Gottfried Arnolds Erklaͤrung/ Vom gemeinen Secten-wesen/ Kirchen- und Abend- mahl-gehen; Wie auch Vom recht-Evangel. Lehr-Amt/ und recht-Christl. Freyheit: Auff veranlassung derer von ERNEST. SALOM. CYPRIANI, Extraord. Prof. Philos. Helmst. Vorgebrachten beschuldigungen wider seine Person/ unpartheyisch vorgetragen. Leipzig/ Bey Thomas Fritsch / 1700. Allen Hohen und Niedern O BRJGKEJTEN an allen orten/ wuͤnschet der Autor diejenige vortreffliche W eißheit/ durch welche vormals Salomo sein volck richtete/ und des Regenten-stuls wuͤrdig ward: damit durchgehends und allezeit Sie einen genauen Unterscheid machen und halten moͤgen zwischen wahren und falschen/ guten und boͤsen/ gerechten und ungerechten/ gottlosen/ heuchlerischen/ und gottlosen sachen und personen/ insonderheit zwischen falschen und Goͤttlichen eiffer und eifferern/ nach dem sinn A 2 Der Der Allerhoͤchsten Majestaͤt und ihrem unveraͤnderlichem gesetz/ zu straffen und zu belohnen/ zu verurtheilen und loß zu sprechen/ zu verstossen und zu schuͤtzen: Und leget Denenselben zugleich mit geziemendem respect diese schrifft vor augen/ nechst demuͤthiger bitte/ daß sie dem Allerfreyestem Goͤttlichem Wesen nicht allein selbst frey und willig dienen/ sondern auch andern/ (zu denen ihre feinde keine sache/ als uͤber ihren Gottesdienst/ finden) also frey und ohne gewissens-zwang zu dienen gnaͤdig verstatten/ und endlich eine unendliche freyheit und herꝛlichkeit ererben moͤgen. Vorbericht. 1. E S ist eine von denen aͤltesten practiqu en der alten schlange/ daß sie in ermange- lung anderer Prætexte wieder die ewige wahrheit und dero liebhaber/ eine sache uͤber ihrem Gottesdienst zu finden ge- meinet hat. Jch will nicht viel sagen von dem ersten verfolger und moͤrder dem Cain/ wie er seinen armen bruder bloß uͤber und bey dem Gottesdienst und opffer hingerichtet. Auch will ich kein lan- ges Register von allen denen personen machen/ die so wol zu den zeiten der Patriarchen/ als nachmals unter Juden und Heiden/ etwan mit mehrerm ernst/ das Goͤttliche wesen ge- suchet/ und daruͤber unter dem vorwand eines Religions- Eiffers von heuchlern oder gottlosen auffgefressen worden seyn. 2. Sondern es wird mirnur vergoͤnnet seyn zu geden- cken/ wie der Fuͤrst dieser welt solchen streich ungleich aͤrger hervorgesucht und practici ret habe/ nach dem er bey geschehener einfuͤhrung des neuen geistlichen und innerlichen bundes ( Je- rem. XXXI. 31. u. f. Hebr. IIX. 8. u. f. Joh. IV. 23. 1. Joh. II. 22, Rom XIII. 2. Cor. III. 14.) besorgen muͤssen/ er wuͤrde mit der aͤusserlichen scheinheiligkeit/ superstition und heucheley/ des ge- formten aͤusserlichen Gottesdienstes und Operis operati die A 3 leute leute nicht mehr so scheinbahrlich beruͤcken koͤnnen. Dahero/ als so gar alle Propheten aus reflexion auff diesen neuen bund den aͤusserlichen Tempel-dienst mit samt dem greulichen miß- brauch gewaltig angriffen/ und ungeacht er doch von GOtt ausdruͤcklich und umstaͤndlich befohlen war/ dennoch ver- warffen und die leute auffs in wendige geistliche und wahr- hafftige wiesen: (davon wenigstens Esaias cap. I. XLIIX. LXVI. Jeremias cap. VI. und sonderlich Daniels exempel cap. VI. 5. und andere haͤuffig zeugen) So musten sie daruͤber um GOttes willen leiden/ und wol gar das leben lassen. 3. Er selbst/ der Meister alles wahren Gottesdiensts/ CHristus hatte in den augen der Pharisaͤer und Schrifftge- lehrten keine groͤssere suͤnde gethan/ als da er ihren tempel und aͤusserlichen heuchel-dienst angriff/ vor ihren falschen glossen und menschen-gesatz warnete/ davon der edle inwendige schatz seines lautern Evangelii verduͤrbe: Hingegen dieses all in ernstlich trieb/ und an statt des alten sauerteigs das arme volck etwas bessers und inwendiges lehrte. Und darum muste nicht allein er selbst sterben/ sondern der wiederstand erbte gleichsam fort auff seine nachfolger: So daß der allererste Maͤrtyrer Stephanus/ unter den steinen sterben muste/ bloß weil er behauptete/ der Allerhoͤchste wohne nicht in kirchen mit haͤnden gemacht/ ungeacht er dieses nur aus der Schrifft wiederholete und bewieß/ Ap. Gesch. VII. 48. 2. Chron. VI. 18. Esai. LXVI. 1. 4. Als nachgehends die ersten Christen aus denen Juͤdi- schen in die Heydnische Laͤnder zerstreuet wurden; war die- ses immer ihr erstes/ daß sie den leuten ihre vermeinte heilig- thuͤmer/ ceremonie und aberglauben verleideten/ und davor den wahren Gottesdienst des lebendigen uͤberall in uns selbst gegenwaͤrtigen GOttes/ anpriesen/ wie aus der Apo- Apostel Historie im 17. cap. bekantist. Hieruͤber geriethen sie nun bald mit den Heidnischen Pfaffen in action, zumal nicht allein sie selbst/ sondern auch andere aus den tempeln blieben/ und jenen alsofort manches accidens entginge/ wie in der abbil- dung der ersten Christen/ und in der vorbereitung der Kirchen- Historie und sonst zu sehen ist. 5. Also entstunden nun die vielfaͤltigen anklagen wieder die ersten Christen/ daß die Heidnischen Pfaffen so wol/ als die Philosophi, Professores und Schul - leute bey der Obrigkeit schrifftlich und muͤndlich sich beschwereten: Warum doch die Christen weder haͤuser zum dienst der anbetung auffbaueten/ noch Altaͤre machten? ( Arno- bius init. Lib VI. adv. Gent.) item: Warum sie nicht allein selbst keine tempel haͤtten/ sondern auch die andern kirchen als tod- tengraͤber verachteten? ( Minutius Felix in Octav. p. 332. edit. He- raldi ) Ja die Christen verdieneten unter andern auch damit der Heiden zorn/ und die entsetzlichsten verfolgungen/ wenn sie dieser mit ihren kirchen und tempeln spotteten und sprachen: Jhr suchet im Capitolio (oder im tempel allda) was ihr doch vom himmel erwarten sollet; Jhr zehlet im gebet die kirchen-gewoͤlbe/ u. s. w. ( Tertull. Apol. cap. 24. \& 40.) 6. Wie aber bald darauff durch die vermengung Heidni- scher und Christlicher dinge auch die tempel und kirch-haͤuser bey dem verfall unter denen Christen auffkamen/ und damit der alte greuel des aberglaubens und goͤtzendienstes nach und nach so arg als unter Heiden war; erweckte GOtt dennoch immerhin solche zeugen/ die das gantze aͤusserliche schatten- und heuchel-werck angriffen/ und daruͤber angeklagt wurden. Jch will nicht wiederholen/ was schon von so manchen personen in der Kirchen-Historie stehet/ welche des wegen als irrige und kaͤtzer kaͤtzer sind ausgestossen worden: Sondern es ist gnug etliche von solchen zu benennen/ die von denen Protestanten als hoch- theure zeugen der wahrheit wieder die Catholiqu en angefuͤh- ret und recommendir et werden. 7. Die Waldenser hatten unter andern auch damit ein Cri- men læsæ Majestatis clericalis begangen/ wenn sie die kirchen stein- und stroh-haͤuser hiessen/ und sich also davon herauß liessen: Sie hielten eine gemauerte kirche eben so heilig als eine scheune/ auch wohne GOtt nicht drinnen/ denn er habe gesagt: Jch wohne nicht in tempeln von menschen- haͤnden gemacht. Das gebet sey darinne nicht kraͤfftiger als in einer kammer. Die zierrathen der kirchen waͤren groͤssere suͤnden ‒ ‒ ‒ ‒ CHristus habe seinen Juͤngern nichts dergleichen hinterlassen u. s. w. ( Catalogus Test. Ve- rit. Lib. XV. p. 535.) Welche und dergleichen zeugnuͤsse die Protestanten selbst gebilliget/ erklaͤret und weiter bekraͤfftiget haben. ( Centur. Magdeb. l. c. Lucas Osiander Hist. Eccles. Lib. IV. Cent. V. cap. 13. \& 22. ac plures alibi nominati. ) 8. Wie viel aber diese und andere solche zeugen deßwegen leiden muͤssen/ und wie die Kirchen- und Schul-lehrer die un- ter ihr joch gebrachte Obrigkeit zum blutvergiessen wieder je- ne auffgehetzet haben/ davon sind alle Histori en angefuͤllet. Nur waͤre zu wuͤnschen/ daß eben dergleichen tragœdi en auch mit veraͤnderten personen unter denen Protestanten niemals ge- spielet worden waͤren/ und auch manche sect en durch allzuheff- tige gegensaͤtze die gabe der unterscheidung nicht verlohren haͤt- ten/ damit man also unsere oder vorige zeiten von diesem all- gemeinem durchgaͤngigem uͤbel ausnehmen koͤnte/ da vom an- fang der welt her die gottlosen und heuchler fast keine schein- scheinbahrere sache wieder die andern finden koͤnnen und moͤgen/ als von ihrem Gottesdienst. 9. Es ist aber offenbahr und klugen leuten aus den histori- en laͤngst bekant/ daß bald nach dem anfang der spaltung und trennung von der Roͤmischen kirche viel Lehrer sich eben wie zu Constantini zeiten die verfallende Christen in denen Heidni- schen/ also jene in denen Paͤbstischen kirchen/ in possession und und also fest gesetzet/ dabey aber die wenigsten mißbraͤuche ab- geschafft/ und noch dazu neue unzulaͤngliche formen/ kirchen- gebraͤuche und Ceremoni en gemacht/ und daran jederman verbinden und zwingen wollen. Und weil alsbald ihrer viele der Roͤmschen Cleris ey ihre staats-streiche/ sonderlich die/ ob wol zuweilen verdeckte/ doch meist ziemlich offenbahre herꝛ- schafft uͤber die Obrigkeit abgelernet: ist es ihnen durch die præ- scription und lange gewohnheit dermassen gelungen/ daß der ge- meine kirchen-dienst vor unumgaͤnglich noͤthig/ und selig ma- chend geachtet worden/ und folglich von keinem menschen ohne verfolgung verlassen werden doͤrffen. 10. Daraus ist erfolget/ daß nicht nur das unwissende ro- he volck seinen gantzen himmel auff die kirchen und die darin- nen von D. Heinrich Muͤllern benennte 4. hauptgoͤtzen/ beichtstuhl/ altar/ tauffstein und kantzel gebauet/ auch die/ so nur im geringsten anders geredet oder gethan/ als Atheisten/ Ke- tzer und Heiden angesehen und tractir et hat. Sondern es haben sich auch Fuͤrsten und Herren offt zu verfolgung und verjagung solcher leute durch die Cleris ey bereden lassen/ und zwar unter der beysorge/ das kirchen-regiment sey mit dem staat so genau verbunden/ daß dieser ohne jenes nicht bestehen/ und folglich durch die genommene gewissens-freyheit im kirchen-wesenal- le/ auch weltliche ordnung untergehen duͤrffte. 11. Hiezu ist noch dieses kommen/ daß wenn bey man- B chem chem Potentaten noch ein funcke der Gottesfurcht geblicket hat/ die Cleris ey so gleich denselben auff lauter aͤusserliche weisen ge- fuͤhret/ wodurch man sein gewissen (ihrer eiteln einbildung nach) befriedigen und GOtt einen dienst thun koͤnne. Jn wel- cher einbildung denn solche Herren offt gewaltig wieder alle zeugen der wahrheit geeiffert/ und alles gestrafft und vertrieben haben/ was nur einigen scrupel uͤber dem verderbten zustand der kirchen und ihrer diener mercken lassen, wie die Kirchen-Histo- rie ausweiset. 12. Wenn aber nunmehro/ durch GOttes wunderbahre hand/ vielen/ auch grossen und hohen in der welt/ und sonder- lich in denen Protestanti schen kirchen/ die augen auffgehen/ daß sie ihre bißherige verfuͤhrung und sclaverey sehen und mit haͤn- den greiffen: Stehet dieses anbrechende licht dem feind alles guten/ und sonderlich der freyheit/ durch aus nicht an. Und weil es ihm an den subtil sten intrigu en und scheinbahrsten versteckte- sten streichen noch nie gemangelt/ und wol siehet/ daß er in und durch seine werckzeuge mit gar grober und hefftiger behau- ptung seiner altensaͤtze nicht mehr so wol fortkommen kan: So greifft ers auff andere arth an. Er faͤngt nunmehro auch an/ mit uͤber das gemeine elend zuklagen/ als waͤre es ihm noch so leid/ lernet allerhand frommscheinende worte nachschwatzen/ und will den leuten gar weisen/ wie er auch vom wahren Chri- stenthum reden und schreiben koͤnne. 13. Hiedurch sucht er sich einen schein und Credit zu ma- chen/ daß man glauben solle: Wan muͤsse bey solchen klagen nicht eben weiter gehen/ daß man entweder die sachen in ihrem rechten grundent decke/ oder gar zur Praxi der so lang auffin pa- pier gestandenen piorum desideriorum, klagen und zeugnisse schreiten/ vielweniger das kirchen-wesen vor frey und nicht hoͤchstnoͤthig haltē wolte. Mit dieser angenom̃enen heuchel und schmei- schmeichel-larve suchet er seine raub-nester und pallaͤste in den menschlichen gemuͤthern zu bewahren/ weil er sich vor dem staͤr- ckern fuͤrchtet/ welcher zu seinem tempel selbst kom̃en und regie- ren will. Dahero schreyet er das crucifige uͤber die/ welche GOtt mehr als menschen gehorsam seyn wollen/ und wenn er etwas erbahrer heissen will/ suchet er eine sache zu finden uͤber ihrem Gottesdienst. 14. Jch will aber hier nichts mehr davon gedencken/ son- dern uͤbergebe hiermit allen Lesern/ und insonderheit denen hohen und niedern Obrigkeiten aller orthen/ diese wenige bogen: Worinnen ich auff der gleichen alte gewoͤhnliche ankla- gen meinetwegen rechenschafft zu geben gedrungen werde. Es ist auff die unpartheyische Kirchen-historie bißher so viel er- folgt/ daß da man derselben ausser elenden sophist ereyen (da- mit man sich zu allen zeiten wieder die gerade wahrheit be- helffen wollen) nicht beykommen mag noch wird/ man die per- son selbst antastet/ und in ermangelung anderer sachen etwas von ihrem Gottesdien st hervorsuchet. 15. Weiln mich aber dißfals so wol im natuͤrlichen/ als Goͤttlichen rechten allzuviel und fest gegruͤndet weiß/ ausser dem ich sonst nimmermehr dergleichen bekennen oder thun wuͤr- de: Als sind mir neulich die nachfolgende puncte zur beant- wortung in die feder geflossen; Dabey dieses einige an alle/ son- derlich Protestirende Obrigkeiten/ mein ernstlicher wunsch ist: Daß doch einmal in der that und praxi uͤberall dasjenige unter ihnen und durch dero ernstlichen vorschub lebendig und kraͤfftig werde/ was insgesamt wieder den Paͤbsti- schen gewissens-zwang in Geist- und Goͤttlichen dingen von anfang her gelehret worden ist. Damit nicht weiter solche all- gemeine theure und ewige wahrheit von der freyheit der glau- B 2 bigen bigen durch die wiedrige praxin gekraͤncket und vernichtet/ die armen gewissen geplaget und zum seufftzen gedrungen/ derer tyrannischengemuͤther boßheit gestaͤrcket/ die schwachen vol- lends zuruͤck gestossen/ die andern aber zu spott und vorwurff gereitzet werden moͤgen. 16. Wofern ich die zeit und muͤhe dran wenden wolte/ oder es auch unter denen vor noͤthig achtete/ welche ihre eigene gewissens-freyheit selbst gegen die Catholiqu en behaupten/ auch so bald sich einige frucht hervorthun solte/ noch im- mer mehr maintenir en wuͤrden: koͤnte ich eine grosse menge sol- cher gruͤnde und zeugnisse aus allen zeiten/ Religionen und or- then vorlegen. Allein ich hoffe und weiß/ daß der ewige Geist GOttes selber diejenigen dahin lencken wird/ so auff seine wirckungen im gewissen nur ein wenig mercken/ und vom falschen zorn- und eiffeꝛ-geist/ odeꝛ auch vom abeꝛglaͤubischen Heuchelwesen nicht gantz verblendet und hingerissen sind. Und welche Obern dißfals nur einen versuch thun/ und denen uͤber dem gemeinen verderbnuͤß bekuͤmmerten gemuͤthern nur einige freyheit und erquickung (bey ihrem inwendigen schweren kaͤm- pfen und gebeth vor alle menschen/ und sonderlich vor die Obrig- keit) auff eine zeitlang goͤnnen werden: die werden in der that erfahren/ daß alle angegebene gefahr oder schaden/ durch inter- essir te auffwieglerische leute erdichtet/ und hingegen von sol- chen stillen im lande/ als denen treuesten unterthanen/ ein ungemeiner segen uͤber Obere und untere von GOtt gantz gewiß erhalten werde. 17. Jmmittelst und gesetzt/ daß einige sich von falschen Propheten zu gewaltthaͤtigkeit dißfals mißbrauchen liessen/ wird dennoch der GOtt aller Goͤtter und der HErr aller Herren maͤchtiger werden denn alles/ und mit seiner hand wunder beweisen/ daß die feinde sich schaͤmen/ ablassen/ und seine seine verborgene und friedsame sicher wohnen lassen muͤssen- Es bezeugen ohne deme die geschichte aller/ so wol Heidnischer als Paͤbstischer verfolgungen/ daß durch die versuchte daͤm- pfung der Goͤttlichen wercke und zeugnisse/ und durch den wie- derstand die gemuͤther immer duͤrstiger und befestigter und die sache selbst weiter bekandt und ausgebreitet/ auch so fort gar allgemein worden. Dahingegen die Obern durch eine vaͤter- liche gelindigkeit und indulgen tz bey gewissens-sachen in ihrem eigenem gewissen ruhig und freudig/ von ihren unterthanen de- sto redlichereꝛ liebe und treue versichert/ und insgemein wahrer friede und Gottesdienst bey behalten werden koͤnnen/ wie die er- fahrung lehret. 18. Wenn auch gleich das gegentheil/ aus denen exem- peln solcher moͤchte besorget werden wollen/ welche zwar an- fangs stille und unschaͤdlich gewesen/ bald aber bey erlangter macht und menge sich meister gemacht. So moͤchte eben die- ses ja freylich von allen grossen partheyen aus den historien wahr seyn/ und nicht nur von kleinern sect en/ als Mennist en/ Sociniane rn ꝛc. Alleine eben dieses ist der unterscheid der secti- rer/ von wahren unpartheyischen verborgenen und stillen im lande. 19. Denn jene/ weil sie einmal von liebe zu sich selbst/ und ihren eigenen invention en/ satzungen und eingebildeten erbau- ungen eingenommen sind/ koͤnnen nicht anders/ als auff alle er- sinnliche weise ihre (nach ihrer meinung allein seligmachende) lehre mit list oder gewalt fortpflantzen/ und ausbreiten. Die- se aber/ als unpartheyische bleiben allerdings unter aͤusserlicher gemeinschafft einer groͤssern parthey/ halten dabey mit Petro alle Gottfuͤrchtende und gerechte aus allem volck vor GOtt an- genehm und selig/ und werden dahero/ wollen und koͤnnen auch (vermoͤge des wahren sinnes C Hristi und seiner Apostel) nim- mermehr eigenen anhang/ sect en und hauffen/ formen oder B 3 wei- weisen des Gottesdiensts/ als neue Babylonische thuͤrne ma- chen. Sondern sie bleiben unter dem aͤusserlichen gehorsam der Obrigkeit nach wie vor/ und verlangen von ihnen nichts mehr/ als die wolthat der Christlichen Toleran tz und freyheit in gewissens-sachen. Von denen wahren lehrern aber wissen sie aus der schrifft/ daß sie uͤber das volck weder herrschen doͤrf- fen noch wollen: Die falschen fliehen sie hingegen mit samt ih- ren dingen/ als woͤlffe/ abermal nach der schrifft und dem exem- pel aller rechten Christen. 20. GOtt aber wird selbst durch wirckliche behauptung seiner eigenen und gerechtesten sache den außschlag geben/ und deroselben foͤrderer und freunde augenscheinlich schuͤtzen und segnen/ die wiederigen/ aber treulich demuͤthigen und zu ei- nem andern sinn bringen! Geschrieben in Quedlinburg am 6. Junii 1700. Gottfried Arnolds Beantwortung Der Cypriani schen Beschuldigungen wider seine person. Das I. Capitel. 1. E S ist zwar aus wichtigen ursachen von mir geschehen/ daß ich in dem II. Tomo der Kirchen-historie mich oͤf- fen lich erklaͤren muͤssen/ wie ich mich mit niemand uͤber diesem buche weiter in streit einlassen wolle: Nachdem ich zumal die erste Wittenbergisch gegensaͤtze so gar elend befunden/ daß es der muͤhe unwerth geschie- nen/ andern dergleichen wider sprechern zu begegnen. 2. Al- 2. Allein ich habe mich gleichwol nirgends verbindlich gemacht/ diejenige verantwortung jemals zu unterlassen/ welche den grund und ur- sachen entweder der in mich gelegten hoffnung oder auch meines lebens und verhaltens betreffen moͤchte. Absonderlich/ weil dieses niemand anders thun/ und von meinem sinn und wandel so gewisse rechenschafft geben kan/ als ich selber: Jenes aber/ nemlich die untersuchung der ausserlichen strei- tigkeiten/ von tuͤchtigen gemuͤthern nach befindlicher nothdurfft nicht wird unterlassen werden. 3. Da nun ein guter freund von freyen stuͤcken mir die nachstehenden erinnerungen uͤber Hn. Cypriani schrifft (wiewol ohne beygesetzten na- men/ welches ihm bey so grosser feindseligkeit der wieder sprecher nicht zu verdencken ist) zu geschicket hat/ in welcher diesem gar deutlich die wahrheit angewiesen ist: So nehme ichs/ als eine schickung und vorsorge GOttes vor s e ine wahrheit und sache/ mit danck an/ und habe es allen unpartheyi- sehen Lesern hiemit durch den druck communici ren sollen; Dieweil aber Herr Cypriani auch die gerechte sache und wahrheit/ durch einige verfaͤng- liche anklagen wider meine person verdaͤchtig und verwerfflich zu machen suchet: Als gibt er mir (nach erkaͤntniß des Goͤttlichen raths und wil- lens) dadurch anlaß von dergleichen materien so wol insgemein/ als auch wegen meines verhaltens in sonderheit das jenige immer klaͤrer/ hiemit ein- mal vor allemal oͤffentlich zu bekennen/ was nach der H. Schrifft/ der er- sten kirche/ ja auch nach Lutheri sinn unwiedertreiblich gewiß und wahr- hafftig bleibet. Und dieses ist hiebey meine absicht/ da ich sonst gerne be- kenne/ daß ich auffeinige beantwortung dieser schrifft niemals gedacht ha- be/ weil ich wol weiß/ daß dergleichen elende dinge mit der zeit in sich selbst zergehen und zerfallen muͤssen. 4. Zuvor aber wuͤnsche ich dem Hn. Cypriani und allen/ die dieses le- sen/ daß unser allgemeiner Schoͤpffer und Gutthaͤter sein und ihre gemuͤther von aller schaͤdlichen partheylichkeit und verkehrtē sect en-liebe/ wie auch von dem gifftigen neid und der daherentstehenden zancksucht durch den gemei- nen liebes-geist befreyen und sie dadurch tuͤchtig mache/ die wahrheit/ als wahrheit zu fassen und zu geniessen/ ohne ansehen der person und vor-einge- nommener meinung/ tradition en oder vaͤterlicher weisen. Denn wer hie- bey diesen vorsatz und grund von GOtt erlanget/ der wird zu seiner befrie- digung und zur gemeinen besserung verstehen koͤnnen/ was ich sagen will. 5. Vorserste klager mich Her r Cypriani oͤffentlich an: Jch be- kennete mich zu keiner NB. sect e/ und waͤre mit bitterm haß gegen alle sect en angefuͤllet und auff geblehet: am 22. blat seiner allgemei- nen nen anmerckungen. Hierauff antworte ich ( I ) Wenn Hr. Cyprian. selbst den sonst infam en und verhasten titul der sect e auch der Lutherischen Religion ohne bedencken gibt: So mag er niemand verdencken/ der wi- der den schlimmen beynahmen eines Sectire rs protesti rt. Denn in der schrifft und Lutheri version wird nur Pharisascher/ Saducaͤischer und verderblicher sect en/ item der boͤsenrotten/ und rottenmacher/ als werckedes fleisches gedacht/ Ap. Gesch. V. 17. XV. 5. XXVI. 5. 2. Pet. II. 1. 1. Cor. XI. 19. Gal. V. 20. Jud. v. 19. Daher auch der Christen feinde dasjenige eine sect e/ als etwas arges nach ihrem be- griff und zweck nenneten/ welches Paulus aber nur einen weg benamte/ und also jenes schmaͤh-wort tacitè declinir te/ Ap. Gesch. XXIV. 14. c. XXI I X 23. 6. Zum II. Da nun das wort sect e in der schrifft allezeit etwas boͤ- ses heist/ Hr. Cyprian. aber p. 38. vorgibt/ er pruͤfe so gar auch alle seine gedancken nach der schrifft/ geschweige seine worte: so muß er nothwen- dig diesen biblischen und zugleich jetzo famos en verstand dieses namens bey dieser anklage verstanden haben und also gelten lassen. Folglich ist seine be- schuldigung ungereimt/ und findet bey keinem nur natuͤrlich-vernuͤnfftigen menschen statt: indem mir niemand verargen kan/ daß ich mich zu keinem boͤsen und infam en dinge bekenne/ sondern es meide. Denn Lutherus selbst saget: Sect en und rotten im glauben anrichten und folgen heisse GOtt in viel Goͤtter theilen/ und ihm viel namen geben/ ( Tom. IV. Altenb. p. 366. a. ) ja in der that ist und heist eine sect e nichts anders/ als eine von GOtt offenbarlich verbothene trennung von der wah- ren allgemeinen unsichtbaren Catholischen kirche/ und von deren haupt und rechten gliedern/ Coloss. II. 19. Welches allerdings ein mit der liebe GOttes und des naͤchsten streitendes werck des fleisches ist/ Gal. V. 19. 20. Dahero ich selbst wider alle Sectiri sche absonderung/ selbst-ge- faͤlligkeit und eigene erhebung im II. Th. der K. H. p. 726. num. 4. vorlaͤngst ernstlich protesti ret habe/ wie es Herꝛ Cyprian. selbst pag. 7. an- fuͤhret. 7. Vors III aber muß man hier nicht sophisti scher weise unter das ar- ge sect en-wesen die personen oder leute selbst mit untermengen/ welche bey dieser oder jener parthey oder Religion gebohren und erzogen/ auch biß- hero darinnen unter Goͤttlicher gedult blieben sind. Denn wie diese als nebenmenschen von mir nach GOttes befehl geliebet werden muͤssen/ auch wol manche bey ihrer einfalt viel gutes von GOtt geniessen und vor GOtt wol ungleich angenehmer seyn koͤnnen/ als ich oder andere/ daß ihnen also die die gemeine verderbniß und sect e nicht eben schaden mag: Also hasse ich sie durchaus nicht/ sondern finde durch GOttes gnaden staͤts ein ernstlich mitleiden und neigung meines gemuͤths gegen alle leute in der welt/ sie wahrhafftig aus ihrem elend frey und gluͤckselig zu sehen. Und weil ich nun dieses also auff mein gewissen vor der allsehenden Gottheit außsage und versichere: faͤllet Herꝛ Cypriani erste haupt - anklage von selbsten weg/ und wird zu einer unanstaͤndigen verlaͤumdung. (Siehe hievon weiter die fol- genden erinnerungen.) 8. Die andere beschuldigung ist/ ich seye nicht nur insgemein keiner sect e zugethan/ oder kein Secti rer/ sondern auch insonderheit kein Lutheraner: Jn der vorrede §. 4. und 10. Nun beweiset ers zwar da- selbst mit nichts: und also wirds weder ein Catholique noch sonst jemand auff sein sagen glauben. Es ist aber auch diese klage aus jetztgedachtem unterscheid klar gnug abzulehnen/ und mir ohne dem weder schmaͤhlich noch nachtheilig: Jedoch muß ich anderer wegen etwas hinzufuͤgen/ (zu- mal Hr. Cyprian. eben hiedurch das abgelegte zeugniß der Kirchen-Hi- storie zu vernichten suchet) damit er auch hierinnen seine unbesonnenheit ersehe. 9. So ist nun ( I. ) mercklich/ daß andere Lutheraner selbst mich noch immer ausdruͤcklich unter sich zu setzen pflegen. Der Autor der erinne- rung wider meine offenhertzige bekantniß (zu Wittenberg bey Christ. Schroͤdern/ und also mit Censur der Theolog en gedruckt) schreibet pag. A. 2. ausdruͤcklich: Jch verlangete der Lutherischen kirche glied- maß noch immer zu bleiben. Und in dem letzten Oster-meß- Cata- logo zu Leipzig 1700. stehet eines von meinen buͤchern gleich zu erst unter den Theologi schen buͤchern Augspurgischer Confession, woraus mein anklaͤger mercken mag/ daß er mit seinem blossen vorgeben kein gehoͤr/ auch nicht einmal bey seines gleichen finde. 10. Wie denn auch ( II. ) bekant gnug ist/ und ich niemals zu laͤug- nen willens gewesen bin/ daß ich in der Lutherischen kirche gebohren und er- zogen/ auff Lutherischen Universit aͤten studir et und docir et/ ja biß diese stunde unter und bey keiner andern Religion als unter den Lutheranern ge- lebet und auch gepredigt habe/ und zwar allezeit unter solchen/ die sich selbst vor γνησίως-Lutherisch/ die Helmstadter aber meist vor halb- oder gar keine Lutheraner gehalten haben. 11. Jch bekenne auch ( III. ) frey und ungezwungen/ daß ich Lu- theri lehren und abgelegte zeugnisse so wol wider das Antichristenthum der verderbten Clerisey/ als von dem lautern weg des Evangelii hoch und C theuer theuer halte. Ja ich finde diejenige alte reine Theologi e und Religion in der praxi zum leben vor die beste/ und mit dem wahrhafftigen Evange- lio einstimmig/ welche er gleich anfaͤnglich aus der H. Schrifft/ und denen zeugen der wahrheit und Mysticis, sonderlich dem Taulero und der Teut- schen Theologi e wieder hervor gezogen und gegen die Schulgelehrte be- kandt hat. Davon seine vorrede uͤber diß letztere buͤchlein und der 23. brieff an Spalatinum Tom. I. Epist. pag. 32. it. die worte Tom. I. Jenens. p. 86. zeugen/ so auch seine treuernstliche nachfolger H. Wellerus, Sarcerius und wenig andere noch mehr bekraͤfftiget/ und dagegen Melanchthonis heidnische dinge nicht geachtet haben. Und in solchem sinn kan ich auff- richtig ohne verstellung thun/ was Lutherus in denen von Hn. Cyprian. angefuͤhrten worten p. 20. aus Tom. II. Jen. Germ. p. 92 von denen præ- tendi ret/ die seine lehre im hertzen vor Evangelisch halten. Nemlich: Jch werffe den Luther nicht so gar hin/ ich wuͤrffe sonst seine lehre auch mit hin/ die ich doch (dißfals) fuͤr CHristi lehre erkenne. 12. Allein ich kan auch ( IV ) nicht laͤugnen/ und habe bißhero aus der historie augenscheinlich erwiesen/ daß Lutherus selbst nach der zeit durch das elende gezaͤncke und andere versuchungen von seiner ersten liebe und krafft ziemlich abgekommen/ und daß die/ so sich nach ihm genennet/ seine erste grundlehren fast gantz verlohren/ ja noch dazu an andern verworffen haben/ davon unten einige proben folgen sollen/ und Hr. Cypriani selbst ist klar gnug heraus gegangen/ wenn er alles in allen sect en verdorben zu seyn bekennet: p. 2. §. 1. Dahero man sich ferner hiebey derjenigen sreyheit nothwendig bedienen muß/ welche Lutherus selbst Tom. II. Altenb. p. 755. a. gibt/ wann er sagt: Jch habs nicht gern/ daß man die lehre und leute Lutherisch nennet/ und muß von ihnen leiden/ daß sie GOt- tes wort mit meinem namen also schaͤnden. NB. item: Tom. II. Alt. p. 836. Jch bitte/ man wolle meines namens schweigen/ und sich nicht Lutherisch/ sondern NB. Christen heissen: (welches er aus I. Cor. III. 4. beweist/ und weiter setzt) Wie kaͤme ich armer stincken- der madensack dazu/ daß man die kinder CHristi solte nach mei- nem heillosen namen nennen. Und endlich Tom. II. Jen. Germ. p. 92. Mansolle ja NB. bey leibe nicht sagen/ ich bin NB. Lu- therisch/ oder Paͤbstisch: Denn derselben keiner sey vor uns ge- storben noch unser Meister/ sondern allein CHristus/ und solle man sich NB. einen Christen bekennen. 13. Aus welchen allen ( V ) folget/ daß sich diejenigen verfallenen und elenden hauffen/ ohne dem geringsten grund und beweiß/ ja wider Lu- theri theri willen und Protestation vor wahre Lutheraner ansgeben/ welche doch in lehr und leben nicht die geringste krafft und frucht von Lutheri er- stem lauterm sinn auffweisen koͤnnen. Und daß dahero auch kein Evangeli- scher Christ/ der das wesen des Evangelii von JEsu CHristo hat und ge- neust/ sich nach jener gemeinen mißbrauch und falschem ruhm/ in diesem ih- rem sectiri schem sinn ihnen zu gefallen aus menschlicheꝛ furcht oder hofnung Lutherisch nennen koͤnne/ zu mahlen/ nachdem dieser name zu einer so offen- bahren sectire rey/ eigener erhebung und verdam mung aller andern men- schen durch die gantze welt mißbrauchet worden/ daß nach obigen gruͤnden §. 5. 6. 7. nichts gesundes/ oder nach Lutheri sinn schmeckendes mehr dar- an geblieben ist. Sintemal dieser an demim 6. §. benenntem ortgar wol schreibet: Wenn sect en und rotten auffhoͤren/ und manrecht in ei- nerley geist/ glauben/ wort und wesen GOtt dienet/ so heist denn GOtt Einer/ und sein name Einer. 14. Hiezu kommt ferner ( VI ) das klare allgemeine verboth in der Schrifft aus I. Cor. III. 4. welches Luther selbst anziehet/ und nir- mand verdrehen oder unkraͤfftig machen kan/ so wenig als des HErꝛn JE- su befehl Matth. XXIII. 8. einige einschraͤnckung bey denen leidet/ die noch einige veneration vor GOttes wort haben. Wie denn die sectiri sche namen auch denen hefftigsten eifferern so gar greulich bißweilen vorkom̃en sind/ daß Epiphanius selbst ( Hæresi LXX. num. 15.) aus druͤcklich von denen Audæan ern saget: Es sey recht entsetzlich/ daß die/ welche doch in der kirche waͤren/ den namen der Christen veraͤnderten. Da doch diese NB. allein mit benamung Christi unter Christen vergnuͤgetsey/ und NB. alle fremde namen verwersse. Anstatt dieses namens aber nennen jene sich also NB von ihrem urheber/ und fodern ein kennzeichen von NB dem namen eines blossen menschen/ welches NB durchaus nicht zuzugeben ist. Dieser kla- re außspruch eines alten beruͤhmten ketzermachers und secti rers solte Herꝛ Cypriani fein reifflicher bedacht haben/ ehe er seinen elenden sinn p. 17. u. f. so gar sehr bloß gegeben/ und durchaus einen sect en-namen allen leuten auffzuhengen und anzuhefften den namen Christi aber wider Lutheri sinn auszurotten/ sich unterstanden haͤtte. 15. Zumal ( VII ) man ihn ja billich erst fragen muͤste: Zu welcher parthey derer Lutheraner man sich denn nun halten solle? Ob zu denen/ die noch zu Wittenberg auff Luther s cathed er sitzen und trotzen/ und sich deswegen vor γνησίως oder auffrichtige Lutheraner ausgeben: oder zu den Helmstaͤdtern? Item: Ob man das Corpus Julium oder die For- C 2 mulam mulam Concordiæ beschwoͤren und unterschreiben soll? Die Wittenber- ger sind bißher handgreifflich durch so manche zeugnisse ihres gaͤntzlichen ab- falls von dem sel. Luthero uͤberfuͤhret/ und daruͤber verstummet/ die Helm- staͤdter sind von jenen schon laͤngst als Ketzer/ Neultnge/ Syncretiste n/ ja als Muhammetan er aus dem Lutherthum aus gestossen/ und vor nicht- oder falsch-Lutherische erklaͤret/ auch von dem religions frieden ausge- schlossen worden/ weil sie nach der vernunfft eine religions-eimgkeit anrich- ten wollen/ und daß diese spaltung und secti rerey noch daure/ muß Herꝛ Cyprian. selbst tacitè offenbaren/ wenn Er pag. 81. noch immer nach denen Syncretisti schen principiis wuͤnschet und suchet/ (welches γνησίως Luthe- rani nicht thun) daß alle vorige schwuͤrigkeiten mit den Reformirten ver- graben blieben/ u. s. f. ungeacht er selbst unbesonnener weise sie auffs feind- seligste p. 78. u. f. anklaget. 