Leben Des Hertzogs MAGNI zu Mecklenburg/ Ersten Evangelischen Bischoffs zu Schwerin/ Bey muͤßigen Stunden entworffen Von G. F. Stieber . Rostock und Leipzig/ In Verlegung Johann Heinrich Rußworm/ 1716. §. 1. D A eine gruͤndliche Gelehrsam- keit auch die verewiget und in Anse- hen setzet/ welche sonst wegen ihres geringen Herkommens wol verbor- gen bleiben wuͤrden/ wie viel vor- trefflicher wird nicht derer Ruhm und Glantz seyn/ welche/ da sie bereits durch ihre Gewalt und Geburt durchlauchtig sind/ solche Herrlichkeit durch den Ruhm einer klugen Gelahrsamkeit zu vermehren bemuͤhet sind? Derowegen haben verschiedene Scribenten diejenige Fuͤrsten mit gros- ser Sorgfalt angemercket/ welche auch wegen ihrer Erudition beruͤhmt gewesen. Die Meck- lenburgische Historie kan die Anzahl der gelehrten Fuͤrsten ziemlich vermehren. So viel Musen die alten Poeten erdacht/ so viel gelehrte Herrn stel- let uns die Historie unsers Landes dar. Denn so hat schon Herr Frid. Thomas in seinen gelehrten Analectis Gustroviensibus p. 214. und nachhero Herr M. Jac. Hier. Lochner in seiner zu Nostock als Professor Hist. gehaltenen und sehr beliebten Dis- A serta- sertation de Singularibus qvibusdam Mecklenburgi- cis, c. 3. neune der Mecklenburgischen oder Wen- dischen Fuͤrsten angemercket/ welche bey ihrer Hoheit auch eine heilsahme Gelehrsahmkeit belie- bet haben. GODESCALCUS ein Koͤnig der Obo- triten oder Wenden/ welcher im XI. Jahr hun- dert gelebet/ ist zu Luͤneburg im Christlichen Glauben und guten Wissenschafften unterrichtet; Er hat die Theologie so hoch geliebet/ daß er sich nicht geschaͤmet/ seinen Unterthanen so noch meh- rentheils Heyden waren/ auch mit Gefahr des Lebens/ das Evangelium in Wendischer Sprache zu predigen und zu erklaͤhren. Dessen aber mit mehrerm in der Mecklenburgischen Kirchen-Hi- storie/ von Stifftung der Christlichen Kirchen unter den Wenden/ Parte IV. §. 2. ohnlaͤngst ge- dacht habe. Der ander gelehrte Wendische Fuͤrst war JOHANNES THEOLOGUS, welcher billig also genandt/ weil er im XIII. Seculo gantzer zwantzig Jahr zu Pariß studir et/ und dahero in der Theologi schen Wissenschafft die hoͤchste Eh- ren-Belohnung auff dasiger Universit aͤt anzuneh- men sich nicht gewegert/ indem er nach beywoh- nender Klugheit diese Goͤttliche Wissenschafft hoͤher hielte/ als das blinde Urtheil der Unver- staͤndigen/ welche diesen Herrn desfalls schimpfs- weise Knees-Janike zu nennen pflegten. Und weil er wuste/ daß GOtt dem Josua und andern Koͤ- nigen des Volcks GOttes/ sonderlich sein Wort anvertrauet und vor Augen geleget/ so hat er auch auch die gantze Bibel mit eigener Hand abge- schrieben/ und selbe dem Kloster Doberan nach- mahls geschencket. Der dritte ist WILHEL- MUS, der letzte Fuͤrst unter den Herrn zu Werle/ welcher im XV. Jahrhundert zu Joh. Hussens Zeiten in Boͤhmen zu Praag studir et/ und ehe er zur Regierung kommen/ ein Probst in hiestgem Guͤstrowischen Dohm- Collegio gewesen. Der vierdte gelehrte Mecklenburgische Herr war ERICUS, Hertzogs Magni II. Sohn/ welcher uͤm den Anfang des XVI. Seculi zu Bononien und Rostock studir et/ da er denn auff letzterer Aca- demie etliche mahl Rector Magnisicentissimus ge- wesen. Der fuͤnffte ist Hertzog MAGNUS, dessen Leben wir jetzo entwerffen. Der sechste war JO- HANN. ALBERTUS I. welcher nicht allein im XVI. Jahrhundert voͤllig das Land Mecklenburg von dem Paͤbstlichen Sauerteig gesaubert/ son- dern auch selbst ein geistreich Buch geschrieben/ Meditatio de Morte, genandt; wie denn auch der grosse Theologus Joh. Gerhard in seinen Locis Theol. de Morte, p. m. 343. eine vortreffliche Medi- tation dieses Hertzogs anfuͤhret/ und selbe seinem Werck einzuverleiben wehrt geachtet. Es war uͤberdem dieser Johann. Albertus auch in andern Wissenschafften/ sonderlich in Mathesi sehr erfah- ren. Das Seculum der Reformation, nemlich das XVI. Jahrhundert/ war sonderlich gluͤcklich vor Mecklenburg/ weil es verschiedene gelehrte und sehr fromme Herrn diesem Land geschencket/ A 2 ohn- ohnzweiffel daß das Werck der Reformation desto besser moͤchte von statten gehen. Denn so war Hertzog ULRICH zu Mecklenburg auch ein ge- lehrter Regent/ welcher ein schoͤn und erbaulich Theologi sches Buch geschrieben/ worinn die gantze Christliche Lehre gruͤndlich abgehandelt/ so diesen Titul fuͤhret: Kurtze Wiederholung etli- cher fuͤrnehmer Haupt-Stuͤcke Christli- cher Lehre/ nach Ordnung des Catechismi/ durch eine hohe Person zusammen getra- gen/ Leipzig 1594. Der achte war CHRI- STOPHORUS, Hertzog zu Mecklenburg und Bi- schoff zu Ratzeburg/ welcher gleichfals ein Buch geschrieben de veteri Philosophia. Der neundte ist der Hochgelahrte Fuͤrst GUSTAV ADOLPH, Hertzog zu Mecklenburg hochseel. Andenckens/ dessen unvergleichliche Gelehrsamkeit/ geistreiche Poëmata, tieffsinnige lateinische Meditationes und gelehrte Anmerckungen uͤber die Heil. Schrifft und Patres wohl ein besonderes Buch erforderten/ nach Meriten selbige zu erzehlen: Wie denn hie- stge Hoch-Fuͤrstl. Bibliothec von dieses durch- lauchtigsten Hertzogs ungemeiner Gelehrsamkeit genugsahm zeuget/ und davon auch der hochwuͤr- dige Herr D. Fecht in feiner schoͤnen Vorrede uͤber Ihro Durchlaucht. nun schon etliche mahl auff- gelegte gedruckte Gedichte/ bereits einige Mel- dung gethan. So es die Umstaͤnde gestatten/ koͤnte es leicht seyn/ daß wir kuͤnfftig dieser ge- lehrten Mecklenburgischen Hertzoge Leben zu- sammen sammen entwuͤrffen/ wie es denn derselben un- sterblicher Ruhm verdienet/ so gelehrter als frommer Regenten hohe Meriten im immerwaͤh- renden Andencken bey denen Nachkommen zu erhalten. §. 2. Jetzo aber bleiben wir allein bey Her- tzogs MAGNI Leben/ ersten Evangelischen Bi- schoffs zu Schwerin/ welcher vor vielen einen Rang verdienet/ weil er nicht nur durch seine gruͤndliche Gelehrsamkeit ihm in gantz Teutsch- land einen grossen Nahmen erworben/ sondern auch/ weil er solchen Schatz der Wissenschafften zum Heyl des gantzen Landes/ und sonderlich sei- nes Stiffts in Befoderung der Reformation und Wiederherstellung guter Kuͤnste und Sprachen/ kluͤglich anzuwenden gewust. Jhro Durchl. sind gebohren zu Stargard in Mecklenburg/ wie sein zu Doberan befindlich teutsches Grabmahl ausweiset. Der Tag seiner Gebuhrt war der Tag Ulrici, das ist der 4. Julii im Jahr 1509. da noch alles mit Paͤbstischer Finsterniß uͤberzogen war. (vid. Epitaph. Doberan. \& Hedericus de Episc. Sverin. MSC. in vita Magni.) Er war der dritte unter denen Mecklenburgischen Herrn/ welcher den Nahmen Magnus fuͤhrete; Wie denn seine Tugend und Gelahrsamkeit meritirt en/ daß er Magnus, d. i. Groß hieß. Daß also Nahmen und That hie eintraffen. Sein Herr Vater war einer der aller vortrefflichsten Regenten dieses Landes/ nemlich Heinrich der Friedfertige/ A 3 wel- welchen das Land wegen seiner Lands-vaͤterli- chen Vorsorge/ Gnade und hohe Verdienste mit Recht einen Vater des Vaterlandes/ als mit seinem eigenen Nahmen/ zu nennen pflag. Wie nun dieser Heinrich ein Herr war von ungemei- ner Klugheit und gruͤndlicher Gottesfurcht/ so zuerst dem auffgehenden Licht des Evangelii bey der Reformation in diesem Lande Raum gemacht/ also ist auch dessen Sohn Magnus denen Fuß- stapffen der vaͤterlichen Tugenden