CATECHJSMUS- MJLCH/ Oder Der Erklaͤrung des Christ- lichen C atechismi Neunter Theil/ begreiffend Das Fůnffte Hauptstuck/ von dem Sacrament des Heiligen Abendmahls/ Zu Straßburg im Muͤnster geprediget Durch Johann Conrad Dannhawern / Weiland der H. Schrifft Doctorem, Der Universi taͤt Professorem, und E. Ehrw. Kirchen -Convent s Præsidem, \&c. Straßburg/ Bey Johann Friederich Spoor . M DC LXXII. DEDICATIO Dem Hoch- und Wolgebohrnen G rafen und H erꝛn/ HERRN C aꝛl L uͤdwig Des Heil. Roͤm. Reichs Erb-Schatzmei- stern/ Grafen und Herꝛn von Sintzendorff/ Freyherꝛn auff Ernßbrunn/ Herꝛn der Herꝛschaff- ten Fridau/ Nennerstorff/ Gattmanstorff und Rabenstein an der Piellach/ Erbschencken in Oesterreich ob der Enß ꝛc. Meinem Gnaͤdigen Grafen und Herꝛn! ):( ij Hoch- DEDICATIO Hoch- und Wolgebohrner Graf/ Gnaͤdiger Graf und Herꝛ. K Ommet/ zehret von meinem Brod/ und trincket des Weins/ den ich schencke: Also schrieb vor Zeiten/ und noch/ die unerschaffene Weißheit GOt- tes/ durch die Hand und Feder Salomo- nis/ an alle und jede Albere/ sie zur geist- lichen und him̃lischen Mahlzeit einzuladen. Prov. IX, 5. die jenige Weißheit/ welche bey GOtt ihrem Vater gewe- sen/ da Er die Himmel bereitet/ und die Tieffe mit seinem Ziel gefasset; da Er die Wolcken droben festet/ da Er festiget die Brunnen der Tieffen/ da Er dem Meer das Ziel setzet/ und den Wassern/ daß sie nicht uͤbergehen seinen Befehl: da Er den Grund der Erden leget; da war Sie der Werck- meister bey Jhm: wie sie selbsten sich dazu bekennet c. VIII, 27. die Weißheit/ durch welche dem erschaffenen Menschen gegeben wurde allerley Kraut/ das sich besaamet auff der gantzen Erden/ und allerley fruchtbare Baͤume/ und Baͤume die sich besaa- men zu seiner Speise/ Genes. I, 29. Nicht allein aber Kraut und Obs/ sondern auch Fleisch; in dem sie ihme alles/ was sich reget und lebet unter Thieren auff Erden/ Voͤglen unter dem Himmel/ Fischen im Meer/ DEDICATIO. Meer/ zu seiner Speise gegeben/ gleichwie das gruͤne Kraut/ Gen. IX, 2. 3. Die jenige Weißheit/ wel- che das Volck Jsrael in der hungerigen und durstigen Wuͤsten mit wundersamer Speiß und Tranck/ als einem reichen Zehr-Pfenning/ stattlich versehen. Sie baten/ schreibt David Psalm. CV, 40. 41. so ließ er Wachteln kommen/ und er saͤttiget sie mit Himmel-Brod/ er oͤffnet den Felsen/ da flosse Wasser auß/ daß Baͤche lieffen in der duͤrren Wuͤsten. Die Weiß- heit/ welche als eine liebreiche Mutter auch uns/ ihre Kin- der/ noch heutiges Tages mildiglich mit Speiß und Tranck versiehet; und hertzlich erfreuet: Actor. XIV, 17. Aller Augen warten auff Sie/ als die Augen der Knechte auff den Herꝛn: dann sie ist ein Herꝛ: und se- hen ihr in die Haͤnde/ damit sie ihnen ihre Speise gibt zu rechter Zeit/ und saͤttiget alles/ was da lebt mit Wolge- fallen; Psalm. CXLV, 15. 16. Diese Weißheit nun ists/ welche die geistliche hunge- rige und durstige Seele des Menschen auch mit geistli- cher und himmlischer Speise und Tranck erfuͤllet. Wir Menschen sind von unserer verderbten Natur fern von GOtt/ als welchen wir durch die Suͤnde von uns ge- schieden/ Jes. LIX, 2. und wallen in diesem Jammerthal/ als die Banditen in einer Wuͤsten/ da es fuͤr Hunger und Durst heulet: Deut. XXXII, 10. Es bemuͤhet sich zwar die unwidergebohrne Vernunfft Lebens-Mittel an die Hand zu schaffen/ wil auß Steinen Brod machen/ und in Cisternen Wasser suchen/ Jer. II, 13. Die hungerigen und durstigen Seelen zu saͤttigen/ und zu erquicken/ aber es mundet dem Gewissen nicht/ bekommet ihm auch nicht/ wie es von noͤthen ist: dann es schmaͤcket und stincket nach der unfruchtbarn Erden: Phil. III, 19. Darum ziehet sich der Liebhaber des Lebens/ Sap. XI, 27. GOttes lieber ):( iij Sohn/ DEDICATIO. Sohn/ solchen Jam̃er zu Hertzen: Schlachtet sein Viehe/ traͤgt Wein auff/ bereitet den Tisch/ 1. c. seine Gnaden- Mittel/ Wort und Sacramenten/ sendet Lehrer und Prediger/ als Diener/ Luc. XIV, 17. und Hochzeit-Bitter Matth. XXII, 2. auß/ welche hie und da außgehen/ wo Men- schen wohnen/ und im Nahmen ihres Herꝛn/ des grossen Koͤnigs und Menschen-Freunds/ freund-ernstlich einla- den/ und sprechen: Kommet/ zehret von meinem Brod/ und trincket des Weins/ den ich schencke! O unverhoffte und unverdiente Freundlichkeit/ und Leutseligkeit GOt- tes gegen uns! Wir solten ihm/ in hertzlicher Reu geklei- det/ entgegen gehen/ und mit gebogenen Knien Gnade suchen/ so gehet Er mit unverdrossenem Fleiß uns nach: Wir haben mit unsern Suͤnden verdienet das ewige Disce- dite: Weichet von mir ihr Vbelthaͤter! Matth. XXV, 41. so heisset es: Kommet: Kommet/ nicht zu ei- nem erzoͤrnten Richter/ sondern versoͤhnten Vater; nicht zum schroͤcklichen Tode/ sondern zum erfreulichen Leben; nicht zur leeren Hunger-Grub/ sondern zur niedlichen Mahlzeit; Einen/ auß gutem Hertzen/ zur Koͤniglichen Mahlzeit beruffen lassen/ ist ein bewaͤhrtes Zeichen der Versoͤhnung und sonderlichen Gnade: Jener oberste Schencke wurde des beschwerlichen Kerckers entledigt/ erhielt sein Leben/ als er zur Koͤniglichen Tafel geladen wurde/ nur einzuschencken/ Genes. XL, 21. Wieviel mehr werden die Gnade erlangt haben/ welche zur geistlichen Gnaden-Mahlzeit GOttes von ihme selbsten eingeladen und zugelassen werden/ daß sie daran selbst mit zu Tische sitzen/ essen/ trincken/ truncken werden von den reichen Guͤtern seines Hauses/ Psal. XXXVI, 9. und fuͤr froͤlichem Muth jauchtzen/ Jes. LXV, 14. Bey grossen Herren ist es zwar nicht immerdar gut und sicher bey der Tafel zu erscheinen/ und zu essen des Brods/ und zu trincken des Weins/ DEDICATIO. Weins/ welcher auffgesetzet wird: Wenn du sitzest/ und issest mit einem Herꝛn/ so mercke/ wen du fuͤr dir hast: und setze ein Messer an deine Kehle: wiltu das Leben behalten/ wuͤnsche dir nicht seiner Speise/ denn es ist falsch Brod! vermahnet und warnet Salomo der weisseste Koͤnig unter den menschli- chen/ Prov. XXIII, 1. 2. 3. Es waͤre Haman besser gewesen/ Esther die Koͤnigin haͤtte durch ihren Kaͤmmerer ihne zu ihrer Mahlzeit nicht einladen/ noch sagen lassen: Kom- me/ zehre von meinem Brod/ und trincke des Weins/ den ich schencke; dann unter solchem Brod war ein spitziger Angel/ der Anklag/ darin er behangen blieben/ und ein toͤdtliches Gifft/ des Koͤnigs-Zorn/ welches ihm sein Le- ben abgekuͤrtzet/ Esth. c. VII, 3. \& seqq. verborgen/ selig aber ist der/ welcher das Brod isset in GOttes Gnaden- und Himmel- Reich! Luc. XIV, 15. Dann er begehret nicht den Tod des Suͤnders und Gottlosen; sondern wil/ daß er sich bekehre und lebe! Ezech. XXXIII, 9. Darum so kommet alle/ die ihr hungerig und durstig seyd/ zehret von meinem Brod/ und trincket des Weins/ den ich euch schencke/ so werdet ihr leben! Jst die jenige freundliche Einiadung/ welche sich der HErꝛ JEsus/ unser Heyland/ auch bey der Abend- Mahlzeit seines Leibes und Blutes allergnaͤdigst gefallen lassen. Es war seiner unerschoͤpfflichen Guͤte nicht gnug/ daß er uns mit leiblicher Speiß und Tranck verpfleget; Auch nicht/ daß er sein Leib und Blut dem Glauben zu geniessen vorgesetzet/ mit angehengter Verheissung: Wer mein Fleisch isset/ und trincket mein Blut/ der hat das ewige Leben/ und ich werde ihn am Juͤngsten Tag aufferwecken. Joh. VI, 54. sondern sie wolte uns auch seyn/ des unschuldigen Laͤmmleins GOttes/ Leib und Blut gar muͤndlich/ doch Sacramentlich/ zu essen und DEDICATIO. und zu trincken vorsetzen. Dann als es nun an dem war/ daß es solte auffgeopffert und geschlachtet werden/ hat er selbsten/ als der ewige Hohepriester eine Gnadenreiche Opffer-Mahlzeit zubereiten wollen/ dabey die Speise und der Tranck solte seyn die alleredelste Creatur/ welche im Himmel und Erden anzutreffen/ sein Leib und sein Blut/ welche er in die Selbstaͤndigkeit seines Goͤttlichen We- sens auffgenommen/ in welchem die allerheiligste Gott- heit mit aller ihrer Fuͤlle leibhafftig wohnete; der Leib/ welchen er geben wolte fuͤr das Leben der Welt/ das Blut/ welches er vergiessen wolte zur Vergebung aller ihrer Suͤnden/ auß dem Leib solte werden eine Hertzstaͤr- ckung/ welche uns hungerige Pilgrim ewig saͤttigte/ und auß dem Blut ein Lab-Tranck/ welcher unsere trostlose Gewissen hertzlich erfreuete/ beydes zum geistlichen und ewigen Leben. Die andaͤchtigen und Gottseligen alten Kirchenleh- rer habenihre heilige Gedancken uͤber dieser Geheimnuß- reichen Mahlzeit vielfaͤltig gehabt: der heroische Maͤrty- rer Ignatius, nennet in seinem Brieff an die Ephesier ge- schrieben/ das H. Abendmahl ϕάρμακον ἀϑανασίας, ἀν ίδοτον το μὴ ποθαν ν, ἀλλὰ ζῆν ν τῷ Θεῷ ιὰ Ἰησ Χρις , καϑαρτήριον ἀλεξίκα ν! ein Mittel der Vnsterblichkeit/ ein bewehrte Artzeney wider den Tod/ daß man nicht sterbe/ sondern lebe in GOtt/ durch JEsum Christum/ eine Reinigung wider alles boͤse. O wie hertzlich hat ihn darnach in seiner Seelen gehungert und geduͤrstet! Als er nun solte in den Tod gehen/ und den heiß-hungeri- gen Loͤwen vorgeworffen werden/ schrieb er an die Roͤmer! Mich gelustet nach GOttes Brod/ welches ist das Fleisch Christi/ des Sohns GOttes/ welcher in der letsten Zeit auß dem Saamen Abrahams und Davids ist Mensch worden; mich duͤrstet nach DEDICATIO. nach seinem Blut/ der da ist die unverweßliche Liebe/ und das ewige Leben! Irenæus auch ein heili- ger Maͤrtyrer/ und weyland Bischoff zu Lyon in Franck- reich/ gruͤndet seine Aufferstehung auff diese Sacrament- liche Speiß und Tranck: Vnsere Leiber/ schreibet er Lib. IV, c. 34. wenn sie das H. Abendmahl empfan- gen/ sind nun nicht mehr verweßlich/ in dem sie ei- ne Hoffnung der Aufferstehung haben. Erklaͤret es mit einem anmuthigen Gleichnuß/ genom̃en von einer Rebe und Weitzenkoͤrnlein/ gleichwie/ sagt er/ ein Reb- schoß in die Erde eingelegt/ zu seiner Zeit wieder herfuͤr wachst/ und Trauben traͤgt/ und wie ein Weitzen-Koͤrnlein/ so in die Erde fallet/ und ver- faulet/ sich mehret/ und durch die Krafft GOttes wieder lebendig wird: Also werden auch unsere Leiber mit Christi Leib und Blut gespeiset und getraͤncket/ zwar in die Erde geleget/ und auffge- loͤset werden; aber zu seiner Zeit durch GOttes Gnade wider aufferstehen/ dem zu Ehren/ wel- cher unsern sterblichen Leib in die Vnsterblichkeit kleidet. lib. V. c. 4. Zu dieser Speise der Unsterblichkeit/ zu diesem Tranck des Lebens ladet der Heyland aller Menschen noch taͤglich alle die ein/ welche nach der Verge- bung der Suͤnden/ nach der Vereinigung mit GOtt/ nach der Seelen Seligkeit hungert und durstet/ sprechend: Kommet/ zehret von meinem Brod/ welches ist eine Ge- meinschafft meines Leibes/ und trincket des Weins/ den ich euch schencke/ welcher ist eine Gemeinschafft meines Bluts 1. Cor. X, 16. Und dieses verrichtet er bey uns durch Lehrer und Prediger/ als seine außgesandte Knechte/ so muͤndlich/ so schrifftlich. Dergleichen getreuer Hochzeit-Bitter und Einlader ist auch ohnlaͤngsten gewesen/ der weyland Hoch-Ehr- ):( ):( wuͤrdige/ DEDICATIO. wuͤrdige Großachtbare und Hochgelehrte Herꝛ Johann Conrad Dannhauer/ der H. Schrifft Doctor, und weit- beruͤhmte Professor bey Unserer loͤblichen Straßburgi- schen Universi taͤt/ Prediger im Muͤnster/ Kirchen-Con- vents Præses, und Dechant zu St. Thoman/ weyland mein Hochverdienter Lehrer/ grosser Befoͤrderer/ getreuer Col- lega, Hertzgeliebter Vater in Christo/ und hoch-geehrter Herꝛ Gevatter/ nunmehr in Gott selig ruhende! Dieser theure Mann Gottes/ ist auch/ und zwar nicht der wenig- sten/ einer gewesen von den jenigen Knechten/ welche der Hochzeit-machende Koͤnig außgesendet/ die Gaͤste zum Hochzeit-Mahl seines Sohns zu beruffen. Dann er bald auff der Schul -Catheder, bald auff der Kirchen-Cantzel im Namen GOttes seines HErꝛn geprediget/ geschrie- ben/ geruffen: Kommet/ sagt der HErꝛ/ zehret von meinem Brod/ und trincket des Weins/ den ich schencke! Esset/ aber nicht allein/ wie die ungetreue Haußhalter im Pabst- thum lehren/ in dem sie dem gemeinen Mann den Sacra- mentlichen Kelch unbarmhertzig versagen; sondern esset und trincket/ nicht aber von gemeiner Speiß und Tranck/ wie auff Calvini Tisch auffgesetzet wird/ sondern von dem Brod/ welches die himmlische Weißheit Jhr Brod/ und den Wein/ welchen sie Jhren Wein/ i. c. durch Paulum ihren Diener/ 1. Cor. X, 18. eine Gemeinschafft mit ihrem Leib und ihrem Blut nennet. Eine solche Speise und Tranck hat Er angekuͤndet/ gelehret/ verfochten/ und mannlich erstritten. Seine Stimme zwar ist in der Lufft verschwunden/ aber der Buchstaben seiner hinterlassenen Schrifften redet/ bittet/ ladet/ beruffet uns noch taͤglich zur Mahlzeit. Wir wollen dieses gegenwaͤrtige Werck davon reden und zeugen lassen/ als in welchem der sel. Mann von der geistlichen und Sacramentlichen Niessung des Leibs und Bluts DEDICATIO. Bluts seines und unsers Erloͤsers JEsu Christi fuͤrtreff- lich schreibet und handelt. Es seind bey des lieben Man- nes Leb-Zeiten allbereit die vier ersten Haupt-Stuͤcke des Christlichen Catechismi/ als vier Stroͤme der lautern Milch 1. Cor. III, 2. auß seinem Mund und Feder reichlich geflossen/ welche viel tausenden GOtt ergebenen Hertzen ihren Seelen Hunger und Durst gestillet/ und noch taͤg- lich stillen; Derowegen sie nicht ohne Ursachen ein sehnli- ches Verlangen getragen/ daß auch die uͤbrige Theile/ nemlich vom H. Abendmahl/ und Gewalt der Schluͤssel moͤchten hinzu gethan werden; Solchem ihrem Christli- chem Verlangen nun um etwas eine Genuͤge zu thun/ habe ich/ der ich seine Handschrifften davon unterhanden habe/ mich endlich bewegen lassen/ durch fleissige Abschrifft eines dapffern jungen Predigers/ und darauff erfolgten Druck/ auch diese Bruͤnnlein/ und zwar fuͤr dieses mal/ des fuͤnff- ten Hauptstuͤckes vom H. Abendmahl/ zu eroͤffnen/ und offentlich fliessen zu lassen. Darinnen dann eine geistlich- hungerige und durstige Seele verhoffentlich finden wird/ nicht nur allein die Behauptung der reinen Lehr/ unserer der Augspurgischen Confession mit Hertz und Mund zuge- thanen Kirchen/ ihren Seelen-Hunger und Durst damit zu stillen; sondern auch die Widerlegung der Widrigen/ welche uns diese heilsame Speise und Tranck/ so viel an ihnen ist/ zu verfaͤlschen/ zu vergifften/ ja wol gar hinweg zu nem̃en/ sich freventlich unterstehen; Damit aber die Suͤs- sigkeit dieses Geheimnusses desto besser gekostet/ und de- sto begieriger genossen wuͤrde/ habe ich noch etwas von des sel. Lehrers reliquiis hinzu thun wollen. Nemlich/ und zwar anfangs/ seinen hertzlichen Schwanen-Gesang/ das ist/ die geistreichen Predigten/ welche er uͤber den XXXIII. Psalm Davids/ wiewol nicht voͤllig/ gehalten/ dann als in Erklaͤrung dieses Davidischen Hirten-Liedes er fast in ):( ):( ij die DEDICATIO. die mitten/ an das finstere Thal des Todes/ gekommen/ ist ihme Seele/ Leben/ Athem/ Klang und Gesang durch einen seligen Tod nach Gottes Willen entgangen. So nun frommer und heiliger Leute letste Reden bedencklich sind/ und auch von GOtt dem H. Geist der H. Schrifft einverleibet worden; Sintemal wir noch lesen koͤnnen die letsten Worte Jsaacs/ Jacobs/ Mosis/ Davids/ ꝛc. Al- so wird uns niemand verdencken/ daß wir auch die letste Wort Unsers seligen Dañhauers denen noch Lebenden zur Lehr und Trost haben abtrucken lassen! Den Beschluß aber haben wir gemacht mit seinen Predigten uͤber das holdselige Gespraͤch/ welches der grosse Menschen-Freund JEsus Christus mit Maria und Martha/ Lazari Schwe- stern/ zu Bethanien gehalten; Dann darin findet sich der beste Theil/ welchen Maria erwehlt/ und dieser theure Mann bey seinen Lebzeiten/ und hernach in seinem seligen Tod/ aller Wollust/ Ehr und Reichthum vorgezogen. Seind die heiligen Reliquien/ welche uns der getreue Knecht Gottes von der Tafel seines HErꝛn JEsu hin- terlassen; Von welchen wir in gesundem Verstand sagen koͤnnen/ was dorten Jud. XIV, 14. Simson von dem Ho- nig auß des Loͤwen Rachen geflossen: Speise gieng von dem Fresser/ und Suͤssigkeit von dem Star- cken! Dann mir nicht zweiffelt/ wer durch fleissige Lesung und andaͤchtige Betrachtung die Wort dieses unuͤber- windlichen Loͤwengeniessen wird/ er werde in seiner See- len schmecken die Suͤssigkeit/ welche lieblicher als Honig und Honigseim! Daß aber/ Euer Gnaden/ Hochgeborner Graf/ gegenwaͤrtiges Buch/ als einen Einladungs-Brieff zur Geheimnuß-reichen Mahlzeit Christi/ ich dedici ren und unterthaͤnigst uͤberreichen wollen/ ist nicht eine/ sondern unterschiedliche und viel Ursachen/ die mich bewogen ha- ben. DEDICATIO. ben. Dann nachdem Sie einer loͤblichen Universi taͤt all- hie/ die sonderbare Gnad und Ehre gethan/ bey Jhrer Gluͤcklichen Ankunfft in hiesige Stadt/ dero hohen Na- men in die Matricul einzuverleiben/ habe ich/ dieser Zeit Universitatis Rector, die Gnade gehabt/ in meiner Behau- sung/ dahin Sie sich freywillig verfuͤget/ Sie mit gebuͤh- render Reverentz zu empfangen/ und Dero hoch-vernuͤnff- tige Gespraͤche mit zugeniessen/ da ich dann das Hoch- Graͤffliche Gemuͤth/ und angebohrne fuͤrtreffliche Tugen- den/ alsobald verspuͤrt/ mich inniglich daruͤber erfreuet/ und meinem GOtt fuͤr eine so hohe Person/ und Zierde unserer Universi taͤt/ ja gantzen Evangelischen Kirchen hertzlich gedancket. Habe nachgehender Zeit die grosse Gnade unterschiedlich gehabt/ mit Jhro in Gespraͤch zu kommen: darinnen Sie dann von keinen Welt-Eitelkei- ten/ wie bey vielen heutiges Tages geschicht; sondern meistens von wichtigen und die Religion betreffenden Sachen sich zu besprachen gnaͤdig belieben lassen. Diese und andere herfuͤrleuchtende und hoͤchst-ruͤhm- liche Tugenden/ wie auch die sonderbare Gnade gegen mich Unwuͤrdigen haben mich bewogen mit Euer Gnaden hohen Ehren-Nahmen dieses Wercclein zu zieren/ und mit unterthaͤniger Reverentz Jhr solches zu uͤberreichen. Sie hat mir die Gnade gethan/ und mich zur leiblichen Tafel gnaͤdig eingeladen und abholen lassen/ ich hingegen er- scheine fuͤr Jhr/ und lade Sie zu einer Sacramentlichen und geistlichen Mahlzeit Jhres und meines Heylandes JEsu Christi. Reisende Personen haben eines Zehr- Pfennings vonnoͤthen: Weil nun Jhr Gn. jetzt auch auff der Reise begriffen/ wird sich die heylsame Lehr vom H. Abendmahl/ als ein heiliger Zehr-Pfenning dazu nicht uͤbel schicken. Eu. Gn. seyen demnach unterthaͤnig gebet- ten/ Solches geringe Denckmahl meiner schuldigsten Obser- DEDICATIO. Observantz gegen dieselbe/ nach Jhrer angebohrnen Tu- gend/ mit gnaͤdigen Augen anzusehen/ und/ so viel andere Geschaͤffte zulassen/ jeweilen zu lesen! Befehle Sie sampt Dero Hoch-Graͤffl. lieben Eltern und gantzen Hochan- sehnlichen Familia in GOttes Allmaͤchtigen Gnaden- Schutz/ wuͤnsche von Grund meiner Seelen Heroische Bestaͤndigkeit/ heylsames Wachsthum in der einmal er- kanten/ und allein seligmachenden Evangelischen Reli- gion/ erwuͤnschten Fortgang in dero fuͤrhabenden Studiis und Exercitiis, bestaͤndige Gesundheit/ Englische Beglei- tung auff vorhabenden Reyßen/ biß Sie dermalen eins nach gluͤcklich vollendtem Jhrem Lauff in diesem Jammer- thal/ Krafft Jhres heylsamen Zehr-Pfennings des Leibs und Bluts JEsu Christi in das ewige Vaterland hoͤchst- selig versetzet werde! Das gebe GOtt um JEsu Christi/ unsers Seligmachers willen/ Amen. Straßburg den 25. Augusti Anno 1671. hertzlich gewuͤnschet von Eu. Hoch-Graͤffl. Gn. unterthaͤnigen Diener und Fuͤrbitter bey Gott Baltasar Bebeln/ der H. Schrifft Doctor n, und Professor n auff der Loͤbli- chen Universi taͤt Straßburg/ Predigern im Muͤnster/ und jetztmaligen Rector n gedachter Universi taͤt. Eingangs- E ingangs- P redigten/ Uber Das Fuͤnffte Hauptstuck deß Christlichen Catechismi/ TEXTVS. Psalm XXIII. Ein Psalm Davids. D Er HErꝛ ist mein Hirte/ Mir wird nichts manglen. Er weydet mich auff einer gruͤnen Auen/ und fuͤhret mich zum frischen Wasser. Er er- quicket meine Seele/ er fuͤhret mich auff rechter Strassen/ umb seines Namens willen. Und ob ich schon wandert im finstern Thal/ foͤrcht ich kein Un- gluͤck/ Denn du bist bey mir/ dein Stecken und Stab troͤsten mich. Du bereitest fuͤr mir einen Tisch gegen meine Feinde/ Du salbest mein Haubt mit Oel/ und schenckest mir voll ein. Gutes und Barmher- tzigkeit werden mir folgen mein Leben-lang/ und werde bleiben im Hause deß HErꝛn immerdar. Neundter Theil A Die Die Erste Die Erste Predigt/ Von des Psalms Urheber/ Materi und Jnnhalt/ Form und Gestalt/ Zweck und Ziel. E S ist je und allezeit die edle Musica und das lieb- liche Gesang fuͤr ein Stuck eines guten und nuͤtzlichen/ lehrhafften Methodi, ein stattliche Beyhuͤlff deß Gedaͤcht- nuͤs angesehen und gehalten worden/ dadurch wie andere/ also auch insonderheit das Fuͤrbild der heilsamen Lehr/ leichter und liechter dem Auditorio fuͤrgetragen/ eingebildet/ und in die Schatzkam̃er deß Gedaͤchtnuͤs beygelegt/ und auff die Posteri taͤt erhalten werden koͤnnen. Massen nicht allein der Heil. Geist diesen Methodum selbs canonisi rt und geweyhet/ in der bekanten Vermahnung S. Pauli an die gantze wer- the Christenheit. Col. 3, 16. Lasset das Wort CHristi unter euch reichlich wohnen in aller Weißheit/ Lehret/ Vermahnet euch selbs mit Psalmen und Lobgesaͤngen/ und geistlichen lieblichen Liedern/ Singet und Spielet dem HErꝛn in eurem Hertzen. Lasset/ sagt er/ das Wort Christi/ und dessen Evangelisten/ Prophe- ten und Apostel/ als einen edlen Gast/ wohnen/ werben/ gewinnen/ Reichlich/ als πολυπόικιλον σοφίαν die mannigfaltige Weißheit/ in al- ler Weißheit/ nicht in Sinnen/ und geistlosen/ blosen/ figuri rten Stim- men/ Lehret/ Vermahnet euch selds mit Psalmen uñ Lobgesaͤn- gen. U berzuckert und durchsuͤsset gleichsam die Christliche Lehr mit den- selben/ Singet im Hertzen/ nicht nur in Stimmen/ sondern auch in Siñen. Sondern es hat auch die gesunde Vernunfft Augustino gleich- sam die Feder gefuͤhrt/ damit er geschrieben l. 10. confess. c. 33. Religi- osius \& ardentius sentio moveri animos nostros in flammam pietatis, cum ita cantantur sancta dicta, quam si non ita cantarentur, \& omnes Affectus spiritus nostri pro suavi diversitate habent modos in voce at- que cantu, quorum nescio, quâ occulta familiaritate excitentur. Jch fuͤhle und empfinde es/ daß unsere Hertzen durch die Music gleichsam ent- zuͤndet/ und unsere Geister bruͤnstig werden/ und weiß nicht wie ermuntert/ wann man bald diesen Thon/ bald einen andern anstimmet. Auß wel- chem Predigt. chem Liecht der Vernunfft auch die blinde Heyden/ die sonst Barbari sche/ wilde/ alte Teutschen gesehen/ daß ihre heroica und memorabilia, ruͤhmli- che und denckwuͤrdige Heldenthaten nicht besser/ als durch Gesang koͤn- ten im Gedaͤchtnuͤs bleiben/ und auff die Prosperi taͤt promovi ret wer- den. Unicum apud illos memoriæ \& annalium genus est, carminibus celebrare gentis suæ Conditores. schreibet Tacitus. Trithemius stim- v. Bern- egg. in Tac. q. 6. A. met mit zu/ von den Alten Francken/ de veterum heroum gestis. Dietrich von Bern. Jnmassen auch solches unterschiedliche Hymni der heiligen Maͤnner GOttes/ nicht nur im A. Test. außweisen. Sonderlich daß ἐπινίκιον Mo- sis und Miriam/ da sie die herrliche Thaten Go ttes Reimens-weiß/ Ge- sangs-weiß/ mit Paucken und Trom̃enschlagen figuͤrlich und zierlich mit einander gesungen und gesagt: Lasset uns dem HErꝛn singen/ dann er hat eine herꝛliche That gethan/ Mañ und Roß hat er in das Meer gestuͤrtzt/ im 2. B. Mos. 15/21. Sondern auch im N. Test. bey der Reinigung Mari æ und darstellung deß jungen Je sus-Kind/ da Si- meon seinen Schwanen-Gesang intoni rt/ Haña geantwortet uñ nach- gesungen/ ἀνθωμολογ ιτο, in einem Nach-hall und Wechsel-schall/ Echos- Luc. 2, 38. weiß/ ist folgends continui rt worden in den ersten Pfingsten/ da die Ma- gnalia Dei nicht nur in allerhand Sprachen außgesprochen/ sondern auch v. denck- mahl. p. 64. außgesungen/ ἀιν ντες Act. 2, 47. ist folgends ein ritus und Sitt darauß worden/ da die erste Mutter-Kirch die Predigten des Worts mit Hy- mnis geziert und begleitet/ wie Plinius bezeuget/ deren Reliquiæ uñ Heilig- thumb noch uͤbrig in Ambrosio, Lactantio, Augustino, Prudentio (dessen Gesaͤng Lutherus gewuͤnscht/ daß sie [verteutscht] in den Schulen moͤch- ten gelesen und gesungen werden) [Tischreden. p. 375.] Aber nachdem der Antichrist in den Tempel GOttes gesessen/ ist es auff dem Feld maußstill worden/ in Privat- Haͤusern seind alle Psal- men erstummet/ und wie man den armen Layen die Bibel genommen/ so hat man ihnen auch die Psalmen entzogen/ und dieselbe allein in Cloͤster verwiesen/ da das unvernuͤnfftige Bruͤllen und Heulen angegangen/ biß der Allmaͤchtige GOtt sich wieder uͤber Teutschland erbarmet/ und durch den theuren Werckzeug Lutherum sein Evangelium herfuͤr gebracht/ der allerhand schoͤne Lehr und Trost-Psalmen in anmuthige Reimen versetzt/ und mit lieblichen Tonis und Melodeyen gezieret/ dadurch viel 1000. lech- zende Seelen erfrischt und erquicket worden. Jn dessen Fußstapffen ge- tretten/ Paulus Eberus, Justus Jonas, Erasmus Albertus, Lazarus Speng- A ij lerus, Die Erste lerus, der Gottes-gelehrte Syndicus zu Nuͤrnberg/ und sonderlich der theure und werthe Mann und Maͤrtyrer/ Paulus Speratus, dem wir das geistreiche und recht Evangelische Lied/ Es ist das Heyl uns kommen her/ zu dancken haben. Alles nach dem Exempel des Fuͤrtreflichen/ in aller Welt beruͤhm- ten/ Sinnreichen Poeten/ und Geistreichen Musicau ten Davids/ der sol- che Kunst in seinen Koͤniglichen Titul einzutragen/ kein scheu noch scham getragen/ daß er sey lieblich in Psalmen Jsrael. Derselbe hat nicht nur Buß-Psalmen/ Passional-Psalmen/ Prophetische Gebet-Trost- und Danck-Psalmen/ sondern auch Catecheti sche Lehr-Psalmen gedichtet/ ge- sungen und gespielet/ und in denselben alle Geheimnuͤsse der Christlichen Lehr/ das Unum necessarium, das einige Noͤthige/ so zierlich und lieblich gefaßt/ und gleichsam als in einem Butterfladen liecht und leicht einge- strichen. Dem zufolge wir neulich das erste Stuck Christlicher Lehr das Sinaische Gesetz/ dessen Tugend und Krafft im 29. Psalm erklaͤrt/ und gehoͤrt/ wie der HErr der Ehren donnert/ wie seine Stim̃e herꝛlich und mit Macht gehe/ die Cedern zerbreche/ haue wie Feuerflam̃en/ errege die Wuͤsten/ und entbloͤse die Waͤlde. Jm 14. Ps. als in einer idea inversi Decalogi beschauet malitiam humanam legi obstreperam, das durch Suͤnd verderbte menschliche Hertz/ so diesem heiligen Gesetz allezeit sich entgegen setzt/ an dem Schaum eines gottlosen Mannes/ eines grossen Suͤndenknechts/ und Antinomi und widergesetzers/ gelernet/ wie schwer- lich sich lasse Fleisch und Blut zwingen zu dem ewigen Gut. Jetzt haben wir fuͤrgenom̃en in dem andern Stuck Christlicher Lehr/ des Evangelij vom Glauben/ wie dasselbe hell und klar auß dem 23. Psal- men/ tanquam Psalmo gemello cum Ps. 14. da auch dieser Psalm jung worden/ herfuͤr leuchtet/ zubetrachten und zu Hertzen zunem̃en/ und in ge- nere, dessen Adel/ Krafft und Tugend mit Go tt/ und geliebt es Go tt/ ins kuͤnfftig zu tracti ren/ und den letsten Versicul deß 14. Psal. exemplifici- ren/ und vernem̃en/ wie Jacob und Jsrael sich freuen uͤber die Erloͤsung/ und Huͤlffleistung/ dißmal bleiben wir allein stehen bey folgenden fragen. A quo? von wem dieser Psalm componi rt/ getichtet/ gespielet und ge- sungen worden. De quo? von wem er eigentlich rede und handele. Quâ Formâ? in was fuͤr Gestalt. Quo Fine? zu was Zweck uñ End er aufge- setzet worden. Hievon nutzlich und aufferbaulich zu reden und zu handlen/ wolle uns der Vater des Liechts mit dem Gnadenliecht seines H. Geistes mildiglich erscheinen/ um Je su Christi seines lieben Sohns willen. Am. I. A quo? Predigt. I. A quo? Wer ist ihr Vater/ moͤgen wir auch allhie fragen/ mit je- nem ungenanten/ unbekanten/ δε῀ινα oder ungenanten Frager. 1. Sam. 10. da ein gantzer Cuneus, Collegium, oder Hauffen der Propheten uñ Pro- pheten-Kinder/ Meister und Schuler/ von dem Cananæi schen Helicone dem Huͤgel GOttes in der Procession herab gegangen/ und mit Stim̃en und singen/ Psalter und Paucken/ Pfeiffen und Harpffen geweissaget/ das ist/ Magnalia, Mysteria, Consilia, allerhand Geheimnuͤsse/ und Tha- ten Go ttes mit lieblichen/ zierlichen Stimmen und Musicali schen Instru- men ten/ gelobet/ Saul der Baurenknecht/ und Eselstreiber ploͤtzlich un- ter denselben angefangen zu weissagen/ daruͤber sich maͤñiglich verwun- dert/ und gesagt: ist Saul auch unter den Propheten? so tritt einer her- fuͤr und sagt/ wer ist ihr Vater? ihr Lehrmeister? ihr Wecker und Antrei- ber? der Primus motor? also moͤgen wir auch gleich im ersten Antritt dieses 23. Psal. fragen/ forschen und außspaͤen/ Quis author Principalis? Wer ist hier Vater/ Urheber und Meister? zwar im Titul stehet vornen an/ ein Psalm Davids/ welcher ratione vocationis, seinem Beruff nach ein Schaafhirt/ der seines Vaters Schaaff gehuͤtet zu Bethlehem/ und also ein Hirten-knecht/ ein Schaafhirt gewesen/ aber nicht ein grober igno- rant und ungeschickter Baurenbengel/ asinus ad lyram, der auff der Baͤrenhaut gelegen/ unter einem Baum gefaulentzet/ Himmel und Er- den angesehen/ wie eine Kuh ein neu Thor; sondern ein Philosophi scher Schaͤffer/ Patrissans, der nach dem Exempel seines Urahns Jacob die Naturen wol erkundigt/ das Buch der Natur erforscht/ wie Jacob ein Kunst-Stuck seiner Phisiologiæ gethan/ an den geschehlten Staͤben/ die er in die Trenckrinnen gelegt/ und die Schaaffmuͤter druͤber empfangen lassen/ also hat auch David die Natur/ Art und Eigenschafft/ derselben Wartung und Verpflegung gar wol außstudirt/ massen dann auch dieser Psalm nicht liechter kan verstanden werden/ als auß der Natur. ( Man kan schreibt Lutherus Tom. 6. Jen. p. 361. f. 2.) diß troͤstlich und lieblich Bilde nicht besser verstehen/ man gehe dann in die Creatur/ (darauß die Propheten diß und dergleichen Bilder genommen) und lerne fleißig darauß/ was die Art und Eigen- schafft eines natuͤrlichen Schaafs/ und das Ampt/ Arbeit und Fleiß eines from̃en Hirten sey. Wer darauff wol achtung hat/ der kan darnach nicht allein leichtlich diß und andere Gleichnussen in der Schrifft von Hirten und Schaaffen verstehen/ sondern sie werden ihm auch uͤber alle massen suͤß und troͤstlich) Opilio Poëta, ein Poetischer Schaͤffer/ der im fernern Nachsinnen den Schoͤpffer solcher Creaturen gelobet/ mit schoͤnen Sinnreichen In- ventio nen uñ Fuͤnden/ Sinnen und Sitten/ Liechtern uñ Farben/ Wor- A iij ten Die Erste ten und Wort-blumen/ eigentlich und viel natuͤrlicher/ als der Mahler mit seinem Penscl abmahlt/ ein Panegyricus einen Lobspruch verfertiget. Opilio Musicus, dann so mußt es seyn/ und zeugen die Naturkuͤndi- ger/ und erfahrne Oeconomi, daß wann die Schaaffhirten auff Floͤten/ Pfeiffen/ Sackpfeiffen spielen/ die Schaaff davon munter und lustig wer- den/ wol gedeyen/ fett werden/ und frucht tragen: Also hat auch David sein Psalterspiel lassen erklingen seine Schaaf zu belustigen. Wer ist aber der Vater/ der ihn/ den lieben David/ so sinnreich/ so geistreich lehren sin- gen und pfeiffen? Wer hat ihm die invention ςόμα καὶ σοφίαν, Mund nñ Weißheit/ ἰδίαν καὶ ἐξάιρετον χάριν, sonderbare gratiam, und Lieblichkeit eingegeben/ und damit berathen? Eben der/ der den ungeschickten Bau- renbengel Saul zu einen Propheten gemacht/ den David selbs geruͤhmet in seinem Titul. 2. Sam. 23. der Geist deß HErꝛn hat durch mich geredt/ und seine Rede ist durch meine Zunge geschehen. q. d. was ich dichte/ singe und spiele/ ist nicht mein Werck/ Fidelkunst/ der blos- se Mund kan nicht reden/ er werde dann animi rt von einem lebendigen Geist/ Jch bin gleichsam der Mund/ der Geist deß HErꝛn ist der Redner/ mein Psalter-spiel kan von sich selbs nicht erklingen/ wo es nicht von einer hoͤheren Hand beruͤhret wird/ Spiritus S. hieropsaltes, Ego Psalterium, der Geist deß HErꝛn ist der Harpffenschlaͤger/ ich bin mehr nicht/ als die Harpffe/ die Feder auff dem Tisch kan nicht schreiben/ wann sie nicht von der Hand eines Schreibers gefuͤhret wird. Meine Zung ist ein Grif- fel eines guten Schreibers. Ps. 45. der Heil. Geist ist der Schreiber. Jch bin der Bisemsknopff/ der Athem des HErꝛn gibt den Geruch. Soli Deo gloria. Jch hab meine Psalmen nicht auß mir selbs/ wie die Spinn ihr unnuͤtz Spinnen-gewepp ersunnen und erspunnen. Jch bin der Werckzeug und mehr nicht. Die Natuͤrliche Gaben und Zuneigungen/ die er an mir gefunden/ die hat er herfuͤrgezogen/ mit hoͤhern charismasi und Gnaden-Gaben gezieret/ und zu seinem Dienst geweyhet/ der ist auch der Autor deß 23. Ps. Jhm allein die Ehr. Das ist die Antwort auff die erste Frag/ A quo, von wem dieser Psalm concipi rt/ gedichtet und gespielet worden. An dieser ersten Frag/ à quo, hanget die andere Quando, quod θος καὶ πάθος, wañ und in welchem humor, Sitt uñ affect David gestanden/ als er diesen Psalmen gedichtet? die umbstaͤnd und der gantze Psalm zei- gen so viel an/ daß David diesen Psalmen gedichtet/ da er in der Wuͤsten/ als ein verirrtes uñ verlohrnes Schaff κα ὄψιν dem aͤusserlichen Augen- schein Predigt. schein nach herum termini rt/ gantz Herꝛloß/ ohne Schutz/ Vogelfrey/ und als ein Bandit, der in die Acht erklaͤrt/ den Na bal mit rauhen Worten an- geschnauft/ es gibt jetzt viel verloffene Burst/ die sich von ihren Herren reis- sen/ Herꝛloß machen. Solch Anfehen hatte es mit David in der Wuͤsten Maon/ in dem finstern Thal deß Todes. 1. Sam. 20, 3. da sein Leben kaum einer Handbreit/ und er als ein Schlachtschaaf herumb gewallet/ dann sich Davids niemand mehr wolte annehmen/ niemand wolt ihn schuͤ- tzen/ jederman mußte besorgen/ es moͤchte ihm gerathen/ wie den Priestern zu Nobe/ zu der Zeit/ da ihm/ als einem hungerigen/ lechzenden und haͤlli- gen Schaaf/ Erquickung/ Speiß und Tranck vonnoͤthen geweßt/ da er als ein Bettler umb ein stuck Brod und Ritterzehrung bey Nabal mo- destè und bescheidenlich angehalten/ da ihm die repuls worden/ eine trotzi- ge/ abschlaͤgige Antwort bekom̃en/ und fuͤr Brod Stein angebotten wor- den/ wer ist David/ und wer ist der Sohn Jsai/ der arme Hungerleider und Halunck/ solt ich mein Brod und Fleisch nehmen/ und den Leuten geben/ die ich nicht kenne/ wo sie her sind/ das werd ich wol lassen. So fangt hierauff David an Trutz gegen Trutz zu remuneri ren: Der HErꝛ ist mein Hirt/ mir wird nichts mageln/ q. d. was bin ich eben an den Kar- gen Filtz/ den Ertznarꝛen/ stoltzen Hirt uñ Wirth zu Carmel gebunden/ ich weiß mir einen andern/ getreuern und freygebigern Wirth/ mein Sohn/ der Messias/ der ist mein Hirt/ der mich sein Schaaf weidet auff der gruͤ- nen Auen seines Worts. Mein Wirth/ der mir einen koͤstlichen Tisch be- reitet/ davon ich leb/ und seiner Verheissung geleb/ welche also lautet: Der Mensch lebet nicht vom Brod allein/ sondern von allem/ das auß dem Mund deß HErꝛn gehet/ das ist mein Tisch/ meine Speise und Nahrung/ Trotz dir Nabal. Zu derselbigen Zeit/ da ihm ein Tisch bereitet vor seinen Feinden/ saß dort in der Hoͤhe Nabal mit seinen Schaͤfern/ denen er ein Koͤniglich Mahl zugerichtet/ frißt und saufft sich toll und voll/ ja gar den Tod an den Halß/ sein Koͤniglich Mahl wird ihm ein Henckermahl/ hie deckt Abigail den Tisch/ theilt ihm ein reichen Segen mit/ regali rt ihn mit 200. Brod/ und 2. Loͤgel Weins/ 5. gekochten Schaaffen/ und 5. Scheffel Meel/ und 100. stuck Rosin/ uñ 200. stuck Feigen/ dabey hat David mit seinen Maͤn- nern auch koͤnnen froͤlich seyn/ da mangelt ihm nichts zu seiner Genuͤge. Wer war froͤlicher als David und feine Maͤnner/ denen das geringe bes- ser gedeyt/ gesegnet und bekommen/ als dem Gottlosen sein Uberfluß/ darumb dann auch τὸ πάθος und affect voller Freuden gewesen/ mein HErꝛ Die Erste HErꝛ ist der edle Hirt/ der freygebige Wirth. Es redet David ( ita Luth. Tom. 6. Jen. p. 361.) diß Wort auß einem froͤlichen si- chern Hertzen/ das voll Glaubens ist/ und fuͤr grosser Freu- de und Trost uͤbergehet/ und spricht nicht/ der HERR ist meine Staͤrcke/ Burg/ ꝛc. Welches auch sehr trostlich gere- det ist/ sondern mein Hirte/ als wolt er sagen/ ist der HErꝛ mein Hirt/ und ich sein Schaaff/ so bin ich sehr wol versor- get/ beyde an Leib und Seel. \& Tom. 2. Isleb. p. 86. das ist ein Wort eines uͤberauß reichen und vollen Glaubens/ wer auch das glaubet/ der wird sich umb zeitliche Nahrung die- ser Welt nichts bekuͤmmern. Zu solchen Freuden und Springen haͤlt nun David seine Mahlzeit. Περί τινὸς, De quo? Von wem redet der Prophet/ moͤgen wir fer- ner fragen mit dem Kaͤmmerer der Koͤntgin Candaces. Act. 8. Re- det er von sich selbs/ oder von einem andern? Suchen wir die Antwort in der Pupilla, und Augapffel deß Calvinismi, dem Marotischen/ Fran- tzoͤsischen Lobwasser/ so finden wir nichts/ als Davids zeitliche Wol- fahrt/ und Gluͤckseligkeit/ von Christo dem Kern und Stern ist alles maußstill/ ist sich nicht zu verwundern/ Marotus kunte nicht anders Pfeiffen/ als ihn sein Meister Calvinus gelehret/ der gibt fuͤr/ David hab diesen Psalmen getichtet eo tempore, quo prospere \& ex voto a- gebat, in summo dignitatis gradu, in splendore opum \& honorum. Zu der Zeit/ da es ihm alles gluͤcklich und nach Wunsch ergangen/ da er ein ruhig und friedlich Koͤnigreich besessen/ in den hoͤchsten Ehren ge- schwebet/ Reichthumb und volle Genuͤge gehabt/ und reitet so grob her- ein/ daß er nicht nur den Kern und Stern den Messiam außlaßt/ son- dern auch zu schreiben sich nicht gescheuet/ vias Justitiæ absurdum esse de directione Sp. Sancti accipere, es sey ungereimt/ das leyten auff der Rechten Strassen/ von der Regierung des H. Geistes zu verstehen. Ein ander Lobwasser/ wir loben den Wein/ damit Lutherus diesen Psalmen besprengt/ und die anagogiam troͤstlich gefunden/ inmassen sein Teutscher lieblich gereimter Psalm alles auff Christum uud seinen Geist und Wort richt. Er gibt mir Weyd ohn unterlaß/ darauff waͤchßt das wolschmeckend Graß/ seines heilsamen Wortes: Zum reinen Wasser er mich weißt/ das mich erquicken thute/ das ist sein fron heiliger Geist/ der mich macht wolgemuthe/ er fuͤhret mich auff rechter Straaß/ seiner Gebot ohn nnterlaß/ von wegen Predigt. wegen seines Namens. Massen auch in hoͤherm Verstand hie gestan- den Augustinus, Theodoretus, und das hat Lutherus nicht auß sich selbs ersonnen und gesponnen/ sondern der grosse uñ unfehlbare Prophet Chri- stus selbs hats also erklaͤrt/ auff sich selbs klar und außtrucklich applici rt/ sonderlich Joh. 10, 14. ἐγὼ εἰμὶ ὁ ποιμὴν ὁ καλὸς. Jch bin eben derselbe gute Hirt/ von dem mein Großvater gesungen uñ gespielet. Er ist das Vorbild/ ich das Gegenbild/ er der Schatten/ ich der Coͤrper. Er der Schaafhirt/ ich der ἀρχιποιμὴν Ertzhirt/ der die Schaaff mit seinem eigenen Blut erloͤset hat. Er der Philosophus, ich die Weißheit/ er der Poet/ ich die Brunn- quell und Ursprung der Poësi, er der Musicus, Jch das Lied/ Meine Ev- angelia sind lauter nova Cantica, und neue Lieder. Jch thue und erfuͤlle alle Werck/ Qualit aͤten und Eigenschafften ei- nes guten Hirten. Ein Hirt fuͤhret seine Schaaff auff gute Weyd/ mein Wort ist die recht guͤldene Au/ darauff ich meine Schaaff außfuͤhre/ ein Hirt traͤncket seine Schaaff und erquicket sie/ ich ruffe meine Schaaffen zu mir als der Quell des lebendigen Wassers/ Matth. 11. Kommet her zu mir alle/ die ihr muͤhselig und beladen seyd/ ich wil euch er- quicken. Ein Hirt fuͤhret seine Schaaffe auff rechter Strassen/ Jch bin der Weg/ die Warheit uñ das Leben/ niemand kom̃t zum Va- ter/ denn durch mich. Ein Hirt huͤtet der Schaaff/ und verlaͤßt sie nicht auch im finstern Thal. Jch bin der Huͤter Jsrael/ der nicht schlaͤf- fet noch schlum̃ert/ niemand wird mir ein Schaaff auß meiner Hand reissen. Jch speise auch meine Schaaffe/ und decke ihnen den Tisch/ den leiblichen Tisch in der Wuͤsten/ mit Manna und Himmelbrod/ den Gnaden-tisch/ in dem Wort des H. Evangelij/ den Sacramentlichen Tisch/ in dem H. Abendmahl/ den Glori-Tisch in dem ewigen Leben/ da sie mit Abraham/ Jsaac und Jacob sollen zu Tische sitzen/ und mit Wollust getraͤncket werden als mit einem Strom/ Jch traͤncke auß meinem Kelch mit Freuden-Oel Ps. 45. davon sie truncken werden/ wie die Bruͤder Jo- sephs/ nach dem sie a uß seinem Kelch getruncken/ Jch halte sie wie jener Arme. 2. Sam. 12. von welchem gemeldet wird/ er nehret es/ daß es groß war/ bey ihm und seinen Kindern zugleich/ es aß von seinem Bissen/ und tranck von seinem Becher/ und schlieff in seinem Schoß/ und er hielts wie eine Tochter. Also auch hie. Summa/ nichts manglen/ Col tobh, volle Genuͤge/ Schalom, Sonn und Schild. Qua formâ? darauf deutet die Uberschrift/ Mizmor, heisset eigentlich so viel/ wie zu andern Zeiten außfuͤhrlich erwiesen worden/ als ein zierli- Neundter Theil. B cher Die Erste cher und lieblicher Vogelgesang/ bestehet auß unterschiedlichen διαςολαῖς, Thonen/ Melodeyen/ Cæsu ren/ Figuren/ Abschnitten/ Pausen/ Minuri- tio nen/ und zwitzern der Lerchen/ das schlagen der Nachtigal/ das Modu- li ren der Graßmucken/ der Carnari Voͤgel. Also ist auch David die He- breische Nachtigal/ der hie nicht in tono tristi, wie dort in den Buß-Psal- men/ als ein Rohrdommel in der Wuͤsten/ als ein Kaͤutzlein in den ver- stoͤrten Staͤtten Ps. 102. sondern lustig und froͤlich diesen Psalm gesun- gen und gespielet/ und dasselbe singulari charite, mit sonderbahrem An- muth und Lieblichkeit/ wie Athanasius redet. 2. Forma Poëticâ, in Poetischen Fuͤnden/ Figuren/ außpolierten/ geschmuͤckten/ liechten Wort-blumen. Luth. Tom. 6. Witt. p. 160. Solche Blumen-Wort lehret man den Knaben in den Schulen/ und heissen auff Griechisch Schemata, auff Lateinisch figuræ, darumb, daß man die Rede damit verkleidet und schmuͤcket/ gleich wie man einen Leib mit einem Kleinod zieret/ derselben Blumen ist die Schrifft voll. Nach Mathemati scher Proportion, Maaß/ Ziel/ und Gewicht/ die diesem Psalmen auß beyden Augen herauß gucket/ und heutiges Tages gantz verborgen/ unsere teutsche Reimen/ und wann es gleich Opitii Teutsche Vers sind/ sind viel zu kahl und schal/ und moͤgen die Majestaͤt/ Liecht und Krafft/ der Davidischen Poesi nicht erschoͤpf- fen/ es ist Tag und Nacht gegen einander/ der Mann lebt nicht soll auch noch gebohren werden/ der das metrum koͤnne erfinden und ergruͤnden. Gomarus haͤtte mit seiner Lyra Davidica, wol koͤnnen daheim bleiben/ deliravit. vid. Corn. ad Amos. p. 257. B. Hieron. ad Amos. O- mnis arti- fex artis suæ Ioqui- tur exem- plis, navita de ventis \&c. 3. Forma Bucolicâ \& ænigmatica, wie Virgilius in seiner ersten Ec- logâ (sind Mathesii Gedancken uͤber Syrach c. 39. p. 143.) Also David unter der Figur und Decke deß Hirten-Ampts den Schaaff stall der Christlichen Kirchen/ und der Geistlichen Seelenweyd/ und setzt dieses Nota benè hinzu/ derohalben wer sich nicht in den Poeten wol umgese- hen und geuͤbt/ der wird solche figuͤrliche/ verdeckte/ verbluͤmte/ gemahlte Schrifften der Propheten langsam verstehen. Quo Fine? das lehret Syrach. c. 47, 9. Fuͤr ein jeglich Werck dan- cket er dem Heiligen/ dem Hoͤchsten mit einem schoͤnen Lied. Nun hat GOtt der HErꝛdißmal/ seine wunderliche Guͤte erwiesen an David/ und eben ein solch grosse und suͤsse Wunderthat an ihme erwiesen/ als an Elia, durch die Raben/ die waren Diebs- und Raub-Voͤgel/ haͤtten das Fleisch selbs gern gessen/ daß sie im Schnabel (vermuthlich von der Jesabels Tisch) davon getragen/ aber sie muͤssens ohn ihren Danck Eliæ an dem Bach zutragen. Also auch Nabal/ der Diebs-Vogel von Carmel der Wuche- Predigt. Wucherer und Schindfessel/ der wolte nichts weniger als den hungerigen David speisen. Was sagt er/ 1. Sam. 25, 11. Solt ich mein Brod/ Fleisch uñ Wasser nem̃en das ich fuͤr meine Scherer geschlach- tet habe/ uñ den Leuten geben/ die ich nicht kenne/ wo sie her sind? Der Herr/ der Thearcha sagt: Ja dein Brod und Speiß sol David zu gut kommen/ gibts Abigail in Sinn/ daß sie sich auffgemacht/ zweyhun- dert Brod/ zwey Laͤgel Weins/ fuͤnff gekochte Schaaff/ und fuͤnff Schef- fel Meel/ und hundert stuck Rosin/ und zweyhundert stuck Feigen David entgegen gebracht/ und ihn damit verehret/ darum ἐυεργεσία, GOttes wunderbare Gnad und Guͤte/ als die Mutter/ hat eine schoͤne und edle Tochter gebohren/ so da heißt ἐυχαριςία, Danckbarkeit/ GOtt einen schoͤnen Panegyricum gesungen. Ps. 108. GOtt es ist mein rechter Ernst/ ich wil singen und tichten/ meine Ehre auff/ wolauff Psalter und Harpffen/ ich wil fruͤhe auff seyn/ Jch wil dir dancken unter den Voͤlckern/ ich wil dir lobsingen unter den Leuten/ denn deine Gnade reichet so weit der Himmel ist/ und deine Warheit/ so weit die Wolcken gehen/ darinn David erken- net/ admiri rt/ æstimi rt/ und in die gantze Welt/ biß ans Ende der Welt/ GOttes Wunderguͤte außbreitet. Gleichwie aber bey den Hebreern Sitt und Gewonheit war/ daß sie ihre Convivia mit Musicen und Lobgesaͤng gezieret/ wovon Syrach schreibt/ c, 32, 7. 8. Wie ein Rubin in fei- nem Golde leuchtet/ also zieret ein Gesang das Mahl. Wie ein Smaragd in schoͤnem Golde stehet/ also zieren die Lieder beym guten Wein. Also auch David/ nach dem er gesaͤttiget worden/ hat er nach seiner Harpffen gegriffen/ wolauff Psalter und Harpffen. Dieses Lied gedichtet/ und also den Lobgesang gesprochen/ und damit als der rechte Hebreische Orpheus nicht nur Felder und Waͤlder erfuͤllet/ nicht nur seine Maͤnner und Gefaͤrten zu gleichem Lobopffer angezuͤndet/ und angefrischet/ nicht nur denselben lamnazeach dem Vorsaͤnger und Capellmeister uͤbergeben/ denselben bey aller Gelegenheit zu singen und zu spielen/ sondern auch ad illicium sequelæ der gantzen Christenheit/ auff daß alle Welt der Ehre GOttes voll werde. Sintemahl auch dieser Psalm bonum Ecclesiæ commune, ein all- gemein Gut der Christlichen Kirchen. Etsi nemo nostrum sit David (schreibt Lutherus Tom. 4. Lat. p. 268. f. 2.) tamen quia habemus com- munia bona, idem verbum, spiritum, fidem, beatitudinem, eadem pe- ricula \& afflictiones propter verbum sustinemus, ideò \& meritò Da- B ij vidis Die Erste vidis voces \& sermones imitamur. Das ist/ ob schon Niemand un- ter uns David ist/ dannoch dieweil wir einerley geistliche Guͤ- ter theil und gemein haben/ ein Wort/ ein Geist/ ein Glauben/ ein ewiges Leben und Seligkeit/ einerley Gefahr und Anfech- tung um des Worts willen außstehen/ derowegen moͤgen wir auch billich Davids Wort und Psalmen nachsprechen/ und uns derselben bedienen. David ist gleichsam die Hebreische Nachti- gal/ wie nun die Nachtigal ihren Jungen vorsingt/ dieselbe seine Kunst lehret seine Melodey und Weise/ und wo sie irgends fehlen/ dieselbe cor- rigi ret. Juniores meditantur, versusque, quos imitentur, accipiunt, reddunt- que, audit discipula magna attentione, vicibusque subticet, ut intelligeretur e- mendata correctio, \& in docente reprehensio, Plin. l. 10. nat. hist. cap. 29. Das kan auch mit Warheit von der Hebreischen Nachtigal geruͤhmet werden/ daß er nicht allein ein Meister sey gewesen/ lieblich mit Psalmen Jsrael/ das ist/ lieblich und zierlich gesungen/ lieblich und zierlich auff seinem Psalterzeug gespielet/ sondern auch andern vorgesungen/ und ihm lassen angelegen seyn/ auß inniglicher hertzlicher Lieb/ seinen Geist und dessen heilige Brunst/ seine Kunst/ Affecten, Freud und Melodeyen/ ja das gantze Hertz mitzutheilen. Uns gebuͤhret nun das Æmuli ren/ Imiti ren und Nachsingen/ und nach der Vermahnung St. Pauli 1. Cor. 14. das Streben nach den geistlichen Gaben. Wollen wir aber imiti ren/ so muͤs- sen wir zuvorderst agnosci ren/ und erkennen/ sollen wir erkennen/ so muͤs- sen wir auch forschen/ sollen wir forschen/ so muͤssen wirs auch applici- ren/ und uns zueignen/ sollen wirs uns zueignen/ so muͤssen wir auch vermehren. Zu allervorderst/ sag ich/ wird erfordert/ Agnitio intellectus, das Verstaͤndnuß/ ὁ ἀναγινώσκων, νοείτω, wer das liset/ der mercke drauff/ es ist nicht genug an dem blosen Wort und general- Verstand hangen blei- ben/ sondern forschen je laͤngeꝛ je mehr/ je laͤnger je tieffer graben/ die ver-, borgene Quell/ die intimiora sensa, ἤθη καὶ πάθη, die Emphas i s verborum den Nachtruck eines jeden Worts außspaͤen/ und also den Sinn deß H. Geistes erkennen lernen/ den Kern außschehlen/ Safft und Krafft her- auß saugen/ und fuͤr dißmal einen guten concept von diesem Psalmen fassen/ daß er kein inventum humanum, von Menschen als Menschen seinen Ursprung habe/ daß er nicht handle von ungelegten Eyern. Lu- therus ruͤhmet deßwegen die Juͤdische Synagog, uns zur Schande. Tom. 2. Isleb, in Joh. 2. p. 481. uͤber die Wort deß 69. Psalmen/ der Eyffer umb dein Hauß hat mich gefressen. Hie sihet man dennoch/ daß in dem Volck die H. Schrifft Predigt. Schrifft wol wird sein bekand gewesen/ und daß sie mit Fleiß in den Synagogen und Schulen getrieben worden sey. Sonderlich aber hat man dem Volck den Psalter fuͤrgelegt und bekant gemacht/ daß sie haben die Psalmen gelesen/ gepre- diget/ und gehandlet/ daß man wol sihet/ daß in allen Staͤtten und Flecken sind Priester und Leviten gewesen/ die haben ihre Pfarren/ Kirchen und Schulen/ wel- che man Synagogen nennet/ gehabt/ dahin sich das Volck/ GOttes Wort zu hoͤren und zu lernen/ versamlet hat/ und sie also sind versorgt gewesen/ daß die Schrifft der Propheten und der Psalmen fleissig sind außgeleget; der Tempel zu Jerusa- lem blieb gleichwol in seinen Wuͤrden/ und die Oberste oder Haupt-Pfarr-Kir- che/ dahin sie des Jahrs dreymal kamen/ zum Zeugnuß daß sie sich an GOtt hiel- ten/ der daselbst zu wohnen zugesagt hatte/ und Rechenschafft ihres Glaubens und Lehre thaͤten. Also fein waren die Kirchen bestellet/ und geordnet in diesem Volck und die Schrifft taͤglich gehandlet/ daß auch die Einfaͤltigen davon einen zimblichen Verstand haͤtten/ was in den Psalmen und Propheten geschrieben stuͤnde/ und koͤntens behalten. Wie dann auch jetzund/ GOtt Lob und Danck unsere Kirchen also bestellt sind/ daß man dennoch da zusammen kom̃t/ GOtt an- zuruffen/ zu loben und zu dancken; das Wort GOttes reichlich darinn getrieben wird/ daß auch ein einfaͤltiger grober Mann die Schrifft etlicher massen verste- hen kan/ wie dann bey den Juden auch solches gewesen ist. Wir wissen je/ was des HErꝛn Christi Juͤnger fuͤr Leute gewesen sind/ nicht kluge Hohepriester/ Pha- riseer und Schrifftgelehrte/ sondern waren arme Bettler und Fischer/ geringe Leut/ Petrus/ Andreas und B artholomaͤus/ dennoch kennen sie den Psalter/ hoͤ- ren ihn lesen/ singen und predigen/ haben also die H. S chrifft gelernet/ haben schlecht von Zuhoͤren lernen muͤssen/ daß sie es behalten/ und daran gedacht ha- ben. Also sihet man dennoch/ was die Zucht und Vermahnung zum Goͤttlichen Wort thut/ wenn man die Leute treulich unterrichtet/ und die Leuthe auch mit fleiß zu hoͤren/ und muß sonderlich in diesem Volck eine feine Zucht/ Fleiß und Gehor- sam gewesen seyn/ daß sie fleissig zugehoͤret haben/ wann man gesungen/ und gele- sen hat in ihren S chulen/ oder Kirchen/ wenn sie am S abbath zusammen kom- men sind zu predigen/ zu beten und zu singen/ wie wir in unsern Kirchen thun/ diß Exempel der Juͤnger sol uns auch reitzen/ daß wir GOttes Wort gerne hoͤren/ glauben und annem̃en/ die Absolution empfahen/ S acrament gebrauchen. Weil nun dem also war bey den Juden/ so ists nicht Wunder/ daß die lieben Juͤuger in Galilæa, in ihren S chulen den S pruch auß dem Psalm behalten haben. Aber das ist sich zu verwundern/ daß sie ihn eben auff die That Christi deuten koͤnnen/ als sey es eben von dem außtreiben der Kaͤuffer und Verkaͤuffer geredet/ und sonst von nichts anders. Es ist aber seltzam geredet/ der Eiffer hat mich gefressen/ aber sie haben es nach der Ebreischen S prach-Art verstanden/ und ist ihnen die- se Rede nicht unkaͤntlich gewesen. Denn sie haben die Propheten fleissig ge- lesen. 2. Roratio, sol solche Erschoͤpffung geschehen/ so muß man den Text nicht uͤberhujen/ uͤbersudlen/ und uͤberlauffen/ eine/ zwo/ drey oder mehr Predigten thun kein Satisfaction, der Schatz ist zu reich/ Moses hat nicht vergebens in seinem Valet- Lied Deut. 32, 2. gewuͤnscht/ daß seine Reden trieffen/ wie der Regen/ daher die Propheten Traͤuffler genennet worden/ B iij gleich- Die Erste gleich wie zu der Zeit der Duͤrre im Sommer ein starcker Platzregen/ der auff einmal gantz herunter stoßt/ die Erde zwar benetzet/ aber ohne Frucht/ ergeußt sich aber ein langsamer/ sachter und sanffter stiller Regen etlich Tag nacheinander/ so penetri rt er/ dringt durch/ macht alle semina und Garten-gewaͤchse fruchtbar/ daß sie wol gedeyen. Gutta cavat lapidem, non vi, sed sæpè cadendo, ein Troͤpfflein Wassers kan auch wol ein har- ten Stein weich machen/ aber nicht durch Gewalt/ sondern durch offt- mahligen Fall. Jtem/ gleich wie die Majim Mephakim, die Spi r itus, und Olea, so auß dem distillir- Helm durchs Feuer außgepreßt werden/ fallen Tropffen-weiß herab/ muͤssen auch Tropffen-weiß dispensi rt wer- den/ man schuͤttet keinem Patienten das koͤstliche Perlenwasser Schop- pen-weiß in die Gurgel hinein/ sondern einen Tropffen nach dem andern/ so ist die Wuͤrckung desto staͤrcker/ und kraͤfftiger. Also verhaͤlt sichs auch hie/ wie bey dem Wort GOttes ins gemein/ also auch in diesem Psalm. Wird erinnert wegen der maßleidigen Ohren/ denen die lang- same Erklaͤrung deß Psalters zuwider ist/ haͤtten lieber daß man derglei- chen in ein oder der andern Predigt absolvi rte. Aber Non sunt longa, quibus nihil est, quod demere poßis. Nicht sind zu lang solche Sachen/ Die man nicht kan kuͤrtzer machen. Darauff laͤßt sich 3. applici ren/ eliqui ren/ Safft und Krafft herauß saugen/ in Safft und Krafft verwandlen/ und zugleich Davids Geist/ ἤθος καὶ πάθος, Davids Brunst im Geist/ Hertz und Muth mit einsau- gen/ ein Hertz mit ihm werden/ wie Jonathan/ und also gluͤcklich imiti- ren/ unsere Convivia auch zieren/ nicht mit Sinnen und Geistlosen Ge- bratens-Geigern/ sondern mit Psalmen Davids/ wie zwar die Grandes zu Zion auch gethan/ aber abusivè, zu spott/ und also schlimme Applica- tion gemacht. Amos 6, 5. und gehoͤrt zu solcher Imitation auch die acu- tion, David als Vater hat uns ein reiches Patrimonium gesamlet/ Lu- therus hats geteutscht/ gereimet/ und in rechten Verstand gebracht. A- ber sol das Wort GOttes reichlich unter uns wohnen in aller Weißheit/ so gehoͤret auch das Auctuarium dazu/ Geistliche Singschulen/ ein rechte Luth. Tom. 7. Witt. p. 397. f. 2. C. fruchtbringende Gesellschafft/ Assaph, Core, Heman, Poetæ \& Musici (ita Luth. Tom. 2. Lat. p. 560.) nobis desunt, aut nondum cogniti sunt, qui pias \& spirituales cantilenas (ut Paulus vocat) nobis concinant, quæ digna sunt in Ecclesia DEI frequ entari, nam non multas invenias, quæ aliquid gravis Spiri- tus sunt. Hæc dico, ut qui sunt Poëtæ Germanici, extimulentur, \& nobis poëma- ta Predigt. ta pietatis componant. Es haben zwar viel unterstanden/ und gar nach Opitij Art zu reimen/ aber es sind mehr nicht/ als Wort/ aber ohne Geist/ dadurch der innere Sinn nicht beruͤhret wird/ Opitij Reimen schi- cken sich zu Davids Psalmen/ wie Sauls Waffen. Res est voti, non spei, Wir wuͤnschen es zwar/ aber zu hoffen ist es nicht/ wolte GOtt/ daß wir verstuͤnden/ was uns manglet! Wolte GOtt/ daß Grosse Herren was sie auff unnuͤtze Krieg/ Pracht und Wollust/ Rasseln und Spielen wenden und verschwenden/ zu diesem Gottesdienst ad majorem DEI gloriam, anwendeten. Aber wir lassen und befehlen es dem Juͤngsten Gericht. Summa es bleibt beym Wunsch/ wolte GOtt/ daß alles Volck deß HErꝛn weissagete! Amen. Die Andere Predigt. Von dem HErꝛn/ als Davids Hirten. E S ist erschienen die Leutseligkeit GOttes unsers Hey- lands/ schreibt St. Paulus Tit, 3, 4. Die ϕιλανθρωπία, sagt er/ und nicht ϕιλαγγελίἁ, nicht die Engel-Lieb/ zu denen kein GOtt so freundlich sich genaͤhert/ wie den Menschen geschehen/ die jenige Lieb nun/ Affection, Neige/ Gnad/ Gunst/ die er zu dem verdam̃ten gefallenen menschlichen Geschlecht von Ewigkeit getragen/ die ist in der Zeit erschie- nen/ von Ewigkeit verschwiegen/ dunckel und finster geweßt/ waͤre auch ans Tagliecht nicht kommen/ wann der Fall nicht geschehen/ und die mi- seria misericordiam, unser Elend GOttes Barmhertzigkeit erwecket haͤt- te/ da ist sie heiter/ hell und klar worden. Erschienen/ sag ich/ 1. In Incar- nationis radice, da das Wort Fleisch worden/ und in einem Kindlichen grossen Geheimnuß GOtt sich geoffenbahret im Fleisch/ hat nicht nur Fleisch und Blut an sich genommen/ sondern ist gar eingefleischt/ Fleisch worden/ und sich mit uns Menschen verbruͤdert und befreundet. Was die blinden Heyden zu Lystra ihnen faͤlschlich eingebildet/ da Paulus einen gebohrnen lahmen Menschen wiederum gesund gemacht/ auffgerichtet/ und grad dargestellet/ so meynen sie Paulus sey Mercurius, Barnabas sey Jupiter, sprechen und sagen mit Verwunderung/ die Goͤtter sind den Menschen gleich worden/ und zu uns hernider kom̃en. Act. 14, 8. seqq. Was sag ich/ die blinden Heyden zu Lystra in Lycaonia ihnen ein- gebil- Die Andere gebildet/ das ist eine Fabel/ aber hîc veritas, die pur lautere Warheit/ freylich ist GOtt den Menschen gleich worden. Ein Jm̃anuel und Go tt mit uns/ in welchem die gantze Fuͤlle der Gottheit Leibhafftig wohnet/ Col. 2, 9. 2. In sympolitia, in der leiblichen Beywohnung/ ἐσ κήνωσεν ἐν ἡμῖν, er wohnet unter uns in eadem scenâ, als ein Tischgenoß und Tischgesell in einem Hauß und Losament/ als ein Spießgesell und Camerath unter einer Zelt/ als ein Hirtengesell unter einer Hut und Hurt/ wie dieselbe mit einander essen/ schlaffen/ wachen/ conversi ren/ sprachen/ spatzieren/ pfeif- fen und spielen gantz gemaͤh/ ohne Scheu und Scham: Also ist auch der Sohn GOttes uns in allem gleich gefunden worden/ in Affecten und Geberden/ Sitten und Wercken sich als einen Menschen gestellet/ außge- nommen die Suͤnd. Wir haben ihn (sagt Johannes 1. Epist. c. 1, 1.) gesehen mit unsern Augen/ und unsere Haͤnde haben betastet vom Wort des Lebens/ und das Leben ist erschienen/ und wir haben gesehen/ und zeugen und verkuͤndigen euch das Leben/ das ewig ist/ welches war bey dem Vater/ und ist uns erschie- nen. 3. In nominatione Symbolica, in Nahmen und Bildern. Viel herꝛliche/ Majestaͤtische und erschroͤckliche Namen fuͤhret der Allmaͤchti- v. Saubert. ad Dan. 9. p. 118. ge GOtt in H. Schrifft/ Er heißt El hanorah, ein erschroͤcklicher GOtt/ Exod. 15. Dan. 9. HErr ist sein Nahm. Ps. 3. Heilig und HErꝛ ist sein Nahm. Er vergleicht sich einem verzehrenden Feur/ einem bruͤllenden Loͤ- wen/ Amos 3, 8. einem grimmigen/ brummenden Beeren/ Ose. 13, 8. Aber auch holdselige liebliche Nahmen/ eines Vaters/ eines Braͤuti- gams/ eines Hirten/ dieser Nahm schreibet Luth. Tom. 6. Jen. p. begreifft in sich einen Hauffen alles guts/ was von Gott troͤst- lich kan geruͤhmet werden. Jst eben der Nahme/ den ihm sein Uhr- an David auch gegeben/ ihn einen Hirten genennet/ nicht nur hie Ps. 23. sondern auch Ps. 77, 21. Ps. 78, 53. Nicht er allein/ sondern ins gesam̃t/ und gleichsam ex uno ore, andere Propheten/ Esa. 40, 11. Ezech. 34, 11. c. 37, 24. Mich. 5. Zach. 11, 13. St. Petrus nennet ihn einen Seelenhirten/ 1. Petr. 2. und c. 5. einen Ertzhirten. Sondern Christus selbs/ Matth. 15, 24. c. 26, 31. Luc.. 15. Joh. 10. sagt er zweymal/ ich bin ein guter Hirt/ ich bin ein guter Hirt. Wollen wir aber dieses so guten Hirten ϕιλανθρωπίαν, Tugend/ Guͤ- te/ Treu/ Lieb/ Affection, Gunst uñ Gnad recht verstehen/ lernen/ uñ frucht- barlich geniessen/ so muͤssen wir zuvor zum Fundament legen/ uñ verstehen lernen dieses Hirten Wuͤrde/ Adel/ Hoheit/ Herrlichkeit/ Ehren-veste und Ehren-gruͤnde/ wie dieselbe auch in der Idea eines herꝛlichen Hirten adum- bri rt/ Predigt. bri rt/ und im Nahmen Jehova intimi rt/ ein Nahm klein von Buchsta- ben und Sylben/ aber voller Augen/ Liechts/ voll reichen Verstands und Nachdruck. Denselben nun nicht zu erschoͤpffen/ sondern nur etlicher mas- sen anzudeuten/ wolle uns der Vater deß Liechts seines H. Geistes Krafft und Gnad reichlich mittheilen/ um JEsu Christi willen/ Amen. Τὶ καὶ τὶς, Wer ist nun diejenige Person/ sagt David/ die mein Hirt ist/ deren zu Ehren und Lob dieses mein Bucolicum und Schaͤffer-Lied- lein gedichtet/ gesungen und gespielet? Jst kein gemeiner Hirt/ sondern ein edler/ fuͤrtrefflicher und herꝛlicher Hirt. Er mein Hirt ist der HErꝛ/ Hirt und HERR. Ein Hirt war vor Zeiten/ und sonderlich zu den Zeiten Davids kein geringe/ nachguͤltige Person/ nicht fex populi, ein armer Tagloͤhner und Miedling/ Hirtenstand war/ wie der einfaͤltigste und aͤlteste/ also auch der Edleste Stand und Ampt. Abel der erste Heil. Maͤrtyrer/ ein Sohn Adams deß geehrtesten uͤber alles. Syr. 49, 20. war ein Schaͤffer. Jabal der edle Cainit und Urheber der Viehzucht/ Abra- ham/ Jsaac/ Jacob waren Schaaffhirten/ die 12. Patriarchen und dero Kinder tretten fuͤr Pharao und ruͤhmen sich dieses Stands/ deine Knechte sind Vieh-Hirten/ wir und unsere Vaͤter. Gen. 37, 3. c. 49, 23. Moses der angewuͤnschte Sohn und Stuhl-Erb Pharaonis schaͤmet sich des Hirtenstabs gar nicht/ Nabal auß dem Heldenstammen/ ein edler Calebit/ sonderlich Absalon der schoͤnste Sohn Davids hielt sei- ne Schaͤfferey und Melckerey zu Baal Hazor. Jnmassen zu der Zeit die Koͤnigliche Printzen/ Fuͤrstliche und edle Kinder als abgetheilte Herꝛen nicht zum Muͤssiggang/ sondern zur Arbeit aufferzogen/ nicht adigi rt wor- den entweder den Priester-Rock anzuziehen/ oder das Schwerdt anzuguͤr- ten/ sondern es haben dieselbe ihr Fuͤrstliche Unterhalt auff andere Weise suchen koͤnnen/ David zog etliche seiner Soͤhn in Rath und Cantzley/ sie mußten Priester/ Sacerdotes justitiæ werden/ das ist/ Amptleut/ Land- voͤgt. 2. Sam. 8. die dem Koͤnig zur Hand sind gangen. 1. Chron. 19. auß etlichen machte er satellites regios, Koͤnigliche Leibquardi. Joseph. l. 7. c. 6. (Bidembach. in libb. Samuel. p. 680. hæc habet.) Daß aber ferner allhier stehet die Soͤhne Davids seyen Priester geweßt/ das kan nicht verstanden werden von dem Levitischen Priesterthum/ dann das koͤnnen sie nicht tragen/ die weil sie nicht von dem Stammen Levi/ sondern von dem Stammen Juda seyen. Es waͤre denn Sach/ daß sie haͤtten muͤssen auff die Priester warten/ und ihnen dienen/ wie im Papstthum etwan Vorzeiten ein Lay hat zu Altar gedienet. Aber ich halte das auch nicht fuͤr glaͤublich/ derent- wegen muß entweder diß Wort (Priester) dahin verstanden werden/ (wie etli- che der H. Sprach verstaͤndige halten) daß sie der Priester Juͤnger oder Schuͤler Neundter Theil. C gewe- Die Andere gewesen/ oder es kan im schreiben seyn uͤbersehen worden. Man wolle denn sagen/ daß durch die Priester die Raͤthe des Koͤnigs verstanden werden allhie/ wie man bey uns die Juristen Sacerdotes justitiæ, Priester der Gerechtigkeit nennet/ denn diß stimmet mit demjenigen uͤberein/ was von deß Koͤniges aͤlte- sten Soͤhnen im 1. Buch der Chronick am 19. Cap. stehet/ sie waren dem Koͤni- ge zur Hand/ das ist/ die vornemste Diener/ die um den Koͤnig gewesen/ und die er zu allerley Sachen und Verrichtungen gebraucht/ als Raͤthe und Offici- rer. David hat die allezeit zur Hand gehabt. Denn er schicket sie nicht hin- auß unter die Frembden/ die nicht seines Glaubens seind/ und da sie mehr boͤ- ses als gutes moͤchten lernen/ sondern er sihet auff sie mit Fleiß. Josephus mel- det/ daß sie inter Satellites Regis. das ist/ unter deß Koͤnigs Leibdienern/ oder den vornembsten Hoffdienern gewesen. Dabey man wol abnem̃en kan/ daß David seine Soͤhne nicht habe lassen muͤßig gehen/ sondern hab sie gebraucht/ und nicht als Herren/ sondern als Diener/ zu allen fuͤrfallenden Geschaͤfften/ zu Friedens und Kriegs-Zeiten. Sie muͤssen die Sach angreiffen/ und sind dem K oͤnig zur Hand/ er ist selbst ihr Hoffmeister.) Also hat er Absolon zum Schaͤfferherꝛn gemacht. Hie mehr/ als diese alle/ hie ein Schaͤfer oder Hirt/ der da heißt Jehovah selbs HErr/ selbswesende/ im̃erwehrende/ glorwuͤrdigste HErr nach der Goͤttlichen Natur ein eingebohrner Herr von Ewigkeit/ und also ἐυγενέςατος der alleredelste/ ein gemachter HErꝛ nach der menschlichen Natur/ den Go tt sein himmlischer Vater/ nach dem er Knechts-gestalt an sich genommen/ als ein Knecht seinen Juͤngern die Fuͤsse gewaschen/ ein Knechtisches und schmaͤhliches supplicium am Creutz außgestanden/ erhoͤhet und zu einem grossen Herꝛn gemacht worden. Zu gleicher weiß wie Joseph nach dem er eine Weil Profos, Diener und Steckenknecht geweßt/ her- nach ein Herꝛ uͤber gantz Egyptenland worden/ und uͤber alle Raͤth und Diener deß Koͤnigs Pharao erhoben. Gleich wie David auß einem Hir- ten-Buben ein grosser gewaltiger/ maͤchtiger und ansehnlicher Koͤnig uͤ- ber das gantze Volck Jsrael. Also ist auch Christus/ nach dem er seinen Knechtsstand abgelegt/ und zur Rechten GOttes erhoben worden/ ein HErꝛ aller Herren worden/ ein Hirt uͤber alle Hirten/ den armen Hirten wird vermeld/ der Hirt und Schoͤpffer aller Welt. Er fuͤhret an seinem Rock den Titul geschrieben: Ein Koͤnig aller Koͤnige/ und HErꝛ aller Herren. Apoc. 19, 16. Ein Koͤnig uͤber Teuffel und Menschen/ aͤusserlich am Kleid/ zum Augenfall/ das jederman sehen und lesen kan. II. Dominus Proprietarius, ein Eigenthums-Herꝛ/ dessen die Schaaff eigen sind/ sein peculium, segulah, theur erworbener/ erkauff- ter/ gewonnener Schatz/ die recht eigen gemacht. Joh. 10, 27. Eigentlich ist derjenige ein Herꝛ des andern/ der denselben entweder von freyer Hand/ Predigt. Hand/ oder durch erlangte Rantzion erkaufft zu seinem Eigenthum/ wie in der Tuͤrckey die armen Christen-Sclaven zusammen gekuppelt/ auff dem Marckt feil gebotten werden. Kom̃t nun ein reicher Kauffherꝛ/ oder Ambassador, oder Legat an die Ottomannische Pfort/ der sich erbarmet/ und mit Gold oder Silber außloͤset/ so wird er alsdann sein eigen/ von Rechtswegen/ sein Sclav: Also bekennen wir im Christlichen Glauben. Jch glaub/ daß JEsus Christus/ sey mein HErꝛ/ der mich verlohrnen und verdam̃ten Menschen erloͤset hat/ erworben und gewonnen von allen Suͤnden/ vom Tod und von der Gewalt des boͤsen Geistes/ nicht mit Gold oder Silber/ sondern mit seinem heiligen theuern Blut/ unschuldi- gen Leiden und Sterben/ auff daß ich sein eigen sey. Und damit wir in unserer allegoria bleiben/ so ists an dem/ als einsmals dem edlen Schaͤ- fer David ein Loͤw und ein Baͤr ein Schaaff weggetragen/ und es allbe- reit in seinem Rachen gehabt/ so laufft er der treue Hirt nach/ wagt Leib und Leben/ und zeucht dasselbe auß ihrem Rachen wieder herauß/ dasselbe Schaͤflein war Davids eigen von Rechtswegen/ sein peculium, hat auch dasselbe ohne Zweiffel mehr geliebet/ als andere Schaaff/ weil gemeinig- v. Denck- mahl. p. 373. lich/ was einem blutsauer wird zu gewinnen/ das liebt er zarter/ als was ihm geschenckt/ oder anderwerts vom Gluͤck zugeflogen: Also hat auch Christus der HErꝛ Leib und Leben nicht nur gewagt/ sondern auch ge- lassen/ er hat Blut schwitzen muͤssen/ eine Heerde zu erkauffen/ περιποίη- σιν, mit seinem eigenen/ herꝛlichen und goͤttlichen Blut. Act. 20. zu ei- nem segulah, peculio und Eigenthum/ und daher solche auff das saur- lichste erworbene Heerd lieb gewonnen/ und also lieb gewonnen/ daß sie ihm mehr ans Hertz gewachsen als Himmel und Erden/ ja Himmel und Erden sind ihm so lieb nicht als seine Schaͤflein. III. Dominus fortis \& victor, ein Siegs-Herꝛ/ Hirten muͤssen starck seyn/ ansche chayl, Genes. 47, 6. Die den wilden Thieren und an- dern Hirten-feinden gewachsen. Es ist außgemacht/ nach aller Voͤlcker Rechten/ ist der Siegs-Herꝛ der das Feld behalten/ dessen Herꝛn seind die Uberwundene seine Sclaven. David hat nicht nur das Schaaff als die Beut dem Loͤwen abgejagt/ sondern auch denselben als ein starcker Held mit grosser Verwunderung uͤberwunden/ geschlagen/ erwuͤrgt. 1. Sam. 17, 34. 35. die Haut abgezogen/ und darauff seinen Glauben gegruͤndet/ hab ich einen grim̃igen Loͤwen und wilden Baͤren koͤñen ermeistern/ war- um auch nicht den Goliath. Gleich wie jener dapffere Teutsche Held Nahmens Wiker/ welcher mit Gottfried von Bullion dem H. Grab zu- C ij gezo- Die Andere gezogen/ dasselbe auß der Saracener Hand zu reissen/ als er einsmals sein Pferd bey Joppe in die Weyde gehen lassen/ und im Graß gelegen/ dasselbe zu huͤten/ da kam ein grausamer Loͤw vom nechsten Berg herab/ der viel Vieh und Menschen in derselben Gegend zerrissen hatte/ und lieff dem Pferd in der Weyde zu/ der gute Wicker hatte seines Rosses Sorg/ ergrieff den Schild und Schwerdt/ und tratt bey das Pferd. Der Loͤw ließ das Roß gehen und begehrt mit offenem Rachen deß Mannes/ in die- sem Streit fasset der Loͤw des Wickers Schild/ aber Wicker spaltet ihm im ersten Streich den Kopff und Hirn entzwey daß diß ungeheure Thier todt fuͤr ihm liegen blieb/ mit grosser Freud der gantzen Landschafft. Also hat auch Christus der starcke Held uñ Hertzog des Lebens/ den hoͤllischen/ bruͤllenden Loͤwen uͤberwunden/ den starcken Gewapneten außgetrieben/ Luc. 11, 21. seinen Kopff zertretten/ schau getragen offentlich/ einen Tri- umph auß ihme gemacht/ disarmi rt/ und außgezogen/ und zu anzeig solcher Victori die Schluͤssel der Hoͤllen und des Todes occupi rt. Als der rech- te Clavarcha und Schluͤssel-Herꝛ. Apoc. 1, 8. Tod/ Suͤnd/ Teuffel und Gnad/ alles in Haͤnden er hat/ er kan erretten/ alle die zu ihm tretten. Wie aber auch nach aller Voͤlcker Recht der Siegs-Herꝛ deß Uberwundenen Herꝛ/ dann von welchem einer uͤberwunden/ dessen Knecht ist er. 2. Pet. 2. Also ist auch Christus unser HErꝛ deß Teuffels Herꝛ und Meister. Jm- massen er solches selbsten bekant. Luc. 4, 36. IV. Dominus opulentus, ein reicher und reichmachender He rꝛ/ πο- λύμαςος, Schaͤfer waren reiche Leut/ wo meynen wir hab Abraham sein grosses Gut/ Schatz und Reichthum/ davon Eleazar ruͤhmet/ Gen. 24, 35. Der HErꝛ hat meinen Herꝛn reichlich gesegnet/ und ist groß worden/ und hat ihm Schaaf und Ochsen/ Silber und Gold/ Knecht uñ Maͤgd/ Camel und Esel gegeben/ als von der Schaafe Milch und Woll? damit er gehandlet/ und viel Schaͤtze gesamlet? Jacob Pontanus p. 573. dunckte sich gar Reich seyn/ er hat alles gnug. Gen. 33, 11. Die Kinder Jsrael in Egypten nahmen treflich zu/ im Lande Gosen/ durch GOttes Segen wurden sie reich/ welches den Egyptern dermassen wehe in den Augen gethan/ daß sie sich fuͤr ihnen fuͤrchteten und besorgten/ sie werden endlich Meister im Land werden/ darum sie Pharao geschwaͤcht und auß- gesogen/ und woher hat das Land Canaan den Nahmen eines Milchflies- senden Lands bekommen/ als von der reichen Viehezucht/ daß sie so viel Milch gemolcken/ und das Land davon uͤberschwemmet/ wol dem Volck dem es also gehet/ deren Schaaffe tragen tausend/ und hundert tausend auff Predigt. auff ihren Doͤrffern/ Ps. 144. Aber Davids Hirt ist wol viel ein reicherer Hirt/ alles hat GOtt unter seine Fuͤsse gethan/ Schaaffe und Ochsen allzumal/ Ps. 8. Alle Thier im Walde sind sein/ und Viehe auff den Bergen/ da sie bey tausenden gehen/ Ps. 50, 10. Nicht nur aber selbs reich/ sondern auch ein reichmachender HErr/ zu gleicher weiß wie Joseph nicht nur fuͤr sich reich geweßt/ voller Schaͤtz und Guͤter/ sondern auch ein reichmachender/ sattgebender/ freygebiger/ groß- thaͤtiger und vollfuͤllender Herꝛ geweßt/ der erfuͤllet hat das Hauß Poti- phar/ daß alles von Segen geflossen/ was er angeruͤhrt/ Alles was er that/ da gab GOtt Gluͤck zu durch ihn. Gen. 39, 3. Erfuͤllet und reich gemacht das gantze Koͤnigreich Egypten/ sonderlich aber hat Joseph seinen alten Vater Jacob/ und duͤrfftige Bruͤder wol berathen/ denen er Baͤuch und Saͤcke gefuͤllet/ Gen. 42, 25. Also auch Christus unser edle Hirt und Wirth. Er ist nicht nur fuͤr sich selbst der Reichste/ in welchem alle Fuͤlle der Gottheit/ das ist/ auch aller goͤttlicher Reichthum gewohnet/ sondern er ist auch ein reichmachender/ milder GOtt/ und großthaͤtiger/ freygebiger HErꝛ/ der darum kommen/ daß seine Schaaffe leben und volle Genuͤge haben sollen. Joh. 10, 10. Er ist gen Himmel ge- fahren/ und Gaben empfangen fuͤr die Menschen/ er gibt Safft und Krafft/ huͤll und gefuͤll/ er saͤttiget alles und laͤßt nichts manglen/ lauter volle Genuͤge/ nicht nur in regno potentiæ, in dem Macht-Reich/ die Hungerigen fuͤllet er mit Guͤtern/ singt die holdselige Jungfrau von Nazareth/ Maria in ihrem Magnificat, Luc. 1, 53. hat uns viel guts gethan/ und vom Himmel Regen und fruchtbare Zeitung gegeben/ unsere Hertzen erfuͤllet mit Speise und Freuden. Act. 14, 17. Er decket auß dieser seiner Fuͤlle alle Jahr den Tisch/ die grosse Welt-Taffel/ die Lufft mit Gefluͤgel/ die Wasser mit Fischen/ die Aecker mit Brod und Wein/ das Feld und Gaͤrten mit fruchtbaren Baͤumen/ Laub und Graß/ die Eutern und Dutten der Kuͤhe mit Milch reichlich und mildiglich. Sonderlich aber im Reich der Gnaden fuͤllet er seine Schaaffe mit allerhand Gnaden-Schaͤtzen/ von seiner Fuͤlle nem̃en sie alle Gnad um Gnad. Joh. 1, 16. mit der Gab uͤber alle Gaben dem H. Geist selbs/ die gantze Welt mit dem Evangelio von Rantzion und Vergebung der Suͤnden/ von dem grossen Gluͤck und hohen Adel der Kindschafft GOttes/ von dem schoͤnen Kleid der Erneuerung/ von dem Schmuck der χαρισμάτων und Ampts-Gaben/ davon die Kirch leuchtet/ sonderlich aber erfuͤllet er das H. Tauffwasser mit seinen theur- C iij erwor- Die Andere erworbenen Gnaden-Schaͤtzen/ und schwaͤngert dasselbe/ daß Kinder ge- zeuget werden/ wie der Thau auß der Morgenroͤthe. Wein und Brod im Sacrament deß H. Abendmahls erfuͤllet er mit der lebendigmachenden Krafft und seligmachenden Tugend seines heilwaͤrtigen Rantzionbluts. In regno gloriæ seinem him̃lischen Gnaden-Reich der triumphirenden Kirchen erfuͤllet er die him̃lischen Reichs-genossen mit Glori, Freud und Seligkeit/ mit Fuͤlle der Freude. Da ist er alles in allem/ er ohne Mittel/ ist (wuͤrcket nicht allein) alles in allem/ als das hoͤchste Gut/ das allen ap- petit saͤttiget und fuͤllet/ GOtt und genug und alle Fuͤlle. V. Dominus Potentissimus, der Allmaͤchtigste HErꝛ. Hirten wa- ren vorzeiten maͤchtige Leute/ Nabal Gadol meod war ein maͤchtiger Po- tentat/ hat ein grosse Gewalt unter sich/ der Bezirck seiner Bottmaͤssigkeit erstreckte sich sehr weit. Aber so hoch/ so weit hats keiner gebracht/ als Da- vids Hirt/ der sagen darff Matth. 28. Mir ist gegeben aller Gewalt im Him̃el und auff Erden/ aller Gewalt/ Vollmacht/ Majestaͤt/ sam̃t allen goͤttlichen Regali en/ ein ungemessener ewiger Gewalt. Dan. 7, 14. Hertzbe- wegender/ durchdringender/ Teuffelsbañender Gewalt/ Luc 4, 30. Was ist das fuͤr ein Ding/ er gebeut mit Macht und Gewalt den un- saubern Geistern/ und sie gehorchen ihm. Seinen Juͤngern hat er auch die Macht gegeben uͤber die unsaubern Geister Luc. 10, 17. doch kei- vid. Ab- scheidbr. p. 299. nen solchen herrlichen/ Majestaͤtischen/ gebietenden/ allezeit durchdringen- den/ sondern mehr nicht als einen Werckzeuglichen/ dienstbaren/ erbette- nen Gewalt. Wie sprichstu/ Gewalt uͤber den Teuffel/ wie reimet sich das mit der Experienz, ist nicht der Satan allenthalben Meister? Jst er nicht der κοσμοκράτωρ, der Herꝛ und Fuͤrst dieser Welt/ solte man die Welt in der Mappa außcirculn uñ abmessen/ die groͤßte Welt- portion wuͤrde dem Satan zufallen/ Christo wuͤrde das wenigste uͤberbleiben. Aber ô deß ar- men Herꝛn/ er sagt zwar Luc. 4. sie ist mir uͤbergeben (die Macht und Gewalt uͤber die gantze Welt/) und ich gebe sie wem ich wil. Aber er leugt pro more. Der armen elenden Macht/ eines zwar selbst angemaß- ten grossen Welt-Herꝛn/ aber in der Warheit armen/ ohnmaͤchtigen/ ge- fangenen und mit Ketten der Finsternuͤß angebundenen Sclaven/ der weiter nicht gehen kan/ oder thun/ als der/ so ihm verhaͤngt/ Maaß/ Ziel und Gewicht setzet/ es gehet zwar offt uͤberzwerch daher/ und scheinet/ der Teuffel sey Meister worden; aber in fine videtur cujus toni, tandem est rector in orbe Deus. Jm außkehren findet sichs. GOtt bleibet doch Richter und Herꝛ auff Erden. Daß der groͤßte Hauff der Menschen dem Sa- Predigt. Satan dienet/ daß er so viel Land und Leut mit seiner Finsternuͤß erfuͤllet/ das ist kein Zeichen der Ohnmacht Christi/ sondern gerechten Gerichts uñ Verhaͤngnuͤß/ der dem Satan verhaͤngt mit solchen kraͤfftigen Jrꝛthum̃en zu straffen/ weil man die reine Warheit so verachtet/ gleich wie der Wuͤrg- Engel in Egypten durch Go ttes Verhaͤngnuͤß grossen Schaden gethan/ und alle Erstgeburth geschlagen/ aber Fried und Sicherheit/ Liecht und Wohnung/ war in den Wohnungen der Kinder Jsrael. Dort war der Platz/ darauff der Satan tyrañisiret/ viel groͤsser und weiter/ als derjeni- ge Raum/ da die Kinder Jsrael gehauset: also hat der hoͤllische Seelen- Moͤrder durch goͤttliche Verhaͤngnuͤß uͤber die jenige/ so Christum nicht wollen zu einem Koͤnig habẽ/ groͤsser Gewalt/ die sind gemeiniglich die Erst- gebohrne/ das ist/ die edelsten in der Welt/ sein Gnadenreich ist zwar nicht in der gantzẽ Welt/ aber sein Machtreich ist ein allgemeines/ gehet uͤber den gantzen Erdboden/ ist auch mitten unter seinen Feinden. Consequenter VI. Pastor unicus. Ein eintziger Hirt. Ezech. 34. Eccles. 12. und das nicht nur Exochicè, dieweil er der Ertzhirt. 1. Petr. 5. sondern Exclu- sivè. Sintemal solche jetzt erzehlte Prædicata und Eigenschafften kein an- dere Person weder im Himmel noch auff Erden sustini ren und tragen kan/ von keiner Creatur/ Engel oder Menschen kan gesagt werden/ daß sie seye Jehova, selbswesentliche He rꝛ/ ein Eigenthums-Herꝛ/ ein Siegs-herꝛ der reichste und reichmachende HErꝛ/ der allgewaltigste HErꝛ/ so gar/ daß auch kein andere goͤttliche Person mit ihrem eigenen Blut eine Heerde er- kaufft und gewonnen. Darum bleibt er wol monadicus Pastor, ein Phœ- nix unter den Hirten/ der seines gleichen weder im Him̃el noch auff Er- den sehen kan. Es hat aber derselbe als der Ertzhirt seine unter-Hirten/ alle getreue Lehrer und Seelsorger/ ist deßwegen gen Himmel gefahren/ daß er etliche setze zu Aposteln/ etliche zu Propheten/ etliche zu Evangelisten/ etliche zu Hirten und Lehrern. Eph. 4, 11. Aber de- ren keiner heißt Jehova, Hirt und HErꝛ/ sondern Hirten und Knecht/ Hirten-Knecht/ non Hierarchæ, sed Hierurgi, Diaconi der Kirchen/ Haußhalter/ ὑπηρέται, sie haben mehr nicht als werckzeuglichen/ dienstba- ren und erbettenen Gewalt/ Analogicè, ἀφ᾽ ἑνὸς π ς ἕν, Gleichnuͤß-weise/ vid. Artic. Schmal- cald. p. 346. in welchem Verstand auch die Obrigkeit Elohim, das ist/ Goͤtter genen- net werden. Sie haben ihren geistlichen Kirchen-Gewalt uͤber das Wort uñ H. Sacramenten/ aber wie gesagt/ einen erbettenen Gewalt/ ἐὰν συμ- φωνήσωσι. Matth. 18. Sie haben die Gewalt der Schluͤssel zum Himmel- reich/ aber nicht anders als Joseph/ dem befahl der Am̃tman uͤber das Die Andere das Gefaͤngnuͤß alle Gefangene/ und alles was geschach/ muß- te durch ihn geschehen/ Gen. 39, 21. 22. doch also/ daß er ein Mitgefan- gener war. Er hat seinen zween Thurn-gesellen/ gutes und boͤses/ Leben uñ Tod verkuͤndiget/ uñ ohn zweiffel den einen loßgelassen/ den andern fest ge- bunden/ biß auff den Tag seines supplicii, Urtheils/ und Straffe. Sum̃a in actu officii, und Am̃thandlung ist David dem Nathan unterworffen/ Theodosius dem Ambrosio. Neben diesen Unterhirten haben uñ tragen auch diesen Nahmẽ in H. Schrifft die weltliche/ Oberkeitliche Regenten/ sie heissen Hirten. Num. 27, 17. Esa. 44, 28. ποιμένες λαῶν, ihnen stehet zu das Axioma, uñ fuͤrtrefliche Regale, das Jus Episcopale, das oberste Hir- ten-Recht in der Kirchen/ welches ihnen Go tt der He rꝛ selbs eingehaͤndi- get/ Exod. 4, 16. als ein grosses Heiligthum̃ in Gold eingefaßt/ du solt Aarons Gott seyn/ nicht Jehovah, selbs Herꝛ/ gemachter/ erhoͤheter/ ge- messener Am̃ts-Gott/ gebietender He rꝛ/ darum als Aaron hoͤchlich ver- griffen/ uñ eine grosse Suͤnd auff das Volck gebracht/ durch Aufrichtung deß guͤldenen Kalbs/ stellet er an ihn als seinen gebietenden Herꝛn eine Supplication mit diesen Worten: Mein HErꝛ laß seinẽ Zorn nicht ergrim̃en. Exod. 32, 22. alles nach der Regul meines Worts/ und mei- nem Exempel/ wie ich selbst thue/ als ein Go tt der Ordnung/ bey dem ἐυ- ταξία uñ ἐξουσία, Gewalt uñ gute Ordnung zwo Schwestern/ die sich nicht voneinander trennen lassen. Und du Aaron solt sein Mund seyn/ sein Ehrwuͤrdiger Mund/ Lehr und Rath-mund/ Bet-mund/ Segen-mund/ Straff-mund. Constantinus M. hat diese Gewalt gar artig sequestri rt/ Euseb. l. 4. de vita Constant. c. 29. wañ er an seiner Kaͤyserl. Taffel den anwesenden Bischoͤffen und Seelen- Hirten gesagt: ϒμεῖς μὲν τῶν ἐσω τῆς Εκκλησίας, ἐγὼ δὲ τῶν ἐκτὸς ὑπὸ Θε κα- ϑεςάμενος ἐπίσκοπος ἄνει῎ην. Jhr meine liebe Bischoͤffe/ Pfarrer uñ Seelen-Hirten seid zwar Bischoͤffe iñer halb der Kirchen. Jch aber bin von GOtt bestellet zu einem Bischoff ausser der Kir- chen. Jst folgends von Christlichen Kaͤysern also geuͤbet worden/ und sind in dessen loͤbl. Fußstapffen getretten Justinianus, Theodosius, Gra- tianus, Honorius, Dagobertus, der Amandum eingesetzt/ und andere mehr/ biß daß Fuͤrsten uñ Herꝛen durch Mißhaͤlligkeit untereinander den Papst das divide sicher lassen practici ren/ und ihm nicht widersprechen wollen/ und dadurch gar das Hefft auß Haͤnden gegeben/ und endlich gar um dasselbige gesprungen/ weil sie es so haben wolten/ uͤber diesen Pastorat hat sich ein anderer Hirt eingedrungen/ servus servorum, Pastorlarvatus, der oberste Hirt zu Rom/ als welchem Christus mit dem Wort/ weide mei- ne Schaast/ zu Petro/ als seinem ersten vermeinten Papst uñ Statthalter gespro- Predigt. gesprochen den hoͤchsten Gewalt eingeraumet. Bellarm. l. 1. P. R. c. 14. Das ist/ den Gewalt uͤber (a) Menschen/ (b) Engel/ (c) Kirchen- Guͤter/ (d) Bind- und Loͤß-Schluͤssel. (a) Summus Pontifex [ita clarè Bellarm. l. 2. de Concil. c. 17.] simpliciter \& ab- solutè est suprà Ecclesiam \& suprà concilium generale, ita ut nullum in terris suprà se judicem agnoscat. \& advers. Barclai. c. 3. p. 64. Quicunque infideles possunt privari à S. Pontifice, à dominio quod habent super fideles. Ibidem repetit bullam excommunicatoriam Elisabethæ Reginæ, ubi inter alia: Re- gnans in excelsis unum Pontificem super omnes gentes \& omnia regna Prin- cipem constituit. (b) Inauditi ac enormis fastus specimen in cœlites juxtà ac inferos imperii ex- hibuit Clemens VI. Anno 1350. in bulla, quam his verbis descripsit Joh. Ba- læus Cent. 4. script. Britann. p. 375. Quicunque peregrinandi causa ad san- ctam civitatem accederc proposuerit, illa die, qua de hospitio suo viam arripe- re voluerit, eligere possit confessorem, seu confessores \& in via \& in locis aliis quibuscunque. Quibus quidem confessoribus autoritate nostra concedimus plenam potestatem absolvendi omnes casus papales, ac si persona nostra ibi es- set. Item concedimus, quod si verè confessus in via moriatur, quod ab omni- bus peccatis suis penitus immunis sit \& absolutus. Et nihilominus prorsus mandamus Angelis Paradisi, quatenus animam à purgatorio penitùs absolu- tam in Paradisi gloriam introducant. (c) Laymann. in justa defens. p. 173. Idem Pontifex habet plenam potestatem dandi \& auferendi bona Ecclesiastica etiam sine causa. p. 266. \& ibid, p. 22 fa- cultas ultimas voluntates aut fundationes mutandi seu dispensandi Pontifici reservata est. (d) Bellarm. contrà Barclai. c. 31. p. 253. In bono sensu dedit Christus Petro potestatem faciendi de peccato non peccatum, \& de non peccato peccatum. Peccatum est inire in matrimonium in gradu prohibito, non je junare in qua- dragesima, die festo laborare serviliter: Et tamen hæc omnia \& alia id genus plurima, dispensante Petro, auctoritate clavium sibi datarum peccata esse desi- nunt: contrà verò potest Petrus addere novum gradum consanguinitatis \& af- finitatis, addere novum diem jejunii, addere novum diem festum, \& hinc fient peccata, si quis in gradu illo addito conjugium contrahat, aut diebus additis non jejunet, aut ab opere servili non abstineat, quæ tamen anteà peccata non fuissent. Sic igitur peccatum fuisset Regi tali, vel tali non obedire, \& tamen si per claves Petri ille talis Rex hæreticus declaretur, excommunicetur \& depo- natur, jam non erit peccatum illi non obedire. Imò si Papa (sententia est e jus- dem Bellarm. l. 4. R. P. c. 5.) erraret in præc ipiendo vitia, vel prohibendo vir- tutes, teneretur Ecclesia credere, vitia esse bona \& virtutes malas, nisi vellet contrà conscientiam peccare. Aber ô Pastor! ô Idolum! O Goͤtzenhirt. Auß waser Macht thust du das/ und wer hat dir die Macht gegeben? fuͤrwahr nicht von Christo/ dann die drey metaphoræ, Felß/ Schluͤssel und Weiden/ als des Pabst- thum̃s Grund-Seulen moͤgen solchen ungeheuren Last nicht ertragen/ Neundter Theil. D und Die Andere und koͤnnen den Stich nicht halten/ O reissender Wolff! davon so viel Zeugen/ als Blutbaͤder du angerichtet hast. O grimmiger Tyrann! als der du alle Characteres und Eigenschafften dessen erfuͤllest/ und in dir zusammen fliessen. Solche Tyranney ist nie erdacht/ nie auffkommen. Pharaonis Tyranney/ Simsons Gefaͤngnuͤs/ die Viehische Dienstbar- v. vale Tri- umph. p. 362. keit der Tuͤrcken ist gulden gegen dieser/ Ursach/ iene betrifft nur den Leib/ hie leidet die Seele Noth/ die Vernunfft muß sich gefangen geben unter den blinden gehorsam/ und muß gleichsam obbrutesci ren/ die Zung wird gehemmet und gelaͤhmet/ und darff nicht freymuͤndig wozu sie Recht hat/ reden. Straßburg hat dergleichen an Guilhelmo II. erfahren/ welcher/ als er wegen seiner unertraͤglichen Schinderey und unnoͤthigen schaͤdli- chen Krieg/ den er wider die Stadt erreget/ in hafft gezogen/ und in der Sacristey deß Muͤnsters bewahret worden/ hat er beym Concilio zu Cost- nitz von dem Roͤmischen Kayser Sigismundo erhalten/ daß die Stadt Straßburg in Kirch- und Reichsbann gethan worden. Wolte die ver- bannte Stadt wiederum außgesohnet und loß werden/ mußte sie der Apo- vid. Wim- pheling. Catal, E- pisc. Ar- gent. pag. 104. stolischen Cam̃er zahlen und buͤssen 6000. Gulden. Deßgleichen an Gual- tero von Geroltzeck/ der schiesset wider seinen Schaaffstall einen solchen starcken Bañstrahl auß/ daß er nicht allein alle Sacramenta verbotten/ son- dern auch der gantzen Clerisey sam̃t den Knaben/ so die Lateinische Sprach gelernt/ auß der Stadt außgebotten/ bloquirte hierauff die Stadt/ und belaͤgert dieselbe/ brennet ab/ pluͤndert in der Stadt Gebieth alles rein auß. Wie koͤnnen/ wie sollen und wollen wir doch dem Ertz-hirten Christo gnug dancken/ daß er durch Lutherum Christlichen Obrigkeiten die Au- gen geoͤffnet/ die unerschwingliche Tyranney und das nefas entdeckt/ das Bischoffliche Recht wieder in flor und Schwang gebracht/ und vermit- telst deß Passauischen Vertrags/ und nechsten Muͤnsterischen Frieden- Schlusses wiederum erstattet und gefirmet. Wann alle unsere Gedan- cken koͤnten in lauter feurige und flammende Andachten/ unsere Glied- massen in lauter Zungen verwandlet werden/ koͤnten wir nim̃er erschoͤpf- fen und außsprechen die uͤberschwengliche Goͤttliche Gnad/ die uns durch solche Liber taͤt gegoͤnnet worden. Jst eine Gutthat die danckens werth/ zuforderst im Hertzen zu æstimi ren/ quantus noster Pastor, wie groß und hoch unser Hirt/ und ihn nicht so leichtlich wie Judas um 30. Silberling zu verkauffen. Geschicht so offt man die Goͤttliche Warheit verraͤth/ dar- uͤber er klagen muß/ ey eine trefliche Summa/ deren ich bin werth geachtet worden. Zach. 11. Sondern auff diesen Jehovam und herꝛlichen Hirten das Predigt. das Fundament und Veste unsers Glaubens und Vertrauens gruͤnden/ wie das Schaaf auf seinen Hirten/ recht guͤltige consequentias machen/ wie David. Mein Hirt heißt Jehova, He rꝛ. E. wird mir nichts manglen/ weil er ein reicher und reichmachender He rꝛ/ so werde ich auch volle Genuͤ- ge haben/ so viel ich bedarff/ und mir nutz ist. Jst mein Hirt ein Siegs- vid. D. Schmid. p. 1057. Herꝛ/ E. so fuͤrchte ich kein Ungluͤck/ E. Trutz dir/ du hoͤllischer Geist/ du bruͤllender Loͤw/ hie der Loͤw vom Stammen Juda/ der Uberwinder der Hoͤllen und deß Todes/ ein einiges Woͤrtlein/ so auß dieses HErꝛn Mun- de gangen/ sol dich matt machen/ ja faͤllen/ trutz dir Welt/ und aller deiner Macht/ wo sie am hoͤchsten ist/ sie ist gleich einer krafftlosen Schweinblaas/ sie kan/ wil nicht sagen/ dem Wind und Meer/ sondern einer einigen Pest- Druͤsen nicht wehren. Trutz dir Pabst und Tuͤrck und deinen Gebotten/ so fern sie Christum nach ihrer blinden Vernunfft wollen lehren sein Regi- ment fuͤhren. Welche edle und recht guͤldene Kunst unser theure und sel. Lutherus wol und herꝛlich practici rt/ dann als ihm der Stern auff den Reichs-Taͤgen nicht leuchten wolte/ wie er gewuͤnschet/ so appelli rt er an seine feste Burg: und gibt sich darauff zu Ruh. Jst mein Hirt ein maͤch- tiger ja der allermaͤchtigste He rꝛ/ E. sol mich niemand auß seiner starcken Hand reissen/ kein Gewalt/ kein Schwerd/ kein Strang/ kein Feuer/ auch keine Kranckheit/ Bloͤdhaͤuptigkeit/ Aberwitz/ weder hohes noch tieffes/ ja gar keine Creatur/ wie grim̃ig/ wie maͤchtig sie auch seye/ außgenom̃en die Suͤnde/ wann das Schaaf in einen garstigen Suͤnden-bock degeneri rt/ und durch freywillige Suͤnde sich loßwuͤrcket/ die scheidet Schaf uñ Hir- ten voneinander. Liegt nur daran/ daß ich Jhnanflehe/ und anlauffe/ kein repuls, vielweniger lani en hab ich bey Jhm zu befahren/ wie Lurherus vom Papst Leone X. welcher/ ohnangesehen Lutherus als das Schaaf sich fuͤr ihm/ als dem Loͤwen gedemuͤthiget/ Unterweisung und Ablaß be- gehrt/ dasselbe mit Bannstrahlen von sich gestossen/ ( Tom, I. Jen. p. 56.) Endlich dancken debito officii per servitutem, daß wir uns ihm gantz zu eigen/ und schnldigem Dienst dargeben/ dahin uns anweiset unser Cate- chismus uñ ander Artickel des Apostolischen Glaubens/ e r ist mein He rꝛ/ der mich verlohrnen und verdam̃ten Menschen erloͤset hat/ erworben/ ge- wonnen von allen Suͤnden/ vom Tod und von der Gewalt des boͤsen Gei- stes/ auf daß ich sein eigen sey/ nicht mein/ nicht des Teuffels/ und in seinem Reich unter Jhm lebe/ und ihm dienein ewiger Gerechtigkeit/ ꝛc. Si totum me debeo, schreibt Bernhardus Tract. de diligendo Deo, pro me facto, quid addam jam pro refecto, \& refecto hoc modo? Nec enim tàm fa- D ij cilè Die Dritte cilè refectus? Nam qui me semel tantùm dicendo fecit, in reficiendo profectò \& dixit multa, \& pertulit dura, nec tantùm dura, sed \& indi- gna. In primo opere me mihi dedit, in secundo se, \& ubi se dedit, me mihi reddidit. Datus ergò \& redditus me pro me debeo. Quid Deo retribuam pro se? Nam etiamsi me millies rependere possem, quid sum ego ad Deum? So ich mich gantz schuldig erfinde fuͤr meine Schoͤpf- fung/ was sol ich dann hinzu thun und zugeben fuͤr meine Wiederschoͤpf- fung und Erloͤsung/ und zwar/ fuͤr solche Wiederschoͤpffung/ wie obgemel- det? Sintemahl ich nicht so leicht erloͤset und aufs neue gleichsam erschaf- fen und gemacht worden/ sonst haͤtte der/ welcher mich durch ein eintziges Wort geschaffen/ in meiner Wiederschoͤpffung nicht so viel Wort beduͤrft/ er haͤtte nicht so viel hartes Creutz/ Marter und Angst (wiewol unschul- dig) erdulden und außstehen duͤrffen. Jn der ersten Schoͤpffung zwar hat er mich mir selbst geschenckt und gelassen/ in der andern aber hat er sich mir geschenckt/ und wo er sich geschencket/ hat er mich mir wieder gegeben und frey gemacht. Auff welche Weiß ich nun frey und mir gelassen bin/ befinde ich auch fuͤr mich GOtt zweyfaͤltig schuldig/ bin ich Gott fuͤr mich schuldig/ was bin ich ihm dann schuldig fuͤr sich/ fuͤr seine Muͤhe/ fuͤr sein Leiden und Sterben? Jn Betrachtung/ wañ ich gleich tausendfaͤltig mich bezahlen koͤnte/ bin ich doch nichts gegen einem so grossen Gott. Das ist ge- wißlich wahr. Ey so werde es auch an uns gewißlich wahr. Fiat. Amen. Die Dritte Predigt. Vom Hirten. G Eliebte in Christo. Wuͤrden/ Buͤrde/ Honos, onus. wo grosse Wuͤrde ist/ da ist auch schwere Buͤrde/ wo Ehr/ da Muͤh/ wo Hoheit/ da Arbeit/ wo Herꝛlichkeit und Ergoͤtzlichkeit/ da Be- schwerlichkeit/ sind zwey correlata, die sich moraliter und tugendlicher Weiß nicht trennen lassen. Was GOtt zusam̃en gefuͤget/ das sol der Mensch nicht scheiden. Die Eltern/ Vater und Mutter hat GOtt der HErꝛ hochgeehret/ sie in sein Sinaisch Gesetz einverleibt/ den Kindern ernstlich gebotten/ sie sollen Vater und Mutter ehren/ das ist/ wie es eigent- lich nach dem Grunde Text lautet/ gleichsam als Gold waͤgen/ ihre merita und beneficia auff die Goldwag legen/ und dañenhero das precium schaͤ- tzen/ sie theur uñ werth halten/ was aber an dieser Wuͤrde fuͤr ein Last und Buͤrde Predigt. Buͤrde hanget/ wie sauer den Eltern der Kinder Geburth/ Zucht Pfleg/ Sorg ankomme/ zumahlen wann sie mißrathen/ Creutz und Hertzenleid machen/ davon klagen und sagen fromme Eltern/ die es erfahren. Der Oberkeitliche Stand ist von GOtt dem HErꝛn so geadelt und gesegnet/ daß er denselben/ als ein sonderbar Heiligthum/ in die guldene monstranz seines Worts eingesetzt/ und sie mit dem hohen Namen GOttes regali rt. Jch hab gesagt/ ihr seid Goͤtter/ Ps. 82. Was kan einem sterblichen/ suͤndlichen Menschen fuͤr groͤssere Ehr wiederfahren/ als Go ttes Namen und Stammen tragen. Aber welch ein schwere/ unertraͤgliche Buͤrde den- selben auff dem Hals liege/ daruͤber hat Moses auß eigener Erfahrung lamenti rt und gesagt: Wie kan ich allein solche Muͤhe und Last/ und Hadder von euch ertragen? Deut. 1, 12. Samuel hat nicht vergebens omini rt/ wann er dem Saul/ den er zum Koͤnig erwehlet hat/ uͤber der Taffel und Mahlzeit die Schulder vom Opfferfleisch fuͤrgelegt/ und ihne dabey erinnert/ er werde nicht des Volcks Bauch seyn/ essen/ trin- cken/ was ihm wolgeschmackt/ sondern Schulder/ und alle Last auff die Achsel nehmen muͤssen. Jene Bauren im Bauren-Krieg (schreibt Lu- therus, Tom. I. Isleb. p. 379. 486.) sagten: Wir wollen auch Mardern Schauben und guldene Ketten tragen/ und Rebhuͤner fressen/ aber nicht gedacht/ was fuͤr Beschwerlichkeit an solchen Ketten geschrieben stehe/ wann Go tt einen zu einem Martyrer machen wil/ so setzt er ihn in den Re- genten-Stand. Sitzt er da nicht wie ein Scherg/ sondern fuͤhret sein Am̃t sorgfaͤltig/ treulich/ gewissenhafft/ mit Ernst/ dem darff man den Teuffel nicht uͤber die Hauß-Thuͤr mahlen/ und zu Gevattern beten/ der Poͤbel kan ihn schon gelenck machen. Fuͤhrt er aber den Stand nicht/ wie es seyn sol/ wil Wuͤrde ohne Buͤrde tragen/ nur wol leben/ uñ das Regiment an einẽ Nagel haͤngen/ so sitzt er wie ein Scherg. Viel groͤssers Ding ists um die Seelen-sorg/ und geistlich Hirten-Am̃t/ dem hat der H. Geist den Titul der Ehrwuͤrde selbs gegeben/ 1. Tim. 5, 17. Die Eltesten/ die wol fuͤrste- hen/ die halte man zweyfacher Ehren werth/ sonderlich die da arbeiten im Wort/ und in der Lehre. Aber wie siehet Bernhardus dasselbige an? er sagt/ es sey onus angelicis humeris tremendum. Andere/ es sey negotium negotiorum, wann nichts waͤre/ als die schwere Verantwor- tung einiger Seelen-Versaumnuͤs/ die erschreckliche Draͤuungen/ ana- themata, fulmina und Donnerstrahlen/ so in GOttes Wort ergangen/ sam̃t den Exemplen/ da GOtt dergleichen Draͤuungen exequi rt/ so waͤre es ja Last genug. Das wußt auch David wohl/ hat deßwegen auff diese D iij Con- Die Dritte Conjunctur gedeutet/ mit derselben intoni rt/ die da heißt/ Wuͤrde/ Buͤr- de. Hat seinen Hirten/ den er so hoch recommendi rt/ nicht nur den glor- wuͤrdigsten Jehovam geneñet/ denselben beschriebẽ/ als einen Selbsherꝛn/ gebohrnen He rꝛn/ Eigenthums- He rꝛn/ ein hochgebiet enden He rꝛn und Helden/ den reichsten He rꝛn/ bey dem kein Mangel zu befahrẽ/ den He rꝛn aller Herꝛen/ sondern er stellet uns auch dar seine Buͤrde/ in dem Namen eines getreuen Hirten/ die er uͤbernom̃en/ vom Himmel herab kom̃en/ ein Hirtenfell angezogen/ den Hirten-stab ergriffen/ mit grosser Muͤhe und Sorgfalt das Hirten-Am̃t eines Seelen-Hirten gefuͤhrt/ Leib und Leben druͤber eingebuͤßt/ und dasselbe mit seinem theuren Blut uñ Tod versieglet. Die Wuͤrde im Namen des He rꝛn angezeigt/ haben wir vor 8. Tagen be- schaut/ uñ erwogen/ folget nun daß wir die Buͤrde/ in dem Namen eines Hirten angedeutet. E. L. vortragen. Da wir dann zu betrachten τὶ καὶ τὶς, wer eigentlich der Hirt/ den David gemeynt/ sey/ und worin sein Hirten- Am̃t bestehe. Davon nun auferbaulich zu reden und zu handlen/ wolle uns der Vater des Liechts seines H. Geistes Gnad reichlich mittheilen/ Amen. Belangend τὶ καὶ τὶς, die Definition und Nomenclatur eines Hirten/ was David allhie durch den Hirten wolle verstanden haben/ so ist es zwar an dem/ suchen wir die Nomenclatur und Antwort in Curia Romana, am Roͤmischen Hof und Cantzley des Roͤmischen Pabsts/ so werden wir einen hoch-auffgeblasenen Hirten finden/ der stylus Curiæ wird uns den- selben als einen weltlichen Regenten/ einen regierenden/ gebietenden/ her- schenden Herꝛn beschreiben/ dann so hat die Latina vulgata das Hebrei- sche Wort Roi oder Roah gedolmetschet/ Dominus regit me, dero zu folg so wol die neue außgelassene Chur-Maintzische/ als alte deutsche Version Dietenbergers es also gegeben: Der He rꝛ regieret mich: nach Bellarmi- ni Meynung/ l. 1. R. P. c. 15. p. 878. bedeut das Wort pasce Joh. 21. Weyde meine Schaafe/ so viel/ als den hoͤchsten Gewalt haben. Und wie Gretserus es außlegt Tom. 2. defens. p. 460. ist der oberste Hirt und Pfarrherꝛ zu Rom. 1. Ein Koͤniglicher Monarch/ der alle Jura Majestatis, alle Regalia, Oberkeitliche Hoheiten/ Macht/ Herꝛlichkeit uñ Gerechtigkeit besitzt/ die Ju- ra Majestatis das Koͤnigliche Recht 1. Sam. 8. zu uͤben vermag/ Sohn uñ Tochter zu seinem Goͤtzendienst durch den Gewissens-Strick des blinden Gehorsams an sich ziehen: er hat Jurisdiction nicht allein auff Erden in v. Hodom. Pap. p. 390. foro conscientiæ, im Gewissens-gericht seine Beichtkinder als Partheyẽ abzuhoͤren/ zum Beichtstuhl zu verurtheilen/ Gewissens-straffen aufzule- gen/ Predigt. gen/ judicialiter uñ gerichtlicher-weiß zu inquiri ren uñ zu erkennen; son- dern auch externè allerhand Gerichtliche Process nach dem Lauff des Rechten/ richten uñ schlichten. Ein Roͤmischer Hirt ist (2) ein Blutrich- ter/ wiewol er nicht selbs/ sondern durch seine Scharffrichter/ die weltliche Obrigkeit/ vermittelst der Inquisition, in senatu sanguinis, im Blutge- richt/ dieselbe Gewalt zu uͤben/ zu gleicher weiß/ wie ein Hirt ( ita Bellarm. vid. Joh. Læt. p. 598. l. 5. R. P. c. 7. p. 1421.) die Woͤlff auff allerhand Weiß und Weg/ wie er nur im̃er kan/ abhaltet/ damit sie nicht in Schafstall einbrechen/ die Stoß- boͤck separi ren/ die Schaas mit seinem Hirtenstab zwingen/ daß sie gehen und thun muͤssen/ was er gebeut: also kan auch der grosse Hirt zu Rom/ Regenten uñ Herꝛen wañ sie abfallen uñ Ketzer werden/ die Koͤnigliche A- der schlagen/ die Cathol. Fuͤrsten/ wañ sie nicht recht dem Pabst wollen zu Chor reiten/ absondern/ Wasser und Weyd verbieten/ mit Bannstrahlen vom Thron herab schlagen/ ja gar mit Ruthen castigi ren/ dergleichen di- sciplin Henrico II. Koͤnig in Engelland wiederfahren. Davon pralet Corn. à Lap. ad Matth. p. 112. die Ketzer/ ob sie zwar ihrer Jrꝛthum̃ nicht uͤ- Corn. à Lap. ad Matth. berwiesen (als welches sie bißher an den Lutheranern nicht gekoͤnt) zum Schwerd und Feuer verdam̃en/ anders nicht/ als Dieb und Moͤrder. Docent omnes Catholici, hæreticos incorrigibiles, ac præsertim relapsos posse ac debere ab Ecclesia re jici, \& à secularibus potestatibus (quibus à Cleto tradun- tur, ut Christus à Sacerdotibus Pilato,) temporalibus pœnis, atque ipsa etiam morte mulctari, ita Bellarm. l. 3. de Laic. c. 21. vid. ib. arg. c. 22. Maldonatus ad Luc. 9. pag. 96. Comburendi sunt, tanquam proditores \& transfugæ hæretici, nec ulla belli causa justior esse potest, qu am ut religionis possessio defendatur. Bellarm. l. 5. de Pontif. Rom. Pontifex potest mutare regna, \& uni auferre, alte- ri conferre, tanquam summus Princeps spiritualis, \& c. 7. Non licet Christianis tolerare Regem infidelem aut hæreticum, si ille conatur pertrahere subditos ad suam hæresin vel infidelitatem. Ein Roͤmischer Hirt ist (3) Bellator, ein Kriegsmañ/ der ohne scheu Krieg fuͤhret/ die Schafe mit dem Kriegs-Schwerd verfolget/ massen die Exempla vorhanden/ und die taͤgliche Praxis davon gnugsam zeuget und jener Bischoff in Franckreich. Ein Roͤmischer Hirt ist (4) ein gewaltsa- vid. Gott- fried p. 128 part. 3. mer Melcker und Scherer/ oder vielmehr Schinder/ der das Schaf nicht nur melckt und scheert/ sondern gar schindet/ uñ die Haut uͤber die Ohren abziehet/ davon zeuget das Roͤmische Corban/ die uͤberfluͤssige/ unnuͤtze re- ditus uñ Einkommen der Stiffter uñ Cloͤster/ da die Eltern ihre Kinder spolirt, ad remedium animarum, ihren Seelen damit Huͤlff und Rath zu schaffen/ daß nun Acker- und Bauersleuth/ ja auch Edle und hohe Stands-personen/ ihrer Guͤter uñ Herꝛlichkeiten respectivè entsetzt/ der Cle- Die Dritte Clerisey Coloni/ Zinß uñ Guͤlt-Leut seyn muͤssen/ die ihrẽ sauren Schweiß denselben zutragen/ daß sie davon prassen und prangen/ und darff man noch wol von des Papsts Schmarotzern so verwegen in die Welt hinauß v. Anti- christos. p, 751. schreiben/ Papam ne millesimam partem excipere à Christianis, quod ipsi debetur. Bzo v. l. 10. de sign. Eccles. c. 10. confer. l. 11. c. 11. p. m. 464. Straßburg hat vorzeiten dieses Scheermesser mit Schmertzen erfahren/ Bernhard. Hertzog. l 4 Chron. Alsat. p. 114. es war ein gute reiche/ aber wol außgesogene Melckkuh/ Bischoff Albrecht hat den Butterpfennig erdacht/ und um gewissen Taxt in der Fasten/ auß solcher gepreßten Contribution die Butterbuͤchsen gefuͤllt. Ja gar der Todten wurde nicht geschonet/ sondern unter dem Schein der portionum Canonicarum, das ultimum vale, den Leibfall von den auch armen Leu- ten erpresset/ und ehe die armen Leute unbegraben gelassen/ als daß sie ei- nes selbs angemaßten lytri oder Ranzion Gelt wolten ermanglen. Ein Roͤmischer Hirt ist (5) ein Selbs-Weider/ der mehr auff sich/ sein, Ge- Luther. Tom. 4. Witt. p. 457. f. 2. mach/ Kirchen-Gewalt und Freyheiten/ Præbend en/ Einkom̃en sihet/ uñ angelegen seyn laͤßt/ als auf die Herd/ der Roͤmische Staat muß erhalten seyn/ und solt kein Christ mehr in der Welt bleiben. Der beste und helle- ste Commentarius ist bellum sacrum, da es um die geistlichen Guͤter zu thun/ da der fromme Kaͤyser Ferdinandus III. das Instrumentum pacis eingangẽ/ wie bruͤllt/ wie heult der Lycanthropus zu Rom/ In nocentius X. und sein Schmarotzer der vermumte Eusebius macht alles zunicht. Innocentius X. in Bulla Pacis Germanicæ abrogatrice, An. M. DC LXI. promul- gata, hæc inter alia: sanè cum infimo doloris sensu accepimus, quod per plu- res annos Osnaburgis die 6. Augusti 1648. inter Clarissimum in Christo Filium nostrum Ferdinandum Romanorum Regem \& Imperatorem electum, cum suis fœderatis \& adhærentibus, ex una, \& Suecos cum eorum itidem fœderatis, \& adhærentibus ex altera, nec non alterius pacis Monasterii Westphal. 28. Octob. ejusdem 48. inter eundem Ferdinandum Romanorum Regem \& Imperatorem electum cum suis pariter fœderatis \& adhærentibus ex una, atque charissimum etiam in Christo Filium nostrum Ludovicum, Francorum Regem Christianissi- mum, cum suis similiter fœderatis, ex altera parte respectivè initarum, \& mox p. 43. Ipso jure nulla, irrita, invalida, iniqua, injusta, damnata, reprobata, inania viribusque \& effectu vano omnia fuisse, esse, \& fore in perpetuo, neminemque ad illorum, \& cujuslibet illorum, etiamsi juramento vallata sint, observantiam teneri, neque ex illis cuiquam aliquod jus vel actionem aut titulum coloratum, vel causam rescribendi, etiamsi longissimè \& immemorabilis temporis posses- sio, seu quasi possessio, etiam citrà ullam interpellationem, seu interruptionem subsequatur, acquisitum fuisse nec esse, minusve ullo tempore acquiri \& com- petere posse, neque illa ullum statum facere, nec fecisse, atque perinde, ac si nun- quam emanassent, pro non exstantibus \& non factis perpetuò haberi debere, tenore earundem præsentium decern imus ac declaramus, atque uti sequitur, articulos pacis præfatos, \& potestatis plenitudine penitus damnamus, reproba- mus, Predigt. mus, nullamus, cassamus, annullamus, viribusque \& essectu vacuamus Das heißt nach dem stylo curiæ Romanæ ein Hirt/ das heißt pas- ce oves, weyde meine Schafe. Hat nun David in diesem Psalmen ei- nen solchen Hirten verstanden? ist der Messias ein solcher Tyrann und Miedling/ wie der stylus Curlæ lautet/ wie Pastor larvatus, und ver- mumte Hirt der Roͤmische Papst denselben in seiner Comœdi repræ- senti rt/ wie des Papsts Unter-hirten/ Priester und Pfaffen in die Ubung gebracht/ so mag David diesen Herꝛn fuͤr sich behalten/ wir wollen nicht/ daß dieser uͤber uns hersche/ wir setzen ihn in die Litaney/ GOtt wolle sei- ne Gemeine von Woͤlffen und Miedlingen erloͤsen und ledig machen/ kehren ihm den Ruͤcken und sagen/ ade, vale, apage. Vale, ô Pastor, ô Idolum! O Goͤtzen-Hirt! aͤusserlich huͤbsch gemahlet mit vermeinter Geistlichkeit/ er wil ein geistlicher Herꝛ seyn. Das ist/ ein weiser Raab/ Luther. Tom. 4. Witt. pag. 455. f. 2. \& p. 458. ein Butz mit einem Engel-Kleid angezogen/ welches doch nicht seyn kan/ dann was geistlich ist/ das ist unsichtbar/ er wil ein gnaͤdiger Herꝛ seyn unter des Bischoffs-Stab/ und ist der ungnaͤdigste/ strengeste/ un- gerechteste Tyrann titulo \& exercitio. Vale ô ἀλλοτριοεπίσκοπε, du faulwitziger Allefentzer der Wuͤrde und Buͤrde separi rt/ das Predig- Am̃t von dem Herꝛen- und Prælaten- stand/ der grosse Ertz-hirt wil keinen solchen larvatum und vermumten Hirten unter ihm in seiner Heerd lei- den/ hat ihn außgemustert/ als er jung worden. Luc. 22, 25. Vos autem non sic. Jhr aber nicht also. Jst ein Spruch/ der ihm so bald nicht laͤßt die Zaͤhn außbrechen/ die Außflucht mit dem κατακυριεύιν mag den v Scherer. p. 287. Stich nicht halten/ q. d. nicht so praͤchtig/ streng/ wie die Heidnische weltliche Herꝛen. Nein. Das Wort wird von dem frommen heiligen Adam gelesen. Gen. 1, 28. GOtt dem HErꝛn und Christo selbst zugelegt. Jer. 3, 14. Ps. 71, 8. Ps. 110, 3. und werden hie die weltliche Herꝛen ἐυεργέται gnaͤdige Herꝛen genant/ E. vale, ò Lupe! O Ertz-Wolff! dem der Wolff auß den beeden Augen herauß sihet/ man ziehe ihm die larv ab und den Schafsbeltz auß/ so wird da stehen ein greulicher Lycanthr o- pus, der der Heerde nicht verschonet/ von anbegin ein lanien uͤber die an- der angerichtet/ und viel 1000. Seelen der Hoͤllen in ihren Rachen ge- luͤffert. Salve im Gegentheil/ biß willkomm/ O du Edler/ du guter/ du ge- treuer Hirt/ HErr JEsu Christ/ dich meynet/ dich characterisi rt Da- vid/ dir zu Ehren hat er dieses Bucolicum gedichtet/ gesungen und ge- spielet; in curia cœlesti, nach dem stylo, Art und Meynung des H. Geistes/ ist ein Hirt/ gar viel ein anderer Mann/ als er im Papstthum Neundter Theil. E figu- Die Dritte figuri rt und gebildet wird. Ein Hirt der ein Hirt ist/ Hirten-Treu/ Hir- ten-Lieb/ Hirten-Tugenden uͤbet/ der weydet/ leitet/ scheidet und heilet/ tracti rt also dieselbe als zarte Schaͤflein/ nicht als wilde Loͤwen/ Woͤlff/ Roß und Maͤuler/ kein weltlicher Regent. Dann ob zwar auch Koͤ- nige/ Fuͤrsten und Herꝛen Hirten genennet werden/ so geschicht doch solches nicht so fern als sie Koͤnige seyn/ herschen und regieren/ son- dern wegen der Liebe/ Milde und Art mit den Schafen umzugehen. Homerus Agamemnonem pastorem populorum dixit, ratione (non κυριότητος sed εργεσίας amicæ ν τροφῇ καὶ παιδεία. Competit amicitia Regi sanè er- ga subditos in beneficii supereminentia, benefacit enim iis, qui sub regno suo sunt, siquidem bonus cùm sit, ipsorum curam habet, ut bene agant. Non se- cus atquc ovium pastor. Unde Hometus Agamemnonem pastorem populo- rum dixit. Talis autem paterna etiam est; tametsi magnitudine beueficio- rum præstat. Hæc Aristot. l. 8. Eth. c. 13. David hat den Nahmen eines Hirten/ und zwar pastoris paterni, zu dem sich seine untergebene Schaf so viel als zu ihrem Bruder verse- hen: 2. Sam. 5, 1. Kamen alle Staͤmme Jsrael zu David gen He- bron und sprachen: Siehe/ wir sind deines Gebeins/ und deines Fleisches. Dazu auch vorhin/ da Saul unser Koͤnig war/ fuͤhrestu Jsrael auß und ein. Weil er seine Unterthanen sanfft/ saͤuberlich/ zaͤrtlich/ mit Gelindigkeit/ und vielem Verschonen/ mehr mit Worten als mit Streichen tracti ret. Ein Exempel seiner Liebe und Treu gegen dieselbe hat er erwiesen 2. Sam. 24, 17. Dann als der Wuͤrg-Engel einen Einbruch unter sie gethan/ und mit der Pestilentz dermassen unter ihnen hausiret/ daß in dreyen Tagen siebentzig tausend Mann von ihm erwuͤr- get worden/ und nun biß zur Tenne Arafna des Jebusiters in Jerusa- lem kommen/ und David denselben gesehen/ so wirfft er sich ihm zu sei- nen Fuͤssen/ und wil gern sein Leben mit dem Leben seiner Unterthanen vertauschen/ und spricht zum HErrn: Siehe ich habe gesuͤndi- get/ ich habe die Missethat gethan/ was haben diese Schaaf gethan? und Ps. 78. ꝟ. ult. stehet: Er weydet sie mit aller Treu/ und regieret sie mit allem Fleiß. Anders als Rehabeam/ der mit Peitschen und Scorpionen drein schlagen wollen. Ein solcher Hirt/ sagt David/ ist mein Hirt/ der nicht weltlich regiert/ sein Reich ist nicht von dieser Welt. Sondern der seine Schaf fein saͤuberlich/ zaͤrtlich und sanfft tracti rt/ mit Suasio nen/ mit Menschen-Seilen/ nicht Zwangs- weiß/ sondern Bitts-weiß/ er hat ein Regiment angefangen nicht mit Predigt. mit Harnisch/ Schwerter/ Buͤchsen/ Bogen/ er wird ein son- derliche Weise anfahen die Leute fromm zu machen/ nicht mit dem Rad oder Galgen/ sondern mit oder durch das Evange- lium/ er wird die Leute fassen/ dabey sie am besten zu fassen sind/ nemlich bey dem Hertzen und nicht bey dem Halse/ auf daß sie sich willig unterthun und ihm gerne folgen. Sind Wort Lutheri Tom. 5. Witt. p. 303. f. 2. In specie und insonderheit so ist ein Hirt (1) ein Beymann/ der im̃er Virtutes Pastoris vid. Corn. ad Proph. p. 706. um und bey den Schafen bleibt/ nicht muͤssig/ sondern immer geschaͤfftig/ mit scharffen wachtsamen Augen/ wie Jacob/ er laͤßt ihm kein Schlaff in seine Augen kommen/ zehlet seine Schaf/ und wo er eines verlohren/ sucht er es. Also auch Christus unser HErꝛ und Heyland: Ob ich schon wanderte im finstern Thal/ fuͤrchte ich kein Ungluͤck/ dann du bist bey mir. Er kennet seine Schafe/ er nennet sie mit Na- men/ dann der feste Grund GOttes bestehet und hat diesen Siegel/ der HErꝛ kennet die seinen. 2. Tim. 2, 19. entgeht ihm eins/ so suchet ers wieder/ darum ist er vom Himmel kommen zu suchen das verlohren ist/ hat kein Schlaff ihm lassen zu lieb werden/ dieselbe zu bewachen/ oft und viel Naͤcht mit beten zugebracht. Dann der Huͤ- ter Jsrael schlaͤffet noch schlummert nicht. Ps. 121, 4. und sein Auffsehen bewahret unsern Athem. Job. 10, 12. (2) Ein Hirt ist ein Weydmann/ der seine Schafe außfuͤhret auff eine solche gute/ saffti- ge/ thauende Weyde/ da es Leben und volle Genuͤge finden kan. Ein sol- cher Hirt ist Christus/ er weydet seine Schafe mit Lehr und Weißheit/ sein liebes und suͤsses Evangelium/ das lauter Milch und Honig/ ist die rechte Seelen-Weyd und guͤldene Aue/ voller Seel-Hertz- und Geist-erquickenden Trost-Blumen. Ja nicht nur das/ sondern er hat auch gar sein Fleisch und Blut zu einer Speiß und Tranck gegeben und gelassen. Joh. 10, 11. 15. Quis pastor oves pascit proprio cruore? fragt Chrysostomus hom. 60. ad popul. Antioch. Welcher Hirt hat jemals sein Schaf mit seinem eigenen Blut getraͤncket? (3) Ein Hirt ist ein Leit- und Beleitmann/ geht vor der Heerd her/ fuͤhret sie auff rech- ter Strassen/ und zur Quellen. Also ist auch Christus unser Hodoge- ta, Wegweiser/ Prodromus und Vorlaͤuffer, Hebr. 6, 20. der Weg/ die Warheit und das Leben/ hat sich ihnen selbst zu einer lebendigen Quell und Brunnen dargestellt. Joh. 7, 37. Wen da duͤrstet/ der komme zu mir und trincke. Er ist den Schafen vorgegangen/ mit heiligem E ij Exem- Die Dritte Exempel des Lebens und Wandels/ und damit ein Vorschrifft hinter- lassen zu tretten in seine Fußstapffen/ die da heissen Lieben und Leiden. (4) Ein Hirt ist ein Scheidmañ/ er scheidet seine Heerd von den Woͤlf- fen/ die Schafe von den Boͤcken/ die Schabige von den Gesunden. Eben das hat auch Christus gethan/ dann das bezeugen die vielfaͤltige Disputationes, Concertationes mit den Phariseern und Schrifftgelehr- ten gehalten/ die Fulmina und Bannstrahlen wider sie außgeschossen/ der Elenchus verbalis, und Wort-Straff/ so er an alle hartnaͤckige und boßhafftige/ frevele Suͤnden-Knecht gethan/ dann auch der Stab wehe wol thut/ wann schon nicht dem Leib/ doch der Seel/ oder wie Paulus redet 1. Cor. 5, 5. Auff daß der Geistselig werde an dem Tag des HErꝛn JEsu. Ein Hirt ist (5) ein Heilmann. Ein Hirt heilet/ des Schwachen wartet er/ das Krancke verbindet er/ das Verirrete su- chet er. Ezech. 34, 3. Also ist auch Christus/ der HErꝛ unser Artzt. Exod. 15, 26. durch dessen Wunden wir seind heil worden. Esa. 53, 5. Ein Hirt ist (6) ein Melckmann/ er scheert und melckt seine Schaf/ ist billich/ welcher weydet eine Heerd/ und isset nicht von der Milch der Heerde? sagt Paulus 1. Cor. 9, 7. Also hat auch Christus seiner Auditor en Milch und Woll genossen/ Maria Magdalena/ Mar- tha/ Susanna/ Johanna haben ihm gedienet/ und treulich verpfleget. Es haben ihm auch wol die Raben beytragen muͤssen/ die geitzige/ raͤuberische Phariseer/ als mit welchen er oͤffters gegessen und getruncken. Aber das war sein fuͤrnehmste Speiß nicht/ er suchte eine andere. Epictetus schrei- bet vom Schaf/ Non affert opilioni fœnum, ut ostendat, quantum co- mederit, sed lac \& lanam, Das Schaf bringet seinem Hirten das Heu/ damit er es gefuͤttert hat/ nicht wieder/ damit es ihm zeige/ wie viel es gegessen habe/ sondern bringet dagegen Milch und Woll. Also hat auch Christus bey seinen Schafen gesucht/ Fruͤchte der Gerechtigkeit/ Fruͤch- te des Geistes. Gal. 5. Milch/ so die Durstigen getraͤncket/ Woll/ so die Nackenden bekleidet/ Matth. 25. Ein Hirt ist (7) ein Schaf-Freund/ προβατόϕιλος, Joh. 21. Ein recht getreuer Schaͤfer ist ein liebreicher Mann/ der zufoͤrderst getreu ist seinem Herꝛn/ wie Jacob dem Laban seinem/ wiewol untreuen Schwaͤher getreu geweßt. Gen. 31, 6. Jhr wisset/ (sagt er zu seinen beeden Weibern/) daß ich auß allen mei- nen Kraͤfften euerm Vater gedienet habe. Wo sein Fuß hinge- gangen/ hat ihn der Segen begleitet. Ein Hirt ist vertraͤglich mit an- dern neben-Hirten/ darum heißt das Hebreische Wort auch so viel als einen Predigt. einen Gesellen/ einen Freund/ Gen. 38. 12. Also hat Loth Abraham ce- di rt/ als er ihm zugesprochen: Lieber laß nicht Zanck seyn zwischen mir und dir/ zwischen meinen Hirten und deinen Hirten. Son- derlich aber einet und meynet ein Hirt seine Schafe/ bevorab sein pecu- lium, ihm zu lieb verschmacht er bey Tag vor Hitz/ und des Nachts vor Frost/ und laßt kein Schlaff in seine Augen kommen/ wie Jacob/ oder wagt Leib und Leben fuͤr dasselbe/ wie David/ legt dasselbe in seinen Schooß/ wie jener armer Mann 2. Sam. 12, 3. legt es auff die Achsel/ wie jener Hirt in der Parabel. Luc. 15. Also und gleicher gestalt ist auch Christus seinem Himmlischen Vater getreu/ er sagt: Jch hab noch an- dere Schafe/ die nicht sind auß diesem Stall/ dieselbe muß ich auch her- fuͤhren/ und wird ein Hirt und ein Heerd werden. Joh. 10. Er vertraͤgt sich mit seinem Freund Johanni dem Taͤuffer/ dieser weicht ihm und sagt: Er muß wachsen/ ich aber muß abnehmen. Joh. 3, 30. son- derlich liebt er sein peculium tenerrimè und zartiglich/ als welches er mit seinem eigenen Blut erkaufft/ errennt/ erworben/ und auff das sauerlich- ste gewonnen. Das ist nun die σκιαγραϕία, der Abriß/ die Tugenden deßjenigen Hirten/ den David in seinem Psalm gemeinet/ dem er sein Bucolicum und Hirten-Lied gesungen. Selig sind nun die Augen/ die Dich/ ( ô Edelster Hirte!) sehen/ Sehen/ nicht zwar oculo corporeo, mit leiblichen/ sinnlichen und Coͤrperlichen Augen/ dann das ist unsern suͤndlichen/ sterblichen Augen nicht mehr muͤglich/ und mag uns in dieser Welt nicht gedeyen/ sondern mit erleuchteten Glaubens-Augen/ Sehen im Geist/ wie Da- vid/ im Spiegel deines Worts/ dem heiligen Evangelio/ Dich und keinen Frembden/ auch Mosen nicht/ und zwar in der Figur/ wie Du Dich selbst abconterfehet/ als einen guten/ getreuen/ mild- und liebreichen Hirten/ nicht in einer erschroͤcklichen Figur eines zornigen Richters/ wie man ihn im Papstthum abgemahlt/ sondern in diesem holdseligen schoͤ- Tom. 6. Jen. p. 363. nen Bild/ und in demselbigen ihn immer fuͤr Augen haben. Tertullia- nus schreibt von der ersten Kirchen/ sie hab am Sacramentlichen Kelch das Bild eines Hirten/ der ein Schaͤflein auf der Achsel getragen/ schnei- den und praͤgen lassen/ auff daß der Prediger ihm und seinen Zuhoͤrern dieses Bild wol ins Hertz eintrucke/ und sich/ so offt sie diesen Kelch brauchten/ ihres Ertzhirten uñ dessen Exempel sich erinnerten. Selig sind die Augen die Dich O getreuer Hirt sehen cum affectu fiduciæ, mit ver- traulichen Hertzens-Augen/ als die Grundfest unsers Vertrauens/ der E iij nichts Die Dritte nichts werde manglen lassen/ der uns kein Ungluͤck wird treffen lassen/ ob schon das Hertz Nein dazu sagt: und etwa gedenckt/ dieser Hirt ist mir viel zu edel und zu koͤstlich/ ich bin nicht David/ David ist ein heiliger Pro- phet und GOtt ein werther Mann geweßt/ darum hat er von der Sach wol reden/ und wie ers geredet/ fein glauben koͤnnen. Jch werde es ihm nicht nachthun/ dann ich bin ein armer Suͤnder. Antwort: (sind Wort Lutheri, Tom. 6. Jen. p. 364.) Jch habe droben ange- zeigt/ daß ein Schaͤflein sonderlich diese gute Art und Tu- gend an sich hat/ daß es die Stimme seines Hirten wohl ken- net/ und sich mehr nach den Ohren richtet/ dann nach den Augen. Eben dieselbe Tugend preiset CHristus an seinen Schaͤflein/ da er spricht: Meine Schafe kennen meine Stim- me. Seine Stim̃e aber lautet also: Jch bin ein guter Hirt/ und lasse mein Leben fuͤr die Schafe/ und ich gebe ihnen das ewige Leben/ und sie werden nimmermehr umkommen/ und niemand wird sie mir auß meiner Hand reissen/ ꝛc. Auff die- se Stimme habe fleissig Achtung/ und richte dich darnach/ thust du solches/ so halte gewiß dafuͤr/ du seyest Christi Schaͤf- lein/ er dein Hirte/ der dich nun wol kenne/ und wisse dich auch mit Nahmen zu nennen/ hastu ihn aber zum Hirten/ so wird dir fuͤrwahr nichts manglen/ ja du hast schon/ was du haben solt/ das ewige Leben. Jtem/ du solt nim̃ermehr umkom̃en. Es sol auch keine Gewalt so groß und maͤchtig seyn/ die da ver- moͤg dich auß seiner Hand zu reissen. Deß soltu mir gewiß seyn/ dann dieses Hirten Stimme wird dir gewiß nicht feh- len/ was wilt du mehr. Laͤssest du aber diese Stimme fahren/ und richtest dich nach dem die Augen sehen/ und der alte A- dam fuͤhlet/ so verleurest du den Glauben und Zuversicht/ die du als ein Schaͤflein zu ihm/ als deinem Hirten haben solt/ fallt dir jetzt dieser/ jetzt jener Gedancken ein/ daß du nicht zufrieden seyn kanst/ sondern disputi rest bey dir selbst/ und sprichst: Jst der HERR mein Hirte/ warum verhaͤnget er dann uͤber mich/ daß mich die Welt ohn alle meine Schuld so jaͤmmerlich zuplaget/ und verfolget? Jch sitze mitten un- ter den Woͤlffen/ bin meines Lebens kein Augenblick sicher/ ich sehe aber keinen Hirten der mich schuͤtzen wolle. Jtem/ warum gestattet er dem Teuffel/ daß er mir so viel Leids thut mit Predigt. mit Schrecken und Zagen? Dazu so finde ich mich gantz un- geschickt/ ungedultig/ und noch mit vielen Suͤnden beladen/ fuͤhle keine Sicherheit/ nur Zweiffel/ keinen Trost/ nur Furcht und Zitteꝛn fuͤr GOttes Zorn. Wann hebet er dañ an zu beweisen an mir/ daß er mein Hirte sey? Solche und andere noch viel wunderlichere Einfaͤll wirst du haben/ wann du seine Stimme und Wort laͤssest fahren. Bleibest du a- ber fest daran hangen/ so laͤssest du weder des Teuffels List/ noch der Welt Ungnad und Toben/ noch deine eigene Schwachheit und Unwuͤrdigkeit dich anfechten/ sondern ge- hest frey hindurch/ und sprichst: Es setze sich der Teuffel/ die Welt oder mein eigen Gewissen wider mich/ so hefftig sie immer koͤnnen/ ich wil mich darum nicht zu todt graͤmen/ es muß doch und sol auch gehen/ daß wer des HErꝛn Schaͤf- lein ist/ wird von den Woͤlffen unangefochten nicht bleiben/ es gehe mir/ wie es der liebe GOTT uͤber mich verhaͤnget/ man siede oder brate mich/ so ist das mein Trost/ daß mein Hirte sein Leben fuͤr mich gelassen hat. Dazu hat er auch eine suͤsse/ liebliche Stimme/ damit er mich troͤstet/ und spricht: Jch sol nimmermehr umkommen/ mich sol auch niemand auß seiner Hand reissen/ ich sol das ewige Leben habẽ/ das wird er mir treulich halten/ es gehe mir/ wie es wolle/ und laufft meiner Schwachheit halben etwa noch Suͤnde/ oder andere Fehle mit unter/ er wird mich darum nicht weg- werffen/ dann er ist ein freundlicher Hirte/ der der schwachen Schaͤflein wartet/ sie verbindet und heilet/ und daß ich desto gewisser sey/ und ja daran nicht zweifele/ hat er mir die Heil. Sacramenta zum Wahrzeichen hinderlassen. Welches Ver- trauen dann diese und dergleichen Seufftzer auß dem Hertzen in den Mund leget/ Du Hirte Jsrael hoͤre/ erscheine/ erwecke deine Gnade/ komme mir zu Huͤlff/ GOtt troͤste mich/ laß dein Antlitz leuchten/ so genese ich. Ps. 80, 1. \& seq. Selig sind die Augen/ die auff dich sehen/ auff deine Fußstapffen/ die heissen Lieben und Leiden. Wir sind und sollen seyn alle Hirten. Ein Regent seinen Un- terthanen/ ein Vater seinen Kindern und Gesind/ ein jeder seinem Nech- sten/ ja sein selbst. Die rechte Hirten-Sitten und Tugenden sind abge- mahlt in Christo/ darum auch ein jeglicher sol gefinnet seyn/ wie Chri- stus Die Dritte stus auch war. Phil. 2. Sonderlich aber ist allhie das Ziel gesetzt den al- so eigentlich genanten Seelen-Hirten/ offentlichen Seelen-Hirten/ Leh- rern und Predigern. Der Nahm ist general, und allen gemein. St. Paulus meynet alle/ wann er sagt Act. 20, 28. Habt acht auff euch selbst/ und auff die gantze Heerde/ unter welche euch der Heil. Geist gesetzt hat zu Bischoͤffen/ zu weyden die Gemeine Got- tes/ welche er durch sein eigen Blut erworben hat. Deßglei- chen St. Petrus Epist. 1. c. 5, 2. Weydet die Heerde Christi/ so euch befohlen ist. Wiewol die Obligation staͤrcker bindet/ die par- ticular. Seelsorger seind/ und den Lehrern entgegen gesetzt werden. Eph. 4. Hirten sollen sie seyn/ und nicht Seelen-Herꝛen/ nicht uͤbers Volck herschen/ Herschen und Weyden seind ἀσύςατα, sondern Fuͤrbilde der Heerde werden. 1. Pet. 5. Was die Fuͤrstliche Bistthum in Teutschland anlangt/ laßt unser Augspurgische Confession ihne solche Ehr/ aber als weltlichen Herꝛen/ so sie auß reichen und milden Stifftungen und Geschencken gutthaͤtiger Koͤnige und Kaͤyser erlangt. Si quam (ita August. Confess. p. 39.) habent Episcopi potestatem gladii, hanc non habent Episcopi ex mandato Evangelii, sed jure humano, donatam à Regi- bus \& Imperatoribus ad administrationem civilem suorum bonorum. Hæc interim alia functio est, quàm ministerium Evangelii. Potestatem (ait My- lius in Aug. Confess. art. 7. de potest. Eccles. p. 177) temporalem jure huma- no ab eis possideri concedimus, sed desiisse illos esse, quod fuerant, statuimus. Suscepta enim potestate \& dominio temporali, Ecclesiastico ordine ipsos exci- disse credimus, ita, ut Episcopale præter nudum \& inane nomen nihil habeant. Heutige Bischoͤffe sind weltliche Fuͤrsten) inquit Lutherus Domin. 24. Trin. p. 153. f. 2. So laßt man auch die Lutherische Canonicat, und dero Administra- tion passi ren/ darinnen auch bißweilen Kirchendiener/ nicht als geistliche Seelenhirten/ sondern als organa und Werckzeug des Bischoͤflichen v. Theol. consc. p. 886. Rechts/ tracti ren solche Sachen/ als πάρεργα, als Schul- und nicht als Kirchen-Lehrer/ man muß auß der Noth eine Tugend machen. Das ist aber das ἔργον, Seelen-hirten sollen Acht haben auf die gantze Heerd/ Act. 20. sollẽ weyden/ leiten/ scheiden/ heilen/ moͤgen auch der Woll uñ der Milch geniessen als Arbeiter/ die des Lohns werth. Luc. 10. Sind deßwegen keine Miedling; gleich wie reich werden nicht verbottẽ/ aber reich wollen werdẽ/ ist suͤndlich/ die fallen in des Satans Netz uñ Stricke/ in Ehren-sitz erhabẽ werden/ ist nicht unrecht/ aber geehrt wollen werden/ Ehrsucht und Ehr- geitz ist ein Laster: Also Lohn empfangen/ macht keinen Miedling/ wann man Predigt. man aber den Lohn ὡς ἓνεκα, zum letsten Ziel und Zweck hat/ daß macht einen Miedling/ wie bißweilen leichtsinnige Pfarrenwerber und Curren- ten thun/ die mit aller Macht wollen auffgestellt werden/ fragstu war- um/ es bedarff da keiner Hertzens-Schau/ der Tag und der Mund re- dets. S. Denarius, die guͤldene Ernd/ fette Martini/ Neu-Jahr ꝛc. da ist manchem wehe. Weit muͤssen diese lauffen/ die der accusation eines Miedlings wollen entlauffen. Alles ex motivo charitatis, auß Trieb der Liebe/ Lieben und Leiden sind die zween Fußstapfen/ darein sie dem Ertz-Hirten muͤssen nachtretten/ Lieben/ das ist/ das Leben lassen/ das ist/ vitæ commoda und Ergoͤtzlich- keit/ wie Moses/ otium und faule Menschen-Tag/ dann solches laͤßt recht- schaffene Hirten-Treu und Wacht fuͤr den Schaffstall der Kirchen nicht geschehen/ dabey dann Leiden nicht außbleibt/ je eiferiger/ je verhaßter/ je getreuer/ je unangenchmer. Treue Hirten kan der Satan nicht leiden/ die Welt siehet solche lieber unter als auff der Erden. Christus hat seine Phariseer und Judam/ Johannes der Taͤuffer seinen Herodem/ Pau- lus seine zween Schmid/ die ihm das Leben saur gnug gemacht/ und um seinen guten Leumund gebracht/ Demetrium den Goldschmid. Act. 19. und Alexandrum den Schmid/ der ihm viel Leids gethan/ 2. Tim. 4. Lutherus das gantze Roͤmische Reich/ den Teuffel mit seiner Mutter/ aber da wird nichts anders auß/ es muß gelitten seyn/ und sich dessen er- wegen/ wann man sich an dem Teuffel versuͤndiget/ so schencket ers kei- nem/ darum man in Gegentheil das Leiden mit der Liebe Christi muß uͤberzuckern/ und mit Paulo sprechen 2. Cor. 12, 15. Jch wil fast gerne darlegen/ und dargeleget werden fuͤr eure Seele/ wiewol ich euch fast sehr liebe/ nnd doch wenig geliebet werde. Selig aber endlich/ die um sich sehen und fuͤr sich sehen/ nicht nur den Hirten/ son- dern auch seine Æmulan ten und Affen recht lernen erkennen und unter- scheiden/ nach dem Wort Christi: Sehet euch fuͤr/ fuͤr den fal- schen Propheten/ die in Schaffs-Kleidern zu euch kommen. Matth. 7. Προσέχετε, sehet fuͤr euch/ huͤtet euch/ haltet gute Wacht/ schauet den Wolff an/ mit eigenen/ puren/ ungefaͤrbten/ uneingenom- menen/ erleuchteten Augen/ so genau und scharff/ als genau und scharff der Satan auff den frommen Job und seines gleichen schlechte und rech- te Gottsfoͤrchtige Hertzen Achtung gibt. Job. 1, 8. (LXX. προσέχες τῇ διανοίᾳ σου.) eben mit so genauen und scharffen Augen gebt ihr auch Achtung auff der Woͤlffe Gaͤng. Wir haben Ursach/ wann wir zuruck Neunter Theil. F sehen Die Dritte sehen auff die Zeiten unserer Vorfahren/ wie greulich die Woͤlff hie ein- gerissen/ und was fuͤr Hirten und Bischoͤffe dieselbe gehabt/ als deren keiner hatte vor 1478. geprediget oder predigen lassen/ allererst in bemel- tem Jahr hat Bischoff Robertus einen Prediger im Muͤnster bestellt/ wie Guilman bezeuget/ p. 425. sie waren non pastores, sed deglubito- res, nicht Hirten/ sondern Schinder/ Bischoͤffe/ aber nicht der Seelen/ sondern der Seckel/ die allerhand Fuͤnd erdachten den Leuten das Geld auß dem Seckel herauß zu schwaͤtzen. Durch was grosse Gnad und panicos terrores, sie von dem Obersten Ertz-Hirten außgejaget worden Anno 1559. Sie koͤnnen aber wieder kommen/ wann Gott wil zor- nig seyn: Es ist Jhm nur um ein Zischen und Wincken zu thun. Wann wir bedencken/ was der Satan im Sinn gehalt/ gleich Anfangs bey dem ersten Anblick des wiederum erscheinenden Liechts deß Evangelii/ was fuͤr Lehrer in suggestu \& cathedra auff der Cantzel und Schul- Stul eingenistet/ Calvinus selbst/ der zaͤnckische Zanchius, Piscator ab- soluti decreti Apostolus Apostaticus und unartige/ abtruͤnnige Straß- burger? Wie nahe es dran gewesen/ daß diese Stadt mit dem Calvi- nismo waͤre inficirt worden/ wann wir hinauß sehen/ wie an andern Orten es hergehe/ wie Anglia ein Diabolica worden/ was fuͤr greuli- che Jrꝛwisch da vagi ren/ die Puritaner, die Independenten, die Expe- ctanten, die Brunisten, die neuste Brut der Quacker/ und andere der- gleichen. Wann wir in præsens bedencken/ wie das Thier Hyæna Thomas Heinrici, Duræus schon lang des Hirten Stimm imitirt, in Hoffnung den Hirten herauß zu locken/ wuͤrde es geschehen/ so waͤre es um die Schaaf geschehen. Wie die Woͤlff unsern Schaafstall umge- ben/ und heulen/ wie schwach die Gegenwehr/ was ins kuͤnfftig zu hof- fen/ es ist dem Allmaͤchtigen Gott nur um ein Wincken zu thun/ so vid. Voss. p. 1116. reissen sie ein/ und ist alsdann die Vorsorg und Wacht zu spat. Plinius schreibt/ wann der Wolff den Menschen ehe sehe/ als dieser ihn/ so ver- stumme der Mensch. Daß sey wahr oder nicht/ so ist es doch bey geist- lichen Woͤlffen wahr/ wann derselb mit seiner wachsamen Fuͤrsichtig- keit uns vorkommt/ so verstummet man/ man darff nicht mehr reden/ nicht mehr schreiben/ die Federn sind nieder gelegt. Sapienti sat di- ctum: Jch schliesse mit Paulo in den Worten/ damit er seine Epistel an die Hebreer beschlossen: Der GOTT des Friedens/ der von den Todten außgefuͤhret hat den grossen Hirten der Schaafe/ durch das Blut des ewigen Testaments/ unsern HErꝛn JEsum/ Predigt. JEsum/ der mache euch fertig in allem guten Werck zu thun seinen Willen/ und schaffe in euch/ was fuͤr ihm gefaͤllig ist/ durch JEsum Christ/ welchem sey Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit/ Amen. Die Vierte Predigt/ Von David/ als dem Schaaf. G Eliebte in Christo. Jn der uralten/ sehr schoͤnen Legend und Histori des H. Patriarchen Jacob und seiner Schaͤferey lesen wir von einem sonderbaren/ Sinn- und Geheimnuͤßreichen Artificio, Kunst-Stuͤck/ Weyd-Kunst/ und Weyd-Fund/ welche er der H. Jacob gebraucht/ ge- uͤbet/ und einen reichen Nehr-Schatz damit gewonnen und erworben/ dann als er der kluge und getreue Knecht mit seinem vortheil- sichtigen/ geitzigen/ Gott- und treulosen Schweher Laban/ dem umge- kehrten Nabal einen solchen Contract getroffen/ daß alle die bundten/ flecken und vielfaͤrbige Laͤmmer und Ziegen/ so von einfaͤrbigen/ weissen Schaaf-Muͤttern fallen wuͤrden/ Jacob zum Lohn und Gewinn/ zum peculio und Eigenthum gedeyen/ die uͤbrigen aber Labans seyn/ heissen und bleiben sollen/ so hat er in die Traͤnck-Rinnen gestreiffte geschelte und faͤrbige Staͤb von Pappelbaum/ Haseln und Castaneen gelegt/ worauff erfolget/ daß wann sie im Fruͤhlings-Lauff uͤber den Staͤben empfangen/ sie in und auß Anblick gleicher Gestalt/ gleichfoͤrmige Geburt geworf- fen/ eine grosse Menge und Anzahl von flecketen und bundten Laͤmmern/ davon Jacob uͤber alle maß reich und gesegnet worden/ und zur ansehn- lichen Nahrung kommen. Es hat zwar die Natur das ihrige bey die- ser Wunder-Kunst gethan/ ihr influenz und Wuͤrckung durch die Phan- tasey beygetragen/ als dero Tugend/ Krafft und Art bey den Empfaͤng- nuͤssen/ Geburten und Bildnuͤssen der Thier wundergroß. Und man der Exempeln in Historien und Experienz beschienen/ unterschiedlich je und allezeit gehabt/ wie bey schwangern Weibern durch Anschaw eines F ij und Die Vierte und andern/ so schroͤcklichen/ so lieblichen objecti die Gestalt der Ge- burt sich geaͤndert und nachgeahnet: Sonderlich ist beruͤhmt die Historia jener Moͤrin oder Moren-Koͤnigin/ die wider die Natur der Moren ei- ne nicht schwartze Geburt/ sondern schneeweisses Kind gezeuget und ge- bohren/ Ursach/ sie hatte in ihrer Kammer das schoͤne weiße Bild der Andromeda, auff einer Mappa hangen/ daran vergaffte sie sich/ daß die Phantasie hernach das Kind demselben nachgebildet. Also mag auch die Natur bey dieser Aenderung der Natur der Schaaf das ihrige ge- than haben. Aber allein und seorsim die blose Natur nicht/ wann sie nicht von einem hoͤhern principio waͤre elevirt worden/ wuͤrde Jacob wol laͤr Stroh gedroschen haben/ und seinen Zweck nicht erreichet. Es probiere es heutiges Tages ein Schaͤfer und mache es nach/ was gilts/ ob es ihm gelingen wird. Darum muͤssen wir auff ein hoͤheres princi- pium sehen/ von dem diese Aenderung der Natur und reicher Segen er- folgt/ nemlich der unerschaffene Engel/ Gott selbst/ der ihm zu Bethel erschienen/ der hat ihm im Traum diese Kunst geoffenbahret/ und diesel- be gesegnet/ wie er selber nicht unlauter bejachzet und bekennet. Gen. XXXI, 10. Der Engel ist ihm erschienen/ und gewiesen/ daß diese Kunst natuͤrlich und gut sey/ sagt Lutherus, derselbe Gott hat euerm Vater sein Gut entwendet/ und mir gegeben/ als ein gerechter Richter. Weß- wegen auch dieses Kunst-Stuͤck fuͤr kein Exempel eines Betrugs und Diebstals anzusehen/ noch unfuͤglich und unvernuͤnfftig in dem Catechis- mus-Buͤchlein diese Histori als ein Exempel des Diebstals dem achten Gebot zuzufuͤgen und beyzumahlen. Sintemal quod DEUS jubet, id sine omni dubitatione sanctum est \& licitum. Luth. Was Gott heisset/ das ist ohne allen Zweiffel heilig und erlaubt. Gleichwie der Herr den Kindern Jsrael in Egypten wuͤrcklich recht gesprochen/ und ihre Frondienst compensirt, mit der Egypter guͤldenem und silbe- rem Geraͤth/ gleich einem rechten Richter den Heimgang gethan/ und den rechten/ wolverdienten/ bißher gehaltenen Liedlohn erstattet. Also hat die Gerechtigkeit fur Jacob gezeuget. Gen. XXX, 33. Es ist aber auch dieses Artificium ein Vorbild auff den Ertz-Bischoff und Hirten unserer Seelen/ und seine heilige Nachfolg/ den wir als den Kern und Stern der gantzen heiligen Schrifft suchen und forschen sollen/ wie billig in der gantzen heiligen Schrifft/ wo wir ihn finden koͤnnen/ also auch in Jacobs Schaͤferey und Traͤnck-Rinnen. Er ist der getreue Hirt/ Ja- cobs Sohn und Antitypus, wir sind seine außerwehlte Schaaf und Laͤmmer/ Predigt. Laͤmmer/ derselbig hat freylich auch in die Traͤnck-Rinnen und Quellen Jsraelis/ das Wort seines H. Evangelii sich selbst gelegt/ als den gruͤ- nenden Stab Aarons auß Jacobs Stamm/ die Ruth und Zweig Jesse/ samt aller seiner Farb/ Gestalt/ Quali taͤten/ Tugenden und Fußstapf- fen/ auff daß wann seine geistliche Schaafe/ glaubige/ außerwehlte See- len/ geistlicher weiß im Glauben empfangen/ er sich mit auffgedecktem Angesicht so lang spiegele/ biß er eine Gestalt in uns gewinne/ und sie in dasselbige Bild verklaͤret werden/ wie S. Paulus redet. Gal. IV, 19. 2. Cor. III. omnia εἰς ὑπογραμμὸν, daß wer sein Schaaf seyn wil und soll/ auch sich ihm gleichfoͤrmig nachahne/ und also mit Warheit sagen koͤnne; Der HERR ist mein Hirt/ und ich bin sein Schaaf/ ohne Falsch und Trug/ auff Art und Weiß/ wie wir anjetzo mit mehrerem ver- nehmen wollen. Dann nachdem wir betrachtet den Herrn und Hirten/ und auch den Hirten und Herrn/ einen getreuen/ liebreichen Schaaf-Hirten/ als einen Weydmann/ Leitmann/ Scheidmann/ Heil- mann und Melckmann/ wie ihn David abmahlt/ lernen erkennen/ so folgt Davidica ἰδιοϖοίησις, die Eignung desselbigen mit Davids Hertzen/ wessen Hirt Er sey/ und was eigentlich sein gewisses Schaaf sey; Ex- primirt in dem kraͤfftigen Wort MEJN. Hievon nun fruchtbarlich zu reden und zu handeln/ wolle uns der Allerhoͤchste Gott Liecht/ Gnad und Beystand des H. Geistes reichlich verleihen/ Amen. G Eliebte in Christo. Ob nun in unserm XXIII. Psalm das Wort oder der Nahme Schaaf mit keinem Buchstaben hell und klar außgedruckt/ und nirgends der Nahme eines Schaafes benamset wird/ so bringts doch der Verstand auff dem Ruͤcken mit sich ex correlatione, wer sagt: Dieser Mann ist mein Herus und Haußherꝛ/ der sagt zugleich mit/ ich bin sein Knecht/ Magd/ ꝛc. Dieser mein Koͤnig. E. ich bin sein Unterthan/ dieser ist mein Patron. E. bin ich sein Client, dieser ist mein Præceptor. E. bin ich sein Discipul, dieser ist mein Medicus. E. bin ich sein Patient. Also seind auch diese beyde Conjugata, Schaaf-Hirt und Schaaf/ die Gott zusammen gefuͤget hat/ unzertrennlich. 2. Ex prædicatorum confluxu. Er weydet mich auff einer gruͤnen Aue/ E. bin ich sein Weyd-Schaaf. Er traͤncket mich. E. so bin ich sein laͤchzendes und durstiges Schaaf. Er fuͤhret mich auff rechter Straß. E. bin ich sein Geleit-Schaaf. Ob ich schon wandelt im finstern Thal/ fuͤrchte ich kein Ungluͤck. E. bin ich sein F iij Schutz- Die Vierte Schutz-Schaaf. 3. Ex Christi explicatione \& πιλύσει, der es also erklaͤrt Joh. X. da Er sich einen guten Hirten nennet/ aber darneben der Schaaf nicht vergißt; sondern deren mit Ehren gedenckt/ deren Elogia und Tugenden er herauß streicht/ pascit manifestis, exercet obscuris, Aug. tract. 