Der L ustige S abbath/ Jn der Stille Zu Z ion Mit H eiligen L iedern gefeyert/ Nebst einem Anhange T aͤglicher M orgen- und Abend- Kirch- Beicht- Buß- und Abendmahls- Andachten/ Ausgefertiget von Benjamin Schmolcken / Archi-Diacono an der Evangel. Kirchen zur Schweidnitz. JAUER / Jn Verlegung Johann George Liebig und zur Schweidnitz in meinem Buchladen bey Herr Christian Reimann/ Buchb. 1712 . D em W ohlgebohrnen K itter und H errn/ H rn. F ohann Prætorio von Richthoff/ Erb-Herrn auff Raußke/ Kolhee/ Bartzdorff und Sernerwald/ Und Dessen Hochgeliebtesten Frauen Gemahlin/ Der Wohlgebohrnen Frauen/ Frauen A nna E leonora von Richthoff/ Gebohrner von R eibnitz/ Frauen auff Raußke/ u. s. f. Meinem Gnaͤdigen Herrn. Meiner Gnaͤdigen Frauen. Ferner Denen Hoch- und Wohl-Ehr- wuͤrdigen/ Groß-Achtbahren/ Hoch- und Wohlgelahrten Herren/ Hꝛn. D avid G ottfried Schwerdtnern/ Der Evangel. Kirche zum H. Geist vor Jauer Hoch-verdienten Archi-Diacono, Hn. Samuel Pirschern/ Selbiger Kirchen Treu-ver- dienten Diacono, Hn. M. George Milden/ Treu-wachsamen Pastori in Jenckau/ Meinen Hochgeehrtssten Herren. Wie auch Denen Wohl-Edlen Hoch- Tugendbelobten/ Frauen Anna Elisabeth Schwerdtnerin/ Geb. Roͤselin. Frauen Rosina Kunigunda Pirscherin/ Gebohrner Zauchenbergin. Jungfer Rosina Elisabeth Schwerdtnerin/ Meinen Hochgeehrtesten Frauen und Jungfrau. Hiernechst Der Wohl-Ehrbaren und Tugend-belobten Frauen A nna Rosina Michaelin/ geb. Hoff- mannin/ Wittib/ Vornehmen Weinschenckin in Jaueꝛ/ Endlich Dem Ehrenvesten und Kunstreichen H ꝛn. G eorge P olster/ Buͤrger und Posamentir-Eltesten allhier/ Und Der Erbaren und Tugend- reichen F rauen Margaretha Dorothea Polsterin/ Geb. Rechin/ Meinen Respectivè Gnaͤdigen/ Hoͤchst-Hoch- und Viel-Geehrtesten/ Hoch- und Werthgeschaͤtzten Herren Gevatteren/ Frauen und Jfr. Gevatterinnen/ uͤberreichet dieses Buch Der Verleger Johann George Liebig/ Buchfuͤhrer daselbst. W ohlgebohrne/ Gnaͤdige/ H och- und W ohl-Ehr- wuͤrdige/ H och- und Viel-Ge- ehrteste/ H erren G evattere/ F rauen und J ungfer G evatterinnen. E S ist schon eine geraume Zeit/ daß ich/ bey dem Verlage Gottseli- ger Andachten Einer Christ-Edelen S eele/ mich verbindlich ge- A 3 macht/ macht/ mit einem Vor- rathe Heiliger Sonn- und Fest-Tags-Lieder auffzuwarten. Die vie- len Verrichtungen des Herꝛn Autoris aber ha- ben nicht eher zulassen wollen/ damit ans Licht zu treten. Jch nehme mir also nun die Kuͤn- heit mit Dessen Erlaub- niß Jhre alleꝛseits Hoch- wertheste und Geehrte- ste Nahmen denselben vorzusetzen/ und scheue mich nicht/ Jhnen ein Buch in diejenigen Haͤn- de zu geben/ auff welchen S ie meine von G Ott ge geschenckte Kinder dem HErrn F ESU in der Heil. Tauffe auffgeopf- fert haben. Vor allen binich EW. Ew. Gn. Gn. mit solcher Ehre verbunden/ wann ich die gantz ungemeine Wol- thaten bedencke/ mit de- nen S ie mich unver- dienten bißhero guͤttigst angesehen/ und davon ich Lebenslang mit der allergroͤtzten Erkaͤntlig- keit und immerwaͤh- renden A nwuͤnschung Goͤttlichen Segens und Gedeyens verpflichtet A 4 bin. bin. Jch weiß auch/ daß ich Meiner G naͤdi- gen F rauen G e- vatterin nichts ange- nehmers liefern mag/ als was Sie in D ero taͤglichen Gott-gewied- meten Andacht unter- halten kan/ da Sie/ ohne meinen Nuhm/ auch selbst Dero Heilige Ge- dancken andern bethen- den Hertzen mitzuthei- len beliebet haben. Jhr Opffer muͤsse stets ange- nehm seyn fuͤr G Ott/ und zu einem lieblichen Geruche werden im Ge- Gedaͤchtniß das droben ist. Der H Err woh- ne in Jhrem Hoch-Adl. Hause/ als in einem taͤ- glichen Beth-Hause/ uñ setze dasselbige zum Se- gen immer und ewig- lich. Ferner habe ich Ew. Hoch-uñ Wol- Ehrw. von meiner schuldigsten Danckbar- keit ein offentliches Zeug- nuͤß geben sollen. Jch habe Jhnen theils meine Seele gantz besonders anvertrauet: theils Jh- rem Priesterlichen Ge- beth und Segen viel zuzuschreiben; Theils A 5 einen einen lieben Priester- Sohn/ den ich bißher in meiner Auffsicht gehabt/ hiermit unter Beglei- tung vielen Segnens er- lassen; Theils bey Jh- rem schmertzlichen Leid- wesen und fruͤhzeitigem Verlust einer Getreue- sten Ehe-Genoßin hertz- lich condoli ren wollen. Der H Err H Err sey Jhrer Aller Schild und sehr grosser Lohn. Er segne S ie in Z ion und aus Z ion. Er mache Jhr Alter wie die Ju- gend/ erhalte S ie bey unermuͤdeten Leibes-uñ Ge- Gemuͤths-Kraͤfften/ uñ lasse alle Jhre Verrich- tungen zu seines heiligen Nahmens Ehre und der Kirche CHristi Erbau- ung gedeyen. Er sey in Jhrem A mpte Jhre Krafft/ in Jhrem Hau- se Jhr Heyl/ in Jhrem Creutze Jhre Huͤlffe/ in Jhrem zugeschickten Trauren Jhr Trost/ und bey der Welt Undanck Jhr Lohn in dem Him- mel. Meiner Werthe- sten Frau M ichae- lin und Geliebtesten F rau G evatterin ha- A 6 be be ich hierbey auch zu er- kennen geben wollen/ wie hoch ich die mir und meinen Kindern erwie- sene Liebe und Wolthat schaͤtze. Der/ so aller Wittwen Trost ist/ er- fuͤlle Jhr Hertze mit sei- ner suͤssen Gnade/ und lasse Gluͤcke und Wohl- fahrt auff Jhr ruhen. Endlich dancke ich hie- mit meinem Vielgelieb- testen Herꝛn Polster vor viel F reundschafft und Liebe/ mit der Ver- sicherung/ daß ich es nie- mahls an Gegen-Dien- sten werde ermangeln lassen. lassen. G OTT thue Jhm und den Seinigen wohl nach seiner Gnade an Leib und Seele. Jch fasse Sie numehr Aller- seits zusammen/ und bit- te unterthaͤnig/ gehor- samst und dienstfreund- lich/ in Dero Gnade/ Gewogenheit/ Gebethe und Liebe gegen mich und die Meinigen fort- zusetzen. G OTT lasse S ie insgesamt auff die- ser Welt einen Lustigen Sabbath nach dem an- dern in Heiliger Stille begehen. Er schmuͤcke den Tempel Jhres Her- A 7 tzens tzens/ und lasse Jhrem Hause Heyl wiederfah- ren. Er behalte Jhre Seelen in einer Heiligen Ruhe/ biß wir noch eine Ruhe finden/ welche dem Volcke G OTtes verhanden ist/ und zu ei- nem Sabbathe kom̃en/ der ewiglich waͤhret! So nehmen Sie nun Gnaͤdig Guͤtigst an/ Was meine Hand hier liefern kan. Die Danckbarkeit hat mich gezogen. Jch nenn es nun Jhr Eigenthum/ Sie brauchen es zu Gottes Ruhm/ Und bleiben mir hinfort gewogen. Dero Allerseits Unterthaͤniger/ Gehorsamer/ Dienstwilliger/ Johann George Liebig. V orrede. G Egenwaͤrtige Andachten sind ehmals mit der Ge- meine GOttes auff der Cantzel gebethet woꝛden. Das vielfache Ansuchen des Herrn Verlegers hat eine merckliche Ver- mehrung und auch diesen Druck verursachet. Man giebet es vor kein sonderbares poetisches Werck aus. Die heutige Poesie ist viel zu deli- cat, daß es unter solchem Titul passi ren sollte. Es hat die Einfalt Mund und Feder regieret. So war es noͤthig mit Einfaͤltigen zu be- then. Hohe Worte kommen nicht allemahl aus der Tieffe des Her- tzens. Die unaussprechlichen Seuf- zer des Heil. Geistes sind von den gekuͤnstelten Worten der hochtra- benden Bether weit unterschieden. Man hat sich so viel moͤglich bemuͤ- het/ die Redens-Arten des Heil. Evangelions auszudruͤcken. Aus die- Vorrede. diesem Brunnen sind auch die Me- ditationes geflossen. Es ist auch nichts neues auff eine solche Weise gut Evangelisch zu bethen. Wann sich zu einem kleinen Buche eine lange Vorrede schickte/ wuͤrde man gar viel Vorgaͤnger auffstellen koͤn- nen. Lipenius in seiner weitlaͤuff- tigen Bibliotheca hat einen grossen Vorrath derer Poeten/ welche die Jaͤhrlichen Evangelia in Deut- sche/ Lateinische auch wohl Grie- chische Verße gebracht haben. Jn unsrer Mutter-Sprache ist wohl keiner aͤlter/ als der Weißenburgi- sche Moͤnch Ottfried/ des Rabani Mauri Discipulus. Er setzte 800. Jahr nach CHristi Geburth/ auff Befehl der Kaͤyserin Juditha die Evangelia in Alt-Deutsche oder Fraͤnckische Verße. Der beruͤhmte Morhoff ruͤhmet ihn im Unterricht von der Deutschen Sprache. Diese Antiquit aͤt hat Rhenanus zu erst gefunden/ und Flacius zu Basel 1571. drucken lassen. Die beyden Haupt-Poeten Schlesiens/ Hoff- mañswaldau und der juͤngere Gry- phius, jener in der Vorrede seiner Ge- Vorrede. Gedichte/ dieser in den unterschiede- nen Altern der Deutschen Spra- che/ geben eine Probe aus seiner Zu- schrifft. Unter der rauhen Stimme ist ein guter Geist verborgen gewe- sen. Nach diesem ist in der Evan- gelischen Poesie wohl keiner aͤlter/ als Bartholomaͤus Ringwald. Er war Prediger zu Langefeld in der Marck umbs Jahr CHristi 1558. Der hoͤchst-bemuͤhte Lieder- Histo- ricus, Herr Olearius zu Arnstadt fuͤhret ihn wegen seiner andern Kir- chen-Lieder im 3. und 4. Theil seines Lieder-Schatzes auff. Die Biblio- theca portatilis eines Anonymi weiset/ daß er die Evangelia auf al- le Soñ- und Fest-Tage Reim-weise verfertiget. Diesem kom̃t im Alter fast gleich Nicolaus Hermann/ der sich selbst in seinen Zuschrifften den alten Cantor im Joachims-Thale nennet. Der umb das Lieder- Stu- dium unvergleichlich meriti rte Herr Serpilius schreibet in der er- sten Fortsetzung der zufaͤlligen Lie- der-Gedancken/ daß er die Soñtags- und vornehmsten-Fest-Evangelia in Gesaͤnge gefast habe. Zu Witten- berg Vorrede. berg hat sie D. Paul Eberus 1579. mit einer Vorrede drucken lassen/ nach welcher Zeit es offte auffgeleget worden. Dem folget ein alter Schle- sier/ Adam Hoppe/ von Lemberg o- der Loͤwenberg gebuͤrtig/ Pfarrer zu Toͤppliwoda. Wohl-gedachter Herr Olearius gedencket seiner in dem 1. Theil der Lieder-Bibliothec/ daß er 1584. zu Goͤrlitz Sonn- und Fest-Tags-Gesaͤnge heraus gege- ben. Das benachbarte Lauban ehret noch das Gedaͤchtnuͤß seines eyfri- gen Primarii, Martini Bohemi oder Boͤhmes/ der in dem Schlesi- schen Kirchen-Gesang-Buche un- recht Boͤhmer heist. Der gab zum Anfange des vorigen Seculi 1600. seine Reim-Gebethlein uͤber die Ev- angelia ans Licht. Dieses Jahr- Hundert ist folgends sehr fruchtbar gewesen von dergleichen Poetischen Schrifften. Wolffgang Ferber/ ein Burger zu Weissenfels wagte sich auch unter die Schwaͤne/ und pu- blici rte 1629. seine Betrachtungen uͤber die Sonntags-Evangelia. Jn Pommern pflantzete Joachim von Glasenap 1647. seinen so genañten Evan- Vorrede. Evangelischen Weinberg mit einer dergleichen Nach-Lese. Die Krone aller Deutschen Dichter/ Opitz/ mischte unter seine Erstlinge auch dergleichen Sonntags-Oden. Jo- hann Herman von Koͤben laͤutete sein Evangelisches Schluß-Gloͤck- lein 1632. zum ersten mahl/ und ver- sorgete andaͤchtige Hertzen noch mit zweyerley Gattungen Evangeli- scher Lieder und Andachten. An der Elbe sung der ristige Rist 1651. seine himmlische Sabbaths-Lieder. Paul Gerhards geistreiche Andach- ten/ welche 1683. zu Nuͤrnberg aufs neue auffgelegt worden/ setzet Herr Serpilius auch unter die Soñtags- Arbeiten. Zu Meinungen zeigte sich 1650. Paul Wilhelm Berts Jahr- Gedaͤchtnuͤß JESu/ und zu Nuͤrn- berg 1653. Arnschwangers Evan- gelische Spruch- und Gebeth-Rei- me. Der Braunschweigische Su- perintendent Buchholtz machte 1665. Sabbaths-Andachten/ und M. Adam Bretschneider zu Zeitz 1657. Evangelische Madrigalien. Zu Halle arbeitete des Gymnasii Rector Cahlenus an des Poeti- sch- Vorrede. schen Fest- und Sonntags-Ruhe/ die 1653. in drey Sprachen sich her- vor that. Bey der Emblemati- schen Postille des beruͤhmten Dill- herrs findet man feine Arien, deren viele aber nach der Meinung des hoch-beruͤhmten Hꝛn. Neumeisters aus der Feder Betulii oder des Herrn von Bircken geflossen. Was der Nuͤrnbergische Patritius, Hars- doͤrffer in diesem Stuͤcke gethan/ koͤnnen seine Hertz-bewegliche Soñ- tags-Andachten 1649. darlegen. Muͤlhausen druckte 1650. Helm- bolds Geistliche Lieder uͤber die Ev- angelia/ und Marpurg 1665. Ernst Muͤllers Evangelische Seelen-U- bung. So klungen 1660. zu Penisch M. David Peckes helle Collecten- Cymbeln/ und Delitsch freute sich 1668. uͤber Benj. Prætorii Jauch- zenden Libanon. Neunachbar ver- fertigte in Thoren Evangelische Reim-Gebethe/ und der Sprossen- de George Neumarck zu Muͤhlhau- sen/ Aemylianische Sonntags-Ge- dancken. Gleich wie der Saͤchsisch- Weißenfelsische Hoff-Prediger D. Johannes Olearius den Kern aus denen Vorrede. denen Evangeliis in vielen Geist- und Schrifft-reichen Liedern vor- stellete/ so bemuͤhte sich auch der vortrefliche Theologus, Herr D. Mayer durch seine kurtze Wieder- holung der Heil. Sabbaths-Arbeit zu St. Jacob 1691. das gepredigte Wort in der Zuhoͤrer Hertzen zu be- festigen. Heßlers Evangelische Vers-Ubung 1673. zu Eißleben waͤ- re auch nicht zu vergeffen. Erdmañs Evangelisches Honig floß 1690. zu Eulenburg/ und Kriegsmann stim- mete zu Giessen in eben diesem Jah- re sein Evangelisches Hosianna an. Unter die rechtschaffene Lieder- Freunde setzt offt-geruͤhmter Herr Serpilius den Hoch — gelehrten Reichs-Hoff-Rath/ Herrn Johañ Albrecht Portner von Theuren/ der 1683. Soliloquia Dominico-Festi- valia heraus gegeben. Anderer vielen zu geschweigen/ welche ihre Poetische Gedancken uͤber die Ev- angelia mitgetheilet/ und mehren- theils in der gelehrten Dissertation des Hoch-gedachten Herrn Neu- meisters auffgefuͤhret werden. Jn unserm Vaterland hat der beruͤhm- te Vorrede. te Medicus Caspar Cunrad mit einer Lateinischen und Deut- schen Paraphrasi die Jaͤhrlichen Evangelia Poetisch erklaͤret. Jn dem Jaurischen Zion schallen noch immer die Evangelischen Andach- ten eines Unsterblichen Abrahams/ und die Evangelischen Brosamlein/ welche der Geist-eyfrige Hꝛ. Klesel gesammlet/ werden noch manche hungrige Seelen erqvicken. Nicht weniger verwahret Schweidnitz sei- nes Hoch-beliebten Herrn Wiede- manns Evangelisch-Musicalische Andachten in suͤssem Andencken. Hirschbergs treu-verdientester Leh- rer Herr Johann Neuerhertz/ hat hiebevor mit seiner Evangelischen Sabbaths-Freude manche schoͤne Music auch in den beruͤhmtesten Kirchen gemacht/ welche nebst noch einer Evangelischen Hertz-Ermun- terung der vortrefliche Leipzigische Musicus Herr Johann Schelle in liebliche Composition gebracht. Und noch vor ein paar Jahren hat dieser treue Diener GOTTes der- gleichen Evangelische Andachten durch offentlichen Druck bekant ge- macht. Vorrede. macht. Jn deren Zahl waͤre noch zu setzen Herr Johann Christoph Mennling/ der 1694. Geistliche Sabbaths-Erqvick-Stunden noch zu Creutzburg publici ret/ wie auch Herr M. Johañ Andreas Mauers- berg/ dessen Evangelische Gedichte und Arien zwar noch meistens in der Verwahrung seines Herrn Sohnes und wuͤrdigen Nachfol- gers im Amte/ unsers Hertz-wer- thesten Freundes/ auffbehalten werden. Jch schluͤsse mit des offt- geruͤhmten Sorauischen Superin- tendentens, Herrn Neumeisters Heiligen Cantaten, und legitimi re meine geringe Arbeit mit dem Vor- gange so vieler wackeren Maͤnner/ unter denen ich gerne der geringste seyn wil. Habe ich etwas geschrie- ben/ damit GOTT und frommen Hertzen gedienet werden kan/ so freue ich mich. Jch betruͤbe mich aber auch nicht/ wenn Jemand meine einfaͤltige Arbeit tadelt. Kan es doch der Kluͤgste nicht allen Leu- ten recht machen. Denen/ die der- gleichen Andachten lieben/ verspre- che ich mit GOttes Huͤlffe die Epi- stolischen Vorrede. stolischen Lieder auch/ und nach des Hoch-seligen Theologi, D. Lasse- nii Anleitung/ Sieben mahl Sieben gebundene Paßi- ons-Andachten. Durch Stil- le seyn und Hoffen wollen wir in- dessen starck seyn/ biß wir zu einem Lustigen Sabbathe kommen/ da wir das Lied des Lammes ohne En- de singen werden. Allen Andaͤch- tigen Hertzen aber wuͤnschet man bey Ausfertigung dieser Lieder bey der Heil. Oster-Zeit/ ein froͤliches Halleluja! B. S. AD. J Esus! I. Sonntaͤglicher F ubel- G esang. Melod. Die Nacht ist fuͤr der Thuͤr/ ꝛc. 1. D U angenehmer Tag! Laß deine Sonne blicken. Was vor im Finstern lag/ Wird nun dein Licht er- quicken. Mein JEsus ist allein Dein wahrer Sonnen-Schein. 2. Du grosser HErren-Tag! Den GOtt selbst benedeyet. Was Hertz und Mund vermag/ Sey dir zu Dienst geweyhet. Jch wil nicht heute mein/ Nur meines GOttes/ seyn. 3. Du schoͤner Wunder-Tag! Eroͤfne deine Schaͤtze/ Auf daß sich mein Geschmack B An Jubel-Gesang. An sonsten nichts ergetze/ Als an dem Gnaden-Tau Auf GOttes gruͤner Au. 4. Du suͤsser Hochzeit-Tag! Der JEsum mir erwaͤhlet; Versiegle den Vertrag/ Der mich mit Jhm vermaͤhlet. Sein Worth das Unterpfand/ Und meines/ Hertz und Hand. 5. Du stiller Ruhe-Tag! Bestille meine Sinnen/ Daß ich den HErren mag Jm Worthe lieb gewinnen/ Und seines Geistes Kraft Jn mir viel Fruͤchte schafft. 6. Du lieber Freuden-Tag! Jch wil dein Lob vermehren. Kein suͤndliches Gelag Sol deine Lust verstoͤren. Das alles sey verflucht/ Was dich zu schimpfen sucht. 7. Du erster Wochen-Tag! Gib mir den ersten Segen/ Daß ich so bethen mag Der andern Tage wegen/ Daß keiner geht vorbey/ Der nicht gesegnet sey. 8. Nun Am 1. Sonntage des Advents. 8. Nun/ du Gedaͤchtnuͤs-Tag/ Wirst mein Gewissen wecken/ Daß mich kein Donnerschlag Jm Tode darf erschroͤcken/ Auf daß der Juͤngste Tag Mein Sabbath heissen mag! II. H osianna bey dem him̃lischẽ Manna. Am I. Sonntage des Advents. Mel. Meinen JEsum laß ich nicht/ ꝛc. 1. H Osianna! Davids Sohn Koͤm̃t in Zion eingezogen. Ach bereitet Jhm den Thron/ Setzt Jhm tausend Ehren-Bogen. Streuet Palmen/ machet Bahn/ Daß Er Einzug halten kan. 2. Hosianna! sey gegruͤßt! Komm/ wir gehen dir entgegen. Unser Hertz ist schon geruͤst/ Wil sich dir zu Fuͤssen legen. Zeuch zu unsern Thoren ein/ Du solst uns willkommen seyn. 3. Hosianna! Frieden-Fuͤrst/ Ehren-Koͤnig/ Held im Streite. B 2 Alles Am 1. Sonntage des Advents. Alles/ was du schaffen wirst/ Das ist unsre Sieges-Beuthe. Deine Rechte bleibt erhoͤht/ Und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna! lieber Gast/ Wir sind deine Reichs-Genossen/ Die du dir erwaͤhlet hast. Ach so laß uns unverdrossen Deinem Zepter zinsbar seyn/ Herrsche du in uns allein. 5. Hosianna! komme bald/ Laß uns deine Sanfftmuth kuͤssen. Wolte gleich die Knechts Gestalt Deine Majestaͤt verschluͤssen/ Ey so kennet Zion schon GOttes und auch Davids Sohn. 6. Hosianna! steh uns bey/ O HErr hilff/ laß wohl gelingen/ Daß wir ohne Heucheley Dir das Hertz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Juͤnger an/ Der dir nicht gehorchen kan. 7. Hosianna! laß uns hier An den Oelberg dich begleiten/ Bis wir einsten fuͤr und fuͤr Dir ein Psalmen-Lied bereiten/ Dort Am Tage St. Andreas. Dort ist unser Bethphage/ Hosianna in der Hoͤh! 8. Hosianna! nah und fern/ Eyle bey uns einzugehen. Du gesegneter des HErrn/ Warumb wilst du draussen stehen? Hosianna/ bist du da? Ja du koͤm̃st/ Hallelnja! III. Die angenehmen Seyle der L iebe. Am Tage St. Andreas. Nach der vorigen Melodie. 1. J Esus rufft mir: Folge nach! Jch wil Jhm nicht widerstre- ben Und durch alles Ungemach Jhm getreue Folge geben. Suͤsses Worth/ das JEsus sprach: Liebe Seele/ Folge nach! 2. JEsu/ tritt ans Ufer her. Denn die Welt und dieses Leben Jst ein Galilaͤisch Meer/ Wo man in Gefahr muß schweben. B 3 Wirff Am Tage Wirff dein Seyl auch aus nach mir/ Zeuch mich durch dein Wort zu dir. 3. Gib mir einen Gnaden-Blick/ Wie du die Apostel sahest. Zeuch von allem mich zuruͤck. So bald du dich zu mir nahest. Ein geflicktes Netze reißt/ Also auch was eytel heist. 4. Rufft die Welt gleich: Folge nach! Ach so laß mich ja nicht hoͤren/ Und mich weder Lust noch Schmach Auf dem Himmels-Wege stoͤren/ Jhre Seyle ziehen doch Nur ein rechtes Hoͤllen-Joch. 5. Schreyt der Satan: Folge nach! Laß mich seinen Zug verfluchen; Hinter seiner Schlangen-Sprach Stecken lauter Hoͤllen-Kuchen. Wer ihm folget in der Zeit/ Findet Weh in Ewigkeit. 6. Aber dir/ nur dir allein Laß mein Hertze Folge leisten. Denn an deinem Gnaden-Schein Lieget mir am allermeisten. Zeuch mich/ zeuch mich nur nach dir/ Ruffe fleißig: Folge mir! 7. Jst St. Andreas. 7. Jst mein Fleisch und Blut zu schwach! Deinen Stapffen nachzugehen/ Und wil mir der alte Drach Auf dem Wege widerstehen; So verleyh mir deinen Geist/ Der mich immer folgen heist. 8. Wilst du mir auf dieser Bahn Scharffe Dornen unterstreuen; So zeuch mit Geduld mich an/ Und laß mich in Hoffnung freuen/ Daß der Weg nach Zion weist/ Wo kein Thraͤnen-See mehr fleust. 9. Nun wohlan! ich folge dir/ Und wil alles hir verlassen/ Dich alleine mit Begier Jn mein Hertz und Auge fassen. Wer dir folgt in Creutz und Leid/ Folgt dir auch zur Seeligkeit. 10. Wenn vom See Genezareth Dort mein Schiff zu Lande dringet/ Wo man nur vom Friede redt/ Und das Lied des Lammes singet/ O wie werd ich da so schoͤn Auf dem trocknen Lande stehn. B 4 IV. Am 2. Sonntage IV. Der erschroͤckliche Trost des Juͤngsten Tages. Am 2. Soñtage des Advents. Mel. JEsus meine Zuversicht/ und ꝛc. 1. H Ebet eure Haͤupter auf/ Die Erloͤsung ist nicht ferne. Menschen/ merckt der Zeiten Lauff/ Seht auf Soñe/ Mond und Sterne. Erd und Meer und Him̃el schreyt: Der Gerichts-Tag ist nicht weit. 2. Schaut die schwartzen Wolcken an/ Hoͤrt die Wasser-Wogen bruͤllen. Zittert nicht der Erden-Plan Umb der Menschen Suͤnde willen? Und der Creaturen Schall Jst voll Seufzen uͤberall. 3. O du Richter aller Welt! Dieses/ wenn wirs recht betrachten/ Macht/ daß uns das Hertz entfaͤllt/ Und wir fast fuͤr Furcht verschmach- ten. Denn das Warten solcher Zeit Bringet tausend Bangigkeit. 4. Ach des Advents. 4. Ach wie bald kan uns der Tag Als ein Fallstrick uͤbereylen/ Und ein eintzger Donnerschlag Dieses gantze Rund zertheilen? Unser Suͤnden-Maß ist voll/ Nur/ daß man es messen soll. 5. Doch/ wer wolte traurig seyn? Die Erloͤsung wird ja kommen. Die sich deiner Zukunfft freun/ Werden gnaͤdig aufgenommen. Wenn gleich Erd und Him̃el bricht. So vergeht dein Worth doch nicht. 6. Laͤst der Baum die Knospen sehn/ Kan der Sommer nicht verziehen Und wenn dieses wird geschehn/ Daß die letzten Zeichen bluͤhen/ So ist GOttes Reich uns nah/ Und auch die Erloͤsung da. 7. Aber/ weil kein Mensch nicht weiß/ Wenn dein Tag uns wird betreten/ So laß uns mit gantzem Fleiß Wacker seyn/ und eyfrig bethen/ Daß der Fallstrick uns nicht trifft/ Wenn das Hertze Boͤses stifft. 8. Lasse ferne von uns seyn/ Fressen/ Sauffen/ oder Sorgen. B 5 Weck Am 3. Sonntage Weck uns auf/ kehr bey uns ein/ Koͤm̃st du heute nicht/ doch morgen. Daß wir alle wuͤrdig gehn Fuͤr des Menschen Sohn zu stehn. V. K om̃en und W illkom- men J ESU. Am 3. Soñtage des Advents. Die Melodie ist vorhergehende. 1. B Jst du der da kommen sol? Ja/ mein JEsu/ du bist kom̃en. Aus den Wundern sieht man wol/ Daß du alles vorgenommen/ Was uns der Propheten Chor Vom Meßias stellet vor. 2. Blinde sehen/ Lahme gehn/ Die im Aussatz werden reine/ Taube hoͤren/ Todte stehn Auferweckt in der Gemeine/ Und der armen Eigenthum Jst dein Evangelium. 3. Artzt und Helffer Jsrael/ Laß uns auch die Krafft genuͤssen. Heile beydes Leib und Seel/ Mache reine das Gewissen/ Nihm des Advents. Nihm der Suͤnden Aussatz weg/ Fuͤr den Fuß auf deinen Steg. 4. Gib den Augen ungestoͤrt Dich im Glauben anzuschauen. Was das Ohr gepredigt hoͤrt/ Laß uns auch im Leben bauen. Weck uns von den Suͤnden auff/ Foͤrdre wahren Tugend-Lauff. 5. Laß die Unbestaͤndigkeit Uns zu keinem Rohre machen/ Oder sonst ein weiches Kleid Deinen Purpur-Rock verlachen. Wer sich an dir aͤrgern wil/ Findet nicht des Himmels Ziel. 6. Blaͤset der Verfolgungs-Wind/ Laß uns dennoch feste stehen/ Und/ wie Jsrael dein Kind/ Jn der Wuͤsten sicher gehen. Zeuch uns an Gerechtigkeit/ Diese sey das weiche Kleid. 7. Haben wir kein Koͤnigs Hauß/ Wohne nur in unsrer Huͤtten. So wird gar ein Himmel draus/ Wenn Herodes gleich wil wuͤtten. Dich bekeñen bringt zwar Schmach: Aber Ehre hinten nach. B 6 8. Wenn Am 4. Sonntage 8. Wenn dir ein Johannes wil Einen Weg in uns bereiten/ O so lasse dieses Ziel Uns getrost zur Busse leiten. Denn dergleichen Engel-Stimm Warnet uns vor deinem Grimm. 9. Es wird uns wol diese Welt Jmmer ein Gefaͤngnuͤs heissen/ Biß der Tod/ wenn dirs gefaͤlt/ Unsre Bande wird zerreissen/ Da du uns/ o Lebens-Fuͤrst/ Aus dem Kercker holen wirst. VI. Das sich selbst sehende A uge. Am 4. Sonntage des Advents. Mel. Wer nur den lieben Gott laͤst walten. 1. G Ib/ daß ich mich und dich erkeñe/ Mein JEsu/ der du alles weist/ Und mich nicht eher etwas nenne/ Biß mich die That im Wercke preist/ Laß mich selbst fragen/ wer ich sey/ Und gib/ daß ich bekenne frey. 2. We ꝛbin ich deñ in meinem Glauben? Die Antwort heisset wol; Ein Christ. Doch des Advents. Doch dieser Ruhm ist leicht zu rauben/ Wo man nicht immer Christlich ist. Drum gib mir einen wahren Ruhm Auch durch ein thaͤtigs Christenthum. 3. Wer bin ich deñ in meinem Stande? Ein Knecht/ den) du gemuͤthet hast. Die Magd/ die) Und doch sind deine Liebes-Bande Mir noch zuweilen eine Last. Ach gib mir einen treuen Sinn/ Daß ich kein fauler Baum nicht bin/ 4. Wer bin ich denn in meiner Suͤnde? Ach leider! gar ein Hoͤllen-Kind. Hilff/ daß ich dieses recht empfinde/ Und mich in Buße zu dir find/ Weil du allein der Mittler bist/ Der unter uns getreten ist. 5. Wer bin ich deñ in meinem Gluͤcke? Ein Ball/ der da und dorthin fleugt. Drum warne mich vor seiner Tuͤcke/ Wie mancher faͤllt indem er steigt. Das beste Gluͤck ist in der Welt/ Wenn man zum Freunde dich behaͤlt. 6. Wer bin ich denn in meinen Ehren? Viel schlechter als Johannes war/ Der wolte nichts von Ruhme hoͤren/ Und stellte sich in Demuth dar. Ach laß mein Hertz auch niedrig seyn. Gebuͤckt geht man zum Himmel ein. B 7 7. Wer Am 4. Sonntage 7. Wer bin ich denn in meinem Leben? Nur eine Stimme/ die vergeht. Drum laß mich nicht am Eiteln klebẽ/ Weil miꝛ die Schrift vor Augen steht: Gedenck ans Ende/ was du thust/ Gedencke/ daß du sterben must. 8. Wer bin ich denn in meinem Leiden? Die Rose/ die in Dornen bluͤht. Doch niemand kan das Cꝛeuze meidẽ/ Der um den Himmel sich bemuͤht. Johannes lies die Wuͤsten hir/ Und ging ins Paradies zu dir. 9. Wer bin ich deñ in meinem Sterben? Ein Mensch deꝛ durch dẽ Jordan geht. Der kan im Tode nicht verterben/ Der nur in deinem Bunde steht. Mein Grab wird ein Bethabara/ Ein Ubergang nach Canaa. 10. Wer bin ich denn bey dir im Him̃el? Ein Lamm das ewig Weyde findt. Da stoͤret mich kein Welt-Getuͤm̃el/ Da raset kein Verfolgungs-Wind. Und wie ich hier bekannte dich/ Ach so bekennst du dorte mich. 11. Nun weiß ich/ wie ich mich sol neñen. Ach schreib es fest in meinen Sinn/ Und laß mich dich im Glauben keñen/ Bis ich bey dir im Schauen bin/ Wo alle Frommen sich erfreun/ Elias und Johannes seyn. VII. Am Tage St. Thomä. VII. Das verirrete und wie- dergefundene Schaͤflein. Am Tage St. Thomaͤ Mel. GOtt des Himmels und der Erden/ ꝛc. 1. T Reuster Hirte deiner Schaafe/ Suchst du noch ein Schaͤfelein? Welches aus gerechter Straafe Solte gar verstossen seyn/ Weil es selbst von deiner Schaar Freventlich gelauffen war. 2. Ja dein Hertze wil dir brechen/ Wenn du Thomam hier erkiest. Denn du wilst das Rohr nicht schwaͤ- chen/ Das vorhin zerstossen ist. Du gehst ihm wol selber nach/ Ob er dir gleich widersprach. 3. Die verlockte Taube muß Deine Felsen-Loͤcher finden/ Und ein einzig Friedens-Gruß Thomam dir aufs neu verbinden. Der zuvor so groͤblich faͤllt/ Wird gar bald ein Glaubens-Held. 4. Grosse Liebe: groß Erbarmen! Ach erweise die auch mir. Denn Am Tage Denn es stoͤsset auch mir Armen Manche Glaubens-Schwachheit fuͤꝛ. Ach wie offt verlauff ich mich/ Und alsdenn versaͤum ich dich. 5. Suche mich mein Hirte wieder/ Bringe mich auf rechten Steg. Fall ich schon in Schwachheit nieder/ Wirff mich nur nicht gaͤntzlich weg/ Weil mein Tacht noch etwas glim̃t/ Daß es nicht zum leschen koͤmmt. 6. Mittler tritt du in die Mitten/ Kom̃ durch die verschloßne Thuͤr/ Jn mein Angst-Gemach geschritten/ Und sprich: Friedesey mit dir! Weise mir die offne Seit/ Meine Haͤnde sind bereit. 7. O ihr theuren Naͤgel-Mahle/ Offne Seite/ Tauben-Loch/ Kuͤß ich euch schon tausendmahle/ Thu ich viel zu wenig doch. Rosen-Garte/ Felsen-Ritz/ Meiner Seelen Freuden-Sitz. 8. Ach ich kan nichts mehr als lassen/ Die Entzuͤckung ist zu groß. Nur zwey Worthe laß ich schallen/ Diß ist mein gedoppelt Los: Ach mein HErr/ mein GOtt allein/ Du mein GOTT/ mein HErr bist mein. 9. Laß/ St. Thomä. 9. Laß/ mein HErꝛ/ den Knecht (die Magd) nicht sincken/ Laß/ mein Haupt/ dein Glidmas nicht. Ach wie selig wird michs duͤncken/ Wenn dein Mund nur so viel spricht: Reiche Hand und Finger her. Ja ich zweifle gar nicht mehr. 10. Nun ich glaube und vertraue/ Ob ich gleich mit Thoma nicht Dich mit Leibes-Augen schaue/ Denn der Glaube giebt mir Licht. Selig sind auch andre noch/ Die nicht sehn/ und glauben doch. VIII. Die Sonne in der Nacht. Jn der H. Christ-Nacht. Mel. GOtt des Himmels und der Erden/ ꝛc. 2. J Acobs Stern/ du Licht der Erden/ Sonne der Gerechtigkeit/ Laß die Nacht zum Tage werden/ Wirff die Strahlen weit und breit Auf die/ so bey deiner Wiegen Jn entzuͤckter Demuth liegen. 2. Finsternuͤß bedeckt die Erde/ Und die Voͤlcker Dunckelheit; Aber Jn der Heilgen Aber uͤber deiner Heerde Strahlt des Glantzes Herrligkeit/ Die den Hirten sich gewiesen/ Dein Geburths-Fest hat gepriesen. 3. Wunder-Kind! wir deine Kinder Sammlen uns in deinen Stall. Du bist ja das Heil der Suͤnder/ Und die Stuͤtze vor den Fall. Laß von keinen Fuͤnsternuͤssen Uns bey deiner Krippe wissen. 4. Jst es in dem Hertzen dunckel/ So erleucht uns durch dein Licht/ Daß uns dein Geburths-Stern fun- ckel/ Der durch alle Nebel bricht. Denn die Nacht ist nun vergangen/ Da der Tag sich angefangen. 5. Nun wir warten auf die Buͤrden/ Die du eingebunden hast. Wie die Schaͤfer bey den Huͤrden/ Haben wir nicht eher Rast/ Biß daß unser Hertz erfaͤhret/ Was der Heilge Christ beschehret. 6. Ach was sinds vor schoͤne Sachen/ Die hier eingebunden seyn? Daß du uns recht reich wilst machen/ Bindest du dich selber ein. Das ist warlich eine Buͤrde/ Die kein Mensch beschreiben wuͤrde. 7. Denn Christ-Nacht. 