I. A. Richter del. C. F. Boetius seulps. Die so noͤthig als nuͤtzliche B uchdruckerkunst und S chriftgießereÿ, mit ihren Schriften, Formaten und allen dazu gehoͤrigen Jnstrumenten abgebildet auch klaͤrlich beschrieben, und nebst einer kurzgefaßten Erzaͤhlung vom Ursprung und Fortgang der Buchdruckerkunst, uͤberhaupt, insonderheit von den vornehmsten Buchdruckern in Leipzig und andern Orten Teutschlandes im 300 Jahre nach Erfindung derselben ans Licht gestellet. Mit einer Vorrede Herrn Johann Erhard Kappens, Prof. Eloqu. Publ. in Leipzig und des großen Fuͤrsten-Collegii Collegiatens daselbst. Leipzig , bey Christian Friedrich Geßner 1740 . Denen saͤmtlichen allhier in Leipzig vorjezo lebenden B uchdruckerherren, Seinen insonders Hochgeehrten Herren und Freunden. Wohledle, Vorachtbahre und Kunsterfahrne, Jnsonders Hochgeehrte Herren und Freunde, E w. Wohledlen uͤberreiche ich hiemit gegenwaͤrtige Blaͤtter zu einer guͤtigen Auf- nahm und Beurtheilung, welche wohl ):( 2 niemand niemand leichtlich besser uͤber sich zu neh- men faͤhig seyn wird, als wie Sie. Sie enthalten ja bey nahe alles dasje- nige in sich, was man nur von derjeni- gen Kunst sagen kan, welcher Sie saͤmi- lich mit dem groͤßten Eifer ergeben sind. Hier werden Sie kuͤrtzlich erzehlet fin- den, von wem und wenn unsere Kunst zu allererst erfunden worden sey; Hier wer- den Sie gleichsam auf einem Blick die vornehmsten Befoͤrderer derselben nach ihrer Erfindung uͤbersehen koͤnnen; Hier werden Sie , sonder Zweifel mit Ver- gnuͤgen, das Leben unserer Vorfahren allhier in Leipzig, ja Jhr eigenes Leben, kuͤrtzlich und aufrichtig beschrieben an- treffen. Auser dem aber hat man sich bemuͤhet alles hinlaͤnglich und deutlich vor Augen zu legen, was nur zur Er- lernung und Ausuͤbung der Buchdru- ckerkunst zu wissen noͤthig und nuͤtzlich ist. ist. Um mehrerer Deutlichkeit willen hat man nicht nur alle dazu gehoͤrige Stuͤcke kuͤrtzlich beschrieben, sondern auch im Kupfer vorgestellet. Sollten Sie dahero, Hochgcehrte Herren und Freunde , nicht die besten Richter abgeben koͤnnen, ob man hierinnen den rechten Weg getroffen, oder denselben verfehlet habe? Jedoch, es hat mich noch ein anderer Bewegungsgrund zu diesem Entschluß gebracht. Sie sind diejenigen, welche mit mir einer Kunst zugethan sind: Sie sind auch diejeni- gen, welche mir zum Theil allerhand Liebesdienste und Gefaͤlligkeiten erwiesen haben. Wird es mir dahero nicht ver- goͤnnet seyn, Jhnen wiederum ein Kennzeichen meines danckbegiehrigen Gemuͤthes und Gegenliebe dadurch oͤf- fentlich an den Tag zu legen? So lange mir also nicht erwiesen seyn wird, daß ):( 3 Gefaͤl- Gefaͤlligkeiten und Liebesdienste gebuͤh- rend erkennen ein Verbrechen zu nennen sey; So lange wird mir niemand mein Unternehmen veruͤbeln, oder solches tadeln koͤnnen. Endlich aber habe ich hiedurch gleichsam den Anfang machen wollen, bey Jhnen allerseits das An- dencken der eꝛfundenen Buchdruckerkunst zu erneuern, welches wir mit Freuden im nechst folgenden Jahr, so es GOtt gefaͤllig, mit gesamten Kraͤften feyerlich begehen werden. Drey hundert Jahre sind nunmehro bey nahe verflossen, seit dem man den Grund zu dieser nuͤtzli- chen Kunst geleget hat. Unsere Vor- fahren sind uns hierinnen mit loͤblichen Beyspielen vorgegangen, indem sie alle hundert Jahr am Tage Johannis ein feyerliches Danck- und Freudenfest deß- wegen begangen haben. Nicht eine Stadt, nicht ein Land, sondern bey nahe alle alle Buchdrucker in gantz Europa sind gleichsam zusammen getreten, und ha- ben GOtt mit Hertz und Mund vor diese große Wohlthat oͤffentlich gedan- cket. Sie haben uns, um mehrerer Auf- mercksamkeit willen, die bey dieser Ge- legenheit gehaltenen Reden und verfer- tigte Schriften und Verse gedruckt hin- terlassen, ihren Eifer und Danckbahr- keit daraus zu erkennen. Wird es da- hero nicht billig seyn, daß wir ihnen nach Vermoͤgen darinnen nachfolgen? Jch werde nicht irren, wenn ich glau- be, daß viele von unsern Vaͤtern auf diesen Tag mit Verlangen werden ge- wartet haben, die aber der Tod dieser Freude beraubet hat. Warum sollte es mir also nicht erlaubt seyn, Sie alle zu dieser Freude zu ermuntern, da wir ihr so nahe sind? Werden Sie mir demnach die Gefaͤlligkeit erweisen, und und gegenwaͤrtige Blaͤtter mit eben dem Gemuͤth an- und aufnehmen, als ich Jhnen solche uͤberreiche; So werde ich mich aͤuserst bemuͤhen auf alle Art und Weise mich Jhnen wiederum ge- faͤllig zu bezeugen. Der ich mich uͤbrigens Jhrer Freundschaft und Wohlwollen ferner empfehle und ohnausgesezt verharre Ew. Wohledlen, Vorachtbahren und Kunsterfahrnen, Meinen Hochgeehrten Herren und Freunden, Dienstbegieriger Christian Friedrich Geßner. Denenjenigen, welche die edle Buch- druckerkunst hochhalten, und dersel- ben ergeben sind, wuͤnsche ich viel Nutzen und Vergnuͤgen. J ch bin vor wenig Wochen ersuchet worden, diesem Buch, welches anjetzo unter dem Titul: Die so noͤthig, als nuͤtzliche Buchdru- ckerkunst ans Licht tritt, eine Vor- rede vorzusetzen. Jch kan nicht in Abrede seyn, daß ich anfaͤnglich einiges Bedencken bey mir gehabt habe, diesem Ansuchen Statt zu geben. Solte ich wohl, dachte ich bey mir selbst, eine Vorrede zu einem Buch verferti- gen, von dessen Einrichtung und Ausarbeitung ich nicht eher etwas gewust habe, als mir die gedruckten Bogen, nebst einigen Kupfern, zu Gesicht kommen sind? Jch hatte noch in allzufrischem Andencken, daß, unge- achtet ich in der vor 6 Jahren von mir gefertigten, und (a) denen Vorrede. denen Gundlingischen Discurs en uͤber des beruͤhmten Herrn D. Heumanns Conspectum Reipubl. litterariæ vorgesetzten Vorrede von der Historie, wie man sol- che auf Schulen und Universitaͤten pragmati sch zu treiben anfangen soll , p. 41. mit deutlichen Worten gesaget, daß ich weder an dem Werck selbst, noch an dessen Ausfuͤhrung den geringsten Antheil haͤt- te, und dahero mir nicht das geringste zur Last legen ließe, sondern alles demjenigen, der die Aus- gabe besorget, uͤberlassen bliebe , dennoch im ver- wichenen Jahre der beruͤhmte Herr Trotz in seinen sonst gar gelehrten Anmerckungen uͤber Hermanni Hugonis Buch de prima scribendi origine p. 269. in- gleichen p. 583. Dieses Buch ist 1738. zu Utrecht in 8. herauskommen. die von dem Herrn Herausgeber zu den Gundlingischen Discurs en gesetzten Anmer- ckungen mir zugeschrieben habe. Allein, nach reiferer Uberlegung, sind die bey mir aufgestandenen Zweifel weggefallen. Eine Vorrede ist ja keine Schutzschrift, und ein Vorredner, welcher mit dem Buch nichts zu thun gehabt hat, darff ja dasjenige nicht verantwor- ten, woran er keinen Antheil genommen. Er uͤber- laͤsset solches dem Verfasser des Buches, welcher vor seine Arbeit zu stehen hat, und, wenn sie wohl gerathen ist, damit Ehre einleget, hingegen auch, wenn sie nicht recht abgefasset ist, sich freylich auch beurtheilen lassen muß. Jch habe auch zu Herrn Trotzen das Ver- trauen, daß wenn er meine Vorrede zu denen Gund- lingischen Discurs en ansehen wird, er mir die Billigkeit wiederfahren, und mich von dem Herausgeber dersel- ben unterscheiden werde, wie solches in denen zu Am- sterdam gedruckten Miscellaneis Observationibus Criticis Vol. V. Tom. III. p. 131. sehr wohl geschehen ist. Ungeachtet ich nun an diesem Buch selbst nicht den Vorrede. den gerinsten Antheil habe, und mir also nichts aus demselben zuschreiben lassen werde: so habe ich doch die an mich geschehene Bitte, eine Vorrede davor zu machen, nicht gantz abschlagen koͤnnen. Das Buch handelt von der edlen Buchdruckerkunst, einer Kunst, welche als ein Goͤttliches Geschenck anzusehen ist, einer Kunst uͤber deren in Teutschen Mauern geschehenen Erfindung ein ieder Biedermann bestaͤndig sich hertzlich erfreuen muß; einer Kunst, bey deren Erfindung auch in Ansehung der Zeit gewiß die Hand GOttes im Spiel gewesen ist. Waͤre diese Kunst nicht vor der gesegne- ten Kirchen-Reformation erfunden, und durch deren Huͤlffe die Heil. Schrifft, und andere Kirchen- Scri- bent en vor derselben so haͤuffig gedruckt gewesen, haͤtte diese Buchdruckerkunst denen Verbesserern der Glau- bens-Lehre nicht zu Diensten gestanden: so wuͤrden dieselben weder ihre Saͤtze mit so leichter Muͤhe aus der heiligen Schrifft erweisen, noch dieselben so bequem und schleunig durch gantz Europa bekannt machen koͤn- nen? Außerdem aber habe ich noch eine besondere Liebe vor die edle Buchdruckerkunst. Jch schreibe derselben mit zu, daß ich der mir eingepflantzten gros- sen Begierde bestaͤndig etwas zu lesen, so wohl und so beqvem ein Genuͤgen leisten kan. Jch habe auch in mei- nen ersten Universitaͤts-Jahren durch Verbesserung ge- druckter Bogen einigen Zugang gehabt, und habe nun- mehro uͤber zwey und zwantzig Jahre so wohl anderer als meine eigene wenige Schrifften durch Huͤlffe der Presse bekannt gemacht, sehe auch, daß, so lange mir GOtt Leben und Gesundheit schencken wird, ich jaͤhr- lich dieser Kunst mich zu bedienen nicht Umgang haben werde. Die Historie dieser Kunst habe ich mir schon vor vielen Jahren bekannt zu machen gesuchet, auch in collegiis litterariis solche andern wieder vorgetragen. (a) 2 Allein Vorrede. Allein ungeachtet mir wohl nicht leicht ein Haupt- Scribent davon, von was von einer Nation er auch seyn mag, unbekannt, und von mir ungelesen geblieben; so habe ich dennoch in der obangefuͤhrten Vorrede An. 1733. geklaget, daß wir noch keine rechte Histo- rie der Buchdruckerkunst, nemlich der Kunst sel- ber haͤtten. Denn ungeachtet in diesem Jahr- hundert allerhand nuͤtzliches hiervon von Herrn Maittaire, Orlandi, Schelhorn, Herrn D. Loeschern geschrieben und angemercket worden: so gienge doch daßelbe mehr auf die Historie der Buchdru- cker und gedruckten Buͤcher, als auf die Historie der Kunst, die auch nicht ohne Zuziehung der ersten und aͤltesten Exemplare, ohne Rath und Huͤlffe verstaͤndiger Buchdrucker, Schrifftgießer, Holtzschneider ꝛc. beschrieben werden kan. Und die- ser Meynung, die ich vor sechs Jahren geheget habe, pflichte ich noch diese Stunde bey, freue mich aber, daß so wohl einige dieser edlen Kunst Verwandte, auch seit der Zeit, ihren Beytrag gethan, als daß auch verschie- dene Gelehrte noch ietzo beschaͤfftiget sind, die Historie dieser Kunst, vollstaͤndiger auszufuͤhren. Ein Engli- scher Buchdrucker S. Palmer stehet hier billig oben an, dessen Werck mir unlaͤngst zu Gesicht kommen ist, und folgenden Titul fuͤhret: A general history of Printing, from the first invention of it in the city of Mentz, to its propagation and progress, thro’ most of the kingdoms in Europe: particularly the introduction and success of it here in England. With the characteres of the most celebrated Prin- ters, from the first Inventors of this Art to the years Vorrede. years 1520 and 1550. also an account of their Worcks, and of the considerable Improvements which they made during that Time. By S. Palmer, Printer. London 1733. 4. 2. Alph. 4 und einen halben Bogen. Wenn man aus demjenigen, was Herr Palmer von der Buchdruckerkunst in Leipzig, und von den aͤltesten Buchdruckern allhier vorgiebt, auf das gantze Werck einen Schluß machen wolte: so wuͤrde man sich eben keinen vortheilhafften Begriff von dem- selben machen. Wir wollen den Englischen Buchdru- cker aus p. 249. selbst anhoͤren: Leipsick, in Latin Lipsia, the capital of Saxony, and founded into an university in 1404 by FREDERIC. I. Elector of that name, receiv’d the art of Printing in 1484; and tho’it pro- du’d but few impressions before the year 1500, and yet it is become one of the most famous cities in Ger- many for the numbers of books printed there. The first Printer who settled there was, 1. MARK BRANDT, of whom we have only the following edition, viz. ALBICII Archiepiscopi Pragensis praxis me- dendi 4to. per Marcum Brandt. Lipsiæ 1484. 2. GREGORY BOETICHER, 1. edit. 1493. 3. WOLFGANG MOLITOR de Monaco, 2. edit. from 1495, to 1496. 4. JAMES THANNER, 2. edit. from 1498, to 1499. WITH about twenty more without Printers names. 5. ANDREW Faisner, (Frisner) a learned man, (a) 3 of Vorrede. of whom we have given a full account under the article of Nuremberg, where he follow’d the Busi- ness of printing and correcting till the year 1478. after which he remov’d to Leipsick, and became Re- ctor magnificus of that vniversity. The only book we find printed by him here is the Historia Longo- bardica, but our German author not having given us the date of it, no proper rank could be assign’d to it in this list. Wir wollen die ersten Worte ins Teutsche uͤbersetzen: Leipzig, Lateinisch Lipsia, die Haupt Stadt in Sach- sen, und worinnen Anno 1404. von Friedrich dem er- strn Churfuͤrsten dieses Nahmens, eine Universitat ge- stifftet worden, hat die Buchdruckerkunst im Jahr 1484 bekommen, und ob sie gleich sehr wenig gedruckte Buͤcher vor 1500 geliefert hat: so ist sie doch eine der beruͤhmtesten Staͤdte Teutschlandes, in Ansehung der daselbst gedruckten Buͤcher, worden. Ehe wir die Nah- men der ersten hiesigen Buchdrucker aus Herrn Pal- mers Buch anfuͤhren: so wollen wir ein paar Anmer- ckungen uͤber seinen Bericht von Leipzig machen. Er thut Leipzig zu viel Ehre an, daß er es zur Haupt- Stadt macht, indem es bekannt genung ist, daß Dreßden die Haupt-Stadt in Meissen ist. Die Uni- versitaͤt ist nicht 1404. sondern 1409. von dem damah- ligen Hertzog, und nachmahligen Churfuͤrsten Friedrich dem Streitbahren gestifftet, und die Buchdruckerkunst nicht erst 1484 sondern schon wenigstens um das Jahr 1480. allhier eingefuͤhret woeden, wie solches aus Hrn. Johann Jmmanuel Muͤllers Sendschreiben von der Leipziger Buchdruckerkunst, und aus dem auf diese Vorrede folgenden Bericht erhellet. Es sind auch nicht so wenig Buͤcher allhier bis auf 1500 gedruckt worden, Vorrede. worden, wie Herr Palmer glaubet, und solches aus angefuͤhrter Schrifft zu ersehen, aber noch mehr zu er- sehen seyn wird, woferne jemand alle in Leipzig bis zu Ausgang des funffzehenden Jahr-hunderts gedruckte Buͤcher sam̃len, und eine Nachricht von denselben erthei- len solte, dazu ihm hiesige Universitaͤts-Bibliotheck einen schoͤnen Vorrath an die Hand geben wuͤrde. Marcus Brand, Gregorius Bœtticher, Wolffgang Stöckel de Monaco oder Monacensis, Jacob Thanner, An- dreas Frisner, haben allhier im funffzehenden Jahr- hundert die Buchdruckerkunst ausgeuͤbet. Es sind aber Mauritius Brandis, Martinus Lantzberg, Con- radus Kachelofen, Arnoldus de Colonia oder Coloni- ensis, und Melchior Lotther nicht auszulassen, und kan man von ihnen in Hrn. Muͤllers angefuͤhrten Schrifft, und in dem oben gemeldeten Bericht mehrere Nach- richt finden, und Herrn Palmers Nachricht in An- sehung der von ihm benennten Buchdrucker verbes- sern, und in Ansehung der weggelassenen ergaͤntzen. Jch will aber auch ein paar Anmerckungen mittheilen, davon die eine Andreas Frisner , die andere Melchior Lotther betrifft. Von Andreas Frisner giebt Herr Palmer unter dem Articul Nuͤrnberg gute Nachricht, darinnen aber irret er unter Nuͤrnberg und Leipzig , wenn er glaubt, daß Frisner die Historiam Longo- bardicam in Leipzig gedruckt habe. Die historia Longobardica ist zu Nuͤrnberg gedruckt, und in dem in der Wonsiedelischen Bibliotheck befindlich gewesenen Exemplar zu Ende folgendes angemercket gewesen: Opus historiæ Lombardicæ A. D. 1476. 7. Calend. April in Nuremberga oppido Germaniæ celebratissimo explicitum ductu industriosi impressoriæ artis magi- stri Joannis Sensenschmidt civis Nuremberg. \& An- dr. Frisner de Bunsidel artium Magistri. Jch setze noch ferner bey, daß dieser Frisner nebst andern schoͤ- (a) 4 nen Vorrede. nen Gestifften 56 Buͤcher nach Wonsiedel in seine Va- ter-Stadt vermachet, und dadurch den Grund zu der ehemals daselbst befindlichen Bibliotheck geleget hat. Und obgleich dieselbe vor einigen Jahren in der grau- samen Feuersbrunst, welche die liebe Stadt Won- siedel betroffen hat, im Rauch aufgangen ist: so ver- dienen doch die Teutschen Reime aus dem von dem ietzigen gelehrten Rectore zu Neustadt an der Aysch, Herrn Layritzen , auf mein Verlangen, mir ehemahls in MSto zugeschickten Catalogo der Wonsidelischen Bibliotheck, Herrn Frisner zum Andencken, allhier eingeruͤckt zu werden. Es hat dieselbe ein Stadt- Schreiber zu Wonsiedel N. Zeidler gemacht, und lauten also: Mit 56 Buͤchern die Lieberey angefangen war, Von dem Hochberuͤhmten Herrn Andre Frisner, Der heiligen Schrifft Bekenner und Lehrer, Als er war Paͤbstl. und Roͤml. Stuhls zu Rom, Erwehlter Diener von Wunsiedel dahin kom, Sein Vaterland damit geehrt, Damit das kuͤnfftig ward gemehrt. Zwantzig Golden daneben testirt, Vnd daß mit Gebeuden nit wirde geirrt, That er dem Rath und Freundschafft befehln, Jhr Pflicht und Gunst daraus zu lern, Die Gebaͤude also zu regirn, Und fleißig daneben solliciti rn, Daß dieselben gebracht zum End Mit Huͤlff vnd geben milder Haͤnd. Jst Vorrede. Jst angefangen im 1518ten Jahr Mit eytel Frohn Arweit und Bettel fuͤr wahr Auferbaut, vollendt und zugericht Jm Jahr 1522 hab ich gesehn und bericht. Die andere Anmerckung betrifft Melchior Lot- ther. Es ist bekannt, daß zwey Melchior Lotther, Va- ter und Sohn, in Leipzig gelebet haben. Einer hat unter andern An. 1520 eine Schrifft von dem beruͤhm- ten Petro Mosellano gedruckt, auf deren Titul ich als was sonderbahres bemercke, daß dieselbe mit des Durchlauchtigen Hertzog Georgens und des E. Hoch- weisen Leipziger Raths Privilegio gedruckt worden sey. Die Schrifft hat folgenden Titul: Petri Mosellani Protegensis, Pædologia, jam quartum vna cum scho- liis in loco oppositis, edita. adiectis insuper Dialogis duobus, quorum alter relegendæ prælectionis ratio- nem complectitur, alter de delectu Academiarum habendo disserit. Auf eben diesem Titul stehen noch folgende Worte: Cum illustriss. principis nostri GEORGII Saxoniæ Ducis \&c. pariter \& pru- dentiss. SENATVS Lipsensis PRIVILEGIO, Ne quis hanc, aut quamvis aliam P. MOSE- LANI lucubrationem Lipsiæ, immo in tota hac di- tione citra authoris ipsius consensum, aut imprimat aut alibi impressam \& importatam hic venditet: sub pena, vt in tabulis. Die Zuschrifft ist am Tage des Apostels Matthaͤi 1516. unterschrieben, und an Joan- nem Poliandrum , Ludimagistrum apud divum Tho- (a) 5 mam Vorrede. mam allhier gerichtet. Die gantze Schrifft bestehet aus 6. Bogen, und zu Ende finden sich folgende Worte: Lipsiæ ex officina Melchioris Lottheri A. D. M. D. XX. Jch kan nicht umhin aus dem letzten Dialogo, in quam potissimum Academiam studioso sit commigran- dum, des grossen Petri Mosellani Urtheil von den damahligen Universitaͤten, und daß man nicht mit ungewaschenen Haͤnden die so genannten hoͤhern Wis- senschafften anfangen soll, hier einzuschalten, weil auch unsere Zeiten etwas daraus lernen koͤnnen. Hiero- nymus der Schuͤler fragt seinen Lehrmeister also: jam biennium te in hoc ludo docentem audivi, vtri- usque literaturæ prima rudimenta, tua ope, vtcum- que percepi. hortatur nunc me tum parens, tum etiam hæc mea ætas maturior, vt hinc in Acade- miam aliquam, ad vberiorem ingenii cultum capi- endum, me conferam. Hoc, vt felicius faciam, tuo consilio opus est. Nam inter tot, vt vocant Vniver- sitates, quot jam olim sunt institutæ, \& hodie passim novæ exoriuntur, mihi ejusmodi rerum ignaro, dif- ficile plane est ejus, quæ omnium sit instructissima, \& meis studiis accommodatissima, delectum habere. Hierauf antwortet der Lehrmeister also: Prudenter hic deliberas Hieronyme. Sunt Academiæ, eæque in Germania, quas vehementer probem. Sunt item, quas cupiam, vel omnino non esse, vel in totum immutari. Vt enim in re militari duci dux, \& militi miles, vt in republica senator sena- tori, Vorrede. tori, \& civi civis, artifex artifici, vt denique homo homini, sic schola scholæ, doctor doctori, magister ma- gistro, præstant. Quod discrimen qui non advertit, operam \& oleum, vt ajunt, plerumque perdit. Ac, vt certum aliquid, quod hic sequaris, habeas, in hac deliberatione spectandum erit, non quæ magnificis ædificiis; tametsi \& hæc decoris aliquid addant: sed optimis omnis generis præceptoribus sit instructis- sima. Primum, quæ trium linguarum professores haheat, \& doctos, \& bonos. Hoc vt velint, illud vt possint, recte docere. Siquidem, latinam, græcam \& hebraicam linguas in Christianorum scholis doce- ri, Pontificiæ leges jubent, \& veterum Thoologo- rum exempla suadent, ac denique Christianæ reipu- blicæ vsus exigit. Habeat denique Theologos si non plures, vnum saltem aut alterum cum scripturarum intelligentia, tum vitæ sanctimonia egregie proba- tos. Tum jure peritos, non minus prudentia, quam \& facundia laudatos. Ad hæc medicos, quos natu- ralium rerum profunda cognitio, \& curandi fides perspecta commendet. Postremo philosophos, non, qui sophisticam rixandi pertinaciam ex ineptis bar- barorum commentariis inculcent, sed qui philoso- phando Platonis majestatem, acumen Aristotelis, Theophrasti eloquentiam, proxime referant. Quan- quam autem Gymnasium ejusmodi, minoris negotii est describere, quam vsquam invenire, ad præscriptam tamen imaginem, vtcunque accedunt hic in vicino sitæ LIPSIA \& WITTEBERGA. Nec ER- PHVR- Vorrede. PHVRDIA cuiquam est aspernanda. Vt nec BASILEA Super omnes vero trium linguarum professione floret LOVANIVM, sehola vel hoc no- mine omnium felicissima, quod magnum illum \& sapientiæ \& eloquentiæ principem habet ERAS- MVM. Et summum illud Ecclesiasticæ dignita- tis ornamentum ALBERTVS Cardinalis, ma- gnum quiddam Moguntiæ suæ molitur. Quod si processerit, erit, quo se Germania exteris homi- nibus venditet. Porro illud inprimis tibi caven- dum, ne ad sublimes illas professiones, quas vo- cant, illotis, vt aiunt, pedibus irrumpas. Quin modis omnibus curandum, vt vtriusque literaturæ mediocri cognitione præparatus accedas. Sic enim futurum, vt in disciplinis his gravioribus citius \& facilius, quo tendis, pervenias, \& rectum in rebus omnibus judicium consequaris. Hoc qui caret, fru- stra se aliquid feliciter discere sperabit. Jch muß aber wieder auf Herrn Palmers Hi- storie der Buchdruckerkunst kommen. Es ist wahr, das Werck hat einige Verbesserungen und Ergaͤntzun- gen vonnoͤthen, aber dem ungeachtet, ist es eine der besten Schriften von der Buchdruckerkunst. Unser Buchdrucker Palmer berufft sich auf zwey Buchdru- cker, die vor ihm von dieser Kunst geschrieben haben, auf Herrn Vertel , Buchdrucker zu St. Omer, und Herrn Johann Andreas Endter in Nuͤrnberg. Er hat auch die vornehmsten Schrifften des Mallincrots, des Vorrede. des Pater Orlandi, und des Herrn Maittaire gelesen, er hat einen Zugang zu des Graf Pembrocks, D. Meads , D. Rawlinsons , und Herrn Richardsons Bibliotheken gehabt, auch die Oxfurther und Cam- bridger Bibliotheck gebrauchet. Und obwohl Herr Palmer uͤber diesem Werck verstorben ist, auch der von ihm ausgearbeitete Practische Theil von der Buch- druckerkunst, den er in MSt. hinterlassen, noch nicht ge- druckt seyn mag; so verdiente doch dieses Historische Werck von einem der Englischen Sprache wohl erfahr- nen Mann ins Teutsche uͤbersetzt, und durch einige Anmerckungen verbessert und ergaͤntzt zu werden. Es duͤrffte das gantze Werck einen Octav -Band ausma- chen, und wuͤrde gewiß unter den Teutschen seine Lieb- haber finden. Jch zweifle im uͤbrigen auch nicht, daß gegenwaͤrtige so noͤthig als nuͤtzliche Buchdrucker- kunst, die man einem Kunstverwandten, Christian Friedrich Geßner zu dancken hat, eine dergleichen ge- neigte Aufnahme sich zu versprechen haben werde. Es werden Gelehrte und der Gelehrsamkeit ergebene, es werden Buchhaͤndler, Buchdrucker und dieser Kunst Befließene allerhand nuͤtzliche und angenehme Nachrich- ten darinnen antreffen, alle aber von der Billigkeit seyn, und die mit untergelauffenen Fehler und Unvoll- kommenheiten uͤbersehen, wie wir bey des Englischen Buchdruckers Herrn Palmers Buch gethan haben. Diese Schrifft stellet sich auch eben zu rechter Zeit ein. Denn es ist bereits bekannt, daß die Herrn Buchdru- cker im kuͤnfftigen, GOtt gebe! gluͤcklich erscheinenden 1740ten Vorrede. 1740ten Jahre, nach dem Exempel ihrer Vorfahrer, das dritte Jubelfest, wegen Erfindung ihrer Kunst, begehen werden. Als das zweyte Jubelfest 1640 all- hier begangen wurde, hat der sel. Professor An- dreas Rivinus denen Leipzigern Buchdruckern die Ehre gethan, und ihnen folgende Schrift zugeeignet: L. Andreæ Rivini, Halis-Saxonis, Professoris Lipsi- ensis, Hecotomba laudum \& gratiarum, in ludis iterum secularihus, ob inventam in Germania ab- hinc annis CC Chalcographiam, ad aram supremi Numinis, artis omnis Datoris, inque honorem pri- mor. hujus authorum, nec non perpetuam rei me- moriam, publice prius in Tilieto ad Plisn-Elystrum immolata: cum in carminibus quibusdam \& Epi- grammatis, tum vero præcipue in declamatiuncula solemni, artis Typographicæ commendationem a primis vsque cunabulis in declivem paulatim se- nectam Historice magis quam Rhetorice e variis scriptoribus celebrante. Lipsiæ 1640. 4to 5. Bogen. Es ist auch nicht unbekannt, daß der beruͤhmte Herr Bernhard von Mallinkrot sein schoͤnes Buch de ortu \& progressu artis Typographicæ zu Coͤlln 1639. wie- der auflegen lassen, und Herr Marcus Zuerius Box- hornius seine Dissert. de typographicæ artis inven- tione \& inventoribus 1640. zu Leyden herausgegeben habe. Und ich kan mir kaum bereden lassen, daß un- sere Zeiten dem vorigen Jahrhundert darinnen einen Vorzug lassen, und bey diesem dritten Jubelfest nicht, eben so wichtige Schrifften zu Erlaͤuterung der Historie der Vorrede. der Buchdruckerkunst, ans Licht stellen solten. Ob aus des sel. Hrn. Prof. Krausens in Wittenberg Collectaneis, die er viele Jahre mit grossem Fleiße hier von gemachet hat, etwas zu erwarten stehe, ist mir unbekannt. So viel aber weiß ich, daß der beruͤhmte Herr Prof. Wolf in Hamburg uns eine Sammlung allerhand seltener und die Historie der Buchdruckerkunst erlaͤuternder Schrif- ten liefern werde, auch der beruͤhmte Goͤttingische Prof. Herr Joh. David Koͤhler an einem von dem Ur- sprunge der Buchdruckerey handelnden Schrifft arbei- te Siehe Herrn Trotzens Anmerckungen zu des P. Hugo Buch de prima scribendi origine, p. 581. allwo er sich auf des beruͤhm- ten Herrn Schelhorns Amoenitates Litterarias Tom IV. beruffet. Annales typographici von Leipzig und andern Staͤdten Teutschlandes fehlen auch noch, und wer eine Historie von dem Ursprung und Fortgang der Buͤ- cher Privilegiorum sammlen, wer eine Historie der Buͤcher- Censur, wie solche fast in den meisten Laͤndern von Europa uͤblich ist, zusammen tragen wollte; wuͤr- de eine Arbeit uͤber sich nehmen, die unter die Deside- rata gehoͤret, und zu vielen nuͤtzlichen, und aus der Rechtsgelahrheit zu erlaͤuternden Abhandlungen Anlaß geben. Mein Wunsch gehet im uͤbrigen dahin, daß diese Kunst auch in Teutschland immer hoͤher und hoͤher steigen, und den Mißbraͤuchen derselben nachdruͤcklich gesteuret werden moͤge. Es erneuere sich in denen jetzo lebenden und kuͤnftigen dieser edlen Kunst Zugethanen der Eyfer ihrer Vorfahrer, den sie in Erlernung der Spra- Vorrede. Sprachen, in Haltung geschickter Correctorum etc. gehabt, taͤglich mehr und mehr, und endlich muͤsse diese Kunst, als ein goͤttliches Geschenck, zur Ausbreitung des Goͤttlichen Worts, zur Fortpflantzung der wah- ren Religion, zum Flor der Gelehrsamkeit und zur Verbesserung der Sitten, biß an die letzten Tage der Welt bestaͤndig dienen! Geschrieben zu Leipzig, den 7. April. 1739. Johann Erhard Kapp, Prof. Eloqu. Publ. des großen Fuͤrsten-Collegii Collegiat, und der philosophischen Facultaͤt d. z. Decanus. Kurtzer Jnnhalt Kurtzer Jnnhalt Aller in diesem Buch abgehandelten Sachen. I. Kurtzer jedoch gruͤndlicher Entwurf von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. pag. 1. Welchem zugleich angehaͤnget ift : α) Eine kurtze Nachricht von einigen beruͤhmten Maͤnnern uͤberhaupt, die sich in dieser Kunst her- vor gethan haben, z. E. in Venedig, Paris, Basel, Dreßden, Wittenberg und Jena. 56 β) Jnsonderheit aber eine Nachricht von allen Buch- druckern in Leipzig von Anfang bis hieher. 60 II. Kurtzer Unterricht, wie alle, nur uͤbliche, Formate geschossen werden koͤnnen. pag. 1. III. Das Griechische Alphabet. 33 IV. Das Hebraͤische, Rabbinische und teutsch- He- braͤische Alphabet. 35 V. Das Samaritanische Alphabet. 38 VI. Das Estranglisch- und Syrische. 39 VII. Das Arabisch-Tuͤrckisch- und Persische. 41 VIII. Das Jberische, oder Georgianische im Kupfer. 43 IX. Das Aethiopische Alphabet. 44 X. Das Coptische, oder Aegyptische. 46 XI. Das Armenische Alphabet. 48 XII. Nachricht von der Sinesischen Sprache und eine Abbildung derselben Figuren. 51 XIII. Das Damulische, oder Malabarische Alphabet im Kupfer. 53 XIV. Das Cyrillische Alphabet. 55 XV. Das Jllyrische im Kupfer. 56 XVI. Das Glagolitische. 57 XVII. Das Rußische, wie es gedruckt und geschrieben wird im Kupfer. 59 XVIII. Das Jnnhalt des Wercks. XVIII. Das Hunnisch-Scythische. 60 XIX. Das Runische Alphabet. 61 XX. Das Wendische. 62 XXI. Das Ungarische. 63 XXII. Das Spanische. 66 XXIII. Das Englische. 67 XXIV. Das Jtaliaͤnische. 68 XXV. Das Frantzoͤsische. 72 XXVI. Das Siebenbuͤrgische, 73 XXVII. Das Daͤnische. 75 XXVIII. Das Schwedische. 76 XXIX. Das Pohlnische. 78 XXX. Kurtzer Unterricht von der Rechtschreibung. 81 XXXI. Wohlmeynender Unterricht, wie ein Setzer- und Druckerknabe anzuweisen. 95 XXXII. Vernuͤnftige Gedancken von den Druckfeh- lern, nebst einem Unterricht fuͤr diejeni- gen, so Correctores abgeben wollen. 119 XXXIII. Bericht von dem Schriftgiesen, nebst einer Abbildung aller dazu gehoͤrigen Werckzeu- ge, und einem Gießzettel. 130 XXXIV. Schrift- und Pappierrechnung. 136 XXXV. Kurtzer Unterricht, von den Abgaben der Buͤ- cher und des Pappiers allhier in Leipzig. 140 XXXVI. Unterricht fuͤr einen Setzer, so viel ihm von der Musik zu wissen noͤthig ist. 141 XXXVII. Schriftkegel- oder Zeilentabell. 144 XXXVIII. Schriftproben. 145 XXXIX. Versuch eines Woͤrterbuchs aller in Buch- druckereyen gewoͤhnlichen Kunstwoͤrter. 161. LX. Chymische, Medicinische und Calenderzeichen, wie auch vier Tabellen, worinnen eines jeden Bogens Columziefer zu ersehen, nebst einem Verzeichniß aller jetzt lebenden Buchdrucker in Teutschland. Kurtzer Kurtzer, jedoch gruͤndlicher, Ent- wurf von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. §. 1. I Ch bin nicht gesonnen in gegenwaͤrtigen Blaͤttern der edlen Buchdruckerkunst eine weitlaͤuftige Lobrede zu verfertigen Denn ich befuͤrchte, nicht ohne Grund man moͤgte mir dieses eben so sehr verar- gen, als wenn ich den vortreflichen Glanz der hellscheinenden Sonne und derselben ungemein. Nutzbarkeit mit vielen Worten herausstreichen wollte Ein jeder, der nur den rechten Gebrauch seiner Sin- nen besitzet, siehet ja selbsten wohl, ohne mein Erin nern, wie blitzend dieser schoͤne Coͤrper seine glaͤntzende Strahlen von sich wirft, und desselben angenehm A Waͤr- Kurtzer Entwurf Waͤrme empfindet er ofters mit dem groͤßten Vergnuͤ- gen. Wuͤrde es dahero nicht eine vergebliche Arbeit seyn, wenn ich einem dieses alles durch viele Beweis- gruͤnde erst uͤberfuͤhren wollte, was er schon selbsten sie- het und fuͤhlet? So, und nicht anders, ist es auch mit der edlen Buchdruckerkunst beschaffen Der herrliche Nutzen dieser preißwuͤrdigen Kunst faͤllt jedermann der- gestalt in die Augen, daß er denselben ohnmoͤglich in Zweifel ziehen kan. Was hat der herrschenden Fin- sterniß in der geheiligten Religion mehr Abbruch ge- than, und was hat das aufgehende Licht derselben, au- ser goͤttlichem Beystand und muthiger Gelehrten Ge- schicklichkeit, mehr befoͤrdert, als diese Kunst? Was hat die Gesetze der Gerechtigkeit mehr ausgebreitet, als diese Kunst? Was hat die Geheimnisse der Artzney- kunst und die vernuͤnftigen Saͤtze der Weltweißheit be- kannter unter uns gemacht, als diese Kunst? Kurtz, der Flohr aller Kuͤnste und Wissenschaften hat dieser emsi- gen Dienerin ungemein viel zu dancken. Die Zeit wuͤrde mir dahero zu kurtz, und der bestimmte Raum viel zu enge werden, wenn ich dieser Kunst eine gebuͤh- rende Lobrede allhier aufsezen wollte. Jch kan auch dieser Muͤhe desto eher uͤberhoben seyn, je unlaͤugbarer diese Wahrheit ist, und je geschicktere Maͤnner die schoͤn- sten Lobspruͤche der Buchdruckerey zu Ehren bereits ab- gefasset haben. Nur gaͤntzlich unwissenden koͤnnen diese herrlichen Zeugnisse unbekannt seyn. Denn wer weiß nicht, daß Guido Panziroll, Siehe dessen Rerum memorabilium iam olim deperdita- rum \& recens ingeniose inuentarum Lib II, Tit. XII, p. 578. sqq. Edit. HENR. SALMVTHI, Amberg, 1599. \& 1602. in 8. duob. Voll. ein beruͤhmter Jta- liaͤner, von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. liaͤner, Michael Maier, Jn seinem artigen und sehr raren Tractat, welcher fol- gende Uberschrift hat: Verum inuentum, hoc est, mune- ra Germaniæ, ab ipsa primitus reperta, \& reliquo orbi communicata, quæ tanta sunt, vt plera que eorum muta- tionem mundo singular e m attulerint, vniuersa lon- ge vtilissima extiterint, Francofurti, 1619. 8. c. V, p. 116. sqq. ein vortreflicher teutscher Artzt, Georg Pasch, Jn seinen Nouis Inuentis C. VII, §. 66. p. 780. Edit. se- cundæ, Lipsiæ, 1720. 4. ein ehemaliger gelehrter oͤf- fentlicher Lehrer zu Kiel, und noch viel andere mehr, Hieher gehoͤret POLYDCRVS VERGILIVS de rerum inuentoribus L. II, c. 7. p. 132 Edit. 1590. 16. und alle diejenigen, so de arte typographica etwas schriftlich hinterlassen, welche ich aus Mangel des Raums mit Fleiß uͤbergehe. diese Kunst billig unter die nuͤtzlichsten und merckwuͤr- digsten Erfindungen gezehlet haben, welche wir unsern Landsleuten, den Teutschen, zu dancken haben. Der be- kannte Frantzoß Johann Bodinus, Jn seinem Methodo Historiæ C. VII, p. 323. Amsterdam, 1650. 12. Die lateinischen Worte heissen daselbst also: Vna typographia cum omnibus omnium veterum inuen. tis eertare facile potest. Jch muß hier ein vor allemal erinnern, daß ich alle Zeugnisse in teutscher Sprache an- fuͤhren werde, sie moͤgen in einer Sprache aufgesetzt seyn, in was vor einer sie wollen. Und dieses darum, dieweil meine Nachricht nicht so wohl vor Gelehrte, als viel- mehr vor die Kunstverwandten der edlen Buchdrucke- rey aufgesetzet ist. So viel aber kan ich jederman heilig versichern, daß ich die Stellen, so in einer fremden Sprache zuerst abgefaßt sind, treulich uͤbersetzt habe. schreibt nicht unrecht, daß sich die Buchdruckerkunst eintzig und allein mit allen Erfindungen der Alten in einen A 2 Wett- Kurtzer Entwurf Wettstreit einlassen koͤnne. Ja, der scharfsinnige Hieronymus Cardanus De Subtilitate Lib. XVII. behauptet so gar, daß die Buchdruckerey keiner Kunst im geringsten etwas nachgebe, wenn man so wohl derselben vortrefli- chen Nutzen, als auch die scharfsinnige Einrich- tung in Betrachtung zoͤge. Und hierinnen irret er nicht. Denn was den ungemeinen Nutzen derselben anlanget, so wird wohl Niemand dem ehemals be- ruͤhmten Domherrn in Merseburg Zachariaͤ von Beichlingen S. dessen wahren Unterricht vom Ursprung, Fortgang, Lobe, Nothwendigkeit, Nutzen, Freyheit, Rechten und Gerechtigkeit der Buchdruckerey, oder derselben Offi- cianten und Verwandten, Eisleben, 1669. in 4. D. 3. widersprechen, wenn er davon also geurtheilet: „Nunmehr kan ein jeder von denjenigen \&q;Sachen reden und urtheilen, davon man zuvor nichts \&q;wissen koͤnnen. Diese Kunst lernet die Narren ken- \&q;nen, machet die Hoffaͤrtigen offenbar, die Gelehrten \&q;bekannt, nimmt die Unwissenheit hinweg, und erhebt \&q;die Tugend und Wissenschaft zum Leben. Denn \&q;der gute und ehrliche Name gelehrter und tugendsa- \&q;mer Leute wird hierdurch erhalten; Hierdurch werden \&q;auch die Untuͤchtigen bekannt, daß man sich vor ihnen \&q;huͤte, und die schaͤdlichen bis in die unterste Erde ver- \&q;druͤcket; Hergegen aber die nuͤtzlichen Jngenia bis \&q;an die Sterne erhoben. Jst also diese Kunst eine \&q;Mutter, die alle Personen, so dessen werth, bey Ehren \&q;erhaͤlt, eine Herberge und Aufenthalt aller ehrlichen \&q;und fuͤrtreflichen Jngenien, eine fleißige Dienerin \&q;aller Politicorum, Theologorum., Philosophorum, \&q;Historicorum, eine Fortpflantzerin alles dessen, so in \&q;einer von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. \&q;einer Stadt, ja in der gantzen Welt, kan ehrlich, oder \&q;loͤblich, genennet werden.‟ So nutzbar aber diese Kunst ist; So scharfsinnig ist sie auch eingerichtet Ein jeder der nur derselben bewundernswuͤrdige Einrich- tung etwas genauer betrachtet, wird ihr diesen Ruhm ohnmoͤglich absprechen koͤnnen. Zu mehrerer Uber- zeugung beliebe er nur das vorgesetzte Kupfer anzuse- hen, so wird er mir hierinnen ohne fernere Worte Bey- fall geben. Was ist es demnach Wunder, daß viele gecroͤnte Haͤupter und vornehme Standspersonen an dieser Kunst ein besonders Vergnuͤgen gehabt und zu dessen Aufnahm und Befoͤrderung ungemein viel bey- getragen haben? Die spatesten Nachkommen werden die grose Gnade einiger Roͤmischen Kayser und Fuͤr- sten nicht genug ruͤhmen koͤnnen, welche sie uͤberhaupt allen Gelehrten so mild erwiesen haben: Man sollte ihnen aber ins besondere ein immerwaͤhrendes Denck- mahl stiften, daß sie vor das Aufnehmen der Buchdru- ckerkunst so eifrig besorgt gewesen. Es wird mir er- laubt seyn nur einige Namen davon mit der groͤßten Ehrerbiethung hieher zu setzen. Jch meyne nemlich Friedrich den III, Marimilian I, Carol V, und Fer- dinand I. Nicht weniger muß ich allhier den Koͤnig in Franckreich Franciscum I. den Churfuͤrsten zu Sachsen Friedrich den Weisen und dessen Nachfol- ger den Churfuͤrst Johann und den Herzog in Bayern Wilhelm anfuͤhren. Auch einige Paͤpste haben ihre Huld dieser edlen Kunst nicht entzogen, absonder- lich aber Nicolaus V, und Leo X. Welchen loͤbli- chen Beyspielen der Cardinal Bessarion gefolget. Daß ich der neuern Zeiten nicht einmal gedencke. Es erweisen dieses die herrlichen Privilegia, so sie den Buchdruckern ertheilet, theils in Ansehung ihrer ge- A 3 druck- Kurtzer Entwurf druckten Buͤcher, theils aber auch in Ansehung ihrer Person. Jch beruffe mich vorjezo alleine auf die Freyheiten, so Kayser Friedrich III, denselben gnaͤdigst zugestanden. Es beschreibt solche Siegmund von Bircken mit folgenden Worten: Jn seinem Spiegel der Ehren des Ertzhauses Oesterreich p. 529 Nuͤrnberg, 1668. fol. „Dannenhero wurden dieser Kunst Verwandte an- \&q;fangs von jedermann beehret und bereichert; \&q;Wie denn Kayser Friedrich III, sie, Gold zu- \&q;tragen, auch sonsten, dem Adel und Gelehrten \&q;gleich, befreyet, und insonderheit den Schriftse- \&q;tzern einen Adler, den Druckern aber einen \&q;Greif mit dem Druckerballen in einer Klauen, \&q;und beyde Wappen mit ofnem Helm verliehen. Es wuͤrde mir leicht werden, noch eine grosse An- zahl der Vortreflichsten Zeugnisse vor die edle Buch- druckerey aufzusuchen, wenn dieses mein Endzweck waͤre. Meine Absicht geht vielmehr dahin, meinen Lesern einen kurtzen, jedoch gruͤndlichen Entwurf von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst mit- zutheilen. Dabey will ich es aber noch nicht bewenden lassen, sondern ich will zugleich eine kurtze Nachricht von einigen beruͤhmten Maͤnnern uͤberhaupt, in- sonderheit aber von denjenigen, welche sich allhier zu Leipzig, vom Anfang bis hieher, in dieser Kunst hervor gethan haben, anfuͤgen. §. 2. Jch weiß wohl, daß bereits viele gelehrte Maͤn- ner Wer hievon ein ausfuͤhrliches Verzeichniß lesen will, der darf von der Erfindung der Buchdruckerkunst in oͤffent- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. oͤffentlichen Schriften gehandelt haben; Jch weiß aber auch dieses, und jedermann wird es mir zugeste- hen muͤssen, daß viele, wo nicht die meisten, entweder aus Unwissenheit und Leichtglaubigkeit, oder aus Neid und Mißgunst, hier und da einen Fehltrit begangen haben. Und dieses ist eben die fruchtbare Mutter, welche so verschiedene Meynungen, in Ansehung des ersten Erfinders, des Orts und der Zeit, zur Welt ge- bracht hat; Es ist aber auch eben dieses der Bewe- gungsgrund, warum ich diese Untersuchung wieder vor die Hand genommen habe. So oft ich bishero an diese Streitigkeiten gedacht habe; So ist mir alle mal der Streit eingefallen, welchen man ehedessen wegen der Geburtsstadt des beruͤhmten Griechischen Poe- ten Homeri gefuͤhret hat. Und in der That, ich finde hierinnen sehr viel aͤhnliches. Denn gleichwie ehedes- sen eine ziemliche Anzahl Staͤdte die Geburt des Ho- meri vermuthlich nur darum sich anmaßten, weil sie an dessen Ruhm auch einen Antheil dadurch zu erlangen vermeynten; Also hat man bishero ebenfalls um den ersten Erfinder der Buchdruckerkunst mit allem Eifer gestritten, ob er in dieser, oder jener, Stadt das Licht der Welt erblicket hat, damit man, sonder Zweifel, mit dessen Ruhm sich groß machen koͤnne. Darf ich hie- von die Wahrheit bekennen; So heißt dieses wohl nichts anders, als mit fremden Federn sich ausschmuͤ- A 4 cken, darf nur Dan Georg Morhofs Polyhist. Litt. T. I, L. IV, c. 2. n. 6. p. 730. sqq. Edit. recentiss. Joh. Albert Fa- bricii Bibliograph. Antiquar. c. XXI, §. 11. p. 630. Edit. 1716. 4. Burch. Gotth Struvens Introduct. ad Notit. Rei litt. C. XI. §. 2. Jac Friedr. Reimmans Hist. Litt. Vol. III, p. 204. sq. und IO. STOHRII Diss. de ortu typo- graphiæ, 1666. nachschlagen. Kurtzer Entwurf cken, und die Ehre, die andern gebuͤhret, sich unbillig anmassen wollen. Jch will dahero ohne alle Par- theylichkeit die verschiedenen Meynungen kuͤrtzlich an- fuͤhren, bescheiden pruͤfen und mich aufrichtig um den eigentlichen Ort dieser Erfindung, um den Erfinder und um die Zeit bekuͤmmern. Weder ein ungezieh- mender Haß gegen andere Voͤlcker und Staͤdte, noch eine schmeichlende Liebe zu meinen Landsleuten soll mich von dem Weg der Wahrheit ableiten. Diese Vorurtheile sollen mich nicht verblenden. Wuͤrde ich aber dennoch einen Fehler, wider mein Vermuthen, be- gehen; So werden mir meine Leser solchen guͤtigst zu vergeben belieben, indem ich mich doch aͤuserst bemuͤhet, die Wahrheit zu suchen. §. 3. Man hat nicht nur an vielen Orten in Europa um den Erfinder dieser Kunst gestritten, sondern es ha- ben auch einige in dem entlegensten Koͤnigreich China denselbigen gesuchet, und, wie sie gemeynet, daselbst ge- funden Jedoch, sie haben es nur gemeynet, in der That aber nicht erwiesen. Jch will von den letztern zu erst handeln und also untersuchen, ob man in China die Buchdruckerkunst erfunden habe. Jch kan nicht laͤugnen, daß viele gelehrte Maͤnner Wer die Namen dieser Maͤnner wissen will, der lese die be- reits angefuͤhrte Diss. des Herrn M. STOHRII c. I, §. 7. Es sind aber unter andern folgende: IO. PETR. MAF- FEIVS Lib. VI, Histor. Indic. p. 113. GARZIAS AB HORTO Lib. II, Aromat. ap. Indos nascent. c. 38. IO. GONZAL. MENDOZA L. III, de la Historia del gran regno de la China PAVLLVS IOVIVS Histor. Lib. XIV. NICOL. TRIGAVLTIVS de regno Chinæ L. I, c. 4. IO. HVGO LINSCOTANVS P. II, Ind. Orient. c. 26. und GVIDO PANCIROLLVS I. c. scheinet bey nahe dieser Erzehlung beyzupflichten. ehemals geglau- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. geglaubet und oͤffentlich in die Welt hinein geschrieben haben, daß die Buchdruckerkunst zuerst in China her- vorgebracht worden waͤre, und zwar etliche hundert Jahr noch vor Christi Geburt. Ja, sie versichern uns, sie haͤtten verschiedene Buͤcher gesehen, welche, noch lange vor der Bekanntmachung der Buchdruckerey in Europa, in China gedruckt gewesen waͤren. Andere wol- len uns gar weiß machen, daß ein teutscher Kaufmann diese Kunst in China gesehen und von dar mit nach Teutschland zuruͤck gebracht haͤtte. Wenn man aber dieser Leute Berichte etwas genauer ansiehet; So wird man finden, daß selbige keinen Beyfall verdienen. Meines Beduͤnckens muß ein Geschichtschreiber trifti- gere Gruͤnde, die Wahrheit zu bestaͤrcken, angeben koͤnnnen, als man sagt, es gehet die Rede, sie spre- chen also und ich glaube es. Dieses sind der mei- sten ihre buͤndige Beweisgruͤnde, womit man insge- mein behaupten will, daß die Buchdruckerey in China erfunden und von dar auf die Europaͤer fortgepflantzet worden waͤre. Jch will doch Gvid. Panzirolls An oben Not. a ) angefuͤhrtem Orte. eigene Worte, jedoch in unserer Sprache, hieher setzen. „Die Buchdruckerey, schreibt er, ist allerdings merck- \&q;wuͤrdig, welche in Teutschland A. 1440. erfunden \&q;worden. Man hat sich mit einer Meynung geschlep- \&q;pet, daß einer, welcher auf dem Teutschen und Balthi- \&q;schen Meer herumgeschifft, in diejenige Landschaft \&q;von China geworffen worden, welche ehedessen Se- \&q;res geheisen; Eben dieser habe wahrgenommen, daß \&q;daselbst die Buchdruckerkunst getrieben worden. \&q;Nachdem er nun die Littern und Formen wohl in Au- \&q;genschein genommen, so haͤtte er eine dergleichen Dru- A 5 \&q;ckerey Kurtzer Entwurf \&q;ckerey in Teutschland angerichtet.‟ Panziroll giebt zwar Teutschland die gebuͤhrende Ehre: Alleine er bringt doch diese Fabel, ohne ein Wort darwider zu sagen, an, und versichert uns am Ende seiner Erzehlung, er haͤtte dergleichen in China gedruckte Blaͤtter gesehen. Jch wer- de diese Erzehlung nicht unbillig eine Fabel genennet ha- ben. Denn wer war denn dieser einer, und wenn ist dieses geschehen? Wo hat dieser einer eine solche Dru- ckerey angelegt, und wer hat diese Meynung zuerst auf- gebracht? Auf diese Weise pflegt man bey uns die er- dichteten Fabeln zu erzehlen, mit dem unuͤberwindli- chen Beweis: es war ein mal einer ꝛc. Nicht besser beweißt Paulus Jovius l. c. seine Erzehlung. Dieser hat es vom Hoͤrensagen. „Die Portugiesischen Kauf- \&q;leute erzehlen, schreibt er, daß daselbst, nemlich in \&q;China, Drucker waͤren, welche Buͤcher, Historien \&q;und die Gebraͤuche ihrer Religion auf lange Blaͤtter \&q;druckten, welche man im Heften viermal zusammen \&q;legen muͤßte.‟ Und nachdem er uns berichtet, daß der Koͤnig in Portugall dem Papst Leoni ein solches Buch zugeschickt, welches er gesehen haben will; So faͤhrt er also fort: „Dahero glaube ich, daß dieses \&q;Kunststuͤck, ehe noch die Portugiesen nach Jndien ge- \&q;fahren, von den Scythen und Moscowitern, zu unge- \&q;meiner Befoͤrderung der freyen Kuͤnste, zu uns ge- \&q;bracht worden sey.‟ Abermals ein treflicher Be- weis: Er hat es gehoͤret, und dahero glaubt er es auch. Wie aber, wenn ich es nicht glaube? Ey man hat noch mehr Zeugnisse. Denn Johann Gonzalez Mendoza An oben schon benamtem Orte. will uns dieses auch uͤberreden, mit dem schoͤ- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. schoͤnen Beweis: Er habe dieses von den Chinesern selbst gehoͤret. Es muß dahero wohl wahr seyn, denn sie sagen es ja selbst. Wer weiß aber nicht, wie ruhmraͤthig dieses Volck ist? Es ist bekannt, daß die Chineser das Spruͤchwort im Munde fuͤhren: sie haͤt- ten zwey Augen, die Europaͤer eines und die uͤbrigen Nationen gar keines, ist es deswegen wahr, weil sie es selbst sagen? Jch sollte es nicht meynen. Man kan ih- nen dahero ihr Vorgeben von der Buchdruckerey nicht so gerade zu glauben. Dieses waͤre zu leichtglaͤu- big. Heut zu Tage glaubt man nicht mehr, als man richtig erwiesen siehet. Und dieses von Rechts- wegen. Da nun die uͤbrigen Zeugnisse meistentheils auf dergleichen Gruͤnden beruhen; So wird man mir erlauben, daß ich an der Wahrheit dieser Erzehlung zweifele. Jch will aber nicht in Abrede seyn, daß die Chineser gar keine Druckerey haͤtten. Das sey ferne. Sie haben allerdings eine Art zu drucken. Jch ge- traue mir aber zu behaupten, daß ihre Druckerey von der unsrigen sehr weit unterschieden, und daß gar keine Wahrscheinlichkeit vorhanden sey, daß sich der Ursprung derselben von China herschreibe. Jn China setzet man die Woͤrter nicht aus Buchstaben zusammen, sondern sie haben gewisse Zeichen und Figuren, womit sie gan- tze Woͤrter selbst ausdruͤcken. Also beschreibt ANTONIVS PANTOGIA die Chine- sische Buchdruckerey, welcher sie selbst gesehen. Dessen Worte, wie wohl nur in lateinischer Sprache, fuͤhrt Georg Pasch l. c. p. 781. an. Eine Probe davon kan man auf unserer Tab. p. 51. sehen Mit dieser Figur 土 wollen sie die Erde, hiemit 王 einen Koͤnig und wenn Kurtzer Entwurf wenn noch ein Accent darzu kommt 王` einen Edelstein anzeigen. Uberdiß, setzen sie ihre Figuren nicht in sol- che Zeilen, wie andere Voͤlcker, entweder von der lincken zur rechten, oder von der rechten zur lincken Hand, son- dern sie fangen oben von der Seite des Blats an und setzen sie Reihen weiß, eine Figur unter die andere, ge- rade herunter, und dergleichen Reihen so viel neben ei- nander, bis sie die Breite des Blats damit anfuͤllen. Jedoch man kan es nicht ein mal setzen nennen. Denn sie haben keine eintzelne gegossene, oder geschnittene Fi- guren, die sie zusammen setzen koͤnnten, sondern sie gra- ben ihre Figuren auf Tafeln von Holtz, und wie einige schreiben, auch von Stein, welche Tafeln so gros sind, als sie das Format verfertigen wollen. Dahero wis- sen sie nichts von dem Zerlegen, oder Einwerffen der Formen. Jst eine Tafel zu einer Seite gebraucht, so taugt sie zu weiter nichts mehr. Diese Art der Chine- ser Buͤcher zu drucken kommt bey nahe mit unserer Art Leinewand und andere Zeuge zu drucken uͤberein, keines- weges aber mit unserer Buchdruckerey. Und hieher gehoͤren also die Zeugnisse der uͤbrigen Scribenten, wel- chen man nicht absprechen kan, daß eine Art der Dru- ckerey in China uͤblich sey. Jch gebe auch zu, daß man heut zu Tage dergleichen gedruckte Buͤcher in beruͤhm- ten Bibliothecken aufweisen koͤnne; Alleine, hieraus folget ja nicht, daß die Europaͤer, und unter diesen die Teutschen, ihre Buchdruckerkunst von den Chinesern nur abgeborgt haͤtten. Es ist noch nicht erwiesen, daß dergleichen Buͤcher in Europa vor Erfindung unserer Buchdruckerey, oder zu derselben Zeit, bekannt gewe- sen waͤren. Man ist uns auch bis diese Stunde noch den Beweiß schuldig, daß die Europaͤer, und unter diesen die Teut- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. Teutschen, mit den Chinesern zu der Zeit, da die Buch- druckerey erfunden worden, in einer genauen Bekannt- schaft gestanden haben. Dahero bleibt wohl keine Wahrscheinlichkeit, viel weniger eine Wahrheit, uͤbrig, daß die Teutschen ihre Buchdruckerey den Chinesern zu dancken haben. Und so viel von der Chinesischen Buch- druckerey. Von gleichem Schrot und Korn ist auch das Vorgeben, mit welchem Stephan Zamoscius aufge- zogen kommt, da er die Scythen vor die Erflnder der Buchdruckerey angeben will. Er beruft sich, nach Marci Zuerii Boxhorns Samoscius in Antiquitat. Thraciæ c. 24. citante BOX- HORNIO in Historia Vniuersali p. 181. Zeugniß, auf ein altes Buch, das mit Scythischen Buchstaben gedruckt, und in der Bibliotheck des Großhertzogs von Toscana auf- behalten werden soll. Ob er aber die Asiatischen, oder Europaͤischen, Scythen verstanden, kan ich nicht erra- then. Deßwegen habe ich auch seine Meynung hier vor- getragen. Es moͤgen diese, oder jene seyn, welchen Zamo- scius diese Ehre zuschreiben will; So werden sich nur diejenigen, welche die Art der Scythen zu leben nicht wissen, solches aufheften lassen. Man wird es mir verge- ben, daß ich mich deswegen nicht weitlaͤuftig eingelassen habe. Weil es ohnehin bekannt genug zu seyn scheinet, daß man dergleichen Unternehmen von Scythen nicht einmal vermuthen, geschweige denn glauben, koͤnne. Wenn nun auch ein Buch mit Scythischen Buchsta- ben, wer weiß aber, ob er nicht die Gothischen davor angesehen, gedruckt waͤre, wird denn dieses beweisen, daß die Scythier Erfinder der Buchdruckerey waͤren? Auf diese Weise wollte ich die Hebraͤer, Syrier, Grie- chen, und andere Voͤlcker mehr, vor die Erfinder dieser Kunst angeben, Warum? Man hat Hebraͤische, Syri- Kurtzer Entwurf Syrische, u. s. f. gedruckte Buͤcher. Jedoch was ist es noͤthig, viel Worte zu machen, da ein jeder leicht begrei- fen kan, wie viel auf diesen Beweis, nemlich nichts, zu halten sey. §. 4. Nachdem ich nun den Ursprung unserer Buch- druckerey weder in China, noch bey den Scythen, gefun- den habe; So wende ich mich zu den Europaͤern. Hier geraͤth man erst recht in ein Labyrinth. Einige wollen diese Ehre den Frantzosen, andere den Jtaliaͤnern, und wieder andere den Hollaͤndern, oder den Teutschen zuschreiben: Auch die Teutschen selbst sind mit ei- nander nicht einig. Hilf Himmel, was vor verwirrte Erzehlungen trift man hier nicht an? Bald soll Harlem, bald Straßburg, bald aber Mayntz die Geburtsstadt dieser loͤblichen Kunst seyn. Und eben daher hat man so viele und verschiedene Erfinder ausgekuͤnstelt. Damit ich aber aller Verwirrung vorbauen moͤge; So will ich jede Meynung besonders etwas genauer anfuͤhren und pruͤfen. §. 5. Jch mache also den Anfang von den Frantzosen, und will sehen ob ich bey dieser Nation die Erfindung der Buchdruckerey antreffen koͤnne. Man pflegt ins- gemein zwey gelehrte Maͤnner anzufuͤhren, welche sich vor Franckreich hierinnen erklaͤret haͤtten. Der eine ist Johann Antonius Campanus und der andere Omnibonus. Beyde sind gebohrne Jtaliaͤner und beruͤhmte Correctores Campani Leben hat eben deßwegen einen Platz in Joh. Conrad Zeltners Theatro virorum erudit. qui typo- graph. operam præstiterunt p. 101. gefunden. Warum aber OMNIBONVS uͤbergangen worden, kan ich nicht gewesen: Campanus bey dem von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. dem bekannten Buchdrucker zu Rom Vlrich Han, sonsten auch Galius genannt; Omnibonus aber bey Nicolao Jenson zu Venedig. Und dahero glaubt man, daß diese beyde, sonst gelehrte, Maͤnner nach den bekannten Spruͤchwort sich gerichtet haͤtten: Deß Brod ich esse, deß Lied ich singe. Auser dem haͤt- ten sie ja ohnmoͤglich ihre Buchdrucker vor die Erfinder ausgeben koͤnnen. Campano giebt man Schuld, er habe einen doppelten Fehltritt auf einmal begangen, indem er Vlrich Han vor dem Erfinder der Buchdru- ckerkunst, hernach aber vor einen Frantzosen ausgege- ben haͤtte. Der Erfinder konnte freylich Vlrich Han nicht gewesen seyn, weil man erst von 1468. gedruckte Buͤcher von ihm anzufuͤhren weiß, da man doch zum wenigsten schon 10. Jahre vorhero in Teutschland, und zu gleicher Zeit, nemlich 1468. zu Rom, ja noch ein Jahr vorher 1467. von Conrad Schweynheim und Arnold Pannartz gedruckte Buͤcher aufweisen kan. Siehe Mich. Maittaire Annales Typograph. Tom. I. P. I. p. 270. sq. 277. sq. p. 280. Edit. Amstelod, 1733. 4. Es ist auch dieser Han kein gebohrner Frantzose, sondern ein Teutscher und zwar von Wien gewesen, welcher nach dem Gebrauch der damaligen Zeiten seinen teutschen Namen dann und wann latei- teinisch ausgedruͤcket. Michael Maittaire l. c. p. 18. fuͤhrt unterschiedliche Buͤcher an, bey welchen am Ende aus- druͤcklich stehet: Impress. per Vlricum Han de Viena, oder per Vdalricum Gallum Almannum. Jch kan mir also nicht vorstellen, daß Campanus so unver- schaͤmt wider die Wahrheit geschrieben, oder aus Un- wissen- nicht sagen; So viel ist gewiß, daß er unter die erstern Correctores gehoͤre. Kurtzer Entwurf wissenheit diesen Fehler begangen habe, weil diese Buͤ- cher um selbige Zeit gedruckt worden, worinnen sich Han von Wien geschrieben hat; Daß er es aber aus Schmeicheley gethan habe, will mir auch nicht im Kopf. Jch vermuthe dahero man habe Campano zur Ungebuͤhr etwas angedichtet, indem man ihn nicht recht verstanden. Denn die Jnnschrift, so er auf Ul- rich Han verfertiget, und insgemein vor den Beweis angegeben wird, beweißt wohl nichts wenigers, als die- ses. Jch muß sie doch hersetzen. Anser Tarpeii custos Iouis, vnde, quod alis Constreperes , Gallus decidit; vltor adest Vlricus Gallus : ne quem poscantur in vsum Edocuit pennis nil opus esse tuis. Hierinnen kan ich nicht finden, daß er seinen Han, oder Gallum, vor den Erfinder der Buchdruckerey an- gegeben haͤtte; Jch sehe auch nicht ein, wo ein Fran- tzoß heraus kommt. So viel begreife ich wohl, daß er mit dem Wort Gallus ein sinnreiches Wortspiel hat anbringen wollen. Hieraus gewinnen also die Fran- tzosen nichts, sondern sie muͤssen diese Ehre einer andern Nation uͤberlassen. Nunmehro will ich Omniboni Zeugniß untersuchen. Ob man diesem Mann nicht ebenfalls aus Unverstand etwas angedichtet, moͤgen andere unterscheiden. Er schreibt aber von seinem Ni- colao Jenson, einem Frantzosen von Geburt, also: In Epistola ad Episcopum Bellunensem, welche der Aus- gabe Quintiliani Venedig, 1471. f. per Nic. Jenson, vor- gesetzt ist. Maittaire fuͤhrt selbige l. c. p. 6. au. Accede- bant „Er von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. „Er war, daß ich die Wahrheit bekenne, ein anderer \&q;Daͤdalus, welcher, als ein bewundernswuͤrdiger Er- \&q;finder der Buchdruckerey, auf eine kuͤnstliche Art zu \&q;erst gewiesen, wie man recht nett und sauber drucken \&q;koͤnne, als wenn es in Edelstein gestochen waͤre.‟ Nimmt man dieses Zeugniß an, daß Jenson einer von den erstern Buchdruckern zu Venedig mit gewesen, so kommt es der Wahrheit ziemlich nahe. Weil ausser Johanne de Spira zuvor noch kein Buchdrucker von Venedig bekannt ist. Von Johanne de Spira ist das erste Buch, so viel man weiß, 1469. und von Jen- son 1470. Siehe Maittaire l. c. p. 282. und p. 285. gedruckt fertig worden. Koͤnnen sie nicht beyde zugleich angefangen, jener aber sein Buch eher zu Ende gebracht haben, als dieser: Verstehet man aber Omniboni Worte also, daß Jenson zuerst die Kunst in Venedig recht nett und sauber zu drucken aus- gekuͤnstelt habe, so ist es gar wahr. Denn Maittai- re l. c. p. 7. weiß dessen Druck kaum genug zu preisen. Wo ich nicht irre, so wollen dieses Omniboni Worte sagen. Hieraus folget aber keinesweges, daß Omnibonus seinen Jenson zu den ersten Erfinder, der Buchdrucke- rey uͤberhaupt, sondern nur zu Venedig mache. Und B die- bant, heißt es daselbst, iustæ preces Nic. Jenson Gallici alterius, vt vere dicam, Dædali, qui librariæ artis mirabi- lis inuentor, non vt seribantur calamo libri, sed veluti gemma imprimantur ac prope sigillo, primus omnium ingeniose monstrauit: Vt huic viro, qui de re litteraria tam bene meruit, nemo sit, qui non fauere summopere debeat. Id circo non difficulter impetrauit, vt non solum hoe opus, (Quintilianum) verum etiam vtramque Cice- ronis artem corrigerem. Kurtzer Entwurf dieses kan man ihm wohl einraͤumen. Wollte man aber aus Omniboni Worten behaupten, als wenn er seinem Jenson die Ehre der Erfindung uͤberhaupt zu- schriebe; So waͤre es allerdings ein Fehler, welcher die Unwissenheit, oder Schmeicheley, zur Mutter haͤtte. Da man in Teutschland, und zwar zu Mayntz von 1457. sqq. zu Augspurg von 1466. sqq ingleichen von Rom, 1467. Siehe Maittairs Annales l. c. p. 270. 277. 280. und also 13. Jahr vor Jenson, ge- druckte Buͤcher nahmhaft machen kan. Dahero abermals erhellet, daß man die Erfindung der Buch- druckerey nicht bey den Frantzosen zu suchen habe. Es massen sich auch die vernuͤnftigen Frantzosen heut zu Tage diese Ehre nicht an, weil sie selbsten wohl einsehen, daß sie ihnen nicht gehoͤret. §. 6. Bey so gestalten Sachen muß ich meinen Fuß weiter fortsetzen und mich bey den Jtaliaͤnern um die Erfindung der Buchdruckerey erkundigen. Jch befuͤrchte aber schon zum voraus, daß ich bey ihnen eben so wenig, als bey den Frantzosen, den Urheber dieser Kunst finden werde. Weil mir bekannt ist, daß die gelehrtesten Jtaliaͤner selbst unsern Teutschen diese Eh- re freywillig zugestehen. Als MARCVS ANTONIVS COCCIVS SA- BELLICVS Enned. X. Lib. 6. BAPTISTA FVL- GOSVS, sonst Fregoso, oder Campofregoso, de dictis factisque memorabilibus, Lib. VIII, c. 11. OCTA- VIVS FERRARIVS in Orat. de laudibus Germa- niæ, welche Christian Weiß besonders drucken lassen, Weissenfelß, 1677. 4. B. 2. b. Unterdessen haben sich doch einige gefunden, welche kein Bedencken getragen haben, den Jtaliaͤnern die Erfindung der Buch- druckerey zuzuschreiben. Es sind solche der nicht unbe- kannte von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. kannte Pomponius Laͤtus und Gilbert Cogna- tus . Citante IO. STOHRIO in Diss. iam dicta c. l. §. 7. Beyde stimmen darinnen mit einander uͤberein, daß Saturnus in Jtalien die Kunst, Buch- staben zu stechen, und die Muͤntzen damit zu bezeichnen, gelehret habe, woraus sie alsdenn schliesen wollen, daß die Jtaliaͤner die ersten Erfinder der Buchdruckerey waͤren. Sie beruffen sich dabey auf eine Stelle des alten Kirchenlehrers Cyprians . De idolis. Alleine, die lie- ben Leute haben Cyprians Stelle nicht recht angesehen. Denn es ist daselbst die Rede nicht von der Buchdru- ckerey, sondern von der Eingrabung der Buchsta- ben auf Stahl und Muͤntzen . Wenn dieses ge- druckt hiese; So getrauete ich mir die Erfindung der Buchdruckerey gar von Mose herzuleiten. Denn von diesem berichtet uns die heilige Schrift, daß er die Ge- bothe GOttes auf Stein geschrieben, oder gegraben habe. Wer siehet aber nicht, wie wenig dieses Stich halten wuͤrde? Jch werde dahero so lange zweifeln, daß die Jtaliaͤner Erfinder der Buchdruckerey gewe- sen, bis erwiesen seyn wird, daß Buchstaben in Stein, oder Stahl, graben, so viel, als drucken sey Meines wenigen Erachtens ist hierunter ein solcher grosser Un- terschied, daß man mir den Beweiß ewig schuldig blei- ben wird. Jedoch was halte ich mich hiebey lange auf, da bereits Conrad Peutinger In Antiquitatibus Germ. Quæ Refutatio etiam habetur apud SERARIVM in rebus Moguntiacis Lib. I, c. 37. diesen Einfall hinlaͤnglich widerlegt hat. Was ich also befuͤrchtet habe, das hat eingetroffen, daß ich nemlich bey den Jtaliaͤnern die Erfindung der Buchdruckerey vergeb- B 2 lich Kurtzer Entwurf lich gesuchet habe. Jch weiß zwar, daß sich auch in neuern Zeiten ein Patron Antonius del Cerno In Memoriis Histor. Feltriensis, vti nos certiores red- dit Diarium Eruditorum, Paris. 1712. T. II. p. 470. vor die Jtaliaͤner eingefunden und Philipp Castal- dum, einen Ritter von Feltrien, vor den Erfinder aus- gegebenhabe, welcher Joh. Fausten hernach die Kunst gelernet haͤtte; Es ist ihm aber eben so wenig Glauben beyzumessen, als seinen Vorgaͤngern. Weil er keine bessere Beweißgruͤnde anzufuͤhren weiß. § 7. Jch verlasse demnach die Frantzosen und Jtaliaͤ- ner und wende mich nach Holland. Harlem ist derjenige Ort, wo ich mich etwas aufhalten muß. Es verleiten mich dazu die Nachrichten einiger beruͤhmten und ge- lehrten Maͤnner. Wenn mich das Ansehen beruͤhmter Leute bewegen koͤnte, etwas blindlings zu glauben; So wuͤrde ich ohne Widerrede die Erfindung der Buch- druckerey dieser Stadt zugestehen muͤssen. Jch habe aber schon oben gestanden, daß ich nicht eher etwas vor wahr annehme, als bis ich durch buͤndige Beweißgruͤn- de uͤberfuͤhret werde. Und bey diesem Vorsatz werde ich bleiben, weil ich mich gantz sicher dabey zu befinden hoffe. Dahero ist es aber noͤthig, daß ich die Erzeh- lungen dieser gelehrten Maͤnner etwas genauer untersu- che. Drey wohlbekannte Maͤnner, nemlich Hadr. Ju- nius, In Batauiæ Historia C. XVII, p. 255. Lugd. Bat. 1558. 4. Peter Schriver Siehe dessen Laurekrans voor Laurence Coster van Harlem, van de Bœckdruckerey, 1628. und Marcus Zuerius Boxhorn In Diss. de Typographicæ artis Inuentione \& Inuento- ribus, Lugd. Bat. 1640. 4. haben sich ins besondere, als Vertheidi- ger vor Harlem, aufgeworffen. Wenn man es aber beym Lichte besieht; So haben die beyden letztern ab- son- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. sonderlich auf des erstern Erzehlung ihre Nachrichten gebauet. Faͤllt diese Stuͤtze, so fallen die beyden letz- tern von freyen Stuͤcken mit um. Jch will also aus Junii weitlaͤuftiger Erzehlung einen kurtzen Auszug aufrichtig mittheilen, hernach aber meine Gedancken daruͤber eroͤffnen, und solche einem jeden Wahrheit liebenden Leser zur Beurtheilung uͤberlassen. §. 8. „Vor hundert und acht und zwantzig Jahr, \&q; schreibt Junius, Man kan IVNII Worte auch bey Georg Paschen in dessen Inuentis Nou-antiquis, p. 793. sqq. lesen. hat Lorentz Johann Kuͤster, \&q;oder Coster, zu Harlem in einem ansehnlichen Hauß \&q;auf dem Marckt gewohnet, wie solches die bis diese \&q;Stunde daselbst befindliche Druckerey bezeuget. Er \&q;wurde deßwegen Kuͤster genannt, weil seine Familie \&q;dieses Amt gleichsam erblich besessen und verwaltet \&q;hatte. Dieser Mann verdienet billig einen Lorber- \&q;crantz wegen der erfundenen Buchdruckerey, ob sich \&q;gleich andere diese Ehre unbillig angemasset haben. \&q;Als er einsmals in dem bey der Stadt gelegenen Lust- \&q;wald spatzieren gieng; So schnitte er auf buͤchene \&q;Rinden einige Buchstaben, druckte solche hernach um- \&q;gekehrt auf Pappier, und verfertigte also seinen En- \&q;ckeln zum Besten einige Verse. Es gieng ihm die- \&q;ses gluͤcklich von statten, dahero dachte er der Sachen \&q;weiter nach. Vor allen Dingen sahe er sich genoͤthiget \&q;eine dickere und zaͤhere Dinte ausfuͤndig zu machen, \&q;weil ihm die ordentliche Schreibdinte zu fluͤßig war \&q;und viele Mackel verursachte. Er hat auch solche mit \&q;seinem Eydam Thomas Peter erfunden. Hierauf \&q;schnitte er gantze Columnen auf hoͤltzerne Tafeln, und \&q;druckte selbige auf Pappier ab, jedoch nur auf eine B 3 \&q;Sei- Kurtzer Entwurf \&q;Seite des Blats, die andere bliebe ledig, welche er \&q;alsdenn zusammen pappte. Jch habe, faͤhrt er fort, ein \&q;dergleichen von ihm gedrucktes Buch gesehen, welches \&q;von einem ungenannten Verfasser in Hollaͤndischer \&q;Sprach verfertiget war und folgenden Titul hatte: \&q; Speculum nostræ Salutis. Diese hoͤltzerne Figuren \&q;und Littern verwandelte er hernach in bleyerne und \&q; zinnerne, wie dieses seine Statue beweißt, so noch \&q;an dem Kuͤsterischen Hauß zu sehen. Diese neue \&q;Kunst fand viele Liebhaber, dahero auch seine Waa- \&q;re viele Kaͤufer. Derowegen muste er sich einige \&q;Leute annehmen, welche ihm an die Hand giengen. \&q;Unter diesen war auch einer mit Namen Johannes, \&q;und zwar, wie man muthmasset, Johann Faust . Es \&q;liegt mir aber nicht viel daran ob es dieser, oder ein \&q;anderer gewesen. Ein jeder, der mit an dieser Kunst \&q;arbeiten half, muste schwoͤren, daß er dieselbe nicht aus- \&q;plaudern wollte. Nachdem nun dieser Johann eben- \&q;falls den Eyd der Treue und Verschwiegenheit gelei- \&q;stet und alles, was zur Druckerey noͤthig war, geler- \&q;net hatte; So sahe er sich eine gelegene Zeit aus, \&q;packte alle Littern und die zur Druckerey gehoͤrigen \&q; Jnstrumente ein und gieng in der Christnacht, mit \&q;noch einem andern Dieb, auf und davon; Erstlich \&q;gieng er nach Amsterdam, von dar auf Coͤlln und end- \&q;lich nach Mayntz, allwo er die Fruͤchte von seinem \&q;Diebstahl sicher eingeerndet hat. Wie es denn eine \&q;ausgemachte Sache ist, daß daselbst in einem Jahr \&q;darauf, nemlich 1442. des Alexandri Galli Doctrina- \&q;le, oder Grammatica mit Petri Hispani Tractatibus \&q;mit eben dergleichen Littern, als sich Kuͤster vorhero \&q;bedienet, zum Vorschein gekommen ist. Und dieses ist \&q;es ohngefehr, was ich von einigen glaubwuͤrdigen \&q; Maͤn- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. \&q; Maͤnnern gehoͤret habe, welche diese Erzehlung im- \&q;mer einer auf den andern also fortgepflantzet haben. \&q;Ja, ich erinnere mich auch, wie mir mein Lehrmeister \&q; Nicolàus Galius, ein mit gutem Gedaͤchtniß begabter \&q;Mann, erzehlet hat, daß er in seiner Jugend diese Sa- \&q;che eben also von einem alten Buchbinder, mit Na- \&q;men Cornelius, gehoͤret habe, welcher es niemals \&q;ohne Thraͤnen erzehlen koͤnnen, weil er sich uͤber den \&q;begangenen Diebstahl so sehr geaͤrgert, und die \&q; Naͤchte allemal verfluchet habe, die er ehedessen etli- \&q;che Monat lang mit dem angegebenen Dieb in ei- \&q;nem Bette zugebracht hatte. Und diese Nachricht \&q;kommt mit derjenigen bey nahe uͤberein, welche mir \&q;der Buͤrgermeister Qvirinus Talesius erzehlet, \&q;welcher solche ebenfalls von diesem alten Buchbinder \&q;gehoͤret hat.‟ Und dieses waͤre ein aufrichtiger Aus- zug aus Junii Erzehlung. §. 