gefolget. Sei- ne Frau Mutter war aus dem Chur-Fuͤrstlichen Hause Brandenburg/ Ursula, eine Tochter des vortrefflichen Chur-Fuͤrsten Johannis, welcher Cicero Germaniæ genandt wurde; Mit welcher sich Henricus der Friedfertige a. 1506. vermaͤhlet/ und im dritten Jahr dieser gesegneten Ehe unsern Ma- gnum gezeuget. Es starb aber diesem erstgebohr- nen Printzen schon im 2. Jahr seines Alters seine Frau Mutter Ursula ab/ den 18. Octob. Ao. 1511. Der Herr Vater aber/ Hertzog Heinrich/ lebete noch biß 1552/ daß er also seinen Sohn Magnum uͤberlebet. Jetztgedachter Printz Magnus wurde auffs allersorgfaͤltigste erzogen/ weil er Mensch- licher Hoffnung nach/ seinem Herrn Vater in der Regierung folgen solte. Gleich in den ersten Jahren gab dieser junge Herr schoͤne Merckmah- le eines klugen Verstandes und Faͤhigkeit/ und wurde solches gluͤckliche Naturel noch mehr durch die geschickte Sorgfalt seiner gelehrten Informa- toren angefrischet und befodert. Der erste Infor- mator mator war M. Conradus Pegelius, (1) ein Mann welcher sich uͤm die Rostockische Academie sehr verdient gemacht/ den auch unser Hertzog Ma- gnus sehr geliebet; Denn ohngeachtet er hernach einen andern Informatorem bekommen/ hat hoch- gedachter Hertzog doch noch immer eine bestaͤndi- ge Gnade vor seinen ersten und alten M. Conr. Pegeln behalten/ so gar/ daß er auch auffs fleißigste mit selben Briefe gewechselt. Es meldet der be- ruͤhmte Chytræus in seiner Leich- Sermon oder Lob- Rede der Hertzogin zu Mecklenburg Elisabeth, daß noch uͤber hundert Briefe fuͤrhanden/ so Ihro Durchl. mit eigener Hand/ und zwar meist in Lateinischer Sprache/ an M. Conrad. Pege- lium geschrieben/ welche von Jhro Durchl. Ge- schicklichkeit/ Verstand und Gnade Zeugniß ge- ben koͤnnen. (2) Der ander Informator dieses Printzen Magni war Arnoldus Burenius, gleich- fals ein sehr gelehrter und beruͤhmter Mann/ (3) dessen der vortreffliche Caselius in seiner netten Oration de Laudibus Elisabethæ Cimbricæ, mit groͤsten Ruhm gedencket/ und von ihm urtheilet/ er sey recht dazu auffgelegt gewesen/ einen grossen Printzen zu allen Fuͤrstlichen Tugenden und Qvalit aͤten zu erziehen. Arnoldus Burenius (sind Caselii Worte) homo idem doctissimus \& gravissi- mus - - Ipsemet enim Magni ingenium iis doctri- nis accurate expoliverat, qvibus moderatorem Civi- tatis futurum erudiri oporteret. Atqve in hoc regiæ pædagogiæ munere si qvisqvam nostra majorumve A 4 ætate ætate recte se gessit, fuit profecto hic Burenius Nam non frivola neqve levia, aut ad speciem ostentatio- nemqve parata, nobilissimum istum suum alumnum docuerat, qvod pleriqve faciunt. Qvotus enim qvisqve, cui tam graves partes credantur, ipse ani- mum, mores, vitamqve recte excoluit? nedum sublimiores artes cognoverit, qvibus regem instru- ctum esse oporteat, ut ipse beate vivat, \& beatæ vitæ rationem suis populis ut pater, peneqve ut DEUS, aut certè pro DEO munifice omniqve cura imper- tiat. Acceperat enim vir ille ab omnibus autoribus, qvæ multis qvibus ita arduum munus stulte credi- tur, ne primoribus qvidem labris attigerunt \& eum rerum usum sibi paraverat, ut recte ad rerum huma- narum tractationem \& auditores alios \& principum filios, ipse qvoqve feliciter præpararet. d. i. Ar- noldus Burenius war beydes gelehrt und ernsthafft/ welcher seinen ihm anvertrauten Printzen beson- ders in denjenigen Wissenschafften unterrichtet/ welche ihm als einem kuͤnfftigen Regenten noͤhtig waren. Gewiß/ so jemahls bey Erziehung eines Printzen alle Regeln einer klugen education in acht genommen/ so hat es Burenius gethan. Er hielte sich nicht mit unnuͤtzen/ laͤppischen oder solchen Sa- chen auff/ die mehr Schein als eine gruͤndliche Wissenschafft geben/ welches gleichwohl viele thun; Denn wie viel sind derer/ welchen ein so wichtiges Ampt/ die Erziehung eines kuͤnfftigen Regenten/ anvertrauet wird/ die selbst zuvor mit anstaͤndlicher Tugend ihren Wandel/ und mit genugsahmer klugen Wissenschafft ihr Gemuͤht ausge- ausgeschmuͤckt haben/ daß sie sorgfaͤltig zeigen koͤnten/ wie ein kuͤnfftiger Regent als ein Vater/ ja als ein Gott/ dessen Bild er traͤget/ sein Volck gluͤcklich regieren und ihm ein Exempel eines tu- gendhafften Wandels geben solle. Dieses hatte aber Burenius aus den kluͤgsten Schrifften der ge- lehrten gefasset/ welche oͤffters die/ so grosser Her- ren Erziehung anbefohlen/ nicht einmahl anzuse- hen werth achten. So klug weiß dieser Schul- Mann von gluͤcklicher Information und Erziehung eines Printzen zu urtheilen! Und da Hertzog Heinrich der Friedfertige nicht nur ein sehr ver- nuͤnfftiger sondern auch gottseliger Regent war/ und daher wohl erkannte/ was vor grossen Scha- den ein gantzes Land an ungluͤcklicher Erziehung und Unterricht eines Printzen haͤtte/ so ist leicht zn erachten/ daß dieser Herr offtgedachten Bure- nium mit grosser Sorgfalt zu einen so wichtigen Ampte erwaͤhlet habe/ besonders zu einer solchen Zeit/ da es wegen des fallenden Pabst- und auff- gehenden Luther-thums auff kluge Geschicklichkeit hauptsaͤchlich ankam. Und weil dazumahl der Chur-Saͤchsische Hoff nicht nur in grossen Anse- hen war/ sondern auch in demselben Chur-Fuͤr- stenthum eben zu dieser Zeit nebst den guten Kuͤn- sten und Sprachen das Licht des Evangelii wie- der hervorbrach/ so wurde unser Printz Magnus, wegen naher Anverwandtschafft (4) am Chur- Saͤchsischen Hofe erzogen/ woselbsten damahls mit Luthero und Melanchthon fast taͤglich confe- rence gehalten wurde/ und die wichtigsten Reli- A 5 ons- gions- Sachen vorfielen. Welchem Hoff also nicht nur Hertzog Magnus, sondern auch das gan- tze Land Mecklenburg viele heilsahme Anschlaͤge bey Wiederherstellung der guten Kuͤnste und rei- nen Religion zu dancken hat. Und ich solte fast gewiß davor halten/ daß die 6. Jahre uͤber/ so lange nemlich Burenius bey Printz Magno als In- formator gewesen/ ehe er nach Rostock kommen und daselbst privatim und publicè zu lefen angefan- gen/ (wie M. Weslingius in Progr. funebr. Burenii in Scriptis Acad. Rostoch. p. 378. meldet) er mehren- theils mit Printz Magno sich am Chur-Saͤchst- schen Hoffe auffgehalten/ denn eben uͤm dieselbe Zeit wird gesagt/ Magnus sey an solchem Hoffe erzogen worden. Und das Burenius daselbst nicht muͤsse unbekandt gewesen seyn/ erhellet aus den Worten M. Weslingii in vorgedachtem Program- mate funebri p. 378. Exemplum qvoqve illius (Bu- renii) Elector Saxoniæ Johannes Fridericus Magni omitinus, in suis filiis accuratius erudiendis imita- tus est. Unter eines so klugen und gelehrten Infor- matoris Anfuͤhrung/ nahm der junge Fuͤrst Ma- gnus dermassen zu/ daß er nicht allein der Latei- nischen und Griechischen Sprache maͤchtig/ son- dern auch so beredt war/ daß man ihn nach Chy- træi und anderer Scribenten Zeugniß/ unter allen teutschen Fuͤrsten vor den Gelahrtesten seiner Zeit gehalten. Denn anno 1530. als das gantze Reich zu Augspurg versammlet war/ da denn die Augspurgische Confession von denen Protestanti- schen Herrn uͤbergeben/ hat unser Printz Magnus im im 21. Jahr seines Alters/ auff solchem weltbe- ruͤhmten Reichs-Tag eine vortreffliche Probe sei- ner Gelehrsahm- und Beredsahmkeit abgeleget. Denn so hielte er in Gegenwart des Kaͤysers Ca- roli V. und