16. Wo/ sage ich/ soll man denn nun wahre Luther aner finden/ nach denen man Lutherisch heissen koͤnte? Soll man sich mit seinem gewissen und gantzen grund der seeligkeit an solche leute/ als infallibiles oder unbetrieg- liche binden lassen/ die doch sich selbst untereinander verdammen oder ver- ketzern? Solte nicht ein Jude/ Tuͤrcke/ Papist und dergleichen sagen/ was Chrysostomus setzet ( Homil. XXXIII. in Act. Apost. ) Jch wolte gern ein Christ werden (oder nach der heutigen redens-art/ mich Lu- therisch nennen) aber ich weiß nicht/ wem ich folgen soll. Es ist so gar viel zanckens/ streitens/ und disputir ens unter euch. Jch weiß nicht/ welche lehre ich erwehlen/ oder welche ich vor die beste halten solle u. s. f. Jngleichen was ein Lutherischer Jurist D. Caspar Zieglerus setzet/ ( Comment. de Episcopis. præf ) Jndem der hauffe der Christen in gantz verschiedene parten ohne einige hofnung der vereinigung getherlet ist/ so daß einer sagt/ er folge Luthero, der andere Calvino (Calovio oder Calixto ) so weiß man kaum/ wer CHristozugehoͤret; und folglich kan man sich auch nach keinem richten oder nennen. 17. Oder soll man sich zu einem solchen verdorbenen und verworre- nen hauffen bekennen/ dessen glieder nun selbst unbesonnen bekennen/ sie seyen eine sect e/ man muͤsse sich zu ihrer sect e bekennen? wie Hr. Cypri- ani thut: oder zu einem solchem/ der selbst in seinen anhaͤngern unverschaͤmt gnug/ wie Hr. Cyprian. herausplatzt/ und sagt: Seine mutter sey eine hure/ und beweist es noch fein dazu aus der Schrifft p. 43. Oder soll ein wahres kind GOttes und des obern Jerusalems eine solche hure vor seine mutter erkennen/ welche ihren kindern vergoͤnnet/ und als GOtt gefaͤllig ein- eindruckt/ daßsie einander selbst fressen/ ruinir en/ und todtschlagen? wie nach der Gottlosen lehre derer zanck- Theolog en (wider die ersten grund- lehren CHristi von der liebe des naͤchsten) in so vielen kriegen geschehen/ und jetzo wiederum zwischen Lutherischen Potentaten geschicht. Ja wel- che auch selbstihre haͤnde mit unschuldigem blut so vieler zeugen GOttes besudelt/ und noch immer ihre rachgier und blutduͤrstigkeit durch den miß- brauch des brachii secularis ungescheuet offenbaret/ wie aus meiner kirchen- historie zu sehen/ und durch Hn. Cypriani arge schrifft nun wieder auffs neue offenbahr worden ist. 18. Da siehet ja nun der Autor allzuoffenbahrlich/ daß er keinen rechtschaffenen Christen durch seine sophist ereyen bereden koͤnne noch wer- de/ daß er sich Lutherisch nennen solle und muͤsse: und folglich wird er mit seiner unbesonnenen klage nicht auskommen/ daß ich kein Lutheraner sey/ und von dem Lutherthum ausgegangen: Denn ich wiederho- le nochmals kuͤrtzlich meine erklaͤrung. Nach Lutheri und seiner ge- huͤlffen ersten lautern sinn und vortragkan ich allerdings mich so fern einen Evangelischen oder wieder alles grobe und subtile Pabsthum protesti renden/ ja auch einen Lutheraner nennen und nennen lassen/ und bin und bleibe (auch wieder Hn. Cypriani danck und willen) im Roͤmischen Reich des Religions-friedens (ver- moͤge der mir durch GOttes versehung von hohen Potentaten ungesuchtertheilten und von mir mit demuͤthigem danck erkand- ten freyheit und schutzes ) faͤhig und theilhafftig. Nach dem offen- bahren verderben aber und sect irischen greuel des jetzigen Lutherthums habe ich mit ihren wercken der finsternuͤß nichts zuthun/ und bin weder ein fal- scher/ noch ein (im Wittenbergischen sinn) γνησίως-Lutheraner/ noch ein Syncretiste, noch etwan dergleichen. Ja ich kan mich so wenig vor einen Lutheraner im gemeinen verstand/ als vor einen Tuͤrcken/ Hey- den und Barbaren bekennen. Weil vorlaͤngst in gantzen buͤchern von Lu- thero, Fritschio, Lubberto und andern bewiesen ist/ daß die Lutheraner noch aͤrger als Heyden und Tuͤrcken seyn und leben. Und also ist es zwar wahr: Jch lebe unter Lutheranern und bin (mit den Jurist en zu reden) in ihrem territorio, aber nicht de territorio illorum, so ferne nemlich sie offen- bahrlich verdorben und verfaͤlscht sind/ welches bald nach sonderbahren um- staͤnden deutlicher werden soll. 19. Unter dessen und ob man wol mit dem verderben einer secte keine gemeinschafft haben/ sondern allerdings davon ausgehen soll und muß/ will man anders von GOtt auffgenommen werden/ nach seinem klaren wort/ 5. C 3 Buch Buch Mos. VII. 2. 1. Sam V. 1. 2. 1. Koͤn. XIIX. 21. Esai. LII. 11. Jerem. XV. 19. 2. Cor. VI. 14. u. f. so hat und behaͤlt man doch noch ge- meinschafft mit denen darinnen verborgenen des HErrn/ gleich wie mit der gantzen Catholischen unsichtbahren kirche in der gantzen welt. Diese gemeinschafft ist geistlich und unsichtbahr/ und kan dahero keinem von einiger creatur disputi rt oder genommen werden/ sie murre dawieder/ so lang sie will. 20. Noch vielweniger kan jemand einen andern/ und also Herr Cypriani mich zu einem rechten formal en ketzer machen ohne ausfuͤhrli- chen und umstaͤndlichen beweiß/ ob er noch so gerne wolte. Denn nach dem er mich (seiner elenden meinung nach) aus dem Lutherthum hinaus- gestossen. So wirfft er mir (nach gemeiner mode ) einen hauffen ketzer- zunamen der Weigelian er/ Quak er, Socinian er ꝛc. hinten nach/ und denckt/ nun seyich mehr als civiliter mortuus, und vor aller welt ein ketzer. Jch will aber hievon noch unten im IV. Cap. etwas melden/ und das uͤbri- ge den freund in der folgenden schrifft reden lassen. Hier aber nur dieses eintzige erwaͤhnen: Der Herr Cypriani hat unwissend mir damit die ehre angethan/ und das zeugniß oͤffentlich gegeben/ welches alle diejenigen von den ketzermachern und sectir ern genossen/ so die wahrheit ohne menschen- ansehen geschrieben haben. Er selbst setzet p. 2. unter die zeugen des Lu- therischen verfalls Gerhardum, Meyfartum und andere: Diese aber sind/ wie Joh. Arnd, ausdruͤcklich von denen Lutheranern Weigelian er/ Rosencreutzer ꝛc. geheissen worden; Wie ich im II. Theil der Kirchen- historie p. 467. 481. und sonsten gewiesen. So siehet er nun/ daß es nunmehr Synonyma und Ehren-titul worden seyn. Ein zeuge der wahrheit/ (dazu ich mich zwar noch viel zu gering und elend weiß/ und deßwegen nur anderer zeugnuͤsse vorgeleget habe) und ein Weigelian er/ Rosencreutzer oder Quak er. Hingegen daß der name eines Ketzer- machers oder meisters/ eifferers/ orthodox en fectir ers/ rottenma- chers u. s. f. nunmehro vor der ehrbahren welt/ und sonderlich verstaͤndigen Regenten/ besorglich sehr unangenehm sey/ und noch vielmehr bey durch- bruch des allgemeinen lichts werden solle. So viel von denen ersten ankla- gen wegen der sect irerey. Das Das II. Capitel. Von dem gemeinen Kirchengehen. 1. J Ch koͤnte dieses punctes wegen zwar dabey beruhen/ was ich in der bekaͤntniß von ablegung meiner Academi schen Profes- sion und letztens in der sechsten edition derselben im II. anhang vorgelegt habe. Jedoch weil diese Materie jetziger zeit immer mehr auffs tapet zu kommenpflegt/ und viel gemuͤther entweder zweiffelhafft oder un- gleich davon unterrichtet sind: Will ich eine kleine zeit daran wenden/ je- doch ausser aller zancksucht/ bloß zur gemeinen besserung/ und moͤglichster wegraumung derer auch scheinbahrsten vortheile. 2. So ist nun des Autoris dritte klage uͤber mich/ daß ich in keine kirche komme/ p. 22. Worauff ein gescheider leser folgende antwort ver- nehmen wolle/ ob ich schon nicht eben die sache vor so wichtig halte/ daß ich mich muͤhsam entschuldigen muͤste. ( I. ) Jst allerdings falsch/ was er mir schuld gibt/ und zwar vielleicht nur vom hoͤren sagen/ oder durch feindselige brieffe (deren er gedenckt) oder wol gar nur aus blossem arg- wohn: Denn ich kan mit vielen glaubwuͤrdigen personen (auch etlichen Orthodox en Predigern) bekraͤfftigen/ daß ich auch in diesen 2. jahren/ seit dem ich allhier lebe/ unterschiedene/ an sich unschuldige actus Ecclesia- fticos, als da sind/ predigen/ der tauffe als ein zeuge mit gebet beywoh- nen/ und dergleichen) auff erforderung gerne verrichtet habe. Und da ich jetzo als ein privatus nirgends (nach gemeiner Papistischer weise) ein- gepfarret/ sondern durch GOttes gunst frey bin: pflege ich freilich nicht eben an einem gewissen ort oder stand ex opere operato nach dem alten schleudrian zu erscheinen. Sondern ich hoͤre nach gelegenheit bald diesen bald jenen Prediger in einem oder dem andern kirch-hause mit an/ oder las- se es auch woldann und wann nach meiner freyheit bleiben. Zumal von mir die kirchen weder lediger noch gefuͤllter werden/ und immer noch unzeh- lich viel schlaͤffer/ schwaͤtzer und sonst liederlich gesinde gnug hinein laͤufft/ daß sich niemand annoch uͤber verlassung oder ledigkeit der kirchen beschwe- ren darff/ wie ehemals die Heidnischen Pfaffen/ als CHristus bekandt wurde/ thaten. 3. Wie ich nun gedachter massen allerdings inviele kirchen kom- me/ also versichere ich den Herꝛn Cypriani (II. ) Daß es ihm nicht wuͤr- de an- de angenehm fallen/ wenn ich dasjenige handgreiffliche elend und die ent- setzliche thorheiten/ welche an allen orthen/ in den gemeinen predig- ten und kirchen-dingen angemercket werden/ allhier zur probe und zum be- weiß/ daß ich in die kirchen kaͤme/ anfuͤhren wolte. Der greuel der ver- wuͤstung ist so groß und unlaͤugbahr allenthalben/ daß sich ein nur natuͤr- lich-redlicher mensch dessen schaͤmen und wuͤnschen moͤchte/ daß doch ja kein anderer/ als blinde/ taube/ stumme und lahme in die Lutherischen kirchen kommen moͤchten/ damit sie nicht bewogen wuͤrden/ davon zu zeu- gen. Ja es ist zuver muthen/ daß nach und nach das bladt sich umkehren/ und man nicht mehr/ wie Herꝛ Cypr. thut/ das kirchengehen vor ein kenn- zeichen eines Christen moͤchte ausgeben duͤrffen/ sondern der entgegenge- setzten praxi wegen des allzuerschrecklichen jammers nirgends wiederste- hen koͤnne. 4. Hingegen ( III. ) wuͤrde man sich von hertzen erfreuen/ und mit grossem danck annehmen/ wenn man in denen kirchen CHristum JEsum und seine Goͤttliche lehre lauterlich/ weißlich/ kraͤfftig und ohne menschen- tand in beweisung des geistes und der krafft vortragen hoͤrte. 5. Wie denn auch ( IV. ) kein verstaͤndiger und bescheidener Christe das kirchen-wesen an sich selbst gantz verwerffen/ oder dem unwissen- den rohen volck/ welches auch aͤussere zucht und ordnung hoͤchstnoͤthig hat/ das kirchengehen und dergleichen an sich selbst abrathen wird: Gleich wie auch insgemein gar nie mand sich deswegen vor heilig oder besser als ande- re halten darf/ oder kan/ weil er nicht in die kirche gehe/ oder das verderbnuͤß ein wenig kennen lerne. Aber das waͤre dabey zu wuͤnschen/ daß die armen leute auch in der kirche etwas gutes ins hertze kriegten/ daraus sie wuͤrck- lich erfuͤhren/ wie hart sie in ihren natuͤrlichen greueln gefesselt und gefan- gen liegen/ und wie sehnlich sie ihr schoͤpffer heraus zureissen begehre/ wenn sie sich zu ihm wendeten. Ob aber dieses bey den gemeinen predigten ih- nen ins gemuͤth gedruckt/ und das kirchengehen also nuͤtzlich werde; da- von weisen leider alle staͤdte/ flecken/ haͤuser und menschen allzuoffenbahr- lich das gegentheil. Wers sehen will/ darff nicht weitlauffen/ an sonn- und feyertagen sieht mans wol. 6. Wir wollen doch ( V. ) um derer willen/ die mit Hn. Cypriani aus dem kirchengehen einen character des Lutherischen Christenthums/ und mithin einen goͤtzen machen/ nur etliche aus sagen und bekaͤntnisse ihrer ei- genen leute anhoͤren/ weil ich solche dinge in grosser menge vorlaͤngst noti- r et habe/ und sie nur darff excerpir en lassen. Die ersten klagen Lutheri und anderer aus dem 16. jahrhundert sind in der Kirchenhistorie im II. theil theil. p. 116 u. f. haͤuffig zu sehen. Jn dem 17. Seculo, bald um den an- fang schrieb von dem Paͤbstischen opere operato der Lutheraner im kir- chengehen der Lutherische Professor zu Altorff (ein Braunschweiger und Helmstaͤdtischer D i scipul) Conr. Rittershusius in lectionibus S. Lib. III. cap. 12. Jch fuͤrchte/ es koͤnne auch jetzo von vielen allzuwahr gesaget werden/ daß die kirchen - versammlungen gar nicht aus ernst geschehen/ sich zu bessern/ sondern nur NB. aus gewohnheit und geboth/ oben hin/ item, daß sie einander sehen und sich sehen lassen. Und bald darauff klagte ein Lutherischer Prediger und Superint. zu Noͤrdlingen mitten unter den kriegsplagen: Wir muͤssen mit unse- rer grossen schande und schaden bekennen/ daß die himmel-schrey- ende suͤnden auch bey uns NB. im hoͤchsten schwange gehen. Wo wird grausame abgoͤtterey veruͤbet? Jn Teutschland: Das ge- geschicht — von uns Evangelischen selbst — wo ist heucheley ? Jn Teutschland. Da kan man sich aͤusseꝛlich gar fromm und heilig stellen/ man geht in die kirchen/ findet sich ein in die betstunde — wenn aber der hertzenkuͤndiger hinein siehet/ so sitztein schreck- licher Pharisaͤer drinnen. Matth. VI. 5. Wo ist verachtung GOttes und seines worts? u. s. f. (Georg Albrecht im himmels - rie- gel Conc. II. p. 147. u. f.) 7. Man hoͤre ferner. Was D. Josua Stegmannus Theol. Doct. und Prof. zu Rinteln von der schaͤndlichen heucheley der kirchgaͤnger saget in seinem wahren Christenthum/ p. 52. Es werden vielleicht diejeni- gen sich gerne wollen entschuldigen/ daß sie nicht aͤrger als die Heiden seyn/ die da NB. fleißig zur kirchen gehen/ gerne Gottes wort hoͤren/ des jahrs etlichemal confitire n und beichten/ ehr- bahr leben/ und also ihrem beduͤncken nach alle stuͤcke des Chri- stenthums an sich haben. Mit solchen gedancken ruͤhmet und erhebet sich mancher/ (wie Herr Cypr. ) als wenn in besagten aͤus- sern wercken das Christenthum bestuͤnde. Aber es ist NB. ein bo- trug des teuffels und der leute blindheit/ ꝛc. Ein anderer Luth. Pa- stor Paulus Egardus schreibt in Mundo immundo, oder falschem Christen- thum der welt Cap. VII. p. 32. von den falschen Christen: Sie gehen zur kirchen/ nicht aus liebe des HErrn und seines worts/ nicht im geist/ nicht mit heiliger lust und andacht/ sondern nach ihrer al- ten gewohnheit und weise/ zur gesellschafft/ oder daß sie gesehen werden/ etwas neues hoͤren/ die zeit hinbringen/ und sich mit an- dern bereden und ihresachen bestellen. Da ist nicht lust/ liebe D und und willen sich zu bessern/ und in der gottseligkeit zu wachsen. Sie meinen/ wenn sie nur zur kirchen gangen/ und sich sehen las- sen sey alles wol. Siegehen NB. in den aͤussern tempel/ in stein und mauer-kirchen/ aber nicht in den innern tempel des hertzens u. s. f. 8. Unter den neuen Lutherischen Scribent en sind dergleichen zeugnisse noch ungleich mehr zu finden/ davon ich nur etliche anzeigen will/ und zwar aus solchen buͤchern/ welche unter ihnen bekandt und unverwerfflich sind. So bekennet ein Prediger bey Luͤbeck/ Henricus Lubbertus im tractat vom kirchen bann p. 74. von denen Lutheranern ein Atheisti sches Epicuri sches wesen/ dabey sie sich zwar dann und wann zur kirchen und Abendmahl hielten/ aber bey dem grossen hauffen sey es lauter spiegelfechten/ und geschehenur vor den leuten/ das innerliche Christenthum sey nicht dabey: Wie er auch das Lutherische Heidenthum in einem ei- genen buch noch neulich bewiesen hat. Der Herr Cantzler Fritzsch nennet aus den Propheten die Lutherischen heuchel-Christen zau berer und goͤ- tzendiener/ weil ihr opffer und Gottesdienst/ NB. nur im aͤusserlichen bestehet/ im kirchgehen/ beichten/ com̃unicir en/ u. s. f. Bibl. seelen-lust p. 25. Der Prediger auf der Universitæt Rostock Theoph. Großgebauer hat in dem gantzen XI. Cap. seiner waͤchter-stimme p. 189. biß 222. bewie- sen: Daß der oͤffentliche elende uneꝛbauliche Gottesdienst eine ursache des ungeistlichen ungoͤttlichen wesens in Lutherischen kir- chen sey. Zu geschweigen/ was Scriv er (welchen ich mit erlaubnuͤß Hn. Cypriani nenne/ weil er ihm nicht eben so viel autoritæt will lassen) im seelen-schatz. 1. Th. p. 886. 1376. 1520. 1569. 1833. der so genandte Justus Klaͤger/ in beschreibung des jetzigen unlautern Lutherthums/ p. 20. u. f. Brunnemannus in jure Eccles. Lib. I. c. 1. p. 4. D. Henr. Muͤller im punctiren von den 3. hauptgoͤtzen des Lutherthums/ und in sei- nen schriften durch gehends/ Ahasverus Fritschius hin und wieder/ Spenerus und fast unzehliche andere biß auff diese stunde davon gesagt haben. 9. Nun moͤchte zwar Herr Cypriani einwenden/ dieses grossen mißbrauchs wegen bey dem gemeinen volck duͤrffe man eben die kirchen nicht meiden. Allein wir wollen nun aus der Lutheraner eigenem munde hoͤren/ daß ihr gantzes kirchen. wesen mißbrauch und greuel sey/ weil dieje- nigen/ so es treiben/ nemlich die Prediger/ selbst mit ihren lehren und leben nichts taugen. Die erschreckliche klagen/ welche schon bald nach dem ur- sprung der Lutheraner von vielen unter ihnen publicir et worden/ kan man in der K. H. im XVI . buch cap. 14. u. f. nachschlagen. Wir wol- len nur von ihren predigen etwas vernehmen/ da mit man abermal sehe/ wie vergeb- vergeblich sie sich heutiges tages beschweren/ wenn man sie nicht hoͤren wolle. 10. Um das ende des XVI . Seculi schrieb D. Chytræus Prof. zu Rostock in Prolegom. Rhetor. von denen liederlichen predigten/ kurtz und gut: Etliche Prediger ruͤhmen sich/ sie schuͤtten die predigten aus dem ermel. Diese narꝛheit und faulheit solte ihnen wol mit pruͤgeln ausgetrieben werden. Und D. Ægidius Hunnius Prof. zu Wittenberg in Meth. Conc. Tom. III. Opp. p. 1037. Etliche Predi- ger haben lust an hochtraben den hoffreden; andere agir en aus lie- derlichem sinn auff der cantzel mehr einen pickelhaͤring/ als predi- ger; andere bringen einen grossen theil der predigt mit lateini- schen spruͤchen zu/ etliche wiederholen ein ding immer. u. s. w. 11. Weiter hin hat der bekandte Dillherꝛ uͤber das thoͤrichte fabel- werck in den predigten hefftig geklagt in II. Th. der Postill p. 464. und 607. und Daniel Clasenius schrieb in seiner Religione Politica p. 26. Es ist wahr die NB. taͤgliche erfahrung lehrets/ daß etliche im pre- digamt nur zur pralerey predigen/ und ihre reden mit ein hauffen disputir en/ critisir en in fremden woͤrtern/ allegir en vieler Auctorum histoͤrigen/ narrenpossen/ thorheiten/ lappalien/ und hochtra- benden worten/ so gar zu schanden machen/ daß bißweilen der gantze hauffe ins lachen ausbricht/ und redliche zuhoͤrer einen eckel uͤber so thoͤrichten predigten haben. Wie auch Paulus Egar- dus im falschen Christenthum p. 98. Sie (die Prediger) suchen sich selbst und ihre eigene ehre/ daß sie menschen gefallen/ und machen aus CHristo eine subtile kunst/ und befleißigen sich/ daß sie durch ihre zierliche zunge/ durch artliche und kuͤnstliche weise CHri- stum predigen/ durch lateinische/ griechische/ ebraͤische spruͤche/ die sie einfuͤhren ein groß ansehen erlangen/ und fuͤr gelehrte und fuͤrtreffliche maͤnner gehalten werden. Also hangen sie mehr an ihrer kunst und weißheit/ denn an CHristo/ und ziehen alles in ih- re vernunfft/ glorir en davon/ brauchen schoͤne und hohe worte/ aber im innern grund ist nicht licht und wahr heit zu finden. (Der Herr Cyprian. kan hiebey bedencken/ mit was recht er solchen redlichen zeu- gen noch rhetori sche figuren andichten koͤnne p. 101. welche selbst dawi- der als einen greuel des Heidenthums geeiffert haben. 12. Noch ferner zeugethievon D. Henr. Muͤller in der vorrede uͤber D. Luͤtkemanns harffe: Es fehlet leider ! NB. uͤberall! vieler (Prediger) wortesind nur ein wind ohne krafft/ geist und leben/ D 2 voller vollerkunst/ aber ohne brunst/ mehr gerichtet NB zum verder- ben/ als zum leben. Wie mancher redet/ nicht des HErꝛn/ son- dern sein eigen wort/ NB luͤgen/ und nicht wahrheit/ nicht was ihm CHristus ins hertze geleget/ sondern ein altes loses weib. — Wie mancher fuͤller seine zunge mit NB. hoͤllischem gifft an/ be- speyet die cantzel mit gottlosen affect en/ predigt nicht aus dem geist/ sondern aus dem fleische/ nicht aus GOtt/ sondern NB. dem teuffel/ nicht zum leben/ sondern zum NB tod/ u. s. w. Von welchem gezaͤncke und aͤrgerlichen haͤndeln auff den cantzeln auch der Leipzi- ger Jurist e Bened. Carpzovius selbst viel klagt in Juris-Prud. Eccles. Lib. III. tit. IX. def. 98. §. 9. und der Wittenbergische Caspar. Zieglerus in Cleri- co renitente præf. §. 3. Der die naͤrrische pralerey der à la mode pre- diger abmahlt; imgleichen der Franck furtische Brunnemannus, der son- derlich das liederliche postillen reiten nebst fast unzehlich andern verab- scheuet. Anderer/ zumal der neuesten Scribenten/ beyfall hierinnen zu ge- schweigen. 13. Ob nun wol hier aus so wol als aus der erfahrung unlaͤugbar er- hellet/ daß die Lutherischen Prediger durchgehends fast nicht allein nichts nutzen/ sondern auch hoͤchstschaͤdlich seyn: so wollen wir doch noch etliche teftimonia von den fruͤchten ihrer Prediger aus ihnen selbst herholen. So fraget der alte Rittershusius in Lect. S. Lib. VI. cap. 13. Warum doch bey so vielen predigten/ davon alle winckel voll waͤren/ gleichwol so wenig gebauet wuͤrden/ und die boßheit der leute so hoch gestie- gen/ daß sie nicht aͤrger werden koͤnne? Und antwortet selbst dar- auff: Die meiste ursachesey/ weil die alten mehr mit dem leben/ als reden gelehret/ so haͤtten sie noch mehr eingang bey den leuten gefunden. Brunnemannus bekennet auch l. c. p. 293. Die predigten helffen wenig/ weil sie immer gehalten werden/ und die Prediger allzukaltsinnig und gelind seyn/ welche denn der kirche mehr scha- den/ als offenbar gottlose. Wie auch D. Kortholt in der schweren buͤrde des pred. p. 14. und 58. Man haͤlt davor/ es beruhe hier nur bloß darauff/ daß einer eine fertige zunge/ angenehme stimme/ und gut gedaͤchtniß habe/ damit er die aus der postill etwa ent- lehnete predigt/ wol in den kopff fassen/ und dem volck vorsagen koͤnne. — Jch frage aber/ ob denn die manchfaltige seelen-ge- fahr durch die blosse predigten/ wie selbige insgemein nach der red- ner-kunst abgefasset werden/ dergestalt abgewandt werde? 14. Man sehe hievon weiter D. J. Andreæ hundertjaͤhriges beden- cken/ cken/ p. 178. u. f. Ant. Reiseri Gravamina non injusta, uͤber den zerruͤtteten zustand des Evangelischen kirchen-wesens p. 107. u. f. Großgebauer l. c. cap. VI. pertot. Scriver. im Seelen-schatz im I. Th. p. 998. II. Th. p. 1188. Quensted en Ethicâ Pastorali, hin und wieder/ sonderlich p. 283. da er weiset/ wie die liederlichen Prediger offt billich von ihrenzu- hoͤreꝛn ausgelachet und verachtet weꝛden/ weil sie so viel unbeson- nenzeug herausgoͤcken. Und p. 382. Wie derjenige mund nim- mermehr GOttes mund heissenkoͤnne/ der liederliche/ naͤrrische und gottlose dinge auff der cantzel ausschuͤtte/ als ein hoff- und tisch-narꝛ item p. 471. da er allerhand exempel solcher vollen Predi- ger benennet u. s. f. 15. Nicht allein haben die Lutheraner selbst ihre eigene gemeine verderb- te predigt-art vor unnuͤtze und schaͤdlich bekant/ sondern auch ihren gantzen vermeinten Gottesdienst also beschrieben und verworffen/ und zwar/ weil dieser den wahren inwendigen Gottesdienst nur hindere/ und auffhalte/ wie schon aus obigen stellen klar ist. Ja auch Lutherus selbst redet allzuklar hievon in der Kirchen - Postill. Fest-Th. am kirchweih. p. 66. I. (edit. Witteb. 1553.) Es sey denn/ daß ihr die hertzen der menschen von diesem gepraͤnge und aͤusser lichen larve errettet und frey machet/ wird CHristus keinen raum noch statt in ihnen finden. Es muß alles hinweg/ wenn anders CHristus in dir wohnen soll. u. s. w. Welches er uͤberall/ sonderlich bey der materi e von den kirch haͤusern scharff urgir et/ wie in der K. H. XVI . B. 11. c. 16. num. und sonst gewiesen ist. Ja in den Symboli schen buͤchern selbst/ nemlich in der Apologia A. C. in IIX. Artickul wird besohlen: Man muͤsse gottlose lehrer ver- lassen/ weil sie nicht die person CHristi vertreten/ sondern des Wie- derchrists. Dieser außspruch stehet nicht umsonst in einem Symboli schen buche. 16. Weil nun dieses Lutheraner selbst mit so klaren worten beken- nen/ daß der gemeine kirchen-dienst nicht allein an sich selbst unnoͤthig/ son- dern auch nach ihrer heutigen praxi gar schaͤdlich/ verderblich/ toͤdtlich und verdammlich sey; so koͤnnen sie ja keinen menschen/ der daraus bleibet/ es verargen/ vielweniger jemanden mit recht und fug dazu zwingen/ noͤthi- gen oder verbinden/ am allerwenigsten aber aus solcher gebrauchten und behaupteten gewissens- freyheit andere præjudicir liche schluͤsse machen. Da aber dieses Hr. Cypriani wider mich dennoch sich unterstanden hat/ wird sein ungereimtes vornehmen desto billicher schon von allen gescheiden impartheyischen gemuͤ. hern vor nichtig erkant. D 3 17. Jch 17. Jch will mich jetzund nicht in den streit einlassen/ wie groß und unumschrenckt die freyheit eines wahren Christen von dem gemeinen kir- chen - dienst sey und sein muͤusse. Es haben dieses vorlaͤngst auch viel gelehr- te unter denen Lutheranern ausgemachet/ daß der wahre Gottesdienst allein GOtt angehe/ daß dazu nicht eben an sich selbst eine ver- einigung vieler leute zugleich noͤthig sey/ daß dieser keinem da- durch heilsamer werde/ wenn viele mit einander dabey eins sind/ daß daher auch wolin der stille und einsamkeit ausser kirchen und versammlung GOtt gedienet werden koͤnne. Sie haben bewie- sen/ daß nachdem die leute gewisse form en und ceremoni en im Got- tes dienster dacht/ zwar es wol fein stuͤnde/ wenn diese in einer Republique einfoͤrmig waͤren: Gleichwol aber doͤrfften sich Re- genten deswegen nicht eben aͤngstlich bemuͤhen/ weil solcher un- terscheid die Religion selbst nicht auffhebe/ noch vor sich selbst uneinigkeit mache/ und also dem Magistrat kein schade davon er- wachse. 18. Auch hat diese grund-saͤtze niemand bißhero noch mit bestand umstossen koͤnnen: Daß nach der natuͤrlichen Religion aller aͤus- serlicher Gottesdienst indifferent und unnoͤthig sey/ theils weil GOtt „auff seiner seite als ein hertzenskuͤndiger/ und also solcher aͤusserlichen zei- „chen der innern devotion nicht benoͤthiget sey/ theils weil auff des men- „schen seite der aͤusserliche Gottesdienst mit der buͤrgerlichen societ aͤt keine „ connexion habe/ und also diese durch unterlassung jener gar nicht lædir et „werde/ sondern sich ein jeder dazu durch viel gewissere kennzeichen (als das heuchlerische ceremoni en-wesen ist) legitimir en muͤsse/ nemlich durch haltung deꝛ gesetze/ und leistung deꝛ schuldigen pflichten gegen andere/ u. s. w. Vid. Puffend. de Habit. Relig. §. 3. \& 7. C. Thomas. Diss. de jure Principis circa Adiaphora §. I. Item sitten-lehre cap. III. num. 31. u. f. 19. Aus dem Goͤttlichen offenbahrten willen und recht ist bereits in der abbildung aus fuͤhrlich dargethan worden/ daß der wahre Goͤtt- liche dienst geistlich/ innerlich/ und also frey/ an keinen orth/ zeit oder andere umstaͤnde gebunden sey/ aus Rom. XII. 1. XIV. 17. u. f. Jac. 1. 27. Rom. I. 9. Phil. III. 3. 1. Thess. I. 9. \&c. Siehe das II. B. 1. cap, num. 1. u. f. p. 145. Und dieses ist eben daselbst/ wie auch in der Kirchen- Historie im I. B. 2. cap. §. 5. und II. B. cap. 3. §. 4. aus durchgaͤngiger beystimmung der alten dargethan worden/ wozu ich hie bey dieser gelegen- heit/ nur noch einen sehr merck wuͤrdigen orth eines Alt-vaters fuͤgen will/ darinnen er sehr weißlich die ungeuͤbten und rohen leute von geuͤbten und wah- wahren erleuchteten oder auch starcken Christen unterscheidet/ und diese von denen gemeinen aͤusserlichen kiꝛchen-uͤbungen gaͤntzlich freyspricht/ alles aus sehr tiessen und unlaͤugbahren gruͤnden. 20. So schreibet ein ansehnlicher und beruͤhmter Patriarch zu Anti- ochia (welchen die Lutheraner sehr hoch halten/ und als Gottseiig und er- leuchtet ruͤhmen [ vid. ex Evagrio Kortholtus Hist. Eccl. p. 228.]) nemlich Anastasius in seinem ὁδηγῷ oder wegweiser in dem anhang/ oder 1. numero der andern frage/ welche er also vorlegt: Welches sind die wahren anbe- ter/ welche GOTT anbeten/ daß sie den vater im geist und wahrheit verehren? Darauff antwortet er mit wiederholung und ap- probation der bekaͤntnuͤß eines einsamen: Dieser habe einem/ der ihn ge- fragt/ warum er so lange in keine kirche und nicht zum Abendmahl komme? folgen der massen rede und antwort gegeben. 21. Alle zusammenkuͤnffte/ (συνάξεις, oder auch Abendmahle) oͤffentliche dienste (λειτουργίαι,) und feyern werden deßwegen ge- halten/ damit der mensch von seinen suͤnden rein werde/ und GOtt in ihm wohne/ wie geschrieben stehet: Jch will in ihnen wohnen und in ihnen wandeln/ 2. Cor. VI. und: Jch und der va- ter werden zu ihm kommen/ und wohnung bey ihm machen. Joh. XIV. Nachdem nun der mensch ein lebendiger (ἔμψυχος) tem- pel GOttes worden ist/ so gehet eine seele/ die GOtt in sich traͤgt (ϑεοφόρος) von allem verlangen nach kirchen/ versammlungen (oder auch Abendmahl/ συνάξεων) und menschlichem feyer ab: Denn sie hat inwendig in sich den Vater und Sohn/ als den Hohenpriester/ und den geist als das wahre feuer. Sie hat in wendig das wahrhafftige opffer vor GOtt/ einen zerknirschten geist: inwendig ist der wahre Altar und der gnaden-stuhl der suͤnder/ geistlichethraͤ- nen/ inwendig ist das reich der himmel. Denn das reich GOttes ist inwendig in euch: und hinfuͤro bringet sie als mit geistlichen au- gengeistliche opffer: Denn GOtt ist ein geist/ und die ihn anbeten/ die muͤssen ihn im geist und in der wahrheit anbeten/ Joh. IV. Denn alles/ was sichtbahr ist/ das ist zeitlich/ wie Paulus sagt/ es seye nun opffer oder gaben: Was aber unsichtbahr ist/ das ist ewig: Was kein auge gesehen/ kein ohr gehoͤret hat/ und auff keines menschen hertz ge- stiegen ist/ nemlich dessen/ der ihm nicht gehorchet. 22. Hievon faͤhrt der Autor daselbst also fort: Solches sind din- ge/ welche uns GOtt bereitet/ und durch seinen geist offenbahret hat/ der da in uns wohnet. Denn wir haben nicht den geist der welt welt empfangen/ sondern den der aus GOtt ist: Daß wir sehen/ was uns von GOtt geschenck et ist/ welches wir auch reden. Wer also wuͤrdig worden ist/ dieses zu besitzen/ als ein vergoͤtteter/ oder Goͤttlicher natur theilhafftig gemachter/ durch die einwoh- nung Gottes in ihm: Der betet hinfuͤro Gott in sich selbst an/ und leistet ihm seinen dienst/ und siehet/ daß der tempel seines hertzens GOttes altar sey/ in welchem er die fuͤlle der Dreyeinigkeit woh- nend schauet. Aus diesen worten machet Anastasius hierauff folgenden schluß und lehr-satz: Derohalben ist die ruhe und stille die allergroͤs- seste tugend/ als welche die ursache der erkaͤntnuͤß GOttes ist/ nach dem der dasaget; Seyd stille/ und sehet/ daß ich GOtt bin! Ps. XLVI. Dahero der HErꝛselbst/ wenn er die arth der ruhe und stille lehret und dem liebhaber derselben anzeiget/ so lehret er ihre frucht: du aber wenn du betest/ so gehe in dein kaͤmmerlein/ Matth. VI. u. s. f. 23. Um der kuͤrtze willen muß ich andere dergleichen uhraltezeugnis- se uͤbergehen/ zumal aus dem/ was bißhero vorgebracht/ uͤbergnug erhellet/ wie elend und nichtig die klage uͤber dem nicht zur kirche gehen in den au- gen wolberichteter und gegruͤndeter gemuͤther sey. So daß ich wol Lu- thero seine worte abborgen moͤchte/ aus der Kirchen-Postill. l. c. p. 67. wenn der gute Herr Cypriani mit solchen klagen ausbricht/ die Luther da- selbst also ausdruckt: Wer bistu denn? Wiltstu uns lehren? sagest du/ daß unsere ceremoni en und kirchen-gepraͤnge nichts seyn? He- be dich/ du ketzer! haͤltestu nichts von unserm kirchen - schmuck? Hat nicht CHristus selbst gesagt; mein haus ist ein bethauß? Auff solchen eiffer/ sage ich/ moͤchte ich wol Lutheri folgende antwort ge- brauchen/ und mich auff recht gut Lutherisch also erklaͤren: Also gehets daher/ deß muͤssen wir gewaͤrtig seyn/ und nicht anders. Aber NB. mein CHrisius fraget nicht darnach. Er laͤsset sie daruͤber zan- cken/ zuͤrnen und murren/ biß sie auffhoͤren. Erwohnet gleich- wol in deß in seinen heiligen tempeln/ und weiß/ daß sie (die ketzer- macher) nichts wissen noch verstehen. Was koͤnnen sie dazu sa- gen/ unsere widersacher/ daß CHristus spricht: daß NB. die aͤus- sere gepraͤnge der tempel und kirchen/ NB. nun auffgehoͤret ha- ben: u. s. w. — Das volck aber/ das CHristo glaubet/ sind alle from̃/ und keinem gesetz/ sonderlich NB. was die kirchen-gepraͤnge angehoͤret/ unterworffen. Darum so ist der tempel oder kirche jetzt bey ihnen nicht zum gebot verordnet. Denn sie werden nicht spre- chen: chen: hier ists/ da ists: ja es werden NB. falsche Propheten auffstehen und sagen. Siehe! hie ist CHristus! Man findet ihn im tempel/ u. s. f. 24. Diß/ sage ich/ ist meine gut Lutherische antwort und endliche erklaͤrung/ dergleichen noch mehrere in der sechsten edition meiner bekaͤndt- niß/ worinne Hr. Cypriani seine unbesonnene anklagen vernichtet finden wird (die er pag. 6. und sonsten sehr ungereimt vortraͤgt) und nunmehro gar sicher glauben und zu frieden seyn kan/ daß ich recht Lutherisch seye. Jn- massen ich auch darinne mit Luthero willigst einstimme/ daß/ ob schon das aͤussere kirchen-wesen jetzo weder gut noch noͤthig ist/ dennoch desfals vie- les von verstaͤndigen in Goͤttlicher gedult so lange ertragen und uͤbersehen werden koͤnne/ biß GOtt eine huͤlffe schaffet/ jedoch/ daß man sich dabey von der welt und ihrem goͤtzen- und heuchel-dienst unbefleckt bewahre. (Man kan hievon weiter den beschluß des IV. Th. in der Kirchen-Historie nach sehen.) 