Gottfried Achenwalls ausserord. Lehrers der Weltw. zu Goͤttingen Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europaͤischen Reiche und Republicken zum Gebrauch in seinen Academischen Vorlesungen. Goͤttingen, bey Joh. Wilhelm Schmidt , Univ. Buchhaͤndl. 1749. Dem Hochgebohrnen Freyherrn Herrn Serlach Adolph von Muͤnchhausen, Koͤniglich Groß-Britannischen und Chur-Braunschweig-Luͤneburgischen Hochbetrauten wuͤrklichen Geheimen Rathe und Groß-Voigte wie auch der Georg-August-Universitaͤt Hoͤchstansehnlichen und Hoͤchstverdienten Curatoren Erbherrn auf Strausfurt ꝛc. Meinem gnaͤdigen Herrn, Hochgebohrner Freyherr, Gnaͤdiger Herr, E ure Hochgebohrne Ex- cellenz geruhen gnaͤdig, Sich diese geringe Blaͤtter von mir in unterthaͤnigster Ehrfurcht uͤberrei- ):( 3 chen chen zu lassen. Es ist Hochde- nenselben durch eine vieljaͤhrige Gewohnheit so natuͤrlich geworden, alles, was nur einen Trieb zur Ge- lehrsamkeit anzeiget, mit huldreichem Angesicht aufzunehmen, daß ich be- fuͤrchten muͤßte, an Hochdero nie genug zu preisenden Leutseeligkeit mich zu versuͤndigen, wenn ich Ent- schuldigungen daruͤber machen woll- te, daß ich mich erkuͤhnet, Dero Erlauchten Ramen gegenwaͤr- tiger Schrift vorzusetzen. Das Vertrauen auf diese verehrungs- wuͤrdige Huld koͤnnte mir mit hundert andern, die sich draͤngen, Hochdenenselben ihre gelehrte Bemuͤhungen zu widmen, hinlaͤnglich seyn, seyn, mein Unternehmen zu rechtfer- tigen. Allein, warum sollte ich der- gleichen Rechtfertigung suchen, da ich vielmehr mich gluͤcklich schaͤtze, oͤf- fentlich bekennen zu koͤnnen, daß die von Eurer Hochgebohrnen Excellenz mir ganz unverdient zu- fliessende unschaͤtzbare Wohlthaten diese ehrfurchtsvolle Zueignung mir als eine unumgaͤngliche Schuldigkeit auflegen. Die Groͤsse der empfan- genen Gnadensbezeugungen kann ich mit Worten nicht ausmessen, noch viel weniger darf ich gedenken, an den Ruhm Hochdero erhabenen Ei- genschaften mich zu wagen. Alles, wodurch ich mein dankbegieriges Herz ausschuͤtten kann, bestehet in ):( 4 den den treuen Wuͤnschen vor Hoch- dero ungekraͤnktes Wohl, und in der ehrerbietigen Versicherung, daß ich in unwandelbarem Gehorsam er- sterbe Eurer Hochgebohrnen Excellenz unterthaͤnigster Knecht, Gottfried Achenwall. Mein Leser, H ier hast du eine neue Einlei- tung in die Staatswissenschaft der vornehmsten Europaͤischen Reiche. Sie ist aus dreyjaͤhrigen Vor- lesungen entstanden, die ich zuerst in Marburg, und hernach auf hiesiger Uni- versitaͤt daruͤber angestellt. Jch entwarf anfangs kurze Saͤtze, ich verbesserte solche nach und nach, und fand Ursa- che, bey diesem einmal erwaͤhlten Leit- faden meiner Statistischen Stunden bestaͤndig zu bleiben. Bey meiner An- kunft alhier zeigte ich den Plan, wor- ):( 5 nach Vorrede. nach ich jeden Staat abhandle, und die Ordnung, nach welcher ich die ein- zelne Theile der Staatskenntniß ein- richte, in der Vorbereitung zu dieser Staatswissenschaft an. Jch habe sol- che mit einigen Veraͤnderungen wie- der abdrucken, und in gegenwaͤrtiger Schrift voran setzen lassen, weil sie statt einer Tabelle zu den Hauptbe- trachtungen eines jeden Reiches dienen kann. Denn nach diesem Grundrisse sind die hierinnen enthaltene Staaten ausgearbeitet. Verschiedene Bewe- gungsgruͤnde haben mich theils gemuͤs- siget, theils angefrischt, diese Einlei- tung fruͤhzeitiger dem Drucke zu uͤber- geben, als ich sonst gesonnen war. Nim also vorlieb mit dem, was ich dir uͤberliefere. Forderst du etwas voll- kommenes, so lege meine Blaͤtter zu- ruͤck. Verlangest du etwas weniger mangelhaftes, so mußt du warten. Jch sammle fleißig an Vermehrungen, Zu- saͤtzen und Verbesserungen, und ich hoffe dir solche kuͤnftig in einem An- hange zu uͤberreichen. Jch gestehe dir offenberzig, daß ich in keinem von den hier Vorrede. hier beschriebenen Staaten mich per- soͤnlich aufgehalten, auch nicht alle hierinnen einschlagende, sondern nur diejenige Buͤcher gebraucht, die ich an- fuͤhre. Aber dieses sage ich zu meiner Entschuldigung: deßwegen hast du noch kein Recht, meine Absicht und meine Arbeit ganz zu verwerfen. Ge- setzt, du uͤbersaͤhest mich sehr weit in einem Staate, darinnen du viele Jah- re gegenwaͤrtig gewesen, oder welches genauer kennen zu lernen du mehrere Zeit und Gelegenheit gehabt, als ich: so darfst du nur bedenken, daß ich meh- rere Reiche haben abhandeln muͤssen, daß ich weniger Zeit darauf habe wen- den koͤnnen, daß ich einen Abriß, keine Ausfuͤhrung geschrieben, daß ich eini- ges vielleicht mit Fleiß nicht schreiben wollen, und daß endlich etwas nicht zu wissen, daß man noch nicht wissen koͤn- nen, kein Verbrechen sey. Jch sehe die Welt aus meinem Ge- sichtspuncte, du aus einem andern: warum solltest du nicht manches besser erkennen koͤnnen, als ich, da du ver- schiedene mir entfernete und dunkele Staats- Vorrede. Staatsgegenstaͤnde naͤher hast, und in ihrem Licht sehen kanst. Was ich nicht weiß, lehre mich, was du besser kennst, davon unterrichte mich, oͤffentlich oder im Vertrauen, es ist mir einerley: ich werde dir allezeit davor Dank wissen. Jch suche meinen Zuhoͤrern und dem Teutschen Leser zu dienen. Haͤltst du meine vorliegende Bemuͤhung dazu nicht ganz ungeschickt, und hast du so viel Neigung vor das gemeine Beste und so viel Gewogenheit vor mich, so bereichere meine Saͤtze mit deinen Anmerkungen, und lebe uͤbri- gens wohl. Goͤttingen, den 12. April, 1749. Vor- Vorbereitung. 1. IOANNIs ANDREAE BOSII introdu- ctio generalis in notitiam rerum publicarum orbis vniuersi, lenae 1676. 4. 2. Fridrichs Leutholfs von Franckenberg (Bern- hards von Zech) Europaͤischer Herold, 2 Theile, Leipzig 1705, Fol im Vorbericht 3. IOANNI NICOLAI HERTII diss. de notitia singularis rei publicae, vol. I. tom. II. commentationum atque opusculorum pag. 3. 4. EVERHARDI OTTONIS notitia praeci- puarum Europae rerum publicarum, ed. IV. Traiecti ad Rhenum 1739. 8 in prolegominis. §. 1. D er Begriff der sogenannten Statistic, das ist, der Staatswissenschaft einzelner Rei- che wird sehr verschiedentlich angegeben, und man trifft unter der grossen Menge Schriften davon nicht leicht eine einzige an, welche in der Zahl und Ordnung ihrer Theile mit der andern uͤ- A berein Vorbereitung zur berein kommen sollte. Es ist also nicht undien- lich, dasjenige, was man sich unter diesem Namen eigentlich vorzustellen hat, und was in ihrem Umfange enthalten ist, zu untersuchen, und die natuͤrliche Einrichtung und Verbin- dung ihrer Abtheilungen fest zu setzen. §. 2. Aus dem Natur- und Voͤlker-Rechte wissen wir, was eine buͤrgerliche Gesellschaft oder Republick ist. Man erklaͤrt sie als ei- ne Gesellschaft vieler Familien, welche zu Be- foͤrderung ihrer gemeinsamen Wohlfahrt ver- mittelst einer Regierung miteinander vereiniget sind. Jnsbesondere nennt man solche ein Reich, wenn eine einzelne Person regiert, der al- le andere unterworffen sind; hergegen, wenn ei- ne ganze Gesellschaft darinnen zu befehlen hat, heißt solche im engern Verstande ein Freystaat oder eine Republick. §. 3. Diese Begriffe helfen uns, das Wort Staat deutlich zu erkennen. Man stellet sich darunter verschiedenes vor: bald eine jede buͤr- gerliche Gesellschaft, bald eine freye buͤrger- liche Gesellschaft, das ist, die ausser ihrem eige- nen Oberhaupte weiter keinem menschlichen Be- fehle unterthaͤnig ist, bald eine Republick, wo viele zugleich das Regiment fuͤhren, und bis- weilen Staatswissenschaft. weilen auch das Regierungswesen, wenn es so viel als Staatsverfassung bedeutet. Aber in dem Worte Staatswissenschaft hat es ei- ne ganz andre Bedeutung. Diese macht sich nicht bloß mit Menschen; sondern auch mit ih- rem Eigenthum zuschaffen. Wir werden also wohl den Staat als den Jnbegriff alles des- sen ansehen muͤssen, was in einer buͤrgerli- chen Gesellschaft und deren Lande wuͤrckliches angetroffen wird? §. 4. Jm weitlaͤuftigsten Verstande kann man diese Erklaͤrung gelten lassen; aber unsere Ab- sicht erfordert, solche mehr einzuschraͤncken. Man will etwas lernen: also hat man einen Endzweck. Der Endzweck muß einen wahren Nutzen zum Grunde haben. Wie wird uns denn die Er- kenntniß eines Staats nuͤtzlich? Auf vielerley Art; der Hauptnutzen aber bestehet darinnen, daß man hieraus einsehen lernt, wie gluͤcksee- lig oder ungiuͤckseelig ein Reich sey, so wohl an sich selbst betrachtet, als in Absicht auf andere Staaten, und dadurch in den Stand gesetzt wird, Schluͤsse zu formiren, wie ein Staat kluͤglich zu regieren sey, das heißt, um davon eine Anwendung in der Politic zu ma- chen. Also gehoͤret nur dasjenige hieher, was die Wohlfahrt einer Republic in einem merck- lichen Grade angeht, es mag nun solche hin- A 2 dern Vorbereitung zur dern oder befoͤrdern, und dieses nennen wir mit einem Worte: was merckwuͤrdig ist. Dieses wollen wir gruͤndlich einsehen, folglich aus seinen Ursachen erkennen, und also eine Wissenschaft davon erlangen. Da haben wir, was wir suchen. Die Saatswissenschaft ei- nes Reiches enthaͤlt eine gruͤndliche Kentniß der wuͤrklichen Merkwuͤrdigkeiten einer buͤrgerlichen Gesellschaft. §. 5. Es bemuͤht sich also jemand, aus dem un- zaͤhlbaren Haufen derer Sachen, die man in einem Staatscoͤrper antrifft, dasjenige sorgfaͤl- tig herauszusuchen, was die Vorzuͤge oder Maͤn- gel eines Landes anzeigt, die Staͤrke oder Schwaͤche eines Staats darstellt, den Glanz einer Crone verherrlichet oder verdunkelt, den Unterthan reich oder arm, vergnuͤgt oder miß- vergnuͤgt; die Regierung beliebt oder verhaßt; das Ansehen der Majestaͤt in- und außerhalb des Reichs furchtbar oder veraͤchtlich macht, was einen Staat in die Hoͤhe bringt, den an- dern erschuͤttert, den dritten zu Grunde rich- tet, einem die Dauer, dem andern den Um- sturtz prophezeyet, kurtz alles, was zu gruͤnd- licher Einsicht eines Reichs, und zu vortheil- hafter Anwendung im Dienste seines Landes- herrn etwas beytragen kann: was erlangt ein solcher? die Staaswissenschaft eines Rei- ches. * Die Staatswißenschaft. Die Lateiner nennen es notitiam reipublicae singularis, und sondern es also von der allgemeinen Staatswissenschaft ab. Es ist solches wohl zu mer- cken. Die letztere erweiset, wie eine buͤrgerliche Ge- sellschaft uͤberhaupt eingerichtet soll : die erstere aber erzehlet, wie einesolche einzelne grosse Gesellschaft in ihrer ganzen Verfassung wuͤrcklich eingerichtet ist. §. 6. Jhr Umfang bleibt also noch allemal sehr weitlaͤuftig, und weitlaͤuftiger, als daß man solchen nebst allen seinen Theilen gleichsam mit einem Maaßstaabe voͤllig ausmessen koͤnnte. Deswegen nenne ich nur dasjenige merckwuͤrdig, was das Wohl eines Reichs in einem merck- lichen Grade angehet, und setze also zur Haupt- regel: je mehr etwas die Wohlfahrt eines gan- zen Reichs betrifft: je nothwendiger wird des- sen Erlaͤuterung in der Staatswissenschaft. §. 7. Man muß also aus den unendlichen Merck- wuͤrdigkeiten die nothwendigsten heraus neh- men, ohne welche die wahre Beschaffenheit der Wohlfahrt einer Nation nicht begriffen werden kann. Diese setze man zu seiner Betrachtung aus, und stecke ihre Grenzen ab: so laͤßt sich der ganze Bezirk endlich uͤbersehen und durch- wandern, und es kommt nur darauf an, daß man denjenigen Weg erwaͤhlt, welchen uns die A 3 Natur Vorbereitung zur Natur in einer geschickten und ordentlichen Lehr- art zeiget. §. 8. Die vergangene Begebenheiten eines Reichs sind die Quellen, woraus dessen jetziger Zustand unmittelbar fliesset. Daher setzet die Staats- wissenschaft unwidersprechlich eine Kenntniß des Ursprungs und der Hauptveraͤnderungen eines Reichs voraus. Die Geschichte der Staats- veraͤnderungen (Revolutionen) eines Reichs ist also das erste, was in der Staatswissen- schaft eines jeden Volks abgehandelt werden muß. Man geht solche nach gewissen Periodis in einem kurzen Zusammenhange durch, um sich einen Begriff uͤberhaupt zu machen, wie ein Reich durch seine verschiedene Abwechselungen endlich die heutige Gestalt erlanget. Zweyerley ist hiebey hauptsaͤchlich zu eroͤrtern: 1) die Ver- aͤnderungen der Regierungsform, 2) die Ver- aͤnderungen der Provinzen, welche nach und nach entweder einem Staate zugefallen, oder davon abgekommen. Jn den erblichen Monarchien muͤssen noch 3) die Veraͤnderungen der Fami- lien, welche den Thron besessen, beygefuͤgt werden. Alle uͤbrige besondere Begebenbeiten eines Staats uͤberlassen wir der eigentlich so genannten Historie. Die Revolutionen mit ih- ren Ursachen und Folgen sind zu unserm End- zwecke allein noͤthig, und zugleich hinlaͤnglich: es mag Staatswissenschaft. es mag solche der Zuhoͤrer als eine Vorbereitung, oder als eine kurtze Wiederhohlung der ganzen Geschichte ansehen. §. 9. Mit diesem Wegweiser fangen wir nun an, die fuͤrnehmsten Merkwuͤrdigkeiten eines Reichs in Augenschein zu nehmen. Alles, was wir darinnen antreffen, laͤßt sich in zween Haupt- puneten zusammen fassen. Man betrachtet ent- weder ein Reich vor sich allein, oder verschie- dene Reiche mit einander. Jenes macht den eigentlichen Staat eines Reiches aus; dieses aber lehrt uns das Verhaͤltniß der Reiche ge- gen einander erkennen, und muß besonders traetirt werden. §. 10. Der erste Anblick der vielen Merkwuͤrdig- keiten eines Reiches, wenn man es an sich selbst betrachtet, kommt mir wie ein Jrrgarten vor. Ein jeder, der den rechten Gang nicht weiß, nimmt seine besondere Wege. Herein kommt man leicht: aber wie findet man sich heraus? Man muß alles in zwo Classen absondern. Ein Reich bestehet aus Land und Leuten. Unter diese beyde Begriffe laͤsset sich alles bringen. §. 11. Wenn ich hier Land (Territorium) nen- A 4 ne, Vorbereitung zur ne, so verstehe ich darunter einen gewissen Theil des Erdbodens, welchen ein Volck eigenthuͤmlich besitzet. Die Gewaͤsser sind davon nicht ausge- schlossen. Was unter und uͤber der Flaͤche des Erdbodens ist, so fern es in einer Verbindung mit dem Lande stehet, und ihm und seinen Ein- wohnern Vortheil oder Schaden bringt, gehoͤrt hieher. §. 12. Zum Lande eines Volkes rechnet man so- wohl seinen eigentlichen Sitz, welcher mit der Nation einerley Nahmen fuͤhret; als die ande- re hinzugekommene Stuͤcke. (Accessiones.) §. 13. Die Betrachtung des Stammsitzes eines Volks begreift uͤberhaupt seine Lage, Clima, Groͤsse, Grenzen, Fluͤsse, Seen, Meere und Meerengen, Berge und Felder, und die damit verknuͤpfte Vortheile oder Maͤngel, Ueberfluß oder Abgang an Fischen und schiffreichen Stroͤ- men, Salz, Baͤdern und Gesundbrunnen; an Metallen, Mineralien und Weinbergen; an Feld- und Garten-Fruͤchten; an Holz, Vieh- zucht, Fluͤgelwerk und Wildbret. §. 14. Jnsbesondere aber gehoͤret noch hieher die Eintheilung in Provinzen, die Staͤdte, Festun- gen Staatswissenschaft. gen und Seehaͤfen, die Zusammenleitung der Fluͤsse und Vereinigung der Meere. Man kan hiebey Gelegenheit uehmen, sich in der Residenz, den Lustschloͤssern nnd Erbbegraͤbnissen um- zusehen, auch der Ueberbleibsel der Roͤmischen und anderer Alterthuͤmer zu erwehnen. §. 15. Aus den erworbenen Laͤndern, sie moͤgen in- oder ausserhalb Europa liegen, erkennet man bald die gluͤcklichen Heyrathen und Erbschaften eines Regenten, bald den kriegerischen oder Han- delsgeist eines Volks. Man schildert ihre na- tuͤrliche oder durch Fleiß vermehrte Vortheile auf gleichmaͤßige Art ab. Man haͤlt solche mit dem Stammsitze einer Nation zusammen, und findet Staaten, die ihr ganzes Ansehen hinter der Linie herhohlen, man findet andere, deren entferntes Eigenthum ihnen zur Last gereicht, und deren Wohl dadurch gehemmet wird, daß sie zu viel besitzen. 1. Hr. Prof. Koͤhler in der verbesserten neuen Geographie, Johann Huͤbner in der vollstaͤndi- gen Geographie, und der Abt LENGLET DV FRESNOY in seiner Methode pour étudier la Geographie VII. tomes III. ed. à Paris 1742. 12. geben nebst verschie- denen andern gute Anleitung zu dieser Wissenschaft. 2. Le grand dictionnaire geographique et criti- que par M. BRVZEN LA MARTINIERE VIII. tomes, à la Haye, Amsterdam et Rotterdam 1726-39. f. Die- ses Werk wird seit 1744. zu Leipzig unter dem Titul: A 5 Hi- Vorbereitung zur Historisch-Politisch-Geographischer Atlas, teutsch uͤbersetzt und vermehrt. 3. Von der Wahl der Landeharten ist Johann Huͤb- ners Museum geographicum, und oberwehnter du FRESNOY t. I. nachzuschlagen. 4. La galerie agreable du monde, LXVI. tomes, le tout mis en ordre \& executé par PIERRE VAN DER AA, à Leide, f. §. 16. So viel mag genug seyn, vom Lande zu wis- sen. Nunmehr wollen wir auch mit den Ein- wohnern Bekanntschaft machen. Die Menschen sind in allen Staatsbetrachtungen das Hauptziel. Wir muͤssen nichts Merkwuͤrdiges von ihnen aus- lassen. Man kan sie von zwo Seiten beschauen. Von der ersten erblicken wir sie bloß als natuͤr- liche Menschen; von der andern stellen sie sich als Mitglieder eines gemeinschaftlichen Staats- coͤrpers, als Buͤrger dar. §. 17. Bey den natuͤrlichen Eigenschaften ei- nes Volks pflegt man ihre Sprache mit abzu- handeln. Dieses Volk hat seine eigene Spra- che, jenes hat sie von andern geborgt. Man findet Laͤnder, deren Sprache, wie ihre Ein- wohner, aus verschiedenen andern zusammen ge- schmolzen ist. Man darf die Sprache in den meisten Reichen nur kurz beruͤhren: weil sie bloß da Staatswissenschaft. da gewisse Staatsvortheile bringt, wo man sie brauchet, um andern ein schleichendes Gift in dieser Modeschuͤssel zu reichen. §. 18. Die Vielheit der Einwohner eines Reichs ist ein weit betraͤchtlicherer Punct, und die erste Grundsaͤule eines Reichs. Man reise die Eu- ropaische Laͤnder durch, so wird man den Un- terschied in der Anzahl der Menschen mit Erstau- nen wahrnehmen. Hier muß man sich durch eine unzaͤhlige Menge durchdraͤngen: dort hat man Noth, Menschen zu finden. Die Ursachen dieser Unaleichheit sind nicht uͤberall einerley. Man muß sie sorgfaͤltig ausspuͤren, um die wah- ren Mittel, dem Mangel abzuhelffen, ausfindig machen zu koͤnnen. 1. Johann Peter Suͤßmilch von der goͤttlichen Ordnung in den Veraͤnderungen des menschlichen Geschlechts aus der Geburt, Tod und Fortpflan- zung desselben erwiesen, Berlin 1741. 8. §. 19. Jnsbesondere hat man sowohl auf die na- tuͤrlichen Gaben einer Nation; als auf deren Anwendung, um sich gluͤcklich zu machen, sein Augenmerk zu richten. §. 20. Die natuͤrliche Gaben aͤussern sich an ih- rem Vorbereitung zur rem Coͤrper und an ihrem Gemuͤthe. Eine je- de Nation hat hierinnen etwas eigenes. Man untersucht dasjenige, worinnen die meisten ein- ander aͤhnlich sind, und druͤcket es in allgemei- nen Saͤtzen aus. Es ist aber nur ein wahr- scheinlicher Schluß. Man darf es also von einzelnen Personen nicht mit Gewißheit bejahen. Man findet uͤberall gesunde und ktanke, gescheute und thoͤrichte, tugendliebende und lasterhafte Menschen. Durch die Erziehung, das Alter, die grosse Welt, die Wissenschaften und Aus- uͤbung der Sittenlehre wird ein Mensch in eine ganz andere Form gegossen. §. 21. Aus der Schoͤnheit und Dauer schaͤtzt man die Vollkommenheit eines menschlichen Leibes. Wie verschieden sind nicht die Voͤlker in der Farbe, Laͤnge und Staͤrke! Man hat so gar Krankheiten, die gewissen Nationen eigen sind. Das Clima, Speise und Trank und die harte oder zaͤrtliche Lebensart traͤgt hiezu das meisten bey. §. 22. Man bildet die Nationen auch nach ihrem Gemuͤthe ab. Es ist nicht zu leugnen, daß nachdem die Temperamente verschieden sind, ein Volck mehr Witz oder mehr Tiefsinnigkeit habe, und geschwinder oder langsamer denke, rede und handele. Die Affecten sind eben so wenig uͤber- all Staatswissenschaft. all einerley, und aus den verschiedenen Neigun- gen der Wollust, des Ehrgeitzes, der Geldbe- gierde oder Sorglosigkeit erwachsen besondere Gewohnheiten, welche man die Tugenden oder Laster der Nationen zu nennen pflegt. Sie aͤus- sern sich hauptsaͤchlich in Ausuͤbung der Pflichten, sowohl gegen sich selbst, als gegen andere. Man sehe nur ihre Lebensart bey Tische, in der Kleidung und in ihren Lustbarkeiten an. Man be- merke, wie sie sich im Ehestande und der Kinderzucht verhalten, wie sie sich gegen ihre Obern und Untern und gegen Fremde auffuͤhren. IOANNIS BARCLAII icon animorum cum notis AVGVSTI BVCHNERI, Dresdae 1681. 8. § 23. Diese Untersuchungen sind nicht ohne Nu- tzen; sie werden uns aber sonderlich brauchbar, um daraus zu begreifen, was die Voͤlker fuͤr verschiedene Mittel ergreifen, sich gluͤcklich zu machen, und wie weit sie darinnen ihren Zweck erreichen oder nicht? Ueberall blickt ihr Chara- eter hervor, man mag ihren Fleiß in Wissen- schaften und Kuͤnsten, oder in andern Be- muͤhungen betrachten. §. 24. Man forscht nach, ob? und was fuͤr Wissenschaften und freyen Kuͤnste ein Volk sonderlich treibe? was fuͤr herrliche oder schlech- te Vorbereitung zur te Anstalten auf Schulen, Uniuersitaͤten, Rit- ter- und Kunst-Aeademien, und in Ansehung oͤffentlicher Bibliothecken und gelehrter Gesell- schaften zu deren Befoͤrderung anzutreffen seyn? wie weit es ein Volk darinnen gebracht, und was fuͤr Maͤnner ihm besonders Ehre machen? 1. CHRISTOPHORI AVGVSTI HEV- MANNI conspectut reipublicae litterariae, cap. IV. §. 25. Die Sorgfalt oder Schlaͤfrigkeit einer Na- tion in andern Arbeiten kan man hauptsaͤch- lich aus ihren Handwercken und Commercien erkennen. §. 26. Der Bauer empfaͤngt den Seegen der Natur aus der ersten Hand. Was nicht ver- zehrt wird, liefert er entweder dem Handwerks- mann, um es zum allgemeinen Nutzen zuzube- reiten, oder dem Handelsmann, um es aus- waͤrts zu verfuͤhren. Ob und was fuͤr rohe Materialien im Lande verarbeitet werden? wie geringe oder ansehnlich die Manufacturen sind? muß unumgaͤnglich ausgefuͤhret werden. Denn dieses macht die wichtigste Vorzuͤge eines Rei- ches vor dem andern aus. 1. Paul Staatswissenschaft. 1. Paul Jacob Marpergers neueroͤfnetes Manufacturen-Haus, Hamburg 1704. 12. 2. George Heinrich Zinkens Teutsches Real- Manufactur- und Handwercks-Lexicon, 1. Theil, Leipzig 1745. gr. 8. Von dem Landbau, der Viehzucht, Fischerey u. s. w. ist §. 13. gedacht worden: also waͤre es un- noͤthig, in der Betiachtung eines Staats an diesem Orte des Bauernstandes besonders zu gedenken. §. 27. Ohne Manufacturen steht der Handel einer Nation auf schwachen Fuͤssen. Wenn ein Volk dasjenige, was es in seinem Lande selbst erzeuget und selbst verarbeitet, auch selbst aus- fuͤhrt: so kann es sich erst ruͤhmen, daß seine Com- mercien dauerhaft, und sein Reichthum uner- schoͤpflich sey. Weil nach der heutigen Verfassung Europens die ganze Macht eines Staats groͤß- tentheils hierauf beruht: so muß man sich so weit darinnen einlassen, als es moͤglich ist, und die Waaren, die aus- und eingefuͤhret werden, die Laͤnder, wohin gehandelt wird, die Einrichtung der Handelsgesellschaften, das Muͤnzwesen, die Banco und den Profit, der einem Lande daraus zuwaͤchset, in Betrach- tung ziehen. 1. Essai politique sur le commerce par M. M*** (Montesquiou) à Amsterd. 1735. 8. 2. Reflexions politiques sur les finances et le com- merce, II. tomes, a la Haye 1740. 8. 3. Von Vorbereitung zur 3. Von Manufacturn und Commercio. Franckf. und Leipz 1740. 4. 4. Le parfait negociant par JAQVES SAVARY II. tomes, à Geneve 1676. 8. 5. Dictionnaire universel de commerce, ouvrage posthume de JAQVES SAVARY continué et donné au public par M. PHILEMON LOUYS SAVARY II. tomes, à Paris 1723. f. 6. Allgemeine Schatzkammer der Kaufmann- schaft, 4 Theile, Leipzig 1741. und 1742. f. §. 28. Wir muͤssen zum Hauptwerke eilen, und die Einwohner auch als Buͤrger, die vermittelst einer Regierung zu ihrer gemeinschaftlichen Si- cherheit und Gluͤckseeligkeit vereiniget leben, be- trachten. Jn dieser Bedeutung ist der Landes- herr selbst als der fuͤrnehmste Buͤrger der Re- publick, (Ciuis eminens) mit darunter begrif- fen. Die ganze Verfassung eines gemeinen Wesens kennen zu lernen, muß man drey Haupt- stuͤcke erwaͤgen: die Reichsgesetze, die Verbin- dung zwischen dem Regenten und den Unter- thanen, und die Einrichtung der Reichsge- schaͤfte. Jch waͤhle mir hier eine eingeschraͤnkte Mo- narchie zum Muster meiner Ordnung, weil man bey ihr auf mehr Puncte Acht zu geben hat, als bey einem un umschraͤnkten Reiche, oder bey einer Republick. Was also in den letztern nicht anzutreffen ist; faͤllt von sich selbst aus. §. 30. Staatswissenschaft. §. 29. Vor allen Dingen ist noͤthig, sich die Reichsgrundgesetze bekannt zu machen, und ihren Ursprung, ihr Schicksal und ihren jetzi- gen Gebrauch zu untersuchen. Das Reichsherkommen gehoͤrt gleichfalls hie- her. Wo man aber in einem Reiche weiter keine als dergleichen ungeschriebene Gesetze findet: da kann man sicher schliessen, daß der Wille des Regenten fuͤr das einzige Reichsgrundgesetz gehalten wird. 1. Hrn. Hofrath Johann Jacob Schmaussens Corpus iuris gentium academicum, II. tomi, Leip- zig 1730. gr. 8. 2. Corps universel diplomatique du droit des gens par M. DV MONT, VIII. tomes, à Am- sterdam 1726-1731. avec les supplements de M. Rousset, V. tomes 1739. f. §. 30. Hierauf gruͤndet sich die Verbindung zwischen dem Regenten und dem Untertha- nen, oder das Ius Publicum. Man muß demnach sowohl den Regenten und seine Vor- rechte; als die Staͤnde und ihre Rechte mer- ken. §. 31. Jn Ansehung des Landesherrn und seiner Vorrechte ist auf verschiedenes Acht zu geben. Der Glantz seiner hohen Person und Familie B faͤllt Vorbereitung zur faͤllt am ersten in die Augen. Man bemerket seine Abstammung, Vermaͤhlung und Erben, die Verwandtschaft mit benachbarten Staaten, und die Vettern des regierenden Hauses, oder die Prinzen vom Gebluͤthe. Diese genealogi- sche Kenntniß ist sonderlich in Erbreichen un- entbehrlich. 1. M. Gottlieb Schumanns jaͤhrliches gene- alogisches Handbuch, Leipzig. 8. 2. George Lohmeyers der Europaͤischen Kaͤy- ser- und Koͤniglichen Haͤuser historische und ge- nealogische Erlaͤuterung mit Beweisthuͤmern versehen von Johann Ludwig Levin Gebhar- di, erster Theil, Luͤneburg 1730. F. §. 32. Der Titul eines Regenten hat gemeinig- lich viele Veraͤnderungen erlitten. Bisweilen ist er ein Denckmaal eines seit ganzen Jahr- hunderten schon erloschenen Rechts, oͤfters ein unsterblicher Zeuge eines noch fortdauernden An- spruches. Wie oft ist er nicht der Zunder zu den heftigsten Kriegsflammen gewesen? 1. IOANNIS SELDENI tituli honorum ex versione SIMONIS IOANNIS ARNOLDI , Francof. 1696. 4. 2. I. C. BECMANNI syntagma dignitatum, II. partes, Francof. et Lipsiae 1696. 4. sonder- lich diss. III. part. I. §. 33. Staatswissenschaft. §. 33. Das Wappen pflegt ordentlich ein glei- ches Schiksal zu haben. Es ist ohnedem nichts anders als ein hieroglyphischer Titul. Man muß solches voͤllstaͤndig blasonniren. 1. Hrn. Prof. Koͤhlers jaͤhrlicher Wappen-Ca- lender, und Johann Wolffgang Triers Wap- penkunst vermehrt von D. Christian Johann Feu- steln, Leipzig 1744. 8. 2. PHILIPPI I ACOBI SPENERI historia insignium illustrium, seu operis heraldici pars spe- cialis, Francof. ad Moen. 1680. fol. §. 34. Die Herrlichkeit eines Thrones spiegelt sich in dem Hofftaate eines Regenten und in sei- nem Hofceremoniel. Mit dem aͤußerlichen Putzwerke mag sich der Hofmann beschaͤftigen. Der Staatsmann untersucht, ob dieses beydes wohl oder uͤbel eingerichtet, und der Hoheit des Regenten gemaͤß oder uͤbertrieben sey. Er merkt an, was ein Hof hierinnen vor andern beson- deres habe, und forscht nach den geheimen Ur- sachen und Absichten davon. 1. Gottfried Stievens Europaͤisches Hofcere- moniel, andere und vermehrte Auflage, Leipzig 1723. 8. 2. Johann Christian Luͤnigs Theatrum ceremo- niale historico-politicum, II. Theile, Leipzig 1719. und 1720. f. B 2 3. Vorbereitung zur 3. Le Ceremonial Diplomatique des Cours de l’ Europe par M. RO VSSET’ II. tomes, à Amster- dam et à la Haye 1739. f. Es sind die beyde letzte Theile von den V. tomes des Supplemens zu dem Corps Diplomatique. §. 35. Die Ritterorden verdienen hier auch ihren Platz. Sie sind entweder weltlich oder geistlich, ohne Einkuͤnfte oder mit Einkuͤnften versehen. Man betrachtet ihren Ursprung, die Ordenssta- tuta, ihre Einrichtung und Ansehen. 1. Christian Gryphii Entwurf der geist- und weltlichen Ritterorden, Leipzig und Breßlau, 1709. 8. 2. Histoire des ordres monastiques, religieux et militaires, (par HELYOT ) VIII. tomes, à Paris 1714-1719. 4. §. 36. Sind sonst noch besondere Vorzuͤge der geheiligten Person eines gesalbten und gekroͤnten Hauptes eigen, so kann man solche fuͤglich hier mit beruͤhren. §. 37. Hauptsaͤchlich aber muß man auf die Vor- rechte der Majestaͤt in Ansehung der Verbin- dung mit dem ganzen Reiche sein Augenmerk rich- ten. Jst es ein Wahl- oder Erbreich? faͤllt es bloß Staatswissenschaft. bloß auf die maͤnnliche, oder auch auf die weib- liche Linie? ist die Gewalt des Regenten in ge- wisse Grenzen eingeschraͤnkt, oder seinem freyen Willkuͤhr uͤberlassen? was ist Rechtens nach den Reichegesetzen, und was geschicht? Kurz, hier ist ein doppelter Gegenstand: man muß so wohl die Art, den Thron zu erlangen, als die Rech- te der Landesregierung kennen lernen. §. 38. Von den Landesherrn geht man zu den Reichsstaͤnden. Man muß sie ausser und in ihren Versammlungen betrachten. § 39. So verschiedene Reiche wir haben: so ver- schieden trift man auch die Einrichtung der Staͤn- de an. Nicht uͤberall machen der hohe Adel und die Geistlichkeit besondere Staͤnde aus. Der niedre Adel und die Gemeine oder Buͤr- gerschaft gehoͤren ordentlich mit unter die Reichs- staͤnde, bisweilen gar die Bauern. Man kann bey dem Adel zugleich die vornehmste Familien eines Reiches anfuͤhren. §. 40. Wenn sich die Reichsstaͤnde versammlen, so geht der Reichstag an. Hier ist alles merk- wuͤrdig: Zeit, Ort, Art der Berathschlagung, B 3 Samm- Vorbereitung zur Sammlung der Stimmen, Schluͤsse und deren Vollstreckung, und alles was bey Ausschreibung, Fortsetzung und Aufhebung eines Reichstages beobachtet wird. §. 41. Aus dieser Verbindung zwischen einem Re- genten und seinen Staͤnden erwaͤchset die Einrich- tung der Regierungsgeschaͤffte. Jn einer Mo- narchie werden die Rechte der Majestaͤt und die allgemeine Staatsangelegenheiten uͤberhaupt im Namen des Landesherrn gemeiniglich durch ein ganzes Collegium besorget, welches das hoͤch- ste im Reiche ist, und aus den beyden Departe- ments der einheimischen und der auswaͤrtigen Affeinen zu bestehen pflegt, denen bißweilen ein Premier Ministre vorgesetzet ist. §. 42. Das Departement der auswaͤrtigen An- gelegenheiten hat mit andern Voͤlkern zu schaf- fen. Es verschickt Gesandten, und negoeiirt mit den fremden, schließt Buͤndnisse, und hat alle Kriegs- und Friedensgeschaͤffte unter Haͤnden. §. 43. Das Departement der einheimischen An- gelegenheiten vertrit den Landesherrn unmittel- bar bey seinen Unterthanen, und besorget auf des- sen Staatswissenschaft. sen Befehl alles, was die innerliche Ruhe und Gluͤckseeligkeit des Landes angehet. Das heißt, es richtet die ganze Landespolicey ein. Von hier aus werden alle Gesetze ausgefertiget, geaͤn- dert und abgeschafft, alle Aemter besetzt, die Be- soldungen und andre Begnadigungen ausgetheilt, die Strafen bestimmt. Es verwaltet alle Rech- te der Majestaͤt in geistlichen und weltlichen Sa- chen, und dirigiret alle herrschaftliche Beamte und Landescollegia. Die besondere Verfassung aber der Landesregierung sieht man hauptsaͤch- lich aus dem Kirchen-Justitz-Cammer- und Kriegsstaat. §. 44. Von den vier Hauptreligionen ist die Heid- nische in Europa vertilgt, die Mahometanische erhaͤlt sich nur an der aͤussersten Grenze, die Juͤ- dische schleicht im Finstern, die Christliche allein besitzt den Thron. Aber diese ungluͤckseelige Mut- ter hat viel Aergerniß in ihrer Familie erlebt. Jhre Kinder haben sich getrennet, und diese Tren- nung hat fast alle Reiche erschuͤttert. Und noch jezt verdienet der Einfluß der verschiedenen Reli- gionen in den Staat unser besonderes Augen- merk. §. 45. Die Neigungen der Nationen, in der Re- ligion freygeisterisch, vernuͤnftig oder aberglaͤu- bisch zu dencken, die Verfassung des Kirchen- B 4 regi- Vorbereitung zur regiments und die Verhaͤltniß der Kirche gegen ihren Staat sind uͤberall; in den Catholischen Staaten aber die Macht und der Reichthum der Clerisey, und die Gewalt des heiligen Vaters noch besonders merkwuͤrdig. 1. Les religions du monde par ALEXANDRE ROSS , traduites de l’Auglois par THOMAS de la GRVE, II. parties, à Amsterdam 1669. 12. 2. Histoire des religions de tous les royaumes du monde par JOVET, IV. tomes, à Paris 1710. 12. §. 46. Durch das Justitzwesen wird den Unter- thanen Recht gesprochen, ihre Streitigkeiten ge- schlichtet, und ein jeder in seinem Eigenthum ge- schuͤtzt. Man hat angemerkt, daß je souverai- ner ein Reich ist, desto vollkommener das Ju- stitzwesen eingerichtet zu seyn pflegt. Man muß hiebey auf drey Stuͤcke acht geben, 1) auf die Ge- setze, welche den Unterthanen vorgeschrieben sind, und deren Sammlungen, 2) auf die Gerichte oder Justitzcollegia mit ihrer Subordination, 3) auf die Processe oder die Art des gerichtlichen Verfahrens. 1. Samuel Reihers allgemeine Rechtsgeschich- te, Hamburg 1702. 12 Jst ein Anhang des 3ten Theils des geoͤfneten Ritterplatzes. §. 47. Das Cammerwesen hat mit den Einkuͤnf- ten und Ausgaben eines Reichs zu thun. Die Finanzen werden schon von den Alten die Seh- nen der Republick genennet. Jn neuern Zeiten hat man sich dieser Wahrheit erinnert, und die wi- tzige Staatswissenschaft. tzige Franzosen haben in den Cammeralsachen so gluͤckliche Entdeckungen gemacht, daß eine allge- meine Reformation des Finanzwesens in ganz Eu- ropa daraus entstanden ist. Man erkundiget sich hiebey sowohl, was fuͤr Einkuͤnfte ein Re- gent hat, als, wie sie gehoben, und endlich, wozu sie verwandt werden. §. 48. Die Einkuͤnfte eines Landesherrn sind nicht in allen Reichen auf einerley Fuß gesetzt. Man hat ihrer unzaͤhlige Gattungen. Ueberhaupt hebt er solche aus seinem Eigenthum oder aus dem Eigenthum seiner Unterthanen. Zu den erstern gehoͤren alle Nutzungen aus seinen Patri- monial- und Cammerguͤtern, welche man auch Domainen und Tafelguͤter zu nennen pflegt, und aus andern Regalien, das ist aus denjenigen Sachen, die einem Privato nicht eigen seyn koͤn- nen, z. Ex. aus dem Bergwerks-Forst- und Jagd- Salz-Post-Muͤnz-Stempelpapier-Regal. Die Domainen werden durch ledige Anfaͤlle der Lehnguͤter, durch Confiscationen, durch Einziehung der ehemals veraͤusserten Stuͤcke vermehrt. Je abso- luter ein Herr ist; desto haͤufiger sind die Regalien, de- sto nutzbarer werden sie gemacht. Bisweilen werden Monopolia daraus, und es hat geschickte Cammerali- sten gegeben, die die Kunst erfunden, Regalien in or- dentliche Anlagen zu metamorphositen. §. 49. Die Einkuͤnfte, welche aus dem Eigen- thum der Unterthanen gezogen werden, heissen B 5 uͤber- Vorbereitung zur uͤberhaupt Abgaben, Auflagen, Contribu- tionen. Man theilet sie in ordentliche und aus- serordentliche. Doch ist diese Eintheilung mehr theoretisch, als practisch. Die aͤlteste Arten sind die Steuern von den liegenden Gruͤnden, und die Zoͤlle von Ein- und Ausfuhr der Waaren. Hier- naͤchst folgt die Accise oder der Licent von aller- hand Sachen, die durch den Gebrauch verzehrt werden, Kopf- und Vermoͤgen- Steuer, und allerhand schuldige Dons gratuits. §. 50. Alle Diese Einkuͤnfte werden bald von den Staͤnden, bald von dem Landesherrn selbst durch gewisse dazu bestellte Bediente gehoben, welche solche theils berechnen, theils in Pacht haben. Aus diesen Canaͤlen fließt alles in das Cammercollegium znsammen, welches die Stel- le eines Reichsschatzmeisters vertrit, die ganze Rechnung uͤber Einnahme und Ausgabe fuͤhrt, und deßwegen mit Recht des Landes Herz genen- ne werden kann. §. 51. So groß aber die Revenuͤen eines Landes sind: eben so groß und oͤfters noch weit groͤsser sind die Ausgaben. Es muß der Regent, des- sen Familie und der ganze Hofstaat erhalten, die unzaͤhlige Beamte besoldet, und alles, was zur Sicherheit und zum Besten des Landes dienet, hievon Staatswissenschaft. hievon bestritten werden. Was alsdenn noch uͤ- brig bleibt, kann in der Schatzkammer aufge- hoben werden. Dieses erhaͤlt man nur durch ei- ne ordentliche Landesoeconomie. 1 Wilhelms Freyherrn von Schroedern Fuͤrstli- che Schatz- und Rentkammer, Leipzig 1721. 8. §. 52. Sonderlich ist der Kriegsstaat heute zu Ta- ge eines von denen nothwendigen Uebeln, wel- che einem Reiche unsaͤgliche Summen kosten. Die Art Krieg zu fuͤhren ist fast von Jahrhun- dert zu Jahrhundert veraͤndert worden. Viel- leicht hat die Geschicklichkeit darinnen anjetzo ih- ren hoͤchsten Gipfel erreichet. Man muß die Landmacht von der Seemacht wohl uuterschei- den. Jene ist allen freyen Staaten gemein, diese aber nicht: weil man nicht in allen Reichen weitlaͤuftige Seekuͤsten findet, noch alle Voͤlker grossen Handel zur See treiben, und reich genug sind, um sich einen Platz unter den Seemachten erwerben zu koͤnnen. §. 53. Die Landmacht eines Reichs zu beurthei- len ist noͤthig, sich aus dem vorhergehenden zu er- innern, ob ein Land an Mannschaft und Pfer- den, die tuͤchtig zum Kriege sind, einen Ueber- fluß oder Mangel habe, und folglich die Trup- pen Vorbereitung zur pen zu recroutiren, und die Cavallerie zu remon- tiren, fremder Huͤlfe benoͤthiget sey oder nicht? hernach untersuche man die Anzahl und Einrich- tung ihrer Kriegsvoͤlker, der regulairen Trup- pen und Landmilitz, des Fußvolks und der Reuterey; ob sie gute Subordination habe, in allen Handgriffen geuͤbt, und zur Mannszucht gewoͤhnt sey? wie sie bezahlt und montiret werde? ob sie mit erfahrnen Officiers, mit Jngenieurs und Artillerie versehen? was vor An- stalten gemacht seyn, so wohl die Ausgediente in Jnvalidenhaͤusern und durch Pensionen zu versorgen, und die Wittwen und Kinder der Ge- bliebenen zu ernaͤhren; als bestaͤndig junge Mann- schaft durch Werbecantons, Casernenschulen, Cadettenrorps anzuziehen. Man halte alsdenn die Anzahl und Kosten der Kriegsmacht gegen die Groͤsse und Einnahme des Landes, um zu sehen, ob sie solchem zur Ueberlast gereichen oder nicht? Jch gedenke der Neigung zum Kriege und der Tapferkeit eines Volks wohlbedaͤchtlich mit keinem Worte. Es ist unverwelslich, daß ein Volk hierin- nen vor dem andern viel voraus habe. Es kommt al- les auf die Zeiten und auswaͤrtige Umstaͤnde an, und die Historie zeigt uns eben so merkwuͤrdige und wun- derbare Wanderungen der Tapferkeit, als der Ge- lehrsamkeit. 1. Memoires de M. le Marquis de FEVQVIERE, II. ed. IV. tomes, à Londres 1737. 8. 2. Histoire de Polybe traduite par DOM VIN- CENT THVILLIER, avec un commentaire ou un corps Staatswissenschaft. corps de science militaire par M. de FOLARD, VI. tomes, à Paris 1727-1730. 4. nebst den Sentimens d’un homme de la guerre sur le nouveau systeme du Chevalier de FOLARD par M. D*** à Paris 1733. 4 §. 54. Auf gleiche Art laͤßt sich auch die Seemacht einer Nation erwaͤgen. Eine Flette ins Meer zu stellen, ist nach Proportion der Mannschaft wenigstens dreymal so kostbar, als eine Landar- mee ins Feld zu fuͤhren. Man hat hiebey beson- ders anzumerken, ob ein Volk sein Schiffszim- merholz, Masten, Seegel- und Tauwerk und uͤbrige Erfordernisse zu Ausruͤstung dieser schwimmenden Festungen bey sich zu Hause findet, oder auswaͤrts herhohlen muß? wie der Bau seiner Schiffe, die Einrichtung seiner Esca- dern und die Anstalten beschaffen, um eine Pflanzschule von tuͤchtigen Matrosen und geschick- ten Seecapitains zu haben? Zur Marine wird gar zu viel erfordert, und deß- wegen ist ihre Bewandniß sehr sonderbar. Es bringt eine Nation ganze Jahrhunderte zu, ehe sie anfaͤngt, einige Figur auf der See zu machen: hingegen kann sie ein einziger wichtiger Verlust so niederwerffen, daß sie in vielen Zeiten nicht im Stande ist, sich wieder aufzurichten. Wir haben in der neuern Geschichte ein einziges Exempel einer Seemacht, die in der Geschwin- digkeit entstanden, man haͤlt es auch fuͤr ein Wunder. Aber wir finden verschiedene Beyspiele auch der maͤch- tigsten Seevoͤlker, die gleichsam durch einen Schlag auf eimal entwasnet worden. 1. Essai Vorbereitung zur Essai sur la marine et sur le commerce par M. D*** (Des Landes) avec des remarques histori- ques et critiques de l’auteur, à Amsterdam 1743. 12. Histoire generale de la marine, tom. I. à Pa- ris 1744. 4. §. 55. Wenn wir nun in dieser Ordnung den Staat eines Reiches und seine Schwaͤche und Staͤrke angesehen haben, so ist es nicht schweer, mit Huͤlfe der allgemeinen Politick diejenigen Re- geln herauszubringen, wornach ein Volk han- deln muß, um sein Wohl zu befoͤrdern. Die- se Regeln nennt man Staatsmaximen, und den Jnbegriff aller Staatsmaximen eines Reiches in ihrem Zusamenhange das Staatsinteresse. Es ist also das Staatsinteresse in der That nichts an- ders, als eine Politick, die auf einen einzelnen Staat appliciret wird. Es gehoͤrt auch das Staats- interesse zur Staatswissenschaft, weil ihr End- zweck dahin abzielet, von der Kenntniß eines Staats in der Politick die gehoͤrige Anwendung zu machen. §. 56. Ein Volk, das seine wahre Wohlfahrt zu befoͤrdern, seine Sicherheit zu befestigen, und seine Gluͤckseeligkeit vollkommener zu machen be- muͤht ist, muß sowohl in Ansehung seiner selbst, als in Ansehung andrer Voͤlker gewisse Re- geln Staatswissenschaft. geln beobachten. Daher giebt es Staatsmaxi- men eines Reiches gegen sich selbst und gegen andere Nationen, und deßwegen theilet man das Staatsinteresse in das innerliche und aus- waͤrtige. §. 57. Das erstere erfordert, daß ein Volk seinen innerlichen Ruhestand und das Wohl nicht nur seiner einzelnen Buͤrger; sondern auch des gan- zen gemeinen Wesens zu erhalten und befoͤrdern suche, dem Mangel abhelfe, den Ueberfluß ver- schaffe, die Einwohner vermehre und bereichere, die Wissenschaften in Flor bringe, den Manu- facturen und Commercien aufhelfe, die Gebre- chen der Staatsverfassung heile, den Factionen vorbeuge, die Justitz beschleunige, das Cam- merwesen in Ordnung halte, den Kriegsstaat auf guten Fuß setze. Die vornehmsten von der- gleichen Staatsmaximen, die aus der besondern Einrichtung eines jeden Reiches hauptsaͤchlich fliessen, koͤnnen an diesem Orte erklaͤret, und in so fern das innerliche Staatsinteresse eines Lan- des der Staatswissenschaft desselben unmittelbar angefuͤgt werden. §. 58. Ganz anders ist es mit dem auswaͤrtigen Staatsinteresse beschaffen. Die Maximen, wie ein Volk in Ansehung seiner Nachbaren sich in Vorbereitung zur in Sicherheit stellen, oder mit deren Beyhuͤlfe seine Wohlfahrt befoͤrdern koͤnne, fliessen aus dem Verhaͤltniße, das es gegen fremde Voͤlker hat, ob es ihrer bedarf, oder entbehren koͤnne? ob es von ihrer Macht viel oder wenig zu befuͤrch- ten habe? Dieses kann, ohne vorgaͤngige Kennt- niß andrer Staaten nicht begriffen werden, und verdienet eine besondere Ausfuͤhrung. §. 59. Dieses ist der Abriß der vollstaͤndigen Staatswissenschaft einzelner Reiche, in so weit solche vor sich allein betrachtet werden. Wer die unterschiedliche Grade der Verbindung einsiehet, welche die Wissenschaften mit einander haben, wird den hohen Wehrt einer Erkenntniß zu schaͤ- tzen wissen, von welcher die Historie einen sehr ansehnlichen Theil ihres Lichts borget, welche zu dem allgemeinen Natur-Voͤlker-Staats- geistlichen und buͤrgerlichen Rechte den tref- lichsten Stoff giebet, und die Politick mit einer Menge practischer Saͤtze bereichert. §. 60. Daher ist die Staatswissenschaft allen Ge- lehrten nuͤtzlich, und allen Juristen noͤthig; haupt- saͤchlich aber, wer die jetzige Welthaͤndel gruͤnd- lich beurtheilen, wer seine Reisen in fremde Laͤn- der mit Nutzen unternehmen, wer in Manufa- ctur-Handels- und Cam̃eral- Sachen oder in Ge- sandt- Staatswissenschaft. sandtschaften sich gebrauchen lassen will, dem ist ihre Erlernung unentbehrlich. 1 VALENTINI IACOBI ASSMANNI disl de re- rum publicarum notitia in academia diligentissime excolenda, Lips. 1735. §. 61. Man hat gegen den Vortrag dieser Wis- senschaft auf Universitaͤten Einwuͤrfe gemacht, als waͤre solche wegen der Menge ihrer Materi- en voller Verwirrung, wegen der bestaͤndigen Veraͤnderungen voller Ungewißheit, und wegen der darinnen enthaltenen Staatsgeheimnissen fuͤr den Augen der Schulgelehrten verborgen, folglich dergleichen Vorlesungen seicht und un- brauchbar. Allein, da eine geschickte Ordmung der Verwirrung abhuͤlft, ein ununterbrochener Fleiß die Hauptveraͤnderungen bemerken kann, und der Ungewißheit kuͤchtige Beweißthuͤmer entgegen stellt, die Staatsgeheimnisse aber ent- weder das nicht sind, wofuͤr man sie ausgibt, o- der nicht so haͤufig sind, als man sich einbildet, auch der Endzweck nicht erfordert, in alle Staats- geheimnisse zu dringen; so wird der Nutzen, wel- chen man in Erlernung der Anfangsgruͤnde der Staatswissenschaft sucht, gar fuͤglich erreichet werden koͤnnen. Diss. mea de notitia rerumpublicarum academiis vindicata, Gottingae 1748. §. 62. Die Gewohnheit der alten Geschichtschrei- ber, die Staatswissenschaft einzelner Voͤlker in C ihren Vorbereitung zur ihren historischen und geographischen Buͤ- chern sorgfaͤltig einzuschalten, und die besonde- re Werke eines Xenophons, Aristoteles und Tacitus beweisen, daß man diese Kenntniß bey ihnen sehr hoch geachtet. Jn neuern Zeiten ist man diesen Fnßstapfen nachgegangen. Seit dem gegen das Ende des sechszehenden Jahrhunderts die Relationen einiger Venetianischen Gesand- ten bekannt wurden, der beruͤhmte Lipsius eine systematische Politick fast aus lauter Spruͤchen al- ter Geschichtschreiber zusam̃en gelesen hatte, u. ver- schiedene Staatsmaͤnner ihre wichtige Anmerkun- gen uͤber auslaͤndische Reiche, welche sie durchrei- set hatten, herausgaben: wurde diese Wissenschaft aus dem Staube gezogen, und die Welt bekam einen Geschmack daran. Man sammlete die ver- schiedene Schriftsteller von einem Staate: man bemuͤhte sich, von vielen, ja von allen Reichen die Staatswissenschaft beysammen zu haben. Al- so kamen Sammlungen von Originalschriften zum Vorschein, und daraus erwuchsen eine Menge Auszuͤge und grosse Werke sowohl von einzelnen Reichen, als von vielen mit einander. Nunmehr war Stoff genug vorhanden, Vorlesungen auf Universitaͤten daruͤber anzustellen, der unsterbli- che Conring brachte sie auf den academischen Lehr- stuhl, und von Helmstaͤdt breitete sie sich auf an- dern Musensitzen in- und ausserhalb Teutschland aus. Seit dem haben wir auch Lesebuͤcher da- von bekommen, unter welchen die notitia prae- cipuarum Europae rerum publicarum von Hrn. Ever- Staatswissenschaft. Everhard Otto das einzige ist, welches seine Quellen anfuͤhret. 1. Die vierte ver mehrte und verbesserte Auflage ist zu Utrecht 1739. 8. herausgekommen. §. 63. Unter den vielen und grossen Sammlungen, welche den Staat aller Reiche und Republicken der ganzen Welt, oder wenigstens vieler Reiche zugleich vortragen, ist zu unsrer Absicht wenig brauchbares. Wir wollen 1) den gegenwaͤrti- gen, nicht den ehemaligen Staat kennen lernen, 2) wir suchen glaubwuͤrdige und zuverlaͤßige, nicht falsche und ungewisse Nachrichten. Also muͤssen wir 1) die neuere Schriftsteller den aͤltern, 2) diejenige, welche ein Reich aus eigener Er- fahrung erkannt, denen, die ihre Erzaͤhlungen von andern abgeschrieben. 3) Diejenige Samm- ler, welche ihre Beweißthuͤmer anfuͤhren, den uͤbrigen vorziehen. Nach diesen Regeln kann man die vor- nehmste Sammlungen von dem Staate verschiede- ner Reiche beurtheilen, nur merke man vorlaͤu- fig noch dieses an, daß glaubwuͤrdige Nachrich- ten, wenn sie gleich alt sind, uns doch nicht ganz unnuͤtzlich seyn, in so fern sie die Verbindung des vorigen Zustandes mit dem jetzigen und den Grund des heutigen Staats in sich halten. Die 32. Elzevirische Republicken sind alt, und nur wenige glaubwuͤrdig. Le monde par PIERRE D’ AVITY ist alt, und durch die abgeschmackte Vermehrun- C 2 gen Vorbereitung zur Staatsw. gen des roccoles ausser Stand zu dienen gesetzt worden. conringii opus posthumum de notitia rerum publicarum hodiernarum (in dem III. to- mo seiner gesammten Werke) ist durch Hrn. von Goebel Zusaͤtze einiger Maassen verjuͤngt worden. Friedrich Leutholfs von Frankenberg Europaͤischer Herold ist ebenfalls nicht mehr neu, auch ohne Beweißthuͤmer, und ausser dem ersten Bande wenig mehr brauchbar. Unter den Rengerischen Staaten ist das meiste unnuͤtzer Plunder. Den Voyages historiques de l’Europe des m. jovrdan, welche August Bohse unter dem Namen Talander teutsch uͤbersezt, wirft vayrac a) oͤffentlich vor: a beau mentir qui vient de loin. Des gvedeville Atlas historique in 7. Folianten ist praͤchtig, und 1738. wieder anfgelegt, aber fresnoy b) urthei- let davon: ce livre qui avoit été fait pour les ignoraus, fut d’abord goûté par les igno- rans; mais sans être estimé des savants. Lo stato presente di tutti e paesi e popoli del mondo, naturale, politico e morale, con nuo- ve osservazioni e correzioni degli antichi e moderni viaggiatori, davon zu Venedig schon 18. Theile 8. herausgekommen, habe ich noch nicht gesehen. a) Etat présent de l’ Espagne, tom. I. pag. 4. b) Jn seiner methode pour étudier la geographie tom. I. p. 86. Das Das I. Hauptstuͤck. Staat von Spanien. Schriftsteller: 1. Hispania, s. de regis Hispaniae regnis et o- pibus commentarius, ( JO ANNIS DE LAET ) Lu- gduni Batauorum 1629. 