten Ab- schnitt der Krone. Also ist alsdenn das Stigma, wenn es schon wirklich, woran ich doch zweifle, vorhanden ist, von den Anthe- ren weit entfernt. In der Folge aber, wann diese den Staub schon verloren haben, richtet sich der Griffel in die Hoͤhe, und erhaͤlt ungefaͤhr eben die Stellung, welche die Filamente haben. Alsdenn ist das Stigma den Antheren weit naͤher, als vorher; es kann aber von ihnen keinen Staub erhalten, da sie denselben bereits verloren haben. Wenn nun die Befruchtung auf eine me- chanische Art geschehen sollte, so muͤßte der Griffel gleich anfangs eine solche Stellung haben, daß das Stigma den Antheren so nahe als moͤglich waͤre. Also wird die aͤltere Blume von einem Insekt vermittelst des Staubes einer juͤngeren Blume befruchtet. Denn indem dasselbe die juͤngere Blume besucht, wischet es mit irgend einem Theil seines Koͤrpers den Staub von den Antheren ab, und wann es hierauf eine aͤltere Blume besucht, beruͤhrt es mit eben diesem Theil seines Koͤrpers das Stigma, und bestaͤubt dasselbe. D Veronica. Im Hamburgischen Magazin (7. Band, 2. Stuͤck, S. 201.) wird gemeldet, daß in dem akademischen Garten zu Upsal aus der Vermischung der Veronica maritima mit der Verbena officina- lis eine Bastardpflanze entstanden sey. Diese Erscheinung laͤßt sich aus der von mir an der erstern entdeckten Dichogamie sehr leicht erklaͤren. Es besuchte nemlich ein Insekt die Verbena, und belud sich mit ihrem Staube, und begab sich hierauf zu der Ve- ronica. Zufaͤlligerweise setzte es sich grade auf eine aͤltere Blume, und versahe ihr Stigma mit dem mitgebrachten fremdartigen Staube. Und aus einem Samenkorn der Kapsel, welche die auf solche Art befruchtete Blume angesetzt hatte, erhielt diese Bastardpflanze ihren Ursprung. Daß aber die Befruchtung kei- nesweges durch den Wind geschehen sey, welches am angefuͤhrten Ort behauptet wird, erhellet daraus, daß die Antheren der Ver- bena in der Kronenroͤhre sitzen, und die Oeffnung der Kronen- roͤhre durch Haare verschlossen wird, folglich der Staub der An- theren unmoͤglich vom Winde auf benachbarte Blumen gefuͤhrt werden kann. S. Verbena. Veronica Chamaedrys. Wiesenehrenpreis. Tab. I. 19. 20. 22. 20. Die vergroͤsserte Blume. 19. Der mittelste Theil derselben, noch staͤrker vergroͤssert. 22. a ein Staubgefaͤß. b das Pistill. An der Basis des Fruchtknotens die (punktirte) Saftdruͤse. Soweit das Filament und der Griffel punktirt sind, sind sie blau, soweit sie aber weiß sind, sind sie auch in der Natur weiß. 1. Die Saftdruͤse ist gelb. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre ist bloß auf der untersten Seite mit Haaren besetzt. Auch die Filamente tragen zur Ab- haltung der Regentropfen vom Saft das Ihrige bey. Denn da sie oberwaͤrts dicker sind, als unterwaͤrts, so wird ein Regen- tropfen, welcher auf dieselben gefallen ist, von der staͤrkeren An- ziehungskraft des dickeren Theils zuruͤckgehalten, und kann sich folglich dem Safthalter nicht naͤhern. 4. Das Saftmaal faͤllt stark in die Augen. Erstens ist der blaue Kronensaum mit dunkelblauen Linien geziert, welche nach der Mitte zu laufen, und, je naͤher sie derselben kommen, desto staͤrker werden. Zweytens ist der mittelste Theil desselben blaß- gelb, macht also mit der blauen Farbe des uͤbrigen Theils einen starken Kontrast. Und damit dieser Kontrast nicht durch die Fi- lamente und den Griffel geschwaͤcht werde, so sind dieselben an der Basis weiß, da sie uͤbrigens blaßblau sind, und insofern das Ansehen und die Bemerkbarkeit der Blume vergroͤssern. Dieses alles dient bloß dazu, dem Insekt, welches sich, durch die Krone angelockt, auf die Blume gesetzt hat, zu zeigen, daß in der Kro- Veronica. nenroͤhre sich Saft befindet. Laͤge der Saft ganz frey, so daß das Insekt, sobald es sich auf die Blume gesetzt hat, denselben saͤhe: so wuͤrde das Saftmaal uͤberfluͤssig seyn. Da er aber hinter der Saftdecke liegt, so ist dasselbe sehr zweckmaͤßig. Veronica triphyllos. Huͤnerraute. Titelkupfer Fig. XIV. Diese Art hat mit der naͤchst vorhergehenden eine fast gleiche Einrichtung. Von der Veronica maritima unterscheidet sie sich dadurch, daß bey ihr die Dichogamie nicht Statt findet. Bey truͤber Witterung ist sie geschlossen, damit der Regen ihren Saft nicht verderbe. Von den Bienen wird sie um so viel mehr besucht, da sie eine von den ersten Fruͤhlingsblumen ist, welche ihnen Saft liefern. Veronica officinalis. Gemeiner Ehrenpreis. Tab. I. 7. 8. 7. Die vergroͤsserte Blume. 8. Die oberwaͤrts der Laͤnge nach aufgeschnittene und flach ausgebreitete Krone. a b die Haare, welche die Saftdecke sind. 1. Die Saftdruͤse ist gelb und glatt, da der Fruchtknoten gruͤn und mit Haaren uͤberzogen ist. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre ist mit einzeln stehenden Haaren besetzt. Veronica prostrata . Tab. I. 12. Die vergroͤsserte Blume. Sie ist den drey naͤchst vorhergehenden Arten aͤhnlich. 4. Der Kronensaum ist violett, und mit dunkleren Linien geziert, welche nach der Mitte zu immer staͤrker werden. Gegen diese Farbe sticht die weißliche Farbe des in der Mitte befindlichen und die Saftdecke umgebenden Ringes stark ab. Veronica verna. Obgleich diese Art sehr klein ist, so hat sie dennoch Saft, welchen man beym Sonnenschein an sei- nem Glanz deutlich erkennen kann. Veronica serpyllifolia . Tab. I. 50. Bey dieser Art ist das Saftmaal sehr kenntlich. Denn der Kronensaum ist weiß; der oberste Abschnitt desselben aber ist ganz, und die beiden mittelsten sind auf der obersten Haͤlfte mit violetten Adern geziert, welche gegen die weiße Farbe sehr schoͤn abstechen. Veronica hederifolia. Auch diese kleine Blume ist eine Saftblume, und in ihrer Struktur den naͤchst vorhergehen- den Arten aͤhnlich. Auch sie ist des Safts wegen bey Regenwet- ter geschlossen. Die Pflanze unterscheidet sich von den uͤbrigen Arten da- durch, daß ihre Blumenstiele zwar, so lange die Blumen bluͤhen, aufrecht stehen, wie bey den uͤbrigen Arten, nach dem Verbluͤhen derselben aber sich niederwaͤrts strecken, da bey den uͤbrigen Arten die Fruchtstiele auch aufrecht stehen. Die Ursache dieses Unter- schiedes ist, daß die uͤbrigen Arten aufrecht stehende mehr oder Veronica. Wulfenia. Justicia. weniger starke Stengel haben, dagegen diese einen schwachen auf der Erde liegenden Stengel hat. Der Samen jener soll durch den Wind verstreuet werden; daher muͤssen die Kapseln aufrecht stehen, damit sie sich oberwaͤrts oͤffnen, und der Samen nicht herausfalle. Der Samen dieser hingegen kann wegen der ange- zeigten Beschaffenheit und Stellung der Stengel nicht vom Winde ausgesaͤet werden, sondern muß sich selbst durch das Ausfallen aussaͤen. Deswegen muͤssen die Kapseln der Erde zugekehrt seyn, damit sie sich unterwaͤrts oͤffnen, und der Samen herausfalle. Ob nun gleich der Wind den Samen nicht fortfuͤhrt, so vermehrt sich doch die Pflanze ungemein, und ist auf allen Aeckern haͤufig anzutreffen. Dies koͤmmt daher, daß die Stengel sehr lang, und der ganzen Laͤnge nach mit Kapseln versehen sind, folglich eine einzige Pflanze einen ziemlich großen Fleck Landes mit ihrem Sa- men besaͤet, welcher hernach durch das Umpfluͤgen des Ackers noch weiter gebracht wird. Aus eben dieser Ursache ist es auch nicht noͤthig, daß der Samen dieser Art so klein und leicht sey, als der Samen der uͤbrigen Arten, welchen er an Groͤsse und Schwere bey weitem uͤbertrifft. Hierin, so wie in der Gestalt, koͤmmt ihm der Samen der Veronica triphyllos am naͤchsten. Wulfenia. Wulfenia Carinthiaca . Jacqu. Miscell. Austriac. P. II. p. 60. Tab. VIII. Fig. 1. Diese neue Gattung und Art kenne ich bloß aus der von dem Herrn Verfasser gelieferten Be- schreibung und Abbildung derselben (welches auch von den uͤbrigen Blumen gilt, welche ich aus seinen Werken anfuͤhren werde). Ob nun gleich derselbe in jener vom Nectario nichts meldet, so behaupte ich dennoch, daß diese Blume eine Saftblume ist. Ich beweise dieses aus ihrer nahen Verwandtschaft mit der Veronica, besonders aus dem Bau ihrer Krone, welche eine in der Mitte weite, am obersten und untersten Ende aber engere Roͤhre hat, wie die Krone der Veronica spicata, und aus der Saftdecke, welche aus einer Reihe von Haaren besteht, mit welchen die Un- terlippe vor der Oeffnung der Roͤhre besetzt ist. Die Saftdruͤse muß also an der Basis des Fruchtknotens sitzen, wenn dieser nicht etwa selbst zugleich die Saftdruͤse ist, und der Mahler hat im er- sten Fall dieselbe wegen ihrer Kleinheit uͤbersehen, und sie nicht abgebildet, weil er nicht dazu angewiesen worden ist. Justicia. Justicia pulcherrima . Jacqu. Amer. p. 6. Obgleich der Herr Verfasser so wenig, als Linn é , bey die- ser Gattung vom Nectario etwas meldet, so behaupte ich den- Gratiola. Pinguicula. noch, daß alle Arten Saftblumen sind, weil die Krone eine Roͤhre hat. Bey dieser Art ist diese Roͤhre an der Basis weit, hierauf wird sie enge, und alsdenn nach und nach wieder weit. Daß sie uͤber der Basis enge ist, dient bloß zur Abhaltung der Regentropfen vom Saft. Vermuthlich ist sie auch daselbst inwen- dig haaricht. Die Saftdruͤse ist also entweder der Fruchtknoten selbst, oder sitzt unten an demselben, und der Safthalter ist die weite Basis der Kronenroͤhre. Gratiola. Gratiola officinalis. Gnadenkraut. Ist eine Saft- blume. 1. Die Saftdruͤse, welche Linn é wegen ihrer Kleinheit nicht gesehen hat, umgiebt die Basis des Fruchtknotens. 2. Der Safthalter ist der unterste inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre. 3. Da die Blume eine fast horizontale Stellung hat, und nur sehr wenig in die Hoͤhe gerichtet ist (daher sie auch irregulaͤr ist): so ist merkwuͤrdig, und mir unerklaͤrlich, daß die Saftdecke nicht auf ihrer unteren Seite, wo man sie erwartet, sondern auf der oberen angebracht ist. Dieselbe besteht aber aus den weichen Haaren, welche sich an der Oeffnung der Kronenroͤhre befinden, und sich in die Roͤhre hinein erstrecken. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Krone ist weiß, jene Haare aber sind gelb, und die Kronenroͤhre ist auf der ober- sten Seite braun, welche Farbe von außen schwach durch- schimmert. 5. In der Blume halten sich Blasenfuͤße auf. Pinguicula. Pinguicula vulgaris. Titelkupfer Fig. XXIV. Die vergroͤsserte Blume von vorne gesehen. Tab. I. 9—11. 13. 9. Dieselbe von der Seite gesehen. 10. Dieselbe von vorne gesehen, nachdem von der Krone vorne so viel weggeschnitten worden, als die Linie a b in der vor- hergehenden Figur anzeigt. 11. Das Pistill und die Staubgefaͤße von der Seite. 13. Dieselben von vorne. Die Pflanze gehoͤrt zu denjenigen, welche in Deutschland selten vorkommen. Auch habe ich dieselbe in der hiesigen Gegend bisher nur auf einer einzigen Wiese, wo sie aber sehr haͤufig steht, angetroffen. Diese Wiese liegt nicht weit hinter Staaken am Fuß- steige, welcher von da nach Dalgow fuͤhrt. 1. 2. Wenn eine Blume einen Sporn oder ein Horn hat, so nennt Linn é diesen Theil jedesmal Nectarium. Versteht er D 2 Pinguicula. dadurch den Safthalter, so hat er, die Scheinsaftblumen ausge- nommen, jederzeit Recht; versteht er aber dadurch zugleich die Saftdruͤse, so hat er zuweilen Unrecht. Denn zuweilen ist das Ende dieses Theils zwar auch die Saftdruͤse, und alsdenn pflegt es fleischicht oder knorplicht zu seyn; zuweilen aber sitzt die Saft- druͤse oben an der Oeffnung dieses Theils am Fruchtknoten, und alsdenn ist das Ende desselben eben so duͤnn, als der uͤbrige Theil. Bey der Pinguicula ist das Ende des Sporns die Saftdruͤse, ob es gleich nicht merklich dicker ist, als der uͤbrige Theil desselben. 3. Die Saftdecke sind die Faͤden, mit welchen die Unter- lippe der Krone vor der Oeffnung des Sporns besetzt ist. 4. Die Natur hat dafuͤr gesorgt, daß die Insekten, welche sie zur Befruchtung der Blume bestimmt hat, dieselbe nicht nur von weitem leicht gewahr werden, sondern auch, wenn sie sich auf dieselbe gesetzt haben, den in derselben enthaltenen Saft leicht finden koͤnnen. Was das Erstere betrifft, so sitzt zwar die Blume auf einem unmittelbar aus der Wurzel entstehenden und nur eine Handbreite langen Stengel, oder vielmehr Stiel; indessen habe ich doch ge- funden, daß sie uͤber alle Pflanzen hervorragte, welche mit ihr auf der angefuͤhrten Wiese standen. Sie bluͤhet im May und Juny. Diese Zeit hat die Natur weislich erwaͤhlt. Bluͤhete sie spaͤter, so wuͤrde sie, von den benachbarten Pflanzen, welche alsdenn in die Hoͤhe gewachsen seyn wuͤrden, verdeckt, von den Insekten nicht bemerkt und besucht werden koͤnnen, und folglich unbefruchtet bleiben. Auch ihr Standort ist von der Natur weislich erwaͤhlt. Derselbe ist nemlich nicht eine von den niedri- gen Wiesen, welche im Winter und Fruͤhjahr unter Wasser ste- hen, und auf welchen hohe Pflanzen wachsen, als der Katzensterz (Equisetum fluviatile), das Schwadengras (Festuca fluitans) und andere. Denn dergleichen Pflanzen sind zu dieser Jahres- zeit schon so hoch, daß sie unsere Blume vor den Augen der In- sekten verbergen wuͤrden. Sondern es ist eine hoͤhere Wiese, welche an und zwischen Ackerfeldern liegt, und auf welcher nie- drige Pflanzen stehen, als Pedicularis syluatica, Carex piluli- fera, Carex Leersii Willdenowi, und andere. Was das Letztere betrifft, so hat die Blume ein Saftmaal. Denn die Krone ist violett, auf derjenigen Stelle aber, wo die zur Saftdecke dienenden Faͤden sitzen, weiß, und diese Faͤden sind auch weiß. Weil die Blume eine horizontale Stellung hat, so ist sie irregulaͤr. Daß die Befruchtung derselben keinesweges auf eine mecha- nische Art, sondern durch irgend ein Insekt geschieht, erhellet aus der besonderen Einrichtung des Stigma. Dasselbe besteht Pinguicula. Verbena. aus zwey Lappen. Der oberste von denselben ist sehr schmal, und schmiegt sich an die Krone; der unterste hingegen ist sehr breit, und biegt sich unterwaͤrts, so daß er die Antheren zum Theil be- deckt. Waͤre nun die unterste Oberflaͤche dieses Lappens, mit wel- cher derselbe die Antheren unmittelbar beruͤhrt, das eigentliche Stigma: so wuͤrde, wenn die mechanische Vefruchtungsart hier Statt finden sollte, nichts zweckmaͤßiger seyn, als diese Einrich- tung, und die Befruchtung wuͤrde in keiner Blume fehlschlagen koͤnnen. Nun aber ist nicht die unterste, sondern die oberste Oberflaͤche des breiten Lappens, und die unterste oder vorderste Oberflaͤche des schmalen Lappens das eigentliche Stigma. Dieses schließe ich aus der Analogie, indem, wenn ein Stigma aus zwey Lappen besteht, jederzeit die beiden inneren Oberflaͤchen der- selben, mit welchen sie, ehe sie sich von einander begaben, auf einander lagen, das eigentliche Stigma sind. Und daß dieser Schluß richtig ist, erhellet daraus, daß die beiden inneren Ober- flaͤchen der Lappen mit Haaren uͤberzogen, die beiden aͤußeren hingegen kahl sind. Diese Einrichtung nun ist, wenn hier die mechanische Befruchtungsart Statt finden soll, ungereimt. Hoͤchst zweckmaͤßig aber ist sie, wenn die Befruchtung durch ein Insekt geschehen soll. Denn indem dasselbe in die Blume hineinkriecht, so streift es schon mit dem Ruͤcken Staub von den Antheren ab, noch mehr aber, wenn es wieder herauskriecht, weil es alsdenn den untersten Lappen des Stigma in die Hoͤhe hebt. Mit diesem Staube beladen fliegt es hierauf auf eine andere Blume. In- dem es nun in dieselbe hineinkriecht, so muß es nothwendig den auf seinem Ruͤcken sitzenden Staub auf das Stigma absetzen, folglich diese Blume durch den Staub der ersten befruchten. Durch welches Insekt die Befruchtung geschieht, weiß ich nicht. Ich habe mich im letzt vergangenen Jahr einigemal auf die angefuͤhrte Wiese hinbegeben, und mich jedesmal lange genug daselbst aufgehalten, aber niemals ein Insekt auf den Blumen angetroffen. Vermuthlich kam dies daher, weil ich niemals in der Mittagsstunde, sondern jedesmal gegen Abend hinging. Ob- gleich jedesmal das schoͤnste Wetter war, so wehete doch ein kal- ter Ostwind, welcher vielleicht das zur Befruchtung der Blume bestimmte Insekt abgehalten hat, dieselbe zu besuchen. Verbena. Verbena officinalis. Eisenkraut. Tab. I. 14—16. 21. 15. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 14. Die oberwaͤrts der Laͤnge nach aufgeschnittene und flach ausgebreitete Krone. 16. Die Frucht. Verbena. 21. Die Samenkoͤrner, noch nicht voͤllig reif, aber schon voͤllig erwachsen, aus dem Kelch, welcher zu ihrem Behaͤltniß dient, herausgenommen. Die punktirte Basis derselben ist die Saftdruͤse. 1. Die Saftdruͤse ist die Basis des Fruchtknotens. So lange die Blume bluͤhet, ist der Fruchtknoten viel zu klein, als daß man die Saftdruͤse sollte unterscheiden koͤnnen. An den er- wachsenen noch nicht voͤllig reifen Samenkoͤrnern hingegen kann man sie durch ein einfaches Vergroͤsserungsglas sehr deutlich er- kennen. Sie ist alsdenn glatt und weiß, da die Samenkoͤrner uͤbrigens runzlicht und gruͤn, oberwaͤrts aber braun sind. 2. Der Safthalter ist der unterste Theil der Kronenroͤhre. 3. Die Saftdecke ist die Reihe von Haaren, welche sich in der Oeffnung der Kronenroͤhre befindet. Fig. 14. Die Blumen sitzen an den aufrechtstehenden Zweigen, und bilden eine Aehre. Die Kelche sind zuletzt die Samenbehaͤltnisse. Aus denselben sollen die Samenkoͤrner nicht von selbst heraussal- len, sondern vom Winde herausgeworfen, und weit und breit verstreuet werden. Zu diesem Ende muͤssen die Kelche eine auf- rechte Stellung haben. Die Samenkoͤrner ragen zwar ein wenig aus dem Kelch hervor, vermuthlich, damit sie, den Sonnenstrah- len ausgesetzt, desto besser reifen; sie werden aber uͤbrigens vom Kelch fest umschlossen, so daß nur ein starker Wind sie heraus- werfen kann. Nun sollen die Blumen, als Saftblumen, von Insekten befruchtet werden; sie muͤssen folglich, damit sie densel- ben in die Augen fallen, eine Krone haben. Blumen aber, welche eine aufrechtstehende Aehre bilden, muͤssen, wie ich bey der Veronica gesagt habe, eine horizontale Stellung haben. Da nun diese Blumen nicht zugleich eine aufrechte und eine horizontale Stellung haben koͤnnen, so mußten sie eine solche erhalten, welche zwischen der aufrechten und der horizontalen das Mittel haͤlt. Daher macht mit dem Zweige der Kelch einen kleinen, die Krone aber einen etwas groͤsseren Winkel. Indessen gehoͤrt die Blume zu den horizontalen, und ist daher irregulaͤr. 5. Die Blume wird von Blasenfuͤßen und einem bienen- oder wespenartigen Insekt besucht. Verbena Aubletia . Tab. I. 23. Die vergroͤsserte Blume von vorne gesehen. In Ansehung der Saftdruͤse, des Safthalters und der Saft- decke ist diese Art der vorhergehenden aͤhnlich. Zur letzten gehoͤrt hier noch, daß der oberste Theil der Kronenroͤhre mit Wolle uͤber- zogen ist, da der unterste, welcher den Saft enthaͤlt, kahl und glatt ist. 4. Die Blume ist groͤsser, als die vorhergehende, und hat daher ein Saftmaal. Denn der blutrothe Kronensaum ist mit Monarda. Saluia. fuͤnf Linien von gesaͤttigterer Farbe geziert, welche nach der Mitte zu laufen. Die Haare aber, welche zur Saftdecke dienen, sind weiß, und stechen gegen die Farbe des Kronensaums stark ab. Monarda. In der Monarda didyma hat Gleditsch (S. 228.) Saft gefunden. In Ansehung der Saftdruͤse und des Safthalters ist diese Gattung der vorhergehenden aͤhnlich. In die lange und enge Kronenroͤhre koͤnnen zwar Insekten hineinkriechen, keines- weges aber Regentropfen hineindringen, weil der oberste Theil derselben mit Haaren uͤberzogen ist. Saluia. Saluia pratensis. Wilde Salbey. Tab. I. 18. 24—33. 39. 42. 18. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung von der Seite. c das Stigma. d eine noch staͤrker vergroͤsserte Anthere. 28. Dieselbe von vorne gesehen. 30. Dieselbe von vorne, nachdem vorne so viel weggeschnit- ten worden, als die Linie a b Fig. 18. anzeigt. In der Oeff- nung der Kronenroͤhre sieht man die Saftdecke. 24. Die Blume wird von einer Hummel besucht und be- fruchtet. 25. Die (punktirte) Saftdruͤse von der Seite. 26. Dieselbe von vorne. 27. Die Saftdecke von hinten. 29. Dieselbe von vorne. 31. Der unterste Theil des einen Filaments von der inneren Seite. 32. Der Koͤrper, welcher dasselbe traͤgt. a die Stelle, wo es an denselben angewachsen ist. 33. Der unterste Theil des andern Filaments von der aͤuße- ren Seite. 39. Der unterste Theil der von vorne gesehenen Saftdecke Fig. 29. So weit derselbe punktirt ist, sieht er schwaͤrzlich, oder wie verbrannt aus. 42. Der unterste Theil des einen Filaments Fig. 31. in der- jenigen Stellung, welche ihm die hineinkriechende Hummel giebt. 1. Die Saftdruͤse ist der Koͤrper, auf welchem der Frucht- knoten sitzt. Sie ist pomeranzenfarben, da der Fruchtknoten gruͤn, und oberwaͤrts braun ist. 2. Der Safthalter ist der hinterste Theil der Kronenroͤhre. 3. Die Anstalt, welche die Natur getroffen hat, um den Zugang zum Saft den zur Befruchtung der Blume bestimmten Hummeln offen zu halten, den Regentropfen aber zu sperren, D 3 Saluia. besteht in Folgendem. An den Seiten des vordersten Theils der Kronenroͤhre sind zwey laͤnglichte Koͤrper angewachsen, welche die Filamente tragen. Diese beiden Koͤrper nebst dem untersten Theil der Filamente sieht man in Fig. 30., und noch deutlicher in Fig. 29. von vorne, und in Fig. 27. von hinten. In Fig. 31. sieht man den auf der rechten Seite befindlichen Koͤrper nebst sei- nem Filament von innen, in Fig. 32. eben denselben, nachdem das Filament abgerissen worden, in Fig. 33. den auf der linken Seite befindlichen Koͤrper nebst seinem Filament von außen. Die Filamente sind an ihrer Basis mit breiten Ansaͤtzen versehen, welche wie ein halbes Herz gestaltet sind, sich vorwaͤrts umbiegen, und vorne, wo sie am schmaͤlsten sind, zusammengewachsen sind. Die Stelle, wo sie zusammengewachsen sind, sieht wie verbrannt aus. Diese Farbe scheint in einem gewissen Zusammenhange mit der Zaͤhigkeit und Festigkeit zu stehen, welche die Ansaͤtze an dieser Stelle haben. Denn man muß, um sie von einander zu reißen, eine groͤssere Kraft anwenden, als man bey einem so duͤnnen Koͤr- per fuͤr noͤthig halten sollte. Ueberhaupt finde ich, daß diejenigen Theile mancher Blumen, welche besonders fest und stark sind, dunkelfarbig oder schwarz sind. Warum aber die Ansaͤtze an die- ser Stelle besonders zaͤhe und fest sind, wird man bald einsehen. Vermittelst dieser Ansaͤtze nun fuͤllen die Filamente die Oeffnung der Kronenroͤhre groͤßtentheils aus, und verhindern einen jeden Regentropfen, welcher sich dieser Oeffnung genaͤhert hat, in die Kronenroͤhre hineinzudringen. Wenn aber eine Hummel die Blume besucht, so scheint es zwar, daß auch ihr das Eindringen in den Safthalter durch die Saftdecke verwehret werde; weil sie aber vor derselben das Saftmaal sieht, und wohl weiß, daß das- selbe den rechten Weg zum Safthalter weiset: so kehrt sie sich an jenen Schein nicht, sondern folgt diesem sicheren Wegweiser, kriecht hinein, und bemerkt mit Vergnuͤgen, daß sie die Saftdecke vor sich her und in die Hoͤhe stoͤßt. Dadurch erhaͤlt der unterste Theil der Filamente, welcher vorher aufrecht stand, Fig. 31., eine horizontale Stellung, Fig. 42. Nachdem sie nun den Saft- vorrath verzehrt hat, so kriecht sie wieder ruͤckwaͤrts heraus. Als- denn springt der unterste Theil der Filamente in seine vorige Stellung zuruͤck, und die Saftdecke verschließt die Oeffnung der Kronenroͤhre, wie vorher. Da nun der vorderste schmaͤlste Theil der Saftdecke dem An- lauf der Hummel am meisten ausgesetzt ist, so mußte er besonders zaͤhe und fest seyn, damit er nicht von derselben zerrissen werde. Nicht so fest, als hier mit einander, hangen die Filamente mit den laͤnglichten Koͤrpern, auf welchen sie ruhen, zusammen. Daher koͤmmt es, daß, wenn eine Blume von den Hummeln sehr oft besucht wird, die Filamente endlich abreißen. Saluia. 4. Die Pflanze treibt aufrechtstehende Stengel, welche zwey Fuß hoch und noch hoͤher sind. Unterwaͤrts haben dieselben grosse Blaͤtter und keine Blumen, oberwaͤrts aber Blumen und sehr kleine Blaͤtter. Die letztern sind deswegen nicht groͤsser, weil sie sonst verursachen wuͤrden, daß die Blumen von den Hummeln in der Ferne weniger bemerkt wuͤrden. Die ansehnlichen Blumen schmuͤcken ungefaͤhr die Haͤlfte des Stengels, und sitzen an dem- selben vermittelst sehr kurzer Stiele in ungefaͤhr zwoͤlf Quirlen, und bilden also eine quirlfoͤrmige Aehre (spica verticillata). Da nun beynahe die Haͤlfte der Quirle zu gleicher Zeit bluͤhet, so fal- len die bluͤhendeu Pflanzen den Hummeln schon in großer Ent- fernung in die Augen. Zu dem Ende mußten die Blumen eine horizontale Stellung haben. Die Krone ist dunkelblau, hat aber auf der Unterlippe vor der Saftdecke einen purpurfarbenen Fleck, welcher das Saftmaal ist. Die gewoͤlbte Oberlippe der Krone ist von der Seite gesehen sehr breit, Fig. 18., von vorne gesehen aber sehr schmal, Fig. 28. Beides verursacht, daß die innerhalb derselben befindlichen An- theren gegen den Regen voͤllig gesichert sind, letzteres aber, daß sie die Oeffnung der Kronenroͤhre nicht vor dem Regen schuͤtzen kann, welches sie bey andern Blumen zu thun pflegt. Dies soll sie aber auch hier nicht thun, weil die Saftdecke diese Oeffnung schon hinlaͤnglich verschließt. 5. Warum sondert nun diese Blume Saft ab? Warum wird dieser Saft durch eine so kuͤnstliche Einrichtung vor dem Re- gen geschuͤtzt, damit er nicht von demselben verdorben und fuͤr die Hummeln ungenießbar gemacht werde? Warum koͤnnen dem- ungeachtet die Hummeln sehr leicht zu demselben gelangen? Warum ist endlich dafuͤr gesorgt, daß die Hummeln sowohl die Blumen von weitem leicht gewahr werden, als auch, wann sie sich auf dieselben gesetzt haben, sogleich merken, wo der Saft sich befindet? Bezieht sich dieses alles bloß auf die Hummeln, und hat die Blume selbst davon keinen Nutzen? Wenn die Blume auf eine mechanische Art befruchtet wird, so hat sie von dem allen keinen Nutzen. Es fraͤgt sich also, ob sie auf eine mechanische Art befruchtet wird. Der Augenschein lehrt, daß hieran gar nicht zu denken sey. In Fig. 18. zeigt die punktirte Linie die Stellung der Staubge- faͤße an. Von dem Staube der Antheren kann nicht der kleinste Theil auf das Stigma fallen, oder durch den Wind gefuͤhrt wer- den. Denn die Raͤnder der Oberlippe schließen dicht an einander, Fig. 28. Da also die Blume nicht auf eine mechanische Art befruchtet werden kann, so muß sie entweder unbefruchtet bleiben, welches Saluia. sich nicht denken laͤßt, oder von den Hummeln, welche sie besu- chen, befruchtet werden. Ich habe oben gesagt, daß die Hummel, indem sie in die Blume hineinkriecht, den untersten Theil der Filamente in die Hoͤhe stoͤßt. Indem sie nun dieses thut, so springt zugleich der oberste Theil der Filamente aus der Oberlippe der Krone heraus, umfaßt mit seinen Enden den haarichten Ruͤcken der Hummel, und streift den Staub der an jenen sitzenden Antheren an die- sen ab. Sobald aber die Hummel wieder herauskriecht, und der unterste Theil der Filamente wieder hinabspringt, so springt der oberste Theil derselben wieder in die Hoͤhe, und verbirgt sich wieder in der Oberlippe. Mit dem Staube dieser Blume beladen fliegt hierauf die Hummel auf eine andere Blume. Indem sie sich auf die Unterlippe ihrer Krone setzen will, so beruͤhrt sie mit ihrem bestaͤubten Ruͤcken das aus der Oberlippe weit hervorra- gende Stigma, streift den mitgebrachten Staub an dasselbe ab, und befruchtet auf solche Art die letztere Blume mit dem Staube der ersteren. Es ist eben so auffallend, als artig anzusehen, wie die Staub- gefaͤße, sobald die Hummel in die Blume hineinkriecht, aus der Oberlippe der Krone schnell herausspringen, und die Hummel gleichsam peitschen, sobald sie aber wieder herauskriecht, eben so schnell wieder in die Oberlippe hineinspringen; und es wundert mich, daß diese Erscheinung von den Botanikern nicht schon laͤngst entweder bemerkt, oder, wenn sie dieselbe bemerkt haben, besser benutzt worden ist. Den gelben Staub kann man auf dem Ruͤcken der Hummeln, wenn man sich nahe an dieselben hinanschleicht, sehr deutlich sehen. Auch der gemeine weiße Schmetterling besucht die Blume, bringt aber die Staubgefaͤße nicht aus ihrer gewoͤhnlichen Stel- lung, indem er seinen duͤnnen Saugeruͤssel durch die kleinen Zwi- schenraͤume zwischen der Saftdecke und der Kronenroͤhre hindurch- steckt. Hieraus folgt, daß er die Blume nicht befruchten koͤnne. Ueberhaupt ist es wahrscheinlich, daß die Natur bloß die Hum- meln, und zwar die groͤßten Arten derselben, zur Befruchtung der Blume bestimmt, und im Bau der letzteren hierauf Ruͤcksicht genommen habe. Denn wenn ein kleineres Insekt in die Blume hineinkroͤche, so wuͤrden die Staubgefaͤße zwar aus der Oberlippe herausspringen, aber den Koͤrper desselben nicht beruͤhren, folg- lich auch nicht den Staub der Antheren an denselben abstreifen. Und daß der vorderste Theil der Unterlippe der Krone so weit ist, und so herabhaͤngt, scheint bloß auf die groͤßten Hummeln sich zu beziehen, damit nemlich dieselben mit dem Hintertheil ihres Koͤr- pers bequem auf denselben ruhen, und in dieser Stellung den Staub der Antheren erhalten koͤnnen. Saluia. Wie wenig Linn é von der Einrichtung dieser Blume ver- standen habe, erhellet daraus, daß er die eigentliche Saftdruͤse nicht gesehen hat, und die Saftdecke eine Druͤse nennt. Gle- ditsch hat in derselben Saft gefunden, S. 160. Kruͤnitz sagt bloß, daß die Bienen Kuͤtt von der Pflanze sammlen, S. 664. Oekonomische Eucyclopaͤdie. 4. Theil. Dieser Theil dieses Werks ist jedesmal gemeint, wenn ich bloß den Nahmen des Verfassers und die Seitenzahl anfuͤhre. Saluia officinalis. Gemeine Salbey. Tab. III. 1. 2. 4. 6. 7. 1. Eine aͤltere Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse von der Seite. 2. Eine juͤngere Blume von vorne. Auf der Unterlippe der Krone sieht man den vordersten Theil des Saftmaals. 4. Die Krone, oberwaͤrts aufgeschnitten und flach ausgebrei- tet. a b die haarichte Saftdecke. Das ganze Saftmaal. 6. Die juͤngere Blume, deren Kelch weggeschnitten worden. Auch ist von dem untersten Theil der Kronenroͤhre die vorderste Haͤlfte weggeschnitten worden, damit man die (punktirte) Saft- druͤse, den glatten Safthalter und die Saftdecke sehen koͤnne. Der von der Krone verdeckte Theil des Griffels, der Fila- mente, und der laͤnglichten Koͤrper, welche diese tragen, wird durch Punkte angedeutet. Die Filamente sind in ihrer natuͤr- lichen Stellung abgebildet. 7. Die Filamente in derjenigen Stellung, welche ihnen eine in die Blume hineinkriechende Biene giebt. 1. 2. In Ansehung der Saftdruͤse und des Safthalters ist diese Blume der vorhergehenden aͤhnlich. Die Saftdruͤse ist dunkelpurpurfarben, da der Fruchtknoten gruͤn ist. 3. In Ansehung der Saftdecke unterscheidet sie sich von der vorhergehenden sehr. Dieselbe besteht nemlich aus einer Reihe von Haaren, welche unmittelbar uͤber dem Safthalter befindlich ist. Die Filamente sind nicht unterwaͤrts vermittelst eines breiten Ansatzes zusammengewachsen, wie bey der vorher- gehenden, sondern ihre untersten Enden sind von einander ge- trennt, wie die obersten, und, wie diese, mit Antheren verse- hen. Da nun die Oeffnung der Kronenroͤhre durch nichts ver- schlossen wird, so mußte die Oberlippe der Krone von vorne gesehen breit, und keinesweges so schmal seyn, als bey der vorhergehenden, damit sie der Kronenroͤhre zum Schirm ge- gen den Regen diene. Weil aber dennoch Regentropfen, welche auf die Unterlippe gefallen sind, leicht in die Roͤhre hinein- fließen koͤnnen, so mußten, damit sie nicht in den Safthalter hineindringen, uͤber demselben diese Haare angebracht werden. Saluia. 4. Die Krone ist violett (bey einigen Pflanzen fleischfarben). Die Unterlippe ist vor der Oeffnung der Roͤhre mit dunkelviolet- ten und weißlichen Streifen geziert, welche sich in die Roͤhre hineinziehen, und nebst andern dergleichen Streifen sich bis zur Saftdecke erstrecken. Dies Saftmaal fuͤhrt also die Bienen un- mittelbar in den Safthalter. 5. Die Blume ist ein maͤnnlich weiblicher Dichogamist. Bey der juͤngeren ist das Stigma noch innerhalb der Oberlippe der Krone verborgen, und seine beide Lappen liegen dicht an ein- ander. Bey der aͤlteren aber hat sich der Griffel verlaͤngert, so daß das Stigma aus der Oberlippe der Krone hervorragt, und die beiden Lappen des Stigma stehen von einander. Schon hier- aus folgt, daß die Befruchtung nicht auf eine mechanische Art geschehen koͤnne. Denn die juͤngere Blume hat zwar Staub, aber kein Stigma, und die aͤltere hat zwar ein Stigma, aber keinen Staub mehr, weil derselbe von den Bienen schon laͤngst abgestreift worden ist. Die Vienen besuchen die Blumen außerordentlich haͤufig, und es ist ein Vergnuͤgen, die grosse Thaͤtigkeit, mit welcher sie es thun, zu beobachten. Sie kriechen so tief in dieselben hinein, daß nur ein kleiner Theil ihres Hinterleibes von außen zu sehen ist. Indem sie nun in eine juͤngere Blume hineinkriechen, so druͤcken sie unmittelbar den untersten Theil der Filamente in die Hoͤhe, und folglich vermittelst desselben den obersten Theil derselben herab. Die Antheren des letzteren schmiegen sich alsdenn dicht an ihren Ruͤcken, und streifen ihren Staub an den- Saluia. selben ab, welches ich deutlich gesehen habe. Auf eben diese Art muͤssen auch die untersten Antheren ihren Staub an den Ruͤcken der Bienen abstreifen, welches man aber nicht sehen kann, weil sie von denselben in die Krone hineingeschoben werden. Sobald nun die Bienen wieder herauskriechen, springen die Filamente wieder in ihre vorige Stellung zuruͤck, und die obersten Anthe- ren befinden sich wieder innerhalb der Oberlippe der Krone. Wenn sie sich nun hierauf auf eine aͤltere Blume begeben, so be- ruͤhren sie mit dem bestaͤubten Ruͤcken das Stigma, und befruch- ten also die aͤltere Blume mit dem Staube der juͤngeren. Saluia verticillata. Hat eben eine solche haarichte Saftdecke, als die vorhergehende. Saluia glutinosa. In dieser Blume hat Gleditsch Saft gefunden, S. 228. 1. Die fleischichte Saftdruͤse ist glatt und gelb, da der Frucht- knoten gruͤn ist. 2. Der unterste Theil der Kronenroͤhre, welcher den Saft enthaͤlt, ist glatt. 3. Der oberste Theil der Kronenroͤhre ist mit Haaren uͤber- zogen. Die Filamente sind unterwaͤrts weder zusammengewachsen, wie bey der ersten Art, noch mit Antheren versehen, wie bey der zweyten, sondern haben an deren Stelle runde konkave gelbliche Koͤrper. 5. Die Blumen werden von Hummeln besucht. Dritte Klasse. Triandria. Zwitterblumen mit drey Staubgefaͤßen . Valeriana. V aleriana officinalis. Baldrian. Tab. XXIV. 23 bis 27. 31. 24. Eine juͤngere Blume von oben gesehen. 23. Dieselbe von der Seite. 26. Eine aͤltere Blume von oben gesehen. 25. Dieselbe von der Seite. 27. Dieselbe, nachdem die vorderste Haͤlfte der Krone weg- geschnitten worden. 31. Die hinterwaͤrts aufgeschnittene und flach ausgebreitete Krone. 1. Die Saftdruͤse ist entweder der oberste Theil des Frucht- knotens, oder derjenige Theil der Krone, welcher den Saft ent- haͤlt. Bestimmter dieselbe anzuzeigen verhindert mich die Klein- heit der Blume. 2. Der Safthalter ist der vorderste hoͤckerichte Theil der Basis der Kronenroͤhre, Fig. 23. a. 3. Man sollte kaum glauben, daß eine so kleine Blume eine Saftdecke noͤthig habe; und doch hat sie eine Saftdecke. Denn die Valeriana. die Kronenroͤhre ist uͤber dem Safthalter mit einigen Haaren besetzt. 4. Da der Saft im Grunde der Kronenroͤhre befindlich ist, folglich einem Insekt, welches sich auf die Blume gesetzt hat, nicht sogleich in die Augen faͤllt: so hat die Blume, so klein sie auch ist, ein Saftmaal. Die weiße Krone ist nemlich mit fuͤnf purpurfarbnen Linien geziert, welche aber, weil die Krone sehr zart ist, in den aͤlteren Blumen verbleichen. Auch hat die Blume einen, obgleich schwachen, Geruch. 5. Daß nun auch diese Blume bloß deswegen Saft abson- dert, damit sie von den demselben nachgehenden Insekten be- fruchtet werde, erhellet daraus, daß sie ein Dichogamist, und zwar von der maͤnnlich-weiblichen Art ist. Die Staubfaͤden und der Griffel stehen an der hinteren Seite der Kronenroͤhre. In der juͤngeren Blume sind jene grade in die Hoͤhe gestreckt, und die Antheren haben Staub; der Griffel aber ist ruͤckwaͤrts gebo- gen, und das Stigma ist noch geschlossen. In der aͤlteren Blume hingegen haben sich die Filamente mit ihren staublosen Antheren umgebogen, und der Griffel hat sich grade gestreckt, so daß das Stigma, welches sich nun auch voͤllig geoͤffnet hat, an eben der Stelle ist, wo vorher die Antheren waren. Indem also ein In- sekt auf der juͤngeren Blume steht, und seinen Saugeruͤssel in den Safthalter hineinsteckt: so streift es mit dem Kopf den Staub von den Antheren ab. Und wenn es sich hierauf auf eine aͤltere Blume begiebt, so muß es nothwendig mit seinem bestaͤubten Kopf das Stigma beruͤhren, dasselbe bestaͤuben, und also die aͤltere Blume durch den Staub der juͤngeren befruchten. Wel- ches Insekt aber die Blume befruchte, weiß ich nicht. Valeriana dioeca . Tab. II. 22—24. 28. 28. Die vergroͤsserte maͤnnliche Blume in natuͤrlicher Stel- lung. 22. Dieselbe von oben gesehen. 23. Die eben so stark vergroͤsserte weibliche Blume in natuͤr- licher Stellung. 24. Dieselbe von oben gesehen. Anmerk . Die Pflanze unterscheidet sich von allen ihren Ne- benarten dadurch, daß sie nicht, wie diese, Zwitterblu- men, sondern Blumen mit ganz getrennten Geschlechts- theilen hat, d. i., eine Pflanze hat bloß maͤnnliche, und die andere bloß weibliche Blumen. Jene ist weit groͤsser, und hat viel groͤssere Blumen, als diese. Als ich vor einigen Jahren im Fruͤhjahr auf einer Wiese die bluͤhenden maͤnnlichen und weiblichen Pflanzen haͤufig antraf: so warf ich bey mir selbst die Frage auf, warum die maͤnnlichen Pflanzen groͤsser waͤren, und groͤssere Blumen haͤtten, als die Valeriana. weiblichen. Ich war aber nicht im Stande, dieselbe zu beant- worten; sie schien mir vielmehr, wenn nicht fuͤr den menschlichen Verstand uͤberhaupt, wenigstens fuͤr meinen Verstand zu hoch zu seyn. Als ich aber im folgenden Sommer an den Blumen der Zaunruͤbe (Bryonia alba) eben diesen Unterschied bemerkte, und entdeckte, daß sowohl die maͤnnlichen, als die weiblichen Blumen Saftblumen sind: so errieth ich sogleich die Absicht, welche die Natur bey dieser Einrichtung vor Augen gehabt hat. Die Blumen sowohl der maͤnnlichen, als der weiblichen Pflanze sind Saftblumen. Nun sollen die letzteren vermittelst des Staubes der ersteren befruchtet werden, und zwar von In- sekten. Diese fallen natuͤrlicherweise zuerst auf die groͤsseren und hoͤher stehenden Blumen der maͤnnlichen Pflanze. Nachdem sie diese ausgeleeret, und den Staub der Antheren, welche sie unter- dessen auf mannigfaltige Art beruͤhren mußten, an ihren haarich- ten Koͤrper abgestreift haben: so begeben sie sich von da auf eine benachbarte weibliche Pflanze. Indem sie den Saft aus den Blumen derselben holen, so beruͤhren sie mit ihrem bestaͤubten Koͤrper das Stigma derselben, und befruchten sie. Stellt man sich das Gegentheil dieser Einrichtung vor, und denkt sich die weibliche Pflanze groͤsser, und mit groͤsseren Blumen versehen, als die maͤnnliche: so fliegen die Insekten zuerst auf die weibliche Pflanze, und hernach auf die maͤnnliche, und die Blumen der ersteren bleiben unbefruchtet, und bringen keinen Samen. Auch vom Cucubalus Otites sagt Linn é , daß die Blumen der maͤnnlichen Pflanze groͤsser sind, als die Blumen der weibli- chen. Nun ist aber Cucubalus, so wie Silene, mit welcher er im Grunde nur Eine Gattung ausmacht, eine Saftblume. Folg- lich findet auch bey diesem Cucubalus eben dieselbe Einrichtung zu eben derselben Absicht Statt. Gelegentlich merke ich an, daß Pollichs Cucubalus Otites Zwitterblumen hat, und daß der- selbe auch in der hiesigen Gegend haͤufig anzutreffen ist, keines- weges aber der Linn é ische . Ich glaube daher, daß jener und dieser zwey verschiedene Arten sind. Demnach behaupte ich, daß bey allen Monoͤcisten und Dioͤ- cisten, welche Saftblumen von ungleicher Groͤsse haben, die groͤsseren Blumen maͤnnlichen, und die kleineren weiblichen Ge- schlechts sind. Und sollte mir Jemand eine Pflanze nennen koͤn- nen, deren weibliche Blumen groͤsser, als die maͤnnlichen, jene aber sowohl als diese Saftblumen sind: so wuͤrde ich diese Er- scheinung fuͤr ein dem menschlichen Verstande unaufloͤsliches Raͤth- sel halten. Die von der weiblichen Pflanze hervorgebrachten Samen sollen vom Winde weit fortgefuͤhrt und auf den Erdboden ver- streuet werden, zu welchem Ende sie mit einer Haarkrone versehen E Tamarindus. Cneorum. sind. In der letzten Haͤlfte des Junius sind sie reif, und zum Abfliegen tuͤchtig. Wenn nun alsdenn die Pflanze noch so nie- drig waͤre, als sie zur Bluͤhezeit war: so wuͤrde der Samen schwer- lich vom Winde weggefuͤhrt werden koͤnnen, weil die benachbar- ten Pflanzen, welche alsdenn eine ansehnliche Hoͤhe erreicht ha- ben, solches verhindern wuͤrden. Folglich mußte dieselbe nach geendigter Bluͤhezeit zu wachsen fortfahren, und ist, wann der Same reif ist, ungefaͤhr Einen Fuß hoch. Tamarindus. Tamarindus Indica . Jacqu. Amer. p. 10. Der Herr Verfasser hat kein Nectarium in dieser Blume gefunden; Linn é aber nennt zwey unter den Filamenten befindliche Bor- sten das Nectarium. Daß die Blume eine Saftblume sey, schließe ich daraus, daß sie ein schoͤnes Saftmaal hat. Dies sind die drey Blaͤtter, welche Beide die Krone nennen, welche ich aber nur fuͤr einen Theil der Krone halte. Die vier Blaͤtter, welche Jene fuͤr das Perianthium halten, ich aber zur Krone rechne, sind blaßgelb; jene drey Blaͤtter aber sind gelb und mit rothen Adern geziert. Daß aber jene Borsten weder den Saft absondern, noch enthalten, und die Saftdruͤse tiefer sitzt, wird derjenige finden, welcher Gelegenheit hat, die Blume zu unter- suchen. Wahlboom sagt in seiner Dissertation: Sponsalia plan- tarum, der Griffel kruͤmme sich deswegen eben so, wie die Fila- mente, damit das Stigma den Antheren nahe sey, und der Staub dieser desto leichter auf jenes komme. Allein wenn die Filamente und der Griffel grade waͤren, so wuͤrde das Stigma den Antheren eben so nahe seyn. Warum kruͤmmen sich also die Filamente und der Griffel? Und warum kruͤmmen sie sich grade nach dem Saftmaal hin? Hoͤchst wahrscheinlich, damit die In- sekten, indem sie in den Safthalter hineinkriechen, das Stigma bestaͤuben, und die Blume befruchten. Cneorum. Cneorum tricoccum. Ich habe nur eine einzige Blume zu untersuchen Gelegenheit gehabt. Ob ich nun gleich in derselben keinen Saft gefunden habe, so halte ich dennoch diese Blume fuͤr eine Saftblume. Denn der dunkelgruͤne und mit ei- nem weißen Puder uͤberzogene Fruchtknoten sitzt auf einem gelb- lichgruͤnen und glatten Koͤrper, welcher allem Ansehen nach die Saftdruͤse ist. Crocus. Crocus. Crocus satiuus. Saffran. Tab. I. 34—38. 40. 41. 43. 51. 52. 43. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. b zeigt die Stelle an, wo sich die Saftdecke befindet. a b der Saft- halter. 34. Dieselbe, nachdem die vorderste Haͤlfte des Kronen- saums weggeschnitten worden, damit man den obersten Theil des Griffels und die Staubgefaͤße sehen koͤnne. 35. Ein Stuͤck der Krone von der inneren Seite nebst Einem Staubgefaͤß. a die Stelle, wo das Filament sich von der Krone absondert. b ein Theil der haarichten Saftdecke. 36. Eine Anthere von der aͤußeren Seite. 37. Dieselbe von der inneren Seite. 38. Der oberste Theil des Griffels. 40. Eines von den drey Stuͤcken, in welche sich der Griffel oberwaͤrts theilet, von der inneren Seite. 41. Dasselbe von der aͤußeren Seite. 51. Der Griffel von oben gesehen. 52. Ein Stuͤck desselben von oben gesehen. Diese Blume ist eine Saftblume, obgleich weder Linn é vom Nectario etwas erwaͤhnt, noch Gleditsch in derselben Saft gefunden hat, da er (S. 210.) nur sagt, daß die Bienen Wachs aus derselben holen. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst. 2. Der Griffel nimmt den innern Raum der Kronenroͤhre voͤllig ein. Folglich muß der Saft zwischen dieser und jenem in die Hoͤhe steigen, bis zu der Stelle, wo die Kronenroͤhre sich zu erweitern anfaͤngt. 3. Die Saftdecke ist der Ring von Haaren, welcher unmit- telbar uͤber dem Safthalter befindlich ist. 4. Da die Blume eine von den ersten Fruͤhlingsblumen ist, so wuͤrde der Fruchtknoten, wenn er der Luft ausgesetzt waͤre, von der Kaͤlte leicht beschaͤdigt werden. Dies ist wahrscheinlich die Ursache, warum er nicht in einer Entfernung uͤber der Ober- flaͤche der Erde steht, und mit Blattscheiden umgeben ist. Nun soll aber die Blume, als eine Saftblume, von Insekten befruch- tet werden, und zu diesem Ende denselben von weitem in die Au- gen fallen. Daher mußte sie weit hoͤher stehen, als der Frucht- knoten, folglich vermittelst einer langen Roͤhre mit demselben ver- einigt werden. Diese vom Fruchtknoten weit entfernte Blume mußte ferner bloß eine Krone, keinesweges aber einen Kelch ha- ben, da ein Kelch nicht nur unnuͤtz seyn wuͤrde, indem er den Fruchtknoten nicht beschuͤtzen koͤnnte, sondern auch nachtheilig, Crocus. Gladiolus. Iris. indem er verursachen wuͤrde, daß die Krone den Insekten weni- ger in die Augen fiele. 5. Die Blume wird von Hummeln besucht. Auch habe ich in den Falten des Stigma ein sehr kleines Insekt angetroffen. Daß die Befruchtung derselben durch diese oder andere Insekten geschehen muͤsse, keinesweges aber auf eine mechanische Art vor sich gehen koͤnne, davon wird man sich leicht uͤberzeugen, wenn man die 34. und die folgenden Figuren betrachtet, man mag nun entweder, wie Linn é , das ganze aus drey Stuͤcken bestehende Ende des Griffels, oder nur den Winkel zwischen diesen Stuͤcken fuͤr das Stigma halten. Denn erstens haͤlt der Kronensaum den Wind von den Antheren ab. Zweytens, wenn der Staub der Antheren bey den Erschuͤtterungen, welche die Blume vom Winde erhaͤlt, auf das Stigma fallen sollte: so muͤßten die Antheren hoͤher stehen, als das Stigma. Sie stehen aber nicht hoͤher, sondern ihrem untersten Theil nach niedriger, als dasselbe. Drit- tens sind die Antheren nicht auf der inneren, dem Stigma zuge- kehrten, sondern auf der aͤußeren, von demselben abgewendeten Seite mit Staub versehen. Dieser Umstand, welcher noch oͤfter vorkommen wird, ist ein offenbarer Beweis, daß keine mechani- sche Befruchtungsart Statt finden koͤnne. So widersinnig nun diese Einrichtung seyn wuͤrde, wenn die mechanische Befruch- tungsart Statt finden sollte, so zweckmaͤßig ist sie, wenn die Blume durch ein, und zwar groͤsseres, Insekt befruchtet werden soll. Denn indem dasselbe in die Blume hineinkriecht, um den Saft heraus zu holen, so muß es nothwendig die aͤußere Seite der Antheren beruͤhren, und den Staub derselben abstreifen. Wie es aber diesen Staub auf das Stigma bringt, weiß ich nicht, da ich die Blume, und wie sich die Insekten beym Besuch derselben verhalten, hinlaͤnglich zu beobachten noch nicht Gelegenheit ge- habt habe. Gladiolus. Gladiolus communis. Gemeiner Schwerdtel. Ist eine Saftblume. 1. Die Saftdruͤse sitzt auf dem Fruchtknoten, und umgiebt den Griffel. 2. Die Kronenroͤhre ist mit Saft angefuͤllt. Es hat mir bisher an Gelegenheit gefehlt, diese Blume wei- ter zu untersuchen. Iris. In den vortrefflichen Bau und in das Geheimniß der Be- fruchtung der zu dieser Gattung gehoͤrenden Blumen ist bisher, so viel ich weiß, Koͤlreuter am tiefsten eingedrungen. Denn Iris. er hat nicht nur die Stigmate, welche Linn é gar nicht gekannt hat, gefunden, sondern auch entdeckt, daß die Blumen von In- sekten befruchtet werden. Daß aber die Natur die ganze Struk- tur dieser Blumen in Ruͤcksicht auf diese Befruchtungsart einge- richtet hat, ist ihm weder eingefallen, noch war er im Stande, solches, wenn es ihm eingefallen waͤre, zu beweisen, da er nichts von der Saftdecke und dem Saftmaal wußte. Ehe mir seine Vorlaͤufige Nachricht ꝛc. zu Gesichte kam, hatte ich nicht nur die eigentlichen Stigmate mit leichter Muͤhe entdeckt, son- dern auch aus dem ganzen Bau der Blumen eingesehen, daß sie schlechterdings auf keine andere Art, als durch Insekten, be- fruchtet werden koͤnnen, ob ich gleich damals noch keine Insekten auf denselben angetroffen hatte. Iris Pseudacorus. Gemeine Schwerdtlilie. Tab. II. 14. 26. 27. 30—36. 26. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 14. Dieselbe von oben gesehen. 27. Eines von den drey großen umgebogenen Kronenblaͤttern von der inneren Seite. 30. Der unterste Theil desselben nebst dem untersten an das- selbe angewachsenen Theil eines Filaments. 31. Einer von den drey Theilen, in welche sich die Blume bey c Fig. 26. theilet, von unten gesehen, nachdem bey a das zu demselben gehoͤrende große Kronenblatt weggeschnitten worden. a b das Griffelblatt. a d das Staubgesaͤß. c das Stigma. Dasselbe ist ein duͤnnes Blaͤttchen, dessen oberste Oberflaͤche so- wohl mit einer Feuchtigkeit, als auch mit kurzen und feinen Haa- ren uͤberzogen ist, da die unterste trocken und kahl ist. Also ist eigentlich die oberste Oberflaͤche dieses Blaͤttchens das Stigma. In dieser Figur sieht man die unterste Oberflaͤche desselben. e e zwey von den drey kleinen aufrecht stehenden Kronenblaͤttern. 32. Ein Griffelblatt von vorne gesehen. Die (punktirte) oberste Oberflaͤche des Stigmablaͤttchens, oder das eigentliche Stigma. 33. a der Griffel. b der unterste Theil der Kronenroͤhre. c der oberste Theil des Fruchtknotens. 34 und 35. Das in Fig. 30. abgebildete Stuͤck von der Seite gesehen. In 35. ist der vorderste an der Basis des Kronenblatts befindliche Ansatz weggeschnitten. 36. Der unterste kleinere Theil der Blume, von welchem der oberste groͤssere Theil abgeschnitten worden, von oben gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist die fleischichte Kronenroͤhre von b bis c Fig. 26. Von a bis b ist der Griffel mit derselben zusammen- gewachsen, bey b sondert er sich von derselben ab. E 2 Iris. 2. Der Zwischenraum zwischen dem Griffel und der Kronen- roͤhre von b bis c ist mit Saft angefuͤllt. 3. Vergleicht man die 26. mit der 14. Figur, so sieht man, daß der Saft gegen den Regen ziemlich gesichert ist. Denn die drey Griffelblaͤtter woͤlben sich uͤber die drey großen Kronenblaͤt- ter, ob sie sich gleich nicht dicht an dieselben schließen. Wegen des letzten Umstandes kann freylich ein Regentropfen in den Raum zwischen den Griffelblaͤttern und den großen Kronenblaͤtteen hinein- fließen; aber er kann dennoch nicht in den Safthalter hineindrin- gen. Denn jedes große Kronenblatt hat an seiner Basis zwey Ansaͤtze: diese kruͤmmen sich, und beruͤhren das Filament, wel- ches zwar aus dem Kronenblatt entsteht, sich aber an das Grif- felblatt dicht anschmiegt. Auf solche Art hat der Safthalter sechs kleine Oeffnungen, durch welche der Regentropfen nicht hindurch- dringen kann. Jene beiden Ansaͤtze sieht man in Fig. 30. und 34., und in Fig. 35. den hintersten. Zwey von diesen Oeffnun- gen sieht man in Fig. 36. 4. Die Natur hat sehr weislich dafuͤr gesorgt, daß die Hum- meln, welche sie zur Befruchtung der Blumen bestimmt hat, so- wohl dieselben von weitem leicht bemerken, als auch, wann sie zu denselben hingeflogen sind, den Saft leicht finden koͤnnen. Erstens sitzen die großen Blumen auf hohen Stengeln, und ra- gen uͤber die benachbarten Pflanzen hervor. Denkt man an den Standort der Pflanze, und an die verschiedenen Pflanzen, be- sonders die Riedgraͤser, in deren Gesellschaft sie waͤchst, und welche waͤhrend ihrer Bluͤhezeit schon ziemlich hoch sind: so sieht man die Ursache ein, warum sie so hohe Stengel treiben muß. Haͤtte sie so niedrige Stengel, als Iris pumila, so wuͤrden ihre Blumen, von den benachbarten Pflanzen verdeckt, von den Hum- meln nicht leicht von weitem bemerkt, besucht und befruchtet wer den koͤnnen. Was das zweyte betrifft, so ist die Krone blaßgelb; die großen Kronenblaͤtter aber haben in der Mitte einen großen gesaͤttigter gelben Fleck, welcher am Rande dunkelfarbige Linien hat. Dieser Fleck weiset den Hummeln die Stelle, wo sie hinein- kriechen muͤssen. Sind sie hineingekrochen, so fuͤhrt sie der Fort- satz dieses Flecks vollends unmittelbar zum Safthalter. Denn dieser Fortsatz, welcher gruͤnlichgelb, und mit dunkelfarbigen Li- nien durchzogen ist, erstreckt sich hinab bis an die Oeffnungen des Safthalters. Den vordersten Theil des Saftmaals sieht man in Fig. 26., das ganze Saftmaal in Fig. 27. 5. Auf welche Art die Befruchtung durch die Hummeln ge- schieht, werde ich bey der folgenden Art zeigen. Iris Xiphium . Tab. II. 3. 8. 9. 15. 3. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. der Fruchtknoten. a b die Saftdruͤse, welche zugleich der Iris. Safthalter ist. h h die beiden vordersten umgebogenen Kronen- blaͤtter. g g g die Griffelblaͤtter. e e e die aufrecht stehenden Kronenblaͤtter. c eine Hummel, welche in die Blume hinein- kriecht. a eine Biene, weiche den auf der aͤußersten Oberflaͤche der Saftdruͤse befindlichen Saft ableckt. 8. Ein umgebogenes Kronenblatt von der inneren Seite. Das (punktirte) Saftmaal. Unterwaͤrts der unterste Theil des Filaments, und die beiden Ansaͤtze, welche zwey von den sechs Oeffnungen des Safthalters hervorbringen. 9. Der oberste Theil eines Griffelblatts. Das Stigma a b ist punktirt. 15. a der oberste Theil eines Griffelblatts. b der oberste an jenen dicht anschließende Theil eines umgebogenen Kronenblatts. Auf demselben der (punktirte) oberste und unverdeckte Theil des Saftmaals. 1. Die Saftdruͤse ist die Kronenroͤhre a b Fig. 3. Sie ist nicht nur inwendig, sondern auch auswendig gelb (diese Farbe wird durch Punkte angedeutet), und sondert auch auswendig Saft aus. Dies geschieht aber zu keiner besonderen Absicht, sondern ruͤhrt bloß von dem Ueberfluß an Saft her, mit welchem die Saftdruͤse versehen ist. Denn obgleich verschiedene Insekten, und sogar Bienen sich auf dieser Stelle einfinden, und den Saft ablecken: so thun doch dieses niemals die Hummeln, welche zur Befruchtung der Blume bestimmt sind. 2. Der Saft befindet sich auch hier zwischen der Saftdruͤse und dem Griffel. 3. Mit den sechs Oeffnungen des Safthalters hat es hier eben die Bewandniß, als bey der vorhergehenden Art. Jedoch ist hier noch mehr Vorsicht in Ansehung der Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen sichtbar, als bey der vorhergehenden. Denn die umgebogenen Kronenblaͤtter schließen sehr dicht an die Griffelblaͤtter, sowohl von beiden Seiten, als von vorne, und es ist unmoͤglich, daß ein Regentropfen in den inneren Raum derselben hineindringe. 4. Die aufrecht stehenden Kronenblaͤtter sind dunkelviolett, die umgebogenen Kronenblaͤtter aber und die Griffelblaͤtter sind, soweit sie an einander schließen, blaßviolett, oberwaͤrts aber, wo sie von einander stehen, blau. Das Saftmaal ist gelb, am gelbsten sein oberster von außen in die Augen fallender Theil, welcher gegen die blaue Farbe vortrefflich absticht, blasser aber sein unterster oder innerer Theil, welcher sich auch hier bis an den Safthalter erstreckt. Dieses Saftmaal scheint durch die aͤußere Oberflaͤche der Kronenblaͤtter hindurch, welches in Fig. 3. durch Punkte angedeutet wird. Iris. 5. Daß nun die Befruchtung dieser und der vorhergehenden Blume keinesweges auf eine mechanische Art geschehen koͤnne, lehrt der Augenschein. Denn wie kann der Staub der Antheren, welcher, um es gelegentlich zu bemerken, in beiden, besonders aber in der zweyten, gegen den Regen voͤllig gesichert ist, wie kann derselbe entweder von selbst auf das Stigma kommen, oder durch den Wind auf dasselbe gebracht werden? Obgleich das Stigmablaͤttchen der Anthere ziemlich nahe ist, so ist doch die oberste Oberflaͤche desselben, als das eigentliche Stigma, dersel- ben nicht zugekehrt, sondern von derselben abgewendet. Da das Stigma, besonders in der zweyten Art, uͤber der Anthere steht, so kann der Staub dieser unmoͤglich auf jenes fallen. Der Wind kann zwar vielleicht bey der ersten, keinesweges aber bey der zwey- ten Art die Antheren beruͤhren, und ihren Staub abwehen. Folglich muͤssen wir, wir moͤgen wollen oder nicht, zu den Hum- meln, welche die Blumen besuchen, uns wenden, und untersu- chen, ob sie die Blumen befruchten. Gesetzt also, eine Hummel wird von weitem die Iris Xi- phium, welche sie noch nie gesehen hat, gewahr: so fliegt sie, durch die vorzuͤgliche Schoͤnheit derselben angelockt, zu derselben hin. Wann sie derselben nahe ist, so sieht sie, daß dieselbe zwar uͤberhaupt violett ist, daß aber diejenigen drey Theile derselben, welche am meisten vorwaͤrts stehen, blau sind, und in der Mitte einen schoͤnen gelben Fleck haben. Diese drey Theile ziehen also sowohl wegen des so eben gesagten ihre besondere Aufmerksamkeit auf sich, als auch deswegen, weil sie findet, daß dieselben grade diejenigen Stellen sind, auf welche sie sich setzen kann. Sie setzt sich also auf denjenigen von diesen Theilen, welcher ihr der naͤchste ist. Nun scheint zwar derselbe nur ein einziges Stuͤck auszuma- chen, indem das umgebogene Kronenblatt dicht an das Griffel- blatt sich anschließt. Weil aber die Hummel weiß, was der gelbe Fleck bedeutet, nemlich daß er die Stelle anzeigt, wo sie in die Blume hineinkriechen muͤsse: so kehrt sie sich an jenen Schein nicht, sondern arbeitet sich zwischen das Griffelblatt und das Kro- nenblatt hinein. Hier hat nun die Natur, welche es noͤthig fand, die Blume fest zu verschließen, damit kein Regentropfen in den Safthalter hineinfloͤsse, es so veranstaltet, daß der Hummel die Muͤhe etwas erleichtert wird. Die Griffelblaͤtter sind nemlich steif und unbeweglich, die Kronenblaͤtter aber lassen sich leicht herab druͤcken, fahren aber, sobald man sie loß laͤßt, mit elasti- scher Kraft wieder in die Hoͤhe. Folglich koͤmmt der Hummel beym Hineinkriechen ihre eigene Schwere zu Huͤlfe, indem die- selbe verursacht, daß sie das Kronenblatt leichter herabdruͤcken kann. Stellt man sich die Sache umgekehrt vor, daß nemlich die Kronenblaͤtter sich nicht herab, die Griffelblaͤtter aber in die Hoͤhe Iris. druͤcken lassen: so wuͤrde die Hummel mehr Muͤhe haben. Denn alsdenn kaͤme ihr die Schwere ihres Koͤrpers nicht zu Statten, sondern sie muͤßte bloß durch Anwendung ihrer ganzen Kraft das Griffelblatt in die Hoͤhe druͤcken. Wenn nun die Hummel durch den Eingang hindurch ge- krochen ist, so faͤhrt das Kronenblatt wieder in die Hoͤhe, und der innere Raum zwischen demselben und dem Griffelblatt wird enger, als er war, indem die Hummel hineinkroch. Indem sie also nach Anleitung des inneren Theils des Saftmaals zum Saft- halter hinabkriecht, so druͤckt das Kronenblatt sie dicht an das Griffelblatt an, folglich auch an die Anthere, welche an diesem dicht anliegt, und sie streift also mit ihrem haarichten Ruͤcken den Staub derselben rein ab. Nachdem sie mit ihrem ausgestreckten Saugeruͤssel denjenigen Theil des Safts, dessen sie hier habhaft werden kann, herausgeholet hat: so kriecht sie ruͤckwaͤrts wieder in die Hoͤhe, und aus der Blume hinaus. Hier wird sie zwar von dem Kronenblatt an das Stigmablaͤttchen angedruͤckt (wel- ches am Griffelblatt grade da befindlich ist, wo das Kronenblatt sich dicht an dasselbe anschließt), aber nicht an die oberste, sondern an die unterste Seite desselben, welches also in Ansehung der Be- fruchtung keine Folgen hat. Nachdem sie aus diesem Drittheil der Blume hinausgekrochen ist, so fliegt sie auf eines von den beiden uͤbrigen. Indem sie hineinkriecht, wird sie vom Kronen- blatt an das Griffelblatt angedruͤckt, so daß sie mit dem Ruͤcken das Stigmablaͤttchen stark beruͤhrt. Sie streift also den am Ruͤcken haftenden Staub an die oberste Seite desselben, als das eigentliche Stigma, ab, und befruchtet also mit dem Staube des ersten Drittheils der Blume das zweyte Drittheil, oder dasje- nige Fach des Fruchtknotens, welches zu diesem Drittheil gehoͤrt. Auf solche Art fliegt sie von einem Drittheil einer Blume auf das andere, und von einer Blume auf die andere, und befruchtet je- nes und diese mit dem Staube, welchen sie aus dem naͤchst vor- her besuchten Drittheil einer Blume und aus der uaͤchst vorher besuchten Blume geholet hat. Fliegen, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten ge- nießen den Saft, welchen die Saftdruͤse von außen ausschwitzt, und man findet bey schoͤnem Wetter dieselben haͤufig auf diesem Theil der Blume. Sie sind aber nicht im Stande, zu dem Saft, welcher sich im Safthalter befindet, zu gelangen. Von den Flie- gen versteht sich dieses von selbst. Denn sie sind viel zu dumm, als daß sie den so kuͤnstlich versteckten Saft sollten ausfindig ma- chen koͤnnen. Aber selbst die klugen Bienen koͤnnen nicht zum Safthalter gelangen, weil sie zu schwach sind, das Kronenblatt herab zu druͤcken, und dadurch sich einen Eingang in die Blume zu verschaffen. Einige Insekten mit roth und schwarz gefleckten E 3 Iris. Fluͤgeldecken traf ich unmittelbar vor dem Eingang auf dem Saft- maal sitzend an. Sie schienen also zu wissen, was das Saftmaal bedeute, waren aber zu schwach, um sich hineinarbeiten zu koͤnnen. Daß Iris Pseudacorus von Hummeln besuͤcht wird, davon hatte ich mich auf folgende Art uͤberzeugt. Ich hatte mir einige Blumen vom Felde geholet, und traf unterweges auf dem Lamium album eine Hummel an. Ich naͤherte derselben meine Blumen, und sie flog sogleich auf eine von denselben, und kroch in dieselbe hinein. Weil ich nun hieraus den Schluß machte, daß auch Iris Xiphium von Hummeln besucht werde: so begab ich mich in den jenigen Garten, in welchem dieselbe in ziemlicher Anzahl sich be- fand. Ich wartete lange auf eine Hummel; es fand sich aber keine ein. Die Blumen schienen auch noch von keiner Hummel besucht worden zu seyn, denn das Stigma war in keiner mit Staube versehen. Um nun meiner Sache gewiß zu werden, be- gab ich mich mit Einer Blume auf das Feld, und zwar an einen Ort, wo viel wilde Salbey waͤchst, welche damals bluͤhete, weil ich wußte, daß ich dort gewiß Hummeln antreffen wuͤrde. Hier erreichte ich, zu meinem groͤßten Vergnuͤgen, meinen Zweck sehr bald. Ich fand nemlich eine große Hummel auf der Salbey, ich naͤherte derselben meine Iris, und sie setzte sich sogleich auf ein Drittheil der Blume, und kroch in dasselbe hinein, und hielt sich lange in demselben auf. Als sie aus demselben wieder herausge- kommen war, so begab sie sich auf das zweyte Drittheil, und kroch hinein. In das dritte Drittheil konnte sie anfaͤnglich nicht hineinkommen. Sie verließ also die Blume, und flog wieder auf die Salbey. Ich wiederholte meinen Versuch, und nun arbeitete sie sich auch in das dritte Drittheil hinein. Die Blume ist eine Zwitterblume. Stellt man sich nun ein jedes Drittheil derselben als eine besondere Blume vor, so ist dieselbe auch eine Zwitterblume. Es erhellet aber aus dem Ge- sagten, daß eine solche Partialblume nicht durch ihren eigenen Staub, sondern durch den Staub einer andern befruchtet wird. Hierin sind also diese Blumen den dichogamischen Blumen aͤhn- lich. Denn auch diese werden nicht durch ihren eigenen Staub befruchtet, sondern die aͤlteren Blumen durch den Staub der juͤn- geren, oder umgekehrt, die juͤngeren durch den Staub der aͤlteren. Hieraus scheint sich zu ergeben, was ich in der Einleitung gesagt habe, nemlich daß die Natur nicht will, daß irgend eine Zwitter- blume durch ihren eigenen Staub befruchtet werden solle. Ferner ist die ganze Blume eine aufrechtstehende Blume, und daher re- gulaͤr. Denn daß ein Drittheil eine andere Struktur haben sollte, als das andere, davon laͤßt sich kein Grund gedenken. Daß aber ein jedes Drittheil, als eine besondere, und zwar zweylippichte, Iris. Blume betrachtet, nicht regulaͤr seyn kann, daß z. B. die untere Lippe nicht der oberen gleich seyn, nicht diese, sondern jene mit dem Saftmaal geziert seyn muß, wird man aus dem Gesagten von selbst einsehen. Endlich siehet man, daß es der Hummel ziem- lich schwer gemacht ist, zum Saft zu gelangen, so daß sie zuwel- len wohl gar die Muͤhe scheuet, die sie beym Hineinkriechen sich geben muß, und deswegen lieber gar nicht hineinkriecht; man be- greift aber zugleich, daß dieses nothwendig so seyn mußte, wenn der Endzweck der Natur, die Befruchtung, sollte erreicht werden koͤnnen. Ein aͤhnlicher Umstand wird bey der Nigella aruensis vorkommen. Bey der Saluia pratensis haben wir schon gesehen, daß die hineinkriechende Hummel jedesmal von den Staubgefaͤßen gleichsam gepeitscht wird, und sich an dem Stigma stoͤßt, welches beides ihr eine kleine unangenehme Empfindung verursachen muß. Bey der Ophrys ouata werden wir sehen, daß das Insekt, wel- ches die Blume besucht, sich aus derselben einen Kopfschmuck (die Staubkoͤlbchen) holt, mit welchem ihm gar nicht gedienet ist, da- her es sich, wiewohl vergebens, bemuͤht, denselben wieder los zu werden. So oft nun ein solcher Umstand vorkoͤmmt, so ist er, wenn man auf denselben gehoͤrig Achtung giebt, ein vortreffliches Mittel, hinter das Geheimniß der Befruchtung zu kommen. Sieht man also, daß ein Insekt, indem es in eine Blume hinein- kriecht, um zum Saft zu gelangen, oder indem es den Saft ge- nießt, von den Staubgefaͤßen oder dem Griffel auf allerley Art gleichsam geneckt wird, daß es den Kopf und die Augen voller Staub bekoͤmmt, und daher mit den Vorderfuͤßen denselben wie- der abstreift, weil es durch denselben verhindert wird, zu sehen, daß es wohl gar von irgend einem Theil festgehalten wird, oder an demselben kleben bleibt, so daß es entweder jaͤmmerlich ster- ben, oder mit Verlust eines Beins sich retten muß, oder daß es, wie in der Osterluzey, in einer Blume, als in einem Gefaͤngniß, eingesperrt wird: so halte man dieses keinesweges fuͤr einen zweck- losen Zufall, sondern vielmehr fuͤr einen wesentlichen Theil des Plans, welchen die Natur bey der Einrichtung der Blumen vor Augen hatte, und suche denselben zu erforschen, und man wird die herrlichsten Entdeckungen machen. Noch einen Umstand muß ich nicht unberuͤhrt lassen. Der Eingang in die Blume, welchen die Natur der Hummel ange- wiesen hat, und welchen diese auch wirklich waͤhlet, ist nicht nur, ungeachtet die Hummel sich Muͤhe geben muß, um hineinzukom- men, der leichteste, sondern auch, wenn sie nicht, wie zuweilen bey manchen Blumen geschieht, Gewalt gebrauchen, und sich uͤber dem Safthalter ein Loch in die Krone beißen will, der einzige moͤgliche Eingang fuͤr dieselbe. Denn gesetzt, sie wollte sich an das Saftmaal nicht kehren, fondern von der Seite zwischen das Iris. Griffelblatt und das Kronenblatt hineinkriechen, z. B. da, wo man in Fig. 3. ihren Kopf sieht: so wuͤrde sie nicht im Stande seyn, das Kronenblatt vom Griffelblatt zu entfernen, da dieses ihr schon sauer wird, wenn sie den natuͤrlichen Eingang waͤhlt. Dies folgt aus mechanischen Gruͤnden, wenn man sich das Kro- nenblatt als einen Hebel vorstellt, dessen Ruhepunkt bey b , und dessen Last der Grad der Elasticitaͤt ist, mit welchem derselbe, wenn man ihn herabdruͤckt, aufwaͤrts strebt. Die Last ist unge- faͤhr gleich groß, die Hummel mag oben oder an der Seite hinein- kriechen wollen. Die anzuwendende Kraft aber ist im letzten Fall groͤsser, als im ersten, weil sie in jenem dem Ruhepunkt naͤher ist, als in diesem. Hieraus folgt also erstens, daß die Natur den Insekten das Hineinkriechen in die Blumen so leicht als moͤg- lich gemacht hat. Da aber die Hummel, wenn sie, falls es moͤg- lich waͤre, auf der Seite hineinkriechen wollte, die Absicht der Natur, nemlich daß von ihr die Blume befruchtet werde, verei- teln wuͤrde, indem sie, wenn sie auch den Staub der Anthere ab- streifte, dennoch denselben nicht auf das Stigma bringen wuͤrde: so folgt hieraus zweytens, daß die Natur die Blumen so einge- richtet hat, daß die Insekten, wofern sie anders nicht Gewalt gebrauchen wollen, schlechterdings nicht, oder wenigstens sehr schwer zum Saft gelangen koͤnnen, ohne zugleich die Blumen zu befruchten. Endlich drittens, da die Hummel beym Besuch die- ser Blume den von der Natur gemachten Eingang waͤhlet, und es ihr nicht einmal einfaͤllt, sich durch die Krone durchzubeißen: so ist es wahrscheinlich, daß, wenn ein Insekt auf eine gewalt- thaͤtige Art sich einen Eingang in eine Blume verschafft, diese fuͤr dasselbe nicht bestimmt sey, und von demselben nicht befruchtet werden solle. Dieser Satz ist bey der Biumenforschung nicht ohne Nutzen, indem er uns wenigstens davor sichert, daß wir nicht eine falsche Spur verfolgen. Weil eine große Hummel in die Krone des Antirrhinum Linaria ein Loch beißt, um zum Saft zu gelangen: so schließe ich hieraus, daß diese Blume von dieser Hummel nicht befruchtet werden soll. Und daß dieser Schluß richtig ist, lehrt der Augenschein, denn der natuͤrliche Eingang in dieselbe ist fuͤr die Hummel viel zu klein. Eben so beißt ein In- sekt, welches mir unbekannt ist, in den untersten kugelfoͤrmigen Theil der Krone der gemeinen Osterluzey ein Loch. Wer nun voraussetzen wollte, daß dieses Insekt zur Befruchtung die- ser Blume bestimmt sey, der wuͤrde niemals ihre Einrichtung und Befruchtungsart zu ergruͤnden im Stande seyn. Denn die Blume wird nicht von diesem Insekt, sondern von sehr kleinen Fliegen befruchtet, weiche nicht im Stande sind, ein Loch in die Krone zu beißen. Iris. Da nun die Blume bloß von Hummeln, und zwar nur von den groͤßten Arten derselben, befruchtet wird, indem die kleineren vermuthlich zu schwach sind, um in dieselbe hineinkriechen zu koͤnnen: so folgt hieraus, daß ihre Befruchtung oftmals unter- bleiben muß, indem viele Blumen verbluͤhen, ohne von einer solchen Hummel einen Besuch erhalten zu haben, zumal da diese Hummeln nicht so haͤufig sind, als Fliegen und andere Insekten, selbst Bienen. Dieses wird durch die Erfahrung voͤllig bestaͤtigt. Denn in dem oben erwaͤhnten Garten fand ich im Oktober, daß alle Samenkapseln ein schlechtes Ansehen und lauter tauben Sa- men hatten. Eben so haben einige Pflanzen, welche ich in den botanischen Garten zu Berlin gebracht hatte, im folgenden Som- mer zwar Blumen, aber keine Samenkapseln angesetzt. Bey der Iris Germanica, Sibirica und Pseudacorus geht die Befruchtung besser von Statten, wahrscheinlich deswegen, weil in denselben der Eingang nicht verschlossen ist, sondern offen steht, folglich auch die kleineren Hummeln und andere Insekten hineinkriechen koͤnnen. Endlich scheint mir merkwuͤrdig zu seyn, daß Iris Xiphium vor dem Regen besser verwahrt ist, als Iris Pseudacorus, und zugleich weit schoͤner ist, als dieselbe. Das Erstere ist oben ge- zeigt worden, und an dem Letzteren wird man nicht zweifeln, so- bald man beide Blumen gegen einander haͤlt. Jene ist ungleich schoͤner gefaͤrbt, als diese. Die aufrecht stehenden Kronenblaͤtter sind in jener weit groͤsser, als in dieser, und tragen sowohl zur Schoͤnheit, als zur Bemerkbarkeit der Blume nicht wenig bey, wozu sie denn auch allein da sind; bey dieser hingegen sind diesel- ben sehr klein und unansehnlich. Das gelbe Saftmaal sticht in jener gegen die blaue Farbe des obersten Theils des Griffelblatts und des Kronenblatts unvergleichlich ab; in dieser hingegen nimmt es sich nicht sonderlich aus. Da es nun wahrscheinlich ist, daß, je besser der Saft einer Blume vor dem Regen verwahrt ist, desto edler und fuͤr desto edlere Insekten derselbe bestimmt sey: so scheint hieraus zu folgen, daß, je schoͤner eine Blume ist’, desto edler ihr Saft, und fuͤr desto edlere Insekten derselbe bestimmt sey. Daß aber die Hummeln zu den edelsten Insekten gehoͤren, daran wird niemand zweifeln, welcher das Genie derselben, und die große Geschicktheit, mit welcher sie den Saft der Blumen, wenn er auch noch so sehr versteckt ist, zu finden wissen, kennen ge- lernt hat. Iris Germanica. Der Saft dieser Blume scheint fuͤr die Bienen ein auf der Stelle toͤdtendes Gift zu seyn. Ich fand eine todte Biene in dem Raum zwischen dem Griffelblatt und dem umgebogenen Kronenblatt, und zwar in einer solchen Stellung, Iris. Eriophorum. Secale. welche zu erkennen gab, daß sie vom Saft genossen hatte, und im Begriff gewesen war, aus der Blume wieder herauszukriechen. Daß die Blume fuͤr die Bienen nicht bestimmt sey, noch von den- selben befruchtet werden solle, erhellet auch daraus, daß die Griffelblaͤtter von den umgebogenen Kronenblaͤttern so weit ab stehen, daß die Bienen auf den letztern hinabkriechen koͤnnen, ohne weder die Antheren noch die Stigmate zu beruͤhren. Linn é hat in seiner Beschreibung der Gattung mehr als Einen Fehler begangen. Erstens hat er den ganzen aus drey Blaͤttern bestehenden Theil des Griffels fuͤr das Stigma gehal- ten. Zweytens hat er das Nectarium falsch angegeben. Dasselbe ist seiner Meinung nach in einigen Arten der Streif von Haa- ren, welcher sich auf dem untersten Theil der umgebogenen Kro- nenblaͤtter befindet, in andern besteht es aus drey Saftpunkten, welche auswendig an der Basis der Krone angetroffen werden. Jene Haare aber sondern keinesweges Saft ab, sondern sie sind theils die besondere Saftdecke, theils gehoͤren sie zum Saftmaal, denn sie sind besonders gefaͤrbt. Diese Saftpunkte aber sucht man bey der Iris Pseudacorus, welche doch keine Haare hat, vergebens. Und uͤberhaupt wird man nach demjenigen, was bis- her gesagt worden ist, es gegruͤndet finden, wenn ich behaupte, daß es keine Iris geben koͤnne, welche, wie Xiphium, auswen- dig Saft ausschwitzen, aber nicht zugleich den eigentlichen Saft- vorrath inwendig in der Kronenroͤhre enthalten sollte. Nicht weniger irret Wahlboom , wenn er in seiner Disser- tation: Sponsalia plantarum, sagt, daß die Arten der Iris vom Winde befruchtet werden. Eriophorum. Eriophorum polystachyon. Seidenbinse. Hat keinen Saft. Secale. Secale cereale. Roggen. Tab. I. 47—49. 53. 54—57. 48. Das Pistill von vorne. 56. Der Fruchtknoten von der Seite. 57. Der Fruchtknoten von vorne, nachdem die beiden Saftblaͤttchen abgerissen worden. Auf demselben die (punktirte) Saftdruͤse. 47. Ein Saftblaͤttchen von innen. 53. Dasselbe von außen. 49. Das reife Samenkorn. a die vormalige Saftdruͤse. b die vormaligen Saftblaͤttchen. Secale. Auena. Festuca. Holosteum. 54. Die vom Samenkorn abgeloͤseten Saftblaͤttchen von innen. 55. Dieselben von außen. Die beiden Saftblaͤttchen, welche sich in den mehresten Grasbluͤthen befinden, und welche man bisher das Nectarium genannt hat, sind, wenigstens beym Roggen, nicht Saftdruͤ- sen; sondern der Fruchtknoten selbst sondert unterwaͤrts auf der- jenigen Stelle, welche sich durch ihre Glaͤtte und Farbe unter- scheidet, den Saft ab. Der Saft befindet sich zwischen dieser Stelle und den Saftblaͤttchen, welche mir inwendig etwas kon- kav zu seyn schienen. Also sind diese eigentlich der Safthalter. Inwendig sind sie glatt, auswendig aber, besonders oberwaͤrts, mit Haaren uͤberzogen, und der Fruchtknoten ist oberwaͤrts auch mit Haaren uͤberzogen. Diese Haare sind also die Saftdecke. Bey einem reifen Samenkorn sieht man noch oberwaͤrts die Haare, und unterwaͤrts die vormalige Saftdruͤse, welche zugleich mit dem Fruchtknoten groͤsser geworden ist, und also nun uͤber die beiden Saftblaͤttchen, welche nach geendigter Bluͤhezeit ver- trocknet sind, hinwegragen. Durch die Loupe gesehen, erschei- nen sie alsdenn uͤberaus duͤnne und durchsichtig, zum Beweise, daß sie nicht den Saft abgesondert haben, weil sie sonst fleischicht seyn muͤßten. Auena. Auena satiua. Hafer. Tab. I. 17. Das vergroͤsserte reife Samenkorn. Auch am reifen Haferkorn sieht man die vormalige Saft- druͤse sehr deutlich. Dieselbe ist glatt, da das Korn uͤbrigens mit Haaren uͤberzogen ist, welche auf dem obersten Ende am haͤufigsten stehen. Festuca. Festuca elatior. Durch die Loupe habe ich deutlich ge- sehen, daß auch bey dieser Bluͤthe derjenige Theil des Frucht- knotens, auf welchem die Saftblaͤttchen liegen, die Saftdruͤse ist. Denn derselbe machte sich durch seine gelbliche Farbe und durch sein oͤlichtes Ansehen sehr kenntlich. Holosteum. Holosteum vmbellatum. Diese Blume gehoͤrt mit dem Cerastium und der Spergula zu Einer natuͤrlichen Gat- tung, und hat, wie diese, fuͤnf Saftdruͤsen. Wenn sie sich in der Mittagsstunde bey schoͤnem Wetter geoͤffnet hat, so kann man die fuͤnf Safttroͤpfchen an ihrem Glanz deutlich erken- nen. Holosteum. Scabiosa. nen. Damit dieselben nicht vom Regen verdorben werden, so ist die Blume bey schlechtem Wetter jederzeit geschlossen. So lange die Blume bluͤhet, stehet sie aufrecht. Nachdem sie abgebluͤhet hat, neigt sich die junge Samenkapsel zur Erde. Wann diese Holosteum. Scabiosa. aber reif ist, richtet sie sich wieder in die Hoͤhe, damit die Sa- menkoͤrner nicht von selbst herausfallen, sondern vom Winde herausgeworfen und weit verstreuet werden. Vierte Klasse. Tetrandria. Zwitterblumen mit vier Staubgefaͤßen . Scabiosa. S cabiosa columbaria. Bergskabiose. Tab. V. 12. 13. 18—20. 18. Ein juͤngerer Blumenknauf, dessen Blumen noch nicht saͤmtlich aufgebrochen sind, von oben gesehen. 19. Eine Blume aus der Mitte eines juͤngeren Blumen- knaufs. 20. Eine Randblume eines aͤlteren Blumenknaufs. 13. Der Fruchtknoten nebst dem angewachsenen Kelch von der Seite, und 12. von oben gesehen. Die (punktirte) Saftdruͤse. 1. Die Saftdruͤse ist der weiße Kreis in der Mitte des gruͤ- nen Kelchs. 2. Der Safthalter ist der unterste inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre. 3. Zur Beschirmung des Safts vor dem Regen dienen die weichen Haare, mit welchen der oberste Theil der Kronenroͤhre inwendig uͤberzogen ist. 4. Der ganze Blumenknauf, welcher sehr flach ist, oder die Gestalt eines kleinen Abschnitts einer Kugel hat, ist, als Eine Blume betrachtet, eine aufrecht stehende Blume. Die Blumen selbst aber stehen in der Mitte aufrecht, je weiter sie aber vom Mittelpunkt abstehen, desto horizontaler ist ihre Stellung. Nach eben diesem Abstande nimmt auch sowohl ihre Groͤsse, als auch ihre Irregularitaͤt zu, welche darin besteht, daß die drey aus- waͤrts stehenden Abschnitte des Kronensaums groͤsser sind, als die beiden einwaͤrts stehenden. Die Absicht der Natur bey dieser Einrichtung geht dahin, daß die Blumenknaͤufe den uͤber densel- ben in der Luft umherfliegenden Insekten desto besser in die Au- gen fallen. Dieselben erscheinen von oben gesehen als ganze Kreise, von irgend einer Seite gesehen aber als kleine Abschnitte eines Kreises. Wenn sie nun seitwaͤrts sich hauptsaͤchlich bemerkbar ma- chen sollten, so muͤßten alle Blumen gleich groß seyn, weil sich kein Grund angeben ließe, warum eine Blume groͤsser seyn muͤßte, als die andere. Da sie aber von oben gesehen ungleich groͤsser er- scheinen, als von irgend einer Seite: so sollen sie auch nach oben zu den Insekten am staͤrksten in die Augen fallen. Und damit das Bild, welches sie von oben gesehen in den Augen der Insekten hervorbringen, noch groͤsser werde, so mußte die Krone der Blu- men, je weiter dieselben vom Mittelpunkt abstehen, desto groͤsser und folglich desto irregulaͤrer seyn. Denn was das Letztere be- trifft, so wuͤrde es zur Vergroͤsserung des Bildes eines Blumen- knaufs nichts beytragen, wenn die beiden einwaͤrts stehenden Ab- schnitte des Kronensaums eben so groß waͤren, als die drey aus- waͤrts stehenden. Eine aͤhnliche Einrichtung finden wir bey sehr vielen andern Blumen. In der Syngenesia superflua haben die Randblumen eine weit groͤssere Krone, als die in der Mitte stehenden. Alle Arten der weitlaͤuftigen Gattung Centaurea haben Randblumen, welche groͤsser sind, als die in der Mitte stehenden, und welche bloß aus einer Krone bestehen, und weder ein Pistill noch eine Anthere haben. Eben solche Randblumen finden wir bey dem Viburnum Opulus. Verschiedene Gattungen der Schirmblu- men haben am Rande der Dolden Blumen, welche groͤsser sind, als die in der Mitte stehenden, und deren auswaͤrts stehende Kro- nenblaͤtter groͤsser sind, als die einwaͤrts stehenden. Dahin ge- hoͤrt Coriandrum, Hasselquistia, Oenanthe, Heracleum, Caucalis. In allen Arten der Iberis sind die beiden auswaͤrts stehenden Kronenblaͤtter groͤsser, als die beiden einwaͤrts stehen- den, und in der Iberis vmbellata haben auch uͤberdies die Rand- blumen eine groͤssere Krone, als die in der Mitte stehenden. Von dieser Einrichtung laͤßt sich nun kein Grund angeben, wenn man nicht weiß, daß diese Blumen insgesamt Saftblumen sind, und F Scabiosa. von Insekten befruchtet werden sollen, daher sie, damit sie von denselben leicht bemerkt werden koͤnnen, ihnen von oben gesehen so stark als moͤglich in die Augen fallen muͤssen. Was insonder- heit die zuletzt genannte Iberis betrifft, so bilden die Blumen al- ler Arten, so lange sie bluͤhen, einen Corymbus, dieser aber ver- wandelt sich bey den mehresten Arten, so wie die Blumen nach und nach verbluͤhen, in einen Racemus; bey der Iberis vmbel- lata hingegen behaͤlt er seine Gestalt. Dieser Corymbus soll bey allen Arten von oben gesehen stark in die Augen fallen. Daher mußten zwar bey dieser Art, wie bey den uͤbrigen, die auswaͤrts stehenden Kronenblaͤtter groͤsser seyn, als die einwaͤrts stehenden; die mittelsten Blumen hingegen durften nicht eine so große Krone haben, als die Randblumen, weil dieses zur Vergroͤsserung des Bildes des ganzen Corymbus nichts beytragen wuͤrde. Da aber bey den uͤbrigen Arten der Corymbus sich nach und nach in einen Racemus verwandelt, so werden auch die ganze Bluͤhezeit hin- durch die in der Mitte stehenden Blumen nach und nach Rand- blumen. Da also alle Blumen, obgleich nicht zu gleicher Zeit, Randblumen sind, so muͤssen sie auch alle eine gleich große Krone haben. Jedoch muß ich noch anmerken, daß ich nur vermuthe, aber noch nicht weiß, daß die Blumen Saft enthalten. Alle Blumenknaͤufe, Umbellen, Corymbi und Cymae nun, bey welchen diese Einrichtung soll Statt finden koͤnnen, muͤssen einen wirklichen Rand haben, d. i., sie muͤssen entweder ganz flach, oder dem Abschnitt einer Kugel aͤhnlich seyn, welcher nicht groͤsser ist, als die halbe Kugel. Haben sie aber die Gestalt einer ganzen Kugel, oder des groͤßten Theils derselben: so faͤllt diese Einrichtung von selbst weg. Denn alsdenn ist ihr Bild, man mag sie ansehen aus welchem Gesichtspunkt man will, jedesmal ein ganzer Kreis von eben derselben Groͤsse. Da nun keine Ur- sache vorhanden ist, warum sie von den Insekten aus einem Standpunkt leichter sollen bemerkt werden muͤssen, als aus einem andern: so muͤssen sie auch gleich große Blumen, oder vielmehr alle ihre Blumen muͤssen eine gleich große Krone haben. Dahin gehoͤrt z. B. Echinops Ritro und sphacrocephalus, Angelica, Gomphrena globosa, Statice Armeria, Phyteuma montanum, d. i., Jasione montana L. S. Phyteuma. 5. Die Blume wird von Bienen, Hummeln und Blumen- kaͤfern besucht. Daß sie von diesen und anderen Insekten be- fruchtet wird, erhellet daraus, daß nicht nur die einzelnen Blu- men, sondern sogar die ganzen Blumenknaͤufe Dichogamisten von der maͤnnlich-weiblichen Art sind. Denn wenn man einen juͤn- gern Blumenknauf, dessen Blumen sich saͤmmtlich geoͤffnet ha- ben, besieht, so findet man, daß in den mehresten die Filamente steif sind und staubvolle Antheren haben, daß aber in allen der Scabiosa. Knautia. Asperula. Galium. Griffel noch nicht aus der Kronenroͤhre hervorraget, Fig. 19. An einem aͤlteren Blumenknauf hingegen bemerkt man, daß die Griffel saͤmmtlicher Blumen eben so lang sind, als in dem juͤnge- ren die Filamente, daß aber die Filamente nicht mehr steif, son- dern welk sind, und die Antheren verloren haben, Fig. 20. Folg- lich werden die aͤlteren Blumenknaͤufe von den Insekten durch den Staub der juͤngeren befruchtet. Denn indem die Insekten auf einem juͤngeren Blumenknauf umherlaufen, und den Saft aus den Blumen holen, so beruͤhren sie mit dem Unterleibe die Antheren, und streifen den Staub derselben an diesen ab, und wann sie hernach auf einem aͤlteren Blumenknauf stehen, so be- ruͤhren sie mit ihrem Unterleibe die Stigmate, welche grade die Stelle einnehmen, in welcher sich bey dem juͤngeren Blumen- knauf die Antheren befinden, und streifen den mitgebrachten Staub an dieselben ab. Scabiosa aruensis, Ackerskabiose, und Scabiosa succisa, Teufelsabbiß, haben gleichfalls Saft, und eine aͤhn- liche Saftdecke. Auch sie sind maͤnnlich, weibliche Dichogamisten. Von der ersten hat Gleditsch schon bemerkt, daß sie Saft enthaͤlt, S. 184., so wie auch von der Scabiosa columbaria, S. 196. Knautia. Knautia orientalis. Daß diese Blume eine Saft- blume sey, erhellet theils aus ihrer nahen Verwandtschaft mit der Scabiosa, theils daraus, daß sie eben eine solche Saftdecke hat, als diese. Denn der oberste Theil der Kronenroͤhre ist mit Haa- ren uͤberzogen, welche der Oeffnung derselben zugekehrt sind. Asperula. Asperula odorata. Waldmeister. Ist eine Saft- blume. Die Saftdruͤse sitzt im Grunde der Krone auf dem Frucht- knoten, und umgiebt die Basis des Griffels. Durch ein Ver- groͤsserungsglas sieht man, daß sie fleischicht, glatt und weiß ist. Sie ist zugleich der Safthalter. Zu dem Safttroͤpfchen kann un- moͤglich ein Regentropfen kommen, weil die Kronenroͤhre sehr enge ist, und ihre Oeffnung durch die Staubfaͤden verschlossen wird. Gleditsch hat schon in der Blume Saft gesunden, S. 159. Galium. Aus der Verwandtschaft dieser Gattung mit der Asperula schließe ich, daß auch ihre Arten Saftblumen sind. Galium verum und Galium palustre verbreiten, wo sie haͤufig stehen, einen sehr angenehmen Geruch. Auf dem Galium Galium. Cornus. Hamamelis. boreale fand ich Ameisen, welche ihren Kopf in die Mitte der Blumen hineinsteckten, und sich lange auf denselben ver- weilten, zum Beweise, daß sie Saft in denselben fanden. Ob nun gleich diese Art groͤsser ist, als die uͤbrigen, so konnte ich den- noch, weil sie demungeachtet sehr klein ist, durch die Loupe we- der eine Saftdruͤse, noch Saft sehen. Bey so kleinen Blumen leistet selbst eine Loupe noch nicht die gehoͤrigen Dienste, sondern man muß sie durch ein gutes Mikroskopium betrachten. Cornus. Cornus sanguinea. Hartriegel. Die Blumen sind Saftbiumen, und werden daher von allerley Insekten haͤufig be- sucht. Die fleischichte Saftdruͤse sitzt oben auf dem Fruchtknoten, und umgiebt die Basis des Griffels. Wenn man besonders eine noch geschlossene, aber dem Aufbrechen nahe Blume oͤffnet, so sieht man den Saft deutlich. Cornus mascula. Kornelkirschenstrauch. Tab. II. 1. 2. 10. 13. 13. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 10. Dieselbe von oben gesehen. 1. Die vergroͤsserte Frucht von oben gesehen. 2. Der mittelste Theil derselben, noch staͤrker vergroͤssert. Die Saftdruͤse ist in allen vier Figuren punktirt. Diese Art hat mit der vorhergehenden eine gleiche Ein- richtung. Gelegentlich bemerke ich einen in Gleditschs Einleitung in die Forstwissenschaft vorkommenden Widerspruch, wel- cher diese Gattung betrifft. Im II. Bande S. 115. schreibt er, wel- ches er oͤfters thut, dem Linn é nach, der Kelch falle ab; S. 120. aber sagt er, die Frucht habe noch den Kelch. Das Letzte ist richtig, wie man in Fig. 1. und 2. sieht. Cornus florida. Am 12. May des letztvergangenen Jahres hatte dieser Strauch in der Tegelschen Plantage schon ab- gebluͤhet. Er hatte noch einige Ueberbleibsel der Blumen, welche aber insgesamt unbefruchtet geblieben waren, und daher nach und nach abfielen, vermuthlich, weil sie von keinem Insekt waren be- sucht worden. Hamamelis, Hamamelis Virginica. Virginischer Zauberstrauch. Tab. II. 4—7. 12. 18. 29. Hamamelis. Sagina. 18. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse. 29. Dieselbe, vergroͤssert. 4. Ein Staubgefaͤß von der Seite. 5. Die Saftdruͤse von innen. 6. Dieselbe von außen. 7. Dieselbe von der Seite. 12. Dieselbe, an dem Kronenblatt anliegend. 1. Die Saftdruͤsen sind, wie Linn é schon bemerkt hat, die vier laͤnglichten gebogenen Theile, welche auf den Naͤgeln der Kronenblaͤtter anliegen. 2. Der Saft befindet sich zwischen denselben und den Naͤ- geln der Kronenblaͤtter. Diese haben eine schwache Rinne, durch welche der Zwischenraum etwas vergroͤssert wird. 3. Die Saftdruͤsen sind oberwaͤrts breiter, und am Ende nach dem Abschnitt eines Kreises ausgeschnitten. Mit diesem Ende schließen sie dicht an die Kronenblaͤtter, und es kann kein Regentropfen, der auf ein Kronenblatt gefallen ist, zum Saft dringen. Daß von der Seite ein Regentropfen zum Saft komme, scheinen die Filamente verhindern zu sollen. Denn sie sind ober- waͤrts breit, und von beiden Seiten hohl, koͤnnen also einen Re- gentropfen leicht anziehen, und ihn abhalten, weiter zu dringen. 4. Damit die Blumen den Insekten von weitem in die Au- gen fallen, so sind die gelben Kronenblaͤtter nach Verhaͤltniß ih- rer Breite sehr lang. Ein Saftmaal ist nicht noͤthig, da die In- sekten auch ohne dasselbe den Saft leicht finden koͤnnen. Die Saftdruͤsen scheinen auch zu verursachen, daß die Kronenblaͤtter, an welche sie sich stemmen, ausgebreitet stehen, und nicht zusam- menfallen, als welches die Krone unansehnlicher, und die Blume weniger bemerkbar machen wuͤrde. Sagina. Sagina procumbens. Wer sollte wohl glauben, daß dieses kleine Bluͤmchen im Stande sey, Saft abzusondern? Man halte aber nur dasselbe in der Mittagsstunde bey schoͤnem Wetter gegen die Sonne, so wird man die vier glaͤnzenden Safttroͤpfchen deutlich sehen. Dieselben werden von eben so vielen Saftdruͤs- chen abgesondert und getragen, welche an der Basis des Frucht- knotens zwischen den Kronenblaͤttern befindlich sind, und auf wel- chen die Filamente stehen, wie es bey dem Cerastium, der Stel- laria und andern aͤhnlichen Gattungen gewoͤhnlich ist. F 2 Heliotropium. Fuͤnfte Klasse. Pentandria. Zwitterblumen mit fuͤnf Staubgefaͤßen . Heliotropium. H eliotropium Peruuianum . Tab. III. 8. 9. 8. Die vergroͤsserte Blume von oben gesehen. 9. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung, nachdem die vorderste Haͤlfte des Kelchs und der Krone weggeschnitten worden. Im Grunde derselben die (punktirte) Saftdruͤse. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte Koͤrper, auf welchem die Fruchtknoten sitzen, und um welchen die Basis der Kronenroͤhre fest schließt. 2. Der Safthalter ist der unterste Theil der Kronenroͤhre. Durch die Loupe kann man den in demselben enthaltenen Saft deutlich sehen. 3. Die Antheren und der zwischen denselben befindliche oberste sehr breite Theil des Griffels halten einen Regentropfen, welcher auf die Oeffnung der Kronenroͤhre gefallen ist, vom Safthal- ter ab. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn der Kronensaum ist blaßviolett, die Oeffnung der Kronenroͤhre aber gruͤnlichgelb. Auch hat die Blume einen starken Geruch. 5. Das Stigma stimmt mit der Linneischen Beschreibung nicht uͤberein. Der oberste Theil des Griffels hat die in der 9. Fig. abgebildete Gestalt. Das unterste breitere Stuͤck dieses Theils, welches punktirt ist, ist das eigentliche Stigma. Denn es ist mit einer Feuchtigkeit uͤberzogen, und dunkelgruͤn, da das oberste schmaͤlere Stuͤck blaßgruͤn ist. Dieses Stigma hat also eine große Aehnlichkeit mit dem Stigma der Vinca. Ob nun gleich die An- theren demselben ziemlich nahe sind, so folgt hieraus doch nicht, daß der Staub jener von selbst auf dieses komme. Der Augen- schein aber lehrt, daß, wenn ein Insekt die Blume besucht, es unmoͤglich in den Safthalter, wenn es sehr klein ist, hineinkrie- chen, oder, wenn es groͤsser ist, seinen Saugeruͤssel hineinstecken kann, ohne zugleich den Staub von den Antheren abzustreifen, und auf das Stigma zu bringen. Myosotis. Lithospermum. Myosotis. Myosotis palustris. Vergiß mein nicht. Tab. III. 12—14. 12. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 14. Dieselbe, von unten gesehen. 13. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung, nachdem die Krone abgeloͤset, und die vorderste Haͤlfte des Kelchs weggeschnitten worden. 1. Die Saftdruͤse ist der weiße Koͤrper, welcher die Frucht- knoten traͤgt. 2. Der Safthalter ist der unterste Theil der Kronenroͤhre. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre wird durch fuͤnf taschen- foͤrmige Theile, welche auf der unteren Seite der Krone ihre Oeffnungen haben, enger gemacht, uͤbrigens aber durch die An- theren und das Stigma dem Regen verschlossen. Kleine Insek- ten aber koͤnnen durch die Zwischenraͤume derselben leicht hindurch, und in den Safthalter hineinkriechen. 4. Damit die Blume den Insekten von weitem in die Augen falle, so hat sie einen ansehnlichen himmelblauen Kronensaum. Damit aber die Insekten den Saft leicht finden, so hat sie ein Saftmaal. Denn jene taschenfoͤrmige Theile sind gelb, und ste- chen gegen die Farbe des Kronensaums schoͤn und stark ab. 5. Im Safthalter habe ich sehr kleine Insekten angetroffen. Lithospermum. Lithospermum aruense. 1. Die glatten Fruchtknoten sind zugleich die Saftdruͤsen. 2. Der unterste inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre ist der Safthalter. 3. Der Saft ist vor dem Regen voͤllig geschuͤtzt, weil die Kronenroͤhre sehr enge, und uͤber den Antheren mit Haaren uͤber- zogen ist. 5. Die Blume wird von dem gemeinen weißen Schmetter- ling haͤufig besucht. Anchusa. Cynoglossum. Anchusa. Anchusa officinalis. Ochsenzunge. Tab. III. 10. 11. 16. 17. 10. Die Blume, von oben gesehen. 11. Die groͤssere Haͤlfte der Krone. 16. Die Fruchtknoten nebst den (punktirten) Saftdruͤsen, von oben gesehen. 17. Dieselben, von der Seite gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist die wulstige gelblichweiße Basis der Fruchtknoten. Wenn die Samenkoͤrner erwachsen sind, so ist ihre Basis zwar nicht mehr wulstig; sie unterscheidet sich aber dennoch von denselben durch das aͤußere Ansehen. 2. Der unterste Theil der Kronenroͤhre ist mit Saft angefuͤllt. Damit derselbe fest um die Saftdruͤse schließe, ist er am Ende mit Haaren dicht besetzt. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre wird durch fuͤnf taschen- foͤrmige Theile, welche dicht an einander schließen, und auf der unteren Seite haaricht sind, den Regentropfen gesperrt. Daß dieselben nicht eigentlich dazu dienen sollen, die Antheren vor dem Regen zu beschuͤtzen, erhellet daraus, daß sie nicht denselben ge- genuͤber stehen, sondern mit denselben abwechseln. Diese taschen- foͤrmige Theile lassen sich nun leicht von einander biegen, fallen aber, wenn man sie los laͤßt, wieder zusammen. Folglich koͤn- nen zwar Insekten leicht zwischen dieselben hindurchkriechen, oder ihren Saugeruͤssel hindurchstecken; wann sie aber die Blume wie- der verlassen haben, so ist der Saft vor dem Regen eben so ge- sichert, als vor dem Besuch. 4. Die Saftdecke ist zugleich das Saftmaal. Denn sie ist weiß, da der Kronensaum violett ist. 5. Die Blume wird von Bienen und Hummeln haͤufig besucht. Cynoglossum. Cynoglossum officinale. Hundszunge. Tab. IV. 4. Ein Zweig mit reifen Samenkoͤrnern, deren einige von voruͤber- gehenden Menschen oder Vieh bereits abgerissen und weggeschleppt worden sind. 1. Die Saftdruͤse ist entweder der hoͤckerichte Koͤrper, auf welchem die Fruchtknoten sitzen, oder diese sondern selbst den Saft ab. 2. Der unterste Theil der Kronenroͤhre ist der Safthalter. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre wird eben so, als bey der Anchusa, durch taschenfoͤrmige Theile verschlossen, welche sich aber Cynoglossum. 4. durch die Farbe vom Kronensaum nicht unterscheiden. Wenn man die Infrukrescenz dieser Pflanze, d. i., die Art und Weise, wie ihre Fruͤchte an die Zweige befestigt sind, mit der Infruktescenz des Echium vulgare, Tab. III. 39., vergleicht: so bemerkt man folgenden Unterschied. 1. Bey dem Echium sitzen die Fruͤchte auf der inneren, bey dem Cynoglossum auf der aͤußeren Seite der Zweige. 2. Bey jenem sitzen sie unmittelbar an den Zweigen, bey diesem sind sie durch einen Stiel mit densel- ben vereinigt. 3. Bey jenem ist der Kelch eben so stark, oder vielmehr noch staͤrker und groͤsser, als er zur Bluͤhezeit war; bey diesem ist er ganz unansehnlich, und mehrentheils schon verwelkt und abgefallen. 4. Bey jenem sitzen die Samenkoͤrner mit ihrem untersten Ende auf dem Grunde des Kelchs; bey diesem loͤsen sie sich mit dem untersten Ende vom Grunde des Kelchs ab, haben aber am obersten Ende einen Fortsatz, vermittelst dessen sie an den Griffel befestigt sind. Die Ursache dieses Unterschieds liegt darin, daß die Samenkoͤrner beider Pflanzen auf eine ganz verschiedene Art von denselben getrennt, und auf den Erdboden verstreuet werden sollen. Beym Echium soll dieses durch den Wind ge- schehen. Die Samenkoͤrner sollen nicht von selbst aus dem Kelch, welcher die Stelle einer Kapsel vertritt, herausfallen, noch durch einen schwachen Wind aus demselben herausgeworfen werden, weil sie in beiden Faͤllen sich nicht weit von der Mutterpflanze ent- fernen wuͤrden; sondern sie sollen von einem starken Winde herausgeworfen, und weit und breit verstreuet werden. Zu dem Ende mußte der Kelch eine aufrechte Stellung haben. Nun machen die Zweige mit dem aufrecht stehenden Stengel einen ziem- lich großen Winkel, und haben also eine schiefe Stellung. Waͤre nun der Kelch an die aͤußere Seite eines Zweiges befestigt, so wuͤrde er, da er mit demselben auch einen kleinen Winkel machen muß, eine noch schiefere und beynahe horizontale Stellung haben, und die Samenkoͤrner wuͤrden von selbst, oder bey einer geringen von einem schwachen Winde hervorgebrachten Erschuͤtterung der Pflanze herausfallen. Der Kelch mußte ferner auf der inneren Seite des Zweiges nicht vermittelst eines Stiels, sondern unmit- telbar an denselben befestigt seyn. Denn im ersten Fall wuͤrde er entweder von selbst wegen seiner Schwere und wegen der Duͤnn- heit des Stiels sich herabneigen, oder von einem schwachen Winde herabgebogen werden. Da er aber unmittelbar auf dem starken Zweige sitzt, so kann er zugleich mit diesem nur durch einen star- ken Wind aus seiner Stellung gebracht werden. Daß endlich der Kelch nicht abfallen, sondern vielmehr noch groͤsser und staͤrker werden mußte, die Samenkoͤrner aber nicht oben am Griffel, sondern unten am Grunde des Kelchs befestigt seyn mußten, sieht ein jeder von selbst ein. Bey dem Cynoglossum hingegen hat F 3 Cynoglossum. Pulmonaria. die Sache eine ganz andere Bewandniß. Die Samenkoͤrner, oder vielmehr die Behaͤltnisse derselben sind fast uͤberall mit Haken besetzt, und sollen nicht durch den Wind fortgefuͤhrt, sondern von Vieh, an dessen Wolle, und von Menschen, an deren Kleidungs- stuͤcke sie sich anhaͤkeln, losgerissen, und allenthalben verschleppt und verstreuet werden. Denn die Pflanze waͤchst an solchen Or- ten, welche von Vieh und Menschen oͤfters besucht werden, nem- lich an Wegen, auf wuͤsten Stellen der Staͤdte und Doͤrfer, an den Stadtmauern ꝛc. Und wer im Herbst an solchen Orten etwas zu thun hat, bekoͤmmt die Rockschoͤße bald voller Samen, und wenn er wollene Struͤmpfe anhat, so ist’s noch schlimmer, und er hat Muͤhe genug, sich von diesen ungebetenen Gaͤsten wieder los zu machen. Die Samen mußten folglich nicht auf der inne- ren, sondern auf der aͤußeren Seite der Zweige befindlich seyn. Denn in jenem Fall wuͤrden die Zweige verhindern, daß das Vieh oder die Menschen sie beruͤhrten. Sie mußten ferner auf einem Stiel sitzen, nicht in einem starken und großen Kelch eingeschlossen seyn, vermittelst eines Fortsatzes an die Spitze des Griffels be- festigt seyn, sich vom Kelch und vom untersten Theil des Griffels abloͤsen, und sich vorwaͤrts herumbiegen, um desto leichter von voruͤbergehenden Menschen und Vieh beruͤhrt, abgerissen und fortgeschleppt zu werden. Endlich mußte das Ende ihres Fort- satzes an der Spitze des Griffels grade so fest sitzen, daß sie zwar vom Winde nicht abgeschuͤttelt, von Menschen und Vieh aber leicht abgerissen werden koͤnnen. Cynoglossum omphalodes . Tab. III. 15. Diese Blume ist ungefaͤhr so eingerichtet, als Myosotis palustris. Sie hat, wie diese, eine praͤsentirtellerfoͤrmige, nicht aber eine trich- terfoͤrmige Krone, welche doch Linn é der Gattung zuschreibt. 3. Die taschenfoͤrmigen Theile sind mit kurzen Haaren uͤber- zogen, und 4. weiß, da der Kronensaum himmelblau ist. 5. Gleditsch hat auf der Blume Bienen angetroffen, scheint aber nicht bemerkt zu haben, daß sie Saft enthaͤlt, S. 214. Pulmonaria. Pulmonaria officinalis. Lungenkraut. Tab. III. 18. 26—31. 26. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. Bey a sind die Antheren, und bey b ist das Stigma be- findlich. 27. Die vergroͤsserte Krone. Oberwaͤrts, so weit sie punk- tirt ist, ist sie blau; der unterste Theil derselben, welcher vom Pulmonaria. Kelch verdeckt wird, ist von unausehnlicher weißlicher Farbe. Ein Beweis, daß die Natur mit ihren Farben keinesweges verschwenderisch umgeht. 29. Ein Theil der Krone von innen. Ueber den beiden Staubgefaͤßen ein Theil der haarichten Saftdecke. 28. Das Pistill, von oben gesehen. Die Saftdruͤsen sind punktirt. 18. Das Stuͤck der Krone a c b d Fig. 27., von oben gesehen. Um die Staubgefaͤße herum die ganze Saftdecke. 30. Die erwachsenen Samenkoͤrner. Die beiden hintersten sind unbefruchtet geblieben, werden daher wegen ihrer Klein- heit von den vordersten den Augen verdeckt. 31. Eines von denselben. 1. Die gruͤnlichen Fruchtknoten haben eine wulstige weiße Basis, welche den Saft absondert. Wann der Samen reif ist, unterscheidet er sich noch von der vormaligen Saftdruͤse, indem er zwar so glatt, wie diese, aber mit weichen Haaren uͤberzogen und schwarz ist, da diese kahl und weiß ist. 2. Der unterste Theil der Kronenroͤhre ist der Safthalter. 3. Der Eingang in die Kronenroͤhre wird zwar theils durch die Staubgefaͤße, theils durch eine Reihe von aufwaͤrts gerichteten Haaren dem Regen gesperrt, den Insekten aber offen gelassen, wenigstens den Saugeruͤsseln derselben. Denn die Ameisen, welche nach dem Saft sehr begierig sind, koͤn- nen nicht zu demselben gelangen, weil sie sich nicht zwischen die Saftdecke und die Staubgefaͤße hindurch arbeiten koͤnnen. Daher kriechen sie in die Kelche der verbluͤheten Blumen, welche die Krone schon verloren haben, hinein, um den auf den Saft- druͤsen etwa noch befindlichen Saft abzulecken. 5. Die Blume wird von einem bienenartigen Insekt, wel- ches kleiner ist, als eine Biene, haͤufig besucht. Dasselbe ist in Fig. 5. vergroͤssert abgebildet, und in Fig. 3. das rechte Hinterbein desselben, noch staͤrker vergroͤssert. Dieses Insekt ist am ganzen Koͤrper, selbst an den Beinen, sehr haaricht; die Haare des Kopfs und des mittelsten Theils aber sind vor- zuͤglich sehr lang. Es kriecht so tief in die Blume hinein, daß nur ein kleiner Theil seines Koͤrpers uͤber den Saum der Krone hervorragt. Vergleicht man nun die 26. Fig. mit der 18., so sieht man ein, daß es nothwendig den Staub von den Anthe- ren abstreifen, und auf das Stigma bringen muß. Dieses Thierchen ist also, wie die Hummeln und Bienen, gleichsam ein lebendiger Pinsel, mit welchem die kunstreiche Natur den Staub von den Antheren abnimmt, und auf das Stigma austraͤgt. Symphytum. Symphytum. Symphytum officinale. Wallwurz. Tab. III. 19. Tab. IV. 13. 17—20. Tab. III. 19. Die Krone, von welcher die vorderste Haͤlfte ihres Saums weggeschnitten worden. Tab. IV. 17. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤr- licher Stellung. 18. Der Kegel, welchen die die Oeffnung der Kronenroͤhre verschließenden fuͤnf Schuppen bilden, von unten gesehen. 19. Die innere Seite der aufgeschnittenen und flach aus- gebreiteten Kronenroͤhre. 20. Eine Schuppe nebst einem Staubgefaͤß von der aͤuße- ren Seite. 13. Der Grund des Kelchs, in welchem man die Frucht- knoten und die (punktirten) Saftdruͤsen sieht. 1. 2. Mit den Saftdruͤsen und dem Safthalter verhaͤlt es sich hier eben so, als bey der naͤchst vorhergehenden Gattung. Jene sind weiß, da die Fruchtknoten gruͤn sind. 3. Die fuͤnf Schuppen, welche die Oeffnung der Kronen- roͤhre umgeben, verschließen dieselbe zwar den Regen, keines- weges aber den Insekten. 4. Diese Schuppen sind weiß, an beiden Raͤndern aber mit kegelfoͤrmigen, gelben, wie Krystall glaͤnzenden Zacken ver- sehen. Diese zackichten Raͤnder erscheinen den in die Blume hineinkriechenden Insekten als ein fuͤnfstrahlichter gelber glaͤn- zender Stern, und zeigen denselben, daß jener Kegel nicht Ein zusammenhangender Koͤrper ist. Sie sind folglich das Saft- maal. Daß sie aber, außer der besonderen Farbe, einen so besonderen Glanz haben, dergleichen ich noch bey keiner andern Blume bemerkt habe, koͤmmt vermuthlich daher, weil der Kegel nicht dem Tageslicht ausgesetzt ist, indem er von dem roͤhrenfoͤrmigen Kronensaum, dessen Oeffnung der Erde zuge- kehrt ist, umgeben wird. Da also jener Stern sich im Schat- ten befindet, so wuͤrde er weniger bemerkt werden, wenn er nicht, außer der besonderen Farbe, einen Glanz haͤtte. 5. Die Blume wird von Hummeln haͤufig besucht. Wann sie sich auf dieselbe gesetzt haben, so halten sie ihren Kopf an die Oeffnung des Kronensaums, weil dieselbe zu enge ist, als daß sie den Kopf sollten hineinstecken koͤnnen, und stecken ihren Sauge- ruͤssel zwischen die Schuppen hindurch in den Safthalter. Indem sie dieses thun, muͤssen sie, da die Staubgefaͤße mit den Schup- pen abwechseln, nothwendig die Antheren beruͤhren, und den Staub derselben abstreifen. Dieser Staub faͤllt auf ihren Kopf, und da sie mit demselben eben so nothwendig das Stigma beruͤh- Symphytum. Borago. ren muͤssen: so versehen sie dasselbe mit Staub. Daß die Blume auf solche Art von den Hummeln, keinesweges aber auf eine mechanische Art befruchtet werde, erhellet daraus, daß der An- therenstaub aus dem Schuppenkegel weder von selbst, noch wenn die Blume vom Winde erschuͤttert wird, herausfallen, und wenn auch dies moͤglich waͤre, doch nicht auf das Stigma fallen kann, sondern vorbey fallen muß, weil dasselbe nicht aufwaͤrts gerichtet, sondern der Erde zugekehrt ist. Auf einer Wiese, wo die Pflanze haͤufig stand, fand ich, daß fast alle Blumen in der Kronenroͤhre ein Loch hatten. Die- ses Loch hatten aber nicht die Hummeln, welche ich auf den Blu- men antraf, gemacht, denn ich sahe, daß sie ihren Saugeruͤssel in die Oeffnung der Krone hineinsteckten; sondern wahrscheinlich Blumenkaͤfer, welche, wie ich sonst schon bemerkt hatte, auf eine so gewaltsame Art sich des Safts bemaͤchtigen, weil sie in den von der Natur gemachten Eingang nicht hinein kommen koͤnnen. Eine große Menge von Ameisen hielt sich auf den Blumen auf, und weil sie eben so wenig in den natuͤrlichen Eingang hinein- kommen konnten, so krochen sie durch diese Loͤcher hinein. Borago. Borago officinalis . Tab. III. 20—25. 32—34. 37. Tab. IV. 3. 10. Tab. III. 21. Eine aͤltere Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. Der Griffel raget aus der Roͤhre, welche die Staub- gefaͤße bilden, heraus, und hat ein Stigma. 20. Der mittelste Theil der Krone von außen. Die Oeff- nungen der taschenfoͤrmigen Theile. 22. Der Kelch, in dessen Grunde die Fruchtknoten auf der (punktirten) Saftdruͤse sitzen. 23. Zwey Staubgefaͤße, deren Antheren sich bereits ganz geoͤffnet haben, und keinen Staub mehr enthalten, von innen. 24. Dieselben von außen. 25. Ein Staubgefaͤß von der Seite. 32. Eine Anthere einer vor kurzem aufgebrochnen Blume, welche sich an der Spitze zu oͤffnen angefangen hat. 33. Einer von den fuͤnf taschenfoͤrmigen Theilen von innen, nebst dem Stuͤck der Krone, auf welchem er sitzt. 34. Eben derselbe, nachdem das zu demselben gehoͤrige Stuͤck der Kronenroͤhre weggeschnitten worden. 37. Eine juͤngere Blume, deren Griffel noch kuͤrzer ist, als die von den Antheren gebildete Roͤhre. a zeigt die Stelle an, wo sich das Ende desselben befindet, welches noch kein Stigma ist. b ist der oberste Theil des Griffels in der juͤngeren Blume, und c eben derselbe in der aͤlteren. Borago. Tab. IV. 3. Die vergroͤsserte Blume von unten gesehen. 10. Der mittelste Theil derselben, noch staͤrker vergroͤssert. 1. Die Saftdruͤse ist der blaßgelbe Koͤrper, auf welchem die Fruchtknoten sitzen. 2. Der Safthalter ist die kurze Roͤhre, welche die Filamente mit ihrer fleischichten Basis bilden, von welcher man zwey Fuͤnf- theile in Fig. 23. siehet. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dient erstens die Stellung der Blume, da sie der Erde zugekehrt ist. Denn die Regentropfen fallen auf die aͤußere Seite des Kelchs und der Krone. Faͤlle aber zufaͤlligerweise ein Regentropfen auf den Kegel, welchen die Staubgefaͤße bilden, so kann derselbe doch nicht durch die Zwischenraͤume jener kurzen Roͤhre, welche den Saft enthaͤlt, hindurch dringen. Dazu dienen zweytens die taschenfoͤrmigen Theile, welche jenen Zwischenraͤumen gegenuͤber stehen, und auf der inneren Seite mit Haaren uͤberzogen sind, Fig. 33. 34. Zwischen die Antheren aber kann kein Regentropfen hindurchdringen, da dieselben dicht an einander schließen. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn der Kronensaum ist himmelblau, die taschenfoͤrmigen Theile aber sind weiß, und auswaͤrts in der Mitte blaßhimmelblau, und die Filamente sind auch weiß, haben aber ein dunkelviolettes Ende. Diese besondere Farbe ist in Fig. 24. und 37. und Tab. IV. Fig. 10. durch Punkte angedeutet. Dieses Saftmaal zeigt den Bienen, daß in der Mitte der Blume der Saft verborgen ist. Denn die ganze Blume erscheint ihnen von unten gesehen als eine regulaͤre himmelblaue Figur, in deren Mitte sie eine regulaͤre weiße Figur erblicken, welche gegen jene stark absticht; und in der Mitte dieser weißen Figur sehen sie einen dunkelvioletten Stern, welcher gegen die- selbe eben so stark absticht. 5. Als ich, nach vielen vorher vergebens angestellten Unter- suchungen, im letztvergangenen Jahr endlich einmal die eigentliche Befruchtungsart dieser Blume entdeckte: so wurde ich zugleich von folgenden bey der Blumenforschung sehr wichtigen Wahrhei- ten, welche ich schon lange vorher eingesehen hatte, wieder aufs neue sehr lebhaft uͤberzeugt. 1. Man muß die Blumen in ihrem verschiedenen Alter unter- suchen. So wie Koͤlreuter und Medikus , wie ich in der Einleitung gesagt habe, nicht hinter die eigentliche Einrichtung und Befruchtung der Scrophularia kommen konnten, weil sie im- mer aͤltere Blumen untersuchten, oder vielmehr, weil sie ihre Aufmerksamkeit bloß auf die aͤlteren Blumen richteten, und den zweyten Zustand der Blumen mit ihrem ersten Zustande gehoͤrig zu vergleichen unterließen: eben so konnte auch ich das in der Borago verborgene Geheimniß anfangs nicht entdecken, weil, so oft ich Borago. dieselbe untersuchte, ich hierzu jedesmal zufaͤlligerweise eine juͤngere Blume genommen hatte. 2. So lange man nicht das zur Befruchtung einer Blume bestimmte Insekt auf derselben angetroffen hat, ist es sehr schwer, wenn nicht gar unmoͤglich, die eigentliche Einrichtung und Be- fruchtungsart derselben zu entdecken. Ich hatte vorher Blasen- fuͤße und noch ein anderes eben so kleines Insekt in der Blume angetroffen, und hatte geglaubt, daß von diesen Insekten dieselbe befruchtet werde. Weil aber dieselben keinesweges zur Befruch- tung derselben bestimmt sind, so konnte ich auch nicht auf eine ungezwungene und befriedigende Art darthun, wie die Befruch- tung durch dieselben geschehe. Als ich aber im letztvergangenen Jahre die Bienen, welche die Natur eigentlich zur Befruchtung der Blume bestimmt hat, auf derselben angetroffen hatte: so setzte mich diese Erfahrung in den Stand, vollkommen einzusehen, wie die Befruchtung derselben von ihnen vollbracht wird. 3. Wenn wir die Befruchtungsart irgend einer Blume ent- deckt haben, so kann uns dies oft in den Stand setzen, die Be- fruchtungsart einer andern, wenn dieselbe auch in Ansehung der Struktur von jener noch so sehr verschieden ist, zu entdecken. Welche zwey Blumen sind einander wohl weniger aͤhnlich, als das Veilchen und die Borago ? Nur einen einzigen Umstand ha- ben sie mit einander gemein, nemlich die Stellung, da beide der Erde zugekehrt sind; und eben deswegen konnte die Natur in bei- den ein und eben dasselbe Kunststuͤck anbringen. Nachdem ich dasselbe nun im vorhergegangenen Fruͤhjahr bey dem Veilchen entdeckt hatte, so ward es mir nicht schwer, dasselbe auch bey der Borago, obgleich in Verbindung mit anderen Umstaͤnden, zu be- merken. Wenn gleich die ganze Einrichtung einer jeden Blume, wie ich glaube, ein Original ist, so ist es doch nicht jeder Theil dieser Einrichtung. Hat die Natur bey Entwerfung des Ideals irgend einer Blume einen gluͤcklichen Einfall gehabt, wenn ich mich dieses Ausdrucks bedienen darf: so findet sie an demselben ein zu großes Wohlgefallen, als daß sie denselben nicht auch bey anderen Blumen, nur unter ganz andern Umstaͤnden, wieder an- bringen sollte. Und damit koͤnnen wir ganz wohl zufrieden seyn. Denn wenn die Natur in jedem Theil der Einrichtung einer jeden Blume etwas neues und bey keiner andern vorkommendes ange- bracht haͤtte: so wuͤrde die Blumenwissenschaft vielleicht ein Stu- dium fuͤr hoͤhere Wesen, keinesweges aber fuͤr uns Menschen seyn. Denn alsdenn wuͤrden wir bey Untersuchung einer jeden Blume von vorne zu untersuchen und zu lernen anfangen muͤssen, und von alle demjenigen, was uns neun und neunzig Blumen gelehrt haͤtten, wuͤrde uns nichts bey Untersuchung der hundert- sten Borago. sten helfen, und an Analogie wuͤrde gar nicht zu denken seyn. Was vermag aber der menschliche Verstand ohne Analogie? Um nun auf die Befruchtung der Borago zu kommen, so verhaͤlt es sich mit derselben folgendermaßen. Sobald die Blume aufgebrochen ist, so fangen die Antheren an der Spitze an, sich zu oͤffnen, und fahren damit nach und nach fort, bis sie endlich der ganzen Laͤnge nach offen stehen. Ihr Staub ist dem Staube des Veilchens vollkommen gleich. Er ist nemlich einem uͤberaus feinen Streusande aͤhnlich, und von weißer Farbe. Er unterscheidet sich also sehr sowohl von dem fluͤchtigen Staube derjenigen Blumen, welche vom Winde be- fruchtet werden, als auch von dem an den Antheren festsitzenden Staube der meisten Saftblumen. So weit sich also die Antheren geoͤffnet haben, haben sie keinen Staub mehr, weil derselbe we- gen dieser seiner Eigenschaft sogleich aus beiden Faͤchern heraus- faͤllt. Haben sie sich also gaͤnzlich geoͤffnet, so sind sie von Staube ganz leer. In der 32. Fig. ist eine Anthere abgebildet, welche angefangen hat, sich zu oͤffnen. Von der Spitze bis an die Li- nie a b hat sie keinen Staub mehr, und ist braͤunlich; von dieser Linie bis an das unterste Ende ist sie weiß, weil der weiße Staub durchschimmert. In Fig. 23. sieht man zwey Antheren abgebildet, welche sich gaͤnzlich geoͤffnet haben, und kein Staubkoͤrnchen mehr enthalten. Die Antheren bilden einen Kegel, dessen Spitze der Erde zugekehrt ist. Der Staub faͤllt also vermoͤge seiner Schwere in den untersten Theil dieses Kegels, aus welchem er nicht von selbst herausfallen kann, weil die Antheren dicht zusammen- schließen. Untersucht man nun eine juͤngere Blume, so sollte man beym ersten Anblick glauben, daß die Befruchtung hier auf eine mechani- sche Art gescheha, nemlich also, daß der Staub das Stigma un- mittelbar beruͤhrt. Denn wenn man die 37. Fig. umkehrt, so sieht man, daß das bey a befindliche Ende des Griffels mitten in dem Staube steckt, welcher sich dort gesammlet hat. Man wird aber diese Meinung fahren lassen, sobald man durch die Loupe das Ende des Griffels besieht, weil man nicht die geringste Spur von einem Stigma findet, b. Folglich ist bey der juͤngeren Blume an diese mechanische Befruchtungsart nicht zu denken, weil dieselbe zwar Staub, aber kein Stigma hat. In der aͤlteren Blume hat sich der Griffel verlaͤngert, und das Ende desselben, welches nun ein wirkliches Stigma ist, raget aus dem Antheren- kegel heraus, Fig. 21. und 37. c. Wenn wir nun auch den Fall annehmen, daß die aͤltere Blume noch Staub im Antherenkegel enthalte, da sie doch bey dem oftmaligen Besuch, welchen sie bis- her von den Vienen erhalten hat, denselben schon laͤngst verloren Borago. Lycopsis. haben muß: so begreifen wir doch nicht, wie dieser Staub auf das Stigma sollte fallen koͤnnen, da dasselbe sehr klein, und nicht aufwaͤrts gerichtet, sondern der Erde zugekehrt ist. Folglich kann auch die aͤltere Blume auf keine mechanische Art befruchtet wer- den, weil sie zwar ein Stigma, aber keinen Staub hat, oder wenigstens derselbe, wenn er zufaͤlligerweise noch vorhanden seyn sollte, nicht auf das Stigma fallen kann. Der Saft muß den Bienen sehr angenehm seyn. Wenn sie denselben einmal gekostet haben, so halten sie sich bloß zu dieser Blume, und verschmaͤhen andere in der Naͤhe befindliche Blu- men. So fand ich einstmals auf einigen bluͤhenden Pflanzen ei- nige Bienen in voller Arbeit. Weil nun neben denselben eine bluͤhende Staude der Raute stand, und ich noch niemals auf der Raute ein Insekt angetroffen hatte: so wartete ich lange, ob sich eine Biene auf dieselbe setzen wuͤrde. Sie schienen aber die Raute nicht einmal zu sehen, sondern blieben bey ihrer Borago. Nun kann eine Biene des Safts nicht anders theilhaftig werden, als so, daß sie sich auf den Kegel, welchen die Staub- gefaͤße bilden, setzt, auf demselben ringsherum laͤuft, und unter- dessen ihren Saugeruͤssel zwischen die fleischichte Basis der Fila- mente hindurch steckt. Hierdurch aber verursacht sie, daß die An- theren sich ein wenig von einander begeben. Auf solche Art be- koͤmmt der Kegel, welchen sie bilden, eine Oeffnung, und der Staub faͤllt aus demselben heraus, und auf den unteren Theil des Koͤrpers der Biene, mit welchem sie die Spitze des Kegels wegen ihrer Stellung nothwendig beruͤhren muß. So beladet sie sich mit dem Staube einer juͤngeren Blume. Von dieser fliegt sie auf eine aͤltere hin. Da das Stigma derselben aus dem An- therenkegel herausraget, so beruͤhrt sie mit dem unteren Theil ih- res Koͤrpers dasselbe, streift den an demselben haftenden Staub auf dasselbe ab, und befruchtet auf solche Art die aͤltere Blume mit dem Staube der juͤngeren. Lycopsis. Lycopsis aruensis. 1. Die Saftdruͤse ist der unterste Theil der Fruchtknoten, welcher sich von dem obersten durch die Farbe unterscheidet, indem er blasser gruͤn ist, als dieser. Wann die Samenkoͤrner ihre voͤl- lige Groͤsse erreicht haben, so kann man die vormalige Saftdruͤse noch deutlich an denselben erkennen. 2. Der Safthalter ist der unterste glatte Theil der Kro- nenroͤhre. 3. Die Saftdecke sind die fuͤnf Schuͤppchen, welche die Oeffnung der Kronenroͤhre verschließen, und auswendig haaricht sind. G Echium. 4. Eben diese Schuͤppchen sind zugleich das Saftmaal; denn sie sind weiß, da der Kronensaum blau ist. Echium. Echium vulgare. Otternkopf. Tab. III. 39. 41—50. Tab. IV. 1. Tab. III. 39. Ein mit Blumenknospen, Blumen, und Kelchen, welche die Stelle der Samenkapseln vertreten, versehe- ner Zweig in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 41. Eine Blume, von welcher vorne ein Stuͤck weggeschnit- ten worden. 42. Eine aͤltere Blume. 43. Eine juͤngere Blume, von welcher der Kelch weggeschnit- ten worden, von vorne. 45. Dieselbe von hinten. 44. Die reifen Samenkoͤrner, an welchen man noch die vor- malige (punktirte) Saftdruͤse bemerkt. 46. Die Krone, unterwaͤrts aufgeschnitten, und flach aus- gebreitet. 47. Die Fruchtknoten nebst der (punktirten) Saftdruͤse. 48. Der unterste Theil der Krone bis c b Fig. 43. und 45. von vorne gesehen. 49. Das Stuͤck der Krone c b d a von hinten gesehen. 50. Der Griffel der aͤlteren Blume. Tab. IV. 1. Die Blume von vorne gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist die gelbliche Basis der Fruchtknoten. An den reifen Samenkoͤrnern erkennet man dieselbe noch deutlich. Denn sie unrerscheidet sich durch ihre Farbe und ebene Oberflaͤche von denselben, da diese runzlicht sind. 2. Der Safthalter ist der Grund der Kronenroͤhre. Damit der Rand desselben die Saftdruͤse dicht umschließe, so ist er mit Haaren besetzt, Fig. 46. Die Krone sitzt daher sehr fest. 3. Weil die Blume eine horizontale Stellung, und eine glockenfoͤrmige Gestalt hat, so mußte sie irregulaͤr seyn, wenn der Saft gegen den Regen gesichert seyn sollte. Zu dieser Irregula- ritaͤt gehoͤrt, und zur Erreichung dieses Endzwecks dient Folgendes. 1) Die beiden Seitenabschnitte des Kronensaums sind einander gleich; der oberste aber, weicher wieder in zwey kleinere getheilt ist, ist groͤsser, als der unterste, weil jener die Regentropfen auf seiner aͤußeren, dieser aber auf seiner inneren Oberflaͤche erhaͤlt, und jener diesem zum Obdach dient. 2) Die Kronenroͤhre, welche an und fuͤr sich schon enger ist, als der Kronensaum, wird da- durch noch enger, daß die laͤngst derselben angewachsenen Fila- wente dieselbe einwaͤrts ziehen, wodurch dieselbe auswendig fuͤnf laͤnglichte Vertiefungen erhaͤlt, Fig, 43. 45. 3) Die Filamente Echium. sind einander nicht gleich, sondern das oberste unterscheidet sich von den uͤbrigen dadurch, daß es nicht unmittelbar, sondern ver- mittelst eines duͤnnen Fortsatzes an die Roͤhre angewachsen, und, so weit es angewachsen ist, breiter ist, als die uͤbrigen, Fig. 41. 46. 49. 4) Die Filamente biegen sich nicht auf eine regulaͤre Art gegen die Axe der Krone, sondern auf eine irregulaͤre Art gegen ihre unterste Seite. Diese beiden Umstaͤnde verursachen, daß die Kronenroͤhre in zwey kleinere Roͤhren getheilt ist, in welche kein Regentropfen hineindringen kann, Fig. 48. 49. Tab. IV. 1. 5) Endlich hilft auch der Griffel diese Absicht befoͤrdern, denn er ist mit vorwaͤrts gerichteten Haaren uͤberzogen, Fig. 50. 