25. Jch will im uͤbrigen wegen dieses punktens so wenig/ als wegen anderer mit jemand weiter disputi ren/ und daruͤber die wahre Religion (oder verbindung meiner seele/ mit dem hoͤchsten gut/ zu unendlicher gluͤck- seligkeit) verletzen oder versaumen. Ein verstaͤndiger hat an dieser er- klaͤrung schon gnug/ und weiß ohne dem/ daß kein wahrer Lehrer/ wenner auch noch so Goͤttlichen beruff/ und ein Apostolisches licht und leben haͤtte/ jemanden mit list oder gewalt in seine pre- digten zwingen wuͤrde: jadaß eo ipso, und so bald er zwang und noth daraus machte/ die wahrekrafft und frucht verlohren gien- ge. Einem unverstaͤndigen aber muß der glaube mit schaden in die haͤnde kommen. Zumal fast nichts schwerer ist/ als einen natuͤrlich-ehrbaren und dabey in vaͤterlichen tradition en unterrichteten Pharisaͤer von seiner aͤusserlichen schrifft gelehrtheit und tempel-gerechtigkeit ab und in die frey- heit des wahren Evangelii von CHristo in uns zu bringen. Wie- wol auch GOtt dieses/ wie alles/ moͤglich ist: Der mensch gebe ihm nur sein hertz und willen uͤber/ so wird er den tempel in sich selbst finden/ dessen-schatten er lange von aussen herum gesuchet hatte. E Das Das III. Capitel. Von dem gemeinen Abendmahl gehen. 1. D Je vierte anklage des Hn. Cyprian. wider mich ist in seiner vor- rede §. 3. Daß ich mich des Heil. Sacraments des Altars nicht bedienete/ wie er redet. Worauff kuͤrtzlich die antwort ist: ( I. ) Daßich allerdings nach CHristi klaren worten und der ersten Apostolischen kirche exempel und weise des HErꝛn Nachtmahl zu sei- nem gedaͤchtniß und verkuͤndigung seines todes halte/ und zwar zu gar vielenmalen/ und viel oͤffter als ichs nimmer in der kirchen halten koͤn- te. Jch verstehe aber hierunter nicht nur das innerliche staͤtswaͤhrende Abendmahl/ des inwohnen den Jmmanuels aus der Offenb. Joh. III . sondern auch das aͤussere geniessen des von CHristo verordneten Brods und Weins/ ob schon ohne die geringsten ceremoni en und umstaͤnde in gehoͤriger einfalt des Geistes CHristi: daß sich also niemand hierinnen ei- ner zweydeutig keit besorgen darff. 2. Niemand aber wolle sich an diese meine bekaͤntniß stossen/ oder nach andern unnoͤthigen umstaͤnden neugieriger weise forschen/ weil es doch niemanden hilfft oder schadet. Gnug/ daß ich jetzund klar beweisen werde/ das oͤffentliche und gemeine Abendmahl halten derer Lu- theraner sey in der praxi noch immer so uͤbel beschaffen/ daß wer es im Goͤtt- lichen licht erkennet/ allerdings entschuldiget/ und ihm nicht zu verdencken sey/ wenn er davon bleibe. Wenn ich dieses dargethan werde haben/ so muß ich ferner auch zeigen/ ob und wie man freyheit in CHristo habe sein ge- daͤchtnuß ausser dem gemeinen mißbrauch auff alle zulaͤßige Christliche wei- se zu begehen. 3. So kan ich nun jederman/ und sonderlich den Herꝛn Cypriani, nach dem zeugniß meines gewissens in dem Heil. Geist vor der allwissenden gottheit versichern/ daß ich mich des oͤffentlichen Abendmahls enthalten/ nicht aus verachtung desselben/ sondern allerdings eintzig und allein aus hoch achtung. Deutlicher zu reden; Jch halte des HErrn Abend- mahl und dessen klare worte von demselben so gar hoch und theuer und ausnehmend groß: Daß ich eben deßwegen aus furcht und respect vor Goͤttlichen dingen das gemeine mahl in denen kirchen nicht mitmachen kan und darff/ weil dieses durch zulassung aller auch abscheulichsten offen- bahren suͤnder/ nicht ein Sacrament oder heiliges geheimnuß ist/ son- dern dern gemein und von dem wesen und zweck des wahren Abendmahls un- terschieden wird. 4. Dieses ist (ungeacht aller kahlen entschuldigungen) so gar greifflich und aus taͤglicher Praxi durch gehends dermassen bekandt/ daß es abermahl so wenig/ als das vorige vom kirch-wesen insgemein beweises brauchte. Jedoch weil auch hierinne mancher gleichwol etwas unver- schaͤmt laͤugnen/ oder bemaͤnteln und bekleistern moͤchte wollen; So will ich wiederum genugsame zeugnuͤsse bringen/ und zwar zur ersparung der zeit und des raums/ nur etliche wenige von dem Lutherischen Abendmahl. Denn von der beicht gedencket Hr. Cyprian nichts/ und diese ist ohne dem bißhero schon aus unwiedertreiblichen gruͤnden nach ihren greuelen dermas- sen auffgedecket worden/ daß es keines weitern zeugnisses bedarff. Jn- dessen stehet auch schon so viel davon im IIX. B. der abbildung im 17. Cap. und in der Kirchen-Historie hin und wieder/ daß es wegen des daranhan- genden Abendmahls einen vorschmack geben kan. 5. Aus denersten und folgenden zeiten aber der Lutherischen kirche ist eben auch in der Kirchen-Historie mehr als zu viel anzutreffen/ was dersel- ben mißbraͤuche weisen kan. Zum Ex. daß die meisten ohne busse und glauben hingegangen p. 132. im II. Theil. Daß die Prediger den gewinn dabey gesuchet/ ibid. daß man sich der Sacramente mit aller leichtfertigkeit gebrauchet/ ohne alle andacht und besserung p. 136. u. s. w. von diesem letzten seculo aber ist etwas mehr beyzufuͤgen/ nach einem und anderm puncten/ und zwar erstlich wegen der Communicant en selbst. 6. Da bezeugen nun oͤffentliche lehrer und andere mit klaren worten: Es werde kein unterscheid der wuͤrdigen und unwuͤrdigen ge- macht. — Da seyn viele/ die solches/ ungunst und feindschafft zu vermeiden/ unterlassen/ und wollens mit dem sprichwort: de occultis non judicat Ecclesia, entschuldigen. ( D. Stegmannus vom wah- ren Christenthum p. 45.) Mit dem aͤusserlichen Abendmahl sey es bey dem grossen hauffen lauter spiegel-fechten; Zur beicht und Abendmahl gehe man bey allem Epicurischen aͤrgerlichen boͤsen wesen/ und begehre sich nicht zu bessern: CHristileib und blut trete man unter die fuͤsse/ wer strafft die/ so ohne busse und besse- rung zum Abendmahl gehen? Die trunckenbolde/ unversoͤhn- liche u. s. f. ( Lubertus vom bann Cap IIX. §. 4. u. s. f. p. 74.) 7. Man absolvir e wol in drey stunden 30. 40. biß 50. communi- cant en/ man lasse wolsolche zu/ die von der Christlichen religion/ E 2 gesetz gesetz und Evangelio gar nichts wissen. (Davon exempel angefuͤh- ret werden) ja ob sie gleich die glaubens-artickul wuͤsten/ so sehe man doch/ daß ohne un v erscheid frevelhasstige und wissentliche sünder zugelassen werden. ( Brunnemannus jure Eccl. p. 185. 186.) Der angenschein lehre es/ wie daß ehrwuͤrdige Sacrament schaͤndlich prostituir et werde: Wer lege wolden vorsatz zu suͤndi- gen vorher ab! — die besserung daure bey den meisten biß auffm abend. — Wers nicht glauben wolle/ moͤge nur die haͤuser visiti- r en/ was vor boßheit/ verachtung des worts/ geitz/ ungerechtig- keit/ schwelgerey/ u. s. f. vorgehe/ keiner habe so verzweisselt boͤse gelebet/ deꝛ nicht/ wenn er nur im letzten das Abendmahlgenom- men/ vor heilig und gottselig gepriesen werde. ( Idem ibid. p. 139.) 8. Sie (die falschen Christen) gebrauchen das Abendmahl allein/ daß sie es gewohnet sind/ des jahres 2. oder 3. mahl zum Abendmahl zu gehen/ und halten also ihre jahres-zeit. Darnach meinen sie/ wenn sie nur das Abendmahl empfangen nach altem gebrauch/ so sey alles gut genug. — Auch sind/ die das Abend- mahl nehmen/ daß sie nicht verächter GOttes und seines wortes und der Sacrament en an gesehen werden (weil sie nemlich sonst von der Clerisey gezwungen und aus dem lande gejagt wuͤrden. Siehe Carpz. Lib. II. tit. 18. def. 295. 296. Lynker de Cœna S. cap. V. §. 26. VI. § 2. Balduinum Cas. Consc. p. 8. 12.) Also muß der name/ ordnung und ge- both CHristi ein denckmahl ihrer bosheit/ schalck heit und untu- genden seyn. Da sind auch/ die andern zur gesellschafft mitge- hen/ oder daß sie sich in ihren neuen kleidern/ schoͤnem schmuck und zierde sehen lassen. CHristus wird nicht gesucht und gemeinet/ sondern die liebe der welt. — Da sind auch/ die sich von aussen fromm anstellen/ aber nach empfahung des Abendmahls/ tre- ten sie wiederum in ihre alte schuhe/ und bleiben was sie gewesen sind; Drum ists nur eitel heucheley und schmeicheley. Da sind auch/ die/ wennsie sich mit groben lastern/ ehebruch/ hurerey/ dieb- stahl und todtschlag besudelt/ meinen/ wenn sie nur koͤnnen zum Abendmahl gehen/ so sey alles klar und vergeben. u. s. w. Egar- dus im Fuͤrsten-recht Cap. IIX. p. 38. seqq. 9. Das Nachtmahl wird (von den Predigern) zu einem lau- tern goͤtzen gemacht/ daß die leute auf das Sacrament fallen und wissen keinen andern nutzen/ als daß sie den wahren leib und blut CHri- CHristiempfahen. Wer aber den empfaͤhet/ der werde darum gewiß seelig/ wie sie meinen/ derowegen wenn die leute etwa wol- len verreisen/ oder hochzeit machen/ oder schwangere weiber sind/ oder sterben wollen/ so wird zum Sacrament geeilet. — Weil denn alle welt/ auch die aͤrgsten buben/ gerne wolten/ daß es ihnen wol gehe/ so ists kein wunder/ daß das Abendmahl so haͤuffig genommen/ und also zum NB. goͤtzendienst gemachet wird. Worauff des Apostels worte/ aus 1. Cor. XI. 20. 21. applicir et werden/ daß man NB. nicht des HErren Abendmahl also (bey den Lutheranern) halte/ sondern NB. ein selbst-zugerichtetes menschliches Abendmahl. (Großgebauer waͤchter-stimm Cap. XI. p. 212. u. f.) Jch ent- halte mich weiter mit anfuͤhrung solcher zeugnisse fortzufahren/ und frage nun verstaͤndige und unpartheyische gemuͤther: Ob ein Christ/ der den Herrn „JEsum wahrhafftig kennet/ und wesentlich in sich wohnend und verei- „niget hat/ sich solcher dinge mit gutem gewissen/ und ohne befleckung „koͤnne theilhafftig machen/ davon die lehrer selbst nun in die 200. jahre her „lauter durchgaͤngige mißbraͤuche/ greuel/ schanden und suͤnden haben? „Also/ daß so gar an der gantzen handlung selbst/ durch die schreckliche uͤber- „schwemmung des boßhafften hauffens/ bey unendlicher nachlaͤßigkeit „und frech heit der Cleris ey nichts gutes und unanstoͤßiges blieben ist. Ob „man e in selbst zugerichtetes menschliches Abendmahl mit machen „doͤrffe/ da man weiß/ es muͤsse von rechtswegen des HErren Abend- „mahl seyn? Ob man die liederliche austheiler so wol/ als die gott- „losen nehmer in ihrer boßheit mit seinem hinzugehen noch bestaͤrcken/ „und ihre greuel mit derthat gutheissen koͤnne: Da die meisten darunter „offenbahrlich stadt- und land-kuͤndige saͤuffer/ spieler/ hurer/ ehebrecher/ „meineidige/ diebe/ geitzhaͤlse/ schinder und schaber der armen/ tyrannen/ un- „versoͤhnliche/ zaͤncker/ laͤsterer/ und tausenderley andere arten boͤsewichter „sind/ alles nach der Lutherischen Lehrer eigenem gestaͤndnuͤß und aussage? 11. Jch weiß gar wol/ daß man vulgò meinet/ die gesellschafft solcher leute koͤnne einen nicht beflecken oder præjudicir en. Allein gesetzt/ daß es wahr waͤre/ so ist doch die jetztge dachte bestaͤrckung der gottlosen in ihren greueln allein und schon vor sich gnug/ einen gewissenhafften Chri- sten davon abzuhalten. Unterdessen hat GOtt dennoch auch uͤberhaupt befohlen/ nicht allein denen lehrern/ daß sie die frommen lehren sollen sich sondern von den boͤsen leuten Jerem. XV. 19. sondern er hat auch allen Christen deutlich und ohne bedingung ernstlich gebothen/ nicht mit den unglaubigen am fremden joch zu ziehen/ sondern auszugehen/ und E 3 sich sich abzusondern/ und kein unreines anzuruͤhren: Und zwar aus dem unbeweglichen grunde: Weil beyderseits keine gemeinschafft seyn koͤnne oder duͤrffe/ und weil GOtt sie sonst nicht annehmen wuͤrde/ als kinder/ und also bey verlust ihrer gluͤckseligkeit. Esai. LII. 11. 2. Cor. VI. 14. — 18. 12. Hieruͤber mag nun Hr. Cypriani oder ein anderer ungehalten werden oder nicht/ so kan ich Gottes wort und geboth nicht so muth willig brechen/ und wenn man auch 1000mal mit sonderlingen und dergleichen um sich wuͤrffe/ oder den elenden behelff aller Judas bruͤder/ von Juda dem verraͤther hervorsuchte. Genug/ daß ich auch hierinnen ebenfals gut Luthe- risch bin und bleibe/ und daß man bekennet und thut/ was alle redliche Christen laͤngst bekandt und gethan haben. Denn also schreibet Luther derbe gnug in der Kirchen-Postill/ erstlich uͤberhaupt vom kirchen-wesen. l. c. p. 68. Daß sie eine noth daraus machen wollen/ als muͤsse es nicht anders seyn/ (wie Hr. Cyprian einen charact er eines Christen daraus machet) und die gewissen dar ein knuͤpffen/ und solle ketze- rey seyn/ wer andersthut: das wollen wir nicht leiden/ und dar- an setzen leib und leben. Es soll dem gewissen beydes frey seyn/ sonst oder so in diesem handel zu thun/ das und kein anders/ da soll uns CHristus zu helffen! 13. Jnsonderheit aber binich mit Luthero eins/ da er ibidem uͤber die Epist. IV. Sonnt. Adv. p. 49. b. (Edit. Luneb. p. 54.) setzet: wenn der Pabst (es sey nun ein Roͤmischer oder Lutherischer) gebeut zu beich- ten/ Sacrament zu empfahen/ u. s. f. und will dar auffdringen/ man muͤsse es thun aus gehorsam der kirchen: So soll man nur frisch mit fuͤssen darein treten/ und eben darum das wiederspiel thun/ daß ers gebothen hat/ auff daß die freyheit bleibe. Denn/ setzet er dazu/ aus noth und gehorsam halten/ vertilgetglauben und Evangelium/ ja es ist verdammlich: welches er dort auch auff das gan- tze kirchenwesen uͤberhaupt weitlaͤufftig ziehet. 14. Noch klaͤrer redet erim II. Teutschen Jen. Theil p. 1036. das Sacrament kan nicht leiden/ daß man die leute hinzutreibtund zwingt. Und also vergreiffen alle diejenige sich an CHristo selbst/ welche die leute durch lands-verweisung/ und harte drohungen darzu zwingen/ oder durch list und uͤberredungen treiben: Jndem sie dadurch nur ihre se- ct e und vortheile zu befestigen/ aber keine greuel dabey abzuschaffen/ oder CHristo etwas zu gefallen zu wagen lust haben/ und damit von dem wah- ren segens- und heils-quell immer weiter zuruͤck weichen. 15. Wie 15. Wie denn auch Lutherus selbst das Abendmahl nicht eben vor noͤthig zur seligkeit geachtet hat/ wenn er bekennet: CHristus hat nicht geboten das Sacrament zu geniessen/ er hats aber frey gesetzt zu niessen/ wer da will: To. II. Jen. Germ. p. 107. a. und wiederum: du bist nicht verdammt/ ob du ohne Sacrament bleibest (nemlich wenn du daran zweiffelst oder sonst uͤber andern umstaͤnden scrupel hast) Tom. III. Jen. Germ. p. 68. Welches er im I. Tom. p. 521. noch einmahl gesetzt hat/ und dieses kennzeichen hinzufuͤget/ dabey man solche leute erkennen/ und als unschuldig zu frieden lassen solle: Wenn du dich im glauben/ GOttes wort und liebe uͤbest: Item im ersten Altenb. Theil p. 792. sagt er: Es sollen alle Sacramenta frey seyn jedermann/ wer nicht getaufft will seyn/ der lasse es anstehen: Wer nicht will das Sacrament empfangen/ hat sein wol macht fuͤr GOtt. Auff den einwurff aber vom zwang/ welchen er hernach anderswo zu billigen schiene/ ist in der ge- dachten bekaͤntniß ( edit. ult. ) geantwortet worden. 16. Vornemlich hat er die aͤusserlichen umstaͤnde und ceremoni en da- bey verworffen/ wenn im geringsten darauff als et was noͤthiges gesehen werde. Und deswegen hat ers vor frey geachtet/ wie/ wo/ und wenn mans halten wolle/ und keines weges ein Sacrament des Altars so daraus gemacht/ wie Hr. Cyprian. von mir als einen klage-punckt/ und als ein groß crim en angibt/ daß ichs nicht auff dem Altar unter dem rohen wuͤsten hauffen mitmachte/ worauff ihm denn gut Lutherisch geantwortet werden koͤnte/ aus Tom. II. Jen. Germ. p. 30. b. Mich wundert/ daß diese kluge leute nicht bedencken/ daß Christus in einem gasthauß/ und nicht im tempel/ auff einem tisch/ nicht auff einem Altar/ diß Sacrament eingesetzt und verbracht hat. Man duͤrffte aber uͤber solchen geringen sachen und umstaͤnden/ item, uͤber den hostien und derglei- chen eben nicht streiten/ wenn nur sonsten die sache selbst richtig waͤre. 17. Alleine es ist dennoch auch gut Lutherisch/ wenn man mit ihm bekennet und practicir et; Daß man diefreyheit behalten muͤsse/ das Sacrament mit und in geweiheten/ oder ungeweiheten kleidern/ gefaͤssen/ und haͤusern zu handeln/ und wer diese freyheit laͤugne/ oder einerley part NB. ketzerey schelte/ der luͤge abermal/ und NB. laͤstere CHristum und sein wort/ es sey Pabst/ Kayser/ Fuͤrst oder Teuffel. l. c. p 97. b. Daß er aber hierunter auch den nothfall verstehe/ wenn bey gemeinem verderbniß und mißbrauch/ ein oder mehr Christen des HErꝛn gedaͤchtniß (nach der freyheit wahrer kinder GOttes/ die ih- nen keine creatur nehmen kan/ und nach einfaͤltiger weise und vorschrifft der ersten ersten Christen) halten/ bezeugen diese seine folgende und andere worte/ aus demselben Tomo p. 101. a. 18. Er wolle denen nicht verwehren/ die beyderley gestalt geniessen koͤnnen/ es sey heimlich oder offenbar/ ohne daß sie es NB. besondersthun/ NB. nicht auff einem gemeinen Altar. — Sey aber jemand schwach/ daß er lieber des gantzen Sacra- ments entbehren wolle/ den solle man auch dulden/ und ihn sei- nes gewissens leben lassen. Und anderswo zeiget er deutlich an/ daß die Prediger schuldig seyn/ die aͤrgernisse und den verkehrten gebrauch beym Abendmahl abzuschaffen/ und folglich/ daß gewissenhaffte seelen sonst nicht dazu koͤnten beredet/ vielweniger gezwungen werden: Man koͤnte an- richten/ schreibet er/ und dahin bringen/ daß man die/ so da recht glauben/ koͤnte auff einen ortsondern/ — Das Sacrament soll man nicht also unter die leute im hauffen werffen/ — Da muß ichs nicht in zweiffel schlagen/ daß der/ dem ich das Sacrament gebe/ das Evangelium gewiß gefasset habe/ und rechtschaffen glaube. Tom. III. Germ. Jen. p. 158. b. Wenn man diese lehre woltrie- be/ da wuͤrdestu sehen/ daß wo jetzt 1000. zum Sacrament gehen/ da wuͤrdenihrer kaum 100 hingehen/ also wuͤrden NB. der greu- lichen suͤnden weniger/ — Die wir jetzt fast eitel heiden sind/ unter Christlichem namen. Denn koͤnten wir von uns sondern/ die wir an ihren worten erkenneten/ u. s. f. Tom. II. Jen. Germ. p. 103. b. 19. Es wird freilich hiebey dieses denen meisten/ als etwas unge- woͤhnliches und bey der heutigen unbeschreiblichen vermischung aller greu- el unmoͤgliches vorkommen/ daß man entweder in denen kirchen auch nur ei- nigen unterscheid und sonderung der gottlosen von den andern machen/ oder in dessen ausbleibung die Christliche freyheit in sonderbahrem brauch dieses gedaͤchtnuͤsses behaupten koͤnne und solle: Jch wills auch keinem blinden/ und blinden leiter verdencken/ wenn er dawieder eiffert und laͤ- stert: Weil mir der unermeßliche abgrund der verderbten blinden natur be- kandt ist/ welche/ (weil sie von kindes beinen an nichts bessers gelernet und gesehen) fast nichts anders kan/ als laͤstern/ was sie nicht verstehet. Jn- dessen aber laͤst man andere davon disputir en und scrupuli ren/ so lange sie wollen: und geniesset indessen wuͤrcklich und wesentlich allen geistlichen seegen in himmlischen guͤtern durch CHristum/ welchen weder tyrannen/ noch disputir er (συζυτήται) und Schrifftgelehrten/ oder buchstaͤbler (γραμματεῖς,) 1. Cor. I. 20. weder diebe noch motten rauben koͤnnen: Machts Machts also wie ein hungeriger/ der fein treuhertzig isset und trincket/ was ihm der wirth selbst eigenhaͤndig goͤnnet und gibt: und laͤst unterdessen ein paar schulleute immerhin disputir en/ wo/ wie und wenn man nach altem herkommen oder gemeiner manier die speisen geniessen solle/ oder was sonst dabey ex Physicis, Metaphysicis \&c. daruͤber koͤnte ventilir et werden. 20. Will aber ein falscher eifferer dieses recht wahrer Christen/ als Koͤnigl. Priestern disputir en/ oder die Obrigkeit auffreitzen/ sie sollen jenen dieses Goͤttliche recht nehmen: So hoͤre ein vernuͤnfftiger/ was Bernhar- dus dißfals erinnert/ und bedencke/ welches einem Christlichen Regenten lieber seyn solte. Entweder/ wenn seine unterthanen/ bey ihren zu sam- menkuͤnfften sich verbinden/ alles boͤse zu meiden/ und GOtt und Christ- lichen heiligen gesetzen einmuͤthiglich zu folgen/ zu dem ende auch das Mahl des HErrn als ein band der einigkeit mit einander nehmen/ so wie es Plini- us schon von den ersten Christen erzehlet? Oder wenn sie in ihren gelagen und gastereyen (da es ehrbahr zugeht) mit unnuͤtzem geschwaͤtz die zeit ver- derben/ oder mit fressen/ sauffen/ spielen/ huren u. s. f. ihren leib/ vermoͤgen/ und alles zu nichte machen/ wie es bey den jetzigen unchristen durchgehends geschicht? Dieses letztere leidet und heget man ja offenbahrlich jetzo/ jenes aber will man so wenig zugeben als damals die Heidenes denen Christen zuliessen/ und sie deßwegen verfolgten (wie in der abbildung Th. l. p. 332. u. f. zusehen) nur weil die Heidnischen Pfaffen ihre einkuͤnfften und ehren nicht missen wolten. 21. Daß es aber allerdings Christlich und unaͤrgerlich sey/ wenn Christen unter einander also des HErrn tod verkuͤndigen: Saget der ge- dachte von Lutheranern hochgehaltene Lehrer mit diesen worten/ und ta- delt den wiedrigen mißbrauch: ( Apologia ad Gvilielmum Abb. p. 1130. oper ) Wenn die alten einsamen zu Antonii zeiten (davon das leben der a n vaͤter zu sehen) einander ausli e be bißweilen besuchten/ so nah- men sie von ein ander das brod der seelen so begierig/ daß sie die leibliche speise daruͤber gantz vergassen/ und meist den gantzen tag ungessen (wiewol am gemuͤthe gesaͤttiget) zubrachten. Und dieses war dierechte ordnung. — Jetzo aber/ wenn man zusam- men kommt/ so ist da nicht vom Abendmahl des HErrn zu essen. Denn da ist niemand/ der das himmelbrodt suche oder gebe. Man handelt nichts aus der Schrifft/ nichts von dem heil der seelen/ sondern man bringt unnuͤtz geschwaͤtz/ leere worte und ge- laͤchter auff diebahn. Jssetman/ so stopfft man den halß mit fressen/ und die ohren fuͤllet man mit geschrey/ u. s. w. 22. So gar arg als es damals im Pabstthum zugangen ist/ gehets F noch noch jetzo nach vermeinter Reformation ungleich aͤrger im verkehrten Lu- therthum zu. Dabey so wol Christliche Obrigkeit/ als die Cleris ey/ ja wol zu wuͤnschen/ und zu foͤrdern hoͤchst ursache haͤtten/ daß gottfuͤrchtende gemuͤther nicht nur ingeheim GOtt unablaͤßig um besserung des gantz zer- fallenen Regiments- und Kirchen-Wesens anrieffen/ sondern auch in der that den unbendigen rohen hauffen derer falschen lehrer und zuhoͤrer mit wuͤrcklicher entziehung von ihren gemeinen greueln beschaͤmten/ und von der nothwendigkeit einer aͤnderung mit worten und wercken also uͤberzeug- ten. Denn sollen die zeugen GOttes keine gemeinschafft mit den wercken der finsterniß (dergleichen die gemeinen kirchendinge nach der Lutheraner gestaͤndnuͤß sind) haben/ sondern sie vielmehr bestraffen oder uͤberweisen. Eph. V. 11. Und soll also GOttes wille und rath er- fuͤllet werden; so muß man jene daran nichthindern/ sondern foͤrdern. 23. Drum sehe man nun zu/ welcher geist einen solchen regiere/ der dergleichen sorgfaͤltige Goͤttliche treue und vorsichtigkeit oͤffentlich als ein groß verbrechen anklaget/ wieder sein versprechen mit ketzern/ sonderlin- gen/ neulingen u. s. f. auff ehrlich leute loßschilt/ und den Magistrat zur ver- folgung und blutvergiessung auffreitzet. Gewiß der frevel ist allen auff- richtigen gemuͤthern so gar offenbahr/ daß ich weiter nicht noͤthig habe den ursprung/ die manier und weise solcher anklaͤger auch in diesem punct vom Abendmahl zu entdecken. Auch die Regenten und dero Ministri sind viel zu klug/ daß sie nicht die schulthorheit wissen und verachten solten/ wenn ein jeder einfaͤltiger mensch meinet/ hohe Obrigkeit solle sich als das brachium seculare zum unseligen Instrument und Executore seines unge- reimten hasses nach gefallen mißbrauchen lassen. GOtt lob! Politici sind jetzo viel zu gescheid und durch schaden gewitziget/ als das sie sich laͤn- ger von der Pabstentzenden Cleris ey/ vielweniger von erst anfangen den schulleuten beherꝛschen und herumfuͤhren lassen/ und jenen zu gefallen wei- teregerichte/ wie sonst/ uͤber sich ziehen werden. 24. So viel mag zur erlaͤuterung der anklage/ wegen des Abend- mahlsgnug seyn. Jch will/ wie gedacht/ mit niemanden weiter uͤber die- sen/ oder andere puncte streiten/ auch nicht uͤber der privat-communion, und andern umstaͤnden des Abendmahls. Denn ich halte weder diese noch die oͤffentliche vor so unumgaͤnglich noͤthig/ daß ich einen goͤtzen draus machte/ nachdem GOttes barmhertzigkeit eine staͤtige inwendige nahrung der seele an CHristi gemeinschafft uͤberfluͤßig darreichet. Sondern ich bleibe in posseffion der wahren freyheit/ darein mich mein meister und Herꝛ gesetzet hat/ und bin darinne gut Lutherisch. Denn ich bekenne mit Luthero aus angezogenen orthen: Man seye nicht verdammt/ wenn man man ohne Abendmahl bleibe: Weil CHristus nicht gebothen/ sondern frey gesetzet hat/ zu geniessen/ wen da will. Jch stimme auch denen Lutherischen schul- Theolog en gerne bey/ daß die aͤusserliche niessung nicht præcisè und schlechterdings zur seligkeit noth sey: Ja wenn auch gleich Lutherus endlich weder diese noch andere solche wahr- heiten gesagt haͤtte: so bleibet doch CHristus mein einiger grund/ von dem die schrifft mir und allen/ die zu ihm diesen augenblick kommen wollen zeuget. Joh. V. 39. 40. Das IV. Capitel. Von den uͤbrigen beschwerungen wieder meine persohn. J Ch wolte keine feder hievon weiter ansetzen/ weil ich alle solche an- klagen/ (waͤren sie auch viel haͤrter) gar nicht empfinde. Al- lein die sachen selbst/ welche Hr. Cyprian. auff die bahn bringt/ achte ich werth/ zu gemeinem nutz ein wenig zu erlaͤutern/ weils eine gar ge- ringe zeit und muͤhe erfordert. 2. Es doͤrffte jemand bey offterwehnter freyheit etwa gedencken: Vielleicht ists wahr/ was Cypr. p. 15. zur fuͤnfften anklage vorbringt/ daß du ein frey-geist bist? Allein wenn alle die/ so die wahre freyheit des gewissens behaupten frey-geister seyn/ so ist ( I. ) Lutherus/ (vermoͤge seiner obigen worte) einer der vornehmsten mit gewesen/ dessen er sich aber nie geschaͤmet hat. Daß ich von CHristo/ den Aposteln/ und allen bekennern der wahrheit nichts sage. ( II. ) ist die sache selbst von dem Heiland seinen glaubigen/ so theuer erworben/ und so tieff eingedrucket und zugeeignet: Daß sie sich des namens frey-geist im heil. verstand nicht schaͤmen koͤnnen noch duͤrffen. Vielmehr wuͤnschen sie immer mehr mit der that und aus lebendiger taͤglicher erfahrung zu bezeugen/ daß wo der geist des HErꝛn wahrhafftig ist/ daselbst nichts anders als freyheit seyn koͤnne. 2. Cor. III. 17. Und wer zu der hoffnung und dem vorschmack der herrlichen frey- heit als ein neugebohren kind GOttes beruffen ist: Der laͤsset sich solche weder beurtheilen noch nehmen/ sondern wird allein durchs gesetz der freyheit von GOtt selbst gerichtet. Rom. IIX. 21. Gal. IV. 31. v. 1. 13. 1. Cor. X. 29. Jac. II. 12. 3. Es moͤgen aber ( III. ) die/ welche diesen namen zum scheltwort brauchen/ in ihrem gewissen zusehen/ und fuͤhlen/ ob sie nicht noch knech- te der suͤnden seyn? und im knechtlichen geist unter den duͤrfftigen satzungen gefangen liegen. 1. Cor. VII. 23, Gal. IV. 9. Coloss. II. 20. F 2 das das ist/ ob sie nicht um des brodts/ um ehre/ Titul und bequemlichkeit wil- len/ sich als sclav en unter alle menschen- traditiones, autoritates, vor- schrifften und lehren ergeben/ und also biß diese stunde nicht wissen oder er- fahren haben/ was die edle freyheit in CHristo vor eine unschaͤtzbahre/ in- wendige gluͤckseligkeit und trium phiren de sieghaffte freude sey keine tieffe- re pruͤffung will ich solchen leuten/und sonderlich dem Herrn Cypr. vorle- gen. Denn die wahrhaffte/ wuͤrckliche/ und reelle innerliche be- freyung von dem gesetz der suͤnden und des todes ist ein geheimnuͤß/ das denen von der erden erkaussten geschencket wird/ welche durch alle machten der finsternuͤß in und mit CHristo tapffer durch kaͤmpffen/ und in- wendig gantz frey werden von aller herꝛschafft ihrer selbst und aller creatur. 4. Diese Goͤttliche herrliche freyheit macht/ ( IV. ) daß man ihrer nicht mißbrauchen kan noch darff/ und legitimir et sich auch der gestalt vor denen neidischen verlaͤumderischen menschen durch einen unschuldigen ge- brauch und wandel/ daß sie sich ihrer luͤgen und laͤsterungen endlich schaͤ- men muͤssen. Dahero auch solche gefreiete des HErren/ einen ernsten abscheu vor allen frechen und ungebrochenen action en/ unweisen ausbruͤ- chen der verderbten ungetoͤdteten natur haben/ wenn ohne dem unterscheid/ und ohne dem geist der weißheit/ alles verworffen/ verwirret/ und das gu- te selbst nicht beybehalten wird. Aus welchem falschen grunde eben die- ser sonst unschuldige name frey-geist bey hefftigen gemuͤthern zu einem scheltwort gediehen ist/ wie es mit viel andern ergangen. 5. Die sech sie anklage des Hn. Cypr. moͤchte seyn/ daß er mir aus eben so falschem grunde e ine neue und eigene Religion andichtet/ p. 5. 6. 7. 50. und 52. Wie ers noch etwas ehrbahr nennet/ da es sonst die groͤ- bern ketzerey heissen. Dieses wird er nun keinem gescheiden menschen uͤber- reden koͤnnen; Ja auch leichtglaubige albere leute werden ihm kaum bey- fall geben/ daß ich in ernst eine eigene Religion oder sect e zu machen suchte; Daich ( I. ) meinen abscheu fast wieder nichts mehr und klaͤrer/ „(und zwar oͤffentlich/ und meinem alten Adam zu schlechter avantage in „der welt) entdecket habe/ als wieder den sectiri schen partheyischen „greuel/ wenn einer sich uͤber des andern oder vieler gemuͤth zum Herrn „und meister gesetzt/ einen eigenen kirchen-staat und versammlungen for- mir et/ und die andern alle verdammet und verkaͤtzert hat. Hievon aber sehe ich/ daß der freund in folgenden erinnerungen gewiesen hat. 6. Vors ( II. ) ist aus meiner obigen erklaͤrung am tage/ wie gern „und auffrichtig ich dasjenige annehme und behalte/ was Lutherus, und „mit ihm andere werckzeuge GOttes der welt aus und nach der H. Schrifft „durch den geist CHristi vorgeleget. Ja wie ich eines jeden/ auch des ge- ringsten ringsten wahre Goͤttliche gabe/ lehre und erkaͤntnuͤß gebuͤhrend æstimi- „ re/ und hoͤher als die/ welcher etwa aus lauter erbarmung GOtt mich„ gewuͤrdiget hat/ halte/ ob ich wol keine dem HErrn und meister selbst„ vorziehen/ oder als einen abgott anbeten darff. Wie ich ferner alle das„ gute das noch in den ver derbtengemeinen uͤbrig seyn moͤchte/ es sey„ so gering als es wolle/ in gehoͤriger bescheidenheit beyzubehalten/ und zu„ gebrauchen suche. Und wie ich deßwegen mit der gantzen wahren „ Catholisch en oder allgemeinen unsichtbahren kirche durch die gan-„ tze welt/ in innerlicher gemeinschafft zu stehen begehre/ und an das all- gemeine haupt/ daran alle wesentliche glieder hangen muͤssen/ mich gerne ernstlich halte; Zumalich mit Petro in der that und wahrheit er- fahren habe/ daß wer GOtt fuͤrchte und gerechtigkeit wuͤrcke/ ihm angenehm sey/ und zwar in allem volck/ nicht nur in einer parthey oder Religion/ Apost. Gesch. X. 7. Jch finde aber nicht noͤthig mehr hievon zu sagen/ weil der arme Hr. Cyprian. selbst nicht wissen wuͤrde/ was er specificir en und nach sei- nem gewissen aussagen solte/ wenn auff ihn gedrungen wuͤrde zu sagen/ Was er mir denn vor eine Religion beylegte? Denn er redet selbst sehr zweiffelhafft und schuͤchtern/ wenn er etwa eine ketzerey (welchen namen er sich doch schaͤmet zu gebrauchen/ weil der ketzermacher thorheit nun allzuof- fenbar ist) specifici ren will. Er wolte mich gern p. 23. u. 81. zu einem Socinian er machen/ getrauet sich aber doch nicht recht/ und suchet nur verzwickt und hoͤnisch mit sophistisi ren dem leser einen verdacht zu erwe- cken. Dabey er vorsetzlicher weise vergist und uͤbergehet/ was ich wider diese offenbare calumni e am ende der vorrede uͤber den I. Theil der Kirchen-Historie schon lange vorher von der unendlichen Gottheit und Majestaͤt des hochgelobten Sohnes Gottes (der mir selbst ist einwahrhafftiger GOtt und das ewige leben) und von der Gott- heit des Heiligen Geistes/ bekandthabe/ und ferner bekennen will. 8. So wills ihm auch mit dem Quak er-namen nicht recht angehen/ p. 39. Da ihm seine Sophismata und fallaci en abermal von dem gedach- ten guten freunde entdecket sind; sonderlich wie uͤbel er von einer unpar- theyischen erzehlung uñ benennung gewisser an sich selbst guter dinge stracks auff billigung der sect e selbst schliesse zumal solcher gestalt kein sect en- und ketzer-name in der welt waͤre/ den m i r Herꝛ Cyprian nicht auff den hals werf- sen koͤnte/ wenn man einen unpartheyischen Scribenten/ wegen seiner redli- chen relation en so gleich unter jene alle mengen und setzen wolte. Es ist aber vor mich gut/ und vor Herꝛn Cyprian. sehr gefaͤhrlich/ daß zufoͤderst GOtt/ und dann dessen wahre freunde/ ja auch natuͤrlich kluge le u t e das F 3 gegen- gegentheil urtheilen/ wiewol mir an jenem/ welches ich am gewissesten und heilsamsten habe/ zu voller gemuͤths-ruhe gnug ist. Ein anderer sehe zu/ wie es bey seinem blinden eiffer um sein hertz stehe! 9. Ungeacht aber der Autor in der vorrede §. 