anderer hohen Anwesenden Reichs- Staͤnde oͤffentlich und auswendig eine lateinische und teutsche Rede/ mit solcher Annehmlichkeit/ daß Kaͤyser Carolus V. nebst denen hohen Anwe- senden sich sehr verwundert/ und selbe nachhero noch einmahl zu hoͤren verlanget. Wie dieses aus Chemnitii Epitome Geneal. Hist. unser offtbe- lobter Herr Thomas in seinen Analectis Gustrov. p. 141. angefuͤhret. Mich wundert aber sehr/ daß Cœlestinus in seiner Historia Aug. Confess. dieses Hertzogs Magni der doch damahls schon Bischoff zu Schwerin gewesen/ nicht Meldung thut/ da er doch sonst so wol die geistliche als weltliche Fuͤr- sten und Herrn/ die auffm Reichstag gewesen/ auch unsers Magni Herrn Vater/ Hertzog Heinrich den Friedfertigen/ und dessen Herrn Bruder Hertzog Albrecht den Schoͤnen/ mit ihrer gantzen Svite, (5) wie auch den Bischoff zu Ra- tzeburg Georg/ welche alle auff gedachtem Reichs-Tag erschienen/ sorgfaͤltig angezeiget. Dahero man fast an obiger erzehlten Merckwuͤr- digkeit zweifeln koͤnte; Allein/ sie wird nicht al- lein von einem glaubwuͤrdigen und einheimischen Scribenten erzehlet/ sondern auch so gar durch un- sers Hertzogs Magni eigenem Epitaphio zu Do- beran bekraͤfftiget/ in welchem folgende Worte stehen: Er Er war gelehrt und wohl beredt Wovon das Roͤmisch Reich weiß Be- scheidt/ Und Kaͤyser CARL lobt sein Latein Welches er redt zierlich und fein. Mit welchen Worten ohn Zweiffel auff obgedach- te merckwuͤrdige Geschichte geziehlet wird. Und kan es seyn daß Cœlestinus unsers Magni entwe- der vergessen/ oder er hat vielleicht seiner nicht ge- dacht/ theils/ weil Hertzog Magnus damahls sich aus klugen Absichten und wegen seines Alters noch nicht als ein Bischoff in solenncm Convent oͤf- fentlich aufffuͤhren wollen/ ob er gleich schon im 7. Jahr zum Bischoff zu Schwerin postuli ret war; theils/ weil er als ein junger Printze von 21. Jahren an dem Chur-Saͤchsischen Hoffe sich auffgebalten und erzogen worden (wie aus des Seckendorffii Historia Lutheran. L. III. §. 17. (d) p. m. 44. erhellet.) und er also mag in der Svite der andern Saͤchsischen Printzen incognito zu Augspurg mit erschienen seyn/ da er denn zufaͤlli- ger Weise eine Probe seiner Beredsamkeit abgele- get/ weil dieser junge Herr damahls sonderlich Lust gehabt in grossen Versammlungen Orationes zu halten/ wie Chemnitius in Epitome Historiæ Ge- nealogicæ Meel. MSCta erwehnet. Und obgleich anno 1532. den 16. Aug. Churfuͤrst in Sachsen Johann der Bestaͤndige genannt/ mit Tode abgan- gen/ ist er dennoch auch noch anno 1533. an des jungen jungen Chur-Fuͤrsten zu Sachsen Johann Fride- richs Hoffe gewesen/ als mit welchem unser Her- tzog Magnus fast gleiches Alters/ und dessen naher Vetter war. Ob er aber noch zu dieser Zeit be- staͤndig am Chur-Saͤchsischen Hoffe sich auff- gehalten/ oder nur ab und zu gereiset/ davon kan keine Gewißheit geben. Diß aber ist ausser allen Zweiffel/ daß in bereits gedachtem 1533. Jahr/ als im Monath Julio die Kaͤyserliche und Paͤbst- liche Gesandten dasjenige/ was wegen des kuͤnff- tigen Concilii berahtschlaget war/ dem jungen Churfuͤrsten zu Sachsen Johann Friedrich und andern Fuͤrsten des Reichs anbringen solten/ und nun nahe bey Weymar ankommen waren/ unser Printz Magnus selbige mit einer netten lateinischen Oration empfangen/ da er nun schon ein Herr von 23. Jahren gewesen. Wie solches die glaubwuͤr- digste Scribenten Hedericus in MSC. Verzeichniß der Bischoͤffe zu Schw. in vita Magni, Chytræus Chron. Sax. uud aus selben Seckendorff. Hist. Luth. L. III. §. 17. add. (d) pag. m. 44. und auch unser Herr Thomas in Anal. Gustr. p. 142. bekraͤfftigen. In solchem Ansehen waren auch bey den Hohen die Studien in vorigen Zeiten/ wodurch denn die Wissenschafften zum Flor und Auffneh- men wieder kommen konten. Und weil Hertzog Magnus selbst die Lieblichkeit derer Studien ge- schmeckt/ so hielten Jhro Durchl. auch viel von Gelehrten/ deren Schutz und Trost er war. Wie hoch derselbe den Philipp. Melanchthon gehalten/ und und was dieser vor ein grosses Vergnuͤgen ihm wiederuͤm aus dieses gnaͤdigsten Fuͤrsten Gelahr- samkeit gemacht/ kan man aus folgenden Brieff sehen/ welchen Melanchthon anno 1548. an densel- ben geschrieben/ den hiebey aus dem ersten Buch der Brieffe Melanchthonis, edit. Lond. p. 32. hie einzuruͤcken nicht vor unangenehm halte: Et ex literis tuis amantissime scriptis, \& ex gravissimo (6) Arnoldi sermone, qvi tuarum literarum humanita- tem verbis subsecutus est, benevolentiam erga m e tuam singularem cognovi. Qvanqvam autem nihil mihi accidere gratius ac honorificentius tali tuo vel studio vel judicio potest, tamen hanc tuam volunta- tem magis Reipublicæ literariæ, qvam mihi priva- tim gratulor. Nam cum his ferreis temporibus, li- teræ publico tumultu qvasi contritæ interituræ vide- antur, nisi studia earum rursus excitent isti, qvi rerum potiuntur; maxime mihi voluptati est, existere ali- qvem vestri ordinis, qvi studiosos homines, ut Poëtæ verbis utar, tristes hac tempestate Camœnas, respi- ciat. Neqve enim dubito, qvin studiis nostris ea tribuas, qvæ mihi tribuenda esse duxisti. Proinde etsi mihi in hac miseria fortuna literarum gratum est, habere veluti aliqvem Mecœnatem, tamen hoc multo jucundius est, qvod publicum honestarum artium ac studiorum patrocinium suscipere mihi videaris. At- qve hanc meam de te opinionem literæ tuæ nunc con- firmarunt. Pepererunt autem anno superiore doctis srmi sermones tui, cum me ad colloqvium familia- rissime accersivisses, ubi facile intelligebam te hæc studia studia literarum, non adductum inani ambitione complexum esse: sed qvia statueres neminem sine hoc instrumento ad Rempublicam bene gerendam idone- um esse. Ego igitur hactenus tuorum studiorum li- benter memini, eaqve publice prædicavi. Nam ut extaret hujus mei de te judicii testimonium, dedica- vi tibi commentarium in sententias Salomonis scri- ptum, qvi propediem in lucem edetur. Tu vero qvod facis, omnibus ingenii atqve animi viribus in hæc studia, ad qvæ sapientissimo patris consilio ad- hibitus es, incumbe. Nullum enim ornamentum vestræ nobilitati honestius est, qvam perfecta doctri- na; Et si verum est, qvod scribit Plato, naturâ inter se cohærere \& cognatas esse, magnam potentiam \& sapientiam; profecto potentiam sine sapientia retine- re nemo potest, neqve sapientia sine harum artium cognitione, in qvibus versaris, perfecta esse ulla pot- est. Qvare hanc doctrinam existimes ad regendam rempublicam non modo utilem, sed etiam necessari- am futuram esse. Hæc, qvanqvam mihi tua assidui- tas \& voluntas nota est, scripsi tamen ut currentem hortarer, perinde atqve ille apud Homerum ait: ὀτρύνων σπεύδοντα. Nihil autem in omni ratione discendi utilius est styli exercitio. Hic est, ut inqvit Cicero, optimus ac præstantissimus dicendi effector \& magister. Neqve vero tantum ad locupletandam sermonis copiam conducit, sed habet aliam longe majorem utilitatem, qvod judicium acuit \& format, mentemqve excitat, ut multo altius introspiciat o- mnia, qvam solent isti, qvi styli usum nullum ha- bent. bent. Non consilia autorum, qvos legis plurimos atqve optimos, non sententias penitus intelliges, nisi scribendi exercitium ad lectionem adhibueris. In