9. Es klingt dieses Zeugniß dem ersten Ansehen nach ungemein gut vor Harlem und gantz fein vor Lo- rentz Kuͤster, als den angegebenen Erfinder der Buchdruckerey, wenn es nur auch mit der Wahrheit uͤberein kaͤme, und durch anderer glaubwuͤrdigen Ge- schichtschreiber Beyfall unterstuͤtzt werden koͤnnte. Wenn ich aber alles dabey anmercken wollte, welches man darwider mit Grund einwenden koͤnnte; So wuͤrde ich viel zu weitlaͤuftig seyn muͤssen. Jch will aber doch die vornehmsten Stuͤcke kuͤrtzlich beruͤhren, welche mich abhalten, diesem Zeugniß Beyfall zu ge- ben. Es kommt mir sehr verdaͤchtig vor, daß 1) Ha- drian Junius, als ein Hollaͤnder, vor Holland, und zwar vor Harlem, wo er sein Brod eine Zeitlang ge- habt, erst 128. Jahr hernach, als sich die Sache zuge- tragen haben soll, ein solches Zeugniß ableget, wovon B 4 aͤltere Kurtzer Entwurf aͤltere glaubwuͤrdige Geschichtschreiber entweder gar nichts wissen, oder das Gegentheil behaupten . Warum haͤtten selbige dieses verschwiegen, oder uns anders berichtet, wenn sich die Sache also befunden haͤtte? Man wird viele gegenseitige unverwerfliche Zeugnisse weiter unten antreffen, wenn ich von Mayntz reden werde, allwo sie, als an ihrem Ort vorkommen muͤssen. Mein Verdacht waͤchßt um ein merckliches, wenn ich bedencke, daß 2) Junius seine Erzehlung auf das blose Hoͤrensagen einiger alten gemeinen Maͤnner gebauet. Warum hat sich Junius nicht auch auf das Hoͤrensagen einiger alten Weiber beruf- fen? Wenn man den fliegenden Erzehlungen der ge- meinen Leute Beyfall geben wollte, welche sie oͤfters von dem Ruhm ihrer Vorfahren uns vorzusagen pfle- gen; So wuͤrde man bald ein groses Helden-oder Hei- ligen-Lexicon verfertigen koͤnnen, worinnen lauter Fa- beln vor Wahrheiten stehen wuͤrden. Jch kan 3) nicht zusammen reimen, woher es doch komme, daß diese Leute unter sich selbst nicht mit einander uͤbereinstim- men bey was vor einer Gelegenheit diese Kunst erfunden worden. Junius spricht: Kuͤster waͤre beym Spa- tzierengehen darauf verfallen; Johann Walch In Decade Fahularum humani generis fortem adum- brantium, Straßburg, 1609. 4. p. 180. be- richtet uns, daß ihm Heinrich Schorus, ein Nieder- laͤnder und Probst zu Surburg, erzehlet habe, es haͤt- ten die Patricii zu Harlem einsmals einen Kupferstich uͤber Tisch betrachtet, und dabey die Anmerckung ge- macht, ob es nicht angehen sollte, daß man auf gleiche Weise gantze Woͤrter und Seiten stechen und abdru- cken koͤnnte? Ein Diener von ihnen haͤtte dieses mit an- gehoͤ- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. gehoͤret, und solches ins Werck zu richten angefangen, ob nun Kuͤster, oder ein anderer, dieser Diener gewe- sen, getrauet er sich nicht zu sagen. Wem soll man nun Glauben Junio oder Walchen ? Beyde haben sich solches erzehlen lassen. Wenn ich 4) die Leichtglau- bigkeit Hadrians Junii uͤberlege, da er sich viele Din- ge aufheften lassen, welche wider alle Wahrscheinlich- keit streiten; So kan ich ihm ohnmoͤglich beyfallen. Wie wanckend redet er nicht von demjenigen, welcher Kuͤstern seine Kunst abgestohlen haben soll? Er weiß nicht, ob es Johann Faust, oder ein anderer Hannß, gewesen ist. Jst es wohl wahrscheinlich, daß sein lie- ber Herr Buchbinder nicht gewußt haben sollte, daß dieser Dieb Johann Faust, oder ein anderer, gewesen sey, indem er bey ihm etliche Monate lang geschlafen haben wollte? Hierbey gerathe ich 5) aufs neue in Zweifel. Junius will behaupten, Kuͤster habe die bleyerne und zinnerne Littern erfunden, und hierauf schreibt er, dieser unbekannte Hannß, und noch ein an- derer Dieb haͤtten Kuͤstern alle Littern und zur Dru- ckerey gehoͤrige Werckzeuge davon getragen. Waͤre es wahr, daß Kuͤsters Druckerey aus bleyernen Lit- tern bestanden, so kan ich ohnmoͤglich begreifen, wenn es mir auch zehen alte Buchbinder, und vier und zwan- tzig andere alte Maͤnner erzehlten, und noch 50. alte Weiber uͤberreden wollten, wie zwey Personen alle Littern einer Druckerey nebst dem dazu gehoͤrigen Werckzeugen bey sich ungehindert davon tragen koͤnn- ten. Es muͤste denn erwiesen seyn, daß diese zwey Menschen Enackskinder gewesen waͤren, welche etliche Centner, als etwas leichtes, und eine Buchdrucker Presse, als etwas kleines, in Schubsack gestecket haͤt- ten. Jch ziehe also beydes in Zweifel, daß Kuͤster B 5 bleyerne Kurtzer Entwurf bleyerne Littern erfunden, und daß ihm der unbekannte Hannß solche entwendet habe. Es fehlt uͤberhaupt der Beweiß von den bleyernen Littern. Es ist noch nicht genug bewiesen, Kuͤsters Bild hat einen derglei- chen in Metall geschnittenen Buchstaben in der Hand, welchen man ihm viele Jahre nach seinem Tod also hin- ein gestecket, derowegen hat er sie auch erfunden. Wa- rum weiß Junius kein Buch Das Wort Buch erinnert mich noch eine offenbahre Unwahrheit anzumercken, welche sich in Junii Erzeh- lung befindet. Er sagt uns nemlich, daß 1440. zu Mayntz ALEXANDRI GALLI Doctrinale, oder Grammatica mit eben dergleichen Littern, wie Kuͤster gehabt haͤtte, gedruckt worden waͤre. Hievon weiß auser IVNIO kein Mensch etwas. Er muste es aber also erzehlen, damit er doch einen Schein haben moͤgte, Johann Faust haͤtte mit Kuͤsters Littern, welche er ihm gestohlen, zu Mayntz gedrucket. nahmhaft zu machen, welches von Kuͤster mit dergleichen Littern gedruckt worden? Jedoch er will ein Buch gesehen haben, wel- ches Kuͤster, wie er es nennet, gedruckt haben soll Jch weiß wohl, daß man dieses Speculum salutis vor Kuͤ- sters Arbeit ausgiebt; Alleine man streitet noch da- rum, ja es ist nur eine blose und noch nie erwiesens Muthmassung. Andere Leute haben dieses Speculum auch gesehen, welches zu Harlem aufbehalten wird, und dabey gehoͤret, Kuͤster haͤtte es verfertiget: Alleine sie haben weder Kuͤsters Namen, noch sonsten etwas darauf gefunden, woraus man beweisen koͤnnte, daß es Kuͤster verfertiget habe. Zacharias Conrad von Vffenbach Der beruͤhmte Johann Georg Schelhorn hat uns in seinen Amœnitatibus Litt. T. IX, p. 969. Vffenbachs Brief hat es ehemals zu verschiedenen Zeiten genau von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. genau besehen, und keinen Buchdrucker, oder Holtz- schneider, darauf bemerckt, wohl aber darzu geschrieben gefunden, und zwar von einer weit juͤngern Hand, wel- che er vor Peter Schrivers Schreibart gehalten, daß es Lorentz Kuͤster in Holtz geschnitten haͤtte. Ge- setzt aber, es waͤre richtig erwiesen, welches ich doch kei- nesweges behaupten will, Lorentz Kuͤster haͤtte die- ses Speculum in Holtz geschnitten, wuͤrde denn daraus folgen, daß er der erste Erfinder der Buchdruckerey ge- wesen waͤre? Jn Holtz schneiden heißt noch lange nicht dru- Brief mitgetheilet, worinnen er ihm berichtet, er haͤtte zu Harlem dieses Speculum verschiedene mal gesehen. Man haͤtte daselbst mehr, als ein Exemplar, davon. Eines in Hollaͤndischer, und etliche in Lateinischer Spra- che. Bey dem Hollaͤndischen waͤre folgendes darzu ge- schrieben, weil es keinen besondern Titel haͤtte: Liber Tabularum ligno incifarum a LAVRENTIO COSTERO Circa annum salutis MCCCCXXVIII. Ein lateinisches haͤtte zwar diesen Titel: Lib. cuius no- men \& titulus est speculi humane saluationis; Es waͤre aber ebenfalls dazu geschrieben: LIBER Cuius nomen \& titulus SPECVLVM HVMANÆ SALVTIS HARLEMI Ex officina Laurentii Ioannis Costeri Anno 1440. Hieraus sieht man also deutlich, daß Kuͤsters Namen gar nicht in Holtz mit eingeschnitten, sondern nur dar- zu geschrieben ist. Sollte wohl Kuͤster seinen Namen weggelassen haben, wenn er es verfertiget haͤtte? Kurtzer Entwurf drucken. Der Unterschied ist gar zu mercklich. Man muͤste blind seyn, wenn man dieses nicht einsehen woll- te. So viel wuͤrde man also behaupten koͤnnen, wenn es wahr ist, daß Kuͤster zu allererst ein Buch in Holtz geschnitten hat; So muß man ihm nachruͤhmen, daß er dadurch vielleicht Gelegenheit gegeben habe die edle Buchdruckerkunst, wie sie heut zu Tage ist, zu erfinden. Mehr kan man ihm nicht einraͤumen. Und dieses moͤgte wider Hadrian Junii Zeugniß ge- nug gesagt seyn. Peter Schriver und Marcus Zuerius Boxhorn beweisen es nicht besser, ja sie gruͤn- den sich meistens auf Junium. Auser diesem aber vermeynt Boxhorn In Historia vniuersali p. 950. \& seq. noch einen unverwerflichen Grund aus Mariangeli Accursii Worten, welche er auf das erste Blat seines auf Pergament gedruckten Donats geschrieben hat, zu finden. Jch will solche meinen Lesern mittheilen, damit sie doch urtheilen koͤn- nen, wie viel auf dieses Zeugnis vor Kuͤstern, als den angegebenen Erfinder der Buchdruckerey, zu halten sey. Es sind aber folgende: Mariangelus Accursius hat sie lateinisch abgefaßt: Ioannes Faust, ciuis moguntinus, auus maternus Ioan- nis Schœffer, primus excogitauit imprimendi artem ty- pis æreis: quos deinde plumbeos inuenit, multaque ad poliendam artem addidit eius filius, Petrus Schœffer. Impressus est autem hic Donatus \& Confessionalia primo omnium anno ⅽⅼↄⅽⅽ ⅽⅽ l . Admonitus certe fuit ex Donato Hollandiæ, prius impresso in tabula incisa. Georg Pasch fuͤhrt solche aus ANGELI ROCHÆ Bibliotheca Vaticana an, welcher sie selbsten in Augen- schein genommen hat. Siehe dessen Inuenta Nou-an- tiqua, C. VII, p. 787. „ Johann Faust, ein \&q;Buͤrger von Mayntz und Großvater Johannis \&q;S choi- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. \&q; Schoifers, muͤtterliche Seite, hat die Kunst mit \&q;Buchstaben von Metall zu drucken zuerst erfunden, \&q;welche metallene Buchstaben hernach sein Sohn Pe- \&q;ter Schoifer in bleyerne verwandelt und vieles \&q;zur Verbesserung dieser Kunst beygetragen hat. \&q;Dieser Donat und Confeßionalia sind zu allererst im \&q;Jahr 1450. gedruckt worden, nachdem Fausten der \&q;in Holtz geschnittene Donat darzu Gelegenheit gege- \&q;ben hat.‟ Hierinnen finde ich keinen Buchdrucker der Lorentz Kuͤster heißt, vielweniger, daß er die Buchdruckerkunst erfunden hat. Holtzschnitte ma- chen ist nicht drucken. Es wird aber auch dieses nicht einmal von Kuͤstern behauptet. Denn es stehet ja nur da: Der in Holland auf Holtz geschnittene Donat habe Fausten zur Erfindung Gelegenheit gegeben, und nicht Kuͤsters in Holtz geschnitte- ner Donat. Boxhorn beruft sich auf eine Stelle ei- ner Coͤllnischen Chronick, ich muß aber bekennen, daß ich wiederum nichts darinnen finden kan, welches auch nur mit einem Schein vor Kuͤstern, als den ersten Er- finder der Buchdruckerkunst koͤnnte angesehen wer- den. Denn nachdem daselbst erzehlet worden, daß zu Mayntz die Buchdruckerey 1440. erfunden worden waͤre; So heißt es darauf Diese Worte sind eigentlich in Niderteutscher Spra- che abgefaßt. Jch bedauere, daß ich selbige aus dem Original nicht anfuͤhren kan. Die Uberschrift von diesem Buch heißt: Die Cronica van der hilliger stadt von Coelln. Am Ende dieses Wercks sollen folgende Worte stehen: ind hait gedruckt mit groissem ernst en Fliß Johann Koelhoff burger in Coelln, und vollendet up Sent Bartholomaeus avend des hilligen Apostels anno : „Ob nun gleich die Buch- Kurtzer Entwurf \&q;Buchdruckerey, wie man sie heut zu Tag hat, zu \&q;Mayntz erfunden worden ist; So sind doch die in \&q;Holland gedruckten Donate, als eine Vorbildung \&q;von dieser Kunst, anzusehen, welche zur Erfindung \&q;der Buchdruckerey gleichsam den Grund geleget ha- \&q;ben.‟ Hieraus folgt ja abermals weiter nichts, als daß diese Holtzschnitte zur Erfindung der Buchdru- ckerkunst die Bahn gleichsam gebrochen haben. Wo bleibt demnach Kuͤster, als der Erfinder der Buchdru- ckerey? Er wird unsichtbar. Jch wollte ihm die Ehre gerne eingestehen, wenn es nur bewiesen werden koͤnnte. Denn damit bin ich noch nicht zufrieden, daß ihm seine Landsleute ohne Grund davor ausgegeben haben. Und wenn auch die Harlemer noch zehen Bild- nisse Jnsgemein giebt man vor, man haͤtte Kuͤstern zu Eh- ren eine Statue zu Harlem an seinem Hause gesetzt, und uͤber die Thuͤre geschrieben: MEMO. von ihm mit den schoͤnsten Jnschriften auf- richten anno vurß 1489. God have lov tzo allertzyt und ewi- clich. Der gelehrte Herr von Vffenbach hat selbiges ehedessen selbsten zu Harlem gesehen, und pag. 311. sqq. diese angefuͤhrten Worte daselbst gefunden. Siehe Schelhorns Amœnitat. Lit. T. IX. p. 982. lateinisch uͤbersetzt findet man selbige bey Boxhorn p 950. sqq. bey Wilh. Ernst Tentzeln in seinen Monatlichen Unter- redungen aufs Jahr 1692. p. 687. und bey Georg Pa- schen in seinen Inuentis Nou. antiquis C. VII. p. 786. allwo sie also lauten: „ Quamuis autem, vt præmittitur, \&q;Moguntiæ ars hæc inuenta fuerit eo modo, qui nunc \&q;temporis communiter vsurpatur, prima tamen eius \&q;prœfiguratio, seu simulacrum, ex Donatis Hollandiæ \&q;reperta \& desumta fuit, qui ibi ante id tempus excusi \&q;fuere; eque illis principium prædictæ artis deprom- \&q;tum est. von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. richten liesen; So werde ich mir doch die Freyheit ausbitten, so lange zu zweifeln, bis es erst besser er- wiesen seyn wird. Darauf kommt es nicht an, daß Lorentz Kuͤstern ein Buchdrucker aus Harlem, Ha- drian Roman, in Kupfer Es stehet dieses Kupfer vor Daniel Dycke Ses Evan- gelische Historien, welche Hadrian Roman zu Straß- burg An. 1630. gedruckt hat. Willhelm Ernst Tenzel hat es zu dem Monat August seiner Monatlichen Unterre- dungen 1693, wieder nachstechen lassen. stechen laͤßt, und ihm aus blinden Vorurtheil zum Erfinder der Buchdru- ckerey macht, wenn er ihm die prahlerische Jnschrift in die lincke Hand giebt. M. S. Viro consulari LAVRENTIO COSTERO HARLEMENSI Alteri Cadmo \& artis Typographicæ circa Annum Domini M CCCC XXX. Inuentori primo Bene de litteris ac toto orbe merenti Hanc Q. L. C. Q. sta- tuam quia aeream non habuit MEMORIÆ. SACRVM. TYPOGRAPHIA. ARS. ARTIVM. CONSERVATRIX. HIC. PRIMVM. INVENTA. CIRCA. AN. ⅽⅼↄⅽⅽⅽⅽ xl . Wie dieses MISSON in Itin. Tom. I, Epist. II, p. 24. und Benthem in seinem Hollaͤndischen Kirchen- und Schul-Staat im II. Theil p. 567. berichten; Alleine der Herr von Vffenbach hat solche daselbst gesuchet, aber weiter nichts, als Kuͤsters Bildniß auf Holtz gemahlt an dem sogenannten Kuͤsterischen Hauß gefunden. Siehe Schelhorns Amœnit. T. IX. p. 983. Kurtzer Entwurf habuit pro monumen- to posuit ciuis gratiss. ADRIANVS ROMANVS Typographus A. M D C XXX. Damit es doch dem Ansehen nach noch einen Schein bekommen moͤgte; So hat dieser Buchdrucker seinem Cadmo auch einen von Metall gegossenen Buchstaben A. in die lincke Hand geben lassen, zum unuͤberwindli- chen Beweiß, daß er Erfinder davon waͤre. Wenn ich noch alles verdauen koͤnnte, so wuͤrde mir dieses zu schwer fallen Man uͤberlege einmal im Jahr 1430. soll Kuͤster schon etwas von gegossenen Buchstaben ge- wußt haben? Jedoch ich will mich an Kuͤstern nicht weiter vergreifen, weil mich sonsten die unter sein Bild- niß gesetzten Verse: Vana quid archetypos \& præla MOGVNTIA iactas? HARLEMI archetypos prælaque nata scias. Extulit hic Monstrante Deo LAVRENTIVS artem, Dissimulare virum hunc, dissimulare Deum est. Gar unter die Rolle der Atheisten bringen duͤrften. Es ist drohend genug, aber auch verwegen genug, geschrie- ben. Jch freue mich aber, daß dergleichen Droh- worte heut zu Tage, zumal, wenn sie aus blindem Ei- fer entstanden, nicht mehr geachtet werden. Jch will sie von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. sie nicht nach der Schaͤrfe beurtheilen, weil ich ohne- hin befuͤrchte, es moͤgten einige von meinen Lesern den Verfertiger dieser Verse wohl gar unter die Ab- goͤtter rechnen, in dem er ja seinen Kuͤster und GOtt in eine Reihe setzet. So weit koͤnnen die Vorurtheile die Menschen verblenden, daß sie Menschen GOtt gleich achten! Doch genug hievon. Denn diese sich so fest eingebildete Wahrheit ist auf den sandigten Grund gebauet, welchen ich schon vorhero uͤbern Hauffen ge- worffen habe. §. 10. So ist demnach auch in Harlem die Buchdru- ckerkunst nicht erfunden worden: Deßwegen sehe ich mich genothiget nach Teutschland mich zu wenden. So viel ist unstreitig wahr, daß in Teutschland diese Kunst empfangen und gebohren worden: Nur darinnen sind die Geschichtschreiber nicht voͤllig einig, ob es in Straß- burg, oder in Mayntz, geschehen sey. Vor Straß- burg Es erzehlen selbige Georg Pasch in seinen Inuentis Nou- antiquis I. c. p. 790. D. Val. Ernst Loͤscher in Stromateo Sect. VII, p. 139. Lips. 1727. 4. edito. STOHRIVS in Diss. sæpius cit. c. II. der sich auch selbsten, als ein neuer Patron, vor Straßburg aufgeworffen, und diese Fabel vor wahr angenommen hat, weil es DOMINVS BOECLERVS gesagt hat. haben sich ebenfalls viele gelehrte Maͤnner aufgeworffen, welche sich alle Muͤhe gegeben haben, vor diese Stadt den Ruhm zu erjagen. Die Vor- nehmsten darunter sind: Johann Heinrich Boͤck- ler, Vide Oration. \& Program. illius Academ. Orat. XI, p. 217. Argent. 1705. 4. Johann Adam Schragius, Jn seinem Bericht von Erfindung der Buchdruckerey zu Straßburg, ibid. 1640. 4. C und Johann Schmidt, Kurtzer Entwurf Schmidt, S. desselben drey christliche Danckpredigten wegen der 1440. zu Straßburg erfundenen Buchdruckerkunst, Straßburg, 1641. 4. nebst einigen andern mehr. Joh. Maͤn- telin, oder Mentel, ein Buͤrger aus Straßburg, soll nach dieser Maͤnner Aussage der ruhmwuͤrdige Vater der Buchdruckerkunst gewesen seyn. Ehe ich ihre Be- weißgruͤnde genauer pruͤfe, muß ich noch erst ein aͤl- teres Zeugniß anfuͤhren, worauf man sich auch zu be- ruffen pflegt. Jacob Wimpheling, welcher 1449. gebohren war, soll auch geglaubt haben, daß Johann Maͤntelin der Erfinder der Buchdruckerey gewesen waͤre. Es schreibt aber selbiger also: In Epitome Rerum Germ. c. 65. in SCHARDII Script. Rerum Germ. T. I, p. 396. Anno Christi 1440. Fride- rico III, Romanorum Imperatore regente magnum quod- dam ac pæne diuinum beneficium collatum est vniuerso terrarum orbi a IO. GVTTENBERG, Argentinensi, nouo scribendi genere reperto. Is enim primum artem impressoriam, quam latiniores excusoriam vocant, in vr- be Argentinensi inuenit. Inde Moguntiam veniens can- dem feliciter compleuit. Interea IO. MENTEL id opificii genus inceptans, multa volumina castigate \& po- lite Argentinæ imprimendo factus est breui opulentissimus. „Jm Jahr \&q;Christi 1440. hat J. Guttenberg, ein Straßburger, \&q;unter der Regierung Kayser Friedrichs III, der gan- \&q;tzen Welt eine grosse, ja bey nahe goͤttliche Wohlthat \&q;durch seine neuerfundene Schreibart erwiesen. \&q;Denn dieser hat zu erst in Straßburg die Buch- \&q;druckerkunst erdacht, welche er hernach zu Mayntz \&q;gluͤcklich zur Vollkommenheit gebracht hat. Unter- \&q;dessen hat sich Johann Maͤntel in kurtzer Zeit \&q;grossen Reichthum erworben, nachdem er zu Straß- \&q;burg diese Kunst angefangen und viele Wercke sehr \&q;sauber von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst \&q;sauber abgedruckt hat.‟ Nach meiner wenigen Einsicht wird dieses Zeugniß den Straßburgern we- nig helfen. Denn es wird ja deutlich darinnen be- hauptet, daß Guttenberg zu Mayntz die Buchdru- ckerkunst erst voͤllig zu Stande gebracht habe, ob er gleich zu Straßburg auf den Einfall gerathen seyn mag. Mentel wird gar nicht vor den Erfinder an- gegeben, sondern es heißt nur, er habe sich viel Geld verdienet, nachdem er in Straßburg angefangen Buͤ- cher zu drucken. Es stehet also nicht da, wenn er an- gefangen, vielweniger daß er die Buchdruckerkunst er- funden habe. Und gleichwohl wollen uus dieses die Straßburger uͤberreden. Sie beruffen sich auser dem auf ihre Chronicken, welche sie in ihrer Cantzley in Manuscript haben. Sie haben derselben zwey; Von der ersten wissen sie keinen Verfasser anzuge- ben, es sollen aber folgende Worte darinnen stehen: Es fuͤhrt uns diese Willhelm Ernst Tentzel in seinem Discours von Erfindung der loͤblichen Buchdruckerkunst an, p. 56. sqq. „Anno 1440. als zum drittenmal von der Kuͤffer- \&q;Zunft zum Ammeister erwehlet worden, Herr Claus \&q;Schanlitt, und Stattmeister gewesen sind, Walter \&q;Spiegel, Burckhard von Muͤllenheim, Cuno zum \&q;Treubel, Hanß Balthasar von Endingen, ist die \&q;herrliche und sehr nuͤtzliche Kunst der Buchdrucke- \&q;rey erstlich offenbahr, und zwar allhie zu Straßburg \&q;an Tag gebracht, und erfunden worden, durch \&q; IOANN MENTELIN, welcher am Fronhof \&q;zum Thier-Garten wohnete, der hatte einen Die- \&q;ner, mit Namen Hannß Genßfleisch, von Mentz \&q;buͤrtig, diesem vertrauete er seine neue Jnvention, C 2 \&q;weil Kurtzer Entwurf \&q;weil er ihn sehr anschlaͤgig, und scharfsinnig befand, \&q;verhoffend durch ihn noch weiters zu kommen: Er \&q;wurde aber von ihm schaͤndlich betrogen, dann dieser \&q;jetztgemeldte Genßfleisch mit Johann Guttenberg \&q;Kundschafft machte, so ein ansehnlicher reicher Mann \&q;war, und auch etwas Wissenschaft um des Mente- \&q;lins Kunst hatte, dem offenbahrte er alle Heimlichkeit, \&q;und weil sie in Hoffnung stunden, mit dieser Kunst \&q;groß Geld und Guth zu erwerben, und aber allhie in \&q;Straßburg vor dem Mentelin die Sach nicht wohl \&q;wuͤrden koͤnnen ins Werck richten, schlugen sie an, \&q;sich von dannen gen Mentz zu begeben, als dann \&q;auch geschehen. = = = Aber GOtt der keine Untreu \&q;ungestraft laͤßt hingehen, strief endlich den Genß- \&q;fleisch also, daß er seines Gesichts beraubet und blind \&q;wurde.‟ Und so viel aus der ersten, ich will doch auch gleich das Zeugniß aus der andern hieher setzen, und alsdenn von beyden zugleich meine Gedancken er- oͤffnen. Daniel Specklin, ein Baumeister aus Straßburg, hat folgenden Bericht hinterlassen: S. Johann Schmidts Predigten p. 5. und Tentzels Di- scours p. 58. „Anno 1440. Damahlen ward die herrliche Kunst, \&q;die Buchdruckerey zu Straßburg erfunden, durch \&q;Johann Mentele am Fronhof zum Thier-Garten, \&q;sein Schwager Peter Scheffer und Martin Flach \&q;\&q;verlegten solches, aber sein Diener Johann Genß- \&q;fleisch, als er ihme die Kunst hatte genugsam abge- \&q;stohlen, flohe er in sein Heimath gen Mayntz, da \&q;hat er solches durch den Guttenberger, welcher reich \&q;war, alles besser in Ordnung bracht, uͤber dessen \&q;Untreu bekuͤmmert sich der Mentele so hart, daß er starb von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. \&q;starb vor Leyd, ward zu Ehren der Kunst ins Muͤn- \&q;ster begraben, und eine Druckerpreß auf seinen \&q;Grabstein gehauen, hernach strieffe GOtt seinen \&q;Diener den Genßfleisch auch, daß er bis an sein End \&q;ist blind worden, ich habe die erste Preß, auch die \&q;Buchstaben gesehen, waren von Holtz geschnitten, \&q;auch gantze Woͤrter Syllaben, hatten Loͤchle, und faßt \&q;man sie an ein Schnur nach einander mit einer Nadel, \&q;zoge sie darnach den Zeilen in die Laͤnge, es ist schad, \&q;daß man solches Werck, welches das allererste in der \&q;Welt gewesen ist, hat lassen verlohren werden.‟ Und hiemit endiget sich auch dieses Zeugnis. Lieset man nun Joh. Schmidts, Jn seinen bereits angefuͤhrten Predigten p. 5. die Worte heisen daselbst also: „Waun man aber die alte gantz ohn- \&q;partheyische Monumenta, Annales und Schriften, so \&q;bey hiesiger Stadt wollbestellter Cantzley befindlich, (die \&q;lang zuvor ehe Jemand von dieser Frage disputirt, durch \&q;redliche Leute zusammen getragen worden, und welche \&q;daher vielleicht kein Privat-Scribent vermessentlich wi- \&q;dersprechen, oder sie einiges falsches und Unwahrheit be- \&q;zuͤchtigen wird, untersteht sichs Jemand, so ist er ver- \&q;bunden nicht aus ungegruͤnderen Narrationibus, oder \&q;zweifelhaften Muthmassungen, sondern mit andern un- \&q;widertreiblichen Fundamenten seine Meynung zu be- \&q;haupten) mit Fleiß durchsiehet, und in allen Umstaͤnden \&q;aufrichtig, allein um der Wahrheit willen, erwieget, so \&q;kommt so viel heraus - - daß in dieser Stadt Straßburg \&q;und von einem Straßburgischen Buͤrger die edle Dru- \&q;ckerkunst erstmals durch goͤttliche Erleuchtung erfunden \&q;worden.‟ Worauf alsdenn die Worte aus dem Mann script selbsten folgen. Es ist doch gut, daß Herr Schmidt gesetzet: Vielleicht wird dieser Wahrheit Niemand wi- dersprechen. Vielleicht wird ihr aber auch Jemand wi- C 3 derspre- eines ehemals in Straßburg oͤffent- Kurtzer Entwurf oͤffentlichen Lehrers, Urtheil hieruͤber, so hat die Sache seine Richtigkeit; Straßburg ist der Geburtsort und Maͤntelin der Vater von der Buchdruckerkunst. Darf ich aber ein freyes Bekaͤnntnis davon ablegen; So muß ich gestehen, daß mir diese Erzehlungen, gar nicht im geringsten wahrscheinlich, vielweniger wahr vorkommen. Folgende Zweifelsknoten will ich mei- nen Lesern mittheilen. §. 11. Es scheinet allerdings eine Verwegenheit zu seyn, diesen Chronicken den Glauben abzusprechen, weil die Herren Straßburger solche als oͤffentliche Zeugnisse der Wahrheit in ihrem Archiv aufbehalten: Und in der That, wenn diese Schriften, als oͤffentli- che Zeugnisse koͤnnten angesehen werden: So wuͤrde ich Bedencken tragen ein Wort darwider einzuwenden. Jch gebe gerne zu, daß man selbige heut zu Tag in dem Archiy aufbehalte, daß aber selbige auf oͤffentli- chem Befehl, und vornemlich zu der Zeit, da sich die Sache zugetragen, oder kurtz hernach, von solchen Leuten waͤren aufgesetzet worden, welche die Wahr- heit haͤtten schreiben koͤnnen und wollen, scheinet mir noch nicht erwiesen zu seyn. Die oͤffentliche Ver- wahrung macht die Sache noch nicht aus. Das waͤ- re eben so buͤndig geschlossen, als ich neulich eine ehrliche Matrone ihrer Nachbarin beweisen hoͤrte, daß es wuͤrcklich ein Reich der Todten gaͤbe, worinnen die be- kannten Gespraͤche gehalten wuͤrden. Denn, da es ihre Nachbarin nicht glauben wollte, so fuhr sie in vol- lem dersprechen, und zwar nicht aus ungegruͤndeten Narra- tionibus und zweifelhaften Muthmassungen, sondern aus unwidertreiblichen Fundamenten. Jedoch hievon hernach. von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. len Eifer heraus, es muß wohl wahr seyn, denn son- sten wuͤrden die Gespraͤche nicht oͤffentlich gedruckt davon zu haben seyn. Die Nachbarin, welche mir etwas kluͤger schiene, erwiederte, man druckt auch er- dichtete Dinge, ja wohl gar offenbahre Unwahrhei- ten. Sollte man nicht auch erdichtete Erzehlungen, zumal von dem Ruhm seiner Vorfahren, in oͤffent- lichen Stellen aufbehalten? Jch finde mehr Ursachen solches von den Straßburgischen Chronicken zu beja- hen, als zu verneinen. Woher will man mir erwei- sen, daß diese Chronicken auf oͤffentlichem Befehl ge- schrieben worden waͤren? Man weiß ja nicht einmal wer die erste verfertiget, von der andern weiß man zwar den Verfasser, alleine die Zeit, wenn dieser Herr Baumeister Specklin gelebet, und seine Chronick verfertiget, ist wiederum unbekannt. Aus Specklins eigenen Worten sollte man freylich die Zeiten bey na- he errathen koͤnnen, wenn er gelebet; Denn er will ja Mentelins erste Presse und die Art zu drucken gese- hen haben, dahero er nicht lange nach Mentelins Tod, oder vielleicht gar bey seinem Leben, gelebt zu haben scheinet. Alleine, diesen Schein verdunckelt seine Schreibart wiederum gaͤntzlich. Es erreichet solche keineswegs diejenigen Zeiten, um welche Mentelin gelebet haben soll, nemlich 1440. Dazumal war die teutsche Sprache noch viel rauher, als Specklins seine. Diese ist weit juͤnger. Je juͤnger sie aber ist, desto weniger beweißt sie etwas. Komme ich erst auf die Erzehlung selbsten, so gerathe ich voͤllig auf die Gedancken, daß beyde Chronicken mit erdichteten, oder gaͤntzlich verwirrten, Nachrichten angefuͤllet sind. Mentelin soll der erste Erfinder gewesen seyn, und war 1440. Dieses ist offenbar falsch. Jacob C 4 Wim- Kurtzer Entwurf Wimpheling Siehe die kurtz vorher angefuͤhrten Worte §. 10. Not. (x) p. 34. Und die folgenden unverwerflichen Zeugnisse von Johann Guttenbergen §. 12. p. 43. sqq. und viele andere Geschichtschrei- ber berichten ja das Gegentheil. Man weiß ja kein eintziges Buch vor 1471. anzufuͤhren, daß zu Straß- burg gedruckt worden waͤre, und welches von dieser Zeit bekannt ist, hat nicht Mentelin, sondern Heinrich Eggestein Es ist solches Gratiani Decretum vna cum apparatu Bar- thel. Brixienfis per vener. virum Henricum Eggestein, Art Liberal. Magistrum ciuem inclitum Argentinæ, 1471. fol. S. Mich. Maittairs Annales Typograph. T. I, p. 305. D. Valent. Ernst Loͤschers Stromateum Sect. VII. p. 149. gedruckt. Von Mentelin aber hat Mairtaire ein eintziges gefunden, so 1473. ans Licht getreten. Nemlich Vincentii Beluacensis Speculum, per Io. Mentel, sine loco impressionis, 1473. fol. X. Voll. Maittaire l. c. p. 324. Jn Mayntz, Venedig, Rom, und vie- len andern Oertern mehr hat man ja schon von 1457. und folgenden Jahren eine grose Anzahl Buͤcher ge- druckt. Wie reimt es sich dahero zusammen, daß Mentelins Buch von 1473. das erste in der gantzen Welt kan gewesen seyn? Da man schon von 1454. bis 1473. uͤber 50. und mehr Buͤcher gedruckt hatte? Welche Zeugnisse werden nun mehr gelten, die in oͤffentli- chen Bibliothecken sich noch befindliche Buͤcher, oder die in Straßburg an einem oͤffentlichen Ort aufbehaltene Nachrichten? Es klingt ferner doch gar zu hertzbrechend, und unwahrscheinlich, daß sich Mentelin, wie Specklin meldet, uͤber Genßfleischs Untreu vor Kummer das Leben abgefressen. Dieser Kummer muß ziemlich lange gedauert von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. gedauert haben. Jm Jahr 1440. hat Mentelin die Buchdruckerey erfunden, wie Specklin vorgiebt, bald darauf hat ihm diese Kunst Genßfleisch abgestohlen und also zum Kummer Gelegenheit gegeben, und 1478. ist Mentelin gestorben. Wie solches Jacob Men- telin hinlaͤnglich darthut. Jn seiner Parænesi de vera typographiæ inuentione, 1650. 4. Allwo er aus dem libro pulsuum mortuorum, so bey dem Muͤnster zu Straßburg gehalten worden, fol- gende Nachricht ertheilet: Obiit Dominus Io. Mentelius Impressor, Sabbato post conceptionem Virginis Mariæ A. MCCCCLXXIIX. Et factus est ei pulsus cum campana magna dominiea sequenti. Also hat der Kummer 20-30. Jahr an des armen Mentelins Hertz genaget. Wird wohl dieses Jemand glauben? Jch kan es Nie- mand zumuthen, denn ich glaube es auch nicht. Gut- tenberg wird von diesen Chronicken zu einen reichen Mann gemacht, davon andere Geschichtschreiber nichts wissen, ja das Gegentheil berichten; Peter Scheffer wird von Specklin vor Mentelins Schwager er- klaͤrt, da er doch Faustens einige Tochter zur Ehe ge- habt hat. Kurtz, es ist alles so unwahrscheinlich und widersprechend in diesen Chronicken erzehlet, worauf man sich doch als oͤffentliche Zeugnisse beruffen will, daß man den Herren Straßburgern diese Schaͤtze gerne goͤnnen, sich aber die Freyheit ausbitten wird, selbigen nicht ein Wort zu glauben, woferne es nicht durch an- derer glaubwuͤrdigen Maͤnner Beyfall bestaͤrcket wer- den kan. Aus diesen allen ergiebt sich endlich ohne vieles Nachsinnen so viel, daß auf die Erzehlung von Mentelins Erfindung der Buchdruckerey nichts zu halten sey. Unter die ersten Buchdrucker zu Straß- burg mag er noch eher gehoͤren, und diesen Platz will ich ihm gerne einraͤumen. Die Erfindung aber kan ich C 5 ihm Kurtzer Entwurf ihm unmoͤglich zugestehen. Denn die angefuͤhrten Zeugnisse stimmen mit der Wahrheit nicht uͤberein. Wer diese Fabel weitlaͤuftiger widerlegt lesen will, der darf nur Willh. Ernst Tentzels Discours p. 61. sqq. und Jeande la Caille Histoire de l’imprimerie \& de la Librai- rie, Paris, 1689. 4. nachlesen. Doch Straßburg gewinnet vielleicht etwas von dem Ruhm, weil ein Straßburger der erste Erfinder gewe- sen ist, ob es gleich nicht zu Straßburg selbsten geschehen ist. Und diesen will ich nunmehro aufsuchen. §. 12. Mayntz ist also noch uͤbrig, wo ich die Erfindung der Buchdruckerkunst nach Anleitung vieler Geschichtschreiber nicht nur suchen, sondern auch finden soll, nachdem ich selbige bald bey den Chinesern und Scythen, bald bey den Fran- tzosen und Jtaliaͤnern, bald aber zu Harlem und Straßburg, vergeblich gesuchet habe. Und in der That, ich finde so viel Nachrichten, so wohl alte, als neuere, daß ich gezwungen werde vor Mayntz mich ebenfalls zu erklaͤren. Auch nur die blosen Namen der Geschichtschreiber, und die Titul von ihren Buͤ- chern, wuͤrden mir hier zu viel Raum wegnehmen, wenn ich sie alle anfuͤhren wollte. Aus den aͤltesten Geschichtschreibern werde ich einige Zeugnisse anfuͤhren, die neuern aber gaͤntzlich mit Still- schweigen uͤbergehen, weil sie sich doch alle auf jene gruͤn- den. Wer aber doch gerne einige wissen will, die sich vor Mayntz und zwar vor Johann Guttenberg erklaͤret, dem dienet zur Nachricht, daß unter andern auch folgen- gende sind: Bernhard Mallincrot in Diss. Hist. de Ortu ac progressu artis typographicæ C. VIII, p, 65. Colon. 1639. 4. JEAN. de la CAILLE Histoire de l’lmpri- merie \& de la Libraire. Johann Saubert in Historia Bi- blio- Jch werde da- hero von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. hero nur die vornehmsten Zeugnisse aussuchen, und zu Bekraͤftigung der Wahrheit hieher setzen. Gantz deutlich schreibet hievon der Verfasser von der bereits oben angefuͤhrten Coͤllnischen Chronick: Oben §. 9. Not. o, p. 29. habe ich aus Schelhorns Amœnit. den Titul dieser in Niederteutscher Sprach geschriebenen Chronick angefuͤhrt. Hier habe ich die Worte nach Pa- schens lateinischer Ubersetzung ins Teutsche uͤbersetzt, weil ich Tentzels etwas rauhen, dann und wann aber falschen, Ubersetzung nicht folgen wollen. „Diese \&q;preißwuͤrdige Buchdruckerkunst ist zu erst in Teutsch- \&q;land, in der Stadt Mayntz am Rhein, um das \&q;Jahr Christi 1440. erfunden worden. Von diesem \&q;Jahr an, bis 1450. hat man mit der Erfindung der \&q;Kunst selbsten, und allem, was dazu gehoͤret, zuge- \&q;bracht. Jn diesem Jahr, welches ein Jubeljahr \&q;gewesen, hat man zu drucken angefangen, und zu \&q;allererst eine lateinische Bibel mit Missalschrift ge- \&q;drucket. Ob nun gleich diese Kunst, wie vorhero \&q;gedacht, erstlich zu Mayntz erfunden worden ist, wie \&q;sie heut zu Tag gewoͤhnlich ist; So sind doch die \&q;in Holland vorhero gedruckten Donate, als eine \&q;Vorbildung von derselben anzusehen, welche zur Er- \&q;findung der Buchdruckerey Anlaß gegeben haben. \&q;Es ist aber die letztere Erfindung, was die Kunst \&q;selbsten anbelangt, der erstern weit vorzuziehen, und \&q;her- bliothecæ Reipubl. Norinbergens. in Appendice de inuen- tione typographiæ p. 106. Nuͤrnberg, 1643. 12. Mich. Maittaire in Annal. Typograph. T. I, p. 5. 6. D Val. Ernst Loͤscher in Stromateo suo p. 141. allwo noch andere mehr genennet werden, so hieher gehoͤren, dergleichen man noch viele nachsehen kan in D. G. Morhofiii Polyhi- store T. I, L. IV, c. 2. p. 731. Bey Georg Paschen l. c. p. 785. und in IO. STOHRII oͤfters angefuͤhrten Diss. c. 2. Kurtzer Entwurf \&q;hernach zu weit groͤsserer Vollkommenheit gebracht \&q;worden. Es schreibt zwar Omnibonus in seiner \&q;Vorrede uͤber den Quintilianum, und in andern \&q;Buͤchern, daß Nicolaus Jensson, ein Frantzose, \&q;diese grosse Kunst zu erst erfunden haͤtte. Er wird \&q;aber hierinnen eines offenbahren Fehlers uͤberwie- \&q;sen. Dieweil noch Leute am Leben sind, welche bezeu- \&q;gen koͤnnen, daß in Venedig schon Buͤcher gedruckt \&q;worden, ehe noch Nicolaus Jensson dahin gekom- \&q;men, und daselbst eine Druckerey angeleget habe. Es \&q;ist aber der erste Erfinder ein Buͤrger zu Mayntz, ge- \&q;buͤrtig aus Straßburg, Joh. Guttenberg gewe- \&q;sen. Von Mayntz ist diese Kunst erstlich nach Coͤlln, \&q;von dar nach Straßburg und Venedig gekommen. \&q;Den Anfang und Fortgang oͤfters gemeldter Kunst \&q;habe ich von Ulrich Zell, von Hanau, selbsten ge- \&q;hoͤret, welcher auch noch gegenwaͤrtig 1499. zu Coͤlln, \&q;die Buchdruckerkunst treibet.‟ Und hiemit stimmt Johann Trithemii In Annal. Hirsaugiens. T. II, p. 421. ad Annum 1450. Monast. S. Galli, 1690. f. Zeugniß voͤllig uͤberein, er schreibt aber also: „Um diese Zeit, (nemlich 1440. 1450.) \&q;ist in der Stadt Mayntz, am Rhein, und nicht in Jta- \&q;lien, wie einige faͤlschlich geschrieben, die Bewun- \&q;dernswuͤrdige, und zuvor noch unerhoͤrte Kunst Buͤ- \&q;cher zu drucken, von Johann Guttenberg, einen Buͤrger zu Mayntz erfunden worden. Nachdem er \&q;nun bey nahe sein gantzes Vermoͤgen darauf ver- \&q;wendet, und dennoch wegen vieler Schwierigkeiten \&q;bald an diesem, bald an jenem Mangel litte, derge- \&q;stalt, daß er selbige aus Verzweifelung fast liegen las- \&q;sen wollte; So hat er doch selbige durch guten Rath \&q;und Vorschuß eines andern Mayntzischen Buͤrgers \&q;Jo- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. \&q; Johann Fausts, endlich gluͤcklich zu Stande ge- \&q;bracht. Anfaͤnglich haben sie die Buchstaben auf hoͤl- \&q;tzerne Tafeln ordentlich geschnitten, und ein allgemei- \&q;nes Woͤrterbuch, Vocabularium Catholicon genannt, \&q;gedrucket. Weil sie aber mit diesen Formen weiter \&q;nichts mehr drucken konnten, indem die Buchstaben \&q;unbeweglich und in hoͤltzerne Tafeln eingeschnitten wa- \&q;ren; So haben sie es kuͤnstlicher angegriffen, und eine \&q;neue Art alle Buchstaben des lateinischen Alphabets zu \&q;giesen erfunden, welche sie matrices genennet, ver- \&q;moͤge welcher sie hernach die Buchstaben von Ertz, oder \&q;Zinn, gegossen, so viel sie deren noͤthig hatten, nachdem \&q;sie selbige zuvor mit dem Messer zu recht schnitten: Und \&q;in der That, diese Kunst zu drucken hat im Anfang sehr \&q;viel Schwierigkeit gehabt, wie mir vor 30. Jahren \&q; Peter Schoͤffer, sonst Opilio von Gernsheim, ein \&q;Buͤrger zu Mayntz und des ersten Erfinders Eydam, \&q;selbst erzehlet hat. Denn da sie die Bibel druckten, \&q;hatten sie schon uͤber 4000. Gulden daran gewendet, \&q;ehe sie noch die dritte Qvaterne (d. i. den 12ten Bogen \&q;in Fol.) abgedruckt hatten. Dieser Peter Schoͤffer \&q;aber, erstlich ein Diener, hernach des ersten Erfinders \&q; Johannis Fausts Eydam, ein kluger und geschickter \&q;Kopf, hat eine leichtere Art vom Schriftgiesen erfun- \&q;den, und die Kunst, wie sie gegenwaͤrtig ist, zu Ende ge- \&q;bracht. Diese drey haben eine Zeitlang die Kunst \&q;heimlich gehalten, bis sie durch ihre Diener, ohne de- \&q;ren Huͤlfe sie selbige nicht verrichten konnten, bekannt \&q;gemacht, erstlich nach Straßburg und hernach zu allen \&q;andern Voͤlckern gebracht worden ist.‟ Nachdem Trithemius hier einige Verse Beym Trithemio sind erstlich die Hexametri und her- nach eingeruͤcket, faͤhrt er Kurtzer Entwurf \&q; er also fort : Und dieses sey genug von der bewun- \&q;dernswuͤrdigen Buchdruckerkunst, deren erste Erfin- \&q;der Mayntzische Buͤrger gewesen. Es wohnten aber \&q;diese drey ersten Erfinder, nemlich Johann Gutten- \&q;berg, Johann Faust und dessen Eydam Peter \&q;Schoͤffer, zu Mayntz in einem Hauß zum Jungen \&q;genannt, welches hernach das Druckerhauß genen- \&q;net worden ist.“ Jch muß doch Joh. Schoͤffers eigne Worte auch einruͤcken, welche er an des Trithemii Compendium de origine Regum \& gen- tis Francorum Moguntiæ, 1515. angehaͤnget hat. Teutsch koͤn- nen sie vielleicht also heisen: „Gegenwaͤrtiges histo- \&q;risches Werck ist gedruckt und zu Ende gebracht wor- \&q;den im Jahr Christi 1515. an St. Margarethen \&q;Abend in der edlen und beruͤhmten Stadt Mayntz, \&q;der ersten Erfinderin der Buchdruckerkunst, durch \&q;Johann Schoͤffern, einen Enckel des Weyland er- \&q;barn Mannes, Johannis Fausts, Buͤrgers zu \&q;Mayntz, als vornehmsten Erfinders vorhergedachten \&q;Kunst; welcher endlich aus eigenem Kopf und Nach- \&q;sinnen selbsten zu drucken angefangen im Jahr 1450. \&q;Unter der Regierung des Roͤmischen Kaysers Fried- \&q;richs III, da auf dem heiligen Stuhl zu Mayntz saß der \&q;hoch- nach die Pentametri besonders gedruckt, bey IACOBO BERGOMENSI aber Lib. XV. Suppl. Chronic. ste- hen sie ordentlich also: O felix nostris memoranda impressio seclis! Inuentore nitet vtraque lingua Tuo. Desierat quasi totum quod fundis in orbem, Nunc paruo doctus quilibet esse potest. Omnes te summis igitur nunc laudibus ornent, Te duce quando ars hæc mira reperta fuit. von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. \&q;hochwuͤrdigste Vater in Christo Herr Dietrich \&q;Schenck von Erpach, Churfuͤrst; Er hat aber sel- \&q;biges durch goͤttlichen Beystand und noͤthiger Huͤlfe \&q;und Erfindung seines Dieners Peter Schoͤffers von \&q; Gernsheim 1452. zur Vollkommenheit gebracht, \&q;welchem er zur Danckbahrkeit an Kindes statt ange- \&q;nommen und seine Tochter Christina Faustin zur Ehe \&q;gegeben hat. Beyde jetzt angefuͤhrte Maͤnner Jo- \&q;hann Faust und Peter Schoͤffer haben diese \&q;Kunst sehr heimlich gehalten, indem sie ihre Diener \&q;und Haußgenossen durch einen Eyd zum Stillschwei- \&q;gen verbunden. Endlich ist sie aber doch 1462. durch \&q;ihre Bedienten in verschiedene Laͤnder ausgebreitet \&q;worden und zu grosen Wachßthum gediehen.“ Noch ein oͤffentliches Zeugniß muß ich anfuͤhren, wel- ches sich in Johann Schoͤffers Zuschrift an Kay- ser Maximilian bey dem teutschen Livio Tentzel -fuͤhrt dieses Zeugniß aus einer Auflage von Mayntz, 1505. an. Jch habe aber gegenwaͤrtiges aus Joh. Georg Schelhorns Amœnitat. Histor. Eccl. \& Litt. T. I, p. 946. genommen, welcher eine Auflage von 1512. bey der Hand gehabt. befindet. „Solich Wergk, allermechtigster Koͤnig, (das zu vor \&q;an Ewr Koͤniglichen majestaͤt zu eeren, darzu Fuͤrsten \&q;und Heren auch gemeinden und stetten teutzscher Na- \&q;tion, zu nutze in teutzsch bracht in der loͤblichen stadt \&q;Mentz gefertigt vnd getruͤckt ist.) Woͤll Ewr Koͤ. M. \&q;gnediglich vffnemen, in welicher stadt auch anfenglich \&q;die wunderbare Kunst der Truͤckerey, vnd im ersten \&q;von dem Kunstreichen Johan Guttenbergk, do man \&q;zalt nach Christi vnsers Heren Geburt tausent vier- \&q;hundert vnd funffzig Jahr erfunden, vnd darnach mit \&q;Vleyß Kost vnd Arbeit Johan Fausten, vnd Peter \&q;Schoͤf- Kurtzer Entwurf \&q;Schoͤffers zu Mentz gebesserth, vnd bestendig gemacht \&q;ist worden. Darum dieselbe stat nicht allein bey \&q;teutscher Nation, sunder auch bey aller Welt in ewige \&q;Zeit (als wol verdynet) gebreyst vnnd gelobt solle wer- \&q;den vnnd die burger vnnd einwoner daselbst des billig \&q;geniessen.“ Wenn ich es vor noͤthig hielte, so koͤnnte ich noch verschiedene alte Zeugnisse anfuͤhren, welche alle dasjenige bekraͤftigen, was die bereits angefuͤhrten aus- gesaget haben. Jacob Wimphelingen haben wir auch schon oben gehoͤret, welcher ebenfalls hieher zu rech- nen ist. Er hat aber noch eine Stelle hinterlassen, wo- rinnen er deutlich Mayntz diese Ehre zuschreibet. Un- ter dem Bischof Robert, ist die edle Buchdruckerkunst von einem Straßburger erfunden worden. Ob selbige gleich anfangs noch nicht voͤllig heraus gebracht wor- den; So hat sie doch endlich zu Mayntz durch Beyhuͤl- fe Johann Genßfleisch, Von diesem Genßfleisch haben wir oben schon vernom- men, daß er Mentelins Diener gewesen seyn soll, der we- gen des begangenen Diebstahls blind worden waͤre, wel- ches aber falsch ist. Denn es heißt ja hier, er waͤre vor Al- ter blind worden. Wegen vieler Umstaͤnde willen komme ich mit Tentzeln auf die Gedancken, daß Genßfleisch keine besondere Person anzeuge, sondern nur ein Beyname Jo- hann Fausts gewesen sey. Denn diejenigen Geschicht- schreiber, so Fausten, als den Erfinder angeben, schwei- gen von Genßfleisch stille. Und die hingegen, so Genß- fleisch angeben, sagen nichts vom Faust. Man kan bey Schragio ein Epitaphium auf ihn lesen: In felicem artis Impressoriæ Inuentorem D. O. M. S. Ioanni Gensfleisch, artis impressoriæ repertori, de omni natione \& lingua optime merito, in nominis sui memoriam immortalem Adam Gelthus posuit, ossa eius in Ecclesia D. Francisci Moguntiæ feliciter cubant. welcher wegen hohen Alters blind von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. blind worden, in dem Hause Johannis Gutten- bergs, wo heut zu Tag das Juristen-Collegium ste- het, ihre Vollkommenheit erreichet. In Catalogo Episcop. Argentin. 1508. editio. Und eben dieses bekraͤftiget auch das Denckmahl an diesem Collegio, so Guttenberg zu Ehren daselbst aufgerichtet worden ist. Nicol. Serarius fuͤhrt selbiges Lib. l, c. 37. p. 159. Re- rum Mogunt. an. Es heißt aber also: IO ANNI GVT- TENBERGENSI Moguntino, qui primus omnium litteras ære imprimendas inuenit, hac arte de toto orbe be- ne merenti luo Witigisis hoc saxum pro monumento po- suit An. 1508. Und was braucht es weitern Beweiß? Die allerersten zu Mayntz gedruckten Buͤcher von 1457. 1459. 1460. und folgenden Jahren, Mich. Maittaire fuͤhret die meisten in seinen Annal. T. I, p. 270. sqq. an, welche insgemein folgende Unter- schrift am Ende bey sich haben: Alma in vrbe MO- GVNTINA inclite nacionis germanice, quam Dei cle- mentia tam alti ingenii lumine donoque gratuito ceteris terrarum nacionibus preferre illustrareque dignatus est, non atramento, plunmali canna neque ærea, sed artificiosa quadam adinuentione imprimendi seu caracterizandi sic effigiatum \& ad eusebiam Dei industrie est consummatum hoc, vel illud opus, per IO ANNEM FVST ciuem \& PETRVM SCHOIFFER de GERNS- HEIM. D sind ja in oͤffent- lichen Bibliothecken noch vorhanden und bezeugen dieses augenscheinlich. Wenn man also dieses alles zusam- men nimmt; So kan man vermoͤge dieser glaubwuͤrdi- gen Zeugnisse keinen andern Schluß fassen, als Joh. Guttenberg, aus Straßburg gebuͤrtig, hat zu aller- erst zu Mayntz die Buchdruckerkunst, wie man sie noch heut zu Tag hat, erfunden. Es waͤre ja eine unverant- wortliche Verwegenheit zu sagen, diese Leute haͤtten alle mit Kurtzer Entwurf mit einander zugleich nichts, als Unwahrheiten, in die Welt und an hohe Haͤupter geschrieben. §. 13. Jedoch auch hier weiß man einen Einwurf zu machen. Man giebt nemlich vor, man hat ja kein eintziges Buch aufzuweisen, welches Guttenbergs Namen fuͤhret, ja, Faust und Schoiffer nennen sich die ersten Erfinder, wie kan es demnach Guttenberg seyn? Es ist wahr, man weiß zur Zeit keines; Es ist auch wahr, daß sich Faust und Schoiffer, als Erfin- der, ausgegeben haben; Folget es aber deßwegen, daß er es nicht gewesen ist? Dieses waͤre lahm geschlossen. Ein Exempel wird die Sache deutlich machen. Titius hat aus verschiedenen Ursachen ein Buch ohne Beyse- tzung seines Namens drucken lassen; Dieses bezeugen glaubwuͤrdige Leute, wuͤrde man dahero behaupten koͤnnen Titius hat das Buch nicht gemacht? Jch sollte es wohl nicht meynen. Eben also verhaͤlt es sich mit Guttenbergen . Dieser hat die Buchdruckerkunst er- funden und verschiedene Buͤcher, ob schon ohne Benen- nung des Orts und des Jahrs, nebst Fausten gedruckt, wie die angefuͤhrten Zeugnisse klaͤrlich erweisen, er hat aber seine Ursachen gehabt, daß er seinen Namen ver- schwiegen. Denn anfaͤnglich ist es ihm freylich nicht so gut gelungen, als er und seine Gehuͤlfen hernach ausge- kuͤnstelt haben. Dahero traueten sie sich vielleicht nicht ihre Namen vorzusetzen. So bald sie aber die Sache zu mehrerer Vollkommenheit gebracht haben; So schaͤm- ten sie sich nicht mehr ihre Namen mit bekannt zu ma- chen. Andere hingegen meynen, es waͤre Johann Walch erzehlet in Decade Fabularum pag. 181. 182. daß Johann Faust etliche auf Pergament gedruckte Bi- aus Ge- winn- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. winnsucht geschehen, damit sie ihre Sachen desto theue- rer an Mann bringen moͤgten. Jch will mich aber die- ser Ursachen wegen mit Niemand zancken, genug, sie ha- ben ihre Kunst anfaͤnglich etliche Jahre geheim gehal- ten, und sich nicht genennet. Daß sich aber diese Ehre Faust und Schoiffer allein angemasset, kommt daher, weil sie vor sich alleine eine Druckerey angeleget, nach- dem Guttenberg und Faust in Uneinigkeit gerathen sind, Senckenberg hat in seinen Selectis Juris \& Histor. Tom. I, p. 269. sqq. Die Acten drucken lassen, welche zwischeu diesen beyden Maͤnnern zu Mayntz vorgefallen sind. wegen der aufgegangen Unkosten und gemach- ten Gewinsts. Trithemius hat uns berichtet, daß Guttenberg bey nahe seine Erfindung wieder liegen ge- lassen haͤtte, weil sein Vermoͤgen nicht zulangen wollte: Da er aber Fausten davon gesaget, so hat er ihm Geld darzu vorgeschossen und nebst Schoiffern die Sache gar zu Stande bringen helfen. Dahero entstund die Streitigkeit wegen des erworbenen Gewinsts; Jeder glaubte das meiste Recht darzu zu haben, bis endlich die Sache vor Gericht entschieden worden ist. Und dieses war der Grund daß sie sich von einander getrennet haben. Es hat aber auch eben dieses Gelegenheit ge- D 2 geben, Bibeln nach Paris gebracht, und daselbst das Stuͤck vor 50. bis 60. Cronen verkauft haͤtte. Wodurch er viel Geld zusammen gebracht hatte. Da aber die Leute gemer- cket, daß selbige nicht geschrieben waͤren; So wollten sie ihr Geld von ihm wieder haben. Alleine Faust machte sich mit selbigem aus dem Staub. Hieraus kan man leichtlich sehen, daß sie ihre Kunst anfaͤnglich heimlich ge- halten haben, um desto mehr damit zu gewinnen; Haͤt- ten sie ihre Namen drauf gesetzet und dabey gesaget, daß sie gedruckt waͤren, so wuͤrde ihnen Niemand so viel Geld vor ein Stuͤck gegeben haben. Kurtzer Entwurf geben, daß Faust und Schoiffer hernach auf ihre Buͤ- cher sich als die ersten Erfinder gesetzet, und Gutten- berg ausgeschlossen haben. Dieses bezeugen die meisten Buͤcher, so von ihnen ge- druckt worden sind, woselbst es am Ende insgemein lau- tet: per Jo. Faustum \& Pet. Schoifferum. Ja, man weiß gar von dem Kayser Maximilian ein Privilegium anzu- fuͤhren, welches er Johann Schoiffern ertheilet, darinnen er dessen Großvater, nemlich muͤtterlicher Seite, vor den Erfinder erklaͤret, es lautet aber also: Maximilianus diuina fauente gratia \&c. Honefto ac fideli nobis dilecto, loanni Scheffer, Calcographo Moguntino gratiam nostram Cæsaream \& omne bonum. Cum sicut docti \& moniti su- mus fide dignorum testimonio, ingeniosum Calcographiæ inuentum Auctore auo tuo, felicibus incrementis in vni- uersum orbem promanauerit, \&c. Datum in oppido no- stro Wels die decima nona Decembris A. MDXIIX. Da- durch wird aber Guttenberg nicht ausgeschlossen, weil sie von ihm die ersten Kunstgriffe gelernet haben. Unter- dessen haben sie auch Antheil mit daran, weil sie vieles zur Ausbesserung mit beygetragen haben. Sie gestehen auch Guttenberg diese Ehre gerne zu, wie solches die oben an- gefuͤhrte Zuschrift Joh. Schoiffers an eben diesen Kay- ser Maximilian bey dem teutschen Livio mitklaren Wor- ten saget: Diese wunderbahre Kunst ist erstlich von dem Kunstreichen Johann Guttenberg erfunden und hernach mit Fleiß von Johann Faust und Peter Schoiffern ge- hessert worden. Jn der That waren sie freylich als erste Erfinder mit anzusehen; Sie wuͤr- den aber vielleicht nimmermehr auf den Einfall gera- then seyn, woferne ihnen Guttenberg seine Versuche nicht entdeckt gehabt haͤtte. Da er ihnen aber seine Erfindung mitgetheilet hat; So kan man ihm ja die Ehre des ersten Erfinders unmoͤglich absprechen. §. 14. Aus diesem allen, was ich bißhero angefuͤh- ret habe, wird man nunmehro gar leichtlich einsehen koͤn- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. koͤnnen wo und von wem die edle Buchdruckerkunst er- funden worden sey, nemlich zu Mayntz von Johann Guttenberg, gebuͤrtig aus Straßburg. Nunmehro ist noch zu untersuchen wenn dieses geschehen. Die- ser Punct scheinet von grosser Schwierigkeit zu seyn, weil man etliche Jahr zugebracht hat, ehe man etwas rechtes ausgekuͤnstelt, hernach aber auf die allerersten gedruckten Buͤcher weder Zeit, noch Ort, gesetzet hat, entweder aus Schamhaftigkeit, oder vielleicht gar aus einer kleinen List, desto mehr damit zu gewinnen. Wenn man aber alles genau uͤberleget, was zur Erfindung Gelegenheit gegeben hat, und wenn die Erfindung selbst bekannt gemacht worden ist; So duͤrfte man sich viel- leicht die Sache nicht uneben also vorstellen koͤnnen: Jch folge hier des hochberuͤhmten D. Val. Ernst Loͤ schers Abriß, welchen er in seinem Stromateo Sect. VIII p. 145. gemachet hat. Jm Jahr Christi 1428. oder 1430. Hat man gleichsam ein Vorspiel zur Erfindung der Buchdruckerey in Harlem ge- macht, indem man daselbst allerhand Buchsta- ben, Woͤrter und Figuren in Holtz zu schneiden angefangen hat. Um das Jahr 1440 Jst vielleicht das Speculum Salutis und der Do- nat in gantze Tafeln von Holtz geschnitten, und davon abgedrucket worden. Hierauf hat Gut- tenberg zu Mayntz erstlich alleine, hernach mit Johann Fausten um das Jahr 1448. An bewegliche Buchstaben gedacht, da sie vorhe- ro ebenfalls mit Tafeln von Holtz die Confessio- nalia und das Catholicon gedruckt hatten. Hier- auf haben sie nebst Peter Schoiffern D 3 1450. Kurtzer Entwurf 1450. eintzelne und bewegliche Buchstaben, jedoch nur von Holtz, zu Stande gebracht. Hiemit waren sie 1451. dahero beschaͤftiget, und suchten nun Mittel und Wege ausfuͤndig zu machen, wie alles besser von statten gehen moͤgte, absonderlich aber wie man beyde Seiten drucken und sonst allerhand Dinge bequemer einrichten koͤnte. Alsdenn sollen sie nun 1452. die erste lateinische Bibel zu Mayntz zum Vor- schein gebracht haben, welche Faust in Franck- reich so theuer verkauft hat. Endlich haben sie 1453. die Kunst Buchstaben in Ertz zu giesen ausge- gruͤbelt. Um das Jahr 1455. Jst hernach der Streit zwischen Guttenberg und Fausten zu Mayntz entstanden, welchen Guttenberg vor Gericht eingebuͤßt haben soll. Dahero man nicht eigentlich weiß, wo er sich nachhero hingewendet hat. Faust und Schoif- fer aber setzten das Werck alleine fort, nennten sich die ersten Erfinder, und brachten 1457. den lateinischen Psalter zu Mayntz mit Beyse- tzung des Orts, Jahres, und ihrer Namen ans Licht. Von welcher Zeit hernach in Coͤlln, Straßburg, Rom, Oxfort, Florentz, Berona, und andern Orten mehr, diese Kunst ausgebrei- tet worden ist. Da man nun 1440. zu allererst, wiewohl nur in Holtz geschnitten, einige Buͤcher verfertiget, und damit gleichsam den Grund zur Erfindung der ordentlichen Buchdruckerkunst, wie wir sie heut zu Tage haben, geleget hat; So haben auch viele dieses Jahr, als das Geburtsjahr der Buchdruckerkunst angesehen, wie man auch deßwegen An. 1540. und 1640. Jubel- feste von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. feste begangenhat, und 1740. g. G. wiederum eines be- gehen wird. Es hat auch die Sache seine gute Rich- tigkeit. Jndem man ja nicht fraget wenn die Er- findung wuͤrcklich zu Stande gebracht, sondern in welchem Jahr man darauf zu dencken angefangen und Gelegenheit darzu bekommen hat. Dahero ist es auch billig, daß man Harlem, und Straßburg nicht gaͤntzlich aller Ehre beraube, weil doch jenes Gelegen- heit darzu gegeben hat, in diesem aber Guttenberg ge- bohren worden ist, und daselbst auf den Einfall gekom- men seyn mag. Mayntz hingegen gebuͤhret der Ruhm, daß die Erfindung daselbst zu ihrer Reife gelanget ist, woselbst man ehedessen noch einige von den ersten Buchstaben aufbehalten hat, wie dieses Siegmund von Bircken berichtet. Jn seinem Oesterreichischen Ehrenspiegel p. 527. Sie begunten erstlich, schreibt er daselbst, hoͤltzerne, bley- erne und zinnerne Buchstaben in die Mitte geloͤchert, zu- schnitzen und zu giesen, welche man mit einem Drath an einander steckte, und also aus vielen Buchstaben eine Zei- le und aus vielen Zeilen eine Forme zusammen setzte. Auf solche Weise ward erstlich die grobe lateinische Schrift verfertiget, welche dannenhero Antiqva (die alte) heißt, und werden dergleichen alte geloͤcherte Buchstaben allda zu Mayntz noch heutiges Tages den neuen Drucker Ge- sellen, wenn sie das Postulat verschencken, zum sogenann- ten Taufpfennig eingebunden. Welches auch Mallincrot in seiner Diss. Hist. de ortu ae progressu Artis typopraphicæ C. VIII. behauptet. §. 15. Und hiemit werde ich meinen Entwurf von Erfindung der Buchdruckerkunst endigen, und einen jeden die Freyheit gerne goͤnnen, diejenige Meynung vor wahr anzunehmen, welche ihm mit den besten Beweißgruͤnden unterstuͤtzt zu seyn scheinet. Jch D 4 haͤt- Kurtzer Entwurf haͤtte zwar hier noch einige Meynungen anfuͤhren koͤn- nen, so wohl in Ansehen des Erfinders, als auch des Orts, Also giebt Paulus Pater in seiner Diss. de Germaniæ mi- raculo optimo maximo typis litterarum \&c. Leipzig, 1710. 4. §. 6. p 4. Johannem Regiomontanum vor den Erfinder aus. Andere wollen noch wissen, daß die Buch- druckerkunst zu Augspurg, oder zu Russenburg, oder zu Gouda erfunden worden waͤre. Es sind aber lauter Nachrichten die auf sandigte Gruͤnde gebauet sind. Sie- he IO. STOHRII Diss. c. 3. § 2. wo diese Kunst erfunden worden seyn soll; Jch kan aber nicht leugnen, daß die Gruͤnde dieser Erzeh- lungen keiner Untersuchung wuͤrdig sind, weil es entwe- der offenbahre Fehler, oder doch wenigstens von gerin- ger Erheblichkeit sind. Jch wende mich vielmehr zu dem andern Theil meiner Absicht, und liefere hiemit: Eine kurtze Nachricht von einigen beruͤhm- ren Maͤnnern uͤberhaupt, welche sich in dieser Kunst hervor gethan haben. Hier solte ich nunmehro von den ersten Erfindern eine umstaͤndliche Nachricht ertheilen; Alleine ich muß be- dauren, daß ich nach vieler angewendeten Muͤhe, doch sehr wenig werde zu sagen wissen. Es ist uͤber- haupt bekannt, daß in den Geschichten unserer Vor- fahren noch hier und da grosse Luͤcken auszufuͤllen sind, welche vielleicht wohl nimmermehr ergaͤntzet werden, weil uns die darzu noͤthigen Huͤlfsmittel fehlen. Un- sere Vorfahren haben uns in vielen Stuͤcken wenig Nachricht hinterlassen, wo sollen wir also selbige heut zu Tag hernehmen? Mit Erdichtungen meinen Le- sern aufzuwarten, wuͤrde mir zwar nicht schwehr fal- len, wenn es nur erlaubt und loͤblich waͤre. Jch werde von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. werde dahero so viel von diesen ruhmwuͤrdigen Maͤn- nern sagen, als ich von ihnen habe finden koͤnnen. Die erste Stelle nimmt demnach allhier ein: Johann Guttenberg , Als der erste Erfinder der Buchdruckerkunst. Daß dieser Mann in Straßburg gebohren worden, be- zeugen so wohl Freunde, als Feinde, von ihm. Das Jahr seiner Geburt aber, und sein Geschlecht wissen beyde nicht. Es sind zwar einige auf die Gedancken gekommen, als wenn er aus einem adelichen Geschlecht aus Francken entsprossen waͤre; Alleine, es fehlet der richtige Beweiß von diesem Einfall. Es ist auch nicht ausgemacht in welchem Jahr und bey welcher Ge- legenheit er zu Straßburg auf die Gedancken von der Buchdruckerkunst verfallen seyn mag. Daß man insgemein sagt, die in Holland verfertigten in Holtz ge- schnittenen Donate haͤtten ihn darauf gebracht, laͤßt sich gantz gut hoͤren, wenn man es nur so gut beweisen koͤnnte. Unterdessen ist es doch ziemlich wahrscheinlich. Warum und wenn er sich ferner von Straßburg weg und nach Mayntz begeben hat, ist abermals ein unauf- loͤßlicher Knoten. Wenn es der oben gedachten Straß- burger Chronick eines Ungenannten nachgehen sollte; So haͤtte er sich deßwegen von Straßburg weg bege- ben, weil er nebst Hannß Genßfleisch, Joh. Men- teln seine Kunst heimlich entwendet haͤtte. Es gehoͤret aber diese Beschuldigung unter diejenigen Dinge, welche ohne Grund in derselbigen vorgegeben werden Daniel Specklings Chronick weiß schon nichts davon; Und andern glaubwuͤrdigen Geschichtschreibern ist es gar un- bekannt. Darinnen kommen die meisten mit einan- der uͤberein, daß er sich um das Jahr 1440. nach D 5 Mayntz Kurtzer Entwurf Mayntz gewendet habe. Daselbst hat er nun seine Gedancken erst voͤllig zur Reife gebracht. Seine Mit- tel wollten aber nicht zulangen, ob ihn einige gleich zu einen reichen Mann gemacht haben, deswegen entdeckte er seinen Einfall Joh. Fausten, und diese beyde nah- men hernach Peter Schoiffer noch darzu. Diese vertraute Freundschaft hat aber nicht lange gedauert, Denn 1455. entstunde schon zwischen Guttenberg und Fausten wegen des erworbenen Gewinns ein Streit, welcher gerichtlich vor Guttenberg nicht zum besten ausgefallen seyn soll. Dahero haben sie sich von einander getrennet. Auf was Art und Weise sie die Buchdruckerkunst ausgekuͤnstelt und immer mehr und mehr verbessert haben, ist bereits oben aus Tri- themio p. 44. und andern Geschichtschreibern umstaͤnd- lich erzehlet worden. Wo sich Guttenberg hernach hingewendet, ist ebenfalls unerforschlich. Kurtz, von seinen Lebensumstaͤnden weiß man wenig, oder gar nichts, desto mehr Lobspruͤche aber. Es stehen die meisten schon oben, Jch will doch noch ein einiges Lob vor Guttenberg an- fuͤhren, welches ihm Joh. Arnold Bergellanus verferti- get und Mallincrot p. 96. uns mitgetheilet hat. Clarus Ioannes en Guttenbergius hic eft Qui referat latices, quos pede fodit equus. Quam veteres nobis argenti voce notarunt, A puero fertur sustinuisse virum: Illa sed huic ciuis largita est munera grata Cui clarum nomen Mogus habere dedic. Primitias illic cœpit formare laboris, Ast hic maturum protulit artis opus, \&c. Imparibus numeris cælestia numina gaudent, Hoe opus exegit sic quoque sancta trias. Illo primus erat tunc Guttenbergus in albo, Alter erat Faustus, tertius Opilio. dahero ich sie hier nicht wie- derho- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. derholen mag. Sein Bildniß stehet auf der allhier befindlichen Fig. I. Nunmehro komme ich auf Johann Faust, Als einen von denjenigen, die allerdings zur Er- findung der Buchdruckerkunst behuͤlflichgewesen. Daß dieser Faust, auch Genßfleisch genennet wor- den, vermuthet man nicht ohne Grund, aus den Lob- spruͤchen, die man von ihm aufweisen kan. Jch habe bereits schon oben eines angebracht, hier will ich nur noch Wimphelingii Epigramma anhaͤngen, wo- rinnen er ebenfalls Genßfleisch heißt: Felix Ansicare, per te Germania felix Omnibus in terris præmia laudis habet. Vrbe Moguntina, diuino fulte Ioannes Ingenio: primus in primis ære notas Multum relligio: multum tibi Græca Sophia, Et multum debet lingua latina tibi. Er war ein Buͤrger von Mayntz, und streckte Gutten- berg, nachdem er ihm seine Kunst entdecket, nicht nur Geld vor, sondern er war auch zur gantzen Sache sehr behuͤlflich. Nachdem sie eine gantze Bibel zu Stande gebracht hatten; So begab er sich damit nach Franck- reich und verkaufte selbige um ein schoͤnes Stuͤck Geld. Welcher Gewinst aber hernach Gelegenheit gegeben haben mag, daß er mit Guttenberg zersallen ist, und sich gaͤntzlich von ihm getrennet, ja gar eine eigene Dru- ckerey angeleget hat, da er sich sonderlich Peter Schoif- fers Geschicklichkeit zu Nutzen machte. Er hat diesem nicht nur seine Tochter Christina zur Ehe gegeben, son- dern ihn gar an Kindes statt angenommen. Wenn er gestorben, ist unbekannt. Desto bekannter aber sind die- Kurtzer Entwurf diejenigen Buͤcher, welche er unter seiner Namens Un- terschrift nebst Schoiffern gedruckt hat. Wer seine gedruckten Buͤcher kennen lernen will, der kan solche bey Mich. Maittaire In Annal. Typograph. passim. angezeigt finden. Auf un- serer Fig. I. siehet man sein Bildniß. Peter Schoiffer von Gernsheim , sonsten auch Opilio genannt, Jst der dritte Mann, der sich durch seine Geschicklichkeit ein immerwaͤhrendes Denckmahl gestiftet hat. Er hat Guttenberg und Fausten ungemein gute Dienste ge- leistet. Weil er ein Goldschmid anfaͤnglich gewesen seyn soll; So wuste er freylich denselbigen mit aller- hand Rath an die Hand zu gehen. Man schreibt ihm insgemein zu, daß er zum Schriftgiesen das meiste bey- getragen, ja wohl gar dasselbe erfunden haben soll, deßwegen ihn auch Faust sehr hoch hielte. Sie fuͤhrten mit einander eine Druckerey zu Mayntz alleine fort, nennten sich auch so gar die ersten Erfinder. Faust gab ihm seine Tochter zur Frau, und nahm ihn an Kindes statt an. Wenn er gebohren und gestorben ist, weiß man nicht eigentlich. Sein Bildniß stehet auf Fig. I. Dis edle Kleeblat wird bestaͤndig gruͤnend stehen, Weil du, o Guttenberg, die Kunst zuerst er- dacht, Wie man nun drucken soll. Dein Ruhm wird nie vergehen; Faust, Schoiffers edler Fleiß, hat es zu weg gebracht, Daß Fig. II. p. 62. von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. Daß nun dreyhundert Jahr viel tausend, tausend Bogen Von GOttes Wort bisher in alle Welt geflogen. Ohngeachtet die besten Beweißgruͤnde vor Gutten- berg angefuͤhret werden koͤnnen, daß er der erste Er- finder der Buchdruckerkunst gewesen, so habe ich doch bereits oben p. 21. gewiesen, daß uns die Harlemer ihren Lorentz Coster , oder Kuͤster , Als einen Erfinder aufdringen wollen. Er war ein beruͤhmter Buͤrger zu Harlem, und gar Bur- germeister, wie Hadrian Roman auf der Jnschrift gesetzt, der um das Jahr 1428. oder 1430. allerhand Holtzschnitte verfertiget haben soll. Wie viel auf die- ses Vorgeben zu halten, habe ich bereits oben weitlaͤuf- tig p. 23. sqq. untersucht. Sein Bildniß stehet auf Fig. II. Auser ihm aber haben die Straßburger Johann Mentelin, oder Mentel, Auch vor einen Erfinder ausgegeben. Daß aber dieses Vorgeben unerweißlich sey, habe ich oben p. 35. gezeiget. Es lebte dieser Mann zu Straßburg, um das Jahr 1440. und ist einer von den ersten Buch- druckern daselbst gewesen, und kein Erfinder. Er ist im Jahr 1478. daselbst gestorben. Sein Bildniß stehet auf Fig. II. Jch verlasse demnach die recht- maͤßigen Erfinder so wohl, als die erdichteten, und wende mich zu den beruͤhmtesten alten Buchdruckern. Hieher gehoͤret nun unter andern Joh. Kurtzer Entwurf Jvo, oder Johann Schoiffer , Peter Schoiffers Sohn und ein Enckel Johann Fausts. Dieser setzte zu Mayntz nach seines Vatern Tod, die Druckerey fort. Jn Ansehung der Zeit ge- hoͤret ihm zwar hier kein Ort, weil er etwas juͤnger ist, als diejenigen, von welchen ich hernach reden wer- de; Alleine ich habe ihm deßwegen eine Stelle hier eingeraͤumet, damit er von seinem Vater und Groß- vater nicht zu weit entfernet seyn moͤgte, weil ich mich auch auf sein Zeugniß etliche mal beruffen. Dessen Bildniß nebst seinem Jnsigne stehet, welches unten noch einmal vorkommt, auf Fig. II. Mit mehrern Recht ge- hoͤret unter die aͤltesten beruͤhmten Buchdrucker Aldus Pius Manutius, Ein Koͤmer von Geburt, er war ungefehr ums Jahr 1445. gebohren. Er lernte in seiner Jugend so wohl lateinisch als griechisch, und sahe sich in den ge- lehrten Wissenschaften treflich um. Hierauf legte er 1490. eine Druckerey zu Venedig an. Er hat sich um die Buchdruckerkunst sehr verdient gemacht. Die da- mals noch gewoͤhnliche Moͤnchschrift schafte er ab und fuͤhrte dagegen die sogenannte Antiqua ein. Auserdem erfand er die Cursiv Schrift, welche anfaͤnglich nur die Venetianische Schrift genennet wurde. Er verbesser- te die Unterscheidungszeichen, und setzte zuerst Cola und Semicola. Kurtz, sein kluger Fleiß hat unge- mein viel an der Buchdruckerkunst noch verbessert. Er hat auch die correctesten lateinischen und griechi- schen Buͤcher gedruckt, so nur jemals zum Vorschein gekommen sind, daher seine Editiones den Manu- scripten von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. scripten heut zu Tag bey nahe gleich geschaͤtzet wer- den. Maittaire S. dessen Annales Typogr. T. I. p. 73. sqq. hat selbige mit allem Fleiß aufgesuchet und nach den Jahren beschrieben. Man gehet aber zu weit, wenn man ihm die allerersten griechisch gedruckten Buͤcher zuschreibet, weil man schon 18. Jahr vor ihm zu Mayland dergleichen Buͤ- cher gedruckt hatte. So viel ist gewiß, daß die Kuͤnste und Wissenschaften ihm ungemein viel zu dancken ha- ben, weil er die vortreflichsten Manuscripta nicht nur aufgesucht, sondern auch mit genauer Sorgfalt accurat gedruckt hat. Eben deßwegen wissen ihn die gelehrten nicht hoch genug zu erheben. Jch wuͤrde mehr als ei- nen Bogen von seinen Lobserhebungen anfuͤllen koͤn- nen, wenn ich selbige hieher zu setzen vor noͤthig hielte. Maittaire hat die meisten schon l. c. angefuͤhret. Georg Schelhorn hat seinen Amœnitat. Litt. T. II, p. 337. T. IV, p. 555. auch noch einige einverleibet; Ein eintziges will ich hieher einruͤcken: Quod si credere fas Dii poetis, Vitam reddere quod queant sublatam: Quanto est iustius, æquiusque quæso, ALDVM MANVTIVM Deum voeare? lpsis quod potuit suo labore. Vitam reddere mortuis poetis. Endlich ist er im 70. Jahr seines Alters gestorben. Er lebte aber gleichsam in seinem Sohn, Paulo Manu- tio, wieder auf, welcher 1512. gebohren war, und 1574. wieder gestorben ist. Denn dieser trat in die loͤblichen Fußstapfen seines Vaters und brachte sich durch seine Ausgaben vieler nuͤtzlichen Buͤcher und ausnehmende Gelehrsamkeit einen immerwaͤhrenden Ruhm zuwege: Dessen Sohn Aldus aber ist so verarmet, daß er nicht ein- Kurtzer Entwurf einmal die Fracht bezahlen koͤnnen, als er nach Rom beruffen worden ist. Das Jnsigne, so die Manutii gefuͤhret, ist ein Ancker um welchen sich eine Delphin schlinget mit der Beyschrift: Sudauit \& alsit. Dessen Bildniß trift man gleichfalls auf Fig. II. an. Auf die- sen wird nicht unbillig folgen: Johann Frobenius, Von Hammelburg aus Francken gebuͤrtig. Anfaͤng- lich studirte er in seinem Vaterland, hernach aber zu Basel. Woselbst er sich mit den damals beruͤhmten Buchdruckern Johann Ammerbach und Johann Petri bekannt gemacht, und die Stelle eines Correcto- ris vertreten hat. Hierdurch bekam er eine solche Liebe zu dieser Kunst, daß er 1491. eine eigene Druckerey an- geleget, und verschiedene wichtige Wercke gedrucket hat, worunter die Wercke Augustini in X. Baͤnden nicht die letzte Stelle einnehmen Er hatte aber das Ungluͤck, daß er sie bey seinem Leben nicht gaͤntzlich zu Stande gebracht, weil ihm ein gefaͤhrlicher Fall das Leben verkuͤrtzet, denn er sturbe in zwey Tagen darauf im Jahr 1527. Was Aldus Manutius in Jtalien, das ist Frobenius in Teutschland gewesen. Denn er musterte nach desselben Beyspiel die alten unfoͤrmli- chen Buchstaben gleichfalls aus, und beflisse sich dage- gen eines recht feinen Drucks, und lieferte der gelehrten Welt viele nuͤtzliche Schriften. Nach seinem Todt setzte sein Sohn Hieronymus, und sein Eydam Nico- laus Episcopius die Druckerey fort und verdienten sich ebenfalls eine Stelle unter den beruͤhmten Buchdru- ckern. Frobenii Jnsigne war ein Friedensstab, der unten von zwey, zuweilen auch nur von einer Hand ge- halten, von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. halten, an den Seiten von zwey gecroͤnten Schlangen umwunden, und oben von einer Taube betreten wird. Bey einigen stehet die Auslegung dabey, bey den mei- sten aber nicht: Es ist aber folgende: Γίνεσϑε φρόνιμοι ὡς οἱὄφεις, ἀϰέραιοι ὡς περιςεραί, welches bekann- termassen so viel heißt: Seyd klug wie die Schlangen, und ohne falsch wie die Tauben. Sein Bildniß weißt gleichfalls Fig. II. auf. Um diese Zeiten wurde in Ba- sel ferner bekannt: Johann Oporin, sonsten auch Herbst genannt, Er erblickte das Licht dieser Welt 1507. zu Basel. Jn seiner Kindheit ließ er schon einen vortreflichen Verstand von sich blicken, deßwegen ihn auch sein Vater nach Straßburg in die Schule that, woselbst er esunter Gebwilers Anweisung in kurtzer Zeit in der lateinisch- und griechischen Sprache sehr weit ge- bracht hat. Hierauf gieng er wieder nach Basel das Studiren fortzusetzen, es trieb ihn aber der Geldman- gel bald wieder weg; Da er denn zu dem Abt von St. Urban, welches ein Kloster unter dem Canton Lucern in der Schweitz ist, seine Zuflucht genommen hat. Daselst bekam er eine Praͤceptoratur, und ge- rieth mit einem Canonico, Namens Xylotectus, in Bekanntschafft, mit welchem er sich hernach wieder nach Basel zuruͤck begeben, und dessen hinterlassene Wittwe nach seinem Todt geheyrathet hat. Jm Jahr 1550. wurde er Rector bey der Stadtschu- le zu Basel, welches Amt er aber bald wieder verlas- sen, weil er sich zu Theophrast Paracelsen gehalten E und Kurtzer Entwurf und ihm seine Buͤcher abgeschrieben hat, aus Hoffnung seine Arcana von ihm zu erlernen. Alleine, unser Oporin fande sich betrogen. Dahero er sich wieder zu seiner zaͤnckischen Frau begeben muste, welche er vor- hero ihrer uͤblen Auffuͤhrung wegen verlassen hatte. Jedoch, das Gluͤck wurde ihm um diese Zeit etwas guͤnstiger, indem er nicht nur seine boͤse Frau verlohren, sondern auch die Profeßion der griechischen Spra- che zu Basel erhalten, welche er zwey Jahr mit gutem Ruhm verwaltet hat. Er danckte aber dennoch ab und legte mit Robert Wintern eine Druckerey da- selbst an, welches ihm bey nahe sehr uͤbel bekommen waͤ- re. Denn Robert Winter machte viel Schulden, daß auch Oporin ein ziemliches Stuͤck Geld borgen muste, da er die Druckerey davon frey machen wollte Er wurde aber doch endlich Herr von der Druckerey alleine. Hier fieng sich nun sein Gluͤck zu bes- sern an. Denn er suchte nur die brauchbarsten und nuͤtzlichsten Buͤcher zu drucken, welche er selbsten auf das accurateste corrigiret hat. Ja er hat auch selbsten einige verfertiget. Dadurch erlangte er endlich den verdienten Lohn seiner Geschicklichkeit und Fleisses. Denn jedermann hatte vor ihm eine grosse Hoch- achtung, die auch nach seinem Todt noch uͤbrig geblieben ist. Er hat sich viermal verheyrathet, und mit seinen drey letzten Weibern eine vergnuͤgte Ehe gefuͤhret. Seine letzte Frau brachte ihn endlich dazu, daß er die Druckerey verkaufte. Sein Leben hat er 1568 geen- diget, und dessen Leichnahm ist in die Hauptkirche be- graben worden. Die Universitaͤt hat ihn mit einer wohlgesetzten Grabschrift beehret. Es heißt selbige also: AETER- Sein Jnsigne war Fig. III. p. 67 von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. war der Lesbische Poet und Lyricus Arion auf einem Delphin, oder Meerschwein. Er hat sich aber dessel- ben bald im Anfang, bald am Ende, seiner Buͤcher bedienet, und sonsten allerhand Veraͤnderungenda- mit vorgenommen. Sein Bildniß findet man auf Fig. II. Nach ihm verdienet angemerckt zu werden: Robert Stephanus , Er war in Paris gebohren, und einer von den beruͤhmte- sten und gelehrtesten Buchdruckern, die jemals diese Kunst getrieben haben. Sein Vater Heinrich Ste- phanus, und sein Stiefvater Simon Colinaͤus hat- ten zwar auch Druckereyen gehabt; Alleine, an Ro- berts Ruhm haben sie es bey weiten nicht gebracht. Es ist auch kein Wunder, denn er war nicht nur in der hebraͤisch-griechisch-und lateinischen Sprache unge- mein wohl erfahren, sondern er bemuͤhte sich auch seine Buͤcher auf das correcteste zu liefern. Dahero er auch E 2 die AETERNITATI IOANNES. OPORINVS BASIL. TYPOGRAPHVS DOCTVS. OPEROSVS. ELEGANS LIBRIS. INNVMERIS VIRTVTVM. HEREDE EX. IIII. CONIVGE VNICO. RELICTO PVBLICIS. LACRYMIS PRIV. SEXAGENAR. MAIOR HEIC. COND. Frugifer autu mnus periit, Dis notus \& orbi, Othion elapsus nautis meditatur Arion. Quantula sint hominum corpuscula, disce viater: Magnus Oporinus conditur hoc tumulo. Kurtzer Entwurf die corrigirten Bogen an die Ecken der Strassen aus- gehaͤnget, und demjenigen eine Belohnung versprochen haben soll, welcher ihm einen Fehler anzeigen wuͤrde. Ums Jahr 1539. wurde er Koͤnig Frantzens I. Buch- drucker der hebraͤischen und lateinischen Sprache. Weil man ihm aber Schuld gegeben, daß er bey seiner Entweichung aus Paris nach Genf etliche Schriften aus der Koͤniglichen Druckerey entwendet haͤtte, und sonsten die Theologische Facultaͤt sehr uͤbel auf ihn zu- sprechen war, wegen seiner Anmerckungen die er zu sei- ner hebraͤisch gedruckten Bibel gesetzet hatte; So soll man ihn in seiner Abwesenheit verbrannt haben. Un- terdessen setzte er zu Genf die Druckerey bis an sein End 1559. unermuͤdet fort, und lieferte der gelehrten Welt viel schoͤne und nuͤtzliche Buͤcher, die er zum Theil selbsten verfertiget hat. Er hinterließ Heinrich und Ro- berten, welche sich ebenfalls wegen ihrer Gelehrsam- keit und correct gedruckten Buͤcher viel Ruhm erwor- ben haben. Heinrich muste, wie sein Vater, aus Paris fluͤchtig werden, weil er seine Feder gar zu sehr wider die Geistlichen gespitzet hat. Dahero sein Bildniß in Paris verbrannt worden seyn soll. Unterdessen habe er von sich hoͤren lassen: es habe ihm niemals mehr gefrohren, als zu der Zeit, da er in Paris verbrannt worden sey. Wie wohl dieses einige von Robert Stephano sagen wollen. Mich. Maittaire aber macht dieses Vorge- ben gar zu einer Fabel. Zu Lyon ist er endlich im Spi- tal 1598. gestorben. Das Jnsigne der Stephano- rum war ein fruchtbarer Oelbaum, von welchem einige Zweige fallen, andere aber dagegen eingepfropfet sind. Unter demselben stehet ein Mann, welchen einige vor den Apostel Paulum halten. Die Beyschrift ist: Noli altum sapere, oder: Noli altum sapere, sed time, wel- che von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. che auf Roͤm. XI , 16-20. zielen soll. Robert Ste- phani Von der STEPHANORVM : Leben geben Mr de la THOV \& ANT. TEISSIER, Eloges des Hom. Sçav. Tom. II, p. 289. \& Tom. III, p. 418. MICH. MAITTAIRE Histor. Stephanorum, THEOD IANSON. ab ALMELOVEEN Diss. Epist. de vitis Stephanorum celebr. Typograph. p. 46 Nachricht Bildniß stehet auf unserer Fig. III. Christophorus Plantinus , Von Tours, in der Landschaft Touraine, hat seine Druckerey zu Antwerpen angelegt. Einige schreiben ihm eine ziemliche, andere gar keine, Gelehrsamkeit zu; Dieses aber muͤssen ihm beyde zugestehen, daß er viel schoͤne und accurat gedruckte Wercke ans Licht ge- bracht hat. Wie er denn die Biblia Polyglotta auf des Koͤnigs Philipps II. in Spanien 1571. in 8. Baͤnden in fol. sehr sauber gedrucket hat. Er soll zu allererst Arabisch gedruckt haben; Auserdem aber giebt man vor, er haͤtte mehr den hundert Sprachen drucken koͤnnen. Dahe- ro seine Druckerey vor das achte Wunderwerck der Welt von einigen gehalten worden. Und gleichwohl ist er in grosse Schulden gerathen. Seine Schwieger- soͤhne Frantz Rapheleng, und Joh. Moretus haben nach seinem Tod, der sich 1589. zugetragen, die Dru- ckerey mit vielen Ruhm fortgesetzet. Dessen Jnsigne ist ein Cirkel, welchen eine Hand aus den Wolcken re- gieret Stehet der Daume auswaͤrts, so halten den Zettel mit der Uberschrift: Labore \& Constantia zur rechten ein stehender Mann, so ein Grabscheid, zur lincken eine Weibsperson, so ein grosses Creutz in den Haͤnden haben; Jst der Daume einwaͤrts verborgen, E 3 so Kurtzer Entwurf so sind auch die beygesetzten Worte verkehrt zu lesen: Constantia \& Labore. Dieses Jnsigne so wohl, als die vorhergehenden, kan man deutlich auf unserer Fig. IV. abgebildet sehen. Sein Bildniß findet man auf Fig. III. Jch koͤnnte hier mit leichter Muͤhe noch eine grosse Anzahl beruͤhmter Buchdrucker anfuͤhren, z. E. Johann Herwagen, Hadrian Turnebum, Daniel Bombergen, Jodocum Badium Ascensium, Ma- mert Patison, Friedrich und Claudium Morell, Christian Wecheln, Johann Amorbach, und noch andere mehr, wenn meine Absicht waͤre, von allen be- ruͤhmten Buchdruckern zu handeln. Alleine gegen- waͤrtiger Platz ist mir hierzu zu enge, und meine Absicht gehet nunmehro vornemlich auf Leipzig. Jedoch, ehe ich dazu schreite, will ich doch noch eine kleine Ausschwei- fung machen, und meine Augen auf unsere Nachbarn werffen. Dreßden ist der erste Ort, von welchem ich nur drey alte beruͤhmte Buchdrucker anfuͤhren will, die werth sind, daß ihr Gedaͤchtniß verneuert wird. Wolfgang Stoͤckel , Jst der erste davon. Dieser lebte anfaͤnglich von 1495. bis 1519. allhier in Leipzig. Um welche Zeit er nach Dreßden sich gewendet hat und bey Hertzog Georgen Hofbuchdrucker worden ist. Siehe Joh Jmman Muͤllers Incunabula Typogra- phiæ Lipsiensis, Leipzig, 1720. 