3. vor billich und recht bekennet/ und daher oͤffentlich verspricht/ mir weder mit laͤsterungen zu begegnen/ noch sonst unrecht zuthun: So hat ers doch bald ver- gessen; und das gegentheil gethan. Wie bißhero durchgaͤngig/ und un- ten von dem freunde unlaͤugbar bewiesen ist. Er hats nicht lassen koͤnnen/ daß er miꝛ nicht zum wenigsten ein par ketzeꝛ-namen haͤtte auffhaͤngen sollen. Er leget mir p. 39. faͤlschlich Quak er-lehren bey/ und p. 49. spricht er/ ich waͤre in die Weigeliani sche meinungen so tieff gesuncken/ daß ich so bald nicht wieder her aus kommen wuͤrde. Mitsolcher ketzerma- cherey hat der elende Autor das eꝛste specim en vor und um Promotion zu ei- ner extraordinar Profession (wie mehr als zu bekandt ist) abgelegt/ und sich zu fernern dergleichen laͤsterungen wieder sein gewissen (welches diese greuel vor unrecht erkennt und bekennet) und wider sein verspre- chen legitimir et. Es ist leicht zu dencken/ wie gerne die anderen und aͤl- tern eifferer es sehen/ daß ein junger so ein faͤltig und unbesonnen ist/ und dasjenige dißfals auff gerathe wol versucht/ was sie selbst nicht/ und ein kluger oder auch arglistiger kopff ohne prostitution aus zu fuͤhren getrauen: insonderheit der/ so es ihm bekandter massen SCHMIE D en helffen. 10. Allein ich bedaure sein einfaͤltig gemuͤthe ernstlich/ mein Herꝛ Cypriane, daß er andern zu gefallen durch gehends des Heil. Geistes; krafft und wirckungen in seiner Schrifft vor Quake rey und dergleichen/ und also vor irꝛthum schilt. Auch wuͤnsche ich/ daß ihm nicht allein dieser blin- de eiffer nicht zugerechnet/ sondern er auch mit der gleichen versuch ungen zu so gefaͤhrlichen laͤsterungen des Geistes JEsu CHristi hinfuͤro auff ewig verschonet bleibe. Er wundere sich nicht/ daß ich seine expressiones also nenne: Dennich nehme mich ihrer vor meine person nicht um ein haar an/ und wenn er mir auch ein solch curriculum vitæ gestellet haͤtte/ als die Juden oder Heiden denen ersten Christen gethan/ wie er wol unver schaͤmt und heidnisch gnug dazu waͤre; Sondern ich will nur ihm und allen sei- nes gleichen auffrichtig zu bedencken vorlegen/ was solche zunamen und re- den auff sich haben/ so ferne sie die sache und materie selbst betreffen. 11. Nach seiner jetztgen einbildung ist Weigelius ein ketzer und irꝛ- geist/ und seine meinungen sind vom teuffel gewesen: Das wird er frey- lich bejahen/ weiler sie sonst vor Goͤttlich halten muͤste/ tertium non da- tur: Nun nennet er meine p. 49. gesetzte worte Weigeliani sche meinun- gen: gen: Das ist so viel/ als: solche meinungen/ die als irrig vom teuf- fel herkommen. Er lese aber meine worte noch einmal/ wie ich sie um an- derer willen wiederholen will: aus dem II. Theil der Kirchen-Historie p. 727. Da ich nach bekaͤntnuͤß meines uͤberdrusses/ bey so vielen zerstreuun- gen sage: Die liebe CHristi ruhet nicht/ biß sie uns gar in sich gezo- gen/ und gleichsam verschlungen hat. Jn diese sencken wir uns zusammen mit der gantzen verlornen und ausgearteten creaturin hitziger innigster begierde des geistes hinein/ und wollen ausser dieser ewiglich keine andere durch ihre krafft suchen und haben/ nach dem wir lange gnug unser selbst gewesen. 12. Hierinne wird deutlich gesagt/ die liebe CHristi ruhe nicht/ biß sie uns gar in sich gezogen/ und gleichsam verschlungen habe: Man sencke sich dahinein mit innigster begierde des geistes/ und wolle ewiglich keine andere haben u. s. f. Dieses aber ist nichts an- ders/ ja noch vielweniger/ als was die schrifft von dieser liebe CHristi sagt: Zum Ex. Die liebe Christidringe einen liebhaber also/ daß er nie- manden/ auch Christum selbst nicht nach dem fleisch kenne/ weil in Christo nichts gelte als eine neue schoͤpffung oder creatur/ das alte aber vergangen und alles neu worden sey. 2. Cor. V. 14. 17. Item, ein solcher lebe nicht mehr selbst/ sondern CHristus lebe in ihm/ Gal. II. 20. sein leib sey ein tempel GOttes/ und er sey nicht sein selbst/ weil das geheimnuͤß/ CHristus in uns/ nun in ihm offenbahret sey. Col. I. 27. Gal. IV, 19. 2. Cor. XIII. 5. Rom. IIX. 10. 1. Joh. IV. 16. das le- ben sey verborgen mit CHristo in GOtt. Col. IV. 3. Man sey im geist erfuͤllet / Eph. V. 18. Der Goͤttlichen natur theilhafftig 2. Pet. I. 4. u. s. f. 13. So sehe er nun/ wie fein er/ Hr. Cypriane, alle seine gedancken nach der schrifft pruͤffe/ als er p. 38. ruͤhmet! Er erkenne aus der schrifft/ was er Weigeliani sche/ und also (seiner meinung nach) irrige/ teuffeli- sche meinungen geheissen/ und wen er gelaͤstert habe! Er hat nicht mich noch meine worte gescholten; sondern den sinn und klaren ausdruck des Heiligen Geistes darinne verworffen: Er hat diejenige unendliche Gott- heit/ die ihn heget/ und darinne er lebet und ist/ gespottet/ und gelaͤstert. Seinem alten Adam hat vor dem gehorsam des jochs CHristi gegrauet und besorgt: hielt er vor wahr/ daß die liebe CHristi einen dringe/ das uͤberfluͤßige studir en auff- und sein hertz CHristo zu ergeben/ so wuͤrde es um zeitliche vortheile gethan seyn. Drum hat die vernunfft und schlange in ihm zugefahren/ und alles beyzeiten verworffen. Dieses sageich nicht/ mich weiß weiß zu brennen/ sondern ihm seine suͤnden hiemit oͤffentlich zu benennen/ und also/ wie GOtt weiß/ aus treuem gemuͤthe und verlangen zu seiner „wahrhafftigen bekehrung. Und wegen dieser seiner einbildungen versi- „chere ich ihn auch vor Gott/ daß alle seine vermeinte Pharisæi sche werck-ge- „rechtigkeit/ die er in dein aͤusserliehen kirchen-wesen und natuͤrlich erbah- „rem wesen mag gesuchet haben/ die sonderbahren Merit en vor seine sect e „oder Religion/und sein gantzer vorrath der menschlichen weißheit/ „vor dessen allerreinesten augen nur koth/ und sein eiffer falsch/ irrig und „wieder Juden ihrer/ (die Christum bey aller ihrer werckheiligkeit creutzig- „ten/ Rom. X. 2. 3. 4.) nicht nach der erkaͤntnuͤß sey/ daß er dahero un- „umgaͤnglich die busse von den todten-wercken und ernstlicher um- „kehrung seines hertzens zu GOtt durch den geist JEsu (den er unver- staͤndig geschmaͤhet) noͤthig habe/ nach der vorschrifft des heiligen Goͤttli- chen worts/ alsdann wuͤrde er erstlich CHristum wahrhafftig zu erkennen anfangen/ den er jetz und weder kennet noch liebet/ wie seine worte bezeugen. 14. Demnach wuͤnsche ich ernstlich/ daß man sich vor der hoͤchsten Majestaͤt ernstlich beugen/ GOtt um seinen Heil. Geist bitten/ seine eige- ne vernunfft und willen verlaͤugnen/ und von dem vater in wahrer busse zu dem Sohn ziehen lassen moͤge Sodann wuͤrden die geschehenen bekaͤnd- nisse von der inwohnenden krafft CHristi nicht fremd/ und die predigt vom creutz nicht thoͤricht vorkommen. Sondern man wuͤrde zum wenigsten mit mehrer bedencklich keit und ehr-furcht von denen wirckungen GOttes in der seele reden/ und wuͤrde die arme elende ereatur sich nicht zum richter uͤber ihres Schoͤpffers wercke setzen/ wodurch sie sich selbst im eigen willen der grossen seligkeit/ die sie noch hier haben koͤnte/ verlustig machet. 15. GOtt wird ja weder nach unserer aͤussern angenommenen sect e oder Religion/ noch nach dem eiffer vor eine menschliche parthey fragen: sondern allein nach dem lebendigen einfaͤltigen glauben/ der inwendig in uns seyn muß/ und nach der liebe zu dem HErꝛn JEsu/ und seinen wahren gliedern. Denn in ihm gilt ja nichts/ als eine neue creatur/ und welche nach dieser regul (der neuen oder Wiedergeburth einher gehen/) uͤber die ist friede und barmhertzigkeit Gal. V. 6. VI. 15. Sonst kan man (weder hier noch dort) das Reich GOttes sehen/ Joh. III. 3. 16. Darum last uns doch unsere natuͤrlich- sectiri sche unart ablt- gen/ weil wir keinen grund dazu auch in der Schrifft/ sondern vielmehr ernstliche abmahnungen davon finden/ welches auch zum theil der alte G. Calixtus und andere wol erkandt und bewiesen haben. (Man sehe nur/ wie C. Hornejus alle sect en durch die nach folge der ersten kirche will auffge- auffgehaben wissen. Lib. I. Hist. Eccl. cap. 1.) Last uns das band der vollkommenheit ergreiffen/ und liebe und erbarmung an einander beweisen: Damit der friede in unserm hertzen seinekleinode austheile/ und das ewige leben bey uns bleiben koͤnne. Denn die erfahrung lehret es ja mit schaden/ daß die wort-kriege und fragen uͤber dem gesetz nur zanck gebaͤhren/ und folglich unruhe und eitel boͤfe ding anrichten. Friede aber ist und bleibet uͤber dem/ der dem frieden nach jaget/ und daruͤber haͤlt/ weil diß kleinod ernstlich will gehalten seyn. 17. Hier faͤllt mir noch zuletzt diejenige beschuldigung des Hn. Cypr. ein/ welche niemand anders als ich selbst beantworten kan/ nemlich/ als ob ich in die Historie meine vorgesaste meinungen getragen haͤtte. Da- gegen nun versichere ich den Hn. Cypriani und jederman hiemit oͤffentlich/ daß ich nimmermehr auff die geringste spuhr gerathen seyn wuͤrde/ die ge- meinen Ketzer-Historien in zweiffel zu ziehen/ wo ich nicht alsobald/ da ich nach gewoͤhnlicher arth derer studiren den/ die Antiquit aͤt unter suchet/ so gar augenscheinliche denckmahle von dem grossen elend der groͤssesten kirch- gemeinen gefunden haͤtte/ welche nach und nach durch weiteres nachlesen unwiedersprechlich gestaͤrcket worden. Also daß ich von dieser sache selbst ungescheut oͤffentlich sagen darff: Was ich gezeuget habe/ das ist recht vor GOtt/ und er wirds noch selber mit der zeit nachdruͤcklich rechtfertigen/ be- staͤtigen und behaupten/ und wenn noch so viel buͤcher/ wieder die Kirchen- Historie/ auch von solchen/ die noch bey der welt ein ansehen haben/ geschrie- ben wuͤrden! 18. Auch kan ich noch dieses als wahrhafftig vor den augen GOttes bekraͤfftigen/ daß ich die vor der Kirchen-Historie gesetzten allgemeinen anmerck ungen nicht etwa vor der Elaboration des buchs selber/ wie Hr. Cypr. faͤlschlich muthmasset p. 50. Sondern ich habe sie etliche jahre her- nach bey endigung des wercks erst geschrieben/ und also aus denen erzehlten factis als general-observationes gezogen/ und voran zu setzen keine hinder- nuͤß gefunden: Woraus der Hr. Cypr. siehet/ daß diese seine muthmas- sung so wol als alle andere darauff gebauete anschuldigungen p. 50. u. f. falsch und nichtig seyn. 19. Jch weiß/ eꝛ findet einzeugniß in seinem gewissen/ woduꝛch Gott sich von der ewigen allgemeinẽ wahrheit nicht unbezeuget laͤst/ und der H. Geist bekraͤfftiget/ daß geist wahrheit ist. Dem wolle er doch um seinerer wuͤnsch- ten gemuͤths-ruhe willen in seinem hertzen nachspuͤhren und folgen/ weil ja die erfahrung lehrt/ daß in keinem andern/ ob wol noch so gut scheinen- den menschlichen namen oder dinge/ in keiner schulweißheit/ oder kirchen- G gerech- gerechtigkeit wahrhafftige zufriedenheit und gluͤckseligkeit/ sondern gegen CHristierkaͤntniß/ alles koth und schaden sey und bringe. Man goͤnne doch seiner armen seelen so viel frieden/ daß sie ihrhoͤchstes guth alleine su- chen doͤrffe/ welches sie in creaturen nicht findet; Man suche doch noch hier mit seinem schoͤpffer in ernstlick er zukehrzu ihm versoͤhnt und einig zu werden/ und halte sich in so viel elenden vorurtheilen nicht laͤnger auff/ die der satan unter dem namen der menschen und ihrer meinungen/ sect en/ dis- put en/ satzungen und tradition en neben das wort GOttes ausgesaͤet hat. Man suche GOtt im geist zu dienen nach seiner foderung in der H. Schrifft/ und fasse das wort begierig/ das so nahe ist im mund und hertzen/ und da- von alle maͤnner GOttes gezeuget haben/ welches auch weißlich lehret/ al- le aͤussere dinge in Goͤttlicher gedult so lange tragen/ als es dem schoͤpffer selbst gefaͤllt. 20. Will man aber ja der ewigen liebe GOttes und dem zeugnuͤß ih- res geistes noch nicht r aum geben/ so thaͤte man doch kluͤglich/ wenn man sich mit wiederspruch und verwerffung des wahrenlichts nicht versuͤndigte. Es kan eine zeit kommen/ da man solche falsche ausspruͤche/ die nach den tradition en der menschen abgefasset sind/ gerne wiederruffen wolte/ aber doch ein falsch geruͤchte daruͤber durchgehen muß. Der gute Hr. Cypr. wird erfahren/ was ihm seine gegensaͤtze gefruchtet/ und ob sie im feuer der Goͤttlichen gerechtigkeit bestand haben. 21. Jch kan meines orthes aus treuer liebe zu dem in ihm liegenden funcken der einfalt nicht anders/ als ihm einfaͤltigen gehorsam zu CHristo dem wort des vaterserbitten/ daßer doch nun zu CHristo komme/ von dem die schrifft zeuget Joh. V. 39. 40. Wodurch er aller seiner scrupel und ge- nommener anstoͤsse uͤber der wahrheit loß/ und in denselben ruhig werden kan. Unterdruckt er aber noch laͤnger dieses Goͤttliche licht/ in meinung/ es sey Quaker ey und irꝛthum/ und bauet auff den einigen grund noch mehr heu und stoppeln menschlicher dinge; so wird er dessen mit schmertzen scha- den leiden. Bekennet eraber CHristum vor den menschen/ wie dieser ihn so wol als alle menschen gerne erleuchten will/ und deßwegen noch immer dar auch an sein hertz klopffet; so wird er selbst und andere mit ihm bald sich unaussprechlich freuen/ und seine seele aus dem Sodoms-feuer zur beute erretten. 22. Jch mag nun nichts weiter von seinen falschen beschuldigungen gedencken/ denn die zeit wird und muß kommen/ da er sich derselben noth- wendig vor GOTT und menschen schaͤmen soll. Haͤtte er von mir etwas gruͤndliches gewust/ oder die geringste wuͤrckliche verfaͤlschungin der Kir- chen- chen-Historie gefunden; so haͤtte ihm sein falscher eiffer nicht zugelassen es zu verschweigen: Drum wirder auch diese unwahrheit gewiß gnug uͤber lang oder kurtz vor GOtt bereuen und buͤssen muͤssen/ daß er die leser bere- den wollen/ wie viel boͤses er von meinem leben und schreiben wis- se. (in der vorrede §. 3. u. p. 100. item p. 102.) Vor menschen aber (ich sage von vernuͤnfftigen menschen/ nicht aber von bestiali schen) verraͤth er seine faule gruͤnde selber/ darauff er jenes gebauet/ nemlich feindselige ca- lumni en/ die ihm etwa ein interessirt er eifferer zugeschrieben: Dergleichen waffen er aber selbst als unzulaͤßig bekennet p. 103. und dahero gerne und mit fleiß damit zu hause blieben ist; Von andern schwachheiten will ich nicht sagen/ wenn man zum Ex. von ignoran tz in der Historie schwatzt/ da man selbst mit fremdem kalbe pfluͤget. 23. Er wehre und draͤhe sich aber um/ so lange er will/ so wird er dem uͤberzeugenden ausspruch Gottes in seinem gemuͤthe nicht entgehen koͤn- nen: Er mag freylich/ wenn er der zuͤchtigenden gnade Gottes nicht folget/ noch wol entweder selbst/ oder mit andern/ viel zeit/ muͤhe/ und papier mit neuen sophist ereyen verderben/ und sich vor der welt verbrennen/ mich aber schwartz machen wollen: Allein/ was wirds ihm in der zeit seiner heimsu- chung anders seyn/ als noch mehr boͤse Materie vor das fressende und pein- lich brennende feuer der Goͤttlichen gerechtigkeit? Besser und kluͤger thaͤt er/ wenn er (an statt laͤngerer wiederstrebung gegen den anklopffenden Heil. Geist) die durch seinen wiederspruch abgenoͤthigte zeugnuͤsse ihm zu hertzen gehen/ und zu einer gluͤckseligen veranlassung seiner busse gedeihen liesse. 24. Will er aber dennoch halßstarrig wieder so manche empfindliche warnungen bleiben; so kan und wird er keine wahre ruhe in seinem her- tzen haben/ er stelle sich aͤusserlich an/ wie er wolle/ biß er GOtt gehorsam wird: Jch will ihn bey seiner streitsucht/ und seinen anstifftern die freude gerne goͤnnen/ daß sie nur sagen koͤnnen: Er hat gleichwol geantwortet: Es wuͤrde mirs ein jeder gescheider mann vor uͤbel halten/ wenn ich solcher laͤppischen dinge wegen die edle zeit verderbte. Und ob wol noch so viel an- dere klaͤffer/ Sophist en und zaͤncker/ oder auch ehrgeitzige heuchler wieder die Kirchen-Historie auffstehen werden; So wird dennoch die wahrheit wol bleiben/ und ihr werden dennoch die auffrichtigen anhaͤngen. GOtt lob! daß die zeiten anbrechen/ da das schaͤndliche sophistisi ren/ schul-ge- zaͤncke/ und die gantze falsch-beruͤhmte kunst derer ketzermacher/ ihnen nicht viel ehre oder vortheile mehr abwirfft/ und die leute augen bekommen/ zu sehen/ was linck oder recht ist. Mit der zeit werden solche schand- und laͤ- G 2 ster- ster-schrifften zu lauter maculatur werden: Wie jetzund schon guten theils viel Postillen/ Disputationes, streitschrifften/ Aristoteli sche logi- qu en und Metaphysiqu en denen Herrn buchhaͤndlern schon meist zum ein- packen und fortschicken noͤthigerer sachen dienen. 25. Es thue nun Hr Cyprian. was er will: So wird GOtt ihm doch allezeit und uͤberall vor seinem gewissen stehen/ und wieder sein thun dar- innen zeugnuͤß geben. Seine gedancken werden sich staͤts untereinander verklagen/ wo er der wahrheit wiederstrebt: und endlich werden auch die ver- borgene tuͤcke seines hertzens/ die er jetzt wol noch nicht kennet/ so gar præ- cisè ihm vor augen liegen/ daß er nicht die geringste ausflucht mit aller sei- ner schul, Philosophie wird erdencken koͤnnen. Jndessen aber hat er schon dieser ersten schrifft wegen so viel im gewissen zuverantworten/ daß/ wenn er nicht verblendet waͤre/ es einer langwuͤrigen rechnung vor dem gerechten richter brauchte. Und wenn er wuͤste/ was dieses auff sich haͤtte/ sein ge- wissen im blute des bundes remigen zulassen/ und zwar nur von einem ein- tzigen todten werck/ bey taͤglicher busse/ durch das lebendige richtende wort GOttes/ das seel und geist marck und bein durchschneidet und zermal- met (wie alle bußfertige in der schrifft davon zeugen) so wuͤrde er nicht mehr schuld auff sich laden/ sondern die wenige stunden seines lebens auff daß einige noth wendige wenden. 26. Doch sage ich dis nicht/ als fuͤrchtete ich mich vor menschlichen schrifften/ und wenn sie auch noch so haͤuffig hervorkaͤmen. Sondern ich re- de nur aus erfahrung von der genauheit/ und dem ernst (ἀποτομῇ Roͤm. XI. 22.) der scharffen gerechtigkeit unsers Schoͤpffers/ und versichere/ daß das heilige reine Goͤttliche wesen auch nicht einem gedancken/ geschweige worte oder gar laͤster-worte ungerichtet und ungestraffet lasse/ es komme uͤberlang oder kurtz. Daß ich nicht sage/ wie auch dieluͤgen von GOtt durch wahrheit-liebende menschen beschaͤmet werden/ der Herꝛ Cyprian. wird sehen/ wie ihm die nach folgen den erinnerungen eines freundes Satis- faction geben: So wenig aber/ als ich dessen ernsten sinn und ausdruck bey diesem auffsatz habe wieder stehen koͤnnen; so wenig kan ich gut da- vor seyn/ daß nicht andere mehr (welche hierinnen ohne mein dencken und suchenihre arbeit angebothen) diese seine nun am tag liegende oder auch kuͤnfftig von ihm oder andern herruͤhrende sophismata und unwar- heiten genau anatomir en moͤchten. Will man sich daruͤber beschweren/ so gebe mans seiner eigenen unbesonnenheit schuld/ und unterstehe sich hinfuͤ- ro nicht mehr mit etlichen bogen gantze volumina anzugreiffen/ in mei- nung/ nun muͤste jedermann glauben/ es sey alles uͤbern hauffen ge- worf- worffen/ man habe mich genau gefaßt/ ꝛc. Jch aber werde mich nicht weiter mov iren/ und wenn 10. Foliant en voll luͤgen und laͤsterungen herauskämen. Die wiedersprecher moͤgen sich indessen an denen bißheri- genzeugnissen satt eifferen/ daran sie nach ihrem verkehrtem sinn gnug zu zancken finden/ biß sie des laͤsterens muͤde werden. 27. Und hiemit beschliesse ich diese sache/ nicht/ wie Herꝛ Cyprian. der den beschluß mit rach fodern gemacht hat. Sondern ich uͤberlasse ihn hiemit einer hoͤhern heilsamen animadversion! mein Herꝛ Cypri- an, und zwar also/ daß er selbiger nicht entgehen soll! Nemlich/ GOtt der lebendige und allmaͤchtige Herꝛscher/ wird mit seinem gemuͤth oder geist so genau auff ihn achthaben/ ( animô advertet ) daß er seinen zuͤchtiger in sich wol fuͤhlen wird! Nicht aber zum boͤsen oder verderben/ sondern zum unwiedersprechlichen zeugniß in seiner seelen von seinem natuͤrlichen elend/ und dessen noch immer waͤhrender unge brochener Herꝛschafft uͤber ihn: Und hiedurch zu treuer demuͤthigung des schwuͤlstigen sinnes/ und zu gewuͤnsch- ter wircklicher errettung seines gefangenen gemuͤths aus diesen schrecklichen banden der suͤnden/ der welt und aller feinde seines wahren friedens. Die- se sache ist ja important gnug und ihm noͤthig und vortheilhafftig/ mir aber nur um seinetwillen lieb und angelegen: Darum muͤsse nichts davon zu rechter zeit verlohren gehen! Fiat! Das V. Capitel. Fernere Erklaͤrung vom Kirchen- und Abendmahl gehen. N Ach dem ich dieses auffgesetzet hatte/ erinnerte ich mich eines exem- pels von einem gewissen zeugen der wahrheit/ welcher annoch in einem Lutherischen Lehramt stehet/ und vor wenig jahren auff ver- anlassung eben solcher beschuldigungẽ die nachfolgende deduction auffgese- tzet hatte/ und weil diese gar gruͤndlich und bescheidentlich abgefasset/ auch durch den druck niemals bekandt worden ist: So will ich sie wegen gleich- heit der materi en mit bey fuͤgen. Dabey ich hoffe der Herꝛ Autor werde/ da mir diese schrifft ohn sein wissen einmal zu haͤnden kommen/ die Publica- tion ihm desto weniger entgegen sein lassen/ jeweniger er der offenbarung Goͤttlicher wahrheit und gerechtigkeit entgegen zu seyn pfleget. Zwar wird der Leser unterschiedene stellen Lutheri und andere gruͤnde hierinnen auch angezogen finden! Es kan aber eine heilsame sache nicht offt gnug wi- derholet und eingeschaͤrffet werden/ zumal/ wenn sie ohne dem lange gnug G 3 unter- unterdruckt gewesen ist. Jndessen ist der anfang und beschluß dieser schrifft vorbey gelassen worden/ weil selbige eben zu dieser sache nicht gehoͤren/ son- dern gewisse umstaͤnde einer Lutherischen Stadt antreffen. Demnach lautet der vortrag an sich selbst mit denen beweißgruͤnden also: Damit ich die haupt-sache an ihr selbst deutlich anzeige/ war um ich bißhero/ wegen beywohnung der oͤffentlichen versammlung und communion, mich in meinem gewissen beschwert gefunden. So ist solches nicht geschehen/ (1.) als wenn ich die oͤffentlichen versamm- lungen an sich selbst vor unrecht hielte/ und nur allein von blossen zusam- menkuͤnfften in den haͤusern wissen wolte/ da nur etliche wenige sich beyein- ander erbauen solten. Jch halte oͤffentliche versammlungen an sich selbst vorein gutes/ liebliches und den Christen zukommendes werck/ sonderlich an solchen orten/ wo sie das freye Exercitium eines oͤffentlichen cultus ha- ben/ und wolte nichts mehr wuͤnschen/ als daß solche grosse und volckreiche versammlungen an allen orten waͤren/ dadurch GOtt rechtschaffen moͤchte geehret und gepreiset werden. So ist die ursache meiner entziehung auch nicht/ (2) als wenn ich die art und weise der oͤffentlichen kirchen-versamm- lungen bey hiesiger und ander waͤrtigen gemeinden des Lutherthums schlechter dings verwuͤrffe/ und an sich in allen stuͤcken straͤfflich achtete. Jch erkeñe gar wol/ was Lutherus mit einrichtung solcherley art der oͤssentlichen versammlungen intendir et und gesucht habe/ und waͤre nur zu wuͤnschen/ daß seineꝛ gehabten guten intention alleꝛseits in praxi ein ꝛechtes gnuͤgen da- mit moͤchte geschehen seyn oder noch geschehē. So ist auch die uꝛsache meiner entziehung nicht/ (3) als wolte ich mich hiermit von der Evangelischen Kirche oͤffentlich trennen und abreissen/ und einen neuen selbst erwehlten Gottesdienst anstellen; Jch kenne/ GOtt lob! die recht-Evangelische bes- ser/ und gehoͤre darzu; so weiß ich auch/ daß die Evangelische Kirche/ welche sich GOtt noch biß auff den heutigen tag durch seinen Heiligen Geist in rechtem glauben erhalten hat/ mich auch in dem HErꝛn als ihr wahres mitglieder kennet und erkennen wird/ und will mich also so gar nicht von ihr trennen/ ob ich gleich hoͤchlich wuͤnsche/ daß sie von denen schandsie- cken/ die sie wider ihren willen tragen muß/ gereiniget seyn moͤchte. Ebe- ner massen will ich auch keinen neuen selbst-erwehlten Gottesdienst anfan- gen/ sondern wuͤnsche vielmehr/ daß alle arten des heutigen Gottesdienstes dem alten einigen Apostolischen Gottesdienst recht gemaͤß moͤchten/ erfun- den werden. So ist auch die ursache meiner entziehung nicht/ (4.) als wenn ich den aͤusserlichen Sacramentlichen gebrauch des heiligen Abend- mahls verachtete/ oder vor unrecht hielte/ und das Abendmahl mit CHri- sto nur sto nur allein innerlich und geistlich halten wolte. Jch weiß/ GOtt lob! auch schon besser/ was ich von dem aͤusserlichen Sacramentlichen gebrauch halten und glauben soll/ habe es ja auch in waͤhrender zeit gebraucht/ und halte es so hoch/ daß mich der schaͤndliche mißbrauch dessen von hertzen be- kuͤmmert/ da man nemlich an dem blossen aͤusserlichen hanget ohne das in- nerliche. So ist auch die ursache meiner entziehung nicht/ (5.) als wenn ich das ordentliche Predigt-ammt/ und insonderheit ein hiesiges Mini- sterium verachtete/ also daß ich (wie einige mir faͤlschlich beymessen wol- len/) mich ihres ammtes und dienstes/ weil ich sie vor untuͤchtige fleisch- liche Ministros hielte/ nicht gebrauchen wolte. GOtt weiß/ daß ich das ordentliche Predigtammt an sich sohoch ehre und achte/ als es jemand ehren und achten kan; wuͤnsche auch von gantzem hertzen/ daß alle/ die solches ammt fuͤhren/ es selbst so hoch ehren und achten moͤchten/ als ich es ehre und achte/ und die mich des Donatismi beschuldigen-wollen/ daß ich das Ministerium malorum schlechter dinges und ohne allen unterscheid verwuͤrffe/ die muͤssen durch eine deutliche folge mit solcher falschen impu- tation mir selber zugestehen/ daß hingegen das Ministerium piorum \& san- ctorum bey mir in grossem werth seyn muͤsse/ welches ja auch sonder zweif- fel wol das rechte und GOtt wolge faͤllige Ministerium allein zu heissen ver- dienet. Denn wo es wahr ist/ was die Apologia Augustanæ Confessio- nis in articulo de Ecclesia mit solchem ernst und nach druck beweiset/ daß die gottlosen/ ob sie schon in der aͤusserlichen gemeinschafft der kirchen stehen/ dennoch nur im propriè membra Ecclesiæ heissen/ so muß es ja auch wahr seyn/ daß die gottlosen/ ob sie schon in der aͤusserlichen gemeinschafft der kirchen stehen/ und sich des oͤffentlichen kirchen-amts anmassen/ dennoch nur impropriè Ecclesiæ ministri heissen. Denn/ wie koͤnte ich diejenigen in CHristo als rechte diener seiner gemeinde hochachten/ die CHristum in seinem gliede verachteten und verstiessen/ es waͤre denn/ daß man von mir begehrete/ daß ich entweder wieder mich selbst streiten/ oder einen schaͤndli- chen heuchler abgeben solte. Jch will mich aber zu ihnen allen ein bessers versehen/ und wo sie mich in CHristi liebe auffnehmen/ so will ich auch sie in gleicher liebe auffnehmen/ und will ihnen auch nach ihrem tragenden amt gern und willig alle schuldige ehre darreichen/ und so weit ich nach mei- nem gewissen und erkaͤntnuͤß vor GOtt an einem ieglichen unter ihnen be- finde/ daß solches hochwichtige amt nach der richtschnur und erforderung des heiligen Evangelii von ihnen wuͤrdiglich gefuͤhret und in allen stuͤcken gezieret werde. Denn gleich wie ich von ihnen so absolute nicht begehren kan/ daß sie mich vor ein wahres glied CHristi erkennen sollen/ wo sie mir in wahr- in wahrheit etwas unchristliches erweisen koͤnnen: Also werden sie auch von mir nicht anders begehren sie vor rechtschaffene diener der kirchen CHristi/ zu erkennen/ als in so weit sie die pflicht und wuͤrde dieses heiligen amts wuͤrcklich erfuͤllen/ und so wolgegen mich/ als gegen jederman/ der etwas an ihnen desiderir en wollte/ sich von allen einwendungen gnugsam zu li- berir en vermoͤgen; Gleichwie ich aber hertzlich und angelegentlich bitte/ daß/ so ein hiesiges Ministerium einige wichtige motiv en zu haben vermei- nen sollte/ um derer willen dasselbige mich nicht vor CHristi glied erkennen koͤnte/ mir solche motiv en zu meiner verantwortung Christ-freundlich von ihme moͤchten entdecket und angezeiget werden: Also bin auch ich zugleich erboͤthig/ daß/ wo es ihrer seits von mir verlanget und treulich versprochen wuͤrde/ alles in Christlicher liebe (wie es knechten GOttes gebuͤhret) auff und anzunchmen/ so ich etwas straͤffliches an ihnen wahrgenommen zu haben vermeinte/ ich alsdenn in aller Christlichen bescheidenheit auch hier- uͤber meine geziemende erklaͤrung zu thun nicht ermangeln wolle. Jn- zwischen so lange ich der liebe nach von ihrem saͤmtlichen Collegio hoffen mag/ daß dasselbe nach Christlicher billigkeit zur abthuung alles bißheri- ges mißverstaͤudnuͤsses und verdachts mit mir handeln und auff gesche- hene meine Christliche erklaͤrung mich als ein glied CHristi auffzunehmen sich nichtweiter entbrechen werde; so lange habe ich noch keine ursache von ihrem Ministerio oder kirchen-dienste mich so gaͤntzlich abzuziehen. Und haben daher diejenigen/ die meine bißherige entziehung dessen von unge- ziemlicher verachtung derivir en wollen/ aus besagtem sich besser und gruͤnd- licher zu informir en. Es sind aber die rechten ursachen solcher mei- ner entziehung vornemlich aus nachfolgenden in meinem gemuͤthe ent- standen. (1.) Jst es klar und offenbahr am tage/ daß gleich wie der allergroͤ- ste hauffe/ der zu der Evangelischen kirche will gerechnet seyn/ ausser denen oͤffentlichen kirch-versammlungen nicht Evangelisch/ sondern Heid- nisch/ ja aͤrger als Heidnisch in allen herꝛschenden suͤnden lebet; Also auch derselbe so gar in den oͤffentlichen kirch-versammlungen solche seine schaͤnd- liche unarth sehen laͤsset/ daß um deß willen schon von vielen jahren herso wol schrifftlich in den gedruckten Postillen/ als auch muͤndlich auff den cantzeln die allgemeine klage hat muͤssen angestimmet werden/ wie das- jenige hauß/ welches ein bethhauß/ zur ehre GOttes seyn solte/ nunmehro ein pachthauß/ ein hurhauß/ ein plauderhauß/ ein spotthauß/ ein richt- hauß/ ein schlafhauß ꝛc. geworden sey. Was aber bey der versammlung sich insgemein erfinden laͤßt/ das verbirgt sich insonderheit auch nicht ein- mal mal bey der wuͤrcklichen handlung des Heil. Abendmahls/ als da unter denen Communicant en durch uͤbermachte uͤppigkeit und kleider- pracht/ durch alamodi sche minen und geberden/ durch weltliche Præceden tz/ compliment en/ durch fieischliche Præceden tz/ gedraͤngs und daraus erwachsenden neid und eyffersucht ein oͤffentlicher aͤrgerli- cher greuel getrieben und des HErꝛn Abendmahl geschaͤndet wird/ welches doch unter andern auch darzu eingesetzt ist; Daß diejenigen/ die sich zu dem Evangelio bekennen/ nachdem von CHristo bey dem fußwaschen gegebe- nen beyspiel in hertzlicher einfaͤltiger liebe/ demuth und erniedrigung sich als glieder eines leibes bey diesem Sacrament verbinden/ und durch wuͤrck- liche thaͤtige beweisung des an und in ihnen durch CHristi todt ertoͤdteten alten Adams des HErrn todt verkuͤndigen und beehren sollen. (2.) Jst es klar am tage/ und nun so vielmehr als das vorhergehen- de zu beklagen/ daß die heutige sich Evangelisch nennende maul-Christen aus solchem ihrem schaͤndlichen beginnen/ welches sie bey der oͤffentlichen versammlung und Communion bezeigen/ noch darzu einen wahren Christ- lichen und mit der seligkeit gewiß verbundenen Gottesdinest zu machen sich nicht entbloͤden; Denn sie dencken alle/ daß es um ihre seligkeit gar wol stehe/ wenn sie nur an den sonn- und fest-tagen zur kirchen und an ih- ren sich vorgesetzten zeiten zum Abendmahlgehen/ und bauen also ihr ver- trauen auff ein aͤusserliches opus operatum, welches denn den gantzen grund des heiligen Evangelii umreisset und eine erschreckliche abgoͤtti- sche blindheit ist. Daher heisset nach der leute und gemeinen fast durch- gehenden redensarth den Gottesdienst verrichten so viel als in die kirche gehen/ und fromm werden so viel als zur beicht und Abend- mahl gehen/ und wer das nach ihrer weise so nicht mit macht/ der muß um deß willen bey ihnen also fort vor einen unchristen und veraͤchter des Gottesdienstes und Sacraments gehalten und gescholten seyn. Denn es ist das vertrauen auff die oͤffentliche versammlung und Com- munion in der Kirchen oder so genannten Gottes-hause so fest in dieleute eingewurtzelt/ daß auch die besten gemuͤther/ die da erkennen/ daß zu dem wahren Gottesdienste mehr als ein aͤusserliches opus operatum ge- hoͤre/ dennoch den heimlichen wahn bey sich hegen/ als koͤnte der Gottes- dienst der ausser der oͤffentlichen kirchen geschiehet/ an sich nicht so heilig/ kraͤfftig und GOtt wolgefaͤllig seyn/ wie derjenige/ der in der kirche ver- richtet wurde: Welches ebener massen nach Lutheri und der Symboli schen buͤcher eigenerlehre gantz wider die art des wahren Evangelischen Gottes- H dienstes dienstes im Neuen Testament streitet/ als welcher an und vor sich selbst an keinen aͤusserlichen ort und tempelmehr gebunden ist. (3.) Jst es auch klar am tage/ und ist eine frucht des jetztgedach- ten falschen wahns/ daß man nebst der geistlichen abgoͤtterey/ die man mit dem Kirchen- und Abendmahl gehen treibet (wie denn in solchem verstan- de der beruͤhmte Rostockische Theologus D. Heinrich Muͤller wegen des schaͤndlichen mißbrauchs den Predigt-stuhl/ Tauffstein/ Beichtstuhl/ und Altar die 4. Kirchen-goͤtzen nennet) noch darzu einen neuen Paͤbsti- schen gewissens-zwang auffgerichtet hat/ in dem