4. Ich habe oben beym Cynoglossum officinale die Ursache angezeigt, warum die Kelche, welche die Samenbehaͤltnisse sind, auf der innern Seite der Zweige sitzen muͤssen. Nun sollen die Blumen von Insekten befruchtet werden, und zu diesem Ende denselben von weitem in die Augen fallen. Sollen sie dies koͤn- nen, so muͤssen sie nicht an der inneren, sondern an der aͤußeren Seite der Zweige sitzen; denn im ersten Fall befinden sie sich hin- ter den Zweigen, und werden von denselben zum Theil verdeckt. Hier sollen also zwey Absichten erreicht werden, welche sich einan- der grade entgegengesetzt sind, und deren eine die andere ganz unerreichbar zu machen scheint. Bey dieser Kollision hat sich die Natur sehr gluͤcklich zu helfen gewußt. Sie hat es nemlich so veranstaltet, daß der Zweig zwar, so weit er mit Kelchen oder Samenbehaͤltnissen besetzt ist, grade gestreckt, so weit er aber mit Blumenknospen versehen ist, spiralfoͤrmig aus- und abwaͤrts gekruͤmmt ist, Fig. 39. Auf solche Art bekommen die in der Mitte zwischen jenen und diesen befindlichen Blumen einen freyen Stand, und werden von dem obersten mit Blumenknospen versehenen Theil des Zweiges nicht verdeckt, sondern fallen ihrer ganzen Groͤsse und Gestalt nach den Insekten in die Augen. So wie nun die Insekten die Blumen von weitem leicht be- merken koͤnnen, so zeigt ihnen das Saftmaal, daß dieselben wirk- lich Saft enthalten, und wie sie zu demselben gelangen sollen. Dasselbe besteht theils aus fuͤnf Linien von hellerer Farbe, welche auf dem Kronensaum nach der Kronenroͤhre zu laufen, theils aus den beiden Oeffnungen der Kronenroͤhre, durch welche man die weiße Farbe der Kronenroͤhre erblickt, da der Kronensaum pur- purfarben oder blau ist. Beides ist in Tab. IV. 1. durch Punkte angedeutet. 5. Die Blumen werden von Bienen und Hummeln haͤufig besucht. Daß sie von diesen Insekten auch befruchtet werden, keinesweges aber eine mechanische Befruchtungsart bey ihnen Statt finden koͤnne, erhellet daraus, daß sie Dichogamisten, und zwar von der maͤnnlich-weiblichen Art sind. Denn die juͤngeren Echium. Nolana. Androsace. Primula. Blumen haben staubvolle Antheren, aber einen kurzen Griffel, dessen Stigma sich noch nicht geoͤffnet hat, Fig. 43.; die aͤlteren Blumen hingegen haben verwelkte und staublose Antheren, aber einen langen Griffel mit einem offenstehenden Stigma, Fig. 42. Noch ist merkwuͤrdig, daß die juͤngeren Blumen eine purpurfar- bene, die aͤlteren aber eine blaue Krone haben. Dies halte ich nicht fuͤr etwas zufaͤlliges, sondern, wie bey dem Aesculus Hip- pocastanum, fuͤr eine Einrichtung der Natur, deren Absicht da- hin geht, daß die Insekten zuerst die juͤngeren maͤnnlichen, und dann die aͤlteren weiblichen Blumen besuchen sollen. S. Aesculus. Nolana. Nolana prostrata. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte gelbe Koͤrper, auf wel- chem die gruͤnen Fruchtknoten sitzen. 2. Der Safthalter ist der glatte Grund der Kronenroͤhre. 3. Die Filamente sind, soweit sie mit der Krone zusammen- gewachsen sind, und etwas weiter hinauf, mit Haaren uͤberzo- gen. Folglich kann kein Regentropfen in den Safthalter hinein dringen. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die blaßblaue Krone spielt in der Mitte ins Gelbe, und ist daselbst mit dunkel- blauen Adern geziert, welche, je naͤher sie dem Mittelpunkte kom- men, desto staͤrker werden. Androsace. Androsace villosa . Jacqu. Collect. Vol. I. p. 193. Daß diese Blume eine Saftblume sey, schließe ich daraus, daß sie sowohl eine Saftdecke, als auch ein Saftmaal hat. Denn 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre wird durch fuͤnf Druͤsen (welche aber keinesweges Saftdruͤsen sind), und durch die unter- halb derselben befindlichen Antheren und das Stigma vor dem Regen verschlossen. 4. Der Kronensaum ist weiß, in der Mitte aber rosenroth, und die Druͤsen sind dunkelroth oder gelb. Wer Gelegenheit hat, die Blume zu untersuchen, wird im Grunde der Kronenroͤhre sowohl den Saft, als auch die Saft- druͤse, welche vermuthlich der Fruchtknoten selbst ist, leicht finden. Primula. Primula veris. Schluͤsselblume. Tab. III. 35. 36. 38. 40. 35. Die etwas vergroͤsserte Blume, von welcher die vorderste Haͤlfte des Kelchs weggeschnitten worden. Primula. Menyanthes. 36. Der Durchschnitt derselben bey b in der vorhergehenden Figur. 40. Die wildwachsende Primel. 38. Eine Gartenprimel. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst. 2. Der Sasthalter ist der unterste engere Theil der Kro- nenroͤhre. 3. Der oberste weitere Theil der Kronenroͤhre wird durch die Antheren, welche bey a Fig. 35. sich endigen, und durch das Stigma zwar dem Regen, aber nicht den Insekten verschlossen. 4. Das Saftmaal sind die fuͤnf pomeranzenfarbenen Flecken, womit der gelbe Kronensaum um die Oeffnung der Kronenroͤhre herum geziert ist. Die Kultur hat zwar die Farbe der Blume sehr und auf mannigfaltige Art veraͤndert, dennoch aber das Saft- maal nicht ganz vertilgen koͤnnen, zum Beweise, daß dasselbe in den Augen der Natur von großer Wichtigkeit ist. Der Kronen- saum des abgebildeten Exemplars war purpurfarben, und hatte einen schmalen weißen Rand, in der Mitte aber war er gelb. In den beiden letzten Figuren ist das Saftmaal punktirt. Primula Auricula. Aurikel. Tab. IV. 5. Eine Gartenaurikel. Diese Art hat mit der vorhergehenden eine gleiche Einrich- tung. Nur darin unterscheidet sie sich von derselben, daß ihr Saft noch durch eine besondere Anstalt gegen den Regen gesichert ist. Denn ihr gelbes Saftmaal ist mit weißem Puder bestreut. Ein Regentropfen, welcher auf dasselbe gefallen ist, kann daher nicht fest haften, sondern wird bey der geringsten durch den Wind hervorgebrachten Erschuͤtterung der Blume herabgeworfen. Menyanthes. Menyanthes trifoliata. Sumpfklee. Wasserdrey- blatt. Tab. IV. 9. 11. 21. 9. Die ein wenig vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 11. Dieselbe, von der Seite gesehen. 21. Dieselbe, nachdem die vorderste Haͤlfte der Krone und des Kelchs weggeschnitten worden. 1. Die Saftdruͤse ist der glatte gelblichgruͤne Fruchtknoten selbst. 2. Der Safthalter ist der unterste kahle und glatte Theil der Kronenroͤhre. 3. Der oberste Theil der Kronenroͤhre und der groͤßte Theil des Kronensaums ist mit langen Faͤden dicht besetzt, durch welche kein Regentropfen hindurch dringen kann. G 2 Menyanthes. Hottonia. 4. Die Blumen bilden eine aufrecht stehende Traube. Da- her mußten sie eine horizontale Stellung haben, in welcher sie durch die stipula Das kleine Blaͤttchen unter dem Blumenstiel. erhalten werden, welche den Stiel, soweit es noͤthig ist, umgiebt. Der Stengel hat keine Blaͤtter, weil dieselben verursachen wuͤrden, daß die Blumen den Insekten we- niger in die Augen fielen. Die weiße Krone hat kein Saftmaal. 5. Hummeln und Bienen besuchen die Blume. Hottonia. Hottonia palustris. Wasserveil. Tab. IV. 15. 16. 16. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse von der Seite. 15. Dieselbe, von vorne gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst. 2. Der Safthalter ist der Grund der Kronenroͤhre. 3. 1) Die Blumen stehen beynahe horizontal, daher weni- ger Regentropfen auf den Kronensaum fallen, als wenn sie ganz aufrecht staͤnden. 2) Die Kronenroͤhre ist oberwaͤrts enger, als unterwaͤrts. 3) Auch die Staubgefaͤße und der Griffel tragen zur Abhaltung der Regentropfen etwas bey. 4. Der außerhalb des Wassers befindliche Schaft macht mit dem im Wasser befindlichen fast horizontalen Stengel einen rech- ten Winkel, hat also eine aufrechte Stellung. Damit er in die- ser Stellung erhalten werde, so sind in dem Winkel zehen Blaͤt- ter angebracht, welche groͤsser sind, als die Blaͤtter des Sten- gels. Dieselben liegen auf der Oberflaͤche des Wassers ausgebrei- tet, und bilden einen großen Kreis, und erhalten folglich eben so den Schaft in seiner aufrechten Stellung, als ein Schiff den Mastbaum. Damit die Blumen den Insekten von weitem in die Augen fallen, so ist der Schaft blaͤtterlos, und sie selbst haben eine fast horizontale Stellung, in welcher sie durch die stipula erhalten werden. Der Kronensaum ist blaßrosenfarben, in der Mitte aber weiß, damit das die Oeffnung der Kronenroͤhre um- gebende gelbe Saftmaal sich desto besser ausnehme. Fig. 15. 5. Die Blume wird von Blumenkaͤfern besucht. Einige Pflanzen haben lauter solche Blumen, deren Staub- gefaͤße innerhalb der Kronemoͤhre befindlich sind, deren Griffel aber aus derselben hervorraget, und andere lauter solche Blumen, deren Griffel kuͤrzer ist, deren Staubgefaͤße aber laͤnger sind, als die Kronenroͤhre. Ich glaube nicht, daß dieses etwas zufaͤlliges, sondern eine Einrichtung der Natur ist, ob ich gleich nicht im Stande bin, die Absicht derselben anzuzeigen. Hydrophyllum. Lysimachia. Azalea. Hydrophyllum. Hydrophyllum Virginicum . Tab. XIX. 46. 47. 46. Zwey Fuͤnftheile der Krone, flach ausgebreitet. 47. Der Fruchtknoten. Die (punktirte) Saftdruͤse. In den bisher beschriebenen Gattungen gegenwaͤrtiger Klasse hat Linn é kein Nectarium gesehen; in dieser Gattung nennt er denjenigen Theil Nectarium, welcher den Saft zwar enthaͤlt, aber nicht absondert. Die Saftdruͤse ist nemlich der unterste glatte Theil des haarichten Fruchtknotens. Der von derselben abgesonderte Saft tritt in die Falten oder Ritzen der Krone, welche Linn é Nectarium nennt, und bleibt in denselben. Lysimachia. Lysimachia quadrifolia. Diese ansehnliche und mit einem Saftmaal gezierte Blume scheint mir eine Saftblume zu seyn, ob ich gleich in derselben keinen Saft gefunden habe. Viel- leicht ist die Quantitaͤt desselben sehr geringe, dennoch aber fuͤr Blasenfuͤße und andere sehr kleine Insekten hinreichend. Die gelbe Krone hat in der Mitte einen breiten Ring von sehr blasser roͤthlicher Farbe. Der Fruchtknoten scheint die Saftdruͤse zu seyn, und die Roͤhre, welche die an der Basis zusammengewachsenen Filamente bilden, der Safthalter. In der Lysimachia vulgaris habe ich auch keinen Saft gefunden. Azalea. Azalea viscosa. Ob ich gleich in den wenigen Exem- plaren, welche ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, keinen Saft gefunden habe, so behaupte ich dennoch, daß diese Blume eine Saftblume ist. 1. Die Saftdruͤse ist die hoͤckerichte und glatte Basis des Fruchtknotens, welcher oberwaͤrts mit Borsten uͤberzogen ist. 2. Der Safthalter ist der unterste glatte Theil der Kronen- roͤhre. 3. 1) Die Filamente und der Griffel fuͤllen den Raum der Kronenroͤhre groͤßtentheils aus. 2) Jene sind innerhalb der Kro- nenroͤhre haaricht, da sie außerhalb derselben kahl sind. 3) Der Kronensaum ist in der Mitte, und die Kronenroͤhre bis an den Safthalter mit weichen Haaren uͤberzogen. Dieses alles dient offenbar zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen. 4. Die schoͤnen Blumen, der Anzahl nach sechs oder sieben, bilden eine einfache Umbelle, welche von weitem stark in die Au- gen faͤllt. Ihre Bemerkbarkeit wird durch keine Blaͤtter ge- schwaͤcht. Denn obgleich die Umbelle in dem Winkel zwischen Azalen. Phlox. zwey blaͤttertragenden Zweigen sitzt, so sind diese doch zur Bluͤhe- zeit noch sehr klein, und nebst ihren zarten Blaͤttern kleiner, als Eine Blume. Die blaßrosenfarbene Krone hat kein Saftmaal, wenn man nicht etwa die Filamente und den Griffel, welche ge- saͤttigt rosenfarben sind, fuͤr dasselbe halten will. Eine Bestaͤtigung meiner Behauptung, daß diese Blume eine Saftblume ist, habe ich in Kruͤnitzens Oekonomischer Ency- clopaͤdie (4. Theil, S. 672.) gefunden. Er sagt daselbst: Xeno- phon erzaͤhle in seiner Beschreibung des Ruͤckzugs der zehntausend Griechen, daß viele von denselben bey Trebisonde an einem Ort, wo viel Bienstoͤcke gewesen waͤren, Honig gegessen, und davon die schlimmsten Zufaͤlle bekommen haͤtten. Tournefort , als er auf seiner Levantischen Reise in diese Gegend gekommen waͤre, habe an diese Erzaͤhlung gedacht, und habe die daselbst wachsende Pflanze, welche er Chamaerhododendros Pontica maxima, mespili folio, flore luteo nennt, fuͤr diejenige gehalten, deren Blumensaft jenen Honig vergiftet haͤtte. Diese Pflanze ist aber Azalea Pontica L. Phlox. Phlox paniculata . Tab. IV. 22—25. 31. 32. 22. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 23. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse, nachdem vorne von der Krone etwas weggeschnitten worden. 24. Der Fruchtknoten nebst der (punktirten) Saftdruͤse. 25. Die Haͤlfte der Krone. 31. Das Stigma der juͤngeren Blume. 32. Das Stigma der aͤlteren Blume. 1. Die Saftdruͤse umgiebt die Basis des Fruchtknotens. Sie ist hoͤckericht und dunkelgruͤn, da der Fruchtknoten blaß- gruͤn ist. 2. Der Safthalter ist der unterste etwas weitere glatte Theil der Kronenroͤhre. 3. Die Kronenroͤhre ist oberhalb des Safthalters enger und mit seiner Wolle uͤberzogen. Zerschneidet man sie hier in die Queere, so siehet man, daß diese Wolle dieselbe ganz verschließt, und nur eine kleine Oeffnung fuͤr den Griffel uͤbrig laͤßt. Auch verhindern die Antheren und das Stigma, daß ein Regentropfen in die Oeffnung der Kronenroͤhre leicht hineindringen koͤnne. 4. Der blaßrothe Kronensaum hat in der Mitte fuͤnf Linien von dunklerer Farbe. 5. Da die Blume sehr lange, nemlich ungefaͤhr eine Woche lang, bluͤhet, so laͤßt sich hieraus schon vermuthen, daß sie ein Dichogamist sey. Dies bestaͤtigt die Erfahrung. Denn sobald die Blume aufgebrochen ist, so sind die Antheren voller Staub, Phlox. Conuoluulus. das Stigma aber ist noch geschlossen, und befindet sich bey a Fig. 25. Da aber der Griffel taͤglich laͤnger wird, so steigt auch das Stigma immer hoͤher, bis es zuletzt bey b steht, und sich voͤllig von einander gegeben hat. Hieraus folgt also, daß die Blume keinesweges auf eine mechanische Art, sondern durch In- sekten befruchtet wird, und zwar die aͤltere vermittelst des Stau- bes der juͤngeren. Denn so wie die Insekten nicht in die Kro- nenroͤhre der juͤngeren Blume hineinkriechen koͤnnen, ohne den Staub der Antheren abzustreifen, eben so koͤnnen sie auch nicht in die Kronenroͤhre der aͤlteren Blume hineinkriechen, ohne diesen Staub auf das Stigma abzusetzen. Die Blume wird von Schmetterlingen besucht. Conuoluulus. Conuoluulus sepium. Zaunwinde. Tab. IV. 26. 27. 33. 36. 37. 26. Der unterste Theil der Blume, von oben gesehen. 27. Derselbe im Durchschnitt. 33. Der in der vorhergehenden Figur abgebildete Theil der Krone, flach ausgebreitet. 36. Der Fruchtknoten nebst der (punktirten) Saftdruͤse von der Seite, und 37. von oben gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte fuͤnfseitige gelbe Koͤrper, welcher die Basis des weißen Fruchtknotens zwar umgiebt, aber nicht mit demselben zusammengewachsen ist. 2. Der Safthalter ist die Roͤhre, welche die Filamente mit ihrer breiten Basis bilden. Sie sind mit dem Grunde der Krone zusammengewachsen, und umgeben die Saftdruͤse sehr enge und fest. 3. Die Filamente, nachdem sie sich von der Krone abgeson- dert haben, werden schmaͤler, damit sie sich an den Griffel an- schmiegen koͤnnen. Da sie nun sowohl dicht an einander schließen, als auch an den Raͤndern und auf der inneren Seite mit kurzen Faͤden uͤberzogen sind: so kann kein Regentropfen in den Safthal- ter hineindringen. Insekten aber koͤnnen die Filamente leicht von einander biegen, und zwischen dieselben hindurch kriechen, oder ihren Saugeruͤssel hindurch stecken. Damit auch im Grunde der Krone um die Filamente herum kein hineingefallner Regentropfen lange bleibe, so sind die Filamente in der Mitte weiter hinauf mit der Krone zusammengewachsen, als an den Raͤndern, Fig. 27. 33. Sie ziehen also mit ihrer Mitte die Krone einwaͤrts, und es entstehen dadurch um dieselben herum fuͤnf Hoͤhlen, welche zu enge sind, als daß ein Regentropfen in dieselben sollte hinein- dringen koͤnnen. Die Regentropfen aber, welche uͤber diesen G 3 Conuoluulus. Hoͤhlen sich sammlen (welches oft geschehen muß, da die Blume eine große meist aufrecht stehende Krone hat, welche sich beym Re- genwetter nicht zuschließt), werden durch den Wind leicht wieder herausgeworfen, welcher die Blume sowohl wegen der Groͤsse ihrer Krone, als auch weil sie auf einem langen Stiel sitzt, tuͤch- tig hin und her schuͤtteln kann. 4. Die Blume scheint eine Nachtblume, und fuͤr Nachtin- sekten bestimmt zu seyn, und folglich des Abends aufzubrechen; obgleich abgepfluͤckte Blumen, welche ich ins Wasser gestellt hatte, mir hieruͤber nicht die gehoͤrige Auskunft gegeben haben, vermuth- lich weil sie sich nicht in ihrem natuͤrlichen Zustande befanden. Denn sie schließt sich eben so wenig des Nachts, als bey schlechter Witterung am Tage zu. Auch die Krone scheint dieses zu bewei- sen. Denn sie ist sehr groß, schneeweiß, und hat kein Saftmaal. Der Geruch ist wegen der Groͤsse und im Dunkeln leuchtenden weißen Farbe der Krone nicht noͤthig, und daher nicht vor- handen. 5. Im Grunde der Krone habe ich kleine Fliegen und Blu- menkaͤfer, im Safthalter aber uͤberaus kleine gelbe den Milben aͤhnliche Insekten angetroffen. Conuoluulus aruensis. Ackerwinde. Tab. IV. 28—30. 34. 35. 35. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse bey schoͤ- nem Wetter. 28. Dieselbe, von oben gesehen. 29. Dieselbe des Nachts, und bey schlechtem Wetter am Tage, von oben, und 30. von der Seite gesehen. 34. Die Staubgefaͤße und der Griffel. 1—3. In Ansehung der Saftdruͤse, des Safthalters und der- jenigen Einrichtung, durch welche der Saft vor dem Regen geschuͤtzt wird, ist diese Art der vorhergehenden aͤhnlich. Weil sie aber eine Tagesblume ist, so unterscheidet sie sich von derselben dadurch, daß sie sich des Nachts, und, wenn es regnichtes Wetter ist, bey Tage zuschließt, und ihre konische Gestalt in eine cylindrische ver- wandelt. Die Krone ist nemlich der Laͤnge nach zehnmal gefalzt, bey a , c , ꝛc. einwaͤrts, bey b ꝛc. auswaͤrts. Wann die Blume geoͤffnet ist, so ist der Winkel eines jeden Falzes der Summe von zwey rechten Winkeln gleich; wann sie aber sich schließen will, so werden diese Winkel sehr spitz, die Scheitel der Winkel a , c , ꝛc. kommen einander weit naͤher, und die Scheitel der Winkel b , ꝛc. vereinigen sich im Mittelpunkt. Sonach kann nicht einmal in den obersten Theil der Krone ein Regentropfen hineinkommen, sondern die ganze Blume ist als eine vor dem Regen wohl verwahrte Wohnung an- zusehen, in welcher Blasenfuͤße, welche ich unter diesen Umstaͤn- Conuoluulus. Ipomoea. den in derselben angetroffen habe, sich sehr wohl befinden, da sie ihre reichliche Nahrung haben, und vor der Naͤsse und Kaͤlte ge- schuͤtzt sind. 4. An Pflanzen, welche auf der Erde liegen, stehen die Blumen aufrecht, an solchen aber, welche sich um Zaͤune und Straͤucher ranken, fast horizontal. In beiden Faͤllen ist diese Stellung grade diejenige, in welcher sie den Insekten von weitem am leichtesten in die Augen fallen koͤnnen. Zu ihrer Bemerkbar, keit dient auch ihr angenehmer Geruch. Die Krone ist entweder ganz weiß, oder blaßroth, und hat im letztern Fall einen weißen fuͤnfstrahlichten Stern a , c , ꝛc. Im Grunde ist sie gelb. 5. Daß die Blume keinesweges auf eine mechanische Art, sondern durch Insekten befruchtet wird, folgt schon daraus, daß die Antheren ihre bestaͤubte Seite nicht dem Stigma, sondern der Krone zukehren. Sie wird von kleinen Fliegen besucht. Ge- wisse Spinnen wissen dies zu benutzen. Sie machen in der Krone ein Gewebe, und lauren im Grunde derselben auf die Fliegen, welche sich in dasselbe verwickeln. Auch fand ich dasjenige In- sekt, dessen unten beym Tropaeolum wird gedacht werden, auf der Blume. Auch hier gab es einen Beweis von seiner Dumm- heit. Denn es beleckte bloß die Antheren, versuchte es aber nicht einmal, den Saft ausfindig zu machen. Folglich kann dasselbe nicht zur Befruchtung der Blume bestimmt seyn. Conuoluulus tricolor . Tab. VIII. 1. 2. 1. Die Blume von oben gesehen, ohne Schatten. Die Far- ben sind angedeutet. 2. Das Pistill. Die (punktirte) Saftdruͤse. 1. Die Saftdruͤse ist kahl, glatt und pomeranzenfarben, da der Fruchtknoten haaricht und weiß ist. 2. 3. In Ansehung des Safthalters und der Saftdecke ist diese Art den vorhergehenden aͤhnlich. Sie ist eine Tagesblume, und oͤffnet sich nur bey schoͤnem Wetter. 4. Die große und schoͤne Blume faͤllt den Insekten schon von weitem in die Augen, und hat auch ein schoͤnes Saftmaal. Denn der Rand der Krone ist hellblau, ihre Mitte aͤußerst blaßgelb, und ihr Grund gelb. Die Blume hat keinen Geruch. 5. Blasenfuͤße halten sich in der Blume auf. Ipomoea. Ipomoea coccinea. 1. Die Saftdruͤse ist der weiße napffoͤrmige Koͤrper, auf welchem der blaßgelbe Fruchtknoten sitzt. 2. Der Safthalter ist der glatte Grund der Kronenroͤhre bis an die Stelle, wo die Filamente sich von der Krone trennen. Ipomoea. Polemonium. Campanula. 3. Die Filamente sind an ihrer Basis mit Stacheln dicht be- fetzt, besonders an den Raͤndern. Ipomoea repanda . Jacqu. Amer. p. 28. Auch diese Blume ist eine Saftblume, weil sie eine Saftdecke hat. Denn die fadenfoͤrmigen Filamente haben eine breite haa- richte Basis, mit welcher sie die Kronenroͤhre verschließen. Polemonium. Polemonium coeruleum. 1. Die Saftdruͤse ist der ringfoͤrmige Koͤrper, welcher die Basis des Fruchtknotens umgiebt, und welchen die Basis der Kro- nenroͤhre enge umschließt. 2. Der Safthalter ist die glatte Kronenroͤhre. 3. Um die Oeffnung der Kronenroͤhre herum steht eine Reihe von Haaren. Die Filamente, welche sich daselbst von der Krone absondern, sind an der Basis auch haaricht. Sonach hat die Kronenroͤhre, anstatt Einer, fuͤnf Oeffnungen, welche mit Haa- ren besetzt, und vor dem Regen verschlossen sind, durch welche aber Insekten ihren Saugeruͤssel leicht hindurch und in den Saft- halter hineinstecken koͤnnen. 4. Der Stengel ist unterwaͤrts mit großen gefiederten Blaͤt- tern versehen. Oberwaͤrts, wo die Zweige anfangen, werden diese Blaͤtter kleiner. Die Zweige selbst haben noch kleinere Blaͤt- ter. Auf solche Art wird die Bemerkbarkeit der Blumen durch keine Blaͤtter geschwaͤcht. Die Blume ist eine Tagesblume, und hat keinen Geruch, aber ein Saftmaal. Denn der blaßblaue Kronensaum ist in der Mitte weiß. Campanula. Campanula rotundifolia . Tab. VIII. 3—15. 25. Tab. XI. 8. 9. Tab. VIII. 3. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 4. Dieselbe, ehe sie sich voͤllig aufgeschlossen hat. 5. Der Kelch nebst dem Safthalter. 6. Der Kelch nebst dem Safthalter im Durchschnitt. Die zwey vordersten Valveln sind weggeschnitten, die drey hintersten aber stehen geblieben. Der oberste punktirte Theil des Fruchtkno- tens ist die Saftdruͤse. 7. Der Grund der Krone nebst dem Safthalter von unten gesehen. 8. Die Saftdruͤse. 9. Der Griffel und die Staubgefaͤße der in Fig. 4. abgebil- deten Blume. Campanula. 10. Die Gestalt der Antheren dieser Blume, welche sie erhalten, wenn man ein wenig an dieselben stoͤßt. 11. Ein Staubgefaͤß dieser Blume nebst der Valvel, auf welcher es sitzt, von der aͤußeren Seite. 12. Dasselbe von der inneren Seite. 13. Der Griffel und die Staubgefaͤße der in Fig. 3. ab- gebildeten Blume. 15. Der Griffel und die Staubgefaͤße einer etwas aͤlteren Blume. Der Griffel saͤngt an, sich am Ende in drey Stuͤcke zu theilen, oder das Stigma faͤngt an, sich zu zeigen. 14. Der Griffel in diesem Zustande von unten gesehen, oder das Stigma. 25. Der Griffel, nachdem er diese Theilung vollendet hat. Tab. XI. 8. Die Samenkapsel der Campanula rotun- difolia. 9. Die Samenkapsel der Campanula patula. 1. Die Saftdruͤse ist der oberste flache fuͤnfseitige glatte gelbe Theil des Fruchtknotens. 2. Der Saft ist in dem Raum zwischen der Saftdruͤse und der, inwendig glatten, Saftdecke befindlich. 3. Die Saftdecke sind die fuͤnf dreyeckichten Valveln, welche mit ihrer Basis die Saftdruͤse umgeben, auf ihrer Spitze aber die Filamente tragen. Sie schließen mit ihren haarichten Raͤn- dern dicht an einander, und mit der Spitze an den Griffel. Es kann also kein Regentropfen in den Safthalter hineindringen; Insekten aber koͤnnen die Valveln leicht zuruͤckbiegen, und so zum Saft gelangen. Da uͤberdies die Blume herabhaͤngt, so kann kein Regentropfen in den Grund der Krone leicht kommen. 4. Die Krone ist blau, die Saftdecke aber weiß, folglich zugleich das Saftmaal. 5. Daß diese Blume keinesweges auf eine mechanische Art, sondern durch Insekten befruchtet wird, und zwar also, daß diese den Staub der juͤngeren Blumen auf das Stigma der aͤlteren bringen, erhellet aus Folgendem. Ehe die Blume sich voͤllig ge- oͤffnet hat, liegen die Antheren mit ihrer inneren staubichten Seite dicht an dem obersten dickeren und mit kurzen Haaren oder Borsten dicht besetzten Theil des Griffels. Sie sind folglich, so wie der Griffel, grade, haben aber schon eine Neigung, sich zu kruͤmmen. Denn wenn man sie ein wenig vom Griffel abstoͤßt, so kruͤmmen sie sich wirklich. In diesem Zustande hat die Blume noch keinen Saft. Nachdem sich dieselbe voͤllig geoͤffnet hat, so sind die Antheren vom Griffel entfernt, krumm, staublos und welk; der oberste haarichte Theil des Griffels hingegen ist mit dem grauen Staube derselben ganz bedeckt. Daß der Griffel den An- theren ihren Staub nimmt, und denselben sich zueignet, geschieht Campanula. vermuthlich also, daß in dem vorhergehenden Zustande der Blume der Griffel waͤchst, oder die Filamente schon anfangen einzuschrumpfen und kuͤrzer zu werden, oder daß beides geschieht, da denn der wie eine Buͤrste gestaltete oberste Theil des Grif- fels den Staub der dicht anliegenden Antheren rein abbuͤrsten muß. Nun faͤngt die Saftdruͤse an, den Saft abzusondern. Wenn groͤssere Insekten diesen Saft abholen wollen, so muͤssen sie nothwendig den Staub vom Griffel abstreifen, koͤnnen aber denselben nicht auf das Stigma bringen, weil noch kein Stigma da ist. Denn das Stigma ist die innere Seite der drey Stuͤcke, in welche sich der Griffel erst in der Folge theilet; jetzt liegen diese Stuͤcke noch dicht an einander, und scheinen Ein Stuͤck zu seyn. Wann die Blume noch aͤlter geworden ist, so sind die Staubgefaͤße vollends ganz eingeschrumpft und verwelkt, und befinden sich im Grunde der Krone; der Griffel aber hat sich am Ende in drey Theile getheilt, welche sich auswaͤrts herumkruͤmmen. Die aͤußere Seite derselben ist, wie der ganze Griffel, blaßblau, die innere aber weiß, aber auch, wie die aͤußere mit kurzen Haaren dicht uͤberzogen. Kriecht nun ein Insekt, welches vorher eine juͤngere Blume besucht hat, in eine aͤltere hinein, so muß es nothwendig den aus jener mit- gebrachten Staub auf das Stigma dieser bringen, folglich die aͤltere mit dem Staube der juͤngeren befruchten. Die eigentliche Saftdruͤse hat Linn é entweder nicht ge- sehen, oder nicht dafuͤr gehalten, indem er die Valveln das Nectarium nennt. Er, oder einer von seinen Schuͤlern, sagt in der Dissertation: De nectario florum, daß die Valveln deswegen dicht zusammenschließen, damit der Saft nicht ver- duͤnste. Daß diese Erklaͤrung unrichtig sey, werde ich bey dem Phyteuma montanum beweisen. In der Dissertation: Spon- salia plantarum sagt Er, oder Wahlboom , der Staub werde, von den Seiten des haarichten Griffels durch gewisse Kanaͤle auf das Stigma gebracht (folglich die Blume auf eine mechanische Art befruchtet). Allein diese Kanaͤle hat er nicht gesehen, sondern erdacht. Warum die Antheren sich in dieser Blume noch eher oͤff- nen, als dieselbe voͤllig aufgebrochen ist, da sie gewoͤhnlich sol- ches nach der voͤlligen Entwickelung und Oeffnung der Blumen zu thun pflegen, ist nicht schwer einzusehen. Die Insekten sollen den Staub von dem obersten Theil des Griffels abstrei- fen, und dieser mit dem Staube der Antheren bedeckte Theil des Griffels thut hier eben die Dienste, welche in andern Blumen die mit ihrem Staube versehenen Antheren leisten. So wie nun die Antheren in anderen Blumen, sobald sich dieselben geoͤff n et haben, sich auch zu oͤffuen, und ihren Staub Campanula. zu zeigen pflegen: eben so mußte auch hier der oberste Theil des Griffels gleich nach der Oeffnung der Blume mit Staube bedeckt seyn. Folglich mußten die Antheren schon vor dieser Oeffnung sich oͤffnen, und ihren Staub demselben mittheilen. Warum die Staubgefaͤße, sobald sie ihren Staub dem Griffel uͤberlassen haben, sich von demselben entfernen, sich kruͤmmen, und zuletzt ganz verwelkt einen kleinen Raum im Grunde der Krone einnehmen, ist eben so leicht zu begreifen. Blieben sie so stehen, wie in Fig. 9., so wuͤrde die Befruch- tung nicht vor sich gehen koͤnnen. Denn die hineinkriechenden Insekten wuͤrden alsdenn die aͤußere staublose Seite der An- theren beruͤhren, und der am obersten Theil des Griffels sitzende Staub wuͤrde von ihnen nicht abgestreift werden koͤn- nen. Entfernten sie sich zwar vom Griffel, blieben aber steif, so koͤnnte ein Insekt leicht zwischen ihnen und der Krone hineinkriechen. Alsdenn wuͤrde es die Antheren an den Grif- fel andruͤcken, und dadurch sich selbst verhindern, den Staub vom Griffel rein abzustreifen. Nach der von der Natur ge- machten Einrichtung aber verursachen die Staubgefaͤße im Grunde der Krone kein Hinderniß, da nicht der unterste, son- dern der oberste Theil des Griffels mit Staub bedeckt ist, und die hineinkriechenden Insekten koͤnnen also den Staub vom obersten Theil des Griffels rein abstreifen. Ich habe bisher noch keine Insekten in der Blume angetroffen, ausgenommen Blasenfuͤße. Diese aber koͤnnen dieselbe schwer- lich befruchten, sondern es muß von einem groͤsseren Insekt geschehen. Die Samenkapsel der Campanula rotundifolia hat die Loͤcher, aus welchen die Samenkoͤrner herausfallen, an der Basis; bey der Campanula patula hingegen sind diese Loͤcher am Gipfel der Samenkapsel befindlich. Die Absicht dieser verschiedenen Einrichtung laͤßt sich leicht entdecken. Aus beiden sollen die Samenkoͤrner nicht von selbst herausfallen, sondern durch den Wind herausgeworfen, und weit verstreuet werden. Die Loͤcher mußten folglich nicht unterwaͤrts, sondern ober- waͤrts angebracht werden, folglich bey der erstern an der Basis, da sie eben so, wie die Blume herabhaͤngt, bey der letztern aber am Gipfel, da sie aufrecht steht. Campanula patula, glomerata und latifolia haben eine aͤhnliche Einrichtung, aber eine aufrechte Stellung. Da nun die Krone der letzten sehr groß ist, so ist sie inwendig mit langer Wolle uͤberzogen, damit die hineingefallenen Re- gentropfen nur schwach an derselben haften, und vom Winde leicht wieder herausgeworfen werden koͤnnen. In der ersten habe ich viel Blasenfuͤße, besonders gelbe, angetroffen. Cam- Campanula. Phyteuma. Campanula speculum. Diese Blume wird von gel- ben Blasenfuͤßen besucht, deren viele ich grade da fand, wo die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter seyn muß, nemlich im Grunde derselben zwischen dem Griffel und den Filamenten, ob gleich dieser Zwischenraum sehr schmal ist, ich auch daselbst keinen Saft gefunden habe. Daß dieselbe eine Saftblume ist, schließe ich theils aus der Analogie, ob sie gleich keine solche Saftdecke hat, als die vorhergehenden Arten, theils aus ihrem schoͤnen Saftmaal. Denn die violette Krone ist in der Mitte blaßgelb. Die Antheren setzen ihren Staub auf den Griffel ab, wie in den vorhergehenden Arten. Phyteuma. Phyteuma spicatum. Waldrapunzel. Tab. IV. 2. 6—8. 12. 6. Die Blume im ersten Zustande. 7. Dieselbe im zweyten Zustande. 8. Dieselbe im dritten Zustande. Alledrey Figuren sind gleich stark vergroͤssert. 12. Die Blume von oben gesehen, nachdem der Griffel weg- geschnitten worden. 2. Die vorhergehende Figur, nachdem drey von den fuͤnf Valveln, welche die Filamente tragen, weggeschnitten worden, wodurch der groͤßte (punktirte) Theil der Saftdruͤse zum Vorschein gekommen ist. Diese Blume hat in ihrer Einrichtung viel Aehnlichkeit mit der Campanula. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der oberste glatte gruͤne Theil des Fruchtknotens. 3. Der Saft ist vor dem Regen voͤllig gesichert. Die Val- veln oder Schuppen, welche die Filamente tragen, liegen zwar weder dicht an einander, noch dicht am Griffel; aber sie sind theils an den Raͤndern, theils auf dem obersten Theil der inneren Seite mit Haaren versehen. Selbst die Kronenblaͤtter, welche mit ihrer breiten Basis die Zwischenraͤume zwischen den Raͤndern der Schuppen etwas verschließen, tragen zur Erreichung dieser Absicht das Ihrige bey. 4. Die Kronenblaͤtter sind weiß, und oberwaͤrts ganz schwach gruͤnlich. Da sie nun zwar lang genug, aber außerordentlich schmal sind, so wuͤrden die Blumen, wenn sie einzeln stuͤnden, von den Insekten nicht sonderlich wahrgenommen werden koͤnnen. Da sie aber eine sehr dichte Aehre bilden, so fallen sie zusammen- genommen dennoch den Insekten schon in einiger Entfernung in die Augen. Eben diese Inflorescenz ist auch die Ursache der ab- weichenden Struktur dieser Blume, insofern man sich dieselbe als Phyteuma. eine Campanula vorstellt. Außer der großen Anzahl von Kam- panulen, welche einzeln stehen, und eben deswegen eine ansehn- liche und wenig getheilte Krone haben, wollte die Natur auch einige Arten hervorbringen, welche dicht bey einander stuͤnden. Diese konnten nun nicht eine solche Krone erhalten, als jene ha- ben, weil es dazu an Raum fehlt, sondern eine solche, welche aus zwar langen, aber sehr schmalen Blaͤttern oder Einschnitten be- steht. Dies gilt von dieser und den uͤbrigen Arten des Phyteuma , wie auch von der Jasione montana, welche, wie ich bald bewei- sen werde, ein Phyteuma ist. Das einzige Phyteuma pinnatum , welches ich nicht kenne, scheint, nach der Linn é i schen Beschrei- bung zu urtheilen, hievon eine Ausnahme zu machen. Wann die Blume in dem ersten Zustande ist, so scheinen die Kronenblaͤtter ein einziges roͤhrenfoͤrmiges Blatt auszumachen, indem sie dicht zusammenschließen. Die Roͤhre umgiebt die Staubgefaͤße sehr enge, und druͤckt die Antheren, welche den obersten Theil des Griffels umgeben, dicht an denselben. Ist die Blume noch sehr jung, so sind die Antheren noch geschlossen, und zeigen noch keinen Staub. Sie oͤffnen sich aber, wann die Blume sich dem zweyten Zustande naͤhert. Dieser zweyte Zustand beginnet damit, daß die Kronenblaͤtter sich an der Basis von ein- ander begeben. Sobald dies geschieht, so kruͤmmen sich auch die Filamente abwaͤrts, so daß sie durch die Zwischenraͤume, welche die Kronenblaͤtter erhalten haben, heraustreten. Sie ziehen folglich die Antheren aus dem obersten noch zusammenhangenden Theil der Krone heraus, aber ohne den geringsten Theil des Staubes, welcher vielmehr zwischen dem so eben genannten Theil der Krone und dem obersten Theil des Griffels zuruͤck bleibt. Eben deswegen, damit dieses desto leichter geschehe, sind die Antheren, nachdem sie sich geoͤffnet haben, ungemein duͤnne, da sie vorher weit dicker waren. Weil nun die Krone anfaͤngt sich unterwaͤrts zu erweitern, so muß sie auch anfangen sich zu verkuͤrzen, da im Gegentheil der Griffel anfaͤngt sich zu verlaͤngern. Folglich muß der Griffel das Ende des obersten zusammenhangenden Theils der Krone oͤffnen, und aus demselben zum Vorschein kommen. Er koͤmmt aber mit Staub bedeckt zum Vorschein. Weil er nemlich oberwaͤrts, so weit er vorher von den Antheren umgeben wurde, mit kurzen Haaren dicht besetzt ist, so muß er den in dem obersten zusammenhangenden Theil der Krone befindlichen Staub gleich- sam abbuͤrsten, und mit sich nehmen. Auf solche Art faͤhrt die Krone fort sich immer mehr zu oͤffnen, der Griffel aber sich im- mer mehr zu verlaͤngern. Indessen hat er noch kein Stigma. Wann nun ein groͤsseres Insekt die Blume in diesem Zustande be- sucht, so kann es, obgleich dieselbe sich noch nicht voͤllig geoͤffnet hat, dennoch leicht zum Saft gelangen. Alsdenn beruͤhrt es mit H Phyteuma. einem Theil seines Koͤrpers den obersten Theil des Griffels, und streift den Staub von demselben ab. Hievon aber hat die Blume keinen Nutzen, weil sie noch kein Stigma hat. Der dritte Zu stand der Blume faͤngt damit an, daß das zwey- oder dreylap- pichte Stigma anfaͤngt sich von einander zu begeben. Alsdenn pflegen auch die Kronenblaͤtter sich gaͤnzlich von einander zu tren- nen. Wann nun ein Insekt die Blume in diesem Zustande be- sucht, so kann es zwar von dem obersten Theil des Griffels keinen Staub abstreifen, weil derselbe im zweyten Zustande der Blume schon von anderen Insekten seines Staubes beraubt worden ist; es beruͤhrt aber das Stigma mit eben demjenigen Theil seines Koͤrpers, mit welchem es vorher den Staub vom obersten Theil des Griffels einer im zweyten Zustande befindlichen Blume abge- streift hat, setzt einen Theil desselben auf dasselbe ab, und be- fruchtet auf solche Art diese aͤltere Blume mit dem Staube einer juͤngeren. An ihrem natuͤrlichen Standort die Blumen zu beobachten, habe ich bisher noch keine Gelegenheit gehabt. Zwey Pflanzen, welche ich in meinen Garten versetzt hatte, bluͤheten im letzver- gangenen Sommer; ich habe aber keine Insekten auf ihren Blu- men angetroffen. Phyteuma montanum, d. i., Jasione montana L. Schafrapunzel. Tab. X. 18—24. 34. 18. Die Blume im ersten Zustande. 19. Dieselbe, nachdem die Krone weggeschnitten worden. 20. Die Blume im Anfange des zweyten Zustandes. 23. Dieselbe im zweyten Zustande. Die Krone, welche sich nun schon geoͤffnet hat, ist weggeschnitten worden. 21. Die Blume im dritten Zustande. 22. Dieselbe, nachdem die Krone weggeschnitten worden. Der oberste dickere Theil des Griffels ist noch mit Staub bedeckt; das Stigma hingegen hat keinen Staub. Beides koͤmmt daher, weil diese Blume von keinem Insekt hat besucht werden koͤnnen, indem sie nicht auf dem Felde, sondern in meinem Hause bluͤhete. 34. Der Griffel einer im dritten Zustande befindlichen Blu- me, welche auf dem Felde gestanden hatte, folglich von Insekten besucht worden war. Diese hatten, da die Blume sich im zwey- ten Zustande befand, den Staub vom obersten Theil des Griffels abgestreift, und nachher, als sich die Blume im dritten Zustande befand, das Stigma mit dem aus juͤngeren Blumen geholten Staube versehen. 24. Der Fruchtknoten im Durchschnitt. a b die Saft- druͤse. Daß Linn é diese Pflanze von derjenigen Gattung, zu welcher sie Kaspar Bauhin, Haller , und andere Schrift- Phyteuma. steller gerechnet haben, getrennet, und zu einer besondern in ei- ner ganz andern Klasse vorkommenden Gattung gemacht hat, darin hat er sich uͤbereilet. Denn 1) sie gehoͤrt nicht in die Syn- genesie, da ihre Antheren nicht der ganzen Laͤnge nach zusammen- gewachsen sind, sondern die Staubgesaͤße in der Mitte zwischen den Filamenten und den Antheren nur einen schmalen Ring bil- den. Ein Anfaͤnger wird also eben so viel Grund zu haben glau- ben, sie in der Monadelphie, als in der Syngenesie, aufzusu- chen, oder vielmehr, er wird sie in keiner von beiden Klassen auf- suchen. 2) Das ganze aͤußere Ansehen der Pflanze zeigt, daß sie ein Phyteuma ist. Man vergleiche sie z. B. mit dem Phy- teuma hemisphaericum. Die Blumenblaͤtter (bracteae), wel- che bey beiden unten am Blumenknauf sitzen, hat Lian é bey der Jasione zum aͤußern Kelch gemacht, beym Phyteuma hinge- gen, als nicht zur Blume selbst gehoͤrig, welches auch ganz rich- tig ist, gar nicht angefuͤhrt. 3) Haͤtte Linn é gewußt, warum die Staubgefaͤße in der Mitte zusammengewachsen sind, so wuͤrde es ihm nicht einmal eingefallen seyn, dieses Umstands wegen jene Aenderung vorzunehmen. 1. Die Saftdruͤse ist der oberste Theil des Fruchtknotens. 2. Der Saft befindet sich auf der Saftdruͤse, welche von dem schmalen Rande des Kelchs umgeben wird, Fig. 24., damit er nicht herabfließe. Valveln oder Schuppen konnten hier nicht, wie bey dem Phyteuma spicatum, angebracht werden, weil die Blume zu klein ist. Weil aber diese Valveln zugleich zur Saft- decke dienen, so mußte hier, in Ermangelung derselben, zur Be- schuͤtzung des Safts vor dem Regen eine andere Einrichtung ge- troffen werden, welche darin besteht, daß 3. die Staubgefaͤße in der Mitte zusammengewachsen sind. Auf solche Art dienen sowohl die staublosen Antheren, als auch die Filamente zur Saftdecke. Denn wenn ein Regentropfen auf den Griffel faͤllt, und an demselben hinabfließt, so muß er in dem Winkel, welchen die Antheren bilden, stehen bleiben. Faͤllt er aber auf die Filamente, oder faͤllt er auf ein Kronenblatt, und fließt auf demselben hinab bis zu den Filamenten, so kann er durch die sehr kleinen Zwischenraͤume derselben nicht hindurchdrin- gen. Folglich ist der Saft vor dem Regen wohl verwahrt. 4. Eine einzelne Blume ist zwar sehr klein, und wuͤrde, ob- gleich ihre Kronenblaͤtter lang sind, sich den Insekten nicht son- derlich bemerkbar machen. Da aber ungefaͤhr siebenzig Blumen Einen Knauf bilden, und viele von denselben jederzeit zugleich bluͤhen, dieser Knauf auch auf einem langen und meist aufrecht- stehenden Zweige oder Stiel sitzt: so fallen die Blumen den In- sekten schon in einiger Entfernung in die Augen. Phyteuma. 5. Die Blume befindet sich eben so, wie Phyteuma spica- tum, in drey verschiedenen Zustaͤnden. Im ersten ist die Krone noch geschlossen, und der oberste mit kurzen Haaren dicht uͤber- zogene Theil des Griffels wird von den an ihm anliegenden An- theren bestaͤubt. Derselbe ist blaßblau; nachdem er aber bestaͤubt worden ist, sieht er fleischfarben aus, weil der Staub diese Farbe hat. Der Ring, in welchen die Staubgesaͤße in der Mitte zu- sammengewachsen sind, befoͤrdert die Bestaͤubung des obersten Theils des Griffels, indem er verursacht, daß die Antheren dicht auf demselben anliegen, welches ohne seine Beyhuͤlfe nicht ge- schehen wuͤrde, da die Filamente sehr duͤnne sind. Nachdem die Antheren ihren Staub auf den obersten Theil des Griffels abge- setzt haben, so werden sie weiß, und breiten sich von einander. Hierauf faͤngt der zweyte Zustand der Blume an, indem die Krone sich oͤffnet, und der Griffel sich ansehnlich verlaͤngert. Letz- teres ist schon deswegen noͤthig, weil der oberste Theil des Grif- fels, wenn er zwischen den Antheren bliebe, von einem in dem Winkel derselben sitzenden Regentropfen leicht seines Staubes be- raubt, oder der Staub verdorben werden wuͤrde. In den drit- ten Zustand koͤmmt die Blume alsdenn, wann sich der oberste Theil des Griffels nach und nach in zwey Lappen theilet, deren innere Seite, als das eigentliche Stigma, weiß und mit Haaren uͤberzogen ist. Daß nun die Befruchtung der Blume bloß durch Insekten geschieht, und zwar so, daß dieselben den Staub der juͤngeren oder im zweyten Zustande befindlichen Blumen auf das Stigma der aͤlteren oder im dritten Zustande befindlichen Blumen schlep- pen, davon kann man sich durch die Erfahrung leicht uͤberzeugen. Man stelle nemlich einen vom Felde mitgebrachten mit Blumen- knaͤufen versehenen Stengel, nachdem man vorher alle aufge- brochene Blumen weggeschnitten hat, in einem Zimmer, wo keine Insekten sind, ins Wasser. Nach einigen Tagen wird man finden, daß verschiedene von den hier aufgebrochenen Blumen sich im dritten Zustande befinden, zugleich aber, daß der oberste Theil des Griffels noch seinen ganzen Staubvorrath hat, daß hingegen auf dem weißen Stigma kein Koͤrnchen des fleischfarbnen Stau- bes befindlich ist. Besieht man hingegen aͤltere Blumen, welche man bey schoͤnem Wetter auf dem Felde gefunden hat: so wird man den obersten Theil des Griffels ohne Staub, das Stigma hingegen bestaͤubt finden. Was ich an solchen in meinem Hause aufgebluͤheten Blumen bemerkt habe, habe ich heute, da ich dieses zum Druck abschreibe, (am 21. Oktober) auf dem Felde an der Campanula rotundifolia bemerkt. Ich ging nemlich spatzieren, und fand in der Heide noch einige Blumen dieser Art. Sie befanden sich im dritten Zu- Phyteuma. Rondeletia. Portlandia. stande, und hatten ein voͤllig geoͤffnetes Stigma. Der oberste Theil des Griffels hatte noch seinen ganzen Staubvorrath, und auf dem Stigma war nicht Ein Koͤrnchen Staubes. Die Ursache hievon ist leicht einzusehen. Bey der jetzigen Jahreszeit fliegen keine Insekten mehr, oder nur noch sehr wenige auf Nahrung aus. Folglich sind diese Blumen von keinem Insekt besucht worden. Also konnte der oberste Theil des Griffels seinen Staub nicht ver- lieren, und das Stigma keinen Staub erhalten. Da nun die bey diesem Phyteuma getroffne Anstalt, daß die Staubgefaͤße in der Mitte zusammengewachsen sind, dazu dienet, daß der Saft vor dem Regen geschuͤtzt werde, keineswe- ges aber dazu, daß derselbe nicht verduͤnste, indem die Zwischen- raͤume der Filamente zwar klein genug sind, um keinen Regen- tropfen durchzulassen, aber nicht so klein, daß sie das Verduͤnsten des Safts sollten verhindern koͤnnen: so folgt aus der nahen Ver- wandtschaft dieser Blume mit der Campanula, was ich oben be- hauptet habe, daß die Valveln der letzteren keinesweges, wie Linn é oder einer von seinen Schuͤlern geglaubt hat, die Ver- duͤnstung des Safts verhindern sollen. Rondeletia. Rondeletia odorata . Jacqu. Amer. p. 59. 1. Die Saftdruͤse muß man bey dem Fruchtknoten suchen. 2. Den Saft wird man im Grunde der Kronenroͤhre finden. 3. Die Saftdecke ist der dicke Rand, weicher die Oeffnung der Kronenroͤhre umgiebt. Derselbe macht diese Oeffnung enger, und verhindert, daß Regentropfen, welche an dem Kronensaum haften, in die Kronenroͤhre hineinfließen. 4. Der Kronensaum ist mennigfarben, die Saftdecke aber pomeranzenfarben, also zugleich das Saftmaal. Auch hat die Blume einen sehr angenehmen Veilchengeruch. Portlandia. Portlandia grandiflora . Jacqu. Amer. p. 62. 1. Die Saftdruͤse muß oben am Fruchtknoten befindlich seyn, woselbst, oder im Grunde der Kronenroͤhre man auch 2. den Saft finden wird. 3. Der Grund der Kronenroͤhre wird durch die an der Basis haarichten Filamente und den Griffel gaͤnzlich vor dem Regen ver- schlossen. 4. Die Blume riecht bey Tage gar nicht, hingegen des Nachts duftet sie einen hoͤchst angenehmen und erquickenden Geruch aus. Sie ist folglich eine Nachtblume. Damit sie nun von den Nacht- insekten schon von weitem leicht bemerkt werde, so ist sie 1) außer- H 2 Portlandia. Chiococca. Hamelia. Mussaenda. ordentlich lang, nemlich einen halben Fuß, und hat 2) eine weiße Krone. Portlandia hexandra hat eine gleiche Einrichtung. Die kugelfoͤrmige Basis der Kronenroͤhre ist der Safthalter. Ue- ber derselben wird die Kronenroͤhre enger, und von den Filamen- ten und dem Griffel genau verschlossen. Die Saftdecke. Chiococca. Chiococca nocturna . Jacqu. Amer. p. 68. Auch diese Blume ist eine Nachtblume. Denn sie hat bey Tage keinen, des Nachts aber einen vortrefflichen Geruch. Da- her hat sie auch eine weiße Krone. Hamelia. Hamelia erecta, und H. patens . Jacqu. Amer. p. 71. 1. Die Saftdruͤse ist der auf dem Fruchtknoten sitzende kegel- foͤrmige Koͤrper. Derselbe bleibt, nachdem die Blume verbluͤhet ist, sitzen, wirft aber den Griffel ab. Dieses schließe ich aus dem Carduus, dem Silphium und andern Syngenesisten, bey welchen eben diese Einrichtung Statt findet. 2. Der Safthalter ist der unterste weitere Theil der Kro- nenroͤhre. 3. Ueber dem Safthalter ist die Kronenroͤhre enger, und muß daselbst von den Filamenten und dem Griffel ziemlich ausge- fuͤllt werden, so daß kein Regentropfen hindurchfließen kann. Weiter hinauf erweitert sie sich wieder. Mussaenda. Mussaenda formosa und M. spinosa . Jacqu. Amer. p. 70. Beide Arten sind Nachtblumen, und haben deswegen, außer dem vortrefflichen Geruch, einen schneeweißen, aber mit keinem Saftmaal gezierten Kronensaum. Der Herr Verfasser ruͤhmt besonders die erste. Er sagt, der sonst unansehnliche Strauch ge- waͤhre, wann er bluͤhet, zur Nachtzeit das schoͤnste Schauspiel. Er sey alsdenn mit den Kronensaͤumen, wie mit Sternen, bedeckt, weil man die sehr langen Kronenroͤhren, da sie gruͤn sind, nicht sehen koͤnne. Da aber dieses Schauspiel seine naͤchste Beziehung auf die Nachtinsekten hat, so sind die Blumen wahrscheinlich Saftblumen. Lonicera. Mirabilis. Lonicera. Lonicera Xylosteum. 1. 2. Die Kronenroͤhre hat vorne an der Basis einen Hoͤcker. Derselbe ist fleischicht und inwendig glatt, und sondert den Saft ab, welchen er auch enthaͤlt. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dienen die Haare, womit die Kronenroͤhre, die Filamente und der Griffel uͤberzogen sind. Lonicera Caprifolium. Der Grund der Kronen- roͤhre ist die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter. Weil die Kronenroͤhre sehr lang und enge ist, so kann kein Regentropfen in den Grund derselben hineindringen. Weil also keine Haare noͤthig sind, so sind auch keine da. Mirabilis. Mirabilis longiflora . Tab. VIII. 16—23. 16. Der vergroͤsserte Kelch in natuͤrlicher Stellung. 17. a. Die junge Nuß, deren Schale oben offen, mit dem Rande aber an die Kronenroͤhre angewachsen ist. b. Der un- terste Theil der Kronenroͤhre. 18. Die junge Nuß nebst dem untersten Theil der Kronen- roͤhre, der Laͤnge nach aufgeschnitten, und von einander gebreitet. In der einen Haͤlfte der Fruchtknoten nebst dem untersten Theil des Griffels. In beiden Haͤlften die (punktirte) Saftdruͤse, welche die Filamente traͤgt. 19. Die halbe Saftdruͤse von außen. 20. Dieselbe von innen. 21. Die junge befruchtete Nuß, welche, nachdem sie die Krone, die Staubgefaͤße und den Griffel abgeworfen, sich oben geschlossen hat. 22. Dieselbe im Durchschnitt. 23. Die reife Nuß im Durchschnitt, ohne den Kern. Im Grunde derselben die vormalige Saftdruͤse. Linn é schreibt der Gattung einen fuͤnfblaͤtterichten Kelch zu; bey dieser Art aber besteht der Kelch aus Einem fuͤnfmal einge- schnittenen Blatt. Fuͤr die Saftdruͤse hat er irrigerweise die junge Nußschal gehalten. Ferner sagt er, die Filamente seyen an die Kronenroͤhre angewachsen. Auch dies ist unrichtig. Denn sie schmiegen sich zwar dicht an dieselbe an; man kann sie aber von derselben abziehen, ohne sie zu zerreißen. 1. Die Saftdruͤse ist der in der jungen Nuß befindliche fleisch i chte glatte Ring, aus welchem die Filamente entstehen. Derselbe ist gelb, da der Fruchtknoten und die junge Nußschale gruͤn sind. Mirabilis. Verbascum. 2. Der Raum zwischen dem Fruchtknoten und der Saftdruͤse ist voller Saft. 3. Daß durch die sehr lange und enge Kronenroͤhre, in welcher sich uͤberdies die Filamente und der Griffel befinden, kein Regentropfen hindurch dringen koͤnne, versteht sich von selbst. Eben deswegen ist dieselbe auch nicht mit Haaren uͤberzogen. 4. Der Kronensaum ist weiß, in der Mitte aber mit einem violetten fuͤnfeckichten Stern geziert, welcher das Saftmaal ist. Die Blume soll besonders des Nachts einen vortrefflichen Geruch verbreiten, woraus folgen wuͤrde, daß sie eine Nachtblume ist; aus dem Saftmaal aber schließe ich, daß sie eine Tagesblume ist. Verbascum. Verbascum Thapsus . Tab. VIII. 24. 26. 27. 24. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse von der Seite. 26. Dieselbe von vorne. Diese Blume hat eine ansehnliche Krone, und einen ange- nehmen, obgleich schwachen, Geruch, und die drey obersten Fi- lamente sind mit Haaren, oder eigentlich keulenfoͤrmigen Faͤden, Fig. 27., besetzt. Diese drey Umstaͤnde machen es wahrscheinlich, daß sie eine Saftblume sey. Ich habe aber keine Saftdruͤse in derselbeu gefunden. Denn der Fruchtknoten ist an der Basis von keinem glatten Ring umgeben, und er selbst kann die Saftdruͤse nicht seyn, weil er nicht kahl, sondern mit Wolle uͤberzogen ist. Eben so wenig habe ich eine der Groͤsse der Blume angemessene Quantitaͤt Saft in derselben gefunden. Mehrentheils habe ich nicht die geringste Spur von Saft, zuweilen in der Kronenroͤhre einige sehr kleine Troͤpfchen angetroffen. Diese Kronenroͤhre ist fleischicht und glatt. Ist sie also die Saftdruͤse? Und ist der Saft etwa fuͤr sehr kleine Insekten bestimmt, welchen er, unge- achtet seiner geringen Quantitaͤt, hinlaͤngliche Nahrung zu liefern im Standeist? Die Blume wird von Bienen besucht, welche ich Staub aus derselben habe sammlen sehen. Die zinnoberrothen Staubballen auf ihren Hinterbeinen waren sehr leicht zu er- kennen. Verbascum Blattaria . Tab. VIII. 28. Bey dieser Art sind nicht nur die drey obersten, sondern auch die beiden untersten Filamente mit Haaren besetzt; auch die Oeff- nung der Kronenroͤhre ist mit Haaren uͤberzogen, da sie bey der vorhergehenden kahl ist Beides laͤßt sich, wenn die Blume Saft enthaͤlt, daher erklaͤren, daß die Krone weit flacher ist, als bey der ersten Art. Dennoch habe ich auch in dieser keinen Saft ge- funden. Der Fruchtknoten ist mit glaͤnzenden Punkten oder Kuͤ- gelchen uͤberzogen. Sind diese etwa der Saft? Verbascum. Datura. Verbascum nigrum . Tab. V. 21—23. 21. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 22. Der mittelste Theil der Krone. Der unterste Theil der Filamente. Das (punktirte) Saftmaal. 23. Zwey Fuͤnstheile der Krone, der Staubgefaͤße und des Saftmaals. Die Krone ist gelb, und hat in der Mitte fuͤnf kastanien- braune Flecken. Alle Filamente sind mit Haaren uͤberzogen, da die Krone, wie bey der zweyten Art, flach ist; und diese Haare sind purpurfarben. Die Blume hat also ein Saftmaal, und ist folglich eine Tagesblume, wie sie denn auch des Morgens auf- bricht. Demungeachtet habe ich keinen Saft in derselben gefun- den. Auch hier ist der Fruchtknoten mit seiner Wolle uͤberzogen, weswegen er nicht die Saftdruͤse seyn kann. Verbascum phoeniceum. Bey dieser Art ist der Fruchtknoten an der Basis mit einem duͤnnen weißen Ring ver- sehen, unter welchem ein anderer, brauner, Ring befindlich ist, welcher die Krone traͤgt. Jener scheint die Saftdruͤse zu seyn. In den wenigen Blumen, welche ich bey spaͤter Jahreszeit zu untersuchen Gelegenheit hatte, habe ich keinen Saft gefunden. Uebrigens haben die Blumen aller vier Arten eine horizontale Stellung, da sie eine aufrechtstehende Aehre bilden, und sind des- wegen irregulaͤr. Auch Gleditsch hat im Verbascum Thapsus, nigrum und Lychnitis keinen Saft gefunden, S. 186.; Kruͤnitz hin- gegen sagt, S. 668., daß das Verbascum den Bienen Honig liefert. Datura. Datura Stramonium. Stechapfel. Tab. VIII. 29—34. 29. Der im aufgeschnittenen und umgeschlagenen Kelch sitzende Fruchtknoten. An seiner Basis die (punktirte) Saft- druͤse. 30. Die mit den Filamenten zusammengewachsene Kronen- roͤhre, aufgeschnitten und flach ausgebreitet. 31. Ein Filament nebst dem angewachsenen Stuͤck der Kro- nenroͤhre von der Seite. 32. Der Durchschnitt der Blume ohne den Kelch bey a Fig. 30. 33. Derselbe bey b , und 34. bey c. 1. Die Saftdruͤse umgiebt die Basis des Fruchtknotens. Sie ist glatt und weiß, da der Fruchtknoten mit zarten Stacheln be- H 3 Datura. Hyoscyamus. setzt und gruͤn ist. Um dieselbe herum sitzt die Kronenroͤhre sehr fest. 2. Der ansehnliche Vorrath von Saft befindet sich in den Zwischenraͤumen zwischen der Kronenroͤhre und den an dieselbe angewachsenen Filamenten. Diese Zwischenraͤume sind unter- waͤrts am engsten, Fig. 34., werden aber weiter hinauf allmaͤlig weiter, Fig. 33. Sie haben eine roͤhrenfoͤrmige Gestalt, weil die Filamente hinten, wo sie an die Kronenroͤhre angewachsen sind, schmaͤler sind, und also von einander abstehen, vorne aber breiter sind, und einander beruͤhren. 3. Weil die Blume eine nicht voͤllig aufrechte, sondern et- was schiefe Stellung, und eine lange, und nach Verhaͤltniß der Laͤnge ziemlich enge Krone hat: so ist die letztere hierdurch schon ziemlich vor dem Regen gesichert. Wenn aber demungeachtet ei- nige Regentropfen in die Krone hineinfallen, so koͤnnen sie doch nicht bis zum Saft dringen. Denn die Roͤhren, in welchen der- selbe enthalten ist, sind so enge, daß die Regentropfen oberwaͤrts in der Oeffnung derselben, wo sich die Filamente von der Kro- nenroͤhre trennen, stehen bleiben muͤssen. Damit auch in die mittelste Roͤhre, welche die Filamente mit ihrer inneren Seite bilden, Fig. 33. 34., kein Regentropfen komme, oder, wenn er in den obersten Theil derselben gekommen ist, nicht weiter dringe, so ist diese innere Seite der Filamente mit kurzen in die Hoͤhe ge- richteten Haaren besetzt, Fig. 31. 4. Die Blume ist, wenigstens hauptsaͤchlich, fuͤr Nachtin- sekten bestimmt. Denn sie bricht mehrentheils gegen Abend auf, und noch Abends um zehn Uhr fand ich die Krone geoͤffnet. Des- wegen ist die Krone sehr groß, weiß, und ohne Saftmaal, und die Blume hat einen Geruch, welcher aber abscheulich ist, und welchen ich des Abends bey frisch aufgebrochnen Blumen stark, schwaͤcher aber am Tage bey solchen gefunden habe, welche schon Eine Nacht gebluͤhet hatten. 5. Ich habe Blumenkaͤfer und schwarze Blasenfuͤße in den Blumen angetroffen. In einer Blume fand ich des Abends eine Spinne in einer solchen Stellung, aus welcher sich schließen ließ, daß sie darauf laurete, daß ein Insekt die Blume besuchen sollte, um sich desselben zu bemaͤchtigen. Hyoscyamus. Hyoscyamus Scopolia . Tab. VIII. 35—38. 35. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 36. 37. Der Fruchtknoten. Die (punktirte) Saftdruͤse. 38. Die aufgeschnittene und flach ausgebreitete Kronenroͤhre, nebst dem untersten Theil der Filamente. Hyoscyamus. 1. Die Saftdruͤse ist der unterste glatte und gelbe Theil des Fruchtknotens, dessen oberster Theil gruͤn ist. 2. Der Saft ist zwischen der Saftdruͤse und der kurzen Kro- nenroͤhre, welche jene umgiebt, befindlich. Haͤuft er sich an, so tritt er in die fuͤnf Oeffnungen oder Loͤcher zwischen den Filamen- ten, wo man ihn, wenn man in die gegen das Sonnenlicht ge- haltene Krone hineinsieht, in der Gestalt von fuͤnf Tropfen erblickt. 3. Der Saft kann schlechterdings vom Regen nicht verdor- ben werden. Denn 1) die Blume haͤngt herab, und hat eine lange glockenfoͤrmige und ganze Krone. 2) Da die Filamente sich an den Griffel schmiegen, und an der Basis mit weichen Haaren besetzt sind, auch die Kronenroͤhre unter dem Safthalter mit der- gleichen Haaren uͤberzogen ist: so entstehen dadurch fuͤnf mit wei- chen Haaren meist verschloßne Oeffnungen, durch welche zwar ein Insekt, aber keinesweges ein Regentropfen hindurchdringen kann. 4. Die Krone ist auswendig dunkelroth, und mit gelblichen Streifen geziert, inwendig aber ocherfarben. Also ist ihre ganze innere Seite das Saftmaal. Hyoscyamus niger. Bilsenkraut. Tab. VIII. 39—43. Tab. IX. 1—3. Tab. VIII. 39. Der vergroͤsserte Fruchtknoten, dessen un- terster (punktirter) Theil die Saftdruͤse ist. 40. Die Samenkapsel in natuͤrlicher Groͤsse. 41. Die Filamente in natuͤrlicher Stellung. 42. Dieselben, nachdem die Krone aufgeschnitten und flach ausgebreitet worden. 43. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. Tab. IX. 1. Die innere Seite eines Theils der Krone. 2. Die Blume, wenn man in dieselbe hineinsieht. Im Grunde der Krone das Saftmaal. 3. Drey etwas vergroͤsserte Samenkapseln in natuͤrlicher Stellung. Die oberste mit unversehrtem Kelch; die beiden un- tersten, nachdem vom Kelch vorne ein Stuͤck weggeschnitten wor- den. Auf der mittelsten sieht man den Deckel, auf der untersten, welche den Deckel schon aus dem Kelch hinausgeworfen hat, die obersten Samenkoͤrner. 1. Die Saftdruͤse ist die unterste Haͤlfte des Fruchtknotens, welche etwas gelblicher ist, als die oberste. Aus jener wird zu- letzt die Kapsel, aus dieser derselben Deckel. 2. Der Safthalter ist die glatte Kronenroͤhre. 3. 1) Die Blume haͤlt das Mittel zwischen horizontalen und grade herabhangenden Blumen, ist also zu den ersteren zu rech- nen, und daher irregulaͤr, da im Gegentheil die vorhergehende, Hyoscyamus. Nicotiana. weil sie grade herabhaͤngt, regulaͤr ist. Wegen dieser Stellung kann nicht leicht ein Regentropfen in die Krone kommen. 2) Die Filamente, nachdem sie sich von der Kronenroͤhre abgesondert ha- ben, sind an der Basis haaricht, und schmiegen sich an den Grif- fel. Da nun dieser nicht mitten zwischen der obersten und unter- sten Seite der Krone steht, sondern der untersten naͤher ist: so biegen sich die obersten Filamente staͤrker, als die untersten. Auf solche Art entstehen im Grunde der Krone, nach der obersten Seite zu, drey durch Haare verschlossene Oeffnungen und Eingaͤnge fuͤr die Insekten, durch welche kein Regentropfen hindurch dringen kann. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Krone ist in- wendig blaßgelb, und mit purpurfarbenen netzfoͤrmigen Adern geziert, im Grunde aber dunkelpurpurfarben. 5. Die Blume wird von Hummeln besucht. Uebrigens laͤßt sich, was von der Stellung der Blumen und Samenbehaͤltnisse des Echium vulgare gesagt worden ist, auch auf diese Pflanze anwenden, und die Absicht, weshalb die Sa- menkapseln aufrecht stehen, faͤllt hier noch mehr in die Augen. Wann die Blume verbluͤhet ist, so wird der Kelch groͤsser und steif. Die oberste Haͤlfte desselben umgiebt die Oeffnung der Kapsel in der Gestalt eines Bechers. Weder der Deckel, nach- dem er sich abgeloͤset hat, noch viel weniger die Samenkoͤrner koͤnnen also anders als durch einen starken Wind von und aus der Kapsel uͤber den hohen Rand hinweggeworfen werden, da denn die letzteren in großen Entfernungen von der Mutterpflanze auf den Erdboden fallen. Nicotiana. Nicotiana rustica. 1. Die Saftdruͤse ist der unterste pomeranzenfarbene Theil des Fruchtknotens, dessen oberster Theil gruͤn ist. Wann die Samenkapsel voͤllig erwachsen ist, kann man noch die vorma- lige Saftdruͤse an der gelben Farbe erkennen. 2. Der Saft ist zwischen der Saftdruͤse und der kurzen Kronenroͤhre enthalten. 3. Die Filamente, nachdem sie sich von der Krone abge- sondert haben, biegen sich uͤber den Fruchtknoten hinuͤber und an den Griffel, von welchem sie sich weiter hinauf wieder ent- fernen. Ihre unterste groͤssere Haͤlfte ist mit weichen Haaren besetzt. Dadurch entstehen fuͤnf durch weiche Haare verschlos- sene Eingaͤnge fuͤr die Insekten, welche keinen Regentropfen durchlassen. Nicotiana glutinosa hat eine gleiche Einrichtung. Nicotiana. Atropa. Wenn wir voraussetzen, daß sowohl Nicotiana rustica, als Hyoscyamus niger von Insekten befruchtet werden soll: so koͤnnen wir uns den Unterschied, welchen wie in ihrer Struktur bemerken, leicht erklaͤren. Weil jene aufrecht steht, so kann ein Insekt von allen Seiten sich auf die Krone setzen, und in dieselbe hineinkriechen. Folglich mußten der Griffel und die Staubgefaͤße eine solche Stellung haben, daß das Insekt, es mag hineinkriechen, von welcher Seite es will, theils einen Eingang zum Safthalter finde, theils die Antheren und das Stigma nothwendig beruͤhren muͤsse. Also mußte das Stigma in der Axe der Blume, die Antheren aber mußten regelmaͤßig um dieselbe herum stehen, und die Filamente mußten durch ihre gleichfoͤrmige Biegung gegen die Axe, und folglich gegen den Griffel fuͤnf Oeffnungen hervorbringen. Hyoscyamus niger hingegen ist eine horizontale Blume, und das Insekt kriecht bloß auf der untersten Seite der Krone in dieselbe hinein. Folglich durfte auch nur auf diese einzige Art hinein- zukriechen Ruͤcksicht genommen werden. Daher ist das Stigma nicht in der Axe der Blume, sondern unterhalb derselben be- findlich, und die Filamente biegen sich nicht regulaͤr nach der Axe zu, sondern irregulaͤr an den Griffel. Dadurch entsiehen nicht fuͤnf, sondern nur drey Eingaͤnge zum Safthalter, nem- lich auf der obersten Seite, weil das auf der untersten Seite der Krone stehende Insekt nur durch diese seinen Saugeruͤssel bequem hindurchstecken kann. Weil nun dieses mit jener Vor- aussetzung sehr wohl uͤbereinstimmt, so wird dieselbe dadurch sehr wahrscheinlich. Atropa. Atropa physaloides. 1. Die Saftdruͤse ist der unterste Theil des Fruchtknotens. Sie ist blaßgelb, da der oberste Theil blaßblau ist. 2. Der Safthalter ist die kurze Kronenroͤhre. 3. Die Saftdecke faͤllt, wenn man in die Blume hinein- sieht, sogleich in die Augen. Denn die Filamente bilden mit ihrer breiten Basis, welche an beiden Raͤndern mit Haaren versehen ist, ein wohlverschlossenes Gewoͤlbe, dessen in der Mitte befindliche Oeffnung durch den Griffel ausgefuͤllt wird. Es kann also schlechterdings kein Regentropfen in den Saft- halter kommen, wohl aber ein Insekt seinen Saugeruͤssel hin- einstecken. 4. Eben so auffallend ist das Saftmaal. Dasselbe besteht aus fuͤnf dunkelblauen Flecken, welche man im Grunde der Krone unmittelbar uͤber der Saftdecke erblickt. Damit sich dieselben desto besser ausnehmen, so ist die Krone, welche ober- Physalis. waͤrts blaßblau ist, im Grunde milchweiß. Da sie nun mit den Filamenten abwechseln, so zeigen sie den Insekten die Stel- len, wo diese den Saugeruͤssel hineinstecken muͤssen. Physalis. Physalis Alkekengi. Judenkirsche. Tab. VI. 19—21. 27. 19. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 20. Die aufgeschnittene und flach ausgebreitete Krone. 21. Der Fruchtknoten, nachdem der Kelch umgeschlagen worden. Die (punktirte) Saftdruͤse. 27. Die Blume, von unten gesehen, ohne Schatten. 1. Der unterste dickere und gelbe Theil des blaßgruͤnen Fruchtknotens ist die Saftdruͤse. 2. Die glatte Kronenroͤhre ist der Safthalter. 3. Die Blume haͤngt herab, und die Oeffnung der Kro- nenroͤhre wird durch Wolle verschlossen, Fig. 20. 27. Der Saft ist also vor dem Regen wohl verwahrt. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die weiße Krone ist mit fuͤnf blaßgruͤnen Linien, und im Grunde um die Wolle herum mit fuͤnf Paaren blaßgruͤner Flecken geziert. Hagen sagt in seinem Lehrbuch der Apotheker- kunst S. 177.: „Die Judenkirschen haben einen weinhaften, „etwas saͤuerlichen Geschmack, der aber ekelhaft und bitter be- „merkt wird, wenn man beym Ausnehmen derselben aus der „Huͤlle, die hoͤchst bitter ist, nicht vorsichtig genug gewesen, und „diese die Beere beruͤhrt hat.“ Eine wunderbare und hoͤchst merkwuͤrdige Eigenschaft! Damit die Beere vom Kelch zwar ge- schuͤtzt, aber nicht beruͤhrt werde, so ist derselbe sehr aufgeblasen, und der Fruchtknoten sitzt nicht unmittelbar im Grunde des Kelchs, sondern zwischen jenem und diesem befindet sich der Koͤrper a b Fig. 21., welcher zur Bluͤhezeit cylindrisch, wann aber die Beere ihre voͤllige Groͤsse erreicht hat, wulstig, und glatt ist, da der Kelch inwendig mit kurzen Haaren uͤberzogen ist. Ich vermuthe, daß die Samenkoͤrner nicht auf eine me- chanische Art, sondern durch irgend ein Thier, vielleicht durch einen Vogel, ausgesaͤet werden sollen, und daß jene besondere Eigenschaft damit im Zusammenhange steht. Denn wann die Beere reif ist, so ist der Kelch pomeranzenfarben, und macht sich durch diese Farbe sehr bemerkbar, da er vorher, so lange die Frucht unreif, und er gruͤn war, weniger in die Augen fiel. Physalis pubescens . Tab. IX. 6—9. 7. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung von der Seite. Physalis. Solanum. 8. Dieselbe von vorne, in natuͤrlicher Groͤsse. Im Grunde der Krone das (punktirte) Saftmaal. 6. Der Fruchtknoten, nachdem der Kelch umgeschlagen wor- den. Die (punktirte) Saftdruͤse. 9. Ein Stuͤck der Krone. Ein Theil der wollichten Saft- decke. In Ansehung der Saftdruͤse, der Saftdecke, des Saft- maals, wie auch des Umstandes, daß der Fruchtknoten nicht un- mittelbar im Grunde des Kelchs sitzt, ist diese Art der vorherge- henden aͤhnlich. Die Saftdruͤse ist gelb, der oberste Theil des Fruchtknotens aber weiß. Die Krone ist gelb, die fuͤnf Flecken sind braun oder dunkelroth. Solanum. Solanum nigrum Guineense . Tab. IX. 12. 13. 16. 18. Daß diese Pflanze nicht eine Varietaͤt des gemeinen schwar- zen Nachtschattens, sondern eine besondere Art ist, erhellet aus Folgendem. 1) Wenn sie mit dem letztern an einer und ebender- selben Stelle waͤchst, so unterscheidet sie sich von demselben da- durch, daß sie uͤberhaupt und nach allen Theilen zweymal so groß ist, als dasselbe. 2) Die Antheren sind nicht gelb, sondern braun. 3) Die Blaͤtter sind nicht gezaͤhnt, sondern haben einen voͤllig ganzen Rand. 4) Sie bluͤhet spaͤter. Beide Arten hatten sich in meinem Garten von selbst ausgesaͤet. Die im folgenden Som- mer aus diesen Samen entstandenen Pflanzen von der erstern Art fiengen im Anfang des Augusts an zu bluͤhen, da die von der letzteren Art schon voͤllig erwachsene Beeren hatten. 12. Die vergroͤsserte Blume. 13. Das Pistill. 16. Ein Staubgefaͤß von der Seite. 18. Zwey Staubgefaͤße von innen. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten. 2. In der kurzen glatten Kronenroͤhre, welche ziemlich fest um den Fruchtknoten sitzt, habe ich zwar mit bloßen Augen kei- nen Saft gesehen, durch die Loupe aber glaubte ich einige uͤberaus kleine Troͤpfchen zu bemerken. 3. Daß die Blume Saft enthalten muͤsse, beweiset die Saft- decke. Zu derselben gehoͤrt 1), daß die Staubgefaͤße um den Griffel herum eine Roͤhre bilden, 2) daß die kurzen Filamente inwendig und an den Seiten haaricht sind, 3) daß der Griffel unterwaͤrts dicker, und gleichfalls mit Haaren besetzt ist. 4. Die weiße Krone hat in der Mitte einen Stern von eben dem oͤlichten und gruͤnlichgelben Ansehen, welches die Kronenroͤhre und Solanum. Capsicum. und die Filamente haben. Folglich hat die Blume auch ein Saftmaal. Solanum nigrum vulgatum. Gemeiner schwarzer Nachtschatten. Die Blume ist nur bey Tage geoͤffnet, des Nachts hingegen geschlossen. Sie wird von Vienen und Hummeln be- sucht. Letzteres beweiset, daß sie Saft enthalten muͤsse. Die Bienen aber scheinen bloß Staub aus derselben zu holen. Denn diejenigen, welche ich auf den Blumen antraf, stießen mit Hef- tigkeit an die Antheren, damit der Staub derselben (die Blumen sind der Erde zugekehrt) herausfiele, hatten auch an den Hinter- beinen weiße Staubkuͤgelchen sitzen. Solanum tuberosum. Ertoffelstaude. Tab. IX. 14 Ob ich gleich in dieser Art keinen Saft gefunden habe, so glaube ich doch, daß sie Saft enthaͤlt, da sie von Blasenfuͤßen be- sucht wird, welche ich noch Abends um sieben Uhr, da sich die Blume schon geschlossen hatte, in derselben antraf, und da die blaßroͤthliche Krone in der Mitte einen großen gelblichgruͤnen wie Oel glaͤnzenden Stern, also ein Saftmaal, hat. Solanum Hauanense . Jacqu. Amer. p. 49. Auch diese Art hat ein Saftmaal. Denn die Krone ist blau; an der Abbildung der Pflanze aber sieht man, daß die Krone fuͤnf zweigichte Adern hat, welche von den Spitzen der Abschnitte des Saums bis an die Oeffnung der Roͤhre sich erstrecken. In der Beschreibung wird dieser Adern nicht gedacht. Vermuthlich sind sie, wenn nicht von einer andern Farbe, wenigstens dunkelblau. Solanum Dulcamara. Bittersuͤß. Steigender Nacht- schatten. Tab. IX. 15. Ich habe auch in dieser Art keinen Saft gefunden, dessen Gegenwart sich jedoch aus ihrer ganzen Struktur vermuthen laͤßt. Die Antheren sind zusammengewachsen; deswegen bedurfte der Griffel keiner Haare, wie bey der ersten Art. Und weil die Fila- mente sehr kurz, und daher ihre Zwischenraͤume sehr klein sind, so haben sie auch keine Haare noͤthig. Die Blume hat ein Saft- maal. Denn die Krone ist blaßviolett, und hat in der Mitte einen dunkelvioletten Stern, welcher mit fuͤnf Paaren gruͤner Flecken geziert ist, welche gegen die violette Falbe schoͤn abstechen. Pollich fragt, ob diese Flecken Saftdruͤsen sind. Diese Frage werde ich bey der folgenden Gattung beantworten. Capsicum. Capsicum grossum . Tab. IX. 17. 19—21. 17. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 19. Dieselbe, von unten gesehen. 21. Dieselbe in einer andern Stellung. 20. Ein ausgebreitetes Stuͤck der Kronenroͤhre. Capsicum. Lycium. Chironia. 1. Die Saftdruͤse ist der glatte gruͤne Fruchtknoten. 2. Die Kronenroͤhre, welche den Fruchtknoten fest umschließt, hat fuͤnf breite Furchen, welche sich, aber schmaͤler, zwischen die Filamente hindurchziehen, und uͤber den Kronensaum erstrecken. In diesen Furchen steigt der Saft zwischen die Filamente hindurch in den Kronensaum, und bleibt nicht weit vom Fruchtknoten in der Gestalt von fuͤnf Tropfen stehen. 3. Weil die Blume sich herabneigt, und eine nicht flache, sondern gewoͤlbte Krone hat, so ist der Saft hierdurch gegen den Regen hinlaͤnglich gesichert, und es ist keine besondere Safwecke noͤthig. 4. Die weiße Krone hat kein Saftmaal, weil die Safttropfen selbst den Insekten in die Augen fallen. Haͤtte man, bevor man dieses gelesen haͤtte, die 19. Figur mit der 15. verglichen, so wuͤrde man vermuthlich geglaubt ha- ben, daß die fuͤnf weißen Kreise im Grunde des Kronensaums das Saftmaal vorstellen sollen. Man wuͤrde sich auch hierin in- sofern nicht geirrt haben, als diese Safttropfen sich selbst durch thren Glanz den Insekten zu erkennen geben, folglich gleichsam ihr eigenes Saftmaal sind. Schließt man aber umgekehrt von der 19. Figur auf die 15. zuruͤck, so wird man sich uͤberzeugen, daß, so wie hier die fuͤnf weißen Flecke nicht die Saftdruͤsen sind, sondern der Fruchtknoten den Saft absondert, eben so auch bey dem Solanum Dulcamara nicht die fuͤnf Paare gruͤner Flecken die Saftdruͤsen sind, wie Pollich vermuthet hat, sondern der Fruchtknoten die Saftdruͤse ist, und daß der Saft, welcher nicht aus der Kronenroͤhre heraustritt, durch dieselben gleichsam ange- kuͤndigt wird, da er sich selbst nicht zeigen kann. Auch hieraus folgt, daß jene Blume Saft enthalten muß. Lycium. Lycium Afrum. 1. Die Saftdruͤse ist der gelbe Ring, welcher die Basis des blaßgruͤnen Fruchtknotens umgiebt. 2. Der Safthalter ist die unterste glatte Haͤlfte der Kronen- roͤhre, welche voller Saft ist. 3. Die oberste Haͤlfte der Kronenroͤhre ist haaricht, auch ist der unterste Theil der Filamente sehr haaricht. Es kann also kein Regentropfen in den Safthalter hineindringen. Lycium Americanum . Jacqu. Amer. p. 50. 3. Auch hier ist der unterste Theil der Filamente haaricht. Chironia. Chironia frutescens. Der tellerfoͤrmige fleischichte glatte blaßgelbe Koͤrper, welchen man wegen dieser seiner Be- J Chironia. Phylica. Celastrus. schaffenheit fuͤr die Saftdruͤse halten sollte, sitzt nicht da, wo ein jeder die Saftdruͤse suchen wuͤrde, nemlich im Grunde der Kro- nenroͤhre, sondern im Grunde des Kelchs. Auf demselben steht die Kronenroͤhre, welche aber am Ende zugewachsen ist, folglich von diesem Koͤrper, wenn er die Saftdruͤse ist, keinen Saft er- halten kann. Und dennoch hat es das Ansehen, als wenn die Kronenroͤhre Saft enthielte. Denn die Filamente sind innerhalb der Oeffnung derselben ziemlich dicke, und scheinen dieselbe ver- schließen zu sollen, damit kein Regentropfen hineindringe. Folg- lich muß der glatte Fruchtknoten selbst die Saftdruͤse seyn, auf welchem ich auch ein Safttroͤpfchen gefunden habe. Daß aber diese Blume nicht auf eine mechanische Art, sondern durch In- sekten befruchtet werde, erhellet schon daraus, daß der Griffel niederwaͤrts gebogen, das Stigma also von den Antheren ent- fernt ist, da es doch, wenn die Befruchtung auf eine mechanische Art geschehen sollte, denselben so nahe als moͤglich seyn muͤßte, oder wenigstens sich kein Grund gedenken laͤßt, warum die Na- tur recht geflissentlich das Stigma von den Antheren entfernt hat. Phylica. Phylica ericoides. Die Blumen, welche ich im No- vember zu untersuchen Gelegenheit hatte, waren schon vertrock- net, und konnten daher keinen Saft enthalten. Die Struktur derselben aber gab mir zu erkennen, daß sie Saftblumen sind, und daß der Grund des Kelchs die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist. Die Blumen bilden einen Knauf. Derselbe sieht weiß aus, weil die Kelche auf der aͤußeren Oberflaͤche mit weißer Wolle uͤberzogen sind, faͤllt also den Insekten schon in ei- niger Entfernung in die Augen. Die innere Oberflaͤche ist gelb, und sticht gegen die weiße Farbe stark ab, ist folglich das Saft- maal. Die Schuͤppchen, welche oben am Kelch sitzen, sind ver- muthlich die Saftdecke. Uebrigens finde ich einen Widerspruch in der Linn é ischen Beschreibung der Gattung. Zuerst heißt es, die Blume habe keine Krone, und hernach, der Fruchtknoten sitze im Grunde der Krone. Celastrus. Celastrus scandens. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der fleischichte gelbe Grund des Kelchs. 3. Die ziemlich starken und aufrecht stehenden Filamente machen mit den zuruͤckgebogenen Kronenblaͤttern einen Winkel, Celastrus. Ribes. und halten die auf den letzteren sitzenden Regentropfen ab, sich mit dem Saft zu vermischen. 4. Die Blumen bilden am Ende eines Zweiges eine Traube. Der Zweig hat Blaͤtter; wo aber die Traube anfaͤngt, verwan- deln sich dieselben in schmale stipulas . Die Bemerkbarkeit der Traube wird also durch keine Blaͤtter geschwaͤcht. Die Krone ist weiß und ein wenig gelblichgruͤn, der Grund des Kelchs aber gelb, folglich zugleich das Saftmaal. Auch haben die Blumen einen angenehmen Geruch. 5. Ich habe Blasenfuͤße in denselben gefunden. Ribes. Ribes Grossularia. Stachelbeerenstrauch. Tab. IX. 22—25. 22. Das mit Einer Blume und einigen Blaͤttern versehene Ende eines Zweiges in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 23. Die Blume, von unten gesehen. 24. Dieselbe, von der Seite gesehen. In beiden Figuren ist die innere Seite der Kelcheinschnitte punktirt, wodurch ange- zeigt wird, daß dieselbe gefaͤrbt ist. 25. Dieselbe im doppelten Durchschnitt, d. i., der groͤßte Theil der vordersten und hintersten Haͤlfte ist weggeschnitten wor- den, und nur das mittelste Stuͤck stehen geblieben. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der glatte Grund des Kelchs. 3. 1) Die Blume haͤngt herab. 2) Sie wird von den Blaͤt- tern, welche mit ihr aus eben demselben Auge entstehen, vor dem Regen geschuͤtzt. Dies gilt auch von den beiden folgenden Arten. 3) Der Griffel ist in der Mitte, und der Kelch an der Oeffnung mit Haaren besetzt, Fig. 25. 5. Die Blumen werden von Bienen haͤufig besucht, welche sich an den umgebogenen Einschnitten des Kelchs sehr wohl fest- zuhalten wissen. Auch Ameisen gehen dem Saft nach. Ribes rubrum. Johannisbeerenstrauch. Tab. IX. 26—28. 27. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 28. Dieselbe, von der Seite gesehen. 26. Ein Theil der Blume, nemlich das Pistill, Ein Fuͤnf- theil des Kelchs, Ein Staubgefaͤß, und zwey Kronenblaͤtter. Die Saftdruͤse ist punktirt, und die Farbe der inneren Seite des Kelcheinschnitts angedeutet. Die Ameisen gehen dem Saft dieser Blume sehr nach. Vergleicht man diese Blume mit der vorhergehenden, so fin- det man, daß sie besser von vorne, als von der Seite, jene aber Ribes. besser von der Seite, als von unten in die Augen faͤllt, welches hauptsaͤchlich daher koͤmmt, daß bey dieser die Einschnitte des Kelchs flach, bey jener aber umgebogen sind. (Die 23. Figur ist nach einer alten Blume gezeichnet, welche anfing sich wieder zu schließen. Waͤren die Einschnitte des Kelchs noch eben so sehr zuruͤckgebogen, als in der 24. Figur, so wuͤrde die Blume noch kleiner und unansehnlicher erscheinen.) Die Ursache dieser ver- schiedenen Einrichtung ist leicht einzusehen. Jene ist einzeln, und haͤngt herab, oder einige entstehen aus Einem Auge, und hangen jede fuͤr sich an einem eigenen Stiel. Soll sie nun von weitem bemerkt werden koͤnnen, so muß sie von allen Seiten sich am an- sehnlichsten zeigen. Waͤren die Einschnitte des Kelchs flach, und stuͤnden sie also horizontal, so wuͤrde die Blume von unten gese- hen am besten in die Augen fallen. Dies wuͤrde nicht zweckwidrig seyn, wenn sie sich an einem hohen Baum befaͤnde, wie denn die Blume der Linde bey gleicher Stellung eine solche Gestalt hat. Alsdenn wuͤrde sie von den unter und neben der Krone des Baums in geringerer oder groͤsserer Entfernung umherfliegenden Insekten leicht bemerkt werden. Nun aber sitzt die Blume an einem nie- drigen Strauch, unter welchem nicht, sondern um welchen und uͤber welchem die Insekten umherfliegen. Folglich mußte sie so gebauet seyn, daß sie besser von allen Seiten, als von unten, in die Augen fiele. Die Blumen des Johannisbeerenstrauchs hingegen stehen nicht einzeln, sondern bilden eine herabhangende Traube. Weil nun diese von irgend einer Seite gesehen besser, als von unten gesehen, in die Augen faͤllt; weswegen auch eine jede einzelne Blume nicht herabhaͤngt, sondern eine horizontale Stellung hat: so mußte auch eine jede Blume fuͤr sich von vorne gesehen am ansehnlichsten erscheinen. Man stelle sich die Sache umgekehrt vor, und denke sich an dem Blumenstiel des Stachel- beerenstrauchs die Blume des Johannisbeerenstrauchs, und an der Traube des letzteren die Blumen des ersteren: so erscheint die erstere den Insekten in der in Fig. 28. abgebildeten Gestalt, wenn man nemlich die linke Seite der Kupfertafel zur Grundseite macht, und die letzteren in der in Fig. 23. abgebildeten Gestalt. Beide Blumen wuͤrden also den Insekten nicht so stark in die Augen fallen, als bey der von der Natur gemachten Einrichtung ge- schieht. Ribes nigrum. Aalbeerenstrauch. Tab. IX. 33—35. 34. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 33. Dieselbe im doppelten Durchschnitt. Die (punktirte) Saftdruͤse. 35. Dieselbe, von unten gesehen. In allen drey Figu- ren ist die innere Seite des Kelchs punktirt, weil sie ge- faͤrbt ist. Ribes. Thesium. Cerbera. Die Saftdruͤse ist hier ansehnlicher. Sie ist gruͤn, und faͤllt ein wenig ins Gelbe. Die Kronenblaͤtter sind groͤsser, nei- gen sich auch mehr gegen einander, als bey der ersten Art. Sie verschließen also nebst den Filamenten die Oeffnung des Kelchs hinlaͤnglich, und der Griffel und der Kelch koͤnnen daher die Haare entbehren, welche bey der ersten Art noͤthig sind. Die Einschnitte des Kelchs sind bey allen drey Arten theils weit groͤsser, theils auf der inneren, in die Augen fallenden Seite ansehnlicher gefaͤrbt, als die Kronenblaͤtter, welche weißlich, oder gelblichgruͤn sind. Nun haben die Saftblumen deswegen eine Krone, damit sie durch dieselbe sich den Insekten bemerkbar machen. Da aber dieses bey dieser Gattung weit mehr durch die Einschnitte des Kelchs, als durch die von Linn é so genannten Kronenblaͤtter geschieht: so sind jene, nicht aber diese fuͤr die ei- gentliche Krone zu halten. Diese dienen bloß dazu, den Saft vor dem Regen zu schuͤtzen. Einen Kelch, welcher, wie bey die- ser Gattung, auf seiner inneren Seite gefaͤrbt ist, und die Stelle der Krone vertritt, koͤnnte man einen Kronenkelch (Calyx co- rollaceus), so wie im Gegentheil eine Krone, welche, bevor die Blume zu bluͤhen anfaͤngt, die Stelle des Kelchs vertritt, nach- her aber auf beiden Seiten gefaͤrbt ist, als bey der Tulpe, eine Kelchkrone (Corolla calycina) nennen. Thesium. Thesium linophyllum . Tab. XXII. 8. 17. 42. 8. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 17. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung im Durchschnitt. 42. Das Insekt, welches die Blume besucht. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der Grund des Kelchs. 3. Die Filamente sind, da die Blume sehr klein ist, im Stande, die Regentropfen, welche auf die Einschnitte des Kelchs gefallen sind, abzuhalten, in den Safthalter zu dringen. 5. Die Blume wird von einer Fliege mit halb schwarzen und undurchsichtigen und halb durchsichtigen Fluͤgeln (Bibio Morio) besucht. Ich bemerkte, daß dieselbe bloß diese Blume aufsuchte, hingegen die Asclepias Vincetoxicum, welche neben jener bluͤhete, nicht einmal zu bemerken schien. Cerbera. Cerbera Theuetia . Jacqu. Amer. p. 49. Der Herr Verfasser sagt: Nectarium quinquedentatum, stellatum, la- nuginosum, conniuendo os tubi claudens. Dieser Theil ist aber keinesweges die Saftdruͤse. Denn wenn eine Blume eine Roͤhre hat, so ist die Saftdruͤse jederzeit im Grunde dieser Roͤhre, J 2 Cerbera. Vinca. keinesweges aber an ihrer Oeffnung befindlich. Ferner ist eine jede Saftdruͤse kahl und glatt; dieser Theil aber ist mit wei- cher Wolle oder Haaren uͤberzogen. Er ist vielmehr die Saft- decke, da er mit seinen fuͤnf Strahlen die Oeffnung der Kro- nenroͤhre verschließt, und, damit die Regentropfen desto weni- ger auf ihm haften, mit weicher Wolle uͤberzogen ist. Viel- leicht ist er von anderer Farbe, als der gelbe Kronensaum, und alsdenn zugleich das Sastmaal . Die Saftdruͤse ist also entweder der Fruchtknoten selbst, oder nahe bey demselben be- findlich. Vinca. Vinca rosea . Tab. IX. 29—32. 30. 31. Die beiden Fruchtknoten nebst der (punktirten) Saftdruͤse von verschiedenen Seiten. 32. Der oberste Theil der Kronenroͤhre im Durchschnitt, nebst dem obersten Theil des Griffels. Das Stigma ist punktirt. 29. Der oberste Theil des Griffels. Das (punktirte) Stigma ist hier noch deutlicher zu sehen. Die vorderste Haͤlfte des unter demselben befindlichen Theils ist weggeschnitten. 1. Die Saftdruͤse ist der glatte blaßgelbe Koͤrper, welcher unterwaͤrts die Basis der beiden mit kurzen Haaren uͤberzoge- nen und gruͤnen Fruchtknoten umgiebt, dann aber sich in zwey Theile theilet, welche an den Seiten der Fruchtknoten stehen, und mit ihnen von gleicher Laͤnge sind. Diesen Koͤrper hat Linn é zwar gesehen, er hat aber nicht gewußt, was er aus demselben machen sollte. 2. Der Safthalter ist der unterste glatte Theil der Kro- nenroͤhre. 3. Die Blume hat eine Saftdecke, welche aus drey ring- foͤrmigen Reihen von Haaren besteht. Die erste umgiebt die Oeffnung der Kronenroͤhre bey a Fig. 32. Der Zwischenraum von a bis b ist kahl. Bey b , wo die Kronenroͤhre sehr enge ist, ist die zweyte Reihe von Haaren unmittelbar uͤber den Antheren befindlich. Die dritte ist bey c. Der Zwischenraum zwischen b und c ist mit einzeln stehenden Haaren besetzt. Unterhalb c ist die Kronenroͤhre kahl und glatt. 4. Die innere Seite des Kronensaums ist schoͤn rosenfar- ben, die aͤußere hingegen weiß Jene Farbe wird nach der Mitte zu immer gesaͤttigter, bis an die erste Reihe von Haa- ren. Diese Haare sehen von oben gesehen dunkelroth, von der Seite gesehen weiß aus. Der kahle Theil der Kronenroͤhre von a bis b ist gelb, folglich das Saftmaal. Die Blume hat keinen Geruch. Vinca. Der oberste Theil des Griffels besteht aus zwey Theilen. Der oberste derselben a b c d Fig. 29. ist dicht, und hat eine cylindrische Gestalt. Die oberste Grundflaͤche desselben ist mit kurzen Haaren besetzt, seine Seitenflaͤche aber ist mit einer Feuchtigkeit uͤberzogen. Hieraus erhellet, daß diese Seiten- flaͤche das eigentliche Stigma ist. Der unterste Theil c d e f ist hohl, und hat die Gestalt eines gestutzten Kegels. In der Mitte desselben steht das Ende des duͤnnern Theils des Grif- fels, und ist an die unterste Grundflaͤche des cylindrischen Koͤr- pers lose angefuͤgt. Vinca maior und Vinca minor . Tab. XXII. 23. 25—27. 29—35. 41. Vinca maior. 23. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse von oben gesehen. 25. Dieselbe, vergroͤssert. 26. Die Oeffnung der Kronenroͤhre, etwas von der Seite gesehen. 29. Ein Staubgefaͤß von außen. 30. Der oberste Theil des Griffels, von oben gesehen. 31. Ein Staubgefaͤß von der Seite. 32. Die Krone, von welcher vorne ein Stuͤck weggeschnit- ten worden, damit man die Haare, womit dieselbe inwendig besetzt ist, und, wie die Staubgefaͤße um den obersten Theil des Griffels herum stehen, sehen koͤnne. 33. Ein Staubgefaͤß von innen. 34. Der oberste Theil des Griffels. Das (punktirte) Stigma. 35. Bezieht sich auf Fig. 32. Das vorderste Staubgefaͤß ist weggeschnitten. Vinca minor. 27. Die vergroͤsserte Blume, nachdem die vorderste Haͤlfte des Kelchs und der Krone weggeschnitten wor- den. Vorne am Fruchtknoten sieht man die (punktirte) Haͤlfte der Saftdruͤse. 41. Der Griffel. 1. Die Saftdruͤse ist glatt und gelblich gruͤn, da der Frucht- knoten weißlich gruͤn ist. 2. Der Saft ist im Grunde der Kronenroͤhre enthalten. 3. Der Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert. Denn bey der groͤsseren Art sind an der Oeffnung der Kronenroͤhre fuͤnf Fortsaͤtze angebracht, welche mit den Einschnitten des Kro- nensaums abwechseln, und dazu dienen, daß, wenn auf den Kronensaum Regentropfen gefallen sind, dieselben nicht in die Roͤhre hineinfließen, sondern in den Winkeln, welche die Fort- saͤtze mit dem Kronensaum machen, stehen bleiben. In der kleineren Art ist zu gleicher Absicht die Oeffnung der Kronen- Vinca. roͤhre mit einer Reihe von Haaren besetzt. Wenn indessen zufaͤl- ligerweise ein Regentropfen in die Kronenroͤhre faͤllt, so kann er doch nicht in den Safthalter hineindringen. Die Antheren, welche den untersten Theil der Kronenroͤhre verschließen, sind auf der aͤußeren, und die Filamente (welches man fast fuͤr uͤberfluͤssig halten sollte) auf der inneren Seite mit Haaren besetzt. Auch ist in der groͤsseren Art die Kronenroͤhre uͤber den Antheren mit Haaren uͤberzogen. Endlich besteht der oberste uͤber dem cylindri- schen Koͤrper befindliche Theil des Griffels groͤßtentheils aus Haaren. Linn é muß seine Beschreibung der Gattung bloß nach die- sen beiden Arten gemacht, die Vinca rosea aber nicht untersucht haben, welches aus seiner Beschreibung des Stigma erhellt. Vom Stigma selbst hat er sich einen wunderlichen Begriff ge- macht, da er geglaubt hat, daß die Blumen zwey Stigmate ha- ben, von welchen das eine uͤber dem andern sitze, und ganz an- ders gestaltet sey, als das andere. Auch bey diesen Arten ist das eigentliche Stigma die Seitenflaͤche des cylindrischen Koͤrpers, welche mit einer Feuchtigkeit uͤberzogen ist. 5. Daß nun die Befruchtung aller drey Arten keinesweges auf eine mechanische Art, sondern durch Insekten geschieht, ist augenscheinlich. Daß der Wind den Staub der Antheren auf das Stigma soll bringen koͤnnen, laͤßt sich nicht gedenken. Folg- lich muͤßten, wenn die mechanische Befruchtungsart Statt finden sollte, die Antheren unmittelbar ihren Staub dem Stigma mit- theilen. Nun aber stehen dieselben in der ersten Art hoͤher, als das Stigma, so wie auch in den beiden letzteren, in welchen sie nicht um das Stigma, sondern um den uͤber demselben befindli- chen haarichten Koͤrper herumstehen. In der Vinca maior hal- ten sich Blasenfuͤße auf. Einige von denselben fand ich im Saft- halter. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Thierchen zur Be- fruchtung der Blume bestimmt sind. Denn sie koͤnnen nicht leicht in den Safthalter hineinkriechen, ohne sowohl die Antheren, als auch das Stigma zu beruͤhren, und einen Theil des Staubes je- ner auf dieses zu schleppen. Groͤssere Insekten hingegen, der- gleichen ich auch niemals auf den Blumen angetroffen habe, koͤn- nen schwerlich ihren Saugeruͤssel in den Safthalter hineinstecken, vielweniger hineinkriechen. Uebrigens scheint die Befruchtung dieser Blumen, vermuth- lich, weil es mit derselben etwas kuͤnstlich zugeht, selten von Statten zu gehen. Denn an der Vinca maior habe ich noch nie- mals Fruͤchte gefunden. Nerium. Echites. Nerium. Nerium Oleander und N. Zeilanicum . Linn é hat sich bey dieser Gattung, so wie bey der Silene, geirret, da er die Ansaͤtze der Kronenblaͤtter, welche um die Oeffnung der Kronenroͤhre einen Kranz bilden, fuͤr das Nectarium gehalten hat. Dieselben dienen bloß zur Abhaltung der Regentropfen vom Safthalter, wie ich bey der Silene zeigen werde. Zu gleichem Endzweck dienen auch die fadenfoͤrmigen und mit Haaren dicht besetzten Fortsaͤtze der Antheren, wie auch die Haare, mit welchen die Kronenroͤhre unterhalb der Antheren uͤberzogen ist, da ihr Grund kahl und glatt ist. Hieraus folgt, daß die Blumen Saft- blumen sind, und es muß der Fruchtknoten, oder vielmehr nur der unterste Theil desselben (denn der oberste Theil ist etwas haa- richt) die Saftdruͤse, der Grund der Kronenroͤhre aber der Saft- halter seyn; ob ich gleich in den wenigen Blumen, welche ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt habe, keinen Saft angetroffen habe. Im Oleander fand ich Blasenfuͤße. Echites. Jacqu. Amer. p. 29. 1. Daß nicht etwa der Fruchtknoten, sondern die um densel- ben herumstehenden fuͤnf Druͤsen, welche Linn é und Jacquin das Nectarium nennen, die Saftdruͤsen sind, schließe ich daraus, daß der Fruchtknoten in der Echites spicata mit langen Haaren uͤberzogen ist. 2. Der Safthalter muß der unterste Theil der Kronenroͤhre seyn. 3. In den acht ersten Arten sind die Staubgefaͤße in der Mitte der Kronenroͤhre angebracht, und bilden einen Kegel, und die Filamente sind (wenigstens bey einigen Arten) an der inneren Seite haaricht oder wollicht. Hierdurch wird also der Safthalter vor dem Regen geschuͤtzt. Bey den zwey letzten Arten ist zur Er- reichung dieses Endzwecks eine andere Einrichtung getroffen, da ihre Staubgefaͤße außerhalb der kurzen Kronenroͤhre stehen. Von der neunten sagt der Herr Verfasser, daß die Oeffnung der Kro- nenroͤhre durch viele lange Haare, welche mit ihren Spitzen ein- ander beruͤhren, verschlossen sey. Vermuthlich hat die zehnte eine aͤhnliche Saftdecke. 4. Der Kronensaum der Echites biflora ist weiß, die Oeff- nung der Kronenroͤhre aber gelb. Echites quinquangularis hat einen gelblichen Kronensaum; der dicke Rand um die Oeffnung der Kronenroͤhre aber ist weiß. In Ansehung der uͤbrigen Arten finde ich nichts angemerkt, woraus ich auf das Daseyn eines Saftmaals schließen koͤnnte. J 3 Plumeria. Cameraria, Asclepias. Plumeria. Jacqu. Amer. p. 36. Plumeria alba. Diese Blume ist wahrscheinlich eine Saftblume, da sie einen vortrefflichen Geruch, und ein Saft- maal hat. Denn der Kronensaum ist weiß, die Oeffnung der Kronenroͤhre aber gelblich. Plumeria pudica. Diese Blume hat einen ganz vor- trefflichen Geruch, welcher dem Herrn Verfasser den Geruch al- ler ihm bekannten Blumen zu uͤbertreffen schien. Sowohl hier- aus, als auch daraus, daß der Kronensaum allezeit geschlossen ist, nemlich zur Beschuͤtzung des Safts, schließe ich, daß sie eine Saftblume ist. Cameraria. Cameraria latifolia . Jacqu. Amer. p. 37. Aus der Beschreibung der Staubgefaͤße schließe ich, daß dieselben die Saftdecke sind, folglich die Blume eine Saftblume ist. Asclepias. Asclepias Vincetoxicum . Tab. IX. 40. Die ver- groͤsserte Blume. 1. 2. Die fuͤnf (punktirten) Hoͤhlen sondern den Saft ab, und enthalten denselben. 3. Obgleich die Blume aufrecht steht, so hat sie doch keine Saftdecke, vermuthlich, weil die Hoͤhlen, welche den Saft ent- halten, zu klein sind, als daß ein Regentropfen in dieselben sollte hineindringen koͤnnen. Des Nachts aber scheint die Blume ge- schlossen zu seyn; denn des Morgens habe ich die Krone weit we- niger ausgebreitet gefunden, als bey Tage. Wenn es hiermit seine Richtigkeit hat, so ist die Blume eine Tagesblume, welches auch daraus erhellt, daß sie ein Saftmaal hat; denn 4. die Krone ist weiß, derjenige Theil aber, in welchem sich die Safthoͤhlen befinden, ist blaßgelb. 5. Die Blume wird von allerley Fliegen, wie auch von den großen Waldameisen ( Formica rufa ) besucht. Asclepias Curassauica. Daß diese Blume, welche auch aufrecht steht, eine Tagesblume sey, erhellt aus ihren zwey Farben, deren Unterschied weit groͤsser ist, als bey der vorherge henden. Denn die zuruͤckgebogene Krone ist zinnoberroth, der uͤbrige Theil der Blume aber gelb. Asclepias fruticosa . Tab. IX. 4. 5. 10. 11. 38. 39. 41. 4. Die vergroͤsserte Blume, von unten gesehen. 10. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung, von der Seite ge- sehen. Asclepias. 5. Ein Theil der 10. Figur, noch staͤrker vergroͤssert. a ist das schwarze Kaͤppchen, an welchem ein Paar Koͤlbchen haͤngt. a b die Falte, an deren Ende sich dasselbe befindet. 11. Der Theil a b c Fig. 10., von oben gesehen. 38. Die Haͤlfte des Stigma nebst dem obersten Theil eines Fruchtknotens, mit welchem jene schwach zusammenhaͤngt. 39. Ein Paar Koͤlbchen nebst ihrem Kaͤppchen, stark ver- groͤssert. 41. Das Stigma. Diese Art unterscheidet sich von den beiden vorhergehenden durch ihre Stellung, indem sie herabhaͤngt. Eben deswegen ist auch die Krone zwar, wie bey der zweyten, zuruͤckgebogen, aber dabey etwas gewoͤlbt, damit sie nemlich den uͤbrigen Theil der Blume vor dem Regen schuͤtze. Zu eben dieser Absicht sind auch die Einschnitte derselben an dem einen Rande mit Haaren besetzt; warum nicht an beiden Raͤndern, sehe ich nicht ein. 4. Die Krone ist weiß, die Saftmaschinen sind blaß gruͤn- lichgelb. 5. Die Blume wird von allerley großen und kleinen Fliegen, und von zwey Wespenarten besucht. Der Bau und die Befruchtung der zur Gattung Asclepias und den mit derselben verwandten Gattungen gehoͤrenden Blu- men ist bisher fuͤr die Kraͤuterkundigen ein wahrer Gordischer Knoten gewesen. Der einzige Koͤlreuter , so viel ich weiß, hat sich an die Aufloͤsung desselben gewagt; mit welchem Gluͤck, wird sich bald zeigen lassen. Man findet seine hieher gehoͤrige Abhandlung in den Actis Academiae Theodoro-Palatinae T. III. p. 41. etc. Ich will theils aus derselben dasjenige aus- heben, was zu meiner Absicht dienlich ist, und was ich selbst nicht habe bemerken koͤnnen, da ich kein so gutes Vergroͤsserungsglas zur Hand gehabt habe, als Koͤlreuter , theils einige Anmer- kungen uͤber dieselbe machen. Die schwarzen Kaͤppchen, an deren jedem ein Paar Koͤlbchen haͤngt, hat Koͤlreuter sehr hart und fast hornartig befunden. Gelegentlich erinnere ich, daß man hier dasjenige bestaͤtigt findet, was ich oben bey der Saluia pratensis gesagt habe, daß nemlich diejenigen Theile einiger Blumen, welche sehr hart und fest sind, eine schwarze Farbe haben. Die Koͤlbchen, welche Jacquin zuerst, und nach ihm Koͤlreuter fuͤr die maͤnnlichen Befruchtungstheile gehalten hat, welches sie auch in der That sind, sondern, wie Koͤlreu- ter bemerkt hat, ein Oel aus. Koͤlreuter haͤlt fuͤr das Stigma die innere Oberflaͤche der Beutelchen, in welchen die Koͤlbchen stecken, und nach seiner Meinung geschieht die Befruchtung auf diejenige mechanische Art, Asclepias. da die Antheren das Stigma unmittelbar beruͤhren, und demsel- ben ihr befruchtendes Wesen mittheilen. Hierin hat er sich nun sehr geirrt. Denn hieraus wuͤrde fuͤrs erste folgen, daß die Be- fruchtung jederzeit von Statten gehen muͤsse, besonders da kein Regentropfen in die Beutelchen hineindringen, und das befruch- tende Wesen der Koͤlbchen abspuͤlen oder verderben kann. Die Erfahrung lehrt aber grade das Gegentheil. Die mehresten Blu- men des Vincetoxicum setzen keine Fruͤchte an, welches ich in der Heide oft bemerkt habe, und dasjenige Exemplar, welches ich in meinen Garten verpflanzt habe, bringt alle Jahre viel Blu- men hervor, hat aber noch niemals eine Frucht angesetzt. Eben so habe ich gesehen, daß verschiedene Dolden der Asclepias fru- ticosa gar keine, die uͤbrigen aber nicht mehr als Eine oder zwey Fruͤchte angesetzt hatten. Zweytens sagt Koͤlreuter am Ende seiner Abhandlung, daß bey den Orchisblumen eine aͤhnliche Ein- richtung Statt finde. So wie er nun, wie ich vermuthe, von der Asclepias auf die Orchisblumen geschlossen hat, so habe ich im Gegentheil von den Orchisblumen auf die Asclepias geschlos- sen. Da ich nemlich entdeckt hatte, daß jene auf eine ganz be- sondere und bewundernswuͤrdige Art von Fliegen befruchtet wer- den: so vermuthete ich, daß auch die Befruchtung der Asclepias durch Fliegen auf eine aͤhnliche, wenn gleich nicht eben dieselbe, Art geschehe, und die Erfahrung hat in der Folge gezeigt, daß ich richtig geschlossen hatte. Drittens laͤßt sich nach der Koͤl- reuterschen Erklaͤrung kein Grund von dem Daseyn der uͤbri- gen Theile dieser Blumen angeben, noch sich zeigen, was denn fuͤr eine große Kunst in denselben angebracht sey. Warum haben die Blumen eine Krone? Warum enthalten sie Saft? Warum haͤngt jedes Paar Koͤlbchen an einem schwarzen Kaͤppchen? Warum ist das Kaͤppchen so besonders hart? Warum sind zwar die Koͤlbchen, aber nicht das Kaͤppchen verdeckt? Warum laͤßt sich das Kaͤppchen leicht abloͤsen, und zieht, wenn man es in die Hoͤhe hebt (bey den aufrecht stehenden oder gestellten Blumen), zugleich die Koͤlbchen mit heraus? Eine einzige von diesen Fra- gen beantworten zu wollen, konnte Koͤlreutern nicht einmal einfallen. Diese Abhandlung, welche Koͤlreuter nach seinen Vor- laͤufigen Nachrichten ꝛc. herausgegeben hat, beweiset, daß er von seinen Entdeckungen, die Befruchtung der Blumen durch die Insekten betreffend, keinen gehoͤrigen Gebrauch zu machen ge- wußt hat, und daß er diese Befruchtungsart mehr fuͤr etwas Zu- faͤlliges, als fuͤr einen Plan der Natur gehalten haben muͤsse. Denn ob er gleich vorher eingesehen hatte, daß Iris und einige andere Blumen von Insekten befruchtet werden: so fiel ihm doch bey Untersuchung der Asclepias und der verwandten Gattungen Asclepias. nicht einmal der Gedanke ein, ob dieselben etwa auch von den Insekten, welche er haͤufig genug auf denselben angetroffen haben muß, befruchtet werden, sondern er glaubte, daß dieselben auf eine mechanische Art befruchtet werden, und meinte, wer weiß was entdeckt zu haben, da er doch im Grunde nichts entdeckt hat. Der walzenfoͤrmige Koͤrper, welchen Jacquin fuͤr das Stigma haͤlt, ist allerdings das Stigma, Koͤlreuter mag da- gegen einwenden, was er will. Den obersten Theil desselben habe ich von der Asclepias fruticosa abgeschnitten, und durch ein einfaches Vergroͤsserungsglas besehen, welches ich so gestellt hatte, daß die Sonnenstrahlen auf denselben fielen. Hier erblickte ich auf der obersten Oberflaͤche desselben, Fig. 41., viel glaͤnzende Punkte, welche nichts anders als die Feuchtigkeit sind, mit wel- cher die Stigmate versehen zu seyn pflegen. Andere Stigmate sind mit dieser Feuchtigkeit ganz uͤberzogen; hier aber hat dieselbe die Gestalt hoͤchst kleiner von einander abgesonderter Tropfen, welche auch selbst durch das einfache Vergroͤsserungsglas gesehen als Punkte erscheinen. Daß die Fruchtknoten mit dem walzenfoͤrmigen Koͤrper zu- sammenhangen, hat schon Koͤlreuter bemerkt. Das aber hat er nicht gesehen, daß dieser Koͤrper (bey der Asclepias fruticosa wenigstens) in der Mitte seiner obersten Oberflaͤche eine schwache Spalte hat, Fig. 41. Wenn man denselben mit einem Feder- messer der Laͤnge nach dergestalt in zwey gleiche Theile zerschnei- det, daß man sich beym Schnitt nach dieser Spalte richtet, und die von der Natur gleichsam angefangene Theilung fortsetzt und vollendet: so koͤmmt man endlich mit dem Federmesser mitten zwi- schen die beiden Fruchtknoten, ohne einen derselben zu verletzen, und eine jede Haͤlfte des walzenfoͤrmigen Koͤrpers bleibt auf einem von den beiden Fruchtknoten sitzen, Fig. 38. Hieraus folgt, daß dieser Koͤrper eigentlich aus zwey zusammengewachsenen Koͤrpern besteht, deren jeder das befruchtende Wesen, welches er empfan- gen hat, dem Fruchtknoten, an welchen er, obgleich nur lose, angewachsen ist, zufuͤhret. Da wir nun die eigentlichen Antheren und das eigentliche Stigma kennen, so fragt es sich, wie das Oel, welches jene ab- sondern, auf die oberste frey liegende Oberflaͤche dieses gebracht wird. Diese Frage bin ich, nach vielen in verschiedenen Jahren gehabten Erfahrungen und angestellten Untersuchungen, endlich im Stande zu beantworten. Die Befruchtung geschieht durch Fliegen und Wespen auf eine solche Art, von welcher sich kein Kraͤuterkenner bisher etwas hat traͤumen lassen. Diese Blumen fangen Fliegen. In verschiedenen Blumen des Vincetoxicum fand ich Fliegen, welche schon gestorben wa- ren, und mit dem Saugeruͤssel in den Safthoͤhlen fest hingen. Asclepias. In einer anderen fand ich eine kleine gefangene Fliege, welche sich schon lange alle Muͤhe gegeben zu haben schien, sich wieder los zu machen, und schon ganz entkraͤftet war. Das Ende ihres Saugeruͤssels steckte in einer Safthoͤhle, aber nicht im Grunde derselben, sondern an der Seite des walzenfoͤrmigen Koͤrpers, und zwar an dem uͤberaus kleinen schwarzen Kaͤppchen, welches man daselbst findet. Ich riß die Fliege ab, und zog zugleich jenes Kaͤppchen, welches am Saugeruͤssel fest saß, und die an demsel- ben hangenden Koͤlbchen mit heraus. Auf der Asclepias Syriaca fand ich eine Fliege, welche mit einem Fuß in einem schwarzen Kaͤppchen fest saß. Als ich das Bein ein wenig zupfte, so zog ich mit demselben das Kaͤppchen und die beiden Koͤlbchen heraus. In einer andern Blume fand ich mehrere Fliegenbeine, deren vormalige Besitzer sich mit Ver- lust derselben in Freyheit gesetzt hatten. Ein andermal fand ich auf dem Vincetoxicum eine kleine Fliege, welche am Saugeruͤssel war gefangen worden. Sie gab sich alle Muͤhe, sich wieder in Freyheit zu setzen, welches ihr auch endlich gelang. Nachdem ich dieselbe erhascht hatte, so fand ich, daß drey Koͤlbchen an ihrem Saugeruͤssel hingen. Diese Erfahrungen uͤberzeugten mich, daß die Natur sich der Fliegen bedienet, um diese Blumen zu befruchten. Wie aber dies zuginge, war mir immer noch ein Geheimniß, weil ich damals theils noch nicht das eigentliche Stigma kannte, theils immer nur, als bey der Hauptsache, dabey stehen blieb, daß die Fliegen von den Blumen gefangen werden. Unterdessen hatte ich meine Entdeckungen an den Orchisblu- men gemacht, welche mich gelehrt hatten, daß es nicht eigentlich die Absicht der Natur ist, daß Insekten, um eine Blume zu be- fruchten, sterben sollen, sondern daß, wenn dieses geschieht, es ein bloßer Zufall ist, der aber freylich wegen der Art und Weise, wie die Befruchtung durch dieselben geschehen soll, oͤfters vorkom- men muß. Auch hatte ich an der gemeinen Osterluzey die Ent- deckung gemacht, daß die kleinen Fliegen, welche dieselbe besu- chen, zwar eine Zeitlang in derselben eingesperrt sind, doch aber nicht in diesem Gefaͤngniß sterben, sondern, nachdem sie die Be- fruchtung vollendet haben, aus demselben unbeschaͤdigt wieder herausgelassen werden. Hieraus machte ich nun den Schluß, daß auch bey der Asclepias es nicht eigentlich darauf angesehen sey, daß die Flie- gen gefangen werden, und jaͤmmerlich sterben sollen, sondern daß sie, wenn sie mit einem Fuß ein Kaͤppchen beruͤhren, und dieses jenen ergrelft und festhaͤlt, das Kaͤppchen abloͤsen, und die an demselben hangenden Koͤlbchen aus ihren Faͤchern herausziehen, und auf das Stigma bringen sollen. Asclepias. Im letzt vergangenen Jahr gab mir Asclepias fruticosa Ge- legenheit, das wahre Stigma kennen zu lernen, und verschaffte mir zugleich eine Erfahrung, welche mich dem Ziel meiner Unter- suchungen naͤher brachte. Ich hatte nemlich einige Blumen in ein mit Wasser angefuͤlltes Glas gesetzt, und das Glas an die freye Luft gestellt. In der Mittagsstunde eines sehr schoͤnen Ta- ges fand ich auf einer von denselben eine sehr kleine Fliege in der groͤßten Thaͤtigkeit. Bald schlupfte sie in eine Saftmaschine, welches sehr artig aussahe, und hielt sich eine ziemliche Weile in derselben auf. Bald lief sie auf allen Theilen der Blume umher. Jetzt war sie auf der Krone, dann auf dem schmalen Zwischen- raum zwischen den Saftmaschinen, wo die Falte ist, an deren Ende das schwarze Kaͤppchen sitzt, dann auf dem Stigma, dann wieder in einer Saftmaschine. Nachdem ich ihr eine Zeitlang zu- gesehen hatte, so war ich unentschlossen, ob ich sie fangen sollte, um sie abzeichnen zu koͤnnen, oder ob ich es abwarten sollte, wie lange sie sich auf dieser Blume aufhalten wuͤrde. Das letztere schien mir wichtiger zu seyn; ich stoͤrte sie daher nicht. Es waͤhrte ungefaͤhr eine halbe Stunde, daß sie sich auf dieser Einen Blume aufhielt, und zwar immer mit derjenigen ungemeinen Thaͤtigkeit, Munterkeit, und, moͤchte ich sagen, Lustigkeit, welche ich gleich anfangs bemerkt hatte. Hier sahe ich nun ein, daß wenn eine solche Fliege diese Blume besucht, und sich so lange auf derselben aufhaͤlt, und auf allen Theilen derselben umherlaͤuft, es leicht geschehen kann, daß sie mit einem Fuß eines von den Kaͤppchen beruͤhrt, und, weil dasselbe sogleich an demselben festsitzt dasselbe abloͤset, und mit demselben die beiden Koͤlbchen herauszieht, daß sie dieselben, indem sie fortfaͤhrt auf allen Theilen der Blume umherzulaufen, auch auf das Stigma schleppen muß, da denn die Koͤlbchen das Oel, welches sie absondern, auf demselben sitzen lassen, welches sich hierauf mit der Feuchtigkeit oder dem Oel des Stigma vermischt, und so durch den walzenfoͤrmigen Koͤrper in die Fruchtknoten gefuͤhrt wird, wodurch also die letzteren befruch- tet werden. Nun kam es bloß noch darauf an, ob wirklich die Fliegen mit den Fuͤßen die Koͤlbchen aus den Beutelchen herausziehen, welches ich an dieser Fliege nicht bemerkt hatte. Um mich hieruͤber durch die Erfahrung belehren zu lassen, begab ich mich am 22. Au- gust nach dem Schloßgarten in Charlottenburg, aus welchem ich die Blumen erhalten hatte. Diesen Tag waͤhlte ich mit gutem Vorbedacht. Denn es war an demselben das schoͤnste und fuͤr einen Blumenforscher erwuͤnschteste Wetter. Am 19. und 20. hatte es, beym Westwinde, anhaltend geregnet, doch ohne Don- ner und Blitz. Am 21. hatte der Ostwind dieses Regengewoͤlke, doch nicht zusammenhangend, wie vorher, sondern abgebrochen, und Asclepias. und mit Donner und Blitz, wieder nach Westen zuruͤckgejagt, so daß nun am ganzen Himmel kein Woͤlkchen zu sehen war. Ob nun gleich die Sonne ziemlich heiß schien, so wurde doch die Hitze durch den frischen Ostwind gemaͤßigt. Die Pflanzen, durch den Regen der vorhergehenden Tage erquickt, bluͤheten herrlich, und die Insekten, durch eben diesen Regen verhindert, die Blumen zu besuchen, fielen nun mit desto groͤsserer Begierde uͤber dieselben her. Unterwe ae s machte ich eine Beobachtung, die mir um so viel angenehmer war, da ich schon lange, wiewohl vergebens, dieselbe zu machen gewuͤnscht hatte. Ich hatte nemlich eingesehen, daß Antirrhinum Linaria von einem etwas großen Insekt, wel- ches jedoch kleiner waͤre, als die groͤßten Hummeln, befruchtet werden muͤsse. Ich hoͤrte jetzt das Summen einer Hummel, ging demselben nach, und fand dieselbe auf den Blumen der Li- naria in voller Arbeit. Da sie nicht groͤsser war, als eine Biene, so hatte sie, um zum Saft zu gelangen, nicht noͤthig, ein Loch in das Horn, welches denselben enthaͤlt, zu beißen, wie die groͤßten Hummeln thun, sondern sie kroch durch den von der Na- tur gemachten Eingang hinein, woraus erhellet, daß sie die Blume befruchtet. In der Mittagsstunde kam ich in dem Garten an, und fand auf den daselbst befindlichen Stauden der Asclepias fruticosa eine Menge Fliegen und Wespen. Ich bemerkte so- gleich, daß eine Fliege an einem Vorderfuß ein Koͤlbchen sitzen hatte. Sie mußte dasselbe erst kurz vorher herausgezogen haben, denn sie bemuͤhete sich, dasselbe wieder los zu werden, indem sie beide Vorderbeine umeinander schlang, wie die Fliegen zu thun pflegen, wenn sie mit denselben Staub von den Antheren abge- streift haben, und denselben wieder los werden wollen. Indessen war ihre Bemuͤhung vergebens, das Koͤlbchen blieb hangen, und ward von ihr allenthalben mitgeschleppt. Auf den Blumen einer andern Staude fand ich eine kleine Wespe, welche auch an einem Fuß ein Koͤlbchen hangen hatte, und mit demselben ihrer Nah- rung nachging. Auf solche Art hatte ich zu meinem groͤßten Ver- gnuͤgen die Absicht meiner Reise voͤllig erreicht, indem die Erfah- rung meine Vorstellung von der Art und Weise, wie die Insekten diese Blume befruchten, bestaͤtigt hatte. Es hat also mit der Einrichtung der Asclepias fruticosa und mit ihrer Befruchtung folgende Bewandniß. Weil diese Blume von Fliegen und Wespen, welche nicht, wie die Bienen, Staub sammlen, befruchtet werden soll: so ist sie eine Saftblume. Damit sie von diesen Insekten leicht bemerkt werden koͤnne, so hat sie eine Krone. Zu gleichem Endzweck ha- ben einige Arten einen Geruch, welcher bey der Asclepias Sy- riaca sehr angenehm, bey der Stapelia hirsuta aber sehr unange- nehm ist; bey dieser Art habe ich keinen Geruch wahrgenommen. Asclepias. Die Saftmaschinen haben eine andere Farbe, als die Krone, wel- cher Unterschied bey andern Arten staͤrker in die Augen faͤllt, als bey dieser, damit die Insekten, nachdem sie sich auf die Blume gesetzt haben, durch diese besondere Farbe angewiesen werden, in den Saftmaschinen den Saft zu suchen. Die maͤnnlichen Koͤlb- chen stecken, so lange sie nicht zur Befruchtung angewandt wer- den, in besonderen Beutelchen oder Faͤchern, damit das befruch- tende Oel, welches sie absondern, nicht vom Regen verdorben werde. Das schwarze Kaͤppchen hingegen, an welchem sie han- gen, sitzt frey, damit ein Insekt dasselbe leicht mit einem Fuß be- ruͤhren koͤnne. Es ist sehr hart, und hat vermuthlich die Gestalt und Elasticitaͤt eines Fangeisens (das einfache Mikroskopium gab mir hieruͤber nicht die gehoͤrige Auskunft), damit, sobald ein Flie- genfuß zwischen die beiden Theile desselben geraͤth, sie zusammen- fahren, und denselben festhalten. Ich schließe dies aus demjeni- gen, was Koͤlreuter bemerkt hat. Die Kaͤppchen, sagt er, haben eine gewisse Aehnlichkeit mit einem zweyfaͤcherichten verhaͤr- teten, oder vertrockneten Staubkoͤlbchen. Wenn nun diese Kaͤpp- chen an die Falten, an deren Ende sie sitzen, angewachsen waͤren, wie Koͤlreuter sagt: so wuͤrde dieses sehr zweckwidrig seyn, weil es dadurch den Insekten schwer, wenn nicht gar unmoͤglich gemacht seyn wuͤrde, dieselben abzuloͤsen. Er hat sich aber hierin geirrt. Denn wenn man die Spitze einer Nadel in eine Falte steckt, und die Nadel abwaͤrts zieht, so daß die Spitze in der Falte bleibt: so loͤset man das Kaͤppchen mit einer solchen Leich- tigkeit ab, daß man wohl merken kann, daß dasselbe keinesweges angewachsen ist. Warum das Kaͤppchen an dem Ende einer sol- chen Falte sitzt, ist nicht schwer einzusehen. Denn da die Kaͤpp- chen uͤberaus klein sind, so wuͤrde es selten geschehen, daß eine Fliege mit einem Fuß eines derselben beruͤhrte; da aber die Fal- ten ziemlich lang sind, so geraͤth der Fliegenfuß leichter in eine Falte, als an ein Kaͤppchen. Und daß derselbe noch leichter in eine Falte gerathe, dazu dient folgende Anstalt, Fig. 5. Erstens ist der kurze und dicke Stiel e f , auf welchem die Saftmaschinen befestigt sind, sehr glatt. Er hat fuͤnf Seiten, welche mit den Saftmaschinen abwechseln, und ein wenig ausgehoͤhlt sind. Der oberste Rand der Saftmaschinen b l und b m macht mit dem Stiele einen spitzen Winkel, doch so, daß der Scheitel des Win- kels nicht spitz, sondern bogenfoͤrmig gekruͤmmt ist, folglich der Rand sich in den Stiel nach und nach verlieret. Dabey ist dieser Rand eben so glatt, als der Stiel, so wie er denn auch eben so gefaͤrbt ist, nemlich blaßviolett. Dieser glatte Theil der Blume, welchen jener Stiel und jene Raͤnder ausmachen, ist in Fig. 11. von oben gesehen abgebildet. Eine von den fuͤnf Seiten desselben ist Fig. 5. b l i k m b. Nun muß eine Fliege oder eine Wespe, K Asclepias. welche sich auf die Blume gesetzt hat, und zwar in umgekehrter Stellung, weil sie in dieser am bequemsten ihren Saugeruͤssel in die Saftmaschinen hineinstecken kann, oftmals, um sich fest zu halten, einen Fuß auf diesen Theil setzen. Wegen der Glaͤtte desselben kann der Fuß auf demjenigen Punkt, auf welchen er zufaͤlligerweise gesetzt worden ist, nicht haften, sondern gleitet herab bis an den Winkel b. Sobald er bis dahin gekommen ist, geraͤth er in den obersten etwas weiteren Theil der Falte a b. Zweytens haben die Saftmaschinen an beiden Seiten einen sehr duͤnnen, aber ziemlich breiten Ansatz c d und g h , welcher un- mittelbar uͤber jener Falte befindlich ist. Sobald nun das Insekt einen Fuß auf einen von diesen Ansaͤtzen gesetzt hat, welches oft- mals geschehen muß, biegt sich dieser, weil er sehr duͤnne ist, um, und der Fuß gleitet von ihm herab, und geraͤth in die Falte a b. Wenn nun das Insekt seine Stellung ein wenig aͤndert, so ruͤckt auch der Fuß fort. Es ist aber natuͤrlicher, daß derselbe in der Falte bleibe, und sich innerhalb derselben fortbewege, als daß er aus derselben herauskomme, weil das Letztere dem Insekt einige Muͤhe verursachen wuͤrde. Sobald er nun auf solche Art an das Ende der Falte koͤmmt, so beruͤhrt er das Kaͤppchen a , welches denselben sogleich festhaͤlt. Wann das Insekt merkt, daß es mit einem Fuß fest sitzt, so faͤngt es an zu ziehen, um denselben wie- der los zu machen. Hat es nun grade eine solche Stellung, daß es das Kaͤppchen niederwaͤrts zieht, so loͤset es dasselbe ab, und zieht die an demselben hangenden Koͤlbchen aus ihren Beutelchen heraus. Hat es aber eine solche Stellung, daß es das Kaͤppchen in die Hoͤhe zieht, so kann es dasselbe mit den Koͤlbchen nicht herausziehen, sondern es reißt entweder das Kaͤppchen von den Koͤlbchen ab, wenn es stark ist, oder bleibt, wenn es klein und schwach ist, an demselben hangen, und wird auf solche Art ge- fangen. Wenn es im ersten Fall ein Paar Koͤlbchen herausge- zogen hat, so bemuͤhet es sich, wiewohl vergebens, dasselbe los- zumachen. Es faͤhrt also in seinem, durch diesen kleinen Zufall unterbrochenen, Geschaͤft fort, und schleppt die Koͤlbchen allent- halben mit umher, folglich auch auf das Stigma, welches eben deswegen von ansehnlicher Groͤsse ist, damit dieses desto leichter und unausbleiblicher geschehe. Auf solche Art erhaͤlt das Stigma etwas von dem Oel der Koͤlbchen, worauf die Befruchtung der Fruchtknoten so vor sich geht, als ich oben gesagt habe. Aus dieser Vorstellung von der Befruchtungsart dieser Blume laͤßt sich der oben beruͤhrte Umstand leicht erklaͤren, daß nemlich die wenigsten Blumen Fruͤchte ansetzen. Manche Blume ver- bluͤhet, ohne von einem Insekt besucht worden zu seyn, beson- ders wenn es, so lange sie gebluͤhet hat, schlechtes Wetter gewe- sen ist. Andere Blumen koͤnnen von einem Insekt besucht wer- Asclepias. den, ohne daß es sich jedesmal so trifft, daß dasselbe ein Paar Koͤlbchen herauszieht, oder, wenn dies geschehen ist, daß es die- selben uͤber das Stigma hinuͤber schleift. Ob nun gleich die meh- resten Blumen unbefruchtet bleiben, so erreicht dennoch die Na- tur ihre Absicht, nemlich die Erhaltung und Fortpflanzung der Art. Um einzusehen, wie sehr sich Koͤlreuter geirrt hat, darf man nur mit seiner Erklaͤrung den Umstand vergleichen, daß die Insekten die Koͤlbchen aus den Beutelchen herausziehen. Aus seiner Erklaͤrung wuͤrde folgen, daß die Natur diese und die uͤbrigen hieher gehoͤrigen Blumen nur darum so kuͤnstlich gebauet, so schoͤn gezieret, mit einem so angenehmen oder un- angenehmen Geruch begabt, und mit Saft versehen habe, da- mit Insekten dieselben besuchen, die Koͤlbchen aus den Beutel- chen herausziehen, und dadurch die Befruchtung derselben un- moͤglich machen. Laͤßt sich wohl etwas ungereimteres ge- denken? Was den so eben beruͤhrten unangenehmen Geruch betrifft, so gehoͤrt hieher Stapelia hirsuta. Wahlboom sagt in seiner oben angefuͤhrten Dissertation, daß diese Blume wie Luder stinkt, und daß, durch diesen Gestank gelockt, die fleischfressen- den Fliegen dieselbe haͤufig besuchen. Auch dieses laͤßt sich aus meiner Vorstellung von der Befruchtung sehr leicht erklaͤren. Denn so wie die meisten Blumen einen den Menschen ange- nehmen Geruch haben, damit Bienen, Hummeln und andere Insekten, denen dieser Geruch auch angenehm ist, durch den- selben gereizt werden, dieselben zu besuchen: eben so haben an- dere einen den Menschen unangenehmen, oder wohl gar hoͤchst widrigen und unausstehlichen Geruch, damit andere Insekten, welche einen solchen Geruch lieben, dieselben besuchen. Stape- lia hirsuta stinkt also bloß deswegen wie Luder, damit die Fleisch- und Luderfliegen, denen dieser Geruch hoͤchst lieblich ist, dieselbe besuchen und befruchten. Bienen und Hummeln werden dieselbe gewiß nicht besuchen, weil sie einen solchen Ge- stank verabscheuen. In Gleditschs vermischten Abhandlungen finde ich eine Stelle, welche mir sehr merkwuͤrdig zu seyn scheint. Er sagt nemlich (Th. 3. S. 152.), daß gewisse Pflanzen, welche nebst einer ausnehmenden Schaͤrfe, zugleich in ihrer Grundmischung etwas betaͤubendes und fluͤchtiges enthalten, die Bienen toͤdten, welche ihre Blumen besuchen. Als ein Beyspiel solcher Pflanzen fuͤhrt er die Arten der Asclepias und des Cynanchum an. Hieraus folgt also erstens, daß die Bienen zur Befruchtung dieser Blumen keinesweges bestimmt sind. Dieses wird noch wahrscheinlicher, wenn man bedenkt, Asclepias. auf welche Artsie andere Blumen, fuͤr welche sie wirklich bestimmt sind, befruchten, welches so geschieht, daß sie den Staub der Antheren mit ihrem haarichten Koͤrper abstreifen, und denselben auf das Stigma bringen, keinesweges aber so, wie die Fliegen die Asclepias und die Orchishlumen befruchten. Wenn also junge Bienen, die noch unerfahren und dabey vorwitzig sind, dennoch solche Blumen besuchen, so muͤssen sie ihre unzeitige Neugierde und Luͤsternheit mit dem Tode buͤßen. Zweytens faͤllt mir bey dieser Stelle die kleine Fliege ein, welche ich, wie ich oben er- zaͤhlt habe, eine halbe Stunde lang auf einer einzigen Blume der Asclepias fruticosa beobachtet habe. Ihr ganzes Betragen gab zu erkennen, daß sie etwas fluͤchtiges und berauschendes mußte genossen haben. Ich kann mich nicht erinnern, daß ich jemals an einer Fliege oder einem andern Insekt etwas aͤhnliches bemerkt habe. Sie glich, um es kurz zu sagen, einem Menschen, der sich in einem herrlichen Wein einen maͤßigen Rausch getrunken hat, und dadurch in den hoͤchsten Grad der Lebhaftigkeit, Mun- terkeit und Lustigkeit versetzt worden ist. Wenn der Saft dieser Blume wirklich eine berauschende Eigenschaft hat, so kann nichts zweckmaͤßiger seyn. Denn die durch denselben in die groͤßte Thaͤ- tigkeit versetzten Fliegen laufen auf allen Theilen der Blume um- her, und muͤssen desto unausbleiblicher die Koͤlbchen aus den Faͤchern herausziehen, und auf das Stigma schleppen. Ascle- pias Syriaca scheint fuͤr die Hummeln eine betaͤubende Wirkung zu haben. Denn ich fand zwey große bunte Hummeln auf der- selben, welche ungemein traͤge waren, sich willig fangen ließen, und, wann ich sie wieder los ließ, nicht einmal davon flogen, und jenen traͤgen Fliegen vollkommen glichen, welche die Berberis vulgaris befruchten; da sie doch gewoͤhnlich sich ganz anders ver- halten, und, sobald sie merken, daß man ihnen nachstellt, so- gleich die Blumen verlassen, und davon fliegen. Schließlich bemerke ich noch, daß die Erscheinung, daß die Fliegen und Wespen Koͤlbchen an ihren Fuͤßen sitzen haben, bey schoͤnem Wetter nicht etwas seltenes, sondern etwas gewoͤhn- liches ist. Denn ich habe in der Folge noch einigemal in dem Charlottenburgischen Schloßgarten die Blumen beobachtet, und jedesmal verschiedene Insekten, besonders Wespen, auf densel- ben angetroffen, welche ein, zwey oder drey Koͤlbchen an einem, zuweilen auch an mehrern Fuͤßen sitzen hatten. Einige von den- selben habe ich gefangen, und bewahre sie noch auf. Man wird sich also von der Wahrheit desjenigen, was ich gesagt habe, durch die Erfahrung leicht uͤberzeugen koͤnnen, wenn man die Blumen bey schoͤnem Wetter, besonders in den Mittagsstunden, beobachtet; denn bey schlechtem Wetter wird man wenig oder gar keine Insekten auf denselben antreffen. Man wird auch an vie- Vlmus. Heuchera. Gentiana. len Blumen, wenn man sie genau besieht, bemerken, daß Ein oder mehrere Paare Koͤlbchen fehlen. Nun koͤnnen aber dieselben nicht von selbst herausfallen; folglich muͤssen sie von Insekten herausgezogen worden seyn. Vlmus. Vlmus effusa Wildenow. (Fl. Berol.) Ruͤster. Tab. IX. 44. 