45. in Joh. IV. Sonderlich ex Davidis ipsius agnitione, David hats selbsten erkennet/ der sein lang Alphabeth den 119. Psalm mit diesem bedencklichen Wort beschlossen: Jch bin wie ein verir- ret und verlohren Schaaf/ HErꝛ suche deinen Knecht. Ani, Ani, ach ich armseliger/ exuli render Reichs-Bandit. Jch werde dort durchaͤchtet leiblich von dem wuͤtenden Wolff/ dem Koͤnig Saul/ ich werde in allerhand Jrꝛsahl getrieben/ gejaget uͤber Berg und Thal/ von einer Wildnuͤß/ Einoͤde/ Klufft und Hoͤle in die andere/ und suchet wie er mich moͤge zerreissen/ hie der wuͤtige/ grimmige Loͤw/ gehet um mich her zu verschlingen. O wehe mir. O Edler Hirt/ verlaß mich nicht/ suche mich/ sonst verdirb ich/ ruffe mir durch deine liebliche Hirten-Pfeiff. Votum Catholicum, Davids flehender Mund alle Manns Mund. Davids Wunsch/ aller und jeder Menschen Wunsch. Wir gehen alle in der Jrre wie Schaafe/ wir wissen weder Weg noch Steg/ wohin und wodurch wir gehen sollen/ wir bloͤcken und schreyen alle auß dem Propheten Esai. LIII, 6. Wir giengen alle in der Jrre/ alle/ alle/ deren Suͤnde auff den Hirten geleget worden/ wir sind alle verirꝛte Schaafe/ ein Jrꝛwisch fladert daher/ der ander dorther/ einer rufft da- her/ der ander dorthin/ und muͤsten wir uns gelassen alle in die hoͤllische Wolffsgrube fallen. Ach so suche deinen Knecht/ bring ihn wieder zu recht/ durch dein suͤsses Evangelium und theures Ministerium. Jst demnach Christus Pastor Catholicus, ein allgemeiner Hirt/ und ist von dieser Hirten-Genoßschafft und Gemeinschafft niemand absolutè und bloß außgeschlossen/ juxta voluntatem \& intentionem antecedentem, nach dem vorgehenden Willen und Meynung GOttes. Christus der allgemeine Hirt/ der sein Leben fuͤr alle gegeben/ auff welchen alle unsere Suͤnde geworffen worden/ ist kommen zu suchen das Verlohrne/ nun sind wir alle verlohren/ aller unser Suͤnd ist auff Jhn geworffen. Nicht sind bloß außgeschlossen die stinckende Boͤck/ dann der verlohrne Sohn war derselben einer/ aber seines Vaters Huld und Gunst wieder gewuͤr- diget/ nicht die fremde Hunde/ dann das Cananeische Weiblin war der- selben eine/ und doch begnadet. Er hab noch andere Schaaf draussen/ sagt Er selbst/ Joh. X. Nicht die wutende Woͤlffe/ denn Paulus Predigt. Paulus war ein solcher/ quam multæ oves foris, August. tract. 45. in Joh. Notandum hoc contrà Calvinum \& Spanhem. de gratia universali. p. 835. Masson. p. 200. juxta Calvinum omnes sumus hirci, hinc argumentum: Nullus hircus est, pro quo Christus vitam ponit. Omnis homo est hircus. Juxta Calv. ad Joh. X. E. Calvine, quo ruis? Nicht sind außgeschlossen die Reprobi und Verworffene/ die nicht Schaa- fe seyn wollen/ als die blinde/ stoltze und selbstgerechte Phariseer/ deren der Herr 99. in der Wuͤsten gelassen/ denn Er hatte sie beruffen zu sei- ner Heerde/ und das verlohrne Schaaf ihnen wieder zugesellet. Nicht vid. Denck mahl. pag. 534. sind bloß außgeschlossen die Verdam̃te selbst/ in sensu composito so fern sie noch salvabiles, und in solchem Stande/ daß ihnen noch kan geholf- sen werden/ Judas war ausser Streit ein Reprobus, ὸς ἀϖωλείας, ein Kind des Verderbens/ dennoch hat ihn Christus in seinen Schaafstall gezogen/ so viel an ihm/ denselben zugewinnen/ fuͤr den Er auch gestor- ben und gelitten/ und sein Leben dahin gegeben. Woher die ἀϖοτυχία, der Mißrath? nicht ex absoluto decreto, auß einem zum Verderben be- zielenden und eingerichteten/ fuͤrtringenden/ fuͤrzielenden Schluß und Noth-Kett/ wie Calvinus, Beza, Piscator schwermen/ Judas dicitur Fi- lius perditionis, non modò quia periit, sed etiam quia huic exitio erat destinatus ac devotus. Beza in notis ad Joh. 17. p. 433. Judas wird ein Kind des Verderbens genennet/ nicht nur weil er verdorben und untergangen/ sondern auch/ weil er zu diesem Verderben und Un- tergang bestim̃t war. Wie aber das zu verstehen/ hat er in der Lateini- schen Gloß angezeigt/ in dem 702. Blat. Er ist zum ewigen Verderben bestim̃t (idque æterno consilio \& decreto) und daß auß Goͤttlichem Rath und Beschluß. Calvinus in seiner Evangelischen harmoni p. m. 333. schreibet. Semper nobis occurrat divina pro videntia, cui Judam ipsum \& omnes impios, (licet invitos \& aliud agentes) parere necesse fuit. Wir sollen uns allezeit GOttes Schickung vor Augen stellen/ welcher der Judas und alle Gottlose mit ihm/ (wiewol sie es ungern und wider ihren Willen thun) gehorchen muͤssen. Noch groͤber reitet herein D. Zvvinger, in der Disputation, so Anno 1641. zu Basel wider uns allhie gehalten worden/ fuͤrgebend/ es sey in und mit dem Bissen/ den Christus Juda gereicht/ der Teuffel in ihn gefahren/ jhn also vol- lends besessen. Pfuy dich der Gottlosen Rede! hat Christus wissent- lich dem Judas mit dem Bissen den Teuffel eingegeben/ so kommt er in die Gemeinschafft der schroͤcklichen Suͤnde/ welche Judas begangen. Ein Die Vierte Ein anders berichtet uns der Evangelist Johannes/ und schreibet klar/ es sey der Satan erst nach dem Bissen in ihn gefahren/ und was noch mehr. Es erkuͤhnet sich Massonius zu schreiben part. 1. anatom. 39. cap. V. 1456. Das Judas wegen seiner Suͤnde verdam̃t wor- den/ ist richtig. Allein haͤtte Christus fuͤr Judam auch ge- beten/ wie fuͤr Petrum/ haͤtte Christus Judam auch mit Gnadenblick angesehen wie Petrum/ ꝛc. Daß Christus fuͤr Judam nicht gebeten/ bezeuget der Außgang/ sonst waͤre er glaubig worden. Solcher massen waͤre Judas nicht schuldig/ son- dern GOttes unumgaͤnglicher Wille. Also reden die Reformirten. Woran hats dann gemangelt? Was hat ihn verdam̃t? Antwort/ die- weil er muthwillig ein Kind des Verderbens hat seyn wollen/ merito \& studio, das ist/ nach Hebreischer Art zu reden/ auß seiner eigenen Schuld und Verdienst. Regula Hebræorum est, si ad nomen Filii additur præmium vel pœna, stu- dium, meritum, reatum denotat. filius mortis, h. e. reus, mortis. 1. Sam. XX, 31. ὸς εἰρήνης filius pacis, h. e. studiosus pacis. Luc. X, 6. Wie er gerungen/ so ist ihm auch gelungen. Er wolte den Fluch haben/ der ist ihm auch kommen/ er wolte des Segens nicht/ so blieb er auch fern von ihm. Er zog an den Fluch/ wie sein Hembd/ und ist in sein inwendiges gegangen wie Wasser/ und wie Oele in seine Gebeine. Ob nun wol Pastor Catholicus, besagter massen dieser Edle Hirt/ von solcher edeln Natur/ daß Er kein verlohrnes Adams-Kind/ von der Gemeinschafft seines Hirten-Ampts/ Treu und Genuͤß deren daher fliessenden Gutthaten/ sondern nichts anders sucht/ als daß alle und jede Menschen Jhn mit diesem Nahmen ansprechen und begruͤssen moͤchten: Ach Herr unser aller Hirt/ wir alle sind die Schaafe deiner Weyde. Jedoch so sind eigentlich/ wuͤrcklich/ thaͤtlich/ genießlich seine rechte und aͤchte Schaafe/ die ihnen denselben approprii ren/ und mit Warheit sa- gen koͤnnen/ MEJN Hirt. Allein die τεταγμένοι, Act. 13. Ductiles, die sich ohn widersetzen suchen und finden lassen/ und namentlich I. Soli Transformati, die eine starcke/ gewaltige und selige μετα- μόρϕωσιν und Veraͤnderung uͤber sich gehen lassen/ ein Natur-Wechsel und Tausch gethan/ die wilde Natur abgelegt/ und zahm worden. Es sey Predigt. sey dann daß der Mensch wiedergebohren werde/ kan er das Reich GOttes nicht sehen. Joh. III. Es sey dann/ daß der Bock ein Schaaf werde/ bleibt er ohne Aenderung ein stinckender Bock/ so wird er zur Lincken gestellet werden. Es sey dann/ das der verlohrne Sohn/ als ein stinckender Bock/ der sein Patrimonium im Gast- und Huren-Hauß durch gejagt/ durchs liebe Creutz/ Hunger und Armut/ in seinem Hertzen/ seinen Affecten, seinem Leben und Wandel anders wer- de/ wie er dann worden: Es sey dann/ daß die Cananiten auß dem Heidnischen Hund-Stall in den Schaaf-Stall Christi sich lassen ver- setzen: Es sey dann/ daß der Bluthund/ der rasende Wolff Paulus in ein andere Haut schlieffe/ und auß dem reissenden Wolff ein zartes und zahmes Schaaf/ ja Schaaf-Hirt selbst werd/ aus einem Blindling ein Taͤuffling/ auß einem Verstoͤhrer ein Vermehrer des Reichs Christi/ so kan dere r keiner in Christi Schaaf-Stall und Weyd-Fall auffgenom- men werden. Darum auch David eine solche μεταμόρφωσιν gar herꝛlich von sich scheinen lassen; Von Natur war er so wol als ich und andere Menschen ein stinckender Bock/ bissiger Hund/ grimmiger Wolff/ er heulet daruͤber/ Ps. LI. Siehe/ ich bin auß suͤndlichem Samen gezeuget/ und meine Mutter hat mich in Suͤnden empfangen. Jn seiner Jugend hat er nicht allezeit Seiden gesponnen/ er verrath sich selbst. Psal. XXV. Gedencke nicht der Suͤnde meiner Jugend/ und meiner Ubertrettung. Der angebohrne Bock hat sich mercken lassen in seinem Ehebruch; der zornige/ wuͤtende Hund hat sich herfuͤr gethan in seinem Wiederbellen wider Nabal/ der Wolff in Ermoͤrdung Uriaͤ des Hethiters. Aber durch Goͤttliche Krafft hat er solche boͤse Natur mortific irt/ die Affecten gezaͤhmet/ er hat sich durch GOttes Ge- setz/ darin er sich Tag und Nacht geuͤbt/ aͤndern lassen/ ist so geschlacht wor- den/ als ein Schaaf/ und durchs Creutz wol muͤrb gemacht worden/ und in solchem Stand sagt er: Mein Hirt. II. Soli fideles appropriantes, allein die Glaubige/ die ihnen ih- ren Hirten zueignen/ und gantz eigen machen. Christus sagt: Jhr glaubet nicht/ denn ihr seyd nicht von meinen Schaafen. Joh. X, 26. Τὸ quia non αἰτιατικῶς, sed συλλογιςικῶς accipiendo: sicut Matth. XXV. 29. Ps. LI, 6. Joh. XII, 39. Rom. XI, 32. non creditis, E. non estis ex ovibus meis. Mitum non est (ita παραφράζει ad h. l. Ægid. Hunnius, de præ- dest. p. 247.) vos non credere, quia reipsa declaratis, vos non esse ex meis Neunter Theil. G ovibus Die Vierte ovibus, siquidem vobis notæ illæ desunt, quos ego Pastor in ovibus meis requiro. Conf. eundem in Joh. X, p. 267. \& Tarnov. in Joh. q. 10. pag. 784. E. Wer glaubt/ der ist mein Schaaf; Es ist zwar das Schaaf ein al- beres/ einfaͤltiges/ irꝛsames verfuͤhrisches Thier/ ist bey weitem nicht so vid. Erasm. Chiliad. p. 647. 648. Rivet. ad Esa. p. 454. arglistig/ als die Schlang/ wann es ohne Hirten ist/ so verirꝛt es/ kan ihm selbst nicht wieder zu recht helffen; Jst aber nicht allerdings thum̃ und stum̃ in reflexion seines Hirten/ es hat scharffe Augen/ und noch schaͤrffere Ohren/ fuͤr allen Stimmen kennet es seines Hirten Stim̃/ ein fremde Stimm achtet es nicht/ es fleucht davon/ verliert es seinen Luther. Tom. 6. Jen. p. 362. Hirten/ so blecket es/ so bald es seiner gewar und ansichtig wird/ lauffet es ihm stracks wegs zu/ gehet dem Hirten nach/ wohin ers fuͤhret/ tritt gleichsam in seine Fußstapffen. Sind lauter solche Elogia, deren pa- rallela David von sich spuͤren lassen/ der Welt-Kluͤgesten war er zwar keiner/ Schlecht und Recht hat ihn behuͤtet/ vor der Welt mußte er ein Narꝛ und Thier seyn/ Psalm. LXXIII, 22. Aber in reflexion auff sei- nen getreuen Hirten/ da war sein Hertz voll Liecht/ voll Geist/ voll Glau- ben/ voll Erkanntnuͤß/ voll Freude. Hat je einiger Patriarch/ Koͤnig und Prophet im Alten Testament den Messiam und Hirten der Seelen recht erkannt/ und verstanden/ was er von Jhm zu hoffen/ so war es Da- vid. Ho- dos. p. 1313. vid. Er hat Jhn zwar im Geist/ in typis und Vor-Bildern gesehen/ und was haͤtte er darum gegeben/ daß er Jhn im Fleisch mit leiblichen Augen haͤtte koͤnnen sehen. Luc. X. Aber unterdeß ist das Gehoͤr desto schaͤrffer geweßt/ er hat gehoͤrt dialogos divinos, Goͤttliche Gespraͤch/ von unerhoͤrten und uͤbernatuͤrlichen Geheimnuͤssen/ als von dem Sions- Koͤnig/ welchen der Himmlische Vater auff den Berg Zion eingesetzt/ und von einer solche Weise hoͤren predigen/ daß der Herr zu Jhm gesagt hat/ Du bist mein Sohn/ heut hab ich dich gezeuget/ Psal. II, 8. und Ps. CX, 1. Der HErꝛ sprach zu meinem HErꝛn/ setze dich zu meiner Rechten/ biß daß ich lege deine Feinde zum Sche- mel deiner Fuͤsse. Hat jemand seines Hirten Stimm gekennet/ und im Gegentheil das Wolff-Geheul geflohen/ so war es David. Er hat fremde Hirten und Flader-Geister gehaßt/ und auff das Wort und Zu- sag GOttes sich verlassen Ps. XXVII. Mein Hertz halt dir fuͤr dein Wort/ ihr solt mein Antlitz suchen/ darum suche ich auch vid. part. 8. Lact. Cat. p. 863. HErꝛ dein Antlitz. Er hat ihm die Verheissungen wol approprii rt/ und wie das Eisen der Magnet an sich gezogen. Bevorab in schweren Anfech- Predigt. Anfechtungen ist er nicht auff sein fuͤhlen gangen/ dann er kunte nicht allezeit diesen Psalmen singen. Jst je ein Heiliger geweßt/ der in Noͤ- Tom. 6. Jen. p. 365. then/ in Jrꝛsahl seinen Hirten angebloͤckt/ angeflehet/ so ists abermal Da- vid gewesen. Ps. LXXX. 1. Du Hirte Jsrael erscheine/ erwecke/ und komme zu Huͤlff/ troͤste uns/ und komme uns zu Huͤlff/ laß dein Antlitz leuchten uͤber uns/ so genesen wir. So hat er freylich auch die Fußstapffen seines Hirten wol beobachtet/ und aller- hand schoͤne Schaaf-Tugenden von sich leuchten lassen/ als ϕιλανθρωπίαν die holdselige Leutseligkeit/ darum ihn das kluge Weib von Thekoa unter andern auch mit diesem Elogio und Lob-Spruch angesprochen: Mein Herꝛ der Koͤnig ist wie ein Engel GOttes. 2. Sam. IV. seqq. Der Sanfftmut/ er stoßt nicht wie ein Bock/ der Demut/ er spiegelt sich nicht in seiner Woll/ wie ein Pfau/ der Gedult/ er erstum̃t fuͤr seinem Scherer/ nicht nur dem Saul der sich selbst daruͤber verwundert. 1. Sam. XXIV, 10. Wie solt jemand seinen Feind finden/ und ihn lassen einen guten Weg gehen? Sondern auch vor Simei/ dessen steinerne Pillulen er einneh- men muͤssen. Seine heroische Demut im hoͤchsten Gluͤck und Ehren- stand/ Seine Treu und Freygebigkeit. Das Schaaf ist animal libera- lissimum, ein freygebiges Thier/ es hat einen guͤldenen Fuß/ wo es hin- gehet/ ist lauter Segen/ es erfuͤllet/ was Johannes der Taͤuffer von sei- nem Taͤuffling fordert. Luc. III, 11. Was Christus am Juͤngsten Ge- richt an den Schaafen zur Rechten loben wird. Es hat das Schaaf zween Roͤck/ Haut und Woll/ eines behalts fuͤr sich/ das ander gibts dem Menschen zur Decke/ die Hungerige speißts mit seinem Fleisch/ die Durstigen traͤnckets mit seiner Milch/ die Nackenden bekleidets mit sei- ner Woll. Und das alles hat auch David gethan/ grosse Barmhertzig- keit hat er an Mephiboseth erzeigt/ ja sich selbst/ sein Leib und Leben pro lege \& grege dargegeben und auffgeopffert/ und sein Haut daran ge- wagt/ darum hat er wol sagen koͤnnen/ der Herr ist mein Hirt/ und ich sein Schaaf. Consequenter Ovis felicissima, ein gluͤckhafftiges Schaaf/ dann er sagt/ mir wird nichts mangeln. Es ist zwar das Schaaf ausser und ohne sei- nen Hirten ein schwach/ wehrloß/ schutzloß/ schuͤchter und fluͤchtig/ irꝛsam Thierlein/ zu dem mit allerhand Gebrechen und Wehetagen behafftet/ mit Grind/ Reyd/ Rotz/ Blatern/ Husten/ Aegeln/ Darmgichten/ Lungen- wuͤrm/ Unziffer: Aber dafuͤr ist ihm gut sein Hirt und Artzt. Ezech. XXXIV. Der das verwundete verbindet/ und das krancke heylet. Der nimts in seinen Bosen/ laßt es essen auß seinem Schoß. 2. Sam, XII, 3. G ij Esa. Die Vierte Esai. XL, 11. sparet es ehe an seinem Mund/ bricht seinen Schlaff ab/ wie Jacob/ damit ihm nichts mangele/ er speißt/ traͤnckt/ fuͤhret/ schuͤtzet es/ und daß ist auch Davids Trost/ er hat nicht immer singen koͤnnen/ Der HErꝛ ist mein Hirt/ mir wird nichts mangeln/ es hat ihm offt nur zu viel gemangelt/ er hat ein stuͤck Brod von Nabal betteln muͤssen/ und also nach Brod gehen/ Trost und Freud ist ihm offt zerronnen/ Furcht und Schrecken/ Zittern und Zagen uͤberfallen. Der Hoͤllen Band haben ihn umfangen. Aber alle diese Maͤngel hat ihm sein Hirt reichlich ersetzt/ so er auch im Glauben erkannt/ darum spricht er/ Der HErꝛ ist mein Hirt: q. d. Jst er mein Hirt/ bin ich sein Schaaf/ so wird Er mich wol verpflegen und versorgen. Jch bin jung gewe- sen und alt worden/ und hab noch nie gesehen den Gerechten verlassen/ noch seinen Samen nach Brod gehen. Ps. XXXVII. sc. vergebens gehen und suchen/ ohne Fund/ ohne Erlangen/ ohne Ge- waͤhrung. Es muͤßten ehe alle Raben herzu fliegen/ ehe mußte Nabal an seinem Tisch und Maul ermangeln/ ehe mußten die Heyden ihm ein Taffel decken/ wie geschehen. 2. Sam. XVII. 27. Bidembach. in libb. Sam. p. 887. hæc habet: Dieweil (wie obgemelt) GOtt der Herr solches dem David beschehret/ und verschaffet/ und vielmehr dann Sobi und Barsillai daran schuldig/ dieweil Er ihre Hertzen hierzu neiget/ so sollen wir lernen GOtt dem Herrn vertrauen. Dann wann wir ins Elend kommen/ wir habens jetzt verschuldet/ oder es geschehe an- derer Vrsach halb/ jedoch/ wann wir uns darinn verhalten wie David/ so werden wir nicht allein an den unsern einen Zadock/ Husai und Abiathar haben/ sondern auch an den Fremden. J a die Heyden werden uns muͤssen provianti ren/ und wann es je die Heyden nicht thaͤten/ so muͤssen es ehe die Raben thun/ wie dem Elias geschehen. Den Abraham und Jacob speissen die Egypter/ den Daniel in der Loͤwengruben der Habacuc. Den Eliam haben die Wittib zu Zarpath/ die Raben/ und die Engel gespeiset/ den Da- vid muß der Hohepriester speißen mit Schau-Broden. D ie Abigail/ der Siba/ ja die Heyden mußten ihme zu fuͤhren. Des alten K irchenlehrers Basilii Eltern haben sich zur Zeit der Verfolgung des Kaysers Maximiani in die Hoͤlen versteckt/ und da sie solten Hungers sterben sind die Hirsch un- gejagt fuͤr sich selbst zu ihnen kommen/ die sie gefangen und gessen haben. Jndem Sobi der Ammoniter/ ihm Weitzen/ Gerst/ Meel/ Sangen/ Bonen/ Linsen/ Gruͤtz/ Honig/ Butter/ Schaafe/ Rinder und Kaͤse ih- me entgegen gebracht. Was aber am Zeitlichen abgegangen/ das ist ihm an den besten Guͤtern ersetzt worden/ keinen Mangel hatte er an geistlichen Guͤtern/ er hatte GOttes Geist und seine χαρίσματα, Ver- gebung Predigt. gebung der Suͤnden/ Leben und Seligkeit. Jene sind ἀλλότρια \& ἐλά- χςα die fremden und geringsten/ diese aber ἀληθινὰ die warhafftigen Guͤter. Die Reichen dieser Welt (sind Augustini Gedancken uͤber den 66. Psalmen) denen GOtt ihren B auch gefuͤllet mit den verborgenen Schaͤtzen der Er- den/ wie alles nach ihrem Wunsch und Willen daher fleußt/ lassen sich bald von diesem Betrug/ in diesen Schlauraffischen Himmel fuͤhren mit ihren Gedancken/ als ob sie nothwendig muͤßten die allerliebsten Kinder GOt- tes seyn/ weil ihnen GOtt fuͤr andern/ ihrem Beduͤncken nach/ die besten Bißlein allein darreicht. Aber wie kom̃ts/ daß der Himmel/ der rechte Ort der ewigen Freud und Seligkeit/ so gar leer von solchen Guͤtern ist/ da sind keine Gold-Grubeu/ da findet man keine Silber-Adern/ gleichwol ist und wird in Ewigkeit kein Mangel da seyn/ an der allervollkommensten Seel- und Herꝛligkeit/ der Ort da diese vermeinte Gluͤckseligkeit gefunden wird/ ist der Hoͤllen naͤher als dem Himmel/ darum geschichts auch/ daß ihrer viel durch den anklebenden Hoͤllischen Dampff der irdischen zeitlichen Guͤter ersticken/ und dem Geld und Gut so tieff nachgraben/ biß sie gar durchbrechen/ und mit ihrem Koth-Gut samt L eib und Seel in die Hoͤll hinunter stuͤrtzen. Der getreue GOtt behuͤte uns gnaͤdiglich fuͤr solcher er- baͤrmlichen Gluͤckseligkeit/ ja wie Reichthum der weisen Krone ist/ also ist es den Gottlosen ein Narrenkapp/ dadurch ihre Thorheit nur desto mehr fuͤr aller Welt entdeckt und offenbahret wird. Ein gute Feder ist zwar ein Mittel wol zu schreiben/ aber wann sie schon noch so gut waͤre/ so machet sie doch keinen guten Schreiber. Soll etwas schoͤn und sauber geschrie- ben werden/ daß muß von des Schreibers K unst erst herauß quellen/ und in die F eder kommen. Wann einer schon ein gantzes Zimmer voll Geigen/ L auten/ und andern Jnstrumenten haͤttel so wird er doch dadurch kein Mu- sicant/ wenn man nicht weiß/ wie man eines und das andere brauchen/ und durch rechtmaͤssige Vbung zur Kunst gelangen solle. Und endlich das περιοσὸν die volle Genuͤge und Uberfluß/ die rechte Fuͤlle der ewigen/ himmlischen Guͤter/ so droben depon irt/ und verwahrlich beygelegt seynd/ allen rechtschaffenen Juͤngern/ Bruͤdern und Miterben Christi. O ein seliges Schaaf! seliger als der aries aurei velleris, πρό ατον v. Erasm. Chiliad. p. 648. χρυσόμαλον, wer koͤnte dasselbe verdencken/ wann es vor Freuden solte huͤpffen und springen/ wie jene Schaaf und Laͤmmer Ps. CXIV. Wer wolte nicht auch gleiche Gluͤckseligkeit wuͤnschen? Daß es allezeit/ in al- lem Zustand Menschlichen Lebens/ in Gluͤck nnd Ungluͤck/ wohl und weh/ mit Warheit sagen koͤnne/ der Herr ist mein Hirt/ an den ich glaub/ der mir kein Mangel wird lassen/ an irgend einem Gut. Aber hie stehet uns zum Nutz und Muster-Bild fuͤr Augen der Koͤnig David/ der lehrt uns den Psalmen und Wort verstehen/ tausend und aber tausend G iij mal Die Vierte mal wird er gelesen/ gebetet/ gesungen/ aber ohne Verstand und innern Geist/ und also wie ein Papagey einem nachschwetzt. Wer demnach diesen Psalmen recht beten wil/ von dem wird zu allerforderst erfordert μεταμόρφωσις, wie Nebucadnezar auß einem vernuͤnfftigen Menschen in ein unvernuͤnfftiges Thier ist verwandelt worden/ so muß ein unver- nuͤnfftig Thier in einen Menschen/ ja der Bock der Wolff in ein Schaaf verwandelt werden/ und dasselbe durchs Wort und Creutz. Darum schickt Gott die Truͤbsal her/ Damit das Fleisch gezuͤchtigt werd/ Zur ewigen Freud erhalten. Christus ist kein Bock- und Wolffs-Hirt/ son- dern die stinckende Boͤck stellet Er zur Lincken: und sagt: Discedite: Weichet von mir ihr Ubelthaͤter/ Er ist kein Saͤu-Hirt/ das ist/ der jeni- gen Unflaͤter/ die das Heiligthum mit Fuͤssen tretten/ und sich im Suͤn- den-Koth taͤglich herum weltzen. Er ist kein Hunds-Hirt/ deren die das Heiligthum anbeissen/ anbellen/ und das gespeyte wieder fressen/ und bey ihrer alten Gewonheit bleiben. Spalatinus hatte einsmals an Churfuͤrst Friderichs zu Sachsen Hoffe gesagt: Das Cornelius Tacitus schreibe; daß bey den alten Teutschen keine Schand gewesen/ Tag und Nacht zu sauffen. Solch es hoͤrete nun ein Edelmann/ und fragt ihn/ wie alt solches seye/ da diß geschrieben worden waͤre? Als er nun geantwortet/ es waͤre bey 1500. J ahren: Da spricht der Edelmann: O lieber Herꝛ: weil sauffen so ein alt ehrlich Herkommen ist/ so laßts uns jetzunder nicht abbringen. Luth. Colloq. mens. p. 437. Auch kein Esels-Hirt/ wie der Pabst-Esel zu Rom/ der jederman mit sei- nem implicitâ fide, durch den blinden Gehorsam zu Eseln machen wil/ die Haberstroh fuͤr Ablaß fressen/ ovis non judicat de pastore. Bel- larm. l. 3. de V. D. c. 8. und was gebe er darum/ daß alle Reichen in der Welt adremedium animarum ihr Haab und Nahrung ins Closter/ in die Collegia der Patrum auß Lieb zu ihrem hoͤchsten Hirten/ in Patrimo- vid. Corn. ad Luc. p. 171. nium Petri außfliessen lassen/ wie Graf Hermann gethan/ und Carolo- mannus, daß ist des H. Teuffels Affenspiel. Einfaͤltig sollen wir zwar seyn wie die Tauben und Schaafe/ in weltlichen Sachen/ aber in Glau- bens-Sachen kein thumme nnd stumme Esel/ sondern hoͤren/ unterschei- den/ lernen/ sehen/ bloͤcken und folgen. Christum koͤnnen wir zwar nicht sehen; aber hoͤren/ da muͤssen wir die Ohren spitzen/ die rechte Hirten-Stimm von des Wolffs und der Hyenæ Stimm wol unter- scheiden/ dann es ist zart Werck/ es laßt sich da nicht schertzen/ ist kein Sach von verwirꝛtem Garn/ oder Nußschalen/ sondern es gilt der See- len Seligkeit/ und demnach judici ren und urtheilen/ nicht κα ὄψιν, den Augen Predigt. Augen nach/ nach dem aͤusserlichen splendor, apparenz, und Ansehen/ dann da ist das Schaaf bald betrogen/ wann der Wolff im Schaafs- Beltz auffzeucht/ sondern κα ἀκο , nach dem Gehoͤr/ wodurch sich dann der Wolff bald verraͤth/ und leicht erkannt werden kan/ wann er gleich in einer Mascarada auffzeucht/ zum Exempel/ wann der rechte Hirt sagt: Du solt kein andere Goͤtter neben mir haben; so heulet der Wolff also: Du solt neben dem wahren einigen Gott auch die H. Engel/ abgestorbe- ne Heiligen ꝛc. anruffen/ anbeten/ mit Goͤttlicher Ehr verehren und also vergoͤttern/ der Hirt sagt: Niemand kom̃t zum Vater/ dann durch mich (Christum.) Es ist in keinem andern Heyl/ ist auch kein anderer Nah- me den Menschen gegeben/ darinnen wir sollen selig werden/ ohn der Nahme Je sus/ der Wolff heult: So viel Weg und Thor zum Vater und in den Himmel/ so viel Heyland und Mittler/ als Heiligen/ als de- roselben meri ten und Bussen/ ja eigene gute Werck. Der Hirt sagt: Wann ihr betet solt ihr also sprechen/ Unser Vater/ der du bist im Him- mel/ der Wolff heult also: Wann ihr betet/ solt ihr also sagen/ Ave Ma- ria, Unser Mutter bitt fuͤr uns. Der Hirt sagt: Die Sacramenta seind Siegel und Zeichen/ in welchen uns die Erloͤsung und Gemein- schafft unsers HErꝛn JEsu Christi dargegeben und mitgetheilet wird zum ewigen Leben/ der Wolff heulet also: Comparatio illa, quâ ver- bum diplomati, sacramentum sigillo confertur, tàm inepta est, ut nihil ineptius fingi queat. Es ist ein ungereimte thoͤrichte Vergleich- ung/ wann man das Wort GOttes einem Oberkeitlichen Siegel oder Koͤniglichem Diplomati, und die Sacramenta dem daran gehengten Siegel vergleichen wolle/ es koͤnne nichts ungereimters erdacht werden. Bellarm. in præfat. Tom. 3. l. 1. de Sacram. c. 14. Conf. Hodom. nostr. Pap. phant. 10. p. 410. 432. Der Hirt sagt: Esset/ das ist mein Leib/ der Wolff: Opffert meinen Leib/ der Hirt sagt: Trincket das ist mein Blut/ der Wolff/ esset mein Blut per concomitantiam, in und mit dem Leib/ der Hirt sagt/ Nehmet esset das ist mein Leib/ der Wolff: Nehmet/ esset/ das ist Brod in meinen Leib verwandelt. Also auch auff der an- dern Seiten: Der Hirt sagt: Du solt kein Goͤtzen-Bild anbeten/ und neben dem einigen wahren GOtt Vater in Christo JEsu nichts haben/ dabey du Goͤttliche Huͤlff oder Trost suchest und erwartest/ der Wolff heult: Du solt neben dem einigen wahren Gott auff das Vernunffts- Bild des blosen Rathschlusses von der ewigen Gnadenwahl/ dein Ver- trauen setzen: Dann was ist dein einiger Trost/ (fragt der Heydelber- gische Die Vierte gische Catecheta ) im Leben und im Sterben? Antwort/ daß ich mit Leib und Seel im Leben und im Sterben nicht mein/ sondern meines getreuen Heylands Je su Christi eigen bin/ der mit seinem theuren Blut Matth. 26. fuͤr alle meine Suͤnde vollkommlich bezahlet/ und mich auß allem Ge- walt des Teuffels erloͤset hat/ und also bewaͤhret/ daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kan fallen/ ja alles zu meiner Seligkeit mir dienen muß/ darum Er mich auch durch seinen H. Geist deß ewigen Lebens versichert/ und Jhm forthin zu leben von Hertzen willig und bereit macht/ das ist/ mein einiger Trost ist die blose und unbedingte Gnadenwahl/ Krafft welcher ich zum ewigen Le- ben erwehlt/ Christo unentfaͤlliglich eigen worden bin/ und meiner Se- ligkeit bloß und unfehlbar gewiß. Der Hirt sagt: Jch glaub daß Go t- tes eingebohrner Sohn von der Jungfrauen Maria gebohren/ gelitten/ gecreutziget/ gestorben/ und begraben ꝛc. Der Wolff heult: Jch glaub an den eingebohrnen Sohn Go ttes der nicht eigentlich und ohne Wort- Blum/ sondern per ἀλλαίωσιν und als ein bloser Mensch gebohren von der Jungfrauen Maria/ gelitten/ gestorben/ begraben/ ꝛc. Der Hirt sagt: Unser Vater/ der du bist im Himmel/ der Wolff sagt nicht/ Unser Va- ter/ sondern Vater aller Anßerwehlten/ der Hirt sagt: So viel euer ge- taufft sind/ die haben JEsum Christum angezogen: Der Wolff: Nicht so viel euer getaufft sind/ sondern die bloß Außerwehlten. Der Hirt sagt: Nehmet esset/ das ist mein Leib/ der Wolff: Nehmet/ esset/ das ist Brod und nicht der Leib. Nicht nur aber das/ sondern weil Satan ein neu monstrum eingefuͤhrt/ ein Art des Wolffs/ der da heißt Hyena, Syr. 13, 22. so ist nit gnug die Stimm auß dem blosen resonanz und Thon zu urtheilen/ sondern auch noch uͤber das/ die Stimm nach der Quali taͤt zu examini ren/ und ob sie natuͤrlich oder gekuͤnstelt und angenommen/ zu unterscheiden. Es ist ein Thier/ das heißt Hyena, von Wolffs-Art/ hat die Weiß und Kunst/ daß es deß Menschen/ sonderlich deß Hirten Stim̃ kan imiti ren/ und wie der Papagey nachsprechen/ gibt acht wie ein jeder Hund der den Schaaf-Stall verwahret/ heisset/ ruffet ihm mit Nah- men/ und locket ihn also von seinem Schaafstall und Hut/ wann er nicht wol Achtung gibt/ so meynet er der Hirt rufft/ begibt er sich dann davon/ und laͤßt sich betriegen/ so zerreißt es ihn. Solche Hyenas gibts auff den heutigen Tag/ die auf der Cantzel nicht mercksam ein Wolffsgeheul ma- chen/ sondern von lauter Lieb und Freundschafft reden/ stellen sich als ob sie der Augspurgischen Confession mit Mund und Hertzen zugethan/ fuͤhren wol Predigt. wol einerley Wort mit derselben/ und ahnen dem Hirten in seiner Stimm nach/ nennen etliche Stall-Waͤchter mit Nahmen/ locken sie herauß auff ihre Seit/ die uͤbrige zwey oder drey Hund die noch bellen/ machen sie verhaßt/ koͤnten sie die abtreiben/ so waͤren die Schaaf preiß/ und waͤre um sie geschehen. Solcher gestalt sind Basel/ Colmar/ ja die gantze Chur-Pfaltz verfuͤhret worden. Und hat sich neulich als eine solche hyenam præsenti rt Thomas Henrici Professor zu Freyburg in Irenico Catholico, die Zeit leidets nicht weiter außzufuͤhren/ alle Syn- cretisten μίαν γνώμ ἔχουσι. Da gehoͤren leise und scharffe Ohren zu/ die natuͤrliche Stimm von der verkuͤnstelten zu unterscheiden. Darum wir billig Ursach haben zu beten: O Herr behuͤt vor fremder Lehr/ daß wir nicht Meister suchen mehr/ dann JEsum Christ mit rechtem Glauben/ und durch denselben Jhn zuforderst recht lernen erkennen/ daß wir wissen/ was wir an ihm haben/ wessen wir uns zu Jhm zuver- sehen/ erkennen seine suͤsse Wunderthaten/ und wissen wie wir Jhn brau- chen sollen/ nemlich approprii ren/ an seinem Wort und Zusag fest hal- ten/ in aller Anfechtung und Truͤbsal von Jhm nicht lassen abtreiben/ und also die recht guͤldene Kunst des Glaubens practici ren/ Gott bey seinen Verheissungen ergreiffen und sagen: Hat mir Gott seinen Luther. Tom. 6. Jen. p. 365. Sohn geschenckt/ wie wolt Er mir mit Jhm nicht alles geben? und auß motivo fidei, Beten/ Folgen/ und Frolocken. Beten und blaͤcken wie das Schaaf seinen Hirten anschreyt/ Folgen in seinen Fußstapffen/ welche Folg dann auch geschicht durch Wachen und Ar- beiten/ pro lege \& grege, und daß umsonst/ ohne Danck. Und dann auch Frolocken/ laut des C. Psalmen. Und endlich geniessen hie ἐλάχιςα, dort ἀληθινὰ, das περιοσὸν und volle Genuͤge/ Gott und alles gnug/ darum: Jauchzet dem HERRN alle Welt/ dienet dem HERRN mit Freuden/ kommt fuͤr sein Angesicht mit Frolocken. Jhm sey Ehr und Danck. Amen. Neundter Theil. H Die Die Fuͤnffte Die Fuͤnffte Predigt/ Vom Schaaf-Stall. G Eliebte in Christo. Gleichwie alle Geschicht und Geschick/ alle Handlungen und dero Umstaͤnd/ die sich mit Christo dem Herrn in den Tagen seines Fleisches begeben/ und von den H. Evangelisten auffgezeichnet hin- terlassen worden/ ihre gewisse Ursachen/ omina und Be- deutungen gehabt/ also ist es auch freylich plumbsweiß/ ohne gefaͤhr/ ohne Goͤttlichen/ sonderbahren Rath und Bedacht nicht geschehen/ daß das H. Kind JEsus/ so bald es gebohren/ in eine Krip- pen/ und consequenter in einen Viehe-Stall geleget und gehalten wor- den/ ob es ein Roß- oder Esel- oder Schaaf-Stall geweßt/ lassen wir un- eroͤrtert/ dulten die alte nænian und tradition vom Oechslein und Ese- lein/ als tolerabilem errorem wie ihn Lutherus nennet Tom. 3. Lat. p. 287. so auß Mißverstand etlicher Wort Esaiaͤ erwachsen/ wollen aber ehe und lieber glauben/ es sey ein Schaaf-Stall gewesen/ dieweil Beth- lehem ein reiche Schaaf-Stadt geweßt/ die Buͤrger ihre beste Nahrung und Werbung mit der Schaͤfferey getrieben/ und eben damal der Stall laͤr gewesen/ weil die Heerd auff dem Feld pernoctirt, und von den Hir- ten bewachet worden/ woran uns aber nicht viel ligt/ mehr aber an der Bedeutung solches Stall-Laͤgers. Es ist ohne Zweiffel dieses Stall- Laͤger des H. Kinds JEsu gewesen omen officii pastoralis, wohin diese neue Geburt gezwecket und gezielet/ was sein Beruff und Ampt seyn werde/ nemlich Er werde ein Hirt seyn/ der geistliche Schaafe zu huͤten uͤberkommen werde/ darum auch der Engel solche Zeitung seinen Stall- Bruͤdern und Hirten alsobald hinterbracht/ die hernach Evangelia na- talitia in der Gegend außgebreitet/ und vermeldet/ es sey gebohren der Hirt und Schoͤpffer aller Welt. 2. Vestigium ein Merckmal des Stamm-Hauses/ auß welchem dieser Edle Hirt entsprungen. Der H. Evangelist sagt/ es sey gewesen/ kein Koͤniglicher Saal/ sondern ein Hirten-Stall und Jammerthal/ nicht Predigt. nicht irgend ein koͤstlich porphyret, ein Purpur-Gemach/ in welchem vor Zeiten zu Constantinopel die Kayserliche junge Printzen/ und Muͤnd- ling gebohren worden/ sondern ein elende Hurt und Pferch/ ohne Welt- Pracht und Ansehen. Der Sammet und die Seiden dein/ War grobes Haͤu und Windelein/ Darauff du Koͤnig so groß und Reich Herge- prangt/ als waͤrs dein Himmelreich. Gleichwie Romulus der Urheber und Anfaͤnger der letsten Roͤmischen Welt-Monarchi/ des Roͤmischen Reichs/ auß einer Casa und schlechten Hirten-Hauß entsprungen/ dar- in er von einem Vieh-Hirten und seinem Weib der Laurentia erzogen worden: Also ist auch der erste Urheber des alleredelsten Reichs/ das ewig waͤhren soll und wird/ entsprossen è casa auß einer Bauren-Hurt und Huͤtte/ und damit den Abgrund seiner tieffsten Erniedrigung erwie- sen/ fuͤr uns arm worden/ ein armer Stall-Knecht/ an einem unflaͤtigen Ort gebohren worden/ auff daß wir durch seine Armut reich wuͤrden/ ansehnliche Himmels-Fuͤrsten/ und uns das Himmlische Paradiß er- werbe/ und wieder braͤcht zu GOttes Reich. 3. Indicium domicilii, Ecclesiæ militantis, ein Anzeig seiner Wohnung/ der streitenden Kirchen. Da/ spricht der Engel/ werdet ihr ihn finden/ in der Krippen/ in Windeln gewickelt/ der Stall ist seine Wohnung/ da Er wil wohnen/ werben und wuͤrcken/ ἐσκ ωσεν ν ἡμῖν, mit uns Menschen in einer Stall-Zelten und Huͤtten wohnen/ das ist/ die Christliche/ wallende und streitende Kirch soll sein Schaaf-Stall/ und sein Schaaf-Stall soll die Christliche Kirch seyn: Hoc tenete, ovile Christiesse Catholicam Ecclesiam, schreibt rund/ kurtz und gut August. tract. 45. in Joh. Allermassen wie wir anjetzo mit mehrerm hoͤren wer- den. Dann nachdem wir den herꝛlichen Hirten produci rt/ seine geist- liche Schaaf und dero Quali taͤt und Beschaffenheit beschrieben/ so folget in richtiger Ordnung ovile, der Schaaf-Stall. Von demselbigen nun aufferbaulichen zu reden uud zu handeln/ wolle uns der Vater des Liechts/ mit dem Gnaden-Liecht seines H. Geistes mildiglich erscheinen/ Amen. D Aß Anfangs und zuforderst der Koͤnigliche Prophet im Psalm. XXIII. nicht nur auff den Hirten und Schaaf/ sondern auch auff den Schaaf-Stall in seinem Hirten-Lied/ dem Sinn und Verstand nach gedeutet/ und desselben nicht vergessen/ dasselbe erhellet nicht nur auß der Correlation, und nothwendiger Zusammen- vid. Tom. 2. Isleb. p. 112. fuͤgung/ wo ein Schaaf-Hirt ist/ da muͤssen auch Schaaf seyn/ wo H ij Schaaf/ Die Fuͤnffte Schaaf/ da der Stall/ Hurt und Pferch/ darein die Schaaf gethan wer- den/ nicht allein ex Christi Exegesi, und Außlegung deß He rꝛn Christi selber/ der in der allegori Joh. X. als der Gloß und Erklaͤrung des XXIII. Psalmen außtrucklich auch des Schaaf-Stalls Meldung thut. Warlich/ warlich/ ich sage euch/ wer nicht zur Thuͤr hinein gehet in den Schaaf-Stall/ sondern steiget anders wo hinein/ der ist ein Dieb und Moͤrder. Joh. X, 1. Sondern es gibts der klare/ außgedruckte/ Hebraͤische Buchstaben in dem Grund-Text/ da die Wort also lauten: Bineoth desche jarbizeni, in tugurio graminis accubare me facies. Du wirst mich lagern in der/ Hurt des Graßes/ in einer Graß-Huͤtten/ welche Wort/ weil sie dem teutschen Mann schwer/ undeutlich und unteutsch/ dunckel und unverstaͤndlich fuͤrkommen/ hat Lutherus wie mehrmalen/ mehr auff den Sinn/ als Buchstaben sehen wollen/ und es also gedolmetschet: Er weydet mich auff einer gruͤnen Auen/ versteht dadurch per synecdochen, die Au/ das gantze Feld/ samt allen dessen Begriff. Das Hirten-Hauß und Hirten-Stall zugleich mit/ welche auff derselben Au gepflantzet und gebauet worden. Jnmas- sen er sich selbst also erklaͤret in seinem sehr schoͤnen und Lehrreichen Luther. Tom. 5. Jen. p. 366. Commentario uͤber diesen Psalmen Tom. V. Jen. p. 366. Daß aber auch durch solchen Schaaf-Stall des edeln Hirten des Messiaͤ sein Kirchspiel/ seine Kirch/ nicht der Coͤrperliche/ stchtbare / in die Augen leuchtende Steinhauffen/ Gebaͤu/ Tempel und Basilic, sondern ein hei- lig/ Christlich Volck ( Tom. VII. Witt. p. 543.) die Menge der Glaubi- gen/ Act. IV, 32. Nicht aber auch diese/ als die triumphirende Kirch der Außerwehlten im Himmel/ als welche eigentlich kein geringfuͤgiger Schaaf-Stall nicht mehr/ sondern das Jerusalem/ das droben ist/ die uͤber alle massen herꝛlich gezierte und außpolierte Stadt GOttes/ son- dern die wallende und streitende Kirch verstanden werde/ das zeigt St. Paulus an/ Act. XX, 28. da er die Heerde Christi Ecclesiam die Gemei- ne genennet: So habt nun acht auff euch selbst/ und auff die gantze Heerd/ unter welche euch der H. Geist gesetzet hat zu Bischoͤffen/ zu weyden die Gemeine GOttes/ welche Er durch sein eigen Blut erworben hat. Jtem 1. Tim. III, 15. Da er das Hauß des lebendigen/ eingefleischten/ und im Fleisch geoffenbahr- ten GOttes nennet Ecclesiam, die Gemeine deß lebendigen GOttes/ ein Pfeiler und Grundveste der Warheit. Nun ist der geistliche Schaaf- Stall das Hauß Christi darinnen Er wohnen wil. Augustinus, tan- quam Predigt. quam os totius Antiquitatis schreibt hell und klar: Hoc tenete, ovile Christi esse Catholicam Ecclesiam, daß haltet fest und gewiß wahr/ der Schaaf-Stall Christi seye die Allgemeine Christliche Kirch. Luth. Tom. V. Jen. p. 366. Die Christliche Kirch ist die schoͤne Au/ und GOttes Lust-Garten. Am hellesten aber erscheinet dieser Verstand in dem Parallelismo und Vergleich der Christlichen/ wallenden und strei- tenden Kirchen mit einem Schaaf-Stall. Dann was ist 1. ein Schaaf- Stall/ und zwar Davids Stall eigentlich? Ein elend Gebaͤu und Ge- maͤcht/ ein gering-guͤltige/ unansehnliche/ unflaͤtige Pferch. Es haben vid. Sanct. ad Reg. p. 1472. zwar zu den Zeiten Davids grosse Herren/ Koͤnigliche Printzen/ und nahrhaffte Grandes praͤchtige Hirten-Haͤuser/ koͤstliche Vorwerck/ und Meyer-Hoͤff gehabt/ darinnen sie ihre Panqueten gehalten/ wie Absolon dergleichen einen gehabt zu Baal-Hazor/ da er sein-Schaaf-Schur ge- halten und gastirt. 2. Sam. XIII. und mag der grosse Pracht-Hans zu Carmel auch dergleichen Palatium und Lust-Hauß gehabt haben/ da er seinen Schaͤffern ein Koͤniglich Mahl zugerichtet. Aber Davids Hurt und Stall/ darin er in unserm Psalm alludirt, was war dieselbe? Der Herr sagts ihm 2. Sam. VII, 8. Jch hab dich genommen von den Schaaf-Hirten/ daß du seyn sollest ein Fuͤrst uͤber mein Volck Jsrael. Das ist/ ex imo ad summum, ich hab dich auß dem geringsten Stand erhoben/ und in den hoͤchsten Ehren-Stand gesetzet. Solcher Art ist nun auch die Christliche Kirch. Kein Pracht-sondern Stall- Hauß/ wie ein Stall seiner Substanz nach auß schlechter materi besteht/ keinem Gold/ Edel- oder Marmelstein/ sondern von Stroh/ Leymen und Gerten zusammen gepackt und geflickt/ hat dannenhero ein schlecht Ansehen/ ist der Quanti taͤt nach ein enge Pferch/ je enger/ je waͤrmer/ je besser/ da die Schaaf sich tuͤcken und schmuͤcken muͤssen/ der Quali taͤt nach ohnmaͤchtig/ wehrloß/ nicht fest/ mit keinen Waͤhlen/ Graͤben und Schantzen versehen/ sondern allein der vigilanz und Treu seiner Hirten/ und guter starcken/ wachsamen Hunden ergeben. Der Relation nach begreifft er in sich gesunde und schaͤbichte Schaaf und Stoß-Boͤck pas- sione wird sie von oben her mit Platz-Regen und Sturm-Winden/ aus- sen von der antipathia luporum verfolgt/ dem ubi nach ist er endlich/ hat keine bleibende Stadt/ bald hie/ bald dort/ bald zu Sichem/ bald zu Do- than. Gen. XXXVII, 17. bald im Land Canaan/ bald in Gosen Egypti/ der Zeit nach bleibt er nicht in einem Stand/ bald hell/ bald dunckel/ bald gantz verloͤscht/ wird wie ein Zelt bald auff und abgeschlagen/ die situa- tion ist unter den Woͤlffen/ wo ein Aaß/ da samlen sich die Adler/ wo ein H iij Schaaf- Die Fuͤnffte Schaaf-Stall ist/ da sind auch Woͤlff/ ein jedes Thier gehet seiner Nah- rung nach. Also ist auch die wallende Kirch JEsu Christi auff Erden/ der Substanz nach/ schlecht und unansehnlich: Nicht viel Weise nach dem Fleisch/ nicht viel Gewaltige/ nicht viel Edle sind beruf- fen. Sondern was thoͤricht ist fuͤr der Welt/ das hat GOtt erwehlet. 1. Cor. I, 26. Nicht gefuͤrstete Prælaten, Cardinaͤl/ Bischoͤf- fe ꝛc. sondern verachtete Fischer/ Teppichmacher/ Zoͤllner ꝛc. sie heissen grex pusillus, eine kleine Heerd/ Luc. X. 32. Sie ist ohnmaͤchtig/ hengt gleichsam allein am Himmel/ die Fuͤrsten und Gewaltigen/ deren Schutz sie solten geniessen/ haben so viel mit Pancketten und Baletten/ mit Frauen-Zimmer und Pracht/ mit den libris Regum (Kartenspiel) Hetzen/ Kriegen ꝛc. zu schaffen/ daß sie an der Kirchen Wolfart nicht dencken koͤnnen: Waͤr Gott nicht mit uns diese Zeit/ So solt Jsrael sagen/ Waͤr Gott nicht mit uns diese Zeit/ Wir haͤtten muͤssen verza- gen/ Die so ein kleines Haͤufflein sind/ Verlassen von so viel Menschen- Kind ꝛc. Es begreifft die Kirch Schaaf und Boͤcke/ Glaubige und Unglaubige/ die sind in Ecclesia, in der Kirch/ aber nicht de Ecclesia, von der Kirch/ sondern am Juͤngsten Tag wird eine separation gesche- hen/ und die Schaafe von den Boͤcken/ die Fromme von den Boͤsen ge- schieden werden. Die Kirch ist die Trostlose/ uͤber die alle Wetter auß- gehen/ von aussen her durch die Woͤlff und Unthier verfolgt/ sie bleibet nicht an einem Ort/ der Leuchter wird weg gestossen/ Anfangs war sie im Morgenland/ nachmals hat sie sich gewendet gegen Mittag/ nun- mehr gegen Abend und Mitternacht/ sie aͤndert sich auch wie der Mond/ bald hell/ bald dunckel. Sonderlich aber ist sie situi rt in Lycaonia, und Wolffshoͤl/ deren gedacht wird Act. XIV. war ein Landschafft in dem kleinern Asia, voller wilden/ frechen/ Barbarischen/ Raͤuberischen und Moͤrderischen Voͤlckern/ so auch in novellis, den Kayserlichen Rechten verruffen/ da Paulus zwar seinen Schaaf-Stall auffgericht/ aber zur Stadt hinauß gegeisselt worden. Was ist die gantze Welt anders/ als eine grosse/ allgemeine/ ungeheure Lycaonia, Mord- und unersaͤttliche Wolffs-Grub/ darin homo homini lupus, ein Mensch ist des andern Wolff. Was ist die Roͤmische Kirch anders/ als Lycaonia, eine Wolffs-Grub/ darinnen die Christliche Kirch gleichsam als wie Daniel in der Loͤwen-Grub sitzet und schwitzet/ und durch ihres Haupts Christi Camerat. l. 1. c. 28. Macht erhalten wird. Camerarius erzehlt/ l. 1. horar. c. 28. daß in Engelland keine Woͤlffe gebe: Jsts wahr/ so ists ein unvergleichlich groß περιοσὸν Predigt. περιοσὸν, privilegium, und vor auß vor allen andern Laͤndern und Koͤ- nigreichen. Aber der Christlichen Kirchen mags so gut nicht werden. Es muͤssen Rotten unter euch seyn. 1. Cor. XI, 19. Es ist II. der Stall/ den Koͤnig David so schoͤn und herꝛlich ruͤh- met/ Tugurium graminosum, ein Graß-Au/ grassichter Ort und Feld/ da das Graß voll und dick stehet/ Bineoth Descha, gruͤn von Farb/ die ohne das den Augen wol thut. Die Schaaf wann sie es von fern er- blicken/ so ergoͤtzen sie sich damit/ lauffen solcher gruͤnen Weyd mit Lust zu/ ein solche Au/ die gruͤn von Wachsthum/ anmuthig von lieblichen Blumen/ kraͤfftig von heylsamen Kraͤutern/ safftig und nahrhafft von wolgeschmackten Klee-Blaͤttern/ wol benetzte und bethauete Wiesen. Et ros in tenera pecori gratissimus herba. Fruchtbar von Milch und Honig/ so darauß gesogen und gezogen wird/ davon Luth. in Tischreden P. 444. f. 2. Darum auch gute/ erfahrne/ Luth. coll. mens. p. 444. f. 2. kluge/ getreue Hirten jederzeit solche Schaͤtz/ Felder und Auen erwehlt/ da gut und viel Graß gewachsen. Loth erwehlet Sodom/ als einen Garten GOttes/ die Kinder Jsrael erwehlten das Land Gosen. Gen. XLVII, 4. Die Rubeniter Gilead. Num. XXI, 23. cap. XXXII, 1. Na- bal den Berg Carmel/ so hat auch David Bethlehem erwehlt/ als ein Graß-Huͤrten und schoͤne Graß-Au/ darum nimmet er das Gleichnuͤß davon/ und sagt: So kom̃e ihm auch die Christliche Kirch vor: Sie sey ein Au voll Graß. Er gibt mir Weyd ohn unterlaß/ Darauff waͤchst das wolschmeckend Graß/ Seines heilsamen Wortes/ deß theuren werthen Evangelii/ in welchem sich Christus auff das allerliebste erzeigt/ erlustirt das Hertz mit dem schoͤnen Augenlust aller seiner Evangelischen Ge- heimnuͤssen/ Menschwerdung/ Empfaͤngnuͤß/ Geburt/ der Θεοφανεία, am Jordan/ seiner Lehr/ die Er gefuͤhrt im Tempel und Schulen/ in Gassen und Strassen/ zu Wasser und Land/ in Wuͤsten und Staͤdten/ sein heilwerthe Passions-Theatra, sein Ostern und Auffarth/ darin sich dann herfuͤr thut/ die geistliche Seelen-Weyd/ deren der Gerechte lebet/ Dein suͤsses Evangelium ist lauter Milch und Honig/ die Heil-Kraͤuter wider den Schlangen-Biß/ und toͤdtliche Seelen-Wunden/ ros gratiæ Spiritus S. der Gnaden-Thau des H. Geistes/ und dasselbe ohn unterlaß/ immer gruͤn/ immer neu/ es ist manchmal ein einiges Kraͤutlein/ ein ei- niges Wort/ davon mille deliciæ fliessen. III. Es ist auch in diesem Davidischen Lob-Spruch dieser Schaaf- Stall ein angenehmes Refectorium, ein Ruhstatt/ Jarbizeni, du wirst mir ein gut Lager verschaffen/ daß ich rasten und ruhen kan/ dann das Woͤrt- lein Die Fuͤnffte lein ( ita Luth. in h. Ps. Tom. V. p. 366.) daß er hie braucht/ heißt liegen und ruhen/ wie ein Thierlein auff seinen Fuͤßen ligt und ruhet. Gleich- wie ein treuer Hirt seine Schaafe/ wann sie eine Zeitlang gegraßet/ wann sie des Tages Last und Hitze getragen haben/ und sich ermuͤdet/ dieselbe/ sonderlich am Mittag/ wann die Sonn am heissesten sticht/ un- ter schattichte Baͤum und Waͤlder fuͤhret/ zu Nacht aber in den Schaaf- Stall begleitet/ da sie die Speiß rumini ren/ rasten/ ruhen und schlaffen vid. Ges- ner. p. 242. koͤnnen/ lassen unterdessen ihre Hirten wachen und sorgen. Wie Jacob ein solches treues Hertz gewesen/ der seinen Schlaff gebrochen/ nur daß seine Schaaf haben ruhen koͤnnen. Also ruͤhmet auch David von der Christlichen Kirchen/ daß wiewol sie Hitz und Trangsal/ Un- gluͤck und Unruh muß außstehen/ dennoch es nimmer so Arg mit ihr be- stellet/ daß sie nicht bißweilen respiri ren/ Lufft bekommen und Frieden haben solte. Und wahr machen die Weissagung Ezech. XXXIV, 14. Jch wil sie auff die beste Weyde fuͤhren/ und ihre Huͤrten werden auff den hohen Bergen in Jsrael stehen/ daselbst wer- den sie in sanfften Huͤrten liegen/ und fette Weyde haben auff den Bergen Jsrael. Da der Frieden-Fuͤrst Christus gebohren/ hat Gott der Herr dem gantzen Roͤmischen Reich einen guͤldenen/ allge- meinen Frieden beschehrt/ nachdem Kayser Augustus Egypten bezwun- gen/ Antonium und Cleopatram uͤberwunden/ drey unterschiedene Tri- umph gehalten/ so hat man sicher reisen und wallen koͤnnen/ die Magi und Weisen auß Morgenland sind insicherem Geleit nach Bethlehem kom- men/ die Apostel haben in aller Welt ungehindert passiren/ und das Ju- bel-Jahr des N. Test. außblasen koͤnnen/ und Christi Reich außbreiten/ erweitern/ pflantzen/ und also wahr machen/ was Christus propheceyet. Maldona- tus 384. Johan. X, 16. Daß ein Hirt und ein Heerd werde werden. Act. IX, 31. wird vermeldet/ wie nachdem Saul außgeschnaubet und außgewuͤtet/ und er als ein Wuth und Bluthund gedaͤmpffet worden/ die Gemeine in Judea/ Galilea und Samaria sich gebauet/ und gewan- delt in der Furcht des Herrn/ und erfuͤllet mit dem Trost des Heiligen Geistes. Jst eben auch die hohe Goͤttliche Gnad/ die nach 300. Jaͤhri- ger Verfolgung die Christliche Kirch genossen/ da Constantinus M. zum Kayserlichen Thron erhaben worden/ da die Kirch halcyonia, und edele galenen erlangt/ da von Heraclio angerechnet/ die Heydnische Verfolgungen ihr End und Ziel erreicht/ und der Satan tausend Jahr gebunden Predigt. gebunden geweßt/ wiewol er in einer andern Mascarada auffgezogen/ und innerliche Krieg erweckt/ und endlich den Antichrist außgebrutet. Hie M. L. thut sich herfuͤr. I. Lumen, ein heller Morgenstern/ ein helles Liecht/ in welchem uns die Gestalt der wahren/ streitenden und wallenden Kirchen/ hell und klar in die Glaubens-Augen einleuchtet/ daß wir verstehen lernen unsern dritten Articul unsers Glaubens. Jch glaub eine heilige Christliche Kirch/ und zwar eine Kirch/ die fuͤr der Welt unsichtbar/ dann fides est τῶν μὴ βλεϖομένων, der Glaub ist eine gewisse Zuversicht dessen/ das man nicht siehet. Sie ist nicht splendida Civitas von Silber und Edelgestein/ praͤchtig und maͤchtig/ wie das Koͤnigreich Franckreich/ die Republic der Venediger/ wie Bellarminus sie abmahlet. Ecclesia (ita Bellarm. l. 3. de Eccles. c. 2.) est cœtus hominum ita palpabilis \& visibilis, ut est cœtus populi Romani, vel Regnum Galliæ, aut Respublica Venetorum. Et cap. 12. l. 3. semper fundamentum Ecclesiæ est aliquid sen- sibile, ac proinde Ecclesia ipsa est sensibilis; sive visibilis. Nam etsi nunc neque Christum neque Petrum videamus, tamen tunc uterquesensibus cor- poreis expositus erat ad videndum: \& tunc uterque videtur, non in se, sed in vicario, aut successore suo: sicut Regnum Neapolitanum non ideò est invisibile, quia Rex abest, nam Rex videtur in suo prorege. DEUS vult Ecclesiam sanctissimam quandam esse civitatem suprà montem positam, omnibusque conspicuam, atque aditu facilem, ne quis eâ relicta pestiferas hæreticorum speluncas latebra sque consectetur. Aber die Lugen hat sich neulich selbst verrathen in editione Romæ sub- terraneæ. Philosophi mansissent, si tacuissent. Sondern ein Schaaf- Stall/ fuͤr den Augen der Welt nicht hoch æstim irt/ doch ovile sacrum non hara profana, ein heiliger Stall und Ort/ kein gemeiner und un- flaͤtiger Schwein-Stall/ weßwegen auch unsere Kirchen reiner und saͤu- berer solten gehalten werden/ und auffs wenigst so gut haben/ als in ir- gend ein Dorff-Kirch/ deren keine so bloß und nackend da stehet/ daß sie nicht mit Mauren und Gattern verwahret waͤre/ auff daß fremde Leute/ sonderlich Papisten nicht Anlaß haͤtten sich zu aͤrgern/ und zu sagen: Es sey zu Straßburg fast kein Unterscheid inter aram \& haram, unter Gottes-Hauß und Schwein-Stall. Wie dann hieruͤber schon vor al- ters dieser Kirchen Præsident Bucerus geklagt. l. 1. de Regno Christi. c. 10. p. 66. Certa, ajens, oportet habere Christianos lo- ca, sacris cœtibus, \& traditis à Christo Domino Religionibus deputata, quæ nullis aliis usibus, nisi summa cogat necessitas, debent patere. Quod Dominus nos admodum graviter docuit, cum templo ejecit, qui tamen non nisi hostiarum mercatum in eo instituerant, quo copiam facerent omni- Neundter Theil. J bus Die Fuͤnffte bus sacrisicandi, \& mensas numulariorum, quibus peregrini itidem adjuva- bantur, ad faciendum sacrificia, \& offerenda munera, in lege DEI partim mandata, partim commendata. Sed nec vel ullum patiebatur per templum deferri. Quamobrem priscæ Ecelesiæ templa semper clausa tenue n unt, quando nulla in eis publica religionis actio exhibebatur, nisi aliud postu- lasset aliqua populi Christiani necessitas. Quibus itaque curæ est, ut Christi regnum \& religio apud se ve r è reparetur \& vigeat, hos certè ne- cesse est probè perpendere, ædes hujusmodi religionis cœtibus \& sacris Chri- sti consecratas vocari in Scripturis Domus Dei don us orationis, atque hinc cognoscere, quàm horrendam ii faciant divinæ Majestati contumeliam, qui templum Domini habent pro deambulacris, locisque tàm profanis, ut in illis quævis impura \& profana cum similibus suis garriant \& pertractent, idque nonnunquam etiam, cum sacra Christi in templis administrantur. II. Elenchus sequester. Abermal Kirch und Kirch ara und ara von einander zu unterscheiden. Es sind drey grosse Haupt-Kirchen in Deutschland/ die dreyerley Confession und Religion zugethan. Rom/ die sich zur Roͤmischen bekennet/ Witteberg/ so der Augspurgischen Confession zugethan/ und Genv/ welche Calvinus und Beza gestifftet/ da der Puritanismus gebohren/ der prædestinatianismus jung worden/ und dero Dependen ten. Ein jede wil Christi Schaaf-Stall seyn und heissen: Accede ad hunc ignem \& lucem, der Tag wirds offenbaren/ und wird sich gar leicht finden/ was Schaaf-Stall oder Wolffs-Grub seye. Unser Kirch ist ovile, ein geringer/ schwacher/ unansehnlicher Stall/ dort Maazim, Stiffter und Cloͤster wie Schloͤsser/ Collegia, wie Salomons Hauß. Unser Kirch bestehet nicht auß viel Edeln/ Weisen nach dem Fleisch/ dort prangt man mit Kayser/ Koͤnigen/ Fuͤrsten/ Herren/ und gefuͤrsteten Prælaten. Unser Kirch ist eng/ dort prangt man mit der Weite. Coriol. in summ. Concil. p. 85. \& 86. Ecclesia Romana ex quinque mundi partibus constat, Asia, Africa, Europa, America \& Magellanica, tria mem- bra propria tota complectitur, aliorumque duorum maximam continet par- tem Americæ \& Magellanicæ, quicquid cognitum \& discoopertum est. Europa verò ferè tota nostræ est Ecclesiæ; prætereà magna pars Asiæ versus Sinarum oram, \& in Africa vastissimæ regiones, quibus Presbyter Johannes (vulgo il Prete Gaini appellatur,) imperat, præterquam quod omnes illæ provinciæ, quas Lusitani suo adjecerunt imperio. uti decet, Papæ mandatis parent. Unser Kirch ist ohnmaͤchtig/ verlassen/ dort muß jederman stuͤtzen/ hal- ten/ und dem Roͤmischen Stul advocatur leisten. Curia Romana und der Staat der Roͤmischen Kirch muß erhalten werden/ solte die gantze Welt untergehen/ hie Schaaf und Boͤck untereinander/ aber nicht de Ecclesia, Predigt. Ecclesia, sie sind kein Glieder der Kirchen/ aber dort auch de Ecclesia, so gar/ daß auch der allerschaͤndlichste und stinckende Stoß-Bock auff dem Stul Petri sitzen kan/ und wuͤrcklich gesessen/ wie Baronius selbst nicht in Abred/ Annal. ad ann. 900. hie Pathemata, Creutz/ Verfolgung und allerhand Truͤbsal/ dort immerwaͤrende Gluͤckseligkeit. Hie wallende Kirch/ Gott weiß/ wie lang/ wir halten uns darnach/ daß vielleicht der Leuchter wird weg gestossen werden. Wir dancken Gott/ wann wir ein Huͤttlein behalten. Dort ist die Kirch an Rom und an den Roͤmi- schen Stul gleichsam angebunden. Hie lauter gruͤnes Graß/ dort mit falschen Glossen vergifftet. Man lese Dietenbergers Bibel/ man wird es finden. Den Leyen wird Wasser und Weyd verbotten/ und also auff ein duͤrres Land außgefuͤhret/ da es kein Evangelischer Trost gibt/ der groͤste Trost ist das Fegfeur. Hie Fried/ dort Krieg. Belangend die vid. Pr. ad 2. Reg. p. 379. drute: als Reformirte Kirch/ so mag dieselbe seyn wie sie mag im uͤbri- gen/ sie mag in etlichen Orten sonderlich in Franckreich gedruckt und ge- preßt seyn/ so mangelts doch an gesunder Weyd/ an pur lauterem un- vergiffteten Wort GOttes. Man lese die Herbornische/ Tossanische/ Pfaͤltzische/ Baselische Bibel/ so viel darin der Glaubens-Regul wiedri- ge Glossen anzutreffen/ so viel Gifft und operi ment. Zu geschweigen wo der Wolff loß wird/ da wuͤtet und verfolget er: Der Vers ist noch nicht vergessen: O Casimire potens servos expelle Lutheri, und seind die jenige Reimen/ die Pareus und seine Spieß-Gesellen/ in einem Buͤch- lein/ so zu Heydelberg Anno 1606. außgegangen/ am End desselben/ an unsern Magistrat lassen abgehen/ noch in frischer Gedaͤchtnuͤß. Schaffet ab die Schreyer und Clamanten/ Die Hadermetzen und Bachan t en/ Die nichts koͤnnen/ dann calumniren/ Und die Christlich Kirch turbiren. Welches dann practic irt worden/ in der Pfaltz/ in Hessen/ in der Marck Brandenburg/ da es geheissen/ fort mit den Ubiquiti sten/ nun aber ver- folgt der Wolff/ und nicht das Schaaf. III. Calcar gratitudinis, wann wir dann nunmehr versichert/ daß wir im wahren Schaaf-Stall Christi gebohren/ auff der gruͤnen Au deß gruͤnen wolschmeckenden Graßes geweydet werden. Ja gleich- sam in der Weyd gehen biß an die Weich/ sehen daß im Gegentheil die Auen jaͤm̃erlich stehen/ und der Berg Carmel oben verdorret. Amos I, 2. Daß die Ohim und Zihim im Roͤmischen Babylon wohnen. Es. XIII, 20. J ij Wir Die Fuͤnffte Wir alsdann dancksagen dem Vater/ der uns tuͤchtig ge- macht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Liecht/ daß Er uns errettet hat von der Obrigkeit der Roͤmischen Finsternuͤß/ und versetzet in das Reich seines lieben Sohns. Col. I. Uns gezogen in seine gruͤne Au zur Gemeinschafft deß Evangelii/ welche Dancksagung darin fuͤrnemlich bestehet/ daß wir wol bedencken und er- wegen quantitatem \& precium beneficii, die Groͤsse/ Wichtigkeit und hohen Adel dieser Gutthat/ wie David gethan/ (schreibt Luth. Tom. V. Jen. p. 365. f. 2.) Ja wann ein Koͤnigreich oder Stadt voll pactolis und Gold-fliessenden Wassern waͤre/ wann auch ein solch cornu copiæ, oder durch Wort und Gebet geweyhete Gluͤck Topff/ voll Silber/ Gold/ Perlen/ Edelgestein/ in einiger Stadt moͤchte erscheinen/ daß allen ap- petit erfuͤllen koͤnte/ und dasselbe mit gutem/ unanstoͤssigen sere nen Ge- wissen koͤnte außgetheilt und angenommen werden/ ohn Abgang deß achten Gebotts/ daß nicht zulaͤßt einem das nehmen/ was man einem an- dern gibt/ haͤtte aber das Evangelium nicht/ den bittern Seelen-Hunger zu stillen/ wie in Franckreich/ Welschland ꝛc. Was waͤre das? Dann die Seel ist ein unsterblicher Geist/ die kan nichts saͤttigen/ als das un- vergaͤngliche Wort GOttes. Da lechzet die Erde/ weil es nicht regnet auff Erden/ die Ackerleute gehen traurig und verhuͤl- len ihre Haͤupter. Jer. XIV, 4. Also gehets auch wo kein solidir ter und gegruͤndeter Trost den wachsamen Gewissen kan satisfaction thun. IV. Pacis precium, daß man auch den beschehrten Frieden wol anlege/ und das templum pacis auffrichte/ abermal nach dem loͤblichen Exempel des lieben Davids/ als welcher auß Goͤttlichem Trieb und An- hauchen des H. Geistes an alle Koͤnige/ Potentaten/ Fuͤrsten und Her- ren dieser Welt nicht nur gesunnen und begehrt/ daß sie die Thore weit/ und die Thuͤre in der Welt hoch machen sollen/ daß der Koͤnig der Ehren einziehe. Ps. XXIV. sondern ihnen auch mit seinem eigenen Exempel vorgeleuchtet/ indem er der Lade GOttes (wel- cher Nahme heißt/ der Nahme deß Herrn Zebaoth wohnet darauff uͤber den Cherubim) ein Huͤtten bereitet/ Raum und Platz gemacht/ daß der ewige Sohn GOttes/ der Koͤnig der Ehren einziehen koͤnte/ welchem loͤblichen Exempel dann nachgeartet und gefolget/ Salomon Jedidia/ Davids liebster und weissester Sohn/ dessen erste und angele- genste Solgfalt war/ nachdem das gantze Land die Blut-trieffende Krieg mit Predigt. mit dem Rucken/ den lieben guldenen Frieden mit froͤlichen Augen an- gesehen/ die Thor zu erweitern und einen wunder-schoͤnen Tempel auff- zurichten/ daß der Koͤnig der Ehren einziehe/ davon zu lesen 1. Reg. V, 3. 4. 5. Gleichmaͤssigem Exempel nach haben folgends andere grosse He- roische Potentaten gleich-ruͤhmliche Sorgsalt von sich erfcheinen lassen. Nachdem Gott der Herr erwecket den Geist Cores/ deß Koͤnigs in Persien/ ließ derselbe außruffen: Wer unter euch des Volcks Jsrael ist/ mit dem Zug sey sein GOtt/ und er ziehe hinauff gen Jerusalem in Juda/ und baue das Hauß deß HERRN. Und wer noch uͤbrig ist an allen Orten/ da er ein Fremdling ist/ dem helffen Leute deß Orts mit Silber und Gold/ Gut und Vieh/ auß freyem Willen zum Hauße GOttes zu Je- rusalem. Augustus der Roͤmische Kayser hat eben dazumal/ da er Jani Tempel zugeschlossen/ und das Roͤmische Reich in Ruhe gesetzt/ dem Reich Christi/ wiewol unwissend/ Thuͤr und Thor geoͤffnet/ und dem Lauff des Evangelii sichern Commeat und Geleit gegeben/ dadurch Christo dem Herrn Kinder gezeugt worden/ so viel/ so wunderlich/ als der Thau auß der Morgenroͤth. So bald Constantinus M. der erste Christliche Kayser Maxentium, den andern Pharaonem mit seinem Heer in der Tiber ersaͤufft/ und die bißher aͤusserst betrangte Christliche Kirch von der uͤber Egyptischen servitut entlediget und zur Freyheit be- ruffen/ sind die Jndianische/ Jberische/ Saracenische/ Engel-Saͤchsi- sche/ Hibernische/ Schottische/ Marcomannische und Boarische Thor erweitert/ und also dem Einzug des Koͤnigs der Ehren Platz gemacht worden. Heraclii Sieg wider die Persianer ist der Kirchen grosses Gluͤck gewesen/ durch desselben siegreiche Waffen haben sich die Halcyo- nia wiederum blicken lassen/ Christo sind in der gantzen Welt Christli- che Gemeinden ohne Zahl gesamlet worden. Welch ein willkommer Gast bey fast allen Kreysen des H. Roͤmischen Reichs ist der Koͤnig der Ehren mit seinem Gnaden-Reich gewesen/ da zu unserer Groß- und Uhrgroß-Vaͤter Zeiten/ nach vielfaͤltigen/ schweren/ Kayser-Paͤbsti- schen und Hussitischen Kriegen/ daß lang verdunckelte Liecht deß Evan- gelii/ durch Luthers und Bucers Dienst wiederum zu viel tausend mal tausend Seelen Erleuchtung/ gebutzet/ erleuchtet/ und auff den gulde- nen Leuchter wieder auffgestellet worden/ davon redet der helle Mittag der Erfahrung. Also/ sag ich/ sollen wir auch dem HERRN bringen Ehre seines Nahmens. Psal. XXIX. durch gute disciplin, J iij heylsame Die Fuͤnffte heilsame Ordnung/ Kirchen Reformation und Visitation, durch Er- greiffung der Mittel den Kirchen-Frieden zu erjagen/ durch Colloquia, Synodos \&c. Aber wo sind die Cronen/ die das thun/ wo die Com- munen/ die darauff bedencken/ und solche Goͤttliche Ehren-Werck befoͤrdern. Alle Comitia und Rathschlaͤge bedachten/ vor Zeiten die Ordnung/ die in dem Vater Unser gestellet/ die heißt: Dein Nahm werde geheiliget/ und dann unser taͤglich Brod gib uns heut/ welche heut zu Tag gantz umgekehrt wird/ da man also betet: Unser Vater der du bist im Himmel/ unser taͤglich Brod gib uns heut/ GOttes Nahm und dessen Heiligung setzet man zu letst. Darum muß Gott wieder auff- wachen/ und seinen vier Reutern auffgebieten/ darunter der auff dem fahlen Pferd den Vortrab hat/ der fallt zu erst GOttes Hauß an/ die zarten/ unschuldigen/ außerwehlten Kinder/ deren das Himmelreich unwiedersprechlich ist/ die muͤssen die Suͤnden-Boͤcklein seyn/ und einer gantzen Gemein Suͤnde und dero Straffen tragen/ und auffgeopffert werden. Anderswo greifft er nach den Alten/ und kom̃ts je laͤnger je naͤher/ und ob man wol præservi ren wolte/ welches zwar an und vor sich selbst nicht unrecht/ dann Goͤttliche Providenz, und Menschliche Prudenz nicht wieder einander lauffen. Christen seind und sollen nicht sein stoi sche Fatali sten. Dannoch wann Gott straffen wil/ so helffen keine Porten sperren und Pallisaten. Der Tod hat gar lange Bein/ er steigt uͤber alle Thuͤrn und Waͤll hinein/ ja gar durch die Fen- ster. Jer. IX, 21. Der Tod faͤllt zu unsern Fenstern hinein/ und kom̃t in unsere Pallaͤst/ zu wuͤrgen die Kinder auff den Gassen/ die Juͤnglinge auff den Strassen. Die Ursach ist an- gezeigt/ Amos VI, 21. Sie haben nicht gern von Religion/ von Re- formation gehoͤrt/ die Ehre seines Nahmens nicht gebracht: gloriam magnam, majorem, maximam. Unterdessen kennet der Herr die Seinen/ ob sie gleich wandeln im finstern Thal. Psal. XXIII. Psalm. XCI. Und ob gleich dieselbe per contagionem peccatorum (contagio peccati generat contagionem pestis) auch der Contagion muͤssen unterworffen seyn/ so wissen sie doch/ wo sie hinfallen/ in deß ver- soͤhnten GOttes gnaͤdige/ mildreiche Hand/ und zwar unmittelbar/ nicht den Tyrannischen Kriegs-Gurgeln/ den Tyrannischen Wuche- rern in ihre Haͤnde/ zur Zeit deß Kriegs und Theurung/ und werden im Gegentheil desto zeitlicher befoͤrdert in das himmlische Refectorium, in die rechte Sicherheit und stoltze Ruh. Esai. XXXII, 18. in Haͤuser Predigt. Haͤuser des Friedens/ und darin werden sie ruhen und sagen auß dem LXXXIV. Ps. Wie lieblich sind deine Wohnungen HErꝛ Zebaoth/ mein Leib und Seel freuen sich in dein lebendigen GOTT. Dann der Vogel hat sein Hauß funden/ und die Schwalbe ihr Nest/ wol denen die in deinem Hause woh- nen/ die dich loben immerdar. Hilff uns dahin lieber HErre GOtt/ Durch Christi Tod und Wunden roth/ Amen. Die Sechste Predigt/ Von Der Thuͤr des Schaaf-Stabls. G Eliebte in Christo. Gluͤck zu/ sagte die Ertz- Mutter Lea Gen. XXX. Da ihr auff dem Schoß ihrer Magd Silpa ein Sohn gebohren/ den sie Gad genennet/ und gefagt: Bagad, ruͤstig/ wie es Lutherus gedeutschet/ ἐν τύχη, mit Gluͤck/ die LXX. feliciter, Hieronymus, in der Lateinischen Version: Gluͤcklich/ Gluͤck zu. Gott geb/ daß dieser mein Sohn ein Gluͤcks-Kind/ ein gluͤckhaffter Mensch werden moͤchte. Jst votum Catholicum, ein Allemanns Wunsch/ aller Welt Wunsch/ dichten und trachten. Jst die Braut/ darum jederman dantzt: Sie hat mehr Werber/ als die Penelope in Griechen- land vor Zeiten gehabt: Sie heißt fortuna allerlland Gluͤck/ nach un- terschiedlichen geniis und Zueignungen der Menschlichen Affect en und Begierden/ Ehr-Gluͤck-Reichthum- und Schatz-Gluͤck/ Spiel-Gluͤck/ Erb-Gluͤck/ Geschenck-Gluͤck/ Freund-Gluͤck/ Heurath-Gluͤck/ gluͤckli- chen success in allem Thun und Handlungen/ darum buhlen um sie Koͤ- nig und Kayser/ Edel und Unedel/ Impiger extremos currit Merca- tor ad Indos, Der Soldat setzt Leib und Seel in stich/ nur daß er das Gluͤck bring unter sich. Kom̃t Gluͤck/ so laufft man von allen Gassen/ Strassen/ Offici nen und Kuchen herzu. Aber meistentheil peccami- nos, befleckt/ suͤndlich/ ungoͤttlich/ wann der Wunsch entspringt auß fleisch- Die Sechste fleischlichem Sinn/ Hertz und Affect, zum fleischlichen Zweck zielet/ Fleisches Lust/ Augenlust und hoffaͤrtigen Leben/ durch ungoͤttliche Mit- tel/ ohne Gott und sein Wort/ wider Gott und sein Wort/ unordent- liche Conjunctur des Gluͤcks mit dem opere illicito, und verbottenen Mittel/ und also auß Unglauben/ der auß allen Actibus und Handlun- gen/ sonst adiaphoris, und weder gut noch boͤß/ Suͤnden macht/ wann ein Dieb wuͤnschen und beten wolt von Gott/ Er wolte seinen Dietrich mit gutem success begleiten/ wann ein Soldat oder Fechter wuͤnschte/ Gott wolle seine Passauische Kunst/ daß er Schutz-frey seyn moͤchte/ wol gelingen lassen/ wann ein Segen-Sprecher uͤber die Kraͤuter/ so von der Natur die Heil-Krafft nicht empfangen/ die drey hoͤchsten Nah- men wolte anruffen/ so waͤre es lauter Katzen-Gebet/ daß nicht gen Himmel gehet. Solcher Art ist auch der also genannte Gluͤck-Hafen/ ein abentheurlicher Gauckel-Sack/ ohne und wider GOttes Gebott und Wort/ wider alle Goͤttliche und vernuͤnfftige Menschliche Rechten auff- gerichtet/ in foro conscientiæ nimmermehr zu billigen/ wie solches schon vorlaͤngst gewissenhaffte/ Gotts-gelehrte Theologi erwiesen/ und wider alle instanz en vindic irt und erhaͤrtet. Dennoch aber auch selten/ wie- wol bißweilen votum bonum \& laudabile, ein loͤblich und heilsamer Wunsch. Es kan (nicht sag ich der Gluͤck-Topff selbst/ sondern) der Gluͤck-Wunsch gut und loͤblich seyn und heissen/ wann zum Exempel Joseph wuͤnscht/ daß Gott seine ordentliche Hauß-Arbeit/ mit de- ren er seinem Herꝛn/ dem Potiphar/ fleissig und treulich auffgewartet/ mit froͤlichem success moͤchte benedeyen/ wie er ohn Zweiffel gethan/ und dannenhero ein gluͤckseliger Mann worden. Genes. XXXIX. Wann Salomon gewuͤnscht/ daß der Herr sein prudenz und obe- dienz wolle segnen/ wie Er auch gethan/ und daher ein gluͤckseliger Mann in allen seinen Beginnen. 1. Chron. XXIII, 13. Wann noch auff den heutigen Tag ein Christliches Hertz/ durch ordentliche Mittel/ auß Glauben an das Wort von der Arbeit/ das Wort des Befehls/ Jm Schweiß deines Angesichts solt du dein Brod essen/ der Verheissung Psalm. CXXIIX, 2. Du wirst dich nehren dei- ner Haͤnde Arbeit/ wol dir/ du hast es gut/ als ein mantis- sam, deß zuvor gesuchten Reichs GOttes/ und also mit der Gluͤck-Zucht/ zwischen zweyen Extremis, der Stoi schen Gluͤck-Flucht/ und geitzigen Gluͤck-Sucht hindurch segelt/ so ist der Wunsch loͤblich und gut. Loͤb- licher aber und besser/ wann der Wunsch zielet auff die Gnaden-Schaͤtz im Reich der Gnaden/ nach dem Exempel Davids/ da er deß Gnaden- Koͤnigs Predigt. Koͤnigs Christi Einzug zu Jerusalem im Geist lang zuvor gesehen Ps. CXVIII, 25. da er gewuͤnscht Jehova hazlichana, O HErꝛ laß wol gelingen. Am allerbesten aber ist der Wunsch um den geistlichen Se- gen in himmlischen Guͤtern/ daher St. Paulus ruͤhmet ἐκληρώθημεν, wir sind zum Erbtheil kommen. Eph. I. 11. Gluͤcksweiß/ durchs Loß gleichsam/ ohn unser Verdienst/ und Col. I, 12. vermahnet er seine Colosser: Dancksaget dem Vater/ der uns tuͤchtig gemacht hat zum Erbtheil der Heiligen im Liecht. Die κληρονομια, der Loßfall auff das edelste Erbtheil/ deß unvergaͤnglichen und unbefleckten Erbes/ das behalten wird droben in dem Himmel. 1. Petr. I, 4. Jst das jenige Gluͤck/ darauff auch David in diesem Psalmen reflect irt/ und sein Absehen hat/ da er sagt: Ob ich wandelt im finstern Thal/ fuͤrchte ich kein Ungluͤck. E. Hoffe und troͤste ich mich ex opposito auff gut Gluͤck/ auff Leben und alle Genuͤge/ ohne Mangel/ dessen ich gewaͤrtig Vorschmacks-weiß in der rechten seligsten Gluͤck- Stadt und Gluͤcks-Stall der Kirchen GOttes/ und dasselb durch die guldene Gluͤcks-Pfort/ durch die Thuͤr des Schaaf-Stalls/ durch wel- che ich eingehen/ und solcher himmlischen Guͤter und Gaben theilhafftig werden. Wann wir dann E. L. vor acht Tagen gewiesen auff den geist- lichen Schaaf-Stall der streitenden und wallenden Kirchen Christi/ so folget anjetzo die Betrachtung deß Schaaf-Thors/ der Thuͤr/ dadurch die Schaaf in den Schaaf-Stall eingehen/ davon wir folgende vier Fragen zu beantworten fuͤrgenommen/ 1. εἰ ἐϛὶ, Ob eine dergleichen sey/ und David derselben Meldung thue? 2. und 3. τίς καὶ τί, Wer und was dieselbe sey? 4. διότι, wohin dieselbe zwecke? Der grosse Hirt der Schaa- fe/ Christus JEsus eroͤffne anjetzo Mund/ Ohren und Hertzen/ frucht- barlich zu hoͤren und zu lehren/ um seiner selbst Ehre willen/ Amen. G Eliebte in Christo. Εἰ ἐϛὶ, An sit? Hat dann dieser unser Schaaf-Stall auch seine Thuͤr? und ist dieses Thema auch in unserm Psalm fund irt? Antwort/ wie anders/ was waͤre das fuͤr ein Hauß oder Stall/ wann er kein Thuͤr und Thor haͤtte? Es sind ja die Schaaf in ihrem Stall und Hurten nicht arrest irt/ und in hafft/ sie muͤssen ja zur Weyde auß- und eingehen/ auß zur Weyd/ ein zur Ruhe/ es henget alles Kettenweiß aneinander/ wo Hirt/ da Herd/ wo Herd/ da Hurt/ wo Hurt/ da Fuhrt/ wo Fuhrt/ da Thuͤr. Da die Juden nach der Babylonischen Gefaͤngnuͤß wieder zuruck/ und ihren Schaaf-Stall Neunter Theil. K wieder Die Sechste wieder gebauen/ da vergessen sie deß Schaaf-Thors nicht. Nehem. III, 1. David selbst deutet darauff/ wann er in unserm Psalm gedenckt deß Fuͤhrens auff rechter Straß/ zum frischen Wasser: Er fuͤhret mich zum frischen Wasser. Wo nun ein Fuhrt ist/ da muß auch ein Port seyn/ wo der Terminus ad quem, daselbst auch der Terminus per quem. Am allerhellesten aber und gewissesten hat Christus selbst/ Da- vids Sohn (der seines Groß-Vaters Davids Sinn und Geist am be- sten verstanden) in dem jenigen Commentario den Er uͤber diesen Psalm gemacht/ Joh. X. darin Er solches erklaͤrt/ bejachzet/ mit einem doppelten Warlich/ und besagtes Capitel damit inton irt und ange- fangen. Warlich/ warlich/ ich sage euch/ wer nicht zur Thuͤr hinein gehet in den Schaaf-Stall/ sondern steiget an- derswo hinein/ der ist ein Dieb und Moͤrder. Wer aber zur Thuͤr hinein gehet/ der ist der Hirt der Schaafe/ dem- selben thut der Thuͤr-Huͤter auff/ und die Schaafe hoͤren sei- ne Stimme/ und er ruffet seinen Schaafen mit Nahmen/ und fuͤhret sie auß/ und wann er seine Schaafe hat außgelas- sen/ gehet er fuͤr ihnen hin/ und die Schaafe folgen ihm/ denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber fol- gen sie nicht nach/ sondern fliehen von ihm/ denn sie kennen der Fremden Stimme nicht. Diesen Spruch saget JEsus zu ihnen/ sie vernamen aber nicht/ was es war/ daß Er zu ih- nen saget. Da sprach JEsus wieder zu ihnen: Warlich/ warlich ich sage euch/ ich bin die Thuͤr zu den Schaafen/ alle die vor mir kommen sind/ die sind Diebe und Moͤrder gewe- sen/ aber die Schaafe haben ihnen nicht gehorchet: Jch bin die Thuͤr/ so jemand durch mich eingehet/ der wird selig wer- den/ und wird ein- und außgehen und Weyde finden. Es hatte dazumal Christus ein unerhoͤrt Miracul gethan/ an einem blind- gebohrnen Menschen/ den Er wieder sehend gemacht/ daß schmirtzt seine abgefagte Feind die Phariseer/ und brennt sie in die Augen/ und als der sehend wordene Mensch Christum bekennet fuͤr einen grossen Prophe- ten/ und aber schon die Glock gegossen geweßt/ und das Urtheil im Synedrio gefaßt/ wer Christum bekennet/ der soll ein ἀϖοσυνάγωγος, und in Bann gethan seyn/ Joh. IX, 22. so stossen sie derowegen diesen armen Menschen auß der Synagog hinauß/ verfolgen ihn mit Bann- Strahlen/ schliessen ihm die Thuͤr des Schaaf-Stalls zu. O blinder Eiffer! Predigt. Eiffer! O uͤbel gethan! wil der Herr sagen. Von Rechtswegen gehoͤret dieses Schaaf in Stall/ weil es durch die rechte und echte Thuͤr eingegangen/ ihr Phariseer aber die ihr wie die Sodomiten verblendet/ und die Thuͤr nicht finden koͤnnet/ steigt anderswo hinein/ durch unge- weyhete Thuͤren und Thor/ da ihr selbst einbrecht/ ihr gehoͤret hinauß/ als Dieb und Moͤrder/ als Woͤlff und Unthier. Jst also die Quæstio an sit? außgemacht und eroͤrtert. Τίς? Wer ist aber dieselbe Thuͤr zum Schaaf-Stall? Wo finden wir dieselbe? Da darff es nicht viel divini rens/ fragens und rathens/ der Mund und Grund aller Warheit tritt selbst auff/ sagt klar und duͤrꝛ herauß/ und bekraͤfftigets mit einem zweyfachen Warlich: Jch bin die rechte/ himmlische/ guldene Gluͤcks-Port/ wer durch mich eingehet/ der wird selig werden/ gleich wie ich zugleich der Priester und das Opffer bin/ im H. Abendmal zugleich die Speiß und der Gastgeb/ der Hertzog deß Lebens/ der Hodegeta und Wegweiser/ und zugleich der Weg/ die Warheit und das Leben: Also bin ich zugleich Hirt und Thor. Und damit niemand zu zweiffeln Anlaß bekommen/ damit nicht die Phariseer einwenden moͤchten: Tu es testis de domo, propria laus sordet, dein Zeugnuͤß ist nicht wahr/ dann du zeugest von dir selbst. Joh. VIII, 13. so weißt Er sie anders wohin/ in die heilige Schrifft/ darin werdet ihr meine Weihe/ und dero satten Beweiß gnug finden/ und erkennen/ daß ich nicht liege/ gleichwie das Thor deß Sanctuarii und Heiligthums mit Opffer und Gebet geweihet worden. Nehem, III, 1. Also bin ich auch durch das Wort der Propheten und dero Weissagung versigelt und consecr irt worden. Sonderlich bey dem Propheten Esaia c. LIV, 12. Da der Prophet gezeuget von einem Bau/ so in den Zeiten deß N. Testa- ments/ und Erscheinung deß Messiaͤ soll auffgerichtet werden/ daß des- selben Thuͤr mit Edelgesteinen und Rubin solle versetzet werden/ was sind das anders/ als die Gaben des Geistes/ damit Christus ohne maß ist ge- salbet worden/ die sich unvergleichlich augenscheinlich erzeigt in Worten und Thaten. Esa. LX, 11. wird gedacht eines immer offenen Thors. Deine Thor sollen stets offen stehen/ weder Tag noch Nacht zugeschlossen werden/ daß der Heyden Macht zu dir gebracht/ und ihre Koͤnige herzu gefuͤhret werden. Das alte Kirch-Thor mußte beschlossen bleiben/ der Fuͤrhang war fuͤr dem Allerheiligsten; aber jetzt alles Angel-weit offen/ die Schiedwand ist abgethan/ und al- lenthalben Paß und Platz. Was ist das anders/ als das Mysterium K ij von Die Sechste von dem Eingang der Heyden. Gen. XXVIII, 12. wird einer Leiter ge- dacht/ deren Spitzen an den Himmel geruͤhret/ und darauff die Engel GOttes auff- und abgestiegen. Was war dieselbe Leiter? Jacob er- klaͤrets selbst/ und sagt: Es sey porta cœli, die Pforte des Him- mels. Was war dadurch gemeynet? deß Menschen Sohn/ Joh. I. ꝟ. ult. Warlich/ warlich ich sage euch/ von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen/ und die Engel GOttes hinauff und herab fahren auff des Menschen Sohn. Jst wuͤrcklich wahr gemacht worden am Jordan/ da die Janua Ecclesiæ eingesetzet und gestifftet/ da die Thuͤr des Himmels sich geoͤffnet/ da der Vater als die erste Person/ dieselbe mit seinem Finger geweihet/ der H. Geist als der Finger GOttes auff Jhn gedeutet/ und ohne Zweiffel werden die heili- gen Engel GOttes sich auch dabey gefunden haben. Exod. XII. fin- den wir die Thuͤr an den Haͤusern der Kinder Jsrael/ so mit dem Blut des Osterlam̃s bestrichen/ dadurch die Jsraeliten vor dem Wuͤrg-Engel sicher und frey gewesen. Was war dieselbe Thuͤr anders als Christus mit seinem eigenen Blut bespritzt/ dadurch wir die ἀσυλίαν, Sicherheit/ und salva quardia erlanget. Darum wir mit der Kirch also singen: Hie ist das rechte Osterlamm \&c. Deß Blut zeichnet unser Thuͤr/ Das hůlt der Glaub dem Tode fuͤr/ Der Wuͤrger kan uns nicht ruͤhren. Lev. XVI. lesen wir von dem Fuͤrhang deß Allerheiligsten/ durch welchen niemand als der Hohepriester deß Jahrs einmal durffte kommen/ und dasselbe mit Boͤck- und Kaͤlber-Blut/ was das bedeutet/ hat der H. Apostel Paulus herꝛlich erklaͤret/ wann er sagt: Christus ist nicht durch der Boͤcke und Kaͤlber Blut/ sondern durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen/ und eine ewige Erloͤsung erfunden. Hebr. IX, 12. und cap. X, 10. Jn welchem Willen wir sind geheiliget/ einmal geschehen durch das Opffer deß Leibs JEsu Christi. vers. 20. Christus hat uns (den Eingang in das Heilige/ durch sein Blut) zubereitet zum neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang/ das ist durch sein Fleisch: Nemlich durch seinen heiligsten Leib/ und heilig- stes Opffer am Stammen deß Creutzes/ und sein allertheurstes Ran- zion- Blut/ und was sind die Wunden Christi anders geweßt/ sonder- lich die letste Wund/ die er allererst nach seinem Tod von einem Kriegs- knecht mit einem Speer empfangen/ als Janua cœli, ein Heil-Port/ ein Lebens- Predigt. Lebens-Thuͤr. Jnmassen sie Augustinus also nennet. Tract. 120. in Johann. vigilanti verbo usus est Evangelista, non dicit percussit, vel vulneravit, sed aperuit, ut illic quodammodo vitæ ostium apertum intelligeremus. Das ist: Der Evangelist sagt nicht/ der Kriegsknecht hab Christum geschlagen/ oder verwundet/ sondern eroͤffnet/ daß wir daher etlicher massen verstuͤnden/ es seye die Lebens-Thuͤr eroͤffnet. Als durch welche der Schaͤcher an dem Creutz/ der Hauptmann unter dem Creutz/ die viel tausend/ die mit Christo im Triumph gen Himmel gefahren/ ja alle glaubige Him- mels-Buͤrger in das ewige Leben eingegangen. Niemand ist jemals zum Vater kommen/ als durch diese Pfort. Darum Er dann auch in singulari redet zweymal Emphaticè. Jch Jch bin die Thuͤr. Schließt damit alle Daͤcher und Loͤcher/ alle Neben- und Hinder-Thuͤren zu/ und sagt: Wer anderswo hinein steigt in den Schaaf-Stall/ der sey ein Dieb und Moͤrder. Solche waren nicht nur die alten Phariseer/ die ihre selbst eigene Gerechtigkeit und strengesten Orden zum Himmels- Thurn auffgeworffen. Sondern auch die neuen Phariseer im Pabst- thum. Bellarm. de ætern. felicit. p. 119. hat vier Nebens-Thuͤren er- dacht/ den Glauben/ Hoffnung/ Liebe und Demuth/ und wann diese nicht glecken wolten/ so pfleget der Pabst alle Jubel-Jahr die grosse Ablaß-Thuͤr portam sanctam zum Ablaß-Schatz/ der auß den Busen und Verdiensten der Heiligen zusammen gesammelt/ in der St. Peters Kirch mit gewissen Ceremonien eroͤffnen. Appropinquat (ita Intimator jubilæi instituti nuper ab Innocentio X.) dile- ctissimi Filii continuis expetitus bonorum omnium votis annus sanctifica- tionis atque indulgentiæ, annus à partu virginis quinquagesimus suprà millesimum sexcentesimumque: \& mox: Nos universale maximumque jubilæum in hac sacrâ urbe à primis vesperis vigiliæ Nativitatis Salvatotis nostri JEsu Christi proximè futuræ incipiendum, \& per totum ejusdem prænarrati anni, DEO dante, persequendum, auctoritate DEI omnipoten- tis, ac beatorum Apostolorum Petri \& Pauli, ac nostra, maxima ac inenar- rabili cordis nostri jubilatione ad ipsius omnipotentis DEI gloriam, sanctæ Ecclesiæ exaltationem \& tranquillitatem, hæresium extirpationem, Catho- licorum Principum concordiam, Christianorumque populorum omnium solatium \& sanctificationem indicimus, promulgamus \& statuimus. Au- dite, omnes Christi sanguine redemti. Invitat vos sanctarum apertione portarum Civitas Sacerdotalis \& regia Petri sedes, ærarium divitiatum ex meritis Christi \& sanctorum congestum. Plenissima omnium peccatorum Indulgentia. Primò (ita Læl. Zecchius de Indulgent. Jubil. c. 4.) institui- tur solennis processio, in qua Papa, Cardinales, \& omnes Prælati Curiæ K 3 adsunt, Die Sechste adsunt, ubi Papa pluviali indutus, \& alii suis indumentis, accedunt ad Ca- pellam Palatii Apostolici, ubi Papa genu flexus orat ante sacramentum, \& interim accenduntur faces Cardinalibus, \& aliis dandæ: tum Papa genu flexus imponens in thuribulo incensum incensat sacramentum, præcinendo hymnum, Veni Creator Spiritus, \& Cantores prosequuntur, \& omnes rece- dentes à Capella, tendunt ad Ecclesiam sancti Petri, Papa delato in sella gestatoria ad portam sanctam, adhuc obstructam, aliis Januis clausis ma- nentibus, ubi Papa accipiens candelam suam ascendit ad aliam Cathedram ibi paratam cum tribus gradibus prope portam sanctam adhuc obstructam, aliis Januis clausis manentibus, ubi Papa accipiens candelam suam ascen- dit ad aliam cathedram ibi paratam cum tribus gradibus prope portam san- ctam, in qua aliquantum quiescit, tùm descendens cum malleo ter percutit murum portæ aperiendæ, ter dicens versus sequentes V. Aperite mihi portas justitiæ, R. ingressus in eas confitebor Domino. V. introibo in domum tuam Domine. R. adorabo ad templum sanctum tuum in ti- more tuo. V. aperite portas, quoniam nobiscum DEUS. R. quia fecit virtutem in Israel. Tum Papa redit ad sedem, dicens V. Domine exaudi orationem meam. R. \& clamor meus ad te veniat, \& statim fabri demo- liuntur murum portæ sanctæ, lapidibus ac cœmentis amotis, \& Papa sequi- tur Dominus vobiscum. R. \& cum spiritu tuo, \& dicat orationem. Et ib. p. 70. anno porrò sancto decurso, clauditut à Papa porta sancta ritibus, de quibus Benzon. d. libr. 4. c. 16. \& 17. Ita vineulis spiritualibus obliga- ti, liberi à vinculis redduntur, \& è carcere educuntur, \& hoc videtur signifi- care solennis illa portæ aureæ apertio, quæ fit Romæ: Designare quoque potest apertionem illam portarum Limbi, quam fecit Dominus, cum ani- ma ejus descendit ad liberandos Patres sanctos incarceratos, de quibus in- telligunt aliqui iliud Psalmi; Attollite portas principes vestras \&c. Quia \& tunc in Limbo fuit jubilæum maximum \& Universale, quo liberavit omnes ibidem existentes, \& secundum aliquos omnes etiam in purgatorio detentos. Significat quoque illa portæ apertio, virtute clavium Petri ape- riri thesaurum aureum Ecclesiæ, imò \& januam cœli, remotis omnibus impedimentis, culpâ per pœnitentiam, pœnâ per indulgentiam. Wer sind diese anders als Dieb und Moͤrder/ Christus sagts/ mit dem moͤgen sie es außmachen. Bleibt also janua unica, ein einige Thuͤr/ wie ein Schaaf-Thuͤr seyn soll/ damit das Schaaf nicht in Jrꝛsal gera- the. Viel Thuͤren/ Begebenheiten zu verirren. Quæ \& qualis janua, was ist dann das fuͤr ein Thuͤr? und mit was fuͤr Quali taͤten behafft/ damit wir sie recht eigentlich erkennen und von andern unterscheiden moͤgen. Antwort/ sie hat alle Quali taͤten/ die eine rechte Thuͤr zum Hauß haben soll. Nemlich 1. Janua index \& illex, ἐυϖρόσιτος, omnibus patens, ein Angelweite offene Thuͤr/ die nach Goͤtt- licher intention allen und jeden Menschen offen stehet/ und ihnen den Ein- und Durchgang goͤnnet/ aber nach der Ordnung den Schaafen Christi Predigt. Christi nimmer beschlossen. Es ist nicht mehr um die Zeit deß Alten Te- staments/ da der Fuͤrhang fuͤr dem Gnadenstul henget/ er ist zerrissen durch den Tod Christi/ vorhin und jetzt nicht mehr wars alles verschlos- sen. Die Columna und Saͤul stehet nicht mehr da/ daran mit Lateini- schen und Griechischen Buchstaben geschrieben war/ daß kein Fremder/ kein Griech/ kein Heyd in das Heilige doͤrffte eingehen. Daher die Ju- den zetter und mordio uͤber Paulum geschrien/ daß er (wiewol auß fal- schem Argwohn) Trophimum den Epheser in den Tempel gefuͤhret. Act. XXI, 30. Nein die Pforte deß Tempels ist von sich selbst auffgan- gen/ Drum sey Gott Lob der Weg ist gemacht/ Und steht der Himmel offen. Nachdem wir sind gerecht worden/ durch den Glau- ben/ so haben wir Friede mit GOtt/ durch unsern HErꝛn JEsum Christ/ durch welchen wir auch einen. Zugang haben haben im Glauben zu dieser Gnade. Rom. V, 1. 2. Er ist der Weg/ der jederman offen stehet/ und zu sich locket. Matth. XI. Kom- met her zu mir alle die ihr muͤhselig und beladen seyd. 2. Por- ta obex: Soll ein Thor fest halten/ so muß es fest gesetzt/ mit Riegel und Schlossen wol verwahret seyn. Deut. III, 5. Syr. XLIX, 11. sonder- lich ein Schaaf-Stall/ damit der Wolff nicht einreissen/ auff- und ein- brechen kan. So ist auch die Pfort der Christlichen Kirchen geartet/ sie ist fest gegruͤndet auff einen Felsen/ Thor und Fels zugleich/ also gar/ daß auch die Pforten der Hoͤllen sie nicht sollen uͤberwaͤltigen. Matth. XVI. Christus aber hat im Gegentheil vielmehr die Pforten der Hoͤl- len auß dem Angel gehoben. Daß kan wol geschehen/ daß die aͤusserli- vid. Fabric. ad judic. p. 1122. che Kirch und Gemein/ wann dieselbe nicht halt/ und vom Felsen loß reißt/ kan uͤberwaͤltiget werden/ wie Breysach durch Hunger bezwungen worden. Jst geschehen der Kirchen zu Epheso/ ob sie gleich ein Pfeiler und Grundfeste der Warheit gewesen. 1. Tim. III, 16. als welcher der Apostel geweissaget: Daß auß ihnen entstehen werden greuliche Woͤlffe/ die der Heerde nicht verschonen. Act. XX. Rom hat kein Siegel und Brieff dafuͤr/ vielmehr besorgt sich Paulus das Gegen- theil/ Rom. XI, 20. Stehest du durch den Glauben/ so sey nicht stoltz/ sondern fuͤrchte dich. Welche Warnung umsonst waͤre/ wann die Kirch absolutè indeficibilis, schlechter Dings unfallbar waͤ- re/ dann wann dem also/ haͤtte Paulus eben so thoͤricht gethan/ als haͤtte er einen heiligen Engel/ der im Guten also bestaͤtiget/ daß er auß demsel- ben nicht mehr fallen kan/ gewarnet/ er solle sich vor dem hoͤllischen Wolff vor sehen/ damit er ihn nicht verschlinge: Aber unterdessen bleibt der Die Sechste der unsichtbarn Kirch/ von deren wir glauben/ credo Ecclesiam, derglei- chen gewesen die Kirch zur Zeit Eliaͤ/ die Kirch vor Luthero/ daß sie von den Hoͤllen-Pforten nicht kan uͤberwaͤltiget werden. 3. Porta judex, dann so pflegte man in der Juͤdifchen Policey/ die offentliche Ge- richt/ Stadt-Gericht/ Blut-Gericht/ Ehe-Gericht/ Rechts-Haͤndel und. Urtheil offentlich unter den Pforten der Stadt/ da jederman auß- und eingehet/ und ohne Scheu jederman zuhoͤren koͤnnen/ wie die Ur- theil gefaßt/ zwischen Blut und Blut/ Schaden und Schaden/ Handel und Handel/ Deut. XVII, 8. c. XXV, 7. Ruth. IV, 1. Also auch hier porta justitiæ, die Thor der Gerechtigkeit/ Ps. CXVIII, 19. 20. hie judex controversiarum, sonderlich in foro justificationis, dessen helles und klares Exempel wir gehabt im verwichenen Sonntaͤglichen Evangelio/ in der Parabel vom Zoͤllner und Phariseer/ da erscheint auff dieser Seit Actor und Klaͤger ein geistlicher Ordens-Mann/ ein geschwuͤlstiger/ lebendig heiliger Phariseer/ der in seinem Hertzen beredt/ er waͤre gantz fromm/ rein und gerecht (ἀυτόδικος πεϖοιθὼς ὅτι δίκαιος) der auff seine Froͤmmigkeit getrotzet und gepochet/ ϛαθεὶς, sein Fuß stund ungebogen auffrecht/ er hat sich im Tempel empor auffgebaͤumet/ und das Angesicht gegen das Allerheiligste gewendet/ starꝛ/ auffrecht und trotzig/ gleich einem der ein perfect gutes Gewissen/ vor niemand sich zu schaͤmen und zu schenen hat/ jactans jejunia, o i ans Eucharistiâ, accusans zelo, sein Mund pralet mit Ruhm seines Fastens/ klaget den Zoͤllner an mit gros- sem Eiffer/ er begert Rach und Straff/ wie ers verdienet/ nach dem rigor deß Gesetzes/ stoßt ihn in die Hoͤlle hinab/ verflucht sey er dieweil er nicht gehalten alles was im Gesetz geschrieben stehet. Hîc reus publicanus, auff dieser Seit der Verklagte/ verruchte und verruffte Zoͤllner/ mit Ach und Weh/ mit demuͤtigem/ zerschlagenen und zerbro- chenen Hertzen/ das Hertz klopffet ihm vor grosser Angst seiner Suͤn- den/ er stehet von ferne/ in der Heyden Vorhoff/ als ein Dieb mit nie- dergeschlagenen Augen/ wolt seine Augen nicht auffheben/ als dessen er nicht wuͤrdig und werth/ sondern von Rechtswegen cœlo exclusis- simus, als einer der vom Himmel außgeschlossen sey. Bekennet/ beichtet und betet/ άσϑητί μοι: GOtt sey mir Suͤnder gnaͤdig/ er haͤnget sich/ wie Jacob an die Hoͤrner des Altars/ an den Gnaden- und Mittlers-Thron zwischen sich und Gott dem gerechten Richter/ an aram misericordiæ, an die Burg-Freyheit und Frieden-Saͤul. Ach Herr nicht mich/ sondern den Gnadenstul siehe an/ um deß Messiaͤ willen/ der durch den Gnadenstul bedeutet worden/ seye mir ar- men Predigt. men Suͤnder gnaͤdig. Darauff der Richterliche Außspruch ersolget / der den Gerichts-Sieg dem Pariseer ab- und dem Zoͤllner zugesprochen: Du Phariseer hast deine Sach verlohren/ du aber Zoͤllner hast uͤberwun- den und gewonnen: Warlich/ ich sage euch/ dieser gieng hinab gerechtfertiget in sein Hauß vor jenem. Διότι: Wozu und wohin zwecket diese Thuͤr? Σωτηρία, Heil/ Gluͤck/ dann so lautet die klare Verheissung Christi Joh. X, 9. 10. Jch bin die Thuͤr/ so jemand durch mich eingehet/ der wird selig werden/ der wird ein- und außgehen/ ich bin kommen/ daß meine Schaafe Leben und volle Genuͤge haben sollen. Σωθή- σεται, begreifft zwey Stuͤck in sich/ freyen Paß/ ein- und außzugehen/ dann das bringt die Phrasis mit sich/ ein gluͤcklichen/ ungehinderten freyen Paß in allerhand Ampts-Geschaͤfften/ Num. XXVII, 17. Deut. XXXI, 2. 1. Sam. VIII, 20. Ps. CXXI, 8. Also wird ein solches Christ- Schaͤfflein in dem Lauff und Kampff seines Christenthums sicher und wol ein- und außgehen/ freyen Paß und Repaßhaben/ es wird zwar hart hergehen/ die Thuͤr sey eng/ Matth. VII, 14. bißweilen kom̃t man zwischen Thuͤr und Angel/ da man sich klemmet und quetschet/ wer gar zu groß/ El gibbor, allzuschwer auffgeladen/ der kan schwerlich einkom- men/ nach dem Wort Christi: Es ist leichter/ daß ein Camel durch ein Nadeloͤhr gehe/ so ist auch der Weg belegt von Woͤlffen/ die lauren im Verborgenen/ daß sie den Elenden erhaschen und zerreissen; Aber ἐκληρώθημεν, Col. I, 12. Wir seind errettet/ und befreyet/ Teuffels-frey/ Welt-frey/ Suͤnden-frey/ der Huͤter Jsrael bewahret Leib und Seel/ auch in dem finstern Todes-Thal/ positivè, nicht nur Weyd/ sondern Leben und volle Genuͤge/ das vollkommene schalom und complement alles guten/ ἐκληρωθημεν, wir sind errettet in der μεταθέσει in der Ver- setzung in das Reich der ewigen Herꝛligkeit/ deß ewigen Lebens/ friedli- chen Lebens/ Freuden-Lebens/ Ehr-Lebens/ heiligen Lebens/ froͤlichen Lebens/ ewig Leben und volle Genuͤge. Was wollen wir mehr: Wer ist der nicht gern gute Tage und gut Leben haͤtte/ sagt und fragt David. Ps. XXXIV. Laßt uns wol leben/ sagt die rohe Burst von ihrem Sau- Leben/ damit man sich zu Tod lebet. O todtes Leben! Laßt uns wol leben/ hie in progeusi, in dem Vorschmack. Aber da gehoͤrt keine lasse Hand zu/ kein faule Fuͤß: Es ist zwar das ewige Leben χάρισμα, ein Geschenck/ und ein Gnaden-Gab; Doch hat Gott gewisse Ordnung gestifftet/ Er wil das wir gehen und wandeln sollen/ prudenter, fuͤrsich- tig Ephes. V, 9. 15. nicht als die Unweisen/ sondern als die Weisen. Neundter Theil. L Ergò Die Sechste Ergò prudentiâ opus: Die koͤnnen wir fuͤr dieses mal nicht besser lernen/ als an dem Abentheuer des Gluͤck-Hafens/ der noch taͤglich vor den Ohren drommet und pfeiffet/ unschuldige Hertzen zu verfuͤhren. Aber in diesem tertio, gleichwie Christus den Haußhalter lobet. Luc. XVI. als an dem er nicht gelobt den anklebenden Mißbrauch/ ἀταξίαν, und Unordnung/ die Schalckheit/ sondern das ingenium, die Scharff- sinnigkeit/ die substantiam prudentiæ, und schließt darauff/ die Kinder dieser Welt sind kluͤger/ als die Kinder des Liechts. Also auch allhie: Es ist einmal das gewinnsichtige Affenspiel per se nichts flaͤtigs/ Suͤnd und Unrecht/ und kan mit keinem Titul des Rechten cohonest irt wer- den. Jst Abgoͤttisch/ dann so machtens die Abgoͤttische Juden Esa. LXV, 11. die decken der Fortun ein Tisch oder Altar und opffern drauff. Jst ein Aberglaub/ Gott hat seinen Segen auff die Arbeit gelegt/ und nicht auff das Gluͤck-Spiel: Jst in foro conscientiæ ein Diebstahl/ dann was einem die blinde Fortun gibt/ das raubt sie hundert oder tau- senden. Je subtiler/ je aͤrger. Jst kein proportion, unter der Gab und pretio, massen einer um einen Schilling ein Geschirꝛ von 30. 40. oder mehr Loth Silber außtauscht: folgt nicht/ die Obrigkeit hats verhaͤngt. E. gebilligt. E. gut geheissen. Moses hat διὰ τὴν σκληροκαρδιαν des Hertzens Haͤrtigkeit/ den Scheid-Brieff den Juden erlaubt/ darum aber nicht gebilliget und gut geheissen. Es haben ja die Handwercker ihre ertz-boͤse Gewonheiten/ welche auch der Roͤmische Kayser nicht gern sie- het/ wie vermuthlich/ doch de facto im Schwang gehen/ und nicht ab- geschaffet werden/ die unmaͤssige usur uͤber das was gesetzt ist/ ist ja gnug- sam hell und klar am Tag/ und gleich wie 1. Reg. XXII. ein boͤser Geist außgangen/ der ein falscher Geist geweßt in aller Propheten Munde. Also vor 40. Jahren die Kipperey: Christliche Obrigkeit habens dar- um nicht gern gesehen. Also ist auch ein boͤser Geist außgegangen/ die Gluͤcksucht zu befoͤrdern/ und den Gluͤck-Hafen angerichtet durch Goͤtt- liche Verhaͤngnuͤß/ dann dieser ist der πάρεδρος der boͤse Engel/ der es dirig irt und also fuͤgt. August. l. 5. C. D. c. 9. Dennoch weil Gott nichts boͤses laßt fuͤrgehen/ er wisse dann et- was guts darauß zu machen: Also kan uns auch dieser berichteter Gluͤck- Hafen zu etwas gut seyn. Er erweckt sanctam avaritiam, ein heiligen Geitz. So bald der Gluͤck-Hafen geoͤffnet/ und der Gott dieser Welt die Leut auff den Berg gefuͤhrt/ und die Reich dieser Welt gezeigt/ so hat sich jederman fast darzu gedraͤngt/ ein jeder wolte der erste seyn. Mein Gott Predigt. Gott/ wie seind doch vieler Hertzen Gedancken offenbar worden. Ubi thesaurus, ibi cor: Wie hat mancher sein Mammons Begierd und Dienst verrathen. Solten die Barbarische wilde Leute in der Neuen Welt dieses Spiel gesehen haben/ wuͤrden sie nicht gesagt haben: Au- rum esse Christianorum Deum, Gold sey der Christen Gott. Wie recht und billig wuͤrden am Juͤngsten Tag unser Christen-Volck verdam- men die Spartaner/ von denen Plutarchus schreibet in Lycurgo. Ly- curgus habe es durch strenge disciplin dahin gebracht/ daß der Abgott Pluto ἀσυλος, ἄζηλος, ἄϖλουτος gelassen worden. Plutarchus (ita Corn. à Lap. ad Ezech. p. 1033.) in vita Lycurgi eum laudat, quod suis legibus effecerit; ut Plutus apud Spartanos esset ἄσυλος, id est tutus à furibus, \& quasi in asylo positus, ἄζηλος, id est neglectus, quem nemo zelaret; atque ἄϖλουτος, id est pauper. Docuerat enim Spartanos per frugalitatem contemnere divitias, opesque parvipendere, quasi imbe- cilles \& inopes. Ideoque ait Plutarch. Plutus ex omnibus civitatibus, quæ sub sole sunt, in una Spartâ servabatur τυφλὸς id est cœcus, ac reposi- tus, non aliter quàm tabula, anima carens, aut vile metallum. Aber O ihr unverstaͤndigen Straßburger/ wer hat euch bezaubert! wen- det doch die Chart um und bezeugt/ daß ihr Christen seyd/ die da trachten nach dem das droben ist/ die da von sich lassen leuchten ein heiliges Ver- langen/ nach himmlischen Guͤttern/ nach der Gnade deß Vaters/ nach dem Burgerrecht das droben ist/ nach den Gaben deß H. Geistes/ Fried/ Gerechtigkeit/ Liecht und Trost. Wir koͤnnen bey diesem Spiel lernen spem vivam, ein lebendige Hoffnung/ der Gluͤck-Topff macht Hoff- nung/ aber todte Hoffnung/ eitele und blinde Hoffnung/ hoffen und harren macht manchen zum Narren/ fortuna cui arridet irridet, wen das Gluͤck anlachet/ den lachet es auß/ bekom̃t er nichts/ so wird er betro- gen um sein Geld/ bekom̃t er etwas/ so verwundet er sein Gewissen/ Christus zeiget uns viel ein ander ostium bonæ spei: Er sagt Ose. II, 15. Jch wil ihr geben das Thal Achor/ die Hoffnung auffzu- thun Er wil seine Schaaf ins Angst- und Jammerthal Achor fuͤh- ren/ aber da freundlich mit ihnen reden/ das ist durch sein Honigsuͤsses Evangelium dermassen troͤsten/ daß sie mit lebendiger Hoffnung mitten im Creutz sollen erfreuet werden/ wie Jacobs Himmel-Pfort mitten in der Nacht ihn mehr erfreuet/ als Esau betruͤben koͤnnen/ und Stepha- nus/ da er den Himmel offen gesehen/ ibat ovans animis \& spe sua da- mna levabat. Es truckte ihn zwar das grosse Hertzenleid/ doch uͤber- L ij wand Die Sechste wand seine Hoffnung und grosse Freud. Darum laßt uns eingehen zu dieser Ruhe/ und nicht versaͤumen/ das unser keiner dahinden bleibe. Hebr. IV. lernen Agonismum: Man muß sich duͤcken und schmuͤcken/ drengen und pfrengen lassen. Es wird manchem gar saur hinzu zu kommen si tanti vitrum, quantimargarita, Ambrosius. Ε. ἀγωνίζεσϑε εἰσελθει̃ν: Ringet darnach daß ihr eingehet/ klopfft an bey Zeiten/ ehe die Gluͤcks-Thuͤr verschlossen wird/ damit ihr nicht muͤsset anfahen drauß zu stehen/ und an die Thuͤr klopffen und sagen: HErꝛ/ HErꝛ/ thu uns auff. Und Er wird antworten und zu euch sagen: Jch kenne euer nicht/ woher ihr seyd. Luc. XIII, 25. Le- get Gewalt an: Seyd nicht faule und traͤge Leute/ die sich dahin strecken und schlaffen/ oder die Haͤnde in den Schooß legen/ sondern eiferige/ ar- beitsame/ unverdrossene Leute/ die allen ihren Fleiß/ Sorg und Muͤhe anwenden/ damit sie das vorgesetzte Ziel deß ewigen Lebens einnehmen. Quo quis violentior, eò religiosior, je gewaltthaͤtiger und reissender einer ist/ je heiliger ist er. Das Gluͤck ists ja wol werth/ daß man ihm ein wenig lasse Wehe geschehen. Lernen egressionem pœnitentem: Die Ungluͤckhafftigen kommen herauß mit traurigen Geberden/ der Reu-Kauff folget ihnen auff dem Fuß nach. Sie kratzen am Kopff/ sie verspeyen und maledeyen ihn. Pfuy dich du schand Gluͤck-Hafen. O ich Narꝛ was hab ich gedacht/ daß ich das Geld nicht besser angelegt. Die Sonntags-Kinder und Gluͤck-Voͤgel gehen mit Freuden herauß/ prangen und pralen mit ihren Gaben/ waͤren sie weise/ wuͤrden sie es im Nachsinnen vielmehr detesti ren/ Ursach zur Reu und Buß gnug fin- den. Und die Wort des Herrn Jos. VII, 12. zu Hertzen nehmen: Es ist ein Bann unter euch/ ein anathema. Jch wil forthin nicht mit euch seyn. Aber O wehe ihnen/ wann ich werde von ih- nen gewichen seyn. Ose. IX, 12. Was wird dann mit uns seyn? ihr gnaͤdiger Herꝛ der Teuffel/ der Gluͤcks-Geist/ der wird sein Teuffels Danck und Gestanck mit sich ziehen/ mit uns seyn/ wie der Wuͤrg-Engel bey den Egyptiern/ durch GOttes Verhaͤngnuͤß. Lauter Ungluͤck/ da- von Jer. I, 13. Jch siehe einen heiß-siedenden Topf/ darin die Stadt Je- rusalem mit Angst und Schrecken sieden und kochen wird/ dann es wird das Ungluͤck außbrechen uͤber alle die im Lande wohnen/ und dasselb um so viel desto eher und aͤrger/ als steiff/ stoltz und hoͤnisch man die Pre- digten/ die hievon gehalten werden/ verlacht. Nach dem Wort/ das du uns im Namen des HErꝛn sagst/ wollen wir nicht thun/ Predigt. thun/ das solt ihr wissen. Ey so solt ihr auch das wissen/ daß Gott allbereit einen Topff zum Feur gesetzt/ er siedet schon. Jer. I, 13. Dann Jerusalem soll sieden/ sitzen und schwitzen. Auch die Heyden ste- hen/ Thren. IV. Da sie gesehen/ was fuͤr Laster im Schwang gehen/ und werden sagen/ eine solche Stadt kan nicht lang bleiben. Gott er- barme sich uͤber die unschuldigen noch uͤbrigen Kinder deß Liechts/ die druͤber seuffzen/ gebe die rechte pœnitenz denen die in der Predigt getrof- fen/ und finden daß sie unrecht gethan. Vnterdessen haben die recht Heiligen im Liecht den Trost/ und die instruction, sie sollen auch außge- hen/ aber mit Freuden und Dancken/ freuen/ daß der Herr ihr Gott ist/ daß Er sie gemacht zu seinem Volck/ und Schaafen seiner Weyde. Dancken dem Vater deß Liechts/ der sie tuͤchtig gemacht hat zum Erb- theil der Heiligen im Liecht/ der sie errettet von der Obrigkeit der Finster- nuͤß/ und versetzet in das Reich seines Sohns/ in welchem sie auch ha- ben die Erloͤsung durch sein Blut/ nemlich die Vergebung der Suͤnden/ die ist der Schluͤssel deß Himmelreichs/ der Schluͤssel zur Gluͤcks-Pfort/ der allerseligsten Gluͤck-Stadt. Zu dero Gemeinschafft uns allen helf- fen wolle/ der/ der sie uns erworben hat/ dem dafuͤr sey Danck und Preiß/ jetzt und zu ewigen Zeiten/ Amen. Die Siebende Predigt/ Von Der Thuͤr des Hirten. G Eliebte in Christo. Auß wasser Macht thust du das/ und wer hat dir die Macht gegeben. Jst die jenige spitzige Frag/ welche Matth. XXI, 23. dem edeln und werthen Ertz-Hirten und Bischoff unserer Seelen/ die Hohenpriester/ Schrifftgelehrten und Eltesten des Volcks vorgetragen/ damal als Er der HErꝛ JEsus zu Jerusalem eingeritten/ den Messias-Segen/ und Messias-Gruß/ das Hosianna angenommen/ seinem Schaaf-Stall dem Tempel zu Jerusa- lem strack zu geritten/ durch das Tempel-Thor hinein gegangen/ an- L iij fangen Die Sechste fangen zu lehren und zu predigen/ zu reformi ren und rumo ren/ die Kaͤuffer und Verkaͤuffer außgetrieben/ die Wechsel-Tisch umgestuͤrtzt/ da tritt besagter Außschuß deß Synedrii und grossen Raths zu Jerusalem zusammen/ stellen Jhn zu Red/ fragen und sagen: Auß wasser Macht thust du das. Matth. XXI, 23. II. Quæstio categorica, ein Klag-Frag/ ein Anklags-Frag/ in welcher sie Jhn nicht undunckel anklagen und bezuͤchtigen eines Frevels/ begehren er soll sein vocationem legitimi ren/ sein jus doci ren/ sein Credenz- Schreiben auffweisen/ und anzeigen/ wer Jhm die Macht ge- geben/ so gethane Reformation anzustellen/ werde Ers nicht koͤnnen/ so werde Er der seyn muͤssen und bleiben/ fuͤr den sie Jhn bißher gehalten/ ein falscher Prophet/ Verfuͤhrer deß Volcks/ Auffruͤhrer und Meutma- cher/ ein selbsthergeloffener Wolff. Ja ein Dieb und Moͤrder/ als der nicht durch die rechte Thuͤr der Priesterlichen vocation eingegangen/ Macht und Gewalt zu lehren nicht empfangen/ sonden selbst genommen. III. Quæstio responsione elisa, eine Frag welche der Herr be- antwortet/ zwar damal und dasselbe obscurè dunckel und nicht lauter/ wann Er als ein trefflicher Disputator sie mit einer anterotesi und Ge- gen-Frag verstrickt und abfertiget/ und begehrt von ihnen zu wissen/ von wannen Johannis Tauff und Lehr-Ampt gewesen/ vom Himmel oder von den Menschen/ von blosen Menschen doͤrffen sie nicht sagen auß Furcht deß Volcks/ welches Jhn fuͤr ein Propheten gehalten/ darum waren sie in ihrem Gewissen uͤberwiesen/ λόγῳ ἔσω, daß sie vom Himmel. Nun hat Johannes von Christo gezeuget/ daß Er von Gott gesandt/ daß Er GOttes Sohn/ Joh. I, 34. vom Himmelherab von oben her kom- men/ Joh. III, 31. gar heuter aber hell und klar hat Er auff fuͤrgelegte Frag geantwortet/ in dem Commentario, den Er uͤber den XXIII. Psalmen gemacht/ und diesen Psalm das grosse Heiligthum/ mit dem Evangelio Johannis/ als eine monstranz mit einem guͤldenen Stuͤck gezieret/ wann Er das X. Capitel Johannis mit diesen Worten angefangen und gesagt: Der habe Macht und Recht zum Schaaf-Stall/ er sey der rech- te Hirt/ der zur rechten Thuͤr eingehet. Wer nicht zur Thuͤr hinein ge- het/ sondern steiget anders wo hinein/ der ist ein Dieb und Moͤrder. Jch bin der rechte und echte Hirt/ der zur rechten Thuͤr hinein gegangen/ ihr aber seyd nicht zur rechten Thuͤr eingegangen. Wann zum Exempel je- ner edle Boͤßwicht Cuntz von Kauffen Anno 1455. zu Altenburg bey eiteler Nacht in Abwesen deß Churfuͤrsten Friderici das Schloß mit Leitern Predigt. Leitern erstiegen/ durchs Fenster hinein/ und nicht durch die Schloß- Port/ in die Kammer kommen/ da Ernestus und Albertus, zween junge Printzen geschlaffen/ sie erhoben/ in den Boͤhmer Wald verfuͤhret/ was war der anders als ein plagiarius ein Menschen-Dieb und Moͤrder/ der- gleichen waren auch die Hohenpriester/ Schrifftgelehrten und Eltesten im Juͤdischen Volck. Jch aber bin zur rechten Thuͤr hinein gegangen: Wer nun zur rechten Thuͤr hinein geht/ der ist der rechte Hirt der Schaa- fe/ der bin ich/ und wils erweisen. Ja nicht nur Hirt/ sondern auch die Thuͤr selbst. Alles auff Art und Weiß/ wie wir anjetzo mit mehrerm vernehmen wollen. Dann nachdem wir bißber in gruͤndlicher Tracta- tion der hoch-troͤstlichen Schaͤfferey Davids gehabt den Hirten/ des Hirten Schaaf/ des Schaafs Schaaf-Stall/ des Schaaf-Stalls ge- meine Thuͤr/ dadurch die Schaaf auß- und eingehen/ also folget/ daß wir besehen ostium pastoris, die Thuͤr des Hirten/ unum idemque, non ἄλλο sed ἀλλοῖον, dadurch Er zuvorderst der grosse Hirt eingegangen/ und nachmalen alle Unter-Hirten secund irt. Gott gebe seine Gnad/ Amen. S O ist nun/ Geliebte in Christo/ die grosse rare und wunderbare Person/ Christus der Welt-Heyland nicht allein der rechte Hirt/ der durch die rechte Thuͤr eingehet/ sondern auch die Thuͤre selbst/ wie Er solches bejachzet mit einem doppelten War- lich: Warlich/ warlich ich sage euch: Jch bin die Thuͤr zu den Schaafen/ alle die vor mir kommen sind/ die seind Diebe und Moͤrder gewesen/ aber die Schaafe haben ihnen nicht ge- horchet: Jch bin die Thuͤr/ so jemand durch mich eingehet/ der wird selig werden/ und wird ein- und außgehen und Wey- de finden. Joh. VIII, 7. 8. 9. Jch bin die Thuͤr zu den Schaafen/ nicht nur die Thuͤr der Schaafe zum Hirten/ durch welche sie zu ihrem Hirten gelangen moͤgen/ sondern auch die Thuͤr der Hirten zu den Schaafen. Und demnach bin ich persona quæ janua, aber τὸ quo ist λόγος προφητι- κὸς, durch welches e r zu einem Hirten authentisi rt und authorisi ret wird/ und ist zu wissen/ daß hie durch die Person/ die Lehr/ Wort und Zeugnuͤß/ so von Jhm erschollen/ verstanden werden metonymicè, heißt demnach Christus so viel als das Zeugnuͤß von JEsu/ das Wort GOttes/ das feste Prophetische Wort/ das ist die Thuͤr/ durch welche der Herr einge- gangen/ und ein jeder rechtschaffener Hirt eingehen muß/ massen nicht allein Die Sechste allein solche metonymia in der H. Schrifft fundi rt/ Luc. XVI, 29. Act. XV, 21. sondern es hat es auch also die uralte reine und rechtglaubige Kirch glossi ret und verstanden/ und namentlich der Bischoffliche Pa- triarch Joh. Chrysostomus Hom. 58. in Joh. p. 277. meritò ostium vo- catur Scriptura Sacra, quæ oves custodit, lupos arcet, qui non per hanc ingreditur, lupus est. Theophylactus stimmet mit zu ad Joh. X. p. 706. διὰ τῆς ϑύρας του̃τ᾽ ἔϛιν διὰ τῶν γραφῶν, ϑύρα αἱ γραφαὶ. Luthe- rus Tom. IV. Jen. Comm. in Gen. VI. p. 50. Jch nemme diese Gloss an/ als der Schrifft nicht ungemaͤß. Es erfordert aber auch diesen Ver- stand die Analogia mit dem Hirten-Ampt/ dann was hat dorten Gen. XLVII. den Bruͤdern Joseph den Paß in die Schmaltz-Grub deß Lan- des Gosen gegeben? Welches war die Thuͤr dadurch sie die Gnad be- kommen/ dasselbe zu occupi ren? Ein Wort hats gethan/ ein Koͤniglich Macht-Wort/ Paß-Wort/ und Credentz-Brieff. Wann der Koͤnig Pharao zu Joseph sagt: Laß sie wohnen im besten Land/ im Land Gosen/ und so Leute unter ihnen tuͤchtig/ so setze sie uͤber mein Vieh/ dieses Paß- Wort hat ihnen Thuͤr und Thor Angelweit auffgethan/ durch dieses Wort sind sie eingangen/ geschalten und gewalten. Jst also auch das feste Prophetische Wort/ und namentlich das Koͤnigliche Wort Davids Ps. XXIII. Dieselbe Thuͤr/ dadurch der grosse Ertz-Hirt/ der HErꝛ Messias in seinen Schaaf-Stall eingegangen. Gott der H. Geist/ der durch David geredet/ mich ein Hirten genennet/ zu mir ist das Wort GOttes geschehen. Ergò so hab ich ἐξουσίαν, das Thuͤr-Recht/ ich bin berechtiget hinein zu gehen/ trotz dem der mir solt wehren. Massen der H. Geist selbst solchen Verstand auß besagtem Psalmen gesponnen/ ge- sogen und gezogen/ wer demnach durch diese Thuͤr eingehet/ der hat Macht zu lehren und reformi ren/ ich bin durch das Prophetische Wort autori- si rt/ legitim irt/ befugt und berechtiget. In specie aber und insonderheit wird durch das rechte Paß-Wort als die Thuͤr deß Schaaf-Stalls verstanden. I. Verbum consecrationis \& unctionis, das Salb- und Weih-Wort/ durch welches e r investi rt/ einge- weihet und eingesegnet worden. Solten die Bruͤder Joseph das Hirten- Ampt versehen/ so mußten sie Testimonium donorum haben/ daß sie taugliche Leute waͤren. Gleichwie David/ den Gott der Heilige Geist von den Schaafen genommen/ und zu einem geistlichen verbluͤmten Hir- ten seines Volcks gemacht. Ps. LXXVII. 70. 1. Sam. XVI. so bald ge- rieth der Heilige Geist uͤber ihn. 1. Sam. XVI, 13. er wurde ein anderer Mann/ Predigt. Mann mit heroischen Ampts-Gaben außgeruͤstet/ in grosser maß/ mit Weißheit/ heroischem Muth und Heldenstaͤrck. Also mußte auch der Ertz-Hirt gesalbet werden/ mehr als David/ und andere seine Gesellen/ mit unermaͤßlicher Weißheit/ unendlicher Allmacht/ unerschaͤtzlichem Reichthum/ mit der Cron der Goͤttlichen Tugenden und Regalien. Von solchen zeuget nun das Prophetische Wort Ps. XLV. O Gott/ O Jmmanuel/ O Jchovah/ Herr und Hirt/ dein Gott und Vater hat dich gesalbet/ verehrt/ geschmuͤckt mit dem Freuden-Oel/ das ist/ mit dem Heiligen Geist. Esa. LXI, 1. Der Geist des HERRN HERRN ist uͤber mir/ darum hat mich der HERR gesal- bet/ er hat mich gesandt/ den Elenden zu predigen/ die zer- brochene Hertzen zu verbinden/ zu predigen den Gefangenen eine Erledigung/ den Gebundenen eine Oeffnung. Worauß diese unauffloͤßliche Schluß-Rede folget. Welche Person von Gott dem Vater selbst zu einem Messia/ Ertz-Hirten und Bischoff invest irt und eingeweihet/ mit unermaͤßlichen Gaben geziert und außstaffiert worden/ dieselbe geht in den Schaaf-Stall durch die rechte Thuͤr/ ist der rechte Hirt der Schaafe. Nun hat die Sonn/ so lang sie am Him- mel laufft/ keine solche Person gesehen/ wird auch keine ins kuͤnfftige gesehen werden/ die zum Hirten-Ampt ohne Maß gesalbet worden/ ohne den JEsum von Nazareth. Ergò ist JEsus von Nazareth in den Schaaf-Stall durch die rechte Thuͤr eingegangen \&c. Der Vorsatz ist das feste Prophetische Wort/ das nicht luͤgen noch truͤgen kan/ den Nachsatz hat Christus selbst auff sich gezogen Luc. IV, 16. Und JEsus kam gen Nazareth da Er erzogen war/ und gieng in die Schul nach seiner Gewonheit am Sabbath-Tage/ und stund auff und wolte lesen/ da ward Jhm das Buch des Propheten Esaiaͤ gereicht/ und da Er das Buch rum̃ warff/ fand Er den Ort da geschrieben steht: Der Geist des HERRN HERRN ist bey mir/ darum Er mich gesalbet hat/ und gesandt zu verkuͤndigen das Evangelium den Ar- men/ zu heilen die zustossene Hertzen/ zu predigen den Ge- fangenen/ daß sie loß seyn sollen/ und den Blinden das Ge- sicht/ und den Zuschlagenen/ daß sie frey und ledig seyn sol- len/ und zu predigen das angenehme Jahr des HERRN/ und da Er das Buch zuthaͤt/ gab Ers dem Diener und satzte Neunter Theil. M sich: Die Siebende sich: und aller Augen/ die in der Schul waren/ sahen auff Jhn: Und Er fieng an zu sagen zu ihnen: Heut ist diese Schrifft erfuͤllet fuͤr euren Ohren. Als wolt Er sagen: Kund und offenbar sey maͤnniglich/ daß ich dieselbe Person bin/ von deren der Prophet in diesen Worten geweissaget. Es hat diesen Nach-Satz fer- ner erhaͤrtet nicht nur Petrus. Act. X, 38. GOtt hat JEsum von Nazareth gesalbet mit dem Heiligen Geist und Krafft/ der ist umher gezogen/ und hat wol gethan und gesund gemacht/ alle die vom Teuffel uͤberwaͤltiget waren/ dann GOtt war mit Jhm. Nicht nur ein Engel des Liechts/ der in der Warheit be- standen. Luc. II, 11. Euch ist heute der Heyland gebohren/ welcher ist Christus/ der Gesalbte/ damal schon in Mutterleib/ durch die ἐϖέλευσιν und Uberkunfft des Heiligen Geistes/ sondern es hats auch der Tag selbst geredet/ seine Predigten/ die Er gethan/ haben es erwiesen/ wann sich uͤber dieselbe jederman entsetzet: Er lehrte gewaltiglich. Matth. VII, 29. Es hatte alles Haͤnd und Fuͤsse/ Er hat den Saddu- ceern das Maul gestopfft. Matth. XXII, 23. Marc. I, 27. c. VI, 2. 3. Joh. VII, 46. Es hat nie kein Mensch also geredet/ wie dieser Mensch. Da behuͤte Gott vor/ daß wir an einen solchen Menschen Hand anlegen solten/ die unerhoͤrte miracula und Wunderwerck haben ja allen Menschen in die Augen geschienen/ daß sie fast alle der Warheit haben muͤssen weichen und außruffen: Digitus DEI hic: Das ist GOt- tes Finger. E. Wo solche Wunder-Gaben/ da ist der Goͤttliche Be- ruff und das Recht zu lehren. II. Verbum ordinis \& vocationis externæ: Es hatten zwar die Bruͤder Joseph die gute Gaben/ die Koͤnigliche Schaafe zu verwalten/ sie habens von Jugend auff gelernet/ sie haben ansche chayl, dadurch hatten sie jus ad rem, den Wolff zu ermeistern/ aber noch nicht jus in re. Solten sie aber in den Schaff-Stall eingelassen werden/ so muß- te das verbum vocationis sie bekraͤfftigen. Also ist Christus schon in Mutterleib darzu tuͤchtig gemacht worden/ in Jhme waren dazumal al- le Schaͤtze der Weißheit und Erkaͤnntnuͤß verborgen gelegen/ sein Leib war der Tempel/ in welchem die Fuͤlle der Gottheit leibhafftig gewoh- net/ und hatte also dazumal schon vocationem internam \& charisma- ticam den innerlichen Gaben-Beruff empfangen. Er hat dessen Stra- len herfuͤr leuchten lassen in dem zwoͤlfften Jahr seines Alters; aber Er prangt Predigt. prangt nicht damit/ Er wartet der Zeit/ die von Gott bestimmt/ biß ins dreissigste Jahr seines Alters/ da kam das Wort deß Herrn zu Johanne/ da wird Er inaugur irt/ per testimonium trium testium, solenniter und sonderlich am Jordan beym eroͤffneten Himmel/ in grosser solenni taͤt und frequenz des Volcks. Nachmals auff dem heiligen Berg/ und drittens Joh. XII, 27. 28. Jetzt ist meine Seele betruͤbt/ und was soll ich sagen? Vater hilff mir auß dieser Stunde/ doch darum bin ich in diese Stund kommen/ Va- ter verklaͤre deinen Nahmen. Da kam eine Stimme vom Himmel: Jch habe ihn verklaͤret/ und wil ihn abermal ver- klaͤren. Darum Er als der grosse Prophet bezeichnet und versiegelt/ als der Bischoff ordini ret und eingeweihet/ als der Doctor gekroͤnt/ das Doctor- Paret auff gesetzt und offentlich proclam irt worden: Dann wie nach altem Gebrauch der Hebreer/ dero Rabbini, Doctores und Lehrer haben muͤssen mit gewissen Ceremonien offentlich durch Gebet und Hand-Aufflegung/ mit Begleitung gewisser Wort inauguri ret werden. Dergleichen auch noch in Christlichen/ Kirchen und Schulen uͤblich daß offentliche Doctores, Lehrer/ Prediger/ Pfarꝛherren ordin irt/ und durch Wort und Gebet eingeweihet werden. Also (schreibt Luther. Tom. II. Isleb. p. 421.) Jst auch Christus der grosse Prophet eingeweihet/ als der Bischoff und Ertz-Hirt ordin irt/ als der grosse Doctor und Koͤnig von Jsrael gesalbet und gekroͤnet worden: sein Brabeuta und Promotor der Himmlische Vater/ hat Jhm das Pareth oder Doctor- Huͤtlein und Cron auffge- setzt/ nemlich den H. Geist/ und oͤffentlich proclam irt/ einmal in tertia persona, dieser ists/ und dann in secunda, Dieser ist mein lieber Sohn. \&c. III. Verbum professionis, seu doctrinæ, Prob-Wort/ Prob- Predigt/ das Werck lobt den Meister. Wann Jacob seine Schaafe treulich weydet und leitet/ des Tags verschmachtet vor Hitz und des Nachts vor Frost/ und ließ kein Schlaff in seine Augen kommen/ Da- vid dieselbe schuͤtzet/ und das Schaaf dem Loͤwen und Baͤren abjagt/ so ist das ein Zeugnuͤß à posteriori, daß Er die Macht empfangen/ daß sein vocation just/ niemand kan etwas gutes thun/ es werde ihm dann gegeben. Joh, III, 27. Die Fruͤchten zeugen von dem Baum/ kan man auch Trauben lesen von den Dornen/ oder Feigen von den Disteln. M ij Also Die Siebende Also solche Fruͤchten/ qui benè cocti, sapidi, safftige/ suͤsse/ wolge- schmackte Fruͤchten/ die riechen nach ihrem Ursprung und Wurtzel/ demnach fructus ἐυγενει̃ς, edle Fruͤchten/ symphonici, σύμφωνα ταῖς γραφαῖς, solche Fruͤchten die da fuͤhren zu einem heiligen Leben und Wandel/ die auß der Lehre selbst herfliessen/ die da kraͤfftigen und saffti- gen Trost geben koͤnnen in aller Anfechtung/ Creutz und Versuchung/ die den Menschen selig machen/ dadurch er den Vorschmack der Selig- keit geneußt/ wer eingeht zu diesem Hirten/ der wird Weyde finden/ si- cher auß- und eingehen/ Leben und volle Genuͤge haben/ ja ewig selig wer- den. Massen solche Krafft der Lehr Christi empfunden nicht nur seine Juͤnger/ deren einer sagt. Joh. VI, 68. Du hast Wort des ewigen Lebens. Luc. XXIV, 32. Brandte nicht unser Hertz in uns in Goͤttlichem Liecht und Liebes-Feur/ sondern auch die Feinde selbst/ Joh. III, 2. Meister wir wissen (spricht Nicodemus) daß du bist ein Lehrer von GOtt kommen/ dann niemand kan die Zeichen thuͤn/ die du thust/ es sey dann GOtt mit ihm. Matth. XXII, 16. Meister/ wir wissen daß du warhafftig bist/ und leh- rest den Weg GOttes recht. Bleibet also diesem allem nach GOttes Wort die H. Schrifft/ das feste Prophetische Wort/ das Weih-Wort/ Beruffs-Wort/ Lehr-Wort. Diß ist 1. Janua vera, dadurch ein jeder rechtschaffener Hirt muß eingehen/ sein liturgiam und Ampts-Geschaͤfft legitimi ren/ Christus so fern derselbe im Wort bezeu- get/ nemlich durch das Prophetische Wort/ ist Er durch die warhaffte Thuͤr eingegangen/ in den Schaaf-Stall. Welche monstranz in die- sem guͤldenen Stuͤck erscheint/ ist just und gut: Solcher massen muͤssen wir nun unsern Hirten concipi ren/ ansehen/ erkennen lernen/ nicht muͤde und uͤberdruͤssig werden uͤber dessen Lehr/ daran das ewige Leben hafftet/ auch das geringste nicht zu uͤbergehen/ darinnen das ewige Leben beste- het/ davon wir immer ohne Verdruß in der Ewigkeit reden und sprachen werden/ wie Moses und Elias. Wuͤrden wir Christum recht lieben/ wir wuͤrden nimmer satt werden von Jhm zu hoͤren und zu reden. Dann ja Christum lieb haben/ viel besser ist dann alles wissen. Eph. III, 19. Janua optima, sie scheidet Wolff und Hirten von einander/ wo die Schrifft unversehrt bleibt/ wo man Achtung hat auff das Prophetische Wort/ da kan weder Teuffel noch seine Schuppen einbrechen/ ausser die- ser Thuͤr ist kein Heyl/ wie ausser der Thuͤr Noaͤ am Kasten in der Suͤnd Predigt. Suͤndflut/ wie ausser der Thuͤr am Hause Loths/ der Kinder Jsrael in Egypten lauter Mord und Tod. Janua unica, nicht nur Exochicè, weil sie die Thuͤr des grossen Hir- ten der Schaafe und Archiepiscopi des Ertz-Bischoffs unserer Seelen/ von dem alle Hirten dependi ren/ als der Idea. Gleich wie mich mein Vater gesandt hat/ also sende ich euch auch. Joh. XX, 21. Wie Er mich durch sein Wort invest irt/ beruffen und bezeugt/ also wer mein Hirten-Knecht seyn wil/ der muß durch die rechte Thuͤr eingehen/ der Balsam/ der auff mein Haupt gegossen/ soll auch auff den Ehrwuͤr- digen Mund fliessen. Die Tropffen die χαρίσματα, die Furcht Go ttes/ das Liecht der Weißheit/ Glaub und Lieb/ behertzter Mund/ das kraͤfftige und durchdringende Lehr-Straff- und Trost-Wort sollen auff dieselbe fallen. Aber auch exclusivè. Warlich/ warlich ich sage euch/ wer nicht durch diese Thuͤr eingehet/ der ist ein Dieb und Moͤrder/ er mag sonst vor der Welt in foro soli so hoch geschoren und gehalten seyn/ als er wolle/ so ist er doch coram Deo, seiner Politischen Ehr nichts benommen/ ein Dieb und Moͤrder. Darum auch alle die vor mir kommen sind/ die seind Diebe und Moͤrder gewesen. Joh. X, 8. σκληρὸς λόγος? ist schier ein hartes Wort/ das Saltz ist schier zu scharff/ der Bann-Stral zu grob/ aber ein wahres Wort/ wie/ seind dann Moses und die Prophe- ten/ die vor Christo geweßt/ und ihr Ampt verrichtet/ Diebe und Moͤrder gewesen? Das sey fern: Christus verstehet nicht das ante temporis, sondern das ante causæ. Alle die vor mir/ das ist/ ohn von mir/ aus- ser mir/ als der rechten Thuͤr. Sicut in hymno ascensionis. Vorhin wars alles verschlossen/ id est, ohn Jhn. Darum sagt Er nicht: Alle die vor mir gewesen/ die vor mir gesalbet und gesandt worden/ sondern kommen sc. von sich selbst/ ungeladen/ unberuffen/ die sind Dieb und Moͤrder/ ihrer weltlichen Ehr nichts benommen/ die Phariseer waren honoratissimi, deren Wort viel gegolten. Er meynet eigentlich die Phariseer/ die durch kein Prophetische Schrifft autorisi rt/ die als Son- derlinge einen sonderbaren strengen Orden gestifftet/ sie seind allererst zun Zeiten der Maccabeer jung worden/ wer hat sie es geheissen. Die Sad- duceer/ die von Sadoco Antigono entstanden/ und kein Credentz-Brieff auffweisen koͤnnen. Die Hohepriester/ die laͤngst von ihrer Ordinantz vid. Crell. Concord. pag. 780. abgesprungen/ von Rechtswegen solten sie perpetui seyn/ und einer das Ampt verwalten/ so lang er lebte. Num. XXXV. Aber Ehrgeitz hat den Wechsel erdacht/ man hat Narren uͤber die Eyer gesetzt/ die præsides ha- ben mit dieser Weyde gespielet nach Belieben. M iij Ἀρχιερο- Die Siebende Ἀρχιεροσήνη confundebatur, imò tanquam pila à præsidibus \& Herode jacta- batur. vid. Joseph. l. 18. 4. l. 20. 18. eò tandem deventum, ut cùm sortitò (sic enim quandoque ludebatur) Pontificatus incidisset in Phanniam homi- nem plebejum \& rusticum, nescium quid esset αρχιεροσήνη δι᾽ ἀγροικίαν? à zelotis invitum rure avulsum, \& velut histrionem personatum in thea- trum adductum \& coactum sustinere summam dignitatem, cui tanquam in- fanti in horam admoti pædagogi, à quibus moneretur, quid facto opus, \& quomodo scenæ serviendum. Joseph. l. 4. 5. Die Schrifft-Gelehrten waren Schrifft-Verkehrer. Lauter Pflantzen/ die Gott der Himmlische Vater nicht gepflantzet/ und wie Christus re- det/ Menschen-Dieb und Seelen-Moͤrder. Wollen wir nun abermal M. L. eine lustration, sequestration und Musterung anstellen/ wollen wir durch alle heutige Religionen durchge- hen und fragen/ aber mit besserer intention, als dorten die Phariscer/ auß wasser Macht thust du das/ wer hat dir die Thuͤr zum Schaaf-Stall geoͤffnet/ wer hat dich auff die Cantzel gestellt/ an den Altar befoͤrdert/ so wird sich bald befinden/ wer Hirt oder Wolff/ wer Hund oder Leitsch/ wer Seelen-Waͤchter oder Seelen-Moͤrder seye/ zu geschweigen Carol- stadii und seiner himmlischen Propheten/ der Quaͤcker und Zitterer/ der Schwaͤrmer und Enthusiasten, die kein Wort/ kein Gaben/ kein Ord- nung in acht nehmen. Gott sey Danck/ daß wir von solchen Geistern nichts wissen: So fragen wir demnach im Roͤmischen Babylon dersel- ben Ertz-Hirten den Roͤmischen Pabst/ die Cardinaͤl/ Muͤnchen-Orden/ und Meß-Priester/ auß wasser Macht thut ihr das/ wer hat euch das ge- heissen/ da ist kein Schrifft vorhanden/ sie weiß nichts davon. Ephes. IV. solte es exprim irt worden seyn. Aber Paulus schweigt mauß still da- von. Es mangelt zwar ihnen an schmieren/ oͤhlen und balsamiren nicht/ aber wo seind die χαρίσματα? das Liecht ist ein Jrꝛwisch/ die Wort sind gifftige Schlangen-Wort/ der Muth ist fleischlich/ die miracula seind luͤgenhafft/ lauter Unkraut/ das der Himmlische Vater nicht gepflantzt. Sie prangen zwar mit der Priesterlichen Succession und Praͤlatischen Vocation, aber anders nicht/ als wie ein Wolff den andern zu seiner Beute einladet/ die Fruͤchten seind Dorn und Disteln/ Sicherheit und Verzweifflung. Fragen wir Calvini Discipul. Unde vos? Wie seyd ihr in den Schaaf-Stall kommen? Antwort durch die Thuͤr der meisterlosen Ver- nunfft/ und dero Sinnbild das absolutum decretum: Nach welcher sich die Schrifft muß draͤhen lassen. Die natuͤrliche Gaben moͤgen offt- mal gut seyn/ aber es ist Wolffs-Gifft mit eingemengt/ die boͤse Mucken verderben Predigt. verderben die gute Salb/ die Fruͤchten seind Sicherheit und Verzweiffe- lung. Mit dem Beruff ists mehrertheil so beschaffen/ wie Johannes sagt: Sie seind von uns außgegangen/ aber sie waren nicht von uns/ dann wo sie von uns gewesen waͤren/ so waͤren sie ja bey uns blieben. 1. Joh. II, 19. Massen wir dessen ein Exempel uͤber alle Exempel haben an Joh. Jacobo Grynæo, an dem klar und wahr worden die Propheceyung Pauli Act. XX, 30. Auß euch selbsten werden auffstehen Maͤnner/ die verkehrte Lehre reden/ die Juͤnger an sich zu ziehen. Joh. Jacob. Grynæus war ein Schweitzer vid. Melch. Adam. p. 868. von Bern/ zu Basel ein Discipul Simonis Sulceri orthodoxi, eines Gotts-gelehrten Theologi, zu Tuͤbingen D. Heerbrands, allwo er auch Doctor worden. Aber hernach ist er außgegangen in den Calvinismum, denselben unter dem Schaaf-Peltz der Pie taͤt/ Freundlichkeit/ Liebe der Einigkeit/ Demut und Sanfftmut meisterlich wissen zu verbergen/ biß er Lufft bekommen/ von dem Pfaͤltzischen Administratore Casimiro nacher Heidelberg beruffen/ die gantze Pfaltz deform irt/ in Baselischen Kirchen Calvinische Lehr eingefuͤhrt/ die Ober-Marggraffschafft Roͤteln ange- steckt/ Colmar durch seine discipul fascin irt. Quod cuiquam accidit, potest cuivis: hæc foris, bey denen die draussen seind. Wolte Gott/ daß es auch in Zion besser hergieng! Wer aber die Experienz erweget/ wer sich in der Welt umgesehen/ der wird viel schlimme Thuͤren antref- fen/ durch welche liederliche Leute eingeschlichen/ per januam genitivam, durch Verwandschafft/ Schwiegerschafft/ Vettern und Baͤseln/ durch welche mancher ungeschickter/ unerfahrner/ lasterhafftiger Mensch/ ein- kommen/ und eingebettelt worden/ da heißt es bey den promotoribus, das Hembd ligt mir naͤher als der Rock/ dann ob schon Verwandschafft nicht soll hindern/ wann gute Gaben vorhanden/ soll sie doch nicht allein befoͤrdern/ per januam dativam, das schoͤne Fruͤchtlein die Simoniam, per januam accusativam, die andere durch falsche Anklagen calumni- ren/ figmenta, adulation, Fuchsschwaͤntzen/ Verraͤtherey außbeissen/ und auß dem Sattel heben: Per ablativum violentiæ, per viam frau- dulentiæ, viam intempestivam, diese alle haben ihren Titul auß dem wahren Mund Christi/ sie seyen Dieb und Moͤrder. Wollen ehrliche/ redliche Pfarꝛ-Werber und Studiosi diesen Nah- men als Schandflecken nicht auff sich haben und tragen/ so seyen sie bey Zeiten gesinnet/ wie JEsus Christus auch war/ Philip. II. ob Er wol mit herꝛli- Die Siebende herꝛlichen unermaͤßlichen Gaben/ Verstand und Weißheit gezieret/ doch wartet Er der Zeit in Demut/ es seind die Thuͤren zum Schaaf-Stall gemeiniglich nieder und eng/ wer hinein wil/ der muß sich tieff buͤcken und schmuͤcken/ neigen und beugen/ nicht in Neid/ Haß/ Zanck/ Zorn/ Eiffer ein und andern verstossen/ sondern der Demut/ sonderlich der Furcht Go ttes sich befleissen/ und durch ein wuͤst/ unordentlich/ aͤrgerlich Leben und Wandel die Thuͤr und Paß nicht selbst verschlagen/ muß man gleich lang warten/ Christus mußt auch warten biß ins dreissigste Jahr seines Alters/ es ist doch noch keiner dahinden blieben. Es scheint/ es meyne es der Ertz-Bischoff gar gut mit seiner Kirchen/ wie die Sonn auff den Abend/ ehe sie nieder geht/ hell scheint/ und in klarem Liecht pran- get/ also auch noch vor der Welt Ende ein helles Liecht auffgehen wuͤrde/ die Schrifft heller zu erklaͤren/ die starcken Speiße wol zu kochen/ die cruda studia in benè cocta zu verwandeln/ die Seelen-Artzney zu præ- pari ren/ die casus conscientiæ, zum Unterscheid des Boͤsen und Guten auffzuloͤsen/ und die adversarios zu uͤberwinden. Aber da gehoͤret Zeit zu und Auffzug/ das verstehen unsere Curren ten letz/ eilen durch die Po- stillen zur Hauß-Postill/ legen sich hernach auff die faule Seit/ Gott behuͤt/ daß es nicht theur werde wie Anno 35. 36. da die Pest viel dapf- fere Maͤnner hingerissen/ und man nicht Leute gnug gehabt/ das Semi- narium zu bestellen/ da mancher redlicher junger Mensch/ der mit der promotion uͤbereilt ist worden/ die Tag seines Lebens daruͤber geklagt. Gott sey Lob und Danck/ der noch solche Hirten beschehrt/ die durch die rechte Thuͤr eingehen/ und das Zeugnuͤß haben der unction, der innern vocation, die durch die trimestria examina prob irt/ deren vocation in allen Stuͤcken richtig/ die gute und loͤbliche Proben gethan/ das Gegen- theil selbst bekennet/ es sey zwar gut im Pabsthum leben/ aber uͤbel drinn sterben/ wer selig sterben wil/ der muß Lutherisch sterben. Wie nun schließlich Lehrer und Prediger/ die in ihrem Hertzen ver- sichert/ daß sie durch die rechte Thuͤr eingegangen in allen Stuͤcken ein grossen Trost haben in allem Ungluͤck und Unfall/ dann wer wil dem helffen/ der an seinem Ampt verzagt/ Syr. X, 32. und sich Goͤtt- lichen Schutzes zu versichern: Tastet meine Gesalbten nicht an/ und thut meinen Propheten kein Leyd. Psalm. CV, 15. Tastet nicht an/ hie ἀσνλία und salva guardi, meinen Propheten/ meinen Mund-Botten/ die so fern sie GOttes Mund außsprechen/ λόγια ὡς λόγια Θεου̃, Go ttes Wort als Go ttes Wort/ und sich versichert im Hertzen mit Predigt. mit Christo sagen koͤnnen/ habe ich recht geredt/ warum schlaͤgstu mich/ hab ich aber unrecht/ so beweise es. Also haben im gegentheil Zu- hoͤrer als geistliche und vernuͤnfftige Schafe zuvorderst zu zusehen/ daß sie recht sequestri ren/ es kan die Zeit kommen/ daß das scheiden wird von noͤthen seyn/ da sollen sie sich huͤten fuͤr dem Wolff/ Dieben und Moͤr- dern/ und wie Christus redet/ ihm nicht gehorchen. Lieben im gegen- theil und mit Danck annehmen/ die rechte geweyhete/ und ihnen gehor- chen. Hebr. XIII, 17. Gehorchet euern Lehrern/ in ihren Schrifftmaͤssi- gen und getreuen Lehren und Vermahnungen/ warnen und straffen/ und folget ihrem Exempel/ dann sie wachen uͤber euere Seelen/ als die da Rechenschafft dafuͤr geben. Wird eine Seele verlohren/ so muͤssen sie es an ihnen selbst bezahlen/ und durch connivenz um frembder Suͤnden willen verdampt werden/ auff daß sie das mit freuden thun/ mit aller Freudigkeit und ungebundener παῤῥησίᾳ, und nicht mit seuff- zen/ dann das ist euch nicht gut/ ἀλυσιτελὲς, es nimmt endlich ein boͤses End/ wann man den Zoll abrichten muß/ es laͤst sich uͤbel fahren/ wann Noah mit seuffzen/ Loth mit Qual sein Ampt thun muß/ so heißts endlich/ vor der Thuͤr ist draus. Gott zeichnet und schlaͤgt mit Blind- heit/ daß man die rechte Thuͤr nicht finden kan: Der Herr schließt die Thuͤr an der Arch zu/ daß die erste Welt/ die sich GOttes Geist nicht wil straffen lassen/ mit Leib und Seel verderben und umkommen muß/ dafuͤr behuͤt uns lieber Herre Gott/ Amen. Die Achte Predigt/ Von Dem Thuͤrhuͤter. G Eliebte in Christo. Gleich wie ein wolbestellte Thorwacht in einer Polieey/ fuͤrnehmen Stadt/ Fuͤrstli- chem Schloß und Hauß/ ein kluges/ heilsames und Christ- liches Werck und Ordnung ist und heißt/ sonderlich zu ge- faͤhrlichen Zeiten und Laͤufften und grassirenden Seuchen/ da auff Obrigkeitliche provision der Thuͤrhuͤter und Thor- Neundter Theil. N waͤchter Die Achte waͤchter die frembde ankommende Personen und Gaͤste fleissig examini rt/ zu Red stellt/ und fragt. Unde? woher/ von wannen? so von gesunden und unverdaͤchtigen Orten/ so laͤst er sie hinein passiren/ darinnen zu wer- ben/ und ihre Geschaͤffte zu verrichten/ kommt aber der Reuter mit dem fahlen Pferd daher/ mit seinen moͤrdlichen Pfeilen zu wuͤrgen/ die Kin- der auff den Gassen/ die Juͤnglinge auff den Strassen/ so weist er mit gu- ter discretion und Bescheidenheit ab und zuruͤck. Jst eine kluge provi- sion, dann ein witziger siehet das Ungluͤck/ und verbirgt sich/ aber ein allberer gehet durch und leidet Schaden. Proverb. XXVII, 12. Jst eine heilsame Anstalt: Sintemal mehrmalen gesche- hen/ daß durch eine eintzige inficirte Person ein gantze Commun, Stadt und Land angestecket worden. Welchem Unheil fuͤrzukommen/ kluge præservativ, Wacht und Hut verordnet: Jst auch Christlich/ wir sind Christen/ kein Heydnische Stoiker/ Mahometisten/ Fatalisten/ unser fatum ist hypotheticum non absolutum, anders als bey den Barba- rischen thumkuͤhnen Tuͤrcken/ die deren so an der Pest gestorben/ Klei- der und Bettuͤcher anzuziehen/ kein scheu tragen/ ihr Angesicht damit reiben/ und sagen: will Go tt daß ich sterbe/ so muß es geschehen/ wo aber Reinking. l. 3. p. 92. nicht/ so kan mir auch das nicht schaden. Busbequius der weiland Kaͤy- serliche Ambassador an der Ottomannischen Pfort/ als einsmals Zeit seiner Anwesenheit die Pest und infection starck daselbst eingerissen und grassiret/ und er den Ort und Lufft zu aͤndern/ eine Nothdurfft ermessen/ gleichwol solches ohn vorwissen und consens des Tuͤrckischen Keysers nicht thun moͤgen/ dahero denselben durch den Visir Basen/ Rustan darum ersuchen und um Erlaubnuͤs ansprechen lassen/ der aber dem Busbequio solches verdacht/ als wann er ein so schwachglaͤubiger Christ waͤre/ und seinem Christo nicht zu trauete/ daß er ihn in solcher Pestilentz- gefahr zu Constantinopel nicht weniger als am andern Ort wol retten uñ erhalten koͤnte/ die Pest waͤre nichts anders/ als GOttes Pfeile/ die des vorgesetzten Ziels nicht verfehlen/ noch ein Mensch an einigem Ort sich dafuͤr schuͤtzen und verbergen koͤnte/ umsonst unterstuͤnde man sich das zu vermeiden/ was nicht zu vermeiden waͤre. Sein des Groß-Tuͤrcken eigener Pallast waͤre nicht rein von der infection, dannoch begehrte er sein Residentz nicht zu verrucken. So waͤren auch die Tuͤrcken in der Mey- nung/ daß einem jeden die Zeit seines absterbens/ und an was fuͤr einer Schwachheit er sterben solte/ von Go tt fuͤr der Stirngeschrieben stuͤnde: dahero sie dero an der Pest verstorbenen Kleider und Bettuͤcher gar nicht meide- Predigt. meideten/ sondern damit das Gesicht reiben/ sagende: Jst es Go ttes will/ daß ich an der Pest sterbe/ so muß es geschehen/ wo nicht/ so kan es mir nicht schaden. Was versehen ist/ muß geschehen/ ita Luth. Tom. II. Witt. p, 576. Denn also glauben und sagen die Tuͤrcken/ es kan niemand sterben/ sein Stuͤndlein seye dann kommen/ daher seind sie so toll und thumkuͤhne/ und meynen sie thun wol und fahren recht. Ja wahr ists/ was versehen ist/ das ge- schicht: Aber mir ist nicht befohlen/ sondern vielmehr verbot- ten/ zu wissen was versehen ist: Weil ich nun nicht weiß/ was versehen ist/ so heißts GOTT versuchen/ wer auff solch sein unwissen hinein faͤhret und verdirbt. Mir ist gebotten/ daß ich wissen soll/ was zu thun sey/ und darum ist sein Wort uns gegeben/ daß wir wissen sollen/ was wir thun sollen/ und nicht thun/ was wir nicht wissen/ sondern dasselbe GOTT heimstellen/ und uns unsers Befehls/ Beruffs/ Ampts hal- ten/ GOtt wirds wol und wils allein wissen was versehen ist/ du solts nicht wissen. GOTT hat dir sein Wort und Gebot gegeben/ du solt nicht toͤdten/ consequenter weder dich noch deinen Nechsten/ in Gefahr deß Todes begeben und ergeben/ im uͤbrigen laß GOTT regie- ren und walten. Gleich wie/ sag ich/ besagte Thorwacht und Thuͤrhut ein kluge/ heil- same und Christliche Ordnung und Anstalt ist: Also hat auch Christus seine geistliche Thorwacht/ weißlich/ herꝛlich und loͤblich bestellt: Jst nicht weniger ein heilsame und loͤbliche Thorwacht/ die jenige geistliche/ welche Christus ohne in seinem Commentario Joh. X. in dem XXIII. Ps. ge- funden und gesogen/ wann er unter andern eines Thuͤrhuͤters gedencket/ und sagt: Wer zur Thuͤren hinein gehet/ der ist der Hirt zu den Scha- fen/ und dem thut der Thuͤrhuͤter auff/ consequenter ex opposito, wer zur rechten und aͤchten Thuͤren nicht hinein gehet/ sondern als ein Dieb und Moͤrder kommt nur zu stehlen und zu wuͤrgen/ wer unberuffen da- her trollt/ wie ein reissender Wolff/ fuͤr dem schließt er den Schafstall zu. Wie wir dañ nun in unserer geistlichen Schaͤferey produci rt den Hirten/ die Schaafe/ die Hurte oder Schaafstall/ die Thuͤr zum Schafstall/ so muͤs- sen wir auch den Thuͤrhuͤter und Portner nicht vergessen als welchen per consequentiam Christus auch im XXIII. Psalmen gefunden/ und der N ij vorzei- Die Achte vorzeiten bey grossen weitlaͤufftigen Schaͤfereyen und Vorwercken und Hurten noͤthig gewesen. Und betrachten τίς καὶ τί? wer derselbe sey und was sein Ampt und Verrichtung sey. GOTT gebe dazu seinen Heil. Geist und Segen/ Amen. K Urtz/ M. L. allen gloß- Streit und disputat von die- sem Thuͤrhuͤter τίς ἐϛι, wer derselbe seye/ abzuschneiden/ so ver- stehen wir denselben mit der reinen/ rechtglaubigen Antiqui taͤt von niemand anders als von der dritten Person der Gottheit/ der Heilige Geist ist allhie der Thorhuͤter/ und sonst niemand. Dann also schreibet in der Lateinischen Kirchen Augustinus tract. 