man nicht allein die boͤsen und unverstaͤndigeu leute (die doch nur erst in der kirche aus der Predigt lernen solten/ was der rechte Gottesdienst waͤre/ und so lange sie nicht in dem wahren leben des glaubens aus GOtt erfunden werden/ zu allem wah- rem Gottesdienst untuͤchtig sind) solcher gestalt dazu anhaͤlt/ daß sie das Kirchen-gehen als einen schon wircklichen und formal en Gottesdienst zu uͤben und anzusehen gewohnen muͤssen/ sondern man auch fromme und er- leuchtete Christen (die bereits juxta Hebr. XII. 22. zu der stadt des leben- digen GOttes und zu dem himmlischen Jerusalem im geist gekommen sind/ welche stadt keinen tempel hat als GOtt und das Lamm Apoc XXI. 22.) zur observan tz der angeordneten aͤusserlichen Gottesdienste also noͤthi- gen und zwingen will/ daß sie solche als gewissens halber und als noͤthige stuͤcke des Christenthums schlechterdings zu halten sollen verbunden seyn/ welches abermal wider das Evangelium und Lutheri eigene Lehr streitet: Dann es schreibet Lutherus Tom. VII. Witteb. f. 399. a. Von Teutscher messe und ordnung des Gottesdienstes also: „ Vor allen dingen will „ich gar freundlich gebeten haben/ auch um GOTT es willen/ al- „le diejenigen/ so diese unsere ordnung im Gottesdienste sehen „oder nachsolgen wollen/ daß sie ja kein noͤthig gesetz daraus ma- „chen/ noch jemandes gewissen damit verstricken oder fahen/ son- „dern der Christlichen freyheit nach ihres gefallens brauchen/ „wie/ wo und wie lange es die sachen schicken und erfordern. lb. fac. „b. schreibet er: Summa, wir stellen solche ordnung gar nicht um de- „rer willen/ die bereits Christen sind: Denn die beduͤrffen der din- „gekeines/ um welcher willen man auch nicht lebt; sondern sie „leben um unsert willen/ die noch nicht Christen sind/ daß sie uns „zu Christen machen; Sie haben ihren Gottesdienst im geist. „Aber um derer willen muß man solche ordnung halten/ die noch „Christen sollen werden oder staͤrcker werden. Gleichwie ein „Christ der Tauffe/ des Worts und Sacraments nicht darff als ein ein Christ/ denn er hats schon alles/ sondern als ein suͤnder. Aller-‟ meist aber geschichts um der einfaͤltigen und des jungen volcks‟ willen (welches soll und muß taͤglich in der Schrifft und GOt-‟ tes Wort geuͤbet und erzogen werden/ daß sie der Schrifft ge-‟ wohnet/ geschickt/ laͤuffig und kuͤndig drinnen werden/ ihren‟ glauben zu vertreten/ und andere mit der zeit zu lehren/ und das‟ Reich CHristi helffen mehren. Um solcher willen muß man lesen/‟ singen/ predigen/ schreiben und tichten/ und wo es huͤlfflich und‟ foͤrderlich darzu waͤre/ wolte ich lassen mit allen glocken darzu‟ laͤuten/ und mit allen orgeln pfeissen/ und alles klingen lassen/‟ was klingen koͤnte. Dann daꝛum sind die Paͤbstischẽ Gottesdien-‟ ste so verdam̃lich/ daß sie gesetze/ wercke und verdienste daraus‟ gemacht/ und damit den edlen glauben verdrucket haben/ und‟ dieselben nicht gerichtet haben auff die jugend und einfaͤltigen/‟ dieselben damit in der Schrifft in GOttes wort zu uͤben/ son-‟ dern sind selbst daꝛan beklieben/ und halten sie als ihnen selbst nu-‟ tze und noͤthig zur seligkeit/ das ist der teuffel/ auff welche weise‟ die alten sie nicht geordnet noch gesetzethaben. Was nun von den oͤffentlichen kirch-versammlungen gesetzet ist/ das ist auch von dem H. Abendmahl zu sagen/ welches der HErꝛ seinen lieben Juͤngern zur erqui- ckung eingesetzet hat/ nun aber (gleichwie der glaube) jedermanns ding worden ist/ indem nicht allein die groben fleischlichen und unbekehrten welt- hertzen bey dem heutigen grossen verfall der rechten Christlichen kirchen- zucht einen freyen zutritt dazu habẽ/ und wo sie zuweilen selber aussen bleibẽ/ bey weltlicher straffe darzu angehalten und getrieben werden; sondern auch from̃e Christliche hertzen/ die solchen schaͤndlichẽ mißbrauch sehen/ und daher in der gemeinschafft solcher boͤsen leutedes HErꝛn Abendmahl zu halten sich beschwert finden/ odeꝛ auch in einem geistlichen glaubenskampffe stehen/ daß sie noch kein gewisses erkaͤndtniß bey sich finden/ wie sie solchen Sacrament- lichen gebrauch des H. Abendmahls in einem wahren und festgegruͤndeten geistlichẽ verstande anzusehen habẽ/ und daheꝛ in solchem iñeꝛn kampfe ohne die voͤllige gewißheit und plerophorie des glaubens/ lieber des aͤusserlichen gebrauchs sich enthalten/ als sich dessen in ungewißheit und zweiffel bedienẽ wollen/ an statt/ daß man sie in liebe mitleidend tragen/ ihren beaͤngsteten gewissen rathen/ der Goͤttlichen gnaden wuͤrckung zur erlangung einer rech- ten glaubens-festigkeit in ihnen zeit und raum lassen/ und das daher bey ei- nigen unwissendë entstehende aͤꝛgeꝛniß weißlich abwenden sollen/ im gegen- theil dermassen dringet und treibet/ daß sie auff eines jeden unzulaͤngliches H 2 einreden einreden alsobald ihre habende scrupel fallen lassen/ und nach der eingefuͤhe- ten ordnung und gewohnheit das Sacrament mit zu halten sich bequemen oder der landes-raumung und anderer straffe gewaͤrtig seyn sollen. Ob nun das eine Evangelische weise sey die leute zum Sacrament zu bringen/ lasse ich alle wahre Evangelische Christen urtheilen. Es schreibet der theure Lutherus/ daß man im predigen mit allem moͤglichem ernst und eiffer dahin trachten solle/ die leute vom Sacrament und allen aͤusserlichen stuͤcken abzuwenden so lange/ biß sie sich Christen fuͤhlen und beweisen/ den rechten gebrauch verstehen/ und hernach von sich selbst in einer hertzlichen glaubens- „begierde dasselbige suchen moͤgen/ und setzet darzu; Ach HErr GOtt/ „wenn man diese lehre wohl triebe/ da soltestu sehen/ daß wo „jetzttausend zum Sacrament gehen/ da wuͤrden ihrer kaum „hundert hingehen; also wuͤrden der greulichen suͤnden weniger/ „die der Pabst mit seinem hoͤllischen gesetz in die welt gesch wem- „met hat/ so kaͤmen wir zu letzt wieder zu einer Christlichen ver- „sammlung/ die wir jetzt fast eitel Heiden sind unter dem Christli- „chen namen; dann koͤnten wir von uns sondern/ die wir an ih- „ren wercken erkenneten/ daß sie nicht glaubten noch liebeten/ „das uns jetzt noch unmoͤglich ist. Wie solche worte zu befinden Tom. 2. Jenenf. Germ. fol. 103. fac. 6. \& fol. seq. und Tom. 7. Witteb. „fol. 363. a. b. woselbst er auch saget: Das Sacrament kan nicht „leiden/ daß man die leute hinzu creibe und zwinge/ sondern „sie sollen durchs Evangeliumgelehret/ von ihnen selbst aus „hungrigem glauben darum bitten und dringen. So unrecht es nun ist/ die saͤu/ die man von dem tisch des HErrn abhalten solte/ dazu zu las- sen/ und gar darzu anzutreiben/ so unrecht ist es auch/ wenn man from- me Christliche hertzen/ die nicht aus boͤser muthwilliger verachtung/ son- dern aus habenden schweren und wichtigen gewissens bedencken sich des aͤusserlichen oͤffentlichen gebrauchs des Sacraments enthalten/ auff solche Paͤbstische Arth und weise wieder ihr gewissen darzu noͤthigen und zwingen will/ gleich als weñ es mit solchen offt aus dem tieffsten grunde der seelen bey tiefsinnigen ernstlichen und religieus en gemuͤthern entstehenden/ und weit um sich sehenden gewissens- scrup eln/ die man nicht einmal allezeit mit worten gegen einen andern genugsam und deutlich von sich geben kan/ so ei- ne leichte sach waͤre/ daß sich dieselbe nach eines jeden sinne flugs abwerf- fen liessen. Es sind zu weilen dergleichen scrup el so wichtig/ daß kein mensch capab el ist/ einer beaͤngsteten seele dieselben zu benehmen/ biß sie GOtt selber mit der zeit davon errettet. Ja man hat wol exempel/ daß die die aller-Christlichsten gemuͤther/ die schon lange im Christenthum und vieler erfahrung gestanden/ dennoch nach langer zeit in der pruͤfungs-stun- de wol gar mit dem Atheismo und GOtteslaͤsterung wider ihren willen sind angefochten worden/ wie solt es denn nicht geschehen/ daß uͤber dem Sacrament/ welches die aͤussere vernunfft noch weniger fassen kan/ der- gleichen Anfechtung entstehe. So nun der treue und weise seelen-hirte CHristus es auch so machen wolte/ wie unerfahrne und uͤbelgesinnete seelen-hirten zu thun pflegen/ so muͤsten die armen schafe bald verzagen: Aber Gott lob! daß die seinen nicht einen solchen Hohenpriester an ihm ha- ben/ der nicht koͤnte mitleiden haben mit ihrer schwachheit/ sondern der selbst versuchet ist allenthalben/ gleich wie/ sie doch ohne suͤnde/ und daher mitlei- den haben kan uͤber die da unwissend sind/ und irren/ nach dem er auch selbst mit schwachheit ist umgeben gewesen/ Hebr. IV. 15. V. 2. Es schreibet S. Paulus Rom. XIV. 22. 23. daß es eine verdammliche/ und aus dem un- glauben gehende suͤnde sey/ wenn man nur gemeine speise mit zweiffel und anstoß des gewissens esse: Und man will fromme Christen noͤthigen/ daß sie das Sacrament mit anstoß und zweiffel des gewissens und also im un- glauben gebrauchen sollen: Welches ja recht unver antwortlich ist. Da- her schreibet Lutherus bey gelegenheit dieser jetzt angefuͤhrten worte Pauli Tom. 3. Jenens. Germ. f. 68. Jst jemand schwach und zweiffelt am„ Sacrament/ der lasse ihm rathen/ und BLEJBEDJE-„ WEJL ohne Sacrament/ lasse die damit umgehen/ die sicher„ sind im gewissen. Du bist nicht verdammt/ ob on ohne das Sa-„ crament bleibest. Und Tom. 2. Jenens. Germ. fol. 101. fac. a. schrei- bet er: Jst jemand so schwach auff dieser seiten/ daß er lieber das„ gantze Sacrament entbehren will/ denn nur in einer gestalt neh„ men/ den dulte man auch/ und lasseihn seines gewissens leben.„ Und Tom. 1. Jenens. Germ. fol. 521. Dubist nicht verdammt/ ob du„ ohne das Sacrament bleibest/ wenn du dich sonst im glauben/„ Gotteswort/ und liebe uͤbest. Und Tom. I. Altenb. von der beichte fol. 792. Essollen alle Sacramenta FREY SEYN jederman/„ wer nichtget aufft will seyn/ der laß anstehen/ wer nicht will das„ Sacrament empfangen hat sein wol macht; Also wer nicht„ beichten will/ hat sein auch macht fuͤr GOtt. Item: Jn der Kir- chen-Postill in explicatione der Epistelam 4. Advent lehret er gar/ daß ein Christ/ den man mit gesetz und geboten unter dem vorwand des schuldigen gehorsams der kirchen zum Sacrament und an- dern dingenzwingen will/ eben um solches geboths willen/ gleich H 3 das das gegentheil thun solle/ damit die Christliche freyheit bliebe. Ja auch in der Vorrede des kleinen Catechismi. da er sehr wieder die muthwilligen veraͤchter des Sacraments eyffert/ willer den- noch die sache durch aus nicht mit zwang und gesetz getrieben ha- ben/ da man unter andern auch den leuten GEWJSSE ZEJT/ ORT und ANDERE DJNGE darzu vorschreiben will/ sonderner zeiget gar fein/ wie man sich bemuͤhen solle/ sol- che veraͤchter durch bewegliche vorstellung aus Gottes wort da- hin zu bringen/ daß sie ohne gesetz das Sacrament von selbst be- gehren moͤchten/ wenn sie aber immerfort boßhafftig der Goͤttli- chen uͤberzeugung wiederstrebeten/ man sie alsdenn fahren las- sen und nur ihren elendenzustand ihnen unter augen stellen solle. Worauffer beygefuͤget/ daß die Prediger/ welche die zuhoͤrer auff eine andere arth und mit gesetzen zum Sacrament zwingen wol- len/ SELBST SCHULD daran waͤren/ daß das Sacra- ment verachtet werde/ und erinnert daher alle Prediger und Pfarrherrn ernstlich/ daß ihr amt unter dem Evangelio nun gantz eine andere bewandtnuͤß habe/ als es unter dem Pabstthum gehabt haͤtte. Und obwol der L. Lutherus in dieser Vorrede auch von einer gattung solcher leute gedencket/ die eine hohe Obrigkeit wegenihrer wiederspenstigkeit mit landes-raumung belegen koͤn- ne/ so ist doch allhier nicht die rede von solchen personen/ die we- geneiner habenden gewissens-beschwerde dieses oder jenes unter- lassen/ sondern es giebt es der gantze context, und sonderlich im Teutschen/ daß er von dem groben dummen volckerede/ welches er dem vieh vergleichet/ welches von dem Pabstthum abgefallen war/ und nun unter dem Evangelio in aller freyheit nach seinem willen leben/ und gar keinen unterricht von Goͤttlichen dingen annehmen wolte/ von solchen saget er/ daß sie/ wo nichts an- ders helffen will/ von ihren vorgesetzten mit schaͤrffe/ zu einer aͤusserlichen raison sollten gebracht roerden/ nicht aber der meinung/ daß man jederman zum glauben und wieder sein gewissen zu etwas zwingen sollte/ darwieder er in den unmittelbar angehaͤngten worten nach druͤcklich protest iret. Darum ist es nun so gar eine grosse und wichtige sache sich vor einen rechten Evangelischen Lehrer und Seelen - Hirten auszugeben/ weil der zustand und unterscheid der menschlichen gemuͤther so gar manch- faltig ist/ und es daher grosse weißheit erfordert mit einem jeglichen recht umzugehen. Es heist auch hier: Duo cum faciunt idem, non est idem, und und lassen sich nicht alle leute nach einem masse messen. Bey dem einen kan die enthaltung vom Sacrament aus einem boͤsen/ bey dem andern aus einem guten grunde kommen/ und wer das nicht recht zu pruͤffen weiß/ der kan durch unweises verfahren einer seelen mehr schaden als nutzen anrich- ten/ davon die schuld hernach auff ihn faͤllt/ daß er sich unterstehen will/ worzuer doch nicht tuͤchtig ist. Es kan auch offt geschehen/ daß derjeni- ge/ der als ein wegweiser einen andern fuͤhren will/ in Goͤttlichen dingen weniger verstand und erfahrung/ als derjenige/ der sich als ein irrender von ihm soll fuͤhren lassen/ daher denn auff seiten des fuͤhrers offt grosse schwachheit unterlaufft/ die er aber nicht eher erkennen mag/ biß ihm GOtt die augen oͤffnet. Nicht schreibe ich solches/ als wenn ich mich damit einer so gꝛossen weißheit ruͤhmen wolte/ sondeꝛn ich schꝛeibe es nur deßwegen/ daß ich von der schwierigkeit solcher faͤlle meine meynung ausdrucken und meinen sinnrecht erklaͤren moͤge/ wie ich wuͤnschete/ daß bey dergleichen faͤllen/ deren sich zu dieser zeit nicht wenig hie und da eraͤugnen zur abwendung vie- les Unheils von allen denen/ die sich seelen-hirten nennen/ moͤchte verfahren werden/ zweiffele auch gar nicht/ daß E. Wohl-Ehrw. mir hierinn ihren beyfall geben werden. Jch meines wenigen orths bin in erwegung dessen/ da ich wol erkenne/ was auch mir selbst in diesem stuͤcke fehle/ oͤffters also gedemuͤthiget worden/ daßich scheu getragen/ auch nur in gedancken mich der tuͤchtigkeit eines oͤffentlichen hirten-ammts anzumassen/ ehe ich von GOtt mit solcher darzu beduͤrfftigen weißheit begabet waͤre/ davon es heisset/ daß sie alles sehe und durch alle geister gehe/ wie verstaͤndig/ lauter und scharff sie sind/ Sap. VII. 23. welche Goͤttliche gabe der weißheit zu solchem amte eines rechten seelen-hirten gewiß von noͤthen/ und unter de- nen donis administrantibus nicht die geringste/ aber gewiß gar seltzam ist. Diese 3. angefuͤhrte haupt-puncte nun sind es gewesen/ die bißher vor vielen andern mein gemuͤthe auff das hefftigste bekuͤmmert/ und mir vieles seuffzen ausgepresset haben. Daß ich es aber nicht bey der blossen bekuͤm- merniß und seuffzen habe bewenden/ sondern mich gar der oͤffentlichen kirch- versammlung und communion bißher zuentziehen mich dadurch bewegen lassen/ ist aus folgenden motiv en geschehen. (1.) Weil es einem rechtschaffenem Christen oblieget/ sich keiner fremden suͤnden theilhafftig zu machen. Jndem nun solches verkehrtes we- sen eine grosse verunehrung des heiligen namens GOttes/ ein offenbahrer mißbrauch des H. Abendmahls und eine schaͤndung der Evangelischen kirchen ist/ so habe ich zwar keinen theil an der suͤnde selbst/ gleichwol aber/ weil der hauffe der sich Evangelisch nennenden maul - Christen noch darzu in den in den gedancken stehet/ als wenn ihr verkehrtes kirchen- und Abendmahl gehen dem Evangelio so gar gemaͤß und ohne tadel waͤre/ daß ihrer gemein- schafft mit gutem gewissen sich niemand entziehen koͤnte und daher die or- dentliche beywohnung ihres unordentlichen begehenden Gottesdienstes uñ Communion von ihnen also auffgenommen wird/ als muͤste man auch no- lens volens solch ihr wesen gut heissen/ so habe ich um deß willen in meinem gewissen bißher mich beschweret gefunden/ der mit solcher unordnung/ mißbrauch und oͤffentlichen aͤrgerniß geschehenden kirchen-versammlung und Communion beyzuwohnen/ damit ich mit solchen grossen und schwe- ren suͤnden keine gemeinschafft haben/ noch durch meine beywohnung sie auff einerley weise darinn bestaͤrcken moͤchte. (2.) Weil es einem rechtschaffenen Christen oblieget/ zu rettung der thre GOttes und zur uͤberzeugung des unrechts aus liebe zu GOtt und sei- nes naͤchsten seligkeit auch an seinen theil solche oͤffentliche greul und aͤrger- nisse zu bestraffen/ mir aber um der ordnung willen nicht frey gestanden hat/ in der gemeinde durch eine oͤffentliche wort-be straffung dieser meiner Christlichen pflicht ein genuͤgen zuthun/ ich auch bißhero sonst keinen an- dern weg gesehen habe mein gewissen von dieser obliegenden beschwerde zu befreyen; So habe ich (als der ich durch GOttes gnade unter die wah- ren mitglieder dieser hiesigen Evangelischen gemeinde zu gehoͤren versichert bin/ und daher um dasjenige/ was die gemeinde angehet mich nicht gantz unbekuͤmmert lassen kan) dasjenige/ was ich bißher durch worte nicht ha- be thun koͤnnen/ durch solche entziehung anzeigen und damit zu verstehen geben wollen/ daß gleichwie der H. GOtt an solchem Gottesdienste einen eckel hat und in solche versammlung nicht riechen will/ also auch einer glaͤu- bigen seele/ in welcher GOtt wohnet/ und die nach GOtt gesinnet ist/ uͤber solchem verkehrten Gottes dienst der sich Evangelisch nennenden maul- und heuchel-Christen eben also zu muthe sey/ als dabey man billig gleichwie Paulus uͤber die damaligen/ also auch uͤber die heutigen mißbraͤu- che und unordnungen sich pruͤffen muß. Συνερχομένων ὑμῶν ἐπὶ τὸ αὐτὸ ȣ͗ μ ἔστι κυριακὸν δεῖπνον φαγεῖν d. i. ex versione Lutheri: Wenn ihr nun zusammen kommt/ so haͤlt man da nicht des HErrn Abendmahl/ und ex versione Arabica secundùm translationem Latinam Franc Junii: Vos igitur, quando unà coit i s, non comeditis \& bibitis, pro- ut verè diebus Domini nostri fecerunt Apostoli. 1. Cor. XI. 20. und kurtz vorher: Ὀυκ παΔνῶ, ὃ ι εἰ ς τὸ κρεῖιτον, ἀλλ ο ἰς τὸ ἧττον συνέρχεσϑ d. i. inter- prete Luthero: Jch kans nicht loben/ daß ihr nicht auff bessere weise/ son- dern auff aͤrgere weise zusammen kommt/ v. 17. welches nicht auff die recht- schaffenen in der Gemeinde/ sondern auff die boͤsen und falschen gesagt wird. wird. Darzu kom̃t/ das Paulus 2. Thess. III. 6. denen saͤm̃tlichen glaͤubi- gen in dem namen des HErrn JEsu CHristi expreßè gebietet/ daß sie sich entziehen sollen/ von allem bruder/ der da unordig wandelt/ und nicht nach der satzung des heiligen Evangelii/ welches eꝛ eben in diesem Capi- tel v. 14. bestaͤtiget/ da er saget/ daß man mit einem solchen nichts solle zu schaffen haben/ damit er schamroht werde/ nur daß man ihn nicht gaͤntz- lich vor einen feind halte/ sondern als einen bruder vermahne. Eben derglei- chen gebot ist auch 1. Cor. V. 11. 12. 13. zu befinden/ da Paulus mit beziehung auff einen andern schon vorher davon geschriebenen brieffe die glaͤubigen nochmals ernstlich vermahnet/ daß sierichten sollen/ was vor leute in ihrer gemeinde waͤren/ und von sich hinauß thun/ werboͤse ist/ weß- halben er denn kurtz vorhersaget: Jch habe euch geschriebe: Jhr solt nichts mit ihnen zuschaffen haben/ nehmlich so jemand ist/ der sich laͤsset einen bruder oder Christen nennen/ und ist ein hurer/ oder ein gettziger/ oder ein abgoͤttischer/ oder ein laͤsterer/ oder ein trunck enbold/ oder ein raͤuber/ mit demselbigen solt ihr auch nicht essen. Von diesem ernst- lichen und in namen des HErrn JEsu CHristi an alle glaubige gerichte- ten gebot kan ja wol niemand sagen/ daß selbiges heut zu tage nicht mehr gelte/ sondern gleich wie es vornehmlich die vorsteher der kirchen zu Christ- lichen und ernstlichen kirchen-zucht verbindet/ welche auch daher selbst fuͤr- andern ein vorbild und exempel aller Christlichen tugend seyn muͤssen/ also verbindet es auch alle glaubigen inson erheit/ daß sie uͤber dessen observan tz billig halten/ und zwar um so viel desto mehr/ wenn sie sehen muͤs- sen daß die hochnoͤthige kirchen- disciplin so gar ins abnehmē kom̃en ist/ daß noch erst druͤber muß disputiret werdẽ;/ ob und wie fern die von Christlicher kirchen-zucht jetzt angefuͤhrten spruͤche (die wir schon laͤngst in der praxi sol- ten getrieben haben) bey uns koͤnne gelten lassen oder nicht/ wie es denn jetzo also zu seyn niemand leugnen kan. Und finden ja daher glaͤubige Christen dringende ursache/ alle hohe und niedere personen/ die das hoch wichtige amt als vorsteher der kirchen uͤber sich genommen haben um GOttes und JEsu Christi willen wehmuͤthig anzuflehen/ daß sie doch/ so viel an ihnen ist/ das grosse elend und klaͤglichen verfall der rechten Christlichen kirchen-zucht sich wollen lassen tieff zu hertzen gehen/ damit die unschuldigen gewissen from- mer Christen unter solchen greulichen oͤffentlichen aͤrgernissen/ die der Evan- gelischen kirchen zur hoͤchsten prostitution gereichen/ nicht laͤnger moͤgen also beschweret werden. Man bittet ja in den oͤffentlichen kirchen-gebeten/ daß GOtt den rotten und aͤrgernissen wehren wolle. Warum geschiehet es dann nicht? Hoͤret denn GOtt nicht? Liegt die schuld an Jhm oder J an uns? an uns? Oder warum will man denn das arme haͤufflein der gerechten der rotten und des aͤrgernisses schuldigen/ welches die aͤrgernisse straffet/ stuͤnd- lich daruͤber seuffzet und kein anders aͤrgerniß giebet/ als daß es aus furcht GOttes sich dem aͤrgerniß wiedersetzen will/ und daruͤber von den rotten der boͤsen leiden muß? Jch weiß Eure Wohl-Ehrw. werden nach dero Christlichem gemuͤthe mir nicht verargen/ daß ich aus gutem wolmeynen mein hertz also gegen sie ausschuͤtte. Es ist warlich aus dieser sache kein schertz noch spott zu machen/ sondern es ist ein ernstliches gebot unsers Herrn JEsu CHristi/ welches er bey schwerer verantwortung wil gehalten wis- sen/und so man auff der einen seiten nicht geschehen lassen will/ daß from̃e Christen sich der oͤffentlichen communion entziehen sollen/ so soll man auch auff der andern seiten mit ernst darzu thun/ daß die aͤrgernisse aus dem we- ge geraͤumet werden/ daruͤber Christliche hertzen sich so sehr beschweret fin- den. Und weil die menge der boͤsen und frechen suͤnder nunmehro schon so groß geworden/ daß fast keine kirchen-zucht mehr platz finden kan/ so habe ich mit solcher meiner entziehung andern glaubigen Christen zu bedencken geben wollen/ ob nicht nach den umstaͤnden dieser zeit solchem heiligen ge- bote Pauli auff solche arth ein gnuͤgen geschehen koͤnne/ daß/ weil die wah- ren gliedmassen der Evangelischen kirche/ so schwach sind/ daß sie die gros- se menge der boͤsen per legitimam excommunicationem von sich nicht ab- sondern/ noch sie dardurch beschaͤmen moͤgen/ sich daher die glaubigen durch solche entziehung von jenen absondern/ und sie auff solche arth be- schaͤmen moͤchten/ sonderlich wenn selbst die oͤffentlichen lehreꝛ und vorsteher der kirchen nach der pflicht ihres ammts in diesem heilsamen wercke der bestraffung denen rechtschaffenen Christen auff solche weise befoͤrderlich waͤren/ daß es seinen rechten nutzen und zweck erreichen koͤnte. Denn daß solche entziehung von der communion der offenbahren unchristen zu einem aͤrgerniß und unfrieden außschlagen wil/ dieses mag durch recht- schaffene lehrer wohl verhuͤtet werden/ wenn von ihnen dersaͤmmtlichen gemeine/ welche ja so sehr auff ihre Autorit aͤt zu sehen pfleget die sache nur recht vorgestellet wird. Denn ich gebe zuerwegen/ ob nicht da einige from- me Christen aus vorbesagten ursachen der oͤffentlichen communion sich ent- halten an statt des daher entstehenden scandaliaccepti es zu grosser erbau- ung dienen koͤnte/ weñ rechtschaffene lehrer mit nachdruck der gemeine vor- hielten/ welcher gestalt der mißbrauch des heiligen Abendmahls und des kirchlichen Gottesdienstes so groß waͤre/ daß einige fromme Christen nach dem gebote Pauli gewissens halber mit solchen boͤsen leuten zu communici- ren und andere geistliche gemeinschafft zu pflegen/ billig bedencken truͤgen. Wer Wer solte sich wol alsdenn an solcher entziehung aͤrgern? Wuͤrde nicht mancher boͤser dadurch beschaͤmet werden? Und haben also oͤffentliche leh- rer und prediger wol zu zusehen/ daß sie nicht selbst durch ungleiches untheil und vorstellung dasjenige den leuten zum aͤrgerniß machen/ was sonst zur besserung gereichen koͤnte/ in welchen fall sie auch hernach vor GOtt die schuld des aͤrgernisses tragen muͤssen. Die einwuͤrffe/ welche sonst weiter wieder solche entziehung moͤchten gemacht werden/ sind nicht zulaͤnglich das recht der sache an sich selbst um- zustossen. Wolte man sprechen: Es waͤre dieses ein eingriff in das straff- amt ordentlicher Prediger/ so frage ich/ wer suchet durch solche entziehung ihr straf-ammt auffzuheben? wird es nicht vielmehr dadurch bestaͤtiget? Solte sich nicht ein rechtschaffener Prediger sich daruͤber hocherfreuen/ wenn er noch in seiner gemeinde solche ernstliche Christen findet/ die seine predigt und zeugniß wieder das unheilige volck auff solche weise lecundiren/ absonderlich da viel zuhoͤrer dencken/ als muͤsten ihre Lehrer nur so von ammts wegen nicht aber aus nothdurfft straffen/ so daß die gemeinde sich wircklich darnach bessern muͤste; weßhalben die loͤblichen exempel aus dem mittel der zuhoͤrer zur bestrafung ein grosses vermoͤgen. Und wo ist es ge- gruͤndet/ daß das straff-am̃t den oͤffentlichen Lehrern so gar alleine zukom̃e/ daß nicht die andern glaubigen in gebuͤhrender masse und ordnung auch recht und fug darzu haben solten? Hat nicht Paulus nach obangefuͤhrten worten in dem namen CHristi allen glaubigen befohlen/ an dem unordent- lich - wandelnden die bruͤderliche bestraffung auszuuͤben? Wuͤnschet er nicht I. Cor. XIV. 24. Daß/ so welche von denen die gar ausser der gemein- schafft der kirchen sind/ in die gemeinde der Christen kaͤmen/ sie zu ihrer be- kehrung durch das weissagen alleꝛ glied massen in deꝛ gemeinde moͤchtet uͤbeꝛ zeuget/ gestraffet und gerichtet werden? Wie vielmehr haben glaubige Christen nebst denen ordentlichen Lehrern recht und macht/ diejenigen zu richten und zu straffen/ die in der gemeinde als todte oder ungesunde glied- massen sich befinden? Und solten ja demnach rechtschaffene Lehrer die from- men Christen in der gemeinde vielmehr selbst darzu auffmuntern/ damit sie an denselben viele mitgehuͤlffen und foͤrderer in dem wercke des Herꝛn ha- ben moͤchten. So saget auch Paulus I. Cor. XII. 7. daß in einem jeg- lichem wahren Christen die gaben des geistes sich zum allgemeinen nutz er- zeigen. Warum solte nun auch nicht die gabe des geistes in einem jegli- chem glaubigen Christen durch bruͤderliche bestraffung zum allgemeinen be- sten ihre mit - wirckung beytragen? Wolte man sprechen: Es muͤste zwar freylich ein jegliches glied CHristi an dem corpore Ecclesiastico seine wir- J 2 ckung ckung und geschaͤffte haben/ aber in seiner ordnung/ und wuͤrde sichs daher nicht geziemen/ wenn die fuͤsse sich in die geschaͤffte des haupts und der haͤn- de einmischen wolten. So antworte ich erstlich/ daß dieses zwar freylich also sey/ aber es muͤssen auch das haupt und die haͤnde ihre gesch aͤffte aller- seits also ausrichten/ daß der leib nicht duͤrffe an statt der haͤnde aus noth sich der fuͤsse zu bedienen; zum andern kan man nicht sagen/ daß die bestraf- fung der boͤsen in der gemeinde ein solches geschaͤfte sey/ welches nur einigen/ und nicht allen wahren gliedern des corporis Ecclesiastici in gewisser ord- nung zukaͤme. Drittens frage ich/ wornach man denn die wuͤrde und das geschaͤffte der glieder CHristi an seinem geistlichen kirchen-leibe zu beurthei- len habe? Will man solches nach dem blossen aͤusserlichen ansehen und character der personen judicir en/ so bekraͤfftigen wir dadurch der Pontisi- ciorum ihre aͤusserliche Hierarchiam Ecclesiasticam; soll es aber nach dem maß des geistes geurtheilet werden/ wie es denn also geschehen soll/ so kan ein bauer hinter dem pfluge an dem geistlichen kirchen-leibe CHristi ein edler glied seyn/ als ein Koͤnig/ und soll man also die gabe GOttes in ei- nem solchem nach aͤusserlichem schein geringem-aber in Christo edlem gliede nicht verachten; Denn GOtt will ohne ansehen der person in seiner gabe geehret seyn. Und so wir uns nach der Lehre Lutheri halten wollen/ so muͤssen wir es auch in diesem stuͤck beweisen/ und es Luthero nachthun/ wel- cher in der Kirchen-Postill in explic. der Epistel Dom. 2. post Epiphan. „den glauben/ und also auch die gabe des geistes in dem glauben/ so hoch „will geehret haben/ daß Pabst/ Concilia, alle Lehrer/ ja alle welt sich dem „geringsten glaubigen Christen/ wenn es auch ein kind von 7. jahren waͤre/ „das den glauben haͤtte/ sich unterwerffen und ihn hoͤren sollen/ weil Chri- „stus spraͤche: Sehet zu/ daß ihr nicht verachtet der kleinesten einen/ die an „mich glauben; item: Sie werden alle von Gott gelehret seyn: Nun aber zie- „me sichs nicht den zu verachten/ den GOtt selbst gelehret haͤtte/ sondern alle welt solle ihn hoͤren. Und zwar was der theure Lutherus von andern mit worten hier erfordert/ das hat er auch selbst von seiner person in der that er- wiesen/ und habe ich mit vergnuͤgen gelesen/ mit was vor demuth er seine gestellte kirchen-ordnung dem urtheil andereꝛglaubiger Christen unterworf- fen/ wie Tom. VII. Witteb. fol. 392. zu sehen ist/ aus seinem unterricht/ welchen er an Nicolaum Hausmannum, Bischoffen zu Zwickau/ von einer Christlichen weise messe zu halten geschrieben hat/ da er also redet: „Wir bitten durch CHristum jedermann von hertzen/ ob ihm etwas bessers wuͤrde geoffenbaret/ daß er uns heisse iñe halten/ damit wir alle zusam- men thun/ und gemeiner sache rathen. „Und sol. 398. b. schreibet er: So „So viel hab ich gehabt/ lieber frommer Nicolae, dir zu schreiben von „den ordnungen und auswendigen gebaͤrden des Gottes dienstes unse- „rer kirchen hier zu Wittenberg. Etliche sind ein theil schon angerichtet und „gehen im schwange daher/ etliche/ will CHristus seine gnade geben/ wollen „wir auch bald zu ende bringen/ und erfuͤllen/ daß du habest ein muster/ „oder fuͤrbild/ welchem du und andere/ wo es gefaͤllig seyn wird/ moͤ- „gen nachfolgen. Wo nicht/ wisset ihr es besser zu machen/ so wollen wir „ eurem geiste/ der euch salbet und lehret/ gern statt geben/ bereit seyn „von euch und allen andern anzunehmen/ was nuͤtzlicher und fuͤglicher ist.