24. 2. Voyage d’ Espagne curieux, historique et po litique fait en 1655. (par P ...) nouvelle edition augmentée, 1666. 12. 3. Journal du voyage d’ Espagne, (par BOISEL ) à Paris 1669. 4. 4. Annales d’ Espagne et de Portugal avec la de- scription de tout ce qu’ il ya de plus remarquable en Espagne et en Portugal par Don JUAN ALVA- REZ de COLMENAR, IV. tomes, à Amsterdam 1741. 4. Jst aus den Delices de l’ Espagne et du Portugal erwachsen. 5. Etat présent de l’ Espagne par M. l’ Abbé de VAYRAC , III. tomes, à Amsterdam 1719. 8. C 3 6. Spanien. 6. Voyage du P. LABAT en Espagne et en Ita- lie, VIII. tomes, à Amsterdam 1731. 8 7. Lehrreiche Nachrichten fuͤr eineu Reisen- den in verschiedenen Europaͤischen Staaten, aus dem Franzoͤsischen uͤbersetzt von P. G. v. K. 2. Theile, Berlin 1738. 8. I. Staatsveraͤnderungen. §. 1. K ein Land ist von so verschiedenen Voͤlkern bewohnt worden als Spanien. Die Phoe- nicier setzen sich an die suͤd- und westliche See- kuͤste, die Carthaginienser, Roͤmer, Schwa- ben, Alaner und Gothen herrschen nach ein- ander darinnen, endlich im J. 713. uͤberschwem- men es die Mauren fast gaͤnzlich. §. 2. Diese entkraͤften sich durch ihr haͤufige Thei- lungen selbst, da inzwischen aus dem Ueberreste der Christen nebst einigen kleinen Staaten haupt- saͤchlich zwey Koͤnigreiche Castilien und Arrago- nien erwachsen, die sich durch Vermaͤhlungen dreymal vergeblich, zum vierten Mal aber 1473. auf ewig vereinigen. a) Jn allen 4. Vermaͤhlungen waren die Prin- zeßinnen aus Castilien, die Prinzen aus Arragonien. Die erste geschahe zwischen Nunnia und Sanctio maiore Spanien. maiore 1011. wozu dessen anderer Prinz Ferdinand durch die Heyrath mit Sanctia auch Leon ererbte. Die zweyte zwischen Urraca und Alphonso 1109. Die dritte zwischen Eleonora und Johanne 1375. Die vierte zwischen Jsabella und Ferdinand V. oder I. von gantz Spanien, 1469. §. 3. Ferdinandus Catholicus unterwirft sich die Saracenischen Provinzen, und reisset ein Theil von Navarra an sich. Nunmehr wird Spanien ein einziger Staatscoͤrper, und durch Verbesserung der innerlichen Verfassung, durch Eroberung des Koͤnigreichs Neapel und Entde- ckung von America zugleich erstaunend maͤchtig. Die Heyrath Philippi Pulcri mit Ferdinands Tochter Joanna veranlasset die Vereinigung der Oesterreichischen Staaten mit dem Spanischen Reiche. Daher zittert vor Kayser Carln V. Ferdinands Enkel, ganz Europa. Allein er theilt zwischen seinem Bruder Ferdinand und seinem Sohne Philipp II. Doch erlangt Spanien da- durch Mayland, und die 17. Niederlaͤndischen Pcovinzen nebst der Grafschaft Burgund. Philipp II. eignet sich Portugall zu, und gehet mit einer Universal Monarchie schwanger. Al- lein durch den Aufstand der Niederlaͤnder wird solche in der Geburt erstuͤckt, und Spanien ver- blutet sich unter dem unweisen Philipp III., dem C 4 elen- Spanien. elenden Philipp IV. und dem schwachen Carl II. dem letzten seines Stammes, so sehr, daß es end- lich kaum mehr Athem schoͤpfen kann. a) Was bey der Vermaͤhlung Ferdinands mit der Jsabella zu Castilien und Artagonien gehoͤret? b) Carl V. bereuet seine Freygebigkeit gegen Fer- dinand seinen Bruder. c) Philipp. II. Projecte gegen Engelland und Franckreich. d) Der Vervinische Friede 1598. ist die Grenze von Spaniens Gluͤck. e) Haͤufige Empoͤrungen unter Philipp IV. und Carln II. f) Verlust der vereinigten Niederlande 1648., der Grafschaft Roussillon 1659., des Koͤnigreichs Portugall 1668, der Franche-Comté 1678, und eines grossen Stuͤcks von den uͤbrigen Niederlanden 1659. 1670. u. 1678. §. 4. Nach dessen Tode 1700. streiten Oester- reich und Bourbon um diese Erbschaft, und letzteres bringt nach einem 13jaͤhrigen Kriege zu aller Welt Erstaunen seinen Prinzen Philipp V. auf den Spanischen Thron, und Kayser Carl VI. muß sich mit den Jtalienischen und Nieder- laͤndischen Provinzen abspeisen lassen. Seit dem ist dieses Reich in 4. Kriegen bemuͤht gewesen, sich wieder in die Hoͤhe zu bringen, wodurch Eli- sabeth ihrem Don Carl 1735. zwo Cronen, die bey- de Spanien. de Sicilien, und Koͤnig Ferdinand II. seinem Halbbruder Philipp 1748. drey Herzogthuͤmer, Parma, Piazenza und Guastalla zugewandt. a) Was Spanien im Utrechtischen Frieden einge- buͤsset? b) Krieg wegen Sardinien und Sicilien 1717. c) Krieg nach Augusti II. Tode 1733. d) Krieg mit den Engellaͤndern 1738. e) Krieg wegen der Oesterreichischen Erbschaft 1741. 1. Histoire des revolutions d’Espagne par l’Ab- bé de vertot , V. tomes, à Paris, 1726. 12. 2. Histoire des revolutions d’Espagne par le P. IOSEPH D’ORLEANS revûë et publiée par les PP. ROUILLE’ et BRUMOY, III. tomes, à Paris 1734. 4. 2. Beschaffenheit der Laͤnder. §. 5. Spanien hat ein dreyfaches sehr verschiede- nes Clima. Gegen Norden ist es kalt und feucht, gegen Suͤden heiß und feucht, in der Mitten sehr trocken und fast verbrandt. Es hat von 3. Seiten natuͤrliche Graͤntzen, das Atlantische und Mittellaͤndische Meer, und die Pyrenaͤische Gebuͤrge: die vierte Seite schraͤnckt Portugal ein. a) Der Estrecho di Gibraltar macht den Spa- niern eine herrliche Communications-Linie. C 5 b) Spanien. b) Ueber die Pyrenaͤische Gebuͤrge sind 5. Weege; aber nur 2. Heerstrassen. Annales d’ Espagne, t. II. p. 37. c) Sicherheit der Nordischen Seekuͤsten, und An- stalten an der mittaͤgigen Kuͤste gegen die Africanische Seeraͤuber. §. 6. Das Land ist fast durch und durch gebuͤr- gig. Die grossen Fluͤsse, Ebro, Douro, Tajo, Guadiana, Guadalquivir, sind wenig schiffbar, und ausserdem ist es schlecht bewaͤssert. a) Annal. d’Espagne, II. 7. §. 7. Es hat Ueberfluß an der besten Wolle, an Seyde, Wein, Salz, Oel, Orangenfruͤchten, Rosinen, Feigen, Mandeln, Capern. Biscaya giebt trefliches Eisen, Andalusien und Asturien haben unvergleichliche Stuttereyen. a) SAVARY dictionn. unter dem Worte: Com- erae d’ Espagne. b) von ihren Secten. c) von den puntas salinas. d) Man findet auch Zuckerrohr und Saffran darinnen. §. 8. Das Hornvieh und die Flußfische sind selt- sam, Spanien. sam, Gold und Silber wird nicht gegraben, und der Mangel an Getreyde ist groß. a) Ehemals war Spanien ein gesegneter Korn- boden, und das Europaͤische Potosi und Peru. Annal. d’ Esp. II 19. §. 9. Es bestehet aus 14. Provinzen, die mei- stentheils den Titul eines Koͤnigreichs fuͤhren, nebst etlichen Jnsuln, und prangt mit Madrid, der Hauptstadt des Reichs und etlichen Lust- schloͤssern, sonderlich Aranjuez, dem Wunder der Natur und Escurial, dem Wunder der Kunst. a) Von Madrid Lehrr Nachr. fuͤr einen Rei- senden, II. Bl 63. b) Spanische Prahlerey von dieser Stadt, die doch nicht eimal eine Cividad, sondern nur eine Villa ist. c) Praͤchtige puenta Segoviana, welche Philipp II. etliche Tonnen Goldes gekostet, und den Fluß erst er- wartet. Relation de Madrid, pag 3. d) Von Escurial, den 17. darinnen begriffenen reichen Kloͤstern, dem Schatze der Hauptcapelle und dem Pantheon, oder koͤniglichen Erbbegraͤbnisse, An- nal d’Espagne, t. II. p. 136. 155. und Lehrr Nachr. Bl 106. §. 10. Landfestungen unterhaͤlt es einige wenige ge- Spanien. gegen die Seite von Portugal; aber desto mehr trefliche Seehaͤfen, Cadix, Malaga, Cartha- gena, Alicante, Valentia, Barcellona, Co- runna, Bilbao, St. Sebastian, und viel ande- re, unter denen jedoch Gibraltar, der Schluͤssel nicht sowohl von Spanien, als vom Mittellaͤndi- schen Meere, und Portmahon in den Haͤnden der Engellaͤnder sind. a) Von Cadix LABAT voyage en Espagne, tom. I. chap. 6. p. 147. b) Daß Gibraltar die Spanier mehr kraͤncke, Portmahon aber dem Englischen Handel mehr nutze. §. 11. Ausser Europa haben sich die Spanier in Ceuta, Oran, und Masalquivir auf der Kuͤste der Barbarey und in den Canarischen Jnsuln festgesetzet. Jn Asien gehoͤrt ihnen weiter nichts als die Philippinische, Latronische und Salomo- nische Jnsuln. a) Politische Ursache, die barbarische Conqueten zu erhalten, ungeachtet sie grosse Summen kosten. b) Treflichkeit der gluͤckseeligen Canarischen Jn- suln, an Canarien- und Palmen-Sect, Vin de Roc und Zucker. c) Besonderer Weg der Spanier nach ihren Asia- tischen Jnsuln. §. 12. Spanien. §. 12. Aber in der von ihnen erfundenen neuen Welt haben sie den groͤßten und reichsten Theil inne, und besitzen im Nordlichen America Mexico, Neu Mexico und ein Stuͤck von Flori- da, im Suͤdlichen aber Terra firma, Peru, Chili, und von den Jnsuln sonderlich Cuba, und ein Stuͤck von Hispaniola. Sie ziehen hieraus Gold, Silber, Perlen und Edelsteine, Zucker, Taback, Viehhaͤute, Baum- und Vigogne- wolle, Wachs, Campecheholz, Jndigo, aller- hand Balsame und andere kostbare Arzeneyen und Waaren. a) Schserley Einwohner in diesen Provinzen, Spanier, Americaner, Negres, Creolen, Masticen und Mulatern. b) Vortheilhafter Isthmus von Panama. c) Reiche Staͤdte, Mexico, Lima. d) Herrliche Festungen und Seehaͤfen: Callao, Panama, Portobello, Carthagena, Veracrux, Havana. e) Kunststuͤcke der Spanier sich in diesen weitlaͤuf- tigen Provinzen zu maintentren. f) Cromwells mißlungener Anschlag. g) Ob es den Engellaͤndern moͤglich, die Spanier aus America zu vertreiben? 1. L’Histoire du nouveau monde, ou deseription des Indes Occidentales par JEAN DE LAET, à Ley- de, 1640. f. 2. Nouvelle relation contenant les voyages de THO- Spanien. THOMAS GAGE dans la nouvelle Espagne, II. tomes, a Amsterdam 1695. 12. 3 Relation du voyage de la mer du Sud aux co- tes du Chili, du Perou et du Bresil fait en 1712- 1714. par M. FREZIER, II. tomes, à Amsterdam 1712. 12. 4 Histoire de l’isle Espagnole ou de S. Domin- gue par le P. PIERRE FRANCOIS XAVIER de CHARLEVOIX, II. tomes, à Paris 1730. 4. 3. Beschaffenheit der Einwohner. §. 13. Wie die Einwohner Spaniens von verschie- denen Voͤlkern abstammen: so ist auch ihre Sprache zwar eine Tochter der Lateinischen; a- ber mit Gothischen und Arabischen Woͤrtern un- termischt. a) Dieses zeigt sich sonderlich in den nomiuibus propriis der Provinzen, Staͤdte und Fluͤsse. b) Von der Biscayischen Sprache, Annal d’ Es- pagne, II. 51. Sie ist von der eigentlichen Spani- schen oder Castilianischen ganz unterschieden. §. 14. Jn diesem weitlaͤuftigen Reiche zaͤhlet man nicht 6. Millionen Menschen, welcher Mangel durch die Americanische Colonien, die Austrei- bung der Juden unter Ferdinand I, und der Mo- riscos Spanien. riscos unter Philipp III. gewaltig befoͤrdert wor- den, und durch die Modesuͤnden der Jugend, die Menge der Kloͤster und Schaͤrfe der Jnquisition unterhalten wird, so daß die kluge Vorschlaͤge des Staatssecretaͤrs Petri Ferdinand Navare- ta 1619. und die Anstalten Philipp IV. ohne Wuͤrkung geblieben. a) LAET in Hispania cap. IV. wo auch der Aus- zug aus Philipp IV. Ediet 1623. befindlich. b) Philipp V. ließ 1726. sein Volk zaͤhlen, und befand die Summe aller Familien auf 1. 084. 623, die privilegirte Haͤuser nicht mitgerechnet. §. 15. An dem Spanier ist nichts mittelmaͤßig als sein Koͤrper, seine Tugenden sind groß; seine Laster noch groͤsser. Man ruͤhmt seine Maͤßig- keit, Standhaftigkeit, gesetztes Wesen, Ver- schwiegenheit und Treue: man wirft ihm den Hochmuth biß auf den Bettelstolz, Prahlerey, Geitz, Grausamkeit, Verstellung, Eifersucht auch gegen sein heßliches Weib vor. Die Fremden sind bey ihm als Gavaches verach- tet und uͤbel daran. Diese belachen dagegen die besondere Gewohnheiten der Spanier. Jhre Antipathie gegen die Franzosen legt sich nun- mehr nach und nach. 1. Gundling in seinen Otiis, cap. I. vom Tempe- rament der Spanier. a) Spanien. a) BARCLAYUS, La Comtesse d’ AUNOY, LE- TI, JOURDAN, die Lettres Persannes und ande- re schildern den Spanier sehr laͤcherlich ab, VAYRAC vertheidiget sie tom. I. im discurs preliminaire. P. LA- BAT in seiner voyage d’ Espagne et d’ Italie, tom. I. erzaͤhlt noch viel von ihren Maͤnteln, Degen und Brillen, von der Weiber andar tapada, warum kei- ner Jacob helßt, kein Ochse, Capaun und Hammel leicht gegessen wird. b) Von ihren Stiergefechten Ann. d’ Esp. tom. IV. p. 1. c) Von der beschrieenen Antipathie handelt De la Mothe le Vayer, Gundling, Frankenstein und Baile. Doctor CARLOS GARZIA in der opposi- tion des deux grands Iuminaires de la terre aus dem Spanischen uͤbersetzt, à Cambray. 12. giebt auch sein Urtheil davon, aber sehr laͤppisch. §. 16. Der Spanier ist zur Tiefsinnigkeit geneigt, und wuͤrde es daher in Wissenschaften eben so weit bringen, als seine Vorfahren, wenn er nicht die Vernunft unter den Gehorsam seines tyrannischen Glaubens gefangen nehmen muͤßte. Selbst in der allgemeinen Finsterniß der mittlern Zeiten war in dem Saracenischen Spanien mehr Licht der Gelehrsamkeit, als jetzt auf allen 22 christ- lichen Universitaͤten. a) Lob des natuͤrlicheu Verstandes der Spanier aus den Lehrr. Nachr II. 125, und aus ihrer alten Geschicklichkeit, in Staatssachen zu negociiren. b) Die beyde Seneca, Lucanus, Martialis, Quin- tilianus, Columella waren Spanier. c) Spanien. c) Von den gelehrten Juden und Arabern in Spa- nien im XI. u. XII. Saec. Sie trieben sonderlich die Arze- neykunst und die Aristotelische Philosophie, die Scho- lastici stammen von ihnen ab. d) Jhre beste Universitaͤten sind Salamanca und Alcala de Henares, welche der Cardinal Ximenes in Aufnahme brachte. OTTO notit. Hisp. §. 29. et 30. e) Grobe Unwissenheit der Bibliothecariorum des Escurials, und unvernuͤnftige Bannfluͤche wider die beste so gar catholische Buͤcher aus den Lehrr. Nachrichten. §. 17. Der Spanier mag aus Faulheit nicht ar- beiten, oder er schaͤmt sich, ein Handwerk zu treiben. Daher ist das Land von Manufactu- ren entbloͤsset, und halten sich viele tausend Fran- zosen darinnen auf, welche theils die gemeinen Dienste in den Staͤdten verrichten, theils die nothduͤrftigen Handwerker treiben. a) Man rechnet der Franzosen uͤber 70.000. im Lande, und in Madrid allein wohl 40.000. Wie dadurch jaͤhrlich wenigstens 8. Millionen Franzoͤsische livres nach Frankreich geschleppet werden, zeigen die memoires de la cour d’Espagne depuis 1679. jusqu en 1681. p. 297. b) Wie kindisch damals das Spanische Ministerium die fremde Manufacturen beurtheilet, eb. das. p 292. D §. 18. Spanien. §. 18. Es muͤssen also die Spanier, um ihren Hun- ger zu stillen, ihre Bloͤsse zu decken nnd ihrer Bequemlichkeit zu pflegen, nicht nur ihre inlaͤn- dische Waaren weggeben, sondern ihr ganzer kostbarer Handel nach America ist bloß den Aus- laͤndern zum Gewinn, welchen die unerschoͤpfli- che Goldquellen der neuen Welt stromweise zu- fliessen. a) Was ihnen die Engellaͤnder, Franzosen, Hol- laͤnder, Genueser, Hanseestaͤdte und Nordische Natio- nen zufuͤhren, und von ihnen abhohlen? b) Einrichtung des Handels nach America vermit- telst der Galltonen, Kaufardeyflette, und Register- schiffen. Zu Porto Bello ist die reicheste Messe in der ganzen Welt: Jn der Havana ist der Sammelplatz zur Ruͤckreise. SAVARY, Wort: commerce de l’ Es- pagne, und commerce de l’Amerique. c) Den Auslaͤndern ist der Handel nach America gaͤnzlich verbothen, und doch sind die Spanier blosse Factors andrer Nationen. Labat I 193. Daher ver- gleicht sie Boccalini mit den Lasttraͤgern und Eseln. §. 19. Sie rechnen nach Marrevadis und Rea- les, und haben in Silber die Piastres oder Pe- sos (da otto reales) in ganzen, halben und viertel Stuͤcken, in Gold aber die Pistolen, Du- plonen und Quadruplen. 95. Marrevadis be- tragen Spanien. tragen 8. ggr., 1. Reale hat 34. Marrevadis, 1. Piastre aber 8. Reales. a) Vayrac III. 277. handelt weitlaͤuftig vom Spa- nischen Muͤnzwesen. b) Von ihrer Ducatenrechnung. Sie theilen solche in Ducat de plata, und Ducat de vellon. Die Gold- muͤnzen werden theils in Sevilla, theils in Mexico ge- schlagen. Bey der ersten braucht man uͤber 600. Men- schen. c) Verboth, das gemuͤnzte Geld aus dem Lande zu schleppen, und Spitzbuͤberey der Spanischen Courtiers. Labat I. 151. 4. Staatsrecht. §. 20. In Spanien ist kein guͤltiges geschriebenes Reichsgrundgesetz anzutreffen, ausser dem von der Castilianischen Erbfolge und Untheilbarkeit von 1252., welche Carl V. 1554. und Philipp II. in seinem Testament 1598. auf die gesammte Staa- ten von Spanien erstrecket hat. a) Die beyde erstere Gesetze stehen im Corps di- plom. Supl tom. I. part. I. p. 101. et 102. von den letztern handelt Thuanus lib. 120. ad a 1598. §. 21. Ferdinand jetztregierender Koͤnig, ein Sohn Philipps V. und der Maria Louisa Gabriela, D 2 Prin- Spanien. Prinzeßinn von Savoyen, ist gebohren 1713, ver- maͤhlte sich mit Maria Barbara, Koͤnigs Jo- hannis V. in Portugal Tochter 1729, bestieg den Thron 1746. Er hat zwar keine Erben, doch ist das koͤnigliche Haus nichts desto weniger zahl- reich. Von Philipps V. zweyter Gemahlinn E- lisabeth aus Parma sind der Koͤnig beyder Si- cilien Carl Sebastian, der General-Admiral von Spanien und Herzog von Parma, Piazen- za und Guastalla Don Philipp, der Cardinal und Erzbischof von Toledo und Sevilien Don Louis nebst der Prinzeßinn von Brasilien Ma- ria Anna Victoria und Maria Antonietta vorhanden. a) Ferdinand wird unrecht der VI. genannt. b) Ferdinandi Character aus den Lehrr. Nach- richten. §. 22. Der Cronprinz wird seit 1388. Prinz von Asturien genennt, aber nicht als ein solcher ge- bohren; sondern vom regierenden Koͤnige dazu ernennet. Die uͤbrige koͤnigliche Kinder heissen Jnfanten. a) Die Spanier haben von den Engellaͤndern ge- lernt, dem Erbprinzen den Titul eines besondern Fuͤr- stenthums zu geben. Journal du voyage d’ Esp. p. 280. b) Die feyerliche Proclamation und Einnehmung der Spanien. der Huldigung des Prinzen von Asturien steht eb, das. p. 789. c) Den Titul Jnfant von Spanien fuͤhrten sonst auch die Oesterreicher. §. 23. Der koͤnigliche vollstaͤndige Titul ist: Fer- dinandus, Dei gratia Rex Castellae, Arra- goniae, Legionis, vtriusque Siciliae, Je- rusalem, Portugalliae, Nauarrae, Granatae, Toleti, Valentiae, Galliciae, Maioricarum, Hispalis, Cordubae, Corsicae, Murciae, Grennis, Algarbiorum, Algezirae, Gibral- taris ac insularum Canariae, et Indiarum tam Orientalium, quam Occidentalium, ac Terrae Firmae, maris Oceani: Princeps Asturiarum: Dux Mediolani et Burgundiae; Archidux Austriae, Comes Flandriae, Bur- gundiae et Cataloniae, Dominus Biscayae et Molinae etc. Kuͤrzer wird er titulirt: Rex Hispaniarum catholicus. a) Warum Carl V. den weitlaͤuftigen Titul nicht aͤndern konnte? b) Portugal protestiret gegen den Titul: Rex Hi- spaniarum. Staat von Portugall, I. 474. c) Catholicus ist sonst ein Persoͤnlicher Titul eini ger Spanischen, auch andrer Koͤnige gewesen. BLON- DEL in praefat. apologet. Geneal Francicae, n. XIV. Seit den Zeiten des Pabstes Alexandri VI., das ist ungefehr seit 1500. hat ihn Spanien bestaͤndig gefuͤhrt, doch niemals in der ersten Person, sondern nur in der D 3 dritten Spanien. dritten. SELDENVS de titulis honor. p. I. c. V. pag. 83. d) Es haben sich 6. Koͤnige von Castilien des Kay- serlichen Tuuls angemasset. VAYRAC, II. 98. e) Den Titul Herzog von Burgund darf Spani- en in Schriften mit Frankreich nicht gebrauchen. Me- moires de la cour d’Etpagne pag 307. §. 24. Eben so findet man das Wappen bald weit- laͤuftig aus dem Wappen von Castilien, Leon, Arragonien und Sieilien nebst Portugal im Mit- telschilde zusammen gesetzt mit der koͤniglichen Crone uͤber dem Schilde und der Ordenskette des guͤldenen Vliesses umhangen; bald kleiner, da es nur das Wappen von Castilien und Leon nebst dem Mittelschilde von Anjou enthaͤlt, und mit der Crone bedeckt ist. §. 25. Der uͤbertriebene Hofstaat und die zum Theil seltsame Etiquette des Spanischen Hofes ist von den Bourbonischen Koͤnigen grossen Theils geaͤndert, und andern Hoͤfen gleichfoͤrmiger ge- macht worden. a) Die verkappte Comtesse d’ AUNOY in ihrer relation de la cour d’ Espagne erzehlt eine Menge Histoͤrchen von dem Spanischen Ceremoniel unter Phi- lipp IV. und Carl II., sie ist aber wenig glaubwuͤrdig. b) VAY- Spanien. b) VAYRAC hat im II. Bande seines Etat d’ Es- pagne das ganze III. Buch davon angefuͤllt; gesteht aber in der Vorrede selbst, daß sich seit dem verschie- denes wieder geaͤndert. §. 26. Von den eintraͤglichen Ritterorden 1) von Sant Jago di Compostella, 2) Calatrava, 3) Alcantara sind seit den Zeiten der Jsabella aus Castilien die Besitzer des Thrones Großmei- ster. Diesen dreyen ist der kleine Orden von Mondesa beyzufuͤgen: wie sich denn auch die Bourbonische Koͤnige von Spanien die Ernen- nung der Ritter des guͤldenen Vliesses anmaas- sen. a) VAYRAC II. 292, und noch weitlaͤuftiger Jour- nal du Voyage d’ Esp. p. 363-375. handelt von den geistlichen Ritterorden. b) Die Ritter muͤssen nicht nur ihre Ahnen bewei- sen; sondern auch das sie Christianos vejos seyn. c) Sie doͤrfen heyrathen. d) Es giebt auch Duennas von Sant Jago. e) Von guͤldenen Vließ siehe sonderlich III. GE. HEINRICI AYRERI diss de magno Magisterio E- questris ordinis Aurei Velleris Burgundo-Austria- ci feminino masculini, Resp. 10. Ioach. Carstens, Gott. 1748. §. 27. Der Spanische Thron ist erblich undsteht auch der weiblichen Linie offen: wie denn seit den D 4 Zeiten Spanien. Zeiten der Saracenen die meisten Reiche durch Heyrathen zusammen gebracht worden. Dieses ist die beruͤhmte Successio Castiliana, oder suc- cessio linealis cognatica. 1. LVDOVICVS MOLINA de Hispanorum primo- geniorum origine et natura und aus ihm VAYRAC II. 96. 2. VLRICI OBRECHTI excerpta historica et iu- ridiea de natura suecessionis in monarchia Hispa- niae, IV. partes, Argentorati 1700. et 1701. 4. Diesem ist entgegen gesetzt 3. IOANNIS FRANCISCI BVDDEI exercitatio iuris naturalis de testamentis summorum imperan- tium, speciatim Caroli II. Hispaniae regis, Halae 1701. 4. §. 28. Sobald die Erbfolge eroͤfnet wird, laͤßt sich der neue Monarch feyerlich ausruffen, und von den Staͤnden in Buen Retiro huldigen; aber seit etlichen Jahrhundert nicht mehr salben noch kroͤnen. IOANNES IACOBVS CHIFLETIVS de Ampulla Remensi, cap. 16. p. 82. handelt von der unterlassenen Kroͤnung, und giebt zur Ursache an: qui non electionis, sed mero sanguinis iure tradu- ces succedunt in regnis, non indigent regia vnctio- ne, vt capessant sceptra, qui lucem non aspiciunt nisi reges, und setzt p. 83. hinzu: cum autem de suo- rum regum successione legitima certi sint Hi- spanl, superfluum cxistimant, reges suos inungi. Andre Spanien. Andre behaupten gar, daß der Spanische Hochmuth diese Ceremonien fuͤr gar zu geringe halte, weil andre Voͤlcker solche auch haben, und sich dadurch von ihnen distinguiren wolle; allein es ist sehr wahrscheinlich, daß die Kroͤnung und Salbung aus Staatsraison un- terlassen werden, um nicht 1.) bey dem Paͤbstlichen Hofe um Erlaubniß deßwegen ansuchen, und 2.) bey der Kroͤnung dem Pabste den Lehn- und Zinßeyd schwoͤren zu doͤrfen, welchen die alte Koͤnige von Arra- gonien vermoͤge des Diplomatis Petri II. und der Concessionis Innoeentii III von 1204. ihm leisten muͤssen. Denn als Petrus II. damals von Jnnoeen- tio III. in Rom mit eigner Hand gekroͤnt wurde, so trug er ihm sein Reich zu Lehn auf, und schwur ihm den Eyd der Treue, welches er hernach mit folgenden Worten schriftlich widerhohlte: Tibi et per Te Apo- stolieae sedi offero regnum meum, illudque Tibi et successoribus tuis in perpetuum constituo cen- suale, vt anuatim de camera regis CCL, Massemu- tinae Apostolicae sedi reddantur, et ego et succes- sores mei specialiter ei fideles et obnoxii teneamur. Worauf der Pabst in seiner concessione antwortete: Nos igitur gratiam Tuam nobis exhibitam ad suc- cessores deriuari volentes, praesentium auctori- tate concedimus, vt cum ipsi (successores tui) de- creuerint coronari A SEDE APOSTOLICA REQVI- RENTES, de speciali mandato per Tarraconensem Archiepiscopum apud Caesaraugustam sollemniter coronentur: PRAESTIT A super praedictis IDO- NEA CAVTIONE. Das erste Diploma steht in Hrn. H. Schmaussens Corp. J. Gent. p. 7. das andre eb. das. p. 2157. §. 29. Die viele Spanische Koͤnigreiche hatten sonst ihre sehr verschiedene Rechte und Freyhei- ten; Spanien. ten; aber seit der grossen Vereinigung hat sich Ferdinand I., noch mehr Philipp II., am meisten aber Philipp V. souverain gemacht. a) Sonderlich trotzte Arragonien ehemals auf seine Privilegia, und drung seinen Koͤnigen harte Puncte ab. b) Der Cardinal Ximenes leistete hierinnen Ferdinand I. grosse. Dienste. c) Philipp II. machte sich die Haͤndel des verwege- nen Peretz und tollkuͤhnen Justicia in Arragonien, und Philipp V. die Partheylichkeit der Arragonier, und Valentiner vor das Haus Oesterreich und die Halsstarrigkeit der Catalaunen zu Nutze. d) Navarra hat noch einen Ueberrest von beson- dern Jmmunitaͤten, Vayrac III. 251. §. 30. Daher haben die Spanische Reichsstaͤnde keine Gewalt mehr dem koͤniglichen Willen zu widersprechen, und die Cortes Generales werden nur bey Huldigungen und andern Feyerlichkei- ten gehalten. a) Sonst waren in den meisten einzelnen Koͤnigreichen von Spanien drey Staͤnde, 1) die Geistlichkeit, 2) der Adel, 3) die Deputirte der Staͤdte. 31. Doch giebt es noch Grands d’Espagne, welche verschiedene Vorrechte geniessen. Sie sind Spanien. siud von 3. Classen, und der Koͤnig ernenet sie. Die uͤbrige vom hohen Adel heissen Titulos oder Titulados, ehemals Ricos hombres, die von niedern Adel nennen sich Cavalleros und Hidal- gos. a) Von dem Ursprunge und den Vorrechtender Gran- dezza und von den 74. Spanischen Familien, welche diese Wuͤrde erblich haben, siehe VAYRAC tom. II. liv. V. und die Annales d’ Espagne, tom. IV. p. 316. b) Der Rangstreit der Grandes mit den Franzoͤ- sischen Dues und Pairs ist zwischen Philipp V. und Ludwig XIV. verglichen. c) Unter Kayser Carl V. entstanden auch Verdruͤß- lichkeiten zwischen den Teutschen und ihnen, wegen des Bedeckens. d) Beym hohen Adel ist Majorasco eingefuͤhrt, dessen Vorrechte Philipp II. zum grossen Nachtheil des Adels eingeschraͤnckt. Journal du voyage d’Espa- gne, p. 297 und Voyage d’Esp. p. 74. e) Die Hidalgos sind, ansser einigen alten Haͤu- sern, und den Ordensrittern, den buͤrgerlichen Unter- thanen vollkommen gleich. Journal du voyage d’ Espagne pag. 312. n. 313. 5. Verfassung der Reichsgeschaͤfte. §. 32. Die allgemeine Reichsgeschaͤfte werden durch das Consejo da Estado besorget, welchem einige Spanien. einige Escrivanos da Estado zu den verschiede- nen auslaͤndischen und einheimischen Affairen beygefuͤget sind. Jn wichtigen Faͤllen muͤssen von den subordinirten Collegiis Consultas an den Staatsrath gegeben werden. Jnsbesondere stehet den Americanischen Sachen der Rath von Jndien vor, von dem auch der Vice-Ré in Me- xico und Peru nebst allen uͤbrigen Statthaltern und die Casa da Contractacion zu Sevilsa depen- diren. Jn ausserordentlichen Faͤllen wird eine Junta angeordnet, die Person des Koͤnigs zu vertreten. a) Was ein memorial monté et descendu, oder eine consulte montée et descenduë sey, aus den Memoi- res de la cour d’Espagne. b) Unterschrift des Koͤnigs an die Unterthanen oh- ne seinen Namen. §. 33. Der Spanier ist ein aberglaͤubischer Christ, und putzt die Catholischen Ceremonien mit Spa- nischen Verzierungen aus. Die 8. Erz- 44. Suffcagan- und 2. exempte Bischoͤfe nebst un- zaͤhligen Kloͤstern zehren das Fett von Spanien. Jn America ist die Geistlichkeit weder an Men- ge noch an Reichthum viel geringer. Man zaͤh- let allein 6. Ertz- und 38. Bißthuͤmer darinnen. a) Den Spanischen Aberglauben beweisen selbst Roͤmisch-Catholische Schriftsteller, als der P. LABAT I. 15, und der Verfasser der Lehrr. Nachr. II. 42. b) Spanien. b) Von der gantzen Kirchenverfassung handelt VAYRAC. t. II. liv. IV. c) Der Ertzbischof von Toledo, ist Primas Hispa- niae, Cancellarius Castellae und Consiliarius status natus, er hat die geistliche Jurisdietion uͤber 5. grosse und 109. andre Staͤdte, 516. Flecken und Doͤrfer, 4. Collegial-Kirchen, 25. Ertzpriester, 5000. Priester, und mehr als 506000. Communicanten. VAYRAC II. p. 331. welcher von dessen Domeapitul hinzufuͤgt: qui est sans contredit le plus Auguste, le plus nombré et le plus riche de la Chrétienté après S. Pierre de Rome p. 329. Man rechnet des Ertzbi- schofs Einkuͤnfte auf 300.000. und des Domcapituls auf 150 000. Ducaten. d) Die Ann. d’Esp. IV. 45. zeigen aus des GIL GONZALEs D’ AVILA grandesses de Madrid, daß schon 1623. die Franeiseaner allein 859 Kloͤster beses- sen, worinnen sich mehr als 14.000. Moͤnche und Non- nen maͤsten. e) Der Reichthum der Kirchen zu Madrid, Se- villa, Toledo, Sarragossa, erhellet aus den Lehrr. Nachr. II. 76. f) ALEXANDRE OLIVIER OEXMELIN in seiner Histoire des avanturiers qui se sont signalés dans les Indes, II. tomes a Paris 1688. 12. hat einen be- sondern Anhang von der Chambre des comptes dans les. Indes, worinnen die geistliche Stifter in Ameri- ea und deren Einkuͤnfte namhaft gemacht werden. §. 34. Der Koͤnig ernennt zu allen Ertz- und Biß- thuͤmern, und der Pabst bestaͤtiget sie. Die Canonicate vergiebt theils der Koͤnig, theils der Bi- Spanien. Bischof, theils das Capitul, theils der Pabst. Dieser geniesset auch das eintraͤgliche ius spolii durch seinen Nuntium. a) Den Vergleich Kayser Carls V. mit dem Pabst Clemens VII. wegen der Ernennung zu den Stiftern findet man in des gedachten Pabstes Bulle im Corps Dipl. Supl. tom. I. part II. p. 109. b) Siehe auch Journal du voyage d’Esp. p. 381. c) Keine Paͤbstliche Bulle darf ohne des Koͤnigs schriftliche Einwilligung publicirt werden §. 35. Die beruͤchtigte Jnquisitions-Gerichte, welche die Koͤnigin Jsabella, Kraft eines Geluͤb- des zuerst in Spanien eingefuͤhret, und deren man jetzt 14. in dem Reiche selbst und 3. in A- merica zaͤhlet, haͤlt die Nation fuͤr ihr Heilig- thum, andre aber sehen solche als das allergrau- samste Blutgericht an. Spanien hat sich da- durch unersetzlichen Schaden gethan, und die unumschraͤnckte Gewalt der Jnquisition bleibt allemal gefaͤhrlich und schrecklich, ungeachtet in vielen Jahren keine feyerliche Autos da fe vor- genommen werden. 1) Backers vollstaͤndige Nachricht von der Jnquisition aus dem Englischen mit D. Baumgar- tens Vorrede, Halle 1736. 8. ist unter den vielen Schriften hiervon am brauchbarsten. a) Ursprung des sancti offieii inquisitionis hae- reticae prauitatis vom heiligen Dominico unter Pabst Jnnocentio gegen die Albigenser. b) Spanien. b) Die Paͤbste fuͤhrten solche in Jtalien ein; aber die Teutschen, Engellaͤnder, Franzosen und Nieder- laͤnder liessen sich solche nicht aufbuͤrden. c) Verfassung, Privilegia, Jurisbietion dieser Ge- richte, nebst den Hauptpuncten ihrer Untersuchungen, ihren 20. 000 Familiares, Processen und Executionen. d) Wie sie mit Carl V. und Philipp III. umge- gangen? e) Besondere Anmerkungen aus den treflichen Me- moires de la cour d’Espagne, pag. 195. §. 36. Den Unterthanen sind von Ferdinando Ca- tholico die Leges Tauri vorgeschrieben. Die neuern Koͤnigliche Verordnungen hat Philipp II. 1567. in eine Recopilacion und Philipp IV. 1640. in eine nueva Recopilacion bringen lassen. Nach diesen legibus ordinationum geltẽ die Fo- ra, (statuta prouincialia und localia ), zu wel- chen auch das Fuero Iuzgo, oder Forum, seu Liber Iudicum gehoͤrt, alsdenn la Partita, o- der die Leges septem partitarum, und endlich ius Caesareum oder Romanum. a) Die Leges Tauri sind auf den Cortes zu To- ro 1500. abgefasset, und bestehen aus 83. Gesetzen. Zween Gomez, Großvater und Enkel haben solche mit Commentariis erlaͤutert, Francof. 1591. f. b) Die nueva Recopilacion de las leyes de estos Reynos en tres tomos, sind zu Madrit 1640. f. herausgekommen. c) Das Spanien. c) Das Forum iudicum ist eine Sammlung, die noch von den Gothischen christlichen Koͤnigen herruͤh- ret. Man findet sie in LINDENBROGII Codice le- gum antiquarum. d) La Partita ist unter Alphonso X. dem Weisen- Koͤnige von Castilien, ex dictis sanctorum et sapien- tum et moribus Hispanorum 1260 gesammlet worden, und hat von ihren 7. Theilen den Namen erhalten. Gregorius LOPEZ hat Spanische Glossas, und die beyde a Hermosilla, Vater und Sohn, haben einen Commen- tarium daruͤber geschrieben. e) Die Rangordnung dieser Gesetzbuͤcher wird in leg. 1. Tauri festgestellt. f) Um die Spanische Gesetze hat sich der Daͤnische Legations-Secretaͤr Gerhard Ernst von Franke- nau verdient gemacht, welcher Sacra Themidis Hi- spaniae Arcana zu Hannover 1703. 4. herausgegeben. §. 37. Die kleinere Staͤdte und Flecken haben ih- re Rigidoros und Alcaldes, die groͤssere Staͤd- te ihre Corrigidoros. Uebrigens sind 7. Pro- vinzial-Gerichte oder Audienzias Reales, wor- innen die Vicekoͤnige und Statthalter den Vor- sitz haben. Sie stehen unter dem hoͤchsten Reichstribunal dem Consejo Real di Castilla, welches in 4. Cammern abgetheilt ist. Der Proceß ist kostbar und langweilig. a) Das einzige Koͤnigreich Navarra ist hievon aus- genommen. Dieses hat seine besondere Gesetze, sei- nen besondern Proceß und ein Consejo Real mit dem Spanien. dem Privilegio de non appellando. VAYRAC, t. III. liv. VI. p. 251. b) Ehemals genossen Arragonien, Valentia und Ca- talonien eben dieser Vorrechte; aber Philipp II. cas- sirte solche in dem ersten Reiche, und Philipp V. 1706. in den beyden andern Provinzen. c) Der koͤnigliche Rath von Castilien vertheidiget auch die Rechte der Majestaͤt gegen die Paͤbstliche Ein- griffe. ZANETORNATO in seiner relatione del go- verno della corte di Spagna, Cosmopoli 1672. 12. §. 38. Die koͤnigliche Einkuͤnfte fliessen zusammen aus den Zoͤllen, (Almojarifazgos und Portos secos) dem Zehenden von allem, was verkauft oder vertauschet wird, (Alcavalas) der Accise auf Fleisch, Wein und andere Lebensmittel, (Los Milliones) der Vermoͤgensteuer, (Los Ser- vicios) dem Stempelpapier (Papel Sellado) und der Salzsteuer; (Salinas) ferner aus der Creuzbulle (Bolla de la Cruzada) und Dispen- sation wegen der Fastenspeisen, (Grozzura und Mantego) dem Tribut sowohl der Geistlichkeit, (Terzias und el Escusado) als des hohen A- dels und der Ritterorden, contribution des lances et des galères) und den Großmeister- thuͤmern. a) Siehe von allen diesen Arten der Einnahme VAYRAC, III. 284. und LAET in Hispania, p. 377. b) Von der Creuzbulle und Dispensationen LABAT, E I. 265. Spanien. I. 265, 268. welcher die Creuzbulle des Pabstes Urban VIII. im Anhange beygefuͤgt. §. 39. Jn America gelten alle Abgaben, die in Spanien mode sind, und die Creutzbulle wird gar doppelt bezahlt. Ausser dem ziehet der Koͤnig von aller Ausbeute theils 5. theils 10. Procente, von der Ausfuhr des Goldes und Silbers an- derthalb Procente. Das Muͤnzregal in Mexieo ist gleichfalls sehr eintraͤglich. Auf die Einfuhr der Mohren sind schweere Abgaben gelegt, und noch ausserdem ist er in dem Negreshandel, wel- chen er den Engellaͤndern verwilliget, auf ein Viertheil interessirt. 1. Etablissement d’une chambre des comptes dans les Indes Occidentales, III. partie, des revenus que le Roi d’ Espagne tire de l’ Amerique, p. 265. im Anhange zum zweyten Bande der obgedachten Hi- stoire des Avanturiers qui se sont signalés dans les Indes. a) Von den Einkuͤnften aus der Mexicanischen Muͤnze handelt LABAT, I. 271. b) Die Bedingungen des Englischen Mohrenhan- dels nach dem Spanischen America siehet man aus dem Assiento-Tractat vom 26. Merz 1713. in Schmaus- sens Corp. I. Gent. Acad. tom. II. p. 1295. §. 40. Spanien. §. 40. Das Consejo Real da Hazienda ist uͤber die Reichs-Einnahme und Ausgabe gesetzt. Es ist in vier Kammern eingetheilt, nehmlich in die Finanz-Millionen-Justitz- und Oberrechnungs- kammer, wovon die letzstere Contaduria Major genennet wird, und besteht uͤberhaupt aus einer groͤssern Anzahl Personen, als alle uͤbrige koͤnig- liche Collegia zusammen genommen. Durch die elende Haushaltung der Oesterreichischen Koͤnige stiegen nicht nur die Kronschulden entsetzlich; son- dern es fielen auch die Einkuͤnfte zugleich so uner- hoͤrt, daß man iu der ganzen Historie kein aͤhn- liches Exempel aufweisen kann. Philipp V. hat deßwegen den grossen Franzoͤsischen Cammerali- sten Orry dreymal nach Spanien kommen las- sen, und ziemliche Verbesserungen gemacht. a) Von der Hazienda VAYRAC, III. 244. b) Schon Philipp II. kosteten die jaͤhrliche Jnteressen seiner Schulden die Haͤlfte seiner Revenuͤen. LAET in Hispania, p. 480. c Vom Elende in Spanien unter Carln II. sind die Memoires de la Cour d’Espagne und der ZANE- TORNATO voll. Man kann auch die Briefe des Filtz-Moritz, bl. 97. ansehen. d) Von den Verbesserungen Philipp V. durch Orry VAYRAC, III. 304. E 2 §. 41. Spanien. §. 41. Spanien kann schwerlich uͤber 40. biß 50. 000. Mann ins Feld stellen. Doch wird der Mangel an grosser Anzahl durch die Tapferkeit und gute Eigenschaften seiner Truppen ersetzt. Jnfanterie und Cavallerie sind beyde gleich tref- lich; besonders seit dem solche unter Philipp V. auf Franzoͤsischen Fuß gesetzt worden. Gutes Gewehr haben sie im Ueberflusse. a) LAET in Hispania, p. 443. b) VAYRAC, III. 419. c) Jhr Schieß- und Seitengewehr wird in Bilbar, Tolosette, Gallicien und Navarra gemacht. §. 42. Jm sechszehenden Jahrhundert hatte Spa- nien unstreitig eine voͤllige Uebermacht zur See. Nach dem Zuwachs von Portugal haͤtte es in allen Europaͤischen und Americanischen Gewaͤs- sern Gesetze vorschreiben koͤnnen. Aber die fata- le Unternehmung auf Engelland 1588. brachte dem Spanischen Seewesen einen toͤdlichen Stoß bey. Jnzwischen wachten die andern Nationen auf, und halfen die Spanier vollends niederwerfen. Seit dem Utrechtischen Frieden hat sich Philipp V. grosse Muͤhe gegeben, die Marine in bessern Stand zu setzen, und seine Flotte ist, ausser den Americanischen Gallionen und 50. biß 60. Galee- ren Spanien. ren, fast auf 30. Kriegsschiffe gestiegen. Holz, Theer und Canonen haben sie selbst; aber Se- gel- und Thauwerk muͤssen sie von Fremden er- kaufen. a) Philipp V. hat von den Franzosen und Genue- sern Schiffe gekauft, ja mit Rußland daruͤber nego- ciirt. b) Die koͤnigliche Schiffe werden in Corunna, Fer- rol und Cadix aufbehalten. 6. Jnteresse. §. 43. Die Natur hat Spanien vor auswaͤrtigen Anfaͤllen treflich sicher gestellt. Die Regiments- Form ist so gut eingerichtet, daß dem Koͤnige zu Befoͤrderung der Landeswohlfahrt die Haͤnde nicht gebunden sind. Aber ungeachtet der zum Theil gluͤcklichen Bemuͤhungen, welche es im jetzigen Jahrhundert angewandt, sich aus seiner Erniedrigung herauszuhelfen, wird es sich doch zur vorigen Hoͤhe nicht bringen, wenn es nicht seine Einwohner zu vermehren, und arbeitsamer zu machen, und eine allgemeine Reformation im Cammerwesen durchzusetzen weiß. a) THOMAS CAMP ANELLA in seinem discursu de monarchia Hispanica, Amstelodami 1640. 12. giebt den Spanien eine Menge Anschlaͤge, die theils vernuͤnftig, theils laͤcherlich sind. E 3 b) Spanien. b) Ausser den Vortheilen der Lage koͤnnen im Rei- che selbft auslaͤndische Truppen; sonderlich Cavallerie nicht anders als mit den groͤßten Kosten und Beschwer- lichkeiten subsistiren. VAYRAC, III. 320. c) Christliche Einfalt des Spanischen Ministerii unter Carl II. aus seiner Antwort auf den Vorschlag einiger Hollaͤnder, den Tajo schisfbar zu machen. VAYRAC, III. 315. d) Eine aͤhnliche Staatsmarime dieser Herren we- gen der auslaͤndischen Manusacturen erzehlen die Me- moires de la Cour d’Espagne depuis 1679. jusqu’en 1681. p. 292. e) Daß Orry nicht gantz reussiren koͤnnen, und Alberoni sowohl als Ripperda bey ihren guten Projecten so geschwinde gestuͤrtzt worden, daran hatten theils die hartkoͤpfige Spanier, theils die Auslaͤnder, ja selbst die Jesuiten Schuld. Lehrr. Nachr. II. 71. Das Das II. Hauptstuͤck. Staat von Portugal. Schriftsteller: 1. Aus denen bey dem Spanischen Staat angefuͤhr- ten Schriftstellern koͤnnen hiebey nuͤtzlich gebraucht werden: Annales d’ Espagne et de Portugal par Don JUAN ALVAREZ COLMENAR, und Lehrreiche Nachrichten fuͤr einen Reisenden in verschiedene Europaͤische Staaten. 2 Relation de la Cour de Portugal sous Don Pedro II. traduite de l’Anglois, II. tomes, à Am- sterdam, 1702. 8. 3. Histoire generale de Portugal par M. LEQVIEN de NEVFVILLE, II. tomes, à Paris 1706. 4 in dem Vorbericht. 4. Staat von Portugal, (von Hrn. Hofr. Schmaussen ) 2. Theile, Halle 1714. 8. E 4 5. Portugal. 5. Helmstaͤdtischer Nebenstunden sechstes Stuͤck, worinnen von Portugal und den zwischen dieser Krone und dem Koͤnige von Spanien ent- standenen Zwistigkeiten gehandelt wird durch G. (Goͤbel) Helmstaͤdt 1736. 8 6. Memoires de Portugal, dressez par le Che- valier d’ OLIVEYRA, II. tomes, à Amsterd. 1741. 8. I. Staatsveraͤnderungen. §. 1. P ortugal hat in alten Zeiten einerley Schick- sal mit Spanien gehabt. Die Phoenicier, Carthaginienser, Roͤmer, Alaner, Schwaben und Westgothen haben nacheinander darinnen gesessen: endlich im Anfange des achten Jahr- hunderts wurden die Saracenen davon Meister. §. 2. Heinrich ein Burgundischer Printz aus Koͤniglichem Franzoͤsischen Gebluͤte erobert einen Theil von Portugal im Namen Alphonsi VI. Koͤnigs von Castilien und Leon, wird durch sei- ne Vermaͤhlung mit dessen Printzessinn Theresia Graf in Portugal 1093. und erhaͤlt es erb- und eigenthuͤmlich 1110. Sein Sohn Alphonsus erweitert seine Herrschaft, nimt mit Wieder- spruch der Castilianer den koͤniglichen Titul an, und bringt die Regierungsform in Ordnung. Dessen Portugal. Dessen Nachfolger saubern das Reich immer mehr von den Saracenen, Alphonsus III. ver- knuͤpft Algarbien mit der Krone, und die eheli- che maͤnnliche Linie stirbt mit Ferdinand I. 1383. aus. §. 3. Johannes der Bastard, des letzten Koͤnigs natuͤrlicher Bruder, schwingt sich mit Huͤlfe der Staͤnde auf den Thron, dessen gluͤckseelige Nach- kommenschaft die gantze Kuͤste von Africa, von Ostindien und von Brasilien entdeckt, und an Land und Handel maͤchtig wird. Daher ist unter Emanuel, dem Urenkel Johannis I. die guͤldene Zeit; aber mit dem Tode seines eigenen Uren- ckels Sebastians faͤllt alles, und Heinrich der Cardinal beschließt den Mannsstamm 1580. a ] Erstaunliche Veraͤnderung des gantzen Handels zwischen Ostindien und Europa. §. 4. Unter allen Kronpraͤtendenten behauptet Philipp II. Koͤnig von Spanien das Reich mit Gewalt. Seit dem wird nicht allein der reichste Theil des Seehandels den vereinigten Nieder- laͤndern zur Beute; sondern diese reissen auch gantze Jnsuln und Provinzen in beyden Jndien, und sonderlich das beste Stuͤck von Brasilien an sich. Die Portugiesen verliehren auf allen E 5 Sei- Portugal. Seiten, und werden noch dazu greulich tyranni- siret. Diese Zeit der Truͤbsal dauert 60. Jah- re. Endlich setzen sie sich 1640. durch einen gluͤck- lichen Aufstand in Freyheit, und ihr geliebtes Haus von Braganza auf den Thron. a) Was Portugal, ehe es unter die Svanier ge- fallen, in Africa, Asien und America besessen. b) Was es unter der Herrschaft der Spanier ein- gebuͤsset. c) Wie ausser den Hollaͤndern die Engellaͤnder/ Persianer, Japaneser und selbst die Spanier dazu be- huͤlflich gewesen. §. 5. Johannes IV. vertreibt die Hollaͤnder aus Brasilien, verliehrt aber fast alles in Ostindien. Sein Sohn Alphonsus VI. wird 1667. von seinem Bruder Peter II. der Krone beraubt, welcher den 28. jaͤhrigen Krieg mit den Spaniern 1668. so gluͤcklich endiget, daß er ihnen die Sou- verainitaͤt abzwinget. Er mischet sich auch in die Spanische Successionshaͤndel, aber ohne Vor- theil. Seit dem hat das Reich unter Johann V. einer bestaͤndigen Ruhe genossen. a Endlicher Haager Vergleich zwischen Holland und Portugal wegen der Ostindischen Eroberungen 1661. 1. Histoire des revolutions de Portugal par M. l’Abbé de VERTOT, à Amsterdam 1712. 12. 2. Be- Portugal. 2. Beschaffenheit der Laͤnder. §. 6. Portugal das aͤusserste Reich in Europa gegen Westen hat ein warmes; aber sehr angenehmes Clima, ist von sehr mittelmaͤssiger Groͤsse, und wird gegen Morgen und Mitternacht von Spa- nien, gegen Abend und Mittag aber von dem Atlantischen Meer eingeschlossen. a) Von der Annehmlichkeit Portugals schneiden die Portugiesen auf. Staat von Port. I. 67. aus des SOVSAE Lusitania liberata. §. 7. Ausser dem Mondego erhaͤlt es seine grosse Fluͤsse, den Douro, Tejo, Guadiana und Minho aus Spanien. Sie sind wenig schiffbar; aber desto reicher an Fischen. Aus den verschie- denen Gebuͤrgen quellen eine Menge Baͤche hervor, sie geben auch die schoͤnste Marmorbruͤ- che, und zeugen unstreitig allerhand Metalle. a) Der Douro, Tejo und Mondego fuͤhren Gold, Johannes III. hat sich aus dem Metall des erstern einen Scepter machen lassen Helmstaͤdt. Nebenstun- den, bl. 24. aus des RESENDII antiquitatibus Lu- sitanicis. b) Martin Ficaretus wollte den Douro bis Leon schiffbar machen; aber es unterblieb aus Staats- raison. c) Portugal. c) Vom Marmor, den verschiedenen Edel- und den treflichen Muͤhlsteinen, die bis nach Jndien gefuͤhret werden. Staat von Port I. 77. d) Es sind Kupferminen in Algarbien, Silber, Zinn-Bley- und Eisenadern in den Nordlichen Thei- len des Reichs, und nahe an der Guadiana die Via de Prata; aber man bauet sie mit Fleiß nicht. Lehrr. Nachr. §. 8. Portugal hat Seesalz, Wein, Oliven- und Roßmarinwaͤlder, Honig, Orangen- und andre Gartenfruͤchte uͤberfluͤßig, Viehzucht und Schaͤfereyen zur Gnuͤge, mehr Esel als Pferde, das Getreyde aber, sonderlich Weitzen reichet jetzt fuͤr die Einwohner nicht zu. a) Salzeanaͤle zu Santaren, Alenquer und Torres Vedras. b) die beste Weine in Algarbien. c) Ehemals litte Portugal keinen Mangel an A- ckerbau; aber die viele Colonien und die Nachlaͤßig- keiten der Portugiesen sind schuld daran. Staat von Portugal, I. 68. §. 9. Das Reich an sich selbst bestehet aus zwey sehr ungleichen Koͤnigreichen, Portugal und Al- garbien, wovon das erste in 5. Provintzen ab- getheilet ist. §. 10. Portugal. §. 10. Lissabon ist das praͤchtige Haupt von Por- tugal am Tejo, dessen Zugaͤnge von der Seeseite wohl verwahret sind, Belem das Mausolaͤum der Koͤniglichen Familie, das von Johann V. mit Millionen Kosten aufgefuͤhrte Maffra ein neues Escurial. 1. DAMIANI a GOES Olisiponensis vrbis deseri- ptio, tom. II. Hispaniae illustratae, p. 879. 2. Maffra liegt 8. Meilen von Lissabon, war sonst das armste Kloster in gantz Portugal, wo 12. Bettelmoͤnche unter einer Strohhuͤtte schliefen. Johannes ließ 12000. Mann daran arbeiten, und hat uͤber 3. Viertel seines Schatzes und des Brasilianischen Gol- des in Steine verwandelt, Lehrr. Nachr. I. 180. §. 11. Die viele Festungen gegen die Spanische Grenze, sonderlich Valenza, Miranda de Dou- ro, Estremos, Elvas ruͤhren groͤstentheils noch von Schombergs Anstalten her. Unter den Seehaͤfen sind nebst Lissabon auch Setubal, Porto und Viana merckwuͤrdig. 1. ANTONII V ASCONCELLI descriptio regni Lufi- taniae ist seinem historischen Wercke unter dem Titul: Anacephalaeoses, id est summa capita actorum re- gum Lusitaniae angehengt, Antwerpiae 1621. 4. §. 12. Diese Nation ist unter den Europaͤischen die erste, welche neue Laͤnder entdecket, und war Portugal. war eine zeitlang die eintzige, welche sich ruͤhmen konnte, ihre Herrschaft in allen vier Theilen des Erdbodens ausgebreitet zu haben. So sehr sie auch von ihrer ehemaligen Hoͤhe herabgefallen, so besitzet sie doch noch in der uͤbrigen alten und neuen Welt ansehnliche Laͤnder. §. 13. Auf dem Atlantischen Meer gehoͤren die- ser Krone die Azorischen Jnsuln nebst Madera; Jn Africa etwas an der Kuͤste der Barbarey, die Jnsuln des gruͤnen Vorgebuͤrges, nebst der Jnsul St. Thomas, unterschiedliche Festungen in den Koͤnigreichen Loango, Congo, Angola, in Monomotapa, und auf der oͤstlichen Kuͤste der Caffaren in Sofola, ferner an der Kuͤste von Zanguebar der trefliche Seehafen Mosambique; in Asien, und zwar in den Koͤnigreichen Cam- baya, Decan und Cuncan viele Oerter, haupt- saͤchlich Goa und Diu. a) Die Azorischen Jnsuln liefern viel Pastel. b) Madera giebt herrlichen Wein und Zucker. c) Die Capo-Verdische Jnsuln nebst Zucker auch viel Saltz, Reiß und Cotton. St. Thomas ist eine blosse Zuckerinsul. d) Jn Monomotapa haben sie unterschiedliche Goldbergwercke in einem Bezirck von 60. Meilen. e) Mosambique bedeckt ihren gantzen Africanischen und Asiatischen Handel. Es ist auch daselbst der vor- nehmste Gouverneur von den Africanischen Provinzen. f) Portugal. f) Fehler der Portugiesen, daß sie das Vorgebuͤr- ge der guten Hofnung unbesetzt gelassen. §. 