exemplo tuo lineamenta qvædam comparent, ex qvi- bus conjecturam facio, plurimum te facere posse, si hanc exercitationem non remittas. Est enim sana oratio tua, nihil habens ineptiarum, ut fere possit Attica dici, qvo ego genere orationis plurimum de- lector. Sed hæc convenit Arnoldum domi mon ere. Ego adductus magnitudine amoris, ulterius prove- hor, qvam decet. Qvare te rogo, mihi ut ignoscas, si videar justo loqvacior, \& ut pro tua summa huma- nitate constantiaqve benevolentiam, qva me com- plexus es, retineas, neqve mei amorem abjicias. Vale feliciter. Ex Witteberga postridie Bartholo- mæi. Anno MDXLVIII. Es ist aber Hertzog Ma- gnus nicht allein ein grosser Liebhaber der Spra- chen gewesen/ sondern trug auch ein besonders Belieben zu der Philosophie uñ absonderlich zu der Astronomie und Erforschung der Wercke der Na- tur. Johannes Bocerus ruͤhmet ihn daher in seinen Originibus und rebus gestis Ducum Megapolensium, und nennet ihn Principem ævi sui doctissimum. Es ist leicht zu erachten/ wie eines solchen gelehrten Exempel viele im Lande werde gereitzet haben/ gu- te Kuͤnste und Wissenschafften zu lieben. Denn nach der Grossen Exempel richtet sich ein gantzes Land; wie Herodianus anmercket/ L. 1. c. 2. daß als Marcus Anton. Philosophus regieret/ da sey auch im Reich eine grosse Anzahl gelehrter und kluger kluger Maͤnner gewesen. Und ist gewiß/ daß das grosse Auffnehmen der Studien im XVI. Seculo grossen Theils auch daher kommen/ weil die ho- hen Haͤupter zu selbiger Zeit nicht uur die Kuͤnste durch ihre Freygebigkeit befodert/ sondern auch selbst mit grossen Ernst denenselben obgelegen. Hingegen fiengen die Wissenschafften an wieder zu fallen/ nachdem die Grossen zum Theil nach- gelassen/ selbige zu lieben und zu belohnen. Jst also Hertzog Magnus nebst seinem Herrn Vater Henrico Pacifico, in diesem Lande Restaurator bo- narum artium \& religionis gewesen/ welche zu- gleich nebst guten Kuͤnsten und Sprachen die reine Lehre zuerst in dieses Land eingefuͤhret/ und die vorige Barbarey nebst dem Pabstthum aus Mecklenburg vertrieben. Muß daher dieses Hertzogs Magni Ruhm unter den Gelehrten bil- lig unsterblich seyn. Denn wie der seel. Herr D. Grap in seinem Evangelischen Rostock cap. 5. p. 108. anmercket/ so ist vor dieser Zeit die Rosto- ckische Academie gantz darnieder gelegen/ und seyen die Studia so wenig geachtet worden/ daß der Doctor- Titul gantz veraͤchtlich worden/ wie denn fast gantz keine Professores damahls gewe- sen/ daß auch der einige Nicolaus Leo sechs Jahr habe Rector Magnificus seyn muͤssen. Wiewol hiebey diß zu erinnern/ daß dennoch zu der Zeit auch M. Conradus Pegelius einer der beruͤhmsten Professoren daselbst gewesen/ welcher von A. 1508. B biß biß 1566. (in welchem Jahr seiner am letzten ge- dacht wird) der Rostockischen Academie als Professor biß in sein hohes Alter fuͤrgestanden. Wie aus desselben eigenem Programmate erhellet/ so er bey seinem fuͤnfften und letzten Rectorat mit dem Ausgang des 1565. Jahrs/ in restitutionem Mensæ communis, nach einer ausgestandenen schweren Pestilentz geschrieben/ und annoch in denen von Joh. Posselio edirt en Scriptis Academiæ Rostoch. ab anno 1560. usqve ad an. 1567. publice propositis, p. 367. vorhanden ist. Wie auch aus dem/ was D. Joh. Boukius auff desselben M. Pe- gelii Tochter Saræ fruͤhzeitiges Absterben/ den 16. Junii 1564. als eine Leichen- Invitation ge- schrieben/ und in eben vorgedachten Scriptis Ro- stoch. p. 303. befindlich ist. Woraus man als sonderlich merckwuͤrdig zu sehen hat/ daß obge- dachter M. Pegelius die groͤsseste Veraͤnderungen zu Rostock gluͤcklich uͤberlebt/ und seine renom- mee kluͤglich dabey in acht zu nehmen gewust. Denn er hat eine gute weile unter dem Pabst- thum von Anno 1508. hernach bey dem Fall des- selben/ und also beym ersten Anfang der Refor- mation, auch endlich noch eine geraume Zeit nach dem auffgangenen Licht des Evangelii/ da- selbst in officio publico gelebet/ und wird er in dem vom seel. Herrn Griesen seiner Historia Slü- teri angehengtem Catalogo Rectorum Acad. Ro- stoch. fuͤnff mahl als Rector Magnificus angezo- gen. gen. Und muß man sich zum hoͤchsten verwun- dern/ daß von diesem alten Professore weder Petrus Lindenbergius, noch Herr D. Grapius, noch sonst jemand/ der de Rebus Rostoch. geschrieben/ etwas gedencket/ da er doch einer der geschickte- sten Maͤnner zu seiner Zeit muß gewesen seyn; sonst wuͤrde er von Hertzog Henrico Pacifico, als einem sehr vernuͤnfftigen klugen Herrn/ nicht zum Informator des Printzen Magni (als oben gedacht) erwehlet seyn. Welches aber nur bey- laͤuffig erinnern wollen/ weil es einige Erlaͤute- rung giebet/ von dem damahligen Wiederaufkom- men der ehemals gefallenen Kuͤnste und der Univer- sit aͤt Rostock. Anno 1532. aber kam auch M. Arnoldus Burenius, der ander Informator Her- tzogs Magni, ohnzweiffel auff dessen Verord- nung und Sorgfalt/ nach Rostock/ wo er Voll- macht hatte/ die guten Kuͤnste wieder empor zu bringen/ wesfalls er auch selbst privatim und publice allda zu docir en anfieng. Und schiene es/ als ob Hertzog Magnus diejenige gelehrte Maͤnner/ deren Fleiß und Treue er aus seiner eigenen Information genugsam verspuͤhret/ her- nachmahls dem Gemeinen Besten und der Ro- stockischen Universit aͤt/ zu desto mehrern Auff- nehmen/ wiedmen und lassen wollen/ damit auch das Publicum seiner getreuen Præceptorum sich zu erfreuen haͤtte. Denn nach M. Arnoldi Bure- nii Ankunfft zu Rostock/ kam gemeldte Univer- B 2 si taͤt sit aͤt durch hohe Vorsorge Hertzogs Magni und seines regierenden Herrn Vaters bald wieder in Ansehen/ und wurde ein Gelehrter nach dem andern dahin vocir et/ daß auch der Raht da- selbst durch solch gutes Exempel der Durchl. Hertzogen/ gereitzet worden/ als Compatronus Academiæ zu Wiederauffrichtung der Universit aͤt mit Hand anzulegen. Conf. D. Grapii Evangel. Rostock/ c. 5. p. 108. Ausser denen Gelehrten aber welche daselbst erzehlet werden/ die die Stu- dia wieder in Auffnehmen in diesem Lande ge- bracht/ hat auch schon zuvor Nicolaus Marescal- cus Thurius sich in Rostock auffgehalten/ welcher nicht nur in der Mecklenburgischen Historie be- lesen/ sondern auch in den Griechischen und Roͤ- mischen Antiqvit aͤten ein sehr gelehrter Mann war/ der in seinem eigenen Hause einen Buch- drucker Nahmens Guͤnther Winter hielte/ von welchem er seine sehr rahre Annalium Heru- lorum ac Vandalum Libros Septem, anno 1521, wie auch seine uͤbrige gelehrte Wercke drucken lassen. Durch solcher gelehrter Maͤnner Sorg- falt kamen zu Hertzogs Henrici Pacifici und des- sen Printzen Magni Zeiten/ als welche ihnen moͤglichst beforderlich waren/ die Studia wieder in diesem Lande empor. Wie heilsahm aber eine gruͤndliche Gelehr- samkeit grossen Herren und Printzen sey/ und weit weit nuͤtzlicher als andere hefftige Leibes exerciti en, solches kan unsers Hertzogs Magni Beyspiel er- weisen. Denn diese machen das Gemuͤht fluͤch- tig und zuweilen wild und unbarmhertzig/ gute Kuͤnste und Wissenschafften aber machen den menschlichen Verstand vollkommen/ nachdenck- lich/ klug und tugendhafft/ und bereiten Fuͤrst- liche Gemuͤhter zur gluͤcklichen Regierung. Es ist gewiß der kluge Ausspruch des Kaͤysers