7. Denn in dieser Buͤrde lieget/ Vater-Gnad und Sohnes Huld. Alles was das Hertz vergnuͤget/ Die Erlassung unsrer Schuld/ Gottes Kindschafft/ Heyl und Segen/ Ja der Himmel ist zugegegen. 8. Welt/ behalte deine Schaͤtze! Hier ist unser groͤster Schatz. Hier ist Freyheit vom Gesetze/ Hier der Armen Ruhe-Platz/ Hier das Labsal aller Schmertzen/ Hier das Hertze aller Hertzen. 9. Zwar es ist auch eine Ruthe Diesem Zucker beygelegt; Doch es ist uns wohl zu Muthe/ Weil sie uns zum besten schlaͤgt. Sonsten wuͤrden wir von Suͤnden Allzuschwere Buͤrden binden. 10. Laß die Christ-Nacht so begehen/ Daß kein Kind der Finsternuͤß Deiner Huld mag widerstehen/ Und mach unser Hertz gewiß/ Daß wir dort auf Zions Hoͤhen Christ-Tag werden einst begehen. IX. Am 1. Tage IX. Der Himmlische Au- gustus. Am 1. Tage des Heil. Christ- Festes. Mel. Meinen JEsum laß ich nicht. 1. H Ochgebohrner Gottes-Sohn/ Sey willkom̃en auf der Erden/ Du verlaͤst des Himmels Thron/ Und wilst unser Bruder werden/ Der du bist das Hoͤchste Guth/ Kleidest dich in Fleisch und Bluth. 2. Da man schaͤtzt die gantze Welt/ Kommst du unser Schatz hernieder. Da August das Zepter haͤlt. Singt man dir die Wiegen-Lieder. Weil du/ Hochgelobter Christ/ Deines Reichs Vermehrer bist. 3. Unbeflecket ist die Brust/ Die dich unterm Hertzen traͤget/ Biß man dich/ du Engel-Lust/ Jn die harte Krippe leget. Weil kein Raum ist sonst fuͤr dich/ Lege/ JEsu/ dich in mich. 4. Praͤchtiges Jerusalem/ Du bist nicht so hoch erkoren/ Als des H. Christ-Festes. Als ein armes Bethlehem/ Wo das Heil der Welt gebohren. Jch wil gerne niedrig seyn/ Kehr nur JEsu bey mir ein. 5. Dunckle Nacht/ verwandle dich Jn die schoͤnste Morgenroͤthe. Denn die Sonne tritt herfuͤr. Hier ist unsers Lichts Prophete/ Selbst den Stall macht dieser Gast Zum gestirnten Lust-Pallast. 6. Ach die Englische Music Dringet durch der Hirten Ohren/ Und das Echo schallt zuruͤck: GOttes Sohn ist Mensch gebohren. Sucht die Wiege/ sucht das Kind/ Wo ihr es in Windeln findt. 7. Nun ich trete gantz entzuͤckt Mit den Hirten zu der Krippen/ Und was ich alhier erblickt/ Kuͤß ich mit embrandten Lippen/ Was der Engel Mund bemuͤht/ Das ist auch mein Wiegen-Lied. 8. Ehre sey GOtt in der Hoͤh/ Und sein Frieden auf der Erde/ Daß hinfoͤrder alles Weh Lauter Am 2. Tage Lauter Wohlgefallen werde. Also freut sich Leib und Seel. GOtt mit uns: Jmmanuel! X. Freud und Leid Bey deꝛ Krippe Christi. Am 2. Tage des H. Christ- Festes. Mel. Hertzlich thut mich verlangen. 1. A Ch wie so gar geschwinde Verkehrt sich Freud in Leid? Man war bey Davids Kinde Zwar gestern hoch erfreut; Nun gehn wir von der Wiegen Zu einer Todten-Baar/ Und sehn die Unschuld liegen Auf einem Mord-Altar. 2. Man hoͤrte gestern gruͤssen Das Kind zu Bethlehem/ Und heute sieht man fluͤssen Bluth zu Jerusalem. Man sang der Hirten Reyhen Und auch der Engel Lied; Jtzt des H. Christ-Festes. Jtzt hoͤrt man Steine schreyen/ Da Stephanus verschied. 3. O Boßheits-volle Juden Die der Propheten Bluth Mit Morden auf sich luden/ Das noch auf ihnen ruht. Doch ists gerechte Sache/ Dieweil sie GOtt veracht/ Wenn ihnen seine Rache Das Wohl zum Wehe macht. 4. Du neugehohrner Fuͤrste/ Gieb daß die Welt nicht mehr Nach frommen Bluthe duͤrste/ Und tobt sie noch so sehr/ So zeige du den Deinen Den offnen Himmel fuͤr/ Und fuͤhr sie unter Steinen Auch in dein Reich zu dir. 5. Du wilst noch heute locken/ Du holde Glucke du. Drumb laß uns nicht verstocken/ Und fuͤhr uns selbst herzu/ Daß unter deinen Fluͤgeln Wir stets versam̃let stehn/ Und uns an denen spiegeln Die itzt im Fluche gehn. 6. Mach Am 2. Tage 6. Mach uns voll Glaubens-Kraͤffte/ Wie einen Stephanus/ So treibt man dein Geschaͤffte Den Feinden zum Verdruß. Und rasen sie noch tuͤmmer/ Als wohl kein Teufel nicht/ Behaͤlt die Unschuld immer Ein Engels-Angesicht. 7. Kommt endlich unser Ende/ Ach so befehlen wir Den Geist in deine Haͤnde/ Nihm ihn hinauf zu dir/ Dem der uns hat geplaget/ Behalt die Suͤnde nicht. Und/ wenn wir das gesaget/ Lesch aus der Augen Licht. 8. Jch seh den den Himmel offen! So ruffet Stephanus. Laß uns dergleichen hoffen Bey unsers Lebens Schluß/ Und wirfft der Feind mit Steinen Uns gleich zur Welt hinaus/ So bleibet doch den Deinen Das offne Himmels-Haus. XI. des H. Weyhnacht-Festes. XI. Der Juͤnger den JEsus lieb hat. Am 3. Tage des H. Weyhnacht- Festes. Mel. Was GOtt thut/ das ist wohl gethan. 1. M Ein JEsu/ der du alles weist/ Du weist/ daß ich dich liebe/ Und daß mein gantz ergebner Geist Empfindlich sich betruͤbe/ Wenn Hertz und Hand Nicht so bewandt Daß ich dich koͤnne lieben/ Wie mir ist vorgeschrieben. 2. Du fragest wohl: Hast du mich lieb? Jch muß es auch bekennen/ Und diesen ungemeinen Trieb Mein ander Leben nennen. Allein! wie schwach Folg ich dir nach! Jch bin in meinen Tritten Offt gar zu sehr geglitten. 3. Du forschest ferner nach bey mir/ Ob ich dich lieber habe/ Als andre Menschen neben mir? Da du mir manche Gabe C Vor Am 3. Tage Vor ihnen giebst/ Und mich so liebst/ Daß du vor andern allen Mir soltest wohl gefallen. 4. Ach zuͤnde mich doch selber an/ Du allerreinste Liebe/ Damit ich gnung dich lieben kan Aus einem solchen Triebe/ Der ewig brennt/ Und das nicht kennt/ Was fremdes Feuer heisset/ Und nur von aussen gleisset. 5. Du gehst voran/ so laß mich doch Jn deinen Stapffen bleiben. Leg immer auf des Creutzes Joch/ Die Liebe sol mich treiben Auch in der Pein Dir treu zu seyn/ Und solt ichs auch erweisen Durch meinen Tod dich preisen. 6. Es lebet niemand/ der nicht stirbt/ Nur deine suͤsse Liebe (tirbt/ Macht/ daß man sterbend nicht ver- Vor diesem starcken Triebe Weicht selbst der Tod Und alle Noth. Dein Juͤnger kan nicht sterben/ Er muß das Leben erben. 7. Und des Christ-Festes. 7. Und wenn ich dich auch endlich hier Nicht gnung vermag zu lieben/ So bleibet doch im Himmel mir Die Saͤttigung verschrieben. Jch weiß es schon/ Vor deinem Thron Wird sonsten nichts getrieben Als loben/ laben/ lieben. XII. Ende guth/ alles guth. Beym Beschluße des Kir- chen-Jahrs. Am Sonntage nach dem Christ-Feste. Mel. Helfft mir Gotts Guͤthe preisen. 1. O Anfang sonder Ende/ Du grosses A und O/ Wir kuͤssen deine Haͤnde/ Und sind von Hertzen froh/ Weil du uns noch ein Jahr Mit Segen laͤst beschluͤssen/ Daß wir bekennen muͤssen/ Dein Thun sey wunderbar. 2. Die Kirch ist voller Wunder/ Dein Worth und Sacrament C 2 Sind Am Sonntage Sind immer neuer Zunder/ Das Licht und Recht noch brennt. Dein Sohn ist hier der Stein/ An dem die Feinde fallen/ Wenn er den Deinen allen Ein Auferstehn muß seyn. 3. Das Land ist voller Segen Und trift von deinem Fett/ Man siehet allerwegen Wie seine Frucht geraͤtht. Jst da und dort ein Schwerdt Durch unsre Seele gangen/ So hast du nach Verlangen Auch wieder Trost beschert. 4. Die Haͤuser sind voll Guͤthe/ Die alle Morgen neu. Wo man sich treulich muͤhte/ Da trat dein Sorgen bey. Die Kinder wuchsen auf/ Uud wurden starck am Geiste/ Weil Gottes Kind sie weiste Auf seiner Jugend Lauff. 5. Die Hertzen sind voll Gnaden/ Ob wir gleich Zorn verdient/ Doch hast du allen Schaden Durch Christum ausgesuͤhnt. Wenn wir bey Tag und Nacht/ Mit Fasten und mit Bethen Vor nach dem Christ-Feste. Vor deinen Thron getreten/ Hast du es gut gemacht. 6. Ach solten wir itzunder Nicht voller Jauchzen seyn/ Und uͤber deine Wunder Uns recht von Hertzen freun. Ach solten wir denn nicht Wie Hanna/ diese Stunde Mit dem erfreuten Munde Zum Lobe seyn gericht. 7. Nun/ HErr/ dein ist die Ehre/ Du heissest Wunderbar. Doch gieb uns auch Gehoͤre/ Daß wir das Alte Jahr/ Befreyt von aller Noth Jn deiner Gnade schluͤssen/ Und in dem Neuen wissen/ Du seyst der alte GOTT. 8. Laß dir die Alten dienen/ Wie Hanna/ Simeon. Gib daß die Jungen gruͤnen Wie dein und Davids Sohn. Nimmt man an Jahren zu/ So laß uus auch nicht schaͤmen Jm Guthen zuzunehmen. Diß alles wuͤrcke du. 9. Und wenn wir das vollendet/ C 3 Was Beym Anfange Was uns dein Worth gesagt/ Und unser Lauff sich endet/ Jung oder wohl betagt/ So fuͤhre Leib und Seel Jns Nazareth dort oben/ Da wollen wir dich lobe n. Drauff wartet Jsrael. XII. G Ott mit uns. Beym Anfange des Neuen Jahres. Am H. Neu-Jahrs-Tage. Mel. Helfft mir GOtts Guͤthe preisen. 1. W Jr gehn in JEsus Nahmen Jns Neue Jahr hinein. Der Anfang und das Amen Sol diese Losung seyn. Er wird uns heut mit Bluth An unsre Brust geschrieben/ Drumb sollen wir ihn lieben Als ein erkohrnes Guth. 2. Zwar koͤnt uns das erschroͤcken/ Daß der/ der also heist/ Muß heute Wermuth schmecken/ Da man sein Bluth vergeußt. Doch sind wir wolgemuth/ Daß uns kein Unfall ruͤhre/ So des Neuen Jahres. So zeichnet er die Thuͤre Durch sein vergoßnes Bluth. 3. Du Braͤutigam im Bluthe Vermaͤhl uns heute dir/ Du stellest/ uns zu guthe/ Dich dem Gesetze fuͤr. Du fuͤhlst den scharffen Schnitt/ Uud theilest unsern Hertzen Durch die erlittnen Schmertzen Den schoͤnsten Balsam mit. 4. So ist der Bund versiegelt/ Den GOtt mit uns gestifft/ Der Hoͤllen Schlund verriegelt/ Daß uns kein Fluch nicht trifft. Das Angeld ist gelegt. Die Schulden werden kleiner Die Hertzen immer reiner Mit dieser Fluth gefegt. 5. Ach gib/ daß wir im Glauben Auf dieses Blut-Bad sehn/ Und laß den Trost nicht rauben/ Der uns dadurch geschehn. Beschnittener HErr Christ/ Wer deiner sich will ruͤhmen/ Dem muß es auch geziehmen/ Daß er beschnitten ist. C 4 6. Be- Beym Anf. des N. Jahres. 6. Beschneid Hertz/ Mund und Augen/ Beschneide Hand und Fuß/ Daß/ was dir nicht wil taugen/ Von uns sich scheiden muß. Beschneide Fleisch und Bluth Mit deines Creutzes Messer/ Und mach uns taͤglich besser Durch deine Vater-Ruth. 7. Laß Kirche/ Hauß und Hertze Diß Jahr im Segen stehn/ Und deines Wortes Kertze Niemanden untergehn. Der Engel/ welcher dir Den JEsus-Nahmen brachte Sey uns bey Tag und Nachte Ein Schild und ein Panir. 8. Und fluͤssen unsre Jahre Wie dort acht Tage hin/ Laß an der Todten-Baare Auch deinen Nahmen bluͤhn/ Daß wir in der Gefahr Nur JEsus/ JEsus schreyen/ Biß wir uns dort erfreuen Jm grossen Neuen Jahr. XIV. XIV. Die fliehende Zuflucht. Am Sonntage nach dem Neuen-Jahre. Mel. Wohlan es geht nunmehr zum Ende. 1. M Ein JEsus flieht! o Wunder- Zeichen/ Vor welchem Erd und Him̃el fliehn/ Vor dem die Ubelthaͤter Weichen/ Der flieht vor ihnen selbst dahin. Die Allmacht scheuet die Gefahr/ Und stellet lauter Ohnmacht dar. 2. Du zartes Kind bist kaum gebohren/ Und kriegest schon den Wanderstab. Ein Koͤnig bist du auserkohren/ Und giebest einen Pilgrim ab. Ein Paradies gehoͤret dir Und du must in die Wuͤsten hier. 3. Ja GOtt beweist an seinem Kinde/ Was jeden von uns treffen kan/ Drumb muß die fruͤh gejagte Huͤnde Zuerst auf die Verfolgungs-Bahn/ Und so wird unsre Flucht geweyht/ Wenn man uns auch Verfolgung draͤut. 4. Es waͤchselt so mit uns auf Erden/ Gold/ Weyrauch/ Myꝛhen muͤssen oft C 5 Ein Am Sonnt. nach dem N. Jahre. Ein Zaͤhr- und Reise-Pfeñig werden. Die Lust verkehrt sich unverhofft. Aus Bethlehem geht eine Bahn Die nach Egypten fuͤhren kan. 5. Mein JEsu/ sol ich mit dir wandern? Du bist das Haupt/ und ich dein Glied/ So fuͤhre mich durch keinen andern/ Deꝛ sich umb meinen Schutz bemuͤht/ Als den/ der einen Joseph weckt/ Und ihn auf seiner Reise deckt. 6. Ach warne mich/ wenn Noth ver- handen/ Die mir nach Leib und Seele ziehlt/ Und mache meinen Feind zu schanden/ Wenn er mit falschen Tuͤcken spielt. Du weist/ wer mein Herodes ist. Der Teufel hat noch groͤßre List. 7. Der Feind wird auch nicht immer leben/ Der mir nach meiner Seelen steht. Du wirst mir endlich Ruhe geben/ Wenn man dort aus Egypten geht. Schleust mich dein Nazareth dort ein/ Werd ich ein Nazarener seyn. XV. XV. Die gluͤckseligen Mor- gen-Laͤnder. Am Tage der Erscheinung Christi. Mel. GOtt des Himmels und der Erden. 1. G Ott der Juden/ GOtt der Hey- den/ Aller Voͤlcker Heyl und Licht/ Saba sieht den Stern mit Freuden/ Der von dir am Himmel spricht/ Sem und Japhet kommt von fern Dich zu sehn/ du Jacobs-Stern. 2. Wir gesellen uns zu denen/ Die aus Morgen-Lande sind Unser Fragen/ unser Sehnen Jst nach dir du grosses Kind. Bist du in Jerusalem? Oder nur in Bethlehem? 3. Kein Herodes kan uns sagen/ Wo dein Thron ist aufgericht. Wenn wir die Gelehrten fragen/ Wissen sie die Weißheit nicht. Suchen wir/ o Koͤnig dich/ Weiset uns die Welt von sich. 4. (Flamme/ Doch dein Worth ist Stern und C 6 Und Am Tage Und bezeichnet Hauß und Pfad/ Wo dich Held aus Jacobs-Stam̃e Tyrus angebethet hat/ Wo die erste Heydenschafft Nur an deinem Glantze hafft. 5. Nun/ wir eylen mit Verlangen/ Wie die Laͤuffer Midian/ Dich/ Meßias/ zu umbfangen/ Der den Himmel schencken kan/ Unsre Knie beugen sich/ Unser Arm umbfasset dich. 6. Nihm die auffgethanen Schaͤtze/ Schatz/ der unser Hertz erfreut. Deine Mildigkeit ersetze Unsrer Haͤnde Duͤrfftigkeit; Hier ist kein Arabia/ Es ist lauter Armuth da. 7. Nihm vor Gold und andre Gaben Glaube/ Lieb und Hoffnung an. Laß dich einen Weyrauch laben/ Den die Andacht liefern kan/ Und als Myrrhen geben wir Die Geduld und Busse dir. 8. Nihm die Opffer in Genaden Von ergebnen Hertzen an/ Und laß keinen Feind uns schaden/ Der dich nicht vertragen kan. Wenn Herodes Schwerdt gewetzt/ So behalt uns unverletzt. 9. Nun Der Erscheinung Christi. 9. Nun wir gehn von deiner Krippen/ Laß mit Segen uns von dir. Zeig uns Bahn durch Dorn und Klippen/ Still der Feinde Mord-Begier. Mach uns einen Wegbekant/ Der uns fuͤhrt ins Vaterland. 10. Ob es Koͤnige gewesen/ Die aus Saba kommen seyn/ Hat man nicht gewiß gelesen/ Doch/ es trifft gewisser ein/ Daß/ wer hir dein Unterthan/ Dort ein Koͤnig heissen kan. XVI. Lust auf Verlust. Am 1. Sonntage nach dem Er- scheinungs-Feste. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmertzen. 1. J Esus/ JEsus ist verlohren/ Leb ich/ oder bin ich todt? Denn die Post sagt meinen Ohren Mehr als eine Todes-Noth. Solt ich ohne JEsum seyn/ Wuͤnscht ich mich ins Grab hinein. Ach wer kan mir Nachricht geben? Wo ist Er/ mein Heyl/ mein Leben? 2. Auf/ mein Hertz! ich muß Jhn suchen/ C 7 Wo Am 1. Sonntage. Wo er anzutreffen ist. Zwar die Welt wird mir nur fluchen/ Weil ich diesen Freund erkiest. Und er ist auch warlich nicht/ Wo man nach der Welt sich richt. Wo man lebt in lauter Suͤnden/ Laͤst sich JEsus gar nicht finden. 3. Such ich ihn in meinem Hertzen/ Ach so ist es offte leer/ Und empfindet tausend Schmertzen/ Als ob ich verbannet waͤr. Mein Gewissen klagt mich an/ Daß Er hier nicht wohnen kan/ Weil in dieser Suͤnden-Clausen So viel Laster-Brutten hausen. 4. Such ich ihn in meinem Creutze/ Ach so kennet er mich nicht/ Und ich bin der arme Weitze/ Den der Satan taͤglich sicht. Jch bin meiner Feinde Spott/ Weñ man fragt: Wo ist dein GOtt? Solte der von dir noch wissen/ Der sich weit von dir gerissen. 5. Doch/ ich weiß/ wo ich ihn finde/ Jch wil in den Tempel gehn/ So wird bey Marien Kinde Ein gewisser Fund entsteh’n. Wo es sich in dem erweist/ Welches seines Vaters heist/ Und nach dem Erscheinungs-Feste. Und die Lehrer selbsten lehret/ Daß man seine Weißheit hoͤret. 6. Hier an diesem lieben Orthe Such ich/ weil ich suchen kan/ Denn ich treff in seinem Worthe Nichts als lauter JEsum an. Seiner treuen Lehrer Mund Macht mir lauter Wahrheit kund/ Und er wird durch sein Exempel Mein Jerusalem/ :mein Tempel. 7. Nun/ was sol ich ferner klagen/ Weil ich JEsum finden kan? Und ich darff ihn gar nicht fragen/ Wie hast du mir das gethan? Er verlieret sich zwar wol/ Nur/ daß ich ihn suchen sol/ Und/ wenn ich ihn nur gefunden/ So ist alle Noth verschwunden. 8. Jch wil dich/ mein JEsu halten/ Du in mir/ und ich in dir. Ehe soll mein Hertz erkalten/ Eh ich willig dich verlier Geh ich denn nach Nazareth Oder in mein Todten-Betth/ Wirst du mich zum Himmel fuͤhren/ Wo ich dich nicht kan verlieren. XVII. Am 2. Sonntage XVII. Wein nach dem Weinen. Am 2. Sonntage nach dem Erscheinungs-Feste. Mel. GOtt des Himmels und der Erden. 1. G Ast und Wirth der frommen Leuthe/ O du holder Menschen-Freund/ Du befindest dich noch heute/ Wo man dich von Hertzen meint; Wo du eingeladen bist/ Da wird alles Creutz versuͤßt. 2. Gehe nicht vor mir voruͤber/ Laß mein Hertz ein Cana seyn. Denn du kehrest doch viel lieber Bey betruͤbten Seelen ein/ Als wo man es mit der Welt/ Und mit ihrer Wollust haͤlt. 3. Es gebricht uns oft am besten/ Wie es dort an Wein gebrach/ Ja du machest deinen Gaͤsten Offt ein trockenes Gelach/ Und so heisset also denn Cana kein Canarien. 4. Bitten wir umb deine Gaben/ Ach so scheints/ als woltest du Nichts Nach dem Erscheinungs-Feste. Nichts mit uns zu schaffen haben. Ja du sprichst uns harte zu/ Deine Stunde sey nicht da/ Und die Huͤlffe noch nicht nah. 5. Doch/ wenn man es nicht vermeinet/ So ist deine Meinung guth/ Und wenn man hat ausgeweinet/ Folgt das suͤsse Trauben-Bluth. Wer zuvor das Wasser trug/ Fuͤllt mit Weine seinen Krug. 6. Laß mich deine Weise lernen/ Du kommst langsam/ aber guth. Wil die Huͤlffe sich entfernen/ Gib mir einen guthen Muth/ Du schenckst erstlich Wermuth- Wein Und zu letzte Nectar ein. 7. Endlich wird die Stunde schlagen/ Die zum Helffen ausgesetzt/ Und die Hoffnung Palmen tragen/ Wenn ich auf das Leid ergetzt Milch und Honig schmecken kan/ Als waͤr ich in Canaan. 8. Wenn ich auch in diesem Leben Stets aus Mara trincken muß/ So wirst du im Himmel geben Deiner Wollust Uberfluß/ Wenn mein Hertz in jener Welt Mit dir ewig Hochzeit haͤlt. XVIII. Am 3. Sonntagt XVIII. Der vom Berge fluͤssen- de Gnaden-Strom. Am 3. Sonntage nach dem Er- scheinungs-Feste. Mel. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. D U gehst Berg-ab mit deinen Fuͤs- sen/ Holdseligster Jmmanuel/ Und laͤst dich keinen Gang verdruͤssen Ein Artzt zu seyn vor Leib und Seel. Jch folge deinen Tritten nach/ Ach heile doch mein Ungemach. 2. Der Aussatz hat mich gantz gefressen/ Es eytert Marck und Bein in mir/ Die Suͤnde wil das Hertze pressen/ Und stellt mir lauter Wunden fuͤr. Ach heile/ HErr/ und mache rein/ So werd ich heil und heilig seyn. 3. Gib/ daß ich mich den Pristern zeige/ Weñ mich deꝛ Suͤnden Aussatz plagt/ Und meine Laster nicht verschweige/ Wenn Moses deinen Willen sagt. Die Gabe/ die ich opffern kan/ Kom̃t auf ein Heꝛtz voll Wehmuth an. 4. Wilst du mir sonst ein Creutze stillen/ Das meiner Brust beschwerlich faͤllt/ So nach dem Erscheinungs-Feste. So stell ich es in deinen Willen/ Und sage: HErr/ wo dirs gefaͤllt. Denn du verstehst am besten wohl Wie mir geholffeu werden sol. 5. Ach kehr auch unter meinem Dache/ Wie dorte bey dem Haupt-Mañ ein. Ob ich mich gleich nicht wuͤrdig mache Dein suͤsser Auffenthalt zu seyn. Aus Gnaden hab ich diesen Ruhm/ Daß ich auch dein Capernaum. 6. Du kanst wol durch ein Wort ver- richten/ Was mir mein Creutze lindern kan/ Doch wirst du mich noch mehr ver- pflichten Wenn du zu deinem Unterthan/ O grosser Koͤnig selbsten koͤmmst Und Platz in meiner Seelen nimmst. 7. Laß mich im Glauben auf dich bauen/ Er ist offt klein in Jsrael. (en Drum pflantz ein freudiges Vertrau- Durch deine Krafft in meine Seel/ Daß mich einmahl auf jenen Tag Kein Heyde nicht beschimpfen mag. 8. Gib/ daß mich dort an deinem Tische/ Wo Abraham und Jsac speist/ Auch dermahleins die Kost erfrische/ Die lauter Lust und Leben heist/ Und wo man solche Gaͤste findt/ Die auch von Heyden kommen sind. 9. Laß Am Tage 9. Laß mich ein Kind des Lichtes heissen/ So wiꝛd mich auch dein Uꝛtheil-schluß Jn keinen finstern Kercker schmeissen/ Wo man mit Zaͤhnen klappen muß. Denn weil im Him̃el ist mein Theil/ Find ich vor Heulen lauter Heyl. 10. Kom̃t es mit mir einmahl zum Ster- ben/ Es heist bey dir nur: Gehe hin! So kan ich bald auf einmahl erben/ Wo ich ein Kind des Reiches bin. Ein eintzigs Worth braucht nur dein Mund/ So bin ich ewiglich gesund. XIX. Alles vor Nichts. Am Tage der Bekehrung Pauli. Mel. Die Nacht ist vor der Thuͤr. 1. W As wird mir denn dafuͤr/ Daß ich dich/ JEsu/ liebe/ Und mich im Creutze hier Dir zu gefallen uͤbe? Jch frage mit Begier: Was wird mir denn dafuͤr? 2. Was aber frag ich doch? Du bist mir gar nichts schuldig/ Und der Bekehrung Pauli. Und dennoch macht dein Joch Mein Fleisch so ungeduldig/ Daß es viel haben wil/ Und leidet doch nicht viel. 3. Weg Petri Eigennutz! Jch wil umbsonste dienen/ So wird mir gar viel Gutts Aus lauter Gnade gruͤnen. Mein JEsus sagt es mir/ Es wird gar viel dafuͤr. 4. Ein eintziger Verlust Bringt hundertfachen Segen/ Wenn ich was leiden muß Umb meines JEsu wegen/ Aus Gnaden gibt er mir Den Himmel gar dafuͤr. 5. Tritt mich die arge Welt Gleich unter ihre Fuͤsse/ Dort ist ein Stuhl bestellt/ Wo ich die Ruh genuͤsse/ Und wo auf Creutz und Leid Folgt lauter Herrligkeit. 6. Muß ich gleich manchen Feind Mich itzund lassen richten/ Wenn JEsns nur erscheint/ So wird er alles schlichten/ 7. Jch Am 4. Sonntage Wo Jsraels Geschlecht Muß selbsten stehn fuͤr Recht. 7. Jch wil mit Freudigkeit Die Welt und alles lassen/ Und mit Zufridenheit Das wahre Kleinod fassen/ Das alles dort ersetzt Und ewiglich ergetzt 8. Ach holder Menschen-Sohn/ Komm bald mit jenem Leben. Was wirst du da vor Lohn Den treuen Folgern geben? Nun frag ich nicht mehr hier: Was wird mir denn dafuͤr/? XX. Das Schirmen im Stuͤrmen. Am 4. Soñtage nach dem Er- scheinungs-Feste. Mel. Was GOtt thut/ das ist wol gethan. 1. D U uͤbergrosser Wunder-Mann/ Dem alles liegt zu Fuͤssen/ Der auch mit einem Worte kan. Das Meer in Grentzen schluͤssen/ Der/ nach dem Erscheinungs-Feste. Der/ wenn er spricht/ Die Stuͤrme bricht/ Und wenn die Tieffen bruͤllen/ Sie bald vermag zu stillen. 2. (Both Mein Hertz ist wie ein schwanckes Das auf den Fluthen schwebet/ Wo es die uͤberhaͤuffte Noth Bald auf bald nieder hebet/ Der Winde Grimm Und Ungestuͤmm Wil mir den Schiffbruch draͤuen/ Ach solt ich/ HErr/ nicht schreyen? 3. Ein Abgrund rufft den andern an/ Die Fluth wil mich bedecken/ Mein JEsu/ du bist Steuer-Mañ/ Ach laß dich doch erwecken! Ach schlaffe nicht/ Mein Ancker bricht/ HErr hilff mir/ ich verterbe! HErr hilff mir/ eh ich sterbe! 4. Jch strande schon/ wo deine Hand Nicht Mast und Segel stuͤtzet. Jch gruͤsse schon das Todten-Land/ Wo mich dein Worth nicht schuͤtzet. Wach auf/ wach auf! Und siehe drauf/ Mein Schiff beginnt zu sincken/ Ach soll ich denn ertrincken? 5. (klein/ Jch hoͤꝛ ein Wort: Mein Glaub ist Und muß es selbst gestehen. Die Am 4. Sonntage Die Furcht nim̃t Heꝛtz und Siñen ein/ Und meint/ ich muß vergehen. Doch/ weil mein Hort Ein eintzigs Worth Nur von sich hat gegeben/ So heb ich an zu leben. 6. Ein Worth bedrohet Meer uñ Wind/ Ein Wort hemmt alle Wellen/ Daß sie wie sanffte Betten sind/ Und mich in Ruhe stellen. Das ist der Mann/ Der alles kan/ Den schwachen Glauben mehren/ Und die Gefahr zerstoͤren. 7. Wohlan in meiner Flacke steht: Jst GOtt fuͤr mich auf Erden/ Muß alles/ was mir widersteht/ Durch Jhn beruhigt werden. Jhr Wellen stuͤrmt/ Jch bin beschirmt/ Und kan/ als in der Wiegen Auch in dem Schiffe liegen. 8. Hier ist der guthen Hoffnung Port/ Doch seh ich schon von weiten/ Die endlich mein Compas mich dort Wird gar ans Ufer leiten/ Wo Sturm und Wind Verbannet sind/ Und wo ich in der Stille Mein Schiff mit Guͤthern fuͤlle. 9. Jn nach dem Erscheinungs-Feste. 9. Jndessen/ weil die Kirche hier Auch noch ein Schiflein bleibet/ So sey/ o JEsu stets in ihr/ Wenn sie der Sturmwind treibet. Sey du ihr Schild Und Ancker-Bild/ Daß sie nicht sinckt und strandet/ Biß sie im Himmel landet. XXI. Weitzen und Unkraut. Am 5. Sonntag nach dem Fest der Erscheinung. Mel. GOtt des Himmels und der Erden. 1. G utter Saͤmañ/ guten Saamen/ hast du reichlich ausgestreut/ Und giebst auch in deinem Nahmen Die gewuͤnschte Fruchtbarkeit/ Weil der Acker wohl gedingt/ Daß er reinen Weitzen bringt. 2. Doch wie ist es denn geschehen/ Daß wir so viel Unkraut hir Auf dem Felde wachsen sehen? Ach die Schuld ist nicht an dir/ Denn du zeigest deutlich an/ Daß der Feind es hat gethan. 3. Da die Leuthe sanffte schlieffen D Ein- Am 5. Sonntage Eingewiegt von Sicherheit/ Hat er dir ins Amt gegriffen Und das Unkraut eingestreut/ Welches nun den Weitzen druͤckt/ Und bey nahe gar erstickt. 4. HErr/ was machstu deñ mit beydẽ Rotte doch das Unkraut aus. Doch du wilst es also leiden/ Biß zur Erndten Zeit hinaus/ Da es denn zur Gluth bestimmt/ Wenn der Weitzen zu dir koͤmmt. 5. Laß mich doch so weise werden/ Daß ich dieses Gleichnuͤß merck. Deine Kirche hier auf Erden/ Jst dein liebes Ackerwerck/ Und der Weitzen/ der hier faͤllt/ Sind die Frommen in der Welt. 6. Satan streute gantz geschwinde Lauter Unkraut zwischen drein: Das sind Leute/ die der Suͤnde Gantz und gar ergeben seyn/ Und dadurch dein Kirchen-Feld Also greulich wird verstellt. 7. Beydes waͤchset nun beysammen/ Biß an dieser Erndte Schluß/ Da die Boßheit in den Flammen Alsdenn ewig buͤssen muß/ Und nach dem Erscheinungs-Feste. Und die Glaͤubigen allein Garben in dem Himmel seyn. 8. Laß mich/ JEsu/ hier auf Erden Einen reinen Weitzen seyn/ Nimmermehr ein Unkraut werden/ Das bestimmt zur Hoͤllen-Pein. Warne mich vor Schlaͤfrigkeit/ Denn mein Feind ist nicht gar weit. 9. Laß mich an die Erndte dencken/ An den lieben juͤngsten Tag/ So werd ich mich gar nicht kraͤnckẽ/ Ob das Unkraut wachsen mag. Gnung/ daß ich der Weitzen bin/ Jch gehoͤr in Himmel hin. XXII. Vorschmack des ewi- gen Lebens. Am 6. Sonntage nach der Er- scheinung Christi. Mel. Hertzlich thut mich verlangen/ nach ꝛc. 1. E Ntweichẽ Welt-Getuͤmmel! Mein Geist ist gantz entzuͤckt/ Biß in den dritten Himmel. Jch mache mich geschickt D 2 Auf Am 6. Sonntage Auf einen Berg zu steigen/ Auf welchem JEsus mir Sich wil verklaͤret zeigen/ Jn auserlesner Zier. 2. Jch seh sein Angesichte Wie lauter Sonnen-Schein/ Kein Licht strahlt also lichte/ Wie seine Kleider seyn. Elias trit zur Rechten/ Zur Lincken Moses dar/ Samt andren dreyen Knechten Von der gezwoͤlfften Schaar. 3. Jch hoͤr die Stimme schallen/ Das ist mein lieber Sohn/ An dem hab ich Gefallen/ Der ist der Gnaden-Throñ. Ein Wort/ das mich erschroͤcket/ Und auch zugleich erweckt/ Weil es mir hat entdecket/ Was nach dem Himmel Schmeckt. 4. Jhr angenehmen Auen! Ach HErr! hier ist gut seyn/ Wir wollen Huͤtten bauen/ So theilen wir uns drein. Dir eine/ Mosi eine Und dem Elias ein’. Vor nach dem Fest der Erscheinung. Vor mich begehr ich keine/ Bey dir wird Raum schon seyn. 5. Das seh ich nur im Geiste/ Ach GOtt! was werd ich sehn/ Wenn dort das allermeiste Jm Himmel wird geschehn. Da werd ich Huͤtten finden/ Die schoͤn gebauet seyn/ Und die nicht mehr verschwinden/ Wie dieser Freuden-Schein. 6. Verklaͤre dich indessen Jn meiner Seelen hir/ Und laß mich nicht vergessen/ Was du vor Strahlen mir Jn deinem Worthe zeigest/ Biß du zu rechter Zeit Bergauff dort mit mir steigest Zur klaren Ewigkeit. 7. Mein Glaube soll hier eben Dir eine Huͤtte baun/ Man wird in meinem Leben Die Huͤtte Mosis schaun. Jch nehm in meinem Sterben Elias Huͤtten ein. Dort werd ich Haͤuser erben/ Jn denen ist gut seyn. XXIII. XXIII. Die Gottgefaͤllige Daꝛ- stellung des H er- tzens. Am Feste der Reinigung Mariaͤ. Mel. Meinen JEsum laß ich nicht. 1. O Pffer vor die gantze Welt/ Du kom̃st heut in deinẽ Tempel Daß du wuͤrdest vorgestellt Uns zum loͤblichen Exempel/ Wie man sich von Jugend an Deinem Vater opffern kan. 2. Deiner Mutter Reinigung Jm Gesetze vorgeschrieben/ Gibt uns die Erinnerung/ Dein Gebothe stets zu lieben/ Und den Weg mit Lust zu gehn/ Der uns heist im Tempel stehn. 3. O du Brunn der Reinigkeit/ Nim von mir die Suͤnden-Flecken/ Und laß deiner Unschuld-Kleid Meine Bloͤße gantz bedecken. Dein Verdienst mein Wohlgeruch Wider des Gesetzes Fluch. 4. Hast Am Fest der Reinigung Mariä. 4. Hast du dieses schwere Joch Willig uͤber dich genommen/ Da du ohne Suͤnde doch Warest in die Welt gekommen/ Ach so stelle JEsu dich Zur Erfuͤllung auch fuͤr mich. 5. Laß mein Opffer Tauben-Art/ Ohne Galle/ an sich haben/ Glaub und Liebe sey gepaart/ Nihm vorlieb mit meinen Gaben. Girrt das Turteltaͤubelein/ Gib Gedult in meiner Pein. 6. Jch wil dich mit Simeon An mein treues Hertze druͤcken/ Du wirst als der Gnaden-Thron. Mich mit Rath und Trost eꝛquicken. Du bist der Trost Jsrael. Suͤssester Jmmanuel. 7. Sey der muͤden Augen Licht/ Wenn der Todt sie wil verschluͤssen. O mein Heyland/ laß mich nicht/ Wenn ich werde sterben muͤssen. Du bist deines Volckes Preiß/ Und der Weg ins Paradeis. 8. Dieses sey mein Schwanen-Lied: HErr laß mich im Friede fahren! D 4 Gib/ Am Sonntage Gib/ daß dich mein Auge sieht Bey den auserwehlten Schaaren. Wo man dort in jener Welt Erst das rechte Licht-Fest haͤlt. XXIV. Die belohnende Gnade. Am Sonntage Septuagesimaͤ. Mel. Was GOtt thut/ das ist wohl gethan. 1. M Ein GOtt/ dein Weinberg ist fuͤr mir/ Den du so treulich bauest. Der Sonnen Licht trit kaum herfuͤr/ Da du schon um dich schauest/ Wo Leute stehn/ Die muͤßig gehn/ Daß du sie alsdenn dingest/ Und zu der Arbeit bringest. 2. Ein Groschen ist das Tage-Lohn/ Doch nur aus lauter Gnaden/ Den traͤgt ein jeder hier davon/ Den du hast eingeladen/ Spat oder fruͤh/ Heist eine Muͤh/ Es kriegt das ausgesetzte Der Erste wie |der Letzte. 3. Ach laß mich/ Herr/ nicht muͤßig stehn/ Daß ich den Marckt bald lasse/ Wenn Septuagesimä. Wenn du mich heist zur Arbeit gehn/ Und in Geduld mich fasse. Wenn Hitz und Plag Den gantzen Tag Auf meinen Schultern lieget/ Und meine Kraͤffte bieget. 