14. Jn America besitzen sie das unvergleichliche Brasilien nebst einem Theile des angrenzenden Gviana, Paraguay und Magellanica biß an Cabo rotondo oder Punto de Marca. Diese Laͤnder geben Zucker in erstaunlicher Menge, Gold, Silber und Edelsteine, Brasilien- und anderes Faͤrbe- und Bauholz, Taback, Jndigo, Pfef- fer, Jngver, Balsam, Baumwolle, Viehhaͤute. 1. IOANNIS de LAET historia naturalis Brasiliae, Lugduni Batavorum 1648. f. a) Von allen diesen Nebenlaͤndern der Portugiesen giebt einen schoͤnen Auszug aus Johann Hugo von Linschotten Reisen, den Voyages des LE MAIRE, Carli nach Venedig uͤberbrachtem Mohr, der Re- lation des voyages de M. de Gennes par FROGER, dem Voyage de DELLON aux Indes orientales und Dappers verschiedenen Schriften der Staat von Portugal, I. Theil, 2. Capitel. b) Vom Bay de todos los Santos und der Haupt- stadt in Brasilien St. Salvador macht FREZIER in seiner relation du voyage de la mer du Sud p. 225. eine accurate Beschreibung. c) Die beste Goldbergwerke sind in Rio di Ianeyro, vieles davon haben die Paulisten im Besitz. FREZIER eb. das. Man findet in Brasilien Stuͤcke von 3. biß 8. Mark gediehenes Goldes, welches bißweilen kaum 2 Fin- ger tief unter der Erde liegt. Lehrr. Nachr. I. 212. 3. Be- Portugal. 3. Beschaffenheit der Einwohner. §. 15. Das Land ist volkreich genug; es wuͤr- de aber sonderlich seit der Aufnahme und Be- kehrung der Juden unter Johann II. und Ema- nuel noch weit staͤrker bewohnet seyn, wenn nicht die viele Schiffarten, auswaͤrtige Colonien und der Religionseifer so viel Menschen gekostet haͤtte. a) Die Provinz Entre Minho e Douro wimmelt sonderlich von Menschen. Staat von Portugal, I. 19. b) Menge und Ansehen der heimlichen Juden, die oft selbst unter der Moͤnchskutte und Bischofsmuͤ- tze stecken. Eb. das. II. 282. c) Warum Petrus II. das ungemein vortheilhafte Erbieten der Juden in Amsterdam und der Levante nicht angenommen, Memoires d’ ABLANCOURT, p. 379. d) Wie erstaunlich die Zahl der Einwohner in Por- tugal durch die Schiffarten nach beyden Jndien ab- genommen, ex Botero LAET in Hispania, cap. IV. p. 95. §. 16. Die Sprache und das Temperament der Portugiesen ist groͤstentheils Spanisch. Doch hat die Vermischung dort mit der Franzoͤsischen Mundart, hier mit dem Juͤdischen Blute ver- schiedenes geaͤndert. a) Jn Portugal. a) Jn der Prahlerey, der Eifersucht und dem uͤblen Bezeigen gegen Fremde kommen sie dem Spanier gleich; aber in der Verschlagenheit und Pracht uͤbertreffen sie ihn. b) Hievon so wohl als von ihrer Siesta, dem Stierge- fecht und dem Umgange mit ihrem Frauenzimmer haben die Lehrr. Nachrichten viel Merkwuͤrdiges. §. 17. Die Barbarey sitzt an dieser Ecke von Eu- ropa noch ziemlich fest, und hat den Aberglau- ben zur Schutzwehr. Die Wissenschaften wer- den in Coimbra und Evora zwar gut bezahlt; a- ber schlecht getrieben. Die Landesgeschichte hat das Gluͤck genossen, daß der jetzige Koͤnig ihrent- wegen 1721. eine Academie von Standesperso- nen errichtet, welche sich durch unterschiedliche Schriften bey der gelehrten Welt schon legitimi- ret hat. a) Unwissenheit des Portugiesischen Ministerii in der Geographie aus dem Gluͤckwunsch an den neuen Koͤ- nig von Preussen. IOANNIS PETRI LVDEWIGII opuscula oratoria, num. XIV. b) Jn Lissabon ist keine Universitaet; aber sie ist zwey- mal da gewesen, und zweymal wieder nach Coimbra verlegt worden. Staat von Portugal, II. 319. c) Von der neuen Academie der Geschichte siehe Acta Eruditorum ad a. 1727. mens. Januar. n. 1. Es ist ihre Einrichtung beschrieben in der Historia da Academia real da historia Portuguesa composta por MENOLL TELLES da SYLVA, 1727. f. F §. 18. Portugal. §. 18. Die Feldarbeit und die Handwerker sind dem Portugiesen entweder zu geringe oder zu muͤh- sam. Er verraͤth seine Ungeschicklichkeit so gar in den gemeinsten Geschaͤften der Haushaltung. Ausser einiger groden Leinwand, Stroharbeit und candirten Sachen macht er fast keine Kunst- arbeit, und man beschuldiget die Engellaͤnder, daß sie dafuͤr sorgen huͤlfen, damit er in Manu- facturen und Fabricken nicht kluͤger wuͤrde. a) Durch was fuͤr Privilegia man den Bauern zum Ackerbau aufmuntern muͤssen. b) Johannes II. suchte die Pferdezucht zu verbessern, kaufte viel Pferde aus der Barbarey, theilte solche aus, verboth auf Mauleseln zu reuten, und zwang auf eine listige Art auch die Geistlichkeit, sich der Pferde zu be- dienen. EMANUEL TELLESIUS SYLVIUS de rebus gestis Ioannis II., Hagae Comitum 1712. 4. p. 209. c) Grobe Einfalt an dem Exempel der Butter und der Eißgruben, aus den Lehrr. Nachrichten, d) Eben diese erzehlen die Bemuͤhungen der Engli- schen Kaufleute, wodurch sie die neuen Spiegelmanu- facturen in Portugal gluͤcklich ruiniret, II. 173. §. 19. Hergegen den Handel versteht er aus dem Grunde. Er schiffet in alle Theile der Welt, nur nicht in andre Europaͤische Laͤnder. Ausser dem, was seine ihm dort unterwuͤrfige Provin- zen liefern, hohlt er Gold, Helfenbein, Haͤute und Portugal. und Negres aus Africa, und die kostbare Chi- nesische Waaren aus Macao. Der ganze Han- del von und nach Brasilien geht bloß durch seine Hand. Dem ungeachtet ist der Profit von die- sen weitlaͤuftigen Commercien vor ihn nicht aus- serordentlich groß, weil er seine inlaͤndische und Jndische Waaren und Schaͤtze anwenden muß, um von den Europaͤischen Nationen Getreyde, nnd fast alle nur moͤgliche Manufacturen von Wolle, Seyde, Leinen und allerhand Metallen, biß auf Glaß und Papier, vor sich und seine Ne- benlaͤnder theils zu ertauschen, theils zu erkaufen. a) Die Negres braucht er in grosser Menge in Bra- silien nicht nur zur Arbeit, sondern auch zum Staat, und rechnet FREZIER 20. Mohren gegen einen Weis- sen in der Stadt St. Salvador. Voyage de la mer du Sud, II. 532. b) Der Handel nach Macao ist nicht nur wegen der Chinesischen Seyde, und allerhand Manufacturen, Thee, Muscus, Ambra, u. s. w.; sondern auch deß- wegen sehr wichtig, weil das Silber dort um 30. Pro- cent hoͤher am Wehrte ist, als in Europa. Staat von Portugal aus Linschottenl itinerario, I. 145. c) Politick der Koͤnige von Portugal, den Aus- laͤndern die Brasilianische Haͤfen zu verschliessen, wenn sie gleich vot baar Geld handeln wollten. FREZIER, II. 538. d) Von ihren Brasilianischen und Ostindischen Kaufardeyflotten, was und wie viel sie nach Portu- gal bringen. e) Was die andre Europaͤische Nationen nach Por- tugal fuͤhren, Staat von Portugal, II. 427, und F 2 uͤber- Portugal. uͤberhaupt das XII. Capitel daselbst vom Zustande der Manufacturen und Commercien in Portu- gal. §. 20. Die Portugiesen rechnen nach Reis, deren 25. einen ggr. betragen, nach Crusados oder Du- cati de Portugal, von 400. Rees, das ist, 16. ggr. und nach Millereis oder 1. Rthlr. 16. ggr. Die gangbare Silbermuͤnzen sind ein Vintin von 20. Rees, Real von 40. R., Tostun von 100. R. Patagon von 500. R. Die Goldmuͤn- zen sind ein Moeda von 2000. R., Mi-Moe- da, Doppio-Moeda und die grosse Goldstuͤcken von 10.000. R. a) Siehe Staat von Portugal, II. 439. 4. Staatsrecht. §. 21. Die Leges Lamecenses, oder die 22. Ar- tickel, welche auf dem Reichstage zu Lamego un- ter der Regierung des ersten Koͤnigs von Portu- gal Alphonsi Henriquez 1181. festgestellt wor- den, sind das Hauptgrundgesetz des Reiches, und betreffen den Titul des Reichs, die Erbfolge, den Adelstand, das Gerichtswesen und die Souve- rainetaͤt von Portugal. Das Manifest der Reichsstaͤnde von 1641. wegen Erhoͤhung des Her- zogs Portugal. zogs von Braganza Johannes auf den Portu- giesischen Thron erklaͤret den Punct der Erb- folge, und bestaͤtiget das Recht der Staͤnde bey Succeßions-Streitigkeiten. a) Die Leges Lamecenses sind in Hrn. Schmaussens Corp Jur. Gent. Acad. p. 5, das Manifest eben das. p. 2290. befindlich. §. 22. Johannes V. jetztherrschender Koͤnig von Portugal ist ein Sohn Koͤnigs Petri II. und der Pfalzneuburgischen Prinzeßinn Maria Sophia Elisabeth. Er wurde gebohren 1689., trat die Regierung an 1707., vermaͤhlte sich mit der Erz- herzoginn Maria Anna Josepha, einer Toch- ter des Kaysers Leopolds 1708. Sein Erbprinz Joseph Emanuel hat von seiner Gemahlinn der Spanischen Prinzeßinn Maria Anna Vi- ctoria noch keine maͤnnliche Erben erzielt. Der nachgebohrne Prinz Petrus ist Großprior von Crato. Die Prinzeßinn Maria Magdalena ist nunmehr regierende Koͤniginn von Spanien. Des Koͤnigs Johannes Bruder Don Emanuel hat wunderliche Schicksale gehabt, und sich fast in ganz Europa umgesehen. a) Den Koͤnig, die Koͤniginn nebst der ganzen koͤ- niglichen Familie characterisirt treflich der Verfasser der Lehrreichen Nachrichten. F 3 b) Die Portugal. b) Die Wechselheyrath zwischen Spanien und Por- tugal 1729. ist noch zur Zeit auf beyden Seiten un- gluͤcklich. §. 23. Der vollstaͤndige Koͤnigliche Titul lautet al- so: Joannes Dei gratia Rex Portugalliae et Algarbiorum, cis et vltra mare in Africa, Dominus Guineae, conquisitionis, nauiga- tionis et commercii Aethiopiae, Arabiae, Persiae Indiaeque etc. a) Algarbiorum rex nennte sich Alphonsus V. seit 1471. wegen seiner Africanischen Eroberungen. NEVF- VILLE histoire generale de Portugal, tom. I. p. 442, 455. b) Nauigationis und commercii dominus ist sonst in der Europaͤischen Titulatur unerhoͤrt, weil dieses res incorporales sind. Emanuel fuͤhrte solchen Ti- tul ein, und brauchte ihn schon 1513. Die beyde Paͤbst- liche Bullen Nicolai V von 1454. und Alexandri VI. von 1493 haben vermuthlich hiezu Anlaß gegeben. Bey- de sind in dem Staat von Portugal exttahirt, die ersten aus RAYNALDI continuatione Baronii, die andre aus CHERVBINI Bullario. §. 24. Der aͤlteste Sohn des regierenden Koͤniges wurde seit Eduards Zeiten Prinz genennt, Jo- hannes IV. aber legte ihm den Namen Prinz von Brasilien bey. Die uͤbrige Koͤnigliche Kin- der und Bruͤder heissen, wie in Spanien, Jnfanten. a) Vor Portugal. a) Vor Eduarden hiessen alle Koͤnigliche Kinder oh- ne Unterscheid Jnfanten. Staat von Portugal, I. 406. aus dem VASCONCELLO und FARIA. §. 25. Den fuͤnf Schildlein 1. 3. 1. des Koͤnigli- chen Wappens mit ihren fuͤnf silbernen Pfenni- gen in Form eines Andreaskreutzes gelegt geben die glaubensvolle Portugiesen eine mystische Er- klaͤrung, ja sie sehen dieses Wappen wegen sei- nes goͤttlichen Ursprungs als ein Pfand der ewi- gen Dauer ihres Reiches an. a) Christus, als er Alphonso I. erschien, hat die- ses Wappen mit folgenden Worten eingesetzt: vt ag- noscant successores tui datorem regni, insigne tu- um ex pretio, quo ego humanum genus emi, et ex eo, quo ego a Iudaeis emtus sum, compones: et erit mihi regnum sanctificatum, fide purum et pietate dilectum, nach dem Document von Alcobaza, §. XI. Siehe dasselbe in IOANNIS CARAMUELIS LOBKOWITZ Philippo Prudente, Lusitaniae legi- timo Rege, Antwerplae 1639. f. lib. II. art. VII. p. 114. b) Erweiß, daß, wenn diese Einsetzung richtig ist, die nachfolgende Koͤnige einen erschrecklichen Fluch auf sich geladen haben, vt sint in Domino maledicti, et cum Iuda traditore in inferno macerati, eben das. §. 15. c) Ursprung der Unterschrift des Koͤnigs Quinas genannt. F 4 d) Sie- Portugal. d) Siehe uͤberhaupt den Staat von Portugal. II. Cap. 7 und Hrn Prof Koͤhlers Muͤuzbelustigun- gen, VII. Theil, Bl. 33. §. 26. Der Hofftaat ist nach Proportion des Reichs fast gar zu ansehnlich. Die meiste Hof- aͤmter sind in gewissen Familien erblich. Die Galla ist schwarz und Spanisch. Der Rang bey Hofe ist nach einer klugen Alternative zwi- schen den weltlichen und geistlichen Standesper- sonen eingerichtet. a) Staat von Portugal, II. Cap. 6. und NEUF- VILLE histoire gener. de Portug. tom. I. p. 47. b) Die Unterthanen bekommen kniend Audienz, und der Staatssecretaͤr expedirt alles auf den Knien, und uͤberhaupt sind in den koͤniglichen Zimmern keine Stuͤhle. Lehrr. Nachr. I. 75. §. 27. Der Ritterorden von Avis ist 1147. ent- standen, und hat 1162. von Alphonso I. seine Sta- tuta erhalten. Er folget der Regel des heiligen Benedicti. Der von Sant Iago de la Spatha ist aus dem Spanischen Jacobsorden entsprun- gen, und unter Koͤnig Dionysio davon abgeson- dert worden. Er beobachtet die Regel des heili- gen Augustin. Die Ausrottung der Tempel- herrn gab Gelegenheit zum Ritterorden Christi, welcher von obgedachtem Dionysio 1319. errichtet worden. Portugal. worden. Er folgt mit dem Orden von Avis ei- nerley Regel. Alle drey Orden sind also geistlich, duͤrfen aber doch heyrathen, und haben ihre ein- traͤaliche Comthureyen. Kraft der Bulle des Pabstes Julii III. von 1550. ist die Großmeister- schaft aller 3. Orden bey den Koͤnigen erblich, und sie disponiren von allen Commenden. a) Staat von Portugal, II. Cap 9. und Me- moires d’Oliveira, tom. II. chap. 6. b) Die Malteserritter haben auch in Portugal ansehnliche Guͤter, sonderlich das Priorat zu Crato. Der Koͤnig vergiebt auch diese Commenden. §. 28. Vermoͤge oberwehnter Lamegischen Con- stitution ist der Portugiesische Thron zwar erblich, doch unter besonderen Einschraͤnkungen. Die Bruderskinder muͤssen die Einwilligung der Staͤnde bey ihrer Thronfolge suchen. Die Prin- ceßinnen koͤnnen auch succediren, verliehren aber durch Vermaͤhlung mit einem Auslaͤnder ihr Erbrecht. Durch das Manifest von 1641. ist das Ius repraesentationis aus einem Roͤmischen Privatgesetz ein Staatsgesetz geworden, und die Staͤnde haben es als ein solches erkannt und fest- gestellt. §. 29. Alphonsus I. erhielte 1179. von Pabst Ale- xander III. die koͤnigliche Krone, und Eduard F 5 I. 1437. Portugal. I. 1437. von dem Concilio zu Basel und dem Pabste Eugen IV. das Recht, sich mit eben den Ceremonien, wie die Koͤnige von Engelland und Frankreich bey der Kroͤnung salben zu lassen. Das letztere ist niemals ausgeuͤbet, und seit dem auch weiter an keine Kroͤnung gedacht worden. a) Die Krone uͤberbrachte der Cardinal Albrecht, zugleich aber auch eine Paͤbstliche Bulle, worinnen dem neuen Koͤnigreiche ein jaͤhrlicher Zins von 2. Mark Gol- des auferlegt wurde, welche Summe jederzeit an den Erzbischof von Braga sollte aßigniret werden. Diese Bulle ist aus BRANDAONIS Monarchia Lusitaniae im Staat von Portugal eingeruͤckt. NEUFVILLE I. p. 94. zweifelt, ob dieser Tribut jemals bezahlet worden. §. 30. Die Geistlichkeit, der hohe Adel und die Buͤrgerschaft machen die 3. Staͤnde des Reiches aus. Der Koͤnig schreibt den Reichstag 4. Wo- chen vorher aus. Jm Fall der Noth ruft er die in Lissabon anwesende hohe Collegia, Kronbe- diente und den Stadtrath zusammen, und was auf diesem engern Ausschuße beschlossen wird, hat mit den Reichstagsschluͤssen gleiche Kraft. a) Den hohen Adel machen die Titulados aus. Sie bestehen aus 1. Herzoge, dem von Cadaval, Rel. de la Cour de Port. p. 72, ohngefehr 10. Marggra- sen, etlichen 30. Grafen, 1. Bisconde, dem von Vil- la Portugal. la Nova de Serveira und 1. Baron, dem von Albito. Staat von Port. II. 70. b) Reichthum des hohen Adels. Staat von Por- tugal, II. Theil, 4 Cap. c) Merkwuͤrdige Moradias Exempel des Ferdinand Magellanes, der wegen einer verweigerten jaͤhrlichen Pension von 16. ggr. die Krone in einen Verlust von 350.000. Dueaten gebracht. d) Schwuͤrigkeiten in der Genealogie der Portu- giesischen Familien. Lehrr. Nachr. I. 224. §. 31. Nachdem die Koͤnige sich mehr oder weni- ger Ansehen zu geben gewußt, haben die Staͤn- de des Reichs wenigere oder mehrere Vorrechte ausgeuͤbet. Sie haben in ihrem Manifest vom J. 1641. sich oͤffentlich das Recht zugeeignet, ih- re Koͤnige abzusetzen, auch solches zu dreyen verschiedenen Malen ausgeuͤbet. Nach der gros- sen Revolution mischten sie sich in verschiedene Kriegs- und Friedensgeschaͤfte. Wenigstens ist so viel gewiß, daß die Abgaben ohne ihre Einwil- ligung nicht erhoͤhet werden koͤnnen. a) Exempel der verschiedenen Regierungen an San- ctio II. Alphonso V. Johann II. und den Spanischen Koͤnigen. b) Die Worte des Manifestes sind unter andern: quand les sujèts sont traités tyranniquement par leurs Souverains, il est en leur pouvoir de leur ôter la couronne. c) San- Portugal. c) Sanctius II. Philippus IV. und Alphonsus VI. haben das Schicksal verworfener Koͤnige erfahren. Bey dem ersten nahmen jedoch die Staͤnde das Ansehen des Pabstes zu Huͤlfe. d) Exempel der Gewalt des Lissabonischen Juiz da Povo oder Stadtrichters unter Pedro II. Relation de Portugal sous Don Pedro II. pag. 500. e) Hergegen Johannes V. mußte den Adel durch Caca-Porto und andre harte Mittel zu demuͤthigen. Lehrr. Nachrichten I. 82. 5. Verfassung der Reichsgeschaͤfte. §. 32. Der Staatsrath ist das hoͤchste Reichscol- legium, worinnen der Koͤnig selbst praͤsidiret. Der Escrivam de Puridade ist des Koͤnigs rechte Hand, unter welchem noch drey andre Staatssecretaͤre der auswaͤrtigen und einheimi- schen Affairen stehen. Den Provinzen, sind Statthalter vorgesetzt; Der Vicekoͤnig von den Ostindischen und Africanischen Nebenlaͤndern re- sidirt in Goa, der von Brasilien in St. Sal- vador. a) Doch hat der oberste Staatsseeretaͤr in keinem Collegio weder Votum consultatiuum noch delibera- tiuum, Relation de la Cour de Portugal sous Don Pe- dro II. tom. II. chap. VIII. p. 256. Exempel an Diego de Mendoça Corte Real aus den Memoires d’ Oli- veira, tom. II. p. 91. b) Die Portugal. b) Die uͤbrige Statthalter in Africa, Ost- und Westindien, stehen theils unter den Vicekoͤnigen, theils unmittelbar unter dem Koͤnige. §. 33. Die herrschende und eintzig erlaubte Reli- gion ist die Roͤmischcatholische, und der Portu- giese ist in seinem ceremonieusen Glauben eben so ersoffen, als sein Nachbar. Seit dem die Ju- den zum Christenthum gezwungen worden, hat man einen Unterschied unter den alten, neuen und halbneuen Christen (Christam velho, Chri- stam novo, temparte de Christam novo) machen muͤssen. Die 4. Jnquisitionsgerichte zu Lissabon, Coimbra, Evora und Goa und de- ren grausame Feste sind jetzt sehr vernuͤnftig ein- geschraͤnkt. a) Von ihren Heiligen, der Elisabeth, dem Anton von Padua und dem Apostel der Jndianer Xaver. b) Von der ehemaligen Strenge der Portugiesischen Jnquisition siehe DELLON histoire de l’inquisition de Goa, à Paris 1687. 12. c) Von den weissen Einschraͤnkungen Johannis V. Lehrr. Nachr. I. 133. und Memoires d’Oliveira, tom. I. ehap. XI. §. 34. Portugal zaͤhlt 3. Erzbischoͤfe, von Braga, Lissabon und Evora, unter welchen 11. Bischoͤfe stehen. Jn St. Salvador und Goa sind eben- falls Erzstifter angelegt, welche ihre Suffra- gan- Portugal. ganbischoͤfe in West- und Ostindien haben. Ei- ne Menge Abteyen und Kloͤster sind durch alle Theile des Reichs zerstreuet, unter welchen die Abtey von Alcobaza fuͤr die fetteste gehalten wird. Seit Kurzem prangt das Reich auch mit einem Patriarchat, welches Johann V. durch Sturm vom Roͤmischen Hofe erpresset, und mit erstaun- lichem Aufwande zu Stande gebracht, um im Nothfall seinen eigenen Hauspabst zu haben. Der Koͤnig ernennt zu den Bißthuͤmern, und assignirt auf ein Viertel der bischoͤflichen Einkuͤnf- te nach seinem Belieben Pensionen. Der aus- schweiffenden Gewalt, welche sonst der allgemei- ne Vater der Roͤmischen Kirche hier auszuuͤben gewohnt war, ist von eben dem Johann V. ein Ziel gestecket worden; doch traͤgt dieses gehorsa- me Reich dem Pabst noch grosse Summen ein. a) Reichthum der Clerisey. b) Gluͤck der Jesuiten, welche in Portugal den ersten festen Sitz gefunden. c) Urtheil von den Portugiesischen Patriarchen, als erblichen Cardinaͤlen und gemahlten Fuͤrsten, Lehrr. Nachrichten, I. 211. d) Macht des Pabstes, Relation de la Cour de Port. tom. II. chap. I. e) Lang wuͤrige Zwistigkeiten zwischen Portugal und dem Pabst wegen des Bicchi. d) Kunststuͤck der paͤbstlichen Nuntiorum, Geld zu gewinnen. Lehrr. Nachr. II. 149. §. 35. Portugal. §. 35. Das Roͤmische Recht ist hier nebst den Glossen in voͤlligem Flor. Es sind zwar koͤnig- liche Veroednungen vorhanden, welche den Vorgang haben, doch so, daß wer sich auf ein Justinianisch Gesetz beruffet, die Vermuthung so lange vor sich hat, bis der Gegentheil beweiset, daß das Gesetz aufgehoben worden. Nach den Glossen nimmt man auch das Paͤbstliche Recht zu Huͤlfe. 1. GERHARDI ERNESTI de FRANKENAV saera Themi d is Hisp. arcana, cap. XII. a) Koͤnig Emanuel lies die Ordenanzas seiner Vor- fahren sammlen und publiciren. Unter Philipp II. sind die Ordinationes Portugalliae in V. Buͤchern zu Lissa- bon 1602. fol. herausgegeben worden. Die Com- mentatores und Practicos des Portugiesischen Rechts werden in der Bibliotheca iuris Struvio-Buderiana, cap. VI. §. 4 p. 95. angezeigt. Siehe auch NEVF- VILLE in der Histoire gen. de Port, I. 60. §. 36. Ganz Portugal ist in 24. Comarcas oder kleine Provinzial-Gerichte eingetheilet, welche aus 2. einheimischen und einem auswaͤrtigen Rich- ter ( Juez da fora ) bestehen, und von einem Corregedor jaͤhrlich visitiret werden. Von diesen kann in wichtigen Sachen an zwey tribu- nalia da Relaçaon appelliret werden. Das eine ist zu Porto, und wird Caza de civel ge- nennt, Portugal. nennt, das andre befindet sich zu Lissabon, und heißt Caza da supplicaçon. Jn beyden praͤsi- diret ein Regedor da Justicia. Ueber das gan- tze Justitzwesen fuͤhrt der Rath des Pallastes, Desembargo do paço, welcher sich bestaͤndig in dem Hoflager des Koͤnigs aufhaͤlt, und aus einem Praͤsidenten und 5. Desembargadores bestehet, die Oberaufsicht. a) Ein Richter mnß 9. Jahr iura studirt, 3mal in iure disputirt, und 6. Examina ausgestanden haben. NEVFVILLE eb. das. b) Vom Justitzwesen handelt weitlaͤuftig der Staat von Portugal, II. Capit. V. §. 37. Die Einkuͤnfte werden aus den herrlichen Patrimonial-Guͤtern des Hauses Braganza, aus dem Ueberrest der Domainen, aus den Steuern, den Zoͤllen, der Aceise, dem Zehenden von allem, was verkauft wird, den Ablaßzetteln und den Großmeisterthuͤmern gezogen. Jn den Nebenlaͤndern sind eben diese Abgaben einge- fuͤhrt, uͤber das ist der Koͤnig Jnteressent bey dem Handel mit den auswaͤrtigen Colonien, und hat das Monopolium mit Bresiltaback. a) Ehe das Haus Braganza die Krone erlangte, war sein Hertzogthum als ein Ungeheuer in einem so kleinen Koͤnigreiche anzusehen, Staat von Portugal, II. 60. ex GONSALVO d’ AVILA. b) Portugal. b) Vermoͤge Paͤbstlicher Concession, die alle 6. Jahr erneuert wird, muß die Geistlichkeit die schwere Ac- cise gleichfalls bezahlen. Relation de la Cour de Port. I. 29. c) Das reiche Einkommen aus dem Ablaßkram hat Portugal dem Koͤnige Philipp II. von Spanien zu danken. Pabst Gregorius XIV. erlaubte ihm sol- chen durch eine Creuzbulle 1591 welche seit dem von 3. Jahren zu 3. Jahren erueuert worden. Man fin- det selbige vollstaͤndig in der Relation de la Cour de Portugal sous D. Pedre II. tom. II. am Ende. Sie begreift die Bulle fuͤr die Lebendigen, fuͤr die Todten und die Compositions-Bulle unter sich. d) Das Monopolium des Schnupftabacks accordir- ten die Staͤnde dem Don Pedro auf dem Reichstage 1674. e) Wie das Reich durch die harte Auflagen erschoͤ- pfet worden, Relation de la Cour de Port. I. 23. §. 38. Das Consejo da Facenda besorgt die Ein- nahme des Reichs, unter welchem die Caza dos contos oder Rechnungskammer stehet. Die neu- verwilligte Abgaben hebt eine Junta, welche von den Reichsstaͤnden gesetzet ist. Die Zoͤlle wer- den in der Alfandega oder dem Zollhause geho- ben, welches in 14 Departements abgetheilet, und mit uͤberfluͤßigen Bedienten versehen ist. Der Ablaß wird in allen Staͤdten von einzelnen De- putirten verkauft, uͤber welche ein koͤniglicher General-Commissarius gesetzet ist. Die von Jo- hann III. angeordnete Meza da Consciencia G et Portugal. et ordens hat mit den Revenuͤen aus den Groß- meisterthuͤmern zu schaffen. Die uͤble Einrich- tung des Cammerwesens, die uͤberhaͤufte Hof- pensionen und der unmaͤßige Aufwand in heili- gen Pallaͤsten und gar zu milden Stiftungen las- sen die Schatzkammer nicht zu Kraͤften kom- men. a) Von dem Zollhause Lehrr Nachr. II. 158. b) Ueberhaupt siehe den Staat von Portugal, II. cap. XIII. §. 39. Die Kriegsmacht erstreckt sich ausser der Landmilitz nicht auf 15000. Mann, und die sonst so ansehnliche Seemacht ist dergestalt gesunken, daß anjetzt kaum 18. Kriegsschiffe bemannet wer- den koͤnnen. Es fehlet uͤberall an Menschen, Pferden, Officiers Jngeniers, Bezahlung, Kriegszucht und Erfahrung. a) Der Kriegsruhm der Portugiesen war unter Emanuel aufs hoͤchste gestiegen. Warum er seit dem so sehr gefallen. b) Betruͤbter Zustand ihres Militaͤrwesens unter Johann IV. und Alphonso VI. Relation de la Cour de Port. I. 57. c) Schomberg, Gallovey und Carles ihre Lehr- meister haben ihre Creuzschule in Portugal ge- funden. d) Portugal. d) Eifrige Anstallten Johannis V. bey dem An- fange seiner Regierung zu dessen Verbesserung. e) Und dennoch sieht es anjetzt noch schlecht damit aus, nach den Lehrr. Nachrichten fuͤr einen Rei- senden. f) Von ihrer Seemacht weiß die Relation de la Cour de Portugal nicht viel vortheilhaftes zu erzaͤh- len. pag. 59. g) Jn Lissabon ist das vornehmste Arsenal, und zu Porto eine Art von einer Seeacademie errichtet. 6. Jnteresse. §. 40. Da Portugal nach Proportion seiner Groͤs- se fruchtbar, volkreich, treflich bequem zum Seehandel, auch mit unvergleichlichen Neben- laͤndern und einer gluͤcklichen Regierungsform ver- sehen ist: so erfordert die Wohlfahrt des Landes, diese Vortheile sich recht nutzbar zu machen. Sie koͤnnen aber nutzbar werden, wenn man sich die Verbesserung des Landbaues, der Manufactu- ren, des Finanzwesens und Kriegsstaats wird angelegen seyn lassen. Die Ausbreitung der Wissenschaften wuͤrde ebenfalls sehr dienlich seyn, um Portugal vielen unnoͤthigen Aufwand zu er- spahren. G 2 a) Portugal. a) Fuͤr die Erhaltung der Azorischen und Capo- Verdischen Jnsuln muß Portugal sorgfaͤltig wachen. Denn diese beyde sind die Schluͤssel seines West- und O stindischen Handels. b) Des alten Staatsministers Fronteira politi- scher Grundsatz, keine Manufacturen anzulegen, haͤlt leinen Stich. Lehrr. Nachr. I. 237. Das Das III. Hauptstuͤck. Staat von Frankreich. Schriftsteller: 1. Gallia, siue de Francorum regis dominiis et opibus eommentarius, ( IOANNIS DE LAET ) Lu- gduni Batauorum 1629. 24. 2. IOANNIS LIMNAEI notitia regni Franciae, II. tomi, Argentorati, 1655. 4. 3. Sejour de Paris, oder Anleitung, welcher Gestalt Reisende ihre Zeit und Geld nuͤtzlich zu Paris anwendeu koͤnnen von Timentes, (Ne- meitz) Frankfurt am Mayn 1718. 8. 4. Nouvelle description de la France par M. PIGANIOL DE LA FORCE, VI. tomes, à Amster- dam 1719. 12. Den ersten Band hievon, welcher auch der wichtig- ste ist, hat man uͤbersetzt unter dem Titul: Piga- niol de la Force neuester Staat von Frankreich, mit vielen historischen Anmerkungen vermehrt, nebst einer Vorrede B. G. Struvens, Jena 1723. 8. G 3 5. Frankreich. 5. Etât de la France extrait des memoires dressez par les Intendans du Royaume par M. le Comte de BOVLAINVILLIERS, tome I. et II. 1727. tom. III. 1737. à Londres, f. Staatsveraͤnderungen. §. 1. N achdem Julius Caͤsar Galliens verschiedene Voͤlker bezwungen, bleibt dieses Land den Roͤ- mern uͤber 400. Jahr in ziemlicher Ruhe unter- wuͤrfig, bis die Teutsche Nationen mit dem Anfange des 5ten Jahrhunderts die grosse Wan- derungen antreten, und ihnen ein Stuͤck nach dem andern davon abzwacken. §. 2. Clodowich, Koͤnig der Franken vertilgt der Roͤmer Herrschaft im Jahr 486., und stiftet dies- und jenseit des Rheins eine Monarchie, welche schon in ihrem Ursprunge den Nachbaren gefaͤhrlich wird. Aber seine Nachkommen die Merovinger theilen, und regieren schlaͤfrig, dar- uͤber wird ihnen von ihren eigenen Bedienten den Maioribus domus der Scepter aus den Haͤnden gerissen. 752. § 3. Pippinus breuis schwingt sich auf den Thron, und sein Sohn Carl der Grosse erobert Jtalien Frankreich. Jtalien, wird Kayser, und breitet seine siegrei- che Waffen von dem Draw- und Sau-Fluße bis an den Ebro aus. Allein seine Nachfolger die Carolinger entkraͤften sich selbst durch ihre Theilungen, innerliche Kriege und elende Regie- rungen. Es entstehen maͤchtige Reichsstaͤnde in Frankreich, und nach Ludwigs V. Ableben 987. wird der letzte Carolinger Carl, Hertzog von Lothringen, von dem Throne ausgeschlossen. §. 4. Hertzog Hugo Capetus bringt die Krone auf sein Haus. Frankreich richtet sich nunmehr als ein von Teutschland und Jtalien abgesonder- tes Reich ein. Jedoch kann es wegen der Creuz- zuͤge der Capetinger und der uͤbergrossen Gewalt seiner Vasallen nicht zu Kraͤften kommen, und die aͤltere maͤnnliche Linie Philipps des Kuͤh- nen stirbt mit Carl dem Schoͤnen 1328. aus. §. 5. Philipp VI. aus dem Hause Valois ererbt den Thron. Die Englische Koͤnige, welche oh- nedem Gvienne und Normandie besitzen, ma- chen darauf Anspruch. Hieraus entstehet eine Kette von Kriegen, welche dem Reiche ganzer 90. Jahre durch den Untergang drohen, aber sich zuletzt unter Carl VIII. so gluͤcklich endigen, daß die Engellaͤnder ihre herrliche Landschaften bis auf etwas weniges einbuͤssen. Sein Sohn G 4 Lud- Frankreich. Ludwig XI. reisset das Hertzogthum Burgund an sich, ererbet Provence, und legt durch seine tyrannische Regierung den Grund zur Franzoͤsi- schen Macht. Seine Nachkommenschaft geht mit Carl VIII. aus. 1498. §. 6. Hierauf wird dem Hause Orleans die Erb- folge eroͤfnet. Ludwig XII. sucht seine Anspruͤ- che auf Mayland und Neapel auszufuͤhren, aber umsonst. Franeiscus I. ist hierinnen noch un- gluͤcklicher, indem er auf beydes Verzicht zu thun genoͤthiget wird. Hingegen verknuͤpft er durch seine Vermaͤhlung Bretagne mit der Krone. Heinrich II. erwirbt sich die drey Lotharingischen Bißthuͤmer, und den Ueberrest der Englischen alten Eroberungen in der Piccardie. Seine 3. Soͤhne Frantz II. Carl IX. und Heinrich III. folgen ihm nach einander im Reiche; allein ihre schwache Regierung, die Herrschsucht ihrer gott- losen Mutter, der Uebermuth der Staͤnde und die Hugenottische Haͤndel stuͤrzen Frankreich in eine erbaͤrmliche Zerruͤttung, und Heinrich III. wird ermordet 1589. §. 7. Heinrich IV. Koͤnig von Navarra und Hertzog von Bourbon ererbt die Krone; aber mit dem Degen in der Faust, und mit Verlust seiner Religion. Unter ihm erhohlt sich das Reich Frankreich. Reich gewaltig. Ludwig XIII. laͤßt seinen Ri- chelieu regieren, welcher die Hugenotten entwaf- net, und die Freyheit der Staͤnde zu Boden schlaͤ- get. Ludwig XIV. wird in seiner 72. jaͤhrigen durch seine erschreckliche Kriege und maͤchtige Eroberungen allen seinen Nachbaren, hauptsaͤch- lich den Teutschen und Spanien, fuͤrchterlich, und dringt den letztern endlich gar seinen Enkel zum Koͤnige auf. Sein Urenkel Ludwig XV. er- wirbt Lothringen 1735. und macht das Haus Bour- bon in seinen Nebenzweigen noch maͤchtiger. a) Seine grosse Anschlaͤge gegen Teutschland, Hol- land, Engelland und Piemont werden alle zu Wasser. b) Er erhaͤlt das Oesterreichische Elsaß 1648. und das Reichs-Elsaß 1697. Roussillon 1659. die Grafschaft Burgund 1678. grosse Districte in den Niederlanden 1659. 1670. 1678. das Fuͤrstenthum Oranien 1713. und breitet seine Herrschaft in America und Asien aus. 1. Histoire des revolutions de la France par M. de la HODE, IV. tomes, à la Haye, 1738. 12. 2. Nouvel abregé chronologique de l’histoire de France par M. HENAVLT, III. edition, à la Haye 1747. 8. 2. Beschaffenheit der Laͤnder. §. 8. Frankreichs Clima ist, ungeachtet seiner Ver- schiedenheit, durchgaͤngig gemaͤßiget und mehren- theils sehr gesund. Es ist uͤber anderthalb hun- dert Meilen groß in der Laͤnge, und nicht viel ge- ringer in der Breite. Oben hat es den Canal G 5 und Frankreich und den Ocean, unten das Mittellaͤndische Meer zu seinen Grenzen. Gegen Abend sind die Spa- nier, gegen Morgen die Niederlaͤnder, Teut- sche, Schweitzer und Jtaliener seine Nachba- ren. Die Pyrenaͤische Gebuͤrge machen auf je- ner Seite, auf dieser Seite aber, (jedoch nur einiger Massen) das Vogeser- (der Vogelberg) und Juragebuͤrge, der Rhein und die Alpen die Scheidewand. §. 9. Seine 4. grosse Fluͤsse, die Seine, Loire, Garonne und Rhone sind alle schiffbar. Unzaͤh- lige kleinere Stroͤme und Baͤche bewaͤssern das Land durch und durch. Unter den verschiedenen Gebuͤrgen sind die von Sevennes und Auverg- ne die bekannteste. a) Die Alpen sowohl als die Pyrenaische Gebuͤrge breiten ihre Arme in Frankreich so aus, daß sie in Lan- gvedock fast an einander stossen, BOULAINVILLIERS, II. 506. §. 10. Das Land ist mit dem, was man zur Noth- durft und zum Wohlleben verlanget, reichlich ge- segnet, sonderlich ist Wein, Salz, Seyde, Oel, Eisen und Kupfer im Ueberfluß. Fische und Fluͤgelwerk, Schaafe, Hornvieh und Wild- pret, allerley Feld- und Gartenfruͤchte, Holz, Stein- Frankreich. Steinkohlen, Salpeter, Marmorbruͤche und mineralische Brunnen sind zureichend vorhanden. a) Wein waͤchset uͤberall ausser in der Piccardie nicht, BOULAINVILL, I. 73. Von dem Burgunder und Champagnerwein. Der gemeine Franzwein kommt meist aus Gvienne. Côte rotie waͤchset in der Pro- vinz Lion, die Muscatenweine an der Mittellaͤndischen Seekuͤste. b) Das Franzoͤsische Salz ist theils Seesalz, theils Quellsalz. Das letztere ist in der Grasschaft Bur- gund haͤufig, und der groͤßte Reichthum von Lothringen. Boulainvilliers I. 175. Das Seesalz wird theils an der mittaͤgigen, theils und zwar am meisten an der nordlichen Kuͤste gemacht, und zwar Sel gris in Broua- ge, Maran, Isle de Ré, der Baye von Bourneuf, Guerande und Croisil; Sel blane auf der langen See- kuͤste von der Normandie. SAVARY, Wort: Sel, p. 1501. c) Seyde in Provence, Lion und Langvedock, BOU- LAINV. II. 561. d) Flachs und Hanf in den Niederlanden, in der Piccardie, Bretagne, Maine, Gvienne, und Dau- phine. e) Oel an der Mittellaͤndischen Seekuͤste, beson- ders in Provence. f) Eisen in der Grafschaft Burgund, in Henne- gan, Limoisin, in der Generalitaͤt von Bourges, in Gvienne und Dauphine. g) Kupferminen bey Amiens, Abbeville, Rheims, Troyes, Beauvais und in Lothringen. h) Fische an beyden Seekuͤsten; sonderlich der von Bretagne und Piccardie. Wolle Frankreich. i) Wolle in den mehresten Provinzen, am haͤu- figsten in Langvedock, Berry, Normandie und Bur- gund. SAVARY, Wort: Laine, pag. 458. k) Von ihrem Obsttrank Cydre genannt. l) Jn Hennegau graͤbt man die Houille in Men- ge, und sind wohl 120. dergleichen Gruben. BOU- LAINVILLIERS, I. 384. m) Salpeter in Isle de France, BOULAINV. I. p. 31, und in Elsaß, Lion und Langvedock. n) An den Marmorbruͤchen hat man erst seit Colberts Zeiten mit Fleiß gearbeitet. Die Vornehmste findet man in Langedock, Provence und Bourbonnois. SAVARY, II. 641. §. 11. Zinn, Bley, Pferde und Schiffbauholz sind in Frankreich theils nicht von sonderlicher Guͤte, theils vor die Menge der Einwohner nicht hinlaͤnglich. An Getreyde leidet es bißweilen Mangel. Sollten gleich Gold und Silbergru- ben darinnen angetroffen werden; so bedeuten sie doch noch zur Zeit wenig oder nichts. a) Zinn und Bley findet man in Navarra. b) Die beste Pferde sind in dem Herzogthum und der Grafschaft Burgund, in Bretagne und Limoisin. c) Schiffbauholz geben Lothringen und die Py- renaͤische Gebuͤrge in Navarra. d) Warum in Kriegszeiten Frankreich so leicht in Hungersnoth geraͤth, Ludwig XIV. mußte 1708. biß aus Egypten Getreyde zufuͤhren lassen. e) Jn Frankreich. e) Jn Langvedock sollen Gold- und Silbergruben seyn. BOULAINVILL. II. 513. Bey Pontoise faͤngt man an, Gold zu suchen, und in Burgund hat man 2. Silberbergwerke entdeckt. §. 12. Frankreich besteht aus 12. Provinzen und den incorporirten Laͤndern, welche sind die Grafschaft Roußillon, die Landgrafschaft Elsaß, die Grafschaft Burgund, das Herzogthum Lothringen nebst sei- nen drey Bißthuͤmern, Metz, Toul und Verdun, und ein grosses Stuͤck der Catholischen Nieder- lande, nehmlich, die Provinz Artois, ein Theil von Flandern, von Hennegau von Namur und von Luxenburg. Alle diese alte und neuerwor- bene Laͤnder sind nunmehr auf einerley militairi- schen Fuß gesetzt, und (Lothringen noch zur Zeit ausgenommen) in folgende 36. Gouvernements eingetheilet worden. 1) Das Gouvernement von Paris, 2) von Jsle de France, 3) von der Pic- cardie, 4) vvn Champagne, 5) von Bourgogne, 6) von Dauphine, 7) von Provence, 8) von Langvedock, 9) von Foix, 10) von Navarra, 11) von Gvienne, 12) von Saintonge und An- goumois, 13) von Aunis, 14) von Poitou, 15) von Bretagne, 16) von der Normandie, 17) von Havre de Gracc, 18) von Maine, Perche und Laval, 19) von Orleans, 20) von Nevers, 21) Bourbon, 22) von Lion, 23) Auvergne, 24) Limoisin, 25) von Marche, 26) von Berry, 27) von Touraine, 28) von Anjou, 29) von Sau- Frankreich. Saumur, 30) von Flandern, 31) von Duͤnkir- chen, 32) von Metz und Verdun, 33) von Toul, 34) von Elsaß, 35) von der Grafschaft Burgund, 36) von Roußillon. a) DE LA FORCE description de la France, tom. I. pag. 372. §. 13. Paris die Hauptstadt des ganzen Reichs ist der Jnbegriff alles dessen, was eine Land- stadt groß und sehenswuͤrdig machen kann, und fuͤhret deßwegen den wohlverdienten Beynamen einer kleinen Welt. Versailles die ordentliche Residenz des Franzoͤsischen Monarchen wird die Krone nicht nur der vielen Lustschloͤsser in Frank- reich; sondern auch aller uͤbrigen in Europa ge- nennt. St. Denys ist das uralte Erbbegraͤbniß der Koͤnige. 1. Histoire et recherches des antiquités de la ville de Paris par HENRI SAUVAL, III. tomes, à Paris 1724. f. 2. Histoire de la ville de Paris par DOM MI- CHEL FELIBIEN, augmenté par DOM GUY ALE- XIS LOBINEAU, V. tomes, à Paris, 1725. f. 3. Les delices de Versailles, de Trianon et de Marly par M. PIGANIOL DE LA FORCE, secon- de edition, II. tomes, à Amsterdam 1717. 8. 4. Histoire de l’Abbaye Royale de Saint-Denys en France par DOM MICHEL FELIBIEN, à Paris, 1706. f. §. 14. Frankreich. §. 14. Die innere Provinzen des Reichs sind von regulaͤren Festungen entbloͤsset; hergegen die Grenzen gegen Spanien, (durch Bayonne und Perpignan,) noch mehr gegen Teutschland, (durch Brisach, Straßburg, Fort Louis, Lan- dau,) am meisten aber gegen die Oesterreichische Niederlande sind treflich bedeckt, und die letztere mit Forteressen gleichsam besaͤet. (Arras, St. Omer, Aire, Bethune, Ruͤssel, Douay, Va- lenciennes, Condet, Maubeuge, Qvenoy, Bou- chain, Landrechies, Cambray.) Alle diese Grenzplaͤtze sind nicht nur die Vormauern sei- ner eignen Laͤnder; sondern auch zum Theil die Schluͤssel zu den Laͤndern seiner Nachbaren. a) Ludwig XIV. hat unsaͤgliche Summen auf den Festungsbau verwandt. §. 15. Unter der Menge der Seehaͤfen, als Duͤn- kirchen, Calais, Boulogne, Dieppe, Havre de Grace, St. Malo, Brest, Rochelle, Ro- chefort, Bayonne, Toulon, Marseille sind die beyde letztere am Mittellaͤndischen Meer, Brest hergegen am Ocean die vornehmste. Hieher koͤnnen auch einiger Maassen die an den grossen Fluͤssen gelegene maͤchtige Staͤdte, Roan an der Seine, Nantes an der Loire, Bourdeaux an der Garonne gerechnet werden. a) Von Frankreich. a) Von diesen Oertern giebt De la FORCE schoͤne Nachricht. b) Von dem ehemals so fuͤrchterlichen Duͤnkirchen BOULAINV. I. 348. c) Von dem neuen Seehafen Rochefort eben das. II. 120. d) Die ganze Kuͤste von Langvedock taugt zwar nicht zu Seehaͤfen, ist aber zugleich vor Anfaͤllen treflich ge- sichert, BOULAINV. II. 509. §. 16. Durch die Canaͤle von Briare und Orle- ans sind die beyde schiffreiche Stroͤme, die Sei- ne und die Loire gluͤcklich verbunden worden. Ludwig XIV. wagte die Vereinigung der beyden Meere, des Oceans und des Mittelmeeres, und ließ deßwegen den erstaunenswuͤrdigen Canal von Langvedock mit Kosten vieler Millionen graben; aber er konnte die Natur nicht zwingen, welche seinen grossen Plan wo nicht gantz; doch mehren- theils zu Schanden gemacht. a) Von den beyden ersten siehe BOULAINV. I. 128. Der von Orleans gehoͤret dem Herzoge gleichen Na- mens, und bringt jaͤhrlich 500.000. Livres ein. b) Der Canal von Langvedock ward 1666. zu graben angefangen, und 1681. eroͤfnet. Er hat unter andern ein Reservoir, dessen Flaͤche 12 Millionen Qvadrattoisen in sich haͤlt. BOULAINV II. 507. und de la FORCE, tom. IV. p. 2. c) Muͤhsamer Bau und verschiedene Fehler dieses Canals. d) Eben Frankreich. d) Eben daselbst wird noch verschiedener Canaͤle in Langvedock gedacht. §. 17. Die Franzosen sind bemuͤhet gewesen, sich auch ausserhalb Europa auszubreiten: weil sie aber zu spaͤt angefangen, so haben sie sich mit wenigerm begnuͤgen lassen muͤssen. Jn Asien haben sie einen festen Sitz in Pontichery auf der Coromandelschen Kuͤste; Jn Africa eini- ge haltbare Plaͤtze an der Kuͤste von Nigritien, sonderlich Fort François in Juda, nebst der Jnsul Goree und St. Louis, ferner Mascareg- ne, welche sie Bourbon, und St. Moritz, wel- che sie Jsle de France nennen. 1. Histoire des Indes Orientales anciennes et mo- dernes par M. l’Abbé de GUYON, III. tomes, à Paris 1744. 12. sonderlich tome III. von Pon- tichery, einer nunmehr maͤchtigen Stadt und sehr starken Festung. §. 18. Jhre Americanische Provinzen sind unter den Nebenlaͤndern noch das wichtigste. Sie besi- tzen in dem noͤrdlichen America Neu Frankreich, welches sie in Canada und Louisiane abtheilen, nebst den Jnsuln am St. Lorenz Fluß, sonder- lich Cap Breton, und einigen im Golfo von Mexico, hauptsaͤchlich Martiniqve und einem Theile von St. Domingo. Jn dem Suͤdli- H chen Frankreich. chen America gehoͤrt ihnen ein Stuͤck von Gvia- na, sie nennen es La France Equinoxiale, worinnen die Jnsul Cayenne das beste ist. 1. Histoire et description generale de la Nouvel- le France par le P. de CHARLEVOIX, III. tomes, à Paris 1744. 4. 2. Betrachtung uͤber die Wichtigkeit und For- theile des Cap Breton aus dem Englischen, Leip- zig 1746. 8. Siehe auch das Brittische Reich in America, Band 1. Bl. 47. 3. Nouveau voyage aux Isles de l’ Amerique, par le R. P. LABAT, nouvelle edition, VIII. to- mes, à Paris 1742. gr. 12. 4. Histoire de l’ Isle Espagnole ou de St. Do- mingue par le P. de CHARLEVOIX, II. tomes, à Paris 1741. 4. 5. Voyage du Chevalier DES MARAIS en Gui- née, isles voisines et à Cayenne fait en 1725-27. par le R. P. LABAT, IV tomes, à Amsterdam 1731. gr. 12. 6. Dictionnaire universel de la France, III. to- mes, à Paris 1726. f. Dienet uͤberhaupt zur Geo- graphie aller Franzoͤsischer Laͤnder. a) 2. wichtige Fluͤsse im Nordlichen America: St. Lorenz und Mißisippi. b) Das Nordliche America hat Getreyde, Vieh- zucht, Flachs, viel Bauholz, Eisen- und Kupser- bergwecke, Canada viel Biber. Auf der grossen Bank bey Cap Breton ist ein unvergleichlicher Fisch- fang. c) Daß das weitlaͤuftige Canada in Gegeneinan- derhaltung mit andern Americanischen Provinzen ein schlech- Frankreich. schlechtes Land sey, bezeuget der Englische Verfasser des Brittischen Reichs in America, in der Einlei- tung. d) Aus den uͤbrigen Jnsuln und Cayenne zogen sie an- faͤnglich bloß Taback, hernach auch Jndigo und Cot- ton, seit ohngefehr 100. Jahren legte man die herr- liche Zuckerplantagen an. Ueberdas hohlt man von hier Cacao, Caßia, Jngwer, unbereitet Leder, Schildkroͤtenschalen und Confituren. Seit 1722. und 24. hat man, aller Vorsichtigkeit der Hollaͤnder ungeachtet, Caffeestaͤmme und Saamen hereingebracht, welche außerordentlich grossen Fortgang gehabt. LA- BAT voyage aux Isles de l’ Amerique, tom. IV. p. 224. und tom. VI. p. 346. 3. Beschaffenheit der Einwohner. §. 19. Die Franzoͤsische Sprache ist aus der Vermischung der Lateinischen und Teutschen mit der alten Gothischen erwachsen. Franz I. trug Sorge fuͤr ihre Verbesserung 1535., und der Car- dinal Richelieu hat 100. Jahre drauf durch die loͤbliche, obgleich aus unreinen Absichten herruͤhrende Stiftung der Franzoͤsischen Aca- demie sein Andenken verewiget. Denn ihre Bemuͤhungen sind es, welche diese Sprache so vollkommen, und ihren Gebrauch so allgemein ge- macht haben, daß keine andre in Europa sich dergleichen ruͤhmen kann. a) Siehe VASSOR in seiner histoire du regne de Louis XIII, tom. VIII. p. 511. und LIMNAEI no- H 2 titi- Frankreich titiam regni Franciae, tom. I. cap. II. 1. Histoire de l’ Academie Françoise, tom. I. par M. PELISSON, tom. II. par M. l’ Abbé d’ OLI- VET, II. edit. à Paris 1730. 8. §. 20. Frankreich ist mit einer solchen Menge Einwohner angefuͤllet, daß nach den einge- schickten Rechnungen der Jntendanten zu Ende des vorigen Jahrhunderts uͤber 19 Millionen Seelen darinnen gezaͤhlet, und die Ausweichung der vielen 1000. Hugenottischen Familien wenig gespuͤret worden. a) de la FORCE tom. l. p. 2. b) Merkwuͤrdige Exempel aus den grossen Kriegen, die Frankreich so lange ausdauern koͤnnen. §. 21. Die Gemuͤthsart der Franzosen ist zwar nach den Provinzen sehr verschieden, doch herscht groͤßtentheils das sangvinisch-cholerische tem- perament. Sein hurtiger Verstand, munte- res Wesen, Maͤssigkeit, Treue gegen den Koͤ- nig, und Dienstfertigkeit gegen Fremde machen ihn lobwuͤrdig und angenehm. Hergegen zei- get sich bey dem grossen Haufen viel Leichtsinni- ges und Flatterhaftes, grosse Zank- und Spiel- sucht, und eine uͤbertriebene Einbildung von den Vorzuͤgen sein er Nation. a) Die Frankreich. a) Die alte Schriftsteller, z. E. Julius Caesar, Tacitus, Claudianus characterisiren diese Nation auf eben die Art wie die Neuere. b) LIMNAEVS I. cap. III. sammelt haͤufige Zeugnisse ihrer eigenen Landesleute von ihren Feh- lern. c) Von ihrer Spielsucht Memoires de POELNITZ, tom. III. p. 44. 1 Lettres sur les Anglois et les François, nou- velle edition, 1712. 8. Der Verfasser Muralt legt ih- nen zwar viel bel esprit aber wenig bon sens bey. §. 22. Diese Nation ist zu allen Wissenschaften ge- schickt, und in allen geuͤbt. Jhre Gelehrte sind unzaͤhlich, aber die gruͤndlich Gelehrte nach Proportion ziemlich einzeln. Jn der Historie haben sie es weit gebracht, in den schoͤnen Wis- senschaften weiter als anderer Voͤlker. Jn den Exercitien sind sie die Lehrmeister von Europa, in andern freyen Kuͤnsten geben sie keiner Na- tion etwas nach. a) LE LONG in seiner Bibliotheque historique zaͤhlet uͤber 17.000. historische Schriften von Frank- reich. §. 23. Es hat auch die Gelehrsamkeit hier jederzeit maͤchtige und reiche Patronen gefunden, wovon die 19. Universitaͤten, und die verschiedene so- H 3 wohl Frankreich. wohl koͤnigliche als andre gelehrte Academien zeugen. Doch gestehen sie selbst, daß die guͤl- dene Zeit der Wissenschaften mit Ludwig XIV. verschwunden. a) Franz der erste, Ludwig der Grosse und sein trefflicher Minister, der sonst ungelehrte Colbert haben sich bey den Franzoͤsischen Gelehrten einen unverwes- lichen Ruhm gemacht. Von Franz I. giebet besonde- re Nachricht BOULAINVILL . II. 524. b) Unter den Universitaeten behaͤlt Paris den Preiß, welches aus 21 Collegiis publicis und 30. privatis bestehet, Uberhaupt handelt von den Franzoͤsischen Universitaͤten weitlaͤuftig LIMNAEVS, tom. II. lib. V. cap. 2-20. c) An diesem Orte sind auch ausser der gedachten Academie Françoise, die Academie de peinture et de sculpture 1643. des inscriptions et de belles lettres 1663. des sciences 1666 und de l’Architecture 1671. errichtet worden. Von allen diesen geben die Me- dailles sur les evenemens du regne de Louis XIV. in den gehoͤrigen Jahren Nachricht. d) Von der Academie des sciences und ihren Membres honoraires et pensionnaires, Associés et Adjoints besiehe ihre histoire tom. II. am Ende. e) Andre gelehrte Academien floriren zu Bourde- aux, Lion, Thoulouse, Marseille, Dijon, Soissons, Roan, u. s. w. f) Beneidenswuͤrdige Aufmunterung der Franzo- sen durch allerhand ausgesetzte Preise. §. 24. Die vornehmste Manufacturen hat Frank- reich erst seit dem Anfange des 17ten Jahrhun- derts Frankreich. derts erlernet. Unter Colberts Ministerio er- reichten sie ihre voͤllige Bluͤthe. Sie sind seit dem gefallen, haben sich aber sehr wieder erhohlt. Es ist keine Art von Materialien, die der Fran- zose haben kann, welche er nicht verarbeitet. An Menge der Handwerksleute thun sie es den uͤbrigen Europaͤern zuvor, und ihr Witz hat das Kunststuͤck erfunden, ihre neue Moden uͤberall beliebt zu machen. a) Von ihren Seydenmanufacturen seit Hein- rich IV. Schon Ludwig XI. legte dergleichen zu Tours 1740. an. BOULAINV . II. 149. Catha- rina von Medices hatte auch den Einfall, solche mehr auszubreiten. eb. das. p. 562. Jhr Hauptsitz ist an- jetzt zu Lion, woselbst deßwegen der Wehrt der 14.000. Haͤuser auf 37. Millionen geschaͤtzet wird, eb das. 393. b) Jhre feine Wollmanufacturen sind erst seit 1646. errichtet worden, eb. das. I. 59 und lange hernach haben sie solche erst durch ihre trefliche Faͤrbereyen verbessert. c) Die Leinwebereyen in der Piccardie, wo die feine toiles de S. Quintin fabriciret werden, in Va- leneiennes, Cambray, in der Normandie und Bre- tagne. d) Von ihrem Galanteriewaaren Lohgerbereyen, Glas- und Papierfabricken, dem Straßburger Rap- pe. e) Paris ist der Mittelpunct der Franzoͤsischen Manufacturen. Es sind 7. große Kaufmannszuͤnfte, 141. Handwerksinnungen und Kunstgesellschaften da- rinnen, ohne das unvergleichliche Hôtel des Gobo- lins, et de la Savonnerie und die zur groͤßten Vollkom- H 4 men- Frankreich. menheit gebrachte Spiegelsabricken zu rechnen. SA- VARY, Wort Comerce de Paris. §. 