M. Aur. Anton. Philosophi nicht zu verlachen/ wel- cher mit jenem Weltweisen Plato davor gehalten/ Tum demum florere civitates, si aut Philosophi im- perent, aut Imperatores philosophentur. Denn sey eine Republique gluͤcklich/ wenn ent- weder die Weltweisen das Regiment fuͤh- ren/ oder/ wenn Regenten Weißheit lieben. Und das hat man sonderlich an dem Hoffe unsers Hertzogs Magni und dessen Herrn Vaters/ deutlich sehen koͤnnen. Denn es koͤnnen die Scribenten nicht genug ruͤhmen/ wie wohl die- ser Herrn Hoff eingericht gewesen/ so gar das auch die gewoͤhnlichste Laster daran keinen Platz fun- den/ ohn welchen Unverstaͤndige meynen/ daß fast kein rechter Hoff seyn koͤnne. Denn so war Hertzog Magnus ein Feind von aller Uppigkeit/ Hochmuth/ Verschwendung und Gewaltthaͤtig- keit; Hingegen liebete er wahre Gottesfurcht/ Tugend/ Klugheit und Maͤßigkeit/ und war sonderlich leutselig und gnaͤdig. Der beruͤhmte B 3 Joh. Joh. Caselius schreibet von Jhm in seinen Laudibus Elisabethæ Cimbricæ, welche unsers Hertzogs Ma- gni Gemahlin war; Oderat ipse fastum, oderat luxum, oderat omnem profusionem, qvæ mala cum humanitate \& beneficentia vigere non posse noverat: neqve sine plurium inferioris loci mortalium incom- modis, calamitate \& qverelis: nec ubi illæ pestes se- derent, locum esse modestiæ \& pietati: enormia illa aularum vitia, qvibus ipsæ sibi mirè placent, ac sa præ cæteris mortalibus beatas judicant, cum iis ipsis cæteris sint graves \& invisæ, in suorum nemine fere- bat, in aliis maxime d e testabatur. Noch hoͤher er- hebet dieses Herrn grosse Tugenden Philippus Me- lanchthon, welcher ihn als ein rechtes Muster ei- nes vortrefflichen Fuͤrsten dem Hertzog Johann Albrecht I. recommendi ret. Denn in der Vorre- de seiner Außlegung uͤber die Spruͤche Salomo- nis/ welche er bey derselben erste Aufflage unserm Hertzog Magno, als oben schon/ in dem Lateini- schen Brieff gedacht/ zugeschrieben/ aber nach des- sen Todt/ bey wiederholter Aufflage jetztgedachten Hertzog zu Mecklenburg Johann Albrecht anno 1555. dedici ret/ schreibet er also: Caufa cur huic editioni tuum nomen adscripserim, non hæc tantum est, qvod scio te in hac ingenii \& virtutis præstan- tia libenter legere sapientissimi Regis admonitiones, sed etiam, qvia cum priorern editionem ante annos (7) viginti dedicassem inclyto Principi Magno, Duci Megalburgensi, tuo fratri patrueli, hanc re- centem, centem editionem ad te mittere decrevi, ut munus illi missum in familia maneret, in qva ut semper Salo- monis vox audiatur, toto pectore opto, qvam qvidem summa cum pietate Dux MAGNUS audiebat, \& cum ad hanc normam consilia privata \& publica diri- geret, optimè de patria meritus est. Summa reve- rentia sapientissimum patrem in gubernatione adju- vit, Ecclesias curavit recte erudiri, \& custos fuit du- arum optimarum rerum, puritatis doctrinæ \& con- cordiæ docentium: fovit studia literatum, qvæ eo magis amabat, qvia præclare eruditus erat. Et cum Ecclesiæ doctrinam è fontibus hauserat, tum vero La- tinas \& Græcas historias assidue legebat, ac à viro do- ctissimo Arnoldo Burenio ad formandam Latinam orationem sic adsvefactus erat, ut Latine recte \& splendide loqveretur \& scriberet. Deniqve exem- plum erat Dux Magnus boni \& salutaris Principis in publica \& privata vita. Jtaqve qvanto ejus desiderio non solum patria, sed etiam vicinæ gentes affician- tur, vides. conf. Tom. II. Opp. Melanchth. p. 874. Weil nun Hertzog Magnus durch erworbenen Ruhm seiner ungemeinen Gelehrsamkeit und Tu- gend aller Orten im hohen Ansehen war/ so wur- de ihm auch die Koͤnigliche Princesse aus Denne- marck Elisabeth/ Koͤnigs Friderici I. Tochter/ und Christiani III. Schwester/ nicht versaget/ als er im 35. Jahr seines Alters anno 1543. mit derselben in eheliche Verbuͤndniß treten wolte. B 4 Und Und ist also Hertzog Magnus der (8) erste Bischoff zu Schwerin/ welcher eine Gemahlin genommen; wie denn zu dieser Zeit das Gebot des Apostels/ ein Bischoff sol seyn eines Weibes-Mann/ schon genugsahm wider das Roͤmische Verbot gerettet war. Zu dem so war Hertzog und Bischoff Ma- gnus der Erb-Printz/ welcher seinem Herrn Va- ter Heinrich im Regiment nachfolgen solte/ und weil sein Herr Bruder Philippus wegen bloͤden Verstandes zur Regierung untuͤchtig war/ so wuͤnschte das gantze Land nichts mehr/ als von Hertzog Magno einen Erben zu sehen, wiewohl dieser Wunsch nicht erfuͤllet/ denn ungeacht diese Vermaͤhlung Hertzogs Magni mit obgedachter Koͤniglichen Princesse Elisabeth/ so vergnuͤgt und gluͤcklich war/ daß die Tugend selbst diese beyde Haͤupter wegen Aehnlichkeit der Gemuͤhter schien zusammen gefuͤhrt zu haben/ so fehlete doch ein Erbe/ und waͤhrete das Ehliche Vergnuͤgen nur sechs Jahr/ da Magnus wegen seiner anhalten- den Leibes-Schwachheit mit Tode abgieng/ und seine Gemahlin als eine noch junge Wittwe hin- terließ; die zwar darauff wieder zuruͤck nach Den- nemarck ging/ aber hernach von Hertzog Ulrich zu Mecklenburg heimgefuͤhret worden. Welche unvergleichliche Hertzogin viele Denckmahle ih- res hohen Verstandes und grossen merites im Lan- de Mecklenburg/ und sonderlich auch in hiesiger Stadt Guͤstrow hinterlassen/ die wohl verdien- ten/ ten/ daß ihr Gedaͤchtniß unter uns erneuret und auff die Nachkommen erhalten wuͤrde. Es ist aber Hertzog Magnus nicht zur voͤlli- gen Regierung dieses Landes kommen/ indem er durch den fruͤhzeitigen Todt gehindert/ da er 2. Jahr vor seinen Herrn Vater gestorben. Zwar gieng er mit klugen Rathschlaͤgen seinen Herrn Vater an die Hand/ und ist viel durch seine hohe Sorgfalt im Werck der Reformation und Wie- derherstellung guter Kuͤnste und Sprachen in hie- sigem Lande veranstaltet/ dennoch aber hat er sich nimmer der Regierung angemasset/ sondern ist mit seinem Bischthum Schwerin zufrieden gewe- sen/ welchem er 34. Jahr vorgestanden/ denn so ist er gar jung/ nemlich im 7. Jahr seines Alters anno 1516. schon zum Bischoff postuli ret worden; welches in den finstern Zeiten des Pabstthums bey denen Grossen eben so gar was ungewoͤhnli- ches nicht war; Indessen da Hertzog Magnus noch zu jung war selbst das Bißthum zu regieren/ hat sein Herr Vater Henrieus dasselbe so lange admi- nistri ret/ wie Hedericus in seinem offtgemeldten Verzeichniß der Bischoͤffe zu Schwerin/ in vita Magni, umstaͤndlich mit diesen Worten be- richtet. Magnus ‒ ‒ ‒ wird nach Bischoff Petri Todt im 7ten Jahr seines Alters vom Capittel zu Schwerin (nachdem sie B 5 fuͤnff fuͤnff Tage daruͤber deliberirt ) zum Bi- schoff und Pastorn postuliret, Ao. 1516. den 21. Junii. Und weil er unmuͤndig war/ thut dem Capittel Hertzog Hein- rich an seine statt/ als der leibliche Vater und Tutor legitimus, das Jurament, und unterschreibet mit eigenen Haͤnden/ er- haͤlt auch die Confirmation beym Pabst Leone X. durch Zuthveldt: Capitulum similiter pro Magno intercedit, \& hoc peculiariter petit, ut qvia in qvatuor tan- tum ordinibus, ut vocant, minoribus constitutus erat, ad dispensandos \& sup- plendos à Leone Pontifice, ætatis, ordi- nis, literarum sive scientiæ, \& alios tam juris qvam facti defectus, in postulatum confirmetur, in administratorum autem ætatis suæ 21. Postulationem Leo Ponti- fex confirmat: administrationem ejus