46. in Johann. Siperso- nam aliquam quæratis ostiarii. Ecce Spiritus Sanctus occurrat: non enim dedignabitur ostiarius esse, quando ipsum ostium esse dignatus est Filius DEI. Ostium quis est? Christus, quid est Christus? veritas. Quis aperiet ostium, nisi qui docet omnem veritatem: Und in der Griechischen Kirchen/ braucht Theophylactus in Joh. X. diese Wort: Quia in Sp. Sancto intelliguntur \& aperiuntur Scripturæ, quæ osten- dunt nobis Christum, metitò ostiarius dicitur Spiritus S. in quo, ut Spiritu sapientiæ \& scientiæ aperiuntur scripturæ per quas ingreditur Dominus ad nostram curam, \& per quas ostenditur pastor. Chemni- tius auß der Deutschen Kirch stimmet auch mit zu in Harm. c. 114. Osti- arius est Spiritus Sanctus, sine hujus enim gratia \& ope nullus pastor in ovile ingreditur, \& pascit oves. Siehet mit diesen Worten auff 1. Cor. XII, 3. da Paulus sagt: Niemand kan JEsum einen Her- ren nennen/ ohne durch den H. Geist. Jst eben das/ was Lu- therus in unserm Catechismo uͤber den dritten Artickel geschriben: Jch glaub daß ich nicht auß eigener Vernunfft noch Krafft an JEsum Christum glauben oder zu ihm kommen kan/ sondern der H. Geist hat mich durch das Evangelium beruffen/ mit seinen Gaben erleuchtet/ im rechten Glauben geheiliget und erhalten/ gleichwie er die gantze Christenheit auff Erden be- ruffet/ samlet/ erleuchtet/ heiliget und bey JEsu Christo er- haͤlt im rechten einigen Glauben. Was ist das anders gesagt: Als/ ich glaub daß weder Hirt noch Schaaf/ in Christi Schaafstall die Christliche Kirch kommen/ Christum als den HErꝛn und Hirten erken- nen/ ohne durch den H. Geist/ der muß die obstacula aus dem Mittel raͤumen Predigt. raͤumen/ der muß mir die Thuͤr/ das ist die H. Schrifft eroͤffnen/ der muß die Hertzens-Thuͤren erbrechen/ er muß mich beruffen und locken/ Paß und Platz geben/ der muß der ostiarius seyn/ und der ists auch/ der/ wie er den XXIII. Psalmen David in Mund gelegt/ also auch denselben eroͤff- net und ausgeleget/ Joh. X. daß aber diese gloß just und gut/ daß sie der Glaubens-Regul gemaͤß/ dasselbe gibt die augenscheinliche Analo- gia und vergleich eines beruͤhmten weltlichen Thuͤrhuͤters mit dem Heil. Geist/ als geistlichen Thuͤrhuͤter/ und koͤnnen wir kein bessern finden als Joseph/ dem der Koͤnig Pharao/ wie sein gantzes Land/ also auch seinen Koͤniglichen Schaafstall zuversorgen vertraut/ und uͤbergeben mit diesen Worten: So du weissest/ daß Leute unter ihnen sind ansche chayl, die tuͤchtig sind/ so setze sie uͤber mein Vieh/ Gen, XLVII, 6. dasselbe zu weyden und zu leiten/ und zu heilen/ sey du der Thorwaͤchter/ Thuͤrhuͤter und Chur-Herꝛ. Wie nun Joseph solch sein Wacht und Hut versehen. 1. Obices effringendo: Es hat ohne zweiffel hart gehalten bey den Egyptern ein frembd Volck lassen einnisten in die Schmaltzgrub/ der harte Riegel war der Greuel. Gen. XLVI, 34. Denn was Vieh- Hirten sind/ seind den Egyptern ein Greuel. Solten nun seine Bruͤder sicher wohnen/ so muste er zuvor das Aergernuͤs auffheben/ was sie geirret und im weg gestanden/ wegraumen/ und absondern von den Egyptiern. 2. Sapientiam demonstrando, in ἐπιλέυσει somnii pro- phetici, darauß der Koͤnig und maͤnniglich abnehmen koͤnnen/ daß der Geist GOttes in ihm sey/ wie koͤnten wir/ sagt Pharao/ Gen. XLI, 38. einen solchen Mann finden/ in dem der Geist GOttes sey? Damit ihm dann Joseph ein grosse Authori taͤt und ansehen gemacht und zu wegen gebracht. 3. Ostium aperiendo, ohne allen zweiffel durch einen starcken Koͤniglichen Comitat die Huͤrten und Staͤll auffge- macht/ und ihnen Wohnung geschafft/ und die Hertzen gewonnen. 4. Advocando, in dem er seine Bruͤder gelockt/ und sie gesetzet/ wie Pharao befohlen: Setze sie/ setze sie ein/ mit sonderbarer Solenni taͤt/ mache sie zu Fuͤrsten uͤber die Koͤnigliche Schaͤferey. Also hat der H. Geist alle diese Actus lassen vorgehen/ und das ist auch das τί ἐϛι, wie und in was Handlung er sein Thuͤrhut und Thuͤrgewalt verricht/ und wer also zur Thuͤr eingehet/ der ist der Hirt zu den Schaafen/ und dem thut der Thuͤrhuͤter auff. Wie dann/ und in welchen Actibus? 1. Obices effringendo, die gantze Welt war damal ein Pallast. Luc. XI, 21. Es hatte damal der N iij H. Geist Die Achte H. Geist fuͤr sich ein starcken gewapneten Riesen/ der alle Schaasstaͤll occupi rt, und sich aus seinem Pallast nicht treiben lassen/ es hat derselbe seine ὀχυρώματα ὑψόματα, Hoͤhe und Vestungen/ die gantze Welt war ein Lycaonia, Wolffsnest und Wolffsgrub/ die hat nun starcke Riegel gehabt/ bey den Juden derselben πατροπαράδοτα, Vaͤtter-Gesetz/ Secten/ Traditiones, die persuasion und gaͤntzliche Einbildung und Beredung von einem weltlichen Messia/ die scandala deß gecreutzigten GOttes/ bey den Heyden ihre oracula, miracula, das scandalum und der Stein des anstossens des gecreutzigten JEsu von Nazareth/ die Aufferstehung der Todten/ das essen und trincken des Leibs und Bluts Christi im H. Abend- mal/ das Verbott von der Religion zu disputi ren. Omnes religione moventur, \& Deos patrios, quos à majoribus acceperunt, colendos sibi diligenter \& retinendos arbitrantur, ait Cicer. in Verr. Act. 4. c. 59. 3. Divinum illud Numen omni modo, omni tempore ipse cole, juxtà leges patrias, \& aliis ut colant. effice. Ita Mæcenas ad Augustum apud Dion. Cassium l. 51. \& mox. Eos verò, qui in divinis aliquid mno- vant, odio habe \& coerce. Non deorum solum causa (quos tamen qui contemnit, nec aliud sanè quicquam magni fecerit) sed quia nova quæ- dam Numina hic tales introducentes multos impelluut ad mutationem rerum. Vnde conjurationes, seditiones, conciliabula existunt, res pro- fectò minimè conducibiles principatui. Da war nun Goͤttliche Macht von noͤthen/ da mußte der Finger Gottes/ der H. Geist helffen und das beste thun/ der mußte die Riegel auffheben/ per arma spiritualia 2. Cor. 6. die Wolffsgruben eroͤffnen/ durch das Schwerdt des Geistes und sonderlich die petarden der miracul, die er mußte anschrauben. Wir haben dessen ein Exempel Act. 16. zu Phi- lippis/ da der Erdbidem mußte helffen. 2. Januam aperiendo, h. e. scripturas explicando, durch Eroͤfnnng der Thuͤr der Wort. Col. IV, 3. Gleich wie nie keine Weissagung auß Menschlichen willen ersonnen und ersponnen/ sondern die heilige Maͤñer Gottes haben geredt/ getrieben von dem H. Geist 2 Petr. I, v. ult. also ist auch niemand geweßt/ der sie verstanden/ erklaͤrt und ausgelegt/ der hat durch die H. Maͤnner Gottes geredt/ zuvorderst durch den allerheiligsten/ Luc. XXIV, 27. Er fieng an von Mose und allen Propheten/ und leget ihnen alle Schrifft auß/ die von ihm gesagt waren. v. 32. Brandte nicht unser Hertz in uns/ da er mit uns redet auff dem Wege/ als er uns die Schrifft oͤffnet. v. 45. Da eroͤffnet er ihnen das Verstůndnuͤß/ daß sie die Schrifft verstun- Predigt. verstunden. Durch Petrum/ der den Propheten Joel außgelegt. Act. 2. und noch heutiges Tages ist kein besserer/ gewisserer und stand- haffterer Interpres als der H. Geist/ nicht der Pabst/ der ihm clavem scripturæ arrogi rt/ wie vorzeiten die Phariseer Luc. XI, 52. Sondern der Bertram. in Matth. p. 640. H. Geist durch die klare Schrifften/ wie der dunckele Mond von der Son- nen erleuchtet wird/ zum Exempel in den Stifftungs Worten des Heil. Abendmals/ ist der Verstand der Wort: Esset/ das ist mein Leib/ der richtigste Verstand dieser: Jn/ mit und unter diesem Brod ist mein Leib: welches erklaͤret wird auß andern Stellen H. Schrifft. Gleichwie wann der Ertzvater Jacob auff sein Geleit die Heil. Engel deutend/ spricht das ist GOttes Heer/ niemand anders gedencken kan/ als/ unter/ in und mit diesem himmlischen Gesichte sind die himmlische Englische Heerscharen warhafftig zugegen. Also wann die Tochter Pharao in ihrem Spatziergang auff das Kaͤstlein gerathet darinnen Mo- ses das feine Kind gelegen und gesaget: das ist der Hebreischen Kinder eines/ in keines Menschen Gemuͤth andere Gedan- cken kommen koͤnnen/ als in/ mit und unter diesem Kaͤstlein ist das jun- ge Moses Kind warhafftig gegenwaͤrtig/ deßgleichen wann Petrus in seiner heroischen Pfingstpredigt auff seine und seiner Collegen schoͤne/ feurige Pfingst-Croͤnlein deutend/ spricht: Christus JEsus zur rechten GOttes erhaben/ hat außgegossen das/ was ihr sehet und hoͤret/ wem koͤnte ein ander concept beywohnen/ als dieser: Unter/ mit und in die- sen feurigen Zungen ist der H. Geist warhafftig zugegen? St. Johan- nes der mit und darbey geweßt/ der schreibt/ das Blut Christi zeuge/ wann zeugt es? warhafftig im Sacrament/ als einem Goͤttlichen Siegel/ wo? auff Erden/ nicht sagt er: Droben im Himmel/ setzt den Zeugen auff Er- den dem Zeugen im Himmelreich entgegen/ zeugt es auff Erden/ so ist es auch auff Erden. St. Paulus schleußt kraͤfftiglich auß dem Buchstaͤ- bigen Verstand der Stifftungs Grundwort eine solche Conclusion, der- gleichen die Figur und Wortblum keine von sich gebaͤhren kan. Das Brod seye eine Gemeinschafft des Leibs Christi/ der gesegne- te Kelch seye eine Gemeinschafft des Bluts Christi: Heißts κοινωνία, so ists nicht ἀπουσία, ists eine Gemeinschafft/ so ists eine Ver- einigung/ und nicht ein Abweisung: darauff folget 3. Ovilis apertio die apertur und Eroͤffnung der Hertzen/ Ohren/ Augen und Mund/ davon Paulus ruͤhmt 1. Cor. XVI, 9. Mir ist eine Die Achte eine grosse Thuͤr auffgethan/ die viel Fruͤchte wuͤrcket. 2. Cor. II, 12. Da ich gen Troada kam zu predigen das Evangelium Christi/ war mir eine Thuͤr auffgethan in dem HErꝛn. Act. XVI, 14, Ein Gottsfuͤrchtig Weib/ mit Namen Lydia/ eine Purpurkraͤmerin auß der Stadt der Thyatirer/ hoͤrete zu/ welcher that der HErꝛ das Hertz auff/ daß sie drauff acht hat- te/ was von Paulo geredt war. Er ruͤhmet die Eroͤffnung der Ohren des Glaubens Act. XIV, 27. Da sie aber darkamen/ ver- samleten sie die Gemeine/ und verkuͤndigten/ wie viel GOtt mit ihnen gethan hatte/ und wie er den Heyden haͤtte die Thuͤr des Glaubens auffgethan. Der Augen. Apoc. III, 18. Salbe dich mit Augensalbe/ daß du sehen moͤgest. Die Er- oͤffnung des Mundes. Act. IV, 29. HErꝛ siehe an ihr draͤuen/ und gib deinen Knechten mit aller Freudigkeit zu reden dein Wort. v. 31. Da sie gebettet hatten/ beweget sich die Staͤt- te/ da sie versamlet waren/ und wurden alle des H. Geistes voll/ und redeten das Wort mit Freudigkeit. Sie haben ein parresiam gehabt zu reden und mit Christo zu sagen: Hab ich recht ge- redt/ warum schlaͤgstu mich/ habe ich aber uͤbel geredt/ so beweise es. Ein helles und schoͤnes Exempel haben wir in der Pfingst-Histori/ da der H. Geist in einem Augenblick 3000. Hertzensthor/ aller der jenigen/ die ihnen wollen helffen lassen/ eroͤffnet/ daß ihnen der wahn von einem irꝛdi- schen Messia benommen worden/ da ihnen die Thuͤr eroͤffnet worden/ da haben die spectra diaboli weichen/ im gegentheil die schoͤne charismata geleuchtet und herfuͤr geschienen/ die anathemata in den Hertzen der Men- schen auffgehenget worden/ da ist klar und offenbarlich wahr worden/ was Paulus 1. Cor. 12. geschrieben: Es sind mancherley Gaben/ aber es ist ein Geist: Es sind mancher ley Aemter/ aber es ist ein HErꝛ: Es sind mancher ley Kraͤfften/ aber es ist ein GOtt/ der da wuͤrcket alles in allem \&c. 4. Vocatio \& illicium, darauff ist die Setzung oder Einsetzung geschehen: ὑμει̃ς καθίσατε, Luc. XXIV, 49. Jhr aber solt in der Stadt Jerusalem bleiben (sitzen) biß ihr angethan werdet mit Krafft auß der Hoͤhe. Act. XX, 28. Habet acht auff euch selbst und auff die gantze Heerde/ unter welche euch der H. Geist gesetzt Predigt. gesetzt hat zu Bischoͤffen/ zu weiden die Gemeine GOttes/ welche Er durch sein eigen Blut erworben hat/ gesetzt/ daß die 12. sampt den 70. Juͤngern ausgehen die Schafstaͤll zu occupi ren/ und die Schaf/ die nicht sind auß diesem Stall/ samlen sollen. Geschach dazumal immediatè, in dem der H. Geist durch mancherley Erscheinun- gen/ πολυτρόπως καὶ πολυμερῶς Hebr. l, 1. geredt zu den Vaͤtern/ zu letzt aber durch den Sohn/ der hats beschlossen/ und haben wir keine unmit- telbare vocation zu hoffen. Hat derowegen naͤrrisch gehandelt jener aberglaͤubische Kaͤyser Zeno, dann als der Bischoͤffliche Stuhl zu Con- Niceph. l. 16. 18. stantinopel/ Anno 488. entlediget und vacierend worden/ so legt er mit eigener Hand auff den hohen Altar daselbst ein weisses/ reines/ unbe- schriebenes Papier/ sampt einer demuͤthigen Supplication an die hohe Goͤttliche Majestaͤt/ dieselbe wolle durch einen Engel auff dieses Papier schreiben lassen/ wen er in seinem Goͤttlichen Rath zu einem Successore und Bischoff erkosen/ und erwehlt/ versigelt das Papier/ und laͤst dasselbe ver- wahren/ ein 40. Taͤgig fasten ausruffen/ die Gewaͤhrung seiner Bitt desto schleuniger zu gewinnen. Was geschicht/ ein arger Schalck/ ehr- geltziger und verschlagener Pfaff/ Namens Flavita, nimmt eine grosse Summam Gelds auff/ bey den Wechslern/ besticht darmit heimlich des Kaͤysers geheimsten Eunuchum und Kaͤmmerer/ und schreibt auffs Papier den Namen Flavita, und versiegelt dasselbe wieder foͤrmlich und kuͤnstlich/ uͤber 40. Tag macht sich der Kaͤyser mit sonderbarer Andacht an das Papier/ findet darauff geschrieben den Namen Flavita, laͤßt ihn suchen und herfuͤr holen/ setzt ihn mit grossen Solenni taͤten auff den Bi- schoͤfflichen Stuhl/ als einen Θεέσδοτον und von Go tt unmittelbar erkor- nen Mann: Aber der Pracht waͤhrete nicht lang/ Gottes Rath folgete bald darauff/ er stirbet im vierten Monat eines erschroͤcklichen und jaͤhen Tods/ der betrug wird wunderbarlich offenbar/ der Kaͤyser wurde schamroth/ mußte bekennen und sagen/ diese Wahl seye geschehen nicht per Christum. sondern per Chrysum, nicht durch Gott/ sondern Gold. Sondern es geschicht solcher Kirchensatz und soll geschehen per cla- vem συμφωνίας, Matth. XVIII, 19. 20. Wo zween unter euch eins werden auff Erden/ warum es ist/ daß sie bitten wollen/ das soll ihnen wiederfahren von meinem Vater im Himmel/ dann wo zween ader drey versamlet seind in meinem Namen/ da bin ich mitten unter ihnen. Er sagt bedencklich wo zween oder drey ver- Neundter Theil. O samlet Die Achte samletseind. Vorzeiten in der ersten Kirch/ da die Kaͤyser noch Heydni- sche Verfolger gewesen/ waren nur zwo Stimmen/ die Bischoͤffliche und Leyen Stim̃: zur Zeit der seligen Reformation auch nur zwo Stim- men/ die Oberkeitliche und Leyen Stimm/ die dritte Stimm war ein Wolffsgeheul/ die Bischoͤffe sind Lycanthropi worden: Aber ordina- riè und perfectè sollen die Stimmen seyn/ die vocativa Magistratus, die nominativa Presbyterii, die Electiva populi, von altem Gebrauch und Rechtswegen her ist erschollen. 1. Vox nominativa Presbyterii, dem liegt ob das Examen und Prob/ die Bewahrung und das Zeugnuͤs/ und dannenhero erfolget die nominatio und Ernennung. Jst gegruͤndet in dem Apostolischen Canone. Tit. l, 5. Derhalben ließ ich dich in Creta/ daß du soltest vollend anrichten/ da ichs gelassen habe/ und besetzen die Staͤdte hin und her mit Eltesten/ wie ich dir befohlen habe. Ja auch der gesunden Vernunfft gemaͤß/ cuilibet artifici in sua arte credendum: Einem jeden Meister soll man in seiner Kunst glauben/ ne sutor ultrà crepidam: kein Barbierer/ Artzt/ Heb- am wird angenommen/ sie werden zuvor examinirt und auff die Prob gestellt/ in allen Handwercken muß zuvor das Meisterstuͤck außgearbei- tet/ und von denen gepruͤfet werden/ die des Handwercks seind. Also auch allhie: 2. Vox Electiva populi, dessen fuͤrnemster Theil die Obrig- keit/ als welche angehet die Goͤttliche Warnung: Huͤtet euch fuͤr den falschen Propheten/ denen die Geister-Prob hoch anbefohlen/ geht nun die nomination vorher/ so kan die Wahl nicht fehlen/ wir haben ein schoͤ- nes Exempel an Johanne dem Taͤuffer/ bey welchem es ohngefehr nicht geschehen/ daß er fuͤr den Augen und Ohren seiner Zuhoͤrer/ solche gra- tiam gehabt/ daß nicht allein Herodes ihn gern gehoͤrt/ sondern auch das gantze Volck turmatim ihm zugeloffen/ mit Andacht und Anmuth ge- hoͤrt/ seiner Mahnung folg geleistet und sich weissen lassen. Luc. III, 2. Das waren motus divini, digitus divinus: GOtt trieb und bewegete also die Hertzen. Also wann noch auff den heutigen Tag ein Christliches auditorium per majora ein sonderbare Affection und Anmuth zu einer oder der andern Person gewinnet/ ist dasselbe kein fortuitum, sondern die gratia, die GOtt gibt fuͤr den Augen der Menschen/ und ist alsdann/ cæteris paribus, wahr das Sprichwort/ vox populi vox alma Dei. 3. Vox vocatoria \& firmatoria Magistratus, als welche ein uͤber Bischoffliche Stim̃/ gegruͤndet. Exod. IV, 16. Du solt Aarons GOTT und gebieten- Predigt. gebietender Herꝛ seyn. Massen es Constantinus Magnus der erste Christliche Kaͤyser also außgelegt/ mit denen Worten welche Eusebius l. 4. de vitâ Constantini c. 29. concipirt und gefaßt: ὑμει̃ς μὲν τῶν εἰσω τῆς ἐκκλησίας, ἐγὼ δὲ τῶν ἐκτὸς ὑϖὸ Θεου̃ καθεϛάμενος Ἐϖίσκοϖος α᾽ν εἴνη: Jhr meine liebe Bischoͤffe/ Pfarꝛherren/ und geistliche Seelenhirten seyd zwar Bischoffe innerhalb der Kirchen: Jch aber bin von GOTT bestellet zu einem Bischoff ausser der Kirchen: Du solt sein Gott seyn/ Le lohim pro vel à Deo ein gemachter/ geadelter und geordneter Ampts-Gott/ pro Deo, Gottes Stadthalter und Cantzler/ ad Deum ordinatus Divus \& divinus homo: Nicht nur Ampts-Gott sondern Aarons Kirchen-Gott/ in der Gemeine Gottes. Ps. LXXXII, 1. und dieser nicht nur Patron/ Saͤugamme/ Deus tutelaris, Schild und Schutz GOtt/ Ps. XLVII, 15. Sondern auch mitsagender Kirchen-Pfleger/ Mit-Bischoff/ in Sachen die ἐυταξίαν, gute Ordnung und Statuten/ Curen/ Wahlen und Beruff der Kirchendiener/ Ornat und Zierath/ disciplin und Zucht belangend: Aaron gibt den Mund und Rath/ das Schwerd des Geistes dazu. Moses den Oberkeitlichen Glantz/ Scepter und Schwerd der Hand: Nicht nur Mit-Bischoff/ sondern auch Ober-Bischoff/ als der seinem Bruder Aaron zugebieten hatte/ den er auch wegen seiner Kaͤlbergoͤtzerey auß heiligem Ampts-Eifer gescholten und gestrafft. Er ist von Aaron selbst fuͤr einen Herꝛn erkant/ angenommen und genennet worden: Mein Herꝛ/ sagt er laß seinen Zorn nicht ergrimmen. Exod. XXXII, 22. Alles harmonicè, ἐυσχημόνως καὶ κατὰ τάξιν ἐξουσία und ἐυταξία seind zwo Schwestern/ die lassen sich nicht trennen. Dann wo diese drey Stimmen harmonicè zusammen lauten/ da gibt es eine schoͤne Music und symphoni, gleichwie die H. Dreyeinigkeit/ est Trinitas har- monica, und hat stattliche Verheissungen/ Goͤttlichen Beystand/ Gnad und Segen. Es hat zwar die Obrigkeit/ vermoͤg des Bischofflichen Rechts/ Macht und Gewalt einen Pfarrherꝛ allein zusetzen/ aber es soll nicht sein/ es gerath uͤbel/ wie Constantinus Georg. Cappadocem und Macedonium, der sonst fromme Kaͤyser Theodosius den Nestorium eingesetzt/ lauter greuliche Woͤlff/ die der Heerde nicht verschonet. Auff diese weiß/ moͤchte jemand sagen/ so ists mehr nicht/ als ein Menschlicher Beruff/ es menschelt und stinckt nach Menschen: Es sind ja alle diese Stimmen nichts anders als Menschliche Stimmen/ wo bleibt der Goͤtt- liche Beruff? Wie kan ich wissen/ daß mein Beruff ein Goͤttlicher Be- O ij ruff Die Achte ruff sey? Antwort/ Goͤttlicher Beruff der durch Menschen geschicht sind 1. Chron. 24. 13. 2. Chron. 29, 11. keine opposita. Aarons Soͤhn und Nachkommen haben allesampt ein Goͤttlichen Beruff gehabt/ aber durch die Geburt. David und alle seine Nachkommen haben ein Goͤttlichen Beruff gehabt Ps. 82. und ist doch persuccessionem \& electionem geschehen/ Vater und Mutter haben ein Goͤttlichen Beruff/ daß sie sich sollen mehren/ das Wort Gen. 1. Seyd fruchtbar und mehret euch operi rt noch auff den heutigen Tag. Gar heuter und klar ist das Exempel der Beruffenen Eltesten der Ge- meine zu Epheso von denen Paulus sagt: Der Heil. Geist habe sie zu Bischoͤffen gesetzt zu weyden die Gemeine Gottes. Act. XX, 28. St. Paulus dedici rt seine Epistel an die Corinther/ der Gemeine zu Corintho/ nicht nur in seinem/ sondern auch Sosthenis und Timothei Namen. 1. Cor. I, 1. 2. Cor. I, 1. als welche durch ordentliche Mittel be- ruffen worden/ und schreibt in seinem und ihrer Namen zugleich. Wir sind Bottschafften an Christus Statt/ denn GOTT vermahnet durch uns. 2. Cor. V, 20. worauß billich kan und soll geschlossen werden: wel- che Person auff solche art und weiß wie die Eltesten und wie die Bi- schoffe der Gemeine zu Epheso/ und mitelbar durch Menschliche Ordnung/ Mund und Hand sind beruffen worden/ die sind vom H. Geist zu Bi- schoffen gesetzt/ die sind Bottschafften und rechtmaͤssige Legaten an Got- tes Statt: \&c. Assumire nun ein jeder rechtmaͤssiger Bischoff/ Pfarrherꝛ und Seelsorger und sage in seinem Hertzen/ ich bin solcher massen beruf- fen/ und also per portam scripturæ, das ist/ durch die rechte Thuͤr der H. Schrifft in Christi Schaafstall eingegangen. Ergò ist mein Beruff ein Goͤttlicher Beruff. Gar notabel ist die jenig Goͤttliche συγκατάβασις und appropriatio der Stimm Eli: Da Gott der Herr die indo- lem, Art und weiß der Sprach und Rede des Hohenpriesters und Rich- ters Eli imiti rt und nachgeahnet: Also daß der theure Samuel anders nicht gemeynet/ den Eli ruffe ihm/ da es doch Gott war. Also berufft Gott auch durch seine Ordnung durch den Priesterlichen und Richter- lichen Stand/ aͤusserlich hat es das ansehen/ als waͤren es nur Menschen- Wort/ da es doch Gottes Wort/ Befehl und Beruff ist. Wann wir nun Runden gehen und sehen/ wie an manchem Ort die Thorwacht bestellt/ ach was Greuel/ was Confusiones, was Monopolia, was παποκαισαρίας, und καισαροπαπίας werden wir finden! Erstlich in Babylon wird alles gespielt auff die Kirch zu Rom/ die muß die Thuͤrhuͤterin seyn/ sc. wie jene in der Passion Joh, 18. die fuͤhrt in Predigt. in Caiphas Palast/ die Christum verrathen und verlaͤugnet. Petrus wird mit dem Schluͤssel gemacht/ weil er des Himmelreichs Schluͤssel/ ist aber nicht um Petrum/ sondern um den Pabst zuthun und seine succes- sores, der maßt ihm den Schluͤssel-Gewalt/ der als ein Monopola das Bischoffliche Recht allein auff und an sich gezogen/ den Layen und Ober- keitlichen Stand gantz entsetzet/ Dux cæcorum, der so verblendet/ daß er die Thuͤr selbst nicht finden kan wie die zu Sodom die Thuͤr Loths nicht finden koͤnnen/ darvor wir gewarnet worden/ als vor dem greulichen Wolff/ an dem wahr worden die Propheceyung Pauli Act. XX. 29. Jch weiß/ daß nach meinem Abscheid unter euch kommen werden greuliche Woͤlffe/ die der Heerde nicht verschonen werden. Dafuͤr wir bitten in der Litania/ die Gemeine von Woͤlffen und Miedlingen erloͤsen und ledig machen. Jst das begegnet der Kirch zu Epheso/ wie viel mehr der Kirch zu Rom/ als welche Paulus gewar- net: Du stehest aber durch den Glauben/ sey nicht stoltz/ sondern fuͤrchte dich/ hat GOTT der natuͤrlichen Zweige nicht ver- schonet/ daß er vielleicht dein auch nicht verschone/ darum schaue die Guͤte und den Ernst GOttes/ den Ernst an denen die gefallen sind/ die Guͤte aber an dir/ so fern du an der Guͤte bleibest/ sonst wirst du auch abgehauen werden. Zu Genv/ Zuͤrch/ Leiden/ in Holland gehts auch nicht besser zu/ da abermal der Kir- chensatz auff das Presbyterium gespielt/ disputi rt und gelehrt wird. Po- liticum magistratum \& Statum Ecclesiasticum esse duo brachia sub uno capite, da keines vom andern dependire, darum auch die Arminia- ner klagen/ sie seyen von ihren Cantzelen vertrieben/ ausgeschlossen/ in- consulto \& invito Magistratu. Ja nach ihrer Lehr und praxi kan man Koͤnig/ Kaͤyser/ Fuͤrsten/ wann sie perfidè extrà regulam Christi, han- deln/ deponi ren/ uͤber die praxin hat Jacobus, Koͤnig in Engelland ge- vid. Calvin Comm. in Dan. c. 6. klagt/ sein Sohn Carolus hats erfahren. Wolte GOtt/ daß es unter uns in Zion besser hergieng! Aber da ist man an manchem Ort auff die andere Seit gangen/ auff die καισαροπαπίαν, da mancher Patron auff sein Bischofflich Recht gepocht/ ihm selbst ohn Examen, ohn Ordnung ohn Zucht und Zierd/ nach dem ihm die Ohren gejuckt/ selbst Prediger auffgestellt/ und widerum abgefertiget/ wie Stalljungen/ oder ein Buͤt- tel und Thurnhuͤter/ und damit nicht allein unserer gegner der Papisten sarcasmos und Gespoͤtt gleichsam gefirmt/ wann sie vorgeben/ es waͤre O iij der Die Achte der Lutherische prædican ten Beruff nicht koͤstlicher und heiliger/ als der Stadtbuͤttel/ Hund schlaͤger/ und Scharffrichter/ die man nach belieben um gewissen Lohn pflegt zu dingen/ wie Lutherische Obrigkeit zu thun pflegt. Ja eben so unvernuͤnfftig gehandelt/ als der Fuͤrst/ der nach sei- nem eigenen Sinn und muthigen willen einen Stadt- Physicum ohne Zeugnuͤs einiger privilegir ten Universi taͤt/ einen Barbierer/ Wund- Artzt/ Apothecker oder Hebamme ohne Prob und Examen seinen Unter- thanen wolte auffdringen/ nicht besser und gewissenhaffter gehandelt/ als Jerobeam der abtruͤnnige Jud/ der nach aller seiner Hertzens-Lust von den geringen und ungeschicktesten des Volcks die Hand gefuͤllt und zu Prie- stern der Hoͤhe gemacht. Mancher privat- Buͤrger einen Miedling bey irgend einem Patronen eingebetten/ eingebettelt/ und eingekaufft/ auß Passionirten Affecten, desgleichen wann die Frau Salome/ die Mutter der Kinder Zebedei auß blinder Lieb ihren Sohn/ so hochwuͤrdiget/ daß sie erhebt einen zur rechten den andern zur lincken/ geschicht noch wann manche thoͤrichte Eltern ein Geluͤbd thun ihr Sohn muͤsse ein Pfarrherꝛ werden/ wann schon die geringsten Gaben nicht fuͤrhanden. Was wol- len wir sagen von den ἀυτοκλήτοις die sich selbst fuͤr tuͤchtig halten/ durch allerhand Dietrich und Diebsschluͤssel eindringen/ einkuͤnstlen/ wann sie einmal oder zwey auff dem heissen Hoͤltzlin gestanden/ und als Comoͤdi- anden nicht ihre eigene/ sondern frembde Personen agirt, wann sie durch ihr gut Mundstuͤck favorem vulgi und des Poͤbels Zeigfinger gewonnen/ hic est! das ist das Thier/ das so wol predigen kan/ fragt man? wer hats gesagt/ daß du so wol predigen kanst? Meister Hans/ die Magd im Fruͤhgebett Herꝛ omnis. Die Currentes, die nicht in die Ernd auß- gestossen werden. Matth, IX, 39. die blitzer/ die wider die Apostolische Vermahnung. 1. Cor. VII, 20. Ein jeglicher bleib in der Beruf- Conf. part. 8. L. Cat. p. 170. 171 190. de Thra- sybulo vid. Sanct. ad Maccab p. 413. fung in deren er beruffen ist/ bald dahin bald dorthin aͤndern/ quæ causa? accidentia, Freundschafft/ die Kinder/ die lange patientia, da ist ihnen wehe/ von der Tuͤchtigkeit ist alles maußstill/ in tanta urbe, da ein Universi taͤt fuͤr gelehrte Leut/ da man weiß was recht oder linck/ at mihi plaudo! Lauter allotrioepiscopo-polypragmones, die dem H. Geist Eingriff thun/ utinam legatur parænesis D. Pappi, comment. in Aug. Conf. p. m. 228. vid. Theol. Consc. part. 1. p. 707. Dem Allerhoͤchsten sey Lob und Preiß/ daß er noch unter uns mit- ten in der Confusion eine Ordnung erhalten/ die symphoni auf uns kom- men lassen/ allhie eine geistliche wolbestellte Thorwacht erhalten/ dann nach Predigt. nach dem unsere uralte Straßburger der Roͤmischen Clerisey/ Tyran- ney und Schinderey/ Abgoͤtterey und Aberglauben muͤd worden/ und lang genug Haberstroh fuͤr Ablaß fressen muͤssen/ an den Todtenbeinen nagen/ truͤb/ stinckend eisternen Wasser fuͤr die lebendige Quell Jsraelis trincken/ nach dem die Clerisey gar panico (sed pudendo) terrore ihren Schaafstall quittirt und davon geloffen/ um getreue Lehrer und Seelfor- ger flehentlich angehalten und erhalten biß auff den heutigen Tag. Wie nun getreue Lehrer und Prediger sich inniglich zu erfreuen/ daß sie zu solchen Ehren von Mutterleib an erwehlt/ in der Demuth dasselbe erken- nen/ und sich wieder alle Wiederwertigkeit troͤsten sollen/ daß sie des Al- lerhoͤchsten sein Augapfel/ sein Mund. Jer. XV,, 19. 20, Ja Christi Hand sein sollen/ mit Gaben als Sternen geziert. Syr, X, 31. Also redet David auch an alle Welt Ps. 24. Machet die Thore weit/ laßt euch die Schrifft oͤffnen/ dencket fuͤr die Himmels-Portner die ihr habt/ es kommt nicht allezeit bessers hernach/ schleußt nicht zu Ohren und Her- tzen/ sondern gedencket/ daß ihr Beruff Goͤttlich/ er wird sich in seinen Legaten nicht verschimpffen lassen. Jer. 44. die Juden sagen nolumus, nach dem Wort/ das du uns im Namen des HERRN sagst/ wollen wir nicht thun/ trotz dir Pfaff/ so haben sie bald darauff mit ach und weh erfahren muͤssen/ was sie nicht geglaubet/ sie schreyen noch in ihren Synagogen Gottes jaͤmmerlich/ aber sie werden nicht erhoͤrt. Warum/ dann sie haben GOTT in seinen Propheten und Aposteln/ nicht hoͤren wollen. Wie holdselig lautet im Gegentheil die Stimm Christi Apoc. III, 20. Sihe ich stehe fuͤr der Thuͤr und klopfe an/ so jemand meine Stimme hoͤren wird/ und die Thuͤr auffthun/ zu dem werd ich eingehen/ und das Abendmahl mit ihm halten/ und er mit mir. Gleichwie Abraham mit mir im Heyn Mamre/ welches ein solches Convivium, daß die Sonn kein herꝛlichers je beschauet hat. Seelig ist nun der also das Brod isset im Reich GOttes/ hie im Reich der Gnaden/ dorten im Reich der ewigen Herꝛlichkeit/ AMEN. Die Die Neundte Die Neundte Predigt/ Von Der Weyd auff gruͤner Au. G Eliebte in Christo. Freylich ist das Heyl uns kommen her/ von Gnad und lauter Guͤte/ wie wir anjetzo mit Freuden gesungen in dem sehr schoͤnen/ herꝛlichen/ troͤst- lichen/ und recht Evangelischen Lied: Es ist das Heyl uns kommen her/ welches Lied wir wol nennen moͤ- gen. I. Einen edeln/ koͤstlichen und kraͤfftigen Artzney-safft/ ausgepreßt und destilli rt vom Feur des Creutzes und Anfechtung. Sintemal der Autor und Tichter desselben Paulus Speratus unter dem blinden Pab- sthum/ da er nicht nur von den fulminibus Sinaicis Fluch und zwang des Goͤttlichen Gesetzes/ das ihm angst und bang gemacht/ ergeistert; Son- dern auch fuͤrnemlich an des Pabsts Menschen-Satzungen/ selbst er- wehlten Paͤbstischen Greueln/ Abgoͤtterey/ Aberglauben/ Wallfarthen/ Seelmessen und dergleichen verdamlich empfunden/ daß es wahr sey/ wie wir gesungen: daß im Gesetz weder rast noch ruh/ mit allen seinen Wer- cken. Darum er auch dem Pabsthum den Rucken gekehrt/ den Traditio- nibus und Abgoͤtterey wiedersorochen/ und des wegen sich stecken und ploͤ- cken muͤssen lassen/ von dem Bischoff zu Olmitz in Maͤhren. Davon er aber wunderlich errettet/ zu Luthero gen Wittenberg kommen/ und von demselben gleichsam gefirmet worden/ und folgend in Preussen so hat er dieses Lied gedichtet und gereimet: Es ist das Heyl uns kommen her/ von Gnad und lauter Guͤte/ die Werck die helffen nimmer- mehr/ sie moͤgen nicht behuͤten/ die Suͤnd wird aus dem Gesetz erkandt/ und schlaͤgt das Gewissen nieder/ das Evange- lium kommt zur Hand/ und staͤrckt den Suͤnder wieder/ es spricht/ Predigt. spricht/ nur kriech zum Creutz herzu/ im Gesetz ist weder Rast noch Ruh/ mit allen seinen Wercken. II. Instrumentum Reformationis, Eins von den Liedern/ da- durch das Werck der Reformation gewaltig promov irt/ und dem Roͤ- mischen Thier viel tausend Seelen auß dem Rachen gerissen worden/ als welchem nicht so bald der Flug benommen/ und die Fluͤgel beschrotten werden koͤnnen/ als andern Buͤchern Lutheri. Es ist in frommen Hertzen/ sonderlich bey den Handwercks-Gesellen und andern Reißigen in ihren Sinnen und Gedancken blieben/ von Mund zu Mund gebracht/ und gelernet worden/ und viel geist-hungerige Seelen erquickt/ wie Ge- gentheil selbst daruͤber geklagt/ sonderlich Adam Contzen. l. 1. politic. c. 18. Darum auch dieses Lied III. Spina in oculis, ein Dorn in den Augen der Warheits- Feinden zu allen und jeden Zeiten gewesen/ sie haben dasselbe cavill irt/ außhollhippt/ ja gantz verkehrt/ dann dieweil es so tieff in das Hertz einge- wurtzelt/ daß mans auch unsern Apostatis und Abtruͤnnigen nicht hat koͤnnen abgewoͤhnen/ so haben sie dasselbe geaͤndert/ und also melodisi rt und stylisi rt/ daß man fast die Wolffs-Stimm von der Hirten-Stimm nicht wol unterscheiden koͤnnen. Wie sonderlich hieran ein Meisterstuͤck erwiesen D. David Gregorius Cornerus Prior auff Goͤttwig/ in seinem grossen Catholischen Gesang-Buch/ welches Anno 1631. leyder zu Nuͤrn- berg gedruckt worden/ der faͤngt an mit diesen Worten: Das Heyl kom̃t uns gewißlich her/ auß Gnad und lauter Guͤte/ und bald darauff: Hier- auß soll nun ein frommer Christ mit Fleiß und Treuen mercken/ daß zu dem Heyl von noͤthen ist der Glaub sampt guten Wercken. IV. Ein schoͤnes Weyd-Lied von der guldenen Au/ wie sie Luthe- rus glossirt ad Ose. 2. Das Thal Achor/ war ein fettes Schaaf-Lager geweßt. Esa. LXV, 10. davon der Geist GOttes propheceyet: Es werde die Christliche Kirch im Thal Achor in der Schaaf-Weyd singen/ wie zur Zeit ihrer Jugend/ da sie auß Egyptenland gezogen/ gleichwie sie ein Triumph-Lied gesungen/ da sie auß Egypten mit truckenem Fuß gezo- gen/ angestimmt. Exod. 15. Also wann sie auß dem geistlichen Egypten und Babylon in dem letsten Welt-Abend werde liberi ret werden/ so wer- de sie auch singen Evangelium Triumphale, jubiliren/ jauchtzen und sa- gen: Es ist das Heyl uns kommen her. \&c. Jst eben das Evangelium von der guldenen Au/ davon auch David gesungen Ps. 23. und demnach das erste beneficium pastorale, die suͤsse Wunderthat der hoch-troͤstlichen Neunter Theil. P Hirten- Die Neunte Hirten-Weyd. Davon wir dieses mal mit mehrerem reden und han- deln wollen/ da wir dann bey der version Lutheri bleiben/ ob schon die Wort im Hebraͤischen Grund-Text etwas anders lauten/ davon droben in der fuͤnfften Predigt/ so bleiben wir dennoch bey der Dolmetschung Lutheri, und wollen vernehmen was durch die gruͤne Au verstanden/ und wen der Hirt auff derselben weyde. Gott gebe hierzu seines Hei- ligen Geistes Gnad und Segen/ Amen. G Eliebte in Christo. So ist es nun eine Au/ davon der Koͤnigliche Prophet und Poet David dichtet/ und singet/ und spielet/ und sagt: Er/ der HErꝛ/ mein Hirt/ wey- det mich auff einer gruͤnen Au/ nicht auff einer wilden Wuͤsten Egert/ da Unkraut/ Nesseln/ Dorn und Disteln waͤchst/ einer Wuͤsteney und Wildnuͤß/ einem sumpfichten/ pfulichten Morast/ oder sonst beschlaͤm- meten und uͤberschwem̃eten/ sondern trockener Wiefen und Matt/ Anger oder Schaaf-Laͤger: Und zwar eine grasichte Au/ eßbar Graß/ dick voll heilsame Kraͤuter/ liebliche Blumen/ Feld-Rofen/ Feld-Lilien/ Feld-Vio- len/ safftig/ kraͤfftig/ wolriechend/ und wolschmaͤckend/ voller Kraͤfften und Tugenden/ und zwar gruͤn Graß/ der Schaaf Augenlust/ davon sie ergoͤtzt/ aber auch gruͤn von Jugend/ frisch/ zart/ immer gruͤn/ immer bluͤhend/ immer jung/ das immer und ohne unterlaß hernach waͤchst/ wann sie es einen Tag abgessen/ so ists morgen schon wiederfrisch Graß/ ein recht Thau-Graß/ rorulent: Est ros in tenera pecori gratissimus herba, wann fruͤh morgen/ cœlo sereno, die Thau-Troͤpfflein am Graͤß- lein sich anhengen/ dasselbe benetzen/ bekuͤhlen/ anmuthig machen zu essen/ und wann es wil welck werden/ erquicken und lebendig machen. Ταῦτα γδ ἀλληγορούμ α, diese Wort bedeuten etwas/ sie haben einen hohen/ geistlichen und verbluͤmten Verstand. Was dann? was be- deut die Au? Lutherus erklaͤrets/ Tom. VI. Jen. p. 366. von der gantzen Christenheit/ dem Volck GOttes/ die ist GOttes Paradiß und Augen- lust/ an deren er um Christi willen eine hertzliche Lust und Wolgefallen hat/ sie an Leib und Seel speißt/ und sie als Schaͤflein tract irt. Quid gramen? idem Lutherus: Er gibt mir Weyd ohn unterlaß/ darauff waͤchst das wolschmeckend Graß/ seines guͤtigen/ gnaͤdigen/ heilsamen Friedens und Freude des H. Geistes/ des Worts des heiligen Evangelij. Das Wort des Gesetzes ist zwar auch GOttes Wort/ ist aber ein toͤdender Buchstabe/ ein schroͤcklich Fluch-Wort; Hie Heil- Wort/ davon man lebet/ sagt Hiskias/ Wort des Lebens Joh. 6. Selig- Predigt. Seligmachende Wort. Rom. 1. das Wort das alles heilt/ alle Seelen- Wunden und bresten. Sap. 16. Es ist dick voll gesaͤet von allerhand Evangelischen Kern-Macht- und Absolution-Spruͤchen/ deren das Paradiß der heiligen Schrifft voll ist/ in den Prophetischen und Aposto- lischen Schrifften nicht nur die wenige Spruͤche/ die man in der Absolu- tion spricht/ nicht ein Hand voll/ sondern unzehlbar/ und mannigfalt in allen Propheten und Aposteln. Sonderlich gehoͤren hieher die schoͤnen Blumen der Amaranten und Bluͤmlein der Liebe GOttes/ je laͤnger je lieber/ die φιλανθρωπία Patris, angezeigt in der Liebe Patris Acolasti, in der Liebe Davids gegen seinem Sohn Absalon/ wann er außrufft: O Absolon mein Sohn/ mein Sohn Absolon/ wolte GOTT ich muͤßte fuͤr dich sterben! Dann wann die Eltern ( ita Bidembach. in 2. Sam. 18. p. 915.) also gesinnet seind gegen ihren Kindern/ wie David hie gegen Absalon: wie hertzlich lieb muß dann GOtt seine Kinder haben/ wiewol sie auch ungerathen seind/ dann wie geschrieben stehet sonsten: Der das Ohr gemacht hat/ solte der nicht hoͤren? Also mag man freylich sagen/ der die Zuneigung der Eltern gegen den Kindern hat geschaffen/ solte der selbst anders gesinnet seyn? das sey fer- ne. Ja die Affection und Neigung ist viel staͤrcker bey GOtt/ dann bey den Menschen. Dann der solch Ding schaffet/ ist ja staͤrcker und besser/ als das da geschaffen ist. Darum ist auch die Liebe bey GOtt am aller- staͤrcksten. Jnmassen er sich selbst dahin erklaͤret hat durch den Propheten Esaiam cap. 49. Kan auch ein Weib ihres Kindleins vergessen \&c. Jtem/ wann ihr/ die ihr boͤse seyd koͤnnet euern Kindern gute Gaben geben: wie vielmehr GOtt der Vater im Himmel wird das thun/ der doch das hoͤchste Gut ist/ und hat nicht GOtt auch also gesagt: Wolte GOtt ich muͤßte fuͤr euch sterben/ dann ob wol GOtt der Vater nicht Mensch worden noch ge- storben ist/ so hat er doch seinen Eingebohrnen Sohn gegeben/ der eins mit dem Vater ist/ der ist fuͤr uns gestorben/ daß wir das ewige Leben haben moͤchten/ der ist ins Elendgangen/ daß wir ins Himmlisch Koͤnigreich ein- gesetzt wuͤrden: Er hat geweinet/ daß wir uns ewig freuen koͤnten. Und wie David nicht begehret/ daß Absolon sterbe/ sondern vielmehr daß er er- halten wuͤrde/ und weinete uͤber seinen Tod; Also wil auch GOtt nicht den Tod des Suͤnders/ sondern wil/ daß er sich bekehre und lebe. At hic non est res voti, sed effectus, weil er/ der Vater/ nicht fuͤr uns sterben kunte/ so greifft er sein eigen Hertz an/ die Cron seines Hertzens/ seinen Sohn gibt er fuͤr uns in den Tod/ und sagt zu uns/ non morie- ris, du solt nicht sterben/ Ezech. 18. das Gesetz sagt: Du solt des Todes sterben/ Gen. 2. aber das Evangelium/ du solt nicht des Todes sterben: Hie ist das rechte Gewaͤchs Davids und Zweig Jsai/ die Blum zu Sa- ron/ die edle Jungfrauen Blum/ der Sohn GOttes/ sampt allen seinen P ij Ver- Die Neunte Verdiensten und Bussen/ die Blum der Himmel-Schluͤssel der Verge- bung der Suͤnden: Dann wer Vergebung der Suͤnden hat/ der hat Le- ben und ewige Seligkeit. Und das ists Evangelium/ das Wort/ darin- nen alle Schaͤtze begriffen: Es ist ferner gruͤn Graß/ lauter Augenlust/ Hertzens-wonn/ lauter Neurath/ eine neue Zeitung/ alle Tag neu/ es kan nicht erschoͤpfft werden/ ein neuer Himmel/ und neue Erde/ Esa. LXV, 17. neue Menschwerdung des Sohns GOttes/ Jer. XXXI, 22. ein neugeborner Koͤnig der Juden/ Matth. II, 2. neuer Bund des Testaments/ ein neuer Mittler/ Hebr. IX, 15. neue Zungen/ Marc. XVI, 17. neuer Geist/ Ezech. XVIII, 31. neuer Most/ Matth. IX, 17. neue Geburt/ Joh. III, 3. neu Leben/ neu Wesen/ Rom. VI, 4. neue Namen/ Apoc. II, 17. neu Jerusalem/ Apoc. III, 12. Evangelium rorulentum von der Goͤttlichen Gnad und Trost/ wann der Himmel seren, hell und lauter/ das ist/ wann Gott versoͤhnt/ so thaut als dann die Gnad des H. Geistes/ sein Heil-Gnad/ Lebens-Gnad/ Lieb-Gnad/ Trost-Gnad/ Kuͤhl-Gnad/ dadurch die mat- te Seel erquickt wird/ Himmlische Gnad/ davon lebt man/ das ist ein Wort des Lebens. Dann dieweil die Menschliche Seel ein unsterblicher himmlischer/ unvergaͤnglicher Geist ist/ so kan sie nichts erhalten/ nichts troͤsten/ wider die Verschmachtung und Verzweifflung/ als himmlisch/ unvergaͤnglich/ der Gnaden-Thau des H. Geistes: wann dein Wort nicht waͤre mein Trost gewesen/ so waͤre ich vergangen in meinem Elend. Aber dein heilsam Wort es macht/ Mit seinem suͤssen singen/ Daß mir das Hertze wieder lacht/ Als wanns beginnt zu springen/ Dieweil du alle Gnad verheißst/ Denen die mit zerknirschtem Geist Und Hertzen zu dir kommen. Sehet ( ita Arnd in der Psalm-Postill. p. 145. f. 2.) das ist die rechte gruͤne Aue der Schaͤflein Christi/ welches verbluͤmter weiß beschrieben ist im Hohen Lied Salomonis im 2. Cap. Stehe auff meine Freundin und komm her/ siehe/ der Winter ist vergangen/ (das ist/ das Gesetz mit seinem Draͤuen und Schrecken/ dann das Gesetz macht traurig und betruͤbt) der Weinstack hat Augen gewonnen/ das ist das Evangelium/ die Tortel-Taube laͤsset sich hoͤren/ das ist der H. Geist/ die Blumen sind herfuͤr kommen/ das sind die Trost-Spruͤchlein und Bluͤmlein der Schrifft/ mein Freund/ erquicket mich mit Blumen/ und labet mich mit Aepfeln. Wol nun dem Volck/ Land und Stadt/ da diese gruͤne Au des Goͤtt lichen Worts ist/ da ist die Stadt GOttes/ die fein lustig bleiben wird mit ihren Bruͤnnlein/ da die Wohnung des Hoͤchsten sind/ dann wo GOttes Wort nicht ist/ ja in welches Hertz es nicht ist/ da ist ein duͤrre Wuͤsten/ da ist eitel Seelen-Hunger/ und der bit- tere ewige Tod/ und wenns noch so ein gewaltig Koͤnigreich waͤre/ da eitel guͤldene Predigt. guͤldene Stroͤme fliessen/ ja wann alles Gut auff Erden/ und aller Welt Herꝛligkeit auff einem Hauffen versam̃let/ in einer Stadt waͤre/ wie man von Rom in ihrer Flore sagt/ daß die Stadt mit aller Welt Gut erbauet/ und mit aller Welt Herꝛligkeit gezieret geweßt: Jst GOtt mit seinem Wort und Gnaden nicht da/ so ists eine irdische Bauchfuͤlle/ und eitel Kleien und Trebern/ damit dem Saͤu-Menschen der Bauch gefuͤllet wird/ die Seele aber bleibet leer/ ungeweidet und unerleuchtet/ wird auch in Ewigkeit nicht gesaͤttiget und getroͤstet werden. Alsdenn wird man erfahren/ wer das rech- te Gut gehabt und den rechten Schatz. Summa diß ist die rechte guldene Au/ wie Lutherus glossi rt Ose. 2. Dann da erbeut sich der rechte grosse Evangelus der Messias/ er wolle sei- ne Glaubigen ins Thal Achor locken mit seiner suada und Evangelio/ er wolle daselbst freundlich mit ihnen reden/ nicht schroͤcklich/ wie zuvor in der Wuͤsten per fulmina, deren Fluch und Krafft im Thal Achor auß- gedonnert/ und 36. Mann erschlagen/ und ein rechtes Achor ein Schreck- Thal darauß gemacht/ sondern er wolle freundliche Wort reden/ troͤstli- che Wort des Friedens/ und damit das Thor der Hoffnung ins Land Canaan auffthun/ darum diese Au Lutherus eine guldene Au genennet ab effectu, von dem Gold des Glaubens/ so daselbst wird schimmern und leuchten: Es haben vor Zeiten die Heyden gedicht von einem aureo vel- lere. Quod ad fabulam velleris aurei, ut eam à Mela vocari ante vi- Ita Vossius, de Theolo- gia Gentili. p. 178. dimus, attinet, originem ejus nobis enarrat doctissimus Varro, lib. II. de R. R. c. I. De Antiquis , inquit, illustrissimus quis q pastor erat, ut ostendit Græca \& Latina lingua; \& veteres Poëtæ, qui alios vocant πολυάρνας alios πολυμήλους, alios πολυρούτας: qui ipsas pecudes propter charitatem aureas ha- buisse pelles tradiderunt: ut Argis Atreus, quam sibi Thyestem sub duxisse que- ritur: ut in Colchide Æeta, ad cujus arietis pellem profecti regio genere di- cuntur Argonautæ: ut in Lybia ad Hesperides unde aurea mala, id est secun- dum antiquam consuetudinem, capras \& oves, quas Hercules ex Africa in Græciam exportavit. Ea enim suâ voce Græci appellarunt μῆλα. Non ta- men solas ob pecudes, ut arbitror, Argonautæ profecti, sed per eas συνεκδοχικῶς intelligere oportet opes regias universas, imprimis verò thesaurum illum, quem Phrixus, Athamantem ac novercam fugiens, in Colchidem deportarat. Hos enim consanguinei Phrixi, ante omnes autem Jason, prognatus Æsone, fratre Phrixi hujus Patruele, non absurdè reposcebant. Nam verisimile est, eos fuisse partim ex bonis Nepheles matris, partim, quia ejus domos \& agros auferre non poterat, ex pecuniis Athamantis Patris \& Novercæ Inûs. Eos quoque velleris aurei nomine vocarunt; quia ex pecudibus pecunia compare- tur; Die Neunte tur; eoque \& pecuniæ dicuntur, quasi res pecuinæ. Imò postquam signari cœperunt nummi, sæpè iis pecudis, vel bovis nota imprime- batur. Darunter aber haben sie verstanden alle Schaafs-Felle/ daß wie wir reden ein Schaaf einen guldenen Fuß habe/ wo es hintritt/ da ist lauter Segen/ Gold und Gut/ von welchem Segen Abraham reich worden. Hie lauter aurea vellera, welche Schaaf das geistliche Graß essen/ die bringen Milch und Woll/ das ist der Glaub/ der ist viel koͤstlicher/ als das vergaͤngliche Gold. 1. Petr. 1. Das Wort Go ttes ist viel koͤstlicher als viel tausend stuck Gold. Ps. 119. dessen Ende die Seligkeit/ das rechte au- reum seculum. Was wird aber II. dieser Hirt auff der so schoͤnen Au machen und schaffen? Er weydet auff der gruͤnen Auen. Alle rechte und nutzliche Hirten-Dienst wil er leisten und verrichten/ alles das/ was zu einem Weydwerck erfordert wird. Wie weydet nun ein guter liebreicher Hirt? zu allerforderst sucht er eine gute/ taugliche und heylsame Weyde. Von den Kindern Simeon steht 1. Chron. V, 39. Sie zogen hin/ biß sie gen Gedor kaͤmen/ biß gegen Morgen des Thals/ daß sie Weyde suchten fuͤr ihre Schaafe/ und funden fette und gute Weyde. Das findet sich hie auch: Jch bin die Thuͤr/ so je- mand durch mich wird eingehen/ der wird selig werden/ und wird ein- und außgehen und Weyde finden/ sagt Christus Joh. X, 9, Er erkundiget und pruͤfft derselben Natur/ Krafft und Tu- genden/ und stehet ihm wol an die ars botanica, wie vermuthlich die al- ten edeln Hirten gethan/ und Jacob ihnen die vestigia der Physic hinter- lassen/ er scheidet die erkundigte Heyde und Weyd voneinander/ die ent- scheidete Weyde zeigt er den Schaafen/ fuͤhret sie an/ und legt sie ihnen vor/ ja reint ihnen gleichsam die Weyde in den Mund. Alles ex motivo charitatis, ohn welches das Weyden schlecht abgeht/ er sagt nicht ver- gebens zu Petro/ hastu mich lieb/ so weyde meine Schaafe/ weyde auß Lieb/ muß demnach auß Lieb weyden/ auß Lieb heylen von allen Bresten/ Reud/ Rotz/ Husten/ Darmgicht/ mit den heylsamen Kraͤutern/ so auff der Weyde wachsen. Ezech. 34. auß Lieb gehet er gar zaͤrtlich mit den Laͤmmern um/ speißt sie mit der Mutter-Milch/ den alten gibt er starcke Speiße/ auß Liebe samlet er die Laͤmmer in die Arm/ und traͤgt sie in sei- nem Busen/ die Schaaf-Muͤtter fuͤhret er. Esa. XL, 11. Alle diese officia und beneficia hat auch der He rꝛ Messias/ der Herr mein Hirt ver- richtet/ wie er solches zugesagt und versprochen. Dann weil er gesehen/ wie Predigt. wie uͤbel manchmal vor ihm der Heerd gewartet worden/ so sagt er/ er wolle selbst weyden. Ezech. XXXIV, 23. Jch wil ihnen einen einigen Hirten erwecken/ der sie weyden soll/ nemlich meinen Knecht David/ der wird sie weyden und soll ihr Hirte seyn. Das hat er auch redlich erfuͤllt in allen Stucken. 1. Hat er die Weyd gefucht im Hertzen GOttes/ dessen Tieffe er ergruͤndet/ gesucht das Mittel/ dadurch der gefallene Mensch wiederum bey Leben erhalten/ ernehret und gesegnet worden/ davon Joh. I, 18. Der Eingeborne Sohn GOttes/ der in des Vaters Schoß ist/ der hats erkundiget und verkuͤndiget. Gleichwie Johannes/ der an der Brust JEsu gelegen/ die Fluͤß und Ge- heimnuͤß der himmlischen Weißheit darauß gefogen/ also ist dem Sohn GOttes nichts haͤl und verborgen gewesen: Er hat die Evangelia und Consilia Evangelica gesucht und gefunden/ das Evangelium ist das Ge- heimnuͤß/ das von Ewigkeit her verschwiegen gewesen/ aber von dem Sohn GOttes geoffenbahret und verkuͤndiget worden/ daß nemlich noch ein Mittel seye/ dadurch das unendliche und unuͤberwindliche Ubel der Suͤnden und des Todes koͤnne uͤberwunden werden: Nemlich durch das Blut des Sohns GOttes/ der durch sein Blut eine ewige Erloͤsung erfunden Hebr. IX, 12. (2.) nicht nur erfunden/ sondern auch die sensa erklaͤrt/ die arcana mysteria, die Natur/ Krafft und Tugend/ Sinn und Verstand der Evangelischen Geheimnuͤß erforscht und außgelegt/ auß- gelegt Mosen/ Prooheten und Psalmen/ und auff sich applic irt/ Luc. XXIV, 27. 45. Luc. 4. erklaͤrt er den Spruch Esa. 61. den 110. Ps. Matth. 22. die Jacobs-Leiter Gen. 28. im 1. c. Joh. und 14. Jch bin der Weg die Warheit und das Leben/ niemand kom̃t zum Vater dann durch mich. Die ehrne Schlang. Joh. 3. das Manna. Joh. 6. den Heil-Brunnen. c. 7. den Hirten. cap. 10. (3.) Er hat geschieden von den Gacangeliis Menschentand und Menschen-Satzungen der Phari- seer und Sadduceer/ und kraͤfftiglich erwiesen/ daß sie keine Pflantzen/ die der Himmlische Vater gepflantzt. Matth. XV, 13. sondern nichts an- ders seyen als Unkraut/ Wolffskraut/ lolium \& steriles avenæ, Neßlen und Spitzgraß/ und davor seine Schaaf treulich gewarnet. Matth. VII, 5. (4.) Hat er seine Schaafe gefuͤhret: Forschet in der Schrifft/ wie leset ihr/ ad Theoriam Trifolii, des edeln Kleeblats der H. Dreyfal- tigkeit am Jordan/ im Thal Achor/ der guldenen Au/ des dreyfachen/ unterschiedlichen/ unerschaͤtzlichen reichsten Schatzes/ nemlich des Erb- Schatzes des Himmlischen Vaters/ Testaments-weiß beschieden/ allen denen Die Neunte denen/ die an seinen Sohn/ als die Cron seines Hertzens/ glauben/ das ewige Leben ohnfehlbar zu schencken/ des Eingebohrnen Sohns JEsu Christi theuren Rantzion-Schatzes/ zu Erloͤsung des Menschlichen Ge- schlechts erlegt/ und durch die Tauff versiegelt/ wie auch des H. Geistes Ablaß-Schatzes/ davon auß einem Mund alle Propheten zeugen/ daß im Namen/ das ist/ in Krafft/ Buͤrgschafft und Credit JEsu, alle die es glauben/ Vergebung der Suͤnden emfangen sollen/ eine erwuͤnschte σ σαχθείαν und Schulden-Ruh/ ἀμνηϛείαν, Vergessenheit aller offensen, ἀσυλίαν, Freyheit von Noth und Tod/ von Ketten und Banden/ von Reat und Straff-Pflicht. Er hat ihnen die Lehr in den Mund gege- ben/ das ist/ er hat sie von Mund zu Mund gelehret/ mit seinen holdseligen Lippen klug und weiß gemacht/ vermahnet/ gewarnet/ getroͤstet. Omnia ex motivo charitatis, die Flamm die er in Petri Hertz wollen erwecken/ hat zuvor in seinem Hertzen loh hell gebrennt/ auß Lieb hat er geheilet per absolutionem peccati, die Gesunden bedoͤrffen des Artzts nicht/ sondern die Krancken. Matth. IX, 2. Auß Lieb die ἀρνία, die zarten Laͤmmer und jungen Kinder lassen zu ihm kommen/ in die Arm genom- men/ gehertzt und gekuͤßt/ die Milch-Christen inform irt/ wann er den Catechismum Frags- und Gespraͤchs-weiß tract irt/ Matth. XVI, 13. Joh. XI, 25. den Alten starcke Speiß vorgelegt/ die Wort und Sinn illustr irt/ die Menschwerdung mit der Hochzeit/ den Glauben mit dem Essen verglichen/ auß Lieb die Weyd geaͤndert/ nicht immer einerley/ sondern die Evangelische Geheimnuͤß in unterschiedlichen Parabeln vor- getragen. Auß Lieb auch sie gelagert/ ut innutriti, genehrt worden mit GOttes Wort/ wie Dimotheus, nicht mit Schwerdt und Keilen/ son- dern mit Liebes Seilen. Confer part. 8. Lact. Catech. p. 404. das heißt nun weyden auff gruͤner Au. Omnia ad exemplum, Er hat uns ein Fuͤrbild gelassen/ daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapffen: Er hat nicht nur Petrum gemey- net/ wann er gesagt: Simon weyde meine Schaafe/ sondern seine Juͤnger alle mit denen Worten angesprochen: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Heyden/ weydet mit Lehr und Weißheit. Er ist gen Himmel ge- fahren und hat etliche gesetzt zu Hirten. Eph. 4. Der H. Geist hat zu Epheso gesagt: daß sie weyden sollen die Gemeine GOttes/ welche er durch sein eigen Blut erworben. Act. 20. St. Petrus hats selbst nicht anders verstanden. 1. Petr. V, 2. Weydet die Heerde Christi so euch befohlen ist/ und sehet wol zu/ nicht gezwun- gen/ Predigt. gen/ sondern williglich/ nicht ums schåndlichen Gewinns willen/ sondern von Hertzengrund: Nicht als die uͤbers Volck herꝛschen/ sondern werdet Fuͤrbilde der Heerde. Wollet ihr aber weyden/ so weydet nach meinem Exempel und Fuͤrbild/ trettet in meine Fußstapffen/ legt euern Schafen fuͤr/ nicht Zizania, nicht nur Legalia, wiewol man freylich die Zuhoͤrer auch soll in das Thal Achor fuͤhren/ nicht nur freundliche Trost/ sondern auch Schreckgespraͤch/ nicht nur Ostern/ sondern auch Pfingstpredigten halten soll/ wie es zwar zarte Ohren gern anders hoͤrten/ daß man nicht sagen solle: Hoͤrstu es/ du wilt ein Christ seyn/ und bist gleich wol ein Ehebrecher \&c. sondern so sagen/ horstu/ bistu ein Ehebrecher/ \&c. glaubestu nur/ so bistu selig/ darffst dich fuͤr dem Gericht Gottes nicht fuͤrchten/ Christus hats alles erfuͤllet. Luth. Tom. 7. Jen. p. 292. Sondern auch Evangelia/ aber nicht bloß und allein die Evangelische oder Biblische Historien/ von welchen der Poͤbel lieber hoͤrt/ als von hohen Geheimnuͤssen/ oder allein die Pericopas und den Außschuß/ so auß der Evangelischen Histori zusammen getragen/ und am Sontag erklaͤret werden/ wie es dann wol Besserung bedoͤrfft/ und Lutherus schon zu seiner Zeit daran gewolt/ sondern alle salutaria mysteria, auß welchen hernach der Glaub und Gottseligkeit folget/ dann alle Geheimnuͤß/ seind mysteria nicht nur fidei, sondern auch ἐυσεβέιας, und dasselb vollkoͤm̃lich/ gruͤndlich/ eigentlich/ deutlich/ verstaͤndlich. Pascite, das ist forschet in der Schrifft Tag und Nacht/ als in einer herꝛlichen Fundgruben/ pene- trate ad sensa intima, vindicate, illustrate, demonstrate, catechizate, mutate, omnia ex motivo charitatis, non αἰσχροκερδίας. Aber wo seind solche Hirten? Solche Hirten seind theur/ (schreibet Luth. Tom. Vll. Witt p. 605.) und nicht gemein/ als die zweyfuͤssige Puͤffel und Pabstesel zu Rom. Theuer vorzeiten in superioribus seculis, in Babylon/ da es alles aͤgert worden/ voll Unkraut und Zizania, eine rechte Wildnuß und Wuͤsteney/ da die Ohim und Zihim/ die Feldgeister huͤpffen/ die spectra und Poltergeister erschienen/ und jaͤmmerlich ejulirt, die Heuschrecken auß dem Brunnen des Ab- grunds grassi rt/ wiewol ihnen verbotten geweßt/ das gruͤne Graß die H. Schrifft auffzufressen und abzuetzen/ doch gleichwol haben sie es vergifftet durch glossen. dessen Muster fuͤrhanden und zusammen getragen in der deutschen Bibel D. Dietenbergeri, zwar es wimmelte daselbst voller Neundter Theil. Q Pfaf- Die Neundte Pfaffen/ die sich Pastores, Parochos und Curatores nenneten/ aber nur den Titul tragen/ in veritate dominatores. Da war das Evangelium theur/ und an dessen statt hat man fabulas und traditiones fuͤrgetragen/ und den Leuten einen blauen Dunst fuͤr die Augen gemacht/ mit Seel- messen/ Umgaͤngen/ Wallfahrten/ unter Comoͤdien/ damit Meister Faulwitz Augen und Ohren auffgesperret/ und dessen Predigten/ Schrift- forschen und Kopffbrechen unterlassen. Wanns hoch kommen ist/ seinds lauter legalia gewesen. Trutz allen Schereris, Drexeliis, Vincentiis, Gra- natensibus, daß sie die Evangelica mysteria recht intimè penetrit, und die Tom. 2. Ien. p. 39. Gottseligkeit auß dem Glauben gezogen. O Pastores! O Idola! Theurung ist auch in Schola Calvini, da man zwar den Text und heilsam Wort behalten/ aber wie die Zauberer das Wort mit glossen ver- gifftet/ wers nicht glauben will/ der nehme nur die Herbornische Bibel und dero glossen, die Baselisch Bibel und dero Erklaͤrung fuͤr sich/ er wird den Gifft bald finden. Jn Zion ists auch an manchem Ort theur gewesen/ theuer rechte getreue Hirten/ viel im Gegentheil deren/ die sich selbst weyden/ mehr mit der Meel-als Seelsorg beladen/ lieber von Fruͤchten und Wein discurri- ren/ als von Gottes Wort/ lieber Evangelia mundi dissemini ren als E- vangelia Christi, lieber in libris Regum auff der Carten/ als in den Prophetischen und Apostolischen Schrifften studieren/ sollen sie einen Text tracti ren/ gehen sie fuͤruͤber/ wie der Priester und Levit sprechen mit jenem Bauchpfaffen zu Laodicea: Jch bin reich und habe gar satt. Apoc. III, 17. sonderlich werden die Laͤmmer versaumet im Catechismo: Es gehet fast her/ wie in der neuen Welt/ davon Acosta, l. 4. de procur. Indor. salute. c. 4. Sie erzehlen in einer Wochen zwey oder dreymal das Symbolum und Gebet in Hispanischer Sprach/ davon sie doch nicht eine Sylbe verstehen/ und klagt ferner/ es sey ihme vorkommen als ein mon- strum, daß unter so viel tausent Jndianern/ die sich Christen nennen/ gar selten einer Christum erkenne/ und es ihnen gehe wie weyland den Ephe- siern/ daß/ was sie vom H. Geist geantwortet/ diese viel besser von Christo koͤnnen sagen: Wir haben niemahlen gehoͤret/ daß auch ein Christus sey. Solche Gesellen sind werth des processus Diocletiani apud Euseb. l. 8, 22. GOTT aber im Himmel sey Lob und Danck/ daß er noch unter uns solche Hirten gegeben und erhalten nach seinem Hertzen/ die sein Volck und Erbe geweydet mit aller Treu/ und regieret mit allem Fleiß. GOtt sey Lob und Danck/ der unsere guldene Au noch erhalten. Welche Gluͤck- Predigt. Gluͤckseligkeit groͤsser zu schaͤtzen als alle Frantzoͤsische und Italianische Auen/ ja alle Auen der Gottlosen/ Ps. 37. Liegt alles an den Schaafen/ vid. Arnd. in Psalt. p. 145. daß sie sich recht accommodi ren und schicken/ mit rechter begier und geist- lichem Hunger/ den Armen wird das Evangelium geprediget/ die Rei- chen laͤst er laͤhr hingehen/ und die sollen sein nicht nur hungerige/ sondern auch saugende Schaafe/ die wol mastici ren und rumini ren/ daß wie Graß Confer. part. 8. Lact. Car. p. 380, 384. waͤchst ohn unterlaß/ sie auch ohn unterlaß sagen/ hie ist sagina loͤblich/ sonsten unvernuͤnfftigen Schaafen sind all zu fette Auen nicht gesund/ sie fressen sich uͤbersatt. Es bekommet ihnen nicht wohl/ aber hie je laͤn- ger je lieber/ unersaͤttlicher Welt- und Geld-Durst ist verbotten/ nicht aber Lehr- und Liebdurst. Oves gratæ, der Hirt trinckt von der Milch/ vidi l. cit. p. 467. 472. welcher weydet eine Heerde/ und ißt nicht von der Milch der Heerde. 1. Cor. IX, 7. lac \& lana, der Lehr und Weydlohn ist nicht zuvergessen. Man gedencke wie die Leute im Pabsthum mit Allmosen und Bettel- muͤnchen geplagt werden/ wie man gautzt und geitzt/ wo man reiche Leute weiß/ die weiß man zu gaͤrben/ daß die Haut uͤber die Ohren herunter haͤngt. Bey uns ist alles zu viel: Sed surdo fabula! Wir lassens beym gesagten bewenden/ und bitten den Vater aller Barmhertzigkeit/ Er wolle die posteri taͤt solcher Urdanckbarkeit nicht entgelten lassen/ sondern die gruͤne/ guldene Au erhalten/ so lang der Mond waͤhret/ biß wir endlich alle/ Hirten und Schaafe versamlet werden zur guldenen Au/ auff der neuen Erd und Land der Lebendigen/ da wir die Engelsuͤsse Schaͤtz und Gutthaten geniessen werden mit Freuden/ gantz heiliglich/ vollkommlich/ immer und ewiglich/ AMEN. Q ij Die Die Zehende Die Zehende Predigt/ Vom Frischen Wasser des H. Geistes. G Eliebte in Christo. Wie der Hirsch schreyet nach frischem Wasser/ so schreyet meine Seele GOtt zu dir/ meine Seele duͤrstet nach GOtt/ nach dem lebendigen GOtt. Tichten/ singen und sagen die geistliche Propheten und Poeten die Kinder Kore Psalm. 42. im Nahmen und auß dem Mund aller heiligen/ und deroselben Haupt die fruͤhgejagte Hindin der Messias und Welt- Heyland. Wie der Hirsch/ der gehetzte/ gejagte/ angsthaffte/ abgemat- tete/ und daher duͤrstende/ keuchende/ lechzende/ hoͤllige Hirsch διὰ τὸ καῦμα καὶ ἀσϑμα, Aristot. in der Hatz und Jagt schreyet hell und jaͤmmerlich/ mit keuchen/ athmen und gluxen/ er gluxet gleichsam wie ein Gluckhenn/ so lang und viel/ biß er in den Gruͤnden/ Gebuͤrgen und Wasserbaͤchen ein Echo und Wiederschall erweckt/ und wo er ein Wasserquell vermerckt/ denselben Ort spaͤet er auß/ folgt/ und laufft dahin/ sucht daselbst Labsal/ loͤscht den Durst und erquickt sich. Also alle Heiligen in ihrer Angst und Betruͤbnuͤß und geistlichen Ohnmachten/ sonderlich das Haupt und Exempel Aller heiligen/ der Allerheiligste Christus die fruͤhgejagte Hindin Ps. 22 Welche die Hunde umgeben/ fette Ochsen umringet/ und gegen ihm als die bruͤllende und reissende Loͤwen/ den Rachen auffgesperꝛt/ so faͤngt er an zu schreyen/ zu heulen und zu klagen/ opffert sein Gebet und flehen mit starckem geschrey und Thraͤnen/ zu dem der ihm vom Tod kunte außhelffen, Hebr. V, 7. rufft seinen himmlischen Vater zu dreyen mahlen aͤngstiglich an/ im Garten am Oelberg mit zittern und zagen. Matth. 26. Ach Vater ists muͤglich/ biß so lang ein Engel vom Him- mel herab einen Wiederschall mit sich gebracht/ ihn mit Worten und Wercken gestaͤrckt. Chasak, Chasak. Dan. X, 19. davon er Labsal empfunden. Und also auch sein Gegenvater David/ da er von Saul als Predigt. als ein Rebhun auff den Bergen herum gejagt worden/ daß er daruͤber abgemattet/ zu den Himmelsbergen sich gewendet/ daher ihm auch Huͤlf- fe kommen. Seines wehmuͤthigen und angsthafften Geschreys ist der gantze Psalm voll/ 2. Sam. XXIII, 15. da er in einem Feldzug wieder die Philister begriffen/ wird er einsmals luͤstrig und duͤrstig/ sagt: Wer will mir zu trincken geben des Wassers auß dem Brunn zu Bethlehem unter dem Thor/ als meinem Vaterland und Heimath/ das Wasser/ das mir angeboren/ und/ wie vermuthlich offt mein Schaafe dafelbst getren- cket: War votum incompletum, war ihm nicht Ernst/ ist darauß abzuneh- men/ daß als 3. Helden durch die Besatzung der Philister daselbst sich durchgeschlagen/ das Wasser geschoͤpfft/ gewonnen/ und ihm David ge- bracht/ so wolt ers nicht trincken/ goß es auß/ dem HErꝛn zu einem Danck- und Tranckopffer/ daß GOtt seine Helden in so grosser Leibs- und Seelen-gefahr behuͤtet. Ursach/ es duͤrstete ihn nach einem andern Brunn/ so zu Bethlehem in der fuͤlle der Zeit solte ausgehauen werden/ nach dem rechten Heilbrunnen dem Messia/ seinem Sohn/ und nach dem Wasserstrom des Geistes/ den er ausgiessen werde/ darnach schreyet er so offt und viel/ daß ihm ein Wiederschall wird/ der Geist/ der durch ihn ge- redet/ der antwortet ihm und sagt: Dein Hirt/ dein He rꝛ/ dein getreuer Hirt/ der fuͤhret dich zum frischen Wasser. Jst die andere Evangelische Hirten Gutthat und suͤsse Wunderthat/ davon David so holdselig singt und sagt/ und sich selig preißt. O wohl mir! dann ich ein solchen mil- den und guten Hirten habe/ der mich leitet und fuͤhret zum frischen Was- ser/ dadurch er allen meinen Durstloͤschet/ und noch dazu erquicket. Hie- von ferner zu reden/ wolle der H. Geist Krafft/ Gnad und Segen geben/ Amen. D Aß nun ohne weitlaͤufftige Auffenthalt durch diß Da- vidische Wasser nichts anders verstanden werde/ als der gute Heilige Geist/ das hat unser lieber Lutherus nicht allein gar hold- selig angezeigt in dem schoͤnen bekanten/ offt wiederholten Lied: Zum ret- nen Wasser er mich weißt/ das mich erquicken thute/ das ist sein Fron H. Geist/ der mich macht wol gemuthe/ sondern es bestehet dessen gloß und Erklaͤrung auch auf stattlichem und festem Fundament/ des prophetischen und Apostolischen Worts Gottes. Esa. XLIV, 3. Propheceyet und ver- spricht der HErꝛ: Er wolle Wasser giessen auff die durstige/ und Stroͤme auff die duͤrren/ das ist: Jch will meinen Geist auß- giessen auff deinen Samen/ und meinen Segen auff deine Nachkommen. Q iij Joel Die Zehende Joel weissaget. cap. 3. Jch will meinen Geist außgiessen uͤber alles Fleisch. Zachar. XII, 10. Jch will auff das Hauß Da- vid/ und die Buͤrger zu Jerusalem außgiessen den Geist der Gnaden. Die Erfuͤllung hat Christus geleistet Joh. VII, 37. Wen da duͤrstet/ der komme zu mir und trincke. Wer an mich glaubet/ wie die Schrifft saget/ von des Leibe werden Stroͤme des lebendigen Wassers fliessen. Das saget er aber von dem Geist/ welchen empfangen solten die an ihn glaubten. Von des Leibe/ spricht er/ sollen Stroͤme des lebendigen Wassers fliessen. Wie auß den Bruͤsten der Erden gantze Fluͤsse und Stroͤm/ Rhein und Do- nau/ die ein groß Stuck in Deutschland uͤberschwemmen/ ja wie auß der Lebens-Ader das Gebluͤt gezeuget wird/ das sich hernach in alle Glied- massen außtheilt/ ein himmlisch Wasser/ das vom Himmel kom̃t/ und wieder quillet in den Himmel hinauff/ Joh. 4. und ist solcher Außguß geschehen und geschicht taͤglich in der heiligen Tauff. Tit, III, 5. Nach seiner Barmhertzigkeit hat uns GOTT seliggemacht durch das Bad der Widergeburth und Erneurung des H. Geistes/ welchen er außgegossen uͤber uns reichlich. Gantz herꝛlich aber und solenniter ists geschehen in der sichtbaren Außgiessung des H. Geistes Act. 2. darauff Petrus gedeutet/ mit denen Worten: Nun er durch die rechte Hand Gottes erhoͤhet/ und empfangen hat die Ver- heissung des H. Geistes vom Vater/ hat er außgegossen/ das was ihr sehet nnd hoͤret. Act. II, 33. Da seind Stroͤme/ da seind χαρίσματα, die Evangelia, die Magnalia, dazu kommet die Analogia die Vergleichung des Wassers mit dem H. Geist/ in unterschiedlich von David angedeuteten Articulis und Stuͤcken. Das Wasser/ davon David redet/ ist I. Aqua preciosa. Es moͤch- te jemand gedencken/ was ist das grosses und herꝛliches/ wann der Hirt seinen Schaafen Wasser zutrincken gibt/ was ist gemeiner/ geringer/ und nachgiltiger/ als Wasser. Wann er seinen verbluͤmten Schaafen davor Wein vollauff gebe/ das waͤre ein Hirt fuͤr unser Volck. Aber Lutherus antwortet hierauff gar wol. Tom. IV. Jen. p. 367. David redet nach Lands- Art/ das gelobte Land war ein hitzig/ duͤrꝛ/ sandicht/ steinicht Land/ da viel Wuͤsten und wenig Wasser/ darum die Heydnischen Hirten sich mit den Patriarchischen Hirten mehrmalen gezanckt/ darum hielte man Wasser Predigt. Wasser fuͤr ein grosses Kleinod/ wann sie fuͤr sich und ihr Viehe gnug Wasser haben kunten: Andere hitzige Getraͤncke hatten sie wol/ aber wann sie es nicht mit kaltem Wasser gemischt/ bekam es ihnen uͤbel/ solch ein Kleinod war das Wasser. Wie viel tausendmal koͤstlicher der Geist/ der dadurch hieroglyphicè fuͤrgebildet worden/ der Chrystallklare Strom/ der ausgehet vom Stuhl Gottes und des Lambs/ Apoc. 22. Massen sich der hoͤste GOtt selbst gar deutlich im Wasser abgebildet. Jm Wasser erzeigen sich drey Stuck/ Quell/ Brunn und Strom/ alle drey sind eines Wesens/ und doch drey Ding. Also ist der Vater die ewige/ unerschaffe- ne/ immer lebendige/ immer mildreiche Gottes-Quell/ der Sohn/ ὁ λό- γος, ist der Mund und Brunn und Quell/ der Heilbrunn/ auß dessen eroͤffneten Seiten Wasser und Blut in die Sacramenta geflossen/ der H. Geist ist der Strom von uͤberschwenglicher Gnad ὑπερεκπερισσέυουσα χάρις, maͤchtiger als alle unsere Suͤnde/ die seind uͤberschwem̃t und ver- senckt. Rom. 5. ein rechter Pactolus voll guldener Gnaden-Schaͤtzen. Es redet/ II. David de aqua quietum, frischen Wasser/ das zwar sanfft und still laufft/ wie das Wasser auß dem Brunn Siloah/ nicht wie ein Torrens mit grossem ungestuͤm daher rauschet/ davor die Schaͤf- lein erschrecken/ aber darneben frisch/ das den Durst loͤschen/ und den ap- petit contenti ren und vergnuͤgen kan/ wie das frische und kuͤhle Wasser/ der Hirt kan seine Schaaf nicht immer im Stall behalten/ und unter dem umbraculo ruhlos/ er muß sie hinauß auff die Weyde fuͤhren/ und wol gar im Mittag weyden/ Cant. I, 17. da die Sonn am hefftigsten sticht/ darum ist ihnen nichts liebers/ als ein kuͤhles Wasser/ massen uns auch im Sommtr lau und warm Wasser nicht vergnuͤgt/ sondern frisch Was- ser/ kuͤhl Wasser/ Sauerbrunnen Wasser/ ein Trunck Sauerbrunnen Wasser ist anmuthiger und gesunder als der beste Malvasier/ als daran man sich satt trincket/ daß man so bald nicht wieder duͤrstet: Also sagt Christus Joh. 4. er wolle der bußfertigen Samariterin Wasser geben/ daß sie nimmer duͤrstet: Wann du es wuͤßtest/ wer der ist/ der zu dir sagt/ gib mir zu trincken/ du baͤtest ihn/ und er gebe dir lebendiges Wasser/ dann wer des Wassers trincket/ das ich ihm gebe/ den wird ewiglich nicht duͤrsten/ sondern das Was- ser/ das ich ihm geben werde/ das wird ihm ein Brunn des Wassers werden/ der ins ewige Leben quillet. Als wolt er sa- gen: Mit fuͤnff Maͤnnern hastu unzuͤchtig zugehalten/ mit einem nach dem andern/ und hast deine Lust und unzuͤchtigen Durst nicht geloͤscht/ wirst Die Zehende wirst du aber Buß thun/ die Fleischliche Hurenlust verspeyen und ver- maledeyen/ mich den keuschen Jung rauen Sohn da gegen in dem Glau- ben annehmen/ und durch mich dich durchreuen und verneuen lassen/ wird dir derselbe werden eine Quelle/ die ins ewige Leben quillen wird. Es ist leider der Fleischliche appetit des Menschlichen Hertzens unersaͤtt- lich/ nichts irꝛdisches/ liebliches kan den Geist contenti ren/ quo plus sunt potæ, plus sitiuntur aquæ. auri sacra fames begleitet den Geitzhals biß in die Grube hinein/ bring her/ bring her/ je laͤnger je mehr. David hatte Weiber und Kebsweiber in seinem Gynæceo bey der schwere und in der Menge/ das war ihm nicht gnug/ seine Lust zu buͤssen/ der schoͤnen Bath- seba mußte er auch geniessen. Der hochmuͤthige Koͤnig Pyrrhus kunte der Ehrenglori nicht satt werden/ hatte einen weisen Rath/ Namens Ci- neas, der fragte einsmals seinen geschwuͤlstigen und Ehrsuͤchtigen Koͤ- nig/ wann wir die Jndien bezwungen haben/ was wollen wir hernach thun? so wollen wir die Sicilianer uͤberrumpeln/ sagte Pyrrhus, wo als dann hinauß? fragte abermal der Rath Cineas? so wollen wir als- dann einen Versuch thun auff Africam/ und die stoltze Stadt Carthago belaͤgern. So gar unersaͤttlich war sein Ehrgeitz. Wer aber die Suͤs- sigkeit des Geistes durch sein Evangelium recht erschmecket/ den duͤrstet nimmer/ hie anfangs weiß/ dort vollkommen. III. Aqua virtuosa, ein Seelerquickendes Wasser: Jn der H. Sprach stehet das Wort Jeschobheb, er aͤndert und bekehrt meine Seele/ ein schwaches/ mattes/ ohnmaͤchtiges/ halbtodtes Schaaf/ das da liegt/ und kan sich nicht erholen/ streckt alle vier von einander/ wird aber mit frischem Wasser getraͤncket und begossen/ so wird es munder/ es wird wol gemuth/ ist lustig/ und springt davon. Simson der edele Held/ Jud. XV, 19, gerath durch seinen Kampff in einen solchen Durst/ daß die Seele ihm auff der Zungen schwebt/ sie wolte sich scheiden von dem Leib; aber da er getruncken/ uñ sich erquickt/ kehret sie wiederum um. Eben das geschicht auch glaubigen Christen/ sie gerathen manchmal in so tieffe geistliche Ohnmachten/ in gichten/ angst und schrecken/ daß ihnen die Puls-Ader des geistlichen Lebens nicht will schlagen/ sie klagen/ der Glaubgebe gar kein anzeigen von sich/ und sagen/ sie seyen nicht nur von Menschen und Creaturen/ sondern auch von GOTT selbsten ver- lassen/ die Quell des Lebens seye ihnen versiegen/ Christus sey verlohren. Wann ich dich He rꝛ habe/ so frage ich nichts nach Himmel und Erden/ wie? wann ich dich aber nicht habe/ nicht spuͤre/ nicht mercke/ wann sie sprechen/ Predigt. sprechen/ wo ist nun dein Gott. Ps. 42. so heißts alsdann/ nun hat mei- ne Seele kein Trost Ps. 77. Dein Grimm sauget meinen Geist duͤrꝛ auß/ wer da helffen kan/ der erquickt und machet wolgemuth/ das thut der H. Geist/ der aͤndert die Seele als ein edles Perlen-Wasser/ Er machet auß einer traurigen eine froͤliche/ auß einer todten eine lebendige Seele. Er als ein Paracletus/ spricht ein Hertz zu/ vertritt alle Stuck eines Advo- caten, Er machet den Blinden wiederum sehend/ durch Liecht und Rath/ den Kleinglaubigen muthig/ den Stummen macht Er redend/ legt ihm die Wort in den Mund/ und vertritt ihn mit unaußsprechlichen Seuff- zen/ das ist das edle Rooß- und Perlen-Wasser das wieder erquicket/ von kraͤfftigen und durchdringenden spiritibus und Tugenden. Was wuͤrcket aber und thut unser lieber Hirt dazu: Er fuͤhret/ Er zwingt nicht gewaltiger weiß wie der Metzger das Schaaf zur Schlacht- banck/ sondern er fuͤhret mit Menschen-Seilen/ suaviter suͤß und lieblich/ und zwar auff unterschiedliche weiße. 1. Sitim excitando, ducendo in ere- mum, Er fuͤhret das Schaf in die Hitze zur schwitze/ daß es duͤrsten muß/ und hernach das Wasser desto besser schmeckt. Die Hagar fuͤhret er in die Wuͤsten/ da kein Wasser geweßt/ da die Flaͤsch außgangen/ dann schreyei Jsmael Gen. 21. die Kinder Jsrael fuͤhret er in die Wuͤsten/ hinc clamor \& querela, klagen und zagen. Exod. XVII, 3. Warum hast du uns lassen auß Egypten ziehen/ daß du uns unsere Kinder/ und Viehe Durst sterben laͤssest? Also pflegt Er auch mit seinen Außerwehlten zu procedi ren/ Er jagt ihnen einen Angst ein durch Mosen und sein Fluch-Gesetz/ das Hertz sagt ihnen/ solch Gesell bin ich/ ich kans nicht laͤugnen/ wie ein Kriegs-Heer tretten mir meine Suͤnden fuͤr Au- gen/ der Satan macht die conclusion, Strick zu/ blaͤset die Hoͤllen- Funcken dermassen auff/ daß das Hertz daruͤber zerschmeltzen moͤchte/ und ob einer schon meynet/ er sey untadelich/ so stellet er ihm den Satan zur Rechten/ der muß ihn mit Faͤusten schlagen/ geißlen/ calumni ren/ er erwecket einen Saul/ der muß ihn quaͤlen/ verfolgen mit falschem Arg- wohn/ mit Mißgunst/ Mißdeuten/ Mißtrauen/ der bringet acetum pro potu, ja Gott der schlaͤgt sich selbst auff diese Seiten dem Schein nach/ laͤßt keinen Gnaden-Blick herfuͤr leuchten/ sondern wird verwandelt in einen Grausamen: Ps. XXXI, 23. Jch sprach in meinem Zagen/ ich bin von deinen Augen verstossen. Wo ist nun dein Gott ? Das macht duͤrsten/ lechzen/ seuffzen und schreyen/ wie der Hirsch/ da werden Davids Psalmen suͤß und lieb/ Davidica non inteiligit, Davidica Neunter Theil. R qui Die Zehende qui non expertus. Da kom̃t alsdann der treue Hirt/ zeucht die Seele zum Wasser magnetico tractu und sagt Matth. 11. Kom̃t her zu mir alle/ die ihr muͤhselig und beladen seyd/ ich wil euch erquicken. II. Lapidem devolvendo. Solte Jacob die Schaafe seiner lieb- sten Rahel traͤncken und zur Traͤncke fuͤhren/ so mußte er zuvor den Stein von der Traͤnck-Rinnen weg waͤltzen Gen. 29. dieser Stein ist die securitas carnalis conscientiæ cauteriatæ, die fleischliche Sicherheit ei- nes brandmaligen Gewissens/ conscientiæ induratæ, eines Stein- und Felsen-harten Nabals-Hertzen/ dadurch der Hammer des Gesetzes nicht kan penetri ren/ es wird veracht/ man schlaͤgt die Melancholi auß dem Sinn/ laͤßt den Pfaffen donnern und strahlen/ es wird so boͤß nicht wer- den/ wann er dreuet: Die solches thun/ werden das Reich Go ttes nicht erben/ sondern fahren abwerts der Hoͤllen zu. So kom̃t die Paradiß- Schlang und sagt: non morieris, du wirst mit nichten des Todes ster- ben. Wird dieser Stein nicht weg geweltzt/ O weh/ O ewig weh. Das thut nun Christus durch das bittere Creutz. Solte David mortific irt/ zahm und geschlacht werden/ so muß das blutige Raach-Schwerd und die Pest dazu helffen. Solte Manasse erkennen/ daß der Herr Gott ist/ so muß der Kercker das beste thun/ er muß gekruͤmmet werden in eisern Banden. Solte dem verlohrnen Sohn die securi taͤt benommen wer- den/ so muste ihm der Hunger das halsstarrige Gemuͤth und Felsenharte Hertze brechen. III. Monstrando. Er zeigt den Schaafen das Wasser und Traͤnck-Rinnen/ da lauffen sie selbst zu/ quasi magnetico tractu. Also zeigte Er der Hagar den Brunn/ und oͤffnet ihr die Augen. So zeigt auch der Hirt digito indice die Canaͤl und Wasser-Roͤhr/ die anthlia und Schoͤpff-Zeug/ das sind nun λόγια Θεου̃, oracula Scripturæ. Der H. Geist ist ein unsichtbarer Geist/ Er erscheinet nicht immediatè, wie Er weyland extrà ordinem erschienen/ in der Taubens-Gestalt/ Wind und Feur/ also nun in den dreyen Zeugen auff Erden/ dahin weißt Christus/ scrutamini scripturas, forschet in der Schrifft. Sie haben Mosen und die Propheten/ laß sie dieselbigen hoͤren. Nicht allein aber die Roͤhren/ sondern auch die Wasser-Schoͤpffer/ das werthe Ministerium, das Ampt des Geistes/ welches Er selbst eingesetzet/ die seind gleichsam die Schen- cken/ die Traͤncker/ ποτίζοντες. 1. Cor. 3. die Wasser-Meister/ aquæ ducto- res, die die Schrifft leiten/ dispensi ren auch druͤber kaͤmpffen/ wie dort die Knecht Jsaacs/ Gen. 26. Exod. 2. die Trost-Engel/ die Credentzer seind Predigt. seind die besten/ h. e. die es selbst auch versucht/ die nach dem Exempel des Engels/ der Christum gestaͤrckt am Oelberg/ den Kelch darbieten/ und sagen auß dem 75. Psalmen/ der Herr habe einen Becher in der Hand/ \&c. halten fuͤr die συμμορφείαν Christi Rom. 8. Gott habe seines eigenen Sohns nicht verschont/ die παράϛασιν, Synantilepsin Sp. S. die Huͤlff und Beystand Go ttes des Heiligen Geistes/ der hilfft unserer Schwachheit auff/ und vertritt uns mit unaußsprechlichen Seuffzen. IV. Preces urgendo, wann du wuͤßtest die Gabe GOttes/ und wer der waͤre/ der zu dir sagt/ gib mir zu trincken/ du baͤtest ihn. Joh. 14. Er hat diß Wasser gegeben/ erworben/ gewonnen/ es ist Jhm saur wor- den/ aber Er wil darum gebetten seyn/ des Herrn Gebet gehet dahin/ Der Heilige Geist uns wohne bey/ Mit seinen Gaben mancherley/ so wird alsdann das Wasser fliessen/ es wird der Zweck erreichet werden/ so werden wir mit Freuden Wasser schoͤpffen auß diesem Heyl-Brun- nen. So wird ein glaubiges Schaaf David nachsprechen koͤnnen: Zum frischen Wasser Er mich weißt/ Das mich erquicken thue. Wol mir/ O wol mir/ O ewig wol. Wol dir Jsrael/ wer ist dir gleich. Deut. XXXIII, 29. Weh aber und ewig weh/ die einem andern Geist nacheilen/ und die armen Schaafe verfuͤhren/ von denen Paulus propheceyet/ 1. Tim. IV, 1. Der Geist aber sagt deutlich/ daß in den letsten Zeiten werden etliche von dem Glauben abtretten/ und anhangen den verfuͤhrischen Geistern und Lehren der Teuffel: Und St. Johannes 1. Joh. IV, 1. Jhr Lieben/ glaubet nicht einem jeglichen Geiste/ sondern pruͤffet die Geister/ ob sie von GOtt sind/ dann es seind viel falsche Propheten auß- gegangen in die Welt. Daran solt ihr den Geist GOttes erkennen. Ein jeglicher Geist/ der da bekennet/ daß JEsus Christus ist in das Fleisch kommen/ der ist von GOtt/ und ein jeglicher Geist/ der nicht bekennet/ daß JEsus Christus ist in das Fleisch kommen/ der ist nicht von GOtt. Jst leider wahr/ es schwaͤrmet und fladdert voll Geister/ allenthalben voll Jrꝛ- und Verfuͤhr-Geister/ der himmlischen Propheten/ Enthusiasten und Phan- tasten zugeschweigen. Jn Babylon/ da ist lacus, in quo non est aqua, die lebendige Quelle haben sie verlassen/ das Wasser geraubt/ die Brun- nen verstopfft/ durch Verbietung der Bibel/ und alles auff die Mutter GOttes gespielt/ man rufft die Heiligen im Himmel an/ anders nicht R 2 als Die Zehende als der reiche Schlemmer den Vater Abraham/ da er um ein Tropffen Wasser fuͤr seine gluͤende Zunge gebetten/ hie und da werden Cisternen/ stinckende faule Regenwasser/ Froschleuchen/ Mistlachen von Legenden und Lugenden/ von kraͤfftigen Jrꝛthum̃en gewiesen/ Wasser/ aber nicht menuchot, daß das Hertz und Gewissen kan beruhigen/ sonderlich in der Judas-Beicht/ da siehe du zu/ ob deine Reue so groß/ als die began- gene Suͤnde gewesen/ ob deine Beicht perfect, ob du nichts verschwie- gen/ ob du satisfaction geleistet/ oder Gnugthuung in der proportion so viel guͤltig/ als die gebuͤßte Suͤnde: Die Erquickung mangelt. Jm Gegentheil wird das Hertz erstickt und erschreckt/ die conversio gehet ab- werts dem Fegfeur zu/ und welches das aͤrgste ist/ so wird der Satan fuͤr einen Lehrer auffgeworffen und zu einem Apostel gemacht mit seinen Belials-Baͤchen/ wann er gefragt wird per obsessos von dem Rofen- krantz/ Anruffung der Heiligen/ und dergleichen/ anders nicht/ als ob kein Gott in Jsrael. Der Spiritus und Geist der Reformirten ist recht Wolcken ohne Wasser/ die mit der Schrifft prangen/ troͤsten und predigen/ schreiben Trost-Buͤcher/ wann man es aber beym Liecht besie- het/ so ist kein Nachdruck darhinder/ wann man auff den fontem selbst treibt/ so wird zwar absoluta gratia pro fonte außgegeben/ was aber fuͤr Wasser darauß folge/ ist anderswo angezeigt. vid. Hodom. Calv. p. 247. e. g. Wendel. exerc. 70. p. 1152. \& 1154. Wer keinen Glauben empfindet/ und noch dazu ihm gewiß einbildet er seye verworffen/ ein solcher/ so lang er in solchem Stand ist/ kan mit keinem Trost voͤllig auffgerichtet und gestillet wer- den/ wer keines Glaubens bey ihm innen wird/ hat auch nie- mals keinen an ihm gespuͤrt/ der ist auch weder seiner Gnaden- wahl/ noch seiner Wiederzurechtbringung vergewissert. Nun aber sagt Jonas c. II, 5. Jch war von deinen Augen verstos- sen. Und David Ps. XXXI, 23. Jch sprach in meinem Zagen/ ich bin von deinen Augen verstossen. Daß sie aber auß GOttes Wort keinen satten Trost haben koͤnnen/ das sey ferne! Da meine Seele bey mir verzagte/ gedachte ich an den HErꝛn/ und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Jon. c. II. 8. Darum hat die Stadt GOttes Wassers die Fuͤlle/ wir wissen das Go tt niemand wil verlohren haben/ ohne die Widerspenstigen/ die sich Jhm widersetzen/ darum ob ich schon in der Lipothymia und Geistlichen Ohn- macht Predigt. macht keinen Glauben fuͤhle und empfinde/ so widerstreb ich doch nicht der Goͤttlichen Gnad/ und bin demnach in GOttes Huld. Der spiri- tus mundi ist auch ein arger Gast/ der fuͤhret eben die principia, dadurch Christus fuͤr einen Auffruͤhrer/ und seine Apostel fuͤr Verwirrer gehal- ten und gestaͤupet werden: pax seculi suprema lex esto! Die ratio sta- tus muß erhalten werden/ da muß GOttes Geist weichen: wollen die guten und warhafften Geister uͤber dem Brunnen kaͤmpffen/ so sind Philister fuͤrhanden/ die wollen den Geist daͤmpffen/ dem Fluß der con- sequen tzen catarractas entgegen setzen/ und Thaͤmme schlagen/ das thut der subtile Welt-Geist/ von dem sagt der Herr Joh. XIV, 17. Die Welt kan den Geist der Warheit nicht empfangen/ dann sie kennet Jhn nicht. W er nun den H. Geist nicht kennet/ wie kan der zu Christo kommen/ wer aber nicht zu Christo kommet/ der ist verlohren/ es ist kein anderer Nahm/ darinnen wir koͤnnen selig werden/ ohne der Nahme JEsus. Der grobe Welt-Geist reitet noch groͤber herein/ und ist nicht zu ersaͤttigen mit Geld und Welt/ der rufft: Wein her/ bevor- ab in diesem Jahr/ da die milde Hand GOttes sich uͤberfluͤssig erzeigt/ und auß Wasser Wein gemacht/ da heißts/ hie gibts viel zu sauffen. Syr. XXXI, 13. aber es sitzt einer in der Hoͤlle/ der rufft seiner Com- pagnie zu und sagt: Sitio! Sie haben Mosen und die Propheten/ den Apostel dazu. Eph. V, 18. Sauffet euch nicht voll Weins/ dar- auß ein unordig Wesen folget/ sondern werdet voll Geistes. Gott gebe wehthuende/ schmertzliche Creutze/ daß die Seelen der Welt- Leute erhalten werden. Dem Vater aller Barmhertzigkeit seye Danck/ daß/ wie Er uns durch Lutherum den Heil-Brunnen wieder auffgegra- ben/ also noch unter uns stehet GOttes Bruͤnnlein! das hat noch Wassers die Fuͤlle/ lieblich und loͤblich ist die Stadt GOttes mit ihren Bruͤnnlein. Ps. 16. Da durch und durch in allen Gassen per aquæ du- ctus rein und lauter Quell-Wasser durchfließt. Eine solche Stadt ist un- sere Stadt/ es fließt in die Haͤußer hinein/ der Heil-Brunnen ist offen. Zach. XIII, 1. und nicht beschlossen. Christus stehet noch und rufft Joh. 7. wen duͤrstet/ der komme/ dann wir trincken/ ohne Durst/ wir aber duͤr- sten ohne Hatz und Creutz. Darum wer Creutz hat/ der ist der werthe Gast/ sonderlich in den hohen uͤbermenschlichen Anfechtungen/ wann man von allen Creaturen verlassen ist/ wann die Baͤche Belial erschre- cken/ wann David von Saul verfolget wird auß Mißgunst/ Mißtrauen/ Mißdeuten seiner Wort und Actionen, wann gute intentionen mit Essig-Tranck werden vergolten/ wann Gott sich selbsten verstellt in ei- R iij nen Die Zehende Predigt. nen Grausamen/ so komm ich zu dir/ HErꝛ JEsu Christ/ du hoͤchstes Gut/ du Brunnquell aller Gnaden/ du wirst mich nicht verstossen/ du wirst mich leiten zu dem lebendigen Wasser-Brunnen/ und abwischen alle Thraͤnen von meinen Augen. So laßt uns nun Wasser schoͤpffen mit Freuden auß diesem Heyl-Brunnen. Esa. 12. laßt uns dursten/ trincken/ auff daß wir weder hungern noch duͤrsten/ uns kein Hitze noch Sonne steche/ und uns unser Erbarmer wird fuͤhren und an die Wasser- Quellen leiten. Esa. XLIX, 10. Und endlich Trost finden in Abrahams Schooß/ da alle Creutz-Bruͤder Christi sollen nicht mehr Trost-durstig sondern Trost-truncken/ und Trost voll werden/ nicht Tropffen-sondern Stroms-weise/ dort da seyn wird Jmmer Lust/ nimmer Durst/ Jmmer trincken/ nimmer sincken/ Jmmer satt/ nimmer matt/ Jmmer Freud/ nimmer leid/ in Ewigkeit/ Amen. Ende der Eingangs-Predigten. Catechismus C atechismus- M ilch/ Oder Der Erklaͤrung des Christlichen Catechismi Neunter Theil/ Begreiffend das Fuͤnffte Hauptstuck Christlicher Lehr/ die Wort vom Sacrament des Heiligen Abendmals TEXTVS Wie dieselbe von Matthæo XXVI, 26. Marco XIV, 22. Luca XXII, 19. und St. Paulo 1. Corinth. XI, 23. beschrieben werden. J N der Nacht/ da der HErꝛ JEsus verrathen ward/ in dem sie assen/ nam Er das Brod/ dancket und brach es/ und gabe es den Juͤngern/ und sprach: Nehmet esset/ das ist mein Leib/ der fuͤr euch hin gegeben wird/ solches thut zu meiner Gedaͤchtnuͤß. Desselben gleichen name Er auch den Kelch nach dem Abendmal/ dancket und gab ihnen den/ und sprach: Trincket alle darauß/ dieser Kelch Die Erste Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut/ welches fuͤr euch/ und fuͤr viel vergossen wird/ zu Vergebung der Suͤnden/ solches thut/ so offt ihrs trincket/ zu meiner Gedaͤchtnuͤß. Die Erste Predigt/ Von Den Nahmen des H. Abendmals. G Eliebte in Christo. Als auff eine Zeit Demosthe- nes, der beruͤhmte Griechische Redner zu Athen/ vor Rath/ eine arme Person/ so auff Leib und Leben angeklagt ge- weßt/ vertretten/ deren Unschuld mit vielen Worten ver- thaͤdigt/ und sich aͤusserst bemuͤhet/ dieselbe zu erretten/ und aber den Rathsherren die Zeit wolte zu lang werden/ an- fiengen theils zu schlummern/ theils die Koͤpff zusammen zu heben/ und von andern Sachen Sprach zu halten. Siehe/ so bricht einsmals er der Demosthenes den Faden seiner Sermon ab/ faͤngt an/ erzehlt eine Fabel de asini umbrâ, von einem Juͤngling/ der einen Esel gemiedet/ von Athen nacher Megaram, etwan auff den Marck zu fuͤhren/ unter- wegs aber als die Hitz zimlich groß worden/ und nicht gesehen wie er sich irgend in einem schattichten Ort der Hitze wehren moͤchte/ habe er dem Esel die Last abgenommen/ und sich in des Esels Schatten gesetzt. Die- ses aber wolte der Esel-Treiber nicht lassen/ trieb jenen davon/ und sprach: Er habe ihm den Esel allein geliehen/ und nicht des Esels Schatten: Jener aber bestunde dabey/ er habe ihm so wol des Esels Schatten als den Esel gemiedet/ welcher Streit so lang gewaͤhret/ biß sie von Worten zu Streichen kommen/ alldieweil dieser allezeit laͤugnete/ daß er ihm des Esels Schatten gemiedet/ jener aber gleicher gestalt darum zanckete/ er habe ihm des Esels Schatten gemiedet. Endlich seyen sie beyde fuͤr den Richter kommen. vid. Erasm. Adag. p. 117. Nachdem ers er- zehlt/ gehet er von seinem Ort weg/ die Rathsherren bemuͤhen sich ihn auffzuhalten/ mit Bitt/ er wolte doch die schoͤne Maͤhr absolvi ren/ die sie mit sonderm Lust angehoͤret/ darauff gibt er ihnen diesen Verweiß/ und Predigt. und spricht: De asini umbrâ libet audire, viri causam de vita periclitan- tis audire gravamini. von des Esels Schatten gelustet euch zu hoͤren; aber des auff den Tod beklagten Menschen Sach beschweret ihr euch mir Gehoͤr zu geben. Dannenhero ist bey den Griechen das Sprichwort ent- standen ὑπὲρ ὄνου σκιᾶς. Jst ein solches Sprichwort/ welches uns Chri- sten manchmalen zur schand muß nachgesaget werden! Wir haben vor GOtt zu vertretten unsere arme Seele/ so auff den ewigen Tod angeklagt/ stehen in der augenblicklichen Gefahr der Execution und Vollziehung des Urtheils. Nicht Demosthenes, sondern der H. Geist in seinem Wort zeiget uns Mittel und Weg/ wie wir moͤchten solcher Gefahr ent- gehen/ erscheinet nicht vor Rath/ sondern vor einer jeden armen Seel/ und sagt: σώθητε, lasset euch helffen. Act. II, 40. καταλλάγητε, lasset euch versoͤhnen mit GOtt. 2. Cor. V, 20. Wachet/ und bettet. Aber was geschicht/ er bekommt repulsam, man kehret ihm den Ruͤcken/ einer laßt sich vom Schlaff uͤbernehmen/ bleibet wohl gar auß/ auß Forcht des Schlaffs/ andere haben ihre Gedancken anderswo/ den dritten verdrießt die laͤnge der Predigt/ anders als Constantinus Magnus der loͤbliche Kaͤyser/ welcher als er einer Predigt/ vom Tod und Begraͤbnuͤs Christi in seinem Schloß zugehoͤret/ und sich dieselbe lang verzogen/ also daß ihn die Prediger niederzusitzen ermahnet/ diese Wort von sich vernehmen lassen: Nefas esse, institutis de Deo disputationibus, negligentes au- res præbere. Es gezieme sich nicht/ wann man von GOtt und seinen Geheimnuͤssen redet/ mit schlaͤfferigen Ohren zuzuhoͤren/ wie Eusebius von ihm bezeuget. lib. 4. c. 33. de vit. Const. Einem andern ist zu wieder die Deductio, wann man ein Stuck allzulang handelt/ haͤtte es gern in zwo/ drey/ Predigten absolvirt, dem vierdten ist verdrießlich/ wann man allezeit eines wiederholt/ wann man es gleich anders bereit. Grad als muͤßte der Mensch heut kein Brod essen/ weil er gestern gegessen. Jhrer viel hoͤren nicht gern von Geheimnuͤssen reden/ moralia sind ihnen lieber. Summa/ es heißt/ uns eckelt uͤber dieser losen Speiß. Num. XXI, 5. Man ists gewohnt und uͤberschuͤtt/ daß man nicht hoch darnach fragt. Und wo nicht (wie Lutherus redet. Tom. VI. Jen. ) ein guter Koch und hun- geriger Magen/ ein frischer Trunck und durstige Zung/ da ist kein appe- tit. Solte man aber im gegentheil/ wie im Pabsthum vor diesem ge- schehen/ Fabeln und Maͤhrlein erzehlen/ risus paschales und Ostergelaͤch- ter erwecken/ seltzame Gauckeleyen auff der Cantzel fuͤrbringen/ das moͤch- te juckende Ohren machen. Wie dann juckende Ohren machen nicht Neundter Theil. S heißt Die Erste heißt/ gute und schrifftmaͤssige realia, auff alle muͤgliche und leichte weiß/ als Menschliche Gemuͤther koͤnnen gewonnen werden/ als durch aller- hand schoͤne Exempel/ anmuthige Gleichnuͤssen/ Figuren/ Parabeln/ und dergleichen auff die Bahn bringen/ sondern juckende Ohren sind die jenigen/ welchen ab dem Goͤttlichen Wort/ als ab einer losen Speise eckelt/ gern etwas fremdes/ so in der Schrifft nicht gegruͤndet/ hoͤren/ lieber Weltliche Historien/ Jrꝛthum annehmen/ als die Geheimnuͤß der Christlichen Religion/ gestalt dann die Erfahrung bezeuget/ wann eine gruͤndliche Predigt vom Glauben gethan wird/ so fasset man es schwerlich/ lasset es fuͤr Ohren schnurren/ und sind lauter Boͤhmische Doͤrffer/ so bald man aber Weltliche Historien und irgend ein Legend anziehet/ so spitzet man die Ohren/ das behalt man leichtlich. Und wer ist/ der nicht lieber einer Comoͤdi/ einem Welilichen Gespraͤch ohne Ver- druß zuhoͤrt/ als Gottes Wott/ da doch jenes alles ist ὑπὲρ ὄνου σκιᾶς. Unsers alten Esels des alten Adams Schatten-Werck. Nun M. L. Wir nehmen auch fuͤr dißmal fuͤr uns zu handeln/ nicht ὑπὲρ ὄιου σκιᾶς, von des Esels Schatten/ sondern von einem My- sterio, von einem Geheimnuͤß/ und zwar gleichsam de sancto sancto- rum von dem allerheiligsten unter allen heiligen/ dem H. Abendmal/ wel- ches die alten so heimlich gehalten/ daß sie die Catechumenos nicht lassen zusehen. Damit nun E. L. in einem und zwar gleich im ersten Anblick wisse/ was wir in dieser Schul profiti ren werden/ so wird dasselbe gar schoͤn in der ὀνοματολογίᾳ fuͤr Augen gelegt. Zugleicher weiß nun wie ein Præceptor, sein Programma oder Lection, ein Guldenschreiber sein oculiferium, ein Autor seinen Titul vorher setzt/ tanquam promulsidem discendi, damit der discipul oder Leser einen Vorschmack habe/ was er zu lernen oder zu lesen werde antreffen: Also wollen wir/ nach dem heut acht Tag das αἰτημα gesetzt worden/ dieweil das Fleisch kein nuͤtz/ und angezeigt/ welches in dieser Schul der rechte Præceptor und discipulus, nun die andere Lection fuͤr uns nehmen/ die da heißt τί ἐϛι nominis, von der Benamsung des H. Abendmahls. GOtt der him̃lische Vater verleihe uns zu unserm Vorhaben seines H. Geistes einleuchtende Krafft und Segen von oben herab/ um JEsu Christi willen/ Amen. G Eliebte im HErꝛn. So seind demnach die jenige Namen/ mit welchen das H. Abendmahl benamset/ I. voces Biblicæ solche Namen/ mit welchen dasselbe von dem H. Geist selbst Predigt. selbst in H. Schrifft beleget worden/ deren der 1. ist δει̃πνον Κυριακὸν, des Herꝛn Abendmahl. 1. Cor. XI, 20. Wann ihr nun zusammen kommet/ so haͤlt man da nicht des HErꝛn Abendmahl. Und v. 23. Jch habe es von dem HErꝛn empfangen/ das ich euch gegeben habe. Wird genennet δει̃πνον, ein Abendmahl/ dieweil/ ob es schon fruͤhe morgen gehalten wird/ dannoch geschicht zu Ehren und Gedaͤchtnuͤß dieses herꝛlichen Abendmahls/ wird genennet δει̃πνον κυ- ρια ὸν, des HErꝛn Abendmahl/ dieweil es von Christo dem HErꝛn ein- gesetzt; Christi des HErꝛn Leib und Blut daselbst gereicht/ Christo dem HErꝛn zu Ehren verrichtet wird/ und zu dem HErꝛn/ als dem einigen Zweck zielet und leitet. Jn welchem Verstand auch der Sontag κυρια- κὴ ἡμέρα des HErꝛn Tag genennet wird. Apoc. I, 10. weil er von ihm gestifftet/ und zu seinem Dienst von ihm außgesetzt und geordnet wor- den. 2. Mensa Dominica. des HErꝛn Tisch. 1. Cor. X, 22. Jhr koͤnt nicht zugleich theilhafftig seyn des HErꝛn Tisches/ und der Teuffel Tische. Wird des HErꝛn Tisch genannt/ weil er ent- gegen gesetzt ist der Teuffel Tische. Dazumal brauchten die Christen noch keine Altar/ sondern nur Tische/ wann sie des HErꝛn Abendmahl gehal- ten/ worauß aber gar nicht folget/ daß man die Altaͤr heutiges Tages stuͤrmen und umwerffen muͤsse/ dann sonst muͤßten die Kirchen gleicher- weiß eingerissen und zuhauffen geworffen werden/ als welche eben so wol als die Altaͤr mißbraucht worden/ und solte diese folge gelten/ warum laͤsset dann GOtt die Sonn am Himmel stehen/ und machte sie nicht vielmehr zu nicht/ als welche taͤglich zur Abgoͤtterey mißbraucht wird. Die Gefaͤsse/ so Koͤnig Belsazer auß dem Tempel zu Jerusalem mit sich in seines Gottes Hauß genommen/ und entweihet/ seind wiederum/ nach dem sie Cores Koͤnig in Persien herauß gethan/ GOtt zu seinem Dienst geweihet und geheiliget worden Ester I, 7. seqq. 3. Testamentum 1. hæ- reditatis eie Erb-Vermaͤchnuͤß. Luc. XXII, 20. Das ist der Kelch/ das neue Testament in meinem Blut. Der Stiffter ist Christus/ die Erben sind die Glaubigen/ die Legata seind Vergebung der Suͤnden/ und das ewige Leben. Die Zeugen die H. Apostel/ die sichtbare Zeichen sind Brod und Wein/ die unsichtbare der Leib und das Blut Christi. 2. Testamentum pacti fœderalis, Ein Bunds-Vermachnuͤß/ dieweil es durch den Tod und Blut Christi bestaͤtiget worden. Jm 2. Buch Mos. XXIV, 1. lesen wir nachfolgende Geschicht. Es traten zusammen auff den Berg Sinai der GOtt Jsrael/ und Mose S ij im Die Erste im Namen der gantzen Gemeine/ und machten einen Bund/ GOtt der versprach dem Volck Segen/ und das Land Canaan/ das Volck im ge- gentheil verspricht gehorsam: Alles was der HErꝛ saget/ wollen wir thun und gehorchen. Das wird beydes bekraͤfftiget mit dem Blut/ der Altar wird besprengt auff seiten Gottes/ und die zwoͤlff Seulen an statt des Volcks/ darauff sprach Mose: Hinne dam haberith. Se- het das ist das Blut des Bundes/ den der HERR mit euch macht. Also hat auch Christus mit seinem Opffer-Blut so wol den ho- hen Frohn-Altar des Creutzes als das Volck besprenget/ Krafft dessen ver- bindet sich GOtt mit uns/ macht Freundschafft mit uns/ bietet uns an das ewige Leben/ mit allen dessen Schaͤtzen und Guͤtern. II. Ecclesiasticæ, Solche Namen die ihm von den alten und ersten Lehrern der Kirchen gegeben worden. Unter welchen ist I. Ἐυχαριϛία, bona gratia. Panis percipiens vocationem Dei, jam non communis panis est, sed Eucharistia, ex duabus rebus constans, terrena \& cœlesti, Iren. l. 4. c. 34. Wann das Brod einen Goͤttlichen Beruff bekommt/ so ist es nicht mehr gemein Brod/ sondern eine Dancksagung/ so auß zweyen Stucken bestehet/ einem himmlischen und irꝛdischen. Wird eine Dancksagung genennet/ weil Christus der HErꝛ seinem Himmlischen Vater gedancket hat. Matth. 26. Da sie aber assen/ nahm JEsus das Brod/ dancket und brachs/ 27. und Er nahm den Kelch und dancket/ weil S. Paulus die Dancksagung fuͤr den Tod Christi so hoch einge- bunden. 1. Cor. XI, 26. So offt ihr von diesem Brod esset/ und von diesem Kelch trincket/ solt ihr des HErꝛn Tod verkuͤndi- gen/ biß daß er kommt. 2. Σύναξις, dieweil es in offentlicher Versamlung gehalten wor- den/ tanquam nervus publicorum congressuum \& unitatis fidelium vinculum. Epiphan. hæres. 466. als das Band der offentlichen Zusam- menkunfften/ und Vereinigung der Glaubigen/ hergezogen auß den Worten Pauli. 1. Cor. XI, 20. Wann ihr nun zusammen kom̃t/ so haͤlt man da nicht des HErꝛn Abendmahl. Dann so man das Abendmahl halten soll/ nimmt ein jeglicher sein eigenes vorhin. 3. Ἀγάπη, Ein Liebesmahl/ dann dieweil dazumahl nach Gewon- heit des Alten Testaments die Leute Geschencke haben mit gebracht/ Brod und Wein/ wie auch gar freye Mahlzeiten gehalten den Armen zum be- sten/ Predigt. sten/ derowegen sie auch daher den Namen uͤberkommen und ἀγάπαι ge- nennet worden/ darauff Judas gedeutet. Ep. v. 12. ου῟τοί εἰσιν ἐν ταῖς ἀγάπαις ὑμῶν σπιλάδες, diese Unflåter prassen von euern Allmosen ohne scheu/ weiden sich selbst. Und dahin gehoͤret auch der bekante Ort bey dem Tertulliano adv. gentes. c. 39. ad Marc. Agape fratrum, re- frigerium inopum, convivium in quo editur quantum esurientes ca- piunt, bibitur quantum pudicis est utile, \& ita saturantur, ut memi- nerint etiam per noctem adorandum DEUM, das ist: die Liebes- Mahlzeit der Bruͤder/ ein Labsal der Armen und duͤrfftigen/ ein Mahlzeit/ darinnen man so vil isset/ daß man den Hunger stillen kan/ so viel trinckt/ als schamhafftigen Leuten nutzlich/ und sich also saͤttiget/ daß man sich zugleich erinnert/ daß man auch die Nacht uͤber GOtt mit Gebet ersuchen solle. Jst aber zeitlich der luxus dazukommen/ und in ein Mißbrauch gerathen/ darum auch Paulus uͤbel mit zu frieden. 1. Cor. IX, 20. und endlich in Concilio Laodiceno can. 28. verbotten. 4. Θυσ α Sacrificium, ein Opffer/ nicht in dem Verstand als haͤt- ten sie ein Opffer darauß gemacht/ eigentlich zureden/ viel weniger Sacri- ficium propitiatorium ein Versoͤhn-Opffer/ sondern theils wegen der Darstellung und Erinnerung des jenigen Allerheiligsten/ einmal am Creutz verrichteten blutigen Versoͤhn-Opffers/ da Christus seinen Leib auf- geopffert/ fuͤr uns zur Gabe und Opffer GOtt zu einem suͤssen Geruch. Egregius ad hanc rem est locus Augustini in epist. 23. ad Bonifac. Sæpè ita loquimur, ut pascha propinquante dicamus, crastinam vel pe- rendinam esse Domini passionem, cum ille ante tàm multos annos passus sit, nec omninò nisi semel illa passio facta sit, Nempe ipso Dominico die dicimus, hodie Dominus resur rexit, cum ex quo resurrexit, tot anni tran- sierunt , (Sic) nonnè semel immolatus est Christus in seipso, \& tamen in Sacramento non solùm per omnes paschæ solennitates, sed omni die popu- lis immolatur . Ob repræsentationem \& commemorationem sacrificii Christi pro nobis iterum in hoc mysterio moritur, ejus quippe ibi corpus sumitur. Gregor. Magn. Dial. 48. Theils wegen der Gebets Opffer/ da man insonderheit Go tt den Vater angeruffen/ daß er um des Verdiensts Christi willen wolle gnaͤdig seyn/ und um des Leibs und Bluts (welches besser schreyet/ dann das Blut Abels. Hebr. XII, 24. ) seines lieben Sohns/ in diesem Sacrament ge- S iij gen- Die Erste genwaͤrtig erhoͤren wolle/ und daß Christus in dem Himmel sich und seinen Tod darstelle/ nach dem was Paulus sagt. Hebr. IX, 24. Chri- stus ist nicht eingangen in das Heilige/ so mit Haͤnden gemacht ist/ sondern in den Himmel selbst/ nun zu erscheinen fuͤr dem Angesicht Gottes fuͤr uns. Und Rom. IIX, 34. Wer will die Außer wehlten Gottes beschuldigen/ Christus ist hie der ge- storben ist/ \&c. Darum sie dazumal bey Erhebung der Hostien gebet- ten/ was wir heut zu Tag singen. Ach zeig mich deinem Vater an/ daß du fuͤr mich hast genug gethan. Dient wieder die Paͤbst- ler und ihre vermeinte Antiqui taͤt/ welche vermeint und andere Leute des- sen beredet/ weil die Patres das H. Abendmahl ein Sacrificium genennet/ so haben sie dadurch die Meß verstanden/ viel tausend seind durch dieser Lehr Unwissenheit betrogen und hinder das Liecht gefuͤhret worden. 5. Mysterium ein Geheimnuͤß/ welcher Nam seinem Ursprung nach auß dem Heydenthum herkommt/ dann zugleicher weiß wie Pau- lus der H. Apostel von dem Altar zu Athen/ dem unbekanten Gott zu ehren auffgerichtet/ Gelegenheit genommen/ den wahren GOTT zu ver- kuͤndigen: Also auch die Vaͤter der ersten Mutter-Kirchen/ auff daß sie bey den Heyden den Wahn von einer neuen Lehr von sich ablehnten/ ha- ben sie die Geheimnuͤs Christlicher Religion nicht nur mit Heydnischen Namen pflegen zubenennen/ sondern auch die jenige Gebraͤuch/ so sie bey ihrem Heydnischen Gottesdienst in uͤbung gehabt/ in die Christliche Kirch eingefuͤhrt. Dann gleich wie die Heyden ihre fuͤnffjaͤhrige gewis- se Zeit observirt, darinn sie ihre initiandos durch gewisse intervalla unter- richt/ ehe sie dieselbe zur voͤlligen Erkaͤntnuͤß ihrer Geheimnuͤsse gelassen. Nach welcher Zeit Verfliessung sie allererst Epoptæ seind genennet wor- den. Also haben auch die Vaͤter der Kirchen dazumal die Christen nicht ohne Unterscheid zum Sacrament des Abendmahls gelassen/ wann sie nicht zuvor ihre Proben/ so wol was die Erkantnuͤß der Christlichen Lehr/ als auch die Erweissung des Christenthums in dem Leben/ betrifft/ außgestanden. Es hatten die Heyden ihre Vorbereitungen so bestan- den in Bekantnuͤß der Suͤnden/ dann es erzehlet Plutarchus in Apoph- tegm. als einer mit Namen Antalicdas solte initiirt werden/ seye er von dem mystagogo gefragt worden/ welcher schweren Suͤnden er ihme be- wußt seye/ Keuschheit/ Maͤssigkeit/ sie hatten ihre σκληραγωγίας, humicu- bationes, aͤusserliche Reinigungen/ die in offentlichen Lastern ersoffen/ und grosse Aergernuͤß gegeben/ haben sie darvon gar außgeschlossen/ und gleich- sam Predigt. sam excommunicirt, bekant ist die alte Bannformul: ἑκὰς, ἑκὰς, ὄς τις ἀλιτρὸς, procul hinc, procul ite profani, daher Nero Augustus der Roͤmische Kaͤyser/ nach dem er seine Mutter erwuͤrget/ zu den sacris Eleu- siniis nicht mehr gelassen worden/ wie Suetonius berichtet c. 34. Glei- cher gestalt hatten die Christen vor empfahung des Abendmahls ihre Buß-Ubungen/ insonderheit die jenige/ so einen schweren und offentlichen Suͤndenfall begangen/ mußten sich gar scharffer Kirchen disciplin unter- werffen/ ehe sie zum H. Sacrament gelassen worden. Dicebamus (ita Casaub Exerc. 16. ad Annal. Baron. p. m. 487.) in admittendo initiandos quinque hos gradus fuisse observatos, purgationem communem, purgationem interiorem, σύϛασιν, initiationem \& Epoptiam: simillimè vetus Ecclesia in admitten- dis lapsis ad sacram communionem quinque gradus servavit, si- ve ut loquuntur Scriptores Ecclesiastici, τέσσαρας τόπους ἐπιτιμίων ἀνύεσϑαι, quatuor loca pœnæ obiri præcepit, antequam perveni- rent ad ipsam communionem. Primus locus est, quem vocarunt πρόκλαυσιν, in ipso primò aditu Ecclesiæ separati, non solùm à fi- delibus, sed etiam à Catechumenis aliquot annos (tres, ut pluri- mum) manebant, pœnitentes in squalore \& pædore omnibus fide- libus legationes deprecationis injungentes , ut loquitur Tertullianus in libro de pœnitentia. Proximus gradus sive locus dicebatur ἀκρόασις, ibi ut plurimùm ἄλλην τριετίαν εἰς ἀκρόασιν μόνον ad alios tres annos admittebantur pœnitentes tantùm ut audirent ver- bum Domini, quando in Ecclesia legebatur. Tertius gradus sive locus dicebatur ὑπόπτωσις, ea fuit quædam interior admissio, ubi tres alios annos stabant pœnitentes, precũ Ecclesiæ participes ut \& Catechumeni, quibus exeuntibus ipsi quoque exibant, \& hic tertius locus sic appellatur, q. d. humiliatio: ut vel sola appella- tio sui officii pœnitentes admoneret. Restant duo nomina σύϛα- σις \& μέθεξις quarti \& quinti gradus sive loci. σύϛασις igitur è my- steriis gentium vox accepta appellabatur statio inter fideles: ibi pœnitentes duos persæpè annos agebant; quod ad cætera, ejus- dem conditionis cum fidelibus, neque jam cum catechumenis exibant, solâ participatione mysteriorum cæteris fratribus infe- riores, μἐθεξις verò dicebatur jus communicandi, \& ut loquitur Basilius aliquoties in descriptione harum pœnarum, ἡ κοινωνία του̃ ἀγαθου̃. Communicatio ipsius boni , nam bonum est ipsa Eucharistia. Und Die Erste Und wie die Heyden ihre mysteria gar geheim gehalten/ und nicht jederman dieselbe communicirt, also haben auch die H. Kirchen-Vaͤter die Christliche Lehr abgetheilet in τὰ ἔκφορα, die sie vor allen und jeden doͤrfften außsagen/ und τὰ ἀπόῤῥητα, die sie in geheim gehalten/ davon sie weder in gemeinen Gespraͤchen/ noch offentlichen Unterricht in bey sein der Heyden/ und anderer/ so nicht zum Gottesdienst eingeladen worden/ etwas sich lassen vernehmen. Und dannenhero haben die Patres die H. Sacramenta genennet/ μυήσεις, τελετὰς, τελειώσεις, ἐποπτείας, und dergleichen mehr. Nun dieser Catalogus oder ὀνομαϑεσία soll uns auffmuntern ad desiderium. Ein Præceptor der ein Schul anfangen will/ derselbe reitzt seine discipul mit dem programmate das er anschlaͤgt/ darinnen er namhafft macht/ was er doci ren will: Also hat der H. Geist uns nicht um sonst mit so viel Gleichnuͤssen und Namen diese Lehr wollen insinui- ren und andeuten/ sondern ad excitandum desiderium ein Verlangen und Begierd zuerwecken/ daher das H. Abendmahl desiderata genennet worden/ dieweil die Catachumeni ein Verlangen hatten nach dem παρα- κύψαι, nach der voͤlligen Erkandtnuͤß und schau in dieses Geheimnuͤß. Catechumenis sacramenta fidelium non produntur, non ideò quod ea ferre non possint, sed ut ab iis tantò ardentius concupiscantur, quantò honorabilius occultantur. August Tract. in Johann. 96. Und waͤre wol zu wuͤnschen daß die Leute die sublimitatem mysterii die Hoheit dieses Geheimnuͤß recht betrachteten und vor recht lerneten/ was es sey/ als daß sie es geniesseten/ die Verachtung wuͤrde nicht so groß seyn. Es wuͤrde mancher nicht so leichtlich auß Gewohnheit/ wie ein Schwein zum Trog hinlauffen. Jst nun das Verlangen recht/ so ist auch eine bruͤnstige Begierde recht zulernen/ welches dann hie die jenige Tugend/ damit ein jeglicher Sacrament-Schuͤler begabt sein solle/ Faulheit ist das schaͤdli- che und schaͤndliche extremum, das sie fliehen sollen/ und denen gilt der Verweiß Pauli/ Hebr. V, 11. Davon haͤtten wir zwar viel zu re- den/ aber es ist schwer/ weil ihr so unverstaͤndig seyd/ und die ihr soltet laͤngst Meister seyn/ bedoͤrfft ihr wiederum daß man euch die ersten Buchstaben der Goͤttlichen Wort lehre/ und daß man euch Milch gebe und nicht starcke Speise. Welcher Faulheit aber auffzuhelffen/ im Gegentheil die Lernbegierde zu sufflami- ni ren ihnen die arcani sten und simplici sten muͤglichst lassen angelegen seyn/ und schuͤtzen vor. 1. Mysterii elevationem. In sa- Predigt. In sacris mysteriis multa sunt, quæ secreta esse debent. Bellarm. T. 2. de V. D. c. 15. Es moͤchte allzugemein werden/ dadurch dieses Geheimnuͤß in ein schlech- tes ansehen kaͤme. Dem entgegen gehet der Wunsch des grossen Manns Gottes Mose. Num. XI, 29. Wolte GOtt! daß alles Volck des HErꝛn weissagte. Und demnach auch/ wolte GOtt! daß alles Volck ohne unterscheid jung und alt/ Burger und Bauren/ Mann und Weib Gottes Wort und die Geheimnusse der Christlichen Religion nicht nur hoͤrten/ sondern auch faßten/ eigentlich/ sattsam und gruͤndlich verstuͤnden/ und wieder alle Jrꝛthum/ auch mancherley Liste des Teuffels behaupte- ten/ und also auff sattem Fuß des Glaubens stuͤnden. Massen das Wort weissagen auch so viel heißt/ als die Schrifft außlegen/ verstehen/ applici ren/ Trost/ Heil/ Leben/ Warnung darauß schoͤpffen. 2. Τὸ Quomodo esse ἕλεγχον ἀπιϛίαο, das/ Wie? in Glaubens- Sachen zeuget von dem Unglauben des Hertzens. Die Quomodomi- sten seyen Nicodemisten. Das Quomodo seye verdamlich. O nein! Nicht ist erstlich alles quomodo verdamlich/ sonst muͤßte auch die hoch- gebenedeyte unter den Weibern die Jungfrau Maria eine verdamliche Frage dem Engel Gabriel fuͤrgelegt haben/ da sie gefragt: Wie kan das zugehen? das quomodo ist zweyerley/ ein Lehrbegieriges und ein fuͤrwitzi- ges. Gleich wie gruͤblen wollen in Sachen/ davon in Gottes Wort keine Offenbarung fuͤrhanden/ dabey weder Safft noch Krafft/ weder warm noch kalt/ weder Trost noch Erbauung zuerholen/ suͤndlich und uͤbel ge- than heisset; Also ist im gegentheil recht und wol gethan fragen/ quomo- do? in Sachen/ so in der Fundgrube der H. Schrifft zuforschen uns fuͤrge- legt/ darauß Trost und Erbauung zu erwarten/ dardurch der Jrꝛ-Geist/ dergern im finstern mauset und im truͤben fischet ans Licht gebracht/ Warheit und Lugen/ Nacht und Tag unterscheiden werden mag und soll. 3. Die hochgeruͤhmte und gelobte simplici taͤt und Einfaͤltigkeit des Glau- bens/ die nicht viel gruͤblen und spindisi ren zulaͤsset. Antwort/ wann simplicitas ist die Tauben-Einfalt/ die herꝛliche Kron des Glaubens/ so da funckelt vom hellen schein der leuchtenden Erkantnuͤß und kindlichem Beyfall/ der erkanten/ lautern/ ungemischten/ von kraͤfftigen Lugen und Grund-Jrꝛthummen abgesonderten Warheit/ hertzlichem Vertrauen auff die Verheissung/ so in der beliebten Warheit angenommen worden/ ohne tuͤck und boͤsen Vorsatz. Gen. XX, 5. 2. Sam. XV, 11. ohne Neid und Mißgunst. Act. II, 47. ohne Ehr und Gewinnsucht. Rom. XII, 8. Neundter Theil. T 2. Cor. Die Erste 2. Cor. VIII, 27. c. IX, 11. Jac. I, 5. ohne falsch und untreu. Col. III, 22. (massen die Einfalt von dem H. Geist in den Prophetischen und Aposto- lischen Schrifften also abgemahlet worden) so ist sie freylich hochzuloben/ und der Christen eigene Tugend/ welche Paulis meynet/ 2. Cor. XI, 3. Jch foͤrchte/ daß nicht/ wie die Schlange Heva verfuͤhret mit ihrer Schalckheit/ also auch euere Sinne verruckt werden von der Einfaͤltig- keit in Christo/ als welche ein heller Strahl von dem Vater des Liechts/ und einfaͤltigem GOtt im Wesen/ im Willen/ im Geben. Wann aber Einfalt ist eine Esels Einfalt/ so auff blosse Unwissenheit sich endet/ und nichts anders ist als fides implicita, so ist dieselbe hochschaͤdlich/ massen solche Paulus schon laͤngsten auß der Kirchen außgemustert. 1. Cor. XIV, 20. und Eph. IV, 14. Werdet nicht Kinder am Verstaͤnd- nuͤß/ sondern an der Boßheit seyd Kinder/ an dem Verstaͤnd- nuͤß aber seyd vollkommen. Auff daß wir nicht mehr Kinder seyen und uns waͤgen und wiegen lassen von allerley Wind der Lehre/ durch Schalckheit der Menschen und Teuscherey/ da- mit sie uns erschleichen zu verfuͤhren. Wie nun GOtt solche muthwillige/ kindische Unwissenheit mit ewiger Finsternuͤß dreuet zu straffen/ also will er im gegentheil die heilige und sehnliche Lehr-Begierde auß Gnaden belohnen/ hie mit Wachsthum seiner Gnade und Erkant- nuͤß/ nach seiner Verheissung. Marc. IV, 25. Wer da hat/ dem wird gegeben werden/ und wer nicht hat/ von dem wird man neh- men auch das er hat. Wann Christus Parablen erklaͤrt/ gefiel es ihm wol/ wann die Zuhoͤrer die Außlegung gern hoͤrten. Darum redet er auch seine fleissige und lehrbegierige Schuͤler an mit denen Worten. Matth. XIII, 11. Euch ist gegeben/ daß ihr das Geheimnuͤß des Himmelreichs vernehmet/ diesen aber ists nicht gegeben/ denn wer da hat/ dem wird gegeben/ daß er die fuͤlle habe/ wer aber nicht hat/ von dem wird auch genommen/ das er hat. Darum rede ich zu ihnen durch Gleichnuͤsse. Dann mit sehenden Au- gen sehen sie nicht/ und mit hoͤrenden Ohren hoͤren sie nicht/ dann sie verstehen es nicht/ und uͤber ihnen wird die Weissag- ung Esai æ erfuͤllt/ die da sagt: Mit den Ohren werdet ihrs hoͤren/ und werdet es nicht verstehen/ und mit sehenden Au- gen werdet ihrs sehen und werdet es nicht vernehmen/ denn dieses Volcks Hertz ist verstockt/ und ihre Ohren hoͤren uͤbel/ und Predigt. und ihre Augen schlummern/ auff daß sie nicht dermaleins mit den Augen sehen und mit den Ohren hoͤren/ und mit dem Hertzen verstehen/ und sich bekehren/ daß ich ihnen huͤlffe. Aber selig sind eure Augen daß sie sehen/ und eure Ohren daß sie hoͤren. Mit welchen Worten Christi wir wollen beschliessen/ und wuͤnschen daß GOTT wolle ein hellen schein in unser Hertz geben/ daß in uns entstuͤnde die Erleuchtung von der Erkantnuͤß der Klarheit Go ttes in dem Angesichte JEsu Christi/ hie anfangs weiß in der dunckeln Glaubens-Schau/ dort vollkommen mit auffgedecktem Angesicht immer und ewiglich/ AMEN. Die Andere Predigt/ Von Der Beschreibung der H. Evangelisten/ und dero einhelligem Mund. G Eliebte in Christo. Es haben die Alten ihren Gastreyen und Mahlzeiten/ als welche Θεὸς φιλάνθρωπος uns wol goͤnnen mag/ viel und unterschiedliche Namen nach unterscheid der absehen gegeben. Als 1. die Syssitia, da man die haͤflein zusammen getragen und gleichsam Ge- sellschafften gemacht/ wie bey den Lacedæmoniern nach Lycurgi Policey-Ordnung uͤblich gewesen. Und hieher gehoͤren die vid. Plu- tarch. in Lycurg. \& Stuk. de Conviv. p. 108, 113. Agapæ bey den ersten Christen. Act. II, 46. Sie waren taͤglich und staͤts bey einander einmuͤthig im Tempel/ und brachen das Brod hin und her in den Haͤusern. Nahmen die Speisen/ und lobten GOTT mit Freuden und einfaͤltigem Hertzen. 2. Charistia, die Affections- Mahlzeiten/ wann gute Bluts- und Muths- Freunde zusammen kommen/ theils Freundschafft zu erhalten/ theils/ T ij wann Die Ander wann unter ihnen differentien gegeben/ dieselbe guͤtlich beyzulegen. Al- lermassen wie die Soͤhne Jobs solche Mahlzeit gehalten/ Job. I, 4. Joseph auff solche weiß seine Bruͤder gastirt. Gen. 43. Fuit sanè convivii quoddam genus, quod Græci vocavere charistia, cui illi tantùm accumbebant, quos conjungeret sanguinis generisque communio, ubi laudabant concordes animos, \& malè illis precabantur, qui vinculum à natura constrictum seditione atque odio, naturâ ipsâ repugnante, dissol- verent. De quo Charistico, \& propè dixerim Eucharistico convivio egit Valerius Max. l. 2. c. 1. Convivium, inquit, solemne majores institue- runt, idque charistia appellaverunt, cui præter cognatos \& affines nemo interponebatur: ut si qua inter necessarios querela esset otta, apud sacra mensæ \& inter hilaritatem animorum fautoribus concordiæ adhibitis tol- leretur, Hæc eadem pluribus Ovidius l. 2 Fastor. Proxima cognati dixere charistia chari Et venit ad socios turba propinqua Deos. Scilicet a tumulis, \& qui periere propinquis, Protinus ad vivos ora referre juvat: Post q tot amissos quidquid de sanguine restat Aspicere, \& generis dinumerare gradus. Innocui veniaut, procul hinc procul impius esto Frater, \& in partus mater acerba suos. Tantalidæ fratres absint, \& Jasonis uxor; Et qui ruricolis semina tosta dedit. Hoc credo consilio Job filii non invito, imò ut opinor, autore \& hortatore parente communia hæc quotidiana iniere convivia, ut amorem, quem insevit fanguinis communio, consuetudo aleret, atque perficeret. Hæc Sanct. ad Job. 1. p. 23. Dahin auch gehoͤren die Freuden- und Fest-Mahlzeiten/ Kindschencken und Hochzeitmahl/ wie Abraham ein Mahl zugerichtet/ als Jsaac ent- wehnt worden/ Gen. XXI, 8. und Ahasveros als er Hochzeit gemacht/ Esth. 2. 3. Fœderalia, Bunds-Mahlzeiten/ wie dergleichen Jsaac dem Abimelech zugerichtet. Gen. XXIV, 28. Es soll ein Bund sein zwischen uns und dir/ und wollen einen Bund mit dir ma- chen/ daß du uns keinen Schaden thust/ gleichwie wir dich nicht angetastet haben/ \&c. Da macht er ihnen ein Mahl und sie assen und truncken/ Confer. 2. Sam. III, 20. 4. Exequialia die Leibfaͤlle/ wie dergleichen David dem Abner gehalten. 2. Sam. III, 35. Syrach siehet auch auff solche Gewonheit. Syr. XXX, 18. Es est eben als Predigt. als ein gut Gericht fuͤr einem Maul/ das nicht essen kan/ und wie die Speise/ so man bey eines Todten Grabe setzt. Arche- laus, nachdem er sieben Tag mit seines Vaters Klag zugebracht/ hat er dem Volck eine koͤstliche Mahlzeit bey der Leich gehalten/ wie denn bey den Juden der Brauch ist/ und viel dadurch zu armen Tagen kommen/ und wer solches unterließ/ der wurde fuͤr einen Gottlosen Menschen ge- halten/ wie Josephus bezeuget. l. 2. bell. Jud. c. 1. 5. Sacra \& sacrifi- cialia, die heilige Opffer-Mahl/ ins gemein/ wann ihre Opffer verrichtet. Lev. VI, 26. Der Priester der das Suͤnd-Opffer thut/ solls essen an heiliger Staͤtt/ im Vorhoff der Huͤtten des Stiffts. Und v. 16. und das uͤbrige (des Speiß-Opffers) sollen Aaron und seine Soͤhne verzehren/ und sollens ungesaͤuert essen an heiliger Staͤtte/ im Vorhoff der Huͤtten des Stiffts. Jn- sonderheit auff ihre Feste/ und das Fest der Wochen. Deut. XVI, 10. 11. Und solt halten das Fest der Wochen dem HERRN deinem GOTT/ daß du eine freywillige Gabe deiner Haͤnde gebest/ nach dem dich der HErꝛ dein Gott gesegnet hat/ und solt froͤ- lich seyn fuͤr Gott deinem HErꝛn/ du und dein Sohn/ deine Tochter/ dein Knecht/ dein Magd und der Levit/ der in dei- nem Thor ist/ der Fremdling/ der Waͤyse/ und die Witwen/ die unter dir sind/ an der Staͤtte/ die der HErꝛ dein GOtt er- wehlet hat/ daß sein Name da wohne. Das Osterfest. Exod. 12. Das Fest der Lauberhuͤtten. Lev. XXIII, 34. Deut. XVI, 13. Das Fest der Lauberhuͤtten soltu halten sieben Tage/ wann du hast eingesamlet von deiner Tennen und von deiner Kelter/ und solt froͤlich seyn auff dein Fest/ du und dein Sohn/ \&c. Die Kirchweyhe. 1. Reg. IIX, 65. Das Fest Purim/ das geschach am dreyzehenden Tage des Monden Adar/ und ruheten am vierzehenden Tage desselben Monden: (Jst eben unser Faß- nacht/ dann der Monden Adar ist bey uns der Februarius ) den macht man zum Tage des Wollebens und Freuden. Esth. IX, 17. Alle diese Namen moͤgen wol dem Abendmahl Christi gegeben werden/ als in welchem alle diese scopi zusammen fliessen. Es ist dasselbe das rechte συσσίτιον und κοινόβιον, sumit unus, sumunt mille, tantum iste quantum ille, wir werden alle eines Brods theilhafftig/ und trincken alle T iij auß Die Ander auß einem Kelch/ hie ist keine prosopolepsia unter Reichen und Ar- men/ das rechte Charisticum ja Eucharisticum convivium, da uns unser Bruder und Jmmanuel als seine Bruͤder/ consanguineos und Bluts-Freunde speisset und traͤncket zu Vergebung der Suͤnden/ das rechte fœderale, durch welches der Gnadenbund des Neuen Testaments bestaͤtiget wird. Die Opffer-Mahlzeit/ da der Leib so am Stamm des Creutzes auffgeopffert/ und das Blut so auß seinen Wunden roth her- auß geflossen/ uns gedeyet zur Speiß und Tranck. Das rechte Epulum paschale und Ostermahl. Hie ist das rechte Oster-Lamm/ in heisser Lieb gebraten. Die primitiæ pentecostales, da wir die Erstlinge des Gei- stes empfangen/ und den Vorschmack des ewigen Lebens. Die Lau- berhuͤtten/ daher JEsus am letzten Tage des Festes/ der am herꝛlichsten war/ auffgetretten/ geruffen und gesprochen: Wen da duͤrstet/ der komme zu mir und trincke/ wer an mich glaubet wie die Schrifft saget/ von des Leibe werden Strome des lebendigen Wassers fliessen. Joh. VII, 38. Die Kirchweyhe und Purim, das Neue Jahr der angenehmen Zeit: Sehet jetzt ist die angenehme Zeit/ jetzt ist der Tag des Heils. 2. Cor. VI, 2. Wie nun das beste bey Mahlzei- ten ist das Gespraͤch/ ohn welches sie vielmehr visceratio bestiarum quàm convivium, die Tischreden seind das beste Gewuͤrtz/ massen die Alten bey ihren Mahlzeiten mit holdseligen Gespraͤchen einander auffge- muntert/ und Raͤtzeln proponirt. Judic. 15. Aul. Gell. l. 13. c. 11. Welche Gespraͤch hernach auffgezeichnet worden/ durch gewisse warhaffte Personen. Und eben solche Tischreden bey dem letzten Valet Christi seind auch von den H. Evangelisten und St. Paulo auffgezeichnet und fleissig protocollirt worden/ sampt den Vor- und Nachgespraͤch/ bey wel- chem Umstand wir zu bedencken. 1. Notariorum designationem. 2. Historiæ harmoniam. 3. Verborum proprietatem \& sensum. 4. Rerum ordinem. Von den 2. ersten Umstaͤnden wollen wir fuͤr die- ses mahl mit einander reden und handlen. GOtt gebe dazu seine Gnad und H. Geist/ Amen. G Eliebte in Christo. So ist nun 1. unter die Notarios und Referenten der Histori von der Einsetzung und wesen des Sacraments zu zehlen nicht Johannes der Schooß-Juͤnger Christi/ dann ob er zwar dem Actui selbst beygewohnt/ so hat er doch die Feder nicht angesetzt/ sondern nur die παραλειπόμενα auffgezeichnet/ und eben Predigt. eben mit seinem stillschweigen der uͤbrigen Erzehlung bestaͤttiget. Wel- ches dann gleich anfangs zumercken/ theils wieder die Paͤbstler/ welcher Mund Bellarminus, l. 1. de Euchar. c. 5. schreibt: Catholici ferè omnes intelligi volunt hujus capitis verba de Sacramento ipso Eucharistiæ, sive de sacramentali manducatione corporis Domini in Eucharistia. Die Paͤbstische Lehrer fast alle ins gemein wollen die Wort dieses Capitels verstanden haben vom Sacrament des Abendmahls selbst/ oder von der Sacramentlichen Niessung des Lelbs Christi im H. Abendmahl. Die Reformirten ob sie zwar nicht alle dafuͤr halten/ daß Chamier. pag. 292. von dem Sacrament des H. Abendmahls gehandelt werde/ so halten sie doch das 6. Capitel Johannis fuͤr einen solchen Ort/ da von der geist- lichen Niessung gehandelt werde/ und wann hernach die aͤusserliche symbola und Zeichen darzu kommen/ so werde ein Sacrament darauß. Calvinus in seinem Commentario uͤber diesen Ort/ nennet das H. Abendmahl sigillum hujus concionis ein Siegel dieser Predigt/ Oeco- lampadius nennet das 6. Capitel Johannis ferreum atque aheneum murum, eine eisserne und ehrine Maur/ und haltens fuͤr einen Com- mentarium, wie nemlich das essen Matth. 26. muͤsse verstanden werden/ nemlich nicht Mund-Sacramentlich/ sondern Geist-Sacramentlich/ und weilen dasselbe nirgend besser beschrieben werde/ auch das Caper- naitische/ oder jetzige Ubiquiti stische Essen und Trincken nirgend besser wiederleget worden sey/ als in diesem Ort/ so gruͤnden sie sich gewaltig drauff/ wann sie das geistliche Essen und Trincken des Leibs und Bluts Christi verthaͤdigen/ oder das muͤndliche wiederlegen wollen. Wird aber leichtlich wiederleget/ dann das Essen und Trincken beym Matthæo, wie es der HERR allererst in der letzten Nacht/ da er verrathen wor- den/ eingesetzt/ also hat der HERR auch dazumal allererst solches er- fordert/ das Essen und Trincken aber bey Johanne schon laͤngst zuvor/ das Essen und Trincken bey Joh. geschicht ohne Brod und Wein. Mat- thæus redet von einem solchen Essen und Trincken/ so geschicht vermit- telst des natuͤrlichen Brods und Weins: dann der gesegnete Kelch/ den wir segnen/ ist die Gemeinschafft des Bluts Christi/ und das Brod das wir brechen/ die Gemeinschafft des Leibs Christi. 1. Cor. X, 16. Was nun Christus in der Einsetzung des H. Abendmals Matth. XXVI, 26. 27. uns vereinigt und nicht getrennet zu essen und zu trincken ein gesetzt und anbefohlen/ das hat er Joh. 6. nicht getrennet. Nun hat er in der Einsetzung des H. Abendmahls seinen Leib Die Ander Leib und Blut nicht zertreñlich und absonderlich/ sondern mit Brod und Wein zu essen und zu trincken uns eingesetzt und anbefohlen/ und also nicht ein blosses und unmittelbares/ sondern ein mittelbares Essen und Trincken seines Leibs und Bluts angeordnet/ darum hat er es zuvor Jo- han. 6. nicht getrennet. Er haͤtte es aber getrennet/ wann er allda geleh- ret haͤtte/ daß wir Christen seinen Leib und Blut nicht mit den gesegne- ten und außgetheilten Elementen/ Brod und Wein vereinigt/ sondern nur bloß durch den Glauben essen und trincken solten. Jn der Sacra- mentlichen Niessung Matthæi, wird der Leib Christi allein unter dem Brod/ und das Blut allein mit dem Wein empfangen hier aber in der geistlichen Niessung der gantze Christus in seiner gantzen Person/ Fleisch und Blut/ Leib und Seel/ mit aller fuͤlle der Goͤttlichen Gnaden/ Bus- sen/ meri ten und Verdiensten/ und mit allen seinen Gutthaten: Wer mich isset/ sagt Christus v. 57. derselbige wird leben um meinet willen. Jene geschicht mit dem Mund des Leibs durch eigentlich/ un- verbluͤmtes essen und trincken/ also daß das Essen vom Trincken/ und das Trincken vom Essen unterscheiden/ der Leib wird uns unter dem Brod hier nicht zu trincken/ und das Blut unter dem Wein nicht zu essen dargereicht. Diese aber geschicht mit dem Mund des Glaubens/ durch verbluͤmtes essen und trincken/ also daß das Essen warhafftig und in der That vom Trincken nicht unterschieden/ gleichwie auch hungern und duͤrsten nicht zweyerley/ also auch essen und trincken nicht. Ein Glaub wird unter zwey Bildern des essens und trinckens/ so doch einerley bedeu- ten/ abgemahlt. Jene kan geschehen zum Tod und Verdamnuͤß/ dann wer unwuͤrdig isset und trincket/ der isset und trincket ihm das Gericht/ damit daß er nicht unterscheidet den Leib des HErꝛn. 1. Cor. XI 29. Diese allezeit zum Leben. Das ist das Brod/ das vom Himmel kommt/ auff daß/ wer davon isset/ nicht sterbe. Jch bin das lebendige Brod vom Himmel kommen/ wer von diesem Brod essen wird/ der wird leben in Ewigkeit/ und das Brod/ das ich ihm geben werde ist mein Fleisch/ welches ich geben werde fuͤr das Leben der Welt. Joh. VI, 50. 51. Wer mein Fleisch isset und mein Blut trincket/ der hat das ewige Leben/ und ich werde ihn aufferwecken am Juͤngsten Tage. v. 54. Wie mich gesand hat der lebendige Vater/ und ich lebe um des Vaters willen/ also wer mich isset/ der wird auch le- ben Predigt. ben um meinet willen/ diß ist das Brod das vom Himmel kommen ist/ nicht wie euere Vaͤtter haben Manna gessen und sind gestorben/ wer das Brod isset/ der wird leben in Ewig- keit. ꝟ. 57. 58. Jene ist absolutè und schlechter dings nicht noͤthig/ dann da heißts zu weilen: Crede \& manducasti; diese aber schlechter dings/ auch den kleinen Kindern. Warlich warlich/ ich sage euch/ werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschen Sohns und trincken sein Blut/ so habt ihr kein Leben in euch. Joh. VI, 53. und hindert gar nicht das Zeugnuͤß der alten Kirchenlehrer/ von welchen die so genannten Reformirten schreiben/ daß sie es dafuͤr gehal- ten haben/ es habe Johannes die Einsetzung des heiligen Abendmals in der Beschreibung der Passion darum außgelassen/ dieweil er im 6. Ca- pitul dieses Geheimnuͤß allbereit herꝛlich erklaͤret. Aber gesetzt/ es haͤt- ten alle Patres das sechste Capitul St. Johannis vom Mund-Sacra- mentlichen Essen und Trincken verstanden/ so folgte doch darauß noch nicht/ daß im besagten Capitul von demselben warhafftig gehandelt wor- den seye/ dann Menschen Zeugnuͤß kan irren und irret offt/ es bindet uns auch in Glaubens-Sachen nicht. Wie Dan. Chamier. Tom. 4. Panstrat. l. 11. c. 4. §. 41. selbst bekennet. Es ist aber nicht wahr/ daß alle und jede Patres das 6. Capitul Johannis vom Mund-Sacrament- lichen Essen und Trincken solten verstanden und außgelegt haben/ mas- sen etliche außtrucklich schreiben/ daß Christi Leib essen und sein Blut trincken heisse/ Joh. 6. Cap. so viel/ als an Christum glauben. Sie erkennen auch/ das nach der Lehr St. Pauli 1. Cor. 11. etliche Chri- sten im heiligen Abendmal den Leib und Blut Christi zum Gericht em- pfangen. Zu dem die Patres welche diß 6. Capitul Johannis vom hei- ligen Abendmal verstanden und erklaͤret/ haben nicht gelaͤugnet/ daß wir im heiligen Abendmal den Leib und das Blut Christi/ vermittelst Brods und Weins Mund-Sacramentlich im Goͤttlichen Geheimnuͤß em- pfangen. Was Augustinum anlangt/ der spricht zwar Tom. 4. l. 3. de consensu Evang. c. 1. Johannes de corpore \& sanguine Domini hoc loco nihil dixit, sed planè alibi multò uberius hinc Dominum lo- cutum esse testatur. Das ist: Johannes hat von dem Leibe und Blut Christi an diesem Ort nichts geredet/ sondern bezeuget klaͤrlichen/ daß der HErꝛ anderswo hievon geredet habe; Aber er lehret nicht/ daß Joh 6. Cap. das Essen und Trincken des Leibs und Bluts Christi eben so viel heisse/ als vermittelst des gesegneten Neunter Theil. V Brods Die Ander Brods und Weins/ Christi Leib und Blut muͤndlich essen und trincken/ welches Mund-Sacramentliche Essen und Trincken des Leibs und Bluts Christi Augustinus erkennet/ daß es Matth. 26. eingesetzet seye. Sondern schreibet vielmehr Tom. 9. Tract. 26. in Joh. Credere in eum, hoc est manducare panem vivum. Qui credit in eum, manducat. Das ist: An ihn glauben/ ist das lebendige Brod essen/ wer an ihn glaubet/ der isset. Und Tom. 3. lib. 3. de doctr. Christ. c. 16. lehret er/ daß der Spruch Christi Joh. VI, 53. Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschen Sohns und trincken sein Blut/ so habt ihr kein Leben in euch/ sey eine figuͤrliche Rede/ præcipiens, passioni Domini esse communicandum, \& suaviter atque utiliter re- condendum in memoria, quod pro nobis caro ejus crucifixa \& vul- nerata sit. Das ist: Dadurch uns anbefohlen werde/ daß wir des Leidens Christi theilhafftig gemacht/ (durch den Glauben) und lieblich auch nutzlich im frischen Andencken behalten sol- ten/ daß sein Leib fuͤr uns gecreutziget und verwundet wor- den seye. Sie beruffen sich zwar auch auff das Zeugnuͤß Lutheri, und nah- mentlich auff die Außlegung der Epistel am Sonntag Septuagesimæ, und schreiben/ wiewol D. Luther in der grossen Bekanntnuͤß disputi re/ daß der Spruch Joh. VI, 63. vom Fleisch Christi nicht handele/ so wi- derspreche er ihm doch selber in gedachter Außlegung. Antwort. D. Lu- therus widerspricht ihm gantz nicht; in der beruͤhrten Außlegung der Epistel spricht er also: Essen und trincken geistlich ist nichts an- ders dann glauben an GOttes Wort und Zeichen/ wie auch Christus Joh. 6. sagt: Wer mein Fleisch isset/ und trincket mein Blut/ der bleibet in mir und ich in ihm. Jtem/ mein Fleisch ist eine rechte Speise/ und mein Blut ist ein rechter Tranck/ das ist/ wer an mich glaubet/ der wird leben: Jtem/ darum ists allenthalben einerley Speise und Tranck geistlich/ worin GOtt sein Wort und Zeichen haͤlt/ es sey wie aͤusser- lich und leiblich es wolle/ und wann er mich hiesse einen Stro- halmen auffheben/ so waͤre alsbald an dem Strohalmen geist- liche Speise und Tranck/ nicht um des Strohalms willen/ sondern um des Worts und Zeichens willen Goͤttlicher War- heit Predigt. heit und Gegenwaͤrtigkeit. Wiederum/ wann GOttes Wort und Zeichen nicht da ist/ oder nicht erkennet wird/ so hilffts nicht/ wann GOtt gleich selbst da waͤre/ gleichwie Christus von sich selbst sagt/ Joh. 6. Das Fleisch sey kein nutz/ weil sie nicht auff die Wort achten/ die er von seinem Fleisch redet/ welche Wort machen seinen Leib zu einer rech- ten Speise/ da er spricht: Er seye das lebendige Brod vom Himmel. Also muß man nicht so fast achten auff die Werck/ Zeichen und Wunder GOttes/ als auff die Wort GOttes in denselbigen/ wie der Glaube thut. Jn diesen Worten bejahet D. Luther nicht/ daß Christus Joh. 6. von seinem selbst eigenen Fleisch/ an und fuͤr sich selbst betrachtet rede/ oder das Sacrament-Muͤndliche Essen und Trincken seines Leibs und Bluts verwerffe/ sondern lehret/ daß er auch mit denselbigen Worten der irrenden Menschen Einbil- dungen und Jrꝛhum von seinem Fleisch straffe/ und anzeige/ daß sein Fleisch nicht fleischlich und nach des Fleisches Sinn ergruͤndet und be- hertziget/ sondern Geistlich/ nach des Heiligen Geistes Wort gerechnet und mit Glauben gefasset werde. Also muß auch der Articul von der Mund-Sacramentlichen Niessung des Leibs und Bluts Christi/ ver- mittels der leiblichen Elementen Brods und Weins nicht fleischlich/ sondern geistlich/ nicht nach des Fleisches und der Vernunfft Grillen und Glossen/ sondern nach dem Wort GOttes verstanden werden. Summa der Verstand aller Glaubens-Artickel ist geistlich und nicht fleischlich/ aber die objecta articulorum fidei, die Ding selbst/ davon die Glaubens-Artickel handeln/ sind nicht allezeit geistliche/ sondern leibliche Dinge/ deren Verstand doch nicht mit des Glaubens Sinn zubegreiffen/ sondern geistlich nach GOttes Wort zu richten/ und mit dem glaubigen Hertzen zu fassen ist. Was nun Lutherus allhie lehret/ dem wider- spricht er in seiner grossen Bekantnuͤß nicht/ sondern er lehret eben das- selbe/ ja er widerlegt die ihm vorgeworffene Contradiction und spricht Tom. 3. Jen. p. 465. Drey grosse Untugenden leget mir der Geist auff uͤber diesen Worten (Fleisch ist keinnuͤtze) da lasset uns hoͤren und sehen/ wie der zornige Teuffel so gifftige Lugen durch seine verblendete/ elende Schwermer dichtet/ die erste ist/ daß ich soll wider mich selbst seyn/ weil ich hin und wieder gelehret habe/ daß Christus Leib leiblich essen kein nutz sey/ und allhie dawider lehre/ daß Christus Fleisch essen sey nutze. V ij Mein Die Ander Mein Buͤchlein seind am Tage. Dadurch man diesen Lugen- Geist wol kan uͤberzeugen/ daß er an mir handelt/ wie einem solchen Schuͤler wol geziemet/ lieber was hilffts/ wann ich ewiglich wider diesen Geist schreibe/ weil er deß sich fleissigt/ daß er mit offentlichen unverschamten Lugen handelt. Laß den Teuffel fahren. Jch habe also gelehret und lehre noch also/ daß Christus Fleisch nicht allein kein nutz/ sondern auch Gifft und der Tod seye/ so es ohne Glauben und Wort wird gegessen. Aber wiederum ist Christus Fleisch essen/ selig/ noͤ- thig und nutz/ wo es samt dem Glauben und Wort leiblich gessen wird. Jedoch so bleibt das 6. Capitul Joh. eine Außlegung/ nicht aber des Wesens des Sacraments/ sondern dessen Frucht und Nutzens. Sondern die rechten Referen ten sind Matthæus c. 26. ἀυτόϖτης καὶ ἀυτήκοος, der es selbst gesehen und gehoͤrt/ non minima pars convivii. Nicht die geringste Person bey diesem Gastmahl. Marcus der es von Petro gehoͤrt/ Petro narrante \& Marco scribente Evangelium compo- situm est. ait Hieron. ep. 150. ad Hedib. q. 11. Rogatus Romæ fratri- bus breve Evangelium scripsit, juxtà quod audiverat à Petro, quod Petrus approbavit, \& Ecclesiæ legendum suâ autoritate edidit. Clem. Alex. l. 6. hypotypos. Massen er von Petro selbst canonisi ret worden. 1. Petr. V. 13. Es gruͤssen euch die sampt euch außerwehlet sind zu Babylonia/ und mein Sohn Marcus. Was nun diese bey- de geschrieben/ das hat Paulus confirm irt/ deme es der Herr selbst/ sitzend zur Rechten GOttes dict irt. 1. Cor. 11. Was Paulus vom Herrn empfangen/ das hat er Lucæ seinem amanuensi und Geferten dict irt/ wie bey Irenæo l. 3. 14. zu lesen/ welches nicht nur erhellet ex Identitate phrasium \& verborum, auß Gleichheit der Wort und Re- dens-Arten sondern auch auß seinem eigenen suffragio, als der in proæ- mio seines Evangelij schreibt/ das was er gehoͤrt ab ἀυτόϖταις καὶ ὑϖηρέταις, von denen die er selbst gesehen und welche Diener des Worts gewesen seind/ das wolle er ἀκρι ῶς mit Fleiß ordentlich schreiben. Luc. I, 3. und dessen Evangelium hat hernach Paulus sein Evangelium genennet. Rom. II, 16. Auff den Tag/ da GOtt das Verborgen der Menschen durch JEsum Christ richten wird/ laut meines Evangelij. 