25. Der Franzoͤsische Handel erstrecket sich in alle Theile der Welt. Der Europaͤische zu Lan- de geht von Nimes und Lion uͤber die Schweitz nach Teutschland und Jtalien, von Straßburg uͤber Frankfurt am Mayn nach den uͤbrigen Teutschen Provinzen, durch die Niederlande und uͤber Ruͤssel nach Holland, von Perpignan und Bayonne nach Spanien. Die Seehaͤfen am Canal und dem Ocean werden von allen Europaͤischen Nationen, die an der Nord- und Ostsee wohnen, sehr haͤufig besucht. Marseille aber ist der Sammelplatz des ganzen Handels am Mittellaͤndischen Meer. Mit allen einzelnen Nationen in Europa handelt Frankreich so, daß der Profit auf seiner Seiten ist. Doch finden sich unendlich mehr Franzoͤsische Schiffe in dem Mittelmeer, als in der Nord- und Ost- see. Die Aufhebung des Edicts von Nantes hat, wie den Manufacturen also auch dem Com- mercio mit den Nordlichen Nachbaren einen empfindlichen Stoß beygebracht. a) Die Historie des alten Franzoͤsischen Handels fin- det man im Abriße in dem Essai sur la marine et sur le commerce par M. D ES LANDES, chap. II. p. 45. b) Der Hollaͤnder bringt Gewuͤrze, Bley, Kup- fer, Fischbein, Schiffsmaterialien, Seegel- und Thau- werk; Frankreich. werk; Der Engtllaͤnder Zinn, Bley Couperose, Stein- kohlen; Der Jrlaͤnder Butter, Jnschlit, Heringe, Lederwerk; Die Nordische Nationen, Leder, Schiffs- materialien, Potasche, Kupfer, oft Getreyde. Aus Jtalien hohlt der Franzose Seyde, aus Spanien uͤ- berdas Wolle, Eisen, Gold und Silber Alle diese Voͤlker bekommen dagegen theils Frankreichs obgedach- ten natuͤrlichen Uberfluß und Americanische Produ- ctionen, theils seine Manufacturen. c) Der Engellaͤnder hohlte sonst unsaͤglich viel Lein- wand aus Morlaix und S. Malo in Bretagne. BOU- LAINV. II. 72. d) Vortheilhaftes Droit des lits et des Passeries an den Spanischen Grenzen zum Wohl beyderseits Unterthanen. BOULAINV. II. 290. und 566. e) herrlicher Jahrmarkt zu Beaucaire, wo ein allgemeiner Zufluß aller Waaren aus Europa, Afri- ca und der Lavante ist. BOULAINV. II. 577. f) Der Krieg mit Engelland und Holland ist daher den Franzosen vortheilhaft, wenn sie Spanien auf ihrer Seite haben, BOULAINV. II. 391. g) Anmerkungen wegen der Hugenotten in Anse- hung der Normandie. DES LANDES in gedachtem Essai, p. 156: j’avoue que depuis la revocation de l’ Edit de Nantes, sur la quelle on doit tirer le rideau comme sur le plus facheux evenement du regne de Louis XIV, plusiers de nos manufactures se sont naturalisées dans les pays étrangers. §. 26. Ausser Europa haben die Franzosen ein schoͤnes Conmmercium 1) nach der ganzen Le- H 5 vante Frankreich. vante, besonders nach Constantinovel, Smirna und Aleppo; 2) nach Africa an der Kuͤste von Gvinea, wo sie Gold, Helfenbein, Neares Leder, Wachs, Gummi hohlen; 3) nach Ost- indien und dem Golfo von Bengala; 4) nach America sowohl in ihren eigenen Laͤndern, als auch uͤber Cadix in den Spanischen Provin- zen. a) Hiervon sind obgedachte Werke von GUYON, DES MARAIS, LABAT und CHARLE- VOIX nachzuschlagen. b) 4 Hauptvortheile des Franzoͤsischen Seehandels, DES LANDES p. 100. c) Die Franzosen haben nebst den Engellaͤn- dern viele Jahre um den Tuchhandel in der Levan- te gestritten, BOULAINVILL. II. 561. d) St. Malo allein ziehet von dem verborgenen Handel mit den Spaniern nach America oͤfters in ei- nem Jahr 12. Millionen, eb. das. p. 72. §. 27. Seit dem Tode Heinrich IV. und dem Mi- nisterio des Cardinals Richelien fing man an Handlungsgesellschaften zu errichten, Colbert machte solche ansehnlich, und unterstuͤtzte sie mit etlichen Millionen koͤniglicher Gelder; aber man kuͤnstelte zu viel daran, und die unzeitige Kriege unterbrachen immer den Fortgang. Die Com- pagnie von Mißißippi verschlung zwar alle vori- ge 1719., und sollte Frankreichs Goldquelle wer- den, Frankreich. den, allein sie nahm 1721. ein schreckliches Ende. Doch wurde aus ihrer Asche eine neue Handlungs- compagnie gebohren 1722. Diese ist aus den kleinen Ostindischen und Africanischen zusammen geschmolzen, und hat ihren Sitz in dem Seehafen Orient aufgerichtet. a) Es haben eine zeitlang floriret la Compagnie des Indes Orientales, welche etliche Mal veraͤndert worden, de la Chine, du Bastion de France, du Senegal, de Guinée, de l’ Assiente, du Cap Verd, de la Baye de Hudson, d’Occident, de Canada ou du Castor, de l’ Acadie, du Levant, du Nord, de S. Domingue, SAVARY, Wort: Compagnies Fran- çoises, tom. I. p. 1345. b) 3. wesentliche Fehler aller dieser Handlungs- compagnien aus DES LANDES, p. 169. c) Einrichtung, ewige Privilegia und Macht der neuen Compagnie. Die Africanische und Ostindische Nebenlaͤnder gehoͤren der Compagnie: hingegen die Americanische dem Koͤnige. d) Daß die zuruͤkgebrachte Waaren der Neuen Jndi- schen Compagnie schon 1734. auf 18. Millionen betra- gen, Essai sur le commerce, p. 76. und 87. 1. Histoire de la compagnie des Indes avec les ti- tres de ses concessions et privileges par M. DV FRE- NE DE FRANCHEVILLE, à Paris 1738. 4. §. 28. Man rechnet in Frankreich nach Deniers, Sous und Livres. 12. Deniers, machen 1. Sou, 20. Sous 1. Livre, das ist noch jetziger Weh- Frankreich. Wehrung 6. ggr. Die gemeinste grobe Geld- sorten sind Ecus de 3. und de 6. livres, die Goldmuͤnzen Louis d’or und halbe Louis d’or. Es sind 30. Muͤnzstaͤdte, deren jede ihr beson- deres Zeichen hat, und 2. Muͤnzgerichte, oder Cours de monnoyes, eines zu Paris seit 1551. und eines zu Lion seit 1704. Die oͤftere Muͤnz- veraͤnderungen haben viel Unheil angerichtet. 1. Traité historique des monnoyes de France par M. LE BLANC, à Amsterdam, 1692. 4. a) Von den Muͤnzstaͤdten Dictionnaire de France tom. I. in der Introduction, pag. 48. b) Wie sehr Ludwig der XIV. und der Herzog Regent von Orleans das Muͤnzregal gemißbrauchet. c) Ehema iger Staatsfehler in Ansehung der Spa- nischen Geldsorten aus BOULAINVILLIERS im Etat de Flandre et de Languedoc. 4. Staatsrecht. §. 29. Es fehlet dem Franzoͤsischen Staat nicht an geschriebenen Reichsgrundgesetzen. Lex Sali- ca ist in dem Successionsstreite zwischen dem Hause Valois und den Englischen Koͤnigen da- fuͤr erkannt worden. Carls V. Edict von 1374. in Ansehung der Volljaͤhrigkeit des Kronerben, Carls VI. Edict von 1404. wegen der Kroͤnung nebst einer Menge anderer sind hieher zu rech- nen. Frankreich. nen. Allein die heutige Franzoͤsische Publicisten halten vor gefaͤhrlich, viel mehrere als guͤltig zu behaupten, weil die neuere Praxis sattsam er- haͤrtet, daß die Kraft der Reichsgesetze in dem Willkuͤhr der Koͤnige, wenigstens so lange sie am Leben sind, beruhet. a) Carls V. Edict steht in Hrn. Schmaussens Corp. I. G. Acad. p. 58. Das von Carl VI. fuͤhret LIMNAEVS in notitia Franciae, tom. I. p. 215. aus CHOPPINO de domanio regis an. b) Man sehe nur, wie DE LA FORCE in I. tom. seiner description de la France an vielen Or- ten, z. E. chap. XVI. art. I. sich schmieget und windet. § 30. Ludwig VI. der Urenkel seines Vorgaͤngers ist 1710. gebohren, wird 1715. Koͤnig, und 1723. muͤndig, heyrathet 1725. Mariam Cathar i nam, eine Tochter des Koͤnigs von Polen Stanislai Leszynski, mit welcher er nebst verschiedenen Prinzessinnen auch einen Prinzen Ludwig er- zielt. Dieser vermaͤhlet sich 1745. mit der Spa- nischen Prinzessinn Maria Theresia, und nach deren 1746. erfolgtem Absterben mit der Koͤnig- lich Polnischen und Chur-Saͤchsischen Prin- zessinn Maria Josepha 1747. Ludwigs XV. aͤlte- ste Prinzessinn Louise Elisabeth ist seit 1739. eine Gemahlinn des Spanischen Jnfanten Don Philipps. a) Cha- Frankreich. a) Character des vielgeliebten Ludwigs, und an- derer Personen der koͤniglichen Familie. §. 31. Der aͤlteste Sohn des regierenden Koͤnigs wird seit 1349. Dauphin genannt, die andre Soͤhne schreiben sich alle Fils de France, und werden durch besondere Titul unterschieden, als: Herzog von Orleans, Anjou, Berry, welche Titul bey ihrer maͤnnlichen Nachkommenschaft bestaͤndig bleiben. Die Toͤchter heißen Mesda- mes de France. Ausser dem regierenden koͤnig- lichen Stamme sind das Haus Orleans und die beyde Bourbonnische Aeste, Conde und Conti als Prinzen vom Gebluͤte zu merken, welche auch als solche unterschiedliche Vorzuͤge geniessen. a) Dauphin kommt nicht her von D’ Albon; son- dern von einem Beynamen oder Sobriquet des Gra- fen von Albon Gvido VIII. welcher 1149. gestorben, BOULAINV. II. 438. b) Worinnen die so genannte doppelte Taufe (das ondoyer und baptiser ) der Koͤniglichen Kinder be- stehet, DE LA FORCE, I. p. 11. c) Die Prinzen von Courtenay praetendiren Prinzen vom Gebluͤte zu seyn, Memoires de LAM- BERTI tom. IX. p. 112. §. 32. Der Koͤnig titulirt sich Ludwig der XV. von Gottes Gnaden Koͤnig von Frankreich und Frankreich. und Navarra. Jn den Edicten an einige Pro- vinzen werden noch besondere Titul hinzugefuͤgt. Seine Unterthanen nennen ihn in der zweyten Person Sire, andre freye Staaten heissen ihn Seine Allerchristlichste Majestaͤt, der Pabst giebt ihm den Titul erstgebohrner Sohn der Kirche. a) DE LA FORCE, tom. I. ch. II. und BLON- DEL in praefatione apologetica ad genealogiam Franc. n. XIV. b) Ausschweifungen in der Titulatur einiger Koͤni- ge aus den Grandeurs de la maison de France (par M. D. C. D. M.) à Paris 1667. 4. pag. 74. c) Die Tuͤrken nennen ihr Bodeshair, das ist Kay- ser. d) Zank bey dem Westphaͤlischen Frieden mit dem Kayser uͤber die Majestaͤt. e) Wie ihn Cromwel und neulich der Prinz von Oranien titulirt. §. 33. Das Koͤnigliche Wappen besteht aus zwey zusammen geschobenen Schilden, wovon das er- ste drey guͤldene Lilien 2. 1. im blauen Felde we- gen Frankreich, das andere eine guͤldene Stan- genkette im rothen Felde wegen Navarra fuͤhret. Unter den verschiedenen Nebenstuͤcken dieses Wappens ist das Band mit dem Feldgeschrey: Mont joye S. Denys und das Auriflammeum besonders anzumerken. a) Ob Frankreich. a) Ob die Lilien urspruͤnglich Fliegen oder Bienen nach Chiflet, Kroͤten nach Vpton, Lis de Francis- que, das ist, eiserne Spitzen der Helleparten nach Ceriserio und dem Verfaßer der gedachten Grandeurs de la France, oder eigentliche Lilienblumen nach Ferrando, Blondel und Menêtrier gewesen. b) Carl der VI. sezte die Anzahl der Lilien 1380. auf drey, DE LA FORCE, tom I. ch. II. art. 9. c) Die beruͤhmte Fahne des heiligen Dionysii ha- ben die Franzoͤsischen Koͤnige von den Grafen von Vexin, als Advocaten der Abtey S. Denis, ererbt. Das Feldgeschrey aber ist aus den Creuzzuͤgen her- zuleiten. d) Die Lilien sind allen Prinzen vom Gebluͤte gemein; doch hat jeder Zweig des koͤniglichen Hauses sein eigenes Beyzeichen. §. 34. Die Einrichtung des koͤniglichen Hofstaats ist eben so ordentlich als praͤchtig. Der erste Geistliche Hofbediente ist der Grand Aumo- nier, welcher die Aufsicht uͤber die ganze Hof- geistlichkeit hat, und zugleich Commendeur vom Orden des Heiligen Geistes ist. Der er- ste weltliche Hofbediente ist der Ober-Hof- meister, welcher uͤber die 7. Hofaͤmter, nehm- lich 1) uͤber das Mundschenkenamt, 2) das Mundkuͤchenamt, 3) die Hofbeckerey, 4) das Hofschenkenamt, 5) das Hofkuͤchenamt, 6) die Obstkammer und 7) das Holzstallamt gesetzet ist. Unter dem Ober-Cammerherrn stehn die 4. Ober-Cammerjunker und 26. andre Cammer- jun- Frankreich. junker. Der Ober-Garderobenmeister hat etli- che 30. Garderobenbediente unter sich. Die Ge- sundheitsbediente bestehn aus 10. Aerzten, 10. Wundaͤrzten und etlichen Avotheckern. Der Ober-Baudirector, der Ober-Hofquartiermei- ster, Ober-Stallmeister, Ober-Jaͤgermeister, Ober-Falkenier, Ober-Ceremonienmeister und die beyde Introducteurs des Ambassadeurs sind gleichfalls vornehme Hofbeamte, und ha- ben groͤßtentheils uͤber eine Menge Unterbedien- te zu befehlen. a) Ausser DE LA FORCE, tom. I. ch. 3. ist nach- zusehen Etat de la France, II. tomes, 12. welches von Zeit zn Zeit heraus kommt, und die Namen aller Hof- beoienten specificiret. §. 35. Das Franzoͤsische Hof-Ceremoniel ist in allen Stuͤcken sehr kuͤnstlich abgemessen, und dem Glanz der Krone gemaͤß: jedoch weder so erhaben in Ansehung der Unterthanen, noch so gezwun- gen in Ansehung des Koͤniges, als an verschie- denen andern Hoͤfen. Bey dem taͤglichen Ce- remoniel ist le petit et le grand lever sowohl als coucher des Koͤniges etwas besonders. Die jaͤhrliche Solennitaͤten sind ziemlich haͤufig. Bey den ausserordentlichen Feyerlichkeiten zeigt sich die Pracht am groͤßten. a) DE LA FORCE an verschiedenen Orten, und Nemeitz Sejour de Paris, Cap. 34. und 23. J 1. Le Frankreich. 1. Le ceremonial François par THEODORE GODEFROI, II. tomes, à Paris 1649. f. 2. Unterschiedliches findet man auch in den Monu- mens de la Monarchie Françoise par DOM BERN- HARD de MONTFAUCON, V. tomes, à Paris 1729- 33. gr. f. Die 300. praͤchtige Kupfertafeln dieses Werks sind ungluͤcklicher Weise einem Hollaͤndischen Wuche- rer in die Haͤnde gerathen, welcher solche unter dem hochmuͤthigen Titul: Thresor des antiquités de la Couronne de France, II. tomes, à la Haye 1745. gr. f. der Welt als ein neues Werk aufgebuͤrdet, und deß- wegen die Zahlen der Blaͤtter, wiewohl durch eine ziemlich ungeschickte Hand ausloͤschen, und die Ordnung der Kupfertafeln zum Theil veraͤndern lassen. §. 36. Frankreich hat drey weltliche und einen geistlichen Ritterorden. Der Orden von St. Michael wurde von Ludwig XI. 1469. gestiftet, und von Ludwig XIV. 1665. erneuert. Er be- stehet aus 100. Rittern von altem Adel, die welt- liche Ritter des Ordens vom heiligen Geiste un- gerechnet. Diesen letztern errichtete Heinrich III. 1578. Die Zahl der Ritter ist 100. worun- ter 9. Geistliche sind. Sie muͤssen alle Roͤmisch- catholisch seyn, und, wenige ausgenommen, ihre 3. Geschlechter, das ist, 16. Ahnen erweisen. Seit Ludwig XIV. sind die weltliche Ritter die- ses Ordens zugleich Ritter von S. Michael. Ludwig XIV. stiftete 1693. den Kriegsorden des heiligen Ludwigs. Dieser besteht aus 8. Groß- creuzen Frankreich. creuzen, 24. Compthern, und 2-3000. Rittern Paͤbstlicher Religion. Der Koͤnig ist Großmei- ster von allen drey Orden. Alle drey haben ihr besonderes Ordenszeichen, die ersten beyde auch besondere Ordensketten, der letzte nur ein Or- densband. Die Großereuze und Comthers von S. Ludwig geniessen auch Besoldungen. Der Orden des heiligen Lazari ist geistlich, entstand in den Creuzzuͤgen, und setzte sich 1137. in Frank- reich. Heinrich IV. stiftete den Orden unsrer lieben Frauen vom Berge Carmel, und verei- nigte solchen mit dem Lazarusorden. Die Ritter davon tragen weltlichen Habit, und koͤnnen hey- rathen, den Großmeister setzt der Koͤnig. 1. Statuts de l’Ordre du S. Michel, de l’impri- merie Royale, 1725. 4. mai. 2. Les noms, surnoms, qualités, armes et bla- sons de tous les Chevaliers de l’Ordre du S. Esprit, à Paris 1643. f. 3. Recherches historiques de l’Ordre du S. Esprit, tom. I. par M. DU CHESNE, tom. II. par. M. HAUDIQUER du BLANCOURT, à Paris 1695. 12. 4. Les armes et blasons des Chevaliers de l’Or- dre du S. Esprit creez par Louis XIII., par JA- QUES MORIN, à Paris, 4. §. 37. Die Franzoͤsische Monarchie ist erblich, doch so, daß die Erbfolge nicht auf den Spinn- rocken faͤllt, und die naͤhere Linie dem naͤhern J 2 Gra- Frankreich. Grade vorgeht. Die natuͤrlichen Soͤhne sind so unfaͤhig zur Succeßion, daß selbst der Koͤnig- liche Machtspruch an ihnen unkraͤftig ist. Die Verzicht eines Prinzen vom Gebluͤte auf die Thronfolge hebt sein und seiner Descendenten Succeßionsrecht voͤllig auf. Uebrigens muß ein Koͤnig der Roͤmischcatholischen Religion zu- gethan seyn. a) Le Roi ne meurt pas en France, und le mort saisit le vif. DE LA FORCE, tom. I. ch. 2. art. 4. b) Diese successio Salica oder Francica ist in den beyden Erbstreitigkeiten nach Ludovici Hutini und Caroli pulcri Tode fest gestellt worden, und Philipp II. von Spanien verschwendete seine Millionen verge- bens, um solche umzustossen. c) Ludwigs XIV. Edict wegen der Erbfolge der le- gitimirten Prinzen 1714 Proceß daruͤber mit den Prinzen vom Gebluͤte 1716. Merkwuͤrdige Sentenz 1717. aus dem Corps diplom. Supplem. tom. II. part. II. p. 165. d) Von der Guͤltigkeit der Verzicht Philipp V. Let- tres de Filz Moritz, lett. 1. 2. 3. §. 38. Die Majorennitaͤt der Koͤnige faͤngt sich mit dem ersten Tage ihres 14ten Jahres an. Nachdem Reichsherkommen dependiret die Re- gent- und Vormundschafft von der Verordnung des vorigen Koͤnigs, obgleich solches nach Lud- wig XIV. Tode nicht beobachtet worden. Jst keine Frankreich. keine Verordnung da, so faͤllt sie den nechsten Agnaten zu. Waͤhrender Regentschaft wird al- les im Namen des Koͤnigs expediret. a) Sonst wurden die Koͤnige erst nach Vollendung des 20sten Jahres majorenn. b) Exempel der tutelae et administrationis arbi- trariae und legitimae. 1. Traité de la majorité de nos Rois et des re- gences du Royaume par M. DU PUY, à Paris 1651. 4. §. 39. Die Kroͤnung ist seit dem andern Stam- me der Koͤnige gewoͤhnlich, aber nicht nothwen- dig. Sie wird ordentlich zu Rheims mit vielen Feyerlichkeiten vorgenommen, und kann auch in der Minderjaͤhrigkeit des Koͤnigs vollzogen werden. a) Von den Reichskleinodien. b) Von der Ampulla Remensi. Die Engellaͤnder hatten dieses Heiligthum schon einmal in Haͤnden, es wurde ihnen aber wieder abgejaget, GODEFROI, loc. cit. p. 409. c) Spuren der aͤltesten Ceremonien der Franken, so bey den jetzigen Kroͤnungen noch uͤblich. d) Der Koͤnig muß 5. Eyde schwoͤren. 1. Traité historique du Sacre et couronnement des Rois de France par M. MENIN, à Amsterdam 1724. 12. J 3 §. 40. Frankreich. §. 40. Der Koͤnig geniesset das heilige Abend- mahl unter beyderley Gestalt, weil seine Sal- bung der priesterlichen gleich gehalten wird. Er beruͤhret auch an gewissen Tagen die Kranke, und heilet insbesondere die Kroͤpfe, welche Kraft der heilige Marculph dem heiligen Ludwig zu- erst mitgetheilet hat. a) DE LA FORCE, tom. I. ch. 12. und Nemeitz, Cap. XXIII. p. 184. b) Die communionem sub vtraque soll Clemens VI. Philippen von Valois verstattet haben. 1. IOAN. IOACH. ZENIGRAVII de tactu re- gis Franciae, quo strumis laborantes restituuntur, diss. duae, Wittebergae 1670. §. 41. Das Reich ist untheilbar. Alle unmittel- bare Lehnguͤter, die dem Thronfolger sowohl vor Erlangung der Krone gehoͤren, als nach Erlan- gung derselben zufallen, muͤssen dem Reiche ein- verleibet werden. a) 2 Ursachen haben die Untheilbarkeit unter den ersten Koͤnigen des dritten Stammes befoͤrdert, so daß die Nachgebohrne sich mit Apanagiis begnuͤgen muͤssen, aus Loiseau LIMNAEUS, I. p. 207. b) Les Rois de France contractent avec la cou- ronne une espece de mariage, par lequel ils la do- tent de toutes les terres et seigneries, cet. aus Sci- pion Frankreich. pion du Pleix LIMNAEUS, eb. das. p. 216. und 221. Exempel von beyden Faͤllen. §. 42. Die unumschraͤnkte Regierung der neu- ern Koͤnige ist von Ludwig XI. gegruͤndet, und von dem Cardinal Richelieu befestiget worden. Ehemals hatten die Franzoͤsische Staͤnde grossen Theil an der Regierung. Jhre Versamlungen nennte man schon unter dem ersten Stamme das Parlament. Es bestand ans der Geistlichkeit und dem Adel. Philipp der Schoͤne fuͤgte den Buͤrgerstand ( Le Tiers Etât ) 1300 hinzu, und errichtete aus dem Ausschuß der Staͤnde eine be- staͤndige Versammlung zu Paris. Dieses behielte den Namen Parlament bey, und seit dem wur- den die allgemeine Versammlungen der Reichs- staͤnde ( Assemblées des Etâts Generaux ) da- von unterschieden; aber sie wurden auch zugleich seltener, und seit 1614. haben sie gar aufgehoͤ- ret Das Parlament zu Paris stellte demnach Anfangs den Reichstag vor, und seine Macht und Vorrechte waren ausserordentlich groß. Nach und nach mischten sich die Koͤnige in die Wahl der Parlamentsherren, bald darauf ei- gneten sie sich die Ernennung schlechterdings zu. Seit dem ist dieses Parlament, aller seiner viel- faͤltigen Widerspaͤnstigkeit ungeachtet, in Staatssachen dem Willen des Koͤniges voͤllig un- terworfen, und in ein Justitzcollegium verwan- delt worden. J 4 a) De Frankreich. a) DE LA FORCE, tom. I. p. 137. und 208. b) Schatten der alten Parlamentsrechte, daß biß jetzt alle koͤnigliche Edicte darinnen registriret wer- den muͤssen. c) Exempel, wie hart sie wegen ihrer Widersetz- lichkeit gezuͤchtiget worden. 1. Histoire des anciens Parlements de France par M. le Comte de BOULAINVILLIERS, à Londres 1737. f. §. 43. Jn Frankreich giebt es 4. Stuffen des A- dels. 1) Die Prinzen vom Gebluͤte, denen die legitimirte Soͤhne der Koͤnige unmittelbar nach- gehen, 2) der hohe Adel, unter welchem die Ducs und Comtes Pairs die erste sind, 3) der gemeine, sowohl Stamm-als Geburtsadel, 4) der neue Adel, welcher entweder durch einen A- delsbrief oder durch Ernennung zu einer adeli- chen Bedienung gegeben wird, und im letztern Falle bißweilen nur persoͤnlich ist, wohin auch der Glockenadel gehoͤret. a) DE LA FORCE, tom. I. ch. XX. b) Sonst waren 12. Pairs de France, 6. geistliche und 6. weltliche, und von jeder Gattung 3. Herzoge und 3. Grafen Diese Pares Curiae waren unter den Reichsstaͤnden die Vornehmste. Jhre Anzahl ist anjetzt biß auf 60. gewachsen, ihre Vorrechte aber sind unendllch gefallen, und bestehen beynahe nur in der Einbildung. LIMNAEUS, I. 977. c) Un- Frankreich. c) Unter den Ducs und Pairs haben die 6. natu- ralisirte auslaͤndische Prinzen den Rang. Die- se sind 1) das Haus Carignan, 2) die Franzoͤsische Linie der Herzoge von Lothringen, 3) der Fuͤrst von Monaco, 4) der Herzog von Bouillon, 5) der Her- zog von Rohan, 6) der Herzog von Thouars und Prinz von Tarento. d) Der Stammadel geuͤndet sich ohne weitern Beweiß auf den Besitz von 100. Jahren Kraft eines Edicts von 1664. und 1714. e) Der Seehandel ist dem Adel nicht praͤjudicir- lich. Gewohnheit der Edelleute in Bretagne, ihren Adel schlafen zu lassen. 5. Verfassung der Reichsgeschaͤfte. §. 44. Der Staatsrath ist das hoͤchste Reichs- collegium, welches aus dem Canzler und den Staatsministern besteht. Diesem ist das Con- seil des depeches beyzufuͤgen, worinnen von den 4. Staatssecretaͤren, 1) der auslaͤndischen Affairen, 2) der Hof- See- und Handelssa- chen, 3) der Kirchensachen, 4) der Kriegs- affairen, die in eines jeden Abtheilung laufen- de Angelegenheiten referiret und expediret wer- den. Jn beyden Consiliis ist der Koͤnig selbst gegenwaͤrtig. a) Die innerliche Reichssachen sind unter alle 4. Staatssecretaͤre getheilet, so daß jeder gewisse Pro- vinzen zu besorgen hat. Die Expedition der Gnaden- J 5 sachen Frankreich. sachen gehet wechselsweise von Monath zu Monath herum. DE LA FORCE, tom. I. ch. XVII. §. 45. Der Franzose verbindet die Vernunft mit seiner Religion, und dieses so weit, daß er sich auch eher zu Ausschweifungen in der Freygeiste- rey, als zu der entgegen gesetzten Schwachheit des Aberglaubens neiget. Er weiß den Wehrt der Gewissensfreyheit zu schaͤtzen, und hat sich gegen das Glaubensjoch laͤnger als gegen das Staatsjoch vertheidiget, wovon die Albigen- ser, die Hugenotten und noch neulich die Jan- senisten oder vielmehr Quesnellianer ein eben so denk- als bedauernswuͤrdiges Beyspiel ab- geben. a) Man sehe CHASSANION in seiner histoire des Albigeois, die histoire de l’Edit de Nantes und die Anecdotes sur la Constitution: Vnigenitus nebst Hrn Cantzler Pfaffens actis et scriptis publicis die- ser Constitution, ferner Johann Frickens Bullam Unigenitus, und Walchs Einleitung in die Reli- gionsstreitigkeiten, Theil II, Cap. 3. Abtheil. 2. §. 46. Die ganze Geistlichkeit besteht aus 18. Erzbißthuͤmern, welche aber nur 16. Kirchenpro- vinzen ausmachen, und aus 109. Suffragan- bißthuͤmern, welche ihre Archidiaconate, De- canate und Kirchspiele unter sich haben. Ueber- das zaͤhlet man fast 750. maͤnnliche und uͤber 200. Frankreich. 200. weibliche Abteyen, nebst 14. 077. Kloͤstern von allerley Orden. Dieses alles zusammen soll uͤber 190.000. Personen geistlichen Standes be- tragen. Jn America ist ein unmittelbares Biß- thum zu Quebeck. 1. Recueil historique des Archevechés, Evechés Abbayes et Prieurés de France par DOM BEAU- NIER, II. tomes, à Paris 1726. 4. 2. Memoires Anecdotes de la Cour et du Clergé de France par JEAN BAPTISTE DENIS, à Lon- dres 1712. gr. 12. a) Die Erzstifte Cambray und Besançon sind in dem Collegio der Franzoͤsischen Geistlichkeit nicht mit begriffen. b) Metz, Toul, Verdun und Straßburg eben so wenig, weil sie unter Teutschen Erzstiftern stehen. c) Von dem Orden De la Trappe siehe Descri- tion de l’abbaye de la Trappe, à Paris 1677. 12. und BOULAINV, Etât de Perche. d) Die beste Liste der Erz- und Bißthuͤmer und Ab- tragen giebt das Dictionnaire de France in der In- troduction, pag. 18. e) Einkuͤnfte der Franzoͤsischen Clerisey, welche ge- dachter Denis ohne Grund auf 312. Millionen setzet. BEAUNIER berechnet solche, die Abteyen mit dar- unter begriffen. §. 47. Jn den mittlern Zeiten wurde Frankreich von den Paͤbstlichen Annatis, gratiis exspe- ctatiuis und reseruatis sehr vexiret. Carl VII. half Frankreich. half sich durch eine weise Sanctionem pragma- ticam geschlossen zu Bourges und bestaͤtiget von dem Concilio zu Basel, 1438. Nach vielen li- stigen Bemuͤhungen der Paͤbste riß sich endlich Leo X. diesen Dorn aus dem Fusse, und richtete 1515. mit Frantz I. zu Bologna das beruͤhmte Con- cordat auf, Kraft dessen der Koͤnig die Ernen- nung zu den Stiftern bekam, der Pabst aber sich die Bestaͤtigung vor eine gewisse Summe Gel- des oder Taxe ausdung, und solche auch, ob- wohl mit grossem Widerspruch des Parlaments, durchsetzte. Der Pabst hat auch in den meisten Stiftern 6-8. menses. Der Koͤnig exercirt das ius primariarum precum, und geniesset das eintraͤgliche Regale, das ist, er hebt die Ein- kuͤnfte, und vergiebt die Pfruͤnden der erledigten Stifter. Den Gerichtsstand der Erz- und Bi- schoͤfe in Criminalsachen macht das Parlament zu Paris dem Pabste streitig. a) Sanctio Pragmatica Caroli VII. steht im Corps Di- plom. tom. III. part. I. p. 57. die Concordata eb. das. tom. IV. part. I. p. 228. b) Der Koͤnig ernennt also ordentlich vi concor- datorum; aber in Provence, Bretagne und den er- oberten Laͤndern vi indultus. c) Das Regale erstreckte Ludwig XIV. durch 2 E- dicte von 1673. und 1682. auch auf Langvedock, Dau- phine, Provence und alle neuerlangte Laͤnder. Doch schenkt der Koͤnig gemeiniglich zwey Drittel dieser Ein- kuͤnfte den neuen Bischoͤfen. 1. Traité singulier des Regales ou des droits du Roi Frankreich. Roi sur les benefices ecclesiastiques par FRANÇOIS PINSSON, II. tomes. à Paris 1688. 4. Siehe auch DE LA FORCE, tom. I. ch. XVIII. §. 48. Die weltbekannte Freyheit der Gallica- nischen oder Franzoͤsischen Kirche ist nicht als ein Privilegium anzusehen; sondern als ein Ueberrest desjenigen Rechts, welches allen christ- lichen Kirchen vor errichtetem Pabstthum gemein war. Sie gruͤndet sich auf 2. Hauptsaͤtze, 1) daß der Pabst in weltlichen Sachen gar nichts, 2) in geistlichen Sachen aber gegen die in Frank- reich angenommene Concilia nichts befehlen koͤn- ne. Hieruͤber ist vieles gefochten worden, die ganze Franzoͤsische Geistlichkeit setzte solche 1682. nebst ihren Folgerungen mit Einwilligung des Koͤnigs aufs neue fest: aber der ungluͤckliche Krieg uͤber die Constitutionem: Vnigenitus hat diese streitbare Heldinn fast gaͤnzlich entwaf- net, weil die weltliche Hand sie zum geistlichen Gehorsam gezwungen. a) Philipp der Schoͤne, Ludwig XII. und XIV. sind sehr ungezogene Kinder gegen den heiligen Vater gewesen. b) Alle Decretales, welche der Franzoͤsischen Kir- chenfreyheit zuwider sind, das ganze 6te Buch der Decretalien und das Concilium von Trient sind hier nicht angenommen. c) Von der Freyheit der Franzoͤsischen Kirche hat LIMNAEUS aus PETRO PITHOEO, CLAU- DIO Frankreich. DIO FAUCHETO, ANTONIO HOTMANNO, MARCO VULSONIO und andern einen netten Aus- zug gemacht. PIERRE DU PUY hat noch vollstaͤn- diger davon geschrieben, und LENGLET du FRES- NOY hat dessen Commentaire stark vermehrt wieder herausgegeben in II. tomes, à Paris 1715. 4. d) Alte und neue Maͤrtyrer dieser geistlichen Frey- heit. §. 49. Frankreich hat nicht einerley Gesetze. Die koͤnigliche Ordonnances und Declarations welche im Codice Ludouiciano gesammlet worden, haben zwar sowohl in geistlichen, als weltlichen Sachen eine allgemeine Verbindlich- keit; allein uͤbrigens ist in einigen Provinzen das Roͤmische Recht angenommen, in andern aber nicht. Daher kommt die Eintheilung in Pays de droit écrit und pays coûtumiers. Das Jus Canonicum gilt ebenfalls, doch unter ver- schiedenen Einschraͤnkungen. Den buͤrgerlichen und peinlicheu Proceß hat Ludwig XIV. 1666. umgeschmolzen, und durchgaͤngig auf einerley Fuß stellen lassen. a) Code de Louis XIV. XII. parties, à Paris 1667. 1695. 4. b) Jn Gvienne, Langvedock, Provence, Dau- phine, Lionnois und einigen andern gilt Jus Roma- num. c) Man zaͤhlt auf 60. Provincial Statuta, wenn man aber die Stadt- und andre geringere Rechte da- zu nimt, sind 275. besondere Coûtumes. d) Die Frankreich. d) Die neue Proceßordnung hat der Preußischen zum Muster gedient; doch ist die peinliche vollkom- mener als die buͤrgerliche. Von den Plaidoyers in den Franzoͤsischen Parlamentern. §. 50. Die kleine koͤnigliche und adeliche Gerich- te ( Prevôtés, Mairies, Iudicatures, Cha- tellenies etc. ) stehen unter den Amtsgerichten, ( Présidiaux, Senechaussées, Bailliages, ) von diesen wird in wichtigern Faͤllen an die Land- gerichte appellirt. Dieser sind 14. an der Zahl, 12. Parlaments und 2. Conseils Superieurs, deren kein einiges von dem andern abhaͤngt; sondern alle in der letzten Jnstanz sprechen. Der Canz- ler ist das Haupt der Gerechtigkeit, und praͤsidi- ret zugleich in allen koͤniglichen Conseils. Er dirigiret die grosse Canzeley, worinnen alle koͤ- nigliche Rescripte, Verordnungen, Bestallungs- Patente, kurz alle Schriften in den hoͤchsten Reichssachen durch 300. Secretaͤre ausgefertiget werden. Bißweilen wird ihm ein Groß-Sie- gelbewahrer zur Seiten gesetzt. a) DE LA FORCE tom. I. ch. 19. und Dictionn, de France iu der Introduction, woselbst p. 38. die ganze division justiciere befindlich. b) Von den Vorrechten des Canzlers, und war- um er niemals eine Trauer anleget. §. 51. Frankreich. §. 51. Die Einkuͤnfte der Koͤnige waren in den vorigen Zeiten kaum mittelmaßig. Denn zu neuen Abgaben war die Einwilligung der Staͤn- de noͤthig. Diese schuͤttelte sich Ludwig XI. zu- erst vom Halse. Seit dem ist Frankreich von einem ganzen Strom neuer Auflagen uͤber- schwemmet worden. Die heutige ordentliche Einkuͤnfte werden gehoben 1) aus den Domai- nen, welche theils in Guͤtern, theils in unzaͤh- ligen nutzbaren Regalien, als Droit de Rega- le, d’ Amortissement, Francs fiefs, nou- veaux Acquêts, Ban et Arriere Ban, Au- baines, Batârdise und andern parties casu- elles bestehen; 2) aus den Zoͤllen, ( Droits d’ entrée et de sortie, de Foraine, etc. ) 3) aus der starken Accise, hauptsaͤchlich auf Wein, ( Aides ) wohin auch die cinq grosses fermes nebst der Verpachtung des Tabacks und das Stempelvapier zu rechnen, 4) aus der Salz- steuer, und zum Theil dem Salz-Monopolio, ( Gabelles ) 5) aus den Vermoͤgensteuern ( Tail- les ) 6) aus dem Verkauf der Civil-Bedienun- gen, 7) aus den Decimes und dem Don gra- tuit der Geistlichkeit. Die ausserordentliche Auflagen sind der Taillon, Vstensile, Etappes, die Kopfsteuer, ( Capitation ) die Aufrichtung neuer Bedienungen, die Umpraͤgung und Er- hoͤhung der Muͤnze, der Zehende aller Einkuͤnfte, ( Dixième ) und so viele andre, als dem Koͤnige zu Frankreich. zu fordern gefaͤllt. Doch sind sie nur in Krie- geszeiten und Nothfaͤllen gebraͤuchlich. a) Die Domainenguͤter sind mehrentheils veraͤussert, bleiben aber allezeit wiederkaͤuflich. Die uͤbrige sind verpachtet. b) Das Stempelpapier kam auf 1673. c) Gabelles sind sehr verschieden. Es gibt Pays de grandes und de petites gabelles und exempts de gabelles. BOULAINV. I. 52. d) Der Ueberrest der Domainen, die Zoͤlle, Aides, cinq grosses Fermes, Taback, Stempelpapier und Ga- belles sind zusammen verpachtet, und machen den Bail general oder die Fermes unies aus. e) Die Tailles schreibt der Koͤnig jaͤhrlich nach Be- lieben aus, sie sind in Langvedock nnd Provence re- elles, in den uͤbrigen Laͤndern personelles. BOU- LAINV. I. 51. f) Wie der Verkauf der Aemter eingefuͤhret, nach und nach gesteigert, und endlich die Bedienungen zu ordentlichen Handelssachen geworden. DE LA FOR- CE, I. 212. g) Taillon traͤgt halb so viel, bißweilen gar . Viertel so viel, als die Taille. BOULAINV. I. 52. h) Von der Aufrichtung neuer Bedienungen Exem- pel in Flandern, BOULAINV. I. 357. §. 52. Die Einrichtung das Finanzwesens hat bißher noch nicht auf einerley Fuß im ganzen Reiche gesetzt werden koͤnnen. Jedoch ist (aus- ser einigen neueroberten Laͤndern) alles in 26. K Gene- Frankreich. Generalitaͤten eingetheilet, und einer jeden ein Jntendant vorgesetzt, der viele willkuͤhrliche Macht ausuͤbet. 20. Generalitaͤten sind Pays d’ Election, 6. sind Pays d’Etâts. Jedes Pays d’Election hat sein Bureau des Tréso- riers de France und 2. Receveurs Generaux, durch welche alle unverpachtete Einkuͤnfte geho- ben werden. Die andere Revenuͤen werden an die Pachter und Bureaux der Pachter ge- liefert. Die kleinere Eintheilung aller Genera- litaͤten ist nach Paroisses und Feux. Ferner sind 10. Chambres des comptes zu Berechnung der Einkuͤnfte, und 8. Cours des Aides zu Schlichtung der Processe angelegt. Die Geist- lichkeit ist in Ansehung der Zehenden und des freywilligen Beytrages in 17. Generalitaͤten o- der Recettes provinciales eingetheilet. Die geistliche Finanzprocesse aber werden von 9. Chambres Ecclesiastiques entschieden, deren Untergerichte die Bureaux diocesains sind. Das allgemeine Oberhaupt des Finanzwesens aber ist der Controlleur General, an welchen auch der Receveur General du Clergé ange- wiesen ist. a) Wie sich Langvedock unter Ludwig XIII. gesper- ret, ein Pays d’Election zu werden. BOULAINV. b) Von den Elections, Paroisses und Feux, BOU- LAINV. II. 300. Das Dictionn. de France in der Introduction rechnet im ganzen Bezirk von Frank- reichs Herrschaft in Europa 39. 045. Paroisses und 3. 713. 563. Feuerstellen. c) Der Frankreich. c) Der Generalpacht ist in eine Menge Unterpach- tungen abgetheilt. Die allgemeine Versamlungen der Oberpachter werden in der Douane zu Paris gehal- ten. d) Jn verschiedenen Generalitaͤten sind noch be- sondere Bureaux, als: des aides, grandes entrées, formules, marque de fers, Jauge et Courta- ge, Droits de Riviere, domaines de Flandre et domaines d’ Occident. Ferner ist Frankreich in eine Menge Departemens wegen der grossen und kleinen Salzsteuer, und in viele Directi- ons wegen der Bureaux des cinq grosses Fermes abgetheilet. §. 53. Diese Anstalten hat Frankreich seinen gros- sen Financiers zu danken, von denen alle an- dre in Europa das Handwerk gelernet. Es sind nun zwar hiedurch die Einkuͤnfte des Koͤni- ges biß auf 180. Millionen getrieben worden; allein 1) sind die Erfindungen, Geld zu erpres- sen, in Kriegeszeiten so ausschweifend gehaͤufet worden, daß das uͤberladene Volk unter dieser Last mehr als einmal fast erdruckt, und von den unzaͤhligen Maltôtiers biß aufs Blut ausgeso- gen worden, 2) haben dem ungeachtet die un- nuͤtze Kriege das Reich oͤfters in solche uner- schwingliche Kosten gestecket, daß die Krone in jetzigem Jahrhundert uͤber 1900 Millionen schul- dig gewesen, welche zu tilgen kaum das aller- desperateste Mittel hinlaͤnglich gewesen. K 2 a) Frankreich. a) Berechnung der Koͤniglichen Revenuͤen aus BOULAINV. I. 51. u. folg. b) unerhoͤrte Proportion der Koͤniglichen Einkuͤnf- te gegen das, was das Land hervorbringt. BOU- LAINV. II. 578. c) Elend so daraus entstanden an dem Ex. der Generalitaͤt von Paris, der Grafschaft Burgund, der Provinz Artois, Metz, Rouan, Limoges. Anmer- kung von Elsas. BOULAINV. an gehoͤrigen Orten. d) Von den vielen 1000 Finanzbedienten als Blut- igeln des Reichs. BOULAINV. tom. III. memoire II. et III. e) Von dem Actienhandel und der papiernen Zeit waͤhrender Minderjaͤhrigkeit Ludwigs XV. La vie de Philippe d’Orleans. f) Herzhafte Vorstellungen des Parlaments ge- gen einige neue Auflagen im letzten Kriege 1747. Mer- cure histor. 1748. mois d’Avril, p. 438. et de May p. 572. §. 54. Wenn man die Menge der Einwohner die- ses weitlaͤuftigen Reichs und ihre Neigung zum Kriege bedenkt; so ist leicht zu begreifen, woher sie so ungeheure Kriegsheere ins Feld stellen koͤnnen, daß man solche im Spanischen Suc- ceßionskriege auf 400.000. Mann geschaͤtzet. Doch betraͤgt sie in Friedenszeiten kaum die Helf- te. Sie haben verschiedene Regimenter von Aus- laͤndern und eine ganze Armee Schweitzer in Diensten. Jhre Cavallerie uͤbertrift unstreitig die Frankreich. die Jnfanterie. Die Haustruppen betragen auf 10.000. Mann theils zu Pferde, theils zu Fuß. Jhr Artillerie- und Jngenieurs-Corps thut es allen andern in Europa zuvor. Die ganze Verfassung ihres Militaͤrwesens hat lan- ge Zeit den uͤbrigen Nationen zum Muster ge- dienet. Seit Unterdruͤckung der Connetablen- Stelle sind die Marechaux de France die er- ste Kriegsbediente, denen zuweilen ein Mare- chal General vorgesetzet wird. Das Hôtel Royal des Invalides, die haͤufige Gouverne- ments und Commendantenplaͤtze, die Ritteror- den und Pensionen sind bey ihnen grosse Auf- munterungen, gut zu fechten. a) Gute und schlechte Eigenschaften der Franzoͤsi- schen Truppen. RICHELIEU im testam. polit. II. 74. b) Carl VII. ist Urheber des militis perpetui. c) Ludwig XI. schloß den ersten Subsidientractat mit den Schweitzern, welcher seit dem oft erneuert worden. d) Von den Haustruppen, der Garde du dedans et du dehors, den Gens d’armes, Chevaux legers, dem Regiment des Gardes-Françoises et Gardes-Suis- ses, den Mousquetaires gris et noirs. e) Die 300. Jngenieurs kosten allein jaͤhrlich 500. 000. livres. f) Ludwigs XIV. Verbesserungen im Kriegswesen werden nunmehr durch die Preußische uͤbertroffen. g) Unter den 12-15. Marschaͤllen von Frankreich K 3 stehen Frankreich. stehen die Lieutenants Generaux, Marechaux de Camp, Colonels und Mestres de Camp. h) Jm Hôtel des Invalides, einer praͤchtigen Stif- tung Ludwigs XIV. werden auf 3000 Gemeine und 500. Officiers unterhalten. Nemeitz, bl. 299. i) Von diesem allen handelt weitlaͤuftig DE LA FORCE, I. ch. 20, und ch. 3. art. 14. 1. Histoire de la milice Françoise par GABRIEL DANIEL, II. tom. à Paris 1718. 4. §. 55. Die Franzoͤsische Seemacht ist weder so alt noch so stark, als die Landmacht. Hein- rich IV. dachte darauf, Richelieu arbeitete dar- an, Ludwig XIV. ruhete nicht, biß er durch List und Geld sie groß gemacht hatte. Aber er er- lebte noch ihren Verfall, und sie ist anjetzt nicht halb so stark, als sie sonst gewesen. Die Kriegsschiffe werden theils am Ocean in Brest Rochefort, Port Louis und Havre de Gra- ce, theils an der Mittellaͤndischen See in Tou- lon, die 30. Galeeren aber in Marseille verwahrt. Der Koͤnig besoldet auf 100.000. Mann, die zur Marine gehoͤren Der Admiral von Frank- reich und der General der Galeeren sind die vor- nehmste Seeofficiers. Unter dem erstern stehen die 2. Viceadmirals, etliche General-Lieutenants und Commandeurs der Escadern, nebst mehr als 40. Admiralitaͤtsgerichten. Es sind auch 3. Compagnien Gardes de la marine als die Pflanzschule von Seeofficiers errichtet. a) Frank- Frankreich. a) Frankreichs besondere Vortheile und Nothwen- digkeit, eine Seemacht zu werden. DES LANDES essai sur la marine, part. 3. p. 98. b) Von den Franzoͤsischen Seeprojecten vor Lud- wig XIV. RICHELIEU, test. polit. ch. IX. sect. 5. und DES LANDES, part. 2. p. 45. c) Carls II. unverantwortliche Staatsfehler, und Ludwigs XIV. Staatsraͤnke in Befoͤrderung des See- wesens Wie weit es der letztere am Ende des vori- gen Jahrhunderts gebracht, BOULAINV. II. 483. d) Der Spanische Succeßionskrieg warf alles nieder. e) Allerneueste Anstalten, nach geschlossenem Frie- den das Seewesen mit aller Macht zu verbessern. f) Ueberhaupt DE LA FORCE, tom. I. ch. XX. art. 4. p. 289. 6. Staatsinteresse. § 56. Frankreichs Staatsverfassung ist so vortheil- haft eingerichtet, daß ein kluger Koͤnig durch nichts aufgehalten wird, das Gluͤck seiner Na- tion auf den hoͤchsten Gipfel zu bringen, und nur einer maͤßigen Sorgfalt noͤthig hat, um das Gebaͤude der unumschraͤnkten Gewalt in gutem Stande zu erhalten, welches aufzufuͤhren seinen Vorgaͤngern so viel Kunst und so grosse Muͤhe gekostet. Es ist gewiß, daß Frankreich bluͤhet; aber es ist auch unstreitig, daß sein Wachsthum K 4 noch Frankreich. noch weit hoͤher getrieben werden kann, wenn es den Fleiß seiner Unterthanen liebreich zu er- muntern, dem Seewesen aufzuhelfen und die auswaͤrtigen Colonien zu vermehren weiß. Eine Milderung der Abgaben und die Ver- meidung unnoͤthiger Kriege wuͤrden hiebey grosse Dienste leisten. a) Testament politique du Cardinal RICHELIEU, II. parties, à Amsterdam 1688. 12 geht alle Theile des innerlichen Jnteresse der Krone Frankreich durch. b) Vorschlaͤge zu Verbesserung der Pflanzstaͤdte in America, LABAT Voyage aux Isles de l’ Amer. IV. ch. I. in der letzten Abtheilung, und eben dessen voyages de DES MARCHAIS. c) Vorschlag eines Et ablissements an der Magel- lanischen Meerenge, LABAT voyage aux Isles de l’ Amer. V. p. 373. d) Vorschlag zu Vermehrung der Colonien in Ostindien, LABAT memoires D’ ARVIEUX, tom. VI. p. 301. e) Wie das Finanzwesen besser einzurichten, Pro- jecte des Grafen BOULAINVILLIERS an den Her- zog Regenten aus seinen Memoires, tom. III. des Etât de la France, mem. 2, 3, 5, 6. f) Wie schaͤdlich Frankreich seine grosse Kriege seit 100 Jahren geworden aus BOULAINV. an verschie- denen Orten. Das Das IV. Hauptstuͤck. Staat von Groß-Britannien. Schriftsteller: 1. Teatro Britannico da GREGORIO LETI, V. parti, Amsterdamo 1684. 12. 2. Angliae notitia, siue praesens status Angliae, (THOMAE WOOD) Oxoniae 1686. 12. 3. Goy Miege geist- und weltlicher Staat von Groß-Britannien und Jrrland, aus dem Englischen uͤbersetzt, (von Johann Bernhard Heinzelmann ) 3. Theile, Leipzig 1718. 4. 4. L’Etat present de la Grande Bretagne sous le Regne de George II., III. tomes, à la Haye 1729. 8. * Zu allen diesen vier Buͤchern hat EDUARDI CHAMBERLAINE Magnae Britanniae notitia, welches seit 1668. fast 30. mal in Englischer Sprache herausgekommen, den Stoff gegeben. 5. Le guide d’Angleterre, ou relation du voyage de M. de B ***, à Amsterdam 1744. 8. K 5 6) Gros-Britannien. 6. Lettres de M. l’ Abbé LE BLANC, concernant le gouvernement, la politique et les moeurs des Anglois et des François, III. tomes, à Amsterdam 1747. 8. 1. Staatsveraͤnderungen. §. 1. D ie alte Britten fechten lange, ehe sie sich das Joch der Roͤmer auflegen lassen, wel- che doch endlich im Jahr 426. von freyen Stuͤ- cken den Angel-Sachsen Platz machen. Die- se werden von den Daͤnen verdrungen, und kaum sind sie wieder auf dem Thron, so muͤssen sie den Normaͤnnern weichen 1066. §. 2. Denn Wilhelm der Conqverant ihr Her- zog erobert Engelland, wodurch dieses Reich ei- nen schoͤnen Zuwachs jenseit des Meeres erhaͤlt. Nach seinem und seiner beyden Soͤhne Abster- ben streiten sich seine Nachkommen von weibli- cher Seite um den Scepter. §. 3. Unter dlesen hat endlich Heinrich II. bey- genannt Plantageneta das Gluͤck, die Krone auf sein Haus zu bringen 1154. Er wird durch Erb- folge Graf von Anjou, Maine und Touraine, durch Gros-Britannien. durch Heyrath Herzog von Gvienne, wozu auch Poitou, Xaintonge und Gaseogne gehoͤrte, und durch seine Siege Herr von Jrrland. Sein Urenkel Eduard I. incorporirt Wallis dem Rei- che. Eduard III. erlangt einen Anspruch auf Frankreich, und die Engellaͤnder verfechten solchen mit so ausserordentlichem Fortgange, daß seine Nachfolger davon Meister geworden waͤren, wenn nicht die innerliche Kriege zwischen der rothen und weissen Rose Engelland zu einem Schauplatz von Mordspielen gemacht, und da- durch den Verlust nicht nur fast aller Eroberun- gen; sondern auch der eigenthuͤmlichen Provin- zen in Frankreich nachgezogen haͤtten. §. 4. Heinrich VII. ein Tudor gewinnet das Reich, 1485. und bringt es durch seine Vermaͤhlung und Klugheit zur Ruhe. Allein Heinrich VIII. re- giert und lebt wunderlich, und Maria reformirt grausam. Endlich kehret Elisabeth den alten Sauerteig aus, und wird das Gluͤck und Ver- gnuͤgen ihres Volks, stirbt aber unvermaͤhlt 1603. a) Unter Heinrich VII. fing Engelland an, seine Schiffart auszubreiten, und unter Elisabeth, sich aus- serhalb Europa festzusetzen. §. 5. Nunmehr kommt Engelland und Schott- land unter ein Haupt, und erhaͤlt den gemein- schaftlichen Gros-Britannien. schaftlichen Namen Groß-Britannien. Das Stuartische Haus erbet Elisabeths Reich, aber nicht ihre Weißheit. Daruͤber verliehrt Jacob I. sein Ansehen, Carl I. den Kopf, Carl II. die Liebe der Nation, und der Papistische Jacob II. 1688. das Reich. Wilhelm III. Prinz von Oranien wird nebst seiner Gemahlinn Maria auf den verlassenen Thron erhoben. Seine Nachfolgerinn Anna hat das Gluͤck, Engelland mit Schottland zu vereinigen, und Frankreich zu demuͤthigen; aber auch das Ungluͤck, ihren Ruhm und ihre zahlreiche Nachkommenschaft zu uͤberleben. a) Unter diesem Stamme wird Engelland in A- merica maͤchtig, und durch den Utrechtischen Frieden erlangt es den Schluͤssel zum Mittellaͤndischen Meer. §. 6. Das Churhaus Braunschweig-Luͤne- burg erhaͤlt die Krone, und beyde George re- gieren mit grossem Ansehen, befoͤrdern die Gluͤck- seeligkeit ihres Volks, und werden Schutzengel von Europa. 1. Histoire des revolutions d’Angleterre par le P. D’ORLEANS, III. tomes, à la Haye 1729. 4. 2. Beschaffenheit der Laͤnder. §. 7. Groß-Britannien ist die groͤßte Jnsul in Europa. Die Nordsee, der Canal, das Jrr- laͤndische Gros-Britannien. laͤndische und Schottische oder Deucaledonische Meer machen ihre Grenzen, und sondern sie von den Niederlanden, Frankreich und Jrrland ab. Engelland und Schottland hengen durch die Cheviotische Gebuͤrge zusammen, und werden durch die Fluͤsse, den Tweed, Esk und Sol- vay von einander geschieden. a) Von den Englischen Seekuͤsten und den Duͤ- nen, Guide d’Angleterre, p. 70. §. 8. Engellands Clima wird durch die Seeluft feucht erhalten. Winter und Sommer sind beyde gleich sehr gemaͤßiget. Schottland ist schon kaͤlter und trockener. Engelland ist groͤßtentheils eben, Schottland hergegen weit mehr gebuͤrgig als platt. Beyde Laͤnder sind vortreflich durch- waͤssert: unter den grossen Stroͤmen sind die Themse, die Severne und der Humber in En- gelland; der Tay, Forth und Clyde in Schott- land die vornehmste. §. 9. Engellands Fluͤsse und Kuͤsten sind unge- mein fischreich. Der gluͤckselige Boden bringt alles, was man von einem so temperirten Lan- de erwarten kann, nicht nur reichlich; sondern auch fuͤrtrefflich hervor. Getreyde, Garten- fruͤchte und Viehweide sind im hoͤchsten Ueber- flusse. Gros-Britannien. flusse. Jhre Pferde werden den besten in Eu- ropa gleichgeschaͤtzt, und ihre Millionen Schaa- fe tragen eine guͤldene Wolle. An Flachs, Hanf und Holz spuͤret man nur deßwegen eini- gen Mangel, weil man den Boden auf andere Art besser zu nutzen weiß. Salz ist nicht zurei- chend vorhanden. Schottland ist hauptsaͤchlich an Fischen, Haber, Weitzen, Flachs und Hanf gesegnet; doch ist das Land nicht von der Guͤ- te, noch so fleißig angebauet, als Engelland. a) Sardellenfang auf der Kuͤste von Cornwall, Miege, I. 45. b) Austernfang auf der Bank von Colchester, LE BLANC , III. 281. c) Zu den Landesfruͤchten gehoͤrt auch der Saffran, das Suͤßholz und Weidkraut. d) Jn Engelland giebt es weder Woͤlfe noch Baͤ- ren und wilde Schweine. e) Von Schottlands Vortheilen. Miege, Theil II. Cap. 2. §. 10. Die Englische und Schottische Berge ge- ben allerhand Marmor, Alaun, Chrystal, Vi- triol, Steinkohlen, Zinn, Bley, Kupfer und etwas Eisen. Sonderlich hat Engelland einen vorzuͤglichen Schatz an den Zinnbergwerken in Cornwall, und Schottland ist an Steinkohlen unerschoͤpflich. §. 11. Gros-Britannien. §. 11. Engelland bestehet aus 7. Provinzen und dem Fuͤrstenthum Wallis. Die erstere sind in 40. Schiren oder Grafschaften, wozu auch die umliegende Jnsuln gerechnet werden, ein- getheilet. Wallis ist aus 12. Schiren zusammen gesetzt. Jn beyden ist jeder Hufen Landes, seit vielen 100. Jahren ausgemessen. Schott- land zerlegt sich in das Suͤdliche und Nordliche Theil, und in die Schottische Jnsuln, die letz- tere werden in die Westliche, Orcadische, Schett- laͤndische und Ferroische abgetheilet, und zaͤhlet man ihrer uͤber 150. London ist als der Sitz des Reichs, der Mittelpunct des Englischen Handels und die volkreicheste Stadt in Europa merkwuͤrdig. 1. The history of London by WILLIAM MAIT- LAND, London 1739. f. worinnen eine weitlaͤufti- ge Untersuchung von der Anzahl der Einwohner, und ein Vergleich mit den Einwohnern anderer grossen Staͤdte in Europa befindlich ist. 2. Nouveau Theatre de la Grande-Bretagne, Lon- dres, tom. I. 1708. tom. II. 1713. suppl. 1728. §. 