rejicit in annum ætatis 27. Sed ille sub Clemente VII. P. R. in realem \& actua- lem possessionem administrationis spiri- tualis \& corporalis Ecclesiæ \& totius di- oeceseos Sverinensis introductus, publi- catus, denunciatus, \& proclamatus est. (9) Damit nun Magnus seinem Bischoͤfflichem Amte Amte ein Genuͤge thun moͤchte/ so trug er alle Sorgfalt vor die Kirche dieses Landes. Und ob gleich eben zu dieser Zeit/ da das Reforma- tions- Werck ernstlich von Luthero getrieben wur- de/ die Bischoͤffe sich am hefftigsten demselben und seinem gepredigten Evangelio widersatzten/ weil er eben derselben Pflicht und Bloͤsse gewie- sen/ so liebte doch unser Bischoff Magnus nebst seinem Herrn Vater das neu auffgehende Licht des Evangelii gar sehr/ wozu nicht wenig ge- holffen/ daß er/ wie oben gedacht/ am Chur- Saͤchsischen Hofe eben zu der Zeit erzogen/ da an selben die wichtigsten Sachen der Reforma- tion wegen/ gehandelt wurden. Wie denn nun in Sachsen das Licht des Evangelii in Teutsch- land auffgangen/ also ist auch selbiges von daher denen Mecklenburgischen Landen beyzeiten an- geschienen/ und zwar sonderlich durch hohe Be- foderung und Sorgfalt Bischoffs Magni und seines Herrn Vaters Henrici des Friedfertigen/ welche denn zu ihren Zeiten biß auff die Mitte des XVI. Seculi einen guten Grund zur Reforma- tion in hiesigen Landen gelegt/ und das vor- nehmste hiezugethan/ also/ daß das Evangelium frey und ungehindert in den vornehmsten Staͤd- ten dieses Landes/ in Rostock/ Schwerin und Guͤstrow ist geprediget worden. Doch ist wohl zu mercken/ daß das Reformations- Werck nicht mit Ungestuͤhm und Tumult/ sondern mit der groͤsten groͤsten Behutsamkeit und Gedult ist gefuͤgret worden. Denn so schreibet Hedericus l. c. Bey seiner (Bischoffs Magni ) Regierung im 1532. Jahr/ ist durch Befoderung seines Herrn Vaters Hertzog Heinrichs die rei- ne Lehre des H. Evangelii durch D. Lu- ther ans Licht gebracht/ erstlich im Lande Mecklenburg/ und anfaͤnglich zu Schwe- rin geprediget worden/ und das Pabst- thum begunt zu fallen/ doch NB. ums Ju- raments willen/ hat er Hertzog Heinrich das Capittel und den Thum zu Schwerin bey ihrer Religion und geistlichen Ge- wonheiten bleiben lassen/ und niemand seines Glaubens halben angefochten/ die- weil er gelebet. Wenn aber hie Hedericus des 1532. Jahrs erwehnet/ so scheinet er nur auff gewisse Umstaͤnde der Reformation in der Schwe- rinischen Kirchen und Bißthum seine Absicht zu haben/ sonst ist bekandt/ daß schon zuvor in Meck- lenburg/ und zwar bereits Anno 1523. in Rostock das gelaͤuterte Evangelium von M. Joachim Schluͤter ist geprediget worden. Es brachte aber dem Reformations- Werck in diesem Lande einige Hinderung/ daß Hertzog Albrecht, mit dem Beynahmen der Schoͤne genandt/ welcher mit seinem aͤltern Herrn Bruder Heinrich dem dem Friedfertigen/ gemeinschafftlich die Re- gierung fuͤhrte/ nicht mit gleichem Ernst das Evangelium befodern wolte; Denn ob er gleich die Evangelische Lehre nicht eben anfeindete/ so erwieß er sich doch dem fallenden Pabstthum noch ziemlich gewogen/ und hinderte verschiedene gute Anschlaͤge/ uͤm also dem Roͤmischen Koͤnig Ferdinando, an dessen Hoff er offters sich auff- hielte/ desto mehr zu Gefallen zu leben. Welches auch selbst der Herr Seckendorff in Hist. Luth. Lib. III. Sect. 8. §. 31. num. 1. mit diesen Worten angemercket: In Ducatu Mechlenburgensi Henri- cus Dux Evangelicæ doctrinæ intentus ab Alberto fratre, qvem Ferdinandus Rex animabat, molestias passus est. Ob aber gleich die Pfaffen/ Moͤnche und Kloͤster hier im Lande dadurch desto kuͤhner wurden/ der Reformation sich zu widersetzen/ und alle heilsame Anschlaͤge zu verwerffen/ und Hertzog Heinrich als ein friedfertiger gnaͤdi- ger Herr wegen der Zeit Umstaͤnde mit grosser Gedult und Sanfftmuth solcher blinden Leute Widerstreben kluͤglich zu dulden wuste/ Conf. Cel. Thomæ Anal. Gustrov. p. 121. so ließ Bischoff Magnus sich doch nicht von dem heilsamen Reformations- Werck abschrecken/ sondern arbeitete immer dar- an/ und conferir te fleißig mit dem Chur-Saͤchst- schen Hoff daruͤber. Denn so erzehlet abermahl Herr von Seckendorff Lib. III. Hist. Luth. Sect. 17. §. 66. p. m. 183. daß als anno 1538. im Monath December December zu Parchim ein Landtag gehalten wor- den/ habe Bischoff Magnus begehret/ man solte die Messe und andere alte Paͤbstische Mißbraͤuche im gantzen Lande abschaffen/ woran aber Hertzog Albrecht/ seines Herrn Vaters Bruder/ nicht gewolt/ der die Sache immer verschoben/ dawi- der aber Bischoff Magnus protesti ret/ und solches dem Churfuͤrst in Sachsen Johann Friderich I. den 24. December 1538. mit einem eigenhaͤndigen Schreiben berichtet; welcher denn auch gleich den 12. Januarii des folgenden 1539. Jahrs geantwor- tet/ und auff Gutbefinden seiner Theologorum ge- rathen/ er moͤge nur selbst an den Oertern seines Stiffts/ wo er die jurisdiction habe/ seine Kirche zu reformi ren anfangen/ die widerspaͤnstige Pre- diger abschaffen/ die andern aber/ welchen er nicht beykommen koͤnnte/ excommunici ren und in Bann thun; So er aber dergleichen zu thun sich nicht unterstehen duͤrffte/ thue er besser/ daß er sein Bißthum fahren lasse/ als durch Verabsaͤumung seines Bischoͤfflichen Ampts sich versuͤndige. Aus welchem man abermahl siehet/ mit was Ernst und Nachdruck Bischoff Magnus die Reformation zu befodern geflissen gewesen/ und was vor ein gutes Verstaͤndniß zwischen Chur-Sachsen und diesem Herrn gewesen/ welcher mit selben wegen der Kir- chen dieses Landes eine fleißige Correspondance un- terhalten. Wie denn auch als der Churfuͤrst in Sachsen den Todes-Fall des seel. Lutheri seinen vornehm- vornehmsten Verwandten und Freunden anno 1546. notificir te/ so muste solches auch unserm Hertzog Magno so gleich kund gethan werden. Auff welche eigenhaͤndige notification auch Her- tzog Magnus den 23. Martii anno 1546. dem Chur- Fuͤrsten wieder geantwortet/ davon die Copie verhanden beym Seckendorff in Hist. Luth. Lib. III. §. 135. num. (7) p. m 646. Da nun Bischoff Magnus sich so hoch uͤm dieses Landes Kirche durch ernstliche Beforderung der Reformation und Wiederherstellung der guten Kuͤnste und Wissenschafften verdient gemacht/ ist leicht zu ermessen/ was vor diesem vortrefflichen Herrn waͤre zu erwarten gewesen/ wann Jhm GOtt die Jahre gegoͤnnt/ zur voͤlligen Regierung dieser Lande zu gelangen/ wozu er als der Erb- Printz die naͤchste Hoffnung und Recht hatte. Allein Er starb zu Buͤtzow anno 1550. den 28, oder wie andere den 29. Januarli, noch vor seinem Herrn Vater/ im 41. Jahr seines Alters/ und im 34. seines Bischoͤfflichen Ampts. Und war dieser fruͤhzeitige Todes-fall seinem 71. jaͤhrigem alten Vater/ ja dem gantzen Lande so viel empfind- licher/ weil er keinen Leibes-Erben hinterlassen. Er wurd zu Doberan/ wo die meisten der alten Fuͤrsten und Koͤnige der Wenden ruhen/ begra- ben/ und hat ihm sein ehemahliger alter Informa- tor Arnoldus Burenius eine Lateinische Leichenpre- digt digt gehalten. Hedericus meldet an offt angezo- genem Ort/ daß unserm Magno von seiner Ge- mahlin Elisabeth zwo Epitaphia, eins in lateini- schen/ das ander in teutschen Versen zu Doberan seyn nachgesetzet worden/ wie sie denn auch nach- mahls aus Liebe gegen diesen ihren ersten Gemahl/ zu Zeiten ihres zweyten HErrn/ Hertzogs Ul- richs zu Mecklenburg/ die Doberanische Kirche/ so nun baufaͤllig werden wollen/ wieder renovi ren lassen/ welches der alte Guͤstrowische Rector M. Franciscus Oemichius in seinem Reim-Gedichte/ worin er der Hertzogin Elisabeth Leben verfasset/ (10) angemercket. Gedachte beyde Epitaphia hat auch Lucas Lossius in seinen Epitaphiis Principum. \&c. p. 137. s. auffgezeichnet/ und lauten also: (11) Epitaphium. Inclyti Herois Doctiss. optimiqve Princi- pis D. MAGNI , Ducis Megapolens. HENRICI Filii, \& Sverin. Episc. qvi obdormivit Butzo- vii, anno 1550. 