45. 45. Die vergroͤsserte Bluͤthe. 44. Der noch staͤrker vergroͤsserte Fruchtknoten. Da Diese Blume von den Bienen haͤufig besucht wird, so koͤnnte man daraus schließen, daß sie Saft enthalte, und daß der mittelste dickere giatte und etwas gelblichere Theil des Fruchtkno- tens die Saftdruͤse, der Kelch aber der Safthalter sey. Da sie aber weder einen Geruch, noch eine Krone hat, ihr Kelch auch weder so groß, noch so ansehnlich gefaͤrbt ist, daß man annehmen koͤnnte, er solle die Stelle der Krone vertreten: so kann sie keine Saftblume seyn; wie ich denn auch niemals Saft in derselben gefunden habe. Folglich besuchen sie die Bienen bloß des Stau- bes wegen. Heuchera. Heuchera Americana. Diese Pflanze gehoͤrt mit der Saxifraga zu Einer natuͤrlichen Gattung, und unterscheidet sich von den uͤbrigen Arten bloß dadurch, daß sie nicht zehn, sondern fuͤnf Staubgefaͤße hat. Ihr ganzes Ansehen beweiset dieses, wenn man sie z. B. mit der Saxifraga Geum oder vmbrosa ver- gleicht. Sie gehoͤrt zu eben der Abtheilung, zu welcher Saxifraga granulata gehoͤrt. Ich meine aber nicht die vier Abtheilungen, welche Linn é nach dem aͤußeren Ansehen der Pflanzen gemacht hat, sondern die zwey Abtheilungen, welche man nach der Struk- tur der Blumen machen koͤnnte. Im Grunde des Kelchs findet man Saft. Die Blumen sind an dem obersten Theil des langen blaͤtterlosen Stengels befindlich, und fallen daher, obgleich eine jede klein ist, zusammengenommen den Insekten schon von weitem in die Augen. Die zinnoberfarbenen Antheren tragen hierzu nicht wenig bey. Die langen Filamente und Griffel scheinen zur Ab- haltung der Regentropfen vom Saft zu dienen. Gentiana. Gentiana Pneumonanthe . Tab. X. 8—17. 36. 37. 8. Die die Nacht hindurch geschlossen gewesene Blume, welche des Morgens anfaͤngt sich wieder zu oͤffnen, in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. K 2 Gentiana. 9. Dieselbe, nachdem sie sich voͤllig geoͤffnet hat. 10. Eine juͤngere Blume, von welcher das oberste Stuͤck der Krone weggeschnitten worden. 11. Die aufgeschnittene und flach ausgebreitete Krone, nach- dem die Antheren von einander getrennt worden. 13. a der unterste Theil des Fruchtknotens, b die Saftdruͤse, c die umgeschlagene Krone. 12. Die Saftdruͤse im Queerdurchschnitt. 14. Ein Staubgefaͤß von der Seite, nebst dem Stuͤck der Krone, an welches es angewachsen ist. 15. Ein Stuͤck des obersten Theils der Krone. 16. Der Queerdurchschnitt der Blume bey a Fig. 8. 17. Die Blume, in welche man von oben hineinsieht, ohne Schatten. 36. Der oberste Theil des Pistills in der juͤngeren Blume, Fig. 10., welches noch kein Stigma hat, da die Antheren Staub haben. 37. Der oberste Theil des Pistills in der aͤlteren Blume, welches ein Stigma hat, da die Antheren keinen Staub mehr haben. 1. Die Saftdruͤse ist der Koͤrper, welcher das Pistill traͤgt, und dunkelgruͤn ist, da dieses blaß- oder gelblichgruͤn ist. Er hat die in Fig. 13. und 12. abgebildete Gestalt. Auf den fuͤnf groͤsse- ren Winkeln desselben liegt die Basis der mit der Kronenroͤhre zusammengewachsenen Filamente, und auf den fuͤnf kleineren lie- gen die dickeren Streife der Kronenroͤhre zwischen den Fila- menten. 2. In den roͤhrenfoͤrmigen Zwischenraͤumen zwischen dem untersten Theil des Fruchtknotens und der Kronenroͤhre steigt der Saft in die Hoͤhe. 3. Da die Blume eine aufrechte Stellung und eine weite Oeffnung hat, so muͤssen, wenn es regnet, Regentropfen in die- selbe hineinfallen. Diese koͤnnen aber nicht zum Saft gelangen, weil die Antheren, da sie zusammengewachsen sind, verursachen, daß die Filamente am Fruchtknoten dicht anliegen, und folglich die Roͤhre der Krone in fuͤnf kleinere Roͤhren getheilet ist, welche keinen Regentropfen durchlassen. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die blaue Krone ist mit vielen sehr kleinen weißlichen Kreisen, welche einen braͤun- lichen Mittelpunkt haben, geziert, Fig. 11. 15. Im Grunde derselben wechseln weißliche Streifen mit blauen ab, Fig. 11. 17., und fuͤhren die Insekten unmittelbar zum Saft. Da nun die Blume ein Saftmaal hat, so muß sie eine Tagesblume seyn. Gentiana. Dies bestaͤtigt die Erfahrung. Denn des Nachts schließt sich die Krone dicht zu, so daß der oberste Theil derselben die Gestalt eines Kegels hat. Sie ist nemlich, Fig. 15., oberwaͤrts zehnmal ge- falzt, bey e einwaͤrts und bey f auswaͤrts, und ihr Rand ist in fuͤnf Abschnitte getheilet, deren jeder in der Mitte eingeschnitten ist. Wenn sie sich nun schließen will, so werden die Winkel der Falze immer spitzer, bis die Spitzen der Abschnitte a alle zusam- menkommen. 5. Ich fand in der Blume schwarze und gelbe Blasenfuͤße, desgleichen ein kleines gelbes Insekt, welches die Gestalt einer Spinne hat, und welches ich in mehrern Blumen angetroffen habe. Dieses Thierchen siehet man immer mit großer Geschaͤf- tigkeit in den Blumen umherlaufen. Indessen glaube ich nicht, daß diese Blume von diesen kleinen Insekten, sondern von einem groͤsseren befruchtet wird. Daß sie aber von irgend einem In- sekt, keinesweges aber auf eine mechanische Art befruchtet wird, erhellet daraus, daß sie ein Dichogamist von der maͤnnlich-weib- lichen Art ist. Denn wann die Antheren bluͤhen, oder voller Staub sind, Fig. 10., so ist der oberste Theil des Pistills noch nicht getheilt, Fig. 36., und befindet sich nach innerhalb der Roͤhre, welche die Antheren bilden, Fig. 10. Da also das Stigma noch nicht vorhanden ist, so kann es von den Antheren keinen Staub erhalten. Und wenn es auch schon vorhanden waͤre, so koͤnnte es doch nicht bestaͤubt werden, da der Staub nicht auf der inneren, sondern auf der aͤußeren Seite der Antherenroͤhre be- findlich ist. So lange aber die Antheren bluͤhen, faͤhrt das Pistill fort zu wachsen, und nachdem jene ihren Staub verloren haben, raget der oberste Theil dieses so weit uͤber jene hinweg, daß seine beide Haͤlften, deren innere Seite das eigentliche Stigma ist, sich von einander begeben und spiralfoͤrmig kruͤmmen koͤnnen, Fig. 37. Dieses Stigma aber kann von den Antheren keinen Staub erhal- ten, da dieselben keinen mehr haben, und schon ganz vertrocknet sind. So wie aber ein etwas großes Insekt nicht in die juͤngere Blume hineinkriechen kann, ohne mit irgend einem Theil seines Koͤrpers den Staub von den Antheren abzustreifen: eben so kann es hernach auch nicht in eine aͤltere Blume hineinkriechen, ohne mit diesem bestaͤubten Theil seines Koͤrpers das Stigma zu beruͤh- ren, weil sich dieses an eben der Stelle befindet, wo in der juͤn- geren Blume die Antheren sind. Folglich wird die aͤltere Blume von einem Insekt durch den Staub der juͤngeren Blume be- f ruchtet. Gentiana Centaurium. Tausendguͤldenkraut. In dieser Blume habe ich keinen Saft gesunden, ob ich sie gleich oft- mals und zu verschiedenen Jahreszeiten untersucht habe. Die Schirmblumen. Die Schirmblumen. Conium maculatum. Schierling. Tab. IX 42. 43. 42. Die Haͤlfte des Pistills, nachdem die Blume verbluͤhet ist, von der Seite, und 43. von oben gesehen. Die (punktirte) Saftdruͤse. Chaerophyllum syluestre. Kaͤlberkropf. Tab. IX. 46. 47. 49. 46. Die erwachsene Frucht. 47. Das Scheinpistill einer maͤnnlichen Blume einer von den spaͤtesten Dolden. 49. Das wirkliche Pistill einer Zwitterblume einer fruͤheren Dolde. Heracleum Sphondylium. Baͤrenklau. Tab. X. 1—4. 1. Die vergroͤsserte juͤngere Blume, von oben gesehen. 2. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung, von der Seite gesehen. 3. Das Pistill zur Bluͤhezeit. 4. Die erwachsene Frucht. Aethusa Cynapium. Gleiße. Tab. X. 5—7. 5. Die vergroͤsserte aͤltere Blume von oben gesehen. Unter dieser Figur a ein Kronenblatt, von oben, b, von der Seite ge- sehen. 6. 7. Die junge Frucht. Imperatoria Ostruthium. Meisterwurz. Tab. IV. 40—42. 40. Das Pistill zur Zeit der Bluͤthe. 42. Dasselbe nach derselben. 41. Das Scheinpistill einer maͤnnlichen Blume aus einer von den letzten Dolden, welche fast lauter maͤnnliche Blumen haben. Aegopodium Podagraria. Giersch. Zipperlein- kraut. Tab. IV. 14. Die junge Frucht. Ligusticum Leuisticum. Liebstock. Tab. IV. 38. 39. 38. Die Blume, nachdem sie die Staubgefaͤße und Kronen- blaͤtter verloren hat. 39. Dieselbe, nachdem sie noch aͤlter geworden ist. Laserpitium Prutenicum . Tab. IV. 43. Tab. VI. 32. 33. Tab. IV. 43. Das Pistill der verbluͤheten Blume. Der Fruchtknoten ist haaricht und gruͤn, da die (punktirte) Saftdruͤse glatt und weiß ist. Nach einiger Zeit bekoͤmmt sie eine roͤthliche Farbe, da der Fruchtknoten gruͤn bleibt. Die Schirmblumen. Tab. VI. 32. Eine juͤngere Blume, deren Antheren bluͤ- hen, deren Griffel aber noch sehr klein sind, und dicht an einan- der stehen. 33. Eine aͤltere Blume, welche die Staubgefaͤße schon abge- worfen hat, deren Griffel aber ihre voͤllige Laͤnge erreicht, und sich von einander begeben haben. 1—3. Obgleich Linn é bey keiner Gattung der Schirmblumen ein Nectarium bemerkt hat, so sind doch dieselben insgesamt Saft- blumen. Die Saftdruͤse ist der oberste Theil des Fruchtknotens, welcher sich innerhalb der Krone befindet. Sie unterscheidet sich durch ihre mehrentheils weiße, zuweilen gelbe Farbe von dem ei- gentlichen Fruchtknoten, welcher gruͤn ist, wie auch durch ihre Glaͤtte, da der Fruchtknoten in manchen Arten haaricht ist. Eben diese Saftdruͤse ist zugleich der Safthalter. Da nun der auf der- selben befindliche Saft an der freyen Luft liegt, und durch nichts gedeckt wird, so scheint derselbe vor dem Regen keinesweges ge- schuͤtzt zu seyn. Allein erstens ist derselbe nicht eigentlich fuͤr Bie- nen und Hummeln bestimmt, welche in Ansehung des Safts sehr ekel sind, und einen mit Regenwasser vermischten Saft verschmaͤ- hen, da sie sich aus andern Blumen einen solchen Saft zu ver- schaffen wissen, der schlechterdings nicht vom Regen verdorben werden kann. Sondern derselbe ist hauptsaͤchlich fuͤr Fliegen und andere unedlere Insekten bestimmt. Weil diese zu dumm sind, um den in andern Blumen tief versteckten und vor dem Regen voͤllig gesicherten Saft ausfindig zu machen: so haben sie keinen so feinen Geschmack, als die Bienen und Hummeln, sind in der Wahl desselben nicht so ekel, sondern nehmen auch mit einem durch den Regen verdorbenen Saft vorlieb. Manche von denselben sind sogar so dumm, und haben einen so wenig feinen Geschmack, daß sie oft einen Regentropfen, welchen sie auf einem von den aͤußeren Theilen der Blumen antreffen, fuͤr Saft halten, und sich denselben wohlschmecken lassen, unterdessen Bienen und Hum- meln den tief versteckten Saft aus diesen Blumen herausholen. Zweytens, eben der Umstand, der diesen Blumen in Ansehung des Regens nachtheilig ist, ist ihnen auch in Ansehung desselben vortheilhaft. Weil nemlich der auf eine Saftdruͤse gefallene Regen- tropfen eben so an der freyen Luft liegt, als der Saft, und eben so den Sonnenstrahlen, wann der Regen voruͤber ist, ausgesetzt ist, als dieser dem Regen ausgesetzt war: so muß derselbe bald verduͤnsten und abtrocknen. Dies muß um so viel leichter und geschwinder geschehen, da die Blumen mehrentheils auf sehr hohen Stengeln und Zweigen sich befinden, welche der Wind tuͤchtig hin und her schuͤttelt, und folglich nicht nur viel Regen- tropfen herabwirft, sondern auch verursacht, daß die uͤbrig blei- benden desto eher verduͤnsten, weil sie immer von neuen Lufttheil- K 3 Die Schirmblumen. chen beruͤhrt werden. Wann nun auf solche Art die Regentropfen fortgeschafft worden sind, so fahren die Saftdruͤsen fort, Saft ab- zusondern, und die Insekten treffen auf denselben einen reinen und unverdorbenen Saft an. Endlich drittens finde ich auch bey den mehrsten Arten eine Anstalt, welche sich bloß auf die Abhal- tung der Regentropfen vom Saft zu beziehen scheint. Dies ist die besondere Gestalt der Kronenblaͤtter, welche herzfoͤrmig ein- waͤrts gebogen sind, Tab. X. 1. 2. 5. a. b. Wenn ein Regen- tropfen auf ein solches Kronenblatt gefallen ist, so muß er da, wo dasselbe einwaͤrts umgebogen ist, haften, weil er hier von mehrern Seiten, folglich am staͤrksten, angezogen wird. Ob nun gleich also die Kronenblaͤtter den Saft vor dem Regen nicht schuͤtzen koͤnnen, wie in andern Blumen, so sind sie doch so ein- gerichtet, daß wenigstens diejenigen Regentropfen, welche sie selbst empfangen haben, den Saft nicht beruͤhren und verder- ben koͤnnen, sondern immer in einer gewissen, obgleich kleinen, Entfernung von demselben stehen bleiben. 4. Die Blumen, wenn sie einzeln stuͤnden, wuͤrden wegen ih- rer Kleinheit den Insekten nicht sonderlich in die Augen fallen. Da ihrer aber sehr viele in der Gestalt einer Dolde, welche oft eine ansehnliche Groͤsse hat, auf hohen Stengeln und derselben Zweigen sitzen: so koͤnnen sie schon von weitem von den Insekten bemerkt werden. Die mehresten Arten haben keinen Geruch, als Imperatoria Ostruthium, Angelica Archangelica, Chaero- phyllum syluestre; Aegopodium Podagraria aber hat einen angenehmen suͤßen Geruch. Ein Saftmaal koͤnnen sie nicht ha- ben, da der Saft ganz frey liegt, und den Insekten bey Er- blickung der Blume sogleich in die Augen faͤllt. Die Ursache, warum manche Arten gleiche und regulaͤre, andere aber ungleiche und irregulaͤre Kronen haben, ist schon bey der Scabiosa colum- baria angezeigt worden. 5. Die Blumen aller derer Arten, welcheich bisher beobachtet habe, werden von allerley Insekten haͤufig besucht. Insonderheit finden sich allerley Fliegen in Menge auf denselben ein. Bey schoͤnem Wetter, besonders in den Mittagsstunden, sieht man die Dolden voller Insekten, welche sich aber nicht lange auf einer je- den Blume aufhalten, weil sie mit dem Saft derselben bald fertig werden, sondern von einer Blume zur andern laufen, und von einer Dolde auf die andere fliegen, und dabey den Saft der Blu- men, uͤber welche sie hinweglaufen, schnell ablecken. Die großen Dolden der Angelica Archangelica und syluestris, und des Heracleum Sphondylium sind ein wahrer Tummelplatz der In- sekten. Auch Ameisen gehen dem Saft nach, welche ich z. B. auf dem Koͤrbel ( Scandix Cerefolium ) gefunden habe. Die Schirmblumen. Daß nun diese Blumen insgesamt von den Insekten befruch- tet werden, folgt unwidersprechlich daraus, daß bey ihnen die Dichogamie, und zwar die maͤnnlich-weibliche, Statt findet, Tab. VI. 32. 33. Denn die juͤngere Blume hat zwar Antheren, aber noch keine Stigmate, und die aͤltere hat zwar Stigmate, aber keine Antheren mehr. Noch auffallender ist diese Einrichtung beym Liebstock, Tab. IV. 38. 39. Denn solange die Blume Staubgefaͤße und Kronenblaͤtter hat, sind die Griffel noch sehr kurz. Erst nachdem sie sowohl diese als jene abgeworfen hat, verlaͤngern sich die Griffel, und begeben sich von einander. Als- denn aber faͤhrt die Saftdruͤse noch immer fort, Saft abzuson- dern, so daß die aͤlteren Dolden, welche keine einzige mit Staub- gefaͤßen und Kronenblaͤttern noch versehene Blume mehr haben, dennoch eben so haͤufig von den Insekten besucht werden, als die juͤngeren. Die Befruchtung geschieht also hier, wie bey allen maͤnnlich-weiblichen Dichogamisten so, daß die Insekten die Stigmate der aͤlteren Blumen mit bem Staube der juͤngeren ver- sehen. Denn da die Griffel der ersteren ungefaͤhr eben so lang sind, als die Filamente der letzteren, so muß ein Insekt, welches mit irgend einem Theil seines Koͤrpers die Antheren der juͤngeren Blumen beruͤhrt, mit eben diesem Theil die Stigmate der aͤlteren beruͤhren. Daß aber bloß die aͤlteren Blumen, keinesweges aber die juͤngeren Stigmate haben, davon wird man sich durch ein gutes zusammengesetztes Vergroͤsserungsglas leicht uͤberzeugen koͤn- nen. Man kann dies aber schon aus der verschiedenen Laͤnge der Griffel in beiderley Blumen schließen. Denn wenn die juͤngeren Blumen schon Stigmate haben, und vermittelst derselben befruch- tet werden: warum verlaͤngern sich denn nach geschehener Be- fruchtung die Griffel? Diese Frage laͤßt sich schlechterdings nicht beantworten. Denn wenn die Befruchtung vollendet ist, so ist der Griffel nebst dem Stigma unnuͤtz, und faͤllt daher in andern Blumen entweder ab, oder wird welk und unansehnlich, verlaͤn- gert sich aber niemals. Damit nun die Befruchtung auf diese Weise desto gewisser vor sich gehe, so bluͤhen die Blumen, sowohl wann sie maͤnnli- chen Geschlechts sind, als auch nachher, wann sie weiblichen Ge- schlechts sind, ziemlich lange. Am 15. May bezeichnete ich einige Umbellen des Chaerophyllum syluestre, welche nur wenig schon wirklich aufgebrochene Blumen hatten. Am 20. hatten einige von diesen Umbellen gar keine, andere noch einige mit Staubge- faͤßen versehene Blumen. Am 26. hatten die Randblumen dieser Umbellen nur noch hie und da ein einzelnes Kronenblatt; die uͤbri- gen Blumen hatten ihre Kronenblaͤtter bereits verloren. Folglich dauret der erste Zustand dieser Blumen ungefaͤhr sechs Tage, und der andere eben so lange. Bedenkt man nun, wie oft die Blumen Die Schirmblumen. in dieser Zeit von einem Insekt besucht werden muͤssen: so be- greift man, daß sowohl die juͤngeren Blumen alles ihres Stau- bes von einem Insekt beraubt, als auch die aͤlteren von eben demselben mit dem Staube der ersteren befruchtet werden muͤs- sen, und man sieht ein, woher es koͤmmt, daß bey den Schirm- blumen die Befruchtung so wohl von Statten geht, und die Umbellen mit Samenkoͤrnern reichlich versehen sind. Fuͤr gar zu lang wird man aber diese Dauer der Bluͤhezeit nicht hal- ten, wenn man bedenkt, daß waͤhrend derselben Tage vorkom- men, an welchen es schlechtes Wetter ist, folglich die Insekten die Blumen nicht besuchen. Im vergangenen Sommer bluͤhete in meinem Garten ein Exemplar der Pimpinella magna. Diese Pflanze stand unge- faͤhr zwey Schritte von der Angelica Archangelica, und noch weiter vom Ligusticum Leuisticum, welche beide mit ihr zu gleicher Zeit bluͤheten. Die letzteren wurden, besonders bey schoͤnem Wetter, von einer großen Anzahl verschiedener In- sekten besucht, die Pimpinella hingegen nur von einigen Flie- gen von Einer Art. Hieraus machte ich den Schluß, daß sie auch nur wenig Samenkoͤrner ansetzen wuͤrde. Die Richtigkeit dieses Schlusses wurde in der Folge durch die Erfahrung er- wiesen. Die Umbellen der Angelica und des Ligusticum saßen voll guter Samenkoͤrner, die letzten ausgenommen, welche lauter maͤnnliche Blumen hervorgebracht hatten; bey der Pimpinella hingegen hatten selbst die ersten Umbellen sehr wenig guten Samen, und die mehresten Pistille waren unbe- fruchtet geblieben. Die letzten Umbellen dieser Pflanzen haben, wie ich so eben erwaͤhnt habe, bloß maͤnnliche Blumen, welche voll- kommne Staubgefaͤße, aber ein unvollkommnes Pistill haben, indem dasselbe keine Griffel hat, Tab. XI. 47. Folglich wird durch diese ansehnliche Anzahl von Pflanzen dasjenige bestaͤ- tigt, was ich in der Einleitung von den maͤnnlich-weiblichen Dichogamisten gesagt habe, daß nemlich ihre letzte Blumen keine Fruͤchte ansetzen koͤnnen, weil sie zwar den fruͤheren Blu- men ihren Staub liefern, aber, wann sie aͤlter geworden sind, von keinen spaͤteren Blumen Staub erhalten. Weil also ein vollkommnes Pistill hier unnuͤtz seyn wuͤrde, so ist auch keines vorhanden. Eine geraume Zeit nachher, als ich an dem Laserpitium Prutenicum zuerst die Dichogamie dieser Blumen entdeckt hatte, las ich Wahlbooms Dissertation: Sponsalia plantarum, und zwar die Deutsche Uebersetzung derselben, welche in dem Allgemeinen Magazin der Natur, Kunst und Wis- senschaften (4. Th. S. 172. ff.) vorkoͤmmt, wieder durch. Die Schirmblumen. Es machte mir viel Vergnuͤgen, da ich aus derselben erfuhr, daß schon Pontedera bemerkt hat, daß die Schirmblumen, so lange sie Antheren haben, sehr kurze Griffel haben, und daß derselbe dadurch die Sexualisten hat widerlegen wollen. Nachdem der Verfasser dieses erzaͤhlt hat, faͤhrt er also fort: „Allein das Waͤrzchen (Stigma) ist der zur Zeugung dienende „Theil, nicht das Saͤulchen (der Griffel). Denn dieses kann „bey vielen wegbleiben, weil es nicht zum Wesen der Blume „gehoͤrt. Es ist also genug, daß die Waͤrzchen in den Umbel- „len zu gleicher Zeit mit den Staubbeutelchen frisch sind (bluͤ- „hen), obgleich das Saͤulchen sich erst nach der Empfaͤngniß „verlaͤngert, wie man auch beym Ahornbaum sieht.“ Beide, sowohl Pontedera , als auch Wahlboom , haben sich ge- irrt. Denn was den letztern betrifft, so haͤtte er beweisen muͤssen, daß das Stigma wirklich bluͤhet, wann die Antheren bluͤhen. Ferner ist der Griffel allerdings ein zur Zeugung die- nender Theil, nicht nur, weil durch denselben das befruchtende Wesen des auf das Stigma gebrachten Antherenstaubes dem Fruchtknoten zugefuͤhrt wird, sondern auch, weil er verursacht, daß das Stigma sich grade an derjenigen Stelle befindet, wo es von den Insekten nothwendig bestaͤubt werden muß. Wenn diese Stelle unmittelbar uͤber dem Fruchtknoten ist, so fehlt auch der Griffel, und seine Abwesenheit ist in diesem Fall eben so nothwendig, wesentlich und zweckmaͤßig, als bey anderen Blumen sein Daseyn und seine bestimmte Laͤnge ist. Wann der Griffel seine groͤßte Laͤnge erreicht hat, alsdenn erst bluͤhet das Stigma. Es waͤre ungereimt, daß, wann das Stigma bestaͤubt, und der Fruchtknoten befruchtet worden ist, der Grif- fel sich noch verlaͤngerte. Wahlboom hat also hier den Sexualismus eben so schlecht vertheidigt, als Pontedera denselben angegriffen hatte. Auf beiden Seiten aber war der Irrthum fast unvermeidlich, theils, weil beide entweder nicht gewußt haben, daß die Schirmblumen Saftblumen sind, oder, wenn sie es gewußt haben, nicht eingesehen haben, daß hier- aus folgt, oder wenigstens sich die groͤßte Wahrscheinlichkeit ergiebt, daß dieselben von Insekten befruchtet werden, sondern den Umstand, daß dieselben von Insekten besucht werden, wel- chen sie oft genug werden bemerkt haben, fuͤr etwas zufaͤlliges und zweckloses gehalten haben, theils aber und vornehmlich, weil ihnen die von mir zuerst entdeckte Dichogamie ganz unbe- kannt gewesen ist. Gleditsch muß am Kuͤmmel ( Carum Carui ) keinen Saft bemerkt haben; denn er sagt S. 163 bloß, daß die Bie- nen Wachs aus den Blumen sammlen. Man besehe sie aber nur beym Sonnenschein genau, so wird man auf der Saft- Die Schirmblumen. Viburnum. druͤse den glaͤnzenden Safttropfen deutlich sehen. Von der An- gelica syluestris sagt er S. 184. zwar, daß sie von den Bienen fleißig besucht wird, fuͤgt aber nicht hinzu, ob des Staubes, oder des Safts wegen. Hingegen das Laserpitium Prutenicum lobt er des Honigs wegen S. 193. In dieser Blume muß er also den Saft gesehen haben. Pollich muß den Saft derjenigen Arten, welche er beschrieben hat, gar nicht gesehen, auch nicht einmal vermuthet haben, daß dieselben Saft enthalten, indem er nicht einmal der Abwesenheit des Nectarii erwaͤhnt, welches er sonst zu thun pflegt. Bey einigen Arten, als dem Peucedanum Silaus und der Angelica syluestris, hat er die Saftdruͤse, welche er thalamus nennt, zwar gesehen, aber nicht fuͤr das gehalten, was sie wirklich ist. Viburnum. Viburnum Opulus. Schwalkenbeerenstrauch. Tab. XI. 1—3. 10. 11. 18. 2. Die vergroͤsserte Zwitterblume, von oben gesehen. 3. Dieselbe, von der Seite gesehen. 11. Die geschlechtslose Randblume in natuͤrlicher Groͤsse. 1. Das stark vergroͤsserte Pistill, von oben gesehen. 10. Dasselbe, von der Seite gesehen. In beiden Figuren ist die Saftdruͤse punktirt. 18. Ein Fuͤnftheil der Krone, etwas von der Seite ge- sehen. Die Zwitterblumen enthalten Saft, welches schon Gle- ditsch bemerkt hat, S. 162. 1. Die Saftdruͤse ist der oberste Theil des Fruchtknotens, welcher glatt und weiß ist, da der uͤbrige Theil desselben gruͤn ist. 2. Die Saftdruͤse ist zugleich der Safthalter. 3. Die Krone ist im Grunde mit Haaren besetzt, Fig. 18., auch die Filamente dienen zur Abhaltung der Regentropfen vom Saft. 4. Die Zwitterblumen sind sehr klein und unansehnlich. Sie wuͤrden also, ob sie gleich nicht einzeln stehen, sondern ihrer viele eine Cyma bilden, dennoch den Insekten nicht sonderlich in die Augen fallen, wenn nicht der Umkreis dieser Cyma mit ansehn- lichen geschlechtslosen Blumen geziert waͤre. So wie diese nun selbst keine Fruͤchte hervorbringen koͤnnen, so befoͤrdern sie doch die Befruchtung der Zwitterblumen, welche ohne Zweifel durch Insekten geschieht, und sie sind hierin den geschlechtslosen Rand blumen der Centaurea aͤhnlich. Folglich muß auch hier Statt finden, was ich unten von der Centaurea sagen werde, daß nem- lich die geschlechtslosen Blumen zuerst zu bluͤhen anfangen, und so lange zu bluͤhen fortfahren, als noch Zwitterblumen bluͤhen. Viburnum. Alsine. Passiflora. Das erstere habe ich oftmals bemerkt; das letztere zu bemerken, haben mich im vergangenen Jahre die kleinen Maykaͤfer verhin- dert, welche die Randblumen, so wie groͤßtentheils die Zwitter- blumen, verwuͤstet hatten. Diese Kaͤfer sind vielen Blumen sehr schaͤdlich, da sie nicht dem Saft derselben nachgehen, wie die Blu- menkaͤfer, sondern die Blumen selbst verzehren. 5. Die Zwitterblumen werden von Insekten, besonders den kleinen Blumenkaͤfern, haͤufig besucht. Alsine. Alsine media. Vogelmeyer. Miere. Diese Blume gehoͤrt mit dem Cerastium zu Einer natuͤrlichen Gattung, und ist, wie dieses, eine Saftblume. Bey schlechter Witterung ist sie geschlossen; bey schoͤnem Sonnenschein oͤffnet sie sich. Wenn man im letzten Fall in dieselbe hineinsieht, so sieht man fuͤnf glaͤnzende Safttroͤpfchen auf eben so vielen Saftdruͤsen sitzen, welche sich an der Basis der Filamente befinden. Man hat also nicht Ur- sache, sich mit Gleditsch (S. 198.) daruͤber zu wundern, daß diese Blume von den Bienen besucht wird. Passiflora. Passiflora coerulea. Gemeine Passionsblume. Tab. V. 1—8. 11. 2. Die ein wenig vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 6. Eine juͤngere Blume von der Seite gesehen. Die fuͤnf Antheren d sind auf der untersten Seite mit Staub bedeckt. Ueber denselben stehen die drey Stigmate c. 1. Die Geschlechtstheile einer aͤlteren Blume. Die Anthe- ren haben keinen Staub mehr. Die Stigmate stehen ein wenig unter denselben. 3. Ein Theil von Fig. 2. Die Geschlechtstheile sind wegge- schnitten. Auch ist ein Theil der aͤußeren Saftdecke abgerissen worden, und durch die dadurch entstandene Luͤcke zeigt sich ein Theil der inneren Saftdecke, welche in tellerfoͤrmiger Gestalt das Saͤulchen umgiebt, und ein (punktirter) Theil der Saftdruͤse, welche in ringfoͤrmiger Gestalt die innere Saftdecke umgiebt. 4. Ist der in der vorhergehenden Figur abgebildete Theil, von der Seite gesehen, mit Weglassung des großen Strahlen- kranzes. Hier hat man die Luͤcke der aͤußeren Saftdecke grade vor sich, und kann also durch dieselbe in diese hineinsehen. In- nerhalb derselben sieht man die aͤußere Seite der inneren Saft- decke, welche die Basis des Saͤulchens umgiebt, und unter der- selben den Theil der Saftdruͤse, welchen man in der vorhergehen- den Figur gesehen hat. 8. Ist Passiflora. 8. Ist die vorhergehende Figur, mit Weglassung des kleinen Strahlenkranzes, nachdem der so eben genannte Theil der Saft- druͤse herausgeschnitten worden. Hier sieht man die aͤußere und innere Seite der inneren Saftdecke, und der (punktirte) Durch- schnitt der Saftdruͤse zeigt, daß dieselbe sich einwaͤrts kruͤmmt, die innere Saftdecke ringsherum beruͤhrt, und einen ringfoͤrmi- gen Raum hervorbringt, welcher mit Saft angefuͤllt ist. 7. Der in der vorhergehenden Figur herausgeschnittene Theil der Saftdruͤse von der inneren Seite. 5. Ist Fig. 8., nachdem der uͤbrige Theil der aͤußeren Saft- decke und der Saftdruͤse auch weggeschnitten worden. 11. Ist Fig. 5. im Durchschnitt. Linn é rechnet das Saͤulchen, welches die Geschlechtstheile traͤgt, mit zum Pistill, welches sonach aus vier Theilen bestehen wuͤrde, da es doch sonst immer nur aus drey Theilen besteht. Vermuthlich hat er dies deswegen gethan, damit man nicht zwei- feln moͤchte, daß diese Gattung in die Gynandrie hingehoͤret. Nach der Beschreibung aber, die er von dieser Klasse giebt, ge- hoͤrt sie in dieselbe hin, ohne daß man noͤthig hat, sich das Saͤul- chen als einen Theil des Pistills, welches es gar nicht ist, vor- zustellen. Ich setze die Blume in die gegenwaͤrtige Klasse, wo ein jeder, der sie zum erstenmal untersucht, sie aufsuchen wird. Wie wenig Linn é von dem Bau dieser Blume verstanden habe, erhellet schon daraus, daß er den dreyfachen Strahlenkranz fuͤr das Nectarium gehalten hat. Vielleicht hat er auf demselben zuweilen Regentropfen gesehen, und dieselben fuͤr Saft ge- halten. 1. Die Saftdruͤse ist der mit dem Grunde des Kelchs zusam- mengewachsene, fleischichte, glatte, weiße, einwaͤrts gekruͤmmte, ringfoͤrmige Koͤrper, welcher, da er ringsherum die innere Saftdecke beruͤhrt, einen ringfoͤrmigen Raum hervorbringt, welcher 2. mit Saft ganz angefuͤllt ist. 3. Die innere Saftdecke umgiebt die Basis des Saͤulchens in der in Fig. 5. e f abgebildeten Gestalt. Sie liegt ziemlich dicht auf der Saftdruͤse. Wenn also auch ein Regentropfen durch die aͤußere Saftdecke zufaͤlligerweise hindurchgedrungen ist, so kann er doch nicht zwischen die innere Saftdecke und die Saftdruͤse hin- durchdringen. Die aͤußere Saftdecke, Fig. 8. g h i k , besteht aus einer Haut, welche in dem Winkel, welchen die Saftdruͤse mit dem Kelch macht, entsteht, die Saftdruͤse bedeckt, hierauf sich in Strahlen theilt, welche mit dem Ende an dem Saͤulchen anliegen. Durch die Zwischenraͤume dieser Strahlen kann schwer- lich ein Regentropfen hindurchdringen, ein Insekt aber gemaͤchlich seinen Saugeruͤssel hindurchstecken. Damit endlich Regentropfen, Passiflora. welche auf den großen Strahlenkranz gefallen sind, sich nicht der aͤußeren Saftdecke naͤhern: so ist zwischen jenem und dieser ein kleiner Strahlenkranz angebracht, Fig. 4. p q , welcher mit dem ersten einen Winkel macht, in welchem die Regentropfen stehen bleiben muͤssen. 4. Die schoͤne große Blume faͤllt den Insekten schon in wei- ter Entfernung in die Augen. Die Krone, Fig. 2. a , ist weiß. Von gleicher Farbe ist die innere Seite des Kelchs b , da die aͤußere gruͤn ist. Hier sieht man also, daß, wenn der Kelch eine solche Stellung und Gestalt hat, daß er das Ansehen der Blume ver- groͤssern kann, derselbe auf der inneren Seite gefaͤrbt ist, und folglich, außer seiner eigenthuͤmlichen Bestimmung, die Blumen- knospe und die Blume zu beschuͤtzen, noch den Endzweck befoͤr- dert, daß die Blume den Insekten leicht in die Augen falle. So wie nun die Blume eine dreyfache Saftdecke hat, so hat sie auch ein dreyfaches Saftmaal. Das erste ist der große aͤußerste Strah- lenkranz. Jeder Strahl, Fig. 3. n o , hat drey Farben. Das aͤußerste Drittheil ist hellblau, das mittelste milchweiß, und das innerste dunkelblau. Das zweyte ist der kleine Strahlenkranz, Fig. 4. p q. Jeder Strahl ist weiß, hat aber einen dunkelfarbi- gen Knopf. Das dritte sind die Strahlen der aͤußeren Saftdecke, Fig. 8. l h und m i , welche dunkelpurpurfarben sind. Das ganze Saftmaal also besteht aus verschiedenen verschiedentlich gefaͤrbten koncentrischen Ringen. So wie dasselbe nun mit dem Saftmaal anderer Blumen darin uͤbereinstimmt, daß es das Insekt nach der Mitte der Blume, wo der Saft ist, hinweiset: so unterschei- det es sich von demselben dadurch, daß es um den Safthalter ringsherum laͤuft, da jenes in grader Linie vom Rande der Blume bis zum Safthalter sich erstreckt. Die Ursache dieser verschiede- nen Einrichtung laͤßt sich leicht einsehen. In der Iris z. B. ist der Safthalter auch in der Mitte befindlich; es fuͤhren aber drey von einander ganz abgesonderte Paare benachbarter Oeffnungen zu demselben. Die drey Saftmaͤler mußten sich also vom Rande der Blume in der Richtung des radius eines Kreises nach diesen Oeff- nungen hinziehen, um den Insekten den rechten Weg zu weisen. Bey der Passionsblume hingegen sind keine solche von einander abgesonderte Oeffnungen des Safthalters vorhanden, sondern der Safthalter hat eine einzige ringfoͤrmige Oeffnung. Wenn also ein Insekt den ganzen Saftvorrath genießen will, so muß es sei- nen Saugeruͤssel nicht Einmal und an Einer Stelle, auch nicht zwar mehrmal, aber an bestimmten Stellen, sondern mehrmal und an mehreren beliebigen Stellen ringsherum in die Oeffnung hineinstecken. Folglich mußte das ganze Saftmaal aus koncentri- schen Ringen bestehen, welche das Insekt um den Safthalter ringsherum fuͤhren. Der große Strahlenkranz dient auch noch L Passiflora. dazu, daß ein großes Insekt die Runde um den Safthalter bequem machen kann. Denn es laͤust auf den Strahlen, als auf den Speichen eines Rades, herum, und steckt unterdessen seinen Saugeruͤssel zwischen die Strahlen der aͤußeren Saftdecke hin- durch, und hierauf zwischen die innere Saftdecke und die Saft- druͤse hindurch in den Safthalter. Der Bau dieser Blume, soweit ich denselben bisher beschrie- ben und erklaͤrt habe, ist schoͤn und bewundernswuͤrdig. Unver- kennbar ist die guͤtige und weise Vorsorge des Schoͤpfers, irgend einem Insekt zum Besten einen ansehnlichen Vorrath von Saft in dieser Blume zu bereiten, denselben vor dem Regen zu verwah- ren, und in seiner Reinheit zu erhalten, endlich das Insekt in den Stand zu setzen, sowohl das Saftbehaͤltniß leicht zu finden, als auch den ganzen Vorrath des Safts zu verzehren. So wie diese ganze Veranstaltung offenbar sich zunaͤchst auf das Insekt bezieht, so fragt es sich doch noch, ob sie sich auf das- selbe einzig und allein bezieht, oder ob sie dazu dient, daß das Insekt, indem es die Blume besucht, zugleich dieselbe befruchte. Auf welche Art geschieht also die Befruchtung dieser Blume? Diese Frage hat Medikus beantwortet, und zwar in sei- ner Abhandlung von der Neigung der Pflanzen sich zu begatten, welche wir in den Actis Academiae Theodoro-Palatinae (T. III. S. 116. folgg.) finden. Er sagt (S. 124.): „Die „ Passiflora hat fuͤnf Staubfaͤden und drey Pistille, die Staubfaͤ- „den sind ruͤckwaͤrts gebogen, und der Staubbeutel steht mit dem „Boden der Blume parallel. Jene Seite des Staubbeutels, so „den Blumenstaub enthaͤlt, ist gegen das Inwendige der Blume „gekehrt. Die uͤber ihnen stehende Pistille wuͤrden also keiner „Befruchtung faͤhig seyn, wenn sie ihre erste Stellung behielten. „Denn, wenn die Blume sich entfaltet, stehen sie aufrecht und „dichte bey einander (ungefaͤhr wie in Fig. 6.). Aber bald gehen „sie auseinander, und steigen zu den Staubbeuteln herunter, „daß der vordere Theil des Pistills, auf dem das große Stigma „aufsitzt, sich zu jener Seite des Staubbeutels hinneigt, wo der „Blumenstaub sitzt (Fig. 1.). Dort beladen sie sich mit Blumen- „staub, und wenn die Befruchtung geendigt ist, welches selten „uͤber einige Stunden waͤhret, erheben sich die Pistille wieder, „steigen grade in die Hoͤhe, nehmen ihren alten Platz ein, und „verwelken. Diese Wanderung habe ich bey der Passiflora vesper- „tilio, P. suberosa, P. minima und P. coerulea beobachtet, „und gewiß wird man dieselbe bey allen Gattungen dieses Ge- „schlechts (allen Arten dieser Gattung) bemerken.“ S. 150. sagt er, daß schon Linn é dieses Wandern der Pistille bemerkt habe. Wenn de Befruchtung auf die von Linn é und Medikus angenommene, und von dem letztern beschriebene mechanische Art Passiflora. geschieht: so behaupte ich, daß die schoͤne Passionsblume, welche Kenner bewundern, und Nichtkenner anstaunen, ein elendes Machwerk der Natur ist. Denn alsdenn steht jene schoͤne Veran- staltung, welche sich, wie ich oben bewiesen habe, zunaͤchst auf das Insekt bezieht, in gar keinem Zusammenhange mit irgend einem Endzweck, welcher sich auf die Blume selbst bezieht. Als- denn sind bloß die Geschlechtstheile der Blume wegen da, der uͤbrige weit groͤssere Theil derselben aber ist nicht der Blume, son- dern des Insekts wegen da. Alsdenn ist die Blume nicht ein einziges schoͤnes Ganzes, sondern sie besteht aus zwey Ganzen, welche in Ansehung ihrer Bestimmung nicht die mindeste Aehn- lichkeit mit einander haben, und auf die wunderlichste Art mit einander verbunden, und zu Einem unnatuͤrlichen Scheinganzen vereinigt worden sind. Alsdenn ist die Blume um nichts besser, als die Centauren, die Sphinx, der Pegasus, und andre Miß- geburten der Einbildungskraft. Alsdenn wuͤrde die Natur weit besser gethan haben, wenn sie diese beiden fremdartigen Ganze von einander abgesondert gelassen haͤtte, so daß die Pflanze theils Blumen ohne Kelch, Krone, Saftbehaͤltniß, Saftdecke und Saftmaal (Fig. 1.), theils Blumen ohne Geschlechtstheile her- vorbraͤchte. Denn in diesem Fall wuͤrde man doch wenigstens wissen, woran man eigentlich mit diesen Blumen waͤre. Die ersteren wuͤrden zur Hervorbringung der Fruͤchte bestimmt seyn, und wuͤrden grade auf die Art befruchtet werden, als Linn é und Medikus sich vorgestellt haben; die letzteren aber wuͤrden zur Ernaͤhrung eines Insekts dienen. Die Ordnung, wo Linn é diese Blumen wuͤrde untergebracht haben, wuͤrde heißen Gynan- dria (vere!) frustranea . Also ist eines von beiden nothwendig, entweder die Natur hat bey der Hervorbringung der Blume geschlummert, oder Linn é und Medikus haben bey der Erklaͤrung der Befruch- tung derselben getraͤumt. Das erste ist nicht moͤglich; das letzte ist nicht nur moͤglich, sondern auch gewiß. Die Blume ist nemlich ein Dichogamist von der maͤnnlich- weiblichen Art. In der ersten Haͤlfte ihrer Bluͤhezeit hat sie die in Fig. 6. abgebildete Gestalt. Wenn ein großes Insekt sie als- denn besucht, so muß es nothwendig, indem es auf dem großen Strahlenkranz nach Anleitung des Saftmaals um den Safthal- ter ringsherum laͤuft, und den Saft aus demselben herausholt, mit seinem Ruͤcken den Staub von den Antheren, welche eben deswegen denselben auf ihrer unteren Seite haben, abstreifen. Durch die Stigmate wird es hieran nicht verhindert, welche eben deswegen hoͤher stehen. In der letzten Haͤlfte der Bluͤhezeit ha- ben sich die Griffel herabgesenkt, so daß nun die Stigmate ein wenig niedriger stehen, als die nunmehr staublosen Antheren. Passiflora. Wenn das Insekt die Blume alsdenn besucht, so muß es eben so nothwendig mit seinem Ruͤcken, welchen es in einer juͤngeren Blume mit Staub beladen hat, die Stigmate beruͤhren, und dieselben bestaͤuben. Und auf solche Art wird die aͤltere Blume von einem Insekt vermittelst des Staubes einer juͤngeren be- fruchtet. Die Natur hat also bey der Hervorbringung dieser Blume nicht geschlummert, sie hat nicht zwey fremdartige Ganze zu Ei- nem widersinnigen Scheinganzen zusammengeknetet, sondern sie hat ein schoͤnes Ganzes hervorgebracht, in welchem nichts fehlt, und nichts uͤberfluͤssig ist, in welchem alles in dem genauesten Zu- sammenhange steht, alles sich auf ihren einzigen großen Endzweck, die Befruchtung des Fruchtknotens, bezieht, kurz, ein Ganzes, welches ihr Ehre macht. Da die Blume ein Saftmaal hat, so ist sie eine Tagesblume, und fuͤr ein Tagesinsekt bestimmt. Eben deswegen schließt sie sich des Nachts. Sie bluͤhet zwey Tage, wie ich von einem Gaͤrtner gehoͤrt habe, und ist also am ersten Tage maͤnnlichen, und am zweyten weiblichen Geschlechts. Von welchem Insekt sie besucht und befruchtet wird, weiß ich nicht, weil es mir bisher an Gelegenheit gefehlt hat, hieruͤber Beobachtungen anzustellen. Einige sagen, daß die Pflanze in unserm Klima Fruͤchte hervorbringt; andre laͤugnen es. Ich selbst habe noch nie eine Frucht auf derselben angetroffen. Wenn sie wirklich bey uns unfruchtbar ist, so kann dies nicht anders als so erklaͤrt werden, daß diejenigen, welche sie zuerst aus Brasilien, ihrem Vaterlande, nach Europa gebracht haben, das Insekt, welches dort die Blume befruchtet, und bey uns nicht angetrof- fen wird, mit heruͤber zu bringen, und hier einheimisch zu ma- chen, vergessen haben. Von der Passiflora quadrangularis sagt Jacquin , daß die in Wien aus Samen erzielten Pflanzen zwar alle Jahr Blumen, aber niemals Fruͤchte hervorbringen. Auf der Passiflora foetida aber, welche ein Sommergewaͤchs ist, habe ich im botanischen Garten zu Berlin Fruͤchte angetroffen. Die Antheren sind auf solche Art an die Filamente ange- wachsen, daß sie sich herumdrehen lassen. In Fig. 2. hat Eine von denselben eine andere Stellung, als die uͤbrigen, weil ich sie etwas herumgedrehet hatte. Dieser Umstand traͤgt vermuthlich zur Befoͤrderung der Befruchtung etwas bey. Wenn Jemand fragt, woher denn ich, der ich doch niemals ein Insekt auf der Blume angetroffen habe, es so genau weiß, daß dieselbe, und wie sie von einem Insekt befruchtet wird: so antworte ich: Aus demjenigen, was ich bey der Nigella aruensis entdeckt habe. Wer also noch zweifelt, den verweise ich auf das- jenige, was unten von dieser Blume wird gesagt werden. Passiflora. Parnassia. Von der Passiflora suberosa sagt Linn é , sie habe keine Krone. Dies kann ich schwerlich glauben. Denn warum sollte sie allein eines so wesentlichen Theils, durch welchen sie sich den zu ihrer Befruchtung bestimmten Insekten von weitem bemerkbar macht, beraubt seyn? Vielmehr, so wie bey den uͤbrigen Arten der Kelch in Ansehung seiner inneren Seite ein Theil der Krone ist, so ist er bey dieser in Ansehung eben derselben die ganze Krone, da er auswendig gruͤn, inwendig aber weiß ist. Parnassia. Parnassia palustris. Leberblume. Tab. IX. 36. 37. 48. 50. Tab. XI. 12. 13. 17. 19. Tab. IX. 50. Eine etwas vergroͤsserte Blume, welche vier Tage alt ist, von oben gesehen. Die Staubgefaͤße 5, 1 und 2 haben sich, nachdem sie ihrer Bestimmung ein Genuͤge gethan, vom Pistill entfernt, und stehen horizontal, da sie vorher aufrecht standen. Ihre Antheren sind vertrocknet und ohne Staub. Das Staubgefaͤß 3 befindet sich in dem Zustande, da es seiner Bestim- mung ein Genuͤge thun kann. Das Filament hat sich verlaͤngert, und die Anthere hat sich uͤber das Pistill hingelegt, und ihre oberste Seite ist mit Staub bedeckt. Dem Staubgefaͤß 4 endlich steht dieser Zustand noch bevor. Sein Filament ist noch kurz, und seine Anthere hat sich noch nicht geoͤffnet. Die zwischen dem 1. und 5. Staubgefaͤß befindliche Saftmaschine ist weggeschnitten worden, damit man das ganze derselben gegenuͤber stehende Kro- nenblatt sehen koͤnne. 48. Eben diese Blume, noch staͤrker vergroͤssert, in natuͤrli- cher Stellung, von der Seite gesehen. Der Kelch, die Krone und drey Saftmaschinen sind weggeschnitten. Man siehet alle Staubgefaͤße, außer 1, welches hinter dem Pistill steht. Man siehet ferner deutlicher, als in der vorhergehenden Figur, daß die uͤber dem Pistill liegende Anthere des Staubgefaͤßes 3 bloß auf ihrer obersten Seite sich geoͤffnet hat, und mit Staub bedeckt ist, daß das Filament des 4. Staubgefaͤßes noch sehr kurz, und seine Anthere noch sehr groß ist, und sich noch nicht geoͤffnet hat, end- lich daß oben am Pistill noch nicht die geringste Spur von einem Stigma vorhanden ist. 36. Das mit einem Stigma versehene Pistill einer aͤlteren Blume, deren Staubgefaͤße sich saͤmmtlich vom Pistill entfernt haben, von der Seite gesehen. 37. Dasselbe von oben gesehen. Tab. XI. 12. Die bey trockner Witterung geoͤffnete Samen- kapsel, von der Seite, und 19. von oben gesehen. L 2 Parnassia. 13. und 17. Die bey nasser Witterung verschlossene Sa- menkapsel. Ob ich mir gleich viel Muͤhe gegeben habe, den Bau dieser Blume, und die eigentliche Art, wie sie befruchtet wird, zu er- forschen: so ist dennoch beides bisher fuͤr mich ein Geheimniß ge- blieben. Ganz vergebens aber ist meine Bemuͤhung auch nicht gewesen, indem ich wenigstens entdeckt habe, und beweisen kann, daß die Blume von einem Insekt befruchtet wird. Die groͤßte Schwierigkeit verursachen die fuͤnf Saftmaschinen, welche, mit den Staubgefaͤßen abwechselnd, das Pistill umge- ben, und deren Struktur ganz originell und in ihrer Art einzig ist. Der Saft ist auf der inneren Seite derselben befindlich. Nachdem sich die Blume geoͤffnet hat, so haben anfaͤnglich alle Staubgefaͤße die Stellung und Gestalt des 4. Die Filamente sind kurz, die Antheren groß, weiß, und noch geschlossen. Hier- auf faͤngt ein Staubgefaͤß an, das Filament zu verlaͤngern, bis endlich die Anthere sich uͤber das Pistill hinlegt, sich oͤffnet, und einen gelblichen Staub zeigt. Hier ist nun der Umstand merk- wuͤrdig, daß die Anthere bloß auf der obersten Seite sich oͤffnet, und mit Staub versehen ist. Schon hieraus folgt, daß die Be- fruchtung nicht auf eine mechanische Art geschehen koͤnne. Denn gesetzt, das Pistill haͤtte nun schon ein Stigma, welches es doch nicht hat: so muͤßte die uͤber demselben befindliche Anthere nicht auf der oberen, sondern auf der unteren Seite den Staub haben, weil diese dem Stigma zugekehrt, jene aber von demselben abge- wendet ist. Nachdem das erste Staubgefaͤß in dieser Stellung ungefaͤhr einen Tag lang geblieben ist, so wendet es sich vom Pistill ab, und naͤhert sich der Krone, und erhaͤlt also, anstatt der bisherigen aufrechten, eine horizontale Stellung. Seine Anthere ist alsdenn welk, unansehnlich und ohne Staub. Un- terdessen faͤngt das zweyte Staubgefaͤß an, eben das, und in eben der Ordnung zu thun, was und in welcher es das erste ge- than hatte. Und eben so nach und nach die uͤbrigen. Nach fuͤnf, sechs oder sieben Tagen findet man also alle Staubgefaͤße in hori- zontaler Stellung, und ihre Antheren verwelkt und ohne Staub. Diese Ordnung, in welcher die Staubgefaͤße einander abloͤsen, ist dem Verfasser der Dissertation: Sponsalia plantarum , nicht unbekannt gewesen. Daß aber die bluͤhende Anthere bloß auf der obersten Seite den Staub hat, hat er entweder nicht bemerkt, oder fuͤr etwas unbedeutendes gehalten. Noch weniger aber ist weder ihm, noch irgend einem andern der noch wichtigere Umstand bekannt gewesen, daß das Stigma waͤhrend der ganzen Zeit, in welcher die Antheren eine nach der andern bluͤhen, noch nicht bluͤhet, sondern geschlossen ist, und nur erst alsdenn, wann alle Staubgefaͤße sich mit ihren staublosen Parnassia. Antheren vom Pistill entfernt haben, sich in vier Theile zu spal- ten und zu bluͤhen anfaͤngt. Da also die Antheren, so lange sie bluͤhen, ihren Staub dem Stigma nicht mittheilen koͤnnen, weil noch kein Stigma vorhanden ist, und wiederum das Stigma, wann es bluͤhet, von den Antheren keinen Staub erhalten kann, da sie selbst keinen Staͤub mehr haben: so muß diese Einrichtung demjenigen, welcher von der Befruchtung durch Insekten nichts weiß, ungereimt vorkommen. Er muß glauben, daß die Be- fruchtung ganz und gar unterbleibt. Und dennoch zeigt ihm die Erfahrung grade das Gegentheil, indem aus allen Blumen Kap- seln entstehen, welche mit einer Menge guter Samenkoͤrner ange- fuͤllt sind. Man muß also, man mag wollen oder nicht, zu den Insekten seine Zuflucht nehmen. Und sobald man dies gethan hat, so wird man jene Einrichtung, welche man vorher fuͤr ungereimt hielt, sehr schicklich und zweckmaͤßig finden. Ein gewisses mir noch unbekanntes groͤsseres Insekt befruchtet die Blume, und zwar so, daß es den Staub von der bluͤhenden Authere einer juͤn- geren Blume auf das Stigma einer aͤlteren bringt. Es kann nemlich in der juͤngeren Blume nicht zum Saft gelangen, ohne mit einem gewissen Theil seines Koͤrpers, vermuthlich dem Un- terleibe, die oberste Seite der Anthere zu beruͤhren, und ihren Staub abzustreifen. Fliegt es nun von dieser auf eine aͤltere Blume, so kann es eben so wenig den Saft derselben verzehren, ohne mit eben diesem Theil seines Koͤrpers die oberste Oberflaͤche des Stigma, als das eigentliche Stigma, zu beruͤhren, und dem- selben den mitgebrachten Staub mitzutheilen, weil das Stigma eben die Stelle einnimmt, welche in der juͤngeren Blume die An- there einnimmt. Nach dieser Vorstellung von der Befruchtung wird man den Bau und die ganze Einrichtung dieser Blume, soweit jener und diese von Andern und von mir entdeckt worden ist, sehr wohl aus- gedacht und sehr zweckmaͤßig finden. 1. Die Staubgefaͤße befinden sich in drey verschiedenen Zu- staͤnden, nemlich vor dem Bluͤhen der Antheren, waͤhrend dessel- ben und nach demselben. Ein Umstand, welcher in der Folge noch oͤfter vorkommen wird, und weicher, wenn ich nicht irre, jedesmal ein Kennzeichen der Dichogamie ist. Diese Einrichtung war unumgaͤnglich noͤthig. Die bluͤhende Anthere muß eben die Stelle haben, welche hernach das bluͤhende Stigma hat. Das Filament muß sich also dicht an das Pistill anlehnen, und eben so lang, oder vielmehr ein klein wenig laͤnger seyn, als dasseibe. Die Filamente der noch nicht bluͤhenden Antheren koͤnnen zwar eben dieselbe Stellung haben, sie muͤssen aber weit kuͤrzer seyn. Denn wenn sie eben so lang waͤren, als jenes, so wuͤrden die noch nicht bluͤhenden Autheren eben so hoch, oder vielmehr, weil sie Parnassia. groͤsser sind, noch etwas hoͤher stehen, als die bluͤhende. Sie wuͤrden also das Insekt verhindern, den Staub der letzteren rein abzustreifen. Eben dies wuͤrden die verbluͤheten Antheren thun, wenn sie ihre Stelle behielten. Folglich muͤssen ihre Filamente sich entweder wieder verkuͤrzen, oder vom Pistill ent- fernen. Bey dem Helleborus niger hat die Natur das Er- stere gewaͤhlt, bey der Parnassia das Letztere. 2. Die Antheren folgen im Bluͤhen eine auf die andere. Jede bluͤhet ungefaͤhr Einen Tag, folglich alle insgesammt we- nigstens fuͤnf Tage. Wie lange das Stigma bluͤhet, habe ich nicht ausmitteln koͤnnen. Wahrscheinlich bluͤhet es eben so lange, als die Blume noch die Kronenblaͤtter hat. Denn so- bald das Stigma zu bluͤhen aufhoͤret, so ist die Krone unnuͤtz, und faͤllt ab. Sie bleibt aber nach dem Verbluͤhen der An- theren noch verschiedene Tage lang sitzen. An drey Blumen, welche ich ins Wasser gestellt hatte, blieb sie noch sieben Tage lang sitzen, und fiel alsdenn ab. Eben so lange bluͤhet also vermuthlich auch das Stigma. Daß das Bluͤhen sowohl der Antheren, als des Stigma eine so lange Zeit waͤhret, ist noͤ- thig. Denn das Insekt, welches zur Befruchtung der Blume bestimmt ist, koͤmmt nicht, sobald die Antheren oder das Stig- ma zu bluͤhen anfangen, wie gerufen angeflogen, um dieses Geschaͤft zu uͤbernehmen; sondern ein bloßer Zufall fuͤhrt es auf die Blume. Die Ungewißheit nun, welche dieser Zufall nothwendig mit sich fuͤhrt, konnte durch nichts anders, als die lange Dauer der Bluͤhezeit der Antheren und des Stigma er- setzt werden. Bluͤheten alle Antheren zugleich, folglich nur Einen Tag lang, und bluͤhete das Stigma eben so lange: so wuͤrden viele Blumen von dem Insekt keinen Besuch erhalten, folglich unbefruchtet bleiben. So zweckmaͤßig nun diese Ein- richtung ist, wenn man meine Vorstellung von der Befruch- tung annimmt, eben so unzweckmaͤßig und widersinnig wuͤrde sie seyn, wenn die Blume, wie man bisher geglaubt hat, auf eine mechanische Art befruchtet werden sollte. Denn wenn die Antheren den Staub auf der untersten Seite haͤtten, und das Stigma zugleich mit den Antheren bluͤhete: so wuͤrde schon Eine Anthere im Stande seyn, die Befruchtung zu vollenden, und es wuͤrde ungereimt seyn, daß die vier uͤbrigen sich nach einander uͤber das schon befruchtete Pistill hinlegen, um es von neuem zu befruchten. 3. Daß die bluͤhende Anthere sich uͤber die Spitze des Pistills hinlegt, und bloß auf der obersten Seite Staub hat, und daß erst in der Folge, wann keine Anthere mehr daselbst vorhanden ist, das Stigma sich zu oͤffnen und zu bluͤhen an- faͤngt, und die Stelle der Antheren einnimmt, und auf der Parnassia. obersten Seite, als welche das eigentliche Stigma ist, den Staub zu empfangen faͤhig ist, ist gleichfalls noͤthig. Denn diese Stelle ist grade diejenige, welche das Insekt, indem es den Saft verzehrt, mit irgend einem Theil seines Koͤrpers ein- nimmt, mit welchem es folglich im ersten Fall den Staub von der Anthere abstreifen, und im letzten denselben wieder auf das Stigma absetzen muß. Befaͤnde sich der Staub auf der untersten Seite der Anthere, so koͤnnte er vom Insekt nicht abgestreift werden. Und bluͤhete das Stigma zugleich mit der uͤber ihm befindlichen Anthere, so koͤnnte der auf der obersten Seite der Anthere befindliche Staub weder von selbst auf das- selbe fallen, noch von dem Insekt auf dasselbe gebracht werden, weil die Anthere selbst beides verhindern wuͤrde. Ich glaube nicht, daß mir jemand den Einwurf machen wird, die Befruchtung lasse sich doch noch als moͤglich geden- ken, ohne daß man grade noͤthig habe, ein Insekt damit zu behelligen, so nemlich, daß der Wind den Staub der bluͤhen- den Anthere der juͤngeren Blume auf das Stigma der aͤlteren fuͤhre. Denn 1) ist bey denjenigen Blumen, oder vielmehr Bluͤthen, welche vom Winde befruchtet werden sollen, eine große Menge Staubes noͤthig; da aber bey dieser Blume im- mer nur Eine Anthere bluͤhet, so ist auch nur wenig Staub vorhanden. 2) Da die Blume eine Zwitterblume ist, so wuͤr- de, wenn sie durch den Wind befruchtet werden sollte, es weit zweckmaͤßiger seyn, daß sie mit ihrem eigenen Staube, als daß sie mit dem Staube einer andern von ihr entfernten Blume befruchtet wuͤrde. Denn je weiter die Anthere vom Stigma entfernt ist, desto schwerer ist es auch, daß der Wind den Staub jener auf dieses fuͤhre. Die Natur wuͤrde sich also durch die gemachte Einrichtung die Erreichung ihrer Absicht erschwert, wenn nicht gar unmoͤglich gemacht haben. Da die bluͤhende Anthere dem Stigma, wenn dasselbe schon vorhanden waͤre, so nahe als moͤglich ist, und dennoch die Befruchtung nicht auf eine mechanische Art geschieht: so folgt hieraus, daß man uͤberhaupt das nahe Beysammenseyn des Stigma und der Antheren keinesweges als einen Beweis ansehen muͤsse, daß die Befruchtung auf eine mechanische Art geschehe. So find in der Diadelphia decandria und in der Didynamia gymnospermia die Antheren dem Stigma sehr nahe, und oftmals so nahe als moͤglich; ich werde aber an seinem Ort beweisen, daß in beiden Ordnungen die Befruch- tung durch Insekten geschieht. Und so wie in diesem Fall die Befruchtung nicht auf die Art geschieht, als man dem Anse- hen nach vermuthen sollte, so geschieht dieselbe wahrscheinlich eben so wenig auf eine solche Art in dem Fall, wenn das L 3 Parnassia. Stigma unter den Antheren angebracht ist. Alsdenn hat es zwar das Ansehen, als wenn der Staub der Antheren auf das Stigma fallen sollte; es fragt sich aber, ob dies wirklich die Absicht der Natur ist, oder ob sie sich nicht vielmehr auch in diesem Fall der Insekten bedient. In der Abhandlung von den Schirmblumen habe ich gesagt, daß wenn in einigen Blumen der Griffel fehlt, seine Abwesenheit eben so nothwendig, wesentlich und zweckmaͤßig ist, als in an dern Blumen seln Daseyn und seine bestimmte Laͤnge, weil die zur Bestaͤubung des Stigma schicklichste Stelle unmittelbar uͤber dem Fruchtknoten befindlich ist. Dies wird durch diese Blume bestaͤtigt. Denn wenn alles uͤbrige unveraͤndert bliebe, das Pi- still aber einen Griffel haͤtte, so stuͤnde das Stigma nicht grade da, wo vorher die bluͤhende Anthere stand, sondern hoͤher. Folg- lich wuͤrde das Insekt nicht mit dem in der juͤngeren Blume be- staͤubten Theil seines Koͤrpers das Stigma beruͤhren, und die Be- fruchtung wuͤrde durch den Griffel unmoͤglich gemacht werden. Welches ist nun das zur Befruchtung der Blume bestimmte Insekt? Auf welche Art geschieht dieselbe? Und was leisten bey diesem Geschaͤft die Saftmaschinen noch außerdem, daß sie den Saft enthalten? Ich habe bisher folgende Insekten auf den Blumen ange- troffen. 1. Blasenfuͤße in großer Anzahl, sowohl schwarze, als gelbe, auch ein einzigesmal einen rothen, welcher seiten ist. Diese Thier- chen koͤnnen aber zur Befruchtung der Blume nicht bestimmt seyn, weil sie viel zu klein dazu sind. Da die Blume sowohl in An- sehung ihrer Groͤsse, als auch wegen ihrer dichogamischen Einrich- tung der Nigella aruensis, dem Delphinium Aiacis und dem Aconitum Napellus aͤhnlich ist, diese aber von groͤsseren Insek- ten, nemlich Bienen und Hummeln, befruchtet werden: so schließe ich hieraus, daß auch sie von einem groͤsseren Insekt be- fruchtet wird. Blasenfuͤße halten sich in Einer Blume, welche fuͤr sie gleichsam eine kleine Welt ist, lange auf, fliegen aber nicht von einer Blume zur andern, welches von dem zur Befruchtung bestimmten Insekt geschehen muß. 2. Eine Art Fliegen. Diese genossen zwar vom Saft, aber nicht in einer solchen Stellung, woraus sich haͤtte schließen lassen, daß sie die Blume befruchten. 3. Eine Biene. Auf einer Wiese, wo die Blume haͤufig stand, traf ich einige Bienen an, welche die groͤßte Gleichguͤltig- keit gegen dieselbe zu erkennen gaben, und sie nicht einmal zu be- merken schienen, sondern sich bloß zur Lychnis flos cuculi hiel- ten. Hieraus schloß ich, daß sie auch nicht zur Befruchtung der- selben bestimmt seyen. Im letztvergangenen Jahre fand ich auf Parnassia. einer Blume eine Biene. Dies war fuͤr mich eine interessante Erscheinung. Ich legte mich also neben der Blume auf die Erde nieder, um die Biene recht genau zu beobachten. Sie hatte grade die zur Befruchtung erforderliche Stellung. Sie stand nemlich auf den Saftmaschinen, mußte folglich mit dem Unterleibe ent- weder die bluͤhende Anthere, wenn es eine juͤngere Blume war, oder, wenn es eine aͤltere war, das Stigma beruͤhren. Ich merkte aber gar bald, daß sie demungeachtet nicht zur Befruch- tung der Blume bestimmt sey. Denn sie schien ganz betaͤubt und kraftlos zu seyn, und konnte kaum mit vieler Muͤhe aus der Blume herauskriechen, schien also vor Mattigkeit nicht das Ver- moͤgen zu haben, von ihren Fluͤgeln Gebrauch zu machen. Matt und kraftlos kroch sie im Grase umher, welches ich eine Weile mit ansahe, bis ein anderer Gegenstand auf einige Augenblicke meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Als ich darauf wieder nach der Biene hinsahe, konnte ich sie nicht wieder finden. Sie muß also unterdessen entweder davon geflogen seyn, oder, welches wahrscheinlicher ist, sich verkrochen haben. Da also aus dieser seltenen und merkwuͤrdigen Erfahrung erhellt, daß der Saft der Blume den Bienen hoͤchst schaͤdlich ist: so folgt hieraus, daß sie auch nicht von denselben befruchtet werden soll. Aus folgenden Ursachen glaube ich, daß die Blume eine Nachtblume ist, und von einem Nachtinsekt befruchtet wird. 1) Wenn sie von einem Tagesinsekt befruchtet wuͤrde, so muͤßte es wunderlich zugegangen seyn, daß ich dasselbe nicht irgend ein- mal auf der Blume in dem Befruchtungsgeschaͤft sollte angetrof- fen haben, da ich oftmals, und zuweilen stundenlang die Blu- men beobachtet habe; zumal, da dieses Insekt nicht selten, son- dern gemein seyn, und die Blumen haͤufig besuchen muß. Denn die Befruchtung erfolgt nicht selten, sondern gewoͤhnlich, und man findet selten eine verbluͤhete Blume, welche keine Samen- kapfel angesetzt hat. 2) Daß die Blumen des Abends aufbre- chen, habe ich wirklich bemerkt; ob sie dies des Morgens auch thun, oder nicht, weiß ich nicht, weil es mir an Beobachtungen hieruͤber fehlt. 3) Es scheint, daß die Staubgefaͤße sich bloß des Abends einander abloͤsen. Denn ich habe oftmals des Abends ge- funden, daß eine frische Anthere sich uͤber das Pistill hingelegt hatte, welche noch groß und weiß war, und sich noch nicht geoͤff- net hatte. In diesem Zustande konnte sie nun nicht lange bleiben, sondern sie mußte sich bey einbrechender Nacht schon geoͤffnet ha- ben. 4) Endlich beguͤnstigt auch die Farbe der Krone, welche weiß ist, diese Meinung. Denn Nachtblumen haben, wie ich in der Einleitung gesagt habe, eine helle, oftmals eine weiße Farbe. Parnassia. Statice. Auf der andern Seite scheint daraus, daß die Blume ein Saftmaal hat, zu folgen, daß sie eine Tagesblume sey. Es ist nemlich jedes Kronenblatt mit verschiedenen Linien von dunkler Farbe geziert. Eigentlich sind diese Linien so viel Furchen, welche eben so weiß sind, als die Krone uͤberhaupt, wegen des Schat- tens aber dunkelfarbige Linien zu seyn scheinen, und sich stark aus- nehmen. Daß diese Linien das Saftmaal sind, erhellet daraus, daß sie nicht bis an das untere Ende des Kronenblatts sich er- strecken, sondern schon in einer ziemlichen Entfernung von demsel- ben sich vereinigen und endigen, so daß nur gleichsam eine schwache Spar derselben sich bis an das Ende des Kronenblatts hinzieht. Dieses sieht man an dem in Fig. 57. zwischen den Staubgefaͤßen 1 und 5 stehenden Kronenblatt. Sieht man nun in die Blume hinein, so sieht man, daß diese Linien grade hinter demjenigen Theil der Saftmaschinen zusammenlaufen, welcher den Saft ent- haͤlt. Dieser Theil ist gruͤn, da der Stiel weiß ist, und hat auf der inneren oder oberen Seite zwey schwache runde Vertiefungen, welche den Saft enthalten. Folglich zeigen diese Linien den In- sekten recht deutlich, wo der Saft anzutreffen ist. Haͤtten die Saftmaschinen keinen Stiel, oder sonderte der Fruchtknoten selbst den Saft ab, so wuͤrden auch diese Linien sich voͤllig bis an das Ende des Kronenblatts erstrecken, welches wir an der Iris schon gesehen haben, und in der Folge noch oͤfter sehen werden. Dies ist das Resultat meiner bisher uͤber diese Blume ange- stellten Beobachtungen und Untersuchungen. Ob ich nun gleich das Geheimniß ihrer Struktur und Befruchtung nicht entdeckt habe, so habe ich doch, da ich bewiesen habe, daß sie nicht an- ders als von einem Insekt befruchtet werden kann, den Blumen- forschern eine zuverlaͤssige Spur gezeigt, welche, wenn sie mit Aufmerksamkeit, Beobachtungsgeist und unverdroßnem Fleiß ver- folgt wird, uͤber kurz oder lang gewiß zu einer von den schoͤnsten Entdeckungen im Reich der Flora fuͤhren wird. Die Samenkapsel sitzt am Ende des langen aufrecht stehen- den Stengels aufrecht, und oͤffnet sich oberwaͤrts, indem sie die Theilung in vier Stuͤcke, welche die Blume, um das Stigma hervorzubringen, angefangen hatte, gleichsam nur fortsetzt. Folglich koͤnnen die Samenkoͤrner nicht von selbst herausfallen, sondern nur vom Winde herausgeworfen werden, da sie sich denn weit und breit verstreuen. Bey nasser Witterung ist die Samenkapsel meist verschlossen, damit nicht Regentropfen in dieselbe hineinfallen, und die Samenkoͤrner verderben. Statice. Statice Armeria. Grasblume. Tab. X. 33. 35. 40. 41. 43—45. Tab. XI. 4. 5. Statice. Tab. X. 33. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 35. Der mittelste Theil derselben, noch staͤrker vergroͤssert. 40. Die Blume, von der Seite gesehen. 41. Ein Kronenblatt und ein Staubgefaͤß, nebst einem Fuͤnf- theil des Safthalters, welches beide traͤgt. 43. Ist Fig. 40., nachdem die Kronenblaͤtter und die Staub- gefaͤße herausgezogen worden. 44. Das Pistill nebst dem Safthalter. 45. Der Fruchtknoten ohne den Safthalter. Die (punktirte) Saftdruͤse. Tab. XI. 5. Die bey schlechter Witterung meist verschlossene Blume, von oben gesehen. 4. Die verbluͤhete Blume. Die vorderste Haͤlfte des Kelchs ist weggeschnitten. 1. Die Saftdruͤse ist der unterste glatte und weiße Theil des Fruchtknotens, dessen oberster Theil gruͤn ist. 2. Der Safthalter ist derjenige Koͤrper, welcher die Saft- druͤse umgiebt, und dessen innere Oberflaͤche gelb ist. Auf dem- selben sitzen die Kronenblaͤtter nebst den an ihren Nagel angewach- senen Filamenten. Zieht man ein Kronenblatt heraus, so reißt es zuweilen vom Safthalter ab, zuweilen aber nimmt es ein Fuͤnf- theil desselben mit. 3. Die Griffel druͤcken sich mit elastischer Kraft an die Krone, so wie die Blaͤtter der Krone an den Kelch. Denn wenn man den letzteren der Laͤnge nach durchschneidet, so fallen die Kronen- blaͤtter auseinander, und die Griffel breiten sich mehr auseinan- der, als vorher. Man vergleiche Fig. 44. mit Fig. 43. Nun ist der unterste Theil der Griffel haaricht. Faͤllt also ein Regen- tropfen in die Krone, so wird er von den Haaren verhindert, in den Safthalter zu dringen. Weil aber diese Haare nur sehr wenig Anziehungskraft haben, so kann er nicht im Grunde der Krone haften, sondern er faͤllt bey der geringsten durch den Wind her- vorgebrachten Erschuͤtterung der Blume aus derselben wieder heraus. Den Insekten aber koͤnnen die Haare den Zugang zum Safthalter nicht sperren. Auch ist die Krone bey schlechter Wit- terung meist verschlossen, und man findet alsdenn zwar die aͤußere Seite der Kronenblaͤtter mit Regentropfen benetzt, die innere aber trocken. 4. Die Blumen bilden einen Knauf, welcher am Ende eines langen aufrechtstehenden blaͤtterlosen Stengels sitzt. Sie koͤnnen also, ungeachtet ihrer Kleinheit, von den Insekten schon von weitem bemerkt werden. Die fleischfarbene Krone hat kein Saftmaal. Statice. Linum. 5. Die Blumen werden von Bienen und Schmetterlingen besucht. Auch halten sich in denselben Blasenfuͤße, sowohl schwarze, als rothe, auf. Gleditsch scheint schon bemerkt zu haben, daß diese Blume Saft enthaͤlt, S. 170. Wann die Blume verbluͤhet ist, so wickeln sich die Kronen- blaͤtter nebst den Filamenten und Griffeln zusammen, so daß sie zuletzt im Grunde des Kelchs einen sehr kleinen Raum einnehmen. Dies dient vermuthlich zur Beschuͤtzung der jungen und noch zar- ten Frucht. Sobald diese ihre voͤllige Groͤsse erreicht hat, loͤsen sie sich vom Kelch ab, und fallen aus demselben heraus. An der Frucht kann man alsdenn die vormalige Saftdruͤse noch deutlich erkennen, Tab. X. 37* b. Denn der unterste Theil derselben ist weiß und glaͤnzendglatt, der oberste aber gruͤnlich und ohne Glanz. Diese Frucht ist eine Kapsel, in welcher Ein Samen- korn enthalten ist. Dieses Samenkorn ist nicht mit dem untersten Ende an den Grund der Kapsel befestigt, sondern seine Spitze haͤngt vermittelst eines roͤthlichen Fadens, welcher an der einen Seite des Samens dicht anliegt, mit demselben zusammen. In Fig. 37 * a ist die Frucht abgebildet, nachdem der groͤßte oberste Theil der Kapsel weggeschnitten worden, wo man den Faden sieht. Und in Fig. 29 * ist das aus der Kapsel herausgenommene Sa- menkorn nebst der halben Kapsel abgebildet, wie auch der Faden, welcher die Spitze jenes mit dem Grunde dieser verbindet. Eine sonderbare Einrichtung! Linum. Linum vsitatissimum. Lein. Tab. XI. 6. 7. 6. a der vergroͤsserte Fruchtknoten. b die zusammengewach- sene Basis der Filamente. c ein umgebogenes Kelchblatt nebst seinem Safttroͤpfchen. Ueber demselben sieht man einen (punktir- ten) Theil der Saftdruͤse, welche dasselbe abgesondert hat. 7. Der Fruchtknoten nebst der Basis der Filamente, von unten gesehen. In der Mitte der letzteren die fuͤnf (punktirten) Saftdruͤsen. Daß diese Blume Saft enthaͤlt, hat vermuthlich vor mir noch niemand entdeckt. Linn é und Pollich erwaͤhnen des Nectarii nicht. In Oeders Abbildung der Blume (Einlei- tung zur Kraͤuterkenntniß. Tab. VIII. Fig. 71.) sieht man keine Saftdruͤsen. Ich selbst habe die Saftdruͤsen lange vergebens ge- sucht, bis es mir endlich gluͤckte, sie zu finden. 1. Die fuͤnf Saftdruͤsen sind in der Mitte des Haͤutchens be- findlich, in welches die Filamente unter dem Fruchtknoten zusam- mengewachsen sind. Dieser letzte Umstand, welchen Linn é Linum. uͤbersehen hat, ist in der Oederschen Abbildung nicht aus der Acht gelassen worden. 2. An dieses Haͤutchen schließen sich die Kelchblaͤtter dicht an. In dem Winkel zwischen einer jeden Saftdruͤse und dem anlie- genden Kelchblatt sitzt ein Safttroͤpfchen, welches man auf dem letztern erblickt, wann man dasselbe umgebogen hat. 3. Die Kronenblaͤtter wechseln mit den Kelchblaͤttern ab, und zwischen ihren Naͤgeln ist eine kleine Oeffnung, welche sich also grade uͤber dem Safttroͤpfchen befindet. Durch diese Oeff- nung koͤnnen zwar Insekten ihren Saugeruͤssel stecken, aber kein Regentropfen dringen. Auch aͤndert die Blume bey Regenwetter zwar nicht ihre aufrechte Stellung, aber ihre Gestalt; denn ihre Krone ist alsdenn etwas geschlossen. Ein jedes Filament hat auf seiner aͤußeren Seite eine Furche, welche sich bis zur Saftdruͤse hinab erstreckt. Diese dient vermuthlich dazu, daß, weil die Kelchblaͤtter sich dicht an die Filamente anschließen, ein Insekt durch die Roͤhre, welche diese Furchen und die Kelchblaͤtter bilden, seinen Saugeruͤssel hindurch stecken koͤnne, um zum Saft zu ge- langen. 4. Die Blume ist eine Tagesblume; denn des Abends schließt sie sich. Eben dies gilt auch vom Linum cathareticum. 5. Daher kann sie auch nur fuͤr Tagesinsekten bestimmt seyn, zu welchen die Hummeln gehoͤren. Auf einem bluͤhenden Lein- felde traf ich eine große Hummel an, welche die Blumen besuchte. Sobald sie sich auf eine derselben gesetzt hatte, verursachte sie durch ihre Schwere, daß der Stiel oder der ganze Stengel sich herabbeugte, so daß sie nebst der Blume beynahe bis auf die Erde herabfiel. Es war angenehm anzusehen, wie, indem die Hum- mel von einer Blume zur andern flog, ein Stengel nach dem an- dern nickte, und, sobald dieselbe die Blume wieder verließ, mit dieser wieder in die Hoͤhe fuhr. Vermuthlich hatten von diesem Besuch die Blumen nicht geringern Nutzen, als die Hum- mel, indem sie von derselben befruchtet wurden. Linum perenne. 1. Die Saftdruͤsen sind die fuͤnf kleinen Hoͤhlen an der zu- sammengewachsenen Basis der Filamente. 2. Der Saft befindet sich zwischen jedem Hoͤhlchen und dem gegenuͤber stehenden fest anliegenden Kelchblatt. 3. Wenn man in die Blume hineinsieht, so erblickt man im Grunde derselben fuͤnf mit Haaren besetzte Oeffnungen. Denn die Naͤgel der Kronenblaͤtter sind haaricht, und uͤber jedem Saft- hoͤhlchen sitzt am Filament ein Haarbuͤschel. Durch diese Oeff- nungen kann kein Regentropfen dringen. Daß aber bey dieser Blume Haare angebracht sind, und bey der vorhergehenden nicht, koͤmmt daher, weil sie weit groͤsser ist, als jene. 4. Die Galanthus. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Die innere Seite der Kronenblaͤtter ist sehr glaͤnzend, die aͤußere weniger. Der oberste groͤssere Theil jener ist himmelblau, der folgende blaß- blau, und der Nagel gelb. Sieht man also in die Blume Galanthus. hinein, so sieht man oben einen breiten himmelblauen Ring, in der Mitte einen schmaͤlern blaßblauen Ring, und im Grunde einen gelben Kreis. Sechste Klasse. Hexandria. Zwitterblumen mit sechs Staubgefaͤßen . Galanthus. G alanthus niualis. Schneetroͤpfchen. Tab. X. 25—32. 38. 39. 31. Die des Nachts geschlossene Blume. 32. Die bey Tage geoͤffnete Blume. 26. Dieselbe, nachdem die aͤußeren Kronenblaͤtter abgeschnit- ten worden. 27. Dieselbe, nachdem auch das vorderste innere Kronenblatt abgeschnitten worden. 25. Das abgeschnittene innere Kronenblatt von außen. 30. Dasselbe von innen. 29. Der Durchschnitt desselben bey a b Fig. 30. 28. Der Fruchtknoten im Durchschnitt. Der Griffel. Drey Staubgefaͤße. Der Griffel ist von a bis b gruͤnlich, uͤbrigens aber weiß. 38. Der Griffel. Die gruͤnliche Farbe ist durch Punkte an- gedeutet. 39. Die Blume von unten gesehen, ohne Schatten. Die durchsichtigeren Linien der großen Kronenblaͤtter, und die gruͤnen Streifen der kleinen sind angedeutet. 1. 2. Die irrige Vorstellung, welche ich anfaͤnglich von der Saftdruͤse des Leucoium vernum hatte, verleitete mich zu einem aͤhnlichen Irrthum in Ansehung des Galanthus. Ich hielt nem- lich den etwas fleischichten und weißen Boden, welcher in Fig. 28. punktirt ist, fuͤr die Saftdruͤse, und glaubte, daß der Saft von demselben an den inneren Kronenblaͤttern herabfloͤsse. Daß aber derselbe keinesweges die Saftdruͤse sey, habe ich hernach durch die Erfahrung eingesehen. Ich habe nemlich von verschiedenen Blu- men, ehe sie voͤllig aufgebrochen waren, die inneren Kronenblaͤt- ter weggeschnitten, und sie hernach oͤfters besehen, aber in keiner derselben auf dem Boden Saft gefunden. Folglich sind die inne- ren Kronenblaͤtter nicht nur der Safthalter, sondern auch die Saftdruͤse. Deswegen sind sie fleischicht, welches der Durchschnitt Fig. 29. zeigt, und dauern daher laͤnger, als die aͤußeren Kronen- blaͤtter. Sie sondern aber nicht auf ihrer ganzen inneren Seite den Saft ab, sondern nur in der Mitte, soweit sie gruͤn sind, Fig. 30., da sie an den beiden duͤnnen Seitenraͤndern und am un- tersten Rande weiß sind. 3. Der Saft ist gegen den Regen vollkommen gesichert. Denn da die Blume herabhaͤngt, so empfangen die aͤußeren Kro- nenblaͤtter die Regentropfen auf ihrer aͤußeren Seite, und halten dieselben von den inneren Kronenblaͤttern ab. Die letzteren sind dick und steif, liegen mit dem Rande eines auf dem andern, und bil- den also eine Roͤhre. Wenn zufaͤlligerweise ein Regentropfen in die Oeffnung dieser Roͤhre koͤmmt, so kann derselbe doch nicht weiter dringen, sondern muß unter den Antheren stehen bleiben. Diese biegen sich nemlich mit ihren Spitzen dicht an den Griffel; diese Spitzen aber laufen in Borsten aus, welche sich wieder aus- einander breiten, und einen großen Theil des inneren Raums der Roͤhre einnehmen. Weil nun diese Borsten sehr wenig Anzie- hungskraft haben, so bleibt der Regentropfen unter denselben stehen. 4. Die Blume ist ungefaͤhr von zehn Uhr Morgens bis vier Uhr Nachmittags geoͤffnet, die uͤbrige Zeit aber geschlossen, folg- lich eine Tagesblume. Deswegen hat sie ein Saftmaal. Die in- neren Blaͤtter der weißen Krone sind auf der aͤußeren Seite nahe am untersten Rande mit einem gruͤnen Fleck geziert. Wenn ein Insekt sich der Blume genaͤhert hat, so sieht es an diesen Flecken, daß in der Roͤhre, an deren Oeffnung dieselben stehen, der Saft enthalten ist. Daß aber diese Flecken nicht unmittelbar am Rande, sondern etwas weiter hinauf angebracht sind, ist vermuthlich des- wegen geschehen, damit sie sowohl unterwaͤrts, als oberwaͤrts ge- gen die weiße Farbe abstechen, sich also desto staͤrker ausnehmen. M Galanthus. Wenn das Insekt sich auf die Blume gesetzt, und, um in die Roͤhre hineinzukriechen, sich umgekehrt hat, so erscheint demsel- ben die Blume so, wie in Fig. 39. vorgestellt worden ist. Es er- blickt alsdenn verschiedene Linien, welche insgesamt nach der Mitte zu laufen, und ihm zeigen, daß der Saft in der Mitte befindlich ist. Die aͤußeren Kronenblaͤtter sind mit Linien geziert, welche zwar nicht von anderer Farbe, aber durchsichtiger und heller sind. Diese Linien bemerkt man nicht, wenn man die Blume von oben besieht, sondern bloß, wenn man sie uͤber die Augen erhebt, und sie von unten besieht. Und die inneren Kronenblaͤtter sind auf der Stelle, wo sie den Saft enthalten, mit gruͤnen Streifen ge- ziert. Warum aber der weiße Griffel an einer Stelle, Fig. 38., gruͤn ist, sehe ich um so viel weniger ein, da derselbe sehr duͤnne, und diese Farbe sehr schwach ist. Bey der folgenden Gattung hingegen wird ein aͤhnlicher Fleck am Griffel sich leicht erklaͤren lassen. Warum diese Blume kein Perianthium hat, sondern, bevor sie zu bluͤhen anfaͤngt, in einer Scheide eingeschlossen ist, welche sie hernach zerreißt, und von welcher sie sich, nachdem sie aus derselben zum Vorschein gekommen ist, ziemlich weit entfernt, ist leicht einzusehen. Da sie auf einem kurzen Stengel oder Schaft sitzt, und herabhaͤngt, so mußte sie, wenn sie von den Insekten leicht sollte bemerkt werden, denselben von oben gesehen stark in die Augen fallen. Denn die Insekten fliegen nicht unterhalb, sondern oberhalb derselben umher. Haͤtte sie nun ein Perianthium, z. B. wie die Rose, so wuͤrde dasselbe entweder gruͤn, oder ge- faͤrbt seyn. Waͤre es gruͤn, so wuͤrde es verursachen, daß die Krone den Insekten weniger in die Augen fiele; es wuͤrde folglich nachtheilig seyn. Waͤre es gefaͤrbt, wie die Krone, so wuͤrde es nicht verursachen, daß die Blume staͤrker in die Augen fiele; folg- lich wuͤrde es unnuͤtz seyn. Da im Gegentheil, was den ersten Fall betrifft, die ungefaͤrbte Scheide sehr schmal, und uͤberdies von der Blume ziemlich weit entfernt ist, folglich nicht verursa- chen kann, daß die Blume weniger in die Augen falle. Wenn sie hingegen zwar auf einem eben so kurzen Stengel saͤße, aber aufrecht stuͤnde: so koͤnnte sie ihrer Bemerkbarkeit unbeschadet ein Perianthium haben. Denn alsdenn wuͤrde nicht die Krone vom Kelch, sondern der Kelch von der Krone den Insekten verdeckt, und die Krone fiele mit ihrer inneren Seite denselben voͤllig in die Augen. Wenn sie endlich zwar herabhinge, aber auf einem hohen Baum saͤße: so koͤnnte sie auch ein Perianthium haben, wie die Lindenblume, weil sie durch dasselbe nicht verhindert werden wuͤr- de, den um die Krone des Baums und unter derselben umherflie genden Insekten in die Augen zu fallen. Wenn in beiden Faͤllen, besonders aber im ersten, das Perianthium von der Krone ganz Galanthus. verdeckt wuͤrde, so wuͤrde es gruͤn seyn, wie bey der Anemone Hepatica, wenn es aber nicht ganz von der Krone verdeckt wuͤr- de, so wuͤrde es auf der inneren Seite gefaͤrbt seyn, wie wir bey der Passiflora coerulea gesehen haben. 5. Die Bienen besuchen die Blume, indem sie sich zuerst auf eines von den aͤußeren Kronenblaͤttern setzen, und von da in die Roͤhre, welche die inneren Kronenblaͤtter bilden, hineinkriechen, da sie denn die letzteren ein wenig auseinander druͤcken. Sie be- suchen sie aber, wenn es die Witterung erlaubt, um so viel lie- ber, da sie, als eine von den ersten Saftblumen des Fruͤhjahrs, ihnen die angenehme Nachricht bringt, daß der oͤde Winter vor- uͤber ist, ihnen eine erfreuliche Aussicht in die von nun an immer milder werdende Jahreszeit eroͤffnet, bey ihnen die Hoffnung hervorbringt, daß sie nun bald wieder ihrem Lieblingsgeschaͤft wer- den nachgehen koͤnnen, und diese Hoffnung an sich selbst schon erfuͤllet. Eben so erfreuliche Aussichten, obgleich von hoͤherer Art, eroͤffnet sie dem Blumenforscher, welcher sich den Winter hindurch mit seinem Herbarium und mit Buͤchern hat durchstuͤm- pern muͤssen. Daher ist sie ihm, so oft er sie auch schon gesehen und untersucht hat, jedesmal willkommen. Am 17. Januar 1790 ragten die Blumenknospen und Blaͤt- ter beynahe einen halben Zoll uͤber die Oberflaͤche der Erde her- vor. Den Stengel einer Pflanze aber fand ich so lang, als er zu seyn pflegt, wann er sein voͤlliges Wachsthum erreicht hat; die Blumenknospe aber sah wie verbrannt oder verfault aus. Diese Erscheinung leite ich aus eben der Ursache her, welcher Ei- nige die Entstehung des Mutterkorns zuschreiben, nemlich von einem auf den Stengel gefallenen Regentropfen, welcher, von der Sonne beschienen, wie ein Brennglas gewirket, und zwar in dem Stengel ein uͤberaus schnelles Wachsthum hervorgebracht, die innere Struktur der Blumenknospe aber zerstoͤrt hatte. Es hatte nemlich an den vorhergehenden Tagen theils geregnet, theils zuweilen die Sonne geschienen; so wie auch damals, als ich diese Beobachtung machte, welches in der Mittagsstunde geschahe, die Sonne schoͤn schien, auf den Pflanzen aber noch Regentropfen saßen. Nun konnte die Sonne wegen ihres niedrigen Standes nur in der Mittagsstunde diese Wirkung hervorgebracht haben. Und hiermit stimmte die Stellung der Pflanze, von welcher die Rede ist, vollkommen uͤberein. Denn ihre beide Blaͤtter waren mit dem einem Rande, und nicht mit ihrer Flaͤche, grade nach Mittag gerichtet, so daß also ein Regentropfen, welcher zwischen denselben und der Blumenknospe gesessen hatte, den Strahlen der Mittagssonne ausgesetzt gewesen war. Leucoium. Leucoium. Leucoium vernum. Maͤrzblume. Tab. X. 42. 46. 47. 42. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 47. Dieselbe nach einem anhaltenden Regen. Damit man die innere Seite der Krone und die Geschlechtstheile sehen koͤnne, so ist vorne ein Theil der Krone weggeschnitten worden. Man sieht, daß zwar der obere, keinesweges aber der untere Theil der aͤußeren Seite der Krone, noch viel weniger die innere Seite der- selben und die Geschlechtstheile mit Regentropfen benetzt sind. 46. Die Blume im Durchschnitt. 1. 2. Ich habe einige Jahre lang von der Saftdruͤse eine irrige Vorstellung gehabt. Ich hielt nemlich den sehr fleischichten Boden, welcher in Fig. 46. punktirt ist, fuͤr die Saftdruͤse, so- wohl wegen seiner Dicke, als auch, weil ich in einigen Blumen in dem Winkel, welchen derselbe mit der Krone macht, einen klei- nen Tropfen fand. Nur wunderte mich, daß ich denselben nicht in allen Blumen antraf. Endlich entdeckte ich die eigentliche Saftdruͤse. Diese ist nemlich der Griffel selbst, welcher an der Stelle von b bis c Fig. 46. den Saft absondert und enthaͤlt. An dieser Stelle habe ich bey allen Blumen, die sehr alten ausgenom- men, Saft gefunden. So ungewoͤhnlich nun diese Bestimmung des Griffels ist, eben so ungewoͤhnlich und bloß hieraus erklaͤrbar ist sowohl seine Gestalt, da er so dick ist, als auch das Saftmaal, mit welchem er geziert ist. 3. Daß der Saft gegen den Regen voͤllig gesichert ist, zeiget Fig. 47. Diese Absicht wird durch folgende Anstalten erreicht. 1) Die Blume haͤngt herab. 2) Die Kronenblaͤtter sitzen nicht neben einander, sondern es wechseln drey aͤußere mit drey inneren ab, und die ersteren bedecken zum Theil die letzteren. 3) Die Krone hat mehr eine kugelfoͤrmige, als glockenfoͤrmige Gestalt, indem ihre Oeffnung kleiner ist, als ihr mit der Oeffnung gleich- laufender mittelster Durchschnitt. Ein jedes Blatt ist nemlich sehr konkav, und dieses daher, weil es sowohl an der Basis, als an der Spitze sehr fleischicht ist, und die fleischichte Spitze an beiden Raͤndern einige Falten hat. 4) Der Griffel ist weit kuͤrzer als die Krone. 4. Die Blume hat ein doppeltes Saftmaal, ein aͤußeres und ein inneres. Jenes sind die gruͤnlichgelben Flecken, mit welchen die weißen Kronenblaͤtter nicht weit von der Spitze geziert sind, Fig. 42. 47. Dieses ist der gleichfarbige Fleck, mit welchem das Ende des dickern Theils des weißen Griffels geziert ist, Fig. 46. 47. So wie die Bienen durch das aͤußere Saftmaal gelockt wer- den, in die Blume hineinzukriechen, so fuͤhrt sie das innere zu Leucoium. Narcissus. dem nahe uͤber demselben befindlichen Saft. Auch hat die Blume einen zwar schwachen, doch angenehmen Geruch, welcher dem Geruch der Werftbluͤthen ( Salix caprea ) aͤhnlich ist. 5. Die Blume wird von den Bienen aus eben der Ursache, als die vorhergehende, haͤufig besucht, da sie beynahe eben so fruͤh bluͤhet, als jene. Sie kriechen in dieselbe ganz hinein, und hal- ten sich lange in derselben auf, und verursachen, daß die Blume in eine zitternde Bewegung geraͤth, welches artig anzusehen ist. Daß sowohl diese, als die vorhergehende Blume von den Bienen nicht umsonst besucht und benutzet, sondern zugleich be- fruchtet werde, ist hoͤchst wahrscheinlich. Denn da die Antheren von der Krone umgeben sind, so kann der Wind dieselben nicht unmittelbar beruͤhren, folglich ihren Staub nicht anders heraus- werfen, als durch die Erschuͤtterung der Blume. Aber auch in diesem Fall kann der Staub hoͤchst schwerlich, wenn nicht gar un- moͤglich, auf das Stigma fallen. Denn das Stigma ist die Ober- flaͤche der Spitze des Griffels, folglich sehr klein, und uͤberdies dem herabfallenden Staube nicht zugekehrt, sondern von demsel- ben abgewendet. Wenn die Befruchtung auf diese Art geschehen sollte, so muͤßte das Stigma sich in einige ansehnliche Theile thei- len, und diese muͤßten sich oberwaͤrts herumkruͤmmen. Indem aber die Bienen entweder den Saft verzehren, oder den Staub sammlen (das letztere habe ich in dem Leucoium deutlich be- merkt): so beruͤhren und erschuͤttern sie die Antheren, und verur- sachen dadurch, daß der Staub derselben aus den Oeffnungen herausfaͤllt. Ein Theil desselben haftet an ihrem haarichten Koͤr- per. Mit dem bestaͤubten Koͤrper beruͤhren sie das Stigma, be- staͤuben dasselbe, und befruchten auf solche Art die Blumen. Daß die Befruchtung beider Blumen selten von Statten geht, lehrt die Erfahrung, indem man selten eine mit guten Sa- menkoͤrnern angefuͤllte Samenkapsel findet. Hievon laͤßt sich kein Grund angeben, solange man bey der mechanischen Befruchtungs- art stehen bleibt; es laͤßt sich aber leicht erklaͤren, wenn man an- nimmt, daß die Blumen von den Bienen befruchtet werden. Denn waͤhrend ihrer Bluͤhezeit ist es mehrentheils noch so kalt, daß die Bienen noch nicht ausfliegen koͤnnen. Im naͤchstvergan- genen Jahr Hierdurch verstehe ich jedesmal das Jahr 1791. bluͤhete Galanthus schon am 14. Februar, und Leucoium 8 oder 14 Tage spaͤter, und die Witterung wurde erst in den letzten Tagen ihrer Bluͤhezeit so gelinde, daß die Bienen ausfliegen konnten. Narcissus. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst. 2. Der Safthalter ist die Kronenroͤhre. M 2 Narcissus. Pancratium. Allium. 3. Der glockenfoͤrmige einem Kronenblatt aͤhnliche Theil, welcher die Oeffnung der Kronenroͤhre umgiebt, haͤlt die Regen- tropfen, welche auf die Krone gefallen sind, vom Safthalter gaͤnzlich ab. Weil er aber selbst ziemlich weit ist, und daher leicht Regentropfen in denselben hineinfallen, so wird diesen das Ein- dringen in den Safthalter durch die Antheren verwehrt, von wel- chen drey oben an der Oeffnung der Kronenroͤhre sitzen, die uͤbri- gen drey aber sich unter denselben befinden, und mit denselben abwechseln. Insekten aber koͤnnen durch die Zwischenraͤume zwi- schen den Antheren leicht hindurchkriechen, oder ihren Saugeruͤssel hindurchstecken. 4. Die Saftdecke ist zugleich das Saftmaal, indem sie von anderer Farbe zu seyn pflegt, als die Krone. 5. In dem Safthalter des Narcissus poeticus fand ich todte Blumenkaͤfer. Der Saft muß also fuͤr sie ein Gift seyn. Hiemit stimmt uͤberein, was Gleditsch sagt, S. 214., daß der Saft des Narcissus Pseudonarcissus den Bienen nicht zutraͤg- lich sey. Pancratium. Pancratium littorale . Jacqu. Amer. p. 99. 1. Die Saftdruͤse ist entweder der oberste Theil des Frucht- knotens, oder, welches wahrscheinlicher ist, der unterste weitere und vielleicht auch fleischichtere Theil der sehr langen Kronenroͤhre. Diese wird von dem Griffel meist ausgefuͤllt, und durch den engen Zwischenraum zwischen beiden steigt der Saft, wie in der Oeno- thera, in die Hoͤhe, und bleibt in demjenigen Theil stehen, wel- chen Jacquin das Nectarium nennt, Linn é aber nur fuͤr den obersten Theil desselben gehalten hat. 2. Dieser Theil ist also der Safthalter. Allium. Linn é sagt in seiner Beschreibung dieser Gattung nichts vom Nectario. Daß dennoch saͤmtliche Arten Saftblumen sind, beweise ich durch folgende. Allium carinatum. Wilder Knoblauch. Tab. XI. 16. 23. 29*. 16. Die vergroͤsserte juͤngere Blume, von unten gesehen, ohne Schatten. Die Farbe der Krone ist durch Punkte ange- deutet. 23. Das Pistill der juͤngeren Blume. Die Saftdruͤse ist punktirt. 29*. Das Pistill der aͤlteren Blume. 1. Die Saftdruͤse ist der unterste Theil des Fruchtknotens. Allium. 2. Der Safthalter ist der Grund der Krone, oder vielmehr die breite zusammenhangende und mit der Krone zusammenge- wachsene Basis der Filamente. 3. Da die Blume herabhaͤngt, so ist der Saft durch diese Stellung derselben schon hinlaͤnglich gegen den Regen gesichert, und es ist folglich keine besondere Saftdecke noͤthig. Daher hat sie nicht drey breite Filamente, sondern alle Filamente sind gleich schmal. Da also diese Art sich durch den Mangel der Saftdecke von ihren mehresten Nebenarten unterscheidet, welche dieselbe haben: so bestaͤtigt sie aufs augenscheinlichste dasjenige, was ich in der Einleitung von den herabhangenden Blumen gesagt habe, daß sie keine besondere Saftdecke haben, weil sie wegen ihrer Stel- lung derselben nicht benoͤthigt sind. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Krone ist weiß, jedes Blatt derselben aber in der Mitte und an beiden Raͤndern purpurfarben. Folglich hat die ganze Krone 24 abwechselnde weiße und purpurfarbene Streifen, welche nach dem Grunde zu laufen, und den Insekten zeigen, daß im Grunde der Saft ent- halten ist. Der Fruchtknoten ist oberwaͤrts gelb, und sticht gegen die Krone ziemlich stark ab. 5. Daß diese Blume von Insekten befruchtet wird, erhellet daraus, daß sie ein maͤnnlich-weiblicher Dichogamist ist. In Fig. 16. ist eine juͤngere maͤnnliche Blume abgebildet. Die Staub- gefaͤße 4, 5 und 6 liegen an der Krone. Ihre Filamente sind noch kurz, und ihre Antheren haben sich noch nicht geoͤffnet. Die Staubgefaͤße 1 und 3 haben sich verlaͤngert, und eine solche Stel- lung erhalten, daß ihre Antheren, welche sich geoͤffnet haben, und voller Staub sind, grade unter dem Pistill stehen. Das Staubgefaͤß 2 hat seine Bestimmung schon erfuͤllt, und sich mit seiner staublosen Anthere wieder an die Krone angelehnt. Solange nun die Staubgefaͤße sich auf solche Art einander abloͤ- sen, ist der Griffel noch sehr kurz, Fig. 23.; wann sie aber saͤmt- lich ihre Bestimmung erfuͤllt, und sich vom Pistill wieder entfernt haben, so verlaͤngert er sich, Fig. 29*., und das Stigma steht nun eben da, wo vorher die Antheren standen. Da also die Blume nicht durch ihren eigenen Staub befruchtet werden kann, so wird sie von Insekten, und zwar die aͤltere vermittelst des Stau- bes einer juͤngeren, befruchtet. Allium Cepa. Zwiebel. Bolle. Tab. XI. 20. 28*. 28**. 20. Die vergroͤsserte Blume, von der Seite gesehen. 28**. Dieselbe, von oben gesehen. 28*. Das Pistill. An der Basis des Fruchtknotens eine (punktirte) Saftdruͤse. Allium. 1. Die Saftdruͤsen sind die drey gruͤnlichen Stellen an der Basis des weißlichen Fruchtknotens, auf welchen die breite Basis dreyer Filamente liegt. 2. Der Saft befindet sich zwischen jeder Saftdruͤse und der anliegenden Basis des Filaments. 3. Weil die Basis des Filaments am Pistill anliegt, so kann kein Regentropfen zum Saft gelangen. 4. Die Kronenblaͤtter sind weiß, haben aber in der Mitte eine gruͤne Linie. Allium Schoenoprasum. Schnittlauch. Die Saft- druͤsen sind drey kleine Hoͤhlen an der Basis des Fruchtknotens. Die Filamente sind saͤmtlich unterwaͤrts zusammengewachsen, und bilden eine dreyeckichte Roͤhre, welche den Fruchtknoten um- giebt. Da aber dieser drey Winkel hat, so entstehen dadurch drey kleine Zwischenraͤume zwischen demselben und jener Roͤhre, durch welche zwar ein Insekt, keinesweges aber ein Regentropfen zum Saft gelangen kann. Allium fistulosum. Winterbolle. Tab. XI. 22. 30. 31. 37. 22 a. Eine juͤngere Blume. Zwey Staubgefaͤße haben ihre voͤllige Laͤnge erreicht, und ihre Antheren haben sich geoͤffnet. Das dritte Staubgefaͤß ist diesem Zustande sehr nahe. Die drey uͤbrigen sind von demselben noch entfernt. 22 b. Eine juͤngere Blume von einer andern Seite. Vier Staubgefaͤße haben ihre voͤllige Laͤnge erreicht, und ihre Antheren sind voller Staub. Die beiden uͤbrigen sind diesem Zustande nahe. In beiden Blumen befindet sich der Griffel noch innerhalb der Krone. 30. Eine aͤltere Blume. Die Filamente sind welk, und die Antheren ohne Staub. Dagegen ist der Griffel aus der Krone hervorgekommen, und das Stigma nimmt nun grade die Stelle ein, welche vorher die Antheren eingenommen haben. 31. Der Fruchtknoten in einer solchen Stellung, daß man zwey (punktirte) Saftdruͤsen sieht. 37. Derselbe in einer andern Stellung, da man nur Eine Saftdruͤse sieht. 1. Die Saftdruͤsen sind die drey Winkel oder Furchen an den Seiten des Fruchtknotens, welche unten am breitesten sind. Sie sind weiß, da der Fruchtknoten gruͤn ist. 2. Der Safthalter ist der Grund der Krone. 3. Da die Krone bestaͤndig geschlossen ist, so kann kein Re- gentropfen zum Saft gelangen. Die Blume bedarf daher eben so wenig, als Allium carinatum, obgleich aus einer andern Ur- Allium. sache, einer Saftdecke. Ihre Filamente sind also insgesamt gleich schmal. 5. Leske will, wie Medikus in der bey der Passiflora angefuͤhrten Abhandlung S. 158. meldet, am Knoblauch bemerkt haben, daß die Staubgefaͤße sich eines nach dem andern uͤber das Stigma hinstellen. Folglich hat er geglaubt, daß die Befruch- tung auf eine mechanische Art geschehe. Bey dieser Art aber ist so wenig, als beym Allium carinatum, an diese Befruchtungs- art zu denken, da sie auch ein maͤnnlich-weiblicher Dichogamist ist. Denn wann die Blume zu bluͤhen anfaͤngt, so kommen zu- erst die Staubgefaͤße eines nach dem andern aus der Krone zum Vorschein, und verlaͤngern sich, und ihre Antheren oͤffnen sich. Solange dies aber geschieht, ist der Griffel noch sehr kurz, und innerhalb der Krone verborgen. Wenn er gleich alsdenn schon ein Stigma haͤtte, so koͤnnte doch dasselbe keinen Staub erhalten. Wann die Staubgefaͤße verbluͤhet sind, und zu verwelken anfan- gen, alsdenn erst koͤmmt der Griffel aus der Krone zum Vor- schein, und wird endlich so lang, als die Filamente waren, so daß das Stigma grade da steht, wo vorher die Antheren standen. Dieses kann nun von den Antheren nicht bestaͤubt werden, weil dieselben keinen Staub mehr haben. Die Blume wird von den Bienen haͤufig besucht, und zwar, welches ich genau bemerkt habe, des Safts wegen. Indem sie nun auf dem Blumenknauf stehen, so stecken sie ihren Sauge- ruͤssel bald in eine juͤngere, bald in eine aͤltere Blume hinein. Im ersten Fall muͤssen sie nothwendig mit ihrem Unterleibe den Staub von den Antheren abstreifen, und im letzten eben so nothwendig das Stigma mit ihrem bestaͤubten Unterleibe beruͤhren, und das- selbe bestaͤuben, und folglich die aͤltere Blume mit dem Staube der juͤngeren befruchten. Allium Porrum. Porr é bolle. Tab. XI. 14. 15. Das Pistill von verschiedenen Seiten. 1. Der gruͤne Fruchtknoten hat an jeder von seinen drey Sei- ten in der Mitte einen fleischichten weißen Ansatz, welcher eine Saftdruͤse ist. 2. An einer jeden Saftdruͤse liegt die Basis eines breiten Fi- laments dicht an. In dem Zwischenraum zwischen dem Frucht- knoten, einer jeden Saftdruͤse und der Basis des anliegenden Fi- laments befindet sich der Saft. 3. Weil die Basis der breiten Filamente dicht an den Saft- druͤsen anliegt, so kann von oben kein Regentropfen durchkom- men. Insekten aber koͤnnen die Filamente leicht zuruͤckbiegen. Auch von der Seite kann kein Regentropfen in den Safthalter hineindringen. Denn alle sechs Filamente stehen dicht neben ein- ander, und bilden eine Roͤhre. M 3 Allium. Lilium. 5. Ich fand ein kleines bienartiges Insekt auf den Blumen. Es hielt sich in jeder lange auf, beleckte zuerst die Antheren, streifte hierauf mit den Vorderbeinen den Staub vom Saugeruͤs- sel ab, und steckte ihn alsdenn in den Safthalter hinein. Allium Victorialis. Allermannsharnisch. Der unterste Theil des Fruchtknotens ist weiß, der oberste gruͤn. Jener ist die Saftdruͤse. Der Saft ist zwischen den drey Seiten derselben und den drey breiten anliegenden Filamenten enthalten. Allium vineale . Tab. XI. 21. Das vergroͤsserte Pistill. Mitten auf dem Fruchtknoten sieht man einen (punktir- ten) Theil einer Saftdruͤse, deren uͤbriger Theil vom Safttroͤpf- chen verdeckt wird. Zu beiden Seiten sieht man einen Theil der beiden andern Saftdruͤsen. Diese Art ist dem Porrum ziemlich aͤhnlich. Weil die Blu- men aufrecht stehen, so ist der Saft gegen den Regen durch eben diejenige Einrichtung gesichert, welche ich beym Porrum angezeigt habe. Daß die beiden Zaͤhne der breiten Filamente in ein lan- ges aus der Krone hervorragendes Haar auslaufen, davon sieht man die Absicht leicht ein. Denn da diese sechs Haare wegen ihrer geringen koͤrperlichen Masse auch nur eine geringe Anzie- hungskraft haben, so halten sie einen Regentropfen, welcher auf die Oeffnung der Krone gefallen ist, voͤllig ab, in dieselbe hineinzufließen. Allium nutans hat mit Cepa eine gleiche Einrichtung. Lilium. Lilium Martagon. Goldwurz. Tuͤrkischer Bund. 1. 2. Die Spalte, welche Linn é das Nectarium nennt, ist die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter. 3. Weil die glockenfoͤrmige Blume herabhaͤngt, so ist hier- durch der Saft gegen den Regen voͤllig gesichert, und jene Spalte bedarf daher keiner Haare. 4. Die große auswendig und inwendig purpurfarbene Krone hat auf der inneren Seite nach der Mitte zu kleine dunkelpurpur- farbene Flecken, welche das Saftmaal sind. 5. Auch bey dieser Blume will Leske , wie Medikus S. 159. sagt, bemerkt haben, daß die Staubgefaͤße eines nach dem andern sich zum Pistill hinbegeben, um das Stigma zu be- staͤuben. Ich meines Theils habe dies nicht bemerkt, sondern vielmehr gefunden, daß sowohl die Filamente, als die Antheren diejenige Stellung, welche sie anfaͤnglich haben, unveraͤndert be- halten. Leske muß also entweder eine andre Blume gemeinet haben, oder sich von seiner Einbildungskraft haben taͤuschen lassen. Lilium. Daß aber diese Blume dennoch auf eine mechanische Art be- fruchtet wird, habe ich durch einen Versuch erfahren, welchen ich verschweigen wuͤrde, wenn es mir mehr um die Durchsetzung mei- ner Theorie, als um die Erforschung der Wahrheit zu thun waͤre. Dieser Versuch war demjenigen gleich, welchen ich vorher, wie ich unten erzaͤhlen werde, mit dem Maͤrzveilchen angestellt hatte. Der Erfolg desselben entsprach beym Veilchen meinen Erwartun- gen voͤllig, beym Martagon aber war er denselben grade entge- gengesetzt. Es bluͤheten nemlich im vergangenen Jahre zwey Pflanzen in meinem Garten. Einige Tage vorher, ehe die Blu- men sich zu oͤffnen anfingen, zog ich uͤber die Blumentraube der einen Pflanze einen Beutel von leinener Gaze, dessen Oeffnung ich hierauf zunaͤhete. Weil ich nun dadurch diese Blumen den Insekten unzugaͤnglich gemacht hatte, so erwartete ich, daß die- selben unbefruchtet bleiben, und keine Samenkapsel ansetzen wuͤr- den, da im Gegentheil die andre Pflanze, welche ich in ihrer na- tuͤrlichen Freyheit gelassen hatte, Samenkapseln hervorbringen wuͤrde. Zu meiner groͤßten Verwunderung geschahe aber in der Folge grade das Gegentheil. Die Blumen der ersten Pflanze verwandelten sich in Samenkapseln, welche, als sie ihre voͤllige Reife erlangt hatten, mit guten Samenkoͤrnern angefuͤllt waren; die Blumen der andern Pflanze hingegen waren saͤmtlich unbe- fruchtet geblieben. Die ersteren muͤssen also auf eine mechanische Art befruchtet worden seyn. Denn was die Ameisen betrifft, welche sich in den Beutel hineinzuschleichen gewußt hatten, und welche ich auf den Blumen umherkriechen sahe: so glaube ich nicht, daß die Befruchtung von ihnen geschehen sey, sondern von einem groͤsseren Insekt haͤtte geschehen muͤssen. Die Moͤglichkeit der mechanischen Befruchtungsart sahe ich zwar schon damals, als die Blumen bluͤheten, vollkommen ein. Denn der Griffel war nicht grade, sondern nach Einer Seite gekruͤmmt, so daß das Stigma Eine oder zwey Antheren beruͤhrte. Ich begreife aber weder, warum die Blume sechs Antheren hat, da das Stigma doch nur Eine oder hoͤchstens zwey beruͤhren kann (denn der Grif- fel, nachdem er sich gekruͤmmt hat, bleibt unveraͤndert stehen), noch, warum sie eine gefaͤrbte Krone hat, und Saft absondert, da jene sowohl als dieser zu ihrer Befruchtung nichts beytraͤgt, ihr also keinen Nutzen verschafft. Dieser Versuch hat mich verhindert, in der Einleitung zu be- haupten, 1) daß alle Saftblumen von Insekten befruchtet wer- den, 2) daß die Befruchtung der Blumen niemals durch die un- mittelbare gegenseitige Beruͤhrung der Antheren und des Stigma geschieht. Was jedoch den zweyten Satz betrifft, so laͤßt sich zum Vortheil desselben noch folgender Schluß machen. Da die Na- tur, welche nichts vergebens thut, dieser Blume sechs Antheren Lilium. Fritillaria. gegeben hat, so muͤssen auch alle sechs zur Befruchtung dersel- ben das Ihrige beytragen. Nun beruͤhrt aber das Stigma nur Eine oder zwey. Folglich kann es auch nicht die Absicht seyn, daß durch diese unmittelbare Beruͤhrung, sondern auf eine andre Art der Staub der Antheren auf das Stigma gebracht werde. Daß aber die andere Pflanze, mit welcher ich jenen Ver- such nicht angestellt hatte, keine Samenkapseln hervorgebracht hat, schreibe ich ihrem Alter, oder einer Krankheit derselben zu. Ihre Blaͤtter schienen eines von beiden anzuzeigen, da sie nicht so gruͤn, wie die Blaͤtter der anderen Pflanze, sondern etwas gelb waren. Lilium bulbiferum. Feuerlilie. 3. Weil diese Blume aufrecht steht, so sind die Spalten, welche den Saft enthalten, mit Haaren besetzt, und die Kro- nenblaͤtter haben auf der inneren Seite aufrecht stehende Zaͤhne. Beides dient zur Abhaltung der Regentropfen vom Saft. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die feuerfarbene Krone ist in der Mitte gelb. Beide Farben verlieren sich nach und nach in einander. Lilium candidum. Weiße Lilie. Bey dieser Art sind die Spalten nicht vorhanden, welche Linn é der Gattung zu- schreibt. Die Kronenblaͤtter sondern auf der inneren Seite ihrer dickeren Naͤgel, welche in der Mitte ein wenig gruͤnlich sind, einen kleinen Safttropfen ab, welcher auch daselbst sitzen bleibt. Diese drey Arten enthalten weit weniger Saft, als man von so großen Blumen erwarten sollte. Daher scheint Gle- ditsch denselben gar nicht bemerkt zu haben, S. 223. Fritillaria. Fritillaria imperialis. Kaiserkrone. Tab. XI. 24. 25. 24. Die Basis eines Kronenblatts im Durchschnitt. 25. Die innere Seite derselben. 1. Die fleischichte glatte ausgehoͤhlte weiße Saftdruͤse be- findet sich an der Basis eines jeden Kronenblatts. Zerschneidet man dieselbe, so sieht die Substanz derselben auch weiß aus. Die Kronenblaͤtter bestehen aus zwey Haͤuten, welche durch Nerven mit einander verbunden sind. Von diesen Haͤuten zieht sich zwar die aͤußere uͤber die Saftdruͤse hinweg, keines- weges aber die innere, welche vielmehr eine Luͤcke von der Groͤsse und Gestalt der Saftdruͤse hat. 2. Eben diese Saftdruͤse ist zugleich der Safthalter. Sie hat unterwaͤrts einen dicken schwielichten Rand, damit der Fritillaria. Saft nicht leicht aus derselben heraus, und am Kronenblatt herabfließen koͤnne. 3. Der Saft kann durch den Regen unmoͤglich verdorben werden. Denn 1) die Blumen werden von dem uͤber ihnen stehenden Blaͤtterzopf geschuͤtzt. 2) Sie haben eine glockenfoͤr- mige Gestalt, und hangen grade herab. 3) Die drey aͤußeren Kronenblaͤtter bedecken zum Theil die drey inneren. 4. Die sechs Saftdruͤsen sind zugleich so viel Saftmaͤler. Denn sie sind weiß, da die Kronenblaͤtter roth, an der Basis aber schwarzbraun sind, damit die weiße Farbe der Saftdruͤsen sich desto staͤrker ausnehme. 5. Ich habe Bienen und Hummeln in den Blumen an- getroffen. Jene samleten zuerst den Staub der Antheren, und krochen hernach in den Grund der Krone hinauf, um den Saft abzuholen. Diese, welche von einerley Art waren, hin- gegen blieben bloß auf den Antheren, deren Staub sie ab- streiften, und eben so, wie die Bienen, auf die Hinterbeine brachten. Eine derselben hatte die Hinterbeine voll rothen Staubes, welchen sie vom Lamium purpureum gesamlet hatte. Diesen uͤberzog sie nach und nach mit dem weißen Staube der Fritillaria. Nichts ist natuͤrlicher, ja nothwendiger, als daß diese Insekten, indem sie zwischen den Antheren wuͤhlen, einen Theil ihres Staubes auf das nahe unter denselben befindliche Stigma bringen, und auf solche Art die Blumen befruchten. Wahlboom macht S. 253. in Ansehung dieser und ei- niger anderen herabhangenden Blumen folgenden Schluß: Weil der Griffel laͤnger ist, als die Staubgefaͤße, so hangen die Blumen herab, damit der Staub derselben desto leichter auf das Stigma fallen koͤnne. Ich hingegen schließe so: Weil der Saft vor dem Regen beschuͤtzt seyn muß, so hangen die Blumen herab. Der Griffel aber ist anfangs, wann die Antheren sich zu oͤffnen anfangen, nicht laͤnger, als die Staub- gefaͤße, er verlaͤngert sich erst, wann die Antheren sich voͤllig geoͤffnet haben, und sich nach und nach verkuͤrzen. Daß aber der Antherenstaub, wenn das Stigma auch noch niedriger stuͤnde, dennoch nicht leicht auf dasselbe fallen koͤnne, erhellt daraus, daß dasselbe dem herabfallenden Staube nicht zuge- kehrt ist. Es theilt sich zwar in drey Theile; diese begeben sich aber nur ein wenig von einander, und kruͤmmen sich nicht ober- waͤrts herum, welches doch geschehen muͤßte, wenn sie den her- abfallenden Staub auffangen sollten. An einem warmen Tage fand ich in der Mittagsstunde viel Bienen auf den Blumen. Sie hatten den Saft derselben schon voͤllig verzehrt; denn die Safthoͤhlen waren leer und trocken. Ich pfluͤckte einige Blumen ab, nahm sie mit nach Fritillaria. Erythronium. Hause, und stellte sie ins Wasser. Nach einigen Stunden fand ich in den Safthoͤhlen wieder Saft, und am folgenden Morgen waren dieselben wieder mit Saft ganz angefuͤllt. Hieraus folgt also, daß die Saftblumen, solange sie bluͤhen, fortfahren Saft abzusondern, und den von den Insekten verzehrten Vorrath wie- der zu ersetzen. Spinnen kriechen in die Blumen hinein, und machen in denselben ein Gewebe, um auf die Insekten, welche die Blumen besuchen, Jagd zu machen. Dergleichen von Spinnen bewohnte Blumen haben einen großen Vorrath von Saft, weil die In- sekten denselben nicht abholen koͤnnen. Die Samenkapseln hangen nicht, wie die Blumen, herab, sondern stehen aufrecht, damit die Samenkoͤrner nicht heraus- fallen, sondern vom Winde herausgeworfen und weit verstreuet werden. Erythronium. Erythronium dens canis . Tab. XI. 26—28. 26. Ein inneres Kronenblatt von der inneren Seite. 27. Ein Staubgefaͤß. 28. Der Fruchtknoten nebst dem untersten Theil eines inne- ren Kronenblatts und dem demselben gegenuͤber stehenden Fi- lament. 1. Die Saftdruͤse ist die duͤnne Basis des Fruchtknotens. 2. Die inneren Kronenblaͤtter haben an der Basis zwey Oh- ren, zwischen welchen und der Saftdruͤse der Saft enthalten ist; ob ich gleich in derjenigen Blume, welche allein ich zu untersu- chen Gelegenheit hatte, keinen Saft gefunden habe, weil sie schon meist verbluͤhet war. Diese Ohren, welche Linn é das Necta- rium nennt, sind nicht, wie er sagt, schwielicht, sondern weich und schwammicht. 3. Zum Saft kann kein Regentropfen gelangen. Denn 1) ist die Blume der Erde zugekehrt. 2) Die Kronenblaͤtter sind im Grunde, wo der Saft ist, zusammengewachsen, und bilden eine enge Roͤhre. 3) Die Filamente sind unterwaͤrts (wenn man die Blume in ihrer natuͤrlichen Stellung betrachtet) breiter, als oberwaͤrts. Regentropfen also, welche auf dieselben gefallen sind, werden sowohl durch ihre eigene Schwere, als auch durch die staͤrkere Anziehungskraft des breiteren Theils der Filamente vom Safthalter abgehalten und abgeleitet. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Kronenblaͤtter sind auf der inneren Seite von a bis b Fig. 26. purpurfarben, von b bis c ungefaͤrbt oder weiß, bey c haben sie einen Queer- strich, welcher aus kleinen braunen oder kastanienfarbenen Flecken besteht, und von c bis d sind sie gelblichgruͤn. Tulipa. Albuca. Tulipa. Tulipa Gesneriana. Tulpe. Saft habe ich in der Blume nicht gefunden. Dennoch wird sie von den Bienen be- sucht, vermuthlich bloß des Staubes wegen. Auch halten sich Spinnen in derselben auf, um auf die Bienen Jagd zu machen. In einer Blume fand ich eine Spinne, welche grade damit be- schaͤftigt war, eine gefangene Biene auszusaugen. Es wunderte mich nicht wenig, daß ein so kluges und durch seinen Stachel so wehrhaftes Thier, als die Biene ist, sich von der Spinne hatte uͤberlisten und uͤberwaͤltigen lassen. Albuca. Albuca maior . Tab. XI. 29. 32—36. 38. 40—43. 29. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 42. Dieselbe, von unten gesehen. 32. Das Pistill. 33. Dasselbe von einer anderen Seite. 34. Ein Staubgefaͤß von innen. 35. Dasselbe von außen. 36. Ein Filament ohne Anthere von außen. 38. Dasselbe von innen. 40. Die Blume, von welcher die drey aͤußeren, und zwey innere Kronenblaͤtter weggeschnitten worden, von eben der Seite, als das Pistill in Fig. 33. 41. Dieselbe, nachdem das vorderste Filament ohne Anthere weggeschnitten worden. 43. Das in den beiden letzten Figuren abgebildete innere Kro- nenblatt von der inneren Seite. 1. Eine von den drey Saftdruͤsen ist in Fig. 32. punktirt. 2. An dieselbe schließt die erweiterte inwendig konkave Basis eines Staubgefaͤßes. Der Zwischenraum zwischen jener und die- ser ist voller Saft. 3. Die Anstalt, welche die Natur getroffen hat, um den Saft vor dem Regen zu beschuͤtzen, und doch zugleich den Insek- ten einen Zugang zum Safthalter zu verschaffen, ist auffallend. Da nemlich die aͤußeren Kronenblaͤtter offen stehen, so sind die in- neren geschlossen, oder liegen dicht an und zum Theil auf einan- der. Ihr Ende ist fleischicht, haaricht und umgebogen. Sie lie- gen mit demselben auf dem Stigma, koͤnnen aber vermittelst des- selben von einem Insekt leicht zuruͤckgebogen werden, wodurch dasselbe einen freyen Zugang zum Safthalter erhaͤlt. Die vier Oeffnungen, welche jenes Ende noch uͤbrig laͤßt, Fig. 42., wer- den von den vier Spitzen des Stigma ausgefuͤllt. Diese vier Spitzen nennt Linn é das Stigma; ich halte aber den ganzen Koͤrper, Ornithogalum. Koͤrper, welchen er den Griffel nennt, fuͤr das Stigma, da er sich von diesen Spitzen durch nichts unterscheidet. 4. Die weißen Kronenblaͤtter haben in der Mitte einen brei- ten gruͤnen Streif, welcher, besonders an den inneren, den In- sekten die Stelle zeigt, wo sie sich einen Zugang zum Safthalter verschaffen koͤnnen. 5. Ich habe noch nicht Gelegenheit gehabt, zu beobachten, ob von einem, und von welchem Insekt die Blume besucht wird. Der ganze Bau derselben aber, welcher sehr originell ist, laͤßt mich vermuthen, daß die Befruchtung durch ein Insekt geschieht. Ornithogalum. Ornithogalum minimum und O. luteum haben in dem Winkel zwischen den Filamenten und den Kronenblaͤttern sechs Safttropfen. Ornithogalum nutans. 1. Der gruͤne Fruchtknoten hat an seiner Basis drey weiß- liche Stellen, welche den groͤsseren Filamenten gegenuͤber stehen, und den Saft absondern. 2. Zwischen den Saftdruͤsen und der Basis der groͤsseren Fi- lamente ist ein ansehnlicher Safttropfen befindlich. 3. Zum Saft kann kein Regentropfen gelangen. Denn 1) die Blumen hangen ein wenig herab, und die Regentropfen fallen mehr auf die aͤußere, als auf die innere Seite der Kronen- blaͤtter. 2) Die drey groͤfferen Filamente sind am Ende tief ein- gekerbt, und in dem Winkel dieser Kerbe sitzt die Anthere. Auf solche Art endigt sich die Roͤhre, welche saͤmtliche Staubgefaͤße bilden, in neun Spitzen, an welchen ein Regentropfen, welcher an der aͤußeren Seite derselben herabgeflossen ist, nicht fest haften kann, sondern leicht abfaͤllt. Auch ist die Roͤhre an der Oeffnung enger, als im Grunde. 4. Die Kronenblaͤtter haben einen weißen Rand, und sind in der Mitte mattgruͤn, und durch dieses Gruͤn laͤuft ein matt- weißer Streif. Also zeigt die ganze Krone dem in der verlaͤnger- ten Axe der Blume befindlichen Auge dreißig verschiedentlich ge- faͤrbte Streifen, welche wie die Radii eines Zirkels nach der Mitte zu laufen, wo die Oeffnung der weißen Roͤhre ist, welche die Staubgefaͤße bilden, und in deren Grunde der Saft enthal- ten ist. Ich finde in dem Bau dieser Blume noch einen Umstand, welcher mir merkwuͤrdig zu seyn scheinet. Sowohl der Frucht- knoten, als der Griffel, ist der ganzen Laͤnge nach sechsmal ge- furcht. An jenem sind diejenigen Furchen am tiefsten, welche den kleineren Filamenten, und an diesem diejenigen, welche den groͤsse- ren Filamenten gegenuͤber stehen. Beide scheinen daher drey- Ornithogalum. Scilla. eckicht zu seyn, doch so, daß aus den Seiten des Fruchtknotens die Ecken des Griffels, und aus den Ecken jenes die Seiten die- ses entstehen. Nun haben alle Filamente auf der inneren Seite in der Mitte der Laͤnge nach einen Ansatz, welcher am Ende am staͤrksten ist. Der Ansatz der kleineren Filamente paßt in die tie- feren Furchen des Fruchtknotens, und der Ansatz der groͤsseren in die tieferen Furchen des Griffels. Folglich wird der innere Raum der Roͤhre, welche die Staubgefaͤße bilden, durch diese Ansaͤtze, als durch Scheidewaͤnde, an der Oeffnung in drey klei- nere Raͤume getheilet, da er im Gegentheil im Grunde unge- theilt ist, weil die Ansaͤtze der groͤsseren Filamente bis dahin sich nicht erstrecken, und die Ansaͤtze der kleineren daselbst vom Fruchtknoten etwas abstehen. Sieht man also in die Roͤhre hinein, so scheint dieselbe sechs Oeffnungen zu haben, und in eben so viel kleinere Roͤhren zertheilt zu seyn. Die Absicht dieser Einrichtung scheint theils dahin zu gehen, daß der Saft noch mehr vor dem Regen geschuͤtzt werde, theils aber auch auf das Insekt, fuͤr welches die Blume bestimmt ist, sich zu beziehen. Denn das- selbe muß, wenn es den ganzen Saftvorrath verzehren will, drey- oder wohl gar sechsmal seinen Saugeruͤssel in die Roͤhre hineinstecken, und jedesmal den Staub von den Antheren ab- streifen und auf das Stigma bringen. Ornithogalum pyramidale? 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten. 2. Der Saft befindet sich zwischen demselben und den brei- ten Filamenten, welche jenen unterwaͤrts ganz bedecken, und einander selbst mit den Raͤndern beruͤhren. 3. Die aufrechtstehenden Blumen haben keine Saftdecke, welche man doch wegen dieser ihrer Stellung erwarten sollte. Aber sie beduͤrfen derselben nicht, da sie bey regnichtem Wetter den ganzen Tag dicht verschlossen sind, und sich nur bey schoͤnem Sonnenschein oͤffnen. 4. Die Krone ist zugleich der Kelch; denn sie ist inwendig weiß, auswendig aber gruͤn. Wann die Blume bey schoͤnem Wetter geoͤffnet ist, so faͤllt die innere weiße Seite ihrer Krone den Insekten in die Augen; wann sie aber bey schlechtem Wetter geschlossen ist, so sieht sie gruͤn aus, und wird von den Insekten nicht leicht bemerkt. Eine sehr zweckmaͤßige Einrichtung! Den obersten gelben Theil des Fruchtknotens, besonders die sechs Hoͤcker desselben, welche im Sonnenschein wie Brillanten glaͤn- zen, halte ich fuͤr das Saftmaal. Scilla. Scilla amoena . Tab. XII. 1—4. 9. N Scilla. 1. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen, auf welcher eine Ameise ihrer Nahrung nachgeht. 2. Die Geschlechtstheile. 3. Ein Kronenblatt von der inneren Seite. 4. Ein Staubgefaͤß. 9. Der Fruchtknoten. Eine (punktirte) Saftdruͤse. Linn é hat bey dieser Blume kein Nectarium gefunden. Gleditsch sagt S. 214., daß Scilla bifolia den Bienen Stoff zum Wachs liefert; folglich hat er in derselben keinen Saft gefun- den. Ich wundere mich hieruͤber nicht; denn man sieht es der Blume wirklich nicht an, daß sie Saft enthaͤlt. Ich selbst habe sie lange fuͤr saftleer gehalten, bis mich eine Ameise endlich eines Bessern belehrte. Denn da ich dieselbe auf einer Blume sehr ge- schaͤftig fand, so schloß ich daraus, daß die Blume Saft enthal- ten muͤsse, und da ich die Stelle, wo sie den Kopf hineinsteckte, naͤher untersuchte, so fand ich den Saft wirklich. 1. Die drey Saftdruͤsen sind an der Basis des Fruchtkno- tens befindlich, und ziehen sich ein wenig in die drey tieferen Fur- chen desselben hinauf. Durch die Farbe unterscheiden sie sich vom Fruchtknoten nicht. 2. Die drey Filamente, welche den tieferen Furchen des Fruchtknotens gegenuͤber stehen, sind an der Basis ein wenig breiter, als die uͤbrigen. Mit dieser breiten Basis liegen sie dicht am Fruchtknoten, und zwischen derselben und jeder Saftdruͤse ist der Saft befindlich. Biegt man eins von diesen Filamenten vom Fruchtknoten zuruͤck, so sieht man an seiner Basis ein Saft troͤpfchen. 3. Diese drey Safttroͤpfchen sind vor dem Regen sehr wohl verwahrt. Denn 1) haben die Blumen eine mehr horizontale, als aufrechte Stellung. Daher fallen, wann es regnet, weniger Regentropfen auf dieselben, als wenn sie ganz aufrecht stuͤnden. 2) Liegen jene drey Filamente, wie vorher gesagt worden, dicht am Fruchtknoten. Wenn also gleich ein Regentropfen in den Winkel gekommen ist, welchen der oberste Theil derselben mit dem Fruchtknoten macht, so muß er doch daselbst stehen bleiben, und kann nicht in den Safthalter hineindringen. 4. Die Blume ist eine Tagesblume, und bricht des Mor- gens auf. Damit sie den Insekten von weitem in die Augen falle, so hat sie eine ansehnliche himmelblaue Krone. Hat sich ein Insekt auf die Blume gesetzt, so ist ihm das Saftmaal zur Entdeckung des versteckten Safts behuͤlflich. Zu demselben gehoͤrt Folgendes. Erstens ist der Fruchtknoten gelblich, sticht also ge- gen die Krone stark ab. Zweytens zieht sich durch die Mitte der Kronenblaͤtter eine Linie von gefaͤrtigterer Farbe, welche sich an der Basis derselben, welche weiß ist, am staͤrksten ausnimmt. Asphodelus. Anthericum. Drittens sind auch die Filamente, wie die Kronenblaͤtter ober- waͤrts himmelblau, an der Basis aber weiß. Alles dieses zeigt den Insekten, daß um den Fruchtknoten herum der Saft anzu- treffen ist. Asphodelus. Asphodelus fistulosus . Tab. XI. 50. 51. 53—57. 50. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 51. Der unterste Theil des Pistills und der Filamente, von welchen das vorderste weggeschnitten worden. 53. Das Pistill und die Staubgefaͤße. 54. Der Fruchtknoten, von oben gesehen. 55. Derselbe, von der Seite gesehen. 56. Ein Staubgefaͤß von der aͤußeren Seite. 57. Dasselbe von der inneren Seite. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst, oder vielleicht nur die drey (punktirten) braunen Streifen desselben. 2. Der Safthalter sind die sechs Schuppen, welche die Fi- lamente tragen, und welche Linn é das Nectarium nennt. Ihre innere Seite ist glatt. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dienen 1) eben diese Schuppen, insofern sie mit den Raͤndern dicht an einander stehen, und sowohl an den Raͤndern, als auf der aͤuße- ren Seite mit aufrecht stehenden Haaren uͤberzogen sind, 2) die Filamente, welche oberwaͤrts dicker sind, als unterwaͤrts. Da nun die Blume aufrecht steht, so werden sie wegen dieser Gestalt durch ihre eigene Schwere von einander gebogen. Sie nehmen also einen großen Raum ein, und empfangen viele von den Re- gentropfen, welche auf die Blume fallen. Diese bleiben aber an ihrem oberen Theil sitzen, weil sie von demselben staͤrker angezo- gen werden, koͤnnen also nicht bis an die Schuppen hinab- fließen. 4. Die Kronenblaͤtter sind auf der inneren Seite weiß, in der Mitte aber mit einem gruͤnen ins Braune fallenden Streif geziert. Diese sechs Streifen ziehen sich nach der Mitte der Blume hin, und zeigen also den Insekten, daß in der Mitte der Saft zu suchen sey. Anthericum. Anthericum ramosum. Graslilie. Tab. XI. 39. Tab. XXIII. 8. 11. 12. Tab. XI. 39. Der stark vergroͤsserte Fruchtknoten mit seinen drey Safttroͤpschen. Tab. XXIII. 11. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. Anthericum. 12. Dieselbe in derjenigen Stellung und Gestalt, welche sie nach einem starken Regen hat, von der Seite, und 8. von vorne gesehen. Auf dem Fruchtknoten sieht man die drey Safttroͤpfchen. 1. 2. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst, oder eigent- lich nur drey Stellen am oberen Theil desselben, welche so viel Safttroͤpfchen absondern und tragen. Durch die Farbe unter- scheiden sich diese Stellen keinesweges. Auf welche Art ich mich davon uͤberzeugt habe, daß diese Troͤpfchen nicht etwa Regen- tropfen, sondern Saft sind, habe ich schon in der Einleitung gesagt. 