12. Groß-Britannien hat keine sonderliche Landfestungen, wozu wuͤrden sie auch dienen? Es sorget nur, seine Thuͤre, die Seekuͤsten, verschlossen zu halten. Dieses erlangt es durch die Festungswerke seiner Haͤfen, welche es in grosser Gros-Britannien. grosser Menge hat. Die vornehmste Englische Seehaͤfen sind Dower, Chattam, Sandwich, Portsmouth, Neuport, Yarmouth, Pleymonth, Dartmouth, Falmouth, Chester, Hull, Car- diff, Milforthafen nebst den grossen Handels- oͤrtern London und Bristol; unter den Schot- tischen sind Leith, Glascow, Dunde, Aberdeen, Cromerty bekannt. a) Zur ganzen Geographle von Engelland gehoͤrt 1. CAMBDEN’S Britannia by EDWARD GIBSON, London, 1695. f. 2. Dictionarium Angliae topographicum et histo- ricum, an alphabetical description of the chief pla- ces in England and Wales by WILLIAM LAM- BARDE, London 1730. 4. mai. §. 13. Jrrland ist halb so groß als Engelland, unter seinen Stroͤmen sind der Schannon, Bar- row und Boyne die bekannteste, es hat grosse stehende Seen, und viele Suͤmpfe. Jn der Schaaf- und Viehzucht besteht sein groͤßter Reichthum. Man bauet nunmehr auch Flachs und Hanf, und cultivirt das Land je laͤnger, je besser. §. 14. Die Engellaͤnder besitzen 1) auf der Nor- mandischen Kuͤste die beyde Jnsuln Jersey und Garne- Groß-Britannien. Garnesey, als das einzige Andenken ihrer ehe- maligen Provinzen in Frankreich; 2) auf der Strasse nach der Levante im Mittellaͤndischen Meer die Festung Gibraltar und die Jnsul Mi- norca; 3) in Africa Capo Corso nebst unter- schiedlichen Festungen auf der Goldkuͤste und der Jnsul St. Helena; 4) in Asien einige befestig- te Plaͤtze, als Bombaya auf der Kuͤste von Cun- can, Madras und Fort St. David auf der Kuͤ- ste von Coromandel und Fort Marlborough in der Jnsul Sumatra. §. 15. Jn America sind sie nach den Spaniern unstreitig die maͤchtigste, und beherrschen 1) im Nordlichen Theile einen Strich Landes von 16-1700. Englischen Meilen, worinnen sich Hudsonbay wegen des Castors, Neu-Schott- land und die Jnsul Terre Neuve wegen des Fischfangs, Neu-Engelland, Neu-York, Neu- Jersey, Pensilvanien, Carolina und Georgia nebst dem Fischfange wegen der Viehzucht, des Getreydes, Schiffszimmerholzes und der Eisen- bruͤche, Virginien und Maryland wegen des Tabacks hoͤchst schaͤtzbar machen. 2) Unter den vorliegenden Jnsuln gehoͤrt ihnen von den grossen Antillen Jamaica, von den Caraibischen einige theils Lewards, theils Windwards Jn- suln, hauptsaͤchlich Barbados und St. Chri- stophle. Diese Jnsuln liefern nebst Jndigo, L Pimento Groß-Britannien. Pimento, Cacao, Cochenille und allerhand Spe- cereyen und Farbeholz eine grosse Last Zucker. 1. Das Britische Reich in America, uͤbersetzt von Theodor Arnold, 2. Theile, Lemgo 1744. 4. a) Der Fischfang bey Terre Neuve vermehrt den National-Fond jaͤhrlich auf 3. biß 400.000. Pf. Sterl. Brit. Reich in America, I. 4, ohne die herrliche Fi- schereyen an den uͤbrigen Seekuͤsten zu rechnen. b) Neu-Engelland ist reich an Silbertannen, Theer, Pech, Harz, Terpentin, daher der grosse Handel mit Faßdauben, und der herrliche Schiffbau, welcher noch einmal so hoch ist, als in allen andern Englischen Colonien zusammen genommen. Eb. das. 227. c) Von Boston, eb. das- 247. d) Von dem Qvaͤcker Wilhelm Pen, und der herrli- chen Colonie, die er angelegt. e) Die T abackspflanzungen in Virginien und Maryland sind in der groͤßten Bluͤthe, haben den Bre- siltaback heruntergesetzt, und liefern jaͤhrlich fast 300. 000, Centner. f) Carolina ein gluͤckseeliges Land kann seit eini- gen Jahren allein mit Reiß uͤber 200. Schiffe bela- den. eb. das. Die Hauptstadt davon ist Charlestown. g) Georgia ein neuerkauftes Land faͤngt schon an, important zu werden. eb. das. 657. h) Von dem neuen Seydenbau in Georgia und Carolina, und dem Seydengrase in Virginien Man bemuͤht sich auch schon, Wein, Flachs und Hanf zu ziehen. i) Jamaica ist kaum die Helfte angebauet, und dennoch die reicheste unter allen Englischen Colonien. Sie Groß-Britannien. Sie liefert allein an Zucker auf 100 000. Faͤsser, hat 3 grosse Saltzteiche, und bringt nunmehr auch Caf- fee hervor. Von ihrem Hafen Port R oyal. k) Barbados ein Jnsulchen, 5. Meilen lang und nicht halb so breit hat jetzt noch mehr Zucker, als alle Englische Pflanzungen zusammen, und konnte sonst wohl 400. Schiffe mit ihren Landeswaaren beladen. Seit 1690. fiel sie, doch erhohlt sie sich allmaͤchlich wieder. l) Jn den Englischen Colonien halten sich wenig- stens anderthalb Millionen Menschen auf. m) Berechnung des Wehrts der Englisch-Americani- schen Productionen aus der Einleitung des Briti- schen Reichs in America. 3. Beschaffenheit der Einwohner. §. 16. Engelland hat auf 7. Millionen Einwoh- ner, Schottland und Jrrland zusammen nicht halb so viel. Jn der Englischen Sprache ist die alte Saͤchsische der Stamm, in welchen die Franzoͤsische, die Lateinische und alte Britische eingepropfet worden. Aus dieser letztern fließt auch die Schottische und Jrrlaͤndische Sprache; doch ist jene von der Englischen seit etlichen 100. Jahren in die Hochlaͤndische Gebirge vertrieben worden, und diese hat viele alte Cantabrische Woͤrter untermischt. L 2 a) Groß-Britannien. a) Diese Anzahl der Menschen berechnet der Capi- tain Graunts in seinen Anmerkungen uͤber die Todtenzettel der Stadt Londou. b) Anmerkungen von der Englischen Sprache aus Benthems Englischem Kirchen- und Schulen- staat, Bl. 11. und den Lettres des LE BLANC, I. 99. §. 17. Der Engellaͤnder hat seine ansehnliche Ge- stalt und seinen starken Appetit zum vielen Essen und zu hitzigen Getraͤnken mit andern Nordischen Voͤlkern gemein; unterscheidet sich aber dadurch von allen uͤbrigen Nationen, daß er in keiner Sache die Mittelstrasse zu halten gewohnt ist; sondern wie seine Tugenden, also auch bißwei- len seine Laster aufs hoͤchste treibt. Er verlaͤßt sich auf seinem gesunden Verstand, und setzt dar- innen sein hoͤchstes Gut, seinem eigenen Kopfe zu folgen: weil aber das melancholisch-chole- rische Temperament seine Affecten violent macht, so wird er davon oͤfters hingerissen. Hier- aus fließt die Liebe zum Ausserordentlichen, die Neigung zu Ausschweifungen und der Wider- spruch, der sich bißweilen in seinem Thun und Lassen zu aͤussern scheint. Man lobt an ihm die Redlichkeit, Großmuth, Verschwiegenheit, das Loͤwenherz, die Verachtung des Todes nnd Liebe zur Freyheit. Bey dem gemeinen Haufen fin- det man wuͤtende Affecten, unbaͤndige Aus- schweifungen in Wolluͤsten, Wildheit in aller- hand Groß-Britannien. hand Ergoͤtzungen, Trotz, Kaltsinn gegen Frem- de, Neigung zum Aufruhr und zum Selbst- morde. a) Die Lettres sur les Anglois et les François von Muralt sind oben angefuͤhrt worden. b) Von ihrem Geschmack an allem, was ausseror- dentlich ist, LE BLANC, I. 84. \& 141. c) Von ihren Schauspielen, eb. das . III. 149. und ihren Gladiateurs und Lutteurs, eb. das. III. 1. d) Von dem Wettlauf der Pferde in New-Mar- ket, dem Coc Pit, den Gentlemens of the Road, Sha- pers, Clups. e) Von ihrem Spleen und Selbstmorde, LE BLANC, I. 236. und POELLNITZ in seinen memoires, tom. III. p. 139. §. 18. Der Engellaͤnder ist aufgelegt, in den Wis- senschaften vollkommen zu werden, die Tiefsin- nigkeit und der standhafte Fleiß sind ihm eigen. Keine Nation hat groͤßre Geister hervorgebracht, und diejenigen Wissenschaften und freyen Kuͤnste, welche dem menschlichen Verstande die meiste Ehre bringen, und in gemeinen Leben die nuͤtz- lichue sind, so weit getrieben, als die Englische. Die Gelehrsamkeit hat nirgends mehr Vorschub noch groͤßre Belohnung. Oxford und Cam- bridge sind nicht als einzelne Universitaͤten; son- dern als ganze Republicken vieler vereinigten Universitaͤten anzusehn. London ist der Sitz von L 3 Ju- Groß-Britannen. Juristischen und Medicinischen hohen Schulen, und pranget uͤberdas mit der unvergleichlichen Academie der Wissenschaften, als der Stam̃- mutter aller uͤbrigen ihres Namens in Europa. Edenburg, Glascow und St. Andrews sind die Schottische, Dublin ist die Jrrlaͤndische Uni- versitaͤt. 1. Heinrich Ludolf Benthems Engellaͤndischer Kirch und Schulenstaat, 2te Auflage, Leipzig 1732. gr. 8. sonderlich Cap. XXIV. a) Magliabechi Spruch von Engelland, Guide d’ Angl. p. 238. b) Von dem Groß-Canzler Bacon von Veru- lam. c) Die sonst ruhmsuͤchtige Franzosen muͤssen diesen Vorzug der Engellaͤnder eingestehen. LE BLANC, I. lett. 8. p. 56. d) Warum sie in den Arts du gôut von andern uͤber- troffen werden. eb. das. e) Besondere Einrichtung ihrer Collegiorum und Aularum auf beyden Universitaͤten. Sie tractiren groͤßtentheils nur die Weltweißheit und Gottesge- lahrtheit. f) Von der Academie der Wissenschaften, Miege, I. 252. Vergleich mit der zu Paris, LE BLANC, I. lett. 25. Vortheile, so der Nation daraus erwach- sen. eb. das. II. p. 95. §. 19. Fast alle Materialien, woraus die mensch- liche Hand etwas nutzbares verfertigen kann, werden Groß-Britannien . werden hier in groͤßter Menge verarbeitet. Wie der Franzose den aͤusserlichen Wehrt seiner Ma- nufacturen durch allerhand Putzwerk zu erhe- ben sucht: also weiß der Engellaͤnder den seini- gen durch die Accuratesse und Dauer einen in- nerlichen Wehrt zu verschaffen, der unvergaͤng- lich und unnachahmlich ist. a) Besondere Anmerkungen von ihren unschaͤtzba- ren Wollmanufacturen. b) Von ihren Seydenfabricken, c) Stahlarbeit, d) Galanteriewaaren, und Glasfabricken. e) Vorzuͤglicher Ruhm der Englischen Handwer- ker. LE BLANC, I. 64. f) Eifer der Nation, diejenige Manufacturen, de- ren Materialien einheimisch sind, vorzuͤglich zu er- halten. §. 20. Der Handel dieser Nation ist durch die ganze Welt ausgebreitet. Sie beschiffet alle Eu- ropaͤische Kuͤsten, doch mit sehr ungleichem Pro- fit, so gar daß sie in dem Handel mit Frank- reich, Jtalien und Schweden einbuͤsset: herge- gen hat sie in dem Handel mit den uͤbrigen Eu- ropaͤern den Vortheil auf ihrer Seite. a) Warum die 3. erstere Nationen in dem Han- del mit Engelland das Uebergewicht haben, und wie sich Engelland dagegen zu helfen sucht. L 4 b) En Groß-Britannien . b) Engellands Handel nach Teutschland uͤber Hol- land und Hamburg. c) Handel nach Spanien, Portugal, Polen, Preussen und Daͤnemark. d) Ehemaliges Monopolium in Archangel, und jetziger Handel so wohl dahin, als nach Petersburg. §. 21. Ausser Europa handelt der Engellaͤnder 1) nach der Levante, und zwar mehr als al- le andere Seenationen, 2) nach Africa, 3) nach Ostindien, wo er naͤchst den Hollaͤndern der vornehmste ist, 4) nach America, wo er sowohl seine eigene Colonien mit allen Englischen Manufacturen versieht, als auch einen wichti- gen Contreband-Handel mit den Spaniern treibt, auch bißher von dem Assiento und dem Permissionsschiffe Vortheil gezogen. a) Die Englische Colonien nehmen mehr Manu- facturen ab, als alle andre Handlungen. b) Sie handeln auch selbst theils mit den Franzoͤ- sischen Colonien, theils nach Africa, theils nach den Canarischen Jnsuln. c) Besondere Art, den Contreband-Handel zu trei- ben, und das Campecheholz aus dem Campeche- und Honduras-Bay zu entfuͤhren Beydes geschicht von Jamaica aus. Wegen des Campeche-Holzes haben die Engellaͤnder auf der Jnsul Ruatan eine Festung angeleget. Besiehe das Britische Reich in Ameri- ta, Band II. Bl. 1209. §. 22. Groß-Britannien . §. 22. Der Engellaͤnder versteht uͤberhaupt den ganzen Handel aus dem Grunde. Die viele Handlungs-Gesellschaften, als die Ost-Jndi- sche, Suͤdsee-Africanische, Levantische, Ost- laͤndische, Russische und andre Compagnien be- foͤrdern solchen, die Banco in London erleichtert ihn, die Aufmerksamkeit der Regierung und die herrliche Gesetze befestigen ihn, so daß durch alle diese Anstalten der Schatz der Nation in Frie- denszeiten jaͤhrlich mit 11. Millionen rthlr. ver- mehret wird. a) Von diesen Compagnien siehe Miege I. 381. und SAV ARY. b) Besondere Einrichtung und Reichthum der Banco. c) Gesetze in Ansehung der rohen Materialien, der Zoͤlle, der Fremden nach Engelland handelnden Schif- fe. LE BLANC, III. p. 275. §. 23. Die Englische gangbare Muͤnzen sind Pen- ces, Schillinge und Kronen, alle drey von Sil- ber; von Gold aber die Gvineen. 1. Pence ist ungefehr 7. Pfennige unsers Geldes. 12. Pen- ces machen 1. Schilling, 5. Schillinge 1. Krone, 21. Schillinge und 6. Pences 1. Gvinee. Man hat auch halbe Kronen, und Stuͤcke von 2. 3. 4. und 6. Pences, ferner halbe Pences und zinner- ne Scheidemuͤnzen, Farthings genannt, deren 4. 1. Penny betragen. L 5 1. Hi. Groß-Britannien . 1. Historical account of English Money by STE- PHEN MARTIN LEAKES, London 1745. gr. 8. Siehe auch Benthems Engellaͤndischen Kirchen- und Schulenstaat, Cap. XXVIII. a) Elisabeths, Carls II. und Wilhelms III. Ver- dienste um die Englische Muͤnze, wodurch nicht nur der Muͤnzfuß unverbesserlich geworden; sondern auch ein bestaͤndiger Zufluß von auswaͤrtigem Golde und Silber erhalten wird. 4. Staatsrecht. §. 24. Das vornehmste Reichsgrundgesetz ist das von Koͤnig Johann ohne Land 1215. den Staͤnden ausgefertigte Diploma, welches die Magna charta oder Charta libertatum, Baro- nibus regni concessa, genennet wird, nebst ver- schiedenen juͤngern Parlamentsaeten. a) Man findet solche in Hrn. Hofr. Schmaussens Corp. J. Gent. Acad. tom. I. p. 8. b) Wo das Original davon anzutreffen. c) Johannis Enthronung wurde das Siegel dieses Gesetzes. §. 25. Georg II. jetztregierender Koͤnig ist geboh- ren 1683., wurde Prinz von Wallis 1714. und gelangte zur Regierung 1727. Von seiner 1737. verstor- Groß-Britannien . verstorbenen Gemahlinn, Wilhelmina Char- lotte, einer Brandenburg-Anspachischen Prin- zeßinn sind gebohren Friedrich Ludwig 1707. Printz von Wallis, welcher sich 1736. mit Au- gusta, Prinzeßinn von Sachsen Gotha vermaͤhlt, und den Herzog von Cornwall, Georg Wil- helm Friedrich nebst noch 3. Prinzen und 2. Prinzeßinnen mit ihr erzielet hat. Die andere Koͤnigliche Kinder sind der Herzog von Cumber- land Wilhelm August, und 5. Prinzeßinnen, 1) Anna, Gemahlinn des Prinzen von Orani- en 1734. 2) Amalia Sophia Eleonora, 3) Elisabeth Carolina, 4) Maria, Gemahlinn des Erbprinzen von Hessen-Cassel Friedrichs 1740. 5) Louise, Gemahlinn des Koͤniges von Daͤnemark Friedrichs V. 1743. §. 26. Der Kronprinz wird als regierender Her- zog von Cornwall gebohren, und zum Prinzen von Wallis creirt. Er ziehet aus beyden Pro- vinzen gewisse Einkuͤnfte. Die uͤbrige Prinzen erhalten ihre Titul und Revenuͤen vom Koͤnige, und sind gebohrne Staatsraͤthe. Alle Koͤnigli- che Kinder werden Kinder von Groß-Britannien und Koͤnigliche Hoheiten titulirt. a) Miege I. 856. §. 27. Der Titul des regierenden Koͤniges lautet also: Koͤnig von Groß-Britannien, Frankreich und Groß-Britannien . und Jrrland, Beschuͤtzer des Glaubens. Die- se Titulatur ist erst seit dem Stuartischen Stam- me bestaͤndig einerley geblieben, nachdem sie vor- her oftmaligen Veraͤnderungen unterworfen ge- wesen. a) Alter Titul: Anglorum Basileus et dominus IV. marium. b) Streit zwischen Engelland und Schottland, als Jacob I. den Thron bestieg, und Jacobs I. Medaille: Henricus Rosas, Regna Jacobus. c) Von den vielen Aenderungen dieses Tituls siehe BECMANNI syntagma dignit. diss. III. cap. 1. §. 10. §. 28. Das Koͤnigliche Wappen ist qvadrirt: im 1) Schilde zeigen sich die drey Englische Leopar- den und der Schottische Loͤwe, im 2) die Fran- zoͤsische Lilien, im 3) die Jrrlaͤndische Davids- harfe, im 4) das Chur-Braunschweig-Luͤne- burgische Wappen. a) Von dem Wappenzierath, den Rosen und der Distel. b) Der Wahlpruch ist veraͤnderlich. c) Wappen des Prinzen von Wallis. § 29. Die hohe Kronbediente sind 1) der Lord Statthalter oder Ober-Richter (High Steward,) 2) der Groß-Britannien . 2) der Lord Groß-Canzler oder Groß-Siegel- bewahrer, 3) der Lord Groß-Schatzmeister, 4) der Lord Praͤsident des Staatsraths, 5) der Lord geheime Siegelbewahrer, 6) der Lord Groß- Caͤmmerer, 7) der Lord Groß-Connetable, 8) der Lord Groß-Marschall, 9) der Lord Groß- Admiral. Doch sind diese Bedienungen nicht alle besetzt, einige werden nur bey besonderen Ge- legenheiten auf eine Zeitlang vergeben, andere durch ganze Collegia verwaltet. a) Miege I. 861. §. 30. Der ganze Hofstaat hat eben so viel Pracht als Ordnung. Der weltlichen Hofbedienten rechnet man auf 600. Personen, welche unter dem Ober-Hofmeister, Ober-Hofcammerer und Ober-Stallmeister stehen. Zur Hofgeistlich- keit gehoͤren fast 100 Personen, unter welchen der Groß-Allmosenier und der Dechant der Koͤ- niglichen Capelle die vornehmste sind, der letzte- re hat allein uͤber 56. Hof-Capellaͤne zu befehlen. Nichts giebt ein groͤsseres Zeuaniß von der aus- serordentlichen Ehrfurcht der Nation gegen die Majestaͤt des Koͤniges, als das hohe Ceremo- niel, womit Selbiger bedienet wird. a) Von dem ganzen Hofstaat handelt ausfuͤhrlich Miege I. 1020. b) Von Groß-Britannien . b) Von den Ceremoniel stehe auch Guide d’ An- glet. p. 188. §. 31. Die drey Ritterorden 1) vom blauen Ho- senbande, 2) vom Bade und 3) von der Distel machen den Groß-Britannischen Hof noch an- sehnlicher. Die beyde erstere sind Englische, der letztere ein Schottischer Orden. Der vom blau- en Hosenbande ist eigentlich ein Orden des hei- ligen Georgs, er wurde von Eduard III. 1350. gestiftet, und besteht nebst dem Koͤnige aus 26. Rittern. Der Orden vom Bade ruͤhret von Heinrich IV. her 1399. Georg I. hat ihn erneuert. Der Orden von der Distel heißt auch der An- dreas-Orden, er wuͤrde der aͤlteste in der Welt seyn, wenn er schon 819. von Koͤnig Achajo er- richtet waͤre. Jacob V. machte ihn ansehnlich, die Koͤniginn Anna erneuerte ihn 1703, und Ge- org I. vermehrte die Statuta 1725. Er bestehet ausser dem Ordensmeister aus 12. Mitgliedern. Von allen dreyen ist der Koͤnig Großmeister. Alle drey haben nebst dem Ordenszeichen auch eine besondere Ordenskette, Band, Kleidung und Wahlspruch. 1. The Institution, Laws and Ceremonies of the most Noble Order of the Garter by ELIAS ASH- MOLE, London 1672. f. 2. The Register of the most Noble Order of the Garter from its Cover in Black Velvet, usually called Groß-Britannien . called the Black Book with Notes and an Introdu- ction, in II. Volumes, London 1724. f. 3. The Procession and Ceremonies observed at the Time of the Installation of the Knights Com- panions of the most Honourable military Order of the Bath upon thursday June 17. 1725. by JOHN PINE, London 1730. gr. f. 4. JUSTI CHRISTOPHORI DITHMARI com- mentatio de Ordine militari de Balneo, Francof. ad Viadr. 1729. f. a) Anmerkungen aus dem Guide d’ Angleterre p. 29-37. §. 32. Die Groß-Britannische Krone ist erblich, und faͤllt auch auf die weibliche Linie. Die Thronfolge stammt bloß aus den Gesetzen, und ist keine neue Einwilligung der Stande erforder- lich. Daher duldet dieses Reich kein Jnterre- gnum. Der Koͤnig muß der Englischen Kirche zugethan seyn, und ist deßwegen 1690. die Pa- pistische Linie von der Erbfolge auf ewig ausge- schlossen, und selbige mit der Protestantischen Linie in dem Churhause Braunschweig-Luͤneburg 1702. verbunden worden. a) Anmerkung de Reginae marito. b) Beruͤhmte Parlaments-Acte vom 18. Merz 1702. in Hrn. Schmaussens Corp. J. G. Acad. tom. II. p. 1157. welche durch eine andre Acte von 1705. bestaͤtiget worden. Corps Diplom. tom. VIII. part. I. p. 170. §. 33. Groß-Britannien . §. 33. Die Minorennitaͤt eines Koͤnigs endiget sich mit dem 12ten Jahre. Wenn er 24. Jahr alt ist, so kann er alles, was Zeit waͤhrender Minderjaͤhrigkeit im Parlament verordnet wor- den, widerruffen und vernichten. Dle Vor- mundschaft und die Administration des Reichs in ausserordentlichen Faͤllen richtet der Koͤnig nach seinem Gefallen ein; wo nicht, so macht das Parlament die Verordnung daruͤber. Die Reichsverwesung wird entweder einer Person oder vielen zugleich anvertrauet, daher findet man, daß ehemals bald ein Lord-Warden oder Lord-Keeper, bald ein Protector, und in neuern Zeiten bißweilen ein Regent oder eine Regentinn, bißweilen Lords-Regenten, oder Lords-Justices solche gefuͤhret haben. a) Miege, I. 851. §. 34. Die Kroͤnung ist in Engelland gewoͤhn- lich, und wird in der Abtey zu Westmuͤnster mit allen nur ersinnlichen Feyerlichkeiten vollzo- gen. Unter den Reichskleinodien sind die 2. Kronen, 3. Seepter und 3. Schwerdter nebst dem Stuhle des heiligen Eduards merkwuͤrdig. Diese werden im Towr zu London verwahrlich aufgehoben, und bleiben immer einerley; da her- gegen die Kroͤnungskleider bißweilen geaͤndert werden. 1. Voll- Groß-Britannien . 1. Vollstaͤndige Beschreibung der Ceremonien, welche sowohl bey Englischen Kroͤnungen uͤber- haupt vorgehen, besonders aber bey dem Kroͤ- nungsfest Georgs II. beobachtet sind, Hannover 172 . 4. a) Die 2 Kronen sind die Krone des heiligen E- duards und die Staatskrone. b) Die 3. Scepter sind der Stab des heiligen E- duards, der Scepter mit der Taube und der Scepter mit dem Creuze. c) Die 3. Schwerdter sind das Gnadenschwerdt, Curtana genannt, und die beyde Rechtsschwerdter so- wohl in geistlichen als weltlichen Sachen. d) Der Koͤnig schwoͤret einen generalen Eyd, nach dem er verschiedene Artikel einzeln angelobet. e) Er kuͤsset die anwesende Erz und Bischoͤfe, und nach abgelegter Huldigung kuͤssen alle Lords des Ober- hauses seine lincke Wange. §. 35. Der Koͤnig heilet durch Beruͤhrung beyder Haͤnde eine besondere Art von Krankheit, wel- che das Koͤnigsuͤbel genennet wird, und soll diese Kraft den Englischen Monarchen seit den Zeiten des heiligen Eduards beywohnen. a) Die Ceremonien hiebey sind von denen in Frank- reich gaͤnzlich unterschieden. b) Die ganze Handlung beschreibt Benthem im Engell. Kirchen- und Schulenstaat, Cap. XXV III. Bl. 775. M §. 36. Groß-Britannien . §. 36. Seit der Vereinigung der Englischen und Schottischen Krone 1706. ist die Regierungs- form in beyden Reichen auf einerley Fuß gese- tzet worden, so daß beyde einen einzigen Staats- koͤrper nehmlich Groß-Britannien ausmachen, welchem die dritte Krone, Jrrland, unterwuͤr- fig ist. a) Der Unions-Tractat ist von den dazu bevoll- maͤchtigten Commissarien beyder Reiche den 22. Julii (2. August) 1706. unterzeichnet worden, und steht in Schmaussens Corp. I. G. Acad. tom. II. p. 1193. §. 37. Groß-Britannien ist eine eingeschraͤnkte Monarchie. Das Recht, Krieg zu fuͤhren und Frieden zu schliessen, Gesandte zu verschi- cken und anzunehmen, das Parlament zusam- men zu ruffen und aufzuheben, alle geist- und weltliche Aemter zu vergeben, den Adel und die Standschaft im Oberhause zu ertheilen, Muͤnze zu schlagen, die Gerichtsbarkeit auszuuͤben, und kurz, alle uͤbrige geistliche und weltliche Maje- staͤtsrechte, zu welchen nicht durch ausdruͤckliche Reichsgesetze die Einwilligung der Staͤnde er- fordert wird, beruhen in dem Koͤniglichen Wohl- gefallen, und werden unumschraͤnkt von ihm aus- geuͤbet. a) Um Groß-Britannien . a) Um die Hoheit der Koͤniglichen oder Kron-Praͤ- rogativen (sacra sacrorum) auszudruͤcken, sind die Re- densarten entstanden: Rex est persona mixta cum sacerdote, est Pontifex maximus, summus Regni custos, vltimus regni haeres, est omnipraesens, o- mnipotens, infallibilis, WOOD in notitia Angl. p. 39. und Miege I. 809. b) Der Schottische Adel hatte sich in dem 20sten Artikel der Union die hergebrachte Erb-Gerichts- barkeit vorbehalten, sie ist aber 1747, durch eine Parlamentsacte aufgehoben, und mit der Krone ver- einiget worden. Mercure hist. et polit. tom. CXXII. p. 548, tom. CXXIII. p. 75. tom. CXXIV. p. 549. §. 38. Die Freyheit der Nation aͤussert sich in 2. Hauptpuncten, 1) in den Gesetzen, 2) in neuen Auflagen. Wenn ein neues Gesetz gegeben, ein altes aufgehoben, und neue Auflagen aus- geschrieben werden sollen: so wird solches durch gemeinschaftliche Concurrenz des Koͤniges und der Reichsstaͤnde bewuͤrket. Daher ruͤhmet sich der Engellaͤnder, daß er kein Gesetz zu halten, und keine Abgabe zu bezahlen schuldig ist, als die er sich selbst aufleget. Es setzet auch diese Ein- richtung der hoͤchsten Gewalt so gluͤckseelige Schranken, daß ein Koͤnig von Groß-Britan- nien freye Haͤnde hat, seinem Volke Gutes zu thun, ohne ihm schaden zu koͤnnen. Man nennet solches die guͤldene Regel der Groß-Bri- tannischen Regierungsform. M 2 a) Groß-Britannien . a) Etat présent de la Grande Bretagne, tom. II. p. 15. und 93. §. 39. Es sind, wie die Engellaͤnder behaupten, 3. Staͤnde des Reichs in Groß-Britannien, der Koͤnig, der Adel und das Volk. Der A- del ist eigentlich der hohe Adel, und begreift so- wohl die geistliche als weltliche Lords unter sich. Der weltliche Adel hat 5. Classen, als Herzoge, Marggrafen, Grafen, Vicomtes und Ba- ronen. Die adeliche Guͤter sind untheilbar, wer- den nach dem Recht der Erstgeburt ererbt, und geben ihrem Jnhaber Sitz und Stimme im O- ber-Parlament. Daraus entspringen die Pa- res oder Barones Regni. Das Volk besteht aus dem niedern Adel und den Gemeinen, der niedre Adel oder die Ritterschaft aus den Baro- nets, den Spornrittern, (Knights Batche- lors) den Schildtraͤgern (Esquires) und den blossen Edelleuten, (Gentlemen). Die Rit- terschaft einer jeden Schire hat ein votum cu- riatum im Unterhause. Sowohl der Adel als die Ritterschaft unterscheiden die verschiedene Li- nien ihrer Haͤuser durch die verschiedene Bey- zeichen ihrer Wappen mit grosser Accuratesse. a) Wer den Titul einer hoͤhern Classe des Adels fuͤhret, fuͤhret zugleich alle Tituls der untern Classen. b) Die nachgebohrne Soͤhne der Vicomtes und Baronen werden zum niedern Adel gerechnet. c) Von Groß-Britannien . c) Van dem fuͤrtrefflichen Wappengerichte, Guide d’ Anglet. p. 225. Die Englische Wappen haben or- dentlich auch einen Wahlspruch. d) Von den Free-holders und Copy-holders. Sie- he uͤberhaupt Etat présent de la Grande Bretagne, tom. I. p. 263. und 270. §. 40. Die Versammlnng der Reichsstaͤnde wird das Parlament genennt, welches in das Ober- und Unterhaus eingetheilt ist. Jenes heißt das Haus der Lords, und besteht aus ungefehr 170. weltlichen Personen vom Englischen hohen Adel, aus 26. Englischen Erz- und Bischoͤfen und aus 16. erwaͤhlten Schottischen Pairs. Das ande- re heißt das Haus der Gemeinen, und besteht aus den Deputirten, theils der Ritterschaft, theils der Staͤdte und Flecken einer jeden Grafschaft in Engelland, zusammen aus 513. Mitgliedern, denen seit der Vereinigung mit Schottland noch 45. dergleichen Schottische Deputirte beyzufuͤ- gen sind. Das Oberhaus ist Richter aller Mit- glieder sowohl seiner als der Unterkammer, und kann jeder Lord seine Stimme einem andern auf- tragen. So oft ein neues Parlament zu sam- men beruffen wird, so oft wird eine neue Wahl der Schottischen Parlamentsherren und der De- putirten der Gemeinen vorgenommen. Die Glieder des Unterhauses haben ihre General- Jnstruction, und votiren uͤbrigens nach ihrem eigenen Gutduͤnken. Alles was rechtskraͤftig M 3 geschlossen Groß-Britannien . geschlossen werden soll, muß von beyden Kam- mern bewilligt, und vom Koͤnige genehmiget seyn. Wenigstens alle 7. Jahr muß das Parlament zusammen berufsen werden, und kein Parla- ment kann uͤber 7 Jahr hintereinander dauern. 1. Jus Parliamentarium, or the Power, Iurisdi- ction, Rights and Liberties of the most high Court of Parliament, revived and asserted by William Petyt, in II. Parts, London 1739- f. a) Mißbraͤuche bey der Wahl der Deputirten des Unterhauses, und dagegen gebrauchte Mittel. b) Ort der Versammlung, dreyfacher Eyd, den ein jedes Mitglied des Paelaments vorher ablegen muß, Sprecher des Unterhauses, Art zn deliberiren und zu voliren, Bill passé und non passé, Chambre pein- te, Adresse, Message, Acte du Parlement. §. 41. Es geschicht znweilen, daß die Gerechtsa- me der Reichsstaͤnde gegen einander stossen. Die Engellaͤnder gestehen selbst, daß drey Dinge un- moͤglich seyn, nehmlich die Grenzen 1) der Koͤnig- lichen Vorrechte, 2) der Privilegien des Par- laments und 3) der Freyheit der Nation zu be- stimmen. Ueberdies ist das Reich zu verschie- denen Zeiten in Factionen zerfallen, davon die Torys und Wighs noch in frischem Andenken sind. 1. Dissertation sur les Wighs et les Torys par M. THOVRAS RAPIN, à la Haye 1717. 8. 2. Hi- Groß-Britannien . 3. Histoire du Whigisme et du Torisme par M. de CIZE, à Leipzig 1717. 8. 5. Verfassung der Reichsgeschaͤfte. §. 42. Der oberste Staatsrath, welcher die vor- nehmste Reichsgeschaͤfte besorget, heißt the King’s Privy-Council, und besteht aus geistlichen und weltlichen Raͤthen, deren Haupt der geheime Raths-Praͤsident ist. Der Koͤnig ernennt alle Mit- glieder desselben, und ereirt so viel Staatsraͤthe, als ihm beliebet. Die 2. erste Staats-Secre- taͤre 1) der Suͤdlichen 2) der Nordlichen Affai- ren expediren die auswaͤrtige Sachen jeder in seinem Departement besonders, die einheimischen aber gemeinschaftlich. Sie sind zugleich Beysi- tzer des geheimen Raths, und Directores des Signet-office und Paper-office, das ist, des Siegelamts und des Staats-Archivs. a) Miege I. 1100. §. 43. Der Engellaͤnder liebt die Freyheit zu glau- ben, was er will, und zu bekennen was er glau- bet. Hieraus sind, seit dem man sich vom Pabst- thum losgerissen, die viele Religions-Spaltungen erwachsen. Doch ist gewiß, daß, gleichwie kein Land mehr abentheuerliche Meinungen in geist- M 4 lichen Groß-Britannien . lichen Sachen ausgebruͤtet, als Engelland: also auch keine Nation groͤssere Verfechter der Christ- lichen Religion erzeuget hat, als die Englische. Unter denen 20. biß 30. Secten sind die Jnde- pendenten, Anabaptisten und Qvaͤcker die nahm- hafteste. Nach vielen Unruhen hat endlich in Engelland und Jrrland die Episcopal-Kirche, in Schottland aber der Presbyterianismus die O- berhand gewonnen Jrrland steckt noch voll von Papisten, welche man lieber entwafnen, als ausrotten wollen. 1. Melange de Litterature et de philosophie par M. de VOL TAIRE, ch. 3. 9. tom. IV. de ses Oeuvres. 2. Benthems obangefuͤhrter Engellaͤndischer Kirch- und Schulen Staat. a) Historie der Religion und Reformation in En- gelland, Benthem, Cap. VII. b) Beyursache der vielen Secten aus der Engli- schen Art zu studiren. c) Anmerkungen von den heutigen Secten aus Benthem, VOL TAIRE und LE BLANC. d) Libri symbolici der Episcopalen, und ihre Streit- puncte mit den Presbyterianern, Benthem, Cap. VIII. und XXVI. e) Die Episcopalen ruͤhmen sich zweyer Merkmaale der wahren Kirche eb das. Bl. 161. §. 44. Unter den 2. Englischen Erzbischoͤfen von Canterbury und York stehen 25. Bischoͤfe, wel- che Groß-Britannien . che (ausser dem Bischofe von der Jnsul Man) alle Sitz und Stimme im Oberhause haben, und auf Koͤnigliche Recommendation von ihren Ca- piteln gewaͤhlet werden. Schottland ist in 13. Synodos Provinciales, diese in 68. Presbyte- ratus, und diese in ihre Kirchspiele eingetheilet. Jn Jrrland zaͤhlet man 4. Erz- und 19. Biß- thuͤmer. a) Vorzuͤge des Erzbischofs von Canterbury. b) Eintheilung der geistlichen Personen in Engel- land, Benthem, Cap. XVIII. c) Ansehen, Freyheit und Einkuͤnfte der Englischen Clerisey, eb. das. Cap. XXIII. d) Der Koͤnig ist das Oberhaupt der Kirche, und geniesset die Annaten, welche aber von der Koͤniginn Anna auf des Bischof Burnets Betrieb zu Verbesse- rung der Pfarrer-Besoldungen und andern milden Sachen verschenket worden. e) Besondere Art einer jaͤhrlichen Collecte zum Unterhalt der Prediger-Wittwen. §. 45. Die Gesetze, wornach die Handlungen der Unterthanen gerichtet werden, sind 1) die dahin einschlagende Parlaments-Acten. (Sta- tute-Law) Auf diese folgt das gemeine Recht, (Commun-Law) welches eine Sammlung alter Saͤchsischen und Normaͤnnischen Gewohn- heiten, und in alter Normaͤnnischer Sprache abgefasset ist. Das Roͤmische Recht (Civil- M 5 Law) Groß-Britannien . Law) wird in Subsidium gebraucht, und ist sonderlich bey den geistlichen und den Admirali- taͤts-Gerichten in grossem Ansehen. Auch das Paͤbstliche Recht (Canon-Law) ist angenom- men, so weit es weder der heiligen Schrift noch der Koͤniglichen Hoheit zuwider ist. Jn einzel- nen Staͤdten gelten auch verschiedene besondere Municipal-Gesetze. (Peculiar-Laws, By- laws.) a) Gesetze in Ansehung der Weiber, Kinder und Schuldner. Von den letzten siehe Guide d’ Angl. 298. b) Parlaments-Acte unter Jacobs I. Regierung: wo kein Gesetz, da keine Uebertretung. Exempel in der Affaire des Rußischen Ambassadeurs Matuoef. c) Die Tortur ist nicht gebraͤuchlich, das eigene Gestaͤndniß einer begangenen Uebelthat nicht noth- wendig. d) Drey Capital-Verbrechen, High Treason, Pet- ty Treason und Felony, und ihre desondere Stra- fen. e) Von dem Pilory, Cuking-stool und dem Pri- vilegio clerici. f) Siehe Miege, I. 793. und 1205. und Ben- them, Bl. 748. §. 46. Die Gerichte muͤssen in die weltliche und geistliche eingetheilet werden. Die weltliche Untergerichte werden in den Staͤdten von den Alder- Groß-Britannien . Aldermen und Mayors besetzt, die auf den a- delichen Doͤrfern nennt man Court-Barons o- der Court-Leets, die in den Koͤniglichen Aem- tern heissen County-Courts und Sherif-turns, welchen die Sherifs vorgesetzet sind. Jn diesen Gerichten wird der Civil- und Criminal-Proceß von den ordentlichen Richtern instruirt, die De- cision aber von 12. geschwornen Maͤnnern aus der Nachbarschaft (the Jury) gefaͤllet. Ueber- dies sind in den Staͤdten und Grafschaften ge- wisse Friedensrichter (Justices of the peace) gegen die Stoͤhrer der oͤffentlichen Ruhe ange- ordnet, welche die Constables und Coroners zu ihren Diensten haben. Die Landgerichte werden in jeder Grafschaft alle 3. Monathe von den Friedensrichtern, nebst 24. Geschwornen (the great Jury) gehalten, und heissen daher die Qvartalgerichte. (Sessions oder Quarter- Sessions) Ferner ist ganz Engelland in 8. gros- se Creyse eingetheilt. und in jedem Creyse sind 2. herumreisende Oberrichter (Itinerant-Jud- ges) bestellt, welche jaͤhrlich durch alle Schi- ren eine Reise (Circuit) thun, und in den Hauptoͤrtern Gericht (Assises) halten. Von diesen Gerichten gehen die Appellationes an die hohe Tribunaͤle in Westmuͤnster, und zwar, 1) wenn es bloße Privatstreitigkeiten betrifft, an das Gericht der gemeinen Processe, (The Court of common Pleas) 2) wenn es aber Landes- herrliche Rechte angeht, an die Koͤnigliche Bank. (the Court of King’s Bench) Ein jedes Groß-Britannien . jedes von beyden besteht, ausser einer Menge Un- terbedienten, aus 4. Richtern. Der Praͤsident des erstern Gerichts heißt Lord Chief Justice of the common Pleas, der Praͤsident des an- dern Gerichts Lord Chief Justice of England. Noch uͤber diese beyde behauptet den Rang 3) das Canzeleygericht, (the high Court of Chancery) welches nebst den Gerichtssachen zugleich die Gnadensachen expediret, und aus 12. Beysitzern (Masters of Chancery) besteht, de- ren Oberhaupt der Lord Groß-Canzler ist. Alle 3. Gerichte werden 4mal des Jahres, zusammen ungefehr 3. Monathe lang gehalten. Die Archidiaconi, die Stiftscapitel und die Bischoͤfe haben ihre geistliche Gerichte, von diesen wird an die Erzbischoͤfliche, und von den Erzbischoͤflichen an das Canzeleygericht appelliret. Alsdenn setzt der Koͤnig eine Commißion, welche the Court of Delegates genennt wird. Man rechnet in Engelland alle Ehe- und Testaments- Streitigkeiten zu den geistlichen Sachen. Die geistliche Strafen sind die oͤffentliche Kirchenbus- se, der kleine und grosse Kirchenbann und der Kirchenfluch. (Anathematismus) a) Etat de la Grande Bretagne, tom. II. chap. XVII-XXI. §. 47. Die Processe sind ausserordentlich haͤuflg und kostbar, London naͤhret allein uͤber 4000. Sach- Groß-Britannien . Sachwalter, und Engelland ist das Paradieß der Advocaten Ueberhaupt hat dieses Reich das Ungluͤck mit Teutschland gemein, daß sein Justitzwesen wegen der vielerley Gesetze nicht fest genua zusammen haͤngt, um gegen die Anfaͤlle der Chicane bedeckt zu seyn. a) Miege klagt daruͤber, und LE BLANC wirft es den Engellaͤndern in sehr bitteren Ausdruͤcken vor, tom. II. lett. 37. p. 53. §. 48. Die ordentliche Kroneinkuͤnfte werden 1) aus den noch uͤbrigen wenigen Cammerguͤtern und einigen nutzbaren Regalien, 2) aus der Landtaxe, 3) aus den Zoͤllen, als Tonnage, Pon- dage und andern groͤssern Auflagen auf die Steinkohlen, auf die Einfuhr der Weine, des Salzes und andrer fremder Kaufmannswaaren, 4) aus der Excise oder Accise auf Malz, ge- hopfet und ungehopfet Bier, Mum, Apfel- und Birnentrank, 5) aus den Abgaben auf diejeni- nige fremde Waaren, Weine, Liqueurs for- tes et douces, so von den Kraͤmern, Hau- sierern und Schenkwirthen im kleinen verkaufet werden, und endlich 6) aus dem Stempelpa- pier gehoben. Die ausserordentliche Auflagen geschehen groͤßtentheils durch Erhoͤhung der or- dentlichen; doch werden auch neue Abgaben auf Miethkutschen und andere Wagen und Pfer- de, Groß-Britannien . de, auf die Anzahl der Fenster u. s. w. ge- legt. a) Miege, I. 1076. §. 49. Von diesen Auflagen ist dem Koͤnige und der Koͤniglichen Familie zu Unterhaltung ihres Hofstaats eine gewisse Summe festgesetzt, wel- che in neuern Zeiten oͤfters vermehrt worden. Die uͤbrige Gelder sind zum Dienst der Krone sonderlich der Land- und Seemacht gewidmet, und heissen deßwegen die Subsidien-Gelder. Sie werden jaͤhrlich von dem Parlament verwilligt, und sind in dem jetztgeendigten Kriege uͤber 10. Millionen Pf. Sterl. hinangestiegen. a) Schottland bezahlet groͤßtentheils einerley Zoͤlle und Aecise mit Engelland; aber, wenn Engelland die Landtaxe von 1. 997. 763. Pfund, 8 Sch. 4. und einen halben Pf. verwilliget: so zahlet Schottlaod nur 48. 000. Pfund Sterl Kraft des Unionstractats, Art. 9. Ueberhaupt betragen die Schottische Revenuͤen ordentlich 160. 000. Pfund Sterl. Etat de la grande Bret. tom. II. p. 345. b) Die Subsidien von 1748. die groͤßte, so jemals verwilliget worden, siehe im Merc. hist. et pol. tom. CXXIV. Juin, p. 700. §. 50. Die Zolleinnahme wird durch mehr als 600. Per- Groß-Britannien . Personen besorgt, die von 7. Commissarien de- pendiren, welche im Zollhause (Costum-house) zu London ihren Sitz haben. Die Accise wird gleichfalls von verschiedenen Commissarien, Col- lectors u. s. w. zusammen von mehr als 2000. Officianten gehoben. Auf eben diese Art ist es auch mit der Einnahme der groͤssern und uͤbrigen Ab- gaben beschaffen. Diese Bedienungen werden durchgaͤngig sehr reichlich besoldet. Alle Kron- einkuͤnfte werden in die Koͤnigliche Schatzkam- mer (Exchequer) geliefert, welche nunmehr an statt des Lords Groß-Schatzmeisters durch verschiedene Commissarien und durch den Canz- ler vom Exchequer verwalter wird. Nirgends in der Welt kostet die Schatzkammer weniger zu unterhalten, und ist dem Unterschleif so trefflich vorgebeuget als hier. Der Koͤnig disponirt uͤber alle Kroneinkuͤnfte. Die Subsidien werden da- zu verwandt, wozu sie verwilliget worden. Das Parlament fordert bißweilen Rechnung von den Koͤniglichen Financiers. a) Von der Accise Guid. d’ Angl. p. 212. b) Von dem alten libro censuali, Rotulus Win- toniae, oder the Black Book of the Exchequer ge- nannt. c) Von der besondern Art, die Schatzbediente zu bezahlen, und dem curieusen Kerbholze statt der Qvit- tungen. Miege I. 1093. §. 51. Groß-Britannien . §. 51. Die schweere Kriege zur Aufrechthaltung des Gleichgewichts in Europa haben oͤfters groͤs- sere Summen gekostet, als das Land jaͤhrlich aufbringen koͤnnen. Daher hat man oft ei- nen grossen Theil der Verwilligungen auf Jnter- esse nehmen muͤssen, und noch neulich 6. Millio- nen in einem Jahr geborget, wodurch die Schul- den der Krone fast auf 80. Millionen Pfund Sterl. gewachsen, und die Nation nunmehr bloß an Jnteressen weit mehr bezahlen muß; als sonst ihre ganze Subsidien selbst im Kriege be- trugen. a) Siehe den Merc. hist. et pol. an verschiedenen Orten. §. 52. Als Elisabeth ihr Volk zaͤhlte, und die buͤr- gerliche Kriege Groß-Britannien wider sich selbst wafneten; zeigte sich die Macht dieses Reichs in ihrer wahren Groͤsse. Der Engellaͤnder dient gleich gut zu Pferde und zu Fuß, doch will er wohl bezahlt, wohl genaͤhrt und nicht lange auf- gehalten seyn. Jm Frieden werden, ausser den Kriegsvoͤlkern der Englischen Colonien, uͤber 40. 000. Mann regulaͤrer Truppen auf den Beinen gehalten. Jm Kriege pflegt die Vermehrung auf 20. biß 40. 000. Mann National-Voͤlker zu Groß-Britannien . zu geschehen. Hergegen werden an auslaͤndi- schen Truppen oͤfters 50. 60. und mehr tausend Mann in Sold genommen, ja die Macht gan- zer Nationen mit Subsidiengeldern wider den Feind ausgeruͤstet. Die Englische Grafschaf- ten halten uͤberdem auf 200.000. Mann Land- militz (Traine-Bands) zu Roß und zu Fuß, welche von den Lords-Lieutenants commandi- ret werden. a) Von den koͤniglichen Garden, 1) den Gentle- men Pensioners, 2) den Yeomen, 3) Gardes à che- val, 4) Gardes à Pié. Etat de la Gr. Bret. II. 117. b) Das vornehmste Zeughaus ist im Towr zu London. c) Von den Traine-bands und uͤberhaupt von dem Kriegswesen in Engelland Miege, I. 992. d) Von dem Kriegs-Hospital zu Chelsey. §. 53. Engelland hat schon in den mittlern Zeiten Schiffsflotten unterhalten. Elisabeth vergroͤs- serte die Seemacht zu ihrer Sicherheit, Crom- well zum Schrecken seiner Nachbaren. Seit ihm uͤberwiegt Groß-Britannien auf der See alle Reiche der Welt, und kann im Fall der Noth mit mehr als 200. Kriegsschiffen und 60. biß 70. 000. Matrosen seinen Feinden Trotz bieten. Die Flotte ist in 3 Escadern N von Groß-Britannien . von der rothen, weissen und blauen Flagge ein- getheilt. Eine jede Escadre hat ihre drey Flag- gen-Officiers, den Admiral, Vice-Admiral und Rear- oder Contre-Admiral, welchen der Lord-Groß-Admiral oder an seiner Statt die Lords Commissarien der Admiralitaͤt vorgesetzet sind, von denen auch the Court of the Ad- mirality oder das Admiralitaͤts-Gericht und the Navy-Office oder das Schiffamt nebst ei- ner grossen Anzahl Seebedienten dependiret. Nirgends werden die Matrosen so gut und in solcher Menge gezogen, so reichlich besoldet, und die Ausgediente so mildthaͤtig versorget; nir- gends die Schiffe so kunstmaͤßig gebauet, noch die Schiffsmaterialien in solchem Ueberflusse herbeygeschaffet, als in diesem Neptunischen Reiche. a) Erweiß, daß Groß-Britannien niemals so fuͤrchterlich zur See gewesen, als unter dem glorwuͤr- digsten Chur-Braunschweig-Luͤneburgischem Stam- me. Jm Jahr 1748. rechnete man, daß die koͤnigli- che Flotte 322. Seegel starck sey, 12. 270. Canonen fuͤhre, und, wenn alle Schiffe in Commißion soll- ten gegeben werden, 83. 400. Seeleute erfordere The Preceptor, Vol. II. p. 457. b) Bau- und Unterhaltungs-Kosten eines Kriegs- schiffes vom ersten Range. c) Hohe Rechte eines Lord Groß-Admirals. d) Ge- Groß-Britannien . d) Gesetze des Admiralitaͤts-Gerichts. e) Das Seehospital zu Greenwich ist das praͤchtig- ste Gebaͤude in Engelland. f) Schiffswerfte und Magazine der Kriegsflotte zu Chattam, Depford, Woolwich, Scherneß, Ports- mouth, Plymouth und Harwich. 6. Staatsinteresse. §. 54. Seitdem die Kirchenstreitigkeiten zwischen den Episcopalen und Presbyterianern gestillet, die Partheylichkeit der Whigs und Torys ge- daͤmpfet, und die Jacobiten entwaffnet worden, und seitdem die großmuͤthige Staatsklugheit des Hofes theils durch Maͤßigung sich die Herzen der Nation erworben, theils durch unermuͤdete Sorg- falt die Manufacturen, die Commercien und die Macht des Reichs in die Hoͤhe gebracht: so kann es nicht fehlen, daß, da Groß-Britannien von Natur vor auswaͤrtigen Anfaͤllen gesichert, und seine Regierungsform unter allen Europaͤi- schen die vollkommenste ist; dieses Reich bey fortdauernder Beobachtung der bißher befolgten Maximen nicht der spaͤtesten Nachwelt eben so- wohl, als unsern Zeiten ein Muster eines gluͤck- seeligen Staats seyn sollte. N 2 a) Groß-Britannien . a) Von dem Praͤtendenten. b) Anmerkungen aus den Interets de la Grande Bretagne des ROUSSET und den Lettres des LE BLANC. c) Projecte wegen Verbesserung des Justitzwesens, und wegen Tilgung der National Schulden. d) Anstalten wegen der Catholicken in Jrrland, der Jacobiten in Schottland, und der Sicherheit der Schottischen Kuͤsten. Das (o) Das V. Hauptstuͤck. Staat der Vereinigten Nieder- lande. Schriftsteller: 1. JOANNIS de LAET Respublica Belgii foe- derati, Lugd. Batav. 1630. 24. 2. Relationi del Cardinale BENTIVOGLIO, in Venetia 1636. 4. 3. Commentariolus de statu Confoederatarum Pro- vinciarum Belgii, (MARCI ZUERII BOXHOR- NII) ed. V. Hag. Comit. 1659. 12. 4. MARTINI SCHOOCKII Belgium foedera- tum, ed. II. Amstelaed. 1665. 12. 5. August Friedrich Bonens der vereinigten Niederlande Staat, Jena 1671. 12. 6. Remarques sur l’ état des Provinces unies des Pais-bas par Mr. le Chevalier TEMPLE, à la Haye 1697. 12. N 3 7. De- Vereinigte Niederlande. 7. Description historique du gouvernement des Provinces Unies par M. BASNAGE, steht vor sei- nem I. tom. des annales des Provinces Unies, à la Haye 1719. f. 8. Etat present des Provinces Unies par FRAN- ÇOIS MICHEL JANIÇON, II. Tomes, 3. edition, à la Haye 1741. 12. mai. 9. Le Hollandois, ou Lettres sur la Hollande par Mr. A. de la BARRE DE BEAUMARCHAIS, à Francfort 1738. 8. mai. 10. The present state of Holland, or a descri- ption of the United Provinces, London 1745. 8. 1. Staatsveraͤnderungen. §. 1. D ie Herzoge von Burgund juͤngerer Linie bringen durch Erbrecht und Vertraͤge ei- ne Niederlaͤndische Provinz nach der andern seit 1369. an sich. Carl der Kuͤhne besitzt schon 14. Provinzen, und sein Urenkel, Kayser Carl V. alle 17. zusammen. §. 2. Das weltliche und geistliche Joch der Spanier noͤthiget die Niederlaͤnder zu einem Aufstande 1568, und zur Utrechtischen Union, 1579. Die 7. vereinigte Provinzen machen sich durch die Klugheit und Tapferkeit ihrer Statt- halter aus dem Hause Oranien und durch ih- ren Vereinigte Niederlande. ren Seehandel unuͤberwindlich. Sie vertheidi- gen sich gegen Philipps II. Gewalt, zwingen Philipp III. einen zwoͤlfjaͤhrigen Waffenstill- stand, und endlich Philipp IV. 1648. die Sou- verainetaͤt ab, nachdem sie den Ost-Jndischen Handel an sich gezogen, und maͤchtige Laͤnder ausser Europa erworben. §. 3. Sie vermehren die Eroberungen in Ost- Jndien, und ihre Macht und ihr Ansehen wird groß. Allein die uͤbertriebene Eifersucht gegen Oranien schwaͤchet, und der Franzoͤsische Ueber- fall 1672. erschuͤttert die Republick. Doch sie hilft sich durch Erneuerung der Statthalterschaft, wehret sich in drey schweren Kriege gegen Frank- reichs Uebermacht, und da Ludwig XV. sie end- lich im Frieden zu verschlingen sucht; so rettet sie sich 1747. zum andern mal durch die ihr abge- drungene Ernennung eines neuen Erbstatthal- ters. 2. Beschaffenheit der Laͤnder. §. 4. Die Republic der vereinigten Niederlan- de hat Teutschland, die Oesterreichische Nieder- lande und die Nordsee zu ihren Grenzen. Jh- re Groͤsse erstreckt sich kaum auf 30. Meilen in N 4 die Vereinigte Niederlande. die Laͤnge und 20. in die Breite. Das Clima ist feucht und kalt, und die Lage zum Theil so nie- drig, daß sie sich durch kostbare Daͤmme gegen Ueberschwemmungen verwahren muß. a) Von diesen Daͤmmen siehe Present state of Holland, p. 284. und 347. und JANIÇON, I. 8. b) Was die Seewuͤrmer 1732. in Ansehung der Daͤmme vor Schrecken verursachet. §. 5. Die Hauptstroͤme sind der Rhein und die Maaß, der erstere zertheilet sich in 5. theils na- tuͤrliche, theils durch Kunst bereitete Arme. Das Land hat wenig Qvellen, hergegen ist son- derlich der Hollaͤndische Boden uͤberfluͤßig feucht, oder deutlicher zu sagen, morastig, und hat deß- wegen mit vielen Canaͤlen und unzaͤhligen Graͤ- ben durchschnitten werden muͤssen. a) Mit was fuͤr Muͤhe man die viele stehende Seen und Suͤmpfe ausgetrocknet. b) Vortheile der Canaͤle, deren man sich statt der Landstrassen bedienet. §. 6. Wiesewachs, Fischereyen und Torf sind der einzige Ueberfluß des Landes. Das weni- ge Getreyde ernaͤhret kaum den hundersten Theil der Einwohner. Es muͤssen also fast alle Noth- duͤrftigkeiten des menschlichen Lebens auswaͤrts hergehohlet werden. a) Hol- Vereinigte Niederlande. a) Holland hat kaum 400. 000. Morgen Acker- land. Von den natuͤrlichen Vortheilen und Maͤngeln dieser Provinz handelt besonders De WITT in der Anweisung der politischen Gruͤnde und Maxi- men der Republicken Holland und Westfries- land, Cap. III. und IV. §. 7. Die 7. Provinzen, woraus diese verei- nigte Republick bestehet, sind Geldern, Holland, Seeland, Utrecht, Frießland, Ober-Yssel und Groͤningen. Diejenige Stuͤcke von dem Oesterreichischen Flandern, Brabant und Lim- burg, welche ehedem von den Spaniern erobert worden, und das Theil des Ober-Qvartiers von Geldern, welches Kayser Carl VI. 1715. abgetreten, muͤssen als ein der ganzen Republick unterworfenes Land angesehen werden, und heis- sen deßwegen les Pays de la Generalité. a) Von der Eintheilung der Republic Holland in Holland und West-Friesland. b) Von der Grafschaft Zuͤtphen. c) Von dem souverainen Laͤndchen Drenthe. §. 