5. Calend. Februarii. Doctrina proavis, nulli virtute secundus Mechlenburgensis Dux tumulo hoc te- gitur. Nomine Nomine Magnus erat, re major at ille fu- turus, Improba mors saltem si voluisset, erat. Acer in adserto constans \& pectore verbo Et veræ viguit relligionis apex. Et pudor, \& probitas, \& dulcis gratia mo- rum Certatim donis hunc poliere suis. Eloqvio Nestor felicis acumine mentis, Dulichio valuit non minus ille sene. Imperii proceres, facundæ munere lingvæ, Aures \& mulsit Carole dive, tuas. Judicium, pietas \& rebus in omnibus ar- dens Virtus \& patriæ constituebat amor. Illius ex alto Cimbrorum sangvine Con- junx Edita, FRIDERICI filia Regis erat. Qvæ Magnum veluti generosum Portia Brutum Humectans lacrymis Elisabetha suis. Condidit hunc vita functum, cineriqve qvotannis Ut bene sit votis officiosa rogat. C Illius Illius occasu qvantum Meglaburgica damni Stirps tulit, extincti candida fama docet. Extremum moriens solum te Christe vo- cabat, Cujus in optato jam cubat ille sinu. Das teutsche Epitaphium ist folgendes: Allhie Leser an diesem Ort Steh still/ und liß nachfolgend Wort: Ein Fuͤrst vom Stamm und Tugend reich/ Allhie bey seinen Vettern gleich Hertzog Magnus begraben ist/ Und ruhet im Schutz JEsu Christ/ Tausend/ fuͤnffhundert und neun Jahr/ Zu Stargard er gebohren war/ Hertzog Heinrich der friedsam Fuͤrst/ Dem allezeit nach Ehren duͤrst/ Im deutschen Reich gantz woll bekandt/ War sein liebster Vater genandt. Sein Frau Mutter war Marggraͤffin/ Ursula ihr Nahme/ ruht auch hierinn/ Sein Sein Jahr-Zeit war St. Ulrichs Tag/ Darinn sein Vater groß Freude sah/ Ließ ihn erziehn in Zucht und Ehren/ Gottes furcht und freye Kuͤnste lehren. Er war gelehrt und woll beredt/ Davon das Roͤmisch Reich weiß bescheid/ Und Kayser Carl lobt sein Latein/ Welches er redt zierlich und rein/ Anno Tausend fuͤnffhundert zwar/ Dazu im drey und vierzigsten Jahr/ In Dennemarck aus Koͤniglichem Stam̃/ Er sein liebes Gemahl bekam/ Frau Elisabeth hochgebohrn/ In aller Tugend auserkohrn/ Ihr Vater war Koͤnig Friderich/ Koͤnig Christian ihr Bruder gleich. Das Regiment hat der Vater gar/ Er aber zu Schwerin Bischoff war/ Dennoch seines Hochweisen Raht Der Vater brauchet fruͤh und spat/ Tausend fuͤnffhundert funffzig Jahr Zwey Jahr vors Vatern Todt fuͤrwahr/ Dienstags nach Pauli Bekehrung In guter Jugend und Regierung Er zu Buͤtzow ohn Leibes-Erben/ Selig in GOtt thaͤt versterben/ C 2 Und Und darnach auff Lichtmessen Tag Den Leichnam zu Dobberan begrab/ Welchen GOtt Ruhe und Seligkeit Geb gnaͤdiglich in Ewigkeit. Es gedencket auch Hedericus an offt angezoge- nem Orte/ daß Hertzog Johann Albrecht zu Schwerin im Chor mit folgenden Worten/ dem Hertzog Magno ein Denckmahl setzen lassen: D. O. M. Illustri Principi Magn o, Henrici Filio, Du- ci Megapolensi Episcopo Sverinensi, pietate, doctrina \& humanitate Præstanti, fratri patrueli suo charissimo Johannes Albertus Dux Megap. memoriæ posuit. V. Anno XLI. D. S. O. Buzovii IV. Kal. Februarii Anno M.D.L. Obgedachter Lossius fuͤhret p. 142. unter de- nen Schwerinischen Epitaphiis auch nachfolgen- des Denckmahl an: Filius Hinrici Princeps re \& nomine Magnus, Flos patriæ ante Patris funera mœsta cadit. Par Par fatum Antilocho nactus sed clarior illo Et melior studii sedulitate sui. Scilicet ingenio cunctos superavit \& arte, Qvos habuit eximios Teutonis ora duces. Illius ad tumulos Pitho, Aonidesqve, The- misqve Tam celebrem lugent non superesseducem. Ausser diesen Epitaphiis ist noch eine saubere Elegia Academiæ Rostochiensis auff dem Todt die- ses hochseeligen Bischoffs Magni vorhanden/ wel- che in den Scriptis Academiæ Rostoch. publicis p. 383. seq. zu finden ist. Es ist aber Hertzog und Bischoff Magnus vor vielen andern besonders zu mercken/ weil 5. merck- wuͤrdige Dinge in seinem Lebens-Lauff vorkom- men; nemlich/ 1. daß er schon im siebenden Jahr zum Bischoff postulir et worden. 2. Daß er nicht allein der erste Evangelische Bischoff zu Schwerin gewesen/ sondern auch der erste unter denen Schwerinischen Bischoͤffen/ welcher eine Gemahlinn genommen. 3. Daß bey ihm Nah- men und That uͤbereinkommen/ und da er Magnus hieß/ das Sprichwort wahr geworden/ Nomen \& omen habet. 4. Daß er der gelehrteste unter C 3 den den Fuͤrsten seiner Zeit gewesen. 5. Daß er also Restaurator literarum \& Evangelii in diesem Lande gewesen/ der die reine Lehre und gute Wissen- schafften wieder ins Land gebracht/ und die Paͤbstische Finsterniß vertrieben. Dannenhero er unter den Gelehrten einen unsterblichen Nah- men erworben./. welche dessen herrlichen Ruhm durch ihre geschickte Feder im bestaͤndigen An- deucken bey den Rachkommen erhalten haben. Denn/ wie gedacht/ Arnoldus Burenius hat eine Lateinische Leichen-Predigt gehalten/ die nach vielen Jahren erst wieder gefunden./ und von M. Nath. Chytræo ist publicir et worden; wie He- dericus l. c. angemercket. Joh. Caselius geden- cket auch derselben in seinen Laudibus Elisabethæ Cimbricæ p. m. 30. mit diesen Worten: Magni Ducis laudes luculenta oratione explicavit Arnol- dus Burenius, homo idem doctissimus \& gravissi- mus, neqve qvisqvam potuit aut poterit melius. Auch eben dieser Caselius hat auch unsers Her- tzogs in jetztgedachter Schrifft oͤffters mit gros- sem Ruhm erwehnet/ auch noch in einem an- dern Scripto, denn so schreibet er daselbst: Nos vero etiam Magni laudes delibavimus in elogio, qvod ejns Sorori, Dominæ Ursulæ paucis ante men- sibus, qvando ei funus fiebat, scripsimus. Hede- rieus oder wie sein voͤlliger teutscher Nahme heisset: M. Bernhard Heidenreich/ ehe- mahliger Rector der Stiffts-Schule zu Schwe- rin/ rin/ der auch die Schwerinische Chronic geschrie- ben/ hat in seinem geschriebenen/ und so viel mir bewust/ noch nie edirt en kurtzen Verzeichniß der Bischoͤffe zu Schwerin/ auch das Le- ben Hertzogs und Bischoffs Magni erzehlet/ an- derer Scribent en jetzo zugeschweigen/ welche ins- gemein die Historie der Durchl. Hertzoge zu Mecklenburg verfasset/ darunter auch sonderlich Joh. Bocerus, welcher in seinem III. Buch de ori- gine \& Rebus Gestis Ducum Megapolensium, so in schoͤnen Lateinischen Versen geschrieben/ auch unsers Magni Leben beruͤhret. Anmerckungen. Es ist dieser M. Conradus Pegelius ohn Zweisel aus Wißmar gebuͤrtig gewesen/ und aus einem ansehnlichen Geschlecht entsprossen/ wie aus Chytræi Chronico Sa- xon. Lib. l. p. m. 43. leicht zu schliessen ist. Ich vermuthe daß diese Brieffe annoch in der Schwe- rinischen Hoch-Fuͤrstl. Bibliothec werden zu finden seyn/ und waͤre zu wuͤnschen/ daß sothane rare Stuͤcke nebst