4. p. 12. Jch werde von ihm noch einmal reden muͤssen, wenn ich auf die Leipziger kommen werde; Dahero ich hier weiter nichts anzu- fuͤhren vor noͤthig erachte, als daß ich noch melde, wie sein Sohn vielleicht, Mat- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. Matthias Stoͤckel , mit Gimel Bergen zu Dreßden um das Jahr 1579. eine Druckerey gehabt habe. Es beweißt dieses der allererste Druck von dem Concordien-Buch, so zu Dreßden auf Anordnung Churfuͤrst Augusts zu Sachsen und Einwilligung der andern Fuͤrsten und Staͤnden im heiligen Reich teutscher Nation, so dassel- bige unterschrieben, 1579. ingleichen von der Apologie, so eben daselbst 1584. in fol erschienen ist. Es stehet ausdruͤcklich hinten dran: Gedruckt zu Dreßden, im Churfuͤrstlichen Saͤchsischen Hoflager durch Mat- thias Stoͤckel, und Gimel Bergen, 1579. allwo zugleich ihr gemeinschaftliches Jnsigne stehet Es ist aber folgendes: Erstlich stehet in der Mitte der Evangelist Matthaͤus, zu dessen lincker Hand siehet man einen Baum, an welchem auf der rechten Seite ein Apfel, auf der lincken eine Rose mit einem Creutz, wie der seelige Lutherus im Signet gefuͤhret, herunter haͤn- get. Um den Baum herum schlingen sich aufwaͤrts zwey Schlangen, davon eine nach den Apfel die andere nach der Rose langet. Oben auf dem Baum stehet Psal. 37. Uber demselben lassen sich Sonne, Mond und Sterne sehen. Unten auf dem Erdboden aber liegt ein Todtenkopf mit Beinen und eine Sanduhr, woselbst unter dem Apfel 3. Kornaͤhre aufgericht, unter der Rose aber ebenfalls drey Kornaͤhren, aber gebogen, stehen; Zu der rechten Hand stehet wiederum ein Baum mit Fruͤchten, welcher aus einem abgehiebenen Stamm hervor gewachsen ist; Jede Frucht hat ein Creutz; Oben auf dem Baum stehet eine Taube, am Himmel zeigen sich Sterne, unten langet ein Eichhorn nach den Fruͤchten und auf der Erden lieget eine abge- E 4 fallene Kurtzer Entwurf fallene Bluͤthe. Um dieses Jnsigne herum lieset man Matthes Stoͤckel und Gimel Bergen, mit der Jahr- zahl 1579. Ausen herum sind die uͤbrigen drey Evan- gelisten mit ihren gewoͤhnlichen Zeichen angebracht. Jn Kupfer kan man selbiges hinten unter unsern gesto- chenen Jnsignien sehen. Woraus also deutlich zu schliesen, daß diese beyde Maͤnner eine Druckerey mit einander gehabt haben muͤssen. Der dritte ist also: Gimel Bergen , Welcher zu Luͤbeck im Jahr Christi 1543. gebohren war. Sein Sohn lernte hier in Leipzig die Buchdru- ckerkunst 1635. Nachdem er nun seine Lehrjahre nach uralten Gebrauch und Gewohnheit ehrlich und redlich ausgestanden; So wurde er am zweyhundertjaͤhri- gen Jubelfest 1640. allhier nebst Christian Nobis, von Zwickau, und Gregor. Koͤrnern, von Waldsachsen, unter die Anzahl der Kunstglieder an und aufgenom- men und in den Gesellenstand erhoben. Nachhero hat er sich nach Dreßden gewendet und die Buchdru- ckerey daselbst getrieben. Unter den Roth Scholtzi- schen Siehe Roth-Scholtzii insignia Bibliopolarum \& Ty- pographorum, Sect. XLI. n. 390. Norimbergæ, 1730. f. Sinnbildern finde ich noch ein ordentliches Wappen von Gimel Bergen, welches in einem teut- schen silbernen Schild zwey Berge hat: Auf dem ge- schlossenen Stechhelm aber siehet man ebenfalls ei- nen Berg woraus ein Baum gewachsen ist, mit der Uberschrift: GIMEL BERGEN. Jch kan nicht sagen, ob dieses Wappen der Vater, oder Sohn, gefuͤh- ret hat, weil keine Jahrzahl dabey befindlich. Wie ich denn uͤberhaupt von dem Sohn nichts zuverlaͤßiges habe von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. habe auftreiben koͤnnen, als daß Johann David Werther Jn seinen oͤfters angefuͤhrten Nachrichten von der Buchdruckerkunst, p. 22. uns berichtet, er waͤre 1640. allhier zu Leipzig zum Gesellen gemacht worden. Seines Va- ters Bildniß siehet man Fig. III. Von Dreßden wende ich mich nach Wittenberg. Wer der erste Buchdrucker daselbst gewesen ist, will ich vorjetzo nicht untersuchen, sondern ich will nur einige beruͤhmte Maͤnner anfuͤhren die daselbst diese Kunst ehedessen getrieben haben. Den ersten Platz mag allhier Hermann Trebelius , Einnehmen. Von diesem weiß man, daß er im Jahr 1505. Petri Rauennatis Librum Sermonum in Festis herausgegeben und gedruckt hat. Jngleichen 1506. Mart. Pollichii, alias Mellerstadii, Tr. in Wimpinianas Offensiones. Siehe D. Val. Ernst Loͤschers Stromateum Sect. XI, p. 261. Sonsten ist nichts mehr zur Zeit von ihm bekannt. Mit mehrern Recht gehoͤret unter die beruͤhmten Buchdrucker zu Wittenberg Melchior, und Michael Lotther, Dieses waren zwey Bruͤder, gebuͤrtig von Leipzig. Melchior kam um das Jahr 1518. nach Wittenberg, und legte daselbst eine dreyfache Druckerey, wie es Lu- therus Jn einem Brief an Johann Langen, der Vicarius in Augustiner Kloster zu Erfurt gewesen. Epist. Tom. I, p. 225. Edit. Aurifabri: Lotherus Lipsienfis, apud nos erigit ealcographiam triplicis linguæ. Feruet studium, præsertim Theologiæ. Lipsia Lipfiscit, sicut mos eft. geheissen, an, nemlich eine teutsche, griechische E 5 und Kurtzer Entwurf und lateinische, da sie vorhero nur teutsch gedrucket haben. 1520. erschiene aus seiner Presse D. M. L. Sermon von dem Neuen Testament, d. i. von der heyligen Messe, in 4. allwo er sich am Ende Mel- chior Lotter jung genennet, und noch in diesem Jahr Lutheri Buͤchlein von guten Wercken. 1521. fieng er an Lutheri Postill in 4 zu drucken, 1522 aber die erste teutsche Ubersetzung von dem N. T. jedoch ohne seinem Namen. Bey der andern Auflage aber hat er sich ge- nennet. Und da es 1524. abermals gedruckt worden, so stehen Melchior und Michael Lotther beysammen: Welche Verbindung nicht lange gedauert hat. Denn noch in dem folgenden Jahr ist er wieder nach Leipzig zuruͤck gegangen und hat seinen Bruder in Wittenberg gelassen. Bey diesem wurden alsdenn die wichtigsten Schriften Lutheri von 1525. bis 1529. gedruckt, in wel- chem letzten Jahr er sich nach Magdeburg gewendet hat, woselbst er bis an sein Ende geblieben, welches ohnge- fehr ums Jahr 1554. oder 1555. herangenahet ist. Um eben diese Zeit herum wurde Georg Rhawe , Bekannt. Er war 1488. gebohren. Anfaͤnglich verwal- tete er allhier in Leipzig eine Zeitlang das Amt eines Cantoris zu St. Thomaͤ, wie er denn 1519. bey D. Eckens Disputation die Music aufgefuͤhret haben soll. Hierauf begab er sich der Religion wegen nach Witten- berg, allwo sein Bruder, Johann Rhawe, als Dia- conus gestanden. Er legte daselbste ne Druckerey an. Jm Jahr 1521. hat er schon einige kleine Schriften Lu- theri gedruckt. 1531. kam aus seiner Presse Lutheri grosser Catechismus nebst einem Unterricht von der Beicht und Absolution zum erstenmal an das Licht, wel- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. welcher 1534. und 1535. schon wieder aufgelegt werden muste Er war aber absonderlich Philipp Melanch- thons Buchdrucker, indem er desselben meiste Schrif- ten zu seiner Zeit gedrucket hat. Man weiß auch von ihm, daß er selbsten einige theologische und musicalische Buͤcher verfertiget hat. Jm Jahr 1548. nahm er von dieser Welt Abschied. Er muß in Wittenberg in gutem Ansehen gewesen seyn, weil er daselbst zugleich Rathsherr gewesen ist. Sein Bildniß stehet auf unse- rer Fig. V. Noch weit beruͤhmter aber war. Hannß Lufft , Welcher 1495. gebohren war. Wer dessen Eltern gewesen, ist gaͤntzlich unbekannt, man weiß auch nicht wo er gebohren worden, vielweniger wo und wenn er die Lehrjahre ausgestanden hat. So viel ersieht man aus einigen Briefen Lutheri, daß er, als ein Buch- drucker Geselle, bald hie, bald da hin von dem Prior des Augustiner Klosters zu Wittenberg Eberh. Briß- ger geschicket worden ist. Jn Supplem. Buddeano Epist. Lutheri n. 48. f. 33. \& 38. Lutherus heißt Luften an diesem Ort des Augustiner- klosters Sachwalter und Zinßeinforderer, Procuratorem \& postulatorem census \&c. Nachdem sich Melch. Lotther 1525. von Wittenberg weg begeben hat, in dessen Druckerey er vorhero vielleicht als Ge- selle gestanden; So fieng Lufft vor sich eine Druckerey an, es gieng aber bis 1529. hertzlich schlecht von stat- ten. Alleine von dieser Zeit an wurde ihm das Gluͤck guͤnstiger, bis es ihm erst 1534. voͤllig erhoben hat. Denn in diesem Jahr druckte er Lutheri teutsch uͤber- setzte Bibel zum ersten mal gantz, welche er bald 1541. 1545. 1546. wieder auflegen muste, und damit bis 1574. be- Kurtzer Entwurf bestaͤndig zu thun hatte, ja man giebt vor, daß waͤhrend dieser Zeit die Bibel Lutheri wohl 100000 mal aus seiner Presse gekommen sey. Dahero er nur der ordent- liche Bibeldrucker hiese. Er hat aber auch, auser der Bibel, Lutheri Hauß- und Kirchenpostille und dessen Wercke bey nahe alle mit einander gedruckt, wodurch er nicht nur sehr beruͤhmt wurde, sondern auch zu guten Mitteln kam. Mit seiner Ehefrau lebte er von 1519. bis 1561. sehr vergnuͤgt, mit welcher er aber keine maͤnn- lichen Erben gezeuget, sondern nur eine Tochter, die sich mit Andrea Aurifabro, einem D der Artzney- kunst, der nachmals bey dem Hertzog Albrecht Leib- medicus und fuͤrstlicher Rath worden, verehliget. Es wurde auch Hannß Lufft ums Jahr 1550. Raths- herr, und endlich 1563. Burgermeister zu Witten- berg. Jm Jahr 1584. gab er hernach im 89. Jahr seines Alters seinen Geist auf. Es bezeuget dieses das Epitaphium, so sich in der Stadt- kirche zu Wittenberg vor dem Altar befindet, und bis diese Stunde noch zu sehen ist. An. 1584. den 2. Septembr. ist in GOtt seeliglichen verschieden, der erbare Wolweise Herr Johann Lufft, Burgermeister allhier. GOtt verleyhe ihm und uns allen eine froͤhliche Auf- erstehung; Seines Alters im 89. Jahr. Siehe Bal- thas. Mentzii Syntagm. Epitaph. Witteb. L. II, f. 100. num. LII. Er hatte die Ehre, daß ihn die gelehrtesten Leute damaliger Zeiten ihrer Freundschaft wuͤrdigten. Er war ein sehr munterer und aufgeweckter Mann, daher man ihm auch Schuld giebt, er haͤtte jaͤhrlich am gruͤnen Donnerstag bey sei- nem Fest, welches er wegen des geendigten Bibeldrucks begangen, bey der Mahlzeit seinen Gaͤsten und gu- ten Freunden etwas starck zu getruncken, mit dem Vor- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. Vorgeben, er muͤsse solches thun, um die Hefftigkeit der Flamme zu daͤmpfen, weil sein Name zu Rom an diesem Tag, nebst andern Ketzern, besonders mit ver- brennet wuͤrde. Man giebt ferner vor, er waͤre der erste Uhrheber von dem sogenannten Buchdruckercalen- der, welches aber noch nicht genung erwiesen ist. Sein Jnsigne kommt mit dem Frobenianischen ziem- lich uͤberein. Zwey Haͤnde aus der Wolcken halten ein blosses Schwerd um welches sich zwey Schlangen aufwaͤrts winden, und die Koͤpfe unter sich kehren, auf der Spitze aber stehet an Statt der Taube ein Hertz. Bey grossen und kleinen Buͤchern stehet dann und wann sein Name Johannes Lufft im Cirkel noch da- zu ausgedruckt. Er hat aber auch noch einige an- dere gefuͤhrt, z. E. David mit der Harffe vor GOtt Kniend, ein Crucifix nebst einer davor knienden Churfuͤrstlichen Person und auf der andern Seiten Lutheri kniendes Bildniß. Wer mehrere Nachricht von diesem Mann zu wissen begehrt, der schlage Gustav Georg Zeltners Lebensbe- schreibung von ihm nach, Nuͤrnberg, 1727, 4. Sein Bildniß trift man auf Fig. V. an. Zu gleicher Zeit lebte auch Johann Crato, oder Krafft , Jn Wittenberg, welcher vermuthlich ein Bruder, oder naher Anverwandter des beruͤhmten Kaͤyserli- chen Leibmedici Joh. Cratonis von Kraftheim ge- wesen ist. Er hat zwar auch einige Schriften Lu- theri, z. E. dessen Postille 1567. den 10. Theil von dessen Wercken, 1563. und andere mehr geliefert; Er druckte aber absonderlich Philipp Melanch- thons Schriften, nach Georg Rhawens Tod. Die- Kurtzer Entwurf Diejenigen, welche diese Wercke besitzen, werden ein Zeugniß ablegen koͤnnen, daß dessen Druck unge- mein nett, rein, und praͤchtig aussieht. Er war ein vertrauter Freund Philippi Melanchthonis Sein Jnsigne und Bildniß stehet auf Fig. V. Auser diesem ist auch sonderlich. Peter Seitz , Bekannt, welcher ebenfalls um diese Zeiten gelebet, und verschiedene Theile von Lutheri Schriften ge- druckt hat. Sonsten ist noch anzumercken, daß die- ser Seitz, welchen Werther faͤlschlich Seltze nen- net, nebst Hannß Lufft, Georg Rhawe im Jahr 1540. zu Wittenberg das erste Jubelfest wegen Er- findung der Buchdruckerkunst feyerlich begangen hat. Es haben auch noch einige andere, als Joseph und Thomas Klug, Nicolaus Schierlentz, Veit Creutzer, Lorentz Schwenck, Clemens Schleich, Anton Schoͤne, Hannß Schwertel, Matthias Welack ꝛc. um diese und folgende Zeiten in Witten- berg gelebet, welche gleichfalls an den Wercken Luthe- ri mit gedrucket, aber doch bey weitem nicht einen sol- chen Ruhm erworben haben, als die vorhergehenden. Jch will doch auch diejenigen Buchdrucker hier an- haͤngen, welche sich in Wittenberg von der Zeit ihrer daselbst aufgerichteten Jnnung, bis auf die neuern Zeiten, niedergelassen haben. Es richteten aber 1606. den 2. Aug. folgende ein Jnnung auf: Georg Muͤller. Lorentz Seuberlich. Johann Schmidt. Wolf Meißner. Mar- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. Martin Henckel. Johann Gorman, und Nicol Seligmann. Von der Zeit an, hat man bis auf das andere hundertjaͤhrige Jubelfest, 1640. folgende anzumercken: 1611. Andreas Ruͤdinger. 1613. Zacharias Mose. 1613. Hartmann Liebe. 1615. Johann Mattheus. 1615. Georg Kellner. 1618. Paul Schelter. 1618. Nicolaus Ball. 1618. August Boreck. 1622 Jobst Willhelm Fincelius, dessen Bildniß auf Fig. V. zu sehen. 1622. Christian Thamm. 1623. Johann Hacke. 1625. Salomon Auersbach. 1628. Michael Wend. 1630. Zacharias Ebert. 1630. Ambrosius Rothe. 1631. Georg Muͤller, und 1632. Johann Roͤhnert. Worauf nachstehende noch anzumercken: 1653. Johann Hacke, jun. 1655. Johann Borckhardt. 1656. Melchior Oelschlagers Wittib. 1661. Matthaͤus Henckel. 1663 Friedrich Willhelm Fincelius. 1667. Michael Meyer. 1671 Daniel Schmatz. 1674. Christian Schroͤdter. 1674. Kurtzer Entwurf 1674. Johann Wilcke. 1676. Johann Christian Ziegenbain. 1682. Christian Fincelius, von welchem man ebenfalls ein Bildniß auf Fig. V. findet. 1682. August Bruͤningh. 1690. Johann Michael Goderitsch. 1691. Martin Schultze. 1691. Johann Hacke. 1693 Christian Kreusig. 1698. Christian Gerdesius, welchen wir auf Fig. V. abstechen lassen. Nach der Zeit aber haben sich noch folgende da- selbst angerichtet: 1706. Johann Gottfried Mayer. 1709. Samuel Kreußig. 1711. August Koberstein. 1712. Johann Ludolph Fincelius. 1713. Johann Michael Horn, der 1716. seine Druckerey nach Schneeberg an Christian Hein- rich Kannengieser verkauft, welche 1719. durch die Feuersgluth verzehret worden. Diejenigen welche sich zu unsern Zeiten in Wittenberg befinden, werden wir am Ende gegenwaͤrtiger Blaͤtter anfuͤhren. Und hiermit von Wittenberg genug. Jch will mich doch auch in Jena ein bisgen um- sehen. Der Anfang, welchen die Druckerey in Jena gehabt, ist um einer doppelten Ursache willen hoͤchst- merckwuͤrdig. Einmal, weil sie sich unter hohen Schutz Jhro Durchl. Hertzog Johann Friedrichs des mittlern, ingleichen, Johann Willhelms und Johann Friedrichs des juͤngern, Gebruͤdere, Her- tzogen von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. tzogen zu Sachsen daselbst 1553. niedergelassen; Vors andere aber weil der erste Buchdrucker Christian Roͤdinger , Den Anfang zum drucken mit den XII, Jenaischen teutschen und IV. lateinischen Theilen von Lutheri Schriften gemacht hat. Es war selbiger von Ge- burt ein Magdeburger, und ein sehr geschickter Mann. Weil aber bald darauf 1564. nebst diesen Schriften, auch eine teutsche Lutherische Bibel durch Vorschub des Hertzog Friederichs des Mittler sollte gedruckt werden; So konnte er alleine die Sache nicht ge- nug foͤrdern, dahero sich noch zwey andere, nemlich: Donat Ritzenhayn, u. Thomas Rebart, Daselbst niederliesen, dazu hernach auch noch 1590. der vierdte, Tobias Steinmann , kam. Jetzt angefuͤhrte Maͤnner haben endlich mit gros- ser Muͤhe dieses weitlaͤuftige und nuͤtzliche Werck gluͤck- lich zu Ende gebracht, wodurch sie ihre Namen bis auf die spaͤtesten Nachkommen fortgepflantzet haben. Von Thomas Rebart muß ich noch gedencken, daß selbiger nebst seiner Druckerey zugleich einen Buchla- den gehabt habe. Auser diesen bereits angefuͤhrten, ist auch noch Guͤnther Huͤttich , Zu mercken, welcher 1571. auf Befehl Hertzog Jo- hann Willhelms zu Sachsen das sogenannte Cor- pus Doctrinaͤ in Fol. gedrucket hat. Sonsten aber hat 1572. Ernst von Gera, und 1583. Jacob Lip- F pold Kurtzer Entwurf pold eine Druckerey zu Jena angeleget. Nach der Zeit haben daselbst die Kunst getrieben im Jahr: 1624. Johann Weidner, welcher 1628. ge- storben. Dessen Wittwe 1629. die Druckerey fort- setzte, nach derselben Tod aber ist selbige an ihren Sohn, Johann Christoph, gekommen. 1626. hat Johann Beutmann daselbst eine Druckerey aufgerichtet, die aber 1630. die Erben uͤbernommen, und da auch diese aussturben, so wurde solche verkauft. Endlich ruͤckte das 200jaͤhrige Jubelfest heran. Die Leipziger Gesellschaft lude die damaligen Buch- drucker in Jena: Johann Christoph Weidner. Ernst Steinmann. Blasius Lobenstein. Caspar Freyschmidt. zwar ein; Alleine, die harten Kriegs-Unruhen und die 1637. erlittene Pluͤnderung verhinderte selbige, daß sie nicht nach Leipzig kamen. Worzu noch die bey Saalfeld geschehene Schlacht von dem damaligen Schwedischen Feldmarschall Banner kam. 1662. waren daselbst: Georg Sengewald. Johann Nisius. Samuel Krebs. Johann Jacob Bauchofer, und Johann Werther, Senior und Caͤmmerer. 1687. Samuel Adolph Muͤller, welcher 1668. Sengewalds Druckerey gekauft hat. Johann Gollner. Johann Zacharias Nisius. Jo- von Erfindung der edlen Buchdruckerkunst. Johann David Werther. Johann Jac. Krebs, Factor. 1700. Paul Ehrich, so die Bauchoferische Buch- druckerey gekauft hat. Christoph Krebs. Johann Adolph Muͤller, Factor von Sa- muel Muͤllers Druckerey. Johann Rudolph Buͤnsdorf, Pachter der Nisiusischen Druckerey. 1720 Johann Adolph Muͤller. Die jetzo lebenden werden abermals am Ende zu finden seyn. Endlich komme ich naͤher zu meinem Endzweck. Denn nachdem ich bishero von einigen beruͤhmten Buchdruckern uͤberhaupt geredet habe; So bin ich nunmehro versprochener massen zu ertheilen ver- bunden: Eine kurtze Nachricht von denjenigen, welche sich allhier in Leipzig, von Anfang bis hie- her, in dieser Kunst geuͤbet haben. Der erste Anfang wird wohl schwerlich ohne allen Zweifel koͤnnen bestimmet werden. Denn es mangeln abermals die dazu gehoͤrigen Huͤlfsmittel. Will man sich hierinnen von den Leipziger Chronicken belehren las- sen; So findet man zwar bey Tobia Heydenreich, und Johann Jacob Vogeln, Bey jenem in seiner Leipziger Chronick, Leipzig 1635. 4. p. 84. und bey diesem in seinem Leipzigischen Geschichts- buch, oder Annalibus, p. 84. Leipzig, 1714. fol. Jn DA. VID PEIFERI Lipsia trift man gar nichts an. daß die Buchdru- ckerey 1513. allhier ihren Anfang genommen habe: F 2 Alleine, Kurtze Nachricht Alleine diese, Berichte sind grundfalsch. Denn ich werde bald zeigen, daß schon um das Jahr 1479. eine Dru- ckerey allhier angelegt worden sey. Einige wollen noch eher, nemlich von 1474. zu Leipzig gedruckte Buͤcher wissen; Jch halte es aber entweder vor einen Jrrthum, oder vor einen Druckfehler, Hieher gehoͤret CORNELIVS a BEVGHEM, welcher in seinen Incunabulis Typographiæ, Amsterdam 1687. 12. p. 85. BALTHASARIS de LIPSIA fratrum Collegii S. Bernardi ibidem Prouisoris Conclusio- nes XXXIX. cum suis explicationibus contra Io. Huss, pro vna specie Sacramenti Lipsiæ, 1474. gedruckt anfuͤhrt. Weil aber Johann Jmmanuel Muͤller dieses Buch selb- sten gesehen, und folgenden Titul: Conclusiones contra quorumdam Bohemorum errores eorumque perfidiam, und am Ende diese Worte: Conclusiones per Licentiatum Balthasar fratrum Collegii sancti Bernhardi Liptzick pro- uisorem Anno Domini 1. 4. 9. 4. gefunden; So ist aller- dings zu glauben, Beughem hat entweder, wenn er das Buch selbst gesehen, vor 1494. aus Jrrthum 1474. gele- sen, oder es ist vielleicht gar nur ein Druckfehler. Wie ich denn gaͤntzlich glaube, daß Maittaire ebenfalls geir- ret, wenn er Annal. T. I, p. 460. dieses Buch zu dem Jahr 1484. rechnet. Siehe Muͤllers Incunabula Typo- graphiæ Lipsiensis p. 7. ingleichen Gottfried Olearii Bi- bliothecam Scriptorum Eccles, T. I. p, 102. Jena 1711. 4. wie ich in beygesetzter Anmerckung deutlich erweisen werde. Andreas Frißner , Jst vielleicht der erste gewesen, welcher um das Jahr 1479. eine Druckerey allhier aufgerichtet hat. Dieser Frißner war ein Sohn Johann Frißners des Juͤn- gern, eines Rathsherrn zu Wonsiedel. Er studirte hier in Leipzig, und begab sich nach geendigten Studien, als von den Buchdruckern in Leipzig. als Magister Artium, nach Nuͤrnberg, allwo er bey dem damals beruͤhmten Buchdrucker Johann Sensen- schmid einen Correctorem Dieses bezeugen die Worte, welche bey Thomæ Aquina- tis Quodlibeticis, so Johann Sensenschmid 1474. fol. ge- druckt, am Ende befindlich sind: Beati Thome Aquinatis Quodlibetica, duodecim explieiunt feliciter per Ioannem Sensenschmid vrbis Nurmberge civem industriosum im- pressorie artis magistrum \& ANDREAM FRISNER de Bunsiedel imprimendorum librorum correctorem anno a natiuitate Domini MCCCCLXXIIII. decimo septimo Ca- lendas Maii. Mich. Maittaire hat also geirret, wenn er in Annal. suis T. I. p. 334. Frißnern zu den Drucker von diesem Buche macht, es heißt aber also daselbst: Tho Aquin. Quodlibetica: per Andream Frisner de Wunsie- del \& lohan. Sensenschmid. fol. anfaͤnglich abgegeben hat. Hierauf druckte er mit Sensenschmidt in Ge- sellschaft, und legte hernach selbsten eine Druckerey vor sich zu Nuͤrnberg an, woselbst er auch bis um das Jahr 1478 geblieben ist. Herr D. Val. Ernst Loͤscher meldet in seinem Stromates Sect. XI, p. 243. daß er Petri Lombardi Glossas in Psalte- rium, Norinbergæ fol. per Andr. Frisner de Wonsiedel 1478. gedruckt besitze. Denn um das Jahr 1479. wurde er nach Leipzig, als Professor Theologiaͤ, beruf- fen, woselbst er 1482. die Ehre genossen, daß er Rector Magnificus worden ist. Dieses bezeuget seine eigene Handschrift in dem Matri- ckul der hiesigen Academie, aufwelcher er der 146. Re- ctor Magnistcus seit der Aufrichtung derselben gewesen ist. Jch habe aber folgende Worte darinnen gefunden: Anno Domini quadringentesimo octuagesimo secundo die S. Georgii martyris Ego Andreas Frisner de Buusidel artium Magister Sacræque theologiæ Baccalarius in Recto- rem almæ vniuersitatis studii Lipsens. electus subscriptos de quatuor nationibus intitulaui. Hieher ließ er nun seine F 3 Dru- Kurtze Nachricht Druckerey bringen, welche er hernach im Testament dem Prediger Convent zu Leipzig vermacht hat, Capsam meam ferream, heisen die Worte des Testa- ments, \& pressorium, cum omnibus his instrumentis, \& aliis requisitis ad imprimendum libros, \& viginti Floreno- rum Rhenensium, \& meliorem mensam, quam habent in Stuba Prioris, lego conuentui Fratrum Prædicatorum in Lipzick, vt Deum pro me exorent, \& specialiter quatuor florenorum pro refectione speciali fratrum, eo die, quo exequias pro me fecerint. S. Ioannis Georgii Pertschii Origines Bonsideliens. P. II, c. 24. da er nach Rom gereiset, von dem Papst Julio II, als Pa- pæ \& sedis apostolicæ primarius ordinarius erweh- let worden, und daselbst 1504. gestorben ist. Er hat auch verschiedene Stipendia nach Wonsiedel gestifftet, welche die Frißnerischen und Pachelblischen Nachkom- men geniesen sollen, wenn sie sich dem Studiren widmen wuͤrden. Der Bibliotheck zu Wonsiedel hat er unter andern Buͤchern Historiam Lombardicam per se im- pressam Norinbergæ verehret, welche aber nebst der gantzen Bibliotheck in Feuer vor etlichen Jahren ver- lohren gegangen ist. Jch kan zwar kein Buch an- fuͤhren, welches hier zu Leipzig aus seiner Presse mit sei- nem Namen gekommen waͤre; Da aber zur Zeit noch kein aͤlteres Buch, so zu Leipzig gedruckt, bekannt wor- den ist, als vom Jahr 1481. Es ist dieses ein Commentarius uͤber die Offenbahrung S. Johannis, der Titul davon ist folgender; Glossa super Apocalipsim de statu ecclesie ab anno salutis presentis sci- licet Mcccclxxxi . vsque ad finem mundi \& de pre- claro \& gloriosissimo triumpho Christianorum in Turcos \& Maumethos quorum secta \& Imperium breuiter incipiet deficere ex fundamentis Johannis in Apocalipsi \& ex sensu lite- und Frißner seine Dru- von den Buchdruckern in Leipzig. Druckerey um das Jahr 1479. von Nuͤrnberg hieher bringen lassen; So vermuthe ich, daß dasselbe in seiner Druckerey allhier gedruckt worden sey, obgleich sein Name nicht dabey stehet. Jch finde auch kein besonde- res Jnsigne von ihm, das er gefuͤhret hat. Man weiß aber, daß er und Johann Sensenschmidt mit einan- der eines gehabt haben, welches einen doppelten teut- schen Schild vorstellet. Jn dem Schild zur rechten siehet man zwey aufwaͤrts stehende Sensen, in dem zur lincken Hand einen Pelican. Siehe unsere Insignia Typograph. Lips. Nach ihm richtete sich allhier 1484 Marcus Brander, an, welcher insgemein vor den ersten Buchdrucker in Leipzig ausgegeben wird. Soglaubet JEAN de la CAILLE Histoire de l’Im- primerie \& de la Libraire p. 44. Paris, 1689. 4. GOTT- FRIED CHRISTIAN GOETZE in Progr de Bi- bliotheca Senatus Lipsiensis p. 4. Leipzig, 1711. 4. und Muͤller faͤllt ihnen in seinen Incunabulis bey. Man weiß nicht mehr, als ein eintziges Buch, daß dieser Mann ge- druckt hat, wovon der Titul also lautet: Tractatulus de re- gimine hominis compositus per magistrum \& dominum dominum archiepiseopum Pragensem 4. Am Ende ste- hen folgende Worte: Magistri Medici arte medicorum nec non ecclesie pragenss archiepiscopi regimen sanitatis, quod alio nomine Vetularius nuncupatur, finit feliciter impressum in Lipczk per Marcum brander Anno domini m. cccclxxxiiii. xxvi , die Menss Augusti. Da man aber schon vor 1484. gedruckte Buͤcher aufweisen kan; So duͤrfte ihm vielleicht die erste Stelle nicht einzuraͤu- men seyn. Nach ihm wurde F 4 1488- literali eiusdemque apertissimo cum consonantia ex Iudiciis astrorum. Am Ende aber lieset man also: Ex genua Mcccclxxx . die xxxi . marty in sabato se- cundo completum. Impressum lipezk anno sequente sei- licet Mcccclxxxi . in profesto michahelis. Siehe Muͤl- lers Incunabula p. 9. \& D. V E. Loͤschern l. c. p. 244. Kurtze Nachricht 1488-1489. Moritz Brandis, Baccalaureus Philosophiæ, bekannt. Die von ihm gedruckten Buͤ- cher beweisen, daß er zugleich auch die Buchdruckerey getrieben habe. Jn diesen Gedancken stehet Maittaire l. c. p. 503. allwo er uns berichtet, daß dieser Brandis solgendes Buch ge- druckt habe: Priami Capotii Siculi Lilybætani Frideri- ceis, ad Fridericum Saxoniæ ducem, ob victum Adoiphum Imperatorem Suecicum exercitum e ditione sua profliga- tum: Excudit MAVRICIVS BRANDIS (repono Marcus Brandt, ni fallor) Lips. 1488. Ego vero non repo- no, Marcus Brandt, sed alio testimonio permotus existi- mo, Mauricium Brandis retinendum esse. Denn Carl Sam. Senff hat uns in seinen Jubel-und Kirchen-Ge- schichten des Amts Stolpen Cap. I, p. 24. Bautzen, 1719. 8. ausdruͤcklich berichtet, daß in der Bibliotheck zu Stolpen auch folgendes von ihm gedrucktes Buch zu se- hen sey: Opusculum ex floribus Scripturarum collectum de arte moriendi predicatum Missne per Licentiatum Va- lentinum Anno Lxxxiiii . Am Ende: A. D. 1489. Im- press. per Mauricium Brandiss Liptzk. Woraus man deut- lich abnehmen kan, daß er zwar mit vorhergehendem Brander zu gleicher Zeit gelebet habe, von ihm aber un- terschieden sey. Einige meynen, dieser Brandis und vorhergehender Brander waͤren nur eine Person gewesen, weil Brand’ mit einem Apostropho ebenfalls Brandis heisen koͤnne; Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß, wenn diese zwey Maͤnner nur eine Person gewesen waͤren, sich selbiger bald Marcus, bald Moritz, auf den gedruckten Buͤchern sollte genennet haben. 1489-1509. Conrad Kachelofen wurde schon um das Jahr 1489. und nicht 1492. wie Muͤller, mey- net, Herr Muͤller glaubt dieses in seinen Incunabulis p. 11. darum, weil er kein aͤlteres Buch antreffen koͤnnen, als Theo- bekannt. Es bezeugen dieses seine gedruckten Buͤ- von den Buchdruckern in Leipzig. Buͤcher. Um das Jahr 1495. hat er sich der Pest wegen nach Freyberg gewendet. Dieses beweisen die klaren Worte, welche sich am En- de des Operis librorum Missalium iuxta rubricam Ecclesiæ Misnensis befinden: Reuerendissimus in Christo pater \& dominus, dominus Johannes de Salhusen modernus Misnensis Ecclesiæ Episcopus præsens Missalium opus iux- ta rubricam iam dictæ suæ Misnensis diœcesis diligenti opera castigatum ac distinctum per industrium Conradum Kachelofen huius impressoriæ artis magistrum oppidique Lipsensis conciuem in oppido eodem inchoari: atque grassante pestifero morbo in oppido Freiberg perfici \& fœ- liciter finiri procurauit Anno salutis quinto \& nonagesimo super quadringentesimum \& millesimum die vero lunæ mensis Nouembris nona. Und dieses Buch stehet auch noch zu Freyberg. Wie lang er aber daselbst geblieben seyn muß, kan ich nicht berichten. Es sind noch viele von ihm gedruckte Buͤcher hier und da in Biblio- thecken anzutreffen. Wie denn in der oͤffentlichen Bi- bliotheck zu Freyberg noch 12. Stuͤck aufbehalten wer- den. Uber 1509. habe ich keines ausfindig machen koͤnnen, dahero er vielleicht um diese Zeit herum gestor- ben ist. Sein Jnsigne stellet einen alten Mann vor, der zwey Schilder haͤlt, in dem Schild zur rechten F 5 Hand Theoduli Eclogas impressas liptz per Conrad. Kachelouen Anno salutis MCCCCLXXXXII. Alleine erirret. Denn Mich. Maittare fuͤhret in seinen Annal. T. I. p. 514. folgendes an: Reisnung auf alle Kanfmannschaften durch Conrad Kachelofen, Lips. 1489. und M. Samuel Moller, wohlverdienter Rector in Freyberg, berichtet in seinem Progr. de Script. ac Typogr. Antiqu. in Bibliothe- ca publ. Freibergæ iuuentis, Freyberg 1726. fol. daß in der daselbst oͤffentlichen Bibliotheck, Poggii, Florentini Oratoris ac Secretarii Apost. Facetiæ, 1491. 4. nebst unterschiedlichen von 1491-1509. von Conrad Ka- chelofen gedruckt, zu finden seyn. Kurtze Nachricht Hand stehen die Anfangsbuchstaben von seinem Na- men C. K. in dem zur lincken aber das Leipziger Stadt Wappen. Siehe unsere am Ende angehaͤngten In- signia Typographorum Lipsiensium. 1490-1512. Martin Lantzberg, der sich auch dann und wann nur Martinum Herbipolensem Bacca- laureum genennet hat, weil er von Wuͤrtzburg gebuͤrtig war. Die Bibliotheck zu Freyberg weißt abermals 11. Stuͤck Buͤcher auf, so er gedrucket. Siehe MOLLERI Progr. und Muͤllers Incunabula p. 11. Goͤtzens Progr. p. 5. das erste von ihm gedruckte Buch soll Johannis von Valtz, oder Joh. de Paltz Hy- melisch Funtgrub von 1490. gewesen seyn. Den Ho- ratium hat er auch gedruckt, an dessen Ende stehet: Impressum in inclyta ciuitate Liptzyk per Baccalarium Martinum Herbipolensem Anno salutis MCCCCXCII. in 4. die in Freyberg sich befindliche Buͤcher, so Lantz- berg gedruckt, sind alle von 1501.-1511. zum Vor- schein gekommen. Unter- dessen trift man auch noch einige andere an, die aus sei- ner Presse gekommen sind, bey welchen sein Name zum Theil stehet, zum Theil aber weggelassen ist. Man kan aber selbige gar leicht aus seinem Jnsigne erkennen. Es stellet selbiges zwey Schilde vor, welche an einem Ast haͤngen Jn dem Schild zur rechten Hand sieht man einem Stern, den halben Mond und die Sonne, in dem zur lincken aber eine Capelle mit drey Thurn- spitzen. 1490. Gregorius Wehrmann, von welchem ich aber weiter nichts, als den blosen Namen anfuͤhren kan. 1492-1498. Gregorius Boͤttger. Von die- sem weiß ich zwar, daß er etliche Buͤcher gedruckt hat; Es sind aber folgende: 1) Oratio de eligendo sum- mo Von von den Buchdruckern in Leipzig. Von dessen uͤbrigen Umstaͤnden aber habe ich abermals nichts finden koͤnnen. 1493-1495. Arnoldus de Colonia, sonsten hieß er sich auch nur Arnoldum Coloniensem, woraus man so viel siehet, daß Coͤlln sein Geburtsort gewesen sey. Wenn er aber nach Leipzig gekommen sey, und wie lan- ge er allhier gelebet hat, ist gaͤntzlich unbekannt. Von seinen gedruckten Buͤchern finden sich verschiedene so wohl auf der hiesigen Universitaͤts-Bibliotheck, welche eine rechte Schatzkammer von dergleichen Sachen ist, als auch in der Bibliotheck zu Freyberg. Das aͤlteste so man von ihm weiß, ist folgendes: Exercitium puerorum gram- maticale per dietas distributum 4. am Ende lieset man also. Impressum Liptzk per Arnoldum Coloniensem An- no gracie quadringentesimo nonagesimo tertio. 1495-1519. Wolfgang Stoͤckel, auch Stoͤck- lin und Molitor, war in Muͤnchen gebohren, dahero er sich nach der damaligen Gewohnheit auch nur Wolf- gangum Manacensem dann und wann genennet hat. Jn Erfurt ist er Baccalaureus und endlich zu Leipzig ein Buͤrger und Buchdrucker worden. Er hat sich aber nicht Zeit Lebens allhier aufgehalten, sondern er ist um das Jahr 1519. als Hofbuchdrucker Hertzog Geor- gens nach Dreßden beruffen worden, wie ich bereits oben p. 70. schon angefuͤhret habe. Jn seiner Druckerey sind mo pontifice: habita Rome in ecclesia sancti Petri ad sa- cratissimum Senatum Cardinalium, Innocentio octauo de- mortuo per R. in Christo patrem Bernardinum Carnaial. Pacen. Episcopum: Regis \& Regine Hispanie oratorem: die transfigurationis Dominice sexta Augusti Mccccxcii . 4. am Ende lieset man: Impressum Liptzk per Gregorium Bœttiger. 2) Icti Cuiusdam Prælectiones publicæ: per Gregorium Bœtticher Lips. fol. 1493. Siehe Muͤllers Incunab. p. 12. Goͤtzens Program. p. 4 und Maittaire T. I, p. 456. Kurtze Nachricht sind viele nuͤtzliche Buͤcher gedruckt worden, wie denn in der Bibliotheck zu Freyberg noch 20. Stuͤck davon zu sehen sind. Es machet dieselben alle Samuel Moller in seinem Progr. nahmhaft. Sie sind von 1497. an bis 1519. aus der Presse gekommen. Alleine Maittaire l. c. p. 590. und Muͤller in seinen Incunab. p. 13. wissen schon eines von 1495. nemlich Saliceti Tr. de salute corporis, wo sich Stoͤ- ckel Baccalaureum Wolfgangum de Monaco genennet hat. Maittaire fuͤhrt auch Prisciani opera per Wolfgangum Molitorem aus Goͤtzens Progr. p. 4. von 1496. und p. 647. Quatuor Nouifsima cum multis exemplis pulcherri- mis apud Baccalarium Wolfgangum. Lips. 1497. an. Daß aber dieser Baccalarius Wolfgangus kein anderer als Stoͤ- ckel gewesen, beweiset Enee siluii, seu Pape Pii de Ritu. Situ. Moribus ac conditione alamanie opus celeberri- mum \&c allwo am Ende ausdruͤcklich stehet: per Bacca- larium Wolfgangum Stockel de Monaco. S. Muͤllers Incunab. l. c. Alle diese jezt angefuͤhrte Buͤcher sind nicht in der Freybergischen Bibliotheck befindlich. Daraus man so viel ersehen kan, daß dieser Wolfgang Stoͤckel ei- ner der beruͤhmtesten Buchdrucker seiner Zeit gewesen seyn muß, weil man noch heut zu Tag so viele von seinen ge- druckten Buͤchern antrift. Sein Jnsigne war ein Hammer auf einem Postement mit seinem Anfangsbuchstaben W. S. Er hat sich aber auch noch eines andern bedienet, welches aus zwey Schildern bestanden, die zusammen an einen Ast aufgehangen sind. Der Schild zur rech- ten Hand weißt Stoͤckels Anfangsbuchstaben W. S, oben einen Stern und unten ein Rad, nebst zwey creutzweis gelegten Hacken, der Schild zur lincken Hand aber das Leipziger Stadtwappen auf. Siehe unsere Jnsignia. 1497-1519. Melchior Lotther lebte gleichfalls um diese Zeit. Er giebt dem vorigen an Ruhm nichts nach. Die Bibliotheck zu Freyberg kan abermals un- truͤgliche von den Buchdruckern in Leipzig. truͤgliche Zeugen davon aufweisen. Es sind auser vielen Buͤchern, so die Reformation Lu- theri angehen, 23. Stuͤck daselbst befindlich, welche oͤfters gedachter Herr Moller in seinem Progr. anfuͤhret. Man muß sich aber wohl vorsehen, daß man ihm nicht einige zuschreibet, welche dessen Sohn gleiches Namens gedru- cket hat. Er trieb seine Kunst bis 1519. allhier in Leipzig; Er begab sich aber noch in diesem Jahr nach Meisen, Es beweisen dieses die Vesperæ \& Vigiliæ defunctorum, secundum Rubricam ingenuæ Misenensis Ecclesiæ in 4. 1520. impressæ. Denn am Ende lieset man: Misnæ in aula Episcopali per prouidum virum Melchiorem Lothe- rum, ciuem Lipsiensem: Anno incarnationis millesimo quingentesimo vigesimo. weil in Leipzig die Pest regierte. Unter seinen vielfaͤltig gedruckten Schrif- ten sind absonderlich verschiedene recht merckwuͤrdige Stuͤcke anzutreffen, welche die Reformation Lutheri angehen. Solche alle aber allhie anzufuͤhren leydet mein Endzweck nicht. Vermuthlich ist er 1525. ge- storben, als in welchem Jahr dessen Sohn von Witten- berg wieder nach Leipzig gezogen ist, und des Vaters Buchdruckerey angenommen hat. Sein Jnsigne ist ein alter Mann, der einen Schild haͤlt, worinnen seine An- fangsbuchstaben M. L. stehen. Siehe unsere Jnsignia. Dessen Bildniß stehet auf beygehendem Kupfer. 1498-1528. Jacob Thanner von Wuͤrtzburg gebuͤrtig. So viel man aus seinen gedruckten Buͤ- chern abnehmen kan; So mag er wohl ums Jahr 1498. allhier eine Druckerey angeleget haben. Man findet auch, daß er sich dann und wann lateinisch laco- bum Abiegnum genennet hat. Dieses bezeugen die von ihm gedruckten Buͤcher. Jch will Freyberg hat wie- Kurtze Nachricht wiederum 12. Zeugen aufzuweisen, Siehe Mollers Programma. Man findet aber auch noch einige andere mehr. die aus seiner Presse gekommen sind. Er hat sich insonderheit um die Schulautores verdient gemacht, unter welchen er den Florum, Plautum, Virgilium, Bey dessen Aeneide von 1505. stehen am Ende M. GREGOR. LATICEPHALI de KONITZ merck- wuͤrdige Verse auf unsern Thanner: Hoc opus Abiegnus vir doctus in arte Jacobus Absoluit nitidum: Lipsvbi pulchra nitet: Lips vrbes vincit studiis doctissima cunctas; Hie totas sedes diua Minerua tenet. Ovidium, Lucianum ꝛc. zum Theil gantz, zum Theil nur einige Stuͤcke, gedrucket hat. Sein Ende ist unbekannt, desto bekannter aber sein Name, und wenn er auch solchen zu seinen gedruckten Buͤchern nicht gesetzet hat, so sieht man doch aus desselben feinem Druck und sei- nem Jnsigne gar leicht, daß sie aus seiner Druckerey sind. Sein Jnsigne aber ist ein viereckigtes schwartzes Feld, in welchem eine weise Figur, wie ein Riß von einem Reichsapfel zu sehen, nebst seinen Anfangsbuch- staben i. t. Siehe unsere Jnsignia Dessen Bildniß haben wir auf beygehenden Kupffer vorstellen lassen. 1499. Melchior Baͤrnius. Von diesem weiß ich weiter nichts zu sagen, als, daß Gottfried Chri- stian Goͤtze in seinem oͤfters angefuͤhrten Program. p. 5. schreibet, um diese Zeit war nebst andern auch Melchior Baͤrnius, als ein erfahrner Buchdrucker, bekannt Wie weit aber diese Nachricht gegruͤndet, oder will doch ein eintziges anfuͤhren: Refutatorium errorum fratris Hieronymi Sauonarole qui concionando ad popu- lum florentie in templo dei summo Pontifici insurrexit in 4. am Ende lieset man folgende Worte: Impressum per Jac. Abiegnum A. salutis nostre Mccccxcviii . von den Buchdruckern in Leipzig. oder nicht gegruͤndet sey, kan ich nicht entdecken. Viel- leicht sind einige von meinen Lesern so guͤtig, und kom- men mir mit der Zeit hierinnen zu statten, wenn sie mir einige Nachrichten mitzutheilen belieben wollten. Denn alle alte Buͤcher selbsten in Augenschein nehmen wollen, ist ein vergebliches Hoffen, und keines eintzigen Men- schen Werck. Jn welcher Bibliothek stehen sie beysam- men? Jn keiner. 1514. Conrad Baumgarten hat um diese Zeit Textum trium Librorum Aristot. de anima pun- ctuatim emendatum cum interpretatione secundum viam Alberti Aegidii \& B. Thomæ magistrali \& cla- ra fol. allhier gedruckt. Sein Jnsigne ist ein abge- hiebener Vaum, an welchem aus dem abgehiebenen Aesten drey Blaͤtter heraus gewachsen sind. Oben druͤber haͤnget ein Zettel mit dessen Anfangsbuchsta- ben. C. B. Siehe unsere Jnsignia. 1515.-1535. Valentin Schumann. Was seine Geburth, Leben und Tod anbelangt, muß ich meine Unwissenheit wiederum gestehen. Von seinen gedruck- ten Buͤchern aber weiß ich, daß zu Freyberg 7. Stuͤck in der Bibliotheck stehen. Es lehret mich dieses Mollers Programma. Sein Jnsigne ist mir auch noch bekannt. Es ist eigentlich nur sein verzoge- ner Name. Aus dem V. gehet ein Stengel in die Hoͤhe, welcher oben drey Blaͤtter hat, in der Mitte aber von dem S. umwunden wird. Auf beyden Sei- ten stehen zwey starcke Baͤume in die Hoͤhe, welche sich oben zusammen biegen. Was die beyden Buch- staben L. D. sagen sollen, kan ich nicht errathen. Siehe unsere Jnsignia. 1522. Nicolaus Faber, oder Schmidt, dessen Jnsigne stellet eine offene Thuͤr vor, in welcher ein Schild Kurtze Nachricht Schild mit Laubwerck umgeben, aufgehaͤnget ist, und auf beyden Seiten von zwey nackenden Knaben gehal- ten wird. Jn dem Schild selbst siehet man drey Trian- gel, zwey neben einander und einen unten drunter. Jm Jahr 1555. ist er wieder gestorben. 1525. Melchior Lotther. Ein Sohn des oben gedachten Lotthers gleiches Namens. Anfaͤnglich ließ er sich in Wittenberg nieder, nach des Vatern Tod aber kam er wieder nach Leipzig. Jch habe bereits oben unter den Wittenbergern von ihm gehandelt. 1533-1549. Michael Blum hatte zu seinem Jn- signe einen Schild in welchem die Anfangsbuchstaben von seinem Namen M. B. zu sehen sind. Den Schild haͤlt ein Engel mit beyden Haͤnden, ausen herum ist ein Blumencrantz. Man findet aber auch, daß dessen Schild zwey Engel halten, worinnen drey Blumen stehen. 1537. Nicolaus Wolrab hat sich durch aller- hand anzuͤgliche Schriften wider D Luthern auch einen Namen in der Welt gemacht, welche aus seiner Druckerey hervor getreten sind. Er hat aber auch um das Jahr 1530. eine teutsche Bibel Lutheri nach- zudrucken angefangen, welches Lutherus auf alle Art und Weise zu hintertreiben sich bemuͤhet hat. Viel- leicht weil er diesen Wolraben nicht getrauet. Es wurde ihm auch wuͤrcklich verbothen. Unterdessen er- langte doch Wolrab die Erlaubniß diese Bibel endlich gar zu drucken, welche er auch 1541. zu Ende gebracht hat. Sie ist mit den uͤbrigen Bibeln, so Hannß Luft in Wittenberg gedruckt, vollkommen einstimmig. Da- hero selbige so gar auf Fuͤrstlichem Befehl in allen Kir- chen angeschaffet worden. Sein Jnsigne stellte die For- tunam vor, indem sie auf dem Wasser faͤhrt. Man findet von den Buchdruckern in Leipzig. findet aber auch, daß er sich zu anderer Zeit den Heil. Nicolanm zu seinen Jnsigne erwehlet hat, welcher in ei- ner Hand ein Buch, in der andern aber ein Crucifix haͤlt. Siehe unsere Jnsignia. 1539-1570. Jacob Berwald hat sich absonder- lich durch den Druck des Sleidani 1559. fol. bekannt gemacht. Er ist den 20 October 1570. gestorben. Die Erben setzten die Druckerey fort, dessen Sohn Zacharias aber wurde hernach Herr davon. Sein Jnsigne war ein Baͤr, um welchen ein Crantz von Laub- werck gezogen ist. Siehe unsere Jnsignia. 1541-1598. Valentin Papa verheyrathete 1557. den 14. Jul. seine Tochter Anna an Herrn M. Ernst Voͤgelin, so aber 1598. wieder gestorben ist. Goͤtze zehlt ihn unter diejenigen Buchdrucker in Leipzig, welche sich um ihre Kunst ungemein verdient gemacht haben. Jn dem oͤfters angefuͤhrten Programmate, p. 5. 1559. Wolfgang Guͤnther, gebuͤrtig von Dip- polswalde. 1551-1555. Urban Gaubisch. Er war 1502. in Ortrandt, einem Staͤdtgen in Meisen, gebohren. Sein Vater war Alexius Gaubisch. Anfaͤnglich lie- sen ihn seine Eltern fleißig in die Schule gehen. Nach- dem aber sein Vater etwas zeitlich gestorben; So sahe sich seine Mutter genoͤthiget ihn in das Augustiner Klo- ster nach grossen Hayn zu thun, worinnen er auch bis gegen das Jahr 1539. geblieben ist. Da nun aber Lu- therus um diese Zeit auch in Meisen zu reformiren an- fieng; So gieng Gaubisch mit einem andern Ordens Bruder auf und davon. Es fuͤgte sich aber, daß ihn Lutherus ohngesehr antraf: Dahero er ihn mit nach G Leip- Kurtze Nachricht Leipzig genommen und zu Jacob Berwald gethan hat, die Buchdruckerkunst bey ihm zu erlernen. Er begriffe selbige sehr bald und gieng hernach auf Reisen. Jm Jahr 1551. zur Zeit der Magdeburgischen Belage- rung verfuͤgte er sich wieder nach Leipzig und ließ sich mit seines Lehrherrns, Jacob Berwalds, Weibes Schwester Margarethen Niedersteterin in ein ehe- liches Verbindniß ein. Bald hierauf berufften ihn die Grafen und Herren zu Mannsfeld nach Eißleben zu einen Buchdrucker. Jm Jahr 1566. verehlichte er sich zum andern mal mit Simon Gaßmanns, des Raths zu Ortrand, Tochter. Mit seinen beyden Wei- bern hat er 9. Soͤhne und 4. Toͤchter gezeuget. Er uͤber- gab seinem Sohn Jacob noch bey seinem Leben die Druckerey und ist im 90. Jahr seines Alters 1592. ge- storben. Aus seiner Druckerey ist der erste und andere Theil von Lutheri Schriften 1564. 1565. zum Vor- schein gekommen, ingleichen 1566. Lutheri Tischreden zum ersten mal. D. Schleupner Jn der Leichenpredigt. Unter seinem Bildniß sollen die Worte stehen: So sah Urban Gaubisch gar eben Ein vornehmer Buchdrucker in Eißleben. Ætatis suæ 90. giebt ihm das schoͤne Zeugnis, daß er ein rechter Gottesfuͤrchtiger und frommer Mann gewesen sey. Sein Bildniß wird hier in Kupfer gestochen zu sehen seyn. 1552-1565. Georg Hantsch hielt sich hier eine Zeitlang auf, er gieng aber 1565. nach Weisenfelß und von dar 1571. nach Muͤhlhausen. 1558-1574. Andreas Schneider. 1558-1579. Johann Rhamba gebuͤrtig von Buxtztehude. Jm Jahr 1541. heyrathete er Ambrosii Fritz- von den Buchdruckern in Leipzig. Fritzschens, Buchdruckers zu Goͤrlitz, Tochter und starb den 12. April 1579. Sein Jnsigne stellet den heil. Geist in Gestalt einer Taube vor, woruͤber das hebraͤi- sche Wort Jehova zu lesen. Siehe unsere Jnsignia. 1559. M. Ernst Voͤgelin, gebohren zu Constantz den 10. Augusti 1529. studirte allhier in Leipzig um das Jahr 1550. und wurde 1552. im Monat September Baccalaureus Philosophiæ, und 1554. Magister. Worauf er den 2. October 1555. Baccalaureus Theo- logiæ wurde. Jm Jahr 1557. heyrathete er Annam, Valentin Papaͤ, Buchdruckers allhier, Tochter, die 1598. wieder gestorben ist. Er erlangte das Buͤrger- recht allhier 1559. und 1578. fluͤchtete er nach Heidel- berg aus Furcht vor dem Gefaͤngniß, worein kurtz vor- hero D. Andreas Freyhube geworffen wurde. Er hat auch daselbst 1590. sein Leben geendiget, und 3. Soͤhne nemlich: Gotthard, Philipp und Valentin Voͤge- lin hinterlassen. Dieser Mann macht allen alten Buchdruckern allhier in Leipzig den Ruhm streitig, ja er uͤbertrift sie. Und wo ich nicht irre, so giebt dessen netter und sauberer Druck weder dem Aldinischen und Gryphischen, noch dem Plantinischen Druck etwas nach, wo er es ihm nicht gar zuvor thut. Diejenigen, welche von ihm gedruckte Buͤcher besitzen, werden mir ihren Beyfall nicht entziehen koͤnnen, sie muͤsten denn wider den Augenschein reden wollen. Auser der Dru- ckerey legte er auch einen beruͤhmten Buchhandel an. Seine Soͤhne setzten nach seinem Tod beydes fort. Das Jnsigne, so er gefuͤhret, war die Bundslade, wel- che zwey Cherubim mit ihren Fluͤgeln bedecken. Uber derselben stehet ein Crucifix, woruͤber der heilige Geist in Gestalt einer Taube, und uͤber diesem das Wort Jehova, mit einem Schein umgeben, zu sehen ist. Um G 2 die- Kurtze Nachricht dieses Jnsigne herum gehet ein Schnitzwerck, an dessen vier Seiten die Kennzeichen der vier Evangelisten ange- bracht sind. Die Soͤhne haben solches beybehalten. Siehe unsere Jnsignia. Von dessen Leben und Schrif- ten soll, so viel wir wissen, in einem besondern Tractat bald ein mehrers gesagt werden. 1561-1578. Johann Steinmann druckte an- faͤnglich mit Voͤgelins Schriften, er legte aber hernach eine eigene Druckerey 1578. an, und sturbe 1588. den 15. Mertz. Die Erben fuͤhrten die Druckerey fort. Sein Jnsigne stellet einen geharnischten Mann vor, ne- ben ihm stehet an einem Baum ein aufgerichteter Stein, welchen er mit der Hand haͤlt, auf welchem man die Worte lieset: LAPIS TESTIMONII Jo- suæ XXIIII. Am Rande sollen ausen herum die Worte aus Josua am XXIV. stehen: Lapis iste erit vobis in testimonium, quod audieritis omnia verba domini, ne mentiri possitis domino Deo vestro. Siehe unsere Jnsignia. 1566. Andreas Richter druckte mit Voͤgelins Schriften. 1577. Johann Beyer fuͤhrte nebst der Drucke- rey zugleich einen Buchhandel, er sturbe 1596. Seine Erben setzten das Werck bis 1606. fort. Von To- bias Beyern wird bald ein mehrers gemeldet werden. Sein Jnsigne war ein Pelican, der seine jungen mit sei- nem Blute saͤttiget. 1580-1586. Georg Defner, starb 1586. Sei- ne hinterlassene Wittib verehlichte sich mit Abraham Lambergen, von dem hernach. 1585-1598. Zacharias Berwald, sturbe 1598. Seine Erben setzten die Druckerey fort. Er behielt das Jnsigne seines Vaters. Er hat einen Sohn Ja- cob von den Buchdruckern in Leipzig. cob hinterlassen, von welchem wir hernach reden werden. 1587-1629. Abraham Lamberg erblickte das Licht dieser Welt allhier in Leipzig 1558. Sein Va- ter war Hadrian Lamberg, Buͤrger und Schneider allhier. Jn seiner ersten Jugend wurde er wohl erzo- gen und 1571. in die Schul-Pforte geschicket. Da er aber aus Mangel der noͤthigen Unkosten das Studiren nicht fortsetzen konnte; So lernte er bey den Berwal- dischen Erben die Buchdruckerkunst. Nach ausge- standenen Lehrjahren sahe er sich in den vornehmsten Buchdruckereyen in Teutschland um und kam hernach wieder nach Leipzig zuruͤck, allwo er sich den 18. Jul. 1587. mit Barbara, Herrn Georg Defeners, Buch- druckers allhier, Wittib in ein Ehebindniß eingelassen, und mit selbiger zwar vergnuͤgt, aber ohne Erben, 37. Jahr zugebracht hat. Nach seiner ersten Ehefrau Tod hat er sich den 13. Jul. 1624. mit Christina, Herrn Christoph Goͤrings, Buͤrgers und Zunft Stuͤbners allhie, Tochter zum andern mal verehlichet, mit welcher er 6. Jahr im Ehestand gelebet und 2. Soͤhne Christoph und Abraham gezeuget hat. End- lich hat er den 1. Novembr. 1629. im 72. Jahr seines Alters dieses Zeitliche geseegnet. Weil er mit vielen vornehmen Gelehrten, als D. Polycarp Leysern, D. Matth. Hoͤe und einigen andern in gute Bekanntschaft gerathen; So legte er auch einen Buchhandel nebst seiner Druckerey an und verlegte unterschiedliche schoͤne Schriften unter allergnaͤdigst verstatteten Privile- giis. Alleine sein herannahendes Alter hinderte ihn, daß er diesem Handel nach Gebuͤhr nicht sattsam mehr vorstehen konnte, dahero verkaufte er selbigen wiederum und setzte die Druckerey alleine fort, welches hernach auch seine Erben von 1631-1633. thaten. Sein Jn- G 3 signe Kurtze Nachricht signe war ein Pegasus, oder gefluͤgeltes Pferd. Sie- he unsere Jnsignia. 1588-1612. Michael Lantzenberger war 1552. in Scheibenberg, einem Staͤdtgen bey Annaberg, gebohren. Bis in sein 17. Jahr besuchte er die Schu- len fleißig, alsdenn wurde er hieher nach Leipzig zu Jo- hann Steinmann gebracht die Buchdruckerkunst zu erlernen. Jm Jahr 1578. hat er Catharinen, Matth. Ottens, Buͤrgers und Glasers allhier, eheliche Toch- ter geheyrathet, und mit selbiger 6. Soͤhne und 6. Toͤch- ter gezeuget. Er ist auf dem Ruͤckweg, da er seinen Herrn Schwager, den Pfarrer von Senckenberg, bis an das aͤuserste Gerbers Thor allhier begleitet im 60. Jahr seines Alters 1612. gestorben. Seine Erben trieben hernach die Buchdruckerey fort. Sein Jn- signe ist vermuthlich der Engel Michael, welcher mit einer Lantze den Drachen erleget, uͤber dessen Haupt das Wort Jehova mit einem Schein zu sehen ist. Die Uberschrift darum heißt: IN VOLVNT. TVA STABILIVISTI MONTEM MEUM Psal. XXX. Siehe unsere Jnsignia. 1600-1611. Jacob Gubisius, oder Gaubisch, ein Sohn des oben gedachten Gaubischs. Er hat die Berwaldische Druckerey fortgesetzet. Jm Jahr 1611. aber hat er seines alten Vaters Druckerey in Eißleben angenommen. 1600 Vincenz Strach. 1600. Frantz Schnelboltz, war in Wittenberg 1557. den 8. Junii gebohren. Sein Vater Gabriel Schnelboltz triebe die Buchdruckerkunst daselbst. Weil er nun bey seinem Sohn einen ungemeinen Trieb zu dieser Kunst merckte; So war er ihm auch auf alle Art und Weise darzu behuͤlflich. Er hielt sich meisten- theils von den Buchdruckern in Leipzig. theils allhier in Leipzig auf und verehelichte sich 1582. Durch seine Geschicklichkeit brachte er es dahin, daß er 1597. Johann Beyers Druckerey als Faetor vorzu- stehen erwehlet wurde. Endlich legte er 1600. eine ei- gene Druckerey an, welche er aber nicht lange fuͤhren konnte, weil er 1601. den 19. April gestorben ist. Mit seiner Frau lebte er 19. Jahr in Ehestand und zeugte 13. Kinder. Worunter sich Gabriel dem Studiren widmete, aber bald nach des Vaters Tod ebenfalls den Weg aller Welt gehen muste. Die Erben fuͤhrten die Druckerey von 1601-1604. fort. Das Schnelbol- tzische Jnsigne war ein ordentliches Wappen mit einem Helm. Jm Schild siehet man eine Hand, aus den Wolcken, welche drey Boltzen, oder Pfeile haͤlt, uͤber und unter der Hand stehet ein Stern. Auf dem Helm stehet eine Jungfer, welche in der rechten Hand eben- falls drey Boltzen, in der lincken aber einen Crantz haͤlt- Sein Sohn Gabriel hat es in wohlgerathenen lateini. schen Versen beschrieben, Insignia Familiæ Schnelboltzianæ: En Schnelboltziadæ sunt hæc insignia gentis, In quorum galea virgo sedere studet. Est humeris rubro virgo circumdata amictu, Et caput auricomum serta odorata tegunt. Inque manu dextra trifidas gerit illa sagittas, Et sertum lepidum pura sinistra tenet Area sed triplices in se res continet alba: Stellas cœruleas, spicula cumque manu GABRIEL SCHNELBOLTZ. Optim. Art. Studios. F. und wir liefern solches auf beygehendem Blat in Kupfer. 1602-1612. Nicolaus Nerlich, der aͤltere, war 1540. den 2. Febr. gebohren. Er verlohr seinen Va- G 4 ter, Kurtze Nachricht ter, gleiches Namens, sehr zeitig, unterdessen hielt ihn doch seine Mutter, eine gebohrne Belgershainin von Gerau, bis in sein 16. Jahr fleißig zur Schule. Hier- auf gieng er 1556. nach Wittenberg zu Jacob Lucio, von Siebenbuͤrgen gebuͤrtig, das Formenschneiden zu lernen, wobey er zugleich die Buchdruckerkunst begrif- fen hat. Jm Jahr 1664. heyrathete er Ursula, An- dreaͤ Heynens, Buͤrgers und Pergamentirers, Toch- ter allhier, mit welcher er 41. Jahr im Ehestand gelebet und 8. Soͤhne gezeuget hat. Endlich ist er im 73. Jahr seines Alters den 31 August 1612. gestorben. Nebst der Buchdruckerey hat er zugleich auch den Buch- handel getrieben. Dessen Sohn, gleiches Namens, hat nach seinem Tod beydes uͤbernommen, von dem hernach. Sein Jnsigne stellet Simson vor, da er die Stadtthore zu Gasa ausgehoben hat und davon traͤgt, mit der Beyschrift auf der einem Helfte: LIBER- TATEM MEAM, auf der andern: MECUM PORTO. Auf dem Rande herum sollen die Worte stehen: Auxilium meum a domino, qui fecit cœlum \& terram; Oben stehet ein kleiner Schild, worinnen 2. Sternen, und unten die Anfangsbuchstaben von sei- nem Namen N. N. mit einem Handelszeichen. 1603-1612. Jacob Popporeich hat mit Ber- walds Schriften gedruckt. 1604-1681. Hennig Grosse wurde den 14. Au- gust 1553. zu Halberstadt gebohren, dessen Eltern und Großeltern geehrte Leute und Rathsherren daselbst gewesen sind. Anfaͤnglich wurde unser Hennig nach Braunschweig in die Schule gethan, allwo er sich aber nicht gar zu lange aufgehalten hat. Denn schon 1566. kam er nach Leipzig zu Herrn Conrad Koͤnig, die Buchhandlung zu lernen. Bey welchen er 10. Jahr in von den Buchdruckern in Leipzig. in Diensten gewesen ist, und sich dergestalt wohl auf- gefuͤhret, daß ihn sein Herr die gantze Handlung an- vertrauet hat. Da sich nun sein Herr Alters wegen zu Ruhe begeben wollte; So entschloß er sich zwar ihm, als seinem Diener, die Handlung kaͤuflich zu uͤber- lassen: Alleine der Tod hinderte ihn an seinem Vorha- ben. Dahero er erst nach dessen Ableben 1575. von des- sen Erben die Buchhandlung kaufte. Jm Jahr 1577. heyrathete er Conrad Koͤnigs hinterlassene Wittwe Annam, eine gebohrne Foͤrsterin. Mit welcher er 45. Jahr in der Ehe gelebet, und 7. Kinder gezeuget hat. Hierauf wurde er 1590. Rathsherr allhier, er machte sich aber dieser Stelle 1592. wiederum ver- lustig, weil er sich die Visitationsartickel zu unter- schreiben weigerte. Underdessen erklaͤrte er sich doch hernach also auf den Catechismum Lutheri, daß die Geistlichkeit vollkommen mit ihm zufrieden war Um das Jahr 1604. legte er eine Buchdruckerey an, wel- che er entweder durch Factores, oder Pachter, ver- richten ließ. Endlich ist er den 10. November 1621. gestorben. Sein Sohn Gottfried war 1591. ge- bohren. Jn seinem 14. Jahr hielt ihn sein Vater zur Buchhandlung an, zu welcher er eine besondere Nei- gung spuͤhren ließ. Er brachte es auch in kurtzem so weit darinnen, daß er seinen Vater die Muͤhe und Sorge um ein merckliches erleichterte. Da er aber eine grose Lust bezeugete fremde Laͤnder zu sehen, und mehrere Kundschaft zu erlangen; so war ihm auch hie- rinnen sein Herr Vater nicht zuwider, sondern er er- laubte ihm eine Reise an verschiedene Oerter zu thun. Nach seiner Zuruͤckkunft verheyrathete er sich den 9. Novembr 1618. mit Margaretha, Herrn Friedrich Meyers, Chursaͤchsischen Schoͤppenstuhls allhier Bey- sitzer und aͤltesten Burgermeisters, Tochter, mit wel- G 5 cher Kurtze Nachricht cher er 11. Kinder gezeuget hat. Er hatte ebenfalls die Ehre, daß er 1623. Rathsherr wurde. Da er denn Ge- legenheit bekam verschiedene Ehrenstellen zu verwal- ten. Er nahm aber im 46. Jahr seines Alters den 19. Augusti 1637. aus dieser Welt wieder Abschied. Den Buchhandel fuͤhrete er selbst und die Buchdruckerey ließ er durch geschickte Factores fortsetzen, welche aber hernach M. Friedrich Lanckisch von ihm geerbet, weil er desselben Schwester zum Weibe gehabt hat, und mit ihm in Gesellschafft gestanden war. Auser dem ist noch anzumercken, daß aus diesem Großischen Ge- schlechte unterschiedliche vornehme und gelehrte Maͤn- ner so wohl geistlich als weltlichen Standes entspros- sen sind. Des Vaters Bildniß haben wir auf bey- gehendem Kupfer vorgestellet. 1609. Jacob Verwald, ein Sohn des bereits angefuͤhrten Zacharias Berwalds. Er hat des Va- ters Jnsigne beybehalten. 