4. Laß auch mein Hertz zu frieden seyn Mit dem/ was du gegeben. Jch bin nichts werth/ und muß allein Nur deiner Gnade leben. Hier ist nur Huld Und keine Schuld. Ein murrendes Gemuͤthe Verschertzet deine Guͤthe. 5. Laß mich nicht scheel und sauer sehn Zu meines Naͤchsten Gaben. Es muß dein Wille doch geschehn/ Und jeder etwas haben/ Er nimmt/ was sein/ Und ich/ was mein. Doch alles ist das Deine/ Niemand verdient das Seine. 6. So lang ich lebe/ trag ich doch Des Tages Last und Hitze. Doch staͤrckest du mich immer noch/ Wenn ich im Weinberg schwitze. Wer weiß/ wie weit Die Abend-Zeit/ Da wird die Hitze weichen/ Und kuͤhle Luͤffte streichen. D 5 7. HErr Am Sonntage 7. HErr mache mich/ wie dirs gefaͤllt/ Zum Ersten oder Letzten. Stell mich nur dort in jener Welt Zu deinen Ausgesetzten/ Die allzumahl Nach deiner Wahl Ein Weinberg dort erquicket/ Wo keine Sonne druͤcket. 8. Es sind wol viel beruffen hir/ Doch wenig auserwehlet. Jedoch die Schuld ist nicht bey dir/ Sie haben selbst gefehlet. Ach ruffst du mich/ So gieb/ daß ich Den Ruff nicht mag verfehlen/ Sonst folgt vor W aͤhlen Quaͤlen. XXV. GOttes Acker-Werck. Am Sonntage Sexagesimaͤ. Melod. Von GOtt wil ich nicht lassen. 1. M Ein JEsus fuͤhꝛt den Namen/ Daß er ein Saͤmann heist/ Der immer gutten Saamen Zu saͤen sich befleißt. Und dieser ist sein Wort/ Das laͤst er reichlich fallen/ Doch Sexagesimä. Doch faͤllt es nicht bey allen Auf einen gutten Ort. 2. Viel gleichen sich den Wegen/ Die hart getreten seyn/ Da streut er ohne Segen Den edlen Saamen ein. Hier kan es allezeit Der Hoͤllen Vogel rauben/ So folget denn kein Glauben/ Und keine Seeligkeit. 3. Viel Hertzen sind bestellet Wie lauter Felß und Stein/ Drein wohl das Sam- Korn faͤllet/ Doch wurtzelt es nicht ein. Wie bald verdorrt der Safft/ Wenn Truͤbsals-Winde wehen/ Daß wir sie fallen sehen/ Jhr Glaub ist ohne Krafft. 4. Viel sind ein Feld voll Hecken Darinn das Korn erstickt. Weil sie voll Sorgen stecken/ So wird ihr Hertz gedruͤckt Mit Geld und Fleisches-Sucht. Drumb hoͤren sie vergebens Das theure Wort des Lebens/ Und bringen keine Frucht. 5. Doch trifft man auch bißweilen D 6 Ein Am Sonntage Ein guttes Land noch an/ Das hundert Fruͤcht ertheilen Und reichlich garben kan. Wo man das Wort recht hoͤrt/ Daß es im Hertzen bleibet Und feste Wurtzel treibet/ Da wird die Frucht vermehrt. 6. HErr JEsu laß mein Hertze Den gutten Acker seyn. Du streuest nicht zum Schertze Den edlen Saamen ein; Du wilst mit Ernst die Frucht. Ach laß dein Wort gelingen/ Und solche Fruͤchte bringen/ Wie du stets hast gesucht. 7. Zerreiß mit deinem Pfluge Den hart getretnen Steg/ Und wehr des Vogels Fluge/ Der alles raubt hinweg. Erweiche Hertz und Sinn/ Und mache mich stets wacker/ Daß ich kein Felsen-Acker Jn deiner Kirche bin. 8. Reiß aus der Sorge-Doͤrner/ Die deine Saat verdemmt. Gieb/ daß des Wortes Koͤrner Kein Suͤnden- Mißwachs hemmt. Pflantz Sexagesimä. Pflantz die Gedult ins Hertz/ So steigt in gutten Tagen Und auch bey allen Plagen Mein Halm stets Himmel-werts. 9. Mach aus dem duͤrren Sande Mich immer mehr und mehr/ Zu einem gutten Lande/ Durch deines Wortes Lehr. Dein Geist mein Sonnen-Licht. Dein Blutt mein Thau und Regen/ So bin ich aller wegen Mit Segen zugericht. 10. Wenn ich auf dieser Erden Auch nicht vollkommen kan Jm Gutten fruchtbar werden/ Doch nihm den Willen an/ Biß mir es dort gelingt/ Daß ich auf Zions Aue Ein ander Land bebaue/ Das tausendfaͤltig bringt. XXVI. Die heilige Creutz- Fahrt. Am Sonntage Esto mihi oder Qvinquag. D 7 Mel. Am Sonntage. Melod. JEsu deine tieffe Wunden. 1. J Esus geht zu seinem Leiden/ Auf und last uns mit ihm gehn. Bannt von euch die eitlen Freuden/ Die euch in dem Wege stehn. Tretet zu der Zwoͤlffe Schaar/ Und verlobt euch gantz und gar/ Wo ihr wollt mit Christo erben Auch zuvor mit ihm zu sterben. 2. JEsus ruffet: seht wir gehen Nach Jerusalem hinauf. Und giebt deutlich zu verstehen/ Daß der angestellte Lauff Nur an diesen Ort gericht/ W o man ihm das Urtheil spricht/ Und am Creutze sucht zu toͤdten/ Nach den Schrifften der Propheten. 3. JEsu/ laß mir deine Wunden Stets fuͤr meinen Augen seyn. Was die Juͤnger nicht verstunden/ Druͤcke mir im Hertzen ein. W as verborgen ihnen war/ Stell mir stets im Bilde dar/ Wie du hast von denen Heyden Band und Geißel muͤssen leiden. 4. Ach! die Woche werden viele Dich aufs neue creutzigen/ (le Bey des Teufels Fast-Nacht-Spie- Sich in Larven lassen sehn. Ach Esto mihi. Ach entlarve meinen Sinn/ Daß ich nicht so gottloß bin/ Sondern an dein Blut gedencke/ Und dich nicht von neuem kraͤncke. 5. Ach was darff man Larven tragen. Sind wir doch schon geistlich blind. Muͤssen leider alle klagen/ Daß wir/ wie der Bettler/ sind/ Der am Wege dorten saß. Was vor Thorheit ist doch das? Man wil andern sich verdecken/ Und doch selbst in Blindheit stecken. 6. Nim die Schuppen von den Augen Bey den Kindern dieser Welt/ Weil die Wercke gar nicht taugen/ Wo man dein Gedaͤchtnuͤß haͤlt/ Wirff den Teufel in den Pfuhl Und zerstoͤre Satans-Schul. Fluche denen/ die dir fluchen/ Komm zu denen/ die dich suchen. 7. Wil mich gleich die Welt bedraͤuen/ So werd ich/ o Davids Sohn/ Noch viel schaͤrffer zu dir schreyen. Du bist ja mein Gnaden-Thron/ Ach erbarm! erbarm dich mein/ Und laß deinen Wunder-Schein Jn die bloͤden Augen lachen/ Und mein Hertze lichte machen. 8. Also seh ich dich im Glauben/ Biß ich dort im Schauen bin. D 7 Wil Am Sonntage W il der Tod das Licht mir rauben/ Nimmt er nur/ was leiblich/ hin. Jch muß doch/ wenn das geschehn/ Jn Jerusalem dich sehn/ Nicht/ wo man dein Creutze hebet/ Sondern ohne Creutze lebet. XXVII. Das Paradies in der Wuͤsten. Am Sonntage Jnvocavit. Mel. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. M Ein Jesu/ du bist in der wuͤsten/ wo man võ keiner Anmuth weiß Den Ort/ wo Drach und Schlangen nisten/ Verkehrst du in ein Paradeis. Darumb verzaget noch kein Christ/ Weil dir kein Ort so furchtsam ist. 2. D och schleicht diꝛ auch die alte Schlã- Jn diesen Einsamkeiten nach/ (ge Und zeigt mit ihrem krum̃en G ange/ Sie suche nichts/ als deine Schmach. W eñ sie das Haupt nun selbst anficht/ Verschont sie auch die Glieder nicht. 3. Jch hoͤre den Versucher sprechen/ So du bist Christus G Ottes Sohn/ So solst du Brodt von Steinẽ brechẽ Allein! du jagst ihn bald davon/ J n- Jnvocavit. Jndem du GOttes Wort gepreist/ Das uns auch ohne Brodte speist. 4. Er bringt noch offte diesen Zweiffel Bey GOttes frommen Kindern an. Allein! Gott Lob! daß man den Teufel Mit GOttes Worte schlagen kan. Denn/ was allhier geschrieben steht/ Macht/ daß eꝛschamꝛoth von uns geht 5. Es stellet dich der Fuͤrst der Hoͤllen Auch auf des Tempels Zinnen hin/ Da sol ein leichter Sprung dich faͤllẽ/ Und in den tieffsten Abgrund ziehn. Ja dieser Luͤgner leget dir Das Wort der Warheit selber fuͤr. 6. Wir muͤssen leider! offte sehen/ Wie er die theure G Ottes-Schrifft Auf falsche Meinung wil verdrehen/ Und mengt in dieses Honig Gifft. Allein er zeigt uns selbst ein Schwerd/ Daß ihm durch seine Kaͤhle faͤhrt. 7. Er wil die gantze Welt dir geben/ Wo sich dein Kny nur vor ihm beigt. Und muß sich doch von dannen heben/ So bald der Engel-Heer sich zeigt. Ein woͤrtlein schlaͤgt der Hoͤllen-Held Und du behaͤltst zuletzt das Feld. 8. So zeigt er uns offt grosse Berge/ Und locket uns zur Hochmuth an. Es sind doch endlich kleine Zwerge. Er Am Sonntage Er weist/ was er nicht geben kan/ Und wenn er alles hat versucht/ So nimmt er doch zuletzt die Flucht. 9. O JEsu/ hilff mir selber kaͤmpffen/ W enn mir deꝛ Teufel Zweiffel macht/ Und laß mich seine Luͤgen daͤmpffen/ Dadurch er mich zu faͤllen tracht. Laß mich auf deinen Wegen gehn/ Und mit Gebeth ihm widerstehn. 10. Soll ich in Armuth hier gerathen/ Jch bleibe dennoch wol dein Kind. Dein wort thut manche wunderthatẽ Daß man Brodt in der W uͤsten find. Wer fragt nach Reichen dieser welt? Der ist schon reich/ der GOtt behaͤlt. 11. Ein andrer bethe diesen Fuͤrsten/ Umb eine Hand voll Goldes an; Und die nach eitler Ehre duͤrsten/ Verehren diesen W etter-Hahn. Jch sage: Hebe dich von mir/ GOtt und die Engel stehen hir. 12. Zwar muß ich hier so lange streiten/ Biß daß mein Lauff zum Ende geht/ Doch seh ich schõ den Berg von weitẽ/ Wo meine Sieges-Pforte steht/ Da darff der Hoͤllen-Geist nicht hin/ W o ich ein Himmels-Fuͤrste bin. XXVIII. Reminiscere. XXVIII. Der maͤchtige Glaube bey den Ohnmaͤch- tigen. Am Sonntage Reminiscere. Mel. Wohlan es geht nunmehr zum Ende ꝛc. 1. S o weichstu/ Jesu/ nun von dañen/ Und kehrst in Sidons G rentzen ein/ Wil man dich eines Orts verbañen/ So wilst du an dem andern seyn. Ach weiche nimmermehr von mir. Dein Tyrus sey mein Hertze hier. 2. Allein! wie sol ich mir gedencken? Jch aͤrmster lauff und schrey dir nach/ Und du wilst dich nicht zu mir lencken. Wo ist dein Hertz/ das sonsten brach? Wo ist dein Mund/ der andre mahl Zu dir zu kommen selbst befahl. 3. Wilt du deñ nicht mehr Jesus heissen Der aller Heyl und Heyland ist/ Und dich dem jenigen entreissen/ Dem du zu gute kommen bist? Sohn David/ ach erbarm dich mein/ Wer wil deñ sonst Erbarmer seyn? 4. Der Am Sonntage 4. Der Teufel plaget meine Seele/ Wie dir auch selbsten ist bewust/ Und machet eine Jammer-Hoͤle Aus meiner dir geweyhten Brust. Ach Schlangen-treter tritt herfuͤr/ Zerstoͤr des Satans Werck in mir. 5. Ach lasse doch dein Hertze brechen/ Und deinen Mund ein eintzigs Wort Zu meinen vielen Seuffzen sprechen/ So weichet Hoͤll und Teufel fort. Ach aber ach! was machest du/ Du schleust mir Mund und Ohren zu. 6. Wilst du deñ nur die Schafe weiden/ Die von dem Hause Jsrael? Du bist ja auch der Trost der Heyden Und aller Welt Jmmanuel. Dein laͤngst verheißnes Gnadenreich. Macht beydes Jud uñ Heyden gleich. 7. Bin ich von wegen meiner Suͤnde Gleich als ein Hund bey dir veracht. D och hat mein glaube mich zum Kinde Jn deiner Gnaden-Schooß gemacht. G ib/ was von deinem Tische faͤlt/ Und heiß mich alles in der Welt. 8. Nun/ HErr/ ich falle vor dir nieder/ Jch ruff/ ich schrey/ ich bethe noch. Jch halte dich mit G lauben wieder/ Ach sieh/ ach hoͤr/ ach hilff mir doch. Jch Reminiscere. Jch lasse dich/ Sohn Davids/ nicht/ Biß mir dein Mund den Segẽ spricht 9. Wohlan! mein G laube hat gesieget/ Jch habe/ was ich haben wil/ Weil Satan mir zu Fuͤssen lieget/ Und seine Boßheit hat ihr Ziel. Er bildet grosse Krafft sich ein; Mein Glaube muß noch groͤsser seyn. 10. S o kommet die erwuͤnschte Stunde/ Wenn man nur treulich harren kan. Es braucht ein W ort aus deinem Munde/ S o heist schon alles wohl gethan. Durch Glauben wird/ was mich bekriegt/ Ja G Ott im Himmel selbst besiegt. XXIX. Die Allmacht in der Ohnmacht. Am Sonntage Oculi. Melod. JEsu meine Freude/ meines ꝛc. 1. S Atans Uberwinder/ Schaue deine Kinder Jn Genaden an. Brich des Teufels Staͤrcke/ Daß er seine Wercke Nicht vollfuͤhren kan. Er Am Sonntage Er ist arg Und auch sehr starck/ Hilff uns doch sein Reich zerstoͤren/ Koͤnig aller Ehren. 2. Treib den alten Drachen/ Wenn er stumm wil machen/ Von dem Hertzen aus. Grosser Wunderthaͤter/ Du bist Schlangen-Treter/ Nihm ihn Raub und Hauß. Wenn die Welt Ein Urtheil faͤllt/ Dich zu laͤstern/ zu beluͤgen/ Du must doch wohl siegen. 3. Sieht man doch die Spinnen Jhren Gifft gewinnen Aus der schoͤnsten Blum. Daß die Laͤstrer schmaͤhen/ Was sie Guttes sehen/ Jst ihr Eigenthum. Schimpfft man mich Nur auch wie dich/ Laß mich deiner Unschuld freuen/ Mag der Feind doch speyen. 4. Jch bin dir erkauffet/ Und auf dich getauffet. Jch bin dein Pallast. Wil Oculi. Wil der Satan schnauben/ Mir den Harnisch rauben/ Stuͤrtze diesen Gast. Nihm den Raub/ Tritt ihn in Staub/ Laß ihn GOttes Finger fuͤhlen/ So muß er verspielen. 5. Laß von dieser Schlangen Nimmermehr mich fangen. Schleicht sie gleich umbher; Laß durch neue Suͤnden Keinen Platz sie finden/ Daß sie widerkehr. Gib mir Reu/ Mein Hertz verneu/ O so findt er duͤrre Staͤdte/ Wenn ich embsig bethe/ 6. Dieser Hoͤllen-Meister Hat viel boͤse Geister/ Die viel aͤrger seyn; Koͤmmt er einmahl wieder/ Und bringt sieben Bruͤder/ Ach was folgt vor Pein. Drumb verwehr Die Widerkehr/ Daß wir ihn zu unsern Schaden Nimmer wider laden. 7. Wer von dir sich reisset/ Und Am Sonntage Und nicht deine heisset/ Der ist wider dich. Ausser dir sich freuen/ Heisset nur zerstreuen. Ach bewahre mich/ Daß mein Hertz Nicht anderwerts Ausser dir zu sammlen suche/ Und sich selbst verfluche. 8. Laß dein Reich auf Erden Groß und maͤchtig werden/ Wider Belial. Daß wir dein Wort hoͤren/ Und im Leben ehren/ So erfolgt sein Fall. Seligkeit Jst uns bereit/ Und Beelzebub verfluchet/ Der uns hat gesuchet. XXX. GOtt und Brodt. Am Sonntage Laͤtare. Melod. Vater unser im Himmelreich/ ꝛc. 1. G Jeb uns heut unseꝛ taͤglich Bꝛod/ So bethen wir in unser Noth/ Und ruffen einen HErren an/ Der in der Wuͤsten speisen kan/ Wo Lätare. Wo man sonst nichts zu bꝛechen findt/ Und doch viel tausend hungrig sind. 2. Dir JESU folgt viel Volckes nach/ Obs ihnen gleich an Brodt gebrach. Wie mancher folgt dir nur allein/ So lange guthe Tage seyn. Gib/ daß ich dir allzeit getreu Auch in den boͤsen Tagen sey. 3. Die Leuthe wollen Zeichen sehn/ Die sonst an Krancken sind geschehn. Jch sehe Zeichens gnug daran/ Wenn ich die Werck betrachten kan/ Wie du die gantze Welt ernaͤhrst/ Und doch noch taͤglich mehr bescherst. 4. Du gehst auff einen Berg hinauff/ Und das ist auch der Christen Lauff/ Daß sie Berg an mit Bethen gehn/ Wenn sie vor ihrem Tische stehn. Dein Reich muß erst gesuchet seyn/ Eh du wilt taͤglich Brodt verleyhn. 5. Du hast die Augen auffgethan/ Und siehst das Volck mitleidend an. Ach wirff auch deinen Blick auf mich/ Weil er dein Hertze zieht nach sich. Gib/ daß dein Antlitz nimmermehr Der Suͤnden wegen von mir kehr. 6. Du fragst/ wo Brodt zu kauffen sey/ Doch pruͤfest du uns nur dabey. E Du Am Sonntage Lätare. Du weist schon/ was du machen wilt. Drumb wenn nicht stets der Segen qvillt/ So mach uns doch im Glauben fest/ Daß man sich auf dein Wort verlaͤst. 7. Ein kleiner Vorrath auff den Tisch: Fuͤnff Gersten Brodt uñ zwene Fisch. Vernunfft sieht das zu wenig an/ Daß man fuͤnff tausend speisen kan. Doch mache nuꝛ mein hertz vergnuͤgt/ Weil viel offt unter wenig liegt. 8. Die Gaͤste lagern sich ins Graß. O wie ein schoͤnes Bild ist das? Der du das Graß so wachsen laͤst/ Und kleidest auff das allerbest/ Wirst ja viel mehr besorget seyn Den Deinen Nothdurfft zu nerleihn. 9. Sie essen nun und werden satt/ Und sammlen/ daß man uͤbrig hat. So saͤttige uns/ HErr/ noch heut/ Gib daß die Speise wohl gedeut/ Und daß niemand Verschwendung treibt/ Wann uns ein Segen uͤberbleibt. 10. HERR unser Koͤnig und Prophet/ Hilff/ daß man deine Majestaͤt Umb solcher Wunder willen preist/ Und stete Danckbarkeit erweist. Weñ man dich sucht/ entweiche nicht/ Biß man dort brodt des Lebens bricht. XXXI. Am Tage St. Matthiä. XXXI. R osen bey den Myrrhen. Am Tage des Ap. St. Matthiaͤ. Mel. Meinen JEsum laß ich nicht. 1. A Ngenehmer Menschen-Freund/ Es verklaͤrt sich dein Gesichte/ Wie die holde Sonne scheint/ Bey dem freudigen Berichte/ Daß der lieben Juͤnger Schar Nicht umbsonst gelauffen war. 2. Das allein macht dich erfreut/ Weñ die Menschen dein Wort hoͤrẽ/ Und zu ihrer Seligkeit Sich begierigft lassen lehren. Da du sonsten hast geweint/ Wenn es niemand treulich meint. 3. Gib/ daß ich dir diese Lust Auch auff gleiche Weise mache/ Daß das Hertz in deiner Brust Uber mir vor Freuden lache/ Und dein Diener dir von mir Lauter Guthes stelle fuͤr. 4. Wenn dein Evangelion Sich in vollen Lauffe zeiget/ E 2 Und/ Am Tage St. Matthiä. Und/ zu aller Feinde Hohn/ Vieler Hertzen zu dir neiget/ Ach so gib/ daß ich mich freu/ Deinem Vater danckbar sey. 5. Hast du hier der klugen Welt Dein Geheimnuͤß gantz benom̃en/ Und was man vor thoͤricht haͤlt/ Zur Erleuchtung lassen kommen; So sind jene selbsten Schuld/ Denn sie spotten deiner Huld. 6. Alles steht in deiner Hand/ So wirst du dein Reich regieren/ Und weil dir der Weg bekant/ Uns allein zum Vater fuͤhren. Diesen kennst du nur allein/ Und die dir gegeben seyn. 7. Du ruffst alle: Kommt zu mir Die muͤhselig und beladen. Ach so komm ich hier zu dir. Nihm mich aͤrmsten auff in Gnadẽ. Und erqvicke meinen Geist/ Der dich seinen Troͤster heist. 8. Spanne mich nur an dein Joch/ Jch wil von dir lernen leiden. Du wirst mich zu letzte noch Mit vergnuͤgter Anmuth weiden/ Weil Am Sonntage Judica. Weil dein Joch der Demuth weicht/ Und auch deine Last sehr leicht. 9. Trag ich sie biß an das Grab/ Ach so druͤckt sie doch nicht weiter. Alle Last faͤllt alsdenn ab/ Alle Thraͤnen werden heiter/ Hier die Unruh/ dort die Ruh/ Seele/ fleuch dem Himmel zu. XXXII. D ie beschuldigte Un- schuld. Am Sonntage Judica. Melod. Wohlan es geht numehr zum Ende. 1. W Er wil dich einer Suͤnde zeihen? Du unbeflecktes GOttes-Lam̃! Du kanst dich deiner Unschuld freuẽ/ Du weiß- und rother Braͤutigam. Es treten alle Feinde her/ Trotz dem/ dem etwas wissend waͤr. 2. Ach wenn ich dir doch gleiche waͤre! Mein eigen Hertz verdammet mich. Der Schuld ist mehr/ als Sand am Meere/ Und aͤngstet mich bestaͤndiglich. Gib daß die Last mich nicht erdruͤckt/ Und deine Unschuld mich erqvickt. E 3 3. Du Am Sonntage 3. Du kanst allein die Warheit sagen/ Und warumb glaͤubet man dir nicht? Die Juden moͤgens mit dir wagen/ Aus deren Mund der Satan spricht. Sie hoͤren dich/ und treiben Spott/ Und darumb sind sie nicht von Gott. 4. Jch bin durch dich aus Gott gebohrẽ/ Drumb laß mich keinen Spoͤtteꝛ seyn. Schallt GOttes Wort fuͤr meinen Ohren/ So pflantz es auch ins Hertz hinein. Nehm ich von dir die Wahrheit an/ So mach mich ihr auch unterthan. 5. Du must ein Samariter heissen/ Und leider! gar ein Teuffel seyn. Jedoch die Satans-Fliegen schmeissẽ Auch auf den schoͤnsten Edelstein. Man neñt dich einen Suͤnder-knecht/ Und dennoch bleibest du gerecht. 6. Gib/ daß ich auch der Feinde schmaͤhen Mit Tugend widerlegen mag. Die Unschuld laͤst sich endlich sehen/ Und tritt mit Freuden an den Tag. Ein Christe bleibet doch ein Christ/ Der vor der Welt ein schandfleck ist. 7. Du suchst nicht selber deine Ehre/ Weil sie dein Vater sucht und richt. Das ist vor mich auch eine Lehre/ Der Eigenruhm gebuͤhrt mir nicht. Be- Judica. Behuͤtte mich vor Pralerey/ Damit die Ehre GOttes sey. 8. Wer dein Wort haͤlt/ der wird nicht schmecken/ Wie bitter gleich der Todt sonst ist. Drumb laß mich diesen Zucker lecken/ Der auch das sterben selbst versuͤßt. Wer dieses Licht erwaͤhlet sich/ Der sieht den Todt nicht ewiglich. 9. Du bist zwar aus den Vaͤtern kom̃en/ Doch mehr als sie und Abraham. Er hatte selbst mit Lust vernommen/ Da ihm dein Tag in Hoffnung kam. Laß mich auff einen Tag auch freun/ Da ich in Abrams Schoß soll seyn. 10. (nen/ Wirfft mich die arge Brutt mit Stei- Auch endlich gar zur Welt hinaus. So wollst du JEsu mir erscheinen/ Und fuͤhre mich ins Himmels-Hauß. Jn jenem Tempel nur allein. Werd ich gar wohl verborgen seyn. 11. Ein Abraham ist laͤngst gestorben/ Und so muß ich auch endlich dran. Doch hat dein Todt mir das erwor- ben/ Daß ich gantz froͤlich sterben kan. Jch scheue Grab und Wuͤrme nicht/ Wer dein Wort haͤlt/ der stirbet nicht. E 4 XXXIII. Am Sonntage XXXIII. Das betruͤbte Echo unter den Palmen. Am Sonntage Palmarum. Mel. Freu dich sehr O meine Seele. 1. L ustig/ daß es GOtt erbarme! Soll ich unter Palmen seyn/ Und mein Braͤutigam/ der Arme/ Zieht zu seinem Leiden ein. Weil Jerusalem ist nah/ Seh ich schon sein Golgatha/ Und an dieses Oelbergs Fuͤssen Seh ich schon den Blutt - Schweiß fluͤssen. 2. Koͤnnen da wohl Palmen gruͤnen/ Wo nur lauter Dornen stehn? Da der Mord-Platz ist erschienen/ Soll man da im Reyhen gehn? Laßt vielmehr Cypressen streun/ Und huͤllt euch in Saͤcken ein/ Die ihr JEsum wollt begleiten/ Und mit mir zum Creutze schreiten. 3. Grosser Koͤnig/ wie geduldig Gehest du in deinen Todt? Da du nicht des Todes schuldig/ Eylst du doch zur Todes-Noth/ Ohne Palmarum. Ohne Furcht und ohne Zwang/ Als waͤr es ein Hochzeit-Gang/ Ja so etwas dich getrieben/ Jst es dein getreues Lieben. 4. Also laß mich auch mit Freuden Zum bestimmten Creutze gehn/ Und mein wohl-verdientes Leiden Gantz geduldig uͤberstehn. Wil gleich Fleisch und Blutt nicht dran/ So wirff du den Zaum mir an/ Laß dein Wort mich zu dir fuͤhren/ Und auch meinen Lauff regieren. 5. Wenn du deine Juͤnger sendest/ Gehen sie mit Freuden fort. Wie du sonst die Hertzen wendest/ So schafft auch ein eintzigs Wort/ Daß der Wirth das Seine giebt. Also wer dich hertzlich liebt/ Wird dir alles uͤberlassen/ Und dein Wort zu Hertzen fassen. 6. O nihm alles/ was ich habe/ Wenn du sein beduͤrfftig bist. Leib und Seel ist deine Gabe/ Die dir wieder zinßbar ist. Schicke mich/ wohin du wilt/ Deiner Juͤnger Tugend-Bild E 5 Soll Am Sonntage Palmarum. Soll mir stets fuͤr Augen schweben/ Dir gehorsamlich zu leben. 7. Wie verehren dich die Leuthe/ Breiten Kleider auff die Bahn. Wie die Sieger nach dem Streite/ Nimmt man dich mit Palmen an. Schau mein Hertze lieget hier/ Dieses unterwirfft sich dir/ Und mein Glaube haͤlt dich feste/ Der ist stat der Palmen-Aeste. 8. Nun zeuch ein zu jenen Thoren/ Wo sie Hosianna schreyn/ Das doch bald in deinen Ohren Muß ein Crucifige seyn. Denn so macht es diese Welt/ Die das Honig bald vergaͤllt/ Aber dort wird man nicht leiden/ Sondern unter Palmen weiden. XXXIV. Der Auffgang aus der Hoͤhe. Am Fest der Empfaͤngnuͤß C Hristi. Mel. Liebster JEsu/ wir sind hier/ dich ꝛc. 1. K Ommst du/ grosser GOttes- Sohn/ Von Am Fest der Empfäng. Christi. Von dem Himmel auff die Erden/ Und verlaͤssest deinen Thron/ Daß du unser Knecht kanst werden? Ach wie soll man dich gnug preisen/ Und gebuͤhrends Danck erweisen? 2. Nazareth/ die kleine Stadt/ Muß dir zur Empfaͤngnuͤß dienen. Was die Welt verachtet hat/ Kan in deinen Augen gruͤnen. Laß mich allen Stoltz verfluchen/ So wirst du mich auch besuchen. 3. Gabriel wird ausgesandt/ Eine reine Braut zu gruͤssen. Engel machen sich bekandt/ Wo sie keusche Seelen wissen. Laß mich Reinigkeit stets uͤben/ Daß mich reine Geister lieben. 4. Eine Jungfrau nur allein Kan dich unterm Hertzen tragen. Soll ich deine Wohnung seyn/ Muß ich allem dem entsagen/ Was mit deiner Liebe streitet/ Und zur Suͤnde mich verleitet. 5. O ein angenehmer Gruß. Der Mariam benedeyte/ Und des Segens Uberfluß Auff ihr keusches Hertze streute. E 6 Sollst Am Fest der Empfäng. Christi. Sollst du mich holdselig nennen/ Muß ich dich im Glauben kennen. 6. Jhr erschrocknes Hertze muß Lauter Gnade fuͤr dir finden. Ach so laß auff deinen Gruß Alle Furcht bey mir verschwinden. Bin ich nur bey dir in Gnaden/ Ach so kan mir gar nichts schaden. 7. JEsus soll dein Nahme seyn/ Dieses heist ein Seligmacher. Ach so fuͤrcht ich keine Pein/ Und auch keinen Wiedersacher. Lauter Heyl liegt in dem Nahmen/ Lauter Ja und lauter Amen. 8. Dir/ des Allerhoͤchsten Sohn/ Wil Gott Davids Stuhl bereiten/ Deines Koͤnigreiches Thron Ubergehet alle Zeiten. Du sollst Jacobs Hauß regieren/ Und die Jacobs Glauben fuͤhren. 9. Wir sind dir auch unterthan/ Weil wir deinen Scepter kuͤssen. Sieh uns stets in Gnaden an/ Laß uns deine Huld genuͤssen. Herrsch in uns mit lauter Segen/ So darff sich kein Feind nicht regen. 10. Am Grünen Donnerstage. 10. Dort muß deines Geistes Krafft Die Mariam uͤberschatten. Wo der in der Seelen hafft/ Da geht alles wohl von statten. Laß mich diesen stets regieren/ Und ihn nimmernehr verlieren. 11. Mir geschehe/ wie du wilt/ Jch bin dir als Knecht Magd verbundẽ. Du bleibst nun mein Freuden- Schild/ (den. Wenn der Engel gleich verschwun- Denn der HErr der Engel-scharen Jst zu mir herab gefahren. 12. Unterdessen troͤst ich mich/ Daß du mein Fleisch angenommen. Meine Seele freuet sich/ Und spricht: Go ë l/ sey willkommen. Weil du bey mir ein wilst kehren/ Wil ich dich im Geist gebehren. XXXV. Das Gastgeboth der Liebe. Am Gruͤnen Donnerstage. Mel. Meinen JEsum laß ich nicht. E 7 1. Al- Am Grünen Donnerstage. 1. A Llergroͤster Menschen-freund/ Du gehst itzund an dein Leidẽ/ Und hast es so treu gemeint/ Uns dich selbsten zu bescheiden. Ach das ist ein Testament/ Das nicht seines gleichen kennt. 2. Laß mich dieses Wunder-Mahl Niemahls ohne Danck betrachten/ Und in diesem Jammer-Thal Vor mein bestes Labsal achten/ Ja bereite mich sehr wohl/ Wenn ich es gebrauchen soll. 3. Jn der allerletzten Nacht/ Da dich Judas hat verrathen/ Hast du ein solch Mahl gemacht/ Deiner grossen Wunder-Thaten. Solcher Liebe Herrligkeit Daͤmpffet keine Dunckelheit. 4. Wenn ich hier zu Tische geh/ So vertreib die Nacht der Suͤnden/ Daß ein Licht in mir entsteh/ Dich/ O wahres Licht/ zu finden/ Das einmahl die Todes-Nacht Mir zum hellen Himmel macht. 5. Du giebst Brodt/ und doch dabey Deinen Leib uns zu genuͤssen. Du Am Grünen Donnerstage. Du sprichst/ daß dein Blut hier sey/ Und ich seh den Wein nur fluͤssen. Das Geheimnuͤß ist sehr groß/ Und der Glaube faßt es bloß. 6. Laß mich die Vernunfft doch hier Durch dein Wort gefangen nehmẽ/ Und mit sehnlicher Begier Deiner Stifftung mich beqvemen. Wer mich hier mit Zweifel plagt/ Hoͤrt ein Wort: Du hasts gesagt. 7. Wie das Brodt uns sonst gedeyt: Also staͤrckt dein Leib die Seele. Wie der Wein das Hertz erfreut/ So giebt deiner Wunden Hoͤle Einen Wein/ der uns entzuͤckt/ Und im Tode selbst erqvickt. 8. O du liebes Gast-Geboth/ Wo die Liebe Taffel decket/ Wo man lauter Himmel-Brodt/ Kost uñ Most des Lebens schmecket/ Wo der Wirth sich selbst verspeist/ Tranck und Keller-Meister heist. 9. Suͤsser JESU/ laß mich offt Deine Suͤßigkeit hier schmecken. Wenn du mir wirst unverhofft Eine Gnaden-Taffel decken. Jch Am Char-Freytage. Jch bin gantz vor Liebe kranck Nach dergleichen Speiß uñ Tranck. 10. Aber laß mich wuͤrdiglich Dieses Danck-und Denck-Mahl halten. Sonsten wuͤrden uͤber mich Zorn und Ungenade walten. Wer wil hier zu Gaste gehn/ Muß in Buß und Glauben stehn. 11. Schrecklich ist/ was Paulus spricht: Wer unwuͤrdig ißt und trincket/ Jßt und trinckt ihm das Gericht. Drumb wenn mir dein Finger win- cket/ Gieb mir vor die Pruͤfung ein/ Eh ich hier dein Gast wil seyn. 12. JESU wahres Himmel-Brodt/ Suͤsser Tranck von Edens Reben/ Laß doch diesem Gast-Geboth Keinen Jrrthum widerstreben. Halt mit uns dein Testament Biß an unser letztes End. XXXVI. Die gecreutzigte Liebe. Am Char-Freytage. Melod. Wohlan es geht nunmehr zum Ende. 1. Am Char-Freytage. 1. (ben/ M Ein bester Fꝛeund ist mir gestor- Ach sollt ich nicht im Leide gehn? Der mir den Himmel hat erworben/ Den seh ich auff der Bahre stehn. Der mir das Leben hat gebracht/ Versinckt in schwartze Todes-Nacht 2. Wie ist mir/ seh ich JEsum sterben? Ach ja! ich seh es allzu klar/ Wie sich die blassen Lippen faͤrben/ Sein Antlitz stellt die Sonne dar/ Wenn sie zu Ruͤste gangen ist/ Und allen ihren Glantz verschluͤßt. 3. Die Augen sind nicht nur gebrochen/ Weil schon das Hertze selbsten bricht. Kaum ist das letzte Wort gesprochen/ Da man von seinem Tode spr i cht. Das Haupt/ das so viel Strahlen zeigt/ Hat sich zur Erden schon geneigt. 4. (faͤhret/ O Schweꝛdt/ das meine Brust durch- O Todt/ der mich zum Todten macht. Mein Hertz ist mir gantz umbgekehret/ Jndem es seinen Freund betracht/ Wie er den letzten Abschieds-Kuß Mit kalten Lippen geben muß. 5. (len/ D ie Sonne selbst versteckt die Strah- Der Himmel kreucht in einen Sack. Das Echo rufft zu tausend mahlen: Das ist ein rechter Trauer-Tag. Der Am Char-Freytage. D er Felsen Ritz macht ein Geschrey/ D aß GOttes Sohn gestorben sey. 6. Ach sterbet in mir alle Kraͤffte/ Weil JEsus stirbt/ ist meine Pflicht/ D aß ich mich an sein Creutze heffte/ D a mein Hertz an dem seinen bricht. Ach JEsu nihm mein Leben hin/ Jch ruh nicht/ biß ich bey dir bin. 7. Erblaste Lippen/ last euch kuͤssen/ Jhr trifft von lauter Honig noch. Laß dich/ geneigtes Haupt umschluͤssẽ/ D as mir nach lauter Balsam rvch. Erlaube/ tieffer Seiten-Ritz/ Jn dir mir einen Tauben-Sitz. 8. Wo soll ich dich nun hin begraben/ D aß ich kan immer bey dir seyn? D u follt zur Grufft mein hertze haben/ D a leg ich dich/ mein Freund/ hinein. D ein Creutze soll das Grabmahl seyn. Die Schrifft darauff dein Blutt allein. 9. Und wenn ich meinen Lauff vollende/ So geb ich meinen muͤden G eist Jn deines treuen Vaters Haͤnde/ Wie mich dein Abschied bethen heist. D er trifft im Tode Leben an/ Wer mit und in dir sterben kan. XXXVII. Am H. Oster-Tage morgens. XXXVII. E vangelische Wall- fahrt zum Grabe CHristi. Am H. Oster-Tage Morgens. Mel. Freu dich sehr O meine Seele. 1. H ERR des Todes/ Fuͤrst des Lebens/ Schwingst du deine Sieges-Fahn/ Und hat sich der Todt vergebens Wider dich hervor gethan? Ja/ man singt Victoria! Alle Feinde liegen da/ Du hast Satans Reich verheeret/ Seine Pforten umbgekehret. 2. Hier steh ich bey deinem Grabe/ Bringe meine Specerey. Weil ich sonsten gar nichts habe/ Setz ich meine Thraͤnen bey/ Die fuͤr Freuden fluͤssend sind/ Weil dein Helden-Arm gewinnt/ Und der lebend mir erscheinet/ Den ich vor als todt beweinet. 3. Du hast deine Grufft verlassen/ Da der Sabbath war vorbey. Daß Am H. Oster- Daß wir wohl zu Hertzen fassen/ Was der Todt der Frommen sey/ Nehmlich eine Sabbaths-Ruh; Du schleust unsre Graͤber zu/ Und wenn wir daraus erstanden/ Jst ein Sabbath noch verhanden. 4. Laß mich heut und alle Tage Mit dir geistlich aufferstehn. Daß ich nicht Gefallen trage/ Mit der boͤsen Welt zu gehn. Die in Suͤnden-Graͤbern lebt/ Und an Eitelkeiten klebt; Sondern mich der Ostern freue/ Und mein Leben gantz verneue. 