“ O wie hoͤchlich waͤre es zu wuͤnschen/ daß alle und jede heutige Vorste- her der kirchen/ die doch selber bekennen/ daß Luthero sie am geist und ga- ben bey weitem nicht gleich seyn/ solchen sinn haͤtten/ es wuͤrde gewiß besser um die Evangelische kirche stehen/ als es am tage ist. Das grobe/ rohe unchristliche und unverstaͤndige volck kan man wol mit gesetzen pro autori- tate regieren/ aber gegen glaͤubige Christen soll man billich ein bescheideners tractament gebrauchen; denn sie sind kinder der freyen/ und der in ihnen wohnet/ ist uͤber alle gesetze. Und wiewol sie sich auch/ so viel es ihr ge- wissen leidet/ aller menschlichen ordnung unterwerffen/ so thun sie es doch ohne zwang/ in der freyheit/ allein um des HErrn willen. Und damit ich wiederum auff das allen glaͤubigen nach ihrem theil zukommende recht der Christlichen bestrafung komme/ so lehret Lutherus in der Kirchen- Postill am H. drey Koͤnigs tage/ daß ein jedweder Christ vermoͤge des andern gebots verbunden sey/ alles falsche wesen/ und GOttesdienst/ dadurch der Goͤttliche name verunehret wird/ zu bestraffen. Und am tage Stepha- ni er weiset er durch Stephani exempel gegen die Papisten gewaltiglich/ daß ein jedweder Christ bey erheischender nothdurfft auch so gar die Obrigkeit „und andere Superiores strafen koͤnne/ wenn er also schreibet: Aus dresem „exempel lernen wir/ daß alle/ die da schweigen zu den suͤnden und uͤbertre- „tung Gottes geboten/ Gott nicht lieb haben: Wo wollen denn die heuch- „ler bleiben/ die auch die uͤbertrekung loben? It. die affterre der und die da la- „chen und gerne hoͤren und reden von des naͤchsten uͤbel? Es entschuldiget „auch niemand/ daß der Pabst in seinen tollen gesetzen verbeut/ und die „ Papisten lehren/ man soll die Obrigkeit nicht straffen noch richten. Das sind satans lehren. Wen straffet hier S. Stephanus? Sind es nicht die‟ Obersten zu Jerusalem/ und er ist doch ein schlechter gemeiner mann/ ‟ kein Priester noch geweiheter. Ja er lehret uns damit/ daß ein jegli-‟ cher Christ den Pabst und Obersten straffen soll/ und schuldig ist/ ge-‟ schweige denn/ daß ers nicht fug und macht haben solte. Und fuͤrnemlich‟ J 3 sind sind sie zu straffen in den geistliehen suͤnden/ wie hier S. Stephanus sie nicht„ straffet von groben suͤnden/ sondern von der gleißnerey/ daß sie nicht glau-„ beten und dem Heil. Geist nur wiederstrebeten: Denn darinn thun sie am„ meisten schaden/ verfuͤhren sich und das volck mit ihren gesetzen und wer-„ cken. Also ist der Pabst/ Bischoͤffe und alle Papisten oͤffentlich zu straf-„ fen als die halßstarrigen gleißner/ die dem Heil. Geiste wiederstreben und„ kein geboth GOttes halten/ nur die Christlichen seelen verrathen/ und„ morden/ darinne sie CHristi verraͤther und moͤrder sind/ der dieselben„ mit seinem blute erworben hat. So wir es nun den Papisten nicht wol- len gleich thun/ so sollen wir auch denen glaͤubigen das recht der Christlichen bestraffung nicht nehmen/ noch um aͤusserliches ansehens willen die gerin- ge person unserer mitchristen. verachten/ wenn sie etwas an uns zu be- straffen finden/ noch es machen/ wie die soͤhne Jacobs/ welche ihren juͤn- gern bruder Joseph als einen naͤrrischen eingebildeten traͤumer verachte- ten/ und als er von seinem vater ausgesendet war/ zu sehen/ wie es um sie und um ihre heerde stuͤnde/ da sie von Sichem nach Dothan gangen waren/ uͤber ihn ergrimmeten/ so daß sie erst gar anschlaͤge machten/ ihn zu toͤd- ten/ hernach ihn in eine grube wurffen/ und hierauff gar unter die Midia- niter verkaufften/ seinen bunden rock aber/ welchen sie ihm ausgezogen hat- ten mit bocksblut faͤrbeten/ und damit vor ihrem vater die mißhandlung an ihren bruder bemaͤntelten. So man nun ferner einwenden wolte/ es waͤre die entziehung von der oͤffentlichen versam̃lung und com̃union eine anzeige geistlicher hoffarth/ daß man sich besser achtete/ als alle andere/ und dahe- ro was sonderbahres seyn oder anfangen wollte: Darauff antworte ich/ es ist dieses eine menschliche muthmassung/ die sehr betruͤgen kan/ und wer da will/ daß andere von ihm/ so viel als moͤglich/ das beste urtheilen sollen/ soll auch von andern/ wo er keine klare und gewisse anzeige eines wiedrigen hat/ ein gleiches urtheil faͤllen. Jch meines orths bin vor GOtt in mei- nem gewissen frey/ daß ich durch bißherige entziehung meine ei- gene ehre weder gesucht noch erlanget habe. So begehre ich auch nichts sonderliches zu haben/ sondern wuͤnsche von gantzem hertzen/ daß viele/ ja alle/ mit mir moͤchten in CHristo gleich gesinnet seyn/ und ein jeder nach sei- nem gewissen zur allgemeinen besserung treulich beytrage/ was er erkennet. Daß aber solches nicht eben von so vielen geschiehet/ da kan ich nicht vor/ und in so weit es von mir geschiehet/ in so weit schreibe ichs der Goͤttlichen gnade zu/ die es machet/ und die ich weder wegzuwerffen noch vergeblich zu- empfangen habe. Wolte man sagen/ auff diese weise muͤste ich doch gleich- wol alle andere verdammen/ die mit boͤsen leuten zur communion und kir- che che giengen/ ja ich muͤste alle Prediger verdammen/ die den boͤsen leuten das brodt und den kelch des HErrn reicheten. So dienet zur antwort. Was die Prediger betrifft/ so ists nicht ohne/ daß diese sache von grosser wichtigkeit und mit schwerer verantwortung verknuͤpffet sey. Es waͤre auch hierin- ne auff seiten oͤffentlicher Prediger wol ein durchbruch vonnoͤthen gegen solches uͤbel/ sich mit GOtt zu ermannen/ und wer sich hierinne zu schwach findet/ der thaͤte an und vor sich selbst besser/ er nehme nicht auff seine schul- tern/ was er nicht heben und tragen kan/ so hatte er desto weniger verant- wortung. Jedoch soll es ferne von mir seyn/ so schlechter dings um deß wil- len alle prediger zu verdammen. Jch weiß/ daß noch viele rechtschaffene leute sind/ die theils erst im lehramte das gemeine verderben haben erkennen lernen/ und daher in diesem stuͤcke mit vielen seufftzen in furcht und zittern handeln/ deꝛselben wird auch deꝛ Herꝛ wegen ihres mißfallens und seufftzens uͤber diese greuel am tage der heimsuchung noch in gnaden zu verschonen wissen. Was aber die frechen Prediger und alle andere vor ein schreckli- ches gerichte treffen wird/ denen es so ein geringes ist/ das brodt der kinder Gottes vor die hunde und saͤue zu werffen/ und es hingegen den kindern wol garzu entziehen/ das werden sie zu ihrem schaden erfahren. E. Wol Ehrw. zaͤhle ich mit unter die jenigen/ die uͤber den elenden zustand dieser zeiten in ih- rem theil hertzlich seufftzen/ ich meines wenigen orts empfinde auch den scha- den Josephs uͤberfluͤßig/ und habe es bißher fast vor ohnmoͤglich gehalten/ daß ich nach den umstaͤnden gegenwaͤrtiger zeit mit gutem gewissen ein Prediger werden koͤnte. Wenn ichs aber noch werden sollte/ so wird mir GOtt gnade geben/ daß ich meine und auch andere seelen zur außbeute dar- von bringe/ darzu ich gleichfals allen frommen Predigern GOttes gnade hertzlich anwuͤnsche. Gleichwie ich nun fromme Prediger/ die wieder ih- ren willen den sauen das Sacrament mit seufftzen reichen/ deßhalben nicht verdammen will/ sondern eines jeglichen eigener verantwortung uͤberlasse/ und es alles GOtt anheim stelle/ der einem jeden nach seiner treue vergel- ten wird. So verdamme ich auch die andern frommen Prediger nicht/ die wieder ihren willen unter den saͤuen zu GOttes tische gehen/ weil sie sich entweder hierinne nicht zu rathen wissen/ oder auch zu bloͤde/ und furchtsam sind die saͤue anzuruͤhren. Es sind auch viele gute Christliche gemuͤther/ welche noch im eꝛkaͤntniß schwach sind/ und daher in ihꝛem gewissen uͤber die communionem malorum nicht so leicht beschweret werden. Ja ich hoffe und glaube auch/ daß viele aus hiesiger gemeinde/ welche der geist dieser welt anjetzo noch auffhaͤlt/ von der welt wol noch ernstlicher/ als von mir ge- schehen/ zu GOtt sich wenden/ und denen zum besten ist eben die Christli- che be- che bestraffung und beschaͤmung angesehen/ daß sie dadurch zur erkaͤntniß kommen moͤgen; Bey den andern saͤuen aber/ die schon in verstockten sinn dahin gegeben sind/ und die da meinen/ daß sie noch vor den kindern GOt- tes recht uͤberley an GOttes tische haben/ ist alles umsonst und verlohren/ und was zu ihrer besserung geschiehet/ das ist zum zeugniß uͤber sie. Wol- te man ferner einwenden/ das gebot Pauli, daß man mit denen boͤsen und falschen Christen auch nicht essen sollte/ waͤre nur vom leiblichen essen und von anderer freundlichen gemeinschafft in buͤrgerlicher Conversation zu- verstehen: So antworte ich/ daß dieser verstand so schlecht hin in den worten Pauli schwerlich zu erweisen sey; ich lasse zu/ daß Paulus das leib- liche gemeine essen zugleich gemeinet habe/ allem er hat es nicht allein ge- meinet/ sondern es ist ohne zweiffel das heilige Sacramentliche essen auch mit includir et; weil vors erste die absonderung der boͤsen von Christlicher gemeinschafft an des HErrn tische dem zweck Pauli zu der anbefohlenen be- straffung und beschaͤmung der falsch-genannten bruder naͤher koͤmmt/ und ich nicht glauben kan/ daß Paulus dieselbigen/ die er als offenbahre grobe suͤnder/ hurer/ geitzige/ abgoͤttische/ laͤsterer/ trunckenbolde und raͤuber nennet/ nur von der buͤrgerlichen/ nicht aber von der Christlichen gemein- schafft (dero symbolum insonderheit die Communio cucharistica seyn soll) habe wollen abgesondert wissen; Vors andere/ weil bey den ersten Christen das Sacramentliche essen an des HErrn tische mit den gewoͤhn- lichen Agapis oder liebes-mahlzeiten/ als mit einem gemeinen essen/ verbun- den waren/ und also derjenige/ der von den Agapis nach Pauli befehl haͤtte sollen excludir et werden/ solcher gestalt auch von dem Abendmahl des HErrn ohne zweiffel waͤre excludi ret worden/ weil es ja sonst absurd waͤre/ mit denen das brodt des HErrn zu essen/ welche man nicht wuͤrdig halten solte/ mit ihnen das gemeine brod zu essen. Ausser denen Agapis aber wuͤr- de es nicht eben wieder Pauli befehl gewesen seyn/ nach erheischender noth- durfft der aͤusserlichen umstaͤnde mit einem boͤsen Christen in buͤrgerlicher gemeinschafft zu essen. Und wenn wir die worte Pauli auff unsere zeiten applici ren/ so wuͤrden die wahren Christen heute zu tage den entzweck der- selben noch vielweniger erreichen/ wenn sie die blosse buͤrgerliche conversa- tion der boͤsen Christen fliehen wollten/ als welche vielmehr nach den um- staͤnden dieser zeit offt zur gelegenheit dienen kan/ dergleichen noch in ihren suͤnden st ckende leute auff guten weg zu bringen. Ja nachdem nunmehr so ein grosses theil der welt mit boͤsen Christen erfuͤllet ist/ so muͤsten die rechtschaffene Christen beynahe die welt raͤumen/ wenn sie der buͤrgerlichen gemeinschafft mit selbigen wolten entuͤbriget seyn. Hingegen ist es jetzt noch noch wol moͤglich/ daß rechtschaffene Christen mit denen von ihnen erkann- ten boͤsen die sacram Communionem zu halten sich entbrechen koͤnnen und waͤre solches auch noch heut zutage an sich selbst so wol ein noͤthiges als heilsames mittel der rechten Christlichen bestraffung/ wo es nicht andere umstaͤnde verhinderten und unfruchtbahr machten. Sonst mag auch die- se entziehung an sich mit recht keine spaltung andem leibe CHristi genennet werden/ weil ja die boͤsen/ so lange sie boͤse sind zu dem leibe CHristi nicht gehoͤren/ und solche entziehung vielmehr eben dahin angesehen ist/ daß der/ von der so grossen menge der boͤsen zertrennete geistliche kirchen-leib des HErꝛn zu einer besseꝛn vereinigung kommen moͤge. Was einige in diser Ma- terie gleichniß weise anfuͤhren wollen/ als muͤste man heute zu tage die Com- munion mit den gottlosen also ansehen/ als wenn man mit einem/ dessen gemeinschafft man sonst fliehen wuͤrde/ an eines dritten tisch geladen waͤ- re/ der beyden zu gebieten haͤtte/ ist auch nicht zulaͤnglich die entziehung der glaͤubigen von der Communion der boͤsen zu wiederlegen. Denn es will der HErr JEsus nach seinem wolgefaͤlligen willen solche boͤcke/ als boͤcke mir den frommen an seinem tische nicht haben/ sondern er hat seinen glaͤubi- gen durch Pauli wort befohlen/ so viel an ihnen ist/ sie von der heiligen ge- meinschafft zu ihrer beschaͤmung abzuhalten/ biß sie sich bessern und wahre busse thun. Das exempel Judaͤ Jscharioths/ welches man hierbey auch anzufuͤhren pflegt/ mag gleichfals nicht beweisen/ daß die boͤsen ohne un- terscheid bey der Communione eucharistica muͤssen geduldet werden. Denn erstlich wird von den Gelehrten noch druͤber controverti ret/ ob Judas wuͤrcklich bey dem Actu des eingesetzten Abendmahls gewesen sey oder nicht. Zum andern / wo Judas moͤchte darbey gewesen seyn/ so ist es doch nur als einvorbild anzusehen/ wie es mit einmengung der boͤsen unter die wahren Juͤnger CHristi ergehen wuͤrde/ und wie es der HErr mit hei- liger gedulttragen wuͤrde/ nicht aber/ wie es von rechts wegen seyn solle/ und so wenig aus Judaͤ exempel zu erweisen ist/ daß man wissentlich mit recht einen boͤsewicht zum Predigt-amt beruffen koͤnne/ so wenig laͤsset sich dar- aus erweisen/ daß man wissentlich die boͤsen mit recht in Christliche ge- meinschafft nehmen koͤnne/ weil sonst alle Christliche kirchen-zucht damit au gehoben waͤre; Drittens war Judas nicht ein offenbahrer suͤnder/ sondern er war ein verstellter heuchler und heimlicher boͤsewicht/ welchen die andern Juͤnger auch dazumal noch nicht gleich zu errathen wusten/ als der HErr ihnen schon gesaget hatte/ daß einer aus ihrem mittel ihn ver- rathen wuͤrde. So ist auch viertens wol kein zweiffel/ daß Judas im anfang seines beruffs von der gnade wuͤrcklich sey ergriffen worden/ aber K er ver- er verlohr die gnade/ und ward eine schlange auff dem wege und gehoͤret unter die/ davon Hebr. VI. 4. 5. 6. stehet/ die nach dem erkannten wege der gerechtigkeit wieder abweichen: Also muß nun freylich die Christliche kirche solche heuchler in ihrer gemeinschafft dulden/ die sie wegen ihres gu- ten aͤusserlichen scheins nicht also bald erkennen mag/ oder auch solche/ die wuͤrcklich eine zeitlang auff dem guten wege gewesen sind/ und hernach erst abtruͤnnige/ und verraͤther CHristi werden; Solches aber kan man nicht auff offenbahre Unchristen und auff solche leute ziehen/ die noch nie zu ei- nem rechten erkaͤntniß kom̃en sind/ denn dieselben soll eine wol constitui rte Christliche Gemeinde biß zu ihrer rechten bekehrung und besserung von der sacra communione abhalten. Fuͤnfftens war dazumal unter den 12. Juͤngern nur ein Judas / jetzo aber sind bey der communion zuweilen wohl eher 12. Judæ als ein rechter Juͤnger Christi zu finden/ also daß zwischẽ diesen und jenen eine grosse disparit aͤt erscheinet. Weñ Paulus 1. Cor. XI selbst von unwuͤrdigen communicant en saget/ das beweiset abermal nicht/ daß solche de jure seyn muͤsten/ und daß die Christliche gemeinde sie wissentlich in sacra communione dulten solte/ welches ja wieder den eignen befehl Pauli stritte/ sondern es beweiset gleichfals nur dieses/ daß etliche de facto seyn wuͤrden/ und weil die Christliche gemeinde wegen des habenden guten scheins selbige nicht allezeit so gleich moͤchte pruͤffen koͤnnen/ so ermahnet Paulus solche un- wuͤrdige heuchler/ daß sie sich selber pruͤffen und den leib des HErrn besser unterscheiden solten/ damit sie nicht zum gericht an den tisch deß HErꝛn kaͤmen. Jn erwegung des bißher gesagten ist nun leicht zu erken- nen/ daß aus meiner bißherigen Entziehung von der oͤffentlichen versamm- lung und communion sich gar nicht schliessen lasse/ als wenn ich einen sol- chen Puritanismum fovirte, daß ich in statu militantis Ecclesiæ einen gantz lautern und unvermischten zustand einer sichtbarlichen Christlichen kirchen haben wolte. Jch weiß mehr alszu wol/ daß die voͤllige scheidung des wei- tzens und des unkrauts der erndte vorbehalten sey; Darauß folget aber nicht/ daß um deßwillen eine Christliche gemeinde die geziemende kirchen- zucht unterlassen und das unkraut selber foͤrdern und hegen solle/ sondern so viel an ihr ist/ ist sie schuldig/ nicht nach Paͤbstischer/ sondern nach Evan- gelischer arth und weise sich von dem unkraute zu reinigen/ und die boͤsen von ihrer gemeinschafft abzuhalten/ und ist es daher an und vor sich selbst nicht unmoͤglich/ daß auch in statu militantis Ecclesiæ eine solche sichtbahrliche gemeinde seyn koͤnne/ in welcher zum wenigsten keine grobe offenbahre un- christen erfunden werden/ oder wo sich welche finden/ sie dennoch Christ- lich bestꝛaffet/ und ehe sie rechtschaffene fꝛuͤchte der busse zeigen/ ad sacramen- tum tum \& intimiorem Ecclesiæ communionem nicht admitti ret werden. Al- lein das gute/ was an sich selber moͤglich ist/ das koͤmmt nicht allezeit zu wercke/ und pfleget es hingegen wohl zu geschehen/ daß bey dem verfall der aͤusserlichen kirchen die noch uͤbrige kirchen-zucht offt gar am unrechten or- the angewendet wird/ und eh uͤber die frommen als uͤber die boͤsen gehet. Was den einwurff betrifft/ daß die entziehung von oͤffentlicher versamm- lung und communion vielen zum aͤrgerniß und bey andern religions-ver- wandten der Evangelischen kirchen zur beschimpffung gereichete/ so ist der einwuꝛf vom aͤrgerniß schon oben beantwortet/ daß es nemlich nur ein scan- dalum acceptum sey/ und daß durch eine gebuͤhrliche gute vorstellung der sache von oͤffentlichen Predigern das daraus entstehende aͤrgerniß gar wol koͤnne verhuͤtet werden. Was aber die beschimpffung unserer Evangelischen kirche bey auswaͤrtigen anlanget/ so entstehet dieselbe nicht daher/ wenn dasjenige/ was ein oͤffentliches unrecht ist/ von uns oͤffentlich gestrafft und von allen wahren gliedmassen der Evangelischen kirchen ihr mißfallen dar- uͤber offenbahrlich bezeuget wird; sondern daher erwaͤchset vielmehr die be- schimpffung/ wenn man das unrecht/ welches doch sonst schon fast jederman siehet/ wieder die wahrheit und billigkeit noch beschoͤnigen und bedecken will. Was endlich auch moͤchte eingewendet werden/ daß man gleich wol um der boͤsen willen das von CHristo eingesetzte heilige Abendmahl nicht gaͤntzlich hindan setzen/ noch wider Pauli er- mahnung die Christliche versamlung verlassen/ noch GOtt dem HErrn den schuldigen oͤffentlichen dienst entziehen solte/ abson- derlich da unter denen com̃unicant en und kirchen-gaͤngern auch noch viele fromme Christen waͤren/ von deren gemeinschafft man sich nicht zu entzie- hen haͤtte: Dieses beantworte ich solcher gestalt/ daß ich dem einwurff in thesi gerne recht und beyfall gebe/ in hypothesi aber habe ich unterschiedli- ches zu regeri ren. Eꝛstlich bꝛinget die entziehung von deꝛ oͤffentlichen com- munion so gar nicht mit sich/ daß ich um deßwillen das heilige Sacrament gaͤntzlich hindan setzen muͤste/ sondern es stehet mir ja frey/ dasselbige priva- tim entweder allein/ wie ich zu Halle gethan/ oder auch mit andern mir be- kanten frommen Christen durch den dienst eines ordentlichen kirchen-die- ners nach eingefuͤhrter ordnung eben so wohl als publicè zu halten; und wiewohl man sagen moͤchte/ daß es besser waͤre der communion in oͤffentli- cher gemeinde beyzuwohnen/ so ist doch dieses von keiner solchen nothwen- digkeit/ daß es nicht wegen erheblicher gewissens-beschwerde (welche auff dieser seite mit unter die casus necessitatis zu referir en ist) auch ausser der gemeine geschehen koͤnte. Zweytens so wird auch durch solche entzie- K 2 hung hung das band der liebe und gemeinschafft mit denen frommen hertzen/ die sich zur oͤffentlichen communion und kirchen-versamlungen halten/ nicht zerreissen/ sondern die gemeinschafft in geiste CHristi/ welche das rechte band ist/ bleibet vor GOtt im verborgenen unverruͤckt/ so lange CHristus in mir und in ihnen ist/ und wenn ich auch gleich nach eingefuͤhrter weise der oͤffentlichen Communion und kirchen-versammlung aͤusserlich beywoh- nete/ so koͤnte ich dennoch dadurch mit denen in der gemeinde erfundenen wahren glaͤubigen in keine genauere gemeinschafft treten/ weil wir einander aͤusserlich unbekant sind/ und auch unsere gemeinschafft in CHristo nach wie vor ohne erlangte aͤusserliche bekantschafft nur eine gemeinschafft im geiste bleibet. Drittens frage ich/ ob ein glaubiger Christ aneine solche versammlung (darinne der allergroͤste hauffe boͤse und von dem wahren Evangelischen Gottes-dienste im geiste der kindschafft noch entfrembdet ist/ und welche so beschaffen ist/ daß nach Amos V. 21. 22. 23. der HErr in solche versammlung nicht riechen mag/ und in welcher die noch darunter befindliche Christliche hertzen so verstecket und verborgen sind/ daß man solche nicht einmal kennet/ mit seinem gewissen also verbunden sey/ daß er sie vor die eigentliche versammlung der heiligen erkennen muͤste/ welche er nach Pauli vermahnung nicht verlassen solle? Weiter frage ich/ ob nicht vielmehr aus dem loco Pauli Hebr. X. 25. deutlich erscheine/ daß unsere oͤffentliche und gewoͤhnliche kirchen-versammlung nach ihrer art und weise keine solche versammlung sey/ wie Paulus allhier beschreibet/ weil ja die glaubigen (welches doch der grund und medius terminus der vermahnung Pauli an diesem orte ist) darinn keine freyheit haben/ sich untereinander zu ermah- nen mit wahrnehmung ihrer selbst und reitzung zur liebe und guten wercken/ sondern solches/ wenn es geschehe/ als ein insolens quid wuͤrde angesehen/ und wol gar als eine schaͤdliche neurung bestraffet werden; hingegen aber nur immerfort ein einiger redet/ wie es ihn gut deuchtet/ und alle andere Christen schweigen muͤssen? Frage daher ferner/ ob nicht der spruch Pauli nach den umstaͤnden unserer zeit (da die gewoͤhnlichen oͤffentlichen kirchen- versammlungen zwar an sich in ihrer rechten ordnung gut/ und unverwerff- lich/ dennoch aber in keiner solchen verfassung stehen/ daß glaubige Chri- sten durch ihre eigene gaben darinnen sich untereinander erbauen und erwe- cken moͤgen) Vielmehr zu einer solchen versammlung anweise/ da wahre glaͤubige Christen/ die an einem orte sich befinden und als glaͤubige ein- ander bekant und offenbar geworden sind/ sich in rechter liebe und gemein- schafft der bruͤderlichen ermahnung fleißig zusammen halten/ und durch die gaben des geistes sich untereinander zu ihrem wachsthum erbauen/ und ob man man nicht daher auff jener seiten wieder Paulum streite/ so man solche Christliche versammlung der glaͤubigen Christen mißbilligen und wehren will? Uber dieses frage ich/ ob unsere oͤffentliche gewoͤhnliche versammlung auch in erweisung dessen was I. Cor. XIV. 23. — 33. gelesen wird/ einer recht Evangelischen Christlichen versammlung aͤhnlich sey? Wo diese fra- gen wol erwogen werden/ so wird man klaͤrlich finden/ daß unsere oͤffentliche gewoͤhnliche versammlung zwar an sich in ihrer rechten ordnung gut und heilsam/ gleichwol aber bey weitem nicht hinlaͤnglich seyn/ daß glaͤubige Christen/ die schon im geiste zu einer ziemlichen staͤrcke kommen sind/ und staͤrckere speise beduͤrffen/ so schlechter dings darbey acquiescir en und zu ih- rem voͤlligen wachsthum und fortgang gnugsame foͤrderung dadurch er- langen moͤgen. Ja/ was braucht es vielen beweiß? Habe ich doch oben mit Lutheri eigenen worten schon erwiesen/ daß solche art der oͤffentlichen versammlung/ wie sie noch jetzo im schwange gehet/ von Luthero keines we- ges angeordnet sey um derer willen/ die schon Christen sind/ sondern um de- rer willen/ die noch gar schwach sind/ und erst rechte Christen werden sollen/ daher sie noͤthig haben durch einen ordentlichen prediger/ der darzu tuͤchtig und bestellet ist/ von dem rechtschaffenen Christlichen wesen unterrichtet zu weiden. Und damit ich noch mehr erweise/ wie tiefs und gruͤndlich Luthe- rus diese sache eingesehen/ und was er mit dem in oͤffentlicher kirche ange- ordneten Gottesdienste eigentlich intendir et habe/ so will ich seine worte anfuͤhren/ welche aus dem vor allegirt en scripto von Teutscher messe und ordnung des Gottesdienstes Tom. VII. Witteb. fol. 399. b. also lauten: Es ist dreyerley unterscheid des Gottesdiensts und der Messe.‟ Erstlich eine Lateinische zur beybehaltung der Lateinischen‟ sprache vor die jugend/ zum andern/ ist die Teutsche messe und‟ Gottesdienst/ davon wir jetzt handeln/ welche um der ein-‟ faͤltigen laͤyen willen geordnet werden sollen. Aber diese zwo‟ weisen muͤssen wir also gehen und geschehen lassen/ daß sie oͤffent-‟ lich in den kirchen vor allem volck gehalten werden/ darunter‟ viel sind/ die noch nicht glauben oder Christen sind/ sondern das‟ mehrere theil da stehet und gaffer/ daß sie auch etwas neues se-‟ hen gerade als wenn wir-mitten unter den Tuͤrcken und Heiden‟ auff einem freyen platz oder felde GOttes dienst hielten. Denn‟ hier ist noch keine geordnete und gewisse versammlung/ darinn‟ man koͤnte nach dem Evangelio die Christen regieren/ sondern‟ es ist eine oͤffentliche reitzung zum glauben und zum Christen-‟ thum. Aber die dritte weise die rechte art der Evangelischen‟ K 3 ord- „ordnung haben solte/ muͤste nicht so oͤffentlich auff dem platze „geschehen unter allerley volck/ sondern diejenigen/ so mit ernst „wollen Christen seyn/ und das Evangelium mit hand und mund „bekennen/ muͤsten mit namen sich einzeichnen/ und etwa in einem „hause alleine sich versammlen/ zum gebet/ zumlesen/ zu tauffen/ „das Sacrament zu empfahen/ und andere Christliche wercke zu „uͤben. Jn dieser ordnung koͤnte man die/ so sich nicht Christ- „lich hielten/ kennen/ straffen/ bessern/ ausstossen/ oder in den „bann thun/ nach der regul CHristi. Matth. XIIX. Hier koͤnte „man auch einer gemeine allmosen den Christen aufflegen/ die „man williglich gebe und austheile unter die armen nach dem „exempel Pauli 2. Cor. IX. Hier duͤrffte es nicht vielund groß ge- „saͤnges. Hier koͤnte man auch eine kurtze seine weise mit der „Tauffe und Sacrament halten/ und alles auffs wort/ gebet „und auffdie liebe richten. Hier muͤste man einen guten kurtzen „ Catechismum haben uͤber den glauben/ Zehen Gebot und Vater „Unser; kuͤrtzlich/ wenn man die leute und personenhaͤtte/ die „MJT ERNST CHRJSTEN zu seyn begehreten/ die ord- „nung und weise waͤre bald gemacht: Aber ich kan und mag noch „nicht eine solche gemeinde oder versam̃lung ordnen/ oder anrich- „ten/ denn ich habe noch nicht LEUTE und PERSONEN „dazu/ so seheich auch nicht viel/ die sich dazu dringen. — Jn deß „willichs bey den gesatzten zwo weisen lassen bleiben/ und oͤffent- „lich unter dem volck solchen Gottesdienst/ die jugend zu uͤben/ „und die andern zum glauben zu ruffen und zu reitzen/ neben der „predigt helffen foͤrdern/ biß daß die Christen/ die mit ernst das „wortmeinen/ sich selbst finden und anhalten/ auff daß nicht eine „rotterey darauß werde/ so ichs aus meinem kopfftreiben wolte/ „denn NB. wir Teutschen sind ein wild/ roh/ tobend volck/ mit „denen nicht leichtlich ist etwas anzufangen/ es treibe dann die „hoͤchstenoth„ Eben dahin zielet es/ wann der theure Lutherus eod. Tom. fol. 393. b. ad Nicol. Hausmannum schreibet: „Das Evangeli- „um ist die ruffende stimme in der wuͤsten/ die die unglaubige her- „tzen zum glauben laden soll; aber die messe ist eben der gebrauch „des Evangelü/ und eine gemeinschafft des Tisches GOttes/ wel- „ches allein denglaubigen gebuͤhret/ auch billich an gesondertem „ort/ ausserhalb denen unglaubigen geschehen solte. Und Tom. „III. Jenens. fol. 169. schreibet er/ wie er es gerne wolte anrichten/ und und dahin bringen/ daß man die/ so da recht glauben/ koͤnte AUF‟ einen ort sondern.“ Allein ob schon der liebe Lutherus wol gesehen hat/ wie eine rechte Christliche versammlung seyn solte/ so hat er doch sei- nen wunsch nicht erfuͤllen moͤgen/ und hat ers also muͤssen einrichten und gehen lassen/ wie es die umstaͤnde seiner zeit haben leiden wollen. Dieses aber habe ich nicht angefuͤhret/ als wenn ich die ordnung der noch heute ge- woͤhnlichen oͤffentlichen kirchen-versammlung an sich verwerffen wolte/ sondern ich rede nur von den uͤberhand genommenen mißbraͤuchen/ die gantz wieder Lutheri intention entstanden sind/ da nemlich das volck bloß an dem aͤusserlichen steinern kirch-gebaͤude und an dem opere operato haͤn- get/ und man die durch GOttes gnade schon weiter gefuͤhrte Christen so schlechter dings mit im probation und untersagung weiterer noͤthigen und zu hoͤhern lection en eingerichteter Christlicheꝛ erbauungs-art nur staͤts an die milchspeise und lehrschule der schwachen und meistens gantz unver- staͤndigen verbinden will/ wodurch es denn geschiehet/ daß so gar schlechter wachßthum und foͤrderung des rechtschaffenen Christenthums bey uns zu spuͤhren ist/ weil die wahren glaͤubigen/ die denen unglaͤubigen nebst den ordentlichen kirchen-dienern als lichter vorleuchten sollten/ dermassen un- ter dem grossen hauffen verstecket sind/ daß sie nicht ans tagelicht kom- men/ ihnen selbst einander unbekannt bleiben/ und also aus mangel recht- pflegender Christlicher gemeinschafft und erbauung der theuren gaben der Goͤttlichen gnade/ die in manchen edlen seelen liegen/ indem sie keine gnug- same erweckung haben/ gleichsam muͤssen versauren und vergraben seyn. Hingegen stehet der grosse hauffe in dem wahn/ als waͤre der Heil. Geist mit seinen hohen und reichen gaben bloß an die ordentlichen Prediger ge- bunden/ und als muͤste alles Goͤttliche erkaͤntniß von jederman nur fast eintzig und allein aus anhoͤrung ihrer oͤffentlichen predigten geschoͤpffet werden/ welche ein jedweder Christ ohne pruͤffung in allen stuͤcken muͤste annehmen/ und gut heissen; Gantz wieder Lutheri lehre/ welcher in der Kir- chen-Postille in auslegung des Evangelii der Fruͤh-Christ-Messe so nach- druͤcklich wieder die Papisten beweiset/ daß die lehre der oͤffentlichen Pre- diger und Bischoͤffe dem urtheil aller Christen in der gemeinde solle unterworffen seyn/ nach der ordnung Pauli 1. Cor. XIV. da er saget: Einer odeꝛzween sollen auslegen die schrifft/ die andern sollen richten; und wo dem sitzenden wird etwas offenbahret/ soll der erste schweigen. Daher denn der liebe Lutherus in eben diesem loco klaget/ daß diese Christ- liche/ Goͤttliche und Apostolische ordnung durch den Paͤbstlichen geist gaͤntzlich umgekehret/ und hingegen eine gantz Heydnische und Pytha- gori sche gori sche weise auffgekommen waͤre/ durch welche man den geist gedaͤmpffet und auff seiten des Cleri sich die freyheit genommen haͤtte zu reden/ was man wolte/ ohne daß sie jemand durffte richten/ ihnen einreden und sie schweigen heissen. Von eben dieser materia redet auch Lutherus am St. Stephanus tage/ da er zeiget/ daß eine rechte predigt (wie auch die celebri- rung des heiligen Abendmahls) in einer versammlung wahrer Christen zugehen sollte/ wie in einer freundlichen collation uͤbertische/ daher diejeni- ge weise bestraffet/ da unter rechten Christen allezeit nur einer allein will ge- hoͤret seyn mit angehaͤngter abermaligen klage/ daß die erste Apostolische weise und ordnung 1. Cor. XIV. so gar verkehret waͤre/ welche auch der liebe Lutherus nach seinem wunsche/ wie oben gezeiget/ nicht recht wiederhat koͤn- nen anrichten. Alles dieses fuͤhreich zu dem ende an/ daß wir von Luthero selber lernen moͤgen/ wie unsere oͤffentliche gewoͤhnliche kirchen-ordnung bey weitem diejenige vollkom̃enheit nicht habe/ die man ihr ins gemein bey- leget/ und daß zu einer recht Evangelisch-Christlichen versammlung gantz eine andere verfassung gehoͤre/ ob gleich/ weiles (wie Lutherus klaget) an personen dar zu fehlet/ keine hoffnung der rechten besserung zu machen ist/ biß GOtt selber drein sehen und helffen wird. Endlich und zum letzten ant- worte ich/ daß durch die entzlehung eines Christen von der oͤffentlichen Communion und versammlung nach bißher angefuͤhrten motiv en und ur- sachen/ der dienst/ welchen ein Christ GOtt oͤffentlich leisten soll/ nicht auffgehoben werde; denn ich meine ja/ daß ein Christ/ der die oͤffentliche miß- braͤuche und verunehrung des wahren Evangelischen Gottesdienstes so treulich zu bestraffen/ und die algemeine besserung an seinem theil ernstlich zu befoͤrdern trachtet/ seinen glauben und Gottesdienst oͤffentlich gnug be- weise/ daher auch Lutherus am heiligen Dreykoͤnigtage also schreibet; Wenn du Gotteswort treibest und foͤrderst mit allem vermoͤgen/ und uͤber solchen glauben und bekaͤntniß leib und leben gut und ehre feeude und gunst daran setzest/ das heist recht gefeyert und den sabbath geheiliget/ da nicht du selbst/ sondern GOT GOTT allein in dir wircket/ und du nur ein leidend-verfolgeter mensch bist/ das dritte stuͤck des Gottes-dienstes/ im dritten gebot verfasset. Weil nun auch Lutherus am Stephans-tage schꝛeibet/ daß wenn die leute in solche geistliche abgoͤtterey verfallen waͤren/ daß sie an dem opere operato hiengen/ und die aͤusserlichen kirchen-gebaͤude aberglaubisch ehreten/ es alsdenn gut waͤre/ daß um solcher abgoͤtterey willen alle kirchen und GOttes-haͤuser auffein- mal in aller welt verstoͤhret wuͤrden/ und man lieber unter dem freyen him- mel oder an andern orthen predigte/ so werde ich ja daran nicht gesundiget haben/ haben/ daß ich aus guter Christlicher meinung zur bestraffung solcher einge- rissenen geistlichen abgoͤtterey/ die mit den aͤusserlichen kirchen und kirchen- gehen von dem grossen hauffen getrieben wird/ nur bloß eine zeitlang der oͤf- fentlichen kirchen-versammlung (welche ich an sich in ihrer habenden wuͤrde nicht verachte) mich gewissens halber zu entziehen genoͤthiget gefunden. Hiermit hoffe ich/ wird nun das an sich rechtmaͤßige und Christliche fundament meiner bißherigen entziehung zur Gnuͤge dargethan und erwie- sen seyn. Dieweil ich aber bißher schon erfahren habe/ und auch noch weiter vorher sehe/ daß ich den durch solche entziehung gesuchten haupt- zweck der mir in meinem gewissen obliegenden Christlichen be- straffung nicht erreichen moͤge/ sondern vielmehr selbst daruͤber fast bey jederman vor straͤfflich/ irrig/ verdaͤchtig/ ja gar als ein verraͤchter des Got- tes-dienstes soll angeschen und gehalten seyn/ so habe ichzeithero hertzlich zu GOtt geflehet/ mir einen andern weg zu zeigen/ den ich zur rettung meines gewissens unanstoͤßlicher ergreiffen moͤchte/ und habe dar auff in meinem gewissen die freyheit/ und den ausschlag also gefunden mich zur beweisung meiner Christlichen bereitwilligkeit in allen moͤglichen stuͤcken jederman nachzugeben/ und zur abwendung aller ferneren mißdeutungen folgender massen zu erklaͤren/ daß ich nehmlich in erwegung jetzt angefuͤhrter Ursache hinfuͤro nicht als aus zwang eines gesetzes/ sondern mit freyem Christlichem heꝛtzen/ in der eꝛkaͤntniß und pruͤfung eines guten gewissens und aus auffrichtiger liebe des naͤchsten der oͤffentlichen versammlung nach gewoͤhnlicher ordnung beywohnen wolle/ dabey mir aber dieses behalte und ausbitte. Erstlich daß mir die freyheit gegeben werde/ in einer oͤf- fentlichen gedruckten schrifft die haupt-ursachen bescheidentlich anzuzeigen/ die mich bißher zur entziehung genoͤthiget/ und hinfuͤro der oͤffentlichen versammlung beyzuwohnen bewogen haͤtten; denn wo mir solche oͤffentli- che darstellung zu thun nicht wolte verstattet werden/ so kan ich auch mein gewissen nicht befriedigen/ als welches mir nach allen obangefuͤhrten ge- wissensgruͤnden nicht zulaͤsset ohne solche Christliche oͤffentliche bestraffung in der gemeinschafft so vieler groben unbußfertigen suͤnder das heilige Sa- crament zu nehmen/ und mich des schaͤndlichen mißbrauchs in dem kirchli- ehen Gottesdienste durch ordentliche beywohnung theilhafftig zu machen; ich wuͤrde auch dadurch uͤber die von mir erkante Goͤttliche wahrheit eine allgemeine laͤsterung er wecken in dem meine bißherige entziehung stadt- und landkuͤndig wordenist/ und ohne solche oͤffentliche declaration der wahren beschaffenheit jederman sagen wuͤrde/ ich waͤre zuvor auff einen irrwege ge- wesen/ haͤtte aber nun mein unrecht erkennen lernen/ und mich bekehret/ welches ich zum spott der wahrheit und zur bestaͤrckung des boͤsen hauffens L in sei- in seinem falschen wesen und laͤsterung auch zur verunglimpffung anderer kinder GOttes/ die mit mir ein gleiches gewissens-bedencken tragen/ nicht kan geschehen lassen. Vors andere/ weil von mir verlanget wird/ daß ich hinsuͤro den gewoͤhnlichen kirchen-versammlungen beywohnen soll/ und ich solches zu thun verspreche/ so bitte ich gleichfals mir dieses zu vorhero darbey aus/ daß wenn ich in predigten/ oder sonst etwas wahrnehmen sol- te/ daruͤber ich einem R. Ministerio mein bedencken zu eroͤffnen der noth- durfft zu seyn nach meinem gewissen erachtete/ mir die freyheit moͤge gege- benseyn/ mit ihme daruͤber bescheidentlich ausser der versammlung zu confe- ri ren. Sonderlich aber wuͤrde solches geschehen/ wenn man zuweilen vor der gantzen gemeinde in solchen materi en allerley wiedrige elenchos ge- brauchen wolte/ davon ich in meinem gewissen vor Gott ein anders uͤberzeu- get waͤre/ und also erhebliche ursache haͤtte mein bedencken billich darwieder einzubringen. Vors Dritte ist mein angelegenes bitten/ daß E. hiesiges R. Ministerium sich auch nunmehro gegen mich erklaͤren wolle/ ob dasselbe mich hinfuͤro vor rechtglaubig zu halten ge sinnet sey: wolte es aber (dessen ich mich nicht versehen wil) mich vor irrig erklaͤren/ so begehre ich billig dessen beweiß/ in welchem stuͤcke dasselbe mich auff einiger Heterodoxie befunden zu haben erachte/ und verlange einig und allein AUS HEJ - LJGER SCHRJFT eine gruͤndliche conviction des imputirt en irꝛthums/ wiedrigen falls wuͤrde mir weder grund noch muth ermangeln/ diejenigen selbst grosser haupt-irꝛthuͤmer aus der schrifft zu uͤberfuͤhren/ welche von andern ohne ursache dergleichen urtheilen. Tantum. So weit gehet die deduction des gedachten zeugens der wahrheit von dem gemeinen kirchen- und Abendmahl gehen. Das VI. Capitel. Von dem recht Evangelischen Lehramt und der Christ- lichen freyheit/ erleuchter Christen. J Ch wende mich aber schließlich zu etwas noͤthigers und dienlichers/ uñ damit ein unpartheyischer leser in die ser schrifft nicht mit blossen streit-sachen allein occupi ret werde/ welche bißher/ GOtt lob! manchem einunertraͤglicher eckel worden sind. So will ich allhier noch ein auffrichtiges bedencken anfuͤgen/ worinnen mehr reeles und auff ge- meinebesserung zielendes zu finden seyn wird. Es betrifft aber dieses nicht etwa alleine den verwirreten hauffen der welt-leute oder ihrer partheyen und und versammlungen/ davon zuvor die rede gewesen: Sondern es ist eine deutliche antwort auff die folgende frage/ welche manchmal unter solchen personen vorfaͤllt/ die im erkaͤntniß des allgemeinen verderbens/ aus guter meinung einige andere anstalten vornehmen/ und solche andern allen vor noͤthig achten. So moͤcht nun etwa auff folgende weise gefraget werden: Auff was art eine Christliche Gemeine an einem ort regieret und gefuͤhret werden muͤsse/ und ob solcher regierung alle glieder derselben/ insonderheit der aͤusserlichen ordnung nach unterworffen seyn/ oder sich derselben/ zu behauptung ihrer Christlichen freyheit/ entziehen koͤnnen? Diese frage ist allhier nach dem klaren sinn GOttes in der Schrifft kuͤrtzlich erlaͤutert/ und deswegen mit beygefuͤget/ damit ein jeder unpartheyischer weiter schliessen und urtheilen koͤnne: Ob ein wahrhasstig gefreyeter des HErꝛn/ nach Goͤttlichem recht an die gewoͤhnlichen aͤusserli- chen opera operata des verderbten kirchen-wesens gebunden und gezwungen werden koͤnne; Da er auch so gar von allen (auch schein- barsten) menschen-gebothen/ lehren und ordnungen in CHristo frey worden? 