2. Tim. II, 8. Halt im Gedaͤchtnuͤß JEsum/ der von den Todten aufferstanden ist/ auß dem Saamen Davids nach Predigt. nach meinem Evangelio. Das ist also die herꝛliche quadriga te- stium, zween ἁυτήκοοι, und zween Nachschreiber. II. Harmonia verborum. Die Gleichheit der Wort/ damit aber niemand in die Gedancken gerathe/ als waͤre ihrem Zeugnuͤß um so viel desto weniger zu deferi ren/ dieweil sie nicht durch und durch mit einander uͤberein stimmen/ wie derjenige/ der die Wort der Einsetzung in der Har- moni lißt/ bekennen muß/ so soll E. Lieb wissen/ daß eben dannenhero um so viel mehr ihr Zeugnuͤß gewisser. Si ex toto inque omnibus consona- rent Evangelistæ, nemo inimicus credidisset unquam, quin illi com- muni ad decipiendum consilio congregati Evangelium condidissent, nunc verò, quæ videtur in rebus exiguis dissonantia, ab omni illos suspicione tuetur. Chrysost. Comment. in Matth. Wann die heili- gen Evangelisten durchauß und in allen Worten mit einander uͤberein stimmeten/ so haͤtte keiner von den Widersachern je- maln geglaubt/ daß sie nicht mit zusammen gesetztem Rath/ die Leute hinter das Liecht zu fuͤhren ein Evangelium verferti- get/ nun sie aber in etlichen geringen Stucken einander entge- gen zu sein scheinen/ seind sie dadurch von allem boͤsen Arg- wohn befreyet. Sintemal sie einander in der Sach selbst nicht zu wider/ sondern nur was die Ordnung der Wort anlangt. Als daß Matthæus und Marcus Christi protestation, Jch werde von nun an von dem Gewaͤchs des Weinstocks nicht mehr trincken/ biß an den Tag/ da ichs neu trincken werde mit euch in meines Vaters Reich/ nachgesetzt/ welche Lucas vorgesetzt/ anzuzeigen daß Christus diese Wort zweymal gebraucht/ einmal von dem Kelch beym Osterlamm/ nach der relation Lucæ, andermals wiederum beym Sa- cramentlichen Kelch des heiligen Abendmals/ nach Beschreibung Mat- thæi und Marci. Marcus hat die Wort darzwischen gesetzt/ und sie truncken alle darauß. cap. XIV, 23. welche Matthæus außgelassen. Matthæus setzt voculam ratiocinativam γδ dazu/ Trincket alle darauß/ dann das ist mein Blut des Neuen Testaments/ so Marcus nicht dar- zu gesetzt/ und hat sonderlich Matthæus auff den Wein gedentet/ ἐκ τουτου του̃ γεννήματος τῆς ἀμπέλου. Von diesem Gewaͤchs des Weinstocks/ dar- auß zuerweisen/ daß es warhafftig Wein gewesen. Lucas lasset diese Wort auß: Nehmet hin/ esset/ trincket. Paulus und Marcus; Nehmet hin und trincket. Dessen Mangel/ und zwar was das Wort Esset anlangt/ Matthæus und Marcus mit St. Paulo/ des Worts V iij Trincket Die Ander Trincket aber Matthæus ersetzet. Matthæus und Marcus sprechen die substantial- Wort Christi also auß. Das ist mein Leib/ das ist mein Blut des Neuen Testaments/ welches vergossen wird fuͤr viel. Lucas aber hat sie also stylisi rt: Das ist mein Leib/ der fuͤr euch ge- geben wird. Paulus/ das ist mein Leib/ der fuͤr euch gebrochen wird. Wie Lucas das Wort/ solches thut/ dem Brod nachgesetzt/ also Paulus dem Kelch/ damit solcher Befehl nicht auff eine Gestalt re- stringi ret wuͤrde/ Lucas; Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut/ das fuͤr euch vergossen wird/ Paulus allein/ Die- ser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut. Marcus laͤßt causam finalem gar auß/ aber Matthæus setzt dazu/ zu Verge- bung der Suͤnden. Lucas, solches thut zu meiner Gedaͤchtnuͤß/ Paulus setzt darzu: So offt ihr von diesem Brod esset/ und von diesem Kelch trincket/ solt ihr des HErꝛn Tod verkuͤndigen/ biß daß er kom̃t. Fragt sich hie nicht unbequem/ dieweil gleichwol die Wort unterschiedlich lauten/ welches eigentiich Christi Wort gewesen seyen? Antwort: ligt nicht viel daran/ wann wir nur der Wort Ver- stand haben. Aber gleichwol ist vermuthlich/ die Wort Matthæi und Marci seyen die eigentliche/ dieweil jener ἀυτήκοος, und die Wort selbst gehoͤrt/ dieser αύτηκόου, auditor. Aber Pauli und Lucæ Wort seind gleichsam der Commentarius, da Gott sitzend zur Rechten des Vaters erklaͤrt/ wie er seine Wort/ die er im Saal gesprochen/ verstanden wolt haben. Alle haben die Wort Christi erzehlt/ jene so fern er in dem Saal am Tisch gesessen/ diese so fern Christus sitzet auff dem Stul und Thron seiner Majestaͤt. Wann dann in einer Schul der Discipul ihm zuvorderst laͤßt ange- legen seyn die Buͤcher und Autores die er lesen muß. Fragt sich dann auch/ welches die Autores in dieser Schul? Antwort: Nicht Libri Lom- bardi, der seinen Zanck-Apffel in die Kirche geworffen An. 1170. so dariñen geblieben biß auff das Concil. Lateranense An. 1215. unter Innocent. III. auch nit des Berengarii Vernunffts-Grillen/ dieser war Priester zu Tu- ron/ so flor irt ohngefehr An 1035. und hat von den klaren/ ein faͤltigen Te- staments-Worten des H. Abendmals einen Absprung gethan/ dieselbe verkuͤnstelt/ und von ihrem eigentlichen/ unverbluͤmten/ richtigen Ver- stand verdraͤhet/ fuͤrgebend es sey der Leib und Blut Christi im Brod und Wein nicht wesentlich/ sondern nur Sacramentlich/ figuͤrlich/ Zeichens- weiß zugegen/ allermassen wie auß seinem Wider-Ruff den er gethan/ so in geistlichen Rechten auffgezeichnet/ gnugsam erhellet/ auch nicht Dist. Predigt. Dist. 2. de Consecrar. Can. 42. p. 1177. Ego Berengarius, indignus sancti Mau- ritii Andegavensis Ecclesiæ Diaconus cognoscens veram, Catholicam \& Apostolicam fidem, anathematizo omnem hæresin, præcipuè eam de quâ hactenus infamatus sum: quæ astruere conatur panem \& vinum quæ in al- tari ponuntur, post consecrationem solummodò sacramentum \& non ve- rum corpus \& sanguinem Domini nostri JEsu Christi esse, nec posse sensuali- ter, nisi in solo sacramento, nisi in manibus sacerdotum tractari vel frangi, aut fidelium dentibus atteri. Auß Carlstads Schwarm/ den er Anno 1521. außgebruͤtet/ dann als er die Bilder gestuͤrmet/ und dem wiedertaͤufferischen Geist auff die Bein geholffen/ Lutherus ihm aber widersprochen und das obstat gehalten/ hat er hernach auß hitzigem/ vergaͤlltem Gemuͤth die Lehr vom H. Abend- mal arrod irt und angegriffen/ und Luthero widersprochen/ auß wel- chem hernach der Sacraments-Streit erwachsen/ so auff den heutigen Tag noch waͤhret. Carolstadius primùm excitavit hunc tumultum tantùm odio Lutheri. Philipp. Melanchton. in præfat. libelli de con- sensu veterum de Cœna Domini. Auch nicht der Traum Zvvinglii, darinnen ihme ein Mann vorkommen/ der ihme zum Beweiß seiner Meynung den Ort Exod. 12. beygebracht/ ob aber dieser Mann weiß oder schwartz gewesen/ weiß er/ laut seiner eigenen Außsag/ nicht. Narrat igitur Zwinglius (verba sunt Riveti in Gen. p. 604) se cùm Tiguri age- ret duodecimo Aprilis, ut missa prorsus aboleretur, fuisse à quodam scriba objectum, omnia exempla, quæ attulerat anteà, ut probaret, est pro signifi- cat accipi, fuisse parabolica, nullum autem fuisse adductum, in quo simplex tantùm inesset tropus, qualem in verbis Cœnæ Dominicæ fingebat; re- spondisse quidem quod res erat, in explicatione parabolæ, cum Christus di- xit: Semen est verbum DEI, inesse simplicem tropum, in quo est manifestè pro significat, acciperetur, \& huic responso omnes ita acquievisse, ut secu- tum fuerit decretum de abroganda missa: addit nihilominùs: restabat ad- huc minimus conatus, quo sc. exempla produceremus, quæ nulla cum para- bola con juncta forent: cœpimus ergò cogitare omnia, omnia revolvere, at- tamen nihil aliud exemplorum occurrebat, quàm quod in Commentario proditum, aut quod occurrebat, erat eorum simile. Cum verò tredecima dies appeteret, vera narro, adeoque vera ut celare volentem, conscientia co- gat effundere, quod Dominus impertiit, non ignorans, quantis me contu- meliis risibusque exponam. Cum, inquam, tredecima Aprilis lux adpete- ret, visus sum mihi in somno, multo cum tædio denuò contendere cum ad- versario scriba, sicque obmutuisse, ut quod verum scirem, negante lingua be- neficium suum, proloqui non possem, qui me angor, ut solent nonnunquam somnia fallaci ludere nocte, (nihil enim aliud, quàm somnium narramus, quod ad nos attinet: tametsi leve non sit, quod per somnium didicimus, gratia DEO, in cujus solius gloriam ista prodimus) vehementer turbare videbatur. Ibi ἀπὸ μηχανῆς visus est monitor adesse (ater fuit an albus, nihil memini, somninm enim narro) qui diceret, quin ignavè respondes ei, quod Die Ander quod Exod. 12. scribitur. Est enim Phase, h. e. transitus Domini? protinus ut hoe phasma visum est; simul expergefio, \& è lecto exilio, locum apud LXX, primum undique circumspicio, ac de eo coram tota concione pro vi- rili dissero. Rivetus und Crocius weisen uns zwar in Ciceronis Schul/ bey welchem diese phrasis, ater an albus fuerit, wil beschreiben/ einen der einem von Haut und Haar unbekant ist: deßgleichen es seye nur ein Traum/ dann es bleibt dabey/ daß Zvvinglius auß diesem Traum die Wort der Ein- setzung erklaͤrt/ welcher gar sehr suspect, dieweil er eine solche Erklaͤrung an die Hand gibt/ die falsch/ und entweder von der Vernunfft/ oder von ei- nem andern Geist entstanden/ falsch ist die Außlegung/ dann wann Mo- ses sagt Exod. 12, 11. Es ist des HErꝛn Passah/ ist das subjectum dieser proposition nicht die Sacramentliche Handlung des Osterlam̃s/ auch nicht das Osterlamm/ nicht das Blut des Lamms/ sondern dieser Durchgang/ hic transitus est Pascha, dieser Durchgang davon ich euch anfangen zu erzehlen/ und ferner erzehlen wil/ ist der Durchgang des Herrn/ und demnach ein schneller und behender Durchgang/ darum solt ihr eilend essen/ es hat kein Verzug statt und platz. Falsch die applica- tion auff das Sacrament des H. Abendmals. Nicht endlich auß eini- gem Calvinischen Buch/ insonderheit Bergii, daß die Wort Christi noch fest stehen/ auch nicht auß den herum-fliegenden Sirenen-Buͤchlein der heutigen Syncretisten. Sondern allein auß der Beschreibung der vier Immatriculir ten Notarien, dann in so grossen Streitigkeiten dulcius ex ipso fonte bibuntur aquæ. Solte einem Notario seine Testaments- Verschreibung von jemand verklittert werden/ er wuͤrde es uͤbel empfin- den. Nun sind die Testaments-Wort Christi so wol als andere Biblische Schrifften canonisi rt mit dem Spruch Johannis Apoc. XXII, 18. Jch bezeuge aber alle die da hoͤren die Wort der Weissagung in die- sem Buch/ so jemand darzu setzet/ so wird GOtt zusetzen die Plagen/ die in diesem Buch geschrieben stehen/ und so jemand davon thut von den Worten des Buchs dieser Weissagung/ so wird GOtt abthun sein Theil vom Buch des Lebens/ und von der H. Stadt/ und von dem/ das in diesem Buch geschrie- ben steht. Welches Wort so wol ein schroͤckliches Draͤu-Wort/ wider die Vernunfft/ Satan/ und alle Jrꝛgeister/ die uns diesen Schutz begeh- ren zu rauben durch die Philosophiam, und lose Verfuͤhrung nach der Menschen Lehr/ und nach der Welt Satzung und nicht nach Christo. Col. 2. Predigt. Col. 2. als ein Trost-Wort/ darauß fliesset ἀσφάλεια fidei, die Gewißheit unsers Glaubens/ so fern er auff das Zeugnuͤß der heiligen Evangeli- sten sich gruͤndet/ deren Zeugnuͤß auch noch fest stehet/ damit koͤnnen wir uns getrauen zu bestehen fuͤr dem Juͤngsten Gericht/ und wann wir uns halten an das Buch der heiligen Evangelisten/ so soll unser Name im Buch des Lebens auffgezeichnet seyn/ so wir mit der geistlichen Braut im Hohenlied wuͤnschen/ daß er uns kuͤsse mit dem Kuß seines Mundes/ nicht der Satan mit seinen unreinen Lippen falscher Glossen und Auß- legung/ tunc nos osculatur DEI verbum, cum cor meum lumine co- gnitionis illuminat, \& amorem bonitatis inflammat. Ambros. l. de Isaac. So wird uns kuͤssen Gottes Wort/ wann es unsern Verstand erleuchtet/ und mit der Liebe seiner Guͤte entzuͤndet. Gott gebe/ daß wir die Offenbarung dieses Geheimnuͤsses in wahrem Glauben moͤgen empfangen/ und von der Einfalt des Glaubens endlich moͤgen gelangen zum Schauen und ewigem Genuß/ Amen. Die Dritte Predigt/ Von Dem eigentlichen und Buchstaͤblichen Verstand der Wort/ das ist mein Leib. G Eliebte in Christo. Wann Paulus 2. Cor. XI, 3. spricht: Jch foͤrchte/ daß nicht wie die Schlang Heva verfuͤhrt mit ihrer Schalckheit/ also auch euere Sinne verrucket werden von der Einfaͤltig- keit in Christo/ so revoc irt er seine Corinthier und uns zuruck in den Paradiß-Garten auff die Betrachtung der μεϑοδείας und listigen Raͤnck/ damit der hoͤllische Orator vermuthlich in Versam̃lung aller hoͤllischen Geister/ an Evam/ da sie allein geweßt/ und im Luco herum spatziert/ sich gemacht/ nach dem Gott morgens fruͤh Adam und Evaͤ ein Predigt gehalten/ auff den Sabbath/ wie Lutherus dafuͤr haͤlt/ Comment. in Gen. p. 41. f. 2. und die Einfaͤltigkeit der Neunter Theil. X Goͤtt- Die Dritte Goͤttlichen Wort ( Du solt essen von allerley Baͤumen im Gar- ten. Aber von dem Baum des Erkaͤntnuͤß Guten und Boͤ- sen soltu nicht essen/ denn welches Tages du davon issest/ wirst du des Todes sterben. Gen. II. 16. 17.) in Zweiffel gezogen. Siehet demnach Paulus 1. auff seine πανουργίαν des Satans Gauckeley/ Ver- blendung und Zauberey/ damit er das Hertz des Glaubens/ die Erkaͤnt- nuͤß Goͤttliches Worts/ als mit einem schleichenden Gifft angegriffen/ negando sensum verbi, das Wort konte er nicht umstossen/ darum machte er sich an den Verstand der Wort: Ja solte auch GOtt wol gesagt haben/ ihr solt nicht essen von allerley Baͤumen im Garten? Du hasts nicht recht verstanden/ du bist gar zu alber und ein- faͤltig meine liebe Eva/ es muͤssen die Wort eine andere Bedeutung ha- ben: Sintemal der Buchstaͤbige Verstand laufft 1. wider GOttes Ehr und Gunst/ Gott ist das hoͤchste Gut/ hat euch in den Garten gesetzt/ denselben zu bauen/ wie solt er euch den Genuß dieses Baums denn nicht auch goͤnnen? Gott hat euch zu Herꝛn uͤber alle Thier gemacht/ keines außgenommen/ wie vielmehr uͤber alle Baͤume? Laufft 2. wider euern Nutzen/ Gott meynts ja wieder gut mit euch/ hat um euert willen alles erschaffen/ wie solt er euch dann diesen Baum versagen? 3. contra ratio- nem paritatis. Solt Gott wol gesagt haben: Jhr solt nicht essen von allerley Baͤumen/ hat er euch die Gattung vergoͤnnt/ warum nicht auch diese? par ratio. 4. Contrà nominis impositionem, wider des Baums Benamsung. Es hat ja der Baum den Namen nicht vergebens/ daß er der Baum des Erkaͤntnuͤß Guten und Boͤsen genennet wird/ sondern eben darum/ daß er klug macht/ zur Englischen ja Goͤttlichen Erkaͤntnuͤß fuͤhret. Das war nun die schoͤne Abend-Predigt/ die ihnen der Teuffel gehalten. Damit er dann ihren Sinn verwirꝛt/ daß da sie haͤtten den Knopff gleichsam mit dem Schwerd auffloͤsen und zerhauen sollen/ sie sich verstrickt/ und angefangen zu zweiffeln per ne fortè. Eva wider- spricht/ aber mit zweiffeln/ Wir essen von den Fruͤchten der Baͤu- me im Garten/ aber von den Fruͤchten des Baums mitten im Garten hat GOtt gesagt: Esset nicht davon/ ruͤhrets auch nicht an/ daß ihr ( ne fortè ) vielleicht nicht sterbet. Gen. III, 4. Eva gedachte/ Gott werde ja so streng nicht seyn/ daß er sie um eines einigen Apffel-Bisses willen toͤdten wuͤrde; Es werde ja Gott an einem Apffel nicht viel liegen/ es werde so viel nicht zu bedeuten haben/ es waͤre keine Sach von so grosser importanz. War also der Beyfall und Zu- versicht Predigt. versicht hinweg. Nach dem der Satan das erste Vorwerck eingenom- men/ so grassieret er nach dem Willen und Affecten, macht auß dem for- tè, ein non, ihr werdet mit nichten des Todes sterben/ nim̃t weg den Zaum der Suͤnden/ die Furcht GOttes per concupiscentiam ἐξέλ- κουσυι, die ablockende/ abziehende/ abhaltende Lust/ wie sie St. Jacobus nennet. Jac. I, 14. Jm gegentheil legt er ihnen ein Speckel auff die Fall per concupiscentiam δελεάζουσυι, die erregende/ lockende und verfuͤhrische Lust/ GOtt weiß/ daß welches Tages ihr davon esset/ so wer- den euere Augen auffgethan/ und werdet seyn wie GOtt/ und wissen was gut oder boͤse ist. Gen. III, 5. alles recht zweiffelisch und Teuffelisch/ ἀμφι ολικῶς. Sub eadem pollicitatione (schreibt Rupertus lib. 3. de Imit. c. 8.) aperientur oculi vestri, Eva sapientiæ altitudinem; ille cogitat conscientiæ confusionem: Eritis sicut Dii, hæc rapere Dei celsitudinem, ille suimet similem cogitat invenire damnationem, ille sub eadem pollicitatione scientiæ boni \& mali, hæc plenitudinem scientiæ, ille cogitat experimentum miseriæ. O nequam, nequam, ubi est tuum nequa quam? ecce omnes morimur! Das ist: Unter einem Verspruch/ euere Augen werden auffgethan/ hatte Eva verstanden himmlische Weißheit/ Dieser die Beschaͤmung und Verletzung des Gewissens; unter dem Wort: Jhr wer- det seyn wie GOtt/ gedachte Eva an einen Gottes Raub/ je- ner sie in gleiche Verdamnuͤß mit ihm zu stuͤrtzen. Jene un- ter dem Verspruch der Erkantnuͤß Boͤsen und Guten/ die voll- kommenste Wissenschafft/ dieser die Empfindung mancherley Elends. O Schalck/ Schalck/ wo ist dein Mit nichten? siehe wir muͤssen alle sterben! II. Causam timoris, die Ursach seiner Furcht gleicher Verfaͤhrung und Verfuͤhrung/ dann um so viel mehr hat Paulus Ursach sich zubefahren/ als uͤbeler nunmehr nach dem Fall das castrum cordis humani die Festung des Menschlichen Hertzens ver- wahrt/ wegen der jenigen innerlichen Conspiran ten/ die mit dem Sa- tan leichen/ und mit ihm unter einer Decke liegen/ darum er auch sagt: Jch foͤrchte/ ich foͤrchte/ daß euere Sinne auch also verrucket werden von der Einfaͤltigkeit in Christo. Wolte nun Gott es haͤtten sich an diesem gespiegelt und an frem- dem Schaden lernen witzig werden die Sacrament-Stuͤrmer Berenga- rius, Carolstadius, von dem Phil. Melanchton. in præfat. de sentent. veterum: schreibt: X ij Beren- Die Dritte Berengarius Presbyter Turonensis, perspectis absurditatibus, quæ transmuta- tionem panis in corpus Christi, à nonnullis assertam sequi videbantur, in mystica Christi cœna, non corpus ejus, sed figuram esse corporis docebat, unde \& adversus eum, \& pro eo multum à variis tàm scriptum est, quam disputatum, donec eum Pontifices abjurare dogma, contrariumque ei er- rorem stabilire cogerunt. ita Cluvetus Epit. histor. p. 498. Carolstad. primus excitavit hunc tumultum. Hic est hujus fabulæ πρωταγωνίςης. ita Zvvingl. in colloq. Marp. der einfaͤltige Lntherus hatte fuͤr sich Gottes Wort/ den klaren Buchstaben/ das ist mein Leib/ deme Zvvinglius und Oecolampadius, nechst dem 6. Cap. Johannis/ de quo proximè, oppon irt die natuͤrliche Eigenschafft des Leibs Christi. Huic argumento admodum firmiter insistebant, \& multa ad rem non facientia allegabant, utpote quod Christus verum corpus habeat, quod nobis similis sit Christus, corpus in loco esse oportere. Philipp. Melanch. ad Joh. Saxon. Elector. die uͤbrigen Vernunffts Einwuͤrff wollen wir auf andere Gelegenheit versparen/ und nunmehr der Paradiß- Schlang zuforderst begegnen mit den jenigen Argumen ten/ damit wir das ῥητὸν erhalten. Dann wann wir naͤhermalen die Notarios betrach- tet/ so muͤssen wir auch Achtung geben auff den Stylum den sie fuͤhren/ oder vielmehr auff die Wort der Einsetzung Christi/ ob sie nach dem Buch- staben oder figuͤrlicher weiß zu verstehen/ dazu wolle uns Christus selbst als der maͤchtigste Testamentarius seinen H. Geist mildiglich verleihen/ daß er unsern Verstand erleuchten/ und uns in alle Warheit leiten wol- le/ Amen. G Eliebte in Christo. Erstlich laͤugnen wir nicht/ son- dern gestehen gar gern/ daß in H. Schrifft viel varabolische/ al- legorische und figuͤrliche/ Christo sehr gemeine Reden/ damit er mit uns Menschen-Kindern spielet/ fuͤrfallen/ als insonderheit die Wort Joh. 6. von der geistlichen Niessung. Folgt derowegen nicht/ was das Baselische Buͤchlein fuͤrgibt/ p. 48. Wann man die Schrifft al- leweg wie die Wort lauten/ verstehen und deuten wolte/ so muͤste Christus zugleich ein Weg/ ein Thuͤr/ ein Lamm/ ein Loͤw/ ein Fels/ und ein Weinstock seyn. Wir gestehen auch gern und seinds nicht in Abrede/ daß Christus in seinem letsten Colloquio Joh. 15. \& seqq. Jch bin ein rechter Weinstock/ und mein Va- ter ein Weingaͤrtner/ einen jeglichen Reben an mir/ der nicht Frucht bringet/ wird er wegnehmen ꝛc. deßgleichen in seinem let- sten Blut-Kampff im Garten am Oelberg. Mein Vater ists muͤg- lich Predigt. lich so gehe dieser Kelch von mir. Matth. XXVI, 39. viel figuͤrliche Reden gefuͤhrt. Wir laͤugnen auch nicht/ daß in den Worten der Ein- satzung/ sonderlich in Circumstantialibus, viel figuͤrliche und verbluͤmte Reden fuͤrfallen/ das ist mein Leib der fuͤr euch gebrochen wird/ welches dem Buchstaben nach nicht kan verstanden werden. Dann es widerspricht ihm Joh. XIX, 36. Jhr solt ihm kein Bein zerbrechen. Jtem Luc. XXII, 20. Das ist der Kelch des Neuen Testaments in meinem Blut/ das fuͤr euch vergossen wird. Und 1. Cor. XI, 26. So offt ihr von diesem Kelch trincket/ solt ihr des HErꝛn Tod verkuͤndigen. Welches nicht von dem Kelch/ de continente, sondern de contento, dem Blut Christi muß verstanden werden. Aber das laͤugnen wir/ daß in συςατι ῖς substantialibus verbis und wesentli- chen Worten ein tropus sey/ der da nicht klar von andern Evangelisten waͤre erklaͤret worden/ da stehen wir pro ῥητῷ tanquam pro aris \& focis, und lassen uns davon kein Sophisterey im geringsten nicht abtreiben auß folgenden Fundamenten. I. Stehet fuͤr den Buchstaͤblichen Verstand sensus proprii præ figurato prærogativa. Der Vorzug des eigentlichen Ver- stands vor dem verbluͤmten. Non debent (ita Bellarm. l. 1. de Euch. c. 9.) à nobis quærere, cur sequamur proprium verborum sensum, si- mile enim id esset, ac si quis peteret ab iis, qui sunt in itinere, cur se- quantur viam communem \& tritam, nemo sanus id quærit; vel cur in- grediantur per portam, non per fenestram. Das ist: Sie sollen von uns nicht begehren und fragen/ warum wir dem eigentlichen Wort-Verstand folgen/ dann es waͤre eben so viel/ als wann einer die Wandersleute fragete/ warum sie den gemeinen und gebahnten Weg brauchen/ niemand der Verstand hat/ fragt also/ oder warum sie zur Thuͤr in das Hauß gehen/ und nicht durch das Fenster. Wir seind gleichsam in possessione, der muß gar wichtige und guͤltige Argumenta auff die Bahn bringen/ der uns wil außstossen. II. Testatoris silentium \& Evangelistarum harmonia, unser Hey- land Christus ist allwissend/ er hat wol gewußt/ was es fuͤr Spaͤn mit der Zeit geben werde/ solts glaublich seyn/ daß er nicht wuͤrde so klar und ver- staͤndlich reden/ daß so viel an ihm ist/ per se, kein andere Meynung koͤn- te angedichtet werden. Seine Gewonheit war/ daß er seine Parabeln seinen Juͤngern privatim außlegte/ Marc. IV, 34. Ohne Gleichnuͤß redet er nichts zu ihnen/ aber insonderheit leget ers seinen X iij Juͤn- Die Dritte Juͤngern alles auß. Nun hat ers nirgend anders außgelegt/ auff den Tropischen Verstand hat er mit keinem Wort gedeutet/ auch nach- dem er sich gesetzt zur Rechten GOttes/ hat ers Paulo nicht anders offen- bart/ Paulus hats auch nicht anders verstanden/ darum er das Brod die Gemeinschafft des Leibs/ und den Kelch die Gemeinschafft des Bluts genennet hat. Keiner von den H. Evangelisten hat mit einem einigen Woͤrtlein auff einen verbluͤmten Verstand gezielet. Sie haben zwar sonsten offtermalen verbluͤmte Reden gebraucht/ als da ist das Augen außreissen. Matth. XVIII, 9. Marc. IX. 47. die Feur-Tauff. Matth. III, 11. Marc. I, 8. Luc. III. 16. Joh. I, 33. das wuͤrtzen mit Saltz. Matth. V, 13. Marc. IX, 50. Luc. XIV, 34. welche sie doch hernach erklaͤrt/ und gleich- sam einen Commentarium druͤber geschrieben. Das Augen außreissen wird erklaͤrt/ Col. III, 5. So toͤdtet nun euere Glieder die auff Er- den seind/ Hurerey/ Unreinigkeit/ schaͤndliche Brunst/ boͤse Lust ꝛc. Die Feur-Tauff/ durch die sichtbare Außgiessung des H. Gei- stes in Feurs gestalt. Act. II, 3. Die metaphora des Saltzes wird so offt erklaͤrt/ so offt von dem H. Predigampt gehandelt wird. Da doch an solchen Sachen nicht so viel gelegen/ als an diesem Sacrament/ dero- wegen sie es freylich anderswo auch erklaͤret haͤtten/ wann Christus hie figuͤrlicher und verbluͤmter weiß geredet haͤtte. Und gilt also hie das Wort des Koͤnigs Darij. 3. Esdræ VI, 32. so jemand etwas von de- me/ das vorgesagt und vorgeschrieben ist/ uͤbertretten wuͤrde/ so soll ein Balck auß dessen Hause genommen/ und er daran erhaͤnget werden/ und seine Guͤter dem Koͤnig verfallen seyn. III. Testamenti \& quidem Novinatura. Die Art und Eigenschafft eines und zwar eines Neuen Testaments. Jch sage bedencklich die Eigen- schafft eines Testaments. Testaments-Wort sollen uñ muͤssen gewiß seyn. In ipso fine vitæ constituti cum testamentum ordinamus, quantum temporis consumitur? quamdiu secretò agitur? nec quicquam curâ sanctiore com- ponimus, quàm quod ad nos non pertinet. Senec. l. 4. de benef. c. 11. In dubio tutius est non recedere à verbis, sed illis tenaciter inhærere, sine ex- tranea probatione. Item: non est recedendum à verbis Testatoris, quia talis præsumitur fuisse intentio, qualem verborum proprietas importat. Regula est Juris. Da gehoͤren nicht viel gefrenselte und auff die Schrauben gesetzte Wort zu/ so viel menschlich und muͤglich. Quia finis testamentorum est judi- cium in controversiis hæredum. Auff daß kein Silbersuͤchtiger Jurist diesel- Predigt. dieselbe in disputat ziehe/ daher es das letste Gericht genennet wird. Just. l. 5. 11. welcher Vater ist/ wann er ein Testament auffrichtet/ der nicht sich bemuͤhe so zu reden/ daß keine Spaͤn erwachsen moͤchte? geschichts nicht allezeit/ so geschichts auß menschlicher Schwachheit und Wort-Mangel. Christus aber hat eine gelehrte Zung/ es mangelt ihm an Worten nicht/ er hat nicht wollen ein Creutzauffrichten/ in qua suspendantur ingenia. So ist auch der hæres also geartet/ daß er auff den Buchstaben allezeit dringt: wird einem ein Hauß vermacht/ er verstehets traun von keinem gemahlten oder verbluͤmten Hauß/ sondern das was Gott und die Na- tur ein Hauß heisset. Gegentheil wendet ein das Testament des Patri- archen Jacobs/ Gen. 49. Versamlet euch/ daß ich euch verkuͤndi- ge/ was euch begegnen wird in kuͤnfftigen Zeiten/ kom̃t zu Hauff und hoͤret zu ihr Kinder Jacob/ und hoͤret euern Va- ter Jsrael/ Mosis/ Deut. XXXIII, 1. Diß ist der Segen/ damit Mose der Mann Gottes/ die Kinder Jsrael vor seinem Tod segnet/ ꝛc. Josuaͤ/ Jos. XXIV. Davids/ 2. Sam. XXIII, 1. 1. Reg. II. darinnen viel enthalten/ so dem Buchstaben nach nicht kan verstanden werden/ das Testament GOttes selbst/ Jer. XXXI. 31. Siehe/ es kom̃t die Zeit/ spricht der HErꝛ/ da wil ich mit dem Hause Jsrael und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen/ nicht wie der Bund gewesen ist/ den ich mit ihren Vaͤtern machte/ da ich sie bey der Hand nahm/ daß ich sie auß Egyptenland fuͤhrete/ welchen Bund sie nicht gehalten haben/ und ich sie zwingen mußte/ spricht der HERR: Sondern das soll der Bund seyn/ den ich mit dem Hause Jsrael machen wil/ nach dieser Zeit/ spricht der HERR: Jch wil mein Gesetz in ihr Hertz geben/ und in ihren Sinnschreiben/ und sie sollen mein Volck seyn/ und ich wil ihr GOtt seyn. Wann nun Gott des Hertzens gedenckt: Jch wil mein Gesetz in ihr Hertz schrei- ben/ so erklaͤrts Paulus Heor. VIII, 10. Jch wil mein Gesetz in ih- ren Sinn geben/ und wann der Prophet von einer Schrifft in das Hertz redet; kan er nicht von einer leiblichen Schrifft reden/ so mit der Feder und Dinten geschicht/ auch nicht von dem leiblichen Hertzen des Menschen. Antwort: Jn dem letsten Willen des Patriarchen Jacobs ist ein Unterscheid zu machen unter der Propheceyung/ und unter dem Ge- bot und Wunsch/ jene ist ohne Zweiffel mit vielen verbluͤmten Worten ge- ziert und angefuͤllt/ diese mit klaren und deutlichen Worten gefaßt/ klar und deutlich seynd die Wort/ wann er sein Glaubens-Bekanntnuͤß abge- legt. Die Dritte legt. Gen. XLIX, 19. HErꝛ ich warte auff dein Heyl/ sein Begraͤb- nuͤß bestellt/ ꝟ. 29. Begrabet mich bey meine Vaͤter in der Hoͤle/ auff dem Acker Ephron des Hethiters in der zwifachen Hoͤle/ die gegen Mamre ligt/ im Lande Canaan/ die Abraham kauff- te/ samt dem Acker von Ephron dem Hethiter zum Erb-Be- graͤbnuͤß. Welche distinction zu wiederholen bey dem Valet Mosis/ confer Deut. XXXII, 46. Davids letste Wort seind eine pur lautere Weissagung der Testaments-Befehl seinem Sohn hinterlassen/ ist aber- mal klar und offenbar 1. Reg. 2. wie auch die Wort Josuæ c. XXIV, 14. 23. 27. Was endlich Jer. 31. sey in das Hertz schreiben/ wird alsobald ꝟ. 34. erklaͤrt mit hellen und deutlichen Worten. Es wird keiner den andern/ noch ein Bruder den andern lehren und sagen: Erkenne den HErꝛn/ sondern sie sollen mich alle kennen beyde klein und groß/ spricht der HErꝛ. Und Joh. VI, 45. Es stehet geschrieben in den Propheten/ sie werden alle von GOtt ge- lehret seyn. Und eben das ists/ was wir wollen. Es seye in den Sacramentlichen Stifftungs-Worten kein einiger tropus, der nicht anderswo in der Schrifft erklaͤrt/ da jene im Gegentheil lauter tropos lassen/ und hernach dieselbe nach ihrem Sinn und Meynung außlegen. Jch sage bedencklich die Natur und Eigenschafft des N. Testa- ments. Als welches dem A. Testament entgegen gesetzt/ und darin von jenem unterscheiden/ weil dort der Schatten/ hie der Leib/ dort ists mit Schatten-Bildern abgemahlt/ was wir im Werck und in der That em- pfangen/ es ist hie kein verdecktes Schau-Essen mehr/ wann Christus seinen Leib und Blut nur Fuͤrbilds weiß haͤtte wollen im H. Abendmahl handeln/ so empfiengen wir nicht mehr als jene im Osterlamm/ und haͤt- te Christus viel lieber das Osterlamm behalten/ als abgeschafft/ als wel- ches viel heller den Tod und Leiden Christi fuͤrgebildet. IV. Tropi absurditas, wie erbaͤrmlich Gegentheil mit den Worten der Einsatzung umgegangen/ wie sie die Wort verkaͤtzert und gemartert/ den tropum zu erhalten/ ist bekant: It q redit q tropus nec certum novit asylum. Lutherus hat in seiner Confess. Maj. vom Abendmahl (daß die Wort Christi noch fest stehen) sieben interpretationes colligi rt/ seine Wort sind diese ( Tom. 3. Jen. Germ. pag. 343. f. 2.) Wann schwermen Kunst waͤre/ ich wolte hie freylich so fein schwermen als sie/ und auch halten/ daß eitel Brod und Wein da waͤre/ und demnach wi- der Predigt. der sie alle gantz ein neues auffbringen/ und mit keinem ein- traͤchtig seyn/ und meinen Duͤnckel fuͤrbringen. Also D. Carlstad in diesem heiligen Text/ das ist mein Leib/ martert das Woͤrtlein (das) Zwingel martert das Woͤrtlein (ist) Ecolampard martert das Woͤrtlein (Leib) die andern martern den gantzen Text und kehren das Woͤrtlein (das) um/ und setzens hinden an/ und sprechen also (Nehmet/ esset/ mein Leib/ der fuͤr euch gegeben wird/ ist das) Etliche martern den Text halb/ und setzen das Woͤrtlein (das) ins Mittel und sprechen: Nehmet/ esset/ was fuͤr euch gegeben wird/ das ist mein Leib. Etliche martern den Text also/ das ist mein Leib zu meinem Gedaͤchtnuͤß/ das ist/ es soll hie mein Leib seyn nicht natuͤr- lich/ sondern nur zum Gedaͤchtnuͤß meines Leibs/ daß der Text also laute/ nehmet/ esset/ das ist meines Leibs Gedaͤcht- nuͤß der fuͤr euch gegeben ist. Uber diese alle seind nun die sie- bende/ welche sagen/ es sey kein Artickel des Glaubens/ dar- um man nicht solle daruͤber zancken/ und moͤge hie wol glau- ben wer da wil/ was er wil. Welche Meynungen alle fuͤglich in drey Classes koͤnnen gebracht werden/ in classem Grammaticam, Rhe- toricam und Logicam, die erste ficht das Woͤrtlein τοῦ an/ und versteht dadurch das Brod allein/ die andern das Woͤrtlein Jst/ welches so viel heissen soll/ als bedeutet/ Jtem das Woͤrtlein Leib/ und soll bedeuten das Zeichen des Leibs/ die dritte die gantze proposition, da zwar alle Wort ei- gentlich verstanden werden/ aber in ipsâ attributione soll ein tropus lie- gen. Aber es laßt weder das Woͤrtlein das/ noch ist/ noch Leib/ ange- fuͤhrte tropos passi ren/ nicht das Woͤrtlein τοῦ , als welchem wider- spricht die construction ἄρτος τοῦ , wann Paulus subjecti loco das Brod setzt/ setzt er loco prædicati nicht den Leib/ sondern die Gemeinschafft des Leibs; Nicht das Woͤrtlein ist/ quia non est pars enunciationis, Aristot. περὶ ἑρμ. wie dann auch in den Worten des Abendmahls beym Luca und Paulo die copula außgelassen/ sondern schlecht gesagt wird/ τοῦ τὸ ποτήριον ἡ καινὴ διαϑήκη. Und mag den Stich gar nicht halten die Gleichheit anderer Redens-Arten in der H. Schrifft/ da das Woͤrt- lein/ ist/ so viel heißt als bedeut/ wann schon ( ait B. Luth. Tom. 3. f. 34.) dieser Grund/ daß Est soll significat heissen/ Exempel in der Schrifft haͤtte/ dennoch waͤre damit noch nicht erwiesen/ daß es auch in den Worten/ das ist mein Leib/ solte und muͤßte so Neunter Theil. Y genom- Die Dritte genommen werden/ das werden sie mir nimmermehr beweisen/ das weiß ich fuͤrwar/ dann es gar viel ein anders ist/ wann ich sage/ das mag so heissen/ und wann ich sage/ das muß so heis- sen/ und kan nicht anders. Auff das erste kan sich das Gewis- sen nicht verlassen/ auff das andere kan sichs verlassen. Das prædicat auch nicht/ dann ja nicht das Zeichen des Leibs/ sondern der Leib selbst ist fuͤr uns dargegeben. In totâ attributione viel weniger. Jst eben (schreibt D. Mentzer. in explic. verb. Cœnæ p. 178.) als wann einer spraͤche/ der Mensch ist durchauß gantz gesund/ aber an seinem gantzen Leib hat er nicht eine gesunde Ader/ Gliedmaß/ oder Blutstropffen. V. Πληρ φορίας necessitas, daruͤber unser sel. D. Luther nach- denckliche Wort gefuͤhrt/ damit er sich fuͤr dem Richterstul Christi zu verantworten getrauet: Domine JEsu Christe, mota fuit controversia, \& ortum certamen, de verbis Testamenti tui, quidam contenderunt, verba illa aliter, quàm in propria \& nativa sententia sonant, intelli- genda esse: sed quia inter ipsos non convenit, quis tropus, \& in quâ voce sit collocandus, non potuerunt unicam \& certam interpretatio- nem illorum verborum constantes \& consentientes ostendere, sed in multas, varias \& dissimiles interpretationes \& opiniones distraxe- runt verba testamenti tui, non potui itaque, nec volui fidem meam in hac tam gravi controversia committere incertis illis, variis \& dissen- tientibus interpretationum \& opinionum fluctibus. E contrà verò vidi, si verba accipiantur, sicut sonant, in simplici, propria \& nativa sententia, tunc constanter reddi unicam \& certam sententiam. Ego igitur, quia statui, te voluisse, unicam \& certam esse testamenti tui sententiam, in eâ interpretatione acquievi, quam verba in simplici, propria \& nativâ sententia unicam \& certam reddunt \& ostendunt. Si enim aliter voluisses, quam sonant, verba illa intelligi, sine dubio adjecisses claram \& apertam declarationem. Sicut idem fecisti in illis locis, in quibus hallucinatio non est conjuncta cum tanto periculo, sicut in verbis testamenti tui. Das ist: HErꝛ JEsu Christe/ es hat sich ein Zanck erhoben und ein Streit erregt/ uͤber den Worten deines Testaments/ etliche haben wollen behaupten/ die Wort desselben seyen anders als in ihrem eigentlichen und natuͤrlichen Verstand anzunemmen/ dieweil sie aber unter sich selbst Predigt. selbst nicht einig/ was fuͤr ein tropus, und in welchem Wort er seye/ haben sie keine satte und gewisse Erklaͤrung mit bestaͤn- digem und einmuͤtigem Mund zeigen koͤnnen/ sondern die Wort deines Testaments in viel und unterschiedliche unglei- che Meynungen gezogen: Hab ich derowegen in einer so schweren Sach meinen Glauben jenen ungewissen/ unterschie- denen und widrigen Meynungen nicht koͤnnen noch wollen vertrauen. Jm gegentheil aber habe ich gesehen/ wann die Wort angenommen werden/ wie sie lauten/ in ihrem einfaͤl- tigen/ eigentlichen und natuͤrlichen Verstand/ so habe man eine bestaͤndige/ satte/ und gruͤndliche Meynung. Weil ich demnach dafuͤr gehalten/ daß du eine einige und gewisse Meynung deines Testaments haben wollen/ habe ich in der jenigen Außlegung beruhet/ welche die Wort in ihrem ein- faͤltigen/ eigentlichen und natuͤrlichen Verstand zeigen und von sich geben/ dann wann du es anders haͤttest wollen ver- standen haben/ als die Wort lauten/ haͤttest du ohne allen Zweiffel eine helle und offentliche Erklaͤrung hinzu gethan/ gleichwie du es gethan hast in andern Orten/ da der Zweiffel mit solcher Gefahr nicht verbunden/ als in den Worten dei- nes Testaments. Philipp. Melancht. in Epist. ad Frideric. Myconium. Ego nullam satis firmam rationem in venio, propter quam ab hac sententia discedamus. Fieri pot- est, ut alia sententia blandiatur otioso animo, quæ est magis consentanea humano judicio, præsertim sic instructa \& ornata argumentis eruditè exco- gitatis, sed quid fiet in tentatione, cum disputabit conscientia quam habue- rit causam dissentiendi à recepta sententia in Ecclesia: Tunc ista verba: Hoc est corpus meum, fulmina erunt; quid hic opponet mens perterrefacta, quâ voce Dei se muniet, ac sibi persuadebit, necessariò hic fulsse interpre- tandam metaphoram. VI. Sensus literalis concinnitas, wann demnach Christus seine Juͤnger also anredet/ Das ist mein Leib/ der fuͤr euch gegeben wird/ das ist der Kelch des N. T. in meinem Blut/ das fuͤr euch vergossen wird. Verstehet er durch das Wort τοῦ , das/ nicht ampliativè, das was zuvor Brod gewesen/ gleich wie Adam gesagt: Das ist Bein von meinem Bein/ massen der Leib Christi niemalen Brod Y ij gewe- Die Dritte gewesen/ gleich wie Eva ein Rippe Adams/ auch nicht den Leib Christi allein/ dann das gebe propositionem identicam, nicht das Brod allein/ massen dem entgegen die constructio τοῦ ἀοτος, sondern das totum porrectum, alles das was Christus seinen Juͤngern dar gereicht/ den Leib Christi in casu recto, und das Brod in casu obliquo, q. d. dieser mein Leib/ so ich euch in/ mit/ und unter diesem Brod gebe/ ist ein Opffer fuͤr euere Suͤnde. Deßgleichen/ dieses Blut/ so in/ mit und unter diesem Kelch dargereicht wird/ ist das Blut des N. Test. welche Erklaͤrung sich dann gruͤndet 1. Auff den Apostolischen Com̃entarium und Außlegung/ wann der Apostel 1. Cor. X, 16. sagt: Der gesegnete Kelch welchen wir segnen/ ist er nicht die Gemeinschafft des Bluts Christi? das Brod das wir brechen/ ist das nicht die Gemeinschafft des Leibs Christi? Fern seye es/ daß der Apostel hier verstehe Κοινωνίαν merè significativam \& metonymicam als ob der Wein nur ein gewisses und kraͤfftiges Zeichen der Gemeinschafft/ die wir Glaubige mit einander haben am Blut Christi/ als an einem gemeinen Gut/ das Brod ein Goͤttlich Zeichen der Gemeinschafft/ die wir Glaubige mit einander ha- ben an dem Leib Christi/ wie es Piscator, aber faͤlschlich/ erklaͤret/ dann ja der Apostel nicht sagt: Der Glaub ist die Gemeinschafft/ sondern der Leib ist eine Gemeinschafft/ deren auch die unwuͤrdige theilhafftig werden/ zu dem so haben wir ja allbereit der Tropiste rey eine gute Nacht gegeben. Sondern es ist diese Gemeinschafft Κοινωνία realis, repræsentativa, or- ganica, exhibitiva, der Wein ist ein Goͤttliches/ außerkornes Jnstru- ment/ durch dessen Genuß wir kommen in die Gemeinschafft des Bluts Christi. Das Brod ein Jnstrument/ dadurch wir kommen in die Ge- meinschafft des Leibs Christi/ auß welcher entspringt Sacramentalis \& realis unio \& præsentia, ein Sacramentliche und wuͤrckliche Vereini- gung und Gegenwart des Leibs Christi mit dem Brod/ und des Bluts Christi mit dem Wein/ gleichwie wann der Apostel Heb. 2. sagt: Wie die Kinder Fleisch und Blut haben/ so seye es Christus gleicher massen theil- hafftig worden/ hernach auß solcher Gemeinschafft entsprungen die per- soͤnliche Vereinigung der Goͤttlichen und Menschlichen Natur. Auß wel- cher Sacramentlichen Vereinbarung folget gratiosa operatio \& con- tingentia quædam, daß gleich wie 1. Joh. 1. die Juͤnger sprechen koͤnnen: Wir haben das Wort des Lebens gesehen mit unsern Augen/ und unsere Haͤnde haben betastet vom Wort des Lebens; Also ruͤhren wir im H. Abendmahl auch den Leib des HErꝛn an/ massen die Patres Predigt. Patres also geredet. Gravius \& terribilius est animæ in impuritate con- stitutæ corpus Christi temerè contingere, quàm accedere ad arietes \& tauros. Basilius; Item: O rem miram, qui ad dextram Patris sedet, in nostrorum peccatorum manibus versatur. Doch aber nur Unio momentanea \& transiens, eine augenblickliche und vergaͤngliche Verei- nigung nach dem Wort: Saccramenta extrà usum non sunt Sacramenta i. e. Die Sacramenta ausser dem Gebrauch seind keine Sacramenta. Und das ist der Unterscheid unter der personlichen und Sacramentlichen Vereinigung/ jene ist unauffloͤßlich/ diese augenblicklich und auffloͤßlich. Jst deßwegen noͤthig zu wissen/ daß die Communicanten die Hostien nicht bey sich behalten/ und allererst essen/ wann sie ein geraume Zeit von dem Altar weg gewichen. Und auß dieser erst erklaͤrten Sacramentlichen Vereinigung fliesset als ein effect die Communio mystica cum capite, die Vereinigung mit Christo als dem Haupt/ als um welcher willen das gantze Werck angesehen. Davon die H. Vaͤter schoͤne Gedancken fuͤh- ren. Cyrill. Alex. l. 4. in Joh. c. 17. Sicut cera miscetur ceræ \& fermen- tum pani: Ita nos corpori Christi. Cyrill. Hierosol. catech. 4. In S. Communione fimus non tantùm Christiferi, sed \& concorporei \& consanguinei Christi, nicht nur aber des Leibs/ sondern wir kommen auch in die Gemeinschafft Go ttes/ wir werden theilhafftig der Goͤttlichen Natur/ gleich wie die Juden dem Koͤnig Ahasveros durch die Esther ver- wandt worden. Jn die Gemeinschafft aber nicht nur des Sohns/ son- dern auch des Vaters Joh. XIV, 23 Wer mich liebet/ der wird mein Wort halten/ und mein Vater wird ihn lieben/ und wir wer- den zu ihm kommen und Wohnung bey ihm machen: Des H. Geistes/ wir seind durch einen Geist alle zu einem Leibe ge- taufft. 1. Cor. XII, 13. darauß folget die selige ἰδιοπόιησις. Act. IX, 4. Matth. XXV, 31. μεταποιία sanctitatis. 1. Cor. III, 7. So jemand den Tempel GOttes verderbet/ den wird GOtt verderben/ denn der Tempel GOttes ist heilig/ der seyd ihr. Unctionis regalis \& sacerdotalis. Apoc. I, 6. Er hat uns zu Koͤnigen und Priestern gemacht fuͤr GOtt und seinem Vater. Κοινοποιία, daß daher Paulus sagen kan/ Gal. II, 20. Jch lebe/ aber doch nicht ich/ son- dern Christus lebet in mir. Sein Sieg wird unser Sieg/ wir uͤber- winden durch Christum. GOtt sey Danck/ der uns den Sieg gegeben hat. 1. Cor. XV, 57. So hoͤre ich wol/ moͤchte jemand sagen/ so werden auch die Unglaubigen theilhafftig dieser grossen Gnad? Antwort/ aͤusserlich zwar/ aber nicht innerlich/ dann es mangelt ihnen am Mittel/ Y iij dem Die Dritte dem Glauben/ der da heißt αρχὴ κολλήσεως Syr. XXV, 16. Confer Eph. III, 17. Es folgt darauß ferner Κοινωνία mystica membrorum inter se, die geistliche Vereinigung der Glieder unter einander; Ein Brod ists/ so seind wir viel ein Leib/ wie auß vielen Koͤrnlein ein Meel gemahlen/ ein Brod und Kuchen gebacken wird/ also seind wir alle Christo als in einen Leib eingeleibet. Jn der Welt beschaͤmet sich zwar einer/ ja auch wol ein Bluts-Freund des andern/ ein Edelman hielt sich zu gut/ daß er eines stinckenden Bauren Bluts-Freund seyn solte/ laßt sich beduncken/ er seye auß einem viel bessern Leymen formirt/ da wir doch von einem Adamiti- schen Gebluͤt alle her kommen. Act. 17. und haben uns der natuͤrlichen Geburt wenig zu ruͤhmen/ aber durch das Sacramentliche Brod werden wir alle ein Leib und ein Kuch/ wie die Jmmen an einem Koͤnig hangen/ und zwar insonderheit κοινωνία Eleemosynaria, die mittheilende Gemein- schafft. Rom. 15, 26. Gal. 6, 6. σ αγωνιςικὴ \& collaboratoria, die mit- streitende und mit-arbeitende Gemeinschafft. 2. Cor. 8, 23. Sympathetica, die mit-leidende Gemeinschafft. Phil. 3, 10. 1. Petr. 4, 13. Es gruͤndet sich ferner obgedachte Außlegung II. Allusione ad verba veteris Testamen- ti. Exod. 2 4, 8. spricht Moses: Sehet/ das ist das Blut des Bun- des/ den der HErꝛ mit euch macht uͤber allen diesen Worten . Jenes Sehet wird klar von Paulo außgelegt durch das Wort τοῦ Hebr. IX, 20. τοῦ τὸ αἷμα τῆς δια ϑήκης, Diß ist das Blut des Testaments/ das GOtt euch gebotten hat/ wird derowegen durch das Wort τοῦ Das gemeynet/ was im Alten Testament durch das Wort Sehet/ dieses Sehet aber war Ecce demonstrativum rei coram præsentis, weisete auff das Blut so gegenwaͤrtig war/ ohne Wort- Blum/ derowegen auch hie das Wort τοῦ auff das gegenwaͤrtige Blut Christi weiset. III. Analogiâ similium locutionum, als Gen. 32, 2. Es sind GOttes Heer. Exod. 26. Es ist der Hebraͤischen Kindlein eins/ diß ist der H. Geist. Joh. I, 32. Nie- mand faßt auß diesen Wortrn/ wann er sie zum ersten mal lißt/ oder hoͤrt/ einen andern Verstand/ als diesen/ diese Englische Heer/ die in Gestalt eines Heerlagers erschienen/ seind GOttes Heer/ dieser Knab/ der in diesem Kaͤstlein ligt/ ist der Hebraͤischen Knaͤblein eines/ diese Person/ die in Taubens-Gestalt herunter gefahren/ ist der H. Geist. Jch greif- fe ein Faß an/ (sagt B. Luther. ) und spreche/ das ist Rheinisch Wein/ das ist Welsch/ das ist rother Wein/ da sichestu/ wie das Woͤrtlein/ Das/ zeiget auff das Gefaͤsse/ und doch weil das Predigt. das Getraͤnck und Gefaͤsse etlicher massen ein Ding ist/ so triffts zugleich/ ja fuͤrnemlich das Getraͤncke. Auß welchem allem so viel folget/ daß es wahr seye/ was jenes junge vier-jaͤhrige Herꝛlein/ Landgraf Moritz in Hessen sich vernehmen lassen/ als er einsmals einem discurs vom H. Abendmahl zugehoͤrt/ zwischen seinem Herꝛn Vater Wilhelm und Superintendenten D. Jacob. An- dreæ, welches D. Andreæ selbst sub dato Ziegenheim den 8. Augusti 1576. ad Elect. Augustum also beschreibt/ daß er vor dem Tisch gestan- den/ und sie beyde ernstlich angesehen/ darauff Landgraff Wilhelm ihn angeredt/ er solle sein Bedencken auch anzeigen/ dessen er sich zwar zum drittenmal geweigert/ als aber der Herꝛ Vater angehalten/ hat das junge Herꝛlein gesagt: Jch rathe/ wir bleiben bey dem Buchstaben im Wort. Auch solches auff den Abend uͤber Tisch wiederholt/ und als S. F. Gn. solches erzehlten/ seines Herꝛn Vaters Reden corrigi rt/ weil S. F. Gn. solche Wort geaͤndert/ nemlich er haͤtte gesagt/ man solle bleiben bey dem Wort/ nein/ sagte das junge Herꝛlein: Jch habe ge- sagt/ im Wort. Die πίκρισις D. Jacob. Andreæ lautet also: Diß ist in Warheit nicht ohngefaͤhr geschehen/ und hat ohne Zweiffel Gott zum Nachdencken diß junge Kind/ wie Matth. 18. fuͤrgestellt/ daß man bey dem einfaͤltigen Wort bleibe/ und da solches geschehe/ die Einigkeit richtig waͤre. vid. D. Hutter. Concord. p. 357. So habe nun acht auff dich selbst/ und auff die Lehre/ beharre in diesen Stuͤ- cken. Cum Testamentum prolatum fuerit in publicum, tacent omnes, ut tabulæ aperiantur \& recitentur. Judex intentus audit, Advocati silent, præcones silentium faciunt, universus populus su- spensns est, ut legantur verba mortui non sentientis in monumento. Ille sine sensu jacet in monumento, \& valent verba ipsius, August. in Psalm. 21. Das ist: Wann ein Testament offentlich fuͤr- gebracht wird/ so schweiget jederman/ daß der letste Will er- oͤffnet und vorgelesen werde/ der Richter hoͤret genau zu/ die Fuͤrsprech schweigen still/ die Herolden machen eine Stille/ das gantze Volck wartet mit Verlangen/ daß die Wort des Verstorbenen/ so in dem Grab weder hoͤren/ sehen noch re- denkan/ moͤchten vorgelesen werden. Jener ligt zwar in dem Grab tod/ doch gelten seine Wort. Wie vielmehr soll das bey dem Testament Christi gelten/ der nicht tod/ noch in dem Grab/ ohne Rede und Verstand da lieget/ sondern sitzt droben im Himmel zur rechten Hand Die Dritte Hand GOttes: Demnach es billig sacrosanctum seyn soll/ auch keinen Buchstaben darin zu aͤndern. Darum πίμενε αὐτοῖς, beharre in den- selben/ widerstehet fest in dem Glauben/ ihr/ die ihr durch GOttes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Se- ligkeit. 1. Petr. V, 9. c. I. ꝟ. 5. ςήκετε ν τῇ πίςει, Wachet/ stehet im Glauben/ seyd Mannlich// und seyd starck. Wil die Paradiß- Schlang auff gezogen kommen mit allerhand Argumenten/ mit der Ana- logiâ Sacramentali, mit der Vernunfft/ mit den vermeynten Contra- dictio nen/ so laßt euch nicht abwendig machen/ es wird auch ins kuͤnff- tig denselben begegnet werden/ und wann ihr gleich nicht alsobald allen Argumenten begegnen koͤnnet/ so bleibet doch fest bey dem Buchstaben. Ein Baur/ wann man ihn gleich durch eine κυ είαν und Sophiste rey be- reden wolt/ er haͤtte nicht zween Fuͤsse/ und spreche: Ein Ganß hat zween Fuͤsse/ du bist kein Ganß/ darum hastu nicht zween Fuͤsse/ er wirds drum nicht glauben/ wiewol wir so bloß nicht stehen. Gedencket an Evam/ wie es ihr gangen/ an Mose/ da er vom Wort gewichen Num. XX, 8. seqq. in der Wuͤsten Sin/ an dem Hader-Wasser/ da Mosi und Aaron befohlen worden den Fels anzureden/ so werde er sein Wasser geben. Aber Mo- ses zweiffelt/ werden wir euch auch Wasser bringen auß diesem Fels? schlug derowegen zweymal an den Felsen/ weil es ihm aber nicht befohlen geweßt/ dorffte er um solches Unglaubens willen die Gemeine nicht ins Land Canaan fuͤhren. Gedencket an jenen Propheten zu Bethel. 1. Reg. 13. dieser hatte den Befehl von Gott / er solte kein Brod da essen noch Wasser trincken/ und nicht wieder durch den Weg kommen/ den er gegangen. Ein alter Prophet aber zu Bethel zog ihm nach/ und da er ihn fand/ sprach er: Jch bin auch ein Prophet wie du/ und ein Engel hat mit mir geredt durch des HErꝛn Wort und ge- sagt: Fuͤhre ihn wieder mit dir heim/ daß er Brod esse und Wasser trincke. 1. Reg. XIII, 18. Als er aber mit ihm gezogen/ und mit ihme gegessen und getruncken/ mußte er hernach seine Jrten theur ge- nug bezahlen/ dann er wurde umbracht von einem Loͤwen auff dem We- ge. Stellet euch im Gegentheil Abraham fuͤr Gen. 22. der hatte viel- mehr Ursach gehabt den Goͤttlichen Befehl (Nim Jsaac deinen einigen Sohn den du lieb hast/ und gehe in das Land Morija/ und opffere ihn daselbst zu einem Brand-Opffer) figuͤrlicher und verbluͤmter weiß zu ver- stehen/ aber er war starck im Glauben/ und gedachte/ Gott kan ihn auch wol von den Todten ausferwecken. So wird auch Gott nicht allein sein Testaments-Wort unter uns erhalten/ wir werden freudig stehen koͤn- nen Predigt. nen am Juͤngsten Tage/ mit Luthero sprechende: Jch bin ein Schaͤflein deiner Weyde/ und habe deine Stimme angenommen/ wie sie gelautet. Darauff dann der Ertzhirt sagen wird. Meine Schaafe hoͤren meine Stimme/ und ich kenne sie/ und sie folgen mir/ und ich gebe ihnen das ewige Leben/ und niemand wird sie mir auß meiner Hand reissen in alle Ewigkeit/ Amen. Die Vierte Predigt/ Von Der Nacht/ da der HErꝛ JEsus verrathen ward/ als der Zeit wann das H. Abendmahl eingesetzet worden. G Eliebte in Christo. Ein zumal grausame und schroͤckliche Nacht ist gewesen nox Ægyptiaca, die jenige Metz- und Wuͤrg-Nacht/ in welcher alle Erst-Geburt in Egypten geschlagen worden/ von dem ersten Sohn Pha- rao an/ der auff seinem Stul saß/ biß auff den Sohn der Gefangenen/ und der Magd der hinder der Muͤhlen ist/ daß wer es nur gehoͤrt/ ihme die Ohren druͤber gellen moͤchten/ beschrie- ben von Mose/ Exod. XII, 29. I. Nox terribilis, eine erschroͤckliche Nacht. Ja freylich eine schroͤckliche Nacht/ ein schroͤckliche Nacht war auch die jenige/ da der En- gel des He rꝛn außgefahren/ und im Assyrischen Laͤger hundert und fuͤnff und achtzig tausend Mann geschlagen/ daß da sie sich am morgens auff- machten/ alles voll todte Leichnam gelegen. Esa. XXXVII, 36. Erschroͤck- lich die jenige Nacht/ wann Belsazer der Babylonische Koͤnig/ da er sei- nen Gewaltigen und Hauptleuten/ ein herꝛlich Mahl gemacht/ und sich voll mit ihnen gesoffen/ einsmals gesehen herfuͤr gehen fuͤnff Finger/ als einer Menschen-Hand/ die geschrieben gegen dem Leuchter uͤber auff Neunter Theil. Z die Die Vierte die getuͤnchte Wand in dem Koͤniglichen Saal/ daß sich der Koͤnig dar- uͤber entfaͤrbet/ seine Gedancken ihn erschrecket/ daß ihm die Lenden schut- terten und die Beine zitterten/ in welcher er auch nachmalen getoͤdtet wor- den. Dan. 5. Deß gleichen die vesperæ Siculæ. Anno 1282. wann in ei- Gottfrid. Chron. p. 195. ner Nacht auff den dritten Oster-Feyrtag oder Oster-Dienstag/ da man an allen Orten in die vesper geleutet/ die Sicilianer in grosser furi, ex composito, die Frantzosen/ die unredlicher weiß der Koͤnigreich Sicilien und Neapolis bemaͤchtiget/ grosse Tyranney darin geuͤbet/ uͤberfallen/ bey viel tausend nieder gehauen und ermordet/ die Weiber/ so von den Fran- tzosen geschaͤndet worden/ mit der Frucht getoͤdt/ auß den Winckeln/ da- hin sie sich verschloffen/ herfuͤr gesucht/ es doͤrffte nicht bleiben einer der an die Wand pisset. Aber viel erschroͤcklicher war die Egyptische Nacht/ wann wir alle Umstaͤnde bedencken/ die Zeit/ da das wuͤrgen angegan- gen/ war die Mitternacht/ da die Leute in der Ruhe waren im besten Schlaff/ und im geringsten sich nichts boͤses versehen/ die Wuͤrger das waren Malache Raym, boͤse Engel/ Ps. LXXVIII, 49. Hamaschchith. vastator ille, der Verderber/ Exod. XII, 23. den Gott gleichsam loß gelassen/ als einen boͤsen Ketten-Hund/ der als der ἀνθρωποκτόνος unmit- telbar grausam gewuͤtet/ und hat da getroffen alle Erstegeburt und seinen Muth recht gekuͤhlt/ an Menschen und Vieh/ und zwar den Kern/ das Edelste die Erstegeburt ꝟ. 12. 29. nulla familia sine luctu, er bewieß auch seine Straff an allen Goͤttern der Egypter/ welches dann einen un- saͤglichen Schrecken gegeben. Da stund Pharao auff und alle sei- ne Knechte in derselben Nacht und alle Egypter/ und war ein groß Geschrey in Egypten/ dann es war kein Hauß/ da nicht ein Todter innen waͤre. Exod. XII, 30. II. Nox judicis mirabilis, ein Wunder-Nacht. Es hatten die Egypter alle den Tod verschuldet/ wegen des Kinder-Mords den sie an den Hebraͤischen Knaͤblein veruͤbt und begangen. Gott aber er- wehlt allein die Erstgeborne/ und sonderlich des Koͤnigs erstgebohrner Sohn. III. Nox læta \& amabilis, eine froͤliche und erwuͤnschte Nacht/ auff seiten des Juͤdischen Volcks/ als welchen Gott ein salva quardi gegeben/ wenn er das Sacrament des Oster-Lamms gestifftet kein Hund muckete in ihren Haͤusern/ sie bestrichen ihre Hauß-Schweilen mit des Oster-Lamms Blut/ da mußte der Wuͤrg-Engel fuͤruͤber hupf- fen. Jhr solt des Oster-Lamms Blut nemmen/ und beyde Pfosten Predigt. Pfosten an der Thuͤr/ und die oͤberste Schwelle damit bestrei- chen/ an den Haͤusern da sie es innen essen/ und das Blut soll euer Zeichen seyn an den Haͤusern darinnen ihr seyd/ daß/ wann ich das Blut sehe/ fuͤr euch uͤbergehe/ und euch die Plage nicht wiederfahre/ die euch verderbe/ wann ich Egyptenland schlage. Und nemmet ein Puͤschel Jsopen/ und dunckets in das Blut in dem Becken/ und beruͤhret damit die Uber- Schwelle/ und die zween Pfosten/ und gehe kein Mensch zu seiner Hauß-Thuͤr heraͤuß biß an den Morgen. Denn der HErꝛ wird umher gehen und die Egypter plagen/ und wenn er das Blut sehen wird an der Uber-Schwelle/ und an den zween Pfosten/ wird er fuͤr der Thuͤr fuͤruͤber gehen/ und den Verderber nicht in euere Haͤuser kommen lassen zu plagen. Exod. XII, 7. 13. 22. 23. Und also muckete kein Hund/ beyde unter Mensch und Vieh/ auff daß ihr erfahret/ wie der HErꝛ Egypten und Jsrael scheide. Exod, XI, 7. Quemadmodum regiæ statuæ, quamvis inanimatæ, confugientes ad se, tamen servare solent, non quia statuæ, sed quia Regem repræsentant: similiter agni san- guis homines salvos facere debuit, non quia sanguis erat, sed quia sanguinem Christi referebat. sagt Chrysost. Tom. 5. in serm. Das ist: Gleichwie die Koͤnigliche Ehren-Saͤule/ wiewol sie lebloß/ doch alle die so ihre Zuflucht zu ihnen nemmen/ beym Leben zu erhalten pflegen/ nicht so fern sie steinerne Saͤulen/ sondern so fern sie an statt des Koͤnigs da stehen; Gleicher gestalt mußte das Lamms-Blut das Jsraelitische Volck schuͤtzen und vom Tod erretten/ nicht so fern es Lamms-Blut/ son- dern so fern es Christi Blut fuͤrbildete. IV. Nox memorabilis, eine denckwuͤrdige Nacht/ dann in derselbigen Nacht zogen sie auß der schweren Dienstbarkeit/ darinnen sie 430. Jahr sich haben muͤssen schleppen/ aͤngsten und plagen lassen/ und zwar mit grosser Beute/ der silbern und guldenen Geraͤthe/ und Kleidern/ da der gerechte Richter den Egyptern gleichsam den Heimgang gethan/ und den Jsraeliten ihren Lied-Lohn zu erkant/ mit Schaafen und Rindern und mit fast vielem Viehe. Deßwegen auch der Herr das Oster-Fest eingesetzet zum ewigen Gedaͤchtnuͤß. Haltet ob dem ungesaͤuerten Brod/ dann eben an demselbigen Tag hab ich euer Heer Z ij auß Die Vierte auß Egyptenlande gefuͤhret/ darum solt ihr diesen Tag hal- ten/ und alle euere Nachkommen zu ewiger weise. Exod. XII, 17. Jst alles zum Fuͤrbild auff Christum geschehen/ als zu vernehmen Hebr. XI, 28. Durch den Glauben hielt er (Moses) die Ostern und das Blutvergiessen/ auff daß der die Ersten Geburten wuͤrgete/ sie nicht treffe. Es ist meine Liebsten/ die ewige Nacht/ dem Teuffel und seinen Engeln bereitet/ die aͤusserste Finsternuͤß/ darin das gantze Menschliche Geschlecht haͤtte verderben muͤssen. (Dann nachdem wir einmal den Glantz des Goͤttlichen Ebenbildes verschertzet/ seind wir zur ewigen Finsternuͤß verdamt/ massen die Finsternuͤß des Verstands/ Finsternuͤß des Willens/ das ist/ Begierde zu den Wercken der Finsternuͤß/ Finsternuͤß im Hertzen/ Furcht/ Angst/ Schrecken/ Bangigkeit fuͤr GOttes Gericht/ der Vorschmack der ewigen Finster- nuͤß.) Nox terribilis, dann wer wil außsprechen/ die aͤusserste Finster- nuͤß/ da seyn wird Heulen und Zaͤhnklappen/ die unaußsprechliche Schmertzen/ Pein/ Marter und Qual der Verdam̃ten/ daß wer daran gedenckt/ einem billig die Haut schauret/ und alle Haar gen Berg stehen. Nox mirabilis, die wird verwandelt in eine Creutz-Nacht/ da unser Buͤr- ge JEsus Christus die Marter und Pein auff sich genommen/ die wir haͤtten sollen außstehen/ da der rechte primogenitus das Schooß-Kind des Himmlischen Vaters/ die erste Krafft und Macht Go ttes/ der ober- ste im Opffer und der oberste im Reich. Confer 2. Reg. 3. in die aͤusserste Schmertzen des ewigen Tods gesetzt/ folgenden Tag aber am Stammen des Creutzes erwuͤrget und getoͤdtet worden. Nox amabilis \& læta, eine erfreuliche Nacht dem gantzen Menschlichen Geschlecht acquisitivè, darin er Heyl/ Leben und ewige Seligkeit erworben. Aber den glaubi- gen und außerwehlten Kindern GOttes/ welche dieses Oster-Lamm mit Glauben essen/ erfreulich/ wegen des Genusses selbsten/ hie anfangs weiß/ dort vollkom̃lich immer und ewiglich. Nox memorabilis, deren wir nimmermehr vergessen/ Kindern und Kindes-Kindern davon sagen sollen/ wie dann der Herr darum das H. Abendmahl eingesetzt ad me- moriam sui, seinen Tod zu verkuͤndigen. Jst eben die jenige Nacht/ in welcher der HErꝛ JEsus verrathen. Zu gleicher weiß wie man aber in Historischer Beschreibung/ sonderlich in Testaments-Verfassung/ pfle- get die denckwuͤrdigen Umstaͤnd zu verfassen/ ad reminiscentiam juvan- dam, also thun auch hie die H. Evangelisten/ nennen die Zeit/ und dersel- ben Predigt. ben anhangenden Umstand der prodition und Verrathung. Jst eben das jenige davon wir dieses mal zu reden und zu handeln/ dann nachdem wir naͤchst den stylum der H. Evangelisten erwogen/ also wollen wir nun erwegen den ersten Umstand/ die Zeit/ wann dieses H. Testament einge- setzet worden. Der Herr verleihe zu unserm Vorhaben Liecht/ Krafft und Beystand des H. Geistes/ Amen. G Eliebte in Christo. Drey Umstaͤnd haben wir allhie zu betrachten 1. Tempus, 2. Temporis progressionem, 3. Temporis memorabile adjunctum. I. Tempus ipsum, die Zeit an sich belangend/ das war nun eine Nacht/ wir muͤssen aber der Sach fleissiger nachdencken/ als an deren nicht wenig gelegen/ und erwe- gen das Jahr/ so ist nun solches geschehen im Jahr der Welt 3983. im Jahr Christi 33. unter der Regierung des Kaysers Tiberii, der Land- Pflegerey Pilati, und dem Hohen Priesterthum Caiphæ, den Monat/ das war der Hebraͤische Abib, der Chaldaͤische Nisan, ohngefaͤhr in un- serm Mertzen theils/ theils im Aprillen/ welcher Monat seinen Anfang genommen in æquinoctio verno, da Tag und Nacht zur Fruͤhlings Zeit einander gleich geweßt. Den Tag/ das war zu End des 14. Tags zu Abend/ darauff der 15. Tag und also der erste Tag der suͤssen Brod nach Juͤdischem Gebrauch angebrochen/ wie erhellet Lev. XXIII, 5. Am vier zehenden Tag des ersten Monden zwischen Abends/ ist des HErꝛn Passah/ und am fuͤnffzehenden desselben Monden ist das Fest der ungesaͤuerten Brod des HErꝛn/ da solt ihr sieben Tage ungesaͤuert Brod essen. Zu unserer Zeit gerechnet am gruͤnen Don- nerstag/ des Tags Zeit war inter duas vesperas, zwischen zween Abenden. Variè quidem à Rabinis \& aliis interpretibus circumstantia illa temporis inter duas vesperas exponitur 1. Rabbi Nathan. R. Si- meon filius Johai. R. Salomon. R. Levi. R. D. Kimchi. R. Moses Gerundensis, Lyranus, Abulensis \&c. Primam vesperam dicunt esse declinationem solis à meridie versus occasum, secundum ipsum solis occasum. Sed illorum sententiam refellit Aben-Ezra cum inso- lens sit, totum tempus pomeridianum vocari vesperam. 2. Aben- Ezra, Oleaster, Jacobus Faber Stapulensis, \& alii statuunt, pri mam vesperam esse solis occasum, secundum esse initium noctis sive tene- brarum. Inter has enim intercedit crepusculum, puta aliquid temporis, quo lumen aliquod solis post ejus occasum in aëre adhuc apparet, per- Z iij inde Die Vierte inde ut fit manè ante solis ortum. Hanc sententiam amplectuntur Judæi hodierni, \& quotquot ab hinc 400. annos ex ipsorum or- dine scripserunt, unde definiunt illud tempus duarum vespera- rum, inter solem horizonti occiduo insidentem, idque vocant \& à nostro hæmisphærio absentiam, quod ipsis dici- tur una vespera (inquit Aben-Ezra) est solis, altera Luminis, Solis vespera est tempus, quo occidit Sol, \& absorbetur super terram, Luminis vespera est Lux, splendor, sive irradiatio illa, quæ post occasum solis in nubibus aliquandiu apparet. Sed Scaliger l. 6. de Emend. temp. p. 269. rectè monet, intervallum illud adeò angu- stum esse, ut ςιγμὴ χρόνου non absurdè vocari possit. Adde, quod tempore illo agnus fuerit manducandus. Nam, ut constat ex Levit. 23. ꝟ. 5. Num. 28. ꝟ. 16. agnus immolandus erat die decima quarta ad vesperam, sed comedendus cum azymis die decima quinta, quæ incipiebat à solis occasu, quo finiebatur dies decima quarta, ut patet Exod. 12. ꝟ. 6. \& 8. Quod si ergo illud tempus comestioni agni Paschalis fuit destinatum, quomodo in illius an- gustiis agnus jugulari, pelle exui, exenterari, purgari, igne assa- ri, manducari poterit. 3. Lipomanus dicit, tempus inter duas ve- speras esse noctem, quæ inter vesperam diei præcedentis, \& inter crepuscu- lum matutinum, quod dici potest vespera, diei sequentis injecta est. At- qui hac ratione agnus paschalis non vespere diei decimæ quar- tæ, sed nocte pertinente ad diem decimam quintam immolatus fuisset, quod Scripturæ repugnat. 4. Sed commodissima est sententia Scaligeri, Cajetani, Masii, Schindleri, Casauboni, \&c. quod tempus inter horam nonam, quæ respondet nostræ tertiæ pomeridianæ, \& horam undecimam, quæ respondet nostræ quintæ, interjectum dictum fuerit duarum vesperarum, sive in- ter duas vesperas. Duplex enim est apud Judæos à quo die initium juxta legalem computationem facere solent. Alterum est ab oblatione vespertina, cum jam sol declinat ad occasum; alterum à solis occasu, cum jam infrà nostrum horizontem de- scendit. Intervallum oblationis \& occasus vocatur in lege τῷ ἐσπέρῳ duæ vesperæ. Ita Gerhard. in harm. Evang. cap. 179. p. m. 1264. Von 9. Uhr an biß 11. nach dem Juͤdischen comput, unserer Zeit-Rech- nung nach zwischen Abends drey und fuͤnff Uhren/ da man das Abend- Opffer Predigt. Opffer pflegte zu opffern/ eben um die Stund/ als das Lamm GOttes am Creutz seinen Geist folgenden Tags auffgegeben/ das war nun die Stund/ davon der Herr so offt gesagt: Die Stund waͤre noch nicht kommen/ jetzt war die Stund da/ die Macht der Finsternuͤß/ die traurige Stund/ davor ihm so angst und bang geweßt/ Joh. XII, 27. Jetzt ist meine Seele betruͤbt/ und was soll ich sagen? Vater hilff mir auß dieser Stunde. Und Joh. XIII, 21. Da JEsus solches ge- sagt hatte/ war er betruͤbt im Geist. Das ist die innere Seelen- Nacht/ da die Wolcken des Goͤttlichen Zorns/ und das Ungewitter sich zusammen gezogen/ da GOttes hoͤll-brennender Zorn nachgehends uͤber ihn außgedonnert/ und die Baͤche Belial sich uͤber ihn ergossen. Die Suͤnde alle ins gesamt Heersweiß unter die Augen getretten/ das war die Zeit/ da er wußte daß er auß dieser Welt gienge zum Vater. Joh. XIII, 1. Jetzt gehet das Gericht uͤber die Welt/ nun wird der Fuͤrst dieser Welt außgestossen werden. Joh. XII, 31. Hie fallet gleich anfangs die Frag fuͤr/ darinnen die Gelehrten nicht allerdings eins/ ob Christus anticip irt/ und die Ostern ehe gehalten/ als die Juden/ oder zugleich. Jenes wolten vor Zeiten die Griechen behaupten/ vor- gebende/ man muͤßte in gesaͤuertem Brod communici ren/ weil Christus/ ehe die Tage der suͤssen Brod angebrochen/ Ostern gehalten. Paulus Burgensis haͤlt davor/ die Juden haͤtten es auffgeschoben/ und einen Tag weiter hinauß verlegt. Wider die Schrifft/ dann Luc. XXII, 7. steht klar: Es kam nun der Tag der suͤssen Brod/ auff welchen man mußte opffern das Oster-Lamm. Vermuthlich ists/ es seye auff einen Tag geschehen/ dann so allererst den Tag hernach die Juden Ostern gehalten/ oder vielmehr zween Tag hernach/ als am Samstag/ so wuͤr- den die Juͤnger noch nicht alles bereit gefunden haben/ auch Christus eine schwere Anklag uͤber sich ergehen lassen muͤssen. Sprichstu/ es stehet ja Joh. XVIII, 28. Die Juden giengen nicht in das Richthauß/ auff daß sie nicht unrein wuͤrden/ sondern die Ostern essen moͤchten. Antwort/ hie werden verstanden die Oster-Opffer/ so die sie- ben Tag uͤber nacheinander geschlachtet worden. Act. XII, 4. bey welchen kein Unreiner erscheinen durffte. Num. IX, 1. wie? Sprichstu ferner/ der Tag der Creutzigung Christi wird ja der Ruͤst-Tag genennet. Joh. XIX, 14. Antwort/ nicht der Ruͤst-Tag auff das Oster-Lamm/ dann das dorffte man auff den Oster-Tag selbst schlachten und braten. Exod. XII. 16. son- dern auff den Osterlichen Sabbath/ ϖ σά ατον, Marc. XV, 42. II. Pro- Die Vierte II. Progressio temporis von Tag zu Tag. Am vorigen Sab- bath/ unserm Sonnabend vor dem Palmtag/ kam der Herr gen Be- thanien/ 15. Feldwegs von Jerusalem gelegen/ wird bewuͤrthet von La- zaro und Martha/ kehret ein in ein Hauß Simonis des Außsaͤtzigen/ wird da gesalbet von einem Weib Maria/ auß einer Stadt Ephrem ge- nant. Am folgenden Tag darauff/ als unserm Sonn- und Palm-Tag/ welches war der zehende Tag/ da sonst nach Mosaischem Gesetz/ das Oster-Lamm mußte erwehlt und außgesondert werden/ stellet sich dieses Laͤmmlein zu Jerusalem ein/ mit sonderem ungewohnlichem apparat, dann als er nahe hinzu kommen/ reitet er auff einem Eselin vom Oelberg herab/ weinet uͤber die Stadt/ haͤlt seinen Koͤniglichen Einzug/ trieb die Kaͤuffer und Verkaͤuffer auß dem Tempel/ am Abend machte er sich wie- der hinauß/ und verbarg sich gen Bethanien/ das geschach am Palmtag. Am folgenden Montag zog er wieder von Bethanien gen Jerusalem/ verflucht unterwegs den unfruchtbarn Feigenbaum/ lehrt offentlich im Tempel/ auff den Abend zog er wieder zu der Stadt hinauß. Am Dien- stag kom̃t er wieder in die Stadt Jerusalem/ thut allerhand Predigten/ haͤlt disputat mit seinen Feinden/ davon Matth 21. 22. cap. Marc. 11, 12. Luc. 20, 21. zu lesen/ gegen Abend wieder hinauß auff den Oelberg/ setzt sich gegen dem Tempel/ propheceyt von Untergang der Stadt und vom Juͤngsten Gericht. Matth. 24. 25. Marc. 13. Luc. 21. kom̃t aber wieder in die Stadt/ biß auff den gruͤnen Donnerstag/ wie wir dann von dem Mit- woch nichts wissen/ der Herr sagt: Jhr wisset/ daß nach zweyen Tagen Ostern wird/ und des Menschen Sohn wird uͤber- antwortet werden/ daß er geereutziget werde. Matth. 26, 2. trifft alles gar artig ein/ mit dem Typo des Alten Testaments/ dann am ze- henden Tag mußte das Laͤmmlein außgesondert werden/ das geschach am Palmtag/ auff daß es den 14. Tag geschlachtet wuͤrde. III. Concomitantia temporis, Jn der Nacht da er verra- then war/ παρεδόϑη ist zu verstehen de traditione Patris von der Uber- gab des Vaters/ Act. 2, 23. Denselben nachdem er auß bedachtem Rath und Versehung GOttes ergeben war/ habt ihr genom- men durch die Haͤnde der Ungerechten/ und ihn angehefftet und erwuͤrget. Und Act. 4, 27. Warlich ja/ sie haben sich ver- samlet uͤber dein heiliges Kind JEsum/ welchen du gesalbet hast/ Herodes und Pontius Pilatus/ mit den Heyden und dem Volck Jsrael/ zuthun was deine Hand und dein Rath zuvor Predigt. zuvor bedacht hat/ das geschehen solt. Die schwartze Wetter des Goͤttlichen Zorns zogen allgemach von allen Orten auff ihn zu/ Gott warff aller Suͤnde auff ihn/ die ihn dermassen quaͤlten/ daß seine Seele betruͤbt wurde biß in den Tod/ eine einige Suͤnde wider das Gewissen wie angst macht sie doch dem Menschen! wil geschweigen alle Suͤnden. παρεδόϑη er war uͤbergeben von sich selbst/ dann er gibt sein Leben selbst in Tod/ er gibt seinen Leib zu einer Speiß/ und sein Blut zu einem Tranck/ παρεδόϑη er war uͤbergeben dem Satan/ der als der hoͤllische Jaͤger der fruͤh-gejagten Hindin allenthalben nachgestellt/ der hat seinen Spuͤr- Hund eben dazumal um 30. Silberling gedingt/ die Jaͤger waren die Hohenpriester und Schrifftgelehrten/ die Hunde die Scharwacht/ Pon- tius Pilatus/ Herodes/ da war er im Hatz und in der Jagt/ derowegen da also Christus der Eingebohrne Sohn GOttes uͤbergeben und von Juda verrathen war/ da schon der Geding gemacht/ und der Satan dem Juda ins Hertz gegeben/ daß er ihn verrieth/ biß er vollends durch den Bissen/ von Christo dargereicht/ geoffenbaret/ und daruͤber grimmig boͤß worden/ hinauß gegangen/ und seinen boͤsen Willen vollbracht. Da der hoͤllische Wolff seine Zaͤhne gewetzt/ das Laͤmmlein GOttes zu verschlin- gen/ da der Satan Stricke und Ketten zusammen geflochten/ ihn zu bin- den/ die Ruth und Geisseln bereitet/ ihn zu geisseln/ die Naͤgel zusammen gelesen/ das Holtz erkohren/ Gall und Essig uͤbergesetzt/ da hat er das H. Abendmahl eingesetzt. Nicht hat ers gethan dazumal/ als er von himmlischer Glori geleuchtet Matth. 17. Nicht auff den letsten Tag/ da er mit Triumph gen Himmel gezogen/ zu bezeugen/ daß es eine Traur- und Trost- und Lieb- und sonderliche Ehren-Mahlzeit/ daß es ihm nicht um seine Majestaͤt/ sondern um unsere Seligkeit zu thun gewesen/ daß es eine Mahlzeit der reisenden Wall-Bruͤder in dieser streitenden/ und nicht der seligen Himmels-Burger in der triumphirenden Kirchen/ ein Mahl fuͤr die Krancken und nicht fuͤr die Gesunden. Und das war nun die Nacht/ darinnen Christus das H. Abendmahl eingesetzet hat/ die von Gott bestim̃te/ fuͤrgebildete/ geistliche Traur-Nacht/ uns Menschen aber die hoͤchste Trost- und Freuden-Nacht. Das war die Zeit/ davon wir pflegen zu singen: Er sprach zu seinem lieben Sohn/ Die Zeit ist hier zu erbarmen/ Fahr hin meins Hertzens werthe Cron/ Und sey das Heyl dem Armen/ Und hilff ihm auß der Suͤnden Noth/ Erwuͤrg fuͤr ihn den bittern Tod/ Und laß ihn mit dir leben. Darum: Nun freut euch liebe Christen ge- Neunter Theil. A a mein/ Die Vierte mein/ Und laßt uns froͤlich singen/ Von GOttes suͤsser Wunderthat/ Die er an uns gewendet hat/ Gar theur hat ers erworben. Auß welchem dann erhellet/ wann und zu welcher Zeit das heilige Abendmahl zu empfangen seye? Wann man soll zu gehen/ wie lang man verzeihen soll/ und wie offt? Wo wollen wir nun den Anfang nemmen zu erzehlen die Fehler/ die in diesem Stuck vorgangen sind und noch vor- gehen. Massen sich befinden I. Superstitiosi, die fich auß Zwang auff einen gewissen Tag gebunden/ als vor Zeiten die Tesseradecatitæ, Quar- tadecimani, vierzehen Taͤgler/ welche den 14. Tag Martij zum Gebrauch des H. Abendmahls bestim̃t. Paschalitæ die sich gebunden auff den Gruͤnen-Donnerstag Abends. Augustinus in epist. 118. ad Januar. er- zehlt/ daß zu seiner Zeit in vielen Africanischen Kirchen am Donnerstag vor dem Oster-Fest zu Nacht nach dem Abendessen den Christen das Abendmahl gegeben worden/ zu dem End/ auff daß Christi Handlung desto mehr und staͤrcker præsent irt wuͤrde. Es ist aber diese Gewonheit im VI. Synodo Constantinopolitanâ auffgehaben worden. Zwar wo der Aberglaub nicht anklebt/ mag es wol seyn/ wie es dann in unsern Evangelischen Kirchen auch uͤblich auff den Gruͤnen-Donnerstag zu communiciren/ und geschicht auch mit groͤsserer devotion. Aberglaubi- scher weiß aber hat Pabst Innocentius III. ein Gewissens-Strick darauß gemacht/ und gebotten auff Ostern zu zugehen/ und wer es unterließ der begieng eine Tod-Suͤnde. Di exelius part. 2. Ros. p. 282. schreibt: Veræ in sacram communionem devotionis est, apud animum suum decer- nere, octavo quoque die, minimum semel singulis mensibus hanc mensam accumbere. Ultrà mensem differre, animi semet negligen- tis \& frigidi signum est. Es gehoͤrt zur rechten Andacht gegen dem H. Abendmahl/ bey sich zu beschlie en/ alle acht Tag/ auffs wenigste/ alle Monat einmal zum Tisch des Herrn zu gehen. Wer es uͤber einen Monat auffschiebet/ der bezeugt/ daß er eines saumseligen/ und kalten schlaͤfferigen Gemuͤthts seye. II. Dilatores, die ihre Kinder (ich rede nicht von gar jungen/ die sich selbst noch nicht pruͤfen koͤnnen) Soͤhne und Toͤchter nicht ehe zum Abendmahl lassen/ als biß sie Mannba wer- den/ und das soll ein Character seyn der Außfuͤhrung/ daß nunmehr die Tochter feyl. III. Superstitiosi familiarum congregatores. Daß Freundschafften und ein gantzes Hauß mit einander communiciren ist nicht unrecht/ stehet wol/ und ist eine schoͤne Ordnung/ verstehe wann sie alle bereit/ kein Aberglaub mit unterlaufft/ wann es geschicht ohne Ver- kuͤrtzung. Predigt. kuͤrtzung. Aber da gehts/ eine Partey ist geist-hungerig/ der andern eckelt es/ die eine hat noch eine Wasche außzuwaschen/ die andere hat sich noch nicht versoͤhnt. IV. Temporis definitores, die sich an eine gewisse Zeit binden/ die Calender-Geister/ die ihre Nothdurfft nach dem Calender abmessen/ und ihre Viertel-Jahr so eben halten/ gleichwie das schrepffen/ da doch hierinnen das Gewissen frey seyn soll. Und endlich die Gottlo- sen/ die sich wol ein gantzes Jahr nicht koͤnnen dazu schicken. Diß sind lauter Fehler. Die rechte Zeit aber ist/ wann es 1. Nacht ist/ Nacht heißt hie Truͤb- sal und Widerwertigkeit/ Esa. 21, 11. wann die auß Seir gen Duma rief- fen: Huͤter ist die Nacht schier hin? Huͤter ist die Nacht schier hin? Der Huͤter abersprach/ wann der Morgenschon kom̃t/ so wird es doch Nacht seyn. Wann die innere Seelen-Nacht an- gehet/ davon Joh. 9, 4. Jch muß wuͤrcken die Wercke des der mich gesandt hat/ so lang es Tag ist/ es kom̃t die Nacht/ da nie- mands wuͤrcken kan/ wann sich das Antlitz GOttes verbirgt/ wann die Sonne der Gnaden beginnt zu weichen/ wann die Nacht-Traͤume boͤser Gedancken und Einbildungen und Reitzungen sich erzeigen/ wann die Nacht-Schrecken des boͤsen Gewissens sich mercken lassen/ wann die Nacht-Bestien auß ihren Hoͤlen herfuͤr kriechen/ der Satan mit seinen Anfechtungen/ Ps. 104. 20. Summa wann die Zeit der Anfechtung vorhanden/ wann wir uns abgemattet in der Schlacht/ wie Abraham wider Kedor Laomor Gen. 14. Wann wir in das geistliche Schweiß- Bad muͤssen/ wann Creutz und Truͤbsal als eine Fluth einreißt/ wann die Suͤnden auff den Schau-Platz des Gewissens tretten/ und als ein Heer sich unter Augen stellen. Wann der Mensch nicht weiß/ wo er auß noch ein soll/ sonderlich wann Gott sein Gast-Recht haͤlt Ps. 102, 10. Aschen fuͤr Brod/ Thraͤnen fuͤr Tranck/ Weinen fuͤr Tisch-Music fuͤr- stellt/ davon Lutherus Tom. 7. Jen. p. 319. Es ist noch das geringste Leiden/ welches der Teuffel durch die Welt auff uns treibt/ so die Christenheit aͤusserlich und mit leiblichen Waffen an- greifft/ als Schwerd/ Kercker/ Beraubung Guts und Leibs dazu. Aber das ist viel schwerer/ so er selbst inwendig treibt/ da er die Hertzen angreifft/ martert und plaget/ mit seinen verlipten feurigen Pfeilen/ das ist/ mit Schrecken und Angst der Suͤnde/ und GOttes Zorns/ da er dem Menschen/ der da sonst bloͤde und furchtsam ist/ ein Truͤncklein schenckt/ nicht A a ij von Die Vierte von bitter Wermuth und Galle/ sondern das da heißt Hoͤllen- Angst/ und in ein Bad fuͤhret/ da er ligt/ wie in einem gluͤen- den Ofen/ daß ihm das Hertz zu schmeltzen moͤcht. Wie er Christo selbst that im Garten/ daß er des mußte mildiglich Blut schwitzen/ das ist erst das rechte Leiden/ welches alle Marter und Leiden uͤbertrifft/ da ihme die Christen muͤssen herhalten/ und durch die Spiesse lauffen/ wie St. Paulus klagt/ daß er taͤglich sterbe/ und eitel Toͤdung an seinem Leibe fuͤhle/ daß ein solcher solt lieber alle leibliche Marter und Toͤdte leiden/ aber es wird nichts anders drauß/ wir muͤssen dem Teuffel herhalten/ dann weil er muß leiden/ und fuͤhlet/ daß ihme Christus auff den Kopff wil tretten durch uns/ wie Gen. 3. gesagt ist/ so muͤssen wir auch leiden/ daß er sein Gifft nach uns scheußt/ und mit aller Macht in die Fersen beisset/ hauet und sticht/ mit dem Tod und Hoͤllen/ und also daß es uns wehe thut/ und durchs Hertz gehet. Wann wir verrathen werden/ wann die Hohenpriester und Schrifftgelehrten sich versam̃len/ ein Blut-Bad uͤber das andere an- richten/ und also auch von aussen das rothe Creutz im weissen Felde tra- gen muͤssen. Wann der Satan uns zum Boͤsen reitzt und hernach ver- rath/ bey Gott Tag und Nacht verklagt/ wann uns Judas in unserm Busen/ unser Hauß-Genoß/ unser alter Adam durch schweren Suͤnden- Fall in Leiden und Noth gebracht. Summa so offt offentliche Land- Straffen wuͤten/ so offt uns Creutz und Ungluͤck heimsucht/ und uns GOttes Gnade wollen disputi rlich machen. Fragstu noch wann? Ach allezeit solte es seyn/ gleichwie wir allezeit solten Sabbath halten; wie solches geschehen in der ersten Kirchen/ da sie wegen der Verfolgung keinen Tag ihres Lebens sicher geweßt/ weil aber solches nicht allezeit ge- schehen kan/ so geniesse es geistlich im Glauben/ und offt zur Bestaͤtigung des Glaubens Mund-Sacramentlich/ das geistliche Essen ist die Noth- Speiß/ das Sacramentliche der Ehren-Tranck und Lust-Speiß. Ey sprichstu/ ich bin aber mit meinem Neben-Menschen noch nicht versoͤhnt. Antwort/ wie Gott an dir thut/ und dir vorkom̃t mit seiner Gnade/ also soltu auch an deinem Nechsten thun/ ihme entgegen gehen/ und Versoͤh- nung anbieten. Offentliche Rechts-Haͤndel bleiben an seinem Ort/ und gehoͤren hieher nicht/ wann man die Sache dem Richter befiehlt/ und alle Predigt. alle unordentliche Affecten auß dem Weg raumet. Sprichstu ferner/ wann ich schon hingehe zu diesem Sacrament/ so kom̃t doch die Ge- wissens-Angst wieder. Antwort/ kaͤmpffe und streite darwider/ die Suͤnde laͤßt allezeit eine cicatricem und Wundmahl nach sich/ so aber dem Menschen nicht zum Zweiffel verleiten/ sondern zur Fuͤrsichtigkeit dienen soll. Wie/ sprichstu noch einmal/ ich suͤndige aber wieder/ Ant- wort/ die Juͤnger Christi waren rein. Joh. 13. noch gleichwol fangen sie alsobald darauff einen Præceden tz-Streit an/ schlaffen/ da Christus lei- det/ fliehen davon. Petrus thut einen grossen Fall. Sonderlich ist dieses Mahl von noͤthen wann wir wandern muͤs- sen/ durchs todte Meer und das Passah halten/ in dem finstern Thal des Todes/ da ist diese Speiß und Zehr-Pfenning wol von noͤthen. Hiero- nymus soll in seinem Todes-Kampff gesagt haben. O sacrum convi- vium, \& peregrinantium viaticum, quô de hoc mundo pervenitur ad cœli consortium. Eja ergò fidelis anima, hoc fruere convivio, in quo Salvatoris tui corpus sumendum proponitur: O du heiliges Gast-Mahl und Zehr-Pfenning deren die dem Himmel zu wallen/ durch welches man auß dieser Welt kommet zur Ge- sellschafft der triumphirenden Himmels-Buͤrger/ wolan dero- wegen du glaubige Seele/ mache dich theilhafftig dieses Himmels-Mahls/ in welchem dir der Leib deines Seligma- chers zu essen auffgestellet wird/ so wird alsdann dein JEsus/ Qui se dedit nascens in socium, Convescens in edulium, Moriens in precium, Regnans in præmium. Der durch die Geburt worden dein Gesell/ Durchs Sacrament gespeißt dein Seel/ Durch seinen Tod dein Rantzion/ Werden dort dein Cron und Gnaden-Lohn/ Das geb uns GOtt in seinem Thron/ AMEN. A a iij Die Die Fuͤnffte Die Fuͤnffte Predigt/ Von Der Vorbereitungs-Handlung Christi zum heiligen Abendmahl. G Eliebte in Christo. Es seind zwar die Wort Pe- tri in dem Evangelio Luc. 5, 8. wann er JEsu zu den Knien faͤllt und spricht: HErꝛ gehe von mir hin- auß/ ich bin ein suͤndiger Mensch! Verba admi- rantis \& timentis, schreck haffte Verwunderungs- Wort/ dann es kam ihn und seine Gesellen ein Schrecken an uͤber dem Fisch-Zug und wunderbaren Fisch-Fang/ den sie auff des Herrn Wort gethan/ daß da sie zuvor die gantze Nacht gefischt und nichts gefangen/ nun aber in einem Zug eine solche Menge Fische be- schlossen/ daß das Netz zwar zerbrochen/ und doch die Fische gehalten/ daß das Netz zerrissen/ und sie doch beyde Schiffe voll gefuͤllet/ daß die Schiffe gesuncken/ und doch nicht versuncken noch untergangen. Dar- auff dann Petrus gesagt: HErꝛ gehe von mir hinauß/ ich bin ein suͤndiger Mensch. II. Verba humiliantis, Wort eines Nider- traͤchtigen und Demuͤthigen/ wann einem manchmal in der Welt Gott seine Gutthaten zuschneyen und gleichsam Schiffs-weise/ wie hie/ zu fuͤhren laͤßt/ hilff Gott ! wie bruͤstet er sich/ nicht anders als ein fetter Wanst; Aber Petrus wird dadurch demuͤthig/ haͤlt sich dieses Uber- flusses nicht werth/ ja auß Betrachtung seiner Suͤnd/ halt er sich nicht so gut/ daß er mit Christo in Gesellschafft stehen/ und bey ihm in seinem Schifflein wohnen solle. Arnd Postill 128. Daß Petrus dem HErꝛn zu den F uͤssen faͤllt/ gibt uns eine L ehre/ daß wir auß GOttes Allmacht und W under GOtt und seine Ge- genwart sollen erkennen kernen. Denn wenn wir unser L eben bedencken/ wie wunderlich uns GOtt unser L ebenlang von M utterleibe an erhalten/ ernehret/ und auß so grossem U bel und U ngluͤck errettet hat/ muͤssen wir uns warlich druͤber verwundern/ daß wir wol mit Petro dem HErꝛn JEsu zu den K nien fallen moͤchten/ und sagen: Ach HERR bistu mit mir im Schiff/ das ist in meinem Ampt und Beruff/ des bin ich nicht werth/ daß du Predigt. du so grosse Barmhertzigkeit an mir thust/ womit habe ich das verdienet? W as kan ich dir wieder vergelten? Denn das ist Petri Argument: Du kommest in mein Schiff/ als ein Gerechter zu einem Suͤnder/ ein wahrer wunderthaͤtiger GOtt zu einem armen M enschen. Jch armer Peter/ wie hab ich so einen reichen HErꝛn in meinem Schiff: Also auch ein jeder Christ in seinem Beruff und Ampt soll wissen/ daß Christus in seinem Schifflein ist/ und dasselbe regiere und spreche: Ach HERR/ ich mercke und erkenne/ daß du bey mir in meinem Schifflein bist/ des ich nicht werth. Ein solch Hertz hatte auch der Ertz- V ater Jacob/ als ersprach: HERR ich bin zu gering aller deiner Barmhertzigkeit/ die du an mir gethan hast. Er nennet seinen Segen GOttes Barmhertzigkeit. Dann alles was wir ha- ben/ ist GOttes/ wir habens auß Gnaden. Sind aber auch III. Verba diffidentis, Wort eines Unglaubigen und Mißtrauigen. Des Menschen boͤses Gewissen versiehet sich im- mer des aͤrgsten/ welches auß dem Paradiß herkom̃t/ massen um der Suͤnde willen der Mensch GOttes/ ja auch nur eines heiligen Manns Gegenwart nicht dulten mag/ siehet Gott allezeit an/ als einen Richter/ der mit den Suͤndern nichts woll zu schaffen haben/ er seye ein verzehrend Feur. Als unsere erste Eltern nach dem begangenen Suͤnden-Fall GOttes Gegenwart im Paradiß-Garten gewahr worden/ versteckten sie sich unter die Baͤume/ fuͤr Furcht/ Scham und Schrecken. Gen. 3. deß gleichen als Judic. 13, 22. der unerschaffene Engel/ der ewige Sohn GOttes/ Manoah und seinem Weibe erschienen/ sprach Manoah: Wir muͤssen des Todes sterben/ daß wir GOtt gesehen ha- ben. Also auch da der Prophet Elias zu der Wittib von Zarpath kom- men/ empfieng sie ihn mit den Worten: Was habe ich mit dir zu schaffen/ du Mann GOttes? Du bist zu mir herein kom- men/ daß meiner Missethat gedacht/ und mein Sohn getoͤd- tet werde. 1. Reg. 17, 18. darum sagt Petrus nach deren Exempel hie auch: Gehe von mir hinauß/ setzt die Ursach dazu/ und spricht: Jch bin ein suͤndiger Mensch. Seind eben die Gedancken/ die manchem beyfallen/ und auch ab- halten vom hochwuͤrdigen Abendmahl/ in welchem Christus nicht nur unser Schiff/ unser Hauß und Wohnung beziehet/ und seinen him̃lischen Segen gleichsam als auff einem guldenen Wagen mitbringt/ sondern gar in unsern Hertzen Wohnung machen wil/ da gedencket auch manch- mal ein klein-glaubiges Hertz: O wehe/ ich bin dieser Vereinigung nicht werth! Herr gehe von mir hinauß/ ich bin ein suͤndiger Mensch. Jch bin nicht werth daß du unter mein Dach gehest. Matth. 8, 8. Und Die Fuͤnffte Und zwar ist solche Scheu und Furcht nicht gar umsonst/ dann da stehest du/ O Mensch/ zwar fuͤr deinem Heyland/ aber auch fuͤr deinem Rich- ter/ der stehet mit einem blosen hauenden Schwerdt/ wie dorten Jos. 5, 13. Es kostete die Leuthe zu Bethsemes/ als sie die Bunds-Lade nur fuͤrwitzi- ger weiß haben angesehen/ ihr Leben/ also das auff einmal funfftzig tau- send und siebentzig Mann darauff gegangen/ daß sie dannenhero außge- ruffen: Wer kan bestehen fuͤr dem HErꝛn/ solchem heiligen GOtt. 1. Sam. 6, 19, 20. Als Usa die Lade GOttes angegriffen/ und gehalten/ weil die Rinder/ so sie fuͤhrten/ beyseit außtratten/ da er grim- mete des HErꝛn Zorn uͤber Usa/ und GOtt schlug ihn da- selbst um seines Frevels willen/ daß er daselbst starb fuͤr der Lade GOttes. 2. Sam. 6, 7. Also heissets hie auch: Jst dir wol/ so bleib davon/ Daß du nicht kriegest boͤsen Lohn. Salomons Tisch- und Tafel-Regel hat auch allhier Platz/ Prov. 23, 1. Wenn du sitzest/ und issest mit einem Herꝛn/ so mercke/ wen du fuͤr dir hast/ und setze ein Messer an deine Kehle/ wilt du das Leben be- halten. Augustinus ziehet diese Wort auff das H. Abendmahl. tract. 47. in Johann. Quæ mensa est potentis? nisi unde sumitur corpus \& sanguis ejus, qui animam suam posuit pro nobis? Das ist: Was ist der Tisch dieses Herꝛn anders/ als der/ von dem man em- pfangt den Leib und Blut dessen/ der sein Leben fuͤr uns gege- ben hat? Und Hugo: Statue cultrum in gutture tuo, ut juguletur vetus homo in te, ac novus in te, Christus, vivat. Setze ein Mes- ser an deine Kehle/ daß der alte Mensch dadurch getoͤdtet wer- de/ der neue Mensch Christus aber in dir lebe. Ja es mag wol hieher gezogen werden die bekante Histori Damoclis. Dann als dieser den Koͤnig Dionysium uͤber alle massen selig prieß/ wegen seiner Macht/ Herꝛligkeit/ Reichthum und Wollebens/ sprach Dionysius zu ihm; Be- Gottfrid. Chronic. p. 133. gehrestu einmal zuversuchen/ was ich fuͤr ein Wolleben fuͤhre? Da nun Damocles sich dazu verstund/ ließ Dionysius ein koͤstlich Panquet zurich- ten/ da alles Koͤniglich zugieng/ und mußte Damocles den obersten Ort einnehmen/ da uͤber seinem Haupt ein scharff Schwerdt an einem Pferds- Haar hienge/ als wolte es ihm jetzund auff den Kopff fallen/ die Tafel war mit Speiß und Tranck auffs koͤstlichste bestellet/ da waren lauter guldene Gefaͤsse/ aber Damocles, der das Schwerdt uͤber seinem Haupt gesehen/ kunte vor grosser Furcht kein Bissen essen oder trincken/ sondern bate sehr fleissig/ man wolte ihn doch auffs baͤldeste von dannen lassen. Wie Predigt. Wie aber dem allem/ so sagt Christus zu Petro: Fuͤrchte dich nicht. Ach lieber Petre/ wie uͤbel bistu dran/ kehre es um und sprich: Ach Herr bleibe bey mir/ Biß willkomm du edler Gast/ Mich Suͤnder nicht verschmaͤhet hast/ komme zu mir/ eben darum/ weil ich ein suͤndiger Mensch bin/ dann ich bin ja eben darum in die Welt kommen/ nicht daß ich die Welt richte/ sondern daß die Welt durch mich selig werde. Wel- chen Trost Petrus auch hernach herꝛlich practic irt mit Worten und Ge- berden/ wann er Joh. 6. 68. gesprochen: Wo sollen wir hingehen/ du hast Wort des ewigen Lebens. Auch nachgehends Joh. 21, 7. sich zum Schiff hinauß begeben/ und zu Christo geschwummen. Also sollen wir zwar im H. Abendmahl mit Forcht und Zittern zu diesem aller- herꝛlichsten Tisch tretten/ doch vielmehr uns freuen/ und wie Johannes in Mutterleib unsere Freude mit hupffen und springen bezeugen/ mit Elisabeth sprechen: Woher kom̃t mir das/ daß die Mutter mei- nes HErꝛn zu mir kom̃t? Luc. 1. Ligt aber alles an rechter Vorbe- reitung der Buß und des Glaubens/ der Pruͤfung/ davon Paulus re- det. 1. Cor. 11. der Mensch pruͤfe sich selbst. Jst eben das Thema, davon wir vor dieses mal mit einander zu reden und zu handeln/ wir haben naͤchst den Umstand der Zeit betrachtet/ wann das H. Abendmahl zu ge- brauchen/ folgt ordo rerum gestarum \& præparatio ad S. Cœnam, die Ordnung der jenigen Sachen/ so vor Außspendung des H. Abend- mahls vorher gangen/ und die wuͤrdige Vorbereitung zu demselben. Der Gott der Ordnung stehe uns bey mit seiner Gnad und H. Geist/ Amen. G Eliebte in Christo. Zween Umstaͤnd haben wir allhie zu erwegen 1. ordinem mensarum. 2. ordinem rerum \& actionum gestarum. I. Ordinem mensarum, die Ordnung der Mahlzeiten. So haben wir sonderlich auff Lucam, der die Ordnung am eigentlichsten wargenommen zu sehen: der gibt nun zu verstehen/ daß eine andere Malzeit vorher gangen/ in dem Wort μετ τὸ ειπνῆσ ι, nach dem Abendmahl/ die andern Evangelisten aber/ damit/ wann sie spre- chen: ἐοϑιόντων αὐτῶν, in dem sie assen/ das ist/ vi aoristi, nachdem sie gessen hatten. Jndem sie assen/ und nachdem sie gessen hatten/ ist bey- des wahr. Nach dem Abendmahl/ als die Tisch noch da gestanden und noch nicht auffgehoben/ wie dann diß Wort nach dem Abendmahl/ nicht zu verstehen von dem Sacramentlichen Abendmahl/ wie die Paͤbstler zwar darauß erzwingen wollen/ als waͤre der Kelch nicht noͤthig/ sondern Neunter Theil. B b es Die Fuͤnffte es soll E. L. wissen/ daß damal von Christo drey unterschiedliche Abend- mahl und Mahlzeiten/ und so zu sagen/ drey unterschiedliche Gaͤnge und Tische gehalten worden. 1. Mensa sacrificialis, das Oster-Lamm/ wel- ches sie nach Juͤdischem Gebrauch/ und Mosaischem Gesetz stehend ver- zehrt. Welches die Evangelisten andeuten/ durch die ablegation sei- ner Juͤnger/ die er mit dem Befelch dasselbe zu bereiten abgefertiget: Luc. 22, 7. Es kam nun der Tag der suͤssen Brod/ auff welchen man mußte opffern das Oster-Lamm/ und er sandte Petrum und Johannem/ und sprach: Gehet hin/ bereitet uns das Oster-Lamm/ auff daß wirs essen. Deßgleichen mit dem An- spruch Christi an seine Juͤnger/ wann er unter andern diese Wort ge- braucht. Luc. 22, 15. Mich hat hertzlich verlangt diß Oster- Lamm mit euch zu essen/ ehe dann ich leide. 2. Vulgaris, darauff kam die ordentliche Mahlzeit. Benedictus Arias Montanus in cap. 26. Matth. ex priscis Rabbinis memorat, apud Judæos more receptum fuisse, ut post cœnam agni paschalis legalem, significationis \& ceremoniæ causâ institutam, atque à stantibus celebratam, cœnaretur etiam adhibitis aliis epulis, prout quisque pro facultate \& reli- gione festi poterat, idem consirmat Scaliger l. 6. de emend. temp. p. 271. Maxima, inquit, solennia, ut Pascha, Pentecostes, Scenopeia, florentibus, Judæorum opibus, ac templo stante, semper duarum cœnarum commissione transigebantur. In priore hostiis immolatis vescebantur. Hoc erat sacri- ficium ipsum, in altera quædam canebantur, ἐξιλαςικὰ καὶ ἐυχαριςικὰ, \& vocabatur hoc est εῖπνον πολυτικὰν, cœna dimisso- ria, quæ erant velut secundæ mensæ apud gentiles. In his secundis mensis, epulis sacrificii jam functi gratias Deo agebant, \& potionem circumfere- bant, Paschali autem sacrificio datum, ut corpus totum, aut saltem pedes lavarentur secundis mensis, ob excellentiam sanctitatis. Die agapæ, Danck-Mahl/ dabey der Herr sich gelagert/ und hernach auffgestanden/ seinen Juͤngern die Fuͤsse zu waschen/ auff diesen Tisch pflegten die Juden an statt des Nach-Tisches acetarium ex intybis \& lactucis agrestibus ein Salat von Lattich und Endivien auffzustellen/ und Brod darein zu duncken/ Allermassen wie auch Christus gethan/ als welcher den Bissen eingetaucht und Judaͤ gereicht. Secundæ mensæ paschales ab aliorum solennium mensis multum differebant. Eæ enim in aliis solennibus instruebantur bellariis, easque aut Græco verbo πίκωμον, aut patrio vocabant: At in paschate interdicebantur con- vivæ Predigt. vivæ omni genere bellariorum, in quorum numero offerebatur in triblio sive paropside acetarium ex intybis \& lactucis agrestibus, quarum quia tristis \& amarus est suceus, proptereà ex aceto \& aliis embamma conferebatur, in quod azyma \& amara illa olera intingebantur ipsorum lingua ap- pellatum. Erat autem liquidorum quorundam satura, quæ aliis rebus spissabatur. Ita Scaliger de emend. temp. p. 272. Sonderlich pflegte der Hauß-Vater ein gantz suͤß Brod in zwey Stuck zu theilen/ und uͤber deren eines diese Danck-Wort zu sprechen: Benedictus es Domine DEUS noster, Rex universi, qui educis panem è terra: das ist: Gelobet seystu Herr unser Gott/ du Koͤnig der gantzen Welt/ der du das Brod auß der Erden herfuͤr bringest. Das ander Theil aber unter das Tisch-Tuch zu verbergen/ theils/ auff daß die Kinder/ so solches sehen/ den Vater fragten/ warum er das ungesaͤurte Brod verberge/ und auff eine andere Mahlzeit verspare/ theils/ damit sie nicht/ wann sie es sehen/ ungebuͤhrlich und unvernuͤnfftig uͤber dem Nachtmahl davon es- sen. Nachgehends war ein jeder uͤber dem Nacht-Essen lustig und froͤ- lich/ nach wessen Vollendung der Hauß-Vater den andern Theil/ so er un- ter das Tisch-Tuch gelegt/ herfuͤr gethan/ auff gestanden und ein wenig davon in den Mund genom̃en und gegessen/ und nachgehends unter alle anwesende Gaͤste außgetheilt/ auff daß der Geschmack des ungesaͤurten Brods in ihrem Mund moͤchte verbleiben. Auff solche weiß pflegte er auch zu trincken/ und den Trunck mit einem Gebet und Dancksagung zu versiegeln. Und dieses war auch der Letz-Trunck/ und gleichsam der Circul-Kelch/ den Christus ließ herum gehen/ da er gesagt: Jch sage euch/ ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewaͤchs des Weinstocks trincken/ biß an den Tag/ da ichs neu trin- cken werde mit euch in meines Vaters Reich. Matth. 26. 29. Und auff diese Mahlzeit folgete 3. Mensa Sacramentalis, das Sacra- mentliche Mahl/ so Christus alsdann gantz neu und frisch eingesetzet. Also verstehet E. L. was es seye/ wann die Evangelisten sagen: Jn dem sie assen: Nach dem Abendmahl: Welches alles die heiligen Evangelisten nicht umsonst so fleissig auffgezeichnet/ Dann wie alle Schrifft von GOTT eingegeben nutz ist zur Lehr ꝛc. Rom. 15. also ist auch diese nicht umsonst geschehen. Sonderlich haben die heiligen Evangelisten die letstere Handlungen Christi/ und was sich die Nacht begeben/ alles gar genau auffgezeichnet/ mehr als son- sten/ weil alles voll lauter Geheimnuß steckt/ dann gleich wie er zu- vor Lazarum von den Todten aufferweckt/ zum Zeugnuß und Bekraͤffti- B b ij gung Die Fuͤnffte gung/ daß er sich gleicher Gestalt nach seinem Tod auß eigener Macht und Gewalt aufferwecken werde/ dann so er andern auß eigener Krafft das Leben wieder gegeben/ wie koͤnte er ewig im Tode bleiben? Er hat die koͤstliche Salbung seines Haupts von Maria zu Bethania der Schwe- ster Lazari angenommen/ seine kuͤnfftige Begraͤbnuͤß damit vorzubilden. Am H. Palmtag mit hoch-feyerlichem Pracht/ Pomp und Zierd in die Stadt Jerusalem eingeritten/ sein geistlich Reich/ Koͤnigliche Macht/ Ehr und Herꝛligkeit damit abzumahlen/ den Feigenbaum verflucht/ und damit dem kuͤnfftigen Urtheil/ so er an dem Juͤdischen Volck wuͤrde voll- strecken prælud irt/ mit seinen Juͤngern das Oster-Lamm gegessen/ zu zei- gen/ daß er das rechte corpus das rechte Lamm Go ttes auff welchen alle Laͤmmer im A. T. als Schatten-Bilder gedeutet. Also lernen wir an diesem dreyfachen Tisch und Abendmahl/ daß dreyerley Art zu essen bey dem H. Abendmahl/ wie auch drey unterschiedene Tisch anzutreffen seyn. Ein geistliches Essen/ abgebildet an dem Opffer-Mahl des Oster-Lam̃s/ ein gemeines und natuͤrliches/ und dann ein Sacramentliches Essen. Daß auch ein Unterscheid sey unter dem geistlichen und Sacramentli- chen Essen/ dann das geistliche Zeich-Essen hatten sie am Oster-Lamm/ dieweil aber Christus uͤber das noch einanderes Essen eingesetzt/ ist abzu- nemmen/ das Gegentheil/ die so genannten Reformirten/ in grossem Jrꝛthum begriffen/ die von keinem als geistlichem Essen wissen wollen. Wir lernen/ daß vor dem Sacramentlichen Essen das geistliche Niessen erfordert werde/ wir muͤssen zuvorderst das rechte Oster-Lamm Christum im Glauben essen/ ehe wirs im Sacrament empfangen. Wir lernen/ daß an wuͤrdigem Brauch des H. Abendmals im geringsten nichts ab- gehe/ wann schon der Genuß anderer Speiß vorher gangen. Es haben sich vor diesem aber glaubische Leute gefunden/ die dafuͤr gehalten/ man muͤßte nothwendiger weiß nuͤchtern zugehen/ zuvor fasten und leiblich sich bereiten/ ist auch in Concil. Carthag. 6. Can. 29. geschlossen worden. Aber es ist auch allhie/ wie sonst/ der Nothfall excip irt/ bey krancken schwachen Leuten: dahero dann auch unser sel. Luth. im Catech. schreibt: Fasten und leiblich sich bereiten/ seye wol eine feine aͤusserliche Zucht/ und mehr nicht/ es gehoͤret nicht zum Wesen der fruchtbarn Niessung. Folget nun auch im II. Umstand ordo rerum gestarum, die Ord- nung und der richtige Verlauff der jenigen Stuck/ so bey Niessung des Oster-Lamms vorgangen/ als welche uns zum Fuͤrbild geschehen. So stehet nun fornen an 1. Separatio agni quadriduana, die Absonde- rung Predigt. rung des Oster-Lamms/ so vier Tag zuvor mußte vorgenommen werden/ vermoͤg der Goͤttlichen Einsetzung Exod. 12, 3. 4. 5. 6. Sagt der gantzen Gemeine Jsrael und sprecht: Am zehenden Tag dieses Monden/ nehme ein jeglicher ein Lamm/ wo ein Hauß- vater ist/ ja ein Lamm zu einem Hauß/ wo ihr aber in einem Hauß zu einem Lamm zu wenig sind/ so nehme ers und sein nechster Nachbar an seinem Hause/ biß ihr so viel wird/ daß sie das Lamm auffessen moͤgen. Jhr solt aber ein solch Lamm nemmen/ da kein Fehl an ist/ ein Maͤnnlein und eines Jahrs alt/ vonden Laͤmmern und Ziegen solt ihrs nemmen/ und solts behalten biß auff den vierzehenden Tag des Monden. ꝛc. Dann gleichwie alle andere Opffer/ nachdem sie von anderm Vieh ab- gesondert und außerkohren worden/ mußten fuͤr die Stiffts-Huͤtten ge- bracht werden/ also mußte auch das Oster-Lamm auff den zehenden Tag des Oster-Monats Abib außerlesen und abgesondert/ zwar nicht fuͤr die Stiffts-Huͤtten gebracht/ (doch wie auß den alten Juͤdischen Traditio- nen zu vernehmen/ haben sie das Lamm in die gemeine Stub oder in dem Cœnaculo an einen Bett-Stollen angebunden) sondern vier Tag zuvor der gantzen Haußhaltung fuͤrgestellet werden/ daß sie es immer vor Au- gen haben und ansehen solten/ darum und zu dem Ende/ daß sie sich des Messiaͤ erinnerten und gedaͤchten/ sie seyen die rei mortis, die den ewigen Tod verschuldet/ an dessen Statt der Allerhoͤchste Gott den Tod seines Sohns/ als des unschuldigen unbefleckten Lamms/ annemmen wolle. Und solche separation ist ausser Zweiffel dazumal auch geschehen. Also sollen wir uns zuvor auch præpari ren/ aller weltlicher Geschaͤffte uns entschlagen/ alle Hindernuͤssen auß dem Weg raͤumen/ massen solches nachgehends in der ersten Kirchen herꝛlich practic irt worden/ da sich die Communicanten etlich Tag zuvor von allen Geschaͤfften abgemuͤßiget/ und ihre Gedancken auff dieses Vorhaben gewendet/ auch den Tag zuvor gefastet an Speiß und Tranck ihnen abgebrochen/ auff daß sie folgenden Tags bey dem H. Abendmahl desto andaͤchtiger erscheinen/ im Gebet desto bruͤnstiger/ und in Erkantnuß der Suͤnden desto demuͤthiger sich erzeigen moͤchten. II. Expurgatio veteris fermenti. Die Außfegung des alten Sauerteigs/ die Kinder Jsrael doͤrfften kein gesaͤuert Brod essen/ dann so war ihnen gebotten. Exod. 12, 18. 19. Am vierzehenden Tage B b iij des Die Fuͤnffte des Monden/ des Abends/ sollet ihr ungesaͤuert Brod essen/ biß an den ein und zwantzigsten Tag des Monden an den Abend/ daß man sieben Tag kein gesaͤuert Brod finde in euern Haͤusern. Dann wer gesaͤuert Brod isset/ des Seele soll außgerottet werden von der Gemeine Jsrael/ es seye ein Fremdlinger oder Einheimischer im Lande. Die heutige Juden halten diese Sitte so genau und streng/ daß/ wie Buxtorff. in seiner Sy- nagogâ c. 12. bezeuget/ sie den Ruͤst-Tag vor dem Oster-Tag ihre Haͤu- ser und Gemach ja alle Winckel biß auff die Mauß-Loͤcher mit Wachs- Kertzen durchsuchen und außspaͤen/ damit ja kein Bissen oder Brosaͤm- lein ungesaͤuert Brod uͤberblieb/ so nicht außgefaͤget waͤre. Feget auß den alten Saurteig/ denn wir haben auch ein Oster-Lamm/ so ruffet aus Paulus 1. Cor. 5, 7. zwar unsere Leute verstehens gemeinig- lich fast auch auff gut Juͤdisch/ sie meynen/ das heisse den Saurteig auß- fegen/ wann man etliche Tag zuvor mit reiben/ fegen/ saͤubern/ mit dem Kleider-Schmuck und auffraumen zubringe/ wie dann die Martha fast niemal geschaͤfftiger damit/ als um diese Zeit. Aber das ist eigentlich der Verstand nicht/ es ist ein anderer Saurteig/ der Saurteig der Boßheit und Schalckheit/ wie ihn Paulus nennet/ die eingewur- tzelte/ angewehnte Untugenden/ und Aergernuͤssen/ grobe Einfalt/ muth- willige Blindheit und Unverstand in den Goͤttlichen Geheimnussen/ Gottes-Laͤsterung/ und Mißbrauch des Goͤttlichen Namens/ Meineyd/ Sabbath-Schaͤndung/ Trunckenheit/ Hoffart/ Diebstal/ Verleum- dung/ garstiges Bossenreissen/ unziemliche Schertz-Reden/ aͤrgerliche Wort und Narrentheidung/ sonderlich gehoͤrt hieher die Außfegung des alten Grollen/ Hasses/ und Widerwillens. Davon schoͤne Wort fuͤhret Chrysostomus homil. de prodit. Judæ circa fi- nem. Si tibi contrà inimicum tuum dolor est, solve iram, inimicitias laxa, ut remedium de mensa percipias. Ad sanctum \& terribile sacrificium pro- peras, erubesce oblationis arcana, occisus propositus Christus est, \& cur oc- cisus est, videamus, ut cœlestia pacificet, ut in terra reconciliet universa, ut amicum te constituat Angelorum, ut Deo societ habenti omnium potesta- tem. Animam suam pro te Dominus dedit, \& tu inimicus conservo perdu- ras, \& cum hoc animo ad mensam pacis accedis. Ille ne mori quidem pro tua utilitate recusavit, \& tu nec iram tuam conservo pro liberatione conce- dis? sed forsitan dicis, ab inimico fraudatus sum, multis me læsit dispendiis, magnis me detrimentis oneravit. Quicquid dixeris, pecunia vertitur, cau- sa non te crucifixit, sicut Judæi Christum, \& tamen ille effusum sanguinem ad salutem eorum, qui effuderunt, largâ pietate concessit. III. Mun- Predigt. III. Mundatio die Reinigung/ kein Unreiner durffte von dem Oster-Lamm essen. Wann jemand unrein uͤber einem Todten/ oder ferne von euch uͤber Feld ist/ oder unter euern Freunden der soll dennoch dem HErꝛn Passah halten/ aber doch im andern Monden am vierzehenden Tage. Num. 9. 10. Also da Hiskia sein Passah gehalten/ wird gemeldet/ 2. Chron. 30. 18. Es war des Volcks viel/ von Ephraim/ Manasse/ Jsaschar/ und Sebulon/ die nicht rein waren/ sondern assen das Oster- Lamm nicht/ wie geschrieben stehet. Und diese Reinigung ge- schach auch dazumal bey den Juͤngern Christi/ und zwar durch die zwy- fache Abwaschung/ deren die eine vor der Niessung des Oster-Lamms die andere vor Stifftung des heiligen Abendmahls geschehen/ damit Christus angedeutet/ er seye der rechte mundator, dann wie die Opffer des Alten Testaments nur typicè \& externè aͤusserlich und Fuͤrbilds- weiß gereiniget/ der Ochsen- und Boͤcke-Blut und die Aschen von der Kuh gesprengt heiliget die Unreinen zur leiblichen Reinigkeit. Hebr. 9, 13. Die Opffer konten nicht vollkom- men machen/ nach dem Gewissen/ den/ der da Gottesdienst thut. c. 9. ꝟ. 9. also auch das Levitische Waschen: wann aber Christus hie seinen Juͤngern die Fuͤsse gewaschen/ ist geschehen/ daß er darthaͤte/ er seye derjenige der mit seinem Blut uns rein machet von allen Suͤn- den. War also das Waschen Christi ein aͤusserliches und ein innerli- ches/ davon der Herr redet/ wann er sagt/ was ich thue das weistu jetzt nicht/ du wirsts aber hernach erfahren. Joh. 13. 7. Und abermal: Werde ich dich nicht waschen so hastu kein Theil an mir/ ibid. ꝟ. 8. fast auff gleiche weiß/ wie Joh. 6, 53. Werder ihr nicht essen das Fleisch des Menschen-Sohns/ und trincken sein Blut/ so habt ihr kein Leben in euch. Bezeugt damit/ daß er ihn nicht nur waͤsche exemplariter, ad exemplum humilitatis, die Demuth von ihm zu lernen/ wie er dann gleich diese Vermahnung daran gehengt. ꝟ. 14. So ich nun euer HErꝛ und Meister/ euch die Fuͤsse gewaschen habe/ so solt ihr euch auch untereinander die Fuͤsse waschen. Ein Beyspiel hab ich euch gegeben/ daß ihr thut/ wie ich euch gethan habe. Warlich/ warlich ich sage euch/ der Knecht ist nicht groͤsser dann der Herꝛ/ noch der Apostel groͤsser/ dann der ihn gesandt hat/ so ihr solches wisset/ selig Die Fuͤnffte selig seyd ihr/ so ihrs thut. Sondern auch mysticè, geistlicher weiß/ das Geheimnuß seines Bluts und dessen Reinigung damit abzu- bilden/ davon Apoc. 1, 5. JEsus Christus ein Fuͤrst der Koͤnige auff Erden/ hat uns geliebet/ und gewaschen von den Suͤn- den mit seinem Blut. Worauff Christus auch zielet mit denen Wor- ten Joh. 10, 13. Wer gewaschen ist/ der darff nicht/ dann die Fuͤsse waschen/ sondern er ist gantz rein. Der Mensch hat von noͤthen ein Wasser-Bad und ein Blut-Bad/ wer durch die Tauff von den Suͤnden gewaschen/ der bedarff nicht mehr als die Erneuerung/ wegen der Erb- Suͤnde/ die noch in dem Fleisch wohnet/ und im Fleisch uͤbrig bleibt. Daß aber der Herr hie von einer geistlichen Abwaschung und Reini- gung rede/ erhellet daher/ weil er nicht sagt: Wann ich deine Fuͤsse nicht werde waschen/ sondern wann ich dich nicht werde waschen/ worauß er- scheinet/ daß er nicht von einem blosen Fuß-Waschen rede/ sondern von einer solchen Reinigung/ die den gantzen Menschen fuͤr sich hat/ mit Leib und Seel/ theils/ weil es Christus mehrmalen im Brauch gehabt/ daß er von irdischen Dingen einen Sprung gethan/ und Gelegenheit genom- men/ von geistlichen Gutthaten unter dem irdischen Bilde zu reden. Joh. 4, 13. \& 36. c. 6, 27. seq. uͤber das war ja das leibliche Fuß-Waschen nicht so noͤthig/ daß ohne dasselbe niemand Theil an Christo haben/ und des ewigen Lebens theilhafftig werden koͤnnen; massen viel tausend selig worden/ die doch Christus leiblicher weiß nicht gereiniget hat/ es hat aber die Seligkeit niemand gedeyen moͤgen/ er seye dann geistlicher weiß durch das Blut Christi gewaschen und gereiniget worden/ dann es bleibet bey- des unbeweglich/ daß niemand in GOttes Reich eingehen koͤnne/ er seye dann zuvor von seinem Suͤnden-Unflath gesaͤubert. Apoc. 21, 26. Es wird nicht hinein gehen irgend ein gemeines/ und das da Greuel thut und Luͤgen. Und daß solche Reinigung niemand an- ders verrichte/ als JEsus Christus. Act. 4, 12. IV. Apparitio peregrinatoria, der Auffzug in Gestalt der Wan- ders-Leute. Um euere Lenden (also lautet der Goͤttliche Befehl Exod. 12, 11.) sollet ihr umguͤrtet seyn/ und euere Schuh an euern Fuͤssen haben/ und Staͤbe in euern Haͤnden/ und solts essen als die hinweg eilen/ dabey sie sich mußten erinnern ihres Exilii, Dienstbarkeit und Trangsahlen/ so sie in Egypten außstehen muͤssen: Al- so sollen wir uns bey Niessung des H. Abendmals vorstellen das Exilium Paradisiacum, wie wir ob crimen læsæ Majestatis divinæ, wegen des Ehren- Predigt. Ehren-Raubs/ da wir Go tt nach Cron und Scepter gegriffen/ Go tt wol- len gleich seyn/ und Gottes gestalt angemaßt/ auß dem Paradiß verstos- sen/ auß dem Himmel verwiesen/ vom Baum des Lebens verjagt/ vom Angesicht GOttes vertrieben worden/ daß wir dasselbe in diesser Sterb- lichkeit nicht mehr anschauen koͤnnen/ und nun als Banditen und Exu- lanten gleichsam in der fremde herum termini ren und wallen muͤssen/ er- innern unserer Trangsahlen/ Sclaverey und Dienstbarkeit/ darinnen uns der Sathan viel aͤrger tyrannistret/ dann Pharao die Kinder Jsrael/ als welcher seinen Fron-Vogt in unserem Busen sitzen hat/ so niemand anders ist und heißt/ als Lex peccati, der innerliche trieb und zwang zu suͤndigen/ welcher dem Menschen Tag und Nacht keine Ruh laßt/ sondern treibet zu allem boͤsen/ und wendet ab von allem guten. Daß wir dannenhero David seine Wort wol moͤgen ablehnen auß Ps. 120, 5. Wehe mir/ daß ich ein Fremdling bin unter Mesech/ ich muß wohnen unter den Huͤtten Kedar. Jn der grossen Moͤrder-grub der argen Welt/ ja unter den Teuffeln selbst/ die mir nach Leib und Seele trachten. V. Humiliatio \& mortificatio Es mußten die Jsraeliten niedli- cher Speiß bey dem Osterlamm sich enthalten/ und dasselbe mit bittern saltzen und suͤssen Brodten essen/ Jhr solt Fleisch essen in derselben Nacht am Feuer gebraten/ und ungesaͤuert Brod/ und solts mit bitter saltzen essen. Exod. 12, 7. Jhrem Fleisch damit wehe zu thun/ und den Leib dadurch zu quaͤlen. Validiora corpora, quæ fer- mentato pane aluntur. Gesaͤuert Brod macht starcke Leute. Plinius l. 8. c. 11. Jm gegentheil ungesaͤuert Brod ist ungesund/ ligt in dem Magen/ und ist schwerlich zuverdauen. Dannenhero ungesaͤuert Brod/ Brod des Elends genennet wird. Deut. 16, 3. von welchem der Haußvater/ wann er die Stuͤck Brod unter die Haußgenossen außgetheilet/ zusagen pflegte: ὁ δὲ ὁ ἄρτος ταλαιπωρίας. Hic est panis ille afflictionis, quem comederunt majores nostri in terra Ægypti, verè panis tum lacryma- rum Theodoret. in Exod. q. 24. Diß ist das Brod des Elends/ so unsere Vaͤtter in Egyptenland gegessen/ in Warheit dazumal rechtes Thraͤnen-Brod. Also wer sich will zu diesem Tisch machen/ der hab wol acht auff seine sachen/ wer unwuͤrdig hinzugeht/ fuͤr das Leben den Tod empfaͤht/ er sehe zu/ daß ihn kein Unbuß brenne/ Buß ist alsdann von noͤthen/ trauren/ hassen/ foͤrchten/ schaͤmen/ dem beschaͤdigten naͤchsten gnug thun/ fasten/ und ein guten Fuͤrsatz fassen/ Thraͤnen-Brod essen/ Neunter Theil. C c nach Die Fuͤnffte nach Davids Exempel/ der von sich selbst schreibt. Psalm. 102. Jch esse Aschen wie Brod/ und mische meinen Tranck mit weinen. Diesem allem nach wird von einem wuͤrdigen Communicanten er- fordert die Δοκιμασία, die Pruͤfung: der Mensch pruͤfe sich selbs/ lautet das Wort Pauli 1. Cor. 11/28. welches eine phrasis arithmetica, entlehnet von Schaffnern und Kauffleuten/ demnach so uͤberlege er die rubric der zehen Einnahmen/ die ein jeder an den fingern abzehlen kan: als da ist/ die Erwehlung zum ewigen Leben von Ewigkeit her/ die Er- schaffung/ Erhaltung/ und vaͤtterliche Vorsorg/ die Erloͤsung/ Beruf- fung/ Widergeburt/ Erneuerung/ Regierung/ Troͤstung und Herꝛlich- machung. Die zehen Außgaben/ die er haͤtte sollen abrichten: Wahrer und unbefleckter Gottesdienst/ Goͤttliche Verehrung und Anbettung/ Lob und Preiß Gottes/ Heiligung des Sabbaths/ Demuth/ Sanfftmuth/ Keuschheit/ Freygebigkeit/ Warheit/ Vergnuͤgsamkeit. Die zehen Schul- den die er gemacht: Gottlosigkeit/ Abgoͤtterey/ Laͤsterung und Mißbrauch des Goͤttlichen Namens/ schlaͤfferiges Gebett und Danck Gottes/ Ent- heiligung des Sabbaths/ Stoltz und Hochmuth/ Zorn und Neid/ Un- zucht und Trunckenheit/ Muͤssiggang/ Unwarheit/ boͤse Lust und derglei- chen/ worauß das Facit fließt: Ego χρεοϕιλέτης, Jch bin ein grosser Schuldenmacher/ quia perditè vixi, weil ich boͤßlich gelebt habe/ und weil GOTT ein starcker Eyfferer/ so stehet mir der Schuld-Thurn offen: Darum wehe mir/ mir ist angst und bang/ die Schuld ist allzugroß/ ich kan den geringsten Heller nicht bezahlen. Was Raths nun? Lerne zu allerforderst das subtrahi ren wol/ hoͤre auff Schulden zu machen/ daß der Hauffen nicht zu groß werde. Jn der Welt macht mancher Schul- den auff den alten Kaͤyser hinein/ und stecket darinn biß uͤber die Ohren/ hoͤret nicht auff auß- und auffzunehmen/ was ihm werden kan; es nim̃t aber endlich ein boͤses Ende/ so mache es nicht mit deinen Schulden/ las- se ab vom boͤsen/ entziehe dich deinen vielgeliebten und geuͤbten Suͤnden. Dann es ist genug/ daß wir die vergangene Zeit des Lebens haben zubracht nach heidnischem Willen/ da wir wandelten in Unzucht/ Luͤsten/ Trunckenheit/ Fresserey/ Saufferey/ und greulichen Abgoͤttereyen. 1. Pet. 4, 3. Ergreiffe nachgehends das addi ren/ was dir abgehet und mangelt an eygener Gerechtigkeit/ das ersetze mit der vollkommenen Gerechtigkeit des einigen Suͤnden-Buͤssers JEsu Christi/ der mit seinem Blut die erschroͤckliche Handschrifft/ so wi- der uns ist/ außgeloͤscht/ durchstrichen/ und getoͤdtet. Coloss. c. 2. Deine Schulden ihme selbs zugeschrieben/ er wills bezahlen. Was Paulus an Onesi- Predigt. Onesimo gethan/ und in diesen Worten/ die er an Philemonem, des Onesimi Herꝛn geschrieben/ verfasset. Philem. v. 18. So er dir etwas Schaden gethan hat/ oder schuldig ist/ das rechne mir zu/ ich Paulus habe es geschrieben mit meiner Hand. Jch wills be- zahlen. Das hat dein Heyland Christus an dir gethan/ Er ist der je- nige/ der alle unsere Ungerechtigkeit ihme selbst imputi rt und zugerechnet/ Hie bin ich/ sagt er/ ich bezahle/ was ich nicht geraubet habe. Ps 69. v. 5. Er ist der Advocat, der dem Himmlischen Vater das Hertz uͤber- windet/ Ach/ sagt er von einem jeden bußfertigen Suͤnder/ du wollest ihn als mein eygen Hertz annehmen/ ich weiß/ du wirst mehr thun/ als ich sage/ diesen Schulden-Knecht zu einem Sohn dir an- wuͤnschen/ und an Kindschafft auffnehmen. Er ist der jenige/ der uns alle seine jura acquisita, seine erworbene Rechte und Gerechtigkeit impu- tirt. Hoc flamen est omnibus oneratis, sed fulmen induratis! Practi- ci re ferner das multiplici ren/ daß/ weil Gott so grosse Gnade dir erwiesen/ nachgehends deine Seele sein Lob an allem orth außbreite und vermehre/ und auch du deinem Naͤchsten die Wercke der Liebe erweisest. Und dann das dividi ren/ daß du dich mit neuem Gehorsam GOTT allein ergebest/ von der Welt theilest/ außgehest von Babylon/ und dich nicht theilhafftig machest ihrer Wercke/ den boͤsen Buben/ wann sie dich locken/ nicht fol- gest/ so wirst du alsdann/ wann die Schaafe werden von den Boͤcken abgesondert/ und in das aͤusserste Finsternuß hinauß/ da Heuͤlen und Zaͤhnklappern/ getrieben werden/ hoͤren die freudige Stimme deines Herrn/ gehe ein zu deines Herrn Freude. Derowegen ἑκὰς ἑκὰς ὅςις ἀλιτρὸς. Procul hinc procul ite profani, hinweg mit den garstigen/ wuͤsten/ ungewaschenen Schweinen/ die sich taͤglich in ihren Suͤnden herum weltzen/ und ohne Reu und Scheu/ ohne Buß/ ohne einige Reinigung und præparation dahin lauffen/ wie die Saͤu zum Trog/ mit ungewaschenen Haͤnden/ und unbußfertigen Her- tzen. Fuͤr solche soll man dieses Heiligthum nich werffen. Ἐκὰς ἑκἁς, die boßhafftige grimmige Hunde/ die noch voll Neid und Boßheit stecken/ und zu keiner Versoͤhnlichkeit sich im geringsten nicht verstehen wollen. ἑκὰς ἑκὰς, die Judas Bruͤder/ Judas war ein Ertz- Geitzhalß/ begabe sich zum Predigampt/ als zum guldenen Fischfang/ da- bey er sein gutes Maulfutter haben moͤchte/ er wolte reich werden/ dar- um er auch in gefaͤhrliche Stricke gefallen. Er wurde ein Dieb/ Chri- stus hatte ihn zum Kirchen-Schaffner und Allmosen-Knecht gemacht/ und ihm seinen Beuͤtel vertrauet/ er solte Seckelmeister seyn/ aber wie ihn C c i j St. Die Fuͤnffte St. Johannes taufft/ war er ein Dieb/ Joh. 12, 6. Er war ein Heuch- ler/ der sich gestellt/ als meinte ers gar gut mit der lieben Armuth/ da Maria mit einem Pfund Salbe von ungefaͤlschter koͤstlicher Narden die Fuͤsse JEsu gewaschen/ da thut sich Judas herfuͤr/ und sagt: Warum ist diese Salb nicht verkaufft worden um 300. Groschen/ und den Armen gegeben? Aber es war ihm nicht ums Hertz/ er haͤtte auch gern eine Fe- den von dieser Ganß gehabt. Er wurde ein Verraͤther/ der Sathan gibts ihm in das Hertz/ er solte Christum verrathen/ darein er auch gewil- liget/ und ob ihn schon Christus auff mancherley weisse gewarnet/ mit ver- bluͤm̃ten Worten: Jhr seyd rein/ aber nicht alle/ Joh. 13, 11. der mein Brod isset/ tritt mich mit Fuͤssen. v. 18. indefinitè, War- lich/ warlich/ ich sage euch/ einer unter euch wird mich verra- then. Joh. 13, 21. Gestu. wann er den Bissen eingetaucht/ und Jud æ gegeben. expressis verbis: Juda/ verraͤthestu des Menschen Sohn mit einem Kuß? Luc. 22, 48. Aber alles umsonst und verge- bens/ sein Hertz war gantz und gar verteuffelt/ Felsen-hart/ ja haͤrter als Stahl und Eisen: Also foͤrchte ich gar sehr/ es gibt der Judas-Bruͤder gar viel/ die in der Heucheley ersoffen/ Christum in seinen Gliedmassen verrathen/ den Sohn GOttes mit Fuͤssen tretten/ das Blut des Neuen Testaments unrein achten/ und den Geist der Gnaden schmaͤhen. Hebr. 10. Diese alle seind dieses Mahls nicht werth. Hieher im gegentheil/ die ihr in der rechten Ordnung begriffen/ und die oberzehlten Characteres, Kennzeichen und Eigenschafften an euch habt/ lasset euch euere Unwuͤrdigkeit nicht erschrecken/ wie Petrus/ in Christo seyd ihr wuͤrdig gnug/ Sehet an die Apostel/ was waren Mat- th æ us/ Jacobus/ Johannes? waren sie nicht Geldgeitzig/ rachgierig/ ehr- geitzig/ und dergleichen/ doch von Christo/ als wuͤrdige Gaͤste/ zugelassen worden. Ein solches Hertz gedencke/ 1. daß eben diß Sacrament ein Mittel seye/ ihn wuͤrdig zu machen/ es seye das lebendigmachende Fleisch und wuͤrdigmachende Blut. Siipse fueris accusator, Deus liberator, quid erit diabolus, nisi calumniator? August. Serm. 48. de tempore. 2. Daß GOtt nicht wolle/ daß wir in unserer Wuͤrdigkeit/ sondern in der Wuͤrdigkeit Christi erscheinen sollen/ daß eben der Mensch der wuͤr- digste/ der in seinem Hertzen der unwuͤrdigste/ der Zoͤllner im Tempel schlug seine Augen nider/ wolte sie nicht auffheben gen Himmel/ sondern schlug an seine Brust/ und sprach auß demuͤtigem reuendem Hertzen/ GOtt sey mir Suͤnder gnaͤdig/ doch wurde er gerechtfertiget vor dem Phariseer/ Ein solch Vertrauen haben wir durch Christum zu GOtt/ Predigt. GOtt/ nicht daß wir tuͤchtig sind Rath zufinden von uns sel- ber als von uns selber/ sondern daß wir tuͤchtig sind/ ist von GOtt. 2. Cor. 3, 4. Was schwach ist vor der Welt/ das hat GOTT erwehlet/ daß er zuschanden mache/ was starck ist. 1. Cor. 1, 27. Kommet her zu mir alle die ihr muͤhseelig und be- laden seyd/ ich will euch erquicken. Matth. 11, 28. hie im Glauben/ dort im schauen/ hie Troͤpfflein/ dort Stromsweiß/ Amen. Die Sechste Predigt. Von Dem Wirth und Gastgeber des H. Abend- mahls/ Christo JEsu. G Eliebte in Christo: Seelig ist/ der das Brod isset im Reich Gottes/ sagte Luc. XIV, 15. ὁ δεῖνα, einer/ ein unge- nanter und uns unbekanter/ als Christus auff einen Sabbath in dem Hauß eines Obersten der Phariseer eingekehrt/ das Brod zues- sen/ und unter andern Gelegenheit genommen/ die anwesende Gaͤste mit einem annehmlichen Gespraͤch zuerbauen/ sonderlich aber diese Gast-Regul fuͤrgelegt: Wann du ein Mittag oder Abendmahl machest/ so lade nicht/ (verstehe allein/) die Reichen deine Freunde und Nach- baren/ auff daß sie dich nicht etwa wider laden/ und dir vergol- ten werde: Sondern wann du ein Mahl machest/ so lade die Armen/ die Kruͤppel/ die Lahmen/ die Blinden/ die es dir nicht koͤnnen vergelten. Es wird dir aber vergolten werden in der Aufferstehung der Gerechten. So bricht einer der mit zu Tisch saß/ und nicht weit vom Himmelreich geweßt/ ohne zweifel auß gu- tem Hertzen/ seufftzend/ in diese Wort auß: Seelig ist der das Brod isset im Reich GOttes. Ja freylich selig ist/ der das Brod isset im Reich GOttes/ in regno gloriæ, im Reich der Ehren und Herꝛligkeit/ quia 1. convivium jucundissimum die allerlieblichste suͤsseste/ und erfreulichste Mahlzeit. (Dann so beliebte Christo die Himmlische Guͤter mit irꝛdischen zu vergleichen/ und unter dero Bild dieselbe vorzu- stellen) Wann ein Panquet oder Taffel zugerichtet wird/ da alles vollauff/ C c iij alles Die Sechste alles uͤberschuͤttet und uͤberfliesset/ jederman lustig und guter ding; es solte aber ein armer/ duͤrfftiger/ ohnmaͤchtiger/ hungerig und durstiger Mensch nicht weit davon sitzen/ und zusehen/ wie man ein niedliches Biß- lein nach dem andern aufftraͤgt/ wie ein koͤstlicher Wein nach dem an- dern eingeschencket wird/ er aber haͤtte nichts zum besten/ wie schmertzlich weh wuͤrde es ihme thun? so schmertzlich weh es Lazaro gethan/ als er allen uͤberfluß an des reichen Schlemmers Tisch gesehen/ und er das ge- ringste Brosamlein nicht haben koͤnnen; So schmertzlich weh es nun ei- nem solchen Menschen thut/ so lieblich und wol dem jenigen/ der an der Tafel sitzet/ und der Trachten in aller Wollust nach Wunsch und Wil- len geniesset: Also was fuͤr innigliche und suͤsse Freud und Wonne ge- niessen an GOttes Tisch die außerwehlte und triumphirende Himmels- Burger Enoch und Elias/ die jenige/ so mit Christo aufferstanden/ die ihren Lauff allbereit vollendet/ wann sie an uns gedencken/ die wir in die- sem Jammerthal das Elend bauen muͤssen/ wann sie gedencken/ an die Rotte Core/ Dadan/ und Abiram/ welche die Erde lebendig verschlungen/ an die viel tausendmahl tausend verdampte Seelen/ die in der Hoͤllen nun sitzen und schwitzen/ und mit Schwefel und Bech gespeiset und getraͤn- cket werden. Wann Lazarus im Schoß Abrah æ gelegen/ der reiche Schlemmer dargegen Pein in der hoͤllischen Flamme gelitten. Das war freylich dem frommen seligen Lazaro jucundissimum convivium. II. Convivium preciosissimum, das edelste und koͤstlichste Mahl/ theils ratione causæ efficientis, wie dunckte sich Haman so groß und selig/ daß er vom Koͤnig und Koͤnigin zu Gast geladen worden. Esth. 5, 12. Auch sprach Haman: Die Koͤnigin Esther hat niemand lassen kommen mit dem Koͤnige zum Mahl/ daß sie zugerichtet hat/ ohn mich/ und bin auch morgen zu ihr geladen mit dem Koͤnige. Hie mehr als Ahasverus und Esther/ der Himmels-Koͤnig Je sus Chri- stus/ der ewige/ unendliche/ und Majestaͤtische Gott; theils ratione æternitatis, wegen der Waͤhrung. Ahasveri koͤstliche und Koͤnigliche Mahlzeit waͤhrete hundert und achtzig Tage. Solte man aber irgend einen von den Gaͤsten gefragt haben: Wie lang hat doch die Freude ge- waͤhret? wuͤrde er geantwortet haben/ nur ein halbes Jahr/ und wir seind doch des guten Lebens satt und muͤd worden. Wann wir aber im Himmelreich unsern seligen Stand werden ansehen/ wie lange? unsere Sicher- und Freyheit/ die Goͤttliche Anschauung/ unsere Kronen/ unsere himmlische Hochzeit-Freude/ wie lang wird diese waͤhren? biß in Ewig- keit/ hundert Jahr ist noch kein Tag/ hundert tausend keine Stunde/ Mil- lion Predigt. lion tausend Jahr keine Minute. Alles ohne Ermuͤduug/ ohne Eckel/ ohne Verdruß; Theils ratione materiæ, wegen der Speisen/ davon Esaias c. 25, 6. Der HErꝛ Zebaoth wird allen Voͤlckern (die nemlich den Nahmen des He rꝛn Je su angeruffen haben) machen auff diesem Berge (des Koͤniglichen Himmels-Saals) ein Mahl (einen freyen Tisch nach dem Hunger-Thal) ein fettes Mahl (da nichts mangelt) ein Mahl von Fett und Marck (von den niedlichsten spe- cial- Bißlein) ein Mahl von reinem Wein/ darinn keine Heffen seind/ weit uͤber Malvasier/ nicht lacrymæ, sondern deliciæ Christi, da wird man koͤnnen trincken was klar ist/ und essen was gar ist. Wie nun eine koͤstliche Mahlzeit alle Kraͤfften der Seelen/ alle Sinn und Lebens- Geisterlein erquicket/ viel tausendmahl lieblicher die Mahlzeit im Him- melreich/ an der himmlischen Ehren und Herren-Tafel/ da das verbor- gene Manna auffgesetzt/ und der lautere Wein wird eingeschencket wer- den/ da wird alles vollkommen seyn/ im Gemuͤth/ Willen/ aͤusserlichen und innerlichen Sinnen. Cleopatra und Antonius certir ten auf eine Zeit mit einander in der Kostbarkeit; Cleopatra aber uͤberwand/ als welche ein Perlein/ dergleichen nur noch eines auff dem Erdboden war/ so man fuͤr 600000. sestertia geschaͤtzt/ in scharffem Essig zerlassen/ fuͤr- gestellt und getruncken. Jst aber nichts gegen der Gnaden- und Glory- Tafel Christi/ daruͤber St. Paulus verstummet/ und sagt: Es hab es kein Aug gesehen/ kein Ohr gehoͤret/ und seye in keines Menschen Hertz kommen/ es seyen ἀῤῥητα, unaußsprechliche Sachen. Acquiri potuit, æstimari non potest. August. man hats koͤnnen erwerben/ schaͤtzen kan man es aber nicht. III. Convivium desideratissimum \& beatissimum, das allerseligste und erwuͤnschte Mahl. Anderer Mahlzeiten koͤnnen wir entrathen/ mit einem stuͤck Kaͤß und Brod fuͤr lieb nehmen/ aber wer dessen entrathen muß/ der ist verlohren/ es ist der einzige Baum des Lebens/ wer dessen nicht theilhafftig wird/ der stirbt des ewigen Tods/ darum auch an etlichen Orten fuͤr dem Tisch gebettet wird/ mach uns theilhafftig des Ewigen Himmlischen Tisches. Jst alles auch wahr de Convivio Christi sacramentali, in regno Gratiæ, von dem Sacramentlichen Mahl Christi/ im Gnadenreich/ da wir nur den Vorschmack des ewigen Freuden-Mahls haben. Jst wol/ sag ich/ 1. Convivium jucundissimum, ex oppositione der Veraͤchter/ die davon nichts wissen/ und geistlich verschmachten/ als welches einen Vor- schmack des ewigen Lebens anzuͤndet/ dergleichen Petrus/ Jacobus und Johan- Die Sechste Johannes auff dem Heiligen Berg empfunden. Matth. 17. Jch befin- de offt eine Bewegung in mir/ sagt Augustinus, wann dieselbe immer in mir bliebe/ so koͤnte dieselbe nichts anders seyn/ als das ewige Leben. Da heißts/ Evolemus hinc ad æterna gaudia, lasset uns von hinnen fliehen zur ewigen Himmels Freude. Nun bin ich gewiß/ daß weder Todt noch Leben/ weder Engel noch Fuͤrstenthum/ weder Gewalt/ weder gegenwaͤr- tiges noch zukuͤnfftiges mich scheiden mag von der Liebe Gottes/ die da ist in Christo Je su unserm He rꝛn. Rom. 8. 2. Preciosissimum. weil es von Christo erworben/ Christi Leib und Blut vorstellet und aufftraͤgt/ die beste Bißlein/ das Lamm Go ttes/ so der gantzen Welt Suͤnde traͤgt/ und in heisser Liebe gebraten worden/ die fruͤhgejagte Hindin/ nach dem 22. Ps. und Cant. 2, 9. Mein Freund ist gleich einem Rehe/ oder jungen Hirsch. Die jenige Henne/ die ihre Kuͤchlein versamlet unter ihre Fluͤgel. Matth. 23. Das lebendige Brod/ so vom Himmel kommen/ und der Welt das Leben gibt. Joh. 6. Den neuen Wein/ Matth. 9, 17, 3. Desideratissimum ac beatissimum, ohne welches wir muͤßten ver- schmachten/ in diesem elenden Hunger-Land. Jst nur das aͤrgste/ daß wirs nicht achten/ der eine vertiefft sich in Hoffart/ kaufft aͤcker/ damit zu prangen/ gehet hinauß sie zu schauen; der andere in Augenlust/ und kauf- fet Ochsen/ der dritte in Wollust/ nim̃t ein Weib/ und laͤßt sich von dem- selben abhalten/ ein gute Ehe zu erhalten/ wie Moses/ der um seines Weisss Zipora willen seinen Sohn nicht beschneiden wollen. Daher es kompt/ daß die Leute nicht schmecken die Lieblichkeit und Suͤssigkeit dieses Abendmahls. Quomndo tibi ostendam multitudinem hujus dulcedi- nis, qui palatum febri iniquitatis perdidisti. Augustin. in Psalm. 30. Wie soll ich dir zeigen den uͤberfluß dieser Suͤssigkeit/ als der du deinen Mund mit dem Fieber der Ungerechtigkeit ver- derbet hast? Wie einem Febricitan ten alle Speisen zuwider/ oder sich doch nicht darnach sehnet/ also achten auch die wolluͤstigen Welt-Hertzen dieses koͤstlichen Himmels-Perleins nicht. Qui dentibus laborant, protinus Medicum adeunt, qui febri tenentur, accersunt; at phreneti- cus nec accersit, nec admittit, ob morbi vehementiam. Plutharch. Wer Zahnwehe hat/ der lauffet alsobald zum Artzt/ wer am Fieber kranck ligt/ laßt eylends den Doctor zu sich fordern; Aber ein unsinniger Mensch gehet weder zum Doctor, noch laͤßt ihn zu sich kommen/ wegen seines ver- zweiffelten boͤsen Schadens: Also seind auch solche sichere Welt-Kinder/ und wolluͤstige Hertzen/ die ihrer Seelen nicht achten/ und den Schaden/ damit Predigt. damit sie beladen/ nicht empfinden/ rechte unsinnige Leute zu nennen. Es bleibet aber dabey/ was der Herr sagt: Jch sage euch aber/ daß der Maͤnner keiner/ die geladen sind/ mein Abendmahl schme- cken wird. Jm gegentheil/ selig/ der das Brod isset in dem Reich GOttes. Selig hie und dort; Nun solchen Hunger und Durst zu erwecken/ und solche Unachtsamkeit zu vertreiben/ wollen wir die Fuͤrtrefflichkeit und Suͤssigkeit dieses Gnaden-Mahls darstellen/ und zu allervorderst erwegen Hospitem \& Symposiarcham, den Wuͤrth und Gastgeber: und zwar 1. Quis? wer er seye? 2. Quo statu? in was fuͤr einem Stand er dazumal gewesen? 3. Quo affectu? mit was fuͤr Sit- ten und Sinnen/ Hertzen und Gemuͤth? 4. Quo loco? an welchem Ort? und dann 5. quo situ? in was fuͤr positur und Gestalt er es ge- halten? Daß wir nun/ He rꝛ Christe/ moͤgen schmecken/ dein Suͤssig- keit im Hertzen/ und duͤrsten staͤts nach dir/ wollestu selbs unsere Augen und Sinne verklaͤren/ und durch deines Geistes Krafft die Hertzen zu dir kehren. Amen. G Eliebte in Christo. Wer ist dann derjenige/ der dieses Mahl gestifftet und eingesetzet? So ist es nun nicht noͤthig/ daß wir uns mit einer langen Remotion auff halten/ und an- zeigen/ es seye nicht geweßt Melchisedech/ nicht Joseph/ nicht Ahasverus/ jederman weiß dieses ohne das wol/ sondern wir gehen grad zu/ und sa- gen/ es seye gewesen Christus JEsus/ GOttes und Mariaͤ Sohn/ un- ser Leibs- und Seelen- Herr/ der uns zu seinem Eigenthum so theur er- kaufft/ unser hoͤchste Schatz/ unser einige Erb- und Ehren-Koͤnig/ dem wir in der H. Tauff gehuldiget/ der allerheiligste Prophet/ der Authoritaͤt/ Fug und Macht gehabt/ neue Sacramenta zu stifften/ der allwissende GOtt/ der allmaͤchtige/ allgegenwaͤrtige/ und reicheste Koͤnig/ der seinem Wort kan und wil Krafft geben/ der noch mit und unter uns ist/ und sein Leib und Blut durch die Hand des Dieners und Predigers außspen- det/ der seine Unterthanen mit sich selbst/ und sonderlich mit seinem Leib und Blut weydet und speiset/ der hoͤchste Hohepriester/ der seinen Leib selbs auffgeopffert/ und noch heutiges Tags von dem hohen Fron-Altar des Creutzes herab nim̃t/ und sein allerheiligstes Opffer-Mahl haltet. Sonderlich wird er uns allhie geruͤhmet mit zween Nahmen/ der HErꝛ JEsus/ 1. Cor. 11. HErꝛ/ als Stiffter/ dessen Rath von oben herab/ auß dem Himmel. JEsus/ als der uns selig macht/ die durch Jhn erworbene Seligkeit uns hiemit offer irt/ versigelt und verpfaͤndet. Und Neunter Theil. D d eben Die Sechste eben der ists auch noch auff den heutigen Tag/ der Leib und Brod/ Blut und Wein mit einander vereinbaret/ und außspendet durch seinen Die- ner/ der Diener ist hie auch der cooperarius und Oeconomus, wir sind GOttes Mit-Arbeiter/ 1. Cor. 3, 9. Dafuͤr halte uns jederman/ nemlich fuͤr Christi Diener und Haußhalter uͤber GOttes Geheimnuß. 1. Cor. 4, 1. und soll deßwegen kein Lay sich unterstehen/ ihme selbs zu reichen/ wegen des grossen Unterscheids zwischen der Noth- Tauff und dem Abendmahl. Jene ist absolutè vonnoͤthen/ dieses aber nicht. Jene ist bey kleinen Kindern allezeit fruchtbar/ und hat man sich da nicht zu befahren/ daß sie es unwuͤrdig empfangen; Hie aber/ als bey den adultis ist Auffsicht vonnoͤthen/ daß man die Perlein nicht vor die Schwein werffe/ hie gehoͤrt probation zu/ so eigentlich der Prediger Ampt ist. Wo derowegen noch eine Kirch in der Welt ist/ da GOttes Wort rein wird gelehret/ dahin soll man sich begeben/ und den Beruff ihm nicht selbs nehmen. Wann aber/ wie zur Zeit Lutheri/ das Sacrament nir- gends recht gereicht wuͤrde/ da hats eine andere Beschaffenheit. An Ecelesiâ (ita format casum D. Brochmand. System. part. 2. de Minist. Eccles. c. 3. Cas. consc. 2. p. m. 361.) aut corruptâ, aut publicis persecutionibus ita turbatâ, ut ordinarii Ministri, qui verbum DEI sincerè doceant, \& Sacra- menta legitimè administrent, haberi non possint, liceat cuiquam, absque peculiati vocatione, \& solenni inauguratione alios publicè docere, atque Sacramenta administrate? Nos (ita respondet) secuti Scripturas \& Luthe- rum libr. de Instit. Eccl. Ministr. tom. 2. Jenens. Germ. fol. 233. affirmamus, triplici inprimis nixi fundamento. Initio urgemus monita illa Spiritus DEI, quibus conversio fratrum commendatur omnibus \& singulis Christia- nis, saltem iis, quibus divinitùs contigit χάρισμα instituendi alios: quâ de re notentur hæc Spiritus Sancti monita, Hebr. 3, 13. Adhortamini alii alios, per singulos dies, ne obduretur quisquam à peccato deceptus. \& ꝟ. 24. 25. Adhortemur alii alios, ut acuamus nos ad charitatem \& bona opera, idque eò magis, quò propiorem videmus extremum diem. Jacob. 5. ꝟ. 19. 20. Fra- tres, si quis inter vos aberraverit à veritate. \& converterit eum quispiam, sciat eum, qui averterit peccatorem ab errore viæ suæ, servaturum animam à morte, \& operturum multitudinem peccatorum. Deinde, qui videt ani- mas plurimas periclitari, nec iis sanctâ \& salutari institutione subvenit, si potest, iram DEI certò incurrit, ut qui nec talentum suum dignè elocet fœ- nori. Matth. 25, 24. Nec ad animum seriò \& sanctè sumat, quod ad DEum conversus sit, ut etiam fratres confirmet \& convertat, Luc. 22, 32. Gal. 6. ꝟ. 1. 2. seq. Tertiò, Exempla Novi Testamenti clarè sirmant assertionem nostram. Nam Stephanus Act. 6. \& 7. ad munus docendi neutiquam vo- catus, \& docuit, \& miracula magna in populo edidit: Idem etiam fecit Philippus, Stephani in Diaconatu Symmista, Act. 8. vers. 26. \& Apollo, Act. 18. v. 24. \& alii hinc inde dispersi. Act. 8. ꝟ. 4. \& 11. ꝟ. 19. In tali itaque casu, Predigt. casu, loco ordinariæ vocationis, esse potest, \& debet vocatio ad Christia- nismum \& χάρισμα divinitùs datum, \& ad serviendum proximo obligatio. II. Quo statu? Jm Stand seiner Erniedrigung/ da er seiner Majestaͤt sich entaͤussert/ und seiner Herꝛlichkeit sich begeben/ wann er sei- nen Juͤngern die Fuͤß gewaschen/ und also im hoͤchsten Grad seiner Liebe/ als welche er von sich herfuͤr leuchten lassen/ affectu, in seinem holdseligen Liebes -Affect, dann wie er die seinen geliebet hat/ die in der Welt waren/ so liebet Er sie ans Ende. Johan. 13, 1. Verstehe amore antecedenti, indem er Judaͤ/ da ihm der Satan schon ins Hertz gegeben/ daß er ihn verrieth/ dennoch auß Liebe die Fuͤsse gewaschen: affatu, mit lieblichen Gespraͤchen/ welche sonderlich Johannes/ der Schoß-Juͤnger Christi fleissig auff gezeichnet/ und zu unserm grossen Trost der Kirchen hinderlassen/ Cap. XIII. XIV. XV. XVI. XVII. und dann effectivè, in dem Er ihnen die Fuͤsse gewaschen/ dann es pflegten die Morgenlaͤnder/ nicht wie wir/ Taffel zu halten/ sie satzten sich nicht um einen Tisch herum/ sondern lagen auff Betten/ je einer dem andern in seinem Schooß/ da nun vonnoͤthen war/ daß sie zuvor ihre Fuͤsse waͤschten/ und dasselbige officium nim̃t allhie Christus auff sich/ schuͤrtzete sich/ und truͤcknete der Apostel Fuͤsse mit denen Haͤnden/ mit welchen Er Himmel und Erden traͤgt/ da neigete und buckete sich Gott zu den Fuͤssen der Menschen/ vor den Suͤndern die Heiligkeit selbs/ vor den Sterblichen der Unsterbliche/ vor der Creatur der Schoͤpffer/ vor den Sternen die Sonne/ das un- schuldige Lamm GOttes vor seinem Verraͤther. Wir koͤnnen wol er- achten/ wie den Juͤngern/ sonderlich Petro/ dazumal muß zu Sinn ge- wesen seyn/ derowegen auch Petrus vor Verwunderung außgeruffen: HErꝛ/ soltestu mir meine Fuͤsse waschen? Joh. 13, 6. als sagte er: soltestu/ als der Herr seinem Knecht/ der Meister seinem Juͤnger/ GOttes Sohn einem Menschen/ der Schoͤpffer seiner Creatur/ die nur Staub und Aschen/ der Allerheiligste einem Suͤnder/ der Seligste dem Elendesten/ der nicht werth/ daß er seine Schuh-Riemen auffloͤset/ der Unsterbliche dem Sterblichen/ die Fuͤsse waschen/ einen knechtlichen/ ja den allergeringsten Dienst leisten? wann du mir noch das Haupt/ oder die Haͤnde waschen woltest/ wolte ich mich so gar sehr nicht sperren/ aber die Fuͤsse/ ist gar zu viel/ waschen mit den jenigen Haͤnden/ mit welchen du so viel Wunder gethan/ in welche der Vater alles geleget/ damit du so viel Außsaͤtzige rein/ so viel Blinde sehend/ so viel Taube hoͤrend/ so viel Stum- me redend/ so viel Lahme gehend hast gemacht? Dannenhero Autor D d ij serm. Die Sechste serm. ad Fratr. in Eremo serm. 28. schreibet: Petrus videns divinitatem ante se incurvari, expavit, exhorruit, \& per cœnaculum velut insensa- tus cucurrit \& exclamavit, non lavabis mihi pedes: Das ist: Petrus/ als er gesehen/ daß die Gottheit sich vor ihm buͤcke und nider knie/ hat er sich entfaͤrbet/ und ist dermassen erschrocken/ daß er auß dem Saal/ gantz entzuckt und ergeistert hinauß geloffen/ und geschrien: Nimmermehr solt du mir die Fuͤsse waschen. Jst derowegen ein lauter Lieb- und Gnaden-Mahl/ ein rechtes Philtrum und Liebes-Tranck gewesen. III. Quo affectu \& fine, zu was End/ mit was fuͤr Gemuͤth/ Zweck und Absehen/ nicht zum Pracht und Pralen/ wie man etwan heu- tiges Tages mit koͤstlichen Panqueten pfleget zu praviren/ sondern seine heiß-hungerige und flammende Begierde zu entdecken/ die der Herr mit den emphati schen/ hertz-beweglichen/ Affect- reichen Worten außgespro- chen: Mich hat hertzlich verlanget diß Oster-Lamm mit euch zu essen/ ehe denn ich leide/ dann ich sage euch/ daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde/ biß daß es erfuͤllet werde im Reich GOttes/ Luc. 22, 15. 16. Es hatte der Herr mehrmal das Oster-Lamm mit seinen Juͤngern gegessen; aber er sehnete sich den Ty- pum zu erfuͤllen/ und das Sacrament einzusetzen. Er freuete sich/ daß nunmehr die Zeit kommen/ daß er dem menschlichen Geschlecht solte of- fenbahren die Hoͤhe und die Tieffe/ die Laͤnge und die Breite seiner Liebe. Es ist/ wil er sagen/ Epulum Valedictorium, mein Valet und Letze/ mein Schied-Jmbiß: wann gute Freund von einander scheiden und reisen/ so brennet die letste Mahlzeit von lauter Affecten/ der Reysige schuͤttet alsdann seine Affecten auß/ und raumet seinem Hertzen: So thut der Herr auch allhie/ es war eben die Nacht/ da er verrathen worden/ den andern Tag darauff solte er leiden und sterben/ darum wessen sein heiliges Hertz dazumal voll geweßt/ davon gieng der Mund uͤber. Epulum τελειωτικὸν, es war sein Fuͤll-Jmbiß/ dabey er bezeuget/ daß alte Schatten- Opffer muß nun gar hinweg/ das Gefest vom irdischen Oster-Lamm wolle er hiemit beurlauben/ das rechte Oster-Lamm werde nun morgen geschlachtet/ erwuͤrget/ sein Blut vergossen/ es werde am Creutz ange- spisset/ und in heisser Liebe gebraten werden/ Gott im Himmel zu einem suͤssen Geruch/ darum/ nachdem die Sonne erschienen/ muͤssen die Nacht- Schatten weichen. Ja es sey Epulum funebre, sein Leich-Mahl/ sein Leichfall-Jmbiß. Von den Egyptiern zeuget Herodotus lib. 3. Es haben Predigt. haben dieselbe bey ihren Freuden-Panqueten gemeiniglich in einem glaͤ- sernen durchsichtigen Toden-Sarck/ einen Todten-Coͤrper/ ein mumiam, einen tod-balsamirten Leichnam/ den Gaͤsten und Freunden zum Schau- Essen dargestellet/ auff daß sie des verstorbenen guten Freunds nicht ver- gessen moͤchten. Ein solch Memorial hat der Herr auch in derselben letsten Nacht gestifftet/ und das Opffer-Fleisch/ so geschlachtet worden/ nemlich sein eigen Fleisch/ sein Opffer-Blut/ so vergossen worden/ zu essen und zu trincken gegeben/ so geistlicher weiß im Glauben/ so muͤndlich im Sacrament zu geniessen auffgetragen und fuͤrgestellet/ zu seiner lieb- sten/ holdseligsten Gedaͤchtnuß seines theuren Opffers und werthen Tods. IV. Quo loco? An welchem Ort? Jn der Stadt Jerusalem/ in einem Saal eines/ der nicht genennet wird. Niceph. l. 1. Hist. 28. schreibt/ es seye gewesen das Hauß Johannis des Evangelisten/ so unten am Berg Sion gelegen; Aber die Evangelische Histori meldet/ Johannes seye selbst unter den Botten geweßt/ die sich bey dem Haußmeister ange- meldet. Luc. 22, 8. Er sandte Petrum und Johannem/ und sprach: Gehet hin/ bereitet uns das Oster-Lamm/ auff daß wirs essen. Andere halten dafuͤr/ es seye Nicodemus/ andere Joseph von Arimathia/ sed nescire hæc, erudita est inscitia, am Juͤngsten Tag wird dieser Mann bekannt/ und sein Glauben geruͤhmet werden/ der eben dazumal diesen Herrn auff genommen und bewuͤrthet/ da man Christo nachgestellet Joh. 11, 57. Da eben die Hohenpriester und Phariseer lassen ein Gebott außgehen/ so jemand wuͤßte/ wo er waͤre/ daß ers anzeigete/ daß sie Jhn griffen. Der special Ort war ἀ ώγεον μέγα ου᾽ςρωμ ον, cœ- naculum, ein schoͤner Saal/ in der Hoͤhe des Hauses aufferbauet/ ge- pflaͤstert/ und eben zubereitet mit Teppichen/ Tischen und Betten/ auff daß/ wo von fremden Orten unbekante Gaͤste herkaͤmen/ sie das Losa- ment auff das Oster-Fest bereit angetroffen. Vermuthlich ists/ es seye eben das ὑπερῶον und τρικλίνιον geweßt. Act. 1, 13. c. 2, 1. da nachmahlen der H. Geist uͤber die Apostel in Feurs-Gestalt sich ergossen/ wie auch Cyrill. Hierosol. Catech. 