1609-1612. Valentin am Ende war gebohren 1557. zu Heinrichs einen Flecken in der Herrschafft Henneberg. Sein Vater Wolf am Ende war ein Rathsherr daselbst. Jn Schmalkalden hat er die Buchdruckerkunst gelernet. Nachdem er sich aber in der fremde Umgesehen hatte, ist er endlich hieher nach Leipzig gekommen, woselbst er sich 1587. haͤußlich nie- dergelassen und mit Stephan Lantzenbergs von Hoyerswerde hinterlassener Tochter Florentinen in ein Ehebindniß eingelassen hat, welche ihn zu einen Vater von 5. Kindern gemachet hat. Eine Tochter von ihm heyrathete hernach Friedr. Lanckisch Buch- drucker und Buchhaͤndlern allhier. Anfaͤnglich stund er einer Druckerey nur als Factor vor, 1602. aber legte er sich eine eigene an, die ihm aber der Tod zeit- lich von den Buchdruckern in Leipzig. lich wieder abnahm, nemlich den 22. Jan. 1614. Er soll oͤfters von sich haben hoͤren lassen: Jn Francken war mein Vaterland, Jn Meissen kriegt ich des Todesgewand, Jn Heinrich war meine Geburtsstadt, Jn Leipzig ist nun meine Ruhestad. 1609. Christoph Nerlich, ein Sohn des be- reits angefuͤhrten Nicolai Nerlichs. Anfaͤnglich fuͤhrte er die Druckerey alleine, hernach trat er mit seinem Bruder in Gesellschaft, und starb 1620. den 7. Jan. 1612. Nicolaus Nerlich, ein Bruder des vor- hergehenden und ein Sohn Nicolai Nerlichs. Er war gebohren hier zu Leipzig den 7. Jul. 1567. Jn seiner Jugend bezeigte er eine sonderbahre Lust zu sei- nes Vaters Handthierung, deßwegen ihn auch sein Va- ter 1582. nach Straßburg gethan hat bey Bernhard Jobin, einem beruͤhmten Formschneider und Buch- drucker daselbst die Kunst zu lernen. Nach ausge- standenen Jahren verfuͤgte er sich nach Franckfurt und von darnach Hauß. Er blieb aber nicht lange in sei- ner Vaterstadt, sondern gieng wieder nach Dantzig, allwo er sich 1592. mit Anna, Herrn Lorentz Schuͤr- chens vornehmen Handelsmanns daselbst Tochter, verehlichet. Da aber seine Eltern immer aͤlter und schwaͤcher wurden; So kam er 1602. auf seines Va- ters Befehl wieder nach Leipzig und fuͤhrte nebst seinem Bruder eine Zeitlang die Druckerey und Buchhand- lung. Nach desselben Tod aber uͤbernahm er bey- des allein, und wartete selbiges mit grossem Fleiß und Geschicklichkeit ab, bis er endlich den 19. Decembr. 1626. im 60. Jahr seines Alters gestorben ist. 1611- Kurtze Nachricht 1611-1615. Johann Hermann hat mit Ner- lichs Schriften als Pachter gedrucket. 1611-1619. Lorentz Cober, fuͤhrte in seinem Jnsign e den Vogel Greif, welcher mit beyden Klau- en drey Blumen haͤlt. Siehe unsere Jnsigna 1612-1615. Tobias Beyer starb 1615. die Er- ben setzten die Druckerey hernach fort. 1612. Wolfgang Meißner befande sich erst- lich in Wittenberg von 1593 bis 1611. Er kam aber hernach nach Leipzig und druckte mit Lambergs Schriften 1614-1635. Justus Jansonius, von Geburt ein Daͤne, richtete sich allhier an, und fuͤhrte in seinem Jnsigne ein Creutz um welches ein Crantz herum haͤn- get von 13. Steinen Kettenweiß zusammen gesetzt, auf 7. Steinen stehet das Wort FERT. Oben halten diesen Crantz zwey Engel, und unten haͤnget noch ein Bild daran, welches wie ein Gruß Mariaͤ aussiehet. Siehe unsere Jnsignia. 1615. Nicolaus Ball hielte sich anfaͤnglich all- hier auf, gieng aber 1628 nach Wittenberg, woselbst er auch gestorben ist. 1617. Melchior Goͤppener hat sich von hier nach Zwickau gewendet. Woselbst er von 1631. bis 1672. gelebet hat. 1617. Friedrich Lanckisch Buchdrucker und Buchhaͤndler allhier. Um das Jahr 1632. heißt es schon auf den Buͤchern: Lanckischens Erben. Sein Eheweib war eine Tochter Valentins am Ende, von dem wir bereits oben etwas gesagt haben, und von dessen Sohn gleiches Namens muͤssen wir hernach reden. 1618. Johann Gluͤck. 1618. von den Buchdruckern in Leipzig. 1618. M. Conrad Bavarus, gebuͤrtig aus Hal- le, hielt sich zwar hier eine Zeitlang auf, er gieng aber wieder nach Halle und starb daselbst den 27. No- vembr. 1643. 1618. Augustinus Jungius fuͤhrte in seinem Jnsigne den H. Augustinum, zu dessen rechter Hand ein kleiner Knabe kniet, ein Loch in die Erde machet, und mit einem Loͤffel das Meer hinnein schoͤpfen will. Es zielet dieses auf die bekannte Erzehlung, womit man sich zutragen pfleget, wie nemlich Augustinus eins- mals sehr beschaͤftiget gewesen seyn soll, das Geheimniß von der heiligen Dreyfaltigkeit recht einzusehen, und zu erforschen. Da er nun mit diesen Gedancken in seinem Gemuͤth zu Rathe und am Meer spatzieren gegangen waͤre, so soll ihm ein Knabe erschienen seyn, und ein Loch in die Erde gemachet haben, um das Meer mit einem Loͤffel hinein zu schoͤpfen. Hieruͤber haͤtte nun Augu- stinus zu lachen angefangen, und ihm die Unmoͤglichkeit vorgestellet, worauf ihm der Junge geantwortet haͤtten Eben so, und noch weit mehr unmoͤglicher ist es, das unergruͤndliche Meer des Geheimnisses von der Dreyei- nigkeit GOttes mit menschlichen Witz ergruͤnden wol- len. Diese Antwort haͤtte hernach Augustinus reiflich uͤberleget, und von seinem Vorhaben ab- gestanden. 1619. Johann Hildebrand hatte eine Tochter Timothei Ritzschens, Buchdruckers und Buchhaͤnd- lers allhier, zum Eheweib. 1619. Carl Luntzmann hat M. Conrad Ba- vari Druckerey fortgesetzet. 1620. Andreas Mamitsch gieng von hier nach Gera 1623. allwo er auch gestorben ist. Die Erben fuͤhrten die Druckerey fort. 1620 Kurtze Nachricht 1620. Hieronymus Rauscher. 1621. Andreas Oßwald hat erstlich Augustini Jungii Druckerey besorgt, hernach aber 1620. M. Conrad Bavari. 1623. Paulus Schedtler war erstlich in Wit- tenberg um das Jahr 1617. kam aber hernach hieher. 1624. Gregorius Ritzsch war zu Skitahl in Boͤhmen 1584. gebohren. Sein Vater Michael Ritzsch ist Verwalther und Kirchvater daselbst gewe- sen. Nach seines Vaters Tod 1600. that ihn seine Mutter hieher nach Leipzig zu seinem Vettern Michael Lantzenbergern die Buchdruckerkunst zu erlernen. Nach geendigten Lehrjahren begab er sich in die frem- de, kam aber wieder hieher nach Leipzig und verlobte sich 1610. den 29. October mit Christinen Benedict. Schumanns, Braumeisters zu Breitenhayn, Toch- ter. Jm Jahr 1624. fieng er eine Druckerey an, und 1640. war er einer von den vornehmsten Anstiftern, daß das Jubelfest in diesem Jahr begangen wurde. Mit seiner Ehefrau hat er 5. Soͤhne und 3. Toͤchter gezeuget. Sein Sohn Timotheus uͤberlebte ihn von den Soͤhnen alleine und war ebenfalls ein Buch- druckerherr allhier. Von den Toͤchtern aber uͤber- lebte ihn Maria, welche Herrn Tobias Heyden- reichen, beyder Rechten Doctorem und der Juristen- Facultaͤt Beysitzern, geheyrathet, und Christina, so sich mit Thimotheo Hoͤnen, Buchdruckern allhier verehlichet hat. Er ist aber im 90. Jahr seines Alters den 15. April 1643. gestorben. Als etwas besonders muß ich noch anmercken, daß dieser Ritzsch ein fleis- siger Anhoͤrer des goͤttlichen Worts gewesen sey. Man kan dieses leichtlich daher abnehmen, weil er aus den angehoͤrten Predigten kurtze Auszuͤge ge- macht, von den Buchdruckern in Leipzig. macht, selbige in Lieder gesetzet und ein Jahr vor sei- nem Tod dem oͤffentlichen Druck uͤberlassen hat. Sein Bildniß ( q ) findet man auf beygehendem Kupfer. 1625. Johann Albert Mintzel hat anfaͤng- lich die Großische Druckerey gefuͤhret. Er hat sich aber endlich nach Hof gewendet, und ist daselbst gestorben. 1626. Georg Liger war erstlich Factor in der Lambergischen, hernach Pachter in der Großischen Buchdruckerey. 1629. Matthias Goͤtze. 1633. Henning Koͤhler sturbe 1656. Die Wittwe fuͤhrte die Druckerey eine Zeitlang fort. Von seinem Sohn Johann werden wir bald mehr Nachricht ertheilen. 1638. Timotheus Ritzsch, ein Sohn Grego- rii Ritzschens, kam den 24. Jan. 1614. allhier auf die Welt. Jn seiner Jugend legte er in den Spra- chen und gelehrten Wissenschaften einen guten Grund. Weil aber sein Vater eine besondere Lust zur Buch- druckerkunst bey ihm merckte; So unterrichtete er ihn in selbiger. Er nahm auch darinnen dergestalt zu, daß er bey Zeiten alle die neben ihm waren weit uͤbertraf. Jm Jahr 1633. begab er sich nach Hol- land, Engelland und Franckreich, um sich in seiner Kunst recht feste zu setzen. Was er nun beschlossen hatte, das erhielt er auch. Denn er merckte nicht nur Unter demselben habe ich folgende Verse angetroffen: Durch meinen Beruf in reiner Lehr, Half ich ausbreiten GOttes Ehr, Fuͤr Jedermann, auch wer der sey, Trag ich meines Wandels keine Scheu. Kurtze Nachricht nur fleißig an, was ihm in seiner Kunst einigen Vor- theil zu bringen schiene, sondern er erlernte auch die Jtaliaͤnische, Frantzoͤsische und Hollaͤndische Sprache vollkommen, daß er auch unterschiedliche Schriften, die in diesen Sprachen geschrieben waren, in nette teutsche Verse uͤbersetzet hat. Nach dreyen Jahren kam er in sein Vaterland wieder zuruͤck, und erwehlte sich hierauf 1638. Sabinam, Herrn Johann Hil- debrands, eines beruͤhmten Buchdruckers allhier, Tochter zu einer Ehegattin, mit welcher er 39. Jahr eine vergnuͤgte Ehe gefuͤhret, und 12. Kinder gezeuget hat, nemlich 4. Soͤhne und 8. Toͤchter. Seine Ge- schicklichkeit und Klugheit machte ihn also beruͤhmt, daß ihm der Churfuͤrst zu Sachsen zu seinen Corre- spondentz-Secretarium erwehlet hat. Nebst seiner Druckerey fuͤhrte er zugleich einen beruͤhmten Buch- handel, indem er die Schriften der vornehmsten Got- tesgelehrten seiner Zeit, z. E. Huͤlsemanns, Affel- manns, ꝛc. und unter den Juristen des beruͤhmten Benedict Carpzovs Buͤcher verleget hat. Er ist endlich im 64. Jahr seines Alters 1678. gestorben, und hat uns zwey Soͤhne zu mercken hinterlassen, von welchen wir hernach etwas sagen muͤssen. 1640. Timotheus Hoͤn von Orlamuͤnda hey- rathete Gregorii Ritzschens juͤngste Tochter Chri- stinen, und sturbe 1647. Die Erben fuͤhrten bis 1651. die Druckerey fort. 1640-1671. Johann Wittigau erblickte das Licht dieser Welt den 1. May 1616. zu Piela in Meisen nach Elsterwerda gehoͤrig. Seine Eltern waren zwar arme, aber doch ehrliche Leute. Jm Jahr 1622. kam er nach Elsterwerda in die Schul, und einige mildthaͤ- tige Hertzen sorgten vor Buͤcher und andere Nothwen- digkei- von den Buchdruckern in Leipzig. digkeiten. Sein gutes Verhalten brachte es dahin, daß er nach 2. Jahren ein Currentschuͤler wurde, und sich eine geraume Zeit daselbst aufhielte. Weil er aber wohl einsahe, daß das Studiren mehr Kosten er- forderte, als er von seinen Eltern, oder guten Leuten, zu hoffen hatte; So verließ er die Schul und begab sich zu einem von Adel Hannß Ernst von Miltitz in Bedienung, wo er sich aber nicht uͤber ein Jahr auf- gehalten hat. Er kam also zu seinen Eltern wieder zu- ruͤck, und gieng mit selbigen zu Rath was nun anzufan- gen waͤre. Es waren kaum 3. Wochen verflossen, so schrieb der Hr. Superintendent von Liebenwerda an sei- ne Eltern, und berichtete ihnen, er haͤtte von dem Con- sistorio zu Wittenberg ein Schreiben erhalten, daß er einen armen Knaben vorschlagen sollte, welcher daselbst die Buchdruckerey umsonst lernen sollte. Wenn nun ihr Sohn darzu Lust haͤtte; So sollte er sich ohne Ver- zug darzu fertig machen. Uber diesen Vorschlag wa- ren die Eltern und Sohn hertzlich froh, deßwegen er sich nach Wittenberg verfuͤgte, und bey Hrn. Georg Muͤl- lern die Lehrjahre 1632. antrat. Jm Jahr 1635. wurde er in Wittenberg ein Cornute und 1636. allhier in Leipzig Geselle, nachdem ihm Herr Gregorius Ritzsch die Unkosten darzu vorgeschossen, welche er ihm aber redlich wieder ersetzet hat. Um diese Zeit belager- te der schwedische Generalfeldmarschall Banner Leip- zig, und setzte unserer Vaterstadt hart zu, daß man aller- dings Ursache hatte sich tapffer zu wehren. Waͤhren- der dieser Belagerung ließ sich unser Wittigau, als ein Musqvetier, auf den Mauren mit gebrauchen und be- kam woͤchentlich davor 1. Thaler nebst nothwendigem Unterhalt. Nach geendigter Belagerung verfuͤgte er sich nach Nuͤrnberg, Wuͤrtzburg, Regenspurg, Augspurg, H und Kurtze Nachricht und vielen Orten Teutschlands mehr, wo er uͤberall eine Zeitlang gearbeitet hat. Er hatte das Ungluͤck, daß er von den Schwedischen Soldaten gefangen wurde, da er nach Dreßden reisen wollte, er kam aber durch seine Vorsichtigkeit bald wieder davon, und besuchte alsdenn seine Eltern. Er war aber bey selbigen kaum angelang Als er nun hier ankam, so gieng er zu Herrn Henning Koͤhler, und hernach zu Lanckischens Wittwe in Condition. Seine Stunde war aber noch nicht da in Leipzig zu bleiben, sondern er gieng wieder in die Fremde und sahe sich noch an mehr Orten um, 1646. aber langte er abermals in Leipzig wieder an. Jm Jahr 1650. faßte er den Schluß eine eigene Drucke- rey Erst neulich hat man in den U. N. vom Jahr 1737. p. 276. ein Buch recensiret, welches von Wirtigau 1659. gedruckt worden ist. Der Titul davon ist werth, daß man ihn hieher setzet, weil es wider ein ungemein wunderli- ches Buch gerichret ist. Er heißt aber also: M. Dan, Lanii Jgnea veritatis evangelicæ columna, peregrinan- tes veros Jsraelitas ex spirituali errorum pontificiorum Aegypto in beatissimam promissam terram præcedens ac perducens Perspectivo minus perspicuo Bonauenturæ Hocquardi opposita, Lipsiæ, 1659. 4. allhier anzulegen, nachdem er sich vorhero 1647. mit Anna Gallin, von Naundorf gebuͤrtig, verehlichet hatte, mit welcher er zwey Kinder gezeuget hat. Der Tod trennte aber ihren Ehestand. Dahero er sich vom neuen um eine getreue Gehuͤlfin umsahe und selbige an Maria Catharina, Hannß Altners, Buͤrgers und Schneiders, Wittwe allhier, 1650. gefunden hat. Sie zeugte ihm 5. Toͤchter und starb 1693. den 20. De- cembr. Er selbst aber muste noch vor ihrem Tod den 13. May 1671. im 56. Jahr seines Alters aus dieser Welt von den Buchdruckern in Leipzig. Welt Abschied nehmen. Nebst seiner Druckerey hat er zugleich einen Buchhandel gefuͤhret. Und die Witt- we hat nach ihres Mannes Ableben die Druckerey durch Factores fortgesetzet. Bey welcher Johann Guͤnther, Christian Banckmann, Jacob Mann und Johann Heinrich Sievert diese Stelle vertre- ten haben. 1651-1681. Johann Bauer, dessen Wittwe die Druckerey von 1681-1682. gefuͤhret hat. 1652-1660. Qvirinus Bauch. 1652. M. Friedrich Lanckisch, ein Sohn Fried- rich Lanckischens, von welchen wir oben bereits gere- det haben. Er war gebohren den 10. Mertz 1618. Jn seiner ersten Jugend wurde er fleißig zur Schulen gehalten und hernach dem Studieren gewiedmet. Er war so fleißig, daß er schon in seinem 16. Jahr Bacca- laureus Philosophiæ werden konnte, und als Bacca- laureus dreymal, nemlich de Syllogismo, de tempore u. de Sympathia disputiret, er hat auch eine Disput. de somno, als Respond. vertheidiget. Hierauf begab er sich nach Wittenberg und hoͤrte daselbst so wohl in Philo- sophicis, als Theologicis, die beruͤhmtesten Professores, und von dar nach Jena, Erfurth und Helmstaͤdt End- lich kam er in Leipzig wieder an, und wurde mit grossem Beyfall Magister Philosophiaͤ. Kurtz hernach hat er sich durch eine Disputation de calido innato habiliti rt und absonderlich die Gottesgelahrheit mit allem Ernst getrieben. Denn er hatte sich gaͤntzlich vorgenommen seinem GOtt in der Kirche zu dienen; Alleine, seine schwache Leibesbeschaffenheit wollte ihm dieses nicht verstatten. Dahero er endlich auf seiner Frau Mut- ter Anhalten den Buchhandel uͤbernahm. Er heyra- thete erstlich Claren Magdalena, Herrn Tobiaͤ Mi- H 2 chaelis Kurtze Nachricht chaelis, Directoris Chori musici, Tochter 1648. nach derselben Tod aber Reginen Marien, Herrn Hen- nings Grossen Jungfer Tochter 1652. durch welche Heyrath die beruͤhmte Großische und Lanckische Buch- handlung mit ein ander verknuͤpfet wurden. Mit sei- ner letzten Frau hat er 9. Kinder gezeuget, 4. Soͤhne nemlich und 5. Toͤchter Zwey Soͤhne Hennig, und Christian Friedrich, ingleichen eine Tochter Florenti- na, sind noch vor dem Herrn Vater gestorben. Die dritte Tochter wurde an Jhro Hochehrwuͤrden Herrn D. Johann Benedict Carpzov, oͤffentlichen Lehrern auf der hiesigen Universitaͤt, und Pastor an der Kirche zu St. Thomas verheyrathet. Von den drey uͤbri- gen aber wurde eine mit Herrn D. Mayern, die andere mit Herrn Professor Ernesti und die dritte mit Herrn D. Moͤrlin verehlichet. Von dessen Soͤhnen wurde Friedrich Zeugwaͤrter bey der Vestung Wittenberg, und von Joh. Frierdichen koͤnnen wir nichts melden. Endlich ist er den 22. October 1667. und nicht 1679. wie das Gelehrten Lexicon berichtet, im 51. Jahr sei- nes Alters gestorben. Auser seinen Verlagsbuͤchern, wird dessen edlen Ruhm die von ihm verfertigte nuͤtzli- che Concordantz biß auf die spaͤtesten Nachkommen in frischen Andencken erhalten. Und wir wollen solches durch dessen Bildniß auf beygehendem Kupfer vorjetzo verneuern. 1653-1657. Christoph Cellarius druckte mit Lanckischen Schriften, als Pachter, und heyrathete 1655. Anna Doberentzin, zog aber hernach 1658. nach Zeitz. 1656. Johann Erich Hahn, Buchdrucker und Schriftgieser allhier kaufte von M. Friedrich Lan- ckischen 1657. die Druckerey. Seine Schriftgieserey ver- von den Buchdruckern in Leipzig. verließ er kaͤuflich an Herrn Janson, welches nunmeh- ro die wohleingerichtete Erhardische allhier ist. Jm Jahr 1668. ist er wieder verschieden. Seine Wittwe fuͤhrte zwar einige Zeit die Druckerey fort; Sie verkaufte aber selbige hernach an Christoph Flei- schern 1681. und nunmehro ist Herr Saalbach Besi- tzer davon. 1656-1684. Christian Michaelis besaß die Lampische Buchdruckerey, welche hernach an Herrn Zschauen, ietzo aber an Herrn Hennig gekommen ist. 1664-1701. Joh. Georgi, dessen Druckerey be- kam ehedessen Herr Johann Christoph Muͤller, von welcher aber hernach, durch Verehlichung der Wittwe, Herr Bernhard Christoph Breitkopf Besitzer wor- den ist. 1665. Johann Koͤhler verehlichte sich 1676. den 1. May mit Jungfer Maria Magdalena, Herrn Joh. Bauers, Buchdruckers allhier, Tochter. Nach dessen Tode heyrathete sie Jhro Hochedelgeb. Herrn D. Hoͤl- tzeln, der ietzo bey hiesiger Stadt Proconsul ist. Die Buchdruckerey kaufte Koberstein in Delitzsch. 1665. Samuel Spoͤrl war gebohren 1639. Es verehlichte sich 1664. den 24. Aug. mit Frau Rosine, gebohrne Schroͤderin, mit welcher er 16. Jahr in ei- ner geseegneten Ehe lebte. Es traf aber auch ihn 1680. die Reihe zu sterben. Die Wittwe heyrathete hernach Christian Goͤtzen 1683. den 23. Aug. Das Jnsigne so er gefuͤhret hat, stellet einen arbeitsamen Mann vor mit dem Grabscheid, damit er in die Erde sticht, uͤber ihm steht das Wort Jehova mit folgenden Worten: FAC \& SPERO . 1668-1691. Christoph Fischer. 1670-1675. Christian Fick. H 3 1670. Kurtze Nachricht 1670-1679 Elias Fiebig. 1670-1673. Andreas Richter. 1671. Christoph Uhmann war 1646. geboh- ren und starb 1673. Die Wittwe fuͤhrte die Drucke- rey fort, und heyrathete alsdenn Christian Schol- vin 1674. 1674. Christian Scholvin war in Stettin den 12. Dec. 1642. gebohren. Er hat sich, wie schon er- wehnt, mit Christoph Uhmanns hinterlassenen Wittwe verehlichet, und mit ihr eine Tochter Anna Regina gezeuget, die aber wieder gestorben ist: Wel- cher auch die Mutter bald nachgefolget ist. Dahero verehlichte er sich zum zweyten mal mit Rosina Schieblerin allhier. Und da auch diese wiederum verschieden ist, so heyrathete er zum dritten mal Doro- thea Marschalln, mit welcher er 6. Kinder erzeuget hat. Davon eine Tochter Regina Dorothea, so 1682. den 11. Octobr. das Licht der Welt erblicket hatte, an Herrn D. Seylern, Medicin. Pract. allhier vereh- lichet wurde. Endlich starb auch Scholvin selbst den 11. Julii 1722. im 80. Jahr seines Alters. Seine hinterlassene Wittwe starb 1725. den 28. Martii und hinterließ einen Sohn Johann Christian, von wel- chem bald ein mehrers soll gesagt werden. 1674-1708. Johann Willhelm Kruͤger war gebohren 1649. den 24. Nov. 1675. Timoth. Ritzsch, ein Sohn von obenge- meldten Timoth. Ritzschen, war gebohren 1644. den 18. April, und wieder gestorben 1677. den 8. Nov. im 33. Jahr seines Alters. 1676-1680. Michael Vogt. 1677. Christoph Guͤnther starb 1691. Vorhero hatte er eine Druckerey in Meisen von 1666-1675. ge- fuͤhret. von den Buchdruckern in Leipzig. fuͤhret. Seine hinterlassene Wittwe setzte die Dru- ckerey fort, endlich verkaufte sie solche an Andreas Zeidlern 1692. 1678. Benjamin Christoph Ritzsch war ge- bohren 1653. den 1. Febr. 1679-1685. Justinus Brandt. 1679-1706. Joh. Christoph Brandenburger verehlichte sich 1687. mit Anna Rosina, einer gebohr- nen Eckardin, die aber 1712. den 18. Sept. verstor- ben ist, nachdem sie ihm 3. Soͤhne und 7. Toͤchter ge- zeuget hatte, wovon noch ein Sohn Johann David, welcher die Kunst gleichfalls erlernet hat, und eine Tochter Anna Catharina, zu mercken sind, welche sich mit Andreas Martin Scheden verehlichet hat. Jm Jahr 1706. den 25 Mart. muste Brandenburger die- se Zeitlichkeit verlassen. Die Druckerey bekam her- nach erwehnter Schede. 1680-1681. Gallus Niemann starb 1682. Seine hinterlassene Wittwe heyrathete Johann Heinrich Richtern 1683. 1680-1697. Christian Banckmann war 1650. gebohren. Sein Herr Vater war Heinrich Banck- mann, Buͤrger und Gastgeber allhier zum rothen Ad- ler. Die Buchdruckerkunst erlernete er bey Johann Koͤhlern, dem aͤltern 1665. Nachdem er nun seine Lehr- jahre ausgestanden, so begab er sich in die Fremde: Er wurde aber von den Seinigen nach Hause genoͤthiget, und in der Wittigauischen Buchdruckerey zum Factor gemacht, welche Stelle er 3. Jahr mit gutem Ruhm verwaltet hat, biß er sich selbst in obberuͤhrten Jahr eine Druckerey angeschaft hat. Er heyrathete Maria Rosina, Herrn Christian Michels aͤlteste Tochter, mit welcher er eine vergnuͤgte Ehe gefuͤhret und verschie- H 4 dene Kurtze Nachricht dene Kinder gezeuget hat, davon einige verstorben, eine Tochter und Sohn aber Christoph Friedrich, wel- cher die Buchdruckerkunst erlernet, noch am Leben sind. Aus seiner Presse sind allerhand nuͤtzliche und wohl ge- setzte Buͤcher Corpus juris Canonici in fol. Zieglers Schauplatz und Labyrinth der Zeit. MEVII jus Lubecense fol. CEL. LARII Geographia antiqua Media \& Nova, 4. item PRÆTORII Homiletischer Buͤcher-Vorrath 4. und viele andere mehr, welche alle den Preiß haben, daß sie fauber und gut gedruckt sind. ans Licht getreten. Er ist 1699. den 19. Novembr. im 49. Jahr seines Alters gestorben. 1681. Christoph Fleischer trat ans Licht der Welt 1650. den 11. Febr. in dem Bergstaͤdtlein Thum. Sein Herr Vater war Christoph Fleischer wohlver- dienter Schuldiener allda, die Frau Mutter Anna So- phia Hrn. M. Albini, Pfarrers in Gelenau und Weiß- bach, Tochter. Den Grund zu seiner Wissenschaft hat er bey Georg Sengewalden in Jena gelegt. Von dar hat er sich auf Reisen begeben, er ist aber endlich zuruͤck nach Rudelstadt gekehret, und hat Herrn Schmidts Druckerey allda gekauft. Zu seiner Ehegat- tin erwehlete er sich 1677. Elisabeth Catharina ge- hohrne Horberin. Er hat aber nicht laͤnger als 6. Jahr allda die Druckerey gefuͤhret, indem er selbige an Herrn Friedrich verkauft, und sich nachgehends nach Leipzig gewendet hat, woselbst er von der Frau Hah- nin die Druckerey kaͤuflich an sich gebracht, und die- selbige biß 1709. gefuͤhret hat. Mit seiner Haußfrau hat er 8. Soͤhne und 3. Toͤchter gezeuget, davon sich die noch lebende juͤngste Tochter Maria Regina mit Hrn. George Saalbachen 1711. in Ehestand begeben hat. Sein von den Buchdruckern in Leipzig. Sein Alter hat er bis auf 59. Jahr gebracht, undist den 7. Martii 1709. gestorben. 1683. Justus Reinhold war zu Lichtenau bey Neustadt an der Orla 1648. den 1. Jan. gebohren. Seine Lehrjahre hat er bey Johann Bauern allhier ausgestanden. Jm Jahr 1682. begleitete er das Amt eines Factors in der Wittigauischen Buchdruckerey, hierauf in der Fiebigischen. Er verehlichte sich mit der verwittweten Fiebigin 1683. und starb 1696. Die hin- terlassene Wittwe fuͤhrte durch die beyden Gickel- hahne, Gebruͤder, ihres Mannes Druckerey fort, ingleichen durch ihren mit Fiebigen erzeugten Sohn Elias. Hernach wurde solche an Matthias Schle- geln verpachtet biß 1722. Die Wittwe starb 1719. Nachhero setzten sie die Erben fort biß 1728. da solche durch Vermittelung einer Heyrath an Fried- rich Koͤhlen gekommen ist, welcher sie bis diese Stunde fortsetzet. 1683. Christian Goͤtze kam 1645. in Wich- mar aus dem Amt Camburg, so nach Gotha gehoͤrig, auf dieser Welt an. Den Grund zu seiner Wissen- schafft hat er in Jena bey Johann Jacob Bauhoͤ- fern geleget. Hierauf kam er hieher nach Leipzig und verehlichte sich 1683. den 23. Aug. mit Sam. Spoͤrls, Buchdruckers allhier, hinterlassener Wittwe, mit wel- cher er die Druckerey bekommen und mit ihr 14. Jahr eine friedliche Ehe besessen hat. Nach Absterben sei- ner ersten Frau 1697. heyrathete er zum andern mal Elisabeth Forbergerin, mit welcher er einen Sohn und Tochter, so noch am Leben sind, gezeuget hat. Die Buchdruckerkunst hat der Sohn, Georg Christian, bey seinem Stiefvater erlernet, und uͤbet selbige noch als Geselle. Endlich starb Goͤtze 1708. H 5 den Kurtze Nachricht den 19. Nov. im 63. Jahr seines Alters. Seine hin- terlassene Wittwe verehlichte sich hernach wieder an Herrn Heinrich Christoph Takken. 1683. Johann Heinrich Richter trat 1654. den 19. Febr in Helmstaͤdt ans Licht der Welt. Sein Herr Vater ist M artin Richter, Buchhaͤndler da- selbst, gewesen. Den Grund zur Buchdruckerkunst hat er bey Hennig M uͤllern daselbst gelegt. Von dar kam er nach Leipzig 1681. allwo er im Jahr 1683. Gal- lus Niemanns, Buchdruckers allhier, hinterlassene Wittwe heyrathete, mit welcher er 15. Jahr in der Ehe gelebet hat. Nachdem ihm aber der Tod selbige geraubet, so trat er zum andern mal mit Johanna M agdalena Ellingerin, gewesenen Buchhaͤndlers allhier, nachgelassener Tochter, den 28. Nov. 1699. im den Ehestand, mit welcher er 34. Jahr in der Ehe zu- gebracht hat. Hierauf starb er den 18. Junii 1734. in 81. Jahre seines Alters. Die Druckerey wird durch dessen hinterlassene Wittwe und Sohn Gabriel Richtern, als Factor, fortgesetzt Die Schriften, so aus seiner Presse gekommen sind, haben jederzeit satt- sam gezeuget, daß er seinen Fleiß nicht gespahret hat. Man besehe Luͤnigs Reichs-Archiv, fol. Ferner: Dessen Corpus juris Militaris fol. BERGERI Oeco- nomiam juris, 4. Disceptationes forenses, 4. und noch viele andere mehr, so in der Lanckischen Buchhandlung vor Augen geleget werden. 1684-1687. Andreas Ball. 1688-1692. Christoph Balthasar Lampe, dessen Druckerey bekam Christian M ichel. 1692 Andreas Zeidler war in Schlaͤffereisen 1663. den 17. April gebohren. Sein Vater war da- selbst ein Zimmermann. Die Kunst erlernete er in Jena, von den Buchdruckern in Leipzig. Jena, und kam 1682. hieher nach Leipzig, und wurde in der Wittigauischen Buchdruckerey Factor. Jm Jahr 1692. verehlichte er sich und kaufte die Guͤntheri- sche Buchdruckerey. Von seinen im Ehestand erzeug- ten Kindern ist noch eine Tochter am Leben, welche an Joh. Heinr. Schoͤnermarcken, eines Buchdruckers Sohn von Sondershausen, verheyrathet ist. Endlich ist er 1736. den 4. Octobr. in 74. Jahre seines Alters gestorben. Aus dessen Druckerey sind jederzeit grosse Wercke zum Vorschein gekommen. Einige hat er selbsten verlegt, viele andere aber liegen noch gegenwaͤr- tig in oͤffentlichen Buchlaͤden. 1693. Jmmanuel Tietze trat 1662. den 24. Mertz in Hirschfeld ans Licht der Welt, allda er auch den Grund zu seiner Wissenschaft gelegt hat. Er kauf- te die Wittigauische Buchdruckerey, und verehlichte sich 1694. den 4. Junii mit Catharina verwittwete Heinin, welche aber den 16. Aug. 1725. verstorben ist. Dahero er sich zum andernmal mit Johanna Regina Friedelin in ein Ehebindniß einließ und mit ihr einen Sohn, Jmmanuel, zeugte, worauf er 1728. den 31. Julii im 66. Jahre seines Alters gestorben ist. Die hinterlassene Wittwe heyrathete hernach Herrn Jo- hann Christian Langenheim. Wollten wir dieje- gen Schriften alle anfuͤhren, die in dieser Druckerey gedruckt worden sind; So wuͤrde uns die Zeit viel zu kurtz seyn, wenn wir nur die Dissertt. Program. Verse und andere wohlgedruckte Schriften nahmhaft ma- chen sollten. Sie wuͤrden aber alle ein deutliches Zeug- niß ablegen, daß der Besitzer es weder an Kosten, noch am Fleiß und Geschicklichkeit hat mangeln lassen. 1695. Johann Andreas Zschau war 1666. den 29. Sept. in Coßma bey Altenburg gebohren. Sein Herr Kurtze Nachricht Herr Vater war Johann Zschau, Schulmeister da- sigen Orts. Den Grund zu seiner Kunst hat er bey Christian Goͤtzen allhier 1683. geleget und dar- auf der gantzen Gesellschaft sein Postulat verschen- cket. Von dar hat er sich nach Dreßden in die Hof- Buchdruckerey begeben, woselbst er aber nur ein Jahr geblieben ist, weil er sich in Churfuͤrstl. Saͤchs. Kriegs- dienste begeben, unter dem Hochloͤblichen Jordanischen Regiment die Stelle eines Fouriers begleitet, und zwey Feldzuͤgen am Rhein 1690. u. 1691. beygewohnet hat. Er hat aber im Jahr 1694. seinen Abschied wieder er- halten, und sich alsdenn abermals nach Dreßden ge- wendet, zu sehen ob er sein Gluͤck daselbst finden koͤnne, welches auch geschehen ist, da er sich denn mit Christinen Crellin versprochen, und sich hernach nach Leipzig 1695. gewendet hat. Hierauf hat er die Lampische, oder Mi- chaelische, Buchdruckerey an sich gekauft, und solcher bis an seinem Tod 1733. den 10. Dec. mit Ruhm vor- gestanden. Die hinterlassene Kinder fuͤhrten die Dru- ckerey einige Zeit fort, nachhero haben sie solche an Mi- chael Hennigen verkauft, welcher in der Ordnung fol- gen wird. 1697. August Fornefeist legte sich eine neue Druckerey an, welche er aber bald hernach wieder verkaufte. 1700. Andreas Barthel erblickte das Licht dieser Welt 1660. den 27. Novembr in den Bergstaͤdtlein Thum. Rudelstadt war der erste Ort, allwo er die edle Buchdruckerkunst erlernet, und sich in selbiger hernach so fest gesetzet hat, daß er sich bey jedermann dadurch beliebt, und GOtt und den Nechsten, nach seinem Ver- moͤgen, damit gedienet hat. Jm Jahr 1700. kam er hieher nach Leipzig, und kaufte Christian Banck- manns von den Buchdruckern in Leipzig. manns Buchdruckerey, welche er in weit bessere Um- staͤnde gesetzet und mit gutem Ruhme allhier gefuͤhret hat. Viele wichtige Wercke koͤnnen von desselben Fleiß und von seinem netten Druck oͤffentliche Zeugniß ablegen, Z E. das Corpus juris Civilis c. n. Gotho- fredi, Herbergers Schriften, ingleichen Huͤbners Ge- nealogische Tabellen, und viele andere Schriften mehr. Sein Alter hat er auf 76 Jahr gebracht, und ist den 4. Febr. 1736. gestorben Die hinterlassene Druckerey fuͤhret sein Schwieger Sohn Christoph Barthel fort. 1700-1710. Johann Knaut dessen Druckerey ist an Johann Christ. Kruͤgern gekommen. 1702-1713. Martin Fulde fuͤhrte von 1697- 1701. eine Druckerey in Grimma, kam hernach hie- her und nach dessen Tod kaufte Christoph Zunckel dessen Druckerey an sich. 1702-1717. Johann Caspar Muͤller gebuͤr- tig von Braunschweig, zugleich Schriftschneider und Schriftgieser, kaufte Johann Georgens Druckerey, verehlichte sich mit Maria Sophia Hermannin aus Leipzig und starb 1717 den 13. May. Er hinterließ 3 Toͤchter, davon die juͤngste 3. Jahr hernach starb, die aͤlteste aber 1737. an Adam Heinrich Hollen sich verehlichet hat Die hinterlaßene Wittwe fuͤhrte die Druckerey 2. Jahr durch einen Factor, nemlich Ni- col. Spindlern fort, und heyrathete hernach 1719. Bernhardt Christoph Breitkopfen. Dieser M uͤl- ler war ein scharffsinniger und geschickter Mann, wie er denn nicht nur der gelehrten Welt manches grosses Werck in Thomas Fritzschens Verlag aus seinen Pressen geliefert hat, als die zweyte Auflage des allge- meinen historischen Lexicons, fol. Ludwig Englisches Lexicon, 4. STANLEI Historiam philosophicam; Jn Kurtze Nachricht Jn Lanckischens Verlag aber den zweyten Theil der Lanckischen Concordantz von der andern Auflage, son- dern auch die nettesten und ietziger Zeit gangbare- sten Schchriften von Hebraͤischen Griechischen Lateini- schen und Teutschen gefertiget hat, wie bey den Schrift- proben zu sehen seyn wird. 1705-1717. Christoph Friedrich Rumpf war den 6. April 1680 zu Muͤnden in Westphalen geboh- ren. Den Grund zur Druckerey legte er allhier bey Jmmanuel Tietzen. Sein Herr Vater war Lieu- tenant unter dem loͤblichen Grafen von Wertherischen Kayserl. Cuͤraßier Regiment, seine Frau Mutter war aus dem Hochadelichen Geschlecht Clara Magdale- na von Geschmeidelin. Jm Jahr 1706. trat er mit Johanna Eleonora Koͤnigin, Herrn Georg Koͤ- nigs, Koͤniglich-Pohlnisch-Churfuͤrstlich-Saͤch- sischen wohlbestallten Acciseinnehmers und Korn- schreibers der Stutterey zu Kalckreuth juͤngsten Jungfer Tochter, in den Ehestand, und zeugte mit ihr einen Sohn Gottlob Friedrich, welcher gleich- falls die Druckerey erlernet hat, und bis diese Stunde noch treibet. Er starb den 25. May 1736. in Dreß- den im 56. Jahr seines Alters. Dessen Druckerey kam nach Eißleben. Von ihm ist als etwas be- sonders anzumercken, daß er neben der Buchdrucker- kunst auch in andern Kuͤnsten und Wissenschaften sehr erfahren gewesen ist. Er machte einen wohlgesetz- ten teutschen Vers, verstunde verschiedene Sprachen, mahlte als ein guter Mahler sehr kuͤnstlich und schrieb eine solche feine Hand, daß man einige Stuͤcke davon als Raritaͤten aufzuheben pflegt; Diese Geschicklich- keit erwarb ihm nicht nur vieler vornehmen Leute Huld und Gewogenheit, sondern er hatte auch die Gnade, daß von den Buchdruckern in Leipzig. daß er bey dem Hof zu Dreßden ungemein wohl gelit- ten ward. Sein Bildniß siehet man hier in Kupfer. 1705-1712. Johann Samuel Fleischer. 1710. Johann Heinrich Koͤnig richrete allhier eine Druckerey an, verkaufte aber selbige hernach an August Samuel Crucigern. 1711. Gottfried Rothe war allhier 1672. ge- bohren. Sein Vater war Gottfr. Rothe, Buͤrger und Schuhmacher allhier. Die Buchdruckerkunst hat er bey Christian Banckmann 1684. gelernet. Er trat 1712. mit Maria Elisabeth Wittigin ein Ehe- bindniß ein und zeugte mit ihr eine Tochter, welche noch am Leben ist. Jm Jahr 1729 ist er im Monat April gestorben. Die hinterlassene Witwe fuͤhrte Anfangs die Druckerey durch Factores fort. Sie verehlichte sich aber als denn an Johann Gottfried Langen. 1713. Johann Gottlieb Bauch, war 1689. ge- bohren. Sein Vater gleiches Namens war ein ehrlicher Buͤrger, sein Groß-Vater Quirinus Bauch Buch- drucker allhier, den Grund zu seiner Kunst hat er bey Jmmanuel Tietzen gelegt, und eine Druckerey von Johann Samuel Fleischern gekauft. Er verehlich- te sich mit Anna Regina Herrn Gottfried Schmids Disputationhaͤndlers zu Jena, Tochter, und zeugte mit ihr 4. Toͤchter, so nach am Leben sind. Jm Jahr 1738. ist er den 3. Dec. im 51. Jahr seines Alters, ge- storben Die Druckerey setzet die hinterlassene Witt- we fort. Den Schriften, so in dieser Druckerey zum Vorschein gekommen sind, hat nichts, als die Leb- hafftigkeit gefehlet, welche ihnen des Besitzers Kraͤnck- licher Zustand nicht vergoͤnnen wollen. 1713. Andreas Martin Schede, Buchdru- cker und Disputations Haͤndler allhier, trat 1678. den 9. Dec. zu Quedlinburg ans Licht der Welt, allwo er auch Kurtze Nachricht er auch den Grund zu seiner Kunst bey Joh. Heinrich Siverten gelegt hat. Er verehlichte sich allhier 1705. mit Anna Catharina Brandenburgerin, zeugte mit ihr 10. Soͤhne, wovon noch einer Joh. Christoph am Leben ist, welcher gleichfalls die Buchdruckerkunst erler- net hat, uns anitzo einen Disputationshandel fuͤhret. Endlich nahm er von dieser Welt Abschied den 9. Dec. 1728. Die hinterblebiene Wittwe fuͤhrte durch Fac- tores, als: Andreas Christian Datan, 1729. und Johann Christian Langenheim 1730. das Werck fort, nach dem aber verehlichte sie sich wieder 1730. den 5 Febr. an Gabriel Trogen, von dem hernach. 1715. Johann Christian Kruͤger kaufte Jo- hann Knaurs Buchdruckerey, und nach seines Va- ters Tode bekam er zugleich die vaͤterliche Druckerey. Er verwaltete solche biß an sein Ende 1718. Seine hin- terlassene Wittwe setzte die Druckerey anfaͤnglich mit Joh. Georg Roͤßlern fort, den sie hernach geheyra- thet, und also zum Herrn der Druckerey gemachet hat. 1725. Johann Christian Scholvin war den 9. May 1693. gebohren, er uͤbernahm nach seiner Frau Mutter Tode 1725. die Druckerey, verehlichte sich den 22. Jan. 1726. mit Charitas, Herrn M. Christoph Eichlers, gewesenen Pastoris in Hartetritte, Tochter und zeugte mit selbiger eine Tochter, er starb den 1. Ju- nii 1731. im 38. Jahr seines Alters. Die Druckerey wurde an Herrn Gottfried Mayen in Halle verkauft. 1729 Johann Gottfried Lange war 1699. zu Breitenbrunn gebohren, seine Kunst hat er bey Jo- hann Heinrich Richtern gelernet, verehlichte sich all- hier mit Gottfried Rothens Wittwe, welche aber wieder gestorben ist, deßwegen er sich zum zweyten mal mit Johanna Rosina Kuͤttnerin verehlichet, und hernach von den Buchdruckern in Leipzig. hernach 1738. im 39. Jahr seines Alters gestorben ist. Die hinterlassene Wittwe setz e anfaͤnglich die Dru- ckerey durch einen Factor, Zacharias Heinrich Eiß- feld, fort, welchen sie hernach geheyrathet hat. Des- sen Bildniß stehet auf beygehendem Kupfer. 1721. Matthias Schlogel hat mit Justi Rein- holds Schriften als Pachter gedrucket, und ist her- nach gestorben. Und so viel von den Buchdruckerherren allhier in Leipzig, welche vom Anfang bis hieher Druckereyen gefuͤhret haben, und bereits wieder gestorben sind. Nunmehro muß ich auch die jetztlebenden noch an- fuͤhren. Es ist aber unter selbigen der erste: Heinrich Christoph Takke , Er ist zu Goßlar 1683. den 31. Mertz gebohren worden. Die Buchdruckerkunst hat er daselbst bey Simon Andreas Dunckern erlernet. Alsdenn reisete er an verschiedene Orte sich in seiner Kunst zu uͤben, kam 1708. nach Leipzig, und uͤbernahm 1711. Christian Goͤtzens Buchdruckerey, heyrathete auch 1714. des- selben hinterlassene Wittwe. Seine Haußfrau ist ihm 1730. wieder verstorben, und seit dem lebt er als ein Wittwer. Aus dessen Druckerey sind verschiedene Schriften ans Licht getreten, welche von seiner Ge- schicklichkeit und Fleiß deutliche Proben ablegen koͤn- nen. Absonderlich muß man anmercken, daß in die- ser Druckerey die meisten Orientalischen Schriften an- zutreffen sind, dergleichen man so haͤufig in wenig Druckereyen finden wird. Sein Bildniß siehet man hier in Kupfer. Hierauf folgt in der Ordnung I Chri- Kurtze Nachricht Christoph Zunckel , Er wurde 1670. den 28. Novembr. zu Weymar ge- bohren. Sein Herr Vater war Michael Zunckel, Obrist-Lieutenant unter dem wohlloͤbl. Martaigni- schen Regiment zu Fuß, hernach Capitain, und end- lich Churfuͤrstl. Saͤchs. Jntendant zu Willhelmsburg. Den ersten Grund zu der Buchdruckerkunst legte er 1683. bey dasigem Hofbuchdrucker, Joh. Andreas Muͤllern, und verschenckte sein Postulat 1689. von dar begab er sich in fremde Laͤnder. Jm Jahr 1697. versahe er das Amt eines Factors in der Hoͤpfnerischen Druckerey in Stettin, und 1700. wurde er hieher nach Leipzig geruffen, dergleichen Stelle in der Banckman- nischen Druckerey anzutreten. Von hieraus begab er sich 1701. nach Gotha, und heyrathete Margare- tha Thieckin aus Lucka in der Oberlausitz, mit wel- cher er 10. Kinder, nemlich 6. Soͤhne und 4. Toͤchter gezeuget hat. Zwey Soͤhne davon Gottfried, und Jmmanuel haben die Buchdruckerkunst gelernet, der erste hat sich dem Studiren gewidmet, und die juͤngste Tochter hat sich vor kurtzen mit Herrn Gottlieb Schlaͤdern verehlichet, der gleichfalls dieser Kunst zu- gethan ist: Seine Druckerey hat er 1714. von Mart. Fulden gekauft. Die Buͤcher, so aus seiner Presse gekommen sind, z. E. Leupolds Theatrum Machi- narum in Fol. Pictets Sittenlehre in 4. und Raͤd- leins Sprachmeister, koͤnnen untruͤgliche Zeugen abge- ben, daß er in seiner Kunst wohlerfahren sey. Sein Jnsigne bestehet in einem Ancker, um welchen sich eine Schlange aufwaͤrts windet, und seine Anfangsbuch- staben C. Z. formiret. Oben druͤber stehet ein Toden- kopf mit 3. Aehren. Sein Wahlspruch ist: Zu Christo. Dessen Bildniß stellet beygehendes Kupfer vor. Bern- von den Buchdruckern in Leipzig. Bernhard Christoph Breitkopf , Trat in der Hannoͤverischen Bergstadt Clausthal den 2. Mertz 1695. ans Licht der Welt. Er lernete die Buchdruckerkunst zu Goßlar bey Georg Dunckern, und kam hierauf 1714. nach Leipzig, von dannen nach Jena, Halle, und 1719. wiederum hieher. Er vereh- lichte sich alsdenn mit Herrn Joh. Caspar Muͤllers, Buchdruckers und Schriftgießers allhier, hinterlasse- nen Wittwe, Sophien Marien geb. Hermannin, und zeugte mit selbiger einen Sohn und Tochter, welche aber 1738. den 1. August gestorben ist, und bald dar- auf auch gedachte Ehegattin. Dessen Sohn Johann Gottlob Jmmanuel, hat die Kunst bey seinem Herrn Vater gelernet, und liegt uͤbrigens noch dem Studiren ob; Hierauf hat er sich zum andern mal in diesem Jahr den 2. Febr. mit Theodoren Sophien Kayse- rin, hier aus Leipzig, verehlichet; Dieser Mann hat das Gluͤck vielen Gelehrten durch seinen Druck zu ge- fallen, und weil er auch in seinem eigenen Verlag man- ches nuͤtzliches und noͤthiges Buch, z. E. Heineccii he- braͤische und griechische Bibel, Hrn. Prof. Gottscheds- und der teutschen Gesellschaft Schriften, wie auch Starckens Synopsin Bibliothecæ Exegeticæ in N. T. heraus gedruckt; So ist er dadurch so wohl be- kannt worden, daß ein mehres von ihm zu erweh- nen uͤberfluͤßig seyn wird. Seine Schriftgießerey ha sich eben so beliebt gemacht. Gegenwaͤrtig ist er bey einer wohlloͤbl. Gesellschaft der Buchdruckerherren Oberaͤltester. Desselben Jnsigne ist eine Hand aus den Wolcken, welche eine Waage haͤlt. Unten lie- get ein Baͤr, und oben stehen die Worte: NON TIMET. I 2 Jo- Kurtze Nachricht Johann Georg Schniebs , Jst zu Spremberg in Meissen 1689. den 24. Februar. gebohren. Denn Grund zur Buchdruckerey legte er in Bautzen bey Andreas Richtern, woselbst er auch postuliret hat. Hierauf kam er hieher nach Leipzig, ver- ehlichte sich mit Christina Sophia Mittlerin, und richtete im Jahr 1720. eine Druckerey an. Nebst der Buchdruckerkunst ist er auch in andern Wissen- schaften geuͤbet. Denn er weiß allerhand Figuren in Holtz, und Stempel in Stahl zu schneiden. Die- jenigen Wercke, so aus seinen Pressen zum Vorschein gekommen sind, beweisen alle, daß er seinen Fleiß und Aufmercksamkeit nicht gesparet hat; Man sehe BVD- DEI ISAGOGEN in 4. Ejusd. Jnstitut. Theolog. mo- ralis \& Dogmaticæ, ingleichen BVDDEI historisches Le- xicon, FABRI Thesaurum, und viele andere mehr, welche sich in Herrn Hofrath Fritzschens Verlag be- finden. Sein Jnsigne stellet eine Gegend vor, wo ge- ackert und gesaͤet wird, mit der Uberschrift: LARGE SERENS, LARGE METET; Oben druͤber siehet man das Wort Jehova. Sein Bildniß stehet auf beygehendem Kupfer. Georg Saalbach , Jst in Hirschfeld bey Dreßden den 23. April 1673. ge- bohren. Sein Herr Vater ist ein geschickter Juris Practicus gewesen. Jm Jahr 1687. kam er hieher nach Leipzig zu Christoph Guͤnthern die Buchdru- ckerkunst zu erlernen. Nach ausgestandenen Lehrjah- ren postulirte er im Jahr 1691. Hierauf begab er sich 1699. auf Reisen und wurde 1719. als Factor wie- der hieher verschrieben. Da er sich alsdenn 1711. mit von den Buchdruckern in Leipzig. mit Marien Reginen, Herrn Christoph Flei- schers juͤngsten Tochter, ehelich verband und mit ihr einen Sohn und eine Tochter gezeuget hat, wel- cher gleichfalls die Buchdruckerkunst gelernet, dem Studiren sich ehedessen gewidmet hat, und nunmeh- ro in seines Herrn Vaters Buchdruckerey die Stelle eines Faetors vertritt. Bey seiner Schwieger Mut- ter hat er bis 1724. als Factor der Druckerey vor- gestanden, endlich aber noch in selbigem Jahr solche uͤbernommen. Dessen Fleiß und Geschicklichkeit wird man um so viel weniger in Zweifel ziehen koͤn- nen, je deutlicher seine gedruckten Schriften dieses be- kraͤftigen. Man darf nur die beyden letztern, als D. Cramers Comment. de iuribus nobilitat. aui- tæ \&c. und den Jtaliaͤnisch uͤbersetzten Horatium ansehen. Dessen Jnsigne sind seine Anfangsbuch- staben, davon sich G. auf einem Postement um eine Pyramide herum schlinget, und das S. aufwaͤrts an der Pyramide stehet. Oben auf der Pyramide stehet eine Taube mit einem Oelzweig; Zu beyden Sei- ten stehen Blumentoͤpffe, auf dem Boden liegt der Winckelhacken und ein paar Druckerballen, und in der Mitte zeiget sich ein Ancker im Schilde. Christian Benjamin Bittorf , Jst in Zwickau 1691. den 5. Jun. gebohren. Sein Herr Vater war Christian Bittorf, gleichfalls ein Buchdrucker, und Stadt-Wachtmeister allda. Es wurde selbiger von dem Hochloͤbl. Grafen Heinrich dem XI, nach Schlaitz zum Hofbuchdrucker ernennet, und zugleich zum Richter zu Heinrichsstadt allda ge- macht; Dessen Sohn, Christian Benjamin, legte allhier zu Leipzig den Grund zu der Buchdruckerkunst I 3 bey Kurtze Nachricht bey Herrn Johann Andreas Zschau, und verehlich- te sich mit Magdalena Z oberin. Nach Absterben seines Vaters bekam er desselben Druckerey, und wurde von Heinrich dem IX. zum Hofbuchdrucker in Graitz ernennet. Jm Jahr 1725. wendete er sich mit seiner Druckerey hieher, und uͤbernahm noch da- zu Christian Samuel Krugs Buchdruckerey, mit dessen Schriften trat herfuͤr das Corpus Juris Civi- lis cum Præf. HEINEC CII , in med. 8. mit naͤch- sten wird man eine Hebraͤische Bibel mit D. Seba- stian Schmidts Lateinischer Ubersetzung aus seiner Presse zu Gesichte bekommen. Sein Jnsigne ist ein ordentliches Wappen, in dessen Schild ein Ancker zu sehen mit zwey Sternen, auf dem Helm aber ein bethender oder bittender Mann mit gefaltenen Haͤn- den, oben druͤber stehen die Worte: INSIGNIA BITTORFIANA . Friedrich Koͤhl , Jst zu Ober Crinitz unter das Amt Zwickau gehoͤ- rig den 10. Augusti 1703. gebohren. Die Kunst hat er bey der sel. Frau Reinholdin, allhier gelernet, und hernach nach Gewohnheit postulirt; Er bekam als- denn derselben Druckerey im Jahr 1722. und vereh- lichte sich 1731. mit Maria Catharina Curaßin. August Samuel Cruciger , Erblickte das Licht der Welt 1698. den 29. Julii in Bischoffswerda. Den Grund zu seiner Kunst hat er in Delitzsch bey Christian Vogelgesang geleget. Jm Jahr 1721. kam er hieher nach Leipzig, vereh- lichte von den Buchdruckern in Leipzig. lichte sich mit Agnes Beata Voigtin, und kaufte 1729. Johann Heinrich Koͤnigs Buchdruckerey. Gegenwaͤrtig ist er bey einer loͤblichen Gesellschaft Her- renassessor. Aus dessen Druckerey ist CASTEL- LIONIS Lateinische Bibel zum Vorschein gekom- men, und mit naͤchsten wird ein Musicalisches Werck von Matheson in Fol. ans Licht treten, daraus man seinen angewendeten Fleiß deutlich ersehen wird. Dessen Jnsigne ist ein ordentliches Wappen. Jn dem Schild siehet man ein Creutz, worauf eine Tau- be mit einem Oelblat stehet; Auf dem Helm siehet man diese Taube wiederum, dabey dessen Anfangs- buchstaben A. S. C. Oben druͤber aber die Worte: ATAVIS SIGILLIS CORVSCANS . Johann Christian Langenheim, Jst 1697. den 25. December zu Schoͤningen gebohren worden. Jn seiner Jugend legte er einen guten Grund in der lateinischen Sprache, und andern nuͤtz- lichen Wissenschaften. Er begab sich aber hernach zu Herrn Heinrich Hessen nach Helmstaͤdt die Buch- druckerkunst daselbst zu lernen. Nachdem er nun die gehoͤrigen Jahre geendiget hatte, so postulirte er und brachte einige Jahr in Helmstaͤdt und Goßlar zu; Hierauf kam er hieher nach Leipzig, und verwal- tete mit vieler Geschicklichkeit das Amt eines Factors bey Herrn Andreas Martin Schedens hinterlasse- ner Wittwe: Welches Amt er schon vorhero in Halle vertreten hatte. Jm Jahr 1730. verehlichte er sich mit Herrn Jmmanuel Tietzens hinterlassener Wittwe, einer gebohrnen Friedelin. Die von ihm haͤufig ge- druckten Dissertationes bezeugen ohne Wider rede, daß dessen Druck nett und sauber, und seine Sorafalt I 4 uner- Kurtze Nachricht unermuͤdet sey. Auser vielen andern Schriften hat er auch die Acta Academica bißher verleget, und mit ver- schiedenen gelehrten Maͤnnern einen Briefwechsel un- terhalten. Gabriel Trog , Trat in Ermelitz 1683. den 20. Martii ans Licht der Welt Bey herannahendem Alter kam er hieher nach Leipzig, und lernte bey Johann Andreas Zschauen die Buchdruckerkunst. Den 5. Februar. 1730. heyrathete er Andreas Martin Schedens, gewesenen Buchdruckers allhier, hinterlassene Witt- we, und bekam zugleich desselben Druckerey. Er fuͤhret aber auch auser dem einen bekannten Disputa- tionshandel. Johann Heinrich Richters Wittwe, Fuͤhrt ihres verstorbenen Mannes Buchdruckerey seit 1734. mit ihrem Sohn Gabriel Richtern, als Factor, noch bestaͤndig fort. Von der Druckerey selbsten ha- ben wir bereits oben schon etwas gemeldet p. 122. Christoph Barthel , War 1682. den 9. Januarii in dem Bergstaͤdlein Thum gebohren. Die Kunst lernte er allhier bey Christoph Fleischern, und verehlichte sich hernach mit Maria Magdalena, Herrn Andreas Barthels, Buchdruckers allhier, hinterlassenen Tochter, bey wel- chen er bey nahe 20. Jahr das Amt eines Factors ver- waltet hat, biß nach seines Schwiegervaters Abster- ben von den Buchdruckern in Leipzig. ben, da er alsdenn 1736. die Druckerey uͤbernommen hat. Von den Buͤchern, so aus seiner Druckerey zum Vorschein gekommen sind, koͤnte man ein weitlaͤuf- tiges Verzeichniß anfuͤllen. Doch einiger zu geden- cken, so sind des Suedenburgi Opera in fol. aus seiner Presse gekommen, mit naͤchsten werden wir wiederum das Corpus juris Civilis, c. n. GOTHOFREDI in med. 4 von ihm gedruckt erhalten, die vielen Lexica, so in Johann Friedrich Gleditschens Verlag ans Licht getreten sind, will ich nicht einmal anfuͤhren, weil selbi- ge noch Jedermann vor Augen sind. Es werden aber alle oͤffentliche Zeugnisse von seiner Geschicklichkeit und Fleiß abgeben. Sein Jnsigne stellet seine Vaterstadt vor, bey welcher ein emsiger Bergmann zu sehen, unten aber ist das gewoͤhnliche Buchdruckerwappen, oben druͤber stehen die Worte: CVLTA BEAT. Sein Bildniß siehet man hier gleichfalls in Kupferstich. Adam Heinrich Holle , Eines Buchdruckers Sohn von Hamburg, trat da- selbst den 9. Dec 1710. ans Licht der Welt. Seine Kunst hat er bey ermeldeten seinem Herrn Vater gele- get, hierauf kam er hieher nach Leipzig, fieng seine Buch- druckerey 1737. neu an, und verehlichte sich mit Ju- liana Dorothea Muͤllerin, oben erwehnten Herrn Johann Caspar Muͤllers aͤltesten Tochter; Er hat gedruckt: Acta Ratisbonens. in fol. Des Herrn von Buͤnau Reichs-Historie, dritten Theil in med. 4. PLINII Epistolas, c. notis GESNERI \&c. Sein Jnsigne stellet seine Vaterstadt vor, wo- bey zugleich auf einer Gegend ein Baum stehet, dessen Aeste halb gruͤnen, halb aber duͤrre sind. I 5 Un- Kurtze Nachricht Unten ist ein Ancker mit dessen Anfangsbuchstaben A. H. H. und die Jahrzahl 1736. da er seine Dru- ckerey neu angeleget hat, zu sehen. Michael Hennig , Trat ans Licht der Welt 1679. den 11. Febr. in Ober- seida bey Chemnitz. Seine Kunst hat er in Chemnitz bey Herrn Conrad Stoͤsseln erlernet. Nach aus- gestandenen Lehrjahren kam er hieher nach Leipzig in Herrn Johann Andreas Zschauens Buchdrucke- rey, in welcher er auch als Factor bey den hinterlasse- nen Kindern gestanden, und selbige 1737. selbst eigen- thuͤmlich an sich gekauft hat. Weil nun ermeldete Druckerey, jederzeit viele Schriften ans Licht gebracht hat, die der gelehrten Welt zum Vergnuͤgen vor Au- gen sind geleget worden; So verspricht man sich ein gleiches von ermeldetem Besitzer, daß er seine Haͤnde in Zukunft nicht werde sincken lassen. Johann Gottlieb Bauchs Wittwe, Setzt seit ihres Mannes Ableben 1738. die Drucke- rey fort. Zacharias Heinrich Eisfeld , Jst 1712. gebohren. Dessen Vater war Georg A n- dreas Eisfeld Buͤrger und Untersteiger zum Claus- thal. Die Buchdruckerkunst hat er allhier bey Herrn Bernhard Christoph Breitkopfen 1724. gelernet, und 17 9 bey eben demselben postulirt. Jm Jahr 1739. verehlichte er sich mit Herrn Johann Gottfried Langens Buͤrgers und Buchdruckers allhier hinter- lasse- von den Buchdruckern in Leipzig. lassener Wittwe, Johanna Rosina, gebohrne Kuͤtt- nerin. Wodurch er also in diesem Jahr Herr von der Langischen Buchdruckerey wurde. Es ist kein Zweifel, daß er nach Anleitung seines geschickten Lehr- herrns der Gelehrten Welt ersprießliche Dienste thun werde. Johann Georg Roͤßler , Erblickte das Licht dieser Welt zu Zoͤrbig, unter das Stift Merseburg gehoͤrig, 1695. den 9. Junii. Sein Vater war Christian Roͤßler, Buͤrger und Leinewe- ber daselbst. Jm Jahr 1710. kam er hieher zu Justi Reinholds hinterlassener Wittwe die Buchdrucker- kunst zu erlernen. Nach ausgestandenen Lehrjahren gieng er 1716. in die Fremde und kam 1719. nach Wuͤrtzburg allwo er sein Postulat bey Herrn Frantz Hertzen verschenckte. Jm Jahr 1721. fand er sich allhier wieder ein und verehlichte sich hierauf mit Herrn J ohann C hristian Kruͤgers, Buchdruckers allhier, hinterlassenen Wittwe, einer gebohrnen Bockin. Jm Jahr 1736. kaufte er die hinterlassene Kruͤgerische Druckerey an sich, zierte selbige mit vielen neuen Schriften aus und wurde alsdenn 1739. vor einen Buchdruckerherrn erklaͤrt. Und hiemit beschliese ich endlich meinen Ent- wurf von der Erfindung der Buchdrucker- Kunst nicht allein, sondern auch sogleich meine kurtze Nachricht von einigen beruͤhmten Maͤn- nern Kurtze Nachr. von den Buchdr. in Leipzig. nern uͤberhaupt, insonderheit von denjenigen, welche sich allhier in Leipzig vom Anfang bis hieher in dieser Kunst hervor gethan haben. Jch weiß vielleicht selbsten am besten, wo ich hier und da meinen Vortrag etwas anders haͤtte einrichten koͤnnen; Jch hoffe aber meine Leser werden die Guͤ- tigkeit vor mich haben, und gegenwaͤrtige Abhand- lung nicht nach der hoͤchsten Schaͤrfe beurtheilen: Weil ihnen die Ursachen unbekannt sind, warum ich selbige so, und nicht anders, vor dieses mal eingerich- tet habe. Wollten mir einige hierinnen erfahrne Maͤnner die Ehre anthun, und mir bescheiden entde- cken, wo ich etwann einen Fehltritt wider meinen Willen gethan haͤtte; So wuͤrde ich ihre Erinne- rungen mit dem groͤßten Danck annehmen und ruͤh- men; Sollte es aber einigen gefallen auf eine ver- aͤchtliche Weise ohne Ursach mir zu nahe zu treten; So kan ich mich vorjetzo noch nicht entschliesen, ob ich Lust haben werde, mich mit ihnen in einen Feder- krieg einzulassen, ob mir schon die Regel bekannt ist: Antworte einem Narren, damit er sich nicht weise duͤncken lasse, weil gleich vorher stehet: Ant- worte dem Narren nicht nach seiner Narrheit, daß du ihm nicht gleich werdest. Ubrigens nehme ich mir die Freyheit einem jeden mich bestens zu em- pfehlen, und ihm alles, was ihn vergnuͤget, von Hertzen anzuwuͤnschen. M. J. G. H. V. O. PATENT. PATENT . Vorbericht von denen hierinnen befindlichen Formaten. J Ch zweiffle nicht, daß Erfahrne ohnedem schon wissen, wie sie Formate schiessen sollen, ich bin auch nicht gesonnen, selbigen den Weg zu weisen, oder ihnen was neues vor die Augen zu legen, sondern mein Absehen gehet gantz alleine dahin, wie ein Ler- nender, ohne grosse Schwierigkeit, sich diese Formate bekandt und leicht machen kan, in so ferne er nur weiß, aus was vor einer Gattung das und das Format zusammen gesetzt, weil es doch so viele Colum- men hat; und dieses habe ihnen hierinnen gantz deutlich vor Augen gelegt, daß, wo ich es nicht durch Figuren vorgestellt, doch die Exempel durch Ziffern angezeiget, wo es vor noͤthig erachtet: wer nun solches fleißig in acht nimmt, kan es dem Verzeichniß nach nicht fehlen. A Wie Format in Folio. Wie das Format in Folio auszuschiessen. Schoͤndruck. Wiederdruck. Jn Format in Folio. Jn Duern en auf den ersten Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 1 ( A ) und 8 Columne. 7 und 2 Col. Auf den andern Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 3 ( A 2) 6 5 ( A 3) 4 Jn Tritern en auf den ersten Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 1 ( A ) und 12 Col. 11 und 2 Col. Auf den andern Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 3 ( A 2) 10 9 4 Auf den dritten Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 5 ( A 3) 8 7 6 Jn Quatern en auf den ersten Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 1 ( A ) und 16 Col. 15 und 2 Col. Auf den andern Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 3 ( A 2) 14 13 4 Auf den dritten Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 5 ( A 3) 12 11 6 Auf den vierten Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. 7 ( A 4) 10 9 ( A 5) 8 A 2 Wie Format in Quarto. Wie das Format in Quarto auszuschiessen. Schoͤndruck. Wiederdruck. Wie Format in Quarto. Wie man in diesem Format Duernen aus- schiessen soll. Auf den ersten Bogen. Schoͤndruck. Wiederdruck. Auf den andern. Schoͤndruck. Wiederdruck. Einige bezeichnen auch in Duern en und Tritern en bisweilen einen ieden Bogen mit einer besondern Si- gnatur; so es beliebet wird, setzet man auf der 5ten Columne dieses andern Bogens Prima B, auf der 7ten B 2, und auf der 9ten B 3. Wie zwey halbe Bogen mit zwey Signaturen auszuschiessen. Schoͤndruck. Wiederdruck. Wie ein halber Bogen auszuschiessen. A 3 Ein Format in Quarto. Ein anderes Format. Welches Octav. Breite und Folio- Laͤnge hat. Schoͤndruck. Wiederdruck. Wie Format in Quarto. Wie das Format in breit Quarto auszuschiessen, welches in Musicalischen Sachen ge- braucht wird. Hat gleiche Breite mit Folio und gleiche Laͤnge mit Octav. Es ist uͤberfluͤßig einen gantzen Bogen anher zu setzen, denn es wird geschossen wie ander Quart wenn man nur die Figur drehet, daß die untersten Schrau- ben zur lincken Hand kommen, kan es fuͤglich den lan- gen Weg ausgeschossen werden, wie der Augenschein dieses halben Bogens weiset. Hierbey ist noch zu erinnern: daß der Hauffen Papier im Wiederdruck muß umgewendet oder um- stuͤlpt werden, so wird es richtig auf einander treffen. A 4 Wie Format in Quarto. Wie ein Hebraͤisch Format in Quarto zu schiessen. Schoͤndruck. Wiederdruck. Wie Format in Sexto. Wie das Format in Sexto zu schiessen. Hat gleiche Breite mit Folio und gleiche Laͤnge mit kurtz Achtzehn. Das Format in Sexto zu schiessen, darf man sich nichts anders vorstellen, als einen halben Bogen in kurtz Duodez, wie der geschossen wird, so auch dieses, nur daß man es in zwey Formen theilen muß. Man befindet aber, daß in einem halben Bogen und einem Drittheil von diesem Format Veraͤnderun- gen vorgehen; dahero wirds nicht undienlich seyn, da- von die Figur zu zeigen. Ein halber Bogen. A 5 Bericht Format in Sexto. Vericht des halben Bogens. Wenn die Forme auf einer Seite abgedruckt ist, muͤssen die mittelsten 2 Columnen umgewandt wer- den, daß 5 an statt 6, und 6 an statt 5 stehen, und zugleich das Oberste von diesen Columnen zu unterst, und das Unterste zu oberst kommen. Der Drittheil. Bericht des Drittheils. Wenn der Schoͤndruck von diesem Drittheil aus- gedruckt, verfahre man allerdings, wie bey dem Drit- theil in 18 gemeldet, und ruͤcke die Columnen hinauf nach A B, und hernach die untersten Columnen (als 1, 4) wieder herab, an den Ort, wo sie ietzt stehen. Wie Format in Octavo. Wie das Format in Octav auszuschiessen. Schoͤndruck. Wiederdruck. Zwey Format in Octavo. Zwey halbe Bogen mit zwey Signaturen auszuschiessen. Verzeichniß eines halben Bogens wie auch eines Viertel-Bogens. Zwey Viertels-Bogen mit zwey Signaturen, Zusammen auf einen halben Bogen auszuschiessen. Bericht von diesen zwey Viertels-Bogen. Weil man den Titul-Bogen insgemein bis zu Ausgang des Wercks liegen laͤst, so traͤgt sichs viel- mahls zu, daß ein Viertels-Bogen von der Præ- fation oder Register, als auch von dem Ende der Materie gleichfalls einer uͤbrig bleibet, da man sie alsdenn auf einem halben Bogen zusammen schies- sen kan, wie obige Figur zeiget. Und muß der Bo- gen am Mittelsteg entzwey geschnitten werden, so hat man an iedem halben Bogen zwey Viertel von zweyer- ley Signatur. Wie Format in Breit- Octavo. Wie das Format in breit Octav auszuschiessen. Hat gleiche Breite mit Quarto und gleiche Laͤnge mit kurtz Sechszehn. Dieses Format wird nicht anders als eine Duern in Quarto betrachtet, und auch so geschossen, als: Schoͤndruck. Wiederdruck. Ein halber Bogen. Ein Viertel von diesem Format kan nach dem pag. 7 verzeichneten halben Bogen in breit Quarto ausgeschossen werden, wenn man die Figur drehet, daß die untersten Schrauben zur lincken Hand kom- men: nachdem aber der Viertels-Bogen zu beyden Seiten abgedruckt, so muͤssen alle 4 Columnen auf einmahl zu den Schrauben hinab geruckt und der Wiederdruck umschlagen abgedruckt werden, wie bey Kurtz- Duodecimo. Wie Ein Hebraͤisch Octav -Format. Wie das Hebraͤische Format in Octavo aus- geschossen wird. Schoͤndruck. Wiederdruck. Wie Format in Qver- Duodecimo. Wie das Format in Qver- Duodecimo zu schiessen. Schoͤndruck. Wiederdruck. Will Format in Qver- Duodecimo. Will man nun einen Bogen mit zwey Signatu- r en ausschiessen, so darff man nur einen Octav- Bo- gen aufs Bret mit der einen Signatur machen, und denn zwey Viertels-Bogen, als einen Abschnitt, mit der andern Signatur ausfuͤhren, und mit einer Linie be- zeichnen, wo sie sollen abgeschnitten werden. Wie zwey halbe Bogen auszuschiessen mit zwey Signaturen. Schoͤndruck. Wiederdruck. Ein halber Bogen. Ein Drittheil. Der halbe Bogen wird den langen Weg entzwey geschnitten, und muß nach gegenwaͤrtigem Verzeichniß im Wiederdruck umgestuͤlpt werden. Den Drittheil anlangend, sofern der Drucker ihn auf den ersten Satz behalten will, so wende er die Colum- nen um, daß was ietzo am Mittelsteg stehet, nach dem Tiegel zu komme, und umstuͤlpe den Bogen, so ists einer- ley, hernach ruͤcke man die 4 Col. welche alsdenn am Mittelsteg stehen, hinab nach A B, und drucke den va- cir enden Theil von den obern und untern Col. ab. Wie Hebraͤisch Format in Qver- Duodecimo. Wie das Hebraͤische Format in Qver- Duodecimo auszuschiessen. Schoͤndruck. Wiederdruck. B Wie Format in lang Duodecimo. Wie das Format in lang Duodecimo zu schiessen. Hat gleiche Breite mit kurtz Achtzehn und gleiche Laͤnge mit Octav. Schoͤndruck. Wiederdruck. Will Format in lang Duodecimo. Will man nun einen Bogen mit zwey Signatur en ausschiessen, so macht man es gleichfalls, wie ich gezei- get in Qver- Duodez, so kan es nicht fehlen. Nemlich: wenn man einen Octav-Bogen mit der einen Signatur und die 2 Viertel mit der andern Signatur bezeichnet. Zwey halbe Bogen mit zwey Signatur en. Schoͤndruck. Wiederdruck. Ein halber Bogen mit einer Signatur. Ein halber Bogen mit zwey Signatur en. Verzeichniß eines Drittheils. Nachdem dieser Drittel einmahl abgedruckt, so verfahre man damit allerdings, wie bey dem Qver- Duodez pag. 16 gemeldet worden. Der Bogen wird in drey Theile zerschnitten. B 2 Wie Format in Decimo Quarto. Wie das Format in Decimo Quarto auszuschiessen. Welches die Breite wie lang 24 und Laͤnge als 8 hat. Schoͤndruck. Wiederdruck. Wie Format in kurtz Decimo Sexto. Wie das Format in kurtz Aecimo Sexto aus- zuschiessen. Jst breit wie kurtz Duodecimo, und lang wie lang 24. Wenn einem dergleichen Format vorkommt, darff er nur auf das Setz-Bret zwey Octav- Bogen ab- zeichnen, und da die Prima solte lincker Hand stehen wie in Octavo, so setzet er sie rechter Hand, ist also gleichsam umgekehrt. Jch will solches zeigen mitzwey Signatur en: als Schoͤndruck. Wiederdruck. Ein halber Bogen, ingleichen ein Viertels-Bogen Das Papier dieses Viertels-Bogen wird im Schoͤndr. umschlagen und im Wiederdruck umstuͤlpt. Wann einem nun lang Decimo Sexto zweyerley Si- gnatur en vorkommen, so zeichne er sich nur vom Octav- Format 2 Schoͤndr. auf ein Bret, und 2 Wiederdruͤcke aufs andere, und schiesse einen gantzen Bogen zweyer Signatur en darnach aus. Der Bogen wird im Wie- derdruck umschlagen, und am Mittelsteg zerschnitten. B 3 Wie Format in Decimo Octavo. Wie das Format in kurtz Decimo Octavo mit zwey Signaturen auszuschiessen. Man darff nur einen Bogen in lang Duodeci- mo auf beyde Breter zeichnen, und die uͤbrigen 12 Columnen, welche ohnedem abgeschnitten werden, auf den Schoͤn- und Wiederdruck eintheilen, und mit der andern Signatur bezeichnen, zum Exempel: Schoͤndruck. Wiederdruck. NB. Der Bogen wird nach bezeichneten Linien zer- schnitten und eingesteckt. Ein halber Bogen. Bericht Format in Decimo Octavo. Bericht uͤber diesen halben Bogen. Wenn der Schoͤndruck ausgedruckt, da muß man die mittlern Columnen mit der Signatur a um- wenden, also, daß die 5 und 8 zu stehen kommen, wo 6 und 7 stehen, und die 6 und 7, wo ietzo 5 und 8 ste- hen, den Bogen umschlagen und fort drucken, denn wird es recht auf einander folgen; denn muß man den Bogen nach bezeichneten Linien zerschneiden, und nach der Signatur in einander stecken, so wird es zwey halbe Bogen geben. Ein Viertels-Bogen. Bericht uͤber den Drittel. Wenn der Schoͤndruck ausgedruckt, muß man die Form hinauf rucken, wo die Buchstaben A B ste- hen, so wird es recht auf einander folgen. Nach die- sem bleibt der Drittel des Bogens noch weiß, da muß man die untersten 6 Columnen, als 1, 12; 9, 4; 5, 8 wieder hinab rucken an den Ort, da sie ietzt in beyge- setzter Figur stehen, die andern 6 oben stehen lassen, und also den weissen Drittel des Bogens von den unter- sten 6 Col. abdrucken, nachdem den Haufen Papier umstuͤlpen, und die obern 6 Col. auch abdrucken, so wird der Bogen voll seyn. Muß also 4 mahl gedruckt werden. NB. Ein Dritthel in lang 18 kan gleichfalls nach die- ser Figur ausgeschossen werden, iedoch aber umgedre- het, daß die untersten Schrauben zur lincken, und die oben stehenden Buchstaben A B rechter Hand kommen. B 4 Wie Format in breit Vigesimo. Wie das Format in breit Vigesimo auszu- schiessen. Hat mit Octavo gleiche Breite und ist lang Dieses Format ist aus einem Octav und ei- nem Viertels-Bogen zusammen gesetzt. Will man nun einen gantzen Bogen von 40 Columnen haben, so zeichnet man die Schoͤndrucks-Columnen auf ei- nem Brete 2 mahl neben einander, so wie ich sie hier zeichnen will, und mit den Wiederdrucks-Columnen thue man auf dem andern Brete desgleichen, und schiesse den Bogen mit zwey Signatur en darnach aus, so gehet es richtig auf einander, nachdem der Haufen umschlagen und nach bezeichneter Linie zer- schnitten und eingesteckt worden. Schoͤndruck. Wiederdruck. Wann man diese Figur drehet, daß die untersten Schrauben zur rechten Hand kommen, folglich die Co- lumnen den langen Weg stehen, so hat man ein Format in 20, welches fast viereckigt ist, und gleiche Breite mit kurtz 16, und gleiche Laͤnge mit breit Decimo hat. Wie Format in Vigesimo Quarto. Wie das Format in kurtz Vigesimo Quarto mit zwey Signatur en auszuschiessen. Hat gleiche Breite mit kurtz 32, und gleiche Laͤnge mit kurtz Achtzehn. Dieses Format connect irt mit Qver- Duodecimo, und darf man nur zwey Schoͤndruͤcke von gemeldtem Format unter zweyerley Signatur aufs Bret zeichnen, und dann auch zwey Wiederdruͤcke aufs andere Bret setzen, so hat man diesen Bogen richtig, als: Schoͤndruck. Wiederdruck. Ein Viertel von diesem Formate wird wie ein hal- ber Bogen in Qver- Duodecimo, doch wie umgekehrt, daß die Prima zur lincken Hand steht, gesetzt; nach dem Tiegel: Wenn also der Drucker die 12 Col. will auf den ersten Satz behalten, so muß er dieselbe aus der Presse heben, und damit verfahren, wie beym Drittheil in Qver- Duod. p. 16 Meldung geschehen. B 5 Wie Format in Trigelimo Secundo. Wie das Format in Trigesimo Secundo mit zwey Signatur en auszuschiessen. Die Breite: Die Laͤnge: Dieses Format ist aus 4 Octav -Bogen zusam- men gesetzt, da denn 32 Col. zur einer Signat. und 32 Col. zur andern Signat. genommen werden; man setzt also beyde Primen auf den Schoͤndr. die eine zur lin- cken Hand, und die andere gleich am Mittelstege, und verfaͤhrt wie mit Octavo. Der Bogen wird in vier Theile zerschnitten, und wie Octav zusammen gelegt. Schoͤndruck. Wiederdruck. Und so verfaͤhret man auch mit den halben Bogen, da man 2 Schoͤndr. uͤber einander auf das halbe Bret, als auch 2 Wiederdruͤcke auf die andere Helfte des Brets, wie Octav, doch mit 2 Signat. sich zeichnet. Wie Format in Quadrages. u. Quadrages. Octavo. Wie das Format in kurtz Quadragesimo mit 5 Signatur en auszuschiessen. Hat gleiche Breite mit Acht und vierzig und gleiche Laͤnge mit breit Zwanzig. Dieses ist gleichfalls zusammen gesetzt, aus 4 Octav- und 4 Viertels-Bogen, da zwey Schoͤn- druͤcke unten an den Schrauben, und zwey daruͤ- ber gesetzt werden, doch umgekehrt; die vier Viertel werden in beyde Formen oben daruͤber mit einer apart en Signatur abgetheilet, daß zwey Viertel zum Schoͤndrucke und zwey Viertel zum Wiederdruck kommen, und kan man solchen Bogen mit 5 Signa- tur en also bezeichnen. Der Bogen wird bey dem Wiederdruck umschlagen, und alsdenn dreymahl zer- schnitten, auch von ieder Signatur der Drittel gleich- falls abgeschnitten und eingesteckt. Wie das Format in Quadragesimo Octavo mit vier Signatur en auszuschiessen. Breite: Laͤnge: Dieses Format ist aus vier Qver- Duodez - Bogen ebenfalls zusammen gesetzt, und darf man nur vier Schoͤndruͤcke auf das eine Bret, und vier Wiederdruͤcke von gemeldtem Qver- Duodez auf das andere Bret zeichnen, und ieden mit einer andern Signatur benennen. Der Bogen wird in 8 Theile zerschnitten, und im Wiederdruck umschlagen. Wie Format in Quinquages. Sexto u. Sexagesimo. Wie das Format in Quinquagesimo Sexto auszuschiessen. Ein halber Bogen mit vier Signatur en. Breite: Laͤnge: Diese Forme ist aus 3 Octav- und zwey Vier- tels-Bogen zusammen gesetzt, da denn drey Schoͤn- druͤcke unten an den Schrauben, und drey Wiederdruͤ- cke daruͤber gesetzt werden, die beyden Viertel wer- den lincker Hand mit einer apart en Signatur ange- schossen. Der Bogen wird im Wiederdruck um- stuͤlpt und den langen Weg zerschnitten. Wie das Format in Sexagesimo auszu- schiessen. Ein halber Bogen mit drey Signatur en. Breite: Laͤnge: Diese Forme bestehet aus zwey Bogen Qver- Duodecimo, und aus drey Viertels-Bogen, wel- che bey den Schrauben rechter Hand mit einer apart en Signatur angeschossen werden. Der Bogen wird im Wiederdrucke umstuͤlpt. Wie Format in Sexag. Quarto u. Septuag. Secundo. Wie das Format in Sexagesimo Quarto mit vier Signatur en auszuschiessen. Breite: Laͤnge: Dieses Format bestehet aus vier Octav- Bogen, da denn vier Schoͤndruͤcke die eine Forme, und vier Wiederdruͤcke die andere Forme ausmachen, und wie Octav iedoch ieder mit einer apart en Signatur aus- gezeichnet werden. Der Bogen wird im Wieder- druck umschlagen. Wie das Format in Septuagesimo Secundo mit sechs Signatur en auszuschiessen. Breite: Laͤnge: Dieses Format bestehet aus drey gantzen und drey halben Octav- Boͤgen, da denn drey Schoͤndruͤcke lincker Hand uͤber einander, iedoch ieder mit einer apart en Signatur bezeichnet, die drey Wiederdruͤcke aber rechter Hand, und die drey halben Bogen gleichfalls uͤber einander in der Mitte gesetzt werden. NB Dieses ist gerechnet auf eine Forme muß man aber zwey Formen machen, so muß der halbe Bogen zum Viertel gemacht, und an ieder Forme angehaͤngt werden. Der Bogen wird im Wiederdruck umschla- gen, und am Mittelsteg zerschnitten, hernach ieder hal- ber Bogen in sechs Theile getheilet werden. Wie Format in Octogesimo u. Nonages. Sexto. Wie das Format in Octogesimo mit 5 Signatur en auszuschiessen. Breite: Laͤnge: Dieses Format ist aus 5 Octav- Bogen zu- sammen gesetzt, da denn die Schoͤndruͤcke rechter Hand und die Wiederdruͤcke lincker Hand, muͤssen verzeichnet werden, ieder Bogen mit einer besondern Signatur. Dieses ist wieder als eine Forme gerechnet; muß man aber zwey machen, so rechnet man einen halben Bogen zum Schoͤndrucke und eben so viel zum Wiederdruck; der Bogen wird im Wiederdrucke umschlagen und ieder halber Bogen wiederum in 5 Theile zerschnitten. Wie das Format in Nonagelimo Sexto mit 6 Si- gnatur en auszuschiessen. Breite: Laͤnge: Dieses Format ist aus 6 Octav- Bogen zusam- men gesetzt, da denn 6 Schoͤndruͤcke, ieder mit einer be- sondern Signatur, die eine Forme, und 6 Wiederdruͤcke die andere ausmachen; der Bogen wird im Wieder- druck umstuͤlpt, und ieder halber Bogen in sechs Theile zerschnitten. Wie Format in Centesimo u. Centes. Duodec. Wie das Format in Centesimo mit 6 Signatur en auszuschiessen. Breite: Laͤnge: Dieses Format ist aus fuͤnff halben Bogen in breit Vigesimo zusammen gesetzt, und muß man iedes mahl mit der Prima von der rechten zur lincken gehen, und dieses fuͤnff mahl, auch iede Primam mit einer neuen Signatur bezeichnen. Der Bogen wird im Wieder- druck umschlagen, und am Mittelsteg zerschnitten. Dann soll noch ieder halber Bogen in 5 Theile ge- theilet, und an iedem Theil die untersten 2 Blaͤtter nach der Signatur eingesteckt werden. Wie das Format in Centesimo Duodecimo mit 7 Signatur en auszuschiessen. Breite: Laͤnge: Dieses Format ist aus sechs Octav- und vier Vier- tels Bogen zusammen gesetzt, da denn sechs Schoͤndruͤ- cke auf die eine, und sechs Wiederdruͤcke auf die andere Forme, und iedes mit einer besondern Signatur muͤssen gezeichnet werden; die vier Viertel aber werden an beyden Formen angehaͤngt, und mit einer aparten Signa- Format in Centesimo Vigesimo Octavo. Signatur bezeichnet, der Bogen aber wird im Wieder- druck umstuͤlpt, und den langen Weg zerschnitten, her- nach soll ieder halber Bogen noch in 7 Theile nach der Signatur getheilet werden. Wie das Format in Centesimo Vigesimo Octavo mit 8 Signatur en auszuschiessen. Breite: Laͤnge: Dieses Format bestehet aus acht Octav- Bogen, da denn wiederum acht Schoͤndruͤcke, ieder mit einer aparten Signatur, die eine Forme, und denn eben so viel Wiederdruͤcke die andere Forme ausmachen, und so ge- zeichnet werden muͤssen; der Bogen wird im Wieder- druck umschlagen, und am Mittelsteg zerschnitten, dann soll ieder halber Bogen in acht Theile nach der Signatur getheilet werden. Das Griechische Alphabet. C VOCA. Nachricht der Griechischen Sprache. VOCALES sind: α ε η ι ο ω υ a e i o u Unter diesen sind kurz und lang: α ι υ kurz: ε ο lang: η ω DIPHT HONGI sind: αι αυ ει ευ ηυ οι ου υι ωυ. Wenn von diesen aus zween Vocalibus zusammen gesetz- ten Diphthongis, einer nicht als ein Diphthongus, sondern als zween besondere Vocales soll ausgesprochen werden, so wird es mit zwey Puͤnctlein angezeigt, als: εϊ, εϋ. Diese drey ᾳ, ῃ, ῳ, mit dem unterschriebenen Jota, rechnet man auch unter die Diphthongos. Bey den CONSONANTIBUS ist in acht zu nehmen, daß einige doppelte Consonantes sind; denn ζ gilt so viel als δσ ξ so viel als ϰσ, γσ, χσ. ψ so viel als πσ, βσ, φτ. ς so viel als στ. Nechst diesem ist insonderheit zu bemercken, die Eigen- schafft folgender 9. Consonantum, welche eingetheilet wer- den, in Labbiales. Palatinas. Dentales. Diese sind drey: π κ τ sind hart. β γ δ sind weich. φ χ ϑ muͤssen mit ei- nen Spiritu aspero ausgesprochen werden. Der ACCEN T en sind drey: 1. Accutus ʹ, als. ϑεός. 2. Gravis `, als: τνμη. 3. Circumflexus ˜, als: ποιῶ. Der APOSTROPHUS ᾽ bemercket die Wegwerffung eines von denen Vocalibus, α, ε, ι, ο, oder Diphthongis, αι, οι, welche wegen eines folgenden Vocalis geschiehet, als: παϱ᾽ ἀυτȣ̃. SPIRITUS sind zwey: Asper ῾, als: ἄμα. Lenis ᾽, als: ἐγὸ. Hebraͤ- Das Hebraͤische Alphabet. Hebraͤisch, Rabbinisch, und Teutsch Hebraͤisch. B 2 VOCA- Hebraͤisch. Jhre Bedeutung ist unterschiedlich, wie in der Grammatica oder in Herrn Michaelis Accentuation zu sehen. Dar- Hebraͤisch. Darunter sind 19. Distinctivi oder Regii accentus, die eine Abtheilung ihres Wortes andeuten, welche in 4. Classen eingetheilet werden, in deren I. 2. sogenannte Imperatores oder Kayser: Silluk, mit den zwey Punct en Soph Pasuk, und Athnach. II. 4. Reges oder Koͤnige: Sgolta, Sakeph katon, oder an dessen statt Sakeph ga- dol, nnd Tiphcha. III. 7. Duces oder Fuͤrsten: Rbhia, Sarka, Paschta, Tbhîr, item Psik Schalschelet, Jthibh und Merca cphula, an statt des ( paschta ) und IV. 6. Comites oder Grafen: Paser, und an statt dessen sechszehn mahl Karne- phara, Tlischagdola, Geresch. oder an statt des- sen Geaschajim, und Psik Munachatum. Dann sind 7. Conjunctiui, Servi, Ministri, Knech- te oder Diener, die eine Verbindung ihres Wor- tes anzeigen, als: Merca, Munach, Mahpach, Darga, Jerach, Kadma und Tlischa Ktanna. NB. Auf den Unterschied folgender Buchstaben, welche einander ziemlich aͤhnlich sind, hat man, um solche recht kennen zu lernen, wohl acht zu geben; als: Beth ב und Caph כ, Daleth ד und Resch ר, Gime ג und Nun נ, Vau ו und Dsain ז, Dsain ז und Final Nun ן, He ה und Cheth ח, Samech ס und Final Mem ם, Ain ע und Final Zade ץ, Final Pe ף und Kuph ק. C 3 Benen- Samaritanisches Alphabet. NB. Dieser Sprache Eigenschafft bestehet darinne, daß die Samaritanische Composition (Text) zwar auf Ebraͤische Art, iedoch Samaritanischen Characteurs geschrieben wird. Figur: Estrangelisch und Syrisch Alphabet. C 4 VOCA- Von der Syrischen Sprache. Alte VOCALES. A. Sind 2. Puͤnctlein, eins unter das ander uͤber dem Buchstaben, ; es heist: Ptocho. E. Sind 2. Puͤnctlein neben einander, unter dem Buch- staben, wie ein Hebraͤisch Zere ; oder etwas schreger, ; es heist: Rebhotso. I. Sind 2. Puͤnctlein schreg gesetzet, unter dem Buch- staben, ; Bisweilen, wenn ein Jud darauf fol- get, wird nur ein Puͤnctlein geschrieben, ; sein Nam ist Kebhotso. O. Sind 2. Puͤnctlein, etwas schreg, ober dem Buch- staben, ; sein Name ist: Sekopho. U. Jst 1. Puͤnctlein, bisweilen ober dem Vaü, bis- weilen unter dem Vaü, ; sein Nam ist: Etsotso. Neue: A. Jst das Griechische Alpha, seine Figur ist: . E. Jst das Grichische Epsilon. seine Figur ist: . I. Jst das Griechische Ita, seine Figur ist: . O. Jst das Griechische Omicron seine Figur ist: . U. Jst das Griechische Ypsilon, seine Gestalt ist: . NB. Die Syrer brauchen im Text beydes die alten und neuen Vocales ohne Unterschied. Diese 2. Puncte (:) bedeuten so viel als (;) Diese 3. Puncte (:) bedeuten so viel als (?) Vier Puncte (::) sind so viel als ein Punct am Ende eines Periodi. Das Olaph vor dem Lomadh Das Lomadh vor dem Olaph Das doppelte Final Lomadh I. Elif Arabisch, Tuͤrckisch und Persisch. Arabisch, Persisch und Tuͤrckisch. I. Nomen. II. Figura Simplex. III. Figura Connexa in medio. IV. Figura Finalis absoluta. V. Figura Finalis connexa. VI. Potestas. VII. Valor Arithmeticus. VOCALES. Fata A. in Syllaba compos. fere Æ. Kesre J. raro ab initio E. Damma O. in Syllaba composita fere ù. ZIFRÆ ARABUM. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. NUNNATIONES. an in on SIGNA. Sjiesma, i. e. Scheva quiescens. Tesdid, i. e. Dages Forte. Hamze, nota motuas literæ Elif. Wesla, nota unionis Elif. Medda, Elif protrahens. Interpunct. IV. Literæ PERSIS nec non TURCIS peculiares. Pe p. Tschjim tsch. Zze z. Ngaf ng. Nach- Jberisch oder Georgianisches Alphabet. Nachricht von der Jberischen oder Georgianischen Sprache. Diese Sprache ist gleichsam das Mittel zwischen der Tartarischen und Armenischen, wie Angelus Roccha a Cam. Bibl. Val. p. 311. vorgiebt, wel- ches auch schon vor ihn Go. Postellus dafuͤr gehalten, mit dem Zusatze, daß solche in Griechenland gebraͤuchlich ge- wesen. Bey dem Schweiggero ist ein Alpha- beth welches aber sehr unrichtig zu finden, die gebraͤuchlichsten Characteres sind hier angezeiget. Warum sie Georgianisch genennet wird, ist daher weil unter denen Jberi- schen Christen, welche sich Georgiani nennen, von S. Georgio weil sie solchen vor ihren ersten Evangelisten halten und veneri ren. SYL- Aethiopisch. SYLLABARIUM ÆTHIOPICUM. Ain Aethiopisch. Fer- Das Coptische oder Egyptische Alphabeth. Phi Das Coptische oder Egyptische Alphabeth. DIPHTHONGI. Nomen. Atmenisch. Armenisch. D I. No- Atmenisch. I. Nomen. II. Figura Ferrea. III. Figura Rotunda. IV. Figura Major. V. Figura Minor. VI. Potestas. VII. Valor Arithm eticus. DIPHTHONGI. SIGNA. Nach- Von der Sinesischen Sprache. Nachricht von der Sinesischen Sprache. S Je ist eben nicht noͤthig zu lernen, doch aber von dem Character eine Kenntniß zu haben, wie solcher beschaffen, hat man sich bedienet solchen anhero zu setzen. Bey dieser Sprache ist anzumercken, daß in dem weitlaͤufftigen Sinesischen Reiche selbst 20. Spra- chen, welche aber alle von einander unterschieden ge- funden werden, die Maudarinische aber hat vor an- dern einen Vorzug, welche in der Zierlichkeit und Gelehrsamkeit in gantzen Reiche gebraucht wird. Und ist ein Unterscheid die Sinesischen Characteres zu kennen und Sinesisch zu reden, jedes ist beson- ders, Ratione der Sinesischen Characteres sind die Autores so davon geschrieben nicht einig, und geben einige eine grosse Anzahl derselben an, etliche aber ei- ne geringere. Die Sineser pflegen die Nahmen derer Frembden abzukuͤrtzen und zu flecti ren, weil bey ihnen Monosyllabæ gewoͤhnlich sind. Z. E. vor Hollandia sagen sie Olanca, Gio vor Johannes, Ja- pou nennen sie Vocu, Judæa Cyu, Europa Sy, \&c. Die 3. Buchstaben B. D. R. mangeln in der Si- nesischen Sprache gaͤntzlich, dahero sprechen sie vor Maria, Malia, vor Tartaria, Tata, vor Francia, Falani, \&c. Ferner: Bedienen sie sich keiner Feder, sondern eines Pinsels von Haasen-Haaren, schreiben (oder mahlen) vielmehr herunterwaͤrts, von oben an bis herunter, und fangen von der rechten Hand an. D 2 Ob Von der Sinesischen Sprache. Ob gleich die Sprache reich an Characteurs, so leider sie dennoch grossen Mangel an Woͤrtern. Z. E. Deus hat kein Nomen proprium, sondern wird periphrastice (umschrieben) exprimi ret, Tieú chuí, i. e. Cœli Dominus oder Tàchù, magnus Do- minus. Denn die Sprache hat kaum 1500. Vo- cabula, und dieselben sind Monosyllaba (ob gleich zwey oder dreysylbigte Woͤrter zu seyn scheinen, so sind selbige doch zusammen gesetzt) und endigen sich in einem Vocalem oder in m und n (manchmahl auch ng ) niemahls aber anders. Daher denn die Homonymia (vielfaͤltige Bedeutung der Woͤrter) in der Sprache sehr starck vorhanden, dergestalt daß manchmahl ein Wort wohl 20 bis 30 diverse Signi- ficationes in sich enthaͤlt und andeutet, welche manch- mahl durch die Characteurs und Aussprache distin- gui ret werden. Denn die Sineser erheben bald die Stimme im Reden, bald aber lassen sie solche wie- der fallen, und scheinet gleichsam als wenn sie singen. Weil nun sothane Pronunciation denen Redenden noͤthig ist, so hat P. Jacobus Pautoja 5. Merckmahle, so in der Music bekannt sind, ut, re, mi, fa, sol, erdacht, welche er Sinesische Accente nennet, mit welchem er die Stimme, und wie der Klang gege- ben werden muͤsse anzeigt, welches Kircherus Chin. Illustr. p. 236. refer iret. Ubrigens kan kein sonder- licher Nutzen von dieser Sprache erlangt werden, wenn man nicht den Umgang dasiges Ortes mit ih- nen hat. Anmer- Damulisch- oder Malabarisch. Anmerckungen zu den Damulisch- oder Malabarischen Alphabet. 1. Jn den obersten Faͤchern sind die Figuren der ze- hen Vocalium und zweyer Diphthongorum, wie solche zu Anfang eines Wortes gebrauchet werden; ingleichen eine doppelte Figur eines Final-Buch- stabens. Mitten in den Worten werden sie an die Consonantes angehaͤnget, und bekommen eine et- was andere Figur, wie ferner aus der Tabelle zu ersehen. Es werden dieselben von denen Mala- baren also benennet: Aana, Awena, Jina, Jwena, Vuna, Vwena, Eena, Ewena, Eiena, Oona, Owena, Auwena, Akkena. 2. Unter denen Vocalibus sind fuͤnff kurtze, und fuͤnff lange. Die zwey Diphthongi sind in der andern Reihe, worinnen die Bedeutung der Vocalium ver- zeichnet worden, mit dem Circumflexo bemercket. 3. Consonantes sind achtzehen, deren jeder auf drey- zehenerley Weise mit denen Vocalibus verknuͤpffet und veraͤndert wird, so wie die Bedeutung oder Syllabisatio des ersten Consonantis in der dritten Reihe angewiesen worden. Und gleicher massen werden auch die uͤbrigen Consonantes verknuͤpffet und ausgesprochen, z. E. der andere: nā, nā, nī, nī, nū, nū, nē, nē, neī, nō, nō, naū, ÿn. Der dritte: tschā, tschā, tschī, tschī, u. s. w. 4. Die Consonantes haben, nach denen Veraͤnde- rungen mit denen Vocalibus, auch ihre Namen, D 3 als Damulisch oder Malabarisch. als der erste: Káana, Kawena, Kíina, Kíwena, Kúuna, Kúwena, Kéena, Kéwena, Keiena, Kóona, Kówena, ükkena. Der andere: Náana, Náwena, Níina, Níwena, u. s. f. 5. Die wenigsten derselben koͤnnen in den Europaͤi- schen Sprachen recht ausgedrucket, oder ausge- sprochen werden. Also sind zwar fuͤnff Buchsta- ben mit der Sylbe na geschrieben; es sind aber dieselbe der eigentlichen Aussprache nach weit von von einander unterschieden; welchen Unterschied man nicht anders, als aus dem taͤglichen Um- gang mit diesen Voͤlckern erlernen kan. 6. Die mit einem † bemerckten Buchstaben werden zu Anfangs der Worte. die Ubrigen alle in der Mitte oder am Ende derselben gebrauchet. Die mit einem * bezeichneten kommen selten vor. 7. Wenn bey denen Malabaren die Kinder in ihren Schulen diß Alphabet lernen sollen, muͤssen sie die Buchstaben nach einander, mit allen Veraͤnde- rungen, in hier gesetzter Ordnung, mit dem Fin- ger in den Sand schreiben; und unter dem Schrei- ben einen jeden Buchstaben mit lauter Stimme dreymal nennen. 8. Jhre Zahlen sind zwar meistentheils Buchstaben aus dem Alphabet; jedoch gebrauchen sie darne- ben etliche andere Zeichen und Characteren; um deren willen man solche bis auf tausend besonders anmercken muͤssen. Das Cyrillisch. Das Cyrillische Alphabet. D 4 Rezi Cyrillisch. Das Glagolitisch. Das Glagolitische Alphabet. D 5 Rezi Glagolitisch. Vor diesem hat man sich allein der Glagolitischen Schrifft bedienet, bis der gelehrte Primus Truber die erste Invention gemacht, mit La- teinischen Buchstaben Crainerisch oder Sclavo- nisch zu schreiben. Alpha- Rußische Zahlen. Wie die Rußischen Zahlen ausgespro- chen werden. Das Hunnisch-Scytisch. Das Hunnisch-Scythische Alphabeth. Das Runisch. Das Runische Alphabet. NB. Daß sich die Buch- staben dieses Runi- schen Alphabets so vielmahl darstellen, kommt daher, weil selbige auf denen noch vorhandenen Runa- steinen sich also befin- den. Das Wendisch. Das Wendische Alphabet. Das Ungarisch. Das Ungarische Alphabet. O bwohl die Ungarn sich der Lateinischen Buchsta- ben im Schreiben bedienen; so haben sie doch eine gantz andere Aussprache, und werden die Worte gantz anders gelesen: insonderheit aber die nachfol- genden Buchstaben. Also: á mit einem Acut, machet eine lange Sylben, z. B. ács, ein Zimmermann; álok, ich stehe. cs wird hart ausgesprochen, wie csch, z. B. chanály, eine Brennestel, wird ausgesprochen cschanaal. csudálatos, wunderbar, cschudaalatosch. cz ist ein lateinisches c oder z, z. E. czérna ein Fa- den, zierna; czékla, Kohlkraut, zeikla; czomb, die Huͤffte, zomb. é hat fast den Laut wie ei, z. E. én, ich; egér, die Maus; édesség, die Suͤßigkeit. gy. Die Ungarn sprechen zwar sonst das g aus, wie die Lateiner und Teutschen; wenn es aber vor dem y stehet, so wird es gelesen wie dje, z. E. z. E. György, Georg. djoͤrdj; gyöngy, ein Edelstein, djoͤndj; megyek. ich gehe, medjek. ly kommt in der Aussprach der Sylben illé bey, in in den Frantzoͤsischen Worten oreille, eveille, feuille, als lyuk. das Loch; golióbis, die Ku- gel; golyvás, der Kroͤpffe hat; sármály, ein Emmerling oder Widewol. ny. Die eigentliche Aussprach dieser sowohl als etli- cher vorhergehender Sylben kan man mit Wor- ten nicht allzuwohl beschreiben: uͤberhaupt kan so viel gesaget werden, daß der Buchstabe y, wenn er bey dem I oder n stehet, gar wenig in der Aussprach gehoͤret wird, als nyár, der Som- Ungarisch. Sommer; nyelo; die Zunge; nyúl, der Haas; anya, die Mutter. ó mit einem Acut, machet eine lange Sylben, als ólom, Bley; óltár, der Altar. ö mit zwey Puncten wird wie oͤ im Teutschen oder eu im Frantzoͤsischen ausgesprochen, als kóröm, der Nagel am Fingern, koͤroͤm; ökör, der Ochs, oͤkoͤr; Török. ein Tuͤrk, Toͤroͤk. s. Das einfache s gleichet in der Aussprache dem teutschen sch. Das doppelte ss einem doppel- ten schsch. Z. E. Sas, der Adler, schasch; sebes, verwundet, schebesch; lassán, langsam, laschschaan; nemesség, der Adel, nemeschscheig. sz ist der Teutschen s; szsz ist ß, als: Szántó, der Ackersmann, saantoo; szág, der Geruch, sag; szálás, die Herberge, saalaasach. Aszszony, das Weib, aßon; boszszag, boßuschaag. ts gilt so viel als tsch, z. E. tsomó, ein Buͤsehel, tschomoo; tsür, die Scheuren, tschuͤr; tsilágocska, ein kleiner Stern, tschilaagocschka. tz wie das teutsche tz, als: atzél, der Stahl, atzeil; útza, die Pflantze, utza; ortza, das Gesicht, ortza. ú mit einem Acut ist ein teutsches langes u, als: út, der Weg; úr, der Herr. ü ist das teutsche uͤ, als: füld, die Erde, fuͤld; fü, das Kraut, fuͤ. v wird gelind ausgesprochen, wie das w. Das doppelte vv oder w haben die Ungarn gar nicht, als: vas, das Eisen, wasch; veszszö, die Ru- the, weßoͤ; vitéz, der Soldat, witeis. z sprechen die Ungarn nicht so hart aus, wie die Teutschen, sondern gelinde, wie die Franzosen, z. B. zab, der Haber; zuzmaráz, der Reif. Unga- Ungarisch. Ungarische Zahlen. E Das Spanisch. Das Spanische Alphabet. Spanische Zahlen. Das Das Englische Alphabet. Davon sind die Vocales hauptsaͤchlich zu mercken: Aa Ee Ii Oo Uu Yy æ i ei oh ju hwey. Die Diphthongi sind: Aa Ae ai ao au aw ay Ea ee ei eo eu ew ey Je oa oe oi oo ou ow oy ue ui uy ye. Die TRIPHTHONGI: Aie ave Eau ewe eye Leu iew Oie ooe owe Uoy. Englische Zahlen. E 2 Das Das Jtaliaͤnische Alphabet. Aà Bb Cc Dd Eè Ff Gg Hh Iì Ll Mm Nn Oò Pp Qq Rr Ss Tt Uù Zz. Von der PRONUNCIATION. Hiervon sind fuͤnff Vocales, als: a, e, i, o, u, und die andern werden Consonantes, v einen andern Vocali vor gesetzt, das in teutscher Sprache fast wie ein f muͤste ausgesprochen werden, ist kein Vocal mehr sondern ein Consonant und wird sehr lind, fast wie ein teutsches w ausgesprochen z. E. Vino ließ Wino. b wie im Teutschen, leben, neben, reiben. d wie in leyden, reden, meyden. f starck, wie in Fenster, fasten, finster. h wird im Anfang weder gelesen, noch gehoͤrt, z. E. hora, ließ ora. e und o werden oͤffter mit offnen als zugeschlossenen Mund ausgesprochen. ce, ci, tsché, tschi, v. g. cena, cibo. ca, co, cu, ch, wie ka, ko, ku, k. ge, gi, wie dsche, dschi, v. g. geloso eyfersichtig liß tscheloso, giorno, liß tschiorno. ga, go, gu, ghi, ghe, wie ga, go, gu, gi, ge. gli wie lj, tagliare liß taljare. gn, wie nj dergestalt daß dieses nj mit den folgenden Vocali soll zusammen gezogen und in einer Syl- be ausgesprochen werden, als bagno liß banjo. s mit einem andern Consonante wird starck ausge- sprochen als spendere, zwischen zweyen Voca- l en aber sehr linde, als rosa, liß rosa. sce, Jtaliaͤnisch. sce, sci, wie sche, schi, als scimia, ließ schimia co- noscere ließ conoschere. sca, sco, scu, sch, wie sta, sto, stu, st, als scarpa ließ starpa, scotto ließ stotto. ti, in denen Woͤrtern so bey den Lateinern wie zi lau- ten behalten, solche Aussprache: als Gratia, ließ Gratzia, in den andern lautet es wie ti, als simpatia ließ simpatia also wird es auch ausge- sprochen, in den Sylben, tiamo, tiate deren ver- borum die in Infinitivo tire haben als patiamo, viele schreiben zi an statt ti. z im Anfang eines Worts lautet fast wie dz als zendado. z oder zz wird in folgenden ebenfalls wie dz ausge- sprochen, als gazetta, Lazzaro. Jn dem uͤbrigen aber wie tz, als fazzoletto, nozze, gentilezza liß dschendiletza. Aus den Vocal en werden folgende Diphthongi ge- macht ai, mai, au, aurora, ei, colei, ia, pian- ta, ie, hieri, ij, tempij, io, pioggia, iu, fiu- me, oi, poi, ue, guerra, ui, guida, uo, huo- mo, etliche gar aus drey, als guai, miei, tuoi, suoi. Der Ausgang in a, e, o, wie ai, ei, oi, auv, das erste wird nicht ausgesprochen, das andere v aber mit dem nachfolgenden Vocali gelesen, als au- venire liß avenire, auvisare liß avisare. oui wie ui, als rouina liß ruina. ou wie o, als Mantoua liß Mantoa, Genoua liß Genoa. uo, gemeiniglich wie o, als cuore liß core, buono E 3 liß Jtaliaͤnisch. liß bono, ingleichen die ausgehen, in tuoso als virtuoso, fruttuoso nuͤtzlich. Ein doppelter Consonant, ss ausgenommen, lautet wie ein einfacher, als Iddio ließ Idio. Von den ACCENT. Die Woͤrter welche einen Accent, nemlich dieses Strichlein (‵) haben, muͤssen lauffender, und nur zu Ende, allwo selbiges Zeichen allezeit gesetzt wird, starck ausgesprochen werden, als parlerò, sanità. Alle einsylbige Verba haben diesen Accent, als vò, dò, stò. Also auch die Nomina, so in à und ù ausfallen, als bontà. virtù. Jngleichen die dritte Personen der Præteritorum simplicium in ai, ei, y, als amò von amai, die erste und dritte Person des futuri in singulari, als amerò, amerà, wenn diese Particuln mi, lo, ne, si, gleich auf ein accentui rtes verbum folgen, werden sie angehengt, ihr erster Conso- nans verdoppelt, und der Accent ausgelassen, als farallo, fammi, parlossif, an statt lo arò, fami, si parlò. Solchen Accent haben auch folgende: dì, rè, lì, là, giù, sù, quì, quà, costì, costà, colà, già, mà, trà, frà, però, ciò, sì, nò, ò oder à zu più. mehr. Folgender Accent (′) kommt in der Mitte der Woͤr- ter, aber wird solten geschrieben. Jta- Jtaliaͤnisch. Jtaliaͤnische Zahlen. E 4 Das Frantzoͤsisch. Das Frantzoͤsische Alphabet. NB. Der Numerus ordinalis wird von dem Cardi- nali formi ret, in- dem man ieme am Ende des Cardinals thut, ausgenommen le premier der erste, und le second der andere. Das Siebenbuͤrgisch. Das Siebenbuͤrgische Alphabeth. NB. Bis Tsëhn stehet und dabey, hernach aber lassen sie diese Coniunct. aus. Wenn nun ein Nahme folget nach der Zahl, so bleibt dieselbige unveraͤndert, als hangdert und tswintsig Sáldôtn. E 5 Ord- Siebenbuͤrgische Ordnungs-Zahlen. Wie sie in Herrmanstadt zehlen. Sie ziehen alles laͤnger als die Cronstaͤdtischen. Das Daͤnisch. Das Daͤnische Alphabet. Das Das Schwedische Alphabet. Schwedische Zahlen. Ord- Schwedisch. Schwedische Ordnungs-Zahlen. Den första, der erste. andra, der andere. triénde, der dritte. fierde, der vierdte. femte, der fuͤnffte. schétte, der sechste. schugende, der siebende. ottande, der achte. niende, der neundte. tiende, der zehende. étte, der eilffte. tótte, der zwoͤlffte. trettonde, der 13de. fjòrtonde, der 14de. fémtonde, der 15de. sekstonde, der 16de. schúttonde, der 17de. àdertonde, der 18de. níttonde, der 19de. tschugonde, der 20ste. ên ô tschugonde, der 21ste. twô ô tschugonde, der 22ste. trettiende, der 30ste. fürtiende, der 40ste. fémtiende, der 50ste. sekstiende, der 60ste. schúttiende, der 70ste. ottotiende, der 80ste. nittiende, der 90ste. hundratiende, der 100ste. tusenste, der 1000ste. Das Pohlnisch. Das Pohlnische Alphabet. á, a, ą, b, ć, c, d, é, e, ę, f, g, h, i, k, l, ł, m, m, n, n′, o, ó, p, r, s, s, t, u, w, y, z, ź, z’. Vergleichung mit der Deutschen Sprache. á wie a. a wie ein doppeltes aa, oder mit einen o gestaͤrcktes a, z. E. Pan der Herr, gleichsam Paon. a gleichsam wie an, z. E. Dąb die Eiche, Mąka das Mehl, Zająo der Haase. b wie b. ƀ wie ein sanfftes bi, es wird mit einen subtilen i ver- setzt, z. E. Jedwab’ die Seide. ć wie z, tz, wird niemals wie ein k gelesen, z. E. Cal das Zoll, Cel das Ziel, Noc die Nacht. c wie ein sanfftes ci, weil ihm ein subtiles i, nach ge- setzet wird, als z. E. Ciato der Leib, Kłuc stehen. d wie d. é wie e, so dem aͤ gleich gelesen wird, z. E. drzewo der Baum, krew das Blut. e wie ee, z. E. Oblicze, das Angesicht, Wesele die Freude. ę wie mit einen n versetzt, z. E. Ręka die Hand, Węda die Fisch-Angel. f wie f. g wie g. h wie h. i wie i die Pohlen haben eigentlich zwey i i, das eine klingt wie ein teutsches i, wenn es nur nicht nach- laͤßig, wie von einigen ausgesprochen wird, das andere pohlnische ji ist gleichfalls ein Jod oder zwey in einander geschlungenen Jen zu vergleichen. k wie k. ł wie ll z. E. Wal der Wald. m wie Pohlnisch. m wie m. m′ wie ein sanfftes mi zuweilen wirds mit einen subti- len i geschaͤrffet. n wie n. n′ wie ein sanfftes ni, fuͤhret ein subtiles i bey sich, als Dan′ die Zinse, vor den i zeichnen sie es nicht. o faͤngt gleichsam von u an, und schließt geschwind mit o, als z. E. bok die Seite, ließ Buock. ó faͤngt gleichsam von o an, und schließt geschwind mit u, z. E. rog das Horn, ließ Roug. p, r wie p, r, nur p von b wohl unterschieden. s wie ss, als łosos der Lachs. ś wie ein sanfftes si, weil ihm gleichsam ein i ange- setzt wird, z. E. śila die Krafft. t wie t, nur von d wohl zu unterscheiden. u wie u. w wie w. w wie ein sanfftes griechisches Ø oder ph, wird zu- weilen nur verschlungen. y wie ein stumpffes i, noch stuͤmpffer als ein uͤ, als z. E. Buͤrste, Bekuͤmmerniß. z wie ein sanfftes s, z. E. za fuͤr zemma mit mir. z wie si, weil es mit einen i versetzt wird, z. E. Zię- ba der Finck, śledz ber Hering. z wie sch, doch etwas gelinder, z. E. z̓aba der Frosch. cz wie tsch, z. E. czas die Zeit. rz wie rsch, rzepa die Riebe sz wie sch, szata das Kleid. szcz wie schtsch, szczur die Rakte. Ferner ist bey den Pohlnischen zu mercken, daß sie eingetheilet werden in Vocales oder selbstlauten- de, und Consonantes oder mitlautende, selbstlauten- de heissen á, a, ą, e, ę, i, ó, o, u, y, die uͤbrigen heissen mitlautende. Ferner Pohlnisch. Ferner wenn zwey oder mehr selbstlautende in einen Thon zusammen gezogen werden, so entstehen daher zusammengesetzte selbstlautende, und deren sind bey den Pohlen zweyerley, die eine kan man scharffe nennen, als iá, ia, ią, ię, io, iu, die stumpffen sind ay, ey, oy, uy, denen koͤnnte man noch eine Art beysetzen und gemischte nennen iy, iay, iey. Consonantes koͤnnen wiederum in Pohlnische und Deutsche eingetheilet werden. Pohlnische sind gelinde, oder mit einen i ge- schaͤrffte, nemlich ć, t, n′, ś, ź und zuweilen b, m, p′, w′, wohin man auch f zehlen koͤnte. Harte oder gischende, nemlich c, z̓, cz, rz, sz, szcz, Deutsche sind die uͤbrigen alle. Pohlnische Zahlen. ORTHO- DE ORTHOGRAPHIA, Oder, Von der Rechtschreibung. M an sollte billig hiervon einen ausfuͤhrlichen Un- terricht beyfuͤgen. Weil aber die Herren Ge- lehrten darinnen nicht einerley Meynung sind: So hat man es vor unnoͤthig erachtet; jedoch aber den ge- neigten Leser einen Geschmack hiervon zu geben, hat man sich dessen bedienet, was Jhro Magnificenz Herr Prof. Gottsched zu Leipzig in seiner Nachricht von der Deutschen Gesellschafft pag. 108. davon angefuͤh- ret, wie folget: Germanien warf eines Tages ihre Augen von den oͤffentlichen Staats-Angelegenheiten ihres Kay- serlichen Hofes, und so vieler Churfuͤrsten und Staͤn- de des Reiches, auch auf die Sprache ihrer Kinder. Sie durchzog anfangs die weitlaͤuftigen Landschaften, in welche sich dieselben vertheilet haben, um die be- sondere Mundart eines jeden Volkes mit eigenen Ohren zu hoͤren. Sie nahm aber mit einigem Wie- derwillen wahr, daß der meiste Theil noch so hartnaͤ- ckicht bey der alten Rauhigkeit seiner Aussprache blieb, die sich fast durch keine Buchstaben schriftlich ausdruͤ- cken, und vor die Augen bringen laͤßt. Sonderlich schmertzte es dieselbe, daß an den Jtalienischen und Franzoͤsischen Graͤnzen die Mundart einen so wiedri- gen Klang hatte, daß ihr ganzes Volk deswegen, wiewohl mit Unrecht, den Nahmen einer barbarischen Nation, tragen muste. F Sie Von der Rechtschreibung. Sie wandte sich mit mehrerm Vergnuͤgen in das Herz ihres grossen Reiches, den Fraͤnkischen und Obersaͤchsischen Kreis, deren Einwohner sich mit einer weit zaͤrtlichern Aussprache hoͤren liessen. Ja sie gieng auch Ostwerts bis in die Pohlnischen Graͤnzen, und wunderte sich, daß ihr Geschlechte sich daselbst an der Stelle Sclavonischer Voͤlker mit solchem Seegen ausgebreitet, und fast die alte Vormauer ihres Sitzes, den grossen Weichselstrom erreichet hat- te. Diese Ostlichen Einwohner ihres Reiches hatten der Sprache ihrer majestaͤtischen Mutter viel Ehre gemacht, und es fast den Franken und Meißnern darinn zuvor gethan: So, daß sie auch oft von den- selben deswegen beneidet wurden. Selbst der Nordli- che Theil ihrer Unterthanen, die eigentlich so genannten Saͤchsischen Voͤlker, hatten den Vorzug dieser Ober- laͤndischen Mundart ihrer Bruͤder erkannt, und be- muͤhten sich fast mit jenen in die Wette hochdeutsch zu reden und zu schreiben: Obwohl der grosse Haufe noch allezeit die Sprache seiner Voreltern, beyzube- halten geneigt schien. Nichts gieng indessen dieser zaͤrtlichen Mutter mehr zu Hertzen, als die hier und da bemerkte Unei- nigkeit in der Rechtschreibung. Sie fand, daß fast ein jeder Gelehrter sich eine eigene Gewohnheit mach- te, und kein einziger sich nach der Fuͤrschrifft des an- dern richten wollte. Sie sahe wohl, daß nicht alle gleich recht hatten, und haͤtte sich ihres Muͤtterlichen Ansehens bedienen koͤnnen, sie alle zu einerley Art zu verbinden. Allein sie wollte nicht so gewaltsam ver- fahren. Anfaͤnglich meynte sie die Aussprache zur Richtschnur der Schrift zu machen: Wiewohl die grosse Ungleichheit derselben in verschiedenen Landschaften ihr Von der Rechtschreibung. ihr solches wiederrieth. Sie konnte auch gar zu leicht vorher sehen, daß man dergestalt zum wenigsten alle fuͤnf und zwanzig oder funfzig Jahre eine andre Recht- schreibung einfuͤhren wuͤrde; nachdem sich nemlich die Mundart eines Volckes allmaͤhlich aͤndern moͤchte. Daher war sie auf eine bestaͤndige und Regelmaͤßige Art ihre Sprache zu schreiben bedacht, dadurch auch die Aenderungen der Aussprache verhuͤtet werden moͤchten. Jn solcher Absicht uͤbergab sie die Ausfuͤhrung ihres Vorhabens, einer guten Freundin, mit der sie noch nicht gar zu lange bekannt gewesen war. Sie hieß die Sprachkunst. Weil aber dieselbe eine sehr strenge Richterin abgiebt, die in Worten eben so un- erbittlich ist, als Astraͤa vormals in den Handlungen der Menschen gewesen: So wurde ihr eine Gehuͤl- fin von gelinderer Gemuͤthsart zugegeben, welche sich die Gewohnheit nennete. Und da man wohl vor- her sahe, daß diese beyde zuweilen ganz uneins seyn wuͤrden: so wurde ihnen, sie auseinander zu setzen, noch eine alte Matrone von grosser Einsicht an die Sei- te gesetzet, welche man die Vernunft zu nennen pflegte. Vor diesen Richterstuhl nun wurden alle Buchstaben des Deutschen Alphabets gerichtlich ge- fordert; mit dem ausdruͤcklichen Befehle, selbst ihre Sache zu fuͤhren, und ihre Rechte auf gewisse Woͤrter, gegen einander zu behaupten. Zu allererst drungen die doppelten Buchstaben vor den Richtplatz. Denn weil sie als Zwillinge mit zusammen gesetzten Kraͤften darnach strebten, so waren sie allen einfachen uͤberlegen. Dahin gehoͤrte nun das ck, dt, ff, gk, ll, nn, ss, ß, th und tz. Diese hatten sich mit einander verschworen vor einen Mann F 2 zu Von der Rechtschreibung. zu stehen, und weil sie einerley Klage zu fuͤhren hat- ten, eine gemeinschaftliche Sache daraus zu machen. Sie wollten gleich auf einmal anfangen zu reden, als sie gewahr wurden, daß sie alle stumm waren, und kein Wort hervorzubringen vermochten. Ob sie nun gleich von den Richterinnen ermahnet wurden schrift- lich einzukommen: so wollten sie doch lieber nach Art der alten Griechischen Buchstaben, bey dem Lucian, muͤndlich ihre Klage fuͤhren. Daher musten sie un- ter ihren uͤbrigen Bruͤdern Fuͤrsprecher suchen, denen sie ihre Sache anvertrauen konnten. Zu allem Gluͤcke gab es auch unter den lauten- den Buchstaben Zwillinge. Das AA, das EE, OO und Y, waren auch unter der Zahl der Mis- vergnuͤgten, und schlugen sich gern zu der Parthey der Klaͤger. Die Stummen aber faßten ein desto besseres Vertrauen zu diesen geschickten Rednern, die sich allezeit sowohl hoͤren lassen; weil sie selbst ihre eigene Sache zugleich zu fuͤhren hatten: So, daß an ihrer Redlichkeit gar nicht zu zweifeln war. Man vertheilte die Klagen unter diese vier Sachwalter so, daß AA vor sich, vor ck und dt; das EE vor sich, vor ff, gk, ll und nn; das OO vor sich selbst, vor ss, ß, th und tz; das Y endlich vor sich allein reden, und den Schluß der ganzen Klage machen sollte. A A hub alsbald solgender Gestalt an: Gerechteste Richterinnen! Unsre Buchstaͤbliche Streitigkeiten haͤtten vor keinen erwuͤnschtern Rich- terstuhl gebracht werden koͤnnen, als vor den eurigen; und wir sind dem großmaͤchtigsten Germanien davor allesammt aufs hoͤchste verbunden. Wir sind befeh- liget worden unsre Beschwerden vor euren Ohren vorzutragen, und die Groͤsse des bisher erlittenen Un- Von der Rechtschreibung. Unrechts veranlasset uns, daß wir die ersten sind, so ihre Klagen in euren Schooß ausschuͤtten wollen. Wir sind alle Zwillinge, wie ihr sehet, und lieben ein- ander sehr herzlich: gleichwohl muͤssen wir den Ver- druß erleben, den Castor und Pollux vorzeiten em- pfunden; daß man uns nemlich fast allenthalben zu trennen suchet, und nicht mehr als einen von uns in gewissen Woͤrtern leiden will. Dieses ist der Haupt- zweck unsrer Klage. Jch ins besondere beschwere mich, daß ich vor- zeiten in sehr vielen Woͤrtern einen ruhigen Sitz ge- habt, daraus ich itzo halb verstossen worden. Man will mir die Schafe, die Malzeichen, die Stralen, ja auch den Gram, und die Qual nicht mehr goͤnnen: Und es fehlt zu meiner voͤlligen Verbannung nichts mehr, als daß man mir den Hohenpriester Aaron undden Ab- gott Baal noch raube; welches aber die allerunver- antwortlichste Sache von der Welt seyn wuͤrde. Das gute ck ist nicht besser daran. Man verwei- set dasselbe aus unzehlichen Woͤrtern, darinnen es seit undenklichen Jahren seinen Aufenthalt gehabt. Es soll kuͤnftig nur zwischen zweyen Vocalen, oder Laut- buchstaben seinen Platz finden; und dergestalt aus Trank, Dank, Zank und andern von der Art, imglei- chen aus den Werken, der Staͤrke, dem Merken und allen, die damit verwandt sind, verbannet seyn. Eben so geht es dem unschuldigen dt. Man hat es von alten Zeiten her in geruhigem Besitze vieler Woͤrter gesehen, wo es itzo vertrieben wird. Man schrieb bekandt, genandt, imgleichen der Todt und das Brodt: Nunmehr aber will man besondre etymologi- sche Geburtsbriefe und Geschlechtregister von dem D sehen; die es aber nicht aufweisen kan. Man raͤumet F 3 in Von der Rechtschreibung. in den beyden ersten lieber unsern Freunden den Zwillin- gen n n ihre Stellen ein; und in den beyden letzten soll das D nur den Tod, das T aber das Brot vor sich behalten. Dieses sind nun, gerechteste Richterinnen, diejeni- gen Klagen, welche ich vor eure Ohren zn bringen Be- fehl erhalten habe. Eure Einsicht verspricht uns Be- leidigten ein erwuͤnschtes Urtheil: was aber noch uͤbrig ist, werden meine Gefehrten, besser als ich gethan, vor- zutragen wissen. Hiermit trat also der erste Redner ab, und mach- te dem andern Platz; der sich, ohne viele Weitlaͤuftig- keiten zu machen, folgender gestalt hoͤren ließ. Es ist noch sehr viel uͤbrig, ihr Hochgebietenden Frauen, weswegen wir uns zu beschweren Ursache ha- ben. Allein die Zeit verbeut es, mich auf alles einzu- lassen. Jch selbst bin von den Critischen Feinden bis- her noch ziemlich frey geblieben; und uͤber einige Klei- nigkeiten will ich mich aus Großmuth nicht beschweren. Desto unpartheyischer werde ich meiner Clienten Kla- gen vorzubringen im Stande seyn. Vors erste beklaget sich das ff, eins von den an- sehnlichsten Mitgliedern unsrer Zwillings-Bruͤder- schaft; daß man es aus unzehlichen Plaͤtzen verdringet, wo es seit etlichen hundert Jahren seinen bestaͤndigen Sitz gehabt. Man raubt ihm seine Schafe, man nimmt ihm das Recht auf die Strafe, man laͤßt es so gar im Schlafe nicht ungestoͤret Was soll ich von dem grossen Haufen aller der Woͤrter sagen, wo un- mittelbar vor ihm entweder ein langer Vocal, oder gar ein Doppellaut vorhergeht; als in Stufen, rufen, lau- fen, taufen, kaufen, schleifen, greifen ꝛc. Hier allent- halben hat man das ungescholtene ff vertrieben; ja dem- Von der Rechtschreibung. demselben auch da keine Ruhe gelassen, wo etwa ein l, n, p, oder r, vorhergehet; wie aus der Huͤlfe, der Vernunft, dem Dampfe, und der Schaͤrfe; ja hun- dert andern von der Art mit mehrerm zu ersehen ist. Eben so ist es dem unstraͤflichen gk gegangen. Es war nicht genug, daß man ihm die Staͤdte Leipzigk, Augspurgk, Nuͤrnbergk u. a. m. genommen; Man hat sich auch an andre Eigenthuͤmer desselben gemacht. Ma n will aus der Billigkeit eine Billikeit, aus der Guͤ- tigkeit eine Guͤtikeit u. s. w. machen; welches doch durch den blossen Anblick der Augen schon vor was unleidli- ches erklaͤret wird. Das lustige ll hat gleichfalls Ursache genug zu kla- gen. Aus will, und soll, wollte und sollte ist es ei- ne lange Zeit verwiesen gewesen; aus der Vollkom- menheit und Vollbringung haben es auch einige ver- stossen wollen. Die Wallfahrt hat sich sowohl, als das gleichfalls und allmaͤhlich, ohne dasselbe behelfen sollen; da doch die wichtigsten Beweisgruͤnde seines Rechtes, auf alle diese Woͤrter verhanden gewesen. Dem ehrlichen n n ist es nicht besser gegangen. Da es in brennen, koͤnnen, nennen, goͤnnen, u. d. m. ein unstreitiges Recht gehabt: So hat man es in ihren Abkoͤmmlingen nicht dulden wollen, und lieber brandte, nandte, konte, goͤnte ꝛc. als brannte, nannte, koͤnn- te, goͤnnte geschrieben. Eben so ist es ihm in den Koͤ- niginnen und Prinzessinnen u. a. m. gegangen, denen man in der einfachen Zahl am Ende ein doppelt nn eben so wohl, als dem Sinn und Gewinn, schuldig gewe- sen waͤre. Alsbald ward das EE von dem OO abgeloͤset; welches sich schleunigst vor den Richterstuhl hinrollte, und seine Klage folgender Gestalt anhub: F 4 Mei- Von der Rechtschreibung. Meine Klage, ist nicht so wohl auf die Wiederein- raͤumung alter Stellen gerichtet, Hochgebietende Richterinnen: als auf die Ansuchung um gewisse neue Plaͤtze, die ich zu fordern ein Recht habe. Jn dem Loosse und Schoosse habe ich die Zeit her einen geruhi- gen Aufenthalt gehabt: warum hat man mir aber nicht in den Woͤrtern lose, Stoß, groß, Hosen, Bosseln einen Raum vergoͤnnet: wo ich mich doch eben so wohl hoͤren lasse, als in den vorigen. Und so viel vor mich selbst. RR hat zwar nichts zu klagen: aber ss und ß de- stomehr, weil man dieselben entweder gar aus ihren Plaͤtzen verdringet, und ein schlecht s an die Stelle setzt; oder doch ohne Unterscheid gebrauchet, wenn es gleich zwischen zweyen Vocalen, und also mitten im Worte gewesen waͤre. Man hat ihnen nemlich in der ersten Absicht, die Woͤrter, Hals, Haus, als, bis, hinaus, Graus, Schmaus, ich weis, Preis, Reis, und der- gleichen mehr geraubet; und ob sie wohl einige Ober- laͤnder ihrer ungewissen Aussprache nach in die Woͤrter, preisen, die Weisen, reisen u. d. m. wieder aufnehmen wollen: so hat man sie doch durch ein hoͤnisches Gelaͤch- ter von dieser Aenderung wieder abgeschrecket. Denn wenn sie von einem weisen Manne gesprochen, aber einen Weissen davor geschrieben; imgleichen von Reisen ge- redet, und Reissen geschrieben: hat man sie wegen des erstern um die Schwarzen oder Mohren befraget; we- gen des andern aber sich um die Risse bekuͤmmert, wel- che sie verfertiget haͤtten. Das Th und Tz befindet sich in gleichen Umstaͤn- den. Man hat dem erstern nicht nur die Stellen entzo- gen, dazu man einigen Grund gehabt; a z. E. in Wohl- fahrt, Schiffahrt, Geburt, Gut, Flut, Brut, Ton, Traͤhnen, wo man sonst allenthalten ein H am T gese- hen: Von der Rechtschreibung. hen: Sondern man will ihm auch unstreitige Eigen- thuͤmer rauben; die es wegen der Analogie mit der Plattdeutschen oder Niedersaͤchsischen Sprache besitzen muß. Dahin gehoͤrt, das Thun, die That, die Endi- gungssylbe thum; der Muth, der Rath, das Thor, das Thier, die Thuͤre, der Thum, der Thor und die Noth, und viele andre, die augenscheinlich das th deswegen ha- ben, weil sie im Plattdeutschen ein D haben, und also nicht so hart, sondern etwas sanfter und milder, als das T ausgesprochen werden sollen: wie auch in sehr vielen Provinzen Deutschlandes wirklich geschieht. Das Tz anlangend, so ist dessen Klage nicht weni- ger erheblich. M an will ihm alle die Woͤrter rauben, wo nicht ein kurzer Vocal vorhergeht. Denn man ent- zieht ihm nicht nur diejenigen, da ein stummer Buchsta- be vor ihm steht, als Salz, Glanz, Herz, u. s. w. son- dern man will ihm auch diejenigen abdringen, wo ein Doppellaut, oder sonst ein langer Vocal vorhergeht, als Weizen, schneuzen, u. d. g. Andrer gar zu heftigen Feinde zugeschweigen, die es gar durchgehends ausmu- stern wollen; und wohl gar in Katzen, Gesetzen, Spi- tzen und stutzen ausmustern wollen: wo es doch, ein dop- peltes z vorzustellen, unumgaͤnglich von noͤthen ist. Hierauf schwieg das Oo, und das Y raͤusperte sich den Beschluß zu machen. Jch bin der letzte Klaͤger, verstaͤndigste Richterin- nen, ob mich wohl viele aus der Zahl der Zwillinge aus- schliessen wollen. Man ist gar zu tyrannisch auf mich er- zuͤrnet. Jch soll nicht nur in der Mitte, sondern gar am Ende der Woͤrter verbannet werden, indem einige, bei, sei, frei, drei, zwei, u. s. w. schreiben wollen. Wie heß- lich dieses aber ins Auge faͤllt, moͤgen meine Wiedersa- cher selbst richten: ich kan mich wenigstens auf keine bes- F 5 sere Von der Rechtschreibung. sere Art an ihnen raͤchen, als durch den Ubelstand, den meine Abwesenheit in ihrer Schrift verursachet. So hat sich Achilles vormals an dem Agamemnon auch ge- rochen. Jn der Mitte aber soll mich die Verwirrung rechtfertigen, die in gewissen Woͤrtern entstehen wird, wenn man mich wird meiden wollen: denn wie will man freyen und freuen, meynen und meinen von ei- nander unterscheiden, wenn man meine Huͤlfe nicht brauchet? Genug fuͤr mich allein geredet, Gnaͤdige Richterinnen. Eure Gerechtigkeit verspricht mir allen moͤglichen Beystand: Daher setze ich kein Wort mehr hinzu euren Urtheilspruch zu erbitten. Sobald diese Klaͤger ihre Beschwerden angefuͤhr- ter massen aufs Kuͤrzeste vorgebracht hatten, musten sie samt ihren Clienten einen Abtritt nehmen; Die Rich- terinnen aber unterredeten sich mit einander, und such- ten sich wegen des Urtheils zu vereinigen. Die Ge- wohnheit, als die juͤngste der Beysitzerinnen fieng zu erst an, ihr Gutachten zu eroͤfnen; und erklaͤrte sich schlechterdings vor die Klaͤger. Sie bezeugte es sehr freymuͤthig, was vor eine Feindin aller Neuerungen sie waͤre. Sie gestund ihre grosse Ehrerbietung vor das graue Alterthum, und wollte durchaus nicht wissen, wie man schreiben sollte oder muͤßte; sondern wie man von undenklichen Zeiten her geschrieben haͤtte. Jn diesem Eifer erhitzte sie sich dergestalt uͤber die Sprachlehrer der Deutschen, als Schotteln, den Spa- ten, Boͤdickern, Heraͤum u. a. m. daß sie dieselben alle mit einander vor Gruͤbler, Buchstaͤbler, Grillenfaͤnger, ja mit einem Worte, vor Zesianer schalt. Keinen em- pfindlichern Schimpf wuste sie wieder diese Leute aus- zusinnen; bis ihr Christian Weisens Comoͤdie von der Tannzapfen-Gesellschaft einfiel. Jn diese wollte sie alles Von der Rechtschreibung. alles dasjenige verbannen, was sich nur einen Buchsta- ben in der gewoͤhnlichen Rechtschreibung zu aͤndern ie- mals unterstanden hatte. Ja sie erklaͤrte sich endlich, daß sie lieber mit dem grossen Haufen fehlen; als mit wenigen Sprachverstaͤndigen recht schreiben wollte. Eine so heftige Rede brachte die Sprachkunst sehr in Harnisch. Was? sagte sie, soll das alte Her- kommen in der Deutschen Sprache so viel gelten: So hat mich Germanien aus Jrrthum zur Freundin er- wehlet; so habe ich mich die Zeit her vergebens bemuͤ- het, die innere Natur und Art ihrer Mundart zu er- gruͤnden; so wird nur der unwissende Poͤbel uͤber die Zungen und Federn der Klugen und Gelehrten herr- schen muͤssen. Das wird aber Germanien nicht lei- den, das werde auch ich nimmermehr zugeben! Auf einen so hitzigen Anfang wuͤrde eine noch hitzi- gere Fortsetzung erfolget seyn; wenn nicht die Ver- nunft mit einer bescheidenen Mine, die erzuͤrnte Sprachkunst angesehen, und durch eine gelinde Vor- stellung gebeten haͤtte, die Sache etwas genauer zu er- wegen. Es ist freylich etwas zu viel gefordert, sprach sie, wenn unsre Gehuͤlfin, die Gewohnheit, durchge- hends auf ihr altes Herkommen dringet. Das Alter- thum ist zwar allerdings ehrwuͤrdig; Allein von Feh- lern ist es wohl in der That niemals frey gewesen; am allerwenigsten in der Sprache. Man muß also die Mittelstrasse in Verbesserung derselben gehen. Die Gewohnheit ist freylich sehr an- sehnlich, wenn sie allgemein ist. Wer will sich wohl ei- ner ganzen Nation wiedersetzen? Allein die Sprach- kunst ist nicht gar aus den Augen zu lassen, wenn sie gute Gruͤnde anfuͤhren kan, eine von zweyerley Schreibar- ten der andern vorzuziehen. Laßt uns also stuͤckweise die Von der Rechtschreibung. die Klagen der doppelten Buchstaben durchgehen, und einen unpartheyischen Schluß fassen, in welchem Stuͤ- cke man ihrem Verlangen Gehoͤr geben koͤnne, oder nicht. Durch eine so gesetzte Rede nun ward nicht nur die eifrige Sprachkunst besaͤnftiget, sondern auch die Ge- wohnheit zu einiger Neigung zum Nachgeben vorbe- reitet. Sie giengen nunmehro alle drey die obgedach- ten Klagen durch, und nachdem sie alles uͤberleget, was fuͤr und wieder die Aenderungen in der Rechtschrei- bung gesaget werden koͤnnte, wurde folgendes Urtheil abgefasset. Wir, von Germanien zu Untersuchung einiger Streitigkeiten in der Rechtschreibung verordnete Ge- vollmaͤchtigte, befinden nach reifer Uberlegung vor Recht, daß das aa nur in etlichen wenigen Woͤrtern, als Aal, Baare, Haar, Maaß, Saal, Waare, inglei- chen in den Auslaͤndischen, die solches erfordern, als Aaron, Baal, Czaar, u. d. m. statt haben, aller uͤbri- gen aber sich gutwillig begeben solle. Daß ferner das ck sich aus allen Woͤrtern, wo kein kurzlautender, oder scharfer Vocal vorhergehet, sich wegmachen und sein blosses k zuruͤcke lassen solle. Daß auch das dt sich aus allen Plaͤtzen enthal- ten solle, die es bisher auf blosse Erlaubniß unwissender Schreiber besessen, und kuͤnftig nur in Brodt, Stadt, Schwerdt, dem Hauptwort toͤdten, toͤdtlich, todt und ein Todter, nicht aber in dem Stammworte der Tod statt haben solle Das EE behaͤlt nach wie vor seine Rechte auf die See, das Meer, die Seele, denn Klee, die Gala- thee, u. d. gl. Das ff soll sich aller der Woͤrter enthalten, wo ent- Von der Rechtschreibung. entweder ein langer Vocal oder gar ein Doppellaut vorhergehet; imgleichen wo schon ein andrer stummer Buchstabe die vorhergehende Sylbe schließt; als schla- fen, kaufen, werfen, Zunft. Endlich aus dem Woͤrtchen oft, und der Endung schaft; als wo es kei- nen Grund zu einigem Rechte anfuͤhren kan. Das gk soll sich kuͤnftig nur da finden lassen, wo es der Abstammung halber seyn muß; nemlich wenn z. E. ein Nebenwort guͤtig, fertig, durch die Sylbe keit in ein Nennwort verwandelt wird als Fertigkeit, Guͤtig- keit, u. s. w. Das ll soll in allen Abkoͤmmlingen von wollen und sollen imgleichen in allen die mit Fall, alles, und voll zusammen gesetzt sind, verbleiben, und sich dagegen aus allen Sylben enthalten, wo entweder ein stummer Buchstabe, oder langer Vocal, oder gar ein Doppel- laut vorher geht. Das nn soll in den supinis von nennen, koͤnnen, brennen, den Platz wieder einnehmen, den ihm das dt bisher entzogen, als genannt, erkannt, gebrannt. Jm- gleichen soll es in allen Abkoͤmmlingen von koͤnnen, und goͤnnen, wo man es vielfaͤltig ausgestossen, wieder sei- nen Sitz einnehmen. Das OO soll bey seinen alten Rechten bleiben, aber durchaus keine neue Stellen suchen, und daher, weder in groß, noch in los, Stos, u. d. g. sich einzu- dringen suchen. Das ss soll sich mit dem ß so vergleichen, daß jenes allezeit in der Mitte der Woͤrter zwischen zweyen Vocalen; dieses aber am Ende solcher Sylben, wo entweder nichts mehr, oder doch ein stummer Buch- stabe folget, seinen Platz einnehme. Jmgleichen soll dieses letzte alle Nennwoͤrter, die sich auf iß endigen, das Beywort weiß, ferner Schluß, Gruß, Fluß, Fleiß Von der Rechtschreibung. Fleiß u. d. g. besitzen, die in der mehrern Zahl ein ss haben: Hingegen aus allen verbannet seyn, die in ih- rer Verlaͤngerung das einfache s haben; als Preis, Reis, Greis, Haus, Hals, Maus, Graus, Mus, u. d g. Das th soll uͤberall bleiben, wo es nach Art der Alten die Stelle des D vertritt, als That, Thor, Thier Thon, Rath, Muth, Noth, roth ꝛc und hingegen aus Geburth, Guth, Bluth u. s. w. gaͤnzlich verbannet seyn. Das tz soll nur nach einem kurzen Vocal, als Ka- tzen, setzen, sitzen, putzen bleiben; hergegen uͤberall weg- bleiben, wo ein stummer Buchstabe, oder ein Doppel- laut vorher geht; als Herz, Schmerz, reizen, schneu- zen. u. s. w. Das Y bleibet uͤberall in den Sylben, die entwe- der am Ende stehen, oder doch dahin zustehen kommen koͤnnen, und doch kein uͤ leiden, als bey, drey, imgleichen zum Unterscheide, als in freyen und meynen, und allen ihren Abkoͤmmlingen. Es entfernet sich aber, wo diese Ursachen aufhoͤren, aus Leyd, Eyfer, Peyn, u. d g. Wie wir nun dieses alles nach genauer Untersu- chung vor billig und der reinen Hochdeutschen Sprache gemaͤß erkannt, als wollen und verlangen wir, daß Klaͤ- ger sich darnach in allen Faͤllen achten; auch bey vor- fallenden Schwierigkeiten unsere weitere Belehrung erwarten sollen. Wie Recht ist, von Rechtswegen. Dieses waren nun hauptsaͤchlich die Schluͤsse, wel- che in der ersten Versammlung abgefasset wurden. Die Richterinnen liessen selbige den Klaͤgern zustellen, und erlaubten ihnen nach genugsamer Uberlegung ihre Leu- terungen einzugeben, oder wohl gar an das großmaͤch- tige Germanien selbst zu appelliren; behielten sich aber vor, demselben mit ehestem die ausfuͤhrlichen Gruͤn- de zu entdecken, welche sie zu diesem Urtheile gehabt. Wohl- Wohlmeynender Unterricht/ Bey Unterweisung Eines Setzer- und Drucker-Knabens. NB. Dieses MSct. hat Weyland Herr Johann Caspar Muͤller, Buchdrucker allhier, verferti- get, und weil mir solches zu handen gekommen, so habe es nicht vor etwas unbilliges angesehen, wenn es diesem Format-Buch einverleibet wuͤr- de, damit einer, der noch Lust hat etwas zu lernen, treuen Unterricht darinnen finden koͤnne. Wie ein Setzer-Junge zu unterrichten, daß er sowohl eine Accuratesse, als Geschwindigkeit bekomme. E S sollten zwar billig alle Manuscripta, welche man zum Druck uͤbergeben will, absonderlich diejenigen, die von solchen Autoribus einlauf- fen, welche nicht in locò, und man sich ihres Rathes nicht bedienen kan, auf das reineste und sauberste ab- geschrieben, und von denen Autoribus selbst revrdi- ret seyn, damit der Setzer nur allein auf seinen Grif, nicht aber auf das Spintisi ren seine meiste Zeit zu- bringen moͤge, massen es sehr offt geschiehet, daß man solche Manuscripta unter Haͤnde bekommt, so auch ein Gelehrter selbst nicht lesen, vielweniger ein Setzer errathen kan, daher es denn kein Wunder, daß in manchem Wercke mehr Errata als Zeilen be- findlich, gantze Sensus corrumpi ret werden, und zum oftern wieder des Autoris Meynung, gantz was frem- des, und zur Sache nicht gehoͤriges hinein gesetzt wird. Es schleichen sich uͤber dieses dennoch wohl Feh- ler ein, die fast unvermeidlich, als nemlich, wenn ein Buchstabe in Einhebung der Forme heraus faͤllt, welchen Ort weder Drucker noch Setzer gewahr wird, absonderlich, wenn er sehr locker ist, und also gantz sanft etwan auf Maculatur oder sonst was weiches faͤllt, welches in Druckereyen nichts seltsames, item wenn in corrigi ren die Zeilen nicht accurat in der Hand gleich den andern ausgeschlossen werden, so fuͤgt sichs oft, daß ein und mehr Littern mit den Ballen her- aus gezogen werden, auf denselben kleben bleiben, und also unvermerckt verlohren gehen, derer andern, welche aus Wohlmeynender Unterricht. aus Unvorsichtigkeit, oder Mißverstand geschehen, zu geschweigen, darum sage ich, ist es hoͤchstnoͤthig, wo anders dem Verfasser und Verleger an einem accura- t en Wercke gelegen ist, daß ein rein geschriebenes und mit Fleiß revidirtes Manuscript in die Drucke- rey geliefert werde. Da nun dieses eine Sache, die zwar zu wuͤnschen, selten aber zu hoffen ist, so erfordert die Nothwendigkeit, daß man zum Setzen solche Kna- ben nehme, welche in der Schule bereits ein gutes Fundament zur Latinitaͤt geleget haben, ihre Ortho- graphie wohl verstehen, auch im Griechischen zur Noth einen Accent zu setzen wissen. Von den uͤbrigen Sprachen, als Hebraͤisch, Syrisch, und anderen mehr, kan man ihnen schon waͤhrender Zeit der Lehrjahre so viel beybringen, daß sie solche setzen lernen. Jst ein Knabe obbeschriebener massen beschaffen; wird es um so viel leichter seyn einen hurtigen und fertigen Se- tzer aus ihm zu machen. Zumal, wenn er in der Anfuͤhrung nicht verwahrloset wird; Jst er nicht also beschaffen; So ist es ein rarẽs Exempel, wenn man was rechtes aus ihm machet. Anfangs muß man einen Knaben nicht leicht in ein Werck stellen, wo viele Schriften unter einander vorkommen. Weil er solche noch nicht unterscheiden, und sich also gar leicht coufundiren, mithin, zum groͤ- sten Schaden des Herrns, die Schriften vermengen kan. Es ist auch besser, daß man ihm gleich anfangs ein geschriebenes, als gedrucktes Exemplar zu setzen gebe, ob es schon etwas schwer hergehet. Denn da wird er gleich anfangs zur Aufmercksamkeit angefri- schet, in der Rechtschreibung geuͤbet, und er kan nicht leichtlich viel andere Gedancken, als auf sein Manu- G script, Wohlmeynender Unterricht. script haben. Der Kasten, woran er am meisten seine Arbeit verrichtet, muß ihm seinem Ellenbogen gleich ge- setzet werden. Denn also stehet er am beqvemsten, und er kan den gantzen Kasten ohne grosse Bewegung uͤber- langen. Jch erinnere dieses darum, weil er sich hier- durch einen gewissen Grif angewoͤhnet. Sonsten wird dieses bey denen, so die Kaͤsten bereits gewohnet, so ge- nau nicht inachtgenommen,weil es nicht allezeit seyn kan. Man muß darauf sehen, daß er allezeit aufge- richt mit geradem Leibe und auswaͤrts gesetzten Fuͤssen am Kasten stehe, und ja nicht zugeben, daß er mit einem Fuß ruhe, und mit dem andern alleine stehe. Denn man weiß gar viel Exempel, daß sie dadurch eingebogene Knie bekommen haben, und zu halben Kroͤpeln worden, weiln der gantze Leib auf einem Bein ruhen muß. Wird ihm das Stehen an- fangs zu sauer, wie es denn nicht wohl anders seyn kan; So muß man ihm nicht gleich gantze Tage, sondern nur einige Stunden, bis er solches nach und nach gewohnet wird, stehen lassen. Vielweniger muß man zugeben, daß er beym Kasten viel wunder- liche Gebehrden mache, als mit dem Kopf und Leibe bald vor, bald hinterwaͤrts sich neige, welches eine uͤble Gewohnheit, und grosse Versaͤumniß im Setzen ist, wie man an dergleichen uͤblen Stellungen taͤg- lich siehet. Hingegen soll man ihm weisen, nachdem zuvor die Faͤcher accurat gezeichnet und angeschrieben worden, wie er den Winckelhacken mit der lincken Hand recht halten, und die rechte, als die Setz-Hand, allezeit nachfuͤhren soll. Man muß auch nicht zuge- ben, daß er die Augen mehr auf das Manuscript, als auf die Littern, richte. Denn hiervon ziehet er sich zweyerley Ubel zu. Erstlich wird er vor der Zeit blind wer- Wohlmeynender Unterricht. werden; Zum andern wird er falsch und verkehrt se- tzen, weil er blindlings in die Faͤcher greift. Er soll vielmehr so viel ins Gedaͤchtniß fassen, als er zu mercken faͤhig ist, und alsdenn fortsetzen. Und so er ja an etwas zweifelt; So kan er wohl einen Blick auf das Manu- script thun, wenn er ins Spatien-Fach greift, als wo er nicht nach der Signatur sehen darf. Kurtz, man muß fast nicht mercken, daß ein Setzer auf das Ma- nuscript siehet. Bey uͤblen Handschriften aber ist es eine andere Sache. Da lernet sichs wohl aufs Buch sehen. Was demnach den Grif anlanget, so zeige man ihm, daß er, ehe er noch ins Fach greift, nach dem Buchstaben sehe, welchen er ergreifen will, und wel- cher ihm am bequemsten liegt, damit er ihnnicht erst in der Hand, oder Winckelhacken, ein oder zweymal um- kehren darf. Denn ehe er einen Buchstaben umkehret, kan er schon einen in Winckelhacken haben, und indem er nach einem greift, muß er den andern schon wieder aussehen, welchen er nach diesem nehmen will, u. s. w. Den Buchstaben nun, welchen er nimmt, muß er auf die subtileste und geschwindeste Art mit 3. Fingern oben bey dem Kopfe, daß die Signatur, oder Koͤpgen uͤber sich ist, angreifen, und nach den Winckelhacken, wel- cher nicht uͤber eine Hand breit von dem Fache, wor- aus er den Buchstaben nimmt, gefuͤhret werden muß, zueilen. Man muß auch acht haben, daß er mit dem Buchstaben gerade zu fahre, und keine Umschweife damit mache, oder ehe er ihn einsetzt 2. oder 3. mal an den Winckelhacken schlage; Dieses gewoͤhnt er sich gar zu balde an, und wenn er solches nur 2. oder 3. Ta- ge getrieben hat, so gehet es schon schwer her, ihm sol- ches wieder abzugewoͤhnen. Daher muß man es im Zuschneiden bey ihm nicht versehen, sondern man lasse G 2 ihm Wohlmeynender Unterricht. ihm nur anfangs Zeit dazu, und uͤbereile ihn nicht, und sehe vielmehr darauf, daß er die Littern gerade zu nach den Winckelhacken fuͤhre. Wann er denn die Faͤcher, oder den Kasten, gewohnt ist, so ist es Zeit, ihn zur Ge- schwindigkeit anzuhalten. Damit er nun nicht leicht Buchstaben, Woͤrter, oder gantze Zeilen auslaͤst, muß man ihm wohl einbinden, daß er alle Woͤrter heimlich in dem Winckelhacken buchstabiren, bey allen Zeilen das Divisorium fortstecken, und ja nicht unter, sondern uͤber dem Divisorio setzen lerne. Denn man wird wenig Se- tzer finden, die sich gewoͤhnet uͤber dem divisorio zu setzen, welche nicht auf allen Bogen, auch wohl gar auf allen Seiten, auslassen. Hingegen denjenigen, welche daruͤber setzen und fortstecken, wird es gar selten wie- derfahren. Man muß auch einem solchen Anfaͤnger nicht gestatten, daß er mehr, als eine Zeile, in Winckel- hacken setze, weil er dadurch verwahrloset wird, daß er die Zeilen nicht recht ausschliesen lernet. Es koͤmmt ih- nen auch zuerst schwer genug an, eine, geschweige denn mehr, Zeilen mit freyer Hand aus, und in das Schif zu heben. Und wenn er umwirft, welches denn nichts neues bey solchen Purschen ist, so hat man noch dieses zum Trost, daß er nur eine Zeile wieder auflesen, und aufs neue setzen darf. Mittelmaͤßig, nicht zu lucker und nicht zu starck, muß man ihm weisen auszuschlie- sen. Denn wird zu lucker ausgeschlossen, so wird man niemals eine Zeile, wie die andere, zu Stande bringen, sondern es wird immer eine etwas staͤrcker, oder schwaͤcher, wie die andere seyn; Schließt man zu starck aus, so muß erstlich der Winckelhacken sehr ac- curat seyn, welcher doch selten zutrift, wenn eine Zeile der andern gleich kommen soll, absonderlich, wenn man drey, oder vier, Zeilen uͤber einander setzet. Daher stehet Wohlmeynender Unterricht. stehet man in Gefahr, daß die Zeilen nicht gerade wer- den. Zum andern koͤmmt es einem sauer an, wenn man die Zeilen mit Gewalt aus dem Winckelhacken bre- chen muß, welches nicht allein Versaͤumniß, sondern auch zugleich Schaden verursachet, weil es zum oͤftern zum umwerffen, und doppelt setzen Gelegenheit gie- bet. Darum muß man hierinnen die Mittelstrasse er- greifen. Jst er erst gewiegt im Ausheben, so kan man ihm alsdenn schon zulassen, zwey oder drey Zeilen, und zwar auf eine Setz-Linie, uͤber einan- der zu setzen. Wie wohl welche sind, die nie- mals mehr, als eine Zeile, dennoch aber eben so viel, wo nicht mehr, als andere mit ihren 3. oder 4. Zeilen uͤbereinander, zu wege bringen. Es kommt bloß auf die Gewohnheit an, wie man sich in der Jugend gewoͤhnet; Doch hat derjenige, welcher nur eine Zeile setzet, noch dieses zum Vortheile, daß er viel accurater, als die andern, ausschliesen kan, wenn gleich der Win- ckelhacken nicht gar zu richtig ist, und wenn er um- wirft, nur eine Zeile wieder setzen darf; Man muß ihm auch die Zierlichkeit im Setzen beybringen, daß er in Ausschließung der Zeilen, die Spatia nicht an einen Ort stecke, sondern selbige fein eintheile, daß ein Wort so weit, als das andere, kommt. Hinter ein Com- ma muß er wenigstens ein Spatium, hinter ein Colon, Semicolon, Signum interrogandi \& exclamandi ein Schließquadraͤtgen, forne aber ein Spatium schla- gen, damit es nicht so nahe an dem Worte stehet, hinter ein Punctum aber pfleget man mehrentheils ein viere- ckigtes Ouadraͤtgen zu schlagen. Es ist aber hierin- nen ein mercklicher Unterscheid zu machen, wenn nem- lich Materien sind, da fast in allen, oder in der andern und dritten Zeile, Puncta vorkommen, alsdenn kan es G 3 nur Wohlmeynender Unterricht nur ein Schließquadraͤtgen verrichten, und dann und wann, etwan in der 10ten und 12ten Zeile, ein viereckigtes genommen werden. Denn wollte man sich in oberwehnten Materien an diese Regel binden; So wuͤrde der Druck nicht anders aussehen, als haͤt- ten ihn die Kraͤhen ausgehackt. Dergleichen man in sehr vielen Wercken antrift, welches aber nicht zu dul- den, noch zu heben ist. Es ist eine hoͤchst nutzbahre Nothwendigkeit eine Columne, wie die andere, recht nach den Maß auszuschliesen. Denn ausser diesem stehet keine Zeile, keine Columne gleich, sondern eine Ecke stehet auf die andere, unterwaͤrts, auch wohl Bo- gen weiß, welches dem Druck, er sey noch so reinlich, ein garstiges Ansehen giebet. Es kan auch eine solche Forme selten ohne Ausfallen geschlossen werden, wie es die Vernunft und Erfahrung taͤglich lehret; Man hat zwar vor diesem rechte Maßhacken gehabt, theils von Holtz, theils von Meßing, welche letztern mir sehr wohl gefallen, weil man solche schieben und mit einem Schraͤubgen fest haltend machen kan. Es ist mir aber dergleichen nur einer, und zwar bey einem alten, aber accuraten, Setzer zu Gesichte gekommen. Doch halte ich es vor einen Uberfluß. Man nehme nur sonst einen harten und im Winckel gestossenen Steg, und schneide eine accurate Kerbe, so lange die Columne seyn soll, hin- ein, und druͤcke alsdenn die Columne, wenn sie aus ist, absonderlich, wenn Spaͤne darinnen sind, fest mit der Hand an, und halte sie nach dem gleichen Schnitt an, so wird man nicht fehlen koͤnnen. Es ist zwar gebraͤuch- lich und auch hoͤchst noͤthig, daß man am Ende aller Columnen ein Quadrat Zeile schlage, und zwar da- rum, daß die Custodes nicht wegfallen, und die Co- lumnen, absonderlich wenn die Stege nicht lang ge- nug, Wohlmeynender Unterricht. nug, recht angeschlossen werden koͤnnen. Aber Scha- de, daß aus dieser nuͤtzlichen Sache zuweilen so ein uͤbler Mißbrauch entspringet. Denn da wird statt der Quadrat Zeile auch zum oͤftern ohne Noth der Cu- stos gesetzet, oder statt einer, zwey Quadrat Zeilen, ge- schlagen, da denn eine Columne kurtz, die andere lang ist, welches denn recht uͤbel aussiehet. Dahero muß man solches einem Knaben im Anfange nicht zulassen, sondern ihm feste einbinden, daß eine Columne durchge- hends so lang, als die andere, seyn muͤsse. Es finden sich dennoch wohl Ursachen, daß man solches aus hoͤch- ster Noth thun muß, welches alsdenn, und nicht eher, zu entschuldigen ist. Man darf sich auch nicht verdrie- sen lassen, einige Tage nach einander alle Columnen, so der Knabe gesetzet, mit ihm im Schiffe durchzulesen, damit man ihm auf frischer That die Fehler zeigen, und zur Besserung vermahnen kan; Auch alle Zeilen mit dem Finger untersuchen, ob er egal ausgeschlossen. Und weil dieses ein Haupt-Mangel ist, muß man ihn vor allen Dingen wohl dazu anhalten. So viel zum Un- terricht im Setzen. Vom Ablegen. W As das Ablegen anlanget, so dienet zur Nach- richt, daß man einen Knaben nicht eher Able- gen lassen darf, biß er zuvor die Kaͤsten recht gewohnet ist, und gleichsam blindlings die Faͤcher zu zeigen weiß. Denn sonst wird ihm solches sehr sauer vorkommen, ja wohl in beyden, so wohl im Setzen, als Ablegen, in ei- ner geraumen Zeit sehr wenig zunehmen Da er sonst, wenn er 3. oder 4. Wochen im Setzen sich geuͤbet, das Ablegen in wenig Tagen begreifen kan. Denn am G 4 Able- Wohlmeynender Unterricht. Ablegen ist gar zu viel gelegen. Man sollte also einem Knaben die Regel billig ein mal recht einpraͤgen und ihm solche mit Buchstaben auf seinen Ablege-Span vorschreiben, damit er sich bey Aufhebung seines Grifs dessen allzeit erinnern moͤge, daß er seine Arbeit nur einmal, nicht aber, wegen des unumgaͤnglichen vielen Corrigirens, zweymal, oder wohl gar dreymal thun duͤrffe, welches denn, nicht allein ihm selbst, sondern auch seinem Herrn zum hoͤchsten Schaden und Nach- theil gereichet. Jch sage zum Schaden, weil ein sol- cher Mensch, der uͤbel ablegt, ohnmoͤglich accurat setzen kan, und also die meiste Zeit mit corrigiren zubringen muß; womit er aber weder sich noch seinem Herrn Nu- tzen schaffet. Denn das Corrigiren wird weder ihm, noch seinem Herrn, bezahlet. Zumal, wenn es von seiner eigenem Schuld und Nachlaͤßigkeit herruͤhret. Darzu kommt noch, welches das alleraͤrgste ist, daß ein solcher die stumpfeste Aale hat, damit er corrigiret. Denn weil er viel zu corrigiren hat, so muß er solche de- sto oͤfter wetzen. Wenn er nun eine solche uͤbel zuge- richtete Aale hat, und solche an den falschen Buchsta- ben setzt; So faͤhrt er entweder daruͤber hin, weil sie nicht haften kan, und verderbet damit etliche Buchsta- ben auf einmal, oder wenigstens zwey; Einen, der neben dem falschen steht, und den falschen zugleich mit. Den falschen mit dem Grad, der sich wegen der Dicke der Aale aufwirft, und seinen Nachbar, weil er ihn zu- gleich einen Drucks in Aufhebung des falschen mit giebt. Kommt nun ein solcher Setzer in eine zarte und kostbahre Schrift, als Corpus, Petit Nomparel, da zuweilen der Centner 60. 