8. Kein Land in der Welt ist mit so wunders- wuͤrdigem Fleisse angebauet, und mit einer sol- chen Menge praͤchtiger Staͤdte, ansehnlicher Flecken, Doͤrfer, Landhaͤuser und Gaͤrten in einem so engen Bezirk geschmuͤcket, als Holland: N 5 doch Vereinigte Niederlande. doch sind Amsterdam, als die Hauptstadt, und Haag, als die Residenz der Republick, unstrei- tig die beyde grosse Lichter an diesem Staats- himmel. a) Tulipomanie in Holland im vorigen Jahrhun- dert von 1634-1637. b) Von Haag Present state of Holland chap. I. von Amsterdam, eb. das. ch. VIII. p. 359. 1. Beschryving van’s Graven-,hage door JA - COB de RIEMER III. Deele, Delft 1730. fol. §. 9. Seehaͤfen hat die Republick zur Gnuͤge. Es gehoͤren dahin Amsterdam, Rotterdam, Dortrecht, Briel, Helvoetschluys, Horn, Enck- huysen, Medenblick, Rameckens, Vließingen, Ter-Veere, Blockzyl, Delfzyl, Dockum, Harlingen und andere mehr: aber sie haben fast den allgemeinen Fehler, daß sie unbequem und gefaͤhrlich sind. §. 10. Die vereinigte Niederlande haben den klei- nen Umfang ihrer Grenzen durch eine grosse An- zahl Festungen verwahrt. Man trifft solche nicht nur in den 7. Provinzen haͤufig an, wo- hin Middelburg, Utrecht, Nimwegen, Schen- ckenschanz, Arnheim, Zytphen, Groll, De- venter, Zwoll, Coevorden, Groͤningen und Leu- Vereinigte Niederlande. Leuwarden zu rechnen sind; sondern fast alle Ge- neralitaͤtsplaͤtze sind zugleich Forteressen, als Sluys, Sas von Gent, Hulst, Venlo, St. Stevenswerd, Bergen op Zoom, Breda, Her- zogenbusch, Grave und Mastricht: ja die Re- public hat sich auch zu mehrerer Sicherheit in den Oesterreichischen Festungen: Namur, Dor- nick, Menin, Furnes, Warneton, Ypern, Knocke, Dendermonde und Ruͤremonde das Besatzungsrecht verschaffet. a) Die Bedingungen dieses Besatzungsrechtes sie- he in dem Barriere-Tractat von 1715. in Hrn. H Schmaussens Corp. J. G. Acad. tom. II. p. 1593. b) Ein gleiches Recht stand der Republick ehemals in einigen Clevischen Plaͤtzen und in Emden zu. Wie sie darum gebracht worden. §. 11. Die vereinigte Niederlaͤnder wurden von ihrem Ursprunge an genoͤthiget, ihre Erhaltung auf dem Wasser zu suchen: daher bemuͤheten sie sich, ihre Herrschaft ausserhalb Europa aus- zubreiten. Weil aber die Portugiesen und Spanier die vortheilhafteste Gegenden schon vor laͤngst besetzt hielten: so musten sie alles mit Blut erfechten. Doch haben sie von ihren schoͤ- nen Eroberungen in America anjetzt nichts wei- ter als Suriname und ein Paar Jnsuln, Curas- soa und St. Eustachii uͤbrig. a) Jhr Vereinigte Niederlande. a) Jhr vergebliches Unternehmen, einen Weg durch Norden nach Ost-Jndien zu finden. b) Wer ihnen die Strasse uͤber Africa gewiesen. c) Wie sie Brasilien eingenommen und wieder ein- gebuͤsset d) Sie ziehen aus ihren Americanischen Colonien sonderlich Zucker, Caffee, Taback, Jndigo. e) Die Surinamische Plantagen gehen nicht uͤ- ber 30. Meilen tief ins Land. Die Caffee-Planta- gen daselbst sind seit kurzem um den dritten Theil ge- fallen. Der Zucker wird um 10. Pro-Cent besser gehalten, als der aus Barbados. Siehe JANIÇON, I. ch. XIV. §. 12. Jn Africa gehoͤren ihnen auf der Kuͤste von Guinea die Festungen St. George Della Mina und Nassau, nebst verschiedenen Forts und dem Schluͤssel von Ost-Jndien, dem Vor- gebuͤrge der guten Hofnung. 1. Peter Kolbens Beschreibung des Vorgebuͤr- ges der guten Hofnung, Nuͤrnberg 1719. fol. Ein Auszug davon ist Description du Cap de Bonne-Esperance par PIERRE KOLBE, III. To- mes, à Amsterdam 1741. 8. §. 13. Aber in Ost-Jndien haben sie allein mehr Land inne, als alle andre Europaͤische Seemaͤch- te zusammen genommen. Sie beherrschen die unvergleichliche Jnsul Java, sie haben uͤber 9. Koͤni- Vereinigte Niederlande. Koͤnige auf der Malabarischen Kuͤste, und uͤber die Koͤnige auf der Jnsul Ceylon und Suma- tra zu gebieten. Sie sitzen in der Halbinsul Malacca, in Borneo, Celebes und in den Mo- luccischen Jnsuln, besonders in Ternate Amboi- na und Banda feste. a) Batavia in Java ist der Sammelplatz der Hol- laͤndischen Macht und Reichthuͤmer. b) Malabar liefert den Pfeffer. c) Ceylon giebt ihnen das Monopolium mit Zim- met. d) Durch Malacca sind sie Herren von der vor- nehmsten Meerenge in ganz Ost-Jndien. e) Von den Festungen Colombo, Gallo, Macassar und dem Cap Comorin. f) Die gluͤckseelige Moluccische Jnsuln machen den Hollaͤnder zum Eigenthumsherren von den Muscaten- nuͤssen und Negelein. Siehe uͤberhaupt JANIÇON, tom. I. ch. XII. 3. Beschaffenheit der Einwohner. §. 14. Das Land wimmelt von Einwohnern, man rechnet allein in Holland auf 2 Millionen und 400. 000. Seelen. Die Liebe zur Freyheit, und die bequeme Art, ihr Brod zu erwerben hat eine erstaunende Anzahl von Fremden her- eingezogen. Die Landessprache erinnert die vereinigte Vereinigte Niederlande. vereinigte Niederlaͤnder, daß sie Teutscher Ab- kunft sind. Doch hat die Franzoͤsische schon ganz Holland uͤberschwemmet, und koͤnnen sich kaum die Gerichte genug dagegen verdaͤmmen. a) Die Anzahl der Einwohner bestimmet De WITT in der Anweisung der politischen Gruͤnde, Capit. IX. Siehe auch the present state of Holland, p. 362. §. 15. Das melancholische Temperament des Hollaͤnders wird durch ein starkes Phlegma tem- perirt. Er denkt gruͤndlich und nichts desto we- niger witzig. Er ist von stillem Wesen, gutthaͤ- tig, ohne Falsch, ohne Uebereilung, ohne hitzi- ge Affecten. Die Hoflebensart ist ihm unbe- kannt und mißfaͤllig. Das Frauenzimmer ist das reinlichste in der Welt, der Poͤbel ist geneigt, seine Freyheit zu mißbrauchen, und solche biß zur Unbaͤndigkeit zu treiben. a) DE LA BARRE in seinem Hollandois, II. Part. Lett. 24, 25, von dem Character des Hollaͤnders. b) Von ihrer Reinlichkeit, eb. das. lett. 26. c) Von ihrer Lebensart, lett. 27. d) Von ihren Schauspielen und andern Lustbarkei- ten, lett. 32. 33. 34. §. 16. Die Wissenschaften und freye Kuͤnste haben an der Republick der vereinigten Nieder- lande Vereinigte Niederlande. lande jederzeit eine liebreiche Pflegemutter gefun- den, wovon 5. Academien, Leiden, Franecker, Groͤningen, Utrecht und Harderwick und ver- schiedene reiche Schulen zeugen koͤnnen. Da- her es auch diesem Freystaate niemals an gros- sen sowohl einheimischen; als auslaͤndischen Ge- lehrten gefehlet hat. Viele seiner Buͤrger, die von Profeßion keine Gelehrte sind, beschaͤftigen sich mit den Wissenschaften. Unter den freyen Kuͤnsten bluͤht hier sonderlich die Malerey und das Kupferstechen. 1. Heinrich Ludolph Benthems Hollaͤndischer Kirchen- und Schulenstaat, 2. Theile, Frankfurt und Leipzig 1698 8. sonderlich Theil 2. Cap. 1. und 4. a) Es handelt hievon kurz DE LA BARRE part. II. lett. 28-31. weitlaͤuftiger aber der Verfasser das Present state of Holland an verschiedenen Orten. §. 17. Die Hollaͤnder weichen keiner Nation in der Arbeitsamkeit, uͤbertreffen aber alle andere in der Sparsamkeit, und dieses Kunststuͤck ver- doppelt ihren Gewinn. Die Fischereyen sind nebst der Viehzucht das aͤlteste Nahrungsmittel der ver- einigten Niederlaͤnder gewesen. Noch jetzt ist ihr Wallfischfang eintraͤglich, ihr Heringsfang a- ber unschaͤtzbar. Nach und nach vermehrten sie auch ihre Manufacturen, welche biß auf den heutigen Tag vortrefflich bluͤhen, und hat Hol- land den ihm eigenen Ruhm, daß nirgends so wenig Vereinigte Niederlande. wenig Materialien gezeuget, und doch zugleich so viele Manufacturen verfertiget worden, als daselbst. 1. Memoires sur le Commerce des Hollandois, (par M. de HUET ) à Amsterdam, 1717. gr. 12. Siehe auch DE LA BARRE, part II. lett. 12. a) Von der kleinen und grossen Fischerey, oder dem Wallfisch- und Heringsfange. Anweisung der Polit. Gruͤnde, Cap. VI. Bl 22. und gedachte Memoires, ch. III. p. 25. wie auch JANIÇON, tom. I. ch. XV. und XVI. b) Wollfabricken, sonderlich zu Leyden. c) Seydenfabricken, sonderlich zu Harlem. d) Leinwebereyen in Groͤningen, Frießland und O- ber-Yssel auch zu Dordrecht, und Bleichen zu Harlem. e) Delffter Geschirr. f) Sardamer Schiffbau. g) Jhre Papiermuͤhlen hauptsaͤchlich in Geldern, und Buchhandel. DE LA BARRE part. II. lett. 16. §. 18. Der Handel der vereinigten Niederlaͤnder gehet durch die ganze Welt. Jn Europa be- suchen sie 1) alle Kuͤsten der Ostsee und des gan- zen Nordens von Archangel an die Norwegische, Daͤnische, Schwedische, Rußische, Curlaͤndi- sche, Preußische und Teutsche Kuͤsten biß Luͤbeck, und zwar haͤufiger als keine andere Seenation. 2) Handeln sie vermittelst der Elbe, Weser, und Vereinigte Niederlande. und des Rheins uͤber Hamburg, Bremen, Frank- furt und Leipzig durch das ganze uͤbrige Teutsch- land biß in Oesterreich und in die Schweitz, 3) nach den Catholischen Niederlanden, 4) nach den Groß-Britannischen Jnsuln, 5) nach Frank- reich, Spanien und Portugal, 6) nach allen Jtalienischen Hoͤfen. a) Man rechnet, daß jaͤhrlich 1000 biß 1200. Hol- laͤndische Schiffe bloß in die Ostsee seegeln. b) Von den besonderen Theilen des Hollaͤndischen Handels in Europa handelt ausfuͤhrlich HUET, chap. V-XII. und JANIÇON, tom. I. ch. 18-24. §. 19. Ausser Europa schiffen sie 1) nach der gan- zen Levante, sonderlich nach Smyrna, 2) nach den Africanischen Kuͤsten von der Côte d’or an biß in das Caffernland, 3) nach America, 4) hauptsaͤchlich aber durch ganz Ost-Jndien, wo sie ausser ihrem maͤchtigen Eigenthum verschiede- ne herrliche Comptoirs in Mocca, Gameron, Jspahan, Suratta, in Bengala, Pegu, Si- am, Japan, China, Tonqvin, Sumatra und Borneo haben. a) Was sie nach der Levante, oder nach dem Tuͤr- ckischen Reiche (Griechenland mit begriffen) hinfuͤh- ren, und daraus zuruͤck bringen. b) Warum sie in der Levante mehr als andere Na- tionen gewinnen, POULLET, Relations nouvelles du Levant, tom. II. p. 27. \& 29. O c) Vereinigte Niederlande. c) Die Hollaͤnder bringen die Ost-Jndische Gewuͤr- ze biß in Egypten: ein wunderbarer Wechsel des Han- dels, HUET, p. 134. d) Jn America machen sie unter den fuͤnf grossen Seenationen die kleineste Figur. e) Der Ost Jndische Handel der Hollaͤnder brei- tet sich in 2. maͤchtige Aeste aus, der erste ist der Han- del aus einer Ost-Jndischen Provinz in die andere, der zweyte ist der Handel zwischen Ost-Jndien und Europa. f) Vier Hauptelassen der Ost-Jndischen Waaren, so nach Europa geschiffet werden, JANIÇON, I. 383. g) Einen glaubwuͤrdigen Bericht des General Buch- halters in Batavia Daniel Braems an die General Staaten von dem Zustande des Hollaͤndischen Handels in Ost-Jndien im J, 1686. giebt HUET als einen Anhang zu seinen Memoires sur le Commerce des Hollandois. §. 20. Amsterdam ist der Hauptsitz, und die un- vergleichliche Banco daselbst eine Grundsaͤule des Hollaͤndischen Commercienwesens. Es wird solches auch durch die ruͤhmliche Sorgsalt der Republick, und durch die verschiedene Handels- gesellschaften, als die West-Jndische, die von Suriname, die Nordische; sonderlich aber durch die Ost-Jndische Compagnie befestiget, welche sowohl wegen ihrer Vorrechte, als wegen ihrer Macht noch zur Zeit die Koͤniginn aller Hand- lungsgesellschafften in der Welt zu nennen ist. a) Vereinigte Niederlande. a) Daß kein Ort zur Handlung so wohl gelegen als Amsterdam, will DE WITT beweisen, Cap. XIII. und der Ve fasser des Present State of Holland gesteht hierinnen Amster am den Vorzug vor London zu, Chap. VIII. b) Von der Banco, Present State of Holland, p. 365. Essai sur le commerce, p. 237. RICAUT, ne- goce d’ Amsterdam, p. 571. c) La Chambre de Direction pour le Commerce du Levant als ein Exempel der Aufmercksamkeit der General Staaten in Besestigung des Handels, JA- NIÇON, I. ch. XVII. d) Von den Handlungs-Gesellschaften JANIÇON, I. ch. 13. 14. 15. e) Von der Ost Jndischen Compagnie Ursprun- ge und Fond 1602, ihrer Octroy, ihren 6. Kammern, 61. Bewindhebbern, dey Versammlung der Siebenzeh- ner und Zehner, dem General Statthalter in Ost-Jn- dien, und den 7. Unterstatthaltern, den hohen und fast souverginen Rechten der Compagnie in Ost-Jndien, ihrer Land- und Seemacht, BASNAGE in seiner Description du Gouvernement des P. U. chap. 37. JANIÇON, I. ch. XII. f) Den jaͤhrlichen Gewinn der Ost Jndischen Com- pagnie nach Abzug aller Kosten rechnet HUET auf 3. 000. 000 Ducaten, p. 222. g) Vergleich der Englischen Ost-Jndischen Com- pagnie mit der Hollaͤndischen Present State of Holland, p. 373. wie auch der Hollaͤndischen mit der Franzoͤ- sischen. §. 21. Man rechnet in den vereinigten Niederlan- O 2 den Vereinigte Niederlande. den nach Gulden und Stuͤber. 20. Stuͤber ma- chen 1. Gulden. 1. Stuͤber hat 2 Groot, 1. Groot 4. Deut oder 8. Pf. Jhre Goldmuͤnze sind die Ducaten, deren 1. betraͤgt 5. Hollaͤndi- sche Gulden. Kein Reich in Europa schlaͤgt so viel Goldmuͤnzen, als die Hollaͤnder. 4. Staatsrecht. §. 22. Die Utrechtische Union, geschlossen 1579. den 29. Jenner ist das Haupt-Grundgesetz, wor- auf die ganze Verbindung der 7. vereinigten Provinzen beruhet, ungeachtet einige Artickel durch neue Vortraͤge abgeaͤndert worden. a) Diese Verein ist in Hrn. H. Schmaussens Corp. J. Gent. p. 391. befindlich. §. 23. Die Deputirte der 7. vereinigten Provin- zen, in so fern sie zusammen genommen die gan- ze Republick vorstellen, werden titulirt: die Hochmoͤgende Herren General Staaten; in so fern sie aber eine einzelne Provinz besonders vor- stellen, haben sie verschiedene Titulaturen. Auf eben die Art sind auch die Wappen der einzel- nen Provinzen von dem gemeinsamen Wappen der ganzen Republick wohl zu unterscheiden. Letzteres besteht in einem guͤldenen gekroͤnten Loͤ- wen, Vereinigte Niederlande. wen, welcher in der rechten Vorder-Pranke ein Schwerdt, in der linken aber 7. zusammen ge- bundene Pfeile haͤlt. a) Von der Titulatur JANIÇON, I. 76. b) Von der Titulatur der einzelnen Provinzen BAS- NAGE, chap. XVI, §. 9. p. 37. c) Von dem Wappen eb. das. 74. d) Warum der Loͤwe jetzt eine Krone, sonst aber einen Huth gefuͤhret. §. 24. Die Republick der vereinigten Niederlan- de ist ein Jnbegriff von ungefehr 50. kleinen Staaten, welche in 7. besonderen Republicken zusammen haͤngen, deren allgemeine Verbin- dung sich fast nicht weiter, als auf ihre gemein- schaftliche Vertheidigung erstrecket. a) Auszug aus der Utrechtischen Union. b) Diese Anzahl von 50. Staaten setzet JANIÇON in der Vorrede. c) Die besondere Regierungsform der einzelnen Provinzen giebt weitlaͤuftig BASNAGE, Ch. 16-34. §. 25. Zu Besorgung der gemeinsamen Staats- sachen, ist eine bestaͤndige Versammlung der Deputirten aller 7. Provinzen unter dem Na- men der General Staaten (Vergaderingh der Staaten Generael der Vereenighde Nee- O 3 der- Vereinigte Niederlande. derlanden) in dem Haag errichtet, worinnen 1) jede Provinz eine einzige Stimme hat, od- gleich oͤfters mehr als 50. Deputirte anwesend sind; 2) jede Provinz wechselsweise von Woche zu Woche praͤsidiret, ungeachtet die Rangord- nung der Provinzen festgestellet ist; 3) jeder De- putirter ein blosser Unterthan seiner Provinzen ist, obgleich die General-Staaten verschiedene Majestaͤtsrechte unumschraͤnkt ausuͤben. a) Diese bestaͤndige Versammlung ist der Ausschuß des Reichstages, oder der grossen Versammlung aller Staͤnde aus allen 7. Provinzen, (De groote Ver- gadering) welche aber nur in ganz ausserordentlichen Faͤllen gehalten wird. b) Anmerkungen von den Deputirten, dem Raths- Pensionaire von Holland, dem Greffier der G. St. oder dem Staatsseeretaͤr, den Staats-Buchdrucker und Correetor, der Chambre de Tréve fuͤr die Com- mißionen und Conserenzen mit fremden Ministern. c) Warum Geldern den Vorzug hat, und wie der Raugstreit zwischen Utrecht und Frießland geschlichtet worden. d) Jn 6. Puncten sind die General-Staaten haupt- saͤchlich eingeschraͤnkt. Siehe uͤberhaupt BASNAGE, ch. VIII. X. und JANIÇON, I. ch. 2. p. 76. e) Vergleich der Versammlung der General Staa- ten mit dem Groß-Britannischen Parlament, Pre- sent State of Holland, p. 68. §. 26. Von diesem Collegio dependiret der Staats- rath (De Raedt van Staaten,) welcher aus 12. Depu- Vereinigte Niederlande. Deputirten der Provinzen besteht, uͤber das Fi- nanz- und Kriegswesen die Oderaufsicht suͤhret, und die Schluͤsse der General Staaten zur Voll- streckung bringet. a) Dieses Collegium ist das aͤlteste in der Repu- blick, und war sonst auch das hoͤchste. Aber die Eifer- sucht gegen Engelland subordinirte es der Versamm- lung der G. St. b) Der General Schatzmeister, der Secretaͤr des Staatsraths und der General Einnehmer sind bestaͤndige Beyfitzer dieses Collegii. c) Der Staatsrath uͤberreicht jaͤhrlich den General Staaten den Etât de Guerre mit beygefuͤgter Petition generale. JANIÇON, I. ch. 3. p. 113. §. 27. Seit 1747. ist auch die Statthalterschaft durch eine gluͤckliche Revolution in verschiedenen bißher widerspaͤnstigen Provinzen erneuert, und der ganzen Republick allgemein und erblich wor- den. Sie ist eine Grundsaͤule des Staats, wor- auf die Freyheit der Republick erbauet, und wo- durch ihr Umsturz zweymal gehemmet worden. Anjetzt ist der Prinz von Oranien, Wilhelm Carl Heinrich Friso, Erbstatthalter der Union in maͤnn- licher und werblicher Linie, womit die Wuͤrde eines Erb-General-Capitains zu Wasser und zu Lan- de aller vereinigten Provinzen und der Generali- taͤts-Laͤnder verknuͤpfet ist, welcher noch neulich das General Directorium der Ost-Jndischen O 4 Com- Vereinigte Niederlande. Compagnie beygefuͤget worden, so daß dieser wuͤr- dige Prinz vor allen seinen Durchlauchten Vor- fahren an der Statthalterschaft ausserordentliche Vorzuͤge geniesset. a) Ursprung dieser sonderbaren Benennung, und kurze Historie der Statthalterschaft. b) Allgemeine Vorrechte des jetzigen Statthal- ters nebst seinen Revenuͤen. c) Seine besondern Vorrechte in den einzelnen Provinzen muß man aus den Commißionen kennen lernen. d) Er hat potestatem vicariam, nicht supremam, und schwoͤrt einer jeden Provinz. e) Bedingungen der Erbstatthalterschaft. f) Vergleich zwischen der Gewalt eines Statthal- ters und eines Koͤnigs von Groß-Britannien. Present State of Holl. p. 84. 1. Relation de la grande Revolution arrivée dans la Rep. des Provinces Unies 1747. par M. ROUSSET, 1747. 4. 2. Franz Dominicus Haͤberlins Gedanken von Frankreichs politischen Fehlern in jetzigem Feld- zuge und der Erhebung des Prinzen von Ora- nien zum Statthalter. Hannover 1747. 4. 3. Histoire du Stadhouderat par M. l’ Abbé RAY- NAL, corrigée par M. ROUSSET, Amsterdam 1749. 8. 4. Siehe auch BASNAGE, chap. XV. und JA- NIÇON, tom. I. ch. 10. 5. Vereinigte Niederlande. 5. Reichsgeschaͤfte. §. 28. Der Hollaͤnder versteht was er glaubt, er ist eifrig in der Religion, und ehrerbietig gegen die Geistlichkeit. Die Reformirte Religion herrschet allein in allen 7. Provinzen, und ist durch die Kirchenversammlung zu Dordrecht 1618. be- festiget worden. Doch goͤnnen sie allen Religio- nen die Gewissensfreyheit, um deren Willen sie selbst ehedem so tapfer gefochten, und man findet ausser der grossen Menge Catholicken, auch Ar- minianer, Lutheraner, Wiedertaͤufer, Qvaͤcker, Labadisten, Rheinburger, Griechen und Juden darinnen. 1. Heinrich Ludolff Bentheims obangefuͤhrter Hollaͤndischer Kirch- und Schulenstaat. 2. La Religion des Hollandois (par M. STOUPP ) à Cologne 1673. 12. welche Schmaͤhschrift BASNAGE in seiner Description du Gouvernement des P. U. ch. 39. p. 135. widerlegt. a) Jhre Symbolische Buͤcher sind die Confessio- Belgica und der Heidelbergische Cathechismus. b) JANIÇON, I. p. 17. will behaupten daß fast der dritte Theil der Einwohner in Holland aus Catholicken bestuͤnde. c) Anmerkung des Ritters TEMPLE von diesen verschiedenen Religionen, aus seinen Remarques sur l’ Etat des Prov. Unies, ch. V. O 5 §. 29. Vereinigte Niederlande. §. 29. Jede Kirche hat ihren einen oder mehrere Geistliche, ihre Aeltesten und Diaconos. Diese machen das Consistorium aus. Die Consisto- ria stehen unter der Classe, die sich alle 3. Mo- nathe versammlet, (Classicale Vergadering) und die Classen unter einem Synodo Provin- ciali, der ein- oder zweymal im Jahr seine Zu- sammenkuͤnfte haͤlt. Man zaͤhlet 9. dergleichen Synodos in den vereinigten Niederlanden. Sie formiren alle 3. Jahr einen Coetum, aber nur zu einer ganz besondern Handlung. Denn ei- ne allgemeine Kirchenversammlung oder Synodus Nationalis ist seit der einzigen Dordrechtischen mit reifem Vorbedacht nicht wieder gehalten worden. §. 30. Es hat nicht nur jede Provinz ihre eigene Gesetze; sondern auch fast jede Stadt ihr be- sonderes Recht. Nach diesen nimt man das Roͤmische Gesetzbuch zu Huͤlfe, welches seit dem Ende des 15ten Jahrhunderts in einigen Provin- zen oͤffentlich eingefuͤhret, in andern aber nach und nach angenommen worden. a) Ill. OTTON. notit. rerump. Eur. cap. VI. §. 34. §. 31. Jede Provinz hat ihre eigene, und unab- haͤngige Vereinigte Niederlande. haͤngige Gerichtsbarkeit. Diese wird meistens von einem besondern Provinzial Gericht ausge- uͤbet, an welches die niedere Dorf- und Stadt- Gerichte appelliren, doch so, daß der unterlie- gende Theil bey den Staaten der Provinz um Revision suppliciren kann. a) JANIÇON, I. p. 39. Ill. OTTO, I. cit. §. 35. und DE LA BARRE de BEAUMARCHAIS, II. p. 59. b) Das Hollaͤndische Brabant hat sein Ober-Ap- pellations Gericht in dem Haag, wie das Hollaͤndische Flandern in Middelburg. §. 32. Nirgends in der Welt ist bißher das Volk mit so viel Auflagen beladen gewesen, als in den vereinigten Niederlanden. Zu den ordent- lichen gehoͤren 1) die Land- und Haͤusersteuer, (Verponding) 2) der vierzigste Pfennig vom Verkauf der Gruͤnde und von Collateral-Erb- schaften, 3) die Taxe auf Hausbediente, Pfer- de und Wagen und dergl. 4) Die Aceise nebst dem Stempelpapier, 6) die Zoͤlle. Die aus- serordentliche bestehen in Erhoͤhung der Ver- ponding, in Hebung des 100ten oder 200ten Pfennigs von allem Vermoͤgen, in der freywil- ligen Vermoͤgen-Steuer, in der Kopfsteuer und andern Abgaben. a) The Pres. State of Holland schaͤtzt die ordentl che Einkuͤnfte auf 21. Millionen Gulden, und setzt die Ver- Vereinigte Niederlande. Verhaͤltniß mit den Englischen und Franzoͤsischen, wie 5. zu 7. und zu 14. §. 33. Diese Abgaben werden von den Magi- stratspersonen und andern dazu bestellten Beam- ten in jeder Provinz gehoben und berechnet. Nur die ohnedem sehr harte Accise ist seit vielen Jah- ren verpachtet gewesen, biß endlich die Pressu- ren der Pachter das Volk 1748. zu der verzwei- felten Revolution gebracht, wodurch sie in 6. ganzen Provinzen zu Grunde gerichtet worden. 1. Nouveaux systemes de Finances comparés avec l’ ancien, à Groeningue 1748. 8. stellet die Bedruͤckun- gen der Pachter und die Seufzer des gemeinen Mannes sehr lebhaft vor, und zeiget, daß in Holland allein uͤber 80. 000. Menschen zur Accise gebrauchet worden, und die Pachter dabey jaͤhrlich 20-24. Millionen profitiret. §. 34. Die Abgaben der Generalitaͤts-Laͤnder werden von den General Staaten bestimmet, und nach ihrem Gutachten angeordnet. Herge- gen die Abgaben der 7. vereinigten Provinzen werden von den Staaten einer jeden Provinz nach Belieben eingerichtet und gehoben; der ganzen Republick aber davon nur so viel gelie- fert, als auf den Vorschlag des Staatsraths mit Einwilligung der General Staaten das An- theil jeder Provinz betraͤgt, und hat deßwegen jegliche Vereinigte Niederlande. jegliche Provinz ihren Anschlag, wornach sie zur Nothdurft des Staats das ihrige beytraͤgt. Der Staatsrath und die Generalitaͤts-Rechenkammer (Generaliteyts-Reekenkamer) dirigiren das Finanzwesen. a) Jn der Hebung der Zoͤlle ist eine Ausnahme, da- von unten. b) Zu den allgemeinen Abgaben contribuirt die ein- zige Provinz Holland mehr, als alle uͤbrige Provinzen zusammen, und Amsterdam fast die Helfte von den Abgaben der ganzen Provinz Holland. c) Siehe hievon mit mehrerm JANIÇON, tom. I. ch. 3. und 4. §. 35. Da die Republick sich ihres fuͤrchterlichen Nachbarn zu erwehren, ihre Kraͤfte uͤber Ver- moͤgen angreifen muͤssen, auch durch uͤble Verwaltung ihres Finanzwesens und Adnahme ihres Handels entkraͤftet worden: so ist kein Wunder, daß ihre Schulden von Jahr zu Jahr mehr anwachsen, und man solche anjetzt auf fuͤnf- tehalb hundert Millionen Gulden rechnet. §. 36. Weil in den vereinigten Niederlanden sich alles mit Manufacturen und Handel beschaͤftiget, so fehlet es in Kriegeszeiten der Republick oft an Menschen, und noch oͤfterer an Soldaten. Doch bezahlt sie in Friedenszeiten 54.000. Mann, und in Vereinigte Niederlande. in Kriegeszeiten macht sie gewoͤhnliche Vermeh- rungen von 20.000. Mann, welche Vermehrun- gen sie bißweilen zwey- auch wohl dreymal wie- derhohlet. Diese Truppen werden alsdenn mei- stens vor Subsidiengelder von fremden, beson- ders von Teutschen Fuͤrsten erkauft. a) Vergleich der Niederlaͤnder mit den Roͤmern in der Tapferkeit, aus der Histoire abregé des Provinces Unies des P. B. Amsterdam 1701. fol. b) Von ihrer Landmacht siehe auch the present Sta- te of Holl. p. 108. §. 37. Die vereinigte Niederlaͤnder, welche die Natur zu Seeleuten bestimmt, und deren Frey- staat dem Meer sein Wesen zu danken hat, koͤn- nen nach den Engellaͤndern die groͤßte und beste Flotte in See stellen, obgleich ihr Seewesen in dem jetzigen Jahrhundert durch allerhand Un- faͤlle gewaltig herunter gekommen ist. Sie ha- ben 5. Admiralitaͤten 1) von Rotterdam, 2) von Amsterdam, 3) von Hoorn und Enkhuysen, 4) von Middelburg, 5) von Harlingen, und nach diesen theilen sie ihre Flotte in 5. Escadern ein, uͤber welche der Prinz Statthalter General Ad- miral ist. a) Zu Bestreitung der Kosten bey der Marine sind die Zoͤlle bestimmt, welche deßwegen von den Admira- litaͤten gehoben und dazu verwandt werden. b) Vereinigte Niederlande. b) Jm J. 1665. fochten unter dem Admiral Lieute- nant Opdam 103. Hollaͤndische Kriegsschiffe gegen den Herzog von York. BASNAGE in seinen Annales des P. U. tom. I. p. 74. c) Von der jetzigen Seemacht siehe JANIÇON, I. p. 44. und p. 218. 6. Staatsinteresse. §. 38. Die Republick der vereinigten Niederlan- de ist nicht ohne merkliche Staatsgebrechen, wel- che eine vieljaͤhrige Unempfindlichkeit noch gefaͤhr- licher gemacht hat. Durch die Erhebung des Prinzen von Oranien zur Statthalterschaft ist der Staat gleichsam neu belebet worden, und nunmehr laͤßt sich hoffen, daß, wenn die Re- publick unter diesem neuem Oberhaupte ihre sonst so geruͤhmte Staatsklugheit anwenden will, um die Manufacturen und den Handel zu befoͤrdern, das Finanzwesen zu bessern, die Land- und See- macht auf den alten Fuß zu setzen, und den un- gezogenen Poͤbel folgsamer zu machen; ihre Dauer sich noch auf viel laͤngere Zeit erstrecken wird, als ihr viele Staatskundige aus wichtigen Ursachen prophezeyen wollen. 1. Anweisung der heilsamen politischen Gruͤn- de und Maximen der Republicken Holland und West-Frießland, Rotterdam 1671. 8 Dieses Buch ent- haͤlt des Johannis de Witt Staatsregeln, wenn gleich Van den Hoven das ist LA COURT Verfasser davon seyn Vereinigte Niederlande. seyn mag. Siehe FAVORITI NORICI obseruatio- nes ad GUNDLINGII discursus de republica Hol- landica, p. 107. a) Dessen Vorschlaͤge, den Staat zu verbessern durch Toleranz der Religionen, I. Cap. 14. und 19. b) Durch Verstattung einer vollkommenen Freyheit sich zu naͤhren, und Aufhebung der geschlossenen Hand- werker und Handelsgesellschaften, eb. das. Cap. 15. 16. 17. 19. 20. 21. c) Durch Verbesserung der Justitz, Cap. 25. d) Durch Anlegung mehreter Pflanzstaͤdte ausser- halb Europa, Cap. 26. e) Wunderliches Project, daß sich Holland von den andern Provinzen losreissen, und bloß mit Utrecht ver- einigt bleiben solle, und dadurch unuͤberwindlich wer- den koͤnne, eb. das. Theil II. Cap. 14. f) Eben so ungegruͤndet sind auch dessen Gedanken von der Statthalterschaft. eb. das. Theil III. Bl. 314. Besiehe hiebey DE LA BARRE, II. 22. g) Fehler der Regierungsform aus the Present Sta- te of Holl. p. 72. h) Noch einige Anmerkungen von dem Jnteresse und den Maximen dieses Staats, eben das. pag. 93. i) Die Einwuͤrfe des Cardinals BENTIVOGLIO in seinen Relationi pag. 98. gegen die Dauer der Re- publick beantwortet BASNAGE, ch. 5. JANIÇON, I. 67. DE LA BARRE II. 38. und Pres. State of Holl. p. 72. Das (o) Das VI. Hauptstuͤck. Staat von Rußland . Schriftsteller: 1. Relation curieuse et nouvelle de Moscovie, con- tenant l’ Etat présent de cet Empire par M. BAL TH. HEZENEIL de NEUVILLE, (de BAILLET ) à la Haye 1699. 12. 2. Christian Stiefens Relation von dem gegen- waͤrtigen Zustande des Moscowitischen Reichs, Frank- furt, 1706. 8. 3. Etat présent de la grande Russie par le Capi- taine JEAN PERRY, traduit de l’ Anglois, à la Haye 1717. 12. 4. Der jetzige Staat von Rußland, 2. Theile, Leipzig 1717. 8. Der erste Theil ist eine Uebersetzung des Perry, der andere eine Uebersetzung folgenden Jtaliaͤnischen Werkes: Relazione Geografica, Sto- rico-Politica del Imperio di Moscovia, in Milano 1713. 12. P 5. Rußland. 5. (Webers) Veraͤndertes Rußland, Hanno- ver, 1ster Theil 1729, 2ter 1739. 3ter 1740. 4. 6. Philipp Johannis von Strahlenberg Nord- und Oestliches Theil von Europa und Asia, Stockholm, (Leipzig) 1730. 4. 7. Moscowitische Briefe, aus dem Franzoͤsi- schen uͤbersetzt, und mit dienlichen Erinnerungen wie- her heimgeschickt von einem Teutschen, Frankfurt und Leipzig 1738. 8. 8. Peter von Havens Reise in Rußland, aus dem Daͤnischen uͤbersetzt von H. A. R. Coppenhagen 1744. 8. 1. Staatsveraͤndernngen . §. 1. D ie Rußische Voͤlker werden zuerst im IX ten Jahrhundert durch Errichtung ihres Monarchischen Staats, hernach durch ihre Kriege mit den Griechen, und noch mehr durch ihre Bekehrung zum Christenthum bekannt. Da aber ihre Großfuͤrsten die Reichstheilun- gen mode machen; so muͤssen sie uͤber 200. Jahr unter dem Joche der Tatarn seufzen. §. 2. Jvan Basilowitz entschuͤttet sich desselben seit der Mitte des XV ten Jahrhunderts, und gewinnet Groß-Nowogrod und Severien. Sein Enkel Jvan Basilowitz II. ein harter, aber staats- Rußland. staatskluger Regent erobert die beyde Tatarische Koͤnigreiche, Casan und Astracan, und schnap- pet nach Liefland; kann aber gegen Polen und Schweden nichts ausrichten. Sein Sohn Feo- dor verknuͤpfet zwar 1587 Siberien mit der Kro- ne; aber nach dessen gewaltsamen Tode geht Rußland unter den Tyrannen und falschen Demetriis zu Truͤmmern. §. 3. Michael Feodorowiz brinat das Geschlecht der Romanow 1612. auf den Thron. Sein Sohn Alexius Michaelowiz entreisset den Po- len Smolensko nebst dem groͤßten Theil der U- kraine. Dessen juͤngster Sohn Petrus der Gros- se behauptet nach verschiedenen Unruhen die Krone. Dieser ist es, der den Rußischen Staats- koͤrper nicht nur durch seine herrliche Eroberun- gen stark macht; sondern auch durch seine un- vergleichliche Anstalten beseelet. Auf die kurze Regierungen seiner Gemahlinn Catharina, und seines Enkels Peters II. folgt seines Bruders Tochter, die gluͤckliche Anna Jvanowna. Nach ihr regiert der unmuͤndige Jvan III., wel- cher aber mit seiner Mutter der Regentinn An- na zugleich gestuͤrzet wird, indem sich Elisabeth Peters I. juͤngste Tochter 1741. auf den Thron schwinget. a) Petrus vergroͤsserte sein Reich mit Lie fland, Jn- germannland und einem Stuͤck von Carelien und Kex- holm 1721. Anna Jvanowna mit der Persischen P 2 Pro- Rußland. Provinz Schirvan 1732. Elisabeth mit der Pro- vinz Kymenegard und der Festung Nyslot 1743. 2. Beschaffenheit der Laͤnder. §. 4. Rußland hat seine Herrschaft in Europa und Asien so entsetzlich weit ausgebreitet, daß sich solche auf 480. Teutsche Meilen in die Brei- te, und weit uͤber 1000. Meilen in die Laͤnge erstrecket, so daß kein Reich in der Welt zu fin- den, dessen zusammenhangende Provinzen der Groͤsse von Rußland gleich kaͤmen. Seine Grenzen gegen Westen sind Lappland, Schwe- den, die Ostsee und Polen; gegen Norden das weisse und das Eißmeer; gegen Osten das Ti- choische Meer, als die Grenzscheidung von Ja- pan; gegen Suͤden die grosse Tatarey, der Caspische See, der Berg Caucasus, das schwar- ze Meer und die Crimm, durch welche Grenzen Rußland von China, Persien und der Tuͤrkey geschieden wird. Die Grenzen gegen Norden und Suͤden sind erst in den neuesten Zeiten be- stimmt worden, da man diese Gegenden bißher zu den unbekannten Laͤndern und Gewaͤssern ge- rechnet hat. a) Von Neu Zembla und der Meerenge Wei- gaz oder Weigat. b) Von dem Eißmeer, und der Muthmaassung, wie America von dieser Seite her bevoͤlkert worden. c) Gren- Rußland. c) Grenzscheidung zwischen Asien und Europa aus neuen Gruͤnden auf eine neue Art bestimmt von Hrn. von Strahlenberg, in der Einleitung, Bl. 91. d) Zank zwischen Rußland und China wegen der Festung am Amurflusse, und neue Grenze, der Fluß Argun nebst der Festung Argunskoi. Perry, Bl. 129. e) Der Caspische See ist der groͤßte in der Welt. Anmerkungen davon aus Perry, Bl. 161. und We- ber, Th II. Bl. 71. f) Von den Crimmischen Tatarn, Perry, Bl. 213. §. 5. Wenn man das so sehr verschiedene Clima dieses Reichs etwas genauer erkennen will, so muß man es in 4. Haupttheile von Norden ge- gen Suͤden absondern. Unter der ansehnlichen Menge seiner grossen und schiffreichen Stroͤme sind die Wolga, der Dnieper, der Don und der Oby die vornehmste. a) Diese Eintheilungen des Rußischen Climatis giebt von Strahlenberg, Cap. II, Bl. 171. §. 6. Die mittlere Provinzen von Rußland sind am meisten angebauet und vortrefflich fruchtbar. Sie geben im Ueberfluß Getreyde, Hanf, Flachs, Gartenfruͤchte, Bau- und Brennholz, Hornvieh, Pferde, Schaafe, Fluͤgelwerk, P 3 Wild- Rußland. Wildpret, Salz, Honig, Salpeter und Fi- sche. Siberien ist wegen der Zobel-Marder- Hermelinfelle und anderer reichen Pelzwercken, wegen der Silber-Kupfer- und Eisenbergwerke, wegen des Schwefels und der Rhabarbar schaͤtz- bar. Die Suͤdliche Asiatische Provinzen brin- gen Baumwolle, Seyde und Wein hervor. Diejenige Laͤnder aber, welche zu aͤusserst gegen Norden und Osten liegen, sind wenig angebauet. a) Jn Rußland aiebt es dreyerley Salz. Bey Solkamskol am Kamafluß in dem Fuͤrstenthum Groß- Permia sind 32. Salzbrunnen, Weber, I. Bl. 54. und 73. Bey Astracan sind verschiedene Salzteiche, an anbern Orten wird Steinsalz gegraben. Mosco- witische Briefe, Bl. 450. in den Noten. b) Von den Zobeln, Weber, I. Bl. 146. c) Bey Astracan findet man Salpeter in grosser Menge. Moscow Briefe, 450. d) Bey Argun ist ein ergiebiges Silberbergwerk Man zaͤhlet in Rußland 5. Eisenbergwerke, so der Krone, und 27 so einzelnen Unterthanen zustehen, und alle im Gange sind. Das Jeneseische ist das fein- ste, das bey Petrowski und Oloniz das dauerhafteste. eb. das. 449. e) Daß man eine ganze Schiffsladung von Sibe- rischer Rhabarbar ausgefuͤhret, eb. das. 449. §. 7. Rußland an sich selbst besteht aus 30. Pro- vinzen, einem Stuͤck von Lappland, uud den 5. Pro- Rußland. 5. Provinzen der grossen Tatarey, nehmlich Samojeda, Siberien, Casan, Astracan und Bulgaria, oder der Tatarischen Bucharey. a) Von den Samojeden, Perry, Bl. 100. b) Von Siberien, Weber, I. 175. c) Von den Cosacken, Weber, II. 68. d) Von den Calmucken, Weber, I. 157. Perry, Bl. 131. und von Haven, 174-208. e) Von der Tatarischen Bucharey, Weber, II. 228. 1. Allerneuester Staat von Siberien nebst Bericht, von den Begebenheiten der gefange- nen Schweden, Nuͤrnberg 1720. 8 Doch giebt von Strahlenberg noch vollstaͤndigere Nachrichten da- von. 2. Neuester Staat von Casan, Astracan, Ge- orgien und vielen andern dem Czaaren, Sultan und Schach zinsbaren und unterthanen Tatarn, Landschaften und Provinzen, Nuͤrnberg 1723. 8. §. 8. Seit der grossen Veraͤnderung in jetzigem Jahrhundert, da Rußland seine Kraͤfte er- kennen und brauchen gelernet, hat es sowohl in Europa als in Asia seinen Scepter auszustre- cken gewußt, an der Ostsee nnd dem Caspischen Meere festen Fuß gesetzt, und den Schweden nebst andern Provinzen sonderlich das reiche Kornmagazin Liefland; den Persern aber das nicht weniger nutzbare Schirvan entrissen. P 4 a) Ueber- Rußland. a) Ueberhaupt von Lieflands Vortheilen, Weber, III. 119. b) Warum das Lieflaͤndische Korn dem Korne an- derer Nationen vorgezogen, und theurer bezahlt wird. Weber I. 68. c) Geheime Absicht des Czaar Peters bey Erobe- rung der Provinz Schirvan, eb. das. II. 197. d) Der Fluß Daria fuͤhrt Goldsand, und bey der Stadt Backu wird das Naphta oder Petroleum gefunden. 1. Neueste Historische und Geographische Beschreibung des Caspischen Meeres, Daria- Stromes, und der uͤbrigen daherum liegenden Laͤnder, Staͤdte und Voͤlker, Danzig 1723. 8. §. 9. Alle diese alte und neuerworbene Laͤnder sind nunmehr in folgende 10. Gouvernements eingetheilet worden 1) das Moseowitische, 2) Petersburg- und Revelische, 3) Kiowische, 4) Archangelische, 5) Smolenzko- und Rigaische, 6) Siberische, 7) Azowische oder Woronitzische, 9) Astracanische, 10) Nyschegorodische. a) Von dieser Eintheilung siehe von Strahlen- berg, Cap. III. Bl. 179. §. 10. Sonst war das weitlaͤuftige Moscau und das darinnen befindliche Schloß Cremelin die Residenz der Czaaren. Petrus I. aber errichtete sich Rußland. sich an der Ostsee einen praͤchtigen Sitz, St. Pe- tersburg, welches Werk allein den Namen seines Schoͤpfers bey der Nachwelt verehrungs- wuͤrdig macht. a) Von Moscau, Weber I. 132. und II. 140. b) Was es vor schreckliche Feuersbruͤnste und Ver- wuͤstungen ausgestanden. c) Wie St. Petersburg erbauet und bevoͤlkert worden. Weber, I. 445. d) 2. Hauptabsichten dieses Wercks, von Strahlen- berg, 244. e) Der dem Reich daraus erwachsene Schaden, welcher eben daselbst, aber aus Partheylichkeit, angege- ben wird. f) 3. Hauptfehler an St. Petersburg: die niedrige Lage, das suͤsse Wasser im Hafen und der unfrucht- bare Boden. Weber, I. 469. II. 19. III. 68. von Haven, 36. §. 11. Rußland muß seine weitausgedehnte Gren- zen durch eine Menge Festungen und zum Theil durch ganze Linien bedecken. Sonderlich ist Wyborg die Vormauer von St. Petersburg, Kiow und Smolenzko dienen gegen Polen, Der- bent und Astracan gegen die Asiatische Nachba- ren. Die uͤbrige Forteressen sind zugleich See- haͤfen, unter welchen naͤchst St. Petersburg und dessen Seeschluͤssel Kronstadt, Riga und Reval in Liefland, am weissen Meer aber Ar- changel fuͤr andern betraͤchtlich sind. P 5 a) Rußland. a) Von Derbent, Weber, II. 65. b) Von Astracan, eb. das. 70. c) Jn dem Gouvernement von Woronitz hat man einen langen mit Pallisaden versehenen Wall gegen die Cubanische Tatarn aufgefuͤhret Von Strah- lenberg, Cap. III. Bl. 186. Jn der Ukraine wur- den auch dergleichen Linien, 1733. aufgeworfen, auch sollte die Communications-Linie zwischen dem Don und der Wolga dazu dienen. d) Von dem neuen Seehafen Kronschloß, und der daraus erwachsenen Stadt Kronstadt auf der Jnsul Retusati, Weber, I. 484. und Von Haven, 2. Diese Stadt hat einen dreyfachen Hafen. e) Von Archangel, Weber I. 400. und III. 45. f) Was Rußland an Azoff verlohren. §. 12. Petrus I. sparte weder Kosten noch Men- schen, um durch Canaͤle eine bessere Commu- nication zwischen den Rußischen Provinzen zu erhalten. Es sind auch 3. dergleichen Ca- naͤle zu Stande gekommen, 1) der von Ladoga, welcher unter die Wunder unserer Zeit gehoͤret, 2) der von Tweer, welcher den Strom Mista mit der Twerza, und folglich den Caspischen See mit Petersburg verbindet, 3) der von Rzewa, wodurch die Wolga mit der Moscua zusammen haͤnget, und also zwischen klein Rußland und der Stadt Moscau und Petersburg eine Was- serfahrt offen ist. Drey andere waren noch projectirt, auch sonderlich an dem wichtigen Ca- nal Rußland. nal zur Vereinigung der Wolga und des Dons schon mit Macht gegraben worden; aber es ist noch zur Zeit dabey geblieben. a) Der Canal von Ladoga machte des Grafen von Muͤnnich Gluͤck, er ist erst 1730. den 22. Octo- ber eroͤffnet worden, Weber I. 393. II. 13. 80. und 134. III. 145. b) Die Zusammenleitung des Dons und der Wol- ga dirigirte Perry eine Zeitlang, welcher weitlaͤuftig davon handelt. Man wuͤrde dadurch von Petersburg zu Wasser biß nach Constantinopel haben kommen, und folglich ganz Europa haben umschiffen koͤnnen. c) Von allen 6. Canaͤlen siehe von Strahlenberg, 176. 1. Atlas Russicus, mappa vna generali et vnde- viginti specialibus Imperium Russicum secundum le- ges Geographicas et recentissimas obseruationes de- lineatum exhibens cura et opera Academiae Impe- rialis scientiarum Petropolitanae. Petropoli, 1745. gr. f. 3. Beschaffenheit der Einwohner. §. 13. Ungeachtet nicht der dritte Theil der Rus- sischen Laͤnder gehoͤriger Maassen bewohnet und angebauet ist, so weicht dennoch an Menge der Einwohner Rußland nicht dem groͤßten Reiche in Europa. Die Hauptsprache der Russen ist eine Tochter der Sclavonischen. Der Czaar Peter I. hat sie regelmaͤßiger eingerichtet, und auch Rußland. auch durch diese Verbesserung sich um sein Volk verdient gemacht. a) Durch die lange Kriege und durch den Auf- both zu allerhand Frohnarbeiten sind die Bauern in Rußland duͤnner geworden Weber, I. 37. b) Die Russen haben in Kriegeszeiten oͤfters gleich den Tuͤrken und Tatarn die Menschen weggeschlep- pet. Ex an der grossen Finnlaͤndischen Colonie seit 1617. Weber, III. 29. c) Petrus I. bestimmte die Figur der Rußischen Buchstaben, und verminderte ihre Anzahl biß auf 42. und doch fehlt dieser Sprache noch der Buchstabe H. §. 14. Den Russen macht seine Lebensart dauer- haft, und zu den schweeresten Strapatzen ge- schickt. Vor Petro I. war er den Auslaͤndern fast bloß auf der schlimmen Seite bekannt. Man schilderte ihn als einen unreinlichen, faulen, ver- soffenen, betruͤgerischen, heimtuͤckischen und hals- starrigen Menschen, mit einem Worte: als ei- nen Barbaren ab. Sein Kopf war wuͤste, sein ganzes Wesen roh, und eine undenklich alte Gewohnheit schiene ihn darinnen verhaͤrtet zu haben. Allein der kluge und unermuͤdete Pe- trus erfand das Geheimniß, ihn umzuschmel- zen. Durch Liebe und Schaͤrfe lehrte er ihn denken und gesittet leben. Nunmehr sind die Russen den andern Europaͤern aͤhnlicher gewor- den; doch haͤngt der Poͤbel noch den alten La- stern nach. a) Von Rußland. a) Von ihrem Baden, und dessen viererley Arten, Weber, I. 22. b) Wer den Unterschied zwischen den ehemaligen und jetzigen Russen einsehen will, muß Olearii Rei- sebeschreibung nach Rußland mit Webers und von Havens Schriften zusammen halten. c) Wie Petrus die alte Gewohnheiten abgeschaft, z. E. die grosse Baͤrte, Perry, 308. die lange Klei- der, eb. das. 312. Die alte Weibertracht, eb das. d) Was vor Schaͤrfe bey Einfuͤhrung diesen Neue- rungen noͤthig gewesen, Weber, I. 228. Perry 346. e) Wie daruͤber verschiedene Empoͤrungen entstan- den, und sonderlich das Edict wegen der Baͤrte und Kleider die Ursache der grossen Revolte in Astracan 1704. gewesen. Von Strahlenberg, 248. f) Petrus verwiese ihnen die hiebey bezeigte Hals- starrigkeit auf eine sinnreiche Art, Perry, 385. §. 15. Nunmehr haben die Russen auch Gelegen- heit, sich in allen nuͤtzlichen Theilen der Ge- lehrsamkeit unterrichten zu lassen. Vor Petro war alles mit der Finsterniß der Unwissenheit bedeckt. Er steckte das Licht der Wissenschaf- ten auf, und gewoͤhnte das Rußische Auge an, solches zu vertragen; sonderlich seit dem er die Academie der Wissenschaften in Petersburg an- geleget, welche vor kurzem von der Kayserinn Eli- sabeth noch besser eingerichtet, und mit mehr als doppelten Einkuͤnften dotiret worden. Die U- niversitaͤtt Doͤrpt in Liefland steht auch unter Rußi- Rußland. Rußifcher Hoheit, und in Kiow ist eine alte Academie vor die Griechische Gottesgelehrten. a) Alter Zustand in Rußland aus von Strahlen- berg und Perry. b) Wie sich Petrus des Probstes Gluͤcks, des Pflegevaters der nachherigen Kayserinn Catharina, zu diesem Endzwecke nuͤtzlich bedienet. Weber, I. 223. c) Anstalten durch Anlegung vieler Schulen, durch scharfe Gebothe, durch Uebersetzungen, Reisen, u. s. w. d) Weise Rede Petri von der Wanderung der Wissenschaften. Weber, I. 10. e) Wie er mit dem Eigensinn zu kaͤmpfen gehabt, Ex. an dem Rußischen Gesandten Wolkof, Weber, II. 25. f) Die Academie der Wissenschaften ward nach dem Muster der Berlinischen und Franzoͤsischen Koͤnigli- chen Academien und der Jtaliaͤnischen del Cimento ein- gerichtet. Weber, III. 52, 60. g) Der Universitaͤt Kiow gedenkt von Haven mit Ruhm, Bl. 110. 1. Gebaͤude der Kaͤyserlichen Academie der Wissenschaften. St. Petersburg 1741. gr. f. Jm Vorbericht. Damals standen 321. Personen dabey in Besoldung. 2. Die neue Einrichtungen und die Vermehrung des Fonds der Academie von 1748. steht extrahirt im Mercure Historique et Politique, tom. CXXIV. mois de Mai, p. 507. §. 16. Sonst bestand alle Arbeit der Russen fast allein Rußland. allein in Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fi- schereyen, und ausser ihren vortrefflichen Juch- ten waren sie nicht nur in den kuͤnstlichen Manu- facturen; sondern auch in verschiedenen nothduͤrf- tigen Handarbeiten unerfahren. Petrus vermisch- te sein Volk mit fremden Kuͤnstlern. Seit dem findet man Seyden- und Wollfabricken in Ruß- land. Die Leinwebereyen, Seiler- und See- gelmacher-Arbeiten, der Schiffbau, die Ku- pfer-Meßing-Eisen-Stahl- insbesondere auch die Drat-Blech-Gewehr- und Geschuͤtz-Fabri- cken floriren. Sie machen Papier, Perga- ment, Glaß, Pulver, und bringen es in al- lerhand Kuͤnsten je laͤnger je weiter. a) Jn Zubereitung der Juchten besitzen die Russen ein altes Geheimniß. Die Jaroslawische, Castromi- sche und Pleskauische sind die beste. Weber, II. 168. b) Petrus zog Leute von allen moͤglichen Hand- werken biß auf Bierb r auer und Schaͤfer ins Land, und war so gar Butter, Heckerling und Spinnen unbekannt. Weber, I. 222. c) Die Seyden-Woll und Leinen-Fabricken und uͤberhaupt die beste Manufacturen sind in und um Petersburg anzutreffen. d) Gewehr- und Geschuͤtzfabricken zu Syster- beck in Carelien und Olonitz. e) Zu Catharinenburg in Siberien sind trefliche Eisen- und Blech Manufacturen, Von Strahlenberg un- ter dem Worte Catharinenburg. Man, hat derglei- chen auch zu Olonitz. f) Rußland. f) Schwuͤrigkeiten, so sich hiebey geaͤussert. Per- ry, 415. und konnte Petrus mit aller Muͤhe und Kosten seinen Endzweck nicht uͤberall erreichen. Ex. an der mißlungenen Wollfabricke bey Moscau. eb. das. 430. §. 17. Rußlands Lage und andere natuͤrliche Vor- theile machen es zum Handel vorzuͤglich vor vie- len andern Nationen geschickt. Es wird auch selbiger seit der angefangenen Verwandelung je laͤnger je ansehnlicher, und ist gar nicht un- moͤglich, daß dieses Reich in kuͤnftigen Zeiten der Mittelpunct des Commercii zwischen Euro- pa und den benachbarten Provinzen von Asien werden kann. Der Handel mit Asien theilet sich hauptsaͤchlich in drey Zweige. Der 1) nach der Tuͤrkey und Tatarey ist maͤßig, der 2) nach Persien geht uͤber Astracan und den Cas- pischen See, und ist von mehrerer Wichtigkeit, der 3) nach China geschicht zu Lande vermittelst grosser Caravanen, die jaͤhrlich nach Pecking ziehen, und ist der wichtigste. Die Asiatische Waaren hohlet der Russe selbst ab; hinge- gen, was er aus den Europaͤischen Reichen be- noͤthiget ist, laͤßt er sich noch groͤßten Theils von denen an der Nord- und Ostsee wohnenden See- voͤlkern zufuͤhren. Dieser Seehandel geht uͤ- ber Petersburg und Archangel, und ist sehr viel betraͤchtlicher als der zu Lande. a) Rußland. a) Daß vor Alters 2. grosse Waarenstapel in Rußland gewesen, Groß Permia und Ladoga, und nachgehens an Statt der letzteren Groß-Neu- garten oder Nowogorod. Von Strahlenberg, in der Einleitung, Bl 94. b) Daß nachher der Handel zwischen Rußland und den andern Europaͤischen Reichen durch Liefland ge- gangen, biß auf die Entdeckung von Archangel, welche eine vor dieses Reich vortheilhafte Veraͤnde- rung machte. c) Beurtheilung des Rußischen Handels, Weber, II. 168. von Haven, 471. d) Handel nach Asien, sonderlich nach China, Weber, I. 164. und III. 133. Perry, 126. von Ha- ven, 475. 1. P. J. Marpergers Moscowitischer Kauf- mann, Luͤbeck, 1705. 8. §. 18. Die Russen rechnen nach Rubel und Co- picken. 100. Copicken machen 1. Rubel oder 30. ggr. beydes sind Silbermuͤnzen. Die uͤbrige gangbare Muͤnzen sind Ducaten, ferner Polti- nen von 50. Cop. oder ein halber Rubel, und Grie- ven von 10. Cop. Diese sind von Silber. Die Stuͤcke von 5. Copicken, Denuska (ein halber Cop.) und Petuska (ein viertel Cop.) sind von Kupfer. Ein Altin haͤlt 3. Copicken, ist aber nur eine eingebildete Muͤnzsorte. a) 5. Muͤnzstaͤdte: Moscau, Petersburg, Groß- Neugarten, Tweer und Plescau. Weber, II. 177. Q b) Rußland. b) Schaͤdliche Muͤnzaͤnderung 1700. Perry, 398. c) Warum Petrus I. die Aufschrift in Rußischer Sprache nicht veraͤndert. Weber, eb. das. d) Er hat zuerst Rußische Medaillen schlagen lassen. 4. Staatsrecht. §. 19. Petrus der Grosse publicirte 1722. den 5. Februar. eine Verordnung, wodurch die Erb- folge der Blutsverwandschaft aufgehoben, und solche lediglich dem Willen des regierenden Mo- narchen unterworfen wurde. Hiezu gab die Absolonitische Boßheit seines Erbprinzen Alexii Gelegenheit, und die Folgen dieser Verordnung sind vor das Rußische Reich sehr merkwuͤrdig gewesen. Es ist dieses das einzige geschriebene Reichsgrundgesetz in Rußland. a) Diese Verordnung steht in Hrn. H. Schmaus- sens Corp. J. Gent. tom. II. p. 2148. b) Wunderliche Widerspaͤnstigkeit vieler Russen, die dem neuernannten Thronfolger nicht schwoͤren wollen. von Strahlenberg, 258. §. 