3. Beym ersten Anblick sollte man glauben, daß diese Saft- troͤpfchen keinesweges gegen den Regen gesichert seyen, da sie ganz frey an der Luft liegen, und die Blume nicht herabhaͤngt, sondern ein wenig aufrecht steht. Dieser meiner Theorie nicht guͤnstigen Meinung bin ich selbst anfangs eine Zeitlang gewesen, bis mich die Erfahrung vom Gegentheil uͤberzeugte. Als mich nemlich einstmals auf dem Felde ein ziemlich starker Regen uͤber- fiel, indem ich nicht weit von einer Gegend war, wo die Pflanze haͤufig steht, und damals bluͤhte: so fiel mir jene Meinung ein, und ich war begierig zu sehen, was fuͤr Veraͤnderungen der Re- gen in den Blumen hervorgebracht haben wuͤrde. Als derselbe also aufgehoͤrt hatte, so begab ich mich nach jener Gegend hin. Hier fand ich nun, daß zwar einige Blumen, welche sehr kurze Stiele und eine meist voͤllig aufrechte Stellung hatten, voll Re- genwassers waren, welches also ihre Safttroͤpfchen verdorben hatte, daß aber in den uͤbrigen, ob sie gleich mit Regentropfen benetzt waren, dennoch kein Regentropfen sich mit einem Saft- troͤpfchen vermischt hatte. Manche von denselben hatten vor dem Regen diejenige Stellung gehabt, welche die in Fig. 11. vorge- stellte Blume hat, manche aber eine horizontale. Jetzt aber hat- ten sie eine solche Stellung, als Fig. 12. anzeigt; manche waren der Erde noch mehr zugekehrt. Die Regentropfen hatten nemlich durch ihre Schwere die Blumen herabgebogen. Ich fand also zwar auf der aͤußeren Seite der Krone Regentropfen genug, keine aber, oder sehr wenige auf der inneren. Ferner hatten diejeni- gen Regentropfen, welche auf die Filamente gefallen waren, die- selben insgesamt, oder die mehresten von denselben mit einander und mit dem Griffel in Zusammenhang gebracht, und gleichsam zusammengeklebt. Weil nun die Filamente unterwaͤrts (nach der damaligen Stellung der Blumen) dicker sind, als oberwaͤrts, so wurden auch die Regentropfen von diesem dickeren Theil staͤrker angezogen. Deswegen und wegen ihrer eigenen Schwere blieben sie also hier sitzen, und konnten sich nicht dem Grunde der Blume naͤhern, so daß also die Safttroͤpfchen auch gegen diese Regen- Anthericum. Conuallaria. tropfen voͤllig gesichert waren. Man sieht also, daß diese Blu- men einen solchen Bau und eine solche Stellung haben, daß die auf dieselben gefallnen Regentropfen, theils vermoͤge ihrer eigenen Schwere, theils vermoͤge der Anziehungskraft, welche sie gegen einander selbst und gegen die Filamente aͤußern, in den meisten Faͤllen es sich selbst unmoͤglich machen, zu den Safttroͤpfchen zu gelangen, und dieselben zu verderben. Wehet nun, wann es zu regnen aufgehoͤrt hat, wie gewoͤhnlich, ein Wind, so schuͤttelt derselbe die Blumen. Die Regentropfen fallen also nach und nach ab, die Filamente begeben sich wieder von einander, die Blumen richten sich wieder auf, und es koͤmmt alles wieder in den Zu- stand, in welchem es vor dem Regen war. Anstatt also, daß diese Blume, wie ich anfangs selbst geglaubt hatte, ein Beweis wider die Richtigkeit meiner Theorie seyn sollte, ist sie vielmehr ein, und zwar schoͤner, Beweis fuͤr dieselbe. Anthericum frutescens. Ob ich gleich in den weni- gen Blumen, welche ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt habe, keinen Saft angetroffen habe: so folgt doch sowohl aus ihrer Ver- wandtschaft mit der vorhergehenden Art, als auch aus ihrer Struktur, daß sie eine Saftblume ist. Denn die Filamente sind haaricht, dienen also zur Saftdecke. Die ganze Blume ist gelb; die Kronenblaͤtter aber haben in der Mitte einen gruͤnen Streif. Conuallaria. Conuallaria Polygonatum. Weißwurz. Tab. XII. 5—7. 5. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 6. Dieselbe, nachdem die vorderste Haͤlfte der Krone nebst den an dieselbe angewachsenen Staubgefaͤßen abgeschnitten worden. 7. Dieselbe, von unten gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst. 2. Zwischen demselben und dem Grunde der Kronenroͤhre ist der Saft enthalten. Derselbe wird vom Fruchtknoten und vom Grunde der Kronenroͤhre zu stark angezogen, als daß er sollte herabfließen koͤnnen. 3. Der Saft kann vom Regen nicht verdorben werden. Denn 1) haͤngt die Blume herab, und hat die Gestalt einer Roͤhre, 2) kann auch ein Regentropfen, welcher in die Oeffnung derselben gekommen ist, nicht tiefer hineindringen, sowohl wegen seiner eigenen Schwere, als auch, weil die Staubgefaͤße sich an den Griffel biegen, und also die Eine Oeffnung in sechs kleinere zertheilen. 4. Die Blume hat ein Saftmaal; denn die weiße Krone ist an der Oeffnung gruͤn. N 2 Conuallaria. Hyacinthus. Conuallaria multiflora hat mit der vorhergehenden Art eine gleiche Einrichtung. In Ansehung der Saftdecke unter- scheidet sie sich jedoch von derselben dadurch, daß die Kronenroͤhre nicht nur in der Mitte enger ist, als oben und unten, sondern auch unterwaͤrts mit Wolle uͤberzogen ist, da sie im Grunde, welcher den Saft enthaͤlt, glatt ist. Hyacinthus. Hyacinthus Muscari . Tab. XII. 1*. 15—17. 16. Die Blume in natuͤrlicher Stellung. 15. Der vorderste Theil derselben, von der Seite gesehen. 17. Derselbe von vorne gesehen. 1*. Das Pistill. Auf dem Fruchtknoten sieht man die beiden vordersten Safttroͤpfchen. 1. 2. Die Saftdruͤsen sind die von Linn é so genannten drey pori am Fruchtknoten. Wenn man die Krone vom Pistill sehr behutsam abloͤset, so findet man auf dem Fruchtknoten die drey glaͤnzenden Safttroͤpfchen. Nimmt man sich aber dabey nicht in Acht, so koͤmmt die Krone den Safttroͤpfchen zu nahe, und zieht dieselben an sich, und auf dem Fruchtknoten findet man nichts. 3. 1) Da die Blume eine horizontale Stellung hat, so ist ihre Oeffnung dem Regen weniger ausgesetzt, als wenn sie auf- recht stuͤnde. 2) Diese Oeffnung ist enger als die Kronenroͤhre, und 3) mit den sechs auswaͤrtsgebogenen Abschnitten des Kro- nensaums besetzt, welche die Regentropfen abhalten, in die Oeff- nung hineinzudringen. 4. Was der Blume an Schoͤnheit abgeht (denn sie ist schmutzig gruͤn und vorne braun), wird durch ihren vortrefflichen und sich weit verbreitenden Geruch ersetzt. Hyacinthus racemosus ? Tab. XII. 8. 11. 18. 8. Eine Blumentraube in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 11. Die vergroͤsserte Blume, von der Seite gesehen. 18. Dieselbe, von unten gesehen. 1. 2. Ich habe den Saft in den Blumen nicht bemerken koͤnnen, vermuthlich wegen der uͤberaus geringen Quantitaͤt des- selben, da die Blumen sehr klein sind. 3. Weil die Blumen herabhangen, und eine sehr kleine Oeff- nung haben, welche, wie bey der vorhergehenden Art, von den sechs umgebogenen Abschnitten des Kronensaums bekraͤnzt wird: so kann schlechterdings kein Regentropfen den Saft verderben. 4. Die Traube besteht ungefaͤhr aus 35 Blumen, faͤllt also, ungeachtet eine jede Blume sehr klein ist, durch die Menge der- selben den Insekten schon von weitem in die Augen. Die ober- sten Blumen sind unvollkommen, bestaͤndig geschlossen, und un- fruchtbar, mit Einem Wort, Scheinblumen. Dies laͤßt sich Hyacinthus. leicht erklaͤren. Denn da ein so duͤnner Stengel nicht im Stande ist, einer so großen Anzahl von Blumen und aus denselben ent- stehenden Fruͤchten die gehoͤrige Nahrung zu verschaffen: so muͤs- sen weniger Blumen fruchtbar seyn. Weil aber diese wenigeren den Insekten nicht sonderlich in die Augen fallen wuͤrden, so sind uͤber denselben noch unfruchtbare Blumen angebracht, welche nicht so viel Nahrung beduͤrfen, und die Traube ansehnlicher und den Insekten bemerkbarer machen. Obgleich die Blume sehr klein ist, so hat sie doch ein Saftmaal; denn die Abschnitte des Kronen- saums sind weiß, da die Blume uͤbrigens himmelblau ist. Den Geruch aber, welchen Linn é ihr zuschreibt, habe ich nicht be- merken koͤnnen. Hyacinthus orientalis . Tab. XII. 10. 12—14. 10. Die Blume in natuͤrlicher Stellung. 12. Der unterste Theil derselben, nachdem vorne ein Stuͤck weggeschnitten worden. 13. Eben derselbe im Durchschnitt der Krone. 14. Das Pistill von oben gesehen. 1. 2. Der gruͤne Fruchtknoten hat oberwaͤrts drey weißliche Stellen, welche eben so viel Safttroͤpfchen absondern und tragen. 3. Zu diesen Safttroͤpfchen kann schlechterdings kein Regen- tropfen gelangen. Denn 1) hat die Blume eine meist horizontale Stellung, 2) ist die Kronenroͤhre in der Mitte enger, als im Grunde, und wird daselbst durch die Antheren verschlossen. 5. Betrachtet man Fig. 13., so siehet man ein, daß die Blume wahrscheinlich durch Insekten befruchtet wird. Denn ein Insekt, welches in den Grund der Kronenroͤhre hineinkriecht, oder seinen Saugeruͤssel hineinsteckt, muß nothwendig den Staub von den Antheren abstreifen, und hernach auf das Stigma brin- gen. Von selbst aber kann der Staub schwerlich auf das Stigma kommen. Hyacinthus serotinus. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten, welcher auf einem kleinen Stiel sitzt. 2. Der Saft ist im Grunde der Kronenroͤhre um den Stiel herum befindlich. 3. Die drey aͤußeren Kronenblaͤtter stehen offen, die drey in- neren aber bilden eine Roͤhre, in welcher die Antheren und der Griffel befindlich sind, welche keinen Regentropfen durchlassen. 4. Da die Blume eine unansehnliche braͤunliche Farbe hat, so sollte man glauben, daß dieser Mangel durch den Geruch er- setzt werde, wie bey der ersten Art. Bey Tage aber habe ich kei- nen Geruch bemerkt, und Linn é sagt, daß die Blume auch des Nachts nicht riecht. Hyacinthus. Aletris. Hyacinthus comosus . Tab. XII. 19. Der oberste Theil der uͤber Einen Fuß langen Blumentraube in natuͤrlicher Groͤsse, nach einem getrockneten Exemplar gezeichnet. Diese Art koͤmmt mit dem Hyacinthus racemosus in dem Stuͤck uͤberein, daß die obersten Blumen unfruchtbar, und also zu eben dem End- zweck da sind, welchen ich oben angezeigt habe. Noch ist merk- wuͤrdig, daß die fruchtbaren Blumen eine sehr unansehnliche Farbe haben, wie Hyacinthus Muscari, die unfruchtbaren aber schoͤn blau oder violett gefaͤrbt sind, und auf langen Stielen sitzen, welche, was ganz ungewoͤhnlich ist, eben so gefaͤrbt sind, als die Blumen. Eine Einrichtung, welche sich offenbar auf die Insek- ten bezieht. Die Pflanze waͤchst, wie Pollich meldet, zwi- schen dem Getreide, bluͤhet im May und Juny, und hat einen Eine Elle langen Schaft. Da also die obersten Blumen den In- sekten eher in die Augen fallen, als die untersten, welche von den Halmen und Blaͤttern des Getreides mehr verdeckt werden: so mußten auch jene schoͤn gefaͤrbt seyn, damit sie von den In- sekten desto leichter bemerkt wuͤrden; diese aber konnten ohne Nachtheil von unansehnlicher Farbe seyn, weil ein Insekt, wel- ches den Gipfel der Traube entdeckt, und sich auf denselben be- geben hat, von selbst zu den fruchtbaren Blumen hinabkriecht. Am 31. May fand ich eine Pflanze mit verbluͤheten Blu- men, welche saͤmtlich unbefruchtet geblieben waren, vermuthlich, weil sie von den Insekten keinen Besuch erhalten hatten. Aletris. Aletris Capensis . Tab. XII. 20—23. 28. 20. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 21. Der Grund der Krone nebst dem Fruchtknoten im Durchschnitt. 23. Die Blume, von unten gesehen. 28. Die Krone, nachdem die vorderste Haͤlfte weggeschnitten und das Pistill herausgenommen worden. 22. Das Pistill. 1. Der blaßgelbe Fruchtknoten sondert aus seinen sechs Fur- chen den Saft ab. 2. Wenn man von unten in die Blume hineinsieht, so er- blickt man im Grunde derselben vor dem Fruchtknoten den Saft in Gestalt einiger Tropfen, Fig. 23. Die Filamente sind an die Krone bis ** Fig. 28. angewachsen. Sie passen sehr genau auf die Furchen des Fruchtknotens, daß also der Zwischenraum zwi- schen diesem und dem Grunde der Krone sehr enge ist. Der Saft muß also aus diesem engen Zwischenraum heraustreten, und bleibt bey der Basis des Griffels stehen. Aletris. Yucca. Hemerocallis. 3. Da die Blume herabhaͤngt, und eine lange roͤhrenfoͤrmige Gestalt hat, so ist dadurch der Saft gegen den Regen hinlaͤnglich gesichert. Daher ist keine besondere Saftdecke vorhanden. 4. Die schoͤne aus vielen zusammengedraͤngten großen blaß- roͤthlichen Blumen bestehende Aehre, welche von einem einige Fuß hohen Stengel getragen wird, faͤllt schon in großer Entfer- nung den Insekten in die Augen. Ein Saftmaal ist nicht noͤthig. Denn sobald ein Insekt vor die Oeffnung der Krone koͤmmt, so erblickt es sogleich im Grunde derselben die Safttropfen, zu wel- chen es auch bequem gelangen kann. Denn sowohl der Griffel, als auch die Filamente, biegen sich an die innere oder dem Sten- gel zugekehrte Seite der Krone. Der Geruch fehlt. Yucca. Yucca gloriosa . Tab. XII. 24. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, nachdem der groͤßte Theil der Krone und des vordersten Filaments weggeschnitten worden. Auch dieser ansehnlichen Blume fehlt es nicht an Saft, ob- gleich Linn é bey dieser Gattung so wenig, als bey der vorher- gehenden, vom Nectario etwas meldet. 1. 2. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst. Derselbe hat drey Furchen. Bey a , wo dieselben am tiefsten sind, findet man in jeder einen Safttropfen. 3. Weil die Oeffnung der glockenfoͤrmigen Blume, deren Kronenblaͤtter laͤnger sind, als das Pistill, der Erde zugekehrt ist: so sind die drey Safttropfen, auch ohne eine besondere Saft- decke, gegen den Regen hinlaͤnglich gesichert. Hemerocallis. Hemerocallis flaua. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten, oder vielleicht son- dern nur die drey weißlichen mit einer Furche versehenen Stellen desselben den Saft aus. 2. Der Safthalter ist die Kronenroͤhre. 3. Die Blume sitzt auf einem starken Stiel in einer solchen Stellung, daß ihre Oeffnung ein wenig der Erde zugekehrt ist. Ferner breitet sich der Kronensaum nicht sehr von einander. Es kann also kein Regentropfen in den Safthalter kommen. Die Filamente und der Griffel biegen sich eben so und zu eben dem Endzweck, als bey der Aletris Capensis, an die innere Seite der Krone. 4. Die Blume hat kein Saftmaal, aber einen angenehmen Geruch. 5. Im Safthalter habe ich einen todten Blumenkaͤfer ge- funden. N 3 Hemerocallis. Berberis. Hemerocallis fulua. Diese steht beynahe aufrecht. Auch dadurch unterscheidet sie sich von der vorhergehenden, daß sie keinen Geruch, hingegen ein Saftmaal hat. Denn die zin- noberrothe Krone hat im Grunde einen gelben sechsstrahlichten Stern. Damit derselbe sich desto besser ausnehme, so sind die drey innersten breiteren Abschnitte der Krone in der Mitte von gesaͤttigterer Farbe. Daß die Blume von einem Insekt befruchtet wird, erhellet daraus, daß die Filamente nicht, wie der Griffel, grade gestreckt sind, sondern sich nach der oberen Seite der Krone zu kruͤmmen, und die Antheren ihre staubvolle Seite nicht dem Stigma, sondern der oberen Seite der Krone zukehren. Diese Einrichtung wuͤrde hoͤchst zweckwidrig seyn, wenn die Befruch- tung auf eine mechanische Art geschehen sollte. Da die Blume ein Saftmaal hat, so ist sie eine Tagesblume. Welches die Er- fahrung bestaͤtigt. Denn bey schoͤnem Wetter oͤffnet sie sich des Morgens zwischen 5 und 6 Uhr, bey truͤber Witterung etwas spaͤter. Gegen Abend schließt sie sich wieder, und oͤffnet sich am folgenden Morgen nicht von neuem. Bey einigen Blumen bemerkte ich des Abends, daß auf ihr mit weißen Haa- ren uͤberzogenes Stigma kein Koͤrnchen des gelben Staubes ge- kommen war. Diese haben auch in der Folge keine Frucht ange- setzt. Ich habe zwar Blasenfuͤße in den Blumen angetroffen; diese aber koͤnnen sie nicht befruchten, sondern es muß durch ein großes Insekt geschehen. In beiden Arten hat schon Gleditsch Saft gefunden, S. 223. Berberis. Berberis vulgaris. Berberitzenstrauch. Titelk. Fig. VIII. Die vergroͤsserte Blume von unten gesehen. Tab. VII. 8—10. 12. 18. 19. 24. 25. 8. Die Blume in natuͤrlicher Stellung, nachdem der Kelch und die Krone abgeloͤset worden. 12. Dieselbe, von unten gesehen. Ein Staubgefaͤß hat sich, von einer Fliege beruͤhrt, an das Pistill angelegt. 9. Das Pistill. 10. Der unterste Theil des Pistills und eines Staubgefaͤßes, welches sich an dasselbe angelegt hat. 18. Der unterste Theil eines Staubgefaͤßes, dessen Antheren sich noch nicht geoͤffnet haben, in umgekehrter Stellung, von der inneren Seite. 19. Derselbe, nachdem sich die Antheren geoͤffnet und herab- gezogen haben. 24. Derselbe von der aͤußeren Seite. Berberis. 25. Ein Kronenblatt von der inneren Seite. An seiner Basis die beiden (punktitten) Saftdruͤsen. 1. 2. Ich habe anfangs geglaubt, daß nicht die zwoͤlf Druͤ- sen, von welchen auf jedem Kronenblatt Ein Paar sitzt, welches Linn é Nectarium nennt, den Saft absondern, sondern daß die Basis des Fruchtknotens, welche in Fig. 9. punktirt ist, die eigentliche Saftdruͤse sey. Denn ich fand den Saft niemals zwi- schen jenen Druͤsen und den Filamenten, sondern zwischen den Filamenten und dem Pistill; auch ist die Basis des Fruchtknotens etwas dunkelgruͤner, als der uͤbrige Theil. Um mich hievon zu uͤberzeugen, nahm ich eine Blumentraube, welche einige noch nicht voͤllig aufgebrochne Blumen hatte, loͤsete den Kelch, die Krone und die Staubgefaͤße von diesen Blumen ab, und stellte sie ins Wasser. Ich fand aber am folgenden Tage die Basis des Fruchtknotens ganz trocken, sahe also ein, daß jene zwoͤlf Druͤsen dennoch die Saftdruͤsen sind, und daß sich folglich der von densel- ben abgesonderte Saft wegen der staͤrkeren Anziehungskraft der Filamente und des Pistills in den Winkel zwischen jenen und die- sem begiebt. 3. Daß dieser Saft von keinem Regentropfen verdorben wer- den koͤnne, lehrt der Augenschein, indem die Blume herabhaͤngt, und eine kugelfoͤrmige Gestalt hat, und im Grunde derselben sich der Saft befindet. 4. Die Blumentrauben fallen den Insekten schon von weitem in die Augen. Weil die Blumen herabhangen, und nicht auf einem hohen Baum, sondern auf einem niedrigen Strauch sich be- finden, folglich den in der Luft umherfliegenden Insekten mehr der obere, als der untere Theil derselben, in die Augen faͤllt: so wuͤrde der Kelch, wenn er gruͤn waͤre, der Bemerkbarkeit der Blumen hinderlich seyn. Daher ist er eben so gefaͤrbt, als die Krone, nemlich gelb. Die Saftdruͤsen sind zugleich das Saft- maal; denn sie sind gelber, als die Krone. 5. Daß die Staubgefaͤße reizbar sind, und, wenn sie beruͤhrt werden, sich schnell an das Pistill anlegen, ist schon dem Linn é bekannt gewesen. Auch hat derselbe eingesehen, daß dieses auf die Befruchtung sich beziehen muͤsse, daß folglich die Insekten, welche dem Saft nachgehen, indem sie die Staubgefaͤße beruͤhren, die Blumen befruchten. Indessen wuͤrde es ihm doch schwer ge- worden seyn, zu zeigen, wie die Staubgefaͤße, wann sie sich an das Pistill anlegen, das Stigma bestaͤuben. Denn wenn man Fig. 10. und 12. betrachtet, so sieht man, daß die Antheren sich zwar an den Rand des Stigma, nicht aber an das Stigma selbst legen. Diese Schwierigkeit verschwindet, sobald man weiß, daß derjenige Theil, welchen Linn é , und, nach seinem Beyspiel, Gleditsch, Pollich , und noch neulich Batsch in seinen Berberis. Blumenzergliederungen das Stigma genannt haben, keinesweges das Stigma ist. Dieses vermeinte Stigma ist nemlich der teller- oder knopffoͤrmige Koͤrper, welcher unten auf dem Fruchtknoten sitzt, und vornehmlich die unterste kreis- foͤrmige Oberflaͤche desselben. Ein Umstand, welchen ich selbst uͤbersehen hatte, welchen aber Batsch bemerkt hat, verhalf mir dazu, das eigentliche Stigma zu entdecken. Er sagt nem- lich, daß der Rand des Stigma, Fig. 9. b c , mit einer Feuch- tigkeit uͤberzogen sey. Hieraus, und weil ich wußte, daß auch in der Vinca nicht die Gruneflaͤche, sondern die Seitenflaͤche eines walzenfoͤrmigen Koͤrpers das Stigma ist, schloß ich so- gleich, daß dieser Rand das wahre Stigma sey. Dieser Rand, welcher sich in Fig. 9. durch die staͤrkere Schattirung aus- nimmt, ist etwas dunkelgruͤner, als der uͤbrige Theil des knopf- foͤrmigen Koͤrpers, und ich habe bey genauer Besichtigung des- selben wirklich gefunden, daß er mit einer Feuchtigkeit uͤberzo- gen ist. Durch die Entdeckung des eigentlichen Stigma bin ich in den Stand gesetzt worden, einzusehen, wie zweckmaͤßig diese besondere Einrichtung desselben, und die eben so besondere Ein- richtung der Staubgefaͤße ist, und wie nothwendig jenes von diesen so oft bestaͤubt werden muß, als diese, von einem In- sekt beruͤhrt, sich an das Pistill anlegen. Wann die Blume im Aufbrechen begriffen ist, so hat der unterste Theil der Staubgefaͤße auf der inneren Seite die in Fig. 18. abgebildete Gestalt. Die beiden Staubbaͤlge haben sich noch nicht geoͤffnet. Es waͤhret aber nicht lange, so fan- gen sie an sich zu oͤffnen, aber nicht auf die gewoͤhnliche Art, daß sie sich nemlich der Laͤnge nach in zwey Haͤlften spalten, sondern so, daß sie sich von oben herab von den Filamenten abloͤsen, sich umkehren, mit dem untersten Theil am Filament sitzen bleiben, mit dem uͤbrigen aber noch unterhalb des gestutzten Endes desselben stehen, Fig. 19. 24. Folglich ist diejenige Seite derselben, welche den Staub hat, nun dem Pistill zu- gekehrt. Nun sind die Filamente grade so lang, daß, wann sie am Pistill anliegen, die Staubbaͤlge am Stigma anliegen. Wenn also ein von einem Insekt beruͤhrtes Filament sich an das Pistill anlegt, so druͤckt es die innere staubvolle Seite sei- ner Staubbaͤlge dicht an das Stigma an, Fig. 10. und 12., und weil dieses feucht ist, so muß ein Theil des Staubes an demselben haften. Auf solche Art wird, da bald dieses, bald jenes Filament vom Insekt beruͤhrt wird, und sich an das Pistill anlegt, das Stigma nach und nach ringsherum mit Staube versehen, und der Fruchtknoten befruchtet. Berberis. Colchicum. Die Blumen werden uͤberaus haͤufig von einer Art klei- ner schwarzen Fliegen besucht, deren eine auf dem Titelkupfer in natuͤrlicher Groͤsse abgebildet ist. So wie ich die Fliegen uͤberhaupt wegen ihrer Dummheit zu den unedelsten Insekten rechne, so glaube ich, daß diese Fliegen zu den unedelsten Fliegenarten gehoͤren. Denn andere Fliegen haben doch wenigstens einen starken Selbsterhaltungstrieb, und machen sich, wenn man sie an- ruͤhrt, oder sich nur ihnen naͤhert, sogleich aus dem Staube. Diese hingegen bleiben sogar, wenn man sie stoͤßt, mit großer Gleichguͤltigkeit sitzen. Daß sie ungeachtet ihrer Dummheit den Saft dieser Blume finden, ist kein Wunder, da derselbe gar nicht versteckt ist. Da sie sich nun in großer Anzahl auf den Blumen einfinden und aufhalten, so geht auch die Befruchtung wohl von Statten, und man findet im Herbst den Strauch mit rothen Beeren uͤberfluͤssig versehen. Colchicum. Colchicum autumnale. Zeitlose. Tab. XII. 25—27. 30. 33—35. 25. Der oberste Theil der Blume in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 26. Ein Drittheil des Kronensaums von der inneren Seite nebst zwey Staubgefaͤßen. 27. Ein Filament nebst dem Abschnitt des Kronensaums, an welchen es unterwaͤrts angewachsen ist. 30. Der unterste Theil eines Abschnitts des Kronensaums von der inneren Seite. In der Mitte desselben sieht man eine Furche, welche zu beiden Seiten einen erhabenen mit Wolle uͤberzogenen Rand hat. 33. Der oberste Theil der Blume, nachdem der Kronen- saum weggeschnitten worden. An der Basis der vordersten Filamente sieht man die (punktirten) Saftdruͤsen. 34. und 35. Ein Staubgefaͤß und der zu demselben ge- hoͤrende Abschnitt des Kronensaums, von einander gebogen. Ob Jemand schon vor mir in dieser Blume Saft gefun- den hat, daran zweifle ich. Wenigstens erwaͤhnen Linn é und Pollich nichts vom Nectario. Die Ursache hievon ist, daß hier kein besonderer und in die Augen fallender Theil vor- handen ist, welcher den Saft absondert oder enthaͤlt, und daß die Saftdruͤsen sich da befinden, wo man sie zu suchen gar nicht gewohnt ist, nemlich an den Filamenten. 1. Die Filamente sind nemlich unterwaͤrts, wo sie zwar nicht mehr mit dem Kronensaum zusammengewachsen sind, aber Colchicum. doch sehr dicht an demselben anliegen, dicker, als oberwaͤrts, und auf der aͤußeren oder dem Kronensaum zugekehrten Seite pomeranzenfarben. Diese gefaͤrbte Stelle eines jeden Filaments ist eine Saftdruͤse. 2. Jeder Abschnitt des Kronensaums hat in der Mitte seiner Basis eine Furche zwischen zwey erhabenen Raͤndern, welche man mit einem Graben, der auf beiden Seiten einen Wall hat, vergleichen kann. In diese Furche, welche glatt ist, ist die dicke Basis des Filaments eingefuͤgt, und zwischen beiden befindet sich der Saft. 3. Die beiden erhabenen Raͤnder der Furche sind mit Wolle uͤberzogen, damit kein Regentropfen sich mit dem Saft vermischen koͤnne. 5. Die Blume wird von Fliegen und Blumenkaͤfern haͤufig besucht. Auch fand ich in derselben einen Schmetterling, und ein Insekt, welches einer Biene aͤhnlich war. Alle diese In- sekten wußten den Saft sehr wohl zu finden. Das letzte konnte nicht anders zum Saft gelangen, als so, daß es zugleich die Antheren beruͤhrte, und den Staub derselben abstreifte. Da- her war sein ganzer Koͤrper voller Staub, besonders die Au- gen, von welchen es denselben mit den Vorderfuͤßen wieder abstreifte. Als es aus der Blume wieder herauskriechen wollte, beruͤhrte es die Stigmate. Es ist also wahrscheinlich, daß auch diese Blume von den Insekten befruchtet wird, zumal, da auch hier die staubvolle Seite der Antheren nicht den Stig- maten, sondern dem Kronensaum zugekehrt ist, Fig. 33. Da also diese Blume wirklich fuͤr die Insekten Saft absondert, und vermuthlich auch von denselben befruchtet wird: so laͤßt sich hieraus mancher dieselbe betreffende Umstand erklaͤren, welcher sonst unerklaͤrlich bleiben wuͤrde. Daß sie erst im Herbst bluͤhet, geschieht vermuthlich deswegen, damit die Insekten in derselben noch alsdenn einige Nahrung finden, wann andere Blumen ihnen entweder, weil sie nicht mehr vor- handen sind, gar keine, oder, weil es ihnen an Kraft fehlt, Colchicum. viel Saft abzusondern, nur eine sehr kuͤmmerliche Nahrung verschaffen koͤnnen. Weil aber, wann sie bluͤhet, der Winter herannahet, so kann die Natur die Frucht nicht noch vor dem- selben zur Reife bringen, sondern sie muß dieses bis auf den folgenden Sommer aufschieben. Damit nun die junge Frucht nicht im Winter erfriere, so muß sie nicht nur tief unter der Erde verborgen, sondern sogar in der Zwiebel eingeschlossen seyn. Da aber auf solche Art die Blume nicht einmal auf ei- nem Stiel, geschweige denn auf einem Stengel sitzen kann, und doch, um den Insekten in die Augen zu fallen, von der Oberflaͤche der Erde etwas entfernt seyn muß: so mußte sie eine so außerordentlich lange Kronenroͤhre haben. Wegen die- ser ungewoͤhnlichen Laͤnge der Kronenroͤhre aber mußte auch in Ansehung der Saftdruͤse eine ungewoͤhnliche Einrichtung ge- macht werden. Gewoͤhnlich sitzt die Saftdruͤse am Fruchtkno- ten, oder sie ist ein Theil desselben, oder der ganze Fruchtkno- ten. Verhielte es sich nun mit derselben hier auch also, so muͤßte der Saft, welcher, um von den Insekten genossen wer- den zu koͤnnen, sich im Grunde des Kronensaums sammlen muß, durch die ganze lange Roͤhre in die Hoͤhe steigen. Als- denn aber wuͤrde der groͤßte Theil desselben in der Roͤhre blei- ben, und nur sehr wenig, oder gar nichts in den Grund des Kronensaums kommen. Die Natur sahe sich also genoͤthigt, etwas zu thun, was sie sonst nicht zu thun pflegt, nemlich die Filamente zu Saftdruͤsen zu machen. Endlich kommen die Blaͤtter nicht im Herbst mit der Blume, sondern im fol- genden Sommer mit der Frucht zum Vorschein, weil sie im ersten Fall zu nichts genuͤtzt haben wuͤrden, da die Blume aus der großen Zwiebel Nahrung genug erhaͤlt, sondern vielmehr nachtheilig gewesen seyn wuͤrden, indem sie die Blume verdeckt, und den Insekten weniger bemerkbar gemacht haͤtten, im letz- ten Fall aber der Frucht Nahrung verschaffen helfen, deren dieselbe mehr, als die Blume, benoͤthigt ist. Siebente Aesculus. Siebente Klasse. Heptandria. Zwitterblumen mit sieben Staubgefaͤßen . Aesculus. A esculus Hippocastanum. Roßkastanlenbaum. Tab. XIII. 1—5. 1. Die vergroͤsserte Zwitterblume (die meisten Blumen sind maͤnnlichen Geschlechts) in natuͤrlicher Stellung, von vorne ge- sehen. Das Saftmaal ist punktirt. 2. Dieselbe, von der Seite gesehen. 3. Der hinterste uͤbrig gebliebene Theil der Blume, nachdem dieselbe nach der Linie a b Fig. 2 durchschnitten worden. In der Mitte der Fruchtknoten, um denselben die sieben Filamente, um diese die Naͤgel der fuͤnf Kronenblaͤtter, und zwischen den beiden obersten von diesen und den obersten Filamenten die (punktirte) Saftdruͤse. 4. Eines von den beiden obersten Kronenblaͤttern von der in- neren Seite. 5. Dasselbe von der aͤußeren Seite. Da diese Blume, wie bekannt ist, von den Bienen haͤufig besucht wird, auch ziemlich groß ist: so wundere ich mich, daß Linn é keinen Saft in derselben gefunden hat. Wenigstens koͤmmt in seiner Beschreibung der Gattung nichts vom Nectario vor. Gleditsch hingegen hat in der Blume Saft gefunden, S. 217. 1. Die weiße Saftdruͤse ist im Grunde des Kelchs zwischen den Naͤgeln der obersten Kronenblaͤtter und den obersten Filamen- ten befindlich. 2. Eben daselbst ist auch der Saft anzutreffen. 3. Der Saft ist vor dem Regen sehr wohl verwahrt. Denn 1) hat die Blume eine horizontale Stellung, und es fallen da- her auf die Krone weit weniger Regentropfen, als wenn die Blume aufrecht stuͤnde. 2) Die Kronenblaͤtter sind, so wie der unterste Theil der Filamente, mit weicher Wolle uͤberzogen, und haben unterwaͤrts Falten, wodurch gleichsam zwey Ohren entste- hen. Da nun ihre Naͤgel vom Kelch zusammengedruͤckt werden, so umfassen sie mit diesen Ohren ein Filament, und druͤcken das- selbe an den Fruchtknoten in den Zwitterblumen, und an den Aesculus. Scheinfruchtknoten in den maͤnnlichen. Auf solche Art ist es un- moͤglich, daß ein Regentropfen zum Saft dringen koͤnne. 4. Die großen mit vielen und ansehnlichen Blumen versehe- nen Trauben fallen den Insekten schon in weiter Entfernung in die Augen. Das Saftmaal zeigt denselben die Stelle, wo der Saft verborgen ist. Die weiße Krone hat nemlich in der Mitte fuͤnf Flecke, welche anfangs gelb, hernach aber purpurfarben sind. Die beiden obersten Flecke sind am groͤßten, weil sie dem Eingang zum Safthalter am naͤchsten sind; der unterste aber ist am kleinsten, oft auch gar nicht vorhanden, weil er von diesem Eingang am weitesten entfernt ist. Die Blumen sind irregulaͤr, weil sie eine horizontale Stellung haben. Diese Stellung aber haben sie, weil sie eine aufrechtstehende zusammengesetzte Traube bilden, welche den Insekten nicht von oben, sondern von irgend einer Seite gesehen am staͤrksten in die Augen faͤllt. 5. Daß die Blume den Bienen und Hummeln, welche sie besuchen, nicht umsonst ihren Saft zukommen laͤßt, sondern zur Vergeltung von ihnen befruchtet wird, erhellet aus Folgendem. 1) Daß die Befruchtung nicht auf eine mechanische Art geschehen koͤnne, siehet man ein, sobald man das Stigma betrachtet. Das- selbe ist die Spitze des Griffels, folglich sehr klein. Alle Blumen aber, welche durch den Wind befruchtet werden, haben ein sehr großes Stigma, und muͤssen es haben, weil sonst die Bestaͤubung desselben mehrentheils unterbleiben wuͤrde. 2) Wenn eine Biene oder Hummel zum Saft gelangen will, so muß sie sich auf die bluͤhenden Staubgefaͤße und den Griffel setzen. Alsdenn streift sie mit ihrem Unterleibe den Staub von den Antheren ab, und bringt denselben auf das Stigma. Eben deswegen, damit sie das Stigma beruͤhre, bieget sich das Ende des Griffels in die Hoͤhe. Daß das Stigma sehr klein ist, schadet nicht; es ist genug, daß es von dem Insekt nothwendig beruͤhrt werden muß. Dies ist von den Zwitterblumen zu verstehen. Wenn das Insekt eine maͤnnliche Blume besucht, so streift es den Staub von den An- theren ab, und bringt denselben hernach auf das Stigma einer Zwitterblume. O Aesculus. Die 1. und 2. Figur zeigen, welche Veraͤnderungen mit den Staubgefaͤßen vorgehen. 4 und 6 sind noch kurz, und kruͤmmen sich unterwaͤrts an die Krone, und die Antheren haben sich noch nicht geoͤffnet. 3 und 5 haben sich verlaͤngert und grade gestreckt, und die Antheren haben sich geoͤffnet, und sind voller Staub. 1 und 7 haben sich abwaͤrts gebogen, und die Antheren sind welk, und haben keinen Staub mehr. 2 endlich ist im Begriff dieses zu thun. Daß nicht alle Staubgefaͤße zugleich bluͤhen, d. i., grade gestreckt sind, und staubvolle Antheren haben, geschieht deswegen, damit die Blume desto laͤnger Staub zur Befruchtung liefere. Und daß sowohl die noch nicht bluͤhenden, als die schon verbluͤheten Staubgefaͤße sich abwaͤrts kruͤmmen, ist deswegen noͤthig, damit sie die Insekten nicht verhindern, den Staub der bluͤhenden Antheren rein abzustreifen. Solange die Staubgefaͤße eines nach dem andern bluͤhen, ist das Saftmaal gelb; sobald sie verbluͤhet sind, wird es purpur- farben. Wann diese Veraͤnderung bey einer Blume vorgeht, so oͤffnet sich unmittelbar vor derselben eine andere Blume, welche jene zum Theil verdeckt. Wenn man diese beiden Umstaͤnde zu- sammen nimmt, und zugleich erwaͤgt, daß wenigstens der Besuch, welchen das Insekt bey einer maͤnnlichen Blume, deren Staub- gefaͤße verbluͤhet sind, abstattet, auf die Befruchtung der Zwit- terblumen nicht den mindesten Einfluß hat: so faͤllt man natuͤrli- cherweise auf die Vermuthung, daß das gelbe Saftmaal deswe- gen purpurfarben wird, damit das Insekt die mit dem purpurfar- benen Saftmaal gezierten Blumen nicht besuche, daß folglich die Purpurfarbe entweder nicht so anlockend fuͤr dasselbe sey, als die gelbe Farbe, oder demselben weniger in die Augen falle; obgleich, was das menschliche Auge betrifft, grade das Gegentheil Statt findet. Denn das purpurfarbene Saftmaal ist fuͤr dasselbe auf- fallender, als das gelbe, und demselben, wenigstens nach meiner Empfindung, auch angenehmer. Wenn aber die Blumen, sobald ihre Staubgefaͤße verbluͤhet sind, von den Insekten nicht mehr besucht werden sollen: so wuͤrde diese Absicht besser dadurch erreicht werden, daß die Kronenblaͤt- ter alsdenn abfielen, als dadurch, daß das Saftmaal seine Farbe aͤndert, und man begreift nicht, wozu dieselben noch hernach eine Zeitlang auf den Blumen sitzen bleiben. Folgendes ist also wahr- scheinlicher. Wir haben schon an der Parnassia gesehen, daß ihre Staub- gefaͤße eines nach dem andern bluͤhen, und daß die noch nicht bluͤ- henden und die schon verbluͤheten eine andere Stellung haben, als das bluͤhende. Eben dieses werden wir bald an dem Tropaeo- lum, und in der Folge an mehrern Blumen sehen, welche insge- Aesculus. samt Dichogamisten sind. Es scheint also mit dieser Einrichtung der Staubgesaͤße immer die Dichogamie verbunden, und daher jene ein sicheres Kennzeichen dieser zu seyn. Da dieselbe nun auch bey der Aesculus Statt findet, so scheint die Zwitterblume ein maͤnnlich-welblicher Dichogamist zu seyn. Sonach befruchten die Insekten die Zwitterblumen also, daß sie den Staub der maͤnnlichen und der juͤngeren Zwitterblumen auf das Stigma der aͤlteren Zwitterblumen bringen. Hievon wird man sich noch mehr uͤberzeugen, wenn man die 1. und 2. Figur betrachtet. Denn wann das Insekt auf der abgebildeten Blume sich befindet, so muß es zwar nothwendig den Staub von den bluͤhenden Antheren abstreifen; es wird aber durch dieselben verhindert, das Stigma zu beruͤhren, weil sie hoͤher stehen, als dasselbe. Soll aber das Stigma erst alsdenn von demselben bestaͤubt werden, wann saͤmt- liche Staubgefaͤße verbluͤhet sind: so muß dies bey einem jeden Besuch geschehen, weil die Staubgefaͤße sich saͤmtlich abwaͤrts ge- kruͤmmt haben, folglich das Insekt auf dem Griffel stehen, und das Stigma nothwendig beruͤhren muß. Folglich muß das Stigma erst nach dem Verbluͤhen aller Staubgefaͤße zu bluͤhen anfangen. Ob dies wirklich geschieht, habe ich wegen der außerordentlichen Kleinheit desselben nicht ausmitteln koͤnnen. Die Zwitterblumen sind also anfangs maͤnnliche Blumen, und haben ein gelbes Saftmaal, und werden in der Folge weib- liche Blumen, und erhalten ein purpurfarbenes Saftmaal. Da- mit wollen wir vergleichen, was Leers von dem Ribes alpinum meldet. Er sagt, dieser Strauch sey in der Gegend von Herborn jederzeit ein Dioͤcist, die Trauben des maͤnnlichen Strauchs haben viel, die Trauben des weiblichen Strauchs nur drey bis fuͤnf Blu- men, die maͤnnlichen Blumen seyen flach, die weiblichen laͤng- licht. Jene haben also vermuthlich eine ansehnlichere Krone, als diese. Dieses dient zur Bestaͤtigung dessen, was ich bey der Va- leriana dioeca gesagt habe. Denn die Insekten fallen natuͤrli- cherweise eher auf den maͤnnlichen, als auf den weiblichen Strauch, weil jener mehr und ansehnlichere Blumen hat, als dieser. Fer- ner sagt er, die maͤnnlichen Blumen haben eine gelbe, die weib- lichen eine rothe Krone. Diese Uebereinstimmung in Ansehung der Farbe zwischen zwey im Uebrigen sehr verschiedenen Blumen ist sehr merkwuͤrdig, und macht es hoͤchst wahrscheinlich, daß die gelbe Farbe fuͤr die Insekten einen staͤrkern Reiz habe, als die rothe, daß folglich die Natur die Zwitterblumen der Aesculus, solange sie maͤnnlichen Geschlechts sind, und die Blumen des maͤnnlichen Ribes gelb, hingegen die Blumen des weiblichen Ribes und die aͤlteren weiblichen Zwitterblumen jenes Baums roth saͤrbt, damit die Insekten erst jene, und hernach diese besuchen. Die Blumen der Lantana aculeata sind, wie Linn é sagt, anfangs Aesculus. Tropaeolum. gelb, hernach scharlachfarben. Vermuthlich sind sie auch Dicho- gamisten. Daß die Natur auf diesem Baum nicht lauter Zwitterblu- men, sondern mehr maͤnnliche, als Zwitterblumen, hervorbringt, geschieht aus eben der Ursache, welcher wegen Cucurbita Pepo mehr maͤnnliche, als weibliche Blumen hat. Diese Ursache werde ich bey der Cucurbita anzeigen. Aesculus Pauia flore luteo. Unter dieser Benen- nung befindet sich ein Baum in der Plantage zu Tegel. Ich halte ihn aber nicht fuͤr eine Varietaͤt der Aesculus Pauia, sondern fuͤr eine neue Art; denn die Blume hat nicht acht, sondern sieben Staubgefaͤße. Tab. XII. 29. 31. 32. 32. Eines von den obersten Kronenblaͤttern. 29. Dasselbe, vergroͤssert. Aesculus. Tropaeolum. 31. Eines von den untersten Kronenblaͤttern. 1. 2. Mit der Saftdruͤse und dem Safthalter verhaͤlt es sich bey dieser Art eben so, als bey der vorhergehenden. Ich fand in dieser noch mehr Saft, als in jener. 3. Die inneren Theile der Blume werden nicht vom Kelch so dicht zusammengedruͤckt, als bey der vorhergehenden, und der Zugang zum Safthalter ist also nicht so verschlossen; aber dafuͤr sind auch die Naͤgel der Kronenblaͤtter und die Filamente wollich- ter, als bey jener. 4. Die Krone ist blaßgelb; ihre beide oberste Blaͤtter aber sind mit einigen rothen Linien geziert, von welchen die beiden aͤußersten beym Anfang des Nagels breiter werden, und am Rande desselben fortlaufen, folglich die Insekten zum Saft hin- fuͤhren. Achte Klasse. Octandria. Zwitterblumen mit acht Staubgefaͤßen . Tropaeolum. T ropaeolum maius. Große Indianische Kresse. Tab. VII. 14—16. 20—23. 26. 32. 35. 16. Eine fuͤnf Tage alte Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse, von vorne gesehen, ohne Schatten. 26. Eben dieselbe von der Seite, nachdem die zwey vorder- sten Kronenblaͤtter, wie auch die vorderste Haͤlfte des Kelchs und des Sporns bis a , wo man einen Theil des Safts sieht, wegge- schnitten worden, ohne Schatten. 14. gehoͤrt zu Fig. 16., und 22. zu Fig. 26. Die Geschlechts- theile dieser Blume. 21. Der Grund der Blume, nachdem das Uebrige wegge- schnitten worden, ohne Schatten. In den Sporn sieht man so tief hinein, daß man beynahe den Saft erblickt. 23. Das Pistill einer Blume, welche ungefaͤhr zwey Tage alt ist. 15. Die Gestalt der Geschlechtstheile, wann die Blume auf- zubrechen anfaͤngt. 20. Die Gestalt derselben, wann die Staubgefaͤße verbluͤhet sind. 32. Das Pistill, wann die Blume fuͤnf Tage alt ist. Da es eben so stark vergroͤssert ist, als in Fig. 23., so sieht man, daß der Griffel sich in drey Tagen verlaͤngert hat. Auch hat sich das Stigma unterdessen geoͤffnet. 35. Ein Insekt, welches ich auf der Blume angetroffen habe, in natuͤrlicher Groͤsse. 1. Die Saftdruͤse ist das gruͤnliche Ende des Sporns. 2. Ungefaͤhr die unterste Haͤlfte des Sporns ist voller Saft. 3. Die Blumen sitzen auf aufrecht stehenden Stielen in ho- rizontaler Stellung, welches ungewoͤhnlich ist, und sind deswe- gen irregulaͤr. Diese Irregularitaͤt zeigt sich zuerst an der Saft- decke. Dieselbe besteht aus schmalen, in ein Haar auslaufen- den, Fortsaͤtzen, mit welchen beide Raͤnder der drey untersten Kronenblaͤtter da, wo der breitere Theil derselben an den Nagel angewachsen ist, besetzt sind. Regentropfen also, welche auf diese Kronenblaͤtter gefallen sind, koͤnnen schlechterdings nicht auf ihren Naͤgeln hinab bis zum Sporn fließen, sondern muͤssen in dem Winkel, welchen jene Fortsaͤtze bilden, stehen bleiben, wo man sie auch nach einem Regen findet. Daß nun die drey un- tersten Kronenblaͤtter eine Saftdecke haben, nicht aber die beiden obersten, koͤmmt theils daher, weil die Regentropfen auf die in- nere Seite der ersteren, und vornehmlich auf die aͤußere Seite der letzteren fallen, theils daher, weil eine aͤhnliche Saftdecke, O 2 Tropaeolum. an den obersten Kronenblaͤttern angebracht, die Bemerkbarkeit des inneren Saftmaals verringern wuͤrde. 4. Die Irregularitaͤt der Blume zeigt sich ferner am Saft- maal. Die Krone ist gelb. Auch der Kelch ist gelb, und nicht, wie gewoͤhnlich, gruͤn, damit er, weil er von der Krone nur sehr wenig verdeckt wird, das Ansehen und die Bemerkbarkeit der Blume vergroͤssere. Alle fuͤnf Kronenblaͤtter haben an der Basis ihres breiteren Theils einen rothen Fleck. Diese Flecke machen das aͤußere Saftmaal aus, und zeigen den Insekten, daß der Weg zum Safthalter zwischen sie durchgeht. Dieses scheint die natuͤrliche Zeichnung der Blumen zu seyn; bey denjenigen, deren Kronenblaͤtter ganz roth sind, scheint wegen uͤberfluͤssiger Nah- rung, welche die Blumen erhalten haben, das Saftmaal sich uͤber die natuͤrlichen Graͤnzen ausgebreitet zu haben. (Auch an dem Tropaeolum minus habe ich gefunden, daß die Kronenblaͤtter nicht roth, sondern gelb sind, und rothe Flecke haben). Jedoch unterscheiden sich die Flecke der obersten Kronenblaͤtter dadurch, daß sie theils dunkler sind, als die der untersten, theils mit brau- nen Linien geziert sind, welche sich am Ende des Nagels vereini- gen. Ferner sind die drey obersten Abschnitte des Kelchs, keines- weges aber die beiden untersten mit braunen Linien geziert. End- lich ist die oberste, keinesweges aber die unterste Seite des Sporns beym Anfang desselben mit drey braunen Linien gezeichnet, welche bis zum Saft sich hinziehen. Alles dieses macht das innere Saft- maal aus, welches die Insekten unmittelbar zum Saft hinfuͤhrt. Weil die obersten Kronenblaͤtter dem Safthalter naͤher sind, als die untersten, so mußten sie auch anders gezeichnet seyn, als diese. Aus gleicher Ursache ist der Kelch oberwaͤrts, aber nicht unterwaͤrts gezeichnet. Und ein Insekt, welches in den Grund der Blume hineinsieht, erblickt zwar die oberste, keinesweges aber die unterste Seite des Sporns. Folglich wuͤrde es unnuͤtz seyn, wenn letztere gezeichnet waͤre. Haͤtten nun die obersten Kronen- blaͤtter auch eine Saftdecke, wie die untersten, so wuͤrde das In- sekt vor derselben nicht in den Sporn hineinsehen koͤnnen, und das innere Saftmaal wuͤrde groͤßtentheils von demselben nicht be- merkt werden koͤnnen, folglich vergebens angebracht seyn. 5. Der Saft der Blume ist fuͤr ein groͤsseres Insekt bestimmt, und dieses muß fuͤr den Genuß desselben die Blume befruchten; welches aus Folgendem erhellet. Nachdem die Blume sich geoͤffnet hat, so findet man die Ge- schlechtstheile in dem in Fig. 15 vorgestellten Zustande. Die Fi- lamente sind insgesamt abwaͤrts gebogen, die Antheren haben sich noch nicht geoͤffnet, der Griffel ist noch sehr kurz, und das Stigma hat sich noch nicht von einander gebreitet. Hierauf saͤngt das 7. Filament an sich aufzurichten und grade zu strecken, seine Anthere Tropacolum. oͤffnet sich, erhaͤlt eine kugelfoͤrmige Gestalt, und ist uͤberall voller Staub. Am folgenden Tage geht mit dem 2. Staubgefaͤß eben diese Veraͤnderung vor. Das 7. aber, welches nun ausgedient hat, und dessen Anthere klein und unansehnlich ist, bieget sich wieder abwaͤrts. Dieses wird so fortgesetzt, daß die uͤbrigen Staubgefaͤße in folgender Ordnung bluͤhen, 4. 8. 5. 3. 6. 1., und dauert etwa eine Woche. Am achten Tage findet man alle Staubgefaͤße wieder abwaͤrts gebogen mit verwelkten Antheren, Fig. 20. Die angefuͤhrte Ordnung ist die gewoͤhnlichste; einige Blumen aber beobachten folgende Ordnung, 2. 7. 5. 4. 1. 6. 3. 8., welche auch in der abgebildeten Blume Statt zu finden scheint. Was den Griffel und das Stigma betrifft, so ist, nachdem schon einige Antheren gebluͤhet haben, jener noch kurz, und hat eine horizontale Stellung, und dieses ist noch geschlossen. Indem aber die Antheren zu bluͤhen fortfahren, wird der Griffel immer laͤnger, und seine Stellung mehr aufrecht, und das Stigma faͤngt an sich zu oͤffnen. Nachdem alle Staubgefaͤße verbluͤhet sind, und sich abwaͤrts gebogen haben, erreicht der Griffel eben die Laͤnge, und erhaͤlt eben diejenige Stellung, welche vorher die Filamente hatten. Folglich befindet sich das Stigma, welches sich nun voͤllig geoͤffnet hat, auf eben der Stelle, wo vorher die bluͤhenden Antheren standen. Da also die Blume ein maͤnnlich-weiblicher Dichogamist ist, so folgt hieraus, daß sie von einem, und zwar groͤsseren, Insekt also befruchtet wird, daß dasselbe den Staub der bluͤhenden An- theren der juͤngeren Blumen auf das bluͤhende Stigma der aͤlteren bringt. In den juͤngeren Blumen kann es nemlich nicht zum Saft gelangen, ohne mit dem Unterleibe die bluͤhenden Antheren zu beruͤhren, und ihren Staub abzustreifen. Und eben deswegen stehen die bluͤhenden Antheren ganz frey und am hoͤchsten, und es befinden sich bey ihnen weder die noch nicht bluͤhenden, noch die schon verbluͤheten Antheren, noch das Stigma, weil dadurch das Insekt verhindert werden wuͤrde, den Staub der bluͤhenden Antheren rein abzustreifen. Eben so wenig kann es in den aͤlte- ren Blumen zum Saft gelangen, ohne mit seinem Unterleibe das Stigma, welches grade da steht, wo in den juͤngeren Blumen die Antheren stehen, zu beruͤhren. Und damit dieses desto unaus- bleiblicher geschehe; stehet das Stigma ganz frey, und ist von den verwelkten Antheren weit entfernt. Fliegt es nun von einer juͤngeren Blume auf eine aͤltere, so muß es nothwendig die letztere durch den Staub der ersteren befruchten. Es ist wahrscheinlich, daß die Blume von den Bienen be- fruchtet wird; denn Gleditsch sagt S. 245., daß sie von den- selben besucht wird. Ich selbst habe noch niemals eine Biene auf derselben angetroffen. Im Sporn einer Blume fand ich eine Tropacolum. Oenothera. Ameise. Auch halten sich in demselben kleine Spinnen auf, ver- muthlich, um auf die hineinkriechenden kleinen Insekten Jagd zu machen. Auch das abgebildete dumme und traͤge Insekt fand ich auf der Blume, welches ich sonst auf anderen Blumen, besonders der Sonnenblume, angetroffen habe. Daß es zur Befruchtung derselben nicht bestimmt sey, gab es durch sein Verhalten zu erken- nen. Denn es hielt die Saftdecke fuͤr den Safthalter, steckte sei- nen Saugeruͤssel hinein, und fand, weil es vorher geregnet hatte, Regentropfen in demselben. Diese Blume hat mir einen sehr uͤberzeugenden Beweis von der Wahrheit gegeben, daß der Mensch in Beurtheilung der Werke der Natur sehr leicht irren kann, wenn er diese Beurthei- lung wagt, ohne vorher die Absicht der Natur erforscht zu haben. Denn ehe ich die eigentliche Art und Weise, wie dieselbe befruch- tet wird, entdeckt hatte, konnte ich an den Geschlechtstheilen nicht die mindeste Spur von Regelmoͤßigkeit, Schoͤnheit und Ordnung wahrnehmen, sondern es schien mir alles ein verwirrtes Gemische zu seyn. Ich sahe einige Filamente grade gestreckt mit bluͤhenden Antheren, andere abwaͤrts gebogen mit noch nicht bluͤhenden An- theren, und andere noch mehr abwaͤrts gebogen mit verwelkten Antheren. So wie die Filamente mit ihrer Basis den Frucht- knoten regelmaͤßig umgeben, Fig. 21., eben so, meinte ich, muͤß- ten sie auch eine gleiche Stellung und Richtung gegen den Griffel, als ihre gemeinschaftliche Axe haben, und ihre Antheren muͤßten insgesamt zu gleicher Zeit bluͤhen. Was wuͤrde aber der Erfolg dieser vermeinten Verbesserung gewesen seyn? Dieses, daß er- stens die juͤngere Blume dem zur Befruchtung bestimmten Insekt nur Einen Tag lang Staub geliefert haͤtte, da sie dies nach der von der Natur gemachten Einrichtung eine Woche lang thut. Diesen Zeitraum wird man nicht fuͤr zu lang halten, wenn man bedenkt, daß einige regnichte Tage, welche waͤhrend desselben vor- kommen koͤnnen, in Rechnung gebracht werden mußten. Denn die Antheren, welche an denselben bluͤhen, bluͤhen umsonst, da ihr Staub vom Regen verdorben wird, und, wenn auch dies nicht geschaͤhe, von dem Insekt nicht abgeholt wird, weil der Re- gen dasselbe verhindert, die Blume zu besuchen. Zweytens wuͤrde auch alsdenn das Insekt nur den Staub der obersten Antheren abstreifen koͤnnen, keinesweges aber den Staub der untersten, welche zu beruͤhren es von den obersten verhindert werden wuͤrde. Oenothera. Oenothera biennis. Gemeine Nachtkerze. Tab. XIII. 6—10. 13. 7. Die aͤltere Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse, von der Seite gesehen. Oenothera. 8. Die juͤngere Blume, von vorne gesehen. In der Oeff- nung der Kelchroͤhre sieht man den Safttropfen. 6. Die Kelchroͤhre im Durchschnitt. Im Grunde derselben die (punktirte) Saftdruͤse. 9. Ein Theil eines mit Samenkapseln versehenen Zweiges in natuͤrlicher Stellung. 10. Eine Samenkapsel im Durchschnitt. 13. Ein Theil eines mit Samenkapseln versehenen Zweiges einer vom Winde auf die Erde niedergeworfenen Pflanze. Linn é , oder einer von seinen Schuͤlern, sagt in der Dis- sertation de nectariis florum, daß Oenothera, Epilobium, Gaura und Lythrum in ihrem roͤhrenfoͤrmigen Kelch Saft ent- halten, behauptet aber hernach, daß dieselben dennoch kein Nec- rium haben, weil sie keine besondere Saftorgana haben. In der Beschreibung der zwey ersten und der vierten Gattung sagt jener vom Nectario nichts; bey der dritten aber macht er gewisse Theile zu Saftdruͤsen, welche etwas ganz anders sind. 1. Die Saftdruͤse ist im Grunde der Kelchroͤhre befindlich, und an dieselbe angewachsen. Sie ist glatt und gelb. 2. Der innere Raum der Kelchroͤhre wird vom Griffel aus- gefuͤllt, und die innere Oberflaͤche derselben ist mit Wolle, welche so sein, als ein Spinnengewebe, ist, uͤberzogen. Der Saft muß also aus dem Grunde derselben bis an ihr oberstes Ende, welches weiter und kahl ist, hinaufsteigen. Hier bleibt er auf dem Grif- fel in Gestalt eines ansehnlichen Tropfens stehen. Denn der Griffel wird von dem großen Stigma an die untere Seite der Oeffnung der Kelchroͤhre angedruͤckt, wodurch also zwischen ihm und der oberen Seite jener Oeffnung ein groͤsserer Raum entsteht. Als ich im Sommer 1788 die Saftdruͤse entdeckt hatte, so sahe ich ein, daß der Saft zwischen der Kelchroͤhre und dem Grif- fel hinaufsteigen muͤsse, weil zwischen jener und diesem kein Raum vorhanden ist, wo er sich aufhalten koͤnnte, daher auch kein In- sekt in den Grund der Kelchroͤhre hineinkriechen, oder seinen Saugeruͤssel hineinstecken kann. So oft ich aber auch die Blumen des Morgens besahe, so fand ich doch in keiner einzigen Saft. Am 7. October aber, nachdem die Blumen vorher eine Zeitlang wegen trockner Witterung ausgeblieben waren, nun aber, weil es geregnet hatte, sich wieder zeigten, fand ich in allen Blumen den Safttropfen oben an der Oeffnung der Kelchroͤhre, und also grade da, wo ich denselben bisher immer vergebens gesucht hatte. Ich erklaͤrte mir dieses also, daß der Saft im Sommer von den Nachtinsekten verzehrt worden sey, nun aber, da die Naͤchte schon ziemlich kalt waren, von denselben nicht habe abgeholt wer- den koͤnnen, weil sie nicht mehr ausfloͤgen. Im folgenden Som- mer fand ich anfangs auch keinen Saft in den Blumen; nachdem O 3 Oenothera. die Pflanzen aber einige Wochen lang gebluͤhet hatten, fand ich in allen Blumen Saft. 3. Ob man gleich glauben sollte, daß der Safttropfen gegen den Regen nicht gesichert sey, so bemerkte ich doch am 20. July 1789 Vormittags das Gegentheil. Es regnete anhaltend und stark. Dennoch fand ich in der Oeffnung der Kelchroͤhre keinen Regentropfen. Zwischen den Staubgefaͤßen und den Kronenblaͤt- tern, und zwischen dem Stigma und den Kronenblaͤttern saßen Regentropfen genug. Sobald ich aber die Pflanzen erschuͤtterte, so fielen dieselben sogleich aus den Blumen heraus. Die Kronen- blaͤtter haben also wenig Anziehungskraft, als wenn sie mit Oel uͤberzogen waͤren, wie die Kronenblaͤtter des Ranunculus. Folg- lich koͤnnen die auf die Blumen gefallenen Regentropfen, wenn es aufgehoͤrt hat zu regnen, nicht lange haften, sondern werden vom Winde bald wieder herausgeworfen. 4. Zu den mancherley Absichten, welche die Natur bey Her- vorbringung dieser Pflanze vor Augen gehabt haben mag, gehoͤ- ren auch die zwey folgenden. Erstens sollten die Samenkoͤrner aus den Kapseln nicht herausfallen, sondern durch den Wind, und zwar durch einen starken Wind herausgeworfen, und weit und breit ausgestreuet werden, weil sie nicht mit einem Fluͤgel, oder einer Haarkrone versehen sind, daß sie auch ein schwacher Wind weit fortfuͤhren koͤnnte. Zweytens sollen die Blumen von einem Nachtinsekt befruchtet werden. Aus diesen beiden Absich- ten laͤßt sich Vieles, was die Struktur der Pflanze und der Blu- men betrifft, erklaͤren. Der Stengel und seine Zweige mußten aufrecht stehen, und eine ansehnliche Hoͤhe erreichen, weil die Samenkoͤrner vom Winde desto weiter fortgeworfen werden koͤn- nen, je weiter die Samenkapseln von der Oberflaͤche der Erde ent- fernt sind. Auch mußten sie stark und steif seyn, weil ein schwa- cher Stengel auch von einem schwachen Winde erschuͤttert und hin und her bewegt werden kann. Ferner mußten die Samenkapseln an den Stengel und die Zweige unmittelbar befestigt seyn, und eben so, wie diese, eine aufrechte Stellung haben. Denn wenn sie auf Stielen saͤßen, so wuͤrden sie dieselben, wenn diese gleich aufrecht staͤnden, durch ihr Gewicht leicht umbiegen, und auch von einem schwachen Winde leicht hin und her bewegt werden. Je weniger sie aber aufrecht stuͤnden, desto leichter wuͤrden auch die Samenkoͤrner herausfallen, und durch einen schwachen Wind herausgeworfen werden, desto naͤher wuͤrden sie also um die Mut- terpflanze herum auf den Erdboden fallen. Daß es kein Zufall sey, daß die Kapseln aufrecht stehen, sieht man an Stengeln, welche der Wind auf die Erde niedergeworfen hat. Denn die Kapseln schmiegen sich nicht dicht an dieselben, wie an die aufrecht- stehenden, sondern machen mit denselben einen groͤssern oder klei- Oenothera. nern Winkel, weil sie sich insgesamt bemuͤhen, eine aufrechte Stellung zu erhalten. Nun sollte der aufrechtstehende, und mit dem Stengel oder Zweige einen sehr spitzen Winkel machende Fruchtknoten eine Nachtblume tragen, welche von einem Nacht- insekt befruchtet werden sollte. Diese mußte also eine Saftblume seyn. Ferner mußte die Krone derselben von ansehnlicher Groͤsse seyn, weil sie sonst in der Dunkelheit der Nacht dem Insekt we- niger in die Augen fallen wuͤrde. Sie konnte also nicht unmit- telbar auf dem Fruchtknoten sitzen, sondern der Kelch mußte eine lange Roͤhre haben, deren oberstes Ende, weil der Fruchtknoten mit dem Stengel oder Zweige einen, obgleich sehr spitzen, Winkel macht, von demselben weiter absteht, als ihre Basis. Und da- mit die Krone noch groͤsser seyn koͤnnte, so mußte sie nicht voͤllig aufrecht, sondern ein wenig horizontal stehen. Wegen dieser Stellung ist die Blume ein wenig irregulaͤr. Denn die Fila- mente kruͤmmen sich nicht auf eine regulaͤre Art gegen den Grif- fel, als ihre gemeinschaftliche Axe, sondern gegen die untere Seite der Krone, und die beiden obersten stehen am meisten von einander ab, wahrscheinlich, damit das Insekt desto bequemer zum Saft gelangen koͤnne. Die Krone mußte ferner hell gefaͤrbt seyn; denn dunkelgefaͤrbt wuͤrde sie dem Insekt nicht in die Augen fallen. Sie ist also blaßgelb. Ein Saftmal endlich konnte die Blume nicht haben, weil dasselbe in der Dunkelheit der Nacht entweder, wenn es von heller Farbe waͤre, gegen die Farbe der Krone nicht abstechen, oder, wenn es von dunkler Farbe waͤre, nicht bemerkt werden wuͤrde. 5. Medikus will an der Oenothera diejenige Erscheinung bemerkt haben, welche er das Wandern des Pistills zu den Staub- gefaͤßen nennt. Wann es mit dieser Bemerkung seine Nichtigkeit hat, so wird die Blume auf eine mechanische Art befruchtet. Daß er sich aber hier eben so, als bey der Passiflora, geirrt habe, und daß hier an keine mechanische Befruchtungsart zu denken sey, folgt daraus, daß auch bey dieser Blume die maͤnnlich-weibliche Dicho- gamie Statt findet. Sie bricht des Abends um 6 oder 7 Uhr auf, und bluͤhet zwey Naͤchte. Sobald sie aufgebrochen ist, sind die Antheren schon voller Staub; die vier Theile aber, aus wel- chen das Stigma besteht, liegen noch dicht an einander. Da nun die innere Seite derselben das eigentliche Stigma ist, so ist noch kein Stigma vorhanden. Diese Gestalt behaͤlt dasselbe die ganze erste Nacht hindurch, und noch am folgenden Morgen. Hierauf faͤngt es an sich nach und nach von einander zu begeben, so daß es in der zweyten Nacht voͤllig offen steht. Die Antheren aber sind alsdenn welk und unansehnlich. Die mechanische Be- fruchtung kann also allenfalls in der zweyten Nacht, wenn die Antheren alsdenn noch Staub haben, keinesweges aber in der Oenothera. ersten vor sich gehen, weil noch kein Stigma vorhanden ist. Es laͤßt sich aber nicht gedenken, daß die Natur die Blume die erste Nacht hindurch vergebens sollte bluͤhen lassen. Folglich geschieht die Befruchtung durch ein Nachtinsekt, welches den Staub der bluͤhenden Antheren der juͤngeren Blumen auf das bluͤhende Stigma der aͤlteren bringt. Tagesinsekten habe ich noch niemals auf den Blumen ange- troffen, ausgenommen Ameisen, welche ich beym Safttropfen fand. Diese aber koͤnnen dieselben nicht befruchten. An einem Tage, da es dunkles Wetter war, und anhaltend regnete, be- merkte ich Vormittags um 11 Uhr in meinem Garten, daß ein ziemlich großer Daͤmmerungsschmetterling die Blumen dieser Art und der Oenothera muricata besuchte. Er steckte seinen grade gestreckten Saugeruͤssel, welcher ungefaͤhr so lang war, als sein ganzer Koͤrper, in den Safthalter, blieb dabey in der Luft schwe- ben, und bewegte seine Fluͤgel uͤberaus schnell. Auf solche Art genoß er den Saft, ohne von den mit Regentropfen benetzten Blumen naß zu werden. Ich bemuͤhete mich ihn zu fangen, um zu sehen, ob er an seinem Koͤrper, besonders an deu Fluͤgeln An- therenstaub haͤtte; er entging aber meinen Nachstellungen. Es mag nun dieses, oder ein anderes Insekt zur Befruchtung der Blumen bestimmt seyn, so muß dasselbe ziemlich gemein seyn, weil die Befruchtung selten fehlschlaͤgt. Noch im Januar fand ich im Grunde der Samenkapseln Sa- menkoͤrner. Die Winde also, welche vom October, da dieselben reif geworden waren, bis zum Januar gewehet hatten, waren nicht heftig genug gewesen, diese Samenkoͤrner herauszuwerfen, folglich waren die uͤbrigen, welche nicht mehr in den Kapseln vor- handen waren, durch die heftigsten Winde, welche bisher gewehet hatten, herausgeworfen, und also sehr weit und breit verstreuet worden. Aus der Gestalt der Samenkoͤrner, und aus der Art und Weise, wie sie auf den Erdboden verstreuet werden, laͤßt sich noch Folgendes erklaͤren. In manchen Gegenden steht die Pflanze im groͤßten Ueberfluß, besonders in neuen Schonungen, wo sie vor dem Vieh sicher ist, und von den kleinen Baͤumen nicht er- stickt wird. Hier hat es das Ansehen, als wenn sie nicht wild wuͤchse, sondern von Menschen gebauet wuͤrde. In andern Ge- genden aber, welche den ersteren in Ansehung der Beschaffenheit des Erdbodens voͤllig gleich sind, findet man sie gar nicht. Bei- des koͤmmt daher, weil die Samenkoͤrner vom Winde zwar in ei- nen großen Raum um die Pflanze herum verstreuet werden, kei- nesweges aber aus dieser Gegend in eine andere, besonders wenn beide durch ein großes Wasser von einander getrennt sind, gefuͤhrt werden koͤnnen. Die hiesige Gegend liefert hievon ein einleuch tendes Beyspiel. Wer die Oesfeldische Charte von der Ge- Oenothera. gend bey Berlin und Potsdam zur Hand hat, ziehe in Gedanken eine grade Linie von dem oͤstlichen Ende des Sees bey Falkenha- gen durch den Stern bis an die Spree: so zeigt ihm diese Linie die Lage und Laͤnge einer Kette von Sandhuͤgeln. Diese Kette wird zwar durch die Havel, und auf beiden Seiten derselben et- was unterbrochen; es ist aber wahrscheinlich, daß sie ehemals zusammengehangen, und die Havel sich einen Weg durch dieselbe gemacht, die Kultur aber auf beiden Seiten des Flusses das Ue- brige gethan habe. Auf der westlichen Haͤlfte dieser Huͤgelkette nun steht die Nachtkerze sehr haͤufig, besonders in den Schonun- gen, welche daselbst vor einigen Jahren angelegt worden sind. Auf der oͤstlichen Haͤlfte hingegen findet man sie nicht, ausgenom- men, daß ich im vergangenen Jahr in der Heide hinter dem Stern an zwey Stellen in einer Schonung einige Pflanzen ange- troffen habe. Die Samenkoͤrner aber, aus welchen diese Pflan- zen entstanden sind, koͤnnen unmoͤglich durch den Wind von der westlichen Haͤlfte hieher gefuͤhrt worden seyn, sondern muͤssen auf eine andere Art hieher gekommen seyn. Ueberhaupt habe ich in neuangelegten Schonungen zuweilen eine einzelne Pflanze angetroffen, von welcher ich nicht begreifen konnte, wie sie dahin gekommen war. Dahin gehoͤrt Anthyllis Vulneraria, welche ich in einer Schonung bey Charlottenburg fand, und Aquilegia vulgaris, welche ich in der Stadtheide fand. Von jener ist mir nur ein einziger Standort bekannt, nemlich bey Falkenhagen; diese ist in hiesiger Gegend gar nicht zu finden. Zu denen Arten, von welchen ich bisher nur ein ein- ziges Exemplar gefunden habe, gehoͤrt auch Aucna pratensis, Melampyrum aruense, Trifolium hybridum, Orobanche maior. Auf beiden Haͤlften hingegen befindet sich das Federgras ( Stipa pennata ) sehr haͤufig, und zwar, welches merkwuͤrdig ist, bloß auf der Mittagsseite, keinesweges aber auf der Mitternachtsseite der Huͤgel. Ich waͤhle diese Pflanze um so viel lieber, da sie in den hiesigen Gegenden selten ist. Gleditsch (Vermischte Abhandlungen 3. Th. S. 126.) fuͤhrt unter den wenigen Gegenden der Mark, wo er die- ses Gras gefunden hat, die oͤstliche Haͤlfte jener Huͤgelkette an. Daher auch der selige Mann, wenn er mit seinen Schuͤlern in der hiesigen Gegend botanisirte, dieses Gras in der Gegend des Sterns eifrig aufzusuchen, und seine Schuͤler recht aufmerksam auf dasselbe zu machen pflegte. Und die beiden Stellen, welche Hr. D. Willdenow in seiner Berlinischen Flora als die einzi- gen Standoͤrter dieses Grases anfuͤhrt, sind diese beiden Haͤlften jener Huͤgelkette. Woher koͤmmt es also, daß das Federgras auf beiden Haͤlften, die Nachtkerze aber nur auf der einen anzutreffen ist? Diese Frage ist leicht zu beantworten. Gesetzt, der Zufall habe zu irgend einer Zeit auf der westlichen Haͤlfte ein Samen- korn des Federgrases, und zu einer andern ein Samenkorn der Oenothera. Gaura. Epilobium. Nachtkerze unter so guͤnstigen Umstaͤnden ausgesaͤet, daß aus bei- den eine Pflanze entstehen konnte: so haben sich beide Pflanzen dort nach und nach vermehrt. Da nun der Same des Feder- grases mit einer sehr langen Feder versehen ist, so war nichts leich- ter, als daß ein starker Westwind ein oder einige Samenkoͤrner von dort uͤber die Havel auf die oͤstliche Haͤlfte fuͤhrete. Mit den Samenkoͤrnern der Nachtkerze hingegen konnte dies nicht gesche- hen, weil sie keinen solchen leichten Ansatz haben. Der Wind konnte sie zwar in den benachbarten Fluß werfen, aber nicht uͤber den dort sehr breiten Fluß hinuͤber fuͤhren. Gaura. Gaura biennis . Tab. XIII. 12. 14. 15. 12. Die aufgeschnittene und flach ausgebreitete Kelchroͤhre. Im Grunde derselben die (punktirten) Saftdruͤsen. 14. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 15. Die mit acht Schuppen besetzte Oeffnung der Kelch- roͤhre. 1. Die Saftdruͤse ist auch hier im Grunde der Kelchroͤhre befindlich, es mag nun dieselbe entweder aus vier besondern Druͤsen, welche Linn é gesehen haben will, oder, wie ich ge- funden habe, aus zwey Vertiefungen bestehen, welche pome- ranzenfarben sind. 2. Der Saft steigt zwischen der wollichten inneren Ober- flaͤche der Kelchroͤhre und dem Griffel in die Hoͤhe, und bleibt unter der Oeffnung jener stehen. 3. Die Saftdecke sind acht Schuppen, welche an die Basis der Filamente angewachsen sind, und jene Oeffnung enger machen. 4. Eben diese Schuppen sind zugleich das Saftmaal; denn sie sind gelb, da die Krone roth, und in der Mitte weiß ist. Linn é hat diese Schuppen fuͤr Saftdruͤsen gehalten; folglich konnte er bey der eigentlichen Saftdruͤse gar nichts denken. Epilobium. In der oft angefuͤhrten Dissertation de nectariis florum wird diese Gattung auch zu denen gerechnet, welche in ihrem roͤhrenfoͤrmigen Kelch Saft enthalten. Dies ist eine Ueberei- lung; denn dieselbe hat keinen roͤhrenfoͤrmigen Kelch. Der Verfasser dachte sich den langen Fruchtknoten, welcher den Kelch traͤgt, als eine zum Kelch gehoͤrige Roͤhre. Epilobium hirsutum . Tab. XIII. 19. 20. 19. Die Blume im Durchschnitt. Epilobium. 20. Ein vergroͤsserter Theil derselben, nemlich die Saft- druͤse, der Safthalter und die Saftdecke. 1. 2. Die Saftdruͤse, welche zugleich der Safthalter ist, ist das oberste Ende des Fruchtknotens. 3. Der Saft wird durch die Haare, welche aus dem Grunde der Krone entstehen, und sich an den Griffel biegen, vor dem Regen geschuͤtzt. Epilobium montanum enthaͤlt auch Saft. Epilobium angustifolium . Tab. XXII. 39. 40. 45. 47—52. 39. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 40. Dieselbe, von der Seite gesehen. Es ist eine juͤngere Blume, deren Griffel noch gekruͤmmt ist, deren Antheren je- doch, bis auf zwey, schon den Staub verloren haben. 45. Eine aͤltere Blume, von der Seite gesehen. Die Staubgefaͤße sind welk, und die Antheren haben keinen Staub mehr; der Griffel aber hat sich grade gestreckt, und das Stigma hat sich von einander begeben. 47. Eine Bluͤme, welche noch juͤnger ist, als die erste, da sie noch fuͤnf mit Staub versehene Antheren hat. Der Kelch und die Krone sind weggeschnitten. 49. Dieselbe, nachdem die drey vordersten Filamente ab- gerissen worden. 51. Dieselbe, nachdem auch die fuͤnf hintersten Filamente abgerissen worden. 52. Der Grund der Blume, von welchem die (punktirte) Saftdruͤse ein Theil ist. 48. Das Stigma der juͤngeren Blume, von unten ge- sehen. 50. Das Stigma der aͤlteren Blume, von vorne ge- sehen. 1. Die Saftdruͤse ist auch hier das oberste Ende des Fruchtknotens. Dieselbe ist gruͤn, da der Kelch und die Krone purpurfarben, die Filamente aber und der Griffel weiß sind. 2. Der Saft befindet sich in dem Raum zwischen der Saftdruͤse, und dem untersten Theil des Griffels und der Fi- lamente. Denn die Filamente, welche um die Saftdruͤse herum stehen, sind unten breit, werden aber nach und nach schmaͤler, und schmiegen sich dicht an den Griffel, und bilden also einen hohlen Kegel. 3. Zum Saft kann kein Regentropfen gelangen; denn die Filamente schließen, soweit sie den Safthalter bilden, dicht an einander und an den Griffel. Und damit weder die Regen- tropfen, welche auf den Griffel, noch diejenigen, welche auf die Epilobium. die Filamente gefallen sind, bis zum Safthalter kommen, so ist jener an der Stelle, wo ihn die Filamente beruͤhren, haaricht, und diese, nachdem sie sich wieder vom Griffel entfernt haben, werden nach und nach wieder breiter, eben so, wie bey dem Asphodelus fistulosus. 5. Im Sommer 1790 fand ich diese Pflanze an einem Ort, wo ich sie zu finden gar nicht vermuthet hatte, nemlich in der Stadtheide, und zwar in dem sogenannten Neuen Kamp, wel- chen man vor einigen Jahren angelegt hat, um auslaͤndische Holzarten in demselben zu erziehen. In der ganzen Stadtheide habe ich niemals diese Pflanze angetroffen; ich habe sie bloß in der Mittelheide gefunden, welche von dem Neuen Kamp eine kleine halbe Meile entfernt ist. Ich vermuthe also, daß der Wind ein einziges Samenkorn zu der Zeit, als der Neue Kamp ange- legt wurde, aus der Mittelheide hieher gefuͤhret hat, und daß aus diesem diese Pflanzen, welche beysammen stehen, und gleich- sam ein kleines Waͤldchen von einigen Schritten im Durchmesser bilden, entstanden sind. Denn der Same ist sehr klein und mit einer sehr langen Haarkrone versehen, kann also vom Winde mei- lenweit fortgefuͤhrt werden. Und als der Neue Kamp angelegt wurde, ward das Land einige Fuß tief umgegraben, und dadurch in den Stand gesetzt, allerley, auch die feinsten, Samenkoͤrner aufzunehmen, und zum Keimen zu bringen. Endlich hat dieses Epilobium kriechende Wurzeln, welche neue Stengel treiben. Folglich kann Eine Pflanze in einigen Jahren viele andere um sich herum hervorbringen. Sobald ich dieses kleine Waͤldchen, welches sich schon von weitem durch seine ansehnliche purpurfarbene Blumen ausnahm, bemerkt hatte, so naͤherte ich mich demselben, und fand zwey kleine schwarze Hummeln mit gelbem After auf den Blumen in voller Arbeit. Ich betrachtete Eine Blume, und fand sogleich den Saft und die Saftdruͤse. Bald darauf bemerkte ich einen Umstand, welcher mir unerklaͤrlich zu seyn schien. Nem- lich die obersten juͤngeren Blumen hatten Antheren, welche mit gruͤnem Staube versehen waren; ihr Griffel aber war unterwaͤrts gekruͤmmt, und das Stigma hatte sich noch nicht von einander begeben, sondern die vier Theile desselben lagen dicht an einan- der, und schienen Ein Stuͤck zu seyn. Die untersten aͤlteren Blumen hingegen hatten verwelkte und staublose Antheren; ihr Griffel aber war grade gestreckt, und das Stigma hatte sich aus einander gebreitet. So wie nun das Stigma der juͤngeren Blu- men nicht bestaͤubt werden konnte, weil es noch nicht vorhanden war, so konnte auch das Stigma der aͤlteren Blumen von den ihm beygesellten Antheren keinen Staub erhalten, weil dieselben keinen Staub mehr hatten. Und doch fand ich, daß dasselbe be- staͤubt war. Dies war sehr leicht zu erkennen, da das Stigma Epilobium. weiß, der Staub aber gruͤn ist. Ich machte also den Schluß, daß die Hummeln den Staub von den Antheren der obersten Blu- men auf das Stigma der untersten bringen muͤßten. Der Au- genschein uͤberzeugte mich bald von der Richtigkeit dieses Schlusses. Denn in den obersten Blumen mußten sich die Hummeln, um ihren Saugeruͤssel in den Safthalter hineinzustecken, auf die Fi- lamente setzen, und folglich mit dem haarichten Unterleibe und den haarichten Beinen den Staub von den Antheren abstreifen; hingegen in den untersten Blumen mußten sie sich, zu gleichem Endzweck, auf den Griffel setzen, weil die Filamente welk waren und herabhingen, und dies konnten sie nicht thun, ohne mit dem Unterleibe und den Beinen das Stigma zu beruͤhren, und den abgestreiften Staub auf dasselbe wieder abzusetzen. Um hievon noch mehr versichert zu seyn, wollte ich wissen, ob die Hummeln wirklich an ihrem Unterleibe Staub haͤtten. Indem sie von ei- ner Blume auf die andere flogen, konnte ich dies eben so wenig bemerken, als, indem sie auf einer Blume saßen, letzteres, weil sie in jeder Blume sich nur einige Augenblicke aufhielten, indem des Safts nur wenig ist. Ich schlug also die eine mit der Hand. Sie flog davon, kam aber nach einigen Minuten wieder. Nun schlug ich sie mit dem Stock, und sie fiel auf die Erde. Ich hob sie auf, und fand ihren Unterleib, besonders die sehr haarichten Hinterbeine voll gruͤnen Staubes. Dadurch ward ich vollkom- men von der Richtigkeit dieser gemachten Entdeckung uͤberzeugt. Einige Tage nachher fand ich, daß bey der Malua sylvestris und dem Geranium palustre eine gleiche Einrichtung Statt fin- det, und daß auch diese Zwitterblumen von den Insekten nicht mit ihrem eigenen Staube, sondern die aͤlteren mit dem Staube der juͤngeren befruchtet werden. Die Ursache, welcher wegen die Natur diese Einrichtung ge- macht hat, faͤllt bey dem Epilobium in die Augen. Denn wenn die Staubgefaͤße und der Griffel nebst dem Stigma zu gleicher Zeit bluͤheten, d. i., wenn der Griffel grade gestreckt und das Stigma aus einander gebreitet waͤre zu der Zeit, da die Fila- mente steif und grade gestreckt sind, und die Antheren Staub ha- ben: so wuͤrde der Griffel nebst dem Stigma verursachen, daß die Hummeln den Staub der Antheren nicht rein abstreifen koͤnn- ten, und die Staubgefaͤße wuͤrden sie verhindern, den Staub auf das Stigma zu bringen. Nach der von der Natur gemach- ten Einrichtung hingegen koͤnnen die Hummeln den Staub aller Antheren der juͤngeren Blumen rein abstreifen, weil der Griffel nebst dem Stigma ihnen nicht im Wege ist, und mit diesem Staube das ganze Stigma der aͤlteren Blumen bestreichen, indem die Fi- lamente welk sind und herabhangen. P Epilobium. Auch von Bienen werden die Blumen besucht und be- fruchtet. Eine lange Zeit nachher, als ich diese Entdeckung gemacht hatte, las ich Koͤlreuters Vorlaͤufige Nachrichten ꝛc. wie- der durch, und fand zu meiner groͤßten Verwunderung, wie nahe derselbe daran gewesen, bey eben diesem Epilobium die Dichogamie zu entdecken, welche er dennoch nicht entdeckt hat. Er sagt nemlich S. 34.: „Die Blumen des Weiderichs ( Epi- „lobium latifolium und angustifolium ) oͤffnen sich, ehe noch „ein Koͤlbchen seinen Staub von sich giebt, ehe das unter die „Blume hinabwaͤrts gekruͤmmte Pistill sich zu erheben anfaͤngt, „und die vier fest auf einander liegende Stigmate sich aus- „waͤrts kruͤmmend (sich) von einander begeben, und ihre in- „nere mit Waͤrzchen besetzte Flaͤche entbloͤßen. Geschieht dieses, „so trifft es sich zwar manchmal, daß sich etwas von dem an „einem Koͤlbchen hangenden Samenstaub an irgend einer Stelle „der mit Waͤrzchen besetzten Flaͤche abstreift; es kommt aber „dieses in keine Vergleichung mit dem, was die Insekten da- „bey thun. Diese schleppen den durch Faͤden unter sich zusam- „menhangenden Samenstaub auf die innere Flaͤche haͤufig hin, „und uͤberziehen sie gleichsam allenthalben mit demselben. „Nimmt man gleich einer gewissen Anzahl Blumen ihre noch „geschloßne Koͤlbchen hinweg, so werden doch ihre Stigmate „allezeit mit einer genugsamen Quantitaͤt Samenstaub uͤberzo- „gen, den die Insekten von andern in der Naͤhe stehenden „Blumen dahin tragen. Bey den spaͤtern Blumen dieser „Pflanze geschieht das Bestaͤuben ohnedem ganz allein durch „die Insekten. Denn es oͤffnen sich bey ihnen die Koͤlbchen „lange vorher, ehe das Stigma sich aufrichtet und gehoͤrig „ausbreitet. Indessen verdirbt entweder der Samenstaub auf „den Koͤlbchen, oder wird von Insekten hinweggeschleppt. Es „wuͤrden also die Stigmate unbelegt bleiben, und folglich keine „Befruchtung erfolgen koͤnnen, wenn die Insekten nicht frischen „Samenstaub von andern Blumen dahin braͤchten.“ Er be- ging im Beobachten einen Fehler, da er nemlich das ungleich- zeitige Bluͤhen der Geschlechtstheile nur an den spaͤteren Blu- men wahrzunehmen glaubte, welches doch bey allen Blumen Statt findet. Eine nothwendige Folge dieses Fehlers war, daß er diesen Umstand fuͤr etwas zufaͤlliges, und nicht fuͤr et- was wesentliches und fuͤr eine Einrichtung der Natur halten mußte. Haͤtte er denselben fuͤr eine Einrichtung der Natur ge- halten, so wuͤrde er auch untersucht haben, ob derselbe, als eine solche, bey mehreren Blumen vorkoͤmmt, und dann wuͤrde er denselben bey sehr vielen Gattungen, ja bey ganzen Fami- lien angetroffen haben. Combretum. Ximenia. Vaccinium. Combretum. Combretum secundum . Jacqu. Amer. p. 103. Da diese Blume eine Saftdecke hat, so muß sie auch Saft enthalten. Diese Saftdecke sind die weichen Haare, durch welche die Oeffnung der Kelchroͤhre verschlossen wird. Ximenia. Ximenia multiflora . Jacqu. Amer. p. 106. Diese Blume ist eine Saftblume; denn sie hat eine Saftdecke und einen sehr angenehmen Weihrauchgeruch. Der Fruchtknoten ist vermuthlich die Saftdruͤse. Die vier Kronenblaͤtter bilden um denselben herum eine inwendig glatte Roͤhre. Der Safthalter. Hierauf fangen sie an sich abzusondern, und sind mit graden aufrecht stehenden Haaren besetzt. Die Saftdecke. Ihr zu- ruͤckgebogenes Ende aber ist nicht haaricht, weil dies keinen Nutzen haben wuͤrde. Vaccinium. Vaccinium Oxycoccos. Moosbeere. Tab. XIII. 16. 17. Tab. XXII. 9—11. 13. 18. Tab. XIII. 16. Der stark vergroͤsserte oberste Theil der Beere, von der Seite gesehen. 17. Derselbe, von oben gesehen. Die (punktirte) vorma- lige Saftdruͤse. Tab. XXII. 9. Die Blume in natuͤrlicher Stellung. 13. Dieselbe, von unten gesehen. 10. Ein Staubgefaͤß von innen. 11. Dasselbe von der Seite. 18. Ein Kronenblatt von innen, nachdem man demselben die Kruͤmmung, die es von Natur hat, genommen, und es flach ausgebreitet hat. 1. An der reifen Beere sieht man noch die vormalige Saftdruͤse deutlich. Dieselbe ist der auf jener innerhalb des Kelchs befindliche Kreis, in dessen Mittelpunkt das Ueberbleibsel des Griffels steht, und dessen Peripherie von den Narben um- geben wird, welche die Filamente zuruͤckgelassen haben. 2. Die Saftdruͤse ist zugleich der Safthalter. 3. Der Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert, weil die Staubgefaͤße dicht an einander schließen, und die Filamente an den Seiten mit Haaren besetzt sind. 4. Die Kronenblaͤtter sind blaßroth, in der Mitte aber haben sie eine Linie von gesaͤttigterer Farbe, und an der Basis ist dieses Roth so gesaͤttigt, als nur moͤglich ist. Die Blume hat also ein Saftmaal, und ist folglich eine Tagesblume. Vaccinium. Auch habe ich an denen Pflanzen, von welchen ich sogleich reden werde, bemerkt, daß verschiedene Blumen des Morgens aufbra- chen. Daß andere erst um die Mittagszeit aufbrachen, kam ver- muthlich daher, daß der Blumentopf, in welchem sie sich befan- den, auf einem der Mittagssonne ausgesetzten Fenster stand, und die Sonnenstrahlen erst um 10 Uhr Vormittags auf die Blumen zu fallen anfingen. 5. Ich hatte nemlich im Herbst eine Anzahl Pflanzen nebst dem Sumpfmoos (Sphagnum palustre), zwischen welchem sie sich befanden, abgeschnitten. Diese setzte ich in einen Blumen- topf, stellte denselben auf ein Flutfenster, durch welches die Mit- tagssonne schien, und begoß die Pflanzen zuweilen. Am 26. April des folgenden Jahres Morgens um 8 Uhr sahe ich, daß Eine Blume aufgebrochen war. Ich begab mich an diesem Tage zu dem Torfmoor hin, aus welchem ich die Pflanzen geholt hatte. Hier fand ich ganz kleine Blumenknospen, welche noch keinen Stiel hatten. Den 20. May ging ich wieder dahin, und fand, daß die Blumenknospen etwa noch eine halbe Woche vom Auf- brechen entfernt waren. Ich hatte also durch diese Durchwinte- rung die Blumen um beynahe Einen Monath fruͤher zum Bluͤhen gebracht. Die erste Blume bluͤhete noch am 13. May, und ver- welkte am 14. Die Blume bluͤhet also 18 Tage. Wegen dieser außerordentlich langen Bluͤhezeit, welche ich noch bey keiner an- deren, selbst bey keiner dichogamischen Blume bemerkt habe, glaube ich, daß die Blume entweder von einem etwas seltenen Insekt befruchtet werde, oder von einem solchen, welches nicht gewohnt ist, sich auf Suͤmpfe hinzubegeben, und daß folglich durch diese ungewoͤhnlich lange Dauer der Bluͤhezeit der Gefahr vorgebeugt werde, daß die Blume unbesucht und unbefruchtet bleibe. Vielleicht sind die Bienen zur Befruchtung derselben be- stimmt. Dies vermuthe ich wegen der Gestalt der Kronenblaͤtter, welche aufwaͤrts gekruͤmmt sind, und insofern eine Aehnlichkeit mit den Kelchausschnitten des Ribes Grossularia haben, an wel- chen die Bienen sich wohl festzuhalten wissen. Wenn man die Blume durch einen Stoß erschuͤttert, so faͤllt aus der Roͤhre, welche die Staubgefaͤße bilden, eine Menge Staubes heraus. Wann also die Bienen ihren Saugeruͤssel in diese Roͤhre hinein- stecken, so faͤllt ihnen der Staub auf den Kopf, und da sie mit diesem das Stigma beruͤhren, so bestaͤuben sie dasselbe. Daß aber die Befruchtung durch dieses, oder ein anderes Insekt, kei- nesweges aber auf eine mechanische Art geschehe, folgt aus eben dem Grunde, welchen ich beym Symphytum und beym Galan- thus angezeigt habe. Vaccinium Myrtillus. Heidelbeere. Tab. XXII. 19—22. 28. Vaccinium. Erica. 21. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 19. Dieselbe, nachdem die Krone abgeloͤset worden. Inner- halb der Filamente sieht man die (punktirte) Saftdruͤse. 22. Dieselbe, von unten gesehen, nachdem auch die Staub- gefaͤße abgeloͤset worden. In der Mitte die Saftdruͤse. 20. Ein Staubgefaͤß von der Seite. 28. Dasselbe von innen. 1. 2. Die Saftdruͤse ist weißlich. Sie ist zugleich der Saft- halter. 3. Damit kein Regentropfen zum Saft dringen koͤnne, so ist die Blume 1) grade der Erde zugekehrt, 2) hat die Krone eine sehr enge Oeffnung. Sollte demungeachtet ein Regentropfen in die Krone kommen, so halten ihn 3) die Ansaͤtze, mit welchen die Antheren versehen sind, ab, weiter zu dringen. 4. Die Blume wird von einer großen Art von Hummeln besucht. In Ansehung dieser Blume aͤußern Gleditsch und Kruͤ- nitz , jener S. 151., dieser S. 664., ganz entgegengesetzte Mei- nungen. Jener glaubt, daß dieselbe den Bienen keinen sonderli- chen Vorrath liefere; dieser hingegen will aus der Erfahrung be- weisen, daß dieselbe außerordentlich vielen Saft enthalte. Dem Vaccinium Vitis Jdaca hingegen schreibt Gleditsch Saft zu S. 156. Erica. Erica vulgaris. Gemeine Heide. Tab. XIII. 18. 22. 22. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 18. Dieselbe, nachdem die aͤußeren Kronenblaͤtter abgerissen worden. Daß die Blumen der Heide den Bienen viel Stoff zum Ho- nig liefern, ist bekannt. Dennoch meldet Linn é nichts vom Nectario. 1. Die Saftdruͤse ist ohne Zweifel der Fruchtknoten. 2. Der Safthalter ist der Grund der Krone. 3. Die beiden Ansaͤtze, welche jede Anthere hat, dienen zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen. Der Safthalter ist oberwaͤrts enger, als unterwaͤrts. Dlese engere Oeffnung dessel- ben wird durch die sechszehn Ansaͤtze der acht Antheren meist aus- gefuͤllt, und dadurch den Regentropfen das Eindringen in densel- ben verwehrt. 4. Linn é sagt, die Blume habe einen doppelten Kelch; sie hat aber eine doppelte Krone. Denn die vier Blaͤtter, welche er den inneren Kelch nennt, sind von eben der Substanz, Groͤsse und Farbe, als die eigentliche Krone, und die Natur hat diese mit denselben bloß deswegen vermehrt, damit die Blume dests P 2 Polygonum. Laurus. ansehnlicher sey, und den Insekten desto besser in die Augen falle. Polygonum. Polygonum Fagopyrum. Buchweizen. Tab. XIII. 23. 24. Von den Saftdruͤsen, welche in der Dissertation de necta- riis florum dem Polygonum zugeschrieben werden, meldet Linn é in der Beschreibung der Gattung nichts. Es sind ihrer achte, welche im Grunde des Kelchs um den Fruchtknoten herum befindlich und gelb sind. Der Grund des Kelchs ist der Safthal- ter. Die Staubgefaͤße, von welchen drey zwischen den Saft- druͤsen und dem Fruchtknoten stehen, und sich auswaͤrts kruͤm- men, fuͤnf aber um die Saftdruͤsen herum stehen, und sich ein- waͤrts kruͤmmen, schuͤtzen den Saft vor dem Regen. Der Kelch ist hier zugleich die Krone, da er, ehe die Blume sich geoͤffnet hat, die zarten Befruchtungstheile in sich verschließt und beschuͤtzt, nachdem sich aber jene geoͤffnet hat, gefaͤrbt ist, und folglich das thut, was die Krone thun soll, nemlich die Blume den Insekten bemerkbar macht. Polygonum orientale hat sieben gelbe Saftdruͤsen. Polygonum. Laurus. Medikus (S. 118. der oben angefuͤhrten Abhandlung) hat beobachtet, daß die Staubgefaͤße, welche anfangs vom Pistill abstehen, sich eines nach dem andern uͤber dasselbe hinstellen, und hernach sich wieder von demselben entfernen. Die Beobachtung ist richtig; nur der aus derselben hergeleitete Schluß, daß die An- theren die Stigmate auf eine mechanische Art bestaͤuben, ist falsch. Die Filamente sind laͤnger, als die Griffel; folglich sind die An- theren, wenn sie gleich grabe uͤber den Stigmaten stehen, doch noch von denselben entfernt, und ihr Staub kann nicht von selbst auf diese kommen. Wenn die Befruchtung auf eine mechanische Art geschehen sollte, so muͤßten die Filamente grade so lang seyn, daß die Antheren, wann sie uͤber den Stigmaten stuͤnden, diesel- ben unmittelbar beruͤhrten. Soll aber, woran nicht zu zweifeln ist, die Befruchtung durch ein Insekt geschehen, so muß dieselbe bey jedem Besuch erfolgen. Denn dasselbe kann nicht zum Saft gelangen, ohne zugleich den Staub der bluͤhenden Antheren ab- zustreifen, und denselben auf die Stigmate zu bringen. Welches Insekt aber die Blumen besuche und befruchte, weiß ich nicht, da ich dieselbe bisher nur zuweilen und auf kurze Zeit beobachtet habe. Neunte Klasse. Enneandria. Zwitterblumen mit neun Staubgefaͤßen . Laurus. L aurus Jndica . Tab. XIII. 21. 29—37. 21. Die vergroͤsserte Blume im Queerdurchschnitt. In der Mitte der Fruchtknoten 1. Denselben umgeben die drey Schup- pen 2 an den Seiten, und die drey innersten Filamente 3, an deren jedes auswaͤrts zwey fleischichte Koͤrper 4 angewachsen sind, an den Ecken. Um diese herum stehen die sechs aͤußeren Filamente 5 und 6, welche wieder von den sechs Kelchausschnit- ten 7 und 8 umgeben werden. 29. Die vergroͤsserte Blume. 30. Dieselbe von einer andern Seite. Diese Stellung be- haͤlt dieselbe in den folgenden Figuren. 31. Nachdem der vorderste kleinere Kelchausschnitt abge- schnitten worden. 32. Nachdem die beiden uͤbrigen kleineren Kelchausschnitte, wie auch die beiden vordersten groͤsseren abgeschnitten worden. 33. Nachdem das vorderste aͤußere Staubgefaͤß wegge- schnitten worden. 34. Nachdem die beiden aͤußeren Staubgefaͤße, welche ne- ben jenem standen, weggeschnitten worden. 35. Nachdem das vorderste innere Staubgefaͤß weggeschnit- ten worden. Hier sieht man die aͤußere haarichte Seite der beiden vordersten Schuppen. 36. Nachdem diese beiden Schuppen weggeschnitten worden. 37. Nachdem das Pistill weggeschnitten worden, wodurch die hinterste Schuppe, welche von demselben verdeckt wurde, und zwar die innere glatte Seite derselben zum Vorschein ge- kommen ist. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknoten selbst, welcher an den Stellen, wo die Schuppen an denselben anschließen, roͤth- lich ist. Laurus. Rheum. 2. Der Saft ist zwischen dem Fruchtknoten und den drey Schuppen, welche an denselben anschließen, befindlich. Diese Schuppen sind inwendig ein wenig konkav und glatt, auswen- dig aber haaricht. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dienen ohne Zweifel die Haare, mit welchen die Schuppen auswendig, die Filamente und der Kelch aber inwendig uͤberzogen sind, wahrscheinlich aber auch die beiden fleischichten Koͤrper, mit welchen jedes der drey inneren Filamente auswendig versehen ist. Ich stelle mir nemlich die Sache so vor. Wenn ein Insekt die Blume besucht, so muß es, um den Saft zu ge- nießen, die Schuppen vom Fruchtknoten abdruͤcken, daß also ein kleiner Zwischenraum zwischen jenen und diesem entsteht. Nun koͤnnte in diesen Zwischenraum, wenn er nach dem Be- such bliebe, leicht ein Regentropfen hineindringen. Damit also dies nicht geschehe, wird eine jede Schuppe von zwey fleischich- ten Koͤrpern, welche zu zwey verschiedenen Filamenten gehoͤ- ren, wieder an den Fruchtknoten fest angedruͤckt. Die inne- ren Filamente druͤcken aber mit den fleischichten Koͤrpern die Schuppen, weil sie von den aͤußeren Filamenten gedruͤckt wer- den, und diese druͤcken jene, weil sie von dem Kelch gedruͤckt werden. Der Kelch aber hat eine Kraft, die Filamente ein- waͤrts zu druͤcken, weil er von lederartiger Substanz und von konischer Gestalt ist. 4. Die Schuppen sind braun, folglich zugleich das Saft- maal. Rheum. Rheum palmatum. Rhabarber. Tab. XIII. 25—27. 26. Die vergroͤsserte Blume, von der Seite gesehen. 27. Dieselbe, von oben gesehen. 25. Das junge Samenkorn. Die Blumen sowohl dieser Art, als auch des Rheum Rhabarbarum und Rhaponticum, werden von allerley, auch großen, Insekten besucht. Sie muͤssen folglich Saft haben, ob ich gleich, wegen der Kleinheit der Blumen, keinen Saft gesehen habe. Daß der dreyeckichte Fruchtknoten die Saftdruͤse sey, und aus seinen Seiten den Saft absondere, fiehet man ein, wann derselbe, nachdem die Blume verbluͤhet ist, groͤsser geworden ist; denn seine Seiten sind alsdenn glatt und gelb, die Ecken aber roth. Der Saft befindet sich also um demsel ben herum im Grunde der Krone, und wird durch die Staub- gefaͤße vor dem Regen geschuͤtzt. Butomus. Butomus. Butomus vmbellatus . Tab. XXI. 35. Die ver- groͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, nachdem die Krone und die vordersten Staubgefaͤße weggeschnitten worden. In den Winkeln zwischen den Fruchtknoten sieht man drey Saft- troͤpfchen. Tab. XXIV. 16—19. 18. Die Befruchtungstheile einer juͤngeren Blume, von oben gesehen. Die Antheren sind voller Staub, die Stigmate bluͤhen noch nicht. 16. Der Fruchtknoten a der vorhergehender Figur, noch staͤrker vergroͤssert. 19. Die Befruchtungstheile einer aͤlteren Blume. Die Stigmate bluͤhen, die Antheren sind ohne Staub. In dieser und der 18. Figur sieht man alle sechs Safttroͤpfchen. 17. Das Stigma a der vorhergehenden Figur, noch staͤr- ker vergroͤssert. Wenn man die Blumen auf dem Felde besieht, so wird man, besonders des Nachmittags und Abends, selten die Saft- troͤpfchen antreffen, weil sie schon von den Fliegen verzehrt worden sind. Setzt man aber zu Hause eine Dolde ins Was- ser, so wird man am folgenden Morgen alle Blumen mit den glaͤnzenden Safttroͤpfchen versehen finden. Da die Safttroͤpf- chen ganz frey liegen, so ist es kein Wunder, daß dieselben von den Fliegen leicht entdeckt und verzehrt werden. Beson- ders haͤlt sich eben dieselbe Art auf den Blumen sehr haͤufig auf, welche die Serapias latifolia besucht, und im July und August sehr gemein ist. Dies weiß eine gewisse Spinne sich zu Nutze zu machen. Sie macht auf und in der Blume ein Gewebe, und begiebt sich darauf in dieselbe und lauert. Koͤmmt nun eine Fliege der Nahrung wegen auch in dieselbe, so geraͤth sie in das Gewebe, und wird ein Raub der Spinne. Die Figuren der XXIV. Kupfertafel beweisen, daß auch hier die Dichogamie Statt findet, und daß die aͤlteren Blu- men von den Fliegen vermittelst des Staubes der juͤngeren be- fruchtet werden. Denn wann die Blume zu bluͤhen angefan- gen hat, so haben die Filamente eine fast aufrechte Stellung, so daß also die Fliegen, indem sie von einem Safttroͤpfchen zum andern kriechen, eine und die andere Anthere beruͤhren, und den Staub derselben abstreifen. Da aber die beiden Theile der Stigmate sich noch nicht von einander begeben haben, so kann die Blume durch ihren eigenen Staub nicht befruchtet werden. Nachdem aber die Antheren ihren Staub verloren haben, so erhalten die Filamente eine fast horizontale Stellung. P 3 Parkinsonia. Poinciana. Dictamnus. Die Fruchtknoten sind unterdessen groͤsser geworden, und die Stigmate fangen nun an, sich zu oͤffnen. Sie machen sich aber als Stigmate theils durch ihre kurze Haare, theils durch ihre weiße Farbe kenntlich, da die Fruchtknoten nebst den Grif- feln dunkelroth sind. Wenn eine Fliege die Blume alsdenn besucht, so muß sie nothwendig den in einer juͤngeren Blume abgestreiften Staub an die Stigmate anstreichen. Der gelbe Dictamnus. Ruta. Staub wird sowohl an den schwarzen Fliegen, als auch auf den weißen Stigmaten sehr leicht bemerkt. Wenn es in der Dissertation de nectariis florum heißt, Butomus habe an der Basis der Fruchtknoten eben so viel oh- renfoͤrmige Nectaria: so hat der Verfasser vermuthlich ein- andere Blume damit gemeint. Zehnte Klasse. Decandria. Zwitterblumen mit zehn Staubgefaͤßen . Parkinsonia. P arkinsonia aculeata . Jacqu. Amer. p. 121. Die Krone ist gelb; ihr oberstes Blatt aber ist an der Basis mit scharlachfarbenen Flecken, oder, nach der Abbildung zu ur- theilen, Adern geziert. Dies ist also das Saftmaal. Folglich ist die Blume eine Saftblume. Zwischen dem Nagel dieses Kro- nenblatts und den Filamenten muß also ein Insekt zum Saft ge- langen, welcher von dem glockenfoͤrmigen Boden abgesondert wird, und in demselben befindlich ist. Poinciana. Poinciana pulcherrima . Jacqu. Amer. p. 122. Daß auch diese Blume Saft enthalten muͤsse, beweiset schon der einzige Umstand, daß die Filamente an der Basis rauch sind. Denn dies ist die Saftdecke. Dictamnus. Dictamnus albus (corolla purpurea). Tab. XIV. 1. Das Pistill und das oberste Filament in natuͤrlicher Stellung. In der Dissertation de nectariis florum wird gesagt, der Fruchtknotenhalter habe einige poros, welche den Saft abson- dern (diese habe ich nicht gefunden); in der Philosophia botanica aber macht Linn é die kleinen Druͤsen der Filamente zu Saft- druͤsen. 1. Die Saftdruͤse ist der dicke glatte purpurfarbene Fruchtkno- tenhalter a a. 2. Der Saft ist in dem Raum zwischen demselben und den obersten Filamenten befindlich. Denn die Filamente stehen nicht in gleicher Entfernung um denselben herum, sondern die obersten sind von demselben weiter entfernt, als die untersten. 3. Die Filamente sind, soweit sie den Fruchtknotenhalter und den Fruchtknoten bedecken, mit weichen Haaren uͤberzogen b b. Ob also gleich die drey obersten weiter von einander abstehen, als die untersten, so kann doch zwischen dieselben kein Regentropfen hindurchdringen. Die Insekten gelangen zwischen dem Frucht- knoten und den obersten Filamenten in den Safthalter. Sie duͤr- fen nur das mittelste von diesen in die Hoͤhe druͤcken, welches sich hernach wieder an den Fruchtknoten anlegt. Damit es sich nicht verschiebe, so liegt es in dem obersten Winkel desselben. 4. Weil die Blume eine horizontale Stellung hat, so ist sie irregulaͤr. Die zwey obersten Kronenblaͤtter stehen aufrecht, und sind breiter, und staͤrker gezeichnet, als die drey untersten, welche horizontal stehen. Die Kronenblaͤtter sind uͤberhaupt blaßpurpur- farben, und mit dunkelpurpurfarbenen Linien geziert. Die bei- den obersten aber sind staͤrker gezeichnet, weil sie dem Safthalter naͤher sind, als die drey untersten. Die Blume hat einen starken Geruch. Ruta. Ruta graueolens. Raute. Tab. XXII. 37. Die juͤngere maͤnnliche Zwitterblume. a das Pistill nach dem Verbluͤ- hen der Staubgefaͤße. b der oberste Theil des Griffels in der juͤngeren Blume. Vom Stigma ist noch nichts zu sehen. c der- selbe in der aͤlteren Blume. Das Stigma ist vorhanden. Wann die Blume sich geoͤffnet hat, so liegen die Staubge- faͤße in den hohlen Kronenblaͤttern, in jedem zwey. Darauf richten sich zwey gegenuͤber stehende auf, so daß ihre Antheren, Ruta. Zygophyllum. welche sich nun oͤffnen, grade uͤber dem Pistill sich befinden. Wann diese ausgedient haben, so biegen sie sich auswaͤrts, und es kommen wieder zwey andere an ihre Stelle. So hat in der abgebildeten Blume Ein verbluͤhetes Staubgefaͤß sich auswaͤrts gestreckt, zwey stehen aufrecht und bluͤhen, die uͤbrigen stecken noch in den Kronenblaͤttern. Solange nun die Staubgefaͤße sich auf solche Art einander abloͤsen, ist noch keine Spur vom Stigma zu sehen. Wann sie saͤmtlich verbluͤhet sind, alsdenn erst koͤmmt dasselbe zum Vorschein. Da also auch hier die maͤnnlich-weib- liche Dichogamie Statt findet, so wird die aͤltere Blume von In sekten durch den Staub der juͤngeren befruchtet. Die Blume wird von Fliegen besucht, welche den Saft leicht finden koͤnnen, da er ganz frey liegt. Daß sich die bluͤhenden Staubgefaͤße uͤber das Pistill hin- stellen, hat schon Medikus (S. 119.), und vor ihm Linn é und Koͤlreuter (S. 160.) bemerkt. Wenn jener aber hieraus schließt, daß die Antheren das Pistill auf eine mechanische Art befruchten, so wuͤrde, wenn die Sache sich so verhielte, die Blume von ihrem Saft keinen Nutzen haben. Zygophyllum. Zygophyllum Fabago . Tab. XXIII. 31—33. 40. 41. 32. Das Pistill, welches auf der (punktirten) Saftdruͤse steht. 31. Ein Filament mit seinem Ansatz von innen. 33. Dasselbe von außen. Bey a sondert sich der Ansatz von demselben ab. 41. Dasselbe von der Seite. 40. Ein Kronenblatt. 1. Die Saftdruͤse ist der Koͤrper, welcher das Pistill traͤgt. Sie ist nicht anders gefaͤrbt, als das Pistill. 2. 3. Die Ansaͤtze der Filamente, welche Linn é das Nec- tarium nennt, dienen theils zum Safthalter, theils zur Saft- decke. Sie liegen dicht an dem Fruchtknoten, und lassen also keinen Regentropfen durch; unterwaͤrts aber sind sie, so wie die Filamente, ein wenig auswaͤrts gebogen, damit der zwischen ih- nen und der Saftdruͤse befindliche Saft Raum habe. 4. Die Blume hat ein schoͤnes Saftmaal; denn die Kronen- blaͤtter sind weiß, an der Basis aber kastanienbraun, welche Farbe in Fig. 40. durch Punkte angedeutet wird. Monotropa. Kalmia. Monotropa. Monotropa Hypopithys . Tab. XXIII. 16. Die oberste Blume, nachdem man die Krone abgeloͤset hat, und nur Ein Blatt derselben hat stehen lassen. Die Saftdruͤsen sind vier, und in der obersten Blume fuͤnf Paare kleiner laͤnglichter gelber Koͤrper, welche an der Basis des Fruchtknotens sitzen, und in die hohlen, und daher auswendig hoͤckerichten Naͤgel der groͤsseren Kronenblaͤtter hineinragen, und in dieselben den Saft absetzen. Kalmia. Kalmia poliifolia. Titelkupfer Fig. XX. Die ein wenig verkleinerte Blume, von oben gesehen. Die sechs Staub- gefaͤße rechter Hand befinden sich noch in ihrer natuͤrlichen Stel- lung, und sind bogenfoͤrmig gekruͤmmt; die viere linker Hand sind, von einem Insekt beruͤhrt, in die Hoͤhe gesprungen. Tab. XI. 44—49. 52. 52. Der Fruchtknoten, und an desselben Basis die (punktirte) Saftdruͤse. 45. Der mittelste Theil der Blume. Hier sind alle Staub- gefaͤße noch in threr natuͤrlichen Stellung. 47. Ein Staubgefaͤß von der Seite. 48. Dasselbe von außen. In beiden Figuren sieht man an der Basis des Filaments einen Buͤschel Haare, welcher ein Theil der Saftdecke ist. 44. Eine Anthere von der inneren Seite. 46. Der doppelte Durchschnitt der Krone, welcher grade durch die Mitte eines Fuͤnftheils derselben, folglich durch die Mitte einer von den zehn Hoͤhlen des Kronensaums geht, und sich bis zur Spitze eines Abschnitts des Kronensaums erstreckt. Unterwaͤrts an der Oeffnung der Kronenroͤhre sieht man einige Haare, welche ein Theil der Saftdecke sind. 49. Ist die vorhergehende Figur, nur daß man hier noch ein Staubgefaͤß in seiner natuͤrlichen bogenfoͤrmig gekruͤmmten Stel- lung sieht. 1. Die Saftdruͤse umgiebt die Basis des Fruchtknotens, und unterscheidet sich von demselben durch die Farbe. 2. Der Saft befindet sich zwischen dem Fruchtknoten und dem untersten Theil der Kronenroͤhre. 3. Der Saft ist vor dem Regen sehr wohl verwahrt. Denn 1) ist die Oeffnung der Kronenroͤhre mit Haaren uͤberzogen, welche zu- sammen ein regelmaͤßiges Fuͤnfeck bilden, 2) sind die Filamente auswendig an der Basis mit einem Buͤschel Haare versehen. Durch diese Haare kann schlechterdings kein Regentropfen zum Saft hindurchdringen. Kalmia. 4. Die Saftdecke ist zugleich das Saftmaal. Denn die Krone ist roth, jene Haare aber sind weiß. Daß Linn é von der Gattung Kalmia sich einen unrichti- gen Begriff gemacht hat, deshalb kann man ihm mit Recht keine Vorwuͤrfe machen, da er dieselbe nur aus getrockneten Exemplaren gekannt hat, welches aus dem dem Gattungsnamen beygesetzten Kreuz erhellt. Zu diesem unrichtigen Begriff gehoͤrt erstens, daß er sagt, die Staubgefaͤße stehen aufrecht. Denn dies ist nicht ihre natuͤrliche Stellung, sondern sie sind bogenfoͤrmig gekruͤmmt, und ihre Antheren stecken in den Hoͤhlen der Krone, welche er Safthoͤrner nennt. Die aufrechte Stellung erhalten sie erst, wenn sie von einem Insekt sind beruͤhrt worden. In den getrock- neten Blumen, welche Linn é untersucht hat, steckten sie nicht mehr in den Hoͤhlen. Aus diesem ersten Irrthum entstand der zweyte, nemlich daß er die Hoͤhlen der Krone fuͤr Saftbehaͤltnisse hielt. Dies wuͤrde er nicht gethan haben, wenn er gesehen haͤtte, daß die Antheren in diesen Hoͤhlen stecken. Denn daß Antheren im Safthalter stecken, wird man in keiner einzigen Blume finden, weil es eine wahre Ungereimtheit seyn wuͤrde. Denn der Anthe- renstaub und der Saft wuͤrden sich einander gegenseitig verderben; jener wuͤrde diesen den Insekten ungenießbar, und dieser jenen zur Befruchtung untauglich machen. Mich wundert also, daß Medikus , welcher die frischen Blumen der Kalmia latifolia und angustifolia beobachtet hat, diesen Irrthum nicht entdeckt, wenigstens nicht angezeigt hat. Gezweifelt scheint er daran zu haben, daß diese Hoͤhlen Saft enthalten, indem er S. 128. sagt: „Die zehn Hoͤhlen, welche der Herr von Linn é Nektarhoͤhlen „nennt ꝛc.“ Sobald ich die gegenwaͤrtige Art erblickte, schloß ich aus dem Saftmaal und der Saftdecke, daß der Saft sich im Grunde der Kronenroͤhre befinden muͤsse. Diese Blume verdient nebst ihren Gattungsverwandten so sehr, als irgend eine andere, fuͤr ein Wunder der Natur gehalten zu werden, wegen der besonderen Einrichtung ihrer Staubgefaͤße. Koͤlreuter hat dieselbe zuerst bemerkt, und dem Medikus gezeigt. Die zehn Staubgefaͤße stecken nemlich mit den Anthe- ren in eben so vielen Hoͤhlen, welche der Kronensaum hat. Da nun die Filamente laͤnger sind, als der Abstand dieser Hoͤhlen von der Oeffnung der Kronenroͤhre, so muͤssen sie natuͤrlicherweise bogenfoͤrmig gekruͤmmt seyn. Beruͤhrt man nun ein Staubgefaͤß ein wenig, so springt es aus der Hoͤhle heraus, faͤhrt in die Hoͤhe, und steht grade. Dies haben die beiden genannten Maͤnner fuͤr Reizbarkeit gehalten; es ist aber weiter nichts als Elasticitaͤt. Solange die Antheren in den Hoͤhlen stecken, koͤnnen sie nichts von ihrem Staube verlieren. Denn eine jede besteht aus zwey Baͤlgen, welche bloß an der Spitze eine Oeffnung haben; diese Kalmia. Ledum. Arbutus. Oeffnungen werden von den Hoͤhlen der Krone, in welchen sie dicht anliegen, verschlossen. Besucht aber ein Insekt die Blume, so muß es nothwendig, indem es den Saft aus der Kronenroͤhre herausholt, mit den Beinen ein Staubgefaͤß nach dem andern beruͤhren. Die beruͤhrten Staubgefaͤße fahren in die Hoͤhe, und schleudern den Staub aus den Antheren heraus, von welchem nothwendig ein Theil auf das Stigma fallen muß. Wenn Medikus S. 139. sagt, daß die Staubgefaͤße nicht bloß reizbar, sondern auch, wie er es nennt, wandernd sind, oder, daß sie sich auch von selbst aus den Hoͤhlen begeben, sich aber in diesem Fall nur ganz langsam dem Pistill naͤhern: so ist Letzteres vermuthlich nur von den Staubgefaͤßen einer alten und dem Verbluͤhen nahen Blume zu verstehen. Denn wann die Staubgefaͤße anfangen welk zu werden und einzuschrumpfen, so koͤnnen sie sich leicht von selbst aus den Hoͤhlen begeben; sie haben aber auch alsdenn keine Elasticitaͤt mehr, und koͤnnen folglich nicht mit Gewalt in die Hoͤhe und an das Pistill hinanspringen. Ich fand die Blumen am 12. May des vergangenen Jahres in der Tegelschen Plantage, doch nur in geringer Anzahl, an zwey kleinen Straͤuchern. Die Antheren steckten insgesamt noch in den Hoͤhlen der Krone; folglich waren die Blumen noch von keinem Insekt besucht worden. Vielleicht haͤlt sich dasjenige, welches zur Befruchtung der Blume bestimmt ist, hier zu Lande nicht auf, oder vielleicht kennen unsere Insekten diesen Fremd- ling noch nicht. Ledum. Ledum palustre. Gleditsch ( Forstwissenschaft . 1. B. S. 318.) sagt, daß die Blumen einen sehr angenehmen, dabey aber hoͤchst durchdringenden Geruch haben, und daß sie von den Bienen sehr gesucht werden. Es ist also wahrscheinlich, daß sie Saftblumen sind. Wenn er aber hernach sagt, daß die Stiele der Fruͤchte, wann diese reif sind, sich nach unten zu bie- gen, damit die Samenkoͤrner herausfallen koͤnnen: so muß es grade umgekehrt heißen, damit sie nicht herausfallen koͤnnen, sondern durch den Wind herausgeworfen und weit verstreuet wer- den. Denn die Samenkapseln bekommen an der Basis Oeff- nungen, welche also, wann die Stiele sich abwaͤrts gebogen ha- ben, oben stehen. Arbutus. Arbutus Vnedo. Erdbeerbaum. Tab. XIII. 28. Die vergroͤsserte Blume. Tab. XIV. 2—7. 2. Dieselbe, von unten gesehen. 3. Die- Arbutus. Chrysosplenium. 3. Dieselbe, nachdem die vorderste Haͤlfte der Krone wegge- schnitten worden. 4. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung. 5. Das Pistill nebst einem Staubgefaͤß. Unten am Frucht- knoten die (punktirte) Saftdruͤse. 6. Ein Staubgefaͤß von innen. 7. Dasselbe von außen. Der Baum bluͤhete am 1. Februar in einem Gewaͤchshause. Diesem Umstand schreibe ich es zu, daß ich in den Blumen keinen Saft gefunden habe. Aus ihrer Struktur erhellet aber, daß sie Saftblumen sind. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte gelblichgruͤne Koͤrper, welcher die Basis des Fruchtknotens umgiebt. 2. Der Saft ist zwischen dem Fruchtknoten und den Fila- menten befindlich. 3. Man findet in dieser Blume viele Anstalten, welche zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dienen. 1) Eine jede Blumentraube ist das Ende eines Zweiges, und biegt sich unter denselben unter einem spitzen Winkel. Folglich kehren alle Blu- men ihre Oeffnung der Erde zu. 2) Diese Oeffnung ist weit en- ger, als die Basis der Krone. 3) Die Abschnitte, in welche der Rand der Krone getheilt ist, sind umgebogen, halten folglich jeden Regentropfen auf, der auf der Krone herabgeflossen ist. 4) Die Krone ist inwendig mit weichen Haaren oder Wolle ganz uͤberzogen, da sie auswendig glatt ist. 5) Die Filamente sind an den Seiten und auswendig mit weichen Haaren besetzt, da sie in- wendig glatt sind. 4. Die weite Basis der Krone, welche in die Hoͤhe gerichtet ist, ist spiegelglatt, und sieht wie Frauenglas aus. Ferner hat sie zehn schwache Erhoͤhungen oder Hoͤcker, welche das Licht stark zuruͤckwerfen. Auf solche Art hat die Krone zehn glaͤnzende Flecke, welche sich zwischen dem Laube ungemein stark ausnehmen, und die Blumen den Insekten schon in weiter Entfernung bemerkbar machen. Weiter nach der Oeffnung zu hat die Krone diese Hoͤcker und diesen Glanz nicht. Der umgebogene Rand derselben ist von anderer Farbe, nemlich gelbgruͤn, folglich das Saftmaal. Chrysosplenium. Chrysosplenium alternifolium. Milzkraut. Ich fand zwar in dieser kleinen Blume keinen Saft, be- merkte aber, daß der Grund des Kelchs, oder der oberste Theil des Fruchtknotens ein oͤlichtes glaͤnzendes Ansehen hatte. Dies ist also wahrscheinlich die Saftdruͤse, und zugleich der Safthalter. Auch fand ich eine Ameise auf den Blumen, welche sich in jeder lange aufhielt, folglich ihre Nahrung in denselben fand. Saxifraga. Saxifraga. Saxifraga stellaris . Jacqu. Collectt. Vol. I. p. 202. Diese Blume enthaͤlt Saft, weil sie ein Saftmaal hat. Dasselbe besteht aus zehn gelben Flecken, mit welchen die weiße Krone im Grunde geziert ist. Saxifraga crassifolia . Tab. XIV. 8—12. 8. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 9. Ein Stuͤck der Blume, flach ausgebreitet. Unter den Filamenten die (punktirte) Saftdruͤse, welche zugleich der Saft- halter ist. 10. Die Blume, von oben gesehen. 11. Dieselbe, von der Seite gesehen, nachdem die vorderste Haͤlfte des Kelchs, der Krone und der Staubgefaͤße weggeschnit- ten worden. An der Basis des Fruchtknotens die Saftdruͤse. 12. Zwey Queerdurchschnitte der Basis der Blume, der oberste a d c bey a Fig. 11., wo die Basis der Filamente ist, der unterste a b c bey b Fig. 11., wo der Safthalter ist. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte glatte gelbe Grund des Kelchs unter den Filamenten. 2. Zwischen dem Grunde des Kelchs und der Basis des Fruchtknotens und der Filamente ist ein ringfoͤrmiger Zwischen- raum, welcher mit Saft angefuͤllt ist. 3. Der Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert. Die Oeffnung der Blume wird durch die Stigmate und die Antheren meist ausgefuͤllt. Die fleischichten Filamente liegen unterwaͤrts am Fruchtknoten dicht an, beruͤhren sich aber nicht einander selbst, sondern zwischen jeden zwey benachbarten ist ein kleiner Zwischen- raum. Auf solche Art fuͤhren gleichsam zehn Roͤhrchen zum Saft- halter, durch welche die Insekten durchkriechen, oder ihren Sau- geruͤssel durchstecken koͤnnen, kein Regentropfen aber durchkom- men kann. 4. Die rosenrothe Krone hat kein Saftmaal. Saxifraga granulata. Weißer Steinbrech. Tab. XIV. 13. 14. Tab. XVIII. 24. 25. 29. 30—32. Titelk. Fig. XIX. Tab. XIV. 13. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 14. Dieselbe, nachdem vorne ein Stuͤck weggeschnitten wor- den, damit man die (punktirte) Saftdruͤse sehen koͤnne. Tab. XVIII. 30. Eine juͤngere Blume, von oben gesehen. Zwey Filamente haben sich verlaͤngert, und ihre Antheren haben sich geoͤffnet. Die uͤbrigen sind noch kurz, und ihre Antheren noch geschlossen. Q Saxifraga. 24. Eben dieselbe, von der Seite gesehen, nachdem die Kelchausschnitte und die Kronenblaͤtter weggeschnitten worden. 25. Dieselbe, nachdem die Staubgefaͤße weggeschnitten wor- den. Die eine Haͤlfte des Pistills von der inneren Seite ist c bey Fig. 19. 31. Die aͤltere Blume, von oben gesehen. Die saͤmtlich ver- bluͤheten Staubgefaͤße haben sich vom Pistill entfernt. 29. Dieselbe, von der Seite gesehen, nachdem die Kelchaus- schnitte und die Kronenblaͤtter weggeschnitten worden. 32. Dieselbe, nachdem die Staubgefaͤße weggeschnitten wor- den. Bey Fig. 21. ist in a das Stigma von der inneren, und in b von der aͤußeren Seite vorgestellt. Titelk. Fig. XIX. Die Blume wird von einer großen Fliege besucht und befruchtet. 1. Die Saftdruͤse ist der oberste Theil des Fruchtknotens, welcher dunkelgruͤn ist, da die Griffel gelber sind. 2. Die Saftdruͤse ist zugleich der Safthalter. 3. Obgleich die Blume aufrecht steht, so kann doch kein Re- gentropfen den Saft verderben. Denn die laͤnglichten Kronen- blaͤtter werden, besonders in den juͤngeren Blumen, vom Kelch zusammengehalten, und koͤnnen sich nicht aus einander breiten. Sie bilden also gleichsam eine Roͤhre, in deren Grunde sich der Saft befindet. Die Staubgefaͤße und die Griffel lassen einen in diese Roͤhre hineingefallenen Regentropfen nicht bis zum Saft dringen. Die Struktur dieser und der naͤchstvorhergehenden Art ist also sehr verschieden. Linn é hat zwey Gattungen des Tour- nefort in Eine vereinigt. Zu der einen von jenen gehoͤrt Saxi- fraga crassifolia, und zu der anderen Saxifraga granulata. Es fragt sich also, ob er nicht besser gethan haͤtte, wenn er jene Gat- tungen nicht vereinigt haͤtte. Gleditsch hat in dieser Blume Saft gefunden, S. 159. Wann die Blume aufgebrochen ist, so sind die Filamente ins- gesamt noch kurz, und die Antheren geschlossen. Bald darauf aber verlaͤngern sich zwey Filamente, und nehmen eine schiefe Stellung an, so daß ihre Antheren, welche sich unterdessen geoͤff- net haben, grade uͤber dem Pistill stehen. Nachdem sie eine Zeit- lang in dieser Stellung geblieben sind, so entfernen sie sich wieder vom Pistill, und legen sich an die Krone an. Unterdessen sind zwey oder drey andere Staubgefaͤße an ihre Stelle gekommen. Auf solche Art loͤsen sich die Staubgefaͤße einander ab, welches ungefaͤhr drey Tage dauert. Am dritten oder vierten Tage haben sich alle Staubgefaͤße an die Krone angelegt. Waͤhrend dieser Zeit liegen die beiden noch sehr kurzen Griffel mit ihren Enden dicht an einander, und diese Enden selbst, aus welchen hernach Saxifraga. die Stigmate werden, haben auf der inneren Seite bloß eine Spalte. Sobald aber die Staubgefaͤße verbluͤhet sind, so ver- laͤngern sich die Griffel, und begeben sich mit ihren Enden von einander, und jene Spalte wird immer weiter, so daß endlich die Enden ganz flach werden. Auf der aͤußeren Seite sind dieselben so glatt, als die Griffel uͤberhaupt sind; auf der inneren Seite aber sind sie mit kurzen etwas aufrecht stehenden Haaren dicht uͤberzogen, und insofern die eigentlichen Stigmate. Wenn also eine Fliege eine juͤngere Blume besucht, so sind ihr, indem sie hineinkriecht, zwey oder drey Antheren im Wege, und sie muß den Staub derselben mit dem Kopf abstreifen; und wenn sie hierauf eine aͤltere Blume besucht, so umfassen die beiden Stig- mate ihren Kopf, und buͤrsten gleichsam den an demselben haften- den Staub ab. Wie diese Blume von einer etwas großen und sehr haarichten Fliege ( Musca vomitoria ) befruchtet worden ist, habe ich deut- lich mit angesehen. Ich hatte nemlich einige bluͤhende Stengel auf einem Fenster im Wasser stehen. Auf den Blumen traf ich einige von diesen Fliegen an, welche zuweilen in die Wohnzim- mer hineinfliegen, weil es ihnen aber in denselben nicht gefaͤllt, an den Fenstern umherfliegen, und durch ihr Schnurren sehr be- schwerlich fallen. Wann eine von denselben in eine juͤngere Blume hineingekrochen war, und sich eine Weile in derselben aufgehalten hatte, um den Saftvorrath zu verzehren: so kam sie mit einem mit gelbem Staube bepuderten Kopf wieder heraus. Wann sie hierauf sich in eine aͤltere Blume begab, so beruͤhrte sie mit dem bestaͤubten Kopf die beiden Stigmate und bestaͤubte dieselben. Diese Stigmate waren in den von ihr besuchten Blu- men gelb, in den uͤbrigen aber weiß. So lieb es ihr aber war, den von der Natur zu ihrer Nahrung bestimmten Saft in den Blumen zu finden, so schien ihr keinesweges damit gedient zu seyn, daß sie zur Vergeltung dieselben befruchten mußte. Denn sie streifte zuweilen den Staub mit den Vorderbeinen vom Kopf ab, vermuthlich, weil sie vor demselben nicht sehen konnte, und wußte denselben auch hernach von den Vorderbeinen sehr kuͤnstlich abzustreifen, indem sie dieselben sehr schnell um einander drehete, welches beynahe so aussah, als wenn sich ein Mensch die Haͤnde waͤscht. Die letzten Blumen setzen keine Samenkapseln an, bestaͤtigen also, was ich in der Einleitung von den maͤnnlich-weiblichen Dichogamisten behauptet habe, daß aus den letzten Blumen keine Fruͤchte entstehen koͤnnen. Saxifraga tridactylites. Diese Art hat mit der vorhergehenden eine gleiche Einrichtung. In der Mittagsstunde Saxifraga. bey schoͤnem Wetter kann man den glaͤnzenden Saft deutlich sehen. Gegen den Regen ist derselbe voͤllig gesichert. Medikus fuͤhrt in seiner oben angezeigten Abhandlung S. 150. eine Stelle aus des Linn é Schriften an, welche diese Blume betrifft, und zu merkwuͤrdig ist, als daß ich sie mit Still- schweigen uͤbergehen koͤnnte. Linn é sagt nemlich in seiner Flora Suecica Ed. 2. p. 98. also: „Sub florescentia germen stylo „stigmatibusque destitutum ( quod sit stigmate destitutum, „vitium typographicum esse reor; germen enim sine concursu „stigmatis nunquam foecundatur . Medicus.) apice perforatum „est. Stamina tum alternatim antheram foramini imponunt, „explodunt pollinem ( in plantis hermaphroditis pollen non „exploditur, sed blande e cellulis suis exsudat . Medicus.), re- „cedunt ad corollam reliquis pari modo succedentibus; stu- „penda lege naturae in generatione plantarum.“ Als ich im Fruͤhjahr 1790 die Saxifraga granulata betrach- tete, so bemerkte ich, daß einige Staubgefaͤße mit staubvollen Antheren sich uͤber das Pistill hingelehnt hatten, daß aber das Pistill keine Stigmate hatte. Da mir nun damals die Dichogamie noch nicht bekannt war, so wußte ich gar nicht, was ich von dieser Erscheinung denken sollte. Zu meiner Schande muß ich be- kennen, daß ich, denn ich erinnere mich dessen noch sehr wohl, mir den ungluͤcklichen Gedanken einkommen ließ, die Natur meistern zu wollen, weil mir diese Einrichtung schlechterdings zweckwidrig zu seyn schien. Dafuͤr wurde ich denn auch nach Verdienst dadurch bestraft, daß mir das Geheimniß der Dicho- gamie noch verborgen blieb, welches ich schon damals nothwen- dig haͤtte entdecken muͤssen, weil ich wußte, daß die Blume eine Saftblume ist, wenn ich des unlaͤugbaren Grundsatzes eingedenk gewesen waͤre: Die Natur thut nichts, was den Tadel eines Sterblichen mit Recht verdienen sollte, und wo uns also eine Einrichtung derselben unzweckmaͤßig, oder wohl gar zweckwidrig zu seyn scheint, da liegt die Schuld nicht an der Natur, sondern an uns. Was ich nun an dieser Art bemerkte, eben das bemerkte Linn é an der Saxifraga tridactylites. Da er nun nicht wußte, daß sie eine Saftblume ist (welches ich daraus schließe, daß er weder in der Beschreibung der Gattung, noch bey irgend einer Art vom Nectario etwas meldet): so war es fuͤr ihn um so viel schwerer, wenn nicht gar unmoͤglich, hier die Dichogamie zu ent- decken. Wie half er sich nun aber aus dieser Schwierigkeit? Er bildete sich entweder ein, oder erdichtete, daß die Spitze des Fruchtknotens durchbohrt sey. Denn gesehen kann er dies nicht haben, weil es gar nicht vorhanden ist. Nachdem er nun die Blume auf solche Art mit einem Stigma versehen hat, so findet Saxifraga. er hier ein erstaunenswuͤrdiges Gesetz der Natur, an welches die- selbe nicht einmal gedacht hat. Und dies macht er als eine hoͤchst wichtige Entdeckung bekannt. Hier hat sich Linn é keinesweges als einen philosophischen Naturforscher gezeigt. Anstatt zu sagen: Das begreife ich nicht, erdichtet er etwas, was gar nicht vorhan- den ist, oder bildet es sich wenigstens ein. Wenn Linn é sagt, der Fruchtknoten habe keine Stigmate, so kann Medikus dies nicht begreifen, und haͤlt es daher fuͤr einen Druckfehler. Aber wie ist es moͤglich, daß der Schrift- setzer einen solchen Fehler begangen habe? Wie ist es moͤglich, daß er hinter das Wort stylo noch das Wort stigmatibusque ge- setzt habe, welches im Manuscript nicht vorhanden war? Man wuͤrde annehmen muͤssen, daß er die Weglassung des Worts stigmatibusque fuͤr einen Fehler gehalten, und sich Amts halber nothgedrungen gesehen habe, denselben zu verbessern. Daraus aber wuͤrde folgen, daß er Lateinisch verstanden habe, daß er bo- tanische Kenntnisse besessen habe, daß er endlich ein gar seltsamer Mensch gewesen sey, indem er es fuͤr seine Pflicht gehalten habe, seine Schriftsteller zu verbessern. Diese drey Eigenschaften aber wird man schwerlich bey irgend einem Schriftsetzer beysammen antreffen. Linn é hat sich nur etwas unrichtig ausgedruͤckt; er wollte aber sagen, der Fruchtknoten habe keine Stigmate von ge- woͤhnlicher Gestalt, sondern sein Stigma sey ein Loch, welches aber seine Einbildungskraft, nicht die Natur, in denselben hinein- gebohrt hat. So wie also Linn é die Natur, so hat Medikus den Linn é ganz unrecht verstanden. Was aber die zweyte An- merkung des Medikus betrifft, so dachte er, als er dieselbe niederschrieb, nicht daran, daß er selbst vorher S. 129. gesagt hatte, daß die Staubgefaͤße der Kalmia den Staub mit einem Geraͤusch hinwegspritzen. Saxifraga Cotyledon. Gaͤnsezunge. In Ansehung der Saftdruͤse und des Safthalters ist diese Art der Saxifraga granulata aͤhnlich. Sie hat aber ein Saftmaal, welches jener fehlt. Denn die weißen Kronenblaͤtter sind an der Basis mit purpurfarbenen Punkten geziert. Leske hat, wie Medikus S. 158. meldet, beobachtet, daß auch in dieser Blume die Staubgefaͤße sich wechselsweise uͤber die Stigmate hinbeugen. Er hat sich aber hier eben so, als beym Allium, geirrt. Denn so lange die Staubgefaͤße sich einander abloͤsen, liegen die beiden Stigmate noch dicht an einander, und koͤnnen folglich keinen Staub erhalten. Erst nachdem alle Staub- gefaͤße verbluͤhet sind, und sich an die Krone angelehnt haben, fangen die Griffel an sich von einander zu begeben. Dieses habe ich im Botanischen Garten zu Berlin sehr wohl bemerkt. Ein Umstand aber kam mir noch merkwuͤrdig vor. Nemlich in den Q 2 Saxifraga. Scleranthus. ganz alten Blumen, welche schon befruchtet zu seyn schienen, hatten sich die Staubgefaͤße saͤmtlich wieder uͤber die Stigmate hingebogen, so daß sie nun einen Kegel bildeten. Uebrigens hat die Blume eine sehr ansehnliche frey liegende gelbe Saftdruͤse. Auch fand ich, daß sie von einer Fliege besucht wurde. Saxifraga vmbrosa . Tab. XXII. 1. 2. 1. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 2. Das noch staͤrker vergroͤsserte Pistill von der Seite. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist die oberste Haͤlfte des untersten dickeren Theils des glatten Pistills, auf wel- cher der Saft in Gestalt kleiner Tropfen sitzt. 4. Die Blume hat ein schoͤnes Saftmaal. Denn die weißen Kronenbiaͤtter sind mit kleinen rothen, an der Basis aber mit zwey groͤsseren gelben Duͤpfeln geziert. Aesculus Hippocasta- num hat ein Saftmaal, welches anfangs gelb, hernach aber roth ist; diese Blume hat ein solches, welches zugleich gelb und roth ist. Da aber der gelbe Theil desselben dem Saft naͤher ist, als der rothe, so scheint diese Blume dasjenige zu bestaͤtigen, was ich bey jener gesagt habe, daß nemlich die gelbe Farbe fuͤr die Insekten mehr Reiz haben, oder denselben staͤrker in die Augen fallen muͤsse, als die rothe. Scleranthus. Scleranthus perennis. Johannisblut. Knauel. Tab. XVII. 43. 44. 43. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. Im Grunde derselben die (punktirte) Saftdruͤse. 44. Das noch staͤrker vergroͤsserte Pistill. Auch diese Blume ist eine Saftblume. Wenn man sie ge- gen das Sonnenlicht haͤlt, so sieht man im Grunde derselben den glaͤnzenden Saft. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthal- ter ist der oberste gelbe Theil der untersten Haͤlfte des Kelchs, in welcher der Fruchtknoten befindlich ist, und welche hernach das Samenbehaͤltniß wird. Dieser oberste Theil hat in der Mitte eine sehr enge Oeffnung fuͤr die beiden Griffel. Wenn man die unterste Haͤlfte des Kelchs aufschneidet, so kann man das ganze Pistill herausnehmen. Die Filamente halten die Regentropfen, welche auf die innere Seite des Kelchs gefallen sind, vom Saft ab. Der Kelch vertritt zugleich die Stelle der Krone. Denn er ist gruͤn, am Rande aber weiß. Folglich faͤllt das Bluͤmchen den Insekten besser in die Augen, als wenn der Kelch ganz gruͤn waͤre. Saponaria. Dianthus. Saponaria. Saponaria officinalis. Seifenkraut. Diese Blume gehoͤrt zu der natuͤrlichen Gattung, zu welcher Silene, Cucuba- lus und Lychnis gehoͤren. Sie ist also, wie diese, eine Saft- blume, und hat eine aͤhnliche Struktur. Auch fehlen ihr nicht die beiden Ansaͤtze oben am Nagel eines jeden Kronenblatts, welche, wie ich bey der Lychnis zeigen werde, zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dienen. Sie ist eine Nachtblume, wie Lychnis dioeca, welcher sie, so wie uͤberhaupt die ganze Pflanze, sehr aͤhnlich ist. Deswegen hat sie kein Saftmaal. Dianthus. Dianthus superbus. Hohe Federnelke. Tab. XIV. 15—20*. 15. Eine etwas vergroͤsserte juͤngere Blume, von oben ge- sehen. 16. Der Fruchtknoten nebst der (punktirten) Haͤlfte der Saft- druͤse, welche den Stiel desselben umgiebt. 17. Diese Haͤlfte der Saftdruͤse, nachdem der Fruchtknoten herabgebogen worden. 18. Eine juͤngere Blume in natuͤrlicher Stellung. a der mit Borsten besetzte Fleck eines Kronenblatts. 19. Die etwas vergroͤsserte Samenkapsel in natuͤrlicher Stellung. 20. Dieselbe, von oben gesehen. 