70. bis 80. Reichsthaler kostet; So kan er solche dem Herrn so zustutzen, daß er sie in kurtzem beym Schriftgiesser wieder bestellen kan. Wohlmeynender Unterricht. kan. Dieses ist eine solche schlimme Sache, daß ein Herr vielmals selbst nicht errathen kan, wie es doch zu- gehet, das seine Schrift in so kurtzer Zeit verdorben worden; Man zaͤhle aber nur einmal die Fehler nach, die ein so schlimmer Ableger in einem Bogen machet, da vielmals mehr, als 3 bis 400. herauskommen, und zaͤh- le nur so viel Buchstaben, die dadurch uͤbel zugerichtet werden, und lasse ihm etliche Wochen nach einander so fortsetzen; So kan man leicht die Rechnung ma- chen, wie viel noch gut bleibt. Anderer Ubel zu ge- schweigen. Zum Nachtheil gereichet es, weil ein solcher schlimmer Ableger und unumgaͤnglich falscher Setzer wegen der Menge der Fehler ohnmoͤglich alles auf ein- mal corrigiren kan, wenn es gleich noch so gut von den Correctoribus gezeichnet wird; Entweder, er laͤs- set viel stehen, oder er confundiret sich, und machet uͤbel aͤrger. Wird es nun zum andern mal, wie gebraͤuch- lich, corrigiret; So stellen sich alsdenn fast eben so viel, wo nicht mehr, Fehler, als zuvor ein. Will er nun solche verbessern, so geschiehet es denn zum oͤftern, daß er uͤber unrechte Oerter geraͤth, und das Gute falsch machet. Kommt es alsdenn gleich zur Revision, so sie- het er wohl, daß das falsche nicht corrigiret ist, und ma- chet wohl einige recht, wo er aber vorher den un- rechten hinein gestecket hat, kan er nicht sehen, weil er an dem Orte nichts gezeichnet findet. Und solche Se- tzer sind gut, wenn an den letzten Bogen einige Colum- nen fehlen, daß sie solche mit ihren Erratis anfuͤllen koͤnnen. Dahero muß man Gedult mit einem Kna- ben haben und ihm anfangs gantz langsam Ablegen las- sen, aber nur recht und accurat. Nach und nach wird er auch hurtig darinnen werden. Wenn er ja einen Buchstaben falsch eingeworffen hat; So muß er ihn G 5 wie- Wohlmeynender Unterricht. wieder suchen, sollte er auch das gantze Fach aussetzen. Wird man ihm dieses fest einbinden, und gefaͤhrlich machen, so wird er sich schon in acht nehmen, abson- derlich, da man anfangs, wenn er anfaͤngt abzulegen, alle Columnen mit ihm, wie bey dem Anfang des Se- tzens, durchlieset; So kan man alsdenn leicht sehen, wo er falsch abgeleget. Solches muß man ihm auf das schaͤrfste verweisen, und zur kunftigen Verbesse- rung ermuntern. Uber 6. Zeilen muß er zuerst nicht anfassen, sonst wird es ihm zu sauer, so lange zu hal- ten: Nach und nach kan er mehr nehmen, und wie es denn nichts neues, daß solche Anfaͤnger zum oͤftern um- werffen, so lasse man ihnen die lincke Hand mit dem Griffe stets uͤber das Spatium-Fach halten, damit, wenn ja etwas vom Griffe abfaͤllet, man es desto eher wieder heraus suchen kan, biß er es gewohnet, alsdenn darf er sich eben daran nicht binden. Auch soll er uͤber 2. Sylben anfangs nicht zwischen die Finger neh- men, sondern nach und nach mehr. Vor allen Din- gen aber muß man dahin sehen, daß er die Littern seit- waͤrts ablege. Denn sonst fallen sie auf die Koͤpfe, welches verursachet, daß die Schrift kaum halb so lan- ge, als sonst, dauret. Denn wie ein jeder Buchstabe ein, und auch mehr, zarte Scharffirungen hat, so fallen solche mit der Zeit rund und stumpf, und schadet der Schrift mehr, als das Waschen und Drucken. Man findet dergleichen Setzer, die es also machen, allein sel- bige sind einer Druckerey hoͤchst schaͤdlich. Denn sie schaden mehr, als sie verdienen. Und dieses wird der zehende kaum inne. Es fuͤgt sich vielmals, daß eine Schrift, die auch von gutem Zeuge gegossen, ehe man sich solches versiehet, stumpf wird, da weiß alsdenn Nie- mand woran es gelegen: Allein man untersuche es nur recht, Wohlmeynender Unterricht. recht, so wird man schon hinter die Ursache kommen. Corrigiren und ablegen verderben vielmals die besten Schriften vor der Zeit. Dahero ist es hoͤchstnoͤthig und zutraͤglich, daß man einen Knaben gleich im An- fang vor solche Fehler warne, auch zugleich die Ursa- che solches Ubels entdecke; Wird nun ein Knabe ac- curat ablegen, und gut lesen; So wird er wenig zu cor- rigiren machen. Denn falsch wird einer so leicht nicht greifen, wenn er die Kunst gewohnt ist, er muͤste denn gantz keine Gedancken auf seine Arbeit haben. Da- hero habe ich vor noͤthig erachtet, ihm etliche Kaͤsten hier vor Augen zu legen, wie die Buchstaben in ihrer Ordnung so wohl in teutsch-lateinisch-als auch orienta- lischen Sprachen in Faͤchern liegen, damit er sich desto eher einen Begrif davon zu machen weiß. Welches ihm alsdenn sehr wohl zu statten kommen wird. Vom Corrigiren. L Orrigiren ist eine Arbeit, welcher ein Setzer alle- zeit lieber uͤberhoben ware, als daß er sie thun moͤchte. Darum heißts: Sieh aufs Buch, ein- mal recht, so darfst du es zum andern, oder dritten, mal nicht erst recht machen. Wohl abgelegt und recht gelesen; Jst stets der schoͤnste Satz gewesen. Doch weil das Corrigiren unumgaͤnglich noͤthig, wenn der Setzer auch noch so accurat ist; So will ich sol- ches auch nicht uͤbergehen. Man pfleget sonst im Spruͤchwort zu sagen: Wie das Werckzeug; So der Meister; Es trift auch gemeiniglich ein. Ein uͤbler Setzer hat mehrentheils die stumpffeste, und ein guter die schaͤrfste Aale: Die Ursache aber ist be- reits schon bey dem Bericht des Ablegens gemeldet wor- Wohlmeynender Unterricht. worden. Eine gute laͤnglicht zugewetzte Aale muß ein Setzer haben, wo er anders gut corrigiren und den Littern keinen Schaden zufuͤgen will; Und wenn er diese hat, so ist die Arbeit schon halb geschehen. wenn man nun dem Untergebenen nicht mehr im Schiffe nachlieset, sondern es auf die Correctur an- kommen laͤst, alsdenn muß man ihm sein Gesetztes so- gleich mit corrigiren lassen, damit er siehet, was vor eine verdrießliche Arbeit es sey, und sich also, wenn er solcher einiger massen uͤberhoben seyn will, kuͤnftig besser inachtnehmen moͤge. Allererst ist nothwen- dig, daß die Forme, welche er corrigiren soll, abson- derlich, wenn die Rame noch daruͤberliegt, wohl ge- luckert werde, damit er nicht die Aale, und zugleich viel Littern, zerstosse. Er muß Columne gegen Columne, Zeile gegen Zeile, legen, damit er im Augenblick das Gezeichnete auf dem Bley finden kan. Denn sonst wird er die Zeit mit Suchen zubringen; Alsdenn muß sein Jnformator bey ihm stehen, und zeigen, wie er erst die Aale mit der rechten Hand recht hal- ten und den falschen Buchstaben nach Vortheil, nem- lich, wo er den besten Platz dazu findet, anfassen und mit Zuthuung des Zeige - Fingers der lincken Hand ausheben soll; Man muß ihn gleich anfangs gewoͤhnen, daß er den falschen Buchstaben, den er mit der lincken Hand heraus ziehet, gleich wieder in Kasten an seinen Ort und Stelle lege, ehe er den rech- ten davor hinein steckt, und ja nicht zugeben, daß er solche auf der Forme, bis er fertig ist, herum sudelt, welches eine garstige Gewohnheit ist. Denn solche Correctores haben mehrentheils im Gebrauch, wenn sie fertig, und die Forme um und um mit Littern be- worffen, daß sie solche zusammen raffen, weil dersel- ben Wohlmeynender Unterricht. ben manchmal eine gute Hand voll sind, und solche, entweder unter den Kasten, oder sonst an ein Oert- gen, wo man selten pfleget hin zu kommen, hinwerf- fen; Andre haben zwar den Vorsatz, solche schon mit Gelegenheit abzulegen, allein es sammlet sich gar zu bald ein Hut voll zusammen, und alsdenn kommt es ihnen zu sauer an, und werden so lange herum ge- worffen, bis sie gantz und gar unbrauchbar worden, und zu nichts, als zum umschmeltzen, nutze sind; da- hero muß man solches gleich anfangs durchaus nicht zugeben. Jst nun die Forme lucker, und die Aale scharf; So darf er den falschen Buchstaben kaum an- ruͤhren, so wird er ihn mit Zuthuung der lincken Hand, mit leichter Muͤhe heraus heben koͤnnen, wird auch nicht noͤthig seyn viel zu bohren, und dadurch einen Grad aufzuwerffen, mithin den Buchstaben un- brauchbar zu machen, ja man wird es auch nicht ein- mal sehen koͤnnen, wo er ihn angefasset hat. Und dieses ist die rechte Art im Corrigiren. Vom Formenschliesen W As das Formenschliesen anlangt, so wird mancher daruͤber lachen, daß man solches zu beruͤhren, sich hier die Muͤhe gegeben. Denn man haͤlt es fast vor das geringste, so ein Setzer wissen soll. Daher pflegt man auch, wenn man einen Jgnoranten beschreiben will, insgemein zu sagen: Er kan nicht einmal eine Forme recht schliesen; Allein ich versi- chere, daß auch dieses hauptsaͤchlich allhier eine Stelle verdiene, und zwar darum, weil durch das Schliesen der Druck bald ein gutes, bald ein uͤbles, Ansehen ge- winnet. Denn wie man eine Forme zum ersten mal schließt, so wird sie mehrentheils bleiben, und ob sie gleich Wohlmeynender Unterricht. gleich im Zurichten des Druckers wegen des Registers gleich gerucket werden muß, so werden doch eben we- gen des vielen Ruͤckens hin und wieder die Zeilen krum und ungleich getrieben. Dahero kommt das Schliesen hauptsaͤchlich auf den Setzer an; Ein Setzer nun, der in einem Wercke setzt, hat auch mehrentheils seine ge- wisse Ramen, diese nun muß er wohl verstehen, und sich ihrer Fehler erkundigen. Massen man leider, auch wohl in den accuratesten Druckereyen, unter 10, kaum eine findet, die ihre 4. Winckel recht haͤlt, und nicht windschief ist, man waͤre auch wohl gerne zufrieden, wann sie nur 2. Winckel, nemlich, wo das Capital liegt, recht hielten. Dieses nun zu erfahren, wo der Fehler stecket, brauchte man freylich ein accurates Winckel- maß. Weil man aber solches sonst in Druckereyen nicht findet, ob es gleich hoͤchstnoͤthig waͤre, so faltze man nur einen Bogen Pappier in Quarto der etwas steif ist, so hat man auch einen Winckel, und diesen hal- te man an beyde Winckel des Capitals, so wird man leicht sehen, wo es ihm fehlet, und wie man durch schief- geschnittene Spaͤne ihm zu Huͤlffe kommen soll. Man muß aber, nach diesem Span, der einmal recht ist, etliche schneiden, weil einer leicht verlohren gehet, denn sonst muͤste man allezeit den Winckel wieder ausmes- sen. Aller dieser Muͤhe kan ein Buchdrucker Herr mit geringen Kosten uͤberhoben seyn, wenn er nemlich die beyden Ecken des Capitals recht im Winckel feilen und richten laͤst, oder, da dieses nicht angehet, weil oͤfters gar zu viel fehlet, und die Stange dadurch zu schwach werden moͤchte, so muß man an statt des hoͤltzernen ei- nen eisernen, oder meßingen Span durch den Schloͤs- ser, oder einen Kuͤnstler machen lassen, der den Win- ckel gleich macht, und durch ein paar Zaͤpfgen fest ange- niedet Wohlmeynender Unterricht. niedet wird, alsdenn braucht man keines Flickems mehr, und kostet nicht viel. Wann nun die Rame recht accurat oben uud unten im Winckel des Capitals uͤber, und angelegt ist, alsdenn muß man erst die Co- lumnen mit den Schließnagel recht antreiben, und zwar just eine Forme wie die andere. Alles aber was in die Quere geschossen wird, als Quart, Querduodez, Sechszehen, zwey und dreyßig, und dergleichen, muß zuerst forne, wo ich an der Rame stehe, was aber die Laͤnge nach, als Folio, Octav, lang Duodez, u. d. g. geschossen wird, seitwaͤrts zur lincken, oder rechten Hand, wo nun die Schrauben stehen, angetrieben wer- den; Auf eben dergleichen Art muß man auch zuschlie- sen, nicht aber, wie einige gewohnet, eine Schraube anfangs 2. oder 3. mal herum drehen, sondern jede kaum halb herum, und denn immer staͤrcker und staͤr- cker, wird man dieses inachtnehmen, so darf man sich nicht besorgen, daß etwas heraus faͤllt, es waͤre denn, daß sich die Stege spanneten, wornach man aber, wenn man das Format uͤberschlaͤgt, billig sehen muß. Vom Revidiren. D As Revidiren muß man einem Anfaͤnger nicht uͤberlassen, sondern erst zeigen, wie er es machen soll. Nemlich er muß, wie im Corrigiren, Columne ge- gen Columne, und Zeile gegen Zeile, halten, damlt er gleich sehen kan, ob das falsche gemacht ist, oder nicht. Jch halte aber vor das rathsamste, daß der Jnforma- tor allezeit selbst revidire, und solches niemals einem Jungen vertrauete. Denn die Jugend ist hierinnen zu flatterich, und kommt doch alles auf eine gute Revi- sion an. Denn es ereignen sich auser dem, was cor- rigiret worden, noch viele Fehler, als da steigen im cor- rigi- Wohlmeynender Unterricht. rigiren, oder schliessen, Spiesse auf, oder es verruͤckt sich was, oder es fallen Colum-Ziffern um, und was der- gleichen mehr ist, darum muß man alle Columnen noch einmal wohl ansehen, absonderlich nach den Colum- nen Ziffern, ehe fort gedruckt wird. Was die uͤbri- gen Kleinigkeiten anlangt, wird ein verstaͤndiger Se- tzer schon selbst zu zeigen wissen. Hat er ihm nun die- ses, was hier erwehnet worden, recht beygebracht, so zweifle ich nicht, er wird vor einen guten und fertigen Setzer paßiren koͤnnen, und solches demjenigen, der ihm davon Unterricht ertheilet, Zeit Lebens zu dan- cken wissen. Vom Ausrechnen. E Jn Manuscript recht gut auszurechnen, wird von den meisten vor eine sonderliche Kunst gehalten, absonderlich, wenn es bald enge, bald weitlaͤuftig, bald schmal, bald breit, auch wohl an dem Rande hin und wieder etwas hinein geschrieben ist. Es ist auch an dem; Allein sie bestehet mehrentheils in der Vorsich- tigkeit, so man hierinnen gebrauchen muß; Es dienet hiervon zum Unterricht, daß man ein Manuscript, ehe man es auszurechnen anfaͤngt wohl durchsehen, und die Blaͤtter und Seiten, so nicht egal mit den meisten geschrieben sind, mit einem gewissen Zeichen bemercken muß. Wo es breiter geschrieben ist, muß man ein ge- wiß Zeichen machen, wo es enger geschrieben, wieder ein anders, und wo es die Noth erfordert noch ein an- ders, damit es einem gleich im Ausrechnen in die Augen falle, und man gleich an dem Zeichen sehe, wo ich weit- laͤuftiger, oder enger, rechnen muß. Wann dieses gesche- hen, so suche man eine Zeile in dem Manuscript aus, die man meynt, daß sie mit den meisten uͤberein treffe, und Wohlmeynender Unterricht. und setze solche in demjenigen Format ab, darinnen man solches ausrechnen soll, so weit sie hinein gehet, hernach zehlt man die Syllben, oder welches noch gewisser, die Buchstaben ab, die in Winckelhacken genommen wor- den, mercket, oder schreibet solche zur Nachricht vor sich auf, hernach fange man von forne eine Zeile an zu setzen, und so lange fort, bis eine gerade Zeile heraus kommt, welches sich oͤffters in der 2. 3. oder 4ten Zeile zeiget, diese Zeilen aber muß er mit Rothstein zur Nachricht aus- zeichnen, wie weit eine jede gegangen; Weiß er nun wie viel geschriebene Zeilen gedruckte Zeilen geben, so kan er ohne Sorge fort rechnen, doch muß er im geschriebe- nen allezeit einen Strich machen, wo gerade Zeilen ausgehen. Kommt er nun an eine Passage die enger, oder breiter, geschrieben, so darf er nicht erst wieder ei- ne Zeile absetzen, sondern nur die Syllben, oder Buch- staben, zehlen, so weiß er schon ohngefehr, wie viel in eine Zeile gehet, und muß sich also im Ausrechnen hiernach richten. Alle Columnen und Bogen muß er accurat auszeichnen, sonst wird er nichts gutes machen, und wenn er fertig, so traue er ja sich selbst nicht, sondern zehle alle Columnen nochmals mit gutem Verstande nach, und paginire zugleich die Columnen und sehe nach der Tabelle, so wird er so leicht nicht fehlen koͤnnen, er muß sich aber doch seine Muͤhe und Arbeit von dem Verleger bezahlen lassen, weil es eine muͤhsame Ar- beit ist. Wie ein Drucker-Knabe zu informiren, daß er sauber und reinlich dru- cken lerne. J Ch habe oben gewiesen, wie ein Knabe bey dem Setzen beschaffen seyn muß, wenn man ihm was rechtes lernen will: Also wird es auch noͤthig H seyn, Wohlmeynender Unterricht seyn, daß etwas von der Beschaffenheit eines Drucker- Knabens allhier Meldung geschiehet; Er muß nem- lich von etwas starcken Gliedmassen, gesund, und nicht gebrechlich seyn. Denn das Drucken kommt nicht al- lein auf die Geschicklichkeit des Verstandes, sondern hauptsaͤchlich auf die Staͤrcke des Leibes mit an, weil so wohl das Auftragen, als Ziehen, Kraͤffte erfordert, wo anders ein guter Bogen gedruckt werden soll, und kan dahero ein Kunst-Verstaͤndiger gar leicht an dem Druck mercken, wo der Drucker seine Kraͤffte gespah- ret hat. Es muß demnach anfangs ein Anfuͤhr-Ge- span, wie man sie zu nennen pflegt, fein Gedult haben, wenn er einen solchen Knaben an die Presse bekommt, und ihm vors erste zeigen, wie er die Ballen fassen, die Farbe darauf reiben, und auf der Forme einen ordent- lichen Gang sich anzugewoͤhnen befliessen seyn soll, da- mit die Columnen an allen Orten von den Ballen ge- troffen werden; Ferner, wie er die, in denselben befind- lichen, Haare accommodiren soll, damit selbige von der Naͤsse trocknen, und wieder gebraucht werden koͤnnen. Jngleichen, zu welcher Zeit er selbige anfeuchten und das Mittelmaß darinnen treffen soll, daß solche nicht zu viel, und auch nicht zu wenig, Wasser bekommen, weil durch die viele Naͤsse die Farbe durchs Leder schlaͤgt, und nicht allein das Leder, sondern auch die Haare, dadurch Schaden leyden; Wenn der Kna- be nun von diesen eine Erkaͤnntniß hat; So kan man ihn an den Deckel stellen, und Unterricht geben, wie er das Pappier accurat einstechen muß, damit es so wohl unten, als oben, wie auch auf den Seiten, gleiche Breite habe; Uberdies muß er sich einen ordentlichen Zug an- gewoͤhnen, damit er nicht verfahre, da der Tiegel auf dem rechten Satz die Seiten Columnen nicht be- ruͤhret, bey dem andern Satz aber allzustarck erscheinet, zu- Wohlmeynender Unterricht. zumal, wenn er uͤber das ordentliche Ziel bey dem Hin- einfahren geschritten ist. Dahero anfangs noͤthig, daß man ihm solches mit einem Kreiden-Strich be- mercke, wie weit er mit dem ersten, und dem andern Satz kommen soll; Man unterrichte ihn endlich, daß er am Deckel seine Augen und Gedancken zu nichts anders wenden und kehren soll, als eintzig und allein auf den Bogen, daß, woferne sich etwann ein Mangel wo befindet, man solchen in der Zeit heben, und abhelffen koͤnne, ehe mehr Schaden daraus an- waͤchst; Man muß aber den Knaben anfangs nicht zu harte angreiffen, weil Drucken an und vor sich eine saure und schwere Arbeit ist, bis derselbe es nach und nach gewohnet wird, (welches auch schon oben bey dem Setzer-Knaben erinnert worden,) Wenn nun der Knabe in allen erwehnten Stuͤcken unterrichtet wor- den ist; So kan man ihn auch anweisen, wie er eine Forme Zurichten lerne, welches das noͤthigste Stuͤck bey einem Drucker ist, dabey man ihm zeiget, wie viel er oben und an der Seite bey dem Tiegel legen soll, welches Capital genennet wird. Ferner, wie er nach dem ersten Abzug, wenn das Register nicht stehet, die Forme ruͤcken, oder hie und da etwas einlegen soll, er kan auch, wenn er Lust hat etwas zu thun, sich selbsten darinnen exerciren, damit es ihm hernach desto leichter ankomme. Hat er Register, so keilet er die Forme in der Presse fest, und ziehet vom neuen einen umgeschlagenen Bogen ab, und wo noch etwas am Register mangelt, hilfft er solchem durch Schlagung der Puncturen ab; Er muß aber wohl untersuchen, wenn er die Forme in der Presse hat, einen Bogen abzuzie- hen, ob die Puncturen in den Mittelsteg richtig einge- hen, weil sie ausser dem, wenn sie auf die Rame kommen, gar leicht abbrechen, oder krumm werden. Fehlt es woran, so muß er die Forme so lange ruͤcken, H 2 bis Wohlmeynender Unterricht. bis es vermieden wird. Es wird immer Aufsicht erfor- dert an dem Deckel, und verlasse man sich ja nicht dar- auf, sondern untersuche dann und wann, ob das Register, so bey dem Anfang sich gezeiget, bestaͤndig ist, umschlage manchmal einen Bogen, denn es geschiehet vielmals, daß ein Keil sich verruͤcket, dadurch die For- me fortgehet, damit man solches bey Zeiten innen werde. Je vorsichtiger einer hierinnen ist; Je accurater wird er auch: Welches ihn in der Welt gluͤcklich macht. Man lerne ihm auch eine Forme waschen, und zeige ihm den Nutzen und den Schaden, welchen er seinem Herrn dadurch zu wege bringen kan, wenn er die Schrifft nicht wohl in acht nimmt, da er solche dem Setzer uͤberliefert, wenn die Farbe noch halb daran kle- bet, wodurch nicht allein ein solcher Mensch an seiner Arbeit gehindert wird, sondern auch die Schrifft gros- sen Schaden leydet. Es waͤre zwar noch vieles zu erin- nern; Jch uͤberlasse es aber demjenigen, der einen sol- chen Knaben unter seine Jnformation bekoͤmmt, und zweifle nicht, dieser werde ihm alles, was ihn mit der Zeit gluͤcklich machen kan, aufrichtig entdecken; Wel- ches auch zu seiner eigenem Ehre mit gereichet. Von Bereitung des Firniß. D Arzu wird besonders ein gutes altes reines Lein- Oel, welches in einer darzu aptirten kupfernen Blase so lange gesotten wird, bis das Oel so dick, als Honig, und fast wie zerlassener Leim wird. Vorher aber muß selbige wohl untersucht werden, ob sich nicht von dem vorigen Gebrauch Unreinigkeiten auf dem Boden angesetzt, welches, soferne es unterlassen wird, allerhand Verdruß erwecken kan. Wann nun dieses geschehen, so kan man sie mit dem Oele uͤber das Feuer setzen und sich einiger Ziegelsteine bedienen, da- Wohlmeynender Unterricht. damit die Gluth desto besser um dieselbige herum schla- gen kan. Anfangs kan man sich eines starcken Feuers bedienen, bis es zum Kochen, oder Sieden, gebracht wird, da sich denn die Unreinigkeiten hervor thun, wel- che mit einem Loͤffel abgeschoͤpffet, oder abgekroͤschet, werden muͤssen. Nach solchem bedienet man sich einer gewissen Mase Brod, welches man an hoͤltzerne Spie- se steckt, und hinein haͤlt, damit das Oel desto mehr durch einander gehe und beweget werde. Man will auch sagen, daß solches davon desto eher dicker werde und auf dem Pappier leichter trockne Einige bedie- nen sich auch, wegen erwehnten Mittel, der Silber- Glaͤtte, und Minie, welche sie mit kochen lassen, und wenn sichs auf den Boden gesetzt, giessen sie das Oel sachte ab, da es denn klaͤrer, als vorher, ist. Es giebt auch noch andere Species den Firniß auf dem Pappier zu trocknen. Einige wollen solches mit Glaß und pulverisirten Crystall zu wege bringen; Andere nehmen Spickoͤl, weil selbiges trocknend, oder auch Steinoͤl; Am allerbesten aber trocknet der Balsam Capaiva, er ist aber zu solchem Gebrauch zu kostbar. Es hat jeder seine sonderbahre Handgriffe, die Arbeit vollkommen zu machen, wie alle andere Kuͤnst- ler. Jch halte dafuͤr, daß die genaue Aufsicht, und die Gedult, so der Firniß erfordert, damit er nicht zu duͤnn, noch zu starck werde, das meiste bey der Sache thue, daß er wohl gerathe. Man bleibe also bey seiner Ordnung und verwah- re die Blase mit dem dazu applicirten Deckel, und stecke die dazu gehoͤrige Stange durch die Rincken, damit man bey ereigneter Noth, dieselbe vom Feuer abheben kan, man tractire solches mit etwas gelindern Feuer, als vorher bey dem Anfang geschehen. Mercket man, daß das Oel steigt und am Halse der Blase heraus H 3 drin- Wohlmeynender Unterricht. dringet, so nehme man selbige nicht gleich vom Feuer, sondern verwehre solches mit trockner klarer Erde, oder Asche, so lang man kan; Will es sich aber dadurch nicht zwingen lassen, so nehme man selbige davon und observire dabey, daß die Blase nicht auf die blose Erde, sondern auf den dazu gemachten Stroh-Crantz, gesetzt werde, weil von der Feuchtigkeit der Erde das erhitzte Oel einem nicht wenig zu schaffen machen, oder auch die Blase Schaden leyden kan. Kurz: Es muß in allen Vorsichtigkeit gebraucht werden, weil man dabey al- lerhand Ungluͤcks-Faͤllen unterworffen ist. Man muß auch verhuͤten, daß von dem Oele, was oben durch den Deckel dringt, nichts an der Blase herunter lauffe und vom Feuer in Entzuͤndung gera- the, welches einem alsdenn nicht geringen Verdruß machet. Wann man nun die Blase vom Feuer genommen, so untersuche man alsdenn, ob sich bald Firniß zeige, thue etliche Tropffen auf einen Teller, oder Scherben, und sehe, ob er Faden ziehet; Man kan auch selbigen anzuͤn- den, damit, wo sich noch etwas von Unreinigkeiten fin, det, selbige durch solches anbrennen vollends verzehret werde. Man verfahre aber auch damit nicht zu lan- ge, damit sich solches nicht allzusehr erhitze, und man alsdenn, weil man ihn offen hat, nicht in groͤsere Ge- fahr lauffe. Jst er nun also, obbeschriebener Maßen, gut, so lasse man ihn wohl auskuhlen, bis man in sol- chem einen Finger erleyden kan, alsdenn giesse man ihn in das Farbe-Faß, und ruͤhre den Ruß darunter, NB. welcher aber mit den Haͤnden muß klar gerieben wer- den, damit er sich desto besser mit dem Oele vermenge. Man kan auch alsdenn etwas Wasser auf die Farbe giessen, weil solches die Farbe vor der Unreinigkeit ver- wahret. Eine Wohlmeynender Unterricht. Eine andere Art. E S ist der Grund eben nicht anders, als wie schon gedacht, ein gutes Lein-Oel, welches nicht mit Ruͤbsaat-Oel verfaͤlscht seyn muß, und wenn es im Kochen, so soll man etwas Brod und eine Zwiebel hinein halten, bis beydes gantz schwartz worden, weil solches die Fettigkeit des Lein-Oels an sich zoͤge, dahero es kaͤme, wenn dieses unterlassen, daß die Farbe auf dem Pappier gelb wuͤrde, weil man dem Oel seine Fet- tigkeit nicht benommen. Das Lein-Oel desto geschwin- der Zaͤhe zu krtegen, sollte man etwas Aspalthum hin- einwerffen, damit auch die Farbe desto geschwinder auf dem Pappier trockne, imgleichen die Blaͤtter nicht an einander kleben bleiben, so sollte man Parum Litharg. und eine Cuspidem Vitrioli hinzu thun, so wuͤrde es ein unverbesserlicher Firniß. Vernuͤnftige Gedancken von den Ursachen der Druckfehler, nebst einem Unterricht fuͤr diejenigen, so gedruckte Wercke corrigiren wollen. §. 1. N Achdem ich dir, geneigter Leser, in vorhergehen- den Blaͤttern einen wohlmeynenden Unterricht mitgetheilet habe, worinnen aufrichtig gewie- sen worden, wie sich ein angehender Setzer der Buch- drucker-Kunst uͤberhaupt, insonderheit aber auch bey der Correctur zu verhalten habe; So habe es nicht vor undienlich erachtet, die Quelle der haͤufigen Druck- fehler zu entdecken, und einen Unterricht allhier fuͤr die- jenigen einzuschalten, welche gedruckte Wercke corrigi- ren wollen. Es waͤre freylich besser, wenn ein Setzer die gelehrten dieser Muͤhe uͤberheben koͤnnte; Alleine, wir sind Menschen und fehlen alle manichfaͤltig, warum H 4 denn Vernuͤnftige Gedancken denn nicht auch ein Setzer in der Buchdruckerey? Wer jemals dem Druck etwas von seiner Arbeit uͤberlassen hat, der wird es aus eigener Erfahrung wohl wahrge- nommen haben. Und wenn ihm auch dieses noch nicht selbsten begegnet, weil er in seinem Leben niemals et- was zum Druck befoͤrdert; So sieht er es doch aus andern bereits gedruckten Schriften zu seinem Ver- druß. Bald ist ein Buchstabe, oder Wort, zu viel, bald fehlt eines, bald steht eines verkehrt, oder wohl gar falsch, da. Auf wem ist nun die Schuld zu schie- ben? Beklage ich mich deßwegen bey dem Verleger, so schiebt er die Schuld auf den Buchdrucker; Hoͤre ich den Buchdrucker, so spricht er der Corrector ist Schuld daran; Nehme ich diesen in Anspruch, so ent- schuldigt er sich, und spricht: Der Verfasser ist die Ursache dieses Ubels. Welchem soll ich nun glauben? Keinem unter allen. Warum? Sie koͤnnen alle mit einander daran Schuld haben, und haben sie auch oͤf- ters wuͤrcklich. Und dieses will ich sattsam erweisen, zu- gleich aber auch zeigen, wie diesem Ubel abzuhelfen sey. §. 2. Jch gebe demnach erstlich den Buchhaͤnd- ler, oder Verleger eines Buchs, als eine Ursache der so haͤufigen Druckfehler an; Jedoch mit der Bedin- gung, daß ich hier nicht von allen und jeden, sondern nur von einigen rede, welche ich gleich naͤher beschreiben will. Es ist bekannt, daß heut zu Tage die meisten Buͤcher auf Kosten der Herren Buchhaͤndler gedruckt werden. Hat nun ein Buchhaͤndler ein Manuscript von einem Verfasser, gegen billige Erkaͤnntlichkeit sei- ner Bemuͤhung, rechtmaͤßiger Weise an sich gebracht; So ist alsdenn seine Schuldigkeit, daß er alle ersinnli- che Sorgfalt anwende, wie nunmehro sein Werck auf gut Pappier, mit feinen Littern, und, so viel sich nur thun lassen will, correct abgedruckt werde. Jch woll- te von den Ursachen der Druckfehler. te wuͤnschen, daß ich hier, mit Bestand der Wahrheit, behaupten koͤnnte, daß alle und jede ihre Pflicht, wie sichs gebuͤhret, erfuͤllet haͤtten. Alleine, der Augen- schein beweißt das Gegentheil. Wie viele Buͤcher sind nicht auf das schlechteste Pappier, mit den lie- derlichsten Littern abgedruckt, und wie haͤufig trift man nicht die groͤbsten Druckfehler darinnen an? Es ist zu bedauern, daß dieses Ungluͤck insgemein die nuͤtzlichsten Buͤcher betrift, weil diese am meisten gesuchet, und also oͤfters gedruckt werden. Jch mag keines nahmhaft machen, damit es nicht das Ansehen gewinnen moͤgte, als wenn ich meine Feder wider jemand zum Tort gespitzet haͤtte. Genug, daß die Wahrheit hierinnen vor mich das Wort redet. Wer ist aber hieran Schuld? Hauptsaͤchlich der Ver- leger. Denn diesem kommt ja zu vor Pappier, Druck und Correctur zu sorgen Da er aber das schlechteste Pappier von der Welt darzu hergiebt, die nichtswuͤrdigsten Littern nehmen laͤßt, und die Correctur, wenn es nur moͤglich waͤre, gerne gar um- sonst haben moͤgte; So sieht man ja deutlich genug, daß ein solcher Verleger an der Gewinnsucht kranck liege. Und diese Kranckheit zieht hernach dergleichen boͤse Wuͤrckungen nach sich. Machen sich dergleichen Verleger kein Gewissen den Buchdrucker und Corre- ctor ihre Bemuͤhung so schlecht zu belohnen, bißweilen auch, wohl gar ewig, schuldig zu bleiben; So ist es ja kein Wunder, daß sie den gebuͤhrenden Fleiß nicht an- wenden, weil sie wohl wissen, daß er ihnen nicht bezah- let werde. Hieraus entspringt noch ein anderer Feh- ler. Daß nemlich dergleichen gewinnsichtige Verle- ger ihre Wercke bey den elendesten Huͤmplern muͤssen drucken lassen, weil sie die gebuͤhrenden Kosten nicht daran wenden wollen, dahero rechtschaffene und ge- H 5 schick- Vernuͤnftige Gedancken schickte Buchdrucker mit diesen uͤbelgearteten Leuten nichts zu thun haben moͤgen. Wie kan man sich also von einem solchen Verleger ein sauberes und correct gedrucktes Buch versprechen. Und wenn auch ein aufrichtiger Corrector noch alle Muͤhe gerne anwenden wollte; So ist doch selbige vergeblich, weil er die abge- fuͤhrten Littern, da sich viele einander ziemlich gleich se- hen, ohnmoͤglich richtig unterscheiden kan. Da- hero nothwendiger Weise, ohne seine Schuld, viel Druckfehler mit unterlaufen muͤssen. Aus diesen Um- staͤnden wird ein jeder leicht begreifen, daß ein solcher ei- gennuͤtziger Verleger die meiste Schuld habe, wenn seine Buͤcher so viel Druckfehler, als Zeilen, haben. Der schaͤndliche Geitz einiger Verleger ist also eine fruchtbare Mutter vieler Druckfehler. Vielleicht werden einige Buchdrucker bey dieser Stelle allhier stil- le stehen, und mir in ihren Hertzen den verbundensten Danck abstatten, daß ich sie von der uͤblen Nachrede, als wenn sie die Urheber der Druckfehler waͤren, zu be- freyen gesucht haͤtte. Alleine uͤbereilet euch nicht. Jch werde mir die Freyheit nehmen auch mit euch ein paar Worte zu reden. §. 3. Es ist also nicht zu laͤugnen, daß einige Ver- leger selbsten an den haͤufigen Druckfehlern ihrer Buͤ- cher Schuld haben. Alleine, es sey ferne, daß ich dieses von allen gesagt haben wollte. Es giebt allerdings noch viele rechtschaffene, und billige Buchhaͤndler, wel- che es an nichts ermangeln lassen, und dennoch die be- truͤbte Klage hoͤren muͤssen, daß einige von ihren Ver- lags-Buͤchern durch die vielen Druckfehler eine recht heßliche Gestalt bekommen haͤtten. Auf wen wird nun die Schuld fallen? Auf einige von euch ihr Herren Buchdrucker. Jhr werdet es mir nicht uͤbel nehmen, daß diese bittere Wahrheit durch eure Kunst selbsten bekannt gemacht werde. Denn ihr wißt es ja selbsten wohl, von den Ursachen der Druckfehler. wohl, daß es auch einige uͤbelgeartete unter euch giebt, welche ihr, als Schandflecken eurer Kunst, ansehet. Und diese sind es eben, welche durch ihre Unwissenheit, oder bestrafungswuͤrdige Nachlaͤßigkeit oͤfters viele Druck- fehler verursachen. Jhre Unwissenheit und Nachlaͤs- sigkeit ist Schuld daran, daß sie bey Setzung eines ein- tzigen Bogens so viel Fehler machen, daß auch der ge- schickteste Corrector, und wenn er hundert Augen haͤtte, selbige nicht einmal alle bey der ersten Correctur bemer- cken koͤnnte. Und wenn er sie auch bey der lezten Cor- rectur auszeichnet, so ist ja wiederum ihre Unwissenheit und Nachlaͤßigkeit Schuld daran, daß sie selbige nicht richtig verbessern. Jch mag mit Fleiß die Ursachen solcher Nachlaͤßigkeit nicht genauer untersuchen, weil sie euch mehr, als zu wohl, bekannt sind. Jnzwischen muß man auch einigen zum Lobe nachsagen, daß sie sich alle Muͤhe geben, ihre gedruckte Sachen auf das cor- recteste zu liefern. Und gleichwohl lehret die Erfah- rung, daß sich noch hie und da ein Druckfehler einge- schlichen. Und vor diese dienet der Trost, daß diese Schuld auf den Corrector falle, wenn sie das ihrige mit aller moͤglichen Sorgfalt beobachtet haben. Dahero ich nun mit diesen zu reden Gelegenheit bekomme. §. 4. Die Herren Correctores zum Theil sind nunmehro diejenigen, welche ich als milde Vaͤter vieler Druckfehler angebe Und dieses mit gutem Vorbe- dacht. Denn heut zu Tage ist es gantz anders, als ehedessen. Vormals haben die geschicktesten Maͤn- ner diese Muͤhe uͤber sich genommen, wie solches die Ge- schichte der Gelehrten bezeugen. Wem diese gelehrte Maͤnner unbekannt, der kan solche von Johann Con- rad Zeltnern, Aus dessen Theatro virorum eruditorum, qui typogra- phiis laudabilem operam præstiterunt, Nuͤrnb. 1720, 8. und Michael Maittaire, Siehe dessen Annales typographicos und zwar den ersten Theil, Amsterdam, 1733. 4 hie und da. ken- nen Vernuͤnftige Gedancken nen lernen. Zu unsern Zeiten werden oͤfters die schlech- testen Helden darzu genommen. Es ist dieses keine neue Klage, sondern der beruͤhmte Arnold Menge- ring hat schon Ursache gehabt, solche von sich hoͤren zu lassen. „Es wollen die Verleger und Buchdru- \&q;cker, schreibt er, Welche Worte Zeltner l. c. p. 40. aus dessen Scrutinio Conscientiæ angefuͤhret. oftmals nicht etwas spendiren \&q;und aufwenden, daß sie einen verstaͤndigen und ge- \&q;lehrten Corrector in den Druckereyen haͤtten, und \&q;hielten, der die Materie cum iudicio revidirte und \&q;corrigirte, sondern Huͤmpler und Stuͤmpler, halb- \&q;waͤchsige Studenten, Penaͤle und Pedanten, die neh- \&q;men quid pro quo, und schauen aus Unverstand oben \&q;hin, daß oft die Correctur eben so lang, als das Werck \&q;selbst, so gedruckt worden.“ Und ich bedauere, daß man dieser Klage noch nicht gaͤntzlich abhelfen will, da doch auf die Geschicklichkeit und Aufmercksamkeit die- ser Leute ungemein viel ankommt. Ehe man noch die Buchdruckerey erfunden hatte, war man weit sorgfaͤl- tiger, daß ja kein Schreibfehler unterlaufen moͤgte. Jch beruffe mich deßwegen auf den alten Kirchenlehrer Jrenaͤum. Dieser hat am Ende seines Buches de octava Jch habe diesen Eyd aus S. Hieronymi Catalogo Script. Eccl. c. XXXV. p. 51. Edit. E. S. Cypriani, Franckf. 1722. 4. genommen. folgendes NB vor die Abschreiber angehaͤnget: „Jch beschwoͤre dich, der du dieses Buch abschreibest, \&q;bey unsern HErrn JEsum Christum, und bey seiner \&q;glorreichen Zukunft zum juͤngsten Gericht, da er die \&q;Lebendigen und Todten richten wird, daß du das abge- \&q;schriebene Exemplar auf das sorgfaͤltigste gegen dasje- \&q;nige, wovon du es abgeschrieben, halten, auf das fleis- \&q;sigste verbessern, und zugleich diese theuere Warnung \&q;mit von den Ursachen der Druckfehler \&q;mit abschreiben moͤgest, wie du sie gefunden hast.“ Es sind auch die Buchdrucker verbunden, sich um einen geschickten Corrector zu bekuͤmmern, wie solches ihre Ordnung, so Churfuͤrst Christian der andere zu Sachsen 1606. confirmirt, anbefiehlt: Siehe Johann David Werthers wahrhaftige Nach- richten der so alt-als beruͤhmten Buchdruckerkunst p. 14. Franckf. 1721. 4. „Der Herr \&q;der Druckerey, wenn er dieselbe mit nothwendigen \&q;Schriften, und allem, was darzu gehoͤrig, wohl ver- \&q;sehen, und die Correctur nicht selbsten versehen kan; \&q; Soll vor allen Dingen auf einen gelehrten \&q;und fleißigen Correctorem, ‒ ‒mit aller Sorg- \&q;faͤltigkeit bedacht seyn, und sich um selbigen be- \&q;muͤhen.“ Dem ungeachtet geschieht es aber doch, daß oͤfters unerfahrne und nachlaͤßige Leute darzu ge- nommen werden; Ob es aus Geitz, oder Unwissenheit geschiehet, will ich nicht entscheiden; So viel aber leh- ret der Augenschein, daß dergleichen Correctores aller- dings Schuld daran sind, daß viele nuͤtzliche Buͤcher mit groben Druckfehlern besudelt werden Denn der Buchdrucker verlaͤßt sich auf seine Correctur. Jst die- se falsch, so wird nothwendig der Druck falsch. Es wird aber die Correctur falsch werden muͤssen, wenn man unverstaͤndige Leute darzu nimmt, die oͤfters kaum diejenigen Zeichen recht zu machen wissen, womit sie dem Setzer anzeigen wollen, was er verbessern soll. Jch will also Anfaͤngern zu Gefallen, welche entweder ihre eigene Sachen, oder anderer Leute Schriften, cor- rigiren wollen, die gewoͤhnlichsten hieher sezen. Wer mehr Nachricht verlangt, der kan sich Hieronymt Hornschuchs wohl unterwiesenen Corrector zu Nutze ma- chen, welcher hier zu Leipzig, 1739. 8. wieder neu aufge- leget worden. Wie Vernuͤnftige Gedancken Wie eine Correctur zu verfertigen: Soferne ein gantzes Wort aussengelassen wor- den; So wird es mit einem Zeichen auf dem Rande angemerckt und dazu geschrieben: Eile mit Weile, nicht zu geschwinde. Wenn aber nur ein eintziger Buchstabe fehlet; So giebt man dieses dem Setzer also zu ver- stehen: Nie m and ist ohne Gebrechen. Jst ein Buchstabe, oder gantzes Wort, uͤber- fluͤßig gesetzt; So streicht man solches fol- gender Gestalt weg: Uberfluß macht nur Verdruß. Soll eine Zeile naͤher gegen den Rande zu geruͤ- cket werden; So muß man es also bezeichnen: [ [ Etwas, ist besser, als nichts. Jst etwas weggestrichen worden, das doch ste- hen bleiben soll; So setzt man Puͤnctgen darunter, und eben dergleichen am Rande: Vorgethan … nach bedacht, ꝛc. Sind zwey Woͤrter zu nahe aneinander ge- setzt; So muß man dieses mit einem Zei- chen an dem Ort, wo es noͤthig, bemercken, und zugleich auf dem Rande angeben: Weit davon, ist gut\vor dem Schuß. Jst ein Wort, oder eine Zeile, krumm; So muß es also ausgezeichnet werden: Was krumm ist, das muß gerade. Wenn von den Ursachen der Druckfehler. Wenn ein falscher Buchstabe, der nicht in die Schrift gehoͤret, eingemischt worden; So wird er weggestrichen: Alles an sei n em Ort. Stehet ein Buchstabe verkehrt; So wird er durchstrichen, und am Rande angezeigt: Umgekehrt so wird ein Schuh ꝛc. Stehen die Syllben zu weit von einander; So wird es also bemerckt: Zusammen fuͤgen macht Vergn. Sind gantze Woͤrter versetzet; So wird ihnen durch Zahlen der rechte Ort angewiesen: 2. 1. 4. 3. 5. Man es muß wie nehmen es kommt. Laͤßt sich ein Spatium sehen, weil es zu hoch stehet; So muß es angemerckt werden. Unverhoft; [ kommt oft. Stehet ein Wort falsch vor ein anderes da; So streicht man das falsche weg, und setzt das rechte davor auf den Rand. Vergeblich wirst du dich bemuͤhen. Wenn kein Absatz seyn soll, und doch einer ge- setzt da stehet; So muß man es also aͤndern: Es ist besser umkehren, Als unrichtig fortgehen. Ge- Vernuͤnftige Gedancken Es ist aber noch nicht genug, daß einer diese Zeichen nachmahlen, teutsch und lateinisch, ja zur Noth ein bisgen Griechisch lesen, und die verkehr- ten, oder falschen, Buchstaben anmercken kan, sondern er muß von Rechtswegen nicht nur die angefuͤhrten, sondern auch die Orientalischen Spra- chen verstehen, in allen Arten der Gelehrsamkeit wenig- stens einen guten Vorschmack haben, und die Geschich- te der Gelehrten vornemlich wissen, weil er sonsten we- gen der Nominum Propriorum hundert mal einen Fehler begehen wird. Daß er dabey mit einem guten Gesicht und scharfer Aufmercksamkeit begabt seyn soll, ist eine an und vor sich ausgemachte Sache. Nicht weniger muß er von der Einrichtung der gantzen Buch- druckerey wohl unterrichtet seyn, damit er nicht nur wahrnehmen, sondern auch dem Setzer anzeigen, kan, wo etwas zu verbessern noͤthig. Besitzt nun ein Cor- rector die erforderliche Geschicklichkeit, und hat dersel- bige allen Fleiß und Muͤhe angewendet: Und es ge- schieht gleichwohl, daß sich noch Druckfehler finden; So muß man allerdings gestehen, daß oͤfters auch die Herren Verfasser daran Schuld sind. §. 5. Es sind aber die Verfasser deßwegen an den Druckfehlern Schuld, weil sie ein solches uͤbelgeschriebe- nes Exemplar in die Druckerey liefern, daß es bey nahe noͤthig waͤre, eine besondere Art von Brillen zu erfin- den, durch welche man solche uͤble Handschriften lesen lernen koͤnnte. Da nun aber dieses eine ohnmoͤgliche Sache ist; So ist es wohl noͤthig, daß ein Manuscript, so gedruckt werden soll, leserlich geschrieben werde. Daß es zierlich gekuͤnstelt seyn soll, werden die Buch- drucker nimmermehr verlangen; Daß es aber auch ordentlich geschrieben, und nicht durch hundert tausend Cha- von den Ursachen der Druckfehler Characteres, welche manchmal dem Setzer eine Furcht einjagen koͤnnen, in einander verworffen und verwor- ren seyn soll, ist allerdings noͤthig. Denn sie wissen sich sonsten nicht daraus zu helfen. Auf diese Art kan also ein Verfasser, weil er nicht deutlich, leserlich und ordentlich genug geschrieben, an den Druckfehlern sei- nes Buches Antheil haben, welche weder dem Verle- ger, Buchdrucker noch Corrector, zu zuschreiben sind. Und so viel, nach meiner Absicht, von den Qvellen der so verhaßten, als schaͤdlichen, Druckfehler. Wie kan man aber solche entweder gaͤntzlich ausmertzen, oder doch meistentheils verhuͤten? Hierauf laͤßt sichs mit kurtzem, aus demjenigen, was ich bereits gesagt, ant- worten. Jst einem Verfasser daran gelegen, daß sei- ne Arbeit correct gedruckt werde: Woran ihm aber al- lerdings viel gelegen seyn muß, weil die Druckfehler nicht nur einen Ubelstand verursachen, sondern auch den Verstand seiner Worte oͤfters verhuntzen; So soll er sich aͤuserst bemuͤhen, seine Arbeit an einen wohl- gearteten und vernuͤnftigen Verleger zu bringen, wel- cher keine Sorgen, Zeit, Muͤhe und Unkosten fliehet, damit er sich tuͤchtige und geschickte Correctores und Buchdrucker auslese und billig bezahle; Geschiehet dieses, so wird der Corrector und Buchdrucker allen Fleiß und Aufmercksamkeit mit Vergnuͤgen anwen- den; Wenden diese Leute allen Fleiß und Muͤhe an, und haben dabey ein leserliches Manuscript, gut Pap- pier und feine Littern: So wird, so muß ein correct und wohlgesetztes Buch zum Vorschein kommen, und die Druckfehler werden, wo nicht gaͤntzlich, doch groͤßten Theils ihren Abschied erhalten, oder doch wenigstens in Zukunft keiner Lobrede mehr wuͤrdig geachtet werden. J Bericht Bericht von dem Schriftgiesen. Bericht von dem Schriftgiesen. S chriftgiesen ist zwar eine besondere Kunst, wel- che aber heut zu Tag von der Buchdruckerkunst unzertrennlich ist. Der Ursprung derselben muß bey nahe eben so alt, als das Buchdrucken selbst, seyn. Ob man nun gleich vorgiebt, daß die ersten Erfinder der loͤblichen Buchdruckerkunst ihre Littern anfaͤnglich nur in Holtz geschnitten haben sollen, wovon in unsern Woͤrterbuch, unter dem Titul Schriftschneider, weitlaͤuftiger gehandelt wird; So kan doch dieses nicht lange gedauert haben. Denn gesetzt, wenn man auch annehmen wollte, daß Guttenberg erstlich ein- tzelne Littern aus Holtz verfertiget, welche er durch- loͤchert und hernach vermittelst eines Drathes Rei- hen Weise an einander gehaͤnget haͤtte; So ist ja bekannt, daß diese Art zu drucken gar bald veraͤndert, und mit gegossenen Littern verwechselt worden, weil sie nicht nur sehr muͤhsam, sondern auch noch sehr unvollkommen war. Es wird aber die Erfindung des Schriftgiesens insgemein Johann Fausten zugeschrie- ben, der seiner Profeßion nach erstlich ein Gold- schmid gewesen seyn soll. Dahero er auch vermoͤge seiner Wissenschaft desto eher auf das Schriftgiesen verfallen seyn mag. Jedoch, ich will allhier nicht un- tersuchen, ob Faust, oder ein anderer, der erste Schrift- gieser gewesen ist, sondern mein Vorhaben ist zu erzeh- len, was es vor eine Beschaffenheit mit dem Schrift- giesen habe, oder auf was Art und Weise die Littern gegossen werden. Vor allen Dingen werden die Lit- tern, so gegossen werden sollen, aus weich gemachtem Stahl, vermittelst der sogenannten Puntzen, Grab- stichel und einer subtilen Feile, verfertiget. Jst dieses ge- Bericht von dem Schriftgiesen. geschehen und sind sie alle recht accurat gemacht, wel- ches adjustiren genennet wird; So werden sie ge- haͤrtet, und jeder Stempel wird in ein besonderes Stuͤckgen Kupfer gesencket, welches alsdenn eine Ma- ter, und wenn alle zu einer voͤlligen Schrift gehoͤrigen Figuren beysammen sind, die Matrices, zum Exempel von der Cicero, Corpus, genennet werden. Hat die- se Figuren ein Schriftgieser beysammen; So verferti- get er sich darzu ein Jnstrument von Meßing, deren er so viel machet, als er Matrices hat. Dieses Jn- strument bestehet aus vielen Stuͤcken, welche durch 15. eiserne Schrauben aufs genaueste zusammen gefuͤget werden, jedoch also, daß selbiges, so oft ein Buchstabe, oder andere Figur, gegossen worden, alsdenn in zwey Theile von einander aufgeschlagen und augenblicklich wiederum fest zusammen geschlossen werden kan. Die Theile von diesem Jnstrument, wovon insgemein zwey einander sehr gleich seyn muͤssen, werden also benennet: Die Guͤsse, a. b. die Bodenstuͤcke, f. die Waͤnde, i. die Kerne, d. das Boͤcklein, c. der Sattel, k. der Drath, oder die Feder, r. s. so auf die Mater gesetzt wird. Diese Stuͤcke nun machen das eigentliche Jn- strument aus und sind alle von Meßing, daruͤber aber ein Futteral, oder Schale von Holtz, gemachet wird, weil das Meßing gar zu bald heiß wird und sich in der Hand nicht lange halten lassen wuͤrde. Noch ein paar eiserne Hacken gehoͤren dazu, womit der gegossene Buchstabe aus dem Jnstrument heraus genommen wird. Dieses Jnstrument giebt also dem Buchstaben eigentlich den Leib, und formet ihn dergestalt, daß ein jeder vor sich mit seinem eigenem Character und allen uͤbrigen eine vollkommene Proportion habe, damit sol- che vom Setzer ohne Schwierigkeit zusammen gefuͤgt J 2 wer- Bericht von dem Schriftgiesen. werden koͤnnen. Jn der Matrice aber, die unten an das Jnstrument angebunden, und im Zusammen- schlagen desselben gefasset, worauf der Drath, oder Fe- der, gesetzet und damit befestiget wird, bekommt der Buchstabe seinen eigentlichen Character und Bedeu- tung. Die Matrices werden zuvor sehr accurat gleich gemacht, dergestalt, daß der eigentliche Chara- cter einer jeden Matrice gleich tief, und eben so hoͤchst accurat in gleicher Distanz des obern Endes, und auch eben so gerade, im Kupfer eingesencket stehe: Welche Arbeit das justiren genennet wird. Die Kerne an diesem Jnstrument sind beweglich, und lassen sich ein und auswaͤrts treiben. Jst demnach die Mater, zum Exempel, ein m; So werden die Kerne aus- waͤrts getrieben. Wenn aber hernach a oder e ge- gossen wird, welche mercklich schmaͤler sind, als ein m, werden sie wiederum einwaͤrts geschlagen, und dadurch bekoͤmmt der Buchstabe seine proportionirte Breite. Durch diese Kerne wird auch der Kegel einer jeden Schrift bestimmt. Denn so lang, zum Exempel, in ei- ner Schrift das s oder f ist, so hoch muß auch der Ke- gel aufs wenigste seyn, darauf eine Schrift gegossen wird. Daher kommen die Benennungen der Schrif- ten, zum Exempel, Cicero Kegel, Corpus Kegel ꝛc. Diese Kerne geben auch den Littern eine gewisse Hoͤ- he. Eine jede Buchdruckerey kan sich nemlich eine be- sondere Hoͤhe erkiesen, wodurch man zu verhindern su- chet, wenn aus einer Buchdruckerey Schriften sollten entwendet werden, daß sie nicht leicht in einer andern wiederum, wo man zumal accurat seyn will, gebrau- chet werden koͤnnen. Die groben Schriften, zum Exempel, Canon, Missal ꝛc. werden nicht in Stahl, sondern in Meßing geschnitten. Denn so grosse Schrif- ten Bericht von dem Schriftgiesen. ten gebraucht man nur eine kleine Anzahl in den Dru- ckereyen, die also aus bleyern Matricen, obwohl sehr langsam, erlanget werden koͤnnen. Es muß aber ein jeder Buchstabe verschiedene male durch die Haͤnde des Schriftgiesers gehen, und wohl besehen werden, ehe die gantze Schrift an den Buchdrucker geliefert wer- den kan. Die Materie, oder der Zeug, woraus die Schriften gegossen werden, wird aus Bley Spieß- glas und Eisen, dazu noch Zinn und Kupfer kommt, zusammen geschmoltzen: Welches eine an sich unge- sunde und gefaͤhrliche Arbeit ist. Von einem jeden ge- gossenen Buchstaben muß zufoͤrderst der Guß abgebro- chen und selbiger alsdenn auf beyden Seiten geschliffen, denn in Quantitaͤt aufgesetzt, gehobelt, besehen und eingepackt, manche auch noch besonders unterschnitten werden. Die Werckzeuge, die ein Schriftgieser ge- braucht, sind: 1) Das eigentliche Jnstrument. 2) Der Gießloͤffel. 3) Gießpfanne. 4) Winckel- maaß. 5) Justorium. 6) Abziehekloͤtzgen. 7) Beseheblech. 8) Creutzmaaß. 9) Schraub- stock. 10) Handkloben. 11) Allerhand Fei- len. 12) Verschiedene Hammer. 13) Ambos. 14) Gießblech. 15) Schmeltztiegel. 16) Ei- serne Toͤpfe. 17) Bestoßzeug. 18) Fertigmach- eisen. 19) Winckelhacken. 20) Hobel. 21) Schleifstein. 22) Feuerzange. 23) Kernmaaß. Alle diese ernennte Werckzeuge kan der geneigte Leser nach ihrer Groͤsse, Gestalt und Ausmessung, Tab. IV. in Augenschein nehmen, und wo ja noch eines wegge- lassen, so ist es darum geschehen, weil es schon bekannt ist, und als ein Uberfluß anzusehen gewesen waͤre. J 3 Gieß- Gießzettel. Gießzettel. Wie viel zu einem Centner Cicero Fractur ohngefehr noͤthig. A 100 B 80 C 90 D 100 E 120 F 80 G 120 H 120 J 120 K 90 L 90 M 80 N 80 O 90 P 90 Q 10 R 100 S 120 T 90 U 80 V 80 W 90 X 10 Y 10 Z 50 a 1150 b 440 c 50 d 1050 e 4050 f 350 ff 175 g 550 h 550 i 1900 k 250 l 700 m 800 n 2750 o 700 p 200 q 50 r 1700 ꝛ 50 s 600 ss 185 s 550 t 1700 u 1400 v 325 w 500 x 40 y 150 z 250 ch 700 ck 125 st 400 si 250 fi 45 fl 40 ß 200 tz 175 ll 150 j 100 aͤ 150 oͤ 135 uͤ 175 m̃ 10 ñ 10 ẽ 10 . 450 , 750 ‒ 400 : 65 ; 65 ? 50 ! 50 )( 50 Spatia 6000 Schließqvadraͤtgen 300 Halbgevierte 300 Gantzgevierte 300 Gieß- Gießzettel. Gießzettel. Wie viel zu einem Centner Cicero Antiqua ohngefehr noͤthig ist. A 150 B 110 C 125 D 130 F 110 G 115 H 115 I 225 K 35 L 120 M 120 N 110 O 125 P 120 Q 100 R 120 S 140 T 120 U 100 V 150 W 30 X 150 Y 40 Z 40 Æ 60 J 80 a 1000 b 300 c 450 d 560 e 1400 f 250 ff 150 g 350 h 300 i 2000 k 50 l 600 m 600 n 1300 o 900 p 450 q 275 r 1000 s 450 ss 150 s 450 t 1000 u 900 v 275 w 50 x 180 y 120 z 110 \& 190 ct 110 st 200 si 175 fi 75 fl 65 ssi 75 ffi 50 ffl 40 j 150 æ 190 œ 100 ç 50 á 200 é 200 í 200 ó 200 ú 200 à 50 è 50 ì 40 ò 40 ù 40 â 30 ê 30 î 30 ô 30 û 30 ǎ 25 ë 25 ï 25 ö 25 ü 25 1 150 2 100 3 100 4 90 5 90 6 90 7 90 8 80 9 80 0 100 . 500 , 650 ‒ 500 ; 80 : 80 ? 60 )( 100 § 75 ’ 100 * 100 Spatia 5000 J 4 Schrift- Schriftrechnung. Schriftrechnung. Wenn man einen Centner Schrift giesen laͤsset, und man muß den Centner, bey dem Schriftgieser, um so und so viel Rthlr. bezahlen, wie theuer jedes Pfund kommt. Der Centner zu 110. Pfunden, und jeder Pfennig zu 55. Theilgen gerechnet. NB. Man kan sich auch zugleich mit Einkauf ver- schiedener Waaren nach gegenwaͤrtigen Tabellen richten, dahero hat man von No. 1. angefangen. Cent- Schriftrechnung. J 5 Pap- Pappierrechnung. Pappierrechnung. Von 1. bis 51. Rthlr., nemlich, wenn der Ballen um so, und so viel, Rthlr. eingekauft, oder gedruckt wird, wie theuer ein Rieß, und ein jedes Buch kommt, der Ballen zu 10. Rieß, und das Rieß zu 20. Buͤcher gerechnet Der Pappietrechnung. Kur- Kurtzer Unterricht. Kurtzer Unterricht, Was allhier in Leipzig abzugeben ist, wenn gedruckte Buͤcher hinaus gehen, oder herein kommen. Buͤcher, so hinaus gehen, oder verkauft sind, geben nach dem Werth, oder einen halben pro Cent zu 10. Rthlr. gerechnet. Dagegen geben die Buͤcher, so herein kommen, jedesmal drey viertel pro Cent, zum Exempel: Ein und ein halber Centner Buͤcher vor 15. Rthlr. giebt 3. Gr. Ein Ballen Buͤcher vor 82. Rthlr. giebt 15. Gr. und 6. Pf. Ein Ballen Buͤcher vor 44. Rthlr. giebt 8. Gr. und 3. Pf. Auf der Landaccise allhier giebt man vom Stuͤck 1. Gr. Was vom Pappier abgegeben wird. Vom Ballen Realpappier, wenn es hinaus geht giebt man 3. Gr. Wenn es herein kommt 4. Gr. 6. Pf. Vom Ballen Schreibpappier, wenn es hinaus geht 1. Gr. 6. Pf. Wenn es herein kommt 2. Gr. 3. Pf. Vom Ballen Druckpappier, wenn es hinaus geht 1. Gr Wenn es heꝛein kommt 1. Gr. 6. Pf. Vom Ballen Maculatur 6. Pf. Wenn es herein kommt 9. Pf. Pappierspaͤhne geben nach dem Werth. Fernere von Accisabgaben derer Buͤcher. Fernere Nachricht, Was ordentlich abgegeben wird, wenn Buͤcher von hier weg gehen. Unter- Unterricht fuͤr einen Setzer Unterricht fuͤr einen Setzer, so viel ihm von der Music zu wissen noͤthig ist. Fuͤnff Linien zusammen werden ein Systema, oder Noten-Plan, genannt, zu welchem die bisweilen oben und unten vorkommende kurtze Strichlein mit gehoͤren. Wenn zwey und mehr Systemata, so gemeiniglich durch eine Klammer vornen zusammen gehaͤnget wer- den, sich auf einander beziehen, machen solche doch nur eine Partitur-Zeile aus, und muͤssen selbige auf eine Columne gebracht werden, man kan solche auch nicht theilen. Ja, es ist im Setzen sonderlich dahin zu sehen, daß die Noten nach ihrer Geltung, so viel moͤg- lich, gerade unter einander zu stehen kommen. Wenn sich eine Zeile bricht, kan der Setzer im ge- raden Tacte mit einem halben Tacte, oder Schlage, im ungeraden Tacte aber nicht anders als mit einem gantzen Schlage abbrechen, oder umlauffen lassen. Die- ses ist so wohl von einem eintzigen Systemate, als auch einer Partitur-Zeile zu verstehen. Der Musicalischen Stimmen Schluͤssel oder Claves signatæ sind: Tact-Arten sind: Ein so viel ihm von der Music zu wissen noͤthig. Ein weicher Gesang, Cantus mollis, wird an dem vorgesetzten b; der harte Gesang, Cantus durus, aber an dem vorgesetzten erkannt. Der Noten Nahmen, und Geltung. Nach diesen Discant-Noten kan man die uͤbri- gen sich auch bekannt machen, wenn man von iedem Zeichen anfaͤngt zu zehlen, z. E. im Alt ist auf der mittlern Linie c, im Tenor auf der vierten c, im Baß auf der vierten f, im Violin-Zeichen auf der zweyten g. Wenn ein Punct hinter einer Note steht, gilt er halb so viel als vorhergehende Note. Pausen. Repetitions-Zeichen. Hinterste Ruhe-End- oder Final-Repetition. Wie Schriftkegel- oder Zeilentabelle. Wie viel Zeilen eine Schrift gegen die andere austraͤ- get, welches im Ausrechnen zur Nachricht dienen kan. Schrift-Probe, Oder Kurzes Verzeichniß derjenigen Hebraͤisch-Griechisch-Lateinisch- und Teutschen Schriften, Welche in Herrn Bernhard Christoph Breitkopfs Schriftgießerey allhier befindlich sind. Dabey man mehrentheils bemerket hat, von wem eine jede Schrift in Meßing oder Stahl ist geschnidten worden. 1739. K Schrift-Proben. Grobe Sabon Kleine Sabon Grobe Missal Kleine Missal Fractur. Schrift-Proben. Fractur. Fractur. Fractur. Fractur. K 2 Grobe Schrift-Proben. Grobe Canon Fractur. Kleine Canon Fractur. Diese bisherigen Schriften sind von Joh. Peter Artopaͤo, zu Leipzig, in Meßing geschnidten. Doppel-Mittel Fractur. Diese von Andr. Koͤler, in Nuͤrnberg. Text Schrift-Proben. Text Fractur. Tertia Fractur. Von Christian Zingk, in Wittenberg, in Stahl. Grobe Mittel Fractur. K 3 Schwa- Schrift-Proben. Mittel Schwabacher. Kleine Mittel Fractur. Von Christian Zingk. Grobe Cicero Fractur. Von Pancr. Lobinger, in Wien. Cicero Schrift-Proben. Cicero Schwabacher. Kleine Cicero Fractur. Von Christ. Zingk. Obige kleine Cicero wird auch fuͤglich, sowol, als diese Corpus, auf Descendiain-Kegel gegossen. K 4 Corpus Schrift-Proben. Corpus Fractur. Von Joh. Casp. Muͤller, in Leipzig. Corpus Schwabacher. Borgois Fractur. Von Chr. Zingk. Borgois Schrift-Proben. Borgois Schwabacher. Petit Fractur. Von Joh. Caspar Muͤller. Petit Schwabacher. Von Chr. Zingk. K 5 IN Schrift-Proben. Kleine Sabon Grobe Missal Kleine Messal Grobe Canon Kleine Canon Doppelmittel Antiqua Schrift-Proben. Antiqua. Antiqua. Antiqua. Antiqua. Antiqua. Antiqua. Doppel- Schrift-Proben. Doppelcicero Antiqua. Fette Text Antiqua. Bisherige Versalia sind alle von Artopaͤo in Meßing geschnidten. Curantschriften. Doppelmittel Antiqua. Doppelmittel Cursiv. Text Antiqua. Text Cursiv. Diese obstehende 4 Schriften von Chr. Zingk in Stahl. Tertia Schrift-Proben. Tertia Antiqua. Tertia Cursiv. Grobe Mittel Antiqua. Vorstehende 3 von Chr. Zingk, in Stahl. Kleine Mittel Antiqua. Mittel Cursiv. Grobe Schrift-Probe. Grobe Cicero Antiqua. Grobe Cicero Cursiv. Kleine Cicero Antiqua. Kleine Cicero Cursiv. Corpus Antiqua. Corpus Cursiv. Borgois Schrift-Proben. Borgois Antiqua. Die bisherigen sind von Joh. Caspar Muͤller, zu Leipzig, in Stahl geschnitten. Borgois Cursiv. Petit Antiqua. Von Chr. Zingk. Petit Cursiv. Von Chr. Zingk. Tertia Schrift-Proben. Tertia Ebraͤisch. Corpus Ebraͤisch. Tertia Griechisch. Cicero Griechisch. Corpus Griechisch. Obstehende sind von Joh. Caspar Muͤller sel. in Stahl geschnidten. No. I. Gegenwaͤrtige Hollaͤndische Schriften/ und noch andere mehr/ sind in der Ehrhardtischen Giesserey allhier zu bekommen. Kleine Canon Antiqua. Roman Antiqua Ascendonica Romain. Parragon Romain Antiqua. No. II. Tertia Antiqua. Mittel Antiqua. Grobe Cicero Antiqua. Kleine Cicero Antiqua. Corpus Antiqua. Bourgis Antiqua. Petit Antiqua. Peerl Antiqua. Bourgis Cursiv. Petit Cursiv. Peerl Cursiv. Missal Cursiv. No. III. Kleine Canon Cursiv. Roman Cursiv. Ascendonica Cursiv. Parragon Cursiv. No. IV. Tertia Cursiv. Mittel Cursiv. Cicero Cursiv. Kleine Cicero Cursiv. Corpus Cursiv. Colonel Antiqua. Nomparel Antiqua. Colonel Cursiv. Nomparel Cursiv. Versuch Versuch eines wohl eingerichteten Woͤrterbuchs , Worinnen die meisten Kunstwoͤrter, Welche So wohl in den Buchdruckereyen, als auch bey andern Profeßionen, so mit den- selben eine Verwandschaft haben, gebraͤuchlich sind, Jn alphabetischer Ordnung angefuͤhret, und deutlich erklaͤret werden. A A Blegen, heißt in der Buchdruckerey diejenige Handlung des Setzers, wenn er die abgedruck- ten Schriften wieder in den Kasten, und zwar jeden Buchstaben in sein gehoͤriges Fach, einleget. Siehe den wohlmeynenden Unterricht, p. 103. Ablegespan, ist ein duͤnn geschnittener Span von Holtz, worauf der Setzer etliche Zeilen Buchstaben zugleich setzet, um selbige in der Hand damit fest zu halten, damit sie ihm beym Ablegen nicht unter einander fallen koͤnnen, welches ihm sonsten, wegen des Auslesens, viel Zeit und Muͤhe kosten wuͤrde. Abloͤsen, heißt man dasjenige, wenn der Drucker die Forme von der Farbe reiniget, so werden die Stege mit einem Messer abgesondert, weil selbige von dem starcken Anschliesen insgemein an der Schrift haͤn- gen bleibet. Abnehmen, muß man diejenigen gedruckten Bogen, welche ihrer Naͤsse wegen vorhero sind aufgehaͤngt worden. Abtritt, ist eine Entweichung aus der Gesellschaft, wel- che demjenigen angedeutet wird, welcher bey einer loͤblichen Gesellschaft sein Verbrechen, oder son- sten etwas, vorgetragen, damit die Sache uͤberleget werden kan. L 2 Acci- Accidentia, Ahle, Alaun, Anfuͤhren, ꝛc. Accidentia, werden in der Druckerey genennet, wenn ausserordentliche Arbeiten, als Verse, Programma- ta, Dissertationes \&c. einlaufen. Ahle, ist ein laͤnglichtrund scharf zugespitztes Jnstru- ment von feinem Stahl, womit der Setzer, bey dem Corrigiren, die falsch, oder verkehrt, gesetzten Buch- staben heraus nimmt. Alaun, ist ein saures und sehr herbes mineralisches Saltz, so entweder von der Natur in der Erde gezeu- get, oder durch Kunst aus mineralischen Wassern gekocht wird. Die Buchdrucker bedienen sich des- selben, wenn sie ihre Druckerballen zubereiten wol- len, daß sie die Farbe desto eher wieder annehmen. Sind diese angefeuchtet, so reiben sie den Alaun so klar, als Mehl, und bestreuen solche damit, so neh- men sie die Farbe wieder an. Anfuͤhren, oder unterrichten, siehe Gespan. Anredetag, ist vierzehen Tage vor der Messe, wenn der Buchdruckerherr einen Gesellen behalten will, so redet er ihn zu solcher Zeit an. Auser dem weiß der Geselle schon, daß er seinen Abschied, und nach verflossenen vierzehen Tagen, Feyerabend hat. Antiquaschrift, siehe Schriftproben und deren Be- nennung. Antritt, ist dasjenige Holtz, woran der Drucker, wenn er die Presse zuziehen will, seinen Fuß ansetzet, damit er seine Staͤrcke besser anwenden kan. Anweisung, eines Setzer-und Druckerknabens, siehe wohlmeynenden Unterricht, p. 96. 