5. Bey der fruͤhen Morgenroͤthe Gehst du aus der Grufft hervor/ Und die Sonne/ dein Prophete/ Steigt in vollem Glantz empor. GOttes Zorn hat eine Nacht Voller Finsternuͤß gemacht: Da du aber aufferstanden/ So ist Gnad und Licht verhanden. 6. Wirff doch auch/ du Oster-Sonne/ Deine Strahlen auff mein Hertz/ Und erfuͤlle mich mit Wonne/ Komm vergrabe meinen Schmertz. Treib der Suͤnden Nacht von mir/ Daß ich sey ein Licht in dir. Wer Tage morgens. Wer so scheinet auff der Erden/ Soll dort gar zur Sonne werden. 7. Seh ich drey bemuͤhte Frauen Hier bey deinem Grabe stehn/ O so hab ich das Vertrauen/ Auch mit ihnen hin zu gehn. Die gedritte Zahl stellt dir/ Glaube/ Lieb und Hoffnung fuͤr. Diese sollen dich umbfassen/ Und auch in der Grufft nicht lassen. 8. Nun wer weltzt mir von der Thuͤre Den so schweren Stein hinweg? Doch der Kummer den ich fuͤhre/ Hindert gar nicht meinen Zweck. Als ich deine Grufft nur sah/ War kein grosser Stein mehr da. Ach/ laß mir die Last der Erden/ Jmmer noch so leichte werden. 9. Aber noch ein neuer Kummer. Hier ist nur ein leeres Grab. Jst mein Auge voller Schlummer? Oder nehm ich daraus ab/ Daß man dich gestohlen hat? Nein! der Englische Legat Heist mich druͤber nicht entsetzen. Jch soll JEsum lebend schaͤtzen. 10. Ach so lebst du nun/ mein Leben? Lebst Am H. Oster-Tage morgens. Lebst du mein Jmmanuel? Was wil ich mir Kummer geben/ Uber meines Grabes Hoͤl? Du warst todt/ itzt lebest du. Mein Todt bringt mich nur zur Ruh/ Weil ich ihn in deinem Grabe Laͤngsten uͤberwunden habe. 11. Nun ist aus des Satans morden/ Denn du bist der Hoͤllen Pest/ Und des Todes Gifft geworden. Heut erscheint das Sieges-Fest. Glaube/ Lieb und Hoffnung stellt Hier dein Zeichen auff das Feld/ Und laͤst diese Losung hoͤren/ Unserm Koͤnige zu Ehren: 12. Halleluja! GOttes Kinder/ Freut euch/ JEsus hat gesiegt. Seht wie diesem Uberwinder Alles itzt zu Fuͤssen liegt. Kommet her zu seiner Grufft/ Merckt was diese Stimme rufft: JEsus unser Haupt lebt wieder/ Durch ihn leben seine Glieder. XXXVIII. Oesterlicher T riumph- B ogen. Am Am H. Oster-Tage zu Mittage. Am H. Oster-Tage zu Mittage. Mel. CHristus der ist mein Leben. 1. W Illkommen Held im Streite Aus deiner Grabes-Klufft! Wir triumphiren heute/ Umb deine leere Grufft. 2. Hier liegen die Philister/ Die Simson hat erlegt. Und deines Reichs Verwuͤster Sind gaͤntzlich ausgefegt. 3. Hier schwimmt in seinem Blutte/ Der Riese Goliath. Und uns ist wohl zu Muthe/ Weil er verspielet hat. 4. Hier ist der alten Schlange Der harte Kopff zerknirscht/ Und uns ist nicht mehr bange/ Bey dir/ O Sieges-Fuͤrst. 5. Der Feind wird Schau getragen/ Und heist numehr ein Spott. Wir aber koͤnnen sagen: Mit uns ist unser GOtt! 6. Jn der Gerechten Huͤtten Schallt schon das Sieges-Lied. D Am H. Oster-Tage zu Mittage. Du trittst selbst in die mitten/ Und bringst den Oster-Fried. 7. Ach theile doch die Beute Bey deinen Gliedern aus. Wir alle kommen heute Deswegen in dein Hauß. 8. Schwing deine Sieges-Fahne Auch uͤber unser Hertz/ Und zeig uns einst die Bahne Vom Grabe Himmelwerts. 9. Laß unser aller Suͤnden Jns Grab verscharret seyn/ Und einen Schatz hier finden/ Der ewig kan erfreun. 10. Wir sind mit dir gestorben/ So leben wir mit dir. Was uns dein Todt erworben/ Das stell uns taͤglich fuͤr. 11. Wir wollen hier gantz froͤlich Mit dir zu Grabe gehn/ Wenn wir nur dorte selich Mit dir auch aufferstehn. 12. Der Todt kan uns nicht schaden/ Sein Pfeil ist numehr stumpff. Wir Am 2. Heil. Oster-Tage. Wir stehn bey GOtt in Gnaden/ Und ruffen schon: Triumph! XXXIX. Die allerbeste Ge- sellschafft. Am 2. H. Oster-Tage. Melod. JESUS meine Zuversicht. 1. L Aß mich gehn/ du eitle Welt/ Jch wil deine Companien/ Wo man nur sich selbst gefaͤllt/ Als die Dornen-Hecken fliehen. Denn ich setze meinen Fuß Auff den Weg nach Emaus. 2. Hier treff ich zwey Schaͤflein an/ Die den Hirten erst verlohren; Deren Mund nur seuffzen kan/ Weil in den betruͤbten Ohren Jmmer diese Stimme redt: JESUS sey gecreutziget. 3. Ach mein JESU/ laß auch mich Stets an deinen Todt gedencken/ Und mein gantz Gespraͤche sich Nur zu deinem Creutze lencken. Besser mit dir traurig seyn/ Als sich mit der Welt erfreun. 4. Du koͤmmst hier in Gasts-Gestalt/ Als der Dritte zu den Zweyen. F Doch Am 2. Heil. Oster-Tage. Doch wilst du ihr Hertz nicht bald Durch gewuͤnschten Trost erfreuen/ Denn ihr Auge wird verblendt/ Daß es dich/ o Freund/ nicht kennt. 5. Wenn dein Hertz sich fremde stellt/ So geschichts auch noch zu Zeiten/ Daß man gar vor todt dich haͤlt. Du verbirgest dich von weiten. Doch es kommt auff Proben an/ Wie man sich bezeigen kan. 6. Laß mich/ JESU/ nicht allein/ Wenn ich meinen Creutz-Weg gehe/ O mein Oster-Gast erschein/ Wenn ich auch in Kummer stehe. Ach verstell dich/ wie du wilst/ Wenn du nur den Kummer stillst. 7. Du weist selber alles wohl/ Und fragst dennoch/ was sie sagen: Du begehrest/ daß man soll Seine Noth von Hertzen klagen. Wer die Wunden offenbahrt/ Wird mit Pflastern wohl verwahrt. 8. Meine Noth ist dir bewust. Doch du wilst sie offters wissen. Darumb laß mich in der Brust Meinen Kummer nicht verschluͤssen. Man muß offenhertzig seyn/ Wo du sollsi das Hertz erfreun. 9. Du gebrauchst ein hartes Wort/ Neñst Am 3. H. Oster-Tage. Nennst sie Thoren/ traͤge Hertzen/ Das sie doch an ihrem Ort Gantz geduldiglich verschmertzen. Unterwirff mich deiner Zucht/ Wenn mein Hertz zu zweifeln sucht. 10. Du weist ihnen gar zu schoͤn Das Verstaͤndnuͤß auffzuschluͤssen/ Daß sie aus der Schrifft verstehn/ Wie du alles leiden muͤssen. Ach erleucht auch meinen Sinn/ Daß ich nicht so bloͤde bin. 11. Da der Tag sich hat geneigt/ Kehrst du ein auff ihr Verlangen/ Und da hast du erst gezeigt/ Wer mit ihnen sey gegangen. Biß dein Leib zuletzt verschwand/ Und ihr Hertz war voller Brand. 12. Bleibe/ JESU/ auch bey mir/ Wenn es nun wil Abend werden. Ach mein Hertze brennt nach dir/ Doch verschwindest du auff Erden/ Weiß ich doch/ daß mir dein Schein Dort wird offenbahret seyn. XL. Oster-Post und Trost. Am 3. H. Oster-Tage. Mel. GOtt des Himmels und der Erden. 1. A Ch wie lieblich sind die Fuͤsse/ F 2 Wel- Am 3. H. Oster-Tage. Welche durch die Thuͤren gehn! Ach wie klingt das Wort so suͤsse/ Das die Juͤnger itzt verstehn! Jst der Gruß nicht Freuden-reich? Friede/ Friede sey mit euch! 2. Komm du angenehmer Bothe/ Weil mich auch nach Friede duͤrst. D u bist nun nicht mehr der todte/ Sondern lebendige Fuͤrst. Aber ich bin todt fuͤr dir/ Darumb gib das Leben mir. 3. Gruͤsse mich mit deinem Munde/ Der in deinem Worte spricht. Schleuß mich aus dem Friedens- Bunde Deiner lieben Juͤnger nicht. Trag/ du reine Taube du/ Mir des Friedens Oel-Blat zu. 4. Zwar ich sollte wohl erschroͤcken/ Weil ich nicht des Friedens werth/ Und viel Suͤnden in mir stecken/ D ie mich von dir abgekehrt. Ach mein Glaub ist gar zu klein! Wie kan Frieden in mir seyn? 5. D och du zeigest mir die Siegel Deiner rothen Wunden her/ Und ich seh in diesem Spiegel Keinen Zorn und Feindschafft mehr. Haͤnd und Fuͤsse stellen mir Lauter Sieges-Zeichen fuͤr. 6. War Am 3. H. Oster-Tage. 6. War noch Zweifel dort zu mercken/ Speisen deine Juͤnger dich. Wilst du meinen Glauben staͤrcken/ Ach so speise lieber mich. Es giebt mir dein Gnaden-Tisch Mehr als Honigseim und Fisch. 7. Lehr mich Mosen/ die Propheten/ Und die Psalmen recht verstehn. Also muste man dich toͤdten/ Und du mustest aufferstehn. Alles/ was sie vorgebildt/ D as ist auch in dir erfuͤllt. 8. Laß mich deinem Worte trauen/ Weil es so warhafftig ist/ Und mich Felsen darauff bauen/ Wenn du dich auff was beziehst. Denn dein Nahmen muß allein Mein gewisses Amen seyn. 9. Wenn die Predigt von der Buße Auch in meinen Ohren thoͤhnt; Ach so wirff mich dir zu Fusse/ Biß ich mit dir ausgesoͤhnt. Alsdenn schenckt mir deine Huld D ie Vergebung meiner Schuld. 10. Gieng die Predigt deiner Juͤnger Von Jerusalem erst an; Ach so sind wir nicht geringer/ Weil man bey uns hoͤren kan/ F 3 Wie Am 1. Sonntage Wie dein Gruß so gnadenreich: Friede! Friede sey mit euch! XLI. F riedens- Gruß und Kuß. Am 1. Sonntage nach Ostern. Mel. Wer nur den lieben Gott laͤst walten. 1. K Omm Mittler/ und tritt in die mitten/ Wo die betruͤbten Juͤnger seyn. D ie aͤrmsten haben gnug gelitten/ Und schluͤssen sich vor Furchten ein. Ach gruͤsse sie doch alle gleich/ Und ruffe: Friede sey mit euch! 2. (sen/ Mein Heꝛtz ist vielmahl auch veꝛschlos- Es wil kein Licht und Trost hinein. Mich heissen Satans Mitgenossen Jn lauter Bangigkeiten seyn. Ach geh durch die verschloßne Thuͤr/ Und bringe Frieden auch zu mir. 3. D ein Friede kan mich nur erfreuen/ Weñ mich Welt/ Fleisch und Teuf- fel plagt/ Und wenn mich des Gesetzes draͤuen Von einem Ort zum andern jagt. Sprichst du nur: Friede sey mit dir! So weichet alle Noth von mir. 4. Ach nach Ostern. 4. Ach zeige mir auch deine Wunden/ D ie angenehme fuͤnffte Zahl: Hab ich die offne Seite funden/ Und sehe deine Naͤgel-Mahl/ So hab ich alles das erblickt/ Was Frieden in mein Hertze druͤckt. 5. Jch kuͤsse diese theure Hoͤlen/ Hier soll mein Rosen-Garten seyn. Hier ist der Tempel meiner Seelen/ Hier find ich lauter Sonnen-Schein. Hier treff ich Lebens-Buͤcher an/ W o ich den Nahmen lesen kan. 6. Ach oͤffnet doch ihr Liebes Kammern. D er armen Sulamith die Thuͤr. Jch heffte mich mit Glaubens-Klam- mern. An euch/ ihr Felsen-Ritzen ihr. Hier wil ich eine Biene seyn/ Auff euch/ ihr Blumen/ nur allein. 7. Jhr bleibet doch/ so lang ich lebe/ Mein Paradieß auff dieser Welt; Und wenn ich meinen Geist auffgebe/ So wuͤntsch ich mir kein ander Zelt. Hier soll mein Grab/ mein Leichen- Stein/ Mein Sterbe-kleid/ mein Him̃el seyn. 8. Mein JESU predige den Frieden Moch ferner durch dein Amt bey mir. F 4 Ach Am 2. Sonntage Ach sende Bothen zu den Muͤden/ D ie deines Geistes Odem ruͤhr. Sie haben Macht und Recht von dir/ Und tragen Fluch und Segen fuͤr. 9. Sie koͤnnen loͤsen und auch binden/ D u hast es ihnen anvertraut. Nachdem sie unsre Hertzen finden/ Und man die Frucht im Leben schaut. Laß Reu und Glauben bey mir seyn/ So wird Vergebung mich erfreun. 10. (det/ Weñ Thomas die Versam̃lung mei- So wird sein Glaube schwach und klein. (det/ Hilff/ daß mein Hertze sich nicht schei- Von denen die dein Erbe seyn. So fichtet mich kein Zweiffel an/ Ob ich dich gleich nicht sehen kan. 11. Hier ist die Hand/ ich wil dir glaͤuben/ Hier ist mein Wort/ du sollst allein Mein HErr und auch mein GOTt verbleiben/ D as sol mein steter Wahlspruch seyn. Biß ich dich dort in Canaan Mein HERR und mein GOTT nennen kan. XLII. Der gutte Hirt und Wirth. Am nach Ostern. Am 2. Sonntage nach Ostern. Melod. Nun preiset alle/ GOttes ꝛc. 1. O Gutter Hirte D einer erloͤseten Herd/ Komm und bewirthe Alles/ was deiner begehrt. Fuͤhr mich dein Schaͤflein zu den Auẽ/ Welche die Himmel mit Manna be- thauen. 2. Ach wie so theuer Kommen die Schaaffe dich an/ D aß niemand treuer Jhnen begegnen kan. D u hast gar viel vor sie gegeben/ Weil sie dich kosten dein eigenes Lebẽ. 3. D as heisset Liebe/ Sterben aus grosser Begier. D ie Seelen- D iebe Muͤssen sich schaͤmen vor dir. Ein Mietling fleucht/ wenn Woͤlffe kommen/ Welche schon manches der Hoerde genommen. 4. D u kennst die D einen/ D enen du wieder bekandt. Eh sie es meinen/ Hast du schon Huͤlffe gesandt. F 5 Und Am 2. Sonntage Und weñ die W oͤlffe noch so schleichen/ Muͤssen sie dennoch mit Schanden entweichen. 5. D ie armen Heyden Waren den Juden veracht/ Jtzt wird aus beyden Einerley Heerde gemacht. (le/ Sind sie gleich nicht aus einem Stal- D ennoch versorgest und weidestu alle. 6. Liebliche Trifften! Herrliche Schaͤfferey! D ie du wirst stifften/ Wenn nun das Eitle vorbey. Da wird man auff des Him̃els Auen Schaͤffer und Schaͤflein weit liebli- cher schauen. 7. Und du mein Hirte/ Weil ich dein Schaͤflein auch bin/ Ach so bewirthe Meinen sehr hungrigen Sinn. Und laͤssest du vor mich dein Leben/ Kanst du auch selber zur Speise dich geben. 8. Bin ich verirret/ Fuͤhre mich wieder zurecht. Was mich verwirret/ Mache mir eben und schlecht. Laß mich dein Auge stets bewachen/ Stopffe dem Wolffe den hungrigen Rachen. 9. nach Ostern. 9. Sollst du mich kennen/ O du allwissender Hirt/ Und deine nennen/ Wenn es dort offenbahr wird/ So laß mich deine Stimme hoͤren/ Und dich bestaͤndig mit folgen veꝛehrẽ. 10. Kein Mietling kraͤncke Deine gesegnete Herd/ Der nur drauff dencke Wie er gesaͤttiget werd. Gib Hirten nur nach deinem Hertzen/ Daß sie kein einiges Schaͤflein ver- schertzen. 11. Jst meine Weide Offters mit Thraͤnen bestreut/ Bluͤht doch die Freude Jn der zukuͤnfftigen Zeit. (hen/ Man muß hier schon auff Dornen ge- Dorte wird lieblicheꝛ Ehrenpꝛeiß stehẽ. 12. Du hast im Himmel Droben den Schaffstall gesetzt/ Wo kein Getuͤmmel Laͤmmer und Schaaffe verletzt. Wo keine Woͤlffe mehr zu schauen/ Wo du mich weidest auff goͤldenen Auen. F 6 XLIII. Am 3. Sonntage XLIII. Leiden und Scheiden. Am 3. Sonntage nach Ostern. Nach besonderer Melodie. 1. B Etruͤbtes Jubilate/ Da JEsus meinen Geist Jn Thraͤnen baden heist. Jch soll ihn nicht mehr sehn/ Ach! wie soll mir geschehn/ Weñ ich in Angst und Noth gerathe? Betruͤbtes Jubilate. 2. Betruͤbtes Jubilate! Ein kleiner Augenblick Raubt mir das hoͤchste Gluͤck. Ach denckt/ wer von mir geht? Mein Koͤnig/ mein Prophet/ Mein Priester/ Artzt und Advocate. Betruͤbtes Jubilate! 3. Betruͤbtes Jubilate! Die Sonne birgt den Scheln/ Und ich soll froͤlich seyn. Wo nehm ich Rettung her/ Wenn ich im Thraͤnen-Meer Und in den Jammer-Fluthen wathe? Betruͤbtes Jubilate! 4. Betruͤbtes Jubilate! Ach brich/ mein Hertze brich/ Dein nach Ostern. Dein Freund verlaͤsset dich. Die Welt hat ihren Spott/ Und fragt: wo ist dein GOtt/ Der sonst in Gnaden zu dir nahte? Betruͤbtes Jubilate! 5. Vergnuͤgtes Jubilate! Mein Geist besinne dich/ Denn JEsus troͤstet mich. Der Gang muß wohl geschehn/ Doch soll ich wieder sehn/ Was ich mit schmertzen itzt entrathe. Vergnuͤgtes Jubilate! 6. Vergnuͤgtes Jubilate! Es soll ja diese Pein Mir nur ein kleines seyn. GOTT denckt an seinen Bund/ Und meines JEsu Mund Versorget mich mit Trost uñ Rathe. Vergnuͤgtes Jubilate! 7. Vergnuͤgtes Jubilate! Mein weinen schenckt mir Wein Schon in der Hoffnung ein. Wer erst mit Angst gebiehrt/ Wird drauff mit Lust geziert. So geht es in dem Christen-Staate. Vergnuͤgtes Jubilate! 8. Vergnuͤgtes Jubilate! So mag die Welt sich freun/ Jch wil betruͤbet seyn. F 7 W er Am Sonntage. W er seines Creutzes Last Nur mit Geduld umbfast/ (te. Der erndtet Lust nach Thraͤnen-saa- Vergnuͤgtes Jubilate! 9. Betruͤbtes Jubilate! So schallt es immerhin/ W eil ich auff Erden bin. Jm Himmel ist der Orth/ Da klingt ein ander W ort/ Da singt man erst nach GOTTes Rathe: Vergnuͤgtes Jubilate! XLIV. C Hristi Hinfarth/ Der Christen Wohlfarth. Am Sonntage Cantate. Melod. Volet wil ich dir geben. 1. S O wilst du Abschied nehmen/. Getreuer Hertzens-Freund/ Da sich die Juͤnger graͤmen/ Und selbst ihr Hertze weint. Die arme Heerde trauret/ Jndem der Hirte weicht/ Und der schon auff sie lauret/ Der einem W olffe gleicht. 2. Es kan auch auff der Erden Kein groͤßrer Kummer seyn/ Als Canta te . Als so verwaͤyset werden. Dis scheiden machet Pein; Denn dich im Hertzen wissen/ Jst gar ein Himmelreich: Alleine dich vermissen/ Jst einer Hoͤllen gleich. 3. W iewohl die Juͤnger klagen Nur ihren eiteln W ahn/ Der ihnen fehl geschlagen/ Mit tausend Thraͤnen an. Sie muͤssen inne werden/ Daß man auff dieser Bahn Kein irrdischs Reich auff Erden Bey dir erwarten kan. 4. Gib/ daß ich es bedencke/ D aß ich umbs Zeitliche Nicht mehr mich etwan kraͤncke/ Als umb das Ewige. Du solltest Blutt vergiessen/ Nicht herrschen auff der W elt. Der muß das Creutze kuͤssen/ Der dich vor Meister haͤlt. 5. Du must von hinnen scheiden/ So kommt der Troͤster her. Du zeigest/ daß dein Leiden Uns allen nuͤtzlich waͤr. Es kostet dich die Gabe So einen sauren Gang/ Daß ich ein Labsal habe/ W enn meine Seele kranck. 6. Ach Am Sonntage Cantate. 6. Ach laß mir das Geschencke Ein theures Kleinod seyn. Der Geist der W arheit lencke Mich in die W arheit ein. Strafft er mich umb die Suͤnde/ Und umb Gerechtigkeit/ So gieb/ daß ichs empfinde/ Und thu/ was er gebeuth. 7. Du giebst mir einen Lehrer/ Und was er redt/ ist dein/ So laß mich einen Hoͤrer Jn steter Andacht seyn. Daß er in meinem Hertzen Dich durch das W ort verklaͤrt/ Und mir in allen Schmertzen Den besten Trost gewehrt. 8. Laß den Geist alle zieren/ Die hier auff dein Begehr Das Ampt des Geistes fuͤhren/ Gieb Mund und W eißheit her/ Daß/ was sie der Gemeine Mit Lehren bringen bey/ Auch in dem Grunde deine Und deines Vaters sey. 9. W il sich der Teuffel bruͤsten/ Der Fuͤrste dieser W elt/ S o laß den Geist mich ruͤsten/ Daß er nicht Platz behaͤlt. Er ist vorlaͤngst gerichtet/ Dein Am Tage Philippi und Jacobi. Dein Geist hat mirs gesagt/ Und alle List zernichtet/ Die er vorhin gewagt. 10. Du hast noch viel zu sagen/ Nur ich ertrag es nicht. Doch wird es dorte tagen/ W o lauter Licht im Licht. W enn ich den Lauff vollende/ Steh auch dein Geist mir bey/ Daß meines Lebens Ende/ Ein Gang zum Vater sey. XLV. Die Geistliche Mayen- Lust. Am Tage Philippi und Jacobi. Melod. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. J Ch setze mich in deinen Schatten/ Du angenehmer Lebens- Baum. Die W elt liebt ihre gruͤne Matten/ Und sucht bey kuͤhlen Zweigen Raum. Jch finde nur an deiner Brust Die allerschoͤnste Mayen-Lust. 2. Du sprichst: Mein Hertz soll nicht er- schroͤcken/ Ach aber! wie kan es geschehn? Jch muß gleichwol an allen Ecken Mit Am Tage Mit Creutze mich umgeben sehn. Es scheint/ als ob mein gruͤner May Zur Dornen-Hecke worden sey. 3. Doch du gedenckst an meinen Glaubẽ/ Der dich und mich und Gott verbindt W er wil mir denn den S chatten rauben/ Den hier mein Hertz im gruͤnen findt? Der Glaube machet wohl gemuth/ Obgleich das Hertz in Dornen ruht. 4. Laß Jsrael in Lauber-Zelten Auff seinen Auen lustig seyn: Jch nehme doch nicht tausend W eltẽ/ Und buͤßte deine W ohnung ein/ Die du mir dort bereitet hast/ Zu einer hoͤchst gewuͤnschten Rast. 5. O was sind dort fuͤr Freuden-Zim̃er/ W ie schoͤn ist deines Vaters Hauß! Mein Glaube zeigt mir schon den S chimmer/ Jch sehne mich zur W elt hinaus. Jm Himmel droben ists allein Vergnuͤglich wohnen und gutt seyn. 6. Du bist mir/ JEsu/ vorgegangen/ S o weiß ich auch den W eg nun hin. Ach laß mich bald zu dir gelangen/ Daß/ wo du bist/ auch ich da bin. Unselig ist/ wer diese W elt Vor seine beste W ohnung haͤlt. 7. Du Philippi und Jacobi. 7. Du bist der W eg/ laß mich nicht fehlen: Du bist die W arheit leite mich/ Du bist das Leben/ zum erwehlen/ Zum Vater koͤm̃t man nur duꝛch dich. W ie nun der Vater ist in dir/ S o sey und bleibe du in mir. 8. Du wuͤrckest deines Vaters W ercke/ Und durch den Glauben wuͤrcken wir. Drum gib mir deines Geistes staͤrcke/ Daß ich ein glaͤubigs Leben fuͤhr/ Und immer als ein gruͤner May Jn deinem Kirchen-Garten sey. 9. Laß mein Gebeth zum Amen werden/ W enn ich in deinem Nahmen schrey. Und weñ die Maͤyen-Lust auff Erden Hier unter Thraͤnen ist vorbey/ S o gieb/ daß ich auff Zions Hoͤh W ie eine gruͤne Ceder steh. XLVI. Der Schluͤssel Zum Himmel und Heꝛ- tzen GOTTES. Am Sonntage Rogate. Melod. Vater Unser im Himmelreich.| 1. M Ein Abba kommt vor deinen Thron/ Zu Am Sonntage Zu dir/ O Vater durch den S ohn/ Der mir das W ort in Mund gelegt Und mein Gebethe fuͤr dich traͤgt. Jch ruff in JEsus Nahmen an/ Biß mir dein Hertz wird auffgethan. 2. Jn JEsus Nahmen steh ich hier/ Mein GOtt fuͤr deiner Gnadenthuͤr. S o hat mich JEsus unterricht/ Der zweymal warlich! warlich! spricht. W enn ich in diesem Nahmen schrey/ Daß mein Gebeth erhoͤret sey. 3. Jn JEsus Nahmen heb ich an/ W eil ich nichts groͤssers nennen kan/ Das dir das Vater-Hertze bricht/ Als wenn mein Mund den Nahmen spricht. Denn der erinnert dich allezeit Der vaͤterlichen Guͤttigkeit. 4. Jn JEsus Nahmen fahr ich fort/ Und dieses ist mein Losungs-wort/ Daß wenn vor Angst mein Mund gleich schweigt/ Dir dennoch dieser Nahmen zeigt/ Daß auch des Hertzens Angst allein Ein starck Gebethe koͤnne seyn. 5. Jn JEsus Nahmen schluͤß ich ein/ Was mir kan gutt und selig seyn/ Jn diesem worte steckt die Krafft/ Daran so Leib als Seele hafft. Wenn Rogate. W enn ich mit dem gewaffnet bin/ So nehm ich Gnad um Gnade hin. 6. Jn JEsus Nahmen schwing ich mich Gantz Himmel an/ zunaͤchst bey dich. Er bindet mir die Fluͤgel an/ Daß ich die wolcken brechen kan/ Und mein Gebeth/ so bald es klingt/ Zu dir in dein Gedaͤchtnuͤß dringt. 7. Jn JEsus Nahmen halt ich dir Die mir geschenckte Kindschafft fuͤr. Bist du der Vater/ ich das Kind/ S o geht kein Seuffzer in den wind/ S o bald dein Geist im hertzen schreyt/ Gedenckst du der Barmhertzigkeit. 8. Jn JEsus Nahmen stell ich dir Des Sohnes Todt und wunden fuͤr. S ein Blutt schreyt mehr als Abels Blutt/ Und ist das Oel in meiner Glutt. Ja gaͤbest du mir kein Gehoͤr/ S o waͤr er auch nicht JEsus mehr. 9. Jn JEsus Nahmen trag ich schon Den Vorschmack deiner Gunst davō. Eh ich noch bethen wil und kan/ So hoͤrst du schon mein schreyen an. Eh ich noch ruffe/ HErr/ zu dir/ S o kommt die Antwort schon zu mir. 10. Jn JEsus Nahmen halt ich an/ Biß Am Fest-Tage Biß ich Erhoͤrung finden kan. Verstelle dich nur wie du wilt/ So lange JEsus wort was gilt/ So lange bleibstu auch mein Freund/ Ob gleich dein Ohr verschlossẽ scheint. 11. Jn JEsus Nahmen schluͤß ich drauff Der angefangnen Seuffzer Lauff. Mein Bitten wird ein Nehmen seyn/ Und ein vollkom̃ner Freuden-schein/ Denn dieses wort betreugt mich nicht/ Weil JEsus Nahmen Amen spricht. XLVII. Der Wandel im Himmel. Am Fest-Tage der Himmel- fahrt CHristi. Melod. Wohlan es geht numehr zum Ende. 1. (net/ G Ott Lob! der Weg ist mir gebaͤh- O triumphirender HErr Christ. Daß sich mein Geist beweglichst sehnet/ Zu seyn wo mein Erloͤser ist. Jch seuffze taͤglich mit Begier: Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 2. Der Oelberg zeigt mir deine Fuͤsse/ Wie sie zur Himmelfarth bereit/ Da der Himmelfarth Christi. Da giebest du die Abschieds-Kuͤsse Den Juͤngern zu der letzten Zeit. Ach wende dich doch auch zu mir/ Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 3. Du giebst den Juͤngern harte worte/ Bey ihres Hertzens Haͤrtigkeit. Der Glaube fuͤhrt nur nach dem orte/ Den uns dein Sieg hat eingeweyht. Drumb sey der Zweifel weit von mir. Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 4. Du mustest erstlich aufferstehen/ Alsdenn folgt deine Himmelfahrt. Laß mich vor aus dem Grabe gehen/ Darinn die Suͤnde mich verwahrt. Alsdenn treff ich die Him̃els-Thuͤr. Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 5. Du laͤst dein wort bey uns zuruͤcke/ Das soll hinfort gepredigt seyn. Das sind die rechten Liebes-Stricke/ Die ziehen uns zum Himmel ein. Jm wort ist schon der Himmel hier. Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 6. Jn dieser welt sind lauter Schlangen/ Man schenckt uns gifft vor Labsal ein. Drum laß mich bald dahin gelangen/ Wo Am Sonntage Wo es wird ewig besser seyn. Ach reiche deine Haͤnde mir. Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 7. Die wolcke wird dein Him̃el-wagen: Mein Todt wird eine wolcke seyn/ Die mich in deinen Schoß wiꝛd tragẽ/ Wo lauter Licht und Sonnenschein. Komm unversehens auch zu mir. Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 8. Jch sehe dir mit Glaubens-Blicken Jn deinen Freuden-Himmel nach. Du wirst mir auch schon Maͤnner schicken/ Wie deinen Juͤngern dort geschach. Daß mich ihr wort zum Him̃el fuͤhr. Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 9. Jch frage nicht nach jener Hoͤhe/ Wo deine Stapffen sollen seyn. Wenn ich nur fest im Glauben stehe/ Geh ich gewiß zum Himmel ein. Denn dein Triumph ist mein Panir. Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! 10. (men/ Du wirst doch einmahl wieder kom- Gleich wie du hingefahren bist/ Alsdenn so werd ich auffgenommen/ Da Exaudi. Da wo mein Buͤrger-recht schon ist. Jndessen bleibt mein Wunsch allhier: Zeuch mich nach dir! Zeuch mich nach dir! XLVIII. Die Sonne bey den Thraͤnen. Am Sonntage Exaudi. Melod. Was GOtt thut das ist wohl gethan. 1. D u Troͤster aller Traurigen/ Wie groß ist deine Liebe? Du pflantzst auff Dornen Lilien/ Und wenn der Himmel truͤbe/ So kan allein Dein Sonnenschein Aus finstern Wolcken lachen/ Und Leid zur Freude machen. 2. Du Geist von unserm JESU her/ Der dich vom Vater schicket. Dein Trost ist wie ein volles Meer/ Das unser Hertz erqvicket. Dein Licht zerstreut Die Dunckelheit/ Wenn du von GOtt uns zeugest/ Und uns zur Warheit neigest. G 3. Er- Am Sonntage. 3. Erhalt uns unser Glaubens-Licht Jn ungestoͤrten Flammen/ Wenn alle Welt dawider ficht/ Und uns wil gar verdammen/ Daß uns ihr Bann Nicht schroͤcken kan/ Und ihr vergaͤlltes Rasen Sey gleich den Wasser-Blasen. 4. Ach gib uns Muth und Tapfferkeit Verfolgung zu ertragen/ Und mach uns zur Geduld bereit/ Wenn uns die Feinde plagen. Sie meinen hier/ Sie dienen dir/ Jndem sie uns so kraͤncken/ Und gar auff Mord gedencken. 5. Das hat uns JESUS vorgesagt/ Drum darff man sich nicht graͤmen/ Und wenn die Welt uns also plagt/ Ein Aergernuͤß nicht nehmen. Der heist kein Christ/ Den es verdruͤst Vor ihn was auszustehen/ Auch in den Todt zu gehen. 6. Die Welt kennt GOtt und CHri- stum nicht/ Drumb Exaudi. Drumb hasset sie die Seinen. Jedoch sie haͤufft nur ihr Gericht/ Das endlich wird erscheinen/ Da Creutz und Leid Zur Herrligkeit Den Frommen wird gedeyen/ Sie Ach und Weh muß schreyen. 7. Steh uns mit deinem Troste bey/ Wenn nun die Zeit wird kommen/ Und wenn der Feinde Tyranney Am meisten zugenommen/ So stell uns hier Den Himmel fuͤr/ Den wird kein Grim̃/ kein schnaubẽ/ Uns endlich koͤnnen rauben. 8. Sind wir ein Bann und Fluch der Welt/ Ein Scheusal boͤser Leuthe/ Wenn uns nur GOtt fuͤr Kinder haͤlt/ Und fuͤr Gebenedeyte/ So leiden wir Gantz willig hier/ Und hoffen dort zu Lohne/ Die schoͤnste Gnaden-Crone. G 2 XLIX. Am ersten XLIX. G OTT - geweihete Pfingst-Meyen in der Stiffts-Huͤtte. Am Ersten Heil. Pfingst-Tage. Melod. GOtt des Himmels und der Erden. 1. (Mayen/ S Chmuͤckt das Fest mit gruͤnen Zieret Kirche/ Hertz und Hauß/ Es soll uns ein Gast erfreuen/ Rufft mit hellen Stimmen aus: Komm/ Gesegneter/ herein/ Du sollst uns willkommen seyn. 2. Liebster JESU/ dein begehren Jst auff Liebe nur gericht/ Da begehrst du einzukehren/ Wo man zu dergleichen Pflich Ungezwungen sich versteht/ Und auff deinen Wegen geht. 3. Wo mein Wort wird angenommen/ Wo die Lieb in vollem Schein/ Heists: Wir werden zu ihm kom̃en/ Da soll unsre Wohnung seyn. O ein Wort voll Suͤßigkeit/ Welches gar zu viel bedeut. 4. (den/ Ach der Mensch von Staub und Er- Der nichts heist/ und nichts bedeut/ Soll dennoch ein Tempel werden Hei- Heil. Pfingst-Tage. Heiliger Dreyfaltigkeit. Den nicht Erd und Himmel faßt/ Wird der Menschen Wirth uñ Gast. 5. Ja das macht die wahre Liebe/ Die dich zieht als ein Magnet. Wer aus rechtem Hertzens- Triebe Deiner Huld entgegen geht/ Den besuchst du allermeist/ Und dein Vater und dein Geist. 6. Ach entzuͤnde doch mein Hertze Jn der reinsten Liebes-Gluth/ Deine Huld sey meine Kertze/ Die entbrenne Geist und Muth. Daß die Flamme/ die sie hegt/ Uber mich zusammen schlaͤgt. 7. Laß mich deinem Gnaden-Worte Jmmerfort gehorsam seyn/ Denn allein durch diese Pforte Gehst du in das Hertz hinein. Niemand wird dein Ruhe-Zelt/ Der den Schatz nicht feste haͤlt. 8. Von mir selbst kan ich nicht halten/ Was dein theures Wort begehrt/ Denn dein Geist muß in mir walten/ Der das Hertz zum Himmel kehrt. Gib/ daß er mich alles lehrt/ Was zum Christenthum gehoͤrt. 9. Kehrst du ein in meine Seele/ So bring auch den Frieden mit/ G 3 Denn Am Heil. Pfingst-Tage Denn die Welt ist eine Hoͤle/ Wo nur Zanck wird ausgebruͤtt. Deines Friedens Oel-Zweig macht/ Daß mein Hertz im Schrecken lacht. 10. Keine Furcht wird mich umfassen/ Kommt der Fuͤrste dieser Welt/ Er muß mich wohl stehen lassen/ Ob er sich gleich grimmig stellt. Denn er hatte nichts an dir/ So hat er auch nichts an mir. 11. Du bist mir voran gegangen/ Zu dem Vater der dich liebt. Jch erwarte mit Verlangen/ Biß dein Wort mir Order giebt/ Und befiehlet auffzustehn: Lasset uns von hinnen gehn. 12. O du dreymahl Heiligs Wesen/ Hast du/ Vater/ Sohn/ und Geist/ Mich zur Wohnung auserlesen/ Komme weil es heute heist. Schmuͤcke mich auffs allerbest/ Halt in mir dein Liebes- Mayen- Fest. L. Die holde Pfingst-Tau- be mit dem Oel-Blate des Friedens. Am zur Vesper. Am Heil. Pfingst-Tage zur Vesper. Melod. JESU/ meine Freude. 1. A Ngenehme Taube/ Die der Vaͤter Glaube Laͤngst gesehen hat/ Laße dich hernieder/ Hier sind CHristus Glieder/ Hier ist GOttes Stadt. Halte Rast/ Erwuͤnschter Gast/ Jn den Hertzen/ die verlangen Dich itzt zu empfangen. 2. Setze dich auff jeden/ Und laß deinen Frieden Uber allen seyn. Wie du dich erhebest/ Auff dem Wasser schwebest/ So kehr bey uns ein. Zeig uns hier Das Oel- Blat fuͤr/ Als ein hoͤchsterwuͤnschtes Zeichen/ Daß die Fluthen weichen. 3. Was du traͤgst im Munde/ Zeigt vom Friedens-Bunde/ Der auffs neue gruͤnt. Die in Noa Kasten/ G 4 Als Am Heil. Pfingst-Tage. Als im Kercker rasten/ Sind mit GOtt versuͤhnt. Kirch und Arche schwimmen oben/ Bey der Wellen Toben. 4. Was du abgebrochen/ Jst uns laͤngst versprochen/ Und dis edle Blat Jst vom Lebens-Baume/ Der in Edens Raume Laͤngst gegruͤnet hat. Traͤufft es doch Vom Oele noch/ Welches JEsus lassen fluͤssen/ Als er leiden muͤssen. 5. O Geruch des Lebens/ Der uns nicht vergebens Unser Hertz erqvickt/ Dieses Oelblat kuͤhlet/ Daß man Lindrung fuͤhlet/ Wenn daß Creutze druͤckt/ Es giebt Krafft und Lebens-Safft/ Wenn es wohl wird auffgebunden/ Heilt es alle Wunden. 