16 meldet/ daß die H. Apostel diesen Ort zu ei- ner Kirch eingeweyhet. Welches alles dienet zur Widerlegung des Zwinglischen Jrꝛthums/ wann Beza, Aretius, Bullingerus, Musculus, und neulich allererst Andreas Rivetus nicht gestatten wollen/ daß den Krancken daheim zu Hauß communic irt werde. Infirmi corpore (schreibet Rivetus Cath. Orth. p. 198.) non excluduntur à nobis, sed cu- bile infirmitatis eorum non est locus aptiis ad Ecclesiæ convocatio- nem. Dann ob zwar ausser dem Nothfall nicht leichtlich zu gestatten/ D d iij daß Die Sechste daß die Communicanten sich trennen von der offentlichen Versamlung/ Krafft des Apostolischen Befehls. Hebr. 10, 25. Lasset uns nicht ver- lassen unsere Versamlung/ wie etliche pflegen/ 1. Cor. 11. 33. Wann ihr zusammen kom̃t zu essen/ so harre einer des andern. Jedoch im Nothfall mag es wol zu Hauß geschehen. Jst zuerweisen ex praxi primæ institutionis, Christus hats ja nicht im Tempel zu Jeru- salem eingesetzet/ sondern privatim, im Saal/ ex ratione N. Test. da die Anbindung an gewisse Ort auffgehoben/ Joh. 4, 21. Weib glaube mir/ es kommet die Zeit/ daß ihr weder auff diesem Berge/ noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. ꝟ. 23. aber es kom- met die Zeit/ und ist schon jetzt/ daß die warhafftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist/ und in der Warheit. Und 1. Tim. 2, 8. So wil ich nun daß die Maͤnner beten an allen Orten. Was nun von einer specie des Gottesdiensts gesagt wird/ kan auff den gantzen Gottesdienst gezogen werden. Ex promissione Christi, wo zween oder drey versamlet seind in meinem Nah- men/ da bin ich mitten unter ihnen. Matth. 18, 20. Ex ægroti con- ditione, der ist manchmal besser bereit im Bett als in der Kirch. Ex primitivæ Ecclesiæ praxi. Da sie noch keine Kirchen hatten/ und ver- stohlener weiß zusammen kommen mußten/ wie auch noch wol an einem Ort in Teuschland sub prætextu conviviorum geschehen mag. Ligt gar nicht daran/ daß Paulus/ 1. Cor. 11, 20. 22. κυριακὸν εῖπνον, das Abend- mahl des Herrn entgegen setzt τῷ ἰδίῳ, so daheim zu Hauß celebri ret wird/ geschicht nicht wegen des Orts/ sondern ratione discretionis, we- gen der Unterscheidung zwischen einem gemeinen Mahl/ und zwischen dem Abendmahl des Herrn . Ein Hauß-Kirch kan auch ein rechte Kirch seyn. Wie dann Rom. 16, 5. gedacht wird ἐκκλησίας κατ οἶκον. Gruͤsset die Gemeine in ihrem Hause. V. Quo situ? Zwar die Mahler und Contrafeter/ der Antiqui- taͤt unerfahrne/ mahlens also/ als waͤren sie am Tisch gesessen/ die Evan- gelisten aber schreiben/ daß sie nach Juͤdischem Gebrauch Gen 43, 33. Ezech. 23, 41. Amos 2, 8. um den Tisch herum gelegen/ ἀνέκει το μετ δώ- δεκα, Matth. 26, 20. ἀνακειμ ύων αὐτῶν, Marc. 14, 18. Daher auch Johan- nes JEsu in der Schooß gelegen/ sie legten sich auff den Bettern herum/ daher auch das Fuß-waschen von noͤthen geweßt. Dienet uns I. ad avertendum scandalum, zu Abwendung des genommenen Aegernusses. An etlichen Orten in Teutschland ist gebraͤuchlich/ daß man das heilige Abend- Predigt. Abendmahl kniend empfangt/ daher wol geschicht/ daß von den Orten herkommende zarte Gewissen sich aͤrgern/ als waͤre es Calvinisch/ die sol- len nun wissen/ daß an dem situ nicht viel gelegen/ die Juͤnger Christi habens ligend empfangen; und stehet diß Werck in Christlicher Freyheit. 2. Ad refellendum errorem Pontificiorum \& Calvinianorum, zur Wi- derlegung der Papisten und Calvinisten/ jene wollen kurtzum Altar ha- ben/ und beweisen ex relatione sacrificii \& altaris das Meß-Opffer. Bellarm. lib. 1. de Miss. c. 16. Diese werffen die Altar weg/ und wollen Tische haben. Jst aber ein indifferens, ein freyes Mittel-Ding/ die Evangelische Histori thut weder des Tisches noch Altars Meldung. Paulns gedencket τραπέζης κυρίου, des Herrn Tisches/ 1. Cor. 10, 21. Darum seind die Altaͤr neu in die Kirch eingefuͤhret worden/ wie es nun nicht folgt/ wo ein Altar/ da ist auch ein Opffer/ dann es kan ja ein Altar seyn ohne Opffer/ Jos. 22, 26. Lasset uns einen Altar bauen nicht zum Opffer/ noch zum Brand-Opffer/ sondern daß er ein Zeuge sey zwischen uns und euch. Also folget auch nicht/ daß man die Altar niderreissen soll/ da Meß darauff gemacht worden. Sintemal eben die Gefaͤße/ die Belsazer Dan. 5. profan irt/ hernach dem Herrn geheiliget worden. Esdr. 1. Jnsonderheit aber zur Widerlegung des je- nigen Calvinischen Jrꝛthums/ wann Joh. Berg. tractat. daß die Wort Christi noch fest stehen/ cap. 4. \& seq. sich unterstehet zu widerlegen und umzustossen/ daß der Leib Christi warhafftig und wesentlich in/ mit und unter dem gesegneten Brod unsichtbarer weiß gegenwaͤrtig seye/ und mit dem leiblichen Mund genossen werde. Seine Wort seind diese: Da wolle nun ein jeder betrachten/ wie sich das schicke/ der HErꝛ hat mit seinen Juͤngern zu Tisch gesessen/ sie haben Jhn fuͤr ihren Augen gesehen/ unterdessen soll Er doch unsichtbarlich im Brod mit leiblichem Munde von ihnen seyn gegessen wor- den. Antwort: Es hebt einander nicht auff/ der Leib Christi sitzt am Tisch/ und ist zugleich im Munde der Apostel; massen Christus Matth. 8, 5. 13. mit seinem Leib dem Hauptmann/ ausser seinem Hauß/ gegenwaͤr- tig/ und doch auch zugleich mit demselbigen Leib gegenwaͤrtig geweßt im Hauß/ bey dem Gichtbruͤchtigen Knecht. Und eben die Strahlen der Herꝛligkeit seiner Allgegenwart hat der Hern dazumal in der Stifftung und Außspendung des H. Abendmahls herfuͤr leuchten lassen. Erat in statu Exinanitionis, non actu exinanitionis. Mehr ligt uns an der Praxi und Devotion, welche billig in uns an- gezuͤndet und erwecket werden soll/ wann wir bedencken/ wer der Herr sey/ Die Sechste sey/ der diese Mahlzeit angericht/ nemlich der Herr Himmels und der Erden/ der zwar dazumal in tieffster Erniedrigung gestanden/ aber zu- gleich war der bestellte Richter der Lebendigen und der Todten/ der die Devotion pruͤfet. Wann dort 2. Sam. 9, 7. Mephiboseth Jonathans Sohn die Gnade Davids hoͤrt. Jch wil Barmhertzigkeit an dir thun um Jonathan deines Vaters willen/ du solt taͤglich auff meinem Tisch das Brod essen. so betet er an/ und spricht: Wer bin ich dein Knecht/ daß du dich wendest zu einem todten Hunde/ wie ich bin? Also mag ein Communicant auß hertzlicher Demuth/ Devotion und Andacht gedencken: Jch Hund/ als dem billig der Orth solte eingeraumet werden/ da es heisset/ draussen seind die Hun- de/ soll ich trincken? was? sanguinem Regium, das edelste Koͤnigs- Blut/ GOttes eigen Blut? Jch todter Hund/ den der Tod in Ewigkeit/ als ein Schlut-Hund/ nagen solt/ soll ich essen das lebendig-machende Fleisch des lebendigen Sohns GOttes? O unaußsprechliche Gutthat! Hat Christus mit so tieffer Demuth und Liebe sich gegen uns geneiget und herunter gelassen; so gilt uns auch die Regul Christi/ die er seinen Juͤngern vorgeschrieben: Ein Beyspiel hab ich euch gegeben/ daß ihr thut/ wie ich euch gethan habe. Joh. 13, 15. Der Pabst und vermeinte Statthalter Christi/ und Stul-Erb Petri ist in diesem Fall ein laͤcherlicher/ wolte Gott nur ein laͤcherlicher/ und nicht zugleich ein Gotts-laͤsterlicher Aff/ der Christo untersteht das Fuß-waschen nach- zuaͤffen/ und in der Carwoch ein Faßnacht-Spiel anzustellen/ wann er auff den Gruͤnen-Donnerstag 13. arme Personen mit weissen Kleidern anzeucht/ auff Sessel herum setzet/ einem jeden den rechten Fuß mit Wasser benetzt/ und nachdem er ihn getruͤcknet hat/ kuͤsset. Unterdessen laͤßt er ihm seine Fuͤsse kuͤssen von Koͤnigen und Kaͤysern: und welches erschroͤcklich zu hoͤren/ hat sich ein Paͤbstischer Scribent herfuͤr gethan/ Thomas Bozius lib. XI. c. 10. de Sign. Eccles. der also geschrieben: So Christus Petro die Fuͤsse gewaschen/ und vermuthlich gekuͤßt/ so sollen auch grosse Potentaten Petri Stul-Erben und Nachfolger dem Roͤ- mischen Pabst die Fuͤsse kuͤssen. Das lasse mir eine stinckende Hoffarth seyn von einem elenden Maden-Sack. Petrus thats dazumal nicht gern/ er wehrte sich gewaltig. Deßgleichen/ als Cornelius der Hauptmann zu Caͤsarien ihme gar zu grosse und Goͤttliche Ehre wollen anthun/ indem er zu seinen Fuͤssen nidergefallen/ und ihn angebeten/ wehret Petrus mit Haͤnden und mit Fuͤssen: Er richtet ihn auff/ und sprach: Stehe auff/ ich bin auch ein Mensch. Act. 10. 25. 26. 27. Sondern wir sollen Predigt. sollen Christo in dem Fuß-waschen nachahnen affectu \& effectu. Sancti quod manu non faciunt, corde faciant. August. tract. 58. in Joh. Was die Heiligen mit der Hand nicht thun/ sollen sie mit dem Her- tzen thun/ das ist/ sich und seiner Gaben aller vergessen/ wie Christus/ und mit denselben andern/ die solche nicht haben/ dienen/ die Feinde lie- ben/ dem Nechsten nicht nur verzeihen/ sondern auch seine Buͤrde tra- gen: Jst er zornig/ stoͤrrig/ seltzam/ karg/ ꝛc. so dencke nicht/ ja wann er den Fehler nicht haͤtte/ so wolte ich gern mit ihme umgehen/ ist eben/ als sagtestu: Jch wolte ihm die Fuͤsse gern waschen/ wann sie nicht wuͤst waͤ- ren/ erwege vielmehr/ habe ich diesen Fehler nicht/ so habe ich einen an- dern/ und bedarff/ daß man mir denselben zu gut halte; das wird aber dem alten Adam gar saur/ der wolte lieber/ daß man ihm dienete/ und sonderlich thut es ihm wehe/ wo kein Danck folgen wil; Aber es bleibt dabey/ was Christus sagt: Selig seyd ihr/ so ihr solches thut. W ann der HErꝛ sagt: ( ita Luther. Hauß-Postill p. 119. f. 2.) Jhr solt euch un- tereinander die F uͤsse waschen/ so leget er sich doch selbs fein auß/ und spricht: ein Beyspiel hab ich euch gegeben/ daß ihr thut/ wie ich euch gethan habe: W arlich/ warlich/ ich sage euch/ der K necht ist nicht groͤsser dann sein Herꝛ/ das sind je klare W ort/ daß es an dem lige. Bistu um deines Ampts wik- len in grossem Ansehen/ wie hernach folgen wird/ daß du dichs nicht uͤberhe- ben/ sondern andern damit dienen solt/ die geringer sind/ und solche Gaben nicht haben. Derhalben da hernach am Ende der HErꝛ predigt von der L iebe/ da gehet das M andat und der Befehl klar/ da er spricht: Ein neues Gebott gebe ich euch/ daß ihr euch unter einander liebet. W as ist aber der L iebe art? nem sich dienen womit sie kan/ und alle F reundschafft und guten W illen beweisen/ nicht verachten/ nicht stoltz seyn/ nichts uͤbels thun/ das ist dann das rechte F uͤß-waͤschen/ da der HErꝛ hievon befiehlet. Darum ists um das F uͤß-waschen/ so mit W asser geschicht/ nicht zu thun/ sonst muͤßte man nicht allein zwoͤlffen/ sondern jederman die F uͤsse waschen/ und waͤre den L euten viel besser gedienet/ so es alleine um das W asser und W aschen zu thun waͤre/ daß man ihnen ein gemein Bad bestellete/ und wuͤsche ihnen nicht allein die F uͤsse/ sondern den gantzen L eib. Aber es hat die M eynung nicht. W iltu dem Exempel Christi folgen/ und deinem Naͤchsten die F uͤsse waschen/ so schaue zu/ daß du von Hertzen dich demuͤthigest/ alle Gaben und G naden die du hast/ nicht zu deinem Nutz/ oder eigener Ehre brauchest/ son- dern deinem Naͤchsten zum besten/ daß du niemand verachtest/ ja jederman gern seine Schwachheit zu gut haltest/ und helffest daß er sich bessern moͤge. Et pag. 121. fol. 2. Darnach heißt das ins gemein die F uͤsse waschen/ daß wir nicht allein mit unsern Gaben andern gern dienen/ und uns deren nicht uͤberheben sollen/ sondern das einer dem andern seine F ehle vergebe/ und wie es St. Paulus nennet/ einer des andern Buͤrde trage/ dann da wird anders nichts auß/ so kein reinen Christen wirstu in der gantzen W elt finden/ der Neunter Theil. E e nicht Die Sechste nicht ein sonderlichen F ehl oder Gebrechlichkeit haͤtte. Einer ist zornig/ der ander ist traurig und seltzam/ der dritte froͤlich/ der vierte karg und genau/ der fuͤnffte gar frey und mild. Jn Summa/ wie die Heyden auch gesagt haben: Ein jeder hat sein eigen L ast und U nlust auff ihm/ da er an zutragen hat. Da duͤncket dich dann/ wenn solcher F ehl an ihm nicht waͤre/ du woltest lieber mit ihm umgehen. Aber hoͤre/ wenn du solchen M angel an deinem Herꝛn/ W eib/ Gesind/ Nachbauren/ oder andern stehest/ so wasche ihm die F uͤsse/ das ist/ halt ihm solche Gebrechligkeit zu gut/ und sihe/ wie du ihn zu recht bringen koͤnnest/ und gedencke wie es in der W atheit ist/ daß die W elt nichts anders ist/ als ein kothiger Ort/ da nicht muͤglich ist/ daß wir darinnen koͤnnen gehen/ wir muͤssen die F uͤsse besudeln. Solches wi- derfaͤhret dir/ es widerfaͤhret mir/ und/ in Summa/ allen M enschen. W ie woͤllen wir ihm denn thun/ woͤllen wir derhalben in die W uͤste oder W aͤlde lauffen/ und mit niemand Gemeinschafft haben/ wie vor Z eiten die M uͤn- che gethan haben? Nein: Soltu andern die F uͤsse waschen/ so mustu ja nicht allein/ sondern mitten unter den L euten wohnen/ die in der W elt durch einen unreinen schlammigen Ort watten/ da gehoͤret ducken zu/ ob du gleich schoͤne reine F uͤsse hast/ daß du deinem Naͤchsten auch dazu helffest W asser/ alte L umpen/ Stroh und Haͤu zu tragest/ und die F uͤsse ihnen waschest/ und wuͤschest/ biß sie auch rein werden. Das geschicht aber/ wie St. Paulus sagt/ also/ daß einer des andern Buͤrde tragen/ das ist/ daß einer des andern sich hertzlich annchmen/ M itleiden mit ihm haben/ ihn nicht verrathen/ son- dern ihm die Hand reichen/ freundlich unterweisen/ ihm rathen und helffen soll/ daß er auch koͤnne gebessert werden. Bistu vernuͤnfftig/ weiß und ge- lehrt/ verachte darum den Albern/ Einfaͤltigen nicht/ halte dich nicht besser/ sondern brauche deine W eißheit dazu/ daß ihm geholffen/ und er auch weis- ser moͤge werden. Also/ bistu fromm/ haͤltest dich mit Essen und Trincken bescheiden/ laͤssest dich nicht bald erzuͤrnen/ ein anderer hat solche Gnade nicht/ verachte ihn darum nicht/ nim̃ dich seiner an/ und bessere ihn/ womit du kanst/ und gedencke also: Jch habe/ GOtt lob/ solchen F ehl nicht/ habe aber einen andern/ da bedarff ich/ daß man mit mir auch Gedult habe/ und mir denselben auch tragen helffe/ dagegen hat mein Naͤchster auch irgend ei- ne gute Tugend an ihm/ damit er mir wieder dienen kan. Auff daß also allenthalben Einigkeit und F reundlichkeit geuͤbet und erhalten werde. Mit was Hertzen koͤnnen dann erscheinen die stoltzen Geister/ die niemand weichen wollen um der lieben Concordi willen/ ihrer reputa- tion nicht vergessen/ ihren Grollen bestaͤndig haͤgen/ und bittere Gall im Hertzen behalten. Hat Christus mit so inniglicher Hertzens-Begierde verlanget/ das Abendmahl mit seinen Juͤngern zu halten/ ach wie viel mehr wir per ἀντιφίλησιν und hertzliche Gegen-Lieb! Christus bedarff unser nicht/ darum er fuͤr sich und seine Person kein Ursach solcher Be- gierde gehabt/ wir aber bedoͤrffen seiner. Darum wie der Hirsch schreyet nach frischem Wasser/ so soll unsere Seel zu Gott schreyen/ seufftzen/ und Predigt. und sich sehnen/ mit solchem Verlangen/ als ein Patient nach dem Artzt/ ein hungeriger nach der Speiß/ ein Durstiger nach dem Lab-Trunck. Ja gleichwie der Saal zu Jerusalem/ der selige Ort geweßt/ da das Abendmahl gehalten worden/ also laßt uns Gott unser Hertz und See- le bringen/ mit Bitt er wolle es heiligen zur Wohnung/ und zum Bet- Hauß/ daß es seinen Leib und Blut mit solcher Begierd/ und bruͤnstigem Glauben moͤge auff nehmen und empfahen. Geuß sehr tieff in mein Hertz hinein Du heller Jaspis und Rubin/ Die Flammen deiner Liebe. Und erfreu mich/ daß ich doch bleib An deinem außerwehlten Leib Ein lebendige Rippe. Nach dir Jst mir Gratiosa, Cœli rosa, Kranck und glimmet/ Mein Hertz durch Liebe verwundet. O HErꝛ JEsu du trautes Gut/ Dein Wort/ dein Geist/ dein Leib und Blut Mich innerlich erquicken. Nim̃ mich Freundlich Jn dein Arme/ Daß ich warme Werde von Gnaden/ Auff dein Wort komm ich geladen. Ja mach mich und uns alle theilhafftig deines ewigen himmlischen Tisches. Hie im Glauben/ Dort im Schauen/ Hie in der Hoffnung/ Dort in der Wohnung/ Hie in der Zeit/ Dort in der Ewigkeit. Amen. E e ij Die Die Siebende Die Siebende Predigt/ Von Dem Brod/ als dem einen sichtbarn Element des heiligen Abendmahls. G Eliebte in Christo. Es befiehlt der HErꝛ in sei- ner Juͤdischen Kirchen- Agend unter andern durch Mo- sen den Kindern Jsrael/ Exod. XXV, 30. Lev. XXIV, 5. seq. Sie sollen Semmel-Meel nehmen/ und davon zwoͤlff Brod oder Kuchen bachen/ und sollen sie legen ja sechs auff eine Schicht/ auff den feinen Tisch fuͤr dem HErꝛn/ alle Sabbath fuͤr und fuͤr sollen sie es zurichten fuͤr dem HErꝛn/ von den Kindern Jsrael zum ewi- gen Bund/ und sollen Aarons und seiner Soͤhne seyn/ die sol- len sie essen an heiliger Staͤtte. Die End-Ursach wird angedeutet in zween Nahmen/ Exod. 25. werden sie genennet lachme panim, panes facierum, Schau-Brod/ und Lev. 24. lechem leazcarah. Denck-Brod. Schau-Brod und Denck-Brod soltens seyn/ 1. quoad præteri- tum, sie solten sich dabey erinnern/ wie ihnen Gott in der Wuͤsten den Tisch gedeckt/ Manna lassen herab regnen/ und sie mit Engel-Brod ge- speiset/ und das 40. gantzer Jahr lang. 2. In præsens, er seye der jenige/ der ihnen im gelobten Land Speiß und Nahrung verschaffe/ er sey der Haußvater/ der unter ihnen wohne/ und Brod vorlege/ daß/ gleichwie die Brod nach der Zahl der Staͤmme Jsrael fuͤr den Augen des Herrn ligen/ so schaue er auff sie von Anfang des Jahrs biß zu Ende/ daß er ih- nen gebe edle Fruͤchte vom Himmel/ vom Thau/ und von der Tieffen/ die unten ligt/ Fruͤchte von der Sonnen/ und edle reiffe Fruͤchten der Mon- den/ und von den hohen Bergen gegen Morgen/ und von den Huͤgeln fuͤr und fuͤr/ edle Fruͤchte der Erden und was darinnen ist. 3. In futu- rum, so gewiß das Brod fuͤr ihnen ligt/ so gewiß wolle er sie ins kuͤnfftige ernehren/ Leib und Seel auch wol bewahren. Wie aber das Gesetz ein Schatten geweßt der zukuͤnfftigen Guͤter/ ein ἐίσοπτρον, ein Spiegel da- rinnen Predigt. rinnen man die κρείτονα und bessere Guͤter von ferne gesehen; also hat auch dieses Brod ein Absehen gehabt auff das rechte Himmel-Brod JEsum Christum/ Joh. 6. denselben geistlicher weiß zu essen/ zu schme- cken/ zu kaͤuen/ hinab zu schlucken/ und zu vereinbaren/ so dargelegt und vorgetragen wird auff dem Gnaden-Tisch des heiligen Evangelij. Da- von Psalm 23. der liebe David singt: Du bereitest fuͤr mir einen Tisch/ als den rechten Sonnen-Tisch/ der mit den koͤstlichen Gaben an- gefuͤllet und uͤberstellet ist. Apud Veteres (ita Corn. à Lap. ad Apoc. p. 32.) celebris fuit Solis mensa: Erat is locus in Æthiopia, apparatis epulis semper refertus: \& quia, ut libet, in- quit Pomponius, vesci volentibus licet, solis mensam appellant: \& quæ pas- sim apposita sunt, affirmant nasci subinde divinitus. Ad quem locum Se- verus Imperator, cum venisset Alexandriam, rei fama permotus, profectus est. Verùm hæc mensa vel fabulosa est, vel symbolica. Quocirca Rho- diginus lib. 29. cap. 4. ait, Solis mensam adagio dici divitum hominum do- mos, omni rerum copiâ affluentes, quæ inopum necessitatibus \& alimentis patent \& exponuntur. Talem mensam verè proponit nobis Christus in Eu- charistia, ac Deus in tot beneficiis, quibus singulis momentis nos afficit, pascit, vegetat, tutatur, omniaque sua dona elargitur. Quocirca S. Dio- nysius Areopagita libr. de divin. nom. c. 2. solem facit evidentem \& expres- sam divinæ bonitatis imaginem, tum quia Sol non cogitatione aut electio- ne, sed eo ipso, quod est, illuminat omnia, quæ pro modo suo participatio- nem hujus admittunt: ita divinum bonum, ipsa sua substantia, omnibus quæ sunt, pro captu cujusque suæ bonitatis injicit radios. Et cap. 5 tradit causam: Quia sicut Sol unus cum sit, sensibilium tamen rerum substantias \& qualitates, uniformem infundendo lucem, renovat, nutrit, servat, perficit, discriminat, conjungit, refovet, fœcundat, cum aliis pluribus admirabilibus operationibus, quas ibi commemorat: Sic DEUS operatur omnia in omni- bus. Es hat dieser Tisch sein Absehen gehabt auff den ewigen him̃lischen Tisch/ da die Trachten werden seyn Freude die Fuͤlle/ und liebliches Wesen zur Rechten GOttes immer und ewiglich. Kan aber auch wol fuͤglich ge- zogen werden/ und ist keines Wegs außzuschliessen Panis Eucharisticus, das gesegnete Brod im H. Abendmahl. Das ist ja das rechte Schau- Brod des Neuen Testaments/ nicht in Paͤbstischem Verstand/ da man ein Gauckelspiel darauß gemacht/ und die Hostien/ als ein Brod-Gott in der Monstrantz mit grossem Pracht herum traͤgt. v. D. Gerh. de Cœna pag. 427. Morn. de Eucharist. p. 763. Honorius lib. III. Decretalium tit. 41. cap. 10. Sacerdos frequenter doceat ple- bem suam, ut se reverenter inclinet, cum hostiam salutarem Presbyter defert ad infirmum. Quam in de enti habitu supposito mundo velamine ferat \& refe- rat, manifestè ac honorificè ante pectus cum omni reverentia \& timore, semper E e iij lum ne Die Siebende lumine præcedente, cum sit candor lucis æternæ, ut ex hoc apud omnes fldes \& de votio augeatur. Anno 1220. Gregorius IX. hujus Honorii successor tin- tinnabuli seu squillæ pulsum, quo populus ad genu flectendum admoneatur, addidit. Concil. Colon. sub Imp. Rudolpho Habspurgensi circa annum 1280. Statuimus, ut pixis, in qua corpus Domini ad infirmos defertur, sit aurea, ar- gentea, eburnea, vel ad minus cuprea benè elimata. Ad communicandum in- firmum corpus Domini allaturus erat Sacerdos dicendo septem Psalmos, \& si via fuerit longior, addat Litaniam, \& alias cantiones. Incedat ad communican- dum infirmum cum campanula \& lucerna Quilibet autem fidelis, si devotè fecerit hanc processionem, decem dies indulgentiæ pro eundo \& redeundo habeat. Equitantes verò non dedignentur descendere de equis suis ad adorandum eum, qus pro eis descendit de cœlis. \&c. Sondern ein Schau-Brod und Denck-Brod/ 1. ob actus præparato- rios, wer davon essen wolt mußte sich reinigen. 1. Sam. 21, 4. Wann ihr Zeug heilig/ und die Knaben sich von Weibern enthalten/ so moͤgen sie essen. Also hat auch Christus zuvor seinen Juͤngern die Fuͤs- se gewaschen/ ehe er sie zum Genuß dieser heiligen Speise zugelassen. 2. Ob personæ accipientis habilitatem. Es mußten Priester seyn die sie essen wolten/ die mußten zuvor raͤuchern oben auff dem Brod/ und reinen Weyrauch anzuͤnden/ zum Feur dem Herrn . Also wer sich wil zu diesem Tisch machen/ der hab wol acht auff seine Sachen. Wer von diesem Brod essen wil/ muß als ein geistlicher Priester opffern geist- liche Opffer/ die Gott angenehm sind/ den Weyrauch des Gebets/ An- dacht/ und heiliger Ubung/ bereiten Hertz/ Seel und Geist durch wahre Buß/ sonderlich mitbringen einen hungerigen Magen/ dann ist dir wol/ so bleib davon/ daß du nicht kriegest boͤsen Lohn/ Sonderlich 3, ob mysterium latens, \& elevationem mentis, wegen des jenigen Geheim- nusses/ so darunter verborgen ligt/ massen wie es eines unter den jenigen/ darein auch die heiligen Engel geluͤstet zu schauen/ so muͤssen wir durch diß aͤusserlich Zeichen durchschauen auff das jenige/ was darinnen bezeichnet/ versigelt und offeri ret wird/ das Brod des Lebens/ Christum JEsum mit seinem wahren Leib. Sintemal er nicht unmittelbar in dem Sa- crament des H. Abendmals uns erscheinen wil: dann/ wie wolten wir vertragen die Majestaͤt seines glorificirten herꝛlichen Leibes/ welchen alle Seraphim anbeten/ und fuͤr groͤster Reverentz und Ehrerbietung ihre Fuͤsse bedecken/ wann Er darinnen sich uns præsenti ren wolte/ die Juͤn- ger Christi erschracken/ wann der Herr Luc. 24. ploͤtzlich unter sie getret- ten/ da Er doch die Strahlen seiner Majestaͤt per ὀικονομίαν dazumal zu- ruck gezogen; sondern er erscheinet in und unter dem gesegneten Brod. Wann Predigt. Wann wir dann vor diesem durch GOttes Gnad gehandelt von den Notari en/ wer sie geweßt/ wie ihr Zeugnuß uͤbereinstimme/ was fuͤr Art zu reden sie gebraucht? gehandelt von den Umstaͤnden des Orts/ von der Person/ so das Heilig Abendmahl eingesetzt/ von der Zeit und Ordnung/ so folget nun cibus ipse, die Speiß und Trachten/ deren sind nun nach der alten Regul Irenæi zweyerley/ irdische und himmlische. Jetzt wollen wir handeln de cibo terrestri, vom Brod/ wann die Evan- gelisten sagen: Jn dem sie assen/ nam Er das Brod. Hievon zu reden und zu handeln/ wolle GOtt seines H. Geistes Gnad und Segen verleyhen/ Amen. G Eliebte in Christo. Drey Umstaͤnde haben wir allhie zu betrachten 1. Cibi quidditatem. 2. Quantitatem. 3. Qua- litatem. Den ersten belangend/ was fuͤr eine Speiß hie ge- meynet sey? So ist es nun nichts anders/ als Brod/ Matth. 26, 26. Luc. 22, 18. 1. Cor. 11. 23. Brod/ sag ich/ nicht Brod und Kaͤß zusammen/ wie. die Pepuzianer und α τοτυρήται gethan. August. hæres. 28. Nicht Menschen-Blut/ mit Meel gebachen/ wie die Cataphryges, als abermal August. hæres. 26. bezeuget: Nicht einen Knaben eines Jahrs alt/ ge- metziget/ mit Messerlein so lang gestupfft/ von allen Gliedmassen das Blut auffgefangen/ mit Meel vermischt/ und Brod darauß gebachen/ nicht eine andere Materi/ die die Gnostici angewendet/ so vor keuschen Ohren nicht zu nennen; sondern Brod/ und zwar bleibendes Brod/ un- wandelbar. Anders als im Pabstthum gelehret wird/ durch das mon- strum Transsubstantiation, Krafft deren das Brod in den Leib Christi verwandelt wird/ also/ daß nur die aͤusserliche species, Gestalt/ Farb und Geschmack uͤbrig bleiben. Daß aber das Brod sein Wesen behalte/ und Brod bleibe/ erhellet Sonnen-klar und ist offenbar/ nicht nur auß den Worten St. Pauli 1. Cor. 11, 26. damit er dem Paͤbstischen Jrꝛthum vor- gekommen/ wann er auch das Brod nach der Consecration warhafftig Brod genennet/ so offt ihr von diesem Brod esset. und ꝟ. 27. Wer un- wuͤrdig von diesem Brod isset. Nicht nur auß dem Apostolischen Commentario 1. Cor. 10, 6. Das Brod/ das wir brechen/ (er sagt nicht/ die Gestalt des Brods/ als welche nicht kan gebrochen werden) ist die Gemeinschafft des Leibs Christi. Wo aber eine Gemein- schafft/ da kan keine Verwandlung statt und platz haben. Dann eine Ge- meinschafft ist zwischen zweyen wesentlichen Dingen/ die mit einander genau vereiniget sind. Sondern auch auß der Natur/ Art und Eigen- schafft Die Siebende schafft der Benediction, als welche die Creatur nicht zerstoͤret/ sondern vermehrt; welche Zerstoͤrung aber nothwendiger weiß folgen mußte/ wann das Brod in den Leib Christi verwandelt wuͤrde. Wie dann auch die Quali taͤt eines Sacraments/ welche erfordert ein wesentliches Ele- ment/ dadurch die himmlische Krafft und Tugend des darunter verbor- genen herꝛlichen und Goͤttlichen Schatzes abgebildet wird/ welches Ampt aber die accidentia und zufaͤllige Stuͤcke des Brods nicht sustini ren koͤn- nen. Zwar Gordon. Huntlæ. Tom. 2. Controv. 4. wil erzwingen/ es werde panis ὑπ ερούσιος, transsubstantiatus, der Leib Christi/ so fern er in den aͤusserlichen accidentibus des Brods eingewickelt/ verstanden/ und nicht wesentlich Brod/ panis, non qui adsit, sed qui adfuerit, darauß/ dieweil dieses Brod wird genennet ein Brod/ 1. Cor. 10, 17. denn Ein Brod ists/ so sind wir viel ein Leib/ dieweil wir alle Eines Brods theilhafftig sind. Nun aber ist das aͤusserliche/ wesentliche und leibliche Brod nicht ein Brod/ sondern viel. Aber Antwort: Ein Brod/ specie, in seiner Art/ Wuͤrckung/ Vereinigung/ und Sacra- mentlichem Gebrauch. Gleichwie auch die Tauff eine Tauff/ Eph. 4. insonderheit/ weil Paulus 1. Cor. 11. durch dieses Eine Brod verstehet das gantze complexum, das Brod und den Leib Christi. Und zwarna- tuͤrlich Brod/ auß Wasser und Meel zusammen geknettet und gebachen/ ob es grob oder rein/ Weitzen- oder Korn- oder Gersten-Meel/ ist nicht viel daran gelegen. Unter andern Calumnien/ damit die Calvinisten uns pflegen zu diffami ren/ ist auch diese/ daß sie unsere Oblaten/ wie mans nennet/ spumas inutiles nennen/ kleine runde Sigel-Plaͤtzlin/ und machens disputir lich/ ob sie auch Brod seyen. Wir behaupten aber das Wesen dieser Brod auß der definition des warhafften Brods/ mit wel- chen die Oblaten gantz uͤberein kommen. Martinius in Lexico pag. 2475. Panis est cibus solidus è farina \& aqua subacta pistus, igne coctus, quo communissimè, ob singulariter temperatam suavi- tatem, \& cum corporibus nostris convenientiam præcipuam alimur. Denn sie sind ja auß dem besten Semmel- und Weitzen-Meel zerknitscht/ geknettet/ mit Wasser vermengt/ und durch die Krafft des Feurs gebachen/ sie haben ihre Consisten tz/ zerfliessen nicht/ wie etwan ein Milch-Brey/ und wann mans in grosser Menge solte essen/ wuͤrden sie freylich auch Brods-Krafft/ nemlich die Ernehrung haben; daß man aber in kleiner Quanti taͤt dieselben empfangt/ hindert nicht/ dieweil nach Aussag Cano- nis V. in Concil. Niceno, οὐ πολὺ λαμ άνομ ν, ἀλλ ὀλίγον, ἵνα γνῶμ ν, ὅτι οὐκ εἰς ϖλησμονη , ἀλλ εἰς ἁγιασμόν. Non multum sumimus, sed parum, quia non Predigt. non ad satietatem, sed propter sanctificationem hæc sumimus. Wie dann ferner im andern Umstand uns nicht soll irꝛ machen 2. Quantitas panis, die Groͤsse des Brods. Dann so die Quali taͤt/ es mag gesaͤuert oder ungesaͤuert seyn/ die Natur und Wesen des Brods nicht aͤndert/ so wird solches die Groͤsse weniger thun/ und so gesaͤuert Brod nicht noͤthig/ ut probat Andr. Rivet. ad Ex. 12. p. 289. so ist gemein Hauß-Brod auch nicht noͤthig. Es ist aber die Quanti taͤt des Brods/ wie es in unsern Evangelischen Kirchen gebraucht und außgetheilet wird/ fundirt 1. in prima Institutione, in der ersten Einsetzung/ und Art der Juͤdischen Brod; massen die Juden/ ehe sie backten/ die Brod pflegten in unter- schiedene Stuͤck zu parti ren/ auff daß man sie hernach nicht erst schneiden/ sondern nur brechen dorffte/ daher Christus dem Judaͤ einen Bissen ge- geben/ Joh. 13, 26. Sanctius ad Thren. Jer. c. 4. p. 1160. hæc habet: Superest, ut dicamus, cur pa- nis hoc loco frangi dicatur, non scindi: nam quod frangi idem sit, quod di- vidi, nemini credo dubium esse. Rationem nominis quærimus. Quâ de re optimè Baronius 5. Tomo Annalium, anno 38. ubi dicit: accepisse se à Rabbino Judaicæ antiquitatis peritissimo, solitos esse olim Judæos panes ita fingere, ut profundæ lineæ indecussim trajectæ illos ita distinguerent, ut crebræ, ac minutæ, tanquam areolæ, conclusæ lineis per totam faciem panis relinquerentur, quæ bucellæ vocantur. Et mox: Idem etiam in usu esse apud Hebræos, indicat modus ille loquendi: nam frangi panis dicitur, fragmen, \& fragmenti panis, \& bucellæ nomen frequens. Quod verò manu tant um frangi potuerint suprà dicti panes, faciebant incisiones illæ, seu li- neæ prosundæ, quæ bucellas quadrabant. Hinc disces, cur toties cum Eu- charistia fidelibus porrigitur, panis dicatur frangi. Debuit enim ille, qui consecrabatur panis, etiamsi id non ferret frangendi panis consuetudo, in exiguas partes distingui, tum ut similes essent bucellæ, \& in commodio- rem formam divisæ, tum ne micæ defluerent, quod maximè omninò caveri debuit. 2. In antiquitate supra pontificia. Es hats die liebe Antiqui taͤt und erste Mutter-Kirch also angeordnet/ ehe der Anti-Christ zu seinem mann- lichen Alter kom̃en/ gleichwie auch das Creutz-machen/ oder Creutz-Figur fuͤr der Stirn und Brust. Epiphanius in Ancorato gedencket panum ςρογτυλοειδῶν, ἀναιοϑήτων, bey andern werden gefunden κλάσματα, die Bruͤchling/ ἁγίαι μερίδες, micæ, partes, portiones, bucellæ, und der- gleichen. Paschasius de corpore \& sanguine Domini c. 17. Hoc my- sterium dum communicas, dilata sinum mentis tuæ, emunda conscien- tiam, \& percipe non quantum mica exhibet, sed quantum fides capit. Wann du diß Sacrament empfahest/ so erweitere den Schooß deiner Seelen/ reinige dein Gewissen/ und empfahe/ nicht nur Neunter Theil. F f so Die Siebende so viel/ was das kleine Stuͤcklein Brod weißt/ sondern was der Glaub faßt. 3. In usu commodiori, auff daß nicht nur die Jungen und Gesunden/ sondern auch die Alten und Krancken/ die manchmal kein Brod schmecken koͤnnen/ solches bequemer geniessen moͤchten. Wozu dann 4. kom̃t/ daß diese Quanti taͤt nicht ohne ein Geheimnuß ist/ und ab- bildet/ nicht nur den Vorschmack in dem Gnaden-Reich/ daß wir lernen/ wir geniessen hie nur mit den aͤussersten Lippen die Suͤssigkeit der Goͤttli- chen Guͤte/ nach dem was David sagt/ Psal. 34. Schmecket und sehet wie freundlich der HErꝛ ist. und Hebr. 6, 5. Wir schmecken nur die himmlische Gaben/ das guͤtige Wort GOttes/ und die Kraͤffte der zukuͤnfftigen Welt. Daher wir auch nur ein paar Troͤpfflein trincken/ und nicht einen gantzen Kelch voll auß. Dort ha- ben wir erst die Fuͤlle/ und vollkommenen Genuß zu gewarten/ wann wir werden gespeiset werden von den reichen Guͤtern des Hauses GOttes/ wann unsere Seelen in Wollust sollen fett werden/ und mit Wollust ge- traͤncket/ als wie mit einem Strom. Sondern auch die Gleichheit/ daß keiner mehr im H. Abendmahl empfahe/ als der andere/ was einer em- pfangt/ so viel empfanget der andere auch. Sumit unus, sumunt mille, quantum unus, tantum ille. III. Qualitas panis, des Brods Eigen- schafft/ ob es gesaͤurt oder ungesaͤurt seyn soll. Hie finden sich zwey ex- trema. Erstlich der Griechen/ welche nothwendig gesaͤurt Brod erfor- dern/ und deßwegen/ wie Gennadius bezeuget/ die occidentales Ecclesias verdam̃t/ ihr Sacrament mortuum \& judaicum, ein todtes und Juͤdi- sches Sacrament genennet. Nachgehends der Paͤbstler/ welche noth- wendig ungesaͤurt Brod der Kirchen auffdringen wollen. Tolet. l. 2. Instit. Sacerd. c. 15. macht eine Todsuͤnde darauß/ wann der Priester in der Lateinischen Kirchen wolte ungesaͤurt Brod weyhen. Jst aber ein vergebener Streit; Denn es ist ein res indifferens, und mag eins ge- braucht werden so wol als das andere: gleichwie es nichts daran gele- gen/ ob in Außspendung des Sacramentlichen Kelchs rother oder weisser Wein/ und im Sacrament der H. Tauff warm oder kalt Wasser ge- braucht wird. Vermuthlich ists/ es haben die H. Apostel selbst gesaͤurt Brod gebraucht. Dann wie Act. 20, 7. stehet/ kamen Paulus und Lucas nach den Ostern von Philippen gen Troada/ da die Tag der suͤssen Brod allbereit vollendet waren/ und man schon gesaͤurt Brod gegessen/ und doch kamen die Juͤnger daselbst auff einen Sabbath zusam̃en/ das Brod zu brechen/ oder wie es der Syrische Interpres gegeben/ ad frangendam Eucharistiam, das H. Abendmahl zu halten. conf. Gerh. Harm. c. 171. pag. Predigt. pag. 1503. Wir behalten ungesaͤurt Brod in unsern Kirchen/ nicht nur wegen des Exempels Christi/ als welcher in der Einsetzung und Auß- spendung des H. Abendmahls ungesaͤurt Brod gebraucht/ welches ge- schehen zur Zeit/ da sie allbereit das Oster-Lamm gegessen/ und man kein anders als suͤsses Brod essen durffte/ wie erhellet Exod. 12, 8. Du solt Fleisch essen in derselben Nacht/ am Feur gebraten/ und un- gesaͤurt Brod/ und Matth. 26, 17. Am ersten Tag der suͤssen Brod tratten die Juͤnger zu JEsu/ und sprachen zu Jhm: wo wilt du/ daß wir dir bereiten das Oster-Lamm zu essen? Er sprach; Gehet hin in die Stadt zu einem/ und sprecht zu ihm: der Meister laͤßt dir sagen/ meine Zeit ist hie/ ich wil bey dir Ostern halten mit meinen Juͤngern. Sondern auch wegen des Fuͤrbilds des Oster-Lamms/ welches mit ungesaͤurtem Brod mußte gegessen werden. Nun aber ist hie das rechte Oster-Lamm/ davon Gott hat gebotten/ welches an des Creutzes Stamm/ in heisser Lieb ge- braten/ das Lamm GOttes/ so der gantzen Welt Suͤnde traͤgt/ hie hat Christus seinen allerheiligsten Leib/ so mit keiner Suͤnden befleckt/ noch mit dem Saurteig der Boßheit und Schalckheit angesteckt/ Esa. 53, 9. 1. Petr. 2, 22. fuͤr uns auffgeopffert: Also weil das Brod im H. Abend- mahl die Gemeinschafft dieses allerheiligsten Leibes/ gebrauchen wir lieber ungesaͤurt Brod/ als darinnen als in einem Bild/ die Heiligkeit des aller- heiligsten fuͤr uns auffgeopfferten Leibes abgebildet/ und fuͤr Augen geleget wird. Doch gleichwol alles auß Christlicher Freyheit/ nicht auß Noth-Zwang/ oder den zarten Hertzen damit ein Gewissens-Strick anzu- legen. Gleichwie nun der finis Elementorum, und End-Ursach der sicht- baren Elementen in den H. Sacramenten auch unter andern dahin ge- het/ daß sie unsere Gemuͤther erheben sollen zur Betrachtung und Ver- staͤndnuß himmlischer Dinge: Also ist auch das sichtbare Element des Brods im H. Abendmahl 1. Signum μνημονσυτικὸν, ein Mahl-Zeichen/ ein Schau-Brod/ darinnen wir muͤssen zuruck sehen in die blutige Passion Christi. Dann zu gleicher weiß/ wie das Weitzen-Korn zerrieben/ von den Ochsen zer- tretten/ in die Erde verscharret/ geknettet/ und in dem Ofen durch des Feurs Hitz gebacken/ und alsdann eine wolgeschmackte Speiß und heil- sames Brod wird: Also ist Christus in seiner Passion gleichsam unter dem Muͤhlstein der Suͤnden und des Zorns GOttes zerquetscht/ zer- malmet und zerrieben/ von Juda seinem untreuen Juͤnger unter die F f ij Fuͤsse Die Siebende Fuͤsse getretten/ und in der Hitz des Feur-flammenden Zorns GOttes gebacken/ und uns eine wolgeschmackte Speiß und Brod des Lebens worden/ zur Auffenthaltung unserer Seelen. Darauff Er selbsten gleichsam mit Fingern deutet/ Joh. 12, 24. Warlich/ warlich/ ich sage euch/ es seye dann daß das Weitzen-Korn in die Erde fal- le und ersterbe/ so bleibets allein/ wo es aber erstirbt/ so brin- gets viel Fruͤchte. II. Sigillum assensus confirmatorium, und gleichsam arrha di- vina, auff daß wir durch zwey Stuͤck/ die nicht wancken/ einen starcken Trost haben. Hebr. 6, 18. Dann weil der liebe Gott un- sers Hertzens boͤse Art/ oder vielmehr Unart/ wol weiß/ daß wir ihm von Natur nicht glauben/ Er gebe uns dann den Glauben in die Hand/ und thue ein Zeichen/ wie dem Gideon/ Jud. 6. daß es auch heisset/ wie bey dem Koͤnigischen/ wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet/ so glaubet ihr nicht/ so condescend irt Er zu uns/ hat in dem H. Abendmahl uns sichtbare Zeichen gegeben/ daß so gewiß wir das Brod empfangen/ so ge- wiß wil Er mit uns vereinbaret werden. III. Organum exhibitionis quoad fiducialem apprehensionem, dadurch uns mitgetheilet wird nicht nur substantia corporis Christi, das Wesen des Leibs Christi/ daß wir mit Mariaͤ/ Simeons/ und Jo- sephs Haͤnden nach ihm greiffen moͤgen/ und getrost sagen: Hinweg Sathan/ Suͤnd hin oder her/ Tod hin oder her/ Zorn/ Fluch und Hoͤll hin oder her/ hie hab ich den Leib/ der fuͤr mich in den Tod gegeben/ der den Zorn und Fluch getragen und gebuͤsset/ und eben deßwegen wird das Brod ein hostia genennet/ dieweil uns in demselben die rechte hostia, ohne welche wir fuͤrder kein ander Opffer mehr haben fuͤr die Suͤnde. Hebr. 10, 26. mitgetheilet wird. Sondern es wird uns damit offer irt und bezeichnet die Krafft des Leibes Christi/ und zwar vis unitiva, die vereinbarende Krafft. Dann zu gleicher weise/ wie das Brod/ wann es gegessen/ angenommen/ und in des essenden Leib/ Safft und Krafft ver- wandelt wird/ und nachdem es gleichsam durch unterschiedliche Kuͤchen gegangen/ gekaͤuet/ gedaͤuet/ gesogen/ und zubereitet worden/ vom Mund in den Magen/ vom Magen der Leber/ von der Leber allen andern Glied- massen uͤberlieffert/ und mit demselben ein Fleisch und ein Leben wird/ und also auß Speiß und Leib ein Ding. Also wird vermittelst des Leibs Christi/ welchen der glaubige Communicant genießt/ und mit seinem Munde Sacramentlicher weiß empfangt/ ein Geist und ein Leib/ Joh. 6, 56. Wer Predigt. Wer mein Fleisch isset/ und trincket mein Blut/ der bleibet in mir/ und ich in ihm. Daß also ein glaubiger Christ sagen kan/ Christus ist mein Leben/ ich leb in Christo/ und Christus in nur. Galat. 2, ꝟ. 20. Davon bekennen wir in unserm Catechismo/ daß alle Glaubige sind in Christo unserm HErꝛn/ als Glieder zu einem Leib in der H. Tauff eingeleibet. Vis vivifica, die lebendig- machende Krafft/ zu gleicher weiß/ wie abermal das natuͤrliche Brod dienet zur Erhaltung und Fortsetzung des natuͤrlichen Lebens/ St. Pau- lus ermahnet seine Schiff-Gefaͤhrten/ die allbereit vierzehen Tag lang ungegessen blieben/ und nichts zu sich genommen/ und fast verschmachtet/ Speise zu nemmen/ und sich zu laben/ im Griechischen Text heißt es also: τοῦτο γ τῆς ὑμετέρας σω τηρίας ὑπάρχει. Dann das dienet euch zu euerm Heyl und Beseligung des Lebens. Welches Brod auch die Jscaeliten in der Wuͤsten gesucht/ darnach hungerte sie/ sie besorgten sich fuͤr dem Tod/ daß wo sie laͤnger ohne Brod seyn/ verschmachten muͤß- ten. Exod. 16, 3. Also hie das Brod des Lebens/ Wer von diesem Brod essen wird/ der wird leben in Ewigkeit. Joh. 6, 47. Es theilet der Leib Christi mit/ und zuͤndet an das geistliche Gnaden-Leben/ das man mit Paulo sagen kan/ Gal. 2, 20. Jch lebe/ doch nun nicht ich/ sondern Christus lebet in mir/ dann was ich jetzt im Fleisch lebe/ das lebe ich im Glauben des Sohns GOttes. Wie dann auch das Ewige Leben/ und zwar nicht nur in spe, sondern auch in re, was anlanget den Vorschmack. Wer mein Fleisch isset/ und mein Blut trincket/ der hat das ewige Leben. Joh. 6, 54. Jhr seyd gestorben/ und euer Leben ist verborgen mit Christo in GOtt. Col. 3, 3. Vis refectoria die staͤrckende/ erquickende und labende Krafft. Das Brod ist dazu von Gott erschaffen/ daß es des Menschen Hertz staͤrcken soll. Psal. 104. Nachdem sich Abraham mit seinen Soldaten in der Schlacht wider Kedor Laomor zimlich ermattet/ und wieder zuruck gekehret/ trug ihnen Melchisedech Brod und Wein auff/ gab ihnen ein Ritter-Zehrung/ dadurch sie sich wieder erholet. Als David/ da er mit seinen vierhundert Maͤnnern den Amalekitern nachgejagt/ einen Egy- ptischen Mann auff dem Feld gefunden/ der in drey Tagen und Naͤchten nichts gegessen/ und allbereit halb todt war/ nachdem aber die Maͤnner Davids ihm Brod gegeben/ und er gegessen/ kam sein Geist wieder zu ihm. 1. Sam. 30, 12. Also wer im geistlichen Kampff sich dermassen ermuͤ- det/ daß der Glaub gleichsam in einer Ohnmacht da ligt/ und der Mensch F f iij das Die Siebende das geistliche Leben/ das auß Gott ist/ nicht mehr empfindet/ und im Gegentheil Todes-Schrecken und Hoͤllen-Angst im Gewissen fuͤhlet/ der empfanget hie neue Krafft/ wie ein junger Adlex/ das es heißt: O HErꝛ JEsu/ dein Wort/ dein Geist/ dein Leib und Blut mich innerlich erqui- cken. Ligt allein an der glaubigen Ergreiffung: Zu gleicher weiß/ wie zwar viel den Leib des Herrn in den Tagen seines Fleisches angeruͤhret/ aber nicht von ihren Wehetagen genesen/ weil sie ihn ohne Glauben an- geruͤhrt/ allein das blutfluͤssige Weiblein/ weil sie auß glaubigem Ver- langen gewuͤnschet/ moͤchte ich nur sein Kleid anruͤhren so wuͤrde ich gesund/ ist ihres Wunsches und Begehrens gewaͤhret worden/ wann ihr der Herr zugesprochen: Sey getrost meine Tochter/ dein Glaub hat dir geholffen. Matth. 9, 22. Also beruͤhren zwar viel in Empfahung des H. Abendmahls mit ihren Lippen den allerheilig- sten und theursten Leib JEsu Christi/ daß aber nicht alle der oberzehlten Krafft theilhafftig werden/ machet der Unglaub. Darum wilt du mit Christo vereiniget/ von Jhme lebendig gemacht/ suͤß erquicket/ und reich- lich getroͤstet werden/ so must du glauben und nicht wancken/ daß ein Speiß sey der Krancken/ denen ihr Hertz von Suͤnden schwer/ und vor Angst ist betruͤbet sehr. IV. Es ist aber dieses Brod Exemplum dehortationis. Gleich- wie wir das suͤsse Brod essen/ also sollen wirs auch essen ohne Falschheit/ Heucheley und geistliche Hoffart. Feget auß den alten Saurteig/ auff daß ihr ein neuer Teig seyd/ lasset uns Ostern halten/ nicht im alten Saurteig/ auch nicht im Saurteig der Boßheit und Schalckheit/ sondern im Suͤßteig der Lauterkeit und der Warheit. 1. Cor. 5. ꝟ. 7. 8. Ἑκὰς, ἑκὰς, ὅςις ἄλιτρος. Es ist kein Brod fuͤr die Schwein/ draussen seind die Hunde. Exemplum adhor- tationis 1. ad Eleemosynam, dann daher seind die Brod oblatæ genen- net worden/ massen wie Tertullianus bezeugt c. 39. apolog. so haben die Reichen Brod und Wein zugetragen/ ein Theil zur Communion/ das andere ad ἀγάπας, zu den Liebes-Malzeiten/ dabey sie dann der Armen nicht vergessen/ sondern Speiß und Tranck mildiglich unter sie außge- theilet: also sollen sonderlich da unsere Almosen reichlich seyn/ und ge- dencken/ so uns Go tt an seinen Tisch heruffen/ wir auch die Brosamlein dem armen Lazaro nicht mißgoͤnnen/ dann was seind alle zeitliche Guͤter gegen jenem zu rechnen/ nicht anders/ als σκύ αλα. (σκύ αλον quasi κυ- σί αλον τὸ τοῖς κυσὶ βαλόμενον. 2. Ad Concordiæ \& Christianæ Cha- ritatis Predigt. tatis culturam. Dann ein Brod ists/ so seind wir viel ein Leib/ dieweil wir alle eines Brods theilhafftig sind. 1. Cor. 10, 17. Sind wir aber ein Leib/ und Glieder an einem Leib/ so lasset uns rechtschaffen seyn in der Liebe/ und wachsen in allen Stucken an dem/ der das Haupt ist/ Christus/ auß welchem der gantze Leib zusammen gefuͤget/ und ein Glied am andern hanget/ durch alle Gelenck. Ephes. 4, 15. Daher allezeit vor dem H. Abend- mahl bey uns diese Vermahnung vorher gehe t : Wir sind alle ein Brod/ und ein Leib/ dieweil wir alle eines Brods theilhaff- tig sind. Zu gleicher weise/ wie auß vielen Koͤrnlein ein Meel gemahlen/ ein Brod und Kuchen gebacken wird: also sollen wir alle/ so durch den Glauben Christo eingeleibet seyn/ durch bruͤderliche Liebe/ um Christus unsers liebsten Heylan- des willen/ der uns zuvor so hoch geliebet hat/ alle ein Leib/ Tranck/ Kuchen und Brod werden/ und solches nicht allein mit laͤhren Worten/ sondern mit der That und Warheit/ wie Johannes lehret/ ohn allen Trug treulich gegen einander be- weisen/ das ist/ wie Christus seinen Juͤngern die Fuͤsse gewaschen/ das Leben fuͤr sie gelassen/ ja gar seinen Leib zu essen gegeben/ also sollen wir unserm Naͤchsten begegnen mit Demuth und Ehrerbietung/ Mildthaͤ- tigkeit/ ja gar/ wann es die Noth erfordert/ um seinet willen/ Gut und Blut auffsetzen/ und in die Schantz schlagen. Dieses alles lasset uns bedencken/ wann wir zum Tisch des Herrn gehen/ und endlich mit der Christlichen Kirch seufftzen. O panis dulcissime O fidelis animæ vitalis refectio! In te Tu nos unias, Et virtute munias, Da Te dignè sumere, Et carnales furias Propellens, nos facias tecum piè vivere. sic refecti poculis sanguinis \& epulis tuæ carnis optimis, seculorum seculis epulemur sedulis veritatis azymis. O suͤsses Die Achte O suͤsses Brod/ O Edle Speiß/ Verbind uns mit dir gleicher weiß/ Auff daß wir aller Suͤnden loß/ Geniessen dich mit Freud und Trost/ Biß in dem Tag der suͤssen Brod Uns voͤllig wird erquicken GOtt. Dem sey Lob/ Ehr und Preiß in Ewigkeit/ AMEN . Die Achte Predigt/ Von Dem Leib JESU CHRISTI/ als dem einen unsichtbarn wesentlichen Stuck des H. Abendmahls. G Eliebte in Christo. Als der Allmaͤchtige GOtt/ nach seiner gethanen Verheissung/ zum ersten mal das Manna vom Himmel herab schneyen und regnen lassen/ und solches die Kinder Jsrael gesehen/ so sprechen sie/ Man hu? welches Wort nicht nur der Lateinische Dol- metsch/ sondern auch der Chaldeische/ mit deme Philo, Josephus, Origenes, Theodoretus, Cyrillus, und viel andere uͤberein- stimmen/ uͤbersetzet/ Was ist das? Interrogativè, Fragsweiß/ Exod. 16, 15. welcher Verstand confirmi ret wird durch das beygesetzte Wort/ dann sie wußten nicht was es war. Man hu, sprechen sie/ quasi Mah hu? Was ist das? Verwundern sich billig/ und haben hernach die viertzig Jahr durch Ursach uͤber Ursach gehabt/ sich zu verwundern/ was das fuͤr eine seltzame Speiß? je mehr sie dieselbe genossen/ je mehr sie davon inform irt worden. Man hu? sprechen sie/ betrachtende: I. Originem Predigt. I. Originem cœlestem, seinen himmlischen Ursprung/ dann es fiel vom Lufft-Himmel/ von den Wolcken herab/ es war kein natuͤrlich Brod/ sondern ein himmlische Speiß/ ein Engel-Speiß/ der Tisch/ den ihnen Gott vom Himmel herab in der Wuͤsten gedeckt. Er gebot den Wolcken droben/ und thaͤt auff die Thuͤre des Himmels/ und ließ das Manna auff sie regnen zu essen/ und gab ihnen Himmel-Brod/ sie assen Engel-Brod/ Er sandte ihnen Spei- se die Fuͤlle. Psalm. 78, 24. seq. Jn Æthiopia soll vor diesem ein Tisch gewesen seyn/ den sie τράπεζαν ἡλίου, der Sonnen-Tisch genennet/ ich mei- ne/ es hat Gott ihnen in Egypten einen solchen himmlischen Tisch be- reitet/ dann es war das Manna ἄρτος ἕτοιμος ἀϖ ο ρανοῦ, ein Brod bereit vom Himmel. Sap, 16, 20. Cœl. Rhod. l. 294. p. 1110. scribit Historiæ Parens Herodotus: In Æthiopia pratum esse omnium quadrupedum carne refertum. Eam verò carnem Magistratus illic per noctem ponere festinabant. Ubi verò illuxisset, cuili- bet licebat illuc ad vescendum accedere, indigenis existimantibus, copiam epularum divinitus suppeditari. Hanc Solis mensam nuncuparunt, ad quam inspiciendam olim Cambyses legatos dimisit in Æthiopiam. Hanc Hieronymus famosissimam dicit. Apud Melam Pomponium de hac re ita legimus: Est locus in Æthiopia paratus, semper epulis refertus. Et quia, ut libet, vesci volentibus licet, ἡλίου τράπεζαν vocant. Edulia passim ap- posita sunt, quæ affirmant innasci subinde divinitus. Ad eandem ferè sen- tentiam \& in Poly histore Julius Solinus. Nec mitum porrò, Solis mensam nuncupari locum eum, quoniam plerisque gentibus Numen id erat eximiæ Religionis. II. Man hu? wann sie erwogen materiam, als die gantz unbe- kant/ man hat zwar auch ein natuͤrlich Manna/ davon etwas in den Apo- thecken bekandt/ Græcis, ἀερόμελ, Lufft-Honig/ ist anfangs ein Thau/ so auff die Blaͤtter und Graß faͤllt/ und anklebt/ hernach auffgehaben wird/ und gedencket ein beruͤhmter Physicus eines Manna/ so in Polen gefal- len/ gleich dem Zucker/ und wann man es mit Butter gekocht/ seye es ein uͤberauß niedliche Speise gewesen; Jst aber ein andere Art/ unser Manna fiel alle Tag/ außgenommen am Sontag/ jenes nur im Fruͤh- ling und Herbst: dieses wurde stinckend/ ließ sich nicht auffheben auff den andern Tag/ jenes laßt sich auffheben: dieses war eine Speiß/ jenes viel- mehr eine Artzney. III. Man hu? ratione formæ, dann es war klein/ wie Reiff/ und rund/ wie Coriander-Saamen/ weiß und durchscheinend/ anzusehen wie Bdellion, Num. 11, 7. weich von anfang/ als welches wie Butter von der Neunter Theil G g Sonnen Die Achte Sonnen zerschmeltzte/ wann man es aber heim getragen/ ehe die Sonn auffgangen/ so wurde es hart/ daß man es in Muͤhlen zerstieß/ und in Moͤrsern zerrieb/ Num. 11. allermassen wie das Ey weich ist innerhalb der Schalen/ aber hernach hart wird. Der Schmack war uͤberauß lieblich. Jm Buch der Weißheit zwar c. 16. wird es beschrieben/ tanquam pa- nis, πρὸς πᾶσ ἡδον ἰσχύων, καὶ παὸς πᾶ ἁρμόνιος γεῦσιν. Es ver- mocht allerley Lust zu geben/ und war einem jeden nach seinem Schmack eben. Ein jeder moͤchte darauß machen was er wolt/ nach dem ihn Lust ankommen/ so kunte er ihn mit dem Manna buͤssen/ hatte er Lust nach Eyern/ so schmackte es wie Eyer/ bekam er Lust zu Fischen/ so hatte das Manna eben diesen Geschmack/ moͤchte er Wildpret Citronen/ Melonen/ Lauch/ Knoblauch/ Aepffel/ Bieren/ Trauben/ ꝛc. essen/ so hatte das Manna allen diesen Geschmack von sich gegeben. Weil aber solches nicht nur der gesunden Vernunfft zuwider/ und uͤber das auch die Jsraeliten einen Eckel ab dem Manna/ als einer losen Speise/ bekom- men/ sondern auch Moses von keinem andern als einem Geschmack weiß/ nemlich wie Semmel mit Honig vermenget/ so muß der Apocryphus dem Canonico, der junge Sophus dem alten Propheten Mosi/ als dem Oceano Prophetarum hierinnen weichen. Wiewol Lutherus sich in das Mittel geschlagen/ und beyde miteinander concili irt und verglichen in der Rand-Gloss/ ad Sap. 16, 17. Man konte es machen/ wozu man wolt/ backen/ braten/ sieden/ kochen/ doͤrren. IV. Man hu? ratione finis. Dann ja Moses ihnen wird ge- deutet haben auff die geistliche Bedeutung/ davon Paulus 1. Cor. 10, 3. πάντες τὸ ἀυτὸ βρῶμα πνευματικὸν ἔφαγον, unsere Vaͤter haben alle ei- nerley geistliche Speise gegessen. Allesamt naturaliter, allesamt spiritualiter, die Glaubigen zwar in fide, die Unglaubigen im Fuͤrbild/ an ihren vielen hatte GOtt kein Gefallen/ sie wurden nider- geschlagen in der Wuͤsten. 1. Cor. 10, 5. Gleichwie die Kinder Jsrael alle die erhoͤhete ehrene Schlang in typo angesehen/ allein die Glaubigen in fide. Sie sahen es an tanquam cibum mysticum, ein geistliche Speiß/ des lebendigen Brods Christi/ davon Joh. 6, 32. seq. Moses hat euch nicht Brod vom Himmel gegeben/ sondern mein Vater gibt euch das rechte Brod vom Him̃el/ denn diß ist das Brod GOttes/ das vom Himmel kom̃t/ und gibt der Welt das Le- ben. Jch bin das Brod des Lebens/ wer zu mir kom̃t/ den wird Predigt. wird nicht hungern. ꝟ. 49. Euere Vaͤter haben Manna ges- sen in der Wuͤsten/ und sind gestorben/ diß ist das Brod/ das vom Himmel kom̃t/ auff daß/ wer davon isset/ nicht sterbe. Jch bin das lebendige Brod vom Himmel kommen/ wer von diesem Brod essen wird/ der wird leben in Ewigkeit. Und das Brod/ daß ich geben werde/ ist mein Fleisch/ welches ich geben werde fuͤr das Leben der Welt. Tanquam cibum typicum, des Reiß-Brods in der Wuͤsten dieser Welt/ tanquam cibum anago- gicum, des Himmel-Brods im Ewigen Leben/ des verborgenen Man- na. Und diß ist auch der typus auff die himmlische Tracht/ die uns Christus im Sacrament auffstellet/ ein rechtes Wunder-Brod/ davon wir auch sprechen moͤgen: man hu? Was ist das? und darauff die Antwort hoͤren/ auß dem Mund und Grund aller Warheit JEsu Chri- sto/ der in den Worten der Einsetzung des H. Abendmahls zu seinen Juͤngern sagt: Das ist mein Leib. Bey welchem himmlischen und verborgenen Manna wir fuͤr dieses mal wollen still stehen/ und erwegen dessen Quiddi taͤt/ Quanti taͤt und Quali taͤt. Hievon zu reden zu GOt- tes Ehr/ und unserer Aufferbauung/ wolle JEsus Christus mit dem Gnaden-Liecht des H. Geistes mildiglich erscheinen. Amen. A Nfangs belangend/ Geliebte in Christo/ das verborge- ne Manna/ so im Sacrament des H. Abendmahls unter dem gesegneten Brod auffgestellet/ mitgetheilet/ und dargereichet wird/ und zwar 1. dessen Quiddi taͤt/ so sagt davon Christus unser Hey- land: Diß ist mein Leib/ nennets seinen Leib/ nicht sagt er/ mein Seel/ meine Gottheit/ mein Blut/ sondern mein Leib/ nicht aber ins gemein 1. corpus antitypicum, der jenige Leib/ der allem Schatten-Wesen und Fuͤrbildern des Alten Testaments entgegen gesetzet wird/ davon Col. 2. 17. So lasset nun niemand euch Gewissen machen/ uͤber Speiß/ oder uͤber Tranck/ oder uͤber bestim̃ten Feyrtaͤgen/ oder Neu- monden/ oder Sabbathen/ welches ist der Schatten von dem das zukuͤnfftig war/ aber der Coͤrper selbst ist in Christo. Mas- sen unter diesem Leib verstanden und begriffen wird/ alles was im Alten Testament fuͤrgebildet worden/ wohin auch das Blut Christi gehoͤret. Nicht 2. corpus mysticum, der geistliche Leib/ welcher ist seine Kirch und Gemeinde/ davon 1. Cor. 10, 17. Ein Brod ists/ so sind ihr viel ein Leib/ dieweil wir alle eines Brods theilhafftig werden. G g ij Denn Die Achte Denn es ist die Kirch nicht der Leib/ der fuͤr uns dahin gegeben worden. Nicht 3. corpus in statu naturali consideratum, der Leib Christi/ so fern er in seinem natuͤrlichen Stand gelassen und betrachtet wird/ der auß Seel/ Fleisch und Blut bestehet/ sintemal in diesem Sacrament sind Leib und Blut einander entgegen gesetzt/ 1. Cor. 10/16. Das Brod/ das wir brechen ist die Gemeinschafft nicht des Leibs und Bluts zugleich/ sondern allein des Leibs Christi/ der gesegnete Kelch/ welchen wir segnen/ ist nur die Gemeinschafft des Bluts Christi/ und nicht zugleich auch des Leibs. Daher die Concomitantia der Papisten/ als waͤre das Blut auch Sa- cramentlicher weiß mit dem Leib Christi vereiniget/ keines wegs statt und platz hat. Sondern 4. corpus personale \& ὑποςατικὸν, der persoͤnliche Leib/ in welchem die Fuͤlle der Gottheit leibhafftig wohnet. Mein Leib/ spricht Er/ und also Gottes eigener Leib/ der in die Person des Sohns GOttes auff- und angenommen worden/ velamentum Deitatis, darein sich die Gottheit gleichsam verhuͤllet hat/ den Er im Stand seiner Ernie- drigung herum getragen/ erbaͤrmlich in seiner Passion mißhandeln und zurichten lassen/ und endlich gar in den Tod gegeben/ der nunmehr im Thron GOttes von allen Seraphim und Cherubim/ im Himmel vereh- ret und angebeten wird. Corpus quod Angeli videntes horrescunt, neque liberi audent intueri, propter emicantem inde splendorem, hoc nos pascimur. Chrysost. homil. 60. ad populum. Wir werden mit dem Leib gespeiset/ daruͤber die Engel erzittern/ wann sie Jhn anschauen/ ja nicht frey doͤrffen ansehen/ wegen des herꝛlichen Glantzes/ so an Jhme herfuͤr schimmert. Der Leib/ welchen Paulus nennet/ σῶμα τῆς σαρκὰς αὑτοῦ, den Leib seines Fleisches/ Col. 1, 22. Der allerheiligste Opffer-Leib/ von dem stehet Hebr. 10, 5. Opffer und Gaben hastu nicht gewolt/ den Leib aber hastu mir zubereitet/ ꝟ. 10. Jn welchem Willen wir sind geheiliget/ einmal gesche- hen durch das Opffer des Leibs JEsu Christi. und 1. Pet. 2, 24. Welcher unsere Suͤnde selbst geopffert hat an seinem Leibe auff dem Holtz. II. Quantitas, Vernunfft hat hie ihr Spiel und Kurtzweil/ aller- hand seltzame und abentheurliche Phantasien und Gauckeleyen/ wann man ihr den Zaum/ Flug und Gang laßt/ die concipirt s seltzam/ als ein kleines Leiblein/ das sich so eng zusammen schmuckt und duckt/ als ein multiplicir ter Leib/ der sich vielmal vermehrt/ wie die sieben Brod Marc. 8. und diß ist auch von den fuͤrnemsten Ursachen eine/ warum die Zwinglia- ner Predigt. ner die wesentliche Gegenwart und muͤndliche Communication und Niessung des Leibs Christi laͤugnen und verneinen: Corpus Christi non ex cœna, sed ex crustâ excludimus, wir schliessen den Leib Christi nicht von dem Abendmahl auß/ sondern allein vom Brod. Pareus in Iren. c. 28. art. 16. Ursach/ es waͤre wider die Proportion, Statur, Groͤsse und Laͤnge des Leibs Christi. Christus/ sprechen sie/ ist in rechter Manns Laͤnge gewesen/ jetzt soll Er ein kleines/ enges und schmales Coͤrperlein haben/ nicht groͤsser als die Brod-Hostien/ nach dem/ wie wir pflegen zu singen: Sein Leib soll verborgen seyn im Brod so klein/ welches alles die Vernunfft nicht anders/ als fuͤr ein Maͤhrlein haͤlt/ und lachet druͤber/ wie Sara hinter der Thuͤr. Ob wir nun wol diese Instan tz bloß verwerf- fen koͤnten mit dem Wort Christi: Caro nihil prodest, das Fleisch ist kein nuͤtz. Joh. 6. GOttes Weißheit und Allmacht die gantze Sach heimweisen/ und alle Curiosi taͤt rein abschneiden/ so geben wir doch zum Uberfluß Gegentheil zu bedencken/ obs Gott unmuͤglich sey realiter zu thun/ was die Natur intentionaliter? So nun ein sichtbarer Leib auff einmal von viel tausend Augen kan gesehen/ warum nicht der Leib Christi von vielen tausend Communicanten genossen werden? Sicut Divinitas (ait Nyssen. serm. Paschali apud Scult. Medull. p. 969.) replet mun- dum, \& tamen una est; Ita innumerabilibus Iocis consecratur, \& ta- men unum corpus est. Wie die Gottheit die gantze Welt er- fuͤllet/ und ist doch nur eine Gottheit/ so wird das H. Abend- mahl in unzaͤhlig viel Orten gehalten/ und ist doch nur ein Leib Christi. Wir erinnern sie/ daß Christus einen geistlichen Leib habe. 1. Cor. 15. und in unglaublicher Kuͤrtze bald zu Emaus/ bald zu Je- rusalem geweßt/ durch verschlossene Thuͤren (nicht der Stadt/ wie zwar Gegentheil excip irt/ als welches eine schaͤndliche ἀνιςορισία, dann weil der guldene und edele Fried im Juͤdischen Lande dazumal gebluͤhet/ und al- lenthalben Sicherheit geweßt/ haben die Juden die Stadt-Thor Tag und Nacht offen stehen lassen/ und nicht zugeschlossen sondern des Hau- ses/ darein die Juͤnger Christi sich verschloffen und verkrochen/ und auß Forcht fuͤr den Juden alle Riegel fuͤrgesperꝛt/ durchgedrungen; darum sprechen wir kurtz: Es werde der einige und zwar der gantze Leib Christi außgespendet und mitgetheilet. Sumit unus, sumunt mille \&c. Lassen die Phantasien vom grossen und kleinen Leib fahren/ und sparen solches in die Universi taͤt droben im Himmel. Nicht weniger/ was III. die Quali taͤt anlanget/ ists eine fuͤrwitzige Frage gewesen/ welche die Griechische Kirch/ so im̃erdar etwas besonders G g iij gehabt/ Die Achte gehabt/ als Nicetas davon schreibet/ movirt, corpus an quatenus mor- tuum, an quatenus vivum? ἀϕϑαρτον, an ϕϑαρτὸν? das ist/ ob wir den Leib Christi im H. Abendmahl empfangen/ wie und so fern er ihn in den Tagen seines Fleisches auff Erden herum getragen/ so fern er fuͤr uns am Creutz den Tod gelitten/ auff geopffert/ und in das Grab geleget worden/ oder den unverweßlichen/ und verklaͤrten Leib/ wie er beschaffen gewesen nach sei- ner Aufferstehung? Nicht weniger ists eine naͤrrische Frag/ ob der war- haffte und natuͤrliche Leib Christi im H. Abendmahl sey corpus palpabi- le, visibile \&c. oder nicht? Wir referi ren diese Fragen unter die jenigen Schul Fragen/ davon Paulus Tit. 3, 9. Der thoͤrichten Fragen ent- schlage dich/ sie sind unnuͤtz und eitel. Massen die hochfladerende Geister billig solten wissen/ daß doch nicht alle natuͤrliche Leiber sichtbar/ man hoͤret zwar des Windes sausen und Brausen wol/ wer hat aber sol- che Lux-Augen/ daß er ihn einmal gesehen/ woher er kommen/ oder wohin er gefahren? Sie solten bedencken/ daß Christi Leib seye ein geistlicher himmlischer/ verklaͤrter Leib/ mit mehr als Englischer Klarheit angethan. Nun hinderte dorten Bileam der Engel des Herrn im Weg/ daß er nicht konte fortreisen/ da er ihn doch weder gesehen noch gefuͤhlet. Num. 22. Warum wil man dann so kindische/ grobe und fleischliche Gedancken von Christi Leib fassen? Gnug ists ferner/ daß wir wissen corpus com- municari qua vivificum, es werde der Leib außgespendet/ so fern er ein lebendig-machender Leib/ und ein Uberwinder des Todes/ der die Macht genom̃en dem/ der des Todes Gewalt hatte/ das ist dem Teuffel. Hebr. 2. Welche Krafft Er gehabt nicht nur vor und nach/ sondern auch mitten im Tod/ non vitâ naturali, sed personali. Also/ daß/ wann damal die Glaubigen haͤtten communic irt/ sie haͤtten Trost und Leben vom todten Leib Christi empfangen/ dann so der todte Leib Elisaͤ des Propheten einen todten lebendig gemacht/ wieviel mehr der Leib Christi/ der nun zur Herꝛ- ligkeit des Vaters erhaben worden/ hie ist der rechte Arbor Vitæ, und Le- bens-Baum/ cibus ἀ ϑανασίας, und Speiß der Unsterbligkeit. Wie Adam sein natuͤrlich Leben immerzu gestaͤrcket durch den Genuß der Fruͤchten des Baums des Lebens im Paradiß/ und was am Lebens- Balsam abgegangen/ durch dessen Krafft in gleicher Guͤte wiederum empfangen: Solcher Seelen-Balsam/ Lebens-Baum/ Labsal und Hertzstaͤrckung ist der Leib Christi/ dadurch das Liecht des Glaubens und geistlichen Lebens/ wann es einem glimmenden Docht in hohen Anfech- tungen gleich wird/ erweckt/ angeblasen/ erhalten und gestaͤrcket wird/ Nachguß und Zufluß bekom̃t zum ewigen Leben. Die Predigt. Die rechte Quali taͤt/ darinnen uns der Leib Christi dargestellet wird/ ist verfaßt in den Worten/ Der fuͤr euch dahin gegeben wird/ τὸ ὑπὲρ ὑμῶν διδόμενον, Paulus, τὸ ὑπὲρ ὑμῶν κλώμενον, 1. Cor. 11, 24. der fuͤr euch gebrochen wird. Die Paͤbstler meynen/ sie haben hierinnen gefunden/ non quod pueri in faba, als welche darauß das Meß-Opffer erzwingen wollen. Dann weil ( argument iren sie) Christus 1. in præ- senti redet/ gegeben wird/ nicht/ wird gegeben werden/ 2. Paulus das Wort διδόμενον erklaͤret/ durch das Wort κλώμενον, welches nicht am Creutz/ sondern im Abendmahl geschehen. E. so hat Christus seinen Leib nicht nur cruentè am Creutz/ sondern auch incruentè im H. Abendmahl seinem heiligen Vater auffgeopffert. Grad als wann die Enallage præ- sentis pro mox futuro in der Schrifft nicht gewoͤhnlich/ 2. Tim. 4, 6. sagt Paulus/ ich werdeschon geopffert/ und die Zeit meines Ab- schieds ist fuͤrhanden/ das ist/ ich werde bald den Maͤrtyrer Tod muͤs- sen außstehen/ und diese Welt gesegnen. Jnsonderheit war sie Christo in seinem Valet-Gespraͤch mit seinen Juͤngern/ und in der gantzen Sa- cramentlichen Handlung gar familiar, massen auß dem gantzen context erhellet/ Matth. 29. Des Menschen Sohn gehet zwar dahin/ (ὑπάγ ) doch wehe dem Menschen/ durch welchen des Men- schen Sohn verrathen wird/ (π ραδιδοται) ꝟ. 45. des Menschen Sohn wird uͤberantwortet in die Haͤnde der Suͤnder. Joh. 13, 33. Wo ich hingehe/ da koͤnt ihr nicht hinkommen. ꝟ. 36. Wo ich hingehe/ kanstu mir dißmal nicht folgen. c. 14 ꝟ. 4. Wo ich hin- gehe/ das wisset ihr/ ꝟ. 18. Jch wil euch nicht Waisen lassen/ ich komme zu euch. c. 17. ꝟ. 11. Jch bin nicht mehr in der Welt. Da doch solches alles nicht in instanti, und in dem puncto, da solches Christus geredet/ geschehen/ sondern bald darauff erfolget. Deßgleichen da Er Joh. 10, 17. sagt: Darum liebet mich mein Vater/ daß ich mein Leben lasse/ auff daß ichs wieder nehme/ niemand nim̃t es von mir/ sondern ich lasse es von mir selber. Wird nie- mand in diese Gedancken kommen/ daß sich Christus dazumal schon sei- nem Vater auffgeopffert. Es hat aber Christo beliebt also in præsenti zu reden/ nicht nur wegen der unveraͤnderlichen Gewißheit/ Krafft wel- cher Esaias das Leben Messtaͤ in perfecto beschrieben fuͤrwar Er trug unsere Kranckheit/ und lud auff sich unsere Schmertzen. Er ist um unserer Missethat Willen verwundet/ und um unserer Suͤnde willen zuschlagen. Esa. 53, 4. nicht nur wegen der unbetrieg- lichen Die Achte lichen præscien tz und Vorschau GOttes/ nach welcher ihm alle Ding gegenwaͤrtig. Act. 15, 18. Hebr. 4, 13. sondern auch weil sein Leiden und Nothstand dazumal schon seinen Anfang genommen/ da er mit seinen Juͤngern das Abendmahl gehalten. Er war allbereit betruͤbt im Geist. Judas ist schon dazumal mit verraͤtherischen Blut-Gedancken schwanger gegangen/ die Hohenpriester haben die Mord-Glock schon gegossen/ und war alles zur Passions-Tragoͤdi fertig. Zugeschweigen weil es der Vul- gatus selbst in futuro gegeben/ und per tradetur, uͤbersetzet. Grad als ob das Wort Pauli/ der fuͤr euch gebrochen wird/ literaliter muͤßte verstanden werden/ und nicht vielmehr metaphoricè, von innerlicher Angst und Leiden/ in welchem Verstand Hiskias wehmuͤtig außruffte: Er zerbrach mir alle meine Gebeine wie ein Loͤwe/ Esa. 38, 13. und David: Laß mich hoͤren Freud und Wonne/ daß die Ge- beine froͤlich werden/ die du zerschlagen hast. Ps. 51, 10. Jn wel- chem Verstand Esaias selbst von dem Messia sagt: Wir hielten ihn fuͤr den/ der geplagt und von GOtt geschlagen und gemartert were. Esa. 53, 4. Stellt also Christus seinen Leib dar nicht nur als ei- nen Opffer-Leib/ der schon gegeben worden in seiner Geburt/ der schon uͤbergeben worden in die Haͤnde des Verraͤthers/ und noch ferner gege- ben werden soll. Der nicht allein uns zu eigen gegeben und geschencket. Esa. 9. Ein Kind ist uns gebohren/ ein Sohn ist uns gegeben. sondern auch fuͤr uns/ nicht allein exemplariter zum Exempel der Nach- folg/ Gott unserm Himmlischen Vater/ Leib/ Gut und Blut auffzu- opffern/ und zu Erweisung des Kindlichen Gehorsams/ hindan zu setzen/ und im Stich zu lassen/ sondern auch meritoriè, Es ist der jenige Opffer- Leib/ davon Paulus Ephes. 5, 2. Christus hat uns geliebet/ und hat sich selbst fuͤr uns dargegeben/ zur Gabe und Opffer/ GOtt zu einem suͤssen Geruch. Fuͤr uns/ wegen des Suͤnden- Gestancks/ den wir Gott vor die Nase gesetzt/ und damit hefftig erzuͤr- net. Gott zu einem suͤssen Geruch: Dann gleichwie der Opffer im Alten Testament Zweck/ Ziel und Wuͤrckung/ daß darauff erfol- get die Reinigung/ Weyhe/ Heiligung/ Entsuͤndigung/ expiatio und selige ἀμνηςεία; Massen der Herr im Alten Testament also ge- botten/ Exod. 29, 35. Sieben Tag solt du Aaron und seinen Soͤhnen die Haͤnde fuͤllen/ und taͤglich einen Farren zum Suͤnd-Opffer schlachten zur Versoͤhnung/ und solt den Al- tar entsuͤndigen/ wann du ihn versoͤhnest. So bald Gott der Herr gerochen das Opffer Noe/ war sein Zorn gestillet/ und die Straffe auffgeha- Predigt. auffgehaben/ der Segen blickte herfuͤr/ aller Zorn GOttes war tod/ und ab. Also hat Christus durch das Opffer seines Leibes den Suͤnden- Gestanck vertrieben/ wir sind alle geheiliget worden/ alle Fehde hat nun ein Ende/ Hebr. 10, 10. Jn seinem Willen sind wir geheiliget/ ein- mal geschehen durch das Opffer des Leibs JEsu Christi/ und ꝟ. 14. Mit einem Opffer hat er in Ewigkeit vollendet/ die ge- heiliget werden. und c. 13, 12. Darum auch JEsus/ auff daß er heiligte das Volck durch sein eigen Blut/ hat Er gelitten aus- sen fuͤr dem Thor/ der sich selbs fuͤr uns gegeben hat/ auff daß Er uns erloͤsete von aller Ungerechtigkeit/ und reiniget ihm selbs ein Volck zum Eigenthum. Den Leib/ den er gegeben zur Bezahlung der Schuld/ zur Rantzion/ zum Vicariat an unser statt/ Tausch-weiß/ Rantzions-weiß/ Er lud auff sich unsere Schmertzen/ um unserer Missethat willen ist er verwundet/ Esa. 53. Gott hat alle Straffen auff Jhn gelegt/ wie der Wind ein Wetter auff einen Baum zusammen treibet/ Er hat sein Leben zum Schuld-Opffer gegeben/ zu einem Feg-Opffer/ Er ist ein κάϑαρμα worden/ ein περίψημα, ein Kehrauß/ ein ἀνάϑεμα, ein auff gehenckter Maleficant, ein βδέλυγμα ein Pfui dich/ daß man das Psui Pfui uͤber Jhn geschrien. Nicht nur/ sag ich/ ein Opffer-Leib/ sondern auch ein edles Geschenck/ so uns vereh- ret und gegeben worden/ und zwar δῶρον verè βασιλικὸν, \& magnificen- tissimum, ein Koͤniglich Geschenck/ die allerherꝛlichste Gabe. Koͤnig Jacobus in Engelland schreibt seinem Sohn ein Buch zu/ voller Re- genten- und Welt-Weißheit/ darinnen er ihne abgericht und inform irt/ wie er sein Reich gluͤcklich und weißlich verwalten solle/ das nennet er ῶρον βασιλικὸν, das war zwar ein Rari taͤt/ ein Buch von einem Koͤnig geschrieben/ aber wol elendes Bettel-Werck/ schlechte Weißheit/ wol schlechte arcana. Hie ist thesaurus sapientiæ, ῶρον verè βασιλικὸν, grosse Weißheit war es/ daß Gott ein Weg erfunden/ wie Gott konte Mensch werden/ daruͤber die Engel das Gloria in excelsis gesungen/ und sich belustiget in dieses Geheimnuß zu schauen/ nicht weniger Weißheit/ wie der ϑεάνθριϖος, Gott und Mensch/ des Menschen Speiß werden moͤchte/ und gleichsam ein Leib mit ihnen. Hie verstummen die Engel daruͤber/ es bleibet das Manna absconditum, Apoc. 2, 17. Es ist der Leib/ in welchem alle Schaͤtze der Weißheit verborgen liegen. Δῶρον χαριέςα τον \& beneficentissimum, ein Liebes-Geschenck. Kein groͤssere Liebes- Gab ist/ als wann einem das Hertz im Leib mitgetheilet wird/ wie Koͤnig Henricus IV. den Jesuiten sein Hertz im Testament vermacht/ damit sie Neunter Theil. H h hefftig Die Achte hefftig prangen/ weyland wurden sie wegen ihrer Buͤberey des Landes verwiesen/ hernach kommen sie zu solchen Koͤniglichen Gnaden/ daß ih- nen das Hertz des Koͤnigs geschencket wurde. Go tt ist die Liebe/ dem artet auch dieses Geschenck nach/ hie theilt Christus uns das Hertz im Leib mit: Viel war es/ und ein Pfand grosser Liebe/ daß er seinen Leib in den Tod gegeben/ wie Er selbst sagt: Niemand hat groͤssere Liebe/ dann die/ daß Er sein Leben laßt fuͤr seine Freunde. Joh. 15, 13. Hat aber noch Exempel/ der thumme Roͤmer Marcus Curtius, Codrus, und andere haben dergleichen gethan. Cupiente Adriano fatum pro- ducere, Antinous se pro eo, ad voluntatium exitium, cæteris retra- ctantibus obtulit. Cluver. Epit. histor. p. 299. Daß er aber auß Lieb seinen Leib zur Speiß gegeben/ ist Lieb ohne Exempel/ sie hat ihres gleichen nicht. Donum saluberrimum, das; allerheilsamste Geschenck. Die Calvinisten nennens zwar eine paleam, und unnuͤtzen Spreu/ darin weder Safft noch Krafft/ was aber ihnen nicht schmeckt/ ist uns gut ge- nug. Du bist todt/ hie ist der Baum des Lebens! Du bist kranck an Leib und Seel/ hie alexipharmacum, und Balsam guter Art! Du bist unter GOttes Zorn/ hie ist der Gnaden-Thron/ asylum und Freyheit! Du bist arm/ hie ist die Schatz-Kammer/ darinnen die Fuͤlle der Gottheit wohnet/ auß welcher Fuͤlle du kanst nemmen Gnade um Gnade! Du bist hungerig/ hie ist das Manna/ du zweiffelst an der Seligkeit/ hie ist das Pfand unsers Erbes! Du bist ein Suͤnder/ hie ist die Rantzion/ du stinckest in GOttes Nasen/ hie ist das Opffer und suͤsse Geruch! Sum- ma, τὸ πᾶν. Der Sorites ist just/ wer das Opffer hat/ der hat Verge- bung der Suͤnden/ wer Vergebung der Suͤnden hat/ der hat den Schluͤs- sel zum Himmelreich. Doch wuͤrcket dieser Opffer-Leib solchen heilsa- men effect nicht ex opere operato, wie etwan ein Artzney heylsam ist/ man glaubts oder glaubts nicht/ sondern es ligt alles am Glauben/ wel- ches zu mercken wider die jenige Leute/ die meynen/ wann si nur das hei- lig Abendmahl empfangen/ so seyen sie gewischt und getraͤnckt/ und schon selig/ das Hertz mag inwendig beschaffen seyn wie es immer wil. O wehe/ und ewig wehe dem Menschen/ der dieses Pfand unwuͤr- dig empfangt/ er macht sich schuldig des Leibs Christi/ wie Judas und die Henckers-Buben/ und also auch theilhafftig ihrer Straff/ Wenn jemand das Gesetz Mosi bricht/ der muß sterben ohne Barm- hertzigkeit durch zween oder drey Zeugen/ wieviel meynet ihr aͤrgere Straff wird der verdienen/ der den Sohn GOttes mit Fuͤssen Predigt. Fuͤssen tritt/ und das Blut des Testaments unrein achtet/ durch welches er geheiliget ist/ und den Geist der Gnaden schmaͤhet. Hebr. 10, 28. 29. Es waͤre ihm besser/ daß ein Muͤhl- stein an seinen Hals gehaͤnget wuͤrde/ und wuͤrde ersaͤufft im Meer/ da es am tieffsten ist. Matth. 18, 6. Quæ erit nobis excu- satio, cum talibus pasti talia peccemus, cum lupi siamus agnum come- dentes. Chrysost. hom. 60. ad pop. Antioch. Was werden wir fuͤr eine Entschuldigung fuͤrwenden koͤnnen/ wann wir nach dem Genuß so edler Speiß so freventlich suͤndigen/ und Woͤlffe werden/ nachdem wir das Lamm gegessen haben. Ein Koͤnig leidets nicht/ daß man ihm sein Bild verschimpfft/ warum solts dann der Koͤnig Himmels und Erden nicht mit hoͤllischem Feur straffen/ wann man seinen Leib mit Fuͤssen tritt. Tempel-Schaͤndung wird fuͤr ein Kirchen-Raub gehalten/ hie ist der Tempel/ darin die Fuͤlle der Gott- heit leibhafftig wohnet/ darum sich der unermeßlich hoch versuͤndiget/ so ihn schaͤndlich tract irt. Ligt derowegen an der ακρίσ , der Mensch pruͤfe sich selbst/ und alsdann esse er. Non dijudicans, h.e. non per- pendens (schreibet Oecumenius in 1. Cor. XI.) magnitudinem eorum, quæ in cœna dominica præsentia \& proposita sunt, nec considerans doni amplitudinem. Si diligenter didiceris, qui sit ὁ προκείμενος, cui seipsum donet, non opus erit aliâ exhortatione, sed hoc sufficit, nisi prorsus sis desperatus. Wer nicht unterscheidet/ das ist/ nicht erweget die Groͤsse und Fuͤrtrefflichkeit der jenigen Guͤter/ so im heiligen Abendmahl gegenwaͤrtig sind/ und auffgetragen werden/ und aber nur mit Fleiß betrachtet/ wer der sey/ der an der Tafel sitzet/ und wem er sich gantz zu eigen schencket/ wird keiner andern Auffmunterung und Erinnerung vonnoͤthen haben/ wann er nicht gantz verzweiffelt boͤß. Cogita, quantâ indignatione adversus proditorem, adversus eos, qui ipsum crucifi- xerunt, movearis, \& cave, ne tu quoque carnis \& sanguinis reus ef- ficiaris. Chrysost. in c. 26. Matth. Bedencke mit was fuͤr Heff- tigkeit du dich erzuͤrnest uͤber den Verraͤther Judam und die/ so Christum gecreutziget haben/ aber huͤte dich/ daß du nicht auch/ wie sie/ seines Leibs und Bluts dich schuldig machest. Wann das bedaͤchten unsere rohe Welt-Kinder und consuetudinarii, die/ wann sie gleich in schroͤcklichen Suͤnden biß uͤber die Ohren stecken/ doch hingehen ohne rechte Reu/ wollen noch unschuldig seyn/ doͤrffen wol H h ij mit Die Neunte mit Juda sagen: Herr bin ichs? waͤre noch ein Christliche Ader in ihrem Leib/ wuͤrden sie umkehren und Busse thun. Aber noch bleibet unrecht Gut in des Gottlosen Hauß. Mich. 6. Noch schaͤndet man den Sabbath/ noch bleibet Grollen und Feindschafft/ Zungen-Frevel/ ꝛc. und brennt man sich noch wol weiß/ und wil kein Wasser betruͤbt haben. Nun so schroͤcklich diese Speiß ist den Gottlosen/ die sich vergeblich troͤsten/ so troͤstlich den Muͤhseligen und Beladenen/ die blinder als Bar- timaͤus/ aͤrmer als Lazarus/ unreiner als Naaman/ befleckter als die Suͤnderin/ abtruͤnniger als Petrus/ dann die ladet Christus ein mit außgereckter Hand Matth. XI. Kommet her zu mir alle die ihr muͤhselig und beladen seyd/ ich wil euch erquicken. Hie mag auch wol gesagt werden/ was dorten stehet. Mich. 2/7. Das Hauß Jacob troͤstet sich also: Meynestu des HErꝛn Geist seye ver- kuͤrtzt? Solte er solches thun wollen? Es ist wahr/ meine Rede seind freundlich den Frommen. Ligt nur an dem Glauben/ dann das Wort Fuͤr euch gegeben/ fordert eitel glaubige Hertzen. Wer es annim̃t/ der versiegelts/ daß GOtt warhafftig ist/ sagt Jo- hannes der Taͤuffer/ Joh. 3/33. Wahr ist es zwar/ wir greiffens nicht/ fuͤhlens auch nicht/ insonderheit in Anfechtungen/ und laͤßt sich da der Zweiffel viel staͤrcker spuͤhren/ aber da gehoͤret Kampff und Streit dazu/ man muß ringen mit Jacob/ ich laß dich nicht/ du segnest mich dann/ oder mit den Juͤngern Christi: Bleib bey uns Herr/ dann es wil Abend werden/ und der Tag hat sich geneigt. Als David der Lade des Herrn ein Hauß und Wohnung bauen wolte/ was fuͤr einen grossen Schatz hat er zu solchem Schmuck angewendet/ Das Werck/ spricht er/ 1. Chron. 30, 1. ist groß/ dann es ist nicht eines Menschen Wohnung/ sondern GOttes des HErꝛn. Jch aber habe auß allen mei- nen Kraͤfften geschickt/ zum Hause GOttes/ Gold zu gulde- nen/ Silber zu silbernen/ Ertz zu ehrnen/ Eisen zu eisernen/ Holtz zu hoͤltzernem Geraͤthe/ Onychstein/ eingefaßte Rubin/ und bundte Steine/ und allerley Edelgesteine/ und Marmel- steine die Maͤnge/ uͤber das auß Wolgefallen dem Hause mei- nes GOttes/ habe ich eigenes gutes Gold und Silber/ drey tausend Centner Golds von Ophir/ und sieben tausend Cent- ner lauter Silbers/ das gebe ich zum heiligen Hause GOt- tes/ uͤber alles/ das ich geschickt habe/ die Waͤnde der Haͤuser zu uͤberziehen. Wie sollen denn wir den Tempel unsers Hertzens schmuͤcken Predigt. schmuͤcken und bereiten/ wann das Gegenbild der Bunds-Lade/ Chri- stus der Engel des Bundes/ der Herr Himmels und der Erden bey uns einkehren und Wohnung bey uns machen wil? unser Schmuck ist der Glaub/ der/ wann er rechtschaffen erfunden wird/ viel koͤstlicher ist/ dann das vergaͤngliche Gold/ das durchs Feur bewaͤhret wird. Ein solch Hertz mit Glauben gezieret/ ist das guͤldene Kaͤstlein/ darinnen das Himmels-Manna auff gehaben wird. Jst aber der Glaub rechtschaffen/ so wird Christus lebendig/ gleichwie in dem Grab Josephs von Arima- thia/ lebendig per fidei exercitia, agnitionem, assensum, fiduciam, durch Fruͤchte des neuen Lebens/ welche so wenig außbleiben koͤnnen/ als die Fruͤchte eines Baums/ wann er lebendig und gesund ist/ so wenig die Hitz außbleibt/ wo Feur ist. Fragstu was Fruͤchte seyn? Sie heissen ἀντί- δωρα, gegen dem Naͤchsten/ wenn du dich ihm gantz schenckest/ mit allen deinen Kraͤfften/ Schaͤtzen und Guͤtern: sonderlich ἀντίδωρα gegen Go tt im Himmel/ dem du dich/ wie der Phoͤnix/ auffzuopffern schuldig/ mit Leib und Seel/ quoad promptitudinem, es ist ja Herr dein Geschenck und Gab/ mein Leib und Seel/ und was ich hab/ in diesem armen Leben/ auff daß ichs brauch zum Lobe dein/ zu Nutz und Dienst des Naͤchsten mein/ quoad resignationem, wanns auch Leib und Leben kosten solte/ du hast deinen Leib fuͤr mich gegeben/ ich gib mich dir wieder um deinet wil- len zu deiner Ehr/ gantz und gar/ mit Leib und Blut/ Nemmen sie den Leib/ Gut/ Ehr/ Kind und Weib/ laß fahren dahin. Das ewig Gut macht rechten Muth/ dabey ich bleib/ wag Gut und Leib/ Gott helff mir uͤberwinden. Amen. Die Neunte Predigt/ Von Dem Wein/ als von dem andern sichtbarn Element des heiligen Abendmahls. G Eliebte in Christo. Es ruͤhmet die geistliche Braut/ eine jede glaubige Seele/ in ihrem Epithalamio Cant. 2. ꝟ. 4. von ihrem Braͤutigam unter andern dieses/ und sagt: Er fuͤhret mich in den Wein-Keller. Jn welchen Worten wir zu be- H h iij dencken Die Neunte dencken haben 1. Sponsam prædicantem, die klagt in vorigen Worten uͤber ihren Creutz-Stand/ und erlittene Trangsaalen/ vergleicht sich ei- ner Rose unter den Dornen/ sie seye der Welt muͤd: einem lieblichen Apffelbaum unter den wilden Baͤumen/ einer Hirten-Tochter/ die von der Sonnen/ wie Rachel/ gantz schwartz worden: Sehet mich nicht an/ sagt sie/ daß ich so schwartz bin/ dann die Sonne hat mich so verbrannt/ Cant. 1. ꝟ. 6. Sie gibt ferner zu verstehen ihr sehnliches und hertzliches Verlangen nach ihrem Braͤutigam/ ziehe mich nach dir/ so lauffen wir/ trahe me post te. Er kuͤsse mich mit dem Kuß seines Mundes/ Er hertze mich/ er liebe mich/ mit Gnaden- Kuͤssen/ Ehren-Kuͤssen/ Frieden-Kuͤssen/ Liebes-Kuͤssen/ mit dem Kuß seines Mundes/ nicht mit fremdem stinckendem Mund/ der mir nicht mundet/ nicht mit dem stamlenden Mosis-Mund/ den unreinen Lippen Esaiaͤ/ mit dem unmuͤndigen Mund Jeremiaͤ/ sondern seines Mundes/ dem werthen H. Geist/ daß man deine gute Salbe rieche/ den suͤssen Evangelischen Trost/ dañ dein Nahm ist eine außgeschuͤttete Salbe. 2. Prædicationem ipsam. Er fuͤhret mich in den Wein- Keller/ verstehe keinen leiblichen Wein-Keller/ dann das waͤre Jhr als einem Weibs-Bild/ ja einer Jungfrauen uͤbel angestanden. Plin. l. 14. cap. 13. histor natural. p. m. 116. hæc habet: Non licebat vinum fœ- minis Romæ bibere. Invenimus inter exempla, Egnatii Mecennii uxorem, quod vinum bibisset è dolio, interfectam fuste à marito, eumque cædis à Romulo absolutum. Fabius Pictor in annalibus suis scripsit: Matronam quod loculos, in quibus erant claves vinariæ cellæ, resignavisset, à suis ine- dia mori coactam. Cato ideò propinquos fœminis osculum dare, ut sci- rent, an temetum olerent. Hoc tum nomen vino erat, unde \& temulen- tia appellata. Cu. Domitius judex pronunciavit mulierem videri plus vini bibisse, quàm valetudinis causa, viro insciente, ac dote multavit. confer Tertull. Apolog. c. 6. Sondern in den geistlichen Wein-Keller der Christlichen Kirchen/ sie freuet sich uͤber den Wein-Keller und dessen Kuͤhlung/ denn sie sagt/ ihr seye warm/ der Keller gibt Kuͤhlung: Uber den Geruch/ davon man- cher truncken wird: uͤber den Wein/ das edle Trauben-Blut selbs/ und dessen gewaltige Krafft und Erquickung/ und dann sonderlich uͤber die Lauterkeit und Reinigkeit/ daß er auß dem frischen Faß eingeschenckt/ nicht vermischt/ nicht durch andere Haͤnde gegangen/ da es auch heißt: Dul- cius ex ipso fonte bibuntur aquæ. Jß was gar ist/ und trinck was klar ist/ also auch das unverfaͤlschte Evangelium/ Denn wir sind nicht wie Predigt. wie etlicher viel/ (sagt St. Paulus 2. Cor. 2/17.) die das Wort GOttes verfaͤlschen/ sondern als auß Lauterkeit/ καπηλ οντες λ γον τοῦ Θεοῦ. Luth. in marg. um des Bauch und Geitzes willen/ wie ein Kretzschmer den Wein faͤlschet. Jst eben das jenige/ woruͤber glau- bige Christen auch sonst noch mehrmalen sich gefreuet/ Esaias singt sei- nem Vettern dem Messiaͤ ein Lied vom Weinberg/ da er sich im Geist er- holt/ Wolan ich wil meinem Lieben ein Lied meines Vettern singen von seinem Weinberg. Esa. 5, 1. Deßgleichen thut Assaph Ps. 8. lamnazeach al hagithith mizmor le David, welches der Vulga- tus uͤbersetzt torcularibus, und Ps. 80. In finem pro torcularibus, da er zuvor vom Weinstock gehandelt/ den Gott auß Egyptenland geholet/ die Heyden vor ihm vertrieben/ ihn aber gepflantzet/ fuͤr welchem er Bahn gemacht/ und ihn lassen einwurtzeln/ daß er das Land erfuͤllet hat/ mit dessen Schatten Berge bedeckt/ und seinen Reben die Cedern GOttes. Nun/ meine Liebsten/ eben in diesen Wein-Keller spatzieren wir auch anjetzo/ nachdem uns Christus in Betrachtung des andern Elements des heiligen Abendmahls per anagogen spiritualem hinein fuͤhret/ Frist/ Trost/ Liefferung/ Erquickung/ Nahrung und Verwahrung zu erholen. Der Himmlische Weinstock/ JEsus Christus breite sich anjetzo mit sei- nen Gnaden-Zweigen uͤber uns auß/ und beschatte uns/ und laß uns von ihm Safft und Krafft/ Liecht und Trost empfinden. Amen. G Eliebte in Christo. Drey Umstaͤnde kommen uns zu betrachten vor. Rei terrestris, seu elementi terreni Quiddi- tas, Qualitas, Finalitas. I. Quidditas. So ists zwar an dem/ es wird dieses Elements klar und außtrucklich mit keinem Wort gedacht. Daher dann auch Bellar- minus ein Argument vom Zaun gebrochen/ und einen Behuͤlff gesucht/ seinen Traditionen auff die Bein zu helffen/ vorgebend/ man koͤnne sol- ches nicht auß der Schrifft beweisen/ man muͤsse die Tradition hierin zu Huͤlff nemmen. Quid ergò in calice fuerit ante consecrationem, an vinum purum, an vinum aquâ mistum, an sicera, an aqua sola, ex sola Scriptura expreßè non habetur, sed necessariò recurrendum est ad traditionem eorum, qui ab Apostolis \& eorum discipulis hæc mysteria didicerunt. Traditio autem habet, fuisse vi- num, aquâ mistum; ergò ita certè credendum est, aut nihil certi de materia calicis habemus. ita Bellarm. l. 4. de Eucharistia. c. 10. §. Antecedens. Jst Die Neunte Jst aber ein vergebener Zwang: Gnug ist es/ daß es so wol verbluͤmt/ als periphrasticè beschrieben. 1. figuratè, in dem Wort Kelch: Dieser Kelch ist das Neue Testament ꝛc. Verstehe nicht den Zorn-Kelch/ den Daumel-Kelch/ den Kelch des Zorns/ davon Esa. 51, 22. Sihe/ ich nemme den Daumel-Kelch von deiner Hand/ samt den Hefen des Kelchs meines Grimmes/ du solt ihn nicht mehr trincken. und Ezech. 23 33. Du must dich des starcken Trancks und Jam- mers voll sauffen/ dann der Kelch deiner Schwester Samaria ist ein Kelch des Jammers und Traurens. Nicht den Creutz- Kelch und Creutz-Becher/ den die zween Soͤhne Zebedei haben muͤssen Bescheid thun/ Matth 20, 23. Meinen Kelch solt ihr zwar trincken. Nicht den allgemeinen Trost-Becher/ der auch ausser dem Sacrament statt und platz hat. Psalm. 116, 13. Jch wil den heylsamen Kelch nem- men/ und den Nahmen des HErꝛn predigen. und Jer. 16, 8. Darum solt du in kein Trinck-Hauß gehen/ bey ihnen zu si- tzen/ weder zu essen noch zu trincken. Mit jenem wuͤrtzt er die Gottlosen ab/ mit diesem speißt er die Frommen. Sondern poculum Eucharisticum, den Sacramentlichen Kelch. Um die Gestalt und Form dieses Kelchs bekuͤmmern wir uns nicht hoch/ ob wahr was Beda schreibet/ und Baronius glaubet/ daß zu seiner Zeit dieser Becher zu Jeru- salem gezeiget worden/ und ein silberner Kelch mit zwo Handhaben seye. Beda in lib. de locis Sanct. c 2. In platea, inquit, quæ Martyrium \& Golgatha continuat, exedra est, in quâ calix Domini scriniolo reconditus, per operculi foramen tangi solet, \& osculari, qui argenteus calix hinc inde duas habens ansulas, sextarii Gallici mensuram capit, in qua illa est spongia potus Domi- ni ministra. Baronius ad ann. 34. n. 63. Non præterimus, ait, dicere, quod calix ille, in quo Redemptor noster Jesus Christus sacratissimam Euchari- stiam consecravit, ut egregium tantæ rei monumentum à communi usu se- lectus, ac summâ industriâ asservatus adhuc Bedæ temporibus Hierosoly mis visebatur. Salmeron schreibet/ es seye dieser Kelch noch in der Stadt Valentia auff- gehoben. Es wird aber per metonymiam und verbluͤmter weiß durch den Sacramentlichen Kelch verstanden der Wein im Kelch: Jst ein tro- pus, den die Evangelisten clar und heiter gnugsam erklaͤrt/ dann sie nen- nen ihn den Kelch des Neuen Testaments/ das ist/ wie es Matthaͤus und Marcus erklaͤren/ das Blut des Neuen Testaments. Trincket darauß/ auß dem Kelch/ E. so ist etwas mehrers in dem Kelch gewesen/ welches mit dem Blut Christi vereinbaret: Den Kelch von dem Christus gesagt/ der fuͤr Predigt. fuͤr euch und fuͤr viel vergossen wird/ den Paulus zu Corintho ge- segnet/ poculum λογίας, nun hat Paulus damal den Kelch/ das con- tinens selbs nicht gesegnet/ sondern den Kelch/ den man trincket/ 1. Cor. 10, 21. Jhr koͤnnet nicht zugleich trincken des HErꝛn Kelch/ und der Teuffel Kelch; Massen ein Kind an seinen Fingern rechnen kan/ daß dieses alles nicht propriè zu verstehen/ koͤnte Gegentheil ihre Tropi- sterey auß der Erklaͤrung der Evangelisten selber also erweisen/ so moͤch- ten sie was außrichten/ aber das werden sie wol anstehen lassen. Warum sie aber ποτήριον gesagt/ ist darum geschehen/ zu bezeugen/ der Wein seye nicht ein bloß Zeichen/ sondern auch τ πόσιν τηροῦν. 2. Clarè \& peri- phrasticè, die Evangelisten/ so mit und dabey gewesen/ Matthaͤus und Marcus/ Petri amanuensis, deutens an in den Worten/ genimine vitis, Matth. 26, 29. Jch sage euch/ ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewaͤchs des Weinstocks trincken/ biß an den Tag/ da ich neu trincken werde mit euch in meines Vaters Reich. conf. Marc. 14, 25. Luc. 22, 18. und ist bedencklich/ daß Matthaͤus das demonstrativum τοῦ hinzu setzt/ ἐ το ου τοῦ γεννήματος, gibt damit zu verstehen/ daß es eben der Wein seye/ den sie beym Oster-Lamm ge- truncken. Moͤchte jemand gedencken/ warum der Herr nicht grad zu- gefahren/ und den Wein benamset? Vermuthlich ist es/ es seye nicht ge- schehen absque mysterio, sie dabey zu erinnern/ daß man nicht nur an den Wein/ sondern auch an den Weinstock Christum gedencken soll/ da- von er hernach Joh. 15. eine schoͤne Letzt-Predigt gehalten/ und sich dahin gleichsam refer irt. Jst derowegen das andere Element Wein/ und kein andere species, nicht Wasser/ wie vor Zeiten die Ebioni ten bey Epiphan. hæres. 30. geschwaͤrmt. Dergleichen auch andere gethan/ die Wasser fuͤr Wein getruncken auß Forcht/ daß man ihnen fruͤh Morgen den Wein anrieche/ wann man sie kuͤßt/ und sie also verrathen wuͤrden/ wie bey Cy- priano ep. 63. \& seq. zu lesen/ nicht Milch/ oder andere fliessende Materi. Dum itaque Ecclesia (ita Aurel. Perus. epit. annal. Baron. pag. 145.) ab ea quie- vit, Cyprianum de more Synodum ex suæ provinciæ episcopis coëgisse con- stat, in quâ inter cætera reprobatus est eorum error, qui pro vino aquam in Sacrosancto Sacrificio offerebant. Id moris apud quosdam persecutionis tempore inoleverat, metuentes, ne ex vini odore, à matutino sacrificio, \& sacræ synaxis perceptione proderentur. Wie aber/ wann man keinen Wein haben koͤnte/ wie einen solchen Casum Lerius erzehlet/ daß als sie das H. Abendmahl wollen halten/ und nicht Neunter Theil. J i mehr Die Neunte mehr uͤbrig geweßt/ als ein Becher voll Frantzoͤsischen Weins/ seyen sie angestanden/ was zu thun/ etliche haben gewolt/ man solle beym Wort der Einsatzung Christi bleiben: etliche/ Christus habe sich nach Lands Art accommod irt/ waͤre Er in Jndia geweßt/ wuͤrde Er ihnen wol ihren Wurtzel-Tranck oder Bier nicht versagt haben. Nec amplius nobis (verba sunt Lerii, histor. Brasil. p. 69) offendiculo esset, cœ- nam celebrantibus, ab eo tempore noctu eo inscio celebrabamus. Et quo- niam in postrema illis terris Cœnæ celebratione, nobis ex vino illo, quod ex Gallia advectum fuerat, cyathus tantùm superfuit, cumque aliunde habere minimè possemus, exorta fuit quæstio inter nos, utrum scilicet, vino defici- ente, posset alio potus genere celebrari. Quidam præter cæteros Scripturæ locos hunc etiam afferentes, quo Christus in cœna instituenda, post gratia- rum actionem Apostolis expreßè testatus est, se non amplius ex vineæ fructu bibiturum esse, censebant, deficiente vino, satius fore abstinere à signo, quàm illud ipsum mutare. Alii contrà asserebant, cum Christus in Judæa versa- retur, eum mentionem usitati potus fecisse: credi verò par esse, si inter Bar- baros versatus fuisset, non modò Americanam cerevisiam; verùm etiam fari- nam ex radicibus, quâ illi pro pane utuntur, cœnæ Sacramento adhibiturum fuisse. Ac proinde concludebant, ut, quemadmodum signa panis ac vini mutare nollent, quamdiu ea præstò esse possent: ita minimè dubitaturos, pane ac vino deficientibus, cœnam celebrare, iis rebus adhibitis, quæ ad vi- tam hominum fulciendam, panis ac vini locum usumque obtinerent. Et quamvis plerique in postremam sententiam inclinabant, quia tanta rerum penuria non fuit, quæstio illa remansit sub judice. Der Papst Innocentius VIII. dispensir te hierin vor Zeiten/ als Volate- ranus bezeugt/ l. 7. Geograph. p. 159. den Norwegen/ weil bey ihnen kein Wein wachset/ und so er anders woher gebracht wird/ nicht bleibet/ son- dern zu Essig wird. Da doch keine einige plaga mundi und Theil der Erden/ in welchem so grosser Wein-Mangel/ daß man nicht gnugsam zu diesem heiligen Gebrauch haben koͤnte/ massen nicht nur Norwegen/ son- dern auch das noch weiter entlegene Jßland bezeuget. Beza stimmet mit ein Epist. 2. ad Tilium. Ubi panis vel vini nullus est usus, vel nulla cer- to tempore copia, num cœna Domini nulla celebrabitur? imò ritè celebrabitur, si quod panis vel vini vicem, vel ex usu communi, vel pro temporis ratione supplet, panis aut vini loco adhibeatur. Hæc enim mens fuit Christi, cum panem \& vinum ad hæc mysteria deligeret, ut propositis earum rerum signis, quibus corpus nostrum alitur, veram alimoniam spiritualem, velut ob oculos repræsentaret. Itaque à Christi sententia nihil aberrat, qui nullo prorsus novandi studio pro pane \& vino substituat, quæ etsi non parem, similem tamen alimoniæ analo- Predigt. analogiam habent. Das ist: Soll man das H. Abendmahl nicht hal- ten/ wo man zum taͤglichen Gebrauch kein Brod und Wein hat/ oder doch zu gewisser Zeit nicht in Menge haben kan? Freylich soll man es halten/ wann man an statt Brods und Weins das gebraucht/ was den Mangel Brods und Weins im taͤglichen Gebrauch/ oder zu gewisser Zeit pflegt zu ersetzen. Dann das war Christi Meynung/ als er Brod und Wein zu diesem Geheimnuß erwehlet und außgesondert/ daß er unter den aͤusser- lichen Zeichen/ damit unser Leib ernehret wird/ die geistliche Speiß und Nahrung der Seele abbildete. Daher der jenige von Christi Meynung nicht abweicht/ der auß keiner Begierde einiger Neuerung solche Ding an statt Weins und Brods gebraucht/ die/ ob sie schon keine gleichfoͤrmi- ge/ doch um etwas aͤhnliche Gleichheit der Ernehrung haben. Gleiches Schlags ist auch Polani Meynung l. 6. syntagm. c. 56. Jst alles gar gemaͤß den Calvinischen Principiis, als welche sich an die signa nicht bin- den. Wir aber sagen Nein darzu. Dann in diesem Testament laßt sich nichts auß eigenem Gutduncken aͤndern/ und sollen wir in keinem Weg Christi Weißheit meistern/ als dem alle Sitten und Braͤuch aller Laͤnder/ wo seine Kirch wird gepflantzet werden/ wol bekandt/ und demnach solche Elementen und Zeichen erwehlet/ dadurch allen Menschen die jenige Guͤ- ter/ die er in seinem Testament vermacht/ koͤnnen uͤberreichet und mitge- theilet werden. Wie aber mit den abstemiis, die kein Wein trincken koͤnnen? Antwort/ die Erfahrenheit bezeugts/ daß sie doch allezeit etliche Troͤpfflein geniessen koͤnnen/ die Natur hat auch ein Abscheuen von ei- nem Apothecker-Traͤncklein/ doch ist niemand/ so er in Leibs- und Lebens- Gefahr stehet/ der nicht in Ansehung seines Lebens und seiner Gesundheit etliche Tropffen zu sich nehmen koͤnte. Sonst/ weichen wir in einem/ so muͤssen wir andern auch weichen/ wer A. sagt/ muß auch B. sagen. II. Qualitas. So ist/ gleichwie wir heut vierzehen Tag angezeigt vom Brod/ obs gesaͤurt/ oder ungesaͤurt/ auch nichts daran gelegen/ obs neuer oder fuͤrner/ rother oder weisser Wein/ ob er pur/ oder etlicher maßen mit Wasser vermischt? doch daß die Substantz des Weins bleibt. Wahr ist es/ daß man in Morgen-Laͤndern vor Zeiten den Wein/ um der Staͤr- cke willen/ mit Wasser gemischt. Darum auch Chemnitius part. 2. exam. c. de aqu. misc. p. 308. verisimile judicat, Christum vinum non merum, sed temperatum bibisse, dafuͤr haͤlt/ es seye glaublich/ daß Chri- stus nicht lautern/ sondern mit Wasser gemengten Wein hie getruncken/ wiewol auß der Schrifft solches nicht zuerweisen. Wahr ist es auch/ J i ij daß Die Neunte daß die Morgenlaͤndische Kirch anfangs gleiche Gewonheit gehalten/ die calumniam gentilem, tanquam crapulæ gratia convenirent, Verleum- dung und Laͤsterung der Heyden/ als ob sie um Fressens und Sauffens willen zusammen kaͤmen/ abzulehnen. Justinus Apol. 2. gedencket τοῦ κράματος Irenæ. l. 1. 9. gedencket ποτηρίων ὄινῳ κεκραμύνων, und wer wolte an den Orten thun/ da man in Bier-Landen den Wein auß dem Wuͤrths-Hauß oder Wein-Kellern holen muß/ wer wolte dafuͤr schwoͤ- ren/ daß der Wuͤrth nicht manchmalen ein Schalck/ und Wasser unter den Wein mischet? Wie nun dieses wahr/ und das gantze Werck in Christlicher Freyheit stehet/ also hat im Gegentheil das Geistliche Recht/ und das Concilium Trident. sess. 22. can. 8. un Christlicher weiß einen Noth- Canonem darauß gemacht/ Ecclesia Catholica semper credidit, ita necessarium esse, aquâ vinum misceri in calice, ut non possit id sine gravi peccato omitti, schreibet Bellarmin. lib. 4. de Eucharist. c. 10. Die allgemeine Christliche Kirch hat allezeit geglaubt/ es sey so noͤthig/ daß im H. Abendmahl Wasser mit dem Wein vermenget werde/ daß solches oh- ne grosse Suͤnde nicht kan unterlassen werden. Jst aber ein Stuck vom Anti-Christenthum/ laqueus conscientiæ, und schaͤdlicher Gewissens- Strick/ eine teuffelische Boßheit/ daß sie das so fest halten/ das Gott . nicht gebotten/ und die Außspendung des Kelchs allen Communicanten/ so Christus geboten/ unterlassen. Jhr verblendete Leiter/ die ihr Mucken saͤuget/ und Cameel verschluck et/ Matth. 23. III . Finalitas, der Zweck und End-Ursach/ so ist dieser Wein 1. quoad notitiam fidei signum. Wir laͤugnen nicht/ daß das Brod oder Wein ein Zeichen sey/ und daß sie etwas bedeuten; aber/ daß es sol- che Signa, die allein bedeuten/ und nichts mittheilen/ das laͤugnen wir. Demnach ist der Kelch des H. Abendmahls Signum 1. vitis, des Wein- stocks/ weil er ein Gewaͤchs des Weinstocks/ und zwar des rechten Weinstocks JEsu Christi/ Joh/ 15/ 1. Jch/ sagt er/ bin ein rechter Weinstock/ und mein Vater ein Weingaͤrtner. ἡ ἄμπελος ἡ ἀληϑινὴ, davon der Patriarch Jacob in seinem Schwanen-Gesang ge- sungen/ Gen. 49, 11. Er wird sein Fuͤllen an den Weinstock binden/ und seiner Esel in Sohn an den edlen Reben. Jn der Grund- Sprach stehet vitis præstantissima, Luth. edele Reben/ massen dieses Wort nicht eine jegliche Rebe bedeutet: keinen bittern und wilden Wein- stock. Jer. 2, 21. der saure Heerlinge bringet/ Jes. 5, 2. Sondern die aller- besten Reben/ dergleichen allein unser Heyland JEsus Christus/ der außer- Predigt. außerwehlte Knecht GOttes/ Esa. 42. Jn dessen Mund ist kein Betrug jemal erfunden/ Er hat niemalen einige Suͤnde gethan/ Esa. 53, 9. 1. Petr. 2, 22. der sonderlich ein Weinstock/ wann wir ansehen vitis qualitatem. Dann zu gleicher weise/ wie der Weinstock zwar ein schwartz/ krum und unansichtbar Holtz/ doch uns allen und dem Weingaͤrtner am aller- liebsten/ er wartet seiner am besten/ weil er die edelste Fruͤchte traͤgt/ und den allersuͤssesten Safft/ so den Preiß hat fuͤr allen andern/ daß er Goͤt- ter und Menschen erfreuet/ Jud. 9, 13. Also hatte Christus in den Tagen seines Fleisches/ sonderlich aber seiner herben Passion/ keine Gestalt/ noch Schoͤne/ Er war der allerverachteste und unwertheste/ so veracht/ daß man das Angesicht fuͤr Jhm verbarg/ Esa. 53. ein Wurm und kein Mensch. Ps. 22. Doch war Gott dem Himmli- schen Vater nichts liebers im Himmel und auff Erden/ als sein heiliges Kind JEsus/ sein eingebohrner Sohn/ an dem hatte seine Seele ein Wolgefallen/ uns nichts suͤssers und lieblichers/ als welcher auff uns lasset fliessen und giessen den alleredelsten Lebens-Safft/ dadurch unsere Seelen wolgemuth/ frisch und froͤlich werden/ nemlich Versoͤhnung mit Gott/ Vergebung der Suͤnden/ die Gaben des H. Geistes/ Gnad und Huld/ Gerechtigkeit und ewiges Leben. Er ist der rechte Weinstock 2. ob spiritualem insitionem, wegen der geistlichen Einpfropffung/ dann zu gleicher weiß wie abermal/ wann man einen wilden Rebzweig in ei- nen edlen Weinstock pflantzet/ derselbe mit dem Weinstock so genau ver- einiget wird/ daß er nachmalen allen Safft und Krafft von ihme em- pfangt/ edel und fruchtbar gemacht wird. Also sind wir Wildfaͤng/ und wilde Zweige von dem Him̃lischen Vater eingepfropfft und eingepflantzt/ in Christum/ daß wir nicht Heerlinge/ sondern gute Fruͤchte bringen sol- len/ Gott zu Ehren/ und dem Naͤchsten zum Besten/ und weilen er voller Gnad und Warheit/ empfangen und nem̃en wir auß seiner Fuͤlle Gnade um Gnade/ ja sonderlich theilet Er uns mit das edle Trauben-Blut sei- nes eigenen theuren Bluts. 3. ob misericordiam, die Reben thraͤnen wann sie beschnitten werden/ also wann ihm auch ein Zweig entgehet/ ent- weder per lapsum, wie Judas/ oder durch muthwillige Außsetzung/ wie das Juͤdische Volck/ so moͤchte Er Blut weinen/ massen Er den Unter- gang des Juͤdischen Volcks bitterlich beweinet/ Luc. 19, 14. Und als Er nahe hinzu kam/ sahe Er die Stadt an/ und weinet uͤber sie. 2. Signum torcularis. Er ist der Kelter-Tretter/ der sein Kleid in Wein gewaschen/ und seinen Mantel in Weinbeer-Blut/ Gen. 49. Den J i iij Esaias Die Neunte Esaias in einem holdseligen Wechsel-Gespraͤch einfuͤhret/ c. 63. Wer ist der/ so von Edom kom̃t/ mit roͤthlichen Kleidern von Bazra/ der so geschmuͤcket ist in seinen Kleidern/ und einher tritt in seiner grossen Krafft? Jch bins/ der Gerechtigkeit leh- ret/ und ein Meister bin zu helffen. Warum ist dann dein Gewand so rothfarb/ und dein Kleid wie eines Kelter-Tret- ters? Jch trette die Kelter alleine/ und ist niemand unter den Volckern mit mir. Jch habe sie gekeltert in meinem Zorn/ und zutretten in meinem Grimm: Daher ist ihr Vermoͤgen auff meine Kleider gespruͤtzt/ und ich habe alle mein Gewand besudelt. Nicht nur der Kelter-Tretter/ sondern auch der Traube selbs. Der sein Blut mildiglich vergossen unter der Kelter im Garten am Oelberg. 3. Signum sanguinis per vinum repræsentati. Es gibt zweyerley Wein/ Tisch-Wein und Ehr-Wein. Jenen zur Noth/ diesen zur Lust. Beydes auch allhier: Wie nun ein Tisch- und Noth-Wein traͤncket/ und den Durst loͤscht/ und erwaͤrmet/ und heilet/ wie jener Samariter dem armen unter die Moͤrder gefallenen Menschen Wein und Oehl in seine Wunden gegossen/ ihn damit zu curiren; und dann ein Hertz und Muth macht/ daher man vor diesem im Krieg die Elephanten mit rothem Wein und Maulbeeren-Safft pflegte zu spruͤtzen/ sie damit auffzubrin- gen und zu erzuͤrnen/ daß sie nachgehends mit Lust und Muth auff den Feind zugehen moͤchten. Also auch das Blut Christi: schreyestu mit David/ Sitio, meine Seele duͤrstet nach Gott/ wie in einem truckenen und duͤrren Land/ so ruffet dieses Blut/ reficio. Hungert und duͤrstet dich nach der Gerechtigkeit/ hie wirst du gesaͤttiget und erquicket/ daß es heißt/ dein Wort/ dein Geist/ dein Leib und Blut mich innerlich erquicken. Bistu kalt und erstorben zu allem Guten/ dieses Blut macht bruͤnstig im Geist. Jst deine Seele wund/ das Blut macht dich gesund/ dann so der Ochsen und der Boͤcke Blut/ und die Aschen von der Kuh gesprenget/ heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit/ wieviel mehr wird das Blut Christi/ der sich selbst ohn allen Wandel/ durch den H. Geist/ GOtt geopffert hat/ unsere Ge- wissen reinigen von den todten Wercken/ zu dienen dem leben- digen GOtt. Hebr. 9, 13. 14. Bistu matt und verdrossen/ im geistli- chen Kampff eines mit dem Feind zu wagen/ dieses Blut gibt Hertz/ Muth und Sinn/ und Krafft ritterlich zu ringen/ und den Siegs-Preiß davon Predigt. davon zu bringen/ dann also lautet die him̃lische Stimme: Nun ist das Heyl und die Krafft/ und das Reich/ und die Macht unsers GOttes/ seines Christus worden/ weil der verworffen ist/ der sie verklaget Tag und Nacht fuͤr GOtt/ und sie haben ihn uͤberwunden durch des Lamms Blut. Apoc. 12. 10. 11. Es ist aber auch ein Ehr- und Lust-Wein. Wie nun dieser den Menschen erfreuet und froͤlich machet/ Jotham fuͤhret ihn per prosopopœïam also redend ein: Soll ich meinen Most lassen/ der Goͤtter und Menschen froͤlich macht? David sagt Psal. 104, 15. Du laͤssest Graß wachsen fuͤr das Vieh/ ꝛc. daß du das Brod auß der Erden bringest/ und daß der Wein erfreue des Menschen Hertz. Syrach stimmet mit zu: Der Wein ist geschaffen daß er den Menschen froͤlich soll machen/ der Wein zur Nothdurfft getruncken erfreuet Leib und Seel. Syr. 31, 34. 35. Wie er verbindet und verbruͤdert/ massen beym Wein die meisten Bruͤderschafften gemacht werden. Wie er endlich gantz truncken macht: Also hat das Blut Christi eben solche Krafft und Staͤrcke. Hie Nectar immortalitatis, der rechte Goͤtter-Tranck/ GOt- tes eigen Blut/ der Goͤtter und Menschen froͤlich macht/ wer diesen Tranck recht kostet/ und zu sich nim̃t/ der tantzet vor geistlichen Freuden/ wie David fuͤr der Bunds-Lade/ sein Geist erhebet sich/ wie der Geist Mariaͤ/ er hupffet wie Johannes fuͤr Freuden in Mutterleib/ er ist ver- zuckt wie Paulus/ er ist in Gott versenckt/ er weiß vor Freuden nicht was er redet/ wie Petrus auff dem H. Berge bey der Verklaͤrung/ daß er wol mit David ruͤhmen kan: Mein Haupt thustu mir salben mit deinem Geist der Freuden-Oel/ und schenck est voll ein meiner Seel/ deiner geist- lichen Freuden. Es verbruͤdert uns Christen alle unter- und miteinan- der: Wir sind alle/ sagt Paulus 1. Cor. 12, 13. durch einen Geist zu einem Leib getaufft/ wir seyen Juden oder Griechen/ Knechte oder Freyen/ und sind alle zu einem Geist getraͤncket. Es ver- ursacht eine geistliche Trunckenheit. Hinweg mit der Unflaͤterey der Sauff-Bruͤder/ und Helden im Wein zu sauffen/ die manchmal Gesund- heit/ Hirn und Leber/ ja Leib und Seel versauffen/ und das Podagra an den Hals sauffen/ Weib und Kind an den Bettel-Stab bringen/ hie wird ein andere Trunckenheit verstanden. Ambrosius l. 5. de Sacram. 3. Vino qui inebriatur, vacillat \& titubat: spiritu qui inebriatur radica- tus est in Christo, \& ideò præclara ebrietas, quæ sobrietatem mentis operatur. das ist: Wer vom Wein truncken wird/ der wancket/ und Die Neunte und stolpert/ wer aber im Geist truncken wird/ der ist fest in Christo eingewurtzelt und gegruͤndet/ derowegen es wol eine herꝛliche Trunckenheit/ die eine Nuͤchterkeit des Gemuͤths wuͤrcket. August. in Psalm. 35. Cum accepta fuerit illa ineffabilis læ- titia, perit quodammodo humana mens, \& inebriatur ab ubertate domus DEI. Wann die unaußsprechliche Freudigkeit des Geistes in dem Menschen erwecket/ und angezuͤndet wird/ so erstirbt in seiner maaß das menschliche Hertz/ und wird trun- cken von den reichen Guͤtern des Hauses GOttes. II . Quoad assensum sigillum, gleichwie es ein sigillum favoris Regii, wann Pharaonis Schencken getraͤumet/ wie er den Becher Pha- rao in seiner Hand haͤtte/ die Beer naͤhme/ und sie in dem Becher zer- truckte/ und dem Pharao den Becher in seine Hand gebe. Das war/ sag ich/ ein Siegel Koͤniglicher Gnade/ massen es Joseph der Onirocrit also außgelegt/ uͤber drey Tag wird Pharao dein Haupt erhe- ben/ und dich wieder an dein Ampt stellen/ daß du ihm den Becher in die Hand gebest/ nach der vorigen weise/ da du sein Schencke warest. Gen. 40, 13. Also/ so gewiß du den Kelch empfan- gest/ so gewiß auch das Blut/ und damit lauter Huld/ Gnad und Ver- gebung der Suͤnden/ aller vorigen Suͤnde ist vergessen/ es soll ihr in Ewigkeit nicht mehr gedacht werden. III . Quoad fiduciam organum. Ein kraͤfftiges Werckzeug und Mittel das Vertrauen zu erwecken und zu staͤrcken. Ey sprichstu/ bevorab die mit der Miltz-Kranckheit behafftet/ ich empfinde aber derglei- chen nichts/ ich gehe zu/ der Glaub bleibt einen weg schwach als den an- dern: Jch bin vielleicht ein reprobus? Antwort/ es ist nicht noͤthig/ daß du ihn empfindest/ Gott hat ihm neben diesem Kelch auch den Creutz-Kelch fuͤrbehalten/ der Sohn GOttes hat selbs darauff nichts empfunden/ als Schrecken und Zorn GOttes. Es sind zween Weg das Hertz zu versichern/ à priori, und auß dem unfehlbaren Wort GOt- tes/ wann demnach der Diener GOttes im H. Abendmahl das Brod und den Kelch absonderlich reicht und sagt: das ist der Leib fuͤr dich da- hin gegeben; das ist das Blut fuͤr dich vergossen/ glaubstu das nicht/ so straffstu Gott Lugen/ glaubstu aber/ es sey wahr und nit erlogen/ was der Prediger sagt/ so hast du den Glauben/ dann das ist der Glaub/ der versie- gelt daß Go tt warhafftig ist; Kanstu aber auch ein regressum demonstra- tivum machen/ und à posteriori den Glauben fuͤhlen und empfinden/ so dancke Predigt. dancke Gott/ wo nicht/ so contenti re dich mit dem Verlangen/ und mit dem Kampff des Geistes und des Fleisches: Jch lieg im Streit und wiederstreb! Dencke/ du seyest nicht allein/ David/ Job/ Paulus und andere haben auch in diesem Schweiß-Bad geschwitzet/ derowegen wann schon unterdessen dem Hertz spraͤch lauter nein/ so laß dir doch nicht grauen; dann die consequen tz ist nichts nutz: dieser Mensch fuͤhlet kei- nen Glauben/ E. so hat er keinen Glauben/ wie es gleicher Gestalt nicht folgt: dieser Mensch siehet nicht/ er fuͤhlet nichts/ er ligt im Schlaff und Ohnmacht. E. hat er das Leben nicht. Endlich aber auch so ist dieser Kelch ὀρμητήριον ad dignam præpa- rationem. Neuer Wein gehoͤret nicht in alte Schlaͤuche/ Matth. 9, 17. Man fasset nicht Most in alte Schlaͤuch/ anders die Schlaͤu- che zerreissen/ und der Most wird verschuͤttet/ und die Schlaͤu- che kommen um/ sondern man fasset Most in neue Schlaͤuche/ so werden sie beyde miteinander behalten. Hie ist Most der Jung- frauen zeuget/ Zach. 9/ 17. der kan die Suͤnden-Haut des alten Adams nicht leiden. Ad laudem divinam, zum Lobe GOttes. Da die Apostel truncken worden/ so fangen sie an die Magnalia DEI und grossen Thaten Go ttes zu verkuͤndigen/ uns zur Nachfolge/ daß/ wann wir in des Seelen- Braͤutigams Wein-Keller truncken worden von geistlichen Freuden/ mit David außruffen sollen. Ps. 116, 13. Jch wil den heilsamen Kelch nemmen/ und des HErꝛn Namen predigen. Ad patientiam, zur Gedult: der HErꝛ hat ein Becher in der Hand/ und mit star- ckem Wein voll eingeschenck et/ und schencket auß demselben. Ps. 75, 9. Darum wann der Reigen des Creutz-Kelchs auch an uns kom̃t/ lasset uns hertzhafft Bescheid thun/ auch ad martyrium usque, solt uns auch der rothe Safft uͤber das Maul herab lauffen. Ad charitatis philtrum, zum Lieb-Tranck. Wie auß vielen Beerlein ein Tranck fleußt/ und sich ineinander menget/ also sollen wir alle/ so durch den Glauben Christo eingeleibet seyn/ durch Bruͤderliche Liebe um Christus unsers Heylands willen/ ein Leib und ein Tranck werden/ und solches nicht mit laͤhren Worten/ sondern mit der That und Warheit/ ohne allen Trug/ treulich gegen einander beweisen. Jst also E. L. im geistlichen Wein-Keller geweßt/ kan mit der Braut sagen: Er hat mich gefuͤhrt in seinen Wein-Keller; und hat darinnen Lufft und Labsaal empfangen. Gott gebe/ daß wir von dem Gewaͤchs dieses Weinstocks allesamt trincken im Reich GOttes/ daß wir auch noch eines andern Bechers in der Ewigkeit theilhafftig werden/ dahin der Neunter Theil. K k Herr Die Zehende Herr seine Juͤnger selbst verweiset/ Matth. 26, 29. Jch werde von nun an nicht mehr von dem Gewaͤchs des Weinstocks trincken/ biß an den Tag/ da Jchs neu mit euch trincken werde in mei- nes Vaters Reich. Da wir allererst recht singen werden: Du be- reitest vor mir einen Tisch gegen meinen Feinden allenthalben/ machst mein Hertz unverzagt und frisch/ mein Haupt thust du mir salben/ mit deinem Geist der Freuden-Oel/ und schenckest voll ein meiner Seel/ dei- ner geistlichen Freuden. Dahin woll uns JEsus begleiten. AMEN. Die Zehende Predigt/ Von Dem Blut Christi/ als dem andern we- sentlichen und unsichtbarn Stuck des H. Abendmahls. G Eliebte in Christo. Es sind ohne allen Zweiffel und Noth-Zwang die zehen Außsaͤtzige im heutigen Evan- gelio Luc. 17. lebendige typi und Bilder geweßt/ wie der schnoͤden Undanckbarkeit gegen den Goͤttlichen Guttha- ten/ also auch unsers geistlichen Aussatzes der Suͤnden/ als welche durch den leiblichen abscheulichen Außsatz uns gar scheinbar fuͤr Augen leuchtet und præsent irt wird. Es ist der Aussatz ein Grund-Wurtzel einer boͤsen Kranckheit. 1. Malum intensivum, so die gantze Natur durchdringt/ zuvorderst die Leber/ als die officinam san- guinis angreifft/ dieselbe als den Brunnen des Gebluͤts vergifft/ und nachmalen alle Glieder des Patienten einnimmet/ das Gesicht verstellet und scheußlich macht/ alle Gliedmassen schwaͤchet/ Stimm und Sprach benimmet: also ist auch die Suͤnde ein unaußsprechlich Ubel/ ein Meer aller Unreinigkeit/ ein vergiffte Wurtzel/ ein Abgrund aller Boßheit/ die kein Mensch in diesem Leben/ wie hoch er auch im Geist kom̃t/ genugsam betrachten und betrauren kan/ eine solche Verderbung der Menschlichen Natur/ Predigt. Natur/ die im Hertzen/ als in der Quell des Lebens wohnet/ und dasselbe mit allen seinen Kraͤfften/ Tichten und Trachten/ Verstand und Willen eingenommen/ und zwar malum ἀκατάπαυϛον \& ἐυπερίϛα τον, so hart an- klebt/ wie D. Luther davon schreibet. Tom. 4. Jen. p. 526. Nicht wie ein rother Rock/ den wir koͤnnen außziehen und ablegen/ sondern wir habens auß Mutterleib gebracht/ es ist uns durch Fell und Fleisch/ Marck und Bein/ durch alle Adern durch und durch gezogen. Es ist uns durch die gantze Natur gangen/ Fleisch und Blut ist durchgifftet/ es laßt sich nicht außschwi- tzen mit einem Bad/ oder mit einem Lappen außscheuren/ oder mit Feur außbrennen/ sondern es ist Fleisch und Blut/ Marck und Bein/ Haut und Haar gantz unrein. 2. Extensivum malum, das sich außthaͤnet uͤber den gantzen Leib und alle Gliedmassen/ die Kleider/ woͤllen oder leinen/ Fell/ Werfft und Eintracht/ ja gar die Haͤuser einnim̃t/ indem er an den Waͤnden gelbe und roͤthlichte Gruͤblem macht/ und also ein um sich fressender Aussatz. Lev. cap. 13. ꝟ. 47. cap. 14. ꝟ. 37. So auch die leidige Erbsuͤnd/ sie hat durch drungen menschlich Natur und Wesen/ der gantze Mensch ist nichts ge- sundes/ von der Fußsohlen biß auff die Hauptscheidel/ Esa. 1. 6. Durch dieses Gifft ist alles verderbt/ was er angreifft/ auch das Gute ist nicht rein/ immundis omnia immunda, auffs wenigst verderbts die schnoͤde ϕιλαυτία. 3. Malum protensivum, es ist contagios und erblich/ wird von Eltern auff Kinder/ und auff andere Erben und beywohnende Men- schen fortgepflantzt/ darum auch die Aussaͤtzige/ als sondersieche/ abgeson- dert wohnen muͤssen/ und wurde weder Mir Jam der Prophetin noch Usia dem Koͤnig geschenckt/ sie mußten ihre Kleider zerreissen/ das Haupt bloͤ- sen/ die Lippen verhuͤllen/ und ruffen/ immundus sum: Jch bin unrein. Also auch die Erbsuͤnde/ die haben wir von unserm Vater Adam durch leibliche Geburt ererbt/ darum sie auch die Erbsuͤnde genennet wird/ durch eines Ungehorsam seind viel Suͤnder. Rom. cap. 5, 19. Und wir allesamt auß dem Paradiß verstossen worden. Da gedencke nun du hoffaͤrtiger Mensch/ du stoltze Dirn/ was du fuͤr ein Ansehen fuͤr GOttes Angesicht habest/ und in Betrachtung dessen lege deinen Pracht und Hochmuth weg. Und welches das aͤrgste ist/ so ists malum incurabile, eine unheilbare Kranckheit/ daran alle Aertzte desperi ren/ und mit all ihrer Kunst und Geschicklichkeit muͤssen zu Schanden werden/ sie uͤber- steigt alle menschliche Kraͤfften/ sondern dero Cur faͤllet allein Gott heim/ daher einen Todten lebendig machen/ und einen Aussaͤtzigen von sei- K k ij ner Die Zehende ner Kranckheit curiren/ fuͤr eines gehalten wird/ bin ich denn GOtt/ sagt der Koͤnig in Jsrael/ 2. Reg. 5, 7. daß ich toͤdten und lebendig machen koͤnte/ daß er zu mir schicket/ daß ich den Mann von seinem Aussatz loß mache? also auch die Suͤnde/ kein Menschen- Kind war je gebohren/ wie auch kein Engel außerkohren/ der diesen Schaden heylen kan. Es schreibet Nicephorus l. 7, 33. (Thomas stim- met mit uͤberein part. 3. q. 69.) von Constantino Magno eine seltzame Hi- stori/ als waͤre derselbe/ ehe er ein Christ worden/ mit einem ungewohnli- chen Aussatz/ genant Elephantia, angegriffen worden/ welchem mit kei- ner Artzney zu helffen ist/ ohne mit Menschen-Blut/ da habe er ihm fuͤr- genommen/ auß allen Landen Kinder zu samlen und zu toͤdten/ damit ein Bad auß Menschen-Blut gemacht wuͤrde: Aber das Zetter- und Mor- dio-Geschrey der Kinder und Eltern sey ihm dergestalt zu Ohren und Hertzen gangen/ daß er solche Henckermaͤssige Artzney unterlassen. Es seye ihm aber im Traum in der Nacht eine solche Offenbahrung gesche- hen/ daß er sich von dem Roͤmischen Bischoff Sylvestro solle tauffen las- sen/ so werde er von seinem Aussatz rein werden/ welchem Rath er auch ge- folget/ daß er sich samt seiner Mutter Helena/ oder wie etliche wollen/ samt seinem Sohn Crispo habe tauffen lassen/ dadurch er beydes von dem geistlichen und leiblichen Aussatz curiret und gereiniget worden sey. Jst aber eine Maͤhr/ so fuͤr eine Lugen wol bestehet. Hîc veritas, hie aber die Warheit! wir liegen alle in Constantini Spital kranck/ voller geistlichen Aussatzes/ die H. Schrifft aber hat uns ein Blut-Bad geof- fenbaret/ das Blut des unschuldigen Lamms GOttes/ und allerheilig- sten Kindes JEsu/ dadurch sollen wir gereiniget werden. Jst gar schoͤn und anmuthig fuͤrgebildet worden an den zwey Voͤgelein/ Lev. 14, 4. Du solt gebieten/ dem der zu reinigen ist/ daß er zween lebendige Voͤgel nemme/ die da rein sind/ und Cedern-Holtz/ und rosin- farbe Wolle/ und Jsop/ und solt gebieten deneinen Vogel zu schlachten/ in einem erdenen Gefaͤß am fliessenden Wasser/ und solt den lebendigen Vogel nem̃en mit dem Cedern-Holtz/ Rosinfarben Wolle/ und Jsop/ und in des geschlachten Vo- gels Blut duncken am fliessenden Wasser/ und besprengen den/ der vom Aussatz zu reinigen ist/ siebenmal/ und reinige ihn also/ und lasse den lebendigen Vogel ins freye Feld fliegen. Und eben dieses ist auch das jenige Blut/ res cœlestis Saciamenti, wel- ches uns auff zweyerley Weiß zu betrachten fuͤrkom̃t: 1. tanquam ϑεῖον Predigt. ϑεῖον ῶρον. 2. tanquam arrha testamentaria, fuͤr dieses mal bleiben wir bey dem ersten/ dabey wir zu betrachten 1. Doni designationem. 2. De- signati precium. 3. Precii beneficium. Jn der nechsten Predigt de sanguine testamenti handlende. Gott helff ꝛc. Amen. B Elangend demnach/ Geliebte in Christo/ 1. Doni desi- gnationem, die Benamsung dieser Gabe. So ist dieselbe Christi Blut/ Trinck et alle darauß/ dieser Kelch ist das Neue Testament in MEJNEM Blut/ nicht meine Gottheit/ sagt er/ nicht meine Seele/ mein Leib/ nicht das meritum und Verdienst meines Bluts/ dann dasselbe empfangen wir auch im Leib/ es waͤre keines sondern Bluts vonnoͤthen geweßt/ so ist auch das Verdienst nie ohne das Blut/ auch nicht ein verbluͤmtes Blut/ wie zwar vor Zeiten etliche ge- schwaͤrmet/ und sich zeitlich an der wesentlichen Gegenwart geaͤrgert/ und unterstanden dieselbe durch Deuteley zu miltern/ daß auch diese Lehre der Kirchen den Klugen dieser Welt moͤchte angenehm und begreifflich wer- den. Sondern das warhafftige und eigentliche Blut Christi/ das Gott und die Natur Blut heisset/ das Blut/ so Er im Leib der H. Jungfrauen Mariaͤ/ da Er menschliche Natur angenommen/ angenommen/ das Blut/ so sich auß seinem Leib/ zur Zeit seiner Erniedrigung ergossen/ das Blut/ so Er vergossen in seiner zarten Beschneidung/ da Er gleichsam die Erstlinge seinem Himmlischen Vater auffgeopffert/ das Blut/ so Er vergossen auff dem irdenen Altar/ da Er im Garten am Oelberg/ nach dem Er den Daumel-Kelch des Goͤttlichen Grimms und Zorns getrun- cken/ und die Baͤche Belial Jhn erschreckt/ blutigen Schweiß geschwitzet/ daß Jhm als dem Kelter-Tretter auß den poris und Schweiß-Loͤchern seines zartesten Leibs geronnen Blut/ in grosser Menge/ nicht nur Tropf- fen- sondern Klumpen-weiß herauß geflossen/ durch seine Kleider ge- drungen/ und auff die Erde geschossen/ das Blut im Pallast Caiphaͤ/ da Jhme ein Backenstreich worden/ daß Jhm Mund und Naß uͤbergangen/ das Blut auff dem steinern Altar im Richthauß Pontii Pilati/ in seiner Geisselung und Croͤnung/ das Blut auff dem hoͤltzernen Altar des Creu- tzes/ da man Jhm Haͤnde und Fuͤsse durchgraben/ durchbohret/ durchloͤ- chert/ und schmertzlich verwundet/ das Blut/ so nach dem Tod auß seiner eroͤffneten Seiten geflossen/ damit Er bezeuget/ daß Er nichts mehr uͤbrig habe/ und sein gantzer Blut-Fluß dahin/ es seye kein Troffen Blut in sei- nem Leib mehr uͤbrig/ den Er vergiessen koͤnte/ und also das theure Go ttes Blut des unschuldigen und unbefleckten Lamms JEsu Christi/ K iij 1. Pet. 1, Die Zehende 1. Pet. 1, 19. das heilige Opffer-Blut/ Erloͤsungs-Blut/ Versoͤhnungs- Blut/ das besser schreyet als Abels Blut/ Hebr. 12, 24. das Buͤrg- Blut/ dessen der sich fuͤr uns lassen wuͤrgen/ dann es ist fuͤr uns ver- gossen/ das Bunds-Blut/ dadurch der Bund des N. Testaments ver- siegelt und bestaͤtiget worden/ das Reinigungs-Blut/ das uns rein macht von aller Suͤnde/ 1. Petr. 1, 2. 1. Joh. 1, 7. Hie hat abermal die Vernunfft ihr Spiel und abentheurliche Phan- tasien/ dann weil bekannt/ daß Christus sein Blut mildiglich vergossen/ ja gantz gleichsam auß gelaͤhret/ daß dasselbe auff die Erde gefallen/ und wie vermuthlich/ darin verfaulet/ wie es dann muͤglich seye/ daß es noch vorhanden/ und uns im Sacrament koͤnne und solle gereichet werden? Hinc Schmaltz. disp. II. contra Franz. Christum hodie tale corpus ha- bere, in quo sanguis sit, vix credo aliquem ex cordatioribus \& magis sobriis Theologis dicturum. Das ist: Daß Christus jetzt heuti- ges Tages einen solchen Leib habe/ darinnen Blut sey/ glaube ich nicht/ daß einer von den gesunden und vernuͤnfftigen Leh- rern werde bejahen. Ostorod. c. 38. p. 336. c. 41. pag. 89. bringt dessen ein Beweiß auß 1. Cor. 15, 50. da Paulus sagt/ Fleisch und Blut koͤnnen das Reich GOttes nicht ererben/ darauß wuͤrde nun/ schließt er/ folgen/ daß Christus GOttes Reich noch nicht wird besessen haben. Calvin. in c. 26, Matth. schreibt: Sanguinem Christi in ara crucis effusum computruis- se, nec in resurrectione reassumptum. Das Blut Christi am Stammen des Creutzes vergossen/ sey in der Erde vermodert/ und in der Aufferstehung der Todten nicht wieder von Chri- sto zu sich genommen/ und mit seinem Leib vereiniget worden. Joh. Cramer. in Enchir. Ubique sanguis iste, qui à peccatis nos mun- davit, ratione substantiæ jam in tota rerum natura nuspiam est, eo ipso quia pro nobis effusus, à terra absorptus, \& in nihilum redactus est. Das Blut so uns von Suͤnden gereiniget/ ist nunmehr seiner Substantz und Wesen nach nirgend in der gantzen Welt anzu- treffen/ eben darum/ dieweil es fuͤr uns vergossen/ von der Er- den verschluckt/ und darinnen zu nichts worden. Wie nun jene in einem extremo zu weit gehen/ also die Paͤbstler im andern/ wann sie mit ihren Reliquien auffgezogen kommen/ und fuͤrgeben/ es finde sich noch Blut Christi zu Rom/ so Brigitta auß sonderbarer Offenbarung der heiligen Jungfrauen Mariaͤ/ erfunden/ nachdem es von Johanne/ dem es Maria selbst eingehaͤndiget/ wol verwahret/ hernach aber von den glaubigen Predigt. gen Christen/ welchen es nach seinem Todt zukommen/ wegen einreissen- der Verfolgung an einen sonderbaren Ort versteckt/ und der Nach-Welt zu einem kraͤfftigen Trost hinterlassen worden. Zu Mantua/ welches Longinus der Kriegs-Knecht/ so Christum mit seiner Speer in die Sei- te gestochen/ in einem Glaß mit sich dahin gebracht/ und wegen List und Betrug der Einwohner in die Erde begraben und verscharret/ allwo es biß auff das achthundertste Jahr nach Christi Geburt im Staub und Finstern gelegen/ biß es durch GOttes sonderbare Gnad durch einen wunderseltzamen Glantz wieder an das Tages-Liecht gebracht worden/ und mit unerhoͤrten Zeichen und Wundern an Blinden/ Tauben/ und andern armen Patienten sich kraͤfftiglich erwiesen/ es koͤnne kein anderes Blut seyn/ als welches Longinus auß den Wunden Christi bey seiner Creutzigung auffgefaßt/ und dahin verborgen. Dessen/ so noch zu Ve- nedig/ im Laterano und andern Orten gezeiget wird/ und anzutreffen seyn soll/ zugeschweigen. Jngleichem wollen wir fuͤr dißmal nicht erzeh- len die jenige αἱμαϖφανειας, so Baronius, Bzovius, Bozius, Thyræus, Rossvveyd, Drexelius, Stengelius, Bresserus und andere auff gezeichnet. Wir schiffen zwischen Vernunfft und Aberglauben/ als zwischen zweyen schaͤdlichen extremis, gluͤcklich dem Port der Warheit zu/ und setzen je- nen und ihrem Jrꝛthum bessere fundamenta entgegen: die klare gegen- waͤrtige Wort/ die Wort Davids Psalm. 16. Du wirst meine Seele nicht in der Hoͤlle lassen/ und nicht zugeben/ daß dein Heiliger verwese. confer Act. 2, 27. 31. c. 13, 35. und Petri 1. Ep. c. 1, 18. Wisset/ daß ihr nicht mit vergaͤnglichem Silber oder Gold erloͤset seyd von euerm eitelen Wandel/ nach Vaͤtterlicher Weise/ sondern mit dem theuren Blut Christi. Wie aber ein theures Blut/ wann es eben so vergaͤnglich als Silber und Gold? wie ein theu- res Loͤse-Geld/ dadurch wir erloͤset worden vom eitelen Wandel/ wann es precium φϑαρτὸν? dann nichts vergaͤngliches kan ein precium re- demtionis infinitum seyn/ und einen unendlichen effect und Wuͤrckung haben. Hebr. cap. 9. ꝟ. 11. Christus ist kommen/ daß er sey ein Ho- herpriester der zukuͤnfftigen Guͤter/ durch eine groͤssere und vollkommenere Huͤtten/ die nicht mit der Hand gemacht ist/ das ist/ die nicht also gebauet ist/ auch nicht der Boͤcke oder Kaͤlber Blut/ sondern er ist durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen. und ꝟ. 24. Christus ist nicht eingan- gen in das Heilige/ so mit Haͤnden gemacht ist/ welches ist ein Gegenbild der Rechtschaffenen/ sondern in den Him̃el selbst/ nun Die Zehende nun zu erscheinen fuͤr dem Angesicht GOttes fuͤr uns. So nun Christus durch sein eigen Blut in den Himmel/ als der himmlische und ewige Hohepriester/ eingegangen/ und nicht ohne Blut fuͤr Gott erschie- nen/ so muß er es nothwendig in der Aufferstehung von den Todten/ nicht in der Erden gelassen/ sondern zu sich genommen/ und seinem Leibe wieder vereiniget haben. Joh. 1. Ep. 5. der von dem Blut sagt/ es zeuge noch auff Erden/ verstehe im H. Abendmahl/ so es noch auff Erden zeuget/ so muß es vorhanden/ und nicht verschwunden seyn. Testimonium Antiquitatis, das Zeugnuß der Alten/ Greg. Nyssen. orat. de Resurrect. Christus ad id quod erat, iterum reversus, per resurrectionem quicquid jacebat, unà secum excitavit. Christus ist durch seine Aufferstehung wie- derum worden/ was Er zuvor war/ und hat alles das/ was zu- vor im Grab gelegen/ mit Jhm selbst zugleich aufferweckt. Die Allmacht GOttes. Hat Er der Jsraeliten Kleider in der Wuͤsten unversehrt bewahret/ der HErꝛ/ sagt Moses/ Deut. 29, 5. hat euch viertzig Jahr in der Wuͤsten lassen wandeln/ euere Kleider sind an euch nicht veraltet/ und dein Schuh ist nie veraltet an dei- nen Fuͤssen? Warum wolte Er nicht auch die Blus-Troͤpfflein Christi in der Erden drey Tag unversehrt haben erhalten koͤnnen? Die Paͤbstler mit ihrem Kram der blutigen Heiligthuͤmmer/ weisen wir nicht nur heim in ihre eigene Kloͤster/ zu den Minoriten/ die ihnen ihren Jrꝛthum gnug auffs Brod gestrichen/ sondern auch in die Schul Christi/ darinnen sie lernen werden/ das Christus sein vergossenes Blut nicht habe koͤnnen/ noch wollen auff der Erden lassen/ und also nicht Christi Blut sey/ das sie dafuͤr außgeben. Nicht gekoͤnt/ sage ich/ dann entweder ist das Blut/ so noch auff Erden uͤbrig seyn soll/ der Verwesung unterworffen/ oder nicht/ so nicht/ so muß es nothwendiger weiß dem Leib Christi vereiniget/ und ausser demselben auff Erden nicht gelassen worden seyn/ massen ausser solcher Vereinigung ordinariè die Unverweßlichkeit des Bluts Christi keine statt und platz haben kan; So es der Verwesung unterworffen/ so ist es abermal nicht das Blut Christi/ als welchem Petrus ein ander prædicatum beylegt/ wie droben allbereit angezeiget/ uͤber das/ wie haͤtte es koͤnnen so viel secula unversehrt in und auf der Erden in einem Stand bleiben/ wann man nicht Wunder mit Wundern zudeckt/ daß sie nicht her- unter regnen? Er hat nit gewolt/ alldieweil er es sonst in der H. Schrifft/ als in der rechten Kunst- und Schatz-Kammer der himmlischen Heilig- thum haͤtte offenbaren lassen. Nun aber weiß sie ausser dem Blut in den heiligen Sacramenten das geringste nicht. Zu dem so hat er die Idoloma- Predigt. Idolomaniam sanguinariam und Blut-Goͤtzerey der Paͤbstler von ferne gesehen/ und also nicht wollen Zundel und Stroh zum Feur legen/ noch einige Materi solcher Abgoͤtterey/ die er in seinem Wort verflucht/ damit an die Hand geben. Worauß dann offenbar und Sonnen-klar/ daß das Blut/ so sie fuͤr Christi Blut verkauffen/ mit Unwarheit gefaͤrbt und angestrichen seye. Endlich trage man alles Blut/ so sie hin und wieder in Leinwad/ Glaͤsern und Geschirren auffgehoben/ zusammen/ so wird eine solche Quanti taͤt Blut zusammen fliessen/ daß es unmuͤglich/ daß ein natuͤrlicher Leib/ dergleichen Christus in seinem Leiden gehabt/ fassen kan/ darauß dann abermal das Facit kom̃t/ daß Betrug mit un- terlaufft. II . Sanguinis designati precium, des Bluts Preiß und Wuͤrde. So ist es zwar an dem/ daß es in den Augen der blutduͤrstigen Hunde/ des unsinnigen und tollen Poͤbels zu Jerusalem/ der Phariseer und Schrifftgelehrten/ des verzweiffelten und verteuffelten Apostatæ, und abtruͤnnigen Mammelucken Judaͤ/ des verblendeten Heydnischen Pilati weniger als nichts geachtet wurde. Jene/ die Juden/ hatten ihn kaum vor wenig Tagen mit einem frolockenden Hosianna/ Jubel-Geschrey und Salve empfangen/ und in die Stadt begleitet/ nun scheuen sie sich nicht vor Pilato ihn mit einem Mord-Geschrey zum Tod zu fordern/ als den groͤ- sten Ubelthaͤter/ als ein Fluch und Feg-Opffer der Leute/ als ein Greuel und Scheusaal. Es wurde ihnen der JEsus von Nazareth/ der Fuͤrst des Lebens/ und Barrabas ein Moͤrder und Auffruͤhrer auff eine Waag gelegt/ in eine Schaal das Blut des unschuldigen Lamms GOttes/ in die andere das Blut Barrabaͤ des ertz-boͤsen Buben/ aber diese hat jene uͤberwogen/ des Moͤrders Blut behielt den Preiß/ Judas hat es nicht hoͤ- her geschaͤtzet/ als/ nach dem Anschlag der Hohenpriester und Schrifftge- lehrten/ um dressig Silberling/ wie der Kopff des verachtesten leibeigenen Knechts geschaͤtzet wurde. Pilatus schencket den Leib Christi gar hin- weg/ als Joseph von Arimathia darum angehalten/ daruͤber auch der HErꝛ Messias laͤngst zuvor wehemuͤtig geklaget durch den Mund Za- chariaͤ des Propheten c. 11, 13. Ey eine treffliche Summa/ der ich werth geachtet bin von ihnen. Doch ist es an sich selbst ein un- schaͤtzbares Blut/ von unendlichem Preiß und Wuͤrde/ theurer als Him- mel und Erden/ dann es ist kein bloß Menschen-Blut/ das zwar auch viel ist/ und hoch geachtet wird fuͤr Gott/ wer Menschen-Blut vergießt/ der ist ein Greuel in GOttes Augen/ darum auch David kein Hauß dem Herrn bauen dorffte/ weil er viel Kriegs-Blut vergossen; Aber es ist Neunter Theil. L l unrein. Die Zehende unrein. Kein bloß Maͤrtyrer-Blut/ welches doch Gott gleicher Ge- stalt/ wie den Tod seiner Heiligen/ theur und werth haͤlt; Welches nicht troͤstlich/ es rufft um Raach/ wie das Blut Abel/ da Cain gedacht/ es habe sich in die Erde verschloffen/ es werde kein Hahn darnach kraͤhen/ so sagt der Herr: Col deme achicha zoakim elai mim haadamah. Die Stimme deines Bruders Blut schreyet zu mir von der Erden. Gen. 4, 10. Also/ die erwuͤrget waren um des Worts GOttes willen/ und um des Zeugnuß willen/ das sie hatten/ die schryen mit lauter Stimme: HERR/ du Heiliger und Warhafftiger/ wie lang richtest du/ und raͤchest nicht unser Blut an denen die auff Er- den wohnen. Apoc. 6, 10. Nein/ diese Blut sind unrein fuͤr Gott/ und befleckt mit der Erbsuͤnde. Wiewol es von dem Zwinglischen Jrꝛ- Geist hoͤher nicht æstim irt wird/ als ein bloß menschliches Maͤrtyrer- Blut. Dann so lang sie die communicationem Idiomatum laͤugnen/ und nicht gestehen/ daß der menschlichen Natur in Christo Goͤttliche Ei- genschafften mitgetheilet worden/ so lang koͤnnen sie nichts hoͤhers und mehrers auß demselben machen/ es ist kein Blut von unendlicher Krafft/ Verdienst und Wuͤrde/ und wie Danæus seinen Principiis gemaͤß ge- schrieben/ nullius succi ac vigoris vivifici. Hoch muß sich schuͤrtzen die rothe Braut von Babylon/ die truncken vom Blut der Heiligen/ wil sie diesem Elencho entlauffen/ indem sie dem Blut Christi die allein selig- und heilig-machende/ versoͤhnende/ buͤssende und gnugthuende Krafft be- nim̃t/ ein Mischmasch macht/ das Blut Christi mit der Milch auß Ma- riaͤ Bruͤsten/ der Maͤrtyrer und Flagellan ten Blut/ mit dem Blut Christi vermaͤngt/ und zur Gemeinschafft des Verdiensts und Gnug- thuung fuͤr die Suͤnde erhebet. Dann so viel sie von fremdem dem Blut Christi hinan flicket und untermischet/ so viel nim̃t sie demselben von seiner Krafft hinweg. Sondern es ist dieses Blut ein heiliges Blut/ αἷμα ὡς ἀμνοῦ ἀμώμου καὶ ἀσωίλου, das Blut/ als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes/ 1. Petr. 1, 19. massen von seiner Unschuld nicht nur der Herr selbst/ sondern Himmel und Erden/ ja seine eigene und geschworne Fein- de zeugen muͤssen. Judas der Verraͤther beicht rund herauß: Jch hab unrecht gethan/ daß ich unschuldig Blut verrathen habe/ Matth. 26, 4. Pilatus der Blut-Richter uͤbergibt Jhn den Juden zum Tod mit denen Worten/ Jch bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten/ da sehet ihr zu. Matth. 26, 24. Pilati Weib laßt ihrem Herꝛn entbieten: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerech- ten/ Predigt. ten/ ich habe heut viel erlitten im Traum von seinet wegen. ibid. ꝟ. 9. Ein theures Blut/ dann es ist ein Prophetisches Blut ein Prie- sterliches Opffer-Blut/ ein Koͤnigliches Blut; was ist aber theurer und edler als eines Koͤnigs Blut? ein Braͤutigams Blut; wie David seine Michal mit dem Blut der Philister erkauffen mußte/ so Christus der Blut-Braͤutigam das menschliche Geschlecht mit eigenem Blut; ein muͤtterliches Liebes-Blut. Quis pastor oves pascit proprio cruore? \& quid dico pastor? multæ matres sunt, quæ post partus dolores filios aliis tradunt nutricibus. At hic quos genuit, per semetipsum nutrit, nec alteri tradit, schribet Chrysostomus homil. 