20*. Die verbluͤheten Staubgefaͤße und bluͤhenden Stigmate einer aͤlteren Blume. 1. Die Saftdruͤse ist der roͤhrenfoͤrmige inwendig gelbe Theil, welcher den Stiel des Fruchtknotens umgiebt, und die Filamente und Kronenblaͤtter traͤgt. 2. Der Saft befindet sich theils innerhalb dieses Koͤrpers, theils steigt er in die Hoͤhe, und bleibt zwischen dem Fruchtkno- ten und den Filamenten stehen. 3. Obgleich die Blume aufrecht steht, so kann doch keiner von den Regentropfen, welche auf dieselbe gefallen sind, zum Saft gelangen. Denn 1) haben die Kronenblaͤtter, ob sie gleich einen großen Umfang haben, dennoch nur eine kleine Oberflaͤche, weil sie in sehr schmale Stuͤcke ausgeschnitten sind. 2) Wenn ein Regentropfen auf ein Kronenblatt gefallen ist, so kann derselbe nicht am Nagel desselben hinabfließen; denn dasselbe hat uͤber dem Nagel einen Fleck, welcher mit auswaͤrts gerichteten Borsten besetzt ist. Diese Borsten halten jeden Regentropfen auf. 3) bil- det der Kelch nebst den Naͤgeln der Kronenblaͤtter eine enge Roͤhre, Dianthus. welche von den Filamenten und Stigmaten meistentheils ausge- fuͤllt wird. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Krone ist fleisch- farben, jene Flecke aber, auf welchen die Borsten stehen, sind gruͤnlich, und die Borsten sind dunkelroth. Auch hat sie einen sehr angenehmen Geruch. Weil sie ein Saftmaal hat, so muß sie eine Tagesblume seyn, und des Morgens aufbrechen, uͤber welchen Umstand ich noch keine Beobachtungen angestellt habe. Dem scheint zu widersprechen, daß ihr Geruch des Abends staͤr- ker und angenehmer ist, als am Tage, als woraus zu folgen scheint, daß sie eine Nachtblume ist. Vielleicht ist sie eben sowohl fuͤr Nachtinsekten, als fuͤr Tagesinsekten bestimmt, und locket jene vorzuͤglich durch den Geruch, diese aber vorzuͤglich durch die Farbe der Krone an sich. Diese Blume zeigt auf eine einleuchtende Art, wie die Na- tur zwey sich entgegengesetzte Absichten zugleich zu erreichen weiß. Die Krone soll groß und ansehnlich seyn, damit die Blume den Insekten in die Augen falle, zugleich aber sollen so wenig Regen- tropfen, als moͤglich, auf dieselbe fallen, damit sie nicht den Saft verderben. Die Natur gab also den Kronenblaͤttern einen großen Umfang, zerschnitt sie aber in schmale Stuͤcke. Was Linn é die Griffel nennt, sind die Stigmate, welches ich bey der Lychnis dioeca beweisen werde. 5. Auch bey dieser Blume findet das ungleichzeitige Bluͤhen der Antheren und der Stigmate Statt. Denn in der juͤngeren Blume, Fig. 15. 18, ragen die Filamente mit den bluͤhenden Antheren aus der Roͤhre der Blume heraus, und stehen aufrecht, die Stigmate aber sind noch innerhalb derselben befindlich. Wann aber die Antheren verbluͤhet sind, und die verwelkten Filamente herabhangen, alsdenn erst kommen die Stigmate aus der Roͤhre zum Vorschein, und nehmen die von den Antheren verlassene Stelle ein. Eben dieses habe ich auch bey dem Dianthus Caryo- phyllus bemerkt. Folglich wird die aͤltere Blume von Insekten durch den Staub der juͤngeren befruchtet. Ich habe zwar im Grunde der Roͤhre schwarze und gelbe Blasenfuͤße angetroffen; diese aber koͤnnen die Blume nicht befruchten. Betrachtet man die Samenkapsel, so sieht man leicht ein, daß dieselbe so eingerichtet ist, daß die Samenkoͤrner vom Winde weit und breit verstreuet werden muͤssen. Denn sie steht 1) auf- recht, und oͤffnet sich an der Spitze, ist 2) lang, und 3) sehr enge. Die Samenkoͤrner koͤnnen also nicht von selbst aus dersel- ben heraus-, und nahe um die Pflanze herum auf die Erde fal- len, sondern es gehoͤrt ein ziemlich starker Wind dazu, sie heraus- zuwerfen, da sie denn von der Pflanze weit entfernt werden. Dianthus. Dianthus deltoides. Heidenelke. Tab. XIV. 17*, 21. 22. 27. 17*. Ein Kronenblatt, von der Seite gesehen. 27. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 21. Dieselbe im Queerdurchschnitt. 22. Der unterste Theil des Kelchs, nachdem das vorderste Stuͤck weggeschnitten worden. Innerhalb desselben die Saftdruͤse zwischen a und b , verglichen mit Fig. 16. 17. 1. Mit der Saftdruͤse verhaͤlt es sich bey dieser Art eben so, als bey der vorher gehenden. 2. Der Saft sammlet sich im Grunde des Kelchs, weil der roͤhrenfoͤrmige Theil, welcher jenen absondert, nicht den ganzen Raum dieses einnimmt. 3. Die Kronenblaͤtter sind, besonders nach der Mitte zu, haaricht, Fig. 17*. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen scheint auch der Umstand zu dienen, daß die Naͤgel der Kronen- blaͤtter auf der inneren Seite der Laͤnge nach zwey Ansaͤtze ha- ben, welche einen Winkel machen, in welchem die gegenuͤberste- henden Filamente liegen, Fig. 21. Es ist ein Versehen, daß eines von diesen Filamenten in der Figur fehlt. . Dieser Umstand verur- sacht wenigstens, daß die Filamente bestaͤndig gleich weit von ein- ander entfernt bleiben, und grade stehen, folglich auch die Zwi- schenraͤume zwischen denselben immer gleich enge bleiben. Zugleich aber koͤnnen auch die Insekten ungehindert zum Saft gelangen, welches nicht geschehen wuͤrde, wenn ein oder mehrere Filamente eine schiefe Stellung haͤtten. Diese Ansaͤtze hat auch Saponaria officinalis. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Kronenblaͤt- ter sind rosenroth, haben aber an der Basis des Plaͤttchens einen blutrothen Queerstreif, und sind daselbst mit weißen Duͤpfeln ge- ziert. Dadurch entsteht in der Mitte der Krone ein blutrother Ring, welcher nebst den weißen Duͤpfeln gegen das Rosenroth schoͤn absticht, Fig. 27. Dianthus Carthusianorum. Karthaͤusernelke. Tab. V. 9. 10. 10. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. Es ist eine aͤltere Blume, deren Stigmate bluͤhen, da die Staubgefaͤße schon verwelkt sind. 9. Ein Kronenblatt, von der Seite gesehen. Die Naͤgel der Kronenblaͤtter haben hier auch den doppelten Ansatz. Die Kronenblaͤtter sind in der Mitte mit weichen Haaren versehen, welche die Regentropfen abhalten. Die rosenrothe Krone ist mit blutrothen Linien geziert, welche wie radii eines Kreises, Q 3 Dianthus. Cucubalus. Silene. nach dem Mittelpunkt derselben, oder nach der Oeffnung der Roͤhre zu laufen, und also die Insekten gleichsam zu derselben hinfuͤhren. Dianthus barbatus. Das Saftmaal besteht in vielen weißen Punkten, mit welchen die Kronenblaͤtter in der Mitte geziert sind, und die Saftdecke aus den Haaren, welche naͤher am Nagel stehen. Auf der Blume traf ich den gemeinen weißen Schmetterling an, welcher seinen Saugeruͤssel ganz in die Roͤhre derselben hineinsteckte, folglich mit der Oeffnung desselben den Saft erreichte. Dieser wußte also in derselben besser Bescheid, als Gleditsch , welcher S. 182. und 192. sagt, daß die Bie nen aus dem Dianthus deltoides, arenarius und superbus den Staub holen, folglich nicht bemerkt haben muß, daß diese Blu- men Saft haben. Cucubalus. Linn é unterscheidet diese Gattung von der Silene bloß durch den Umstand, daß die Kronenblaͤtter der letzteren oben am Nagel zwey Ansaͤtze haben, welche bey dieser fehlen. Indessen hat theils schon Reichard erinnert, daß Cucubalus baccifer mit diesen Ansaͤtzen versehen ist, theils habe ich eben dasselbe beym Cucu- balus Behen gefunden. Diese beiden Arten gehoͤren also wenig- stens zur Gattung Silene. Cucubalus Behen. Wiederstoß. Diese Blume ist eben so eingerichtet, als eine Silene. Die Saftdruͤse ist nemlich der oberste Theil des walzenfoͤrmigen Koͤrpers, welcher den Frucht- knoten traͤgt. Dieser oberste Theil desselben ist fleischicht, glatt, in der Mitte ausgehoͤhlt, und gelblich, da der unterste gruͤn ist. Der Saft ist zwischen dem Fruchtknoten und den Filamenten und den Naͤgeln der Kronenblaͤtter befindlich. Die sehr kleinen An- saͤtze der Kronenblaͤtter dienen auch hier zur Abhaltung der Re- gentropfen. Die Blume ist wahrscheinlich eine Nachtblume, da die Krone ganz weiß ist, und kein Saftmaal hat. Gleditsch hat den Saft dieser Blume nicht gesehen; denn er sagt S. 161. bloß, daß die Bienen Stoff zum Wachs aus der- selben holen. Silene. Bey dieser Gattung hat Linn é sich sehr versehen. Er hat nemlich geglaubt, daß die beiden Ansaͤtze, mit welchen jedes Kro- nenblatt versehen ist, den Saft absondern und enthalten. Ver- hielte sich die Sache also, so haͤtte die Natur ein Werk her- vorgebracht, welches ihr keine Ehre machen wuͤrde. Denn eine roͤhrenfoͤrmige Blume, deren Saftdruͤse an der Oeffnung der Roͤhre sitzt, deren Saft also dem Regen voͤllig ausge- Silene. setzt ist, indeß der Grund der Roͤhre, wo der Saft gegen den Regen gesichert seyn wuͤrde, leer ist, eine solche Blume, sage ich, ist ein elendes Machwerk, und wird nirgends gefunden werden. Diese Ansaͤtze dienen bloß zur Abhaltung der Regentropfen, wie ich bey der Lychnis dioeca zeigen werde. Silene noctiflora. Sie ist der Lychnis dioeca voll- kommen aͤhnlich, den Umstand ausgenommen, daß sie eine Zwit- terblume ist. Die Saftdruͤse ist der walzenfoͤrmige Koͤrper, wel- cher den Fruchtknoten, die Filamente und die Naͤgel der Kronen- blaͤtter traͤgt. Sie hat eine weiße Krone ohne Saftmaal, wie jene, weil sie auch, wie dieselbe, eine Nachtblume ist. Silene nutans . Tab. XXII. 3. 4. 3. Die Blume, von unten gesehen, des Abends. 4. Dieselbe bey Tage. Gleditsch , S. 161., hat den Saft dieser Blume nicht ge- sehen. Sie unterscheidet sich von der Lychnis dioeca nur da- durch, daß der Grund ihres Kelchs enge ist, da er bey dieser weit ist. Die Ursach dieses Unterschieds laͤßt sich leicht einsehen. Die letztere steht aufrecht; folglich kann der Saft aus dem Grunde des Kelchs, er mag noch so weit seyn, nicht herausfließen. Die Silene aber haͤngt herab. Waͤre nun der Grund des Kelchs weit, so wuͤrde der Saft wegen seiner Schwere herabfließen, und viel- leicht von der Blume herabfallen. Da aber der Grund des Kelchs so enge ist, daß zwischen ihm und dem walzenfoͤrmigen Koͤrper nur ein sehr schmaler Zwischenraum ist: so muß der Saft in die Hoͤhe steigen, und diesen Zwischenraum ausfuͤllen, weil er sowohl von jenem, als diesem angezogen wird. Weil die Blume eine Nachtblume ist, so hat sie eine weiße Krone ohne Saftmaal. Bey Tage hat die Krone ein elendes welkes Ansehen; des Abends aber bekoͤmmt sie Kraft, breitet sich flach aus, ist steif, und sieht wie ein weißer zehnstrahlichter Stern aus. Wer die Blumen sonst nur bey Tage gesehen hat, und sie zufaͤlligerweise einmal des Abends findet, stutzt bey Erblickung derselben, und glaubt, eine ihm neue Blume gefunden zu haben. Die Samenkapsel haͤngt nicht, wie die Blume, herab, son- dern steht aufrecht, damit der Same nicht herausfalle, sondern vom Winde herausgeworfen und weit verstreuet werde. Silcne quinqueuulnera. Die fuͤnf Wunden sind das Saftmaal. Diese Art ist also eine Tagesblume, und muß des Morgens aufbrechen, welches auch ein Gaͤrtner, den ich darum befragte, bemerkt haben wollte. Silene Armeria. In ihrem sehr langen Safthalter habe ich Blasenfuͤße gefunden. Stellaria. Sedum. Oxalis. Stellaria. Stellaria graminea hat, wie Cerastium, fuͤnf Saft- druͤsen, und auf denselben so viel Safttroͤpfchen. Ein gleiches gilt von der Stellaria Dilleniana Leersii, wie auch von der Arenaria trineruia. Daß Gleditsch die Saftdruͤsen und die Safttroͤpfchen der Blumen dieser Gattung nicht gesehen habe, erhellet aus demjeni- gen, was er S. 152. sagt. Sedum. Sedum Telephium. Fette Henne. Tab. XIV. 23. 24. 23. Die Fruchtknoten nebst den unter denselben sitzenden (punktirten) Saftdruͤsen. 24. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 1. Die fuͤnf langen und gelben Saftdruͤsen, welche schon Linn é angezeigt hat, sitzen unten an der Basis der Frucht- knoten. 2. Dieselben sind zugleich die Safthalter. 3. Zum Saft kann kein Regentropfen gelangen; denn die Kronenblaͤtter schließen dicht an die Fruchtknoten. Besieht man also die Blume von oben, so kann man weder Saftdruͤsen, noch Saft sehen. 5. Die Blume wird von Hummeln besucht, welche ihren Saugeruͤssel zwischen die Kronenblaͤtter und die Fruchtknoten hineinstecken. Oxalis. Oxalis Acetosella. Sauerklee. Tab. XIV. 25. 26. 28—30. 32. 25. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen, ohne Schat- ten. Die Befruchtungstheile sind herausgeschnitten. 26. Ein Kronenblatt von innen. 28. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 29. Dieselbe, nachdem die beiden vordersten Kronenblaͤtter herausgezogen worden. 30. Die nach geendigter Bluͤhezeit abgefallene Krone. 32. Ein Kronenblatt von der Seite nebst der (punktirten) Saftdruͤse, welche dasselbe traͤgt. Linn é s Ausdruck: Corolla quinquepartita, vnguibus cohaerens, ist unverstaͤndlich. Denn aus dem ersten Beywort schließt man, daß die Krone aus Einem Blatt besteht, und aus dem zweyten, daß sie aus mehreren besteht. Sie besteht wirklich aus fuͤnf Blaͤttern. Oxalis. Agrostemma. 1. Die Saftdruͤsen sind die fuͤnf kleinen Koͤrper, auf welchen die Kronenblaͤtter stehen. 2. Dieselben sind zugleich die Safthalter. 3. Um den Saft vor dem Regen zu schuͤtzen, ist diejenige Anstalt getroffen worden, durch welche Linn é sich hat verleiten lassen, die Krone fuͤr einblaͤttricht zu halten. Die Kronen- blaͤtter haben nemlich unmittelbar uͤber dem Nagel auf beiden Seiten einen etwas fleischichten Ansatz. Vermittelst dieser An- saͤtze, nicht aber, wie Linn é sagt, vermittelst der Naͤgel, schei- nen sie zusammengewachsen zu seyn; sie sind es aber nicht, son- dern hangen nur vermittelst derselben zusammen. Jedes zusam- menhangende Paar der Ansaͤtze, welche zu zwey benachbarten Kronenblaͤttern gehoͤren, ragt bis an die Filamente. Auf solche Art entstehen im Grunde der Krone fuͤnf Loͤcher, welche fuͤr einen Regentropfen zu klein, fuͤr ein kleines Insekt aber und fuͤr den Saugeruͤssel eines großen groß genug sind. Die Filamente hal- ten auch manchen Regentropfen ab, in den Grund der Roͤhre hinabzufließen. 4. Die Kronenblaͤtter sind weiß, und mit blaßrothen Adern schoͤn geziert. An der Basis aber haben sie einen gelben Fleck. Das Saftmaal besteht also aus fuͤnf gelben Flecken, welche im Grunde der Krone unmittelbar uͤber den fuͤnf Loͤchern angebracht sind, und die Insekten anlocken, in dieselben hineinzukriechen. Die Blume ist folglich eine Tagesblume; auch habe ich dieselbe nur in den Mittagsstunden geoͤffnet gesunden. Gleditsch fuͤhrt zwar S. 141. diese Blume als eine solche an, welche den Bienen nuͤtzlich ist, sagt aber nicht, was sie aus derselben holen. Daß er den Saft derselben gesehen habe, daran zweifele ich. Oxalis corniculata ist auch eine Tagesblume; denn des Abends schließt sie sich. Agrostemma. Agrostemma Githago. Raden. Nichel. Tab. XXIV. 7. 8. 10. 11. 28. 7. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse, von oben gesehen. Sie hat sich erst vor kurzem geoͤffnet, und die Antheren fangen erst an, aus der Roͤhre hervorzukommen. 11. Das unterste Stuͤck des Kelchs, nachdem die vorderste Haͤlfte desselben und das Pistill weggeschnitten worden. Unter den Filamenten ein (punktirter) Theil der Saftdruͤse. 8. Die Befruchtungstheile einer juͤngeren Blume. Sieben Antheren haben ihre voͤllige Hoͤhe erreicht, und bluͤhen. Die achte hat ihre voͤllige Hoͤhe noch nicht erreicht, und sich noch nicht Agrostemma. Lychnis. geoͤffnet. Die beiden uͤbrigen befinden sich noch im Grunde des Kelchs. 28. Die vorhergehende Figur, nachdem das vorderste Stuͤck des Kelchs nebst den dazu gehoͤrigen Staubgefaͤßen weggeschnitten worden, damit man die 9. und 10. Anthere, wie auch die Stig- mate sehen koͤnne. 10. Die Befruchtungstheile einer aͤlteren Blume. Die Fi- lamente sind welk, und die Antheren ohne Staub, die Stig- mate hingegen haben sich verlaͤngert und aus einander gebreitet. 1. Die Saftdruͤse ist der unter dem Fruchtknoten befindliche Ring, welcher die Filamente und die Naͤgel der Kronenblaͤtter traͤgt. Er ist fleischicht, und inwendig glatt und blaßgelb. 2. Der Grund des Kelchs ist der Safthalter, enthaͤlt aber weit weniger Saft, als man nach der Groͤsse der Blume erwar- ten sollte. Daher wundere ich mich nicht, daß Gleditsch den- selben nicht bemerkt hat, S. 208. 3. Der Kelch ist oben nicht so weit, als unten. Also hat die Roͤhre, welche die Naͤgel der Kronenblaͤtter bilden, eine enge Oeffnung, und diese wird uͤberdies von den Filamenten und den haarichten Stigmaten groͤßtentheils ausgefuͤllt. Denn was Linn é die Griffel nennt, sind die Stigmate. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Kronenblaͤtter sind purpurfarben, an der Basis aber weißlich und mit dunkel- purpurfarbenen Linien geziert, welche laͤngliche dunkelblaue Flecke haben. Die Blume aͤndert weder des Nachts, noch, wenn es schlecht Wetter ist, bey Tage so wenig ihre aufrechte Stellung, als ihre Gestalt. 5. Der gemeine weiße Schmetterling naͤhrt sich von ihrem Saft. Auch fand ich schwarze Blasenfuͤße in großer Anzahl in den Blumen; in manchen waren wohl zwanzig bis dreißig. Daß die Blume von Insekten befruchtet wird, folgt aus ihrer dichoga- mischen Einrichtung. Denn nachdem dieselbe aufgebrochen ist, kommen die Antheren, indem die Filamente sich verlaͤngern, eine nach der andern zum Vorschein, und oͤffnen sich. Die Stigmate aber sind unterdessen noch kurz, und liegen dicht an einander. Nachdem alle Antheren verbluͤhet sind, kommen die Stigmate zum Vorschein, und begeben sich von einander. Also werden die aͤlteren Blumen von Insekten mit dem Staube der juͤngeren be- fruchtet. Lychnis. Lychnis dioeca . Tab. VI. 24—26. Tab. XIV. 31. 33—42. Tab. XVI. 1. 2. Die maͤnnliche Blume. Lychnis. Tab. XIV. 33. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse, von oben gesehen. 35. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung. 36. Der unterste Theil der Blume, nachdem die vordere Haͤlfte des Kelchs weggeschnitten worden. 37. Die Blume ohne den Kelch. Man sieht, daß die Naͤ- gel der Kronenblaͤtter zum Theil uͤber einander liegen. 39. Ein Kronenblatt von außen. 41. Dasselbe von innen. Man sieht sowohl die beiden An- saͤtze in der Mitte, als auch die beiden Fortsaͤtze an den Seiten. 38. Die Saftdruͤse, welche die Filamente traͤgt. 40. Dieselbe, nachdem neun Filamente weggeschnitten wor- den, wodurch das Rudiment des Fruchtknotens zum Vorschein gekommen ist. 31. Dieselbe, nachdem das vorderste Stuͤck derselben wegge- schnitten worden. Die weibliche Blume. Tab. VI. 25. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse, von oben gesehen. 26. Dieselbe in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung, nachdem sie verbluͤhet ist. 24. Ein vergroͤssertes Stigma. Tab. XIV. 42. Der unterste Theil der Blume, nachdem der Kelch durchschnitten, und die vorderste Haͤlfte desselben umge- schlagen worden. 34. Der Fruchtknoten, und unter demselben die Saftdruͤse c d. Die Naͤgel der Kronenblaͤtter, welche sie traͤgt, sind abge- rissen worden; auf ihrem Rande aber sieht man die Rudimente der Filamente. 31*. Die Saftdruͤse, nachdem der Fruchtknoten herausge- schnitten worden, von oben gesehen. Tab. XVI. 1. Die Samenkapsel in natuͤrlicher Stellung. 2. Dieselbe, von oben gesehen. Zufoͤrderst erinnere ich, daß Linn é in seiner Beschreibung der Gattung zwey Fehler begangen hat. Erstens hat er die bei- den Ansaͤtze der Kronenblaͤtter, welche er bey der Silene das Nectarium nennt, hier gar nicht angefuͤhrt, da sie doch wenig- stens in vier Arten, nemlich dioeca, flos cuculi, Chalcedonica und Viscaria vorhanden sind. Zweytens, was er den Griffel und das Stigma nennt, ist bloß das Stigma, und der Griffel fehlt, Tab. VI. 24. Das Stigma ist der ganze abgebildete Koͤr- per, oder eigentlich die innere Seite desselben, welche mit kurzen Haaren uͤberzogen ist. Die maͤnnliche Blume. 1. Die Lychnis. 1. Die Saftdruͤse ist der ringfoͤrmige Koͤrper, welcher die Filamente und die Naͤgel der Kronenblaͤtter traͤgt, und auf einem laͤnglichten walzenfoͤrmigen Koͤrper sitzt. Er ist inwendig, wo er eigentlich den Saft absondert, gelb. 2. Der Saft ist theils uͤber der Saftdruͤse zwischen den Fi- lamenten befindlich, theils, wenn er sich anhaͤuft, fließt er zwi- schen dieselben und die Naͤgel der Kronenblaͤtter hindurch, und in den Grund des Kelch hinab. 3. Der Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert. Der Kelch ist oben enge, verursacht also, daß auch die Oeffnung der Roͤhre, welche die Naͤgel der Kronenblaͤtter bilden, enge ist. Um diese Oeffnung herum bilden die doppelten Ansaͤtze, mit welchen die Kronenblaͤtter versehen sind, einen Kranz. Dieser macht mit den Kronenblaͤttern einen Winkel. In diesem Winkel bleibt jeder Re- gentropfen stehen, welcher auf die innere Oberflaͤche der Kronen- blaͤtter gefallen ist, und kann folglich nicht in die Oeffnung der Roͤhre hineinfließen. Ferner sind die Naͤgel der Kronenblaͤtter breit, und haben oben an beiden Seiten noch einen Fortsatz. Tab. XIV. 37. zeigt, wie dieselben zum Theil auf einander Uegen, und wie der rechte Fortsatz eines jeden Kronenblatts an der aͤuße- ren Seite des rechter Hand befindlichen naͤchsten Kronenblatts, und folglich sein linker Fortsatz an der inneren Seite des linker Hand befindlichen naͤchsten Kronenblatts dicht anliegt. Auf solche Art bilden die Naͤgel der Kronenblaͤtter eine enge Roͤhre. Endlich sind die Filamente unterwaͤrts haaricht, Fig. 38. 40., damit, wenn ja ein Regentropfen in die Roͤhre sollte gekommen seyn, derselbe doch nicht zum Saft gelangen koͤnne. Die weibliche Blume. 1. Die Saftdruͤse ist der ringfoͤrmige Koͤrper, welcher auf dem Rande die Naͤgel der Kronenblaͤtter, in der Mitte aber den Fruchtknoten traͤgt. Derselbe ist inwendig, wo er eigentlich den Saft absondert, spiegelglatt und gelblich. Soweit die Naͤgel der Kronenblaͤtter am Fruchtknoten anliegen, hat dieser ein anderes Ansehen, als oberwaͤrts, Tab. XIV. 42. 34.; denn er ist schoͤn dunkelgruͤn, und glaͤnzt wie Oel, c b , da er oberwaͤrts, b a , mattgruͤn und ohne Glanz ist. Dadurch koͤnnte man sich leicht verleiten lassen, den untersten Theil des Fruchtknotens fuͤr die Saftdruͤse zu halten, weil, wenn der unterste Theil eines Frucht- knotens die Saftdruͤse ist, derselbe ein anderes Ansehen zu haben pflegt, als der oberste. Dieses andere Ansehen verursacht hier bloß der Saft. 2. Der Saft steigt theils zwischen dem Fruchtknoten und den Naͤgeln der Kronenbiaͤtter in die Hoͤhe, theils fließt er zwischen die letzteren hindurch und in den Grund des Kelchs hinab. Lychnis. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen ist hier eben dieselbe Anstalt getroffen worden, welche bey der maͤnnlichen Blume angezeigt worden ist, den einzigen Umstand ausgenom- men, daß hier keine haarichte Filamente sind. Zur Erreichung dieses Endzwecks dient bey beyderley Blumen noch dies, daß die- selben, da sie sonst aufrecht stehen, bey anhaltendem Regen sich herabneigen, weil sie von den auf ihnen haftenden Regentropfen herabgedruͤckt werden. Am Abend eines Tages, an welchem es ununterbrochen geregnet hatte, fand ich alle Blumen in einer solchen Stellung, daß sie die Krone beynahe voͤllig der Erde zu- kehrten, und die aͤußere Oberflaͤche der Krone war zwar mit Re- gentropfen benetzt, keinesweges aber die innere. 4. Beiderley Blumen sind Nachtblumen; denn sie fangen des Abends an zu bluͤhen. Ihre Krone mußte also theils von einer ansehnlichen Groͤsse, theils von heller Farbe seyn, damit sie in der Dunkelheit der Nacht von den Insekten bemerkt wuͤrde. Sie ist also schneeweiß. Ein Saftmaal wuͤrde unnuͤtz seyn; da- her ist keines vorhanden. Merkwuͤrdig ist noch das Rudiment des Fruchtknotens, wel- ches die maͤnnliche, und die Rudimente der Filamente, welche die weibliche Blume hat. Ersteres, Tab. XIV. 40. 31., ist ein duͤn- ner Stift, welcher in der Mitte der Saftdruͤse sitzt, und letztere, Fig. 34. 42. 31*., sind kleine Zaͤhne, welche auf dem Rande der Saftdruͤse sitzen. Diese Rudimente lehren, daß die Pflanze ei- gentlich Zwitterblumen haben sollte, da die natuͤrliche Gattung, zu welcher sie gehoͤrt, Zwitterblumen hat. Dergleichen Rudi- mente von Staubgefaͤßen hat auch Saluia pratensis und offici- nalis, Tab. I. 27. 31. 42. und Tab. III. 4. 6. Sie sehen wie der oberste Theil einer Stecknadel aus, und sind hinter den Fila- menten befindlich. Da die Saluia zu der Familie gehoͤrt, zu welcher die in der Didynamia gymnospermia vorkommenden Pflanzen gehoͤren, so sollte sie eigentlich vier Staubgefaͤße ha- ben. Dies lehren die Rudimente. Es fragt sich also, ob die Natur dergleichen Rudimente zu dem Ende hervorgebracht hat, daß man an denselben erkenne, zu welcher natuͤrlichen Gattung oder Familie die Pflanzen eigentlich gehoͤren. 5. Fuͤr welche Nachtinsekten die Blumen eigentlich be- stimmt sind, weiß ich nicht. Schwarze Blattlaͤuse fand ich einmal in den maͤnnlichen Blumen. Einige derselben fand ich in dem Winkel, den die Ansaͤtze der Kronenblaͤtter mit densel- ben machen. Waͤre ich nun meiner Sache nicht gewiß gewe- sen, so haͤtten mich vielleicht diese Thierchen irre gefuͤhrt, und ich haͤtte, wie Linn é , diese Ansaͤtze fuͤr Saftdruͤsen gehalten. Als ich aber den Kelch oͤffnete, so fand ich den Grund dessel- ben ganz voll von Blattlaͤusen. Diese wußten also besser Be- R Lychnis. scheid, und schwelgten im Nektar, indessen jene Linn é aner mit den Regentropfen, welche vor der Saftdecke waren sitzen ge- blieben, sich labten. Daß nun die Befruchtung einzig und allein durch die In- sekten, welche die Blumen besuchen, keinesweges aber auf eine mechanische Art geschehe, daran laͤßt sich schlechterdings nicht zweifeln. An die Befruchtung durch den Wind ist hier gar nicht zu denken. Man stelle sich zwey Pflanzen von verschie- denem Geschlecht vor, welche zehn, zwanzig oder noch mehr Fuß von einander entfernt sind. Was muͤßte da fuͤr eine Menge Staubes von der maͤnnlichen Pflanze bereitet werden, damit die Blumen der weiblichen Pflanze befruchtet wuͤrden, da der Wind den Staub jener mehreutheils anders wohin fuͤhret, als grade auf diese. Die maͤnnlichen Blumen haben aber nur wenig Staub. Denkt man sich im Gegentheil ein Nachtin- sekt, welches bald auf die maͤnnliche, bald auf die weibliche Pflanze fliegt, so hat es mit der Befruchtung keine Schwie- rigkeit, sondern sie muß schlechterdings vor sich gehen. Denn wann es in die maͤnnlichen Blumen hineinkriecht, so findet es in der Oeffnung der Roͤhre fuͤnf Antheren, und weiter unten fuͤnf andere. Von diesen streift es den Staub ab. Mit die- sem Staube beladen verlaͤßt es die maͤnnlichen Blumen, und fliegt zu den weiblichen hin. Hier findet es nun vor und in der Roͤhre die fuͤnf Stigmate, deren innere Seite mit in die Hoͤhe gerichteten Borsten besetzt ist. Es arbeitet sich zwischen denselben in die Roͤhre hinein, streift den mitgebrachten Staub an die Borsten, und befruchtet auf solche Art die weiblichen Blumen mit dem Staube der maͤnnlichen. Haͤtte also die Natur die Stigmate so gebildet, als Linn é sie beschreibt, so wuͤrde sie einen Fehler gemacht haben. Waͤre nemlich nur der oberste Theil des Koͤrpers Tab. VI. 24. das Stigma, so wuͤrde es leicht geschehen, daß ein Insekt in die weibliche Blume hineinkroͤche, ohne die Stigmate zu bestaͤuben. Da aber auch der unterste in der Roͤhre befindliche Theil zum Stigma gehoͤrt, so ist es nicht moͤglich, daß ein mit Staub beladenes Insekt in die Roͤhre hineinkriechen sollte, ohne den Staub an die Stigmate anzustreichen. Obgleich die Blumen, als Nachtblumen, fuͤr Hummeln nicht bestimmt sind, so machen sich dieselben dennoch ihren Saft zu Nutze. Dies thun sie aber auf eine solche Art, wor- aus erhellet, daß die Blumen nicht fuͤr sie bestimmt sind. Denn sie kriechen nicht in den natuͤrlichen Eingang hinein, sondern beißen in den Grund des Kelchs ein Loch, stecken durch dasselbe ihren Saugeruͤssel, und holen auf solche Art den Saft heraus. Lychnis. Der Kelch beider Blumen ist der Laͤnge nach mit starken Nerven versehen, und ist so weit, daß zwischen demselben und den inneren Theilen der Blumen noch ein ansehnlicher Raum uͤbrig bleibt, vielleicht, damit die Insekten desto bequemer zum Saft gelangen koͤnnen. Der Kelch der weiblichen Blume aber ist weiter, als der Kelch der maͤnnlichen Blume, und eben deswegen mit zwanzig Nerven versehen, da dieser nur zehn hat. Die Ursache dieser verschiedenen Einrichtung ist leicht einzusehen. Der Kelch der weiblichen Blume enthaͤlt den Fruchtknoten, welcher, nachdem er befruchtet worden ist, im- mer groͤsser, und endlich zur Kapsel wird. Er mußte folglich so weit seyn, damit er nicht von dem aufschwellenden Frucht- knoten zerrissen wuͤrde, weil er in diesem Fall demselben nicht mehr zur Bedeckung dienen koͤnnte. Die Samenkapsel steht aufrecht, platzt, wann sie reif ist, an der Spitze auf, und bekoͤmmt eine Oeffnung, welche weit enger ist, als ihre Basis. Dies alles dient dazu, daß der Samen nicht anders, als durch einen starken Wind, heraus- geworfen werde, und sich also weit verstreue. Zu diesem Ende werden auch die Stengel, Zweige und Stiele, welche zur Bluͤ- hezeit weich und biegsam sind, damit die Blumen von den auf ihnen haftenden Regentropfen leicht herabgebogen werden koͤnnen, nach vollendeter Bluͤhezeit haͤrter und steifer. Zwi- schen der Kapsel und dem Stiel sieht man noch die vormalige Saftdruͤse, Tab. XVI. 1. a b. Eben diese Gestalt haben die Kapseln der Silenen. Mich wundert, daß dieser Theil, wel- cher weder zur Kapsel, noch zum Stiel gehoͤrt, und duͤnner ist, als jene, und dicker, als dieser, noch keinen Botaniker auf die rechte Spur gebracht hat. Pollich wenigstens hat eben so wenig, als Linn é , weder bey der Lychnis, noch bey der Silene und dem Cucubalus die Saftdruͤse gefunden. Lychnis dioeca corolla purpurea. Diese Pflanze hat Linn é fuͤr eine Varietaͤt der vorhergehenden ge- halten. Sie ist aber eine besondere und von jener ganz ver- schiedene Art. Denn 1) bluͤhet sie ungefaͤhr Einen Monath fruͤher, als jene. Im Jahr 1790 fing sie in meinem Garten, wo doch alle Pflanzen spaͤter bluͤhen, als im Freyen, den 3. May an zu bluͤhen. Jene fing auf dem Felde erst d. 30. May an zu bluͤhen, da diese keine Blumen mehr, und d. 4. Juny schon reifen Samen hatte. 2) Jene ist in der hiesigen Ge- gend allenthalben, diese aber nirgends anzutreffen. 3) Leysser sagt, daß diese bey Halle auf nassen Wiesen steht; jene wird man nie auf einer Wiese, sondern auf wuͤsten Stellen ꝛc. an- treffen. Lychnis. Cerastium. Lychnis Chalcedonica . Tab. XV. 1. Mit der Saftdruͤse, dem Safthalter und den beiden Ansaͤtzen der Kro- nenblaͤtter verhaͤlt es sich hier eben so, als bey der weiblichen Blume der vorhergehenden Arten. Die Blume ist vermuthlich auch eine Nachtblume, da sie kein Saftmaal hat. Die Krone ist scharlachfarben. Es hat mir Jemand versichern wollen, daß die Blumen im Dunkeln der Nacht wie gluͤhende Kohlen leuch- ten. Dies ist mir nicht unwahrscheinlich, da es sehr zweck- maͤßig seyn wuͤrde, wenn dieselben, da sie keinen Geruch ha- ben, vermittelst dieses Glanzes sich den Insekten bemerkbar machten. Indessen wollte der geschickte botanische Gaͤrtner, Herr Krause in Berlin, den ich wegen dieses Umstandes be- fragt habe, davon nichts wissen. Lychnis flos cuculi. Guckgucksblume. Tab. XV. 2—4. 5*. 9*. 2. Die etwas vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 3. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung. 4. Der mittelste Theil der Fig. 2., noch staͤrker ver- groͤssert. 5*. Die halbe Saftdruͤse. 9*. Die Saftdruͤse, von oben gesehen, nachdem der Frucht- knoten herausgeschnitten worden. Sie ist glatt, blaßgruͤn, da- bey ein wenig gelblich. In Ansehung der Saftdruͤse, des Safthalters und der beiden Ansaͤtze an den Kronenblaͤttern stimmt diese Art mit den vorhergehenden uͤberein. Zur Abhaltung des Regens vom Saft dient hier noch, daß die Kronenblaͤtter in vier schmale Stuͤcke getheilt sind, folglich ungeachtet ihres großen Umfangs doch nur wenig Regentropfen erhalten, und daß, da die Oeff- nung des Kelchs ziemlich weit ist, dieselbe durch die Filamente und besonders durch die Stigmate, welche dieselbe gleichsam in fuͤnf kleinere Oeffnungen theilen, den Regentropfen hinlaͤng- lich verschlossen wird. Denn in dem Winkel, welchen die Stigmate mit einander machen, muß ein Regentropfen stehen bleiben. Sie ist, wenn ich nicht irre, auch eine Nachtblume, und hat daher kein Saftmaal. Von Bienen wird sie jedoch besucht. Cerastium. Cerastium aquaticum . Tab. XV. 5. Die vergroͤsserte Blume. Tab. XXV. 2. 7. 7. Die Samenkapsel dieser Art. 2. Die Samenkapsel des Cerastium vulgatum. Beide in natuͤrlicher Stellung. Cerastium. 1. Die fuͤnf Saftdruͤsen sitzen unten am Fruchtknoten zwi- schen den Kronenblaͤttern. 2. Dieselben sind zugleich die Safthalter. Der Saft hat die Gestalt und das Ansehen eines glaͤnzenden Kuͤgelchens. 3. Wann die Blume angefangen hat zu bluͤhen, so strecken sich die Filamente, welche den Kronenblaͤttern gegenuͤber ste- hen, horizontal; die anderen aber, welche uͤber den Saftdruͤsen befindlich sind, stehen aufrecht. Diese halten also die Regen- tropfen, welche am Fruchtknoten zu den Saftdruͤsen herab- fließen wollen, auf. Nach einiger Zeit strecken sich dieselben uͤber die Saftdruͤsen hin, und stehen auch horizontal; unter- dessen aber verlaͤngern sich die Griffel, breiten sich von einan- der und halten die Regentropfen von den Safttroͤpfchen ab. 5. Ich fand die Blumen, besonders die aͤlteren, voller Blasenfuͤße. Daß sie von Insekten befruchtet werden, folgt daraus, daß bey ihnen eben so, als bey der Spergula nodosa, die maͤnnlich-weibliche Dichogamie Statt findet. Solange die Blume bluͤht, steht sie aufrecht; sobald sie verbluͤhet ist, neigt sie sich herab, und die reife Samenkapsel bleibt in dieser Stellung. Die Ursache dieses letzten Umstandes finde ich in der Beschaffenheit der Stengel der Pflanze. Denn dieselben sind nicht steif, wie etwa bey der Silene nutans, daß sie vom Winde koͤnnten hin und her bewegt werden, sondern sie sind weich. Folglich wuͤrde der Endzweck der aufrechten Stellung, wenn sie bey diesen Samenkapselu Statt faͤnde, nicht erreicht werden koͤnnen, und die Samenkoͤrner koͤnnen nicht vom Winde herausgeworfen werden, sondern muͤssen sich selbst durch das Ausfallen aussaͤen. Die Samenkapseln des Cerastium vulgatum hingegen stehen aufrecht, weil die Sten- gel der Pflanze steif sind. Cerastium aruense. Diese Art hat auch ihre fuͤnf Saftdruͤsen. Da sie aber nicht so flach ist, als die vorherge- hende, sondern eine trichterfoͤrmige Gestalt hat, so ist der Saft noch mehr gegen den Regen gesichert. Denn in dem engeren Grunde der Krone stehen die Filamente und die Griffel, und halten die Regentropfen auf. Da die Pflanze an Wegen und andern freyen Oertern steht, so werden die Blumen von kei- nen andern Pflanzen bedeckt, und fallen, besonders zur Mit- tagszeit bey schoͤnem Wetter, den Insekten schon von weitem in die Augen. Weil die Blume ziemlich groß, und nicht flach ist, sondern eine trichterfoͤrmige Gestalt hat, so verursacht der zweyte Umstand, daß in derselben ein Saftmaal noͤthig ist, und der erste, daß dasselbe fuͤglich angebracht werden kann. Dasselbe besteht 1) in den gewaͤsserten Streifen, mit welchen jedes Kronenblatt der Laͤnge nach versehen ist, und welche von R 2 Cerastium. Spergula. Lythrum. den Falten herruͤhren, welche dasselbe hat, ehe die Blume aufge- brochen ist. Da diese Streife insgesamt sich in den Grund hinab- ziehen, so zeigen sie den Insekten, daß dort der Saft befindlich ist. 2) Damit dieser Grund gegen die weiße Krone etwas ab- stehe, so sind die Kronenblaͤtter an der Basis ein wenig gelb. Auch diese Blume ist ein maͤnnlich-weiblicher Dichogamist, wel- ches man, wenn man die aͤltere mit der juͤngeren vergleicht, um so viel deutlicher sehen kann, da sie ziemlich groß ist. Kleine Blumenkaͤfer findet man haͤufig in den Blumen. Den Saft hat schon Gleditsch gesehen, S. 159. Cerastium viscosum hat auch fuͤnf Saftdruͤsen. Spergula. Spergula nodosa . Tab. XV. 6—8. 8. Eine juͤngere Blume, deren Antheren bluͤhen, deren Stigmate aber noch klein sind, und sich noch nicht ausgebreitet haben. 6. Dieselbe, nachdem der Kelch und die Krone wegge- schnitten worden. 7*. Ihre noch staͤrker vergroͤsserte Stigmate. 7. Die Staubgefaͤße und Stigmate einer aͤlteren Blume. Diese Blume hat ihre fuͤnf Saftdruͤsen, wie Cerastium. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dient hier noch, daß Spergula. Lythrum. die Kronenblaͤtter sehr kurze und schmale Naͤgel haben, selbst aber an der Basis viel breiter sind. Dadurch entstehen in der Mitte der Blume fuͤnf kleine Loͤcher uͤber den Saftdruͤsen, durch welche kein Regentropfen hindurchdringen kann. Daß auch diese Blume von Insekten befruchtet wird, erhellet aus ihrer dichogamischen Einrichtung. Wann sie jung ist, stehen die Filamente mit den bluͤhenden Antheren beynahe aufrecht; die Stigmate aber sind noch kurz, und stehen nahe bey einander. Wann sie aber aͤlter geworden ist, so stehen die Filamente mit den staublosen Anthe- ren beynahe horizontal, und die Stigmate haben sich verlaͤngert und ausgebreitet. Da also die Blume nicht durch ihren eigenen Staub befruchtet werden kann, so wird die aͤltere von Insekten durch den Staub der juͤngeren befruchtet. Wann diese den Saft aus der juͤngeren Blume holen, so beruͤhren sie die Antheren, und streifen den Staub derselben ab; und wann sie hierauf die aͤltere Blume besuchen, so treffen sie an eben der Stelle, wo in der juͤngeren die Antheren stehen, die Stigmate an, und bestrei- chen sie mit dem mitgebrachten Staube. Spergula aruensis. An einem Vormittage, da es truͤbes Wetter war, jedoch nicht regnete, fand ich alle Blumen geschlossen; in der Mittagsstunde, da die Sonne zu scheinen an- fing, oͤffneten sie sich. Eilfte Klasse. Dodecandria. Zwitterblumen mit zwoͤlf Staubgefaͤßen . Lythrum. L ythrum Salicaria. Den im Grunde des Kelchs befind- lichen Saft hat der Verfasser der Dissertation de nectariis florum gesehen, wie ich bey der Oenothera gemeldet habe. Derselbe wird von einer fleischichten, glatten, dunkelgruͤnen, mit dem Grunde des Kelchs zusammengewachsenen Saftdruͤse, auf welcher der blaßgruͤne Fruchtknoten steht, abgesondert. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die purpurfarbenen Kronenblaͤtter haben in der Mitte eine Linie von gesaͤttigterer Farbe, welche am Nagel am staͤrksten ist. Der Kelch ist oberwaͤrts in zwoͤlf Ausschnitte abgetheilt, nemlich in sechs laͤngere und schmaͤlere, und in eben so viel breitere und kuͤrzere, welche mit jenen abwechseln. Jene stehen hinter, diese aber zwischen den Kronenblaͤttern; jene sind gruͤn, diese aber schwach purpurfarben. Die Ursache hievon ist leicht einzusehen. Denn da die ersteren von den Kronenblaͤttern verdeckt werden, und, wann man die Blume von vorne ansieht, nicht zum Vorichein kommen, so wuͤrde es von keinem Nutzen seyn, wenn sie gefaͤrbt waͤren. Die letzteren hingegen mußten, weil sie von den Kronenblaͤttern nicht verdeckt werden, eben so gefaͤrbt seyn, als diese, damit sie das Ansehen und die Bemerk- barkeit der Blume vergroͤsserten. Gegen diese Purpurfarbe der Kronenblaͤtter und der gefaͤrbten Ausschnitte des Keichs sticht die blaßgruͤne und ein wenig gelbliche Farbe der inneren Seite der Kelchroͤhre ziemlich ab. Dieser Kontrast wird durch die ganz be- sondere Einrichtung der Staubgefaͤße verstaͤrkt. Der Griffel ist nemlich laͤnger, als die Kelchroͤhre. Sechs Staubgefaͤße sind laͤnger, als der Griffel, die uͤbrigen sechs sind etwas kuͤrzer, als Lythrum. Reseda. der Kelch; wobey keine andere Absicht Statt finden kann, als diese, daß die Insekten sowohl, wann sie in die Blume hmeinkriechen, den Staub der laͤngeren Staubgefaͤße, als auch, wann sie aus derselben wieder herauskriechen, den Staub der kuͤrzeren abstrei- fen, und auf das Stigma bringen. Nun sind die Filamente der laͤngeren Staubgefaͤße oberwaͤrts purpurfarben, und ihre Anthe- ren dunkekgruͤn, die Filamente der kuͤrzeren hingegen eben so un- scheinbar gefaͤrbt, als jene unterwaͤrts sind, ihre Antheren aber sind schwefelgelb. So wie also die Filamente der laͤngeren Staub- gefaͤße die Ansehnlichkeit der Blume etwas vergroͤssern, so ver staͤrken hingegen die Antheren der kuͤrzeren den Kontrast, wel- chen die Roͤhre des Kelchs mit der Krone macht. Reseda. Reseda odorata . Tab. XV. 9—11. 15. 18. 19. 15. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 10. Die Saftdruͤse von vorne, 11. von hinten, 18. von der Seite. 19. Eines von den obersten Kronenblaͤttern. 9. Die Samenkapsel, zwischen welcher und dem Kelch die vormalige Saftdruͤse sitzt. 1. Die schon vom Linn é angezeigte Saftdruͤse sondert auf ihrer hinteren etwas konkaven glatten Seite den Saft ab, und 2. enthaͤlt auch denselben. 3. Vier duͤnne, ein wenig haarichte und vorne umgebogene Koͤrper, von welchen die obersten groͤsser sind, als die untersten, umfassen die Saftdruͤse, und schuͤtzen den Saft vor dem Regen, und sind zugleich die Naͤgel der vier obersten Kronenblaͤtter. 4. Sowohl die vier obersten getheilten, als die beiden un- tersten ungetheilten Kronenblaͤtter sind weiß. Das Saftmaal ist die vordere Seite der Saftdruͤse. Denn sie ist gelblichgruͤn, und wie Sammet mit Haaren dicht uͤberzogen, und haͤlt man sie ge- gen das Sonnenlicht, so sieht man glaͤnzende Punkte auf der- selben. 5. Die Blume wird von den Bienen haͤufig besucht. Hinter der erwachsenen Samenkapsel sieht man noch die vor- malige nun vertrocknete und dunkelgelbe Saftdruͤse. Reseda fruticulosa . Tab. XV. 14. 16. 17. 22. 23. 14. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 16. Die Saftdecke von oben, 22. von der Seite. 17. Die Saftdruͤse von oben, 23. von der Seite. Die Saftdruͤse ist laͤnger, aber vorne nicht so hoch, als bey der vorhergehenden Art, sondern hat daselbst einen weißen Wulst, Euphorbia. auf welchem zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen die Naͤ- gel der beiden obersten Kronenblaͤtter liegen. Euphorbia. Euphorbia Cyparissias. Gemeine Wolfsmilch. Titelk. Fig. IX. Die juͤngere Zwitterblume. Fig. XVII. Die aͤltere Zwitterblume. Jene hat nur bluͤhende Stigmate, diese nur bluͤhende Antheren. Jene ist also fuͤr jetzt weiblichen, diese maͤnnlichen Geschlechts. Die fleischichten gelben Kronenblaͤtter, welche in beiden Fi- guren punktirt sind, sind zugleich die Saftdruͤsen und die Saft- halter. Da sie aber sehr klein sind, so koͤnnen sie nicht so viel Saft absondern, daß derselbe die Gestalt eines Tropfens haben kann, sondern sie sind wie mit einem Schweiß uͤberzogen, und glaͤnzen, gegen das Sonnenlicht gehalten. Sind sie aber von einem Insekt beleckt worden, so glaͤnzen sie nicht mehr. Kleine Kaͤser, Fliegen und andere Insekten benutzen den Saft. Weil die Blumen sehr klein sind, und also nicht leicht von den Insekten in der Ferne bemerkt werden koͤnnen, so ersetzen diesen Mangel die Blumenblaͤtter (bracteae), welche gelb sind. Die saͤmtlichen Blumen Eines Stengels haben zwar keinen starken Geruch; geht man aber uͤber einen Brachacker, auf welchem die Pflanzen in großem Ueberfluß stehen, so verbreiten dieselben einen ziemlich durchdringenden Honiggeruch. Ich habe schon in der Einleitung gemeldet, daß ich in der Euphorbia Cyparissias zuerst die weiblich-maͤnnliche Dichogamie entdeckt habe. Sobald ich diese Entdeckung gemacht hatte, machte ich sogleich den natuͤrlichen Schluß, daß die ersten Blumen, welche die Pflanze hervorbringt, keine Frucht ansetzen koͤnnten, daß sie folglich entweder maͤnnlichen Geschlechts seyn muͤßten, oder, wenn sie Zwitterblumen sind, ihr Pistill unbefruchtet bleiben muͤßte. Das Erstere schien mir der Weisheit des Schoͤpfers wuͤr- diger zu seyn, welcher keinen Theil einer Blume, folglich auch kein Pistill, welches keinen Nutzen stiftet, hervorbringen kann. Und nun betrachtete ich die Blumen, und fand, daß ich mich nicht geirrt hatte; denn die ersten Blumen hatten kein Pistill. Ich untersuchte hierauf die Euphorbia palustris, und fand eben dieselbe Einrichtung bey derselben. Dem Linn é ist zwar bekannt gewesen, daß die ersten Blu- men einiger Euphorbien maͤnnlichen Geschlechts sind, wie ich aus seiner Beschreibung der Gattung sehe; die Ursache aber hievon mußte ihm um so viel mehr verborgen bleiben, da er nichts von der Dichogamie gewußt, und wahrscheinlich die Blumen fuͤr saft- leer gehalten hat. R 3 Euphorbia. Philadelphus. Euphorbia palustris . Tab. XV. 12. 13. Die ver- groͤsserte Blume. Die Saftdruͤsen sind punktirt. Es ist eine von den ersten Blumen, welche maͤnnlichen Geschlechts sind. Die Kronenblaͤtter, welche auch hier die Saftdruͤsen sind, sind hohl. Ich fand auf den Blumen fuͤnf bis sechs Arten von Insekten, und sahe sehr wohl, wie sie den Saft ableckten. Auch fand ich in der Dolde unter den Blumen eine aschgraue Spinne ohne ein Gewebe, welche eines von den großen Insekten, deren mehrere auf den Blumen saßen, erhascht hatte, und mit der Aussaugung desselben beschaͤftigt war. Jene ließen sich indessen durch dieses warnende Beyspiel, welches sie vor Augen hatten, im Genuß des Safts keinesweges stoͤren. Euphorbia Lathyris. Springkraut. Tab. XV. 20. 21. 27*. 20. Der oberste Theil eines Zweiges in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. Zwischen zwey gegenuͤberstehenden Blaͤttern sitzt bey a eine schon verbluͤhete, bey b eine noch bluͤhende Blume. 21. Eine vergroͤsserte aͤltere Zwitterblume, von vorne gese- hen. Auf den vier Kronenblaͤttern sind so viel Safttroͤpfchen be- findlich. Euphorbia. Myrtus. Amygdalus. 27*. Ein Kronenblatt. Die (punktirte) Saftdruͤse ist gruͤn; das Uebrige ist braun und gelbgruͤn. Die Kronenblaͤtter haben in der Mitte einen Safttropfen. Derselbe ist vor dem Regen hinlaͤnglich geschuͤtzt; welches ich bey den beiden vorhergehenden Arten nicht finde, obgleich jedoch eben deswegen, weil die Saftdruͤsen der Luft und dem Regen bloß ge- stellr sind, die auf dieselben gefallenen Regentropfen, wann es aufgehoͤrt hat zu regnen, desto leichter von der Luft abgetrocknet, und vom Winde abgeschuͤttelt werden koͤnnen. Hier aber wird der Saft durch die beiden Blaͤtter, in deren Winkel b die Blume sitzt, geschuͤtzt. Denn das letzte Glied eines jeden Zweiges kruͤm- met sich, so daß es oberwaͤrts horizontal steht. Folglich fallen die meisten Regentropfen auf die aͤußere Seite des obersten Blatts, der Winkel aber zwischen beiden Blaͤttern bleibt trocken. Staͤnde es aber mehr aufrecht, wie das naͤchstfolgende Glied, welches bey a eine schon verbluͤhete Blume hat: so wuͤrden in dem Winkel zwischen den Blaͤttern sich leicht Regentropfen sammlen, und den Saft verderben. Zwoͤlfte Klasse. Jcosandria. Zwitterblumen mit ungefaͤhr zwanzig Staubgefaͤßen, welche auf dem Kelch stehen . Philadelphus. P hiladelphus coronarius. Jasmin. Tab. XXI. 34. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse, nachdem die vorderste Haͤlfte weggeschnitten worden. 1. 2. Die Saftdruͤse und der Safthalter ist der oberste weiße Theil des Fruchtknotens. 3. Um die Saftdruͤse stehen die Filamente, welche ziemlich stark sind, und sich unterwaͤrts einander beruͤhren. Sie breiten sich nicht so sehr von einander, als die Kronenblaͤtter, sondern machen mit denselben einen ziemlich großen Winkel, und haben zusammengenommen die Gestalt eines Bechers. Folglich wird ein Regentropfen, welcher an der Krone hinabfließt, von densel- ben aufgehalten. 4. Die Blume hat eine weiße Krone ohne Saftmaal, und einen sehr starken Geruch. 5. Sie wird von Ameisen, Blumenkaͤfern und anderen In- sekten haͤufig besucht. Myrtus. Myrtus communis. Myrte. Tab. VI. 28. 29. 28. Die vergroͤsserte Blume, nachdem drey Kronenblaͤtter abgerissen worden. 29. Der mit dem Kelch bekraͤnzte Fruchtknoten, nachdem die Blume verbluͤhet ist, von oben gesehen. 1. 2. Die Saftdruͤse und der Safthalter ist der oberste glatte und weiße Theil des Fruchtknotens. Nachdem die Blume ver- bluͤhet ist, kann man die Saftdruͤse von dem Ringe, welcher die Filamente getragen hat, sehr wohl unterscheiden. Denn jene ist glatt und blaßgruͤn, dieser aber voller Narben und braun. Amygdalus. Amygdalus Persica. Pfirsichbaum. 1. 2. Die Saftdruͤse und der Safthalter ist der gelbe Grund des Kelchs. Prunus. Crataegus. Sorbus. Pyrus. 3. Die Filamente biegen sich einwaͤrts, und schuͤtzen den Saft vor dem Regen. 5. Die Blume wird von Bienen und anderen Insekten besucht. Prunus. Prunus Cerasus. Kirschbaum. Tab. XV. 24. 25. 24. Die etwas vergroͤsserte Blume. 25. Dieselbe, nachdem die Kronenblaͤtter abgerissen, und die vorderste Haͤlfte des Kelchs weggeschnitten worden. Die Saftdruͤse ist punktirt. 1. 2. Die Saftdruͤse und der Safthalter ist der etwas fleischichte gelblichgruͤne Grund des Kelchs. 3. Die Roͤhre des Kelchs ist 1) oben etwas enger, als unten, und 2) stehen um die Oeffnung derselben die Filamente herum. Beides dient zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen. 5. Blumenkaͤfer naͤhren sich vom Saft der Blume. Prunus spinosa. Schwarzdorn. Schleedorn. Hat eine gleiche Einrichtung, und wird von Blumenkaͤfern besucht. Linn é meldet vom Nectario nichts; Gleditsch aber sagt S. 149., daß die Bienen aus den Blumen der Gattung Prunus nicht nur Wachs, sondern auch Honig sammlen. Crataegus. Crataegus monogyna Jacqu. Weisdorn mit Ei- nem Stein in der Frucht. Die Blume hat mit Sorbus au- cuparia eine gleiche Einrichtung. Der Grund des Kelchs ist die Saftdruͤse und der Safthalter. Die Filamente dienen zur Saftdecke. Die Blumenkaͤfer begeben sich, durch den strengen Geruch der Blumen angelockt, haͤufig auf dieselben. Sorbus. Sorbus aucuparia. Ebreschenbaum. Die Saftdruͤse und der Safthalter ist der fleischichte Grund des Kelchs. Die Blume wird von den Blumenkaͤfern haͤufig besucht. Pyrus. Pyrus communis und P. Malus . Birn- und Apfelbaum. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der ringfoͤrmige Theil des Kelchs zwischen den Griffeln und den Staubgefaͤßen. An dieser Stelle ist der Kelch glatt, da er uͤbrigens mit weicher Wolle uͤberzogen ist. Spiraea. Rubus. Potentilla. 3. Zur Abhaltung des Regens vom Saft dienen die Staubgefaͤße, besonders bey der zweyten Art, in welcher sie einen hohlen Cylinder bilden, da sie in der ersten mehr die Gestalt eines Bechers oder eines umgekehrten gestutzten Kegels haben. 5. Die Blumen beider Arten werden von den Bienen haͤufig besucht. Spiraea. Spiraea opulifolia . Tab. XXII. 12. 14. 1. 2. Die Saftdruͤse und der Safthalter ist der fleischichte glatte G r und des Kelchs, welcher die Gestalt einer hohlen hal- ben Kugel hat, und anfangs gruͤn, hernach gelb, und zuletzt pomeranzenfarben ist. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dienen die Filamente, welche unterwaͤrts sich einander beruͤhren. 4. Der Grund des Kelchs sticht gegen die weiße Krone stark ab, und ist also zugleich das Saftmaal. Auch hat die Blume einen Geruch. Rubus. Rubus Jdaeus. Himbeerstrauch. Tab. XXII. 5—7. 5. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 6. Dieselbe im Durchschnitt. 7. Der Grund des Kelchs. 1. 2. Der glatte und gruͤne Grund des Kelchs zwischen den Fruchtknoten und den Filamenten ist die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter. 3. Der Augenschein lehrt, daß der Saft sowohl durch die Stellung der Blume, als auch durch die Filamente und die Griffel gegen den Regen voͤllig gesichert ist. 5. Die Blume wird von Hummeln und Bienen haͤufig besucht, wahrscheinlich auch befruchtet. Denn indem sie in derselben wuͤhlen, muͤssen sie nothwendig den Staub der An- theren auf die Stigmate bringen. Rubus fruticosus, Brombeerstrauch, und Rubus caesius haben mit der vorhergehenden Art eine gleiche Ein- richtung, und werden von den Bienen haͤufig besucht. Potentilla. Potentilla fruticosa. Ob diese Blume wirklich Saft absondert, habe ich noch nicht ausfindig machen koͤnnen. Gleditsch muß dieselbe fuͤr saftleer gehalten haben, S. 229. Indessen habe ich gesehen, daß Schmetterlinge sich auf dieselbe setzten, und sich lange in jeder aufhielten. Auch findet man Potentilla. Chelidonium. viel Blasenfuͤße in derselben. Auch fand ich kleine Fliegen in der- selben, und zwar auf dem mittelsten etwas aufgetriebenen Theil des Kelchs, welcher in ringfoͤrmiger Gestalt die Pistille umgiebt, die Staubgefaͤße traͤgt, und mit Haaren versehen ist. Sie hiel- ten sich lange daselbst auf, und ich bemerkte deutlich, daß sie diese Stelle beleckten. Potentilla verna. Diese Blume wird von den Bienen haͤufig besucht. Den Saft derselben habe ich nicht gesehen; ich glaube aber, daß die geringe Quantitaͤt desselben davon die Ur- sache geweseu ist. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter scheint der mittelste Theil des Kelchs zu seyn, welcher pomeran- zenfarben ist. Uebrigens ist der Kelch glaͤnzendglatt, vermuthlich, damit die Blume den Insekten besser in die Augen falle. Um die Fruchtknoten herum steht eine Reihe von Haaren, welche wahr- scheinlich die Saftdecke ist. Ich fand einen kleinen schwarzen mit gelben Duͤpfeln gezierten Kaͤfer ( Coccinella ) auf der Blume, und bemerkte deutlich, daß er sein Maul zwischen den Ring von Haaren und den pomeranzenfarbenen Theil des Kelchs gesteckt hatte. Als ich ihn von da vertrieben hatte, so begab er sich auf eben diese Stelle wieder hin, zum Beweise, daß er daselbst Nah- rung fand. Es ist sonderbar, daß diese Pflanze immer auf der Mittags- seite kleiner Huͤgel, keinesweges aber auf der Mitternachtsseite derselben angetroffen wird. Dieser Standort ist allerdings der vortheilhafteste fuͤr dieselbe. Denn sie bluͤhet zu einer Jahreszeit, in welcher die Sonne noch sehr niedrig steht, folglich zwar die Mittagsseite, aber nicht die Mitternachtsseite solcher Huͤgel er- waͤrmen kann. Aber wie geht es zu, daß diejenigen Samen- Geum. Comarum. Papauer. koͤrner, welche auf die Mitternachtsseite fallen, nicht aufgehen, und sich in Pflanzen verwandeln? Die Blume ist eine Tagesblume; denn des Nachts ist sie ge- schlossen. Geum. Geum riuale. Der Grund des Kelchs, auf welchem die Filamente stehen, ist die Saftdruͤse und der Safthalter. Daß zu dem Saft kein Regentropfen kommen koͤnne, lehrt der Au- genschein. Geum vrbanum . Tab. XXII. 24. Ein Theil des Kelchs nebst Einem Kronenblatt. Unter den Filamenten sieht man die Safttroͤpfchen. Diese Blume habe ich lange fuͤr saftleer gehalten, weil ich bey oftmaliger Untersuchung derselben keinen Saft finden konnte. Endlich entdeckte ich denselben. Der glatte Grund des Kelchs, oder der zwischen den Frucht- knoten und den Filamenten befindliche Theil desselben ist die Saft- druͤse und der Safthalter. Der Saft besteht aus uͤberaus kleinen Troͤpfchen. Zu denselben kann schlechterdings kein Regentropfen dringen, weder von oben durch die Pistille und Staubgefaͤße hin- durch, noch von der Seite zwischen die Filamente hindurch. Comarum. Comarum palustre. Der Grund des Kelchs zwischen den Fruchtknoten und den Filamenten ist die Saftdruͤse und zu- gleich der Safthalter. Die Quantltaͤt des Safts ist ansehnlich. Dreyzehnte Klasse. Polyandria. Zwitterblumen mit zwanzig oder mehr Staubgefaͤßen, welche auf dem Boden stehen . Chelidonium. C helidonium maius. Schoͤllkraut. Diese Blume ist eine von denjenigen, welche mich abgehalten haben, in der Ein- leitung zu behaupten, daß jede mit einer Krone versehene Blume eine Saftblume ist. Sie hat eine ansehnliche Krone; dennoch habe ich keinen Saft in derselben gefunden. Sie wird von den Bienen besucht. Papauer. Kruͤnitz sagt, daß die Arten des Mohns den Bienen Ho- nig geben. Ich wuͤnschte, daß er hinzugesetzt haͤtte, wo eigent- lich der Saft befindlich ist; denn ich habe denselben bisher noch nicht finden koͤnnen. Seine Behauptung scheint indessen dadurch bestaͤtigt zu werden, daß sich sehr viel Blasensuͤße in den Blumen des Papauer somniferum aufhalten. Gleditsch hingegen sagt von Papauer. Nymphaea. von dieser Art S. 241., und vom Papauer dubium und Rhoeas S. 202. bloß, daß sie den Bienen Stoff zu Wachs geben, hat also so wenig, als ich, Saft in denselben gefunden. Auf dem Papauer dubium und somniferum habe ich Bienen angetroffen. Papauer dubium. Daß diese Blume nicht vom Winde, sondern von den Bienen befruchtet werde, ist sehr wahrscheinlich. Denn nicht nur verhindern die Kronenblaͤtter, daß der Wind den Staub von den Antheren wehen kann, sondern dieser Staub sitzt auch ziemlich fest, und laͤßt sich keinesweges leicht wegbla- len, und die Blume ist in diesem Stuͤck voͤllig den Saftblumen, keinesweges aber denjenigen aͤhnlich, welche auf eine mechanische Art befruchtet werden. Ich habe verschiedene juͤngere Blumen genau besehen, und zwar zu einer Zeit, da der Wind wehete, und nicht Ein Staubkoͤrnchen auf dem Stigma gefunden, da im Gegentheil das Stigma der aͤlteren Blumen bestaͤubt war. Dies laͤßt sich nicht anders erklaͤren, als so, daß eine Biene die letzteren besucht und ihr Stigma bestaͤubt habe, die ersteren aber damals noch nicht sich geoͤffnet gehabt haben. Nymphaea. Nymphaea lutea . Tab. XXIII. 5. 6. 7. 10. 5. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse, von oben gesehen. Auf dem Stigma kriecht ein Blumenkaͤfer. 10. Dieseibe in natuͤrlicher Stellung im Durchschnitt. 6. Ein Saftblatt von oben. 7. Dasselbe von unten. Die Linn é i sche Beschreibung der Gattung stimmt zwar mit der Nymphaea alba, keinesweges aber mit dieser Art uͤberein. Die fuͤnf aͤußeren großen Blaͤtter nennt er Kelch, die vielen inne- ren kleineren Krone. Daß dies irrig sey, laͤßt sich schon a priori beweisen. Denn da die Krone einer Blume dazu dient, dieselbe, als eine Saftblume, den Insekten von weitem bemerkbar zu machen, und zu diesem Ende so groß als moͤglich seyn muß, der Kelch hingegen, wenn er nicht zugleich auch die Krone ist, bloß dazu dient, die noch nicht aufgebrochene Blume zu beschuͤtzen, wann aber dieselbe bluͤhet, mehrentheils keinen Nutzen stiftet, und folglich so klein als moͤglich seyn muß: so wuͤrde die Natur in dem Bau dieser Blume einen Fehler begangen haben, wenn Linn é Recht haͤtte, weil der Kelch weit groͤsser seyn wuͤrde, als die Krone. So wie es nun aber an und fuͤr sich wahrscheinlicher ist, daß sich Linn é geirrt, als daß die Natur einen Fehler be- gangen habe: so wird diese Wahrscheinlichkeit zur Gewißheit, so bald man weiß, daß der Linn é i sche Kelch zugleich die Krone, die Linn é i schen Kronenblaͤtter aber die Saftdruͤsen sind. Die fuͤnf großen Blaͤtter sind nemlich, ehe sie sich geoͤffnet haben, auf Nymphaea. der aͤußeren Seite, und zwar, soweit sie nicht uͤber einander lie- gen, sondern der Luft ausgesetzt sind, gruͤn, wie ein Kelch seyn muß, auf der inneren Seite hingegen, und selbst auf denjenigen Theilen der aͤußeren Seite, welche vorher uͤber einander lagen, gelb, also gefaͤrbt, wie eine Krone seyn muß. Was aber die in- neren kleineren Blaͤtter betrifft, so sind dieselben theils fleischicht, theils zwar auf der oberen Seite runzlicht, auf der unteren hinge- gen eben und glatt, Fig. 7. Und auf dieser Seite sondern sie den Saft ab. Dieser Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert, weil die Saftblaͤtter an den Kronen- oder Kelchblaͤttern dicht an- liegen. Daß nun die Blume den Saft zu ihrem eigenen Besten her- vorbringt, indem sie von den Insekten, welche sich von demselben ernaͤhren, befruchtet wird, ist sehr wahrscheinlich. Vielleicht ge- schieht die Befruchtung durch ein anderes mir noch unbekanntes Insekt, vielleicht aber auch durch die Blumenkaͤfer, welche ich haͤufig in den Blumen gefunden habe. Diese Kaͤfer traf ich theils beym Saft, theils auf allen uͤbrigen Theilen der Blume an. Nun liegen die Staubgefaͤße, deren Antheren noch nicht bluͤhen, dicht an dem Pistill, diejenigen aber, welche bluͤhen, haben sich von dem Stigma abwaͤrts und nach den Saftblaͤttern zu herumgebogen, und die nun obere Seite der Antheren ist staubicht, Fig. 10. Indem also die Blumenkaͤfer allenthalben umherkriechen, so schleppen sie den Staub der Antheren auf das mit einer klebrichten Feuch- tigkeit uͤberzogene Stigma. Daß die Blume ein so großes Stigma und eine so große An- zahl von Antheren hat, laͤßt sich aus der angegebenen Art der Befruchtung sehr wohl erklaͤren, und eben dadurch wird dieselbe desto wahrscheinlicher. Zu dem Ende wollen wir sie mit der auf eben dieser Kupfertafel in Fig. 9. abgebildeten Stachys syluatica vergleichen. Diese hat nur vier Antheren und ein kleines Stigma. Sie wird von einer Hummel besucht, welche, indem sie ihren Saugeruͤssel in den Safthalter steckt, nothwendig den Staub der Antheren der juͤngeren Blume mit ihrem haarichten Kopf abstrei- fen, und denselben eben so nothwendig auf das Stigma der aͤl- teren Blume wieder absetzen muß. Hier sind also vier Antheren und ein kleines Stigma zur Befruchtung vollkommen hinlaͤnglich. Bey der Nymphaea hingegen ist es ein bloßer Zufall, daß die Blumenkaͤfer den Antherenstaub auf das Stigma schleppen. Haͤtte sie also nur vier Antheren und ein kleines Stigma, so wuͤrde es sich nur selten fuͤgen, daß ein Kaͤfer zuerst auf die Antheren, und hernach auf das Stigma kroͤche, und die wenigsten Blumen wuͤrden befruchtet werden. Es mußte also, was dieser Zufall un- gewisses an sich hat, durch die Menge der Antheren und die Groͤsse des Stigma ersetzt und aufgehoben werden. S Tilia. Tilia. Tilia Europaea und T. cordata . Groß- und klein- blaͤttrichte Linde. Tab. XXII. 36. 38. 46. Die beiden ersten Figuren sind nach der ersten, die letzte nach der zweyten Art ge- zeichnet. Soweit das Kelchblatt punktirt ist, ist es die Saft- druͤse. Die bluͤhenden Linden werden von den Bienen außerordent- lich haͤufig besucht. Kruͤnitz sagt S. 667, daß die Bienen nicht nur Staub zu Wachs, sondern auch Saft aus den Blumen samm- len, aus welchen sie einen sehr vorzuͤglichen Honig bereiten. Auch Gleditsch ruͤhmt die Blumen wegen dieser Ursache sehr, S. 179. Und dennoch hat Linn é zwar in der Amerikanischen, keineswe- ges aber in den Europaͤischen Arten Saftdruͤsen gefunden. Gle- ditsch aber (Forstwissenschaft 1. B. S. 302.) sagt, die Euro- paͤischen Arten haben auch Saftdruͤsen, welche, wie bey der Amerikanischen, am unteren Ende der Kronenblaͤtter sitzen, aber klein und wenig sichtlich seyen. Diese habe ich nicht finden koͤn- nen; vielmehr sind 1. die Saftdruͤsen die fuͤnf fleischichten sehr hohlen Kelch- blaͤtter. Man sieht es denselben sogleich an, daß sie etwas mehr sind, als bloß der Kelch. Denn sie sind 1) inwendig sehr hohl, folglich auswendig sehr hoͤckericht, 2) nicht gruͤn und von blatt- aͤhnlicher Substanz, wie gewoͤhnlich, sondern weiß oder blaßgelb, glatt und knorplicht. 2. In der Hoͤhle derselben findet man, besonders des Mor- gens, da der die Nacht hindurch bereitete Saft von den Bienen noch nicht abgeholt worden ist, denselben in ansehnlicher Menge. 3. Der Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert. Denn 1) sitzen die Blumenstiele in dem Winkel, welchen die Blattstiele mit dem Zweige machen, und hangen herab, da diese in die Hoͤhe gerichtet sind. Ein jeder Blumenbuͤschel hat folglich ein Obdach an dem Blatt, welches ungefaͤhr horizontal steht, weil es in die- ser Stellung die meisten Regentropfen auffaͤngt. Steht man also unter einer bluͤhenden Linde, und sieht in die Hoͤhe, so sieht man die weißen Blumen; sieht man aber von einem erhabenen Ort auf den Baum hinab, so sieht man fast weiter nichts, als die gruͤnen Blaͤtter. 2) Da die Blumen herabhangen, so ist die aͤußere konvexe Seite der Kelchblaͤtter dem Regen ausgesetzt, und schuͤtzt eben dadurch die innere konkave Seite vor demselben. 3) Auch die Blumenblaͤtter ( bracteae ) tragen zu dieser Absicht etwas bey, indem sie theils viel Regentropfen auffangen, die sonst auf die Blumen fallen wuͤrden, theils aber, wie ich mir wenig- stens vorstelle, auf folgende Art. Die vortheilhafteste Stellung, welche die Blumen haben koͤnnen, ist, wenn die aͤußere Seite Tilia. des Kelchs den herabfallenden Regentropfen grade zugekehrt ist. Diese Stellung haben sie nun wirtlich, wenn es bey einer Wind- stille regnet. Denn da in diesem Fall die Direktion der herabfal- lenden Regentropfen perpendikulaͤr ist, so ist die Axe der herab- hangenden Blumen auch perpendikulaͤr. Wenn aber der Regen mit Wind oder Sturm koͤmmt, so ist die Direktion der herabfal- lenden Regentropfen schief, und desto schiefer, je staͤrker der Wind ist. Aber in eine ungefaͤhr eben so schiefe Stellung bringt alsdenn der Wind die Blumen dadurch, daß er an die Blumen- blaͤtter weht, und dieselben aus ihrer vorigen Stellung bringt. Also ist auch in diesem Fall die aͤußere Seite des Kelchs den herabfallenden Regentropfen grade zugekehrt. Fehlten aber die Blumenblaͤtter, so wuͤrden die Blumen, weil der Wind an den- selben selbst und den bloßen Blumenstielen einen sehr geringen Widerstand faͤnde, fast grade herabhangen bleiben, folglich die aͤußere Seite des Kelchs den herabfallenden Regentropfen nicht mehr grade entgegen gesetzt seyn. 4) Wenn auch die Blume, vom Winde geschuͤttelt, ein nasses Blatt beruͤhren sollte, so kann doch von unten kein Regentropfen in den Safthalter kommen, weil die Kronenblaͤtter und Filamente solches verhindern. Auch sind die Kelchblaͤtter an der Basis haaricht, aber in der Mitte, wo der Saft ist, glatt, Fig. 46. 4. Die ganze Blume ist weißlich, oder ein wenig blaßgelb. Diese Farbe haben auch die Blumenblaͤtter. Diese tragen also auch dazu etwas bey, daß die Blumen den Bienen von weitem besser in die Augen fallen. Ein Saftmaal ist nicht noͤthig, da der Saft nicht tief versteckt ist. Auch locken die Blumen durch ihren uͤberaus angenehmen und sich weit verbreitenden Geruch die Insekten an sich. 5. Im naͤchstvergangenen Jahr habe ich auf der fruͤhen Linde kaͤferartige Insekten von gruͤnlichgelber Farbe uͤberaus haͤufig an- getroffen. Daß sie den Saft genossen, konnte ich sehr deut- lich sehen. Ich glaube aber, daß dieser Saft, da er nicht fuͤr sie, sondern fuͤr die Bienen bestimmt ist, ihnen schaͤdlich ist. Denn ich fand eine große Menge derselben unter den Baͤumen auf der Erde liegen, welche theils todt waren, theils dem Tode nahe zu seyn schienen. Tilia Americana . Tab. XXII. 43. 44. 53. 43. Ein aͤußeres Kronenblatt von innen. 44. Ein inneres Kronenblatt von innen. 53. Der Fruchtknoten. Die Figuren sind nach einem ge- trockneten Exemplar gezeichnet. Die frische Blume zu untersuchen habe ich noch nicht Gele- genheit gehabt. Indessen habe ich aus einigen Blumen meines getrockneten Exemplars, welche ich in Wasser aufgeweicht hatte, Tilia. Delphinium. ersehen, daß die Kelchblaͤtter eben so, als bey den Europaͤischen Arten, in der Mitte eine glatte Stelle haben, welche also die Saftdruͤse und der Safthalter ist. Die inneren Kronenblaͤtter, welche Linn é Schuppen nennt, hangen nicht, wie er nach Kalms Angabe sagt, mit den aͤußeren zusammen; sondern jene bleiben sitzen, wenn man diese abloͤset. So wenig ich nun daran zweifele, daß die Kelchblaͤtter Saft enthalten, so glaube ich den- noch, daß auch zwischen den inneren Kronenblaͤttern, welche Kalm fuͤr ein Nectarium gehalten hat, und dem Fruchtknoten Saft befindlich sey. Denn die Naͤgel jener sind fleischicht, und sitzen in den glatten Vertiefungen, welche der Fruchtknoten an der Basis hat. Sonach wuͤrde die Blume ein doppeltes Necta- rium haben, welches etwas seitenes und merkwuͤrdiges seyn wuͤrde, da ich wenigstens noch in keiner Blume dergleichen angetroffen habe. Delphinium. Delphinium Aiacis. Rittersporn. Tab. XXIV. 1—4. 1. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 2. Dieselbe, von der Seite gesehen. 3. Eine juͤngere Blume, von welcher die vorderste Haͤlfte der Krone weggeschnitten worden. Die Staubgefaͤße befinden sich in drey verschiedenen Zustaͤnden. Drey von denselben a stehen dem Eingange in den Sporn am naͤchsten, und nicht weit vom Saftmaal e. Ihre Antheren bluͤhen, und haben bloß auf der oberen Seite Staub. Drey andere d haben vorher eben diese Stellung gehabt, nachdem aber ihre Antheren verbluͤhet waren, haben sie sich herabgekruͤmmt, damit sie nicht verhindern, daß die bluͤhenden Antheren von den hineinkriechenden Hummeln be- ruͤhrt werden. Eines b faͤngt an, sich auch herabzukruͤmmen. Die uͤbrigen c sind kuͤrzer, und ihre Antheren haben sich noch nicht geoͤffnet. Das Stigma befindet sich zwischen denselben, und koͤmmt nicht zum Vorschein. 4. Eine aͤltere Blume. In dieser haben sich alle Staubge- faͤße b , nachdem ihre Antheren verbluͤhet waren, herabgekruͤmmt. Das Stigma a aber steht nun ganz frey, und nimmt eben die Stelle ein, welche vorher die bluͤhenden Antheren eingenommen hatten. 1*. Das Pistill der juͤngeren Blume von der Seite. 2*. Das Pistill der aͤlteren Blume. 3*. Das noch geschlossene Stigma der juͤngeren Blume von vorne. 4*. Das geoͤffnete Stigma der aͤlteren Blume. Delphinium. Aconitum. 1. 2. Der Sporn enthaͤlt den Saft, welcher von seinem fleischichten Ende abgesondert wird. 3. Ich fand, daß das Ende des Sporns mehrentheils hoͤher stand, als seine Oeffnung, folglich kein Regentropfen zum Saft gelangen konnte, weil er nicht in die Hoͤhe steigen konnte. Hieher ge- hoͤrt auch dies, daß das duͤtenfoͤrmige Kronenblatt sich unterwaͤrts zusammen begiebt, Fig. 1., und dadurch verursacht, daß weniger Regentropfen in den Sporn hineinfallen. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn das duͤtenfoͤrmige Kronenblatt, welches mit dem Sporn Ein Stuͤck ausmacht, pflegt anders gefaͤrbt zu seyn, als die uͤbrigen, und ist mit einigen Figuren von dunkler Farbe geziert. 5. Die Blumen werden von Hummeln nicht nur besucht, sondern auch befruchtet, und zwar, weil sie maͤnnlich-weibliche Dichogamisten sind, also, daß die Hummeln den Staub von den Antheren der juͤngeren Blumen auf das Stigma der aͤiteren schleppen. Eine Hummel, durch die Krone gelockt, fliegt auf die Blume hin. Sowohl die besondere Farbe des duͤtenfoͤrmigen Kronenblatts, als auch das auf demselben befindliche Saftmaal zeigt ihr den Weg zum Safthalter. Sie kriecht also hinein, und steckt ihren Saugeruͤssel in den Sporn und saugt. Hier muß sie nothwendig, wenn es eine juͤngere Blume ist, den Staub der bluͤhenden Antheren mit ihrem Unterleibe abstreifen; sie kann aber denselben nicht an das Stigma anstreichen, weil dasselbe noch nicht vorhanden ist. Nachdem sie den Saft verzehrt hat, verlaͤßt sie diese Blume, und fliegt auf eine aͤltere hin. Hier steht ihr das Stigma eben da im Wege, wo in der juͤngeren Blume die bluͤhenden Antheren, und sie kann nicht zum Saft gelangen, ohne den mitgebrachten Staub auf das Stigma abzusetzen. Auch Bienen besuchen die Blume; doch habe ich nur bemerkt, daß sie Staub sammlen. Aconitum. Aconitum Napellus. Eisenhuͤtlein. Blauer Sturm- hut. Tab. XV. 26. 35*. Tab. XXIV. 12—14. Tab. XV. 26. Eine Saftmaschine. 35*. Der oberste Theil derselben im Durchschnitt. Die (punktirte) Haͤlfte der Saftdruͤse. Tab. XXIV. 12. Eine etwas vergroͤsserte Blume in natuͤr- licher Stellung, welche von einer Hummel besucht wird. 13. Die Befruchtungstheile einer juͤngeren Blume. a die bluͤhenden Antheren. b die noch nicht bluͤhenden. c c die ver- bluͤheten. Die Stigmate kommen noch nicht zum Vorschein. d die Stiele der Saftmaschinen. S 2 Aconitum. Aquilegia. 14. Die Befruchtungstheile einer aͤlteren Blume. Die An- theren sind saͤmtlich verbluͤhet. Die Stigmate haben die Stelle der bluͤhenden Antheren eingenommen. 1. Die Saftdruͤse ist eigentlich der oberste umgebogene, fleischichtere, inwendig gruͤne, auswendig aber schwarzviolette Theil der Duͤte, welche am Stiel der Saftmaschine befindlich ist. Die Duͤte selbst ist violett, auch inwendig; diese Farbe verliert sich aber nicht nach und nach in die gruͤne Farbe der Saftdruͤse, sondern wird durch einen dunklen Rand von derselben abgeschnit- ten. Daß hier schlechterdings kein Regentropfen zum Saft kom- men koͤnne, lehrt der Augenschein. Die Duͤten sind ein einleuch- tendes Beyspiel von der Anziehungskraft, welche die Safthalter der Blumen gegen den Saft aͤußern. Druͤckt man nemlich den oberen Theil einer von denselben zwischen den Fingern, so koͤmmt unterwaͤrts der große Safttropfen zum Vorschein; hoͤrt man aber auf zu druͤcken, so dehnt sich die Duͤte mit elastischer Kraft ploͤtz- lich von einander, und der Safttropfen faͤhrt wieder in die Hoͤhe. Diese Blume wird eben so, wie die vorhergehende, von Hummeln besucht und befruchtet. Denn wenn man die beiden letzten Figuren mit der ersten vergleicht, so sieht man, daß die Hummeln in den juͤngeren Blumen nothwendig den Staub der bluͤhenden Antheren mit ihrem Unterleibe abstreifen, und in den aͤlteren Blumen denselben eben so nothwendig auf die Stigmate bringen muͤssen. Aconitum Lycoctonum. Gelber Sturmhut. Tab. XV. 27—29. 27. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von der Seite gesehen. 28. Dieselbe, von vorne gesehen. 29. Eine Saftmaschine. Die Duͤte ist blaßgelb; die Saftdruͤse ist von eben dieser Farbe, aber fleischicht. Wenn man jene gegen das Licht haͤlt, so sieht man den Saft bis an die punktirte Linie stehen. Druͤckt man dieselbe zwischen den Fingern, so findet auch hier das von der vorhergehenden Art gesagte Statt. Gegen den Regen ist der Saft in beiden Arten vollkommen gesichert. Beider unterste Kronenblaͤtter sind inwendig haaricht. Beide haben kein Saftmaal. Aquilegia. Aquilegia vulgaris. Ackeley. Tab. XV. 30. Eine etwas vergroͤsserte Saftduͤte. Das fleischichte Ende der Saftduͤten sondert den Saft ab. Dieser kann aus denselben nicht herausfließen, da er sich in ihrem Aquilegia. Nigella. obersten umgebogenen Theil befindet, und von demselben zu stark angezogen wird. Daß kein Regen zum Saft kommen koͤnne, lehrt der Augenschein. Ein Saftmaal hat diese Art nicht. Die Blume wird von großen Hummeln besucht. Auch Bie- nen traf ich auf derselben an. Sie sammleten zuerst den Staub von den Antheren; anstatt aber alsdenn in die Saftduͤten hinein- zukriechen, begaben sie sich von außen auf dieselben, bissen in das oberste Ende derselben ein Loch, und holten auf solche Art den Saft heraus. Leske will, wie Medikus S. 158. meldet, das soge- nannte Wandern der Staubgefaͤße zum Pistill auch bey dieser Blume wahrgenommen haben. Er hat sich aber auch hier geirrt. Allerdings legt sich zwar die innerste Reihe der Staubgefaͤße mit ihren bluͤhenden Antheren an die Griffel, und so folgen ihnen nach und nach die aͤußeren Reihen. Solange dies aber geschieht, sind die Griffel noch kuͤrzer, als die Filamente, und liegen dicht an einander. Erst, wann alle Staubgefaͤße verbluͤhet sind, ver- laͤngern sich die Griffel, so daß sie endlich laͤnger werden, als jene, und kruͤmmen sich auseinander, so daß die Stigmate nicht mehr beysammen stehen, sondern einen kleinen Raum einnehmen. Die Blume ist also ein Dichogamist von der maͤnnlich-weiblichen Art. Aquilegia Canadensis. Hier ist zwar das Ende der Saftduͤten nicht umgebogen, sondern nur ein wenig gekruͤmmt; der Saft aber kann dennoch nicht herausfließen, weil der lange duͤnnere Theil ihn zu stark anzieht. Diese schoͤne Blume hat ein Saftmaal. Denn die Krone ist roth, der untere weitere Theil der Saftduͤten aber gelb, besonders inwendig. Nigella. Nigella aruensis. Wilder Schwarzkuͤmmel. Tab. VI. 1—12 16—18. 22. Tab. XXIV. 5. 6. 9. Tab. XXV. 8. Tab. VI. 4. Die vergroͤsserte Blume von oben gesehen. Sie ist fuͤnf Tage alt. 22. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung. Sie ist zwey Tage alt. 1. Eine Saftmaschine in natuͤrlicher Stellung, von der Seite, 2. von unten, 3. von oben gesehen. 9. Dieselbe, mit ihrem Deckel noch versehen, 10. desselben beraubt. 12. Ein Theil einer Saftmaschine ohne den Deckel im Durch- schnitt. a die Haͤlfte der Saftdruͤse. 5. Der oberste Theil eines bluͤhenden Staubgefaͤßes in na- tuͤrlicher Stellung, von der Seite gesehen. 6. Die untere Seite desselben. Der eine Staubbeutel hat sich schon ganz geoͤffnet, der andere hat angefangen sich zu oͤffnen. Nigella. 7. Eben derselbe, von oben gesehen. 8. Die untere flache Seite desselben, nachdem der Staub von einer Biene abgestreift worden ist. 17. Eine Saftmaschine, von oben gesehen, zwischen zwey Filamenten, welche sich bereits gestreckt haben, und welche weiß sind, an der Basis aber einen violetten Fleck haben. 16. Eins von diesen Filamenten, noch staͤrker vergroͤssert. 18. Ein Filament, welches sich noch nicht gestreckt hat, sondern aufrecht steht, von vorne gesehen. Der auf der hinteren Seite befindliche violette Fleck schimmert nur schwach durch. 11. Ein Griffel der Blume Fig. 4., noch staͤrker vergroͤssert. Von a Das b , welches mit diesem a nach eben derselben Stelle hin- weiset, ist ein Fehler. bis b sieht man das Stigma, von b bis c ist dasselbe auf der unteren Seite des Griffels befindlich, von c bis d ist es wieder auf der oberen Seite. Tab. XXIV. 6. Eine Blume, welche zwey Tage alt ist, wird von einer Biene besucht, welche den Staub der bluͤhenden Antheren abstreift. Von 1 hat sie denselben schon abgestreift, von 2 und 3 streift sie ihn jetzt ab, die uͤbrigen aber 4 bis 8 hat sie noch nicht beruͤhrt, welche folglich ihren Staub noch haben. 9. Eben diese Biene besucht, nachdem sie jene verlassen hat, eine Blume, welche sechs oder sieben Tage alt ist, und streift den von jener erhaltenen Staub an die Stigmate derselben. 5. Die verbluͤhete Blume. Tab. XXV. 8. Die reifen Samenkapseln, von oben ge- sehen. Die acht Koͤrper, welche Linn é Nectaria nennt, nenne ich Saftmaschinen. Eine derselben sieht man in Fig. 1. Tab. VI. von der Seite. d c ist der Stiel derselben. c b e ist die Saft- druͤse, der Safthalter und die Saftdecke. Der Theil c b ist wie eine Rinne gestaltet; er ist nemlich hohl, die Seite nach d zu aber ist offen. Auf diese Oeffnung paßt genau ein Deckel, wel- cher oberwaͤrts noch einen schmalen Fortsatz b e hat. In Fig. 3. sieht man die Saftmaschine von oben, und den ganzen Deckel c e. Diesen sieht man noch deutlicher in Fig. 9. In Fig. 10. ist der Deckel weggeschnitten, und man sieht die nun offene Rinne In Fig. 2. sieht man dieselbe von unten, wo bey e das Ende des Fortsatzes des Deckels zu sehen ist. 1. Die Saftdruͤse ist der Grund der Rinne der Saftmaschine, oder das fleischichte Knie c. Sie ist gelb. 2. Der Safthalter ist der rinnenfoͤrmige Theil c b . 3. Die Saftdecke ist der Deckel c e. Derselbe verschließt die Rinne voͤllig, und schuͤtzt den Saft vor dem Regen. Damit Nigella. er sich nicht verschiebe, so hat die Saftmaschine bey b zwey Hoͤcker, welche man in Fig. 3., 9. und 10. sieht, zwischen welchen der Deckel liegt. Ferner ist der Theil a b mit einigen auswaͤrts ge- richteten Borsten versehen, welche verursachen, daß ein Regen- tropfen, welcher auf denselben gefallen ist, sich nicht nach b bege- ben, und dem Safthalter naͤhern kann. Dieser Theil ist ferner auf der oberen Seite etwas konvex, auf der unteren aber konkav, damit ein auf denselben gefallener Regentropfen leichter ablaufen koͤnne. Endlich ist der Deckel elastisch. Stoͤßt man ihn also zu- ruͤck, so faͤllt er, wenn man nachlaͤßt, wieder zu. Wenn eine Biene sich auf die Blume gesetzt hat, so steckt sie ihren Sauge- ruͤssel zwischen den Deckel und die Rinne der ihr naͤchsten Saft- maschine hinein. Nachdem sie den Saft verzehrt hat, zieht sie den Saugeruͤssel wieder heraus, und der Deckel faͤllt wieder zu. Von dieser begiebt sie sich zur naͤchsifolgenden. Und so laͤuft sie im Kreise herum, bis sie alle acht Saftmaschinen ausgeleert hat, da sie denn diese Blume verlaͤßt, und auf eine andere hinfliegt. 4. Die Kronenblaͤtter sind auf der oberen. Seite blaßblau, und machen den Bienen die Blume, als eine Saftblume, be- merkbar. Damit nun diese den Saft leicht finden, und den gan- zen Vorrath desselben verzehren koͤnnen, so hat die Blume ein Saftmaal, welches folgendermaßen eingerichtet ist. Die Saftma- schinen sind auf ihrer oberen Seite Fig. 17. braͤunlich oder blau, haben aber zwey breite weißliche oder gelbgruͤnliche Queerstreifen a c und b d. Der Fortsatz des Deckels Fig. 1. b e und 9. ist weißlich und braun, welche Farben zweymal abwechseln. End- lich haben die Filamente, welche weiß sind, auf ihrer inneren oder den Pistillen zugekehrten Seite nicht weit von ihrem unteren Ende einen violetten Fleck; auf der aͤußeren Seite aber schimmert dieser Fleck nur schwach durch. In Fig. 22. sieht man, daß ei- nige Filamente sich horizontal gestreckt haben, andere aber noch aufrecht stehen. Fig. 16. stellt den untersten Theil eines horizon- tal gestreckten Filaments, von oben gesehen, vor, wo also der violette Fleck zu sehen ist; Fig. 18. aber den untersten Theil eines aufrechtstehenden, von vorne gesehen, wo der violette Fleck nur ganz schwach durchschimmert. Was nun dieses alles zusammen- genommen fuͤr einen Effekt mache, sieht man in Fig. 4, wenn man, was in derselben nicht deutlich vorgestellt werden konnte, noch vermittelst Fig. 17. und Fig. 1. e b in Gedanken ergaͤnzt. Man erblickt nemlich in der Mitte der Blume zehn koncentrische Ringe, welche abwechselnd weißlich und von dunkler Farbe sind. Diese Ringe dienen bloß dazu, daß die Biene durch dieselben, als durch einen Wegweiser, ringsherum gefuͤhrt werde, und folg- lich alle Saftmaschinen ausleere. S 3 Nigella. 5. Die Blume hat acht Reihen von Staubgesaͤßen, welche zwischen den Saftmaschinen befindlich sind. Jede Reihe enthaͤlt ihrer sechs, welche dicht hinter einander stehen. Wann die Blume aufgebrochen ist, und ihre Krone aus einander gebreitet hat, so stehen alle Staubgefaͤße aufrecht, und sind ganz gerade, und die Antheren haben sich noch nicht geoͤffnet, wie in Fig. 4. in jeder Reihe eines, in Fig. 22. aber in jeder Reihe viere. Am ersten Tage kruͤmmt sich hierauf das vorderste jeder Reihe, so daß der unterste Theil desselben seine aufrechte Stellung behaͤlt, der oberste aber eine horizontale bekoͤmmt. Seine Anthere bekoͤmmt auf der unteren Seite der Laͤnge nach zwey Ritzen, aus welchen der Staub hervorquillt, und die untere Seite ganz bedeckt. Am folgenden Tage hat sich dasselbe horizontal gestreckt, und das zweyte jeder Reihe thut nun eben das, was das erste am vorhergehenden Tage that. Fig. 22. stellt eine Blume vor, welche zwey Tage alt ist. Man sieht sechs horizontal gestreckte Staubgefaͤße (die beiden hin- tersten werden von der Blume verdeckt) und sieben gekruͤmmte (das hinterste wird von der Blume verdeckt). Am dritten Tage ist das zweyte Staubgefaͤß jeder Reihe auch gestreckt, und das dritte gekruͤmmt mit staubvoller Anthere. In Fig. 4. sieht man eine Blume, welche fuͤnf Tage alt ist. Die vier vordersten Staubgefaͤße jeder Reihe sind horizontal gestreckt, das fuͤnfte ist gekruͤmmt, das sechste steht noch aufrecht. Am siebenten Tage findet man alle acht und vierzig Staubgefaͤße gestreckt. Die fuͤnf Griffel stehen anfangs aufrecht, und sind gerade. Das Stigma hat das Ansehen einer Nath, welche auf der inne- ren Seite derselben sich befindet, und sich von der Basis derselben bis an ihr Ende erstreckt. Am folgenden Tage haben sich diesel- ben theils ein wenig gekruͤmmt, theils ein wenig schneckenfoͤrmig gedrehet, Fig. 22. Sie fahren fort sich zu kruͤmmen und zu dre- hen, so daß sie, wann die Staubgefaͤße beynahe verbluͤhet sind, ungefaͤhr horizontal stehen, und der groͤßte Theil ihres Stigma auf der unteren Seite befindlich ist, Fig. 4. Fig. 11. stellt einen Griffel der Blume Fig. 4., von oben gesehen, vor. Man sieht hier den Theil des Stigma a b und c d , aber den groͤsseren mit- telsten Theil desselben b c sieht man nicht, weil er sich auf der unteren Seite des Griffels befindet. Nachdem die Staubgefaͤße sich saͤmtlich gestreckt haben, so kruͤmmen und drehen sich die Grif- fel immer mehr, wie Tab. XXIV. Fig. 9. zeigt. Diese Gestalt behalten sie ungefaͤhr drey oder vier Tage. Hierauf strecken sie sich wieder grade in die Hoͤhe, und die Blume verliert alsdenn die Kronenblaͤtter, die Staubgefaͤße und die Saftmaschinen, und hat die in Tab. XXIV. Fig. 5. abgebildete Gestalt. Als ich im Sommer 1789 Bienen auf der Blume antraf, so bemerkte ich, daß sie mit dem Ruͤcken immer an die bluͤhenden Nigella. oder staubvollen Antheren stießen. Ich bemerkte dies mit einem kleinen Mißfallen. Warum, dachte ich, muͤssen denn diese Thier- chen, indem sie ihrer Nahrung nachgehen, immer die Antheren im Wege finden, und warum koͤnnen sie nicht vielmehr ungehin- dert unter denselben herumlaufen? Weil ich aber uͤberzeugt war, daß man auch den geringsten Umstand, den man in einer Blume antrifft, nicht fuͤr unwichtig halten muͤsse, am wenigsten aber, wenn sich derselbe auf die Insekten bezieht, welche die Blume be- suchen: so dachte ich uͤber diesen bemerkten Umstand nach, und ich warf bey mir die Frage auf, ob derselbe nicht vielleicht eine Veranstaltung der Natur seyn, und sich auf die Befruchtung der Blume beziehen moͤchte. Ein anderer Umstand, daß nemlich die Antheren den Staub auf der unteren, also der von den Stig- maten abgewendeten Seite haben, brachte mich bald auf die rechte Spur. Denn der Antherenstaub kann nicht auf die Stig- mate fallen, da dieselben hoͤher stehen, und wenu er vom Winde auf dieselben gebracht werden sollte, so wuͤrde es zweckmaͤßiger seyn, daß derselbe sich auf der oberen Seite der Antheren befaͤnde. Sollten also wohl, dachte ich, die Bienen bloß deswegen an die Antheren stoßen muͤssen, damit sie den Staub von denselben ab- streifen, und dieser dadurch auf die Stigmate gebracht werde? Aber wie wird er auf die Stigmate gebracht, da dieselben doch ein wenig hoͤher stehen, als die Antheren, folglich von dem be- staͤubten Ruͤcken der Bienen nicht beruͤhrt werden? Ich nahm also einen wollenen Lappen, rieb mit demselben die untere Seite der Antheren, und sahe, weil meine Erwartung sehr gespannt war, mit Erstaunen, daß einige Staubtheilchen sich mit der groͤß- ten Schnelligkeit von allen Seiten, besonders aber in die Hoͤhe, verbreiteten. Sie glichen hierin voͤllig den Feuerfunken, welche man mit einem Stahl aus einem Feuerstein schlaͤgt. Wenn, dachte ich also, eine Biene diesen Staub abstreift, so faͤhrt ein Theil desselben auf das Stigma, und bleibt auf demselben sitzen. So schloß ich im Sommer 1789. Im folgenden Sommer aber fand ich, daß ich mich dennoch zum Theil geirrt hatte, und daß zwar die Bienen die Blume befruchten, aber auf eine ganz andere Art, als ich mir vorgestellt hatte. Nachdem ich nemlich die dichogamische Befruchtungsart des Epilobium angustifolium entdeckt hatte, nachdem ich hierauf gefunden hatte, daß eben die- selbe bey dem Delphinium Aiacis und dem Aconitum Napellus Statt findet: so vermuthete ich, daß, weil Nigella mit den bei- den letzteren zu Einer Klasse gehoͤrt, auch sie auf die nemliche Art befruchtet werde. Der Augenschein uͤberzeugte mich sogleich, daß ich mich hierin nicht irrte. Denn ich fand, daß die Blume, nachdem die Staubgefaͤße sich saͤmtlich gestreckt hatten, noch nicht verbluͤhet war, sondern noch drey oder vier Tage zu bluͤhen fort- Nigella. fuhr, daß waͤhrend dieser Zeit die Griffel am meisten gekruͤmmt und gedrehet waren, und daher die Bienen alsdenn eben so nothwendig die Stigmate beruͤhrten, als sie vorher die Antheren beruͤhrt hatten, Tab. XXIV. 6. 9., und daß nach Verfließung dieser Zeit die Griffel sich wieder grade in die Hoͤhe streckten, und die Kronenblaͤtter, die Staubgefaͤße und die Saftmaschinen ab- fielen, zum offenbaren Beweise, daß nun erst die Natur ihre Absicht, nemlich die Befruchtung der Fruchtknoten, erreicht hatte. Hieraus folgt also mit der groͤßten Gewißheit, daß die Bienen nicht die juͤngern Blumen, deren Antheren noch bluͤhen, sondern die aͤlteren, deren Antheren keinen Staub mehr haben, befruch- ten, und zwar so, daß sie den Staub, welchen sie mit ihrem haarichten Ruͤcken von den bluͤhenden Antheren der ersteren ab- gestreift haben, auf die Stigmate der letzteren unmittelbar an- streichen. Nachdem wir nun die eigentliche Befruchtungsart dieser Blume kennen gelernt haben, so sind wir im Stande, verschie- dene die Einrichtung derselben betreffende Fragen auf eine befrie- digende Art zu beantworten, welche wir, wenn wir glaubten, daß eine mechanische Befruchtungsart hier Statt finde, ewig wuͤrden unbeantwortet lassen muͤssen. Vorher muß jedoch noch etwas, was die Frucht betrifft, be- merkt werden. Die Samenkoͤrner sollen nicht aus den Samenkapseln her- ausfallen, sondern vom Winde herausgeworfen, und weit ver- streuet werden. Daher stehen die Kapseln 1) aufrecht, und oͤff- nen sich 2) bloß auf der inneren Seite, Tab. XXV. 8. verglichen mit Tab. XIV. 5. Weil nun die Kapseln aufrecht stehen, so muß auch die Blume aufrecht stehen. Warum hat also die Blume eine Krone? Antw. Weil sie von den Bienen befruchtet werden soll, und zu dem Ende Saft enthalten, und diesen Insekten, als eine Saftblume, von weitem in die Augen fallen muß. — Warum sind die Kronenblaͤtter auf der oberen Seite gefaͤrbt, auf der unteren aber gruͤner und unan sehnlicher? A. Weil die Blume aufrecht steht, und den Bie- nen nicht die untere, sondern bloß die obere Seite ihrer Krone in die Augen faͤllt. Denn die Pflanze ist sehr niedrig, und die Bie- nen fliegen nicht unterhalb, sondern oberhalb der Blumen um- her. — Warum sind die kleinen Buͤchschen, welche den Saft enthalten, mit einem elastischen Deckel versehen? A. Erstens, damit der Saft nicht vom Regen verdorben werde. Zweytens, damit Fliegen und andere unedlere Insekten nicht den Saft fin- den und verzehren, und dadurch verursachen, daß die Bienen die Blumen unbesucht, und folglich unbefruchtet stehen lassen. — Warum hat die Blume acht Saftmaschinen und eben so viel Nigella. Reihen von Staubgefaͤßen, da sie nur fuͤnf Kronenblaͤtter und eben so viel Pistille hat? Warum hat die Natur hier die Zahlen 5 und 8, welche kein schoͤnes Verhaͤltniß gegen einander haben, mit einander vereinigt, und dadurch verursacht, daß die Blume nicht voͤllig regulaͤr ist? A. Je mehr Reihen von Staubgefaͤßen vorhanden sind, desto mehr Staubgefaͤße sind taͤglich im Stande, den Bienen Staub zu liefern, um damit die aͤlteren Blumen zu befruchten, desto leichter erfolgt also die Befruchtung der letzteren. So viel Reihen von Staubgefaͤßen aber vorhanden sind, eben so viel Saftmaschinen muͤssen auch vorhanden seyn, weil jene mit diesen abwechseln, und wann sich eines derselben horizontal strecken will, es sich zwischen die beiden naͤchsten Saftmaschinen hindurch begeben muß. Daß aber nicht zehn Reihen von Staubgefaͤßen und eben so viel Saftmaschinen da sind, bey welcher Anzahl die Blume voͤllig regulaͤr seyn wuͤrde, koͤmmt wahrscheinlich daher, daß die Natur nicht mehr als achte zur Erreichung ihrer Absicht noͤthig fand. Den Bienen, welche von Zahlen und derselben Verhaͤltnissen nichts wissen, ist es einerley, ob acht oder zehn Saftmaschinen vorhanden sind, wenn sie nur ihre reichliche Nah- rung in denselben finden. — Warum hat die Blume in der Mitte verschiedene koncentrische Ringe von verschiedener Farbe? A. Damit die Bienen, durch dieselben im Kreise herumgefuͤhrt, alle Saftbehaͤltnisse ausleeren, und, indem sie dies wissentlich thun, zugleich, ohne es zu wissen, in den juͤngeren Blumen den Staub al- ler bluͤhenden Antheren abstreifen, und in den aͤlteren alle Stig- mate mit Staube versehen. — Warum haben die horizontal ge- streckten Filamente auf der oberen, nicht aber auf der unteren Seite an der Basis einen violetten Fleck? A. Dieser Fleck ist ein Theil des Saftmaals; er mußte folglich auf der oberen Seite, welche die Bienen sehen, nicht aber auf der unteren, welche sie nicht sehen, angebracht werden. Solange die Filamente aufrecht stehen, wuͤrde dieser Fleck, wenn er auf der vorderen Seite der- selben sich besaͤnde, von den Bienen nicht sonderlich bemerkt wer- den. Denn das Saftmaal soll, wie die ganze Blume, denselben von oben, und nicht von der Seite in die Augen fallen. — Warum kruͤmmen sich die Staubgefaͤße, welche bluͤhen, so, daß thre Antheren grade uͤber den Saftmaschinen stehen, und warum sondern die Antheren den Staub auf der unteren, nicht aber auf der oberen Seite ab? A. Beides geschieht, damit die Bienen, indem sie um die Saftmaschinen herumlaufen, den Staub mit dem Ruͤcken abstreifen. — Warum strecken sich die noch nicht bluͤhenden Staubgefaͤße grade in die Hoͤhe, die schon verbluͤheten aber grade horizontal? A. Weil sie sonst verursachen wuͤrden, daß die Bienen den Staub der bluͤhenden Antheren nicht rein ab- streifen koͤnnten. — Warum drehen sich die Griffel und kruͤm- Nigella. men sich herab, so daß die Stigmate, nachdem die Antheren saͤmtlich verbluͤhet sind, die Stelle derselben einnehmen? A. Beides geschieht, damit die Stigmate eben so nothwendig von den Bienen beruͤhrt werden, als vorher die Antheren von ihnen beruͤhrt wurden. — Warum hat die Blume eine so große An- zahl von Staubgefaͤßen, nemlich acht und vierzig? A. Damit sie den Bienen sechs Tage lang Staub zur Befruchtung liefern koͤnne. — Warum dauert aber die Bluͤhezeit der Antheren sechs Tage, und hernach die Bluͤhezeit der Stigmate drey oder vier Tage? A. Sobald die Blume angefangen hat zu bluͤhen, fin- det sich nicht sogleich eine Biene auf derselben ein; sondern ein bloßer Zufall fuͤhrt sie fruͤher oder spaͤter auf dieselbe. Ferner fliegen die Bienen an solchen Tagen, da es anhaltend regnet, nicht aus; die Staubgefaͤße aber fahren unterdessen fort zu bluͤ- hen, und zu verbluͤhen. Bluͤheten also die Staubgefaͤße nur z. B. Einen Tag lang, so wuͤrden viel juͤngere Blumen von den Bienen nicht besucht werden, und folglich denselben keinen Staub zur Befruchtung der aͤlteren Blumen liefern. Eben so, wenn die Griffel nach dem Verbluͤhen der Staubgefaͤße nur Einen Tag lang gekruͤmmt blieben, so wuͤrden viel aͤltere Blumen von den Bienen nicht besucht werden, folglich unbefruchtet bleiben. — Warum sind die Antheren auf ihrer unteren Seite Fig. 8. ganz flach, welches sie auf der oberen Fig. 7. nicht sind? A. Damit die Bienen den auf der unteren Seite befindlichen Staub rein ab- streifen koͤnnen. — Warum bluͤhen die Antheren und die Stig- mate nicht zu gleicher Zeit, d. i., warum sind die Griffel, wann die Antheren Staub haben, nicht am meisten gekruͤmmt, sondern fangen alsdenn nur erst an sich zu kruͤmmen, und erhalten ihre staͤrkste Kruͤmmung erst nach dem Verbluͤhen aller Antheren? A. Weil im ersten Fall die Griffel verhindern wuͤrden, daß die Bienen den Staub der Antheren rein abstreifen, und die Staub- gefaͤße, daß sie die Stigmate ganz mit Staub versehen koͤnnten; da sie im Gegentheil nach der von der Natur gemachten Einrich- tung durch nichts gehindert werden, in den juͤngeren Blumen den Staub der bluͤhenden Antheren rein abzustreifen, und die Stig- mate der aͤlteren mit demselben zu versehen. — Warum koͤnnen die Bienen nicht ungehindert den Saft verzehren, sondern stoßen sich dabey immer an die Staubgefaͤße und die Griffel, welches ihnen eine kleine Unannehmlichkeit verursachen muß? A. Wenn dieses nicht geschaͤhe, so wuͤrden die Blumen nicht befruchtet wer- den. Es ist nicht unbillig, daß sie fuͤr den Genuß, welchen ih- nen dieselben verschaffen, diese kleine Ungemaͤchlichkeit ertragen, welche schlechterdings nothwendig ist, und sie kommen hier weit besser weg, als bey anderen Blumen andere Insekten, z. B. Fliegen, welche ihre Luͤsternheit mit dem Verlust eines Nigella. Beins, oder ihrer Freyheit, oder gar ihres Lebens buͤßen muͤssen. — Warum bluͤhet die Pflanze hauptsaͤchlich alsdenn, wann das Getreide abgemaͤhet worden ist, und nicht fruͤ- her? A. Wenn sie fruͤher bluͤhete, so wuͤrden die Blumen, da die Pflanze niedrig ist, vom Getreide verdeckt, und folglich von den Bienen weniger bemerkt, besucht und befruchtet werden; zwischen den Stoppeln hingegen fallen sie den Bienen schon von weitem in die Augen. — Warum ist endlich die Blume grade so groß, als sie ist, nicht groͤsser, nicht kleiner? A. Weil die Natur wollte, daß sie bloß von den Bienen befruchtet werden sollte, folglich gleichsam das Maaß zu derselben von dem Koͤrper der Bienen nehmen mußte. Waͤre die Blume im Durchmesser noch einmal so groß, so stuͤnden auch die Antheren und die Stig- mate noch einmal so hoch, und die Bienen wuͤrden unter densel- ben herumlaufen, ohne sie zu beruͤhren. Waͤre sie aber halb so groß, so stuͤnden auch die Antheren und die Stigmate halb so hoch, und die Bienen wuͤrden sie nicht auf eine zweckmaͤßige Art beruͤhren. In beiden Faͤllen wuͤrde also die Befruchtung unmoͤg- lich, oder hoͤchst mißlich seyn. Grade so groß mußte die Blume seyn, daß die Bienen zwar beynahe, aber nicht ganz ungehindert unter den Antheren und den Stigmaten herumlaufen koͤnnten. Daß die Natur diese Blume bloß fuͤr die Bienen bestimmt habe, und sie bloß von ihnen befruchten lasse, ist hoͤchst wahr- scheinlich. Ich habe mich oftmals auf den Acker, auf welchem die Pflanze waͤchst, bey schoͤnem Wetter hinbegeben, und mich jedesmal ziemlich lange daselbst aufgehalten, aber niemals andere Insekten auf den Blumen angetroffen, als Bienen. Daß ihnen der Saft derselben sehr angenehm seyn muͤsse, schließe ich daraus, daß sie das Delphinium Consolida, welches auf demselben Acker haͤufig stand, nicht besuchten, sondern sich bloß zur Nigella hiel- ten. Nun aber ist jene Blume den Bienen auch sehr nuͤtzlich, wie Gleditsch S. 205. versichert. Fuͤr Schmetterlinge ist die Blume wohl schwerlich bestimmt, da dieselben sich vornehmlich zu solchen Blumen halten, welche eine lange und enge Roͤhre ha- ben, bey welchen ihnen ihr langer und duͤnner Saugeruͤssel wohl zu Statten koͤmmt. Dahin gehoͤren die Syngenesisten, die Nel- kenblumen ꝛc. Eben so wenig kann sie fuͤr Fliegen bestimmt seyn. Denn diese sind zu dumm, als daß sie den so kuͤnstlich versteckten Saft sollten ausfindig machen koͤnnen. Sie naͤhren sich bloß von solchen Blumen, deren Saft ganz frey liegt, und welchen zu finden nur Augen noͤthig sind, aber nicht das Genie einer Biene erfordert wird. Zwar fand ich auf einer Blume eine Fliege; sie beleckte aber bloß die Saftmaschinen, in der Hoffnung, daß sie Saft auf denselben antreffen wuͤrde, es fiel ihr aber nicht ein- mal ein, den Saugeruͤssel in den Safthalter hineinzustecken. Auch Nigella. Anemone. Auch nicht fuͤr Blasenfuͤße oder andere sehr kleine Insekten. Denn diese wuͤrden den Saft verzehren, ohne die Antheren und die Stigmate zu beruͤhren, ohne daß folglich die Blume von ihrem Besuch Nutzen haͤtte. Endlich nicht fuͤr Nachtin- sekten, da die Blume ein Saftmaal hat, welches von densel- ben schwerlich bemerkt werden kann. Daß die Griffel sich herabkruͤmmen, hat schon Linn é be- merkt, Philos. bot. Ed. II. p. 91. §. 145. Er hat aber ge- glaubt, daß dieses deswegen geschehe, damit die Stigmate die Antheren unmittelbar beruͤhren, daß folglich die Befruchtung auf eine mechanische Art vor sich gehe. In der Dissertation: Sponsalia plantarum, sagt er, oder Wahlboom : Retorquen- tur styli, vt circumpositos pistillis maritos attingant. Dies findet bey dieser Art nicht Statt, sondern die Griffel bleiben von den bluͤhenden Antheren immer in einiger Entfernung. Erst nachdem alle Staubgefaͤße verbluͤhet sind, und sich hori- zontal gestreckt haben, kruͤmmen sich die Griffel so weit herab, daß sie die Antheren, wenn noch einige bluͤheten, wuͤrden beruͤh- ren koͤnnen. Man vergleiche Tab. VI. 22. 4. und Tab. XXIV 9. mit einander. In der Varietaͤt der Nigella Damascena aber, welche keine Saftmaschinen, sondern an derselben Stelle Kronenblaͤtter hat, geschieht vermuthlich die Befruchtung so, wie Linn é es sich vorgestellt hat. Ich habe aber bemerkt, daß die Samenkapseln nur wenig Samenkoͤrner haben, und schreibe dieses eben dieser mechanischen Befruchtungsart zu, in- dem es oftmals geschehen muß, daß ein Stigma gar nicht, oder nicht gehoͤrig mit Staube versehen wird. Wer beide Va- rietaͤten beysammen hat, und mit einander vergleichen kann, wird vermuthlich, wenn er dieselben gehoͤrig beobachtet, etwas bemerken, woraus erhellt, daß die zuerst genannte mehr zur Bestaͤtigung, als zur Widerlegung meiner Vorstellung von der Befruchtung dienet. Anemone. Anemone pratensis. Schwarze Kuͤchenschelle. Tab. XV. 30*. 31—33. 32. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 33. Dieselbe, von unten gesehen. 31. Dieselbe in umgekehrter Stellung, nachdem die Kro- nenblaͤtter umgeschlagen worden. Im Grunde derselben die kleinen gestielten Saftdruͤsen, und auf den Kronenblaͤttern die kleinen Safttroͤpfchen. 30*. Eine Saftdruͤse auf ihrem Stiel, stark vergroͤssert. Linn é meldet vom Nectario nichts. Auch glaube ich, daß noch Niemand vor mir die Saftdruͤsen dieser Blume gefunden hat. Anemone. Anemone Pulsatilla ist dieser Art zu aͤhnlich, als daß sie nicht eben solche Saftdruͤsen haben sollte, als diese. Nun hat Pol- lich die Staubgefaͤße derselben gezaͤhlt, und doch die Saftdruͤ- sen nicht gefunden. Er hat also die Saftdruͤsen fuͤr Staubge- faͤße gehalten. Ich selbst habe die Blume oftmals untersucht, ohne die Saftdruͤsen zu finden. Endlich aber gluͤckte es mir, sie zu entdecken, und die Erblickung derselben setzte mich in nicht geringe Verwunderung. 1. Die Saftdruͤsen sind nemlich uͤberaus kleine gelbliche Koͤrper, welche auf weißen Stielchen sitzen, und sich im Grunde der Blume zwischen den Staubgefaͤßen und den Kronenblaͤt- tern befinden. Daß es schwer haͤlt dieselben zu finden, koͤmmt theils daher, daß sie sehr klein sind, theils aber und vornehm- lich daher, daß, wenn man sie auch sieht, man sie doch nicht fuͤr Saftdruͤsen, sondern fuͤr Staubgefaͤße haͤlt. Die Fila- mente sind, je naͤher sie den Kronenblaͤttern sind, desto kuͤrzer, und ihre Antheren desto kleiner. Die aͤußersten Filamente sind also nicht viel laͤnger, als die Stiele der Saftdruͤsen, und ihre Antheren nicht viel groͤsser, als die Saftdruͤsen. Die Anthe- ren sind gelb, wie die Saftdruͤsen, und die Filamente weiß, wie die Stiele derselben. Die Taͤuschung ist also sehr na- tuͤrlich. 2. Die Safttroͤpfchen befinden sich zwischen den Saftdruͤ- sen und den dicht an denselben anliegenden Kronenblaͤttern. Schlaͤgt man die letzteren um, so sieht man auf denselben die kleinen Troͤpfchen, welche zuweilen zusammengeflossen sind. 3. Daß mit diesen Safttroͤpfchen ein Regentropfen sich vermische, ist schlechterdings unmoͤglich. Denn die glockenfoͤr- mige Blume haͤngt grade herab, und ihr innerer Raum wird von den maͤnnlichen und weiblichen Befruchtungstheilen ganz ausgefuͤllt. 4. Die Blume faͤllt den Insekten von oben und von den Seiten nicht sonderlich in die Augen, staͤrker aber, wann sie sich derselben genaͤhert haben, von unten. Denn die Kronen- blaͤtter sind zwar auswendig purpurfarben, aber, so wie die ganze Pflanze, mit weichen aschgrauen Haaren uͤberzogen, durch welche jene Farbe kaum durchschimmert. Auf der inne- ren Seite sind sie auch purpurfarben, aber kahl; und weil sie ihr Ende auswaͤrts kruͤmmen, so sieht man von unten einen Theil dieser inneren Seite und zugleich die gelben Antheren, welche gegen die Purpurfarbe stark abstechen, und vielleicht die Stelle des Saftmaals vertreten. Auch Gleditsch hat die kleinen Saftdruͤsen und den Saft nicht gesehen; denn er sagt S. 141. bloß, daß die Bienen sehr viel Wachs aus der Blume holen. Daran zweifle ich nicht, T Anemone. da dieselbe eine große Menge von Antheren hat. Wenn er aber hinzusetzt, daß die Bienen sehr begierig nach dieser Blume sind, so ist dies um so viel mehr glaublich, da sie nicht nur Wachs, sondern auch Honig in derselben finden. Anemone Hepatica. Leberkraut. Tab. XXV. 24—27. 25. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse zur Nachtzeit und bey schlechtem Wetter am Tage, von der Seite gesehen. 24. Dieselbe, nachdem sie des Morgens bey schoͤnem Wet- ter angefangen hat sich zu oͤffnen, von vorne gesehen. 27. Dieselbe, nachdem sie sich voͤllig geoͤffnet hat, in na- tuͤrlicher Stellung. 26. Dieselbe, von oben gesehen. Diese Blume hat keinen Saft. Solche besondere gestielte Saftdruͤsen, als die vorhergehende hat, fehlen ihr; und daß die Fruchtknoten nicht zugleich die Saftdruͤsen seyn koͤn- nen, folgt daraus, daß dieselben mit Haaren uͤberzogen sind. Da sie aber eine ansehnliche Krone hat, deren Endzweck sich nicht anders erklaͤren laͤßt, als in Ruͤcksicht auf die Insekten: so glaube ich, daß sie von Insekten, und zwar von Bienen, befruchtet werde. In dieser Meinung bestaͤrkt mich Folgendes. Erstens ist die Blume nur des Tages bey schoͤner Witterung in die Hoͤhe gerichtet, und breitet alsdenn ihre Krone von ein- ander; des Nachts hingegen und bey schlechter Witterung am Tage hat sie eine horizontale Stellung, und eine geschlossene Krone, ausgenommen, wann sie schon ziemlich alt ist, und nicht mehr das Vermoͤgen hat, sich zu schließen und horizontal zu stellen. Daß sie nun bey schiechtem Wetter in dem gemel- deten Zustande sich befindet, ließe sich noch wohl erklaͤren, wenn man auch die mechanische Befruchtungsart annaͤhme; es wuͤrde nemlich dadurch der Staub der Antheren vor der Naͤsse ver- wahrt. Daß sie aber des Nachts auch bey der schoͤnsten Wit- terung sich in diesem Zustande befindet, laͤßt sich keinesweges erklaͤren, wenn man jene Befruchtungsart annimmt. Denn warum sollte sie nicht eben so wohl des Nachts, als bey Tage, vom Winde befruchtet werden koͤnnen? In Blumen, welche vom Winde befruchtet werden, findet man nicht die geringste Spur, daß sie sich des Abends schließen. Zum Beweise die- nen die auf eben dieser Kupfertafel abgebildeten Bluͤthen des Haselstrauchs, Fig. 12. und der Espe, Fig. 15. 18. Beides aber laͤßt sich sehr leicht erklaͤren, wenn man annimmt, daß die Bienen die Blume befruchten. Denn dieselben fliegen nur bey Tage, und zwar nur, wenn es schoͤnes Wetter ist, aus. Zwey- tens habe ich die Blumen zu einer Zeit, da der Wind wehete, Anemone. genau beobachtet, aber nicht gefunden, daß derselbe Staub auf die Stigmate gebracht hatte. Die Ursache hievon ist leicht einzusehen. Denn drittens haͤngt der Staub ziemlich zusam- men, und laͤßt sich nicht so leicht wegblasen, als z. B. bey den so eben angefuͤhrten beiden Arten saftleerer Blumen, welche vom Winde befruchtet werden. Viertens habe ich, um zu sehen, ob die Erfahrung diese Meinung bestaͤtigen wuͤrde, die- ses muthmaßliche Befruchtungsgeschaͤfte der Bienen nachge- macht, indem ich in verschiedenen Blumen, welche ich bezeich- nete, den Staub mit einem Pinsel auf die Stigmate auftrug. Nach einigen Tagen bemerkte ich, daß die Stigmate der be- zeichneten schwarz und wie vertrocknet aussahen, da hingegen die Stigmate der uͤbrigen Blumen so weiß blieben, als sie gleich anfangs gewesen waren. Hieraus schloß ich, daß die Fruchtknoten der ersteren durch diese Operation seyen befruchtet worden. Nach einigen Wochen fand ich auch, daß die bezeich- neten Blumen mehr gute Samenkoͤrner angesetzt hatten, als die uͤbrigen. An einem schoͤnen warmen Tage fand ich auf einer Blume ein kleines Insekt, welches sehr kurze und gestutzte Fluͤgeldecken hatte, unter welchen es die weit groͤsseren Fluͤgel sehr kuͤnstlich zu verbergen wußte Ist vermuthlich ein Staphilinus gewesen. . Dasselbe kroch auf den Staubgefaͤßen und Pistillen umher, und war ganz voller Staub; ich bemerkte aber nicht, daß es vom Staube genoß. Weil es also die Blume mehr zufaͤlligerweise, als aus Beduͤrfniß besucht zu ha- ben scheint, so glaube ich nicht, daß es zur Befruchtung der- selben bestimmt sey, ob es gleich zufaͤlligerweise auf manches Stigma Staub gebracht haben mag. Anemone nemorosa. Waldhaͤhnchen. Tab. XXV. 1*. Die beynahe voͤllig erwachsene Frucht. Nur zwey Pistille sind befruchtet worden, und haben sich daher in Samenkoͤrner verwandelt; die uͤbrigen sind unbefruchtet geblieben. Diese Art ist der vorhergehenden darin aͤhnlich, daß sie keinen Saft hat, sich nur am Tage bey schoͤnem Wetter auf- recht stellt und oͤffnet, des Nachts hingegen und bey schlechtem Wetter am Tage eine horizontale Stellung hat und geschlos- sen ist. Daß diese Blume von Insekten befruchtet wird, folgt aus eben dem Grunde, aus welchem ich schließe, daß Ranunculus von Insekten befruchtet wird, nemlich weil nicht alle, sondern nur die wenigsten Pistille befruchtet werden. Ranunculus. Ranunculus. Die schon vom Linn é bemerkten Saftdruͤsen, welche zu- gleich die Safthalter sind, sitzen am Nagel der Kronenblaͤtter, und sind in einigen Arten kleine mit einem Rande umgebene Hoͤhlchen, in andern kleine Schuͤppchen, welche mit dem Na gel ein kleines Taͤschchen bilden. Ranunculus bulbosus. Knollichter Hahnenfuß. Tab. V. 14. 16. 17. Tab. XV. 35. Tab. V. 14. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 16. Dieselbe, von oben gesehen. 17. Der unterste Theil eines Kronenblatts. Auf seinem Nagel das Saftschuͤppchen, welches bis an die punktirte Linie mit demselben zusammengewachsen ist. Ueber demselben das Saftmaal. Tab. XV. 35. Ein auf ein Kronenblatt gefallener Re- gentropfen findet, indem er herabfließt, zwey Antheren im Wege, welche ihn anziehen und aufhalten, so daß er den im Winkel zwischen den Filamenten und dem Kronenblatt befindli- chen Safttropfen nicht erreichen kann. 3. Am 5. Oktober 1788, da es am vorhergehenden Tage und in der vergangenen Nacht fast unaufhoͤrlich geregnet hatte, untersuchte ich verschiedene Blumen dieser Art, welche ich auf dem Felde fand. Auf dem oberen Theil der inneren Seite der Kronenblaͤtter fand ich Regentropfen. Sie hatten aber eine fast kugelfoͤrmige Gestalt, zum Beweise, daß sie von den Kro- nenblaͤttern nur schwach angezogen wurden, weil sie sonst eine weit flachere Gestalt wuͤrden gehabt haben. Schuͤttelte ich nun die Blumen, so fielen sie sogleich heraus, und die Kronenblaͤt- ter waren wieder trocken. Andere Regentropfen fand ich zwi- schen den Kronenblaͤttern und einigen Antheren haftend; keinen einzigen aber fand ich zwischen den Filamenten und den Kro- nenblaͤttern haftend, viel weniger mit dem Safttroͤpfchen zu- sammengeflossen. Daß dies nicht etwas zufaͤlliges, sondern eine weise Veranstaltung der Natur sey, welche die Safttroͤpfchen vor dem Regen geschuͤtzt wissen will, daran zweifelte ich keinen Augenblick. Obgleich die Kronenblaͤtter spiegelglatt sind, so daß sie glaͤnzen, und man hieraus schließen sollte, daß sie die Re- gentropfen stark anziehen, so wie die Safthalter aller Saft- blumen zu dem Ende glatt sind, damit sie den Saft anziehen: so kann man sich doch leicht vom Gegentheil uͤberzeugen. Man benetze einen Pinselstock oder dergleichen mit Wasser, so daß am unteren Ende desselben ein Tropfen hangen bleibt. Mit diesem Tropfen beruͤhre man die innere Seite eines Kronen- Ranunculus. blatts, und bewege den Stock also hin und her, daß sein Ende das Kronenblatt beynahe beruͤhrt: so wird man finden, daß der Tropfen immer am Stock hangen bleibt, keinesweges aber sich an das Kronenblatt anhaͤngt, als wenn dieses mit Oel uͤberstrichen waͤre. Fallen also gleich, wann es regnet, Regen- gentropfen in die Krone, so werden dieselben doch bald vom Winde, welcher gewoͤhnlich einen Regen begleitet, und die Blumen schuͤttelt, wieder herausgeworfen. Wozu so viel Staubgefaͤße? Sollten nicht weit wenigere im Stande seyn, so viel Staub zu bereiten, als zur Befruchtung der Frucht- knoten erforderlich ist? Allerdings. Die Natur suchte aber durch dieselben noch eine andere sehr wichtige Absicht zu er- reichen, nemlich die Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen. Es mußten also ihrer so viele seyn, daß sie den ganzen Zwi- schenraum zwischen den Pistillen und den Kronenblaͤttern meist ausfuͤllten. Wann also ein Regentropfen auf einem Kronen- blatt herabfließt, so kann er zwischen dasselbe und die naͤchsten Antheren nicht hindurchfließen, sondern wird von den letzteren angezogen. Hier bleibt er nun stehen, und ist nicht im Stan- de, den Safttropfen, von dem er nicht mehr weit entfernt ist, zu erreichen. Denn die Filamente sind weit duͤnner, als die Antheren, haben folglich weniger Anziehungskraft, und die Antheren werden nicht etwa nach uud nach dicker, sondern sind unten so dicke, als oben; so daß aus beiden Ursachen der Re- gentropfen nicht die Antheren verlassen, und sich an die Fila- mente anhaͤngen kann. 4. Die gelbe glaͤnzende Krone wird von den Insekten schon von weitem bemerkt, und hat ein Saftmaal. Dieses ist der matte Fleck uͤber der Saftdruͤse. Einen solchen Fleck ha- ben alle Arten mit gelber Krone; hingegen die Arten mit weißer Krone haben einen gelben Fleck, z. B. Ranunculus heterophyllus , Tab. XV. 34. Im R. rutaefolius (Jacqu. Collect. Vol. l.) ist das Saftmaal pomeranzenfarben, da die Krone weiß und ein wenig roͤthlich ist. R. glacialis (Ebendas.) hat eine weiße, zuweilen rosenfarbene Krone, und gelbe Saftschuppen. Beym R. parnassifolius , dessen Krone weiß ist, meldet der Herr Verfasser nichts von einem solchen Fleck. 5. Die Blume wird von den Bienen haͤufig besucht. Sie kriechen in derselben um die Staubgefaͤße ringsherum. Ob sie den Saft genießen, weiß ich nicht; daß sie aber den Staub sammlen, ist gewiß, denn ich fand denselben an ihren Hinter- beinen in Gestalt gelber Kuͤgelchen. Ranunculus auricomus . Tab. XXV. 23. 28—30. 32. 33. 35. 36. T 2 Ranunculus. 30. Eine alte Blume, von oben gesehen, deren Kelch- und Kronenblaͤtter abgerissen worden. 35. Eine Anthere von der unteren oder aͤußeren Seite. Der eine Balg hat sich geoͤffnet, der andere noch nicht. 36. Dieselbe von der oberen oder inneren Seite. 23. Die ziemlich erwachsene, aber noch nicht reife Frucht. 28. 29. Zwey reife Samenkoͤrner des Ranunculus falca- tus, das erste fruchtbar, das andere taub. 32. 33. Zwey dergleichen Samenkoͤrner des Ranunculus acris. Medikus sagt in der oft angefuͤhrten Abhandlung S. 121., er habe bey verschiedenen Arten des Ranunculus gesehen, daß die Staubgefaͤße sich den Pistillen naͤhern, und denselben ihren Staub zufuͤhren; woraus folgen wuͤrde, daß hier die mechanische Befruchtungsart Statt findet. Wenn er zu diesen Arten auch die gegenwaͤrtige rechnet, so hat er sich sehr geirrt. Denn 1) wann die Blume sich geoͤffnet hat, so haben alle Staubgefaͤße die Stellung, welche das bey a Fig. 30. allein noch hat, und ihre Antheren sind noch geschlossen. Wann hier- auf die Antheren sich oͤffnen, so entfernen sich die Staubgefaͤße von den Pistillen, und naͤhern sich den Kronenblaͤttern, wel- ches in der abgebildeten Blume die mehresten schon gethan haben, und die uͤbrigen noch thun. Also geschieht hier grade das Ge- gentheil von demjenigen, was Medikus will bemerkt haben. 2) Die Antheren haben nicht auf der den Pistillen, sondern auf der den Kronenblaͤttern zugekehrten Seite den Staub. Besieht man die Blume von oben, so sieht man, daß ihre obere Seite staubleer ist, daß aber an beiden Raͤndern der auf der unteren Seite befindliche Staub etwas hervorragt, Fig. 35. 36. Gesetzt also, die Staubgefaͤße naͤherten sich wirklich, wann ihre Anthe- ren zu bluͤhen anfangen, den Pistillen, so wuͤrden diese dadurch nicht befruchtet werden, weil jene nicht die staubvolle, sondern die staubleere Seite ihrer Antheren auf die Stigmate legen wuͤr- den. 3) Wenn es die Absicht der Natur waͤre, daß die Staub- gefaͤße unmittelbar die Pistille befruchten sollten, so muͤßte sie es auch so veranstaltet haben, daß alle Pistille einen solchen Zuspruch von den Staubgefaͤßen erhielten. Denn es laͤßt sich kein Grund gedenken, warum fuͤr das eine Pistill nicht eben so sehr, als fuͤr das andere, gesorgt seyn sollte. Geschaͤhe aber dieses, so muͤßte auch ein jedes Pistill befruchtet werden. Hievon lehrt aber die Erfahrung das Gegentheil. In der 23. Fig. sieht man verschie- dene Pistille, welche, weil sie befruchtet worden sind, an Groͤsse zugenommen haben, verschiedene aber, welche aus Mangel der Befruchtung klein geblieben sind. Und wer eine Samensamm- lung besitzt, wird unter dem Samen der Arten des Ranunculus Ranuneulus. Helleborus. viele taube Samenkoͤrner finden. Dies habe ich durch die abge- bildeten beiderley Samenkoͤrner zwey anderer Arten erlaͤutern wollen. So wie nun alle diese drey Umstaͤnde wider die mechanische Befruchtungsart sind, eben so beweisen sie, daß die Befruchtung durch Insekten geschieht. Denn wenn kleine Insekten, z. B. Blasenfuͤße oder Ameisen, den Safttroͤpfchen nachgehen, so krie- chen sie auf einem Kronenblatt hinab bis zum Nagel desselben, wo ein Safttroͤpfchen sitzt. Hier muͤssen sie nun die Antheren beruͤhren, und den auf der unteren und ihrem Koͤrper zugekehr- ten Seite derselben sitzenden Staub abstreifen. Dergleichen In- sekten halten sich aber nicht bloß beym Saft auf, sondern kriechen auf eine unbestimmte Art auf allen Theilen der Blume umher. Es ist also nothwendig, daß ein solches Insekt, nachdem es sich mit Staube beladen hat, auch auf dieses oder jenes Pistill ge- rathe, desselben Stigma beruͤhre und bestaͤube, und dadurch je- nes befruchte. Es laͤßt sich aber nicht erwarten, daß es alle Pistille auf diese Art befruchten werde. Daraus folgt, daß zwar eine jede Blume, weil es nicht leicht geschehen kann, daß sie waͤhrend ihrer ganzen Bluͤhezeit nicht von einem oder dem an- dern von diesen Insekten besucht werden sollte, verschiedene gute Samenkoͤrner ansetzen, eine jede aber auch unbefruchtete Pistille haben muß. In einer Blume traf ich von beiden genannten Arten ein Individuum an. Den Blasenfuß konnte ich nicht lange beobach- ten, denn er flog davon. An der Ameise aber sahe ich sehr deut- lich, daß ihr Koͤrper, besonders die Fuͤhlhoͤrner vom Staube ganz gelb waren. So bestaͤubt kroch sie auf allen Theilen, besonders auch auf den Pistillen, umher da sie denn nothwendig ein und das andere Stigma mit Staub versehen haben muß. Helleborus. Helleborus niger. Schwarze Niesewurz. Tab. XV. 36. 37. Tab. XXV. 11. 19—22. Tab. XV. 36. Eine Saftmaschine von innen, 37. dieselbe von der Seite. Die Linie a b bezeichnet die Stelle, bis zu wel- cher der Saft steigt. Tab. XXV. 11. Die vergroͤsserte Blume, nachdem man sie aufrecht gestellt, und den groͤßten Theil der Krone weggeschnit- ten hat, von oben gesehen. 21. Dieselbe, doch einige Tage aͤlter, von der Seite ge- sehen. 19. Das stark vergroͤsserte Stigma von der Seite, 20. von innen, 22. von außen. Helleborus. Die Saftmaschinen sind die Saftdruͤsen und zugleich die Safthalter. Sie sitzen auf einem kurzen Stiel, damit sie nicht von den Staubgesaͤßen zu sehr verdeckt werden, und sind gelb- gruͤn, damit sie gegen die weiße Farbe der Krone etwas abstechen. Beides dient dazu, daß die Insekten dieselben desto leichter fin- den. Gegen den Regen ist der Saft dadurch gesichert, daß die Blume der Erde zugekehrt ist, und eine etwas konkave Krone hat, und daß die Saftmaschinen in dem Winkel zwischen den Staubge- faͤßen und den Kronenblaͤttern stehen. Wann die Blume zu bluͤhen anfaͤngt, so stehen die Staub- gefaͤße dicht um die Fruchtknoten herum, und die Antheren sind noch geschlossen. Darauf faͤngt die aͤußerste Reihe derselben an, sich von den uͤbrigen zu entfernen, zu verlaͤngern, und dicht an die Saftmaschinen anzulegen, und indem dies geschieht, oͤffnen sich ihre Antheren. Will also ein groͤsseres Insekt in die Saft- maschinen hineinkriechen, oder seinen Saugeruͤssel hineinstecken, so muß es nothwendig den Staub von den Antheren abstreifen. Hierauf legt sich die folgende Reihe der Staubgefaͤße an die Saft- maschinen an, und oͤffnet die Antheren, und eben dies thun nach und nach die uͤbrigen. Damit nun aber die vordersten schon ver- bluͤheten Antheren den hinter ihnen befindlichen bluͤhenden nicht im Wege stehen, und verhindern, daß die Insekten diese beruͤh- ren, so ragen diese uͤber jene hinweg, weil die Filamente, deren Antheren verbluͤhet sind, sich wieder verkuͤrzen. So sieht man in Fig. 21., daß die bluͤhende Anthere b hoͤher steht, als die in der Mitte befindlichen noch nicht bluͤhenden, und als die schon verbluͤhete a. Wegen dieser Einrichtung ist es sehr wahrscheinlich, daß die Befruchtung durch Insekten geschieht. Kehrt man die 21. Figur um, so sieht man die Blume un- gefaͤhr in ihrer natuͤrlichen Stellung. Da also die Stigmate niedriger stehen, als die Antheren, so koͤnnte man glauben, daß der Staub der letzteren auf die ersteren leicht fallen koͤnne, ent- weder von selbst, oder wenigstens, indem ein Insekt die An- theren beruͤhrt. Allein dies ist gar nicht wahrscheinlich, weil die Stigmate theils sehr klein, thells nicht den Antheren zu- gekehrt, sondern groͤßtentheils von denselben abgewendet sind, folglich es sich selten fuͤgen wuͤrde, daß Staub auf dieselben fiele. Nehmen wir aber an, daß ein großes Insekt mit seinem bestaͤub- ten Koͤrper die Stigmate beruͤhrt, so wird dasselbe durch ihre Kleinheit im geringsten nicht verhindert, sie mit Staube zu ver- sehen. Welches Insekt die Blume befruchte, und auf welche Art es den Staub auf die Stigmate bringe, weiß ich nicht. Ich habe noch niemals ein groͤsseres Insekt auf derselben angetroffen, aber eben so wenig habe ich auch jemals eine mit guten und reifen Helleborus. Caltha. Samenkoͤrnern versehene Samenkapsel gefunden. Das Letztere halte ich fuͤr eine natuͤrliche Folge des Ersteren. Die Blume faͤngt im Herbst an zu bluͤhen, und bluͤhet den Winter hindurch bis zum Anfang des Fruͤhjahrs. So fand ich sie z. B. im Jahr 1788 am 6. Maͤrz noch bluͤheud, und am 20. September schon wieder bluͤhend. Ihre Bestimmung scheint zu seyn, daß, wenn waͤhrend der kalten Jahreszeit schoͤne und gelinde Tage einfallen, an welchen die Insekten sich aus ihren Winterwohnungen begeben, sie denselben einige Nahrung ver- schaffe. Vielleicht ist sie fuͤr die Bienen bestimmt, welche unge- duldig auf dergleichen Tage zu warten scheinen, und an denselben zum Vorschein kommen, wann schon seit langer Zeit in ihren Wohnungen und um dieselben eine todte Stille geherrscht hat. Helleborus viridis. Gruͤne Niesewurz. Tab. XV. 39. 