113. Assessor, ist derjenige, so von den Kunstverwandten wegen seiner Erfahrenheit darzu erwehlet wird. Es gebuͤhret ihm billig ein Vorzug, indem er das Amt ei- nes Obergesellens begleitet, und eben dasjenige bey den Atlaß, Aufhaͤngen, Aufhaͤngeboden, ꝛc. den Gesellen zu befehlen hat, was der Oberaͤlteste bey den Herren. Er ist aber verbunden den Nutzen der Gesellschaft auf alle Art und Weise zu befoͤrdern. Es werden jederzeit zwey dergleichen Assessores von der Gesellschaft erwehlet ein Setzer und ein Dru- cker. Bey den Herren ist aber nur einer. Atlaß, ist ein aus Seiden gewuͤrckter Zeug, auf wel- chen nicht nur, sondern auch auf weisen, gelben, blauen, leibfarben, und allerhand bundgefaͤrbten Taffet mehr, Carmina oͤfters schwarz, roth und blau gedrucket werden. Man kan auch noch darzu von ei- nem Mahler allerhand Blumen und Zierrathen dar- auf mahlen, und selbige mit Gold und Silber aus- ziehren lassen. Es gehoͤret aber eine grose Behut- samkeit darzu Aufhaͤngen. muß man die abgedruckten Bogen auf die dazu verfertigten Leinen, damit selbige wieder abtrocknen. Aufhaͤngeboden, ist insgemein der oberste Theil eines Hauses, allwo die abgedruckten Bogen auf Leinen, oder Latten, aufgehaͤnget werden muͤssen, damit sie desto eher trocken werden. Es soll derselbige nicht nur geraͤumlich, sondern auch mit vielen Dachfen- stern versehen seyn, damit die Luft desto eher die nas- sen Bogen abtrocknen kan, weil man in grosen Druckereyen in einem Tag mehr, als einen Bogen, fertig machet. Aushaͤngebogen, sind diejenigen abgedruckten Bo- gen von einem Werck, welche dem Verfasser, oder Verleger, bey dem Abdruck eines jeden Bogens be- sonders ausgehaͤnget, und uͤberbracht werden sollen. Vor den Corrector, Setzer und Drucker wird ebenfalls ein Exemplar ausgehaͤnget. L 3 Aus- Ausrechnen, Autor, Ballen, Ballhoͤltzer, ꝛc. Ausrechnen, das geschriebene Exemplar, lehret der wohlmeynende Unterricht, p. 112. Autor, oder Verfasser, eines Buches, soll seinen Vor- und Zunahmen auf das Buch setzen, vermoͤge des al- lergnaͤdigsten Rescripts Augusts, Herzogs zu Sachsen, vom 26. May 1571. B Ballen, sind mit gesottenen Pferdehaaren ausgestopf- te lederne Kuͤssen mit hoͤltzernen Griffen, womit die Farbe auf die Formen zum Abdrucken aufgetragen wird. Siehe Tab. II. Ballhoͤltzer, muͤssen von dem Drechsler aus linden Holtz verfertiget und hohl gedrehet werden. Ballenknecht, sind zwey Hoͤltzer, welche in der Preß- wand eingemacht sind, worauf die Ballen gesetzet werden, wenn die Farbe auf die Formen aufgetra- gen ist. Man braucht diese sonderlich wenn nur ein Drucker an der Presse arbeitet. Band, ist ein Eisen mit zwey Gewinden, worinnen der Deckel gehet, deren zwey sind, und am Karn ange- macht seyn muͤssen: Siehe Tab. II. Bekaͤnntniß eines deponirten Cornuten gegen den Lehrmeister: Mein Herr woll’ unbeschwert, was ich ihm sag anhoͤren, Und mercken das, was ich mißthan von Jugend auf. Durch boͤse Buben ließ ich leider mich bethoͤren, Daß ich den Lastern oft gegoͤnnet ihren Lauf. Jch thate niemand guts, wenn ich nur konnte machen Viel Unfugs, schlief ich nicht: ich war grob, toͤlpisch, faul, Wenn alles uͤbel gieng, so must’ ich hertzlich lachen; Sah’ich des andern Gluͤck, so hieng mir schon das Maul. Als ich nun meine Jahr’, in lernen ausgestanden; Da ward ich treflich stoltz, flugs wolt’ ich seyn der Held, Der andre machen konnt’, aus Ubermuth, zu schanden, Ob- Bengel, Berechnen, Blase, Blasenhut, ꝛc. Obgleich kein schlechter Thier, als ich, ward in der Welt, Wann andre mich nur Herr, auch wohl Monsieur, genennet, So meynt’ ich alsofort, ich waͤr’ ein grosser Mann, Der sich fuͤr Ubermuth kaum selber hat gekennet, Drauf fieng ich hier und dort viel lose Haͤndel an, Jch achtet weder Kunst, noch Zucht, noch Witz, noch Lebre, So, daß mir Hoͤrner auch zuletzt gewachsen sind. Doch jener Meister, den ich Lebens-Zeit drob ehre Hat wunderlich befreyt davon mich armes Kind. Drauf hat er mich gemacht zum ehrlichen Gesellen, Wie diese werthe Zunft dasselb’ mit angesehn. Nun werd’ ich meine Zeit hinfuͤhro so bestellen, Daß ich damit fuͤr GOtt und Menschen kan bestehn. Auf sothanes Bekaͤnntniß, giebt ihm der Lehrmeister zu sei- ner kuͤnftigen Lebensart einige Regeln, wie man bey dem Ti- tul Lehrmeister finden wird. Bengel, ist ein Stab von Eisen, in der Spindel der Buͤchdruckerpresse eingemacht, womit die Presse zu- gezogen wird. Es ist selbiger forne, wo ihn der Drucker anfaßt, mit Holtz uͤberzogen und mit einem gegossenen Knopf von Bley versehen. Siehe T. II. Berechnen, siehe Rechnen. Blase, ist ein Gefaͤß von Kupfer gemacht, worinnen der Firniß gesotten wird. Siehe Tab. I. Blasenhut, ist der Deckel auf die Blase. Siehe T. I. Blasebalg, denselben braucht man in Druckereyen die Kasten vom Staub damit zu reinigen. Brod, Saltz und Brod wird nicht bey Androhung einer Strafe, sondern zu Bezeugung einer aufrich- tigen Freundschaft und getreuer Dienstleistung ge- braucht. Jn den aͤltesten Zeiten hat man sich des- selben bey Errichtung der Buͤndnisse bedienet, wie solches aus der Zulage ad Besoldi Thes. Pract. un- ter dem Wort Buͤndniß p. 213. zu ersehen. Es be- richtet uns auch Petrus Petreius in chronico rerum L 4 Mo- Bruͤcke, Buch. Moscovit. P. II. p. I. p. 429. daß Saltz und Brod zu Bezeugung unterthaͤnigster Devotion ge- gebraucht worden. Er schreibt ausdruͤcklich: sie kamen aus der Stadt zu ihm, und brachten ihm viel koͤstliche Gaben, nebst Saltz und Brod, wie bey ih- nen die Gewohnheit ist. Es halten dieses die Rus- sen vor den hoͤchsten Dienst und groͤßte Ehrenbezeu- gung. Becmann Hist Civ. C. VII. p. 390. Bey Druckereyen bedienet man sich dieser Ceremonie ebenfalls statt einer Eydesleistung, wie man in Beieri Tr. de Colleg. opific. c. XIX, § XVI. n. 154. sqq. lesen kan; Sonsten aber erlaͤutern diesen Gebrauch auch Stuck in Antiquitat Conviv. L. I. c. XXX, f. 105. Becmann Diss. de Iudiciis Dei C, V th. 5. Bruͤcke, sind zwey Stuͤckgen Bret, so in der Preß- wand eingelassen sind, worinnen die Buͤchse gehet, Siehe Tab. III. Buch, dieses Wort hat verschiedene Bedeutungen. Braucht man es von reinem und noch nie beschriebe- nem Pappier; So bedeutet es im Schreibpappier 24. Bogen, im Druckpappier aber 25. Bogen. Sonsten begreift man unter dem Wort Buch die Schriften der Gelehrten, sie moͤgen nun handeln, wovon sie wollen, welche sie zur Befoͤrderung der Ehre GOttes, und des Naͤchsten Nutzen der Welt entweder schriftlich, oder gedruckt, uͤbergeben. Die- se Schriften sollen deswegen Buͤcher genennet wor- den seyn, weil man vormals, ehe man noch das Pappier erfunden hat, seine Gedancken auf Rin- den, Blaͤtter, auch wohl gar auf geschlossenes Holtz von Buchsbaͤumen hat schreiben muͤssen. Die ge- schriebenen Buͤcher heisen MSCta, sie moͤgen nun neu oder alt, vor kurtzer Zeit, oder vor vielen hun- dert Buchbinder. dert Jahren geschrieben worden seyn. Die erstern werden nicht sonderlich geachtet, desto mehr aber die letztern, welche oͤfters, wenn man von ihrem Alter uͤberzeugt ist, mit vielem Geld bezahlet werden. Eben dieses hat Gelegenheit gegeben, daß man sich nicht geschaͤmet hat, einige MSCta wohl tausend Jahr aͤlter zu machen, als sie wuͤrcklich gewesen sind, damit man selbige recht theuer bezahlt bekommen hat. Diesem Ubel vorzubeugen, haben sich die Ge- lehrten bemuͤhet einige Regeln und Kennzeichen aus- fuͤndig zu machen, wodurch man in Stande gesetzt wird, das wahrhaftige Alter dieser geschriebenen Buͤcher ziemlich wahrscheinlich zu bestimmen. Wie- wohl es dennoch die Erfahrung gelehret, daß oͤfters die kluͤgsten Leute hintergangen worden sind Die alten sind meistentheils auf Pergament, unter den neuern aber viele vom XII, XIII, und XIV, Jahrhun- dert auf Pappier von Seiden geschrieben. Dieje- nigen, so sich um die Aufsuchung solcher geschriebe- ner Buͤcher besonders bemuͤhet, wollen behaupten, daß derselben Anzahl wohl um das dritte Theil groͤs- ser sey, als der gedruckten Buͤcher. Die gedruckten Buͤcher haben ihren Ursprung der Buchdruckerey zu dancken, sie werden bekanntermassen in aller- hand Groͤsse auf Pappier, oder wenn sie bestaͤndig und kostbar werden sollen, auf Pergament ge- druckt. Diejenigen, welche bald nach Erfindung der Buchdruckerkunst ans Licht getreten, werden von einigen Liebhabern sehr hoch gehalten, und den MSctis bey nahe gleich geschaͤtzt. Auf was Art und Weise dieselbigen verfertiget werden, kan man deut- lich unter dem Titel Buchdrucker lesen. Buchbinder, ist heut zu Tage derjenige, welcher ge- L 5 druck- Buchbinder. druckte, geschriebene, oder auch reine Bogen Pap- pier, so ferne es noͤthig ist, planirt, d. i. durch Leim Wasser ziehet, und, wenn sie wieder trocken worden sind, mit dem Faltzbein faltzet, oder in das gehoͤrige Format zusammen leget, auf dem Schlagstein mit dem Hammer schlaͤget, auf der Heftlade heftet mit dem Werckmesser, oder Hobel, beschneidet, und eine mit Pappe, oder Bretlein gesteifte Decke von Pap- pier, Pergament, oder Leder darum schlaͤgt, welche zuweilen mit Clausuren versehen und verguldet wird, und diesen Bogen also eine vollkommene Form ei- nes Buches giebt. Diese Kunst ist vermuthlich so alt, als die Wissenschaft Schriften zu verfertigen selbst. Nach dem Unterscheid der Zeiten ist auch diese Kunst sehr unterschiedlich gewesen. Denn als man noch auf Baumrinden geschrieben, so hatte der Buchbinder weiter nichts dabey zu thun, als das Ende solcher beschriebenen Rinden an einem runden Staͤblein fest zu machen, und die Rinde selbst dar- auf zu rollen. Ein dergleichen verfertigtes Buch hiesen die Lateiner vom rollen Volumen. Die Spitzen dieser Staͤblein wurden mit Gold, oder ei- ner andern Farbe bestrichen, und die also aufge- wundene Rolle, in einem Futteral von cedern, oder andern dauerhaften, Holtz verwahret. Da man aber angefangen auf Tafeln von Wachß zu schrei- ben; So wurden diese Tafeln nur schlechterdings zusammen gelegt und mit einer Schnur fest gebun- den. Hierauf fieng man an auf Pergament zu schreiben. Diese auf Pergament geschriebene Blaͤtter wurden zusammen geheft, hinten mit Leder besetzt und zu den Deckeln auf der Seite blose hoͤl- tzerne Bretter genommen, die man oͤfters mit star- cken Buchdrucker. cken Buckeln und Clausuren verwahret. Endlich aber, da durch die Erfindung der Buchdruckerey den Buͤchern eine gantz andere Gestalt ihrem aͤuserlichen Wesen nach gegeben worden; So hat auch der menschliche Fleiß und Witz das Einbinden der Buͤ- cher zu einer gar artigen Gestalt gebracht, daß sie zum lesen und aufschlagen so wohl, als zum Aufstel- len beqvemer, und wegen ihres aͤuserlichen Zierraths und schoͤnen Ansehens den Studirenden angeneh- mer und der Studirstube zu einer Zierde geworden sind. Die gemeinsten Baͤnde sind in allerhand bunden Pappier, in Pergament, in Kalb oder Schafleder braun und auf dem Ruͤcken verguld, wel- ches ein Frantzband genennet wird. Ein englischer Band ist von einem Frantzband nicht viel unter- schieden, auser, daß insgemein das Gold wegbleibt. Die Hollaͤnder thun es absonderlich in Hornbaͤnden andern Nationen zuvor, ingleichen in Schweinsle- der; Der Teutsche aber macht alle Baͤnde, ja, es giebt einige unter uns, welche mit allen Nationen um den Vorzug streiten koͤnnen. Buchdrucker, ist hauptsaͤchlich derjenige, welcher mit Buchdrucken umgehet. Die Arbeit, so dazu erfor- dert wird, ist zweyfach, dahero auch insgemein zwey besondere Personen darzu sind, nemlich ein Setzer und ein Drucker, unterdessen heisen sie dennoch uͤber- haupt Buchdrucker. Der Setzer, Typotheta, stellet sich vor den Schriftkasten, wenn er auf selbigen den Text, oder Schrift, so er setzen soll, mit dem Te- nackel gesteckt, so nimmt er den Winckelhacken in die lincke Hand, holet mit der rechten die benoͤthigten Littern aus ihren Faͤchern, setzet sie nach einander in den Winckelhacken, bis die Zeile voll wird, und wenn Buchdruckerey. wenn er etliche Zeilen, so viel er im Winckelhacken fuͤglich halten kan, gesetzet, so bringet er selbige in das Schif, bindet sie mit einer Schnur zusammen, und setzt sie auf das Setzbret. Alsdenn faͤhret er fort zu setzen, biß er eine Seite, oder Columne fertig hat. Hat er so viel Columnen, als zu einen Bogen erfor- dert werden, so unterscheidet er selbige mit Stegen, setzet sie in die Ramen und befestiget sie darinnen mit Schrauben, welches eine Forme genennet wird. Diese Forme nimmt der eigentlich also genannte Drucker, bringet sie in die Presse, und leget sie auf das Fundament. Hierauf traͤgt sein Gehuͤlfe, weilen derselben insgemein zwey bey einer Presse sind, die Farbe mit den Ballen auf die Forme, nachdem er solche vom Farbenstein genommen, ist dieses geschehen, so legt er einen angefeuchteten reinen Bogen in den Deckel, schlaͤgt denselben uͤber die Forme, schiebt die Forme unter den Tiegel, und setzt dieselbe durch Anziehung des Bengels starck dar- auf, wodurch sich alsdenn die Schrift auf dem Pap- pier abdruckt. Auf diese Weise werden so viel Bo- gen abgedruckt, als die Auflage starck werden soll. Die Setzer so wohl, als die Drucker, muͤssen ihre ge- hoͤrigen Jahre, wie bey andern Profeßionen, aus- lernen, wenn sie loßgesprochen, aber noch nicht zu Gesellen gemacht sind, heisen sie Cornuten, wovon der besondere Titel nachzulesen. Buchdruckerey, officina typographica, ist derjenige Ort, oder Werckstadt, wo das zum drucken noͤthige Geraͤthe in Ordnung gestellet, und das drucken ver- richtet wird Jm Anfang waren es die gelehrtesten Leute, die sich der Sache angenommen und beruͤhmte Druckereyen unterhalten haben. Vor andern sind die Buchdruckereyd. die Manutii zu Venedig, die Junti zu Florentz, die Stephani zu Paris, die Frobenii und Oporini zu Basel, die Plantini zu Antwerpen bekannt. Jn neuern Zeiten haben sich Elzevier und Bleau in Holland hervorgethan. Zu unsern Zeiten findet man in Franckfurth, und allhier in Leipzig, vor- trefliche Druckereyen, welche nicht nur an teutschen, lateinischen und griechischen, sondern auch an allen orientalischen Schriften mit allen uͤbrigen Natio- nen in einen Wettstreit sicherlich sich einlassen koͤn- nen. Auswaͤrts haben die Officina Theatri Schel- doniani zu Oxfort und die Druckerey des Collegii de Propaganda fide zu Rom vor andern einen Vorzug. Die Erfindung diefer edlen Kunst wird weitlaͤuftig in unserm Entwurf untersuchet: Der- selben Abbildung aber so wohl auf unserer Dedica- tions Vignette, als auch auf einem besondern Kup- fer geliefert. Buchdruckereyd, angehende Buchdruckerherren muͤssen einen ablegen, warum, kan man aus dem Eyd sehen, welchen ehedessen Hannß Luft geschwo- ren, ich will solchen hieher setzen, wie er in Joh. Da- vid Werthers Nachricht von der Buchdrucker- kunst p. 6. stehet. „ Jch, Hanß Lufft, Buchdru- \&q;cker in Wittenberg, schwere zu GOtt dem allmaͤch- \&q;tigen, einen leiblichen Eyd, daß ich ohne Erlaubniß \&q;und vorhergehender Censur der verordneten Pro- \&q;fessorum hiesiger Universitaͤt, kein Buch, oder \&q;Schrift, noch einige Schmaͤh-oder andere verbo- \&q;thene Schriften nicht drucken, oder durch die Mei- \&q;nigen heimlich oder oͤffentlich drucken lassen, und \&q;hierunter und sonst allenthalben der publicirten \&q;Buchdruckerey-Ordnung gemaͤß bezeigen wolle. \&q;So Buchdruckerfarbe, ꝛc. \&q;So wahr mir GOtt helfe, und sein heiliges Evan- \&q;gelium. Buchdruckerfarbe, siehe Firniß. Buchdruckerinstrumenta, werden hier in Tab. II. nach bey liegenden verjuͤngten Maßstab, nach der Cavalier Perspectiv und natuͤrlichen Perspectiv in Riß dargestellet, auch jedes mit seinem Nahmen ge- nennet, welche unsere Vorfahren in gewisse Reime gesetzt, und also lauten: So braucht den Bengel frisch ihr Drucker und die Ballen. Die Spindel, lauffe Bret, die Farbe unter allen Duͤrfft ihr Schließnagel, Ram, auch Esel, Muͤtterlein, Schwamm, Mater, Ballen-Knecht, Farbrisen, Farbestein, Die Rolle, Tiegel, Buͤchs, Puncturen, Schrauben, Walle, Karn, Kalgen, Fundament, Feichtbreter Gorbel, Schnalle, Rameisen sammt dem Filtz das Klopfholtz, Feuchtestein, Steg, Antritt, Schienen, Keil, zur Presse muͤssen seyn. Buchdrucker Insignia, Iubilæum, Presse ꝛc. siehe je- des unter seinem Anfangsbuchstaben. Buchfuͤhrer, Buchhaͤndler, ist derjenige, so Buͤche entweder selbst auf seine Kosten drucken laͤßt, oder von andern erhandelt, um selbige gegen einen billigen Gewinn wiederum zu verkaufen. Jn den aͤltern Zeiten liesen diese Leute die Buͤcher abschreiben. Weil aber dieses grose Unkosten verursachte; So war die Anzahl derselben sehr gering. Nachdem aber durch die Erfindung der Buchdruckerey die An- schaffung der Buͤcher viel leichter worden; So hat sich auch die Anzahl derselben um ein merckliches ver- mehret. Diesen Leuten hat man zu dancken, daß man jetzo viele Buͤcher so wohl alte, als neue, in allen Theilen der Gelahrheit um einen billigen Preiß sich anschaffen kan. Und wenn sie auch selbige nicht selbsten verlegt, so koͤnnen sie doch solche vermoͤge ihres Buchstabe, Buͤcher. ihres Briefwechsels aus allen Theilen der Welt bey nahe verschreiben und schaffen. Es giebt nicht nur in Teutschland, sondern auch auswaͤrts viele recht- schaffene Buchhaͤndler, welche sich um die gelehrte Welt verdient zu machen suchen, indem sie die ge- schicktesten Maͤnner durch billige und reiche Beloh- nung zu den nuͤtzlichsten Buͤchern aufmuntern. Und diese sind doppelter Ehre werth, weil sie nicht nur dem gemeinen Wesen hoͤchst nuͤtzlich, sondern auch an dem Flohr guter Kuͤnste und Wissenschaften ei- nen Antheil haben. Buchstabe, wovon dieselben verfertiget werden, siehe Schriftgieserey. ‒ ‒ Horirter, zierliche Einfassung oder Cartouche derselben. Also nennet man die zierlichen Anfangs- buchstaben bey einem Wercke, Abtheilung, oder Ca- pitels desselben. Hier muß man wohl mercken, daß ein solcher Buchstabe niemals mehr Platz, als den vierten Theil von der laͤnge einer Zeile einnehmen soll, weniger darf er eher einnehmen, als: ⅕ ⅙ ⅐ ⅛. Es ist auch nicht noͤthig, daß bey jedem Capitel ein solcher Buchstabe angebracht wird. Denn zierli- che und simple Buchstaben sollen von Rechtswegen mit einander abwechseln, damit sie desto besser ins Auge fallen. Will man hierinnen ordentlich verfahren, so darf ein solcher Zierrath, oder An- fangsbuchstabe, niemals von einem regulairen Qvadrat umschlossen werden koͤnnen, sondern er soll etwas hoͤher seyn. Jn lateinischer Schrift aber gehet es an, daß er damit umschlossen werden kan. Buͤcher, rohe oder ungebundene, ingleichen Landchar- ten, Bilder, und dergleichen, wenn sie von fremden Orten hieher nach Leipzig, oder uͤberhaupt nach Sachsen Buͤchse, Calender. Sachsen gebracht werden geben Consumtions-Ac- cise von Thaler 6. pf. Einwohnende Buchhaͤndler hingegen veraccisiren nur das Pappier, wenn sie et- was drucken lassen. Buͤchse, ist ein viereckigtes Holtz, durch welches die Spindel an der Presse gehet. Es wird solche mit dem sogenannten Hollaͤndischen Schloß befestiget. Sie hat vier Schrauben an allen vier Ecken, ver- mittelst welcher der Tiegel fest gemacht wird. Der Tiegel aber ist meistentheils von Metall, jedoch auch dann und wann von Holtz, in dessen Mitte ein Pfaͤn- nigen von Stahl ist, worinnen sich der Zapfen befindet. C. Calender, kommt von dem lateinischen Wort Calen- dæ her, womit die Roͤmer den ersten Tag eines jeden Monats ausdruͤckten. Calendæ aber hat seinen Ursprung von καλέω, ῶ, ich ruffe, weil bey den Roͤ- mern die Priester alle Monat den neuen Mond aus- zuruffen pflegten. Man versteht unter dem Wort Calender ein chronologisches Buch, darinnen das Jahr in seine Tage, Wochen und Monate einge- theilt wird, die geistlichen und weltlichen Festtage nach dem Unterscheid der Religionen, wie auch nach dem Gebrauch verschiedener Voͤlcker bestimmet und sonst andere Sachen mehr angemercket werden, wel- che in dem menschlichen Leben zu wissen noͤthig und mit der Zeit hauptsaͤchlich eine Verwandschaft ha- ben. Sonsten nennet man den Calender auch All- manach, welches ein Arabisches Wort mit seinem Artickel ist, und so viel als eine Zahl oder Jahrrech- nung bedeutet. Die in dem Calendern gewoͤhnli- chen Zeichen findet man am Ende unsers Woͤrter- buchs Cartouche, Censores, Censur, Circkel, Collat. buchs besonders gedruckt. Was aber bey den Buchdruckereyen zu mercken noͤthig, lehret unser sogenannter Buchdruckercalender. Cartouche , nennen die Frantzosen in der Baukunst ei- nen Zierrath an dem Gebaͤude mit einer Tafel, wor- ein eine Schrift kommt. Jn Buchdruckereyen aber ist es eine zierliche Einfassung eines Anfangs- buchstaben. Censores, sind von der hohen Landesobrigkeit be- stimmte gelehrte Maͤnner, welche die Buͤcher, so gedruckt werden sollen, erstlich zu Gesichte bekom- men muͤssen, damit in denselbigen nichts nach- theiliges wider die Religion, Landsherrn, oder den Staat einer Republic ingleichen wider die gu- ten Sitten, gedruckt werden moͤge. Dahero sind auch die Verfasser verbunden ihre Vor- und Zu- nahmen davor zu setzen. Siehe Autor. Censur, ohne dieselbige sollen Buchdrucker in Sach- sen nichts drucken, laut allergnaͤdigster Rescripte Augusts, Hertzogs zu Sachsen, vom 14 Septembr. 1562. Koͤnigs Augusti in Pohlen und Churf. zu Sachsen vom 8. Octobr. 1711. item vom 24. April 1717. Chymische Zeichen, siehe am Ende des Woͤrterbuchs. Circkel, ist ein aus Eisen, Stahl, oder Meßing, ver- fertigtes Jnstrument, so aus zwey unten spitzig zu- gehenden Stuͤcken, welche man Fuͤsse nennet, be- stehet, die oben mit einem Gewerbe befestiget sind, daß man sie nach Belieben auf und zu machen kan. Siehe Tab. II. Collationiren, ist in Buchdruckereyen diejenige Handlung, wenn man ein abgedrucktes Werck Vo- genweiß durchsiehet, um zu erfahren ob es richtig, M der- Columnen, Conducteur, Consensweise, ꝛc. dergestalt, daß weder ein Bogen zu viel, noch zu wenig. Beydes bringet sonsten dem Verleger Scha- den, weil dadurch die Exemplaria defect gemachet werden. Jn Buchhandlungen sollen von Rechts- wegen gleichfalls die eingehaͤndigten Buͤcher colla- tioniret werden. Columnen, heisen die Seiten der Blaͤtter; Nach- dem nun ein Bogen in Octav, Quart, oder Folio gedruckt wird; So hat er viel, oder wenig, Colum- nen. Werden die Columnen gespalten, so sollte man billig diese Theilung nicht mit einer Linie, son- dern mit einem blosen Span, oder Quadraten, ma- chen, weil es gar leichtlich geschieht, daß die darzwi- schen gemachte Linie verhindert, daß die Buchsta- ben nicht recht ausgedruckt werden koͤnnen. Jn- zwischen mag es ein jeder halten wie er will. Man ist nicht Willens andern Leuten Regeln vorzu- schreiben, sondern man zeigt nur aufrichtig den Vortheil, oder Schaden, einer Sache an. Conducteur, siehe Zeichner. Consensweise arbeiten, bedeutet nichts anders, als wenn der Buchdruckerherr so wohl dem Setzer, als Drucker, seine Arbeit dem Stuͤcke nach be- zahlet. Consumtions Accise vom Pappier, siehe Pappier. Cornutus, oder Hoͤrnertraͤger, heißt derjenige, wel- cher seine Lehrjahre ehrlich und voͤllig ausgestanden, die edle Kunst der Buchdruckerey gelernet, und nun- mehro zum Gesellen gemachet werden soll. Die- sen Nahmen fuͤhrt er so lange, bis er nach einge- fuͤhrter Weise zum Gesellen gesprochen ist. Wenn er nun frey gesprochen werden soll, so muß er be- kennen: Jch Corrector, Correctur, Correcturzeichen, ꝛc. Jch habe die Buchdruckerey, die werthe Kunst er- lernet, Und mich durch diese Wissenschaft vom Unver- stand entfernet. Hier auf verspricht er: Jch will mich bemuͤhen hinfuͤhro zu leben, So tugendsam, daß es mir Ehre soll geben. Alsdenn legt er sein Verlangen am Tag, daß er von diesen Banden gerne befreyet seyn moͤgte: Mein sehnliches Wuͤnschen ist allein Ein ehrlicher Geselle zu seyn. Siehe Deposition. Corrector, wer dieselben ehedessen gewesen, und wie sie beschaffen seyn sollen, lehren die vernuͤnftigen Gedancken von Druckfehlern, p. 129. sqq. Correctur, ist ein gesetzter und von dem Drucker ab- gezogener Bogen, welcher dem Corrector uͤber- bracht wird, damit er die darinnen befindlichen Fehler auf dem Rande anmercken kan. Jnsgemein geschiehet es zwey bis drey mal. Correcturzeichen, wie solche zu machen, siehe p. 126. Corrigirstuhl, ist ein von Holtz mit etwas hohen Beinen verfertigter Stuhl mit einer doppelten run- den Scheiben, wovon die oberste beweglich ist, da- mit die darauf gesetzte Forme beym Corrigiren ohne Beschwehrlichkeit hin und her gedrehet werden kan. Siehe Tab. II Corrigiren, heißt die Druckfehler verbessern. Erst- lich verbessert der Corrector die Fehler auf dem Correcturbogen, hernach aber der Setzer auf der Forme, indem er die falschen Buchstaben mit der Ahle heraus nimmt, und die rechten davor hin- ein setzet. M 2 Cu Creutz, Deckel, Dedications-Vignetten. Creutz, ist in Druckereyen ein in Creutzes Figur ver- fertigtes Holtz, womit man die abgedruckten Bogen aufhaͤnget, und wieder abnimmt. Cu de lampe , siehe Finalstoͤcke. D. Deckel, ist ein viereckigter Rahm von Holtz mit einer Pergament-Haut uͤberzogen, worinnen noch ein anderer gleiches Namens, von Maculatur liegt. Es wird selbiger uͤber die Forme beym Abdrucke geschlagen. Siehe Tab. II. Dedieations-Vignetten, sind Kupferstiche, welcher man sich bey Zuschriften bedienet. Jnsgemein stellen diese Kupferstiche etwas vor, so mit demje- nigen, welchem ein Buch zugeschrieben wird, einige Verwandschafft hat. Z. E. das Wappen, oder Bildniß, ingleichen eine sinnreiche Vorstellung, so auf desselben Geschlecht, oder Stand, sich schicket. Bey gegenwaͤrtigen Werckgen, stellet selbige die Buchdruckerey in Gestalt einer erbaren Matro- ne vor, welche in der rechten Hand das Bild der Natur, oder der Erfindung, mit vielen Bruͤsten haͤlt, darum sich das Kraut Semper viue windet, mit dem Wort, Semper. Jn der lincken Hand haͤlt sie eine Schallmey mit dem Wort, Vbique, zu- gleich aber auch einen Schild, darinnen das Wap- pen zusehen, welches der Kayser Friedrich III. der- selben gegeben; Sie stehet auf einem Ballen Druckpappier, welcher auf einem Buch statt des Fundaments stehet, auf welchem die Anfangsbuch- staben B. C. B. zu sehen, d. i. Bernhardt Christoph Breitkopfs, als jetzigen Oberaͤltesten allhier in Leipzig, in dessen Person die Buchdruckerkunst vor- gestellet wird. Zur Seiten liegt die Spindel. Das Degen, Denckspruch, Deposition, Das Kleid ist quadrirt, wie die Schriftkaͤsten, in den Quadraten sind auf der Brust das teutsche Alphabet, aufm Schurtz das lateinische, aufm Unterrock das griechische, aufm umhaͤngendem Talar aber das hebraͤische zu sehen. Zur lincken liegt die Schreibkunst auf etlichen hoͤltzernen Schrifttafeln, welche in der rechten Hand eine Rolle Pappier, in der lincken eine Tafel mit Wachs uͤberzogen und einen Griffel haͤlt, sie sieht mit einem verdrießlichen und sich verwundrenden Gesicht die Statue an, hinter ihrem Haupt ist das Kraut Pa- pyrus zu sehen. Zur rechtem der Statue zeiget ein Kind, welches einen Zettel mit der Aufschrift, Officinæ Lipsiæ iam florentes, haͤlt, auf das Po- stement der Saͤulen, an welchen die Namen der Leipziger Officinen, das Postement selbst weißt die Erfindung der Buchdruckerkunst mit den Worten: a Germano inuenta 1440. Zur lincken Seite aber am Postement stehen die Worte: Lipsiæ stabilita 1479. Jn der Ferne zeigt sich die Stadt Leipzig. Oben in der Hoͤhe und Ferne laͤßt sich die Fama sehen, wel- che den Ruhm der Leipziger Officinen ausbreitet. Degen, ist ein bekanntes Gewehr, welches zu Ehren, oder zur Beschuͤtzung, getragen wird. Es ist ein Zeichen des Standes, Adels, und der Obrigkeitli- chen Gewalt. Auch den Kuͤnstlern wird solcher zu- tragen erlaubt, laut des allergnaͤdigsten Mandats Friedrichs Augusts II. Koͤnigs in Pohlen hoͤchst- seel. Andenckens vom 20. Augusti 1719. Denckspruch, geben die Zeugen bey Bestaͤtigung ei- nes Gesellens, dem neuangehenden Gesellen. Jnsgemein wird selbiger nach des gewesenen Cor- nutens Auffuͤhrung eingerichtet. M 3 De- Deposition. Deposition, war ehedessen auf hohen Schulen ein wunderlicher Gebrauch, da man die neu angekom- menen Studenten durch einen besonders darzu be- stellten Mann, welcher Depositor hiese, auf aller- hand Art und Weise ihres Amtes erinnern, und ihrem Hochmuth Einhalt thun wollte. Heut zu Tage ist dieser Gebrauch wegen des grosen Miß- brauchs auf den meisten hohen Schulen abge- schaft, und ein jeder neuer Ankoͤmmling wird da- mit, gegen Erlegung eines gewissen Geldes, ver- schont. Bey Buchdruckereyen ist gleichsam noch ein Uberbleibsel davon bey Bestaͤtigung eines neuen Gesellens. Das Absehen dabey ist, daß ein jeder, der den Namen eines Gesellens mit Ehren fuͤhren will, die Laster der Jugend und alle grobe Sitten ablegen, hingegen der Tugend und nuͤtzlichen Wis- senschaften sich Zeit Lebens mit allem Ernst wid- men soll. Die Personen, so zur Deposition ge- hoͤrig, sind folgende: Ein Vorredner, der Herr Depositor, und dessen Knecht, der Cotnut, oder Horntraͤger, zwey Zeugen, der Lehrmeister und ein Nachredner. Jch will doch kuͤrtzlich aus Jo- hann Rists Depositione Cornuti Typographici, Luͤbeck, 724. 8. eines jeden Handlung und Reden, wie sie etwann noch gebraͤuchlich, hieher setzen: Vor allen Dingen tritt ein Vorredner auf, welcher eine Rede, die man Prologum, s Prologus, nennet, haͤlt, und zu der gantzen Handlung damit den An- fang macht. Der Jnnhalt dieser Rede ist will- kuͤhrlich. Jnsgemein aber ist es eine Lobrede vor die edle Buchdruckerkunst bald in Versen, bald auch nur in Prosa. Da man sich nun an keine gewisse Formel bindet; So will ich auch hier keine an- fuͤhren, Deposition. fuͤhren, obgleich Johann Rist verschiedene uns mitgetheilet hat. Jst die Vorrede vorbey, so tritt der Depositor auf den Platz und faͤngt also zu reden an: Was mags wohl fuͤr ein Ursach seyn, Daß alles hier so nett und rein Jm Hause wird gefunden? Wo laͤuft doch dieses Volck itzt her, Es kommt ja nicht von ungefehr, Voraus bey diesen Stunden? Jedoch, daß ichs erfahre recht, So will ich ruffen meinen Knecht, Er kans vielleicht wohl sagen; Wo bist du, mein Herr Urian? Komm eilends zu mir auf den Plan, Jch muß dich etwas fragen. Hier erscheint nunmehro der Knecht, weil ihn der Depositor geruffen, und antwortet also: Ja wohl mein Herr, nun komm ich recht, Aus meinem Winckel hergelaufen, Und will als ein getreuer Knecht Frisch tapffer mit herummer saufen. Depositor. Es ist mir gar zu wohl bewust, Daß Saufen nur ist deine Lust, Jch will ein anders wissen; Sag an, warum es hie so fein Geschmuͤcket, und das Volck herein Zu kommen ist beflissen? Knecht. Daß weiß ich nicht; doch riech ich wohl, Daß hier ein greulichs Thier muß seyn, M 4 Es Deposition. Es stincket als der groͤbste Knoll, Und macht ein grossen Stanck herein. Depositor. Mich duͤnckt es selber, daß ein Thier, Sich halte nicht gar fern von hier, Doch riech’ ichs nur von weiten; Jmmittelst geh hinaus aufs Feld Und sieh’, ob alles sey bestellt Von unsern Arbeitsleuten? Knecht. Ja, ja mein Herr, das will ich thun, Adieu mein Herr, ich laufe nun. Hierauf bringt der Knecht den Cornuten ge- fuͤhrt, zu welchem alsdenn der Depositor spricht: Was ist das vor ein Wunderthier? Es ist kein Vock, kein Hirsch, kein Stier, Sag’ an, wer hats gefangen? Es siehet wunderseltsam aus, Mit ihm zu halten einen Strauß, Trag’ ich schier ein Verlangen. Gewiß, es soll mich wundern noch, Wie man diß Thier wird nennen doch, Jch kan mich kaum drein finden. Knecht. O kennet ihr das Thier noch nicht? Es trift an seiner Nase ein, Dazu an seinem Angesicht, Daß es muß ein Cornute seyn. Depositor. Nun, Hoͤrnertraͤger, sag allhier, Was ist denn dein Begehrn von mir? Cor- Deposition. Cornutus. Mein sehnliches Wuͤnschen ist allein, Ein ehrlicher Gesell zu seyn. Knecht. Darzu bist du geschickt so fein, Wie meiner Mutter grosses Schwein. Alsdenn schmeißt dem Cornuto der Depositor den Hut von dem Kopf, und sagt: Da liegt nun deines Hauptes Kron, Und hiermit hast du deinen Lohn, Doch must du mir erst schwoͤren, Du wollest was zu dieser Frist Von uns dir widerfahren ist, Zu raͤchen nie begehren. Cornutus schwoͤrt. An dieser Stelle schwoͤre ich, Mein baares Geld verzehre ich, Nur diß, nichts mehr begehre ich. Nunmehro giebt ihm der Depositor eine Maul- schelle und sagt: Und damit hast du dein Gebuͤhr, Die sollst du schließlich noch von mir Hinfort von niemand leiden. Nun sage deine Missethat, Und merck auf gute Lehr und Rath, So kanst du froͤhlich scheiden. Hierauf beschließt der Knecht diesen Auftritt also: Nun unser Spiel das hat ein End, Jetzt will ich den Lehrmeister bringen, Daß er sein Amt verricht behend guten Taͤs, jetzt will ich springen. M 5 Hie- Deposition. Hiermit gehet er ab und die erbethenen Zeugen, fordern den Lehrmeister auf den Platz, welcher sie folgender massen anredet: Jhr Herren, werthe Freund, ich wuͤnsch euch Gluͤck und Seegen; Was ist allhier zu thun? Jst etwas dran gelegen, Daß ihr auf diesen Tag begehret mich zu sehn? Sagt an, ob ich vielleicht, euch kan zu Dien- ste stehn? Die Zeugen. Ja, Herr, weil dieser junge Knecht Nach unsern Sitten hat sein Recht Gantz voͤllig ausgestanden; So bitten wir ohn Heucheley, Daß ihr ihn wollet machen frey Von den Cornuten Banden, Vermahnt und unterricht ihn wohl Und lehrt ihn, wie er leben soll. Wird aber mehr, als ein Cornut zum Gesellen ge- macht, so werden die vorhergehenden Worte also eingerichtet. Ja, Herr, weil diese junge Leut Nach unsern Sitten haben heut Das Recht nun ausgestanden ꝛc. Lehrmeister. Ja wohl, das soll geschehen, doch muß er mir erst sagen Sein uͤbles Thun, und den Gesellen-Nahmen tragen. Cor- Deposition. Cornutus. Leget sein Bekaͤnntniß ab, welches wir bereits oben p. 166. angefuͤhrt, worauf ihm der Lehrmei- ster allerhand nuͤtzliche Lebensregeln vorschreibt, entweder in Versen, oder in Prosa. Will man eine Formel in Versen lesen, so kan man selbige bey Risten l. c. p. 38. nachsehen. Man bedienet sich aber solcher nicht allemahl mehr, weil sie etwas hart klinget, sondern ein jeder Lehrmeister schreibt ihm nach seiner Willkuͤhr etliche vor, deren Jnnhalt etwa also lauten moͤgte: 1. Die erste und vornehmste Regel ist: Die wah- re Gottesfurcht sey der Grund und Zweck eures gantzen Thuns und Lebens. 2. Was ihr wollet, daß euch andere thun sollen, das thut ihr ihnen auch. 3. Die Ehre und das Aufnehmen der edlen Buch- druckerkunst setzet niemals aus den Augen. 4. Um deßwillen befleißiget euch taͤglich in der Er- kaͤnntniß und Wissenschaft dieser Kunst zuzu- nehmen, und glaubet nicht, daß ihr es in eurem Wissen schon so hoch gebracht habt, daß ihr nichts mehr beduͤrfet. 5. Was ihr Gutes gelernet und erkannt habt, das bringet hernach mit aller Treue und Aufrichtig- keit zu Wercke. 6. Wisset, daß ihr eure Kunst nicht so wohl darum gelernet habt, daß ihr dadurch nunmehr euer Brodt verdienen koͤnnet; sondern dazu seyd ihr eigentlich darinne unterrichtet worden, daß ihr GOtt und dem gemeinen Wesen damit dienen sollet. 7. Wenn Deposition. 7. Wenn ihr diesen Zweck euch in eurer Arbeit vorstellet, so faͤllet euch hernach auch so viel von selbsten zu, daß ihr euch ehrlich nehren koͤnnet. 8. Euer Umgang mit andern sey gegen Obere ehr- erbietig, gegen eures gleichen freundlich und ver- traͤglich, und gegen Geringere leutseelig. 9. Danckbar zu seyn, vergesset nicht, weil die Danckbarkeit neue Wohlthaten zuwege bringet. 10. Weil ihr nunmehr ein Verwandter und Mit- glied einer edlen Kunst seyd, so zeiget auch in eu- rer Auffuͤhrung, daß ihr von dem Poͤbel unter- schieden seyd. 11. Diesen loͤblichen Zweck zu erhalten, befleißi- get euch in Ernst der Tugend, und meidet die Laster. 12. Grobheit und baͤurisches Wesen suchet niemand bey einem vernuͤnftigen Menschen, geschweige, bey einem Kunst-Genossen. 13. Fahrisches Wesen und Schnortzen streitet so sehr wider die Vernunft, daß die allerbeste Sa- che dadurch boͤse gemacht wird, daß sich auch der geringste Poͤbel dessen schaͤmet. 14. Eigennutz ist ein Laster, das niemanden mehr schadet, als seinem eigenen Herrn, und zwar eben in dem, da es ihm zu nutzen vermeinet. 15. Eigensinn verraͤth die Einfalt dessen, der sol- chen von sich blicken laͤsset. 16. Freundlichkeit, Bescheidenheit und Demuth sind Tugenden, so einen Kunstverwandten nicht nur wohl anstehen, sondern ihm auch uͤberall und bey allen beliebt machen. 17. Eitele Einbildung von sich selbst und eigner Ge- schick- Deposition. schicklichkeit, ist keine Tugend, sondern ein Laster, das seines Besitzers Schwaͤche verraͤth. 18. So lange ihr einem Herrn serviren muͤsset, so versichert euch, ihr werdet euer wahres Jnteresse nicht anders befoͤrdern koͤnnen, als wenn ihr eures Herrn Jnterresse befoͤrdert. 19. Daher haltet es fuͤr eine Unart, wenn der Ge- selle durch seine Arbeit den Herrn nicht reich machen will, und sich dadurch selbst schadet, auch GOttes Seegen entziehet. 20. Bringet euch GOtt in den Herrn-Stand, so vergesset nicht, wer ihr gewesen seyd, und lasset euch das Aufnehmen der Kunst mehr, als eue- ren eigenen Nutzen, angelegen seyn. Jst der Lehrmeister mit seinen Regeln fertig, so verlangt er von den Zeugen zu wissen, was vor ei- nen Denckspruch sie ihm geben wollen, da sie ihm alsdenn nach ihrem Gefallen einen sagen. Z. E. Omnia conando docilis solertia vincit, ora \& la- bora, oder auch teutsch, z. E. Du hast gefehlet bis hieher, geh, beßre dich und thus nicht mehr. Hat diesen der Lehrmeister vernommen, so setzet er als- denn dem Cornuten einen Crantz auf und bestaͤtiget ihn im Namen einer gantzen loͤblichen Gesellschaft zu einen ehrlichen Gesellen, und meldet ihm zugleich vorerwehnten Denckspruch. So bald dieses ge- schehen, treten die Zeugen herzu und uͤberreichen dem neuen Gesellen ihre Geschencke, wuͤnschen ihm zu seinem neuen Stand alles Gluͤck und Heyl, und hiemit endiget sich die gantze Deposition. Nichts ist mehr uͤbrig, als daß der Nachredner nunmehr auftritt und eine kurtze Rede haͤlt. Man bindet sich abermals an keine gewisse Formul, sondern ein Depositor, Druck, Drucken, Drucker, ꝛc. ein jeder richtet solche ein, wie er sie den Umstaͤn- den nach vor gemaͤß haͤlt Depositor, was dieser zu verrichten, kan man deut- lich unter vorhergehendem Titul sehen. Druck, ist zweyerley Schoͤndruck und Wiederdruck. Der Schoͤndruck ist der Abdruck des Bogens von der ersten Seite der Forme; Wiederdruck ist der Abdruck von der andern Forme. Zu einem sau- bern Druck wird erfordert daß die Schrift scharf und deutlich, die Farbe schwartz, das Pappier fein und weiß, und der Text ohne Fehler sey. Da- bey aber auch der Drucker seine Aufsicht nicht er- mangeln lassen darf, damit alles fein ordentlich und accurat gemachet werde. Drucken, siehe Buchdrucken. Drucker, Druckerey, Druckereyd, Drucker Jn- strumenta, siehe Buchdrucker, Buchdruckerey, Buchdruckereyd, u. s. f. Druckfehler, derselben Ursprung, und wie sie ver- miethen werden koͤnnen und sollen, weisen die ver- nuͤnftigen Gedancken p. 127. E. Einlage, oder Einlegegeld, ist dasjenige, was so wohl der Buchdruckerherr, Geselle, als auch der Cornut bey jeder halbjaͤhrigen Zusammenkunft in den Leichen-Fiscum giebt, wovor den Jhrigen nach derselben Absterben ein gewisses Geld zum Begraͤb- niß ausgezahlet wird. Erklaͤrung der Dedications-Vignette, siehe De- dications-Vignette, Errata, siehe Druckfehler. Esel, wird in der Druckerey ein gevierdtes Stuͤck Holtz genennet, welches vor der Presse den Hau- fen Eyd. Factor, Farbe, Farbeisen, Farbenstein. fen Pappier traͤgt, damit der Drucker die eintzel- nen Bogen desto bequemer anfassen kan. Siehe Tab. II. Eyd, siehe Buchdruckereyd. F. Factor, heiset bey Buchdruckereyen derjenige, wel- cher alles anordnet, und uͤber alles und iedes die Aufsicht hat. Es wird ihm davor woͤchentlich oder jaͤhrlich ein gewisses Geld ausgemachet. Bey Handlungen hat man ebenfalls Factores, welche entweder in Abwesenheit, oder bey Absterben des Herrns die gantze Handlung dirigiren. Man hat aber auch an auswaͤrtigen Orten Factores, welche gegen etwas billiges, so die Kaufleute Provision nennen, Waaren ein- und verkaufen, selbige spedi- ren und fortschaffen. Farbe, siehe Firniß. Farbeisen, ist dasjenige Jnstrument, so bey Ausstrei- chung der Farbe auf dem Farbenstein gebraucht wird. Siehe Tab. II. Farbenstein, ist ein hartes Stuͤck Holtz, worauf die Farbe liegt. Siehe Tab. II. Fastnachtschmauß, ist ein altes Herkommen, da der Buchdruckerherr seinen Gesellen eine kleine Ergoͤ- tzung machet, damit er selbige zu ferneren Fleiß da- durch desto mehr aufmuntert. Feile, dieses Jnstrument braucht der Drucker, wenn er die Puncturen spitzig machen will. Siehe Tab. II. Feuchtevaß, ist ein Gefaͤß von Holtz, welches der Drucker braucht bey Anfeuchtung des Pappiers. Es muß ungemem reinlich gehalten werden. Filtz, ist ein aus Wolle, oder weichen Haaren, zube- reiteter Zeug, welchen der Drucker bey Abziehung einer Finalstoͤcke, Firniß, Fluͤgelschraube, ꝛc. einer Forme gebraucht, wenn er selbige auf den Bogen legt, damit sich die Buchstaben desto besser eindrucken. Finalstoͤcke, heissen die Frantzosen Cu de lampe, teutsch werden sie s. v. Arsch genennet. Es sind allerhand in Holtz geschnittene Figuren und Zierra- then, welche man am Ende eines Wercks anbringt. Damit nun solche nicht bloß, das Pappier anzu- fuͤllen, da stuͤnden, so sollten diese Stoͤcke vornem- lich etwas vorstellen, das mit dem Text eine Ver- wandschaft haͤtte. Ausser dem aber sollten sie nie- mals so breit, als die Breite des Drucks seyn, weil dadurch ein Ubelstand verursachet wird. Ohn- maßgeblich waͤre die beste Proportion diese, daß man die Breite in gewisse Theile abrheilte, als ⅞ \frac {6}{8} ⅝ ⅜ ⅛ ferner in ⅚ \frac {4}{6} ⅙ oder in ⅘ ⅗ ⅖ ⅕, inglei- chen in ¾ \frac {2}{4} ½ ⅓ ⅔, so wuͤrde allezeit ein guter Wohlstand getroffen werden. Was die Hoͤhe anlanget, so sollte man sich gleichfalls nach dem Platz des Pappiers und der Breite richten. Wenn man nach der Proportion verfahren will, so muß ein solcher Stock niemals einen regulairen Quadrat, oder Quadratum oblongum, als einen Rahm einschliesen, welches aber wohl bey Vignet- ten, oder Anfangs-Leisten angehet. Firniß, wovon, und wie solcher zubereitet wird, leh- ret unser wohlmeynender Unterricht ausfuͤhrlich, p. 122. Fluͤgelschraube, ist eine Schraube mit Fluͤgeln zu Bestaͤtigung der Presse gehoͤrig. Siehe Tab. II. Forderzettel, ist eine geschriebene Einladung, welchen der Oberaͤlteste einer Gesellschaft zuschicket um die- selbige zu fordern. For- Format, Formatbuch, Forme, ꝛc. Format, ist die Groͤsse der Columnen; Bey den Buchbindern aber bedeutet es die aͤusserliche Groͤsse eines Buches: Die Formate sind in Anse- hung ihrer Breite und Hoͤhe sehr unterschieden. Wie selbige in Folio, Quart, Octav, Duodez, und dergleichen mehr, zu schiesen sind, wird in unserer bluͤhenden Buchdruckerkunst von pag. 1. bis 23. deutlich gezeiget. Formatbuch, in diesem wird Unterricht ertheilet, wie man Formate ausschiesen soll. Jnsgemein sind auch die Orientalischen Alphabete angehaͤnget, und sonsten allerhand, was ein Buchdrucker zu wissen noͤthig hat. Formen, heissen die zum Drucken einer Seite des gan- tzen Bogens gehoͤrige Columnen, wenn sie in die Rahmen eingeschraubt sind, und in die Presse ge- legt werden koͤnnen. Siehe Tab II. Formenregal, ist bey nahe nichts anders, als ein Re- positorium mit Faͤchern, da man so wohl die ge- setzten, als gewaschenen Formen hinein setzet. Siehe Tab. I. Formenschliesen, was das sey, wie es anzufangen und wem es zugehoͤre, zeiget der wohlmeynende Unterricht, p. 109. Formenschneider, diese Kunst ist noch aͤlter, als die Kupferstecher-Radir- und Etzkunst, ja sie ist noch eher, als die Buchdruckerkunst gewesen. Unterdessen ist sie mit der Buchdruckerkunst sehr nahe verwandt, oder, doch wenigstens ihr fast unentbehrlich. Und vielleicht hat sie gar zur Erfindung der Buchdrucke- rey das meiste beygetragen. Jndem bekannt ist, daß man anfaͤnglich. Woͤrter, Zeilen, und gantze Seiten auf besondere Tafeln, und deren so viel, N als Formenschneider. als zu einem gantzen Werck noͤthig war, mit un- saͤglicher Muͤhe und Unkosten in Holtz geschnitten und hernach abgedruckt habe. Da nun aber die- ses nicht nur kostbar, sondern auch uͤberaus be- schwehrlich war; So verfiele man endlich auf die Verfertigung eintzelner Buchstaben auf hoͤltzerne Stoͤckgen, welche man zusammen setzen, und wie- derum zerlegen konnte. Dieses trieb man so lang, bis man so klug wurde diese Buchstaben von Me- tall zu giesen. Jnzwischen kan man doch diese Kunst nicht gaͤntzlich entbehren, weil noch viele Stuͤcken entweder in Metall zu kostbar, oder, we- gen der Schwere, zu unbequem sind. Dahero verfertiget uns selbige die Frontispicia, oder Titul- blaͤtter, Leisten, oder Vignetten, Finalstoͤcke, oder Cu de Lampe, Versalbuchstaben, gantze Schrift- zeilen, besondere Characteres, Stempel, verzoge- ne Namen, Wappen, Blumen, Thiere, Men- schen, Landschaften und allerhand Dinge mehr, so entweder zur Elaͤuterung eines Buches, oder zu des- selben Zierde, etwas beytragen. Das Holtz, wel- ches zu dergleichen Schnitten genommen wird, muß durchaus dichte und harte seyn, damit man solches in die Laͤnge und in die Quere fuͤglich schnei- den kan. Jnsbesondere ist Aepfel-Birn- oder Buchsbaum-Holtz darzu am bequemsten, wie- wohl das letztere wegen seiner Haͤrte sehr muͤhsam zu schneiden, dahero aber auch sehr theuer ist. Dergleichen Figuren und Schriften findet man so wohl in gegenwaͤrtigem Buch, als auch in Faͤschens Ingenieur- und Kriegs- Lexico, in C Wolfs Ma- thematischem Lexico, in Speranders singender Muse ꝛc. Bey dem Artickul Leisten, werden wir noch Fracht, Frachtbrief, Fracturschrift, ꝛc. noch etwas hievon sagen muͤssen, wohin wir also unsere Leser zugleich verweisen. Fracht, ist entweder die Ladung, so man einem Fuhr- mann, oder Schiffer, zu verfahren anvertrauet, oder auch das Fuhrlohn, welches man vor solches Fah- ren bezahlen muß. Jnsgemein verdinget man die Fracht nach Centnern, Schiffpfunden, oder La- sten. Jst ein Wagen, oder Schiff, gehoͤrig bela- den, so sagt man, sie fahren mit voller Fracht; Mangelt etwas daran, so heissen sie es nur halbe Fracht. Nehmen sie etwas von dem Orte, wohin sie gefahren, wieder mit zuruͤck, so heissen sie solches Ruͤckfracht. Frachtbrief, ist ein offener Zettel, welcher dem Fuhr- mann, oder Schiffer, ertheilet wird, worinnen so wohl der Namen desjenigen, welcher etwas schi- cket, als auch des andern, an welchen es geschicket wird, enthalten seyn muß, ingleichen des Fuhrmanns, oder Schiffers, durch welchen eine Sache uͤber- schickt wird; Es muͤssen uͤberdieses der Ort, woher und wohin die Waaren gehen, und die abgeschick- ten Guͤter deutlich und ordentlich angegeben seyn, damit nicht nur Zoͤllner und Geleitsverwalter zu Land, und zur See die Kreutzer, ordentlich wissen koͤnnen, was der Fuhrmann, oder Schiffer, aufge- laden, sondern auch, damit der Empfanger der Waaren weiß, was ihm geliefert werden soll, und wie viel Fracht bedungen worden sey. Fracturschrift, deren Benennung und Figur, siehe die Schriftprobe. Fundament, ist als das dritte Hauptstuͤck in der Presse anzusehen. Es ist dieses entweder von Metall, oder gutem harten Holtze verfertiget, welches sehr glatt N 2 polirt Geburtsbrief, Geld, Generalsitz, ꝛc. polirt seyn muß, damit kein Buchstabe in der dar- auf liegenden Forme weder zu hoch, noch zu niedrig beym Abdrucken erscheinen moͤge. G Geburtsbrief, ist ein oͤffentliches Zeugniß desjenigen Menschen, welcher sich bey einer Kunst will aufdin- gen und einschreiben lassen, daß er von ehrlichen Eltern gezeuget und gebohren worden. Geld, ein gewisses, bekommt der Geselle von dem Buchdruckerherrn, wenn er selbigen nicht vollauf Arbeit geben kan; oder auch, wenn er die Aufsicht uͤber etwas bekoͤmmt, daß er seine ordentliche Ar- beit nicht verrichten kan. Generalsitz, oder Seßion, geschiehet alle halbe Jahr, nemlich 14. Tage vor Ostern und 14. Tage vor Mi- chaelis, da die gantze Societaͤt bey dem der Zeit er- wehlten Oberaͤltesten erscheinet, nachdem er solche durch einen Forderzettel allen Gliedern wissen lassen. Jst eine auserordentliche Zusammenkunft noͤthig, so werden nur eintzelne Glieder darzu eingeladen. Gesell, ist bey Kuͤnstlern und andern Profeßionen derjenige, welcher seine Lehrjahre gebuͤhrend ausge- standen, und von den meisten ordentlich loßgespro- chen, und also berechtiget ist, auf seiner Kunst, oder Profeßion, zu wandern, wo er hin will. Gesellenbuch, in dieses muß ein jeder fremder Ge- selle bey dem Generalsitz seinen Namen, und Ort, wo er her ist, einschreiben. Gesellenmachen, siehe postuliren. Gesellennamen, bekommt derjenige, welcher von einer loͤblichen Gesellschaft aus dem Cornuten-in den Gesellenstand erhoben wird, damit er anders- wo richtig fortkommen kan. Ge- Gespan, Gieserey, Gießzettel, Gießofen, ꝛc. Gespan, oder, nach alter Redensart Compagnon, ist derjenige, welcher mit einem andern an einer Pres- se arbeitet, da sie denn einander Wechselsweise die Arbeit erleichtern; Bey den Setzern ist es gleich- falls gebraͤuchlich, da ihrer zwey an einem Werck zugleich setzen, doch jeder vor sich ins besondere. Anfuͤhregespan, heißt so viel als ein Jnforma- tor, welchem ein junger Mensch von dem Buch- druckerherrn uͤbergeben wird, damit er selbigen treulich in allen Stuͤcken unterrichten moͤge, was ihm zu Befoͤrderung seiner Wohlfarth nach ausge- standenen Jahren nuͤtzlich und noͤthig ist. Er be- kommt vor seine Muͤhe etwas gewisses an Geld. Gieserey, siehe Schriftgieserey. Gießzettel, siehe unsere eingedruckte Nachricht p. 134. Gießofen, worinnen alles Zeug geschmoltzen wird, das zum Schriften noͤthig ist. Wie ein solcher aus- siehet, und anzulegen sey, kan man deutlich auf Tab. IV. sehen. Gorbel, ist eine eiferne runde Stange, daran die Waltze befindlich ist. S i ehe Tab II. Greif, ist ein Vogel, welcher in der Heroldskunst Weißheit, Geschwindigkeit und Tapferkeit bedeu- tet. Kayser Friedrich III. hat solchen den Buch- druckern im Wappen zu fuͤhren allergnaͤdigst zuge- standen, siehe Entwurff von Erfindung der Buchdruckerkunst, p. 6. H. Hammer, ist ein bekanntes Jnstrument: die Buch- drucker brauchen selbigen bey der Presse sehr oft. Siehe Tab. II. Hochzeit machen, heißt in Buchdruckereyen, wenn ein Setzer auf einer Columne etwas doppelt gesetzet hat. N 3 Hofe- Hoferecht, Hudeley, Jmham, Jmpost, ꝛc. Hoferecht, ist auf Hofnung Leben, da man einem die ersten 14. Tag lang einige Unordnungen nachsieht, oder von dem ordentlichen Recht etwas nachlaͤßt. Bey Druckereyen ist es eine gewisse Strafe, welche einem wegen ungebuͤhrlicher Auffuͤhrung zugespro- chen wird. Hudeley, siehe Pfuscher. J Jmham, oder Anschlag, bestehet aus einem Riemen, welchen der Drucker mit dem Fuß beruͤhret, damit das daran ruhende Raͤhmgen herunter falle. Jmpost, von Pappier, siehe Pappier. Jnsignia, sind nichts anders, als bestaͤndige und nach gewissen Regeln eingerichtete Kennzeichen, wodurch die Geschlechter, Gesellschaften und eintzelne Personen unterschieden werden. Anfaͤnglich fuͤhrte man selbige auf den Waffen, daher sie auch sonder Zweifel Wappen genennet wurden. Es ist schwer zu bestimmen, welches Volck selbige zuerst gefuͤhret. Schon in den aͤltesten Zeiten fuͤhrte man auf Waf- fen und Schiffen gewisse Jnsignia. Alleine, bey den Teutschen wurden sie absonderlich zu den Zeiten des Kaysers Heinrich des Vogelstellers im zehenden Jahrhundert eingefuͤhrt. Hiezu gaben die Turnire Gelegenheit, bey welchen die Ritter gewisse Zeichen auf dem Schilden und Helmen fuͤhrten, damit sie dadurch von den Zuschauern erkannt werden moͤg- ten. Diese Zeichen haben hernach die Geschlechter beybehalten. Die Jnsignia sind sehr unterschieden. Jn Ansehung der Personen, welche sie fuͤhren, sind sie dreyerley, Geschlechts-Gesellschafts und Perso- nalwappen. Jn Ansehung der Sachen, welche durch diese Zeichen angedeutet werden, sind sie wieder vie- lerley, Conradus Kachelofen Johannes Schoiffer Jnsignia Tÿpographorum Lipsiensiun Conradus Baumgarten Jacob Berwaldt Jo. Sensenschmidt et Andr. Friefner Michael Blum Michael Lantzenberger M. Ernst Voe gelin Snsignia Jÿpographorum Lipsiensium Wolffgang Monacensern Abraham Lamberg. Nicolaus Faber. Alias StorcKel. Phil Baccal Jacob Thanner. Valentin Schumañ Jnsignia Tÿpographorum Lipsiensium Nicolaus Wolrab. Johann Beÿer. Melchior Lotter. Laurentius Cober. Martin Lantiberg Phil Baccal Samuel Spörl Jnsignia Tÿpographorum Lipsiensium Foannes Khamba NON TIMET BENE SI HONESTE 1736 AHH INSIGNIA BITTORFIANA Atavis Sigillis Corvscans CVLTA BEAT. Jnstrumenta, Jntroitus, Journal ꝛc. lerley, als Stands-Herrschafts-Gnaden-Schutz- Heyraths-Erbschafts und Unterschiedswappen. Also haben die Buchdrucker ein Gesellschaftswap- pen, welches ihnen der Kayser Friedrich der Dritte verliehen. Auf unserer Dedications-Vignette ste- het es gestochen und in dem Entwurf von Erfin- dung der Buchdruckerkunst beschrieben. Unsere aller ersten Vorfahren bedienten sich ebenfalls der Wappen auf ihren Buͤchern zu keiner andern Ab- sicht, als ihre Arbeit dadurch vor andern zu bemer- cken, welche insgemein mit ihren Namen etwas gleichkommendes vorstellen, dann und wann auch wohl gar nur ihren verzogenen Namen. Jnstrumenta, der Buchdrucker, siehe Buchdru- cker und zugleich Tab. II. ‒ der Setzer, siehe Setzer, und zugleich Tab. I. ‒ der Schriftgieser, siehe den kurtzen Bericht p. 130. und Tab. IV. Jntroitus, wird in Buchdruckereyen eine alte Ge- wohnheit genennet, wenn ein Gesell von einem Herrn angenommen wird, so giebt er durch Erlegung ei- nes gewissen Geldes in der Officin seinen Neben- gesellen zu erkennen, daß er nichts verfaͤngliches auf sich sitzen hat: Wiedrigenfalls wird solches von ihm nicht angenommen. Es wird auch intro- duciren genennet. Journal, siehe Tagebuch. Jubilaͤum, oder Jubelfest, ist eigentlich die Bege- hung eines Freudenfestes, da man das Andencken einer besonders merckwuͤrdigen Begebenheit nach Verfließung hundert Jahr mit allerhand Solen- nitaͤten mit froͤlichem und danckbarem Gemuͤth ver- neuert. Also hat man 1617. und 1717. ein Jubel- N 4 fest Jurament, Justiren, Kaͤßgen, Kalgen, ꝛc. fest wegen der geschehenen Reformation, 1630. und 1730 aber wegen Ubergebung des Augspurgischen Bekaͤnntniß gefeyert. Jn diesem 1739. Jahr wird man das Andencken der Reformation der hiesigen Stadt wiederum begehen, und 1740. werden die Buchdrucker am Johannis Tage g. G. wegen der Erfindung der Buchdruckerey zum dritten mal ein Jubelfest halten. Wie solches 1640. zum andern mal allhier gehalten worden sey, beschreibet das Ju- bilæum Typogr. Lips. Leipz. 1640. 4. ausfuͤhrlich. Jurament, eines Cornuten, Buchdruckers, siehe Cornut, Buchdruckereyd. Justiren, heissen die Schriftgieser, diejenige Handlung, da sie die Buchstaben, richtig, gleich und eben machen. K. Kaͤßgen, ist vermuthlich so viel, als Casus, ein Fall. Ein Kaͤßgen machen, heißt man in Druckereyen, wenn sich ein Gesell mit ungebuͤhrlichen Worten vergangen hat. Kalgen, oder vielleicht Galgen, heißt dasjenige Ge- stelle hinten am Laufbret, worauf der Deckel von der Presse ruhet. Siehe Tab III. Karn, ist ein viereckigter Kasten, welcher sich auf dem sogenannten Laufbret befindet, worinnen das Fun- dament liegt. Siehe Tab. III. Kasten, deren hat man in Druckereyen vielerley, wo- rinnen, so wohl teutsche und lateinische, als auch orientalische Schriften in besondern Faͤchern lie- gen. Ein jedes Fach ist mit einem Buchstaben be- zeichnet, welchen es aufbehaͤlt. Siehe Tab. I. Kegel, ist die Hoͤhe einer Schrift, oder der Lettern. Also sagt man die Schrift hat einen gleichen, oder unglei- Keil, Kladde, Klopfholtz, Knecht, ꝛc. ungleichen Kegel, d. i. die Lettern haben einerley Hoͤhe, oder nicht. Man hat verschiedene Kegel, oder Hoͤhen, die aber in Druck nicht einerley aus- fallen. z. E. wird Cicero auf Mittelkegel gegossen, so lauft sie viel weiter aus, als wenn sie die or- dentliche Hoͤhe, oder Kegel, hat. Sie sieht unge- mein praͤchtig aus, und ist eine Zierde eines Buchs. Pappier und Kosten gehoͤren aber dazu. Keil, sind kleine Stuͤcken Holtz, welche bey nahe vier- eckigt sind, womit der Drucker seine Forme in der Presse feste macht, daß solche nicht fortgehet, oder fortruͤcket. Kladde, oder Klitter und Strazzenbuch, in dieses wird aufgeschrieben, was taͤglich vorfaͤllt, woraus man es alsdenn in das Hauptbuch ordentlich ein- traͤgt. Klopfholtz, ist ein laͤnglicht viereckigtes Stuͤck Holtz, welches so wohl die Setzer, als Drucker, brauchen, auf die Formen zu legen, wenn sie die Littern gleich schlagen wollen. Siehe Tab. I. Knecht, diesen Namen fuͤhrt ein Geselle bey Vollzie- hung eines Postulats. Seine Verrichtung beste- het darinnen, daß er dem Depositori den Cornu- ten uͤberbringen muß. Was er vor Reden dabey im Munde fuͤhrt, kan man oben unter dem Titul Deposition nachsehen. Kornmaaß, ein viereckigtes Kloͤtzgen, welches aus Stahl, oder Meßing bestehet; Man braucht sol- ches in Schriftgiesereyen. Siehe Tab. IV. Krantz, von Stroh, wird gebraucht bey dem Firniß sieden, die Blase darauf zu setzen, wenn man solche vom Feuer nimmt, damit das Oel wegen der kuͤhlen Erde nicht uͤbersteigen moͤge. Siehe Tab. I. N 5 Kro- Krone, Kupferdrucker, Kupferstecher. Krone, heißt das oberste Theil an der Presse, wel- ches sie zusammen haͤlt, und ihr zugleich eine Zier- de giebt. Kupferdrucker, diese Wissenschaft, hat ohne Zwei- fel ihren Anfang, wo nicht zugleich mit der Erfin- dung des Kupferstechens, doch gewißlich nicht lan- ge hernach, genommen, indem man darinnen immer mehrern Vortheil ausgesonnen hat; Es ist hoͤchst- noͤthig, daß ein jeder Kupferstecher selbsten wisse, wie ein guter Druck zu machen, und was darzu er- fordert werde. Die darzu gehoͤrigen Sachen aber sind gut Pappier, eine gute Presse, welche also zu- sammen gerichtet, daß die Waltzen und das dar- zwischen gehende Bret, darauf das Kupfer liegen muß, wohl und accurat auf einander treffen, gute Filtze, und gute Farbe, so zu Franckfurt am Mayn am besten gemacht und verkaufft wird; Der Druck ist also zu machen: Die Farbe muß mit gebrann- ten Lein- oder, welches fast besser ist., mit Nußoel abgerieben werden; Hierauf wird die Platte mit ei- ner gelinden Glut wohl eingeschwaͤrtzt, mit zarten Hadern abgeputzt, alsdenn auf das Bret, und der zu- vor angefeuchtete Bogen Pappier darauf gezogen. Ob nun schon dieses alles dem ersten Ansehen nach sehr leicht, so gehoͤret doch sonderbahrer Fleiß darzu, und sind die radirten Sachen am leichtesten, die ge- stochenen schwehrer, die von schwartzer Arbeit (oder Kunst) am schwehrest- und muͤhsamsten zu drucken. Ein guter Kuͤnstler, wenn er Fleiß und Zeit darauf verwenden will, kan und darf seine Sachen selbst drucken Kupferstecher, ist derjenige, welcher auf ein wohl- polirtes Kupfer allerhand Figuren zierlich zu rei- sen, Kupferstecherkunst, Lade, Ladenvater, ꝛc. sen, und kuͤnstlich einzugraben weiß, daß sie vermit- telst einer Presse auf Pappier koͤnnen abgedruckt werden. Diese abgedruckten Figuren heissen als- denn Kupferstiche. Kupferstecherkunst, ist eine besondere und bewun- dernswuͤrdige Kunst, da allerhand Figuren und Ab- bildungen, wie wir bereits unter vorhergehenden Titul bemercket, auf oder in Kupfer gestochen wer- den. Diese Kunst bestehet gleichsam aus drey be- sondern Kuͤnsten, nemlich Stechen, Radiren, und der so genannten schwartzen Arbeit. Sie ist mit der Buchdruckerkunst sehr nahe verwand, ja sie dienet ihr oͤfters zur Zierde. L Lade, ist bey der Jnnung ein zierlich verfertigter viereckigter, oder laͤnglichter Kasten, worinnen die Privilegia, Briefschaften, wie auch der Vorrath an Geld verschlossen aufbehalten wird. Wird die Lade bey oͤffentlichen Versammlungen eroͤffnet, so bedeutet dieses gleichsam die Hegung des Gerichts, der Ladenvater giebt durch einen Vortrag zu ver- stehen, warum die Versammlung angestellet wor- den, ingleichen wird von Einnahm und Ausgabe Rechnung abgeleget, oder, wenn sonsten von aus- waͤrtigen Gesellschaften etwas eingelaufen, Rath gehalten, und Bescheid ertheilet. Ladenvater, siehe Oberaͤltester. Lagen sind 8. in einander gesteckte abgedruckte Bo- gen, wovon also dreye ein Alphabet ausmachen. Lagen machen, heißt in Druckereyen allemal 8. ge- druckte Bogen in ihrer Ordnung in einander stecken. Laufbret, oder Karn, ist eine Machine bey der Presse, an welcher sich unten die Klammern befinden. Man hat Laufgeld, Lauge, Laugentopf, Leder, ꝛc. hat zweyerley Arten, nemlich zu hohlen und zu er- habnen Schienen. Es liegt solches auf den Unter- balcken Siehe Tab II. Laufgeld geben, heißt man, wenn ein Herr von einem fremden Ort Gesellen verlangt, so uͤberschicket er ent- weder so gleich, oder verwilliget etwas gewisses zu den Reiseunkosten. Lauge, ist ein saltzigtes Wasser, welches vermittelst heisen Wassers aus allerhand Asche gezogen wird, indem das Wasser alle in der Asche steckende Saltze loͤset, an sich ziehet, und mit selbigen sich vereiniget. Bey Druckereyen reiniget man die Schriften da- mit, wenn sie von der Presse kommen, von der daran haͤngenden Farbe. Laugentopf, ist ein Kupfernes Gefaͤß, worinnen die Lauge gekocht wird. Leder, braucht man zu Verfertigung der Ballen. Das gemeinste, so man darzu nimmt, ist das Alaun- oder, halb gewalcktes Kalbleder, welches leztere et- was dauerhafter ist. Lehr, ist die Zeit, welche ein junger Mensch zubringen muß die Kunst zu lernen. Waͤhrender dieser Zeit heißt er. ein Lehrjunge, der sich entschlossen die Kunst zu lernen. Jnsgemein sind bey den Buchdruckern 5. bis 6. Jahr darzu bestimmt. Jedoch es kommt auf die Beschaffenheit der Person auch etwas an, zumal, wenn der Herr einem Jungen wegen Armuth alles anschaffen muß. Ein solcher junger Mensch muß auch zugleich seinem Herrn und Gesellen mit auf- warten. Sind die bestimmten Jahre vorbey, so wird er loßgesprochen, und er tritt alsdenn in den Cornutenstand. Lehr- Lehrherr, Lehrmeister, Leichen machen, ꝛc. Lehrherr, ist derjenige Buchdruckerherr, bey wel- chem ein Lehrjunge seine Jahre ausstehen muß, die Kunst zu lernen. Lehrmeister, was dieser zu verwalten, zeiget der Titul Deposition. Leichen machen, heißt man in Druckereyen, wenn ein Setzer gantze Zeilen im Setzen von dem Manu- script ausengelassen hat. Leisten, werden als eine Zierrath uͤber Vorreden, und Zuschriften, uͤber den Anfang eines Buchs, Dispu- tation, und allerhand Verse gesezt. Sie machen allerdings ein Buch beliebt, wenn der Formenschnei- der seinen Fleiß und Geschicklichkeit dabey bewiesen hat. Meistentheils werden sie aus Birn- oder Buchsbaumholtz verfertiget. Hauptsaͤchlich kommt es darauf an, daß ein Formenschneider eine gute Er- findungskraft besitzet, und alsdenn gehoriger massen Licht und Schatten wohl zu treffen weiß, wie es ihm vorgezeichnet ist. Soll es dunckel werden, so muß der Zeichner dichte und starcke Striche machen, da er hingegen weitlaͤuftigere und zarte Striche zeichnen muß, wenn es hell und licht werden soll. Sollen gerade Striche erscheinen, so muͤssen sie von gleicher Staͤrcke gezeichnet werden. Runde und krumme Schnitte muͤssen frey und nicht furchtsam gefuͤhret werden. Halbrunde Schnitte, dergleichen bey Glo- rien, oder Scheinen, muͤßen immer nach und nach schwaͤcher werden, und sich gleichsam unvermerckt verliehren. Man klagt zwar insgemein, daß die zarten Spitzen gar bald stumpf wuͤrden, und es ist auch wahr; Alleine die Schuld liegt an den For- menschneidern. Haͤtten diese die Spitzen flach und schreg eingeschnitten, so koͤnnte man selbigen allemal wie- Leuchter, Liedlohn, Lieferungszettel, ꝛc. wieder nachhelfen, wenn sie stumpf worden waͤren. So aber werden sie unbrauchbar. Der Formen- schneider bedienet sich zu seiner Arbeit allerhand Mes- sergen von verschiedenen Gattungen, ingleichen aller- hand Bohrer. Das Holtz, worauf die Zeichnung kommt, wird mit Bleyweiß, so in Gummi Wasser abgerieben, gantz duͤnne und gleich uͤberstrichen, und alsdenn die Zeichnung, wenn sie hinten mit Roͤthel zugerichtet, drauf gedruͤcket, welche hernach in das- selbige gegraben wird. Hier ist noch anzumercken, daß die Leisten, gleichwie auch die Finalstoͤcke, mit den Buchstaben, oder Littern, einerley Hoͤhe haben muͤssen. Siehe auch Formenschneider, Finalstoͤcke. Leuchter, soll nur von Holtz gemachet, inwendig mit Bley ausgegossen, und oben, wo das Licht darauf gesteckt wird, mit einem Schuͤßelgen versehen seyn, damit er nicht so leicht umfallen, und keine fette Un- reinigkeit in die Littern kommen kan. Siehe Tab, I. Liedlohn, das verdiente und verdingte Lohn derjeni- gen, welche als ordentliche und gebrodtete Haußge- nossen und Gesinde dienen, ingleichen die als Tage- loͤhner und um einen gesetzten verglichenen Lohn ar- beiten, ohne daß sie zu ihrer Arbeit einer Zuthat noͤ- thig haben. Lieferungszettel, wird dem Fuhrmann gegeben, wel- cher etwas uͤberbracht hat. Man muß in selbigem deutlich angeben, ob es einheimisches, oder fremdes Guth ist. Jm letztern Fall, muß der Werth darzu gesetzet werden. Linie, bey den Columnentitul sollte selbige des Wohl- stands wegen mit einer Petitqvadratzeile gesetzet werden. Werden solche mit Stuͤck-Linien gesetzet, so verursachen sie einen Ubelstand. Lit- Littern, Maculatur, Maͤnngen ꝛc. Littern, siehe Schrift. M. Maculatur, heißt man insgemein gedrucktes Pap- pier, welches entweder verdorben worden, oder son- sten keinen Abgang findet, dahero man solches zu weiter nichts, als zum einpacken gebrauchen kan. Maͤnngen, aufmaͤnngen, heißt man, wenn man ein schon gedrucktes Buch also wiederum aufs neue ab- setzt, daß Columnen mit Columnen accurat mit ei- nander uͤberein kommen. Manual, ist ein Handbuch, wohin alles eingetragen wird, was taͤglich vorfaͤllt. Jns besondere heißt es bey denen, so auf Rechnung sitzen, dasjenige Buch, worein sie ihre taͤgliche Einnahme und Ausgabe schreiben, und alsdenn ihre ordentlichen Rechnungen daraus verfertigen. Manuscript, ist ein mit der Hand geschriebenes Buch. Vor der Erfindung der Buchdruckerey hat man von andern Buͤchern nichts gewust. Hievon haben wir bereits unter dem Wort Buch gehandelt. Martinischmauß, ist eine dergleichen Ergoͤtzung, als der Fastnachtsschmauß, welchen der Herr seinen Gesellen giebt. Mater, cochlea fœmina, ist dasjenige Stuͤck von ei- ner Schraube, worinnen die Spindel, cochlea mas, herum gehet. Bey der Buchdruckerpresse ist diese Mater in den obern Balcken mit zwey Schrauben befestiget, welche insgemein von Meßing gegossen ist. Siehe Tab. II. Matrice, ist ein geschmiedetes und auf einer Seite sehr glatt geschliffenes viereckigtes Stuͤck Kupfer, in wel- ches der Buchstabe, so gegossen werden soll, einge- schlagen, und auf allen Seiten hernach sehr accurat geschlif- Matricul, Meisel, Memorial, ꝛc. geschliffen wird, welches man justiren heißt. Sie- he Tab. IIII. Matricul, heißt auf Universitaͤten dasjenige Buch, in welches die Studenten, Buchdrucker und an- dere dahin gehoͤrige Personen, eingeschrieben wer- den. Wer nun immatriculirt ist, wird als ein Glied, oder Verwandter derselben angesehen, und hat sich ihres Schutzes zu erfreuen. Meisel, ist ein angestaͤhltes eisernes Jnstrument, wel- ches dann und wann ein Heft von Holtz hat Der Buchdrucker braucht solches zu Weghauung der Brillen oder Absatz des Buchstabens. Siehe Tab. II. Memorial, siehe Manual. Meßbesoldung, wird dasjenige Geld genennet, wel- ches ein Geselle von einer Messe bis zur andern bey dem Herrn stehen laͤßt. Messer, braucht der Drucker die Unreinigkeit von den Ballen abzuputzen, wenn er selbige angefeuchtet hat. Montag, ist der andere Tag in der Wochen und hat seine Benennung von Alters her von dem Monde, weil er selbigen gewiedmet war. Bey Zuͤnften und Profeßionen heissen es die Gesellen ein enguten Mon- tag machen, wenn sie die Arbeit liegen lassen, und ih- rer Ergoͤtzung nachgehen. Moͤnchbogen, heißt man einen solchen abgedruckten Bogen, da eine, oder etliche, Columnen aus Verse- hen mit den Ballen gar nicht getroffen worden, und also weiß bleiben. Man nennet es auch einen Moͤnchschlag. Muͤntz-Eisen- und Stahlschneider, haben eine be- wundernswuͤrdige Kunst. Sie muͤssen nicht nur geschickt zeichnen, und in Wachs poußiren, sondern auch in Stahl vornehmlich wohl eingraben koͤnnen. Es Muͤtterlein, Nachdruck, Nachrede. Es wird von ihnen erfordert, daß sie Helmdecken, Wappen, Blumen, Laubwerck, Gebaͤude und Land- schaften wohl vorzustellen wissen, in der Ferne ge- lind, in Vorhang hertzhaft, Luft und Wasser blanck, das uͤbrige aber matt, absonderlich aber die nach dem Leben alleraͤhnlichsten Bilder. Zu dem Stahl brauchen sie allerhand Arten von Grabsticheln und vielerley Puntzen. Die Schrift sencken sie mit Buchstaben, so in Stahl geschnitten, ein, wie man sie verlanget. Jhre Jnstrumenta verfertigen sie sich insgemein selbst. Jnzwischen ist ihre Arbeit, wenn sie auch noch so gut gemacht ist, gleichwohl sehr mißlich, weil sie bey der Einpraͤgung leichtlich springet. Muͤtterlein, ist nichts anders, als was wir oben unter dem Wort Mater beschrieben haben, nur mit dem Unterschied, daß dieses kleiner ist. Siehe Tab. II. N. Nachdruck der Buͤcher, ist leider so bekannt, daß man ihn nicht erst beschreiben darf, ohngeachtet er bey hoher Strafe verbothen ist. Wird etwas von dergleichen Nachdruck eingebracht, so wird es so lange im Arrest behalten, bis die Strafe erleget wor- den, laut allergnaͤdigsten Mandats Johann Georgs, Churfuͤrstens zu Sachsen, den 23. May 1620. Nachrede, oder Epilogus, heißt diejenige Rede mit welcher die Deposition eines Cornutens beschlos- sen wird. Jnsgemein ist es eine Dancksagung, wenigstens sollte es eine seyn, denn dieses ist der End- zweck. Bey Johann Risten steht eine in Versen und eine in Prosa. Man wird mir aber verzeihen, wenn ich sage, daß beyde nicht nach dem Geschmack O unse- Nachredner, Nachschuß. unserer Zeiten eingerichtet seyn. Vielleicht koͤnnte sie also eingerichtet werden: Wohledle, Vorachtbahre, Kunsterfahrne, und Hochgeehrteste Herren, Werthgeschaͤtzte Zuschauer, Sie alle haben uns jetzo ein deutliches Merckmahl von ihrer schaͤtzbaren Freundschaft und Wohlge- wogenheit an den Tag geleget, indem es Jhnen be- liebig gewesen, unserer Handlung nicht nur zahl- reich beyzuwohnen, sondern auch selbiger durch ihre angenehme Gegenwart eine besondere Zierde zu geben. Jch habe Befehl, Jhnen allerseits davor den verbundensten Danck abzustatten, und zugleich ergebenst zu bitten, daß sie alles was gegenwaͤrtig vorgenommen worden nicht uͤbel, sondern zum be- sten, auslegen moͤgen. Denn unsere Absicht dabey ist redlich und aufrichtig, weil wir damit nichts anders anzeigen wollen, als daß ein neuangehender Geselle unserer loͤblichen Kunst allen Untugenden absagen, der Tugend hingegen sich aͤuserst befleißi- gen solle. Werden sie mir demnach die Gefaͤllig- keit erweisen, und meine Bitte Statt finden las- sen; So versichere ich ihnen allerseits, daß wir uns eifrigst bemuͤhen werden, unsere Danckbeflissenheit bey aller Gelegenheit wiederum sehen zu lassen. Leben sie unterdessen wohl und vergnuͤgt: Jch aber habe die Ehre uns alle deroselben Freundschaft und Wohlwollen bestens zu empfehlen. Nachredner, ist derjenige, welcher mit einer kurtzen Rede den Beschluß bey der Deposition macht. Siehe den vorhergehenden Titul. Nachschuß, siehe Zuschuß. No- Noten, Oberaͤltester, Pappier. Noten, sind Zeichen in der Musik, wodurch die Tho- ne ausgedruͤcket werden. Wie solche in Drucke- reyen zu setzen, kan man p. 142. sehen. O. Oberaͤltester, oder Ladenvater, ist derjenige Buch- druckerherr, welcher jaͤhrlich beym Ostergeneralsitz von der gantzen loͤblichen Gesellschaft erwehlet wird, daß er die Lade in Verwahrung behalte, uͤber Einnahm und Ausgabe richtige Rechnung fuͤh- re, und solche der saͤmmtlichen Gesellschafft jaͤhrlich bey Niederlegung seines Amts abstatte, ingleichen auch bey Eroͤfnung der Lade den Vortrag thue. P. Pappier, ein feines Blat, kuͤnstlich zubereitet, darauf man schreiben kan. Der Zeug, woraus Pappier gemacht wird, sind alte Lumpen, oder Hadern, die zu solchem Ende unter einem besondern Privilegio in Staͤdten und auf dem Lande durch die Haderlum- pen Kraͤmer aufgesucht werden, und ist niemand befugt, uͤber den ihm vorgeschriebenen Kreiß in eines andern Graͤntze uͤberzutreten. Wie alt die Kunst sey, ist nicht eigentlich bekannt, indem ihre Erfindung von einigen in das funfzehende, von andern aber mit mehrerm Grund zuruͤck in das vierzehende Jahrhundert gesetzet wird. Der Ort, wo es berei- tet wird, wird die Pappiermuͤhle, und der Meister, so es bereitet, ein Pappiermacher genannt. Die Art und Weise ist folgende: Die Hadern, oder alte Lumpen, werden in der Muͤhle ausgesucht, und nach ihrer Feine besonders gelegt, zu unterschiedenen Gattungen des Pappiers angewendet zu werden. Jede Sorte wird besonders eingenetzt, und uͤber ein- ander gelegt, biß sie zur Faͤulung kommen, alsdenn O 2 mit Pappier. mit dem Hadermesser gehackt, nachmals einge- feucht, und wieder gehackt, bis sie gut sind, auf dem Geschirre gestampfet, und zu Zeug gemacht werden. Das sogenannte Geschirre bestehet in einem star- cken Loͤcherbaum, oder dicken Bloch, in welchem grosse langrunde Loͤcher ausgehoͤlet, und mit Blat- ten, d. i Schalenformigen Eisen, ausgelegt, in wel- che die Stampfen einfallen. Diese sind mit beschla- genen Keilen, welche an der Schwinge befestiget, versehen, welche die Gestalt eines Hammers haben. Die Schwinge wird an den Hinterstauden mit ei- nem eisernen Boltzen, an dem sie sich bewegen kan, forne aber zwischen den Vordernstauden also ge- halten, daß sie sich nicht verruͤcken kan, und durch die in den Wellbaum des Wasserrades steckenden He- bels dergestalt in die Hoͤhe gehoben, daß sie im Her- abfallen das Stampfen verrichtet. Die zerhackte Hadern werden eingetragen, d. i. in das Geschirr gethan, und wenn sie 24. Stunden gestampfet wor- den, geleeret, d. i. mit dem Leerbecher aus dem Ge- schirre geraffet, in das Leerfaß gefasset und weg- getragen. Dieses heisset halber Zeug, welcher nach- gehends wieder eingetragen, und so lange gestampf- fet wird, bis er es genug hat, und dann heisset er gan- tzer Zeug. Derselbe wird in den Zeugkasten, so von Bretern zusammen geschlagen, geschaffet, in Hauffen gelegt, und mit der Zeugpritsche derb ge- schlagen. Von dannen wird das noͤthige genom- men, in dem Buͤttloch, d. i. einem grossen Trog, in Wasser zerlassen, in die Butte, d. i. ein grosses Faß, in welchem eine kupferne Blase eingerichtet, durch da- rein gelegtes Feuer, den Zeug aufzuwaͤrmen, gestuͤr- tzet, mit der Buͤttkruͤcke nothduͤrfftig umgeruͤhret, durch Pappier. durch den Buͤttknecht mit der Forme, welches ein hoͤltzerner Rahm, von beliebter Groͤsse, an einer Seite mit feinem meßingen Drath, worein das Zei- chen mit angefuͤgt, uͤberzogen, geschoͤpffet, also, daß die Forme bloß in den Zeug getuncket, und was da- ran hangen blieben, nachdem das Wasser abgelauf- fen, von der Form auf den Filtz, den der Gautscher auf dem Gautschbret vor sich hat, gedrucket werde, so lange bis daß 7. Buch erfuͤllet werden, welche einen Buscht ausmachen. Dieses wird in die Presse ge- bracht, das Wasser wohl daraus gedruckt, folgends das Pappier geleget, d. i. die von dem Filtz nach ein- ander abgenommene Bogen, durch den Leger auf ein Bret gebracht, vermittelst der Schleppe, so ein Bretlein mit Tuch uͤberzogen, gleich auf einander gebuscht, und Rießweise zusammen gelegt, von dan- nen an den Ort, wo zu solchem Ende eine Menge haͤ- rene Stricklein ausgespannet sind, gebracht, und daran aufgehaͤnget, bis sie wohl getrocknet, hierauf geschelet, d. i. Bogenweise von einander gesondert, und endlich sortiret; So weit gehet die Arbeit mit dem Druck- und allerley Pack- oder Loͤschpappier zum Schreibpappier gehoͤret ferner, daß es ge- netzt, d. i. in dem Leimitaͤnder durch Leimwasser gezogen, hierauf geworffen, d. i. Bogenweise aus einander genommen, und mit dem Creutz aufgehan- gen, zum zweyten mal in Leim, oder Alaunwasser durchzogen, und wieder getrocknet, unter der Schlagstampfe, welches ein schwerer an das Wasser gerichteter Hammer, oder mit einem Glett- stein auf der Glettplatte glatt gemacht, endlich sor- tiret, der Ausschuß, d. i. zerrissene, oder sonst untuͤch- tige, Bogen ausgeworffen, und darvon gethan, das O 3 uͤbri- Pappier. uͤbrige in Buͤcher und Rieße zusammen geschlagen werde. Ein Buch Schreibpappier hat 24. Druck- pappier 25. Bogen, ein Rieß 20. Buch, und ein Ballen 10. Rieß. Ein Pappiermacher muß 4. Jahr und 14. Tage in der Lehre stehen, wenn er aus- gelernet und loßgesprochen wird, gibt er einen Lehr- Braten, d. i. eine Mahlzeit. Nachdem Unterscheid der Arbeit bekommen die Gesellen verschiedene Na- men, derer einige schon angefuͤhrt. Ein Meister- knecht ist, der an statt des Meisters eine Werckstatt versorget. Der Muͤhlbereiter hat acht auf die Geschirre, daß sie gehoͤrig versorget werden. Son- derlich theilen sich die Pappiermacher in Stampf- fer und Glaͤtter: Jene lgaͤtten ihr Pappier unter der Schlagstampfe, diese Bogenweise mit einem Stein, oder zugerichteten Holtz. Sie duͤrffen nicht laͤnger als 14. Tage bey einander arbeiten, und wenn jemand von der einem Zunft zu der andern uͤbergehen will, muß er sich einkauffen. Wenn ein Gesell eines ehrenruͤhrigen Verbrechens schuldig worden, wird er aus dem Handwerck verstossen, und kan nicht wieder darein aufgenommen werden. Das Pappier ist mancherley. Nach seiner Groͤsse theilet es sich 1) in Regalpappier, so aus gar gros- sen Lagen bestehet, die zu Landkarten u. d. g. ge- brauchet werden: 2) in Medianpappier, so das Mittel haͤlt, zwischen dem vorhergehenden und dem 3) ordinairen, oder gemeinen, welches an Groͤsse auch unterschieden; und endlich 4) in Cavalierpappier welches das kleineste, und bloß zu Briefschreiben die- net Nach seinem Gebrauch wird es unterschieden in Schreibe-Druck-Pack Loͤsch u d. g. Pappier. Das erste ist nach seiner verschiedenen Guͤte fein Post- Pappier. Postpappier, gemein Schreibpappier von ver- schiedenen Sorten, Cantzleypappier, so zu reinen Schriften, Conceptpappier, so das geringste, und zu Concepten in Cantzleyen und Schreibestuben ge- braucht wird. Druckpappier ist, welches nicht ge- leimt, daher es durchschlaͤgt, und allein zu Druck- schriften dienet; Packpappier ist weiß grau, oder blau, und dienet allerley Waaren einzuschlagen; Loͤschpappier, oder Schrentz, ist das geringste und dient in den Apothecken zu Teuten und zum einwi- ckeln. Vor der Erfindung unsers Pappiers wur- den feine Rinden von gewissen Baͤumen gebraucht, sonderlich aber die Blaͤtter von dem Egyptischen Schilf, Papyrus geheissen; Die Chineser machen ihr Pappier aus Blaͤttern von Bambusrohr, aus Lumpen von Baumwollen, und aus Seiden. Das baumwollene ist an Guͤte dem Frantzoͤsischen gleich, das seidene aber so fein, daß es mehrentheils nur auf einer Seite kan beschrieben werden. Die Ma- leyen und ihre Nachbarn schreiben mit einem eiser- nen Griffel auf die Blaͤtter eines Baums, den sie Ma- carequeau nennen, und ein Geschlecht der Palmen ist, die daraus zugeschnittene Blaͤtter, oder Taͤfelein, durchbohren sie in der Mitte, und ziehen dadurch eine seidene Schnur, welches also ihre Buͤcher sind. Die Perser machen ihr Pappier von Cattunlumpen, und glaͤtten es rein mit einem Steine, oder Muschel. Der Einwohner auf der Jnsel Madagascar Pappier ist gelb, und wird aus dem Bast des Baums Abo, bey nahe wie bey uns, bereitet, aus welchem Bast auch ein Garn, so zart wie Seide, gesponnen wird. Die Tuͤrcken, wenn sie ein beschriebenes Blaͤttlein O 4 Pap- Pappier. Pappier an der Erden finden, heben es ehrerbietig auf, und legen es an einen saubern Ort, damit, wenn etwa der Name GOttes darauf geschrieben waͤre, derselbe nicht entehret werde. Das Frantzoͤsische Pappier ist wegen seiner Weise, Feine und Festigkeit, welche Tugenden es zugleich an sich hat, vor allen andern beruͤhmt, und wird ein unglaublicher star- cker Handel damit getrieben. Pappierabgaben, so wohl beym Aus-als Eingang, wie viel zu geben, siehe den kurtzen Unterricht, p. 140. ‒ feuchten, heißt in der Druckerey, wenn man sel- biges halbe Buch weiß durchs Wasser ziehet; Es wird hernach allemal ein halbes Buch trockenes dar- zwischen gelegt und mit Steinen eingeschwehrt, da- mit sichs durchziehet. Beym Schreibpappier wer- den nur 6. Bogen auf einmal genommen. ‒ Haͤndler, sollen kein Pappier auserhalb Landes verschaffen, laut allergnaͤdigsten Mandats vom 8. Novembr. 