60. das ist/ Welcher Hirt traͤncket seine Schaafe mit seinem Blut? ja was sag ich Hirt? viel Muͤtter seind die nach der Geburt ihre Kinder den Saͤugammen uͤbergeben/ hie aber nehret Christus die Seinen/ die Er mit Aengsten gebohren/ mit sich selbst/ und uͤbergibt sie keinem andern. ὦ βάθος; O welch eine Tieffe des Reichthums der Liebe JEsu Christi! Ein Goͤttliches/ ja GOttes eigen Blut. Es gibt viel Leute/ die ihr eigen Blut nicht sehen koͤnnen/ es geschwind ihnen dar- uͤber. Aber Gott siehet am Creutz sein eigen Blut/ sein eigen Blut/ sag ich/ in eigentlichem Verstand/ ohne Wort-Blum/ Wort-Wechsel und Vermischung/ so eigentlich GOttes Blut/ so eigen ihm seine Gottheit durch die ewige Geburt/ und das wegen der Persoͤnlichen Vereinigung/ als Krafft welcher nicht nur die menschliche Natur in den Schooß des Sohns GOttes auff- und angenommen/ daß hernach so wol Goͤttliche Eigenschafften von der menschlichen/ als auch menschliche von der Goͤtt- lichen Natur außgesprochen werden; sondern auch die Gemeinschafft der Ampts-Wuͤrckungen erfolget/ da zwar ein jegliche Natur das ihrige thut/ aber cum communicatione alterius, zum Exempel/ in dem Hohen- priesterlichen Mittler-Ampt vergiesset die menschliche Natur ihr Blut/ die Goͤttliche Natur durchgehet die Menschheit/ haͤlt sie auff/ daß sie unter der Last nicht erliege/ gibt dem Blut Segen/ Krafft und Gewicht/ daß es ein kraͤfftiges Rantzion-Blut werde. Auß welchem wie ein Gott-mensch- liches und Mensch-Goͤttliches Werck/ also auch ein Goͤttlich Blut/ des Sohns Go ttes eigen Blut herauß fleußt: Und solches mußte auch seyn/ es war die hoͤchste Nothwendigkeit; dann gleiche Schuld erfordert auch gleichguͤltige Bezahlung. Nun aber ist die Suͤnde ein unermaͤßlich Ubel/ die Goͤttliche Majestaͤt ist unermaͤßlich hoch beleidiget/ der Zorn GOttes uͤber die Suͤnde brennet biß in die unterste Hoͤlle/ unermaͤßlich die Zahl und Menge der Suͤnden/ wann Job/ der doch von Gott selbst L l ij das Die Zehende das Zeugnuß gehabt/ daß er schlecht und gerecht/ und das Arge gemeidet/ dennoch klagen und sagen muͤssen/ wann man meinen (Suͤnden- und Creutz-) Jammer waͤgen solte/ so wuͤrde er schwerer seyn dann Sand am Meer: was meynen wir dann wol/ wie groß der Suͤnden Menge/ Schwal und Zahl/ und zwar der groͤsten Suͤnder und Ubelthaͤter/ die Suͤnde der gantzen Welt? Hie kan nun kein bloses Menschen-Blut nichts thun/ solte es auch so viel seyn/ als der grosse Oceanus und offen- bare Welt-See/ solte es auch gleich unschuldiges Maͤrtyrer-Blut seyn/ ja auch unschuldiges Adams- oder Engels-Blut/ darum es allein Go t- tes Blut thun konte/ als welches von unermeßlicher/ gleichguͤltiger/ ja uͤbergewichtiger Krafft und Nachtruck. Waͤre nun das Blut Christi ein bloses Menschen-Blut/ O wehe uns in Ewigkeit/ wir waͤren noch nicht erloͤßt/ wir waͤren noch in unsern Suͤnden/ unser Glaub und Hoff- nung waͤre eitel. III. Sanguinis preciosi beneficium, Christus sagt/ es seye 1. sanguis effusus, ein vergossen Blut. Gott der in Ewigkeit gewohnet/ in ei- nem Liecht/ dahin niemand kommen kan/ hat sich zwar vielfaͤltig in den Creaturen erzeigt/ und also auß seinem verborgenen Liecht herfuͤr gegan- gen/ aber es war nur Troͤpffleins-weiß/ Er hat nur mit seiner Guͤte auff die Menschen-Kinder getraͤuffelt/ und so zu reden/ noch sparsam mit um- gegangen/ nachdem Er aber sein Goͤttliches Blut vergossen/ hat Er sich mit seinem gantzen Himmels-Schatz Stroms-weiß ergossen/ und wie in der Suͤndflut auß Zorn und Grimm/ nun auß seinem Leiden in Lieb und Huld die Fenster des Himmels auffgethan/ und gleichsam seine Liebe mit vollen Saͤcken uͤber uns außgeschuͤttet/ daher sagt St. Paulus Rom. 5, 5. Die Liebe GOttes ist außgegossen in unser Hertz durch den H. Geist/ welcher uns gegeben ist/ sein unerschoͤpfflicher Liebes- Brunn ist gantz erschoͤpfft. 2. Nobis effusus, uns und vielen/ h. e. allen. Piscator ad h. l. glossirts also: Fuͤr viel/ nemlich fuͤr alle Außer- wehlte/ die ihm vom Vater gegeben sind/ fuͤr welche er auch gebeten/ da Er das Opffer thun wolt/ Joh. 17. Streit aber wider die Krafft des Worts außgegossen/ wider das Wort Omnes, Trincket alle darauß. contra analogiam fidei, und Glaubens-Regul/ welche lehret/ daß das Blut auch sey vergossen fuͤr die so verlohren werden. Rom. 14, 15. Lieber verderbe den nicht mit deiner Speise/ um welches willen Christus gestorben ist. 1. Cor. 8, 10. So dich (der du das Erkantnuß hast) jemand sehe zu Tisch sitzen im Goͤtzen-Hause/ wird nicht sein Gewissen/ dieweil er schwach ist/ verursachet/ das Predigt. das Goͤtzen/ Opffer zu essen? Und wird also uͤber deinem Er- kantnuß der schwache Brnder umkommen/ um welches willen doch Christus gestorben ist. 2. Petr. 2/ 1. Es werden unter euch seyn falsche Lehrer/ die neben einfuͤhren werden verderbliche Secten/ und verlaͤugnen den HErꝛn/ der sie erkauffet hat/ und werden uͤber sich selbst fuͤhren ein schnell Verdamnuß. Es folget nicht/ fuͤr viel/ Ergò nicht fuͤr alle. Ja eben weil er fuͤr viele sein Blut vergossen/ E. fuͤr alle: ist Pauli Art zu argumenti ren Rom. 5, 19. Wie durch eines Menschen Ungehorsam viel Suͤnder worden sind/ also auch durch eines Gehorsam werden viel Gerechte. Jm vorhergehenden Vers erklaͤret ers also: Wie durch eines Suͤnde die Verdamnuß uͤber alle Menschen kommen ist/ also ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens uͤber alle Menschen kommen. 3. Pro nobis effusus. Wie Gott der Herr von dem Vieh- Blut sagt/ Lev. 17, 11. Jch habs euch zum Altar gegeben/ daß eue- re Seelen damit versuͤhnet werden/ dann das Blut ist die Ver- suͤhnung fuͤrs Leben. Also hat Christus sein allerheiligstes Opffer- Blut fuͤr uns vergossen zu Vergebung unserer Suͤnden. Derowegen sprichstu/ ich bin unrein/ von der Fuß-Sohlen an biß auff die Haupt- Scheitel ist nichts gesundes/ sondern lauter Wunden/ Striemen und Eyter-Beulen. Unrein mein Seel/ Geist und Gewissen/ meine Suͤn- de ist blut-roth/ und darum bin ich ein Greuel und Scheusal in GOttes Augen. Hie sanguis mundans, das Blut der Besprengung! 1. Petr. 1. Hebr. 12, 24. Das uns reiniget von allen unsern Suͤn- den. 1. Joh. 1, 7. Wie vielmehr wird das Blut Christi/ der sich selbst ohn allen Wandel durch den H. Geist GOtt geopffert hat/ unsere Gewissen reinigen von den todten Wercken/ zu dienen dem lebendigen GOtt. Hebr. 9, 14. JEsus Christus der Erstgebohrne von den Todten/ und ein Fuͤrst der Koͤnige auff Erden hat uns geliebet und gewaschen von Suͤnden mit seinem Blut. Apoc. 1, 5. confer cap. 7. 14. Damit wir aber um et- was naͤher ad speciem kommen/ welches die Gutthaten dieses Bluts: Sprichstu/ ich bin verklagt von meinem Gewissen/ Gesaͤtz und Sathan/ es schreyen alle Creaturen wider mich ad ravim usque, und ruffen um Raach; hie ist sanguis κρεῖττονα λαλῶν! es uͤberschreyet jene alle mit einander/ ruffen jene um Raach/ dieses um Gnad. Jch bin verlohren/ L l iij unter Die Zehende unter die Suͤnde und Gewalt des Satans verkaufft/ hic sanguis re- demptionis! Du bist wuͤrdig zu nemmen das Buch/ und auff- zuthun seine Siegel/ dann du bist erwuͤrget/ und hast uns er- kaufft mit deinem Blut/ singen die außerwehlte Himmels-Buͤrger/ Apoc. 5, 9. An Christo haben wir die Erloͤsung durch sein Blut/ nemlich die Vergebung der Suͤnden. Eph, 1, 7. Jhr seyd theur erkaufft/ 1. Cor. 6, 20. Jch bin unter dem Zorn GOttes. Hie das Blut der Versoͤhnung! αἷμα ἱλαϛικὸν. GOtt hat JEsum fuͤrgestellet zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in sei- nem Blut. περιποιητικὸν, dadurch Er Jhm die Gemeine GOttes er- worben/ Act. 20, 28. δικαιοῦν καὶ καταλλάττον. Rom. 5, 9. 10. Wir wer- den je vielmehr durch Jhn behalten werden fuͤr dem Zorn/ nach dem wir durch sein Blut gerecht worden sind/ denn so wir GOtt versuͤhnet sind durch den Tod seines Sohns/ da wir noch Feinde waren/ vielmehr werden wir selig werden durch sein Leben/ so wir nun versoͤhnet sind. αἷμα ἀπολυτρώσεως καὶ ἀφέσεως. Eph. 1, 7. Col. 1, 14. Col. 1, 20. Es ist das Wolgefallen gewesen/ daß alles durch Jhn versoͤhnet wuͤrde zu Jhm selbst/ es sey auff Erden/ oder im Himmel/ damit daß er Frieden machete durch das Blut an seinem Creutze/ durch sich selbst. Jch lieg im Creutz und widerstreb. Hic sanguis Victoriæ! hie Panier und Siegs-Zeichen: Nun ist das Heyl/ und die Krafft/ und das Reich/ und die Macht unsers GOttes seines Christus wor- den/ weil der verworffen ist/ der sie verklaget hat Tag und Nacht fuͤr GOtt/ und sie haben ihn uͤberwunden durch des Lamms Blut. Apoc. 12, 10. 11. Quasi leones ignea spirantes dæmo- nibus terribiles ab ista cœna recedimus. Chrysost. Wir gehen vom heiligen Abendmahl weg/ als Feur-speyende Loͤwen/ dafuͤr die Teuffel erschrecken und erzittern. Unsere Liberey ist das rothe Blut auff dem weissen Feld. Jch bin erschrocken/ hie das Blut macht Hertz/ Muth und Sinn! So wir denn nun haben die Freudig- keit zum Eingang in das Heilige durch das Blut JEsu/ so lasset uns hinzu gehen mit warhafftigem Hertzen/ in voͤlligem Glauben/ besprenget in unserm Hertzen/ und loß von dem boͤsen Gewissen/ und gewaschen am Leib mit reinem Wasser. Hebr. 10, 19. 21. Ligt Predigt. Ligt alles an dem Glauben/ die Creutziger Christi sind zwar von dem Blut Christi auch besprenget/ aber nichts desto weniger verdam̃t worden/ das Wort fuͤr euch gegeben fordert eitel glaubige Hertzen/ und demnach 1. Lumen agnitionis. Laßt uns unsere irdische Hertzen zu einem geist- lichen Garten/ unsere steinerne Gemuͤther zu einem Pflaster/ und unsere unflaͤtige Sinne zu einer Golgatha machen/ und darinnen das blutige Creutz- und Marter-Bild JEsum Christum durch glaubiges Erkant- nuß auffrichten. 2. Astensum contrà senium. Laßt uns ja Gott das Leyd nicht anthun/ daß wir an seiner Lieb/ Huld/ Gnad und Gunst zweiff- len wolten/ hie ist ja sein Wort/ wollen wir dem Wort nicht glauben/ hie sein theurer Eyd; so dem Eyd nicht/ hie sein eigen Blut/ groͤsseres Pfand hat er nicht/ seine Liebe damit zu versiegeln/ darum wann schon dein Hertz spricht lauter Nein/ so laß doch dir nicht grauen. 3. Fiducialem appre- hensionem. Wie Johannes an der Brust JEsu gelegen/ und da gleich- sam Guͤsse und Fluͤsse der himmlischen Weißheit gesogen: Laßt uns glei- cher Gestalt mit Kindlichem Vertrauen Christo in den Schooß liegen/ seiner Brust und liebreichem Mutter-Hertzen den Glaubens-Mund ap- plici ren/ und auß seiner eroͤffneten Seiten-Wund sein Blut/ den edlen Lebens- und Himmels-Safft auffassen/ unsere arme Seelen damit zu laben: Nonne videtis quanto impetu parvuli labia uberibus infigant, audeamus \& nos ad uber spiritualis poculi, \& longè majori: traha- mus tanquam infantes lactantes spiritus gratiam, \& unus sit nobis dolor hâc escâ privari. Chrysost. hom. 60. Sehet ihr nicht/ mit was fuͤr Begierde und Gewalt die Milch-Kinder ihre Lippen an der Mutter Brust setzen: warum wolten wir uns dañ nicht er- kuͤhnen/ und zwar mit groͤsserer Begierde/ zu trincken von dem geistlichen Lebens-Kelch? Laßt uns saugen als die junge Kin- der des Geistes Gnad/ und nichts mehr kraͤncken/ als wann uns diese geistliche Milch-Speiß solte entzogen werden. Was dorten der unsinnige Juͤdische Poͤbel auß vergifftem/ vergaͤlltem/ und blut-durstigem Hertzen fuͤr Pilato auß vollem Hals geschrien; Sein Blut sey uͤber uns und unsere Kinder. Soll auß andaͤchtigem/ heiligem und glaubigem Verlangen unser aller Wunsch seyn: Sein Blut/ sein hoch-schaͤtzbares/ hoch-wichtiges/ hoch-guͤltiges GOttes-Blut/ sein theures Versoͤhnungs-Blut/ das allerheiligste Opffer-Blut/ so auß der Haupt-Ader des Koͤniglichen Hohen Priesters herauß geflossen/ und in der allgemeinen Propheten-Metzig vergossen worden/ sey uͤber uns/ es er- weiche/ Die Zehende weiche/ loͤsche auß/ wasche/ erloͤse/ mache fruchtbar/ beschuͤtze/ verbinde. Es erweiche unsere felserne Hertzen; loͤsche auß unsere kohl-schwartze Suͤn- den/ und dero Straff und Pflicht; wasche von aller suͤndlichen Unsau- berkeit und Unflaͤtherey; erloͤse von der Tyranney der hoͤllischen Macht und Gewalt; mache fruchtbar zu allen guten Wercken; befestige unsere Hertzens-Thuͤr fuͤr dem Anlauff des Wuͤrg-Engels; verbinde und ver- bruͤdere uns mit den außerwehlten Himmels-Burgern. Jst derowegen deine Suͤnde gleich blut-roth/ ist sie heimlich begangen/ wie Cains Tod- schlag/ ruffts Blut wider dich/ verzweiffele nicht wie Cain/ hie sanguis κρείττονα λαλῶν! stopffe die Ohren zu vor dem hoͤllischen Simei/ ob es schon heißt: Mitten in der Hoͤllen-Angst unsere Suͤnd uns treiben/ wo sollen wir dann fliehen hin/ da wir moͤgen bleiben? so heißts doch auch/ zu dir He rꝛ Christ alleine: Vergossen ist dein theures Blut/ das gnug fuͤr die Suͤnde thut/ so wird dann Christus sagen/ wie im heutigen Evange- lio: Gehe hin/ dein Glaub hat dir geholffen. Doch daß wir auch dem Samariter nachahnen in der Danckbarkeit. Neun gehen hin ohne Danck/ ein eintziger kehrt um/ auß 10. wird 1. auß 9. nulla. Jst ein Con- terfeht der Communicanten/ da wol neun zu gehen/ und werden rein/ aber weltzen sich per ingratitudinem wieder in den Koth/ wann sie außgesoͤh- net worden/ fangen sie wieder an auffs neue Kerbholtz zu schneiden. Da doch fast unmuͤglich/ wer erweget die grosse Lieb/ daß er nicht solte auff die Knie fuͤr Christo mit dem Samariter niderfallen/ und sagen: Wie soll ich doch immer dancken dir. Gedencke wann dein Braͤutigam/ dein Ehe- gatt um deinet willen solte sein Blut vergiessen/ und du waͤrest schuldig dran/ wuͤrdest du auch genugsam dich danckbar erweisen koͤnnen? Da David sein Blut an die Philister gewagt/ was wird es fuͤr Liebes- Funcken bey Michal erwecket haben? Warum solten wir dann nicht fuͤr Liebe gegen unserm Seelen-Braͤutigam kranck werden? Es beste- het aber die Danckbarkeit im neuen Gehorsam. Wie Wasser in Wein/ Eisen im Feur; Farb und Geschmack verlieret/ ein Wolff der Schaafs- Milch getruncken/ zahm/ ein Moͤrder/ wann er Blut saufft/ blutduͤrstig wird/ warum wollen wir dann nicht unsere boͤse suͤndliche Art verlaͤug- nen/ derselben absterben/ und Christi Natur an uns nemmen/ Jhme nachahnen/ wandeln in seinen Fußstapffen/ einher gehen auff dem Tu- gend-Weg/ der Sanfftmuth/ Demuth/ Gerechtigkeit/ Warheit/ Heilig- keit/ und Jhm zu Ehren sein Feld-Zeichen tragen? Mesa konte die Koͤni- ge durch kein ander Mittel von ihrem Vorhaben abschrecken/ als durch den Predigt. den Tod seines Sohns/ das thut Gott hie auch/ wer sich dadurch nicht wil bewegen lassen/ dessen Hertz ist haͤrter als ein Diamant/ und ist durch nichts als durch das hoͤllische Feur zu erweichen. Jst der beste Weg fromm zu machen/ die Straffen und Draͤuungen thuns nicht/ Forcht ist nicht in der Liebe/ ist der Liebe Gifft. In charitate und hertzlicher Liebe gegen jederman/ dieweil wir alle eines Bluts theilhafftig werden/ und also consanguinei seyn/ massen es nicht die rechte Art der Liebe/ wann sie nur in den Schrancken der leiblichen Bluts-Freundschafft bleibet/ wie- wol das gar eine barbarische Boßheit waͤre/ wann einer carnem carnis, die Seinen nicht wolte versorgen; Sondern die sich auch erstreckt auff deinen Feind/ der mit den Augen auff dich funckelt/ das heißt noch lang kein Liebe/ daß ein Mensch zween oder drey außerwehlt/ die ihm gefallen/ und sonst niemand/ auch nicht die Schalcks-Liebe/ Politische Liebe/ Hoff- Liebe/ Augen-Liebe/ Hunds-Liebe/ Sirenen-Liebe/ Huren-Liebe/ quæ dat sine mente sonos \& sine corde manus. Weil aber die rechte Christli- che Lieb in unsern Kraͤfften nicht stehet/ so laßt uns inniglich zu Gott ruffen und seufftzen: Sollen auch mein Werck dich preisen/ Und mein Glaube seyn bezeugt/ Meim Naͤchsten viel Lieb beweisen. Ach mein Fleisch sich aber beugt! Waͤrm/ O HErꝛ/ die kalte Lieb/ Laͤutere meine Wercke truͤb/ Brauch dir mich/ GOtt/ nach deim G’fallen/ Daß ich nutzlich seyn moͤg allen. Amen. Die Eylffte Predigt/ Von Dem Blut Christi/ als dem Blut des Neuen Testaments. G Eliebte in Christo. Es ist ein uhralter Brauch bey den Heydnischen Voͤlckern geweßt/ indem sie ihre confœdera- tiones, Buͤndnussen/ und derselben Waͤhrung mit vergosse- Neunter Theil. M m nem Die Eylffte nem Blut haben pflegen zu confirmi ren. Davon Tacitus lib. 12. An- nal. Mos est regibus, quoties in societatem coëunt, implicare dexte- tas, pollicesque inter se vincire, nodoque præstringere: mox ubi san- guis in artus extremos sese effuderit, levi ictu cruorem eliciunt, atque invicem lambunt, id fœdus arcanum habetur. Die Scythier, wie vid. Ca- mer l. 1. hor. sub- cis. p. 57. Lucianus in Toxat. schreibet/ beschnitten ihre Finger. Die alte Teut- schen liessen ihnen die Ader an der Stirn oͤffnen/ das Blut in Becher fliessen/ sich mit einander vermischen/ und trancken also. Der auffruͤh- rische Meutmacher Catilina machts eben auch also. Salust. p. 19. Fuëre eâ tempestate, qui dicerent, Catilinam oratione habitâ, cùm ad jusjurandum populares sceleris sui addiceret, humani corporis san- guinem vino permixtum in pateris circumtulisse. Inde cum post exccratio- nem omnes degustavissent, sicuti in solennibus sacris fieri consuevit, dicitur aperuisse consilium suum, atque eo dictare, quo inter se magis fidi forent, alius alii tanti facinoris conscii. Wie aber der Satan allezeit zur Kirchen GOttes seine Capell ge- bauet/ und/ als GOttes Aff/ Jhm alles nach gemacht: Zum Exempel/ die Auffopfferung Jsaacs in die Saturninische und Molochische Opffer- Spiel verwandelt; Also auch diesen Brauch/ der eigentlich seinen Ur- sprung von Gott hat. Dann als er mit seinem Volck/ welches er mit starcker Hand und außgerecktem Arm auß Egypten gefuͤhret/ ein Bund wolte machen/ ihme die tabulas legis und Gesetz-Tafeln fuͤrgelegt/ und versprochen/ Er wolle ihr Gott seyn/ und sie sollen fuͤr allen Voͤlckern sein peculium und Eigenthum seyn/ Exod. 19. ꝟ. 5. Werdet ihr meiner Stimme gehorchen/ und meinen Bund halten/ so solt ihr mein Eigenthum seyn fuͤr allen Voͤlckern/ denn die gantze Er- de ist mein/ und ihr solt mir ein Priesterlich Koͤnigreich/ und ein heiliges Volck seyn. Sie im Gegentheil sich vermessen: alle Wort/ die der HErꝛ gesagt hat/ wollen wir thun. Exod. 24, 3. So befihlt Gott/ Moses soll einen Altar bauen/ und das Gesetz-Buch darauff legen/ an einem Theil præsentir te sich Gott im Himmel/ als welchen Mose/ Aaron/ Nadab/ Abihu/ und die siebentzig Eltesten in Jsrael in einem schoͤnen Phœnomeno gesehen/ unter seinen Fuͤssen war es wie ein schoͤner Saphir/ und wie die Gestalt des Himmels/ wanns klar ist/ Exod. 24, 10. Auff der andern Seiten die zwoͤlff Saͤu- len/ so præsentir ten die zwoͤlff Staͤmme Jsraelis. Moses als ein Fuͤr- bilde des Mittlers stund in der mitten/ mußte mit dem Blut vom ge- schlachten Opffer besprengen/ eines theils den Altar/ andern theils das Volck Predigt. Volck/ und sprechen/ hinne dam habrith: Sehet/ das ist das Blut des Bundes! Massen diesen solennem actum Moses außtruͤcklich beschrie- ben. Exod. cap. 24. ꝟ. 4. \& sequent. Da schrieb Moses alle Wort des HERRN/ und machte sich des Morgens fruͤh auff/ und bauet einen Altar unten am Berge mit zwoͤlff Saͤulen/ nach den zwoͤlff Staͤmmen Jsrael. Und sandte hin Juͤngling auß den Kindern Jsrael/ daß sie Brand-Opffer darauff opfferten und Danck-Opffer dem HErꝛn mit Farren. Und Mose nam die Helffte des Bluts/ und thats in ein Becken/ die andere Helffte sprenget er auff den Altar/ und nam das Buch des Bundes/ und laß es fuͤr den Ohren des Volcks/ und da sie sprachen: Alles was der HErꝛ gesagt hat/ wollen wir thun und gehorchen/ da nam Mose das Blut/ und sprenget das Volck damit/ und sprach: Sehet das ist das Blut des Bun- des/ den der HERR mit euch machet uͤber allen diesen Wor- ten. Und eben dahin/ und auff solche Gewohnheit hat nun auch gese- hen Christus in den Worten der Einsetzung/ wann Er von Mose den stylum pulcherrimâ parodiâ entlehnt/ mit Vermehrung des Worts Neu: Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut/ das fuͤr euch und fuͤr viel vergossen wird/ zur Vergebung der Suͤnden. q. d. Jenes ist das alte/ bestaͤttiget durch das Vieh-Blut/ zu bezeugen/ daß dermaleins ein solches Versoͤhn-Blut werde vergossen werden/ daß vielen zur Vergebung ihrer Suͤnden werde gedeyen. Hie aber ist der Coͤrper selbs/ hie ist dasselbe Blut/ mit welchem Jch der Mitt- ler des Neuen und bessern Testaments besprenget/ beydes den Altar mei- nes Leibs/ und dann auch euch in dem Sacramentlichen Trunck. Ligt uns also fuͤr Augen das Blut JEsu Christi tanquam beneficium pro- pitiatorium in officio obsignatorio, davon fuͤr dißmal zu reden zu GOttes Ehr/ und unserm Trost und Erbauung/ wolle uns JEsus Christus selbs mit seinem Liecht des H. Geistes mildiglich erscheinen. Amen. G Eliebte in Christo. Wann wir dann zur Erklaͤrung unsers fuͤrhabenden Thematis schreiten/ ist hoch vonnoͤthen/ daß wir die Redens-Art der himmlischen Notarien erlaͤutern; Sintemal mit andern Worten von diesem Werck reden Lucas und Paulus/ mit andern Matthaͤus und Marcus. Jene zwar: Nem- met hin und trincket/ das ist der Kelch/ das Neue Testament/ M m ij in Die Eylffte in meinem Blut/ Luc. 22, 20. Dieser Kelch ist das Neue Te- stament in meinem Blut. 1. Cor. 11, 25. Diese: Das ist mein Blut des Neuen Testaments/ Matth. 26, 28. Marc. 14. 24. Der Verstand ist einerley/ die Wort sind unterschieden. Jn den Worten Lucaͤ und Pauli ist das subjectum τοῦτο, verstehe das gantze complexum sacramentale, τὸ ἇιμα ἐν ποτηρίῳ. Dann daß er nicht allein auff den Kelch deute/ ist darauß klar/ dieweil er sagt/ τὸ ὑπὲρ ὑμῶν ἐκχυνόμενον, welches weder vom Kelch/ noch vom Wein kan gesagt werden/ daß es auch nicht allein vom Blut zu verstehen/ scheinet auß dem Wort Mat- thaͤi: Das ist mein Blut des Neuen Testaments/ welches vergossen wird fuͤr viele zur Vergebung der Suͤnden/ ich sage euch/ ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewaͤchs des Weinstocks trincken/ ꝛc. Matth. 26, 28. 29. Jst also das Sub- jectum das Blut in dem Kelch/ welches vergossen wird fuͤr viel/ zur Vergebung der Suͤnden/ und hat man sich deßwegen mit Beza (α) kei- nes solœcismi zu befahren/ der es allein ad ποτήριον refer irt/ weil der Evangelist sagt: ἐν τῷ αἵματι ἐκχυνόμενον, da er sonst/ wann es zu dem Blut gehoͤrt/ haͤtte muͤssen sagen/ ἐκχυνομένῳ. Massen es ein gewohn- licher hellenisticus hebraismus, (β) dergleichen hin und wieder zu finden. (α) Beza ad Luc. 22, 20. Cum hæc, ait, verba, τὸ ὑπὲρ ὑμῶν ἐνχυνό- μενον, si constructionem spectemus, necessariò non ad sangui- nem, sed ad poculum pertineant; neque tamen de vino (nedum (de poculo) intelligi possint: aut manifectum est solœcophanes, cùm dicendum fuerit: τὸ ὑπὲρ ὑμῶν ἐκχυνομένῳ, ut legit Basilius in Ethices ὅρῳ κὰ: aut potius, cum hæc essent ad marginem adno- tata ex Matthæo \& Marco, posteà in contextum irrepserunt: quod eò quidem facilius est admissum: quod, cum in superiore versiculo adscriptum esset: τὸ ὑπὲρ ὑμῶν διδόμενον, id est, quod pro vobis datur: simile quidquam visum fuit adjicien dum; ubi agitur de sanguine. Sed hoc non additur apud Paulum, 1. Cor. 11, 25. qui tamen videtur ex hoc loco descripsisse cœnæ institutio- nem: Qui tamen hoc etiam legitur apud Syrum interpretem, \& in omnibus, quos inspeximus, Græcis Codicibus, minimè præ- termisi. Et potest excusari solœcismus, si ex Ebræorum idio- tismo, τὸ ὑκχυνόμενον exponatur ὅπερ ἐκχυύεται. (β) Etsi (ita Ludov. de Dieu, Comment. in S. Luc. c. 22. p. 374.) τὸ ἐκχυνόμενον casu differat à τῷ αἵματι, dubium tamen non est, quin Predigt. quin cum eo sit construendum, consentientibus Vulgato, Syro atque Arabe, neque ullus hic proptereà solœcismus statuendus. Obliquus enim casus absque solœcismo verti potest in nomina- tivum, quia cum hic initium sit \& fons reliquorum casuum, ad- eoque in lingua Hebræa, ubi nulla est casuum variatio, omnium locum tenet, hæc ei prærogativa conceditur, certè apud Helle- nistas, ut reliquotum casuum vicem interdum suppleat. Tale illud Apostoli, Eph. 3, 17. Κατοικῆσαι τὸν Χριϛὸν διὰ τῆς πίϛεως ἐν ταῖς καρδίαις ὑμῶν, ἐν ἀγάϖῃ ἐῤῥιζωμὲνοι καὶ τεϑεμελιωμὲνοι, pro ἐῤῥιζω- μένων καὶ τεϑεμελιωμένων. Adde Apocal. 1, 4. Χάρις ὑμῖν ἀπὸ τοῦ ὁ ὤν, καὶ ὁ ηὖ, καὶ ὁ ἐρχόμενος, pro, ἀπὸ τοῦ ὄντος, καὶ τοῦ γενομένου, καὶ του ἐρχομένου. Et ꝟ. 5. Καὶ ἀπὸ Ἰησοῦ Χριϛοῦ, ὁ μάρτυς ὁ πιϛὸς, ὁ π ω- τότοκος ἐκ νεκρῶν, καὶ ὁ ἄρχων \&c. Pro του μάρτυρος του πιϛοῦ, τοῦ π ωτοτόκου, καὶ τοῦ ἄρχοντος. It. Joh. 1, 14. Ἐϑεασάμεϑα τηὺ δόξαν ἀυτοῦ, δ ξαν ὡς μονσενοῦς παρὰ πατρὸς, ϖλήρης χάριτος καὶ ἀληθείας, pro ϖλήρους, id est, ὅς ηὕ ϖλήρης. Atque ita non opus erit pa- renthesi, quæ hîc vulgo ponitur, quam asperius intervenire, meritò notavit Cl. Heinsius Arist. Sacr. p. 299. Sed aliter quàm nos medetur, quod vide. Ita \& hoc loco τὸ ἐκχυνόμενον pro τῷ ἐκχυνομένῳ. Hierauff folget die Copula, Jst/ wie es Paulus klar vorsetzt/ dieser Kelch ist das Neue Testament/ 1. Cor. 11. Jm prædicato lausst ein figuͤrliche Hebraͤische Art fuͤr/ metonymia finis pro finito, (agnoscente Balduino ad 1. Corinth. 11.) Gleichwie wann David von dem Wasser/ Balduin. ad 1. Cor. 11. p. m. 577. De hoc vino dicit: Est Novum Testamentum, quia nimirum hoc vini haustu novum Testamentum, complectens remissio- nem peccatorum, nobis sancitur atque confirmatur, non quidem propter ipsum vinum, sed propter sanguinem Christi, qui unà cum vino hauritur: Idcircò additur: in meo sanguine, seu propter meum sanguinem, usitato Hebraismo. Quemadmodum effusione sanguinis Christi in cruce sancieba- tur novum fœdus cum Deo, \& acquirebantur bona testamentaria: Et quemadmodum de sanguine Christi in ara crucis effuso rectè diceretur: hic sanguis in cruce effusus novum testamentum est, quia per hunc sanguinem Deus nobiscum reconciliatur, \& remissio peccatorum acquiritur: ita rectè quoque dicitur de sanguine in cœnâ hausto: hic sanguis, seu poculum hoc in sanguine, vel propter sanguinem sibi sacramentaliter unitum, novum te- stamentum est, quia mediante hoc haustu beneficia Novi Testumenti nobis applicantur. welches ihm die drey Helden auß dem Brunn zu Bethlehem unter dem Thor gebracht/ gesagt: Jsts nicht das Blut der Maͤnner/ die ihr M m iij Leben Die Eylffte Leben gewagt haben/ und dahin gegangen sind. 2. Sam. 23, 17. so viel sagen wolte; Jsts nicht das Wasser/ um welches willen die Helden ihr Blut vergossen haben? also auch hier: dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut/ h. e. Das ist das Blut/ durch welches das Neue Testament bestaͤtiget wird. Causa nexus prædicati cum sub- jecto, Stehet in den Worten: ἐν τῷ αἵματί μου, das ist/ per hebraismum, propter sanguinem meum. Darum/ dieweil mein Rantzion-Blut mit diesem Wein vereinbaret/ darum ist diß das Neue Testament/ ja das Sa- crament und Sigel des Neuen Testaments. Dergleichen Redens- Arten mehr in H. Schrifft gefunden werden. Ezech. 18, 18. 19. Wo du den Gottlosen warnest/ und er sich nicht bekehret von seinem gottlosen Wesen und Wege/ in iniquitate suâ morietur, so wird er (in/ das ist/) um seiner Suͤnde willen sterben. confer Genes. 29, 18. Deut. 24, 16. Und das waͤre so fuͤr die Gelchrten/ ad fastidium levandum. Jns gemein ist der stylus Matthæi und Marci lauter/ ein- faͤltig/ unverbluͤmt/ das ist mein Blut des Neuen Testaments. Da dann drey Umstaͤnde fuͤrfallen zu betrachten. 1. Testamenti Quid- ditas. 2. Testamenti novitas. 3. Testamenti signaculum. Testa- menti quidditas ist nichts anders/ als die Eyd-feste/ verbundene/ und mit dem Tod des Testatoris selbs bestaͤtigte Verheissung vom Messia und Welt-Heyland/ und heißt also διαϑήκη so viel/ als ein Bund. Was ein Bund sey/ ist bekant/ wann nemlich zwo Parteyen/ die sich biß dato gezweyet/ zusammen tretten/ und durch einen Mittel-Mann versoͤhnet werden/ und dasselbe durch voͤlligen Abtrag der beleidigten Person. Wann zum Exempel der Roͤmische Kayser und Cron Schweden einen Frieden und Bund machten/ und zwar also; Es kaͤme ein Potentat dar- zwischen/ als ein Mittel-Mann/ es wuͤrde darauff eine Amnestia gestiff- tet/ und der Cron Schweden wegen ihres Koͤnigs und Unkosten einen Abtrag gethan/ so waͤre es ein Bund. Also auch Gott und Mensch/ tanquam partes dissidentes, die tretten wieder zusammen/ werden durch Christum als den Mittler versoͤhnet/ Er erlegt die Rantzion auff unser Seiten/ und kaufft uns auß mit seinem Blut und Tod. Jst alles fast in terminis terminantibus gar schoͤn abgefaßt. Rom. 5, 8. 9. 10. 11. Dar- um preiset GOtt seine Liebe gegen uns/ daß Christus fuͤr uns gestorben ist/ da wir noch Suͤnder waren/ so werden wir je durch ihn vielmehr behalten werden fuͤr dem Zorn/ nachdem wir durch sein Blut gerecht worden sind. Dann so wir GOtt ver- Predigt. versoͤhnet sind durch den Tod seines Sohns/ da wir noch Feinde waren/ wie vielmehr werden wir selig werden durch sein Leben/ so wir nun versoͤhnet sind. Nicht allein aber das/ sondern wir ruͤhmen uns auch GOttes/ durch unsern HErꝛn JEsum Christ/ durch welchen wir nun die Versoͤhnung em- pfangen haben. 2. Cor. 5/ 18. 19. GOtt hat uns mit ihm selber versoͤhnet durch JEsum Christ/ und das Ampt gegeben/ das die Versoͤhnung prediget/ denn GOtt war in Christo/ und ver- soͤhnet die Welt mit ihm selber/ und rechnet ihnen ihre Suͤnde nicht zu/ und hat unter uns auffgericht das Wort von der Versoͤhnung. Col. 1/ 19. 20. Es ist das Wolgefallen gewesen/ daß in ihm alle Fuͤlle wohnen solte/ und alles durch ihn versoͤh- net wuͤrde zu Jhm selbst/ es sey auff Erden/ oder im Himmel/ damit daß er Frieden machte/ durch das Blut an seinem Creutz/ durch sich selbst. Heisset aber nicht ein blosser Bund inter vivos, son- dern ein Testamentlicher Bund/ da der nunmehr versoͤhnete Gott uͤber das uns noch zu Erben eingesetzet/ und sein Him̃elreich vermacht hat/ in der Vergebung der Suͤnden uͤberreicht Er uns gleichsam den Schluͤssel/ bestaͤtigts durch seinen eigenen Tod/ und durch die Sigel der H. Sacra- menten. Da verstumme abermal alle menschliche Vernunfft! daß das hoͤchste Gut sich so tieff herunter laͤsset! Wuͤrde auch wol der Roͤmische Kayser in dem Friedens-Bund seinen Sohn gegeben haben/ die Schwe- dische Cron zu beguͤtigen/ das wird er wol haben lassen anstehen. Und welches noch mehr/ da Gott/ als agens liberrimum, seine Hand frey behalten koͤnnen/ er sich so hoch verbindet/ daß Er sich haͤrter nicht ver- binden koͤnnen. II. Testamenti Novitas. Wird ein Neues Testament von Christo genennet/ in oppositione ad Testamentum vetus. Das Evangelium mag wol genennet werden Testamentum vetustissimum, das aͤlteste Te- stament; seine erste Wurtzel und Verheissung hat gebluͤhet alsobald im Paradiß/ auß der Verheissung ist ein Bund gemacht worden/ vierhun- dert und dreissig Jahr vor dem Gesetz-Testament/ da Gott Abraham versprochen/ Er wolle sein Gott seyn/ ihn an Kinds-statt auff- und an- nemmen/ um des gebenedeyten Weibes-Saamens willen/ in dem alle Geschlechte auff Erden sollen gesegnet werden/ Er wolle ihm das Land Ca- naan geben/ verstehe nicht leiblich/ und in eigener Person/ dann GOtt gab ihme kein Erhtheil drinnen/ auch nicht eines Fusses breit/ Act. Die Eilffte Act. 7, 5. sondern seinen Nachkommenen leiblich/ Gen. 15. 18. ihm aber Sa- cramentlich und typicè. Vnd in solchem Bund seind begriffen alle Kin- der der Verheissung/ all rechte Abrahams-Kinder/ da dann Gott auff unserer Seiten mehr nicht begehrt als den Glauben an den Messiam in seinen Verheissungen/ Opffern und Fuͤrbildern. Diesem Alten Testa- ment nun wird das Neue entgegen gesetzt/ als wesentlich unterschieden. Jenes war ein mysterium obscurum, ein dunckeles Geheimnuß/ als welches in den Verheissungen/ Opffern und Bildern repræsent irt wurde/ dieses hat den Coͤrper selbs/ die glaubige Vaͤtter des Alten Testaments hatten einerley Frucht mit uns/ aber nicht einerley Substantz und Wesen. Jenes war beschwert mit dem Last des Ceremonialischen Gesetzes/ dieses gantz frey. Es wird ein Neues Testament genennet in oppositione ad Testamentum legale, davon droben im Eingang gehandelt worden/ be- stunde in vollkommener Haltung des Gesetzes. Dort war der Mittler Moses/ hie Christus; Dort Vieh-Blut/ hie Christi Blut; jenes ein toͤd- tender Buchstab/ dieses ein lebendigmachendes Wort/ lauter Geist und Leben/ weil es den Geist der Erneuerung dargibt und mittheilet/ daß ein Wiedergebohrner mit Lust ohne Zwang Gott dienet/ und die Kraͤffte darzu hat. Mag wol genennet werden Testamentum novissimum, das allerneueste Testament/ der neuste Bund/ nach welchem kein ande- rer und neuerer zu gewarten/ den Jeremias selber einen neuen Bund nennet und artig beschreibet/ c. 31. ꝟ. 31. 32. 33. 34. Siehe/ es kom̃t die Zeit/ spricht der HErꝛ/ da wil ich mit dem Hause Jsrael/ und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen. Nicht wie der Bund gewesen ist/ den Jch mit ihren Vaͤttern mach- te/ da Jch sie bey der Hand nam/ daß ich sie auß Egyptenland fuͤhrete/ welchen Bund sie nicht gehalten haben/ und Jch sie zwingen mußte/ spricht der HErꝛ. Sondern das soll der Bund seyn/ den Jch mit dem Hause Jsrael machen wil: Nach dieser Zeit/ spricht der HErꝛ/ Jch wil mein Gesetz in ihr Hertz geben/ und in ihren Sinn schreiben/ und sie sollen mein Volck seyn/ so wil ich ihr GOtt seyn/ und wird kei- ner den andern/ noch ein Bruder den andern lehren und sa- gen: Erkenne den HERRN/ sondern sie sollen mich alle kennen/ beyde klein und groß/ spricht der HERR/ denn ich wil ihnen ihre Missethat vergeben/ und ihrer Suͤnde nimmermehr gedencken. Ein neuer und besserer Bund/ als der alte/ Predigt. alte/ propter personam, precium, levamen. Jener war beschwaͤret mit Gesetz-Laͤsten/ was wuͤrde es einem helffen/ wann man ihm gleich ein Grosses vermacht/ er muͤßte aber dabey unmuͤgliche Ding leisten? Testamentum firmum, unwiderrufflich/ dann es ist durch den Tod bestaͤtiget: kein menschlich Testament wird so wol clausul irt und versehen/ wann ein Tyrannischer Achab/ oder Silber-sichtiger Jurist/ und Gold-siecher rabula darhinder kom̃t/ er kans durchloͤ- chern. Dieses aber stehet fest/ trutz allen Hoͤllen-Pforten! es ist ein Bund/ wie der Bund mit Noah/ Esa. 54, 9. Denn solches soll mir seyn wie das Wasser Noah/ da ich schwur/ daß die Wasser Noah solten nicht mehr uͤber den Erdboden ge- hen. Also habe ich geschworen/ daß ich nicht uͤber dich zuͤrnen noch dich schelten wil/ denn es sollen wol Berge weichen/ und Huͤgel hinfallen/ aber meine Gnade soll nicht von dir weichen/ und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen/ spricht der HERR dein Erbarmer. Gott haͤlt Glauben ewiglich. Jch sage/ sagt David/ Psalm. 89, 3. 29. seqq. Daß eine ewige Gnade wird auffgehen/ und du wirst dei- ne Warheit treulich halten im Himmel. Jch habe einen Bund gemacht mit meinem Außerwehlten/ Jch habe Da- vid meinem Knecht geschworen. Jch wil ihm ewiglich hal- ten meine Gnade/ und mein Bund soll ihme fest bleiben. Jch wil ihm ewiglich Saamen geben/ und seinen Stul/ so lang der Himmel waͤhret/ erhalten. Wo aber seine Kin- der mein Gesaͤtz verlassen/ und in meinen Rechten nicht wandeln/ so sie meine Ordnung entheiligen/ und meine Gebott nicht halten. So wil ich ihre Suͤnde mit der Ru- then heimsuchen/ und ihre Missethat mit Plagen. Aber meine Gnade wil ich nicht von ihm wenden/ und meine Warheit nicht lassen fehlen. Jch wil meinen Bund nicht entheiligen/ und nicht aͤndern/ was auß meinem Munde gangen ist. Jch habe einst geschworen bey meiner Heilig- keit ich wil David nicht liegen/ sein Saame soll ewig seyn/ und sein Stul fuͤr mir/ wie die Sonne. Wie der Mond soll er ewiglich erhalten seyn/ und wie der Zeuge in Wol- cken gewiß seyn. Neunter Theil. N n Signacu- Die Eylffte Signaculum \& fundamentum Testamenti ist nun das Blut Je su Christi. Darauff gruͤndet es sich/ dardurch werden wir die Kindschafft und das Erb-Recht erlangen. Diß ist Pignus, arrha \& sigillum, daß der bußfertige Suͤnder sich versichert/ wann er hievon trincket/ er seye wieder im Bund GOttes/ wie er Noe Glauben gehalten/ so werde Er ihm auch nicht liegen/ sondern kan gewiß seyn/ daß Gott gleichsam zu ihm spreche: Halt dich an mich/ es soll dir jetzt gelingen/ Jch geb mich sel- ber gantz fuͤr dich/ da wil ich fuͤr dich ringen. Dann ich bin dein/ und du bist mein/ und wo ich bleib/ da solt du seyn/ uns soll der Feind nicht schei- den. Allermassen wie ein Braͤutigam zu seiner Braut sagt: Jch bin dein/ und du bist mein/ uns soll niemand scheiden als der Tod/ des hab zum Zeichen diesen Ring. hîc arrha \& pignus. So kom̃t Christus/ und sagt gleichsam auch: Jch wil mich mit dir verloben in Ewigkeit. Es soll dich von mir nichts scheiden/ weder Truͤbsal/ noch Angst/ noch Gefaͤhrlich- keit/ weder Hunger/ noch Schwerd/ weder Gegenwaͤrtiges/ noch Zukuͤnff- tiges/ weder Tod noch Leben/ ja kein einige Creatur. Hie ist mein Blut/ dadurch ist alles versiegelt/ niemand soll es außkratzen. Welches dann eine gewaltige und unuͤberwindliche hypostasis und Grundfest unsers Glaubens. Wer wolte nun der Goͤttlichen Majestaͤt das Leyd anthun/ und ihre Gnad und Huld in Zweiffel ziehen? Solten wir Menschen uns nicht begnuͤgen lassen/ wann uns Gott ein Apffel oder Birn zum Pfand gegeben? War doch Noah zu frieden/ da ihm Gott den Regen- bogen zu einem Zeichen in den Wolcken gesetzt. Warum wolten wir dann wancken/ als wuͤrde Er nicht halten/ was Er doch mit seines Sohns Blut verpfaͤndet hat. Schließlich spreche ich euch/ meine Außerwehlte/ an/ mit den Worten St. Petri Act. 3, 25. Jhr seyd des Bundes Kinder/ welchen GOtt gemacht hat mit euern Vaͤttern/ da Er sprach zu Abraham: Durch deinen Saamen sollen gesegnet werden alle Voͤlcker auff Erden. Die Kinder nach dem Fleisch/ die Sinaitische Bunds- Kinder/ die Kinder der Magd die sind außgestossen/ ihr aber seyd nicht der Magd Kinder/ sondern der Freyen. Gal. 4, 31. Das außerwehlte Geschlecht/ das Koͤnigliche Priesterthum/ das heilige Volck/ das Volck des Eigenthums. 1. Petr. 2, 9. Jhr seyd kommen zu dem Berge Zion/ und zu der Stadt des leben- digen GOttes/ zu dem himmlischen Jerusalem/ und zu der Menge vieler tausend Engeln/ und zu der Gemeine der Erst- gebornen/ die im Himmel angeschrieben sind. Hebr. 12, 22. Das Loß Predigt. Loß ist euch gefallen auffs lieblichste/ euch ist ein schoͤn Erb- theil worden/ Ps. 16, 6. Jhr koͤnt mit David sprechen: Du leitest mich nach deinem Rath/ und nimst mich endlich mit Ehren an/ wenn ich nur dich habe/ so frage ich nichts nach Himmel und Erden/ und wann mir gleich mein Leib und Seel verschmacht/ so bistu doch GOtt allezeit meines Hertzens Trost und mein Theil. Ps. 73, 24. 25. Du bist meine Zuversicht/ mein Theil im Lande der Lebendigen. Ps. 142, 6. Hier ist mehr als der Roͤmer Bund/ an den durffte sich niemand wagen/ sie wurden gefoͤrcht in allen Landen/ wann sie ihre Bunds-Genossen zu Huͤlffe angesprochen. Allein ligts nur daran/ daß ihr solchen Bund als treue Bunds- und Eyd-Genossen unverbruͤchlich bewahret/ Gott laͤßt den Meineyd unter den Menschen nicht ungestrafft/ koͤnten deßwegen schroͤckliche Exempel angezogen wer- den/ sonderlich das sich begeben in Griechenland Anno 686. dann da Justinianus II. den Saracenern den Bund gebrochen// und sie Gott den Raͤcher des Meineyds angeruffen/ ist er mit seinem Heer geschlagen/ und in die Flucht getrieben worden. Wie wird Er es dann ungestrafft hingehen lassen/ wann man an Jhm Bund-bruͤchig und treuloß wird. Cum Justinianus II. Rhinotmetus è Sclavicis gentibus evocasset XXX. armato- rum millia, quem populum περιούσιον appellitabat, elatus robore copiarum Saracenicam pacem disru pit, prætendens, monetam non pendi suâ signa- tam imagine. Saraceni implorato perjurii ultore Deo, scriptas pacis con- ditiones hastæ alligarunt, sublatisque in acie instar vexilli, cum Romanis conseruerunt manus. Sed primo congressu inferiores, pecuniis corrum- punt Sclavorum Ducem, quorum cum XX. millia transfugissent ad Sarace- nos, demsere animos reliquis, fœdamque in Romanis fugam excitârunt. Cluver. epit. histor. p. 419. Doch daß man auch diesem Bund mit wahrem Glauben begegnet. Abraham glaubte dem Bund GOttes/ er sahe durch das irdische Land Canaan/ durch die Tragoͤdi auff dem Berg Moria/ durch das Blut sei- nes Sohns/ und die Wiedergab Jsaacs/ auff Christum: wie Abraham fuͤr sich/ so solt ihr zuruck sehen in die Passion Christi/ an den Oelberg/ Schaͤdelstatt/ Creutz und Grab Christi. Es wird von euch erfordert Abrahamica ἰσχηρότης, Abrahamica exosculatio promissionum. Hebr. 11, 13. Sie haben die Verheissung nicht empfangen/ sondern sie von ferne gesehen/ und sich der vertroͤstet/ und wol begnuͤgen lassen. Adam/ Noah/ Abraham/ hatten solche Verheissung nicht in N n ij solchem Die Eylffte solchem Grad/ es waren nur promissiones und fœdera. Diß aber ist promissio testamentaria. Es weiß der liebe Gott wol/ was fuͤr ein elend Gemaͤcht wir seyn/ wie ein schuͤchter und forchtsam Ding es sey um ein boͤß Gewissen/ das den Zorn GOttes recht foͤrchtet/ insonderheit wann die Wolcken-Bruͤch der Anfechtungen einbrechen/ wann dem Ge- bet der Himmel zu hoch werden/ die Schrifft zu arm/ die Welt zu eng/ der Satan zu listig/ in dem/ daß er suchet das Testament zu durchloͤchern: darum hat er es bey der blosen Verheissung nicht gelassen/ sondern hat sie beeydigt/ sich verbunden/ und vertestirt/ daß du nicht zweifflen kanst. Zweiffelstu aber noch/ und sprichst: Ja ich laß es gelten/ ich hab aber mich des Bunds verlustigt durch Suͤnde: Antwort/ ist unrecht/ aber saume dich nicht lang/ Gott ruffet auch dem abtruͤnnigen Jsrael/ Jer. 3, 12. Kehre wider du abtruͤnnige Jsrael/ spricht der HErꝛ/ so wil ich mein Antlitz nicht gegen euch verstellen/ denn Jch bin barm- hertzig/ spricht der HErꝛ/ und wil nicht ewiglich zuͤrnen/ al- lein erkenne deine Missethat/ daß du wider den HErꝛn deinen GOtt gesuͤndiget hast. Dona DEI ἀμεταμέλητα, Gottes Gaben und Beruffung moͤgen ihn nicht gereuen. Rom. 11, 29. Sprichst du/ ich fuͤhle nichts: Antwort/ bete/ daß du den Glauben empfindest/ fuͤhlestu Anfechtung/ so fuͤhlestu Christum/ dann der Satan streitet nicht wider sich selbst. Vielleicht/ gedenckestu/ bin ich verstossen und verloh- ren. O Nein/ hie ist das Blut des Neuen Testaments/ hie ist der Schluͤssel zum Schatz. So/ hoͤre ich wol/ wird jederman selig. Ant- wort/ Nein/ das Testament ist condition irt/ stehet zwar nicht auff den Beinen unsers freyen Willens/ sondern auff dem Himmel-festen Eyd und Blut-Bund GOttes/ aber die Goͤttliche und vorgeschriebene Ord- nung und Verharrung ist vonnoͤthen. Thust du das/ so kanstu alle ten- tationes und Versuchungen trutzen/ und den Kopff bieten/ froͤlich seyn im Creutz/ gedultig in der Hoffnung/ und sprechen: Jst Gott fuͤr mich/ wer kan wider mich seyn. Jch bin doch ja dein liebes Kind/ Trutz Welt/ Teuffel und alle Suͤnd/ und wann mich gleich in dem Augenblick/ als ich communicire/ lauter Donner und Blitz in die Hoͤll hinab schluͤgen/ so foͤrchte ich mich nicht/ es kan mir nichts schaden/ fuͤhre ich gen Himmel/ so bist du da/ betete ich mir in die Hoͤlle/ so bistu auch da. Wo aber du bist in Gnaden/ da ist mein Himmel. Darum/ Wolan es geh gleich wie es woll/ Mein Glaub kan mir nicht liegen/ Jch Predigt. Jch weiß wol wo ich bleiben soll/ Dein Wort kan mich nicht triegen. Jn ew’ger Freud Jst mir bereit Bey GOtt ein herꝛlichs Leben. Drauff seys gewagt/ Harꝛ unverzagt/ GOtt wirds gewißlich geben. AMEN . Die Zwoͤlffte Predigt/ Von Denen/ fůr welche Christus sein Blut vergossen. G Eliebte in Christo. Es war ein zumal schroͤckli- che/ seltzame und wunderbare Predigt/ davon Petrus re- det/ wann er 1. Ep. 3, 19. 20. schreibet: Es sey Christus im Geist hin gegangen/ und habe geprediget den Geistern im Gefaͤngnuß/ die etwa nicht glaubten/ da Gott einmals harret und Gedult hatte/ zu den Zeiten Noe/ da man die Archa zuruͤstet. So wunderlich und fin- ster dieser Spruch an ihm selbst ist/ wie Lutherus redet Tom. 2. Jen. p. 363. Das ist ein wunderlicher Text/ inquit l. cit. und ein finsterer Spruch/ als frey- lich einer im Neuen Testament ist/ daß ich noch nicht gewiß weiß/ was St. Peter meynet. Auffs erste lauten die Wort also/ als habe Christus den Geistern/ das ist/ den Seelen/ die vor Zeiten sind unglaubig geweßt/ da Noe die Archen bauet/ geprediget/ das verstche ich nicht/ kans auch nicht außle- gen/ es hats auch noch keiner außgelegt. Doch wil es jemand dafuͤr halten/ daß Christus/ nach dem Er am Creutz verschieden war/ nidergestiegen sey zu den Seelen/ und habe ihnen da geprediget/ wil ich nicht wehren/ es moͤcht also einen Verstand leiden. Jch weiß aber nicht/ ob St. Peter das wolle sagen. N n iij so Die Zwoͤlffte so seltzam ist auch das contentum. Der Ort und Cantzel/ da diese Pre- digt gehalten worden/ ist ϕυλακὴ, die hoͤllische Gefaͤngnuß/ Matth, 5, 25. Luc. 12, 58. Apoc. 18, 2. c. 20, 7. Der Hoͤllen-Prediger ist Christus/ ὁ ϑανατωθεὶς, der getoͤdtete nach der Menschheit/ ὁ ζωοϖοιηθεὶς, der lebendig- gemachte/ ὁ πορευθεὶς, der hin gegangen/ und also der gantze Christus/ nicht nur seine Seel intra spatium vivificationis \& resurrectionis. Die Zuhoͤrer waren die ἀπειθοῦντες, ἄπιϛοι, ἀσε εῖς. conf. 2. Petr, 2, 5. 6. die rohe sichere Bursch und Cyclopen/ die nach dem versprochenen Weibes-Saa- men entweder wenig fragten/ oder doch denselben in familia Sethi ver- folgten/ im uͤbrigen dem Geist GOttes/ der sich in Noa dem Prediger der Gerechtigkeit geregt/ widerspenstig erzeigten/ waren rechte Welt-Kinder/ baueten/ pflantzten/ freyeten und liessen sich freyen/ biß auff den Tag/ da Noa in die Archen eingegangen/ und die Suͤndflut kommen. Es wer- den aber nicht allein diese verstanden/ sondern per synecdochen, wie es Lutherus erklaͤret l. cit. diese/ als sonderbare Exemplaria/ andere aber/ als diesen gleich/ die eben so boͤß. Summa/ alle ruchlose Gottes-Veraͤch- ter/ alle Schmaͤher des H. Geistes/ und rohe Welt-Kinder/ Canaans- Art/ die wenig nach Noa und seinen Predigten gefragt/ denen hat er ge- prediget. Was? vielleicht das Evangelium denen in der Vor-Burg der Hoͤllen? davon der Roͤmische Catechismus glaubet/ daß Christus die heiligen Seelen/ so vor Christi Ankunfft eingezogen worden/ da sie ohne einige empfindliche Schmertzen in Ruhe gesessen/ erlediget/ und die des Heylands in dem Schooß Abrahaͤ gewartet/ dem Teuffel als einen Raub genommen. Docendum est, (ita Catech. Rom. part. 1. cap. 6. q. 6. p. m. 89.) proptereà Chri- stum Dominum ad inferos descendisse, ut ereptis dæmonum spoliis sanctos illos Patres cæterosque pios è carcere liberatos secum adduceret in cœlum, quod ab eo admirabiliter, summâque cum gloria perfectum est, statim enim illius aspectus clarissimam lucem captivis attulit, eorumque animas immen- sâ lætitia, gaudioque implevit: quibus etiam optatissimam beatitudinem, quæ in visione DEI consistit, impertivit. Et mox: Quamobrem antequam ille moreretur, ac resurgeret, cœli portæ nemini unquam patuerunt; sed piorum animæ, cùm è vivis excessissent, vel in sinum Abrahæ deferebantur, vel quod etiam nunc iis contingit, quibus aliquid diluendum \& persolven- dum est, purgatorii igne expiabantur. O nein/ es ist eine grosse Klufft befestiget zwischen dem Ort der Qual und dem Schooß Abrahams/ daß die da wolten von hinnen hinab fahren/ koͤnnen nicht/ und auch nicht von dannen heruͤber fahren/ Luc. 16, 25. Es st der Krafft des Leidens Christi vor und nach schmaͤhlerlich. Christus hat Predigt. hat solchen Credit bey seinem Vater/ daß die Erloͤsung schon Krafft ge- habt/ ehe Er sich wuͤrcklich und thaͤtlich zu einer Rantzion dargegeben/ wir hoffen durch die Gnade unsers HErꝛn JEsu Christi selig zu werden gleicher weise wie auch unsere Vaͤter. Act. 15, 11. Und soll uns nicht irren das Gesang: Vorhin wars alles verschlossen. Ver- stehe/ ohn Jhn/ nach der Ursach/ nicht nach der Zeit. Was hat er dann geprediget? lauter Donner und Blitz/ und also concione forensi, wie man einen Banckerottierer außruffet zur offentlichen Schand/ concio- nereali, dem Cain/ Gen. 4, 10. was hastu gethan? ἐνδεικτικῇ. Col. 2, 15. Er hat außgezogen die Fuͤrstenthum und Gewaltigen/ sie schau getragen offentlich/ und einen Triumph auß ihnen gemacht/ der hoͤllischen Gesellschafft dadurch ein Schrecken einzujagen. ἐλεγχτικῇ, weil ihr euch/ sprach er gleichsam/ in der Welt nicht woltet straffen lassen von Noa/ denselben fuͤr einen alten Narren gehalten/ der immer fort ge- foͤrcht/ der Himmel moͤchte einfallen/ darum seyd ihr nimmermehr zu ent- schuldigen/ wisset ihr nicht/ daß ich euch die Buß habe predigen lassen/ 120. Jahr frist gegeben/ habe euch durch Enoch lassen ankuͤndigen das Juͤngste Gericht/ aber ihr habt nicht geglaubt: Wie offt hab ich euch versamlen wollen/ wie eine Henne ihre Kuͤchlein unter ihre Fluͤgel/ aber ihr habt nicht gewolt/ Matth. 23, 37. Den Geist des Herrn habt ihr euch nicht straffen lassen/ so ist nun die Zeit der gnaͤdigen Heimsuchung verflossen/ daher ihr nichts mehr zu gewarten als das Juͤngste Gericht/ da ihr mit den Leibern vereinbaret/ mit Spott und Schand zum Triumph auffstehen/ und mit den Teuffeln gequaͤlet werden sollet. Quâ de causâ? warum haben sie solche Schrecken- und Angst- Predigt ohne einigen Trost anhoͤren muͤssen? um und von wegen des be- harꝛlichen Unglaubens/ als welches formalis, adæquata, meritoria cau- sa, und eigentliche Ursach. Ob ἄγνοιαν, sie waren Athei sten/ Implici sten/ Simplici sten/ muthwillens wolten sie es nicht wissen. Ob dubitationem, sie waren Spoͤtter/ sie glaubten nicht der Predigt Noaͤ/ wo ist die Verheis- sung seiner Zukunfft? wann kom̃t die Suͤndflut? Ob præfidentiam, sie waren harthertzige Leute/ sie verliessen sich auff ihre Guͤter/ eigenen Arm/ Gluͤckseligkeit ꝛc. dachten nicht/ daß die Suͤnde ein so groß Ding sey/ daß um sie der Jehova leyden muͤßte/ insonderheit/ daß sie an den versproche- nen Weibes-Saamen nicht geglaubt/ mit wahrer Buß sich zu demselben nicht geschickt/ Jhn nicht erkant/ nicht angenommen/ ohne Zweiffel hat es in der Suͤndflut auch viel Desperan ten gegeben/ die dem Cain sein Wort abge- Die Zwoͤlffte abgelehnt: Meine Suͤnde seind groͤsser/ denn daß sie mir koͤnnen verge- ben werden/ da Er doch fuͤr sie gestorben/ und sein Blut fuͤr sie vergossen. Darauß leicht zu erachten/ wie den verdamten Seelen damal muß zu muth gewesen seyn. O daß wir/ haben sie ohne Zweiffel gedacht/ nur eine Viertelstund haben moͤchten in jener Welt! O daß wir nur eine einige Evangelische Predigt noch hoͤren koͤnten! Aber es wird ihnen nicht mehr so gut. Wollen nun wir diese Traur- und Hoͤllen-Predigt nicht erfahren/ so lasset uns mit glaubiger Devotion hoͤren/ die Evangelische Valet-Pre- digt/ die Christus seinen Juͤngern und uns gethan/ ein Predigt nicht von Donner und Blitz/ Hoͤll und Tod/ sondern Trost und Himmel/ wie Er sein Blut fuͤr uns vergossen zu Vergebung der Suͤnden. Verfaßt in de- nen Worten/ Trincket/ das ist mein Blut/ welches fuͤr euch und fuͤr viel vergossen wird. Darinnen er die subjecta traditi corporis \& effusi sanguinis anzeigt: Jst auch ein hoch-nothwendiger Umstand/ so keines wegs zu uͤbersehen und zu uͤberhupffen. Hievon zu reden zu GOttes Ehr und unserer Erbauung/ wolle Gott seines H. Geistes Gnad von oben reichlich senden und mittheilen. Amen. G Eliebte in Christo. So ist nun die Frage/ Wer diese fuͤr euch/ und diese viel seyen? dann dieweil der Herr nicht sagt/ fuͤr alle/ moͤchte sich ein angefochtenes Hertz außschliessen/ oder dafuͤr halten/ es gehe allein auff die Außerwehlten/ allermassen wie diesen Funcken des Unglaubens die Zwinglianer auffgeblafen/ und (daß man nicht abermal sage/ es waͤre eine Calumnia ) namentlich Pareus in h. l. Matth. 26. Multis intelligit omnes credentes in Christum, durch die viele verstehet er alle Glaubige in Christum. Piscator ad l. cit. Fuͤr viel/ nemlich/ fuͤr alle Außerwehlte/ die ihm vom Vater gegeben sind/ fuͤr welche er hat gebetten/ da er sein Opf- fer thun wolte/ und Joh. 17/ 20. in der sechsten Lehr schreibt er also: Weil Christus/ dn Er sich seinem Vater auffopffern wolte/ nicht fuͤr die Welt/ das ist/ die Verworffenen/ sondern allein fuͤr die/ welche ihm sein Vater gegeben/ das ist/ fuͤr die Auß- erwehlten/ gebetten: so folget/ daß er auch allein fuͤr die Auß- erwehlten gestorben/ als von welchen er auch allein redet/ v. 19. Derowegen da 1. Tim. 2/ 6. gesagt wird/ Christus habe sich ge- geben fuͤr alle zur Erloͤsung. Und 1. Joh. 2. v. 2. Er seye die Versoͤhnung fuͤr die Suͤnde der gantzen Welt/ ist zu wissen/ daß Predigt. daß diese und dergleichen Spruͤche allein von den Außerwehl- ten zu verstehen seyen/ sintemal der H. Geist/ so durch die Apo- stel geredet/ dem Herꝛn Christo nicht widerspricht/ v. 9. und 20. Anderer Autoren zu geschweigen. Und diß ist eigentlich die Quell der Lehre von Außschliessung der Unwuͤrdigen. Daß aber diese Meynung falsch/ und im gegenthetl wahr/ daß Christus seinen Leib fuͤr alle dahin gegeben/ und sein Blut fuͤr alle vergossen/ universalitate temporis, nicht nur fuͤr die damal lebende/ sondern auch fuͤr Abraham/ David/ His- kiam/ ꝛc. Sintemal Christus gestern und heut/ und derselbe in Ewig- keit/ Er ist das Lamm/ das erwuͤrget ist von Anfang der Welt. Wie ein Schuld-Glaubiger den Schuldner auß den Banden/ in Ansehen des Buͤrgen/ auff freyen Fuß stellet/ ob schon die Geld-Summa wuͤrcklich noch niche erlegt: also hat Christus unser Buͤrg solchen Credit bey sei- nem Vater/ daß sein Verdienst so wol fuͤr sich/ als hinder sich gilt/ uni- versalitate loci, nicht nur fuͤr die Anwesende/ sondern τοὺς μακρὰν ὄντας, so noch ferne sind/ universalitate subjecti, auch fuͤr die verlohrnen/ Cain/ Achitophel/ Judam/ beweisen wir auß nachfolgenden Fundamenten. 1. Per thesin, daß Er fuͤr alle Menschen/ niemand außgeschlossen/ sein Blut vergossen/ das erscheinet 1. ex clara litera institutionis, auß dem Wort: das fuͤr euch vergossen wird/ nicht Troͤpffel- oder Loͤffel- sondern Scheffel-weiß/ es ist gleichsam die Suͤndflut des Neuen Testa- ments/ welche uͤber allen lebendigen Athem ergangen/ waͤren so viel Mil- lion tauseud Menschen uͤbergangen worden/ so haͤtte die Schrifft ja ir- gend Tham̃ und Riegel gesetzt/ welches aber nicht geschehen. Auß dem Befehl Christi/ Trinckt alle darauß/ da Er dann mit seinen Aposteln geredt/ nicht tanquam Apostolis, wie Matth. 28. sondern als Juͤngern/ da es geheissen/ was ich euch sage/ das sage ich allen. Marc. 13. 2. Ex clarâ τοῦ πολλῶν expositione, dann wann der Herr Matth. 20/ 28. sagt: Des Menschen Sohn ist nicht kommen/ daß Er ihm dienen lasse/ sondern daß Er diene/ und gebe sein Leben zu einer Erloͤsung fuͤr VJELE/ so erklaͤrets Paulus also/ 1. Tim. 2, 6. GOtt wil/ daß Allen Menschen geholffen werde/ und zur Erkantnuß der Warheit kommen/ denn es ist ein GOtt und ein Mittler zwi- schen GOtt und den Menschen/ nemlich der Mensch Christus JEsus/ der sich selbst gegeben hat fuͤr Alle zur Erloͤsung: nicht nur fuͤr allerley/ als welches dem Zweck des H. Apostels zuwider/ der wil/ daß man auch fuͤr Neronem beten solle/ ob er schon ein reprobus. Neunter Theil. O o Und Die Zwoͤlffte Und wann Paulus Rom. 5, 15. schreibet: So an eines Suͤnde viel gestorben sind/ so ist vielmehr GOttes Gnade und Gabe vie- len reichlich wiederfahren/ durch JEsum Christ/ der der einige Mensch in Gnaden war/ so sagt er gleich darauff: Wie nun durch eines Suͤnde die Verdamnuß uͤber alle Menschen kommen ist/ also ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens uͤber alle Menschen kommen. 3. Ex analogia fidei, und der Glaubens-Regul/ Joh. 3, 16. sagt Christus: GOtt habe die Welt geliebet/ daß Er seinen eingebohrnen Sohn gab/ auff daß alle/ die an Jhn glauben/ nicht verlohren werden/ ꝛc. Waͤre hie die Welt so viel als die Außerwehlten/ so muͤßte folgen/ daß auch etliche von den Außerwehlten verlohren wuͤrden/ quod absurdum. 1. Joh. 2, 2. stehet: Christus ist die Versoͤhnung nicht nur fuͤr un- sere/ sondern fuͤr der gantzen Welt Suͤnde/ das ist/ nicht allein der glaubigen Juden/ an die er geschrieben/ 1. Joh. 5, 13. Solches habe ich euch geschrieben/ die ihr glaubet an den Namen des Sohns GOttes/ auff daß ihr wisset/ daß ihr daß ewige Leben habt/ und daß ihr glaubet an den Nahmen des Sohns GOttes. Sondern auch der uͤbrigen Juden und Heyden/ die nicht glauben an den Nahmen des Sohns GOttes. Esaiaͤ Bekantnuß ( Esa. 53, 6. Er ist um unserer Missethat willen verwundet/ und um unserer Suͤnde willen zuschlagen/ die Straffe ligt auff Jhm/ auff daß wir Friede haͤtten/ und durch seine Wunden sind wir ge- heilet. ) ist aller Menschen Bekantnuß/ wie auch sein Mund aller Men- schen Mund/ wann er v. 7. sagt: Wir giengen alle in der Jrre wie Schaafe/ ein jeglicher sahe auff seinen Weg. 4. Ex scopo Christi consolatorio \& beneficiario. Christus wil troͤsten biß ans Ende der Welt/ wann nun ein eintziger waͤre excip irt und außgeschlos- sen gewesen/ so koͤnte niemand froͤlich assumi ren/ sondern es wuͤrde auch da heissen: Herr bin ichs? Dann ex particularibus nihil sequitur. Jam beneficia latissimè sunt explicanda. Es sprechen die Juristen: Beneficium, quod à divina Imper. indulgentia proficiscitur, quàm ple- nissimè interpretari debemus. Warum wollen wir dann der Goͤttli- chen Guͤtigkeit einen Riegel und Damm vorschieben/ und sie ohne Noth in die Enge ziehen. II. Per ὄρσιν, daß nemlich die Bona testamentaria, die Testaments- Guͤter nicht die Außerwehlten allein angehen/ erhellet 1. auß dem Wort viel: Fuͤr welche der Leib Christi gegeben/ und sein Blut vergossen wor- den/ Predigt. den/ sind viel und nicht wenig. Aber die Außerwehlten sind wenig. E. Wir nemmen hier billig dem Goliath sein Schwerdt/ und schlagen ihn damit: Fuͤr viel/ spricht er/ E. nicht fuͤr alle/ sondern allein fuͤr die Außer- wehlten. Contrà, fuͤr viel/ E. nicht allein fuͤr die Außerwehlten/ dann die seind nicht viel. Eben mit diesem Wort hat der Herr dem Calvi- nischen Jrꝛthum wollen fuͤrbauen. 2. Ex justitiæ divinæ ratione. Ge- wiß ists/ daß Gott niemand unbillig verdammet/ und ob Er zwar ein Herr ist Leibs und der Seel/ so schertzt Er doch nicht mit dem Menschen. So nun Christus allein fuͤr die Außerwehlten gestorben waͤre/ und nicht auch fuͤr die Verdam̃ten/ die nicht glauben sollen/ daß Christus fuͤr sie gestorben/ so waͤren sie unrecht verdam̃t/ und haͤtte ihnen Christus ver- geblich in der Hoͤllen gepredigt. Denn entweder haben sie geglaubt/ Christus seye fuͤr sie gestorben/ und so war ihr Glaub falsch: oder sie ha- bens nicht geglaubt/ so haben sie ja recht gethan/ und werden deßwegen unbillig verdam̃t. Gleichwie wann einer ein allgemeine Steur außthei- let/ machte aber ein Absonderung derer/ denen er sie nicht wolte wieder- fahren lassen/ und wolte gleichwol sie justificiren/ daß sie die Steur nicht angenommen/ waͤre es nicht die groͤste und ungerechteste Unbilligkeit? 3. Ex absurdo, ists wahr/ das Christus allein sein Blut vergossen fuͤr die Außerwehlten/ so begehet der Diener so offt eine Lugen/ als offt er zu ei- nem reprobo sagt: das ist das Blut fuͤr dich vergossen. 4. Ab evidenti exemplo, nicht allein der Creutziger Christi/ fuͤr welche er seine Hoheprie- sterliche Fuͤrbitt eingelegt/ Vater vergib ihnen/ sondern auch Judaͤ/ dann daß Christus in Außspendung des Abendmahls nicht nur sein lie- bes Schooß-Kind Johannem gemeynt/ sondern auch Judam τὸν υίὸν τῆς ἀϖωλείαο, stehet klar/ Marc. 14/ 23. Er nam den Kelch/ und dancket/ und gab ihn den/ und sie truncken alle darauß. Ja sprichst du/ Judas war damal nicht fuͤrhanden. Antwort/ ich geschweige/ daß es Calvinus selbs bejachzet lib. 4. Instit. cap. 17. §. 34. so stehet ja klar bey Luca alsobald auff die Wort der Einsetzung des H. Abendmahls. Luc. 22, 21, Doch siehe die Hand meines Verraͤthers ist mit mir uͤber Tisch. Sprichstu/ Judas habe den Bissen empfangen/ ehe und dann das Abendmahl eingesetzt worden/ dann wie Matth. 26, 23. conf. Johan. 13, 26. gemeldet wird/ ist er nach dem Bissen ἐυϑέως, alsobald hinauß ge- gangen. Antwort/ das Wort ἐυϑέως ist cum aliqua mora anzunem- men/ auff gleiche weiß/ wie Marc. 1, 12. Es geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn/ an dem ich wolgefallen habe/ und O o ij bald Die Zwoͤlffte bald (ἐυϑὺς) trieb ihn der Geist in die Wuͤsten. Massen Johannes daselbst sagt/ es seye Nacht geweßt/ da Judas hinauß gegangen/ nun aber ist auff den Abend/ ehe die Sonne untergangen/ zwischen 3. und 5. Uhr das Oster-Lamm allbereit genossen worden. Und was von Juda wahr/ ist auch wahr vom unbußfertigen Schaͤcher/ Juliano, von Spie- râ \&c. Ideò nec proditurum debuit præterire, ut adverterent omnes, quod in electione proditoris sui, servandorum omnium insigne præ- tendit. Ambros. lib. de Paradis. c. 8. Jst ein Zeichen einer gantz unauß- sprechlichen Langmuth GOttes. Ja/ sprichstu/ was ists vonnoͤthen/ daß wir den Verdam̃ten das Wort thun/ was gehen uns die reprobi an/ was bekuͤmmern wir uns um sie? Antwort: Jst eben eine Rede/ wie die Hohepriester zu Juda gesagt/ da siehe du zu/ was gehet es uns an. Es ist nicht um sie/ sondern um uns zu thun/ dann so das Blut nicht fuͤr alle vergossen/ wie wil sich der Außerwehlte damit troͤsten/ alsdann/ wann er in graves paroxysmos tentationum, in Ohnmacht des Glaubens/ und defect der wuͤrcklichen Empfindung dessen gerath/ wie Franciscus Spie- ra, der sich beduncken ließ/ er haͤtte in den H. Geist gesuͤndiget: laßt man einen solchen Menschen trostloß liegen/ das waͤre wider die Christliche Liebe/ die alles hofft/ vielleicht kan er noch in der letsten Stund auffgerich- tet werden. Troͤstet man ihn aber/ so hat man ja kein Fundament/ der effectus der kraͤfftigen Vocation erzeigt sich nicht/ deest promissio \& si- gnum vocationis. Ob jic irt ein Calvinist/ es geschehe ihnen Gewalt und unrecht/ sie gestehen gern sufficientiam, wiewol nicht efficientiam. Christus ( ita Theoph. Neuberger Post. p. 601.) ist fuͤr alle Men- schen/ und fuͤr der gantzen Welt Suͤnde gestorben/ was an- langt die sufficientiam und Vollkommenheit seines Tods/ und desselben Wuͤrde und Guͤltigkett/ welche dermassen vollkom- men ist/ daß sein Tod und Verdienst eine gnugsame Bezah- lung fuͤr aller und jeder Menschen Suͤnde der gantzen Welt waͤre/ wann auch die Welt gleich vielmal groͤsser waͤre/ so nur die Menschen rechtschaffen glaubten/ und durch solchen Glau- ben das Verdienst Christi ihnen zueigneten. Um welcher Vollkommenheit des Verdiensts Christi willen/ auch die all- gemeinen Verheissungen des Evangelii/ und die Predigt der Busse allerley Voͤlckern und Leuten vorgehalten: und hinge- gen der Zorn GOttes gedraͤuet wird allen denen/ die solche Predigt durch Unglauben außschlagen. Was aber die effica- ciam, Predigt. ciam, Krafft und Wuͤrckung des Todes Christi anlangt/ so fern ist Christus allein fuͤr die Außerwehlten gestorben: Als welchen der Tod Christi/ und die dardurch erworbene Wol- thaten kraͤfftig applic irt und zugeeignet werden/ daß sie dersel- ben wuͤrcklich geniessen/ und dardurch ewig leben moͤgen. Welches dann die H. Goͤttliche Schrifft genugsam bestaͤti- get/ wann sie in solchem Verstande spricht: Christus sey ge- storben/ und habe sein Blut vergossen fuͤr viele/ nemlich fuͤr seine Schaafe/ wie Christus redet: Fuͤr seine Kirch und Ge- meine/ wie Paulus sagt: Ja fuͤr die/ so ihme dem Herꝛn Chri- sto vom Vater seind gegeben worden/ welches seind allein die Außerwehlten; unter welche Paulus sich rechnet/ wann er sagt: GOtt hat seines eigenen Sohns nicht verschonet/ son- dern hat Jhn fuͤr uns alle dahin gegeben. Nicht sagt er/ fuͤr alle ohne Unterscheid/ sondern fuͤr uns alle/ verstehend da- durch die Außerwehlte Glaubige/ als welche der Krafft und Wuͤrckung des Todes Christi allein theilhafftig werden. Pareus in Iren. c. 28. p. 243. Communem cum Augustino defensionem nos habemus. Quod ad magnitudinem \& potentiam precii attinet, sanguis Christi est redemtio totius mundi. Sed qui hoc seculum sine fide pertranseunt, redemtionis alieni sunt. Cur sic pertransire à Deo sinantur, occulta causa est, injusta esse non potest. \& pag. 245. Agno- scimus ergò hoc dogma nostrum esse, quia est Catholicum, ( scilicet Catholicum de non Catholico Salvatore .) \& quia contrarium dogma: Christum esse mortuum, tum quoad efficaciam, quàm quoad sufficien- tiam λύτρου, non pro solis electis, fidelibus, salvandis, sed etiam pro re- probis, infidelibus, damnatis \& damnandis, est manifestè falsum \& impium. Jst eben als spraͤche ich zu einem armen Gefangenen in der Tuͤrckey: Teutschland hat wol so viel Gold und noch mehr/ daß du dar- durch koͤntest rantzioniret werden/ erlegte ich aber die Rantzion nicht fuͤr ihn/ so waͤre es ein leidiger Trost. So/ hoͤre ich wol/ hat Christus sein Blut vergossen fuͤr die jenige/ die allbereit in der Hoͤllen waren/ Core/ Dathan/ Abiram und andere/ so haben sie auch Hoffnung gehabt ihrer Erloͤsung. σκληρὸς λόγος, das scheinet zumal hart. Antwort: Ja freylich/ nicht als ob es muͤglich/ daß/ nachdem sie in die Hoͤlle kommen/ haͤtten wieder erloͤßt koͤnnen werden/ sondern sufficit olim potuisse, und darum hat er ihnen auch geprediget in der Hoͤlle/ und wird dir also auch O o iij predi- Die Zwoͤlffte predigen am Juͤngsten Tag/ wo du die Zeit deiner Heimsuchung versau- mest/ Unglauben ist keine kleine Suͤnde/ sondern die allergroͤste. Wird nicht auß Fuͤrwitz/ sondern zur nothwendigen Warnung auffgezeichnet/ daß wir an fremdem Schaden sollen witzig werden/ und ja nicht mit dem unglaubigen grossen Welt-Hauffen der Verdam̃nuß zulauffen. Wie dann leyder zuerbarmen/ daß Christus fuͤr alle Men- schen sein Blut vergossen/ aber der wenigste Theil dessen Frucht wuͤrck- lich genießt/ wieviel 100000. Mann sind in 22. Jahren auff dem Platz blieben/ fuͤr die Christus sein Blut vergossen: Ach wie wenig/ meynen wir wol/ sind davon selig worden: Ja wenig! und dasselbe wegen des Unglaubens und Unbußfertigkeit/ das laß dir/ du sicheres Welt-Kind/ gesagt seyn/ verlaß dich nicht darauff/ daß Christus fuͤr dich gestorben/ Er ist auch fuͤr Judas Jschkarioth gestorben/ er sagt auch zu dir/ wie zu Juda/ wann du zu gehest; Ach lieber Mensch/ heuchle mir nicht/ kuͤsse mich nicht wie Judas/ dann ich stehe da nicht nur als ein Heyland/ son- dern auch als ein Richter/ quantò præstantius est, quod contemnitur, tan ò majoribus, qui spernit, subjacet suppliciis. Cyrill. l. 11. in Johan. So viel edler als das jenige ist/ so man veracht/ so viel schwe- rerer Straff macht sich der Veraͤchter theilhafftig. Christus ist auch gestorben fuͤr die zur Zeit Noe/ aber er hat ihnen eine schroͤckliche Predigt gehalten/ mit deren wartet er auch noch auff dich: Gehe hin du Verfluchter/ non novi te. Derowegen suͤndige nicht/ sonst kom̃t das Blut Christi uͤber dich zur Rache/ wie uͤber die Juden. Dienet aber auch zum Trost/ der sich gruͤndet auff diese ϖληροφορίαν. Ob jemand suͤndiget/ so haben wir einen Fuͤrsprecher/ JEsum Christum/ der gerecht ist/ derselbe ist die Versoͤhnung fuͤr unsere und der gantzen Welt Suͤnde/ 1. Johan. 2, 2. Jst GOtt fuͤr uns/ wer wil wider uns seyn/ welcher auch seines eigenen Sohns nicht verschonet hat/ sondern fuͤr uns alle dahin gegeben/ wie solte Er uns mit ihm nicht alles schencken. Rom. 8. Laß dir alsdann das Echo nicht nemmen/ das Glaubens Wort fuͤr dich. Widersprich dem Calvinischen Jrꝛ-Geist/ und sage mit St. Paulo/ Christus hat mich geliebet/ und hat sich selbs fuͤr mich gegeben/ Gal. 2. ꝟ. ult. An dieser application ligt alles. Darum siehe Christum an mit Johannis Adlers Augen/ lege dich mit ihm in seinen Schvoß/ spatziere mit ihm in den Garten am Oelberg/ stehe unter das Creutz/ und schaue das Lamm an/ siehe durch alle Wunden und Striemen/ in die σπλάγχνα ἐλέους, seine Predigt. seine dornene Kron/ den gegeisselten Leichnam/ seine Band und Naͤgel/ seine außgespannete Arm/ das Wasser und Blut/ und sey starck wie der Schaͤcher wider alle Anfechtungen/ faß ein Hertz wie Joseph von Ari- mathia den Leib Christi außzubetten/ und denselben im Grab deines Her- tzens zu verwahren/ und seufftze mit August. inter brachia Salvatoris mei \& vivere \& mori cupio. Jn den Armen meines Heylandes wil ich leben und sterben. So wird das Blut Christi in uns werden ein Strohm/ der ins ewige Leben quillet. Jch wuͤnsche zum Beschluß der drey Blut-Predigten: das Blut Christi sey uͤber euch alle/ wie die Wolcken-Saͤule in der Wuͤsten uͤber den Kindern Jsrael/ und uͤber- schwemme euch alle wie die Suͤndflut/ es sey fuͤr euch alle/ als das Blut/ das besser schreyet/ als das Blut Abels. Es sey mit euch allen in der letsten Todes-Fahrt/ daß ihr mit demselben/ als die Schaͤfflein Christi/ gezeichnet/ fuͤr euerm Blut-Braͤutigam angenehm erscheinen moͤget. Jhm sey fuͤr sein Blut und Tod Ehr und Preiß/ Lob und Danck/ jetzt und zu ewigen Zeiten. Amen. Die Dreyzehende Predigt/ Von Der Sacramentlichen Handlung Christi. G Eliebte in Christo. Wann Gregorius Nyssenus die Tragœdi und das traurige Spectacul/ so der liebe Jsaac auff dem Berg Moria gespielt/ bey sich erwegt/ bricht er in diese Wort auß: Vidi sæpius hujus descri- ptionis imaginem, \& sine lacrymis transire non potui. Jst ihme leichtlich zu glauben/ dann wer das Bild Jsaacs nicht mit groben Kalbs-Augen/ oder mit subtilen Mahler-Augen/ die nur auff die Kunst sehen/ sondern mit erleuchteten Augen ansiehet/ dem kom̃t mit sonderbarer Bewegung und Erbarmung des Hertzens vor 1. Isaac tentatus, wann sein betruͤbter Vater ihn anspricht/ und sagt: wie Josephus seine Wort fuͤhret Antiq. Judaic. l. 1. c. 14. Mein lieber Sohn/ Die Dreyzehende Sohn/ ich habe dich mit hertzlichem Verlangen von GOtt erbetten/ und nachdem du in diese Welt geboren/ mit grosser Sorg und Angst aufferzogen/ und nichts hoͤhers begert zu er- leben/ dann daß du zu deinem mannlichen Alter kommen/ und endlich alle meine hinterlassene Herꝛschafft erben moͤchtest. Dieweil es aber GOtt also wolgefallen hat/ daß ich dein Vater wuͤrde/ und derselbige nun auch wil/ daß ich dich Jhm wieder zustellen solle/ so schicke dich ritterlich zu diesem Opf- fer. Jch richte mich hierinnen nach GOtt/ der diese Ehre von uns/ die Er so gnaͤdiglich bißher erhalten und beschirmet hat/ erfordert und haben wil/ du bist mit dem Geding in die Welt gebohren/ daß du einmal sterben sollest/ so wirstu je nun nicht nach dem gemeinen Lauff der Welt dahin sterben/ son- dern von deinem leiblichen Vater/ dem Ewigen Vater auff- geopffert werden/ der dich/ wie zu glauben/ hoͤher geachtet hat/ dann daß du durch Kranckheit/ Krieg/ oder einen andern menschlichen Unfall/ dein Leben schliessen soltest/ sondern Er wil deinen Geist unter dem Gebet/ und zwischen seinem Got- tesdienst zu sich nemmen/ und bey Jhm behalten. Was das fuͤr eine bleiche Naß gegeben/ ist leichtlich zu erachten/ er war jung/ und wie Josephus meldet/ im 25. Jahr seines Alters/ da laßt sichs ungern sterben. Er war der eintzige Erb/ er hatte grosses Gut/ das soll er mit dem Rucken ansehen/ der greßliche Anblick des Todes schroͤcket ihn/ ja er darff auch wol in die Gedancken gerathen seyn/ er muͤsse sich hoch an Gott versuͤndiget haben/ daß er so eines gewaltsamen Todes vom Vater sterben muͤßte. Da wird freylich Geist und Fleisch gestritten und ge- zweiffelt haben/ obs auch GOttes Wort. Erbaͤrmlich II. Isaac obediens, wie er sich/ da der Vater ihme eine Opffer-Predigt gehalten/ daß er solte ein speculum und præludium des blutigen Leydens und Sterbens des He rꝛn Messiaͤ werden/ willig erge- ben/ auff das Opffer-Holtz/ das er zuvor auff seinem Rucken hinauff ge- tragen/ anbinden lassen/ seine Gurgel dargereicht/ und kein ungedultige Geberde von sich gegeben/ viel anders als Jephthaͤ Tochter/ die wolte zu- vor ihre Jungfrauschafft beweinen; dieser aber sagte: Er waͤre nicht werth/ daß ihn der Erdboden truͤge/ wann er sich entweder GOttes/ oder seines Vaters Willen widersetzen/ und sich nicht mit Lust ihrem Rath unterwerffen wolte. Joseph. l. cit. Ach Predigt. Ach wie viel weniger koͤnnen wir mit truckenen Augen ansehen den antitypum, das erhoͤhete Schlaͤnglein/ die gantze Passions-Tragoͤdi. Erbaͤrmlich Christus tentatus, da der Satan Jhm zugeruffen/ bist du GOttes Sohn/ so steige nun vom Creutz. Erbaͤrmlich war sein lucta Oliveti. Ach/ sagt er/ Luc. 12, 49. Jch bin kommen/ ein Feur an- zuzuͤnden auff Erden/ was wolte ich lieber/ denn es brennete schon. Aber ich muß mich zuvor tauffen lassen mit einer Tauffe/ und wie ist mir so bange/ biß sie vollendet werde. Erbaͤrmlich Christus obediens, der Sohn dem Vater gehorsam war/ wie ein Schaͤflein/ das zur Schlachtbanck gefuͤhret wird/ das seinen Mund nicht auffthut/ und verstummet fuͤr seinem Scherer/ daher als die Weiber ihm gefolgt/ und sein schmertzliches Leyden beweinet/ sagte er: Weinet nicht uͤber mich. Sonderlich ist klaͤglich seine Letze/ die Er mit seinen Juͤngern gehalten. Klaͤglich sein Gespraͤch: Mich hat hertz- lich verlanget/ diß Oster-Lamm mit euch zu essen/ ehe denn ich leyde/ denn ich sage euch/ daß Jch hinfort nicht mehr davon essen werde/ biß daß erfuͤllet werde im Reich GOttes. Luc. 22, 15. 16. Sein Fuß-waͤschen und Schurtz-guͤrten/ seine Betruͤbnuß im Geist. Warlich/ ich sage euch/ einer unter euch wird mich ver- rathen/ des Menschen Sohn gehet zwar dahin/ wie von Jhm geschrieben stehet/ doch wehe dem Menschen/ durch welchen des Menschen Sohn verrathen wird/ es waͤre ihm besser/ daß derselbe Mensch noch nie gebohren waͤre. Matth. 26, 24. Sein Vaticinium von Petro/ in dieser Nacht/ ehe der Hahn zweymal kraͤhet/ wirstu mich dreymal verlaͤugnen. ꝟ. 34. Erbaͤrmlich ex- trelnum sui amoris pignus, da er den Abgrund seiner Liebe geoͤffnet/ und dieselbe in vollen Flammen gestanden/ wann Er seinen Juͤngern seinen Leib zu einer Speiß/ und sein Blut zu einem Tranck gegeben. Ein stei- nern Hertz solte es bewegt haben/ und sonderlich Judam/ den Er so treu- lich erinnert: Das kunte ihm nun niemand vor- oder nachthun. Freun- de lassen wol das Leben fuͤr einander/ Jsaac wolte sich lassen opffern/ aber Leib und Blut zu schencken und zu geben/ und recht das Hertz im Leib mitzutheilen/ uͤbersteigt Menschen Vermoͤgen. Wir wollen uns aber- mal fuͤr diese Tafel stellen/ dignum DEO spectaculum zu betrachten/ und nachdem wir den Hospitem mit allen Umstaͤnden/ deßgleichen Tra- ctamenta \& adjuncta sacramentalia erwogen/ wollen wir nun Achtung geben auff die actus sacramentales, auff seiten Christi/ und zwar actus ministros \& præparatorios λῆψιν κιὶ κλάσιν, und dann actus essentiales, Neunter Theil. P p ἐυχα- Die Dreyzehende ἐυχαριϛίαν καὶ δόσιν. Lauter Liebes-Werck/ die Christliche Hertzen ohne suͤsse Liebes-Thraͤnen nicht anschauen koͤnnen. Du suͤsse Liebe schenck uns deine Gunst/ laß uns empfinden der Liebe Brunst/ hie Vorschmacks- weiß dort in voͤlligem Genuß. Amen. G Eliebte in Christo. So sagen nun die H. Evangeli- sten also: Der HErꝛ JEsus nam das Brod/ dancket/ brachs/ und gabs seinen Juͤngern. Wir wollen diese actus in ihrer Ordnung besehen. Der erste ist Λῆψις. Er nam das Brod in seine heilige Hand/ nachdem der vorige Tisch auffgehaben wor- den/ etwas sonders zu stifften und anzufangen/ ausser Zweiffel haben die Juͤnger fleissig zugeschauet/ was das werde werden. Er nam es als ein gemeines Brod/ das suͤsse Brod/ so auff dem Tisch liegen blieben/ so dann auch den Kelch/ in seine Hand. II. Ἐυχαριϛία. ἐυλογἠσας ἔκλαοε, καὶ ἐυχαριϛήσας, ἔδωκεν, Er dancket und brachs/ Er dancket und gabs/ und also ἐυχαριϛία ἐυλογικὴ, καὶ ἐυλογία ἐυχαριϛικὴ, wie die Evangelisten und Paulus beydes bezeugen. Ausser Zweiffel hat Er seine Augen gen Himmel auffgeho- ben/ wie geschehen Matth. 14, 19. und seinem himmlischen Vater gedan- cket/ fuͤr die Goͤttliche und himmlische Macht und Gewalt/ auch nach seiner Menschheit Sacramenta zu stifften/ Er dorffte Gott nicht aller- erst darum anruffen/ wie andere ϑαυματοῦργοι, es war Jhm allbereit diese Majestaͤt und Herꝛligkeit im ersten Augenblick seiner Empfaͤngnuß/ Krafft der Persoͤnlichen Vereinigung/ mitgetheilet worden; Gedancket fuͤr den ewigen Rath/ Vater ists dein Will/ so wil ich ein ungleichliches Liebes-Zeichen erweisen. ἐυλογία ἁγιαϛικὴ, dadurch Er das Brod und den Wein von dem gemeinen Gebrauch erhoben/ und zu heiligen Sym- bolis und Zeichen gemacht/ mit welchen sein Leib und Blut Sacrament- licher weiß solte vereiniget werden. ἐυλογία ἐνεργητικὴ, Krafft welcher noch heutiges Tages im Sacramentlichen Gebrauch der Leib und Blut Christi mit Brod und Wein außgespendet wird. Gleichwie der Segen/ den Gott in der ersten Schoͤpffung gesprochen/ noch so kraͤfftig/ daß da- von die gantzo Natur und Creatur wachset und sich vermehret/ anders nicht/ als waͤre er allererst frisch in dieselbe geleget worden: Also ergeußt sich der Segen/ den Christus in der ersten Stifftung gesprochen/ noch heutiges Tags in unsere dispensation, wann die consecration geschicht per verbum \& preces. 1. Tim. 4. und also nicht nur bloß historicè \& nar- rativè, Predigt. rativè, sondern apprecatoriè: Jn der Griechischen Liturgia beym Chry- sostomo stehen diese Wort: Ἐυλόγησον ὦ δέσποτα τὸν ἄγιον ἄρτον, ποίησον τὸν ἀρτον τοῦτον τίμιον σῶμα του Χριϛοῦ σου. Demnach war diese ἐυλογία kein actus vulgaris, wie Er mehrmal zu thun pflegte/ Luc. 24, 30. Dann daß der Herr auch bey der gemeinen Mahlzeit das Brod gesegnet/ ist gewiß/ ob es schon die H. Evangelisten nicht melden/ daß sie aber dieser benediction, und zwar auch beym Kelch gedencken/ das war ein Ge- heimnuß. Auch nicht Consecratio Paschalis, Benedictus es Domine Deus noster, Rex universi, qui educis panem è terra. Nicht laudativa; dann die gehoͤret ins Macht-Reich/ den ersten Articul des Apostolischen Symboli, und in die vierte Bitt des Vater Unsers. Nicht von sonder- baren Ceremonien/ als haͤtte er das Creutz-Zeichen daruͤber gemacht/ wie Salmeron, oder in die 4. mundi plagas gewebt/ wie Burgensis gewolt/ Salmeron. Tom. 9. tract 12. Vel ipse, inquit, signum crucis fecit, vel nos, plus- quam ipse fecerit, facimus. Burgens. in c. 26. Matth. Benedixit signo ali- quo externo, ut manus impositione, vel panis elevatione, aut agitatione in formam crucis ad quatuor mundi pla g as, hodie postquàm crucis virtus pro- mulgata, nos benedicimus signo crucis, quia ex cruce omnis vis Sacramen- torum \& omnis nostra salus descendit. viel weniger magica, davon Biel, lect. 4. in can. missæ. da er sagt: Con- fectionem corporis in Sacramento fieri aliquâ occultâ virtute, non in- sistente ei, à quo fit, sed assistente: secundum quem modum malefici \& incantatrices quosdam effectus producere dicuntur, \& extrahere lac vaccinum de sedibus vel manubriis securium, quod non fit natura- li virtute maleficarum, neque ex earum merito, sed virtute occulta, sive malâ sive bonâ assistente. Am allerwenigsten destructiva panis per Transsubstantiationem, wie zwar im Pabstum abermal gelehret und vorgegeben wird; weil es aber ein solch Abentheur und Ungeheur/ auß welchem andere noch mehr entspringen/ ists wol werth/ daß wir das- selbe weitlaͤuffiger vortragen und examiniren. So wird demnach vorgegeben/ es werde/ so offt eine Meß gehalten und die consecration gesprochen wird/ die gantze Substantz des Brods annihil irt und vernichtet/ und darauff in die gantze Substantz des Leibs und Bluts Christi verwandelt/ also/ daß nichts mehr von dem Wesen des Brods und Weins uͤberbleibe/ als die blosen accidentia, das ist/ die Figur/ die Ruͤnde/ Gestalt/ Farb/ Geruch/ Geschmack und dergleichen. Die stehen da frey in der Lufft/ ohn einigen Hinderhalt/ oder Behelff/ gantz selbstaͤndig/ und steuren sich an nichts. Tria (ita Catech. Roman. P p ij ad Die Dreyzehende ad Paroch. p. m. 216.) enim sunt maximè admiranda atque suscipien- da, quæ in hoc sacramento verbis consecrationis effici, fides catholica sine ulla dubitatione credit, ac confitetur. Primum est, verum Chri- sti Domini corpus, illud idem, quod natum ex virgine, in cœlis sedet ad dextram Patris, hoc sacramento contineri. Alterum est, nullam in eo elementorum substantiam remanere: quamvis nihil magis à sensibus alienum \& remotum videri possit. Tertium est, quod ex utroque facilè colligitur, \& si verba consecrationis id maximè expri- munt, accidentia, quæ aut oculis cernuntur, aut aliis sensibus perci- piuntur, sine ulla re subjecta esse, mirâ quâdam atque inexplicabili ratione. Ac panis quidem \& vini accidentia omnia licet videre, quæ tamen nulli substantiæ inhærent, sed per ipsa constant: cum panis \& vini substantia in ipsum Domini corpus \& sanguinem ita mutetur, ut panis \& vini substantia ominò esse desinant. Das ist: Drey Stuck seind sehr wundersam und wol zu mercken/ so vermoͤg der Einsatzungs-Wort in diesem Sacrament geschehen und vorgehen/ welche die Catholische Kirch ohn einiges Wancken glaubet und bekennet. Das erste ist/ daß der Leib des HErꝛn Christi/ und zwar eben der Leib/ der von der Jungfrauen Maria gebohren/ und nun im Himmel zur Rechten GOttes des Vaters sitzet/ in diesem Sacrament enthalten werde. Das andere/ daß nichts voͤm Wesen der sichtbarn Elemen- ten/ wiewol nichts mehr widersinnisch zu seyn scheinet/ uͤbrig bleibe. Das dritte/ so auß beeden leichtlich fließt/ zumalen auch auß den Worten der Einsatzung erhellet/ daß die zufaͤl- lige Ding/ so entweder mit Augen gesehen/ oder von andern Sinnen gefaßt werden/ ohne einige Affenthalt/ da seyen/ auff eine wundersame und unaußsprechliche Weise: Also/ daß man zwar die zufaͤllige Ding des Brods und Weins alle se- hen koͤnne/ und dieselbe doch in keinem Wesen behangen/ son- dern fuͤr sich selbst bestehen: weil das Wesen des Brods und Weins in den wesentlichen Leib und Blut des HErꝛn Christi also verwandelt wird/ daß das Wesen des Brods und Weins gaͤntzlich auffgehaben werde. Und das alles geschehe in Krafft der Wort: Hoc est corpus meum. Das seyen verba practica, wie/ als Christus geruffen/ Lazare veni foràs, er alsobald lebendig worden/ also wann der Priester spreche: Das ist mein Leib/ so bald geschehe die Ver- Predigt. Verwandlung. Per verba enim (ait Corn. à Lapid. ad Esa. 7. p. 119.) consecrationis, verè \& realiter uti transsubstantiatur panis, ita produ- citur \& quasi generatur Christus in altari adeò potenter \& efficaciter, u e si Christus nec dum esset incarnatus, per hæc verba, hoc est corpus meum, incarnaretur, corpusque humanum assumeret, uti graves Theologi docent. Sacerdos est ergò quasi virgo Deipara, præsepe est altare, parvulus Emmanuel, quem parit, est Christus sub parvâ hostiâ, productus per virtutem Altissimi, \& per obumbrationem Spi- ritus Sancti. Das ist: Durch die Wort der Einsetzung wird warhafftig und thaͤtlich/ wie das Brod in ein ander Wesen verwandelt/ also auch Christus auff dem Altar auff die Welt gebracht/ und gleichsam gebohren/ so kraͤfftig und maͤchtig/ daß/ wann Christus dazumal noch nicht gebohren waͤre/ Er durch diese Wort/ das ist mein Leib/ eingefleischet wuͤrde/ und einen menschlichen Leib an sich nemme/ wie fuͤrnehme Lehrer der Kirchen dafuͤr halten. Jst derowegen der Priester gleich- sam eine Jungfrau und GOttes Gebaͤhrerin/ die Krippe ist der Altar/ das Kind ist Emmanuel/ der jenige/ den der Prie- ster gebaͤhret/ ist Christus unter einer kleinen Hostien/ und das alles durch die Krafft des Allerhoͤchsten und Uberschattung des H. Geistes. Dieweil aber dieses Geheimnuß schwer/ und wie der Roͤmische Catechismus berichtet/ p. 173. keiner so schwerlich kan außgeleget werden/ darum sie auch nicht ohne Ursach das Forschen und Gruͤbeln so hefftig verbieten/ und die Vernunfft wollen gefangen genom- men behalten; Jedoch haben sie allerhand Gleichnussen erdacht/ die Sach den Layen etlicher massen einzubilden. Salmeron brauchet das Gleichnuß vom Dagon/ der mußte der Lade des Bundes/ dem GOtt der Hebraͤer weichen. Schickt sich gar wol auff den Paͤbstischen Aber- glauben/ dann ja Brod zu einem Idolo panaceo worden. Andere fuͤh- ren ein das Exempel des Weibes Loth/ so in eine Saltz-Saͤul; des Stabs Mosis/ so in eine Schlang; des Wassers zu Cana/ so in Wein verwandelt worden. Bey welchen Similibus und Gleichnussen doch so viel dissimilia und Ungleichheiten mit unterlauffen/ daß sie die Sach nur mehr verwirren und verwicklen. Und das heissen sie mysterium, ein grosses Heiligthum im Pabstum. Darum wann die Wandlung geschicht/ so laͤutet man ein Gloͤcklein/ jederman zur devotion auffzu- muntern. P p iij Daß Die Dreyzehende Daß aber im Hochwuͤrdigen Sacrament/ nach der Stifftung und Ordnung Je su Christi dispensi rt und außgespendet/ keine Wandlung des Brods in den Leib Christi vorgehe/ das Brod in seiner Substantz und We- sen bleibe/ und nach der consecration, wie zuvor/ Brod Brod/ und Wein Wein seye/ und einem jeden Com̃unicanten der wahre Leib Christi/ unter und mit dem wesentlichen Brod/ das wahre Blut Christi unter und mit dem wesentlichen Wein com̃unicirt und mitgetheilet werde/ dasselbe ist klar und offenbar/ ja mit Sonnen-Strahlen gleichsam beschrieben/ 1. in den Worten der Einsatzung/ das ist mein Leib/ deren Wort eigentlicher/ na- tuͤrlicher und erster Verstand anders nicht seyn kan/ als in/ mit/ und unter dem gesegneten Brod ist der wahre Leib Christi/ gleichwie Gen. 32. 2. wann der Ertzvater Jacob auff sein Geleit/ die H. Engel/ dentend/ spricht: Ma- chane Elohim se, diß ist Gottes Heer. Wann die Tochter Pharao in ihrem Spatziergang auff das Kaͤstlein gerathet/ darinnen das feine Kind Moses gelegen und gesagt/ se mijalde hibrim, diß ist der Hebraͤischen Kindlein eines. Exod. 2, 6. Wann Petrus in seiner Heroischen Pfingst-Predigt/ auff seine und seiner Collegen schoͤne feurige Pfingst- Croͤnlein deutend/ spricht: Christus JEsus zur Rechten Go ttes erho- ben/ hat außgegossen diß/ was ihr sehet und hoͤret/ Act. 2, 33. Nie- mand solch Abentheur in die Gedancken kom̃en kan/ als waͤren die aͤusser- liche Coͤrper/ in denen die H. Engel erschienen/ das Kaͤstlein darinnen Moses gelegen/ das Pflngst-Feur/ so uͤber die Apostel außgegossen wor- den/ annihil irt/ vernichtet/ außgetilget/ verschwunden/ und in das Wesen der Engel/ des Mosis-Kinds/ und des H. Geistes verwandelt worden. Also koͤnnen ja keinem vernuͤnfftigen Menschen/ der seine Sinne/ Augen und Ohren in seiner Gewalt hat/ diese Gedancken beykommen/ als waͤre das Brod vernichtet/ und in den Leib Christi verwandelt. Es erhellet 2. è Commentario Apostolico, 1. Cor. 10. 16. Das Brod das wir bre- chen/ (nicht die Gestalt des Brods/ Schein/ Schatten oder Gespenst/ als welche nicht koͤnnen gebrochen werden) das ist/ außtheilen/ ist die Gemeinschafft des Leibs Christi. Nun aber ist keine Gemeinschafft ohne unter zwey wesentlichen/ einander gegenwaͤrtigen Dingen/ und wo eine solche Gemeinschafft/ da hat keine μετουσία und Verwandlung statt und platz. So wenig als man sagen kan von dem Wasser zu Cana/ dar- auß Christus den koͤstlichen Wein gemacht/ das Wasser ist die Gemein- schafft des Weins/ so wenig koͤnte auch der Apostel solches vom Sacra- mentlichen Brod sagen/ wann es in den Leib Christi verwandelt wuͤrde. 3. Ex Apostolica præventione, so geschickt ist der Teuffel nicht/ daß er ein einig Predigt. einig Unkraut sehen koͤnte/ die Sichel ist schon angezeigt/ und an die Hand gegeben/ dasselbe außzujaͤtten. Also auch hie/ St. Paulus 1. Cor. 11, 26. 27. nennet das Brod auch nach der consecration gar emphat isch/ Panem HUNC, so offt ihr von diesem Brod esset/ welcher unwuͤrdig von diesem Brod isset/ von welchem Er zuvor gesagt: ꝟ. 24. Nem̃et/ esset/ das ist mein Leib/ der fuͤr euch gebrochen wird. 4. E benedictio- nis natura, Christus hat das Brod gesegnet/ λα ὼν τὸν ἄρτον καὶ ἐυλογή- σας \&c. Matth. 26, 26.) wo aber Gott die Creatur segnet/ da wird sie in ihrem esse und Wesen erhalten. Da Gott Menschen und Vieh durch seinen Segen die immerwaͤhrende propagation eingepflantzet/ hat er die Natur nicht vertilget/ sondern durch dessen Krafft wird sie noch erhal- ten/ und vermehret sich immer fort und fort: allein der Fluch reisset die Natur um/ und machet sie zu nicht. Matth. 21, 19. 5. E sana ratione \& senius judicio. Dann es siehet ja das Aug Brod und Wein/ der Ge- ruch riechet beydes/ der Geschmack schmecket beydes/ man schmeckets und greiffts/ daß Brod und Wein fuͤrhanden/ wie kan und soll dann der Communicant sich bereden und verblenden lassen/ daß er was er fuͤhlet und greifft/ glauben soll/ es seye nichts/ und seine Vernunfft gefangen nemmen/ nicht unter dem Gehorsam Christi/ sondern Anti-Christi. Hæc veritas. Diesem allem nach so ist die Transsubstantiatio Pontificia und Brod-Wandlung 1. Excrementum Anti-Christianum, GOttes Wort/ Christi Einsatzung weiß nicht nur nichts hievon/ sondern hat auch solche schoͤne Bruth getoͤdtet/ ehe sie gebohren worden. Jn der uhralten reinen/ recht-Catholischen Kirchen hat man dergleichen niemalen geglaubt/ und ob wol etliche Spruͤche der Vaͤtter zum Schein mit Haaren herzu gezo- gen worden/ so moͤgen sie doch den Stich nicht halten. Es haben zwar die Patres ihre Phraseologias gehabt/ als μετα οληὺ, μετουσίαν, μετα ποίησιν, speciem, aber es habens hernach die Barbari nicht verstanden/ und ihren Brod-Goͤtzen damit bemaͤntelt/ da doch jene mehr nicht gemeint/ als eine βελτίωσιν der sichtbaren Elementen; dann sie bleiben bestaͤndig bey der Gleichnuß personalis unionis, und brauchen eben diese Wort de Sacra- mento Baptismi, wie dann auch also und in keinem andern Verstand/ nicht auß Forcht/ den Papisten zu heucheln/ die Wort der Augsp. Confes- sion zu verstehen/ Art. 10. Vom Abendmahl des HErꝛn wird also gelehret/ daß wahrer Leib und Blut Christi warhafftig unter der Gestalt Brods und Weins im H. Abendmahl gegenwaͤrtig seye/ verstehe specie corporali, unter einer leiblichen Gestalt/ auff welche weiß Die Dreyzehende weiß von dem H. Geist St. Lucas sagt c. 3, 22. Er fuhr hernider in leiblicher Gestalt auff Christum. confer Menz. Exeges. August. Confess. pag. 363. Lombardus der Meister von hohen Sinnen hat die- ses pomum eridos zu erst in die mitten geworffen l. 4. sentent. dist. 10. lit. D. und bestreiten wollen/ es werde das Wesen Brods und Weins veraͤndert/ nach ihm haben die Schul-Lehrer den Zanck-Ballen einander entgegen geworffen/ und sich so lang und viel daruͤber zerbalgt biß Anno 1215. in Concil. Lateran. von Pabst Innocentio III. solcher Jrꝛthum be- staͤttiget/ auff die Bein kommen und die gantze Bruth außgehecket wor- den. Jst also nicht alt/ wie sie verlogener weiß außgeben. Ab initio non erat sic. I nunc, \& jacta antiquam fidem. 2. Spectrum Anti-Christia- num, des Anti-Christs Gauckeley/ Abentheur und Verblendung/ da man den Leuten die Augen blendet/ und uͤberredet/ daß/ was sie schmaͤcken/ sehen und greiffen/ seye nichts. Es war dem Roͤmischen Pabst nicht gnug der blinde Gehorsam/ und Kelch-Raub/ sondern es kom̃t noch darzu sensuum fascinum, der Lay muß mit sehenden Augen blind seyn. Heißt das nicht geblendet/ und wahr gemacht/ was stehet bey Esa. 6, 9. Gehe hin/ und sprich zu diesem Volck/ hoͤrets und verstehets nicht/ sehet und merckets nicht. Verstocke das Hertz dieses Volcks/ und laß ihre Ohren dicke seyn/ und blende ihre Augen/ daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hoͤren mit ihren Ohren/ noch verstehen mit ihrem Hertzen/ und sich bekehren und genesen. Wiewol koͤnnen wir mit St. Paulo sagen: O Galatæ ἀνόητοι. O ihr unverstaͤndigen Galater (Roͤmer/) τίς ὑμᾶς ἐ άσκηνε, wer hat euch bezaubert/ daß ihr der Warheit nicht gehorchet? Gal. 3, 1. Zu welcher Verblendung auch gehoͤren die miracula, damit sie ( Bezovius, Thyræus, Delrio, Drexelius, Bresserus ) prangen/ wie nemlich manch- mal der gesegnete Wein in Blut verwandelt worden/ das Brod in Stein/ offtmal hab man an statt der Hostien ein rohes Fleisch gesehen/ daß/ wann man sie mit einem Messer auffgeschnitten/ oder durchsto- chen/ Blut herauß gespruͤtzt/ ja in der Auffhebung der Hostien habe mancher Phantast ein kleines zartes Knaͤblein gesehen/ (grad als wann Christus noch ein kleines und junges Knaͤblein waͤre) damit die Un- glaubigen zu uͤberzeugen/ wie dann davon gantze Catalogi miraculorum, oder Wunder-Register fuͤrhanden. Jst aber alles suspect und arg- woͤhnisch/ ja es seind solche die rechte Klauen/ dabey man den hoͤllischen Loͤwen erkennen kan/ eben damit sie ihrem Greuel ein Ansehen machen wollen/ damit verrathen sie sich. Dann entweder ist solches Blut das wahre Predigt. wahre Blut Christi geweßt/ solch Fleisch und junges Knaͤblein ipsissi- mus Christus, Christus selbst/ oder nicht; Jst ers nicht/ so thut sich die Idololatria herfuͤr/ und der abgoͤttische Teuffel/ indem sie solche Heilig- thum zeigen und anbetten cultu lipsanolatrico, und ist der Sache nicht geholffen/ wann man sagt/ coli, quia miraculosa, man thue ihnen solche Ehre an/ weil solche herꝛliche Wunder dabey vorgegangen. Thyræus ihr eigener Prophet beschlaͤgt sie wol/ sic \& serpens fuisset adorandus, in quem virga Mosis mutata, auff diese weiß haͤtte man auch die Schlang muͤssen anbetten/ in welche Mosis Stab verwandelt worden. Jst es aber der wahre Leib und Blut Christi gewesen/ so thut sich herfuͤr spiritus blasphemiæ, der da glaubet/ Christi Leib koͤnne verwundet und gestochen werden; dann sie bekennen/ daß solche hostia sey vexata, laniata, cruen- tata, affixa, conculcata pedibus dæmoniacis, und hilfft sie Christi συγ- κατα ασις nicht/ dann Er laßt jetzt den Passion nicht mehr mit Jhm spie- len/ Er ist nun in seine Herꝛligkeit eingegangen/ und herꝛschet mitten un- ter seinen Feinden/ Psalm. 110. 3. Spectrum monstrosum, wegen der schroͤcklichen/ abscheulichen/ aͤrgerlichen und unvermeidentlichen Conse- quenti en/ so darauß gefolget/ und den Schul-Lehrern den Kopff gebro- chen. So lang die species waͤhrt/ so lang waͤhret die præsen tz/ das ist auß- gemacht/ daher kan nun der Leib Christi mit leiblichen Fuͤssen getretten/ Strada lib. 5. bell. Belg. p. 216. In Antverpia Iconomachi etiam ausi in Sacram panis cœlestis arcam inferre pollutas manus, detractum in Sacrosanctum Domini corpus, adoratum illud formidatumque cœlitibus Numen pedibus subjiciunt mortales impurissimi. in alvum transmitt irt/ ja ein Mauß oder ein Hund/ so eine hostiam isset und hinab schlucket/ des Leibs und Bluts Christi theilhafftig werden/ und wie/ wann ein Priester auß eckel und κακοϛομαχίᾳ, die hostiam evo- m irt und außspeyet? Wann auß der beygesetzten Hostien Wuͤrme wach- sen/ und der Wein zu Essig wird? Was werden fuͤr schoͤne Sachen her- auß kommen. Darum ist hie wahr/ was Christus sagt Matth. 7, 16. Kan man auch Trauben lesen von den Dornen/ oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gu- te Fruͤchte. Aber ein fauler Baum bringet arge Fruͤchte. III. Κλάσις, fractio. Er brach das Brod/ sagen die H. Evan- gelisten/ 1. judaicè, nemlich nach Juͤdischer Gewonheit/ dann sie/ wie Ba- ronius ad ann. 58. berichtet/ panes bucellatos \& lineatos, gehabt die Neunter Theil. Q q man Die Dreyzehende man leichtlich/ ohne Verzettelung der Brosamen mit der Hand brechen mocht. 2. Organicè præparatoriè, damit es zur vorhabenden Außthei- lung geschickt sey. Jst M. L. heutiges Tages indifferens, weder gebot- ten/ noch verbotten/ wie es dann auch in der ersten Kirch frey geweßt. Etliche orientales schnitten das Brod sacrâ lanceâ, λόγχῃ, in welcher Freyheit wir auch stehen/ und lassen uns davon nicht abtreiben/ nach der Vermahnung Pauli Galat. 5, 1. So bestehet nun in der Freyheit/ damit uns Christus befreyet hat/ und lasset euch nicht wieder- um in das knechtische Joch fangen. Ob wir gleich daruͤber als hartnaͤckige Zaͤnck er nnd Friedenstoͤhrer vom Gegentheil außgeruffen werden. Wann sie/ die Zwinglianer/ es frey liessen/ oder nur so fern noth- wendig hielten/ daß man auch ausser dem actu sacramentali die massam zertheilen/ und hernach brechen und außtheilen moͤcht/ wolten wir bald eines seyn; aber sie greiffen uns unsere Freyheit an/ sie haltens fuͤr so noͤthig/ als essential, ohn welche das Sacrament gestuͤmmelt ist. Fractio panis est de essentia \& forma cœnæ Dominicæ, Polan. l. 6. c. 56. Das Brod-brechen gehoͤret zum Wesen und Form des heiligen Abendmahls. Fractio panis non est indifferens, sed necessaria cere- monia, \& proinde intermitti nunquam debet. Alting. in Syllab. con- trovers. Die Brechung des Brods ist kein frey Mittelding/ sondern eine nothwendige Ceremoni/ und daher kan sie niema- len unterlassen werden. Aber es seind wol Mucken-Saͤuger und Cameel-Verschlucker/ die ihnen in geringen Sachen ein Gewissen ma- chen/ unterdessen die groͤsten und wichtigsten Stuck nicht achten. Wir weichen ihnen hierinnen keinen Fingers breit/ auch nicht ein Augenblick/ und sagen/ es seye ein indifferens, der Noth-Zwang koͤnne mit keinem be- staͤndigen Grund der Warheit erhaͤrtet werden. Nun es wil doch gleichwol dieser Geist nicht bloß stehen/ er hat seine rationes, darauff er fußet/ wir wollen sie auff die Waag legen. Die 1. ist Mandatum Christi, was Christus im H. Abendmahl gethan/ das seind wir zu thun auch verpflichtet. Christi actio nostra institutio. Nun hat Er das Brod gebrochen/ E. 2. Auctoritas Ecclesiæ und Ansehen der Apostolischen Kirchen/ welche diesen Brauch des Brod-brechens also fest und genau gehalten/ daß auch das gantze Geheimnuß des H. Abend- mahls davon den Nahmen bekommen/ Act. 2, 42. c. 20, 7. 3. Repræsen- tatio passionis, da gleichsam als in einem Spiegel/ sichtbarn Gemaͤld und Bibel das Leiden Christi fuͤr Augen gestellet wird: und dann 4. die Remotio der Meynungen de Tranffubstantiatione \& Consubstantia- tione, Predigt. tione, Verweselung/ Beyweselung/ und Einschluß/ dann durch solche anatomi und Bruch/ thue man den Deckel vom Hafen/ und komme auff den Augenschein/ das nichts im Brod-Brechen verborgen liege. Diß sind ihre rationes, hie liegen sie auff der Waag/ aber tekel, tekel, man hat sie auff einer Waag gewogen/ und zu leicht befunden/ und zwar was anlanget 1. die erste; dann wann der Befehl Christi/ Solches thut/ in sich begreifft alles/ was Christus bey der Sacramentlichen Handlung verrichtet/ so muß man auch das H. Abendmahl zu Nacht halten/ sich um den Tisch herum laͤgern/ ungesaͤurt Brod gebrauchen/ den Wein vielleicht mit Wasser brechen/ und anders dergleichen mehr. Darum das τοῦτο sich allein beziehet auff die actus Regios, substantiales, invaria- biles und Haupt-Handlung/ so das Wesen und Vollkommenheit des Sacraments machet/ dergleichen weder die Nacht-Zeit/ noch Tisch-Lage- rung/ und also auch nicht das Brod-Brechen/ sondern es ist diese Fractio ein occasional-ministerial- und Vorbereitungs-Handlung/ weil damal Juͤdisch Brod/ auff Juͤdische Art und Manier form irt/ duͤnne/ breite/ ungesaͤurte Kuchen bissens-weiß mit Linien gezeichnet/ auff dem Tisch ge- legen/ so hat es Christus gebrochen. Wo nun solche Art Brod nicht im Brauch/ mag auch das Brod-Brechen unterlassen werden. 2. Zuleicht auch die andere/ dann zugeschweigen/ daß es noch nicht erwiesen/ daß St. Lucas Act. 2, 42. \&c. von dem Sacramentlichen Brod-Brechen re- de: Massen viel Lehrer der Kirchen das gemeine einmuͤthige Essen auß gemeinen Guͤtern der Heiligen verstehen. Act. 20, 11. Act. 27, 35. Wird auch des Brod-Brechens gedacht; Es ist aber daselbst vom Sacrament keine Meldung geschehen. Doch gesetzt/ es waͤre das H. Sacrament das Brod-Brechen genennet worden/ so folget doch darum noch nicht/ daß das Brod-Brechen eine nothwendige/ unumgaͤngliche Goͤttliche Handlung seye. Es wird ja auch dieses H. Sacrament das Abend- mahl des Herrn genennet/ von der Zeit der Stifftung/ und weilen es im Anfang mehrmalen des Abends gehalten worden/ 1. Cor. 11, 20. Es kan aber dannenhero nicht geschlossen werden/ daß die Nacht oder der Abend/ eine nothwendige und unumgaͤngliche Zeit dieses H. Sacra- ments zu halten seye. Uber das ist keine consequen tz: Es wird das H. Abendmahl ein Brod-Brechen genennet/ E. propriè und eigentlich/ im buchstaͤblichen Verstand/ warum erdichtet man hie keinen tropum, und verstehet fractionem synecdochicam, so fern eine jede Mahlzeit bey den Hebreern fractio genennet wurde/ wie bey den Griechen συμπόσιον? Q q ij Hebræis Die Dreyzehende Hebræis (ait Casaub. exerc. 16. n. 38.) frangere panem usitatissima locutio est de cibum sumentibus; \& frangere panem cum ali- quo est συνδειπνεῖν. Atque ut Græci à parte alterâ, potu nempe totam actionem appellarunt συμπόσιον, sic Hebræi ab esu \& fra- ctione panis totum convivium denotarunt. Nicht weniger 3. die dritte. Massen Christi scopus damal nicht war/ bilden/ sondern den Schatz zu geniessen geben/ das Abendmahl war kein Schau-Spiel/ sondern Schatz-Ubergab/ kein Schatten-Werck/ sondern Schatz-Werck. Jst es Christo (ist die Antwort H. D. Dor- schen sel. in seiner Schrifftmaͤßigen Betrachtung D. Zwingers Predigt/ pag. 84.) um die Abbildung seines Leidens zu thun gewesen/ warum ist nicht das Oster-Lamm behalten worden/ das hat eigentlich sein Leyden/ Blutvergiessen und Sterben abgebil- det: Warlich/ es ist klar genug/ daß Christus nicht Schat- ten und Fuͤrbild im Abendmahl haben wollen/ sondern auff den Genuß seines Leibes fuͤrnemlich gesehen/ weil Er das Brod-Brechen fuͤr die Hand genommen. Dann es gar dun- ckel und weitloß vom Leyden und Creutz etwas fuͤrmahlen kan/ und muß der gute Augen haben/ der es warnim̃t. Wer wils glauben/ daß Christus eine solche finstere/ unlautere/ weitlose Bildnuß des Brod-Brechens/ an statt der klaren und schoͤnen Figur des Oster-Lamms habe setzen wollen. Wann Christus die Apostel vom Toͤdten und Braten des Oster-Lamms/ als einem schoͤnen glaͤntzenden Fuͤrbild/ nicht auff das Wesen selbsten/ sondern auff das fuͤrbildende Brod- Brechen gefuͤhret haͤtte/ haͤtte er sie vom heitern ins dunckel ge- fuͤhret. Uber das ist keine analogia unter dem Brod-Brechen und Leyden Christi. Lieber/ (seind abermal Wort angezogenen sel. Au- ctoris l. cit. ) Was ist am Brod-Brechen/ das das Leyden Christi so troͤstlich abbilden koͤnte. Jst doch das Brod un- empfindlich und ohne Schmertz. Solte das allergrausam- ste/ erschroͤcklichste und unaußsprechlichste Leyden und Ster- ben JEsu durch dieses leblosen Elements des Brods Zerthei- lung nach Art des Neuen Testaments wol haben abgebildet werden koͤnnen? Solte es nicht zur Verkleinerung und Ver- ringerung des schmaͤhlichen und schmertzlichen/ ja grossen und Predigt. und unbegreifflichen Todes gereichen/ wann dieses zum Zweck des Brod-Brechens wolte gezogen werden? Warum ziehet man nicht das Backen des Brods und dessen halb Durch- schneidung/ die doch etwa vor der Auffsetzung auff dem Tisch geschiehet/ auch hieher? dann die Hitz des Back-Ofens den feurigen Zorn GOttes vielleicht besser abbilden koͤnte/ als das Brod-Brechen das Leyden Christi abbilden mag/ wann man Fuͤrbilder in diesem hohen Handel zu suchen haͤtte. Aber der- gestalt wuͤrde diß Sacrament endlich fuͤr dem Back-Ofen ge- halten werden muͤssen. Lieber/ wie schickt sich zusammen das Durchgraben der Haͤnde und Fuͤsse Christi und das Brod- Brechen; Und abermal/ das erdulden der hertzbrechenden Schmach Christi und das Brod-Brechen; Und abermal/ der Abbruch des Tempels des Leibs JEsu Christi und das Brod-Brechen? wie fuͤhret uns das Brod-Brechen auff diese hohe bedenckliche Leiden JEsu Christi? Ja/ sagen sie/ es deute St. Paulus hell und klar darauff 1. Cor. 11, 24. Nemmet/ esset/ das ist mein Leib/ der fuͤr euch gebrochen wird. Aber es wird noch viel Wasser den Rhein hinab lauffen/ ehe sie bewei- sen werden/ daß eben St. Paulus nothwendig/ wann er die Wort der Stifftung Christi also erzehlet/ auff das Brechen des Brods gesehen haben muͤsse. Mercke du Gotts-verstaͤn- diges Hertz! Christus hat nach Vermeldung St. Lucaͤ ge- sagt/ das ist mein Leib der fuͤr euch gegeben wird. St. Pau- lus sagt/ Christus habe gesprochen/ das ist mein Leib/ der fuͤr euch gebrochen wird. Jst also gebrochen worden/ und dahin gegeben worden/ nach dem Verstand in der Schul des H. Gei- stes eins/ Christus hat nicht Griechisch/ sondern Syrisch ge- redet/ ist vermuthlich/ er habe auch dem Verstand nach ein solch Wort gebrauchet/ welches das Hauptwerck des Leidens Christi angezeigt. Und lieber hat Christus auch auff das Geben des Brods/ das auffs Brechen erfolget/ gesehen/ wann er nach Aussag St. Lucaͤ des H. Evangelisten gespro- chen/ nemmet/ esset/ das ist mein Leib/ der fuͤr euch gegeben wird: Es habens noch keine auß D. Zwingers Schul sagen wollen. Dann das erste Geben/ davon in der Stifftung Meldung geschiehet/ ist ein Geben zum Essen/ das ander ist Q q iij ein Die Dreyzehende ein Geben zum Creutz/ wie solt dann eben St. Paulus mit dem Leib-Brechen auff das Brod-Brechen gesehen haben? Ita rursus ille pag. 86. Wie dann auch endlich die vierte: Massen die Unwarheit zu entdecken keiner neuen Lugen vonnoͤthen. IV. Distributio. Er gabs. Ob Er den Juͤngern in die Hand oder in den Mund gegeben/ davon berichten die H. Evangelisten nichts/ das Geben in die Hand kan auß dem Wort λαμ άνειν nicht erwiesen wer- den/ wie erhellet auß Joh. 19, 30. Jst abermal ein adiaphorum und Mittelding. Jn der ersten Kirchen gab man es/ wie Baron. ad ann. 57. bezeuget/ den Maͤnnern in die Hand/ den Weibern in linteo. Daher Ambrosius zu Theodosio gesagt: Istasne adhuc stillantes injustæ cædis cruore manus extendes, \& corpus sanctissimum prehendes? Wiltu deine von unschuldig-vergossenem Blut noch trieffende Haͤn- de außstrecken/ und damit den allerheiligsten Leib fassen und beruͤhren? Jst aber hernach auß Christlicher Freyheit/ wie die Immer- sio in Baptismo, die Eintauchung in der Tauff/ geaͤndert worden. Ob es der Herr ferner allen gereicht/ oder einer dem andern/ wie zu Zuͤrch geschicht/ als Lavaterus schreibet: Posthac (ita enim ille in Libro de Ritibus Ecclesiæ Tigurinæ c. 13. inter cætera scribit) per totam Ecclesiam ministri azy mum panem ( Eucharisticum ) in pa- tinis circum ferunt, \& accipit quisque suâ manu particulam de exhibito pa- ne, \& posteà reliquam partem dat proximè assidenti. Denique sequuntur alii ministri cum poculis \& cantharis, ac præbet alius alii poculum Domini- cum atque sic omnes de uno pane participant. Lassen wir auch im Mittel. Wir empfangens alle mit dem Mund vom Kirchen-Diener/ als einem Außtheiler der Geheimnussen Christi/ welcher auch (sonderlich im Nothfall) sich selbs wol communici ren mag. Ver- werffen im gegentheil die Paͤbstische Meß/ da der Priester allein genießt in commodum aliorum, andern zu gutem/ und sprechen/ es lauffe wider die Einsatzung Christi/ nach welcher die Consecration ohne distribution und Außtheilung nicht seyn soll/ lassens auch nicht gelten/ daß einer fuͤr den andern communiciren koͤnne/ so wenig/ als einer fuͤr den andern kan getaufft werden. Weil aber dieses Monstrum der Meß/ cor \& palla- dium Papatus, wollen wir dasselbe etwas weitlaͤuffiger/ nach allen Um- staͤnden/ erklaͤren und vortragen. So erzeigen sich nun darinnen aller- hand actus \& scenæ, abentheurliche Ceremonien/ Allfaͤntzereyen und Gauckeleyen/ murmeln/ Creutz machen/ schreyen und dergleichen/ die alle zu erzehlen unnoͤthig. Wir wollen nur die fuͤrnehmsten beruͤhren. 1. Chri- stus Predigt. stus ist totius Tragœdiæ fabula, der ists/ der muß gleichsam herhalten/ sein Leib und sein Blut ist victima incruenta, donum Patric cœlesti \& Marchant. hort. Past. p. 778. B. Virgini offerendum, das unblutige Opffer und Gabe/ die Gott dem H. Vater und der seligen Jungfrauen Mariaͤ dargebracht werden soll/ und dasselbe vermumt unter der Nebel-Kappen der aͤusserlichen verwan- delten Gestalt des Brods und Weins: 2. Der andere Actus ist die Mißhandlung selbs/ das ist/ die Consecri rung/ Auffhebung/ Niessung/ das Essen und Trincken des Priesters/ heißt Sacrificatio, das soll nichts anders seyn/ als consumtio quoad esse sacramentale. Jst aber noch nodus vindice Papâ dignus. 3. Die uͤblichen Wort der Auffopfferung seynd. Suscipe sancte Pater, hanc immaculatam hostiam, quam ego in- Idẽ p. 776. dignus famulus offero tibi Deo meo vivo \& vero, pro innumerabili- bus peccatis, offensis \& negligentiis meis, \& pro omnibus circumstan- tibus, sed \& pro omnibus fidelibus Christianis vivis atque defunctis, ut mihi \& illis proficiat ad salutem in vitam æternam. Das ist: Heili- ger Vater/ nim̃ an dieses unbefleckte Opffer/ so ich unwuͤrdi- ger Diener/ dir dem lebendigen und warhafftigen Gott dar- bringe/ fuͤr meine unzaͤhliche Missethat/ Suͤnd und Schuld/ und fuͤr aller derer/ die bey mir stehen/ ja aller glaubigen Chri- sten/ so wol deren die noch leben/ als die albereit verschieden/ daß es mir und ihnen gedeye zur Seelen Heyl/ und ewiger Seligkeit. 4. Finis, Propitiatio peccatorum, die Vergebung der v. Stœcker Elench. Catech. Antipap. p. 1215. Bellarm. l. 2. de Miss. c, 4. Suͤnden/ so wol der laͤßlichen als Tod-Suͤnden/ Erlangung aller Gut- thaten/ insonderheit der wahren Buß/ als durch welche der Suͤnder zur Vergebung seiner Suͤnden kommen kan/ und zwar ex opere operato, ob schon die Person/ fuͤr welche die Messe gehalten wird/ bey Gott nicht angenehm und in Gnaden. Zugleicher weiß/ wann ein unbekanter oder verhaßter Mensch bey einem Fuͤrsten um etwas durch eine andere Mittel- Person/ deren der Fuͤrst nichts versagen kan/ anhielte/ der wuͤrde ohne Zweiffel erhalten/ was er sucht/ und doch gleichwol haͤtte die Supplica- tion solchen Nachtruck nicht ex opere operantis, in Ansehen der Quali- taͤten des Clienten/ als welcher gantz unbekant/ oder in Ungnaden/ son- dern in Ansehen des Patroni, der bey dem Fuͤrsten so wol daran: also ist auch die Messe ein solches Sacrificium impetratorium, ein Versoͤhnungs- Opffer/ daher/ daß mancher Suͤnder zur Buße gebracht wird/ und weiß nicht wie/ das hat er der Messe zu dancken. Doch aber ein Versoͤhn- Opffer von gemessener/ endlicher und unumschrenckter Krafft und Wuͤrckung; dann (wie Bellarmin. l. 2. de Miss. c. 4. sagt) wenn ein ei- nige Die Dreyzehende nige von unendlichem Valor und Guͤltigkeit/ koͤnte sie alles erlangen/ die uͤbrigen waͤren ja umsonst und vergebens. 5. Finis hujus objectum, diese herꝛliche Nutzbarkeit gehet an alle Lebendige/ so im Schooß der Kir- chen/ Fromme und Gottlose/ auch directè die Unbußfertigen/ als wel- chen unfehlbar dieses Opffer neue und gewisse Huͤlffs-Mittel erlanget/ Krafft welcher sie koͤnnen zur Buß gebracht werden. Indirectè aber auch die/ so ausser der Kirchen seind. Bellarm. l. 2. de Miss. c. 6. Nach- gehends den Abgestorbenen im Fegfeur/ so noch nicht voͤllig gereiniget/ Concil. Trident. Sess. 6. c. 2. conf. Tanner. q. 9. dub. 4. n. 90. Bellarm. lib. 2. de Miss. c. 7. und dann den Heiligen im Himmel/ nicht zwar zur Erlassung ihrer Schuld und Straff/ sondern zur Vermehrung ihrer Freud und Herꝛligkeit. Tanner. l. cit. q. 9. dub. 4. num. 89. und diese wird genennet Missa exaltationis. Dannenhero der Tridentinische Jnpiter also fulmin irt. Sess. 6. can. 1. \& 3. Si quis dixerit, in Missa non offerri DEO verum \& proprium sacrificium, anathema sit. Si quis dixerit, Missæ sacrificium tantùm esse laudis \& gratiarum actio- nis, aut nudam commemorationem sacrificii in cruce peracti, non au- tem propitiatorium, anathema sit. Wer sagt/ daß in der Messe GOtt kein warhafftig und eigentlich Opffer dargebracht werde/ deßgleichen daß das Meß-Opffer kein Versoͤhn-Opf- fer/ sondern nur ein Lob- und Danck-Opffer/ oder eine blose Erinnerung des am Creutz geschehenen blutigen Opffers seye/ der soll verflucht seyn. Jst auch deßwegen mit herꝛlichen Elogiis gezieret. DEO nihil, (inquit Marchant. hort. past. p. 777.) honori- ficentius, nihil dignius, aut sanctius, nihil pro peccatis efficacius, nihil hominibus utilius, nihil opulentius, nihil gratius JEsu Christo, Ma- riæ Virgini, Angelis, aut beatis mentibus ab Ecclesia militante potest præsentari. das ist: Es kan die streitende Kirch GOtt nichts herꝛlichers/ heiligers und wuͤrdigers/ fuͤr die Suͤnde nichts kraͤfftigers/ den Menschen nichts nutzlichers/ JEsu Christo/ der Jungfrauen Mariaͤ/ den Engeln/ und außerwehlten Seelen nichts angenehmers/ als dieses Opffer darstellen. Es seye tributum quotidianum Ecclesiæ militantis primo auctori vi- tæ \& mortis oblatum, vita nempe \& mors JEsu Christi primoge- niti omnis creaturæ, der taͤgliche Schooß und Zoll/ da die streitende Kirch dem HErꝛn uͤber Leben und Tod/ das Leben und Tod JEsu Christi des Erstgebohrnen vor allen Crea- turen uͤbergibt und darreicht. Perfectissimum holocaustum ardentissi- Predigt. ardentissimæ charitatis, in quo ipse DEUS sacri amoris, Christus JE- sus seipsum ut victimam transfert, \& consumit ad honorem Patris? Renovat enim hîc totum charitatis ignem flagrantissimum, quo ejus cor unquam vel in cœna amoris externi extrema scena, vel in cruce igniti amoris exæstuante fornace, vel in tota simul vita exarsit. Das allervollkommenste Brand-Opffer der feurigen Liebe/ da der keusche Liebes-GOtt/ JEsus Christus/ sich selbst als ein Opffer dargibt/ und zu Ehren seines Himmlischen Vaters auffopffert. Dann hie zuͤndet Er von neuem an das flammen- de Liebes-Feur/ damit Er jemal entweder im H. Abendmahl/ als in der letsten aͤusserlichen Liebes-Handlung/ oder am Creutz/ als der feurigen Liebe feurigen Glut/ oder in seinem gantzen Leben gegen uns entbrandt. Erectio scalæ mysticæ, quæ quotidiè nobis præstò est, sacrificio mediante, ut ad cœlestia ascenda- mus: \& angeli sunt hîc ascendentes \& descendentes, ut vota nostra ad DEUM ferant, \& dona referant. Die Auffrichtung der geist- lichen Himmels-Leiter/ so taͤglich/ vermittelst dieses Opffers/ fuͤr uns stehet/ daß wir Himmel an steigen koͤnnen: hie seind die auff- und absteigende Engel/ daß sie unsere Seuffzer/ Wunsch und Begierde fuͤr GOtt bringen/ und nachmalen mit Gaben uns erscheinen und erfreuen. Wann nun der arme Lay solche Elogia hoͤret/ sperret er das Maul auff/ haͤlts fuͤr das groͤste Heiligthum/ fuͤr das beste Morgen-Gebet/ das unum necessarium, an dem alles gelegen/ hoͤher als alle Predigten. Summa/ man haͤlt im Pabstum so viel auff die Messe/ daß dieselbe wol anima Papatus mag ge- nennet werden/ und mancher ehe seine Seele fahren ließ/ als die Messe. Wann wir aber diß vermeinte grosse Heiligthum gegen dem klaren Liecht der himmlischen Warheit halten/ wird sichs befinden/ daß es kein Heiligthum/ sondern ein Hoͤllenthum/ Greuel und Scheusal sey/ ein Spott und Hohn/ dem Sohn GOttes angethan. Wir wollen es al- les heiter erweisen. Es ist I. Paradigma blasphemum, kein gemeiner Spott/ sondern eine schnoͤde Gottes- und Christ-Laͤsterung/ dadurch Christus gemacht wird 1. Salvator miser, ein elender Heyland/ der Menschen-Huͤlff begierig/ fuͤr den der Meß-Pfaff beten/ den die Engel als Eliam oder Lazari Seel in Himmel tragen muͤssen/ dann so lautet der Canon, ut hostiam oblatam, hostiam puram, hostiam sanctam, Neunter Theil. R r hostiam Die Dreyzehende hostiam immaculatam propitio \& sereno vultu respicere dignetur \& acceptam habere, quemadmodum accepta habere dignatus est mu- nera justi Abel, \& sacrificium Patriarchæ Abraham \& Melchisedechi, Es wolle GOtt dieses dargestellte/ reine/ heilige/ unbefleckte Opffer mit gnaͤdigen und froͤlichen Augen anschauen/ und fuͤr angenehm halten/ wie ihme angenehm gewesen die Erstlinge des gerechten Abels/ und das Opffer des Patriarchen Abra- hams und Melchisedechs. Item, ut jubeat proferri per manus sancti Angeli sui in sublime altare suum, in conspectu divinæ majesta- tis suæ. Er wolle es durch die Hand seines heiligen Engels las- sen bringen auff seinen heiligen Altar/ fuͤr das Angesicht sei- ner Gottlichen Majestaͤt. Wie kom̃t aber unser Heyland darzu/ daß der Meß-Pfaff und Meß-Knecht fuͤr Christum beten soll? Jst Er nicht der jenige/ der fuͤr uns bitt und uns vertritt? Jst Er nicht der jeni- ge/ an dem der Vater ein Wolgefallen hat? Matth. 3, 17. Jn welchen wir dilecti in dilecto, angenehm gemacht in dem Gelieb- ten? Eph. 1, 6. Jst er nicht selbst auß eigener Krafft gen Himmel ge- fahren/ und eingegangen in den Himmel selbst nun zuerscheinen fuͤr dem Angesicht GOttes fuͤr uns? Hebr. 9, 24. Soll der Meß- Priester Gott im Himmel seinen Sohn schencken/ ja schoͤn/ wie Pilatus den Leichnam JEsu dem Joseph? 2. Imperfectus Salvator, ein Stuͤm- pel-Heyland. Entweder ist Er ein vollkom̃ener Heyland/ und so bedarff er nur eines Opffers/ oder er ist ein Stuͤmpler und Unvollkommen. Pauli Himmel-feste Schluß-Red lautet also: Omne reiterabile est imperfectum. Dann darum mußten die Opffer A. Testaments wieder- holet werden. Hebr. 10, 1. 2. Alle Jahr muß man opffern immer ei- nerley Opffer/ und kan nicht die da opffern vollkommen ma- chen; (es laßt noch conscientiam peccati uͤber) sonst haͤtte das Opf- fern auffgehoͤrt/ wo die/ so am Gottesdienst sind/ kein Gewis- sen mehr haͤtten von den Suͤnden/ wenn sie einmal gereiniget werden. Christi Opffer aber ist vollkommen. E. irreiterabile, kan nicht wiederholt werden. Daher St. Paulus das Woͤrtlein Einmal zum sechsten mal wiederholt. Hebr. 9, 26. Am Ende der Welt ist er Ein- mal erschienen/ durch sein eigen Opffer/ die Suͤnde auff zuhe- ben/ und wie dem Menschen ist auff gesetzt einmal zu sterben/ darnach aber das Gerichte/ also ist Christus einmal geopffert/ weg zunehmen vieler Suͤnde. Und cap. 10, 10. 11. 12. 14. Jn dem Willen Predigt. Willen GOttes seind wir geheiliget/ Einmal geschehen durch das Opffer des Leibs JEsu Christi/ und ein jeglicher Priester ist eingesetzet/ daß er alle Tag Gottesdienst pflege/ und offt- mals einerley Opffer thue/ welche nimmermehr koͤnnen die Suͤnde abnemmen. Dieser aber/ da Er hat Ein Opffer fuͤr die Suͤnde geopffert/ das ewiglich gilt/ sitzet Er nun zur Rechten GOttes. Dann mit einem Opffer hat Er in Ewig- keit vollendet/ die geheiliget werden. Womit dann Paulus nicht nur andeutet die Jahre/ sondern auch die perfection, wie das Wort auch anderswo gebraucht wird. Hebr. 6, 4. Ep. Jud. ꝟ. 3. Bellarminus aber halt Paulo obstat, es sey reiterabile, welchem wollen wir nun glau- ben? Paulo oder Bellarmino? warhafftig so wenig als zwo Sonnen am Himmel seyn und stehen koͤnnen/ eben so wenig/ ja viel weniger zwey Opffer in dem Gnaden-Himmel. II . Paradigma præstigiatorium, ein pur lauter Gauckel-Spiel/ da man mit den armen Layen den Cuntzen fpielt. Es wird ihm fuͤrgebil- det/ es seye sacrificium propitiatorium, ein Versoͤhn-Opffer. Was sagt aber Paulus Hebr. 9, 22. Ohne Blutvergiessen geschicht keine Vergebung. Darum/ entweder vergießt der Priester Blut in der Messe/ oder nicht/ so das erste; ist er ein Sacrilegus, ein Christ-Moͤrder/ Bresser. de Consc. p. 730. Si fluit sanguis ex hostia vel imagine percussa, aut pugione confossa, quasi apertis vulnere venis Christi, id tantum exhibetur ad significandam gravitatem istius peccati, similem illi, quo Christus verè vulneraretur. so nicht; so ist es kein Versoͤhn-Opffer. Es gemahnt mich eben an die Comoͤdi/ da man den Haman henckt/ oder dem Goliath den Kopff ab- haut. Es seind præstigiæ, und Gauckeleyen/ sacrificium panis pro cor- pore Christi, das Opffer des Brods der Vergebung der Suͤnden. da es doch nichts anders ist/ als ein pur lauter Brod/ Victima inanima, so pflegens die Marckt-Schreyer zu machen/ die quid pro quo verkauffen/ ein Baͤsen-Reisel in Seiden einwickeln/ fuͤr ein koͤstliche Wurtzel zum Zahnwehe. Ita mundus vult decipi. Alles ums Geld/ der vermeinte Leib Christi wird nach dem Exempel Judaͤ ums Geld verkaufft/ da gehet es dann/ kupffern Geld/ kupffern Seel-Meß. Meß-Netz ist des Roͤmi- schen Fischers Gelt-Netz allezeit geweßt. Ein Gauckelspiel und Blen- derey/ weil es cœna monopolica. Waͤre es nicht ein unleidentlich Ge- spoͤtt/ wann einer wie Heliogabalus Gaͤst ladete/ setzte sich an Tisch/ esse R r 2 und Die Dreyzehende und traͤncke nach dem besten/ und ließ den Gaͤsten nichts als Augen-weyd/ die solten vom Zusehen gnug haben/ und sich einbilden/ es sey ihnen eben so gut/ und bekomme ihnen eben so wol/ als wann sie sich selbs satt geges- sen. Das geschicht warhafftig im Pabstum/ wann der Meß-Pfaff uͤber dem Altar im Nahmen der gantzen Kirchen Messe halt/ isset und trincket/ so ist es eben so viel/ als thue es die gantze Kirch und Gemeine. Sie er- klaͤren es durch ein Gleichnuß also: Wie die natuͤrliche Speiß durch den Mund empfangen/ sich in alle Glieder außtheilet/ daß sie davon ge- speißt und ernehrt werden: also ist der Priester der Mund der gantzen Kirchen/ und wann das Meß-Sacrament durch seinen Mund gehet/ so theilt sich dessen Krafft auß uͤber alle die/ fuͤr welche die Meß gehalten wird/ und die darhinter stehen. Aber wer ist so alder und einfaͤltig/ der sich dessen bereden lasset/ was halffs den armen Lazarum/ daß der reiche Mann taͤglich fuͤr seinen Augen wol lebte/ so wenig hilffts die/ so hinter der Messe stehen/ und zusehen/ wie der Meß-Pfaff allein stehet und isset. S. Cœna est κοινὴ est κοινωνία, aber im Pabstum ists ein monopolium. So halt man im Pabstum Koͤnige und Kayfer fuͤr Narren/ so spielt der reiche Schlemmer mit dem armen Lazaro. Gott wolle die armen Leuth erleuchten/ daß sie doch einmal mercken moͤchten/ wie man sie in der Faßnacht am Narren-Seyl herum fuͤhret. III. Paradigma Apostaticum, dadurch die Roͤmische Kirch vom alten Apostolischen Glauben abgefallen/ der Canon Missæ ist in Aposto- lica Ecclesia unbekant. Durandus bezeuget klar l. 4. ration. c. 1. die Apostel seyen bey den Worten der Einsatzung blieben/ und nichts dar- zu gethan/ als das Vater Unser/ erzehlet darauff/ was ein Pabst nach dem andern angeflickt/ biß der Cento vollkommen worden. Gregorius, oder vielmehr Dormitantius als Vigilantius, soll das Complement ver- fertiget haben/ doch nicht ohne contradiction. Nauclerus volum. 2. generat. 21. erzehlet eine abentheurliche Geschicht/ so sich mit dem Cano- ne Gregoriano \& Ambrosiano zugetragen. Concilio (ait) Romæ Anno 790. congregato omnium Patrum fuit una senten- tia, quod Missale Ambrosianum \& Gregorian um super altare S. Petri Apo- stoli poneretur, plurium Episcoporum sigillis munitum, \& fores Ecclesiæ clauderentur, \& ipsi totâ nocte orationi in fisterent, ut Dominus per allquod signum indicaret, quod horum magis ab Ecclesia salvari vellet, sicque per omnia factum est. Manè igitur Ecclesiam intrantes, utrumque Missale su- per altare apertum invenerunt, vel ut alii asserunt, Missale Gregorianum penitus dissolutum, \& huc \& illuc dispersum invenerunt. Ambrosianum verò solummodò apertum super altare in eodem loco, ubi positum erat, in- venerunt. Predigt. venerunt. Eo signo, inquit Duraudus, edocti sunt, Gregorianum officium per totum mundum dispergi. Ambrosianum verò in sua Ecclesia tantùm observari debere, \& sic usque hodie servatur; Siquidem tempore Caroli Imperatoris officium Ambrosianum præcipuè dimissum est, \& Gregorianum, imperiali auctoritate plurimum ad juvante, divulgatum. Daß die Vaͤtter das H. Abendmahl bißweilen oblationem \& sacrifi- cium, ein Opffer nennen/ darauff hat Augustinus laͤngst geantwortet/ Epist. 23. ad Bonifacium. Sæpè, inquit, ita loquimur, ut Paschâ propinquante dicamus, crastinam vel perendinam esse Domini passionem, cùm ille ante tàm multas annos passus sit, nec omninò nisi semel illa passio facta fit. Nempe ipso die Dominico dicimus, hodie Dominus resurrexit, cum ex quo resurrexit, tot anni transie- runt. (Sic) nonne immolatus est Christus in seipso, \& tamen in Sacramen- to per omnes Paschæ solennitates, \& omni die populis immolatur. Allzeit weiß die Schrifft ledig nichts davon. Bellarm. l. 4. de V. D. c. 8. gestehts. Toletus l. 2. c. 4. bekennet/ nihil esse de jure divino, nisi con- secrationem \& sumtionem, wo ist aber das fuͤrnemste Theil \& cor mis- sæ, oblatio? die Wort der Einsatzung/ Hoc facite, erzwingen nichts/ ob sich schon Catech. Rom. darauff berufft p. 181. sie moͤgen den Stich nicht halten/ das general Wort ποιεῖν wird restring irt auff das Essen und Trincken/ ꝟ. 26. Paulus sagts zu seinen Corinthern/ seind darum auch die Laici missifices? vielmehr schliessen wir also: Was Christus im Abendmahl nicht gethan/ das wird auch unter dem Wort (τοῦτο ποιεῖτε) nicht verstanden. Nun hat Christus im Abendmahl kein Meß ge- macht. E. Massen solches im Concilio Trident. XXIII. Bischoͤffe be- kant/ teste Petro Suave pag. 644. Der Typus Melchisedechi mag die- sen Last auch nicht tragen. Jhr argument ist dieses: Melchisedech, sacer- dos æternus hat wuͤrcklich geopffert/ incruentè, modo alio, quàm Aaron, singulari ratione, ) dann er war ein Priester des Hoͤchsten. Gen. 14, 18. Christus est Melchisedech. Ps. 110. E. in æternum sacrificat panem \& vinum. Resp. Die Conclusion ist erlogen auch im Pabstum/ massen nach ihren hypothesibus nicht Brod und Wein/ sondern der Leib Christi auff geopffert wird. Die Major ist falsch. Es war kein Opffer/ sondern convivium victoriosum und Ritter-Zehrung. Das Wort Hozi heißt auch nicht obtulit, conf. Gen 19, 8. 13. Christus ist zwar Mel- chisedech, (sc. antitypicè) aber nicht in der Art und Weiß zu opffern/ weil demselben Abraham den Zehenden gegeben von allerley/ Gen. 14, 20. nemlich zum Opffer/ Lev. 27, 32. sed in ordine, al dibrathi Malchizedek, nach der Weise Melchisedech. Ps. 110. Hebr, 7. Fuͤrnemlich in R r 3 præstan- Die Dreyzehende præstantia ex benedictione, ἀγενεαλογίᾳ ἱερωσσύῃ ἀπαρα άτῳ. So ist nun der Meß-Greuel der Roͤmischen Braut von Babylon entdeckt/ auff die Schau gefuͤhrt/ und zum Scheusal jederman præsent irt/ und vor die Augen gemahlt. Wir/ M. L. sehen abermal auß der rechten Sacramentlichen Hand- lung JEsu Christi/ die Laͤnge und die Breite/ und die Hoͤhe und die Tieffe der uͤberschwen glichen Liebe unsers liebsten Heylands/ so uns billig die- nen soll 1. ad perfectionem agnitionis Christi, nicht zwar perfectio- nem gradus, doch gradum perfectionis, daß wir eine rechte/ nicht blose Stuͤmpel-Erkantnuß seiner haben/ wie die Americaner, von denen Acosta l. 4. de procur. Indor. salute c. 3. schreibet: sie beten in einer Wo- chen zwey- oder dreymal das Symbolum und etliche Gebet/ welche sie in Hispanischer Sprach außwendig lernen/ verstehen aber nicht einmal eine Sylb davon. und l. 5. c. 2. Es habe ihne zum hoͤchsten wunder genom- men/ daß unter so viel tausend Jndianern/ die mit dem Christen-Nahmen seind begabt worden/ gar wenig/ und selten einer gefunden werde/ der Christum erkenne/ daß man mit besserem Fug von ihnen sagen kan/ was die Epheser Paulo geantwortet/ von dem H. Geist/ wir haben nie gehoͤ- ret/ daß ein Christus seye. 2. Ad exercitium fidei. Dann gleich wie es der Vernunfft zuwider/ daß fuͤnff Brod sich so gemehrt/ daß 5000. Menschen davon gespeiset/ Matth. 14, 19. 20. Deßgleichen der Witwen Meel/ ohnangesehen sie taͤglich davon gegessen/ nicht verzehret worden. 1. Reg. 17, 14. Also noch mehr/ daß so viel tausend mal tausend Christen allbereit den wahren Leib Christi mit ihrem geheiligten Munde gegessen/ und derselbe noch taͤglich biß ans Ende der Welt dispensi rt werde/ doch ohne Abgang und Verzehrung. Das/ sag ich/ wil der Vernunfft nicht ein/ sie halts fuͤr Fabeln und Maͤhrlein/ da hat nun der Glaub zu schaf- fen/ der muß kaͤmpffen und streiten/ und die Vernunfft unter den Gehor- sam gefangen nemmen/ daß er mit voͤlligem assensu und Beyfall sagen kan/ sumit unus, sumunt mille, nec assumtus consumitur. Und weilen Christum lieb haben besser/ als alles wissen/ so sollen wir Jhm ja wieder begegnen 1. Datione nostri ad victimam, und unser Leib und Seel dargeben zum Opffer/ das da lebendig/ heilig/ und Gott wolgefaͤllig sey/ und also die Glieder machen zu Waffen der Gerechtig- keit/ nicht Huren-Glieder/ wie leyder geschicht/ und dergleichen Nester taͤglich außgenommen werden. 2. Fractione panis, dem Hungerigen das Brod brechen/ die wir in Elend sehen/ ins Hauß fuͤhren/ die Nacken- den kleiden/ die Durstigen traͤncken/ ꝛc. und unser Liecht guter Wercke lassen Predigt. lassen herfuͤr brechen/ wie die Morgenroͤth. Und endlich 3. Gratiarum actione \& benedictione laudis. Ach mein Gott und Herr/ was ist der Mensch/ daß du sein gedenckest/ wer bin ich/ Erd und Asch/ ein stin- ckend Gefaͤß/ daß du solchen edlen Schatz in mich legest/ wie groß ist dei- ne Liebe/ daß du mir solch koͤstlich Geschenck verehrest. Das Pfand des Geistes hastu mir gegeben/ daran erkenne ich/ daß ich ein Kind GOttes bin/ nun gibst du mir auch das Pfand deines Leibs und Bluts/ daran ich erkenne/ daß du mein Bruder/ Fleisch und Blut. O des herꝛlichen Zeugen meiner Seligkeit/ wo hat man dergleichen Wunder jemalen ge- hoͤret! Nun ist meine Seele eine Koͤnigin worden/ sie hat den Himmels- Koͤnig zum Gemahl bekommen/ ach schmuͤcke sie mit starckem Glauben/ feuriger Liebe/ brennender Hoffnung/ edler Demuth/ heiliger Gedult/ bruͤnstigem Gebet/ holdseliger Sanfftmuth/ daß sie nicht wieder werde eine Dienst-Magd der Suͤnden/ sondern dir meinem Braͤutigam allein getreu verbleibe. Dein Fleisch und Blut ist mein Fleisch und Blut/ und mein Fleisch und Blut ist dein Fleisch und Blut/ darum laß mich es nicht mehr zur Suͤnden mißbrauchen. So werden wir hie rechte Communicanten seyn/ und dort Jubilanten/ hie anfangs-weiß/ dort vollkomlich/ immer und ewiglich. Amen. Die Vierzehende Predigt/ Von Der warhafftigen/ wesentlichen Gegen- wart des Leibs und Bluts Christi im H. Abendmahl. G Eliebte in Christo. Sehet zu/ daß euch niemand beraube durch die Philosophia und lose Verfuͤh- rung/ sagt Paulus Col. 2, 8. machet damit auß einem je- den rechten Christen gleichsam einen dapffern wachsamen und scharffsinnigen Schildwaͤchter/ stellet ihm fuͤr Augen I. Rem custodiendam, die ist nun eine koͤstliche Beut/ und zwar eine heilige Evangelische Beut/ ein theures ἀνάϑνμα, nemlich der Schatz des Worts GOttes/ und der heiligen Sacramenten/ der Raub/ den Die Vierzehende den die Hauß-Ehre außgetheilet/ nachdem der Siegs-Fuͤrstgen Himmel gefahren/ den wir durch den Glauben an Christum errungen/ errennet und erworben/ und sonderlich auch ϑεῖον \& δῶρον βασιλικὸν des Leibs und Bluts Christi. Ein beygelegte Beut. Zu gleicher weise wie David das Schwerd Goliath/ das er errungen/ beygelegt/ auch noch heutiges Tags koͤstliche anathemata in sacra loca depon irt werden. Koͤnig Ne- bucadnezar hat die heilige Gefaͤße auß dem Tempel zu Jerusalem in seine Goͤtzen-Haͤuser und Schatz-Kasten beygesetzt/ die Philister die im Krieg eroberte Bunds-Lade in den Tempel Dagon. 1. Sam. 5, 2. also auch diese in das Hauß GOttes/ die werthe Christliche Kirch. 2. Periculum sa- crilegii, welcher massen der Sathan dieser Beut uͤber alle massen gefaͤhr/ und darnach trachte/ dieselbe den Menschen zu nemmen/ gleichwie im Kriegs-wesen einer dem andern ein Beut abjagt/ darum non minor virtus, quàm quærere, parta tueri. Es hatten die Koͤnige auß Orient zu Sodom und Gomorra eine grosse Beut erlangt/ Gen. 14. deßgleichen die Amalekiter/ da sie Ziklag eingenommen/ ist ihnen aber wider auß den Zaͤhnen und Klauen gerissen worden/ so koͤnne es auch mit jenem Schatz geschehen/ und haben wir den Spiegel an den Colossern selbs/ weil sie die Augen in Beutel gestossen/ haben sie den Schatz verlohren. 3. Medium spolii, Philosophiam. Weltliche Beuten werden entweders mit Ge- walt genommen/ oder per lusum abverspielt/ wie man dann erzehlet von einem Soldaten im vorigen Kriegs-Wesen/ der eine ansehnliche Beut erlangt/ aber nachgehends verspielt/ deßwegen an den Galgen gehencket worden. Also kan man auch dieser geistlichen Beut verlustigt gemacht werden per philosophiam, nicht zwar die reine/ lautere/ und gleichsam Jungfraͤuliche Philosophi/ so die σοφίσυατα verrathet und entdecket/ (ούρά- νιον profectò δῶρον!) sondern die verkuͤnstelte/ betriegerische und lose phi- losophiam, und zwar die Esseische/ Phariseische und Sadduceische/ als welche Josephus, Eusebius, Chrysostomus mit dem Nahmen und Titul der Philosophi belegen. Nicht nur aber diese/ sondern auch die Græcani- cam, so fern dieselbe mißbraucht wird/ und in κενὴν ἀπάτην degener irt/ als welche dazumal den Lauff des Evangelii gehemmet/ und St. Paulo zim- lich zu schaffen gegeben. Daher Tertull. l. 1. de præscript. c. 7. \& lib. de anima c. 3. schreibet. Apostolus fuerat Athenis, ibique expertus lingua- tam civitatem, cum omnes illic sapientiæ atq; facundiæ caupones de- gustasset, inde concepit præmonitorium istud edictum. Ja es thut der Apostel einen Blick in den Paradiß-Garten/ wie die Schlang durch die Philosophi unsere erste Mutter Evam betrogen; damit uns nun nicht Predigt. nicht dergleichen begegne/ so warnet er. 4. Halt er uns fuͤr nostrum officium, βλέπετε, sehet zu als Schatz-Huͤter/ und Kirchen-Waͤchter/ schlaffet nicht/ schlummert nicht/ wie dort die Hunde im Capitolio zu Rom/ sehet zu per præmonitionem, decertationem, adeoque disputa- tionem, sonderlich Prediger/ die Gott zu Waͤchtern gesetzt/ von denen wil er es forden. Nun M. L. diese Vermahnung gilt uns auch/ wir haben bißher ver- nommen das theure depositum, und kostbaren Schatz/ den Christus sei- ner Kirchen zu verwahren biß ans Ende der Welt beygelegt/ nemlich Schatz seines Leibs und Bluts. Ach wieviel ἱεροσυλεῖς und Kirchen- Dieb haben sich daran gemacht/ der grosse Kelch-Dieb zu Rom/ mit Ge- walt/ hoc non obstante. Carlstad und Zwinglius mit List durch die Philosophiam. Derowegen cavete, massen es vor diesem allhie zu Straßburg/ als einem rechten Calvinisten-Nest nahe darbey geweßt/ wo nicht Gott heroische Maͤnner erwecket/ die diesem Jrꝛ-Geist Wider- stand gethan haͤtten. Ja es ruffet uns Paulus noch zu: βλέπετε, sehet zu/ huͤtet euch/ thut die Augen auff/ lasset euch diesen Schatz nicht rauben/ geschicht durch zween unuͤberwindliche Zaͤune und Mauren/ nemlich die adjuncta sacramentalia, Præsentiam rerum cœlestium, \& Conjun- ctionem specierum indivisam. Vom ersten wollen wir fuͤr dißmal mit einander reden und handeln/ und E. L. vortragen und erklaͤren die warhafftige/ wesentliche Gegenwart des Leibs und Bluts Christi im H. Abendmahl/ und zwar 1. ejus veritatem, 2. qualitatem. Gott gebe darzu sein Gnad und Segen. Amen. S O soll E. L. nun vor allem wissen/ daß der Streit zwi- schen uns und unsern Sacrament-Stuͤrmern nicht seye de materia cœlesti, an ihr selbs/ ob Leib und Blut das him̃lische Ding seyen/ dann das gestehen sie gar gern/ Combach. der neuliche Casselische Calvinist/ de Eucharist. p. 13. schreibet: Non nuda \& vacua signa ea dicimus; nam præter rem terrenam etiam re cœlesti constare Eucharistiam asserimus. Sunt verò ea Corpus \& sanguis Domini no- stri, corpus verò illud non figuratum, tropicum aut metonymicum, sed hoc ipsum corpus, quod pependit in cruce, \& is ipse sanguis, qui è latere ejus effluxit, nobis in cibo \& potu exhibetur: Wir sagen/ daß die irdische Elementa kein blose und laͤhre Zeichen seyen/ und verjaͤhen/ daß das H. Abendmahl ohne das Jrdische auch auß einem Himmlischen Stuck bestehe/ so nichts anders/ als Neunter Theil. S s der Die Vierzehende der Leib und Blut des HErꝛn/ und zwar kein verbluͤmter und figuͤrlicher/ sondern eben der Leib/ der am Creutz gehangen/ eben das Blut/ so auß seiner eroͤffneten Seiten geflossen/ wird uns in Brod und Wein dargereicht. Theophil. Reuberger Postill. p. 2. p. 228. Vom H. Abendmahl lehren wir/ daß wir in demselben nicht schlecht Brod und Wein/ nicht blose und laͤh- re Zeichen/ sondern auch den warhafftigen/ wesentlichen/ fuͤr uns in den Tod gegebenen Leib/ und das warhafftige/ wesent- liche/ fuͤr uns vergossene Blut JEsu Christi geistlicher weise empfangen durch den Glauben zur Vergebung unserer Suͤn- de/ ja daß wir nicht nur der Fruͤchte des Verdiensts Christi/ sondern auch seines Leibs und Bluts selbst/ als dadurch Er uns die Vergebung der Suͤnden/ und das ewige Leben erwor- ben hat/ theilhafftig werden. Jst der Griff/ dadurch viel tausend Menschen verfaͤhrt und verfuͤhrt werden; Jndem sie ihnen eingebildet/ es seye davon kein Streit/ wir seyen keinnuͤtze Zaͤncker und Staͤncker. Aber was sagt gemelter Combachius ferner c. 6. p. 123. non de objecto manducationis \& bibitionis est quæstio, sed de modo præsentiæ, \& unionis cum symbolis \&c. Es ist der Streit nicht von der Speiß und Tranck (im H. Abendmahl) sondern von der Weiß und Art der Gegenwart und Vereinigung (des Leibs und Bluts Christi) mit den sichtbarn Zeichen. Hie stoßt sichs nun/ in dem sie die warhafftige/ wuͤrckliche und thaͤtliche Gegenwart des Leibs und Bluts Christi auff Erden im H. Abendmahl mit aller Gewalt laͤugnen: Wir aber als das fuͤrnemste Hauptstuck/ den besten Kern und Stern verfechten und behaupten. Demnach hie zuerwegen 1. Præsentiæ realis veritas, dieselbe zuer- weisen/ bleiben wir allein bey dem blosen Buchstaben der Einsatzung/ wie auch Lutherus diese Wort fuͤr die Festung gehalten. Tom. 3. Jen. p. 339. So wil ich nun widerum zu verachten den Teuffel auff das mal nicht mehr/ dann den einigen Spruch Christi fuͤr mich nemmen/ (das ist mein Leib) und schen was ihm die Schwaͤrmer bißher haben abge- brochen/ allermeist darum/ weil sie schlipfferig und unstete sind/ sich drehen und wenden in tausend Winckel/ ob ich sie in GOttes Nahmen moͤchte er- bitten/ daß sie mir auff den einigen Spruch stuͤnden/ und richtig antworten/ die andern Spruͤche wil ich sparen auff ein ander mal. Dieselbe Predigt. Dieselbe seind nun heiter und klar/ Matthaͤus der mit und darbey ge- weßt/ samt Marco/ hat sie also concip irt: das ist mein Leib/ das ist mein Blut. Matth. 26, 26. Marc. 14, 22. Lucas aͤndert den stylum ein wenig/ das ist mein Leib der fuͤr euch gegeben wird/ ( corpus victi- matum ) das ist der Kelch des N. Testaments in meinem Blut/ das fuͤr euch vergossen wird. Luc. 22, 19. 