40. Eine Saftmaschine von der Seite und von innen. Bis an die punktirte Linie ist dieselbe mit Saft angefuͤllt. Durch die Farbe unterscheiden sich die Saftmaschinen nicht von der Krone, sondern sie sind gruͤn, wie diese. Der Saft ist vor dem Regen sehr wohl verwahrt, weil die Oeffnung der wei- ten Saftmaschinen sehr eng, und die Blume der Erde zugekehrt ist. Bienen habe ich haͤufig auf derselben angetroffen, es schien aber, daß sie bloß Staub sammleten. Auch auf dieser Art habe ich noch niemals reife mit guten Samenkoͤrnern angefuͤllte Sa- menkapseln angetroffen. Caltha. Caltha palustris. Kuhblume. Tab. XV. 38. 41. 41. Die etwas vergroͤsserte junge Blume, von oben ge- sehen. 38. Die Pistille, in deren Winkeln unterwaͤrts die Saft- troͤpfchen sitzen. Nachdem ich diese Blume lange fuͤr saftleer gehalten hatte, so verursachte es mir ein nicht geringes Vergnuͤgen, als ich den Saft endlich entdeckte. 1. Jeder Fruchtknoten hat nicht weit uͤber seiner Basis auf beiden Seiten einen weißlichen Fleck, welcher eine Saftdruͤse ist. 2. Der Saft sitzt in dem Winkel jeder zwey naͤchsten Frucht- knoten auf den Saftdruͤsen. Weil die Antheren dicker sind, als die Filamente, so ist zwischen den Fruchtknoten und den naͤchsten Filamenten ein kleiner Zwischenraum vorhanden, in welchem so- wohl die Safttroͤpfchen, als auch kleine Insekten Platz genug haben. 3. Die Safttroͤpfchen sind vor dem Regen wohl verwahrt. Denn die Antheren, welche hoͤher stehen, als dieselben, fuͤllen den ganzen Raum zwischen den Fruchtknoten und den Kronen- T 3 Caltha. Aiuga. blaͤttern aus. Dies ist die Ursache, warum auch hier, wie beym Ranunculus, so viel Staubgefaͤße vorhanden sind, da zur Be- fruchtung wenigere erforderlich sind. 5. Die Blume wird von den kleinen schwarzen Blumenkaͤfern haͤufig besucht. Einen derselben sahe ich um die Fruchtknoten herumkriechen, und die Safttroͤpfchen ablecken. Bienen aber habe ich auf derselben nicht angetroffen. Caltha. Aiuga. Teucrium. Satureia. Daß Gleditsch in dieser Blume keinen Saft gefunden hat, welches daraus erhellt, daß er S. 140. bloß sagt, daß die Bienen Stoff zu Wachs aus derselben holen, wundert mich nicht, weil hier keine besondere Theile vorhanden sind, welche den Saft absondern und enthalten. Kruͤnitz aber sagt S. 663., daß die Blumen den Bienen auch Honig geben, zeigt aber nicht die Stelle an, wo sich derselbe befindet. Vierzehnte Klasse. Didynamia. Zwitterblumen mit vier Staubgefaͤßen, von welchen zwey laͤnger sind, als die beiden anderen . Aiuga. A iuga pyramidalis. Bergguͤnsel. Tab. XVI. 3. 4. 3. Ein Theil der Blume im Durchschnitt. a die unter den Fruchtknoten befindliche Saftdruͤse. a b der Safthalter. b die Saftdecke. 4. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 1. Die Saftdruͤse, welche Linn é uͤbersehen, Pollich aber wohl bemerkt hat, sitzt im Grunde des Kelchs zwischen den beiden untersten Fruchtknoten und der Kronenroͤhre. Sie ist blaßgelb, da die Fruchtknoten blaßgruͤn sind. 2. Der Safthalter ist der unterste weitere Theil der Kronen- roͤhre, welcher mit Saft ganz angefuͤllt ist. 3. Die Saftdecke ist der Ring von Haaren, mit welchem die Kronenroͤhre unmittelbar uͤber dem Safthalter versehen ist. 4. Das Saftmaal sind die weißen Streifen und dunkleren Linien auf der dunkelblauen Unterlippe der Krone. Diese Gattung ist nicht die bequemste, wenn man sich einen Begriff von der in dieser Klasse enthaltenen Blumen machen will; sie ist vielmehr als eine Ausnahme von der Regel anzusehen, da sie keine Oberlippe hat. Weil nun diese hauptsaͤchlich zum Schutz vor dem Regen dient, so wie die Unterlippe zum Ansehen und zum Saftmaal, wie auch dazu, daß groͤssere Insekten sich auf dieselbe setzen koͤnnen, um ihren Saugeruͤssel in den Safthalter hineinzustecken: so laͤßt sich mit Wahrscheinlichkeit eine Ursache angeben, warum hier die Oberlippe fehlt. Die Blumenwirbel sind nemlich nicht, wie gewoͤhnlich, von einander entfernt, son- dern stehen nahe uͤber einander. Die Blumen eines jeden Wir- bels werden folglich von den Blaͤttern und den Unterlippen der Blumen des unmittelbar uͤber demselben stehenden Wirbels hin- laͤnglich vor dem Regen geschuͤtzt. Haͤtten sie aber eine Oberlippe, so wuͤrde dieselbe von jenen Blaͤttern und Unterlippen nahe an die Unterlippe herabgedruͤckt werden, folglich wuͤrde die von der Oberlippe verdeckte Unterlippe den Insekten weniger in die Augen fallen, und die groͤsseren Insekten wuͤrden sich nicht bequem auf dieselbe setzen koͤnnen. Teucrium. Teucrium fruticans . Tab. XVI. 5. Die Krone im Durchschnitt. 1. Mit der Saftdruͤse hat es eben die Bewandtniß, als bey der vorhergehenden Gattung. Sie ist glatt und gelb, da die Fruchtknoten mit Borsten uͤberzogen und gruͤn sind. 2. Der Safthalter ist die auf der unteren Seite hoͤckerichte Basis der Kronenroͤhre. 3. Unmittelbar uͤber dem Safthalter ist die Kronenroͤhre en- ger und mit Haaren besetzt. Auch der untere Theil der Filamente ist haaricht. 4. Die blaßblaue Unterlippe und die blaßgruͤngelbliche Ober- lippe sind mit dunklen Adern geziert. Satureia. Satureia hortensis. Pfefferkraut. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknotenhalter, welcher pome- ranzenfarben ist, da die Fruchtknoten weiß, oder ein wenig gelb- lich sind. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre ist mit welcher Wolle besetzt. Hyssopus. Nepeta. Lauandula. Glecoma. Satureia montana. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre ist ein wenig wollicht. 4. Die Krone ist blaßroͤthlich; die Unterlippe aber ist vor der zur Saftdecke dienenden Wolle mit dunkeirothen Punkten ge- ziert, welche das Saftmaal sind. Hyssopus. Hyssopus officinalis. Ysop. Tab. XVI. 6. Der Fruchtknotenhalter nebst den Fruchtknoten. 1. Die Saftdruͤse ist der viermal halbgetheilte Fruchtkno- tenhalter. 3. Daß die untersten Filamente sich von den obersten ab- waͤrts beugen, scheint deswegen zu geschehen, damit sie die Oeff- nung der Kronenroͤhre vor dem Regen schuͤtzen. Gleditsch hat schon Saft in der Blume gefunden, S. 227., so wie in der Lauandula Spica, ebendaselbst. Nepeta. Nepeta Cataria. Katzenmuͤnze. Tab. XVI. 7. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 3. Zwischen der Unterlippe und der Oeffnung der Kronen- roͤhre ist eine Reihe von Haaren a a angebracht. 4. Die weiße Krone ist auf der Unterlippe und an der Oeff- nung der Kronenroͤhre mit rothen Punkten geziert. Lauandula. Lauandula Spica. Lavendel. Spike. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknotenhalter. 2. Der Saft ist im untersten Theil der Kronenroͤhre be- findlich. 3. In der Kronenroͤhre sind hinter den Antheren weiche Haare befindlich. 4. Die blaßblaue Krone hat kein Saftmaal, wenn man nicht die in der Kronenroͤhre sitzenden pomeranzenfarbenen An- theren, welche man von außen sehr wohl sehen kann, fuͤr dasselbe halten will. Glecoma. Glecoma hederacea. Gundermann. Titelk. VI. Die juͤngere Blume. V. Die aͤltere Blume. 1. Die Saftdruͤsen sind entweder die weißen Fruchtknoten selbst, oder der gruͤne Koͤrper, auf weichem sie stehen. 2. Der Safthalter ist der unterste engere und inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre. Glecoma. Lamium. 3. Damit kein Regentropfen den Saft verderbe, so hat 1) die Blume eine fast horizontale Stellung, und die Oberlippe der Krone schuͤtzt also die Oeffnung des vordersten weiteren Theils der Kronenroͤhre vor dem Regen. 2) Dieser weitere Theil der Kronenroͤhre ist auf der unteren Seite mit Haaren versehen, welche an der Oeffnung desselben in groͤsserer Anzahl vorhanden sind. 4. Die violette Krone hat auf dem Mittelstuͤck der Unterlippe unmittelbar vor der Oeffnung der Roͤhre zwey purpurfarbene Flecke, und der weitere Theil der Roͤhre ist auf der unteren Seite purpurfarben und in der Mitte mit drey weißen Streifen geziert. Sieht also ein Insekt in die Blume hinein, so erblickt es im Grunde derselben purpurfarbene und weiße Streifen, welche ihm den Weg zum Saft zeigen. 5. Daß die Blume von Insekten befruchtet wird, erhellt aus ihrer dichogamischen Einrichtung, welche sehr leicht zu er- kennen ist. Denn wann in der juͤngeren Blume die Antheren bluͤhen, so steht der Griffel hinter denselben, und die beiden Lap- pen des Stigma liegen dicht an einander. Wann aber die An- theren in der aͤlteren Blume verwelkt und abgefallen sind, so biegt sich der Griffel vorwaͤrts, und die Lappen des Stigma begeben sich von einander. Lamium. Lamium album. Weiße taube Nessel. Tab. XVI. 8—10. 18—20. 8. Die vergroͤsserte Krone nebst den Befruchtungstheilen in natuͤrlicher Stellung, von der Seite gesehen. 9. Dieselbe, von vorne gesehen. 10. Der im Grunde des Kelchs sitzende (punktirte) Frucht- knotenhalter, welcher die Saftdruͤse ist. Die Fruchtknoten ha- ben ihr voͤlliges Wachsthum nach der Befruchtung schon erreicht. 18. Der unterste Theil der Kronenroͤhre im Durchschnitt. a c der Safthalter. b c die Saftdecke. 19. Ein beynahe reifes Samenkorn von außen, 20. von innen. 1. Die Saftdruͤse ist der blaßgelbe dreymal halbgetheilte Fruchtknotenhalter. Der unterste Theil der Fruchtknoten ist zwar fleischicht und weiß, sondert aber dennoch den Saft nicht ab. 2. Der Safthalter ist der unterste inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre. Er umschließt die Saftdruͤse ziemlich fest. 3. Unmittelbar uͤber dem Safthalter ist die Kronenroͤhre ein- gezogen, und zwar auf der unteren Seite am staͤrksten, knorp- licht, und auf der unteren auch am staͤrksten, und mit Haaren besetzt. Wenn also ein Regentropfen in die Kronenroͤhre hinein- Lamium. geflossen ist, so muß er vor dieser haarichten Scheidewand ste- hen bleiben. Ferner woͤlbet sich die Oberlippe, deren Rand mit Haaren besetzt ist, zwar in einiger Entfernung von der Oeff- nung der Kronenroͤhre, doch grade uͤber dieselbe, haͤlt also die mehresten Regentropfen, welche auf die Blume fallen, ab, in dieselbe hineinzufallen. Zugleich erhaͤlt dieselbe die Antheren trocken. Endlich ist auch die Kronenroͤhre oberhalb der Saft- decke mit Wolle uͤberzogen, Fig. 18. 4. Die Krone ist weiß; die Unterlippe aber ist ganz schwach blaßgelb und mit olivenfarbenen Duͤpfelchen geziert, welche an der Oeffnung der Kronenroͤhre am groͤßten sind, Fig. 9. Die Blumenkelche, welche zuletzt die Samenbehaͤltnisse sind, sitzen in Wirbeln oder Quirlen am Stengel. Es sind ihrer so viele als moͤglich, nemlich zwoͤlf bis sechszehn in jedem Wir- bel, damit so viel Samenkoͤrner als moͤglich erzeuget werden. Sie sind an den aufrechten Stengel nicht vermittelst besonderer Stiele, sondern unmittelbar befestigt, und haben eine aufrechte Stellung, beides, damit die Samenkoͤrner nicht von selbst, oder bey einer geringen Bewegung der Luft herausfallen, son- dern durch einen starken Wind herausgeworfen und weit ver- streuet werden. Die in dem Kelch sitzende Roͤhre der Krone steht also auch aufrecht. Sie hat eine ansehnliche Laͤnge, weil ihr unterster Theil zum Safthalter bestimmt ist, und sie un- mittelbar oder nahe uͤber demselben sich nicht oͤffnen darf, wenn der Saft gegen den Regen gehoͤrig gesichert seyn soll. Auf die- ser Roͤhre konnte nun nicht ein regulaͤrer und dem Himmel zu- gekehrter Saum angebracht werden. Denn erstens, da die Roͤhre ihrer ganzen Laͤnge nach dem Stengel sehr nahe ist, so haͤtte der Saum auf der inneren oder dem Stengel zugekehrten Seite keinen Raum gehabt sich auszubreiten. Zweytens waͤren die Blumen alsdenn von oben am staͤrksten in die Augen ge- fallen. Der ganze Stengel sollte aber mit seinen Blumen nicht von oben, sondern von allen Seiten am staͤrksten in die Au- gen fallen, weil er im ersten Fall in der moͤglich groͤßten Ver- kuͤrzung erscheint, die Blumen folglich einander verdecken, da im Gegentheil, von irgend einer Seite gesehen, ihrer so viele als moͤglich zugleich bemerkt werden. Der Saum mußte also eine horizontale Stellung haben. Nun war es zweckmaͤßig, daß erstens derselbe nicht von einer Seite zur anderen eine eben so große Ausdehnung erhielt, als von oben nach unten zu, weil die Blumen dicht neben einander, aber in einer ziemli- chen Entfernung uͤber einander stehen, folglich zwar von oben nach unten zu, nicht aber von einer Seite zur anderen sich ausbreiten koͤnnen, ohne einander zu verdecken. Zweytens, daß derselbe von oben nach unten zu in zwey Theile getheilt Lamium. wuͤrde, welche einander sehr unaͤhnlich sind. Der oberste Theil, da er uͤber der Oeffnung der Kronenroͤhre steht, mußte haupt- saͤchlich dazu bestimmt werden, diese Oeffnung vor dem Regen zu schuͤtzen. Er mußte also die Gestalt eines Gewoͤlbes bekom- men. Die aͤußere Oberflaͤche dieses Gewoͤlbes ist dem Regen ausgesetzt, und wird von demselben benetzt, ohne daß hieraus der geringste Nachtheil entstehen kann. Die innere Oberflaͤche aber bleibt bestaͤndig trocken. Unter derselben mußte also den Antheren und dem Stigma ihre Stelle angewiesen werden, damit auch sie trocken blieben. Der unterste Theil aber war hauptsaͤchlich dazu bestimmt, der Blume mehr Ansehen zu verschaffen; er mußte daher von nicht kleinem Umfange seyn. Ferner mußte auf demselben das Saftmaal angebracht werden, und sich bis an die Oeffnung der Kronenroͤhre er- strecken, damit ein Insekt, welches, durch die Krone angelockt, sich zur Blume hinbegeben, und auf diesen Theil gesetzt hat, von demselben in die Roͤhre, welche den Saft enthaͤlt, hinein- gefuͤhrt wuͤrde. Dieses laͤßt sich auf die mehresten Blumen, welche in der ersten Ordnung dieser Klasse ( Gymnospermia ) vorkommen, anwenden. 5. In der Blume habe ich Ameisen gefunden. Auch von Hummeln wird sie besucht, und wahrscheinlich auch befruchtet. Lamium purpureum. Rothe taube Nessel. Tab. XVI. 8*. 11. 21. Tab. XXIII. 8*. 8**. 13*. Tab. XVI. 11. Die vergroͤsserte Blume ohne den Kelch, von der Seite gesehen. 21. Dieselbe, von vorne gesehen. 8*. Gestalt der Geschlechtstheile nach dem verschiedenen Al- ter der Blume. a , wann die Blume aufgebrochen ist. Die An- theren sind alsdenn voller Staub; das Stigma aber steht zwi- schen denselben, und die beiden Theile desselben liegen noch an einander, wie b zeigt. d und c , wann die Blume aͤlter gewor- den ist. Tab. XXIII. 8*. Der Kopf einer Hummel, welche die Blume besucht, von vorne. 8**. Derselbe. Durch die Punkte wird der zinnoberfarbene Fleck angedeutet, welcher aus dem von den Antheren abgestreif- ten Staube besteht. 13*. Derselbe von der Seite. Diese Art hat mit der vorhergehenden eine gleiche Einrich- tung. Die Saftdruͤse ist weiß. Das Saftmaal sind die dun- kelpurpurfarbenen Flecke auf der Unterlippe der blaßpurpurfarbe- nen Krone, welche sich bis an die Oeffnung der Kronenroͤhre er- strecken. Auch ist diese Oeffnung mit einigen dunkelpurpurfar- benen Lamium. benen Linien geziert, welche in die Roͤhre hineinlaufen. Die Oberlippe hingegen hat keine solche Flecke oder Linien, weil dieses ohne Nutzen seyn wuͤrde. Jedoch ist sie auf der aͤußeren Seite von gesaͤttigterer Farbe, als auf der inneren, damit sie, weil sie zwischen den Blaͤttern hervorragt, den uͤber der Pflanze umher- fliegenden Insekten desto besser in die Augen falle. Auch diese Blume ist ein Dichogamist, und zwar von der maͤnnlich, weiblichen Art. Denn anfangs, wann die Antheren voller Staub sind, hat der Griffel mit den Filamenten eine gleiche Stellung, und das Stigma liegt zwischen, oder ein wenig hinter den Antheren, und hat sich noch nicht von einander gegeben. Nach einiger Zeit aber kruͤmmet sich der Griffel vorwaͤrts, so daß man, wenn man die Blume von der Seite besieht, das Stigma sehen kann, Fig. 11., und das Stigma bieget seine beide Theile von einander. Als ich im April des naͤchstvergangenen Jahres in der Mit- tagsstunde in einen vor der Stadt gelegenen Garten gegangen war, in der Absicht, Bienen auf dem Maͤrzveilchen ( Viola odo- rata ) zu beobachten: so schlug mir diese Absicht fehl; denn es ließ sich keine Biene weder hoͤren noch sehen, weil es kuͤhles Wetter war, auch zu regnen anfing. Indessen hoͤrete ich eine Hummel summen, und ich traf dieselbe auf dem Lamium purpureum, welches auf dem noch nicht umgegrabenen Lande in großem Ue- berfluß stand, in voller Arbeit an. Sie hatte die Groͤsse einer Biene. Ich schlich mich an dieselbe hinan, und sahe, indem sie von einer Blume auf eine andere flog, daß sie vorne am Kopf zwischen den Augen einen zinnoberrothen Fleck hatte. Da nun der Antherenstaub eben so gefaͤrbt ist, so sahe ich leicht ein, daß dieser Fleck weiter nichts als Staub war, welchen sie, indem sie auf den Blumen saß, und ihren Saugeruͤssel in den Safthalter hineinsteckte, mit den zwischen ihren Augen befindlichen Haaren abgestreift hatte. Sie konnte nemlich nicht anders zum Saft ge- langen, als in eben derjenigen Stellung, in welcher ich eine groͤssere Hummel auf der Stachys syluatica angetroffen habe, Tab. XXIII. 9. In dieser Stellung mußte sie nun nothwendig mit jenem Theil ihres Vorderkopfs die Antheren der juͤngeren Blumen beruͤhren, und ihren Staub abstreifen. Aber eben so nothwendig mußte sie mit diesem bestaͤubten Theil das Stigma der aͤlteren Blumen be- ruͤhren, und dasselbe mit Staube versehen. Hievon uͤberzeugte mich auch bald der Augenschein. Denn an einigen aͤlteren Blumen bemerkte ich, daß die Spitzen des weißen Stigma mit zinnober- rothem Staube versehen waren; in anderen fand ich dieses nicht. Jene waren von der Hummel besucht worden, diese nicht. Diese Erfahrung beweiset also unumstoͤßlich, daß und wie diese Blume von dieser Hummel befruchtet wird. Lamium. Diese Beobachtung war mir zu wichtig, als daß ich nicht haͤtte wuͤnschen sollen, dieser Hummel habhaft zu werden, um ihren Kopf abzuzeichnen. Es gluͤckte mir, sie zu fangen. Als ich sie mit einer Stecknadel durchspießte, fieng sie auf einmal auf eine ganz andere Art zu summen an, als vorher. Dies Summen hatte wirklich eine Aehnlichkeit mit dem Geschrey, welches ein Mensch erhebt, dem Gewalt und Unrecht geschieht. Von dem Staube fand ich noch genug auf dem Vorderkopf, obgleich ein Theil desselben von dem Schnupftuch, mit welchem ich sie fieng, war abgewischt worden. Wer muß nicht den kuͤnstlichen Bau sowohl dieser Blume, als auch dieser Hummel bewundern? Wer sieht nicht ein, daß der Schoͤpfer jene fuͤr diese, und diese fuͤr jene bestimmt, und eine jede von beiden so gebildet hat, als es das Beduͤrfniß der an- deren erforderte? Auch die Bienen besuchen die Blume sehr haͤufig, und be- kommen alsdenn auch einen zinnoberrothen Fleck vor der Stirne. Sie sammlen aber nicht bloß Saft, sondern auch Staub, wel- chen ich an ihren Hinterbeinen bemerkte, und wegen seiner Farbe leicht erkennen konnte. Da diese Blume ein Saftmaal hat, so ist sie eine Tages- blume, und bricht des Morgens auf. Dies beweise ich durch fol- genden Versuch. Ich brach in der Mittagsstunde zwanzig Sten- gel ab, und stellte dieselben, nachdem ich alle bluͤhende Kronen abgerissen hatte, Nachmittags um 1 Uhr ins Wasser. Abends um halb 11 Uhr besahe ich dieselben, und fand keine einzige neue Blume. Am folgenden Morgen um 5 Uhr fand ich 14 junge Blumen, um halb 7 Uhr 19, um 8 Uhr 26, um 9 Uhr 27, um 11 Uhr 27, um 12 Uhr 27, Nachmittags um 3 Uhr 27, um 6 Uhr 28, Abends um halb 9 Uhr 28. Nun riß ich die Kronen saͤmtlich ab. Am folgenden Morgen um 5 Uhr fand ich 52 neue Blumen, um halb 7 Uhr 66, um 8 Uhr 85, um 9 Uhr 88, um 11 Uhr 88, Nachmittags um 2 Uhr 88, um halb 5 Uhr 88, Abends um halb 10 Uhr 89. Ich riß die Kronen dieser Blumen ab, und fand am folgenden Morgen um 5 Uhr 103 Blumen, um 8 Uhr 124, um 11 Uhr 127, Nachmittags um 1 Uhr 127, um halb 4 Uhr 127. Ich habe diesen Versuch um so viel lieber mit dieser Blume angestellt, da dieselbe allenthalben leicht zu haben ist, damit ein Jeder, der sich durch seine eigene Erfahrung uͤberzeugen will, denselben desto leichter wiederholen koͤnne. Jedoch muß man sich bey demselben nach der Natur richten, und die Blumen an einen solchen Ort hinstellen, wo sie den ganzen Tag hindurch den Son- nenstrahlen ausgesetzt sind. U Galeopsis. Stachys. Galeopsis. Galeopsis Tetrahit. Hanfnessel. Tab. XVI. 22. 23. Die (punktirte) Saftdruͤse, von vorne und von der Seite gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist der Fruchtknotenhalter. Sie ist weiß- lich, da die Fruchtknoten gelbgruͤn sind. 2. Der Safthalter ist der unterste inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre. 3. Der oberste Theil der Kronenroͤhre ist mit in die Hoͤhe ge- richteten Haaren uͤberzogen. 4. Das Saftmaal ist der gelbe Fleck auf der Unterlippe. Galeopsis cannabina. Die weiße Krone hat auf der Unterlippe ein schoͤnes Saftmaal. Die beiden Seitenstuͤcke der- selben sind an der Oeffnung der Roͤhre blaßgelb, das mittelste Stuͤck aber ist vorne purpurfarben mit einem weißen Rande, und an der Oeffnung der Roͤhre gelb mit purpurfarbenen Linien. Galeopsis Galeobdolon. Gelbe taube Nessel. Tab. XVI. 12. 13. 15. 1. 2. In Ansehung der Saftdruͤse und des Safthalters ist diese Art der ersten aͤhnlich. 3. Die Saftdecke ist ein ringfoͤrmiger Ansatz der Kronenroͤhre, welcher mit Haaren besetzt ist, Fig. 15. a b. Die Oberlippe der Krone hat am Rande lange Wimpern. 4. Da die Pflanze an dunklen schattichten Orten waͤchst, so ist es zweckmaͤßig, daß die Krone 1) groß, 2) von heller Farbe, nemlich gelb, ist. Das Saftmaal sind die roͤthlichen Punkte, mit welchen die Unterlippe geziert ist. Stachys. Stachys syluatica. Waldnessel. Tab. XVI. 16. 25. 26. Tab. XXIII. 9. Tab. XVI. 16. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gese- hen. Neben dieser Figur a die Saftdruͤse. 25. Der untere Theil der Kronenroͤhre. 26. Derselbe, aufgeschnitten und flach ausgebreitet. a b die Saftdecke. Tab. XXIII. 9. Die Blume wird von einer großen Hum- mel besucht und befruchtet. 1. 2. 3. In Ansehung der Saftdruͤse, des Safthalters und der Saftdecke ist diese Art dem Lamium aͤhnlich. Die Saftdruͤse ist ein wenig blaßgruͤn, die Fruchtknoten aber sind weiß, und spiegelglatt, da jene keinen Glanz hat. 4. Die purpurfarbene Krone hat auf der Unterlippe ein schoͤ- nes aus dunkelpurpurfarbenen und weißen Figuren bestehendes Saftmaal. Stachys. 5. Die Blumen werden von Bienen und Hummeln haͤufig besucht. Die letzteren fliegen mit ausgestrecktem Saugeruͤssel von einer zur andern. Sie koͤnnen aber nicht anders zum Saft ge- langen, als so, daß sie auf der Unterlippe der Krone stehen, mit ihrem haarichten Kopf die Antheren der juͤngeren Blumen und das Stigma der aͤlteren beruͤhren, und folglich die letzteren durch den Staub der ersteren befruchten, (S. die folgende Art.) Eben hieraus laͤßt sich erklaͤren, warum die beiden vordersten Staubge- faͤße, nachdem sie verbluͤhet sind, sich seitwaͤrts biegen, Tab. XVI. 16., damit sie nemlich nicht verhindern, daß die Hummeln auch die hintersten Antheren beruͤhren, und ihren Staub abstreifen. Stachys palustris. Sumpfpoley. Tab. XVI. 17. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. Tab. XXIII. 14. 15. 14. Eine juͤngere Blume in natuͤrlicher Stellung, von der Seite gesehen, nachdem die vorderste Haͤlfte der Krone nebst ihren Staubgefaͤßen weggeschnitten worden. 15. Eine aͤltere Blume, eben so beschnitten. Mit der Saftdruͤse verhaͤlt es sich hier, wie bey der vorher- gehenden Art. Das Saftmaal ist blaßpurpurfarben und weiß. Bey Regenwetter aͤndert die Blume weder ihre Stellung, noch ihre Gestalt. Ersteres ist nicht moͤglich, weil sie unmittelbar am Stengel sitzt, beides aber nicht noͤthig, weil durch ihre Struktur der Saft gegen den Regen hinlaͤnglich gesichert ist. Dies laͤßt sich vermuthlich auf die ganze erste Ordnung dieser Klasse an- wenden. Die Figuren der XXIII. Tafel beweisen, daß diese Blume nicht nur von einem Insekt befruchtet wird, sondern auch, daß dieses nicht vermittelst des eigenen Staubes einer jeden Blume, sondern vermittelst desjenigen geschieht, welchen das Insekt aus der juͤngern holt, und auf das Stigma der aͤlteren bringt. Denn wann die Antheren bluͤhen, Fig. 14., so steht der Griffel hinter den Staubgefaͤßen, und die beiden Theile des Stigma liegen noch dicht an einander. Wann aber die Antheren ihren Staub verlo- ren haben, Fig. 15., so bieget sich der Griffel vorwaͤrts, und das Stigma oͤffnet sich. Im ersten Fall streift also das hineinkrie- chende Insekt zwar den Staub von den Antheren ab; es kann aber denselben nicht auf das Stigma bringen, weil dasselbe noch geschlossen ist, und von demselben nicht beruͤhrt wird. Im zwey- ten Fall kann es zwar nicht hineinkriechen, ohne das Stigma zu beruͤhren; allein es setzt nicht den eigenen Staub der Blume an dasselbe ab, da die Antheren keinen Staub mehr haben, sondern denjenigen, welchen es von den Antheren einer juͤngeren Blume abgestreift hat. Stachys recta . Tab. XVI. 14. Der unterste Theil der Kronenroͤhre. Derselbe hat zwar eben eine solche Saftdecke, Ballota. Marrubium. als die erste Art, aber nicht vor derselben unterwaͤrts einen sol- chen Hoͤcker, als diese, Fig. 25., und Lamium album, Fig. 8. 18., hat. Dieser Hoͤcker dient vermuthlich dazu, daß, wenn ein Regentropfen bis zur Saftdecke hinabgeflossen ist, er in densel- ben sich begebe, und den Insekten nicht den Eingang in den Safthalter sperre. Ballota. Ballota nigra. Schwarzer Andorn. Tab. XVI. 30—32. 41. 30. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 31. Die (punktirte) Saftdruͤse. 32. Dieselbe, von oben gesehen. 41. Dieselbe, von der Seite gesehen, nachdem der vorderste Fruchtknoten herausgenommen worden. Zwischen den Frucht- knoten der Stiel, auf welchem der abgeloͤsete Griffel gesessen hat. 1. Die Saftdruͤse ist auch hier der Fruchtknotenhalter. Der- selbe sitzt auf einem andern laͤnglichen Koͤrper, von welchem er sich durch die Farbe unterscheidet, und leicht trennen laͤßt. Die Fruchtknoten stehen nicht unmittelbar mit dem Griffel in Verbin- dung, sondern vermittelst der Saftdruͤse. Denn diese hat oben zwischen denselben einen duͤnnen Fortsatz, auf welchem der Griffel sitzt, und von welchem derselbe leicht abgeloͤset werden kann. 2. 3. In Ansehung des Safthalters und der Saftdecke ist die Blume dem Lamium album aͤhnlich. Daß auch die innere Oberflaͤche der Oberlippe ihrer Krone mit welchen Haaren besetzt ist, koͤmmt vermuthlich daher, daß dieselbe nicht so sehr gewoͤlbt ist, als gewoͤhnlich. 4. Die violette Krone ist auf der Unterlippe mit weißen Adern geziert, welche vor der Oeffnung der Roͤhre am breitesten sind. 5. Hummeln besuchen die Blume. Marrubium. Marrubium vulgare. Weißer Andorn. Tab. XVI. 33—35. 33. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 35. Die Krone, gegen das Licht gehalten. Die Staubge- faͤße und die Saftdecke erscheinen als ein dunkler Fleck. 34. Die Kronenroͤhre im Durchschnitt. 1. Die Saftdruͤse sitzt auch hier auf einem besonderen Koͤr- per, wie bey der Ballota. Marrubium. Leonurus. Thymus. 3. Die Kronenroͤhre ist oben enger, als in der Mitte. Die- ser engere Theil wird sowohl von den Antheren, als von den un- mittelbar unter denselben befindlichen Haaren verschlossen. 4. Die weiße Krone hat kein Saftmaal. Daß ihre Ober- lippe nicht, wie gewoͤhnlich, gewoͤlbt und ganz, sondern flach und getheilt ist, scheint daher zu kommen, daß die Blume sehr klein ist. Die Unterlippe allein wuͤrde ihr zu wenig Ansehen ver- schaffen; folglich mußte die Oberlippe zu eben diesem Endzweck angewendet werden. Weil sie nun wegen dieser Gestalt die Oeff- nung der Roͤhre nicht vor dem Regen schuͤtzen kann, so wird diese Oeffnung durch Haare verschlossen. Von dem Mangel des Saft- maals hingegen scheint die Kleinheit der Blume kein hinlaͤnglicher Grund zu seyn, indem der Saft hier eben so verborgen ist, als in den groͤsseren Blumen, und manche noch kleinere Blumen ein Saftmaal haben. 5. Die Blume wird von den Bienen besucht. Leonurus. Leonurus Cardiaca. Herzgespann. Tab. XVI. 27. 4. Das Saftmaal besteht aus dunkelpurpurfarbenen Flecken, mit welchen die Unterlippe der blaßrothen Krone, die Filamente, und die Oberlippe an der Oeffnung der Kronenroͤhre geziert sind. 5. Die Blume wird von Hummeln haͤufig besucht, und wahrscheinlich auch befruchtet, da die beiden vordersten Staub- gefaͤße, wann sie verbluͤhet sind, sich eben so, als in der Stachys, seitwaͤrts kruͤmmen. Thymus. Thymus vulgaris. Thymian. Die Blume hat Saft, welcher von dem Fruchtknotenhalter abgesondert wird. Eine haarichte Saftdecke aber hat sie nicht, vermuthlich, weil sie we- gen ihrer Kleinheit derselben nicht benoͤthigt ist. Die Haare, mit welchen die Oeffnung des Kelchs besetzt ist, dienen vermuth- lich theils zur Beschuͤtzung der jungen Samenkoͤrner, wann die Krone abgefallen ist, theils dazu, damit dieselben, wann sie reif sind, nicht leicht ausfallen, sondern vom Winde herausgeworfen werden. Einige Pflanzen haben Zwitterblumen, andere weibliche Blumen, welches Linn é nicht bemerkt haben muß. Die Zwit- terblumen sind groͤsser, als die weiblichen, dienen also zur Bestaͤ- tigung dessen, was ich bey der Valcriana dioeca gesagt habe. Die ersteren sind Dichogamisten von der maͤnnlich-weiblichen Art. In einem Garten, in welchem ein Stuͤck Landes mit dieser Pflanze besetzt war, fand ich theils verschiedene andere Insekten, theils in vorzuͤglicher Anzahl ein bienenartiges Insekt, welches etwas kleiner war, als eine Biene, auf den Blumen. Bienen U 2 Thymus. Melissa. Ocymum. aber fand ich nicht auf denselben, entweder, weil sie dieselben nicht besuchen, woran ich doch zweifle, oder wahrscheinlicher, weil Saluia officinalis , welche in eben demselben Garten stand, und welche sie in groͤßter Menge besuchten, ihnen mehr und an- genehmere Nahrung verschaffte. Thyinus Acinos hat ein Saftmaal. Thymus Serpillum. Quendel. Tab. XXIV. 15. a. Eine juͤngere Blume, deren Antheren allein bluͤhen. b. Eine aͤltere Blume, deren Stigma bluͤhet, deren Anthe- ren aber keinen Staub mehr haben. Daß auch diese Blume, ob sie gleich eine von den kleinsten dieser Klasse ist, eine Saftblume sey, erhellet theils daraus, daß sie ein Saftmaal hat, denn der Kronensaum ist blaßroth, auf der Unterlippe aber vor der Oeffnung der Kronenroͤhre weiß und roth, theils daraus, daß sie eben so, wie Stachys palustris, von Insekten befruchtet wird. Denn anfangs, wann die Antheren mit Staube verseben sind, ist der Griffel noch kuͤrzer, als die Fi- lamente, und das Stigma noch geschlossen; hernach aber, wann die Antheren den Staub schon verloren haben, verlaͤngert sich der Griffel, und das Stigma oͤffnet sich. Melissa. Melissa officinalis. Melisse. 3. Die Unterlippe der Krone ist vor der Oeffnung der Kro- nenroͤhre mit kurzen aufrecht stehenden Haaren besetzt, und die Kronenroͤhre ist inwendig auch haaricht. 4. Die weiße Krone hat kein Saftmaal. Ocymum. Ocymum Basilicum . Tab. XVI. 28. 29. 37. 29. Die Kronenroͤhre im Durchschnitt nebst einem obersten und einem untersten Filament. 37. Diese beiden Filamente. 28. Die von den haarichten Ansaͤtzen der Filamente verschlos- sene Oeffnung der Kronenroͤhre. 1. Die Saftdruͤse ist der gelbe Fruchtknotenhalter. 2. Der Safthalter ist die auf der oberen Seite hoͤckerichte Basis der Kronenroͤhre. In demselben fand ich sehr kleine In- sekten von zweyerley Art. 3. Die Kronenroͤhre hat an der Oeffnung noch einen Hoͤcker auf der oberen Seite. Die beiden obersten Filamente haben einen mit Haaren uͤberzogenen Ansatz, mit welchen sie diesen Hoͤcker ausfuͤllen, und dadurch die Oeffnung der Roͤhre dem Regen ver- schließen. Scutellaria. Prunella. 5. Die Blume wird von den Bienen haͤufig besucht, und wahrscheinlich auch befruchtet. Denn sie koͤnnen nicht zum Saft gelangen, ohne mit dem unteren Theil ihres Koͤrpers die Anthe- ren und das Stigma, welche, wider die Gewohnheit, auf der Unterlippe der Krone liegen, zu beruͤhren, und den Staub der ersteren auf das letztere zu bringen. Scutellaria. Scutellaria galericulata . Tab. XVI. 38—40. 38. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 39. Die Saftdruͤse von der Seite, 40. von vorne. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte gelbliche Koͤrper, welcher den duͤnneren Fruchtknotenhalter traͤgt. 2. Der Safthalter ist der unterste Theil der Kronenroͤhre. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre ist sehr enge, weil die Un- terlippe der Krone gewoͤlbt ist, und der Rand der Oberlippe ist ruͤckwaͤrts gebogen. Beides dient zur Abhaltung der Regen- tropfen. 4. Die blaßviolette Krone hat auf der Unterlippe einen weißen Fleck, und in demselben drey dunkelviolette Linien, deren mittelste sich in die Kronenroͤhre hineinzieht. Scutellaria alpina . Tab. XVI. 48. 49. 48. Die Saftdruͤse nebst dem Fruchtknotenhalter und den Fruchtknoten von vorne, 49. von hinten. 4. Die Saftdruͤse ist gelb. Die blaßviolette Krone hat auf der Unterlippe in der Mitte einen blaßgelben Fleck, durch welchen eine dunkelviolette Linie laͤuft. Prunella. Prunella vulgaris. Brunelle. Tab. XVI. 44. 46. 44. Ein Wirbel mit Samenbehaͤltnissen. Die beiden vor- dersten sind weggeschnitten. 46. Ein Samenbehaͤltniß, von vorne gesehen. 1. Der Fruchtknotenhalter, welcher die Saftdruͤse ist, sitzt hier auch auf einem besonderen Koͤrper. 3. Die Saftdecke ist der unmittelbar uͤber dem Safthalter befindliche Ring von Haaren. Wann die verbluͤhete Krone aus dem Kelch herausgefallen ist, so schließt dieser seine Unterlippe dicht an die Oberlippe, da- mit die Samenkoͤrner theils vor dem Regen geschuͤtzt seyen, theils nicht ausfallen, sondern durch einen starken Wind herausgewor- fen werden. Prasium. Rhinanthus. Prasium. Prasium maius. 1. 2. 3. In Ansehung der Saftdruͤse, des Safthalters und der Saftdecke hat diese Blume die gewoͤhnliche Einrichtung. 4. Die Krone ist blaßgelb. Die Unterlippe ist mit purpur- farbenen Punkten und Linien, und die Oberlippe auf beiden Sei- ten mit breiten purpurfarbenen Linien geziert. Rhinanthus. Rhinanthus crista galli. Hahnenkamm. Tab. XVI. 47. 50. 51. 54. 56. 59. 60. Tab. XXIII. 17—20. 39. Tab. XVI. 51. Der vergroͤsserte oberste Theil der Blume, von der Seite gesehen. 56. Derselbe, von vorne gesehen. 50. Die Krone im Durchschnitt. 59. Eine Anthere von innen, 60. von außen. 47. Der Fruchtknoten nebst der Saftdruͤse a und der nach dem Abfallen der Krone zuruͤckgebliebenen Basis ihrer Roͤhre c , von der Seite gesehen. b das Safttroͤpfchen. 54. Derselbe, von vorne gesehen. Tab. XXIII. 18. Der Kelch, wann die Samenkapsel reif ist, in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 17. Derselbe, vergroͤssert, wenn sich das Auge in der Linie a b Fig. 18. befindet. 19. Die aufgeplatzte Samenkapsel. 20. Gestalt des Kelchs, wann die Blume noch bluͤhet, aus eben demselben Gesichtspunkt gesehen, als Fig. 17. 39. Die Blume wird von einer Biene besucht. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte Koͤrper, welcher vorne an der Basis des Fruchtknotens befindlich ist. Durch die Farbe unterscheidet sie sich nicht sonderlich von dem Fruchtknoten. 2. Der Safthalter ist der unterste an den Kelch angewachsene Theil der Kronenroͤhre. Wann die Krone verbluͤhet ist, so loͤset sie sich von diesem Theil ab, und faͤllt aus dem Kelch heraus. Pollich hat denselben fuͤr die Saftdruͤse gehalten, und die eigent- liche Saftdruͤse uͤbersehen. 3. Der Saft ist vor dem Regen vollkommen verwahrt. Denn die Unterlippe der Krone schließt dicht an die Oberlippe. Die Oberlippe hat eine kleine Oeffnung. Auch durch diese kann kein Regentropfen zum Saft dringen, weil hinter derselben sich die haarichten Antheren befinden. 4. Die Krone ist gelb. Die Oberlippe aber ist vorne, wo die kleine Oeffnung ist, blau, und der aus der Krone hervorra- Rhinanthus. gende Theil des Griffels ist auch blau. Diese besondere Farbe wird in Fig. 50. 51. 56. durch Punkte angedeutet. 5. Die Blume wird von Bienen und Hummeln haͤufig be- sucht. Durch ihre eigene Schwere druͤcken sie die Unterlippe herab, verschaffen sich dadurch einen bequemen Eingang, und kriechen hinein. Es ist also wahrscheinlich, daß sie mit dem Ruͤcken den Staub der Antheren abstreifen, und denselben her- nach auf das Stigma bringen, folglich die Blume befruchten. Es ist merkwuͤrdig, daß das Saftmaal nicht, wie gewoͤhn- lich, auf der Unterlippe der Krone, sondern auf der Oberlippe angebracht ist. Ehe ich die Bienen in die Blume hineinkriechen gesehen hatte, glaubte ich aus diesem Umstande schließen zu muͤs- sen, daß die kleine Oeffnung der Oberlippe zwischen diesem Saft- maal der von der Natur bestimmte Eingang fuͤr kleinere Insekten sey. Auch sahe ich wirklich einmal ein kleines Insekt durch diese Oeffnung in die Blume hineinkriechen. Ich glaubte also, daß die Befruchtung durch ein solches Insekt auf folgende Art geschehe. Nachdem dasselbe durch die kleine Oeffnung hineingekrochen ist, so findet es die Antheren im Wege. Indem es sich durch diesel- ben hindurch arbeitet, so streift es einen Theil des Staubes von denselben ab. Nachdem es in den Grund der Kronenroͤhre hinab- gekrochen ist, und den Saft verzehrt hat, kriecht es wieder her- auf, und durch jene Oeffnung wieder heraus, da es denn vorher noch einmal die Antheren beruͤhren muß. Wann es nun hierauf in eine andere Blume hineinkriecht, so beruͤhrt es das unmittel- bar uͤber jener Oeffnung befindliche Stigma, und bestaͤubt das- selbe. Daß die Befruchtung schlechterdings nicht auf eine mechani- sche Art geschehen koͤnne, lehrt der Augenschein. Denn der An- therenstaub kann eben so wenig von selbst auf das Stigma fallen, als vom Winde auf dasselbe gebracht werden. Unten in der Kronenroͤhre findet man zuweilen Loͤcher, welche von einem Insekt, vermuthlich einer großen Hummel, fuͤr welche der natuͤrliche Eingang zu eng ist, hineingebissen worden sind. Daß die Pflanze sich so ungemein vermehrt, und nicht etwa auf einzelnen Stellen haͤufig steht, sondern auf ganzen Wiesen und Ackerfeldern in gleichem Ueberfluß angetroffen wird, laͤßt sich aus der Gestalt des Kelchs leicht erklaͤren, welche derselbe hat, wann der Samen, welchem er zum aͤußeren Behaͤltniß dient, reif ist. Solange die Blume bluͤhet, ist derselbe so gestaltet, wie Fig. 20. zeigt. Die vier Stuͤcke nemlich, in welche er sich ober- waͤrts zertheilt, oͤffnen sich auf gleiche Art Wann aber der Sa- men reif ist, haben sich diese Stuͤcke zusammenbegeben, jedoch so, daß zwischen den beiden obersten eine weite Oeffnung ist. U 3 Euphrasia. Melampyrum. Folglich koͤnnen die Samenkoͤrner nicht von selbst herausfallen, sondern sie bleiben so lange in der Kapsel, bis sie von einem star- ken Winde herausgeworfen, und weit und breit verstreuet wer- den. Zu diesem Ende sind auch die Stengel ziemlich steif. Euphrasia. Euphrasia officinalis. Augentrost. Tab. XVI. 36. 42. 42. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 36. Der Fruchtknoten, nachdem die Blume verbluͤhet ist. 1. Die Saftdruͤse ist die unterste Haͤlfte des Fruchtknotens. Von der obersten unterscheidet sie sich zwar nicht durch die Farbe, aber dadurch, daß sie kahl und glatt ist, da die oberste mit Haa- ren besetzt ist. 2. Der Safthalter ist der unterste Theil der Kronenroͤhre. 3. Die Kronenroͤhre ist mit feinen Haaren uͤberzogen. 4. Die weiße Krone ist mit dunkelpurpurfarbenen Linien, auf der Unterlippe aber noch mit einem gelben Fleck geziert, und im Schlunde ist ein andrer gelber Fleck, welcher in der Figur nicht zum Vorschein koͤmmt. Euphrasia Odondites wird von Bienen haͤufig be- sucht. Melampyrum. Melampyrum syluaticum . Tab. XVI. 43. 45. 52. 53. 57. 43. Der Fruchtknoten nebst der an seiner Basis sitzenden (punktirten) Saftdruͤse, von der Seite gesehen. 45. Derselbe, von vorne gesehen. 52. Der vorderste Theil der Blume, von vorne gesehen. 57. Derselbe, von der Seite gesehen. 53. Die aufgeschnittene und flach ausgebreitete Krone, an welcher man die haarichte Saftdecke a b , und uͤber derselben einige von einem Insekt gemachte Loͤcher sieht. 1. Die Saftdruͤse sitzt vorne an der Basis des Fruchtknotens. Sie ist umgebogen, und der vorderste Theil ist gelb. 2. Der Safthalter ist der unterste inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre. 3. Die Oeffnung der Blume ist sehr enge, indem die Unter- lippe der Krone sehr gewoͤlbt ist. Ferner ist der Rand der Ober- lippe umgebogen. Die eigentliche Saftdecke besteht aus einer un- mittelbar uͤber dem Safthalter befindlichen Reihe von Haaren. Oberhalb derselben ist die Kronenroͤhre mit feiner Wolle uͤberzogen, und die Oberlippe ist mit Haaren besetzt, Fig. 53. c d. Auf solche Art ist der Saft vor dem Regen voͤllig geschuͤtzt. Melampyrum. Lathraea. Pedicularis. 5. Daß auch diese Blume von den Insekten befruchtet wird, beweiset die Stellung des hervorragenden Theils des Griffels, dessen Ende, als das Stigma, von einem hineinkriechenden In- sekt schlechterdings beruͤhrt werden muß. Die Blume wird von Bienen und Hummeln haͤufig besucht. Ich sahe, daß eine Biene bloß sich zu ihr hielt, und sich um die Erica vulgaris, welche ne- ben jener bluͤhte, nicht bekuͤmmerte. Sie kroch durch den von der Natur gemachten Eingang hinein. An anderen Blumen fand ich in der Kronenroͤhre uͤber dem Safthalter Loͤcher, welche ver- muthlich eine große Hummel hineingebissen hatte. Melampyrum nemorosum. Kuhweizen. Diese Art hat mit der vorhergehenden eine gleiche Einrichtung. Lathraea. Lathraea Squamaria. Schuppenwurz. 1. Die schon vom Linn é bemerkte Saftdruͤse ist fleischicht und gelb, da der Fruchtknoten weiß ist. 3. 1) Die Blumen sind der Erde zugekehrt. 2) In der Oeffnung der Kronenroͤhre sind die wollichten Antheren befind- lich. 3) Die Unterlippe der Krone hat der Laͤnge nach einen wol- lichten Streif. 4. Die Oberlippe der Krone ist gesaͤttigt purpurfarben, die Unterlippe aber weiß. Weil die Pflanze unter Hasel- und ande- ren Straͤuchern waͤchst, so nehmen sich ihre Blumen dadurch von denselben aus, und machen sich den Insekten bemerkbarer, daß sie eine dichte Aehre bilden, und der Kelch und selbst die Blumen- blaͤtter ( bracteac ) blaßpurpurfarben sind. Pedicularis. Pedicularis syluatica. Laͤusekraut. Tab. XVII. 1—4. 12. 1. Der vergroͤsserte oberste Theil der Blume, von der Seite gesehen. Der dunkle Fleck, welchen man oberwaͤrts auf der Ober- lippe bemerkt, wird von den Antheren verursacht. 4. Derselbe, von vorne gesehen. 2. Die Kronenroͤhre von der Seite. Bey a sondern sich die Filamente von derselben ab. 3. Der Fruchtknoten nebst der (punktirten) Saftdruͤse von der Seite. 12. Der unterste Theil der Kronenroͤhre, aufgeschnitten und flach ausgebreitet. Man sieht die Haare, mit welchen der un- terste Theil der Filamente besetzt ist. 1. Die Saftdruͤse sitzt vorne an der Basis des Fruchtkno- tens, und ist mit demselben zusammengewachsen. Sie ist dunkel- gruͤn, der Fruchtknoten aber blaßgruͤn. Pedicularis. Antirrhinum. 2. Der Saft ist im untersten duͤnneren Theil der Kronenroͤhre befindlich. 3. Die Oeffnung, welche die Oberlippe der Krone hat, ist 1) sehr schmal, 2) der Erde etwas zugekehrt, und 3) ist der Rand der Oberlippe laͤngst dieser Oeffnung zuruͤckgebogen. 4) ist die Krone inwendig bis zum Anfang des Safthalters mit weichen Haaren uͤberzogen. Endlich 5) sind auch die Filamente an der Basis haaricht. Der Saft ist also gegen den Regen voͤllig ge- sichert. 4. Obgleich die Blumen auf einem niedrigen Stengel sitzen, so fand ich doch, daß sie von weitem in die Augen fielen, weil in ihrer Nachbarschaft lauter noch niedrigere Pflanzen standen, uͤber welche sie hinwegragten. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Krone ist blaßrosenroth, die Unterlippe aber hat unmit- telbar vor der Oeffnung der Oberlippe einen weißen Fleck, welcher mit einem blutrothen Rande umgeben ist, damit er sich desto besser ausnehme, Fig. 1. 4. 5. Man sieht, daß der Staub der Antheren hier eben so wohl vor der Naͤsse verwahrt ist, als beym Rhinanthus, aber zugleich, daß er auch eben so wenig auf eine mechanische Art auf das Stigma kommen kann, als bey diesem. Denn die Raͤnder der Oberlippe oberhalb der Oeffnung liegen dicht an einander, folglich kann der Staub nicht leicht herausfallen. Es ist also wahrscheinlich, daß auch diese Blume von Insekten befruchtet wird, ob es gleich schwer einzusehen ist, wie solches geschehe, in- dem die Antheren von der Oeffnung der Oberlippe, als dem na- tuͤrlichen Eingang fuͤr die Insekten, so weit entfernt sind. Es koͤmmt hiebey hauptsaͤchlich darauf an, daß man das Insekt ken- nen lerne, fuͤr welches die Blume bestimmt ist. Ich habe noch niemals eines auf derselben angetroffen. Antirrhinum. Antirrhinum Linaria. Leinkraut. Tab. XVII. 5—11. 14. 18. 19. 5. Der Fruchtknoten nebst der an seiner Basis befindlichen Softdruͤse von der Seite. 6. Der unterste Theil der Blume von vorne im Durchschnitt. 7. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. In den obersten Theil des Horns hat eine Hum- mel zwey Loͤcher eingebissen. 8. Dieselbe, von der Seite gesehen. In beiden Figuren ist das Saftmaal punktirt. 9. Der groͤßte Theil des gegen das Tageslicht gehaltenen Horns. a b der Saft. Antirrhinum. 10. Die Blume von der Seite, nachdem ein Theil der Krone vorne weggeschnitten worden. 11. Die Unterlippe der Krone von innen. Die drey Kreuzer zeigen die Stellen an, wo sie die obersten Antheren, das Stigma, und die untersten Antheren beruͤhrt. 18. Die Blume, von vorne gesehen, nachdem die Unterlippe der Krone weggeschnitten worden. 14. Die Samenkapsel nebst der vertrockneten Saftdruͤse, von unten gesehen. 19. Dieselbe, von der Seite gesehen. Herr D. Roth hat ganz richtig bemerkt (Magazin fuͤr die Botanik. 1787. 2. Stuͤck. S. 32.), daß das Horn, welches Linn é Nectarium nennt, nicht den Saft selbst absondere, son- dern nur enthalte, und daß die eigentliche Saftdruͤse am Frucht- knoten sitze. 1. Die fleischichte Saftdruͤse umgiebt die Basis des Frucht- knotens, und ist vorne am dicksten. An der erwachsenen Samen- kapsel kann man noch die vormalige nunmehr zusammenge- schrumpfte und vertrocknete Saftdruͤse erkennen. 2. Der von derselben abgesonderte Saft fließt durch die kleine Oeffnung, welche sich zwischen der Basis der beiden vordersten Filamente befindet, hindurch, und in das Horn hinab. Dies Hinabfließen geschieht vermuthlich ruckweise, daß nemlich der kleine Theil des Safts, der zuerst aus der Oeffnung, wie aus einer Quelle, herauskoͤmmt, nicht sogleich bis an das Ende des Horns hinablaͤuft, und auf solche Art, was hernach heraus- koͤmmt, ihm nachfolgt, sondern daß derselbe folange an der Oeff- nung stehen bleibt, bis er zu einer gewissen Menge angewachsen ist, da er dann ploͤtzlich hinabsteigt, und, wann er etwa bis b Fig. 9. gekommen ist, wieder stehen bleibt, weil das Horn hier nicht weiter ist, als er groß ist. Auf solche Art macht er es sich selbst unmoͤglich, weiter hinabzufließen, weil er der Luft den Aus- gang verschlossen hat. Folglich bleibt der Theil des Horns unter- halb b saftleer. Zu diesem Troͤpfchen koͤmmt nach und nach mehr Saft hinzu, so daß endlich der ganze Vorrath den Raum a b einnimmt. Dieser Raum unterscheidet sich sehr deutlich von dem uͤbrigen Theil des Horns, wenn man die Blume gegen das Ta- geslicht haͤlt, durch seine groͤssere Klarheit, und seine beide Ober- flaͤchen erscheinen als dunkle Linien, wenn man die Blume uͤber die Augen erhebt; haͤlt man aber die Blume niedriger, so er- scheint die oberste Oberflaͤche als eine dunkle, die unterste aber als eine sehr helle Linie. Dies ruͤhrt von der durch den Saft verur- sachten Brechung der Lichtstrahlen her. Druͤckt man das Horn mitten zwischen a und b mit einer Pincette zusammen, so verlaͤn- Antirrhinum. gert sich der helle Raum ploͤtzlich sowohl oberwaͤrts, als un- terwaͤrts. 3. Zu diesem Saft kann schlechterdings kein Regentropfen gelangen, und denselben verderben. Denn die Unterlippe der Krone ist in der Mitte sehr einwaͤrts und in die Hoͤhe gezogen, wodurch ein großer hohler Hoͤcker entsteht. Diesen Hoͤcker druͤckt die Unterlippe mit elastischer Kraft dicht an die Oberlippe an, so daß die Blume hier, wo die Oeffnung derselben seyn sollte, ver- schlossen ist. Dieser Hoͤcker ist mit kurzen Haaren dicht besetzt, besonders auf der inneren Seite, wodurch vollends den Re- gentropfen das Eindringen in die Blume unmoͤglich gemacht wird. Kriecht nun ein Insekt zwischen der Oberlippe und dem Hoͤcker der Unterlippe in die Blume hinein, so druͤckt es zwar die letztere herab; sobald es aber wieder herauskriecht, faͤhrt dieselbe in die Hoͤhe, und druͤckt den Hoͤcker wieder an die Oberlippe an, und die Blume ist wieder so fest verschlossen, als vor dem Besuch. 4. Daß nun aber das Insekt, welches, durch die schoͤne und schon von weitem in die Augen fallende Blumenaͤhre ange- lockt, sich einer Blume genaͤhert hat, hier allein in dieselbe hinein- kommen koͤnne, zeigt ihm das Saftmaal. Die Krone ist nemlich blaßgelb, jener Hoͤcker aber ist pomeranzenfarben oder goldgelb. Die Oberlippe ist unbeweglich, die Unterlippe aber laͤßt sich herab- druͤcken, aus eben der Ursache, welche ich bey der Iris Xiphium angezeigt habe, nemlich weil beym Herabdruͤcken der Unterlippe dem Insekt seine eigene Schwere zu Huͤlfe koͤmmt, nicht aber beym Hinaufdruͤcken der Oberlippe. Folglich wird ihm dadurch seine Muͤhe sehr erleichtert. Nun ist hier noch dies zu merken, daß die innere, oder an der Oberlippe anliegende Oberflaͤche des Hoͤckers der Unterlippe nicht nur auf beiden Seiten haaricht ist, sondern auch in der Mitte zwar eine kahle Stelle, auf beiden Seiten derselben aber einen pomeranzenfarbenen haarichten Streif hat, Fig. 11. Die Insekten nehmen also natuͤrlicherweise diesen mittelsten kahlen Weg. 5. Nun betrachte der Leser die 10. Figur, und nachdem er die Unterlippe Fig. 11. in Gedanken umgekehrt, und in Fig. 18. an ihre gehoͤrige Stelle gesetzt hat, so vergleiche er diese so er- gaͤnzte Blume mit Fig. 10.: so wird er einsehen, daß die Blume sehr kuͤnstlich gebauet ist. Denn an der inneren Oberflaͤche des Hoͤckers, und grade an der mittelsten kahlen Stelle derselben lie- gen die beyden Paare der Antheren, und mitten zwischen densel- ben das Stigma. Indem also das Insekt hineinkriecht, so muß es nothwendig mit dem Ruͤcken den Staub der obersten Antheren abstreifen, und denselben an das Stigma wieder anstreichen. Eben so, wann es nach Verzehrung des Safts wieder aus der Antirrhinum. Blume herauskriecht, muß es die untersten Antheren ihres Stau- bes berauben, und mit demselben das Stigma versehen. So zweckmaͤßig also der Bau der Blume ist, wenn wir die Ernaͤhrung eines Insekts uns als den Endzweck derselben vorstellen, eben so zweckmaͤßig ist derselbe, wenn wir diese Ernaͤhrung bloß als ein Mittel ansehen, durch welches eine Absicht erreicht werden soll, welche sich auf die Blume selbst bezieht, nemlich die Befruchtung ihres Fruchtknotens. Die Blume wird, wie ich schon bey der Asclepias gesagt habe, von einer kleinen Hummel besucht, und da diese durch den von der Natur gemachten Eingang hineinkriecht, so laͤßt sich nicht daran zweifeln, daß sie auch von derselben befruchtet werde. Auch die Bienen besuchen die Blume, und zwar auf zweyerley Art. Einige gehen bloß dem Saft nach, kriechen aber nicht, um zu demselben zu gelangen, durch den natuͤrlichen Eingang hinein, sondern beißen ein Loch in das Horn. Andere sammlen bloß Staub. Diese entfernen die Unterlippe der Krone ein wenig von der Oberlippe, und stecken den Kopf so weit hinein, daß sie die Antheren beruͤhren, und ihren Staub erhalten koͤnnen. Hieraus schließe ich, daß nicht sie, sondern bloß die kleinen Hummeln zur Befruchtung der Blume bestimmt sind. Eben so wenig sind es die großen Hummeln, welche in den natuͤrlichen Eingang nicht hineinkommen koͤnnen, und deswegen eben so, wie die Bienen, auf eine gewaltthaͤtige Art sich des Safts bemaͤchtigen. Gle- ditsch hat schon bemerkt, daß die Bienen diesen Frevel an der Blume veruͤben, S. 193. Da die Blume inwendig geraͤumig und wohl verschlossen ist, so verschafft sie vielen kleinen Insekten einen bequemen Aufenthalt, in welchem sie vor dem Regen vollkommen geschuͤtzt sind, und ihre reichliche Nahrung haben. Ich fand einen schwarzen Bla- senfuß und ein groͤßeres gefluͤgeltes Insekt, wie auch die kleine gelbe Blumenspinne Wenn es nicht vielmehr eine Milbe ist. , deren ich oben erwaͤhnt habe, in der- selben. Antirrhinum maius . Tab. XVII. 13. 15. 16. 17. 20. 21. 24. 27. 29. 13. Die ein wenig vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stel- lung, von der Seite gesehen. 15. Dieselbe, von vorne gesehen. 16. Dieselbe von vorne, nachdem die vorderste Haͤlfte der Krone weggeschnitten worden. 29. Diese weggeschnittene Haͤlfte von der inneren Seite. 24. Die Antirrhinum. Craniolaria. 24. Die Oeffnung zwischen den beiden vordersten Filamen- ten, hinter welcher die Saftdruͤse befindlich ist, und durch welche der Saft in den Safthalter fließt. 17. Der Fruchtknoten, dessen unterster (punktirter) Theil die Saftdruͤse ist. 20. Das rechter Hand befindliche hinterste Filament von vorne. 21. Das rechter Hand befindliche vorderste Filament von hinten. 27. Dasselbe von vorne. 1. Die gruͤne Basis des weißlich gruͤnen Fruchtknotens, welche vorne am fleischichsten ist, ist die Saftdruͤse. Sie ist kahl und glatt, da der Fruchtknoten uͤbrigens mit feinen Haaren uͤberzo- gen ist. 2. Der Saft fließt durch die zwischen den beiden vordersten Filamenten befindliche Oeffnung in das sehr kurze Horn. 3. Damit der Hoͤcker der Unterlippe noch dichter an die Ober- lippe schließe, so ist er inwendig der Laͤnge nach an zwey Stellen konvex, die Oberlippe aber an zwey Stellen konkav, und seine konvexe Theile passen genau in die konkaven der Oberlippe. Auch ist er inwendig mit Haaren uͤberzogen. Ferner ziehen sich zwey haarichte Streifen beynahe bis zum Safthalter hinab, Fig. 29. Warum aber auch die Filamente, besonders die vordersten uͤber der Oeffnung, durch welche der Saft fließt, haaricht sind, sehe ich nicht ein. 4. Die purpurfarbene Krone hat auf dem Hoͤcker der Unter- lippe ein gelbes Saftmaal. Die Haare sind auf der Unterlippe weiß, in der Roͤhre aber, wo sie zwey Streifen bilden, gelb. 5. Die Blume wird von Hummeln, sowohl den kleineren gelben, als auch den großen mit schwarzen und gelben Ringen besucht und befruchtet. Auch Ameisen findet man im Grunde der Blume. Craniolaria. Craniolaria annua . Jacqu. Amer. p. 173. Der Herr Verfasser sagt S. 189, in den mehresten Blumen aus der Didynamia angiospermia habe er an der Basis des Fruchtknotens einen besonderen Koͤrper bemerkt, welcher densel- ben umgebe, und welchen man nicht unschicklich eine Druͤse nen- nen koͤnne. Versteht er hiedurch eine Saftdruͤse, so wundert mich, daß er nicht auch wirklich Saft in denselben gefunden, oder, wenn er Saft gefunden, solches nicht angezeigt hat. Alle in die- ser Ordnung vorkommende Blumen sind wahrscheinlich Saftblu- men. Dies erhellet schon aus ihrer Gestalt, da sie eine mit einer Roͤhre versehene Krone haben. Daß insonderheit diese Cranio- Besleria. Scrophularia. laria eine Saftblume ist, beweiset ihr Saftmaal. Denn die weiße Krone hat im Grunde ihres Schlundes drey große schwarze purpurfarbene Flecke. Die Saftdruͤse sitzt wahrscheinlich auch an der Basis des Fruchtknotens. Der Saft steigt durch die lange und enge Kronenroͤhre in die Hoͤhe, und sammlet sich im Grunde des Schlundes. Besleria. Besleria cristata . Jacqu. Amer. p. 188. Bey dieser Blume ist zu eben demselben Endzweck eben dieselbe Einrichtung vorhanden, welche bey der Petraea volubilis Statt findet Denn der Kelch ist scharlachroth, die Krone aber gelblich. Daß die Druͤse, welche unten am Fruchtknoten sitzt, eine Saftdruͤse ist, erhellet daraus, daß sie gelb ist. Der Safthalter ist der unterste Theil der Kronenroͤhre, welcher vorwaͤrts hoͤckericht ist, weil die Saftdruͤse sich vorwaͤrts verlaͤngert. Die Saftdecke ist die Haut, welche an die Roͤhre angewachsen ist, bey diesem Hoͤcker sich thei- let, und die Filamente bildet. Scrophularia. Scrophularia nodosa. Braunwurz. Tab. XVI. 55. 58. 61—63. Tab. XVII. 48. Titelk. Fig. XXV. Tab. XVI. 61. Die vergroͤsserte Blume im Anfange des zweyten Zustandes in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 63. Dieselbe im zweyten Zustande, von der Seite gesehen. 62. Das Pistill einer aͤlteren oder im zweyten Zustande be- findlichen Blume. An der Basis des Fruchtknotens die (punktirte) Saftdruͤse. 58. Die Geschlechtstheile einer juͤngeren Blume. 55. Die Geschlechtstheile einer aͤlteren Blume. Tab. XVII. 48. Die Krone einer juͤngeren Blume, unten aufgeschnitten und flach ausgebreitet. Titelk. Fig. XXV. Die Blume wird von einer Wespe be- sucht und befruchtet. 1. Die gelbliche Saftdruͤse umgiebt die Basis des Fruchtkno- tens, und ist oberwaͤrts am dicksten. 2. Vor derselben befindet sich an der oberen Seite der Kro- nenroͤhre der Saft in ziemlicher Quantitaͤt. 3. Die Blume steht meist horizontal und nur wenig aufrecht. Die Oberlippe der Krone schuͤtzt also die Oeffnung der Kronenroͤhre vor dem Regen. An der unteren Seite dieser Oberlippe befindet sich ein kleiner Ansatz, welcher mit derselben einen spitzen Winkel macht. Legt man auf die Oberlippe einen Wassertropfen, und schuͤttelt hernach die Blume: so bleibt derselbe dennoch vor diesem Ansatz stehen, und fließt uͤber denselben nicht hinab. Derselbe X Scrophularia. scheint also bloß zur Abhaltung der Regentropfen zu dienen. Endlich ist die Oeffnung der Kronenroͤhre enger, als die Roͤhre selbst. 4. Weil der Saft an der oberen Seite der Kronenroͤhre sitzt, so mußte auch das Saftmaal auf der oberen Seite der Krone an- gebracht werden. Die Krone ist blaßgruͤn, die Oberlippe aber, besonders auf der inneren Seite, braun. Diese braune Farbe zieht sich in die Kronenroͤhre hinein, und erstreckt sich bis zum Saft, Tab. XVII. 48. Da die Blume also ein Saftmaal hat, so ist sie eine Tagesblume, und fuͤr Tagesinsekten bestimmt. Dies bestaͤtigt die Erfahrung; denn sie faͤngt des Morgens an zu bluͤ- hen, und wird von Tagesinsekten besucht. Linn é sagt, man muͤsse sich die Blume als umgekehrt vor- stellen. Dies bestaͤtigt 1) die Saftdruͤse, welche auf der oberen Seite des Fruchtknotens am dicksten ist, da sie es sonst auf der unteren Seite zu seyn, oder sich bloß auf derselben zu befinden pflegt, 2) der Saft, welcher, wider die Gewohnheit, an der oberen Seite der Kronenroͤhre haftet, 3) das Saftmaal, welches auf der Oberlippe ist, da es sonst auf der Unterlippe zu seyn pflegt. 5. Medikus will (S. 121.) bey den Serophularien dieje- nige Erscheinung wahrgenommen haben, welche er das Wandern der Staubgefaͤße nennt. Er hat sich aber geirrt, weil ihm nichts von der Dichogamie bekannt gewesen ist. Seiner Meinung nach legen die Staubgefaͤße nach und nach ihre Antheren auf das Stigma, und die Befruchtung geschieht auf eine mechanische Art. Als ich seine Abhandlung las, vermuthete ich sogleich, daß er sich, wie in Ansehung der uͤbrigen Blumen, an welchen er und Andere diese Erscheinung wollen wahrgenommen haben, so auch in Ansehung der Scrophularien, geirrt habe. Sobald ich Gele- genheit hatte, die Blumen zu untersuchen, so fand ich auch meine Vermuthung durch den Augenschein bestaͤtigt, obgleich auf eine andere Art, als ich damals gedacht hatte. Denn da ich geglaubt hatte, die Blume sey ein Dichogamist von der mir damals nur allein bekannten maͤnnlich-weiblichen Art: so fand ich, daß bey derselben die weiblich-maͤnnliche Dichogamie Statt findet, welche ich kurz vorher an der Euphorbia Cyparissias entdeckt hatte. So- bald sich nemlich die Blume geoͤffnet hat, so raget der Griffel ein wenig aus derselben hervor, und der oberste Theil desselben, des- sen Ende das Stigma ist, ist ein wenig in die Hoͤhe gerichtet. Von den Staubgesaͤßen aber ist noch nichts in der Oeffnung der Krone zu sehen, sondern sie befinden sich im Grunde der Krone, und sind gekruͤmmt, und die Antheren haben noch keinen Staub. In diesem Zustande verbleibt die Blume ungefaͤhr zwey Tage. Nach Verfließung derselben koͤmmt sie in den zweyten Zustand. Scrophularia. Die Staubgefaͤße fangen nemlich eines nach dem andern an sich grade zu strecken, wodurch die Antheren, die nun auch sich oͤffnen, und ihren Staub zeigen, eben dieselbe Stelle erhalten, welche vorher das Stigma hatte. Diese Stelle hat nemlich das Stigma, so wie die Faͤhigkeit zu empfangen, unterdessen verloren, weil der oberste Theil des Griffels sich abwaͤrts gebogen, und zu verwelken angefangen hat. In diesem zweyten Zustande verbleibt die Blume auch ungefaͤhr zwey Tage, bis die Krone welk wird und abfaͤllt. Da also die Blume nur in dem ersten, keinesweges aber in dem zweyten, in jenem aber nicht durch ihren eigenen Staub, befruchtet werden kann, indem sie in dem letzten kein Stigma mehr, in dem ersten aber noch keinen Staub hat: so folgt hier- aus unwidersprechlich, daß sie nicht auf eine mechanische Art, sondern bloß durch Insekten befruchtet wird. Wann also die In- sekten in die aͤltere Blume hineinkriechen, so streifen sie mit den Beinen und dem Unterleibe Staub von den Antheren ab; und wann sie hierauf eine juͤngere Blume besuchen, so bestreichen sie mit dem an ihrem Koͤrper haftenden Staube das Stigma, und befruchten auf solche Art die juͤngere Blume durch den Staub der aͤlteren. Bey den juͤngeren Blumen habe ich bey schoͤnem Wetter sehr deutlich gesehen, daß das Stigma mit Staube versehen war, welchen Insekten aus den aͤlteren Blumen auf dasselbe gebracht hatten. Diese Insekten sind 1) eine große Wespe, welche in die Blume hineinkriecht, und den Saft verzehrt. Diese habe ich auf dem Titelblatt in der Stellung, in welcher ich sie beym Besuch angetroffen habe, abgebildet. 2) Eine kleine Wespe, welche auch Saft genoß. 3) Ein Insekt, welches eine Aehnlichkeit mit einer Biene, und auch einen Stachel im After hat, aber viel kleiner ist, als eine Biene. Dieses sammlete bloß Staub. Auch beißt ein anderes Insekt, ich weiß nicht, welches, Loͤcher in die Krone, um zum Saft zu gelangen, wovon dieselbe verwelkt und abfaͤllt. Man sollte dies nicht vermuthen, da die Kronenroͤhre kurz und weit genug ist, daß auch die groͤßte Hummel mit dem Saugeruͤssel leicht zum Saft gelangen kann. Was ich in der Einleitung von den welblich-maͤnnlichen Dichogamisten gesagt habe, daß nemlich die ersten Blumen keine Frucht ansetzen koͤnnen, bestaͤtigt die Erfahrung an dieser Art. Die ersten Blumen sind auf den untersten Zweigen der Rispe, und zwar in dem Winkel, welchen dieselben bey ihrer ersten Thei- lung machen, befindlich. Die Fruchtknoten derselben fallen zwar, wann dieselben verbluͤhet sind, nicht ab, welches unbefruchtete Fruchtknoten sonst zu thun pflegen; aber die mehresten derselben bleiben klein, und werden keine Samenkapseln. Scrophularia. Digitalis. Euphorbia und Scrophularia sind die einzigen Gattungen, bey weichen ich bisher die weiblich-maͤnnliche Dichogamie be- merkt habe. Scrophularia vernalis. Diese Art hat auch Saft. Die Saftdruͤse sitzt auch auf der oberen Seite des Fruchtkno- tens, und ist gelblichgruͤn, da der Fruchtknoten blaßgruͤn ist. Zu dem Saft kann kein Regentropfen gelangen; denn die weite Kronenroͤhre hat eine enge Oeffnung, welche durch den Griffel und die Antheren meist verschlossen wird. Die gruͤnlichgelbe Krone hat kein Saftmaal. Digitalis. Digitalis purpurea. Rother Fingerhut. Tab. XVII. 22. 23. 25. 32. 33. 38. Tab. XXIII. 42. 43. Tab. XVII. 22. Die ein wenig vergroͤsserte Blume in na- tuͤrlicher Stellung, von der Seite gesehen. 25. Dieselbe, von vorne gesehen. 33. Dieselbe, nachdem die vordere Haͤlfte der Krone groͤß- tentheils weggeschnitten worden. 23. Eine Anthere, welche sich noch nicht geoͤffnet hat, von außen. 38. Dieselbe von innen. 32. Eine Anthere, welche keinen Staub mehr hat. Tab. XXIII. 42. Der Griffel und die Staubgefaͤße einer juͤngeren Blume. 43. Der Griffel und die Staubgefaͤße einer aͤlteren Blume. 1. Die Saftdruͤse ist die sehr schmale glatte und gruͤne Basis des Fruchtknotens, welcher gelblichgruͤn und mit kurzen Haaren dicht uͤberzogen ist. 2. Der Saft ist im Grunde der Kronenroͤhre enthalten. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dient Fol- gendes. 1) Die Basis der Kronenroͤhre ist weit enger, als der uͤbrige Theil. 2) Die Blume hat eine solche Stellung, daß sie zwischen horizontalen und grade herabhangenden Blumen das Mittel haͤlt. Die Regentropfen fallen also nicht in die Oeff- nung der Krone hinein, sondern beruͤhren dieselbe nur. 3) Die Krone ist inwendig auf der unteren Seite mit langen, obgleich nicht dicht stehenden Haaren besetzt. 4) Auch der Fruchtkno- ten ist, wie schon gesagt worden ist, mit Haaren dicht uͤberzo- gen. Folglich kann sich schlechterdings kein Regentropfen mit dem Saft vermischen. 4. Die purpurfarbene Krone hat inwendig auf der unte- ren Seite dunkelpurpurfarbene Flecke, welche, damit sie sich desto staͤrker ausnehmen, von weißen Ringen umgeben werden. Ein Insekt, welches sich der Blume genaͤhert hat, erblickt die Digitalis. innere Oberflaͤche der unteren, keinesweges aber der oberen Haͤlfte der Krone. Folglich mußte das Saftmaal auf jener, nicht auf dieser angebracht werden. Die Staubgefaͤße und der Griffel verhindern das Insekt weder das Saftmaal zu bemer- ken, noch, da dasselbe eines von den groͤßten ist, hineinzukrie- chen, indem sie sich dicht an die obere Haͤlfte der Krone an- druͤcken, so daß, wenn man die Krone der Laͤnge nach perpen- dikulaͤr durchschneidet, und die vordere Haͤlfte wegschneidet, die beiden vordersten Filamente und der Griffel sich in die Hoͤhe begeben, und uͤber die Krone hinwegragen, Fig. 33. Daß aber auch die blaßgelben Antheren auf ihrer unteren Seite, welche den Insekten in die Augen faͤllt, mit rothen Duͤpfeln geziert sind, welche hingegen auf der oberen Seite fehlen, hielt ich anfangs, ehe ich wußte, von welchem Insekt die Blume befruchtet wird, auch fuͤr etwas absichtliches; da aber die Antheren mit diesen Duͤpfeln nur so lange, als sie sich noch nicht geoͤffnet haben, geziert sind, so folgt schon hieraus, daß dieses bloß etwas zufaͤlliges sey. 5. Ich fand in der Blume Blasenfuͤße, welche nach ihrer Gewohnheit auf allen Theilen derselben umherliefen. Einige fand ich auf den Antheren, einen sogar auf dem Stigma. Daß aber die Blume nicht von ihnen, sondern von großen Insekten, befruchtet werde, schloß ich daraus, daß sie ein Di- chogamist ist. Denn wann die Antheren bluͤhen, so liegt der Griffel noch dicht an der Kronenroͤhre an, und die beiden Lap- pen des Stigma haben sich noch nicht von einander begeben. Wann aber die Antheren den Staub verloren haben, so kruͤmmt sich der Griffel herab, und das Stigma oͤffnet sich. Folglich wird diese Blume von einem, und zwar großen, Insekt also befruchtet, daß es den Staub der juͤngeren Blumen auf das Stigma der aͤlteren bringt. Denn wann dasselbe in eine juͤn- gere Blume hineinkriecht, so streift es mit seinem haarichten Ruͤcken den Staub von den Antheren ab, und wann es hier- auf eine aͤltere besucht, so beruͤhrt es mit dem bestaͤubten Ruͤcken das Stigma, und versiehet dasselbe mit Staube. Wenn aber die Blume von Blasenfuͤßen befruchtet werden sollte, so muͤß- ten die Antheren und das Stigma zu gleicher Zeit bluͤhen. Daß ich richtig geschlossen hatte, lehrte mich im naͤchstver- gangenen Jahre die Erfahrung. Ich sahe nemlich die große Hummel, welche auf dem Titelblatt abgebildet ist, die Blume besuchen. Sie kriecht in dieselbe so tief hinein, daß man kei- nen Theil ihres Koͤrpers sehen kann, haͤlt sich ziemlich lange in derselben auf, und setzt sie in eine zitternde Bewegung. Digitalis ambigua. Da die erste Art eine Saft- blume ist, so ist es wahrscheinlich diese auch, obgleich Gleditsch X 2 Bignonia. Crescentia. Russelia. Petraea. keinen Saft in derselben bemerkt hat, S. 183., woruͤber ich mich um so viel mehr wundere, da er in der ersten Saft ge- funden hat, S. 225. Bignonia. Bignonia paniculata . Jacqu. Amer. p. 183. 1. Die Saftdruͤse ist der flache tellerfoͤrmige Koͤrper, auf welchem der Fruchtknoten sitzt. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen sind die Lippen der Krone mehrentheils geschlossen. 4. Aus der unten bey der Petraea angezeigten Ursache ist der Saum des Kelchs weiß, die Krone aber purpurfarben. Crescentia. Crescentia Cuiete . Jacqu. Amer. p. 175. Die tellerfoͤrmige Saftdruͤse sitzt unten am Fruchtknoten. Zur Saft- decke dient vermuthlich die große Falte, durch welche die Kro- nenroͤhre in der Mitte einwaͤrts gezogen, ihr innerer Raum also sehr verengt wird. Russelia. Russelia sarmentosa . Jacqu. Amer. p. 178. Ist eine Saftblume; denn sie hat eine Saftdecke. Diese sind die Haare, welche die Oeffnung der Kronenroͤhre halb verschließen. Petraea. Petraea volubilis . Jacqu. Amer. p. 180. Auch diese Blume ist allem Ansehen nach eine Saftblume; denn sie hat ein Saftwaal, und zwar, wie es scheint, ein doppeltes, nemlich ein aͤußeres und ein inneres. Jenes ist der Kronen- saum selbst, indem er von anderer Farbe ist, als der gefaͤrbte Kelchsaum. Weil dieser nemlich von jenem nicht verdeckt wird, so muß er auch gefaͤrbt seyn, um der Blume mehr Ansehen und eine groͤssere Bemerkbarkeit zu verschaffen. Jedoch ist es zweckmaͤßig, daß er anders gefaͤrbt sey, als der Kronensaum, damit dieser gegen ihn besser absteche. Er ist also himmelblau, die Krone aber violett. Nach dem Linn é ist es grade umge- Petraea. Lantana. Auicennia. Capraria. kehrt. Das innere Saftmaal scheint auf dem mittelsten Ab- schnitt der Unterlippe der Krone, welches auch die schicklichste Stelle fuͤr dasselbe ist, angebracht zu seyn. Beide Schriftstel- ler schweigen zwar hievon, vermuthlich weil sie vom Saftmaal nichts wußten; betrachtet man aber die Abbildung des ersten etwas genauer, so findet man die Krone der drey bluͤhenden Blumen so gezeichnet, daß auf dem mittelsten Abschnitt der Unterlippe nicht bloß Licht und Schatten, sondern auch die Farbe angedeutet zu seyn scheint, und das Saftmaal scheint weiß zu seyn. Lantana. Lantana Africana . Tab. XVII. 30. 31. 30. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 31. Die Kronenroͤhre. 1. Die Saftdruͤse ist entweder der blaßgruͤne Fruchtknoten selbst, oder die Basis desselben. 2. Der Safthalter ist der unterste weitere und inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre. 3. Der Saft ist gegen den Regen dadurch gesichert, daß die Kronenroͤhre 1) uͤber dem Safthalter enger, 2) von da bis an ihre Oeffnung mit Haaren uͤberzogen ist, welche in der Oeffnung am laͤngsten sind. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die weiße Krone ist um die Oeffnung ihrer Roͤhre herum mit fuͤnf violetten laͤnglichen Flecken geziert. Auicennia. Auicennia nitida . Jacqu. Amer. p. 177. Hat ein Saftmaal. Denn die weiße Krone ist auf dem mittelsten Ab- schnitt ihrer Unterlippe mit einer dunkelfarbigen Figur geziert, welche wie ein Staubgefaͤß aussieht. Capraria. Capraria biflora . Jacqu. Amer. p. 182. Ist eine Saftblume; denn sie hat eine Saftdecke. Die Abschnitte des Kronensaums sind nemlich an der Basis rauch. Myagrum. Draba. Funfzehnte Klasse. Tetradynamia. Zwitterblumen mit sechs Staubgefaͤßen, von welchen viere etwas laͤnger sind, als die beiden uͤbrigen . L inn é hat nur bey einigen Gattungen dieser Klasse Saftdruͤ- sen bemerkt; ich glaube aber, daß alle mit Saftdruͤsen versehen sind, als mit Theilen, welche eben so wesentlich sind, als die maͤnnlichen und weiblichen Befruchtungstheile. Dies schließe ich daraus, daß ich in vielen Gattungen Saftdruͤsen gefunden habe, in welchen Linn é keine gefunden hat. Myagrum. Diese erste Gattung ist hievon ein Beyspiel. Denn My- agrum Hispanicum hat vier dunkelgruͤne Saftdruͤsen, von welchen zwey zwischen den laͤngeren Filamenten und dem Kelch, zwey aber zwischen den kuͤrzeren Filamenten und dem Fruchtknoten sitzen. Draba. Draba verna. Hungerbluͤmchen. Tab. II. 11. 16. 17. 19—21. 25. 17. Das ganze Pflaͤnzchen in natuͤrlicher Groͤsse bey schoͤ- nem Wetter. 20. Der bluͤhende Stengel des Nachts und bey schlechter Witterung am Tage. 11. Eine geoͤffnete Blume in natuͤrlicher Stellung aus Fig. 17. 16. Dieselbe, von oben gesehen. 21. Eine geschlossene Blume in natuͤrlicher Stellung aus Fig. 20. 19. Dieselbe, von unten gesehen. 25. Das junge Schoͤtchen, welches die Kelchblaͤtter noch nicht verloren hat. Das vorderste von denselben ist abgerissen worden, damit man die beiden vordersten (punktirten) Saftdruͤ- sen sehen koͤnne. Selbst dieses kleine Bluͤmchen hat seine vier Saftdruͤsen, welche man durch die Loupe deutlich sehen kann. Sie sitzen unten am Fruchtknoten auf beiden Seiten der kuͤrzeren Filamente, und unterscheiden sich vom Fruchtknoten durch die Farbe. Auch noch Thlaspi. Cochlcaria. Alyssum. an dem erwachsenen Schoͤtchen machen sie sich durch ihre gelbe Farbe kenntlich. Wahlboom sagt, diese Blume beuge sich des Nachts herab, damit Regen und feuchte Luft nicht den Antherenstaub beschaͤdige. Ich setze hinzu, daß dieses auch bey Tage, wenn es schlechtes Wetter ist, geschieht, daß die Blume sich auch alsdann schließt, wann sie sich herabbeugt, und daß beides auch zur Be- schuͤtzung des Safts vor dem Regen dienet. Thlaspi. Thlaspi bursa pastoris. Hirtentasche. Diese kleine Blume hat vier Saftdruͤsen, welche zwischen den kuͤrzeren Fila- menten und dem Fruchtknoten sitzen. Cochlearia. Cochlearia officinalis. Loͤffelkraut. Gleditsc h sagt S. 236., daß im Kelch dieser Blume Honig enthalten sey. Diesen habe ich daselbst nicht finden koͤnnen. Wenn die Blume wirklich Saft enthaͤlt, so muß der fleischichte Fruchtknoten selbst die Saftdruͤse seyn; denn besondere Saftdruͤsen sind nicht vor- handen. Alyssum. Alyssum incanum. Weiße Wegkresse. Tab. XVII. 26. 28. 36. 28. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 36. Dieselbe im Durchschnitt bey a Fig. 26. 26. Die Befruchtungstheile in natuͤrlicher Stellung. Die Saftdruͤsen sind in allen drey Figuren punktirt. Linn é hat zwar den zahnfoͤrmigen Fortsatz, welchen die kuͤrzeren Filamente auf ihrer inneren Seite haben, bemerkt; hin- gegen die Saftdruͤsen und den Fortsatz, welchen die laͤngeren Fi- lamente auf der den kuͤrzeren zugekehrten Seite haben, hat er uͤbersehen. Auch Gleditsch hat keinen Saft in der Blume an- getroffen, S. 185. Peltaria. Lunaria. Cardamine. Sisymbrium. 1. Die Blume hat vier Saftdruͤsen, welche zwischen den Filamenten und dem Fruchtknoten sitzen. 2. Die Saftdruͤsen sind zugleich die Safthalter. 3. Die beiden kuͤrzeren Filamente haben auf der inneren Seite einen zahnfoͤrmigen Fortsatz; die vier laͤngeren aber haben auf der den kuͤrzeren zugekehrten Seite auch einen Fortsatz, wel- cher jenem zwar nicht in der Gestalt, aber der Substanz und dem aͤußeren Ansehen nach gleich ist. Beide sind nemlich weiß und etwas durchsichtig. Diese sechs Fortsaͤtze scheinen bloß deswegen vorhanden zu seyn, damit die Insekten desto bequemer zum Saft gelangen koͤnnen. Denn sie bilden gleichsam vier kleine Roͤhren, welche zu den Safttroͤpfchen fuͤhren, und welche zwar fuͤr den Saugeruͤssel eines Insekts weit genug, fuͤr Regentropfen aber zu enge sind. 5. Die Blume wird von demjenigen Insekt, dessen ich bey dem Tropaeolum gedacht habe, besucht. Den Saft derselben kann es ungeachtet seiner Dummheit leicht finden; denn es darf nur den Saugeruͤssel in die Blume hineinstecken. Peltaria. Peltaria alliacea. Besondere Saftdruͤsen sind nicht vorhanden. Vielleicht sondert der Fruchtknoten selbst den Saft ab; er ist aber sehr klein, und ich habe keinen Saft bemerken koͤnnen. Lunaria. Lunaria rediuiua. Mondkraut. Die Blume hat zwey Saftdruͤsen, auf welchen die kuͤrzeren Filamente stehen. Die beiden denselben gegenuͤber stehenden Kelchblaͤtter sind daher unten hoͤckericht, damit die Safttropfen Raum haben. Cardamine. Cardamine Graeca hat sechs Saftdruͤsen, von welchen viere zwischen dem Fruchtknoten und den kuͤrzeren Filamenten, zwey aber zwischen den laͤngeren Filamenten und dem Keich sitzen. Cardamine pratensis. Wiesenkresse. Wird von Blumenkaͤfern und anderen Insekten haͤufig besucht, muß folg- lich Saft enthalten. Sisymbrium. Sisymbrium arenosum. Sandrauke. Hat vier Saftdruͤsen, zwey zwischen den kuͤrzeren Filamenten und dem Fruchtknoten, welche einen groͤsseren Safttropfen absondern, und Erysimum. Cheiranthus. zwey zwischen den laͤngeren Filamenten und dem Kelch, welche einen kleineren Safttropfen absondern. Erysimum. Erysimum Alliaria. Knoblauchskraut. In dieser Blume fand ich vier Safttroͤpfchen, zwey zwischen den laͤngeren Filamenten und dem Kelch, und zwey zwischen den kuͤrzeren Fi- lamenten und dem Fruchtknoten. Auch traf ich ein großes bie- nenartiges Insekt auf derselben an, welches schnell von einer Blume zur andern sich begab, weil es den Saftvorrath einer jeden bald verzehrte. Erysimum officinale. Hat vier Saftdruͤsen. Cheiranthus. Cheiranthus incanus. Levkole. Tab. XVII. 34. 35. 37. 39. 46. 47. 34. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 35. Dieselbe, von oben gesehen. 37. Der aufgeschnittene und flach ausgebreitete Kelch. 39. Der mittelste Theil von Fig. 35. 46. Die Geschlechtstheile. 47. Die (punktirte) vorderste Saftdruͤse. 1. Die Saftdruͤsen hat Linn é schon angezeigt. 3. Der Kelch ist oberwaͤrts 1) enger, als unterwaͤrts, 2) mit seinen haͤutigen durchsichtigen Raͤndern zusammengewach- sen. Die Krone hat folglich einen sehr engen Eingang, welcher noch uͤberdies durch die Antheren verschlossen wird. Durch den- selben kann also kein Regentropfen hindurchdringen, wohl aber ein Blasenfuß hindurchkriechen, und ein großes Insekt seinen Saugeruͤssel hindurchstecken. 4. Die gelblichgruͤne Farbe der Naͤgel der Kronenblaͤtter er- streckt sich bis an die Basis ihrer Plaͤttchen. Die Oeffnung der Kronenroͤhre wird also von einem gelblichgruͤnen vierstrahlichten Stern umgeben, welcher das Saftmaal ist, Fig. 35. 39. 5. Im Grunde der Blume bey den Saftdruͤsen fand ich schwarze Blasenfuͤße. Daß die Blume von diesen oder anderen Insekten befruchtet werde, ist sehr wahrscheinlich. Denn indem dieselben in die Roͤhre hineinkriechen, muͤssen sie nothwendig den Staub von den obersten Antheren abstreifen, und denselben auf das Stigma bringen, und eben so, wann sie nach Verzehrung des Safts wieder herauskriechen, muͤssen sie den Staub von den untersten Antheren abstreifen, und mit demselben das Stigma versehen. Hieraus laͤßt sich auch der Umstand, daß zwey Fila- mente kuͤrzer sind, als die uͤbrigen, leicht erklaͤren. Auch der ge- meine weiße Schmetterling besucht die Blume haͤufig, und be- fruchtet Hesperis. Arabis. Brassica. fruchtet sie auch wahrscheinlich. Desgleichen Bienen. Indem sich diese in die Blume hineinarbeiten, so zerreißen sie den Kelch; woraus ich schließe, daß die Blume nicht eigentlich fuͤr sie be- stimmt sey. Hesperis. Hesperis matronalis. Bey dieser Blume ist die Oeffnung der Roͤhre, welche die Kronenblaͤtter bilden, auch ziem- lich enge, weil die Kelchblaͤtter zwar nicht zusammengewachsen sind, aber doch mit ihren weißen Raͤndern ziemlich fest auf einan- der liegen. Die Oeffnung wird auch hier durch die Antheren und das breite Stigma verschlossen. Hesperis tristis. Da diese Blume nicht bey Tage, sondern nur des Nachts riecht, so folgt hieraus, daß sie eine Nachtblume und fuͤr Nachtinsekten bestimmt ist. Dieser Geruch ist deswegen so angenehm und so stark, weil die Krone sehr un- ansehnlich und nicht hell gefaͤrbt ist. Arabis. Arabis alpina. Diese Art hat nicht vier Saftdruͤsen, welche Linn é der Gattung zuschreibt, sondern nur zwey. Arabis Thaliana. Bey dieser Art habe ich so wenig, als Pollich , Saftdruͤsen finden koͤnnen. Brassica. Brassica campestris. Durchwachskohl. Tab. XVII. 40. 41. 45. 1. Die vier Saftdruͤsen sind dunkelgruͤn, da der Fruchtkno- ten blaßgruͤn ist. 3. Die Kelchblaͤtter stehen offen, die Naͤgel der Kronenblaͤt- ter aber stehen aufrecht, und bilden also eine Art von Roͤhre, deren Oeffnung durch den Griffel und die obersten Antheren ver- schlossen wird. Bey schoͤnem Wetter entfernen sich die Naͤgel der Kronenblaͤtter ein wenig von einander, wodurch die Oeffnung groͤsser wird. Brassica oleracea. β . Gruͤner Kohl. Diese Blume wird von den Bienen haͤufig besucht. Wenn man dieselben genau beobachtet, so sieht man, daß, indem sie den Saugeruͤssel in die- selbe hineinstecken, sie mit dem Kopf den Staub von den Anthe- ren abstreifen, und auf das Stigma bringen muͤssen; daher sie auch denselben zuweilen mit den Vorderbeinen vom Kopf ab- streifen. Sinapis. Raphanus. Crambe. Sinapis. Sinapis aruensis. Ackersenf. Tab. XVII. 42. 49. 3. Zwey Saftdruͤsen sitzen in den spitzen Winkeln, welche die kuͤrzeren Filamente mit dem Fruchtknoten machen, und zwey in den stumpfen Winkeln zwischen den laͤngeren Filamenten und den gegenuͤber stehenden Kelchblaͤttern. Da hier die Kelchblaͤtter voͤllig, und die Kronenblaͤtter ziemlich offen stehen, so scheinen die Safttroͤpfchen gegen den Regen keinesweges gesichert zu seyn. Allein die kurz gestielten Blumen stehen sehr zusammengedraͤngt, und bilden gleichsam eine Aehre, in welcher die eine die andere deckt. Zu diesem Ende haben sie eine horizontale Stellung, da sowohl die uͤber denselben stehenden Blumenknospen, als die un- ter ihnen befindlichen Schoten aufrecht stehen. Daß uͤbrigens in dieser Gattung sowohl die Krone, als der Kelch, offen steht, in der Brassica campestris aber bloß der Kelch, und im Cheiranthus weder der Kelch, noch viel weniger die Krone, scheint bloß daher zu kommen, daß dieselben fuͤr ver- schiedene Insekten bestimmt sind. Raphanus. Raphanus Raphanistrum. Hederich. Die Lin- n é i sche Beschreibung der Gattung paßt nicht ganz auf diese Art. Denn sie hat nicht vier, sondern nur zwey Saftdruͤsen, welche zwischen dem Fruchtknoten und den kuͤrzeren Filamenten sitzen. Auch sind nicht alle vier Kelchblaͤtter unten hoͤckericht, sondern nur die beiden, welche den kuͤrzeren Filamenten gegenuͤber stehen. Die Saftdruͤsen sind dunkelgruͤn, da der Fruchtknoten hellgruͤn ist. Was die Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen betrifft, so hat die Blume ungefaͤhr eine solche Struktur, als Hesperis ma- tronalis. Crambe. Crambe Hispanica. Diese Art stimmt mit der Lin- n é i schen Beschreibung der Gattung nicht voͤllig uͤberein. 1) Was Linn é den laͤnglichen Fruchtknoten nennt, ist der Fruchtkno- tenhalter, und was er das etwas dicke Stigma nennt, ist der Fruchtknoten, welcher mit einem sehr kleinen unmittelbar ange- wachsenen Stigma versehen ist. 2) Die Blume hat nicht zwey, sondern vier Saftdruͤsen, indem zwischen den kuͤrzeren Filamen- ten und dem Fruchtknotenhalter auch zweye sitzen. Y Geranium. Sechszehnte Klasse. Monadelphia. Zwitterblumen, deren Filamente in Einen Koͤrper zusammengewachsen sind . Geranium. G eranium palustre. Sumpfstorchschnabel. Tab. XVIII. 1—4. 13. 14. Tab. XXIII. 13. 21. Tab. XVIII. 1. Die vergroͤsserte aͤltere Blume, von oben gesehen. Die Filamente haben die verwelkten Antheren verlo- ren; die Stigmate hingegen haben sich ausgebreitet, und bluͤhen. 2. Der unterste Theil eines Kronenblatts von innen. 4. Derselbe von außen. 3. Die aͤltere Blume, von der Seite gesehen, nachdem das vorderste Kelchblatt umgeschlagen, die beiden vordersten Kronenblaͤtter aber abgerissen worden, wodurch drey Saftdruͤ- sen zum Vorschein gekommen sind. 13. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse, und in der Stel- lung und Gestalt, welche sie des Nachts hat. 14. Die reife Frucht des Geranium syluaticum, welche die Samenkoͤrner schon herausgeworfen hat. Tab. XXIII. 21. Die Befruchtungstheile einer juͤngeren Blume. Die laͤngeren Filamente stehen nach einiger Zeit eben so von einander, als jetzt die kuͤrzeren. Der letzteren Anthe- ren bluͤhen, der ersteren noch nicht. 13. Die Stigmate der juͤngeren Blume. 1. Die fuͤnf Saftdruͤsen hat Linn é schon angezeigt. 2. Dieselben sind zugleich die Safthalter. 3. Die Naͤgel der Kronenblaͤtter sind am Rande und auf der inneren Seite haaricht. Sieht man also in die Blume hinein, so erblickt man in ihrem Grunde fuͤnf mit Haaren be- setzte Loͤcher, durch welche zwar ein Insekt, aber kein Regen- tropfen zu den unter denselben sitzenden Safttroͤpfchen gelan- gen kann. Bey Tage steht die Blume aufrecht, und scheint der Sonne zu folgen. Bey schoͤnem Sonnenschein ist sie sehr geoͤffnet, so daß die Kronenblaͤtter sich einander nicht beruͤhren. Des Nachts hingegen ist die Blume mehr geschlossen, und der Erde zugekehrt. Geranium. 4 Da die Blume sich bey schoͤnem Sonnenschein so sehr als moͤglich oͤffnet, so erscheint alsdenn die Krone so groß als moͤglich, und nimmt sich folglich, da sie vom Sonnenlicht eine hellere Farbe erhaͤlt, schon in der Ferne stark aus. Hat sich ein Insekt der Blume genaͤhert, so zeigt ihm das Saftmaal, wo es den Saft suchen muͤsse. Denn die purpurfarbenen Kro- nenblaͤtter sind 1) mit dunkelpurpurfarbenen Linien geziert, welche nach dem Mittelpunkt zu laufen, 2) haben sie weiße Naͤgel, so daß im Grunde der Krone ein weißer Stern ge- sehen wird, Tab. XVIII. 1. Uebrigens ist die Krone auf der inneren Seite staͤrker gefaͤrbt, als auf der aͤußeren, oder viel- mehr auf der letzteren ist sie gar nicht gefaͤrbt, sondern die Farbe der ersteren schimmert nur durch, Fig. 2. 4., weil die Blume nicht von unten, sondern von oben den Insekten in die Augen fallen soll. 5. Daß diese Blume keinesweges auf eine mechanische Art, sondern von Insekten befruchtet wird, erhellet daraus, daß sie nicht mit ihrem eigenen Staube befruchtet werden kann, son- dern die aͤltere den Staub einer juͤngeren erhalten muß, weil die Antheren und die Stigmate nicht zu gleicher Zeit bluͤhen. In der juͤngeren Blume, Tab. XXIII. 13. 21., sind die Fila- mente auswaͤrts gebogen, und die Antheren bluͤhen. Kriecht also ein groͤsseres Insekt, z. B. eine Hummel, in dieselbe hinein, so muß es die Antheren beruͤhren, und den Staub derselben abstreifen. Die Stigmate aber liegen noch dicht an einander, und koͤnnen folglich nicht bestaͤubt werden, weil sie von dem Insekt nicht beruͤhrt werden. In der aͤlteren Blume, Tab. XVIII. 1. 3., haben sich die Filamente wieder mehr zu- sammenbegeben, und ihre Antheren verloren; die Stigmate hingegen sind groͤsser geworden, als die Filamente, da sie vor- her kleiner waren, und haben sich von einander gebogen, so daß sie nun eben den Raum einnehmen, welchen vorher die Antheren einnahmen. In diese Blume kriecht das mit dem Staube einer juͤngeren beladene Insekt hinein, und bestaͤubt die Stigmate, welche es nothwendig beruͤhren muß. Geranium. Die Ausstreuung der Samenkoͤrner geschieht bloß durch die Sonnenhitze, und ohne Mitwirkung des Windes. Indem eine Samenkapsel, welche durch die Sonnenhitze den gehoͤrigen Grad der Trockenheit erlangt hat, mit dem groͤßten Theil ih- rer Granne vom Schnabel abspringt, und zugleich die Granne sich kruͤmmt, so schleudert sie ihr Samenkorn hinweg. Da aber das Samenkorn dadurch nicht weiter, als einige Schritte, von der Mutterpflanze entfernt werden kann, so folgt hieraus, daß die Pflanzen sich zwar sehr in der Naͤhe, weniger aber in der Ferne vermehren muͤssen. Und damit scheint die Erfah- rung uͤbereinzustimmen. Denn ich erinnere mich nicht vieler Stellen der hiesigen Gegend, wo dieselben anzutreffen sind; allein an jeder von denselben stehen sie auch sehr haͤufig bey sammen. Noch mehr finde ich dieses durch das Geranium sanguineum bestaͤtigt. Denn mir sind nur zwey oder drey Stellen bekannt, wo es waͤchst; an der einen von denselben aber stehen die Pflanzen so gedraͤngt beysammen, daß, wann sie bluͤhen, die haͤufigen Blumen den auffallendsten und schoͤn- sten Anblick verursachen. Hingegen ist Geranium cicutarium, dessen Samenkoͤrner vom Winde ausgestreuet werden, allent- halben anzutreffen, aber allenthalben in gleicher Menge, so daß man nicht Stellen findet, wo dasselbe ganz besonders haͤufig beysammen stehen sollte. Gleditsch muß den Saft dieser Blume nicht bemerkt haben, da er bloß des Antherenstaubes erwaͤhnt, S. 189. Geranium Robertianum. Ruprechtskraut. Tab. XVIII. 5. 6. 11. 14*. 5. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. 6. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung. 11. Der unterste Theil derselben, nachdem das vorderste Kelchblatt umgeschlagen worden, auf welchem man ein Saft- troͤpfchen, und uͤber demselben die Saftdruͤse sieht, welche es abgesondert hat. 14*. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Gestalt zur Nachtzeit. 1. Die Saftdruͤsen sind gelblich. 2. Der Saft sitzt zwischen jeder Saftdruͤse und dem ge- genuͤber stehenden an derselben anliegenden Kelchblatt. Biegt man ein Kelchblatt zuruͤck, so findet man auf demselben den Safttropfen. 3. Diese Art unterscheidet sich von der vorhergehenden da- durch, daß sie eine mehr praͤsentirtellerfoͤrmige Gestalt hat, in- dem die Kelchblaͤtter und die Naͤgel der Kronenblaͤtter aufrecht stehen, und gleichsam eine Roͤhre bilden. Die Oeffnung dieser Roͤhre wird durch die Antheren und die Stigmate verschlossen. Geranium. Weil nun auf solche Art der Saft gegen den Regen voͤllig ge- sichert ist, so wuͤrde es von keinem Nutzen seyn, wenn die Naͤgel der Kronenblaͤtter, wie in der vorhergehenden Art, mit Haaren besetzt waͤren. Sie sind also kahl. 4. Die Blumen sehen von weitem rosenfarben aus, und stehen also gegen die gruͤnen Blaͤtter der Pflanze sehr schoͤn und stark ab, und fallen den Insekten schon in einiger Entfer- nung in die Augen. Hat sich ein Insekt einer Blume genaͤ- hert, so sieht es am Kronensaum die weißen Streifen, welche sich nach der Mitte, oder der Oeffnung der Kronenroͤhre hin- ziehen, und ihm zeigen, daß im Grunde derselben der Saft befindlich ist. Da also die Blume ein Saftmaal hat, so ist sie eine Tagesblume. Dies bestaͤtigt die Erfahrung. Denn da dieselbe bey Tage meist aufrecht steht, so ist sie des Nachts der Erde zugekehrt, und da der Saum ihrer Krone bey Tage so sehr als moͤglich geoͤffnet ist, so ist er des Nachts etwas ge- schlossen. Geranium pratense, syluaticum, sangui- neum, reflexum und molle haben mehr Aehnlichkeit mit der ersten Art; daher sind die Naͤgel ihrer Kronenblaͤtter auch mit Haaren versehen. Geranium cicutarium. Ackerstorchschnabel. Tab. XVIII. 7—10. 12. 16. 18. 10. Die vergroͤsserte Blume in fast natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 7. Der unterste Theil der Blume, deren vorderstes Kelch- blatt umgeschlagen worden, wodurch eine (punktirte) Saftdruͤse zum Vorschein gekommen ist, welche oberwaͤrts und auf beiden Seiten mit Haaren umgeben ist. 9. Die Blume in aufrechter Stellung, nachdem die Kro- nenblaͤtter abgerissen worden. 8. Das Pistill, die Filamente und die Saftdruͤsen von der Seite. 12. Dieselben, von oben gesehen. 16. Der mittelste Theil der 10. Figur, nachdem so viel weggeschnitten worden, daß man die fuͤnf Saftdruͤsen, und die Haare, welche die Safttroͤpfchen vor dem Regen schuͤtzen, deutlich sehen kann. 18. Der unterste Theil eines Kronenblatts von innen. 1. Die Saftdruͤsen sind braun. 3. Obgleich die Blume nicht voͤllig horizontal, sondern etwas aufrecht steht, so kann doch zu den Safttroͤpfchen kein Regentropfen gelangen. Denn 1) die Saftdruͤsen sitzen an der Basis der laͤngeren mit Antheren versehenen Filamente. Da nun diese oberwaͤrts vom Pistill etwas abstehen, so bleibt in Y 2 Geranium. dem Winkel zwischen diesem und jenen mancher Regentropfen sitzen, Fig. 9. 2) Die Saftdruͤsen sind allenthalben mit Haa- ren umgeben. a. Die Naͤgel der Kronenblaͤtter sind inwendig und am Rande haaricht, Fig. 18. 16. b. Die Filamente, an deren Basis die Saftdruͤsen sitzen, sind uͤber denselben haaricht; die uͤbrigen Filamente aber sind kahl. In Fig. 8. und 12. sieht man dieses sehr deutlich. Diese Haare sind so kurz und fein, daß man sie mit bloßen Augen kaum sehen kann. Ich fand sie erst vor einigen Jahren durch die Loupe, da ich sie sonst nie bemerkt hatte. Daß nun mit diesen Haaren nur die ersteren Filamente, nicht aber die letzteren besetzt sind, ist ein deutlicher Beweis von der unglaublich großen Sparsamkeit der Natur, die auch nicht ein noch so kleines und feines Haͤrchen hervorbringt, wenn solches nicht eine von ihren Absichten befoͤrdern hilft. End- lich c. sind auch die Kelchblaͤtter im Grunde mit Haaren versehen. Diese sieht man in Fig. 7. auf dem umgeschlagenen Kelchblatt. Giebt man demselben in Gedanken seine natuͤrliche Stellung wie- der, so sieht man, daß auch diese Haare zur Beschuͤtzung des Safttroͤpfchens etwas beytragen. 4. Die rothe Krone ist etwas irregulaͤr, da die Blume uͤbri- gens voͤllig regulaͤr ist. Denn die beiden obersten Blaͤtter sind etwas kleiner, als die drey untersten. Daher ist auch das Saftmaal irregulaͤr. Dasselbe besteht aus den beiden Flecken von dunkler Farbe, mit welchen die beiden obersten Kronenblaͤtter geziert sind. Diese Blume ist zum Theil den vorhergehenden Arten, zum Theil aber den folgenden aͤhnlich. Mit jenen stimmt sie in An- sehung des fuͤnfblaͤttrichten Kelchs und der fuͤnf Saftdruͤsen, mit diesen in Ansehung der Irregularitaͤt ihrer Krone und ihres Saft- maals uͤberein. Die Ursache, weswegen dieselbe, bey ihrer Uebereinstimmung mit den uͤbrigen Arten unserer Gegenden, dennoch durch die Irregularitaͤt der Krone und des Saft- maals sich von denselben unterscheidet, ist, daß sie schief steht, da jene aufrecht stehen. Die Stengel liegen beynahe auf der Erde. Mit diesen machen zwar die gemeinschaftlichen, und mit diesen wieder die eigenthuͤmlichen Blumenstiele einen Winkel; jedoch stehen auch die letzteren noch etwas horizontal. Wenn also ein Insekt die Blume besucht, so setzt es sich nicht etwa bald auf die- ses, bald auf jenes Kronenblatt, wie bey den aufrecht stehenden Arten, sondern jedesmal bloß auf das unterste, oder die drey untersten. Und in dieser Stellung bleibt es, bis es den Saft- vorrath verzehret hat. Die Krone mußte also gleichsam zwey Lippen haben, und das Saftmaal mußte auf einer von beiden angebracht werden. 5. Auf einem Brachfelde, auf welchem die Pflanze haͤufig stand, fand ich eine Biene auf den Blumen. Ob sie den Saft Geranium. genossen habe, weiß ich nicht; daß sie aber Staub sammlete, konnte ich sehr wohl bemerken, und ihre Hinterbeine waren mit zinnoberfarbenen Staube beladen. Diese Biene setzte sich jedes- mal auf die drey untersten Kronenblaͤtter, und sobald sie dieses that, bog sich der Blumenstiel herab, so daß die Blume voͤllig der Erde zugekehrt war. In dieser Stellung blieb die Biene, bis sie die Blume wieder verließ, worauf diese sogleich wieder in die Hoͤhe fuhr. Ich betrachtete einige Blumen, welche sie besucht hatte, und erkannte den zinnoberfarbenen Staub auf den purpur- farbenen Stigmaten sehr deutlich; auf den unbesuchten Blumen hingegen fand ich denselben nicht. Es ist also keinem Zweifel unterworfen, daß die Biene, selbst beym Staubsammlen, diese Blume befruchtet. Die Blume wird auch von der Hummel, welche ich auf dem Epilobium angustifolium angetroffen habe, besucht. Dieser Art ist Geranium moschatum sehr aͤhnlich; es hat aber kein Saftmaal. Geranium zonale . Tab. XVIII. 15. 17. 19—23. 26—28. 15. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 17. Eine noch nicht voͤllig aufgebrochene Blume, von oben gesehen, nachdem der oberste Ausschnitt des Kelchs umgeschlagen worden. 19. Eine voͤllig aufgebrochene Blume, von oben gesehen, nachdem der oberste Ausschnitt des Kelchs umgeschlagen, und die Kronenblaͤtter groͤßtentheils weggeschnitten worden. 20. Ist die vorhergehende Figur, nachdem die Staubgefaͤße und das Pistill an der Basis queer durchschnitten worden. Die obersten Filamente sind an dieser Stelle noch zusammengewachsen, die untersten aber haben sich schon von einander getrennet. 21. Die vorhergehende Figur, nachdem die Staubgefaͤße und das Pistill noch naͤher an der Basis queer durchschnitten wor- den, wo alle Filamente zusammengewachsen sind. Die Naͤgel der Kronenblaͤtter sind abgerissen worden, und man sieht die Narben, auf welchen dieselben gesessen haben. 22. Der unterste Theil eines von den beiden obersten Kro- nenblaͤttern von außen. 23. Derselbe von innen. 26. Die flach ausgebreitete unterste Haͤlfte der Staubgefaͤße von innen. 27. Die flach ausgebreitete oberste Haͤlfte derselben von außen. 28. Dieselbe von innen. 1. 2. Der Safthalter ist die lange Roͤhre a b Fig. 15., welche oben mit dem Kelch zusammengewachsen ist. Die obere Seite derselben ist duͤnne, die untere aber dicker. Jene wird von dieser Geranium. auswendig durch zwey Furchen abgesondert. Die letztere ist ver- muthlich die Saftdruͤse. 3. Die Veranstaltung, durch welche der Saft vor dem Re- gen geschuͤtzt, und doch zugleich den Insekten ein Zugang zu dem- selben verschafft ist, besteht in Folgendem. Die Filamente sind an der Basis zusammengewachsen, trennen sich aber etwas weiter hinauf in zwey Haͤlften, von welchen die obere mit fuͤnf, die un- tere aber mit zwey Antheren versehen ist. Die obere unterscheidet sich aber von der unteren noch dadurch, daß die beiden kuͤrzesten Filamente derselben dicker sind, als die beiden aͤußersten und laͤng- sten, und besonders als das mittelste, welches auch in Ansehung der Laͤnge zwischen jenen und diesen das Mittel haͤlt. Folglich bilden die beiden kuͤrzesten mit dem mittelsten eine kleine Rinne, welche sich bis an die Oeffnung der Saftroͤhre erstreckt. Auf die- sen kuͤrzesten Filamenten nun liegen die Naͤgel der beiden obersten Kronenblaͤtter. Diese unterscheiden sich von den untersten nicht nur dadurch, daß sie etwas kleiner sind, sondern auch dadurch, daß ihre Naͤgel breiter (welches man an den in Fig. 21. abgebil- deten Narben aller fuͤnf Kronenblaͤtter sieht), und die Raͤnder derselben in die Hoͤhe gebogen sind, Fig. 22., endlich daß die Basis ihres Plaͤttchens hoͤckericht ist, Fig. 22. Auf diesen Naͤ- geln der beiden obersten Kronenblaͤtter liegt der oberste Ausschnitt des Kelchs, welcher sich von den uͤbrigen durch seine groͤssere Breite unterscheidet. Folglich bilden die oberste Haͤlfte der Fila- mente, die Naͤgel der obersten Kronenblaͤtter und der oberste Ausschnitt des Kelchs zusammen gleichsam einen bedeckten Weg, durch welchen zwar ein Insekt seinen Saugeruͤssel bequem hin- durch- und in den Safthalter hineinstecken, kein Regentropfen aber hindurchdringen, und sich mit dem Saft vermischen kann. Diesen bedeckten Weg wird man sich deutlich vorstellen koͤnnen, wenn man in Fig. 17. und 19. dem umgeschlagenen obersten Aus- schnitt des Kelchs in Gedanken wieder seine natuͤrliche Stellung giebt. Diese Beschreibung ist, so wie die Abbildung, nach den Blumen der Varietaͤt gemacht, deren Blaͤtter einen weißen Rand haben. Ich habe nachher Gelegenheit gehabt, die Blumen der anderen Varietaͤt zu untersuchen, und an denselben Folgendes be- merkt. 1) Sie sind etwas kleiner. 2) Die beiden obersten Kro- nenblaͤtter welchen in der Gestalt etwas ab, und sind mit staͤrkeren Adern geziert, als die drey untersten. Diese staͤrkeren Adern sind also das Saftmaal. 3) Die voͤllig aufgebrochene Blume un- terscheidet sich von der in Fig. 15. abgebildeten dadurch, daß die vier untersten Ausschnitte des Kelchs zuruͤckgebogen sind, daher die drey untersten Kronenblaͤtter herabhangen. Der oberste Aus- schnitt des Kelchs hingegen und die Stellung der beiden obersten Kronenblaͤtter stimmen mit der Abbildung uͤberein. Die drey Geranium. untersten Kronenblaͤtter dienen bloß dazu, die Blume bemerkbar zu machen, die beiden obersten aber noch zugleich zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen. 4) Die Blume ist ein Dichogamist von der maͤnnlich-weiblichen Art. Denn solange die Antheren bluͤhen, ist das Stigma noch nicht geoͤffnet, sondern seine Theile liegen dicht an einander. Wann aber die Antheren keinen Staub mehr haben, oder schon abgefallen sind, so breiten sich die Theile des Stigma von einander. 5) Alle Antheren haben den Staub auf der obereren Seite, ausgenommen die mittelste, welche den- selben auf der unteren Seite hat, (Fig. 19. 26—28.); jedoch hat dieselbe eine solche Stellung, daß ein Insekt, welches die Blume besucht, eben sowohl ihren, als der uͤbrigen Antheren, Staub abstreifen muß. Es laͤßt sich also nicht daran zweifeln, daß die Blume von den Insekten befruchtet wird. Geranium lacerum. Diese Art ist in das Linn é i- s che Verzeichniß noch nicht eingetragen. Tab. VII. 1—6. 13. 1. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 2. Eines von den beiden obersten Kronenblaͤttern in einer solchen Stellung, daß der Nagel seiner ganzen Laͤnge nach gesehen wird, da derselbe in der vorhergehenden Figur in der groͤßten Verkuͤrzung erscheint. 3. Ist Fig. 1., nachdem die Kronenblaͤtter abgerissen wor- den. Im Grunde des Kelchs unter dem obersten Ausschnitt des- selben sieht man die Oeffnung der Saftroͤhre. 4. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung, von der Seite gesehen. 5. Der unterste Theil derselben im Durchschnitt. Die (punktirte) Saftroͤhre. 6. Zwey voͤllig erwachsene Fruͤchte in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. Von der ersten ist die vorderste Haͤlfte des Kelchs weggeschnitten worden, damit man die Samenkoͤrner sehen koͤnne. 13. Eine reife Frucht, deren zwey hinterste Samenkoͤrner der Wind schon abgerissen und fortgefuͤhrt hat. 1. 2. Die Saftroͤhre ist hier weit kuͤrzer, als bey der vor- hergehenden Art, wovon die Ursache leicht einzusehen ist. Die vorhergehende hat achtzehn Blumen in Einer Dolde. Saͤßen nun die Blumen auf so kurzen Roͤhren, als hier, so wuͤrden die- jenigen, welche zugleich bluͤhen, nicht Raum genug haben, ihre Krone gehoͤrig auszubreiten. Sie wuͤrden also den Insekten von weitem weniger in die Augen fallen. Gegenwaͤrtige Art aber hat hoͤchstens vier Blumen in jeder Umbelle, welche uͤberdies nicht alle zugleich bluͤhen. Y 3 Geranium. 3. Zwischen dem mit den Filamenten umgebenen Pistill, den Naͤgeln der beiden obersten Kronenblaͤtter und dem obersten brei- teren Ausschnitt des Kelchs kriechen die Insekten in den Safthal- ter hinein; dieser Zwischenraum aber ist zu enge, als daß er einen Regentropfen durchlassen sollte. 4. Die Blume hat eine horizontale Stellung. Der Stiel, welcher die Umbelle traͤgt, sieht meist aufrecht, von welcher Stel- lung die Blumenstiele und die Saftroͤhren nicht sonderlich abwei- chen; der Kelch aber macht mit der Saftroͤhre einen stumpfen Winkel, so daß er beynahe eine voͤllig horizontale Stellung hat. Eben deswegen ist die Blume irregulaͤr, indem die beiden ober- sten Kronenblaͤtter theils weit groͤsser sind, und weit laͤngere Naͤ- gel haben, als die drey untersten, theils mit einem Saftmaal ge- ziert sind, welches diesen fehlt. Die weiße Krone verursacht, daß die Blume, als eine Saftblume, einem Insekt schon von weitem in die Augen faͤllt. Wann das Insekt auf die Blume hingeflo- gen ist, so muß ihm der Weg zum Safthalter gezeigt werden. Nun ist die Oeffnung der Saftroͤhre den obersten Kronenblaͤttern naͤher, als den untersten. Folglich muͤssen die beiden obersten Kronenblaͤtter theils durch ihre vorzuͤgliche Groͤsse, theils durch die purpurfarbenen Adern, mit welchen die Basis ihrer Plaͤttchen geziert ist, sich von den untersten unterscheiden. Ist nun das Insekt bis zu diesen purpurfarbenen Adern gekommen, so erblickt es sogleich im Grunde die Oeffnung der Saftroͤhre von selbst, und hat keinen Wegweiser weiter noͤthig. Daher erstrecken sich die purpurfarbenen Adern nicht auf den Naͤgeln bis zu jener Oeff- nung, sondern hoͤren gleich beym Anfange der Naͤgel auf, Fig. 2. Hieraus erhellet die große Sparsamkeit, welche die Natur in An- sehung ihrer Farben beobachtet. Nachdem die Blume verbluͤhet ist, so faͤngt der befruchtete schnabelfoͤrmige Fruchtknoten an zuzunehmen, und zugleich sich aufrecht zu stellen. Die Frucht konnte nemlich nicht, wie die Blume, horizontal stehen bleiben, sondern mußte eine aufrechte Stellung erhalten, wovon man den Grund bald einsehen wird. Wann die Frucht voͤllig reif geworden ist, so springen die Samen- behaͤltnisse, von der Sonnenhitze getrocknet, zwar auch mit dem groͤßten Theil ihrer Grannen vom Schnabel ab, wie bey dem Geranium palustre, doch mit dem Unterschiede, daß ihre Gran- nen sich zugleich schneckenfoͤrmig drehen, sie selbst aber ihre Sa- menkoͤrner nicht herauswerfen, sondern behalten. Denn die Sa- menbehaͤltnisse sollen vom Winde losgerissen und weit fortgefuͤhrt werden. Deswegen bleiben sie 1) mit dem Ende der Grannen oben am Schnabel so fest sitzen, daß weder ihre Schwere, noch die fortdauernde Sonnenhitze im Stande ist, sie von demselben abzuloͤsen. Hievon kann man sich durch die Erfahrung uͤberzeu- Geranium. Althaea. gen. Man schneide nemlich einen Stiel ab, welcher mit reifen Fruͤchten, deren Samenbehaͤltnisse insgesamt vom Schnabel ab- gesprungen sind, versehen ist, und stelle denselben auf ein Fenster, welches auf der Mittagsseite des Hauses befindlich ist, und nie- mals geoͤffnet wird. Hier kann derselbe den ganzen uͤbrigen Theil des Sommers hindurch stehen bleiben, ohne daß die Samenbe- haͤltnisse abfallen, da sie doch theils der Sonnenhitze ausgesetzt sind, theils bald in eine solche Stellung versetzt werden, in wel- cher sie wegen ihrer eigenen Schwere am leichtesten abfallen koͤn- nen. Nach einigen Tagen wird nemlich das Stielchen einer jeden Frucht von der Sonnenhitze welk, und ist nicht mehr im Stande die Frucht zu tragen. Diese senket sich also herab, und kehret die Spitze des Schnabels der Erde zu. Die Samenbehaͤltnisse sinken vermoͤge ihrer Schwere auch herab, so daß sie nun eben so tief unter der Spitze des Schnabels stehen, als vorher. Daß dieses geschehen muͤsse, sieht man ein, wenn man die 13. Figur um- kehrt. 2) Die Grannen sind auf der inneren Seite mit einer Reihe von sehr feinen Haaren versehen. Solange sie noch am Schnabel anliegen, werden diese Haare dicht uͤber einander liegend an die innere Seite angedruͤckt. Sobald sich aber die Granne zu kruͤmmen und zu drehen anfaͤngt, so fangen auch die Haare an theils mit der Granne, theils mit einander selbst einen Winkel zu machen, so daß sie nunmehr einen ansehnlichen Raum einnehmen, Fig. 13. Nun hat die Sonne das Ihrige gethan. Sie hat dem Winde sehr wohl vorgearbeitet, welcher die Samenbehaͤltnisse samt ihren haarichten Grannen losreißet, und, weil diese jenen gleichsam zum Fallschirm dienen, weit fortfuͤhrt, und die Sa- menkoͤrner in weiten Entfernungen von der Mutterpflanze aus- saͤet. Die reife Frucht mußte daher eine aufrechte Stellung ha- ben, weil dieses grade diejenige ist, bey welcher die Samenbe- haͤltnisse am festesten sitzen. Bliebe die Frucht horizontal stehen, so wuͤrden die auf der unteren Seite derselben sitzenden Samenbe- haͤltnisse von dem geringsten Luͤftchen losgerissen werden, und nicht weit von der Mutterpflanze auf die Erde fallen. Geranium quercifolium . Tab. VII. 7. Eines von den beiden obersten Kronenblaͤttern. Diese Art ist der vorhergehenden in der Struktur aͤhnlich. Die Krone ist weiß; die beiden obersten Kronenblaͤtter aber sind mit purpurfarbenen Duͤpfeln und Linien geziert, doch sind sie nicht groͤsser, als die drey untersten. Althaea. Althaea officinalis. Sie ist der Malua in der Struk- tur aͤhnlich. Sie hat eine weiße Krone, aber weder ein Saft- maal, noch einen Geruch. Es halten sich Blasenfuͤße in derselben Alcea. auf, welche allenthalben, und auch auf den Befruchtungstheilen umherkriechen, ohne jedoch, wie ich glaube, die Blume zu be- fruchten. Auch Fliegen naͤhren sich von ihrem Saft. Alcea. Alcea rosea. Gartenmalve. Tab. XVIII. 33—37. Tab. XXV. 1. 3. Tab. XVIII. 33. Der vergroͤsserte unterste Theil der Blume. Vom Kelch ist vorne so viel weggeschnitten worden, daß man zwischen den Naͤgeln zweyer Kronenblaͤtter einen Safthalter und die uͤber demselben befindliche haarichte Saftdecke sieht. 36. Der Grund des Kelchs in natuͤrlicher Groͤsse, wo hin- ter dem Fruchtknoten die fuͤnf (punktirten) Saftdruͤsen zum Theil hervorragen. 34. Derselbe, nachdem der Fruchtknoten weggeschnitten worden, wodurch die Saftdruͤsen ganz zum Vorschein gekommen sind. 35. Die Blume in natuͤrlicher Groͤsse. Im Grunde der Krone das (punktirte) Saftmaal. Es ist eine juͤngere Blume. 37. Die groͤssere Haͤlfte der Krone von innen. Zwischen der Basis des mittelsten Kronenblatts und der Basis der beiden uͤbri- gen sieht man die durch Haare verschlossene Oeffnungen zweyer Safthalter, und bey a und b sieht man, daß die Basis der Kronenblaͤtter sehr dicke, der Safthalter folglich sehr geraͤu- mig ist. Tab. XXV. 1. Eine juͤngere Blume in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung, nachdem die vorderste Haͤlfte des Kelchs und der Krone weggeschnitten worden, damit man die dem Saft nachge- hende Biene sehen koͤnne. 3. Eine aͤltere Blume. Linn é hat in der Althaea, Alcea, Malua und Lauatera, welche zusammen nur Eine natuͤrliche Gattung ausmachen, kein Nectarium gefunden. Pollich , welcher seine Pflanzen sehr genau untersucht und beschrieben hat, sagt in der Beschreibung der Malua moschata: Vngues (segmentorum corollae) villis albis ciliati sunt. Haͤtte er nun etwas von der Saftdecke ge- wußt, so wuͤrde er unter diesen Haaren den Saft und die Saft- druͤsen gesucht und gefunden haben. Weil er aber nicht einsahe, wie sicher sich von der Gegenwart der Haare in einer Blume auf die Gegenwart des Safts schließen laͤßt, so faͤhrt er also fort: Nectaria nulla vidi. Kruͤnitz sagt, daß die Malven den Bie- nen auch Stoff zu Honig geben, daß insonderheit Malua syl- uestris uͤberaus honigreich sey. Auch Gleditsch sagt S. 181., daß Malua syluestris und M. rotundifolia den Bienen Stoff zu Honig liefern; hingegen von der Althaea officinalis und der Alcea. Malua Alcea sagt er S. 190. bloß, daß sie den Blenen Stoff zu Wachs geben, so wie auch von der Lauatera Thuringiaca S. 225. Ob er die eigentlichen Saftdruͤsen bey jenen gesehen habe, daran zweifele ich. 1. Die fuͤnf Saftdruͤsen sind im Grunde des Kelchs befind- lich, und haben das Ansehen runder gelber Flecken. Daß man dieselben nicht leicht finden kann, koͤmmt daher, daß da, wo sie sich befinden, der Kelch sehr dicht und fest an der Krone anliegt. Schneidet man aber die Krone und den Fruchtknoten heraus, so sieht man sie sehr deutlich. 2. Die Saftdruͤsen wechseln mit den Naͤgeln der Kronen- blaͤtter ab. Zwischen diesen Naͤgeln sind Zwischenraͤume, welche von ansehnlicher Breite und Tiefe sind, weil die Naͤgel schmal und dick sind. Diese Zwischenraͤume nun enthalten den Saft, welcher von den in ihrem Grunde befindlichen Saftdruͤsen abge- sondert wird. 3. Gegen den Regen ist der Saft voͤllig gesichert. Denn die Naͤgel der Kronenblaͤtter sind an den Ecken, welche ihre innere oder obere Seite mit ihren Raͤndern macht, mit Haaren ver- sehen, welche die Zwischenraͤume derselben, als die Safthalter, bedecken. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Krone ist im Grunde weiß, welche Farbe gegen die Farbe des uͤbrigen Theils stark absticht. Die Filamente und Stigmate sind auch weiß. 5. Die Blume wird von den Bienen nicht nur besucht, son- dern auch befruchtet. Auf welche Art dieses geschieht, habe ich in Tab. XXV. 1. 3. vorgestellt. Die erste Figur stellt eine juͤngere Blume vor, deren Antheren bluͤhen, deren Stigmate hingegen noch zwischen den Filamenten verborgen sind. Dieselbe wird von einer Biene besucht. Indem diese in den Grund derselben hinein- kriecht, um zum Saft zu gelangen, so muß sie nothwendig die Antheren beruͤhren, und den Staub von denselben abstreifen. Denn die Filamente nebst den Antheren bilden einen ansehnlichen Buͤschel, zwischen welchem und der Krone grade so viel Zwischen- raum ist, daß die Biene zwar hindurchkommen kann, zugleich aber mit ihrem Koͤrper den Staub der Antheren abstreifen muß, und zwar nicht von einer Seite, sondern von allen. Denn da der Saft sich in fuͤnf Safthaltern befindet, welche um das Saͤul- chen, welches die Filamente und die Griffel bilden, ringsherum stehen: so muß die Biene, wenn sie des ganzen Saftvorraths theilhaftig werden will, um den Antherenbuͤschel herumkriechen, und den Staub von allen Seiten abstreifen. Daher ist dieselbe, nachdem sie eine oder einige juͤngere Blumen besucht hat, am ganzen Koͤrper voller Staub, wie die Muͤller. Mit diesem Staube beladen fliegt die Biene hierauf zu einer aͤlteren Blume hin, Alcea. Malua. Fig. 3. In dieser bilden die Stigmate, oder vielmehr die Grif- fel, deren innere Seite das Stigma ist, einen eben so ansehnli- chen Buͤschel, als in der juͤngeren Blume die Staubgefaͤße; die Staubgefaͤße hingegen sind, nachdem sie bey dem oftmaligen von den Bienen erhaltenen Besuch ihren Staub nach und nach verlo- ren haben, zusammengeschrumpft, und haben sich tiefer in den Grund der Krone hineingezogen, so daß sie nun von dem Griffel- buͤschel meist verdeckt werden. Hier kann also die Biene eben so wenig zum Saft gelangen, ohne diesen Buͤschel von allen Seiten zu beruͤhren, und die Stigmate mit dem an ihrem Koͤrper haf- tenden Staub zu uͤberstreichen. Auf solche Art werden also die aͤlteren Blumen von den Bienen vermittelst des Staubes der juͤn- geren befruchtet. Um die Dichogamie, welche vermuthlich bey allen Malven- blumen Statt findet, zu beweisen und anschaulich vorzustellen, habe ich diese Blume um so viel lieber gewaͤhlt, da sie fast in al- len Gaͤrten anzutreffen, einem Jeden bekannt, endlich auch von ansehnlicher Groͤsse ist, so daß man kein Vergroͤsserungsglas noͤ- thig hat. Wer sich also von der Dichogamie uͤberzeugen will, begebe sich, wann es schoͤnes warmes Wetter ist, in einen Gar- ten, wo diese Blumen stehen, und er wird nicht nur Bienen auf denselben antreffen, sondern auch sehen, daß sie von denselben auf die beschriebene Art befruchtet werden. Malua. Malua syluestris. Roßpappeln. Tab. XIX. 1. 48. Tab. XXIII. 1—4. Tab. XIX. 1. Die vergroͤsserte Blume, von oben gesehen. Die Staubgefaͤße und die Griffel sind weggeschnitten worden, da- mit man die Saftdecken besser sehen koͤnne. 48. Der unterste Theil der Blume von der Seite, nachdem der Kelch umgeschlagen worden. Man sieht zwey Saftdecken zwi- schen den Naͤgeln der drey vordersten Kronenblaͤtter, und unter denselben auf dem Kelch zwey (punktirte) Saftdruͤsen ganz, und zwey andere halb. Tab. XXIII. 1. Die bluͤhenden Staubgefaͤße einer juͤngeren Blume. 2. Die noch nicht bluͤhenden Stigmate einer juͤngeren Blume. 3. Die bluͤhenden Stigmate einer aͤlteren Blume, deren Staubgefaͤße verwelkt sind. 4. Ein noch staͤrker vergroͤssertes Stigma. 1—3. Mit den Saftdruͤsen, den Safthaltern und den Saft- decken verhaͤlt es sich bey dieser Gattung, wie bey der vorherge- Malua. henden. Die Saftdruͤsen sind in dieser Art dreyeckicht und blaßgruͤn. 4. Die Kronenblaͤtter sind blaßroth, und mit fuͤnf gesaͤttigt- rothen Streifen geziert, welche sich nach dem Mittelpunkt der Blume hinziehen, Tab. XIX. 1., folglich den Insekten zeigen, an welcher Stelle der Saft befindlich ist. 5. Daß auch diese Blume ihren Saft bloß zu ihrem eigenen Vortheil bereite, um nemlich von den Insekten, welche denselben genießen, befruchtet zu werden, und daß die Befruchtung un- moͤglich auf eine mechanische Art geschehen koͤnne, erhellt unwi- dersprechlich daraus, daß ihre Antheren und ihre Stigmate nicht zu gleicher Zeit bluͤhen. Denn anfangs, wann die Antheren bluͤhen, nehmen dieselben einen großen Raum ein, weil die Fila- mente sich nach allen Seiten ausgebreitet haben, Tab. XXIII. Fig. 1.; die Stigmate hingegen sind zwischen den Filamenten be- findlich, und liegen dicht an einander, Fig. 2. Sie koͤnnen folglich nicht bestaͤubt werden. Wann aber die Antheren verbluͤ- het sind, so schrumpfen die Filamente zusammen, und nehmen nebst den Antheren einen weit kleinern Raum ein, als vorher; die Stigmate hingegen haben sich unterdessen verlaͤngert, und breiten sich auseinander, Fig. 3. Nunmehr koͤnnten sie zwar be- staͤubt werden; es ist aber kein Staub mehr vorhanden. Folg- lich geschieht auch hier die Befruchtung durch Insekten, ver- muthlich auch besonders durch Bienen, auf eben dieselbe Art, als bey der Alcea. Die innere Seite der Griffel oder das Stigma ist mit kurzen Borsten uͤberzogen, Fig. 4., damit die Bestaͤubung desselben desto leichter und sicherer erfolge. Malua rotundifolia. Kaͤsepappeln. Tab. XIX. 2. 3. 2. Eine vergroͤsserte bey schoͤner Witterung geoͤffnete Blume, von oben gesehen. 3. Eine des Nachts, oder bey Tage bey schlechter Witterung geschlossene Blume. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dienen in dieser Blume auch die Staubgefaͤße und die Griffel. Denn an einem Tage, vor welchem es vierundzwanzig Stunden lang stark und fast unaufhoͤrlich geregnet hatte, fand ich dieselben naß, den Grund der Kronenroͤhre hingegen trocken. Ferner schließen sich die Blumen des Nachts, und auch, wann es regnet, bey Tage, so daß die Krone alsdann eine walzenfoͤrmige Gestalt erhaͤlt. 4. Die Krone ist weiß, und nach der Peripherie zu ein we- nig blaßroth. Rothe breitere und schmaͤlere Linien ziehen sich auf derselben bis zu den Safthaltern hin, Fig. 2. Malua verticillata . Tab. XIX. 4. 5. 4. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Gestalt. 5. Die Malua. Fumaria. 5. Die gleich stark vergroͤsserte Blume, nachdem der Kelch, wie auch die Filamente und die Griffel weggeschnitten worden. 3. Diese Art hat keine Haare an den Naͤgeln der Kronen- blaͤtter, und zwar aus dem Grunde, weil der Saft auch ohne dieselben gegen den Regen hinlaͤnglich gesichert ist. Denn sie ist eine von den kleinsten der ganzen natuͤrlichen Gattung, daher ist der Zwischenraum zwischen dem Buͤschel der Staubgefaͤße und der Griffel zu enge, als daß ein Regentropfen sollte durchdringen koͤnnen. Der Kelch druͤckt die Krone zusammen, und diese jenen aus einander. Schneidet man also den Kelch weg, so faͤllt die Krone aus einander, Fig. 5. Folglich liegen beide sehr fest an einander, und zwischen beiden ist nicht der geringste Zwischenraum. Sowie der Endzweck dieser Einrichtung ohne Zweifel dahin geht, daß zwischen dem Kelch und der Krone kein Regentropfen zum Saft dringen koͤnne, eben so bezieht sich derselbe auf die Insek- ten, daß sie nemlich nicht anders zum Saft kommen sollen, als indem sie in die Krone hineinkriechen. Und da sie dies nicht thun koͤnnen, ohne zugleich die Antheren und die Stigmate zu beruͤh- ren, so muͤssen sie nothwendig die Blumen befruchten. Lauatera. Hibiscus. Fumaria. Polygala. 4. Die Krone ist weiß, nach der Peripherie zu blaßpurpur- farben. Mit Linien von gesaͤttigterer Farbe ist sie nicht geziert, ver- muthlich, weil dieses wegen ihrer Kleinheit nicht noͤthig ist, Fig. 4. 5. Malua Capensis wird von Bienen besucht. Lauatera. Lauatera arborea hat mit der Malua eine gleiche Struktur. Hibiscus. Daß auch die zu dieser Gattung gehoͤrenden Arten Saftblu- men sind, lehren mich meine getrockneten Exemplare. Am Hi- biscus Syriacus finde ich eben solche Saftdecken, als Malua hat. An eben demselben, am Hibiscus cannabinus, Manihot und Trionum faͤllt das Saftmaal stark in die Au- gen. Die Naͤgel der Kronenblaͤtter sind nemlich von anderer und dunklerer Farbe, als der Saum derselben. Auch scheint bey die- sen Blumen die Dichogamie Statt zu finden. Siebenzehnte Klasse. Diadelphia. Zwitterblumen, deren Filamente in zwey Koͤrper zusammengewachsen sind . Fumaria. F umaria officinalis. Erdrauch. Tab. XIX. 6. 7. 6. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. Das Saftmaal ist punktirt. 7. Dieselbe, nachdem das oberste Kronenblatt abgerissen worden, wodurch die (punktirte) Saftdruͤse zum Vorschein ge- kommen ist. Linn é nennt die Basis des obersten Kronenblatts das Nec- tarium. Er hat Recht, wenn er dadurch bloß den Safthalter, Unrecht aber, wenn er dadurch zugleich die Saftdruͤse versteht. Pollich hat mehr, als Linn é , gesehen, nemlich die eigent- liche Saftdruͤse, welches aus seiner Beschreibung der Gattung erhellt; und dennoch, weil er dieselbe nicht fuͤr das hielt, was sie ist, sagt er in der Beschreibung dieser Art: Nectaria nulla vidi. 1. Die Saftdruͤse ist der kleine Sporn, welcher aus dem Blumenhalter hinter der Basis des obersten Filaments entsteht, und sich innerhalb der Basis des obersten Kronenblatts befindet. 2. An der unteren Seite der Saftdruͤse sitzt ein Saft- tropfen. 3. Der Augenschein lehrt, daß dieser Safttropfen vor dem Regen voͤllig geschuͤtzt ist. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die blaßpurpur- farbene Krone ist vorne dunkelpurpurfarben; die beiden Hoͤcker aber auf dem obersten und untersten Kronenblatt sind gruͤn. Noch deutlicher sieht man das Saftmaal an der Fumaria capreo- lata, deren Krone blaßgelb, vorne aber dunkelpurpurfarben ist. Tiefer in die sonderbare Struktur dieser Blume einzudringen, hat es mir bisher an Zeit und Gelegenheit gefehlt. Polygala. Polygala vulgaris. Natterbluͤmchen. Auch diese kleine Blume ist eine Saftblume, obgleich weder Linn é noch Pollich solches bemerkt hat. 1. Die Saftdruͤse ist der glatte Fruchtknoten selbst. Z Polygala. Spartium. 2. Der Safthalter ist der unterste inwendig glatte Theil der Kronenroͤhre. 3. Die Oeffnung der Kronenroͤhre wird durch zwey kleine Haͤutchen verschlossen, welche Pollich elastisch gefunden haben will, welches, wenn es seine Richtigkeit damit hat, merkwuͤrdig ist. Ferner sind hinter diesen Haͤutchen die Antheren und das Stigma befindlich. Endlich ist der oberste Theil der Kronenroͤhre bis zum Safthalter inwendig haaricht. 