6. Bothe von dem Himmel/ Dringe durchs Getuͤmmel Dieser eitlen Welt/ Und mach eine Stille/ Daß Am Andern H. Pfingst-Tage. Daß ein Hertz/ ein Wille/ Uns zusammen haͤlt. Laß das Blat/ Das dein Mund hat/ Unser aller Lippen ruͤhren/ Deine Sprache fuͤhren. 7. Dieses Friedens-Zeichen Laß nicht von uns weichen/ Ja/ laß dieses Blat Gar zum Baume werden/ Der schon hier auff Erden Deine Fruͤchte hat. Sterben wir/ Und gehn zu dir/ Laß uns solche Blaͤtter finden/ Kronen draus zu winden. 8. Nun/ du liebe Taube/ Unser aller Glaube Nimmt dich zu uns ein/ Wohnest du bey keinen/ Als nur bey den Reinen/ Ach so mach uns rein. Tauben-Arth Bringt Himmelfarth. Trag uns einst auf deinen Fluͤgeln Zu den Sternen-Huͤgeln. G 5 LI. Am Andern LI. Liebe uͤber alle Liebe. Am Andern H. Pfingst-Tage. Melod. Meinen JEsum laß ich nicht: 1. A Ch wer giebt mir Worte her/ GOttes Liebe recht zu preisen? Dieses unerschoͤpffte Meer Wil mir einen Abgrund weisen/ Den ich nicht erforschen kan/ Seh ihn mit Erstaunen an. 2. Also! Also spricht der Mund/ Dem die Warheit Zeugnuͤß giebet/ Und macht durch dis Macht-Wort kund/ Daß GOTT uͤber alles liebet/ Und daß seine Liebes-Treu So groß als Er selber sey. 3. Also hat Er nun geliebt/ Eh der Welt-Grund ist geleget/ Und im Lieben sich geuͤbt/ Eh sich unser Hertz beweget. So liebt Er noch in der Zeit/ So liebt Er in Ewigkeit. 4. Doch was wunder/ weñ GOtt liebt/ Er ist selber ja die Liebe. Was ihm nun das Wesen giebt/ Reitzt Heil. Pfingst-Tage. Reitzt ihn auch zu solchem Triebe. Er ist Liebe umb und an/ Drumb Er nichts als lieben kan. 5. Aber Wunder gnung dabey/ Denn Er hat die Welt geliebet/ Die ihn leider! ohne Scheu Tausendfaͤltig hat betruͤbet. Jst wohl seine Feindin werth/ Daß er ihre Gunst begehrt? 6. Und was hoͤr ich? Seinen Sohn/ Den Geliebten Eingebohrnen/ Sendet Er vom Himmels-Thron/ Zur Erloͤsung der Verlohrnen. Und macht diesen festen Schluß/ Daß er vor sie sterben muß. 7. Ach mein Hertze kan sich nicht Jn so grosse Liebe finden. Wenn mein JEsus Also! spricht/ Muß sich die Vernunfft hier binden. Paulus schreyt mir gleichsam fuͤr: O was sind vor Tieffen hier? 8. Nun/ mein GOtt/ ich bin zu schwach/ Daß ich deine Huld ergruͤnde/ Wenn ich auch gleich tausendfach Dich zu lieben mich verbinde/ Wirds doch viel zu wenig seyn/ Gegen deinen Gnaden-Schein. 9. Jch bin auch in dieser Welt/ Dein Sohn ist auch mir gegeben. G 6 Wenn Am Dritten Wenn ihn nun mein Glaube haͤlt/ So ist er mein Heyl und Leben. Er ist mein/ und ich bin sein/ Wie kan ich verlohren seyn? 10. Hat der Glaube solche Krafft/ Ach so gib mir wahren Glauben/ Der an deinem Sohne hafft/ Und sich ihn nicht laͤsset rauben. Glaͤubt jemand an CHristum nicht/ Der ist warlich schon gericht. 11. Soll es wahrer Glaube seyn/ So muß er das Licht nicht hassen. Drumb laß mich des Gutten freun/ Und die Finsternuͤß verlassen. Alles sey in GOtt gethan/ Was ich thun und wuͤrcken kan. 12. Nun ich hab ein Wort gehoͤrt: Also hat mich G Ott geliebet/ Und mir seinen Sohn verehrt/ Der mir Heyl und Himmel giebet. Und ich glaub an ihn allein; Also muß ich selig seyn. LII. Die Thuͤre zur Kirche und zum Himmel. Am Dritten Pfingst-Tage. Melod. Nun preiset alle/ GOttes ꝛc. 1. Pfingst-Tage. 1. W Eg! Welt-Getuͤmmel/ Das mich zur Hoͤllen fuͤhrt. Jch wil gen Himmel/ Wo man Vergnuͤgen spuͤrt. (ben? Wer wird mir Bahn und Thuͤre ge- JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. 2. Hoͤrt seine Schwuͤre! Warlich/ Warlich spricht er/ Er sey die Thuͤre/ Die in dem Schaff-Stall waͤr. Sol ich ihm deñ nicht Glauben geben? JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. 3. O Lebens-Thuͤre/ Laß auch dein Schaͤflein ein/ Dein Huͤtter fuͤhre Mich in den Stall hinein/ Wo keine Woͤlffe nach mir streben. JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. 4. Die mich bewirthen/ Fuͤhre durch dich hinein/ Laß nicht die Hirten Moͤrder und Diebe seyn/ Wollst sie nach deinem Hertzen gebẽ. JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. G 7 5. Am Dritten Pfingst-Tage. 5. Der frembden Stimme Folgen die Schaffe nicht. Jn ihrem Grimme Werden sie hingericht/ Dem wuͤrgen sind sie nur ergeben. JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. 6. Fuͤr solchen Dieben Mache den Schaffstall zu/ Und die uns lieben/ Kroͤne mit Gnad und Ruh/ Daß sie uns gutten Vorgang geben. JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. 7. Wenn sie uns fuͤhren/ Laß uns gehorsam seyn. Des Wortes Thuͤren Fuͤhren zum Himmel ein. Der irrt/ der hier wil widerstreben. JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. 8. Ruff uns mit Nahmen/ Die in dem Himmel stehn. Dein Wort heist Amen/ Wenn wir nach selbgem gehn/ Wilstu uns Weid und Freude geben. JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. 9. Am Festder H. Dreyfaltigkeit. 9. Wie du die Thuͤre Mir in die Kirche bist/ Ach so vollfuͤhre Was mir noch uͤbrig ist. Du must mir Zions Thore geben. JEsus/ mein JEsus/ Weg/ Warheit und Leben. LIII. Die Klarheit GOttes in dem Angesichte JE- SU CHristi. Am Fest der H. Dreyfaltigkeit. Melod. Was Gott thut/ das ist wohl gethan. 1. W Je wohl ist doch ein Mensch daran/ Der JEsum sucht und findet/ Wer zu dem Lichte kommen kan/ Der wird auch selbst entzuͤndet. Ob gleich die Nacht Es dunckel macht/ Doch muͤssen seine Sinnen So Witz als Glantz gewinnen. 2. Jch wil/ O JEsu/ auch zu dir Mit Nicodemo kommen/ Es Am Fest Es hat die Finsternuͤß bey mir Gewaltig zugenommen. Entzeuch mir nicht Dein Gnaden-Licht/ Und laß Verstand und Willen Mit deinem Glantz erfuͤllen. 3. Du bist ein Meister in der That/ Ein Lehrer/ dessen gleichen Kein Mensch noch nie gesehen hat/ Von solchen Wunder-Zeichen. Wer dich gehoͤrt/ Wie du gelehrt/ Der hat schon abgenommen/ Du seyst von GOtt gekommen. 4. Zwar ist die Lection sehr schwer/ Die du mir auffgegeben/ Du sagst/ daß niemand tuͤchtig waͤr Jn GOttes Reich zu leben/ Der nicht gantz neu Gebohren sey/ Aus Wasser und dem Geiste/ Wie dein Wort unterweiste. 5 Jch muß mich warlich selbsten hier Der grossen Torheit schaͤmen; Doch wirst du die Vernunfft in mir Durchs Wort gefangen nehmen. Hoͤr der H. Dreyfaltigkeit. Hoͤr ich doch auch Des Windes Hauch/ Doch hab ich nicht vernommen/ Woher/ wohin er kommen. 6. Drumb laß den Vorwitz ferne seyn Jn den Geheimnuͤß-Sachen. Deñ wil es der Veꝛnunfft nicht ein/ So kans der Glaube machen/ Versteh ich nicht/ Wie das geschicht/ Gnung daß es muß geschehen/ Weil du es vorgesehen. 7. Bin ich ein solches Wunder-kind Jn meiner Tauffe worden/ Weil Geist uñ Wasser Zeugen sind Bey meinem Christen-Orden: So laß auch mich Bestaͤndiglich/ Dem Geiste mich ergeben/ Und nicht dem Fleische leben. 8. Laß mich von dem was irꝛdisch heist/ Zum Himmlischen mich wenden/ Und gib mir deinen Gnaden-Geist/ Das Gutte zu vollenden. Ja suͤhre mich/ Man wird durch dich Jm Am 1. Sonntage Jm Himmel eingenommen/ Weil du vom Himmel kommen. 9. Wie Moses in der Wuͤsten hat Das Schlangen- bild erhoͤhet/ So siehet man dich in der That/ Da wo dein Creutze siehet. Kein Glaubens-blick Kommt hie zuruͤck/ Er geht in deine Wunden/ Wo man das Leben funden. 10. O laß mir dieses Gnaden-bild Stets vor den Augen schweben. Weil sonst kein Mittler bey mir gilt/ Du schenckst allein das Leben/ Du bleibst erhoͤht/ Wer bey dir steht/ Soll auch erhoͤhet werden/ Zum Himmel von der Erden. LIV. Himmel und Hoͤlle. Am 1. Sonntage nach Trinitat. Melod. Freu dich sehr O meine Seele. 1. J ESU laß mir deine Worte Heute recht zu Hertzen gehn/ Denn nach Trinitatis. Denn du zeigest mir zwey Orte/ Die uns allen offen stehn. Deine Predigt stellet mir Beydes Hoͤll und Himmel fuͤr/ Wie sie mancher hier empfindet/ Mancher nach dem Tode findet. 2. Lebt der Reiche nicht auff Erden/ Als wenn er im Himmel waͤr. Alle Wollust muß ihm werden/ Denn er tritt im Purpur her. Theure Leinwand ist sein Kleid/ Alles Thun voll Herrligkeit/ So viel Tage/ so viel Freude/ Ja er weiß von keinem Leyde. 3. Und hingegen hat die Hoͤlle Ein verlaßner armer Mann/ Vor der Thuͤr ist seine Stelle/ Da er nichts erbetteln kan/ Und auch dieses nicht erhaͤlt/ Was des Schlemmers Tisch’ ent- faͤllt/ Menschen wollen ihn vertreiben/ Er muß bey den Hunden bleiben. 4. Doch du hast mir auch gewiesen/ Wie so bald es sich verkehrt/ Wenn der/ den man reich gepriesen/ Durch den Todt zur Hoͤllen faͤhrt. Ach Am 1. Sonntage Ach wo ist denn seine Pracht/ Wenn er in der Flamme schmacht? Wo ist seine Lust geblieben/ Die er in der Welt getrieben? 5. Lazarum hingegen tragen Engel in des Himmels Schoß/ Er wird aller seiner Plagen Nach dem Tode gaͤntzlich loß. Wo nun Abraham sich letzt/ Da wird auch sein Geist ergoͤtzt/ Und die Armuth auff der Erden Muß im Him̃el Reichthum weꝛden. 6. Das sind Goͤttliche Gerichte/ Die gerecht und heilig seyn. Ein erleuchtetes Gesichte Sieht in diese Tieffen ein/ Und macht endlich diesen Schluß/ Daß GOtt so verfahren muß/ Weil zwey Himmel hier auff Erden Nicht einander folgen werden. 7. O mein Heyland/ laß mit nichten Mich auff solchen Wegen gehn/ Die den Fuß zur Hoͤllen richten/ Wo er muß in Flammen stehn. Deiner Gaben Mißbrauch macht/ Daß man doꝛten daꝛbt uñ schmacht/ Auch nach Trinitatis. Auch nicht einen Finger fuͤhlet/ Der die heisse Zunge kuͤhlet. 8. Laß mich Mosen und Propheten Jtzund hoͤren weil ich kan; Denn dort in der Hoͤllen Noͤthen Schlaͤgt alsdeñ kein Trost mehꝛ an. Hier entlaufft man noch der Gluth/ Wenn man rechte Busse thut/ Dorte muß man ewig brennen/ Wo uns grosse Kluͤffte trennen. 9. Wird die Welt mir auch zur Hoͤlle/ Troͤste mich wie Lazarum/ Der verwechselt seine Stelle Mit des Himmels Fuͤrstenthum. So begraͤbt ein sanffter Todt Endlich alle meine Noth/ Und das Leiden dieser Zeiten Wird zu tausend Froͤligkeiten. 10. Soll ich meinen Lauff vollenden/ Zeige mir das schoͤne Loß/ Trage mich auff Engels- Haͤnden/ Jn den angenehmsten Schoß/ Wo sich Abraham erfreut/ Und gieb mir die Seligkeit. So wird das zum Himmel werden/ Was mir Hoͤlle hieß auff Erden. LV. Am 2. Sonntage LV. Die Guͤtte und der Ernst GOTTES. Am 2. Sonntage nach Trinit. Melod. HErr GOtt nun sey gepreiset. 1. O Werck von grossen Gnaden! GOTT macht ein Abendmal/ Und laͤst uns alle laden Jn seinen Kirchen-Saal. Er rufft zu jeder Stunde/ Jn seiner Knechte Munde: Kommt/ alles ist bereit. 2. Doch leider! viele wollen Hier gar entschuldigt seyn/ Und wenn sie kommen sollen/ So wenden sie was ein: Der muß den Acker bauen/ Der Ander Ochsen schauen/ Der Dritte nimmt ein Weib. 3. O schaͤndliche Veraͤchter Der grossen Guͤttigkeit! Den Himmel haͤlt man schlechter/ Als was die Erde beut. Wie sollte GOtt nicht muͤssen Euch nach Trinitatis. Euch aus der Gnade schluͤssen/ Die ihr verstossen habt. 4. Mein GOtt/ du hast aus Gnaden Die Juden erst bedacht/ Und auff dein Mahl geladen/ Doch weil sie dich veracht/ So hast du auch die Heyden/ Durch deinen Ruff bescheiden/ Das sagt dis Gleichnuͤß mir. 5. Hier nehm ich deine Guͤtte Und deinen Ernst in acht. Wie treu ist dein Gemuͤtte/ Das uns zu Gaͤsten macht: Doch wenn wir dich verschmaͤhen/ Und nur auffs Eitle sehen/ So ist dein Zorn entbrant. 6. Du hast mich auch geladen Jn meiner Tauffe schon/ Das war ein Ruff der Gnaden/ Durch CHristum deinen Sohn/ Da bin ich zu dir kommen/ Du hast mich angenommen/ Als einen lieben Gast. 7. Du ruffst mich auch noch immer Durch deiner Knechte Mund/ Jns Am 2. Sonntage Jns offne Taffel-Zimmer/ Und da ist mir vergunt/ Die Seele satt zu machen Mit so viel schoͤnen Sachen/ Die du mir auffgesetzt. 8. Ach laß mich sehnlich lauffen/ Und hungrig zu dir gehn/ Laß mich nicht bey dem Hauffen Der Gottsveraͤchter stehn/ Die mit der Welt sich hertzen/ Und deine Gunst verschertzen/ Mit Acker/ Ochs und Weib. 9. O fuͤhre/ HErr/ mich Armen Zu deinem Reichthum hin/ Weil ich ohn dein Erbarmen Blind/ taub und elend bin. Laß mir dein Gastmahl schmecken/ Und solche Lust erwecken/ Die nimmer hungern laͤst. 10. Fuͤhr endlich von den Zaͤunen Mich in dein Himmels-Zelt/ Woselbst die Schaar der Deinen Auff ewig Taffel haͤlt. Da/ da wirst du uns speisen/ Und deine Guͤtter weisen/ Wenn dein Hauß voll wird seyn. LVL nach Trinitatis. LVI. Der Gnaden-Stuhl. Am 3. Sonntage nach Trinitat. Melod. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. (der/ A Ch suͤsses Wort fuͤr arme Suͤn- Das man mir heut ins Hertze schreibt/ (der Ob gleich der Mund der Satans kin- Nur sein Gespoͤtte druͤber treibt. O Wort das mich erfreuen kan: Mein JESUS nim̃t die Sünder an. 2. Jch bin auch unter diesem Hauffen/ Der JEsu von dir ferne stund. Doch komm ich dir itzt nachgelauffen/ Es naht sich zu dir Hertz und Mund. Ach thue/ was du dort gethan. Mein JESU/ nihm den Sünder an! 3. Ein Hirte suchet mit Verlangen/ Wenn er ein Schaff verlohren hat. Ach eile doch mich zu umbfangen/ Und bringe mich auff rechten Pfad. Du bist der/ der mich finden kan. Ach JESU/ nihm dein Schäflein an! 4. Jch bin ja leider! sehr verirret/ Die Welt ist meine Wuͤsteney/ Da hab ich meinen Fuß verwirret/ H Ach Am 3. Sonntage Ach mache mich in Gnaden frey/ Daß man von mir auch sagen kan: Mein JESUS nim̃t den Sünder an. 5. Du hattest wohl zu deinem Bilde/ Als einen Groschen mich gepraͤgt. Allein ich fuͤhrte das im Schilde/ Was lauter Suͤnd und Greuel hegt. Ach wie so wenig dacht ich dran: Mein JESUS nim̃t die Sünder an. 6. Nun suche mich mit deinem Lichte Aus meinem Suͤnden-winckel auff. Gib mir ein anderes Gewichte/ Und druͤck ein neues Bildnuͤß drauff. Daß man dich ferner ruͤhmen kan: Mein JESUS nim̃t die Sünder an. 7. Gib daß ich dir mit meiner Busse Auch eine Freude machen mag/ Jch fall in Demuth dir zu Fusse/ Ach stiffte selber den Vertrag. Du hast genung fuͤr mich gethan. Mein JESUS nim̃t die Sünder an. 8. Und hast du einmahl mich gefunden/ So laß mich nicht verlohren gehn. Erhalte mich in deinen Wunden/ Mein Tugend-Klang sey im̃er schoͤn. Mein Lauff sey stets auff dieser bahn/ Wo JESUS nim̃t die Sünder an. 9. Trag endlich mich auff deinem Ruͤcke Jn deinen Stall zur Welt hinaus/ Und nach Trinitatis. Und laß mich doꝛt im Schatze blicken/ Wo dein geschmuͤcktes Himelshauß. So weiß ich/ was dis Trostwort kan: Mein JESUS nim̃t die Sünder an. LVII. Johannis-Feyer und Feuer. Am Tage St. Johannis des Taͤuffers. Melod. Was GOtt thut das ist wohl gethan. 1. G OTT/ dem kein Ding unmoͤ- glich ist/ Jm Himmel und auff Erden/ Der bald der Muͤtteꝛ Leib verschluͤst/ Bald laͤsset fruchtbar werden: Der aller Welt Fuͤr Augen stellt: Es sey in deinme Nahmen Nur lauter Ja und Amen. 2. Du hast einmahl ein Wort geredt Jn Zacharias Tagen/ Drumb muß auch die Elisabeth Ein Kind im Alter tragen. O laß mich nicht/ Was dein Mund spricht/ H 2 Vor Am Tage Vor Zweifelhafftig schaͤtzen/ Ja Felsen darauff setzen. 3. Auch mich zog damahls deine Hand Aus meiner Mutter Leibe/ Du hast mich/ eh ich war/ gekannt: Ach diese Wohlthat schreibe Jn meine Brust/ Daß ich mit Lust Allzeit daran gedencke/ Und mich dir gaͤntzlich schencke. 4. Mein Name/ welchen man mir gab/ Jst auff dein Buch geschrieben/ O lasse mich biß in mein Grab Desselben Deutung uͤben. Der ist dein Glied/ Der sich bemuͤht Dem Gutten nachzuahmen/ Sonst hilfft kein schoͤner Nahmen. 5. Ein Zacharias preiset dich; Jch folge dem Exempel/ Dein gutter Geist bereite mich Zu einem Ehren-Tempel/ So stimm ich an/ Wie gutt ich kan/ Dein Lob auff meiner Zungen/ Wird hier/ wie dort besungen. 6. Ge- St. Johannis des Täuffers. 6. Gelobet sey/ GOtt Jsrael/ Du hast dein Volck erhoͤret. Das Horn des Heyls/ Jmmanuel/ Hat Davids Hauß beehret. Wir sind erloͤst/ Und auch getroͤst/ Was du vorlaͤngst versprochen/ Das hast du nicht gebrochen. 7. Der Feinde Macht ist nun gebeugt/ Weil der Erretter kommen. Du hast Barmhertzigkeit erzeigt/ Und uns in Schutz genommen. Dein Bund und Eyd Jst nun verneut/ Nicht Abraham alleine/ Die Heyden sind auch deine. 8. Die Finsternuͤß/ die uns betruͤbt/ Weicht nunmehr gantz zuruͤcke/ Der Auffgang aus der Hoͤhe giebt Uns lauter Sonnen-Blicke. Der Friedens-Schluß Setzt unsern Fuß Aus allen Todes-Schatten/ Die uns verdunckelt hatten. 9. Ach ist uns so viel Herrligkeit Durch deinen Sohn erschienen/ H 3 So Am Tage So mach auch unser Hertz bereit/ Jhm Lebenslang zu dienen. Kein ander Heyl Wird uns zu Theil/ Vergebung unsrer Suͤnden Jst nur bey ihm zu finden. 10. Johannes gieng vor JESU her/ Wir folgen deinen Schritten; Und ob es in der Wuͤsten waͤr/ Soll uns niemand verbitten/ Dir nur allein getreu zu seyn/ Biß wir auff Zions Auen Der Sonnen Auffgang schauen. LVIII. Die Grundfeste des Glaubens. Am Tage Peter und Paul. Melod. JESU meine Freud und Wonne. 1. J ESU/ dir beliebt zu fragen/ Was die Leuthe von dir sagen/ Wer des Menschen Sohn wohl sey? Und so bleibt es wohl dabey/ Welcher sich wil glaͤubig nennen/ Muß dich kennen und bekennen. 2. Zwar Peter und Paul. 2. Zwar bedarffst du keines Fragens/ Und auch keines Antwort-sagens/ Denn du siehst ins Hertz hinein/ Nichts kan dir verborgen seyn. Doch du fragst nur unsertwegen/ Desto bessern Grund zu legen. 3. O wie wenig Leuthe wissen/ Was sie sollen von dir schluͤssen: Niemand kennet CHristum recht/ Das Bekaͤntnuͤß ist sehr schlecht. Kan dich nun der Mund nicht nennen/ Wie soll dich das Hertze kennen. 4. Fleisch uñ Blutt kan es nicht fassen/ Drumb muß man sich lehren lassen/ Was dein Vater offenbahrt. Denn das ist des Glaubens-Art/ Die Vernunfft gefangen nehmen/ Und dem Worte sich beqvemen. 5. Petrus wil die Bahne brechen/ Und mit diesem wil ich sprechen: Du bist CHristus/ GOttes Sohn/ Mittler/ Heyland/ Gnaden-Thron. Diesen leg ich nur zum Grunde/ Wie im Hertzen/ so im Munde. H 4 6. Das Am Tage Peter und Paul. 6. Das Bekaͤntnuͤß soll auff Erden Mir zu einem Felsen werden. Laß mich darauff feste stehn/ Und gantz unbeweglich gehn; Denn ich traue deinen Worten: Trotz sey aller Hoͤllen Pforten! 7. Schuͤtze deine Kirch-Gemeine/ Die zwar in der Welt sehr kleine/ Doch in deinen Augen groß/ Und laß sie in deiner Schoß Die gewuͤnschte Stille finden/ Bey der Welt Verfolgungs-windẽ. 8. Sie ist ja auff dich gebauet/ Und allein dir anvertrauet: Du bist Mann/ und sie das Weib/ Du das Haupt/ und sie der Leib/ Wir die Kinder/ wir die Glieder/ Ach so halt uns feste wieder. 9. Laß dein Predig-Amt von Suͤnden Uns durch deine Krafft entbinden/ Das die Himmels-Schluͤssel traͤgt/ Und Vergebung auff uns legt. Und weñ wir den Lauff vollfuͤhren/ Schleuß uns auff die Himmels- Thuͤren. LIX. Am 4. Soñtage nach Trinitat. LIX. Die Kinder in des Va- ters Fußstapffen. Am 4. Sonntage nach Trinit. Melod. Von GOtt wil ich nicht lassen. 1. D U unvergleichlichs Wesen/ GOTT/ uͤber alles groß/ Dein Thun ist auserlesen/ Jch armes Erden-Kloß/ Voll Unvollkommenheit/ Soll dir dennoch auff Erden Jn etwas gleiche werden. O grosse Wuͤrdigkeit! 2. Du/ Vater/ bist voll Guͤtte/ Und voll Barmhertzigkeit; Drumb gieb mir ein Gemuͤtte/ Das immerfort bereit Barmhertzig auch zu seyn: Laß mich mit Liebes-Wercken Den armen Bruder staͤrcken/ Mit Rath und That erfreun. 3. Laß mich niemanden richten/ Darzu ich nicht bestimmt/ Denn du vertraͤgst mit nichten/ Daß man dein Amt dir nimmt. H 5 Wer Am 4. Sonntage Wer richtet/ wird gericht. Durch fleischliches Verdammen Stuͤrtzt man sich in die Flammen/ Wo kein Erretten nicht. 4. Gieb daß ich gern vergebe/ Daß du mir auch vergiebst/ Und stets versoͤhnlich lebe/ Weil du ein Hertze liebst/ Das seinen Feind auch liebt/ Das seinen Flucher segnet/ Und guͤttig dem begegnet/ Der hoͤßlich hat betruͤbt. 5. Du giebst/ so laß mich geben/ Dem der da duͤrfftig ist. Der kan nicht Christlich leben/ Der Hertz und Hand verschluͤßt. Du hast das Widergelt; Ein Danck in GOttes Nahmen Jst wie ein gutter Saamen/ Der hundertfaͤltig faͤllt. 6. Laß mich zu scharff nicht messen/ Sonst mißt du wieder scharff/ Daß ich mein eigen Essen Nicht selbsten kosten darff. Ein voll-geruͤttelt Maß Wird offters dem bescheret/ Der nach Trinitatis. Der andre hat beschweret/ Und wie gerecht ist das! 7. Behuͤtte mich vor Eyfer/ Und ist mein Feind so blind/ Daß er mit Haß und Geifer Auff lauter Rache sinnt/ So laß mich sehend seyn: Ein Blinder heist den andern Offt in die Grube wandern/ So stuͤrtzen beyde drein. 8. Erleuchte mein Gesichte/ Daß ich es allermeist Auff meinen Balcken richte/ Eh mich mein Vorwitz heist Des Nechsten Splitter sehn/ Und lasse mich bemuͤhen Den erstlich auszuziehen/ Eh dieses kan geschehn. 9. Obgleich auff dieser Erden Kein Mensch ist Engel-rein/ Doch laß mich darnach streben Dein Juͤnger stets zu seyn: Stell mir dein Vorbild dar/ Dort wird vollkommen werden/ Was hier auff dieser Erden Noch unvollkommen war. H 6 LX. Am Tage LX. D as H ertz Jm Springen uñ Singen. Am Tage der Heimsuchung Mariaͤ. Melod. JESU meine Freude. 1. H uͤpfft ihr hohen Huͤgel/ Meine Glaubens-Fluͤgel Gehen nach der Hoͤh! JESUS kommt gegangen/ Dem ich mit Verlangen Jtzt entgegen geh. Berg und Thal Schallt uͤberall/ Denn der Hochgebenedeyte Kommt/ besucht mich heute. 2. Angenehmes Gruͤssen/ Soll ich dich nicht kuͤssen/ Theure Leibes-Frucht? Komm/ du bist willkommen/ Und wohl auffgenommen/ Nihm/ was du gesucht. Mein Hertz springt/ Und mein Mund singt; Weil ich gantz in Freuden schwim̃e Uber deiner Stimme. 3. Jch der Heimsuchung Mariä. 3. Jch wil dich erheben/ Und dir Ehre geben/ O Jmmanuel! Weil du/ mir zu dienen/ Bist ins Fleisch erschienen/ Jauchzet Leib und Seel. GOTT/ mein Heyl/ Mein bestes Theil/ Und mein Himmel auff der Erden/ Kanst du mir nur werden. 4. Mein elendes Wesen Hast du auserlesen/ Und hoch angesehn. Wer wil mir den Glauben Und die Ehre rauben/ Die mir ist geschehn? GOTT und ich Sind eins durch dich: Jch kan selig hier auff Erden Schon gepriesen werden. 5. Du hast grosse Dinge/ Wie ich hier besinge/ An mir/ HERR/ gethan: Dessen Nahmen heilig/ Und noch mehr erfreulich/ Als ich dencken kan. H 7 Fuͤr Am Tage Mariä Heimsuchung. Fuͤr und fuͤr Kan ich bey dir Der Barmhertzigkeit genuͤssen/ Und mein Leyd versuͤssen. 6. Deines Armes Staͤrcke Stuͤrtzt der Hoffart Wercke/ Und der Stoltzen Sinn: Er kan alle Grossen Von dem Stuhle stossen/ Jn die Tieffe hin. Er erhebt/ Was niedrig lebt/ Fuͤllt die Hungrigen mit Garben/ Laͤst die Reichen darben. 7. Was du hast versprochen/ Haͤltst du unverbrochen/ Und gedenckest dran. Abrahamens Saamen Warst du Ja und Amen/ Daß ich glauben kan/ Du wirst mir Noch alles hier Wie verheissen/ so gewehren/ Biß ich heim soll kehren. LXI. Am 5. Soñtage nach Trinitatis. LXI. Huͤlle und Fuͤlle in CHRISTO. Am 5. Soñtage nach Trinitat. Melod. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. (ten/ K Om̃/ JEsu/ in mein Schiff getre- Mit dir koͤmmt aller Segen her: Jch wende mich zu dir mit bethen/ Mein ausgeworffnes Netz ist leer/ Biß daß dein Wort es heiliget/ Wie dort am See Genezareth. 2. Das Volck drang sich dein Wort zu hoͤren/ Drumb laß mich auch begierig seyn Nach deinen suͤssen Himmels-Lehren/ So stellt sich auch der Segen ein; Wenn man nach deinem Reiche tracht/ (macht. So wird man auch wohl reich ge- 3. Die Fischer wufchen ihre Netze/ Ach wasche mein Gewissen rein/ Das ist viel mehr/ als alle Schaͤtze/ Die uͤbel sonst erworben seyn: Ein gutt Gewissen machet leicht/ Was uns wie lauter Centner deucht. 4. (ren; Du heist das Schiff vom Lande fuͤh- Wer Am 5. Sonntage Wer dich mit Andacht hoͤren wil/ Muß von dem Eitlen sich verliehren/ Deñ bey der Welt verhoͤrt man viel. Was irrdisch heist/ muß hinten an/ Daß man den Himmel finden kan. 5. Das Schiff wird dir zum Predig- Stuhle/ So macht dein gnadenreiches Wort Auch selbst das Meer zur Himmels- Schule/ Du bindest dich an keinen Ort; Wo zwey und drey versammlet seyn/ Da trittst du offters mitten ein. 6. Du hoͤrest einen Petrum klagen/ Die Arbeit sey umbsonst gethan: So moͤcht ich offt im Kummer sagen/ Wenn ich nichts Guttes schaffen kan. Wie mancher Tag/ wie manche Nacht Wird offt in Kummer zugebracht. 7. Du heist ihn auff die Hoͤhe fahren/ Und einen Zug im Netze thun/ Bald muß dein Wort sich offenbarẽ/ Und lauter Segen auff ihm ruhn. Das Netze wird voll Uberfluß/ So daß es gar zerreissen muß. 8. Jch wil auff dieses Wort vertrauen/ Und werff in deinem Nahmen aus: Laß nach Trinitatis. Laß mich auch einen Segen schauen/ Erfuͤlle reichlich Hertz und Hauß/ Und schreib mir so viel Wolthat an/ Als ich vor mich ertragen kan. 9. Laß mich mit meinem Nechsten theilẽ/ W i e Petrus den Gesellen winckt/ So wird man mir zu Huͤlffe eilen/ Wenn auch mein Nahrungs-Schif- lein sinckt: Der Geitz hat alles nur vor sich/ Vor dieser Brutt behuͤtte mich. 10. Und bist du einmahl eingekehret/ So weiche nimmermehr von mir; Denn was ein Petrus hier begehret/ Begehr ich/ JESU/ nicht von dir: Er heist dich gehn/ und fuͤrchtet sich/ Jch aber bitt und halte dich. 11. Ach segne/ die du hier auff Erden Zu Menschen-Fischern hast gemacht/ Laß ihren Zug sehr reichlich werden/ Und sey mit ihnen Tag und Nacht/ So ziehn sie uns zu dir empor/ Und aus dem Suͤndenschlam̃ hervoꝛ. 12. (de Zuletzt fuͤhr auch mein Schiff zu Lan- Und bey des Himmels Ufer an/ Daß ich an diesem sichern Strande Mit Freuden Ancker werffen kan. Denn laß ich alles Ungemach/ Und folge dir/ mein JESU/ nach. LXII. Am 6. Sonntage LXII. Die vertraͤgliche Liebe. Am 6. Soñtage nach Trinitat. Melod. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. G Erechter GOtt/ vor uns gehoͤret Gantz andere Gerechtigkeit/ Als wie der Phariseer lehret/ Der lauter Aussen-Werck gebeut. Gerecht muß man durch CHristum seyn/ (ein. Sonst koͤm̃t man nicht zum Himmel 2. Der Glaube macht allein Gerechte; Doch ist er ohne Wercke nicht/ Sonst waͤren wir deꝛ suͤnden Knechte/ Und haͤtten Schatten ohne Licht. Drumb gieb/ daß ich zugleich dabey Gerecht und schlecht im Leben sey. 3. (den/ Es ist nicht gnung/ den Todschlag mei- Der des Gerichtes schuldig macht: Man muß sich auch im Zorn bescheidẽ/ Den Gott als einen Mord betracht. Ein Racha und ein Narren-Wort Bringt schon an den Verdam̃ungs- Ort. 4. (tze/ Drumb gib mir ein versoͤhnlichs Her- Weil du auch voller Langmuth bist/ Daß nach Trinitatis. Daß ich mit Zorn und Haß nicht schertze/ Weil ihn zuletzt die Hoͤlle frißt. Wer dir das Schwerdt der Rache nimmt/ Vor dessen Halß ist es bestimmt. 5. So offt ich demnach meine Gabe Auff deinem Altar opffern wil/ So gieb daß ich Versoͤhnung habe/ Und wenn der Feinde noch so viel. Du nimmst kein Opffer von mir an/ Wenn ich nicht auch vergeben kan. 6. Es sind doch alles meine Bruͤder/ Von denen ich beleidigt bin/ Und warum solt ich mich nicht wieder Umb ihr versoͤhntes Hertz bemuͤhn. Wer Frieden sucht/ und ihn gewinnt/ Der ist auch wohl ein Friedens-Kind. 7. Der Widersacher kan verklagen/ Da wo es Krafft uñ Nachdruck hat/ Und was wird deñ der Richter sagen Zu einer solchen Ubelthat? Die also kahl fuͤr ihm bestehn/ Die muͤssen in den Kercker gehn. 8. Ach da sind lauter Folter-Ketten Den Unversoͤhnlichen bereit/ Und hier ist leider kein Erretten/ Biß man den letzten Heller beut/ Das Am 7. Sonntage Das heisset: nun und nimmermehr/ Die Ewigkeit giebt kein Gehoͤr. 9. Nun lasse mich davor erschroͤcken/ Und lieber die Beleidigung Mit Liebe suchen zuzudecken/ Als einen solchen Hoͤllen-Sprung Durch Unversoͤhnligkeit zu thun/ Und ewig in der Pein zu ruhn. 10. Die Liebe muß doch was vertragen/ Wil sie des Glaubens Tochter seyn/ Ein Christ muß nach dem Frieden jagen/ Sonst geht er nicht zum Frieden ein. Drumb gib mir einen Friedens-sinn/ Jch wil ja auch zum Himmel hin. LXIII. Der Tisch in der Wuͤsten. Am 7. Soñtage nach Trinitat. Melod. Was GOtt thut das ist wohl gethan. 1. W O JEsus ist/ da ist genung/ Auch in der groͤßten Wuͤsten: Erselbst ist unsre Saͤttigung/ Mit seinen Gnaden-Bruͤsten. Er lehrt und speist/ Das Volck geneust/ Was nach Trinitatis. Was Leib und Seele naͤhret/ Was Brodt und Trost gewehret. 2. Mich hungert/ JEsu/ auch nach dir/ Jch bin dir nachgelauffen/ Und kan in dieser Wuͤsten hier Sehr wenig Speise kauffen. Hier ist wohl was; Doch was ist das/ So viele zu ernaͤhren? Wie lange wird es waͤhren? 3. Bedencke meinen Hunger doch/ Und laß dich meiner jammern/ Es sind ja deine Haͤnde noch Die reichen Speise-Kammern/ Wo sieben Brodt Die Hungers-Noth Vier tausenden kan stillen/ Und ihren Mund erfuͤllen. 4. Wohlan! ich traue deiner Hand/ Und wil mein Lager nehmen/ Das heisset mein Beruff uñ Stand/ Da ich ohn alles Graͤmen Nicht fragen wil: Wie viel? Wie viel? Es kan ein Bissen qvellen/ Und mich zu frieden stellen. 5. Du Am 7. Sonntage 5. Du danckest uͤber Brodt und Fisch/ Und segnest sie durch bethen/ So laß mich auch vor meinen Tisch Mit heisser Andacht treten: Du giebst/ mein GOTT/ Nur Gnaden-Brodt/ Drumb laß mich alle Bissen Mit Danckbarkeit genuͤssen. 6. Dort assen sie und wurden satt; Du wirst noch immer geben/ Daß man genung und uͤbrig hat Zu essen und zu leben. Der Uberfluß Macht nur Verdruß/ Ein Christe nimmt vor Willen/ Den Hunger nur zu stillen. 7. (auff/ Dort hub man mehr an Brocken Als anfangs Brodte waren/ Bey Schlem̃ern gehet alles drauff: Laß mich den Segen sparen. Dein Kad hat Mehl/ Dein Kruͤglein Oel/ Wenn man sie nicht verschuͤttet/ Und sich vor Mißbrauch huͤttet. 8. Und giebstu mir nun taͤglich Brod/ Sey auch der Seelen Manna/ So nach Trinitatis. So wird mir meine Hungers-noth Zu einem Hosianna. Speist mich dein Tisch So Engelisch/ Was werd ich dorte schmecken/ Wo du wirst Taffel decken. LXIV. Tauben- und Schlan- gen-Art. Am 8. Soñtage nach Trinitat. Melod. Es ist gewißlich an der Zeit. 1. D Je Welt ist falsch/ Getreuer GOTT/ Sie stecket voll Propheten/ Die durch der wahren Lehre Spott Die Seelen wollen toͤdten: Da kochet man Verfuͤhrungs Gifft/ Uñ dort verkehrt man deine schrifft Mit Menschen-Tand und Lehren. 