20. h. e. das ist das Jnstru- ment/ durch welches mein Blut/ so fuͤr euch und fuͤr viel vergossen/ mit- getheilet wird/ oder in diesem Blut/ durch und in Krafft dieses Bluts ist mein Testament gemacht und gestifftet/ St. Paulus 1. Cor. 11, 24. τοῦτό μου ἐϛὶ τὸ σῶμα, τὸ ὑπὲρ ὑμῶν κλώμενον. Das ist mein Leib der fuͤr euch gebrochen wird. Ob hie schon das ein und andere Wort moͤchte dunckel lauten/ ist es doch durch das andere satt und gnug erklaͤret und erlaͤutert. Was heißt dann allhie τοῦτν? heißt es mehr nicht als Brod/ das alleinige Brod? wie zwar Gegentheil mit Gewalt dahin gehet. Dann so lauten die Wort Bergii, Churf. Brandenb. Hoff-Predigers in seinem Buch/ daß die Wort Christi noch feste stehen. p. 46. Wann die Vernunfft durch vorgefaßten Wahn nicht geblendet waͤre/ so ists so klar und deutlich/ daß ein jedes Kind sehen und verste- hen moͤchte/ daß der HErꝛ eigentlich auffs Brod deutet/ und vom Brod redet/ was er genommen/ gebrochen/ gegeben/ das ist sein Leib. Jst aber der eigentliche Haupt-Fehler/ das π ῶτον ψεῦδος, und der Stein des Aergernusses/ daran sich beede Paͤbstler und Calvini- sten gestossen. Dann daß durch das τοῦτο nur das Brod angedeutet wer- de/ leidet die Syntaxis nicht/ τοῦτο ἄρτος, und dann Tropi non-necessitas, wie droben in einer sondern Predigt erwiesen worden. Die Wort seind ja klar/ Paulus deutet mit Fingern drauff: Τοῦτό μου dieses einige/ eigene/ nemlich mein Leib/ der unter/ in/ und mit diesem Brod dargebotten wird/ ist mein Leib. Jtem/ das wird durch das Wort τοῦτο verstanden/ das fuͤr uns gegeben und vergossen worden. Nun aber ist nicht das Brod/ son- dern der Leib dargegeben/ nicht der Wein/ sondern das Blut Christi fuͤr uns vergossen worden. E. non panis non vinum per τοῦτο intelligen- dum. Und wiederum: Id per τοῦτο intelligitur, quod est res Novi Te- stamenti, so das Wesen des Neuen Testaments/ und also der Coͤrper selbst/ nicht das Schatten-Bild/ und zwar nicht am Brod/ sondern im Brod. Es wird auch nicht verstanden der Leib Christi bloß und allein/ wie Carlstad geschwaͤrmet/ dann so waͤre es kein Geheimnuß geweßt/ son- dern τὸ συμπεϖλεγμένον, der Leib in casu recto, das Brod in casu obli- S s i j quo Die Vierzehende quo, in/ mit/ und unter dem Brod und Wein ist der Leib und Blut Christi zugegen. Und dieses ist der erste/ natuͤrliche/ ungekuͤnstelte/ fuͤr sich selbst fliessende Verstand. Daß aber diese Erklaͤrung recht/ beweisen wir ex collatione similium phrasium: Gleichwie wann der Patriarch Jacob auff sein Geleit/ die H. Engel deutend/ spricht: Diß ist GOttes Heer/ Gen. 32, 4. Die Tochter Pharao auff das Mosis-Kaͤstlein/ diß ist der Hebreischen Kindlein eins/ Exod. 2, 6. St. Petrus auff die feurige Pfingst-Cronen/ JEsus Christus zur Rechten GOttes erhaben/ hat außgegossen das/ was ihr sehet und hoͤret. Act. 2, 32. So kan niemand anfangs einen andern Verstand fassen/ als unter/ in/ und mit diesem himmlischen Gesichte seind die Himmlische-Engelische Heerschaaren warhafftig zugegen: Dieses Kindlein so in diesem Rohr- Kaͤstlein ligt/ ist der Hebreischen Kindlein eines; das so in/ mit/ und un- ter der Feurs-Gestalt gesehen wird/ ist der H. Geist. Es erhellet exem- plo vulgarium locutionum, Wann ich einen Sack ( ita D. Luth. in Confess. S. Cœnæ ) oder Beutel zeig und darreich/ und spreche: das sind 100. fl. da gehet das Zeigen und das Woͤrtlein Das auff den Beutel/ weil aber der Sack und die Gulden etlicher massen ein Wesen sind/ als ein Klump/ so triffts zugleich auch die Gulden. Der Weise nach greiffe ich ein Faß an/ und spre- che/ das ist Rheinischer Wein/ das ist welscher Wein/ das ist rother Wein ꝛc. Jtem ich greiff ein Glaß an/ und spreche/ das ist Wasser/ das ist Bier/ Salb. Jn allen diesen Reden siehest du/ wie das Woͤrtlein DAS zeiget auff das Gefaͤsse/ und doch/ weil das Getraͤnck und Gefaͤß etlicher massen ein Ding ist/ so triffts zugleich/ ja fuͤrnemlich das Getraͤncke. Jsts nicht also/ wann ein standhaffter/ kluger und reicher Herꝛ einem armen Bett- ler ein kupffern Buͤchslein darreichte/ sagend: Nim̃ hin/ das ist Gold/ wuͤr- de er nicht alsobald darauff fallen/ und gedencken: Siehe/ dieser Herꝛ schencket mir unter/ mit/ und in diesem kupffern Buͤchslein ein stuͤck Golds/ er ist ein kluger Herꝛ/ er weiß/ was er redet/ ein frommer/ warhaff- ter Herꝛ/ er kans wol thun: Nimmermehr werden dem Bettler folgende Gedancken zufallen/ nimmermehr wird er gedencken koͤnnen/ siehe/ dieser Mann wil so viel sagen: Dieses kupfferne Buͤchslein ist ein Zeichen ei- nes abwesenden Goldes/ sondern in/ mit/ und unter diesem Kupffer ist das Gold. Und eben solche Gelegenheit hat es mit der andern proposi- tion, Das ist mein Blut des Neuen Testaments. Dann damit niemand Predigt. niemand ihm einbilde/ es sey ein figuͤrliches Blut/ so setzet er hinzu/ des Neuen Testaments; nicht nur die Schalen und Schatten/ sondern Kern und Haupt-Gut. Waͤre es nur ein Bedeutungs-Blut/ so waͤre zwischen dem A. und N. Test. kein Unterscheid. Dann wie das Vieh-Blut bedeu- tet das abwesend kuͤnfftige Lamms-Blut/ also allhie das abwesend erschie- nene. Damit es aber nicht das Ansehen hab/ als haͤtten wir diese Gloß erdichtet/ nemmen wir zum Commentario 1. Paulum 1. Cor. 10, 16. Der gesegnete Kelch/ den wir segnen/ ( poculum benedictum, h. e. in usu benedictionis ) ist der nicht die Gemeinschafft des Bluts Christi/ das Brod/ das wir brechen/ ist das nicht die Gemeinschafft des Leibs Christi? Jst die Conclusio, so auß dem Text fließt/ darum so muͤssen die Wort einen solchen Verstand haben/ auß welchem nothwendig die κοινωνία herauß kom̃t/ und also kein andern/ als wie albereit angedeu- tet/ nemlich/ wie Christi Menschheit eine Gemeinschafft hat mit der Gott- heit/ ohne Wort-Blum und Deuteley/ die Engel mit ihren angenomme- nen Leibern/ der H. Geist mit der Tauben/ und mit dem Tauff-Wasser: Also der Leib und Blut Christi mit Brod und Wein; so eine solche Ge- meinschafft. E. auch eine warhaffte/ wesentliche Gegenwart/ und Verei- nigung/ und nicht eine Abwesung/ quia omnis præsentia divina est sub- stantialis. 2. Johannem, der selbs mit und darbey geweßt/ und viel besser verstanden als unsere Kluͤgling/ der schreibet 1. Joh. 5, 8. Drey seind die da zeugen auff Erden/ der Geist/ und das Wasser und das Blut. Wann zeuget es? warhafftig im Sacrament/ als einem Goͤtt- lichen Sigill. Wo? auff Erden; nicht/ sagt er/ droben im Himmel/ setzet den Zeugen auff Erden dem Zeugen im Himmel entgegen/ zeugt es auff Erden/ so ist es auch auff Erden. 3. Sensum discipulorum. Ohne allen Zweiffel haben die Juͤnger des HErꝛn JEsu diesen obigen/ ersten/ einfaͤl- tigen Verstand bey der ersten Einsatzung auß Christi Worten geschoͤpffe; Haͤtte Christus/ wie sonst/ verbluͤmt reden wollen/ wuͤrden sie/ wie sonst mehrmalen geschehen/ darwider geredt und gesagt haben: Diß sind harte Wort. II . Præsentiæ Qualitas. Nicht gnug ists/ wissen rem, sondern man muß auch verstehen modum præsentiæ revelatum, das Wie/ nach dem Exempel der H. Jungfrauen Mariaͤ/ wie mag solches zu gehen? Luc. 1, 34. So ist nun diese præsentia 1. non merè spiritualis per fidem. Nicht ein bloß-geistliche Gegenwart/ so geschicht durch den Himmel-klet- ternden Glauben/ (so fern das geistliche dem warhafften/ wuͤrcklichen und thaͤtlichen oppon irt und entgegen gesetzet wird. Dann sonst ists freylich S s iij eine Die Vierzehende eine geistliche/ und keine grobe/ fleischliche/ leibliche und Capernaitische Gegenwart) der sich hinauff schwingt/ und sich mit Christo und seinem Leib vereinbaret/ dann was bloß durch den Glauben/ ohne warhafftige Gegenwart begriffen wird/ das ist abwesend/ nach dem stylo der Schrifft. Hebr. 10, 1. Das Gesetz hat den Schatten von den zukuͤnfftigen Guͤtern/ nicht das Wesen der Guͤter selbst. c. 11, 13. Diese alle (die Glaubens-Helden im Alten Testament) seind gestorben im Glauben/ und haben die Verheissung nicht empfangen/ son- dern sie von ferne gesehen/ und sich der vertroͤstet. Nicht 2. lo- calis per consubstantiationem, oder Beyweselung/ wir gestehen sie nie- mands. Keine einschliessende/ ein wicklende/ raͤumliche/ anhefftende/ ver- steckende Gegenwart/ da Christus als ein kleines Kindlein in der Hostia eingeschlossen/ keine verbergende Gegenwart/ dann wann wir mit Jo- hann Hussen singen: Daß wir nimmer des vergessen/ gab Er uns sein Leib zu essen/ verborgen im Brod so klein/ ists anzunemmen nicht de loco, von einem raͤumlichen Ort/ in der Hostien/ sondern scien- tia, daß wie es zugehe/ uns verborgen sey. Non 3. sacramentalis typica \& significativa, auff welche weiß Christus auch mit seinem Leib den Vaͤttern im A. Testament gegenwaͤrtig geweßt/ 1. Cor. 10, 3. Sie haben alle einerley Speiß gegessen/ und haben alle einerley geistlichen Tranck getruncken/ sie truncken aber von dem geistlichen Fels/ der mit folget/ welcher war Christus. Sondern 4. realis non fi- ctitia, sacramentalis exhibitiva, eine wuͤrckliche/ thaͤtliche/ sacramentli- che/ darreichende Gegenwart/ gleichwie ein Engel vereiniget ist mit sei- nem angenommenen Leib/ der H. Geist mit der Taubens-Gestalt/ und mit dem Tauff-Wasser. Uber das 5. Imperscrutabilis und unersorsch- lich. Wir glauben und lehren/ ( verba sunt Lutheri Tom. 3. Jen. p. 341. f. 2.) daß man im Abendmahl warhafftig und leib- lich Christus Leib isset und zu sich nim̃t/ wie aber das zugehe/ und wie Er im Brod sey/ wissen wir nicht/ sollens auch nicht wissen/ GOttes Wort sollen wir glauben/ und ihme nicht Weiß noch Maß setzen. Brod sehen wir mit den Augen/ aber wir hoͤren mit Ohren/ daß der Leib da sey. Weit/ weit hinweg mit allen proportions- Phantasien/ wie der verklaͤrte Leib Christi eine proportion habe mit dem Brod? Sage mir/ wie Er zur verschlos- senen Thuͤr/ und durch den Grab-Stein durchgedrungen. Diß ist ja die Sonn der Warheit selbs/ so heiter und klar/ daß sich wol Predigt. wol zu verwundern/ daß Leute in der Welt seyn solten/ welche die Sonn und dero Liecht selbst in disputat gezogen/ verstehe den Calvinischen Jrꝛ- Geist/ und dessen angeblasene/ angehauchte und uͤberwitzige Gruͤbler/ bey denen lauten die Wort der Einsatzung gar anders/ letz/ verkuͤnstelt und vertraͤhet also: Das/ h. e. das Brod ist der Leib Christi/ der Kelch ist das Blut. Weil nun dieses seltzam/ ungereimt und abentheurlich lau- tet/ dann wie solte ein lebloses Brod der lebendige Leib Christi seyn/ so muß es nothwendig per figuram und Wort Blum verstanden werden. Das ist der Leib/ h. e. diß Brod bedeutet und versigelt den Leib Christi: derowegen/ wann das Brod der Leib Christi genennet wird/ so geschicht es nach Brauch der Sacramenten/ welche Art darinnen bestehet/ daß die Schrifft den aͤusserlichen Zeichen den Nahmen zueig- net derer Ding/ darauff sie weisen. Nicht auß dieser Ursach/ daß die Zeichen in die bezeichnete Guͤter solten verwandelt werden/ oder daß die bezeichnete Guͤter in den Zeichen solten eingeschlossen seyn/ sondern dieweil sie uns dadurch fuͤr gebil- det/ und wir von der Empfahung derselben versichert werden. Ita Catech. Palat. q. 78. Et ibid. Das Brod beym Abendmahl wird der Leib/ und der Kelch oder Wein darinn das Blut Christi genennet/ um zweyer Ursachen willen/ 1. wegen der Vergleichung zwischen dem Brod und seinem Leib/ zwischen dem Wein und seinem Blut. 2. wegen unserer Versicherung von der geistlichen Niessung seines Leibs und Bluts. hæc est metonymia sacramentalis. Als zum Exempel/ die Beschneidung wird ein Bund genennet/ Gen 17, 10. weil sie ein Zeichen des Bundes/ das Oster-Lamm Passah oder Uberschritt/ weil es ein Zeichen des Uber- gangs/ die Tauff ein Bad der Widergeburt/ und Abwaschung der Suͤnden/ weil sie erinnert und versichert/ daß die innerliche Reinigung von Suͤnden geschehen. Also Brod und Wein der Leib und Blut Christi/ weil sie zum Gedaͤchtnuß des Leibs und Bluts Christi empfan- gen werden/ und uns der Gnugthuung Christi fuͤr unsere Suͤnde versi- chern. Warum nennet (so fraget der Heydelbergisiche Catechism. q. 79,) Christus das Brod seinen Leib/ und den Kelch sein Blut/ ꝛc. und antwortet/ Christus redet also nicht ohne grosse Ursach/ nemlich/ daß Er uns nicht allein wil damit lehren: daß gleich wie Brod und Wein das zeitliche Leben erhalten/ also sey auch sein geereutzigter Leib/ und sein vergossen Blut/ die wahre Die Vierzehende wahre Speiß und Tranck unserer Seelen/ zum ewigen Le- ben: Sondern vielmehr/ daß Er uns durch das sichtbare Zeichen und Pfand wil versichern/ daß wir so warhafftig sei- nes wahren Leibs und Bluts/ durch Wuͤrckung seines Heiligen Geistes theilhafftig werden/ als wir diese heilige Wahrzei- chen mit dem leiblichen Mund zu seiner Gedaͤchtnuß empfan- gen; und daß all sein Leyden und Gehorsam so gewiß unser eigen sey/ als haͤtten sie selbs wir unser eigen Person alles ge- litten und gnug gethan. Wo bleibt aber die κοινωνία Apostolica und Gemeinschafft? 1. Cor. 10. Ja/ sprechen sie/ die bleibt/ wir laͤug- nen die κοινωνίαν spiritualem und geistliche Gemeinschafft mit Christo nicht/ so ist und heißt 1. Relativa \& significativa, qualis est unio signi \& signati, non ficta, sed realis, sicut sensilia sensui, memorabilia me- moriæ, credenda fidei præsentia. Crocius. Eine solche Vereini- gung/ als zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten/ keine erdichtete/ sondern eine warhaffte Vereinigung/ auff solche weiß/ wie sichtbare und empfindliche Ding in ihren Sinnen/ denckwuͤrdige dem Gedaͤchtnuß/ die Verheissungen dem Glauben gegenwaͤrtig seynd. 2. Energetica. Sol absens nobis in cœlo nihilominus efficaciter præsens est nobis: quantò magis Sol Justitiæ Christus corpore in cœlis absens, præsens est nobis non cor- poraliter quidem, sed spiritualiter per vivificam operationem, \& ut ipse se nobis præsentem futurum exposuit in ultima cœna. Ita Confess. Helvet. p. 111. Die Sonn ist zwar oben am Himmel/ und weit von uns abgelegen/ nichts destoweniger ist sie mit ihrer Krafft bey uns auff Erden gegenwaͤrtig/ wie viel mehr ist die Sonne der Gerechtigkeit JEsus Christus/ so mit sei- nem Leibe droben im Himmel/ und also von uns abwesend/ gegenwaͤrtig/ nicht zwar leiblicher weiß/ doch nach dem Geist/ durch lebendig-machende Krafft und Wuͤrckung/ und wie Er selbst im letsten Abendmahl bey uns gegenwaͤrtig zu seyn sich erklaͤret hat. Daher singen wir selbs: Er ist bey uns wol auff dem Plan/ mit seinem Geist und Gaben. 3. Præsentia fidei, eine Gegenwart des Glaubens/ der sich mit seinen Fluͤgeln hinauff in den Himmel erschwingt. Spiritus Sanctus efficit, ut ille ipse Christus JEsus, qui nunc quatenus homo est, non est alibi quam in cœlis, sicut Scriptura testatur, nobis tamen, qui in terris sumus, non minùs verè done- Predigt. donetur, quàm signa ipsa, de quibus diximus: quatenus videlicet fi- des nostra eum centemplans in sacramentis, sicut expressa promissio testatur, in cœlum usque conscendit, ubi verè eum complectitur. Beza in vol. 1. de S. Spiritu, p. m. 28. Es verschafft der H. Geist/ daß eben der JEsus Christus/ der jetzt/ so fern er ein warhaffter Mensch/ nirgend anders/ als im Himmel ist/ wie die Schrifft bezeuget/ dennoch uns/ die wir auff Erden seind/ nicht weni- ger warhafftig geschencket und mitgetheilet werde/ als die sichtbare Zeichen/ wann nemlich unser Glaub ihne in den Sa- cramenten beschauet/ und in den Himmel hinauff steigt/ da er ihn warhafftig ergreifft und umfaßt. Den gantzen Butzen stellet uns Polanus fuͤr Augen in zweyen Worten: Es sey eine Communio non ὁμοῦ, non in, cum \& sub, sed ἅμα, ἅμα est temporis, ὁμοῦ est loci. Am Brod/ nicht im Brod. Polan. l. 6. c. 16. Cum pane \& vino exhibetur à Christo, \& percipitur à verè fi- delibus corpus \& sanguis Christi: quod non intelligi debet ὁμοῦ, id est, simul loco, ac si in vel sub pane corpus, item in vel sub vino sanguis Christi in eo- dem loco hîc in terris essent: sed ἅμα, id est, simul tempore, ut sit sensus: Quando homo fidelis edit panem Domini, vinum Domini ore corpotis, tùm eodem tempore simul edit corpus \& bibit sanguinem Christi ore animæ. Das heißt ja wol einen blauen Dunst fuͤr die Augen gemacht/ das heißt ein gewaltsamer Noth-Zwang: wer hat jemalen von solcher real- Gegen- wart gehoͤret/ da zwey Ding einander gegenwaͤrtig/ die viel tausend Mei- len/ ja so hoch als Himmel und Erden/ von einander getrennet. Die Sonne wuͤrcket wol in den tieffen Metall- und Gold-Gruben/ durch ihre Jnfluentz und Tugend/ wer kan aber mit Warheit sagen/ daß die Sonne den Metallen und der Erden warhafftig gegenwaͤrtig seye? Heißt das nicht dem Geist GOttes widersprechen/ welcher das/ was solâ relatio- ne \& virtute da ist/ nicht gegenwaͤrtig/ sondern zukuͤnfftig/ μέλλον \& πόῤῥωϑεν heißt? 2. Cor. 5, 6. Hebr. 10, 1. c. 11, 13. Heißt das nicht das Vater Unser corrigi ren/ Zukomm uns dein Reich? da es also heissen muß/ wir schwingen uns zu deinem Reich hinauff; daß heißt die hold- selige συγκατά ασιν auffheben/ wann Christus Joh. 14, 23. verspricht/ es werde die gantze H. Dreyfaltigkeit zu uns herab kommen/ und Woh- nung bey uns machen; das heißt auß dem Glauben ein Icarum machen/ der hin fladert/ und weiß nicht wo auß noch an. Dann der Glaub soll Neunter Theil. T t Christum Die Vierzehende Christum ergreiffen/ da/ wo Er warhafftig und wuͤrcklich ist/ so Er aber im Himmel auff reimliche Weiß an einem gewissen Ort/ wo ist wol der- selbe Sitz/ gegen Morgen oder Abend/ Mittag oder Mitternacht? Das heißt mit einer Hand geben/ mit der andern alles wieder nemmen: Hie sagt man Christi Leib sey gegenwaͤrtig mit seinem Geist und Wuͤrckung/ dort/ der Leib sey Safft- und Krafft-loß/ corpori Christi nullus succus vigorque vitæ. Danæus in Exam. Chemnit. p. 148. der dem Commu- nicanten weder kalt noch warm gebe/ und empfange der Mund des Glau- bens anders nichts/ als eine Safft- und Krafft-lose Speiß. Jst also der Leib Christi im Sacrament eben so wenig zugegen/ als der Leib Enochs und Elias. Fern seye es/ daß unser sel. Lutherus in seinem Lied: Ein veste Burg ist unser Gott/ der erdichteten Wuͤrckungs-Ge- genwart/ mit denen Worten: Er ist bey uns wol auf dem Plan/ ꝛc. haͤtte auffgeholffen/ massen der natuͤrliche und eigentliche Verstand al- lein dieser ist: Er/ der rechte Helden-Mann/ der da heisset JEsus Christ/ die gantze Person/ Gott und Mensch/ nach beeden Naturen/ ist bey uns/ nicht aber/ als ein strenger Richter/ uns nur zu schrecken/ und zu verdam- men/ sondern mit seinem Geist und Gaben/ also/ daß Er uns mit seiner holdseligen/ erfreulichen und gnaͤdigen Gegenwart befestiget/ behertzt und lebendig macht/ in aller Gefahr regiert/ schuͤtzet und endlich darauß erloͤßt. Es muͤssen aber gleichwol hochwichtige Argumenta und Beweiß fuͤrhanden seyn/ um dero willen man von dem Buchstaben abweichet/ solche Deuteleyen auff die Bahn bringet/ und die warhafftige wesentliche Gegenwart des Leibs und Bluts Christi auff Erden im H. Abendmahl impugn irt und laͤugnet. Ja freylich/ sprechen sie/ sind vorhanden/ und zwar 1. Corporis Christi veritas, die eigentliche Art und Beschaffenheit des Leibs Christi/ der ist uns in allem gleich/ außgenommen die Suͤnde/ und demnach ist er ein einiger/ unzertheilter/ fuͤhl- und sichtbarer/ raͤum- licher/ umschriebener/ gemessener Leib/ der seine Laͤnge/ Breite und Tieffe hat/ und also unmuͤglich/ daß er koͤnne zertheilt werden in so viel Coͤrper/ als stuͤcker Brod/ in so viel und unzehlichen Orten zugleich gegenwaͤrtig/ zugleich im Brod/ und auch ausser dem Brod/ seyn. Antwort: Freylich ist Christus uns gar gleich nach dem Fleisch/ und wie die Kinder Fleisch und Blut haben/ ist ers gleicher massen theilhafftig worden/ quoad sub- stantiam, nach dem Wesen des Leibs/ nicht aber was anlanget die δόξαν und Herꝛligkeit/ dann darin mußte er das præ haben. Er ist der An- fang und Erstgebohrner von den Todten/ auff daß Er in allen Dingen Predigt. Dingen den Fuͤrgang habe. Col. 1, 18. in solche ist er nun gegangen/ da Er von den Todten aufferstanden/ also daß Er Krafft derselben nun hat corpus glorificatum \& insensile, einen solchen Leib/ der den leiblichen Sinnen nicht unterworffen/ und allein mit verklaͤrten erhabenen Augen kan gesehen werden/ wie dorten die feurige Roß und Wagen/ 2. Reg. 6, 17. Ey/ sagen sie/ hat Er doch auch nach seiner Aufferstehung koͤnnen gesehen/ betastet und begriffen werden. Antwort: Das ist geschehen auß einer sonderbaren dispensation und Willkuhr/ wie Er auch gegessen und ge- truncken. Ja nicht nur das/ sondern auch corpus illocale, der zugleich an unterschiedlichen Orten seyn kan/ daher Er mit seinem Leib im Him- mel hat seyn/ und auch Paulo auff dem Weg gen Damascum erscheinen koͤnnen. II. Testimonium Scripturæ, welche sagt/ er seye auffgefahren gen Himmel/ ihn habe der Himmel fassen muͤssen. Piscator Bibl. Her- born. Act. 3, 21. Hinc argumentum: Welchen der Himmel fasset/ biß ans Ende der Welt/ der kan nicht in unzaͤhlich viel Hostien seyn mit sei- nem Leib/ Christum mußte der Himmel fassen/ ꝛc. E. Antwort/ nicht muß der Himmel Christum fassen/ sondern umgekehrt/ Ehristus mußte den Himmel einnemmen/ beherꝛschen/ und auff seinem Thron sitzend/ re- gieren/ sonst muͤßten nachfolgende Historien alle nicht wahr seyn/ da Er mit seinem Leib auff Erden erschienen/ Act. 7, 55. Als Stephanus voll Heiliges Geistes war/ sahe er auff gen Himmel/ und sahe die Herꝛligkeit GOttes/ und JEsum stehen zur Rechten GOt- tes. cap. 9, 3. seq. Da er (Saulus) auff dem Wege war/ und nahe bey Damaseon kam/ fiel er auff die Erden/ und hoͤret eine Stimme/ die sprach zu ihm/ Saul/ Saul/ was verfolgstu mich. Er aber sprach: HErꝛ wer bistu? der HErꝛ sprach: Jch bin JEsus/ den du verfolgest. cap. 23, 11. Des andern Ta- ges aber in der Nacht stund der HErꝛ bey mir/ und sprach/ sey getrost Paule/ dann wie du von mir zu Jerusalem gezeuget hast/ also mustu auch zu Rom zeugen. 2. Tim. 4, 16. 17. Jn der er- sten Verantwortung stund niemand bey mir/ sondern sie ver- liessen mich alle/ der HErꝛ aber stund bey mir/ und staͤrckte mich. Die Auffarth hebt die Gegenwart des Herrn so gar nicht auff/ daß sie dieselbe vielmehr bekraͤfftiget/ dann eben darum ist Er auffgefahren uͤber alle Himmel/ auff daß er alles in allem erfuͤlle. Eph. 4, 10. III. Difficultas credendi. Wie es die Apostel verstanden/ so sollen wirs auch verstehen. Nun sind der Apostel wenigste Gedancken geweßt/ daß T t ij im Die Vierzehende im Brod etwas seyn solte/ dann sie habens ja (seind Wort Bergii pag. 48.) nicht angesehen/ als ein Gefaͤß in welchem gleichsam als in einer Pasteten ein andere Speiß verborgen seyn solte/ viel weniger haben sie gedencken koͤnnen/ daß Christus/ der fuͤr ihren Augen am Tische saß/ zugleich einen unsichtbarn Leib haͤtte/ und daß derselbe unsichtbare Leib im Brod seyn solte/ dann wann hatten sie jemals von einem solchen unsichtbaren Leibe gehoͤret? Et mox: Aber das haben sie leicht verstehen koͤn- nen/ daß sie bey diesem Brod-Brechen Christi der Verheis- sung des neuen Bunds vertroͤstet und versichert wuͤrden/ daß Er seinen Leib fuͤr sie dahin geben wolte/ sonderlich/ da ers auch in folgenden Worten so deutlich erklaͤrt. Antwort 1. Der Juͤnger Unverstand und Unglauben hebt GOttes Warheit nicht auff. 2. Eben so leicht haben sie koͤnnen dafuͤr halten/ daß in/ mit/ und unter dem Brod sein Leib außgetheilet werde/ als leicht sie geglaubet/ daß der H. Geist verâ \& reali prâsentiâ in dem Athem und Hauchen Christi Joh. 20. zugegen/ und was doͤrffen wir uns viel bekuͤmmern/ wie es die Juͤnger verstanden/ lehren sie es doch selbs/ Paulus 1. Cor. 10. Johan- nes ep. 1. c. 5. IV. Præsentiæ in utilitas. pareus nennet diese Præsentz paleam, in qua nullum granum fidei, nullus succus consolationis, ein Spreu/ darinnen kein Koͤrnlein des Glaubens/ noch Safft einiges Trosts. Jst ein vergebenes Schul-Gezaͤnck/ um welches willen die Ge- muͤther nicht aneinander zu hetzen. Antwort: Das sind auch ( ita D. Luth. Tom. 3. Jen. p. 375.) D. Oecolampads schaͤndlich greu- licher Laͤsterung zwo/ daß er fragt/ worzu es nutz oder noth sey/ daß Cristi Leib im Brod sey/ und wo wirs nicht werden anzei- gen/ wil er schliessen/ es seye nichts daran. Was soll ich doch sagen zu der frevelen Thurst des hoͤllischen Satans? Wolan wann wirs gleich nicht koͤnten anzeigen/ wie es nutz und noth waͤre/ daß Christus Leib im Brod sey/ solte darum GOttes Wort falsch/ und nach unserm Duͤnckel zu draͤhen seyn? Ein fromm Gottsfuͤrchtig Hertz thut also: Es fraget zum ersten/ obs GOttes Wort sey/ wenn es das hoͤret/ so daͤmpffet es mit Haͤnden und Fuͤssen diese Frag/ worzu es nutz oder noth sey/ denn es spricht mit Furcht und Demuth also: Mein lieber GOtt/ ich bin blind/ weiß warlich nicht/ was mir nutz oder noth sey/ wils auch nicht wissen/ sondern glaube und traue dir/ Predigt. dir/ daß Du es am allersten weissest/ und meynest nach deiner Goͤttlichen Guͤte und Weißheit. Jch laß mir genuͤgen/ und bin darzu froh/ daß ich ein bloses Wort hoͤre/ und deinen Wil- len vernehme. Gibt darauff folgende Jnstantz. ib. f. 2. GOtt be- fahl Abraham/ er solte seinen Sohn Jsaac opffern/ da war Abraham freylich tieff genug verborgen/ wozu doch das noth oder nutz waͤre. Haͤtte er nun sich auch mit GOtt (wie un- ser Schwaͤrmer) in Zanck begeben/ und wissen wollen/ wozu es nutz und noth waͤre/ oder haͤtte sein Wort wollen verkehren/ was solt er wol fuͤr einen Segen erlangt haben? Eben den Lucifer im Himmel verdienet. Wiederum unser Mutter Heva hatte auch GOttes Wort/ daß sie von dem einigen Baum nicht essen solt/ da kam der Schwaͤrmer Abgott zu ihr eben mit dieser Frage/ und sprach/ warum hat GOtt das ge- botten? Als solt er sagen: wozu ists nuͤtze/ wozu ists noth? Ey es ist nichts daran/ GOttes Wort meynet solches nicht/ und deutet ihr GOttes Wort anders/ da fiel sie dahin/ und zog uns alle mit sich. Wir seind aber so eng nicht beschlagen/ daß wir nicht solten auch den Nutzen anzeigen koͤnnen. Es fliesset darauß 1. Præsentiæ gratiositas, was nutzte es Potiphar/ da er Joseph in seinem Hauß hatte? Von der Zeit an/ da er ihn uͤber sein Hauß und alle seine Guͤter gesetzt hatte/ segnete der HErꝛ des Egypters Hauß um Josephs willen/ und war eitel Segen des HErꝛn in allem was er hatte zu Hauß und zu Felde. Gen. 39, 5. Was Obed-Edom/ da er die Bunds-Lade in seinem Hauß beherberget? Da die Lade des HErꝛn drey Monden blieb im Hause Obed- Edom/ segnet ihn der HErꝛ und seingantzes Hauß. 2. Sam. 6, 11. Was nutzets Zacheum/ das Christus bey ihm eingekehret? Heute (sagt Christus selbs) ist diesem Hauß Heyl wiederfahren. Luc. 19, 9. Gewiß Er kom̃t nicht laͤhr/ er bezahlt die Jrten redlich. Was nutzet die Kinder Jsrael die Gegenwart der Wolcken-Saͤule/ Moses wolt nicht mit ohne das Angesicht des Herrn . Exod. 33, 3. 12, 13. seqq. Also auff der Reiß ins Himmlisch Canaan/ da heißts ne time, Cæsarem vehis. ϛῆτε, Χριϛὸς μεθ᾽ ἡμών. 2. Fidei confortatio, die Befestigung unsers Glaubens/ es ist ja ein starckes momentum die arrham selbst præsentem empfangen/ es hat ja eine Jungfrau einen grossen Trost/ wann sie den Trau-Ring in der Hand/ dann da zweiffelt sie an der Treue T t iij und Die Vierzehende und Liebe ihres Braͤutigams nimmermehr/ und weiß/ daß er sie ihr Le- benlang nicht verlassen werde. Also/ soll das nicht kraͤfftiger Trost seyn/ wann ich das Pfand des Erbes/ den Leib/ der fuͤr mich in den Tod gegeben/ das Blut/ so fuͤr meine Suͤnde vergossen/ empfahe/ zur Verst- cherung der inniglichsten/ hertzlichsten Liebe meines Heylands? 3. Asse- curatio communicationis \& amoris, die Versicherung der ewigen Lie- be/ Bluts-Freundschafft und Gemeinschafft aller erworbenen Guͤter. 4. Fervidum Christianismi studium. Das muß ja ein Ertz-Boͤßwicht seyn/ der dieses theure Pfand empfangt/ Christum zum Gast bekom̃t/ der ihm von neuem das Losament beschmeissen wolt/ er macht ihm viel- mehr einen lieblichen/ angenehmen Rauch/ und erweißt ihm alle Gast- Pflicht/ daß er nimmer von ihm weichen soll. 5. Die Gewißheit der Aufferstehung unsers Fleisches/ und desselben himmlischen Glory/ es soll der Mensch ewig leben/ auch nach dem Leib/ von der Speiß des Leibs Christi. Sicut oralis manducatio arboris vitæ erat typus immortali- tatis, Unser Leib/ ( ita rursus Luth. Tom. 3. Jen. p. 376. f. 2.) wird mit dem Leib Christi gespeiset/ auff daß unser Glaub und Hoffnung bestehe/ daß unser Leib soll auch ewig leben von der- selbigen ewigen Speiß des Leibs Christi/ den er leiblich isset/ welches ist ein leiblicher Nutz. Aber dennoch auß der massen groß/ und folget auß dem Geistlichen/ denn Christus wird ja auch unsern Leib ewiglich lebendig/ selig und herꝛlich machen. Welches viel ein groͤsser Ding ist/ denn daß er seinen Leib eine kleine Zeit auff Erden uns zu essen gibt. Drum wil Er in uns natuͤrlich seyn/ (spricht Hilarius) beyde in der Seele und Leibe/ nach dem Wort Joh. 6. Wer mich isset der bleibet in mir. Jßt man Jhn geistlich durchs Wort/ so bleibt Er geist- lich in uns in der Seele. Jsset man Jhn leiblich/ so bleibt Er leiblich in uns/ und wir in Jhme. Dann Er wird nicht ver- dauet noch verwandelt/ sondern verwandelt ohn unterlaß uns/ die Seele in Gerechtigkeit/ den Leib in Unsterblichkeit. Sprichstu noch/ Oecolampad, es sey nichts nutz? Jsts noch eine palea, Paree? Diß ist nun die Beut/ die uns Gegentheil untersteht zu rauben per philosophiam \& κυ είαν, da laßt uns nun nicht Kinder seyn/ und uns wiegen und waͤgen von dem Niderlaͤndischen/ Engellaͤndischen/ Fran- Predigt. Frantzoͤsischen/ Hessischen/ Pfaͤltzischen Zweybruͤckischen Winden/ und an fremden Exempeln witzig werden. Basel war vor Zeiten eine edele Jungfrau/ da Sulcerus noch profit irt/ aber Grynæus hats verderbt. Colmar deßgleichen. Die armen Leute wurden Calvinisch/ wußten nicht wie. Da gedencke E. L. ob wir nicht grosse Ursach haben zu eif- fern/ daß nicht auch dergleichen bey uns geschehe. Und zwar 1. Predi- ger/ daß sie diese und dergleichen Geheimnuͤsse nicht nur superficiariè, sondern verstaͤndlich tracti ren/ nicht daruͤber springen wie ein Hahn uͤber die gluͤende Kohlen. 2. Obrigkeiten/ Lutherus thut eine rechte Heroi- sche Vermahnung an die Stadt Straßburg/ Tom. 3. Jen. p. 382. f. 2. Jhr liebe Rath-Herren zu Straßburg/ und alle die ihr solche Sacraments-Rotten bey euch habt/ moͤget euch solche ihre Rede wol warnen lassen/ daß ihr die Augen nicht in den Beu- tel steckt/ sondern des Spiels wol acht habt/ der Muͤntzer ( Cal- vinus, Zvvinglius, Beza ) ist todt/ aber sein (ihr) Geist ist noch nicht außgerottet. Ja auch 3. Layen und junge Leute insonderheit/ die geht die Vermahnung St. Johannis an/ 1. Joh. 4. Glaubet nicht einem jeglichen Geist/ pruͤffet die Geister/ ob sie von GOtt sind. Seyd geistliche Schiffleuth/ daß ihr die Geister als Winde pruͤf- fet/ ob sie von oben herab/ oder unten auß der Hoͤllen herauß blasen. Dann es bleibt dabey/ wer glaubt/ das ist/ wer recht glaubt/ der wird se- lig. Eben darum/ und ob ignorantiam werden die Heyden unglaubig genannt. Wann einer die groͤste gute Werck thaͤte/ haͤtte aber den Glauben nicht/ so waͤre es nichts/ wie Glaub ohne Lieb lahm und tod/ so ist die Lieb ohne Glauben blind. Dienet zur Lehr fuͤr uns/ den Glauben zu staͤrcken/ wie viel meynen wir wol/ das Calvinisten unter uns seyen/ die nicht wissen/ was Lutherisch oder Calvinisch/ gilt ihnen alles gleich. Wer es bißher nicht verstanden/ der lerne es/ auff daß Gott nicht zuͤr- ne/ dann wann man die Liebe der Warheit nicht wil annemmen/ so strafft GOtt mit kraͤfftigen Jrꝛthummen. Ad Elenchum des Gegentheils/ nicht zwar in der Meynung/ die Ketzermeister selbs zu bekehren: Chri- stus bekehret (sind Wort Lutheri Tom. 3. Jen p. 339.) keinen Ho- henpriester/ aber ihre Juͤnger wurden wol bekehret/ als Nico- demus/ Joseph/ Paulus und dergleichen. Die alten Pro- pheten bekehren keinen falschen Propheten. Paulus kunte auch keinen falschen Apostel bekehren/ sondern gab die Lehre/ wann einer waͤre zwey- oder dreymal vermahnet/ solte man ihn Die Vierzehende. ihn meiden und fahren lassen/ als einen Verkehrten. Also ha- ben die heiligen Doctores auch noch nie keinen Ketzer-Meister bekehrt. Nicht darum/ daß diese alle jener Jrꝛthum nicht haͤt- ten jemals gnugsam bestritten und uͤberzeuget mit der War- heit/ sondern ihr Hertz war besessen mit eigenem Duͤnckel/ und gieng ihnen/ wie es dem gehet/ der durch ein gemahlt Glaß siehet/ man lege demselbigen fuͤr/ was man fuͤr Farbe wil/ so siehet er kein andere Farbe/ dann sein Glaß hat. Es mangelt aber nicht daran/ daß man ihm nicht rechte Farbe fuͤrlegt/ es mangelt daran/ daß sein Glaß anders gefaͤrbet ist. Wie der- selbige Spruch Jesaia auch gibt/ Jhr werdet sehen/ (spricht er) und werdets doch nicht sehen. Was ist das anders gesagt/ dann es wird euch fuͤr die Augen gnug und wol kommen/ daß ihrs sehen moͤchtet/ und andere werdens auch sehen; aber ihr werdets nicht sehen/ das ist die Ursach/ spricht Joh. am 12. daß man solche Leute nicht bekehren kan/ die fuͤrgelegte Warheit thuts nicht. GOtt muß das gemahlte Glaß wegnemmen/ das koͤnnen wir nicht thun. Ob ich nun auch kein Schwaͤr- mer-Meister bekehre/ so solls doch daran nicht mangeln/ ob GOtt wil/ daß ich die Warheit hell und duͤrre gnug wil fuͤr ihre Augen stellen/ und etliche ihrer Schuͤler abreissen/ oder je die Einfaͤltigen und Schwachen staͤrcken/ und fuͤr ihrem Gifft bewahren. Geraͤht das auch nicht (da GOtt fuͤr sey) so wil ich doch hiemit fuͤr GOtt und aller Welt bezeuget und bekañt haben/ daß ich mit diesen Sacraments-Laͤsterern und Schwaͤr- mern nicht halte/ noch je gehalten habe/ noch nimmermehr halten wil/ (ob GOtt wil) und wil meine Haͤnde gewaschen haben von allem Blut der Seelen/ die sie mit solchem Gifft Christo abstehlen/ verfuͤhren und ermorden/ denn ich bin un- schuldig daran/ und habe das meine gethan. Jst jemand unter diesem Hauffen diesem Schwarm beygethan/ den wolle Gott erleuch- ten/ und uns bewahren fuͤr diesem argen Geschlechte/ daß sichs in uns nicht flechte/ im gegentheil heiligen in seiner Warheit/ dann sein Wort ist Warheit/ damit wir also lauter und unanstoͤssig erfunden werden biß auff den Tag Christi. Amen. Die Predigt. Die Fuͤnffzehende Predigt/ Von Dem Gebrauch des H. Abendmahls unter beeder Gestalt. G Eliebte in Christo. Es vergleichet sich ὁ υἱὸς ἀϖω- λείας, das Kind des Verderbens/ der Roͤmische Wider- Christ/ 2. Thess. 2, 3. mit seinem Bruder dem συνωνύμῳ, und gleich genannten ὑῷ ἀϖωλείας, dem Judaͤ Jscarioth/ wie in vielen andern Stuͤcken/ also insonderheit in Sacri- legio in dem verwegenen/ wiewol mit Heiligthum und Heucheley vermumten/ Kelch-Wein-Blut-Kirch- und Gottes-Raub/ und dasselbe in gewissen gradibus: I. In Sacrilegio bonorum Ecclesiæ externorum. Es hatte Ju- das/ wie Johannes c. 12, 6. klar bezeuget/ den Beutel/ und trug den Se- ckel/ er war Christi Seckel-Meister/ Kirchen-Schaffner/ Heiligen- Pfleger und Verwalter der geistlichen Guͤter/ aber er war ein Dieb/ por- tabat ministerio, exportabat furto, saget August. Dionys. Carthus. er- zehlet ex traditione, er habe je den zehenden Pfenning gezwackt und ge- stohlen/ wie irgend untreue Maͤgde heutiges Tages theurer verrechnen/ als sie außgeben/ und heimliche Mutten machen. Vielleicht hat er manchmal/ was er den Armen geben sollen/ inbehalten/ oder leichtlich sagen koͤnnen/ es seye auff dißmal mehr nicht einkommen. Darauß obiter abzunemmen/ daß nicht allezeit die bey dem Herrn die Liebsten/ die Er zu Praͤlaten uͤber die geistliche Guͤter gemacht/ Johannes war der Liebste/ aber Er hat ihm den Seckel nicht vertraut: Nec incommodè observari potest, quòd Christus loculos non tradidit Johan- ni, quem præ reliquis dilexit, Joh. 13. ꝟ. 23. c. 20. ꝟ. 2. cap. 21. ꝟ. 7. sed Judæ, quem noverat fore Apostatam, ut moneamur, temporalia \& caduca hujus vitæ bona non esse amicorum DEI propria, sed piis \& impiis, bonis \& malis communia, quin imò sæpius obtingere impiis quàm piis, malis quàm bonis. Ita Gerh. Harm. c. 143. p. 133. Also auch der Roͤmische Papst/ der grosse Clavarcha \& Gazarcha, Ad- Neunter Theil. U u mini- Die Fuͤnffzehende ministrator \& dispensator bonorum Ecclesiasticorum, der hat die Schaͤtze der Welt durch sein Fischer-Netz an sich gezogen/ er wil den mil- den Stifftungen/ so der Kirchen ins gemein zum Besten vor Zeiten ge- reicht und beygelegt worden/ Obrister Verwalter heissen und angesehen seyn/ gestalt auß dem nechsten Stifft- und Closter-Krieg genugsam er- hellet/ und Paul. Layman in justâ defensione bestritten; Aber zuge- schweigen/ daß er andere Geistliche zu Bettlern gemacht/ und sie uͤberre- det/ daß sie votum paupertatis abgelegt/ so hat er die Layen dergestalt außgeschlossen/ daß wann auch die Welt solte untergehen/ und alles in der Kriegs-Flamm bleiben/ er/ so viel an ihm ist/ kein Stifft oder Kloster Corn. Lap. ad Act. c. 3. p. 101. herauß gegeben haͤtte. Daher als Thomas Aquinas zu Pabst Innocen- tio IV. einsmals gekommen/ fuͤr welchem ohngefaͤhr ein grosse Summa Gelds gezehlet wurde/ und ihne Innocentius angeredet/ siehestu mein lie- ber Thoma/ daß die Kirch nicht mehr/ wie anfangs/ sagen koͤnne/ Silber und Gold habe ich nicht/ habe er ihm bescheiden und vernuͤnfftig geant- wortet: Freylich ist dem also/ Heiliger Vater/ aber es kan die Kirch auch nicht mehr w. e. die erste Mutter-Kirch/ zu einem Lahmen sagen: Stehe auff und wandele. Ja eben damit hat er sich gnugsam verrathen/ daß er nicht Petri/ sondern Judaͤ Successor und Nachfolger seye. Und darff doch noch wol einer seiner Schmarotzer schreiben/ Thom. Boz. l. 10. de Sign. Eccles. c. 10. l. 11. c. 11. p. 464. Pontifex ne millesimam quidem par- tem à Christianis accipit, quæ deberetur. Er empfahe von den Chri- sten nicht den tausendsten Theil/ den man ihm zu reichen schuldig waͤre. II . In sacrilegio boni interni, mystici, Judas hat Crristum ver- kaufft/ verrathen/ feil gebotten/ hin gegeben/ und also gestohlen. Dann was man verkauffen darff/ ist entweder eigen von Rechts wegen/ oder ge- stohlen. Nun war Christus nicht von Rechts wegen Judaͤ eigen/ er hat Jhn gestohlen/ und Marckententerey mit ihm getrieben. Er bekannte selbs/ ich habe unschuldig Blut verrathen. Matth. 27. 24. Also auch der Pabst/ der verkaufft nicht nur Christi Leib und Blut/ und vermeyntes blu- tige Meß-Opffer ums Geld. Jst ein alte Klag die im Concilio Trident. selbs gefuͤhret worden/ und noch nicht allerdings abgeschafft/ Sess. 22. de Reform. und stehet unter solchen Meß-Mißbraͤuchen fornen an/ Missifi- cum avaritia, missæ interveniente mercede celebratæ, kupffern Geld/ kupffern Seel-Meß. Daher Johannes Picus Mirandula also geschrieben: Vendit Alexander Cruces, Altaria, Christum; Emerat ipse prius, vendere jure potest. Das Predigt. Das ist: Christum/ Creutz/ Kirchen und Altar/ Verkauffet Alexander par/ Dasselb zu thun hat er gut Macht/ Weil ers durch Kauff vor an sich bracht. Und Accius Sannazarius: Sacra sub extremâ, si fortè requiritis, horâ, Cur Leo [x] non poterat sumere? vendiderat. Das ist: Vielleicht mancher moͤcht fragen heut/ Warum Leo in Sterbens-Zeit/ Das Sacrament nicht kont empfangen? Das machts/ es war im Kauff drauff gangen. Sondern neben dieser Simoni und Fuggerey hat er noch dazu den Layen/ darunter Potentaten/ Kayser und Koͤnige/ und also den Kindern/ das Brod genommen/ und den Meß-Hunden dargewoffen/ samt dem Kelch und gesegneten Wein/ indem er ihnen das Blut JEsu Christi freventlicher weiß geraubt und gestohlen/ außgenommen Regem Chri- stianissimum, dem Clemens VI. ob ingentia merita das Sacrament unter beeder Gestalt zu gebrauchen/ Macht und Gewalt gegeben/ deren er sich aber nur zweymal bedienet/ auff den Tag seiner Croͤnung/ und in den letsten Todes-Noͤthen. III. In sacrilegii pallio hypocritico. Judas kunte seinen Schalck artig verbergen/ da Maria mit einem Pfund Salben/ von ungefaͤlschter koͤstlicher Narden/ die Fuͤsse JEsu gesalbet/ Joh. 22, 4. thut Judas sich herfuͤr: Warum ist diese Salbe nicht verkaufft um drey hun- dert Groschen/ und den Armen gegeben? Johannes gibt die πί- κρισιν, das saget Judas nicht/ daß er nach den Armen fragete/ sondern er war ein Dieb/ er haͤtte auch gern eine Feder von dieser Ganß gehabt. So kan der Roͤmische Pabst sein furtum und Kelch- Raub gar meisterlich verdecken/ unter dem Schein sonderbarer Heilig- keit und Reverentz/ daß dem Blut Christi kein Unehr angethan werde/ entweder durch Verschuͤttnng / Verwandelung in Essig/ Gefrierung/ Beschmitzung von den langen Baͤrten/ und was dergleichen mehr. Jst eben das jenige/ davon wir nun zu reden und zu handeln haben/ dann nachdem wir zum nechsten mal angefangen die adjuncta sacramentalia U u ij zu Die Fuͤnffzehende zu tracti ren/ und allbereit erwogen die præsentiam realem, folget nun Communio sub utrâque, und dessen oppositum, Communio sub unâ. Hievon fruchtbarlich zu reden/ wolle Gott seine Gnad und Geist verlei- hen. Amen. G Eliebte in Christo. Belangend nun vorhabendes The- ma, nemlich/ communionem sub utrâque, so ist dieselbe fun- d irt in Go ttes Wort sonderlich I. Jn den Testaments-Worten der Einsatzung/ davon es heißt/ Gal. 3, 15. Verachtet man doch eines Menschen Testament nicht/ wann es bestaͤtiget ist/ und thut auch nichts dazu. Nun sagt Christus klar: Trincket Alle darauß/ in welchen Worten er mit Fleiß vorbeugen wollen/ als der wol gesehen/ Luth. lib. de captiv. Baby l. c. de Euchar. daß ins kuͤnfftige solche Sacrament-Stuͤmler werden auffkommen/ wel- che zwar das Brod/ nicht aber den Kelch/ allen Communicanten reichen werden. Massen wol zu mercken/ daß angezogene Wort nicht seind verba status, wie die/ Seyd fruchtbar und mehret euch/ sondern ritus es- sentialis, einer wesentlichen unveraͤnderlichen Sitt und Gebrauchs; auch nicht verba præcautionis, daß sie es unter sich theilen sollen/ dann diese Wort sind schon vorher gegangen/ Luc. 22, 17. Er nam den Kelch/ dancket und sprach: Nemmet denselbigen/ und theilet ihn un- ter euch. So ists nicht vermuthlich/ daß die Apostel solche Wein- Schlaͤuch und so vertruncken geweßt/ daß ein jeglicher/ wann Christus diese instruction nicht gegeben/ den gantzen Kelch/ so ein Quart Weins gehalten/ wie Beda bezeugt/ außgetruncken haͤtte; nicht restrictiva ad so- los sacerdotes, dann sie waren da nicht conficientes; sondern verba man- dati, an alle und jede/ was ich euch sage/ das sage ich allen/ Marci cap. 13. Gleichwie bey Besprengung des Altars ( Exod. 24, 4. 5. 6.) die zwoͤlff Seulen das gantze Volck præsent irt: Also die zwoͤlff Apostel/ in Niessung des Bluts JEsu Christi im H. Abendmahl/ die gantze werthe Christenheit. Daß aber diese Wort keinen andern/ als diesen Verstand leiden/ erhellet auß nachfolgenden Gruͤnden. 1. Alle die jenigen werden durch das Wort ALLE verstanden/ die dieses Sacrament faͤhig/ dieser Gutthat beduͤrfftig/ zu welchen gesagt/ daß wie sie gegessen/ desselben glei- chen/ ὡσάυτως, auch trincken sollen. Nun seind alle Menschen/ die dazu- mal gelebt/ noch leben/ und ins kuͤnfftige leben werden/ so fern sie noch in dem Macht-Reich/ und in der streitenden Kirchen begriffen/ getaufft/ der Selbs-Pruͤffung maͤchtig/ und wie sie Brod essen/ also auch Wein trin- cken koͤnnen/ dieses Sacraments faͤhig/ dieser Gutthat beduͤrfftig/ seind die Predigt. die jenigen/ zu welchen gesagt/ daß sie ὡσάυτως, desselben gleichen trincken sollen/ wie sie gegessen. E werden sie alle/ so wol Priester als Layen/ durch das Wort Alle verstanden. Gleichwie wann ein beruͤhmter/ koͤstlicher und erfahrner Artzt in ein Lazareth- und Siechen-Hauß hinein tritt/ und findet in einem Gemach solche Patienten/ die mit einerley Kranckheit/ der Pest/ dem Krebs/ Wassersucht ꝛc. behafftet/ und sie mit diesen Worten anredet: Trincket alle von diesem Gifft-Heyl- und Artzney-Tranck zu eue- rem Genesen und Gesundheit/ der wuͤrde ja kein einigen/ so mit dergleichen Kranckheit und Bresten beladen/ nach der Artzney sich sehnet/ und mit bee- den Haͤnden darnach greifft/ außgeschlossen haben. Also hat Christus dazumal aller Welt gleichsam zugeruffen/ kom̃t her ihr Armen/ laßt mich uͤber euch erbarmen/ ihr solt glauben und nicht wancken/ daß hie sey ein Speiß (Tranck) der Krancken/ denen ihr Hertz von Suͤnden schwer/ und fuͤr Angst ist betruͤbet sehr. Es seind ja die Gutthaten amplissimæ inter- pretationis, und reichen so weit/ als weit nicht der Evergeta und Gutthaͤ- ter einen Knopff dafuͤr macht/ und den Riegel fuͤrschiebt. 2. Erhellet sol- ches auß den Nahmen des H. Abendmahls/ Testament und Sacrament/ dann daß es ein Sacrament seye/ bekennet Bellarminus frey und ungezwungen l. 1. de Euchar. c. 9. Sacramentum esse, de quo hîc agitur, nemo negat. Christus selbs nennet es ein Testament/ diß ist mein Blut des Neuen Testaments/ Matth. 26. oder wie Lucas den stylum fuͤhret/ Luc. 22. Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut. Nun aber ist ein Sacrament anders nichts/ ratione nominis, als sacrum juramentum, quod miles Imperatori præstat, da- her dieser Schluß fließt: Alle die werden in dem Anspruch Christi (Trin- cket alle ꝛc.) verstanden die geistliche Soldaten seind/ die in der H. Tauff Christo Treu und Glauben geschworen/ und unter seinem Blut-Fahnen biß in den Tod ritterlich kaͤmpffen und streiten wollen. Nun seind alle ge- tauffte ꝛc. geistliche Soldaten ꝛc. E. Alle die/ denen das Blut Christi Te- staments-weiß vermacht/ gehet auch dieser Anspruch an. Nun ist solches nicht nur geschehen den gegenwaͤrtigen Juͤngern/ sondern auch ihren Kinds-Kindern/ und allen denen/ die dazumal noch ferne gewesen feind/ die Gott herzu ruffen wird/ Act. 2, 39. E. 3. Auß der Macht und Ge- walt/ Rath/ Affect/ Sinn und Verstand Christi/ da er das heilige Abendmahl eingesetzt. Gesetzt/ der Verstand dieser Wort waͤre etwas dunckel/ so kan er doch liecht und leicht gemacht werden/ auß dem jenigen Staat und Stand/ darin der Herr diese Wort gesprochen. Der Herr/ der zu diesem Mahl eingeladen/ hatte Macht/ diesen seinen Schatz biß ans U u iij Ende Die Fuͤnffzehende Ende der Welt außzutheilen. Er war hospes ϕιλάνθρωπος, ein freundli- licher/ leutseliger Herr/ der von keiner prosopolepsi weiß/ es ist ihm ei- ner wie der ander/ in seinem Reich/ was anlangt seine Gnaden-Gaben/ und Gutthaten/ und hat weder Mann noch Weib/ weder Lay noch Cleri- cus, einige prærogativ fuͤr dem andern; Er ladet zum Sacramentlichen Mahl ein zu der Zeit/ da Er in den groͤsten Flammen der Liebe gestanden/ und dieselbe seinen Juͤngern und uns allen zum Exempel der Nachfolg fuͤrgemahlt; Er ladet ein in dem Verstand der διάνοιαι καὶ ἐυγνωμοσ ην, seu æquiprudentiam admitt irt/ daß wann Er noch lebte/ und von uns koͤnte gefragt werden/ ob er auch wolte/ daß vom Genuß seines Bluts auß dem Sacramentlichen Kelch einiger Mensch solte außgeschlossen wer- den/ gewißlich mit Nein antworten wuͤrde. Weil nun dem allem also/ hat Er ja in dem Wort/ Alle/ nicht allein seine Juͤnger/ sondern die gantze Kirch/ und allgemeinen Hauffen der werthen Christenheit geeinet und ge- meinet. 4. Auß Christi als des Gastgebers Zweck und End- Ursach/ so da ist die Vergebung der Suͤnden/ als welche der fuͤrnemste Kern und Stern/ Safft und Krafft/ Sonn und Kron/ wie des gantzen Evangelij/ also auch dieses Sacraments: Trincket alle darauß/ sagt Christus Matth. 26, 26, 28. τοῦτο γὰρ, eben darum/ weil es vergossen zu Ver- gebung der Suͤnden. Hinc argumentum, Omne bibendum hoc fine, zu dem Ende/ Frucht und Nutz/ Zweck und Ziel/ promission und Verheis- sung/ daß man davon habe die Vergebung der Suͤnden/ das dienet zur Vergebung der Suͤnden/ die Niessung des Sacramentlichen Kelchs hat solchen Zweck/ Frucht/ Nutzen/ Verheissung/ ꝛc. E. dienet sie zur Verge- bung der Suͤnden. Gleichwie wann ein Medicus sagte: Nim̃ hin diesen Artzney-Tranck/ und trincke/ das ist eine neue Artzney zur Heilung deines Fiebers/ so koͤnte man ja nicht anders gedencken/ als es seye dieses der ei- nige und fuͤrnemste Zweck der Artzney/ nemlich das Fieber zu vertreiben. Also wann auch Christus sagt: Trincket alle darauß/ dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut/ das fuͤr euch und fuͤr viel vergossen wird zur Vergebung der Suͤnden/ so kan ja nie- mand/ der sanæ mentis und gesunden Verstands/ anders gedencken/ als Christus habe diß Sacrament eingesetzet nicht fuͤr die gesunden/ sondern fuͤr die Verwundeten und Krancken/ und daß es fuͤrnemlich gewidmet sey zu Trost/ Heyl und Cur der bloͤden und boͤsen Gewissen. Worauß weiter fließt: Wen der Zweck/ Nutz und Frucht der Niessung des Sacramentli- lichen Kelchs trifft und angehet/ den gehet auch der Anspruch Christi an: Trincket alle darauß. Nun ist das ἐξαγώνιον, ausser allem Streit/ ge- wiß/ Predigt. wiß/ und zu beeden Seiten bekantlich/ daß die Frucht der Niessung des Sacramentlichen Kelchs/ die Vergebung der Suͤnden angeht/ nicht al- lein die Juͤnger Christi/ die Clericos, \&c. sondern auch die Layen/ welche seyn werden biß ans Ende der Welt/ biß der Herr kommen wird. E. so gehet sie auch das Alloquium und Anspruch Christi an. 5. Auß der Praxi der ersten Kirch. Der Schluß ist dieser: Was in Außspendung des H. Abendmahls die erste/ Apostolische/ Corinthische Kirch/ als Ec- clesia Exmplaris und Muster-Kirch gethan/ dazu ist auch die Roͤmische/ Straßburgische ꝛc Kirch verbunden. Quia primum in unoquovis ge- nere est mensura reliquorum. Zumalen weil Paulus seine Epistel nicht nur an die zu Corintho abgehen lassen/ sondern der gantzen werthen Chri- stenheit gleichsam dedic irt/ insinu irt/ und hoͤchst anbefohlen. Paulus beruffen zum Apostel JEsu Christi/ durch den Willen GOt- tes/ der Gemeine GOttes zu Corinthen/ den Geheiligten in Christo JEsu/ den beruffenen Heiligen/ samt allen denen/ die anruffen den Nahmen unsers HErꝛn JEsu Christi/ an allen ihren und unsern Orten. Gnade sey mit euch und Frie- de ꝛc. 1. Cor. 1, 1. 2. Nun aber hat die gantze Corinthische Kirch/ und also auch die Layen auß und nach des Herrn Befehl vom gesegneten Kelch getruncken/ als welches mit Soñen-Strahlen geschrieben 1. Cor. 11, 25. 26. Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut/ solches thut/ so offt ihrs trincket zu meiner Gedaͤchtnuß. Dann so offt ihr von diesem Brod esset/ und von diesem Kelch trincket/ solt ihr des HErꝛn Tod verkuͤndigen/ biß daß Er kom̃t. Und v. 28. Der Mensch pruͤfe sich selbst/ und also esse er von diesem Brod/ und trincke von diesem Kelch. Jst demnach der Befehl des Apostels gnugsam exprim irt/ theils in dem Wort Solches thut/ theils/ er trincke von diesem Kelch/ als welches der Apostel imperativè gesetzt/ πινέτω, und beydes/ das Trincken und Pruͤfen/ categoricè befohlen; er redet nicht ex hypothesi, daß/ so jemand von den Layen auß dem Kelch trincken wolte/ auß permission der Kirchen/ er solches nicht thue/ ohne vorhergehende probation, sondern es war hie eine solche tradition, die der Apostel vom Herrn empfangen. Jch habe es von dem HErꝛn empfangen/ das ich euch gegeben habe. 1. Cor. 11, 23. und also nicht auß der acht zu lassen/ sondern treulich zu prosequi ren/ nach seiner eige- nen Vermahnung 2. Thess. 2, 15. So stehet nun lieben Bruͤder/ und haltet an den Satzungen/ die ihr gelehret seyd/ es sey durch unser Wort oder Epistel. II. In Die Fuͤnffzehende II. In explicatione Paulina, 1. Cor. 10, 16. Der gesegnete Kelch/ welchen wir segnen/ ist der nicht die Gemeinschafft des Bluts Christi? Was nun Gott zusammen gefuͤget/ das soll der Mensch nicht scheiden. Es hat aber Gott im H. Abendmahl nicht zusammen gefuͤgt Brod und Wein/ wie in der Historiâ Serapionis ge- schehen/ apud Eusebium lib. 6. c. 36. Baron. ad ann. Chri- sti 255. n. 32. Erat, inquit, quidam Serapion apud nos fidelis senex, qui licet ma- gnam vitæ partem integrè \& incorruptè transegisset, tempore tamen persecutionis præ imbecillitate animi lapsus est. Hic sæpe- numero in Ecclesiam denuò recipi supplex postulabat: sed ne- mo, quia idolis sacrificasset, ejus postulationi aliquando auscul- tavit. Quin in gravem morbum delabens, triduo deinceps mu- tus \& absque sensu vixit: quarto autem die paulum relevatus, nepotem ad se accersivit, sicque alloquitur: Quousque me filii detinetis? præparate, obsecro, \& me ocyus dimittite; aliquem ex presbyteris advoca ad me. Quæ cum dixisset, iterum fuit mu- tus. Puer currit ad presbyterum: nox jam erat. Ille fortè mor- bo vexatus, accedere ad eum non poterat: sed tamen quoniam à me quidem mandatum dabatur, ut, qui jam essent è vita migra- turi, sanctorum mysteriorum (dummodò peterent, \& vel maxi- mè si anteà, dum in integrâ valetudine erant, supplices petivis- sent) participes fierent, sicque cum pace dimissi, \& bonâ spe confirmati ex hac luce decederent; puero exigdam quandam Eucharistiæ partem dedit, præcipiens, ut eam madefactam in os senis infunderet. Quam puer secum afferens, rediit. Cui jam appropinquanti, priusquam cum eo, quod gestabat, intraret ædes; Serapion denuò voce recuperatâ, dixit: Venisti Fili? tam- etsi presbyter non potest venire, tu tamen præsta, quod tibi in mandatis dedit, \& dimitte me abire. Particulam igitur puer, quam apportârat, madefacta in os senis infudit. Atque ille si- mul atque eam pedetentim per fauces dimiserat, illicò extremum spiritum edidit. auch nicht Brod und Blut/ sondern Brod und Leib/ Wein und Blut. Was nun Gott zusammen gefuͤget oder gescheiden/ soll der Mensch nicht trennen/ noch zusammen fuͤgen. Daß nun uͤber die 1000. Jahr in der Kirchen Go ttes/ nach ermeltem Verstand/ und in beeder Gestalt das H. Abendmahl außgespendet worden/ ist Predigt. ist auß der Kirchen-Histori gnugsam zu erweisen. Ignatius der heilige Maͤrtyrer epist. ad Philadelph. εἷς καὶ ἄρτος τοῖς πᾶσιν ἐθρύφϑη, καὶ ἓν ποτήριον τοῖς ὅλοις διενεμήϑη. Quomodo, ait Cyprian. l. 1. epist. 2. do- cemus aut provocamus eos in confessione nominis sanguinem suum fundere, si eis militaturis Christi sanguinem denegamus? aut quo- modo ad martyrii poculum idoneos facimus, si non eos prius ad bi- bentium in Ecclesia poculum Domini jure communionis admittimus? das ist: Wie koͤnnen wir sie unterweisen und anfrischen/ um der Bekanntnuß willen des Christlichen Namens ihr Blut zu vergiessen/ wann wir ihnen zu der Zeit/ da sie in den Kampff gehen sollen/ das Blut Christi abschlagen? oder wie koͤnnen wir sie zum blutigen Maͤrtyrer-Kelch geschickt und tuͤchtig machen/ wann wir sie nicht zuvor in der Kirch zum Genuß des Kelchs des HErꝛn/ vermoͤg der Gemeinschafft/ zu lassen? Joh. Chrysost. hom. 18. ad cap. 8. poster. ad Corinth. Non sicut in ve- teri lege partem quidem sacerdos comedebat, partem verò populus, nunc secus se res habet: omnibus corpus unum proponitur \& pocu- lum unum. Ea, quæ sunt Eucharistiæ, communia sunt omnia inter sacerdotem \& populum. Das ist: Es geht jetzt nicht mehr zu/ wie im Alten Testament/ da einen Theil der Priester/ den an- dern das Volck gegessen/ sondern es verhaͤlt sich die Sach gar anders. Es wird allen ein Leib und ein Tranck vorgesetzt/ und hat an dem/ was zum H. Abendmahl gehoͤrt/ Priester und Lay theil und gemein. Augustin. lib. 3. qq. super Levit. q. 57. Si illis sacrificiis Vet. Test. unum hoc sacrificium significabatur, in quo vera fit remissio peccatorum, à cujus tamen sacrificii sanguine in ali- mentum sumendo, non solum nemo prohibetur, sed ad bibendum potius omnes adhortantur, qui volunt habere vitam. Das ist: Wann durch die Opffer Alten Testaments dieses einige Opf- fer bedeutet wurde/ in welchem die warhafftige Vergebung der Suͤnden geschicht/ von welchem Opffer-Blut/ so es zur Nahrung und Auffenthalt der Seelen genommen wird/ nicht allein niemand abgehalten/ sondern vielmehr alle/ welche das ewige Leben haben wollen/ zu trincken angemahnet werden. Theodoret. Comment. in 1. Cor. 11. schreibet: Illius (Sacræ Cœnæ, quam vocat Sacramentum Dominicum) omnes sunt æquè participes, \& qui in paupertate degunt, \& quibus divitiæ spiritus faciunt, \& Neunter Theil. X x Domini Die Fuͤnffzehende Domini \& servi, \& Principes, \& qui eorum parent imperio. Das ist: Des H. Abendmahls seind alle theilhafftig/ beydes die ihr Le- ben in Armuth zu bringen/ und die wegen ihres Reichthums stoltz und auffgeblasen seind/ beydes Herren und Knechte/ Fuͤrsten und die/ so unter ihrer Herꝛschafft begriffen. Die In- vectiv und Verweiß Ambrosii, den er Theodosio gegeben/ hat Theo- doretus auffgezeichnet. l. 5. c. 18. mit denen Worten: Quî, quæso, manus injustâ cæde \& sanguine respersas extendere audes, \& iisdem sacrosanctum corpus Domini accipere? aut quomodo venerandum ejus sanguinem ori admovebis, qui furore iræ jubente tantum san- guinis fudisti? das ist: Wie darffst du dich erkuͤhnen/ deine Haͤnde/ die mit frevelem Mord und unschuldigem Blut besu- delt/ außzustrecken/ und mit denselben den Allerheiligsten Leib des HErꝛn zu empfahen? oder wie wilt du von diesem hochheiligen Blut trincken/ der du auß zornigem/ rasendem Wuth und Muth so viel Blut vergossen? De seculis sequio- ribus vid. D. Gerhard. Confess. Cathol. de comm. sub utrâque p. 1057. Und diese Lehr ist in der Kirchen geblieben biß auff das naaß-weise und tyrannische Concilium zu Costnitz/ da Johann Huss um dieser Lehre willen verbrannt/ seine Asche in den Boden-See gesprengt/ und folgen- des Decret Sess. 13. gesetzt worden. Generale Concilium declarat, de- cernit \& definit contrà hunc errorem (de communione Laicorum sub utrâque specie) quod licet Christus post Cœnam instituerit \& suis discipulis administraverit sub utrâque specie panis \& vini hoc vene- rabile sacramentum, Tamen hoc non obstante, sacrorum canonum auctoritas laudabilis \& approbata consuetudo Ecclesiæ, servavit \& servat, quod hujusmodi sacramentum non debet confici post cœnam, neque à fidelibus recipi non jejunis. Das gemeine Concilium setzt/ schließt und ordnet/ wider diesen Jrꝛthum/ (der Layen Sacra- mentlichen Niessung unter beeder Gestalt) daß ob zwar Christus dieses Hochwuͤrdige Sacrament nach dem Abendessen einge- setzet/ und seinen Juͤngern unter beeder Gestalt Brods und Weins außgespendet/ doch dessen ungeachtet/ ist/ vermoͤg der heiligen Canonen/ und loͤblicher und bewaͤhrter Kirchen Ge- wonheit/ gehalten worden/ und wird noch gehalten/ daß dieses Sacrament nach dem Nachtessen nicht soll gehalten/ und von den Predigt. den Glaubigen anders nicht/ als nuͤchtern genommen und em- pfangen werden. Da dann das Concilium nicht nur die nuͤchterliche Niessung gebotten/ sondern auch die communionem sub utrâque ver- botten. Ohnangesehen nun/ daß auff diesen Kelch-Raub grausame und Blut-stuͤrtzende Kriege erfolget/ sonderlich in Boͤhmen/ so hat man sich doch erhaͤrtet/ nicht nur Johann Hussen verbrennt Anno 1415. sondern auch Hieronymum Pragensem Anno 1426. darwider die Boͤhmen protestirt/ Joh. Zisca hat wider Kayser Sigismundum gekriegt/ ihn durch ein Stratagema der Weiber Schleyer uͤberwunden. Ita enim Gottfried in seiner Chron. part. 3. p. 300. Nach K oͤnig W enceslai Ableiben nam sich ein Boͤmischer Edelmann/ Johannes von T orseneck/ mit dem Z unahmen Z isca/ der Hussiten an/ tobet und wuͤtet wider die Můnche und Pfaffen/ war sonderlich ergrimmet uͤber die F ranciscaner und Prediger Muͤnche/ durch deren Anstifften Johann Huß umkommen seyn solte. Sie zerbrachen die Stifft/ Cloͤster und K irchen/ nachdem sie zuvor solche ge- pluͤndert hatten/ und thaten solches fast im gantzen Boͤhmer- L ande. Anno 1420. wolte K ayser Sigmund als ein Erb seines Bruders W enceslai das K oͤnigreich Boͤhmen einnemmen. Weil er aber zu Breßlau etliche um Auffruhr willen hatte richten lassen/ machten ihnen die zu Prag auch kein an- dere Rechnung/ schreiben derowegen an alle Staͤdte/ sie solten Sigismundum nicht einnemmen/ der als ein F eind zu ihnen kaͤme. Z isca zog auch wider ihn auß/ erobert die Stadt Aussig/ ruckte darnach dem K ayser unter Augen/ Sigismundus hatte lauter Reutter/ und Z isca anders nichts dann F ußvolck. Nun war die Wahlstatt ein unebener Ort/ ungeschickt zum Reutter- T ref- fen/ derowegen des K aysers Reuter von den Pferden abstiegen/ und zu F uß fechten wolten. Da diß Z isca vernam/ hieß er die Weiber (deren sehr viel ihren Maͤnnern und dem L ager nachfolgten) ihre Schleyer (so der Z eit schmal waren) auff die Erde werffen/ des Wegs/ da die Reuter herkamen/ darein sich die K ayserlichen mit den Sporen verwickelten/ nicht fuͤr sich kommen konten/ und also von dem F eind ůbereilet/ geschlagen worden. K onte sich demnach K ayser Sigmund weder der Stadt Prag noch T abor bemaͤchtigen. Martinus V. schicket ein Cardinal/ der die Teutschen wider Boͤhmen auffwickeln solt/ darauff sie drey starcke Armeen 100000. Mann auff die Bein gebracht; Aber panico tetrore, dermassen an Hertz und an Muth geschlagen worden/ daß sie einen Sieg nach dem andern verlohren. Die Romanisten hatten kein Stern noch Gluͤck wider die Hussiten/ und mußte Johann Huß theur genug bezahlt werden/ das todte Fell Ziscaͤ uͤber die Trummel gezogen/ hat ihnen eine solche Forcht eingejagt/ daß sie nicht dafuͤr bestehen koͤnnen/ und wolte Sigismundus Boͤhmischer Koͤnig seyn/ so mußte er ihnen beede Gestalt zu lassen. X x ij Hic Die Fuͤnffzehende Hic (ita Marchant. hort. Pastor. p. 758. declamat) est lapis offensio- nis, in quem primi impegerunt Hussitæ Bohemi, sectatores cu- jusdam Johannis Huß, Sacerdotis \& Magistri in Universitate Pragensi tunc florentissima. Hic ob errores condemnatus fuit \& flammis datus in Concilio Constantiensi, \& cineres in Rhe- num dispersi, ne eos discipuli colligerent, aut ejus memoriale ullum residuum foret: sed doctrina ejus cum cineribus non fuit sepulta, hactenus enim sectatores habet. Tunc autem maximè errorem hunc ab inferis resuscitarunt Taboritæ hæretici, sic di- cti à civitate ædificata in Bohemia in monte, cui nomen Tabor indidêre, allusione factâ ad montem, in quo Christus transfigu- ratus est. In hoc monte initio hujus hæreseos, plusquam tre- centæ mensæ erectæ fuerunt, \& triginta hominum millia con- currerunt, ut sub utrâque specie ibi communicarent, innumeris illuc vasis illatis, ut plebs insana vino consecrato \& calice ute- retur. Hunc deinde montem aquis circumdatum triplicibus muris cinxit, Ziscka Tyrannus eorum dux: qui totam turbans Bohemiam, frequentissimè contrà Sigismundum Imperatorem acie instructâ triumphavit: \& utrôque licet oculo tandem care- ret, feliciter exercitum ductare visus est. His victoriis insolen- ter inflatus, cùm divinitùs peste percussus foret, moriens nihilo- minus præcipiebat suis, ut detractâ cadaveri suo pelle, tympa- num bellicum ex ea confici curarent, certò asserens, ad illius vel solum sonum hostiles acies fugiendas \& exterrendas. Quid plu- ra? ad assertionem hujus erroris, in vexillis calix depictus præfe- rebatur: Sacerdotes in medio militum armatorum calicem defe- rentes, decantabant: PANGE LINGUA. In portis \& superli- minaribus domuum calix depingebatur; in frontispicio Urbis Tabor, visebatur effigies Zisckæ cum angelo eum præcedente \& calicem deferente. Denique in cathedris scholarum, in pulpitis templorum, in officinis typographorum, denotabat lingua di- sertorum, calamus scribentium, typi imprimentium, contrà Ec- clesiam, tanquam injustitiam: quæ calicem fidelibus subtraxis- set, \& Sacramentum mutilum contrà fas distribueret. Endlich ist dieser Kelch-Raub im Concilio Tridentino, wie hefftig auch die Oratores dawider gestritten/ wie wir bald hoͤren werden/ confirm irt/ und da das Sigel darauff gedruckt worden/ Sess. 21. cap. 1. Etsi Christus Dominus in ultima Cœna venerabile hoc Sacramentum in panis \& vini Predigt. vini speciebus instituit, \& Apostolis tradidit, non tamen illa institutio \& traditio eò tendunt, ut omnes Christiani fideles, statuto Domini, ad utramque speciem accipiendam astringantur. Obwol Christus der HErꝛ im letsten Abendmahl diß hochwuͤrdige Sacrament unter der Gestalt Brods und Weins eingesetzt/ und den Apo- steln gegeben/ so geht doch diese Einsatzung und Uberreichung nicht dahin/ daß alle und jede Glaubige in Christo/ Krafft der Einsatzung Christi/ das Abendmahl in beeder Gestalt empfan- gen muͤßten. Et cap. 3. Quamvis Redemptor noster in supremâ illâ cœna hoc Sacramentum in duabus speciebus instituerit \& Apostolis tradiderit, tamen fatendum esse, etiam sub alterâ tantùm specie totum atque integrum Christum, verumque Sacramentum sumi, ac propter- ea quod ad fructum attinet, nullâ gratiâ ad salutem necessariâ eos de- fraudari, qui unam speciem solam accipiunt. Ob schon unser Er- loͤser im letsten Abendmahl dieses Sacrament unter beeder Ge- stalt eingesetzt/ und den Aposteln uͤberreicht/ so muͤsse man doch bekennen/ daß auch allein unter einer Gestalt der gantze Chri- stus/ und das warhafftige Sacrament empfangen werde/ und deßwegen/ was dessen Frucht anlangt/ die jenige/ die es nur unter einer Gestalt gemessen/ um keine zur Seligkeit noͤthige Gnaden-Gab gebracht und betrogen werden. Welchem Wolffs-Geheul hernach alle andere Woͤlff nachgeheult/ Bellarminus, Becanus, und andere Helffers-Helffer habens mit aller Macht behau- ptet. Massen solches alles auß benamsten Historien und Buͤchern so klar und offenbar/ als die Sonn am Himmel ist. Was sollen wir aber auß dem Handel machen? wie sollen wir dem Kind einen Namen geben? wie koͤnnen wir nun diesen Abzug und Ent- ziehung des Kelchs und gesegneten Weins und Bluts Christi/ in statu definitivo anders taͤuffen als ein Sacrilegium? Scheinet zwar eine har- te Anklag und grosse Injuri zu seyn. Dann wer kan leiden daß man ihn eines Diebstals uͤberzeugt? Aber wir wollens heiter und klar an Tag thun. Es heisset ja Sacrilegium und Kirchen-Raub so viel/ als rei sa- cræ toti Ecclesiæ communis, thesauri publici interversio monopolica, invito Domino proprietario \& usufructuario. Wie der peculatus anders nichts/ als boni communis, ac eatenus alieni surreptio, wann man den gemeinen Seckel bestihlt/ und damit unter dem Huͤtel spielt. Qui calicem sacrum è loco vel sacro vel non sacro surripit, propriè di- ctum sacrilegium committit, Wer einen geweyheten Kelch/ er sey X x iij in Die Fuͤnffzehende in der Kirch oder ausser der Kirch stihlt/ der begehet eigentlich ein Kirchen-Raub. So lehret der Dillingische Jesuit Layman. Theol. moral. tract. 10. c. 7. n. 17. \& 12. Nun ist hie l. Bonum sacrum publicum, ein heiliges und gemeines Gut/ S. lipsanum, Schatz/ Loͤß- Geld/ Artzney/ Testament/ Zehr-Pfenning/ das Blut JEsu Christi/ das vergossen worden zur Vergebung der Suͤnden/ das aber wird dem Layen genommen und abgeschlagen. Mit nichten/ sprechen sie/ der Lay hat sich nichts zu beklagen/ per concomitantiam und nothwendige Mit-Folg empfanget er es eben so wol/ unter der Gestalt des Brods empfangt er auch den Leib Christi/ welcher/ weil er ein warhafftiger Leib/ kan er noth- wendiger weiß nicht ohne Blut seyn/ was darff er sich dann viel beschwe- ren? Die gantze Erbschafft/ der Leib und das Blut Christi/ wird ihm uͤberreicht/ nur ist das der einige Unterscheid/ daß die den Kelch trincken/ empfangen die Erbschafft sub duabus tabulis, die andere nur unter ei- ner. Jst also ein solcher Unterscheid/ der nicht der Rede werth/ differen- tia nullius momenti, man solte kein Hand drum umwenden/ und viel Kappen-ruckens machen. In spiritualibus (ita Corn. à Lap. ad Joh. 6. pag. 343.) \& sacramentalibus æquè ac divinis idem est comedere \& bi- bere: quare qui unam tantùm speciem sumit, tantum fructus \& gra- tiæ percipit, quantum ille, qui utramque sumit imò in rebus corpora- libus, idem lac simul \& cibus \& potus, idem panis vino intinctus si- mul cibat \& potat, simul comeditur \& bibitur, simul famem \& sitim restinguit. Jn Geistlichen/ Sacramentlichen/ wie auch Goͤtt- lichen Sachen ist Essen und Trincken eins so viel als das an- dere; daher hat der jenige der nur eine Gestalt empfangt/ so viel Nutzen/ als der/ der alle beede. Ja auch in leiblichen Din- gen/ ist Milch so wol eine Speiß als ein Tranck. Brod in Wein eingedunckt/ speisset und traͤncket/ wird zugleich gegessen und getruncken/ stillet Hunger und Durst. Das heißt ja Koth mit Koth abwischen! wo ist doch diese concomitantia und Mit-Folge in der Schrifft gegruͤndet? wo dessen vestigia in der Antiqui taͤt anzutref- fen? was sagt Paulus 1. Cor. 10, 16. Der gesegnete Kelch ist der nicht die Gemeinschafft des Bluts Christi? Er sagt ja nicht/ das Brod sey die Gemeinschafft des Leibs und Bluts zugleich/ sondern allein des Leibs/ was nun Gott von einander geschieden/ soll der Mensch nicht zu- sammen fuͤgen. Gesetzt/ daß Leib und Blut/ Krafft der natuͤrlichen Ver- einigung/ unzertrennlich/ so seind sie doch nicht Sacramentlicher weiß im Abendmahl vereiniget. Entweder empfangt der Lay das Blut Christi in/ Predigt. in/ und mit dem Leib/ natuͤrlicher/ oder Sacramentlicher weiß/ so das erste/ ist er ein Capernait; so nicht/ so empfangt ers nicht Krafft der na- tuͤrlichen concomitan tz. Wann der Gebrauch des Kelchs darum nicht noͤthig/ weil er in der Gestalt des Brods so viel empfangt/ als un- ter der Gestat des Weins/ ist auch die Gestalt des Brods nicht mehr noͤ- thig. Dann was der Lay im Brod empfangt/ hat er albereit empfangen in der H. Tauff/ als in welcher er den gantzen Christum angezogen/ und empfangts noch taͤglich im Wort. Uber das alles ist/ daß der Herr sagt: Trincket. Wann ein Medicus dem Krancken Pilulen und ein Traͤncklein verordnet/ wuͤrde er damit zu frieden seyn/ wann er nur die Pilulen wolte gebrauchen/ das andere aber nicht/ wuͤrde er so viel Nutzen haben von dem einen/ als von allen beeden? II. Es geschicht diese Interversio und Sacrilegium invito Domino proprietario, wider Willen des Eigenthums- He rꝛn. Dessen Wort lau- ten hell und klar also: Trincket alle darauß/ h. e. Alle/ die wahre Glied- massen der Kirchen/ dann die/ so draussen seind/ fremd und ausser der Burgerschafft Jsraelis/ seind auch fremd von den Testamenten der Ver- heissung. Eph. 2, 12. Renasci prius oportet, quàm pasci. Alle die von Natur geschickt zu trincken/ alle die sich selbs pruͤffen koͤnnen/ alle Juͤnger Christi/ quà tales, dann was Christus seinen Juͤngern sagt/ das sagt Er allen/ Marc. 13, 37. Alle geistliche Soldaten/ so zu diesem Sacrament au- ctor irt/ alle Erben dieses Testaments/ alle die der Vergebung der Suͤn- den begierig. Alle/ fuͤr welche Christus sein Blut vergossen: Alle diese/ wil Christus sagen/ sollen trincken/ ὡσάυτως, gleicher gestalt/ wie sie auch geges- sen. Es stehet nicht frey hie jemand zu dispensi ren/ der Befehl ist klar und außgetruckt/ Bellarminus muß ihn selbs gestehen. lib. 1. de Euchar. c. 9. Christus non solum consilium sed \& præceptum dedit hoc sacramen- tum sumendi, tàm Apostolis, quàm futuris fidelibus. Marchant. hort. past. p, 736. Es ist nicht allein ein Evangelischer Rath/ sondern auch ein ernstes Mandat und Gebott. Obj. Es werde doch die Liber taͤt lax irt in folgenden Worten: Solches thut zu meiner Gedaͤchtnuß/ h. e. Wann es euch wird belieben zu trincken/ so solt ihr mein dabey gedencken. Dar- auß folge aber kein Befehl. Antwort: Das moͤchte einen Schein haben/ wann das bibite und præcipite nicht fuͤrstuͤnde/ die Meldung seines Ge- daͤchtnuß/ bey Empfahung des Kelchs/ hebt den Befehl nicht auff. Gleichwie wann ein Obrigkeit anordnete/ daß Jaͤhrlich den 30. Julij das Frieden-Fest continu irt wuͤrde/ mit diesem Bescheid: Alle Jahr solt ihr das Frieden-Fest halten/ und so offt ihr das thut/ folt ihr der grosse Gut- that Die Fuͤnffzehende that/ die uns Gott erwiesen/ gedencken/ wor wolte darauß die Freyheit solches zu unterlassen/ schliessen koͤnnen? Ein Testator setzet in seinem Testament auß/ man soll Jaͤhrlich im Spittal auff seinen Nahmens- Tag unter die Armen Zehen Reichsthaler außtheilen/ und so offt sie es thun/ sollen die Armen seiner dabey gedencken. Wer wolte abermal hierauß argumenti ren/ daß die Erben solches nach Belieben thun oder unterlassen koͤnnen? III. Invito Domino usufructuario, dahin dann gehoͤren die Kir- chen und Gemeinden/ die daruͤber geklagt/ insonderheit die Klag Ferdi- nandi I. Imper. Rom. der in seinen Brieffen an Pabst Pium IV. unter andern also schreibt: Zelo (ita D. Gerh. Confess. Cathol. lib. 2. part. 2. art. 14. cap. 7. p. 1064.) pietatis \& honestâ intentione moti fuimus, cum proximè cele- braretur Tridenti Sacrum Oecumenicum Concilium, ut agere- mus \& laboraremus pro concessione calicis, non certè tempora- lis alicujus commodi aucupandi gratiâ, sed quia prorsus persua- sum habuimus, sicut etiam nunc habemus, hujusmodi concessio- nem futuram esse utilissimam in genere, plurimum momenti al- laturam in specie ad reductionem lapsorum \& errantium, nec non ad faciendum jam tandem utile principium restaurandæ unitatis \& pacis Ecclesiæ tamdiu frustrà expectatæ \& desideratæ. Verùm quoniam eò tempore nobis relatum fuerat, non deesse, qui de hac materiâ \& concessione nonnihil dubitarent, \& varia impedimenta injicerent, facilè tulimus, rem aliquandiu differri, ut possemus interim pro exoneratione conscientiæ nostræ de hoc negotio conferre, cum nonnullis præcipuis ac potissimum S. Rom. Imperii Prælatis ac Principibus, existimantes, quod præ- habito eorum consilio rectius ac liberalius possemus. Deinde omnibus modis instare \& elaborare, ut petitioni nostræ satisfie- ret. Institutâ igitur maturâ ac diligentissimâ deliberatione de hoc negotio, utrum scilicet expediat hanc concessionem ulterius exquirere \& urgere, nec ne? cum dictis Prælatis atque Principi- bus Ecclesiasticis, \& dato eis cogitandi spatio, quò \& ipsi pos- sent rem cum suis Theologis \& Doctoribus, pietate \& eruditio- ne præstantibus, conferre, prout contulisse non ambigimus, iidem Prælati \& Principes Ecclesiastici, cum intellexissent, nos ad hujusmodi petitionem tàm necessariam, tum regnis \& dominiis nostris, tum universæ nationi Germanicæ, inclinatos esse Predigt. esse \& statuisse, Sanct. V. hoc nomine reverenter interpellare, ma- gnopere collaudato proposito nostro promiserunt, quod \& ipsi in hac parte non essent defuturi officio suo \&c. planè nobis per- suasimus, Sanct. V. non permissuram, ut frustrà ab ea auxilium petiisse videamur in re necessaria, \& ad salutem Christiani popu- li pertinente, quæ in Concilio tam diligenter ventilata \& discussa fuit, præsertim cùm jam omnibus constet, \& manifesta sit ingens utilitas, quæ ex hujusmodi concessione expectanda est. Dux Bavariæ (ita Petr. Suav. lib. 8. Concil. Trid. p. 959.) ejusdem argu- menti literas ad Pontificem dedit, quæ sic habebant: Quod sæ- pius ad sanctitatem ejus mandasset, qui miserabilem Germaniæ statum in negotiis religionis exponeret, sperare non admissu- ram, ut desideretur diutius paternæ suæ medicationis auxilium. Quam quoniam hactenus adhibitam non viderit, orare se unà cum Cæsarea Majestate \& Electoribus Ecclesiasticis, ut conce- dat Episcopo Saltzburgensi potestatem dispensandi cum Pres- byteris Catholicis, ut confessis \& contritis, cæterosque articulos religionis credentibus calicem præbeant. Eam concessionem satisfacturam subditis suis, tum iis, qui habitant in ditione suâ, tum illis, qui hujus Sacramenti perceptionem extrà provincias suas apud Sectarios quærunt. Se quidem unâ specie semper contentum fore, nec unquam ad usurpationem calicis eos ad- acturum, qui, sicut ipse, in sola specie panis acquiescunt. Ho- rum nomine nihil se petere, sibi tamen videri non indignum Vi- cario Christi cæterorum quoque misereri. Anderer/ als Andreæ Dudithij, Kayserlichen Legati, Catharinaͤ Koͤni- gin in Franckreich/ und vieler mehr/ fuͤr dieses mal zugeschweigen/ was seind diese Klagen/ Querel en und Forderungen anders als accusatio- nes sacrilegii? Jst alles so klar und heiter/ daß Gegentheil nichts sonderlichs erden- cken koͤnnen/ solchem Liecht entgegen zu setzen/ als 1. der Kirchen Gewalt in re adiaphorâ, wie sie denselbigen gebraucht in der aspersion des Taͤuff- lings/ also auch hie. Aber ein anders ist immersio, die Eintauchung des Taͤufflings ins Wasser/ und dessen Besprengung/ ein anders das Trin- cken im H. Abendmahl: Jenes ist ein Mittel-Ding/ dieses ein wesentlich Stuck/ und ist ein Unterscheid zu machen inter λῆψιν \& modum λήψεως, in diesem mag die Kirch dispensi ren/ in jenem durchauß nicht/ und geste- hen wir nichts wenigers als solchen Gewalt. Es heißt hie/ der Mann ist Neunter Theil. Y y Meister/ Die Fuͤnffzehende Meister/ und nicht die Frau. 2. Scripturæ loca coacta, etliche Schrifft- Stellen/ die sie mit Haaren herzu gezogen/ und namentlich Luc. 24, 30. Jhr argument ist dieses: Christus hat zu Emaus den Juͤngern das Brod gebrochen. E. hat Er damit bezeugt/ daß auch das Abendmahl un- ter einer Gestalt gnugsam seye. Becanus ist so vermessen/ daß er zwo Ein- satzungen erdichtet. Infero, (inquit lib. de Com̃un. sub utrâque c. 3. §. 4.) Christum bis instituisse Eucharistiam: semel Hierosolymis in ultima Cœna ante passionem; \& semel in Emaus post resurrectionem: Illic sub utrâque specie; hîc sub unâ: illic adfuisse Apostolos, qui tunc fie- bant sacerdotes; hîc duos discipulos, qui adhuc erant Laici. Das ist: Darauß schliesse ich/ es habe Christus das H. Abendmahl zweymal eingesetzt/ einmal zu Jerusalem im letsten Abendessen vor seinem Leyden/ und einmal zu Emaus nach seiner Auffer- stehung/ dort unter beyder Gestalt/ hie unter einer/ dort waren mit und dabey die Apostel/ so dazumal Priester wurden/ hie zween Juͤnger die noch Layen waren. Aber daß unser Heyland Christus das Sacrament des H. Abendmalhs zu Emaus weder auff ein neues eingesetzt/ noch wiederholt habe/ erhellet daher/ weil es/ so Christus solches auff ein neues eingesetzt/ geschehen waͤre ohne Substantial- Befehl und Einsatzungs-Wort; so Er es wiederholt/ so hat Ers gethan entwe- der mit/ oder ohne Wein? so mit Wein/ koͤnnen die Adversarii nichts er- halten; so nicht/ wirds auch erlaubt seyn/ nach dem Exempel Christi ohne Wein zu consecri ren/ welches abermal ihnen entgegen/ und mit ihren rationibus nicht uͤbereinstimmet. Wie aber? Es hat der Evangelist eben die Wort gebraucht/ wie bey der Einsatzung des H. Abendmahls: Er nam das Brod/ dancket/ brachs/ und gabs ihnen. Luc. 24, 30. Deßgleichen so haben die Juͤnger bey dem Brod-Brechen erkant/ daß es der Herr sey/ darum ist es ein solche fraction und Brechen geweßt/ die Er zuvor beym Sacrament auch im Brauch gehabt/ bey welcher sie dar- auff gefallen/ es koͤnne niemand anders/ als Er seyn. Antwort: wann angezogene Ort das Sacrament solten erzwingen/ muͤßte folgen/ daß Christus das H. Abendmahl nicht allererst hie/ sondern laͤngst/ und vor der Nacht/ da Er verrathen worden/ eingesetzt/ wann wir gleiche phraseo- logiam conferi ren/ als Matth. 14, 19. Marc. 6, 41. Luc. 9, 16. Uber das/ wann St. Lucas meldet/ daß die Juͤnger den Herrn an dem Brod- Brechen erkannt/ wird solcher Umstand nicht angezogen/ als waͤre er medium agnitionis das Mittel der Erkanntnuß geweßt/ sondern nota temporis, daß sich der Herr ihnen geoffenbaret/ eben zu der Zeit/ da Er das Predigt. das Brod gebrochen. Deßgleichen ex Act. 2. 42. Sie blieben aber be- staͤndig in der Apostel Lehre/ und in der Gemeinschafft/ und im Brod-Brechen/ und Gebet. Hie wird (so schließt Gegentheil) das Abendmahl abermal nur unter einer Gestalt/ nemlich des Brods/ be- schrieben. Dann daß durch das Brod-Brechen nichts anders als das Sacramentum S. Eucharistiæ verstanden wird/ erhellet daher/ weil es St. Lucas neben andern heiligen Actibus und Ubungen/ dem Gebet/ und der Lehr/ als etwas besonders benamst/ haͤtte St. Lucas die gemeinen Mahlzeiten gemeynet/ waͤre es den neuen Christen kein sonderbarer Ruhm geweßt/ wenn sie bestaͤndig Gastreyen gehalten. Antwort: Es folget gar nicht/ St. Lucas setzet Gebet und Brod-Brechen zusammen/ E. so ists eine Sacramentliche Handlung geweßt; Massen die Christen auch ihre Liebes-Mahlzeiten mit Gebet und andern heiligen Ubungen consecr irt/ wie Tertullianus bezeuget. Zu dem wird hie nicht gelobt die perseveran tz in den Liebes-Mahlzeiten/ sondern die Einigkeit der perse- veran tz. Gesetzt aber/ es werde das Sacramentliche Brod-Brechen an- gedeutet/ haben darum die erste Christen kein Wein dabey außgespendet/ weil des Weins keine Meldung geschicht? auff gleiche weiß muͤßte fol- gen/ daß auch bey dem Mahl Esther kein Brod vorhanden gewesen/ weil allein des Wein-Trinckens gedacht wird/ Esth. 7, 1. 2. daß wir im Vater Unser und dessen vierten Bitt allein um das Brod/ und nicht zugleich um den Wein beteten/ darum ists ein bekanter Hebraismus, da unter dem Brod zugleich alles das/ was man bey einer Mahlzeit aufftraͤgt/ einge- schlossen wird. conf. Gen. 43, 16. Luc. 14, 1. 3. Identitatem fructus. Wann man einem Gelt gibt/ was fragt er darnach/ er geb es im Seckel oder Papier. Also gibt man dem Layen Christi Leib und Blut/ ob man es unter Brod und Wein zugleich gibt/ oder unter der Gestalt des Brods allein/ ist gleichviel. Antwort: Wo Christi Ordnung nicht wird nachge- lebt/ hat man sich auch der Frucht nicht zu getroͤsten/ Gott wil einmal allein nach seinem Willen/ und nicht nach Menschen-Gebott/ verehret seyn/ wanns kluͤglen guͤlte/ koͤnte man das Sacrament gar uͤber einen Hauffen werffen/ weil Christus albereit durch den Glauben in unsern Hertzen wohnet. Go ttes Ordnung ist hoͤher/ als aller Vernunffts-Duͤn- ckel. Eva hat uns gewitziget/ daß wir vom Buchstaben nicht abweichen sollen. 4. Absurdum. Auff diese weiß wuͤrde folgen/ daß Christus zer- theilt und geschieden seye/ und einen Blut-losen Leib habe. Antw. Hie ist ein Unterschied zu machen unter der persoͤnlichen/ natuͤrlichen/ und Sa- cramentlichen Vereinigung. Natuͤrlicher weiß ist das Blut Christi alle- Y y jj zeit Die Fuͤnffzehende zeit dem Leib \& vice versa vereiniget/ aber nicht Sacramentlicher weiß/ sondern allein Brod und Leib/ Wein und Blut Christi. 5. Indecorum \& irreverentiam, Unehr, Gefahr und Aergernuß. Es moͤchte bey alten schwachen Leuten etwas verschuͤttet/ der Wein moͤchte zu Essig werden/ es moͤchte ein Muck drein fallen/ ein oder das ander Troͤpfflein an der Bau- ren Knebel-Baͤrten hangen bleiben. Es moͤchte einen ein Eckel im Nach-Trincken ankommen/ und was des liederlichen Dings mehr. Hie laßt der Teuffel seine Esels-Ohren und Wolffs-Klauen recht herfuͤr/ als waͤre Christus ein Stiffter solcher Irreveren tz/ und haͤtte dieses alles nicht zuvor gesehen. Haͤtte man dafuͤr die Taansubstantiation und re- position abgeschafft/ haͤtte man sich dessen allen nicht befahren doͤrffen. Auff diese weise nun nim̃t man im Pabstthum den Kindern das Brod/ (Wein) und wirfft es fuͤr die Hunde. So begehet man im Pabst- thum ein unverantwortlich Sacrilegium und Kirchen-Raub. Sprichst du/ das lautet fast zu hart/ es streitet wider die Amnestiam und allgemei- nen Frieden-Schluß/ O nein/ die amnesti ist entgegen gesetzt ori gladii, non gladio oris Christi. Eben dadurch ist uns Huͤlff geschafft worden getrost zu lehren. Ps. 12. Der Pabst und seine Clerisey hat sich dessen nicht zu beschweren noch zu befremden/ dann den Vorspruch geben ihre Rech- ten/ und der H. Geist im Wort/ die Conclusion moͤgen sie mit dem H. Geist außmachen. Die Layen haben sich dessen nichts anzunemmen/ sie seind subjecta passiva \& miserabilia. Paͤbstische Fuͤrsten haben des Pabsts weniger zu entgelten/ als Jonathan des Sauls/ als Josias des Manassis. Zu wuͤnschen waͤre es/ daß diese Dica allein geltete denen/ die draussen seind/ im Pabstthum/ wir muͤssen aber leider mit St. Paulo sa- gen Rom. 2, 22. Du sprichst/ man soll nicht Ehebrechen/ und du drichst die Ehe/ dir greuelt fuͤr den Goͤtzen/ und du raubest GOtt was sein ist/ du predigest/ man solle nicht stehlen/ und du stihlst/ und begehest ein Sacrilegium und Kirchen-Raub/ welches taͤglich geschicht von den Unwuͤrdigen/ welche mit ungewaschenen Haͤnden die- ses Heiligthum beruͤhren/ mit garstigen ungewaschenen Fuͤssen hinzu lauffen wie die Saͤue zum Trog/ die ohne das rechte Hochzeitliche Ehren- Kleid des Glaubens und wuͤrdiger Vorbereitung erscheinen/ die nicht mit hungerigem Magen und durstiger Seelen diese edelste Lebens-Speiß und edelsten Himmel-Tranck kosten/ die nicht in geistlicher Nuͤchterkeit stehen/ und leer seind von allen Welt- Affect en und boͤsem Vorsatz/ son- dern in Welt- und Gelt-Wollust/ und Welt-Wust truncken und gantz und gar ersoffen/ diese seind schuldig des Leibs und Bluts des Herrn/ so wol Predigt. wol als Judas/ und die Creutziger/ sie seind garstige Schwein und Hun- de; Schwein/ weil sie dieses Heiligthum mit ihren Zaͤhnen zerbeissen und zerreissen. O munde immunde, du unreine Welt/ wieviel haͤgest du Hun- de/ fuͤr welche dieses Brod geworffen und den Kindern im gegentheil ge- nommen wird. Man siehet ja gar keine Besserung/ Christi Blut muß al- les abwischen/ der Laͤsterer laͤstert immer fort wie vorhin/ der Sabbath- Schaͤnder entheiliget den Sonntag ohne Scheu und Stirn/ Pracht/ Rebellion/ Neid/ Haß/ Unzucht/ Calumnien grassiren einen weg als den andern. Aber was Salomon sagt/ Prov. 23, 1. \& 2. Wenn du sitzest und issest mit einem Herren/ so mercke/ wen du fuͤr dir hast/ und setze ein Messer an deine Kehle/ wiltu das Leben behalten. h. e. Gedencke/ das Messer stecke dir an der Kehle/ wie Damoeli das Schwerdt uͤber seinem Haupt geschwebet bey der Koͤniglichen Tafel Dionysn. Das gehet alle unbesonnene/ unwuͤrdige Communicanten an/ das Rach- Schwerdt des Goͤttlichen Zorns trifft ihnen nicht nur die Kehl/ sondern erwuͤrget die Seel/ sie essen ex accidenti, auß eigener Schuld lauter Gifft und Tod. So groß nun die Gefahr bey den harpyjis, so groß der Trost bey den Kindern/ die es mit kindlicher Einfalt und Glauben empfangen/ die darnach hungern und duͤrsten/ die sich fuͤr Reu und Buß schaͤmen und scheuen wie die Kinder/ die sich mit wahrem Glauben/ und der Gerech- tigkeit JEsu Christi/ wie die Kinder mutzen und zieren mit ihrem Goͤttel- Kleid/ die sich daran ergoͤtzen/ dasselbe/ wie die Kinder loben und preisen/ O gutele/ gutele! die empfangen in und an dem Blut Christi/ einen ede- len Schatz/ ein herꝛliches κειμήλιον und lipsanum, Loͤß-Gelt und Artzney zum Heyl des verwundeten boͤsen Gewissens/ einen Zehr-Pfenning auß dieser Welt-Wuͤsten in das himmlische Canaan/ es ist ihnen ein theurer Advocat, das schreyet und ruffet um Gnad/ Trost/ Versoͤhnung/ Huͤlff und Rath. Das ist ein suͤsses Evangelium/ Trost und Labsal. Wie nun ἐυεργεσία und ἐυχκριςία allezeit zwo Schwestern/ also auch hie/ demnach wir fuͤr dieses Evangelium und prædam reportatam dancken sollen mit Mund und Hertzen/ und der himmlischen Stimme nachstimmen/ Apoc. 19, 1. 2. Halleluja/ Heyl und Preiß/ Ehre und Krafft sey GOtt unserm HErꝛn/ denn warhafftig und gerecht sind seine Ge- richte/ daß Er die grosse Hure veru rtheilet hat/ welche die Er- de mit ihrer Hurerey verderbet/ und hat das Blut seiner Knech- te von ihrer Hand gerochen. Dancken aber nicht allein mit dem Munde/ sondern auch im Werck/ wandeln als die Kinder des Liechts/ damit Gott nicht zuͤrne uͤber Edel und Unedel/ daß sie wiederum des Y y iij Pabsts Die Fuͤnffzehende Papsts Sclaven werden/ welches der verdiente Lohn waͤre. Dann nach den Kindern Jsrael hat kein Volck unter der Sonnen Gott mit mehrer Undanckbarkeit belohnet/ nachdem Er sie auß Egyptenland auß- gefuͤhret/ als die Teutschen/ nachdem sie auß dem eisern Ofen des Roͤmi- schen Egypti erloͤset worden. Gott hat den Sacramentlichen Kelch wie- der gegeben/ aber sie haben ihn bezahlt mit sacrilegiis, und Gott seine Ehre geraubt/ darum nun auch der Herr den Daumel-Kelch einge- schencket/ den Zorn-Kelch/ daß sie truncken und toll worden/ fuͤr dem Schwerdt/ das Er unter sie geschickt/ Jer. 25, 16. Gott woll dem Jam- mer einmal ein Ende machen/ und unser um seines Nahmens willen erbarmen/ den Daumel-Kelch von unsern Haͤnden wegnemmen/ samt den Heffen seines Grimms/ und unsern Schindern in die Hand geben. Esai. 51, 23. die grosse Hur verurtheilen/ und mit seiner Majestaͤtischen Zukunfft ein Ende machen. Jer. 16, 7. und uns voll einschencken seiner himmlischen Freuden. Amen. Die Sechszehende Predigt/ Von Dem Mund-Sacramentlichen Essen und Trincken des Leibs und Bluts JEsu Christi. G Eliebte in Christo. Unter andern Calumnien/ damit vor Zeiten die arme Christen und heilige Maͤrtyrer belegt und beschweret worden/ ist nicht die geringste ge- weßt accusatio cœnarum Thyestæarum, da man sie der barbarischen und unmenschlichen That bezuͤchtiget/ als waͤren sie Menschen-Fresser und Blut-Saͤuffer/ unge- Euseb. lib. 5, 1. Tertull. apol. Athe- nag. Apol. heure Thyestes (von deme die Heydnische Scribenten geschrieben/ er habe seinen eigenen Sohn/ der ihm von seinem Bruder Atreo fuͤrgestellet worden/ gefressen/) barbarische Cyclopen/ Polyphemi, und solche Un- menschen/ wie die Wilden in der neuen Welt/ die ihre Feinde auß Rach- gierigkeit fressen/ oder wie wir leyder auch zu unsern Zeiten erlebt/ daß man Menschen-Fleisch gefressen/ und die todten Leichnam auß den Graͤ- bern Predigt. bern abgenagt. Jst unschwer zuvermuthen/ woher diese Calumni ent- sprungen/ nemlich auß der uhralten Lehr/ de manducatione corporis \& sanguinis Christi. Es kamen die Christen vor Tag zusammen/ hielten ihre Sacra und Gottesdienst/ wie Plinius bezeugt/ hielten ihre Sacramen- ta und mysteria,/ gaben vor/ wie wahr/ sie essen Christi Leib/ und trincken sein Blut/ bald blaßt der Teuffel Lermen an/ und finden sich abtruͤnnige Mammelucken/ die breiten das Geschrey auß/ Christen seyen ungeheure ἀνθρωποφάγοι, sie, seyen aͤrger als die wilden Thier/ indem sie ihren eigenen Gott fressen. Das war die Ursach solcher Calumni. hinc illæ la- crymæ! Eadem fabula mutatis personis luditur. So geschickt ist der Teuf- fel nicht/ daß er etwas neues erdenckt/ er bringt einerley inventa, Ca- lumnien ꝛc. aber in unterschiedlichen Mascaraden und Mummereyen/ laßt sich zur fordern Thuͤr hinauß schlagen/ schleicht zur hindern Thuͤr wiederum hinein. Massen er eben diese Faßnacht und Mum-Schantz vor ungefaͤhr hundert Jahren wiederum ins Mittel gebracht durch Calvinum, Zvvinglium, Bezam, und biß dato auff dem Theatro Ec- clesiæ gespielt. Dann wann die recht-glaubige Kirch auß GOttes Wort und der Antiqui taͤt oralem manducationem bekennt/ hat sie schroͤckliche Calumnien muͤssen uͤber sich ergehen lassen; man hat ein Narrenwerck darauß gemacht/ uns arme Lutheraner wegen der Lehr de orali manducatione, Capernaiten/ Fleisch-Fresser und Blut-Saͤuf- fer titulirt. Beza nennets momentum, cujus vel ipsum Satanam pudeat, ein Sach/ dessen sich auch der Teuffel schaͤmen solt. Die gar gnaͤdig/ mild und Bruͤderlich mit uns umgehen wollen/ sonderlich Pa- reus in seinem Irenico cap. 13. nennets paleam, in qua nullum granum fidei, nec succus consolationis inest, einen Spreu/ darinnen nicht ein Koͤrnlein des Glaubens/ weder Safft noch Trost/ vergleichts mit denen canonibus inutilibus in Gratiano. Wir uͤbergeben diese Calumni dem gerechten Richter Je su Christo/ troͤsten uns mit Paulo 1. Cor. 1. Das Evangelium von JEsu Christo sey den Juden ein Aergernuß/ den Griechen eine Thorheit/ sintemal die Juden (Papisten) Zeichen fordern/ und die Griechen (Calvinisten) nach Weißheit fragen. Schreiben an die Vorthuͤr dieses Geheimnuß die Wort Christi/ tanquam ferreum murum \& cherubinum gladium, das Fleisch ist nichts nutz. Joh. 6, 63. Wann dann auch unsere neue Capernaiten kommen und sagen: Wie kan uns dieser sein Fleisch zu essen geben? und meynen wie jene/ Die Sechszehende jene/ die Alten/ sie werden ad immanes ferarum mores und visceratio- nes voc irt und beruffen/ Joh. 6, 52. geben wir ihnen zum Bescheid Christi Antwort. ꝟ. 53. Warlich/ warlich/ ich sage euch: Werder ihr nicht essen das Fleisch des Menschen Sohn/ und trincken sein Blut/ so habt ihr kein Leben in euch. Und abermal ꝟ. 61. Aergert euch das/ wie wenn ihr denn sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin/ wo er vor war/ der Geist ists/ der da lebendig macht/ das Fleisch ist keinnuͤtz. Es schickt sich nicht zu den Goͤtt- lichen Geheimnussen/ dann dazu gehoͤren keine fleischliche Gedancken. Nun wir wollen das Geheimnuß etwas fleissiger beschauen/ recht deutlich und ordentlich fuͤrtragen/ bevorab weil unsere Leut am wenigsten davon verstehen/ und Gegentheil am meisten sich daran aͤrgert. Gott gebe erleuchtete Augen/ gefangene Vernunfft/ glaubige Hertzen. Amen. G Eliebte in Christo. Auff daß wir nun einander recht verstehen/ und uns keine widrige Meynung angedichtet werde/ und auch jederman kund und offenbar seye/ was wir von der Sacramentlichen Niessung halten und lehren. So verstehen wir/ was anlangt das gantze Sacrament/ den Leib mit dem Brod/ keines wegs I. Manducationem physicam, ein natuͤrliches Essen und Trin- cken/ so bestehet in Zerknitschung/ Verbeissung/ Verschluckung/ Ver- dauung des Leibs Christi/ davon Christus redet Matth. 15, 17. Alles was zum Munde eingehet/ das gehet in den Bauch/ und wird durch den natuͤrlichen Gang außgeworffen. Das sey fern/ und wer uns dieses zumuthet/ thut uns Gewalt und Unrecht. Wir citi ren unsere adversarios fuͤr den Obersten Richter JEsum Christum/ sprechen mit Luthero Tom. 3. Jen. p. 361. Wenn habt ihr jemals von uns gehoͤret/ daß wir das Abendmahl Christi also essen/ oder zu essen lehren/ daß allein ein aͤusserlich leiblich Essen da sey des Leibes Christi? haben wir nicht also gelehrt durch viel Buͤcher/ daß im Abendmahl zwey Stuck sind zu mercken. Eines das allerhoͤhest und noͤthigst/ das sind die Wort. Nem- met/ esset/ das ist mein Leib/ ꝛc. Das ander ist das Sacrament oder leiblich Essen des Leibs Christi. Nu/ die Wort kan frey- lich niemand durch den Hals in den Bauch jagen/ sondern muß sie durch die Ohren in das Hertz fassen. Was fasset er aber ins Hertz durch die Wort? Nichts anders/ deñ das sie lau- ten Predigt. ten/ nemlich den Leib fuͤr uns gegeben/ welches ist das geistli- che Essen. Und haben weiter gesagt/ daß wer das Sacrament leiblich isset/ ohn solche Wort/ oder ohn solch geistlich Essen/ dem ists nicht allein kein nuͤtze/ sondern auch schaͤdlich/ wie Paulus sagt/ wer das Brod unwuͤrdig isset/ der ist schuldig an dem Leib des HErꝛn. Darum haͤttet ihr uns nicht doͤrf- fen lehren/ daß leiblich Essen kein nuͤtz ist. Wir sagen wol mehr und sprechen/ daß leiblich Essen auch gifftig und toͤdlich ist: So bitten wir nun/ Lieben Herren/ wenn ihr wollet wi- der die Lutherischen oder neuen Papisten (wie ihr uns schaͤn- det) schwaͤrmen/ wollet euch doch der Luͤgen enthalten/ und von uns predigen und schreiben nicht anders/ denn wie wir lehren. II. Wird nicht verstanden manducatio spiritualis, das blose geist- liche Essen und Trincken/ so geschicht durch den Glauben/ da die Speiß ist der gantze Christus/ der Mund der Glaub/ und in folgender collation bestehet: Gleichwie die Speiß von einem Hungerigen verlangt/ mit dem Mund angenommen/ geschmaͤcket/ gekaͤuet/ mit des Menschen Na- tur vereinbaret/ und der Mensch davon erquicket/ erlabet und gestaͤrcket wird: Also sehnet sich der Glaub mit feuriger Begierde nach Christo/ und allen dessen Wolthaten/ ergreifft sie mit starcker Zuversicht/ und spricht gleichsam mit Jacob: Jch laß dich nicht/ du segnest mich dann: Er verdaͤuets durch heilige meditation und Betrachtung/ durch suͤsse Soliloquia. Zum Exempel/ wann der He rꝛ Messias sagt Esa. 43, 24. Mir hastu Arbeit gemacht in deinen Suͤnden: so falt ihm der Glaub bey/ Ja dir/ dir/ Herr/ und abermal: Jch/ ich tilge deine Ubertrettung. ꝛc. subsum irt der Glaub wiederum. E. auch meine/ ja meine Ubertrettung/ er verwandelts in Safft und Krafft/ durch genaue Vereinigung/ und sagt mit Paulo/ Gal. 2, 20. Jch lebe/ doch nun nicht ich/ sondern Christus lebet in mir/ dann was ich jetzt im Fleisch lebe/ das lebe ich in dem Glauben des Sohns GOttes/ der mich geliebet hat/ und sich selbst fuͤr mich dargegeben. Der glaubige Mensch wird davon schoͤn und jung/ er erstarcket wie ein Adler/ er wachset ins ewige Leben. Und von solchem geistlichen und verbluͤmten Essen seind die Wort Christi zu ver- stehen Joh. 6. Wann Er die 5000. Mann/ die Er mit fuͤnff Gersten- Broden gespeiset/ und ihme nachgelauffen biß gen Capernaum/ also an- Neunter Theil. Z z geredet: Die Sechszehende geredet: ꝟ. 26. Warlich/ warlich/ ich sage euch/ ihr suchet mich/ nicht darum/ daß ihr Zeichen gesehen habt/ sondern daß ihr von dem Brod gessen habt/ und seyd satt worden. Wuͤrcket Speise/ die nicht vergaͤnglich ist/ sondern die da bleibet in das Ewige Leben/ welche euch des Menschen Sohn geben wird. Und vers. 35. Jch bin das Brod des Lebens/ wer zu mir kom- met/ den wird nicht hungern/ und wer an mich glaubet/ den wird nimmermehr duͤrsten. vers. 48. Jch bin das Brod des Lebens. Euere Vaͤtter haben Manna gessen in der Wuͤsten/ und sind gestorben/ diß ist das Brod/ das vom Himmel kom̃t/ auff daß wer davon isset/ nicht sterbe. Jch bin das lebendige Brod vom Himmel kommen/ wer von diesem Brod essen wird/ der wird leben in Ewigkeit. Und das Brod/ das ich geben werde/ ist mein Fleisch/ welches ich geben werde fuͤr das Leben der Welt. vers. 53. Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschen Sohns und trincken sein Blut/ so habt ihr kein Leben in euch/ wer mein Fleisch isset/ und mein Blut trincket/ der hat das ewige Leben. Dieses/ sag ich/ wird nicht verstanden/ dann diß Essen/ davon der Herr in der Einsatzung des heiligen Abend- mahls redet/ ist ein eigentliches/ jenes ein verbluͤmtes: dieses ein neues/ jenes ein altes Essen/ es war schon Joh. 6. vermeldet/ war von den Juͤn- gern albereit geschehen im Oster-Lamm; dieses ist unterscheiden von der Gedaͤchtnuß/ jenes nicht/ dann wann die geistliche Niessung in dem Wort Essen verstanden wuͤrde/ gebs eine tautologiam, Esset zu mei- ner Gedaͤchtnuß. h. e. Glaubet/ auff daß ihr glaubet; Dieses ist gemein Wuͤrdigen und Unwuͤrdigen/ jenes geschicht allein von den Wuͤrdigen; dieses geschicht augenblicklich/ jenes bestaͤndig; dieses ist ein Essen allein des Leibs und Bluts Christi/ jenes des gantzen Christi; dieses ist schlechter Dings nicht noͤthig/ jenes ist absolut nothwendig/ von diesem singen wir; Daß wir nimmer des vergessen/ gab Er uns sein Leib zu essen/ verborgen im Brod so klein/ und zu trincken sein Blut im Wein. Von jenem: Hie ist das rechte Oster-Lamm/ davon GOtt hat gebotten/ das ist an des Creutzes-Stamm in heisser Lieb gebraten. Wiewol die geistli- che Niessung nicht außgeschlossen/ als welche in causa finali und in den Worten begriffen/ das thut zu meiner Gedaͤchtnuß. Sondern Predigt. Sondern es wird gemeynet und verstanden I. Manducatio mystica \& cœlestis, ein himmlisches/ uͤbernatuͤrliches/ unempfindliches/ und in gesundem Verstand/ ein geistliches Essen/ nicht auff Zwinglische Weiß/ Berg. tract. daß die Wort Chri- sti noch fest stehen. p. 39. da Leib und Brod so weit von einander/ als der oberste Himmel von der untersten Erden/ und allererst durch den Himmel-fladernden Glauben muͤssen vereiniget werden/ auch nicht in dem Verstand/ wie Joh. 6. son- dern so fern geistlich dem natuͤrlichen/ groben/ leiblichen/ raͤumlichen Essen wird entgegen gesetzt. 2. Sacramentalis, dann weil es nicht natuͤrlich/ nicht geistlich/ und aber allein in diesem Sacrament uͤblich/ so nennet mans billig ein Sacramentliches Essen. Gleichwie das Essen des Oster-Lamms/ und die Besprengung des Taͤufflings mit Wasser kein gemein Werck/ son- dern ein Sacramentliche Handlung/ also auch diese Niessung. Die Zwinglianer gestehen zwar auch ein Sacramentliches Essen/ verstehen aber manducationem solius signi, der Mensch esse zwar das Brod na- tuͤrlich/ aber AM Brod den Leib Christi Sacramentlich und Geistlich. Das Sacramentliche Essen ( ita Berg. p. 39.) ist/ welches Chri- stus im heiligen Abendmahl eingesetzet/ daß wir nemlich das gebrochene Brod essen sollen/ zwar auff natuͤrliche Weise/ aber eben nicht zur natuͤrlichen Nahrung unsers Leibs/ son- dern zu seinem Gedaͤchtnuß/ und also zur geistlichen Nah- rung/ und Staͤrckung unserer Seelen in dem geistlichen Le- ben. Und dieses Sacramentliche Essen des Brods mag auch genennet werden das Sacramentliche Essen des Leibs Christi/ eben wie das Brod selbst Sacramentlicher Weise ist und heißt der Leib Christi/ wie auch das Essen des Oster-Lamms genannt wird das Passah essen/ weil es nemlich zum Gedaͤcht- nuß/ und also zum geistlichen Essen seines Leibs gerichtet ist/ daß also in dem Sacramentlichen das leibliche Essen des Brods/ und das geistliche des Leibes Christi zusammen kom- met/ dergestalt/ daß das leibliche/ als ein Sacramentliches Zeichen und Ceremonie/ zu dem geistlichen/ als zu dem bezeich- neten/ gerichtet/ und beydes zugleich in einer Handlung ver- richtet werde. Dann wann wir das Brod mit unsern leib- lichen Augen anschauen/ und mit leiblicher Hand und Mun- de empfangen und essen/ sollen wir wegen des Befelchs und Verheissung Christi/ in unsern Hertzen nicht anders gesinnet Z z ij seyn/ Die Sechszehende seyn/ als wann wir seinen gecreutzigten Leib selbsten sichtlich fuͤr Augen sehen/ denselben auch zugleich/ nicht zwar in un- sern Mund und Magen/ sondern in unser Hertz also einschlies- sen/ und in staͤtem Gedaͤchtnuß behalten/ daß unsere Seele von dieser ihrer Speiß lebendigen Trost und Krafft empfin- de. Also werden wir recht Sacramentlich gegessen haben. Jst aber nichts wenigers als ein Sacramentliches Essen; Sondern die Sacramentliche Niessung ist/ die geschicht in sacramento unbegreifflich/ unempfindlich/ unraͤumlich/ mittelbarlich im Brod/ unzertrennlich/ daß der Communicant eben in dem Augenblick/ Handlung/ τάξει, und Ord- nung/ da er das Brod isset/ zugleich den unsichtbarn Leib Christi genießt und empfahet/ dann er geniesset das τοῦτο, das jenige/ so die Gemein- schafft des Leibs Christi/ das die Unwuͤrdigen koͤnnen zum Gericht essen/ welcher unwuͤrdig von diesem Brod/ von diesem so heiligen/ mit dem Leib Christi vereinbarten Brod/ isset/ der ist schuldig am Leib und Blut des HErꝛn/ 1. Cor. 11, 27. Und gleichwie Maria den ewi- gen unsichtbaren Sohn GOttes/ warhafftig und wuͤrcklich in ihrem Leib in semine empfangen/ wie die Juͤnger des Herrn gesehen und be- tastet haben das Wort des Lebens/ im Fleisch/ wie die Kriegs-Knecht den Herrn der Herꝛligkeit gecreutziget/ in seiner menschlichen Natur/ in seinen Haͤnden und Fuͤssen/ wie Johannes den H. Geist in leiblicher Taubens-Gestalt sehen herab fahren/ wie der Wallfisch die Seele Jonaͤ verschluckt/ vermittelst seines Leibs/ also geniesset im Sacrament der Communicant den Leib Christi in/ mit/ und unter dem gesegneten Brod/ actuinseparato, unzertrennlich/ und unabgesondert. 3. Oralis, eine muͤndliche Niessung/ und zwar ein warhafftiges/ ei- gentliches/ muͤndliches Essen: daß dem also/ erhellet ja ex clarâ literâ, Esset/ Trincket/ warhafftig essen aber geschicht anders nicht/ als mit dem Mund/ wie/ da die himmlische Stimme Petro zugeruffen/ Petre/ schlachte und iß. Act. 10, 13. ers nicht anders/ als von dem leiblichen Mund hat verstehen koͤnnen. Wie Hiob recht geschlossen/ Jch werde Gott sehen. E. mit meinen leiblichen Augen/ meine Augen werden ihn schauen. Jtem/ wie es eine nothwendige Consequen tz/ wer Ohren hat zu hoͤren/ der hoͤre/ E. mit leiblichen Ohren. Also/ wann Christus sagt: Esset: E. mit dem leiblichen Mund. Sprichstu/ es muͤsse allhie nicht vom leiblichen Mund verstanden werden/ sondern vom geistlichen Mund des Glaubens. Antwort: Es ist kein Noth/ daß ich zum Dach hinein steige/ wann ich kan zur Hauß-Thuͤr hinein kommen. Christus sagt hie nicht/ Predigt. nicht/ meine Wort sind Geist/ h. e. geistlicher weise anzunemmen/ bevor- ab/ weil auff diese weiß Christo eine schandliche τυντολογία muͤßte ange- richtet werden/ wie droben albereit ermessen. Doch/ welches hie wol zu mercken/ so ists zwar ein muͤndliches Essen/ doch nicht ratione modi, sed organi, es geschicht mit dem Mund/ aber nicht auff muͤndliche weise/ durch Verdauung/ Verkaͤuung/ ꝛc. Ja sprichstu/ es sey σιδηρόξυλνν, oh- ne das Magen-Essen/ Verdauung/ ꝛc. geschehe ja kein warhafftig Essen. Aber hoͤre/ liebe Uberwitz/ und kluge Frau Ratio, daß nicht alles natuͤr- liches Essen eben angedeute actus nach sich ziehet/ ist ja so hell als der Tag/ die Pillulen werden ja nicht zerbissen/ sondern nur hinunder ge- schluckt/ der Wallfisch hat Jonam gegessen/ und hinab geschlucket/ und doch weder verbissen noch erwuͤrgt/ aurum potabile, kan gessen/ und doch nicht verzehret werden. Ein junges Kind isset die Brey/ ohne zubeissen und kaͤuen/ die Zaͤhn-lose alte Leute nemmen auch/ so gut sie koͤnnen/ et- was von harter Speise zu sich/ und zerbeissen es doch mit den Zaͤhnen nicht: Etliche Krancke essen und trincken diese oder jene Speise/ und ist doch bey ihnen der Geschmack verderbt/ sie empfinden auch von der einge- nommenen Speiß oder Tranck keine Krafft oder kraͤfftige Ernehrung/ und ist und heißt doch alles ein rechtes natuͤrliches Essen. Uber das frage ich/ ob die Engel Gen. 18. warhafftig gegessen? sagstu nein/ so hastu wi- der dich Augustinum, der lib. 13. de Civ. Dei c. 22. schreibet: Non in phantasmate Angelos edisse credendum est. Calvinum und Rive- tum. Hic (ita ille Exerc. 91. in Genes. p. m. 446.) movent inter- pretes quæstionem, an verè comederint, quos homines verè non fuisse novimus? De qua \& similibus prudenter Calvinus: Quemadmodum has quæstiones attingere utile est, nec ulla re- ligio vetat, sic rursum nihil melius, quam sobriâ solutione nos esse contentos. Refert autem esse, qui respondeant, Angelos comedentium speciem tantùm præbuisse. Commentum autem hoc ipsis in mentem venisse, quia non veris corporibus, sed spe- ctris, indutos fuisse imaginantur. Longè autem aliter se rem habere, meritò censet. Quamobrem dubium non esse, quin Deus corpora illis ad tempus dederit, in quibus injunctum sibi munus peragerent. Inde infert, sicuti verè ambulârunt, locuti sunt, \& perfuncti aliis officiis, ita verè comedisse, non quod opus haberent, sed ut laterent usque ad tempus manifestationis. Hanc sententiam verissimam esse non dubitamus, \& præferen- dam opinioni Theodoreti, qui quæst. 68. in Genes. existimat, Z z iij illos Die Sechszehende illos non verè comedisse, quemadmodum non verè erant viri, sed tantùm ob figuram, qui etiam comedisse dicuntur, quia id vi- sum fuit Abrahamo; non quidem quod cibum inferrent in os \& ventrem, sed eum manibus comedentes, in simulatum os in- gerentes, clàm consumerent, prout illis placebat. Sagstu ja; wie habens dann die Engel verdaut? Jtem/ Christus hat nach seiner Aufferstehung gegessen gebratene Fisch und Honigseim/ Luc. 24. so gegessen/ E. entweder eigentlich/ oder nicht? So nicht/ wie hat er dann die Warheit seiner Aufferstehung probirt; so eigentlich/ fragt sichs abermal/ wie Er es diger irt und verdauet? wie nun Christus nach seiner Aufferstehung warhafftig muͤndlich gegessen/ aber nicht natuͤrlich/ nicht auch bloß geistlich/ sondern mysticè, also muß man auch im heiligen Abendmahl manducationem tertiam, oralem, mysticam, concedi ren und passi ren lassen. Und dieses alles ist kein neue/ sondern uhralte Lehr/ dann so scheuen sich nicht die heiligen Vaͤtter zu lehren und zu reden/ Iren. lib. 4. c. 34. pag. 263. Quomodo dicunt carnem in corruptionem venire, \& non percipere vitam, quæ à corpore Domini \& sanguine alitur? Das ist: Wie koͤnnen sie sagen/ daß das Fleisch die Verwesung werde sehen/ und nicht wieder lebendig werden/ daß mit dem Leib und Blut des HErꝛn gespeiset wird? Lib. 5. cap. 4. p. 318. Quomodo carnem negant capacem esse donationis DEI, quæ est vita æterna, quæ corpore \& sanguine Domini nutritur. Wie koͤnnen sie laͤugnen/ daß das Fleisch faͤhig sey der Gabe GOttes/ welche ist das ewige Leben/ das von dem Fleisch und Blut des HErꝛn erneh- ret wird. Tertull. de Resurrectione carnis cap 8. p. 317. Caro corpo- re \& sanguine Christi vescitur ut \& anima de Deo saginetur. Das Fleisch genießt den Leib und Blut des HErꝛn/ daß auch die Seele von GOtt gesaͤttiget werde. Chrysost. Homil. 27. in 1. Co- rinth. p. 567. Hæc facis Christi mensâ exceptus illo die, quo dignus habitus es, qui carnem ejus linguâ tangeres, quicunque sis ergò, ne hæc fiant, manum tuam expurga, \& castiga linguam, \& labra, ἅπερ ἐγεύετο ϖρόϑυρα τῇ πι άσει τοῦ Χριςοῦ, quæ fuere vestibula ingressus Christi. Du thust das an diesem Tag/ an welchem du beym Tisch des HErꝛn geweßt/ da du gewuͤrdiget worden/ sein Fleisch mit deiner Zung anzuruͤhren. Daß nun dieses nicht geschehe/ so reinige/ du magst auch seyn wer du wilt/ deine Hand/ und zuͤchtige deine Zung und Lippen/ als welche Thuͤr und Predigt. und Thor/ durch welche Christus eingehen wil. Homil. 29. in 2. Corinth. Non vulgarem honorem consecutum est os nostrum, ac- cipiens corpus Dominicum. Es ist unserm Mund keine geringe Ehre wiederfahren/ indem er den Leib des HErꝛn empfangen hat Homil. 3. in Epist. ad Ephes. Quomodo comparebit ante tri- bunal Christi, qui labris immundis ausit corpus ejus attingere. Wie wil der fuͤr dem Richterstul Christi erscheinen/ der seinen Leib mit unreinen Lippen beruͤhret hat. Cyrillus lib. 10. in Johann. cap. 13. p. 500. Non negamus rectâ nos fide charitateque sincerâ Chri- sto spiritualiter conjungi, sed nullam nobis conjunctionis rationem secundùm carnem cum illo esse, id profectò pernegamus, idque à di- vinis Scripturis omninò alienum dicimus. Wir laͤugnen nicht/ daß wir durch rechtschaffenen Glauben und ungefaͤrbte Liebe mit Christo geistlicher Weise vereiniget werden/ daß aber nach dem Fleisch keine Vereinigung zwischen uns und Jhm seye/ gestehen wir rund nicht/ als welches der Goͤttlichen Schrifft gantz und gar entgegen und zuwider. Theodoretus lib. 5. histor. Eccles. cap. 17. Quâ temeritate (refert verba Ambrosii ad Imperat. Theodosium) ore tuo poculum sanguinis preciosi percipies, quando furore verborum tuorum injustè est effusus sanguis. Mit was fuͤr frechem Sinn wilt du mit deinem Mund/ vermittelst des Kelchs/ das theure Blut empfangen/ da doch auff deinen un- sinnigen Befehl unschuldig Blut vergossen worden. August. epist. 118. Placuit Spiritui Sancto, ut in honorem tanti Sacramenti in os Christiani prius Dominicum corpus intraret, quàm cæteri cibi. Es hat der H. Geist fuͤr gut angesehen/ daß solchem hohen Sacrament zu Ehren der Mund eines Christen ehe den Leib des HErꝛn/ als andere Speise zu sich nehme. Idem lib. 2. con- trà advers. legis \& Prophetar. c. 9. circa finem. Mediatorem DEI \& hominum hominem JEsum Christum, carnem suam nobis mandu- candum bibendumque sanguinem dantem, fideli corde atque ore suscipimus, quamvis horribilius videatur, humanam carnem mandu- care quàm perimere, \& humanum sanguinem potare, quàm fundere. Wir nemmen mit glaubigem Hertzen und Mund auff den Mittler zwischen GOtt und den Menschen/ den Menschen JEsum Christum/ der uns sein Fleisch zu essen/ und sein Blut zu trincken gibt/ wiewol es grausamer scheinet zu seyn/ Men- schen-Fleisch essen/ als toͤdten/ Menschen-Blut trincken/ als ver- Die Sechszehende vergiessen. Et serm. 215. de tempore. Videte fratres charissimi, si justum est, ut ex ore Christianorum, ubi corpus Christi ingreditur, luxuriosum canticum quasi venenum Diaboli proferatur. Liebe Bruͤder/ pruͤffet ob es recht sey/ daß ein unflaͤtiges und unkeu- sches Lied/ als des Teuffels Gifft/ auß dem Mund der Chri- sten/ zu welchem der Leib Christi hinein gehet/ gehoͤret werde. Theophil. in 2. Corinth. 13. Per os Christus ingreditur, cum sacro- sanctum corpus accipitur. Christus gehet zum Mund des Men- schen ein/ wann sein allerheiligster Leib empfangen und genos- sen wird. Oecumenius in 1. Corinth. 11. Sacratissimum Christi cor- pus manibus impuris accipiunt indigni, \& execrando ori suo admo- vent. Die Unwuͤrdigen empfangen den Leib Christi mit unrei- nen Haͤnden/ und essen ihn mit ihrem verfluchten Munde. Was aber/ sprechen die so genannten Reformirten/ ist es nutz? was hat man fuͤr Safft und Krafft davon? es ist ja ein palea, in qua nullus succus consolationis, es gibt den geringsten Trost nicht. Aber wann schon gleich kein Trost noch Krafft in der muͤndlichen Niessung zu fin- den/ solten wir darum die Goͤttliche Weißheit rechtfertigen/ und in die Schul fuͤhren? Sage mir im Werck der Schoͤpffung/ was nutzen alle Creaturen/ der ist noch nicht gebohren/ der es alles sagen kan/ seind sie darum nichts nutz/ hat sie Gott umsonst und vergebens erschaffen? wir wollen aber mit wenigem auß GOttes Wort die Nutzen und Trost andeuten. Es ist die muͤndliche Niessung Instrumentum absolutio- nis, dann so der jenige/ der unwuͤrdig isset/ zum Gericht isset/ E. wer wuͤr- dig isset/ geniesset es zur Vergebung der Suͤnden. Wie es gleicher Ge- stalt folgt: das Evangelium ist den Unglaubigen ein Geruch des To- des zum Tode. Ergò, den Glaubigen ein Geruch des Lebens zum Le- ben. Symbolum incomparabilis amoris, ein Zeichen der unvergleich- lichen Liebe JEsu Christi. Gnug waͤre es geweßt/ wann er gesagt: Betet meinen Leib an/ oder kuͤsset in/ die Heyden liessen sich beduncken/ sie seyen gar wol daran/ wann sie ihre Goͤtzen gekuͤßt. 1. Reg. 19, 18. Gnug/ wann Er uns in seine Haͤnde gezeichnet/ gnug/ wann Er gesagt: Sauget an meiner Mutter Bruͤsten/ als welches auch der hoͤchste Grad der Muͤtterlichen Liebe/ daß sie nicht nur mit Schmertzen ihr Kind an die Welt gebaͤhret/ sondern auch nachmalen an die Brust appli cirt. Ein unvergleichliche grosse Treu und Kinds-Lieb hat jene fromme Toch- ter erwiesen/ die ihren gefangenen und zum Hunger-Tod verdam̃ten Vater Predigt. Vater Conon eine geraume Zeit gesaͤuget/ und das Leben erlaͤngert. Man hat auch wol Exempel/ daß liebhabende Personen einander fuͤr Liebe Biß gegeben/ und verwundet/ aber alle diese Liebes-Staffeln uͤber- steiget der hoͤchste Liebes-Gipffel der Liebe JEsu Christi/ daß Er sein Leib zu einer Speiß und sein Blut zu einem Tranck gestifftet. Es ist die Liebe selbs. Tessera consanguinitatis, ein Malzeichen der Blut-Freund- schafft. Dann wie der Sohn GOttes menschliche Natur an sich ge- nommen/ und unsers Fleisches und Bluts theilhafftig worden/ daß Er sich mit uns verbruͤderte/ und mit uns in Bluts-Freundschafft geriethe: also auff daß wir auch seine Bluts-Freunde wuͤrden/ ists nicht genug an Jhn glauben/ sondern wir muͤssen auch seines Fleisches und Blutes theilhafftig gemacht/ und also in Jhn einverleibet werden. Wie Maria/ solte sie eine rechte Bluts-Freundin Christi werden/ mußte sie Christum im Hertzen durch den Glauben/ und durch leibliche Emfaͤngnuß unter dem Hertzen tragen. Da Maria die Jungfrau ( Verba sunt Lutheri Tom. 3. Jen. p. 362.) Christum empfieng/ und gebar/ da war Christus ja ein recht leiblich sichtbarlich Mensch/ und nicht allein ein geistlich Wesen/ noch empfieng und gebar sie Jhn auch geistlich/ wie so? Also/ sie glaubte dem Wort des Engels/ da sie solte schwanger werden und geberen. Mit demselbigen Glauben in des Engels Wort empfieng und gebar sie im Hertzen Christum geistlich/ zu- gleich da sie in ihrem L eibe empfieng und gebar leiblich. Denn wo sie nicht haͤtte Christum in ihrem Hertzen empfangen geistlich/ haͤtte sie Jhn nimmermehr empfangen leiblich. Wiewol GOtt haͤtte moͤgen von ihrem L eibe machen Christus L eib/ in ihrem Schlaff ohn ihr Wissen/ wie Er Heva von Adam macht/ aber da waͤre sie nicht seine Mutter worden/ gleich- wie Adam nicht Heva Mutter ist. Pignus resurrectionis \& immortalitatis, ein Pfand der Unsterblich- keit/ und kuͤnfftigen Aufferstehung. Diese Speiß ist dem Todten-Biß im Paradiß entgegen gesetzt. Hie ist der Baum des Lebens. Satietatis complementum, nach dem was David sagt/ die Elenden werden es- sen und satt werden/ Ps. 22, 27. ja truncken werden von den rei- chen Guͤtern des Hauses GOttes/ und mit Wollust getraͤn- cket als mit einem Strom. Psalm. 36, 9. Wann die Koͤnigin von reich Arabia gleich lang Salomons Herꝛligkeit gesehen/ hatte sie es doch nicht content irt/ aber die Mahlzeit/ da er sie gastirt/ in welcher sie warge- nommen der Speiß fuͤr seinem Tisch. 1. Reg. 10, 5. die vergnuͤgte ihr Ge- muͤth. Also auch hie. Diß ist der Vorschmack/ dort soll die Fuͤlle folgen. Darauß leicht abzunemmen/ was einem glaubigen Communicanten bey- Neunter Theil. A a a wohnen Die Sechszehende wohnen und zuwachsen/ und wie er auff das muͤndliche Niessen das geist- liche bauen und gruͤnden soll. Jch armer Mensch und Erd-Wurm/ mein Mund ein suͤndlicher Mund/ meine Zung ein Welt voll Ungerechtigkeit/ hie aber das Blut JEsu Christi/ dadurch sie geheiliget/ und dermaleins verklaͤret Gott loben und preisen soll! bin ich schon verlassen in der Welt/ hie ist die Mutter-Milch/ da schlotze ich an den Bruͤsten! Jch bin zwar verlohren und verdam̃t/ ich habe den Kroͤbiß noch im Magen von dem ersten Apffel-Biß/ hie aber ist der Baum des Lebens/ der Gnaden-Thron/ der Leben/ Trost und Vergebung der Suͤnden mittheilet/ und auff mich giessen und fliessen laßt! Jch hungere und duͤrste nach der Gerechtigkeit/ wie der Hirsch schreyet nach frischem Wasser/ so schreyet meine Seele Gott zu dir/ meine Seele duͤrstet nach Go tt/ nach dem lebendigen Go tt/ wie ein truckenes und duͤrres Land/ da kein Wasser ist. Hie ist der Tisch bereitet/ und darauff lauter Gutes und Barmhertzigkeit/ hie ist der Kelch voll eingeschenckt/ dadurch die Seele in Wollust fett kan werden! Was hat nun abermal ex opposito der uͤbel- und falsch-reformiren- de Jrꝛ-Geist hie zu thun? Er poldert/ er laͤstert/ er schaͤndet und schmaͤhet auff diese Lehr auff das allergrimmigst und gifftigste. Beza nennet die manducationem oralem und Mund-Sacramentliche Niessung duos pilos caudæ equinæ, zwey Pferds-Haar: Pareus in seiner Friedens- Sermon/ paleam oder stipulam, in qua nullum granum fidei \& quæstus solatii, ein Sprey oder Stoppel/ in welcher kein Koͤrnlein des Glaubens/ und Gewinn des Trosts sey. Steinius, idolum humani cerebri, lauter Menschen-Gedicht. Bergius, den eigentlichen Grund/ darauff die Messe mit allen ihren Greueln gebauet. Massonius des Teuffels liebe Braut. Er gibt fuͤr/ es seye 1. Cibus ventris, ein Bauch-Speiß/ ein Bauch- Tranck/ dann was mit dem leiblichen Munde gegessen und getruncken wird/ dasselbe werde durch den Hals in den Magen eingeschlungen/ und komme also in den Bauch/ es geschehe nun gleichwie es wolle/ natuͤrlicher oder uͤbernatuͤrlicher/ irdischer oder himmlischer/ begreifflicher oder unbe- Darmstad. Gruͤndt. Außfuͤhr. pag. 759. greifflicher weise. Grad/ als wañ alles was mit dem leiblichen Mund ges- sen und getruncken wird/ stracks eine Bauch-Speiß und Bauch-Tranck seyn muͤßte/ so raͤumlich und natuͤrlicher weise in den Magen kommen/ und darin verdaut werden solte. Hat nicht Christus nach seiner Auffer- stehung von den Todten mit seinem leiblichen Mund gegessen und ge- truncken/ Luc. 24, 41. und ist doch die von ihm genossene Speiß und Tranck kein solche Bauch-Speise/ und kein solcher Tranck gewesen/ der raͤum- und natuͤrlicher/ bey uns Menschen auff Erden ins gemein ge- braͤuch- Predigt. braͤuchlicher weise in seinen Magen kommen/ und darinnen zu seiner nu- trition und Erhaltung verdauet worden waͤre/ dann Christus hatte da- mals einen verklaͤrten Leibe/ Philip. 3, 21. der keiner Speise und Trancks beduͤrfftig gewesen. Uber das ist zu wissen/ daß weil der Leib und das Blut Christi von uns also gegessen und getruncken werden/ wie sie mit dem gesegneten Brod und Wein vereiniget zugegen sind/ nemlich un- raͤumlicher/ uͤbernatuͤrlicher und unbegreifflicher weise/ so koͤnnen sie auch keine Bauch-Speise/ und kein Bauch-Tranck seyn/ sondern sie seind ein geistliche (das ist nicht-natuͤrliche) himmlische und uͤber-natuͤrliche/ Sacramentliche Speiß und Tranck der Seelen/ ja des gantzen Men- schen/ der auß Leib und Seele bestehet. 2. Cibus barbarus, κρεοφαγία cyclopica, dadurch der Leib Christi verzehret und auffgegessen werde. Daher Beza sein κρεοφαγίαν Cyclops inscrib irt/ ein solches Fleisch essen und Blut trincken/ auff welche weise die Peruani und Tapujani, oder wie Catilina Blut gesoffen. De quibus Gerh. Joh. Voss. in addend. ad lib. 1. de Theol. Gentil. p. 3. hæc habet: Illud, ait, præterire non possumus, humanis eos vesci carnibus: sed eo se meliores putare aliis άνθρωϖοφάγοις, quod hi carnes edant hostiles: ipsi manducent cadavera amico- rum, prælio, vel morte extinctorum: idque ad testandum suam ergà eos pietatem ac amorem: ut quos non patiantur vermium escam fieri, vel fœtidâ putredine absumi; sed in propria recon- dant viscera, inque succum sanguinemque suum, \& ipsam quo- dammodo animam, de quibus nihil carius, convertant. Me- morabile hujus rei exemplum ab eodem generoso viro accepi- mus. Evênit, ut Tapuis in Hollandorum territorio ad arcem, ut vocant, Rio Grande, consistentibus, quidam ejus vitâ excede- ret. Hujus cadaver consanguinei lavarunt, exenterarunt, vi- scera à ciborum detrimentis repurgârunt, cæteras etiam sordes undique abluêre, crines \& ungues resecuêre, resectas servârunt. Tùm corpus dissecuêre in partes varias, quarum nullas, ne geni- tales quidem fuêre aspernati: Universas enim assarunt, sedulò etiam adipem humoremque in assando destillantem exceperunt: hæc universa pro epulis fuêre inter sanguine conjunctos; nam cæteri à convivio hoc arcentur. Quæ comedi nequeunt, ut cri- nes, ungues, dentes, ossa, in cinerem rediguntur: ejus cineris portio aliqua poculis inditur, \& bibitur, donec longiori com- potatione absumptus sit universus. A a a ij Diß Die Sechszehende Diß alles mag der widrige Geist dem fuͤrwerffen/ und damit zihlen wider die jenige/ die solche barbaram viscerationem statui ren/ uns thut er allzeit nicht wehe. Uber das ists auch nicht wahr/ daß alles was man ißt/ consum irt und zu nicht gemacht werde. D. Cramer. in Gloss. Bibl. ad 1. Reg. 17, 14. uͤber die Wort: das Meel im Cad soll nicht verzehret wer- den/ schreibet nlso: GOtt sorget fuͤr Wittwen und Waysen/ Ps. 68, 6. \& 146, 9. Und er weiß wol Wege zu finden/ da schon alle Vernunfft lauter Nein spricht/ Zachar. 8, 6. Nutzet zu wah- rem Vertrauen zu GOtt/ und Staͤrckung unsers Glaubens/ in der Gegenwart des wahren Leibs und Bluts JEsu Christi im Nachtmahl: dawider die Sacrament-Schwaͤrmer zu laͤ- stern pflegen: Ob wir nicht den Leib des HErꝛn haͤtten lang auffgefressen? Dann hat GOtt an dem wenig Meel solches thun koͤnnen/ daß es nicht hat verzehret werden moͤgen/ unange- sehen Elias/ die Wittwe und ihr Sohn taͤglich und zwar na- tuͤrlicher weise davon gegessen: Solte dann Christus mit sei- nem unverweßlichen Leibe uns nicht uͤbernatuͤrlich also speisen koͤnnen/ daß er unverzehret bleibe? O ihr Gottslaͤsterer! 3. Cibus impossibilis, ein warhafftiger menschlicher Leib koͤnne ohnzer- theilt nicht gegessen werden. Zertheilt man ihn aber/ so reicht er nicht weit/ und koͤnnen so viel tausend mal tausend Menschen nicht Theil da- ran haben. Welches freylich wahr/ von einem bloß natuͤrlichen mensch- lichen Leibe/ nicht aber von dem Leibe JEsu Christi/ der in den Schoß des Sohns GOttes auffgenommen/ und persoͤnlich mit ihm vereiniget worden. Dann wie er hat koͤnnen mit 5. Broden so viel tausend Mann speisen/ eben auß solcher Krafft so viel tausend Menschen mit seinem Leib. Jst der alten Capernaiten objection geweßt/ deren Christus schon laͤngst vorgekommen Joh. 6/61. Aergert euch das ( manducatio visibiliter præsentis, ) wie wann ihr dann sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin/ da er vor war/ (quantò magis mandu- catio in cœlos assumpti.) 4. Cibus inutilis, das Fleisch ist kein- nuͤtze. Joh. 6, 63. Gar recht! freylich ists Fleisch keinnuͤtz/ verstehe/ nicht das Fleisch Christi; Quomodo caro vivifica nihil prosit? caro sepulta prodest, quidni \& comesa? Augustin. tract. in Johann. 27. Wie kan das lebendig machende Fleisch keinnuͤtz seyn/ so es in dem Grab nicht keinnuͤtz gewesen/ warum nicht auch jetzt/ wann es gegessen wird? sondern carnalis ratio, die fleischliche Ver- nunfft/ Predigt. nunfft/ welche uͤber diese Geheimnuß lachet und spoͤttelt. Damit es aber nicht das Ansehen habe/ als ob die ratio, als die Magd/ so gar un- billig der Revelation, als der Frauen/ sich widersetze/ so bringt sie auff die Bahn folgende Schein-Gruͤnde/ nemlich 1. die Ungleichheit zwischen einem geistlichen und verklaͤrten/ und zwischen einem groben sichtbaren Leibe. Organum corporeum non est capax cibi spiritualis, ein leibli- ches Glied/ der leibliche Mund ist nicht faͤhig einer geistlichen Speise/ und demnach auch nicht des Leibs Christi. Antwort: Wie kan dann ein leibliches verklaͤrtes Aug Gott in seinem unendlichen geistlichen Wesen sehen? wie haben dann die Juͤnger mit ihrem Leibe durch das Anhauchen den H. Geist empfangen? Job. 20. 2. Scandalum ratio- nis, Noch vielmehr ( ita Bergius l. cit. p. 16.) gereichet dieses zur Unehre Christi/ daß Er nicht allein leiblich im Brod seye/ sondern auch mit leiblichem Munde soll gegessen werden/ und zwar auch von den Gottlosen/ von Trunckenbolden/ Hu- rern/ Gottslaͤsterern/ die sollen den wesentlichen Leib Christi mit ihrem Mund empfangen/ ja so wol als der beste Heilige/ ja die sollen jetzund viel naͤhere Gemeinschafft haben an dem Leib Christi/ dann die Heiligen im Himmel; Dann da wird keiner seyn/ der den Leib Christi im Mund haͤtte. Es ist ein grosses/ daß der HErꝛ Christus im Stande der Niedrigung nur einmal den Gottlosen in die Haͤnde gerathen/ da Er von ihnen gebunden und gecreutziget worden: Aber dieses waͤre noch viel ein groͤssers/ daß Er im Stande seiner Herꝛligkeit dennoch taͤglich vielen tausend Gottlosen Menschen in ihren Mund gerathen muͤßte/ daß Er von ihnen gegessen wuͤrde. Antwort: das Fleisch ist keinnuͤtz/ ihr irret und wisset die Schrifft nicht/ sagt nicht St. Paulus 1. Cor. 11, 27. Welcher unwuͤrdig von diesem Brod isset/ oder von dem Kelch des HErꝛn trincket/ der ist schuldig an dem Leib und Blut des HErꝛn. Nemlich/ wie Cain an Abel/ dieweil er Hand angelegt. Freylich geschicht dem Leib Christi Unehr von den Gottlosen/ so wol als von Juda/ es hat ja Chri- stus seine Feinde. Ps. 110. die Hoͤchste Majestaͤt GOttes wird taͤglich ge- laͤstert/ Christus nachdem Er allbereit zu seiner Herꝛligkeit erhaben wor- den/ ruffet: Saul/ Saul/ was verfolgstu mich? Act. 9. Jst das nun seiner Majestaͤt nicht zuwider/ E. auch jenes nicht. Wiewol ein grosser Unterscheid inter præsentiam in medio inimicorum ultrò vi- A a a iij ctam Die Sechszehende ctam \& vincentem, servilem \& dominantem. Er wird von den Gott- losen so mißhandelt/ daß er doch mitten unter ihnen herꝛschet/ er laßt sich nicht knechtlicher und gezwungener weiß also schimpfflich tractiren/ sie habens nicht zugelachen/ sie werdens einmal schwer gnug buͤssen muͤssen. 3. Testimonium domesticum. Wir singen ja alle Ostern/ Christus wil selbs die Koste seyn/ und speisen die Seel allein. So die Seele allein/ E. nicht den Mund. Antwort: Es ist fallacia divisionis, Christus allein und sonst niemand wil die Seele speisen. Das Wort allein ist vocabulum exclusivum subjecti non prædicati, und ist zuletst gesetzt/ nach Art des Reimens. Nachdem nun dieser Jrꝛ-Geist seinen Muth an diesem Geheimnuß erkuͤhlt mit Schelt-Worten/ so kom̃t er auffgezogen mit einem gar an- dern/ fremden/ abentheurlichen phantasmate. Ruͤhmet 1. manduca- Calvin. ad 1. Cor. 1. Declar. Confess. Helvet. tionem Icariam, ein Himmel-steigendes Essen mit Gedancken. Es ist gantz kein ungereimt Ding/ daß Christus in dem Himmel bleibe/ und doch von uns empfangen werde. Dann daß er sich uns mittheilet/ daß geschicht durch die heimliche und verbor- gene Wuͤrckung des H. Geistes/ welche sehr fern von einander geschiedene und entlegene Ding nicht allein zusammen brin- gen/ sondern auch in eines zusammen vereinigen kan. Damit wir aber solcher Gemeinschafft faͤhig seyn moͤgen/ so muͤssen wir hinauff in den Himmel steigen/ da muß nun der Glaube zu statten kommen/ nachdem alle Sinne des Fleisches versagen. Schnur stracks entgegen dem/ was Christus sagt Apoc. 3, 20. Sihe/ ich stehe fuͤr der Thuͤr/ und klopffe an/ so jemand meine Stimme hoͤren wird/ und die Thuͤr auffthun/ zu dem werde ich einge- hen/ und das Abendmahl mit ihm halten/ und er mit mir. 2. Tropicam \& spiritualem. Dann wann der Heidelbergische Cate- chismus quæst. 76. also fraget: Was heisset den gecreutzigten Leib Christi essen/ und sein vergossen Blut trincken? antwortet er also: Es heisset nicht allein mit glaubigem Hertzen das gantze Leyden und Sterben Christi annemmen/ und dadurch Vergebung der Suͤnden und ewiges Leben bekommen; Sondern auch dar- neben durch den H. Geist/ der zugleich in Christo und in uns wohnet/ also mit seinem heiligen Leibe je mehr und mehr verei- niget werden: Daͤß wir/ ob gleich Er im Himmel/ und wir auff Erden seind/ dannoch Fleisch von seinem Fleisch/ und Bein von seinen Beinen seind/ und von einem Geist/ wie die Glieder Predigt. Glieder eines Leibs von einer Seelen/ ewig leben und regieret werden. 3. Sacramentalem, auff solche weise wie die Glaubige im Al- ten Testament/ daß wie sie im Oster-Lamm den Leib und Blut Christi ge- nossen/ am Fleisch/ also wir am Brod. Mit dem Brod und mit dem Wein/ wird von Christo gereicht/ und von den warhaff- tig-Glaubigen empfangen der Leib und das Blut Christi: welches nicht soll verstanden werden ὁμοῦ das simul loco an ei- nem Ort; als wann in oder unter dem Brod der Leib/ und in oder unter dem Wein das Blut Christi hier auff Erden an einem Ort waͤren; sondern ἅμα, das ist simul tempore, zugleich auff eine Zeit/ und hat den Verstand: wann ein glaubiger Mensch das Brod des HErꝛn isset/ und den Wein des HERRN trincket mit dem leiblichen Munde/ so isset er eben zu derselbigen Zeit den Leib/ und trincket das Blut Chri- sti mit dem geistlichen Seelen-Munde. Ita Polan. l. 6. c. 56. Jo- hann von Muͤnster zu Vortlag sagt davon also: Tritt herzu lieber Christ/ Ruͤste nicht den Bauch noch Zaͤhne/ Dein Seel bereite frisch/ Nach Adlers Brauch thu sehnen. Jn Himmel flieg und such das Aaß Das dir GOttes Geist wird weißen/ So nim̃stu auch mit voller maaß/ Christi Fleisch und Blut zu geniessen. Wann du glaubst/ so hastu empfangen. Jst aber in der That und Warheit kein Sacramentliche Niessung/ sondern vielmehr extra sacramentalis, als welche kan geschehen bey einer jeden Mahlzeit/ so offt Brod und Wein auffgestellet wird. Ja soll auch geschehen nach der Vermahnung Pauli 1. Cor. 11, 31. Jhr esset nun oder trincket/ oder was ihr thut/ so thut es alles zu GOttes Ehre. und Col. 3, 17. Alles was ihr thut mit Worten und Wercken/ das thut alles im Namen des HErꝛn JEsu. sc. per spiritualem anagogen. Ja auch nicht einmal ein geistliche Niessung/ dann der Glaub und die Gutthaten/ der saugende Mund/ und die safftige kraͤfftige lebendigmachende Speiß seind correlata. Nun aber ist der Leib Christi ein solcher Leib/ wie Danæus lehret/ in dem weder Safft noch Krafft des Lebens/ und also ein manducatio inutilis, ein unfruchtbare Niessung/ der Geist Die Sechszehende Geist ist hie kein nutz/ das Calvinisch/ geistlich/ Phantastisch essen ist keinnuͤtz. Wir unsers theils lassen dem Jrꝛ-Geist seinen Schwarm/ er belustige sich mit seinem pomo eridos, er mag damit spielen so lang als er wil/ er wirds am Juͤngsten Tag verspielen/ und bitten den Allerhoͤchsten/ e r wol- le diejenige/ die sich von ihm verfuͤhren lassen/ und in der Finstere tappen/ erleuchten/ und erleuchtete Augen geben/ mit uns dieses Geheimnuß recht zu erkennen/ davon Trost/ Heyl und Leben zu schoͤpffen. Nos exhorresci- mus ad ϕρικτα μηςήρια. Wir erzittern uͤber diese Geheimnuß. Moses er- schrickt/ da er den Sohn GOttes im feurigen Busch gesehen/ Abraham siehet den Tag des Herrn/ und redet mit ihm/ aber mit was Forcht und Reverentz? Jch bin Erd und Aschen. Der Hauptmann zu Capernaum sagt: Jch bin nicht werth/ daß du unter mein Dach gehest/ was wuͤrde er gesagt haben/ wann er ihm sein Fleisch und Blut dargereichet haͤtte. Die Stadt Bethsemes/ die Sonnen-Stadt hat gefastet/ da die Lade des Herrn bey ihr eingekehret/ 1. Sam. 6. Wie viel mehr ist diese reverentia vonnoͤthen fuͤr diesem Geheimnuß/ wann wir den Leib und Blut des Herrn essen und trincken. Da sehe ein jeder wol zu seinen Sachen/ wer sich wil zu dem Tisch machen. Sed \& delectamur ἐϖοπτείᾳ, wir belu- stigen uns in dieses Geheimnuß hinein zu schauen/ so viel uns geoffenba- ret worden/ dann nunmehr ist der Fuͤrhang zerrissen/ wir seind nun alle geistliche Priester/ und doͤrffen in die Evangelische Geheimnusse hinein schauen/ wir sehen nun gleichsam mit auffgedecktem Angesicht die Herꝛ- lichkeit des Herrn/ wie die Juͤnger des Herrn auff dem heiligen Berge/ die Sigel der himmlischen Glori/ arrham pacis ac amnestiæ, das Pfand der Vergebung der Suͤnden/ und des ewigen Friedens. Ubera gratiæ Evangelicæ, die Bluts-Freundschafft mit unserm Goël und Jm- manuel/ die holdseligste/ freundlichste/ und genauste Gegenwart/ die Dar- reichung des theursten Loͤse-Gelds und Rantzion-Bluts fuͤr uns vergos- sen/ das unbetriegliche Zeugnuß der Flammen seiner himmlischen/ un- außsprechlichen Liebe. Grosse Liebe war es/ daß sich der ewige Sohn Go ttes in unser Fleisch und Blut verkleidet. Wann eines grossen Herꝛn Sohn mit gemeinen Kindern spielet/ ists ein grosses in der Welt/ und ein Zeichen grosser Freundlichkeit und Leutseligkeit/ was wollen wir dann sagen von der grossen ϕιλανθρωπίᾳ des grossen Himmels-Koͤnigs/ daß Er zu uns armen Erden-Wuͤrmen sich so nahe herunter gelassen. Aber noch ein groͤssers/ daß Er seinen Leib fuͤr uns in den blutigen Angst- Schweiß/ schmertzliche Band und Geissel/ erbaͤrmliche Schlaͤg und Streich/ Predigt. Streich/ blutige Striemen und Wunden/ zur dornenen Cron und Hohn/ schmaͤhlichen Noth und Tod dahin gegeben. Wer thut das? wo ist dergleichen jemalen gehoͤret worden? Aber auff daß wir noch nicht an seiner Liebe zweiffeln/ und welches das groͤste/ hat Er sein Leib und Blut uns zu essen und zu trincken verordnet. Ergò desideremus, Lasset uns ein Verlangen und Appetit haben nach dieser edelsten Speise/ insonderheit wann der geistliche Hunger und Durst sich erzeiget/ wann es Nacht wird in schweren Anfechtungen/ wann der Glaub in einer lypothymia und geistlichen Ohnmacht da ligt/ dann ausser dem ist das Verlangen schlecht. Wie der Hirsch nicht ehe nach frischem Wasser schreyet/ als wann er von grosser Hitz und Durst geplaget wird/ der verlohrne Sohn nicht ehe nach seines Vaters Hauß gedachte/ als biß ihm der Hunger zu den Augen herauß gesehen/ der Krancke sich nicht ehe nach der Artzney sehnet/ als biß ihn Schmertzen und Wehetagen trucken und aͤngsten: So mundet diese Sacramentli- che Speiß am allerbesten/ wann es Nacht wird/ wann man fuͤr geistli- chem Hunger und Durst verschmachten wil. Wer voll Welt ist/ der gehet hin auß Gewonheit/ mit schlechtem Appetit. Selig aber seynd die da hungert und duͤrstet nach der Gerechtigkeit/ denn sie sol- len satt werden. Matth. 5, 6. Ergò gustemus, laßt uns schmecken/ wie freundlich der Herr ist/ wir schmeckens zwar auch im Macht-Reich/ was seind alle Creaturen anders/ als Goͤttliche Liebes-Bruͤste/ daran wir schlotzen und saugen/ aber sie moͤgen das Hertz nicht saͤttigen. Hie aber das Fleisch Christi/ das ist cibus gratiæ, die rechte Speiß/ sein Blut ist der rechte Tranck/ wer diß Brod isset/ der wird leben in Ewig- keit. Joh. 6. Edamus, bibamus, laßt uns essen und trincken/ geistlicher und Sacramentlicher weiß/ bloß muͤndlich Essen ist kein nuͤtz/ nicht an sich selbst/ sondern ex abusu, aber Mund-Sacramentlich und geistlich ist viel nutz/ darum wie das muͤndliche und geistliche Essen in der theoria unterschieden sind/ so sollen sie in der praxi vereiniget seyn/ sie lassen sich nicht trennen/ soll es ein fruchtbarlich Essen heissen. Gaudeamus \& jubilemus solatiorum ebrii. Jsts nicht besser/ sagt Salomo/ Eccles. 2, 24. dem Menschen essen und trincken/ und seine Seele guter Dinge seyn/ in seiner Arbeit/ das ist/ ohne unnuͤtzliche/ vergebliche Sorg der Gaben GOttes danckbarlich geniessen/ dann wer hat froͤli- cher gessen/ und sich ergoͤtzt/ dann ich/ sagt er abermal daselbs. Wie vielmehr ists wahr an dieser Sacramentlichen Gnaden-Speiß? da laßt sich der 23. Psalm mit Freuden hoͤren/ und fuͤr gutem Muth jauchtzen/ Neunter Theil B b b und Die Siebenzehende und sagen: Du bereitest fuͤr mir einen Tisch/ fuͤr mein Feinden allenthalben/ machst mein Hertz unverzagt und frisch/ mein Haupt thustu mir salben/ mit deinem Geist der Freuden-Oel und schenckest voll ein meiner Seel/ deiner geistlichen Freuden. Hie Vorschmacks-weiß/ dort in vollkommenem Guß und Genuß. Das helff uns allen der getreue Hirt/ JEsus Christus/ Amen. Die Siebenzehende Predigt/ Von Niessung der Unwůrdigen. G Eliebte in Christo. Jn dem siebenden Capitel des Buchs der Richter lesen wir von einem seltzamen/ aber Goͤttlichen/ wahr-gemachten und Geheimnuß-reichen Traum. Dann als Gideon der streitbare Held auff Re- cognition und Kundschafft bey Nacht außgegangen/ und sich genahet an die Laͤger der Midianiter/ und an die erste Schildwacht/ da hoͤret er/ wie ein Soldat dem andern einen Traum erzehlet/ und der andere ihn alsobald außgelegt. Siehe/ sagt er/ Jud. 7, 13. 