4. Weil die Blumen eine aufrecht stehende Aehre bilden, so mußten sie eine horizontale Stellung haben, und wegen dieser Stellung irregulaͤr seyn. Weil nun die Krone selbst sehr klein ist, und an und fuͤr sich den Insekten nicht sonderlich in die Augen fallen kann, so ersetzen diesen Mangel die beiden großen Kelch- blaͤtter, welche eben so gefaͤrbt sind, als die Krone. Diese hat Linn é zuerst zur Krone, hernach aber zum Kelch gerechnet. Beides ist richtig; das Erstere, weil diese Blaͤtter, solange die Blume bluͤhet, mit der Krone einen und eben denselben Endzweck befoͤrdern, nemlich die Blume den Insekten bemerkbar machen; das Letztere aber, weil der Fruchtknoten, nachdem er befruchtet worden ist, zwar die Krone, nicht aber diese Blaͤtter abwirft. Diese aber behalten alsdenn nicht ihre Farbe, sondern werden gruͤn. Dies geschieht vermuthlich deswegen, damit sie nun eben so wenig von gewissen Insekten bemerkt werden, als sie vorher wegen ihrer Farbe von andern Insekten unbemerkt bleiben konn- ten. Denn vielleicht gehen gewisse Insekten der jungen und zar- ten Frucht nach, welche sie umfassen. Eben diesen Endzweck schreibt Wahlboom in der oft angefuͤhrten Dissertation einem gewissen bey einigen Valantien vorkommenden Umstande zu. Der pinselfoͤrmige Anhang an der Oeffnung der Kronenroͤhre scheint bloß deswegen da zu seyn, damit diese Oeffnung desto leichter be- merkt und gefunden werde. Spartium. Wahlboom sagt: Plantae diadelphae, quae flores te- nent plerumque ad angulum acutum a linea perpendiculari nutantes, stamina et pistilla ferunt declinata intra carinam corollae compressam, vt eo facilitetur fecundatio, vexillo pluuias arcente. Hiebey habe ich Folgendes zu erinnern. 1) Die von ihm angegebene Stellung der Blumen, da sie nemlich das Mittel zwischen horizontalen und grade herabhangenden Blumen halten sollen (denn anders lassen sich seine Worte nicht erklaͤren, besonders, wenn man an den Endzweck denkt, welchen er der Fahne zuschreibt), ist, wenigstens in unserm Klima, nicht die gewoͤhnlichste, sondern vielmehr die horizontale, oder diejenige, welche zwischen der horizontalen und der aufrechten das Mittel Spartium. haͤlt, ist es. Jene Stellung kann bey Baͤumen, oder bey Pflan- zen, welche sich um Baͤume ranken, Statt finden, deren Blu- men, wenn sie auch der Erde zugekehrt sind, dennoch von den Insekten, welche unterhalb der Krone des Baums umherfliegen, leicht bemerkt werden koͤnnen, wie bey der Linde, keinesweges aber bey niedrigen Pflanzen. Zu den ersten gehoͤren z. B. Ro- binia Pfeudacacia, Dolichos altissimus, vermuthlich auch Do- lichos pruriens. Diese haben herabhangende Trauben, deren Blumen zwischen den horizontalen und herabhangenden das Mit- tel halten. Zu den letzteren hingegen gehoͤren fast alle unsere ein- heimische Gewaͤchse aus dieser Klasse. Ihre Blumen muͤssen ho- rizontal, oder ein wenig aufrecht stehen, wenn sie von den In- sekten sollen bemerkt werden koͤnnen. Denn die Insekten fliegen nicht unter denselben, sondern uͤber denselben und um dieselben umher. 2) Die Antheren und das Stigma sind nicht deswegen in dem Schiffchen eingeschlossen, damit dieses von jenen bestaͤubt werde, sondern damit jene sowohl als dieses vor der Naͤsse ver- wahrt seyen. 3) Folglich kann nicht die Fahne zur Beschuͤtzung dieser Theile vor dem Regen dienen sollen, weil dieses theils nicht noͤthig ist, theils dieselbe in den wenigsten Faͤllen dies zu thun im Stande ist. Denn beym Orobus und bey der Colutea steht die Fahne aufrecht, hat also grade diejenige Stellung, in welcher sie am allerwenigsten Regentropfen auffangen kann. Hingegen der Nagel der Fahne dient zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen, und hat daher eine horizontale Stellung. Die Fahne selbst aber dient dazu, der Blume das meiste Ansehen zu verschaf- fen. Deswegen ist sie groß, und hat mehrentheils eine aufrechte Stellung, ist auch mehrentheils an ihrer Basis mit dem Saft- maal geziert, weil unter derselben der Eingang fuͤr die Insek- ten ist. In der Dissertation de nectariis florum wird gesagt, daß die Blumen dieser Klasse an der oberen Seite der Basis des Fruchtknotens eine Honigdruͤse haben, welcher wegen sich die Basis des einfachen Filaments kruͤmme. An dieser Stelle habe ich noch in keiner Art eine Saftdruͤse gefunden. In der Vicia Faba sitzt die Saftdruͤse nicht auf der oberen, sondern auf der unteren Seite des Fruchtknotens. Spartium scoparium. Rehkraut. Obgleich die Bie- nen und Hummeln diese Blume haͤufig besuchen, so habe ich doch keinen Saft in derselben gefunden. Die Filamente machen nur Einen Koͤrper aus, und haben an der Basis nicht die beiden ge- woͤhnlichen Oeffnungen. Da, wo der Nagel der Fahne einge- fuͤgt ist, ist eine gelbe druͤsenfoͤrmige Erhoͤhung, allein kein Saft auf derselben. Einmal fand ich eine Hummel auf den Blumen, welche Staub sammlete, von welchen auf ihren Hinterbeinen eine Genista. Vlex. Lupinus. Phaseolus. große Menge zu sehen war. Ob nun gleich die Blume keinen Saft enthaͤlt, so hat sie doch ein Saftmaal. Denn die Krone ist gelb, die Fahne aber da, wo sie sich aufwaͤrts biegt, in der Mitte mit einigen rothen Linien geziert. Genista. Genista tinctoria und G. pilosa . In beiden Ar- ten habe ich keinen Saft gefunden. Vlex. Vlex Europaeus. Hat auch keinen Saft. Lupinus. Lupinus luteus. Auch in dieser Blume habe ich bisher noch keinen Saft gefunden, welchen sie doch wahrscheinlich hat, da sie 1) einen Geruch und 2) ein Saftmaal hat, obgleich das letztere sich nicht an der gewoͤhnlichen Stelle befindet. Denn die Krone ist gelb, der Schnabel des Schiffchens aber dunkelblau. Folglich scheint hier der Eingang fuͤr die Insekten zu seyn. Da nun im Schnabel des Schiffchens sich die Antheren und das Stigma befinden, so scheint die Blume von den Insekten be- fruchtet zu werden. Eben diese Einrichtung finde ich bey der Vicia Benghalensis. Denn die Krone ist hochroth, der Schnabel des Schiffchens aber schwarz. Phaseolus. Phaseolus vulgaris β. Tuͤrkische Bohne. Tab. XIX. 8. 9. 13—15. 8. Der roͤhrenfoͤrmige Koͤrper, welcher die Basis des Frucht- knotens umgiebt, und wahrscheinlich die Saftdruͤse ist. 9. Das Pistill nebst dem einfachen Filament. 13. Dieses Filament von oben, 14. von unten, 15. von der Seite. 1. Ich bin ungewiß, ob ich entweder den blaßgelben roͤh- renfoͤrmigen Koͤrper, welcher die Basis des Fruchtknotens um- giebt, oder den fleischichten Koͤrper, welcher auf dem einfachen Filament sitzt, fuͤr die Saftdruͤse halten soll. Den ersten Koͤrper habe ich trocken, auf der hinteren Seite des letzten Saft gefun- den. Demungeachtet koͤmmt es mir wahrscheinlicher vor, daß jener die Saftdruͤse sey. Denn jener bleibt, wann die Blume verbluͤhet ist, sitzen; dieser aber faͤllt alsdenn mit seinem Fila- ment ab. 2. Der Saft befindet sich in dem Zwischenraum zwischen dem Nagel der Fahne und dem einfachen Filament hinter dem fleischich- Phaseolus. Dolichos. Pisum. Orobus. ten Koͤrper des letzteren. Hier habe ich kleine Insekten ange- troffen. 3. In diesen Safthalter laͤßt der fleischichte Koͤrper keinen Regentropfen hineindringen. Zu dem Ende umfaßt die Fahne diesen Koͤrper mit ihren beiden schwachen Hoͤckern, und wird vom Kelch an denselben fest angedruͤckt. 5. Daß diese Blume von Insekten befruchtet wird, werde ich unten bey der Vicia Faba beweisen. Dolichos. Dolichos Lablab. 1. Die Saftdruͤse ist der roͤhrenfoͤrmige Koͤrper, welcher die Basis des Fruchtknotens umgiebt. 2. Der Saft befindet sich zwischen der Saftdruͤse, dem zu- sammengewachsenen und dem einfachen Filament. Damit dieser Zwischenraum desto groͤsser werde, erweitert sich das erstere Fila- ment an der Basis, und das letztere biegt sich gleich bey seinem Ursprung in die Hoͤhe. 3. Die besonders gestalteten Schwielen an der Fahne, welche Linn é schon bemerkt hat, und die Einrichtung sowohl des einfa- chen Filaments, welches an den Nagel der Fahne und an das zusammengewachsene Filament sehr genau schließt, als auch des zusammengewachsenen, welches vorne, ehe es sich erweitert, vom einfachen bedeckt wird, dienen zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen. Die Insekten stecken ihren Saugeruͤssel zwischen dem einfachen und dem zusammengewachsenen Filament in den Saft- halter hinein. Sobald sie denselben wieder herausziehen, so druͤckt der Nagel der Fahne, welcher vom Kelch gedruͤckt wird, das einfache Filament an das zusammengewachsene, und der Ein- gang in den Safthalter ist wieder verschlossen. Pisum. Pisum satiuum. Erbse. In dieser Blume habe ich den Saft oftmals vergebens gesucht, endlich aber doch gefunden. Sie hat ungefaͤhr die Struktur des Lathyrus odoratus. Sie wird von einer großen Hummel besucht. Da dieselbe sich aber nicht auf das Schiffchen, sondern seitwaͤrts setzt, und alsdenn ihren Saugeruͤssel zwischen dem Nagel des einen Fluͤgels und dem Nagel der Fahne in den Safthalter steckt: so sehe ich nicht ein, wie sie dadurch die Befruchtung der Blume hervorbringen koͤnne. Orobus. Orobus niger . Tab. XIX. 10—12. 10. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. Z 2 Orobus. Lathyrus. 12. Dieselbe, von der Seite gesehen. 11. Die beiden Oeffnungen des Safthalters. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der Grund des Kelchs. 3. Der Nagel der Fahne druͤckt auf die unter demselben be- findlichen Theile, und laͤßt keinen Regentropfen durch. Die In- sekten kriechen unter demselben hinein, und hierauf durch die bei- den Oeffnungen, welche das einfache Filament mit dem zusam- mengewachsenen macht, in den Safthalter. Daß der Kelch auf der oberen Seite kuͤrzer ist, als auf der unteren, scheint bloß dazu zu dienen, daß die Insekten den Nagel der Fahne desto leichter in die Hoͤhe druͤcken, und unter demselben in den Safthalter hineinkriechen koͤnnen. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn die Fahne ist roͤther gefaͤrbt, als der uͤbrige Theil der Krone, und mit Adern geziert, welche sich nach dem Nagel derselben, und also nach der Stelle hinziehen, wo die Insekten hineinkriechen muͤssen, um zum Saft zu gelangen, Fig. 10. Lathyrus. Lathyrus odoratus. 1. Die Saftdruͤse ist die fleischichte inwendig blaßgelbe Basis des Kelchs. 2. Der Safthalter ist theils der Grund des Kelchs, theils der Grund der Roͤhre, welche die Filamente bilden. Hier fand ich einige Blasenfuͤße. 3. Der Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert. 4. Die Blume hat ein Saftmaal. Denn bey der ersten Va- rietaͤt sind die Fluͤgel und das Schiffchen weiß, die Fahne aber blaßroth; bey der zweyten sind die Fluͤgel und das Schiffchen blaßviolett, die Fahne aber dunkelroth, und am Nagel violett mit Linien von gesaͤttigterer Farbe. Lathyrus fatiuus β. Hat eben dieselbe Einrichtung, und sehr viel Saft. Die ganze Krone ist weiß. Lathyrus palustris. Bruchwicke. Hat auch viel Saft und eine aͤhnliche Einrichtung. Lathyrus latifolius. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der Grund der Roͤhre, welche die Filamente bilden. 3. Der Saft ist eben so, wie beym Orobus, gegen den Re- gen gesichert. 4. Die Krone, soweit sie den Bienen, welche die Blume be- suchen, und vermuthlich auch zur Befruchtung derselben bestimmt sind, in die Augen fallen soll, ist rosenfarben. Die Fluͤgel und das Schiffchen sind unterwaͤrts ungefaͤrbt oder weiß, weil hier die Lathyrus. Vicia. Bienen nichts zu schaffen haben. Das Schiffchen aber ist auch oberwaͤrts, folglich ganz, ungefaͤrbt, weil es daselbst von den beiden Fluͤgeln, welche sich um dasselbe herumbiegen, verdeckt wird, und es folglich ohne Nutzen seyn wuͤrde, wenn es gefaͤrbt waͤre. Damit nun die Bienen merken, daß im Grunde der Blume Saft enthalten ist, so ist 1) der mittelste Theil der Krone, nemlich der vorderste oder oberste Theil der Fluͤgel, und der un- terste mittelste Theil der Fahne, blutroth. Auch ist die letztere auf ihrer ganzen Oberflaͤche mit Linien von gesaͤttigterer Farbe ge- ziert, welche in dem blutrothen Fleck am staͤrksten sind. 2) In der Mitte dieses blutrothen Flecks ist ein gruͤnlichgelber Fleck, welcher den Bienen zeigt, daß sie unter dem Nagel der Fahne den Saft finden werden. Dieser Anweisung folgen sie, und er- reichen ihren Endzweck; nicht weniger aber erreicht die Natur den ihrigen. 5. Es halten sich viel Blasenfuͤße in der Blume auf. Ei- nige fand ich im Safthalter, noch mehrere im Schiffchen. Daß aber die Blume nicht von ihnen, welches ich anfangs geglaubt habe, sondern von den Bienen befruchtet werde, wird sich aus demjenigen ergeben, was ich von der Vicia Faba sagen werde. Vicia. Vicia sepium. Zaunwicke. Tab. XIX. 16. 17. 16. Die vergroͤsserten Blattohren, von oben gesehen. 17. Dieselben, noch staͤrker vergroͤssert, von unten gesehen. Die Blume hat ungefaͤhr die Struktur des Orobus niger, außer, daß sie eben eine solche Saftdruͤse hat, als Vicia Faba. Die Pflanze bereitet nicht nur in ihren Blumen, sondern auch auf ihren Blattohren fuͤr die Insekten Saft. Diese haben nemlich auf ihrer unteren Seite ein kleines Hoͤhlchen, welches nicht so dunkelgruͤn, als dieselben, sondern ein wenig gelblich ist, und ein Safttroͤpfchen enthaͤlt. Die großen Waldameisen gehen diesem Saft sehr nach. Daher koͤmmt es, daß man denselben, wenn man die Pflanzen an ihrem Standort besieht, selten an- trifft, weil er von diesen Insekten schon verzehrt worden ist. Wenn man aber einige Stengel mit nach Hause nimmt, und sie ins Wasser stellt, so findet man nach einigen Tagen diese Hoͤhl- chen voller Saft. Auch dieser Saft ist gegen den Regen gesichert, da er sich auf der unteren Seite der Blattohren befindet. Wenn Kruͤnitz S. 664. sagt, daß die Bienen nicht die Blumen der Wicken besuchen, sondern nur mit ihrer Zunge den Stengel belecken sollen: so kann der zweyte Satz nicht anders als von diesem Saft der Blattohren verstanden werden. Denn sonst wuͤßte ich nicht, was die Bienen vom Stengel ablecken soll- ten. Was aber den ersten Satz betrifft, so sagt Gleditsch Vicia. S. 202. hingegen, daß die Blumen der Vicia satiua und der meisten Wickenarten den Bienen des Honigs wegen nuͤtzlich sind. Vicia satiua α. Die Pflanze hat auch in den Hoͤhlchen ihrer Blattohren Saft, welchem die Ameisen nachgehen. Die Blume wird von einem Daͤmmerungsschmetterling, Sphinx Eu- phorbiae, besucht, welches ich im August Abends um sieben Uhr gesehen habe. In dieser Varietaͤt sowohl, als in der zweyten, habe ich nicht eine solche Saftdruͤse, als Vicia Faba hat, sondern eine solche, als Orobus niger hat, gefunden. Die zweyte Va- rietaͤt halte ich fuͤr eine besondere Art, weil sie in der hiesigen Gegend nicht nur auf den Aeckern, sondern auch auf dem Felde und in den Heiden waͤchst, wo niemand die erste antreffen wird. Vicia Faba. Saubohne. Tab. XIX. 18—23. 27. 23. Die ein wenig vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stel- lung, von der Seite gesehen. 18. Dieselbe, von vorne gesehen. 19. Das Pistill nebst der (punktirten) Saftdruͤse. 20. Die Fahne, von vorne gesehen. 21. Die Fluͤgel und das Schiffchen, von der Seite gesehen. 22. Ein Blattohr von der unteren, 27. von der oberen Seite. Die Blattohren haben auf der unteren Seite ein schwarzes Hoͤhl- chen, welches ein Safttroͤpfchen absondert und enthaͤlt. 1. Die Saftdruͤse, welche schon Linn é und Gleditsch (S. 240.) bemerkt haben, ist der laͤngliche Koͤrper, welcher un- ter der Basis des Fruchtknotens sitzt. 2. Der Saft ist in dem Grunde der Roͤhre, welche die Fila- mente bilden, befindlich. Auf beiden Seiten des einfachen Fila- ments sind auch hier zwey Oeffnungen fuͤr die Insekten. In ver- schiedenen Blumen fand ich auf der oberen Seite des Kelchs und am Nagel der Fahne ein Loch, welches ein Insekt eingebissen hatte, dem der natuͤrliche Eingang vermuthlich zu enge gewesen war. 3. Der roͤhrenfoͤrmige Nagel der Fahne umschließt den uͤbri- gen inneren Theil der Blume sehr genau, und laͤßt keinen Regen- tropfen durch. 4. Die Blume soll nicht von oben, sondern von vorne den Insekten in die Augen fallen. Da sie nun nicht, wie gewoͤhn- lich, eine horizontale, sondern eine mehr aufrechte Stellung hat, so mußte die Fahne mit dem uͤbrigen Theil der Krone nicht, wie gewoͤhnlich, einen rechten, sondern einen sehr spitzen Winkel ma- chen. Sie hat ein doppeltes Saftmaal. Denn die Krone ist weiß; die Fluͤgel aber sind mit einem großen schwarzen Fleck, und die Fahne grade da, wo sie an den Fluͤgeln anliegt, und wo die Insekten in die Blume hineinkriechen, oder ihren Saugeruͤssel hineinstecken muͤssen, mit schwarzen Linien geziert. Vicia. 5. Im letztvergangenen Sommer sahe ich, daß eine Hum- mel die Blumen besuchte. Schon in einiger Entfernung konnte ich bemerken, daß diejenigen, welche sie besucht hatte, eine an- dere Gestalt hatten, als die uͤbrigen. Als ich dieselben naͤher be- sahe, so fand ich, daß das Schiffchen und die Fluͤgel von der Hummel herabgedruͤckt worden waren, so daß der vorderste oder oberste Theil des Pistills und der Staubgefaͤße zum Vorschein ge- kommen war, und ganz frey stand. Indessen behielten sie diese Gestalt nicht lange, sondern das Schiffchen begab sich nebst den Fluͤgeln nach und nach wieder in die Hoͤhe, umfaßte von neuem das Pistill und die Staubgefaͤße, und die Blumen erhielten auf solche Art die vor dem Besuch gehabte Gestalt wieder. Nach ei- nigen Tagen traf ich die Vicia Cracca auf dem Felde an. Ich wollte wissen, ob, wenn diese Blume von einem aͤhnlichen Insekt besucht wuͤrde, eine gleiche Erscheinung erfolgen wuͤrde. Ich druͤckte also mit einem Stoͤckchen die Fluͤgel und das Schiffchen ein wenig, und sahe, daß dieselben sich sehr leicht herabdruͤcken ließen, wodurch das Pistill und die Staubgefaͤße zum Vorschein kamen, daß sie aber, wenn ich zu druͤcken aufhoͤrte, sich wieder in die Hoͤhe begaben, und das Pistill und die Staubgefaͤße wie- der umfaßten und verbargen. Hier ging mir ein großes Licht auf. Ich ward nicht nur uͤberzeugt, daß diese Blumen von den Insekten befruchtet werden, sondern sahe auch die Ursache ihrer Struktur, vornehm- lich der Struktur des Schiffchens, ein. Das Schiffchen dient bloß dazu, die Antheren und das Stigma vor der Naͤsse zu ver- wahren, und daß das Insekt, welches eine solche Blume besucht, sich auf dasselbe setzen koͤnne. Sobald dies geschehen ist, druͤckt es dasselbe vermoͤge seiner Schwere herab, entbloͤßt dadurch die Antheren und das Stigma, beruͤhrt beide mit seinem Unterleibe, und streift den Staub von jenen ab, und bringt ihn auf dieses. Nachdem es den Saft verzehrt, und die Blume verlassen hat, so begiebt sich das Schiffchen nach und nach wieder in die Hoͤhe, und umschließt und verbirgt die Antheren und das Stigma eben so, als vor dem Besuch. Zu diesem letzten Endzweck schien nicht nur bey diesen beiden Arten, sondern auch bey verschiedenen an- deren Blumen dieser Ordnung ein großer Theil ihrer Struktur zu dienen, und sehr leicht aus demselben erklaͤrt werden zu koͤn- nen. Nemlich: 1) Die Glaͤtte, welche ich bey diesen Blumen bemerkte. Wenn sich das vom Insekt herabgedruͤckte Schiffchen von selbst wieder in die Hoͤhe begeben sollte, so mußte nicht nur es selbst, sondern auch die Filamente und der Griffel glatt seyn. 2) Der Umstand, daß die Fluͤgel an Einer Stelle auf beiden Seiten an das Schiffchen entweder wirklich angewachsen sind, Z 3 Vicia. oder angewachsen zu seyn scheinen, indem sie daselbst in dasselbe ziemlich fest eingefuͤgt sind. Die von dem Insekt herabgedruͤckten Naͤgel derselben streben nach dem Besuch wieder aufwaͤrts, und ziehen auch das Schiffchen mit in die Hoͤhe. 3) Bey einigen Arten fand ich, daß auch der Nagel der Fahne zur Erreichung dieses Endzwecks diente. Derselbe wurde nemlich, wenn ich das Schiffchen, dessen Nagel er umfaßte, herabdruͤckte, von einander gebogen; sobald ich aber wieder nach- ließ, bog er sich mit elastischer Kraft wieder zusammen, und hob dadurch das Schiffchen wieder in die Hoͤhe. 4) Die Stellung des Eriffels. Derselbe macht mit dem Fruchtknoten einen rechten oder spitzen Winkel, Fig. 19. 30. Diese Stellung desselben verursachte, daß das herabgedruͤckte Schiffchen nicht eher wieder in Ruhe kam, bis es voͤllig die vo- rige Stelle wieder eingenommen hatte. Dieses wird man sich ei- nigermaßen vorstellen koͤnnen, wenn man die 30. Fig. mit der 29. vergleicht; noch besser aber wird man es einsehen, wenn man mit einigen Blumen den Versuch anstellt. 5) Der Umstand, daß neun Filamente in Einen roͤhren- oder rinnenfoͤrmigen Koͤrper zusammengewachsen sind. Waͤren sie, wie gewoͤhnlich, von einander abgesondert, so wuͤrden sie, sobald das Schiffchen vom Insekt herabgedruͤckt worden ist, sich aus einander begeben, und einen groͤssern Raum einnehmen, und dadurch das Schiffchen verhindern, sich wieder in die Hoͤhe zu begeben. Die sonderbare Struktur des Phaseolus vulgaris, wel- cher ein schneckenfoͤrmig gewundenes Schiffchen und eben so gestaltete Filamente und Griffel hat (den Griffel sieht man in Fig. 9. in seiner natuͤrlichen Stellung), habe ich immer fuͤr etwas merkwuͤrdiges, und fuͤr so etwas gehalten, was bloß auf die durch Insekten geschehen sollende Befruchtung sich bezieht. Hie- von ward ich vollkommen uͤberzeugt, als ich mit dieser Blume einen aͤhnlichen Versuch anstellte. Dies geschah mit der ersten Varietaͤt (Schminkbohne). Tab. XIX. 27*. 31*. In der letzte- ren Fig. ist der vorderste Theil des Schiffchens in seiner natuͤrli- chen Stellung abgebildet. In der Oeffnung desselben sieht man das Ende des Stigma hervorragen. In der ersten Figur ist das- selbe in derjenigen Stellung abgebildet, welche es erhaͤlt, wenn man es herabdruͤckt. Man sieht, daß nicht nur das ganze Stigma, sondern auch der oberste haarichte Theil des Griffels zum Vor- schein gekommen ist. In Fig. 9. sieht man diesen haarichten Theil a b und das Stigma b c deutlicher. Wenn also ein Insekt die Blume besucht, so setzt es sich auf das Schiffchen, und druͤckt es herab. Sobald dies geschieht, faͤhrt auch der oberste Theil des Griffels aus der Oeffnung des Schiffchens heraus, nachdem er Vicia. Colutea. vorher den Staub von den hinter der Oeffnung befindlichen An- theren abgestreift und gleichsam abgebuͤrstet hat, zu welchem Ende allein er mit Haaren versehen ist. Das Insekt streift alsdann den am obersten Theil des Griffels haftenden Staub ab, und streicht denselben an das Stigma, und befruchtet auf solche Art die Blume. Nachdem es den Saft verzehrt hat, verlaͤßt es die Blume. Alsdenn faͤhrt der oberste Theil des Griffels wieder in das Schiffchen hinein. Ich vermuthe, daß die Blume ein Dichogamist ist. Wenn es damit seine Richtigkeit hat, so sieht man noch mehr die bewundernswuͤrdige Kunst ein, welche der Blumenschoͤpfer in ihrer Struktur bewiesen hat. Oeder sagt in seiner Einleitung zu der Kraͤuter- kenntniß (Th. II. S. 385. §. 228.), daß von 114 Arten aus der Klasse mit Huͤlsenfruͤchten ohne Erbsenblumen nur zwey Eu- ropaͤisch sind. Ich glaube, daß sich dieses aus dem angezeigten Endzweck des Schiffchens erklaͤren lasse. Daß die Arten mit Huͤlsenfruͤchten mit Erbsenblumen und ohne Erbsenblumen eine natuͤrliche Familie ausmachen, lehrt das aͤußere Ansehen. Daß aber die Blumen jener Arten Erbsenblumen sind, koͤmmt daher, daß sie in kaͤlteren Himmelsstrichen wachsen, in welchen es oͤfters regnet, weshalb ihre Antheren und ihr Stigma durch das Schiff- chen vor dem Regen geschuͤtzt werden mußten; und daß die Blu- men dieser Arten keine Erbsenblumen sind, ruͤhrt daher, daß sie in den heißen Himmelsstrichen, in welchen es seltner regnet, ih- ren Standort haben. Vicia Cracca. Ein gewisses mir unbekanntes Insekt beißt in den Nagel der Fahne ein Loch, um des Safts theil- haftig zu werden. Colutea. Colutea arborescens . Tab. XIX. 24—26. 28—34. 36. 26. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 29. Dieselbe, von der Seite gesehen. 24. Dieselbe, von oben gesehen, nachdem ein Stuͤck vom Kelch abgeschnitten, und die Fahne abgeloͤset worden, wodurch die beiden Oeffnungen des Safthalters zum Vorschein gekom- men sind. 25. Die vorhergehende Figur, nachdem die uͤbrigen Theile der Krone abgeloͤset worden. 28. Die Fahne, von vorne gesehen. In ihrer Mitte das Saftmaal. 32. Ein Theil der Blume, von oben gesehen, wo das Saftmaal verkuͤrzt erscheint. Colutea. Coronilla. 30. Die Blume, von der Seite gesehen, nachdem die Krone abgeloͤset worden. 33. Der hinterste Theil der von der Seite gesehenen Blu- me, nachdem der Kelch groͤßtentheils weggeschnitten worden. 34. Die vorhergehende Figur, nachdem die Fahne abge- rissen worden. 31. Dieselbe, nachdem die Fluͤgel, und 36., nachdem das Schiffchen abgerissen worden. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der fleischichte und weite unterste oder hinterste Theil des zusam- mengewachsenen Filaments, welches unmittelbar uͤber oder vor dem Safthalter enger wird, und den Fruchtknoten dicht um- schließt, Fig. 25. 3. Der Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert. Denn der Kelch druͤckt den Nagel der Fahne an den unter demselben befindlichen Theil der Blume (man vergleiche Fig. 29. mit Fig. 33.), und die Fahne umfaßt mit den beiden Hoͤckern, welche sie unterwaͤrts beym Anfang des Nagels hat, Fig. 28., die Fluͤgel und das Schiffchen recht genau, Fig. 32., so daß hier schlechterdings kein Regentropfen, wohl aber ein Insekt durchkommen kann. 4. Daß nun das Insekt diesen Eingang zum Safthalter leicht finde, dazu dient das Saftmaal, welches unmittelbar uͤber diesem Eingang an der Fahne angebracht ist, und in ei- ner aus rothen Linien zusammengesetzten Figur besteht, da die Krone gelb ist. Wann es hineingekrochen ist, so gelangt es durch die beiden Oeffnungen in den Safthalter. Die in dieser Ordnung vorkommenden Blumen bilden mehrentheils eine aufrecht stehende oder herabhangende Traube oder Aehre. Sie mußten daher eine horizontale Stellung er- halten, weil eine solche Traube oder Aehre nicht von oben oder von unten, sondern von allen Seiten am besten in die Augen faͤllt. Aus ihrer horizontalen Stellung folgt die Irregularitaͤt ihrer Gestalt. Die Fahne sollte den Blumen das meiste Ansehen verschaffen. Sie macht daher mit dem uͤbrigen Theil derselben, insonderheit mit ihrem eigenen Nagel, einen rechten Winkel, und ist von ansehnlicher Groͤsse. Unter der Fahne ist der Ein- gang fuͤr die Insekten; deswegen hat sie das Saftmaal. Dies ist die gewoͤhnlichste Einrichtung dieser Blumen. Colutea orientalis du Roi. Hat eine gleiche Ein- richtung. Die Fahne ist schmutzig purpurfarben, das Saft- maal ist ein gelber Fleck auf derselben. Coronilla. Coronilla Emerus . Tab. XIX. 37. 39—42. Coronilla. Astragalus. Psoralea. 37. Die etwas vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stel- lung. 39. Dieselbe, von oben gesehen, nachdem der vorderste Theil des Kelchs weggeschnitten worden. 40. Die vorhergehende Figur, nachdem der Nagel der Fahne abgeloͤset worden. 41. Dieselbe, nachdem das einfache Filament abgerissen worden. 42. Die Fahne, von vorne gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte inwendig glatte Grund des Kelchs. 2. Der Saft befindet sich in der Saftdruͤse und dem un- tersten weiteren Theil des zusammengewachsenen Filaments. 3. Die beiden Oeffnungen des Safthalters, Fig. 40., wer- den vom Nagel der Fahne verdeckt, Fig. 39., welcher vom Kelch herabgedruͤckt wird, Fig. 37. Dieser Nagel ist auf der unteren Seite bis a rinnenfoͤrmig, hinter a aber platt. Bey a ist ein kleiner Ansatz, welcher dazu dient, einen Regen- tropfen, welcher am rinnenfoͤrmigen Theil herabgeflossen ist, aufzuhalten. 4. Die Krone ist gelb. Die Fahne aber hat unterwaͤrts einen gewaͤsserten Fleck, wie die gelben Arten des Ranuncu- lus, aus welchem Linien von eben der Farbe entstehen, und sich auf derselben verbreiten, Fig. 42. Astragalus. Astragalus Onobrychis. Ist eine Saftblume, und hat mit dem Orobus gleiche Einrichtung. Psoralea. Psoralea bituminosa. 1. Die Saftdruͤse ist der kurze dicke glatte und weiße Stiel, auf welchem der haarichte Fruchtknoten sitzt. 2. Der Safthalter ist die Basis des zusammengewachsenen Filaments. Ueber derselben macht das einfache Filament, wie gewoͤhnlich, zwey Oeffnungen. 3. Die Blume ist lang, und laͤßt keinen Regentropfen in den Safthalter dringen. 4. Die Krone ist weiß, dabey ein wenig blaßblau. Die beiden Blaͤtter des Schiffchens sind vorne auf der inneren Seite mit zwey großen schwarzpurpurfarbenen Flecken geziert, welche auf der aͤußeren durchschimmern. Das Saftmaal ist also hier nicht auf der gewoͤhnlichen Stelle. Trifolium. Trifolium. Trifolium alpestre. Brauner Bergklee. Tab. XIX. 38. 43—45. 38. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 43. Der vorderste Theil derselben, von unten gesehen. 44. Die Oeffnung des Filaments, auf welcher die wegge- schnittene Fahne liegt, und welche der Eingang fuͤr die Insek- ten ist. 45. Der Fruchtknoten. 1. Die Saftdruͤse ist wahrscheinlich der unterste (punktirte) Theil des Fruchtknotens. 2. Der Safthalter ist die Kronenroͤhre. 3. In den Safthalter kann kein Regentropfen hineindrin- gen. Alle Filamente sind hier in Einen Koͤrper zusammenge- wachsen, welcher oberwaͤrts der ganzen Laͤnge nach eine Spalte hat. In der Mitte ist diese Spalte am engsten; hinterwaͤrts aber erweitert sie sich in die Oeffnung, welche den Insekten zum Eingang in den Safthalter bestimmt ist. Diese Oeffnung wird von den Ohren der Fluͤgel und von der Fahne verdeckt, und dem Regen verschlossen. 4. Daß die Krone in eine lange Roͤhre zusammengewachsen ist, da in andern Arten die Theile derselben abgesondert auf dem Boden stehen, davon scheint die Ursache dieses zu seyn, daß die Blumen nicht eine Umbelle, wie z. B. beym Trifolium repens, sondern eine dichte Aehre bilden. Die Krone mußte folglich sehr lang seyn, damit sie sich vorne gehoͤrig ausbreiten, und auf solche Art die ganze Aehre den Insekten besser in die Augen fal- len koͤnnte. Trifolium Melilotus officinalis. Steinklee. Daß diese Blume Saft habe, schließe ich theils aus ihrem starken und angenehmen Geruch, theils aus den beiden Oeffnungen, welche das einfache Filament mit dem zusammengewachsenen macht, wie bey der Vicia und andern Gattungen. Da dieselbe aber sehr klein ist, so habe ich mit bloßen Augen den Saft nicht sehen koͤnnen. Auch Gleditsch sagt S. 177., daß diese Blume des Honigs wegen den Bienen sehr werth sey. Trifolium repens. Weißer Wiesenklee. Wenn man den Kelch umbiegt, und die Fahne abnimmt, so findet man auf der inneren Seite ihres Nagels ein Safttroͤpfchen, welches ver- muthlich aus dem Safthalter durch die beiden gewoͤhnlichen Oeff- nungen, welche auch bey dieser Art angetroffen werden, heraus- getreten ist. Trifolium. Lotus. Medicago. 4. Die Fahne ist weiß, die Fluͤgel und das Schiffchen aber ein wenig gelb. 5. Die Blumen werden von den Bienen besucht, und ich bemerkte, daß sie immer bey denselben blieben, ohne auf andere in der Naͤhe stehende Saftblumen sich zu begeben. Trifolium pratense. Rother Wiesenklee. Wird von zwey großen Hummelarten besucht, muß folglich Saft ent- halten. Trifolium aruense. Wird von Hummeln besucht. Ich sahe, daß eine Hummel bloß diese Blumen aufsuchte, und verschiedene andere Saftblumen stehen ließ. Man sollte kaum glauben, daß ein so kleines Bluͤmchen so viel Saft enthalten koͤnnte, daß eine Hummel sich davon zu ernaͤhren im Stande waͤre. Lotus. Lotus corniculatus. Schotenklee. Wenn man den Kelch von außen genau besieht, so kann man schon vermuthen, daß die kegelfoͤrmige Basis desselben die Saftdruͤse sey; denn sie ist etwas gruͤner, als der obere walzenfoͤrmige Theil. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der Grund des Kelchs. 3. Der Saft wird auf die gewoͤhnliche Art vor dem Regen geschuͤtzt; auch hat der Safthalter die gewoͤhnlichen zwey Oeff- nungen. 4. Das Saftmaal ist an der gewoͤhnlichen Stelle. Denn die Krone ist gelb; die Fahne aber mit rothen Linien geziert, welche in der Mitte anfangen, und sich bis an den Nagel er- strecken. 5. Die Blumen werden von Hummeln besucht. Gleditsch hat schon bemerkt, daß diese Blume Saft hat, S. 186., so wie die folgende, S. 187. Medicago. Medicago falcata. 1. 2. Der Safthalter und vermuthlich auch zugleich die Saftdruͤse ist der ein wenig fleischigte Grund des Kelchs. Er hat, wie gewoͤhnlich, zwey Oeffnungen. Haͤlt man diese gegen das Sonnenlicht, so erblickt man den glaͤnzenden Saft sehr deutlich. 4. Die Fahne der gelben Krone ist da, wo sie sich aufwaͤrts biegt, mit einigen rothen Linien geziert. Achtzehnte Citrus. Tragopogon. Achtzehnte Klasse. Polyadelphia. Zwitterblumen, deren Filamente in mehr als zwey Koͤrper zusammengewachsen sind . Citrus. C itrus medica. Zitronenbaum. Tab. XXI. 22. 28. 30. 28. Die Blume in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse. 30. Der Grund derselben. Die Saftdruͤse, welche das Pistill unterwaͤrts umgiebt. 22. Der Kelch, die Saftdruͤse und der schon befruchtete Fruchtknoten. Da ich diese Blume bey spaͤter Jahreszeit, nemlich im November, untersuchte, so ist es kein Wunder, daß ich keinen Citrus. Tragopogon. Picris. Saft in derselben fand, welchen sie doch haben muß, da sie eine Saftdruͤse hat. 1. Dieselbe ist der fleischichte gelbliche fuͤnfseitige Koͤrper, welcher die Basis des Fruchtknotens umgiebt. 2. Dieser Koͤrper ist zugleich der Safthalter. 3. Die langen Filamente beschuͤtzen den Saft vor dem Regen. Bloß zu dieser Absicht vermuthlich sind sie unterwaͤrts in verschiedene Koͤrper zusammengewachsen. Neunzehnte Klasse. Syngenesia. Zwitterblumen mit zusammengewachsenen Antheren . D aß alle Blumen, welche in den fuͤnf ersten Ordnungen dieser Klasse vorkommen, Saftblumen, und als solche aufs zweckmaͤßigste eingerichtet sind, wird man wegen der verschie- denen Beyspiele, welche ich anfuͤhren werde, wahrscheinlich fin- den. Zu dieser zweckmaͤßigen Einrichtung scheint auch der Um- stand zu gehoͤren, daß die Blumen, oder vielmehr Blumen- knaͤufe vieler Arten nur zu gewissen Zeiten des Tages, oder bey schoͤnem Wetter geoͤffnet, die uͤbrige Zeit aber hindurch, oder bey schlechtem Wetter geschlossen sind. Im ersten Fall bieten dieselben ihren Saft den Insekten an, fuͤr welche der- selbe bestimmt ist; im letzten beschuͤtzen sie denselben vor dem Regen, oder verwahren ihn auch vielleicht vor solchen Insek- ten, welchen derselbe nicht eigentlich zugedacht ist. Ich glaube also, daß dieser Umstand zu wichtigen Aufschluͤssen Gelegenheit geben koͤnne, und daher genau bemerkt werden muͤsse. Tragopogon. Tragopogon maior. Daß diejenige Art von Bocks- bart, welche in der hiesigen Gegend haͤufig waͤchst, nicht Tra- gopogon pratensis, wofuͤr ich sie sonst immer gehalten habe, sondern T. maior sey, unter welchem Namen sie Herr D. Willdenow in seiner Berlinischen Flora angefuͤhrt hat, wird dadurch noch wahrscheinlicher, daß ich bey derselben dasjenige nicht bemerkt habe, was Wahlboom in der oft angefuͤhrten Dissertation und der Graf Mattuschka in seiner Schlesi- schen Flora von dem T. pratensis sagen, nemlich, daß derselbe sich bey heiterm Wetter des Morgens um 3 Uhr oͤffne, und um 9 Uhr wieder schließe. Die hiesige Art habe ich Morgens um 4 Uhr noch nicht, aber um halb 6 Uhr geoͤffnet, und ge- gen Mittag noch recht ausgebreitet, gegen Abend aber geschlos- sen gefunden. Picris. Picris echioides . Tab. XX. 1—5. 13. 1. Die vergroͤsserte Blume, von vorne gesehen. 2. Der mittelste Theil derselben, von vorne, 3. von der Seite gesehen. 4. Ein Samenkorn aus dem Rande, 5. aus der Scheide. 13. b. Die gestielte Haarkrone eines Samenkorns aus der Scheibe, von der Seite gesehen, nachdem die vordersten Haare A a Picris. Chondrilla. abgerissen worden, damit man die in der Mitte derselben befind- liche ehemalige (punktirte) Saftdruͤse sehen koͤnne. a. Dieselbe, von oben gesehen. Diese Blume ist eine Saftblume, und wird daher von den Bienen haͤufig besucht. 1. Die Saftdruͤse ist der laͤngliche Koͤrper, welcher in der Mitte der Haarkrone befindlich ist. Die Kronenroͤhre umgiebt ihn, und auf ihm steht der Griffel. An dem reifen Samen kann man denselben durch die Loupe deutlich sehen. 2. 3. Da der Saft innerhalb der Kronenroͤhre in die Hoͤhe steigt, und sich im obersten Theil derselben sammlet (wie in den folgenden Arten): so ist dieser Theil nicht nur auswendig haa- richt, sondern auch mit einer einzigen Borste versehen, welche in dem Winkel steht, den die Raͤnder des Plaͤttchens da, wo sie sich vereinigen, machen. Dadurch wird der Saft vor dem Regen geschuͤtzt. Obgleich die Blumen des Randes sich von den in der Scheibe befindlichen durch weiter nichts als dadurch unterscheiden, daß sie auf der aͤußeren oder unteren Seite in der Mitte roth sind, so ist doch zwischen den Samenkoͤrnern des Randes und den in der Scheibe befindlichen ein groͤsserer Unterschied. Die letzteren sind gelblichbraun, runzlicht, oberwaͤrts mit Zaͤhnen besetzt, nicht aber haaricht, grade. Die ersteren sind weiß, gebogen, und auf der oberen konkaven Seite mit einigen Reihen von Haaren besetzt. Die Haare ihrer Krone sind kuͤrzer, weniger aus einan- der stehend und weniger gefiedert, als bey den Samenkoͤrnern der Scheibe. Chondrilla. Chondrilla iuncea. Gelbe Wegewart. Tab. V. 15. Die reifen und zum Abfliegen bereiten Samenkoͤrner. An diesem Samen habe ich eben diejenige Bemerkung ge- macht, welche ich von dem Samen des Geranium lacerum ange- fuͤhrt habe, nemlich daß derselbe, wann er voͤllig reif geworden ist, und sich aus einander gebreitet hat, nicht anders als bloß durch den Wind vom Boden abgesondert wird. Ich ließ eine An- zahl mit bluͤhenden und verbluͤheten Blumen versehener Stengel, welche ich vom Felde geholt, und auf einem der Mittagssonne grade entgegengesetzten Fenster im Wasser stehen hatte, und welche nach und nach reifen Samen ansetzten, den ganzen uͤbrigen Theil des Sommers hindurch stehen, und fand im Herbst, daß kein einziges Samenkorn abgefallen war. Dieser Same sitzt auf dem Fruchtboden sehr fest, damit er nicht von selbst abfalle, und kann dennoch durch den Wind leicht abgerissen werden. Denn man kann sich denselben als einen Hebel vorstellen, an dessen Chondrilla. Leontodon. oberstem Ende die Kraft (des Windes), am untersten aber die Last angebracht ist. Diese Last besteht in der Festigkeit, mit wel- cher der Same auf dem Boden sitzt. Daß der Wind seine Kraft beweisen koͤnne, verursacht die auf dem obersten Ende sitzende Haarkrone. Nun ist der Ruhepunkt dieses Hebels auch am un- tersten Ende befindlich. Folglich ist die Entfernung der Last vom Ruhepunkt = o, hingegen die Entfernung der Kraft von demsel- ben von ziemlicher Groͤsse. Saͤßen also die Samen auch noch weit fester, so wuͤrde der Wind sie leicht abreißen koͤnnen. Hat er sie nun abgerissen, so fuͤhrt er sie weit fort, weil die Haar- krone ihnen gleichsam zum Fallschirm dient. Und so erreicht die Natur ihre Absicht, daß die Samen in weiten Entfernungen von der Mutterpflanze ausgesaͤet werden. Leontodon. Leontodon autumnale. Herbstloͤwenzahn. Tab. XX. 6. 11. 14. 15. 6. Die vergroͤsserte Blume ohne den Fruchtknoten, von vorne gesehen. 14. Der mittelste Theil derselben, von der Seite gesehen. 11. Die Oeffnung der Kronenroͤhre, von oben gesehen. 15. Der mit der Haarkrone versehene Fruchtknoten. 15*. Derselbe, nachdem die Haarkrone abgerissen worden, damit man die (punktirte) Saftdruͤse besser sehen koͤnne. Die Blumen werden von den Bienen haͤufig besucht. Der Saft befindet sich in dem obersten etwas erweiterten Theil der Kronenroͤhre. Die Filamente, welche uͤber demselben sich befin- den, und gleichsam fuͤnf kleinere Oeffnungen der Roͤhre bilden, Fig. 6. 11., beschuͤtzen den Saft vor dem Regen. Auch ist bey Regenwetter der Blumenknauf geschlossen. Leontodon Taraxacum. Gemeiner Loͤwenzahn. Tab. XX. 7—10. 7. Der sich oͤffnende Blumenknauf in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 8. Derselbe, nachdem er sich voͤllig geoͤffnet hat. 10. Die vergroͤsserte Blume, von der Seite gesehen. 9. Der mittelste Theil derselben, von vorne gesehen. a (bey Fig. 10.) der reife Same in natuͤrlicher Groͤsse. b und c die Haarkrone, eben so, wie Fig. 13. Die Saft- druͤse ist auch hier punktirt. In Ansehung der Saftdruͤse, des Safthalters und der Saft- decke stimmt diese Art mit der vorhergehenden uͤberein. Die Blumenknaͤufe oͤffnen sich nicht alle zu einer gleichen und bestimm- ten Zeit, sondern man findet des Morgens diejenigen, welche im Schatten stehen, noch geschlossen, da andere, welche von der Leontodon. Hieracium. Crepis. Hypochoeris. Sonne beschienen werden, sich schon geoͤffnet haben. Die Blu- men werden von bienenartigen Insekten haͤufig besucht. Jedoch bemerkte ich einstmals, daß die zahmen oder Honigbienen, welche die Potentilla verna in großer Anzahl besuchten, die neben derselben stehenden Blumen des Loͤwenzahns, wenn sie sich auf dieselben gesetzt hatten, bald wieder verließen; vielleicht kam dieses aber daher, weil ihnen die Potentilla lieber war, und sie nicht gern mit den Blumen abwechseln. Auch der ge- meine weiße Schmetterling besucht dieselben. Dieser verweilt sehr lange auf einem jeden Blumenknauf, und leert eine Blume nach der andern aus, indem er den hintersten Theil seiner Zunge in die Hoͤhe, und den vordersten wieder herabbiegt, zum Beweise, daß er den Saft nicht aus dem Grunde, son- dern aus dem obersten Theil der Kronenroͤhre holt. Hieracium. Hieracium murorum. Gelbes Lungenkraut. Diese Blume scheint, wie Asclepias, Fliegen zu fangen. Ich traf auf einem Blumenknauf eine Fliege an, welche sich sehr be- muͤhte, sich wieder los zu machen, und fast alle ihre Kraͤfte erschoͤpft zu haben schien. Ihr Saugeruͤssel steckte in dem obersten Theil der Kronenroͤhre einer Blume, als dem Safthal- ter. Was aber denselben eigentlich fest hielt, konnte ich wegen der Kleinheit der Theile nicht ausfindig machen. Crepis. Crepis biennis. Wird von Fliegen und Blumenkaͤ- fern haͤufig besucht, enthaͤlt also Saft. Hypochoeris. Hypochoeris radicata. Diese Blume liefert den Bienen ungemein viel Staub. In der Mittagsstunde eines schoͤnen Tages traf ich eine Biene auf derselben an, welche an ihren Hinterbeinen Staubballen von einer solchen Groͤsse hatte, daß ich daruͤber erstaunte. Sie waren nicht viel kleiner, als der ganze Koͤrper des Insekts, und gaben demselben das An- sehen eines stark beladenen Packpferdes. Dennoch konnte sie mit dieser Last sehr schnell fliegen, und sie war mit dem ge- sammleten Vorrath noch nicht zufrieden Damals, als ich diese Bemerkung gemacht hatte, schrieb ich so, weil ich diese Biene fuͤr die zahme Biene hielt, welcher sie, in einiger Entfernung gesehen (denn ich konnte sie nicht fan- gen), aͤhnlich sieht. Daß es aber nicht die zahme Biene sey, haͤtte ich schon aus der Gestalt des Staubes, welcher auf den , sondern flog von ei- nem Blumenknauf zum andern, um denselben zu vergroͤssern. Lapsana. Serratula. Carduus. Hinterbeinen saß, schließen sollen. Derselbe war nemlich ganz locker, so wie er von der Blume war abgestreift worden. Auf den Hinterbeinen der zahmen Bienen aber sitzt der Staub nicht locker, sondern kompakt, weil sie ihn nicht mit den Hinterbei- nen abstreifen, sondern mit dem Munde, und ihn von da mit den vordersten und mittelsten Beinen auf die Hinterbeine brin- gen, und dort gleichsam ankleben. Im Sommer des gegen- waͤrtigen Jahres kam ich aus meinem Irrthum. Ich fand nemlich ebenfalls in der Mittagsstunde eines schoͤnen und war- men Tages auf eben dieser Blume eine mit eben so außeror- dentlich großen Staubballen versehene Viene, und erkannte sie sogleich fuͤr eben dieselbe Art. Ich sing sie. Als ich sie be- trachtete, fand ich bald, daß es keinesweges die zahme Biene sey. Sie ist ein wenig groͤsser, aber eben so schlank, als diese, unterscheidet sich aber von derselben vorzuͤglich durch die langen Haare, mit welchen ihre Hinterbeine dicht besetzt sind. Auf dem Ruͤcken hat sie vier haarichte Ringe. Die drey vordersten bestehen aus kurzen anliegenden weißen, der hinterste am After befindliche aber aus langen abstehenden schwarzen Haaren. Ich ward sogleich voͤllig davon uͤberzeugt, daß diese Biene keines- weges den Staub wissentlich sammlet, wie die zahmen Bienen, sondern daß sie, indem sie den Saft aus den Blumen holt, zu- gleich, ohne es zu wollen, mit ihren haarichten Hinterbeinen den Staub von den Griffeln, welche denselben aus der roͤhrich- ten Anthere herausziehen, abstreift, und auf die Stigmate bringt, und daß zu diesem Ende die Natur ihre Hinterbeine mit so vielen und langen Haaren versehen hat. Auch sahe ich ein, wie zweckmaͤßig es ist, wenn dieses Insekt bloß zur Befruch- tung dieser und aͤhnlicher Blumen bestimmt ist, daß nicht an- dere Theile seines Koͤrpers, sondern bloß die Hinterbeine so außerordentlich haaricht sind. Weil mich nun diese Biene die- ses Umstandes wegen ungemein interessirte, so gab ich mir viel Muͤhe, sie in den Werken des Fabricius aufzusuchen; ich habe sie aber nicht finden koͤnnen. Sie scheint selten zu seyn, da außer den beiden genannten Exemplaren mir bisher noch kein einziges vorgekommen ist. Lapsana. Lapsana communis. Hasenkohl. Des Morgens um 4 Uhr fand ich den Blumenknauf noch geschlossen, um 7 Uhr voͤllig geoͤffnet, auch im Schatten, um 11 Uhr, auch im Son- nenschein, schon wieder geschlossen. Serratula. Serratula aruensis. Diese Blume locket durch ih- ren suͤßen Honiggeruch Bienen und andere Insekten an sich, welche bey schoͤnem Wetter sich haͤufig auf derselben einfinden. Carduus. Carduus nutans. Biesamdistel. Tab. XXI. 24. 26. 27. 26. Gestalt und Stellung des Griffels in einer juͤngeren Blume. A a 2 Carduus. 24. Dieselbe ebenfalls in einer juͤngeren Blume; doch hat sich der Griffel schon mehr aus der roͤhrenfoͤrmigen Anthere herausbegeben. In beiden Figuren sieht man am Griffel den Staub, welchen er von der roͤhrenfoͤrmigen Anthere, indem er sich nach und nach aus derselben herausdraͤngt, abstreift. Je- doch ist in Fig. 24, von dem obersten Theil desselben dieser Staub von einem Insekt schon wieder abgestreift worden. Der jetzt staubichte Theil desselben aber war damals noch innerhalb der Anthere befindlich. 27. Dieselbe in einer aͤlteren Blume. Sobald die Blume aufgebrochen ist, so befindet sich der Griffel noch innerhalb der Anthere, koͤmmt aber in der Folge immer mehr aus derselben hervor, Fig. 26. 24., bis er zuletzt so weit aus derselben hervorragt, als Fig. 27. zeigt. In die- ser Figur sieht man, daß derselbe bey d einen aus Haaren be- stehenden Wulst hat. Dieser dient dazu, daß, indem der Grif- fel sich aus der Anthere herausdraͤngt, kein Theil des Staubes in derselben zuruͤck bleibe. Linn é hat den Theil d e fuͤr das Stigma gehalten, worin er sich geirrt hat. Denn das Stigma ist die innere Seite der beiden Enden, in welche sich der Grif- fel theilet, e. Nun ist in der juͤngeren Blume der oberste Theil des Griffels mit Staub versehen, das Stigma aber noch geschlossen, in der aͤlteren aber hat sich das Stigma geoͤffnet, der Griffel aber hat keinen Staub mehr, weil die Insekten denselben abgestreift haben. Hieraus folgt also, daß auch bey dieser Blume das ungleichzeitige Bluͤhen der Geschlechtstheile Statt findet, und daß sie von den Insekten befruchtet wird, und zwar so, daß diese den Staub der juͤngeren Blumen auf die Stigmate der aͤlteren bringen. Die stark riechenden Blumen werden von den kleinen schwarzen Blumenkaͤfern und von den kleinen gelben Blumen- spinnen haͤufig besucht. Noch am 20. Oktober fand ich gegen Abend Insekten von drey verschiedenen Arten auf denselben. Es war schoͤnes Wetter, aber schon etwas kalt. Sie hatten sich in den waͤrmeren Mittagsstunden vom Saft derselben ge- naͤhrt, waren aber jetzt wegen der Kaͤlte ganz unthaͤtig. Carduus lanceolatus. Speerdistel. Tab. XX. 12. 16—19. 32. 32. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung. 12. Die innere Seite der aufgeschnittenen und flach aus- gebreiteten Antherenroͤhre. Die folgenden Figuren sind vom Carduus Marianus ge- nommen. 19. Der unterste Theil der Blume im Durchschnitt. Der Fruchtknoten traͤgt die (punktirte) Saftdruͤse, um welche die Carduus. Haarkrone, und auf welcher die Kronenroͤhre und der Griffel sich befindet. 16. Die Haarkrone im Durchschnitt. 17. Das Samenkorn, von oben, und 18., von der Seite gesehen. In beiden Figuren sieht man an demselben die vor- malige (punktirte) Saftdruͤse. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte Koͤrper, welcher oben auf dem Fruchtknoten sitzt. Derselbe vergroͤssert sich, nachdem die verbluͤhete Krone abgefallen ist, zugleich mit dem Frucht- knoten, und ist am reifen Samen am deutlichsten zu bemer- ken. Auf dieser Saftdruͤse sitzt die Roͤhre der Krone und der innerhalb derselben befindliche Griffel, welcher in die Vertie- fung der Saftdruͤse eingefuͤgt ist, Fig. 17. 19. Da nun der Zwischenraum zwischen der Roͤhre und dem Griffel sehr eng ist, Fig. 19., so steigt der Saft durch denselben hinauf bis dahin, wo die Krone sich zu erweitern anfaͤngt, Fig. 32., wo- selbst er stehen bleibt. 2. Der Safthalter ist also der Grund des obersten erwei- terten Theils der Krone. 3. Der hier befindliche Saft ist gegen den Regen voͤllig gesichert. Denn 1) dieser erweiterte Theil der Krone steht nicht aufrecht, wie der unterste, sondern wagerecht. Die Regen- tropfen fallen also nicht in seine Oeffnung, sondern auf die aͤußere Oberflaͤche seiner oberen Haͤlfte. 2) Derselbe ist zur Haͤlfte in fuͤnf lange schmale Lappen getheilt, von welchen je- doch die vier obersten kuͤrzer sind, als der unterste, Fig. 32. Jene sind kuͤrzer, damit die Regentropfen desto besser abgehal- ten werden; dieser ist laͤnger, damit die Insekten desto leichter hineinkriechen koͤnnen. 3) Die in Eine Roͤhre zusammenge- wachsenen Antheren haben an ihrem untern Ende, an welches die Filamente angewachsen sind, zehn lange schmale Fortsaͤtze, Fig. 12. Auch diese dienen zur Abhaltung eines Regentropfens, welcher etwa in den erweiterten Theil der Krone sollte gekom- men seyn. Endlich 4) dienen die Filamente zu gleichem Zweck. Sie entstehen aus der Krone da, wo sie sich zu erweitern an- faͤngt, und sind unterwaͤrts, wo der Saft sich befindet, kahl, oberwaͤrts aber haaricht, Fig. 12. Da sie nun nicht dicht am Griffel stehen, sondern sich an die Krone biegen, so theilen sie den innern Raum derselben in fuͤnf kleinere Oeffnungen, durch welche schlechterdings kein Regentropfen hindurchdringen kann. Diesen wichtigen Vortheil verschaffen die Filamente nicht nur dieser, sondern auch den meisten in dieser Klasse vorkommen- den Blumen. In den groͤsseren Blumen, in welchen die Zwi- schenraͤume zwischen denselben auch groͤsser sind, pflegen sie haa- richt zu seyn; in kleineren ist dieses nicht noͤthig, und sie sind Carduus. Cynara. Xeranthemum. daher kahl. So wie sie aber die Regentropfen abhalten, so ver- schaffen sie den Insekten den Zugang zum Saft. Deswegen mußten sie nicht, wie die Antheren, in Eine Roͤhre zusammen- gewachsen, sondern von einander abgesondert seyn. 4. 5. Ein Saftmaal kann man bey so kleinen Blumen nicht erwarten. Auch haben sie keinen Geruch, werden aber dennoch von Bienen und weißen Schmetterlingen haͤufig besucht. Cynara. Cynara Scolymus. Artischocke. Tab. XXIII. 44. Der oberste Theil der Blume, nachdem die Staubgefaͤße und der Griffel herausgezogen worden. 1. Die Saftdruͤse ist der gelbe Koͤrper, welcher oben auf dem Fruchtknoten sitzt, und den Griffel traͤgt. 2. Der Saft steigt durch die Roͤhre der Krone in die Hoͤhe bis in den erweiterten Theil oder den Saum derselben. Ich muß aber gestehen, daß ich hier keinen Saft finden konnte. Vielleicht kam dies daher, daß es ein abgebrochener Blumenknauf war, den ich im Wasser stehen hatte, dessen Blumen ich untersuchte. 3. Zu diesem Saft kann kein Regentropfen kommen, weil 1) der Kronensaum, soweit er ganz ist, fleischicht und in der Mitte zwar bauchicht, bey der Oeffnung aber enger ist, 2) von den fuͤnf schmalen Stuͤcken, in welche sich derselbe theilt, die vier obersten kuͤrzer sind, als das unterste. 5. Die Blumen werden von den Blumenkaͤfern haͤufig be- sucht. Xeranthemum. Xeranthemum annuum . Tab. XX. 26—31. 26. Eine weibliche Blume, von der Seite gesehen. 27. Dieselbe, von hinten oder von außen gesehen. 28. Die auf dem Fruchtknoten derselben sitzende Saftdruͤse, welche den Griffel traͤgt. 30. Eine Zwitterblume. 31. Dieselbe ohne den Fruchtknoten. 29. Die der Laͤnge nach aufgeschnittene und flach ausgebrei- tete Krone derselben. Die weibliche Blume. 1. Die Saftdruͤse ist der gelbe Koͤrper, welcher auf dem Fruchtknoten sitzt, und dessen Farbe durch die Kronenroͤhre durch- scheint. 2. Der untere Theil der Kronenroͤhre enthaͤlt den Saft. 3. Zum Saft kann kein Regentropfen kommen, weil die enge Kronenroͤhre vom Griffel ausgefuͤllt wird. Xeranthemum. Tussilago. Die Zwitterblume. 1. Die Saftdruͤse scheint der untere Theil der Krone a b Fig. 31. selbst zu seyn; denn derselbe ist fleischicht, dick und gruͤn, da der obere duͤnner und aschfarbig ist. 2. Eben derselbe ist zugleich der Safthalter. 3. Der Safthalter wird von den Filamenten, wie auch von den haarichten Fortsaͤtzen der Antherenroͤhre vor dem Regen ver- schlossen. Tussilago. Tussilago Farfara. Gelber Huflattig. Tab. XX. 20. 22—25. 33. 35. 39*. 40—44. 46. 20. Der geschloßne Blumenknauf in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 22. Derselbe, indem er sich oͤffnet. 24. Derselbe, voͤllig geoͤffnet. 40. Derselbe nach vollendetem Bluͤhen. 33. Derselbe, nachdem er, als nunmehriger Samenknauf, zur voͤlligen Reife gekommen ist, und sich auszubreiten angefan- gen hat. 46. Derselbe, nachdem er sich gaͤnzlich auseinander gebreitet hat. 25. Die vergroͤsserte Zwitterblume, von der Seite gesehen. 23. Dieselbe, von oben gesehen. 35. Die vergroͤsserte weibliche Blume. 39*. Der vergroͤsserte Fruchtknoten der Zwitterblume. Auf demselben die Saftdruͤse. 41. Der Same der Zwitterblume. 43. Derselbe, noch staͤrker vergroͤssert, auf welchem man die vormalige Saftdruͤse sieht. 42. Der Same der weiblichen Blume. 44. Derselbe, noch staͤrker vergroͤssert. Die Zwitterblume. 1. Die Saftdruͤse sitzt, wie bey dem Carduus, oben auf dem Fruchtknoten, Fig. 39*. Sie scheint schon durch die gegen das Sonnenlicht gehaltene Krone gelb durch; noch gelber findet man sie, wenn man sie von der Krone entbloͤßt. Der Griffel, den sie traͤgt, laͤßt sich von derselben leicht absondern. 2. Der Saft steigt in der vom Griffel ausgefuͤllten Kronen- roͤhre in die Hoͤhe, und bleibt im Grunde des glockenfoͤrmigen Kronensaums stehen, Fig. 25. In den weiblichen Blumen habe ich keinen Saft angetrof- fen; sie verschaffen aber außerdem, daß sie Samen hervorbrin- gen, noch einen doppelten Nutzen. A a 3 Tussilago. 3. Diese Blume (ich meine den Blumenknauf) ist eine me- teorische Tagesblume, indem sie nur bey Tage geoͤffnet ist, und nicht zu einer bestimmten Zeit sich oͤffnet, sondern alsdann, wann sie von der Sonne beschienen wird. Denn Blumen, welche Morgens um 7 Uhr von der Sonne beschienen werden, oͤffnen sich, da andere, welche im Schatten stehen, noch geschlossen bleiben, und, wenn sie nicht eher als um 10 Uhr den Sonnen- strahlen ausgesetzt sind, auch nicht eher sich oͤffnen. Bey Regen- wetter hingegen bleiben die Blumen den ganzen Tag lang geschlos- sen. Der Blumenknauf schließt sich aber so, daß er die oberste Haͤlfte der Kelchschuppen und die am Rande stehenden weiblichen Blumen, welche vorher wagerecht standen, in die Hoͤhe biegt. Die weiblichen Blumen bilden also alsdenn eine enge Roͤhre, in deren Oeffnung nicht leicht Regentropfen hineinfallen koͤnnen, Fig. 20. Dies ist der erste Vortheil, den die weiblichen Blumen verschaffen. 4. Die Blume mußte so gebauet, und alles so eingerichtet werden, daß sie den Insekten, welchen ihr Saft zur Nahrung bestimmt ist, in die Augen fiele, und zwar um so viel mehr, da sie eine von den ersten Fruͤhlingsblumen ist. Dazu dienen 1) die langen weiblichen Blumen, welche den breiten Rand des Knaufs ausmachen, ohne welchen die Scheibe nicht sonderlich in die Au- gen fallen wuͤrde. Wenn die Sonne in der Mittagsstunde sehr warm auf den Blumenknauf scheint, so biegen sich die Plaͤtt- chen der weiblichen Blumen noch etwas unter die Horizon- tallinie herab, Fig. 24. Alsdenn werfen sie das Sonnenlicht da, wo sie sich zuruͤckbiegen, stark zuruͤck. Hierdurch entsteht um die Zwitterblumen herum ein glaͤnzender Ring, welcher das An- sehen und die Bemerkbarkeit des Blumenknaufs vergroͤssert. Und dies ist der zweyte Nutzen, den die weiblichen Blumen verschaf- fen. 2) Kaͤmen die Blaͤtter, wie gewoͤhnlich, eher hervor, als die Blumen, so wuͤrden sie, da sie sehr groß sind, dieselben be- decken, und den Insekten unbemerkbar machen. Es mußte also hier eine Ausnahme von der Regel gemacht werden, und die Blumen zeigen sich in ihrer groͤßten Schoͤnheit, wann von den Blaͤttern noch nicht eine Spur zu sehen ist. 3) Weil die Blu- men so fruͤh bluͤhen, so koͤnnen sie auch von den benachbarten Pflanzen nicht sonderlich verdeckt werden, weil diese alsdenn erst anfangen zu wachsen. 5. Ich fand auf einem Blumenknauf eine Biene, welche zu- erst das Stigma einer Zwitterblume beleckte, und hernach den Saugeruͤssel in den Safthalter steckte, und so eine nach der an- dern ausleerte. Eine Fliege aber holte bloß den Saft aus den Blumen, ohne das Stigma zu beruͤhren. Tussilago. Wann die Blume abgebluͤhet hat, so schließt der Knauf den Kelch, und neigt sich, Fig. 40. Letzteres geschieht vermuthlich zu dem Ende, damit der Fruchtboden, aus welchem die jungen Samenkoͤrner unmittelbar ihre Nahrung erlangen, den Sonnen- strahlen ausgesetzt sey, und dadurch das Reifen jener befoͤrdert werde. Unterdessen waͤchst der Stengel immer fort, bis er end- lich, wann die Samen reif sind, uͤber Einen Fuß lang ist. Als- denn richtet er sich wieder grade in die Hoͤhe, Fig. 33. Die Ur- sache hievon ist leicht einzusehen. Denn 1) je hoͤher die Samen stehen, desto mehr sind sie dem Winde ausgesetzt, und desto wei- ter werden sie von demselben fortgefuͤhrt, desto gewisser wird also die Art allenthalben fortgepflanzt. 2) Die Sonne soll nun nicht mehr auf den Fruchtboden wuͤrken, denn dies waͤre, da die Sa- men reif sind, von keinem Nutzen; aber auf die Haarkrone der Samen soll sie wuͤrken, damit dieselben, durch ihre Strahlen getrocknet und elastisch gemacht, sich aus einander breiten, eine gegen die andere druͤcke, die am Rande befindlichen Samen von den in der Mitte stehenden, und von jenen wieder die Kelchschup- pen aus- und abwaͤrts gedruͤckt werden, Fig. 33., so daß die Sa- men zusammen eine kugelfoͤrmige Gestalt erhalten, Fig. 46, und man nun eben so wenig den Kelch, sondern bloß den Samen, sieht, als man vorher die Samen, sondern bloß den Kelch, sahe. Nachdem nun die Sonne die Samen so weit gebracht, und das Ihrige gethan hat, so uͤberlaͤßt sie die Aussaͤung dersel- ben dem Winde. Tussilago Petasites. Pestwurz. Tab. XX. 21. Eine Zwitterblume. 1. 2. Die Saftdruͤse und der Safthalter ist, wie bey der ersten Art. Jene ist nicht so ansehnlich, noch so gelb. 4. Weil bey dieser Art die Blumenknaͤufe laͤngst dem aufrecht stehenden Stengel befindlich sind, so fallen sie nicht von oben, sondern von den Seiten am besten in die Augen. Daher haben sie eine fast horizontale Stellung, und die Schuppen des Sten- gels sind von eben der Farbe, als die Blumen, nemlich purpur- roth, um die Bemerkbarkeit dieser zu vergroͤssern. Hingegen bey der ersten Art traͤgt der Stengel Einen Blumenknauf, welcher also aufrecht steht, damit er von oben gesehen am besten in die Augen falle, und eben deswegen sind die Schuppen des Stengels nicht gefaͤrbt, sondern gruͤn, weil sie von oben gesehen nicht in die Augen fallen. Tussilago hybrida. Diese Art hat mit dem Petasites ungefaͤhr einerley Einrichtung. Weil aber jeder Knauf nur drey Zwitterblumen hat, so wird dieser Mangel durch die Menge des Safts, welche eine jede absondert, ersetzt. Denn wenn man den oberen Theil der Blume zwischen den Fingern zusammen- Tussilago. Bellis. Tagetes. druͤckt, so koͤmmt eine weit groͤssere Quantitaͤt von Saft heraus, als man von einer so kleinen Blume erwarten sollte. Tussilago alba. Weißer Huflattig. Hat auch Saft. Bellis. Bellis perennis. Maßliebe. Gaͤnseblume. Tab. XX. 50—52. 50. Der des Nachts geschloßne Blumenknauf in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 51. 52. Der bey Tage geoͤffnete Blumenknauf. In so kleinen Blumen, als diese Art hat, ist es unmoͤglich, den Saft mit bloßen Augen zu sehen. Ich bin aber uͤberzeugt, daß nicht nur die Zwitterblumen, sondern auch die am Rande befindlichen weiblichen Blumen Saft enthalten, und zwar die letzteren, weil die Oeffnung ihrer Kronenroͤhre mit seiner Wolle besetzt ist, welche zu nichts anderm, als zur Abhaltung der Re- gentropfen vom Saft, dienen kann. Da sie uͤbrigens zwey Far- ben hat, nemlich die weiße der Randblumen und die gelbe der Scheibenblumen, so ist sie eine Tagesblume; welches auch die Erfahrung bestaͤtigt, indem der Blumenknauf bey Tage geoͤffnet, des Nachts hingegen geschlossen ist. So wie derselbe nun durch letzteres weniger bemerkbar wird, eben so wird dadurch nicht nur der Antherenstaub, sondern auch der Saft vor der Naͤsse ge- schuͤtzt. Pollich hat irrigerweise die kleinen Hoͤcker, welche auf dem nackten Fruchtboden an den kleinen Hoͤhlen sitzen, in welche die Fruchtknoten eingefuͤgt sind, bey dieser und mehreren Arten fuͤr Nectaria gehalten. Weil Gleditsch diese Blume als eine Bienenblume an- fuͤhrt, S. 141., so muß er auf derselben Bienen angetroffen ha- ben. Wenn er aber sagt, daß die Bienen von derselben wohl weiter nichts erhalten koͤnnten, als die Feuchtigkeit des Stigma und den an demselben sitzenden Antherenstanb, so hat er sie ver- muthlich fuͤr zu klein gehalten, als daß sie sollte Saft absondern koͤnnen. Allein so wie dergleichen kleine Blumen eben so wohl ihre Befruchtungstheile haben, als die großen, nur daß dieselben sehr klein sind, eben so haben sie ihren Saft, obgleich in uͤberaus geringer Quantitaͤt. Tagetes. In den Zwitterblumen habe ich Saft gefunden. Der Kro- nensaum ist eben so eingeschnitten, als beym Carduus, daß nem- lich der unterste Lappen laͤnger ist, als die obersten. Der un- terste Theil des Kronensaums ist der Safthalter, und deswegen Anthemis. Achillea. Helianthus. glatt, der oberste aber, und besonders die Lappen, sind wollicht, zur Abhaltung der Regentropfen. Anthemis. Anthemis Cotula. Hundskamille. Tab. XX. 34. 45. 34. Der Blumenknauf bey Tage in natuͤrlicher Groͤsse. 45. Derselbe des Nachts. Auch diese Blume hat, wie Bellis, zwey Farben, die gelbe und die weiße, und ist daher eine Tagesblume. Sie unterschei- det sich aber von derselben dadurch, daß sie des Nachts die weib- lichen Blumen nicht in die Hoͤhe richtet, sondern im Gegentheil herabhangen laͤßt. Dies ist mir unerklaͤrlich. Denn obgleich auch durch diese Einrichtung der Blumenknauf des Nachts weniger bemerkbar gemacht wird, so wird doch der in den Blumen wahr- scheinlicherweise enthaltene Saft dadurch nicht vor den Feuchtig- keiten der Nacht beschuͤtzt, und eben so wenig der Antherenstaub. Anthemis aruensis. Diese Art laͤßt auch des Nachts die Randblumen herabhangen. Ich fand Blasenfuͤße in den Blumen. Achillea. Achillea Millefolium. Schafgarbe. Wird in den Mittagsstunden bey schoͤnem Wetter von den Fliegen haͤufig be- sucht. Daß dieselben die Feuchtigkeiten des Stigma ableckten, konnte ich deutlich bemerken. Die Blumen sind aber zu klein, als daß man mit bloßen Augen den Saft sollte sehen koͤnnen. Helianthus. Helianthus annuus. Sonnenblume. Tab. XX. 36—39. 36. Eine vergroͤsserte Zwitterblume, deren Stigmate sich noch innerhalb der Antherenroͤhre befinden. 37. Dieselbe im Durchschnitt. 38. Eine aͤltere Zwitterblume, deren Stigmate aus der An- therenroͤhre hervorgekommen sind. 39. Dieselbe im Durchschnitt. 38*. Die Saftdruͤse nebst dem untersten Theil des Griffels, stark vergroͤssert. 1. Die Saftdruͤse ist der uͤberaus kleine, weiße und glatte Koͤrper, welcher auf dem Fruchtknoten sitzt, und den Griffel traͤgt. Wenn man eine Blume vom Fruchtknoten abreißt, und sie aufschneidet, so findet man in der engen Roͤhre derselben diesen Koͤrper an den Griffel angewachsen. Helianthus. 2. Der Safthalter ist die bauchichte, knorplichte, inwendig glatte Basis der Krone, in welche der Saft durch die enge Roͤhre sich begiebt. 3. 4. Der Saft wird auf folgende Art vor dem Regen be- schuͤtzt. Wann die Blume aufgebrochen ist, so befinden sich die noch graden Stigmate ganz innerhalb der Antherenroͤhre, und die Filamente sind auch grade und liegen am Griffel. Nach eini- ger Zeit aber kommen die Stigmate aus der Antherenroͤhre zum Vorschein, und kruͤmmen sich auswaͤrts nach entgegengesetzten Seiten. Dadurch druͤcken sie die Antherenroͤhre herab, und die Filamente koͤnnen nun nicht mehr grade bleiben, sondern muͤssen sich kruͤmmen, so daß sie die roͤhrenfoͤrmige Krone beruͤhren. Auf solche Art machen sie in derselben fuͤnf Oeffnungen, welche fuͤr ei- nen Regentropfen zu klein, fuͤr den Saugeruͤssel eines Insekts aber groß genug sind. Daß der am Ende des Stengels oder eines Zweiges befind- liche Blumenknauf nicht, wie in dieser Klasse gewoͤhnlich ist, aufrecht, sondern horizontal steht, koͤmmt daher, daß er so außer- ordentlich groß ist. Stuͤnde er aufrecht, so wuͤrde sich eine große Menge Regenwassers auf demselben sammlen, und sowohl den Antherenstaub, als auch den Saft verderben, folglich die Befruch- tung verhindern. Ungeachtet er aber eine horizontale Stellung hat, so faͤllt er doch theils wegen seiner Groͤsse, theils weil er auf einem hohen Stengel sitzt, den Insekten schon in großer Entfer- nung in die Augen. 5. Die Blumen werden von den Bienen haͤufig besucht, wie auch von demjenigen Insekt, dessen ich bey dem Tropaeolum ge- dacht habe. Jene fand ich an ihrem Unterleibe ganz voller Staub. Auch naͤhren sich Ohrwuͤrmer von den Blumen. Bey Tage hal- ten sie sich zwischen den Randblumen und den Kelchblaͤttern ver- borgen und ruhig. Gegen Abend kommen sie aus ihren Schlupf- winkeln heraus, kriechen auf die Scheibe, und fressen die Anthe- ren und die Griffel weg. Als ich einstmals Abends um halb 10 Uhr mit dem Licht in der Hand nachsahe, so fand ich auf Ei- nem Blumenknauf ihrer wohl zwanzig. Auch die Blumen des Cnicus oleraceus verderben sie auf eben die Art; wovon ich im Oktober die Folgen sahe. Meine Pflanzen hatten lauter tauben Samen, der gleichwohl abflog. Nur die spaͤtesten Blumenknaͤufe hatten guten Samen, vermuthlich, weil, als sie gebluͤhet hat- ten, es fuͤr die Ohrwuͤrmer schon zu kalt gewesen war. Eben so bemerkte ich, daß auch meine Sonnenblumen wenig guten Samen angesetzt hatten. Diese haͤßlichen Insekten sind also den Blumen nicht, wie die meisten uͤbrigen, nuͤtzlich, sondern vielmehr hoͤchst schaͤdlich. Helianthus. Centaurea. Solange der Blumenknauf noch Blumen hat, sind die Keich- schuppen flach ausgebreitet, damit sich die Randblumen auch aus- breiten, und dem Blumen k nauf mehr Ansehen verschaffen koͤn- nen. Nach vollendetem Bluͤhen aber biegen sich dieselben ein- waͤrts, und beschuͤtzen dadurch die jungen Samen vor der Naͤsse. Wenn Gleditsch S. 246. sagt, daß die Bienen, außer Wachs und Honig, auch Kuͤtt von den Blumen holen, so versteht er durch den letztern vermuthlich die kleinen Harzkuͤgelchen, welche man auf den Spelzen antrifft, welche zwischen den noch nicht aufgebluͤheten Blumen hervorragen. Sie sind etwa so groß, als ein Nadelknopf, von Farbe weiß, aber ohne Geschmack. Centaurea. Centaurea Cyanus. Kornblume. Tab. XX. 47—49. 53—55. Tab. XXI. 2. 3. Tab. XXI. 2. Eine vergroͤsserte Zwitterblume in natuͤrli- cher Stellung. 3. Der oberste Theil derselben im Durchschnitt. Tab. XX. 53. Derselbe, noch staͤrker vergroͤssert. 49. Der Blumenknauf in natuͤrlicher Groͤsse, von oben ge- sehen. 55. Derselbe, nachdem die Randblumen herausgezogen worden. 54. Der Same der Centaurea crupina, etwas vergroͤssert. 48. Derselbe im Durchschnitt. 47. Derselbe, von oben gesehen. In beiden Figuren ist die Saftdruͤse punktirt. 1. Wegen der Kleinheit der Blume konnte ich die Saftdruͤse nicht sehen. Es scheint aber mit derselben hier eben die Bewand- niß zu haben, wie bey dem Carduus. Dies schließe ich aus dem groͤssern Samen der Centaurea crupina, welcher eben einen sol- chen, obgleich weit duͤnneren, Koͤrper traͤgt, als der Same des Carduus. 2. Der Safthalter ist auch hier der Grund des Kronen- saums. 3. Der Saft wird durch eben diejenige Einrichtung vor dem Regen geschuͤtzt, durch welche es bey dem Carduus geschieht. Nur sind die Filamente hier nicht beynahe der ganzen Laͤnge haaricht, sondern sie haben allein an Einer Stelle einen Haarbuͤschel, Tab. XXI. 3. Tab. XX. 53., wodurch ein haarichter Ring entsteht. Da nun der Kronensaum da, wo er anfaͤngt sich zu theilen, en- ger ist, als weiter unten, und der haarichte Ring zunaͤchst unter dieser Oeffnung sich befindet: so kann kein Regentropfen zum Saft gelangen. 4. Weil Centaurea. Silphium. 4. Weil also die Zwitterblumen wirklich Saftblumen sind, und als solche allem Vermuthen nach von Insekten befruchtet werden sollen: so wird man auch leicht den Nutzen der geschlechts, losen und saftleeren Randblumen Dieselben scheinen zwar Blumen zu seyn, sind es aber nicht wirklich, da ihnen die wesentlichsten Theile einer Blume fehlen. Man kann sie daher mit Recht Scheinblumen (ψευδανϑος) nennen. einsehen, wenn man einen mit denselben versehenen Blumenknauf gegen einen solchen haͤlt, aus welchem man dieselben herausgezogen hat, Fig. 49. 55. Welch ein armseliges Ansehen hat nicht dieser, mit jenem vergli- chen! Diese Randblumen dienen also bloß dazu, daß der Blu- menknauf desto besser von den Insekten von weitem bemerkt wer- den koͤnne. Da nun die Zwitterblumen nicht alle zugleich bluͤhen, sondern zuerst die aͤußersten, und dann nach und nach die inneren: so muͤssen die geschlechtslosen Blumen, wenn meine Erklaͤrung ih- res Nutzens richtig ist, mit den zuerst bluͤhenden Zwitterblumen zugleich zu bluͤhen anfangen, und, obgleich diese verbluͤhen, den- noch so lange zu bluͤhen fortfahren, als die innersten bluͤhen. Dieses habe ich denn auch an der Centaurea paniculata sehr wohl bemerkt. Folglich sind die Randblumen keinesweges vergebens, wel- ches Linn é scheint geglaubt zu haben, da er die Ordnung, zu welcher Centaurea gehoͤrt, Syngenesia frustranea genannt hat. Diese Benennung scheint mir daher nicht die schicklichste zu seyn, wie nicht weniger die beiden anderen, Syngenesia superflua und necessaria. Denn erstens enthalten sie ein Urtheil uͤber die Zweck- maͤßigkeit der Einrichtungen der Blumen. In der eigentlichen Botanik aber sollen die Pflanzen, folglich auch die Blumen, noch nicht beurtheilt, sondern bloß kenntlich gemacht und geordnet wer- den. Auch sind alle uͤbrige Benennungen, durch welche Linn é seine Klassen und Ordnungen bestimmt hat, so gewaͤhlt, daß sie kein Urtheil in sich enthalten, sondern sich bloß auf Anzahl, Groͤsse, Stelle, Gestalt und dergleichen beziehen. Zweytens ist das Urtheil, welches jene Benennungen zu erkennen geben, noch dazu unrichtig. Denn so wie in den Werken der Natur, und also auch in den Blumen, nichts vergebens ist, so ist auch nichts uͤberfluͤssig , und man kann nicht irgend eine Einrich- tung derselben gleichsam ausschließungsweise nothwendig nen- nen, da sie alle nothwendig sind. Silphium. Silphium perfoliatum . Tab. VII. 11. 17. 27—29. 30. 31. 33. 34. 36. 37. Silphium. 30. Der Blumenknauf in natuͤrlicher Groͤsse, von oben ge- sehen. 17. Eine weibliche Blume, von der Seite gesehen. 27. Eine maͤnnliche Blume. 28. Dieselbe, nachdem die Krone von dem Blumenhalter ge- trennet und etwas in die Hoͤhe gezogen worden, wodurch die auf dem Blumenhalter sitzende Saftdruͤse, welche den griffelfoͤrmigen Koͤrper traͤgt, zum Vorschein gekommen ist. 29. Dieselbe, nachdem außerdem noch der griffelfoͤrmige Koͤrper von der Saftdruͤse abgeloͤset worden ist. 11. Dieser griffelfoͤrmige Koͤrper, noch staͤrker vergroͤssert. 31. Der stark vergroͤsserte oberste Theil des Blumenhalters einer Zwitterblume nebst der (punktirten) Saftdruͤse, von der Seite gesehen. 33. Derselbe, von oben gesehen. 34. Der unterste Theil einer weiblichen Blume, von innen oder von vorne gesehen. 36. Der Fruchtknoten derselben nebst der (punktirten) Saft- druͤse. 37. Derselbe, noch staͤrker vergroͤssert, von oben gesehen. Die Blumenhalter der maͤnnlichen Blumen sind weiß, und ihre Saftdruͤse ist auch weiß. Die Fruchtknoten der weiblichen Blumen sind weiß, oberwaͤrts aber blaßgruͤn; ihre Saftdruͤse ist weiß. Der Safthalter sowohl der maͤnnlichen, als der weiblichen Blumen ist die Kronenroͤhre, in welcher jene mehr Saft enthal- ten, als diese. Ich glaube, daß auch dieser Blumen Befruchtung durch die Insekten geschieht. Denn da die Stigmate der weiblichen Blu- men ziemlich versteckt sind (daher man dieselben auch in Fig. 30. nicht sehen kann), so begreife ich nicht, wie der Antherenstaub der maͤnnlichen Blumen, besonders der mittelsten (die in dem ab- gezeichneten Blumenknauf noch nicht aufgebrochen sind), auf eine mechanische Art auf dieselben sollten gebracht werden koͤnnen. Wenn aber ein Insekt sich auf den Blumenknauf gesetzt hat, so leert es zuerst die maͤnnlichen Blumen aus, weil diese ihm eher in die Augen fallen, als die Kronenroͤhren der weiblichen, da sie hoͤher stehen. Und da muß es nothwendig den am griffelfoͤrmigen Koͤrper haftenden Antherenstaub abstreifen. Nachdem es nun die maͤnnlichen Blumen ausgeleeret hat, so versucht es ein glei- ches mit den Kronenroͤhren der weiblichen Blumen. Und indem es seinen Saugeruͤssel in dieselben hineinsteckt, so streift es den an seinem Koͤrper sitzenden Staub an die Stigmate ab. Man kann mir nicht den Einwurf machen, daß, da die weiblichen Blumen weit groͤsser sind, als die maͤnnlichen, hier grade das Gegentheil von demjenigen Statt finden muͤsse, was B b Silphium. ich bey der Valeriana dioeca gesagt habe, und bey der Bryonia alba sagen werde. Denn hier sind beiderley Blumen nicht von einander entfernt, wie bey jenen, sondern stehen nahe beysam- men. Der ganze Knauf erscheint den Insekten von weitem als Eine Blume, und damit er von denselben desto leichter bemerkt werden koͤnne, sind die weiblichen Blumen so groß. Hat es sich nun auf denselben gesetzt, so findet es eher die maͤnnlichen Blu- men, als die Kronenroͤhren der weiblichen. Die in der Scheibe befindlichen Blumen nennt Linn é in der Beschreibung dieser und der uͤbrigen Gattungen dieser Ord- nung Zwitterblumen, in der der Klasse vorgesetzten Einleitung aber maͤnnliche Blumen. Sie haben allerdings das Ansehen von Zwitterblumen; denn der lange Koͤrper a b Fig. 27. scheint der Fruchtknoten, und der oberste Theil des griffelfoͤrmigen Koͤrpers c e das Stigma zu seyn, wie Linn é beide Theile nennt. Allein 1) pflegt das Stigma in dieser Klasse zweytheilig zu seyn, welche Gestalt es in den weiblichen Blumen auch wirklich hat, Fig. 17. 34.; hier aber ist es ungetheilt, und daß es kein wirkliches Stigma sey, zeigt der Erfolg. Denn 2) aus dem Koͤrper a b wird kein Samenkorn. Hieraus folgt, daß derselbe auch kein Fruchtkno- ten sey. Stellt man sich die Blumen als Zwitterblumen vor, so bleibt es unerklaͤrlich, warum dieselben nicht fruchtbar sind, un- erklaͤrlich, daß sie, da sie anfangs vollkommner sind, als die weiblichen Blumen, sich am Ende weit unvollkommner zeigen, unerklaͤrlich, daß diese Zwitterblumen von ihrem Staube keinen Gebrauch machen, sondern ihn den weiblichen Blumen uͤberlas- sen. Hieraus folgt also, daß sie bloß maͤnnlichen Geschlechts sind. Also ist der Koͤrper a b der Blumenhalter, und deswegen so lang, damit die Blumen, zu der schon angefuͤhrten Absicht, hoͤher stehen, als die weiblichen. Und der griffelfoͤrmige Koͤrper, dessen oberster Theil c e aus der Antherenroͤhre hervorragt, ist kein wirklicher Griffel, und der Theil d e kein Stigma; sondern dieser Koͤrper dient bloß dazu, den in der Antherenroͤhre befindli- chen Staub abzustreifen, an die Luft zu bringen, und den In- sekten, damit sie denselben abstreifen, darzubieten. Er ist deswe- gen oberwaͤrts, so weit er aus der Anthere herausdringt, mit kurzen Haaren dicht besetzt, welche auf demselben schief stehen, so daß sie einen spitzen Winkel nach oben zu mit demselben machen, Fig. 11. Indem also dieser Koͤrper sich aus der roͤhrenfoͤrmigen Anthere herausdraͤngt, so buͤrstet er den Staub derselben rein ab, und bringt ihn an die freye Luft. Auf welche Art aber draͤngt sich dieser Koͤrper aus der An- there heraus? Ich glaube, daß auch dieses von den Insekten verursacht wird, daß sie nemlich, indem sie in die Blume hinein- kriechen, zugleich die ihnen im Wege stehende Anthere in die Silphium. Calendula. Echinops. Blume hineinschieben, da denn der griffelfoͤrmige Koͤrper noth- wendig aus der Anthere herauskommen muß, weil er etwas dicker und steifer ist, als die Filamente. Diese Einrichtung wuͤrde sehr zweckmaͤßig und wohl ausgedacht seyn. Der Staub befaͤnde sich alsdenn in der engen Antherenroͤhre, in welcher er vor aller Ver- derbung durch den Regen gesichert waͤre, so lange, bis er bey schoͤnem Wetter, da er ohne Schaden an die Luft kommen kann, von einem Insekt aus der Roͤhre herausgetrieben, vom griffel- foͤrmigen Koͤrper abgestreift, und auf das Stigma der weiblichen Blumen gebracht wuͤrde, und es wuͤrde also diese Blume in diesem Stuͤck der Saluia pratensis aͤhnlich seyn. Hieruͤber habe ich mit der Blume, weil mir dies erst in der Folge eingefallen ist, keinen Versuch anstellen koͤnnen. Dieser wuͤrde aber darin bestehen, daß man durch ein seines Netz oder Gaze einen Blumenknauf den Insekten unzugaͤnglich machte. Kaͤme alsdenn der griffelfoͤr- mige Koͤrper nicht aus der Anthere heraus, so wuͤrde meine Ver- muthung durch die Erfahrung bestaͤtigt seyn. Im Silphium Asteriscus hat Gleditsch , S. 231., keinen Saft gefunden. Calendula. Calendula officinalis. Ringelblume. Auch in die- ser Blume hat Gleditsch keinen Saft gefunden, S. 249. Den Saft der Zwitterblumen habe ich deutlich gesehen. Daß auch die weiblichen Blumen Saft enthalten, schloß ich daraus, daß der unterste Theil der Krone, wie auch der Fruchtknoten auf der aͤußeren Seite mit Haaren uͤberzogen sind, welche mir zur Abhaltung der Regentropfen bestimmt zu seyn schienen, weil der Kelch an jenen Theilen nicht dicht anliegt, sondern ein Zwischen- raum vorhanden ist, in welchen ein Regentropfen leicht hinein- kommen kann. Echinops. Echinops Ritro . Tab. XIX. 35. Die etwas ver- groͤsserte Blume. Neben dieser Figur a. Die innere Seite des flach ausgebreiteten groͤßten Theils des Kronensaums. b. Ein Theil der vorhergehenden Figur, noch staͤrker ver- groͤssert. c. Dieser Theil von der Seite. d. e. Die Saftdruͤse, von der Seite und von oben gesehen. 1. Die Saftdruͤse ist der fleischichte gelbliche Koͤrper, welcher oben auf dem Fruchtknoten sitzt, und die Gestalt eines abgekuͤrz- ten Kegels hat. Oben hat derselbe eine Vertiefung, in welche der Griffel eingefuͤgt ist. Echinops. Lobelia. 2. Der Safthalter ist der Grund des Kronensaums. 3. Zur Beschuͤtzung des Safts vor dem Regen dienen 1) die Filamente, wie bey dem Helianthus annuus. 2) Jeder Aus- schnitt des Kronensaums hat an der Basis gleichsam eine kleine Nische a , welche oben mit einer kleinen Ausladung oder Ueberdach versehen ist, b , c. Ueber dieser Ausladung muß ein Regentropfen, welcher am Ausschnitt herabgeflossen ist, stehen bleiben. 4. 5. Die Blumen haben einen angenehmen Geruch, und werden von Fliegen, deren ich wohl zwanzig auf einem einzigen Blumenkopf fand, Bienen und Blumenkaͤfern haͤufig besucht. Da hier eben so, wie bey dem Carduus die maͤnnlich-weib- liche Dichogamie Statt findet, und daraus folgt, daß auch hier die Befruchtung durch Insekten geschieht: so wollte ich mich durch die Erfahrung hiervon noch mehr uͤberzeugen. Ich machte also an dem in meinem Garten stehenden Exemplar eben denjenigen Versuch, den ich, wie oben gesagt worden ist, mit dem Lilium Martagon angestellt hatte. Ich umgab nemlich einige Blumen- koͤpfe mit einem Beutel von Gaze; die uͤbrigen ließ ich frey stehen. Allein die Ohrwuͤrmer vereitelten diesen Versuch, indem sie die Blumen gaͤnzlich verwuͤsteten, selbst an denen Koͤpfen, welche ich so verhuͤllt hatte, da sie sich in den Beutel einen Eingang zu ver- schaffen gewußt hatten. Sie fraßen nicht nur die Geschlechts- theile, sondern auch die Kronensaͤume weg, so daß die Koͤpfe ein elendes Ansehen hatten. Dies geschieht alle Jahr; daher die Pflanze noch niemals ein reifes Samenkorn hervorgebracht hat. Lobelia. Lobelia vrens? So nenner man wenigstens diese Art im Botanischen Garten zu Berlin. Ob ich gleich in der Einen Blume, welche ich am 2ten December zu untersuchen Gelegen- heit hatte, keinen Saft wirklich gefunden habe: so laͤßt sich doch im geringsten nicht daran zweifeln, daß sie eine Saftblume ist, da sie alle wesentliche Theile einer solchen Blume hat. 1. Die Saftdruͤse ist nemlich der oberste Theil des Frucht- knotens oder der Grund des Kelchs, auf welchem die Krone steht. Die Farbe derselben ist gelb. 2. Der Safthalter ist der unterste Theil der Kronenroͤhre. 3. Zum Saft kann kein Regentropfen dringen, weil die Fi- lamente, welche von der roͤhrenfoͤrmigen Anthere zusammengehal- ten werden, keinen Regentropfen durchlassen. 4. Die Krone hat ein Saftmaal. Denn sie ist weiß (wegen dieser Farbe zweifle ich an der Richtigkeit obiger Benennung), auf der Unterlippe aber an der Oeffnung der Roͤhre mit zwey gel- ben Flecken geziert. Lobelia. Viola. Lobelia Cardinalis. Ich habe noch nicht Gelegenheit gehabt, diese Blume zu zergliedern, sondern nur zu betrachten, da ich denn deutlich bemerkt habe, daß sie ein maͤnnlich-weiblicher Dichogamist ist. Viola. Viola odorata. Blaues Veilchen. Maͤrzveilchen. Tab. XXI. 1. 4—9. 11. 13. 14. 17. 23. 4. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 6. Dieselbe, von der Seite gesehen. 7. Dieselbe, noch staͤrker vergroͤssert. Das vordere oberste und mittelste Kronenblatt ist ganz weggeschnitten, und von dem untersten ist genau die vordere Haͤlfte weggeschnitten. Dadurch sind die Geschlechtstheile, und zwar in ihrer natuͤrlichen Gestalt, zum Vorschein gekommen. 8. Die Blume, von unten gesehen, nachdem vom Kelch und von der Krone so viel weggeschnitten worden, als die Linie a b in Fig. 6. anzeigt. 9. Der mittelste Theil der vorhergehenden Figur, nachdem das umgebogene Ende des Griffels weggeschnitten worden, wel- ches man unter der Figur abgebildet siehet. 11. Die Geschlechtstheile im natuͤrlichen Zustande, wie sie in Fig. 7. abgebildet sind. Die beiden vordersten Staubgefaͤße sind weggeschnitten worden, wodurch das ganze Pistill zum Vor- schein gekommen ist. Es ist ohne Schatten gezeichnet, damit man es besser erkennen koͤnne. 14. Dieses Pistill besonders. 1. Das in Fig. 11. abgerissene mit dem Fortsatz versehene Staubgefaͤß von der inneren Seite. 17. Eines von den mit keinem Fortsatz versehenen Staubge- faͤßen von der inneren Seite. Beide Staubgefaͤße haben einen Ansatz, welchen ich punktirt habe, um dadurch die Farbe dessel- ben, welche gelb ist, anzudeuten. 23. Gestalt der Geschlechtstheile, wenn die Blume von einer Biene besucht wird. Bezieht sich auf Fig. 7. 5. Dieselbe, von unten gesehen. Bezieht sich auf Fig. 8. 13. Das unterste Kronenblatt in derjenigen Stellung, welche es in Fig. 4. hat. Diese Blume steht bey den Menschen in großer Gunst. Diese Gunst wird, hoffe ich, merklich zunehmen, sobald man die von mir zuerst entdeckte vortreffliche Einrichtung derselben wird kennen gelernt haben. 1. Herr D. Roth hat in seinem in das Magazin fuͤr die Botanik (1787. 2. St. S. 31.) eingeruͤckten Aufsatz uͤber B b 2 Viola. das Nectarium die eigentlichen Saftdruͤsen der Viola ganz richtig angegeben. Es verschaffte mir kein geringes Vergnuͤgen, da ich fand, daß er hier eben so, als bey dem Antirrhinum Linaria, mit mir eben dieselbe Entdeckung gemacht hatte. Was das Veil- chen betrifft, so kann ich seine und meine Behauptung durch einen Umstand, dessen Beweiskraft ihm unbekannt gewesen ist, nem - lich durch die Farbe, beweisen. Die Saftdruͤsen sind also die Spitzen der beiden in das Horn des untersten Kronenblatts sich erstreckenden Fortsaͤtze der unter- sten Staubgefaͤße. Diese Spitzen haben eine dunkelgruͤne Farbe, da die Fortsaͤtze selbst blaßgruͤn sind, eben so, wie bey der Gen- tiana Pneumonanthe der Fruchtknoten blaßgruͤn, die Saftdruͤse aber dunkelgruͤn ist. In Fig. 1. 7. bey b und 11. ist diese Farbe durch Punkte angedeutet. 2. Der Safthalter ist das Ende des Horns der Krone. An- faͤnglich konnte ich mich nicht darin finden, daß ich in der Viola canina zwar hier, aber nicht an den Saftdruͤsen, Saft fand. Endlich aber sahe ich ein, daß dieses ganz natuͤrlich zugeht. Denn das Ende des Horns hat die Gestalt eines Gewoͤlbes, welches sich um die auf den Saftdruͤsen sitzenden Safttroͤpfchen herumzieht. Es zieht folglich dieselben von mehreren Seiten, und also staͤrker, an, als die Saftdruͤsen, und die Safttroͤpfchen muͤssen diesem staͤrkeren Zuge folgen, und sich von den Saftdruͤsen in das Ende des Horns begeben. Und hier muß der Saft aus eben derselben Ursache hangen bleiben, und kann nicht hinab und aus der Blume hinausfließen, welches er vermoͤge seiner Schwere zu thun strebt. Dies ist ein sehr einleuchtendes Beyspiel von der Anziehungskraft, welche, wie ich in der Einleitung gesagt habe, die Saftblumen auf den Saft aͤußern. 3. Daß nun dieser Saft gegen alle Verderbung durch den Regen voͤllig gesichert ist, lehrt der Augenschein. Wenn auch ein Regentropfen der Oeffnung des Horns sich naͤhern sollte, so kann er doch nicht in dasselbe hinaufsteigen. Damit aber nicht einmal selbst jenes geschehen koͤnne, so haben die beiden mittelsten Kronenblaͤtter grade da, wo es am zweckmaͤßigsten ist, Haare, welche man in Fig. 4. sieht. In Fig. 7. sind die Haare des einen von diesen Kronenblaͤttern bey a noch deutlicher zu sehen. Wann also einige Regentropfen auf die obersten Kronenblaͤtter gefallen sind, und, nachdem sie an denselben herabgeflossen sind, sich in Einen Tropfen vereinigt haben, so muß dieser, sobald er diese Haare erreicht hat, stehen bleiben. Es ist folglich schlechterdings unmoͤglich, daß zu dem Saft ein Regentropfen jemals gelangen koͤnne. 4. Die Blume soll von den Bienen befruchtet werden. Da- mit nun diese Insekten sie von weitem leicht bemerken koͤnnen, Viola. so hat sie eine ansehnliche Krone, welche die von ihr benannte Farbe hat, nemlich die violette. Und damit dieser Endzweck desto gewisser erreicht werde, hat sie auch einen sehr angenehmen Ge- ruch. Dieser Geruch fehlt der Viola tricolor und canina gaͤnz- lich. Die Ursache hievon ist meiner Meinung nach nicht schwer zu finden. Denn diese beiden sitzen an aufrecht stehenden Sten- geln, und machen sich folglich schon durch die Groͤsse und Farbe ihrer Krone bemerkbar genug; unser Veilchen hingegen sitzt auf einem unmittelbar aus der Wurzel entstehenden Stiel, und wird von den Blaͤttern der Pflanze mehrentheils verdeckt. Dem hier- aus entstehenden Nachtheil in Ansehung der Bemerkbarkeit wird durch den Geruch hinlaͤnglich abgeholfen. Hat sich nun eine Biene, durch die Farbe der Krone und den Geruch gelockt, auf die Blume begeben, so zeigt ihr das Saftmaal die Oeffnung des Horns, als den rechten Weg zum Saft. Die violette Krone ist nemlich in der Mitte weißlich; und uͤber diese weißliche Stelle laufen auf dem untersten gehoͤrnten Blatt dunkelviolette Adern, welche gegen die weißliche Farbe stark abstechen, und sich in die Oeffnung des Horns hineinziehen. Das ganze Saftmaal zeigt sich in Fig. 4., die Haͤlfte desselben in Fig. 7. In der letzteren Figur sieht man, daß auch das mittelste Kronenblatt auf der dem untersten benachbarten Haͤlfte einige dunkelviolette Adern hat. In Fig. 13. sieht man den Haupttheil des Saftmaals auf dem untersten Kronenblatt. Diese und die 8. Figur zeigen, wie sich diese Adern in die Oeffnung des Horns ein wenig hineinziehen. Eine Biene muͤßte also so dumm als eine Fliege seyn, wenn sie nicht, sobald sie sich auf eine Blume gesetzt hat, den Saft zu finden wuͤßte. 5. Hummeln sowohl, als Bienen besuchen die Blume. Die letztern setzen sich zwar zuerst auf das unterste Kronenblatt, blei- ben aber nicht, welches man vermuthen sollte, auf demselben, sondern laufen von da auf die obersten Kronenblaͤtter, und krie- chen auf denselben in die Blume hinein, Titelbl. Fig. XI. In dieser Stellung koͤnnen sie vermuthlich ihren Saugeruͤssel beque- mer in den Safthalter hineinstecken, als wenn sie auf dem unter- sten Kronenblatt blieben. Auch dasjenige Insekt, dessen ich bey der Pulmonaria officinalis gedacht habe, besucht die Blume, und macht es eben so, als die Bienen. Auf welche Art wird nun unser Veilchen befruchtet? Um diese Frage, welche verschiedene Jahre hindurch fuͤr mich ein unaußoͤslich scheinendes Raͤthsel gewesen ist, gehoͤrig beant- worten zu koͤnnen, muß ich den Leser etwas naͤher mit dem Bau dieser Blume bekannt machen. Die fuͤnf Staubgefaͤße umgeben das Pistill, und verbergen dasselbe, so daß man weiter nichts als das umgebogene Ende des Viola. Griffels sehen kann, Fig. 7. verglichen mit Fig. 11. Sie sind nicht zusammengewachsen, beruͤhren sich aber einander, und scheinen ein einziger Koͤrper zu seyn. Die Filamente sind ziem- lich fleischicht; die beiden untersten oder dem Stiel der Blume zu- gekehrten haben einen eben so fleischichten Fortsatz, welcher sich in das Horn hinein erstreckt, und dessen Ende, wie gesagt, den Saft absondert. Ein jedes Filament aber hat auf seiner inneren oder dem Pistill zugekehrten Seite eine aus zwey Beuteln beste- hende Authere, Fig. 1. 17. In beiden Figuren sieht man, daß die Filamente unterwaͤrts einen (punktirten) Ansatz haben. Die- ser Ansatz besteht aus einer duͤnnen, trocknen und gelben Haut, welche einen geringen Grad von Elasticitaͤt hat. Diese Ansaͤtze aber liegen nicht nur, wie die Filamente, neben einander um den Griffel herum, sondern zum Theil auch uͤber einander, daß sie also noch mehr, als die Filamente, ein einziger Koͤrper zu seyn scheinen. In Fig. 9. und 5. sieht man, daß von dem Ansatz des obersten Filaments und von den Ansaͤtzen der beiden untersten die Ansaͤtze der beiden mittelsten zum Theil gedeckt werden, und daß der Ansatz des einen von den untersten Filamenten zum Theil auf dem Ansatz des andern liegt. Es haben also die Staubgefaͤße, diese Ansaͤtze mitgerechnet, die Gestalt des obersten konischen Theils eines Trichters, aus dessen unterster Oeffnung der Griffel hervorragt, welcher zugleich diese Oeffnung voͤllig ausfuͤllt und verstopft, Fig. 7. 8. 9. Den Theil dieses Trichters, welcher von den Filamenten gebildet wird, will ich den obersten, und denje- nigen, welcher von den Ansaͤtzen gebildet wird, den untersten Theil desselben nennen. Der Staub, den die Antheren, nachdem sie sich geoͤffnet haben, enthalten, ist von ganz besonderer Art. Denn da der Staub andrer Saftblumen etwas fest sitzt, und so beschaffen ist, daß er sich mit einem etwas feuchten Mehl vergleichen laͤßt, da- mit er nemlich nicht vom Winde weggewehet werde, oder, wenn der Wind die Blumen schuͤttelt, zerstiebe: so ist im Gegentheil der Staub des Veilchens vollkommen trocken, und haftet keines- weges an den Beuteln, in welchen er ist zubereitet worden, so- bald sich dieselben geoͤffnet haben. Folglich ist er hierin dem Staube solcher Blumen aͤhnlich, welche vom Winde befruchtet werden, obgleich diese Befruchtungsart hier nicht Statt findet. Jedoch ist er nicht so fein, als derselbe, und gleicht mehr einem Mehl, als einem eigentlichen Staube. Die Figuren 1. und 17. zeigen, daß die beiden Beutel eines jeden Filaments zwar ober- waͤrts und an den Seiten, keinesweges aber unterwaͤrts, wo der Ansatz anfaͤngt, einen hervorstehenden Rand haben. Das trockne Staubmehl also wird durch nichts gehindert, aus dem obersten Theil des Trichters in den untersten zu fallen. Daß aber dieses Viola. geschehen muͤsse, sieht man ein, wenn man theils an die so eben beschriebene Beschaffenheit dieses Staubes, theils aber daran denkt, daß die Blume an dem umgebogenen Ende eines langen Stiels sitzt, folglich vom Winde oft genug geschuͤttelt werden muß, Fig. 7. Da nun die Oeffnung des untersten Theils des Trich- ters vom Griffel verstopft wird, so kann das in diesen Theil hinabgefallne Staubmehl nicht durch diese Oeffnung hinausfallen. Man mag die Wirkungen des Windes auf die Blume nach- machen, so gut man kann, man mag in die Blume hineinblasen, man mag sie schuͤtteln, so sehr man will, ohne jedoch im letztern Fall derselben Gewalt anzuthun, so daß etwa jener Trichter ge- druͤckt wuͤrde: so koͤmmt dennoch kein Koͤrnchen des Staubmehls zum Vorschein. Da nun die Spitze des aus dem Trichter her- vorragenden gebogenen Endes des Griffels das Stigma ist: so muß demjenigen, welcher bloß von der mechanischen Befruchtung der Blumen etwas weiß, die Einrichtung dieser Blume ganz un- gereimt vorkommen. Denn alle uͤbrige Theile des Pistills wer- den bestaͤubt, welches nicht den geringsten Einfluß auf die Be- fruchtung hat, und grade das Stigma ist allein von der Bestaͤu- bung ausgeschlossen, welches doch nothwendig, wenn die Be- fruchtung erfolgen soll, bestaͤubt werden muß. Wenn wir also bloß bey der mechanischen Befruchtungsart stehen bleiben wollten, so wuͤrden wir glauben muͤssen, entwe- der, daß die Befruchtung niemals erfolge, welches doch wider die Erfahrung streitet, oder, daß die Blume, ungeachtet sie alle zur natuͤrlichen Befruchtung erforderliche Theile hat, bloß deswe- gen, weil diese Theile so wunderlich und zweckwidrig angebracht und geordnet sind, von Gott auf eine uͤbernatuͤrliche Art und durch ein Wunderwerk befruchtet werde. Und das heißt eben so viel als, wir muͤssen glauben, daß sich Gott wegen des Fehlers, den er im Bau dieser Blume begangen habe, durch das bey jedem Individuum zu wiederholende Wunderwerk selbst bestrafe. Wol- len wir nun weder etwas, was existirt, laͤugnen, noch behaupten, daß etwas, was unmoͤglich ist, existirt: so bleibt uns weiter nichts uͤbrig, als daß wir uns zu den Insekten wenden. Und da die Bienen, welche, wie wir schon gehoͤrt haben, diese Blume be- suchen, uns schon so oft gute Dienste geleistet haben: so ist zu hoffen, daß sie uns auch in dieser Noth nicht verlassen werden. Das Ende des Griffels, Fig. 11. 14., ist gebogen, und zwar so, daß es mit dem Griffel einen etwas spitzen Winkel macht; seine Basis aber ist etwas gekruͤmmt, und weit duͤnner, als er uͤberhaupt ist. Daher laͤßt er sich sehr leicht in die Hoͤhe biegen, so daß er diejenige Stellung erhaͤlt, welche in Fig. 14. durch Punkte angedeutet ist. Sobald man ihn aber wieder los laͤßt, so faͤllt er in seine gewoͤhnliche Stellung wieder zuruͤck. Gesetzt B b 3 Viola. nun, eine Biene kriecht auf den obersten Kronenblaͤttern in die Blume hinein, Fig. 7., Titelbl. XI. , und steckt den Kopf in den ziemlich weiten Zwischenraum zwischen dem Stigma und dem un- tersten Kronenblatt (welcher in Fig. 7., weil von dem untersten Kronenblatt genau die Haͤlfte weggeschnitten worden, genau zu sehen ist. Man seh e auch Fig. 8.), um ihren Saugeruͤssel in den Safthalter hineinzustecken: so stoͤßt sie mit dem Kopf den Griffel, und vermittelst des Griffels den Ansatz des obersten Filaments in die Hoͤhe. Dadurch bekoͤmmt der Trichter ein Loch, und aus diesem Loch faͤllt das Staubmehl heraus. Die Biene wird damit bestaͤubt, und muß nothwendig einen Theil des an ihrem Koͤrper haftenden Staubmehls auf das Stigma bringen, und gleichsam an dasselbe anreiben, und auf solche Art den Fruchtknoten befruch- ten. Dies wird man sehr leicht einsehen, wenn man die 23. Fi- gur mit der 7., und die 5. mit der 8. vergleicht. Nachdem sie den Saftvorrath verzehrt hat, so kriecht sie wieder zuruͤck. Als- denn faͤllt der Griffel wieder in seine gewoͤhnliche Stellung zuruͤck, so auch nach und nach der Ansatz des obersten Filaments. Die Oeffnung des Trichters verschließt sich also nach und nach wieder, obgleich nicht so dicht und fest, als vor dem Besuch, vermuthlich weil bey dem ersten Besuch die Befruchtung jederzeit unausbleib- lich erfolgen muß. Diese von mir entdeckte und beschriebene Befruchtungsart dieser Blume setzt den Leser in den Stand, verschiedene die Struk- tur derselben betreffende Fragen zu beantworten, welche er sonst unbeantwortet wuͤrde haben lassen muͤssen. Die leichteren Fra- gen, welche auch bey anderen Saftblumen vorkommen, z. B. warum die Blume Saft absondert, warum sie eine gefaͤrbte Krone hat, warum sie auf einer weißlichen Stelle dunkelfarbige Linien hat, warum sie mit einem so angenehmen Geruch begabt ist, warum der Saft vor dem Regen so wohl verwahrt ist, will ich nicht be- ruͤhren, sondern nur folgende anfuͤhren. Warum sitzt die Blume auf einem langen aufrecht stehenden Stiel, der sich aber mit sei- nem obersten Ende um- und herabbiegt, Fig. 7.? Antw. Er- stens, damit kein Regentropfen zum Saft gelangen koͤnne. Denn wenn der Stiel ganz grade waͤre, die Blume folglich aufrecht stuͤnde, so waͤre das Ende des Horns, wo der Saft sich befin- det, der unterste Theil der Blume, und Regentropfen, welche in die Blume hineinfielen, wuͤrden in das Horn hinabfließen, sich mit dem Saft vermischen, und ihn verderben. Da sich aber der oberste Theil des Stiels herabbiegt, so haͤngt die Blume herab, und das Ende des Horns ist der hoͤchste Theil derselben, in wel- chen kein Regentropfen hinaufsteigen kann. Zweytens damit, wenn die Blume vom Winde geschuͤttelt wird, welches wegen der Laͤnge des Stiels oftmals geschehen muß, das Staubmehl in den Viola. untersten Theil des Trichters falle. Waͤre der Stiel ganz grade, und haͤtte die Blume eine aufrechte Stellung, so wuͤrde der Staub in den Theil des Trichters fallen, der alsdenn der unterste waͤre, d. i., in den obersten, welchen die Filamente bilden. Wenn also die Bienen die Blume besuchten, so wuͤrde er hier liegen bleiben, und niemals auf das Stigma gebracht werden. Dies siehet man ein, wenn man die 7. Figur umkehrt. — Warum hat der Staub die angefuͤhrte besondere Beschaffenheit, und unterscheidet sich so sehr von dem Staube anderer Saftblumen? A. Bey anderen Saftblumen soll der Staub vom Insekt abgestreift werden, darum sitzt er etwas fest, damit ihn der Wind nicht wegfuͤhre. Bey die- ser aber soll er sich in dem untersten Theil des Trichters sammlen, um, wenn die Biene eine Oeffnung an demselben macht, heraus- fallen zu koͤnnen. Bliebe er also an den Antheren sitzen, so wuͤrde die Blume niemals befruchtet werden. — Warum ist die Basis des Griffels so duͤnne? A. Damit die Biene den Griffel desto leichter in die Hoͤhe stoßen koͤnne. — Warum ist aber diese Basis ein wenig gekruͤmmt, Fig. 11. 14., und warum macht das umgebogene Ende des Griffels mit dem Griffel nicht einen rechten, sondern einen etwas spitzen Winkel? A. Beides dient zu eben- demselben Endzweck, als der vorige Umstand. Die Direktion des Stoßes, welchen die Biene dem umgebogenen Ende des Griffels beybringt, ist dem laͤngeren graden Theil des Griffels ungefaͤhr parallel; dieser Stoß aber soll den Griffel seitwaͤrts bewegen, also nach einer Direktion, welche mit jener ungefaͤhr einen rechten Winkel macht. Wer nun einige Begriffe von der Mechanik hat, wird einsehen, daß dieses nicht so leicht geschehen wuͤrde, wenn die duͤnne Basis des Griffels grade waͤre, und das umgebogene Ende desselben mit demselben einen rechten Winkel machte. Das um- gebogene Ende des Griffels macht aus eben der Ursache mit dem Griffel, folglich auch mit der Direktion des Stoßes, welchen die Biene demselben beybringt, einen schiefen Winkel, aus welcher die Oberflaͤche der Fluͤgel einer Windmuͤhle mit der Direktion des Windes einen schiefen Winkel macht. Und um ein noch mehr passendes Beyspiel anzufuͤhren, welches sich zugleich auf die ge- kruͤmmte Basis des Griffels bezieht, so stelle man sich vor, da der Griffel einige Aehnlichkeit mit einer Kruͤcke hat, es haͤtte sich Jemand eine Kruͤcke ganz genau nach dem Modell dieses Griffels machen lassen. Schon bey dem ersten Versuch, den er mit der- selben anstellen wuͤrde, wuͤrde ihn sein Einfall gereuen. Denn die Kruͤcke wuͤrde, indem er sich auf dieselbe stuͤtzte, ausweichen, und er wuͤrde fallen. — Endlich warum liegt der haͤutige Ansatz des obersten Filaments zum Theil auf den Ansaͤtzen der beiden mittelsten, Fig. 9., und warum nicht diese, oder einer von die- sen auf jenem? A. Damit er desto leichter von der Biene Viola. vermittelst des Griffels in die Hoͤhe gestoßen werden koͤnne, Fig. 5. 23. Nun will ich erzaͤhlen, wie ich die Befruchtungsart dieser Blume entdeckt habe. Eine Erfahrung und ein Versuch waren mir im Fruͤhjahr des naͤchstvergangenen Jahres dazu behuͤlflich. Ich sahe, daß die Blumen von den Bienen besucht wurden. Nun wollte ich die Wirkung, welche dieselben auf den Griffel machten, nachmachen. Denn das hatte ich mir schon lange vor- her immer vorgestellt, daß hinter der Gestalt des Griffels, ver- moͤge welcher er so leicht kann in die Hoͤhe gehoben werden, und hernach wieder herabfaͤllt, das ganze Geheimniß stecken muͤsse. Nach vielen fruchtlosen Bemuͤhungen fiel es mir endlich einmal zu gutem Gluͤcke ein, bey diesem Versuch der abgepfluͤckten Blume eben diejenige Stellung zu geben, welche ihr die Natur gegeben hat. Das hieß die Sache beym rechten Ende angreifen. Denn nachdem ich die Blume so weit in die Hoͤhe gehoben hatte, daß sie hoͤher stand, als meine Augen, um von unten auf in dieselbe hineinsehen zu koͤnnen, so fiel, sobald ich mit einem duͤnnen Stoͤck- chen den Griffel in die Hoͤhe hob, das Staubmehl, wie der Streusand aus einer Sandbuͤchse, in großer Menge aus dem Trichter heraus. Diese Erscheinung, uͤber welche ich, weil ich sie gar nicht erwartet hatte, wirklich ein wenig erschrack, war fuͤr meinen Verstand das, was in finsterer Nacht ein Wetterstrahl fuͤr das Auge ist; sie entdeckte mir auf einmal das ganze Ge- heimniß. Daß mir dieser Versuch anfangs nicht hatte gluͤcken wollen, daran war Folgendes Schuld gewesen. Wenn man irgend eine Sache, die man in der Hand hat, genau betrachten will, so haͤlt man dieselbe niedriger, als die Augen stehen, und keinem ver- nuͤnftigen Menschen wird es einfallen, er muͤßte denn ganz beson- dere Ursachen dazu haben, die Sache uͤber die Augen zu erheben, den Kopf zuruͤckzuwerfen, und nach der Sache hinaufzusehen. Eben so hielt ich also auch die Blume, so oft ich den Versuch mit derselben anstellen wollte, weil mir der Gedanke nicht in den Sinn kam, daß es vielleicht besser seyn wuͤrde, wenn ich mich diesmal von meiner Gewohnheit entfernte. Nun mußte ich aber, um in die Blume hineinsehen zu koͤnnen, dieselbe umkehren, und ihr eine aufrechte Stellung geben. Dadurch verursachte ich, daß das Staubmehl aus dem untersten Theil des Trichters in den ober- sten, welcher damals der unterste war, hinabfiel. Wann ich also den Griffel zuruͤckbog, so brachte ich zwar dadurch die Oeff- nung am Trichter hervor, es konnte aber unmoͤglich das Staub- mehl herausfallen. Der Fehler also, den ich beging, bestand darin, daß ich eine Wirkung der Natur nachmachen wollte, und doch in den Umstaͤnden etwas aͤnderte. Daß ich aber dieses that, Viola. kam daher, weil ich mich hier so verhielt, wie man sich immer verhaͤlt, und es mir nicht einmal einfiel, daß ich mich ganz an- ders zu verhalten haͤtte. Wenn man diesen Versuch anstellen will, so muß man eine Blume dazu nehmen, welche noch nicht lange gebluͤhet hat, und noch von keiner Biene besucht worden ist. Jenes sowohl, als dieses erkennet man daran, wenn man auf dem untersten Kronenblatt kein Staubmehl antrifft. Denn in einer alten Blume ist der Trichter nicht mehr dicht und fest geschlossen, weil die Staubge- faͤße welk sind; er laͤßt also das Staubmehl herausfallen, von welchem ein Theil auf dem untersten Kronenblatt liegen bleibt, und, weil er weiß ist, leicht gesehen wird. Eben so bleibt, wenn eine Biene die Blume besucht hat, ein Theil dieses Mehls auf dem untersten Kronenblatt liegen. Nach einem anhaltenden Re- gen aber ist dieses Kennzeichen truͤglich; denn der Regen spuͤlt das Mehl von dem Kronenblatt weg. Daß eine junge Blume von einer Biene noch keinen Besuch erhalten hat, sieht man auch an dem untersten Theil des Trichters, wenn nemlich derselbe so dicht und fest geschlossen ist, als in Fig. 7. 8. 9. Nimmt man also eine solche Blume, hebt sie mit der linken Hand in die Hoͤhe, haͤlt sie in eben der Stellung, welche sie von Natur hat, und stoͤßt alsdenn mit der rechten Hand vermittelst eines duͤnnen Stoͤckchens das umgebogene Ende des Griffels zuruͤck: so wird man das Staubmehl in großer Menge herausfallen sehen. Nicht um mich, der ich durch jenen Versuch schon voͤllig uͤber- zeugt war, sondern meine Leser von der Richtigkeit meiner die Befruchtung dieser Blume betreffenden Erklaͤrung zu uͤberzeugen, habe ich noch folgenden Versuch gemacht, den ein jeder leicht wi- derholen kann. Ich naͤhete um ein Stuͤck leinener Gaze einen starken Bindfaden, band an denselben hoͤlzerne Pfloͤcke, steckte mitten durch eine Parthie Veilchen einen kleinen Pfahl, legte die Gaze uͤber denselben, und steckte die Pfloͤcke rundherum in die Erde. Vorher hatte ich alle aufgebrochne Blumen abgepfluͤckt; eine weit groͤssere Anzahl war noch nicht aufgebrochen. Durch dieses kleine Gezelt hatte ich es den Bienen unmoͤglich gemacht, die kuͤnftigen Blumen zu besuchen. Diese konnten also keinen Samen hervorbringen, wenn meine Vorstellung von der Be- fruchtungsart richtig ist. Die Blumen fingen nach und nach an aufzubrechen, obgleich etwas spaͤter, als sie im Freyen wuͤrden gethan haben, weil die Gaze die Wirkung der Sonnenstrahlen etwas schwaͤchte, und bluͤheten unter diesem Gezelt sehr schoͤn. Ich hob dasselbe an verschiedenen Tagen in die Hoͤhe, besahe die Blumen, und fand auf dem untersten Kronenblatt nicht ein ein- ziges Koͤrnchen Staubmehl, grade so, wie ich es mir vorher vor- gestellt hatte, ausgenommen nach einiger Zeit bey alten Blumen, Viola. deren welk gewordene und nicht mehr dicht zusammenschließende Staubgefaͤße das Mehl hatten herausfallen lassen. Ungefaͤhr 14 Tage nach dem Ende der Bluͤhezeit nahm ich die Gaze weg, besahe die Blumen, und fand daß nicht eine einzige einen ver- groͤsserten Fruchtknoten oder eine junge Samenkapsel hatte, da doch die meisten von den uͤbrigen in meinem Garten stehenden Blumen mit schon ziemlich erwachsenen Kapseln versehen waren. Diese Erfahrung ist ein unumstoͤßlicher Beweis der Gewißheit meiner Entdeckung. Linn é hat die sehr kleinen Naͤgel, vermittelst deren die Fi- lamente an den Boden angewachsen sind, und welche man in Fig. 1. und 17. bey a siehet, Filamente, und was ich Filamente und Antheren nenne, Antheren genannt. Doch dies ist eine Klei- nigkeit. Wichtiger aber ist Pollichs Irrthum, welcher die Naͤgel der Filamente uͤbersehen, die Filamente und die Antheren fuͤr die Filamente, die haͤutigen Ansaͤtze der Filamente aber fuͤr die Antheren gehalten hat. Er hat zwar die Antheren gesehen, aber nicht dafuͤr gehalten. Denn von der Viola hirta sagt er, die Filamente haͤtten auf ihrer inneren Seite Furchen, und von der Viola odorata, die Filamente bestaͤnden aus zwey Kammern. Jene Furchen aber und diese Kammern sind die Antheren. Was ihn irre gefuͤhrt hat, ist die oben angezeigte ungewoͤhnliche Beschaffenheit des Staubes. Denn wenn er die Antheren besahe, so fand er keinen Staub an denselben, weil derselbe schon in den untersten Theil des Trichters herab- gefallen war, oder gar, wenn die Blume von einer Biene schon einen Besuch erhalten hatte, nicht mehr vorhanden war. Er glarbte also, daß diese Furchen oder Kammern zu den Fi- lamenten gehoͤren, und weil die Filamente gewoͤhnlich die An- theren auf ihrer Spitze zu tragen pflegen, so hielt er die haͤu- tigen Ansaͤtze der Filamente fuͤr die Antheren, ob sie gleich nicht einmal das Ansehen von Antheren haben. Dieses kam daher, daß er glaubte, die Natur schneide alles nach Einem Leisten zu. Denn da gewoͤhnlich die Filamente die Antheren auf ihrer Spitze tragen, so meinte er, daß es hier auch so sey, und bedachte nicht, daß die Natur ihre wichtige Ursachen gehabt haben koͤnne, hier von ihrer Gewohnheit abzugehen, und die Antheren nicht an das Ende, sondern an die Seite der Filamente der Laͤnge nach anzufuͤgen. Viola tricolor. Stiefmuͤtterchen. Dreyfaltigkeitsblume. Tab. XXI. 10. 12. 15. 16. 20. 20. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 10. Dieselbe, von der Seite im Durchschnitt gesehen. Die haͤutigen gelben Ansaͤtze der Staubgefaͤße sind hier auch punktirt. Viola. 12. Das Pistill. Ueber dem Stigma ist das Stigma, von unten gesehen, abgebildet. 15. Das in Fig. 20. linker Hand befindliche mittelste Kro- nenblatt, von der Seite gesehen. 16. Das unterste mit dem Horn versehene Kronenblatt, von vorne gesehen. 1—3. In Ansehung der Saftdruͤsen, des Safthalters und der Saftdecke hat diese Art mit der vorhergehenden eine gleiche Einrichtung. Die Haare der mittelsten Kronenblaͤtter sieht man in Fig. 20. und noch deutlicher in Fig. 10. und 15. Außer- dem aber hat auch das unterste Kronenblatt zwey Reihen von Haaren. Diese fangen sich unmittelbar hinter der Stelle an, wo das Stigma auf diesem Kronenblatt anliegt. Dies sieht man in Fig. 16., wo das Kreuz diese Stelle andeutet. In Fig. 15. sieht man, daß der haarichte Streif des mit- telsten Kronenblatts sich nicht bis an den unteren Rand des- selben, wohl aber bis an den oberen erstreckt, und daß dieser obere Rand selbst mit Haaren besetzt ist. Vergleicht man hier- mit Fig. 20., so sieht man die Ursache davon ein. So wie das unterste Kronenblatt vor dem Eingang in das Horn oder vor dem Stigma kahl ist, so mußten es auch die beiden mit- telsten unterwaͤrts seyn, damit der Eingang den Insekten nicht gesperrt wuͤrde. Weiter hinauf aber und am oberen Rande mußten sie des Regens wegen haaricht seyn, und zwar letzte- res, weil die obersten Kronenblaͤtter in einiger Entfernung hin- ter den mittelsten stehen, folglich zwischen die oberen Raͤnder der letzteren, wenn dieselben nicht mit Haaren besetzt waͤren, leicht ein Regentropfen hindurchdringen koͤnnte. 4. In derjenigen Varietaͤt, welche in Fig. 20. abgezeich- net ist, und zwar so, daß der Unterschied ihrer Farben ange- deutet ist, sind die beiden obersten Kronenblaͤtter purpurfarben, die beiden mittelsten violett, und das unterste am Rande vio- lett, in der Mitte aber blaßgelb. Die beiden mittelsten sind unmittelbar vor ihrem haarichten Streif mit einigen schwarzen Linien geziert, das unterste aber ist vor dem Eingange in das Horn gelb (diese Farbe ist in der Figur punktirt) und mit meh- reren und laͤngeren schwarzen Linien geziert. Das Saftmaal ist also auf den drey untersten Kronenblaͤttern angebracht, weil diese eigentlich den Eingang in den Safthalter bilden. 5. Fig. 12. zeiget, daß der Griffel zwar in Ansehung sei- ner Basis dem Griffel der ersten Art aͤhnlich, in Ansehung des Stigma aber von demselben ganz verschieden ist. Außer der Gestalt unterscheidet sich das Stigma auch dadurch, daß es auf dem untersten Kronenblatt anliegt, da in der vorherge- henden Art jenes von diesem ziemlich weit entfernt ist. Dies sieht Viola. sieht man in Fig. 10., weil hier ebenfalls genau die vorderste Haͤlfte des untersten Kronenblatts weggeschnitten ist. Daß je- doch dieses Stigma mit der Axe des Griffels nicht einen rech- ten, sondern einen spitzen Winkel macht, sieht man in dieser, und noch deutlicher in der 12. Figur. Also findet hier eben derselbe Mechanismus Statt, welchen wir bey der ersten Art bemerkt haben, und wahrscheinlich zu eben demselben Endzweck, als bey jener. In der Wahlboomschen Dissertation wird von dieser Art gesagt, das Stigma sey anfangs weiß; wann aber die An- theren ihren Staub fortgeworfen haͤtten, so erhalte es, von diesem Staube angefuͤllt, eine dunkle Farbe. Ich begreife aber nicht, wie die Antheren ihren Staub sollten fortwerfen koͤnnen, wie sie ihn mit solcher Kraft und, moͤchte ich sagen, so ge- schickt sollten fortwerfen koͤnnen, daß er auf das Stigma fallen muͤßte. An die mechanische Befruchtungsart ist hier schlechter- dings nicht zu denken, sondern auch diese Blume wird von den Insekten befruchtet. Von welchen aber, und wie, das ist eine andere Frage. Die Blume wird von Blasenfuͤßen haͤufig besucht. Des- wegen habe ich ehemals geglaubt, daß sie auch von diesen In- sekten befruchtet werde. Dieser Meinung ist der Umstand guͤn- stig, daß das Stigma unmittelbar auf dem untersten Kronen- blatt anliegt. Denn dieses scheint dahin zu zielen, daß ein sehr kleines Insekt unter dem Stigma weg in das Horn hinein- kriechen solle, da es denn nothwendig den Griffel aufheben muß, wodurch der unterste Theil des Trichters eine Oeffnung bekoͤmmt, und das in demselben befindliche Staubmehl heraus-, und auf den Koͤrper des Insekts faͤllt. In dieser Meinung ward ich durch eine Beobachtung bestaͤrkt, aus welcher ich schloß, daß die Bienen die Blume nicht besuchen, folglich nicht zur Befruchtung derselben bestimmt seyn koͤnnen. Auf einem noch nicht umgegrabenen Stuͤck Lgndes eines Gartens bluͤhete dieselbe sehr haͤufig zwischen dem noch haͤufigeren Lamium pur- pureu m Dieses ward von den Bienen besucht: kamen sie aber an ein Stiefmuͤtterchen, so sahen sie es einen Augenblick an, schienen sich aber sogleich eines andern zu besinnen, flogen davon, und begaben sich wieder auf das Lamium. Im ver- gangenen Sommer aber bemerkte ich, daß die auf einem Acker stehende kleinere Varietaͤt, welche einige Schriftsteller fuͤr eine besondere Art halten, und Viola aruensis oder bicolor nen- nen, von einer Biene besucht ward. Diese Erfahrung lehrte mich also, daß meine auf die erste Beobachtung sich gruͤndende Vorstellung irrig war, und daß die Bienen die Blume bloß deswegen unbesucht gelassen hatten, weil ihnen das Lamium Viola. purpureum angenehmer war, und sie gern bey Einer Art zu bleiben pflegen. Ich glaube also, daß auch diese Blume von den Bienen befruchtet wird. Viola palustris. Titelk. XVI. Auf dem untersten Kronenblatt das Saftmaal. Diese Art sitzt, wie Viola odo- rata, auf einem aus der Wurzel entstehenden Stiel, und hat doch keinen Geruch; woraus zu folgen scheint, daß dasjenige, was ich oben von dem Geruch des Maͤrzveilchens gesagt habe, ungegruͤndet sey. Durch diesen Mangel aber wird die Bemerk- barkeit der Blume ungeachtet ihres niedrigen Standes nicht verhindert. Ich fand sie am Ende des Aprils auf einer Wiese, und ein jedes Individuum fiel mir sehr leicht in die Augen. Denn die Wiese hatte beynahe noch eben das Ansehen, wel- ches sie im vorhergehenden Herbst durch das Abmaͤhen erhal- ten hatte. Das Gras war noch sehr kurz, und hie und da bluͤhete ein sehr niedriges Riedgras. Auch waren der Blume die Blaͤtter ihrer eigenen Pflanze nicht hinderlich; denn sie ka- men erst aus der Wurzel hervor, und waren noch sehr klein. Als ich den Griffel in die Hoͤhe hob, fiel eine ansehnliche Menge Staubmehl aus dem Trichter heraus. Viola canina. Hundsveilchen. Tab. XXI. 18. 19. 21. 25. 19. Die noch nicht reife Samenkapsel in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 21. Dieselbe in natuͤrlicher Stellung, nachdem sie reif ge- worden und aufgeplatzt ist. 18. Dieselbe, von oben gesehen, nachdem sie ungefaͤhr die Haͤlfte ihrer Samenkoͤrner herausgeworfen hat. 25. Dieselbe, nachdem sie alle Samenkoͤrner herausgewor- fen hat. Ich machte den bey der ersten Art angefuͤhrten Versuch mit verschiedenen Blumen, welche ich in der Heide antraf; ich sahe aber kein Staubmehl herausfallen. Endlich nahm ich eine Blume, welche ein recht frisches Ansehen hatte. Aus dieser fiel eine ziemliche Menge blaßgelben Staubmehls heraus. Als ich die Staubgefaͤße abloͤsete, so fand ich, daß bloß die beiden obersten sich erst geoͤffnet hatten. Diese Blume war also ver- muthlich erst am Morgen desselben Tages aufgebluͤhet. Dieses erinnert mich, zu demjenigen, was ich oben von der zu diesem Versuch anzustellenden Auswahl der Blumen gesagt habe, noch hinzuzufuͤgen, daß es sich zuweilen treffen kann, daß man eine junge und von keiner Biene besuchte Blume nimmt, aus deren Trichter dennoch kein Staubmehl herausfaͤllt, wenn nemlich die- selbe erst vor kurzem aufgebrochen ist, und die Antheren sich noch nicht geoͤffnet haben. C c Viola. Die Blume wird von Blasenfuͤßen haͤufig besucht, deren ich in einem Exemplar wohl sechs fand; indessen glaube ich nicht, daß sie von diesen, sondern von groͤsseren Insekten befruchtet wird. Wann die Blume verbluͤhet ist, so aͤndert der Stiel seine Gestalt nicht, bis die Frucht voͤllig reif geworden ist. Wann dieses geschehen ist, so streckt er sich grade, und die Frucht steht aufrecht: Bey schoͤnem warmen Wetter, besonders in den Mit- tagsstunden, platzt dieselbe auf, und theilt sich in drey nachen- foͤrmige inwendig glatte horizontal stehende Valveln, deren jede eine Anzahl glatter Samen enthaͤlt. Je mehr diese Valveln von der Sonnenhitze ausgetrocknet werden, eine desto staͤrkere Kraft bekommen sie, sich zu schließen, desto staͤrker druͤcken sie folglich die Samen. Sie sprengen also mit ziemlicher Kraft und mit ei- nem kleinen Schall ein Samenkorn nach dem andern heraus, und binnen einer halben Stunde ist die Kapsel leer. Daß sowohl die Valveln inwendig, als auch die Samenkoͤrner glatt seyn muͤs- sen, sieht ein jeder leicht ein. Eben so leicht begreift man, warum sich der Fruchtstiel zuletzt grade streckt. Denn die daraus entstehende horizontale Stellung der Valveln ist grade diejenige, in welcher dieselben die Samenkoͤrner am weitsten fortschleudern koͤnnen. Bliebe hingegen der Stiel oberwaͤrts gekruͤmmt, so haͤt- ten die Valveln zwar auch eine fast horizontale Stellung; weil sie aber alsdenn ihre Oeffnung der Erde zukehrten, so waͤre dieses die zweckwidrigste Stellung, die sie nur immer haben koͤnnten. Denn in diesem Fall wuͤrden die Samenkoͤrner mit einer gewissen Kraft in einer fast perpendikulaͤren Direktion auf die Erde gewor- fen, und folglich nicht weiter von der Pflanze entfernt werden, als wenn sie herausfielen, und jene Kraft wuͤrde also ganz ver- gebens seyn. In dem ersten wirklich existirenden Fall aber werden sie in die Hoͤhe geschleudert, und fallen hierauf wieder herab, so daß sie durch ihre Bewegung einen Bogen beschreiben; sie werden folglich von der Mutterpflanze weit entfernt. Viola mirabilis. Diese Art habe ich noch nicht zu sehen, viel weniger zu beobachten Gelegenheit gehabt, welches ich, we- Viola. Impatiens. gen ihrer ganz besonderen Einrichtung, sehr wuͤnschte. Sie un- terscheidet sich nemlich von allen ihren Mitarten dadurch, daß ihre am Stengel befindliche Blumen keine Krone haben, und Samen tragen, hingegen die an der Wurzel befindlichen Blumen eine Krone haben, aber keinen Samen hervorbringen. Diese sind also maͤnnlichen, jene vermuthlich weiblichen Geschlechts. Diese Blumen bestaͤtigen also auf eine auffallende Art dasjenige, was ich oben bey der Valeriana dioeca gesagt habe. Denn da die maͤnnlichen Blumen eine Krone haben, die weiblichen aber nicht, so begeben sich die Insekten natuͤrlicherweise zuerst auf jene, weil dieselben ihnen staͤrker in die Augen fallen, und dann auf diese, und befruchten auf solche Art die letzteren mit dem aus den ersteren mitgebrachten Staube. Impatiens. Impatiens Balsamina. Balsamine. 1. 2. Das Horn, in welches sich der duͤtenfoͤrmige Koͤrper endigt, ist nicht nur der Safthalter, sondern sein Ende ist auch die Saftdruͤse. Denn dasselbe ist schwielicht, und auswendig, noch mehr aber inwendig gelb. 4. Das Saftmaal ist der gelbe Fleck, mit welchem die innere Seite des duͤtenfoͤrmigen Koͤrpers in der Mitte geziert ist. Wenn man in die Blume hineinsieht, so faͤllt einem derselbe sogleich in die Augen. Dieses Saftmaal ist nun zwar an der schicklichsten Stelle angebracht; indessen ist doch das sonderbar, daß es sich nicht bis an die Oeffnung des Horns erstreckt, wie man wegen der gewoͤhnlichen Einrichtung anderer Saftblumen erwarten sollte, sondern nur ein kleiner isolirter Fleck ist. 5. Die Blume wird von Blasenfußen, desgleichen von Hum- meln besucht. Daß sie von den letzteren befruchtet werde, daran zweifle ich um so viel weniger, da auch bey ihr, wenn ich nicht sehr irre, die maͤnnlich-weibliche Dichogamie Statt findet. Ich hatte nur Gelegenheit einige bluͤhende Pflanzen fluͤchtig zu betrach- ten, und fand, daß die untersten aͤlteren Blumen die Staubge- faͤße verloren hatten. Orchis. Zwanzigste Klasse. Gynandria. Zwitterblumen, deren Staubgefaͤße auf dem Pistill sitzen . Orchis. O rchis latifolia (folio maculato). Tab. XXI. 31. 36—39. 38. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. Neben dieser Figur a ein Staubkoͤlbchen. 39. Dieselbe, von der Seite gesehen. 31. Dieselbe, nachdem die Unterlippe nebst der vordersten Haͤlfte des Horns weggeschnitten worden. 36. Dient zur Erlaͤuterung der 31. und 38. Figur. a b und g sind die Faͤcher, in welchen die beiden Staubkoͤlbchen verbor- gen und vor dem Regen wohl verwahrt liegen. Ein solches Staubkoͤlbchen besteht aus dem Koͤlbchen selbst, einem Kuͤgelchen, und einem Faden, welcher beide mit einander verbindet, Fig. 38. a. Das Fach a b hat sein Staubkoͤlbchen noch, und das Kuͤ- gelchen b ragt aus demselben hervor. Daß dieses hier, nicht aber in Fig. 31. und 38. gesehen wird, koͤmmt daher, daß hier das kleine Klaͤppchen f umgeschlagen worden ist, welches in jenen Fi- guren in seiner natuͤrlichen Stellung sich befindet, und die beiden Kuͤgelchen verdeckt. Das andere Fach g hat sein Staubkoͤlbchen verloren. Dasselbe klebt an dem mit einer klebrichten Feuchtigkeit uͤberzogenen Stigma b h c i rechter Hand, und e ist sein Kuͤ- gelchen. 