20. Die jetzt regierende Kayserinn Elisabeth Petrowna, die juͤngste Tochter des Kaysers Pe- tri Rußland. tri I. und der Kayserinn Catharina Alexiewna ist gebohren 1710. und bestieg den Thron 1741. Sie hat ihrer Schwester Anna Sohn, Petern Feodorowitz, vorher Carl Peter Ulrich genannt, regierenden Herzog von Holstein Gottorp, zum Großfuͤrsten von Rußland erklaͤrt 1742., wel- cher sich mit der Prinzeßinn von Anhalt Zerbst Catharina Alexiewna, zuvor Sophia Augu- sta Friederica, 1744. vermaͤhlt, und noch zur Zeit unbeerbet ist. §. 21. Die ehemalige Beherrscher des Rußischen Thrones nennten sich Czaare und Großfuͤrsten. Petrus I. nahm den ihm von seinen Untertha- nen angetragenen Kayserlichen Titul an, wel- chen nunmehr ganz Europa erkannt hat. Es titulirt sich also die jetzige Monarchinn Elisabeth: Kayserinn und Selbstherscherinn von ganz Ruß- land. a) Der Titul Czaar und Großfuͤrst sind sehr von einander unterschieden. Ersterer Titul ist weit juͤnger. von Strahlenberg, Cap. VI. 267. b) Kayser Maximilian gab dem Czaar Basileo den Titul Imperator in einem Schreiben vom 4. Au- gust 1514. Weber, I. 357. c) Alter Titul Powelitel und Samoderschetz, oder Autocrator, Herrscher und Selbsthalter. Der Erzbi- schof von Novogorod fiel zuerst darauf, daß Poweli- tel nichts anders als Imperator hiesse. Von Strah- lenberg, eb. das. Q 2 d) Rußland. d) Von Uebertragung des Kayserlichen Tituls, und daß Preussen ihn zuerst erkannt. Weber, II. 3. e) Schwuͤrigkeiten, so andre Staaten und son- derlich der Kayser und das Teutsche Reich hiebey ge- macht. f) Von Berger, Struve, Schmeizel, Paul von Gundling und Hr Otto haben theils wider, theils vor die Rechtmaͤßigkeit dieses Tituls geschrieben. §. 22. Die Rußische Großfuͤrsten sollen anfangs als Heyden einen Bogen und Pfeil im Wap- pen gefuͤhret haben, als Christen nahmen sie drey Zirkel in einem Triangel, hernach den Rit- ter St. George, Jvan Basilowiz II. aber we- gen des Anspruchs auf das Griechische Reich den doppelten Kayserlichen Adler an. Petrus I. gab dem Rußischen Wappen die heutige Figur. Es besteht in einem schwarzen, zweykoͤpfiaten und dreyfach gekroͤnten Adler im guͤldenen Fel- de, welcher das Wappen von Moscau auf der Brust, und 6. andere Wappen, nehmlich von Astracan, Siberien, Nowogorod, Casan, Kiow und Wilodimir in den Fluͤgeln fuͤhret. Das grosse Reichsinsiegel hat noch 26. Wap- pen der andern Rußischen Provinzen, welche in Form einer Oval-Linie rings um den Adler zusammen hangen. a) Petrus bauet ein Kloster in der Figur eines dop- pelten Adlers, von Strahlenberg, 269. b) Sie- Rußland. b) Siehe Weber, II. 180. und Acta Eruditorum, ad a. 1708. p. 218. §. 23. Der Hofstaat ist von Peter I. zuerst auf einen regelmaͤßigen Fuß gesetzet, von der Kay- serinn Anna Jwanowna aber so ansehnlich und prachtig gemacht worden, daß er in ganz Euro- pa nicht ansehnlicher und praͤchtiger zu finden ist. Diesen Glanz des Hofes vermehren auch seit dem 2. Ritterorden, welche beyde Petrum I. als ihren Stifter erkennen. Der erste und vornehmste ist der Andreas-Orden, errichtet 1698. welchen die Kayserinn Catharina mit den Or- dens-Statuten und Kleidungen versehen. Der andere ist der Alexander-Orden, welchen Pe- trus zwar angeordnet; aber Catharina 1725. zuerst ausgetheilet hat. Jener ist dem heiligen Andreas, als Schutzpatron von Rußland; die- ser ader dem heiligen Alexander Newski, einem ehemaligen Großfuͤrsten zu Ehren errichtet. Bey- de haben ihr Ordenszeichen, Ordensband und Devise. Der Andreas-Orden hat uͤberdies ei- ne Ordenskette, und alle Andreas-Ritter sind zugleich Ritter vom Alexander Orden. Ausser diesen beyden floriret auch noch ein weiblicher Orden, welchen Petrus I. aus Hochachtung gegen seine kluge Gemahlinn Catharina 1714. stiftete, und ihn nach ihrem Namen den Ca- tharinen-Orden nennete. Q 3 a) Rußland. a) Vom Andreas-Orden, Weber, III. 161. b) Vom Alexander-Orden, eb. das. 38. c) Vom Catharinen-Orden, eb. das. I. 57. §. 24. Das Rußische Reich ist seit den Zeiten J- wans Basilowiz I. reichshergebrachter Maassen untheilbar. Das weibliche Geschlecht ist von der Regierung nicht ausgeschlossen. Ueber die Thronfolge disponirte zwar der regierende Monarch bißweilen, doch so, daß er seine Fami- lie nicht vorbeyging, ausser wenn Niemand da- von uͤbrig war. Petrus I. aber verordnete: Daß es jederzeit in des regierenden Lan- desherren Willkuͤhr stehen solle, nicht allein die Succeßion, wem er will, zu zuwenden; sondern auch den bereits ernennten Nachfolger, wenn er einige Untauglichkeit an ihm bemerket, wie- der zu vetaͤndern. a) Vor Jwan Basilowiz oder Wasilowicz hatten die Kinder Wladimiri durch ihre Theilungen das Reich zergliedert. b) Ex. Testamentarischer Dispositionen wegen der Rußischen Monarchie. c) Was fuͤr eine species successionis in regna die je- tzige Thronfolge in Rußland sey, davon siehe diss. meam de iure in Aemulum Regni, vulgo Praetendentem, cap. I. §. 17. d) Ob Rußland. d) Ob diese in andern christlicheu Reichen uner- hoͤrte Verordnung Petri der Rußischen Krone zutraͤg- lich oder nachtheilig sey. 1. Das Recht der Monarchen in willkuͤhrli- cher Bestellung eines Reichsfolgers. Berlin 1724. 4. §. 25. Aus diesem von Petro festgestellten Reichs- Grundgesetz laͤßt sich folgern, daß, wenn ein min- derjaͤhriger Thronfolger ernennet wird, der erb- lassende Monarch nach seinem Gefallen die Zeit der Majorennitaͤt bestimmen kann. Die Kroͤ- nung und Salbung ist nach dem Reichsher- kommen eingefuͤhrt, und wird jederzeit zu Mos- cau mit vielen Feyerlichkeiten vollzogen. Das Ceremoniel dabey ist noch bestaͤndig einigen Ver- aͤnderungen unterworfen; doch sieht man dar- aus, daß kein anderer, als der sich zur Grie- chischen Religion bekennt, der Krone faͤhig ist. a) Catharina setzte in ihrem Testament Art. III. die Majorennitaͤt Peters II. auf den Anfang seines 16ten Jahres. Memoires du Regne de Catherine, p. 600. Anna Jwanowna die Volljaͤhrigkeit des unmuͤn- digen Jwans III. auf den Anfang seines 17ten Jah- res. Genea ogisch-Historische Nachrichten, Theil XXI. Bl 792. b) Der Archirei von Nowogrod dirigirt die Kroͤ- nungshandlung. Der Monarch darf dabey weder et- was versprechen, noch vielweniger beschwoͤren. c) Unterschied zwischen der Kroͤnung der Kayserinn Anna Jwanowna und der Kayserinn Elisabeth. Q 4 1. Be- Rußland. 1. Beschreibung der hohen Salbung und Kroͤ- nung Anna Joannowna, wie solche den 28. April 1730. in Moseau vollzogen worden. St. Pe- tersburg 1731. gr. f. womit zu vereleichen Geneal. Historische Nachrichten, Th XXXVIII. Bl. 106. §. 26. Der Rußische Selbstherrscher ist an das natuͤrliche Recht und die Griechische Religion gebunden. Sonst aber ist keine Verbindlich- keit vorhanden, welche seiner unumschraͤnkten Gewalt Grenzen setzen sollte. Die Nation ist auch so wenig gewohnt, ihrem Landesherren im geringsten die Haͤnde binden zn koͤnnen, daß die Capitulation, so man der Kayserinn Anna Jwanowna vorgelegt, kaum von monathlicher Dauer gewesen. a) 7. Puncte, so Anna Jwanowna unterschrei- ben muste, Weber, III. 184. b) Wie dieses Werck der Dolgorukoi von den Fuͤr- sten Trubezkoi und Tscherkuskoi vernichtet worden. §. 27. Der Senat oder dirigirende Rath, der Synodus oder geistliche Rath und der Kriegs- rath stellen die Reichsstaͤnde vor; sind aber nur ein Schatten davon, und koͤnnen fuͤg- licher nebst dem Cabinetsrath als die vornehm- ste Collegia des regierenden Monarchen, in des- sen blossen Willkuͤhr ihre Ernennung beruhet, betrachtet werden. Jnzwischen ist doch ihr An- sehen Rußland. sehen bey der Thronfolge und bey Revolutionen von grossem Gewichte. §. 28. Der Rußische Adel bestand ehedem bloß aus Fuͤrsten ( Kneesen ) und den uͤbrigen Edel- leuten, ( Doworianen ) unter welchen die Boja- ren und Synbojarskoi oder Bojaren Soͤhne, als angesessene Adeliche, die uͤber Leibeigene zu befehlen haben, einige Vorzuͤge geniessen. Pe- trus creirte Grafen und Baronen, und fuͤhrte 1714. bey den adelichen Guͤtern die Untheilbar- keit ein, und gab deren Besitzern das Recht, sol- che nach Gefallen dem Wuͤrdigsten unter ihren Kindern zuwenden zu koͤnnen. Uebrigens ist der Adel mit allen anderen Unterthanen der hoͤchsten Majestaͤt auf gleiche Art unterworfen. a) Von Strahlenberg Cap. XII. Bl. 300. macht verschiedene Eintheilnngen des Rußischen Adels, und fuͤhret die vornehmste davon an. b) Petri Politick bey der neuen Erbfolge-Ordnung der Adelichen, Von Strahlenberg, 243. c) Wie der Czaar Feoder Petri I. aͤltester Bruder die schriftliche Urkunden und Privilegia des ganzen Rußischen Adels zu Staub und Aschen verbrandt. Weber, I. 252. 1. Jus Publicum Imperii Ruslorum auctore M. MORGENSTERN, Halis Salicis, 1737. 8. Q 5 5. Rußland. 5. Reichsgeschaͤfte. §. 29. Alle in- und auslaͤndische Staatssachen werden in dem Cabinetsrath als dem hoͤchsten Reichscollegio ausgemacht. Die Anzahl und Wahl der Beysitzer beruhet in des regierenden Monarchen hoͤchsten Gutachten, welcher in Per- son darinnen praͤsidiret. §. 30. Die Griechische Religion ist die herr- schende. Die von den Schweden eroberte Pro- vinzen bekennen sich zur Lutherischen Religion, die zinsbare Tatarn sind noch groͤßtentheils in dem Mahometanischen Aderglauben, wie die zerstreute Voͤlker gegen Norden und Osten im Heydenthum ersoffen. Man hat in jetztlaufen- den Jahrhundert angefangen, das Christenthum unter ihnen auszubreiten. Dieses lobenswuͤr- dige Werk wird von einem besondern Collegio de propaganda fide in Petersburg dirigiret, und hat einen erwuͤnschten Fortgang. Es wer- den auch audere Religionen im Reiche geduldet, und sind bloß die Jesuiten und die Juden dar- aus verbannet, doch ist von den letztern noch hie und da eine heimliche Brut uͤbrig. a) Von der Religion in Rußland, Perry 239. Von Strahlenberg, Cap. VIII. b) 7. Rußland. b) 7. besondere Glaubenspuncte der Griechischen Kirche Siehe des Jesuiten ANTONII POSSEVI- NI Moscouiam, p. 159. edit. Antwerp und Dn. IO. GUILIELMI FEUERLINI diss. de Religione Ruthenorum hodierna, Gott. 1745. c) Petrus suchte auch die Religion von den Schla- cken zu reinigen. d) Project, so die Sorbonne dem Czaar Peter zu Vereinigung der Griechischen mit der Lateinischen Kirche vorgelegt. Weber, I. 445. e) Man schaͤtzet ein dreißig Theil der Unterthanen Mahometanet, und 3 mal so viel Heyden, Von Strah- lenberg eb. das. f) Die Lutheraner, Reformirte, Catholicken und Armenianer haben hie und da Kirchen. Die Catholi- cken allein auch Glocken. Von Haven, 10. g) Den Jesuiten wurde 1719 anbefohlen, inner- halb 4 Tagen das Reich zu quittiren, indem dersel- ben gefaͤhrliche Machinationes, und wie gerne sie sich in politische Haͤndel mischen, sattsam bekannt waͤren. Weber, I. 363. h) Daß unter den Russen viel heimliche Juden ste- cken, Weber, III. 59. und von Haven, 72. §. 31. Die Rußische Geistlichkeit besteht aus 4. Metropolitanen, denen zwar die Erzbischoͤfe und Bischoͤfe, (welche nur dem Titul nach unter- schieden sind) als Suffraganii, die haͤufige Moͤnchs- und Nonnenkloͤster aber nicht unterge- ben sind. Denn diese stehen unter ihren eigenen Archimandriten, Kilari und Igumeni. (Aebten, Proͤb- Rußland. Proͤbsten und Aebtißinnen) Sie folgen der Re- gel des heiligen Basilii; einige wenige aber der Regel des heiligen Antonii. Die Stadt- und Landpfarrer nennen sie Protopopen, Popen (Erzpriester, Priester) und Diaconos, diese sind in unzaͤhliger Menge. Petrus erhob sich zum Beherrscher der Geistlichkeit, da er ihre Guͤter einige Jahre einzog, das stoltze Patriarchat un- terdruͤckte, und an dessen Statt einen ihm un- terthaͤnigen geistlichen Rath (Synodum) von 12. Personen 1719. in Petersburg anordnete. a) Weber, II. 96. und von Strahlenberg, 291. widersprechen sich in der Anzahl der Erz- und Bi- schoͤfe. b) Petri kluges Verboth, keine Mannsperson un- ter 50. und keine Weibsperson unter 40. Jahren in ein Kloster aufzunehmen, Weber, II. 135. c) 1704. reducirte Petrus auf Anrathen des ge- heimen Raths Mußin Paschkin alle Landguͤter der Geistlichkeit, 1711. gab er das meiste wieder zuruͤck, hatte aber indessen ihre Reichthuͤmer kennen lernen, und behielte sich alle 3 Jahr ein Don Gratuit vor. Weber, I. 46. d) Macht und Trotz der ehemaligen Patriarchen, von Strahlenberg, Cap. IX. 281. und Weber, II. 54. e) Die Einrichtung des Synodi ist in der von Pe- ter 1721. publicirten Kirchenordnung oder dem geist- lichen Reglement, Danzig 1725. 4. nachzusehen. §. 32. Rußland. §. 32. Sonst ward in den Rußischen Gerichtshoͤ- fen nach den alten hergebrachten Gewohnheiten gesprochen. Jwan Basilowiz ließ zuerst einige schriftliche Gesetze sammlen 1598. Alexius publi- cirte endlich 1647. das jetzt geltende Gesetzbuch Sobornie Vlosienie, (einhelliges und gesamm- tes Recht) welches durch die Verordnungen der nachfolgenden Czaare vermehret werden. Die Gerichte heissen durchgaͤngig Pricasen. Die 10. Gouverneurs haben die letzte Jnstanz, und sprechen absolut. Der Proceß ist sehr summa- risch, und die Strafen hart, waren aber vor- dem noch haͤrter. 1. Iter in Moschouiam Augustini L. B. de Mayer- berg et Horatii Guilielmi Caluuccii ab Imperatore Leopoldo ad Tzarem et Magnum Ducem Alexi- um Mihalowicz 1661. ablegatorum, descriptum ab ipso AUGUSTINO L. B. de MAYERBERG, cum Statutis Moschouitis ex Russico in Latinum transla- tis. fol. a) Siehe Staat von Rußland, Theil II. Bl. 386. Webern, an verschiedenen Orten, und Olea- rii Moscowitische und Persianische Reisebeschrei- bung, Buch III. Cap. 20. §. 33. Die Einkuͤnfte werden aus den Cammer- guͤtern, den Zoͤllen, der Accise, den Monipoliis mit inlaͤndischem Taback und Getraͤnke, (das Schenk- Rußland. Schenkrecht von Bier, Meht und Kornbran- tewein) auch mit allen Siberischen Waaren, (Pelzwerken, Rhabarbar u. s. w.) mit Salz, Caviar, Potasche, Weidasche, Hausdlasen, Pech und Theer, aus dem Kayserlichen Handel nach China, aus den Bergwerken, dem Muͤnz- Post- und andern Regalien gehoben. Die uͤbrige Revenuͤen bestehn in den Auf- lagen auf die Unterthanen. Dahin gehoͤren ih- re Frohndienste, Proviantlieferungen und Geld- abgaben. Die letztere sind entweder ordentlich, als die Landsteuern, die Abgaben von Bade- stuben, Muͤhlen, Teichen und andern Fische- reyen, Bienenstoͤcken, Wiesen, Gaͤrten, der Grundzins von den schwarzen Plaͤtzen in den Staͤdten und Marcktflecken, die Vermoͤgen- steuer der Kauf- und Handwerksleute. Die Edelleute sind vom Grundzinse und der Vermoͤ- gensteuer frey, bezahlen aber die Badestuben desto theurer. Die Stadt- und Dorf-Geistlichkeit be- zahlt ohngefehr wie Buͤrger und Bauer, die vor- nehmere Praelaten wie die Edelleute. Die ausser- ordentliche Auflagen bestehen in einem Kopf- gelde, (Tschaprosniedengi) welches nach den verschiedenen Beduͤrfnissen des Staats von dem Buͤrger uud Bauer bald geringer bald staͤrker abgetragen werden muß. Die neue Conqueten in Europa, und die Cosacken in der Ukraine zahlen auf einen leidli- cheren Fuß. Der Zins der Tatarn und der Nord- Rußland. Nord- und Ostlichen Heyden besteht mehren- theils in Pelzwerk. a) Vom Finanzstaat. Weber, I. 34. und von Strahlenberg Cap. X. Bl. 292. b) Dit Domainen werden durch Schenkungen und Confiscattonen sehr veraͤndert. c) 5. grosse Zollhaͤuser zu 1) Petersburg, 2) Ar- changel, 3) Moscau, 4) Kiow, 5) Astracan. d) Zu der Schweden Zeiten rechnete man den Zoll bloß in Riga 400.000. Rthlr. Jn Ansehung der Ver- moͤgensteuer sind die Buͤrger claßificirt, und zahlen von einem halben Copicken bis auf 1. Rubel. e) Unter Petro I. war der Caviar vor 100. 000. Rubel, die Rhabarbar vor 80. 000. Rubel und der Taback vor 12.000 Pf. Sterling verpachter Weber, II. 176. Das Schenkrecht traͤgt uͤber 1. Million Rubel ein. f) Schaden aus den haͤufigen Monopoliis, von Strahlenberg, 242. g) Kayserlicher Handel nach China, Weber, II. 95. §. 34. Diese Einkuͤnfte werden theils durch Ad- ministration theils durch Verpachtung geho- ben. Die 10. Gouverneurs dirigiren in ihrem Provinzen auch das Finanzwesen. Man rech- net die gesammte ordentliche Einkuͤnfte auf 20. Millio- Rußland. Millionen Rubel; doch wuͤrden sie weit hoͤher steigen, wenn allem Unterschleif vorgebeuget werden koͤnnte. a) Von Strahlenberg giebt diese Summe an, 293. Uebrigens siehe Webern, I. 51. §. 35. Der Russe hat vorzuͤgliche Eigenschaften, um einen tuͤchtigen Soldaten abgeben zu koͤnnen, sonderlich wenn er wohl commandiret wird. Pe- trus I. goß das ganze Militaͤrwesen in die Eu- ropaͤische Form: seit dem hat diese Nation ih- ren Kriegsruhm in den beyden maͤchtigsten Thei- len der Welt gerechtfertiget: doch wird die Ca- vallerie von der Jnfanterie weit uͤbertroffen. Man rechnet ihre regulaͤre Truppen auf 180. 000. Mann, worunter die 4. Garde-Regimen- ter 10. 000. das Artillerie Corps 7000. Mann betragen. Die schwarze Regimenter oder die ordentliche Landmilitz schaͤtzet man auf 96. 000. Mann stark. Auf Erfordern muͤssen auch die zinsbare Tatarn, Cosacken und Calmucken mit 50. und mehr 1000. Mann aufsitzen, und diese leichte Reuterey thut vortrefliche Dien- ste. a) Petrus war unermuͤdet in Verbesserung seiner Kriegsmacht. Weber, I. 27. Perry, 435. b) Be- Rußland. b) Besondere Anmerkungen von den Asiatischen Feldzuͤgen des grossen Capitains, Grafens von Muͤn- nich. c) Von ihrer trefflichen Jnfanterie, Perry, 442. und von Haven, 342. d) Fehler, so sich bißher bey der Cavallerie geaͤus- sert, Perry, eb. das. Weber, I. 28. und III. 2. e) Seit Ausrottung der Strelitzen sind 2. Regi- menter Leibgarde, Preobrazinskoi und Simanowskoi, und 2. Regimenter Seconde Garde, Jngermanlands- koi und Astracanskoi errichtet worden. f) Die Artillerie Regimenter sind mit dazu ge- hoͤrigen Feldzeughaͤusern in Moscau, Groß-Nowo- grod und Schewskoi vertheilt. g) Von ihrer Loͤhnung und uͤbrigen Beschaffen- heit siehe von Strahlenberg, 294. und von Haven, 288. und 306. h) Pflanzschule von Soldaten in der Ukraine, von Haven, 313. und von Officiers in Petersburg. §. 36. Wenn Peter I. in seiner ganzen Regie- rung grosse Dinge ausgefuͤhret; so hat er in der Errichtung der Rußischen Seemacht Wun- der gethan. Vor ihm war ausser Archangel kaum der Name der See bekannt, und ein Rußisches Schiff oder Rußischer Seemann et- was unerhoͤrtes. Er ward der Lehrmeister sei- nes Volks mit solchem Fortgange, daß er mit R seiner Rußland. seiner eigenen Flotte uͤber eine maͤchtige Seena- tion triumphiren konnte. Sie besteht ausser den Fregatten aus ungefehr 40. Kriegsschiffen und 250. Galeeren. Die Flotte von Kriegs- schiffen wird in die weisse, blaue und rothe Escadre getheilt. Die Galeeren koͤnnen 20. biß 30.000. Mann Fußvolk und Reuterey transportiren. Rußland hat alle Schiffsmaterialien in hoͤch- stem Ueberflusse, es hat Schiffsbaumeister und Matrosen gezogen, und laͤßt in der See-Academie zu Petersburg etliche 100. Edelleute zu Seeoffi- ciers bestaͤndig nachziehen. Die Kriegsflotte wird in Kronstadt und Reval, die Galeeren in Petersburg verwahrt. An diesen 3. Orten sind auch Seemagazine und Schiffswerfte angelegt, doch ist der Schiffswerft zu Archangel der vor- nehmste. a) Der eigentliche Urheber der Rußischen Marine ist der Vice-Admiral Cruys ein Hollaͤnder. Weber, III. 98. b) Man rechnet auf der Rußischen Flotte 14.000. Matrosen. Weber, III. 88. c) See-Academie, eb. das. I. 221. d) Rußland hat noch keinen vollkommenen See- hafen an der Ostsee. e) Warum die Rußische Flotte nicht ansehnlicher wird, da doch jaͤhrlich 2. und mehr neue Kriegsschiffe in Archangel gebauet werden. Siehe uͤberhaupt von Strahlenberg, 297. und von Haven, 6. f) Herrliches Schiffsmagazin zu Petersburg. 6. Rußland. 6. Staatsinteresse. §. 37. Da Petri I. Regierung, aller gegenthei- ligen Vorwuͤrfe ungeachtet, ein Jnbegriff einer fast vollstaͤndigen Staatsklugheit ist; so scheint dieses der vornehmste Grundsatz des Rußischen Staatsinteresses zu seyn, seinen Fußstappen nachzugehn, um dasjenige zu erhalten, was er ausgefuͤhrt, das fortzusetzen, was er angefan- gen, und das ins Werk zu richten, was er ent- worfen. 1. Martin Hassens wahre Staatsklugheit mit dem Exempel des Rußischen Kaysers Pe- ters des Grossen bestaͤtiget, Leipzig 1739. 4. a) V on Strahlenberg, Cap. VI. Bl. 224. bringt eine Menge Einwendungen gegen Petri Staats- klugheit vor, und disputiret daruͤber pro und con- tra. b) Petri Politick, den haͤufigen Revolten vorzu- beugen, Weber, I. 252. c) Er hat weniger in Ansehung der Manufactu- ren und des Handels, als in Absicht auf das Kriegs- wesen vollfuͤhrt. Ex an der Verlegung des Archan- gelischen Handels nach Petersburg. d) Project, Archangel zum Mittelpunct des Chi- nesischen Handels zu machen. Perry, 97. R 2 e) Pro- Rußland. e) Project, das Ost-Jndische Commercium nach Rußland zu ziehen. f) Grosses Project, vermittelst einer Flotte Herr vom schwarzen Meer zu seyn, und dadurch den Han- del nach dem Mittellaͤndischen Meer offen zu haben, ist schon zweymal gescheitert. Hiezu ward Perry gebrauchet, der auch bey Woronitz einen trockenen Ha- fen zu Stande brachte. Jn seinem Staat von Ruß- land, 13. g) Der neue Seehafen Rogerwick in Liefland ist auch ins Stecken gerathen. Von Strahlenberg, 299. Das Das VII. Hauptstuͤck. Staat von Daͤnemark . Schriftsteller: 1. Etat présent de Danemarc traduit de l’ Anglois, à Londres 1694. 12. Jst auch unter dem Titul her- ausgekommen: Memoires de M. MOLESWORTH, à Nancy 1694. 12. 2. Defense du Danemarc, traduit de l’ Anglois, à Cologne 1696. widerleget Molesworths Unwahr- heiten. 3. Relation du voyage fait en Danemarc en 1702. à la suite de l’ Envoyé d’ Angleterre (M. de VER- NON ) II. tomes, à Amsterdam 1710. 12. 4. ERICI PONTOPPIDANI Theatrum Daniae veteris et modernae, oder Schaubuͤhne des alten und jetzigen Daͤnemarks, II. Theile, Bremen 1730. 4. 5. Ludwig Holbergs Daͤnemarkische-Norwe- gische Staats- und Reichs-Historie aus dem Daͤ- nischen uͤbersetzt von Friedrich Gerhard Voß, Co- penhagen 1731. 4. R 3 1. Daͤnemark. 1. Staatsveraͤnderungen. §. 1. N ach der grossen Wanderung der Cimbrer, das ist, der Juͤtlaͤnder und Daͤnen, wel- che den Roͤmern so viel Schrecken eingejaget, setzet sich die Familie der Skioldunger noch vor Christi Geburt auf den Thron, welche seit dem achten Jahrhundert durch verschiedene auswaͤr- tige Kriege beruͤhmt wird, und Svenotto er- obert gar Norwegen und Engelland. §. 2. Mit Canut dem Grossen welcher auch die Mark Schleßwig erhaͤlt, fasset das Chri- stenthum endlich Wurzel in Daͤnemark. Sei- ne Nachkommen bringen sich durch ihre Thei- lungen um Norwegen und Engelland. Sie machen zwar darauf einige Conqveten, sonderlich gegen die Wenden; verliehren sie aber auch wie- der, biß Margaretha, eine Tochter des letzten Skioldungers Woldemars III. zu Ende des XIV ten Jahrhunderts durch ihre Vermaͤhlung Norwegen, und durch ihre Tapferkeit Schwe- den an sich bringet, auch die 3. Nordische Kro- nen durch die Calmarische Union 1397. auf ewig vereiniget. Aber ihre Anverwandten geniessen dieser Gluͤckseeligkeit nicht lange: Erich aus Pommern wird verstossen, und Christoph von Bayern stirbt 1448. ohne Erben. §. 3. Daͤnemark. §. 3. Die Oldenburger werden auf den Thron geruffen. Christian I. erbet Holstein. Johan- nes theilet Schleswig und Holstein zum ersten Mal. Unter Christian II. reisset sich Schweden los. Friedrich I. des entflohenen Christians Vaters Bruder, faͤngt die Reformation an, Christian III. vollendet sie, und theilet Schles- wig und Holstein zum andern Mal. Christian IV. ist ein trefflicher Regent; aber die anwach- sende Gewalt des Adels macht unter Friedrich III. das Reich den Schweden zur Beute. §. 4. Ueber alles Vermuthen wird eben dieser Friedrich 1660. ein unumschraͤnkter Erbmo- narch. Christian V. erbet seines Hauses Stammguͤter, und er sowohl als sein Sohn Friedrich IV. haben viel Haͤndel mit Holstein und Kriege mit Schweden, wodurch endlich Schleswig der Krone wieder einverleibet wird. Seit dem geniesset das Reich unter Christian VI. und Friedrich V. einer gluͤckseeligen Ruhe. 1. Ludwig Holbergs Daͤnische Reichs-Histo- rie ins Teutsche uͤbersetzt, III. Theile, Flensburg und Altona 1743-1744. 4. R 4 2. Be- Daͤnemark. 2. Beschaffenheit der Laͤnder. §. 5. Daͤnemark liegt gleich uͤber Teutschland gegen Norden. Es wird durch den Eyderstrohm und die Lewensaue davon unterschieden. Sei- ne andere drey Seiten sind mit lauter Wasser umschlossen. Gegen Abend wird es von der Nordsee, und insbesondere von dem Cattegat oder Schager-Rack, gegen Morgen von der Ostsee angespuͤlt; doch so, daß die Daͤnische Jn- suln eine dreyfache Strasse zwischen beyden Mee- ren offen lassen. Diese sind der kleine Belt, der grosse Belt und der Sund oder Oresund. Der letztere ist die gewoͤhnlichste und beruͤhmteste Durchfahrt, und trennet Daͤnemark von Schwe- den. Der Daͤnische Koͤnig hat unstreitig von allen dreyen Passagen die Oberherrschaft. a) Die alte Grenze zwischen Teutschland und Daͤ- nemark war das Danewerk. Pontoppidan, I. 15. und 274 Nachher ist die Eudora Romani terminus Imperii geworden. b) 3. besondere Eigenschaften der Ostsee. eb. das. 19. c) Von der Natur dieser 3. Strassen aus der Nord- in die Ostsee, insbesondere, ob der Sund geschlossen werden koͤnne. d) Von den Streitigkeiten wegen der freyen Passa- ge und der Entrichtung des Zolles mit Kayser Carl V. mit den Hollaͤndern und den Schweden. Siehe Vo- yage en Danemarc, p. 186. und Defense de Dane- marc Daͤnemark. marc p. 29. wo die Gruͤnde wider und vor die Recht- maͤßigkeit des Sundzolls angefuͤhret werden. e) Wie die kluge Koͤniginn von Engelland Elisabeth durch Ankauf der kleinen Jnsul Huen sich der freyen Strasse in die Ostsee versichern wollen. §. 6. Daͤnemark besteht aus etlichen Jnsuln und der Halbinsul Juͤtland. Die Jnsuln theilt man in die 2. grosse, Seeland und Fuͤhnen, und in die uͤbrige kleinere. Juͤtland wird in Nord- und Suͤd-Juͤtland, oder in Juͤtland an sich selbst und in das Herzogthum Schleswig ein- getheilt, zu beyden sind noch verschiedene umher- liegende kleine Jnsuln und Eylaͤnder gehoͤrig. Daͤnemark ist in die 6. folgende grosse Gouver- nements, die zugleich Bißthuͤmer sind, als das Seelaͤndische, Fuͤhnische, Ripische, Aarhusische, Wiburgische und Aalburgische abgetheilt, und ist davon nur Schleswig ausgenommen, wel- ches bloß aus 13. Aemtern bestehet. a) Man rechnet in ganz Daͤnemark 56. Aemter, 137. Harden (Gerichtsbezirke von 10-20. Kirchspielen) 11. Lehngrasschaften, 2000. Klrchen, 83. Staͤdte und Flecken, 21. Koͤnigliche, und ohngefehr 1000. adeliche Schloͤsser, Pontoppidan, I. 23. §. 7. Der Daͤnische Boden ist groͤßtentheils nie- drig und eben. Seeland und der mittlere Strich R 5 von Daͤnemark. von Juͤtland ist weniger fruchtbar, als die uͤbri- ge Laͤnder, welche ihre Einwohner zwar hinlaͤng- lich ernaͤhren; aber ausser einigem Getreyde, als Korn, Haber, Gersten, Erbsen und Buch- weitzen an Auslaͤnder wenig abgeben koͤnnen. Juͤtland liefert uͤberdies viel Hornvieh und Pfer- de, und die Jnsul Bornholm eine Menge Kalks. Die Seeufer sind fischreich genug. Uebrigens fehlen Metalle, Salz und zum Theil auch Holz, Flachs, Hanf und Wolle. a) Langer Strich Heidelandes von dem Lymfurt in Nord-Juͤtland biß an den Harz. Pontoppidan, I. 313. b) Laland wegen der Erbsen beruͤhmt, Pontop- pidan, I. 184. c) Juͤtland hat einen unverg leichlichen Kornboden. Das Stift Aarhus ist der Kern der Provinz, und fuͤhrt allein jaͤhrlich 100.000. Tonnen Getreyde aus. Pontoppidan, I. 362. und Defense de Danemarc, p. 38. Von dem eintraͤglichen Ochsen- und Pferde- Handel in Juͤtland, eb. das. 443. d) Neue Tabacksplantagen in Juͤtland, eb. das. 345. e) Salz wird etwas weniges aus dem Seewasser in Juͤtland gemacht. eb. das. 302. und 449. §. 8. Coppenhagen ist die Koͤnigliche Residenz, die Hauptstadt des ganzen Reichs, und ein Jn- begriff alles dessen, was eine Stadt merkwuͤr- dig Daͤnemark. dig, volkreich und nahrhaft machen kann. Das von Christian VI. darinnen erbauete Schloß ist unter allen Koͤniglichen Residenz-Schloͤssern in Europa das beqvemste. Jn der Gegend um Coppenhagen sind verschiedene Lustschloͤsser: Friedrichsberg, Jaͤgersburg, Friedensburg und sonderlich Friedrichsburg erbauet. a) Von Coppenhagen, Pontoppidan. I. Cap. 2. b) Von dem Brande daselbst 1728. eb. das. Bl. 72. c) Von der der Stadt Coppenhagen so nuͤtzlichen Jn- sul Amack, wodurch auch der Christianshaven for- mirt wird Defense de Dan. 19. und Pontoppidan, I. 59. d) Das neue Schloß Christiansburg ist von Pir- naischem Steine aufgefuͤhret, und 1740. feyerlich bezo- gen worden. c) Von den Koͤniglichen Lustschloͤssern, eb. das. Cap. III. und von Friedrichsburg, dem Daͤnischen Versailles, besonders, Voyage en Danemarc, 140. §. 9. Die beste Festung und der vornehmste Seehafen in Daͤnemark ist eben gedachtes Cop- penhagen. Sonst sind Croneburg am Sunde, Nyborg in Fuͤhnen, Friedrichsodde in Juͤtland und Friedrichsort oder Christianpreis am Kieler- hafen befestigt: Corsoer, Callumborg, Hol- beck, Wordingborg in Seeland; Nyborg, As- sens, Knefemuͤnde in Fuͤhnen; Aalburg, Aar- hus, Horsens, Rinkiobing in Juͤtland; die Appen- Daͤnemark. Appenrader-Foͤrde, Flensburger-Wick, Eckern- foͤrder-Wick nebst andern Meerbusen in Schles- wig koͤnnen vor Seehaͤfen paßiren, sind aber meistentheils offen. a) Von den Daͤnischen Seehaͤfen, Defense de Dan. 11. b) Juͤtland hat an der Westseite keinen guten See- hafen, Pontoppidan, I. 316. und 445. §. 10. Die Krone Daͤnemark besitzet auch das Koͤnigreich Norwegen mit dem angrenzenden Stuͤcke von Lappland, welches sie Nordland nennen. Der Boden ist zwar sehr kalt, ge- buͤrgig und moraͤstig, auch zum Ackerbau und Viehzucht fast ganz untuͤchtig; aber an Eisen- Kupfer- und Silberbergwerken gesegnet, und an vortrefflichem Bauholz unerschoͤpflich. Die Seeufer sind uͤberfluͤßig fischreich. Die Haupt- stadt Bergen nebst Drontheim sind zugleich gu- te Festungen und Seehaͤfen: Christiania, Frie- drichstadt, Christianstein, Friedrichshall, Win- ger sind die uͤbrige Forteressen, und scheint Nor- wegen uͤberhaupt sowohl von der Land- als See- seite unuͤberwindlich. a) Von Norwegens Ueberfluß nnd Mangel, Hol- berg, Bl. 42. b) Von dem Norwegischen Fladbroͤd. eb. das. c) Man zaͤhlet 18. Eisenbergwerke, so aber nicht al- le Daͤnemark. le im Gange sind, 5. Kupferminen, und das reiche Koͤnigsberger Siberbergwerk, worinnen allein uͤber 12.00. Mann arbeiten, und werden in derselben Ge- gend je laͤnger, je mehr Silberadern entdecket. Man hat auch unter Koͤnig Christian IV. Golderz gefunden, Holberg, 46. d) Gefaͤhrliche Seekuͤste von Norwegen. §. 11. Ferner gehoͤret den Daͤnen das halbe Her- zogthum Holstein nebst den Grafschaften Olden- burg und Delmenhorst in Teutschland. Sie haben auch ihre Colonien auf den beyden Jn- suln St. Thomas und St. Croix in Ame- rica, eine kleine Festung Christiansburg auf der Kuͤste von Gvinea in Africa, und die Stadt Tranqvebar nebst dem Schloß Dans- burg und einem District Landes auf der Co- romandelischen, oder insbesondere auf der Malabarischen Kuͤste in Asien. Endlich besi- tzen sie auch gegen den Nordpol die Jnsul Js- land und ein Stuͤck von der Kuͤste von Groͤn- land. a) Von den Colonien ausser Europa siehe Holberg, Cap. VIII, von den Jnsuln in America LABAT in seinen Voyages aux Isles de l’ Amerique, tom. VII. ch. XIV. b) Jsland giebt Wolle, Viehhaͤute, Butter, Un- schlitt, Fische, Salz, Schwefel, Salpeter; Groͤn- land allerhand Thierhaͤute und Fischthran. 1. Jo- Daͤnemark. 1. Johann Andersons Nachrichten von Jsland, Groͤnland und der Strasse Davids, Hamburg 1746. gr. 8. 3. Beschaffenheit der Einwohner. §. 12. Da Daͤnemark an sich selbst nicht gar volkreich ist, nnd die nordliche grosse Nebenlaͤn- der wenig angebauet sind; so kann die Anzahl der Einwohner nicht anders als sehr maͤßig seyn. Die Daͤnische und Norwegische Spra- chen sind nur dem Dialect nach unterschieden, und haben aus der Vermischung der alten Go- thischen und Teutschen Sprache ihren Ursprung genommen. a) Daß Daͤnemark ehedem volkreicher gewesen, leugnet Holberg Bl. 42. nicht. b) Pontoppidan, Th. II. Cap. VIII. Bl. 144 behau- ptet, daß die Helfte der Daͤnischen Woͤrter vom Teut- schen so unterschieden, als Nacht und Tag, und fuͤhrt die Einmischung der Teutschen Woͤrter von den Wan- derungen dieser Voͤlker und der Bekehrung zum Chri- stenthum her. §. 13. Der Daͤne ist gemeiniglich groß und stark. Man haͤlt ihn kalter und feuchter Complexion. Er liebt die Ruhe und Gemaͤchlichkeit und die aͤusserliche Daͤnemark. aͤusserliche Pracht, ist von stillem Wesen, auf- richtig, gastfrey und gutthaͤtig, folgsam, treu und von sich selbst weniger eingenommen, als andere Nationen. Man beschuldiget viele un- ter ihnen der Freßigkeit und Faulheit. Uebri- gens haͤlt er in seinem ganzen Thun und Lassen die Mittelstrasse. Der Norweger ist fast ein umgekehrter Daͤne, und seine Neigungen kom- men mehr mit dem Genie der Schwedischen Na- tion uͤberein. a) Der Daͤnen Tugenden und Laster handelt so wohl Holberg, Cap. I. als Pontoppidan, Theil II. Cap. VI. weitlaͤuftig ab. b) Der beissende Molesworth legt ihnen die Mit- telmaͤßigkeit zur grossen Last, Holberg gestehet sol- che ein, und macht eine Tugend daraus, Bl. 20. §. 14. Man kann nicht leugnen, daß Daͤnemark nicht in den meisten Wissenschaften einige grosse Gelehrte hervorgebracht; es legt auch die Uni- versitaͤt Coppenhagen mit ihren 4. Collegiis und andern weisen Veranstaltungen von der Mildthaͤtigkeit des Oldenburgischen Stammes gegen die Wissenschaften ein unverwerfliches Zeugniß ab: Doch ist die Zeit, da die Daͤnen es andern weisen Europaͤischen Nationen in der Gelehrsamkeit gleich thun sollen, noch zukuͤnftig. a) Von dem Statu rei litterariae Danicae, Pon- toppidan, Th. II. Cap. IX. Bl. 150. b) Daͤnemark. b) Von der Universitaͤt Coppenhagen, Holberg, Cap. V. Bl. 175. und Voyage en Dan. 211. c) Die 4. Collegia sind 1) die Regenz, so mit dem Klosterhause oder der Communitaͤt vereiniget worden, sie heißt auch Collegium Regium, 2) Collegium Wal- kendorfianum, 3) Mediceum, 4) Elersianum. Pontop- pidan, I. 44. nnd Holberg, 215. d) Was die Academie durch den grossen Brand 1728. gelitten. e) Daß die Theologie am meisten, das Studium Juris am wenigstens darauf florire. f) Schicksale der 2. Ritter-Academien zu Soroe und zu Coppenhagen, und der Astronomiichen Jnsul Huen. §. 15. Noch im ganzen vorigen Jahrhundert war Daͤnemark fast ohne alle Manufacturen. Frie- drich IV. seit Endigung des Schwedischen Krie- ges, und Christian VI. haben grosse Bemuͤhun- gen angewandt, solche in Flor zu bringen. Man findet nunmehr in Coppenhagen eine Koͤnigliche Lacken-Fabricke mit andern Wollmanufacturen, einige Leinwebereyen, Cottondruckereyen, Faͤr- bereyen, Seifen-Zucker- nnd Salzsiedereyen: Es werden auch Spitzen, Tressen, Sammet, Flor, Papier und Porcellain gemacht. Jn Juͤt- land und Schleswig findet man Woll- Lei- nen- und Gewehr-Fabricken, die Tonderische Spitzen, die Randerische nnd Odenseische Hand- schuhe. Doch wird von allen diesen Manufa- cturen Daͤnemark. eturen sehr wenig auswaͤrts verfuͤhrt, die mei- ste reichen lange noch nicht zur eigenen Noth- durft des Reiches zu, und erwarten noch meh- rere Vollkommenheit und Ausbreitung. a) Dieser Manufacturen gedenkt Holberg im Cap. vom Handel und Gewerbe, und Pontoppidan sowohl Theil II. Bl. 161. als an verschiedenen andern Orten. §. 16. Der ganze Handel nach Daͤnemark wur- de sonst von den Hansestaͤdten getrieben. Die- se sind von den Hollaͤndern groͤßtentheils, und ei- niger Maassen auch von den Engellaͤndern aus- gestochen worden. Christian IV. befoͤrderte das ganze Daͤnische Seewesen, und Christian V. machte ernstliche Anstalten, sein Volk zum See- handel aufzumuntern. Seit dem befahren die Daͤnen mit eigenen Schiffen die meiste Nord- liche Kuͤsten von Europa. Coppenhagen hat das Monopolium mit auslaͤndischem Taback, Salz, Wein und Brandtewein. Der Handel nach Jsland wird von denenjenigen Kaufleuten getrie- ben, welche die einzelne Seehaͤfen pachten. Der Handel ausser Europa wird durch die Ost-Jn- dische und die vereinigte Gvineische nnd West- Jndische Compagnien gefuͤhret. Daͤnemark fuͤhrt weit mehr ein als aus, und leidet also im Handel; da im Gegentheil Norwegens Ueber- fluß die eingefuͤhrte Waaren uͤberwiegt: wie- S wohl Daͤnemark. wohl anch der Norwegische Handel in jetzigem Jahrhundert sehr abgenommen. a) Von den Hansestaͤdten, und ihren 4 grossen Nie- derlagen. b) Streit mit den Hamburgern wegen ihres iuris restringendi auf der Elbe. c) Errichtung der Defensions-Schiffe 1671. und deren Privilegia. Schwuͤrigkeiten hlebey, dadurch endlich diese Anstalten ins Stecken gerathen. d) Bedingungen des Coppenhagischen Monopolii. e) Jslaͤndische Compagnie octroyirt 1619. er- neuert 1680. Jn jetzigem Jahrhundert ist sie aufge- hoben, und dafuͤr die Ver pachtung der Jslaͤndischen so wohl Fischer- als Schlaͤchterhaͤfen vermittelst eines oͤffentlichen Anschlags auf 6. Jahr eingefuͤhret wor- den. Man zaͤhlet 25. dergleichen verpachtete Haͤfen oder Ladungsplaͤtze. Von den Lurendreyers. f) Erste Verordnung zu Formirung der Ost-Jn- dischen Compagnie von 1616. Neue Octroy von 1698. Revenuen des Kaͤnigs davon. Vermehrung des Capitals durch eine Association von 1728. g) Der Gvineischen Compagnie Ursprung un- ter Friedrich III. 1658, der West-Jndischen unter Chri- stian V. 1671, ihre Vereinigung 1680. h) Pontoppidan rechnet die Ausfuhr aus Daͤne- mark jaͤhrlich auf 3. 100.000. Rthl., was nach Nor- wegen und Jsland geht mit begriffen. i) Seit Endigung des Schwedischen Krieges soll die Anzahl der Daͤnischen Schiffe und Seeleute, und das quantum der ausgefuͤhrten Waaren noch einmal so hoch gestiegen seyn, als es sonst gewesen. k) Der Daͤnemark. k) Der Verfall des Norwegischen Handels ist America zuzuschreiben. Siehe uͤberhaupt Holberg, Cap. VIII. und Pontoppidan, Th. II. Cap. X. §. 17. Man rechnet in Daͤnemark nach Mark und Schillingen. 16. Schillinge machen 1. Mark das ist 4. ggr. 6. Pf. und 6. Siebentheil. Die uͤbrige gangbare Muͤnzen sind Ducaten, Kro- nen zu 4. M. halbe Kronen, 12. Schillingstuͤcke, 8. Schillingstuͤcke, Duͤtchen zu 6. Sch. und Fyrke, deren 4. 1. Sch. betragen. a) 1. Mark Daͤnisch verhaͤlt sich zu 1. Mark Luͤ- bisch wie 1. zu 2., 1. Mark Luͤbisch zu 8. ggr. wie 8. zu 7., 1. Mark Banco oder Species zu 1. Mark courrent wie 8. zu 7. folglich 1. M. Banco zu 8. ggr. wie 4. zu 3. b) Streit wegen der neuen 12. Schillingstuͤcken mit Hamburg. c) Vom Daͤnischen Muͤnzwesen siehe Pontoppi- dan, II. 167. und noch weitlaͤuftiger Holberg, Cap. IX. Bl. 681. 4. Staatsrecht. §. 18. Seit dem die Arve-Enevolds-Rege- rings-Acte als die letzte Handfestninge Koͤnig Friedrichen III. im Jahr 1660. zuruͤckgegeben worden; sind alle ehemalige Reichsgrundgesetze S 2 erloschen Daͤnemark. erloschen, und ist an deren Stelle das von Frie- drich III. d. 14. November 1665. unterschriebene, und von Friedrich IV. d. 4. September 1709. publicirte Koͤnigliche Gesetz ( Lex Regia ) ge- treten, welches als ein vollkommenes, unbeweg- liches und unwidersprechliches Gesetz und Ver- ordnung zu ewigen Zeiten gehalten und geachtet werden soll. a) Diese Lex Regia ist auf Koͤnigliche Kosten von Michael August Roͤg aus dem Original auf das sau- berste abgeschrieben, von C. von Moͤinichen mit aller- hand Vignetten und andern Zierrathen auf allen Raͤn- den ausgeschmuͤckt, und von A. Reinhard in Kupfer gestochen worden. Der Schatz der hiesigen Universi- taͤts-Bibliotheck pranget auch mit diesem Kleinode, und ist dessen vollstaͤndiger Titul folgender: LEX REGIA Det er: Den Souveraine KONGE- LOV, sat og given af den Stoormegtigste Höjbaar- ne Fyrste og Herre Herr FRIDERICH den TREDIE af Guds Naade Konge til Danmark og Norge, de Wenders og Gothers, Hertug udi Schlesvig, Hol- sten, Stormarn, og Dithmarschen, Greve udi Ol- denburg og Delmenhorst; og af Hans Maj. under- skreven d. 14. Novemb. 1665. som den Stoormeg- tigste Höjbaarne Fyrste og Herre Herr FRIDERICH den FIERDE af Guds Naade, Konge til Dan- mark og Norge, de Wenders og Gothers, Hertug udi Schlesvig, Holsten, Stormarn, og Dithmarschen, Greve udi Oldenborg og Delmenhorst allernaadigst haver befalet ved offentlig Tryk at vorde publice- ret. d. 4. Septemb. Aar. 1709. in Landkarten Format. §. 19. Daͤnemark. §. 19. Der jetztregierende Koͤnig von Daͤnemark Friedrich V. ein Sohn Koͤnig Christians VI. und der Prinzeßinn Louise Sophie Magdale- ne von Brandenburg-Culmbach ist gebohren 1723. und kam zur Regierung 1746. Er hat sich mit der Koͤniglichen Prinzeßinn von Groß-Bri- tannien Louise 1743. vermaͤhlet, aus welcher Ehe der Kronprinz Christian 1749. und zwo Prin- zeßinnen Sophia Magdalena und Wilhelmi- na Carolina erzielet worden. §. 20. Der vollstaͤndige Titul des Koͤniges ist: Friedrich V. von Gottes Gnaden Koͤnig in Daͤ- nemark und Norwegen, der Wenden und Go- then, Herzog zu Schleswig, Holstein, Stor- marn und Ditmarsen, Graf zu Oldenburg und Delmenhorst. 1. D. CHRISTIANI LUDOVICI SCHEIDII diss. de Regii Vandalorum tituli Augustissimis Da- niae Regibus iam pridem familiaris origine et caus- sa, Hauniae 1743. a) Christoph von Bayern ließ sich Archirex Regni Daniae nennen, Hrn. H. Schmaussens Einl in die Staats-Wissenschaft, Theil II, Bl. 4. aus CY- PRAEI Annal. Episc. Slesvic. p. 371. b) Ob Wenden mit Recht Vandalorum uͤbersetzt werde. c) Man findet Muͤnzen und Diplomata, worauf S 3 Rex Daͤnemark. Rex Daciae und Slauorum statt Daniae et Vandalo- rum stehet. d) Zanck mit Schweden uͤber Gothorum und Got- torum Rex. Siehe uͤberhaupt Pontoppidan, II. 6. §. 21. Das Koͤnigliche Wappen wird durch das Danebrogische Creutz qvadrirt, und ist mit ei- nem Mittel- und Herzschilde versehen. Jm letz- tern zeigen sich die Oldenburgische 2. Qverbal- ken und das Delmenhorstische Creutz; im Mit- telschilde erblickt man das Holsteinische Nessel- blat, den Stormarischen Schwan und den Ditmarsischen Reuter. Das Hauptschild praͤ- sentiret die 3. Daͤnische Leoparden, den Nor- wegischen Loͤwen mit der Helleparte, die 3. Schleswigischen Loͤwen und den Wendischen Lindwurm. a) Die Daͤnische Leoparden sind unter Wolde- mar II. wo nicht erst aufgekommen; doch wenigstens erst recht mode geworden. b) Die 3. Kronen wurden das Wappen der Cal- marischen Union Seit deren Aufhebung fuͤhrte es Schweden eine Zeitlang allein, biß Christian III. 1548. es dem Daͤnischen ei verleibte. Die blutige Strei- tigkeiten daruͤber sind bekannt Die Schweden erwei- sen, daß ihre Koͤnige vor der Union es schon gefuͤhret, die Daͤnen aber wollen von ihren Koͤnigen ein gleiches behaupten. c) Warum Friedrich IV. das Schleswigische Wap- pen aus dem Mittel-in den Hauptschild versetzet. Sie- he Daͤnemark. he Holberg, Cap. X. Bl. 711. und Pontoppidan, II. 200. §. 22. Seit der Erbmonarchie ist sowohl die An- zahl der Hofbedienten, als die Pracht des Hof- staats ansehnlich vergroͤssert worden. Christian V. hat auch die 2. alte Ritterorden erneuert, und ihre Statuten vermehret. Der vornehm- ste davon heißt der Elephanten-Orden, und ruͤhrt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert von Canut VI. her, der andre ist der Danebrog- Orden, und ist von Waldemar II. oder dem Sieger gestiftet. Der erste wird das blaue Band genennt, hat nach den Statuten 30. Ritter, und wird nur an Personen vom hohen Adel oder den hoͤchsten Aemtern, und der Evangelischen Reli- gion zugethan, verliehen. Den andern nennt man das weisse Band, er besteht ordentlich aus 50. Rittern. Alle Ritter vom Elephanten-Or- den muͤssen vorher Ritter des Danebrog-Ordens gewesen seyn Beyde haben auch ihre praͤchti- ge Ordensketten. a) Holberg, Cap. XIV. Bl. 790. Pontoppi- dan, II. Cap. 4. Voyage en Danemarc, p. 440-452. §. 23. Jn den aͤltern Zeiten ist Daͤnemark erblich gewesen, in dem 16ten und 17ten Jahrhundert wurde die Einwilligung der Staͤnde zur Thron- S 4 folge Daͤnemark. folge je laͤnger, je nothwendiger. Durch das unveraͤnderliche Koͤnigsgesetz ist festgestellt: 1) Der Regent soll der unverfaͤlschten Augsburgi- schen Confeßion zugethan seyn, 2) von Friedrich III. in absteigender Linie abstammen, 3) recht- maͤßig und ehelich gebohren seyn. 4) Das Reich ist untheilbar. 5) Die aͤltere Linie hat allezeit vor der juͤngern, 6) die naͤhere Linie vor der mehr entfernten, 7) das maͤnnliche Geschlecht vor dem weiblichen, 8) und eine Prinzeßinn aus maͤnnlichen Stamme vor einem Prinzen aus weiblichen Stamme den Vorzug. a) Der historische Streit zwischen Johan Buno und dem Baron Olaus von Rosenkranz uͤber die Erblichkeit der Daͤnischen Krone verwandelt sich in Anse- hung des letztern in einen fatalen Criminal Proceß. b) Wem aus dem Koͤniglichen Geschlecht das Erbrecht offen bleiben soll, dessen Namen und Geburtstag muß dem regierenden Koͤnige stracks kund gethan, und daruͤber ein Instrumentum in- sinuationis begehret werden, Lex Reg. art. 39. c) Wenn der Reichserbe bey Erlangung der Krone sich ausserhalb des Reichs befindet, so soll er innerhalb 3. Monathen sich darinnen ein- finden, oder es soll die Krone auf den naͤchsten in der Linie fallen Lex Reg. art. 23. d) Daß schon ein Ast der Nachkommenschaft Frie- drichs III von der Thronfolge ausgeschlossen worden. e) Daß das Daͤnische Koͤnigliche Gesetz die voll- kommenste Reichs-Erbfolge-Ordnung in der ganzen Welt sey. §. 24. Daͤnemark. §. 24. Das muͤndige Alter des Koͤnigs soll das 14te Jahr seyn, wenn er nehmlich nach zuruͤckgelegtem 13ten Jahre das 14te angefangen. Die Vormundschaft soll nach der schriftlichen Verordnung des letztabge- lebten Koͤnigs bestellet werden. Jn deren Er- mangelung soll die verwittwete Koͤniginn, wel- che des unmuͤndigen Koͤnigs leibliche Mutter ist, so ferne sie sich nicht wieder verehelichet; sonst aber der nechste Prinz von Gebluͤte, welcher im Reiche persoͤnlich gegenwaͤrtig ist, und alle- zeit anwesend seyn kann, das Reich administri- ren. Doch sollen in beyden Faͤllen die 7. vor- nehmste Koͤnigliche Ministri zu Huͤlfe und Bey- stand genommen, und alles durch die mehreste Stimmen ausgemachet werden, wobey die Re- gentinn oder der Regent 2. Stimmen haben soll: Jst keine Koͤniginn oder kein Prinz vom Gebluͤ- te vorhanden, so sollen die 7. Ministri mit glei- cher Macht und Auctoritaͤt das Reich admini- striren. a) Lex Regia, art. 8. biß 15. §. 25. So bald ein Koͤnig mit Tode abgehet, faͤllt dem nechsten Anverwandten in der Erblinie Kro- ne und Scepter nebst dem Titul und der Ge- walt eines erblichen Monarchen gleich denselben S 5 Augen- Daͤnemark. Augenblick zu, so daß keine weitere Uebergebung auf einige Weise noͤthig ist; nichts destoweniger soll ein Koͤnig mit christlichen und anstaͤndigen Ceremonien gesalbet werden, und kann er sich auch waͤhrender Minderjaͤhrigkeit salben lassen. a) Die Ursache fuͤgt Art. 16. des Koͤniglichen Ge- setzes hinzu: damit die Welt erkenne, wie die Koͤnige von Daͤnemark und Norwegen es fuͤr den groͤßten Ruhm schaͤtzen, sich Gott zu unter- werfen, und vor die allerhoͤchste und groͤsseste Macht halten, von dem allerhoͤchsten Gott durch die Diener seines Wortes zu gluͤcklichem Antrit ihrer Regierung durch einen heiligen Seegen geweyhet zu werden. b) Die Reichs-Jnsignien werden in Rosenburg verwahrt. Man schaͤtzet die Krone allein auf 700.000. Rthlr. Pontoppidan, I. 38. b) Die Catholische Ceremonien bey der Kroͤnung schaffte Christian III. ab, und ließ solche durch Johann Bugenhagen oder Pomeranum nach Evangelischer Weise einrichten. Siehe Progr. Lipsiense ad orationem Pa- negyricam, qua Friderico V. inaugurationis et coro- nationis sollemnia gratulatus est FRIDERICUS CHRISTIANUS A KRAGH, Lips. 1747. fol. §. 