2. (mein/ Das Schaffs-kleid wird itzt sehr ge- Man schmincket seine Maͤngel/ Die falschen Lehrer gehn herein Jn Heiligkeit der Engel/ Sie wenden lauter Himmel vor/ Und oͤffnen leider! doch das Thor Zum Abgrund in die Hoͤlle. 3. Wenn Am 8. Sonntage 3. Wenn sie die Einfalt nun beruͤckt/ Da zeigt der Wolff die Klauen/ Das arme Schaff/ das er bestrickt/ Verliehrt die Lebens-Auen/ Jndem es solche Weide kriegt/ Worauff nur Gifft und Mehlthau liegt/ Davon es ewig stirbet. 4. O JESU/ wapne meinen Sinn/ Mit Klugheit der Gerechten/ Daß ich geschickt und freudig bin Die Warheit zu verfechten; (an/ Und hat der Wolff ein Schafs-kleid So gib/ daß ich ihn kennen kan An seinen boͤsen Fruͤchten. 5. (Strauch/ Die Trauben traͤgt kein Dornen- Die Distel keine Feigen/ Man kan von faulen Baͤumen auch Nicht gutte Fruͤchte zeigen: Der falschen Lehrer boͤse Zucht Jst eines faulen Baumes Frucht/ Der in die Gluth gehoͤret. 6. Wo man des Herꝛen Wort veracht/ Und Menschen-Satzung lehret; Wo man nach eigner Ehre tracht/ Und CHristi Blutt entehret; Wo nach Trinitatis. Wo man mit Gnaden-schaͤtzẽ spielt/ Das Heil der armen Seelen stielt/ Da/ da sind solche Fruͤchte. 7. Ach laß mich alles an dein Wort/ Als den Probierstein streichen/ Und dieser Woͤlffe Seelen-Mord Mit allem Ernst entweichen. Steh deiner gantzen Kirchen bey/ Daß sie nicht eine Taube sey/ Die dieses Thier zerreisset. 8. Stehn immer neue Secten auff/ Und neue Rotten-Geister; Ach so bewahre meinen Lauff/ Mein Fuͤhrer und mein Meister. Daß mir kein ander Weg beliebt/ Als der mir Licht uñ Warheit giebt/ Durch deines Geistes Lehre. 9. (Schein Laß mich auch selbst den falschen Jm Christenthume meiden: Ein Christe heissen und nicht seyn/ Heist/ sich ins Schaff verkleiden. Wer nur HERR! HErr! alleine spricht/ Und thut doch deinen Willen nicht/ Der traͤget faule Fruͤchte. 10. Ach dort ist Feuer zugericht/ J Wo Am 9. Sonntage Wo faule Baͤume brennen/ Und du wilst keinen Heuchler nicht An jenem Tage kennen. Drumb gieb/ daß alle Heucheley Sehr weit von mir verbannet sey/ So darff ich nicht entweichen. LXV. G OTT es Rechen- Tisch. Am 9. Sonntage nach Trinit. Melod. HErr JEsu Christ du hoͤchstes Gutt. 1. M Ein GOTT/ hier steht dein Rechen-Tisch/ Jch bin davor verlesen/ Der ich doch gantz verschwenderisch Jn meinem Thun gewesen. Du foderst von mir Rechenschafft/ Und mir vergehet alle Krafft/ Denn ich kan nicht bestehen. 2. Du hast mir als ein reicher Mann Viel Guͤtter uͤbergeben/ Die ich nun nicht berechnen kan Von meinem gantzen Leben. Jch bin beruͤchtiget fuͤr dir/ Mein nach Trinitatis. Mein eignes Hertze sagt es mir/ Wie schlecht ich haußgehalten. 3. Was soll ich thun? wo flieh ich hin/ Wenn du mich ab wilst setzen? Jch kan mich/ wo ich immer bin/ Vor dir nicht sicher schaͤtzen. Und ohne dich mag ich nicht seyn/ Das waͤre mir die groͤste Pein/ Von dir verstossen werden. 4. Jch wage mich/ und wil allein Zu dir die Zuflucht nehmen/ Und nicht wie jener Stoltze seyn/ Des Bettelns mich zu schaͤmen. Jch bitte/ HErꝛ/ das Gnadenbrodt/ Erbarme dich in meiner Noth/ Und laß mich Gnade finden. 5. Jch grabe hier in meine Brust/ Erkenne meine Suͤnden: Mein Hertze klaget den Verlust Mit schmertzlichem Empfinden. Jch grabe mich hiernechst allein Jn meines JESU Wunden ein. Wie kanst du mich verdammen? 6. Ach Vater/ dencke nicht/ wie ich So uͤbel haußgehalten; Mein JESUS buͤrget ja fuͤr mich/ J 2 Laß Am 9. Sonntage Laß deine Gnade walten. Er ist Bezahler meiner Schuld/ Drumb habe/ Herꝛ/ mit mir Geduld/ Jch wil mich kuͤnfftig bessern. 7. Du aber gieb mir deinen Geist/ Damit ich kluͤger werde; Wie witzig sind doch allermeist Die Kinder dieser Erde? Weil ich ein Kind des Lichtes bin/ So laß mich ihren klugen Sinn Jm Gutten nicht beschaͤmen. 8. (acht/ Ein Kind der Welt nimmt wohl in Was ihm kan Vortheil bringen/ Und suchet/ wo es Freunde macht/ Die willig/ beyzuspringen. Jch habe keinen bessern Freund/ Als dich/ der es so treulich meint/ Laß mich dich feste halten. 9. Du schreibst mir groͤßre schulden ab/ Als Hundert Malter Weitzen/ Und wenn die Reichen noch so knap Mit Most und Oele geitzen/ So giebst du mir/ was ich bedarff/ Uñ handelst niemals mit mir scharf/ Daß ich nicht darben werde. 10. Und hab ich mein bescheidnes Theil/ Das nach Trinitatis. Das du mir zugemessen/ So laß mich auch der Armen Heyl Zu foͤrdern nicht vergessen. Ein GOtt bezahl es hat viel Krafft/ Weñ man mit geben Wucheꝛ schaft/ Der biß zum Himmel reichet. 11. Hab ich denn nun in dieser Welt Genungsam haußgehalten/ So fuͤhre mich ins Himmels-Zelt/ Was groͤssers zu verwalten. Wie lieblich wird die Stimme seyn: Du treuer Knecht Du treue Magd geh zu mir ein/ Jn deines HERREN Freude. LXVI. Das bescheidene Theil. Am Tage des Apostels Jacobi. Mel. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. M Ein GOTt/ du wohnest in der Hoͤhe/ Und siehest auff das Niedrige. Schau wie ich hier in Demuth stehe/ Nicht wie Maria Salome/ Die das vor ihre Soͤhne bat/ Was Ehrgeitz ihr gerathen hat. 2. (Erde/ Jch bin doch/ HErr/ nur Staub und J 3 Nicht Am Tage des Apostels Jaeobi Nicht der geringsten Gnade werth; Doch weil ich selbst geruffen werde/ So hoͤre/ was mein Hertz begehrt. Gieb/ was mir gutt und selig ist/ Nur dieses hab ich mir erkiest. 3. Die Kinder Zebedaͤi wollen Zur Rechten und zur Lincken seyn/ Nicht wissend was sie bitten follen/ Jch wil nur der Geringste seyn/ Und nehme gar die Thuͤr-Hutt an/ Wenn ich nur bey dir wohnen kan. 4. Jch nehme aller Fuͤrsten-Stuͤhle Mit nichten fuͤr dein Gnaden-Reich/ Wenn mir die gantze Welt entfiele/ So gilt mir dennoch alles gleich/ Jndem mein Hertze Rath und That Bey deiner Huld zu hoffen hat. 5. (cken/ Den Creutz-Kelch wil ich gerne trin- Hast du ihn doch zuvor eredentzt; Er wird mich dennoch suͤsse duͤncken/ Weil er von lauter Liebe glaͤntzt/ Und endlich auff dem Boden liegt/ Was mich in Ewigkeit vergnuͤgt. 6. Gieb mein bescheiden Theil auf Erdẽ/ An Lieb und Leid/ an Lust und Last/ Es wird doch wohl erfuͤllet werden/ Was du mir laͤngst verheissen hast/ Daß ich dir dort in Canaan Zu deiner Rechten sitzen kan. LXVII. Am 10. Soñtage nach Trinitatis. LXVII. Die mit dem Weinen- den Weinende. Am 10. Soñtage nach Trinitat. Melod. Hertzlich thut mich verlangen. 1. J Hr heissen Thraͤnen-qvellen/ Wo Schmertz uñ Hertze fleust/ Jhr Jammer-vollen Wellen/ Es laͤsset sich mein Geist Bey euren Brunnen nieder/ Wo er sich selbst vergißt/ Und nur auff Thraͤnen-Lieder Jtzund gerichtet ist. 2. Wer hat euch ausgepresset/ Jhr theuren Perlen ihr? Und welche Hand zerlaͤsset Euch in dem Eßig hier? Ach Salems grosse Suͤnden Verwunden Aug und Hertz/ Je naͤher sie sich finden/ Je mehr qvillt auch der Schmertz. 3. Holdseligster/ du weinest Umb ein verkehrtes Kind. Wie treulich du es meinest/ Doch ist dein Volck so blind: J 4 Am 10. Sonntage Es wil gar nicht bedencken/ Was ihm zum Friede dient/ Auch sich zu dem nicht lencken/ Was GOttes Zorn versuͤhnt. 4. Du weinst/ daß diese Staͤte Zu Grunde gehen soll/ Du siehst das Kriegs-Geraͤthe Der strengen Feinde wohl/ Wie sie sie werden schleiffen/ Und ihre Herrligkeit Jm Blutte gantz ersaͤuffen/ Bey nun versaͤumter Zeit. 5. O zarte Liebes-Thraͤnen! Beweint ihr noch den Feind/ Der doch bey eurem Sehnen Nicht eine Zaͤhre weint. O grosse Suͤnder-Liebe! Wer kan dich gnung erhoͤhn? Die Sonne scheinet truͤbe/ Eh sie wil untergehn. 6. O fluͤßt/ ihr heissen Tropffen/ Auch auff mein armes Hertz. Last euren Qvell nicht stopffen/ Biß daß mich Reu und Schmertz Jn eine Suͤndfluth setzet/ Die immer fleust Berg-an; Denn nach Trinitatis. Denn ich hab euch verletzet/ Wie Salem hat gethan. 7. Wie hab ich auch so wenig Die Gnaden- Zeit erkant/ Wenn du/ mein Gnaden-Koͤnig/ Dich hast zu mir gewant. Jerusalems Exempel Jst leider! mein Prophet/ Wo weder Stadt noch Tempel Jn seinem Flore steht. 8. Soll ich nicht auch so buͤssen/ So laß mich alsobald Jn Thraͤnen gantz zerfluͤssen/ Eh deine Huld erkalt. Ja setze deine Thraͤnen Auch meinen Thraͤnen bey/ Mir einen Weg zu baͤhnen/ Daß GOTT versoͤhnlich sey. 9. Treib allen Suͤnden-Handel Jm Hertzens-Tempel aus/ Und mache durch den Wandel Ein rechtes Beth-Hauß draus. Bau es auff dieser Erde/ Damit es nimmermehr Zur Moͤrder-Grube werde/ Und dir allein gehoͤr. J 5 10. Und Am 11. Sonntage 10. Und muß ich mit dir weinen Auff dieser boͤsen Welt/ Wie meistens auff die Deinen Der Thraͤnen Regen faͤllt. So laß den Schluß mich macheñ: Wer dir an Zaͤhren gleich/ Der wird auch mit dir lachen Jn deines Vaters Reich. LXVIII. Der selige Kirchgang. Am 11. Soñtage nach Trinitat. Melod. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. M Ein GOTT/ ich komm in dei- nen Tempel/ Und sehe hier zwey Menschen an/ An deren deutlichem Exempel Man alle Bether pruͤfen kan: Sie gehn zwar beyde bethen hin/ Doch haben sie nicht einen Sinn. 2. Der Phariseer steht zum ersten/ Und brennt vor Andacht lichter-loh/ Er wil vor Heiligkeit zubersten/ Und ist in seinem Hertzen froh/ Daß ihm kein Mensch auff Erden gleicht/ Und alles seiner Tugend weicht. 3. Er nach Trinitatis. 3. Er weiß sich frey von allen Suͤnden/ Er ist kein Dieb/ kein Raͤuber nicht/ Man soll kein Laster an ihm finden/ Was unrecht thut und Ehe bricht/ Und geht ein Zoͤllner da herein/ Dem wil er gar nicht aͤhnlich seyn. 4. Daß er nun kan so heilig leben/ Danckt er zum Scheine seinem Gott: Allein er wil sich selbst erheben/ Und treibt mit GOttes Ehre Spott. Das ist ein Heuchler in der That/ Der nur dein Hauß entheiligt hat. 5. Ein Zoͤllner aber steht von ferne/ An dessen Thun ich nur allein/ Der wahren Bether Muster lerne/ Wie sie vor dir gefaͤllig seyn. Er weiß von keiner Heiligkeit/ Und klaget nur sein Hertzeleid. 6. Die Augen wirfft er zu der Erden/ Er scheut sich vor des Himmels Licht/ Und zeigt mit traurigen Geberden/ Daß ihm sein Hertz im Leibe bricht. Er schlaͤgt die brust/ ich hoͤꝛ ihn schreyn: GOtt soll dem Suͤnder gnaͤdig seyn. 7. Ach dieser Arme hat viel eher Die Gnade GOttes zum Gewinn/ Und geht fuͤr jenem Phariseer Gerecht in seine Wohnung hin. J 6 Das Am 11. Sonntage Das heist: Ein selbst-erhoͤhter faͤllt/ Weñ wahre Demuth Gunst erhaͤlt. 8. O laß kein Phariseisch Hertze Bey meinem Gottesdienste seyn. Gieb daß ich nicht mit bethen schertze: Du siehest in das Hertz hinein. Bewahr mich vor Vermessenheit/ Sie bringet endlich Hoͤllen-Leid. 9. (tzen/ Laß mich durchaus nicht froͤm̃er schaͤ- Als andre Neben-Christen seyn. Und mich nicht an mir selbst ergoͤtzen. Kein Mensch ist vor dir Engel-rein. Wer auff sein eigen Werck vertraut/ Der hat auff Triebsand nur gebaut. 10. (men/ Jch wil mich meiner schwachheit ruͤh- Denn so was Guttes ist an mir/ S o wil mir doch kein Lob geziemen/ Der Ruhm gehoͤrt alleine dir. Und was bin ich vor andern wohl/ Daß ich nicht ihnen gleichen soll? 11. Jch bin ein Mensch/ wie andre Leute/ Ein Suͤnder/ wie sie alle seyn. Drumb schlag ich an die Brust noch heute/ Und wil umb Gnade zu dir schreyn. Ach sey nicht ferne HErr von mir/ Wie ich wohl ferne war von dir. 12. Der Zoͤllner steht fuͤrm Gnaden- Stuhle/ Mein nach Trinitatis. Mein Gnaden-stuhl soll JEsus seyn/ Der rettet mich vom Hoͤllen-Pfuhle/ Uñ schenckt mir deinen Gnadẽ-schein. Und weil ich diesen Glauben hab/ So geh ich nun gerecht hinab. LXIX. Der Brunnqvell alles Gutten. Am 12. Soñtage nach Trinitat. Melod. Was GOtt thut das ist wohl gethan. 1. A Rtzt Jsraels/ von Rath und That/ Du hilffst in allen Graͤntzen/ Und wo dein Arm gewundert hat/ Prangst du mit Ehren-Kraͤntzen. Was Tyrus weist/ Und Sidon preist/ Auch die Zehn Staͤdte zeugen/ Kan niemand nicht verschweigen. 2. Kehr auch in meinen Grentzen ein; Jch bin nicht so gesinnet/ Als wie die Gergesener seyn/ Denn wer dich lieb gewinnet/ Verlanget dich/ Und freuet sich/ J 6 Wenn Am 12. Sonntage Wenn er dich kan umfassen/ Und nimmer von sich lassen. 3. Man bringt dir einen Krancken hin/ Und sucht dich zu bewegen/ Du moͤchtest deine Hand auff ihn Mit grossem Nachdruck legen. Du nimmst ihn an/ Bald ists gethan/ Die Zunge muß sich ruͤhren/ Das Ohr die Oeffnung spuͤhren. 4. Ach laß doch auch dein Hephata Zu meinen Ohren dringen/ Es ist offt kein Gehoͤre da/ Wenn deine Worte klingen. Komm/ oͤffne dir Die Thuͤre hier/ Durch deines Fingers ruͤhren/ Daß ich die Krafft kan spuͤhren. 5. Dein Hephata laß auch zugleich Der Zungen Bande loͤsen/ Jch bin zwar offt an Worten reich/ Doch aber nur zum Boͤsen. Und bin darum Nur geistlich stumm/ O heile doch mich Schwachen/ Du kanst mich redend machen. 6. Der nach Trinitatis. 6. Der Lohn fuͤr deine Cur war dort Des Volckes Ruhm und Ehre. Verleihe daß ich auch hinfort Dein Goͤttlichs Lob vermehre. Was du vollbracht/ Jst wohl gemacht/ Man kans an allen Wercken Bey deinen Wundern mercken. 7. Du hast es wohl gemacht bey mir/ Wo ich nur hin gedencke. Mir ist auch immer wohl bey dir/ Daß ich mich gar nicht kraͤncke/ Wenn gleich die Welt Mich uͤbel haͤlt; Denn auch die schlimmsten Sachen Kanst du zum besten machen. 8. O mach es ferner bey mir wohl/ Jm Leben und im Leiden/ Und wenn ich endlich einmahl soll Von allem Ubel scheiden/ So weiß ich schon/ Mein Gnaden-Trohn/ Mein Sterben wird zum Lachen. Wie wohl wirst du es machen! LXX. Am 13. Sonntage LXX. Oel und Wein. Gesetze und Evange- lium. Am 13. Soñtage nach Trinitat. Melod. Meinen JEsum laß ich nicht. 1. O Wie selig ist der Blick/ Der/ O JESU/ dich erblicket! Ein so angenehmes Gluͤck Hat die Vaͤter nicht erqvicket. Und so selig muß allein Deiner Juͤnger Auge seyn. 2. Ach wie gerne wollt auch ich Solche Seligkeit genuͤssen! Doch du wilst itzunder dich Meinen Augen noch verschluͤssen/ Ohne was mein Glaube kan/ Der sieht dich in Hoffnung an. 3. Schaͤrffe selber dis Gesicht/ Daß ich dich im Wort erblicke/ Und wenn hier ein Blick geschicht/ Dich gantz fest ins Hertze druͤcke. Diese Vorschau ist genung/ Dort ist erst die Saͤttigung. 4. Klebt nach Trinitatis. 4. Klebt mein Auge nun an dir/ Laß dich auch mein Hertze lieben. Es ist dis Gesetze mir Von dir selbsten fuͤrgeschrieben. Hertz und Seele/ Krafft und Muth Macht allein die Liebe gutt. 5. Gieb/ daß meine Liebe sich Aus dem Hertzen mag erguͤssen. Laß die Neigung gegen dich Aus der Seelen Kraͤfften fluͤssen/ Daß/ was in und an mir ist/ Dich zu seiner Lust erkiest. 6. Uber alles laß mich dich Auff der gantzen Erden lieben/ Und den Nechsten gleich als mich; Gegen dem muß ich mich uͤben/ Daß ich ohne Heucheley Seiner Noth Erbarmer sey. 7. Doch der Weg nach Jericho Zeiget uns viel kalte Hertzen/ Und wer liebt den Nechsten so/ Daß er ihn bey seinen Schmertzen Wie der Samariter pflegt/ Und mit ihm Erbarmen traͤgt. 8. Mancher geht voruͤber hier/ Wie der Priester und Levite. Daß Am Tage Das sey ferne stets von mir. Gieb mir/ GOtt nur ein Gemuͤthe/ Das den Nechsten lieb gewinnt/ Und die Wunden ihm verbindt. 9. Kan ich gleich durch dieses Thun Keinen Himmel nicht verdienen/ So wird doch mein Glaube nun Durch dergleichen Wercke gruͤnen/ Und so werd ich denn allein Aus Genaden selig seyn. 10. Du/ mein JESU/ hast erfuͤllt/ Was ich hier nicht kan erfuͤllen/ Und aus deinen Wunden qvillt/ Was die Meinigen kan stillen/ Fuͤhr mich aus der Moͤrder Hand Zu dir ins Gelobte Land. LXXI. Die Krone der De- muth. Am Tage St. Bartholomaͤl. Melod. Die Nacht ist fuͤr der Thuͤr. 1. A Ch was erhebst du dich/ Du arme Asch und Erde? Dein Hochmuth haͤlt nicht Stich/ Daß er gekroͤnet werde; Die St. Bartholomäi. Die Demuth kan allein Der Krone faͤhig seyn. 2. Du gehst/ O JESU/ hin/ Die groͤßte Schmach zu tragen/ Und deiner Juͤnger Sinn Wil nur nach Ehre fragen. Man treibet Zaͤnckerey/ Wer doch der Groͤßte sey? 3. O Schande/ daß man dich Mit Hoffart itzt betruͤbet/ Da deine Seele sich Der Demuth gantz ergiebet/ Da dein betruͤbtes Hertz Schon voller Todes-Schmertz. 4. Wie viele wollen noch Sich deiner Demuth schaͤmen/ Und lieber gar zu hoch Die Ehren-Stelle nehmen. Auch wohl mein eigen Sinn Steht immer hoͤher hin. 5. Ach daͤmpffe doch in mir Die Lust zu hohen Dingen/ Auff daß ich mit Begier Nach Demuth moͤge ringen. Wer vor der Welt ist klein/ Der kan der Groͤßte seyn. 6. Dein Am Tage S. Bartholomäi. 6. Dein Reich ist ja nicht gleich Den Reichen dieser Erden. Und wer wil Ehren-reich Bey dir im Himmel werden/ Muß eitlen Ruhm verschmaͤhn/ Und nur nach Demuth sehn. 7. Es mag ein Koͤnig hier Mit Titeln sich beladen/ Jch heisse nur vor dir Ein Mensch von GOttes Gnaden/ Jch bin dein Eigenthum/ Das ist mein schoͤnster Ruhm. 8. Du giengst mir selbsten fuͤr Mit loͤblichem Exempel: Dein Leben war allhier Der wahren Demuth Tempel. Der HERR vom Himmelreich Wird einem Diener gleich. 9. O laß mich dieses Bild Fest in mein Hertze druͤcken; Denn wer bey dir was gilt/ Muß in der Welt sich buͤcken. Am Himmels-Tische speist/ Der hier ein Diener heist. 10. Werd ich verachtet hier/ Gieb mir Geduld im Leiden/ Hast Am 14. Soñt. nach Trinit. Hast du mir doch dafuͤr Des Vaters Reich beschieden. Dort ist mein Stuhl gesetzt/ Wo Demuth wird ergoͤtzt. LXXII. Das schlecht-belohnte Meister-Stuͤcke. Am 14. Soñtage nach Trinitat. Melod. JESU meine Zuversicht. 1. M Eister/ dem es nie gefehlt/ JEsu/ voller Kraft uñ staͤrcke! So viel Curen/ als man zehlt/ So viel zehlt man Wunderwercke. Wo dein Fuß sich hin gewandt/ Wird auch deine Hand erkandt. 2. Du bist auff dem Wege da Nach Jerusalem zu reisen/ Und so muß Samaria Deine grosse Thaten preisen. Balilaͤa stellet dir Lauter Ehren-Pforten fuͤr. 3. Du bist Helffer in der Noth Da Zehn Maͤnner dich begruͤssen/ Die den lebendigen Todt Durch den Aussatz tragen muͤssen. Du Am 14. Sonntage Du wilst ihnen/ wie sie schreyn/ JESUS/ lieber Meister/ seyn. 4. Dein Erbarmen sieht sie an/ Ob sie gleich von ferne stehen/ Und da niemand helffen kan/ Laͤst du sie rein von dir gehen/ Ja der Priester spricht sie frey/ Daß kein Aussatz da mehr sey. 5. Aber ach! wie lohnt man dir? Von den Zehnen kommt nur einer Nur ein Frembdling danckt dafuͤr/ Von den Juden aber keiner. Kein Jsraeliter preist/ Wie der Samariter weist. 6. Ach der Undanck ist fuͤrwahr Auff der Welt noch sehr gemeine: Du stellst manches Wunder dar/ Machest uns gesund und reine; Doch kein Mensch denckt recht darã/ Wie man dirs verdancken kan. 7. Weñ uns Noth und Kum̃er druͤckt/ Koͤnnen wir gar eyfrig bethen/ Und im Creutze tieff gebuͤckt Vor dein gnaͤdigs Antlitz treten. Aber wenn die Angst vorbey/ Weiß man nicht/ wer JESus sey. 8. Daß nach Trinitatis. 8. Daß der Samariter mich Dermaleins nicht darff beschaͤmen: O so laß mich gegen dich Auch zur Danckbarkeit beqvemen/ Du hast mir schon mehr gethan/ Als ich dir verdancken kan. 9. Machst du mich von Suͤnden rein/ O so laß mich wieder kehren. Und nicht bey den Neunen seyn/ Die dir keinen Danck gewehren: Sondern gieb mir einen Geist/ Der dich recht von Hertzen preist. 10. Nun verwirff das Opffer nicht/ Jch wil dir zu Fusse fallen/ Biß dein Mund wie dorte spricht/ Und die suͤssen Worte schallen: Stehe auff/ und gehe hin/ Denn dein Glaube hat Gewin. LXXIII. Die Sorge ohne Sorge. Am 15. Soñt. nach Trinitatis. Melod. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. (gen? W As soll ich mich mit Sorgen pla- Mein Am 15. Sonntage Mein JESUs sorget selbst fuͤr mich. Ein andrer mag sein Hertze nagen/ Der keinen GOtt glaͤubt uͤber sich. GOtt sorgt ja vor die gantze Welt/ Dem hab ich alles heim gestellt. 2. Niemand kan zweyen Herren dienen/ GOtt und der Mam̃on koͤnnen nicht Jn einer Brust beysammen gruͤnen: Ein jeder fodert seine Pflicht. Die Sorge vor den Mammon macht/ Daß man der Fuͤrsicht Gottes lacht. 3. O JESU/ laß mich das bedencken/ Daß ich nicht kindisch sorgen soll: (ckẽ/ Du wilst mich speisen und auch traͤn- Denn deine Hand ist Segens voll. Der mir das Leben hat verliehn/ Wird speiß uñ Kleider nicht entziehn. 4. Jch seh die Voͤgel in den Luͤfften/ Sie tragen ihre Kost davon. Die Lilgen auff den Blumen Trifften Sind schoͤner als ein Salomon. Das haben sie ohn alle Muͤh. Bin ich denn nicht viel mehr denn sie? 5. Wo ist ein Mensch/ der seine Laͤnge Nur einer Elle bessern mag/ Mit aller seiner Sorgen Menge/ Und sorgt er auch den gantzen Tag. Unmoͤglich Ding verbeut sich wohl. Man sorgt wo man nicht sorgen soll. 6. Die nach Trinitatis. 6. Die Heyden moͤgen sich nur graͤmen/ Bey denen GOtt nicht Vater heist: Jch als ein Christe muß mich schaͤmen/ Deñ mich belehrt dein Gnaden-geist Der Vater weiß/ was ich bedarff/ Er ist dem Kinde nicht zu scharff. 7. Jch wil nach deinem Reiche trachten Das wird die beste Sorge seyn/ Und alles Jrrdische verachten/ Es stellet sich ohn dem wohl ein. Ein jeder Tag hat seine Pein/ Wird auch nicht ohne Troste seyn. 8. Und endlich werff ich alle Sorgen Auff deinen breiten Ruͤcken hin. Ach sorge vor mich heut und morgen/ Und stille den betruͤbten Sinn. Nihm endlich mich im Himmel ein/ Da werd ich wohl versorget seyn. LXXIV. Heute an mir/ Morgen an Dir. Am 16. Soñt. nach Trinitatis. Melod. Hertzlich thut mich verlangen. 1. M Ein GOtt/ ich geh zu Grabe/ Weil ich die Todten-Baar K Vor Am 16. Sonntage Vor meinen Augen habe/ Und taͤglich noch erfahr/ Wie einer nach dem andern Sich aus der Welt verliehrt/ Da diesen Weg zu wandern Mir endlich auch gebuͤhrt. 2. Kein Nain wird verschonet/ Kein schoͤnes Lust-Revier: Wo nur die Suͤnde wohnet/ Da macht der Todt Qvartier. Und uͤber allen Thuͤren Stellt er die Worte fuͤr/ Die diesen Jnhalt fuͤhren: Heut mir und Morgen dir. 3. Die Todten-Graͤber schleichen Umb alle Haͤuser her/ Und was sie denn erreichen/ Hat keine Wiederkehr. Sie tragen aus den Thoren Den allerliebsten Sohn/ Und was zur Lust erkohren/ Muß unverhofft davon. 4. Der Junge/ wie der Alte Hat keinen Frey-Brieff nicht. Der Schoͤn-und Ungestallte Verliehret hier sein Licht. An beyderley Geschlechte Ver- nach Trinitatis. Versucht der Todt sein Heil/ Und hat mit seinem Rechte An allen Menschen Theil. 5. Jch bin ein Mensch/ wie alle Dem Tode zinßbar seyn. Weil ich auff Erden walle/ So liegt mein Leichen-Stein Mir immer in dem Wege/ Und weiß auch nicht wie bald Der Todt in Staub mich lege/ Durch Goͤttliche Gewalt. 6. O JESU laß mich immer Bereit und fertig seyn. Schleuß mich ins Todten-Zimmer Stets mit Gedancken ein/ Daß ich nicht sicher lebe/ Als haͤtt ich einen Bund/ Und mehr zu leben strebe/ Als du mir hast vergunt. 7. Der Tod kan mich nicht schrecken/ Kanst du den Juͤngling dort So herrlich aufferwecken/ Nur durch ein eintzigs Wort: So weiß ich daß im Grabe Man mich nicht gar vergraͤbt/ Weil ich den Glauben habe/ Daß mein Erloͤser lebt. K 2 8. Du Am 16. Sonntage 8. Du darffst den Sarg beruͤhren/ So wacht der Juͤngling schon. Die Krafft werd ich auch spuͤren/ Von dir/ O GOttes Sohn. Jch wil mich froͤlich legen/ So bald der Todt mich streckt/ Du wirst mich einst bewegen/ Wenn deine Stimme weckt. 9. Und scheid ich von den Meinen/ Das sie viel Thraͤnen kost/ So stille du ihr Weinen Mit einer Freuden-Post: Laß sie mit Glaubens-Blicken Nach Zions Huͤgeln sehn/ Da du sie wirst erqvicken Durch ewigs Wiedersehn. 10. Wohlan! in GOttes Nahmen Erwart ich meine Zeit/ Kommst du/ HErr JEsu/ Amen. Ja komm/ ich bin bereit. Jch weiß/ daß ich dort oben/ Wenn Grab und Todt zerstoͤrt/ Dich ewig werde loben/ Wo man kein Leid mehr hoͤrt. 11. Jndessen soll auff Erden/ Du maͤchtiger Prophet/ Dein nach Trinitatis. Dein Ruhm mein Lob-lied werden/ Biß jene Zeit entsteht/ Da man das Grab durchdringet/ Nach aller Todes- Noth/ Und im Triumphe singet: Der Todt ist selbsten todt. LXXV. Die ungestoͤrte Sab- bats-Lust. Am 17. Soñt. nach Trinitatis. Melod. Gott des Himmels und der Erden. 1. H Err des Sabbats/ dein Gesetze Setzt mir einen Ruhe- Tag/ Da ich deines Wortes Schaͤtze Ungestoͤret sammlen mag/ Und wilst haben/ daß er frey Sonst von aller Arbeit sey. 2. Jst denn dein Geboth nicht kraͤfftig/ Und wie soll ich es verstehn? Seh ich dich doch selbst geschaͤfftig/ Nicht allein zu Gaste gehn/ Sondern auch im Wercke seyn/ Einen Krancken zu befreyn. 3. Doch ich sehe deine Thaten Als gerecht und heilig an. K 3 Lieb Am 17. Sonntage Lieb und Noth hat dir gerathen/ Was du damahls hast gethan. Denn das bricht den Sabbat nicht/ Was aus Lieb und Noth geschicht. 4. Laß mich dieses recht bedencken/ Und so offt dein Tag erscheint/ Dir ein solches Hertze schencken/ Welches dich rechtschaffen meint/ Daß mein Gottesdienst nicht sey Menschen-Tand und Heucheley. 5. Gieb zuvor der Seelen-Speise/ Eh der Leib sein Brodt genuͤst/ Heile mich zu gleicher Weise/ Weil du Artzt und Helffer bist; Deñ ein Wort durch deinen Mund Machet Leib und Seel gesund. 6. Jch bin geistlich wassersuͤchtig/ Meine suͤndliche Natur Jst zu keinem Gutten tuͤchtig. Ach nimm mich in deine Cur: Greiff mit deiner Hand mich an/ Daß ich wieder wandeln kan. 7. Aber laß auch meine Liebe Meinem Nechsten Guttes thun/ Daß ich mich im Wohlthun uͤbe; Denn das hiesse suͤndlich ruhn/ Einen nach Trinitatis. Einen Sabbat zu begehn/ Und im Lieben muͤßig stehn. 8. Gieb daß ich mich nicht erhebe; Denn du bist der Hoffarth feind/ Sondern in der Demuth lebe/ Die ihr selbst geringe scheint/ Doch in ihrer Niedrigkeit Deiner Gnade sich erfreut. 9. Wil die Welt sich oben setzen/ Stellt mich aber unten an/ So kan ich mich gluͤcklich schaͤtzen/ Weil sie dir es auch gethan. Dorte folgt die Stimme drauff: Komme/ Freund/ und ruͤck hinauff. LXXVI. Die Glaͤubige Liebe/ Und Der Liebreiche Glaube. Am 18. Soñt. rach Trinitatis. Melod. JESU meine Freude. 1. V Runnqvell aller Liebe/ Gieb/ daß ich mich uͤbe Dir beliebt zu seyn: Du bist selbst die Liebe/ K 4 Und Am 18. Sonntage Und geust diesem Triebe Deine Regung ein. Ja du wilt Der Liebe Bild Fest in unsre Hertzen praͤgen/ Nur umb deinet wegen. 2. Dein Gesetze saget Jedem/ der da fraget/ Was das Groͤßte sey? Denn hier steht geschrieben/ Daß man GOTT soll lieben Ohne Heucheley. Dis Geboth Thut allen Noth: Wer sich ruͤhmet GOtt zu kennen/ Muß in Liebe brennen. 3. Ach so laß mein Hertze Deine Liebes-Kertze Jtzt und immer seyn. Bau in meiner Seele Deine Liebes-Hoͤle/ Schleuß dich in mich ein. Hoͤchstes Gutt/ Laß Sinn und Muth/ Dir sich gantz zu eigen geben/ Jn der Liebe leben. 4. Wenn ich mich so uͤbe/ Steht nach Trinitatis. Steht des Nechsten Liebe Auch zunechst dabey: Diese beyde Flammen Brennen stets beysammen/ GOTT und Menschen treu. Gieb/ daß ich Jhn/ gleich als mich/ Ohne List und Falschheit liebe/ Und niemahls betruͤbe. 5. Doch weil durchs Gesetze Man die Gnaden-Schaͤtze Nicht erwerben kan; Weil auch deinen Willen Niemand kan erfuͤllen/ Ob er viel gethan: So verleyh Mir Krafft dabey/ Daß mein Glaube das erwehlet/ Was der Liebe fehlet. 6. Glaub und Liebe muͤssen Stets einander kuͤssen/ Weil sie Schwestern seyn. Gieb daß ich in beyde Meine Seele kleide/ Ohne falschen Schein. Baum und Frucht Jst deine Zucht; Drum laß mich im Glauben bleibẽ/ Jn der Liebe glaͤuben. K 5 7. Daß Am Tage 7. Daß doch alle Christen Dein Geheimnuͤß wuͤsten/ Davids HErr und Sohn! Wer sich dein wil nennen/ Muß dich auch erkennen/ Wahrer Gnaden-Thron. Halte mir Dein Wort stets fuͤr/ Das wird von dir alles zeugen/ Wenn die Welt wil schweigen. 8. Kan ich auff der Erden Nicht vollkommen werden/ Wo nur Stuͤckwerck ist; So wird jenes Leben Zu erkennen geben/ Was du heist und bist. Glaub ich hier/ So werd ich dir/ (en/ Weñ der Glaube wird zum Schau- Ewiglich vertrauen. LXXVII. Der Magnetische Lie- bes-Zug CHristi. Am Tage des Apost. Matthaͤi. Melod. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. Jch des Apostels Matthäi. 1. J Ch seh die Seile deiner Liebe/ Du angenehmeꝛ Menschẽ freund. Matthaͤus folget diesem Triebe/ Und dieser Sonne/ die ihm scheint; So bald er hoͤret: Folge mir/ So steht er auff und folget dir. 2. So kraͤfftig wuͤrcken deine Worte/ Viel kraͤfftiger als ein Magnet. (te/ Du dringest durch des Hertzens-pfor- Die deiner Macht stets offen steht. So bald du sprichst/ so bald geschichts/ Und deinem Worte fehlet nichts. 3. Ach ruffe mich doch auch in Gnaden/ Jch sitz am Zoll der Eitelkeit/ Und bin mit einer Last beladen/ Die mir die schaͤrfste Rechnũg draͤut: Jch loͤse Geld/ das nirgends gilt/ Und meine Hand mit Straffen fuͤllt. 4. Jch wuchere mit lauter Suͤnden/ Das Capital ist allzu groß/ Und wenn sich die Jntressen finden/ So bin ich armer Erden-kloß/ An Tugend arm/ an Lastern reich/ Und einem schnoͤden Zoͤllner gleich. 5. Ach laß mich nicht am Zolle sitzen/ Und gieb mir einen Gnaden-Blick/ Der wird mein kaltes Hertz erhitzen/ So laß ich Welt und Geld zuruͤck/ K 6 Und Am Tage St. Matthäi. Und. folge kuͤnfftig allgemach Dir mit ergebnen Schritten nach. 6. Die Spoͤtter laͤstern gantz vermessen/ Als waͤrest du ein Suͤnden-Knecht/ Weil du mit Suͤndeꝛn pflegst zu essen. Doch dis dein Thun ist mir schon recht/ So werd ich auch so gluͤcklich seyn/ Mich deines Umgangs zu erfreun. 7. (hen/ Die Starcken moͤgen dich verschmaͤ- Jch/ als ein Krancker/ wil auff dich/ Den besten Artzt und Helffer sehen/ Ach komm zu mir und heile mich. Die Artzney/ die mir hilfft allein/ Wird Wort und Sacramente seyn. 8. Du bist nur zu den Suͤndern kom̃en/ Und wer sich duͤncket fromm zu seyn/ Der wird von dir nicht auffgenom̃en/ Du hassest allen falschen Schein. Wer aber sich zur Busse schickt/ Wird gnaͤdig von dir angeblickt. 9. So zeuch mich/ O Magnet der Liebe/ Durch Buß uñ Glauben gantz zu dir. Und scheinet mir der Himmel truͤbe/ So stelle mir zum Troste fuͤr. Wer dir folgt nach in dieser Welt/ Der folgt dir auch ins Himmels- Zelt. LXXVIII. Am 19. Soñt nach Trinitat. LXXVIII. Die Wunder in der Stadt GOttes. Am 19. Soñt. nach Trinitatis. Melod. Meine Seele laßes gehen. 