1. Dennoch ist zufoͤrderst und am meisten zu beobachten/ daß hier nicht die rede sey von solchen/ die entweder ihr lebtagekeine wahre busse ge- than/ oder nur noch im anfang ihrer zukehr zu GOtt stehen: sondern vor- nemlich von wachsenden und weiter fortgehenden Christen/ die nun- mehro ihren hirten selbst kennen/ wie Johannis kinder und die Thessaloni- cher (1. Thess. IV. 9. 1. Joh. II, 20. 27.) Woraus denn folgt/ daß auch nothwendig die Hirten und Lehrer (als correlata ) genauer und in eini- gem hoͤhern grad anzusehen seyn/ nach folgenden umstaͤnden und puncten. I. Der erstepunct. Vondenen Hirten und Lehreruselbst. 2. Werden dahero solche lehrer zufoͤrderst von und durch den Heil. Geistselbst gesetzet seyn muͤssen/ (nach Apost. Gesch. XX. 28. Eph. IV. 11.) und also von demselben wircklich gesandt und reichlich gesalbet zur noͤthigen beweisung desselben geistes und seiner krafft I. Cor. II. 4. da- hero wird sich kein solcher hirte selbst auffwerffen/ noch eigenmaͤchtig und bloß aus veranlassung einer aͤussern Vocation sich eines Rechts oder Herꝛschafft uͤber andere anmassen/ welche nicht mit schmertzen geboren sind. L 2 3. Solte 3. Solte sie aber vom Heil. Geist gesetzet werden/ so wuͤrde/ dieser geist der weißheit nur solche erwehlen/ aussondern/ und zu so Goͤttlichem werck senden/ welche vor allen dingen an sich selbst/ nicht nur einige stuffen der bekehrung/ sondern die wahre neue geburt aus GOtt/ und mithin das geheimniß/ CHristum inuns wircklich erfahren/ auch wol eine zeitlang mit ihm inwendig umgangen und nach Apost. Geschicht. X. 41. Joh. XV. 27. sein Abendmahl gegessen und getruncken haben/ sintemal dieses das haupt-werck des lehr-amts ist/ die seelen mit Johanne auff CHristum zu weisen/ welcher in ihnen durch seinen geist mitzeuget/ und an- klopffet/ Joh. XXV. 26. 27. Offenb. III. 20. auch/ nachdem die hertzen inwendig fuͤhlen und annehmen/ was von aussen bezeuget wird/ in ihnen sich offenbahret: Coloss. I. 26. 27. Rom. IIX. 10. 2. Cor. XIII. 5. Joh. XIV. 21. 4. Solche inwendig geuͤbte/ und erfahrne lehrer wuͤrden an sich selbst alle oder doch die ersten und noͤthigsten Goͤttlichen stuffen (davon der anhang an den Goͤttlichen Liebes-funcken etwas meldet) processe und kennzeichen der neuen geburt in Goͤttlichem licht erkant haben/ auch da- hero den wesentlichen hoͤchstnoth wendigen unterscheid der ersten busse von der voͤlligen wiedergeburt. Dahero sie denn nicht beydes ver- mengen/ und damit sich oder anderein gefahr setzen wuͤrden/ und durch unzulaͤnglichen vortrag und stuͤckwercke von der weitern geburts-arbeit auff- und abhalten. Jnmassen solche auff ihrer ersten bekehrung stehend bleibende/ und immer in einem circul gleichsam umlauffende/ oder doch nur im blossen wissen/ ohne wesentlichen wachsthum sich auffhaltende gemuͤ- ther weder selbst wahre kinder in CHristo zu zeugen/ noch die durch andere lehrer gezeugete und fortwachsende weiter zu fuͤhren. Luc. VI. 39. Rom. II. 19. Joh. V. 37. 1. Joh III. 6. 5. Ferner wuͤrde auch ein jeder Goͤttlicher lehrer eigene/ rechte und aͤchte kinder nach dem geist erlangen und haben/ als siegel seines Apo- stelamts 1. Cor. IX. 2. und nicht nur bloß auff fremden grund zu bauen/ und ein zucht-meister fremder kinder zu seyn sich unterwinden. Rom. XV. 20. 1. Cor. IV. 15. Ebr. VI. 1. Alldieweil das gantze amt des Neuen Testaments/ einig und allein auff eine geistliche ausgeburt siehet und zielet/ als wodurch die andere und neue schoͤpffung (κτίσς) oder creatur in CHristo dargestellet wird. 2. Cor. V. 15. Eph. II. 10. Gal. IV. 9. 12. 15. 1 Cor. IV. 15. Philem. v. 10. 6. Diesem nach wuͤrden solche geistliche vaͤter nicht daran gnug ha- ben/ daß sie eine und andere gottlosen durch ihr zeugniß geruͤhret/ und zu ei- niger niger andacht/ beystimmung und reue gebracht hatten/ welches frey- lich auch an ihm selbst GOttes- und nicht eines menschen werck ist: Son- dern sie wuͤrden auch/ als selbst neugebohrne und in CHristo JEsu gestal- tete menschen durch das inwendig eingepflantzte lebendige wort ( Jacob. I. 21.) wircklich andere kinder mit schmertzen ausgebohren und zum neuen leben des geistes maͤchtiglich erwecket haben. Angesehen jene er ste bewegung noch lange nicht eine wahre erneuerung des Heiligen Gei- stes seyn moͤchte/ als welche offte sehr unbestaͤndig ist/ oder wol hernach in doppelte boßheit ausschlaͤgt/ auch (wo ein ungeuͤbter fuͤhrer darauff be- ruhet) gemeiniglich in heucheley/ nachaͤffung/ wort-gepraͤng und gros- sen jammer verkehret wird/ nachdem der natuͤrliche mensch so gleich nach seiner ersten uͤberzeugung erstlich ein ziemlich grober heuchler zu werden pfle- get/ ehe er nach langer zucht ein wahrer Christe wird. 7. Gleichwie nun aber das gantze Christenthum nach seinem wesen innerlich und geistlich ist/ und bey dessen auffrichtung durchs lehramt alles zur herwiederbringung des innern bildes GOttes arbeiten sol- te: Also wuͤrde in allen und jeden nichts als JEsus CHristus der hoch- gelobte Sohn GOttes und zwar der gantze CHristus (wie er sich in den hertzen offenbahren will) der einige wesendliche grund/ anfang/ mit- tel und ende gehoͤret/ gesuͤhlet und erkandt werden. Jn betrachtung/ die- ses ewige alleinige wort des vaters in den seelen erwecket/ eingepflantzet/ formi ret oder gestaltet und ausgebohren werden muͤste: Damit es nach und nach/ durch alle stuffen und alter/ in dem gantzen Proceß des le- bens/ leidens/ sterbens und aufferstehens JEsu vor dem vater als ein vollkommen mann in ihm dem haupte dargestellet werde/ wie dis die summa der gantzen H. Schrifft/ und des Christenthums ist und blei- bet. 8. Folglich wuͤrden sich wahre Apostel JEsu CHristinicht auffhal- ten mit menschen-lehren/ neben- und stuͤck-wercken/ vernunfft- schluͤssen oder aus der vernunfft und schrifft zusammen gemengten for- m en. Vielweniger mit gesetzlichem/ aͤngstlichem treiben der er gewissen zu bloß aͤusserlichen guten wercken fromm seyn/ wie es aus natuͤrli- chen kraͤfften ja sehr hoch getrieben und gebracht werden mag/ und doch we- der zur Evangelischen gnad und krafft/ noch zu CHristo und also zur wahren gerechtigkeit und ruhe fuͤhret/ sondern nur als ein sauerteig der heucheley den gantzen teig verderbet. 9. Dagegen wuͤrden sie mit Paulo uͤberall und allen CHristum in denen hertzen zum grund anweisen/ ausser ihm nichts vor sich selbst wissen/ L 3 geschwei- geschweige andere lehren/ sondern einem jeden bezeugen/ daß in ihm alle fuͤlle wohne 1. Cor. III. 10. 11. Col. l. 19. aus welcher man alles allein neh- men muͤsse/ Joh. I. 16. als dem lebendigen quell/ und nicht aus leeren und loͤchrichten brunnen/ die selbst von dem haupt-ursprung alles bet- teln und holen muͤssen. Jerem. II. 43. Esai. LV. 1. u. f. Joh. IV. Matth. XI. \&c. 10. Wann dann solche treue unter - hirten nicht sich/ sondern CHristum predigten. 2. Cor. IV. 5. So wuͤrden sie auch mit Johanne/ als des braͤutigams freunde ihre freude erfuͤllt sehen/ daß dieser die braut nun selber haͤtte und lehrete. Dahero wuͤrden sie ihrem Herrn und all- gemeinen meister (unter dem sie alle hirten und schafe/ bruͤder und gleich sind/ Matth. XXIII. 8.) hertzlich gerne weichen/ wenn sie ab- und er in den seelen zunaͤhere. Vielweniger wuͤrden sie wieder seine offt wunderba- re fuͤhrungen (aus furcht ihr ansehen/ bedienung oder bequemlichkeit zu verlichren) streiten und murren oder auch scheel sehen/ wenn die schaͤflein nun nicht mehr durch ihre rede glaubten/ Joh. IV. 42. sondern selbst saͤhen und erkenneten/ daß dieser ist ihr wahrhasstiger erloͤser und CHristus/ dessen stimme sie nun kennen/ Joh. III. 27. 29. 30. Joh. X. 27. 11. Nochweniger wuͤrden treue haußhalter dis selbst-staͤndige wort des vaters in denen hertzen (die es in sich vom vater hoͤren und zu ihm kom- men/ Joh. VI. 45.) an seinem schnellen lauff und wachsthum im gering- sten hindern/ am aller wenigsten koͤnten sie dessen Goͤttliche und der ver- nunfft staͤts anstoͤßige wuͤrckungen in einfaͤltigen und annoch schwachen unversichtigen dum̃en schafen verspotten/ durch herꝛschsuͤchtiges hefftiges tractament schwuͤrig und irre machten/ oder garverwerffen/ und also CHri- stum/ als einen fels der aͤrgernuß erfahren/ wie die Pharisaͤer Luc. II. 34. Matth. XXI. 44 XV. 12. \&c. Sondern weil sie von und in dem demuͤthi- gen und sanfften CHristo gelehret waͤren ( Matth. XI. 29. Eph. IV. 21.) wuͤrden sie auch die schwachen mit sanfftmuͤthigem geistzurechte bringen/ die unwissende und irrenden durch den Heil. Geist gewinnen/ die wieder- sprechenden ertragen. Und das alles in Goͤttlicher gedult ohne eigen- gesuch/ hersch-sucht/ affterreden und listige raͤncke/ bloß aus und nach dem lautern sinn JEsu und dem exempel der Apostel: 1. Cor. IV. 9. u. f. XV. 9. Eph. III, 8. Gal. VI. 1. 12. Der gantze grund hiezu liegt abermahl in der neuen geburth/ weil GOttes werck-zeuge hiedurch gegen ihrei tzt gebohrne kindlein gantz vaͤterlich und muͤtterlich gesinnet seyn. Deßwegen sie als geistliche saͤugammen zaͤrtlich/ treulich/ weißlich und mittleidig verfahren/ das krancke krancke warten/ und vom sterben mit abermahliger schmertzhafftiger geburt ( Gal. VI. 19.) erretten/ das unerfahrne in GOtt bruͤnstig ermah- nen/ das kleinmuͤthige troͤsten und auffrichten. Alles aber gehet ohne zweiffel dermassen empfindlich zu/ daß so manche schwere durchbruͤche und wehen im geist dabey gefuͤhlet werden. Gal. I. — 1. Thess. II. 7. u. f. 1. Cor. II. 3. 13. Hieraus ist im gegentheil offenbar/ wo solches alles oder doch das meiste gegen die/ so wircklich irren oder doch vor irrig gehalten werden/ ermangelt/ daß es an der geistlichen inwendigen connexion verwand- und gemeinschafft des geistes in CHristo fehle. Denn weil einer uͤber den andern kein mittleidiges gefuͤhl und zartes empfinden seines elendes hat: So erwaͤchst dahero ein strenges herschen uͤber das erbtheil (κλῆρος) des HErrn/ Ezech. XXXIV. 4. 1. Petr. V. 3. eine angemaste authorit aͤt/ und prætendi rtes recht/ andere zu zuͤchtigen und zu fuͤhren/ u. s. f. 1. Cor IV. 15. 14. Gesetzt aber/ daß man nicht anders uͤberzeuget waͤre/ als daß man/ vermoͤge der aͤusseren vocation, des standes/ character s u. s. f. uͤber alle an solchen orth wohnende fromme/ obschon von einem andern erweck- te seelen/ em recht habe/ auch im gewissen aus guter meinung sich vor ver- bunden hielte/ sie alle unter einerley uͤbungen oder ordnungen zubringen: So ist doch Pauli exempel hiebey sehr untadelich und mercklich: Dieser wolte nicht auff einen fremden grund bauen/ Rom. XV. 20. noch in fremder arbeit oder regul sich ruͤhmen 2. Cor. X. 15. 16. Dahero/ wenn einige von andern bekehrte CHristen nun zu CHristo gebracht/ und mit diesem bekandt worden waren/ ließ er sie diesem ihrem meister willig uͤber/ und suchte keinen ruhm einiger muͤhe/ weißheit oder regierung von solchen/ die einen andern zugebaͤhren so sauer worden waren. Hingegen suchte er immer neue und mehrere zu gewinnen/ Rom. XV. 20. denen Christus noch nicht bekant war; mit jenen aber handelte er in der gleichheit/ als ein bruder bescheidentlich/ und wolte ihr zucht meister so wenig seyn/ als er bey seinen eignen kindern solche zucht-meister oder herren ihres glau- bens litte 1. Cor. IV. 15. 2. Cor. I. 24. Ja er handelte auch mit den seini- gen nur durch bitte/ flehen und ermahnen/ zwar ernstlich/ gewaltig und Goͤttlich/ doch bruͤnstig/ demuͤtig und mitleidig. Rom. XII. I. XV. 30. 1. Cor. IV. 16. 2. Cor. XI. 1. Apost. Gesch. XX. 31. 1. Thess. II. 11. 12. \&c. 15. Dieses und noch vielein mehrers achte ich nach der schrifft dazu noͤthig/ wenn ein haußhalter eine gemeine GOttes auffrichten oder auch regieren will. Damit er vor allen dingen sein eigen in- und auswendiges hauß hauß (sich selbst und die seinen) Goͤttlich zu regi ren wisse/ 1. Tim. III. 4. 5. 12. und zuvor selbst lerne/ ehe er andere zu fuͤhren suche/ Sir. XIIX. 20. weil er gewiß ein groͤsseres urtheil empfangen wird. Jac. III. 1. 16. Nun wolle der H. Geist/ selbst in einem jeden die Application und den schluß machen/ so/ wie er ohne ansehen der person die menschen zu richten pfleget: So wird man erkennen/ ob und welche der gleichen hir- ten nach GOttes eignem hertzen/ und also zur regierung tuͤchtig/ und von ihm selbst gelehret seyn. Jndessen waͤre wol ernstlich zu erwegen/ ob und warum doch die theure und klare verheissung GOttes/ von unfehlbahrer frucht des wortes nach dem fuͤrbild der Apostel biß dato so gar wenig oder nicht erfuͤllet werde? Und ob es nicht unter andern an folgenden ursachen meist oder durchgehends liege. ( a ) Weil man selbst in denen inwendigen wegen des geistes unerfah- ren/ und am inneren Reich GOttes entweder blind/ oder kaum ein wenig nach dem buchstaͤblichen wissen oder hoͤren sagen sehend ist. ( b ) Weil/ da man kaum die ersten bewegungen der busse empfun- den/ oder ausgehalten/ man alsobald sich unterfangen Lehrer zu seyn/ und bey denen aͤussern sorgen und zerstreuungen derer aͤmter immer auff den ersten bußuͤbungen stehen blieben/ sich dabey vor neugebohren angesehen/ und die erfolgten vermehrungen des wissens bey einiger selbst-erwehlter froͤmmigkeit und gesetzlichen guten wercke/ vor den wahren wesentlichen wachsthum in CHristo gehalten. ( c ) Weil man folglich nicht selbst die wesentliche wahrheit oder das erste paradiesische Goͤttliche leben und wesen in CHristo ( Eph. IV 20. 21.) erfahren noch zur neuen geburt in GOtt durch alle noͤthige kaͤmpffe ernst- lich durchgebrochen/ am gantzen alten menschen gekreutziget und ertoͤdtet/ auch mit JEsu auffer standen und ins himmlische wesen versetzet ist. Son- dern wol die zuͤchtigungen und plagen der Goͤttlichen gerechtigkeit/ wo- durch sie in die enge und zur umkehrung des gantzen menschen treiben wol- len/ alleine vor das wahre inwendige creutz/ und eine selbst gemachte fleischliche freyheit vor das leben des glaubens angenommen. ( d ) Weil/ wenns mit einem Lehrer hochkommt/ man gemeiniglich nicht den gantzen CHristum/ sondern nur stuͤckwerck und gesetzliche froͤm- migkeit prediget/ und zwar nicht in der Apostolischen einfalt/ bruͤnstigkeit und freyheit des geistes/ sondern meist nach menschlicher vaͤterlicher weise/ unter dem joch und schrancken derer satzungen und ceremoni en/ ohne durch- bruch in die erste lautere freyheit/ mit auffnehmung der schmach und leiden CHristi CHristi bloß aus uͤberredung der vernunfft/ bey unfruchtbahrer beugung und verstellung unter die weisen und gesetze des wiederchrists. ( e ) Weil man auch in denen andern aͤussern dingen in so gewaltige hindernuͤsse verwickelt stehet/ daß weder muth noch krafft und nachdruck sich findet/ damit CHristus das reich der finsterniß in denen seelen mit macht zerstoͤren/ und das wahre licht scheinen lassen koͤnte/ gestalt man meist in fremde unapostolische haͤndel/ auch wol der nahrung sich stecken/ und mit weltlichen sorgen/ characte rn und tituln belegen ließ/ daß die Apo- stolische reinigkeit/ einfalt und wahrheit/ noch nirgends offenbar wird/ son- dern man allerhand unanstaͤndige/ ungoͤttliche personen præsenti ren/ und immer mehr verstellung/ arglistigkeit/ vernunffts-griffe/ und politische staats- maximen lernen und practici ren muß/ welcher gifft sich denn auch in die lehrarth mischet und alles verdrehet/ und verderbet. 17. Dahero der beruff und die prætensiones, und rechte an die noch erleuchtete seelen durch Apostolische und maͤchtige beweisung des geistes und der krafft nicht gerechtfertiget/ noch durch ausbreitung der erkaͤntniß und salbung Christi versiegelt werden kan: Jndem den HErren noch lan- ge nicht eine wahre Apostolische gemeine gesammlet worden ist. 18. Hingegen zeuget ein jeder freylich seines gleichen/ oder wol etwas schlimmers/ in dem leider! so viel erbarmens-wuͤrdige ungestalte gebuhr- ten und bastarte sich aͤussern/ welche denen Pharisaͤern und gesetz-lehrern (Νομικοῖς) oder Schrifft gelehrten gleich/ des HErren JEsuim geist ge- faͤhrlichste feinde sind/ wie dort jene Christi im fleisch/ und schwerer ins himmelreich kommen/ als die/ welche von ihnen vor boͤse gehalten werden/ Matth. XXI. 31. Luc. VII. 30. Jndem diese sich wol endlich arm und CHristi benoͤthiget erkennen moͤgen/ jene aber bey ihren angewohnten for- men und auffgerichteter eigener gerechtigkeit (so sich auff lauter gesetzte uͤbungen/ menschen-gebothe/ und aͤussere wercke gruͤndet) so reich sind/ daß sie den armen/ niedrigen und unansehnlichen JEsum in seinen glie- dern spotten und schmaͤhen/ dessen reich nicht mit grossem geschrey/ pomp und apparat kommt/ Luc. 17. 20. Esai. XLII. 2. Diese grosse noth und gefahr mag noch in manchem eine so redliche bekantniß erwecken/ daß er nebenst allen hoͤhen/ auch das best scheinende zu JEsus fuͤssen endlich niederlegen/ und als schaden verlaͤugnen/ auch die grosse untuͤchtigkeit zur Goͤttlichen predigt erkennen moͤchte. Der II. Punct. Von der Gemeine und ihren Gliedern. 19. Auß den vorigen sonderlich §. 5. u. f. ist klar/ daß ein jeder M Goͤttlicher Goͤttlicher Lehrer/ auch nothwendig mit der zeit selbst eine solche gemein CHristo zugefuͤhret haben muͤsse/ die der H. Geist durch seinen dienst gepflantzet habe. Oder wenn er ja unter eine fremde und durch andere vor ihm gesammlete heerde kommt/ daß er sich also erweise/ wie oben §. 11. u. f. aus der schrifft zu sehen ist. 20. Nun ist aber eine solche gemeine/ davon allhier die frage ist/ und von der sich einige entziehen sollen (vermoͤge der erfahrung) gemi- schet/ so daß sie theils aus gutmeinenden/ einfaͤltigen/ redlichen ge- muͤthern bestehet/ die sich ernstlich zu GOtt zu wenden suchen/ theils aus verstellten und doppelhertzigen (διψύχοις Jac. I. 8. c. IV. 8.) die aus an- dern neben-ansichten/ oder einiger schwacher uͤber zeugung sich zu den from- men halten. Alle aber werden von dem lehrer zu gewissen aͤusseren ordnun- gen und uͤbungen versam̃let und angehalten/ und zwar aus wohlmeinen- den absichten/ und weilsolche seelen annoch die aͤussere zucht und ordnungen sehr noͤthig haben. 21. Wenn nun gefraget wird/ ob andere/ welche ihren Heyland bey langer erfahrung und vereinigung genau (nicht aber nach dem wahn nur) kennen/ sich von der gemeine JEsu CHristi entziehen moͤgen? So ist von solcher gemeine voraus zu setzen/ ( a ) daß zu ihrem grunde/ ja gantzem wesen/ nichts anders geleget werde/ als JEsus CHristus selbst/ 1. Cor. III. 11. Eph. II. 2. 20. 1. Petr. II. v. 6. und zwar/ so fern er das innere wahre einige leben derer glieder wircklich ist/ nach §. 7. ( b ) daß auch dieser glieder inwendige geistliche einigkeit und gemeinschafft das einige wahre band so wohl untereinander/ Eph. IV. 3. 16. u. f. 1. Cor. XII. 4. 11. u. f. nicht aber auff einem bloß aͤusserlichem schein und wort-schall ge- wohnter und gezwungener versammlung oder sectiri scher conspiration be- ruhe und bestehe. 22. An solcher wahren/ reinen/ heiligen/ Apostolischen gemeine wuͤrde allerdings die verheissung unsers HErrn JEsu CHristi erfuͤllet und klar be- wiesen werden/ daß er mitten in und unter ihnen waͤre: Weil sie auff er- den eins worden/ und in seinem gebenedeyetem namen versammlet waͤ- ren. Matth. XIIX. 19. 20. Folglich koͤnte sich kein einig wahres glied/ von dieser innigsten geheimen/ und Goͤttlichen einheit und ge- meinschafft trennen/ weil es sich sonst von dem inwendigen leben und haupt aller glieder ab- und ins verderben zoͤge. Joh. XVII. 11. 21. Phil. III. 2. IV. 2. Eph. IV. 3. \&c. 23. Nun mag ein Gottesgelehter selbst pruͤfen/ und sehen/ ob eine aus anfangenden bekehrten und heuchlern vermischte versammlung nach dem dem genauen sinn des Heil. Geistes eine wahre gemeine JEsu CHristi sey? Zumalen wenn aus begierde mehrere zu gewinnen/ jederman ohne unterscheid dazu gelassen/ und also so viel in gebrochene unreine geister untermenget werden/ mit welchen man wederim gebeth noch sonsten eins werden mag noch darff. 24. Da demnach die frage uͤbrig bleibet/ ob sich andere Christen von dergleichen gemeinschafft enthalten sollen: So hebt folgender unterscheid wol allen zweiffel auff. Geubte und erfahrne Christen entziehen sich we- der einigem menschen/ noch vielweniger einer gemeine mit ihrer vorbitte und mittheilung der geistlichen oder leiblichen gaben/ vermoͤge des hoͤch- sten geboths von der liebe: Weil aber dieses alles auch wol und viel kraͤffti- ger offt in abwesenheit des leibes geschehen kan: So wird niemand diese von ihnen so strenge und absolutè fodern/ oder die aͤussere entfernung vor eineinwendige entziehung ansehen. Angesehen ja ein jedes gliedmaß des leibes JEsu mit allen andern in der gantzen welt verbunden bleibt und ihre gemeinschafft geneust/ ob es schon nicht alle von angesicht kennet geschwei- ge mit ihnen versammlet wird. 25. Denckt man aber/ es solte doch niemand von solcher aͤussern ge- meinschafft derer sich enthalten/ welche an einem ort zusammen wohnen: So waͤre wiederum zu erwegen/ ob nicht diese forderung daher ruͤhre/ weil man noch nicht gruͤndlich auff das inwendige Reich Gottes; ( Luc. I. 7.) und dessen unsichtbahre rechte/ kraͤffte/ Communicationes, und herꝛ- lichkeiten durch den Heil. Geist gewiesen sey oder andere weise/ an welchen ein wahrer Reichs-genosse ihm gerne genuͤgen laͤsset. Jmgleichen/ ob nicht ein zartes jetztgebohrnes kind eine so genaue empfindung von gegen- waͤrtigen noch ungezogenen falschen heuchlerischen geistern habe/ daß ihm bißweilen die groͤste pein sey/ unter einen so vermischten hauffen zu kommen. Absonderlich zu solcher zeit/ da es etwa ohne dem in inwendigen seltsamen pruͤfungen und uͤbungen stehet/ und also zu aͤussern formen und satzungen untuͤchtig ist. Daß ich nicht gedencke/ was vor ungoͤttliche bloß menschli- che affecti rte und unreine dinge bey manchen versammlungen einem hellen auge vorkommen duͤrfften. 26. Jn der ersten kirche haben erfahrne und geuͤbte Lehrer eben dahero die anfangenden lehrlinge und catechumenos (dergleichen wol die meisten anjetzo auch lehrer selbst seyn moͤchten) zur gemeinschafft des bruͤderlichen gebeths und der geheimnuͤsse noch nicht zugelassen/ biß sie da- zu nach geraumer zeit erst tuͤchtig erkandt wurden. Denn da zuvor in den er sten tagen nach CHrist auffahrt durch des H. Geistes außgiessung bald M 2 die die glaubigen alle einander in einerley glauben und erkaͤntnuͤß gleich/ und ein hertz und seele wuͤrde/ Apost. Gesch. IV. 32. So musten nachmals bey ab- nahme solcher ersten krafft freilich solche stuffen und sorten oder arten der glaubigen gemacht werden/ wie anderswo oͤffentlich dargethan ist. 27. Aus diesen allen ist unlaͤugbahr/ daß man allhier die glieder mit genauem unterscheid anzusehen habe. ( a ) Die ungezogenen/ und im wort und dessen ersten buchstaben unerfahrne seelen/ beduͤrffen nicht nur ei- niger aͤusserlicher uͤbungen/ sondern auch einer staͤtigen zucht/ anwei- sung und auffsicht/ (dergleichen Paulus tag und nacht erwieß/ Apost. Geschicht XX. 31. und keine gute tage dabey genoß) also daß solche schon einem lehrerso viel zuthun machen koͤnten/ ehe er sie mit schmertzen/ als neue geschoͤpffe darstellen wuͤrde (wo er anders darzu tuͤchtig ist) daß er ande- rer stillen und von CHristo selbst erkandten Christen/ die GOtt im geist nunmehro dienen/ wol daruͤber vergessen solte. 28. Auch ist ( b ) nicht die frage von solchen jungen unmuͤndigen oder vielmehr embryonibus und in der mutter noch liegenden kindlein/ welche zwar einige wuͤrckungen des HErrn JEsu in sich erfahren/ aber doch als unbefestigts noch manche ausbruͤche und schwach heiten der na- tur an sich sehen lassen. Denn entweder solche sind von einem lehrer selbst/ oder von andern erwecket. Jst jenes/ so wird ihm die vater-treue schon die gelindesten/ weisesten und kraͤfftigsten mittel zeigen/ wodurch er sie nach dem gesetz der freyheit Apostolisch/ und auch wol durch aͤussere ordnungen weiter zum wachsthum fuͤhre. Jst dieses/ so moͤgen sie durch einen un- straͤfflichen sinn und wandel in CHristo zuversicht gewinnen/ daß sie sich mit sanfftmuͤthigem geist zu allen Apostolischen uͤbungen bewegen lassen. 29. Jn Summa: der vollkommene lautere sinn und weg des grossen Schaff-Hirten/ ist allein von ihm verordnet und gesegnet/ daß durch seinen geist die jetzt beschriebene seelen entweder unmittelbar/ oder auch vermittelst GOttes gelehrter und neugeborner fuͤhrer in schrancken gehal- ten und aufferzogen werden koͤnnen/ so lange sienemlich solcher handleitun- gen und vormundschafften beduͤrffen. 30. Nachdem aber solche erben des reichs mit dem Heil. Geist selbst reichlich gesalbet/ von GOtt weiter gelehret/ und in der wahr- heit starck und feste worden sind: wird sich freylich niemand unterwin- den/ ihr pfleger oder vormund/ geschweige zuchtmeister zu seyn. Gal. IV. 1. 2, 1. Thess. IV. 9. 1. Joh. II. 20. 27. Sondern jedermann wird sich uͤber sie erfreuen/ wenn sie so voller guͤtigkeit/ oder auch gar gelehrter sind/ als alle ihre lehrer. Ps. CXIX. 99. gestalt es diesen keine schande/ sondern ei- ne eh- ne ehre vor GOtt ist/ wenn ihre juͤnger/ wie ihr meister/ und in gewisser mas- sen vollkommen sind. Luc. VI. 40. 31. Und von solchen erwachsenen personen bleibet hier die frage al- lein uͤbrig/ und ist offenbar/ daß sie gefreyete CHristi sind/ bey dessen geist es allein stehet/ wenn und wie sie noch aus heiligem rath annoch einer und anderer denen minderjaͤhrigen zu gut gemachter satzung sich unterwerf- fen wollen. Welches denn auch jedem lehrer desto traͤglicher/ und unan- stoͤßiger vorkommen wuͤrde/ wenn er an solcher seelen statt seyn/ und ihren blutigen kampff/ und scharffe zucht uͤber allen dingen ausstehen sollte. Zu- mal ja die natur lieber und leichter das aͤussere mitmachte/ als ein eintzigmal an die inwendigen gebaͤhrungs- wehen ginge/ worinnen sie ihren tod und untergang wuͤrcklich findet. 32. Demnach ist ohne weiteres wiederholen klar/ daß solche jetztbe- schriebene seelen allein ausgenommen werden/ bey welchen das gesetz der Goͤttlichen freyheitnichts anders wuͤrcken kan/ als den wesentlichen wachs- thum im geist und leben JEsu/ und von aussen ein bescheidenes/ zuͤch- tiges und ehrbahres wesen/ woraus man sehe/ der wandel seye im him- mel/ und das hertz bey dem rechten schatz. 33. Sintemal von denen geistern/ der vollkommenen gerechten auch vollkommene tugend/ und wahre liebes-dienste gelernet/ und nach Goͤtt- lichem winck und krafft ausgeuͤbet werden. Also daß ein bescheidener/ lieb-voller und demuͤthiger Christ solche vor unstraͤfflich und Goͤttlich gesinnet erkennen wird: Gesetzt/ daß die vernunfft und eigen-liebe noch manches an ihnen zu tadeln/ oder beflecken trachtet. Zumalen da jene auch hierinnen CHristi weißheit haben/ welcher denen Pharisaͤern kein zeichen und wunder sehen ließ/ wenn sies foderten; Dahero er auch den seinigen gebothen/ ihre perlen (oder ihre inwendige kraͤffte/ und tugen- den) zu bewahren und nicht den saͤuen vorzuwerffen/ sondern vor ihnen zu verbergen. Der III. Punct. Von denen Ordnungen und Regierungen. 34. Diese pfleget man gemeiniglich schrifftmaͤßig und Goͤttlich zu nennen. Von jenem werden wir im IV. punct suchen/ ob die schrifft irgendwo eine ordnung melde/ die nicht der Christlichen freyheit voͤl- lig gemaͤß sey. Jmgleichen ob einige ordnung aus der schrifft ohne die krafft und beweisung eben desselben geistes vorzulegen sey/ durch wel- chen die schrifft selbst auffgeschrieben ist. Zu welchem hochwichtigen be- M 3 weiß weiß aber ein gantz neu geschaffen hertz erfodert werden will/ anders waͤre es eine solche lehre/ die nichts denn menschen-geboth waͤre. 35. Durch das wort Goͤttlich aber werden alsbald alle von men- schen eigenmaͤchtig eingefuͤhꝛte und gewohnte uͤbungen satzungen und wei- sen allerdings ausgeschlossen: Als wieder welche der gantze neue bund durch- aus streitet/ und darinnen vornemlich von dem alten unterschieden ist. Ebr. IIX. 10. 11. Wie Lutherus vor allen andern eiffrig erwiesen hat. 36. Solche Goͤttliche ordnungen aber muͤssen nun allein von Gott vorgelegetwerden/ und zwar entweder mittelbahr/ durch einen leh- rer/ welcher denn solche/ als Goͤttlichen befehl und durch wahre Goͤttliche beweiß-kraͤffte und gruͤnde legitimir en wuͤrde koͤnnen/ wollte er anders bey- fall und folge finden. Oder es geschiehet unmittelbahr/ da denn GOtt/ als das gerechteste/ guͤtigste/ allweiseste wesen/ nie etwasbefehlen wird/ das wieder einer eintzigen seelen jetzigen zustand/ wachsthum/ oder seines Heil. Geistes wuͤrckung selbst lieffe. Folglich wuͤrden diese Goͤttliche ord- nungen lauter solche seyn/ die der lauterkeit und freyheit des geistes durch aus gemaͤß/ und nach keinem theil oder umstand entgegen waͤren. Und solche pflegen nach der schrifft und ersahrung also weißlich und heilig- lich eingerichtet zu seyn/ daß sie zu keineꝛ langwuͤrigen gewohnheit oder allgemeinen regul wuͤrden/ sondeꝛn so bald sie ihren zweck an deꝛ oder jeneꝛ seelen erreichet/ gerne weichen/ und einem bessern/ hoͤhern grad raum geben. 