37. Die Blume, von der Seite gesehen, nachdem die vor- derste Haͤlfte derselben weggeschnitten worden. a b ist das noch vorhandene Fach, und b das Kuͤgelchen. Das ganze Klaͤppchen ist weggeschnitten. Was zwischen b und c punktirt ist, ist die Haͤlfte des Stigma. d ist das Innere des Fruchtknotens, wel- ches mit den jungen Samenkoͤrnern angefuͤllt ist. Man sieht, daß dasselbe mit dem Stigma in Verbindung steht, und daß bey e die Oeffnung ist, durch welche das befruchtende Wesen des Staubes in das Ouarium dringt. Gegenwaͤrtige Art hat mir zuerst Gelegenheit gegeben, die eigentliche Struktur der Orchisblumen zu entdecken, welche man bisher so wenig gekannt hat, daß man auch nicht einmal gewußt hat, was das Stigma ist. Linn é hat nemlich das kleine Klaͤpp- Orchis. chen f Fig. 36. fuͤr das Stigma gehalten Ich wuͤßte wenigstens nicht, was er sonst sollte durch sein Stigma verstanden haben. Bey der Serapias aber kann ich sein Stigma gar nicht finden. . Was Koͤlreuter fuͤr das Stigma gehalten habe, wird in der Folge gesagt werden. Den Theil b h c i hatte ich sonst fuͤr die Saftdruͤse gehalten, weil er mit einer gewissen Feuchtigkeit uͤberzogen ist. Schon der einzige Umstand, daß diese Feuchtigkeit klebricht ist, haͤtte mich auf andere Gedanken bringen sollen. Indem ich nun diesen Theil einstmals genau betrachte, so sehe ich, daß ein Staubkoͤlbchen in Gestalt eines koͤrnichten Weisens an demselben klebt. Ich durch- suche die beiden Faͤcher, und finde, daß das eine von den Staub- koͤlbchen fehlt, welches also eben dasjenige war, welches auf der klebrichten Stelle saß. Nachdem ich ein aͤhnliches in mehreren Blumen gefunden habe, so mache ich den Schluß, daß diese klebrichte Stelle das wahre Stigma sey. Aber wie kommen denn die Staubkoͤlbchen auf dieses Stigma? frage ich mich selbst. Denn daß sie von selbst aus ihren Faͤchern sollten herausfallen koͤnnen, oder daß der Wind sie sollte herauswehen koͤnnen, daran ist nicht zu denken. Ich nehme also einen duͤnnen Grashalm, oder was es sonst war, beruͤhre damit das unterste Ende der bei- den Faͤcher, und sehe voller Verwunderung, daß ich damit ein kleines Klaͤppchen zuruͤckstoße, und ein Staubkoͤlbchen heraushole. Ein solches Koͤlbchen liegt zwar in seinem Fach wohl verschlossen; es ist aber nirgends angewachsen, sondern ganz isolirt. Eine An- there ist es zwar; einen Staubbeutel aber kann man es nicht nennen, da es nicht eine Haut um sich hat, sondern aus lauter Staube be- steht. Es haͤngt an einem Faden, und dieser Faden wieder an einem Kuͤgelchen, welches nicht im Fach eingeschlossen liegt, son- dern sich außerhalb desselben befindet, aber dennoch nicht in die Augen faͤllt, weil es von dem Klaͤppchen verdeckt wird. So wie ich also mit dem Grashalm dies Klaͤppchen zuruͤckgestoßen hatte, so war das Kuͤgelchen von jenem beruͤhrt worden, und war an demselben kleben geblieben; folglich mußte, als ich mit dem Gras- halm eine kleine Bewegung machte, das Staubkoͤlbchen aus dem Fach herauskommen. C c 2 Orchis. Nun fiel auf einmal der Vorhang, der mir bisher die Struk- tur dieser Blume verdeckt hatte. Ich ward uͤberzeugt, daß die Blume von Insekten befruchtet werden muͤsse, und zwar so, daß dieselben, indem sie in das Horn hineinkriechen wollen, das Klaͤppchen zuruͤckstoßen, ein Staubkoͤlbchen aus dem Fach herausziehen, und, sobald dasselbe das klebrichte Stigma be- ruͤhrt, es wieder verlieren, und an demselben sitzen lassen, wo- durch der Fruchtknoten befruchtet wird. Ich habe mir zwar viel Muͤhe gegeben, die Natur auf der That zu ertappen, und es mit anzusehen, wie ein Insekt die Blume befruchtet; es hat mir aber nicht gluͤcken wollen. Blasenfuͤße krochen nach ihrer Gewohnheit allenthalben umher, keiner aber zog jemals ein Staubkoͤlbchen heraus. In einer Blume aber sah ich auf dem Stigma eine todte Fliege und neben ihr ein Staubkoͤlbchen kleben. Diese hatte also dasselbe aus dem Fach herausgezogen, und auf das Stigma geschleppt, und war selbst daruͤber kleben geblieben. Sowohl aus dieser Erfahrung, als auch aus demjenigen, was ich an der Serapias latifolia und Ophrys ouata bemerkt habe, schließe ich, daß diese Blume von Fliegen befruchtet wird. Bienen oder Hum- meln habe ich noch nie auf dergleichen Blumen angetroffen. Das Horn sollte eigentlich die Saftdruͤse und der Saft- halter zugleich seyn; ich habe aber niemals, ob ich gleich sehr viele Blumen durchsucht habe, Saft in demselben angetroffen. Diesen sollte man nun allerdings erwarten, vorzuͤglich, da auch im Uebrigen die Blume so gebauet ist, wie es eine Saftblume seyn muß. Denn daß in das Horn so leicht kein Regentropfen hineinkommen koͤnne, da die Oeffnung desselben durch die drey mittelsten Blaͤtter des Helms oder der Oberlippe der Krone ge- schuͤtzt wird, sieht man in Fig. 38. 39. Auch hat die Blume ein Saftmaal. Denn die Krone ist purpurfarben; die beiden Seitenblaͤtter des Helms aber, und vorzuͤglich die Unterlippe sind mit dunkelpurpurfarbenen Linien und Flecken geziert, welche auf der letzteren sich in die Oeffnung des Horns hineinziehen. Die drey mittelsten Blaͤtter des Helms aber sind nicht so ge- ziert, weil sie nicht so in die Augen fallen, als jene Theile, Fig. 38. 39. Daß aber das Horn keinen Saft enthalten koͤnne, folgt schon daraus, daß es inwendig mit kurzen Haa- ren dicht uͤberzogen ist. Denn ein Safthalter muß kahl und glatt seyn. Warum hat nun die Natur diese Blume, der sie voͤllig das Ansehen und die Einrichtung einer Saftblume gegeben hat, dennoch nicht mit Saft versehen? Warum ist diese Blume eine Scheinsaftblume ? Diese Frage koͤmmt mir jetzt nicht so leicht zu beantworten vor, als ehemals. Ich Orchis. glaubte nemlich, daß es bey dieser Blume bloß darauf angese- hen sey, daß eine Fliege, durch den Schein getaͤuscht, sich in dieselbe hineinbegeben, und, nachdem sie ein Staubkoͤlbchen herausgezogen haͤtte, und nun weiter kroͤche, mit samt demsel- ben an dem Stigma kleben bleiben sollte. Da nun auf solche Art die Befruchtung auch ohne Saft erfolgen muͤßte, so haͤtte die Natur, welche nichts uͤberfluͤssiges thut, auch keinen Saft in der Blume hervorgebracht. Nach dieser Vorstellung opfert nun zwar der Schoͤpfer das Leben dieser Fliegen der Befruch- tung dieser Blumen auf; ich glaubte aber, daß er dieses mit eben dem Recht thue, mit welchem er verschiedene Thiere den fleischfressenden Thieren aufopfert. Nachdem ich aber entdeckt hatte, daß die Natur zwar gewisse kleine Fliegen durch das Ansehen der gemeinen Osterluzey anreizt, in dieselbe hinein- zukriechen, und, wenn sie hineingekrochen sind, sie so lange eingesperrt und gefangen haͤlt, bis sie die Blume befeuch- tet haben, alsdann aber sie wohlbehalten wieder heraus- laͤßt: so vermuthete ich, daß sie bey der Orchis sich eben so wenig unbarmherzig gegen die Fliegen bezeige, als bey der Osterluzey. Ich begab mich daher nach einer Wiese, wo diese Blume haͤufig stand, und bemerkte, daß in vielen Blumen ein oder beide Staubkoͤlbchen am Stigma klebten, welche nicht an- ders als durch Fliegen auf dasselbe gebracht seyn konnten, daß aber nur in Einer oder zweyen eine Fliege am Stigma klebte. Nach meiner ehemaligen Vorstellung aber mußte der letztere Fall nicht der seltenste, sondern im Gegentheil der am oͤftersten vorkommende seyn. Es ist mir also unbegreiflich, warum die Blume keinen Saft hat, da es mir sehr zweckmaͤßig zu seyn scheint, daß sie Saft bereite, damit die Fliegen, wenn sie den- selben in einer Blume gefunden haben, dadurch bewogen wer- den, mehrere Blumen zu besuchen und zu befruchten. Orchis Morio. Titelk. Fig. X. (Auf der Unterlippe ist das Saftmaal deutlich zu sehen.), und O. militaris . Fig. VII. Diese Arten sind, wie die vorhergehende, Scheinsaftblu- men. Ihr Horn ist kurz und weit, enthaͤlt aber keinen Saft. Mit der uͤbrigen Einrichtung derselben hat es gleiche Bewandt- niß. In verschiedenen Blumen habe ich die Staubkoͤlbchen sehr deutlich auf dem Stigma kleben gesehen. Daß in den Scheinsaftblumen die Befruchtung oͤfters fehl- schlage, beweißt Orchis militaris. Ich fand am Ende des Juny auf einer Wiese fuͤnf Pflanzen, deren Blumen saͤmtlich schon vor einigen Wochen abgebluͤhet haben mußten, indem die Samenkapseln schon sehr groß waren. Die erste von denselben hatte 27 Blumen gehabt, von welchen nur drey eine Samen- Orchis. kapsel angesetzt hatten, die zweyte hatte 26 Blumen und 7 Kapseln, die dritte 42 Blumen und 12 Kapseln, die vierte 30 Blumen und 6 Kapseln, die fuͤnfte 13 Blumen und 3 Kapseln. Mit der Orchis conopsea hingegen, welche ich auch daselbst fand, verhielt es sich ganz anders. Die wenigsten Blumen bluͤ- heten noch; die mehresten waren verbluͤhet, und hatten schon große Samenkapseln angesetzt. Diese waren nun fast alle von guter Beschaffenheit, und der mißgerathenen waren sehr wenige. Orchis bifolia. Wohlriechendes Knabenkraut. Tab. XXI. 29. Weil ich anfangs denjenigen Theil, von welchem ich hernach eingesehen habe, daß er das Stigma ist, wie ich bey der Orchis latifolia gesagt habe, fuͤr die Saftdruͤse hielt: so schien mir diese Blume dem Antirrhinum Linaria darin aͤhnlich zu seyn, daß der Saft nicht vom Horn selbst bereitet wuͤrde, sondern von der an der Oeffnung desselben befindlichen Saftdruͤse in dasselbe hineinfloͤsse. Da ich nun, wenn ich die Blume gegen das Son- nenlicht hielt, bey b eine dunkle Linie sah, so glaubte ich, daß auch hier das Ende des Horns c b Luft enthalte, der Saft aber zwischen b und der Krone befindlich sey. Daß ich mich hierin irrte, haͤtte ich schon daraus schließen koͤnnen, daß ich zwischen b und der Krone nicht noch eine helle oder dunkle Linie bemerkte. Ich fing also von b an das Horn zusammenzudruͤcken, und fuhr damit ununterbrochen fort bis an die Krone. Nun sahe ich in die Blume hinein, fand aber vor der Oeffnung des Horns keinen Saft. Ich sahe also ein, daß zwischen b und der Krone Luft, in b c aber der Saft sey, welchen ich auch, als ich das Horn aufschnitt, hier wirklich fand. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der hin- terste Theil des Horns. 3. Daß zu diesem Saft unmoͤglich ein Regentropfen kommen koͤnne, lehrt der Augenschein. 4. Die Krone ist weiß; die schmale und lange Unterlippe aber ist ein wenig gruͤn, woraus man schließen sollte, daß die Blume eine Tagesblume ist. Nun riecht sie aber bey Tage nicht sonderlich, des Nachts aber vortrefflich; woraus zu folgen scheint, daß sie eine Nachtblume ist. Um mich hieruͤber durch die Erfah- rung belehren zu lassen, habe ich vier in meinem Garten befind- liche Pflanzen die ganze Bluͤhezeit hindurch beobachtet. Die er- sten Blumen brachen zwar des Abends auf; an den uͤbrigen aber bemerkte ich eine große Unbestimmtheit in Ansehung der Zeit des Aufbrechens. Die Beobachtung wurde dadurch erschwert und ungewiß gemacht, daß die Blumen nicht in kurzer Zeit, wie z. B. Oenothera biennis , sondern sehr langsam aufbrachen, und da- mit viele Stunden zubrachten. Orchis. Ophrys. 5. In einer Blume fand ich, als ich sie gegen das Sonnen- licht hielt, bey a einen dunklen Fleck. Als ich das Horn aufschnitt, sahe ich, daß es ein Blasenfuß war. In einer andern fand ich im hintersten Theil des Horns eine todte Fliege. Diese kleine Insekten sind groß genug um die Blume zu befruchten; es kann aber auch von einem mit einer langen Zunge versehenen Nacht- schmetterling geschehen. Orchis conopsea. Diese Art hat mit der vorherge- henden eine aͤhnliche Einrichtung. Sie scheint eine Nachtblume zu seyn, da ihre purpurfarbene Krone kein Saftmaal hat. Sie hat einen Geruch, der aber nicht so angenehm ist, als bey der vorhergehenden. Die Kuͤgelchen der Staubkoͤlbchen liegen in die- ser und der vorhergehenden Art bloß, wie in der Serapias lati- folia, und werden nicht von einem Klaͤppchen verdeckt. Ophrys. Ophrys ouata. Zweyblatt. Titelk. Fig. II. XXVIII. XXVIII. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. Auf der Unterlippe sieht man den groͤßten Theil der Saftdruͤse, welcher punktirt ist. Nicht weit uͤber der- selben sieht man den vordersten unbedeckten Theil der zusammen- gewachsenen Staubkoͤlbchen, welcher weiß geblieben ist, damit man ihn besser erkenne. Unmittelbar unter demselben ist das mit einer klebrichten Feuchtigkeit uͤberzogene Stigma punktirt Der Kupferstecher hat dieses uͤbersehen, und anftatt der Punkte Striche gemacht. In Fig. II. aber hat er es punktirt. . Zwischen demselben und der Saftdruͤse ist ein schmaler trockner Zwischenraum. II. Dieselbe wird von einer Schlupfwespe ( Ichneumon ) besucht. 1. 2. Die Unterlippe ist in der Mitte der halben Laͤnge nach etwas fleischicht, und hat daselbst eine schwache Furche, welche den Saft zugleich absondert und enthaͤlt. Den Saft kann man mit bloßen Augen sehr deutlich sehen. 3. Das Gewoͤlbe, welches die fuͤnf obersten Kronenblaͤtter bilden, schuͤtzet nicht nur die Staubkoͤlbchen, sondern auch die Saftdruͤse vor der Naͤsse. 4. Die fuͤnf obersten Kronenblaͤtter sind gruͤn; die herabhan- gende Unterlippe aber ist gelblichgruͤn. Der Geruch fehlt. Mit den Staubkoͤlbchen verhaͤlt es sich hier ungefaͤhr so, als bey der Serapias latifolia. Sie sind zusammengewachsen, und liegen dem hintersten groͤssern Theil nach verdeckt, in Anse- hung des vordersten Theils aber frey. Doch haben sie kein Kuͤ- gelchen, aber die Spitze des vordersten Theils ist klebricht . C c 3 Ophrys. 5. Im Fruͤhjahr des naͤchstvergangenen Jahrs fand ich in der Heide vier Pflanzen beysammen, welche ich ausgrub, und in meinen Garten verpflanzte, um in der Folge die Blumen mit Bequemlichkeit beobachten zu koͤnnen. In der letzten Haͤlfte des Mays fingen sie an zu bluͤhen. Als ich in der Mittagsstunde ei- nes schoͤnen warmen Tages die Pflanzen besahe, so fand ich auf einer von denselben eine kleine Schlupfwespe, welche an ihrem Kopf ein Staubkoͤlbchenpaar sitzen hatte. Sie schien mit diesem ungesuchten Kopfschmuck sehr unzufrieden zu seyn; denn sie gab sich alle Muͤhe, denselben mit den Vorderbeinen abzustreifen, wiewohl vergebens. Ich fing sie, um sie abzuzeichnen. Bald darauf sahe ich ein aͤhnliches, aber groͤsseres Insekt auf einer an- deren Pflanze, welches zwey Staubkoͤlbchenpaare an seinem Kopf sitzen hatte. Nun hatte ich ein großes Verlangen, es mit anzu- sehen, auf welche Art ein solches Insekt zu diesem Kopfschmuck kaͤme. Am folgenden Tage also besahe ich wieder in der Mittags- stunde bey gleicher Witterung meine Pflanzen, und fand auf den- selben ein aͤhnliches Insekt. Es setzte sich jedesmal auf die Un- terlippe einer Blume, und zwar so, daß es den untersten Theil der Saftdruͤse ablecken konnte. Dann kroch es nach und nach immer weiter hinauf bis an das innerste oder oberste Ende der Saftdruͤse. War es nun so weit gekommen, so war es mit seinem Kopf dem klebrichten Ende der Staubkoͤlbchen, wenn Staubkoͤlb- chen vorhanden gewesen waͤren, so nahe, daß es nothwendig das- selbe wuͤrde beruͤhrt haben. Nun befand es sich aber grade auf den untersten aͤlteren Blumen, aus welchen die Staubkoͤlbchen schon von andern Insekten waren abgeholt worden, da die ober- sten juͤngeren Blumen dieselben noch hatten. Weil es sich nun in jeder Blume eine ziemlich lange Zeit aufhielt, und ich lange wuͤrde haben warten muͤssen, bis es zu den obersten Blumen gekommen waͤre: so pfluͤckte ich mit der Pincette eine von diesen ab, und naͤherte dieselbe mit großer Behutsamkeit und ganz unbemerkt der- jenigen Blume, auf welcher sich das Insekt befand, und zwar so, daß ich demselben die Unterlippe jener Blume ganz nahe legte. Nach einigen Augenblicken kroch es, wie ich es gewuͤnscht hatte, auf diese Unterlippe hinauf, und fing an die Saftdruͤse auf die angezeigte Art abzulecken. Nachdem es bis an das oberste Ende der Saftdruͤse gekrochen war, so beruͤhrte es mit seinem Kopf die Staubkoͤlbchen. Diese fuhren ploͤtzlich aus ihrem Behaͤltniß heraus, und blieben an seinem Kopf kleben. Dieser Anblick ver- ursachte mir ein unbeschreibliches Vergnuͤgen. Das Insekt aber schien uͤber diesen Vorfall sehr bestuͤrzt und ungehalten zu seyn. Es ward sehr unruhig, verließ die Blume, und gab sich alle Muͤhe, die Staubkoͤlbchen wieder abzustreifen; welches ihm auch nach ei- niger Zeit gluͤckte. Ophrys. Diese Erfahrung uͤberzeugte mich voͤllig, daß ich mich in meiner Vorstellung von der Art, wie die Orchisblumen von den Insekten befruchtet werden, nicht irrte, und gab mir zugleich Gelegenheit, die Ursache des eigenthuͤmlichen Baues dieser Ophrys einzusehen. Sie hat nemlich bloß deswegen eine so lange Unter- lippe und auf derselben eine so lange und schmale Saftdruͤse, da- mit das Insekt sich bequem auf jene setze, und, wann es nun an- gefangen hat die Saftdruͤse zu belecken, und alsdann immer wei- ter hinaufkriecht, es grade eine solche Stellung nehme, in wel- cher, wann es an das oberste Ende der Saftdruͤse gekommen ist, es nothwendig mit dem Kopf das klebrichte Ende der Staubkoͤlb- chen beruͤhren, und dieselben herausziehen muß. Die lange Saft- druͤse ist gleichsam ein Weg, welchen das Insekt freywillig und gern nimmt, weil der Saft suͤß schmeckt, welcher aber dasselbe endlich dahin bringt, daß es, es mag wollen oder nicht, die Blume nothwendig befruchten muß. Denn wenn es auf solche Art ein Staubkoͤlbchenpaar aus einer Blume geholt hat, so muß es dasselbe, wofern es ihm nicht etwa gluͤckt, sich desselben wieder zu entledigen, auf eine eben so nothwendige Art an das Stigma dieser, oder einer anderen Blume wieder ankleben. Sobald es nemlich an das Ende dieses Saftweges gekommen ist, so beruͤhrt es mit den vorne an seinem Kopf hangenden Staubkoͤlbchen das Stigma. Dieses, weil es klebricht ist, haͤlt dieselben fest, und auf solche Art wird zugleich die Blume befruchtet, und das Insekt seiner Buͤrde entledigt. Ich hatte ein großes Verlangen, auch dieses zu sehen, und besahe deswegen zum oͤftern die Blumen. Ich habe aber nie ein aͤhnliches Insekt auf denselben wieder ange- troffen. In der II. Figur ist das groͤssere von den zuerst genannten Insekten in dem Augenblick abgebildet, da es das klebrichte Ende der Staubkoͤlbchen mit dem Kopf beruͤhrt. Auf eben diesem Blatt neben Fig. VII. ist dasselbe mit den beiden Staubkoͤlbchenpaaren abgebildet, die es an seinem Kopf sitzen hat. Es ist eben so stark vergroͤssert als die Blume. Zu dem zweyten Paar, welches nicht unmittelbar an seinem Kopf, sondern an dem ersten haftet, war es auf folgende Art gekommen. Nachdem es das erste Paar auf die beschriebene Art aus einer Blume geholt hatte, so haͤtte es ei- gentlich nach der Absicht der Natur sich auf eine solche Blume be- geben sollen, welche ihre Staubkoͤlbchen schon verloren hatte, um dasselbe auf das Stigma derselben abzusetzen. Es hatte sich aber zufaͤlligerweise auf eine solche begeben, welche ihre Staubkoͤlbchen noch hatte. Indem es nun die Saftdruͤse derselben ableckte, so hingen ihm die Staubkoͤlbchen vorne uͤber dem Kopf. Als es bis an das Ende derselben gekommen war, beruͤhrte es mit seinen Staubkoͤlbchen das klebrichte Ende der Staubkoͤlbchen der Blume, Ophrys. und diese blieben an jenen hangen. Ueber diesem Insekt sieht man das kleinere, welches Ein Staubkoͤlbchenpaar auf seinem Kopf hat, eben so stark vergroͤssert. Im Sommer des gegenwaͤrtigen Jahres habe ich nicht un- terlassen, meine Pflanzen, so lange sie bluͤheten, einigemal zu beobachten. Ich traf wieder einige Schlupfwespen auf denselben an, welche an ihrem Kopf ein Staubkoͤlbchenpaar sitzen hatten, desgleichen einen kleinen Kaͤfer mit schwarzem Kopf und Brust- schild und braunen Fluͤgeldecken, welcher sich auch einen solchen Kopfschmuck aus einer Blume geholt hatte. Diese Insekten habe ich gefangen, und sie befinden sich in meiner Sammlung, und sind bis diese Stunde mit den Staubkoͤlbchen versehen. Auch fand ich die schwarzen Gartenameisen in den Blumen. Diese krochen zwar auf eben die Art, wie die uͤbrigen Insekten, an der Saftdruͤse hinauf; wann sie aber bis an an das Ende derselben gekommen waren, so beruͤhrten sie die Staubkoͤlbchen nicht, weil sie zu klein waren, und ihr Kopf zu niedrig stand. Einstmals war ich so gluͤcklich, es mit anzusehen, wie eine Blume von einem Insekt von der ersten Gattung befruchtet wurde. Dasselbe war mit Staubkoͤlbchen versehen, und nachdem es auf der Unterlippe der Blume ganz hinaufgekrochen war, so beruͤhrte es mit den Staubkoͤlbchen das Stigma. Als es hierauf eine kleine Bewe- gung machte, so blieb ein Theil der Staubkoͤlbchen am Stigma kleben, den groͤssern Theil aber behielt das Insekt. Es ist aber nicht zu zweifeln, daß der zuruͤckgebliebene Theil schon im Stande gewesen ist, den Fruchtknoten zu befruchten. Gleichwie ein geschickter Brettspieler es so zu veranstalten weiß, daß sein minder geuͤbter Gegner irgend einen das Spiel entscheidenden Stein mit eigener Hand, jedoch ohne es zu wissen und zu wollen, nach und nach grade dahin ziehen muß, wohin er denselben gezogen wissen will, und der Gegner, wann nun sein Stein richtig an dem Ort seiner Bestimmung angekommen ist, weil er zwar die nahe Gefahr gewahr wird, aber nicht ein- mal eine Ahndung davon hat, daß jener hieran Schuld sey, nach einem kurzen Staunen voller Verwunderung ausrust: Wie in aller Welt ist es zugegangen, daß ich den Stein hierher gezogen habe? bey welcher Ausrufung denn jener zwar ein inniges Ver- gnuͤgen empfindet, jedoch, obgleich dieselbe auch als eine Frage angesehen werden kann, ein geheimnißvolles Stillschweigen be- obachtet: eben so besteht die bewundernswuͤrdige Kunst, welche die an Erfindungen unerschoͤpfliche Natur in der Struktur dieser Blume bewiesen hat, vornehmlich darin, daß alles so veranstal- tet und eingerichtet ist, daß das Insekt, bloß auf sein Vergnuͤ- gen bedacht, und nichts wissend von der Absicht, zu deren Be- foͤrderung es von seinem Schoͤpfer bestimmt ist, zuletzt immer Ophrys. mit dem Kopf entweder grade an die Staubkoͤlbchen, wenn die Blume dieselben noch hat, oder, wenn dieselben schon von einem andern Insekt abgeholt worden sind, grade an das Stigma ge- rathen muß. Wer mehrere dergleichen mit diesen Staubkoͤlbchen versehene Insekten auf den Blumen antrifft, der koͤnnte wohl glauben, daß die Insekten dieselben mit Fleiß aufsuchen und ab- holen, so wie den Saft. Und doch thun sie nichts weniger, als dieses, und sind hoͤchst unzufrieden mit einer solchen Buͤrde. In diesem Stuͤck hat die Blume eine große Aehnlichkeit mit der Asclepias fruticosa. Wenn man auf dieser mehrere Insekten antrifft, welche Koͤlbchen an ihren Fuͤßen sitzen haben, so sollte man glauben, daß sie die Kaͤppchen, an welchen dieselben han- gen, geflissentlich aufgesucht und herausgezogen haͤtten. Denn da die Kaͤppchen so außerordentlich klein sind, so scheint es, daß es sich nur hoͤchst selten zutragen koͤnne, daß eine Wespe einen Fuß grade auf ein solches Kaͤppchen setzt. Folglich muͤßte die Erscheinung, daß ein solches Insekt Koͤlbchen an einem Fuß sitzen hat, auch etwas hoͤchst seltenes, keinesweges aber, welches doch wirklich der Fall ist, etwas haͤufig vorkommendes seyn. So wie ich nun oben gezeigt habe, daß bey der Asclepias alles so eingerichtet ist und dahin abzielet, daß die Fuͤße des Insekts in den mehresten Faͤllen herabgleiten, und endlich an das Kaͤpp- chen gerathen muͤssen: eben so laͤßt sich auch zeigen, daß hier alles so veranstaltet ist, daß der Kopf der Schlupfwespe zuletzt nothwendig an die Staubkoͤlbchen oder das Stigma gerathen muß. Zu demjenigen, was ich schon oben gesagt habe, will ich noch dieses hinzufuͤgen. Man sieht in Fig. XXVIII. , daß die lange Unterlippe der Krone zur Haͤlfte in zwey Lappen getheilt ist, welche ziemlich weit von einander abstehen, und daß sie unterwaͤrts breit ist, nach oben zu aber immer schmaͤler wird. Dieser Umstand traͤgt nicht wenig zur Erreichung jenes End- zwecks bey. Dieses wird man leicht einsehen, wenn man die II. Figur aufmerksam betrachtet. Denn wenn die Unterlippe nicht diesen tiefen und breiten Ausschnitt haͤtte, sondern ganz waͤre, und folglich der dreyeckichte Raum zwischen den beiden Lappen mit zur Unterlippe gehoͤrte: so wuͤrde das Insekt an- faͤnglich, da es sich auf die Unterlippe setzte, sich leicht so ha- ben setzen koͤnnen, daß sein rechter Hinterfuß auf diesem drey- eckichten Stuͤck waͤre zu stehen gekommen. Alsdenn aber haͤtte es eine in Ansehung der Blume schiefe Richtung gehabt, und wenn es im Hinaufkriechen diese Richtung behalten haͤtte, so wuͤrde sein Kopf nicht grade vor dem klebrichten Ende der Staubkoͤlbchen, sondern etwas seitwaͤrts von demselben rechter Hand zu stehen gekommen seyn, und dieses wuͤrde noch leichter geschehen seyn, wenn die Unterlippe oberwaͤrts so breit waͤre, Ophrys. Serapias. als unterwaͤrts. Alsdenn aber wuͤrde es die Staubkoͤlbchen nicht herausgezogen haben. So wie aber die Unterlippe wirklich ge- bildet ist, konnte das Insekt sich nicht anders auf dieselbe setzen, als so, daß es die rechten Fuͤße auf den rechten, und die lin- ken auf den linken Lappen setzte. Auf solche Art hatte es schon jetzt voͤllig, oder doch beynahe diejenige Richtung, die es nach der Absicht der Natur zuletzt haben sollte. In dieser Stellung hatte es den untersten Theil der Saftdruͤse grade vor sich, und leckte denselben ab. Als es damit fertig war, so kroch es weiter hinauf. Hier fand es nun nicht die geringste Ursache, seine Richtung zu aͤndern, sondern behielt dieselbe, weil es bey dersel- ben am bequemsten stehen konnte. Und je weiter es hinaufkroch, desto schmaͤler ward die Unterlippe, desto weniger Freyheit hatte also das Insekt, seine Fuͤße anders wohin zu setzen, als es dem angezeigten Endzweck gemaͤß war. Als es also bis an das oberste Ende der Saftdruͤse gekrochen war, so war es beynahe nicht moͤg- lich, daß es eine andere Stellung haͤtte haben koͤnnen, als die es in der Figur hat. Der Saft ist zwar in geringer Quantitaͤt vorhanden, scheint aber fuͤr diese Insekten ein wahrer Nektar zu seyn; denn wenn sie denselben einmal gekostet haben, so verlassen sie die Blumen nicht bald wieder, sondern halten sich wohl eine halbe Stunde und laͤnger auf denselben auf. Daher kann man mit aller Bequem- lichkeit ihr Verhalten auf denselben beobachten. Serapias. Serapias longifolia . Tab. XXIII. 27—30. 34—38. 27. Eine verbluͤhete Blume in natuͤrlicher Groͤsse und Stel- lung, von der Seite gesehen. 28. Eine bluͤhende Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 30. Eben diese Blume, von der Seite gesehen, nachdem die vorderste Haͤlfte genau weggeschnitten worden. Bloß der Deckel, unter welchem die Staubkoͤlbchen liegen, ist ganz ge- blieben. 38. Eine Blume, auf deren Unterlippe ein Regentropfen gefallen ist, welcher dieselbe vermoͤge seiner Schwere aus der mehr horizontalen Lage, welche sie vorher hatte, Fig. 28. 30., in eine perpendikulaͤre Lage gebracht hat. 37. Die Blume mit eben diesem Regentropfen, von vorne gesehen, nachdem die obersten Kronenblaͤtter weggeschnitten wor- den. Diese Figur dient zugleich zur Erlaͤuterung der 28. und 30. a ist der Deckel, unter welchem die beiden Staubkoͤlbchen auf dem Griffel liegen. b ist das klebrichte Stigma. In Fig. 28. klebt auf demselben linker Hand ein Staubkoͤlbchen. c d ist der Serapias. Kahn So hat auch Haller diesen Theil genannt. , welcher in der Mitte den Saft absondert und enthaͤlt (die Saftdruͤse ist hier, und in Fig. 28. und 30. punktirt). Er ist auf beiden Seiten mit purpurfarbenen Linien geziert, welche nach der Mitte, wo der Saft ist, sich hinziehen. Die Mitte selbst aber ist mit gelben Flecken geziert. Die Unterlippe d e ist mit dem Kahn bey d auf eine solche Art verbunden, daß sie von einer geringen Kraft, zum Beyspiel, wie hier, von der Schwere eines auf dieselbe gefallenen Regentropfens herabgebogen werden kann. Zwischen dem Regentropfen und d sind zwey Hoͤcker, welche vorne gelb sind. Diese Farbe wird in Fig. 28. und 30. durch Punkte angedeutet. 29. Gehoͤrt zu Fig. 28. Es ist nemlich der oberste Theil des Griffels nebst dem Deckel a , welcher aber in die Hoͤhe gehoben worden ist, damit man die beiden auf seiner unteren Seite befind- lichen Faͤcher sehen koͤnne. Die Staubkoͤlbchen liegen nicht mehr auf dem Griffel. Am (punktirten) Stigma linker Hand klebt das eine von denselben b. 35. Gehoͤrt zu Fig. 30. Der oberste Theil des der Laͤnge nach durchschnittenen Griffels mit dem gleichfalls in die Hoͤhe ge- hobenen ganzen Deckel. Das halbe Stigma ist punktirt. Das eine Staubkoͤlbchen, welches auf dieser Haͤlfte des Griffels gele- gen hat, ist nicht mehr da. 34. Stellt den obersten Theil des Griffels vor, wie derseibe dem in der Linie a b Fig. 30. sich befindenden Auge erscheint. Das Staubkoͤlbchen rechter Hand liegt noch in seinem Behaͤlt- niß; es ragt eben so, wie der Deckel, zum Theil uͤber das Stigma heruͤber. Das andere Staubkoͤlbchen klebt am Stigma. 36. Stellt wieder den obersten Theil des Griffels vor, wie derselbe einem in der Linie c d Fig. 30. befindlichen Auge erscheint. Der Deckel, welcher bey a ganz schwach befestigt war, ist abge- rissen worden, so daß man nun die glatte Stelle sieht, wo die nicht mehr vorhandenen Staubkoͤlbchen gelegen haben. Wenn Linn é von dieser und der folgenden Art sagt, daß die Blumen hangen, so ist dies zwar von den verbluͤheten, kei- nesweges aber von den bluͤhenden wahr; denn diese haben eine horizontale Stellung. Weil aber die Blume, wann sie abge- bluͤhet hat und befruchtet worden ist, noch die Krone behaͤlt, und, wann die Pflanze eine Zeit lang gebluͤhet hat, sie mehr verbluͤ- hete hangende, als bluͤhende horizontal stehende Blumen hat: so kann man sich leicht in Ansehung dieses Umstandes irren. Es findet also auch hier Statt, was ich schon einigemal erinnert habe, daß nemlich Blumen, welche eine Aehre bilden, gemei- niglich Serapias. niglich eine horizontale Stellung haben, weil sie in einer solchen den Insekten am besten in die Augen fallen. 1. 2. Die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter ist der Grund des Kahns. 3. Zu dem Saft, ob er gleich ziemlich frey liegt, kann nicht leicht ein Regentropfen gelangen. Oberwaͤrts dient ihm der Helm zum Schutz. Damit aber, wenn auf die ansehnliche Unterlippe ein Regentropfen gefallen ist, derselbe nicht in den Kahn hinein- fließe, so hat dieselbe 1) oberwaͤrts in der Mitte ein Paar Hoͤcker, welche den Regentropfen abhalten, und ist 2) so an den Kahn befestigt, daß sie sich leicht herabdruͤcken laͤßt, hernach aber, wenn die druͤckende Kraft nachlaͤßt, wieder in die Hoͤhe faͤhrt. Faͤllt also ein Regentropfen auf dieselbe, so druͤckt er sie vermoͤge seiner Schwere herab, und macht es sich also selbst unmoͤglich, in den Safthalter zu dringen. Koͤmmt noch ein Regentropfen zu dem- selben, und vermehrt seine Schwere, oder wird die Blume vom Winde geschuͤttelt, so faͤllt er ab, und die Unterlippe faͤhrt wieder in die Hoͤhe. 4. Die geruchlose Blume macht sich durch ihr Ansehen den Insekten von weitem bemerkbar. Die Krone ist weiß. Die beiden inneren Blaͤtter des Helms sind mit purpurfarbenen Strei- fen geziert, welche sich nach der Gegend des Safthalters hinzie- hen, Fig. 28. Der Kahn ist auf beiden Seiten auch mit pur- purfarbenen Streifen geziert. Der Safthalter selbst hat gelbe Flecke, so wie auch die Hoͤcker der Unterlippe vorne gelb sind. Alles dieses verursacht, daß die Insekten den Saft leicht finden koͤnnen, sobald sie sich der Blume genaͤhert haben. 5. Die Befruchtung geschieht durch Insekten eben so, wie bey der Orchis latifolia. Das Stigma ist klebricht. Unmittel- bar uͤber demselben liegen auf dem Griffel, welcher daselbst glatt ist, die beiden Staubkoͤlbchen. Sie sind weder an einander, noch an den Griffel, noch an den Deckel angewachsen, sondern voͤllig isolirt. Auf ihnen liegt der Deckel, welcher zwey Hoͤhlen oder Faͤcher hat, in welchen sich die Staubkoͤlbchen befinden. Daß derselbe dazu dient, die Staubkoͤlbchen vor der Naͤsse zu be- schuͤtzen, lehrt der Augenschein. Hinterwaͤrts aber ist er ganz lose an den Griffel befestigt, so daß er durch die geringste Beruͤh- rung in die Hoͤhe gestoßen werden kann. Endlich ragen die Staubkoͤlbchen uͤber das Stigma etwas hervor. Gesetzt also, eine Fliege kriecht in die Blume hinein, um zum Saft zu gelan- gen, so stoͤßt sie mit dem Kopf oder Ruͤcken den Deckel in die Hoͤhe, beruͤhrt ein Staubkoͤlbchen, und zieht dasselbe heraus, weil es vermuthlich auch vorne klebricht ist, welches zu untersu- chen ich vergessen habe. Sobald es sich mit dieser Buͤrde beladen fuͤhlt, sucht es sich zwar von derselben wieder los zu machen, Serapias. merkt aber bald, daß dieselbe zu fest sitzt, und seine Bemuͤhung vergebens ist. Es bekuͤmmert sich also darum nicht weiter, geht seiner Nahrung wieder nach, begiebt sich auf eine Blume, kriecht in dieselbe hinein, beruͤhrt mit seinem Staubkoͤlbchen das klebrichte Stigma, welches dasselbe festhaͤlt. Auf solche Art wird das In- sekt von seiner Buͤrde befreyt, ohne zu wissen, wie, die Blume aber befruchtet. Ich bin zwar nicht so gluͤcklich gewesen, eine Fliege uͤber dem Befruchtungsgeschaͤfte zu ertappen, ob ich gleich verschiedenemal darauf ausgegangen bin. Daß aber demungeachtet die Befruch- tung durch Insekten, und zwar durch Fliegen, Schnacken ꝛc. auf die angezeigte Art geschieht, laͤßt sich nicht bezweifeln, weil 1) ohne Dazwischenkunft irgend eines Insekts die Staubkoͤlbchen unmoͤglich auf das Stigma kommen koͤnnen, 2) weil ich haͤufig Fliegen auf den Blumen angetroffen habe. Eine besonders traf ich grade in der zur Befruchtung erforderlichen Stellung an. In dieser Stellung war sie mit dem einen Fluͤgel dem Stigma zu nahe gekommen, und an demselben kleben geblieben. Sie zap- pelte, und mußte ihre Naͤscherey mit dem Tode buͤßen. 3) Weil die folgende Art von Fliegen befruchtet wird, wie ich bald bewei- sen werde. Serapias latifolia . Tab. XXIV. 20—22. 29. 30. 20. Die vergroͤsserte Blume in natuͤrlicher Stellung, von vorne gesehen. 22. Dieselbe, von der Seite gesehen, nachdem die vorderste Haͤlfte des obersten Kronenblatts a und der Unterlippe d , und das eine vorderste Kronenblatt b weggeschnitten, das andere aber c umgeschlagen worden. In beiden Figuren sieht man zwischen dem Deckel und dem (punktirten) Stigma etwas von den beiden Staubkoͤlbchen nebst dem Kuͤgelchen, an welches sie angewachsen sind. Sie sind weiß geblieben, damit man sie besser erkennen koͤnne. 29. Die beiden Staubkoͤlbchen nebst dem Kuͤgelchen von der Seite, und 30. von vorne. Sie sind im Durchmesser 5mal, und also uͤberhaupt 125mal vergroͤssert. 21. Eine vergroͤsserte Fliege, auf deren Ruͤcken ein Paar Staubkoͤlbchen klebt. Diese Blume ist kleiner und unansehnlicher, als die vorher- gehende. Die Krone ist ein wenig blaßroth. Der Grund des Kahns, welcher auch hier die Saftdruͤse und zugleich der Saft- halter ist, ist braun, und die Hoͤcker, auf der Unterlippe sind braͤunlich. Daß diese Hoͤcker hier schwaͤcher sind, als bey der vorhergehenden Art, und die Unterlippe der ganzen Breite nach an den Kahn angewachsen ist, und sich also nicht so herabbiegen laͤßt, als bey jener, koͤmmt wahrscheinlich daher, daß der Ein- D d Serapias. gang zum Safthalter hier enger ist, folglich kein Regentropfen so leicht hineinkommen kann. Ein noch merkwuͤrdigerer Umstand aber, wodurch sich diese Art von der vorhergehenden unterschei- det, ist, daß die beiden gelben Staubkoͤlbchen mit dem vorderen Ende an ein weißes Kuͤgelchen angewachsen sind. Dies Kuͤgel- chen liegt 1) nicht, wie die Staubkoͤlbchen, unter dem Deckel, sondern vorne am Stigma, und ist 2) sehr klebricht. Beruͤhrt man es mit einem Finger, so bleibt es sogleich an demselben kle- ben, und man zieht es, und mit ihm die beiden Staubkoͤlbchen heraus, wenn man den Finger wieder zuruͤckzieht. Sobald nun eine Fliege in den Safthalter hineinkriecht, so kann das nicht leicht geschehen, ohne daß sie zugleich mit dem Ruͤcken das Kuͤ- gelchen beruͤhrt. Dies bleibt am Ruͤcken kleben, und wird von dem Insekt auf die oben angezeigte Art auf das Stigma gebracht. Eine Fliege traf ich wirklich in einer Blume an. Sie war aber so hineingekrochen, daß sie das Kuͤgelchen nicht beruͤhrt hatte. Sie blieb uͤber eine halbe Stunde in der Blume, und ich gab so- lange Achtung, ob sie nicht die Staubkoͤlbchen herausziehen wuͤrde. Sie aͤnderte zwar einigemal ihre Stellung, es wollte sich aber doch nicht fuͤgen, daß sie das Kuͤgelchen beruͤhrte. Darauf kroch sie aus der Blume wieder heraus. Indem ich aber die an- deren Blumen dieser Pflanze betrachtete, so fand ich eine Fliege, welche sich in ein an der Pflanze befindliches Spinnengewebe ver- wickelt hatte. Diese trug auf ihrem Ruͤcken das Kuͤgelchen nebst den Staubkoͤlbchen, so wie es in Fig. 21. vorgestellt ist. Diese Fliege nun beweiset die Richtigkeit meiner von der Befruchtung dieser Blumen gegebenen Erklaͤrung schon hinlaͤnglich. Auch diese Pflanze dient zum Beweise, daß Spinnen auf die Insekten, welche dem Saft der Blumen nachgehen, Jagd machen. Denn außer dem, was ich eben jetzt gesagt habe, fand ich auf einem andern Exemplar zwischen den Blumen zwey Spin- nen, welche ihre Netze ausgestellt hatten. Man siehet von selbst ein, daß bey den Orchisblumen keine Filamente Statt finden koͤnnen Linn é schreibt zwar diesen Blumen Filamente zu; ich kann sie aber nicht finden. Denn daß der Faden, welcher in der Orchis das Staubkoͤlbchen mit dem Kuͤgelchen verbindet, kein Filament ist, folgt schon daraus, daß dieser Faden bey der Ophrys und Serapias nicht vorhanden ist. , wenn dieselben von den In- sekten sollen befruchtet werden. Diese Blumen dienen also, wie ich in der Einleitung gesagt habe, zum Beweise, daß die Abwe- senheit der Filamente eben sowohl, als ihre Gegenwart, auf die von den Insekten zu bewerkstelligende Befruchtung sich bezieht. Ich habe schon oben erinnert, daß Linn é sich in Ansehung des Stigma geirrt hat. Weil nun das Klaͤppchen, welches er al- Serapias. lem Ansehen nach bey der Orchis fuͤr das Stigma gehalten hat, bey der Ophrys und Serapias fehlt, so sagt er, diese Gattungen haͤtten ein Stigma obsoletum. Was er die Unterlippe des Nec- tarii nennt, wird richtiger die Unterlippe der Krone genannt, und was er die Oberlippe des Nectarii nennt, gehoͤrt gar nicht zum Nectario. In der Serapias soll der Deckel, unter welchem die Staubkoͤlbchen liegen, und in der Orchis derjenige Theil, wo sich die beiden Faͤcher befinden, in welchen die Staubkoͤlbchen ein- geschlossen sind, diese Oberlippe seyn. Was Koͤlreuter sich fuͤr einen Begriff vom Stigma und von der Befruchtung dieser Blumen gemacht habe, erfaͤhrt man aus seiner oben bey der Asclepias angefuͤhrten Abhandlung. Er sagt nemlich daselbst, daß die ganze innere Flaͤche der Faͤcher, in welchen die Staubkoͤlbchen liegen, das Stigma sey, welches den maͤnnlichen Samen der Staubkoͤlbchen einsauge, und ihn dem Eyerstock zufuͤhre. Wir wollen dieses auf einen Augenblick als wahr annehmen, und untersuchen, was daraus folgen wird. Und zwar wollen wir zuerst annehmen, wir wuͤßten davon nichts, daß diese Blumen von Fliegen besucht werden. In diesem Fall muͤßte nun zwar der Umstand, daß die Staubkoͤlbchen unmittel- bar auf dem Stigma liegen, fuͤr vollkommen zweckmaͤßig gehalten werden; ja man wuͤrde diese Einrichtung als den kuͤrzesten und sichersten Weg zur Befruchtung ansehen muͤssen. Denn anstatt, daß in anderen Blumen der Staub anfangs vom Stigma weit entfernt ist, und durch allerley Veranstaltungen auf dasselbe ge- bracht wird, liegt er hier gleich anfangs auf dem Stigma, und es bedarf hier jener Veranstaltungen nicht. Allein wir gerathen in einige Verlegenheit, wenn wir die Ursache angeben sollen, warum denn die Natur diesen kuͤrzesten und sichersten Weg nicht bey allen Blumen gegangen sey. Unsere Verlegenheit nimmt zu, wenn wir zeigen sollen, was denn nun fuͤr besondere Kunst bey dieser Einrichtung anzutreffen sey, und wie diese Blumen als Beweise der unendlichen Weisheit des Schoͤpfers angefuͤhrt wer- den koͤnnen. Denn auch der einfaͤltigste Mensch, wenn er auf den Einfall kaͤme, eine Zwitterblume zu entwerfen, wuͤrde zuerst darauf fallen, die Antheren unmittelbar auf dem Stigma anzu- bringen. Unsere Verlegenheit steigt endlich auf den hoͤchsten Grad, wenn wir folgende Fragen beantworten sollen. Wozu, da durch diese Einrichtung die Befruchtung voͤllig erreicht wird, so viele andere Anstalten in diesen Blumen, welche zur Befruchtung nicht das mindeste beytragen? Wozu die Krone? Wozu ihre verschiedene Farben? Wozu der Saft in einigen? Und warum fehlt derselbe in anderen? Wozu die mit einer klebrichten Feuch- tigkeit uͤberzogene Stelle? Warum sind die Staubkoͤlbchen nicht angewachsen, sondern ganz isolirt? Und warum fahren sie bey Serapias. Sisyrinchium. der geringsten Beruͤhrung aus den Faͤchern heraus? Dieses schnelle Herausfahren habe ich bey einigen Arten der Orchis mit Verwunderung und ohne begreifen zu koͤnnen, wie es zugeht, bemerkt. Wozu die kleinen hervorragenden Kuͤgelchen und das kleine Klaͤppchen? ꝛc. Nun wollen wir den andern wirklich existirenden Fall annehmen, und uns dessen erinnern, was ich von den Fliegen wahrgenom- men und gemeldet habe, und untersuchen, wohin uns das Koͤl- reutersche Stigma fuͤhren wird. Die Natur hat in der Sera- pias longifolia z. B. die Staubkoͤlbchen unmittelbar auf das Stigma gelegt, damit der Fruchtknoten auf das sicherste befruchtet werde. Zugleich aber hat sie dieser Blume Saft verliehen, wel- cher gewissen Fliegen zur Nahrung bestimmt ist. Sie hat die zweckmaͤßigsten Veranstaltungen getroffen, damit dieser Saft so- wohl vor dem Regen gesichert sey, als auch von den Fliegen leicht gefunden werden koͤnne. Nun besucht also eine Fliege die Blume, um sich mit ihrem Saft zu laben; und was geschieht? Indem sie in das Saftbehaͤltniß hineinkriecht, so stoͤßt sie mit dem Ruͤcken den Deckel in die Hoͤhe, unter welchem die Staubkoͤlbchen liegen, beruͤhrt die Staubkoͤlbchen, zieht sie vom Stigma hinweg, und bringt sie hernach auf die unter demselben befindliche klebrichte Stelle, wo sie hangen bleiben. Ja die Fliege bleibt selbst wohl gar an dieser Stelle kleben, und muß jaͤmmerlich sterben. Die Natur hat also alle jene Veranstaltungen nur zu dem Ende ge- troffen, damit eine Fliege die Befruchtung der Blume unmoͤglich mache, zu welcher sie doch ein so sicheres und zweckmaͤßiges Mittel erdacht hat. Die Natur hat also hier zwey Absichten, deren eine der Antipode der andern ist. Ihre erste Absicht geht dahin, daß die Blume befruchtet werde, und zur Erreichung derselben hat sie ein sehr schickliches Mittel erdacht. Ihre andere Absicht aber ist, daß ihre erste Absicht vereitelt werde, und ist ihr so wichtig, daß sie derselben allenfalls das Leben einer Fliege auf- opfert. — Daß nun Koͤlreuter auf diese Vorstellung, welche auf eine Ungereimtheit hinauslaͤuft, gerathen ist, ist bloß daher gekommen, weil er den Umstand, daß die Blumen von Fliegen besucht werden, entweder nicht bemerkt, oder fuͤr etwas gering- fuͤgiges und zufaͤlliges gehalten, folglich keiner Aufmerksamkeit gewuͤrdigt hat. Sisyrinchium. Sisyrinchium Bermudiana. Ob ich gleich in der Einen Blume, welche ich habe untersuchen koͤnnen, keinen Saft gefunden habe, so lehrt doch der Augenschein, daß sie eine Saft- blume ist. Denn sie hat sowohl eine Saftdecke, als auch ein Saftmaal. Jene sind die weichen Haare, mit welchen der un- Aristolochia. terste Theil des Griffels uͤberzogen ist, und dieses sind die großen gelben Flecke am Grunde der violetten Kronenblaͤtter. Die Saft- druͤse also und zugleich der Safthalter ist der Grund der Krone, soweit derselbe ungetheilt und an den Fruchtknoten angewachsen ist. Aristolochia. Aristolochia Clematitis. Gemeine Osterluzey. Titelk. Fig. XXI. Die ein wenig verkleinerten noch nicht be- fruchteten aufrecht stehenden Blumen. Fig. XXIII. Die schon befruchteten herabhangenden Blumen. Tab. VI. 13—15. 23. 30. 31. 34. 13. Die vergroͤsserte unbefruchtete Blume, von welcher die vorderste Haͤlfte der Krone weggeschnitten worden, in natuͤrlicher Stellung. 23. Bezieht sich auf die vorhergehende Figur. Der Koͤrper, an welchem das Stigma und die Antheren befindlich sind, von oben gesehen. 14. Die befruchtete Blume, von welcher gleichfalls die vorderste Haͤlfte der Krone weggeschnitten worden, in natuͤrlicher Stellung. 15. Gehoͤrt zu 14. Jener Koͤrper, von unten gesehen. 30. Das Stuͤck a b c d Fig. 13. der Krone der unbefruch- teten Blume, von unten gesehen. 34. Eben dieses Stuͤck der Krone der befruchteten Blume Fig. 14., von oben gesehen. Beide sind eben so stark vergroͤssert, als die folgende Figur. 31. Eine kleine Fliege oder Schnacke von derjenigen Art, welche am haͤufigsten in den unbefruchteten Blumen angetroffen wird. Sie ist zehnmal im Durchmesser, folglich uͤberhaupt tausendmal vergroͤssert. Auf ihrem Brustschilde sitzt etwas An- therenstaub. Diese Blume hat vermuthlich wegen ihres schlechten Anse- hens und ihrer einfachen Struktur die Aufmerksamkeit, ich will nicht sagen, der Blumenliebhaber — denn ihr mehrentheils ver- dorbener und ganz unnatuͤrlicher Geschmack verdient nicht in Be- trachtung gezogen zu werden — sondern selbst der Botaniker bis jetzt nicht sonderlich auf sich gezogen. Und dennoch ist sie, mei- ner Meinung nach, wegen eben dieser Einfalt ihrer Struktur, und wegen der ganz besonderen Kunst, welche die Natur in der zu ihrer Befruchtung gemachten Veranstaltung bewiesen hat, die schoͤnste von allen denen, deren geheimnißvolle Einrichtung zu entdecken mir bisher gelungen ist. Ich habe sie seit verschiedenen Jahren und oftmals untersucht, und uͤber ihre Einrichtung nach- gedacht. Ich bin aber erst im vergangenen Sommer so gluͤcklich D d 2 Aristolochia. gewesen, das Raͤthsel, welches dieselbe bis damals fuͤr meinen Verstand gewesen war, aufzuloͤsen. Ich will also erzaͤhlen, wie ich nach und nach mir den Weg hierzu gebahnt habe. Das erste, was ich vor einigen Jahren entdeckte, war, daß Linn é in Ansehung des Stigma sich geirrt hat. Er hat nem lich den ganzen im erweiterten Grunde der Kronenroͤhre, welchen ich der Kuͤrze wegen den Kessel nennen werde, befindlichen Koͤr- per fuͤr das Stigma gehalten. Diesen Koͤrper muß er nun, wie aus seiner Beschreibung desselben erhellt, aus einer solchen Blume genommen haben, welche sich noch im ersten Zustande befand, da derselbe noch nicht ein Stigma hat, sondern erst Anstalten zu desselben Hervorbringung macht. Alsdenn hat er die in Fig. 13. und 23. abgebildete Gestalt. So wenig nun anfangs ein Stigma da ist, eben so wenig haben die an den Seiten dieses Koͤrpers sitzenden Antheren sich schon geoͤffnet, sondern sind noch verschlos- sen. Nach einiger Zeit aber erlangt dieser Koͤrper, da er vorher mehr kugelfoͤrmig war, eine walzenfoͤrmige Gestalt. Alsdenn befindet sich auf seiner obersten Grundflaͤche in der Mitte das Stigma, welches man in Fig. 14. nicht, wohl aber in Fig. 15. sehen kann, wo es punktirt ist. Alsdenn haben auch die Anthe- ren, welche man in beiden Figuren sieht, sich geoͤffnet, und zei- gen ihren Staub. Alsdenn also ist erst der Zeitpunkt da, da die Blume befruchtet werden kann. Linn é s Vorstellung, nach welcher die Antheren auf dem Stigma selbst sitzen, koͤnnte zwar manchem aus dem Grunde wahrscheinlich vorkommen, weil auf solche Art die Befruchtung nothwendig in jedem Individuum aufs zuverlaͤßigste erfolgen muͤsse. Allein fuͤrs erste ist mir wenigstens keine andere Blume bekannt, in welcher die Antheren unmittelbar auf dem Stigma sitzen. Ich glaube aber auch zweytens, daß keine Blume von dieser Einrichtung in der ganzen Welt anzutref- fen sey, aus dem Grunde, weil ich sonst zugleich wuͤrde glauben muͤssen, daß der Schoͤpfer auch solche Blumen habe hervorbrin- gen wollen, in welchen ganz und gar keine Kunst anzutreffen seyn sollte. Denn, wie ich schon bey der Serapias gesagt habe, auch der einfaͤltigste Mensch, wenn er auf den Einfall kaͤme, das Ideal einer Blume zu entwerfen, wuͤrde am ersten darauf fallen, die Antheren unmittelbar auf das Stigma hinzusetzen, weil er glauben wuͤrde, daß auf solche Art die Befruchtung nie fehlschla- gen koͤnnte. Die Antheren befinden sich also in einiger Entfernung vom Stigma, und man mag nun entweder annehmen, daß die Blume befruchtet werden solle, wann sie aufrecht steht, oder, daß sol- ches hernach geschehen solle, wann sie herabhaͤngt: so sieht man ein, daß in keinem von beiden Faͤllen der Staub von selbst auf das Stigma kommen koͤnne. Denkt man etwa, der Staub Aristolochia. werde durch die Erschuͤtterung, in welche der Wind die Pflanzen, folglich auch die Blumen setzt, von den Antheren losgerissen, und auf das Stigma gebracht: so irrt man sich. Denn im ersten Fall faͤllt der Staub in den Grund des Kessels, und im andern in den obersten Theil dieses Kessels, der alsdenn der Grund ist, keinesweges aber der geringste Theil desselben auf das Stigma. Daß aber der Wind unmittelbar den Staub auf das Stigma sollte wehen koͤnnen, wird vollends keinem Menschen moͤglich zu seyn scheinen, da nicht das geringste Luͤftchen sich durch die enge, lange und mit Faͤden verschloßne Roͤhre der Krone hindurch, und in den Kessel derselben hineinschleichen kann. Hieraus folgt also, daß, wenn nicht etwa Insekten die Blume befruchten, dieselbe nie befruchtet werden kann; welches doch wider die Erfahrung ist, indem die Pflanzen, obgleich nur sehr sparsam, mit guten Samenkoͤrnern angefuͤllte Samenkapseln hervorbringen. Das erstemal, da ich die Blumen untersuchte, waͤhlte ich, wie ich aus den damals gemachten Abbildungen derselben sehe, entweder bloß alte Blumen, welche herabhingen, oder, welches wahrscheinlicher ist, ich fand die Pflanzen im Herbst, da sie noch einige herabhangende, aber keine aufrecht stehende Blumen mehr hatten. Theils dieser Umstand, theils dieses, daß ich damals noch nichts von Scheinsaftblumen wußte, fuͤhrte mich irre. Ich glaubte nemlich, daß die Blume eine Saftblume sey, deren Saft- druͤse und Safthalter der im Grunde des Kessels befindliche Koͤr- per waͤre. Hierin glaubte ich um so viel weniger mich zu irren, da dieser Koͤrper fleischicht, glatt und weiß ist. Saft fand ich zwar auf demselben nicht; indessen dachte ich, daß man sich den Saft wie einen Hauch vorstellen muͤsse, mit welchem derselbe uͤber- zogen sey, und daß derselbe ungeachtet seiner hoͤchst geringen Quantitaͤt, welcher wegen er dem menschlichen Auge unsichtbar sey, dennoch sehr kleinen Insekten, als den Blasensuͤßen und noch kleineren, eine reichliche Nahrung verschaffen koͤnne. Dies, meinte ich, sey um so viel wahrscheinlicher, da, wenn er in groͤsserer Quantitaͤt vorhanden waͤre, er die Antheren uͤberschwem- men, und ihren Staub ganz unbrauchbar machen wuͤrde. Auch mußten mich die fadenfoͤrmigen Haare in der Kronenroͤhre Fig. 13.. wofern ich sie damals schon bemerkte, in dieser Mei- nung bestaͤrken; denn ich mußte sie natuͤrlicherweise fuͤr die Saft- decke halten. Hier hatte ich mich nun auf mehr als Eine Art uͤbereilt. Erstlich gab ich der Analogie den Vorzug vor der Erfahrung, da ich glaubte, daß, ob ich gleich keinen Saft in der Blume gefun- den haͤtte, dieselbe doch Saft haben muͤsse, weil ich bisher immer bemerkt hatte, daß alle Blumen, welche nicht auf eine mechani- Aristolochia. sche Art, sondern durch Insekten befruchtet werden sollen, Saft- blumen sind. Ich haͤtte vielmehr von demjenigen, was mir die Erfahrung gab, ausgehen, die Analogie bey dieser anomalen Blume bey Seite setzen, und bedenken sollen, daß der unendlich weise Schoͤpfer eine jede von seinen Absichten durch mehr als ein einziges Mittel erreichen kann. Ich haͤtte ferner, ehe ich uͤber die Einrichtung dieser Blume ein Urtheil faͤllete, erst zu erfahren suchen sollen, ob sie von Insekten, und von welchen Insekten sie besucht werde. Endlich, wenn ich die fadenfoͤrmigen Haare in der Kronenroͤhre recht genau betrachtet haͤtte, wuͤrde ich gefunden haben, daß dieselben keine Saftdecke seyn koͤnnen. Denn jeder- zeit, wenn dergleichen Haare zur Abhaltung des Regens dienen sollen, kehren sie ihre Spitz der Oeffnung der Blumen zu; hier aber kehren sie dieselbe dem Grunde der Blume zu, Fig. 13. Im Sommer 1790 hatte ich kleine Fliegen im Kessel der Krone gefunden. Diese Erfahrung veranlaßte mich im folgenden Winter, da ich einstmals uͤber die Einrichtung dieser Blume nach- dachte, Folgendes niederzuschreiben. „3. Obgleich die Blume aufrecht steht, so ist dennoch nicht nur die Saftdruͤse, sondern auch der ganze erweiterte Grund der Kronenroͤhre gegen den Regen vollkommen gesichert, weil die Roͤhre sehr enge, und noch dazu mit Haaren uͤberzogen ist.“ „4. Die Blumen fallen den Insekten schon von weitem in die Augen. Denn es sitzen ihrer acht oder neun jedesmal bey einander, und bluͤhen zu gleicher Zeit. Die Lippe, welche den Insekten am meisten in die Augen faͤllt, ist gelb, der uͤbrige Theil der Krone aber mehr gruͤngelb und unansehnlicher.“ „5. Daß die Befruchtung nicht auf eine mechanische Art ge- schehen koͤnne, indem der Staub der Antheren weder von selbst auf das Stigma kommen, noch durch den Wind auf dasselbe ge- bracht werden kann, lehrt der Augenschein. Ich habe in dem er- weiterten Grunde der Kronenroͤhre Blasenfuͤße, kleine Fliegen, und von den letzteren zuweilen sechs bis zehn und noch mehr an- getroffen. Man kann sich also vorstellen, wie klein dieselben seyn muͤssen. Wenn man jenen Grund der Kronenroͤhre aufschneidet, so fliegen sie mit großer Eilfertigkeit heraus, gleichsam als aus einem Gefaͤngniß, aus welchem sie nicht von selbst haben kommen koͤnnen. Einen Blumenkaͤfer von der kleinsten Art fand ich in der Oeffnung der Kronenroͤhre, welcher sich alle Muͤhe gab hinein- zukriechen, wiewohl vergebens, weil er zu groß war. Daß nun von diesen kleinen Thierchen die Blume befruchtet werde, ist mehr als wahrscheinlich. Daß die kleinen Fliegen Antherenstaub an ihrem Koͤrper hatten, konnte ich zuweilen ganz deutlich sehen. Auch der merkwuͤrdige Umstand, daß die wenigsten Blumen Fruͤchte ansetzen, beweiset dieses. Denn wenn die Befruchtung Aristolochia. auf eine mechanische Art geschaͤhe, so wuͤrde sie bey den mehresten Blumen von Statten gehen. Wenn sie aber von diesen kleinen Insekten vollbracht wird, so muß sie oftmals unterbleiben, weil nicht alle Blumen von denselben besucht werden. Denn die Art, wie diese Blume von diesen kleinen Insekten befruchtet wird, ist von derjenigen, wie andere Blumen von anderen Insekten be- fruchtet werden, sehr verschieden. Wenn z. B. eine Hummel die wilde Salbey besucht, so setzt sie sich auf die Unterlippe der Krone, steckt ihren Saugeruͤssel in den Safthalter, und holt den in dem- selben befindlichen Saft heraus. Dieses alles ist in einigen Se- kunden geschehen. Alsdenn fliegt sie von dieser Blume auf eine andere, und macht es eben so. Auf solche Art kann die Hummel in einer Viertelstunde einige hundert Blumen besuchen und be- fruchten. Es ist also ganz natuͤrlich, daß dergleichen Blumen auch fast jederzeit Samen hervorbringen. Oder gesetzt eine Um- belle, z. B. Angelica syluestris, wird von zehn oder noch mehr Fliegen und anderen Insekten besucht: so betraͤgt die Zeit, welche sie noͤthig haben, um den Saft einer jeden Blume zu verzehren, einige Augenblicke. Die Insekten laufen also auf der Dolde hin und her, und von einer Blume zur anderen. Eine jede Blume erhaͤlt einen solchen Zuspruch nicht einigemal, sondern oͤfters. Was Wunder also, daß die Schirmblumen selten abortiren, son- dern mit Samenkoͤrnern reichlich versehen sind? Mit unserer Osterluzey verhaͤlt sich die Sache ganz anders.“ „Je mehr ich uͤber den sonderbaren Bau dieser Blume nach- denke, desto wahrscheinlicher wird es mir, daß die Natur in der- selben ein ganz besonderes Kunststuͤck angebracht habe. Ehe ich aber meine Muthmaßung vortrage, muß ich erst beweisen, daß die Blume bloß fuͤr diese kleine Insekten, keinesweges aber fuͤr groͤssere, als z. B. Bienen und Hummeln, bestimmt sey. Diese wuͤrden nicht anders zum Saft gelangen koͤnnen, als so, daß sie ihren Saugeruͤssel in die Kronenroͤhre hineinsteckten. Denn wenn sie auf eine gewaltsame Art verfuͤhren, und ein Loch in den erwei- terten Grund der Kronenroͤhre bissen (dergleichen Loͤcher ich wirk- lich gefunden habe), so wuͤrde dieses ein Beweis seyn, daß die Blume nicht fuͤr sie bestimmt sey. Nun betrachte man alle dieje- nigen Blumen, welche wirklich von dergleichen großen Insekten besucht und befruchtet werden, so wird man immer finden, daß dieselben so gebauet sind, daß die Insekten auf einem Theil der- selben bequem stehen koͤnnen, indem sie den Saft herausholen. Dieser Theil ist z. B. bey den zweylippichten Blumen die Unter- lippe. Bey unserer Blume aber fehlt ein solcher Theil; sie hat zwar eine Oberlippe, aber keine Unterlippe. Zweytens, groͤssere Insekten haben auch viel Nahrung noͤthig, und diejenigen Blu- men, welche sie besuchen, haben auch mehrentheils einen großen D d 3 Aristolochia. Vorrath von Saft. In der Osterluzey aber kann man keinen Saft mit bloßen Augen sehen. Ist also wirklich Saft vorhan- den, so ist er doch in so geringer Quantitaͤt da, daß er großen Insekten gar nicht zu Statten kommen kann. Drittens habe ich niemals dergleichen groͤssere Insekten auf dieser Blume ange- troffen.“ „Ich stelle mir also die Sache so vor. Da kleine Fliegen wirklich in die Blume hineinkriechen, so muß dieselbe etwas an sich haben, wodurch sie angelockt werden, solches zu thun. Die- ses besteht vermuthlich, außer der gelben Farbe der Lippe, und der roͤhrenfoͤrmigen Gestalt der Blume, da die Fliegen aus der Erfahrung wissen, daß so gestaltete Blumen Saft zu enthalten pflegen, in einem den Insekten angenehmen Geruch, welcher zwar fuͤr die Geruchswerkzeuge des Menschen zu fein ist, aber fuͤr die Geruchswerkzeuge so kleiner Thierchen stark genug seyn kann. Hierdurch gelockt, begiebt sich eine von diesen Fliegen in die Oeffnung der Kronenroͤhre. Diese ist anfangs weiter und kahl (Fig. 13.), wird aber nach und nach enger, und ist mit Haa- ren uͤberzogen, ersteres vermuthlich zu dem Ende, damit der Fliege das Hineinkriechen bequem gemacht werde, und sie nicht gleich anfangs den Muth verliere, letzteres aber vermuthlich deswegen, damit in den erweiterten Theil der Kronenroͤhre kein Regentropfen hineindringe. Hat sie sich nun durch den engen Theil der Kro- nenroͤhre hindurch gearbeitet, so koͤmmt sie in den weiten Grund derselben, welcher fuͤr sie gleichsam ein geraͤumiges Zimmer ist. Und auf solche Art kriechen nach und nach noch mehr Fliegen hinein; denn dieser Theil ist ohne Zweifel bloß deswegen so weit, damit viele von diesen Insekten in demselben Raum haben. Nun soll durch diese kleine Gesellschaft die Blume befruchtet, d. i., der Staub der Antheren auf das Stigma gebracht werden. Dieses kann nicht anders als zufaͤlligerweise geschehen, so nemlich, daß, indem die Fliegen allenthalben umherkriechen, sie zuerst auf die Antheren gerathen, den Staub derselben mit ihrem Koͤrper ab- streifen, und hernach auf das Stigma gerathen, und daselbst den an ihrem Koͤrper haftenden Staub wieder absetzen. Das Unge- wisse, was mit diesem Zufall verknuͤpft ist, muß, wie ich bey der Parnassia schon bemerkt habe, durch die Laͤnge der Zeit ersetzt wer- den. Es ist also zweckmaͤßig, daß sich die Fliegen so lange als moͤglich hier aufhalten. Und dieses wird am gewissesten bewerk- stelligt, wenn sie gar nicht wieder herauskommen koͤnnen. Daß sie nun wirklich hier eingesperrt sind, schließe ich theils aus der Anzahl, in welcher ich sie in verschiedenen Blumen angetroffen habe, theils aus der Ungeduld, mit welcher sie sich, wenn ich die Blume von einander schnitt, herausbegaben und davon flogen. Vielleicht ist der Grund der Kronenroͤhre so glatt, daß sie nicht an Aristolochia. demselben hinauf, und in die Roͤhre hineinkriechen koͤnnen. Ver- haͤlt sich nun die Sache wirklich also, so ist hier der Saft uͤber- fluͤssig. Da aber die Natur nichts uͤberfluͤssiges thut, so kann die Blume keinen Saft enthalten. Daß der Koͤrper, welchen ich bis- her fuͤr die Saftdruͤse gehalten habe, keinen Saft absondere, wird dadurch wahrscheinlich, daß die Antheren unmittelbar auf demsel- ben sitzen, welche durch eine noch so geringe Quantitaͤt desselben uͤberschwemmt und unbrauchbar gemacht werden wuͤrden. Hat nun die Blume keinen Saft, so taͤuscht die Natur die kleinen Fliegen, um die Blume von denselben befruchten zu lassen, und koͤnnen die Fliegen nicht wieder aus der Blume herauskommen, so opfert die Natur das Wohl derselben jenem Endzweck auf.“ „Ich habe schon bey der Asclepias gemeldet, daß Insekten von derselben fest gehalten werden, so daß sie entweder sterben, oder sich mit Verlust eines Beins das Leben erhalten muͤssen, und daß dieses wahrscheinlich auf die Befruchtung der Blumen seine Be- ziehung habe. Bey der Orchis latifolia und einigen anderen Ar- ten habe ich gezeigt, daß sie zwar einen Safthalter und ein Saft- maal, aber keinen Saft haben, daß folglich die Insekten, welche sie besuchen, wirklich getaͤuscht werden, und die Blumen mit Verlust ihres Lebens befruchten.“ „Wenn nun die Sache sich so verhaͤlt, als ich angezeigt habe, so begreift man, wie es zugeht, daß die wenigsten Blumen be- fruchtet werden, und Fruͤchte ansetzen. Denn da andere In- sekten andere Blumen so besuchen, daß sie von einer zu der ande- ren fliegen, folglich ein einziges sehr viele Blumen von eben der- selben Art in kurzer Zeit besuchen und befruchten kann: so bleibt im Gegentheil hier eine jede Fliege, die sich in eine Blume hinein- begeben hat, eingesperrt, und kann folglich nur diese einzige Blume befruchten.“ „Indessen duͤrfen die Fliegen, wenn die Absicht der Natur erreicht werden soll, doch nur so lange eingesperrt bleiben, bis sie wirklich den Staub der Antheren auf das Stigma gebracht ha- ben, und wenn sie, nachdem sie dieses gethan haben, noch ein- gesperrt bleiben, und vor Hunger sterben muͤssen: so wuͤrde man nicht umhin koͤnnen, dieses ihr Schicksal zu hart, und die Natur etwas unbarmherzig zu finden. Gegen dieses Urtheil rechtfertigt sich die Natur dadurch, daß sie die Blumen, nachdem sie so lange aufrecht gestanden haben, als zu ihrer Befruchtung noͤthig war, sich herabsenken laͤßt. Die Fliegen also, welche bey der ersten Stellung der Blumen nicht an die innere Oeffnung des engeren Theils der Kronenroͤhre hinaufkriechen konnten, fallen nun bey dieser Stellung der Blumen auf diese Oeffnung herab, kriechen in den engeren Theil der Roͤhre hinein, und aus der aͤußeren Oeffnung derselben wieder hinaus. Sie werden sich aber wohl Aristolochia. huͤten, in eine andere Blume hineinzukriechen, da ihnen der erste Versuch so uͤbel bekommen ist. Folglich kann auch in diesem Fall von einer Fliege nur Eine Blume befruchtet werden.“ Nachdem ich dieses geschrieben hatte, erwartete ich mit Verlangen die Zeit, da die Blumen zu bluͤhen anfangen wuͤr- den. Als ich im folgenden May die Pflanzen in der Bluͤthe fand, fiel ich mit großer Hitze uͤber die Blumen her, und ge- rieth, nachdem ich dieselben untersucht hatte, in ein frohes Er- staunen, da ich durch den Augenschein uͤberzeugt wurde, daß, so wie ich mir vorgestellt hatte, der große Urheber der Natur die kleinen Fliegen erst in diese Blume einsperrt, damit sie dieselbe befruchten, hernach aber, wann dieser Endzweck erreicht wor- den ist, sie wieder aus ihrem Gefaͤngniß herauslaͤßt, folglich durch die wundervolle Einrichtung dieser Blume eben so sehr seine Guͤte, als seine Weisheit an den Tag legt. Ich schnitt zuerst den Kessel verschiedener aufrecht stehenden Blumen auf, und fand fast jedesmal eine Anzahl kleiner Flie- gen in demselben, welche recht froh zu seyn schienen, daß sie aus diesem Gefaͤngniß erloͤset wurden, und muthig davon flo- gen. Ich schnitt hierauf den Kessel einiger herabhangenden Blumen auf, und fand keine einzige Fliege in demselben. Um mich voͤllig zu uͤberzeugen, setzte ich diese Untersuchung bey bei- derley Blumen fort, und fand jedesmal eben dasselbe. Als ich also schlechterdings nicht weiter daran zweifeln konnte, daß die Fliegen in den Blumen, solange dieselben aufrecht stehen, ge- fangen gehalten, sobald sie sich aber herabgesenkt haben, wie- der herausgelassen werden: so wollte ich auch wissen, ob dieses auf eben die Art geschieht, wie ich mir vorgestellt hatte, nem- lich dadurch, daß der Kessel inwendig glatt ist. Ich kehrte also einen Stengel um, und erwartete, daß nun aus den aufrecht- stehenden Blumen, welche jetzt herabhingen, Fliegen heraus- kommen wuͤrden. Aus Einer Blume fiel wirklich ein kleiner Blumenkaͤfer heraus; aus keiner einzigen aber kam eine Fliege zum Vorschein. Nachdem ich eine Zeitlang den Stengel in dieser Stellung gehalten hatte, so dachte ich, daß in den jun- gen Blumen desselben vielleicht keine Fliegen seyn moͤchten. Ich schnitt daher dieselben auf, fand aber den Kessel voller Fliegen. Ich sahe also ein, daß die Fliegen nicht vermittelst der Glaͤtte des Kessels gefangen gehalten wuͤrden, wie ich mir vorgestellt hatte, sondern auf eine andere Art. Durch den kleinen Kaͤfer ließ ich mich nicht irre fuͤhren. Denn dieser hatte, wie derje- nige, dessen ich oben erwaͤhnt habe, in die Blume hineinkrie- chen wollen, hatte aber nicht hineinkommen koͤnnen. Er war nur bis in die obere weitere Oeffnung der Kronenroͤhre gekom- men, und mußte nun, da ich die Blume umgekehrt hatte, Aristolochia. natuͤrlicherweise aus derselben herausfallen. Ich schnitt daher sowohl eine aufrechtstehende, als auch eine herabhangende Blume der Laͤnge nach auf, und machte eine Entdeckung, die mich entzuͤckte. Ich sahe nemlich, daß die Kronenroͤhre der aufrecht ste- henden Blume mit steifen fadenfoͤrmigen weißen Haaren besetzt war, welche ungefaͤhr in der Mitte derselben anfingen, und daselbst einzeln, nach und nach immer haͤufiger, am Ende der- selben aber am haͤufigsten standen, daß diese Haare mit ihrer Spitze nicht der Oeffnung der Kronenroͤhre, sondern dem Kessel zugekehrt waren, folglich da, wo die Roͤhre auf dem Kessel sitzt, eine kleine Reuse bildeten, welche verursacht, daß die klei- nen Fliegen zwar leicht durch die Roͤhre hindurch und in den Kessel hineinkriechen koͤnnen, wann sie aber in den Kessel hinein- gekrochen sind, nicht wieder aus demselben in die Roͤhre hinein, und hierauf aus der Blume wieder herauskriechen koͤnnen Dieses wird man einsehen, wenn man die 13. und 30. Figur betrachtet. Was aber die herabhangende Blume betrifft, so sahe ich, daß in derselben diese Faͤden verwelkt und zusammen- geschrumpft waren, und wie schwarze Punkte aussahen. Man sehe Fig. 14. und 34. Da also hierdurch das Gefaͤngniß ge- oͤffnet worden war, so hatten die Fliegen nicht gesaͤumt, sich aus demselben wieder herauszubegeben und in Freyheit zu setzen. Um meiner Sache recht gewiß zu werden, schnitt ich mehrere Blumen auf, und fand ebendasselbe. Die 30. und 34. Figur zeiget, daß ich mich in meiner Vermuthung, der Kessel sey inwendig glatt, nicht gaͤnzlich ge- irret hatte. Denn derselbe ist zwar groͤßtentheils mit einem Gewebe von fadenfoͤrmigen Haaren gleichsam austapeziert, hat aber oberwaͤrts unmittelbar unter der Reuse eine ringfoͤrmige glatte Stelle. Die Blume befindet sich, solange sie vegetirt, in drey ver- verschiedenen Zustaͤnden. Nachdem sie ihre bestimmte Groͤsse erlangt, und sich geoͤffnet hat, so scheint sie zwar zu bluͤhen; in der That aber bluͤhet sie noch nicht, d. i., sie ist noch nicht faͤhig befruchtet zu werden, weil weder eine Anthere ihre gehoͤrige Reise, noch das Stigma seine voͤllige Ausbildung erhalten hat, Fig. 13. 23. Waͤhrend dieses ersten Zustandes soll die Blume eine Anzahl von Fliegen fangen, von welchen sie im zweyten Zustande befruchtet werden soll. Da nun aber, sobald die Blume aufgebrochen ist, nicht sogleich die Fliegen wie gerufen angeflogen kommen, sondern nach und nach vom Zufall herbey- gefuͤhrt werden: so mußte dieser Zustand von ziemlich langer Dauer seyn. Ich habe gefunden, daß er sechs Tage waͤhret. Waͤhrend dieser Zeit fuͤhrt der Zufall heute eine Fliege, morgen Aristolochia. zwey oder drey auf die Blume, deren jede, durch den Schein be- trogen, hineinkriecht. Auf solche Art findet sich endlich eine ganz ansehnliche Gesellschaft von diesen Thierchen hier ein, denen eine so unvermuthete Zusammenkunft in einem so engen Zimmer, und eine so unverschuldete Gefangenschaft in einem so wohl verschlos- senen Gefaͤngniß sonderbar genug vorkommen mag. Es hat aber noch keins von denselben Staub an seinem Koͤrper, weil die An- theren sich noch nicht geoͤffnet haben. Darauf folgt der zweyte Zustand, in welchem die Blume reifen Antherenstaub, ein aus- gebildetes Stigma, und Fliegen genug hat, welche jenen auf die- ses bringen. Dieses kann zwar oftmals unterbleiben, weil auch hier alles zufaͤllig ist, muß aber auch oͤfters leicht geschehen. Denn natuͤrlicherweise sind die Fliegen, da sie nun schon so lange eingesperrt gewesen sind, und nichts zu fressen bekommen haben Daß die Insekten lange fasten koͤnnen, ohne zu verhungern, ist bekannt. , daruͤber ungeduldig geworden, und laufen unwillig im Kessel umher; auch koͤnnen bey solcher Gemuͤthsstimmung Streitigkeiten nicht leicht unterbleiben, und es mag in diesen kleinen Gefaͤngnissen, in welche das menschliche Auge nicht hineinschauen kann, zuweilen ziemlich kriegerisch hergehen. Auf solche Art aber muͤssen sie unter andern auch an die Antheren gerathen, ihren Staub abstreifen, denselben allenthalben um- herschleppen, und unter andern auch auf das Stigma bringen. Dieser Zustand darf daher von keiner langen Dauer seyn Daß dieser Zustand auch nicht von langer Dauer seyn koͤnne , folgt daraus, daß so uͤberaus kleine Antheren, und ein Stigma, welches zwar weit groͤsser ist, als jene, demungeachtet aber sehr klein ist, unmoͤglich ihre aktive und passive Befruchtungsfaͤhig- keit lange behalten koͤnnen, sondern bald verwelken und un- brauchbar werden muͤssen. Das Stigma aber ist hier aus eben derjenigen Ursache nach Verhaͤltniß sehr groß, aus welcher es bey der Asclepias fruticosa und vermuthlich auch bey der Nym- phaea lutea sehr groß ist, nemlich, damit der Fruchtknoten desto gewisser befruchtet werde; indem die Insekten hier nicht auf eine bestimmte und nothwendige Art, wie z. B. in der Didy- namia, sondern auf eine sehr unbestimmte und zufaͤllige Art den Staub auf das Stigma bringen. Eine Hummel, welche das Lamium purpureum oder die Stachys syluatica besucht, muß schlechterdings den Staub von den Antheren der juͤngeren Blume abstreifen, muß schlechterdings denselben an das Stigma der aͤlteren Blume anstreifen; in der Osterluzey aber kann sich eine Fliege lange aufhalten, ohne weder die Antheren, noch das Stigma zu beruͤhren. . Und daher koͤmmt es, daß man selten eine aufrecht stehende Blume grade in diesem Zustande antrifft; die meisten, welche man aufschneidet, sind noch in dem ersten Zustande. In die- sem zweyten Zustande findet man oft, daß die Fliegen, welche Aristolochia. schwarz sind, etwas weißes auf dem Ruͤcken haben, Fig. 31. Dieses ist Antherenstaub, welchen ich vermittelst des Vergroͤsse- rungsglases aus Koͤrnern bestehend gefunden habe. Sobald nun die Natur ihren Endzweck erreicht hat, so versetzt sie die Blume in den dritten Zustand, indem sie dieselbe umkehrt, und die kleine Reuse verwelken und verschwinden laͤßt, damit nun endlich einmal die armen Fliegen aus ihrem Gefaͤngniß heraus- kommen, und ihre Freyheit wiedererlangen koͤnnen. Die Fliegen, welche in die Blume hineinkriechen, sind zwar insgesamt, wie sich von selbst versteht, sehr klein, aber von verschiedener Gestalt. Diejenige Art, welche ich abgezeich- net habe, ist die haͤufigste. Sie ist schwarz, und macht sich durch ihre ungewoͤhnlich gestaltete Fuͤhlhoͤrner, welche, durch das Vergroͤsserungsglas gesehen, nicht einfach, sondern buͤschel- foͤrmig erscheinen, kenntlich Damals, als ich diese Entdeckung machte, war mir noch kein einziges von den entomologischen Werken des Fabricius bekannt. Im gegenwaͤrtigen Jahr aber, da ich mir dieselben angeschafft hatte, fand ich eine Stelle in denselben, welche ich nicht ohne große Verwunderung las. Er sagt nemlich ( Spec. Insect. T. II. p. 412., wie auch Philos. ent. p. 177.) von der Tipula pennicornis, sie halte sich in den Blumen der Oster- luzey auf, und befoͤrdere die Befruchtung derselben, welches er zu Leipzig oͤfters bemerkt habe. Ich wuͤnschte, daß er sich hieruͤber naͤher erklaͤrt haͤtte. Uebrigens glaube ich, daß das Insekt, welches ich abgezeichnet habe, eben diese Tipula pen- nicornis ist. Die Fuͤhlhoͤrner muͤßten zwar, seiner Beschrei- bung zufolge, noch mehr zusammengesetzt seyn; vielleicht aber ist hieran Schuld, daß ich kein so gutes Vergroͤsserungsglas zur Hand gehabt habe, als er. Die Farbe aber stimmt mit seiner Beschreibung uͤberein. . Um dieser Fliegen habhaft zu werden, wußte ich wegen ihrer außerordentlichen Kleinheit kein anderes Mittel zu ersinnen, als dieses, daß ich ein Stuͤckchen Papier mit Arabischem Gummi bestrich, in den Kessel ein Loch machte, und das Papier vor dasselbe hielt. So wie nun eine Fliege nach der anderen herauskroch, gerieth sie an das Gum- mi, und blieb kleben. Die Blumen setzen sehr wenig reife und mit guten Sa- menkoͤrnern angefuͤllte Samenkapseln an. Viele bleiben unbe- fruchtet, welches man daran erkennt, daß nach vollendeter Bluͤhezeit, wann die Krone abgefallen ist, der Fruchtknoten nicht zunimmt, sondern verwelkt. Eben dieses beweiset, daß die Blumen von den kleinen Fliegen befruchtet werden, und daß die Antheren keinesweges, wie Linn é geglaubt hat, an das Stigma angewachsen sind. Denn wenn die Sache sich so verhielte, so muͤßten alle Blumen befruchtet werden, da we- nigstens der Regen dieses nicht verhindern kann, indem un- moͤglich Aristolochia. Helicteres. Carex. moͤglich ein Regentropfen in den Kessel hineindringen, und den Antherenstaub wegspuͤlen und verderben kann. Es ist aber natuͤrlich, sowohl, daß nicht alle Blumen von Fliegen be- sucht werden, als auch, daß diejenigen, in welche wirklich Flie- gen hineingekrochen sind, dennoch zuweilen unbefruchtet blei- ben, weil das Befruchtungsgeschaͤft zwar diesen Insekten uͤber- lassen, demungeachtet aber doch dem Zufall unterworfen ist. Von denjenigen Fruchtknoten aber, welche wirklich befruchtet worden sind, gedeihen die wenigsten. Die meisten wachsen zwar eine Zeitlang fort, und haben ein gutes Ansehen, als- denn aber verwelken sie. Die Ursache hievon ist mir un- bekannt. Helicteres. Helicteres Baruensis und H. Carthagenensis . Jacqu. Amer. p. 236. Wenn diese Blumen, deren Bau uͤber- aus sonderbar und merkwuͤrdig ist, nicht zwey ganz verschiedene Saftdruͤsen haben, welches doch nicht glaublich ist: so ist der- Helicteres. Carex. jenige Theil, welchen Linn é und Jacquin das Nectarium nennen, keinesweges die Saftdruͤse. Die wahre Saftdruͤse ist die im Grunde des Kelchs befindliche glockenfoͤrmige Hoͤhle, welche mit fuͤnf Zaͤhnen versehen ist. Dieselbe ist in der ersten Art weiß; welche Farbe meine Behauptung ziemlich wahrschein- lich macht. Eben diese Hoͤhle ist vermuthlich zugleich der Saft- halter. Zur Saftdecke gehoͤrt der Fortsatz oder Ansatz, mit welchem die Kronenblaͤtter beym Anfang ihres Nagels versehen sind, durch welche folglich die Oeffnung der Roͤhre, welche die Naͤgel bilden, dem Regen gesperrt wird, wie in der Lychnis diocca. Auch Helicteres angustifolia hat nach Linn é s Be- merkung eben solche Ansaͤtze oder Zaͤhne. Der Kelch vergroͤssert das Ansehen und die Bemerkbarkeit der Blumen, denn er ist gefaͤrbt; und die Kronenblaͤtter sind zugleich das Saftmaal, denn sie sind anders gefaͤrbt. In der ersten Art ist der Kelch gruͤnlichgelb, die Kronenblaͤtter aber sind weißlich, und in der zweyten jener dunkelgelb, und diese purpurfarben. Einundzwanzigste Klasse. Monoecia. Maͤnnliche und weibliche Blumen, welche ein und ebendasselbe Individuum hat . Carex. C arex Pseudocyperus . Tab. XIII. 11. Eine weibliche Aehre in natuͤrlicher Stellung und Groͤsse, deren Samenkap- seln ihr voͤlliges Wachsthum erreicht haben, und beynahe reif sind. Neben dieser Figur a. Eine mit einem guten Samenkorn versehene Kapsel. b. c. Zwey taube Samenkapseln, eben so stark vergroͤssert, als jene. d. Das aus der ersten herausgenommene Samenkorn. Linn é hat die maͤnnlichen Bluͤthen der Riedgraͤser fuͤr saftleer gehalten, denjenigen Theil aber ihrer weiblichen Bluͤ- then, welcher zuletzt die Samenkapsel ist, ein Nectarium ge- nannt. Hierin hat er sich geirrt; denn die weiblichen Bluͤthen sind eben so saftleer, als die maͤnnlichen. Auch glaube ich, daß man keine einzige Pflanze wird aufweisen koͤnnen, welche außer Saft enthaltenden weiblichen oder Zwitterblumen saftleere maͤnnliche Blumen hat. Sogar die maͤnnlichen Bluͤthen der Graͤser, ob ich gleich nicht begreife, warum ihre Zwitterbluͤthen Saft enthalten, da sie allem Ansehen nach nicht von den In- sekten, sondern vom Winde befruchtet werden, enthalten Saft. Denn Leers , auf dessen Zeugniß man sich verlassen kann, hat in den maͤnnlichen Bluͤthen der Auena elatior, und des Holcus mollis und lanatus nicht nur die Saftblaͤttchen, welche er nebst Anderen das Nectarium nennt, sondern auch einen kleinen Fruchtknoten gefunden, demjenigen vollkommen gemaͤß, was ich oben gesagt habe, daß nemlich die eigentliche Saft- druͤse der Grasbluͤthen ein Theil des Fruchtknotens ist. Wor- aus zugleich folgt, daß die Meinung des Pontedera , der Saft komme dem Fruchtknoten unmittelbar zu Statten, wie sie uͤberhaupt in Ansehung aller eigentlichen Saftblumen unge- gruͤndet ist, also auch in Ansehung der Grasbluͤthen ungegruͤn- det sey. Denn da der Fruchtknoten der maͤnnlichen Bluͤthen niemals ein Samenkorn wird, so kann ihm der Saft, welchen er absondert, auf keine Art zu Statten kommen, und daß die- ser Saft dem Fruchtknoten der Zwitterbluͤthen auf eine unmit- E e Carex. Carpinus. Corylus. telbare Art sollte Nutzen verschaffen koͤnnen, laͤßt sich eben so we- nig gedenken. Dadurch wird die Frage, warum die Grasbluͤthen Saft enthalten, noch schwerer zu beantworten; und ich wuͤrde gerne glauben, daß auch sie von den Insekten befruchtet werden, wenn nicht andere Umstaͤnde, welche ich oben angezeigt habe, mich davon abhielten. Da also sowohl die weiblichen, als auch die maͤnnlichen Bluͤ- then der Riedgraͤser saftleer sind, so werden jene auf eine mecha- nische Art befruchtet. Eben deswegen aber erfolgt die Befruch- tung auf eine allgemeine und gleichfoͤrmige Art, daß nemlich alle weibliche Bluͤthen befruchtet werden. Dieses wird man bey al- len Riedgraͤsern finden. Wenn die weiblichen Aehren nicht etwa von der Sonnenhitze verbrannt, oder von gewissen Insekten, welche sich in den Samenkapseln verschiedener Arten aufhalten, verdorben worden sind: so wird man alle Samen einer jeden Aehre von guter Beschaffenheit finden. Zum Beyspiel mag Carex Pseudocyperus dienen. Ich besahe eine Anzahl von Halmen, deren Samenkapseln beynahe reif waren. Zwey von denselben hatten zwar an allen Aehren sehr viele taube Kapseln. Dieses ruͤhrte vielleicht daher, daß die Aehren zur Bluͤhezeit einen solchen Stand gehabt hatten, daß der herabfallende Antherenstaub sie nicht fuͤglich hatte erreichen koͤnnen, oder daß sie der Sonnenhitze zu sehr ausgesetzt gewesen waren, oder es ist einer anderen unbekannten Ursache zuzuschreiben. Die uͤbrigen hingegen hatten lauter mit guten Samenkoͤrnern versehene Kapseln; bloß die zwey oder drey unten an der Spitze der Aehren sitzenden waren taub, weil die Stigmate von dem herabfallenden Antherenstaub nicht hatten erreicht werden koͤnnen. Carpinus. Carpinus Betulus. Weißbuche. Hainbuche. Wenn man die maͤnnlichen Kaͤtzchen betrachtet, so sollte man glauben, daß sie Saft enthalten. Denn 1) die Kaͤtzchen hangen herab, 2) die Schuppen sind auf der unteren Seite sehr konkav, und 3) am Rande mit Haaren besetzt, 4) die Antheren sind auch haaricht. Der Saft wuͤrde also gegen den Regen voͤllig gesichert seyn. Ich habe aber keinen gefunden. Die angefuͤhrten Um- staͤnde dienen folglich vielleicht nur dazu, den Antherenstaub vor der Naͤsse zu schuͤtzen. Corylus. Corylus Auellana. Haselstrauch. Tab. XXV. 12. Ein Zweig, welcher mit drey maͤnnlichen Kaͤtzchen a a a und zwey weiblichen Bluͤthenknospen b b versehen ist. Corylus. Pinus. Diese Bluͤthen haben keinen Saft, und die weiblichen sollen durch den Wind befruchtet werden. Aber wie sehr sind sie nicht auch in ihrer ganzen Struktur von den Saftblumen verschieden! Sie haben nichts, was bloß dazu dienen sollte, damit sie in die Augen fielen, und eben so wenig machen sie sich durch einen Ge- ruch bemerkbar. Die maͤnnlichen Bluͤthen sind ganz anders ge- staltet, als die weiblichen. Jene bereiten eine große Menge Staubes, welcher sich leicht wegblasen laͤßt, und bey der gering- sten Erschuͤtterung davonfaͤhrt. Von den weiblichen Bluͤthen koͤmmt weiter nichts, als die Stigmate, zum Vorschein, welches genug ist, wenn die Befruchtung durch den Wind geschehen soll. Diese Stigmate sind sehr groß, damit sie desto leichter Staub erhalten, ꝛc. Alles grade das Gegentheil von demjenigen, was man bey den Saftblumen gewahr wird. Pinus. Pinus syluestris. Kiefer. Die maͤnnlichen Bluͤthen bereiten eine außerordentliche Menge Staubes, von welchem der kleinste Theil wirklich die weiblichen Bluͤthen befruchtet, der groͤßte aber in die Luft verfliegt. Er wird vom Regen niederge- schlagen, und verursacht den gelben Rand des sich sammlenden Regenwassers, welches der gemeine Mann Schwefelregen nennt. In Ansehung dieses Staubes scheint also die Natur nichts weni- ger, als Sparsamkeit, bewiesen zu haben. Untersucht man aber die Sache genauer, so findet man, daß es ein bloßer Schein ist. Die weiblichen Bluͤthen sollen durch den Staub der maͤnnlichen auf eine mechanische Art, und ohne Dazwischenkunft der Insekten befruchtet werden. Deswegen sind beiderley Bluͤthen unansehn- lich, und haben keine Krone; eben so wenig haben sie Saft. Der Staub soll durch den Wind von den maͤnnlichen Bluͤthen auf die weiblichen gebracht werden. Auf solche Art geraͤth von hundert, vielleicht von tausend Samenstaͤubchen Eines auf eine weibliche Bluͤthe. Folglich mußten die maͤnnlichen Bluͤthen hun- dert oder tausendmal so viel Staub bereiten, als zur Befruchtung der weiblichen Bluͤthen erforderlich ist. Da nun die Kiefer, deren beiderley Bluͤthen auf einem und eben demselben Individuo sitzen, so viel Staub noͤthig hat, um die weiblichen Bluͤthen auf eine mechanische Art zu befruchten: wie viel mehr Staub muͤssen diejenigen Pflanzen bereiten, deren maͤnnliche und weibliche Blumen auf verschiedenen Individuis sich befinden, wenn sie auf eben diese Art befruchtet werden sol- len? Hieraus folgt also, daß bey allen Pflanzen mit ganz ge- trennten Geschlechtern, deren maͤnnliche Blumen nur wenig Staub bereiten, die Befruchtung der weiblichen nicht durch den Ricinus. Cucurbita. Wind, sondern durch die Insekten geschehen muͤsse, z. B. bey der Lychnis diocca. Ricinus. Ricinus communis. Wunderbaum. Zu demjenigen, was in der Dissertation: Sponsalia plantarum, gesagt wird, daß die maͤnnlichen Blumen, oder vielmehr Bluͤthen, deswegen uͤber den weiblichen stehen, damit diese von dem herabfallenden Staube jener befruchtet werden, woraus also folgt, daß die Be- fruchtung nicht durch die Insekten geschieht, fuͤge ich noch dieses hinzu, daß diese Blumen auch keine Saftblumen sind, und eben deswegen, ungeachtet ihrer ansehnlichen Groͤsse, keine Krone ha- ben, als welche schlechterdings ohne Nutzen seyn wuͤrde. Cucurbita. Cucurbita Pepo. Kuͤrbiß. Daß auch hier die Be- fruchtung durch den Wind geschehe, wie der Verfasser eben die- ser Dissertation sagt, kann ich mir nicht als moͤglich denken. Denn sowohl die Anthere, als auch das Stigma befindet sich im Grunde 1) glockenfoͤrmiger, 2) großer, 3) aufrecht stehender Blumen, welche 4) weit von einander entfernt sind. Wie kann also der Wind, dessen Direktion horizontal ist, aus dem Grunde der maͤnnlichen Blumen den Staub herauswehen, ihn eine Strecke fortfuͤhren, und dann wieder in den Grund der weib- lichen Blumen hineinwehen? Sollte dies auch moͤglich seyn, so wuͤrde doch nur unter tausend Staͤubchen Eines auf das Stigma kommen, die uͤbrigen aber anderswohin gefuͤhrt wer- den. Die Natur haͤtte also eine weit groͤssere Menge Staubes in den maͤnnlichen Blumen hervorbringen muͤssen, um auf diese Art ihre Absicht zu erreichen. Wir muͤßten hier weit mehr, und weit fluͤchtigern Staub antreffen, als wir bey dem Hasel- strauch und der Kiefer bemerken, da bey diesen Arten die An- theren und die Stigmate doch wenigstens ganz frey liegen, und den Einwirkungen des Windes voͤllig bloßgestellt sind. Es ist also mehr als wahrscheinlich, es ist gewiß, daß auch hier die Befruchtung durch Insekten geschieht. Ich fand auf den Saftdruͤsen uͤberaus kleine braune Insekten, welche wie Bett- wanzen aussahen. Durch dergleichen sehr kleine und unbefluͤ- gelte Insekten kann die Befruchtung nun wohl nicht geschehen, weil die Blumen so groß sind, und von einander so weit ab- stehen, sondern es muͤssen große und befluͤgelte dazu bestimmt seyn. So wie ich denn auch Fliegen und Bienen, und zwar die letzteren ganz voller Staub, in den Blumen angetroffen habe. Cucurbita. Daß auch in diesen Blumen der Saft gegen den Regen gesichert sey, lehrt der Augenschein. Denn 1) ist die Krone inwendig mit Haaren uͤberzogen, 2) ist zwischen der Krone und dem Stigma in den weiblichen, und der Anthere in den maͤnn- lichen Blumen ein schmaler Zwischenraum, durch welchen ein Regentropfen nicht leicht hindurchfließen kann, endlich 3) um- geben in der maͤnnlichen Blume die zusammengewachsenen Fi- lamente die Saftdruͤse, und haben an der Basis kleine Oeff- nungen, durch welche noch weniger ein Regentropfen hindurch- dringen kann. In der weiblichen Blume aber ist dieser Um- stand nicht vorhanden, sondern die Saftdruͤse ist unbedeckt. Wegen des so eben angefuͤhrten engen Zwischenraums zwi- schen der Anthere und dem Stigma und der Krone muͤssen die Bienen nothwendig, indem sie zum Saft hinabkriechen, in den maͤnnlichen Blumen die Anthere und in den weiblichen das Stigma beruͤhren, ungefaͤhr so, wie in der Alcea rosea. Damit sie nun eher auf die maͤnnlichen, als auf die weiblichen Blumen fliegen, so sitzen jene auf laͤngeren Stielen, als diese, fallen ihnen folglich eher in die Augen. Da ich eben diesen Umstand auch bey dem Stratiotes alooides bemerkt habe, so werde ich dadurch in der Meinung bestaͤrkt, daß derselbe nicht etwas zufaͤlliges sey, sondern zu dieser Absicht dienen solle. Wenn man fragt, warum die Natur Blumen mit halb getrennten Geschlechtern hervorgebracht habe, so laͤßt sich diese Frage in Ansehung der gegenwaͤrtigen Art, wie ich glaube, leicht beantworten. Der Grund dieser Einrichtung liegt in der außerordentlichen Groͤsse der Fruͤchte. Denn gesetzt, die Pflanze haͤtte so viele Zwitterblumen, als sie Blumen von beiden Ge- schlechtern hat, so wuͤrde es unmoͤglich seyn, daß sie einer so großen Anzahl von so großen Fruͤchten die gehoͤrige Nahrung sollte geben koͤnnen, da man sich schon daruͤber wundern muß, daß die wenigeren Fruͤchte, die sie wirklich hevorbringt, von ihr, ob sie gleich so schwach ist, zu einer solchen Groͤsse ge- bracht werden. Haͤtte aber die Pflanze nur so viel Zwitter- blumen, als sie weibliche hat, folglich noch nicht die Haͤlfte von denen, die sie wirklich hat (denn man findet mehr maͤnn- liche, als weibliche Blumen auf derselben): so wuͤrden diesel- ben um so viel weniger Nahrung fuͤr die Insekten bereiten, und um so viel weniger ihnen in die Augen fallen, folglich auch um so viel weniger von ihnen besucht und befruchtet wer- den. Bey den Gurken, den Melonen und aͤhnlichen Arten findet eben dieses Statt, hingegen bey der Bryonia nicht, als welche nur kleine Fruͤchte hervorbringt. Was mag also bey dieser der Grund dieser Einrichtung seyn? E e 2 Cucumis. Bryonia. Cucumis. Cucumis satiuus. Gurke. Wegen der nahen Ver- wandtschaft dieser Art mit der vorhergehenden kann man schon mit Grunde erwarten, daß auch diese Saft enthalten werde. Linn é sagt nichts davon; Gleditsch aber findet nur in den maͤnnlichen Blumen ein Honigbehaͤltniß. Daß aber die maͤnnli- chen Blumen irgend einer Pflanze Saft haben, die weiblichen aber nicht, oder umgekehrt, halte ich fuͤr eben so unmoͤglich, als daß jene zwar Staubgefaͤße, diese aber kein Pistill haben, und umgekehrt. Sowohl die weiblichen, als die maͤnnlichen Blumen haben in ihrem Grunde eine Saftdruͤse, deren Saft in diesen durch die Staubgefaͤße, in jenen aber durch den Griffel und die Stigmate vor dem Regen geschuͤtzt wird. Die maͤnnlichen Blumen sind weit groͤsser, als die weiblichen. Folglich bestaͤtigt auch diese Pflanze dasjenige, was ich bey der Valeriana dioeca gesagt habe. Die Blumen werden von den Bienen haͤufig besucht. Daß sie auch von denselben, keinesweges aber vom Winde, befruchtet werden, ist keinem Zweifel unterworfen. Koͤlreuter (S. 21. ff. der oben angefuͤhrten Vorlaͤufi- gen Nachricht ꝛc.) hat schon eingesehen und bewiesen, daß die Kuͤrbißblumen von den Insekten befruchtet werden. Bryonia. Bryonia alba. Gichtruͤbe. Zaunruͤbe. Tab. XXI. 27*, 27**. 32—33*. 32. Die vergroͤsserte weibliche Blume. 33. Die eben so stark vergroͤsserte maͤnnliche Blume. 27**. Der Grund des Kelchs der maͤnnlichen Blume, in welchem sich die (punktirte) Saftdruͤse befindet. 33*. Ein Staubgefaͤß der maͤnnlichen Blume von der aͤuße- ren Seite. 27*. Dasselbe von der inneren Seite. Ich habe schon bey der Valeriana dioeca gesagt, daß diese Blumen Saftblumen sind, und daß die maͤnnlichen deswegen weit groͤsser sind, als die weiblichen, damit die Insekten zuerst auf die maͤnnlichen, und, nachdem sie dieselben ausgeleert, zugleich aber den Staub von den Antheren abgestreift haben, mit diesem Staube beladen, auf die weiblichen sich begeben, und denselben wieder an das Stigma anstreichen. Daß weder Linn é noch Pollich die Saftdruͤse gesehen hat, wundert mich um so viel mehr, da schon die große Aehnlichkeit dieser Gattung mit der Cucurbita das Daseyn einer Saftdruͤse wahrscheinlich macht. Bryonia. Sicyos. 1. 2. Sowohl die maͤnnliche, als auch die weibliche Blume hat im Grunde des Kelchs eine fleischichte glatte weiße Saftdruͤse, welche den abgesonderten Saft zugleich traͤgt. 3. Dieser Saft ist gegen den Regen vollkommen gesichert, in beiderley Blumen durch die kurzen Haare, mit welchen die innere Oberflaͤche ihrer Krone uͤberzogen ist, und welche verhin- dern, daß ein Regentropfen auf derselben haften koͤnne, in der maͤnnlichen durch die Staubgefaͤße, welche die Oeffnung des Grundes der Blume gaͤnzlich ausfuͤllen, und deren Filamente am Rande und auf der inneren Seite haaricht sind, und in der weibli- chen durch den Griffel, welcher sich in drey ausgeraͤndelte Theile theilet. Hieraus sieht man ein, warum sowohl der Griffel, als auch die Filamente so ungewoͤhnlich groß und fleischicht sind, und eine so ungewoͤhnliche Gestalt haben. 4. Beiderley Blumen haben zwar keinen Geruch, aber ein Saftmaal. Ihre Krone ist blaß gruͤnlichgelb, und gruͤn geadert. Diese Adern laufen nach dem Grunde des Kelchs zu, zeigen also den Insekten, daß dort Saft befindlich sey. 5. Die zweyte Ursache, warum die Filamente und der Grif- fel so groß und so ungewoͤhnlich gestaltet sind, ist, damit die von In- sekten besuchten Blumen nothwendig von denselben befruchtet wer- den. In der 33. Figur sieht man deutlich, daß ein Insekt nicht anders zum Safthalter hineinkriechen kann, als daß es zugleich die An- theren (weiche punktirt sind), weil sie am Rande der Filamente sitzen, abstreife. Und eben so kann es hierauf in der weiblichen Blume nicht zum Saft gelangen, ohne den mitgebrachten Staub an die Stigmate wieder anzustreifen. Uebrigens wird man meine Erklaͤrung der verschiedenen Groͤsse beider Blumen so lange gelten lassen muͤssen, bis man eine Pflanze zeigen kann, welche maͤnnliche und weibliche Saftblumen hat, von welchen die weiblichen groͤsser und ansehnlicher sind, als die maͤnnlichen. Hingegen von einer Pflanze, deren maͤnn- liche und weibliche Blumen gleich groß sind, z. B. von der Lychnis dioeca, kann man keinen Einwurf hernehmen. Sicyos. Sicyos edulis . Jacqu. Amer. p. 258. Auch bey die- ser Pflanze ist die Absicht und Veranstaltung der Natur, daß die Insekten die maͤnnlichen Blumen eher, als die weiblichen, besu- chen, nicht zu verkennen. Im Blattwinkel sitzt ein Stiel mit vielen maͤnnlichen Blumen, und ein anderer mit Einer oder zwey weiblichen. Die Insekten fallen also natuͤrlicherweise eher auf die maͤnnlichen, als auf die weiblichen Blumen. Salix. Zweyundzwanzigste Klasse. Dioecia. Maͤnnliche und weibliche Blumen auf zwey verschiedenen Individuis . Salix. L inn é hat bloß bey den maͤnnlichen, aber nicht bey den weibli- chen Bluͤthen der Weiden eine Saftdruͤse gefunden. Gleditsch (Einleitung in die Forstwissenschaft. II. Band. S. 8.) weiß auch von keiner Saftdruͤse der weiblichen Bluͤthen. Pollich folgt zwar in seiner Beschreibung der Gattung hierin dem Linn é ; aus seiner Beschreibung der Arten aber sieht man, daß er die Saftdruͤsen der weiblichen Bluͤthen zwar gesehen, aber nicht fuͤr solche erkannt hat. Aus demjenigen aber, was er von denselben sagt, daß sie z. B. gelblich, glatt ꝛc. sind, kann man schon a priori schließen, daß es wirklich Saftdruͤsen sind. Wer die weiblichen Bluͤthen aller Weidenarten untersucht, wird auf diesen Saftdruͤsen wirklich ein Safttroͤpfchen finden. Weil man nun bisher geglaubt hat, daß die weiblichen Bluͤ- then keinen Saft haben, so folgte aus diesem Irrthum ein ande- rer; man glaubte nemlich, daß die Bienen bloß die maͤnnlichen Bluͤthen besuchen, die weiblichen aber stehen lassen. So sagt Gleditsch (Vermischte Abhandlungen. II. Theil. S. 137.) von der Salix caprea, daß ihre maͤnnliche Blumenzapfen wegen des Nutzens, den sie den Bienen verschaffen, den Vorzug vor den weiblichen verdienen. Und Kruͤnitz , S. 663., sagt von eben dieser Art, daß die Bienen nur bloß aus den Bluͤthenzapfen der maͤnnlichen Pflanze Honig holen. Ich bin aber nicht nur aus der Erfahrung uͤberzeugt, daß die Bienen und andere Insekten auch die weiblichen Bluͤthen besuchen, sondern glaube auch, daß sie, indem sie solches thun, dieselben mit dem Staube, den sie von den maͤnnlichen Bluͤthen mitgebracht haben, befruchten, und daß eben deswegen die Bluͤthenkaͤtzchen der maͤnnlichen Pflanze weit besser in die Augen fallen, als die Kaͤtzchen der weib- lichen Pflanze, welches besonders von den gelben Antheren her- ruͤhrt, und so angenehm riechen, welches diese nicht thun, damit nemlich die Insekten zuerst auf jene, und hernach auf diese sich begeben. Auch bereiten die maͤnnlichen Kaͤtzchen keinesweges so viel Staub, als z. B. die maͤnnlichen Kaͤtzchen des Haselstrauchs. So wenig Staub wuͤrde durch den Wind schwerlich auf die weib- lichen Kaͤtzchen gebracht werden koͤnnen. Salix. Populus. Das auf der Saftdruͤse sitzende Safttroͤpfchen wird durch die Schuppen, welche auf der aͤußeren Seite und am Rande mit Haaren besetzt sind, vor dem Regen hinlaͤnglich beschuͤtzt. Salix caprea. Werft. Palmweide. Tab. XXV. 31. 34. 37. 38. 31. Das maͤnnliche Bluͤthenkaͤtzchen in natuͤrlicher Groͤsse. 37. Das weibliche Bluͤthenkaͤtzchen in natuͤrlicher Groͤsse. 34. Die vergroͤsserte maͤnnliche Bluͤthe. 38. Die eben so stark vergroͤsserte weibliche Bluͤthe. In beiden Figuren sieht man das auf der (punktirten) Saftdruͤse sitzende Safttroͤpfchen, wie auch die haarichte Schuppe, deren ich kurz vorher gedacht habe. Außer Bienen und einer großen Art Hummeln habe ich noch verschiedene andere Insekten auf beiderley Bluͤthenkaͤtzchen, doch am haͤufigsten auf den maͤnnlichen, gefunden, nemlich allerley kleine und große Fliegen, Ameisen, den gemeinen ziegelfarbenen Schmetterling, und eine Art von großen Muͤcken. Weil ich die letzte noch niemals auf einer Saftblume angetroffen hatte, so gab ich genau Achtung, ob sie wirklich vom Saft genoͤsse, und sahe, daß sie sehr geschickt ihren langen Saugeruͤssel zwischen die Staubgefaͤße und die Schuͤppchen hindurch bis zu den Safttroͤpf- chen steckte. Populus. Populus tremula. Espe. Tab. XXV. 13—18. 15. Ein maͤnnliches Kaͤtzchen in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 13. Ein Stuͤck von dem Stiel ( rachis ) dieses Kaͤtzchens nebst Einer Bluͤthe. Die Antheren haben sich noch nicht ge- oͤffnet. 14. Der Koͤrper, welcher die Staubgefaͤße traͤgt, von vorne gesehen. Die Antheren sind abgerissen worden. 18. Ein weibliches Kaͤtzchen in natuͤrlicher Groͤsse und Stel- lung. 16. Ein Theil seines Stiels nebst Einer Bluͤthe, eben so stark vergroͤssert, als Fig. 13. E e 3 Populus. 17. Der Koͤrper, welcher das Pistill traͤgt, von unten ge- sehen. Die beiden Kaͤtzchen, welche hier abgebildet sind, haben sich noch nicht gehoͤrig verlaͤngert. Wann sie ihre voͤllige Laͤnge er- reicht haben, folglich weit lockerer geworden sind, so werden so- wohl die Antheren, als die Stigmate von den Schuͤppchen, welche sie vor der Naͤsse schuͤtzen sollen, und eben deswegen am Rande lange Haare haben, weniger verdeckt, so daß also der Staub der maͤnnlichen Kaͤtzchen leichter abfliegen, und an die Stigmate der weiblichen anfliegen kann. Den 15. Maͤrz 1790 standen die Baͤume in voller Bluͤthe. Vormittags schien die Sonne schoͤn; dabey wehete aber ein ziem- lich kalter Wind. Auf Baͤumen, die demselben ausgesetzt waren, fand ich keine Bienen, hingegen auf einer Anzahl derselben, welche von einem kleinen Kiefernwalde gegen denselben geschuͤtzt, zugleich aber von der Sonne voͤllig beschienen wurde, eine große Menge, jedoch bloß auf den maͤnnlichen, da hingegen auf den weiblichen sich entweder gar keine, oder nur sehr wenige aufhielten. An dem starken Summen dieser Insekten konnte man schon in einiger Entfernung die maͤnnlichen Baͤume erkennen, und sie von den weiblichen unterscheiden. Schon hieraus folgt, daß die Bluͤthen keinen Saft enthalten koͤnnen. Denn wenn die Bluͤthen des weib- lichen Baums Saft haͤtten, so wuͤrden sie auch von den Bienen besucht werden; und wenn die Bluͤthen des maͤnnlichen Baums Saft enthielten, so muͤßten auch jene damit versehen seyn. Die Bienen sammlen also bloß den Staub der maͤnnlichen Bluͤthen. Untersucht man nun beiderley Bluͤthen, so findet man weder Saft in denselben, noch bemerkt man, daß sie den geringsten Geruch haben, oder von weitem merklich in die Augen fallen, indem sie nichts haben, was man fuͤr eine Krone sollte halten koͤnnen. Zwar haben die maͤnnlichen Kaͤtzchen der Weiden auch keine Kro- nen; sie fallen aber dennoch stark genug in die Augen, und zwar vermittelst der Antheren, deren Staub schoͤn gelb ist, und fest sitzt, wie es bey Saftblumen gewoͤhnlich und noͤthig ist. Die maͤnnlichen Kaͤtzchen der Espen hingegen machen sich zwar an- fangs ebenfalls durch die Antheren bemerkbar, welche, so lange sie sich noch nicht geoͤffnet haben, purpurfarben sind. Daß aber die Natur hierunter nicht zur Absicht haben koͤnne, daß sie in die Augen fallen sollen, erhellet daraus, daß dieses ganz vergebens seyn wuͤrde, indem der Staub noch nicht reif, und zur Befruch- tung tuͤchtig ist. Sobald sich aber die Antheren geoͤffnet haben, sehen sie ganz unansehnlich aus, weil der Staub theils nicht son- derlich gefaͤrbt, theils sehr fluͤchtig ist, und vom Winde bald weg- gefuͤhrt wird. Es ist also zwischen diesen Kaͤtzchen, des Geruchs nicht zu gedenken, auch hierin ein großer Unterschied. Populus. Den kleinen Koͤrper, welcher die Befruchtungstheile traͤgt, Fig. 13. 14. 16. 17., hat Linn é anfaͤnglich fuͤr ein Nectarium gehalten (dieser irrigen Meinung ist auch Gleditsch gewesen, S. 135.), hernach aber, da er vermuthlich bey naͤherer Untersu- chung keinen Saft in demselben gefunden, die Krone genannt, um doch etwas daraus zu machen. Allein auch darin hat er sich geirrt. Denn eine Krone muß sich durch Farbe, und durch we- nigstens etwas in die Augen fallende Groͤsse kenntlich machen; beides aber fehlt bey diesem kleinen Koͤrper, welcher also zu weiter nichts bestimmt ist, als die Staubgefaͤße und das Pistill zu tragen. Der Staub der maͤnnlichen Bluͤthen wird also auf das Stigma der weiblichen nicht durch Insekten, sondern durch den Wind gebracht, welches sehr leicht geschehen muß. Denn 1) die maͤnnlichen Bluͤthen bereiten eine große Menge Staubes. 2) Die- ser Staub ist wirklich ein eigentlicher sehr feiner und trockner Staub, welcher bey der geringsten Erschuͤtterung abfaͤllt, und durch das geringste Luͤftchen fortgefuͤhrt wird. 3) Das Stigma ist nach Verhaͤltniß der ganzen weiblichen Bluͤthe sehr groß. Denn es besteht (Fig. 16. 17.) aus dem ganzen viertheiligen purpurfar- benen Koͤrper, welcher auf dem Fruchtknoten sitzt, keinesweges aber aus dem Endpunkte dieser vier Theile, als so vieler Griffel, wie bey vielen Saftblumen, z. B. dem Galanthus, dem Leu- coium ꝛc. 4) Die Blumen beiderley Geschlechts sitzen an hohen Baͤumen, und zwar 5) an solchen Baͤumen, die zur Bluͤhezeit noch keine Blaͤtter haben. Zwischen den maͤnnlichen und weibli- chen Kaͤtzchen bemerkt man den Unterschied, daß diese steif herab- hangen, jene aber vom Winde hin und her gewehet werden; denn diese haben einen weit dickeren Stiel, als jene, Fig. 13. 16. Der Grund dieser verschiedenen Einrichtung ist unstreitig, daß die weiblichen Kaͤtzchen weit laͤnger dauern sollen, als die maͤnn- lichen, auch mehr Nahrung noͤthig haben, wahrscheinlich aber geht die Absicht bey derselben auch dahin, damit die Befruchtung dadurch befoͤrdert werde. Denn indem der Wind die maͤnnlichen Kaͤtzchen hin und her wirft, so faͤllt der Staub desto leichter von denselben ab, und indem derselbe diesen Staub in horizontaler Richtung auf die Kaͤtzchen der weiblichen Baͤume fuͤhrt, so em- pfangen diese, weil sie steif herabhangen, denselben sehr leicht. Wuͤrden sie aber eben so, wie die maͤnnlichen Kaͤtzchen, vom Winde hin und her geworfen, so wuͤrden sie in denjenigen Au- genblicken, in welchen sie eine horizontale Richtung haben, den Staub nicht so leicht empfangen, sondern dieser wuͤrde laͤngst denselben vorbeyfliegen. Rhodiola. Mercurialis. Stratiotes. Rhodiola. Rhodiola rosea. Rosenwurz. Aus des Grafen Mat- tuschka Beschreibung ( Fl. Siles. II. Th. S. 437.) erhellet, daß die Blumen der maͤnnlichen Pflanze eine groͤssere Krone ha- ben, als der weiblichen ihre. Da nun beiderley Blumen Saft- blumen sind, so dienen auch sie zur Bestaͤtigung meiner bey der Valeriana diocca und Bryonia alba vorkommenden Erklaͤrung dieses Unterschiedes. Mercurialis. Mercurialis annua. Bingelkraut. Bey der Lin- n é i schen Beschreibung der Gattung habe ich Folgendes zu erin- nern. 1) Daß nur die Blumen der weiblichen Pflanze Saft haben, hingegen der maͤnnlichen ihre nicht, laͤßt sich schwerlich gedenken. 2) Die beiden pfriemenfoͤrmigen Koͤrper, welche Linn é Nectaria nennt, sind zu duͤnne, als daß sie sollten Saft absondern koͤnnen. Wenn die weibliche Blume wirklich Saft hat, so muß derselbe von dem Fruchtknoten selbst abgesondert werden. Denn derselbe ist groͤßtentheils mit steifen Haaren besetzt, unter- waͤrts aber in den Winkeln oder Furchen kahl und glatt. Der Saft muͤßte also auf beiden Seiten desselben zwischen einer solchen Furche und dem duͤnnen pfriemenfoͤrmigen Koͤrper sitzen, und die- ser sowohl als die Haare des Fruchtknotens muͤßten zur Beschuͤtzung des Safts dienen. Ich habe bloß die weiblichen Blumen zu un- tersuchen Gelegenheit gehabt, und zwar im November, und die- ses ist vielleicht die Ursache gewesen, daß ich keinen Saft in den- selben gefunden habe. Stratiotes. Stratiotes alooides . Tab. XXII. 15. 16. Tab. XXIII. 25. 26. Tab. XXII. 15. Die maͤnnliche Blume in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 16. Dieselbe, vergroͤssert, nachdem die Krone weggeschnit- ten, und der Kelch umgeschlagen worden. In der Mitte sieht man 13 Antheren. Dieselben werden von 24 Saftmaschinen um- geben, welche, soweit sie punktirt sind, gelb, unterwaͤrts aber weiß sind. Auf dieser weißen Stelle hat eine jede ein Saft- troͤpfchen. Tab. XXIII. 25. Die weibliche Blume in natuͤrlicher Groͤsse und Stellung. 26. Dieselbe, vergroͤssert, nachdem die Krone und der Kelch weggeschnitten worden. In der Mitte 12 Stigmate, um dieselben herum 24 Saftmaschinen. Von diesen Blumen hat Linn é sich eine falsche Vorstellung gemacht. Er hat bloß weibliche Blumen vor Augen gehabt, Stratiotes. und diejenigen Koͤrper, welche ich Saftmaschinen nenne, fuͤr die Staubgefaͤße gehalten, folglich dieselben zu Zwitterblumen um- geschaffen. Die Pflanze gehoͤrt in die Dioecia dodecandria. Sowohl in der maͤnnlichen, als der weiblichen Blume befin- den sich zwischen den Kronenblaͤttern und den Befruchtungstheilen 24 lange Koͤrper, welche gelb, an der Basis aber weiß sind. Auf der Außenseite dieser weißen Basis sondert eine jede ein Safttroͤpf- chen aus. Um sich hievon zu uͤberzeugen, nehme man eine noch nicht aufgebrochene Blume, und schneide den Kelch und die Krone weg. Alsdenn wird man auf diesen weißen Stellen noch keinen Saft finden. Stellt man dieselbe aber ins Wasser, so wird man am folgenden Morgen auf jeder ein Safttroͤpfchen finden. Diese Koͤrper nenne ich nicht Saftdruͤsen, sondern Saftmaschinen, weil nur ihr unterster kleinster Theil die Saftdruͤse ist, der oberste groͤssere aber etwas anders ist. Weil er gelb ist, so glaube ich, daß er zum Saftmaal diene, da die Krone weiß ist. Aber auch zur Saftdecke dient er vermuthlich, indem, wenn Regentropfen in die Blume hineinfallen, dieselben zwischen demselben und der Krone hangen bleiben muͤssen, und nicht zu den Safttroͤpfchen hinabfließen koͤnnen. Da die Blumen theils Saftblumen sind, theils die maͤnnli- chen sich auf anderen Pflanzen befinden, als die weiblichen: so geschieht die Befruchtung ohne Zweifel durch Insekten. Durch welche, weiß ich nicht; denn ich habe noch niemals Insekten auf den Blumen angetroffen. Nimmt man dieses an, so kann man auch einen Grund angeben, warum die maͤnnlichen Blumen auf laͤngeren Stielen sitzen, als die weiblichen, nemlich, damit die Insekten zuerst auf jene hinfliegen, da ihnen dieselben eher in die Augen fallen, als die weiblichen. In der hiesigen Gegend waͤchst die Pflanze in zweyen von einander weit entfernten Graͤben. In dem einen Hinter dem Plan. stehen maͤnn- liche und weibliche Pflanzen unter einander; in dem andern Bey Ruhleben. aber sind bloß maͤnnliche vorhanden. Und dennoch haben sich dieselben so vermehrt, daß sie an vielen Stellen den Graben ganz bedecken, und daher die Aufmerksamkeit einiger armen Leute auf sich gezogen haben, welche sie aus dem Wasser herausholen, und ihre Schweine damit futtern. Ich glaube also, daß in diesen Graben irgend einmal ein einziges Samenkorn zufaͤlligerweise ge- kommen ist, welches ein maͤnnliches Individuum hervorgebracht hat, aus welchem hernach von Jahr zu Jahr die gegenwaͤrtige große Menge entstanden ist. Denn diese Pflanze vermehrt sich nicht nur durch den Samen, sondern auch durch junge Pflaͤnz- chen, welche sie ansetzt, und welche sich in der Folge von der Mutterpflanze absondern, und fortwachsen. Acer. Myosurus. Dreyundzwanzigste Klasse. Polygamia. Außer Zwitterblumen zugleich maͤnnliche oder weibliche Blumen . Acer. L inn é hat bey dieser Gattung kein Nectarium gefunden. Gleditsch (Forstw. I. S. 293 und 296.) ruͤhmt die Blumen des Acer platanoides und A. Pseudoplatanus ihres Honigs wegen. Vom A. campestre aber sagt er hieruͤber nichts. Acer platanoides. Der fleischichte und glatte Koͤrper, welchen Linn é das receptaculum nennt, ist die Saftdruͤse und zugleich der Safthalter. Acer striatum. Unter diesem Namen befindet sich diese Art in der Tegelschen Plantage. Sie koͤmmt mit der Linn é i- Acer. Myosurus. schen Beschreibung des A. Pensyluanicum voͤllig uͤberein, aber nicht mit dem Synonymon des du Roi; mit welchem hingegen das dort so genannte A. Pensyluanicum uͤbereinstimmt. Das Synonymon widerspricht der Beschreibung in zwey Stuͤcken, nemlich 1) in der Gestalt der Blaͤtter, und 2) in der Stellung der Blumentrauben. Die Blumen, welche ich untersuchte, hatten schon abgebluͤ- het. An der Basis des gruͤnen Fruchtknotens fand ich acht gelbe Saftdruͤsen. Nachtrag . Nach dem Artikel: Linum, S. 178. Myosurus. Myosurus minimus. Mauseschwaͤnzchen. Diejeni- gen Theile dieser Blume, welche Linn é anfaͤnglich Kronenblaͤt- ter, in der Folge aber Nectaria genannt hat, sind uͤberaus klein. Daher habe ich einigemal selbst durch die Loupe keinen Saft auf denselben sehen koͤnnen. Ein andermal aber, da es schoͤnes Wet- ter war, und ich die Blume gegen das Sonnenlicht hielt, konnte ich die kleinen glaͤnzenden Safttroͤpfchen mit bloßen Augen sehr wohl bemerken. Nachricht an den Buchbinder. Die Kupfertafeln werden am Ende des Buchs an Blaͤtter von der Groͤsse des Formats desselben angehaͤngt, und un- gebrochen eingeschlagen. Dadurch erhaͤlt der Besitzer den Vortheil, daß 1) dieselben beym Gebrauch ganz heraus- fallen, und er die Figuren mit Bequemlichkeit betrachten kann, 2) daß sie ihr gutes Ansehen behalten, auch nicht so leicht einen Riß bekommen, als wenn sie gebrochen waͤren, 3) daß das Buch nicht vorne dicker wird, als nach dem Ruͤcken zu, welches uͤbel aussieht. Den Vortheil, welcher hierdurch verloren geht, daß man die Kupfertafeln nicht so geschwinde finden kann, indem man dieselben erst umschlagen muß, um nach der Nummer zu sehen, kann man sich mit geringer Muͤhe verschaffen, wenn man auf die Ruͤckseite derselben in die obere Ecke rechter Hand die Nummer hinschreibt. Verzeich- Verzeichniß der abgehandelten Gattungen und Arten . A. Acer S. 443 . — platanoides — — — striatum — — Achillea Millefolium — 378 . Aconitum Napellus — 278 . — — Lycoctonum — 279 . Aegopodium Podagraria — 153 . Aesculus Hippocastanum — 209 . — — Pauia — 213 . Aethusa Cynapium — 153 . Agrostemma Githago — 254 . Aiuga pyramidalis — 299 . Albuca maior — 192 . Alcea rosea — 345 . Aletris Capensis — 201 . Allium — 183 . — — carinatum — — — — Cepa — 184 . — — Schoenoprasum — 185 . — — fistulosum — — — — Porrum — 186 . — — Victorialis — 187 . — — vineale — — — — nutans — — Alsine media — 160 . Althaea officinalis — 344 . Alyssum incanum — 330 . Amygdalus Persica — 268 . Anchusa officinalis — 89 . Androsace villosa — 101 . Anemone pratensis — 289 . — — Hepatica — 291 . — — nemorosa — 292 . Anthemis Cotula — 378 . — — aruensis — — Anthericum ramosum — 196 . — — frutescens — 198 . Antirrhinum Linaria — 317 . Antirrhinum maius S. 320 . Aquilegia vulgaris — 279 . — — Canadensis — 280 . Arabis alpina — 333 . — Thaliana — — Arbutus Vnedo — 240 . Arenaria trineruia — 253 . Aristolochia Clematitis — 418 . Asclepias Vincetoxicum — 139 . — — Curassauica — — — — fruticosa — — Asperula odorata — 84 . Asphodelus fistulosus — 196 . Astragalus Onobrychis — 362 . Atropa physaloides — 126 . Auena satiua — 80 . Auicennia nitida — 328 . Azalea viscosa — 104 . B. Ballota nigra — 309 . Bellis perennis — 377 . Berberis vulgaris — 203 . Besleria cristata — 322 . Bignonia paniculata — 327 . Borago officinalis — 94 . Brassica campestris — 333 . — oleracea — — Bryonia alba — 435 . Butomus vmbellatus — 234 . C. Calendula officinalis — 384 . Caltha palustris — 298 . Cameraria latifolia — 139 . Campanula rotundifolia — 109 . — — patula — 112 . — — glomerata — — — — latifolia — — — — speculum — 113 . Capraria biflora S. 328 . Capsicum grossum — 129 . Cardamine Graeca — 331 . — — pratensis — — Carduus nutans — 370 . — — lanceolatus — 371 . Carex Pseudocyperus — 429 . Carpinus Betulus — 431 . Celastrus scandens — 131 . Centaurea Cyanus — 380 . Cerastium aquaticum — 261 . — — aruense — 262 . — — viscosum — 263 . Cerbera Theuetia — 134 . Chaerophyllum syluestre — 153 . Cheiranthus incanus — 332 . Chelidonium maius — 271 . Chiococca nocturna — 119 . Chironia frutescens — 130 . Chondrilla iuncea — 367 . Chrysosplenium alternifolium — 241 . Citrus medica — 365 . Cneorum tricoccum — 67 . Cochlearia officinalis — 330 . Colchicum autumnale — 206 . Colutea arborescens — 360 . — orientalis — 361 . Comarum palustre — 272 . Combretum secundum — 228 . Conium maculatum — 153 . Conuallaria Polygonatum — 198 . — — multiflora — 199 . Conuoluulus sepium — 106 . — — aruensis — 107 . — — tricolor — 108 . Cornus sanguinea — 85 . — mascula — — — florida — — Coronilla Emerus — 361 . Corylus Auellana — 431 . F f Verzeichniß Crambe Hispanica S. 334 . Craniolaria annua — 321 . Crataegus monogyna — 269 . Crepis biennis — 369 . Crescentia Cuiete — 327 . Crocus satiuus — 68 . Cucubalus — 251 . — — Behen — — Cucumis satiuus — 435 . Cucurbita Pepo — 433 . Cynara Scolymus — 373 . Cynoglossum officinale — 89 . — — omphalodes — 91 . D. Datura Stramonium — 122 . Delphinium Aiacis — 277 . Dianthus superbus — 248 . — — deltoides — 250 . — — Carthusianorum — — — — barbatus — 251 . Dictamnus albus — 235 . Digitalis purpurea — 325 . — ambigua — 326 . Dolichos Lablab — 354 . Draba verna — 329 . E. Echinops Ritro — 384 . Echites — 138 . Echium vulgare — 99 . Epilobium — 223 . — — hirsutum — — — — montanum — 224 . — — angustifolium — — Erica vulgaris — 230 . Eriophorum polystachyon — 79 . Erysimum Alliaria — 332 . — — officinale — — Erythronium dens canis — 191 . Euphorbia Cyparissias — 266 . — — palustris — 267 . — — Lathyris — — Euphrasia officinalis — 315 . — — Odondites — — F. Festuca elatior — 80 . Fritillaria imperialis S. 189 . Fumaria officinalis — 349 . G. Galanthus niualis — 177 . Galeopsis Tetrahit — 307 . — — cannabina — — — — Galeobdolon — — Galium — 84 . Gaura biennis — 223 . Genista tinctoria — 353 . — pilosa — — Gentiana Pneumonanthe — 150 . — — Centaurium — 152 . Geranium palustre — 335 . — — Robertianum — 337 . — — pratense — 338 . — — syluaticum — — — — sanguineum — — — — reflexum — — — — molle — — — — cicutarium — — — — moschatum — 340 . — — zonale — — — — lacerum — 342 . — — quercifolium — 344 . Geum riuale — 272 . — vrbanum — — Gladiolus communis — 69 . Glecoma hederacea — 301 . Gratiola officinalis — 54 . H. Hamamelis Virginica — 85 . Hamelia erecta — 119 . — — patens — — Helianthus annuus — 378 . Helicteres Baruensis — 429 . — — Carthagenensis — — Heliotropium Peruuianum — 87 . Helleborus niger — 296 . — — viridis — 298 . Hemerocallis flaua — 202 . — — fulua — 203 . Heracleum Sphondylium — 153 . Hesperis matronalis — 333 . — triftis — — Heuchera Americana — 150 . Hibiscus S. 350 . Hieracium murorum — 369 . Holosteum vmbellatum — 80 . Hottonia palustris — 103 . Hyacinthus Muscari — 199 . — — racemosus? — — — — orientalis — 200 . — — serotinus — — — — comosus — 201 . Hydrophyllum Virginicum — 104 . Hyoscyamus Scopolia — 123 . — — niger — 124 . Hypochoeris radicata — 369 . Hyssopus officinalis. — 301 . J. Jasione montana — 115 . Jasminum — 47 . — — fruticans — — — — officinale — — Impatiens Balsamina — 400 . Imperatoria Ostruthium — 153 . Ipomoea coccinea — 108 . — — repanda — 109 . Iris — 69 . — Pseudacorus — 70 . — Xiphium — 71 . — Germanica — 78 . Justicia pulcherrima — 53 . K. Kalmia poliifolia — 238 . Knautia orientalis — 84 . L. Lamium album — 302 . — purpureum — 304 . Lantana Africana — 328 . Lapfana communis — 370 . Laserpitium Prutenicum — 153 . Lathraea Squamaria — 316 . Lathyrus odoratus — 355 . — — satiuus — — — — palustris — — — — latifolius — — Lauandula Spica — 301 . Lauatera arborea — 350 . Laurus Indica — 231 . der abgehandelten Gattungen und Arten. Ledum palustre S. 240 . Leontodon autumnale — 368 . — — Taraxacum — — Leonurus Cardiaca — 310 . Leucoium vernum — 181 . Ligusticum Leuisticum — 153 . Lilium Martagon — 187 . — bulbiferum — 189 . — candidum — — Linum vsitatissimum — 175 . — perenne — 176 . Lithospermum aruense — 88 . Lobelia vrens? — 385 . — Cardinalis — 386 . Lonicera Xylosteum — 120 . — — Caprifolium — — Lotus corniculatus — 364 . Lunaria rediuiua — 331 . Lupinus luteus — 353 . Lychnis dioeca — 255 . — — — cor. purp, — 260 . — — Chalcedonica — 261 . — — flos cuculi — — Lycium Afrum — 130 . — — Americanum — — Lycopsis aruensis — 98 . Lysimachia quadrifolia — 104 . — — vulgaris — — Lythrum Salicaria — 263 . M. Malua syluestris — 347 . — rotundifolia — 348 . — verticillata — — — Capensis — 350 . Marrubium vulgare — 309 . Medicago falcata — 364 . Melampyrum syluaticum — 315 . — — nemorosum — 316 . Melissa officinalis — 311 . Menyanthes trifoliata — 102 . Mercurialis annua — 441 . Mirabilis longiflora — 120 . Monarda — 58 . Monotropa Hypopithys — 238 . Mussaenda formosa — 119 . — — spinosa — — Myagrum Hispanicum — 329 . Myosotis palustris S. 88 . Myosurus minimus — 443 . Myrtus communis — 268 . N. Narcissus — 182 . Nepeta Cataria — 301 . Nerium Oleander — 138 . — Zeilanicum — — Nicotiana rustica — 125 . — — glutinosa — — Nigella aruensis — 280 . Nolana prostrata — 101 . Nymphaea lutea — 273 . O. Ocymum Basilicum — 311 . Oenothera biennis — 217 . Ophrys ouata — 406 . Orchis latifolia — 401 . — Morio — 404 . — militaris — — — bifolia — 405 . — conopsea — 406 . Ornithogalum minimum — 193 . — — luteum — — — — nutans — — — — pyramidale? — 194 . Orobus niger — 354 . Oxalis Acetosella — 253 . — corniculata — 254 . P. Pancratium littorale — 183 . Papauer — 272 . — dubium — 273 . Parkinsonia aculeata — 235 . Parnassia palustris — 166 . Passiflora coerulea — 160 . Pedicularis syluatica — 316 . Peltaria alliacea — 331 . Petraea volubilis — 327 . Phaseolus vulgaris 353. 359. Philadelphus coronarius — 267 . Phlox paniculata — 105 . Phylica ericoides — 131 . Physalis Alkekengi — 127 . — pubescens — — Phyteuma spicatum S. 113 . — — montanum — 115 . Picris echioides — 366 . Pinguicula vulgaris — 54 . Pinus syluestris — 432 . Pisum satiuum — 354 . Plumeria alba — 139 . — — pudica — — Poinciana pulcherrima — 235 . Polemonium coeruleum — 109 . Polygala vulgaris — 350 . Polygonum Fagopyrum — 231 . — — orientale — — Populus tremula — 438 . Portlandia grandiflora — 118 . — — hexandra — 119 . Porentilla fruticosa — 270 . — — verna — 271 . Prasium maius — 313 . Primula veris — 101 . — Auricula — 102 . Prunella vulgaris — 312 . Prunus Cerasus — 269 . — spinosa — — Psoralea bituminosa — 362 . Pulmonaria officinalis — 91 . Pyrus communis — 269 . — Malus — — R. Ranunculus — 293 . — — bulbosus — — — — auricomus — 294 . Raphanus Raphanistrum — 334 . Reseda odorata — 265 . — fruticulosa — — Rheum palmatum — 233 . Rhinanthus crista galli — 313 . Rhodiola rosea — 441 . Ribes Grossularia — 132 . — rubrum — — — nigrum — 133 . Ricinus communis — 433 . Rondeletia odorata — 118 . Rubus Idaeus — 270 . — fruticosus — — Russelia sarmentosa — 327 . Ruta graueolens. — 236 . F f 2 Verzeichniß der abgehandelten Gattungen und Arten. S. Sagina procumbens S. 86 . Salix — 437 . — caprea — 438 . Saluia pratensis — 58 . — officinalis — 62 . — verticillata — 64 . — glutinosa — — Saponaria officinalis — 248 . Satureia hortensis — 300 . — — montana — 301 . Saxifraga stellaris — 242 . — — crassifolia — — — — granulata — — — — tridactylites — 244 . — — Cotyledon — 246 . — — vmbrosa — 247 . Scabiosa columbaria — 81 . — — aruensis — 84 . — — succisa — — Scilla amoena — 194 . Scleranthus perennis — 247 . Scrophularia nodosa — 322 . — — vernalis — 325 . Scutellaria galericulata — 312 . — — alpina — — Secale cereale — 79 . Sedum Telephium — 253 . Serapias longifolia — 411 . — — latifolia — 414 . Serratula aruensis — 370 . Sicyos edulis — 436 . Silene — 251 . — noctiflora — 252 . — nutans — — — quinqueuulnera — — — Armeria — — Silphium perfoliatum — 381 . Sinapis aruensis — 334 . Sisymbrium arenosum — 331 . Sisyrinchium Bermudiana — 411 . Solanum nigrum Guineense — 128 . — — — vulgatum — 129 . — — tuberosum — — Solanum Hauanense S. 129 . — — Dulcamara — — Sorbus aucuparia — 269 . Spartium scoparium — 352 . Spergula nodosa — 263 . — — aruensis — 264 . Spiraea opulifolia — 270 . Stachys syluatica — 307 . — palustris — 308 . — recta — — Statice Armeria — 173 . Stellaria graminea — 253 . — — Dilleniana — — Stratiotes alooides — 441 . Symphytum officinale — 93 . Syringa vulgaris — 47 . T. Tagetes — 377 . Tamarindus Indica — 67 . Teucrium fruticans — 300 . Thesium linophyllum — 134 . Thlaspi bursa pastoris — 330 . Thymus vulgaris — 310 . — — Acinos — 311 . — — Serpyllum — — Tilia Europaea — 275 . — cordata — — — Americana — 276 . Tragopogon maior — 365 . Trifolium alpestre — 363 . — — Melilotus officinalis — — — — repens — — — — pratense — 364 . — — aruense — — Tropaeolum maius — 213 . Tulipa Gesneriana — 192 . Tuffilago Farfara — 374 . — — Petasites — 376 . — — hybrida — — — — alba — 377 . V. Vaccinium Oxycoccos — 228 . — — Myrtillus — 229 . Valeriana officinalis S. 63 . — — dioeca — 65 . Verbascum Thapsus — 121 . — — Blattaria — — — — nigrum — 122 . — — phoeniceum — — Verbena officinalis — 56 . — Aubletia — 57 . Veronica — 48 . — spicata — 49 . — maritima — 50 . — Chamaedrys — 51 . — triphyllos — 52 . — officinalis — — — prostrata — — — verna — — — serpyllifolia — — — hederifolia — — Viburnum Opulus — 159 . Vicia sepium — 356 . — satiua — 357 . — Faba — — — Cracca — 360 . Vinca rosea — 135 . — maior — 136 . — minor — — Viola odorata — 386 . — tricolor — 395 . — palustris — 398 . — canina — — — mirabilis — 399 . Vlex Europaeus — 353 . Vlmus effusa — 150 . W. Wulfenia Carinthiaca — 53 . X. Xeranthemum annuum — 373 . Ximenia multiflora — 228 . Y. Yucca gloriosa — 202 . Z. Zygophyllum Fabago — 237 .