1704. ‒ Jmpost, wie viel vom Stempelpappier so wohl, als vom Schreib-Druck- und andern Pappier gege- ben werden muß, lehret ein besonderes Ausschreiben von Jhro Koͤnigl. Majest. Friedrich Augusti II. vom 17. Junii 1700. Um das Stempelpappier wollen wir uns hier nicht bekuͤmmern, weil es vor die Her- ren Rechtsgelehrten gehoͤret; Vom ungestempel- ren Pappier aber muß ein jeder innlaͤndischer Pappiermacher sogleich auf der Pappiermuͤhle nach seiner Pflicht dem hierzu bestellten Einnehmer abgeben: Von einem Buch Post- und Cantzleypap- pier 3. Pf. thut ein Rieß 5. Gr. Von einem Buch Schreib- Pappier. Schreib- oder Conceptpappier 2. Pf. thut ein Rieß 3. Gr. 4. Pf. Von einem Buch gemein Druckpap- pier, ingleichen Maculatur und Ausschuß einen Pf. thut ein Rieß 1. Gr. 8. Pf. Von einem Buch fein Schreib-Median- und Realpappier 1. Gr. thut ein Rieß 20. Gr. Alle diese Abgaben schlaͤgt alsdenn der Pappiermuͤller auf sein Pappier, und die Kaͤu- fer muͤssen ihm also dieselbigen wieder mit bezah- len. Was aber Ballenweise aus dem Lande ge- het ist von diesen Jmposten frey. Pappiermuͤhle ein Gebaͤu mit seinem Zubehoͤr, Pap- pier daselbst zu machen. Es wird dazu erfordert die Muͤhle mit ihrem Rade und Geschirre, die Werckstube, eine besondere Stelle fuͤr die Lum- penfaͤule, eine Leimkuͤche, eine Glaͤttstube, Was- ser, und Haͤngboden, welche geraum seyn muͤssen, nachdem des Pappiers viel gemacht wird, auser den Wohnungen fuͤr Meister und Gesellen. Eine Pap- piermuͤhle bedarf einen starcken Wasserfluß, und ein reines weiches Wasser, wenn anderst das Pappier schoͤn weiß, und gut gerathen soll; Und weil es eine kostbare Arbeit, davon der Gewinn auf den starcken Vertrieb beruhet, so mag eine Pappiermuͤhle schwerlich mit Vortheil angeleget werden, wo man nicht der Tuͤchtigkeit des Wassers, eines genugsamen Vorraths an Hadern, und eines zulaͤnglichen Ab- gangs versichert ist. Jn Holland findet man Muͤh- len, da der Zeug nicht durch Stampfen, sondern mit mehrerm Vortheil durch reiben bereitet wird. ‒ Spaͤhne, sind diejenigen Abschnitte von den Buͤ- chern, welche die Buchbinder machen, sie verkaufen solche hernach an die Pappiermacher. O 5 Pap- Pappier, Pasquille, Pergamentirer. Pappierumschlagen, heißt diejenige Handlung in der Druckerey, wenn man das gefeuchtete Pappier untersucht, ob es an jedem Ort gleiche Feuchtig- keit hat, wo nicht, so wird ihm mit einem Schwamm voll Wassers nachgeholfen und vom neuen wieder eingeschwehret. Pasquille, sind solche Schriften, die man ohne seinem Nahmen zu Beschimpfung anderer heraus giebt, und darinnen ihnen allerhand Schandthaten vor- ruͤcket. Buchdrucker sollen dergleichen Schriften nicht drucken, laut ergangenen Befehls Hertzog Moritzens zu Sachsen vom 10. Jan. 1549. in- gleichen Johann Georgens III, vom 5. Decembr. 1683. Friedrich Augustens II, Koͤnigs in Pohlen und Churfuͤrstens zu Sachsen vom 18. Mertz 1702. Pergamentirer, heißt derjenige, welcher aus Kalb- Schaaf- oder Ziegenfell Pergament auf eine be- sondere Weise durch Beitzung des Kalches verfer- tiget. Das Pergament hat seinen Namen von Pergamo, einer Stadt in klein Asien, bekommen, weil sich derselben Koͤnige des Pergaments am er- sten bedienet, darauf zu schreiben. Das feine Pergament, welches sehr zart und rein seyn muß, und sonsten auch Jungfernpergament genennet wird, dienet zu allerley Schriften, welche von einer langen Dauer seyn sollen, zum Exempel, Privilegia, Lehnbriefe u. d. g. darauf zu schreiben Das ge- meine Pergament, so auf einer Seite rauch, auf der andern aber geglaͤttet ist, wird zum Buͤcherein- binden gebrauchet. Bey Buchdruckereyen wird von einer solchen Haut der Deckel an der Presse damit uͤberzogen. Will man Schreibtafeln da- von Pfaffe, Pfaͤnngen, Pfuscher, ꝛc. von machen, so muß es besonders darzu zubereitet werden. Pfaffe, heißt nach altem Gebrauch der Lehrmeister, welcher bey Bestaͤtigung eines neuen Gesellens demselbigen guten Unterricht ertheilet, wie er sich kuͤnftig in solchem Stand auffuͤhren soll. Wie dieser seine Lehren einrichten koͤnne, haben wir be- reits unter dem Titul Lehrmeister angemercket. Pfaͤnngen, ist insgemein vom Stahl, worinnen der Zapfen von der Spindel gehet. Siehe Tab. II. Pfuscher, oder Hudler, ist ein ungeschickter Mensch, der seine Kunst nicht ordentlich und bey einem recht- maͤßigen Herrn erlernet, und die gesetzten Jahre gebuͤhrend ausgestanden hat. Oder, ein solcher Mensch, der sich den gehoͤrigen Ordnungen und Ge- braͤuchen bey Profeßionen nicht unterwuͤrfig ma- chen will. Postulatvater, wird derjenige genennet, bey welchem ein Postulat verrichtet wird. Er muß Sorge tra- gen, daß die darzu gehoͤrigen Personen mit Speiß und Tranck versehen werden. Ohne einem Postu- latvater kan kein Postulat vor sich gehen. Jn Er- mangelung eines Zeugens kan er dessen Stelle vertreten. Postuliren, heißt man denjenigen eingefuͤhrten Ge- brauch bey den Buchdruckern, wenn sie einen Cor- nuten, nachdem er vorhero bey einer Gesellschaft darum gebuͤhrend angehalten, zum Gesellen ma- chen und bestaͤtigen. Hat nun ein Cornute die Bestaͤtigung erhalten, so genieset er hernach eben das Recht, als andere Gesellen bereits haben. Zu dieser Handlung gehoͤren fuͤnff tuͤchtige Personen, als Presse. als der Pfaffe, oder Lehrmeister, Depositor, Knecht, und zwey Zeugen. Siehe auch Deposition. Presse, ist eine bekannte Machine, welche eines von den noͤthigsten Stuͤcken in Druckereyen ist. Wir ha- ben selbige nach verjuͤngtem Maaßstab in Kupfer deutlich vorgestellet. Nunmehro wollen wir sie auch kuͤrtzlich mit allen dazu gehoͤrigen Stuͤcken deutlich beschreiben, wie sie sich auf unserer Tab. III. befin- den. Es bestehet aber selbige aus zwey Waͤnden A. und zwey Balcken, als Ober- B. und Unter-Balcken C. die Waͤnde sind mit Fuͤssen versehen D. An der Seite befindet sich das Gestelle, an der einem Wand E. worauf der Farbenstein G. ruhet; Jn die Preß- waͤnde ist die Bruͤcke F. so aus zweyen stuͤcken Holtz bestehet, eingelassen, in dem Oberbalcken, besindet sich ein rundes Loch H. worinnen die Meßinge Mater lie- get, zwischen der Bruͤcke gehet die Buͤchse I. durch welche 4. Hacken I. gehen, woran der Tiegel L. fest gemacht wird, welcher gleichfalls 4. Hacken I. hat, und mit Klaffterschnuren K. angebunden ist; Oben an der Presse befindet sich die Crone M. an der Seite der lincken Preßwand die Ballknechte, N. an dem eisernen Bengel P. befindet sich die hoͤltzerne Scheide O. und wird solcher durch eine Fluͤgelschraube Q. be- festiget, an der Spindel, R. ist das Gestelle, an der andern Wand worauf das Hintertheil des Farben- steins ruhet. S. sind die 2. Balcken, worauf die Schie- nen sich befinden. T. ist die Gorbel, so ein langes rundes Eisen, woran die Waltze X. sich befindet, V. ist der Karren mit dem Laufbret. W. ist der Deckel der mit der Pergament Haut umgeben. Z. ist der Kalgen, worauf selbiger ruhet. Preß- Preßbuͤrste, Privilegia, ꝛc. Preßbuͤrste, brauchet man die Unreinigkeiten, welche auf die Forme gefallen, wegzunehmen. Privilegia, sind besondere Freyheiten, oder Begnadi- gungen, welche hohe Potentaten eintzelnen Perso- nen und Gesellschaften angedeyhen lassen. Der- gleichen Kayser Friedrich III, den Buchdruckern er- theilet. Siehe den Entwurf von Erfindung der Buchdruckerkunst p. 6. Jnsgemein werden den Buchdruckern zweyerley Privilegia gegeben. Ein mal, in Ansehung ihres Aufenthalts, oder Aufrich- tung ihrer Officinen. Denn es giebt Oerter, wo die Officinen auf eine gewisse Anzahl gesetzt sind. Zum andern aber bekommen Buchdrucker, wie Buch- haͤndler, Privilegia uͤber ihre gedruckte Buͤcher, we- gen des Nachdruckes, wenn solche gebuͤhrend gesu- chet werden. Es sind aber solche nicht auf immer- waͤhrend, sondern gemeiniglich nur auf eine gewisse Zeit bestimmt, laut des allergnaͤdigstens Rescripts Johann Georgs Churfuͤrstens zu Sachsen vom 5. Jul. 1635. Jst selbige Zeit zu Ende, so ist auch das Privilegium aus, und es verfaͤllt solches, wo es nicht vom neuen wieder gesucht und erhalten wird. Privilegirte Buͤcher, muͤssen ohne Saumseeligkeit in Sachsen in das Ober-Consiorium bey Strafe einge- sendet werden, laut allergnaͤdigsten Befehls Churfuͤr- sten Christians II zu Sachsen vom 18. Aug. 1609. Prologus, wird diejenige Rede genennet, welche ge- halten wird, ehe man die Deposition eines Cornu- tens anfaͤngt. Der Jnnhalt derselben ist will- kuͤhrlich, insgemein aber ist es eine kurtze Lobrede auß die Buchdruckerey. Wie solche ungefehr eingerich- tet werden koͤnne, wird ein Versuch lehren, welcher sich unter dem Titul Vorredner befindet. Pun- Puncturen, Puncturzangen, ꝛc. Puncturen, sind zwey spitzige Eisen an dem Deckel der Buchdruckerpresse, an welche der Bogen eingesto- chen wird, damit er sich nicht verruͤcken kan, wenn er uͤber die Forme geschlagen wird. Puncturzangen, siehe Zange. Putzen, heißt in Buchdruckereyen die Littern von der Farbe reinigen, wenn von derselben gar zuviel dar- auf gebracht worden ist, daß man sie nicht einmal unterscheiden kan. R. Rahme, ist ordentlich Leistenwerck, worein etwas ein- gefasset, aufgespannet, oder damit umgeben wird. Bey Buchdruckereyen ist die Rahm von Eisen und viereckigt gemacht, in welche die Columnen eingesetzt und mit Schrauben zusammen geschlossen werden. Siehe Tab. II. Rahmeisen, sind die zwey Eisen, so bey den Schrau- ben liegen und von selbigen zum Antreiben regiret werden, die Forme, oder Schrift, fest zu schrauben. Siehe Tab. II. Raͤhmgen, ist ebenfalls ein eiserner Rahm an dem De- ckel mit zwey Gewinden angemacht, welches die ge- druckten Bogen fest haͤlt, damit selbige bey Nieder- legung des Deckels nicht herausfallen koͤnnen. Das Eisen wird mit Pappier umkleistert und nach der im Fundament liegenden Forme gleich ausgeschnitten, damit dasjenige weiß bleibet, wo keine Littern, oder Schrift, hinkommen soll. Rechnen, geschiehet meistentheils alle 14. bey einigen aber, alle 8. Tage, da ein Herr in Augenschein nimmt, was der Geselle verfertiget hat. Da denn der Setzer seine Formen, der Drucker aber seine Rechenbogen darbringet und beyde den noch zu for- dernden Rechenbogen, Regal, Register. dernden Rest des Geldes bis zur Meß sich anmer- cken lassen, welches alsdenn Meßbesoldung genen- net wird. Rechenbogen, werden diejenigen abgedruckten Bo- gen genennet, welche ein Drucker liefert und darauf anmerckt, wie starck die Auflage von jedem gewesen, wodurch er seine verfertigte Arbeit zugleich beweißt. Regal, ein von Holtz gemachtes Gestelle, worauf die Setzerkaͤsten ruhen. Siehe Tab. I. Regal worauf die Formen gesetzt werden. Siehe For- menregal, und Tab. I. Register, ist ein Buch, in welches bey Handlungen die Briefe, und alles noͤthige mehr in eine alphabetische Ordnung eingetragen wird, daß man selbige bey ereignenden Fall gleich nachzusuchen weiß. Son- sten ist das Register bey einem Buch ein alphabeti- sches Verzeichniß aller abgehandelten Sachen. Register halten, wird von den Buchdruckern erfor- dert, daß jede Seite, oder Columne, genau mit einander uͤbereinkommen. Reibestein, nebst dem Loͤser, wird bey Druckung ei- nes rothen Tituls gebraucht, damit der Zinnober unter den Firniß zubereitet wird. Siehe Tab. II. Revidiren, was es sey, und wenn es geschehen muß, lehret der wohlmeynende Unterricht, p. 111. Revisionsbogen, uͤberreicht der Drucker dem Se- tzer, ehe er fort drucket, damit er solchen noch ein- mal genau uͤbersehen moͤge, ob alles richtig cor- rigirt sey. Es kan von Rechtswegen nicht eher mit dem Abdruck fortgefahren werden, als bis die- ses geschehen. Riemen, sind von gutem Leder abgeschnittene Strei- fe, welche unten an der Welle fest gemacht und um- schlun- Roͤthelkaͤstlein, Rothgieser, Ruß, ꝛc. schlungen werden, ein Ende davon an das Lauf- bret, das andere aber hinten an der Presse, den Karn damit hinein und wieder heraus zu treiben. Siehe Tab. II. Roͤthelkaͤstlein, ist dem Setzer zu seiner Bequem- lichkeit in das Tenackel gemacht. Siehe Tab. I. Rothgieser, ist derjenige, welcher aus geschmoltzenen Metallen in gewisse Formen allerley Dinge zu gie- sen weiß. Diese Wissenschaft ist sehr alt, und schon zu Moses Zeiten bekannt gewesen. Bey Drucke- reyen gieset er die Spindel und Mater, als ein noth- wendiges Stuͤck von der Presse. Es muß aber sehr accurat seyn. Siehe Tab. II. Ruß, Kienruß, heißt der irrdische und fluͤchtige Theil, welcher von den durch das Feuer verzehrten Din- gen in den Rauch steiget, und sich im Rauchfange an- setzet. Es giebt besondere Rußhuͤtten, da selbiger gesammlet und alsdenn verfuͤhret wird. Bey Buch- druckereyen bedienet man sich selbigens die Farbe damit zu machen, oder ihn unter den Firniß zu mi- schen. Er muß aber rein seyn, so viel als nur moͤg- lich ist, sonst macht er die Formen und Druck zu schanden. S. Saͤge, ein bekanntes Werckzeug. Zu dessen Erfin- dung soll eine Schlange, oder Fischkiefer, Gelegen- heit gegeben haben, weil man wahrgenommen, in- dem man damit von ungefehr Holtz gerieben, daß die Zaͤhne tief einschnitten. Siehe Tab. II. Scheer, ist ein Jnstrument von Stahl, oder doch we- nigstens angestaͤhlt, und zum schneiden zubereitet. Siehe Tab. II. Schie- Schienen, Schiff, Schiffvortheil, ꝛc. Schienen, sind von Eisen verfertiget, worauf das Laufbret, vermoͤge der Waltzen, gehet. Man hat zweyerley Arten, nemlich hohle und erhabene. Die hohlen sind wohl die nuͤtzlichsten, weil die Verschwen- dung des Baumoͤls nicht so groß ist, als bey den erhabenen. Schiff, heißt bey Druckereyen dasjenige Jnstrument von Holtz, worinnen der Setzer die Columnen ver- fertiget, mit Bindfaden, oder sogenannten Colum- nenschnur, ausbindet und solche durch Huͤlfe der in Schiff sich befindlichen Schiffzunge aufs Bret brin- get. Siehe Tab. I. Schiff, Vortheil-, heißt dasjenige Schiff, worein der Setzer dasjenige setzet, was im vorhergehenden Bo- gen schon gesetzt ist, und in dem andern wieder ge- braucht werden kan Siehe Tab. I. Schließnagel, heißt dasjenige eiserne Jnstrument, womit der Setzer und Drucker die an der Rahm be- findlichen Schrauben anziehen kan. Siehe T. I. \& II. Schloͤsser, oder Kleinschmid, welcher Schloͤsser und andere Beschlaͤge, oder auch sonst allerhand gefeilte Schmiedearbeit, wodurch er sich von Grobschmidten unterscheidet, verfertiget, die dann und wann sehr kuͤnstlich ist. Bey Buchdruckereyen ist er unentbehr- lich absonderlich bey Bauung einer Presse, und bey Verfertigung einer guten Rahme. Schluͤssel zum Muͤttergen, ist dasjenige eiserne Jn- strument, womit man selbiges zudrehet. Siehe T. II. Schnalle, ist ebenfalls von Eisen, damit das Raͤhm- gen an Deckel fest gemacht wird, damit das hinein gelegte Pappier nicht heraus fallen kan. S. Tab. II. Schoͤndruck, nennet man den Abdruck der ersten Forme, oder Seite, eines gantzen Bogens. P Schrau- Schrauben, Schraubenstock, ꝛc. Schrauben, sind in der Mechanik einfache Machinen, oder Ruͤstzeuge, in Gestalt eines Cylinders, um wel- che gleichsam eine schiefliegende Flaͤche herum ge- wunden ist, die man die Gaͤnge zu nennen pflegt. Wenn diese Gewinde an dem Cylinder befindlich sind: so heißt man sie schlechterdings die Schraube, und den Cylinder die Spindel; Sind aber die Gaͤn- ge inwendig in der hohlen Flaͤche eines ausgehoͤhl- ten Cylinders: so nennet man sie die Schrauben- mutter, oder nur schlechterdings, die Mutter. Derselben braucht man in Druckereyen bey den Rahmen und der Presse. Jedoch sind selbige von einander unterschieden. Siehe Tab. II. Schraubenstock, hat zwey Balcken, welche unten mit einem Gelenck zu sammen halten, in der Mitte durch eine Feder von einander gesperret werden, und oben mit zwey wohl auf einander schliesenden Enden das Maul machen, darzwischen die Arbeit gefasset, und vermittelst der Stockschraube mit dem Schluͤssel fest eingeklemmet wird. Die großen sind an der Werck- statt befestiget, die kleinen werden in der Hand ge- halten, dahero sie auch Handstoͤcklein heißen. Sie- he Tab. IV. Schraubenzieher, ist dasjenige Jnstrument, womit man die Schrauben weiter hinein schraubet, wenn man selbigen sonsten nicht beykommen kan. Sie- he Tab. II. Schriftprobe, siehe p. 145. sqq. Schwamm, desselben bedienet man sich in Drucke- reyen beym Formenwaschen. Siehe Tab. II. Setzer, ist in der Druckerey derjenige, welcher aus dem ihm vorgelegten Exemplar die Littern in Zei- len, Columnen und gantze Formen absetzet; Und wenn Setzerinstrumenta, Setzbret, ꝛc. wenn solche abgedruckt, sie wiederum in ihre gehoͤrige Kaͤsten einleget. Setzerinstrumenta, diese werden alle auf gegenwaͤr- tiger Tab. I, nach beyliegendem verjuͤngten Maaß- stab zu sehen, und jedes Namen dabey zu lesen seyn. Wir haben bereits jedes ins besondere un- ter seinem Anfangsbuchstaben beschrieben, einige aber davon werden noch beschrieben werden. Un- sere Vorfahren haben diese Jnstrumenta alle mit einander in Verse gebracht, welche wir unsern Le- sern nicht mißgoͤnnen, sondern mittheilen, wollen. Sie heissen aber also: Der Setzer darf Diviß, Tenackel, Ahl, und Schiffe. Viel kleine Faͤchelein, darinn er manche Griffe Thut, eh der Winckelhack macht die Colum- nen voll; Er weiß was er vor Schrift zu jedem brauchen soll. Und schreibt in schneller Eil, daß man sich wun- dern muß, Durch Eisen Ertzt und Stahl mit Oel ver- mengten Ruß. Ein Abdruck allererst giebt er zu uͤberlesen Dem, ders verbessern soll, und wenn es recht ge- wesen, Macht er den Schoͤndruck, drauf des Wieder- drucks Format, Und diß kommt alles her aus eines Teutschen Rath. Setzbret, ist ein Bret, worauf der Setzer die Colum- nen, wenn er solche vorhero im Schiffe zubereitet, se- tzet, oder ausschlieset. Siehe Tab. I. P 2 Setz- Setzlinie, Signatur, Spatel, ꝛc. Setzlinie, ist von Meßing, oder andern Blech, verfer- tiget. Es dienet solche dazu, daß, wenn der Setzer eine Zeile in den Winckelhacken ausgeschlossen, er solche dazwischen leget, weil ihm sonst die erste Zeile leichtlich verhindern koͤnnte. Siehe Tab. I. Signatur, heissen die Buchdrucker denjenigen Buch- staben, welchen sie nach der Ordnung des Alpha- bets unter die erste Columne eines jeden Bogens se- tzen. Jst die Anzahl der gedruckten Bogen starck, so fangen sie wieder von fornen an, jedoch mit dem Unterschied, daß sie alsdenn das a, und so fort, zwey, hernach drey- und mehrfach, so viel als noͤthig, wie- derholen. Es ist dieses hoͤchst noͤthig, damit der Buchbinder die Bogen nicht mit einander verwech- seln, und man in kurtzer Zeit uͤbersehen kan, welches collationiren heißt, ob das Buch richtig, oder de- fect, sey. Spatel, ein Werckzeug von Holtz, an einem Ende blatt und etwas breit, mit einem Stiel. Die Dru- cker bedienen sich desselben bey Vermischung des Firnisses mit dem Ruß. Siehe Tab. II. Spatium, ist eigentlich der Raum uͤber, oder unter, der Columne. Es darf solcher, wenn ihn der Buch- drucker beschnitten, niemals schmaͤler, als der Steg, wohl aber breiter, seyn. Das Spatium rechter Hand der Columne soll wenigstens noch halb, oder noch einmal so breit, als der Steg seyn. Denn die- ses giebt dem Buch nicht nur eine Zierde, sondern es ist auch nuͤtzlich, daß man sich hernach etwas darauf anmercken kan. Unterdessen kommt viel aufs Pap- pier an. Sonsten heißen auch gegossene Stuͤckgen von Metall, worauf nichts geschnitten, Spatia, welche zwischen die Woͤrter gesetzet werden. Spieß, Spieß, Spindel, Stege. Spieß, wird ein Spatium genannt, wenn es sich in die Hoͤhe begeben und mit abgedrucket worden. Es macht einen Ubelstand, wenn solche stehen bleiben, welchem aber fleißige Correctores abhelfen koͤnnen. Spindel, was sie sey, kan man unter dem Titul Schraube lesen. Jedoch wir muͤssen sie hier noch etwas deutlicher, als das erste Hauptstuͤck an der Presse, beschreiben. Es wird selbige von Meßing, oder von gutem Eisen gemacht. Die Schraube K. ist mit drey biß 4. Gewinden, oder Schweifen versehen, die sich neben einander zugleich hinauf kruͤmmen, damit ihre Bewegung desto geschwinder auf und herunter gehe. Denn waͤre sie nicht also ge- macht, sondern haͤtte wie die gewoͤhnlichen Schrau- ben, nur ein eintziges Gewinde, so wuͤrde sie viel langsamer beweget werden, ja nach dem Gesetz der Bewegung erfolgen, daß, wenn der Buchdrucker mit dem Bengel P. jene Schraube einmal, diese nothwendig drey, oder vier mal, herum ziehen muͤste. Wenn diese vierfache Schraube nach der Kunst gedrehet, so wird uͤber dieselbe eine Huͤlse, oder, wie man es nennet, eine Mutter aus Metall gegos- sen. Laͤsset sich nun die Spindel, nach dem der Guß uͤber die Schrauben gefallen, nicht aus der gegossenen Mutter herauswinden, so ist es eine An- zeigung, daß die Leitspindel nicht recht nach dem Circul getheilet, und folgends die Gewinde in dersel- ben nicht just eingeschnitten worden. Jngleichen befinden sich darinnen viereckigte Loͤcher, worein der Bengel gesteckt wird. Stege, sind von Holtz bereitet und werden zwischen die Columnen eingetheilt. Sie sind dreyerley Gat- tung: Mittel-Creutz- und Bundstege. Nach Be- P 3 schaf- Stellschraube, Stempel, ꝛc. schaffenheit des Formats sind sie wiederum von ver- schiedener Groͤße. Bey Duodez sollen sie nie unter ein und einem viertel Zoll, bey Octav nie unter drey und einem achtel Zoll, bey Qvart nie unter ein und einem halben Zoll, bey Medianoctav und Qvart nie unter fuͤnff und einem viertel Zoll und bey Folio nie unter drey und einem viertel Zoll breit seyn. Breiter koͤnnen sie wohl, aber nicht schmaͤler, seyn. Je brei- ter sie sind, je mehr Zierde geben sie einem Buch, je kostbahrer wird aber auch der Druck. Stellschraube, ist eine ordentliche Schraube, damit die Schnalle, worauf der Bengel ruhet, an der Preßwand angeschraubt ist. Siehe Tab. II. Stempel, heißt in Schriftgiesereyen dasjenige Jnstru- ment, welches aus einem laͤnglichten Stuͤck Stahl gemacht wird. Auf selbiges wird der Buchstabe mit einem Grabstichel gestochen, und das Eisen herum recht subtil abgefeilet, dergestalt, daß am aͤusersten Theil desselben der Buchstabe bloß stehet. Stempelschneider, siehe Muͤntz- und Eisen- schneider. T. Tabelle, des Schriftkegels, oder Zeilen, wie viel nem- lich eine Schrift gegen die andere Zeilen austraͤgt, ist besonders p. 144. eingeruͤckt. ‒ Welche mir zeiget, welches die erste Zahl eines je- den Bogens von vielerley Format sey, ist gleichfalls p. 243. besonders nachzusehen. Tagewerck, heißet nach dem Saͤchsischen Landrecht die Arbeit derjenigen Leute, welche sie taͤglich um ihre Nahrung arbeiten muͤssen. Bey Druckereyen aber bedeutet es die gesetzte Arbeit, welche die Ge- sellen Tagebuch, Tenackel, Tiegel, ꝛc. sellen verfertigen sollen: Ein Setzer nemlich eine be- stimmte Anzahl von Formen, ein Drucker aber eine gewisse Anzahl von 1000. abgedruckter Boͤgen, was sie druͤber machen heißt Uberstich. Tagebuch, oder Journal, ist dasjenige Buch bey Handelsleuten und andern die Gewerbe treiben, wohin alles geschrieben wird, was taͤglich vorfaͤllt. Aus dem Tagebuch werden hernach die Hauptbuͤ- cher gemacht, welche mit selbigem bekraͤftiget wer- den. Siehe auch Manual. Tenackel, ist ein laͤnglichtes Holtz, welches unten ei- nen Stachel hat, damit es an die Setzkaͤsten geste- cket wird. Auf dasselbige stecket der Setzer das Exemplar, welches er setzen will, und befestiget sol- ches mit dem Divisorio, welches wie ein Buchhal- ter zwey Zancken hat. Siehe Tab. I. Tiegel, ist ein Gefaͤß von Erden oben dreyeckigt und weit, unten aber rund und enge. Man braucht selbiges bey Schmeltzung der Metalle. Damit sie aber recht dauerhaft werden, muß man sie also verfertigen. Erstlich wird eine gute Thonerde dar- zu erfordert, die an der Sonnen trocken und hart worden ist, hernach wird selbige gestossen und durch ein Haarsieb durchgesiebet, alsdenn mit dem zehen- den Theil Kieselsteinmehl, Kreiden, oder Glimmer vermenget und angefeuchtet, welches wohl unter einander gearbeitet werden muß, endlich wird diese Massa in die dazu bereiteten hoͤltzernen Formen, welche mit Oel vorhero ausgeschmieret werden muͤs- sen, geschlagen und so lange in der Forme stehen ge- lassen, bis sie wieder trocken ist. Siehe Erckers Probierbuch und unsere Tab. IV. Jn Buchdru- ckereyen aber ist der Tiegel das andere Hauptstuͤck P 4 an Tischer, Titulbier, Traͤger, Trinckgeld. an der Presse, welches meistentheils von Meßing, oder Eisen, oder dann und wann auch von har- tem Holtz bereitet wird. Die Figur davon ist ein laͤnglichtes Viereck, an jedem Eck aber ist ein Ha- cken, damit es an die vier Schrauben, so durch die Buͤchse gehen, mit Clafterschnur kan angebunden werden. Jn der Mitte desselbigen ist das Pfaͤnn- gen, worinnen die Spindel von der Preßschraube gehet. Siehe Tab. II. Tischer, oder Schreiner, ist derjenige, so in Holtz mit dem Hobel und Schnitzmesser arbeitet. Will sich ein solcher Mann ein Bißgen hervor thun, so muß er zugleich ziemlich wohl zeichnen koͤnnen, ohne wel- ches er sonsten hertzlich schlechte Arbeiten zu Marckte bringen wird. Bey der Druckerey kan man ihm ohnmoͤglich entbehren, weil er ein Hauptstuͤck da- selbst, nemlich die Presse, und andere Dinge mehr verfertigen muß. Titulbier, nennet man in Druckereyen dasjenige Tranckgeld, welches ein Verleger, oder Verfasser eines Buchs den Gesellen bey Druckung eines ro- then Tituls giebt, um sie dadurch zu ermuntern, daß sie desto genauere Aufsicht darauf verwenden, weil dieser mit zur Zierde eines Buches gehoͤret. Traͤger, ist ein dicker Span, welcher an denjenigen Ort einer Columne mit Kleister aufgepappet wird, wo die Littern allzu scharf heraus kommen. Trinckgeld, ist ein kleines Geschenck, welches den Gesellen in die Druckerey von den Verlegern, oder Verfassern, uͤbersendet wird, damit sie nicht nur al- les desto besser in acht nehmen, sondern auch desto geschwinder foͤrdern moͤgen. Uber- Uberstich, Verleger, Vierzehn Tage, ꝛc. U. Uberstich, ist dasjenige, was ein Geselle, so wohl Se- tzer, als Drucker, uͤber sein Tagewerck verfertiget. Verleger, heissen diejenigen, welche die Unkosten zu Verfertigung einer Sache verlegen, oder vorschie- sen. Der Buchdrucker muß dieses Amt immerzu uͤber sich nehmen, welches ihm aber oͤfters schlecht vergolten wird. Jnsonderheit aber kommt dieser Titul den Herren Buchhaͤndlern zu, wenn sie die Kosten hergeben, welche zu Verfertigung eines Buchs noͤthig sind. Vierzehen Tage, ist eine gesetzte Zeit, da so wohl der Herr, als Gesell, verbunden ist nach derselben Verfliesung auszumachen, was vor die unter Haͤn- den habende Arbeit bezahlt werden soll. Vignetten, ist ein Hauptwort, worunter man aller- hand Zierrath verstehet. Es giebt Dedications- Anfangs-Final-Vignetten, wovon wir bereits an jedem Ort gehandelt haben. Hier mercken wir nur noch an, daß die Vignetten, welche oben uͤber den Druck gesetzet werden, niemals breiter, als das For- mat seyn sollen, etmas schmaͤler koͤnnen sie eher seyn, jedoch nicht uͤber die Helfte. Die Hoͤhe der- selben muß von der Hoͤhe des Drucks derjenigen Columne, woruͤber sie angebracht werden soll, ge- suchet werden. Es sollte also ein Vignette niemals hoͤher seyn, als die Helfte vom Druck, wohl aber et- was niedriger, als ein Drittel, ein Viertel, ein Fuͤnf- tel, ein Sechstel, ein Achtel, von der Hoͤhe des Drucks. Die gewoͤhnlichste ist ein Drittel, ein Viertel, ein Sechstel, ein Achtel von der Hoͤhe des Drucks. Die Breite von einer Vignette ist die beste, wenn sie einen Theil Hoͤhe hat, daß sie zwey P 5 Theil Vorrede. Theil Breite habe, ist sie zwey Theil hoch, so muß sie drey Theil breite seyn, u. s. f. Vorrede, oder Prologus, bey was vor Gelegenheit selbige gehalten wird, haben wir bereits oben unter dem Titul Prologus gesaget. Nichts ist mehr uͤbrig, als daß wir nun auch eine Probe geben, wie man etwan eine verfertigen koͤnnte: Wohledle, Vorachtbahre, Kunsterfahrne, und Hochgeehrteste Herren, Werthgeschaͤtzte Zuschauer, Die Erfahrung lehret uns allen, daß unser Ge- muͤth durch die sinnliche Empfindung am meisten geruͤhret, ja, daß es dadurch oͤfters zur Ausuͤbung, oder Unterlassung, einer Handlung weit eher ange- trieben werde, als wenn wir erst durch vieles Nach- sinnen darauf gebracht werden muͤssen. Jst es nicht wahr, daß mancher weit eher in seinem war- men Bette wuͤrde liegen bleiben, wenn ihm nicht der helle Schall der Glocken an die Besuchung des Tem- pels erinnerte? Jst es nicht wahr, daß mancher weit eher wieder aufs Dorf laufen wuͤrde, wenn ihn nicht ein ehemals daselbst geholter Buckel voll Schlaͤge davon abhielte? Die sinnliche Empfindung ermun- tert also jenen in die Kirche zu gehen, und diesen zu Hause zu bleiben. Wundern sie sich nicht, aller- seits hochgeehrteste Zuhoͤrer, daß ich ihnen jetzo eine solche Wahrheit zu Gemuͤthe gefuͤhret, woran nie- mand zweifelt. Es ist dieses zu meiner Absicht noͤ- thig. Jch habe die Ehre von einer Handlung den Anfang zu machen, welche auf vorhergehende Wahrheit gegruͤndet ist. Und sie wissen wohl, daß einige nicht gar zu wohl darauf zu sprechen sind. Jch will Vorrede. will mich dahero, mit ihrer Erlaubniß, kuͤrtzlich bemuͤhen diesen Vorwurf abzulehnen, und zu erwei- sen, daß unsere Vorfahren eine loͤbliche Absicht da- bey gehabt haben. Es wuͤrde uͤberfluͤßig seyn, wenn ich sie erst zu uͤberreden gedaͤchte: es ist unsere Schuldigkeit, daß wir die Tugend ausuͤben und die Laster fliehen sollen. Jch habe das Vertrauen zu ihnen, daß Sie diesen Satz ohne mein Erinnern vor wahr halten. Und gleichwohl mercket man an, daß es bey nahe umge- kehrt in der Welt hergehe. Man uͤbet die Laster aus, und fliehet die Tugend. Schon unsere Vor- fahren haben dieses wahrgenommen. Dahero sie nach den Grund dieser Unart geforschet, und selbi- ger abzuhelfen gesorget haben Bey genauer Un- tersuchung haben sie gefunden, daß man, entweder aus Schwachheit unserer verderbten Natur, oder aus Nachlaͤßigkeit, nicht fleißig genug daran dencket: es ist noͤthig, daß wir die Tugend ausuͤben, und die Laster fliehen. Dahero bemuͤheten sie sich ein Mit- tel ausfuͤndig zu machen diesem Ubel abzuhelfen. Da es nun an dem ist, wie ich bereits im Anfang mei- ner Rede erwiesen habe, daß unser Gemuͤth durch die sinnliche Empfindung am meisten geruͤhret wird; So erdachten sie allerhand aͤuserliche Zeichen und Handlungen, wodurch so gleich unser Gemuͤth ge- ruͤhret und zur Tugend aufgefrischet werden moͤgte. Und dieses war der Grund aller Gebraͤuche uͤber- haupt. Wer wollte dahero diese loͤbliche Absicht nicht gebuͤhrend preisen? Diejenige Handlung, welche wir jetzo vornehmen werden, hat ja eben diese Absicht zum Grund. Wir sind Willens die loͤbli- che Gesellschaft der edlen Buchdruckerkunst mit ei- nem Vorredner, Unterlegen, Vortrag. nem neuen Gesellen, oder Mitglied, zu vermehren, nachdem uns derselbe darum geziehmend ersuchet; Was ist wohl billiger und loͤblicher, als daß wir den- selben zu einem unstraͤflichen Tugendwandel, und zu einer ernstlichen Vermeidung der Laster ermahnen. Wir koͤnnen aber diese Ermahnung nicht nach- druͤcklicher und eindringender ins Werck richten, als wenn wir ihm solche nach dem einmal eingefuͤhr- ten Gebrauch durch eine sinnliche Empfindung desto immerwaͤhrender und tiefer ins Hertz einpraͤgen. Jst demnach die Absicht dieser gegenwaͤrtigen Hand- lung nichts anders, als eine Vermahnung zur Tu- gend; So ist Sie ja nicht tadelns sondern lobens- wuͤrdig. Und hiemit habe ich dasjenige erfuͤllet, was ich zu erfuͤllen versprochen habe, daß nemlich unsere Vorfahren eine loͤbliche Absicht hiebey zum Grund gehabt haben. Nichts ist mehr uͤbrig, als daß ich sie, allerseits hochgeehrteste Zuhoͤrer, gezieh- mend ersuche, daß sie uns guͤtig anhoͤren, alles zum besten auslegen, und wenn wir damit zu Ende, ihre Huld und Gewogenheit noch ferner goͤnnen wollen. Vorredner ist derjenige, der den Anfang durch eine unter vorhergehendem Titul angegebene Rede zur Deposition eines Cornutens macht. Unterlegen, muß ein Setzer die Littern, oder Schrif- ten, wenn sie ungleichen Kegel haben, oder, wenn groͤßere Littern in die Zeilen mitgenommen werden. Vortrag, einen thun, muͤssen diejenigen, welche bey der Gesellschaft etwas anzubringen haben. Vor allen Dingen ist es noͤthig, daß er mit gehoͤriger Be- scheidenheit geschieht, auser dem aber fein ordentlich und deutlich. Denn man hat wohl eher wahrgenom- men, daß ein unbescheidener Vortrag eine gute Sache Vortritt, Votiren. Sache schlimm gemacht hat, und daß ein unordent- licher und verworrener Vortrag mit genauer Noth hat koͤnnen verstanden werden. Wer vorhero sei- ne Sachen wohl uͤberleget hat, der wird hernach auch bescheiden, ordentlich und deutlich reden koͤnnen. Vortritt, ist die Ehrenstelle, so im Gehen, oder Sitzen ei- nem vor dem andern gebuͤhret, dergleichen gehoͤret na- tuͤrlicher Weise, und urspruͤnglich dem Alter, welches GOtt zu ehren selbst befohlen hat. Den Alten hat man den Vorzug bey allen Zusammenkuͤnfften gege- ben, und ihre Meynung vornehmlich gelten lassen in Berathschlagungen; der andere Grund ist der Ver- stand, dahero die Gradus, oder Ehrenstufen, unter den Gelehrten entstanden, und die so in dem gemeinen Wesen, im geist- oder weltlichen Stande die wichtig- sten Aemter versehen, wegen ihrer Geschicklichkeit an- dern vorgehen. Ob die blosse Macht, oder Reich- thum, einen Vorzug verdienet ist zweifelhaft, doch in so weit zulaͤßig, wenn die reichsten einer Stadt zu dessen Erhaltung das meiste beytragen. Die Wohlgefaͤlligkeit macht auch einen Grund des Vorzugs, die Vermittelung kan geschehen, daß einer um den andern die Vorstelle habe, welches unter den Staͤnden des Reichs eingefuͤhret, vide J. C. Becmanni Diss. de præcedentia. Votiren, heist in einer Versammlung, oder Gesellschaft, seine Meynung sagen. Derjenige, so den Vorsitz hat, fordert die Stimmen auf, nimmt eine nach der andern an, und machet alsdenn den Schluß nach den meisten Stimmen. Ob das Votiren von oben, oder von unten, anfangen soll, ist noch nicht gewiß ausgemacht. Dahero es auf die eingefuͤhrte Ge- wohnheit ankommt. Vor die erste Art schuͤtzt man sich Waltze, Waschbret, Waschbuͤrste, ꝛc. sich mit dem Vorzug der Ordnung: Vor die andere aber fuͤhrt man an, daß es besser sey, weil die unter- sten mit groͤserer Freymuͤthigkeit ihre Meynung her- aus sagen koͤnnen, und nicht so leicht durch das Anse- hen der obern eingenommen werden. W. Waltze, ist ein rundes Holtz, um welches ein starcker Riemen, der an einem Ende ans Laufbret, und am andern an die Presse angenagelt ist, damit solcher den Karn hinein und wieder heraus beweget. Siehe Tab. II. Waschbret, heißt dasjenige Bret, auf welches der Drucker seine abgedruckte Forme bringet, um sol- che von der aufgetragenen Farbe zu reinigen, oder zu waschen. Waschbuͤrste, diese kan man bey Reinigung der For- me nicht entbehren. Sie ist aber wie andere Buͤr- sten beschaffen. Siehe Tab. II. Waschfaß, ist ein Gefaͤß von Holtz, in welchem die Formen, wenn sie aus der Presse kommen, von der Farbe gereiniget werden. Werben, heißt insgemein so viel, als sich um etwas bemuͤhen, nach etwas trachten. Jnsonderheit aber heißt es Leute zu Kriegsdiensten aufsuchen und annehmen. Jst eine Werbung noͤthig, so werden ordentliche Werber ausgesendet, die mit Werb- patenten versehen sind: es werden ihnen auch be- sondere Plaͤtze dazu angewiesen. Von dieser Werbung aber sind ins besondere Kuͤnstler in Sachsen ausgeschlossen, wie solches Jhro Koͤnigl. Majest. Friedrich August II. durch einen Be- fehl vom 5. Febr. 1711. angeordnet. Hierunter wer- Wiederdruck, Winckeldruckerey, ꝛc. werden Barbier, Peruquenmacher, Buchdru- cker, ꝛc. ausdruͤcklich mit gezehlet. Wiederdruck, heißt der Abdruck von der andern For- me, oder Seite eines Bogens. Winckeldruckerey, werden solche Druckereyen ge- nennet, die man auf Doͤrfern, Flecken, oder an- dern freyen Oertern anleget, wo man ohne Censur die Buchdruckerkunst zu allerhand unerlaubten Schriften mißbrauchet. Es ist aber solches aus- druͤcklich verbothen von Jhro Roͤmisch-Kayserl. Majestaͤt Maximilian II. und Rudolphen II. in den Reichsabschieden vom Jahr 1570. zu Speyer, und 1577. zu Franckfurth, ingleichen von Hertzog Augusten zu Sachsen vom 26. May 1571. in welchem Rescript Wittenberg, Leipzig und Dreßden alleine verstattet wird Druckereyen an- zulegen. Winckelhacken, ist ein eisernes, staͤhlernes, oder mes- singes Jnstrument vor die Setzer, welches gantz ge- nau von innen und ausen einen geraden Winckel ha- ben muß, damit die darein gesetzten Zeilen recht aus- geschlossen werden koͤnnen. Siehe Tab. I. Wurm, heißt man diejenigen Woͤrter, welche unten auf eine jede Primam, oder erste Seite, des Bogens gesetzet werden, die Theile eines Werckes anzuzeigen, als erster, zweyter ꝛc. Theil, oder den Titul des Wercks. Z. Zange, ist ein bekanntes Jnstrument von Eisen, wel- ches seinen Grund in der Mechanik hat. Es beste- het aber eine Zange aus zwey Hebeln, die in dem Ruhepunct mit einer Niede zusammen geheftet und daran bewegt werden. Je weiter nun vom gedach- ten Zange, Zapfen, Zeichner, Zeug. ten Ruhepunct die lebendige Kraft arbeitet, d. i. je laͤnger das Theil ist, welches in der Hand gefuͤhret wird, je staͤrcker ist die Gewalt, so mit der Zange kan ausgefuͤhret werden. Der Gebrauch dieses Jn- struments ist unterschiedlich. Die Buchdrucker brauchen solches die Ballen damit abzubrechen, siehe Tab. II. Die Schriftgieser bedienen sich auch einer Zange, die Schmeltztiegel aus dem Feuer heraus zu heben, siehe Tab. IV. Jedoch sind auch diese Zan- gen in Ansehung ihrer Groͤße und Figur von einan- der unterschieden, ob sie gleich im Hauptgrund mit einander uͤberein kommen. Zange, (Punctur-) ist ebenfalls eine Art von Zangen, deren Hebel aber etwas scharf sind, womit die Dru- cker die Puncturen, wenn sie sich umgebogen, wieder aufrichten. Siehe Tab. II. Zapfen, ist von Stahl dergestalt zubereitet, daß es mit einem Theil in eine Hoͤhlung eines andern Dinges eingreifet. Also hat die Spindel einen Zapfen des- sen unterster Theil etwas rund und spitzig zuge- schmiedet, welcher in dem Pfaͤnngen herum gehet. Siehe Tab. II. Zeichner, oder Conducteur, ist derjenige, welcher von allen Dingen einen Riß zu machen weiß, damit sol- chen hernach die Kupferstecher desto genauer nach- stechen koͤnnen. Wenn seine Risse accurat werden sollen, so muß er die Mathematik vollkommen innen haben, auser dem verdient er den Namen eines Con- ducteurs gar nicht. Zeug, nennet man die alten abgenutzten Schriften, welche man wieder umgiesen lassen kan. ‒ der Schriftgieser, bestehet aus Bley, Spießglaß und Eisen, darunter etwas Zinn und Kupfer genom- men wird. Zeu- Zeugen, Zierrathen, Zinnober, Zeugen, sind diejenigen Personen, welche die Wahr- heit einer vorgegangenen Handlung bestaͤtigen sol- len. Ein Zeuge, dessen Zeugniß guͤltig seyn solle, muß gewisse Beschaffenheiten haben, die ihn unver- werflich machen. Er wird aber verwerflich, entwe- der wegen seiner Person, oder wegen der Sache, oder um einer besondern Ursache willen. Wegen seiner Person ist er verwerflich, wenn er Ehrenloß; Wegen der Sache, wenn er in offenbahrer Feind- schaft mit demjenigen lebt, wider welchen er zeugt; Wegen einer besondern Ursach aber, wenn man nicht gewiß hinter die Wahrheit kommen koͤnnen, was er auf sich hat. Dahero wird bey Druckereyen die Person besonders untersucht, welche man als Zeugen zu Bestaͤtigung eines neuen Gesellens neh- men will. Zierrathen, als Vignetten, cu de lampe, Cartou- chen, sollen nicht umsonst da stehen, sondern sie muͤs- sen einen Grund, Nutzen, oder Bedeutung haben, warum die Kosten darauf gewendet worden sind. Denn auser dem stehen sie vergebens, oder wohl gar zum Ubelstand da, wenn sie sich nicht zu der abgehan- delten Sache schicken. Es schicket sich ja kein To- denkopf auf ein Hochzeitscarmen, noch eine Lyra Apollinis zu einem Trauergedicht. Allzuviel Zier- rathen, wenn sie zumal noch schlecht gestochen sind, schaͤnden ein Buch mehr, als daß sie selbiges zieren, und machen es doch theuer ohne Noth: Dahin- gegen wohl ausgesonnene und noͤthige Zierrathen ein Buch beliebt machen und dem Buchhaͤndler so wohl, als Buchdrucker Ehre bringen. Zinnober, ist zweyerley der natuͤrliche, oder Berg- Zinnober, und der zubereitete Dieser wird aus ei- Q nem Zurichten, Zuschuß, nem Theil Mercurio und zwey Theilen Sulph. wohl unter einander gerieben und im Feuer aufgerieben, zugerichtet; Der natuͤrliche ist ein mineralischer ro- ther Stein, so aus Sulphure, lebendigen Mercurio und einer irrdischen Materie bestehet. Er wird ent- weder rein befunden, wie in Armenien, auch in Hessen bey Marpurg, oder vermischt, wie in Ungarn. Der beste wird in Kaͤrnthen und in den Ungarischen Goldgruben gehoben. Wie man den Mercurium auf einem durchloͤcherten Blech aus dem darauf ge- stuͤrtzten Hafen in einen andern, so darunter gesetzt, durch ein Circulir- Feuer aus dem Zinnober bringen soll, wissen die Apothecker. Die Buchdrucker brau- chen selbigen die rothe Farbe davon zu machen. Zurichten, heißt diejenige Handlung des Druckers, wenn er die Forme in die Presse genommen, und die Register suchet, daß nemlich Columne auf Columne richtig eintreffe. Zuschuß, oder Nachschuß, wird dasjenige geheissen, wenn ein Buchdrucker bey einem Werck etwas daruͤber legt, damit, wenn an der Auflage was ab- gegangen er die richtige Zahl dem Verleger liefern kan. Der rechtmaͤßige ist zu billigen, von dem schon etwas unter dem Artickel Aushaͤngebogen ge- dacht worden ist. Der unrechtmaͤßige, oder nachthei- lige, aber ist strafenswuͤrdig. Weil dadurch der Verleger Schaden leydet: Doch muß sich der- selbe nicht weigern, gegen Erlegung eines Geldes, selbigen anzunehmen, weil er dadurch dasjenige verhindert, was ihm Tort erweisen kan. Nach- Nachricht Nachricht Wie man eines jeden Bogens erste Co- lumnen-Ziffer gleich finden kan. Jn FOLIO, TRITERN, wie auch in SEXTO. Q 2 Jn Nachricht Jn FOLIO DUERN, und in QUARTO. DUERN von den Colummen-Ziffern. DUERN in QUARTO, und in OCTAVO. Jn Nachricht von den Colummen-Ziffern. Jn FOLIO TRITERN gespalten. Da eine jedwere Spalte ihre besondere Ziffer hat: Wie auch Jn QVARTO TRITERN, und in DUODECIMO. Die Buchdrucker-Calender. Die Buchdrucker haben zwar keinen andern Calender, als andere Leute; Unterdessen ist es doch noͤthig, daß ein Buchdrucker wisse, was vor Feyer- oder Apostel-Tage ihm nach altem Gebrauch und Ge- wohnheit bezahlet werden, ohne etwas an selbigen zu arbeiten, wenn er rechnet. Folgende Tabelle wird hiervon deutliche Nachricht geben: Maria Buchdrucker-Calender. NB. Uberdieses bekommt noch ein jeder einen Meß- feyertag alle Messe. Erklaͤrung: Erstlich muß nachgesehen werden in was vor ei- nen Sontagsbuchstaben daß Jahr sich anfaͤngt, und bedeu- ten solche also: G Montag, F Dienstag, E Mittwoch, D Donnerstag, C Freytag, B Sonnabend, A Sonntag. Z. E. 1740. ist C B, faͤngt sich also das Jahr Freytags an, und endiget sich Sonnabends. Wenn ich nun wissen will an welchem Tage jedes unbewegliche Fest faͤllt, so darff ich nur in der Reihe des Sonntagsbuchstabens nachsehen, so wird solche Bericht ertheilen. 1739. D. 1740. C B. 1741. A. 1742. G. 1743. F. 1744. E D. 1745. C. 1746. B. Ver- Calender-Zeichen Erklaͤrung der Planeten und Aspecten. Die 7. Planeten. ♄ Saturnus, endiget den Lauf in 30. Jahren. ♃ Jupiter, endiget den Lauf in 12. Jahren. ♂ Mars, endiget den Lauf in 2. Jahren. ⊙ Sonne, endiget den Lauf in 1. Jahr. ♀ Venus, endiget den Lauf in 1. Jahr. ☿ Mercurius, endiget den Lauf in 1. Jahr. ☽ Mond, endiget den Lauf in 28. Tagen, 12. Stunden, 44. Minuten. ☊ Drachen-Haupt und ☋ Drachen-Schwantz werden zum Theil auch un- ter die Planeten gezehlet, und sind die Puncten, worinnen die Finsternissen geschehen. Die 7. Planeten bedeuten auch die 7. Tage in der Wochen, als: ⊙ Sonntag, ☽ Montag, ♂ Dienstag, ☿ Mitt- woch, ♃ Donnerstag ♀ Freytag, ♄ Sonnabend. Die Aspecten. ☌ Conjunctio, Zusammenkunfft, traͤgt sich zu, wenn ein Planet unter dem andern in einerley Zeichen und Grad stehet. ☍ Oppositio, Gegenschein, geschiehet, wenn zween Planeten per Diametrum, einander entgegen gesetzt stehen. (a) Tri- ∆ Trigonus oder gedritter Schein, ereignet sich, wenn ein Planet von dem andern, um 4. Zei- chen entfernet ist, welches 120. Grad als den dritten Theil der Eclipticæ ausmachet. □ Quadrat oder gevierdter Schein, kommt vor, wenn zween Planeten um 3. Zeichen von ein- ander stehen welches 90. Grad, und also den vierdten Theil der Eclipticæ, ausmachet. ✽ Sextil oder gesechster Schein, ist der sechste Theil der Eclipticæ, nemlich 2. Zeichen, welche 60. Grad ausmachen. Die Zwoͤlff himmlischen Zeichen. Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Loͤw, Jungfrau, Waage,⚖ Scorpion, Schuͤtz, Steinbock, Wassermann, Fische. Neumond, erstes Viertel. Vollmond, letztes Viertel. Erwaͤhlungen. außerwehlt Aderlass. gut Aderlassen. gut Schrepffen. gut saͤen und pflantzen gluͤcklicher Tag. gut Kinder entwehnen. gut Purgiren. gut Holtz faͤllen. gut Jagen. gut Fischen. gut Augen Artzeneyen gut Naͤgel abschneid. gut Haar abschneiden. gut Ackern. ungluͤckl. Tag. Die Die Zwoͤlf Himmels-Zeichen auf eine andere Art. ♈ ♉ ♊ ♋ ♌ ♍ ♎ ♏ ♐ ♑ ♒ ♓ Medicini sche und Chymi sche Characteres. Ā Abstrahi ren, oder abziehen. ☩ Acetum, Eßig. ※ Acetum destillatum, destillir ter Eßig. ⊕ dd. Aerugo, destillir ter Gruͤnspan. Aër, Lufft. ♀ Aes ustum, gebrannt Kupffer. Ahenum, Kessel. ⊙ Albumen, Eyerweiß. Alchaest vini. XX Alembicus, Alembic ein Helm. O Alumen, Alaun. OP. Alumen plumosum. Alumen ustum, gebrannter Alaun. Amalgama, Metals Vermischung. ♒ Amphora, Eymer. Ana, jedes gleichviel. Annus, Jahr. Antimonium, Spiesglaß. ▿ Aqua, Wasser. Aquafortis, Scheidewasser. ▿ pl. Aqua Pluvialis Regenwasser. Aqua regia, Wasser zum Gold aufloͤsen. ▿ v Aqua vitæ, Brandwein. (a) 2 Aqua Aqua salis nitri. Arciteneus, Schuͤtz, sign. coel. Arena, Sand. ☽ Argentum, Silber. ☽ Argentum limatum, gefeilt Silber. ☿ Argentum vivum, Quecksilber. Aries, Widder Sign. coel. Arsenicum Ratzen-Pulver. Auripigmentum, Huͤttenrauch. ⊙ Aurum, Gold. Aurum Foliatum, Blaͤtleins-Gold. ⊙ Aurum foliatum, gefeilt Gold. ⊙ P. Aurum potabile, trinckbar Gold. B. Balneum, Bad. MB. Balneum Mariæ. s. Maris. VB. Balneum vaporis, s. roris. Borax, Borras. Z Cæmenti ren. Calcini ren. C. Calx, Kalch. Calx viva, ungeloͤschter Kalch. ♒ yr. Camphora, Campher. ♋ Cancer, Krebs, Sign. coel. Caput mortuum, Todtenkopf. Caper, Steinbock, Sign. coel. Cera, Wachs. Cerussa, Bleyweiß. ♂ Chalybs, Stahl. C. Cineres, Aschen. Cineres clavellati, Asche von Weinreben. , Cinnabaris, Zinnober. Coa- Coaguli ren. C. C. Cornu Cervi, Hirschhorn. C. C. U. Cornu Cerviustum, gebrandt Hirschh. Creta, Kreiden. Crocus, Saffran. ☩ Crubiculum, Tiegel. Crystallus, Crystall. ♀ Cuprum, Kupffer. d Destilli ren. ☌ Dies, Tag. 8̄ Digeri ren. ʒ Drachma, Quintlein. Ess. Essentia, Essentz. X Faeces vini, Weinhefen. Farina Meel. Farina laterum Ziegel-Meel. Ferrum, Eisen ʒ ʒ Filtrare, durchseigen. ♒ Fluere, fliessen. Z † Fuligo, Ruß. ♀◡ Fumus, Rauch. II Gemini, Zwilling, Sign. coel. gr. Gran Gummi. G. g. Gutta, ein Troͤpflein. Hora, Stund. ▵ Ignis, Feuer. ▵ R Ignis reverbereus: reverber ir Feuer. Ignis rotæ, Zirckelfeuer. ♃ Jupiter, Zinn. Lapis Lazuli, Lasurstein. Lapis hæmatitis, Blutstein. Leo, der Loͤwe, sign. coel. (a) 3 Li- Libra cœlestis, die himmlische Waage. ℔ Libra pondo, Pfund. Lythargyrium, Silberglett. L Herm. Lutum. ☽ Luna, der Mond oder Silber. ɴ̄ Luti ren. Magnes, Magnetstein. M Manipulus, eine Handvoll. Ms ʒ Manipulus semis, eine halbe Handvoll. Marcasita, Zincke. ♂ Mars, Eisen. Martis limatura, Feileisen. ∅ Massa. Materia. MP. Materia prima. Mel Honig. ⊠ Mensis, Monat. ☿ Mercurius, Quecksilber. ☿♎ Mercurius sublimatus. ☿ Mercurius præcipitatus. Nitrum, Salpeter. Nox, Nacht. Oleum, ″Oel. Oleum olivarum, Baumoͤl. ☍ Oppositio. Orichalcum, Meßing. φ Phlegma, der zehe Schleim im Leibe. Pisces, Fische sign. coel. ♄ Plumbum, Bley. Præcipiti ren. P Pugillus, was man mit zwey Fingern fassen kan. ≬ Pulvis, Pulver, Staub. Pumex, Bimsenstein. Pu- ☋ Purifici ren. t Putrsfici ren. ☐ Quadratus. Q. E. Quinta Essentia. Ⓡ Recipient. Regulus. Retorta. ff Saccharum, Zucker. Sal alcali ≬≬❋ Sal armoniacum, Salmiac. ⊖ Sal commune, gemein Saltz. ⊕ Sal nitrum, Salpeter-Saltz. Sal gemmæ, Saltzstein. Sal marinum, Meersaltz. ▯ Sapo, Seiffe. ♄ Saturnus, Bley. ♏ Scorpium, Scorpion, sign. coel. ∍ Scrupulus, Scrupel. ß Semis halb ⁎ Sextilis. S. H. Sigillare Hermetice. ☉ Sol, die Sonne oder Gold. ♒ Solvi ren ♎ Spiritus Geist. Spiritus vini, Brandwein. ♃ Stannum, Zinn S. S. S. Stratum super Stra- tum. ♎ Sublimi ren BB† succinum, Agtstein. Sulphur, Schwefel. Sulphur vivum, lebendiger Schwefel. Sulphur philosophorum. X Talcum, Talck. ☐ Tartarus, Weinstein. Taurus, Stier, sign. coel. Ter- Terra, Erde Terra sigillata. R Tinctura, Tinckur. △ Trigonus, Feuer. ♀ Venus, Kupffer. V Vinum, Wein. VR Vinum rubrum, rother Wein. VA. Vinum album, weisser Wein. VC Vinum coctum, gekochter Wein. ♍ Virgo, Jungfrau, sign. coel. ⊕ Viride aeris, Gruͤnspan. Vitellum ovi, Eyerdotter. Vitriolum, Kupfferwasser. XX Vitrum. Glas. ξ Unica, Untze ⊡ Urina, Urin. Apothecker Gewicht. ℔ j 1. Pfund haͤlt 12. Untzen 96. Drachma. ℔ß ½ Pfund haͤlt 6. Untzen 48. Drachma. 1 Untze haͤlt 2. Loth oder 8. Drachma. ½ Untze haͤlt 4. Drachma oder 12. Scrupel. Ʒ j 1. Drachma haͤlt 3. Scrupel. Ʒß ½ Drachma haͤlt 1½ Scrupel. ∍ j 1. Scrupel haͤlt 20. Gran. ☉ß ½ Scrupel haͤlt 10. Gran. gr. Gran. Verzeichniß derer bey diesem zten Jubel- Jahr meist lebenden Buchdru- ckerherren in Teutschland und andern Orten. Abo. Johann Christ. Merckel. Altenburg. Johann Ludwig Richters Erben. Altorff. N. N. Meyer und Johann Adam Hessel. Altona. Heinrich Christian Huͤlle. Annaberg. August Valentin Friese. Arnstadt. Joh Andreas Schill Hof Buchdr. Augspurg. N. N. Heiß. N. N. Finck. N. N. Maschenbauer. Casp. Manz. N. N. Klughammer. N. N. Pingizer. N. N. Shoͤnick. N. N. Maier. Maximil Jos. Ant. Wachter. Peter Detleffsen. Johann Christoph Wagner. Joseph Gruber. Joh. Mich. Labhardt. Joh. Jacob Lotters Wittwe. R Bau- Verzeichniß der meisten Bautzen. Carl Wilhelm Richter. Baͤrenburg. Christoph Gerhardt. Basel. E. und J. R. Thurneiser Gebruͤder. Johann Brandmuͤller. Bayreuth. N. N. Schirmers Wittwe Hofbuchdr. Friedrich Elias Dietzel. Berlin. Johann Gottfried Michaelis. Joh. Grynæus, der Societaͤt Buchdr. Christian Albrecht Gaͤbert. Samuel Koͤnig. Christian Ludwig Kunst. C. F. Henningen. Dan. Andr. Ruͤdigers Hof Buchdr. Wittwe. Bielefeld. N. N. Siefert. Blanckenburg. N. N. Struve. N. N. Pape. Neu Brandenburg. Christian Hall. N. N. Dobertin. Braunschweig. Heinrich Wilhelm Meyer. Arnold Jacob Keydel. N. N. Weydleins Wittwe. Bremen. Hermann Brauer. Christ. Herm. Jahns Wittwe. Breßlau. Die privil. Buchdr. hat Samuel Groß, Med. Doct. und Stadt- Phy- sicus, so durch einen Factor Theophi- lus Straubel gefuͤhret wird. Herr Huͤlsens Buchdr. oder die Bi- schoͤffliche wird durch die Wittwe und einen Factor, Nahmens Schlei- nitz gefuͤhrt. P. Jesuiten Druckerey wird gleich- falls durch einen Factor gefuͤhret. Buchdrucker in Teutschland. Brieg. Michael Tramm. Bruͤx. Valentin Koͤtting. Buͤdingen. Johann Christoph Stoͤhr. Camentz. Gottfried Hohlfeld. Carlscrona. Frantz Philipp Paulson. Cassel. Heinrich Hermes, Hof Buchdr. Chemnitz. Conrad Stoͤssel. Clausthal. Detlef Wilcke. Coͤthen. Johann Christoph Schoͤndorff. Coͤlln. Caspar Trimborn. Cottbus. Johann Michael Kuͤhn. Coburg. Georg Otto. Coppenhagen. J. Georg Hoͤpfner Koͤnigl. Hof-B. Johann Heinrich Berling. Andreas Hartwig Godiche. Owe Lynau. Niels Hansen Moͤller. Hermann Heinrich Rottmer. Culmbach. Johann Friedrich Becker. Cuͤstrin. Gottfried Heinich, Regier. Buchdr. Johann Huͤbner. adjunctus. Crossen in der Niederlausitz. Joh. Fr. Liscovius. Dantzig. Johann Jacob Preuß. Thomas Johann Schreiber. Darmstadt. N. N. Cuͤlau. Delitsch. Christian Vogelgesang. Diez. David Muͤller. Dortmund. Gottschalck Dietrich Badecker. Dreßden. Conr. Stoͤssels Wittwe Hofbuchdr. Johann Christoph Krause. Johann Wilhelm Harpeter. Friedrichsstadt bey Dreßden. Jmmanuel Harpeter. Neustadt bey Dreßden. Schwenckens Wittwe. R 2 Du- Verzeichniß der meisten Duderstadt. N. N. Christmann. Eger. Johann Augustin Orvansky. Eisenach. Joh. Christoph Krug, Hof-Buchdr. Joh. Christoph Rudorff. Eisleben. N. N. Hillemann Raths Buchdr. Eisenberg. N. N. Fleischers Wittwe. Christian Erlangen. Daniel Michael Schmatz. Elbingen. Samuel Preuß. Eßlingen. Gottlieb Mantler. Ellrich am Hartz. Ascanius Christoph Georg Curdt. Erffurth. Johann Mich. Funcke. Johann Christoph Hering Univers. Buchdr. Joh. Christoph Beyer. Johann Heinrich Nonne. Johann Wilhelm Ritschel. Andreas Goͤrling. Joh. David Jungnicol. Alexander Kaufmann. Franckenhausen. Johann Christoph Keil. Frf. an der Oder. Tobias Schwartze, Acad. Buchdr. Martin Huͤbner. Siegmund Gabriel Alex. Frf. am Mayn. Balthasar Diehl. Reinhard Eustachius Moͤller. Johann Benjamin Andraͤ. Waldowische Wittwe, deren Fact. Christian Streck. Heinrich Ludwig Broͤnner. David Jacob Cronau. To- Buchdrucker in Teutschland. Tobias Conrad Landgraf. Philipp Wilh. Eichenberg. Freyberg. Christoph Matthaͤi. Gera. N. N. Schrader, so Winters Wittwe Giesen. Eberh. Heinr. Lammers, Acad. B. Gioͤtheborg. Joh. Ernst Kallmeyer. Glatz. Matthaͤus Schwabe. Goßlar. Georg Duncker. Gotha. Joh Andr. Reyher, Hof Buchdr. Goͤrlitz. Siegmund Ehrenfried Richter. Goͤttingen. Abrah van den Hoeck Ac. Buchdr. Joh. Christ. Ludwig Schultze. Joh. Friedrich Hager. Greifswalde. Sam. Struck, Acad. Buchdr. Carl Hoͤpffner. Graitz. Abraham Gottlieb Ludwig. Grimma. Christian Vogel. Großglogau. N. N Himold. Guben Gottfried Hoym. Halberstadt. Johann Martin Lange. Bergmanns Wittwe. Halle. 1702. Johann Montag. 1711. Geo. Jac. Lehmanns Wittwe. 1717. Joh. Christian Hendel. 1718. Joh. Christian Hilliger. 1718. Joh. Friedrich Krottendorf. 1731. Joh. Gottfr. Kuͤttler. 1733. Joh. Friedrich Grunert. 1733. Joh. Christ. Grunert. 1733. Joh. Heinrich Grunert. 1733. Joh. Gottfr. May. 1733. Joh. Justinus Gebauer. R 3 1736. Verzeichniß der meisten 1736. Christoph Saalfelds Erben. 1737. Christian Ludwig Sympher. Hamburg. Conr. Koͤnig, Raths Buchdr. J. G. Piscator. Rudolph Benecke. G. C. Grund. Philipp Ludwig Stromer. Joh. Anton Hildemann. N. Spiering Hannover. Joh Christ. Ludwig Schultze. Hanau. Georg Loͤsch, Hof-Buchdr. Helmstaͤdt. Paul Dietrich Schnor. Johann Trimborn. Michael Guͤnther Leuckardt. Herborn. Nicol Andreaͤ Wittwe. Hersfeld. Joh. Pfingsten. Heydelberg. N. N. Mayer. Hildburghausen. Joh. Balth. Pentzolds Erben. Hildesheim. Just Hennings Matthaͤi Wittbe. Wilh. Dietr. Schlegels Erben. Hirschberg. N. N. Krahns Sohn. Hof Johann Ernst Schultze. Johann Andreas Hetschel. Jena. 1715. Joh. Bernh. Heller, Not. Publ. 1712. Peter Fickelscherr. 1717. Christ. Dav Werther, Hof-B. Joh Friedrich Ritter, Not. Publ. 1723. Christian Franciscus Buch. 1721. Joh. Volckmar Marggraf. 1730. Joh. Mich. Horn hat die Niesi- sche Buchdr. 1736. Joh. Christoph Croͤcker so die Ehrichische. 1737. Buchdrucker in Teutschland. 1738. Joh. Friedrich Schill hat die Muͤllerische Buchdr. Jauer. Christoph Jungmann. Joͤncoͤping in Schweden. Herr Falckens Wittwe. Jttstein. Erdm. Andreas Lyce, Hof-Buchdr. Jung Buntzlau. Philipp Marschan. Kiel. Gottfried Bartsch. Koͤnigsberg. Joh. Heinrich Hartung. N. N. Dreyer. N. N. Reußner. Koͤnig Gratz. Wentzel Johann Tibely. Kuttenberg. Georg Kintzl. Langensaltza. Joh. Christoph Heergardt. Lauban. Nicolaus Schill. Landshut. Gottfried Waͤtzold. Lauenburg. N. N. Berenberg. Leutmaritz. Frantz Georg Schkochowsky. Leutomischl. Johann Kamenitzky. Leipzig. Heinrich Christoph Takke. Christoph Zunckel. Bernhard Christoph Breitkopf. Joh. Georg Schniebs Georg Saalbach. Christian Benjamin Bittorff. Friedrich Koͤhl. August Samuel Cruciger. Johann Christian Langenheim. Gabriel Trog. Johann Heinrich Richters Wittwe. Christoph Barthel. Adam Heinrich Holle. Johann Gottlieb Bauchs Wittbe. R 4 Mi- Verzeichniß der meisten Michael Hennig. Zacharias Heinrich Eißfeld. Johann Georg Roͤßler. Leißnig. Gottfried Zimmermann. Lemgow. Heinrich Wilhelm Meyers Wittwe. Lignitz. Johann Christoph Waͤtzholds Witt- we fuͤhrt durch ihren Sohn Johann Siegmund solche fort. Lippstadt. N. N. Meyer. Luͤbeck. Joh. Nicolaus Green, Rathsbuchdr. N. N. Koop. Luͤbben. Johann Michael Driemel. Luͤneburg. Cornelius Johann von Stern. Lißa. (Pohlnisch) Michael Lorentz Presser. Lindkioͤping in Schweden. Peter Pelican. Lunden in Schonen. Ludov. Decreaux. Loͤbau. Oehert Hennig Reimers. Magdeburg. Christian Lebrecht Faber. Senior. Gabr. Gotth. Faber. Junior. Joh. Nic. Guͤnther, Regierungs-B. Joh. Gottfried Vetter. N. N. Sieglers Wittwe. Marpurg. Phil. Cas. Muͤller, Academischer B. N. N. Stock Wittwe. Eberbachs Wittwe. Mayntz. Johann Meyer. N. N. Franckenberg. Meinungen. N. N. Hassert. Meissen. Justus Gottfried Loͤwe. Merseburg. Christian Gottschick. Christian Coberstein. Muͤhlhausen. Johann David Bruͤckner, Raths- und Consistor. Buchdruck. Muͤn- Buchdrucker in Teutschland. Muͤnchen. Johann Lucas Straube. Matthias Riedel. Muͤnden. N. N. Enax. Naumburg. Balthasar Bossoͤgel, Stiffts-Buchd. Neuhauß. Frantz Peter Hylgartner. Nordhausen. Johann August Koͤler. Nordkioͤping. Carl Friedrich Broocmann. Neustadt an der Orla. Friedrich Anton Urban. Neuwird, N. N. Haupt. Nuͤrnberg. Johann Ernst Adelbulner. Georg Christoph Lochner. Adam Jonathan Felßeckers Erben. Lorentz Bieling. Michael Arnold. Franciscus Koͤngotts Wittwe. Johann Andreaͤ Endters Erben. Johann Heinrich Gottfried Bieling. Oelse. Gottfr. Welcher. Ofenbach am Mayn. Gerhard Groods seel. Wittw. Onoltzbach. N. N. Messer, Hof- und Cantzley-B. Pegau. N. N. Wehrmann. Peine. Philipp Johann Neubauer. Petersburg. Der Kayserl. Academ. der Wissen- schafft Buchdrucker. Pirna. J. J. Gruͤtze, so Georg Balthasar Ludwigs Druckerey hat. Plauen. Paul Friedrich Haller. Ploͤn. Johann Dietrich Reiß, Hof-Buchd. Potzdamm. Bartholomaͤus Neumann. Prag. Carl Ferdin. Arnold von Dobroslau. Carl Frantz Rosenmuͤller. Wentzel Urban Succhy. Johann Julius Gerzabek. R 5 Jo- Verzeichniß der meisten Johann Norbert Fitzky, Hochfuͤrstl. Ertzbischoͤflicher Buchdrucker. Johann Carl Hraba, Boͤhmischen Hochherrl. Land-Staͤnde Buchd. George Labaun. Matthias Friedrich Kaudelka, Die Clementinische P. P. Soc. J. Die Koͤnigshoͤferische Hochfuͤrstlich Ertzbischoͤfliche Buchdruckerey. Carl Gerzabek. Przibram. Wittwe Pileciusin. Quedlinburg. Gottfried Heinrich Schwan, Hof- und Stiffts-Buchdrucker. Querfurth. Johann Anton Goͤllner, Fuͤrstlich Saͤchsis. Weissenfelsis. Hof-Buchdr. Regenspurg. Joh. Baptist Lange. Hieronymus Lentz. Christian Gottlieb Seiffart. Johann Caspar Memmel. Reval. Johann Koͤhler. Rindeln. Johann Gottfried Enar. Rochlitz. N. N. Lange. Rostock. Joh. Jacob Adler, Acad. Buchdr. Rudolstadt. Joh. Heinr. Loͤw. Wittwe, Hof-B. Ruppin. N. N. Ackermann. Saalfeld. Gottfried Boͤhmer. Saltzburg. Mayerische Buchdruckerey. Hanische Buchdruckerey. Schaafhausen. N. N. Hurter. Schlaitz. N. N. Weichberger. Schleusingen. Georg Wilhelm Goͤbel. Schlich- Buchdrucker in Teutschland. Schlichtingsheim bey Großglogau. Gottf Boͤrner. Schneeberg. Carl Wilhelm Fulde. Schweinitz. N. N. Muͤller. Christian Heinrich Kannegiesser. Schwobach. Christoph Hannibal Steinmarck. Skiara in Schweden. Hermann Moͤller. Sondershausen. Joh. Andreas Bock, Hof-Buchd. Sorau. Johann Gottlieb Rothe. Stargardt. N. N. Falcke, Regierungs-Buchdr. Stendal. Valentin am Ende. Stettin. Herman Gottf. Effenbarth, Raths- Buchdrucker. Christian Friedrich Spiegel, Regie- rungs-Buchdrucker. Stockholm. Johann Laurentz Horn, Cantzley und Regierungs-Buchdruck. Stollberg am Hartz. Johann Christoph Erhardt. Stralsund. Georg Christoph Schindler, Regie- rungs-Buchdrucker. Straßburg. Pauschinger. Kirschner. Heitz. Le Rou. Georg Adam Piesker. Schmuck. Johann Albrecht. Strengnaͤs in Schweden. Lars Collin, Ac. Buchdr. Peter Nystroͤm. Lorentz Ludwig Grefing. Carl Johann Roͤpke. Heinr. Christian Merckels Wittwe. Striegau. N. N. Webers Soͤhne. Studtgardt. N. N. Muͤller. N. N. Verzeichniß der meisten N. N. Faber, Cantzl. Buchdrucker. Joh. Friedr. Cotta Hof-Buchdr. Torgau. Johann Gottlieb Peterseil. Tuͤbingen. N. N. Siegmund. N. N. Franckens Wittwe. Anton Heinr. Roͤbel, Acad. Buchdr. Ulm. Christian Ulrich Wagner. Elias Daniel Suͤß, und Gotthard Muͤllers Wittwe. Upsal. Joh. Hoyer Wittwe, Univ. Buchd. Waldenburg. Johann Georg Witzsch. Weissenburg. Carl Meyer. Weissenfels. Johann Christian Leg, Hof-Buchdr. Weimar. Joh. Leonh. Mumbach, Hof-Buchd. Wernigeroda. Michael Anton Struck. Wetzlar. Ernst Winckler. N. N. Stock. Wien Cosmorovischen Erben, Kayserlicher Hof-Buchdrucker. Joh. v. Ghelen, Kays. Jtal Buchdr. J. Jac. Koͤrner, N O. Landsch-B. Mar. Ther. Vogtin, Acad. Buchdr. Andreas Heininger, Acad. Buchd. Joh Georg Schlegel, Acad. Buchd. Christoph Lercher, Acad. Buchdruck. Leop. Joh. Kaliwoda Acad. Buchdr. Wittenberg. Johann Hacke. Ephraim Gottl Eichsfeld, Acad. B. N. N. Scheffler. Johann Christoph Tschiedrich. Johann Wilhelm Boßoͤgel Wolffenbuͤttel. Christian Bartsch, Hof- und Cantz- ley-Buchdrucker. Zeitz. Buchdrucker in Teutschland. Zeitz. N. N. Hugo Wittwe und Sohn. Zerbst. N. N. Boͤhme, Gymn. Buchdruck. N. N. Francke Hof-Buchd. Zittau. Joh. Christian Stroͤmel, so Mich. Hartmanns Druckerey hat. Zelle. N. N. Hofmann, Koͤnigl. Hannoͤve- rischer Hof-Buchdr. N. N. Hollwein. Zuͤllichow. Joh. Friedrich Theurich, Pachter der Wellmannischen Druckerey. Zuͤrch. G. Buͤrckli. Zwickau. Daniel Gottlob Wunderlich. Johann Friedrich Hoͤfer. Schluß. G. L. D u wiest dich verwundern, daß ich dich zum Beschluß noch einmal anrede. Jch gestehe dir aufrichtig, daß ich alles, woran ich an vorhergehenden Blaͤttern Theil habe, mit der groͤsten Lust, diese Zeilen aber mit dem groͤsten Verdruß aufgesetzet habe. Nichts, als Deine Guͤtigkeit ist diese Unlust zu mindern faͤhig. Jch hoffe auch, Du wirst mein Bekaͤnntniß nicht uͤbel aufnehmen, sondern vielmehr mit mir bedauren, daß es diesem Buch, wie allen Buͤchern in der Welt gegangen sey, daß sich nemlich, aller angewandten Sorgfalt ohngeacht, doch einige Druckfehler eingeschlichen haben. Ei- nige umgekehrte, oder zuviel gesetzte Buchstaben anzumercken, sehe ich vor uͤberfluͤßig an, weil selbige den Verstand nicht dun- ckel machen. Jch will also nur diejenigen anfuͤhren, welche von einer Erheblichkeit zu seyn scheinen. Jn dem Entwurf pag. 20. lin. 4. vor Feltrien l. Feltri p. 49. not. 0. pro edito edito. p. 69. l. 10. nach den Worten: in Spanien, setze hinzu: Unkosten. p. 82. l. 27. vor Bauchofer l. Bauhofer. p. 83. l. 3 bau- choferische l. bauhoferische. Jn dem Werck selbst p. 34. l. 22. vor Labbiales l. Labiales. l. 37. vor ἐγὸ l. ἐγώ. p. 36. l. 12.:- Soph pasuk. l. 16. l. :̵̩ Silluk cum Soph pasuk. l. ult. c Tiphcha. pag. 37. l. 28. Samech ס. Wie ich denn uͤberhaupt bey den Accenten be- klagen muß, daß hier und da oͤfters ein Punct, oder Figur, nicht an dem rechten Ort stehet, weil man nicht alles hat zwingen koͤnnen. Be- Bericht an den Buchbinder. D erselbe wird sich bey den Kupfern in acht zu neh- men wissen, daß er solche bey Beschneidung des Buchs nicht mit fasset, weil solche zum Theil etwas laͤnger gerathen, bey einigen wird er wahrnehmen, daß sie in der Mitte eine Linie haben, damit er solche mit einhefften kan. 1. Wird gebunden der kurtze Entwurff von Erfin- dung der edlen Buchdruckerkunst, die Signatur A. bis I. 2. Die Formate mit der Signatur A. bis K. 3. Denn folget die Ehrhardische Schrifftprobe. 4. Nach dieser der Versuch eines wohl eingerichte- ten Woͤrterbuchs, die Signatur L. bis R. 5. Nachdem werden die Calenderzeichen als das Final gebunden. Die Kupfer aber werden an folgende Orte ein- geruͤckt. 1. Die Bildnisse, so in die Lebensbeschreibung ge- setzt werden, als Fig. I. Faust, Guttenberg, Peter Schoiffer, p. 58 . Fig. II. Costerus, Mentel, Juo Schœffer, Manu- tius, Frobenius, Oporinus, 62 . Fig. III. Stephanus, Plantinus, Gimel Bergen 67 . Fig. IV. welches 5. Jnsignia seyn, als Manutii, Frobenii, Oporini, Stephani. 70 . Fig. V. Rhauus, Lufft, Krafft, Fincelius, Fin- celius, Gerdesius. 74 . Melchior Lotther. 93 . Jacob Thanner. 94 . Urban Gaubisch. 97 . Fran- Franciscus Schnelboltz. 102 . Hennig Grosse. 104 . Gregorius Ritzsch. 110 . M. Friedrich Lanckisch. 116 . Christian Goͤtze. 121 . Jmmanuel Tietze. 123 . Johann Andreas Zschau. 124 . Christoph Friedrich Rumpf. 126 . Johann Gottfried Lange. 128 . Heinrich Christoph Tacke. 129 . Christoph Zunckel. 130 . Johann George Schniebs. 132 . Christian Benjamin Bittorf. 133 . Christoph Barthel. 136 . Folgende kommen in die andere Signatur von A. bis R. Der in Kupfer gestochene Bogen von Forma- ten, wird jede Columne abgeschnitten und an seinen Ort gebracht. Alphabetum Ibericum. 43 . ‒ ‒ ‒ Sinicum. 51 . ‒ ‒ ‒ Malabaricum. 53 . ‒ ‒ ‒ Illyricum. 56 . ‒ ‒ ‒ Russicum. 59 . Die Teutsch-Lateinisch- und Orientalischen Kaͤsten werden nach ihren bezeichneten No. gebunden. 107 . Tab. I. Setzer-Jnstrumenta. 227 . Tab. II. Buchdrucker Jnstrumenta. 174 . Tab. III. ‒ ‒ Presse. 220 Tab. IV. Schrifftgiesserey. 130 . Buchdrucker-Jnsignia, so viel deren vorkommen, dabey ist zu mercken, daß zwey, nemlich Herr Chri- stoph Barthels und Johann George Schniebs seines an den Bogen I. angeschossen, welches gleichfalls zu diesen kan gebracht werden. 198