1. J ESU kom̃/ du bist will kom̃en/ Kehr in meinem Hertzen ein; Wo du Wohnung hast genommen. Da muß lauter Himmel seyn. Wo man Glaub und Liebe findet/ Da ist deine Stadt gegruͤndet. 2. Jn Capernaum sind Krancken/ Und du wirst daselbst ein Gast: Dieses macht mir die Gedancken/ Daß du stets die Weise hast/ Bey Betruͤbten einzukehren/ Jhnen Huͤlffe zu gewehren. 3. Ach dein Creutz ist auch das Zeichen Uber meines Hertzens Thuͤr. Lasse dich doch auch erweichen/ Mache deine Wohnung hier/ So wird Kum̃er und Beschwerden Mir zu lauter Zucker werden. 4. (tzen/ Meine Suͤnde macht mir Schmer- Wie dem Krancken seine Gicht: K 7 Treibe Am 19. Sonntage Treibe sie von meinem Hertzen/ Denn mein Glaube zweiffelt nicht/ Du kanst schlagen und auch heilen/ Straffen und auch Trost ertheilen. 5. Worte voller Krafft und Leben/ Da du sprichst: Getrost mein Sohn! Deine Suͤnden sind vergeben. O der Absolution! Da ein Hoͤllen-Kind geschwinde Wird zu einem GOttes-Kinde. 6. Laß mich auch die Stimme hoͤren/ Nenne mich dein liebes Kind/ Das wird meinen Glauben mehrẽ/ Wie so treulich du gesinnt/ Und ich werde meine Suͤnden Jn des Meeres Tieffe finden. 7. Laß die Schrifft gelehꝛten schmaͤhen/ Denn sie werden selbst zu Spott/ Du kanst in ihr Hertze sehen/ Du nicht/ sie verlaͤstern GOTT; Darumb kan ihr Arges dencken/ Deine Unschuld gar nicht kraͤncken. 8. Wer den Krancken gibt das Leben/ Und aus eigner Krafft sie heilt/ Kan die Suͤnden auch vergeben/ Weil ihm GOtt die Macht ertheilt. Du nach Trinitatis. Du kanst võ der Kranckheit retten/ Also auch von Suͤnden-ketten. 9. Nun ich preise GOttes Gnade/ Und erkenne diese Macht. Also wird mein Seelen-Schade Durch dich wieder gutt gemacht/ Wenn ich Loͤsung von der Suͤnde Bey des Geistes Ambte finde. 10. Diese Welt bleibt wohl indessen Ein betruͤbtes Lazareth/ Doch wirst du mich nicht vergessen/ Wenn mein Lauff zum Ende geht/ Daß ich meine Bette nehme/ Und zum heim gehn mich beqveme. LXXIX. Die GOTT-geheiligte Engel-Freude. Am Fest-Tage St. Michaelis. Melod. Nun ruhen alle Waͤlder. 1. D U HERR der Seraphinen/ Dem Tausend Engel dienen/ Und zu Gebothe stehn: Du uͤber-Grosser Meister Der wunder-schoͤnen Geister/ Mein Mund soll deinen Ruhm er- hoͤhn. 2. Die Am Fest-Tage 2. Die Engelischen Thronen/ Die in dem Himmel wohnen/ Giebst du zu meiner Wacht: Sie sehn dein Angesichte Jn hoͤchst vollkommnem Lichte/ Doch nehmen sie mich auch in acht. 3. Das sind die starcken Helden/ Die deinen Rath vermelden/ Du Groß-Fuͤrst Michael: Das sind die Feuer-Flammen/ Die schlagen stets zusammen/ Um from̃er Christen Leib und Seel. 4. Jch preise deine Guͤtte Mit danckbarem Gemuͤtte Vor diese Wunder-Schaar: Jch ruͤhme deine Rechte Fuͤr diese Gnaden-Knechte/ Bey denen ich gantz sicher war. 5. Gieb ferner diese Wache/ Daß sie zu einem Dache Mir wider alles sey: Laß sie auff meinen Wegen Die Hand mir unterlegen/ So ist mein Fuß vorm stossen frey. 6. Den Feind laß sie erschrecken/ Und mich bestaͤndig decken/ Wie St. Michaelis. Wie dort den Gnaden-Thron/ Es sey mein gantzes Leben Mit ihnen stets umbgeben/ Als wie das Bette Salomon. 7. Doch sollen sie nicht weichen/ So laß mich ihnen gleichen Jn wahrer Heiligkeit: Wie sie die Kinder lieben/ Und sich in Demuth uͤben/ So mach auch mich dazu bereit. 8. Sie thuen deinen Willen/ Den laß mich auch erfuͤllen/ Sie leben keusch und rein: O laß mich nichts beflecken/ Und mich an allen Ecken Vor diesen reinen Geistern scheun. 9. Verhaue Haͤnd und Fuͤsse/ Und was zum Ergernuͤsse Mir hier gereichen kan: Wer aͤrgert diese Kleine/ Dem hangen schwere Steine Zur ewigen Versenckung an. 10. Und endlich/ wenn ich scheide So fuͤhre mich zur Freude Auff ihren Armen ein: Da werd ich dich erst loben/ Und Am 20. Sonntage Und in dem Himmel droben Dir und den Engeln gleiche seyn. LXXX. Das Angenehme Braut-Lied der Sulamith. Am 20. Soñt. nach Trinitatis. Melod. Schmuͤcke dich O liebe Seele. 1. S Chmücke dich O liebe Seele/ Salbe dich mit Freuden-Oele; Denn der Koͤnig aller Gnaden Laͤsset dich zur Hochzeit laden: Der dir seinen Sohn vermaͤhlet/ Und dich hat zur Braut erwehlet/ Wil dich heute zu sich haben/ Und mit tausend Wollust laben. 2. HErr des Himmels/ Grosser Koͤnig/ Ach ich Aermster bin zu wenig/ Solche Gnade zu genuͤssen/ Daß ich deinen Sohn soll kuͤssen: Doch weil du dich zu mir neigest/ Und mir deinen Zepter zeigest/ Komm ich zitternd her gegangen/ Meinen Braͤutgam zu umbfangen. 3. Ach die Taffel ist gedecket/ Wo man lauter Manna schmecket! Weg nach Trinitatis. Weg mit jenem Oster-Lamme; Denn dein Lam̃ am Creutzes-stamme Wird mir selbst zur Kost gegeben: Und das Blutt der edlen Reben/ Welches seine Wunden schwitzen/ Soll mir in den Becher spritzen. 4. Dieses ist das Haupt-Geruͤchte/ Und noch tausend Lebens-Fruͤchte Werden meiner Kehlen suͤsse/ Wenn ich glaͤubig hier genuͤsse; Denn aus deines Wortes Garten Eß ich Aepffel mancher Arten: Wil ich deinen Trost versuchen/ Schmeck ich mehr als Honig-kuchen. 5. Ach wer hier wil aussen bleiben/ Den muß Gottes Geist nicht treiben! Und doch muß man leider sehen/ Daß es gar zu offt geschchen; Wañ dein Knecht wird ausgesendet/ Daß sich mancher abgewendet/ Daß du diese Post vernommen: Keiner wil zur Hochzeit kommen. 6. Einer geht auff seine Felder/ Und der andre zehlt die Gelder: Dieser fuͤhret seinen Handel/ Und der andre sonst den Wandel: Viele schaͤtzen diese Dinge Durch Verspottung nur geringe/ Oder schicken deine Bothen Leider! gar ins Land der Todten. 7. O Am 20. Sonntage 7. O Verdammliche Veraͤchter! Du/ O GOtt/ als ein Gerechter/ Must ja billich zornig werden/ Und beschluͤssen/ von der Erden Diese Moͤrder auszurotten/ Welche deinen Winck verspotten: Ja dein Heer muß sie umbringen/ Und die Flamme sie verschlingen. 8. Laß sich alle Gaͤste spiegeln/ Daß sie auff dein Wort mit Fluͤgeln Zu der Gnaden-Taffel eilen/ Und nicht bey der Welt verweilen; Weil du andre sonst erwehlest/ Und die Kost-Veraͤchter qvaͤlest/ Daß sie vor die Gnaden-Bissen Pech und Schwesel kosten muͤssen. 9. Nun ich wil nicht aussen bleiben/ Weil mich deine Knechte treiben/ Und mich von der breiten Gassen Jn den Gast-Saal bringen lassen: Alle Tische sind erfuͤllet/ Und der Hunger wird gestillet. Aber leider! bey den Gutten Sind auch Boͤse zu vermutten. 10. Ach der Koͤnig ist verhanden/ Und verdammet zu den Banden/ Den der sich herein darff wagen/ Und kein Hochzeit-Kleid getragen: Er nach Trinitatis. Er muß in den Finsternuͤssen Seinen kuͤhnen Frevel buͤssen/ Und vor dieses uͤbereilen Ewig in der Hoͤllen heulen. 11. JESU/ soll ich dir gefallen/ So must du mich selbst fuͤr allen Mit den reinen Silber-Stuͤcken Eines wahren Glaubens schmuͤcken/ Jch muß deines Geistes Gaben/ Als das rechte Braut-Kleid haben/ Und in deinen rothen Wunden Wird mein schoͤnster Purpur funden. 12. Bin ich also angezogen/ So bist du mir auch gewogen/ Und ich geh in diesem Kleide Zu des Himmels Hochzeit- Freude: Hier kan ich den Vorschmack haben/ Biß du mich wirst ewig laben/ Und mit tausend Suͤßigkeiten Jn das Hochzeit-Hauß begleiten. LXXXI. Das selige Creutz. Am 21. Soñt. nach Trinitatis. Melod. Die Nacht ist vor der Thuͤr. 1. W Je selig ist die Noth/ Die uns zu CHristo jaget! Die Am 21. Sonntage Wenn Kranckheit und der Todt Uns an dem Hertzen naget/ So weiß man keinen Rath/ Als den/ den JESUS hat. 2. Zu dir/ O Heyland/ kam Des Koͤnigischen Hertze/ Das gantz in Thraͤnen schwam Bey seines Sohnes Schmertze; Weil dieser in Gefahr Des blassen Todes war. 3. Wer weiß/ ob er nicht noch Ein Heyde waͤre blieben/ Wenn ihn des Creutzes Joch Jtzt nicht zu dir getrieben: Des Sohnes Kranckheit macht/ Daß er an dich gedacht. 4. O JESU/ laß mich auch Mein Creutze lieb gewinnen: Es ist dein alter Brauch Du machest unsre Sinnen Nur darumb Traurens voll/ Daß man dich suchen soll. 5. Dort war der Glaube klein/ Der Mann wil Zeichen sehen/ Und meint/ es kan allein Durch deine Hand geschehen/ Da nach Trinitatis. Da doch ein Wort schon gilt/ Wenn du nur helffen wilt. 6. O laß mich deiner Macht Jn aller Noth vertrauen/ Was die Vernunfft verlacht/ Das muß der Glaube schauen/ Der weiß/ daß dir allein Nichts kan unmoͤglich seyn. 7. Der Koͤnigische laͤst Den Zweifel endlich schwinden/ Und glaubet nunmehr fest Den Sohn gesund zu finden: Er geht im Glauben hin/ Und dein Wort staͤrcket ihn. 8. Laß mich auch deinen Geist Je mehr und mehr entzuͤnden/ Und was ein Fuͤncklein heist/ Wie eine Flamme finden. Ja stell das schwache Rohr Wie einen Baum empor. 9. Dort muß der Knechte Mund Des Wortes Krafft bezeugen/ Der Sohn ist nun gesund/ Der Vater wil nicht schweigen/ Und macht ein Wunder draus: Er glaubt/ und auch sein Hauß. 7. Ach Am 22. Sonntage 10. Ach wenn ich glaͤubig bin/ So laß mich andre staͤrcken/ Und mein Vertrauen bluͤhn Aus deinen Wunder-wercken. Auch keine Stunde fehlt/ Die du zur Huͤlff erwehlt. 11. Jndessen lasse mich Mein Creutz geduldig tragen/ Es weiset mich auff dich/ Und wird nicht immer plagen. Wer leidet/ kan allein Ein Mann im Glauben seyn. LXXXII. Der Menschen Schuld und G OTTes Geduld. Am 22. Soñtage nach Trinitat. Melod. Die Nacht ist fuͤr der Thuͤr. 1. D Er Rechen-Tisch ist da/ Das Schuld-Register offen/ Der Zahlungs-Tag sehr nah Und keine Frist zu hoffen. Des nach Trinitatis. Des Koͤnigs Fodrung ist: Zahl/ was du schuldig bist. 2. Mein GOtt/ die Schuld ist kund/ Mit der ich dir verbunden: Mehr als Zehn tausend Pfund Wird in der Rechnung funden. Zu zahlen hab ich nicht/ So schreckt mich dein Gericht. 3. Ach habe/ HErr/ Geduld/ Jch wil dir alles zahlen. Verbuͤrge meine Schuld Jn JESUS Wunden-Mahlen. Wilst du bezahlet seyn/ Greiff in den Schatz hinein. 4. Wohl mir! ich seh es schon Du wilst die Schuld erlassen/ Weil ich den Gnaden-Thron Mit Glauben kan umbfassen: Mein Jammer jammert dich/ Du absolvirest mich. 5. Ach habe tausend Danck/ Daß du dich laͤst erbitten/ Vor dieser Rechenbanck Wil ich mich kuͤnfftig huͤtten/ Und was ich schuldig bin/ Dir nimmermehr entziehn. L 6. Mein Am 22. Sonntage 6. Mein Leib und Seel ist dein/ Jch wil dir alles geben/ Und kuͤnfftig dir allein/ Mein GOTT/ verbunden leben. Gieb mir nur deine Huld/ Zu Zahlung meiner Schuld. 7. Doch laß mich auch verzeihn/ Wie du mir hast verziehen: Dem Nechsten hold zu seyn Mich eyfrig stets bemuͤhen. Ein unversoͤhnter Sinn Kommt in den Kercker hin. 8. Der harte Schalcks-Knecht muß Sich ewig lassen qvaͤlen; Drumb hemme den Verdruß/ Wil jemand an mir fehlen/ Daß eigne Rache nicht Den Stab mir selber bricht. 9. Laß keine Seuffzer hier Auff meine Seele laden/ Und keinen Mit-Knecht mir Mit seinen Klagen schaden: Es moͤchte mir sein Schreyn Wie Abels Blutt dort seyn. 10. Jch wil des Bruders Schuld Von nach Trinitatis. Von Hertzen-Grund vergeben/ So wird auch deine Huld Mir meine Schulden heben/ Und beyden das verzeihn/ Was wir dir schuldig seyn. 11. Und werd ich der Natur Die Schuld bezahlen muͤssen/ So wirst du deinen Schwur Mir auch zu halten wissen: So wahr du lebst/ giebst du Des Suͤnders Todt nicht zu. LXXXIII. Das Geboth der Liebe bey der Welt Haß. Am Tage Simonis und Judaͤ. Melod. Von GOtt wil ich nicht lassen. 1. D u Brunnqvell aller Liebe/ Dein Qvell ist immer rein: Die Welt macht ihn nicht truͤbe/ Wil sie gleich bitter seyn. Jhr Haß kan nur bey dir Oel in die Flammen guͤssen/ Sie wird doch leiden muͤssen/ Daß du sie liebst dafuͤr. L 2 2. Du Am Tage 2. Du stellst uns dein Exempel Und dein Gebothe fuͤr/ Du baust der Liebe Tempel Uns in das Hertze hier: Wir sollen in der Welt Einander hertzlich lieben/ Und uns im Lieben uͤben/ Dieweil es dir gefaͤllt. 3. Wenn sich die Welt mit hassen Auch wider uns erbost/ Wir leiden es und fassen Den uns gegebnen Trost: Sie haßte dich ja auch/ Und ehe wir noch waren/ Must du es schon erfahren/ Es ist ihr alter Brauch. 4. Die Welt sucht den zu plagen/ Der es nicht mit ihr haͤlt: Was wollen wir verzagen/ Wir sind nicht von der Welt/ Und doch von ihr erwehlt/ Weil sie das Jhre liebet/ So wird der nur betruͤbet/ Der sich zu CHristo zehlt. 5. Wir sind ja deine Knechte/ Und du bist unser HErr; So Simonis und Judä. So haͤlt uns auch mit Rechte Die Welt nicht freundlicher: Sie war des Hauptes Feind/ Drum druͤckt sie auch die Glieder Stets mit Verfolgung nieder/ Weil sie es billich meint. 6. Ach laß uns dran gedencken/ Du hast es uns gesagt/ Und unser Hertz nicht kraͤncken/ So offt die Welt uns plagt. Denn leiden wir allein Umb deines Nahmens wegen/ So werden wir dagegen Dort ewig froͤlich seyn. 7. Laß uns nur in der Liebe Allhier verbunden stehn/ Und mit dergleichen Triebe Der Welt entgegen gehn/ Und haßt sie uns dafuͤr/ Sie soll uns doch nicht trennen/ Die Liebe wird wohl brennen/ Biß sie dort glaͤntzt fuͤr dir. LXXXIV. Die gefangnen Faͤnger. Am 23. Soñtage nach Trinitat. Mel. Wo Gott der HErr nicht bey uns haͤlt. L 3 1. Wie Am 23. Sonntage 1. W Je suchet dich die falsche Welt/ Mein JESU/ zu beruͤcken/ Da sie dir fast zu Fusse faͤllt/ Und doch ein Hertz voll Tuͤcken Jn dem verdammten Leibe hat/ Sie haͤlt mit ihren Schuppen Rath/ Wie sie dich moͤge fangen. 2. Der Phariseer junge Brut/ Herodis Mord-Gesellen/ Sind zwar in ihren Worten gutt/ Und wollen dich doch faͤllen: Sie sehn dich vor warhafftig an/ Uñ ruͤhmen/ was man ruͤhmen kan/ Doch geht es nicht von Hertzen. 3. Sie fragen umb des Kaͤysers Zinß/ Ob sie ihn geben sollen/ Und sind doch leider nur des Sinns/ Daß sie dich fangen wollen: Du spraͤchest nun Ja oder Nein/ So sollt es eine Falle seyn/ Jns Ungluͤck dich zu bringen. 4. Allein wie fehlet ihre Kunst/ Du hast ein scharff Gesichte/ Und machest ihren falschen Dunst Gantz offenbahr zu nichte: Die nach Trinitatis. Die Heuchler muͤssen schamꝛot steyn Und uͤberzeugt von dannen gehn/ Weil du sie selbst gefangen. 5. Ach lasse mich kein falsches Hertz Jn meinem Leibe tragen/ Noch meinen Nechsten hinterwerts Mit schlimmen Tuͤcken plagen: Bewahre mich fuͤr falschen Schein/ Und laß mich keinen Heuchler seyn/ Der sich nur freundlich stellet. 6. Gedancken sind vom Zolle frey/ Doch nicht in deinen Augen: Du hassest alle Gleißnerey/ Und die da Muͤcken saugen. Wer seinem Nechsten Grubẽ graͤbt/ Und nur nach seinem schaden strebt/ Muß selbsten darein fallen. 7. Laß Redligkeit und wahre Treu Aus Wort und Wercken blicken/ Und bin ich nicht vor Fe inden frey/ So halte mir den Ruͤcken: Die Unschuld hat noch stets gesiegt/ Und wo ein gutt Gewissen liegt/ Da wird der Neid zu schanden. 8. Erleuchte meinen bloͤden Sinn/ Daß ich die Netze mercke/ L 4 Mit Am 24. Sonntage Mit denen ich umbgeben bin/ Und gieb mir deine Staͤrcke/ Daß ich die Falschen kan zerstreun/ Wenn sie am allermeisten schreyn: Da! Da! das sehn wir gerne. 9. (sey/ Gieb/ daß mein Wandel Christlich Damit ich also lebe/ Daß ich Gott und dem Kaͤyser treu Was jedem zukommt/ gebe/ Und leid ich druͤber allerley/ So bleibt mir doch der Trost dabey: Jch hab ein gutt Gewissen. 10. Jch bin dein Groschen/ denn du hast Dein Bildnuͤß drauff geschlagen/ So muß ich auch des Creutzes Last/ Wie du/ geduldig tragen. So wird die Uberschrifft gepraͤgt: Wer hier mit CHristo Dornen trägt/ Trägt dorte mit Jhm Cronen. LXXXV. Die Bruͤderschafft des Schlaffes und des Todes. Am 24. Soñt. nach Trinitatis. Melod. Freu dich sehr O meine Seele. 1. HErr/ nach Trinitatis. 1. H Err/ es steht in deinen Haͤnden Unser Leben/ unser Todt: Niemand kan den Lauff vollenden/ Ohne nur auff dein Geboth. Du ruffst uns in diese Welt/ Und wenn dir es nun gefaͤllt/ So ruffst du uns auch von hinnen. Laß mich dieses wohl besinnen. 2. Hat Capernaum auch Leichen/ Wo du doch gewohnet hast/ So kans jeden Ort erreichen/ Hirten-Huͤtte und Pallast/ Jst des Todes Auffenthalt/ Er braucht uͤberall Gewalt/ Thuͤr und Thore stehn ihm offen/ Keine Freystadt ist zu hoffen. 3. Er begraͤbt nicht nur die Alten/ Die des Lebens muͤde seyn; Auch die Jugend muß erkalten/ Und geht fuͤr den Jahren ein. Da des Obersten sein Kind Auffzubluͤhen kaum beginnt/ Hat der Tod die Frucht verdorben/ Und die Tochter ist gestorben. 4. Ach was wil ich denn so sicher Vor dem Sterbe-Kittel seyn? L 5 Huͤllen Am 24. Sonntage Huͤllen doch die Leichen-Tuͤcher Viel gesuͤndre Menschen ein: Mancher liegt Zwoͤlff Jahre lang Nur an einem Ubel kranck/ Und der niemahls kranck gewesen/ Wird gar ploͤtzlich abgelesen. 5. Nun es bleibt beym alten Bunde/ Daß ich einmahl sterben muß; Jch weiß aber nicht die Stunde/ Also mach ich diesen Schluß: Es soll mir mein Leichen-Stein Stets vor meinen Augen seyn/ Jch wil sterben eh ich sterbe/ So wird mir der Todt nicht herbe. 6. Hat der Todt viel Bitterkeiten/ Du kanst einen Honigseim Wider dieses Gifft bereiten/ So geh ich mit Freuden heim; Denn der Todt ist meine Ruh/ Lachet gleich die Welt dazu/ Weil sie das nicht kan verstehen/ Daß wir sterbend schlaffen gehen. 7. Schlaff und Todt sind doch nur Bruͤder/ Jeder druckt die Augen zu/ Jeder staͤrckt die matten Glieder/ Mit der angenehmen Ruh: Wie nach Trinitatis. Wie das Bette/ so das Grab/ Ziehet uns die Kleider ab. Schlaffen wir nun in der Erden/ Muß es besser mit uns werden. 8. Auff das schlaffen folgt Erwachen/ Auff das Sterben Aufferstehn/ Denn du kanst lebendig machen/ Daß wir aus dem Sarge gehn. Des Jairi Tochter lebt/ Weil sie deine Hand erhebt/ (den/ So muß schlaff und Tod verschwin- Und ihr Geist sich wieder finden. 9. Nun ich wil mich schlaffen legen/ Wenn du mir befehlen wirst/ Du wirst meiner Ruhe pflegen/ O du Grosser Lebens-Fuͤrst/ Daß/ wenn ich zu Bette geh/ Jch als vor dem Grabe steh/ Und weñ Schlaff und Tod sich kuͤs- Sich die Augen selig schluͤssen. (sen. 10. Laß mich deinen Saum beruͤhren/ Wenn ich kranck und elend bin/ Und gesunde Kraͤffte spuͤren/ Biß das Ubel weicht dahin. Doch soll meiner Kranckheit Pein Mir ein Todes-Bothe seyn/ L 6 So Am 25. Sonntage So sol mich der Tod nicht schrecken/ Deine Hand wird mich erwecken. LXXXVI. Die letzten Zeichen und Zeiten. Am 25. Sonntage nach Trinit. Melod. Es ist gewißlich an der Zeit. 1. D Je letzte Zeit ist vor der Thuͤr. So schallts in allen Landen/ Und du/ mein JESU/ sagest mir/ Was noch fuͤr Noth verhanden. Jch hoͤre hier mit Zittern an/ Was kuͤnfftig noch geschehen kan/ Und was vor Plagen kommen. 2. Jch weiß wol/ daß mirs nicht gebuͤhrt/ Die Stunde zu erfragen/ Wenn dein Gerichte wird vollfuͤhrt; Kein Mensch kan dieses sagen. Denn du/ HErr/ weist es nur allein/ Doch wird es nicht mehr ferne seyn/ Bey solchen Trauer-Zeichen. 3. Jerusalem soll Spiegel seyn/ Darinn wir alle sehen: Man bilde bey der Welt sich ein/ Was jener ist geschehen/ Jeru- nach Trinitatis. Jerusalem der kleinen Welt/ Hat GOtt das Urtheil laͤngst gefaͤllt/ Nun kommt es an die grosse. 4. Ach was vor Greuel siehet man An heilger Staͤte stehen? Es donnert lauter Fluch und Bann Von Babels stoltzen Hoͤhen. Des Herren Wort wird nur veracht/ Und lauter Menschen-Tand gemacht/ Dabey die Warheit leidet. 5. Es stehen falsche Christi auff/ Mit greulichen Propheten/ Und ihre Lehre zielet drauff/ Daß sie die Seelen toͤdten: Jhr Jrrthum ist so voller Gifft/ Daß er bey nahe diese trifft/ Die GOTT selbst hat erwehlet. 6. Man weiset CHristum da und dort/ Nach eigenem Geluͤsten/ So schicket man die Einfalt fort/ Zur Kammer und zur Wuͤsten/ Man kehret lauter Wunder vor/ Und oͤffnet also Thuͤr und Thor/ Die Unschuld zu verfuͤhren. 7. Ach sollte das nicht Truͤbsahl seyn/ Dergleichen nie gewesen! Wer wollte dieses Prophezeyn Nicht hoͤchst-bedachtsam lesen? Wer wollte nicht von hinnen fliehn/ L 7 Wenn Am 25. Sonntage Wenn diese Wetter auffzuziehn/ Je mehr und mehr beginnen. 8. So nehm ich denn die Flucht zu dir/ Du hast mirs selbst befohlen/ Und wenn du kommst/ so wil ich mir Nichts aus dem Hause hohlen. Wenn ich die Seele retten kan/ So hab ich schon genung gethan/ Die Welt mag hinten bleiben. 9. Die Berge/ wo ich hin wil fliehn/ Sind deiner Wunden Kluͤffte/ Da koͤmmt kein falscher Christus hin Mit seinem Jrrthums-Giffte: Da packet mich kein Teuffel an/ Weil ich sie alle schlagen kan/ Mit deinem theuren Blutte. 10. Der Außerwehlten Hoffnung ist/ Du wirst die Tage kuͤrtzen/ Und was zum Leiden ist erkiest/ Mit deinem Troste wuͤrtzen. Du kennst die Deinen in der Welt/ Und wer dein Siegel nur behaͤlt/ Den wirst du dort auch kennen. 11. Kom̃t nun dein Tag als wie der Blitz/ So laß mich nicht verzagen/ Und mich vor deinen Richter-Sitz Jn tieffster Demuth wagen. Du koͤmmst ja zur Erloͤsung mir/ So nach Trinitatis. So gieb/ daß ich mich denn zu dir Als wie ein Adler schwinge. LXXXVII. Der Richter-Stuhl CHRJSTJ. Am 26. Soñtage nach Trinitat. Melod. Hertzlich thut mich verlangen. 1. J Ch denck an dein Gerichte/ Du Richter aller Welt/ Das nur vor ein Gedichte Manch rohes Welt-Kind haͤlt: Dein Wort und mein Gewissen Zeigt mir es deutlich an/ Daß du wirst richten muͤssen/ Was jeder Mensch gethan. 2. Jch hoͤre die Posaunen Jn meinen Ohren schon/ Und sehe mit Erstaunen Den grossen Richter-Thron/ Auff welchem du wirst sitzen Jn deiner Herrligkeit/ Wenn Feld-Geschrey und Blitzen Der Welt das Ende draͤut. 3. Mein Geist erblickt die Scharen Vor deinen Stuhl gestellt/ So Am 26. Sonntage So viel als Menschen waren/ Von Anbegin der Welt: Hier muß sich jeder stellen/ Und seinen Urthel-Spruch Sich von dir lassen faͤllen/ Zum Segen oder Fluch. 4. Da geht es an ein Scheiden. Du laͤst zur Rechten Hand Die lieben Laͤmmer weiden/ Die dir allein bekant. Die Boͤcke gehn zur Lincken Von deinem Angesicht/ Und muͤssen da versincken/ Wo weder Trost noch Licht. 5. Ach ihr zur Rechten Seiten/ Wie suͤsse rufft man euch: Kommt/ ihr Gebenedeyten/ Erbt meines Vaters Reich. Jhr habet mich gespeiset/ Mit Tranck und Kleid versehn/ Und dieses mir erweiset/ Was Bruͤdern ist geschehn. 6. Doch was vor Donner schiessen Auff die zur Lincken Hand! Sie als Verfluchte muͤssen/ Als wie ein Hoͤllen-brand/ Jn ewigs Feuer rennen; Denn nach Trinitatis. Denn JEsus wil sie nicht Aus ihrem Glauben kennen/ Dem Liebe doch gebricht. 7. So gehen die Gerechten Jns Freuden-Leben ein/ Den andern Satans-Knechten Wird lauter Hoͤllen-Pein. Die Seligen erlangen Der Engel Bruͤderschafft/ Die Boͤsen sind gefangen Jn Teuflischer Verhafft. 8. Laß/ JEsu/ dis Gerichte Mir stets fuͤr Augen seyn/ Und soll dein Angesichte Mich dermahleins erfreun/ So gieb mir so ein Leben/ Das auff den Glauben weist/ Und darnach moͤge streben/ Was du so herrlich preist. 9. Gieb/ daß ich mich recht schicke Auff deinen letzten Tag/ Und alle Augenblicke Mich drauff bereiten mag/ Weil schon die Zeichen wittern/ Die Welt zur Straffe reiff/ Daß ich mit Furcht und Zittern Die Seligkeit ergreiff. 10. Und Am ’26. Soñt. nach Trinit. 10. Und wenn dein Tag verhanden/ Die Welt soll untergehn/ So laß mich nicht mit Schanden Fuͤr deinem Throne stehn: Laß mich von allen Straffen Dein theures Blutt befreyn/ Stell mich zu deinen Schaffen/ Die zu der Rechten seyn. 11. Das Schwerdt in deinem Munde Sey mir ein Palmen-Zweig/ Versenck im Hoͤllen-Schlunde Des Pharaonis Zeug: Mich fuͤhre zu den Deinen Jns rechte Canaan/ Wo uns die Sonne scheinen Kein Donner schrecken kan. 12. Ach komme/ mein Erloͤser/ Mit deiner Herrligkeit/ Die Welt wird immer boͤser/ Ach komme nur noch heut! Laß bald die Stimme hoͤren: Kommt/ ihr Gesegneten! So wollen wir dich ehren Mit allen Heiligen. LXXXVIII. Am 27. Soñtage nach Trinitat. LXXXVIII. Die Stim̃e des Braͤu- tigams und der Braut. Am 27. Soñtage nach Trinit. Melod. Wie schoͤn leuchtet der Morgenst. 1. Z U Mitternacht ward ein Geschrey: Der Braͤutigam naht schon her- Auff/ gehet ihm entgegen! (bey! Kommt brennet eure Lampen an/ Die ihr mit Glauben angethan/ Und leuchtet allerwegen. Lauffet/ Kauffet Glaubens-Oele/ Schmuͤckt die Seele/ Jhr Jungfrauen/ Wollt ihr euren Braͤutgam schauen. 2. Du Außerwehlter Braͤutigam/ Du Allerliebstes GOttes-Lamm/ Jch hoͤre deine Stimme. Du ruffst mir auch als deiner Braut/ Da du im Glauben dich vertraut/ Gieb daß mein Hertze glimme. Guͤsse/ Schluͤsse Mei- Am 27. Sonntage Meine Flammen Recht zusammen/ Daß ich brenne/ Und man meinen Glauben kenne. 3. Es ist schon leider Mittern acht/ Die Finsternuͤß regiert mit Macht/ Der Glaub ist gantz verschwunden/ Die Welt schnarcht in der sicherheit/ Und schaͤtzet deine Zukunfft weit/ Die sich doch bald gefunden. Suͤnden Binden So viel Augen/ Die nicht taugen Auffzuwachen/ Sich auff dich bereit zu machen. 4. O laß mich bey den Fuͤnffen seyn/ Die sich auff deine Zukunfft freun/ Und ihre Lampen tragen. Geuß Glaube/ Liebe/ Hoffnung zu/ Das allerschoͤnste Licht bist du/ Davon die Nacht muß tagen. Gruͤsse/ Kuͤsse/ Deine Taube/ Derer Glaube Dich umbschluͤsset/ Und dich hertzlich wieder kuͤsset. 5. Jhr Thoͤrichten/ schlafft immerhin/ Jhr wollt euch nicht um Oel bemuͤhn/ Daß nach Trinitatis. Daß euer Glaube scheinet. Drumb klopffet ihr vergebens an/ Weñ euch nicht mehꝛ wiꝛd aufgethan Und ihr umdsonste weinet. Klaget/ Fraget/ Eurem Hoffen Steht nichts offen/ Laßt das rennen/ JESUS wil euch gar nicht kennen. 6. Du aber kenne mich mein Freund/ Wenn deine Zukunfft nun erscheint/ Eroͤffne mir die Thuͤre/ Daß ich zu deiner Hochzeit geh/ Uñ in dem rechten Brautschmuck steh/ Der meine Seele ziere. Laß mich Ewig Dich umbfassen/ Und nicht lassen/ Mein Verlangen! Werd ich dich nicht bald umbfangen? 7. Jndessen laß mich munter seyn/ Der Satan wiege mich nicht ein Mit groben Suͤnden-Traͤumen. Laß Fleisch und Blut mich creutzigen/ Und nicht mit denen Thoͤrichten Die Gnaden-Zeit versaͤumen. Mein Lamm/ Braͤutigam/ Komm geschwinde/ Und Am Heil. Kirch-Fest. Und verbinde Uns dort oben/ Durch ein ewiges Verloben. LXXXIX. Der Angenehmste Gast. Am Heiligen Kirchen-Fest. Melod. Meinen JEsum laß ich nicht. 1. A Ch wie heilig ist der Ort! Ach wie selig ist die Staͤte! Hier ist selbst des Himmels Pfort; Hier erhoͤret GOTT Gebethe; Hier erschallet GOttes Wort! Ach wie heilig ist der Ort! 2. Ruͤhme dich nun/ Jericho/ Daß du JESUM kanst bewirthen/ Zion jauchzet eben so Uber seinen gutten Hirten/ Der auch diese Wohnung liebt/ Und hier Weid und Freude giebt. 3. Laufft Zachaͤus mit Begier Seinen JESUM zu erblicken: Ach so kan/ GOtt Lob! auch hier Jeder sich zum Lauffen schicken. Der erlanget hier sein Ziel/ Welcher CHristum sehen wil. 4. Dor- Am Heil. Kirch-Fest. 4. Dorte stund ein Maulbeer-Baum/ Hier ist gar der Baum des Lebens/ Der gibt Schatten/ Frucht uñ Raum/ Niemand kommet hier vergebens/ Wer auff diese Zweige steigt/ Dem wird JESUS auch gezeigt. 5. Heyl war in des Zoͤllners Hauß/ Weil es Christum auffgenommen/ Und hier ruffet JESUS aus: Selig sind/ die zu mir kommen. Derer Hertzen nimmt er ein/ Daß sie auch sein Tempel seyn. 6. Grosser GOTT wir muͤssen dir Tausend Danck von Hertzen sagen/ Daß du unter uns auch hier Deine Wohnung auffgeschlagen/ Und dein Wort und Sacrament Uns so gnaͤdigst zugewendt. 7. Was vor Heyl ist doch bißher Diesem Hause wiederfahren? Wenn der HErr nicht bey uns waͤr/ Wer wollt uns denn offenbahren/ Was den Mund mit Manna speist/ Und den Weg zum Himmel weist. 8. Unsre Feinde murren zwar/ Wenn sie JEsum bey uns sehen/ Doch er schuͤtzt uns immerdar/ Daß Am Heil. Kirch-Fest. Daß uns noch kein Leid geschehen. GOttes und des Kaͤysers Gnad Macht uns freyen Kirchen-Pfad. 9. O wie lieblich/ O wie schoͤn Sind des HERRen Gottesdienste! Last uns fleißig wallen gehn; Hier erlangt man zum Gewinste Einen Schatz der ewig waͤhrt/ Den kein Raub/ kein Wurm verzehrt. 10. Kommt/ ihr Suͤnder/ nur herzu/ Fallt fuͤr eurem JESU nieder/ Suchet die Gewissens-Ruh/ Gebt das Ungerechte wieder/ Theilt den Armen reichlich aus/ Und entweiht nicht GOttes Hauß. 11. Wer den Tag nicht heiliget/ Der tritt GOttes Wort mit Fuͤssen/ Darumb sey ein Wort geredt: Keiner soll sein Brodt genuͤssen/ Da nicht JESUS mit dabey Als ein Gast zugegen sey. 12. Bleibe bey uns lieber Gast/ Speiß uns ferner mit dem Worte/ Das du uns gegeben hast: JESU laß an diesem Orte Deine Kirche feste stehen/ Biß die Welt wird untergehen. 13. Stell Am Heil. Kirch-Fest. 13. Stell uns solche Lehrer fuͤr/ Die mit Lehr und Leben bauen/ Die uns weiden unter dir Auff den rechten Lebens-Auen/ Daß der falschen Lehrer Gifft Keines deiner Schaͤflein trifft. 14. Laß dein Aug und Ohr hier seyn/ Und erhoͤre das Gebethe/ Wenn wir hier versammlet seyn/ Und bewahre diese Staͤte/ Daß ihr weder Raub/ noch Glutt/ Noch Verfolgung Schaden thut. 15. Und so werden wir allhier Einen Himmels-Vorschmack haben/ Biß wir alle dort bey dir Uns im Friedens-Tempel laben. Da erschallt es immerfort: Ach wie heilig ist der Ort! M Wo- W ochentliches M orgen- Und A bend- O pffer. I. M orgen- A ndacht am Sonntage. Melod. Des Morgens/ wenn ich fruͤh auffsich. 1. (herfuͤr/ M Ein GOTt/ die Sonne geht Sey du die Soñe selbst in miꝛ/ Du Soñe der Gerechtigkeit/ Vertreib der Suͤnden Dunckelheit. 2. Mein erstes Opffer ist dein Ruhm/ Mein Hertz ist selbst dein Eigenthum/ Ach kehre gnaͤdig bey mir ein/ Du must dir selbst den Tempel weihn. 3. Gieb/ daß ich meinen Fuß bewahr/ Eh ich mit deiner Kirchen-Schaar Zum Hause GOttes wallen geh/ Daß ich auch heilig fuͤr dir steh. 4. Be- Morgen- und Abend-Opffer. 4. Bereite Hertze/ Mund und Hand/ Und gib mir Weißheit uñ Berstand Daß ich dein Wort mit Andacht hoͤr/ Zu deines grossen Nahmens Ehr. 5. Schreib alles fest in meinen Sinn/ Daß ich nicht nur ein Hoͤrer bin/ Verleihe deine Krafft dabey/ Daß ich zugleich ein Thaͤter sey. 6. Hilff daß ich diesen gantzen Tag Mit Leib und Seele feyren mag. Bewahr mich fuͤr der argen Welt/ Die deinen Sabbath suͤndlich haͤlt. 7. So geh ich denn mit Freuden hin/ Wo ich bey dir zu Hause bin/ Mein Hertz ist willig und bereit/ O Heilige Dreyfaltigkeit! II. A bend- A ndacht am Sonntage. Die Melodie ist die vorige. 