26. Die Regierungsform war sonst einge- schraͤnkt, und die wichtigste Reichsgeschaͤfte wur- den auf den Reichstagen ( Herrendage, oder Danenhoeve ) mit Bewilligung der 4. Reichs- staͤnde, des Adels, der Geistlichkeit, der Buͤr- gerschaft und des Baurenstandes beschlossen. Nach Daͤnemark. Nach und nach wuchs der Adel den uͤbrigen Staͤnden und selbst den Koͤnigen zu Kopf, end- lich 1660. ward der Koͤnig unumschraͤnkt, da alle 4. Staͤnde des Reichs Friedrichen III. und allen seinen maͤnnlichen und weiblichen Nachkommen alle Rechte der Majestaͤt, unumschraͤnkte Ge- walt, Souverainetaͤt und alle koͤnigliche Herrlichkeiten und Regalien ungezwungen, und ohne einiges des Koͤnigs Anreitzen, Zu- muthen und Begehren aus eigenem freyen Willen und wohlbedachtem Rath aufgetra- gen und uͤbergeben. Nunmehr ist der Koͤnig von Daͤnemark an kein menschliches Gesetz gebunden, er er- kennet keinen Obern und Richter weder in geist- lichen noch weltlichen Sachen als allein den eini- gen Gott, hat die hoͤchste Gewalt Gesetze zu geben und abzuschaffen, ist die Qvelle aller Titul, Wuͤrden, Ehrenaͤmter und Diensten; hat das hoͤchste Recht des Krieges, Friedens, der Buͤndnisse und der Auflagen, die hoͤchste Gewalt in geistlichen Sachen, und stehet bey ihm allein, alle Rech- te und Regalien der Majestaͤt zu seinem Nu- tzen und Besten anzuwenden. Er kann, als ein souverainer und absoluter Monarch, von den Unterthanen mit keinem Eyde oder vor- geschriebener Obligation verbunden werden. Kurz: er ist ein freyer, souverainer, allerhoͤch- ster und in allem vollkommene Macht haben- der Monarch und Erbkoͤnig. Nor- Daͤnemark. Norwegen ist seit 1537. der Krone Daͤne- mark incorporirt, und seit dem als eine unterwor- fene Provinz angesehen worden. a) Lex Regia ab init. et art. 1-7. b) Voyage en Danemarc, p. 85: Danemarc est le païs où regne le Gouvernement le plus absolu de l’ Europe et en même tems le plus legitime: les peu- ples ayant renoncé à toute ombre de liberté d’ une maniere si authentique qu’ils ne doivent s’en pren- dre qu’à eux mêmes, s’ils se trouvent trop chargés. c) Wie sehr den Koͤnigen vor 1660. so gar in An- sehung ihrer eigenen Domainen die Haͤnde gebunden gewesen, siehe Holberg in seiner Daͤnischen Reichs- Historie bey Beschreibung der Revolution, Th. III. Bl. 445. d) Von der Norwegischen Jncorporation, eb. das. Th. II. Bl. 367. §. 27. Es giebt in Daͤnemark keine Herzogliche oder Fuͤrstliche Familien. Der Grafen- und Freyherrntitul ist erst von Christian V. 1671. eingefuͤhret. Der niedere Adel hergegen ist zahl- reich, und zum Theil auslaͤndischer Herkunft. Sonst war das Ansehen und die Privilegia des alten Adels ausserordentlich groß. Durch die Einfuͤhrung der Erbmonarchie fiel alles biß auf einige Vorrechte, die ihnen aus Koͤniglicher Gnade verstattet worden. a) Warum keine Herzogliche Familien, Defense de Dan. 90. b) Von Daͤnemark. b) Von den Grafschaften und Baronien, Pon- toppidan, II. 45. c) Pontoppidan zaͤhlt 113. einheimische alte und neue, nebst 44. auslaͤndischen Adelichen Familien. d) Von ihrer ehemaligen Macht, Holberg 589. e) Von ihren jetzigen Privilegien siehe die Koͤnig- liche Verordnungen von 1688. eb. das. f) Wie die Leibeigenschaft oder Vornede in See- land durch ein Edict von Friedrich IV. vom 21. Febr. 1702. eingeschraͤnkt worden. 5. Reichsgeschaͤfte. §. 28. Jn vorigen Zeiten war das hoͤchste Colle- gium der Reichsrath, welcher aus 23. adelichen Reichsraͤthen bestand, und waren die wich- tigste Staatsangelegenheiten zwischen den 4. ho- hen Kronbedienten, dem Reichshofmeister, Reichs- canzler, Reichsmarschall und Reichsadmiral ge- theilet. Seit 1660. ward der Staatsrath gestiftet, an dessen Statt 1676. der noch jetzt gebraͤuchliche geheime Rath errichtet worden. Es dirigiret sol- chen gemeiniglich ein Großcanzler, und der Koͤnig praͤsidiret selbst darinnen. Diesem Collegio sind 3. Canzeleyen subordinirt, 1) die Daͤnische, wor- innen die inlaͤndische sowohl Daͤnische als Nor- wegische Affairen, 2) die Teutsche, worinnen die Schleswigische, Holsteinische, Oldenburgi- sche, zugleich aber auch alle auslaͤndische Staats- angele- Daͤnemark. angelegenheiten, 3) die Kriegscanzeley, worin- nen alles, was die Land- und Seemacht, Festun- gen, Zeughaͤuser und Seehaͤfen anbetrifft, besor- get werden. a) Holberg, Cap. XV. von den hohen Collegien, Bl. 803. Pontoppidan, Th. II. Cap. II. Bl. 18. § 29 Nirgends ist die Reformation so ruhig voll- fuͤhret worden, als in Daͤnemark. Das Jahr 1636. ist der Zeitpunct des abgeschafften Pabst- thums, und 1537. der Zeitpunct der allein herr- schenden Evangelischen Lutherischen Lehre. Die Symbolische Buͤcher sind nach der heiligen Schrift die 3. aͤlteste Symbola, die unveraͤnder- te Augsburgische Confeßion und der kleine Ca- thechismus Lutheri. Andere christliche Religio- nen nebst den Juden werden in gewissen Staͤd- ten und unter besonderen Einschraͤnkungen gedul- det. Der Eifer der Daͤnischen Koͤnige hat auch in Jsland und unter den Malabaren das Licht des Evangelii mit gutem Fortgange angezuͤndet. a) Friedrich II. warf die Formulum Concordiae ins Feuer, und ließ solche im gantzen Reich verbieten 1580. b) Man duldet die Reformirten, Catholicken, Ar- minianer, Mennonisten, Qvaͤcker und seit 1684. auch die Juden. c) Den Jesuiten ist unter Lebensstrafe verboten, sich im Reiche betreten zu lassen. d) Jn Daͤnemark. d) Jn Coppenhagen ist von Friedrich IV. ein be- sonderes Mißions-Collegium zu Bekehrung der Hey- den errichtet. e) Siehe uͤberhaupt Pontoppidan, Th. II. Cap. VII. Bl. 104. Holberg, Cap. IV. Bl. 99. §. 30. Die Daͤnische Geistlichkeit besteht aus 12. Bischoͤfen, unter welchen zween den Titul Metropolitanen fuͤhren. Diesen sind die 160. Proͤbste, und den Proͤbsten die Hardesbruͤder o- der Stadt- und Dorfpfarrer subordinirt. Sie haben uͤberhaupt reichliche und groͤssere Einkuͤnf- te, als in andern Protestantischen Laͤndern. Die Proͤbste visitiren jaͤhrlich ihre untergebene Geist- liche und Schulbediente, haben die erste Jnstanz uͤber sie, und halten jaͤhrlich 2mal Conuen- tum. Die Bischoͤfe visitiren ihre Stiftskirchen, ordiniren die Stiftsgeistlichkeit, und halten mit ihren Proͤbsten zu bestimmter Zeit Synodum prouincialem, (Landemode) worinnen sowohl Justitzsachen uͤber geistliche Processe und geistli- che Personen als auch sacra und Ministerialia abgehandelt werden. Die Hardespriester waͤh- len, und der Bischof bestaͤtiget den Probst. Die Bischoͤfe setzt der Koͤnig, dessen Stifftsfallnings- mann auch in den Synodis Prouincialibus mit dem Bischofe zugleich praͤsidiret. a) Jn Schleswig allein ist noch zur Zeit kein Bi- schof; sondern bloß ein General-Superintendent. b) Die Daͤnemark. b) Die Einkuͤnfte der Geistlichkeit bestehen in Land- guͤtern und Zehenden. c) Die Bischoͤfe geniessen uͤberdies ein besonderes Cathedraticum, und die Ordinations-Gebuͤhren. d) Beichtgeld in Daͤnemark abgeschafft. e) Jedes Stift hat sein Collegium von 4. oder 5. Canonicis, die jaͤhrlich 2mal Tampertag halten, und darinnen in Chescheidungs- und andern Materiis Ju- ris Canonici sprechen. f) Versorgung der Priesterwittwen. g) Siehe uͤberhaupt Pontoppidan, Th. II. Cap. V. Bl, 76. und Voyage en Danemarc, p. 497. §. 31. Jn Daͤnemark gelten keine auslaͤndische Gesetze; sondern alles wird nach dem Codice Christianeo, oder dem Daͤnischen Lowbuch, (Danske-Low) geschlichtet, welches herrliche Werk 1683. publiciret worden. Doch ist den Norwegern ihr besonderes ( Norske-Low ) 1687. gegeben, und den Schleswigern das Juͤtische Lowbuch gelassen worden. a) Friedrich III. ließ durch den Staatsrath, Eras- mum Winding, das Daͤnische Lowbuch von 1661. biß 1669. sammlen, Christian V. ließ es durch die ge- lehrteste Leute 5. biß 6. Mal revidiren. b) Lobspruch des Daͤnischen Rechtes aus der Feder des Daͤnischen Erzfeindes Molesworths. c) Besonderheiten dieses Gesetzbuches aus Voyage en Danemarc, p. 292. und 523. und Pontoppidan, II. 29. d) Das Daͤnemark. d) Das Nerwegische Lowbuch hat seinen Stoff aus dem Daͤnischen, doch mit solchen Veraͤnderungen die nach dem Unterschiede der Laͤnder noͤthig gewesen. e) Das Juͤtische Lowbuch ist von Waldemar II. 1240. publiciret, und hat viel aus dem Roͤmischen und dem Saͤchsischen Rechte. §. 32. Die Gerichte sind dreyerley, 1) die Har- de- und Birktinge sind ordentlich die erste Jn- stanz so wohl in den Staͤdten, als auf dem Lan- de. Sie bestehen aus einem einzigen Richter, (Herritz-Voigt) der seinen Tingschreiber hat, und werden woͤchentlich gehalten. Von hier ap- pellirt man an den Stadtrath oder an die Land- gerichte, ( Landtinge ) welche gemeiniglich aus 4. Richtern ( Land-Dommers ) bestehen, und monathlich Seßion halten. Endlich ist die letz- te Jnstanz das hoͤchste Gericht in Coppenha- gen, welches fast das ganze Jahr durch gehal- ten, und jaͤhrlich im Maͤrz vom Koͤnige selbst er- oͤffnet wird. Die Processe sind kurz und wohl- feil, und in den Tinggerichten pflegt der Bauer sein eigener Sachwalter zu seyn. a) Den Tingen sind in Criminalsachen und Grenz- irrungen 8. Sandmaͤnner ( Veridici ) nach Art des Englischen Jury zugeotdnet. b) Landgerichte sind zu Ringstaͤdt in Seeland, zu Odensee in Fuͤhnen, zu Wiborg in Juͤtland Jn Nor- wegen ist das Ober-Hofgericht. T c) Daͤnemark. c) Vor die Hofbediente ist das Hof- und das Burg- gericht in Coppenhagen angeordnet. d) Weise Abkuͤrzungen des Processes. Siehe uͤber- haupt Holberg, Cap. XV. und Pontoppidan, Th. II. Cap. II. §. 33. Die Einkuͤnfte des Koͤnigs bestehen 1) in den Domainen, die man unter die ansehnlichste in ganz Europa zaͤhlt, und anderen Regalien, 2) in den Zoͤllen, sonderlich dem Sund-Coldinger- und den Norwegischen Zoͤllen, 3) in der Accise oder so genannten Consumtion, 4) im Stempelpa- pier, 5) in der Landsteuer, die entweder nach den Tonnen hart Korn oder nach dem Pfluge bezahlt wird, und 6) in dem Antheil an den geistlichen Zehenden. Die Adeliche und die Geist- lichkeit haben einige Befreyungen. Die ausser- ordentliche Auflagen setzt der Koͤnig nach eigenem Belieben, dahin gehoͤren Fortifications-Gelder, Viehschatzung, Kopf- und Vermoͤgensteuer. a) Der Zoll bey der Durchfahrt aus der Nord- in die Ostsee wird in allen 3. Meerengen bezahlt, 1) bey Helsingoͤr, 2) bey Nyborg, 3) bey Fridericia. Helsin- goͤr hat aber den Hauptzoll, und heißt daher der Daͤ- nische Goldberg. a) Cautel, der Defraudation des Sundzolls vor- zubeugen. c) Eine Tonne hart Korn ist der achte Theil eines Teutschen Pfluges. Proportion zwischen dem, was der Amts- und was der adeliche Bauer zahlt. d) Von Daͤnemark. d) Von den Einkuͤnften siehe Pontoppidan, II. 39. §. 34. Noch in dem jetzigen Jahrhundert fanden sich bey dem Cammerwesen viele Unbeqvemlich- keiten, und es gelung erst Friedrichen IV, die Rentkammer 1719. in eine solche gute Ordnung zu bringen, daß sie andern Reichen zum Muster dienen kann. Das Cammer-Collegium besteht aus 3. Deputirten fuͤr die Finanzen und 6. zu- geordneten Beysitzern. Durch diese 9. Personen zusammen wird die ganze Einnahme, durch die 3. ersteren aber werden allein die Ausgaben besorget. Unter diesem Collegio stehet die Cammer-Can- zeley, das sind 3. Secretarien, 1. der Daͤnisch- und Norwegischen, 1. der Teutschen Cammer- Canzeley, und, 1. der Cameral-Justitzsachen. Die Revenuͤen werden von 17. Rentschreibern gehoben, unter welchen alle zu Daͤnemark ge- hoͤrige Provinzen nach gewisse Comptoirs abge- theilet sind. a) Holberg, Cap. XV. Bl. 819. §. 35. Von der Daͤnen Tapferkeit hat man zu verschiedenen Zeiten sehr verschiedentlich geurthei- let. Ehemals war das Waffenrecht in den Haͤnden des Adels uud der Staͤdte. Seit der T 2 Erb- Daͤnemark. Erbmonarchie haben die Koͤnige einen ansehnli- chen Kriegsstaat gehalten, und man rechnet die regulaͤre Truppen auf 30.000. Mann, unter welchen die Cavallerie ihres gleichen suchet. Frie- drich IV. formirte uͤberdies 1701. eine Landmi- litz von 15.000. biß 18.000. Mann, welche sehr wohl eingerichtet ist. Er stiftete 1714. in Cop- penhagen eine Cadetten Compagnie von 100. Mann, er theilte 1717. das Reich in 12. Reu- ter-Cantons, und erbauete zum Unterricht der Soldatenkinder 240. Schulen. Das ganze Kriegswesen wird durch das General-Land Com- missariat besorget. a) Beurtheilung der Daͤnischen Streitbarkeit, Hol- berg, Bl 16. b) Ueberhaupt Holberg, Cap. XI. Bl. 738. und Pontoppidan, Th. II. Cap. III. Bl. 32. c) Von der Landmilitz, Voyage en Danemarc, p. 353. §. 36. Der Daͤnen Seeruhm ist ohne Anfech- tung. Schon in alten Zeiten waren sie zur See fuͤrchterlich. Christian IV, der Koͤnig unter den Seecapitains seiner Zeit, brachte die Daͤnische Flotte wieder in Ansehen, Christian V. und Friedrich IV. haben damit grosse Thaten gethan. Jn Friedenszeiten werden ungefehr 15. seegelfer- tige Kriegsschiffe und 5000. Matrosen unterhal- ten. Jm Kriege kann Daͤnemark biß auf 30. Kriegs- Daͤnemark. Kriegsschiffe von der Linie und 20. Fregatten ausruͤsten, und solche mit 12.000. Matrosen be- mannen. Sie bedienen sich auch der Pramen mit gutem Vortheil. Die Schiffsmaterialien haben sie im Ueberfluß. Jn Coppenhagen wird die Flotte verwahrt, woselbst auch das treffliche Land- und See-Arsenal, der Schiffsholm, eine Seeacademie von 50. Edelleuten, und ein bestaͤn- diges Corps von 3000. Matrosen angetroffen wird. Das See-Commissariat besorget die Oeconomie, und das Admiralitaͤts-Collegium die Gerichtsbarkeit und das Commando bey der Flotte. a) Die Pramen sind schwimmende Blockhaͤuser. Die Daͤnen haben solche erfunden, aber ausser der Ostsee sind sie nicht zu gebrauchen. b) Von dem Arsenal, Voyage en Danemarc, 456. c) Von dem Schiffsholm, eb. das. p. 463. d) Das Matrosen-Corps besteht in 60. Compagnien, die in 6. Divisionen oder Classen eingetheilet sind. Der Verfasser des Voyage en Dan. zieht ihre Einrich- tung den Franzoͤsischen Classen vor, p 117. und 122. 6. Staatsinteresse. §. 37. Daͤnemark ist durch die Errichtung der Erbmonarchie aus einem maͤßigen Staat ein an- sehnliches Reich geworden. Diese unumschraͤnk- T 3 te Daͤnemark. te Gewalt aufrecht zu erhalten, zugleich aber auch durch Verbesserung der Manufacturen und Befoͤrderung des Handels das Volk aus der Armuth und Schlaͤfrigkeit zu ziehen, und durch eine bestaͤndige Flotte sowohl seine Grenzen zu be- decken, als besonders die Herrschaft im Sunde zu behaupten, muß kein Mittel verabsaͤumet werden. a) Ob die Klagen gegruͤndet seyn, daß durch die Einfuͤhrung der willkuͤhrlichen Herrschaft die Wissen- schaften, der Preiß der Guͤter und der Handel gefal- len, Voya g e en Danemarc, p. 144. b) Schwuͤrigkeiten im Manufactur- und Commer- cienwesen. c) Vorschlag, zu Sperrung des Sundes eine Ris- banc bey Kronenburg anzulegen. Voyage en Dan. p. 181. Das Das VIII. Hauptstuͤck. Staat von Schweden . Schriftsteller: 1. (M. HENRICI SO TERI ) Suecia, siue de Sue- corum Regis Dominiis et opibus commentarius po- liticus, Lugd. Batau. 1633. 16. 2. MICHAEL O WEXIONII epitome descri- ptionis Sueciae, Gothiae, Fenningiae et subiecta- rum prouinciarum, Aboae 1650. Jst wieder aufge- legt in SIMONIS FRIDERICI HAHNII collectio- ne monumentorum veterum et recentium, tom. II. p. 124. 3. Historisch-Politisch- und Geographische Beschreibung des Koͤnigreich Schweden, II. Theile, Frankfurt und Leipzig 1708. 8. 4. L’Etat présent de la Suede traduit de l’ An- glois de M. ROBINSON , nouvelle Edition augmen- tée de plusieurs remarqnes , à Amsterdam 1720. 8. Die erste Franzoͤsische Ausgabe ist ohne Namen des Verfassers schon 1695. 12. gedruckt worden. T 4 1. Schweden. 1. Staatsveraͤnderungen. §. 1. D ie alte Voͤlker in Schweden werden un- ter dem Namen der Gothen durch ihre grosse Wanderungen, und das Land selbst durch die Annehmung des Christenthums, und durch die Vereinigung des Schwedischen und Gothi- schen Reichs im XI. Jahrhundert den Auslaͤn- dern bekannt. Doch lassen die innerliche Unru- hen das Reich zu keinen Kraͤften kommen. Magnus Smeeck bringt zwar durch Vermaͤh- lung Norwegen, und durch den Krieg mit Daͤ- nemark Schonen aus Reich, aber auch durch seine uͤble Regierung sich und seine Familie um Krone und Seepter. Albrecht von Mecklen- burg wird zum Koͤnige erwaͤhlt; allein Mar- garetha, Erbinn von Daͤnemark und Norwe- gen, zwingt ihn, Verzicht auf Schweden zu thun, und vereiniget darauf 1397. alle 3. Nor- dische Reiche. §. 2. Diese Zeit der Vereinigung faͤllt den Schwe- den zu einer unertraͤglichen Last. Carl Cnut- son, der zuletzt noch Koͤnig wird, und die Stu- ren machen den Daͤnen die Krone verschiedene Mal streitig, endlich nach dem Stockholmer Blutbade 1520. gelingt es den Schweden, sich der Daͤnischen Dienstbarkeit zu entreissen. §. 3. Schweden. §. 3. Gustav Wasa bringt die Krone 1521. auf sein Haupt, und nach gluͤcklich vollendeter Kir- chen-Reformation auch auf seine maͤnnliche Nachkommenschaft 1544. Allein seine Theilung des Reichs, die wunderliche Regierung Erichs XIV. und die Papistische Maximen Johannis und seines Sohnes Sigismunds, des Koͤ- nigs von Polen, verwickeln das Reich in schreck- liche Unruhen, welche endlich Carl IX. und sein Sohn Gustav Adolph daͤmpfen. Dieser gros- se Held macht die Schwedische Waffen den Russen, welche auf Jngermannland und Liefland renuntiiren, den Polen und dem Kayser furcht- bar, und seine Tochter Christina erwirbt 1645. Jempteland, Herrendalen, die Jnsuln Goth- land und Oesel von Daͤnemark; und 1648. Vor-Pommern, Bremen, Vehrden und Wiß- mar vom Teutschen Reiche, dankt aber halb aus Furcht und halb freywillig ab, und huͤlft ihrem Vetter Carl Gustaven dem Zweybruͤ- cker zur Krone 1654. §. 4. Carl Gustav kriegt mit grossem Gluͤck ge- gen Polen und Daͤnemark. Jenes renunciiret auf Liefland, und dieses muß Schonen, Hal- land, Bleckingen und Bahuslehn abtreten, und die Schweden vom Sundzolle frey erklaͤren. Carl XI. nimt eine grausame Reduction der ver- T 5 aͤusser- Schweden. aͤusserten Cammerguͤter vor, und macht sich ab- solut, Carl XII. stirbt nach vielen 9. Jahr gluͤck- lich, und 9 Jahr ungluͤcklich gefuͤhrten Krie- gen, und laͤßt das Reich in letzten Zuͤgen, und den Wasischen Stamm ohne maͤnnliche Erben 1718. §. 5. Die Reichsstaͤnde waͤhlen Ulricam Eleo- noram, Carls XII. juͤngere Schwester zur Koͤ- niginn, und werfen die unumschraͤnkte Gewalt durch eine vorgelegte Capitulation uͤber den Hau- fen 1719, lassen aber doch zu, daß die Koͤniginn ihrem Gemahl Friedrichen, Erbprinzen von Hessen-Cassel, die Regierung uͤbertraͤget 1720. Un- ter ihm erhohlt sich das Reich in einer 20jaͤhri- gen Ruhe, welche zwar durch den ungluͤcklichen Krieg mit Rußland 1741. unterbrochen; aber 1743. durch Abtretung eines Distriets von Finn- land, und durch die bedungene Wahl des Thron- folgers Adolph Friedrichs aus dem Hause Hol- stein wieder befestiget wird. 2. Beschaffenheit der Laͤnder. §. 6. Schweden ist nach Rußland das weitlaͤuf- tigste Reich in Europa. Die Russen und Daͤ- nen sind seine Nachbaren. Eigentlich aber stoͤßt es an Norwegen, an das Daͤnische und Rußi- Schweden. Rußische Lappland und an das Rußische Finn- land. Die andere Grenzen macht die Nordsee, der Sund und die beyde grosse Meerbusen der Ostsee, der Bothnische und der Finnische. a) Zu Lande ist es gegen Norwegen durch eine Ket- te von ungeheuren Gebuͤrgen verwahrt. b) Von der Seeseite hielte man eine feindliche Landung wegen der viel Meilen langen Scheeren gar unmoͤglich; aber die Russen haben das Gegen- theil bewiesen. §. 7. Das Clima ist so kalt, daß das Land o- ben gegen Norden fast unwohnbar wird. Schwe- den hat viele und grosse Seen, Moraͤste, Ge- buͤrge und Waldungen, so daß wohl der halbe Theil des Landes zum Anbau unbeqvem ist. §. 8. Schweden besteht eigentlich aus dem Koͤ- nigreiche Schweden an sich selbst und aus dem Großfuͤrstenthum Finnland. Jenes wird wie- der in drey Provinzen, als Schweden, Goth- land und Nordland eingetheilt. Zu Schweden gehoͤren die 5. Landschaften 1) Upland, 2) Suͤ- dermannland, 3) Westermannland, 4) Neri- cien und Dalecarlien; zu Gothland 1) Ost-Goth- land, 2) West-Gothland 3) Suͤder-Gothland; zu Nordland 1) Gestricien, 2) Helsingen, 3) Angermannland 4) Meddelpad, 5) Jempter- land Schweden. land, 6) Bothnien, 7) Lappland. Von Finn- land haben zwar die Russen ein Stuͤck abgeris- sen; doch ist der groͤssere und fruchtbarere Theil noch in Schwedischen Haͤnden. §. 9. Die suͤdliche Schwedische Provinzen sind zum Theil an allerhand Getreyde, und Schaͤ- fereyen gesegnet. Allein das Getreyde ist doch lange nicht zureichend, und die wenige Wolle zum Verarbeiten sehr grob. Schweden leydet uͤberdies Mangel an Salz, die Gartenfruͤchte verliehren je hoͤher herauf, je mehr Geschmack und Guͤte. Hingegen zeigt sich ein Ueberfluß an Fisch- und Fluͤgelwerk, Wildpret und wil- den Thieren. Die Pferde haben sie zwar nicht groß, aber doch dauerhaft, und sowohl als das Hornvieh zureichend. Man hat nunmehr auch Flachs, Hanf und Taback zu bauen angefan- gen. An Bauholz und an den Bergwerken hat das Land einen grossen Schatz. Die Ei- senbergwerke sind unerschoͤpflich, an den Kupfer- minen aber befuͤrchtet man einen Abgang Man findet auch Silber, Bley, Alaun, Vitriol, Schwefel und Kreyde darinnen. a) Der Sommer ist kurz, aber so heiß, daß das Getreyde in weit wenigerer Zeit als bey uns reifet. b) Brod von Birk- und Fichtenrinden, Stroh und Wurtzeln. c) Finnland das Ruͤbenland. d) Ueberfluß an Lachsen, Hechten und Stroͤmlin- gen Schweden. gen. Der Sinus Bothnicus ist reich an Seehun- den. e) Alles Vieh faͤllt wegen der Kaͤlte kleiner. f) Allerhand rare Pelzwerke, doch nicht in grosser Menge. Nutzen aus den Nordlaͤndischen Rennthieren. g) Flachs sonderlich in der Provinz Helsingen. h) Von den Metallen und Mineralien und uͤber- haupt von Schwedens Mangel und Ueberfluß siehe Beschreibung von Schweden, Th. I. Cap. I, und ROBINSON, ch. I. §. 10. Stockholm ist der Sitz des Reichs, eine grosse und praͤchtige Stadt, die auf 6. Jnsuln erbauet ist. Die vornehmste Koͤnigliche Lust- und Jagdschloͤsser sind Carlsberg, Ulrichsthal, Drontingsholm, Swartioe, Grypsholm, Stroͤmholm, Kungsoͤhr, Kungslena und Wen- dersborg, die alle an angenehmen Stroͤmen o- der Seen liegen, so daß man mehrentheils so- wohl zu Wasser als zu Lande hinkommen kann. §. 11. Die Schwedische Festungen sind fast durchgaͤngig zugleich Seehaͤfen, unter diesen sind nach Stockholm die merkwuͤrdigste Gothen- burg, Warberg, Halmstadt, Landskron, Mal- moe, Christianstadt, Carlskron, Calmar. a) Stock- Schweden. a) Stockholm ist ein vortrefflich geraͤumiger und sicherer Hafen, hat aber 3. grosse Fehler. b) Daher ist von Carl XI. der neue Hafen Carls- kron seit 1679 mit schweeren Kosten angeleget wor- den, welcher dennoch auch seine Unbeqvemlichkeiten hat. 1. ( ERICI Comitis à DAHLBERG) Suecia an- tiqua et hodierna. III. tomi, fol. Dieses kostbare Werk ist vor 1708. nicht herausgekommen, es besteht aus 353. Kupferstichen. P. Lagerlof und nach ihm der Koͤnigliche Historiographus Hermelin haben eine vollstaͤndige Geographische Beschreibung dazu zuverfer- tigen angefangen, aber seit ihrem Absterben ist das Werk ins Stecken gerathen. §. 12. Seit dem in jetzigem Jahrhundert verschie- dene herrliche Nebenlaͤnder von der Krone ab- gekommen, ist Schweden fast gaͤnzlich in seine alte und natuͤrliche Grenzen wieder eingeschraͤnkt worden. Doch ist ihm von seinen Conqveten das Bahuslehn in Norwegen, ein Stuͤck von Vor-Pommern und die Stadt Wismar uͤbrig geblieben. 1. Erich Tunelds Geographie von Schweden, Finnland und den Schwedischen Provinzen in Teutschland ist zu Stockholm 1747. 8. in Schwedi- scher Sprache herausgekommen; aber noch nicht in eine allgemeinere Sprache uͤbersetzt. 3. Be- Schweden. 3. Beschaffenheit der Einwohner. §. 13. Schweden ist nach Proportion seiner Groͤs- se lange nicht zureichend bevoͤlkert, und der Mangel an Menschen ist durch den 22jaͤhrigen Krieg in jetzigem Jahrhundert gewaltig vermeh- ret worden. Die Schwedische Sprache ist aus der alten Gothischen und der Nieder-Teut- schen vermischt. Finnland hat seine eigene urspruͤngliche Sprache, welche eine Mutter der Esthischen, Lettischen und Curlaͤndischen Spra- che ist. a) Exempel, daß in einer Provinz, die noch nicht die aͤusserste gegen Norden ist, kaum 4700 Seelen in- nerhalb 225. Teutschen Qvadrat-Meilen anzutreffen. Goͤtting. Gelehrte Zeit. 1748. Bl. 315 aus Hr. Ber- chens Disputation. b) Von der alten Gothischen Sprache, den Ru- nenstemen und Runenstaͤben, den Litteris Runis und Ulphilanis Siehe uͤber haupt Beschreib. von Schwe- den, Th I. Cap. 2. c) Von der Finnlaͤndischen Sprache besonders, Webers veraͤndertes Rußland, III. 64. §. 14. Ein Schwede ist wohl gewachsen, und ge- gen alle Fatiguen gehaͤrtet. Sein Wesen ist ernsthaft, und seine Auffuͤhrung bedachtsam. Er lebt vor sich maͤßig, aber in Gesellschaft praͤch- tig Schweden. tig. Er ist redlich, im Arbeiten unermuͤdet, sei- nem Herren gehorsam, und gegen Fremde gastfrey. Man soll in Schweden alle Laster seltener, als das Mißtrauen antreffen. a) ROBINSON, ch. IV. p. 47. und Beschreibung von Schweden, Th. I. Cap. II. Bl. 34. §. 15. Die Gelehrsamkeit wird hier sehr hoch geachtet. Unter ihren 3. Universitaͤten Upsal, Abo und Lunden ist die erste die aͤlteste und beruͤhm- teste. Jn Teutschland steht auch die alte Aca- demie zu Greifswalde unter Schwedischer Ho- heit. Unter Carl XI. ist 1668. das beruͤhmte Antiqvitaͤten Collegium, und unter dem jetzigen Koͤnige Friedrich 1728. eine Societas Regia Lit- teraria et Scientiarum beyde zu Upsal errichtet worden. Die Schweden legen sich seit einiger Zeit hauptsaͤchlich auf die Oeconomische Wissen- schaften, uud in Untersuchung der Landes-Al- terthuͤmer thut es ihnen keine Nation in Euro- pa zuvor. a) Wie sich die Schweden gegen die Beschuldigung, daß sie ferrei ingenii waͤren, verantwortet. b) Besondere Einrichtung der weltberuͤhmten Aca- demie zu Upsal, welche sonderlich durch Gustav A- dolphs und Christinaͤ Freygebigkeit in Aufnehmen ge- bracht werden. c) Das Schweden. c) Das Antiqvitaͤten-Collegium ist auf Kosten des Koͤnigs errichtet worden. Fortheile der Nation dar- aus. d) Privilegia und Bemuͤhungen ber Schwedischen Koͤniglichen Gesellschaft der Wissenschaften. Schwe- dische Bibliotheck, St. IV. Bl. 359. §. 16. Vor Gustav Wasa waren die Schweden nur mit Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischerey oc- cupirt. Seit ihm fing man an, die Landes-Ma- terialien, sonderlich Metalle und Holz zu verarbei- ten. Carl XI. war besorgt, die Kuͤnste und Handwer- ker zu vermehren und zu verbessern. Jn den neue- sten Zeiten hat man ausserordentliche Muͤhe ange- wandt, durch Manufacturen, wo nicht Geld zu verdienen, doch wenigstens zu ersparen. Al- les was von Kupfer, Meßing, Eisen und Stahl gemacht werden kann, wird in Schweden fa- bricirt, und haben sie Stuͤck- und Glocken-Gies- sereyen, Pistolen-Carabiner-Musqveten- schußfreye Bruststuͤcke- und Ankerschmiedereyen, und viele Kupfer- und Meßingfabricken. Man findet auch allerhand Woll-Leinen- und Sey- den-Manufacturen, Zucker-Salz-Schwe- fel- und Salpetersiedereyen, Vitriol- und Alaun- werke, Glashuͤtten und Porcellanfabricken dar- innen. a) Wie Danzig und Luͤbeck ehemals von der Schwe- den Unwissenheit profitirt. U b) Schweden. b) Des Herzogs von Alba Grausamkeit gerieth Schweden zum Vortheil. c) Carls XI. Bemuͤhung, aus der Persischen Sey- de Schwedische Manufacturen zu machen. §. 17. Sonst trieben die Hansestaͤdte den Handel auf Schweden, und die Luͤbecker erhielten gar unter Gustav Wasa auf eine Zeitlang ein Pri- vilegium exclusiuum daruͤber. Hernach wur- den die Hollaͤnder Meister vom Schwedischen Handel; mußten aber solchen bald mit den Engel- laͤndern theilen. Christina munterte ihr Volk zuerst zum eigenen Seehandel auf, unter Carl XI. stieg und fiel der Handel. Seit noch nicht 30. Jahren haben sich die Schweden mit Macht darauf gelegt, solchen in die Hoͤhe zu bringen. Sie fuͤhren ihre verarbeitete Metalle, al- lerhand Holz, Pech, Ther, Potasche, Sal- peter, Pulver, Fische, Pelzwerk aus. Sie brauchen Getreyde, Salz, Wein, Brandte- wein, Gewuͤrze, Wolle, Seyde und verschie- dene Manufacturen davon. Man hat auch durch hohe Zoͤlle und Verboth einiger auslaͤn- dischen Manufacturen der Geldverschwendung vorgebeuget. Stockholm geniesset grosse Vor- rechte im Handel, und hat eine Banco, wor- uͤber die Reichsstaͤnde Eviction leisten. Ferner ist zu Befoͤrderung der Commercien eine Han- dels-Compagnie nach Ost-Jndien und der Le- vante zu Gothenburg 1732. aufgerichtet, welche sich Schweden. sich seit 1740. ziemlich aufgenommen. Das ganze Manufactur- und Handelswesen steht un- ter der Direction des Commercien-Collegii. a) Gustavs Commercientractat mit Franz I. von Frankreich. b) Christinaͤ dreyfacher Zolltarif auf die Aus- und Einfuhr der fremden und einheimischen Kaufleute. c) Carls XI. harte Gesetze gegen auslaͤndische Kauf- leute, die sich in Schweden gesetzet. d) Siehe uͤber haupt ROBINSON , XII. 84. und Beschreib. von Schweden. Th I. Cap 26. 1. P. J. Marpergers Schwedischer Kauf- mann. Wismar, 1706. 8. §. 18. Man rechnet ordentlich nach Thaler Silber- muͤnz und Silberoͤr. 32. Silberoͤr betragen 1. Thlr. Silbermuͤnz. Es werden Ducaten, ferner von Silber Carolinen zu 20. Silberoͤr in ganzen, halben und doppelten Stuͤcken; von Kupfer a- ber die Kupferthaler und Kupferoͤr in ganzen, halben, vierthel und sechsthel Stuͤcken ge- schlagen. a) Die eingebildete Muͤnzsorten sind Mark Silber und Mark Kupfer, welche sich wie 3. zu 1 verhalten. 6. M. Silber, oder 18. M. Kupfer machen 1. Spec. Thaler. Jn eben der Pcoportion verhalten sich auch die Silberthaler zu den Kupferthalern, und die Sil- beroͤr zu den Kupferoͤr. Beschreibung von Schwe- den, Th. I. Cap. XXV. U 2 b) Schweden. b) Von den ehemals geschlagenen Kupferplatten, und warum deren Ausfuhr verbothen worden. c) Wie Schweden unter Carls XII. Regierung durch die elende Muͤnzsorten ruiniret worden. 4. Staatsrecht. §. 19. Durch die von Carl XI. dem Reiche auf- gedrungene unumschraͤnkte Gewalt wurden die alte Reichsgesetze vertilgt. 1718. suchten die Reichsstaͤnde solche wieder hervor, und errich- teten daraus die von der Koͤniginn Ulrica Eleo- nora 1719, und von Koͤnig Friedrichen mit eini- gen Veraͤnderungen 1720. bestaͤtigte Regie- rungsform, welche nebst den aͤltern und neu- ern Reichstagsschluͤssen die Schwedische Reichs- grundgesetze formiret. a) Die von der Koͤniginn Ulrica Eleonora bestaͤ- tigte Regierungsform findet man in Hrn. Hofr. Schmaussens Corp. Iur. Gent. Acad. tom. II. p. 1762. 1. Andreas Anton Stiernmann hat aller Schwedischen Reichstaͤge und Reichs-Convente Abschiede, wie auch Erbvereinigungen, Re- gimentsformen, Versicherungen und Bewilli- gungen so von 1521. biß 1727 beschlossen worden, in Schwedischer Sprache herausgegeben, 4. Baͤnde, Stockholm, 1728. u. f. in Fol. §. 20. Schweden. §. 20. Der jetzt regierende Koͤnig Friedrich, ein Sohn Carls Landgrafen von Hessen-Cassel und Mariaͤ Amaliaͤ Prinzeßinn von Curland, ist gebohren 1676. Seine andere Gemahlinn, Ul- rica Eleonora, Carls XI. von Schweden juͤn- gere Tochter, und nach Carls XII. Tode er- waͤhlte Koͤniginn von Schweden uͤbertrug ihm nach einer jaͤhrigen Regierung die Krone 1720. Weil er ohne Erben lebt, so haben sich die Schweden in der Person des Herzogs von Hol- stein und bißherigen Bischofs von Eutin, A- dolph Friedrichs, 1743. einen Thronfolger er- waͤhlt, welcher sich 1744. mit der Preußischen Prinzeßinn Louise Ulrica vermaͤhlet, und durch Erzielung der beyden Prinzen Gustavs und Carls seinem Hause den Schwedischen Thron gesichert hat. §. 21. Der Koͤnig titulirt sich: Friedrich von Gottes Gnaden Koͤnig in Schweden, der Go- then und Wenden, Großfuͤrst von Finnland. a) Jn den aͤltesten Zeiten nennten sich die Schwe- dische Regenten Koͤnige von Upsal. b) Auch eine Zeitlang Herren von Lappland, wor- uͤber so wohl als uͤber den Titul: der Gothen und Wen- den Koͤnig, mit Daͤnemark Streit entstanden. c) Die Schwedische Titulatur ist wegen der ver- schiedenen Conqveten und koͤniglichen Familien bestaͤn- U 3 digen Schweden. diger Veraͤnderung unterworfen gewesen Siehe uͤberhaupt JOANNIS LOCCENII antiqu. Sueo. Goth. cap. IX. f. 59. und J. C. BECMANNI syntagma dignitatum, diss. III. cap. II. p. 174. §. 22. Das Wappen des jetztregierenden Koͤnigs ist qvadrirt, und fuͤhret 3. guͤldene Kronen we- gen des Koͤnigreichs Schweden, und einen roth- gekroͤnten Loͤwen wegen des Gothischen Reichs nebst dem Hessen-Casselischen Wappen im Mit- telschilde. a) ELIAS BENNER in thesauro nummorum Sueo-Gothicorum, tab. I. II. III. und aus ihm DAHLBERG in Suecia antiqua et hodierna, tom. I. tab. VIII. erweisen den Gebrauch der 3. Kronen in den Schwedischen Muͤnzen nicht nur aus dem XI. Jahrhundert; sondern wollen solche gar noch vor dem 9ten Jahrh gefunden haben. § 23. Der Schwedische Hofstaat ist seit der Wahl des Thronfolgers noch ansehnlicher ge- worden. Man fand ehedem am Schwedischen Hofe verschiedene Ritterorden, sie waren aber gaͤnzlich in Abgang gekommen, biß 1748. Koͤ- nig Friedrich den Seraphinen-Orden, wel- chen Magnus Smeeck 1334. gestiftet, den Schwerdt- Orden, den Gustav Wasa 1523. errichtet, und den Nordstern- Orden wieder er- neuert hat. Man nennt solche das blaue, gel- be Schweden. be und schwarze Band. Alle 3. haben ihre Or- denszeichen und Devisen. Der Seraphinen- Orden ist der vornehmste, und die Ritter da- von sind zugleich Commandeurs der uͤbrigen Orden. a) Alte Orden 1) Brigittinen Orden, 2) Heylands- Orden von Erich XIV. 1561. gestifftet, 3) Lamm. Got- tes Orden von Johann III. 1569. errichtet, 4) Amaranthen-Orden, von Christina 1651. ausgetheilt, deren saͤmtliche Ordenszeichen, in Suecia antiqua et hodi e rna, tom. I. tab. IX. anzutreffen. b) Siehe uͤberhaupt M e rcure hist. et pol. 1748. mois Juin, p. 679. § 24. Schweden war in alten Zeiten ein Wahlreich; Gustav erlangte die Erblichkeit vor seinen maͤnn- lichen Stamm 1540. und 1544. Diese Erblich- keit hat seit dem viele wichtige Veraͤnderungen erlitten. Doch ist allezeit vor dem wuͤrklichen Antrit der Regierung des Koͤnigs eine Decla- ration der Staͤnde vorhergegangen. Nun- mehr hat man festgesetzt: Daß die maͤnnliche Leibeserben zur Reichs- folge berechtiget seyn sollen, auf eben dieselbe Art, wie es der Reichstags- schluß von 1650. vermag, und darin- nen enthalten ist. Art. 3. der Schwe- dischen Regierungsform. U 4 a ) Schweden. a) Die alte Wahl geschahe bey dem Morasteen, unweit Upsal. b) Reichstagsschluß zu Oerebroe 1540, Erbverein zu Westeraas 1544 erweitert zu Noͤrcoͤping 1604, und zu Stockholm 1627. und 1634, eingeschraͤnkt 1650. und 1660, wieder erweitert zu Stockholm 1683. und durch Carls des XI. Testament 1693. und eben dessen Succeßions-Ordnung. WEXIONIUS, lib. V. cap. 4. et 5. 1. Sammlung aller wegen der Schwedischen Regierungsfolge pro und contra herausgekom- menen Schriften, Stockholm 1719. 4. §. 25. Sonst war der Antritt des 18ten Jahres zur Majorennitaͤt des Koͤniges bestimmt, und die Kroͤnung wurde zwar ordentlich, aber oft erst nach vieljaͤhriger Regierung celebrirt. An- jetzt ist der Termin der Volljaͤhrigkeit weiter er- streckt, der ungewisse Kroͤnungstermin aber fest- gestellt, und mit der Uebernehmung des Regi- ments vereiniget worden: Es mag keiner den Thron betreten, ehe er seine 21. Jahre voͤllig zuruͤck gelegt, bey der Staͤnde Zusammenkunft seine Ver- sicherung von sich gestellet, sich kroͤ- nen lassen, und seinen Koͤniglichen Eyd abgeleget, wie das Schwedische Gesetz vermag. Art. III. der Regier. Form. §. 26. Die Schwedische Regierungsform war in alten Schweden. alten Zeiten eingeschraͤnkt. Carl XI. machte sich absolut, aber nach Carls XII. Tode sind die Majestaͤtsrechte in sehr genau bestimmte Gren- zen eingeschlossen worden. Der Koͤnig geniesset in ihrer vollkommenen Macht und Gewalt allerdings ungekraͤnkt alle Koͤnigliche Rech- te, so im Schwedischen Gesetze beschrieben, und in der neuen Regierungsform nicht einge- schraͤnket sind. Art. 8. a) Carl XI. warf die alte Regierungsform in der That um, ließ ihr aber noch den Schein. Und den- noch untersteht sich JACOB WILDE in historia pragmatica Sueciae, p. 678. zu behaupten: venimus ad epocham absolutioris monarchiae (regnante Ca- rolo XI.) qua abolitum fuisse ius publicum, adeo- que oppressa libertate, foedum seruitutis iugum subiisse Suecos perperam seu crediderunt, seu pro- diderunt exteri. b) WEXIONIUS lib. V. cap. 10. p. 277. specifi- cirt die vornehmste Majestaͤtsrechte, wie sie zu Christi- naͤ Zeiten gewesen, aber auch diese gelten nicht alle mehr. c) Ueberhaupt laͤßt sich von den Einschraͤnkungen der Majestaͤtsrechte mehr sagen. Siehe fast alle Ar- tickel der Schwedischen Regierungsform. §. 27. Dem Koͤnige ist ein Reichsrath von 24. Personen zugeordnet, und lieget ihm ob, sein Reich mit, und also nicht ohne, vielweni- ger wider der Reichsraͤthe Rath zu regieren, welche den Koͤnig auch unbefragt und unbe- U 5 ruffen, Schweden. ruffen, was des Reichs Recht sey, erinnern, auch hindern muͤssen, daß keine Rathschlaͤge vor die Hand genommen werden, wodurch die Staͤnde koͤnnten unterdruͤckt, deren Frey- heit gekraͤnkt, und das Regiment der unum- schraͤnkten Eigengewalt wieder eingefuͤhret werden. Art. 13. und 14. a) Zu den Reichsraͤthen schlagen entweder die Reichsstaͤnde auf dem Reichstage oder ein Ausschuß derselben 3 Personen vor, woraus der Koͤnig einen ernennet. Art 12. b) Die Zahl der Reichsraͤthe ward 1731. auf 16. herunter gesetzt, ist aber 1734. auf 20. wieder ange- wachsen. c) Kein wichtiges und allgemeines Reichsgeschaͤft kann ohne Gegenwart von wenigstens 10. Reichsraͤ- then beschlossen werden. Art. 15. d) Des Koͤnig Meinung gilt so viel als 3. Stimmen im Reichsrath eb das e) Wenn der Koͤnig verhindert wird, so decidiren die Reichsraͤthe alles, was keinen Aufschub leidet. Art. 16. f) Jn allen hohen Collegiis praͤsidiret ein Reichs- rath. Art. 18. biß 31. §. 28. Es giebt in Schweden 4. Staͤnde des Reichs, 1) den Adel, wozu auch die Stabs- officiers biß auf 1. Capitaine von jedem Regi- ment gerechnet werden, 2) die Geistlichkeit, 3) den Buͤrger- und 4) den Bauernstand Der Schwe- Schweden. Schwedische Adel wird seit Erichs XIV. Zeiten in die Grafen, Freyherren und den niedern Adel eingetheilt. Die Teutsche Provinzen haben an der Reichsstandschaft keinen Antheil, sondern werden als unterworfene Laͤnder, doch ihren wohlhergebrachten Rechten und Freyheiten un- beschadet, regieret a) Sonst ging die Geistlichkeit dem Adel vor biß auf die Zeiten Gustavs Wasa. b) Jn Schweden ist kein Bauer leibeigen. Zu dem Bauernstande sind sonderlich die wohlhabende Bergleute zu rechnen. c) Erich XIV creirte zuerst Grafen und Barons 1561. d) Christina that den Schwedischen alten Fami- lien durch ihre verschwenderische Adels-Ertheilungen empfindlichen Tort. e) Jus Nobilitandi eingeschraͤnkt durch Art 25. der Schwed Reg. Form. f) Siehe uͤberhaupt WEXIONIUM, lib. VIII. de familiis Sueciae illustribus, p. 354. §. 29. Alle 3. Jahr muß ein Reichstag ausge- schrieben werden. Jeder Reichsstand hat seinen Anfuͤhrer oder Worthalter. Der Adel waͤhlt den Reichstags-Marschall, der Bauernstand seinen Dalmann. Von Seiten der Geistli- chen ist es der Erzbischof von Upsal, von Sei- ten Schweden. ten der Buͤrgerschaft der Justitz-Buͤrgermeister zu Stockholm, beyde auf Lebenslang. Jede adeliche Familie und jeder Stabsofficier, je- der Bischof und Superintendent, jede Acade- mie, alle 10. geistliche Kirchspiele zusammen und jeder Bauerndistrict hat eine Stimme, die meh- reste Staͤdte haben ebenfalls 1, einige 2, Stock- holm allein 4. Stimmen. Alles was seit dem letzten Reichstage im Reiche vorgefallen, und vom Reichsrath abgehandelt worden, oder sonst zum Wohl des Reichs dient, wird hier in Be- rathschlagung gezogen. Diese Reichstagssa- chen pflegen ordentlich durch verschiedene Com- mißionen, als dem Ausschuß der Reichsstaͤnde, (doch gemeiniglich mit Ausschluß der Bauern) un- tersucht zu werden, ehe man solche auf dem Reichstage in pleno beschliesset. Wenn 2. Reichsstaͤnde gegen 2. sind, decidirt der Koͤnig. Ein Reichstag pflegt ungefehr ein Jahr zu dauern. a) Den Reichstag schreibt der Koͤnig aus, bey des- sen Abwesenheit, Verhinderung oder Tode aber der Reichsrath; bey Abgang der maͤnnlichen Kronerben kommen die Staͤnde von selbst zusammen. Art. 26. der Schwed. Reg. Form. b) Die ausserordentliche Reichstage setzt der Koͤnig mit Einwilligung des Reichsraths an. c) Anzahl der Stimmen in jedem Reichsstaͤndischen Cdllegio. d) Die Reichsraͤthe haben keine Stimme. e) Die Schweden. e) Die verschiedene Staͤnde, auch so gar die Kriegs- bediente haben ihre besondere Versammlungs- und Be- rathschlagungs-Oerter. Der vollstaͤndige Reichstag aber wird auf dem Reichs-Saal im Koͤniglichen Schloß gehalten. f) Siehe hievon mit mehrern WEXIONIUM , lib. V. cap. 12. p. 290. und Beschreibung von Schweden, Th. I. Cap. 15. Bl. 428. 1. JOANNIS LOCCENII synopsis iuris publici Suecani, Gothoburgi 1673. 8. 2. CHRISTIANI NETTELBLADT diss. qua formula regiminis Sueciae de a 1634. cum nouissi- mis de a. 1719. et 20. confertur, et notis illustratur, Gryphisw. 1729. 3. (JACOBI WILDE) Sueciae historia pragma- tica, quae vulgo Jus Publicum dicitur, Holmiae 1731. 4. 5. Reichsgeschaͤfte. §. 30. Vermoͤge der alten Regimentsform wur- den alle in- und auslaͤndische Staatsangelegen- heiten durch den obgedachten dem Koͤnige von den Reichsstaͤnden zugegebenen Reichsrath be- sorgt. Carl XI. machte nach erlangter absolu- ten Gewalt aus dem Reichsraͤthen Koͤnigliche Staatsraͤthe. Nunmehr ist alles wieder auf den alten Fuß gesetzt, und der Reichsrath, wor- innen der Koͤnig in eigner Person praͤsidiret, ist das unveraͤnderliche Koͤnigliche Ministerium. §. 31. Schweden. §. 31. Die Schweden sind sehr eifrig in der Re- ligion. Gustav Wasa setzte nach Ueberwindung unzaͤhliger Schwuͤrigkeiten die Reformation gluͤcklich durch, welche auch, ungeachtet sie un- ter Johanne und Sigismund gefaͤhrliche An- fechtungen erlitte, dennoch endlich auf dem Con- eilio zu Upsal 1593. obsiegte, dergestalt, daß seit der Religions-Verein 1613. die Evangelisch-Lu- therische Lehre als die einzige herrschende und al- lein erlaubte Religion vom Koͤnige und den Unterthanen angesehen werden muß. Bloß die Reformirte geniessen in neuern Zeiten, doch nur in wenigen Staͤdten, den privat Gottesdienst. Die Schwedische Koͤnige haben die Religion mit der Staatsklugheit zu vereinigen, und durch ihren vor die wahre Lehre bezeigten Eifer wich- tige Staatsvortheile zu erlangen gewußt. §. 32. Man zaͤhlet 1. Erzbischof, 10. Bischoͤfe und 9. Superintendenten im Reiche, die uͤbrige Geistlichkeit bestehet in Proͤbsten, Decanis, Ca- pellanen und Dorfpfarrern. Bey der Vacanz eines Bißthums und einer Superintendentur schlaͤgt das Capitel 3. Personen vor, woraus der Koͤnig einen ernennet. a) Von dem Zustande der Religion in Schweden, Beschreibung von Schweden, Th. I. Cap. XXIII. und ROBINSON , ch. V. p. 44. §. 33. Schweden. §. 33 Schweden hat sich allezeit nach seinen ei- genen und einheimischen Gesetzen gerichtet. Koͤ- nig Christoph von Bayern ließ solche sam- meln und publiciren 1442. Carl IX. verbesserte sie 1608. und Gustav Adolph 1618. Carl XI. ließ selbige seit 1686. revidiren, aber die nachfolgen- de Kriege hinderten den Fortgang dieses heilsa- men Werks, biß es unter Koͤnig Friedrichen aufs neue vorgenommen, und gluͤcklich zu Stan- de gebracht wurde. Dieses neue Schwedische Gesetzbuch ( Sweriges Rikes Lag ) ist auf den Reichstaͤgen zu Stockholm 1731 und 1734. un- tersucht, darauf von allen Staͤnden bewilliget und angenommen, von dem Koͤnige bestaͤtiget und 1736. publiciret worden. a) Von den alten Schwedischen Gesetzen siehe WEXIONIUM , lib. V. cap. 8. p. 266. und Hr. Hofr. BUDERI bibliothecam iuris, cap. VI. §. 7. p. 101. b) Das neue Gesetzbuch ist unter folgendem Titul ins La einische uͤbersetzt: Codex legum Suecicarum ex Suetico sermone in Latinum versus a CHRI- STIANO KOENIG, Holmiae 1736. 4. §. 34. Die Staͤdte und Bauerndistricte haben ihre Untergerichte, von welchen an die 12. Land- oder Provincial-Gerichte, von diesen aber an die 3. hoͤchste so genannte Hofgerichte, als das Schwe- Schweden. Schwedische zu Stockholm, das Gothische zu Jencoping und das Finnische zu Abo appelliret wird. Jn den Dorfgerichten sind allezeit 12. Bauern Beysitzer. Jn den Hofgerichten muͤs- sen die Praͤsidenten aus dem Reichsrath genom- men werden. Das neue Gesetzbuch enthaͤlt zugleich die neue Proceßordnung, und sind die Processe kurz und ungekuͤnstelt. a) Vom Schwedischen Justitzwesen handelt die Be- schreibung von Schweden, Th. I. Cap XXIV. und ROBINSON, ch. III. p. 27. b) Von den Gerichten, WEXIONIUS, Lib. V. cap. 10, p. 278. insbesondere von den Hofgerichten Art. 18. der Schwed. Reg. Form. 1. Selecta iuris Suecici praecipue processualia col- lecta et iunctim edita a CHRISTIANO NETTEL- B L ADT, Jenae 1736. 4. §. 35. Vor Gustav Wasa Zeiten waren die Reichseinkuͤnfre sehr geringe. Unter ihm wuch- sen sie durch Einziehung der geistlichen Guͤter, unter Carl XI. stiegen sie durch die Reduction der veraͤusserten Kronguͤter am hoͤchsten. Carl XII. machte das Reich durch seine unerschwing- liche Auflagen blutarm. Durch die neue Re- gierungsform Art. 25. ist der Staat der ordent- lichen Reichseinnahme und Ausgaben auf den Fuß gesetzt, wie er 1696. gewesen. Die Reichs- einkuͤnfte bestehen 1) in den eintraͤglichen Do- mainen Schweden. mainen, 2) in verschiedenen nutzbaren Regalien, besonders 3) in den Bergwerkszehenden und 4) den Zoͤllen, 5) in der Accise, 6) in der Kopf- steuer, die vom Buͤrger und Bauer bezahlet wird, 7) in dem Antheil an den geistlichen Ze- henden. Jn ausserordentlichen Faͤllen wird ei- ne Vermoͤgensteuer ausgeschrieben, die bald groͤsser bald geringer ist, und davon Niemand ausgenommen wird. a) Anmerkung von der jetzigen Einrichtung der Zoͤlle. b) Die Kopfsteuer wird von Personen unter 15. und uͤber 60. Jahren nicht bezahlt. c) Die Vermoͤgensteuer ist bißweilen biß auf den 5ten Pf. der Revenuͤen gegangen. §. 36. Alle Kroneinkuͤnfte fliessen im Cammer- Collegio und Staatscomptoir zusammen, wor- innen einer von den Reichsraͤthen den Vorsitz hat, die Gegenrechnung aber wird durch die Cammer-Revision gefuͤhret. Die Disposition der eingekommenen Gelder dependiret vom Reichs- rathe. Dem Koͤnige ist eine maͤßige Summe an- geschlagen, welche zu seinem alleinigen Gutbe- finden anheim gelassen wird. Die Erhoͤhungen der Abgaben muͤssen auf dem Reichstage be- williget werden. a) Beschreibung von’ Schweden, Th. I. Cap. XII. und ROBINSON, ch. X. p. 66. handeln von dem Finanzstaate, geben aber sehr magere Nachrichten. X §. 37. Schweden. §. 37. Der Schweden Kriegsruhm hat sich in den aͤltesten Zeiten ausgebreitet, und ist in dem vorigen Jahrhundert wieder aufgelebet. Carl XI. errichtete eine Armee von 80.000. Mann. Durch die langwuͤrige Kriege und verlohrne Ne- benlaͤnder ist der Kriegsstaat zwar sehr geschwaͤ- chet worden; jedennoch sind anjetzt wuͤrklich 64. 000. Mañ auf den Beinen. Carln XI. sind auch die vortreffliche Anstalten zu danken, daß nirgends in der Welt mit so wenig Beschweerde des Lan- des und mit so geringen Kosten eine so grosse Macht bestaͤndig unterhalten werden kann. Das Kunststuͤck bestehet darinnen, daß man eine Na- tional-Armee als regulaͤre Feldtruppen formiret hat, die man als eine Landmilitz besoldet. Doch sind die Koͤnigliche Garden, das Artillerie Corps und die geworbene Regimenter hievon ausge- nommen. Die grosse Zeughaͤuser sind zu Stock- holm und Jencoping, wegen der Jnvaliden sind auch gute Anstalten gemacht. Das ganze Kriegswesen wird durch den Kriegsrath dirigiret. a) Die Schotten haben die Schweden das Kriegs- hanowerk gelehrt. b) PUFENDORF de rebus gestis Caroli Gustaui, lib. I. §. 50. wo Erich Oxenstirn spricht: equidem Sue- ciam manibus Gustaui Adolphi victricibus a com- temtu vindicatam fatemur. c) Carl XII. hatte 1701. an wuͤrklichen Combattan- ten 18. 782. M. Cavallerie, 6. 904. M. Dragoner und Schweden. und 55. 206. M. Jnfanterie. Siehe uͤberhaupt Be- schreibung von Schweden, Th. I. Cap. XIV. und ROBINSON, ch. XI. p. 71. d) Von der Einrichtung des Kriegsraths, Art. XIX. der Schwed. Reg. Form. §. 38. Gustav Wasa legte den Grund zur Schwe- dischen Seemacht, unter Gustav Adolphen wurde solche ansehnlich, unter Carl XI. noch weit ansehnlicher. Dennoch haben die Schwe- den zur See mehrentheils ungluͤcklich gefochten. 24. Kriegsschiffe von der Linie, 20. Fregatten und 22.000. Matrosen sind der jetzige Bestand der Schwedischen Flotte. Diese Schiffe wer- den groͤßtentheils zu Carlskron verwahrt. Alles, was zu Ausruͤstung einer Flotte erforderlich ist, hat Schweden im Ueberfluß. a) Von der Schwedischen Seemacht, WEXIONI- US , lib. VI. cap. 4. und Beschreibung von Schwe- den, eb das. Bl. 425. 6. Staatsinteresse. §. 39. Da die absolute Gewalt der letzteren Koͤ- nige das Reich so ungluͤcklich gemacht, als von einer eingeschraͤnkten Regierung nimmermehr zu befuͤrchten ist; so hat man die jetzige Einrich- X 2 tung Schweden. tung geschickter befunden, um dem Reiche wie- der nach und nach aufzuhelfen. Auf diese Art scheint das Jnteresse der Krone zu erfordern, und das Jnteresse des Adels erfordert es noth- wendig, fuͤr die Erhaltung der heutigen Ver- fassung desto wachsamer zu seyn, je leichter sel- bige durch innerliche Factionen Anstoß leiden koͤnnte. Uebrigens ist es dem wahren Wohl des Reichs gemaͤsser, durch Ruhe, gute Oeco- nomie und Befoͤrderung des Handels und der Manufacturen den ruinirten Unterthan wieder zu Kraͤften zu bringen; als durch Gewalt der Waffen sein altes Ansehen und seine verlohrne Laͤnder wieder suchen zu wollen. a) Alte Eifersucht zwischen dem hohen und niedri- gen, alten und neuen Adel. b) Gefaͤhrliche Macht des Bauernstandes. c) Von den Huͤthen und Nachtmuͤtzen. d) Wie auswaͤrtige Puissancen davon nuͤtzlichen Gebrauch gemacht. Die Druckfehler sollen wegen Mangel des Raums kuͤnftig im Anhange besonders angezeiget werden.