andern zur Mecklenburgischen Historie im verborgen lie- genden Schrifften moͤchten durch Hoher Beforderung ans Licht gebracht/ und den Liebhabern communici res werden. Es sind die grossen Verdienste diefes Arnoldi Burenii wohl wehrt/ daß man seiner mit mehrerm gedencke. Er ist anno 1485. in Westphalen gebohren/ sein Vater war ein Ackers-Mann/ und hat zu Wittenberg studiret. Jm 39. Jahr seines Alters wurde er von Hertzog Heinrich dem Friedfertigen an den Schwerinischen Hoff beruffen/ C 4 uͤm uͤm seinen Printzen Magnum in anstaͤndlichen Wissen- schafften zu unterweisen/ welches er auch treulich und mis grossem Ruhm gethan; nach 6. Jahren verließ er den Hoff/ und gieng auff Hoch-Fuͤrstl. Befehl nach Rostock/ woselbst die freyen Kuͤnste bißhero noch wenig im Flor und getrieben waren. Solche aber suchte er bald wieder empor zu bringen/ und fieng an mit hoͤchster Sorgfalt so wohl oͤffentlich als auch privatim zu lesen. Er wohneto in dem Academi schen Hauß/ der Adler genannt. Hie- benebst sahe er auch dabey auff gute disciplin, und liebet- eine redliche Gottesfurcht. Er nahm so gar auch anno 1539. im 54. Jahr seines Alters noch den Gradum Magi- sterii an/ um also der Jugend ein gutes Exempel zu ge- ben/ und nachdem er mit groffem Nutzen der studirenden Jugend zu Rostock biß an sein Ende seinem Ampte treu- lich vorgestanden/ ist er im 81. Jahr seines Alters anno 1566. seelig verschieden. Philippus Melanchthon, wel- cher nebst andern einer der Vornehmsten in Teutschland war/ welche die Freyen-Kuͤnste und Sprachen wieder empor brachten/ hielte von unserm Arnoldo Burenio sehr viel/ und pflegte zu sagen: Ubi Arnoldus ibi Schola. Wie er denn auch eine gute Vertraulichkeit mit demfel- ben unterhielte/ als auch aus dem Schreiben zu sehen/ so er an Burenium abgelassen/ und in Melanchthonis Epi- stolis Londini editis L. l. p. 175. zu finden. Der vortreff- liche Caselius hielte diesen Mann vor einen Restaurato- rem bonarum artium auff der Rostockischen Universi taͤt/ Denn so schreibet Er in seiner de laudibus Elisabethæ Cimbricæ gehaltenen Oration: Idemqve (Burenius) primus fuit, qvi superiorum seculorum inscitia ætqve infantia detecta, \& abstersa caligine bo- nas literas in Academia nostra recte diserteqve juventuti trædidit. Welches ihm auch in seinem Epitaphio nachgeruͤhmet wird. Nathan Chytræus machte solch Werck von dieses Mannes meri ten/ daß er eine be- son- sondere Oration von ihm zu schreiben/ und dessen Anden- cken dadurch zu erhalten suchte. Welche von Herrn M. Rollio seinen Memoriis Philosophorum renovatis, p. 105. einverleibet ist. Wer ein mehrers von diesem gelehrten Mann zu wissen verlanget/ kan es in seel. D. Grapens Evangel. Rostock p. 110. in Herrn D. Æpini Dissertation de Meritis Westphalorum, und in Herrn M. Loͤchners dissertation de Singularibus Meclenburgicis cap. 3. §. 10. nachgelesen. Diese nahe Verwandschafft faͤllet so viel deutlicher durch folgende Genealogi sche Tabel in die Augen: MAGNUS II. Hertzog zu Mecklenburg. HENRICUS der Fried- fertige/ seine Gemahlin war Ursula, eine Tochter Johannis Chur-Fuͤrsten zu Brandenburg/ welcher Ci- cero Germaniæ genandt. SOPHIA, Gemahlin des Churfuͤrsten zu Sach- sen Johannis des Bestaͤndi- gen/ mit welcher er anno 1500. vermaͤhlet/ sie starb aber den 12. Julii 1503/ nach- dem sie kurtz vor ihrem Tode gebohren MAGNUS, Bischoff zu Schwerin/ dessen Leben wir kuͤrtzlich entworffen haben. JOHANN FRIEDERICH I. welcher der Großmuͤthige genannt wird. (5) Die Die Hoch-Fuͤrstl. Ministres und Bedienten/ welche mit Ihro Durchl. Hertzog Heinrich/ unsers Magni Herr Vater/ auff dem Reichs-Tag zu Augspurg gewesen/ sind folgende: Caspar von Schoͤnnig/ Cantzler/ welchen Mareschalcus Thurius in seinen Schrifften Casparum de bella qvercu zu nennen pflegt. Jochim Hane/ Wenceslaus Herr in Bibersteinen. Johann Sper- ling/ Marechal. Caspar von Danneberg/ Vol- rath Preen/ Jochim Wangelin/ Sebastian Krause/ Volrath von Buͤlau/ Volrath Sper- ling. Niclas Hane/ Diederich Rhor/ Jtel Schenck von Schweinsberg. Hans Schenck von Schweinsberg. Jochim Riebe/ Evcharius Gam- me/ Johann Parckentin/ Christoffer Linstou; woraus man den ansehnlichen Hoff-Staat dieses Herrn wahrnehmen kan. Cœlestinus Tom. Comitiorum August. Dieser Arnoldus ist der offtgedachte Informator des Printzen Magni. Hie entstehet ein dubium: denn aus Melanchthonis Schreiben an Hertzog Magnum anno 1548. am Tage vor Bartholomaͤi dati ret erhellet klaͤrlich/ daß er dazumahl seinen Commentarium uͤber die Spruͤchwoͤrter Salo- monis edi ren wollen/ den er Hertzog Magno dedici ret; in dieser andern Zuschrifft aber/ so an. 1555. an Hertzog Johann Albrecht gericht/ schreibet er/ daß er vor 20. Jahren solchen Commentarium dem Magno decid i ret ha- be. Da doch von 1548/ biß 1555. in welchen Jahren bee- de Dedica t iones geschrieben/ Kaum sieben Jahr verflos- sen sind. Ub erlasse also andern/ die mehrere Zeit haben dieses dubium auffzuloͤsen. Hederici Worte hievon/ sind l. c. diese: Dieweil er er (Magnus) forthin an seines alten verlebten Vaters Staͤtt des Landes und der Regie- rung sich anmassen solte/ wird er novo \& pri- mo exemplo Epilcoporum Sverinensium ehelich/ und ihm Fraͤulein Elisabeth Koͤnigs Friderici I. in Dennemarck und Sophiæ aus Pommern Tochter/ 1524. den 14. October gebohren/ ver- maͤhlet/ und das Beylager den Sonntag nach Bartholomaͤi zum Kiel gehalten; welches er auch in seinem Chronico Sverin. ad annum 1543. ange- mercket/ wo er dabey setzet: Die Heimfahrt sey zu Schwerin/ aber in gar boͤsem Wetter geschehen. Doch versiehet es Hederieus in rechnen/ wenn er daselbst meldet/ Hertzog Magnus habe seines Alters im 38. Jahr Beylager gehalten/ da er doch anno 1509. den 9ten Julii gebohren/ und anno 1550. ge- storben. Dessen gedencket auch kuͤrtzlich Hedericus in seinem Chronico Sverin. ad annum 1516. wo er noch die- ses beygefuͤget: Daß Hertzog Magnus anno 1532. sei- nes Alters im 23. Jahr/ die Regierung des Bißthums Schwerins angetreten/ da er denn in eigener Person dem Capittel zu Schwerin/ mit Wiederholung des vo- rigen Juraments geschworen/ und also in realem \& actualem diœcesis possessionem solenniter introdneir et/ proclamirt und confirmirt worden. Oëmichii Worte und Reimen sind l. c. diese: Die schoͤne Kirch zu Dobberan/ In welcher ihr Begraͤbniß han/ Viel Fuͤrsten und Adlicher Mann/ Hub Hub an allen Orten an zu krachen/ Dieselb halff sie auch wieder machen/ Fuͤrnehmlich zum Gedaͤchtniß und Ehrn Ihrem geweßnen lieben Herrn Hertzog Magnus, welcher alldar/ Im Wendischen Grab begraben war. Es sind diese Epitaphia Doberanensia auch Ao. 1648. sorgfaͤltig von jemand abgeschrieben/ welches MSCt. vorhanden/ und in Conferir ung dessen mit Lossii hie an- gefuͤhrten Epitaphiis, befinde daß im gedachtem MSCto, solche hie und da etwas veraͤndert zu lesen sind/ weiß also nicht ob diese Epitaphia nach Lossii Zeiten/ da sie etwa verfallen wollen/ sind in einigen Worten geaͤndert/ oder was die eigentliche Ursach solches Unterscheids in diesen Epitaphiis sey. Doch ist der Unterscheid so groß nicht/ daß sie in der Meynung und Verstand der Worte solten von einander abgehen/ daruͤm auch hie bey der aͤltesten Abschrifft des Lucæ Lossii dißmahl geblieben. ENDE .