1. (Ruh/ M Ein GOtt/ die Sonne geht zur Komm druͤcke mir die Augen zu/ Doch laß mich vor dein Antlitz sehn/ Und hoͤre meines Hertzens Flehn. 2. Dein Schaͤflein kom̃t in deinen schoß/ Ach mach es aller Suͤnden loß/ M 2 Jst Wochentliches Morgen. Jst dieser Tag nicht recht verbracht/ Dein Sohn hat alles gutt gemacht. 3. Nihm du sein Blut vor meine schuld/ Erneure deine Vater-Huld/ Und nihm dein Kind zu Gnaden an/ Daß ich fein sanffte ruhen kan. 4. Du bist der Waͤchter Jsrael/ Bewahre beydes Leib und Seel/ Sey mir uñ auch der Meinen Schild/ Wenn Satan in dem Finstern bruͤllt. 5. Und stoͤhret etwas meine Ruh/ So ruff mir deine Worte zu/ Die heute mich so wohl erqvickt/ So werd ich traͤumend auch entzuͤckt. 6. Des Schlaffes Bruder ist der Todt/ D och hat es mit mir keine Noth/ Jch leb und sterbe dir allein/ So schlaff ich sanfft und selig ein. 7. Schleuß dich/ o Hertzens-Tempel/ zu/ Denn GOtt hat in mir seine Ruh. Die Uberschrifft steht an der Thuͤr: Gott Vater/ Sohn und Geist ist hier. III. M orgen- A ndacht am Montage. Nach der vorigen Melodie. 1. Mein und Abend-Opffer. 1. M Ein GOTt erwecke Hertz und Mund/ Erneure deinen Gnaden-Bund/ D aß dieser Wochen erster Tag Jn dir gesegnet heissen mag. 2. D ie Nacht war mir als wie der Tag/ Weil ich in deinen Armen lag. Steh mir nun in G enaden bey/ D aß mir der Tag nicht finster sey. 3. Laß mich in deinem Lichte stehn/ Kein Werck der Finsternuͤß begehn. Gieb mir ein dir ergebnes Hertz/ Daß ich nicht deine Huld verschertz. 4. D ein Auge sieht mich wo ich bin/ Dein Ohr hoͤrt aller Orten hin: D u wirst von allem Richterseyn/ D as binde mir zur Warnung ein. 5. Weil deine Hand der Bruñqvell ist/ Aus welchem alles G utte fluͤßt/ So wuͤrcke du damit bey mir/ D aß ich den Lauff mit Freuden fuͤhr. 6. Kehrt auch das Creutze bey mir ein/ So laß es nur ertraͤglich seyn: Ein Blick von deiner G nade macht/ D aß auch mein Hertz in D ornen lacht. 7. So geh ich freudig zum Beruff; Gott/ der die Welt und mich erschuff/ M 3 Wird Wochentliches Morgen. Wird Krafft von oben mir verleihn/ D er Anfang und das Ende seyn. IV. A bend- A ndacht am Montage. Jn voriger Weise. 1. H Erꝛ Zebaoth dein Ruhm verdient D aß er in meinem Hertzen gruͤnt/ D rumb nihm auch diesen Abend an/ Was deinen Ruhm vermehren kan. 2. D u hast mich heute sehr geliebt/ D a ich dich leider! sehr betruͤbt/ Und mein Gewissen stellet mir D ie allergroͤsten Suͤnden fuͤr. 3. (reut/ Mein Mund beklagt/ mein Hertz be- D es Wandels Ungerechtigkeit/ Und haͤtt ich meinen JEsum nicht/ So kaͤm ich billich ins Gericht. 4. D en lasse meinen Buͤrgen seyn/ Sein Blutt wird kraͤfftig vor mich schreyn/ Sieh doch in feinen Wunden an/ Was Er/ und nicht was ich/ gethan. 5. Umb CHristi willen bleib bey mir/ Versiegle meine Kammer-Thuͤr/ Und streich das Blut des Lam̃es dran/ D aß mich kein Wuͤrger toͤdten kan. 6. So und Abend-Opffer. 6. So heilige denn meine Ruh/ Und schluͤsse mir die Augen zu: Soll ich den Todt im Schlaffe sehn/ Wer dir stirbt/ dem ist wohl geschehn. 7. Nun gute Nacht! mein Jesus wacht/ Der nimmt die Meinen auch in acht/ Mein GOtt ist mein/ und ich bin sein/ D as soll die letzte Losung seyn. V. M orgen- A ndacht am Dienstage. Noch in vorhergehender Melodie. 1. D U alter GOtt/ machst deine Treu An diesem Morgen wieder neu/ So komm ich auch von neuem hier/ Und trage dir mein Hertze fuͤr. 2. Ach habe D anck vor deine Hutt/ D u hoͤchstes Gutt/ machsts im̃er gutt. Jm Schlaffe war ich ausser mir/ D u aber in mir fuͤr und fuͤr. 3. D er Feind hat Boͤses wohl gedacht/ D u aber hast es gutt gemacht: D as ist numehr am Tage da/ Mein Hertze singt: Halleluja! 4. Ach sey mir heute wie ein Thau/ D aß ich mein Werck im Segen bau/ M 4 Der Wochentliches Morgen- Der Schweiß in meinem Angesicht Fluͤßt ohne deinen Segen nicht. 5. Fall ich/ so hebe du mich auff/ Laß Fleisch uñ Blut nicht seinen Lauff. D er Dienstag foͤdre deinen Dienst/ D ein Gnaden-Lohn sey mein Gewinst. 6. Sey du mein Schild uñ grosser Lohn/ Und mein Jmmanuel/ dein Sohn. Schlaͤgst du/ verbinde mich nur auch/ Und handele nach Vaters-Brauch. 7. So geht es auff die Arbeit loß/ Mein GOtt eroͤffne deinen Schoß/ Gieb mir nun wenig oder viel; Deñ was Gott wil/ das ist mein Ziel. VI. A bend- A ndacht am Dienstage. Jn vorsiehender Weise. 1. D ie nacht verlescht des Tages Licht/ Mein GOtt/ nim̃ deinen G lantz mir nicht/ Zeuch du in meinem Hertzen ein/ So hab ich immer Sonnen-schein. 2. Allein/ die Nacht der suͤnden schreckt/ Die mein Gewissen auffgeweckt/ Der Dienstag ist ein Suͤnden-Tag/ Da ich im Suͤnden-Dienste lag. 3. Doch und Abend-Opffer. 3. Doch das Veꝛdienst von deinem Sohn Wird mir ein rechter Gnaden-thron: Ach siehe/ lieber Vater/ drauff/ Schreib ab die schulden/ uñ nicht auff. 4. O Menschen-Huͤtter/ huͤtte mein/ Die Geister/ die dir dienstbahr seyn/ Gieb mir zu einer starcken Wacht/ Die Satans List zu schanden macht. 5. Bleib bey mir/ weil es Abend wird/ Mein Gast/ mein Trost/ mein gutter Hirt/ Mein Bett sieht wie Egypten aus/ Ach mach ein lichtes Gosen draus. 6. Halt mir dein Wort/ das immer gilt/ Daß du mich nicht versaͤumen wilt/ Und hilff mir endlich dorte hin/ Wo ich in keiner Nacht mehr bin. 7. Komm/ suͤsser Schlaff/ erqvicke mich/ Der muͤde Leib begehret dich/ Biß daß die Nacht ihr Ende findt. GOtt selber rufft: Nun schlaff mein Kind. VII. M orgen- A ndacht an der Mittwoch. Nach eben voriger Melodie. 1. Brich Wochentliches Morgen- 1. B Rich an/ gewuͤnschte Morgen- Stund/ Es traͤget lauter Gold dein Mund: Jn meinem Munde soll allein (seyn. Mein GOtt/ mein Gold/ mein alles 2. GOtt Vater/ nim̃ mein Opffer hin/ Das ich mit Leib und Seele bin; Denn beyde hast du wohl bewacht/ Und wieder an das Licht gebracht. 3. Jch breite meine Haͤnde dar/ Ach nimm auch heute meiner wahr/ Du siehst/ was ich nicht sehen kan/ Wie schluͤpffrich meine Lebens-bahn. 4. (nach/ Welt/ Fleisch und Teuffel gehn mir Und draͤuen mir viel Ungemach/ Ach waffne mich mit Tapfferkeit/ Und staͤrcke mich in diesem Streit. 5. Laß deine Weißheit bey mir stehn/ Und mich auff gutten Wegen gehn/ Was du mir hier befohlen hast/ Das mache mir zu keiner Last. 6. Gesegene mein taͤglich Brodt/ Und dencke mir stets an den Todt: Ein Tag geht nach dem andern hin/ Daß ich stets from̃ und fertig bin. 7. Auff dich/ mein GOtt/ kom̃t alles an/ Was du nicht thust/ heist nicht gethã/ So und Abend-Opffer. So thu auch heute wohl an mir/ Mir gieb den Nutz/ die Ehre dir. VIII. A bend- A ndacht an der Mittwoch. Es bleibet vorige Melodie. 1. D Je Last ist aus/ nun kom̃t die Lust/ Die mir in sanffter Ruh bewust/ Mit JEsu wach ich/ schlaff ich ein/ Wie sollt ich denn nicht froͤlich seyn? 2. Ach aber! wie betruͤbt bin ich/ Jch denck itzund/ mein GOtt/ an dich/ Und mein Gewissen klagt mich an/ Weil ich die schuld nicht laͤugnen kan. 3. Ach dieser Abend stellet mir Des Tages finstre Wercke fuͤr: Vor deine Liebe gab ich Haß/ Zum Boͤsen schnell/ zum Gutten laß. 4. Ach laß den Fluch nicht auf mir ruhn/ Und JEsum die Bezahlung thun: Bin ich nicht heilig und gerecht/ Er ist ja der gerechte Knecht. 5. Der Feyerabend stellt sich ein/ Laß mein Gebethe feurig seyn/ Und gieb/ daß meine Lagerstat Elias Roß und Wagen hat. M 6 6. Ver- Wochentliches Morgen- 6. Verbirge mich in dein Gezelt/ Wo selbst die Liebe Wache haͤlt: Des Leuen Rachen stopffe zu/ Daß er mir keinen Schaden thu. 6. So schlaff ich wohl in deiner Hand/ Die alles Grauen abgewandt: Jch fuͤrchte weder Noth noch Todt/ Denn wo ich bin/ da ist mein GOtt. IX. M orgen- A ndacht am Donnerstage. Jn voriger Melodie. 1. M ein Gott/ du schaffest dieses Licht Das itzund durch die Wolcken bricht/ Laß es auch lichte bey mir seyn/ Durch deinen neuen Gnaden-schein. 2. Der Donnerstag ist auch erlebt/ Daruͤber dich mein Hertz erhebt/ Mein erstes Wort ist Jacobs Wort: Der HErr ist warlich an dem Ort: 3. Nimm auch nun mein G eluͤbde hin/ Mit dem ich dir verbunden bin/ Und gieb/ daß ich den gantzen Tag Dir solches auch bezahlen mag. 4. Laß JEsum heute mir allein Weg/ Warheit und das Leben seyn: Sein und Abend-Opffer. Sein Nahme heilige mein Thun/ So wird ein Segen auff mir ruhn. 5. Verleih mir ein vergnuͤgtes Hertz/ Und lenck es immer Himmel-werts: Laß mich im Rath der From̃en gehn/ Und allem Boͤsen widerstehn. 6. Jch werffe meine Noth auff dich/ Es ist dein Joch/ erqvicke mich: D u hast ja wohl ein Thraͤnen-Maß/ Doch aber auch ein Stunden-Glaß. 7. Gieb daß mir auch der Donnerstag An den Gerichts-Tag dencken mag/ Und also hier mein Leben fuͤhr/ Daß mich alsdenn kein Donner ruͤhr. X. A bend- A ndacht am Donnerstage. Nach ersterer Melodie. 1. D Jr/ O du HErr der Herrligkeit/ Sey Lob/ und Danck/ und Ruhm bereit/ Daß ich nun wieder einen-Tag Jm Segen hinterlegen mag. 2. Jch bin nicht werth der grossen Huld; Ja es verdiente meine Schuld Nur lauter Zorn und Ungenad/ Dieweil sie dich verworffen hat. M 7 3. Ach Wochentliches Morgen- 3. Ach HErꝛ/ verwirff mich darum nicht/ Schau/ wie der Sohn dein Hertze bricht/ Den halt ich dir im Glauben fuͤr/ Sey gnaͤdig und verzeihe mir. 4. Jn JEsus W unden leg ich mich/ Zu einer Decke nehm ich dich/ So schrecket mich kein Hoͤllen-Bild/ Jch bin in dich gantz eingehuͤllt. 5. Geselle mir bey meine Ruh Die Starcken Salomonis zu/ Und laß sie umb mein Bette stehn/ Daß sie der Noth entgegen gehn. 6. Leb ich/ so trag ich morgen dir Ein Danck-ergebnes Hertze fuͤr: Sterb ich/ so binde mich alsdenn Jns Buͤndlein der Lebendigen. 7. Jn deinem Nahmen schlaff ich ein/ Laß mich bey dir gantz sicher seyn/ Damit auff diesen Donnerstag Auch eine Stille folgen mag. XI. M orgen- A ndacht am Freytage. Jn voriger Melodie. 1. D Er Morgen-glantz macht hellen Schein/ Mein und Abend-Opffer. Mēin JEsu/ kehre bey mir ein/ Jn deinem Blutte stelle mir Die rechte Morgenroͤthe fuͤr. 2. Der Freytag war dein Sterbe-Tag/ Da ich auffs neue leben mag: Gieb/ daß ich so mein Leben fuͤhr/ Daß W elt und Suͤnde sterb in mir. 3. Jch seh dich als mein Opffer an/ Das ich dem Vater bringen kan/ W enn er ein Lamm von mir begehrt/ Daß sich sein Zorn in Huld verkehrt. 4. Besprenge meinen Morgen-Danck/ Und meines Hertzens Lobgesang/ Mit deines Bluttes Lebens-Thau/ Daß G Ott darauff in Gnaden schau. 5. Jn meinem W andel stelle mir Dein Vorbild heut und allzeit fuͤr: Verleih mir deine Krafft dabey/ Daß ich der W elt gecreutzigt sēy. 6. Aus deinen W unden qvelle mir Ein rechter Segens-Bach herfuͤr. Mit deinem Creutze labe mich/ W enn Creutz und Truͤbsal findet sich. 7. Und wenn mein Lauff zu Ende geht/ Gieb/ daß dein Creutze vor mir steht/ Die offne Seite sey die Thuͤr/ Die mich zu dir gen Himmel fuͤhr. XII. Wochentliches Morgen- XII. A bend- A ndacht am Freytage. Jn voriger Melodie. 1. S O ist der Freytag auch vorbey/ Ach waͤr ich von der Suͤnde frey/ Die ich auch heute schon veruͤbt/ Und GOttes Vater-Hertz betruͤbt. 2. Wie wenig hab ich doch bedacht/ W as JEsum an das Creutz gebracht/ Vielmehr gethan/ gedacht/ geredt/ Was ihn auffs neue creutziget. 3. Ach Vater/ schlugst du deinen Sohn Mit so viel Schmertzen/ Schmach und Hohn/ Da er doch fremde Schuld versuͤhnt/ W as hab ich Suͤnder denn verdient? 4. Jedoch mein Glaube troͤstet sich/ Dein Sohn vergoß sein Blut fuͤr mich/ Nimm diese Zahlung fuͤr mich an/ Und sey mir wieder zugethan. 5. W irff meine Suͤnd ins tieffe Meer/ Und gieb mir seine W unden her/ W eil ich kein Lager sonst nicht weiß/ So schlaff ich wie im Paradeiß. 6. Dein letztes W ort soll meine seyn/ Jch wil aus gantzem Hertzen schreyn: Mein und Abend-Opffer. Mein Gott/ der du mein Vater heist/ Nur dir befehl ich meinen Geist. 7. Die Kleider sind schon abgethan/ Jch ziehe meinen JESUM an/ Der giebt mir nun durch seine Macht Zum Freytag eine freye Nacht. XIII. M orgen- A ndacht am Sonnabend. Wiederumb in voriger Weise. 1. D U angenehmer Morgen-Thau/ Mein JEsu/ laß des Hertzens Au Von deiner Gnade trieffend seyn/ Und feuchte mich mit Segen ein. 2. Sehr groß war heute die Gefahr/ Darinnen ich begraben war/ Doch noch viel groͤsser deine Macht/ Die mich gesund ans Licht gebracht. 3. Davor bin ich dein Eigenthum/ Jch opffere dir Danck und Ruhm/ Niemand auff Erden ist dir gleich/ So maͤchtig und so gnadenreich. 4. Ach gieb mir ferner Rath und That/ Daß dieser Tag das Seine hat/ Und leite mich in meiner Pflicht/ Durch deines Geistes Gnaden-Licht. 5. Behalte mein Gewissen rein/ Re- Wochentliches Morgen- Regiere du in mir allein/ Daß ich der Suͤnde müßig geh/ Und stets zum Tode fertig steh. 6. Der Tag ist dieser W ochen S chluß/ W enn ich nun auch beschluͤssen muß/ So schleuß mich in den Wunden ein/ Die aller Frommen Zuflucht seyn. 7. Jndessen leb ich in der W elt/ So lange dirs/ mein GOtt gefaͤllt. Gieb daß einmahl der letzte Tag Der erst im Himmel heissen mag. XIV. A bend- A ndacht am Sonnabend. Die Melodie ist vorhergehende. 1. D Er letzte W ochen-Tag ist hin/ Davor ich dir verbunden bin/ Du bist/ mein GOtt/ das A und O/ Und deine W eißheit schafft es so. 2. Der Anfang ward mit dir gemacht/ Mit dir ist auch das End vollbracht/ O habe Danck fuͤr deine Treu/ Und steh auch in der Nacht mir bey. 3. Die Menge meiner Suͤnde schreckt/ Jch habe deinen Zorn erweckt; Doch lesch ihn nur in CHristi Blutt/ So ist mein Hertze wohl gemuth. 4. Laß und Abend-Opffer. 4. Laß meine S uͤnde ferne seyn/ Du aber kehre bey mir ein/ Dein Hertz begleite mich zur Ruh/ Und decke mich mit Liebe zu. 5. Der Fuͤrst der Finsternuͤß stellt sich Jn seiner Ruͤstung wider mich/ Jch halt ihm nur sein Creutze fuͤr/ Bald schreckt ihn dieses Siegs-panir. 6. Gieb/ daß ich mich bereiten mag; Denn Morgen ist des HErren Tag/ Daß ich auch geistlich auffersteh/ Und meinen Kirch- W eg froͤlich geh. 7. Der Feyerabend kommt herbey/ Wer weiß wie nah mein Ende sey/ Das Ende dieser Woche spricht: O Mensch/ vergieß dein Ende nicht. 8. Wohlan! mein Glaube haͤlt dich fest/ Und wenn der Todt mich ruffen laͤst/ S o bin ich dennoch wohl gemuth; Denn Ende gutt macht alles gutt. K irchen- A ndacht/ Vor der Predigt. Melod. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. 1. M Ein GOTT/ du hast mich eingeladen/ Jch Kirchen-Andacht. Jch komme vor dein Angesicht. Ach wohne bey mir in Genaden/ Und gieb mir deines Geistes Licht. Zeuch Hertz und Mund allein zu dir/ Und sey der Lehrer selbst in mir. 2. Hier ist der Ort/ den du erwehlet/ Hier trifft man dein Gedaͤchtnuͤß an/ Die W under werden hier erzehlet/ Die dein Geheimnuͤß auffgethan. Hier ist dein Feuer und dein Herd/ Und alles/ was mein Hertz begehrt. 3. Ach gieb mir Himmlische Gedancken/ W eil ich hier schon im Himmel bin. Laß mich nicht in der Andacht wanckẽ/ Und lege dich in meinen Sinn/ Nihm die Vernunfft gefangen hier/ Und oͤffne mir die Glaubens-Thuͤr. 4. Mein JE S U/ laß es wohl gelingen/ Du W ort des Vaters/ laß dein Wort Jn mir die rechten Fruͤchte bringen/ Und streu es auff den gutten Ort. Mein Hertze sey das rechte Feld/ Darein der gutte S aamen faͤllt. 5. Gesegne Pflantzen und Beguͤssen/ Und gieb den Lehrern deine Krafft/ Daß sie das Wort zu theilen wissen/ Wie es am besten Nutzen schafft. Gieb uns das rechte Himmel-Brodt/ Und troͤst uns wieder in der Noth. 6. W ohl- Kirchen-Andacht. 6. Wohlan/ so rede/ HErr/ wir hoͤren/ Und laß uns keine Hindernuͤß Jn der gefaßten Andacht stoͤren; Denn dieses bleibt einmahl gewiß: Wer dein Wort hoͤrt/ und glaubt an dich/ Der schmeckt den Todt nicht ewiglich. K irchen- A ndacht Nach der Predigt. Melod. Nun GOtt Lob es ist vollbracht. 1. S Elig sind/ die GOttes Wort Hoͤren und zugleich bewahren/ Mein GOtt/ laß an diesem Ort Mir dergleichen wiederfahren/ Daß mir das gehoͤrte bleibet/ Und zur Seligkeit bekleibet. 2. Druͤck es fest ins Hertz hinein/ So wird mirs kein Teufel rauben/ Und ich werde selig seyn/ Auch bereits in meinem Glauben: Meine Seele wird sich laben/ Und des Him̃els Vorschmack haben. 3. Fluch und Segen ist mir nun Zu der Wahl anheim gegeben: Laß Kirchen-Andacht. Laß mich deinen Willen thun/ Und nach deinem Worte leben/ Daß ich vor der Hoͤllen fliehe/ Umb den Himmel mich bemuͤhe. 4. Lasse keinen Jrrthum mir Deine Bruͤnnlein truͤbe machen/ Und bey deinem Donner hier Mein Gewissen recht erwachen/ Daß dein Wort durchs Heꝛtze gehet/ Und ein rechter Brand entstehet. 5. Jst mein gantzes Christenthum Voller Jammer und Beschwerden/ Laß dis Evangelium Mir zu einem Balsam werden/ Der in meine Wunden fluͤsse/ Und mir alles Creutz versuͤsse. 6. Nun ich gehe froͤlich heim; Denn ich trage/ wie die Bienen/ Lauter suͤssen Honigseim/ Der mir muß zum Labsal dienen/ Und mein schluß ist JEsus Namen/ Der ist auch mein Ja und Amen. Buß- Buß-Andacht. B uß- A ndacht Vor der Beichte. Melod. HErr JEsu Christ du hoͤchstes Gutt. 1. M Ein GOTT/ ich schaͤme mich vor dir/ Von wegen meiner Suͤnde/ Weil ich den Richterstuhl allhier Vor meinen Augen finde/ Und dein Gesetze mich verklagt/ Ja mein Gewissen selber sagt/ Daß ich den Todt verdienet. 2. Die Hoͤlle brennet schon in mir/ Dein Eyfer frißt mein Hertze/ Und stellt mir lauter Flammen fuͤr/ Jch kan fuͤr grossem Schmertze Und uͤberhaͤuffter Seelen-Pein Kaum mit dem armen Zoͤllner schreyn: GOTT sey mir Suͤnder gnaͤdig! 3. Doch trett ich nun mit Zittern hin/ Und zeige meine Wunden/ Ob ich voll Schuld uñ Straffe bin/ Doch hab ich etwas funden/ Das dich/ mein Gott/ veꝛsoͤhnen kan/ Ach Buß-Andacht. Ach siehe meinen JESUM an/ Und laß dein Hertze brechen. 4. Jch setze diesen Gnaden-Thron Zu deinem Richter-Stuhle/ Verdammt mich dein Gesetze schon Zum schwartzen Hoͤllen-Pfuhle/ So spricht mich doch mein JESus loß/ Und was aus seinen Wunden floß/ Jst meine Zahlung worden. 5. Ach Vater/ lesche deinen Grimm/ Jn seinem rothen Blutte/ Jch bin ja auch dein Ephraim/ Dein Wort kommt mir zu gutte. So dencke denn in Gnaden dran/ Uñ weil mein Jesus gnung gethan/ So laß michs auch genuͤssen. 6. Jch wil mich als ein armer Wurm Zu deinen Fuͤssen winden/ Ach hemme deines Zornes Sturm/ Und laß mich Sonne finden. Klaͤr aus dein Antlitz uͤber mir/ Es liegt ein durstigs Hertze hier/ Das wie der Hirsche schreyet. 7. Mein JEsus machet einen Strich Durchs Buß-Andacht. Durchs schwartze Schuld-Register. Er giebt das Loͤse-Geld vor mich/ Weil er mein Hoher-Priester/ Und auch zugleich das Laͤm̃lein ist/ Das du zum Opffer hast erkiest/ Vor mich und alle Suͤnder. 8. (gehn/ Wohlan! mein Glaube heist mich Und vor dich nieder knyen/ Mein JEsus wil zur Seiten stehn/ Und dieses Werck vollziehen. Jn seinen Wunden kuͤhle dich/ Sein theures Blutt kom̃ uͤber mich/ Doch aber nur in Gnaden. 9. Laß deinen Geist im Hertzen schrein/ Und CHristum mich vertreten/ Durch diese beyde nur allein Kan ich erhoͤrlich bethen. So schlag ich denn an meine Brust/ Und weiß/ daß du mich hoͤren must Jn meines JESU Nahmen. Buß-Andacht nach der Beichte. Melod. Lobet GOtt unsern HErren. 1. G Ott Lob! ich bin entbunden/ Die Straff ist mir geschenckt/ Jn meines JEsu Wunden Jst alle Schuld versenckt. N Jch Buß-Andacht. Jch bin gantz neu gebohren/ Vor war ich geistlich todt/ Jn Suͤnden gantz verlohren/ Nun hat es keine Noth. 2. Der Vater heist mich wieder Sein allerliebstes Kind/ Weil meine Thraͤnen-Lieder Sein liebstes Opffer sind. Jch lag zu seinen Fuͤssen/ Jtzt lieg ich an der Brust/ Und mein verletzt Gewissen Schmeckt lauter Himmels-Lust. 3. Die Wunden sind geheilet/ Die Seele gantz gesund/ Und diesen Trost ertheilet Der Priesterliche Mund. Jch soll von neuem leben/ Und meine Suͤnden-Schuld Jst schon bey GOtt vergeben. O ungemeine Huld! (feh/ 4. Weich/ Suͤnde/ Tod und Teu- Jhr habt kein Theil an mir. Hinweg mit allem Zweiffel/ Jch werde nun hinfuͤr Jn Liebes-Seilen gehen/ Der Fluch ist ausgelescht/ Jch kan im Segen stehen/ Weil JESUs Blutt mich waͤscht. 5. Sey ewiglich verehret/ Du Grosser Gnaden-Thron: Mein Buß-Andacht. Mein Wunsch ist nun erhoͤret/ Das Hertze freut sich schon Die Mahlzeit zu genuͤssen/ Die mir das Siegel giebt/ Da den mein Mund wird kuͤssen/ Den meine Seele liebt. 6. Jch wil mich nun verbinden Dir ewig treu zu seyn/ Und mich der alten Suͤnden Jn deiner Krafft befreyn. Es soll mein gantzes Leben Zu deinen Diensten stehn/ Und eyfrig darnach streben/ Jn deiner Bahn zu gehn. 7. Gieb deines Geistes Gabe Zu meiner Besserung/ Die ich versprochen habe. Bin ich nicht wuͤrdig gnug/ Wirst du mich wuͤrdig machen/ An deinen Tisch zu gehn. Ach was vor Wunder-Sachen Seh ich schon dorte stehn. 8. Als wie ein Hirsche schreyet/ So duͤrstet meine Seel/ Wie bald werd ich erfreuet! Komm doch Jmmanuel. Die Suͤnd ist ausgegangen/ Geh du nun bey mir ein/ Und so wird mein Verlangen Bey dir gestillet seyn. N 2 An- Andacht A ndacht Vor Genuͤssung des Heil. Abendmahls. Melod. Meinen JEsum laß ich nicht. 1. K Omm/ du angenehmer Gast/ Mund und Hertze steht dir offen/ Bringe/ was du schoͤnes hast/ Und befriedige mein Hoffen. Freund der Seelen weiß und roth/ Himmels-Thau und Lebens-Brodt. 2. Allerhoͤchste Majestaͤt/ Laß dich in mein Hertz hernieder/ Ziehe mich als ein Magnet/ Liebe mich/ so lieb ich wieder/ Lege mich an deine Brust/ Naͤhre mich mit Himmels-Lust. 3. Fuͤhre mich/ O treuer Hirt/ Auff die suͤssen Lebens-Auen/ Daß mein Hertz gesaͤttigt wird/ Wenn du laͤst dein Manna thauen/ Siehe wie dein Schaͤflein lechzt/ Und in seinem Hunger aͤchzt. 4. O du wah res Oster-Lamm/ Lasse mich dein Fleisch genuͤssen/ Welches dort am Creutzes-Stamm Meine Schulden buͤssen muͤssen. Zucker-suͤsses Seelen-Brodt/ Artzney wider Noth und Todt. 5. Schencke mir den Kelch voll Heyl/ Deꝛ von deinem Blutte qvillet/ Wird mir dieser Schatz zu Theil/ So vor dem Heil. Abendmahl. So ist aller Durst gestillet/ W as aus deinen Wunden trifft/ Jst des Todes Gegen-Gifft. 6. Mache himmlisch meinen Sinn/ Beym Genuß der Himmels-Gaben. Daß ich recht begierig bin/ Mich an deiner Brust zu laben. Schrencke die Vernunfft hier ein/ Laß den Glauben bruͤnstig seyn. 7. Nun wohlan/ so geh ich hin/ Mir gescheh nach deinem Willen/ Ob ichs gleich nicht wuͤrdig bin/ Wirst du doch dein Wort erfuͤllen/ Mache du mich selbst geschickt/ Und zum Hochzeit-Mahl geschmuͤckt. 8. Komm/ Gebenedeytes Fleisch/ Komme/ Blutt des neuen Bundes/ Machet meine Seele keusch/ Seyd der Zucker meines Mundes/ Meines Hertzens Paradeiß/ Meiner Seelen Ehren-Preiß. 9. S ey willkommen Lebens-Brodt! Sey willkommen Wein der Engel! Hier vergeß ich aller Noth/ Hier verschwinden alle Maͤngel/ Hier muß lauter Freuden-Wein Manna/ Hosianna seyn. A ndacht Nach Genuͤssung des Heil. Abendmahls. Mel. Wer nur den lieben GOtt laͤst walten. N 3 1. Hal- Andacht 1. H Alleluja! ich bin genesen/ Mein JEsus ist mein lieber Gast/ Uñ auch mein treuer Wirth gewesen/ Der mich nun gantz und gar umfast/ Es ist nur lauter JESUS hier/ Jch bin in ihm/ er ist in mir. 2. Ach war ich nicht im dritten Himmel Vor lauter Suͤßigkeit entzuͤckt! Mich irrete kein Welt-Getuͤmmel/ Da ich nur JEsum erst erblickt. Der Teuffel lag zu Fuͤssen mir Bey dieser Gnaden-Taffel hier. 3. Wie kan ich dirs deñ gnung vergelten Du Gottes und des Menschen sohn? Du wohnest in des Himmels-Zelten/ Und machest in mir deinen Thron. Der Himmel Himmel fast dich nicht/ Und hast dein Aug auff mich gericht. 4. Ach koͤnt ich nach Verdienst dich schaͤtzen/ Du Schatz/ der alle Schaͤtze giebt? Ach koͤnt ich mich genung ergoͤtzen/ An dem/ der meine Seele liebt? Jch zittre zwar vor deiner Macht/ Doch/ daß mir auch das Hertze lacht. 5. Du bist der Geber und die Gabe/ Und machst mich an der Seelen reich/ Ja wenn ich dich im Hertzen habe/ Hab ich den Himmel auch zugleich. Wer Leib und Blut zum Pfande hat/ Der ist schon selig in der That. Laß nach dem Heil. Abendmahl. 6. Laß mich doch nim̃ermehr vergessen/ Was ich vor eine Lebens-Kost An deiner Taffel hier gegessen/ Und was vor einen suͤssen Most Dein W einstock mir geliefert hat/ Da ich zu deiner Kelter trat. 7. Hastu in mir den Platz genom̃en/ So treib hinfuͤr auch alles aus/ Was dir nur kan zu nahe kommen/ Mein Hertze sey dein eigen Hauß. Nihm allen meinen W illen hin/ Und gieb mir einen neuen Sinn. 8. S ey du der weinstock/ ich die Rebe/ So nehm ich Safft uñ Kraft von dir/ Daß ich nur dir/ u ud mir nicht/ lebe/ Auch den Schatz nim̃ermehr verliehr/ Der mir dein gantzes Hertze schenckt/ Und mich zum Him̃el speist uñ traͤnckt. 9. Den Vorschmack hab ich nun genossen/ Von jenem grossen Abendmahl. Du bleibest in mein Hertz verschlossen/ Biß mich in Zions Ehren- S aal Des Weinstocks Frucht von neuem traͤnckt/ Und ewige Vergnuͤgung schenckt. B uß-Tags- A ndacht. Melod. Wohlan es geht nun mehr zum Ende. 1. W Jr liegen hier zu deinen Fuͤssen/ Ach HERR von grosser Guͤt und Treu/ Und fuͤhlen leider! im Gewissen/ Wie sehr dein Zorn entbrennet sey. N 4 Das Buß-Tags-Andacht. Das Maß der Suͤnden ist erfuͤllt/ Ach weh uns/ wo du straffen wilt. 2. Du bist gerecht/ wir lauter Suͤnder/ Wie wollen wir vor dir bestehn? Wir sind die ungerathnen Kinder/ Die nur auff Hoͤllen-Wegen gehn. Kein Wunder/ wenn uns Pest und Schwerdt/ Und Hunger laͤngsten auffgezehrt. 3. Doch Vater/ denck an deinen Nahmen/ Gedenck an deinen lieben Sohn/ Dein Wort heist immer Ja und Amen/ Dein Eydschwur zeuget selbst davon. Du wilst der Suͤnder Todt ja nicht/ Ach geh nicht mit uns ins Gericht. 4. Wir liegen vor dir in dem Staube/ Und unser Hertz ist gantz zerknirscht/ Nur troͤstet uns allein der Glaube/ Daß du dich noch erbarmen wirst. Ach hast du noch ein Vater-Hertz/ So siehe doch auff unsern Schmertz. 5. Der Mittler steht ja in der mitten/ Wir reissen seine Wunden auff/ Der hat vor unsre Schuld gelitten/ Und leistet dir die Zahlung drauff. Verbirgst du deinen Guaden-Schein/ So muß sein Blutt verlohren seyn. 6. Ach Blut! Ach Blut von deinem Sohne/ Schreyt fuͤr uns um Barmhertzigkeit/ Schau doch von deinem Gnaden-Throne/ Und dencke noch der alten Zeit/ Da du auch Gnade hast erzeigt/ Und dein erzoͤrntes Hertz gebeugt. 7. Ach laß die wohl-verdiente Straffe Nicht uͤber unsre Haͤupter gehn/ Daß wir nicht als verlohrne Schaffe Von deiner Hutt verlassen stehn. Ach sammle uns in deinen Schoß/ Und mach uns aller Plagen loß. 8. Steck ein das Schwerd/ das uns wil fressen/ Den Vorschmack des ewigen Lebens. Den Wuͤrger laß voruͤber gehn/ Gieb deinen Kindern Brodt zu essen/ Laß keine solche Zeit entstehn/ Daß man dein Wort uns theuer macht/ Und unser Hertz dabey verschmacht. 9. Gieb Fried im Land und im Gewissen/ Gesunde Lufft/ wohlfeyle Zeit. Laß Guͤtt und Treu einander kuͤssen/ Und foͤdre die Gerechtigkeit. Kroͤn unser Feld mit deinem Gutt/ Nihm Kirch und Hauß in deine Hutt. 10. So wollen wir dir Opffer bringen/ Und Deine seyn mit Leib und Seel. Es soll dein Lob gen Himmel dringen/ Und dein erloͤstes Jsrael Wird in der Huͤtten Jacobs schreyn: Der HERR soll mein GOTT ewig seyn. V orschmack des Ewi- gen Lebens. Zum Andencken einer Sel. Freundin. Melod. JESUS meine Zuversicht. 1. M Ein Valet ist schon gemacht/ Menschen/ denckt nicht/ daß ich sterbe/ Weil mein harter Kampff vollbracht/ Sch ich schon des Lebens Erbe. Und mein Auge sieht dorthin/ Wo mein Todt nur ein Gewinn. 2. R Eiß dich loß/ erloͤßter Geist/ Und zerreiß die bangen Ketten; Da dir GOTT ein Zoar weist/ Dich aus Sodom zu erretten. War- Warten doch die Engel schon/ Eile nur getrost davon. 3. M Eine Zunge schmeckt bereits Wasser aus dem Paradeisse/ Mein bald uͤberwundues Creutz Wird zu lauter Ehren-Preisse. Meine Krone liegt schon da. Alles rufft: Halleluja! 4. G Ruß und Kuß von JESUS Mund Macht mir alles bitter suͤsse/ Auff einmahl bin ich gesund. Wann ich nur die Augen schluͤsse. JESUS Wunden/ JESUS Todt Jst das Ende meiner Noth. 5. V Jelgeliebte/ weinet nicht/ Seht mir nach/ und lebt im Segen/ GOTT ist Euer Trost und Licht/ Jch wil mich zur Ruhe legen. Schreibet dieses auff mein Grab: GOTT wischt alle Thränen ab. B eschluß- ARIA Auff den Geehrtesten Nah- men einer fuͤr GOtt und der Welt Edlen Seele. Melod. JESU meine Freude. 1. A Uff/ ihr meine Sinnen/ Schwinget euch von hinnen/ Jn die Ewigkeit. Last das Eitle liegen/ Jrr- Jrrdisches Vergnuͤgen Jst ein Raub der Zeit. Eins ist Noth/ Sonst alles Koth. JESUS/ JESUS nur alleine Jst mir dieses Eine. 2. E Jniges Verlangen/ Laß dich doch umbfangen/ Mein Jmmanuel/ Zucker-suͤsses Wesen Durch dein Wort genesen Beydes Leib und Seel. Komm mein Heyl/ Mein Hertzens-Theil/ JESU meines Lebens Leben/ Dir bleib ich ergeben. 3. V On den Erden-Schaͤtzen Mag sich der ergoͤtzen/ Der die Welt nur liebt. Wenn ich JESUM habe/ Acht ich keine Gabe/ Die der Mammon giebt. Der ist Reich/ Und Groß zugleich/ Welcher Schatz und Hertz verbindet/ Wenn er JESUM findet. 4. R Osen kan ich brechen/ Auch wenn Dornen stechen/ Wo nur JESUS ist. Last die Berge fallen/ Und die Donner schallen/ Jch steh als ein Christ. Keine Noth/ Auch nicht der Todt/ Kan mein Hertze traurig machen/ JESUS heist mich lachen. 5. Geuß 5. G Euß in meine Seele Jmmer neues Oele/ Freund/ so weiß als roth/ Daß die Flammen brennen/ Die sich Deine nennen/ Biß in meinen Todt. Helles Licht/ Verlaß mich nicht/ Ziehe mich nach deinem Triebe/ Du Magnet der Liebe. 6. V Orbild meines Lebens/ Laß mich nicht vergebens Dir gefolget seyn. O du gutter Hirte/ Komm doch und bewirthe/ Dieses Lamm ist dein. Lebens-Fuͤrst/ Mein Hertze duͤrst/ Laß den Felsen Wasser geben/ Brunnen voller Leben. 7. R Uffe mich mit Nahmen/ Du bist Ja und Amen/ Held in Jsrael. Hebe mich mit Fluͤgeln Nach den Weyrauchs-Huͤgeln/ Rette Leib und Seel. Wenn die Welt Jn nichts zerfaͤllt/ So wirst du mir alles werden/ Dort bey Jacobs Heerden. ENDE .