37. Weiter koͤnten auch solche Goͤttliche ordnungen die obere/ freye/ inwendige wirckung des geistes in den seelen nicht nur nicht hindern/ sondern auch gewaltig foͤrdern. Und woferne er ja in einem hertzen nach den umstaͤnden anders zu wircken schiene/ als in dem andern/ zum exem- pel/ eines treibt er zum aͤussern gebet/ das andere zum innern stillen dienst des geistes/ wiederum eines zum aͤussern liebes-dienst an: So wuͤrde sich doch die einige harmonie des geistes darinn beweisen/ daß eines dem andern dar- innen freyheit goͤnnete/ und nicht wieder anderer ihre fuͤhrungen murrete. (1. Cor. XII. gantz) Und wieder solche harmonische Goͤttliche ord- nungen ist der H. Geist in den seinigen so gar nicht/ daß sie auch sich denen menschlichen so ferne nicht entziehen/ als lange solches durch den Herrn und in seiner liebe und krafft (διὰ τὸν κύριον) geschehen kan. 1. Pet. II. 13. nur damit die unglaͤubigen uͤberzeuget und geschweiget werden/ v. 15. und man doch dabey seine inwendige geistliche freyheit behalte/ v. 16. Und also ist freilich GOtt ein GOtt der ordnung. 1. Cor. XIV. 33. 38. Die arten aber derer ordnungen durchzugehen ist allzu- weitlaͤufftig/ ingleichen/ wie solche mit zuziehung und beystimmung der gemei- gemeine zu machen/ davon in der abbildung viel zu finden. Jnsgemein aber ist ordnung allerdings noͤthig/ so wol unter menschen als Christen. wie sie aber unter diesen Goͤttlich anzustellẽ sey/ da gehoͤret weißheit und eine him̃lische temperatur zu/ ja ein gemuͤth/ welches fast alle/ oder doch die mei- sten zustaͤnde/ abwechselungen/ proben/ versuchungen und grade der neuen creatur genau erkundiget und selbst durchgegangen hat. Damit man nicht von jederman alles/ noch von schwachen die uͤbungen derer starcken/ und von starcken die wege derer schwachen un weißlich und ungestuͤm prætendi- re/ sondern weil man die furcht des HErꝛn weiß/ mit den leuten schoͤn fahre/ oder sie nur mildiglich uͤberzeuge/ 2. Cor. V. 11. damit nicht mehr schaden als vortheil dem reiche CHristi daraus erwachse. 39. Woferne man aber hiebey die geringste herschsucht und eigne wahl nur mit einigen geberden/ worten oder wercken sehen liesse: So koͤnten schwache anstoͤßige gewissen leicht geaͤrgert und zum gegensatz ver- anlasset werden. Diejenigen aber/ so sich dennoch zu bequemen scheinen/ moͤchten wol besorglich dißfals mehr heimliche unreine absichten hegen/ und weil sie es um der menschen willen thun/ auff heucheley/ blosse gewohn- heit/ opus operatum und darinn gesuchte eigne gerechtigkeit gerathen/ da- bey allerseits dennoch nur staͤtige innere verdammung in denen gewissen bliebe. Jmmassen es also mit allen uͤbungen derer religionen und best- scheinenden sect en und partheyen ergangen/ daß sie zwar erstlich einen fei- nen vorwand und schein der ordnung/ erbauung und zucht gehabt/ aber bald in so schnoͤde greuel außgeschlagen/ die noch manchen durch eiffer dawieder fressen moͤchten. 40. Dieses alles nun moͤche jederman behutsam und bescheiden machen/ keiner so theuer erkaufften seelen ein joch auffzulegen/ dazu sie nicht sich selbst verstehen will. Denn obwol eine sache durch den mißbrauch nicht eben auffgehaben werden kan/ so lehret doch dieser um Goͤttliche klugheit und sanfftigkeit zu GOtt flehen. Er dringet auch einen GOttes-gelehrten/ vielmehr auff das fuͤrbild derer ersten Lehrer zuruͤckzuse- hen/ welche die jungen an und fortwachsenden kindlein allein mit der lau- tern milch des Evangelii nach der freyen anweisung des geistes saͤugeten/ und nicht an alte gewohnheiten oder neue traditiones uͤber aͤussern dingen bunden. Jn dem sie wol an sich selbst erfahren gehabt/ daß die liberale muͤtterliche zucht der weißheit nur zum frey willigen gesetz der GOttes-bru- der- und gemeinen liebe anfuͤhre/ auch so fort alle krafft also bald dazu schen- cke. Dahingegen wohl keine geringe kraͤnckung und marterthum der gewissen seyn muß/ wenn eine inwendig in die enge gebrachte seele unter stetem stetem innerm auffmercken/ wachen und beten/ durch des Heil. Geistes zucht und trieb gehalten/ und dennoch zugleich auch denen aͤussern forderungen derer menschen gnug thunsoll: Dieweil sie eben durch jene innere noͤthige- re arbeit ipsô factô von dem aͤussern dienst/ (der zuvor auch gut vor sie war/ aber nun sein ende hat) von GOtt losgesprochen wird/ und zweyen Her- ren nicht mehr dienen kan. 41. Wann aber nun ferner die frage absonderlich von aͤussern ord- nungen seyn moͤchte/ so werden ohne zweiffel nicht nur die gemeinen kirch- wege verstanden/ als von deren zwang Pauli urtheil schrecklich gnug ist. Gal. VI. 8. 12. Philip. III. 18. 19. Auch nicht eben nur solche privat- uͤbungen und ordnungen/ die an gewisse zeit/ ort oder andere umstaͤnde binden/ als wovon auch geuͤbte Christen in GOttes wort frey gespro- chen werden. Jn betrachtung alle solche gesetzliche wege denen wahren kindern des freyen obern Jerusalems (welche von und mit dieser ihrer mut- ter den leib und das wesen Christum selbst in sich haben) icht nur verlei- tet/ oder als unnuͤtze geachtet wird/ sondern auch gar ernstlich verbothen sind. Gal. IV. 9. 10. 11. Coloss. II. 16. 17. Alldieweil sie bey solchem schatten und stuͤckwercken so gar leicht ihres inwendigen kleinodes und scha- tzes beraubet werden koͤnten/ auch von denen/ die sich so geistlich als engel anstelleten/ Col. II. 17. 18. welches denn auch von solchen zusammen- kuͤnfften nicht zu laͤugnen stehet/ wenn man nicht so wol die gabe des H. Geistes/ wie die Apostel/ miteinander erwarten und erbitten/ als offt uͤber- fluͤßige worte und heuchlerische dinge zum schein oder sich sehen zu lassen treiben moͤchte. 42. So demnach alle diese anstalten wegfallen/ so kan ich nicht ab- sehen/ was vor aͤusserliche ordnungen uͤberbleiben solten/ nemlich vor solche genau beschriebene und erkandte Christen. Zu malen der gantze neue bund von einem geistlichen inwendigen reich und leben zeuget/ und die see- len alleine darein versetzet/ auch also befestiget und ewiglich bestaͤtiget. Sintemal die alte mauer lieber alles auswendige nur immer mitmachte/ absonderlich/ wenn es etwas gleissend und ehrbar scheinet/ als sich ein ein- tzigmal unter das joch der inwendigen regierung und ordnung GOttes selbst bringen ließ: weil sie bey diesem ihrem abbruch und tod/ bey jenem aber unterhalt/ polster und decken findet. Deswegen sie immer in denen/ die ihr eigen leben noch allzuzaͤrtlich lieben/ auffs aͤussere dringet/ und an- dere neben sich ziehet: da doch die klagen aller lehrer bezeugen/ wie wenig oder nichts/ auch durch die best - schemenden anstalten zur glorie CHristi JEsu beygetragen worden. 43. Jm- 43. Jmmittelst/ und weil die alte natur auch im aͤussern ungeord- net und ungezaͤhmt ist/ so ist freylich vor solche/ bey denen sie noch nicht gebrochen/ oder sehr geschwaͤchet ist/ aͤussere zucht und ordnung gar sehr noͤthig. Und zwar nicht nur in aͤusserlichen ubungen der seelen/ son- dern auch in der arbeit des leibes/ worauff Paulus bey denen ungezoge- nen drunge/ welche herumlieffen in die haͤuser/ und vorwitz trieben mit lee- rem geschwaͤtz von der gottseligkeit 2. Thess. III. 11. Solche leitete er auch zur handarbeit/ und uͤberzeugte sie durch sein eigen exempel/ da er doch sonst vor sich selbst wol wuste von dem Altar/ dem er dienete/ sich zu nehren. Wie er denn auch nicht ohne unterscheid/ einem jeglichen schlechthin leibli- che arbeit herꝛschender weise auffleget/ sondern nur denen obbemeldten leuten/ weil die andern von GOtt gelehrten (1. Thess. IV. 9.) schon selbst wusten/ wie sie ihre zeit am seligsten auskauffen/ und dem HErꝛn berechnen koͤnten. Jm uͤbrigen ward er selbst (bey allen seinen ermahnungen zu aͤusserlicher zucht) ein knecht aller andern/ gleichwie Jesus auch seinen Juͤngern befahl/ der groͤste solte seyn aller knecht und diener/ Matth. XX. 26. Und diß mochte wol eine seine aͤusserliche zucht und ordnung heissen/ sonderlich vor den so gerne herꝛschenden Alten Adam. 44. Nichtsdestoweniger und obwol besagter massen aͤussere ord- nungen gut sind/ so sind sie doch an sich selbst nicht gnug noch hinlaͤng- lich/ das inwendige reich in den seelen zu pflantzen: daferne nicht die bewei- sung des H. Geistes sie unter die zucht desselben bringet. Denn wo man nur mit einiger andacht und ruͤhrung/ oder gar aͤusserer verstellung und un- terwerffung allein zu frieden ist/ ohne daß man sie zu CHristo und dessen wahrer lehre allein weise: da werden ihm keine schaͤfflein zugebracht. Jm gegentheil koͤnte der Lehrer bey Goͤttlicher leitung der menschen zu dem in ihnen anklopffenden geist CHristi ( Joh. I. 9.) mancher beysorge vor un- ordnungen uͤberhoben seyn/ nachdem ihm der H. Geist zeugniß gebe/ wie seine schaffe Christum selber und gantz in sich lebendig haͤtten und ken- neten/ der sie auch nun weiter/ ohne viel menschliches treiben und anstal- ten selbst so leiten wuͤrde/ daß er davon ruhm und wolgefallen habe. 45. Und eben hierinne liegt (meines erachtens) der gantze grund von regierung der gemeine/ davon noch etwas zu melden ist. Nem- lich die regieren will/ muß ( a ) selbst unter genauer staͤtiger zucht des gei- stes CHristi/ corresponden tz und gemeinschafft mit ihm in stillem gesamm- leten hertzen gestanden haben und noch stehen/ dieselbe von der stimme eines fremden (der vernunfft und schlangen) durch lange erfahrung genau un- terscheiden koͤnnen/ und in dem taͤglichen sterben unterm aus- und inwen- digen creutz JEsu dermassen gebeuget/ muͤrbe und niedrig gemacht seyn/ daß nicht der Lehrer/ sondern CHristus durch ihn rede. Dahero man N in al- in allen seinen worten und wercken/ des/ der in ihm wohnet/ gewahr wer- den muß/ wie nun nicht mehr er (der Lebrer) selbst und die alte freche stoltze und ungoͤttliche natur lebe/ nach Pauli fuͤrbild/ dem so gar alle Christen/ geschweige lehrer folgen solten/ Gal. II. 20. u. f. 2. Cor. XII. 19. XIII. 13. Rom. XV, 18. 1. Cor. II. 13. XI. 1. 1. Thess. I. 6. 46. Uberdiß muß ( b ) er seine gantze lehre und alles thun/ allein und bloß auff Christum in uns/ und dessen lebendige inwendige fuͤh- rung richten. Gleichwie die schrifft auch deswegen von Christo zeuget/ daß man zu ihm komme. Joh. V. 39. 40. und ein jeder lehrer/ was er redet/ als GOttes wahrhafftiges durch ihn nur schallendes und in denen hertzen seinen Goͤttlichen him̃lischen ursprung erweisendes wort rede/ 2. Pet. IV. 11. 47. Wenn also ein hirte selbst unter staͤtem Regiment und gehorsam CHristi stehet/ und andere dahin alleine weiset: So wird auch sein regie- ren und fuͤhren Goͤttlich/ heilig/ sanfft und bescheiden/ und doch dabey maͤchtig und heilsam seyn. Alsdenn wird er dem ertz-hirten in allen den fuͤrgang lassen in denen seelen/ wie ihm der vater solchen gegeben hat/ Co- loss. I. 18. Weil ohne dis haupt weder unterhirten noch schafe das leben ha- ben Eph. I. 22. IV. 15. V. 23. Coloss. I. 18. II. 10. 19. und auch bey allem wort und schein lebendig todt sind offenbahr: III. 8. 48. Aus dieser lautern Goͤttlichen regierung des H. Geistes/ koͤnte nichts als unendlicher segen und wachsthum erfolgen/ weil da Goͤttliche freyheit ist/ wo dieser giest des HErren ist. 2. Cor. III. 17. Und diß ist die eintzige wahreregierungs art im N. Testament/ die durch den geist CHristi in denen fuͤhrern geschiehet/ ausser welcher keine andere in der schrifft und andern Gottesgelehrten zu finden. Denn dieser werthe geist gibt alsbald in denen hertzen zeugnuͤß von demjenigen wohlgefallen GOttes/ welches etwa durch den mund eines lehrers angedeutet wird/ schencket auch zugleich die willigkeit/ einstimmung/ folge und krafft zur erfuͤllung und vollendung. Da hingegen bey allen von menschen/ ausser und ohne klaren befehl GOttes auff gelegten ordnung alsbald sich er- äugnet die kraͤnckung/ daͤmpffung/ disharmonia und der wiederspruch des H. Geistes/ in denen/ da er wohnet und wandelt. 49. Dergestalt wird es niemanden eine schande seyn/ wo man sich annoch zu den fuͤssen des einigen gemeinen meisters niederzusetzen anfaͤngt/ seine bloͤsse/ blind- und thorheit erkennet/ und so lange vor ihm nichts wis- send und stumm wird/ biß man CHristum in sich gantz anders und von fernen an lerne und kenne. Hier wuͤrde ein so gebeugter geist seine vorige vermessenheit (nach Rom. II. 17. u. f.) schmertzlich in der stille beweinen/ alles eigenen herꝛschens und regierens unter denen schmertzen der neuen aus- geburth gerne vergessen/ und nur auch der geringste im reich GOTTes zu seyn seyn sich unwuͤrdig achten. Hiebey moͤchte CHristus nach und nach in uns seine eigene niedrige sanffte gestalt gewinnen/ und nach seiner weißheit einen jeden selbst zum gemeinen nutz ordnen und gebrauchen. 50. Also wuͤrde Paulus von seiner langbesessenen Pharisaͤischen weißheit und gerechtigkeit/ darinn er unstraͤfflich und scheinheilig gnug ge- lebet und gelehret hatte/ unter den gehorsam und das Regiment CHristi JEsu gebracht/ daß er bey so grosser umkehrung alles vergaß und verlohr/ und nichts wuste/ als JEsum/ und zwar den gekreutzigten. Apost Gesch. XXIII. 1. XXIV. 16. Phil III. 6. ‒‒ 15. 1. Cor. II. 2. Durch welchen weg seiner demuͤthigung er erst tuͤchtig ward aus einem νομικῷ oder gesetz- lehrer ein Apostel JEsu CHristi zu werden/ und andere recht Goͤttlich zu regieren. Und ausser diesem Proceß wird alles andere nicht zureichen/ die vernunfft decke und schmuͤcke es auch noch so fein und gleissend aus: So lang es in lehrern und zuhoͤrern irgendwo an dem wesendlichen grund und eckstein fehlet. Der IV. Punct. Von dem Verhalten bey denen Ordnungen. 51. Diß alles ist aus vorhergehenden deutlich gnug zu ersehen/ und hier nur in specie nach einigen scrupel n zu erlaͤutern/ absonderlich/ was die unschuldige wahre freyheit der Christen betrifft: Ein wahrer geistlicher vater wird nicht suchen/ solche kinder mit aͤussern lasten und gesetzen zu be- legen/ welche er selbst in CHristo gezeuget hat: sondern wie er sie durch die obere freyemutter/ die himmlische weißheit/ als das neue Jerusalem ( Gal. IV. 26. 31.) ausgebohren/ und in dem geist der freyheit zur freyheit beruffen hat: Gal. V. 13. 2. Cor. III. 17. Also suchet er sie insonderheit zu dem groͤssesten gesetz der liebe und der freyheit anzuhalten Jac. II. 8. 12. und zwar alles in einem vaͤterlichen zarten liebes- affect, damit in solchen seinen rechten kindern/ die ihm so viel schmertzen gekostet/ glaube und liebe wiederum zu ihrer ersten unschuld und reinigkeit auffwachse/ als zeichen und fruͤchte der geburth von oben. 52. Weil aber die vernunfft und gantze natur in denen anfaͤngern zu aͤusserlichen Ceremoni en und gesetzen sehr geneigt ist (wie an falschen Chri- sten/ Juden und Heiden zusehen) und darinnen ihre ruhe suchet/ damit sie nicht weiter und zum sterben mit CHristo unterm Evangelio fortgehen duͤrffe: So werden auch solche gemuͤther billig desto fleißiger auff die in- wendige fuͤhrung und ordnung des ertz - hirten und auffsehers/ zu dem sie allein bekehret werden muͤssen/ 1. Pet. II. 25. angefuͤhret/ daß/ wenn sie sein geist regieret/ sie nicht mehr unter dem gesetz seyn Gal. V. 18. Denn unter dieser genauen auffsicht darff die falsche natur bey denen aͤussern sa- N 2 chen chen nicht stehen/ und also ungezuͤchtiget und unertoͤdtet dahin gehen/ auch nichts an statt des lebendigen und wahren GOttes so viel bilder und ab- goͤtterfassen. Welches freilich/ besage der unleugbahren erfahrung bey vie- len leider! geschiehet/ die ungeacht aller aͤusserlichen anstalten/ dennoch in ihrer alten sündlichen art/ nach wievor/ unveraͤndert bleiben/ und nur die scheinbahren minen/ stellungen/ worte und einige heuchlerische wercke erlernen/ zur nahrung und decke ihres versteckten schalckes/ oder auch um ei- nes bissen brods/ kleides oder befoͤrderung willen. 53. Diesemnach moͤchte die wahre Evangelische freyheit in ihren wesendlichen kindern nothwendig mit krafft erweckt und beybe- halten werden/ weil solche nichts anders/ als das unschuldige bild und leben JEsu selbst/ und also lauter freywillige opffer vor GOtt wircken kan/ vermoͤge ihres Goͤttlichen und reinen paradisischen ursprungs 2. Cor. III. 17. Ps. LI. 14. Ps. CX. 3. Philem. v. 14. denn so bald nur der geist CHri- sti die so theuer erworbene und zubereitete erloͤsung in der seelen ins werck zu stellen beginnet/ so bald wird sie von dem joch aller anderer willen/ so wol ihres eigenen als der menschen/ inwendig frey und allein GOttes knecht/ Rom VI. 18. 22. gesetzt/ daß sie aͤusserlich aus liebe und noth noch so ge- fangen und gedruckt wuͤrde. Alsdann geneust sie die privilegia. rechte und vorzuͤge des inneren koͤnigreichs JEsu CHristi und ihrer freyen him̃- lischen mutter/ welche auch die geistliche vaͤter/ saugammen und hauß- halter aufferden ihr unmoͤglich weigern koͤnnen/ als GOttes diener; hier bleibet sie niemanden nichts schuldig/ als die wahreliebe/ und ist allein den willē ihres mañes und braͤutigams/ uñ was damit einstim̃et/ unterworffen. 54. Solche grosse seligkeit ist so wol als die inwendige gantze erloͤ- sung und alle schaͤtze des Evangelii von natur allen menschen unbekant/ und wird allein denen gezeiget/ und gegeben/ welche sie vermoͤge ihrer hohen koͤniglichen geburt und daher ererbten großmuͤthigen klugheit weißlich gebrauchen koͤnnen. Dannenhero haben alle wahre Lehrer zwar vor dem mißbrauch ernstlich gewarnet/ auch deßwegen den grossen und herꝛlichen gebrauch und nutzen der freyheit in Christo anzupreisen kein bedencken getragen Alldieweil sie wohl wusten/ daß so wenig der mißbrauch des gan- tzen heilsamen Evangelii die glaͤubigen an dem wahren gebrauch/ und die Lehrer an dessen verkuͤngigung hindern mag/ so wenig auch an der Evange- lischen befreyung/ als dem haupt-theil der erloͤsung. Dahero nicht nur in dem N. Testament so gar offt diese lehre wiederholet wird/ als Matth. XVII. 26. Joh. IIX. 36. Rom. IIX. 21. VII. 3. 1. Cor. VI. 20. VII. 23. IIX. 9. IX. 1. X. 29. Gal. V. 1. 13. 1. Pet. II. 16. Jac. I. 25. II. 12. u. s. f. sondern auch bey denen solgenden Lehrern/ davon die abbildung und Kir- chen-Historie zu sehen/ und bey Luthero hernach selbst/ wie oben in II. und III. cap. angefuͤhret ist. 55. Wenn 55. Wenn demnach diese freyheit der glaubigen auff alles sich er- strecket/ ausgenommen auf das gesetz CHristi im geist/ nach welchem sie allein gerichtet werden/ 1. Cor. X. 29. Jac. II. 12. So extendi ren sie auch dieselbe nicht weiter/ als es dieser reine und weise Geist JEsu in ihnen thut/ und zulaͤst. Dieser aber leitet und dringet sie saͤnfftiglich in liebe (2. Cor. V. 14. Rom. IIX. 14.) zu freywilliger ungezwungener liebe GOttes und des naͤchsten/ verhuͤtet auch alle gegebene aͤrgernisse und un- ordnungen gewaltiglich. Ja wo auch etwas bey noch ungebrochenen seelen von dergleichen ausbraͤche/ hebet ers durch seine zucht und bestraffung un- gesaͤumet auff/ und wendet alles zum besten/ wozu denn auch offt die unguͤti- gen urtheile anderer etwas heilsames beytragen/ und ein unvorsichtiges kind weiter hin behutsam und bescheiden machen koͤnnen. 56. Aus diesen allgemeinen præsuppositis oder grundsaͤtzen/ son- derlich aus dem III. punct und aus dem 4. u. f. num. des II. puncts ist der endliche schluß hievon schon gruͤndlich zu erkennen/ davon die summa diese seyn moͤchte. Ein wesentliches glied der wahren unsichtbahren ge-‟ meine CHristi darff/ kan und will nimmermehr von denen ordnun-‟ gen seines hauptes abgehen/ weil diese allein Goͤttlich sind/ und‟ von ihrem ursprung also heissen. Der Apostolische sinn und grund hie-‟ von ist dieser aus der Schrifft. 58. Wer sich nicht in allen stuͤcken an diß haupt (CHristum‟ in ihm) in welchem der leib gewurtzelt ist/ Col. II. 7. feste haͤlt (κρα-‟ τῶν) der hat keine krafft daraus zum wachsthum GOttes/ Eph. IV.‟ 15. 16. Coloss. II. 19. und hat auch keine geistliche gemeinschafft mit‟ denen gliedern. 58. Nun aber/ wer an geboten und lehren der menschen han-‟ get/ Matth. XV. 9. Colos. II. 22. (die zwar einen seinen schein der weiß-‟ heit haben/ aber doch nur ein eigenwilliger Gottesdienst/ und ἐθελοθρη-‟ σκεία sind/ v. 23.) derselbe haͤlt sich nicht an das haupt/ v. 19. sondern‟ wird bey allem aͤusserlichem selbst-erwehltem dienst/ (wenner noch so de-‟ muͤthig buͤckend/ geistlich und Engelisch schiene v. 18. Es. II. 9) dennoch‟ heimlich auffgeblasen/ von dem vernuͤnfftlichen siñ seines fleisches v. 18.‟ 59. Darum hat ein solcher auch bey allen aͤusserlichen diensten/‟ dennoch keine inwendige gemeinschafft mit dem haupt und wahren glie-‟ dern. Und folglich kan ein wahres sich an die unsichtbahre gemeinschafft‟ haltendes glied ohne derselben verletzung oder verlust wohl von dem aͤus-‟ sern abgehen/ und seine freyheit darinnnen nach gestalten sachen brau-‟ chen/ und behaupten“ 60. Zu erlaͤuterung dieses ist aus der erfahrung so viel anzumercken: So bald der reine und alles durchschauende geist der weißheit in seinem N 3 hei- heiligen innern tempel/ da er wesendlich wohnet/ solche kraͤffte und hoͤhen der vernunfft/ und die daher entstehende natuͤrliche herschsucht/ mercket/ welche immer gern eine ἐθελοθρησκεί αν oder selbsterwehlten sinnlichen ge- formten dienst GOttes (auch wol aus guter meinung und vorwand) auffrichten will. So bald/ sag ich/ diß sich aͤussert/ kan der H. Geist auch nicht auff eine stunde weichen/ unterworffen zu seyn denen/ die da die selige freyheit in CHristo auskundschaffen und vernichten wollen/ auff daß die wahrheit des Evangelii von der erloͤsung aus dem menschen-joch bestehe. Gal. II. 45. 61. Sintemal es ja CHristo und denen Aposteln ein leichtes gewesen waͤre/ die leute auff solche geformte aͤussere kirchen-wercke zu fuͤhren/ wenn sie es nicht vor unzulaͤnglich und schaͤdlich gehalten haͤtten. Es pfleget aber auchhingegen diesen freywirckenden geist so manche arbeit zu kosten/ ehe er die seinigen aus der angebornen und dem fleisch fast angeneh- men knechtschafft/ und duͤstern gefaͤngniß der satzungen und gebraͤuche (dabey es der na- tur so wenig muͤhe oder leiden gilt) in den weiten und lichten raum des freyen gnaden- reichs JEsu versetzet und erbohren: Weswegen er in ihnen nunmehro desto ernstlicher auff der hut stehet/ sie von zucht-meistern zu bewahren/ ob sich auch deren 10000. ange- ben solten/ weil solche doch keinen so vaͤterlichen sinn erweisen/ sondern ihnen nur ein knech- tisch joch nach dem andern als nothwendig zum glauben uͤber den hals zu werffen suchen/ Gal. IV. 19. Und also duͤrffen die an die schule JEsu gewiesene und gewoͤhnte juͤnger auff ewig nicht mehr meister suchen/ denn JEsum CHristum/ welchem sie sich aus gan- tzer macht anvertrauet haben/ und aus dessen hand sie niemand reissen soll. Matth. XXIII. 8. 10 Joh. X. 27. 28. 62. Es moͤchte aber aus diesen allen klar seyn/ ob und welche denn bey so gestalten sachen nun etwas eigenes anfangen/ wie man gemeiniglich einwendet. Ob es nem- lich die gliedmassen CHristi thun/ welche von dem unsichtbaren haupt und gantzem leibe/ darein sie gewurtzelt und erbauet sind/ Coloss. II. 7. ewiglich nicht getrennet werden/ und nimmermehr etwas eigenes suchen oder anfangen doͤrffen? (denn von solchen gliedern blieb allein die frage oben uͤbrig/ mit außnehmung der ungezogenen/ ungeuͤbten und annoch unbefestigten seelen) oder ob es diejenigen thun/ welche eine ἐθελοθρησκείαν oder selbst- erwehlten GOttes-dienst nicht nur anrichten (welches an sich selbst gut gemeinet seyn moͤchte) sondern auch als eine allgemeine und noͤthige pflicht allen ohne discretion und unterscheid auff buͤrden wollen. 63. Rach dem klaren sinn der schrifft heist nicht dasienige etwas eigenes/ was von dem gemeinem gebrauch oder sinn abgehet/ und etwas sonderbares/ ungemei- nes/ ausserordentliches ist: Denn sonst muͤste dervorwurff aller Gottlosen wieder die kleine herde CHristi gelteu/ daß sie von dem gemeinen breiten weg ihrer versam̃lungen und gesellschafften in kirchen und sonst/ auff den schmalen und ungemeinen weg treten/ da sie doch darinne nichts eigenes/ sondern das gemeine beste suchen. 64. Sondern das heist nach dem sinn des H. Geistes etwas eigenes/ was nicht von dem allgemeinen und einigen brunnen/ nemlich GOtt in CHristo JEsu/ durch den H. Geist wesentlich herstammet/ in dessen ausgedruckten willen und namen ange- fangen/ gemittelt und vollendet wird/ und also auff dieses gemeine hoͤchste gut wieder fuͤh- ret und weiset. Dahero denn in der schrifft alles solch eigenes auch gutscheinendes ver- worffen wird/ weil es aus dem eigenem falsch-Adamischen willen und leben entstehet/ als da ist eigene gerechtigkeit derer gesetzlichen heuchlerischen Juden in ihren satzungen und formen formen/ Rom. X. 3. eigene wahl oder GOttes-dienst/ Coloss. II. 18. eigener weg Esai- LIIX. 13. eigenes gutdůncken. und vorurihelle ohne und ausser dem geist CHristi (so sonderlich denen lehrern verboten ist/ 1. Tim. V. 21. weil er alles mit zuziehung und bey- stimmung der gemeine thun muß/ (wie in der abbildung erwiesen ist.) 65. Wenn nun ein solch glied CHristi/ das dem allgemeinen und groͤsten gebot der liebe treulich nach koͤmmet/ von einigen sonderbaren uͤbungen deren anderen meisten unsichtharen mitgliederu an einem ort aus obigen ursachen abgehet/ und indessen an dem gemeinen haupt und leibe im geist mit bitten und flehen/ wachen und gehorchen hangen bleibet: so kan es unmoͤglich etwas eigenes anfangen. Denn von solchen ist aber- mahl die frage uͤbrig/ nicht abermahl von ungebrochnen/ und in der eigenheit annoch tiess steckenden gemuͤthern. Gegen beide arthen aber moͤchte ein Lehrer wol hochnoͤthig haben/ die gemeine liebe wircklich in allen zu beweisen/ damit auch die irrenden uͤberzeu- get werden/ Er suche nicht seine eigene erfindungen/ saͤtze oder uͤbungen aus eigen-liebe zu behaupten/ sondern nur das was CHristi ist/ Phil. II. 21. 1. Cor. IV. 2. 2. Cor. XI. 14. Alsdenn wuͤrden mit der zeit alle mißhelligkeiten von selbst wegfallen/ und es diejenige seele am besten haben/ welche unverruͤckt an ihrem unmittelbahren haupte bey allen irrun- gen und ausschweiffen derer andern hangen blieben/ weil sich diese dennoch endlich wieder von ihren eigrnen wegen und duͤrfftigen particulier satzungen zum gemeinen und einigen hauptquell einfinden muͤssen/ und also auch das vereinigte glieb neben sich erkennen. 66. Uberhaupt aber waͤre nun die wahre inwendige geistliche gemeinschafft vornehmlich und allezeit eben nicht in dem aͤussern umgang zu setzen/ weil das reich CHristi inwendig/ und die gemeine durch die gantze welt unsichtbarer welse verbunden ist. Nach dieser verwand- und gemeinschafft kan ein glied unmoͤglich von dem andern inwendig getrennet werden/ und so wenig als von dem gemeinen haupt/ baum und weinstock/ ge- setzt/ daß es nach dem aͤussern sich entziehen muͤste. Sintemal es dennoch bey sol- cher entziehung im geist die andern lieb und werth behalten/ bey dem HErrn verbitten/ und sonst alle pflichten eines heiligen gliedes erfuͤllen kan. Ob es gleich aͤusserlich kein ge- raͤusche/ ruͤhmens oder schwatzens davon machet. Zumahlen bey denen offt seltsa- men führungen der weißheit reden und schwelgen/ essen und nicht essen/ ausgehen und daheime bleiben/ geschaͤfftig und ruhig seyn/ seine gewisse zeit/ schrancken abwechselungen und periodum hat/ und doch alles dem Herrn gescheben kan/ Rom. XIV. 3. u. f. Pred. S. III. 67. Solcher gestalt wuͤrde der inwendige friede die kleinode der liebe und frendigkeit in den kindern des friedens reichlich austheilen und vermehren/ Coloss III. 15. wenn man allerseits in Christo geistlich und him̃lisch gesinnet zu werden trachtete/ und also der gesunden rede CHristi in allem sich gemaͤß bezeigete/ welche aus der heiligen Schrifft in seinen juͤn- gern ein lebendiger brieff werden muß. 2. Cor. III. 3. Heb. IIX. 10. Dahero auch so dann an statt des besorgten aͤrgernisses vor die schwachen desto mehr vortheil eꝛwachsen koͤnte/ welche bey der aͤussern entzlehung derer etwas staͤrckern uͤberzeuget wuͤrden/ wie sie auch nicht immer kinder bleiben/ sondern zur wahren neuen geburth fortdringen/ und im genauen inneren gehorsam CHristi durchkaͤmpffen und wachsen muͤsten. Dafernezumal ein treueꝛ hirte aus eigener eꝛfahrung kraͤfftiglich bezeugte/ wie die erste bekehrung und deren fortgang annoch nur ein staͤublein seye gegen dem gantzen unermaͤßlichen meer derer reich- thuͤmer/ schaͤtze und wunder in CHristo/ die ein wachsender zweig an diesem baum in sich zieben und geniessen werde/ wenn er dem ziel nachjage/ und das kleinod duͤrstiglich zu er- greiffen suche. Ja daferne man auch zum wenigsten aus liebe und in Goͤttlich-klugem sinn das/ was aus schwachheit vorlaufft und zu aͤndern nicht stehet/ gegen jederman zum be- sten kehren und deuten wolte: Moͤchte manauch nirgends uͤbervortheilet/ und vor Gott beschaͤmet/ sondern in Christo allezeit sieghafft werden und bleiben. 68. Schließ- 68. Schließlich wuͤrde auch der hirte und auffseher unserer seelen allenthalben grosse ehre/ freude und wonue haben/ wenn auch ein jeder oͤffentlicher Lehrer die etwa ohne dem offenbahre untuͤchtigkeit zu dem am t des geistes und N. bundes tieffeinsche/ und so dann alle sorge/ zeit und muͤbe dahin richtete/ selbst in CHristo wahrhafftig ein neues geschoͤpff und werckzeug zu werden/ sintemal auch die/ so nach dem gesetz un- straͤfflich und eifferig seyn moͤgen/ erstlich den proceß Pauli erfahren muͤssen/ in grund- licher umkehrung zur tieffsten kindes-niedrigkeit und einfalt von allen hoͤhen und eigenen froͤmmigkeiten; ehe sie von ihrem lehren eine Apostolische krafft und frucht erwarten/ und dem HErrn JEsu eine gemeine pflantzen koͤnnen. Anderer gestalt wuͤrde CHri- stus im geist noch immer weiter in denen/ wo er so verborgen leben und herrschen will/ heimlich gekraͤncket/ gedaͤmpffet und verspottet werden/ und zwar aus eifer vor das gesetz/ das in geboten und stuͤckwercken bestehet/ und also aus guter meinung/ eben wie CHristus im fleisch von den Pharisaern und Schrifft oder Gesetz-gelehrten. 69. Es ist diese jetzige zeit eine so kummerliche geburts-zeit/ da so manches kind biß an die geburt und an den durchbruch kommen ist/ aber keine krafft weder in sich/ noch bey andern/ auch lehren/ findet/ ausgebohren und zum wachsthum weiter gepfle- get und genehret zu werden. Desto hefftiger mag nun schreyen/ werda nur schreyen kan/ daß der HErr wiederum hirten senden und bereiten wolle nach seinem hertzen/ wie vorhin und in den jahren seines bundes. Damit also nicht abermal und immer grund geleget werde/ sondern eines immer weiter zur vollkommenheit fortfahre und andere mit sich ziehe/ die beiligen auch ferner zubereitet/ und der gantze leib CHristi erbauet weꝛde: biß daß wir alle in die einigkeit des glaubens und der erkaͤntniß des Sohnes Got- tes hinankommen/ in diesem vollkommenen mann/ in das maß des wachsenden alters JEsu CHristi. Heb. VI. 1. Eph. IV. 12. Coloss. I. 11. 1. Thess. IV. 1. 2. Pet. III. 18. u. s. f. 70. Denn eben zu solchem fortgang und wachsthum sind die Lehrer gegeben/ Eph. IV. 11. damit die Christen nicht immer unbefestigte kinder bleiben oder unter allen winden der Lehren/ menschen gebothe und in circul lauffenden gewohuheiten behalten werden v. 14. Sondern daß sie in der wahrhafftigen liebe wachsen/ nemlich in CHri- stum als das haupt/ und dergestelt sein e r staͤrckter maͤnnlicher leib/ durch seine geistes- einheit im inwendigen Reich/ glorieus und herrlich/ im aͤusseren aber allen feinden for- midabel und wie die heeres spitzen schrecklich wuͤrde v. 15. 16. 71. Dieses soll und wird der eintzige zweck und die bestrehung derer seyn/ die Gott selber sendet: woruͤber sie auch alles andere vorkoth und schaden achten werden/ nur da- mit sie mit denen/ die sie boͤren/ Christum Jesum in sich wesendlich empfangen/ und durch alle dessen stuffen und alter zusehends wachsen/ biß sie der aufferstehung aus den todten in ihm nach aller leyden gemeinschafft triumphir end entgegen kommen. 72. Und so viel sey dißmal geschrieden zu bescheidener offenbarung der in Christo erkanten wahrheit vom recht-Evangelischen lehramte/ nicht aber zu weiteren gegensatz oder disput en. Wie ich denn jederman bitte/ alles in solchem sinn/ der dem sinn des Herrn JEsu aͤhnlich oder doch nachjagend ist/ wol zu deuten/ und bey so grosser noth in dieser zeit zu hertzen zu nehmen/ auch sich nicht einzubilden/ als waͤren dieses zu hohe dinge; denn es nur die erste duchstaben und stuffen des wahren Evangelii stud/ und noch lange nicht die unermeßliche geheimnisse und wunder der hoͤhern gnade in der suͤlle Jesu Chri- sti. Solte jemand hiedurch geruͤget/ oder an seinem vermeintẽ beruf und amte zweiffelnd werdẽ/ dem wird die Goͤttliche traurigkeit eine niemals zu bereuende veraͤnderung brin- gen von seiner vorigen Pharisaͤischen vermessenheit/ im eigenen wircken und bauen/ zu gruͤndlich er demuͤthigung und zu einem gantz neuen lebendigen weg nach einer unvergaͤnglichen Glorie. Ende der Erklaͤrung.