14. mir hat getraͤumet/ mich daucht/ ein geroͤstet Gersten- Brod waͤltzet sich zum Heer der Midianiter/ und da es kam an die Gezelt/ schlug es dieselbigen/ und warff sie nider/ und keh- ret sie um/ das oberst zu unterst/ daß das Gezelt lag. Da antwortet der ander: das ist nichts anders/ dann das Schwerdt Gideons/ des Sohns Joas/ des Jsraeliten/ GOtt hat die Midianiter in seine Haͤnde gegeben/ mit dem gantzen Heer. War/ sag ich/ I. Somnium divinum, ohn allen Zweiffel ein Goͤttlicher/ von Gott eingegebener Traum/ ein Traum von starcker Impression, und hefftiger Einbildung/ so dem Schildwaͤchter nicht entfallen/ sondern nach allen Umstaͤnden im Gedaͤchtnus blieben/ ein Traum von gewisser von GOtt eingegebener Außlegung/ ein Traum in effectu, non umbra sine corpore, kein Bild ohne Wesen. II. Somnium Predigt. II. Somnium explicatum \& repræsentatum. Dann wie es der onirocrita gedeutet/ so ist es auch geschehen/ Ach/ sagt er/ das ist nichts anders/ als das Schwerdt Gideons/ des Sohns Joas/ des Jsraeliten/ ꝛc. Gersten-Brod halt man nicht so precios und werth als Weitzen-Brod/ ist unter den Broden das geringste: also auch Gi- deon vilis homo, ein Mensch von geringem/ unansehnlichem Stammen und Namen/ ein Droͤscher/ ein Baursmann. Geroͤstet Gersten-Brod wird bald gebachen in eil: Was im Offen gebacken wird/ muß lange Weil haben; aber was auff dem Heerd und kluͤhenden Kohlen geroͤstet wird/ panis subcinericius, ein Aschen-Kuchen/ damit gehet es geschwind zu/ ist bald bereit: Also gieng es auch mit der Victori Gideons schnell/ ploͤtzlich/ und schleunig zu/ das Weltzen bedeutete einen Impetum, und behenden Gewalt. Hic panis aries esto, quo castra arietantur. Jst alles also geschehen/ und wahr worden/ zu grossem Trost der betrangten Kinder Jsrael/ zum Schrecken aber der Midianiter. III. Somnium mysticum, der sich gar wol auff das H. Abendmahl applici ren laͤßt. Christus deutet das Brod selbs auff sich/ Joh. 6, 35. Jch bin das Brod des Lebens. vers. 51. Jch bin das lebendige Brod vom Himmel kom̃en/ wer von diesem Brod essen wird/ der wird leben in Ewigkeit. Er war Panis somniatus in V. T. den die Vaͤtter im Alten Testament gleichsam im Traum/ in Gesichten/ un- ter allerhand typis, sonderlich im Manna gesehen. Panis vilis, er hatte keine Gestalt noch Schoͤne/ gering und unansehnlich fuͤr der Welt/ doch so starck und maͤchtig/ daß Er die Pforten der Hoͤllen uͤberwaͤltiget und außgehoben. Hat sich klar erwiesen im Garten am Oelberg/ da Er in GOttes Zorn-Flammen gleichsam geroͤstet worden/ und sich gleichsam gewaͤltzet an das Laͤger der Schaarwacht/ die zu Jhme außgegangen mit Schwerdtern/ mit Spiessen und mit Stangen/ sie gestuͤrmet und zu Bo- den geschlagen/ daß sie das unterste zum oͤbersten gekehret/ und das thut er noch taͤglich/ er herꝛschet mitten unter seinen Feinden/ und wirfft sie zum Schemel seiner Fuͤsse/ sonderlich auch in Eucharistia, da hat Er fuͤr sich Freunde und Feinde/ Adler und Harpyias, wuͤrdige und un- wuͤrdige Communicanten/ sein Fleisch ist das Brod des Lebens/ fuͤr un- sern Augen zwar ein unansichtbar und gering-guͤltig Brod/ aber es hat unermeßliche grosse Krafft/ jene seine Glaubige zu troͤsten/ zu erquicken/ und zu erfreuen/ diese aber zu schroͤcken/ zu verdammen und zu straffen/ sie empfangen pro pane gladium, fuͤr Brod/ nicht nur Stein/ sondern Schwerdt. Dann/ sagt der Apostel/ wer unwuͤrdig isset/ der isset ihm B b b ij das Die Siebenzehende das Gericht und Verdam̃nuß. Jst auch ein solcher Umstand/ der wol werth/ daß man ihn erwege/ nemlich die Niessung der Unwuͤrdigen/ ob auch die Unwuͤrdigen und Unglaubigen den Leib und Blut des Herrn geniessen/ und dessen theilhafftig werden? Gott gebe abermal hiezu sei- nes H. Geistes Gnade und Segen. Amen. G Eliebte in Christo. So ist nun die Frag allhie von den Unwuͤrdigen: Wer seind die? der Apostel beschreibet sie also/ es seyen dazumal in der Corinthischen Kirchen gewesen Schismatici, Ketzer und Rottirer/ Zaͤncker und Staͤncker/ die in Spal- tungen und Unfrieden zusammen kommen/ dort waren gesessen die Pau- liner/ hie die Petriner- Temulenti, die sich zuvor voll gesoffen. Immi- sericordes, die in ihren agapis, die Gemeinen/ und in derselbigen die Duͤrfftigen verachtet/ und beschaͤmet/ die nichts hatten. Indiscreti, Unflaͤter/ die sich zuvor nicht selbs gerichtet und gepruͤfet/ die hingeloffen/ wie ein Sau zum Trog. Infideles, glaublose Heuchler/ sichere/ unver- soͤhnliche/ die mit offentlichen Suͤnden und dannigen Lastern die Kirch geaͤrgert/ die in der Welt-Lust/ Augen-Lust/ und hoffaͤrtigem Leben gantz und gar ersoffen/ Hund und Saͤu/ die den Sohn GOttes mit Fuͤssen getretten. Summa/ die des Hochzeitlichen Ehren-Kleides/ des gerecht- selig- und wuͤrdig-machenden Glaubens gemangelt. Es fragt sich de facto, non debito \& jure, was geschicht/ nicht was von Rechts-wegen geschehen soll. Es ist allerseits außgemacht/ das freylich den Hunden dieses Perlein nicht soll fuͤrgeworffen werden. Dann so lehren nicht nur wir/ sondern auch der Heydelberg. Catechism. der auff die 80. Frag: Welche sollen zum Tisch des HErꝛn kommen? also antwortet: Die ihnen selbst um ihrer Suͤnden willen mißfallen/ und doch vertrauen/ daß ihnen dieselbige verziehen/ und die uͤbrige Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi bedecket sey: begehren auch je mehr und mehr den Glauben zu staͤrcken/ und ihr Leben zu bessern. Die Unbußfertigen aber und Heuch- ler essen und trincken ihnen selbst das Gericht. und quæst. 81. Sollen aber zu diesem Abendmahl auch zugelassen werden/ die sich mit ihrem Bekanntnuß und Leben als Unglaubige und Gottlose erzeigen? Nein/ dann es wird also der Bund GOt- tes geschmaͤhet/ und sein Zorn uͤber die gantze Gemeinde ge- reitzet. Derhalben die Christliche Kirch schuldig ist nach der Ordnung Predigt. Ordnung Christi/ und seiner Aposteln/ solche biß zur Besse- rung ihres Lebens/ durch das Ampt der Schluͤssel außzu- schliessen. Zwar nach Goͤttlicher Intention und allgemeinem gnaͤdi- gem Willen gehet sie dieser Schatz auch an/ als welcher allen und jeden diese legata in seinem Testament vermacht/ und so viel an ihm ist/ kraͤff- tiglich anbietet; weil sie aber die Goͤttliche Buß- und Glaubens-Ordnung verachten/ und in den Wind schlagen/ wird ihnen billig der Paß zu deren Genuß verlegt und versperret/ so lang und viel/ biß sie sich in angedeute Ordnung schicken. Auch ist nicht die Frag de manducatione spiritua- li, und geistlicher Niessung/ dann das ist auch unstrittig/ daß sie nicht es- sen geistlicher weiß durch den Glauben/ weniger de sacramentali, am Brod/ auff alt-Sacramentliche weiß/ sondern von der Mund-Sacra- mentlichen Niessung. Ob nun solche unwuͤrdige Communicanten/ wann sie sich unter die Wuͤrdigen mischen/ gleichwol auch den Leib Christi/ in/ mit/ und unter dem gesegneten Brod/ Mund-Sacramentlicher weiß de facto empfan- gen? Darauff antworten wir mit Ja/ und erhaͤrten solches mit nachfol- genden Argumenten und Gruͤnden: I. Testimonio Scripturæ, und zwar oraculo Pauli 1. Cor. 11, 27. 29. da er solche kraͤfftige/ guͤltige Wort braucht/ darauß das Jawort nothwendiger weiß fliessen muß. Wel- cher/ sagt er/ unwuͤrdig von diesem Brod isset/ oder von dem Kelch des HErꝛn trincket/ der ist schuldig an dem Leib und Blut des HErꝛn. Und abermal: Welcher unwuͤrdig isset und trincket/ der isset und trincket ihm selber das Gerichte/ damit daß er nicht unterscheidet den Leib des HErꝛn. Alle Wort sind bedencklich: Welcher nun von diesem Brod/ so Christus mit seinem Leib Sacramentlich verbunden und gesagt/ das ist mein Leib/ das ist/ unter/ in und mit diesem Brod ist mein Leib: Von diesem Brod/ und von diesem Kelch/ welcher ist κοινωνία, die Gemeinschafft des Leibs und Bluts Christi/ der ist schuldig am Leib und Blut des HErꝛn/ Er sagt nicht/ er versuͤndiget sich an Christi Person/ an seiner Gottheit/ an seiner Seelen/ warum das? dieweil das Brod mit dero keinem Sa- cramentlich vereiniget/ sondern allein mit dem Leib und Blut: Dann/ spricht er/ wer unwuͤrdig isset/ der isset ihmselber das Gericht/ h. e. das Straff-Gericht. darum/ daß er nicht unterscheidet den Leib des HErꝛn. Weil Er das Brod mit diesem so hoch-heiligen Leib vereiniget/ nicht anders tract irt und ansiehet/ als eine gemeine Speiß/ und ein gemeines Brod. Hinc argumentum: Mit welcher Handlung B b b iij die Die Siebenzehende die unwuͤrdigen Communicanten in Niessung des H. Abendmahls/ auff Erden/ wider Christi wesentlichen Leib und sein wesentliches Blut suͤn- digen/ und eine verdam̃liche Suͤnden-Schuld also auff sich ziehen/ daß sie schuldig sind an dem wesentlichen Leib und Blut des He rꝛn Christi/ in und mit derselben Handlung muͤssen sie ja auch mit dem wesentlichen Leib und Blut Christi selbst im Abendmahl zu schaffen haben. Nun aber ist das muͤndliche Essen und Trincken in Niessung des H. Abendmahls auff Erden die jenige Handlung/ in und mit welcher die unwuͤrdige Communicanten wider Christi wesentlichen Leib und Blut selbst suͤndi- gen/ und eine verdam̃liche Suͤnden-Schuld auff sich ziehen/ daß sie schul- dig seynd an dem wesentlichen Leib und Blut des He rꝛn Christi selbst. Darum muͤssen die unwuͤrdige Com̃unicanten in Niessung des heiligen Abendmahls auff Erden/ in und mit dem muͤndlichen Essen und Trincken im H. Abendmahl auch mit dem wesentlichen Leib und Blut Christi selbs zu schaffen haben. Der Vorsatz ist richtig. In quo enim objecto pec- cat actio, in eodem versari ipsam necesse est, worinnen man mit einer Handlung suͤndiget/ darmit muß diese Handlung umgehen. Des Ho- henpriesters Diener hat Christo einen Backenstreich gegeben/ Joh. 18. 22. Mit diesem Bachenstreich hat er sich an Christo groͤblich versuͤndiget/ darum muß auch dieser Backenstreich mit Christi Backen etwas zu schaffen gehabt haben/ und muß auff dieselbe gangen seyn. Weil dann die unwuͤrdige Gaͤst des H. Abendmahls/ die unbußfertige Christen/ in und mit dem muͤndlichen Essen und Trincken dieses gesegneten Brods/ so die Gemeinschafft des Leibs/ und dieses gesegneten Kelchs/ so die Ge- meinschafft des Bluts Christi ist/ sich also groͤblich versuͤndigen/ daß sie dadurch schuldig werden an dem wesentlichen Leibe und wesentlichen Blut Christi selbst/ so muß diß ihr muͤndlich Essen und Trincken auch auff den wesentlichen Leib/ und auff das wesentliche Blut Christi selbst mitgehen. Der Nachsatz ist in den klaren Worten St. Pauli gegruͤn- det/ und an dem Exempel der Corinthier/ welche/ weil sie unwuͤrdig geges- sen/ seind sie eines ploͤtzlichen und unseligen Todes gestorben/ ꝟ. 30. Es sagt zwar Paulus von ihnen/ sie schlaffen; Jst aber phrasis generalis; dem Tod der Frommen und Gottlosen gemein. 1. Reg. 14. 21. 31. Jer. 51, 39. Dan. 12, 7. Ob wir wol nicht laͤugnen/ es werden sich etliche noch bekeh- ret haben/ und selig eingeschlaffen seyn. E. L. verstehe es in Gleichnussen. Ein boͤser Bub und undanckba- rer Gesell. e. g. epulo, der genießt der Speiß und Trancks/ und dasselbe auß Predigt. auß uͤberschwenglicher Goͤttlicher Gnade/ wegen des Verdiensts Christi/ sonst ist Gott keinem Menschen von Rechts-wegen etwas anders als die Hoͤlle schuldig; aber es ist kein Segen dabey/ es bekom̃t ihm wie dem Hund das Graß/ er speyt sie wieder herauß. Daher Lutherus in marg. ad Deut. 30, 9. schreibet: Die Gottlosen haben auch wol Ehre und Gut/ offt mehr dann die Heiligen/ aber zu ihrem und an- derer Verderben. Also empfangen auch die Unwuͤrdigen den Leib Christi/ aber nicht die himmlische Speiß-Krafft/ sondern den Geruch zum Tod/ Gifft und Gall/ und seind dieses keine contradictoria: Mas- sen auff gleiche weise das Wort GOttes/ als des H. Geistes gegenwaͤr- tiges und kraͤfftiges Jnstrument und Werckzeug/ mit dem leiblichen Gehoͤr angenommen wird/ und mit dem Hertzen verworffen. Act. 13, 46. Das Wort der Predigt halff jene nichts/ da nicht glaubeten die/ so es hoͤreten. Simon der Zauberer ist warhafftig mit Wasser und dem H. Geist getaufft worden/ und hat das Wesen des H. Geistes empfangen/ aber ohne Frucht. Hie ist zwar der Reformirte Geist verstrickt und gefangen/ der Wolff steckt in der Gruben/ er ist im Garn und im Sack. Aber er un- terstehet sich herauß zu wickeln mit falschen Glossen/ die er dem Paulini- schen Spruch anschmieret. I. Es sey gar ein anders/ ein unwuͤrdi- ger Gast/ und unwuͤrdiglich Essen. Dann also schreibet Piscator in Apol. advers. Röder. p. 565. 566. Paulus redet 1. Cor. 11, 27. 29. Darmst. Gruͤud l . Außfuͤhr. p. 999. seqq. nicht von den Unglaubigen/ sondern von den Glaubigen/ und sagt nicht: Wann ein Unwuͤrdiger das Brod isset/ sondern welcher (nemlich auß den Glaubigen/ dann von solchen redet er) unwuͤrdiglich dieses Brod isset. Nun ist ja ein anders/ wann man sagt/ es isset einer unwuͤrdiglich: ein anders aber/ wann man sagt/ es isset ein Unwuͤrdiger: Sintemal auch ein Wuͤrdiger unwuͤrdiglich essen mag. Als zum Exempel ein grosser Herꝛ/ sonderlich der fromm und Gottsfoͤrchtig ist/ ist wuͤrdig einer guten und herꝛlichen Speise: gleichwol kan ihm widerfahren/ daß er dieselbe unwuͤrdiglich isset/ als wann er sie isset ohne Gebet und Dancksagung. Jtem/ zu gierig und uͤbermaͤssig. Also/ ob schon niemand wuͤrdig ist einiger Wolthat GOttes/ jedoch hat GOtt auß Gnaden die Glau- bigen gewuͤrdiget seiner mancherley Wolthaten/ unter wel- chen Die Siebenzehende chen auch ist die Niessung des heiligen Abendmahls. Gleich- wol kan es sich zutragen/ daß ein Glaubiger dasselbe unwuͤr- diglich neußt/ indem ers nemlich neußt unachtsamlich/ ohne Andacht/ ohne Betrachtung der Ursachen/ um welcher wil- len es eingesetzet ist/ und eben dieses ist es/ das St. Paulus hie an den glaubigen Corinthern straffet/ nemlich daß sie das hei- lige Abendmahl ungebuͤhrlich genossen/ also/ daß sie bey demselben nicht erzeigten gebuͤhrliche Reverentz/ sondern giengen leichtfertig/ liederlich/ und unachtsamlich mit um/ eben als wenn es ein gemeines Brod und Wein waͤre/ wel- ches man niessen solte zur Erquickung des Lebens/ daher dann ihrer etliche sich truncken trancken. Antwort/ falsch ist der vermeinte Unterscheid unter einem Unwuͤrdigen/ und unter ei- nem der unwuͤrdiglich isset. Omnis indignè edens est indignus, gleichwie der jenige/ qui injustè \& incestè agit, der ungerecht und un- keusch/ diebisch/ huͤrisch und moͤrderisch handelt/ ein Dieb/ Hurer und Moͤrder ist; der Geist verzeihe uns/ daß wir seine Subtilitaͤt nicht ver- stehen. Ein grosser Herꝛ bleibt in seinem Stand/ ob er schon unwuͤr- diglich isset; aber ein Christ nicht/ er ist ein gerichter und verdam̃ter Mensch/ Joh. 3, 18. Uber das/ wann ein Koͤnig unflaͤtig ißt/ so ist er auch ein Unflath. 2. Κρίσις heisse hie eine zeitliche Zucht-Ruth/ Piscator in Apolog. adv. Ro- der. p. 566. nicht die ewige Verdam̃nuß. Es ist auch dieses zu mercken/ daß Paulus daselbst durch das Woͤrtlen κρίσις, das ist/ ein Gericht oder Urtheil/ nicht verstehe/ wie mans doch gemeiniglich ver- stehet/ die ewige Verdam̃nuß/ sondern eine zeitliche Straf- fe; wie klaͤrlich zu vernemmen auß seinen Worten/ da er/ nachdem er des Gerichtes Meldung gethan/ vers. 29. dasselbe Woͤrtlein in den nechst-folgenden dreyen Versiculen erklaͤret mit diesen Worten: Darum weil ihr des HERRN Abend- mahl unwuͤrdiglich esset und trincket/ seind unter euch viel Schwache und Krancke/ und ein gut theil schlaffen/ das ist/ sind gestorben. Dann so wir uns selbs richteten/ so wuͤrden wir nicht gerichtet. Wann wir aber gerichtet werden/ so werden wir vom HERRN gezuͤchtiget/ auff daß wir nicht samt der Welt verdam̃t werden. Antwort: Falsch ist es aber- mal/ daß Paulus nicht die ewige Verdam̃nuß/ sondern nur die zeit- liche Straffe verstehen solte/ dann er verstehet dasselbe Gericht/ welches mit Predigt. mit dem reatu an dem Leib und Blut Christi verknuͤpffet ist/ das Gericht/ welches uͤber Judam/ und andere seines gleichen ergangen. Das sey fern/ daß solche Hoͤll-wuͤrdige Suͤnden mehr nicht/ als eine zeitliche Zucht- Ruth verdienen solten: Hat Judas die Hoͤlle verdient/ weil er sich ver- griffen und versuͤndiget an dem Leib/ der dazumal noch in der Erniedri- gung gestanden/ was fuͤr eine schroͤckliche Straff ladet der auff sich/ der den Leib/ der nunmehr mit unermeßlicher Herꝛlichkeit gezieret ist/ unwuͤr- dig tractirt. 3. Es rede Paulus de peccato contemtûs. Die unwuͤrdige Steinius 2. Theil der Bruͤder- schafft/ p. 164, 165. Sadeel lib. de Sacram. manducat. c. 4. obj. 3. p. 290. Eilshem. in Verthaͤ- digung p. 473. Communicanten werden nicht solcher Gestalt an dem Leib und Blut des He rꝛn Christi schuldig/ als ob sie mit Brod und Wein dieselbe muͤndlich empfiengen/ sondern dieweil sie das am Brod und Wein gehengte Wort der Verheissung/ und die darinnen versprochene himmlische Guͤter/ den gecreutzigten Leib und das vergossene Blut des He rꝛn Christi/ samt sei- nem gantzen Verdienst und erworbenen Wolthaten/ nicht mit wahrem Glauben fassen/ ergreiffen und annemmen/ sondern vielmehr durch Un- glauben von sich stossen/ und also sich selbst dieser himmlischen Gaben be- rauben/ und unwuͤrdig machen. Antwort: Alle Unglaubige seind Ver- worffene/ den reprobis aber wird/ ihrer Lehre nach/ der Leib und Blut Christi nicht offer irt/ als welcher nicht fuͤr sie in den Tod gegeben/ noch fuͤr sie vergossen worden/ zur Vergebung ihrer Suͤnden/ wie koͤnnen sie dann die jenige Gabe/ die ihnen niemalen angebotten worden/ von sich stossen und verachten? 4. Er rede de ignominiâ symbolis factâ, man versuͤndige sich am Leib und Blut des Herrn/ wann man des Herrn Brod unwuͤrdiglich isset/ und seinen Wein unwuͤrdiglich trincket/ weil Sadeel. lib. de Sacram. manducat. p. 219. Ursin. tom. 1. q 81. Ca- tech. p. 290 Pareus comment. in 1. Co- rinth. 11. p. 754. dieses Brod und dieser Wein Goͤttliche Zeichen und Zeugnusse/ durch welche uns der Herr bezeuget/ daß Er fuͤr uns gestorben seye. Wer nun diese Zeugnusse verunehret/ der unehret gleich mit die himmlische Gaben/ welche dadurch bedeutet und bezeuget werden. Gleich als wann einer des Kaysers Brieff und Siegel mit Fuͤssen tritt/ der schmaͤhet damit den Kayser selbst/ und verachtet die Guͤter/ welche ihm durch Zeugnuß des Brieffs und Sigels uͤbergeben worden. Jtem/ wer dieses heilige Zeichen des Leibs Christi mißbrauchet/ der ist schuldig am Leibe Christi; gleichwie derselbe wider des Kaysers Majestaͤt suͤndiget/ der sein auff gerichtetes Bild zerbricht und verspottet. Antwort: Auff solche Weiß wuͤrde sich ein Unglaubiger im A. Testament/ der das Oster-Lamm/ oder die suͤssen Brod genossen/ auch am Leib Christi versuͤndiget haben/ welches aber in der Schrifft nirgend gesagt wird. Jtem/ wann einer mit aͤusserlicher Reve- rentz und Ehrerbietung die aͤusserlichen Zeichen/ Brod und Wein em- Neunter Theil. C c c pfienge/ Die Siebenzehende pfienge/ waͤre aber unter dessen ein Heuchler/ der wuͤrde sich nicht an dem Leib Christi versuͤndigen. II. Exemplo Judæ. Judas ist ohne Zweiffel ein unwuͤrdiger Gast gewesen/ ein Dieb/ ein Moͤrder/ ein Jnstrument des boͤsen Geistes/ in den der Satan gefahren/ ein Verraͤther/ ein Mammeluck; Und obwol Chri- stus ihn unterschiedlich erinnert/ und an treu-hertziger Warnung nichts erwinden lassen: Jhr seyd rein/ aber nicht alle/ Joh. 13, 10. War- lich/ warlich ich sage euch/ einer unter euch/ der mit der Hand mit mir in die Schuͤssel taucht/ wird mich verrathen/ Matth. 26, 21. 23. Der mein Brod isset/ tritt mich mit Fuͤssen/ Joh. 13, 18. hat er doch sein Unrecht gar nicht erkennt/ es war kein οκιμασία, kein hoch- zeitlich Ehren-Kleid nicht da/ er hatte cauteriatam conscientiam. Die- ser Judas Jscharioth nun wohnete warhafftig diesem letstern Sacra- mentlichen Nachtmahl bey. Der Evangelist Lucas/ der alles ἀκρι ῶς zu beschreiben versprochen/ sagt klar/ gleich auff die Wort der Einsatzung: Doch siehe/ die Hand meines Verraͤthers ist mit mir uͤber Tische/ und zwar des Menschen Sohn gehet hin/ wie es be- schlossen ist/ doch wehe demselben Menschen/ durch welchen Er verrathen wird. Luc. 22, 21. 22. Nun aber hat der Herr einem Juͤnger den Befehl gegeben wie dem andern: Trincket alle darauß/ dem Judaͤ hat er kein besonders gemacht/ oder ihm auff eine andere Weiß das blose Brod communicirt. So nun Judas wie die andere Apostel den Leib und Blut des Herrn/ vermittelst des gesegneten Brods und Weins/ genos- sen/ warum nicht auch alle andere Unwuͤrdige? Nichts tuͤchtiges bringt Gegentheil dagegen auff die Bahn/ als daß Matthaͤus erzehle c. 26, 23. Christus habe vor der Einsatzung in die Schuͤssel getaucht und gesagt/ Der mit der Hand mit mir in die Schuͤssel tauchet/ wird mich verrathen. Und melde der Evangelist Johannes/ c. 13, 30. da er den Bissen genommen hatte/ gieng er so bald hinauß/ und habe con- sequenter der Einsetzung des H. Abendmahls nit erwartet. Antw. Es stehet klar dabey/ und es war Nacht/ da Judas hinauß gieng. Es war aber noch nicht Nacht/ da sie das Oster-Lamm assen/ dann das mußte ge- schehen auff den Abend/ ehe die Sonne vollends untergangen/ darum muß das Griechische Wort ἐυϑέως nothwendig ν ϖλάτει verstanden wer- den/ gleichwie Marc. 1, 12. Ja/ sprichstu/ auff diese weise muß Christus und Belial in Juda zugleich gewohnet haben. Antwort: Christus hat in Juda nicht gewohnet: Mit dem Mund hat er ihn zwar empfangen/ aber Belial Predigt. Belial hat er im Hertzen behalten/ Christus ist in Gnaden zu ihm nicht gekommen/ obwol Sacramentlicher weise. Gleichwie Matth. 13/5. etli- che den Saamen empfangen/ aber nicht behalten in einem feinen guten Hertzen/ der steinichte Boden nam den Saamen des Worts bald an/ aber er wurtzelte nicht. III. Analogiæ fidei, welche lehret/ daß der Menschen Unglaub/ GOttes Glauben/ Ordnung und Einsatzung nicht auffhebe. Rom. 3, 2. Der Ehestand/ Obrigkeit und Predigampt bleibt GOttes Ordnung/ ob schon zu weilen ein Schwein diese guldene Kette anthut/ und so verhaͤlt sichs auch mit dieser Sacramentlichen Ordnung. Non interest, cum de Sacramenti integritate quæritur, quid credat, aut quali fide imbu- tus sit, qui accipit: interest quidem plurimùm ad salutis viam, sed ad sacramenti quæstionem nihil interest: fieri enim potest, ut homo ha- beat integrum Sacramentum, sed perversam fidem: schreibet August. l. 3. contrà Donatist. c. 14. das ist/ Wann von der Vollkommen- heit des Sacraments geredet wird/ ist nichts daran gelegen/ es mag der jenige/ der es empfangt/ glauben was er wil; Es nutzet der Glaub zwar zum seligen Gebrauch/ er macht aber nicht die eigentliche Beschaffenheit und Wesen des Sacra- ments: Dann es kan geschehen/ daß einer das gantze Sacra- ment habe/ und doch einen verkehrten Glauben. IV. Adstipulationi Patrum. Cyprianus serm. 5. de lapsis p. 222. schreibet von den umgefallenen Mam̃elucken/ daß wann sie hernach auß Heucheley communicirt: Vis infertur corpori ejus \& sanguini, plus modò in Dominum manibus atque ore delinquunt, quàm cùm Do- minum negaverunt. Es wird seinem Leib und Blut Gewalt angelegt/ und versuͤndigen sie sich alsdann mehr an dem HErꝛn mit ihrem Mund und Haͤnden/ als zuvor/ da sie ihn verlaͤugnet. Origenes in Psalm. 37. hom. 2. Tom. 1. p. 471. Cum anima tua ægrotet, \& peccatorum languoribus urgeatur, securus es, contemnis gehennam, \&c. communicare non times corpus Christi, accedens ad Eucharistiam quasi mundus \& purus, quasi nihil in te sit indignum, \& in his omnibus putas, quod effugias Dei judicium. Wann deine Seele kranck/ und mit Schwachheit der Suͤn- den beladen/ so bist du sicher/ verachtest das hoͤllische Feur/ und entbloͤdest dich nicht/ des Leibs Christi theilhafftig zu wer- den. Du gehest zum Abendmahl als rein und sauber/ als C c c ij waͤre Die Siebenzehende waͤre bey dir kein Unwuͤrdigkeit anzutreffen/ und in diesem al- lem bildestu dir ein/ daß du dem Gericht GOttes entfliehen werdest. Augustin. Tom. 6. Libr. contrà Donatist. Boni \& mali simul manducant \& bibunt corpus \& sanguinem Domini, sed cum magnâ distinctione, quia isti in honorem sponsi induti sunt veste nu- ptiali, illi autem non habent vestem nuptialem. h. e. fidelissimam sponsi charitatem, ac per hoc, etiamsi in uno eôdemque convivio, isti misericordiam manducant, illi judicium. Die Frommen und Gottlosen essen und trincken zugleich den Leib und Blut des HErꝛn/ aber mit einem grossen Unterscheid/ weil diese ihrem Braͤutigam zu Ehren sich zieren mit dem hochzeitlichen Ehren-Kleid; diese aber haben kein hochzeitliches Kleid an/ das ist/ sie tragen keine standhaffte Liebe zu ihrem Braͤutigam/ daher essen diese/ wiewol in einem Abendmahl ihnen das Ge- richt/ jene aber erlangen Barmhertzigkeit. Chrysost. hom. 60. ad Pop. Antioch. Non parva pœna proponitur indignè sumentibus, considera quantum adversus proditorem indignaris, \& contrà eos, qui crucifixerunt eum. Itaque considera, ne tu quoque sis reus cor- poris \& sanguinis Christi. Illi sanctissimum corpus jugularunt, tu verò pollutâ suscipis animâ. Es haben die jenige/ die unwuͤrdig essen/ keine geringe Straff zugewarten/ bedencke wie du zuͤr- nest uͤber den Verraͤther/ und uͤber die/ so Jhn gecreutziget ha- ben/ darum erwege solches/ auff daß du nicht auch seines Leibs und Bluts schuldig seyest. Jene haben den allerheiligsten Leib ermordet/ du aber nim̃st ihn auff mit befleckter Seelen. Und in 1. Corinth. 11. uͤber die Wort: Wer unwuͤrdig isset/ der ist schul- dig an dem Leib und Blut des Herrn . Quemadmodum, qui Chri- stum punxêre, non ut biberent ejus sanguinem, sed ut effunderent, idem sanè facit, qui Christi sanguinem bibit indignè, \& nullum ex ejus potione fructum recipit. Wie die jenige/ die Christum ver- wundet/ ihn also zugerichtet/ nicht daß sie sein Blut wolten trincken/ sondern vergiessen; eben das thut auch der/ der das Blut Christi unwuͤrdig trincket/ und davon kein Nutzen und Frucht geniesset. Theodoret. in 1. Cor. 11. Non solum Apostolis, sed \& Judæ proditori preciosum corpus \& sanguinem suum imper- tiit Dominus. Der HErꝛ hat nicht nur den Aposteln/ sondern auch Judaͤ dem Verraͤther sein Leib und Blut mitgetheilt. Gregor. Predigt. Gregor. lib. 4. Dial. Est quidemin peccatoribus \& indignè sumentibus vera Christi caro, \& verus sanguis, sed essentiâ, non salubri efficien- tiâ. Die Gottlosen und Unwuͤrdigen haben auch das war- haffte Fleisch Christi/ und sein warhafftes Blut/ was anlangt das Wesen/ aber nicht die heylsame Wuͤrckung. Was bringt nun die Vernunfft darwider fuͤr Auffzuͤge? 1. Falsche Glossen. Jhr koͤnt nicht zugleich trincken des HErꝛn Kelch/ und der Teuffel Kelch. Jhr koͤnt nicht zugleich theilhafftig seyn des HErꝛn Tisches/ und der Teuffel Tische. 1. Cor. 10, 21. E. so koͤnnen die Unwuͤrdigen den Leib und Blut Christi nicht empfan- gen. Antw. Sie koͤnnen nicht trincken ratione juris, von Rechts we- gen/ mit gutem Gewissen/ mit Nutz und Frucht/ cum effectu gratiæ: dergleichen phrases mehrmalen in der Schrifft anzutreffen. Wir koͤnnen das nicht thun/ daß wir unserer Schwester einen unbe- schnittenen Mann geben. Gen. 34, 14. Jhr koͤnt nicht GOtt dienen und dem Mammon. Matth. 6, 24. Wir koͤnnens ja nicht lassen/ daß wir nicht reden solten/ was wir gesehen und gehoͤret haben. Actor. 4, 20. Du kanst nicht Passah schlachten in irgend deiner Thor einem/ die dir der HErꝛ dein GOtt gegeben hat. Aber de facto kans freylich geschehen/ wie das Exempel der Corinthier selbs außweißt. Jtem/ das Fleisch Christi ist ein lebendig-machendes Fleisch/ so nun die Unwuͤrdigen dasselbe im Abendmahl empfangen/ muͤßte folgen/ daß sie auch lebendig-machende Krafft empfiengen. Ant- wort: die Lebendigmachung ist kein actus naturalis, sondern der Sohn GOttes machet lebendig wen er wil. Joh. 5, 21. 2. Paralogi- smos rationis, es seind ja zwey contraria, die nicht beysammen stehen koͤnnen/ die Gnaden-Gaben und Gutthaten GOttes empfangen/ und dieselbe verwerffen/ und von sich stossen. Nun stossen ja die unwuͤrdige Communicanten diese Gutthaten von sich. E. koͤnnen sie derselben nicht theilhafftig werden. Resp. Gleichwie die Gottlosen zwar mit den Ohren das Wort GOttes hoͤren/ aber mit dem Hertzen nicht fassen/ so em- pfangen die Unwuͤrdige mit dem Mund den Leib und das Blut Christi/ wiewol/ was die Frucht dessen anlanget/ das Hertz nichts geneußt. Jtem die Gottlose seind ja keine Erben/ sondern von diesem Testament und Legat außgeschlossen/ sie seind Hunde und Saͤu. Antw. Sie sind Erben/ was anlangt die Goͤttliche Intention, welche aber eine gewisse Ordnung erfordert/ daß sie dem Hochzeitlichen Kleid des Glaubens und C i i j der Die Siebenzehende der Buß erscheinen/ wo nicht/ so entsetzen sie sich selbs. Wahr ists/ daß die gottlosen Hunde und Saͤue/ dergleichen Judas einer geweßt/ doch hat ihm Christus die Fuͤsse gewaschen. Die Apostel haben auch gepre- diget τοῖς χλευάζουσι, den Pfingst-Spoͤttern/ Act. 2, 13. Es koͤnnen sich auch hie zuweilen die Schwein und Hunde in Schaafe verwandeln. Hat also der Calvinische Jrꝛ-Geist Fehl geschossen/ und nichts gewonnen mit seinen Glossen und Schrifft-Foltern. Worauß leicht erscheinet/ welches seine thesis von Niessung der Un- wuͤrdigen/ nemlich/ die Unglaubige/ das ist/ die Verworffene/ wie sie zu diesem Schatz nicht eingeladen/ so essen und trincken sie auch den Leib und Blut Christi nicht. Jm gegentheil/ weil die Glaubige allein den Glau- bens-Mund mitbringen/ empfangen sie auch allein das Wesen des Sa- craments. Dann so glossi rt Piscator, die Wort Christi: das ist das Blut des N. Testaments/ das fuͤr euch und fuͤr viel vergossen wird/ h. e. fuͤr alle Außerwehlten/ die ihm vom Vater gegeben sind. hinc in der 6. Lehr ad Matth. 26. Christus hat nicht fuͤr alle Menschen/ sondern fuͤr viel/ (nemlich seine Außerwehlte/) sein Blut ver- giessen lassen/ darum auch nicht allen das Abendmahl nutz ist. Dann wo einer nicht Theil hat am Gut/ und dasselbe nicht durch den Glauben besitzt/ dem wird auch kein Brieff und Si- gel druͤber gegeben. Omnes (ita Simplicius Verinus de Transsubst. p. 250) Sacramentum visibile percipiunt, quia os habent, \& dentes, \& ventrem; sed non omnes gratiam invisibilem, sive rem Sacramen- ti \& virtutem, h. e. corpus Christi consequi possunt ἅγια τοῖς ἁγίοις, sancta sanctis! das ist/ Alle empfangen das sichtbare Sacrament/ weil sie Zaͤhne/ Mund und Bauch haben; aber sie koͤnnen dar- um nicht alle die unsichtbare Gnad/ oder das Wesen des Sa- craments/ und dessen Krafft/ den Leib Christi empfangen/ das Heilige gehoͤrt fuͤr die Heiligen. Jst aber dem also/ so ist Gott ungerecht/ der wegen Verachtung der Sacramenten den Menschen ver- dammet/ dem er sie doch niemalen offer irt. Der Diener ist ein Luͤgner/ so offt er zu einem Verworffenen sagt: Nim̃ hin und iß/ das ist der Leib Christi/ fuͤr dich in den Tod gegeben. Das Sacramentliche Sigel/ la- queus πορίας, ein Zweiffel/ ja Verzweiffelungs-Strick. Dann wo- her weiß ich/ daß ich unter so viel tausend Menschen einer/ der außerwehlt/ und Krafft der Erwehlung an diesem theuren Schatz des Leibs und Bluts Christi/ theil und gemein habe. Ey Predigt. Ey/ moͤchte jemand sagen/ was martert man doch die Kirch mit sol- chen Streittigkeiten/ ein jeder sehe fuͤr sich/ wie er es wuͤrdiglich empfahe/ was gehen uns die draussen an; so kom̃t zwar auffgezogen spiritus Cal- vini ἐπιχαιρέκακος, durch Massonium, der schreibet part. 3. p. 209. Soll man sich dann um die Gottlosen so hefftig bekuͤmmern/ und also die Kirch GOttes unruhig machen? Et pag. 241. Was ge- hen uns die jenigen an/ die draussen sind? Jsts nicht gnug/ daß wir durch Christum erloͤßt/ gerecht/ heilig und selig gemacht seind? Christliche Hertzen gedencken viel anders/ erinnern sich ihres Bischofflichen Ampts/ quilibet homo alterius Episcopus esse debet, und wuͤnschen ex συγχαιροσ ῃ verbannet zu seyn fuͤr ihre Bruͤder. Ein Vater sorget fuͤr seinen boͤsen Sohn/ ob er durchs Abendmahl zugewin- nen. Sie lassen ihnen ein Angst einjagen durch die Exempel deren/ die sich an GOttes Wolthaten und Geheimnussen vergriffen/ und schroͤck- lich deßwegen gestraffet worden/ sonderlich der Jsraeliten in der Wuͤsten/ an denen Gott kein Gefallen gehabt/ und von Jhm nidergeschlagen worden: Der Bethsemiten/ 1. Sam. 6. deren auff einen Tag 50000. und 70. Personen jaͤmmerlich umkommen/ weil sie die Bunds-Lade nicht mit gebuͤhrender Reverentz und Andacht/ auß verwegenem Frevel und Allfentzerey/ mit ungewaschenen Haͤnden zur Unzeit betastet/ und mit fuͤrwitzigen Augen angeschauet/ da dergleichen zu thun bey Leibs- und Lebens-Straff verbotten geweßt/ Num. 4, 15. Judaͤ des Verraͤthers/ dem sein Tisch zum Strick worden/ zur Vergeltung und zu einer Falle. Psalm. 69, 33. und anderer mehr. Cyprianus serm. de lapsis. Quædam (inquit) sacrificantibus nobis, latenter obrepsit, non cibum, sed gladium sumens, \& velut ve- nena quædam lethalia inter fauces \& pectus sanguinem admit- tens: angi \& animâ exæstuante postmodum concludi cœpit, \& pressuram non jam persecutionis, sed delicti passa, palpitans comedit; quæ fefellerat hominem, DEUM sensit ultorem. Alia ab immundo spiritu correpta cecidit, laniavit dentibus linguam. Ipsa sui carnifex extitit, nec diu superesse potuit, doloribus ven- tris \& viscerum cruciata. Marchant. hort. pastor. ex Baron. tom. 10. Annal. ann. Domini 868. hæc refert: Tempore Adria- ni II. Pontif. cum Lotharius Gallorum Rex Romam profectus honorificè ab illo fuisset exceptus, interrogatꝰ est, an Waldradam adulteram \& pellicem suam juxta præceptum Nicolai Pontificis \& juramentum præstitum à se rejecisset? Affirmante id ipso pro- Die Siebenzehende proceribusque qui cum eo advenerant, ait Pontifex, Si veritas ver- bis tuis suffragatur, restat tibi, ut ad confessionem S. Petri accedas, ibi hostiam salutarem pro tua incolumitate immolabimus, ex qua nobiscum oportet te participare, ut per hanc membris Christi, unde abscissus esse vi- debaris, merearis incorporari. Finitis ergò Missæ solennibus, acce- pto in manibus corpore Domini, iterum sic eum alloquitur: Si innoxium te agnoscis ab adulterij scelere, \& fixâ mente hoc statutum ha- bes, Waldradæ pellici tuæ à te repudiatæ nunquam nefario concubitu mi- sceri, accede fiducialiter ad Sacramentum salutis æternæ, ac remissionem peccatorum tuorum suscipe. Sin autem conscientia te accusat, \& le- thali vulnere sauciatum proclamat; aut si iterum mente disponis in mœchiæ volutabrum redire, accedere non præsumas, ne tibi cedat in ju- dicium, quod ad remedium fidelibus divina providentia præparavit. At is mente excæcatus, cum sciret se pernicioso mendacio Pontifi- cem circumvenisse, communionem de manu ejus sumsit. De- inde conversus Pontifex ad sequaces \& Fautores Reges unicui- que communionem obtulit in hæc verba: Si Regi tuo Lothario, in objecto adulterij crimine favorem nec præstitisti, nec consensum; \& Wal- dradæ aliis q à sede Apostolica excommunicatis non communicasti corpus \& sanguis Domini prosit tibi in vitam æternam. Qui ergò eorum communionem ausu temerario sumere præsumpsit, divino judi- cio ab hac luce subtractus est, ante anni sequentis principium. Lotharius verò Româ egressus, morbo corripitur, \& Placen- tiam veniens diem clausit extremum. Et tanta strages in ejus populo facta est, ut non peste periisse, sed hostili gladio corruis- se virtus \& nobilitas totius regni videretur. Sie præpari ren und bereiten sich δοκιμασίᾳ \& ἀυτοψίᾳ, sie erforschen sich wie die Schiff-Geferten Jonam/ Jon. 1, 8. sie zuͤnden eine Fackel an/ und spehen alle Winckel des Hertzens auß/ wie eine Dienstmagd/ die mit dem Liecht allenthalben hinzuͤndet/ damit nicht eine Spinnwebe hangen bleibe/ finden sie etwas/ daß ihnen nicht wol anstehet/ so legen sie es ab. Mutet vitam, qui vult accipere vitam. August. serm. super Advent. Domini. Wer das Leben empfahen wil/ der aͤndere sein Leben. Sie entscheiden διακρίσει dieses Sacramentliche Brod von anderm gemei- nem Brod/ sie dencken piâ ἀναμνήσει der theursten Go ttes Gabe Christi ihres Heylandes/ der sie erloͤset/ und selig machen wil/ der bey seinem Tod Predigt. Tod ein neues Testament auffgesetzt/ und durch die Vergebung der Suͤn- den den Schluͤssel zu den herꝛlichsten Himmels-Schaͤtzen uͤbergibt/ bey dem Brod dencken sie an das Brod des Lebens/ bey dem Kelch/ an den herben und bittern Passions-Kelch. Sie verkuͤndigen den Tod des Herrn/ gratâ parentatione, mit hertzlicher Danckbarkeit/ und freudi- ger Nachfolg in seine Fußstapffen/ daß sie nicht nur Christologi, son- dern auch Christophori werden. Sie lesen fleissig das 14. 15. 16. 17. Cap. Johannis/ darinnen ein Schatz ligt/ der mit aller Welt Gut nicht zu be- zahlen. Sie troͤsten sich mit der Universali taͤt dieses Convivii, daß kein getauffter Christ schlechter dings von diesem Mahl außgeschlossen/ nach der Verheissung Christi Joh. 6, 37. Wer zu mir kom̃t/ den wil ich nicht hinauß stossen. und allgemeinen Invitation, Matth. 11. Kom- met her zu mir alle/ die ihr muͤhselig und beladen seyd ꝛc. Und wo er der Ordnung nachkommet/ soll er auch Frucht/ Safft und Krafft dazu geniessen/ und daß die Wuͤrdigsten seyen die Unwuͤrdigsten. Sie werden auch wegen Gebrechligkeit und Unvollkommenheit nicht klein- muͤtig/ richten sich auff mit dem Exempel der Juͤnger Christi/ welche ja uͤber alle massen schwach im Glauben gewesen/ kaum haben sie das Abendmahl empfangen/ renovi ren sie den Streit vom Primat/ Luc. 22, 24. Uber alles aber erfreuen sie sich der stattlichen Verheissung de agno dignissimo, Apoc, 5, 12. als in welchem allein unsere Wuͤrdigkeit hanget/ Luc. 21, 36. Col. 1, 12. sonderlich deren/ die Er selbst gethan/ Apoc. 3, 4. Du hast wenig Namen zu Sarden/ die nicht ihre Kleider besudelt haben (mit geist- und leiblicher Hurerey) und sie werden mit mir wandeln in weisen Kleidern/ dann sie sinds werth/ ( passivè, sie sind die rechte Ehrwuͤrdige) wer uͤberwindet/ der soll mit weisen Kleidern angeleget werden/ und ich werde sei- nen Nahmen nicht außtilgen/ auß dem Buch des Lebens/ und ich wil seinen Namen bekennen/ fuͤr meinem Vater/ und fuͤr seinen Engeln. Jhme dem Lamm GOttes/ das der Welt Suͤnde getragen/ erwuͤrget ist am Stamme des Creutzes/ das in heisser Liebe gebraten/ das sich uns zur Speise gegeben/ und uns so hoch gewuͤrdiget/ das da wuͤr- dig ist zu nemmen/ Krafft und Reichthum/ Weißheit und Staͤrcke/ und Ehre/ und Preiß/ und Lob. Apoc. 5, 12. Jhme sey Krafft und Reichthum: Jhme sey Lob wegen seiner Allmaͤchtigen Krafft/ dadurch Er sein Wort wuͤrcklich machen kan: seines Reich- thums/ dessen Gazophylacium in diesem Sacrament erscheinet. Jhme Neunter Theil. D d d sey Die Achtzehende sey Weißheit/ dadurch er geschaffen/ daß Gerechtigkeit und Barmher- tzigkeit in diesem Sacrament einander begegnen/ und kuͤssen/ jene die Un- wuͤrdigen/ diese die Wuͤrdigen. Amen. Die Achtzehende Predigt/ Von Dem Zweck und End-Ursach/ warum Christus das Heilige Abendmahl eingesetzet/ nemlich der Vergebung der Suͤnden. G Eliebte in Christo. Unter andern Ursachen/ warum der H. Geist in einer Tauben-Gestalt bey der Tauff Christi erschienen/ und in einer Tauben-Gestalt sich abeonterfehen und abmahlen wollen/ ist sonderlich das Evangelische Trost-Ampt/ da er durch das Ministerium und werthe Predig-Ampt/ als das Ampt des Geistes/ re- det und handelt/ von dem theursten Gnaden-Schatz/ den Christus er- worben/ der ἀμνηςείᾳ und gnaͤdigen Vergebung der Suͤnden/ Erloͤsung auß der Gewalt und Tyranney des Satans/ und kraͤfftigem Trost wi- der alle Anfechtungen der Suͤnden und des boͤsen Gewissens/ und dassel- be auff drey folgende Arten und Weisen. I. Illicio vocali. Gleichwie unter den Tauben etliche sind und heis- sen Lock-Tauben/ so durch ihre Stimm andere und fremde/ auch wilde Tauben/ wiederum zum rechten Nest und Taub-Hauß locken: Also hat der H. Geist ex ὑϖερώῳ Hierosolymitano und Soͤller zu Jerusalem zwoͤlff Lock-Tauben außfliegen lassen/ die haben Ephraim die verlockte Taub/ Ose. 7, 11. h. e. das Juͤdische Volck zuvorderst/ und die zwoͤlff ver- straͤuete Staͤmme Jsrael/ hernach auch die Chamiten/ und andere ab- goͤttische/ heydnische Voͤlcker/ sonderlich auch uns arme Japhiten/ zum Taub-Hauß der Christlichen Kirchen gelocket/ laut des Prophetischen Segens/ Gen. 9, 27. GOtt breite Japhet auß/ und laß ihn woh- nen in den Huͤtten des Sems/ oder wie es nach der Grund-Sprach lautet/ und Lutherus in seinem Commentario erklaͤret: Gott locke den verscheichten und bloͤden Japhet/ und laß ihn wohnen in der Huͤtten des Sems. II. Sola- Predigt. II. Solatio literali. Es ist nichts neues/ sondern in mancher Be- laͤgerung nutzlich gebraucht worden der Tauben-Dienst/ da man sie zu Post-Botten und Brieff-Traͤgern gebraucht/ den Belaͤgerten zu Frist und Trost. In obsidione Mutinensi apud Plin. l. 10. 37. hat zwar An- tonius die Stadt gantz fest plocquirt und beschlossen gehalten/ daß ihnen kein Zufuhr und Post zukaͤme; aber per cœlum ivit nuntius, ein Taub flog hin und her/ und trug Zeitung und Brieff unter den Fittigen: So machtens auch die zu Tyro/ als sie von den Christen belaͤgert geweßt. Die Saracener brauchten der Tauben-Dienst/ und sagten den Belaͤ- gerten Succurs und Huͤlffe zu. Welcher Gestalt in den Niderlaͤndi- schen Kriegen/ sonderlich in der Belaͤgerung zu Leiden und zu Harlem/ die Tauben gebraucht worden/ in dem sonderlich die zu Harlem kurtz vor der Belaͤgerung etliche Tauben auß dem Taub-Hauß in Orangii Laͤger und classem außfliegen lassen/ die hernach auß Lieb ihrer Jungen und Nester wiederum zuruck geflogen/ aber nicht leer/ sondern Trost- und Frist-Brieff mitgenommen/ das ist auß den Niderlaͤndischen Geschich- ten bekandt. Fam. Strad. de bell. Belg. lib. 7. p. 378. his verbis refert: Fuit hæc obsidio multis sanè memorabilis. Namque in ea repetitum ex antiquitate ministerium columbarum literas perferentium. Paulò enim antequam clausa fuisset nuntiis via, Harlemenses ex urbis columbariis ad Orangij classem, \& vicina sociorum op- pida columbas aliquot cicures asportarunt: quæ deinceps, ubi opus fuit, cum literis subter alas alligatis emissæ, tecti quæque sui prolisque memor, Harlemum revolabant, ac per aërios hosce tabellarios Orangius ad perferendam tribus postremis mensi- bus obsidionem cives obfirmavit, donec earum una, dum ab volatu defessa castris insidet, à milite artificii ignaro fortè trans- fixa, literarum arcana patefecit. Quo factum, ut quotquotex- inde transvolarent per aëra columbæ, quamquam innoxiæ, cer- tatim à militibus figerentur. Also hat der H. Geist uns die wir geweint und geheult: Dem Teuffel ich gefangen lag/ im Tod war ich verlohren/ ꝛc. vom Himmel herab/ Brieff vom himmlischen Vater gebracht/ literas propheticas, literas βε αιοτέρας, literas Apostolicas \& Evangelicas, voll Trost/ Freud/ Ver- heissung/ Gnad/ Vergebung der Suͤnden/ Erloͤsung/ Heyl und Seligkeit. III. Sigillo reali. Gleichwie die jenige Taub/ welche Noah außflie- gen lassen/ nicht leer wiederkommen/ sondern um die Vesper-Zeit ein Oel- D d d ij Blat Die Achtzehende Blat im Mund und Schnabel mitgebracht/ darauß Noah abnemmen koͤnnen/ Numen placatum, daß das Wasser gefallen/ Gott versoͤhnet und sein Zorn gestillet sey: Also hat auch der H. Geist die Verheissung und Bottschafft/ die froͤliche Zeitung und gute neue Maͤhr von der Gna- de Go ttes/ der Versoͤhnung mit dem Vater/ dem Ablaß und Vergebung der Suͤnden/ mit sichtbaren Zeichen in den H. Sacramenten versigelt/ und daß um die Vesper-Zeit des Neuen Testaments/ in der jenigen Nacht/ da das Sacrament eingesetzet worden. Jst eben der jenige versi- gelte Schatz/ und Gutthat/ davon wir nun etwas mehrers reden und handlen wollen. Dann/ nachdem wir alle causas, efficientem, bey dem Wirth und Gastgeber JEsu Christo/ materialem, bey den sichtbaren Ele- menten/ Brod und Wein/ und unsichtbaren Stuͤcken/ Leib und Blut Christi/ und dann formalem, bey dem Mund-Sacramentlichen Essen und Trincken/ wie auch der Sacramentlichen Handlung/ erwogen/ fol- get nun auch causa finalis, ἀμνηςεία peccatorum. Gott gebe Gnad und Geist/ hievon fruchtbarlich und aufferbaulich zu reden. Amen. D Aß nun/ Meine Liebsten/ der fuͤrnemste Haupt-Nutz/ und Frucht des H. Abendmahls sey der Ablaß der Suͤnden/ Erb- und wuͤrcklichen/ toͤdtlichen und taͤglichen/ aller groben und subtilen/ die ἀμνη εία, Impunitas und Freyheit von Straff und dero Pflicht/ das ist auß den Worten der Einsetzung abermal so hell und klar/ daß wer nicht muthwillig stockblind seyn wil/ es sehen ja greiffen mag. Nemmet hin und esset/ daß ist der Leib fuͤr euch und euere Suͤn- de zu buͤssen/ dahin gegeben. Luc. 22, 19. es ist cibus gratiæ obsignato- rius. Wann ein grosser Herꝛ einen Rebellen wiederum zur Taffel ladet/ und freundlich speißt und traͤnckt/ so hat er ja ein klares Zeichen der Per- don/ und amnestiæ, e. g. Joseph/ da er seine Bruͤder bewuͤrthet/ haben sie darauß erkennen sollen/ es sey alles todt und ab und vergessen. Nem̃et hin/ das ist das Blut des Neuen Testaments/ Matth. 26, 28. Was heißt aber das neue Testament? das lesen wir Jer. 31, 34. Jch wil ihnen ihre Missethat vergeben/ und ihrer Suͤnde nimmer- mehr gedencken. Τοῦτο γ εἰς ἄϕεσιν ἁμαρτιῶν, darum trincket/ weil es vergossen worden zur Vergebung der Suͤnden. Unde argumentum das jenige/ das zu trincken dargereicht wird zu diesem Zweck/ Nutz/ Frucht und Verheissung/ das man davon habe die Vergebung der Suͤnden/ das dienet zur Vergebung der Suͤnden. Wann ein Medicus sagte: Nim̃ hin diesen Artzney-Tranck/ und trincke/ das ist ein neue Artzney zur Hei- lung Predigt. lung deines Fiebers/ so koͤnte man ja nicht anders gedencken/ als sey der einige und fuͤrnemste Nutz und Zweck/ die Vertreibung des Fiebers. Also ist auch hie die Consequen tz guͤltig und richtig/ daß nemlich der beste Safft und Krafft/ Schatz/ Kern und Stern/ das Testamentliche Legat sey die Vergebung der Suͤnden. Zu gleicher weiß wie aber ein Testator sonderlich darauff sihet/ wie sein Legat glorios, daß er Ehr davon habe/ wie es heilsam/ wie es den Erben lieb/ vornemlich/ wie es sicher und wol verwahrt/ damit es nicht von der guldenen Fieber- und Silber-Sucht der Testaments-Schaͤnder angegriffen werde: Also fallen auch eben diese conditiones zusammen in unserer ἀμνηςείᾳ. Sie ist I. Thesaurus gloriosissimus. Es bemuͤhen sich grosse Poten- taten sonderlich dahin/ daß sie bey ihren Friedens-Tractaten und Accor- den ihre Reputation erhalten/ und ihre Majestaͤt selbs nicht verkleinern/ damit es ein reputierlicher Friede seye. Nun ist einem grossen Potenta- ten nichts ruͤhmlichers/ als wann er sichs selbs uͤberwindet/ und Clementz die Gerechtigkeit uͤberwaͤgen laßt. Von Augusto schreibet Seneca lib. 1. de Clem. c. 9. daß/ als ihm auff eine Zeit einer von seinen Rebellen und Meutmachern/ Nahmens Cinna, fuͤrkommen/ da hab er bey sich selbs in seinem Hertzen Rath gehalten/ was und wie er gegen demselben zu ver- fahren. Quid ergò, ego percussorem meum securum ambulare patiar? Wie? soll und kan ich dem das Leben schencken/ der mir nach Leib und Leben gestanden? Sein Gemahl Livia redet ihm ein/ und sagt: Handle mit ihm/ wie ein Artzt/ vergib ihm/ er ist ergriffen/ und bekennet sich zur Ubelthat/ nocere tibi non potest, potest prodesse famæ, er kan dir nicht mehr schaden/ aber er kan dir einen grossen Nahmen machen/ daß jeder- man von der Kayserlichen Mildthaͤtigkeit und Barmhertzigkeit wird sa- gen und ruͤhmen koͤnnen. Darauff der Kayser sich zu ihm gewendet/ und gesagt: Vitam tibi, Cinna, iterum do, prius hosti, nunc parricidæ, ex hodierno die inter nos amicitia incipiet, Cinna, hiemit schencke ich dir/ als meinem Feind/ und dazu Kayser-Moͤrder/ das Le- ben zum andern mal/ wiltu meine Gnade annemmen/ so wollen wir jetzo und von Stund an gute Freunde seyn. Das war Au- gusto eine grosse Ehr. Nun M. L. solche parricidæ, Gottes-Moͤrder und GOttes Feinde seind wir von Natur/ der allweise Gott hat seine com- mentarios peccatorum, wie dort Ahasverus seine Chronic gehalten. Esther 2. Jst solches nicht/ sagt der Herr/ bey mir verborgen/ und versiegelt in meinen Schaͤtzen? Deut. 32, 34. Nun aber Chri- stus darzwischen kommen/ die ἀμνηςείαν gestifftet und versiegelt/ so uͤber- D d d iij windet Die Achtzehende windet Gott gleichsam sein eigenes Hertz/ und laßt alles tod und ab seyn/ und dessen zum Pfand gibt er uns sein Leib und Blut/ das gereicht zur Ehre seiner Barmhertzigkeit. II. Thesaurus saluberrimus, die weltliche ἀμνηςεία ist die Quell und Wurtzel aller zeitlichen Wolthaten/ zeucht nach sich pacem, schalom, alles Gute/ allen Segen und Wolstand/ was Unfried verzehrt/ ernehret der Fried wiederum/ er croͤnet das Land mit gutem/ und erwirbt die restitu- tion dessen/ was man vor dem Krieg verlohren/ so viel immer muͤglich. Sonderlich gedencket Cicero lib. 2. offic. 23. ein denckwuͤrdiges Exempel eines klugen Helden Aratus genannt/ dann nachdem er sein Vaterland von dem Tyrannen Nicocle auß fuͤnffzig-jaͤhriger Betrangnuß errettet/ und sich befunden/ daß die jenige Guͤter/ die er restitui ren sollen/ durch allerhand billigen und unbilligen Contract in fremde Hand kommen/ hat er ein solches Mittel erfunden/ daß er Gelt auffgenommen/ die jenigen/ so biß dato ihre Guͤter in gehabt/ außgekaufft/ und die andern wiederum ein- gesetzet/ auff daß niemand unrecht geschehe/ jederman aber bey dieser amnesti satisfaction haͤtt. Eben solche ποκα τά ςασις wird uns præsen- tirt durch die Rantzion des Sohns Go ttes/ was wir im ersten Menschen durch den Apffel-Biß verlohren/ das erlangen wir wieder in Christo/ durch den Brod-Bissen/ nemlich alle die Schaͤtze/ die Christus erworben/ den H. Geist/ die Gemeinschafft mit Christo/ Heil und Seligkeit/ darum nennet Chrysostom. S. Cœnam, caput omnium bonorum. Es ist die- se ἀμνηςεία der rechte guldene Himmel-Schluͤssel/ die hertz-brechende Pe- tard des Himmel-Schlosses. Dann wo Vergebung der Suͤnden ist/ da ist Leben und Seligkeit/ traͤgst du Christum/ so hast du das Hoͤchste Gut/ Sonn und Schild/ und kan dir nichts mangeln. III. Thesaurus liberalissimus \& jucundissimus. Man hat zwar viel Weg in der Welt Frieden zu machen/ als durch Gelt/ welches pax venalis, ein erkauffter Fried/ wie dort 2. Reg. 15, 19. 20. Menahen der Koͤ- nig in Jsrael/ Phul den Kaͤnig in Assyrien außgekaufft/ mit tausend Centner Silbers/ die er von einer schweren auffs Land gelegten Contri- bution erpreßt. Jtem durch Servitut und onera, wie die Spartaner mit den Atheniensern Frieden gemacht/ mit der Condition, daß sie ihre Forti- fication, damit sie den portum pyreum befestiget/ schleiffen/ alle Schiff den Spartanern uͤbergeben/ die Mauren und Thuͤrn rings um die Stadt abbrechen solten. Die ἀμνηςεία aber leidet dergleichen Beschwerden nit/ und so ist auch die Goͤttliche άμνηςεία geartet/ sie hat keine Beschwerden. Mein Joch ist leicht/ sagt Christus Matth. 11. ꝟ. ult. da darff man kein Predigt. kein Gelt zu/ wie die Gold-Fischer im Pabstthum ihre Jndulgentz ums Geld verkauffen; Sondern vergebens und umsonst. Wolan/ alle die ihr durstig seyd/ kommet her zum Wasser/ und die ihr nicht Geld habt/ kom̃t her/ kauffet und esset/ kom̃t her/ kauffet ohne Geld und umsonst/ beyde Wein und Milch. Esa. 55, 1. IV. Thesaurus tutissimus \& securissimus. Die ἀμνηςεία in der Welt/ damit sie kraͤfftig sey/ wird gemeiniglich nicht nur mit einem Eyd/ sondern auch mit Siegel und Brieff und Schrifftlichen Documenten verwahret/ wie Thrasybulus zu Athen gethan/ apud Justin. l. 5. p. 104. So sicher aber ist keine ἀμνηςεία, es laufft Betrug und sinceration mit unter/ μνησικακία bleibt nicht auß/ Brieff und Sigel werden durchloͤchert/ der Eyd wird vernichtet/ bevorab wann der Pabst das jus dispensandi in juramentis behalt/ und der compositioni pacis nachgelebet wird/ deren Schluß ist: Juramentum de re illicitânon esse servandum. Ein Eyd uͤber ein unerlaubte Sach soll man nicht halten. Jam per se \& seclusâ necessitate illicitum est, hæresin tolerare. Nun ist es fuͤr sich/ und auch die Nothwendigkeit auff eine Seit gesetzt/ nicht recht/ einige Ketzerey dul- den. Aber dieser Goͤttliche Ablaß ist dergestalt befestiget/ daß er nim̃ermehr wird koͤñen auffgeloͤset werden. Zweiffelstu/ hie ist πιςὸς λόγος, das mehr als Himmel-feste Wort/ 1. Tim. 1. Hie ist πιςὸς μάρτυρ, der treue Zeug/ Apoc. 1, 5. Zweiffelstu noch/ hie ist der Goͤttliche Eyd-Schwur/ Ezech. 33, 11. Zweiffelst du noch/ hie ist das Sacramentum. Basilius nennet diß Sacrament ἐυ ϖρόσδεκτον πολογίαν, ἐπὶ του ϕο εροῦ βήματος Θεοῦ. Eine annehmliche Schutz-Rede fuͤr dem schroͤcklichen Richterstuhl GOttes. Wann nun diese ἀμνηςεία der finis und Zweck ist dieses Sacra- ments/ so ists im Gegentheil ein schnoͤder Mißbrauch/ wann man dasselbe angewendet und gebrauchet 1. ad finem physicum, zu Unterhaltung des natuͤrlichen Leben/ dergleichen Corn. à Lap. von Ludovic. Pio Imp. Joh. Abbate, Catharina Senensi, Maria Oigniacensi, als sonderbaren grossen Heiligen erzehlet. Eucharistia (ita ille Comment. in Evang. S. Joh. p. 335.) non tan- tum animam, sed \& corpus nutrit \& vegetat, uti docent Theolo- gi. Imò S. Johannes Abbas, teste Palladio in Lausiaca cap. 61. S. Catharina Senensis, S. Maria Oigniacensis, S. Ebrulphus Ab- bas apud Surium, Tom. 6. pluresque alii, solâ Eucharistiâ, sine alio cibo, multo tempore vixerunt. Quin \& Ludovicus Pius Imperator, in supremo morbo, quo obiit, totos 40. dies jejunus transegit, Eucharistiam solam quotidiè sumens. Jtem/ Die Achtzehende vid. Gerh. Loc. Com̃. de Cœna p. 418. Jtem/ zur leiblichen Gesundheit/ wie Gorgonia Nazianzeni Schwester/ und Satyrus Ambrosii Bruder/ der es an den Hals gehencket/ daß es gut solte seyn fuͤr den Schiffbruch. Dergleichen Corn. à Lap. mehr erzehlet. Ex dictis (inquit Comment. in Joh. p. 343.) liquet, fructus \& effe- ctus Eucharistiæ, per analogiam ex fructibus panis \& cibi colli- gendos esse; quod enim panis \& cibus præstat corpori, hoc Eucharistia præstat animæ, subinde etiam corpori, ut scil. cor- pus quoque alat, vegetet, vivificet, imò quandoque morbos sa- net, \& mortis pericula depellat. Quocircà solebant olim non- nulli navem conscensuri, Eucharistiam secum deferre, ut illam in periculo sumerent, imò periculum arcerent. Ita Gregorius S. Gregorii Nazianzeni Pater ardentissima \& diuturna febri ex- haustus, mortique vicinus, ab ea liberatus, vitæque \& sanitati restitutus est per Eucharistiam in die Paschatos sumptam, uti re- fert Nazianz. orat. quam habuit in funere Patris. Idem ibidem narrat, matrem suam à gravi \& periculoso morbo, panibus à se sacrificante consecratis spiritualiter nutritam, convaluisse. Idem orat. in funere S. Gorgoniæ sororis suæ, testatur illam à mem- brorum omnium dissolutione ac gravissimis cruciatibus, quibus affligebatur, per Eucharistiam fuisse sanatam. Quàm parùm hi absunt à Capernaismo? 2. Ad finem politicum, und zwar 1. zur Bescheinung der Un- Baron. ad ann. 941. schuld/ wie Fridericus Moguntinus Archiepiscopus, als er einer con- spiration beschuldiget wurde/ hat er sich mit Empfahung des heiligen Abendmahls purgirt: Daher noch dieses fermentum auch unter uns Cluv. Epit. hist. p. 509. gemein: Jch wil das heilige Abendmahl darauff empfangen. Viel religio ser hat hierin gehandelt Henricus IV. der dieses Mittel welches ihm Gregorius VII. offer irt/ repudi irt. 2. Ad confœderationes, zu Bestaͤttigung Menschlicher Buͤndnussen. Massen Lutherus gedencket Tom. 6. Jen. p. 164. in der Erklaͤrung des 101. Psalmen/ daß Pabst Julius das Sacrament in drey Theil theilen lassen/ und dardurch mit dem Kayser Maximiliano und dem Koͤnig in Franckreich ein ewige Ver- Stöcker. Elench. Catech. p. 923. buͤndnuß gemacht/ daß/ gleichwie der Vater/ Sohn und H. Geist ein Gott ist/ also fest hat auch solche Einigkeit seyn sollen. Wie aber solche Verbuͤndnuß Gott gefallen/ hat der Außgang bezeuget/ dann wie Lu- therus ferner gedencket/ ist bald hernach der allerheiligste Vater mit dem Sohn und Geist uneins worden/ und feindseliger Weise wider einander Predigt. einander außgezogen/ der Pabst am heiligen Ostertag Anno 1512. in ei- ner offentlichen Schlacht von Frantzosen geschlagen und uͤberwunden worden. 3. Ad finem exorcisticum, den Teuffel damit zu beschwoͤren und außzujagen. Johann. Bodin. l. 2. dæmon. c. 8. p. 216. ex Joviano Pontano in hist. Neapolit. l. 5. p. 584. hæc habet: Legimus ibi, Gallis Suessæ in Neapolitano Regno, ab Hispano obsessis, cum siccitate æstuque ferverent o- mnia, \& penuriâ aquæ dulcis Galli in summo discrimine essent, aliquot Sacerdotes Magos crucifixum nocte per vicos traxisse, innumeris blasphemiis \& convitiis proscidisse, atque in mare projecisse. Deinde consecratam hostiam asino tradidisse, eum- que vivum ad templi portam inhumasse, tùm postaliquot carmi- na \& detestandas blasphemias imbrem vehementissimum dilu- vioque penè similem accidisse, itaque obsidionem ab Hispano solutam fuisse, \& vulgò fuisse dictum: Flectere si nequeo superos, Acheronta movebo. Valerius Polydorus Patavinus Minorita, Theolo- giæ Doctor, in Practica Exorcistarum p. 181. ait: Divina non desunt re- media, adjumentaque humana, pro dæmonibus incubis \& suc- cubis pellendis, quæ ad novem principalia reducuntur. Primum est confessio, secundum est sacratissimæ Eucharistiæ communio, diebus saltem dominicis, vel etiam cujusque festivitatis celebra- ta, \&c. Zacharias Vice-Comes Ordinis SS. Barnabæ \& Ambrosii ad ne- mus Mediolanense, in complemento artis exorcisticæ, part. 1. p. 791. ait : Mihi accidit, dum in Ecclesia majori dæmonem conjurarem, qui mulierem quandam Isabellam nomine affligebat, præsente Re- verendissimo Domino, Joh. Bapt. de Benedictis, Ophydami Ci- vitatis Episcopo, astante simul Clero \& populo, in fine conjura- tionis ego præcipiens Dæmoni in nomine JESU, ut in ungulam mortiferam digiti parvi sinistri pedis descenderet, ut ipsa fœmina paupercula liberè sua naturalia exercere posset. Respondit Dæmon, hoc non faciam, nisi benignè postulaveris. Ego his au- ditis in nomine JEsu, ille in superbia simul diu contendentes, spe- rabat ille nequissimus victoriam. Ego, qui reverà satis fatigatus eram, cùm horas duas, ut cederet, suprà alias quinque pugnavis- sem, elevatis oculis ad Sanct. Sacramentum suprà altare positum, DEO inspirante, Tabernaculum, in quo Sanctissima Eucharistia erat reposita, accepi, ponensque suprà dæmoniacæ caput, firmâ fide ac altâ voce aliquoties exclamavi, Misericordia Signore. Tandem summâ admiratione cessit, \& obedientiam præbuit. Neunter Theil. E e e Wie Die Achtzehende Wie man nun im Pabstthum auff diese Weiß dem H. Abendmahl einen falschen und ungegruͤndeten finem angedichtet/ so hat man demsel- ben im Gegentheil den rechten Zweck und End-Ursach/ die amnestiam peccatorum, entzogen und abgesprochen. Der Herren Patrum im Con- cilio zu Trient Nacht-Eulen Geschrey lautet Sess. 13. c. 2. also: DEUS sumi voluit hoc sacramentum tanquam spiritualem animæ cibum, \& tanquam antidotum, quo liberemur à culpis quotidianis, \& à pecca- tis mortalibus præservemur. GOtt hat gewolt/ daß wir dieses Sacrament empfangen/ als eine geistliche Seelen-Speiß/ und Artzney/ krafft deren wir von den taͤglichen Suͤnden-Schul- den erloͤßt/ und von den Tod-Suͤnden befreyet wuͤrden. Item c. 7. Nullus sibi conscius peccati mortalis, absque præmissa sacramen- tali confessione accedere debet. Keiner der ihm einer Tod-Suͤn- de bewußt/ soll ohne vorhergehende Beicht zum H. Sacrament gehen. Et can. 5. Si quis dixerit, præcipuum fructum Eucharistiæ esse remissionem peccatorum, anathema sit: Wer sagt/ daß des H. Abendmals fuͤrnemste Krafft und Nutz bestehe in Verge- bung der Suͤnden/ der sey verflucht. Bellarminus redet noch heuterer davon/ l. 4. de Euchar. c. 17. §. Jam verò. Catholica Ecclesia in Concilio Trid. Sess. 13. c. 2. \& 7. \& can. 5. \& 11. docet, effectum Eu- charistiæ præcipuum non esse remissionem peccatorum mortalium, sed nutritionem animæ \& præservationem à peccatis. In Baptismo applicantur Christi merita per modum lavacri, ad abluendas macu- las: In sacramento pœnitentiæ applicantur per modum emplastri vel pharmaci ad curanda vulnera: In Eucharistia autem applicantur per modũ cibi \& potus ad reficiendum, \& nutriendum, \& præservandum à morbis. Die allgemeine Kirch im Concilio Trid. lehret/ daß die fuͤrnehmste Krafft und Wuͤrckung des Abendmahls nicht seye die Erlassung der Tod-Suͤnden/ sondern die Seele da- durch zu nehren/ und vor den Suͤnden zu verwahren. Die Tauff applicire und eigne das Verdienst Christi zu/ als ein Bad/ welches die Suͤnden-Flecken abwaschet. Das Sacra- ment der Buß/ als eine Artzney/ das Abendmahl aber als ein Speiß und Tranck/ dadurch die Seele erfrischt/ genehret und vor Suͤnden-Kranckheit verwahret werde. Außgenommen die Tod-Suͤnden/ so einem nicht bewußt/ so fern sie einem irgend außgefallen waͤren/ wie es die Censura Coloniensis erklaͤret/ p. 287. Das einige wollen wir/ daß es ja wol in acht genommen werde/ daß der vor Predigt. vornehmste Nutz des Sacraments nicht seye die Vergebung grober oder schwerer Suͤnden/ die der Seelen den Tod brin- gen/ obwol unter dessen diß Sacrament die geringern und kleinern Suͤnden außloͤschet/ bißweilen auch etlicheschwere Suͤnden/ so fern dieselben einem unter der Beicht außgefallen waͤren. Die Tod-Suͤnden koͤnnen durch wahren Gebrauch des Abendmahls nicht hinweg genommen werden. Summa/ wer im Pabstthum diß Sacrament empfangen wil/ der muß zuvorderst das Sacrament der Buß und Absolution empfangen/ alle seine Suͤnde beichten/ und also gantz rein von allen Suͤnden erscheinen. Hernach gehet er zu dem Tisch des Herrn/ nicht als einer Artzney/ sondern als einer erquickenden Mahlzeit/ dadurch er von kuͤnfftigen Suͤnden sich præ- servi re/ und ob er etliche laͤßliche/ oder auch vergessene Tod-Suͤnden mitbraͤchte/ die in dem Sacrament der Absolution nicht verziehen wor- den/ so werden dieselbe auch in diesem Sacrament weg genommen. Warum ist es aber ihnen zu thun? Antwort/ das erdichtete Sacra- ment der Buß/ dadurch zu erheben und groß zu machen/ das soll viel kraͤfftiger seyn/ als das Sacrament des Abendmahls/ welches von Chri- sto eingesetzet worden; jenes nim̃t Tod-Suͤnden mit weg/ dieses allein die laͤßlichen: zu erheben und groß zu machen die Satisfactiones und Indul- genti en/ dann solte das Abendmahl alle Suͤnde wegnemmen/ wo wird ihr Ablaß-Kram hinkommen? Sie gedencken auch wie dort Demetrius Act. 19, 27. Es wil mit unserm Handel dahin gerathen/ daß er nichts gelte. Zu erheben und groß zu machen die Meß/ das nim̃t alle Tod-Suͤnden hinweg/ wann man es nur ansiehet ex opere operato, das Sacrament des Abendmahls ist nur eine Artzney fuͤr die Heiligen und Gesunden/ die gar rar/ jener im Gegentheil ein grosser Hauff. Damit sie aber diesem Jrꝛthum ein Faͤrblein anstreichen/ objici ren sie uns/ wie kein Unreiner vom Oster-Lamm/ als Typo S. Cœnæ, essen dorffte/ Num. 9, 7. \& 13. Viel weniger koͤnne einer das Abendmal genies- sen/ dessen Hertz und Seel mit Suͤnden-Unflat und Unreinigkeit uͤber- zogen. Es habe Christus selbs zuvor seinen Juͤngern die Fuͤsse gewa- schen/ anzudeuten/ daß die Abwaschung der Suͤnden durch wahre Buß vorher gehen solle. Es seye einmal nicht fuͤr die Todten/ sondern fuͤr die Schwachen; die aber in Tod-Suͤnden stecken/ seyen ja geistlicher weiß todt. Pruͤfung und Vorbereitung seye vonnoͤthen/ dann wer unwuͤrdig isset/ der esse ihm das Gericht/ es nutze nichts/ und schade viel mehr/ wann der Suͤnder mit verwundetem Gewissen hinzu gehet. Wir erfordern ja E e e ij selbs Die Achtzehende selbs eine præparation, Glauben und Buß/ die Absolution gehe fuͤrher. Wann nun die Suͤnde verziehen/ was darffs dann allererst eines Sacra- ments/ dardurch man veniam peccatorum erlanget? Antwort. Auß diesem allem folget darum noch nicht/ daß die remissio peccatorum nicht der fuͤrnemste effect und Wuͤrckung sey. Dann gesetzt/ es mag einer so rein und heilig zum Tisch des Herrn gehen/ als immer seyn kan/ so bleibet dennoch die tentation des Zweiffels nicht auß/ vielleicht bistu nicht so gesund/ als du dich machest. Hie ist confirmation, Sigel und Zeichen von noͤthen/ wie Abraham/ ob er schon gerecht geweßt durch den Glauben/ empfieng er doch von Gott die Beschneidung zum Sigel der Gerech- tigkeit des Glaubens. Rom. 4, 11. also bleibt dem H. Abendmahl auffs wenigste finis obsignatorius, daß es die empfangene Vergebung der Suͤnden in vorgegangener Absolution versigelt. Gott schwoͤret dem Menschen/ und setzet doch die Sacramenta darzu. Jst eines. Ferner hat 1. das Oster-Lamm als typus des Abendmahls von niemand/ als der (Levitisch) rein geweßt/ genossen werden koͤnnen; aber wer ist vollkommen rein? wer kan in einer Maltzey und Siechen-Hauß sagen/ Jch bin rein? so rein ist niemand/ es klebet ihm ein Mackel an/ die nicht venial, sondern per se mortal. Væ etiam laudabili hominum vitæ, si remotâ misericordiâ à DEO discutiatur. August. l. 9. confess. c. 13. Wehe auch dem Menschen/ der ein loͤbliches und untadelhaff- tes Leben fuͤhret/ wann der HErꝛ nach dem rigor und Schaͤrffe seines Gesetzes/ ohnbarmhertzig handeln solt. 2. Christus hat zwar seinen Juͤngern/ nachdem er ihnen die Fuͤsse gewaschen/ allererst das H. Abendmahl gereicht; aber wer ist so sauber und rein gewaschen/ daß er sich nicht/ ehe er zu Tisch sitzt/ wieder beflecken koͤnte/ welches dannenhero erhellet/ weil Chrstus seinen Juͤngern die Fuͤsse zweymal gewaschen/ einmal ehe/ das andermal nachdem sie das Oster-Lamm gegessen/ nach dem Fuß-Waschen blieb einen weg als den andern die Jgnorantz dieses Geheimnusses/ davon die repulsa des Apostels Petri gnugsam zeuget/ sie waren noch mit dem falschen Wahn von dem leiblichen und irdischen Messias Reich behafftet/ daher alsobald ein Streit vom Primat unter ihnen entstanden. Auffs wenigste bleibt der Gestanck/ oder dessen reli- quiæ, wann man gar genau drauff sehen und riechen wolt. 3. Das Hochzeitliche Kleid wird zwar erfordert/ aber wir koͤnnen es mit und durch unsere Reu/ Beicht/ Gnugthuung/ Fasten/ ꝛc. nicht selber spinnen/ sondern es wird uns von Goͤttlicher Hand dargereicht/ wie bey den He- breern der Brauch gewesen/ daß der Braͤutigam den Braut-Gesellen Hoch- Predigt. Hochzeitliche Feur-Kleider außgetheilet. Jud 14. Dieses hochzeitliche Kleid aber decket zwar der Suͤnden Bloͤße zu/ doch nicht tectione ab- sorptivâ, durch eine verschlingende Verdeckung/ wie etwan ein Klufft in der Erden verdecket wird/ wann man Grund hinein wirfft/ dieselben auß- fuͤllet/ und also zudecket: Sondern tectione juridicâ, Gott bedecket die Suͤnde/ daß Er sie nicht sehen moͤge zur Straff/ schreibet August. uͤber den 32. Psalm/ er bedecket dieselbe/ daß sie uns nicht schaden koͤnne. Me- dicâ, durch eine Artzney Bedeckung/ als mit einem heilsamen Pflaster/ da der Artzt und Wund-Barbierer zuvor den Eyter und groͤsten Wust wegnimmet/ darnach die Wunde mit einem Pflaster bedecket/ dadurch es dann geschicht/ daß nach und nach die Wund geheilet wird. 4. Das Abendmahl ist zwar nicht gestifftet fuͤr die Todte/ doch die jenige/ die die Sterblichkeit an ihrem Fleisch tragen/ nicht zwar fuͤr die Ertoͤdtete/ doch taͤglich Verwundete/ Luc. 10. auffs wenigste mit der Wund der Erb- Suͤnde/ wie Paulus/ er war ihm nichts Boͤses bewußt/ doch war er da- rum nicht gerechtfertiget/ er kunte sich gar wol erinnern des inwendigen Hertzen verborgenen Erb-Giffts. Darum lassen wir den Roͤmischen Nacht-Eulen ihre Finsternuß/ befehlen sie/ (weilen sie sich verhaͤrten) GOttes Gericht/ dem sie schwere Rechenschafft geben werden. Wir/ als die Kinder des Liechts/ beseliget mit dem hellen Liecht des Evangelii/ stehen in hoͤchster obligation der Danckbarkeit/ Danck zu sagen im Hertzen/ Danck mit dem Mund/ Danck im Werck/ zu wandeln als die Kinder des Liechts/ daß durch un- ser Exempel jene bekehret werden. Lernen aber auch solcher grossen Gnad und Kleinod recht zu gebrauchen. Laßt uns hinzu tretten mit schuldiger devotion, nicht auß bloser Gewonheit/ oder mit ecklendem Mund/ son- dern mit sehnlichem Appetit/ als der heilsamsten Seelen-Artzney: Laßt uns wol fuͤrsehen fuͤr dem cauterio conscientiæ, dergleichen bey den je- nigen anzutreffen/ die ihre Suͤnde nicht einmal fuͤhlen/ die stimulos des boͤsen Gewissens/ wann es durch das Gesetz reg gemacht wird/ im gering- sten nicht achten/ wie Herodes Agrippa Act. 26, 28. und in Betrachtung ihrer zeitlichen Gluͤckseligkeit sicher in den Tag leben. Davon Jer. 48, 11. Moab ist von seiner Jugend an sicher geweßt/ und auff seinen Hefen still gelegen/ und ist nie auß einem Faß ins ander gegos- sen/ und nie ins Gefaͤngnuß gezogen. Darum ist sein Ge- schmack ihm blieben/ und sein Geruch nicht veraͤndert worden. Laßt uns aber auch damit auffrichten wider das bloͤde/ verwundete und E e e ijj zag- Die Achtzehende zaghaffte Gewissen. Hieher du bußfertiges Hertz/ sprich nicht mit Cain/ meine Suͤnde seynd groͤsser/ dann daß sie mir koͤnnen vergeben werden. Hie sichtbares Sigel und Pfand der gnaͤdigen Vergebung der Suͤnden/ hie das Loͤß-Geld fuͤr alle Schulden/ hie Artzney fuͤr die tieffe Seelen- Wunden. Hie das holdseligste Liebes mahl/ da alle Feindschafft auffge- haben wird. Sprich nit in deinem Hertzen: Ja Gott hat mir verziehen/ aber ich habe den Tauff-Bund wider gebrochen/ vielleicht ists unmuͤglich Buß zu thun. O nein/ hie richtet der Vater aller Barmhertzigkeit auch dem verlohrnen Sohn ein Mahlzeit zu. Sprich nicht/ mir seind die Suͤnde verziehen/ aber nur die venalia, laͤßliche/ taͤgliche Suͤnden/ nicht aber die Tod-Suͤnden. Hie ist universalis ἀμνηςεία, hie alle Suͤnde ver- geben werden. Ja sonderlich begegne mit dieser Lehr der tentation re- cordationis peccati. Wann dir deine Suͤnde in der Jugend begangen/ auch nach rechtschaffener Buß wider wollen auffkroppen/ wann der σκόλοψ im Fleisch/ wie Paulo begegnet/ sich reget/ so erinnere dich dieser amnesti, was Gott vergessen/ das vergiß du auch/ grab die getoͤdtete Suͤnden nicht wieder herfuͤr/ mache Gott nicht zum Luͤgner/ man darff sich wol noch derselben erinnern/ nach dem Exempel Davids und Pauli/ man muß aber auß der Memori kein pabulum infidelitatis machen/ son- dern vielmehr gebrauchen zur Anmahnung der Danckbarkeit: dann daß gesagt wird/ Wir muͤssen alle offenbar werden fuͤr dem Richter- stuhl Christi/ auff daß ein jeglicher empfahe/ nachdem er ge- handelt hat bey Leibes Leben/ es sey gut oder boͤse. 2. Cor. 5, 10. ist distributivè zu verstehen/ das Gute auff seiten der Gerechten/ das Boͤse auff seiten der Gottlosen. Allein siehe zu/ daß deine Buß recht- schaffen sey/ huͤte dich fuͤr dem recidivat, schertze nicht mit Go ttes Barm- hertzigkeit/ auff daß du nicht GOttes Gerechtigkeit reitzest/ und reg ma- chest/ und dir alsdann dieser Paß zum Baum des Lebens verschlagen werde. Halte gute Diaͤt nach gebrauchter Artzney/ sonst wird deiner Gerechtigkeit nicht gedacht werden. Ezech. 18, 26. Wenn der Gerech- te sich kehret von seiner Gerechtigkeit/ und thut boͤses/ so muß er sterben. Sonderlich ist das Buß-Glauben- und Liebes-Gedaͤchtnuß gleichsam die Nehm-Hand dieser amnesti, davon aber uͤber acht Tag mit mehrem. Gott wolle uͤber das gesagte seinen Segen sprechen/ und der Friede GOttes/ der hoͤher ist dann alle Vernunfft/ bewahre unsere Hertzen und Sinn in Christo Je su unserm Herrn. AMEN. Die Predigt. Die Neunzehende Predigt/ Von Der Gedaͤchtnuß des Leydens und Tods JEsu Christi. G Eliebte in Christo. Es ist je und allezeit eine ge- meine Klag gewesen/ uͤber die Bloͤdigkeit der menschlichen Memori und Gedaͤchtnuß/ daß dasselbe/ gleichwie alle an- dere Kraͤfften des Menschen/ des Boͤsen so faͤhig und be- haltsam/ des Guten aber so gar vergeßlich. Welche manche schoͤne Predigt/ sagt manches Christen-Hertz/ hab ich gehoͤrt/ aber koͤnt ichs auch behalten! das wußte der fromme ge- treue Gott im Himmel/ darum hat Er uns Menschen eine schoͤne/ und von ihm selbs canonisirte/ Goͤttliche artem memoriæ und Gedaͤchtnuß- Kunst fuͤrgeschrieben/ auff daß Er ja an seinem Ort nichts ermanglen lasse/ und wir am Juͤngsten Tag mit keiner Entschuldigung auffkommen moͤchten/ und dasselbe Deut. 6, 6. 7. 8. Die Wort/ die ich dir heut ge- biete/ soltu zu Hertzen nemmen/ und solt sie deinen Kindern schaͤrffen/ und davon reden/ wann du in deinem Hauße sitzest/ oder auff dem Wege gehest/ wann du dich niderlegest oder auff- stehest. Und solt sie binden zum Zeichen auff deine Hand/ und sollen dir ein Denckmahl fuͤr deinen Augen seyn/ und solt sie uͤber deines Hauses Pfosten schreiben/ und an die Thore. Seind drey unterschiedliche præcepta mnemonevtica, und zwar die edelste/ beste/ gewisseste/ 1. Depositio in cor, du solt sie zu Hertzen nemmen/ ins Hertz/ als in die Schatz-Kammer/ wir sollen/ was in die aͤusserliche Sinne fallt/ per λά ειαν ergreiffen/ und wol beylegen/ als einen Schatz/ den man nicht gern verliert. 2. Exercitatio, die Ubung/ angedeutet durch das reden und schaͤrffen/ du solt davon reden/ und deinen Kindern schaͤrffen. Alle andere Kraͤffte des Leibes nem- men ab/ und werden muͤd durch viel uͤben/ aber die Seelen-Kraͤfften wachsen durch Ubung/ und werden dadurch je laͤnger je mehr expol irt/ hinc Die Neunzehende hinc Luth. in gloss. marginal. uͤber diese Wort: Wir sollen immer treiben und uͤben/ daß sie nicht verrosten/ noch vertunckeln/ sondern staͤts im Gedaͤchtnuß und Wort/ als neu und helle bleiben. Dann je mehr man GOttes Wort handelt/ je hel- ler und neuer es wird/ und heisset billig/ je laͤnger je lieber. Wo man es aber nicht treibet/ so wird es bald vergessen und unkraͤfftig. 3. Signatio per scripturam, picturam, \& signa hiero- glyphica, du solt sie uͤber deines Hauses Pfosten schreiben/ du solt sie binden zum Zeichen auff deine Hand. Wir sollen/ was wir gehoͤret/ alsobald auffschreiben/ und gewisse heilige Denck-Mahl machen/ als bey den Juden geweßt die phylacteria, die Laͤplein und gele Schnuͤrlein/ an den Fittichen ihrer Kleider. Num. 15, 37. Rede mit den Kindern Jsrael/ sagt Gott zu Mose/ und sprich zu ihnen/ daß sie ihnen Laͤplein machen an den Fittichen ihrer Kleider/ unter allen euern Nachkommen/ und gele Schnuͤrlein anff die Laͤplein anff die Fittich thun. Das ist der Methodus gleichsam in actu signato. Eben diese Kunst hat der grosse Himmlische Lehrer Christus in actu exercito practic irt/ der von sich selbst zeuget/ Joh. 5, 19. Was der Sohn siehet den Vater thun/ das thut gleich auch der Sohn. Dann dieweil an seines Namens Gedaͤchtnuß alles ligt/ so hat er auch verspro- chen 1. Cordialem depositionem, er wolle mit seinem Gottes-Finger/ dem H. Geist/ den Bund des Neuen Testaments in unsere Hertzen schrei- ben. Jch wil mein Gesetz in ihr Hertz geben/ und in ihren Sinn schreiben. Jer. 31, 33. Es haben vor Zeiten die Alten ihre Liebhaber und dero Bildnuß pflegen in sonderbaren Kleinodien gegraben/ auff dem Hertzen zu tragen/ damit sie es immer fuͤr Augen haͤtten/ und des Lieb- habers dabey gedencken moͤchten. Die Goͤtzen-Knecht haben gar ihrer Goͤtzen Bildnuß pflegen mit feurigen/ brennenden Eisen auff die Brust zu pfetzen. Sub hæc tempora maleficiis usos esse Judæos, \& Deorum imagines non in an- nulis solum, \& laminis, sed etiam in corporibus candenti ferro inustas ge- stasse, docet Joacim Josiæ filius, qui Deorum, quos coluit, in carne sua ge- stabat effigies, ut docet historia scholastica, in lib. 4. Reg. c. 39. \& Abul. in l. 4. Reg. c. 25. q. 39. quod colligi putat ex lib. 2. Paralip. c. 36. ꝟ. 8. Hæc Sanctius in Ezech. p. 345. Also wil Christus/ soll ihn auch ein liebhabendes Hertz auff der Brust tragen/ setze mich wie ein Sigel auff dein Hertz/ und wie ein Sigel Predigt. Sigel auff deinen Arm. Cant. 8. 6. Er fordert 2. Exercitationem, er wil immer geuͤbt seyn/ man soll allezeit von ihm singen und sagen/ sein Wort treiben und uͤben/ lesen und mediti ren/ und gleichsam schaͤrffen/ Col. 3, 16. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weißheit/ lehret/ vermahnet euch selbs mit Psalmen und Lob-Gesaͤngen/ und geistlichen lieblichen Liedern/ und sin- get dem HErꝛn in euerm Hertzen/ und alles was ihr thut mit Worten und Wercken/ das thut alles im Namen des HErꝛn JEsu. 3. Signationem per scripturam \& impressuram per pictu- ras, wie wir dann nicht verwerffen das Crucifix-Bild und Gemaͤhld Christi/ ob gleich dasselbe nicht moͤcht eigentlich getroffen seyn. Dann so Paulus seinen Galatern durch die Predigt Christum fuͤr die Augen gemahlt/ Gal. 3, 1. Warum solts unrecht seyn/ denselben/ doch ohne Goͤtzen-Dienst/ fuͤr Augen gemahlt oder geschnitzelt haben? Sonderlich aber hat er zu solchem End ein monument und phylacterium angerich- tet im hochwuͤrdigen Abendmahl/ das ist nicht nur ein Bund und Liefe- rungs/ sondern auch ein Denck-Zeichen/ daß wir ja seiner nimmer ver- gessen. Nicht nur irgends in der Car-Woch/ und Car-Freytag an Jhn gedencken/ in lauer Andacht/ und fliegender Hitz/ sondern allezeit/ offt/ dick und viel. Ein Braͤutigam/ der uͤber Feld reißt/ laͤßt seiner Braut da- heim ein Controfeht/ oder Denck-Ring; So Christus uns im Abend- mahl sein Leib und Blut zu einem Merck-Mahl/ biß daß er wider sicht- barlicher weise kommen wird am Juͤngsten Tag. Ein Testator sihet mit seiner Testation weiter nicht/ als auff das loͤbliche Andencken: diß hat mir mein Vater/ meine Mutter erspahrt: Also seind der Erb-Schatz/ die Goͤttliche Amnesti und unsere Gedaͤchtnuß correlatata. Jst die End- Ursach auff unserer Seiten. Davon wir fuͤr dißmal handeln. Stehet in denen Worten: Solches thut zu meiner Gedaͤchtnuß. Item, So offt ihr das thut/ solt ihr meinen Tod verkuͤndigen. 1. Cor. 11, 26. Gott gebe hiezu abermal sein Gnad und Segen. Amen. G Eliebte in Christo. Zween Umstaͤnde seind hie zu er- wegen. 1. Objectum memoriæ. 2. Actus memoriæ. Das Erste ist angedeutet in denen Worten: εἰς τηὺ ἐμὴν ἀνάμνησιν, zu meiner Gedaͤchtnuß. Da wir dann gleich anfangs Gegentheil gar nicht gestehen ihre Heyl- und Krafft-lose Folge/ so sie auß diesen Worten ersponnen. Christus sagt: Solches thut zu meiner Gedaͤchtnuß/ biß daß ich komme. E. so ist er mit seinem Leib und Blut nicht gegenwaͤrtig. Neunter Theil. F f f Gleich- Die Neunzehende Gleichwie ein Ehe-Mann/ ein Braͤutigam/ wann derselbe sagte: Sihe/ das ist mein Bild/ mein Denck-Ring/ den brauche zu meiner Gedaͤcht- nuß/ biß daß ich komme/ der wuͤrde damit zu verstehen geben/ daß er nicht gegenwaͤrtig bleibe. Argumentum nostrum (ait Rivetus Cathol. Orthodox. Tract. 3. q. 18. p. 142.) hoc est, qui dat sui memoriale, vel alicujus suæ præstantissimæ actionis, usque dum venerit, dicit quod non sit futurus præsens in eo memoriali: Dominus dedit sui, suæque mortis memoriale, usque dum venerit: Ergò non est præsens in hoc memoriali. Quemadmodum si maritus peregrè profectu- rus, uxori suæ relinquat annulum, aut picturam, quo sui recor- detur, usque ad reditum, ostendit, se non fore præsentem sub- stantialiter: ita quoque fecit Dominus sponsæ suæ Ecclesiæ. Sicut memoria passionis ejus non est ipsa passio: ita quoque commemoratio corporis usque dum veniat, non est ipsum cor- pus præsens. Solte aber diese Folge gelten/ so muͤßte wahr seyn/ Christus waͤre auch dazumal nicht zugegen geweßt. Nun sagt Er aber: εἰς τὴν ἐμὴν ἀναμνησιν, thuts zu meiner Gedaͤchtnuß/ nicht zu meiner Passion allein. Ja er muͤßte auch nach seiner Gottheit nicht gegenwaͤrtig gewesen seyn. Und ob wol in pur menschlichen Sachen diese Folg gelten moͤchte/ so hats doch mit der Goͤttlichen Gegenwart eine andere Bewanntnuß. Gott kehrets grad um/ Exod. 20, 24. An welchem Ort ich meines Nah- mens Gedaͤchtnuß stifften werde/ da wil ich zu dir kommen/ und dich segnen. Gegenwart und Gedaͤchtnuß sind consentanea bey Gott/ in Calvini Schul opposita. Es kan der Mensch seiner selbs ver- gessen/ warum nicht auch gedencken/ und ist ihm doch selbs præsentissi- mus, die Zukunfft Christi zum Gericht præsuppon irt keine absen tz/ mas- sen seine sichtbare Zukunfft zum Gericht genennet wird ἐπιφάνεια τῆς πα- ρουσίας, 2. Thess. 2, 8. Jst also id, quod memorandum, Christi Person/ id quo, alle seine Gutthaten/ Empfaͤngnuß/ Menschwerdung/ Geißlung/ Creutzigung/ ꝛc. Ein rechter Communicant muß gleichsam einen Flug thun durch den gantzen Passion; sonderlich aber seines Tods gedencken/ wie Paulus klar lehret 1. Cor. 11, 26. zuruck gedencken an den vergange- nen/ angedraͤuten Tod im Paradiß/ und den befahrenden ewigen Tod/ und Christi Tod in die mitten setzen/ tanquam mortem expiatoriam \& præservatoriam, als einen außsoͤhnenden Tod/ der uns vor dem ewigen Tod Predigt. Tod verwahrt. Summa/ es stifftet der Henn hie justa funebria, sein Leich-Begaͤngnuß. Wie nun die Kinder Jacob um ihren Vater sieben Tag lang Leyd getragen/ und bey der Tennen Atad eine grosse bittere Klag gehalten. Gen. 50, 10. Wie es eine Gewohnheit in Jsrael war/ daß die Toͤchter Jsrael hingiengen/ zu klagen die Tochter Jephthah/ des Gileaditers/ des Jahrs vier Tage/ Judic. 11. ꝟ. ult. Wie gantz Juda und Jsrael leyd trug um Josia/ und alle Saͤnger und Saͤngerin ihre Klag-Lieder uͤber ihn geredet/ 2. Chronic. 35, 25. Also soll der Tag der Communion unser Klag-Tag/ Wein-Tag und Traur-Tag seyn/ Christi Tod soll in unsern Hertzen neu werden/ und frische Wunden geben/ wie ein Ehe-Gatt sich auff den Tag/ da der Tod geschehen/ des Verstorbenen sich erinnert/ und ihn von neuem betrauret. II. Actus memorandi, der ist nun nicht bloß historicus, wie man ir- gend einer alten verlegenen Histori sich erinnert/ die einen nicht angehet/ sondern practicus, eine innigliche/ hertzliche/ hertz-brechende Gedaͤchtnuß/ da alle Affecten in der Flamm stehen und brennen/ und zwar I. Recordatio pœnitentialis, ein Buß-Gedaͤchtnuß/ allermassen wie der 38. Psalm von solcher Buß-Gedaͤchtnuß den Titul fuͤhret/ und von Petro geschrieben stehet/ er gedachte/ ἐμνήϑη, an das Wort JE- su/ und gieng herauß/ und weinet bitterlich. Matth. 26, 75. Wann grosse Haͤupter/ maͤchtige Koͤnige/ theure Helden/ Ehe-Gatten/ Eltern/ durch einen ploͤtzlichen Tod hingerafft werden/ so halt mans fuͤr ein boͤses Omen, als ein Tod/ der durch der Unterthanen Untugenden verwuͤrckt und verschuldet worden/ die Cron unsers Haupts ist abgefallen. O weh/ daß wir so gesuͤndiget haben/ darum ist auch unser Hertz betruͤbt/ und unsere Augen sind finster worden/ klaget Je- remias/ sonderlich von Josia/ Thren. 5, 16. 17. Also stehet auch Christus da/ das traurige Marter und Zorn-Bild/ uͤber welchen die Goͤttliche Ge- rechtigkeit den gantzen Zorn außgegossen und außgestossen. Schroͤckli- che Exempel seines Zorns hat Gott mehrmalen statu irt/ an den gefalle- nen Engeln/ an Adam und Eva/ Sodom und Gomorra/ an seinem eige- nen Volck/ aber kein erschroͤcklichers als an seinem Sohn. Wer ein Fuͤncklein der Vernunfft hat/ der kan ja leicht ermessen/ es muͤsse schroͤck- lich an Gott gebracht seyn worden/ daß er wid er seinen eigenen Sohn sich gleichsam armirt/ mit dem Schwerdt sich auffgemacht/ und allen Passions-Waffen geruffen. Die Suͤnde muß ja ein grausamer Greuel seyn/ weil sie Gott so schroͤcklich an unserm Buͤrgen gestrafft. Wiltu derowegen/ O lieber Communicant/ wuͤrdiglich zu gehen/ so erinnere dich F f f ij aller Die Neunzehende aller der Schmertzen/ Marter und Qual/ Angst und Pein/ die dein Hey- land um deinet willen außgestanden. Stelle dich fuͤr das Creutz mit die- sen und dergleichen Gedancken: O heilige Seele/ was fuͤr grosse und grausame Hoͤllen-Angst hastu empfunden! O blut-rothes Haupt/ wie schmirtzet dich die dornene Kron! O schoͤnes Bild/ und schoͤnstes Menschen-Kind/ wie Milch und Blut/ mit Marmel und Rosen ge- mengt/ wie ist dein heiliges Angesicht so schaͤndlich vergeiffert! O schoͤne klare Augen/ wie seyd ihr so dunckel worden/ wie schwimmet ihr in Thraͤ- nen-Blut! O heilige Ohren/ die ihr der Englischen Music gewohnt/ was schnoͤde Laͤsterung muͤßt ihr hoͤren! O suͤsser Mund/ O liebliche Lippen/ was fuͤr einen sauren Essig-Tranck muͤßt ihr kosten! O wunder- Haͤnde/ O siegreiche Fuͤsse/ wie seyd ihr durchgraben! Und O du Sohn des Allerhoͤchsten/ den aller Himmel Himmel nicht versorgen/ wie haͤn- gest du so schmaͤhlich am Creutz! Wann nun der Buͤrg so schroͤcklich lei- det; wie wird es dann dem Selbs-Schuldner gehen? So Gott solch erschroͤcklich Exempel statu irt an seinem Sohn; wie wirds dem Knecht gehen? So an dem unschuldigen Lamm Go ttes; was hat dann der stin- ckende Bock zu gewarten? O weh mir/ ich habe diese H. Person an das Creutz gebracht! O weh/ ich habs verschuldet/ ich bin der Gottes-Moͤrder! O weh/ daß wir so gesuͤndiget haben/ bistu nicht felsern/ so erschrick mit dem Hauptmann/ und schlage mit dem Volck an die Brust/ erinnere dich dei- ner Suͤnde/ und dero Groͤsse und Maͤnge. Mache es wie dort Carolus V. Thomas Stybarus (ita Gerh. Loc. de Eccles. p. m. 1324. in hist. relat. de vita Johann. Frider. \& Henr. Merkel. in relat. de obsid. Mag- deb. referunt, ipsum sæpè numero doluisse \& pœnituisse, quod se instigari \& exacerbari adversus laudatissimum Electorem pas- sus fuerit. Nam cum Imperialem Magistratum abdicasset, \& Fra- tri suo Ferdinando Regi administrationem ejus commisisset, in Hispaniam concessit, \& in Regiâ suâ juxta monasterium quod- dam vitam consumsit, ibi tunc omnes res suas gestas, quarum viginti aut plures fuisse referunt, in mappis depingi, easque in monasterio parietibus circuitus affigi curavit. In istum circui- tum monasterii illius sæpè se deportari jussit, ibidemque coràm mappis pictis sedit, secum ipse recolens, quid in expeditionibus, obsessionibus, aciebus \& alibi acciderit, quos Duces belli, quos Centuriones, \& equitum Magistros habuerit, quà usus sit fortu- nâ, quibus successibus \& infortuniis. Ubi devenit ad eas map- pas, in quibus Schmalcaldense bellum \& captivitas Electoris Sa- xonici Predigt. xonici depicta erant, ingemiscens ac suspirans dixit: Hunc si re- liquissem, qualis fuerat, mansissem \& ego, qualis eram. Du darffst aber kein ander Gemaͤld/ als stelle dich fuͤr das Calendarium conscientiæ, da wirstu dich selbs und deinen Unflath mit lebendigen Far- ben in greßlicher Gestalt sehen/ das erkenne/ bekenne/ bereue/ beweine/ ver- fluche/ pfui dich du Schand-Suͤnd/ stelle dir fuͤr zum Exemplar Petrum/ wann der Hanen-Schrey im Gewissen mahnet/ so dencke an das Wort JEsu/ und weine bitterlich. II. Recordatio fiducialis, ein glaubiges Trost-Gedaͤchtnuß. Wann du erst-erzehlter massen dieses Marter-Bilds dich erinnert/ so wird ein Gedaͤchtnuß dem andern die Hand bieten. Ein phreneticus und toller Mensch achtet des Artztes nicht; aber wem sonst nur der Zahn weh thut/ den jagen die Schmertzen zum Artzt: Also auch der Suͤnden-Schmertz zu Christo. Da heißts/ liebe Maͤnner/ was soll ich thun/ daß ich selig werde? Hieher/ erinnere dich nun auch des Gnaden-Bilds. Bey leib- lichem Tod und Leich-Begaͤngnuͤssen fasset man wieder ein Trost/ auß und von wegen der verlassenen Erbschafft/ und Hoffnung der kuͤnfftigen Aufferstehung: Also auch hie/ richte dich wieder auff mit der Gedaͤcht- nuß des Erbschatzes/ der amnesti, und seiner froͤlichen Aufferstehung/ daß Er zwar um unserer Suͤnde willen dahin gegeben/ aber um unserer Gerechtigkeit willen wieder von den Todten aufferwecket worden. Troͤste dich mit der Passion und Tod Christi/ und rede mit deinem Heyland ohn- gefehr folgender Gestalt/ Euer Liebe die Wort gleichsam in den Mund zu legen. O allerheiligstes Hertz/ O holdseligster Braͤutigam JEsu/ was hat dich vom Himmel herab gezogen/ in diesen Spittal und Jam- merthal? warum hastu im Garten am Oelberg dein Leiden angetretten/ warum ist deine Seele betruͤbt gewesen biß in den Tod? So wird dir dein Heyland mit diesem Bescheid und Antwort begegnen: Auff daß ich dir die innerliche Freude des Gewissens und ewige Freude des Himmels er- langen/ und deine Welt-Freud buͤssen moͤchte. Warum hastu mit dem Tod gerungen biß auffs Blut? daß ich buͤssete deinen Apffel-Biß/ und dich verwahrete fuͤr dem ewigen Tod/ dem Tod den Stachel nehme/ und deinen Tod in einen sanfften Schlaff verwandele. Warum hastu dich fangen und mit Ketten binden lassen? Auff daß ich dich von den Stricken des Todes und Ketten der ewigen Finsternuß moͤchte befreyen. War- um faͤlschlich verklaget/ von einem ungerechten Richter zum andern ge- schleppet? Auff daß du nicht ins Gericht kommest/ und Friede haͤttest. F f f iij Warum Die Neunzehende Warum/ verspottet/ verspeyet/ geschlagen/ mit Purpur gekleidet/ mit Dornen gekroͤnet? uns das Kleid des Heyls/ und die Cron der Gerech- tigkeit zuerwerben. Warum gegeisselt/ und nackend/ ach nackend da gestanden/ und lassen von dir sagen/ Sehet welch ein Mensch? Auff daß du unsern Ungehorsam buͤßetest/ das Kleid des Goͤttlichen Ebenbilds erwuͤrbest/ und der himmlische Vater auch mich ansehe mit Erbarmung: Ach Vater siehe welch ein Mensch. Warum bistu/ O Gesegneter/ ein Fluch worden am Holtz/ auff daß du den Segen erlangest/ und dich opf- fern liessest zum suͤssen Geruch. Damit ich nun dieses alles festiglich glaube/ so bitte ich dich Himmlischer Vater um den heiligen Leichnam und Blut deines Sohns/ wie Joseph von Arimathia/ gib daß ich ihn mit Myrrhen und Aloes der Buß und Reu salbe/ in ein rein Leinwad des Glaubens einwickle/ in das neue gereinigte Grab meines Hertzens beylege/ versigle du das Grab mit dem H. Geist/ daß weder Teuffel noch Welt diesen Schatz mir auß dem Hertzen raube/ auff daß ich mit mei- nem Heyland Christo sterbe/ lebe/ aufferstehe/ gen Himmel fahre/ ewig herꝛsche und triumphire. III. Recordatio grata, ein Lob- und Danck-Gedaͤchtnuß/ wie es Paulus erklaͤrt/ 1. Cor. 11, 26. So offt ihr von diesem Brod esset/ und von diesem Kelch trincket/ solt ihr den Tod des HErꝛn verkuͤndigen/ biß daß er kom̃t. Jn der Welt pfleget man grossen Leuten/ die wegen ihrer Tugend/ Geschicklichkeit/ Meri ten/ ꝛc. beruͤhmt/ zu parenti ren/ David hatte Jonathan diesen Panegyricum gesungen. 2. Sam. 1, 19. seqq. Die Edelsten in Jsrael seind auff der Hoͤhe erschlagen/ wie sind die Helden gefallen. Sagts nicht an zu Gath/ verkuͤndigets nicht auff der Gassen zu Asklon/ daß sich nicht freuen die Toͤchter der Philister/ daß nicht frolocken die Toͤchter der Unbeschnittenen. Jhr Berge zu Gilboa/ es muͤsse weder thauen noch regnen auff euch/ noch Aecker seyn/ da Heb-Opffer von kommen/ denn daselbsten ist der Helden ihr Schild abgeschlagen/ der Schild Saul/ als waͤre er nicht gesalbet mit Oele. Der Bogen Jonathan hat nie gefehlet/ und das Schwerd Saul ist nie leer widerkommen/ von dem Blut der Erschlagenen/ und von dem Fett der Helden. Saul und Jonathan holdselig und lieblich an ihrem Leben/ seind auch am Tode nicht geschieden. Leichter dann die Ad- ler/ und staͤrcker dann die Loͤwen. Jhr Toͤchter Jsrael wei- net Predigt. net uͤber Saul/ der euch kleidet mit Rosinfarbe saͤuberlich/ und schmuͤcket euch mit guldenen Kleinodien an euern Kleidern. Wie sind die Helden so gefallen im Streit? Jonathan ist auff deinen Hoͤhenerschlagen. Es ist mir leyd um dich mein Bru- der Jonathan/ ich habe grosse Freude und Wonne an dir ge- habt/ deine Liebe ist mir sonderlich gewesen/ dann Frauen-Liebe ist/ wie sind die Helden gefallen/ und die Streitbaren umkom- men? Jeremias hatte dem Koͤnig Josia parent irt. 2. Paral. 35, 25. Also sollen wir Christo auch parenti ren/ carminibus, orationibus, concio- nibus, statuis \& trophæis. Jenes blutfluͤssige Weiblein hat ihrem HErꝛn JEsu zu Ehren und Danckbarkeit eine statuam auffgerichtet. Euseb. Histor. Ecclesiast. l. 7. c. 17. his verbis refert. Mulierem illam hæmor- rhousam, quam ex Sacris Evangeliis per Servatorem morbo suo liberatam cognovimus, ex prædicta civitate (Cæsarea Philippi) ortam esse, ac domum ejus in illa ostendi, beneficiique Servatoris in illam collati, admiranda tro- phæa hactenus durare ferunt. Stare enim suprà lapidem sublimem ante domus illius fores, æneam imaginem, mulieris in genua procumbentis, ac manus ante se extendentis ad morem supplicantis. Deinde è regione hu- jus aliam stare erectam viri imaginem ex eadem materia conflatam, ac di- ploide ornatè vestitam, manumque mulieri porrigentem, ad cujus pedes in eâdem columnâ ignota quædam herbæ species enascatur, \& ad æneam ima- ginis simbriam usque excrescens omnis generis morbis medeatur. Hanc autem statuam imaginem JEsu habere dicunt. Mansit autem ad nostra usque tempora, sicut \& ab illis videri potest, qui in eam civitatem commi- grant. Nec mirum videri debet, eos qui ex gentibus olim à Servatore no- stro curati sunt, ista fecisse, quando \& Apostolorum illius imagines, Pauli videlicet \& Petri, denique \& ipsius Christi in tabulis coloribus depictas as- servari vidimus, quod veteres ex gentili consuetudine, eos quos Servatores putarunt, ad hunc modum honorare soliti fuerint. Eben das sollen wir thun im Hertzen durch selige Nachfolg/ in der Ge- dult/ Demuth/ Gehorsam/ Sanfftmuth/ ꝛc. Dann eben darum werden die parentationes angestellt/ andere anzufristen/ daß sie in gleiche Fuß- stapffen tretten/ massen die viva exemplaria die kraͤfftigste argumenta zur Tugend. Dahero die Edle ihre Wappen und Stamm-Bilder pfle- gen auffzurichten/ immer deren zu gedencken/ auff daß sie ihren ruͤhmli- chen und loͤblichen Vorfahren im Tugend-Preiß nachahnen moͤchten. Diß sind also die justa funebria, das Leibfall/ so sollen wir den Tag unserer Communion begehen/ der soll unser Traur-Tag/ unser Carfrey- tag/ und gleichsam das festum expiationis seyn. Dann wann die Kin- der Jsrael den Suͤnden-Bock in die Wuͤsten verbannt/ da mußten sie ihren Die Neunzehende ihren Leib demuͤthigen/ casteyen und quaͤlen. Eben das ist auch unsere Pflicht. Vor der Welt waͤre es ja eine grosse Schand/ wann man auff den Leich-Tag der lieben in GOtt ruhenden/ wolte springen und tantzen. Da gedencke nun du Unflat/ du Heuchler/ wer du auch bist/ der du auch den Tag zuvor Gott nicht ad expiationem und Außsoͤhnung/ und den Sabbath zur Traur und heiliger meditation auffopfferst. Lassest dich im Gegentheil beduncken/ es sey gnug/ die Ampt-Predigt besuchen/ die uͤbrige Zeit aber koͤnne man wol mit Gastereyen/ mit Sieden und Bra- ten/ mit Spielen und Kurtzweilen zu bringen/ O du Unflath! Wer nun Gott seinen Traur-Tag in Freuden-Tag verkehret/ der wun- dere sich nicht/ wann Gott nachmahlen auch feine Freude in Trauren verwandelt. Diß sind die rechte præparatoria, so muß man sich berei- ten/ an den Oelberg/ ins Richthauß/ an das Creutz spatzieren/ den Zorn- Gnaden- und Tugend-Spiegel ihm vorstellen/ und dabey uͤber den Zorn GOttes lernen erschrecken/ seiner Gnade sich troͤsten/ und der Suͤnde von Hertzen feind werden. Da gedencke nun/ du Unflath und Heuch- ler/ was du thust/ der du ohne rechte Buß/ ohne das Hochzeitliche Ehren- Kleid in lauer Andacht erscheinest/ und dahin gehest wie ein Sau zum Trog/ und wieder davon/ wie ein Sau in die Muhrlach. Diß ist das rechte ὁρμητήριον ἀμνηςείας: So um der Suͤnden willen diese heilige Person so viel leiden muͤssen/ soltestu nicht der Suͤnde feind werden/ ver- gessen und absterben: So Er so viel dir zu gut gelitten/ soltestu nicht alle deine boͤse Affecten und Grollen in diesem Gedaͤchtnuß versencken. Aber wie es geschicht/ das weiß Gott. Kein Geschoͤpff ist seinem Schoͤpffer undanckbarer als der Mensch/ die Elementen seind daruͤber erzittert/ die Sonn erschwartzet/ die gantze Welt trug leyd/ und verkuͤndiget also den Tod Christi. Aber du schnoͤder Mensch bist aͤrger als ein Roß und Maul/ gehestu herzu/ so ists ein fliegende Hitz/ und laues Wesen/ und hernach wie- der wie vor/ um kein Haar besser. Du kanst fuͤr Gelt- und Welt-Lieb dein Hertz nicht erheben/ und solche heilige Gedancken auffkommen lassen. Christus hat alle Injurien vergessen/ und du Wurmhaͤltest noch Zorn. Christus entaͤussert sich seines Vaters Schooß; aber du kanst der Welt nicht satt werden. Aber auch ἀμνηςήριον divinum. Gott wil vergessen/ wann wir gedencken/ Gott wil gedencken/ wann wir vergessen. Geden- cken wann du ruffest: gedencke meiner mein Gott am besten/ und nim- mermehr vergessen/ so wenig ein Weib ihres Kindes kan vergessen/ siehe/ in die Haͤnde hat er dich gezeichnet. Ja gedencken am letsten End/ wann du Predigt. du mit dem Schaͤcher sprichst: Herr gedencke mein/ wann du in dein Reich kommest. Darum/ wann alsdann mein Suͤnd mich werden kraͤncken sehr/ und mein Gewissen wird mich nagen/ weil ihr so viel als Sand am Meer/ wil ich doch nicht verzagen. Gedencken wil ich an deinen Tod/ HErꝛ JEsu deine Wunden roth/ die werden mich erhalten. Amen. Die Zwantzigste Predigt/ Von Dem Hochzeitlichen Ehren-Kleid der wuͤrdigen Vorbereitung. G Eliebte in Christo. Was massen der jenige Un- flat bey der Koͤniglchen Hochzeit des eingebohrnen Sohns GOttes ohne das hochzeitliche Ehren-Kleid er- schienen; wie der Herr/ nachdem er in seiner scharffen lustration seiner gewahr worden/ ihn angeredt uñ gesagt: Freund/ wie bistu herein kommen/ und hast doch kein Hochzeitlich Kleid an; was fuͤr ein schroͤcklicher Sententz ist uͤber ihn ergangen: bindet ihm Haͤnde und Fuͤsse/ und werffet ihn in das aͤusserste Finsternuß hinauß/ da wird sein Heulen und Zaͤhn-klappen. Dasselbe vernim̃t E. L. jaͤhrlich auff den 20. Sonn- tag Trinitatis auß dem Evangelio Matth. 22. Drey Stuck werden uns dabey in der Lehr vom Hochwuͤrdigen Abendmahl zu behertzigen wol eingebildet: I. Præparationis necessitas, daß einmal bey dieser Mahlzeit eine præparation und Vorbereitung vonnoͤthen/ dann so bey weltlicher Mahl- zeit/ bey einem Fuͤrstlichen und Koͤniglichen Panquet man zuvor sich wol versehen/ waschen/ reinigen/ und saubere Kleider anlegen muß; wann der Metzger mit seinen blutigen Haͤnden/ der Schlosser oder Schmidt mit seinem kohl-schwartzen Antlitz/ der Kuͤrschner und Gerber auß seiner Beyß/ der Baur von seinem Misthauffen/ und so fortan/ alsobald wolte hinlauf- fen/ der wuͤrde von jederman fuͤr einen groben socium gehalten werden. Warum wolten wir dann Gott nicht auch die Ehr anthun/ und an sei- Neunter Theil. G g g ner Die Zwantzigste ner Taffel erscheinen mit rechter Bereitschafft? Sollen die Jsraeliten das Oster-Lamm geniessen/ mußten sie sich zuvor Levitisch reinigen. 2. Chron. 30. Die Knaben Davids/ wolten sie vom Schau-Brod essen/ mußten sie sich zuvor heiligen. 1. Sam. 21, 4. 5. Also/ wer bey dem heili- gen Abendmahl wuͤrdiglich erscheinen wil/ der darff in seiner Suͤnden- Schwaͤrtze/ Koth und Unflath nicht auffgezogen kommen/ es muß eine Reinigung und Heiligung vorher gehen. II. Præparationis modus, woriñ die Præparation stehe? Zwar die Alten/ sonderlich die Roͤmer pflegten sich zuvor mit Rennen/ Springen/ Fechten und andern leiblichen Ubungen/ mit Fasten/ mit Oehl salben/ mit Fuͤß-waschen zu uͤben; sind aber leibliche Ubungen/ die wenig nutzen. 1. Tim. 4, 8. Es hat aber die alte Kirch sonderlich auffs Fasten gehalten und getrungen. Placuit Spiritui Sancto (ait August. epist. 118. ad Ja- nuar.) ut in honorem tanti Sacramenti in os Christiani prius corpus Domini intraret, quàm cæteri cibi. Es hat der H. Geist fuͤr gut angesehen/ daß diesem Sacrament zu Ehren der glaubige Communicant mit seinem leiblichen Munde ehe den Leib Chri- sti als andere Speisen zu sich nehme. Davon sagt aber unser Cate- chismus/ Fasten und leiblich sich bereiten/ seye mehr nicht/ als eine feine aͤusserliche Zucht; Sondern die rechte Præparation bestehet in der Er- scheinung im hochzeitlichen Feyer-Kleid/ wie Judith sich geschmuͤckt. Judith. c. 12. Es ist aber dasselbe Kleid anders nichts als die Justitia im- putata, Christus mit seinem gantzen Verdienst angezogen/ damit muͤssen wir prangen/ als die Sternen von fremdem Sonnenschein. Jst wol das schoͤne weise seidene Kleid/ welches der himmlische Seiden-Wurm Chri- stus gesponnen. Dort Apoc. 7, 13. fragte einer von den Eltesten: Wer seind diese mit weisen Kleidern angethan? U nd Johannes ant- wortet; Diese seinds/ die ihre Kleider gewaschen/ und hell ge- macht im Blut des Lamms. Das Fell des Lamms GOttes/ davon (gleichwie unsere erste Eltern ihre Scham bedecket) unser Schande zu- gedecket wird. Jst das schoͤne guldene Stuck/ und Hohepriesterliche Schmuck/ darinnen wir vor Gott prangen/ das Kleid des Heyls/ Esa. 61, 10, Apoc. 1, 6. das geistliche Brautstuͤck und Feyer-Kleid/ damit uns Christus als seine Freunde und Gaͤste berathen nach Lands-Art. Jud. 14, 12. ςολὴ πρώτη, das beste Kleid: Wann der verlohrne Sohn in die Welt gerathen/ und das schoͤne Tauff-Kleid und Wester-Hemdlein verzettelt; aber nachgehends in wahrer Buß erscheinet/ so gibt ihm der himmlische Vater ςολὴν πρώτηυ, Luc. 15, 22. das wolriechende koͤstliche Kleid/ Predigt. Kleid/ darinnen wir/ wie Jsaac/ den Segen erlangen muͤssen. Gen. 27, 27. III. Lustratio divina, daß Gott unter den erschienenen Gaͤsten ein Examen anstelle/ wehe dem/ der da nicht bestehet/ er wird hinauß ge- worffen in das aͤusserste Finsternuß/ es heißt mit ihm/ fuͤr der Thuͤr ist draussen/ der Sententz ist gefaͤllt/ die Execution wird verspart biß an den Juͤngsten Tag. Wollen wir nun auch bestehen/ und stehen fuͤr diesem grossen Koͤnig/ und wuͤrdiglich erscheinen/ so ist von noͤthen præventio lustrationis per ἀυτοκρισίαν, 1. Cor. 11, 31. So wir uns selbs richteten/ so wuͤrden wir nicht gerichtet. Jsts nicht also in der Welt/ wann man zur Mahlzeit geladen/ sich geputzt und bekleidet/ so stellt man sich vor den Spiegel/ da muß alles beym Weibs-Volck gleichsam auß der Laden herauß gehen/ es muß alles eben seyn/ die Hauben muͤssen ihre Ecken ha- ben/ das Ubermuͤtter und Schleyer alles auffs pravste und netste anlie- gen/ es lasset andere von sich judici ren/ wie steht es mir an/ ists auch recht? alles der Welt zu gefallen/ manche unzuͤchtige Personen zu reitzen. War- um wollen wir dann nicht auch unserm Seelen-Braͤutigam die Ehre anthun/ und uns fuͤr den Spiegel des Gesetzes und Evangelii stellen/ un- ser eigen Gewissen hoͤren judici ren/ und also mit einem Wort uns selbs richten und pruͤfen/ wie Paulus das Wort ἀνάμνησιν erklaͤret und auß- legt de ἀναμνήσει διακριτικῇ \& οκιμαςικῇ, 1. Cor. 11. Jn welcher Ideâ wir auch verbleiben/ und die Lehre von der heilsamen Præparation tracti- ren wollen/ welche vornemlich in drey Stucken bestehet/ in Betrachtung 1. Dignitatis convivii. 2. Indignitatis nostræ ac propriæ. 3. Digni- tatis alienæ. Gott helffe. Amen. G Eliebte in Christo. So ist demnach zur heilsamen Præparation zum H. Abendmahl vonnoͤthen/ daß wir erwegen I. Dignitatem convivii. Ein Ehr-liebender Gast bedencket zuvor und mitten in der Mahlzeit wol/ wo er ist/ und bey wem/ was fuͤr Tractamenta auffgestellet werden/ und schicket sich/ daß er kein Fehler oder Unhoͤfflichkeit begehe/ entweder per curiositatem und Fuͤrwitz/ oder rusticitatem, und saͤuische Unflaͤtherey. Salomon hat eine feine Tafel- Regul fuͤrgeschrieben/ Prov. 23, 1. Wann du sitzest und issest mit ei- nem Herꝛn/ so mercke/ wen du fuͤr dir hast. Wisse das mit gros- sen Herren boͤß Kirschen essen ist/ sie werffen einem die Stiehl in das Ge- sicht. Hoff-Suppen schmecken wol/ man muß aber hohe Spruͤng dar- nach thun. Setze ein Messer an deine Kehle/ wiltu das Leben G g g ij behal- Die Zwantzigste behalten. Wie du ein Schwerdt an den Guͤrtel bindest/ also henge gleichsam auch ein Schwerdt an deinen Hals/ siehe zu/ daß du dich ver- wahrest fuͤr Trunckenheit/ vor Verraͤtherey des heimlichen. Plerumque etiam Principes vino utuntur ut equuleo. Ambros. l. de Elia \& jejun. c. 17. Grosse Herren brauchen gemeiniglich den Wein an statt einer Folter/ die Warheit damit herauß zu pressen. Das wil nun der Apostel auch von uns haben/ wir sollen den Leib des Herrn recht unter- scheiden. Betrachten/ wer der Gastgeber/ nemlich der Richter? was fuͤr Speiß/ nemlich der Leib und Blut Christi? deren Mißbrauch der Herr so wenig kan ungerochen lassen/ als wann ein Schwein und Unflath bey der Tafel die vorgestellte Speiß wuͤrde wieder mit Unlust von sich geben/ oder gar mit Fuͤssen tretten/ und den Wein verschuͤtten. Was fuͤr Ge- heimnuß darunter verborgen? nemlich ϕρικτὸν καὶ ὁμολογουμὲ ως μέγα μυςήριον, ein kuͤndlich grosses Geheimnus/ daruͤber jederman billig er- schrecken und erzittern soll/ ein Geheimnuß/ darein die Engel geluͤstet zu schauen/ ein verborgenes Essen. Da huͤte dich fuͤr der Curiositaͤt/ daß dir nicht widerfahre/ was dort den Behsemiten/ 1. Sam. 6. Dann als das grosse Heiligthum und hoch-troͤstliche Geheimnuß der Bunds-Laden/ der heiligen Wohnung GOttes/ auß der Hand und Land der Philister wie- der zuruck kommen/ an besagtem Flecken Bethsemes angelendet/ und aber hierauff das Volck an allen Enden und Orten der Nachbar- schafft/ mit hellem Hauffen/ mit ungesaͤuberten Fuͤssen zugelauffen/ dieses Kleinod und Geheimnuß entbloͤset/ ersuchet/ mit fuͤrwitzigen Augen hin- ein geschauet/ betastet und angeruͤhret/ so ergrim̃et der Zorn des Herrn/ verhenget ϑεόπεμ πτον κακὸν, wie es Josephus nennet/ eine gifftige anste- ckende Pestilentz/ davon 50000. und 70. Personen jaͤmmerlich hingerafft und umkommen/ daß sie daher gesagt und außgeruffen: Wer kan stehen fuͤr dem Herrn/ solchem heiligen Gott ? 1. Sam. 6, 20. Warhafftig wer diesem Geheimnuß nachdencket/ der muß mit Forcht und Zittern hingehen. So Esaias sagt: Wehe mir/ ich vergehe/ denn ich bin unreiner Lippen/ und wohne unter einem Volck von unreinen Lippen/ denn ich habe den Koͤnig den HERRN Zebaoth ge- sehen mit meinen Augen. Esa. 6, 5. Wieviel mehr/ wann es heißt: Jch habe den Leib und eigen Blut des Herrn Zebaoth gegessen und ge- truncken. So pruͤfe dich nun/ ob du diß Geheimnuß mit solchem Re- spect angesehen? II. Propriæ indignationis æstimationem. Ein Gast/ wann er er- wogen/ wo er hingeladen und fuͤr wem er erscheinen soll/ so gehet er in sich selbs/ Predigt. selbs/ und betrachtet seine Unwuͤrdigkeit/ sonderlich wann er nacket/ zer- rissen/ und wuͤst gekleidet/ am allermeisten wann er einen Mangel am Leib/ irgend hofferig/ krum̃ ist/ und einen stinckenden Athem/ oder sonst ei- ne erbliche Kranckheit an ihm hat. Ein schoͤnes Exempel haben wir an dem hinckenden Mephiboseth/ dem Sohn Jonathan/ 2. Sam. 9. Dann als David ihn so hoch begnadet/ daß er ihm nicht allein den Acker Sauls wieder gegeben/ sondern auch gesagt: Du solt taͤglich auff meinem Tisch das Brod essen. So gedencket Mephiboseth an seinen schwa- chen hinckenden Leib/ an sein zwar Koͤnigliches/ aber nunmehr stincken- des Herkommen/ betet an/ und sagt: Wer bin ich dein Knecht/ daß du dich wendest zu einem todten Hund/ wie ich bin? Das beste Exempel solcher ἀυτογνωσίας und Selbs-Erkanntnuß haben wir an un- serm ersten Vater Adam/ der stellet sich nach dem Fall fuͤr den Spiegel des Gesetzes/ und seines eigenen Gewissens/ wird gewahr/ daß er bloß und nackend. Er war kein Kind/ daß er nit auch zuvor wußte/ daß er nackend gewesen/ aber er ward nicht gewahr der Fœdi taͤt/ ein Kind das schaͤmet sich nicht; ein alter Mensch aber/ in dem sich die boͤsen Begierden regen/ der schaͤmet sich. Pudor est ϕό ος τῆς ἀδοξίας, sagt Aristoteles. Nudi erant, (August. de Civ. Dei l. 14. c. 17.) \& non confundebantur, non quod eis sua nuditas esset incognita: sed turpis nuditas nondum erat, quia nondum libido membra illa præter arbitrium commovebat. Das ist: Sie waren nackend und schaͤmeten sich nicht/ nicht/ als ob ihnen ihre Bloͤße unbewußt: sondern weil sie dazumal noch nicht mit Schande verbunden geweßt: massen die boͤse Lust sich wider Willen in ihren Gliedern nicht gereget. War also bey Adam agnitio nuditatis, affectuum \& vulneris conscientiæ. Es waren ihme seine Bloͤße/ boͤse Begierden/ und Wunden des boͤsen Gewissens nicht unbekant/ Scham begleitete seine Schande. Also/ O lie- ber Mensch/ pruͤfe dich selbs/ gehe in dich/ stelle dich fuͤr den unpartheyi- schen Gesetz-Spiegel/ hoͤre nicht/ was andere von dir sagen/ dann da moͤch- te dich der Fuchsschwantz betriegen/ sondern dein eigen Gewissen/ so wirst du finden/ daß du bist arm und elend/ jaͤmmerlich/ blind und bloß/ daß du mangelst des Goͤttlichen Eben-Bildes/ der Weißheit/ Heiligkeit und Gerechtigkeit/ du wirst finden ein Abgrund und Pful aller Laster und Untugenden/ ja/ du wirst fuͤr deiner Thuͤr so viel zu fegen finden/ daß du andere Leute gar bald vergessen wirst/ die irgend zu Fall kommen/ und offentlich zu schanden worden/ und dich erinnern/ was Christus sagt: Matth. 5, 27. Jhr habt gehoͤrt/ daß zu den Alten gesagt ist/ du G g g iij solt Die Zwantzigste solt nicht Ehebrechen: Jch aber sage euch/ wer ein Weib an- siehet/ ihr zu begehren/ der hat schon mit ihr die Ehe gebro- chen in seinem Hertzen. Gleiche Bewandtnuß hat es auch mit an- dern Suͤnden: dazu dann werden kommen der stinckende Athem deines Gottslaͤsterlichen unreinen Mundes/ die Laͤhme der Fuͤsse zu wandeln auff dem Wege der Gerechten/ die Schalckheit der Augen/ daß sie gern se- hen nach der Eitelkeit/ Augen-Lust/ und hoffaͤrtigem Leben/ die anstecken- de Seuche der Verfuͤhrung und Aergernuß/ und sonderlich die Wunden des boͤsen Gewissens/ die nicht verbunden/ da gleichsam das gantze Haupt kranck/ das gantze Hertz matt/ von der Fußsohlen an biß auff die Haupt-Scheitel nichts gesundes/ sondern lauter Striemen/ Wunden und Eyter-Beulen/ die nicht gehefftet/ noch mit Oehl gelindert seind. Esa. 1. So abscheulich dir ein Mensch vorkom̃t/ der unter die Moͤrder gefallen/ und am gantzen Leib wund geschlagen worden/ so abscheulich bistu fuͤr Gott . So schandlich kom̃t dir nicht vor eine Stroh-Hochzeit/ deren die ihre Jungfrauschafft verzettelt/ du bist eben ein solcher fuͤr Go tt/ bist du nicht allerdings schamloß/ ist noch ein ehrlicher Bluts-Tropffen in deinem Hertzen/ so wirstu dich schaͤmen/ es werden dir die Augen auffge- hen/ du wirst dich verkriechen/ wie Thamar/ 2. Sam. 13, 19. von deren die Histori meldet/ daß/ nachdem sie von ihrem Bruder Amnon geschwaͤcht worden/ sie Aschen auff ihr Haupt geworffen/ den bunten Rock zerrissen/ den sie an hatte/ ihre Hand auff das Haupt gelegt/ daher gegangen und geschryen/ und ledig geblieben in Absalom ihres Bruders Hauß. Das ist/ sie hat sich ingehalten/ nicht mehr als eine Jungfrau mit ihrem Krantz unter die Leuthe gegangen. Ursach uͤber Ursach wirstu finden zu schreyen und zu sagen: Jch bin ein todter Hund/ Staub und Aschen/ nicht werth/ daß du unter mein Dach gehest. Matth. 8, 8. Vater/ ich habe gesuͤndiget im Himmel und fuͤr dir/ und bin nicht werth/ daß ich dein Sohn heisse. Luc. 15, 18. Hie pruͤfe dich abermal/ ob du in deinem Hertzen also gesinnet/ ob du das γνῶϑι σεαυτὸν recht practic irt? III. Alienæ dignitatis οκιμασίαν. Ein Ehrliebender Gast/ wann er nun auff einer Seit seine Nichtigkeit/ auff der andern aber die Noth- wendigkeit des Befehls und herꝛlichen Nutzens erwogen/ was soll er thun? er lehnet ein fremdes Kleid/ gibt acht/ ob es ihm recht/ ob es seine Scham gantz bedecke/ und siehet hierinnen genau zu/ daß er kein Fehl-Griff thue: Also/ soll der Mensch mit Adam greiffen nach dem Feigen-Baum/ Feigen-Blaͤtter zusammmen flechten/ Schuͤrtze darauß machen/ und die Schame Predigt. Schame damit bedecken/ die Suͤnde excusi ren/ extenui ren/ und sich klar schoͤn machen/ ey es hat nicht so viel zu bedeuten/ es schadet nichts/ ich bin eben so gar boͤß nicht? Ach nein. Gott laßt Jhm kein Aug verklei- ben/ Er laßt sich nicht mit der Heucheley bezahlen. Sollen wir dann nach der Muͤnchs-Kutt/ oder eigenen Wercken/ Meri ten und Bußen greiffen? Ach das ist pannus menstruatæ, ein verlumptes/ zerflicktes/ und unflaͤtiges Kleid/ gleich dem Kleid Josephs/ das seine Bruͤder in Blut gedunckt/ und sich damit fuͤr dem Vater beschoͤnen wollen. Son- dern wir muͤssen uͤber GOttes Kleider-Kasten gehen/ in seinen Gaden/ und da außnem̃en/ und entlehnen ein fremdes Kleid/ das seidene Ehren- Kleid der Gerechtigkeit JEsu Christi/ das muͤssen wir anziehen in der Christlichen Kirch/ in dem muͤssen wir erscheinen/ da gehoͤret nun ein Prob zu/ der Glaubende ist das nackende duͤrfftige Kind/ so diß Kleid er- greifft und anzeucht/ hastu den Glauben/ so hastu diß Kleid. So pruͤfe dich nun selbst/ ob du im Glauben stehest/ und zwar Ex συμμαρτυρίᾳ Spi- ritus S. \& tui, zum Exempel/ der Geist sagt: JEsus Christus ist uns von GOtt gemacht zur Weißheit/ zur Gerechtigkeit/ zur Heiligung und zur Erloͤsung. 1. Cor. 1, 30. und Paulus 1. Tim. 1, 15. Das ist je gewißlich wahr/ und ein theures werthes Wort/ daß JEsus Christus kommen ist in die Welt/ die Suͤnder se- lig zu machen. Jtem/ GOtt hat Christum/ der von keiner Suͤnde wußte/ fuͤr uns zur Suͤnde gemacht/ auff daß wir in ihm wuͤrden die Gerechtigkeit/ die fuͤr GOtt gilt. 2. Cor. 5, 21. Entweder haltestu das fuͤr wahr/ oder nicht; so nicht/ so straffest du Go tt Luͤgen; Glaubstu aber/ daß Christus auch dir gemacht seye zur Gerech- tigkeit/ Heiligung und Erloͤsung/ daß Er auch dir zu gut in die Welt kommen/ dich selig zu machen/ und dir zur Suͤnde gemacht/ daß auch du wuͤrdest die Gerechtigkeit/ die fuͤr Gott gilt/ so magstu sprechen auß dem 61. Cap. Esaiaͤ: Jch freue mich im HErꝛn/ und meine Seele ist froͤlich in meinem GOtt/ denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heyls/ und mit dem Rock der Gerechtigkeit ge- kleidet/ wie ein Braͤutigam mit Priesterlichem Schmuck ge- zieret/ und wie eine Braut in ihrem Geschmeide berdet. Ex effectibus externis, Toͤdtung des suͤndlichen Fleisches/ Streit des alten und neuen Menschen/ taͤglicher Buß/ Verlangen nach dem Him̃lischen/ und nach dem das droben ist/ Verschmaͤhung der Welt/ und Verach- tung alles dessen/ was irdisch ist/ bestaͤndigem Vorsatz je laͤnger je froͤm- mer Die Zwantzigste mer zu werden. Und dann auß dem aͤusserlichen Tugend-Schein/ son- derlich der Sanfftmuth/ hertzlichem Erbarmen/ Freundlichkeit/ Demuth/ Gedult/ Versoͤhnlichkeit gegen dem Naͤchsten/ Matth. 5, 25. Daß/ wann du deine Gabe auff den Altar opfferst/ und wirst allda eingedenck/ daß dein Bruder etwas wider dich/ oder du wider ihn/ du fuͤr dem Altar dei- ne Gabe lassest/ und hingehest/ versoͤhnest dich mit deinem Bruder/ und kom̃st und opfferst deine Gabe. Diß ist nun præventio lustrationis, der Spiegel der wuͤrdigen und unwuͤrdigen Gaͤste/ und gleichsam der Außschuß/ demnach allhie außzu- mustern/ die angezogener lustration und probation nit maͤchtig. Als die Inhabiles und Unfaͤhige/ die albereit durch den Tod dahin gegangen/ und gestorben/ deßgleichen die quasi mortui, bey denen in der aͤussersten Todes- Schwachheit alle Kraͤfften allbereit dahin/ daß sie um sich selbs nichts mehr wissen/ obwol weiland dieser Mißbrauch und Aberglauben in die Kirch an etlichen Orten eingerissen. Eousque processit superstitio, \& illa quidem vetus, quibusdam in locis, ut mortuorum ori fuerit impositum ( Sacramentum ,) vel stomacho applicatum, \& cum cadaveribus sepultum. In Legen- da Basilii legimus, tertiam partem Eucharistiæ secum sepeliendam, re- servasse. Apud Gregorium in Dialogis lib. 2. cap. 24. Benedictus jus- sit communionem Domini corporis in pectus defuncti reponi, \& sic tumu- lari. Quod abolitum fuit Canone VI. Concilii III. Carthag. Placuit ut corporibus defunctorum Eucharistia non detur. Ita Rivet. Cathol. Orthod. part. 2. p. 199. Die junge Kinder/ als welche/ wie sie sich nicht pruͤfen/ also auch den Tod des Herrn nicht verkuͤndigen koͤnnen. Anders abermal als in der ersten Kirch. Abstemii absolutè, die gar kein Troͤpfflein Weins zu sich nemmen koͤnnen/ deßgleichen die Furiosi, Bloͤdhaͤuptige/ Taube und Stumme/ die gar kein Zeichen des Glaubens von sich geben. Inveniuntur (ita Erasm. Brochmand. Loc. de Cœnâ. cas. 10. p. m. 477.) qui surdos \& mutos penitus arcent à Sacræ Cœnæ celebratione. Sed opus hîc est piâ circumspectione; ac omninò necesse est, ut in- ter diversi generis surdos \& mutos distinguatur. Etenim I. dantur muti \& surdi, qui nati sunt integris sensibus, sed sensuum integrita- tem \& usum posteà casu aut morbo amiserunt. Hi ante amissos, sensus, si capita religionis Christianæ didicerunt, \& sacris con- cionibus, Predigt. cionibus, quando sensus adhuc integri erant, crebrò interfuerunt, \& certis signis post amissum auditus \& loquelæ usum testatum fa- ciunt, ex animo optare se, ut ad sacram Cœnam admittantur, neuti- quam ipsis denegandum est sacrum hoc epulum. Cum enim tales norunt Christum, ac apti sint, qui seipsos probent. 1. Cor. 11, 28. quid quæso impediet, quo minus ad mensam Dominicam, tanquam di- gni convivæ admittantur. Nam ne judicentur pejores aliis, ob so- lam auditus \& loquelæ privationem, severè interdicit Jehovah, Exod. 4, 11. Quis statuere potest mutum aut surdum, aut sensibus fallentem, aut cœcum? nonne ego, qui sum Jehovah? Et Christus interrogatus Joh. 9. ꝟ. 1. 2. seq. an hominis à nativitate cœci parentes, an ipse pec- casset, ut cœcus nasceretur; respondit: ne q hic peccavit, ne q parentes ejus: sed ut opera DEI manifesta fierent in eo. II. Eadem esto senten- tia de his, qui nati sunt muti, sed audiendi facultate præditi. Ejus- modi homines, si baptizati sint, \& de capitibus religionis ita insti- tuti, ut certis indiciis testari possint, tùm, quod in JEsum Christum credant, tùm, quod Sacramentum hoc ex animo desiderent: pote- runt bonâ conscientiâ ad S. Cœnam admitti: utpote apti seipsos probare. III. Dantur muti \& surdi, qui ab ipsa nativitate \& muti \& surdi fuerunt. Extrà autem dubium est, quod ad Cœnam S. admitti non debeant, si certis indiciis non doceant, quod doleant de peccatis, in Christum credant, S. Cœnam, desiderent, 1. Cor. 11, 28. Et mox: ibid. p. 479. De furiosis res est expeditissima. Hos enim ad S. Cœnam admitti nec posse, nec debere, quàm certissimum est. Cum enim nemo ad divinissimum hoc epulum admitti debeat, nisi qui seipsos probare, \& mortem Domini annunciare possunt, teste Apostolo. 1. Cor. 11. 26. 28. extra dubium autem sit, quod fu- riosi seipsos probare, \& mortem Domini annunciare nequeant: Ecquis non facilè intelligit, gravissimè peccaturum ministrum ver- bi divini, si hominem mente captum ad Cœnam sacram admitte- ret. Infantibus prisco ævo porrectam fuisse Cœnam S. testis est Dionysius Areopagita. in Eccles. Hierarch. cap. 3. tom. 1. p. 126. Divus Cyprianus de lapsis pag. 240. Augustinus, alii. Et testis est Maldonatus Jesuita Comment. in c. 6. Joh. sententiam hanc cir- citer sexcentos annos obtinuisse in Ecclesia, Tom. 2. Col. 640. E. Certissima autem responsio est, neutiquam admittendos esse ad Cœnæ S. usurpationem infantes, idque quia seipsos probare \& mortem Domini annunciare non possunt \&c. Neunter Theil. H h h Wuͤrdi- Die Zwantzigste Wuͤrdige ja die allerwuͤrdigste Gaͤste seind 1. Indignissimi ex se. Schei- net zwar ein paradoxon zu seyn/ ist aber wahr. Weg mit der Wider- taͤufferischen Scheinheiligkeit/ der armen Leute/ die sich beduncken lassen/ es lige am aͤusserlichen Feigen-Blat/ aͤrgern sich deßwegen an den ar- men/ aber bußfertigen Suͤndern. Dann wer auff eigene Wuͤrdigkeit warten wolte/ muͤßte lang warten/ und doͤrffte niemand zu gehen. ϖρὸς τυῦτα τίς ἱκανὸς; Wer ist hiezu tuͤchtig? 2. Cor. 3, 4. Jst dir derowe- gen deine Suͤnde leyd/ hastu das γνῶϑι σεαυτὸν bußfertig erwogen/ so be- sinne dich nicht lang/ und halte dich nicht auff mit unzeitiger Unhoͤfflich- keit/ schaͤme dich nicht wie Petrus/ da er nackend war/ Joh. 21, 7. und ihm die Fuͤsse nicht wolt waschen lassen. Die Consequen tz gilt nicht. Jch bin ein armer Suͤnder/ E. darff ich nicht zum Tisch des Herrn ge- hen; Sondern contrà, die Krancken bedoͤrffen des Artzts/ Matth. 9, 12. Kom̃t her zu mir/ alle die ihr muͤhselig und beladen seyd/ ich wil euch erquicken. Matth. 11. ꝟ. 28. Den Schwachen im Glauben nehmet auff. Rom. 14, 1. Jn den Schwachen ist Got- tes Krafft maͤchtig. 2. Cor. 12, 9. 2. Dignati alienâ justitiâ, die der Herr selbs gewuͤrdiget und geheiliget/ Luc. 20, 35. 2. Thessal. 1, 5. Apoc. 3, 4. Darum auch der Prediger sagt: Welche nun der Herr gewuͤrdiget und geheiliget/ daß sie mit Frucht herzu gehen moͤgen/ die tretten herzu mit Christlicher Zucht und Andacht. Indigni seind die Unflaͤther/ die ohne Reverentz hinzu gehen/ grad als ein Schwein zum Trog/ und nicht einmal zu Gemuͤth fuͤhren/ was es sey/ dergleichen Unflaͤther zu Corintho geweßt/ die eine gemeine Zech darauß gemacht/ wie es ihnen Paulus verwiesen. 1. Cor. 11, 20, 21. Die Impu- dentes, die ihre Unart und Bloͤße nicht erkennen/ sich derselben nicht schaͤmen/ bleiben bey ihrer alten Weiß/ lassen ruffen und schreyen/ wie die wilden Leute/ von welchen Letius schreibet/ daß sie keine Hemder anlegen wollen/ vorgebend/ es waͤre Lands Art/ die gefangene Weiber/ wann sie gleich mit Geisseln gezwungen worden/ Kleider anzulegen/ haben sie sie dennoch zu Nacht wieder von sich gethan/ und also in der Jnsul nackend herum geloffen. Solche unverschamte Leute seind auch die/ die in ihrer Unwissenheit und Suͤnden-Greueln allezeit fort gehen. Ach mein Go tt/ wieviel seind deren! Cauteriati, die gefrorne/ stein feste/ fuͤhl-lose Stoͤck und Ploͤcke/ die dermassen verhartet/ daß sie durch nichts zur Buße zu be- wegen/ sondern in ihrem alten Trab dahin gehen/ ein Jahr wie das ander. Sonderlich die Unversohnliche. Oeffentliche Rechts-Haͤndel seind hie nicht gemeinet/ Paulus limit irt selbs. Jsts muͤglich/ so viel an euch ist/ Predigt. ist/ so habt mit allen Menschen Fried. Rom. 12, 18. Solche Leute seind gleich den Bruͤdern Joseph/ die frech und ohne Scheu fuͤr ihren Vater getretten/ ohnangesehen sie ihren Bruder verkaufft. Und dieser aller ist eine gantze Welt voll. Massen die Suͤnden nach dem Abendmahl wieder erfrischet/ Zeichen seind/ daß allezeit mehr Schwein als Schaͤfflein erschienen. Nun diese alle haben ihren Sententz: Bin- det ihnen Haͤnde und Fuͤsse/ und werffet sie in das aͤusserste Finsternuß/ da seyn wird Heulen und Zaͤhnklappen. Matth. 22, 13. Laßt uns im gegentheil auß Christlicher Sorgfalt angelegen seyn/ was sonsten die Mammons-Diener auß heydnischem Mißtrauen: Womit werden wir uns kleiden? Matth. 6, 31. Trachten nach dem Kleid des Heils/ und Rock der Gerechtigkeit JEsu Christi/ und wann wir ihn durch wah- ren Glauben erlanget/ wol auffheben/ dessen uns erinnern/ wann wir uns nackend sehen/ wann wir auff stehen und niderligen/ damit wir der- mal eins in solchem Kleid fuͤr Gott erscheinen/ und mit himmlischer Glori angezogen und uͤberkleidet werden moͤgen. Amen. Die Ein und Zwantzigste Predigt/ Von Dem Lob-Spruch der sůssen Wunder- Thaten/ die Christus im H. Abendmahl gestifftet. G Eliebte in Christo. Obwol die Opinion vom Schwanen-Gesang/ da von den alten Philosophen/ und sonderlich Aristotele l. 9. hist. animal. 12. allzu einfaͤltig geglaubet worden/ als pflege derselbe als ein Prophet/ seinem Tod mit einem Lied vorzuspielen/ daher der Poet sagt: Dulcia defecta modulatur carmine lingua Cantator Cygnus funeris ipse sui. Wann sein Tod merckt der weise Schwan/ Stim̃t er ein klaͤglich' Music an. H h h ij Obwol Die Ein und Zwantzigste Obwol/ sag ich/ dieselbe Meynung auff dem Grund der Warheit nicht be- stehet/ und nunmehr fuͤr eine Fabel und Gedicht gehalten wird/ davon auch Plinius lib. 10, 23. schreibet: Olorum morte flebilis narratur cantus, falsis, ut arbitror, aliquot experimentis. Man erzehlet/ daß die Schwa- nen fuͤr ihrem Tod ein klaͤglich Gesang pflegen anzustimmen/ wie ich aber darvor halte/ beruhet solche Relation auff ungegruͤndeten Gruͤnden. So haben doch die lieben Alten/ sonderlich ex hypothesi, sich damit erlustiget: die welt-weisen Philosophi zwar habens von den Gelehrten gedeutet/ welche je naͤher sie zu dem Tod kommen/ je lieblicher sie singen/ das ist/ je schoͤner/ je reiffer/ je heilsamer seind ihre meditationes, Gedancken und Consilia; wie dann solche carmina cygnea gewesen das Testament Ja- cobs. Gen. 49, 3. das Valet-Lied Mosis/ Deut. 32, 1. die letsten Wort Da- vids/ 2. Sam. 23, 1. seqq. der herꝛliche und freudige Spruch Simeons/ Luc. 2, 29. Wohin dann auch billig gehoͤret in der letsten Welt der Saͤchsische Schwan Lutherus, davon Johann Huß 100. Jahr zuvor propheceyet/ sprechend: Jetzt bratet ihr ein Ganß/ aber uͤber hundert Jahr wird ein Schwan kommen/ den werdet ihr nicht braten koͤnnen. Dieser letste Prophet hat der Welt das schoͤne Schwanen-Gesang des ewigen Evan- gelii gesungen: Massen solches auff dem weisen Berg/ das ist Witten- berg/ an der Elb/ beym weisen und weiten Berg/ erfuͤllet worden. Wie nun die Lehrer der Kirchen sich nicht gescheuet/ ex hypothesi, wanns wahr waͤre/ solch Schwanen-Gesang geistlicher weiß zu deuten/ wie ingleichem auch geschehen mit dem erdichteten Pelicanen/ dem Vogel Phoͤnix/ deren sich die alte Lehrer/ Athenagoras, Hieronymus, Cyrillus, Augustinus bedienet/ ein und anderes Geheimnuß darunter vorzubilden: Also moͤgen wir auch wol von dem jenigen hymno, den Christus unmit- telbar nach der Einsatzung des H. Abendmahls samt seinen Juͤngern gesungen/ sagen/ daß er gleichsam sein Schwanen-Gesang geweßt/ damit er sein Testament beschlossen/ und mit Freuden in den Tod gegangen. Gleichwie die drey Gesellen und Maͤnner Danielis auch mitten im feu- rigen Ofen gesungen: also ob Christus wol wußte/ daß allenthalben schon das Feur eingelegt/ und um ihn loh-hell brenne/ hat er doch dessen unge- acht mit Freuden gesungen/ wie dann das Wort den Verstand hat/ Act. 16, 26. Was aber das Thema gewesen/ und der Text/ ist die Vermuthung/ er habe gesungen nach Juͤdischem Gebrauch das grosse Halleluja/ davon der bekehrte Jud Paulus Brugensis bezeugt/ daß es gewesen der 111. biß auff den 118. Psalmen/ wie E. L. zu dieser Passions-Zeit vernommen. Darinnen sie sich sonderlich erinnert der Wunder GOttes/ Psalm. 111/4. Er Predigt. Er hat ein Gedaͤchtnuß gestifftet seiner Wunder/ der gnaͤdige und barmhertzige HErꝛ. Versteht sich zwar vom Oster-Lamm/ wir moͤgens aber gar wol deuten auff das Sacrament des Abendmahls/ da Gott justa funebria gestifftet/ frische Wunder zu erwecken/ da sich eine rechte σ δρομὴ admirandorum und Zusammenfliessung der herꝛlichsten Wunder erzeiget. Wann wir dann biß dato auch solche admiranda Eu- charistica in 20. Predigten durch Gottes Gnade betrachtet/ und angezei- get/ wie wir in bußfertiger/ glaubiger Gedaͤchtnuß und Reverentz dieselbe ansehen und betrachten sollen/ so wollen wir sie anjetzo in einen fasciculum zusammen fassen/ und also auch mit unserm Lob-Spruch der Lehre vom H. Abendmahl ein Ende machen/ zuvor aber eine kurtze Repetition an- stellen/ dessen was biß daher gehandelt worden. Jch stimme den Lob- Gesang an. E. L. gebuͤhret nachzusingen. Wir bitten abermal/ man wolle den Esel der Vernunfft unten am Berg stehen/ und durch die blin- den und lahmen Vernunffts-Goͤtzen sich nicht blenden lassen/ Fleisch und Blut ihre Phantasien verbieten/ mirando non rimando zu diesem my- sterio tretten/ so werden wir reichen Nutzen davon haben. Amen. G Eliebte in Christo. So bestehet demnach der gantze Panegyricus Eucharisticus und Lob-Gesang des H. Abend- mahls I. in Objecto hymni. II. Hymnodiâ \& laudatione ipsâ. Belangend das Erste. So lassen wir anfangs den Paͤbstlern ihre erdich- tete falsche admiranda, sonderlich das admirandum der transsubstantia- tion, und Brod-Verwandlung/ als welche ein pur lauteres Schul-Ge- dicht/ so in Go ttes Wort kein Fundament/ dann Krafft solcher transsub- stantiation soll es kom̃en seyn/ daß/ als Anno 1273. (wie Thomas Bozius berichtet) zu Aufidi in Piceno ein Weib die Oblat uͤber Kohlen gelegt/ dieselbe in Fleisch verwandelt worden seye/ und Blut habe von sich fliessen lassen/ darauff in ein Leinwad eingewickelt/ und unter den Mist begraben/ darunter es sieben Jahr lang gelegen/ und grosse Wunder gethan/ biß sie es endlich dem Priester gebeicht/ so alsobald von ihm auffgehaben/ und noch heutiges Tages gewiesen werden solle. Anderer kraͤfftigen Jrꝛthum und Zeichen des Anti Christs zu geschweigen: Wir wenden uns vielmehr zur Wiederholung der warhafften/ in Go ttes Wort und in der Einsatz- ung fundirten und gegruͤndeten Admiran den. Da dann das I. Θαυμαςὸν, Hospes \& idem cibus ipse. Der wunderbare Herr und Wirth. Wunderbar ist seine Gegenwart/ daß er da warhafftig am Tisch sichtbar gesessen/ mit seinem warhafften natuͤrlichen Leibe/ und doch H h h iij gleichwol Die Ein und Zwantzigste gleichwol unsichtbar seinen Leib und Blut zu essen und zu trincken/ und dasselbe vielen zugleich/ außgespendet/ daruͤber ein Capernait sagen mag/ σκληρὸς λόγος, das ist ein harte Rede/ wer kan sie hoͤren! Christus aber spricht im gegentheil πιςὸς λόγος, es seye ein theures werthes Wort/ das Fleisch ist nichts nutz. Hie stehet das Wort Christi/ Esset/ das ist mein Leib/ Trincket/ das ist mein Blut. Wir habens droben erklaͤret mit dem Exempel der Gegenwart Christi/ Matth. 8, 5. 13. Daß/ so der Herr mit seinem Leib dem Hauptmann ausser seinem Hauß/ und auch zugleich mit demselbigen in dem Hauß bey dem krancken Gichtbruͤchigen Knecht/ gegenwaͤrtig seyn koͤnnen/ so war es auch nicht unmuͤglich/ daß er dazu- mal in der Stifftung des H. Abendmahls/ mit seinem Leib sichtbarlich bey seinen Juͤngern am Tisch sitzen/ und unsichtbarer/ geheimer und ver- borgener/ Sacramentlicher weise/ in/ mit und unter dem gesegneten Brod und Wein gegenwaͤrtig seyn koͤnnen. Noch wunderbarer/ daß der Herr Wuͤrth und Speiß zugleich geweßt; gleichwie Er anderswo Joh. 10. der Hirt und doch die Thuͤr des Schaaf-Stalls/ der Wegweiser und der Weg/ der Herr des Tempels und doch der Eckstein/ der Hohepriester und das Opffer/ also auch allhie der Speisemeister und die Speiß selbst. Am allerwunderbarsten aber ist der fuͤrtringende Liebes-Zwang/ daß Er auß unvergleichlich grosser Liebe/ nicht nur sein Leib und Blut zur Ran- tzion/ sondern auch zur Speiß und Tranck und Auffenhalt/ nicht nur sei- nen Freunden/ sondern auch Feinden/ dem Judaͤ Jscharioth/ gegeben. Deren Exempel hat man wol/ daß gute Freunde fuͤr einander das Leben gelassen; aber Leib und Blut zur Speiß und Tranck geben/ das hat ihm niemand nachgethan. Ein Mutter thut viel/ wann sie ihr Kind saͤugt/ aber mit Blut und eigenem Fleisch die Consanguini taͤt bezeugen/ ist uͤber alles/ dafuͤr muͤssen Englische Zungen verstum̃en. Das heißt einem das Hertz im Leib schencken/ nicht ein todtes Hertz/ wie Henricus IV. sein Hertz den Jesuiten vermacht/ sondern sein lebendiges/ heiliges/ Goͤttliches Hertz/ das jenige Fleisch/ das Er in den Tod gegeben zum Versoͤhn-Opffer/ das Blut/ daß Er zur Rantzion fuͤr alle und jede Suͤnde vergossen. II. Θαυμαςὸν, Cibi divini mirabilitas, die ist nun nicht Cleopatræ Perlin/ die man auff viel Tonnen Goldgeschaͤtzet/ nicht Manna/ nicht das geroͤstete Brod/ krafft dessen Elias 40. Tag lang erhalten worden/ 1. Reg. 19, 8. sondern das rechte Himmel- und Engel-Brod/ cibus ἀϑανασίας und Speiß der Unsterblichkeit/ der Leib/ welcher der Tempel der Gottheit/ der Baum des Lebens/ das edelste Opffer/ theurste Loͤß-Geld/ koͤstlichste Artz- ney/ Gnaden-Thron/ Schatz und Himmels-Pfand. Corpus quod An- geli Predigt. geli videntes horrescunt, neque audent intueri propter eminentem inde splendorem. Chrysost. Hom. 60. ad popul. Antiochen. Der Leib dafuͤr die Engel erzittern/ wann sie ihn anschauen/ wegen des herꝛlichen Glantzes/ so an Jhme herfuͤr leuchtet. Und zwar der Leib/ so ohne Blut nicht bestehet/ doch ohne Blut außgespendet wird/ das ist ja Wunder. ῶρον βασιλικὸν, ein rechtes Koͤnigliches Geschenck/ πανδορῶν, darinnen alle andere Gaben mit begriffen/ das verborgene Manna/ Apoc 2, 7. So dann zum Tranck das Blut/ nicht bloß Men- schen-Blut/ das irgends auch zur leiblichen Gesundheit hilfft/ wie die Exempel der Epilepticorum bezeugen/ sondern das heilige Blut/ un- schuldig Hohenpriesterliche Maͤrtyrer-Blut/ Goͤttlich Blut/ und zwar abermal Blut ohne Leib/ ja das Blut/ das vergossen worden/ und auff die Erde gefallen/ sanguis ἄφϑαρτος, theures und unverweßliches Blut. 1. Petr. 1, 18. 19. Hebr. 9, 11. 24. seqq. III. Θαυμαϛὸν, præsentiæ \& communicationis sacramentalis ad- mirandum, daß nemlich Christi Leib und Blut warhafftig/ wesentlich/ vid. Salve Reform. p. 334. seq. gegenwaͤrtig/ in/ mit und unter dem gesegneten Brod und Wein außge- spendet und mitgetheilet werden. Dann daß dem also/ bezeugen die Wort der Einsatzung/ das ist mein Leib/ welche keinen andern/ als beruͤhrten und angezogenen Verstand leiden. Wie wann St. Petrus in seiner Heroischen Pfingst-Predigt spricht: Christus JEsus zur Rechten Gottes erhaben hat außgegossen diß/ was ihr sehet und hoͤret/ Act. 2, 33. Niemand kein andern concept fassen kan/ als diesen/ unter/ mit/ und in diesen feurigen Zungen ist der H. Geist warhafftig zugegen. Johannes/ der mit und darbey geweßt/ verstehts nicht anders/ er schreibt/ Drey seind die da zeugen auff Erden/ der Geist/ und das Wasser/ und das Blut/ und die drey seind beysammen. 1. Joh. 5, 8. Das Blut/ sagt er/ zeuget/ wann zeuget es? warhafftig im Sacrament/ als einem Goͤttlichen Sigel. Wo? auff Erden: Nicht/ sagt er/ droben im Himmel/ setzt den Zeugen auff Erden dem Zeugen im Him̃elentge- gen. St. Paulus schleußt kraͤfftig auß dem buchstaͤblichen Verstand der Stifftungs-Wort eine solche Conclusion, dergleichen die Calvinische Figur und Wort-Blum keine von sich gebaͤhren kan/ daß das Brod seye eine Gemeinschafft des Leibs Christi/ der gesegnete Kelch eine Gemeinschafft des Bluts Christi. 1. Cor. 10, 16. heißts κοινωνία, so ists keine ἀϖουσία. Jsts eine Gemeinschafft/ so ists eine Vereinigung/ und nicht eine Abwesung. Demnach ists keine blose geistliche Glaubens- Gegenwart; Dann sonst wuͤrde Christus auch den Vaͤtern im Alten Testament Die Ein und Zwantzigste Testament gegenwaͤrtig gewesen seyn. Jst auch kein raͤumliche und na- tuͤrliche/ sondern eine Sacramentliche Gegenwart und Gemeinschafft/ die man zwar etlicher massen mit Gleichnussen illustri ren/ aber in dieser Schwachheit nimmermehr verstehen kan: wie nemlich der H. Geist in der Taubens-Gestalt/ unter dem Anhauchen/ den feurigen Zungen/ und dem Tauff-Wasser gegenwaͤrtig gewesen ist/ so ist Christus mit seinem Leib und Blut/ in/ mit und unter den gesegneten Symbolis und sichtba- ren Zeichen des Brods und Weins gegenwaͤrtig. Jst abermal ein Wunder/ daruͤber menschlicher Verstand verzuckt wird/ und wir uns entsetzen und gleichsam verstummen muͤssen. IV. Θαυμαϛὸν, ist manducatio \& bibitio. Alles Essen/ so uns in H. Schrifft sonst geoffenbahret worden/ ist entweder ein figuͤrliches/ verbluͤmtes/ geistliches Essen/ und hat fuͤr sich zur Speise den gantzen Christum/ geschicht mit dem Mund des Glaubens auch ausser Brod und Wein: ist die ordinari/ taͤgliche/ auch im Alten Testament uͤbliche/ einig nothwendige/ unablaͤßliche/ unmißbraͤuchliche/ ja stuͤnd- und augen- blickliche Seelen-Speiß/ da sich das glaubige Hertz mit seinem Heyland Christo inniglich vereinbaret/ denselben ergreiffet/ hertzet und kuͤsset/ schmaͤcket und kaͤuet durch andaͤchtiges Nachdencken/ und in denselben sich selbs verwandelt/ von demselben schoͤpffet Heyl/ Leben und Seligkeit; oder ein warhafftes/ eigentliches/ unverbluͤmtes Essen/ so da geschicht mit dem leiblichen Mund/ und dieses auff zweyerley weiß/ entweder natuͤrlicher weiß durch muͤndliches annehmen/ kosten und schmaͤcken der Speiß/ dero nicht allezeit und nothwendig/ sondern gemeiniglich zufaͤllet die Zerbeissung/ Kaͤuung/ Daͤuung/ Verkochung und Außwerffung der unreinen Materi; oder es geschicht/ œconomicè, uͤbernutuͤrlicher/ ausserordentlicher weise/ entweders ausser einem Sacrament/ wohin ge- hoͤret das warhafftige/ eigentliche/ wiewol nicht natuͤrliche Essen und Trincken der heiligen Engel/ welche von Abraham gastiret worden/ so dann das Essen und Trincken Christi nach seiner Aufferstehung/ Luc. 24, 43. Act. 1, 17. War zwar ein warhafftes Essen/ als darauß Christus die Warheit seines Leibs und geschehener Aufferstehung bestaͤttiget/ aber gleichwol kein natuͤrliches Essen/ massen solches in und bey einem ver- klaͤrten Leibe kein statt und platz hat; oder im Sacrament/ in typo, Fuͤrbild- und Schatten-weise/ welcher massen im alten Sacrament das Oster-Lamm von den glaubigen Jsraeliten/ am Osterlamms-Fleisch das Fleisch des kuͤnfftigen Messiaͤ/ durch den Mund des Glaubens ge- gessen worden. Dieses Sacramentliche Essen aber ist kein natuͤrliches Mund- Predigt. Mund-Essen/ oder Mund-natuͤrliches Essen/ verdauen/ verbeissen/ ver- kaͤuen/ aber auch nicht ein bloses geistliches Essen/ das allein im Glauben geschicht/ sondern ein neues Essen/ ein augenblickliches Essen/ ein Stuck- Essen/ ein gemein Essen/ so wol den Wuͤrdigen als den Unwuͤrdigen/ ein unverbluͤmtes/ warhafftiges/ aber zugleich Geheimnuß-reiches Essen/ kan abermal in diesem Leben nicht vollkom̃lich verstanden/ wiewol illu- str irt werden mit dem Exempel Jobs/ der sagt: Jch werde mit mei- nen Augen GOtt schauen. c. 19, 27. verstehe mit den Augen des Leibs/ doch nicht leiblicher weise/ mit dem Essen der Engel/ und Christi nach seiner Aufferstehung. V. Θαυμαϛὸν, Virtutis \& effica ciæ mirabilitas. So der todte Leichnam Elisaͤi einen Verstorbenen lebendig gemacht/ so Antoninus von getrunckener Christen-Milch geschlacht/ De quo Tertull. ad Scap. Eum lacte Christiano fuisse educatum, \& inde mites hausisse mores, si quando feris objectos vidit Christianos, flevit, \& oculos avertit. und jener Wolff/ der Schaafs-Milch getruncken/ zahm worden/ wieviel groͤssere Krafft wird dieser Leib und dieses Blut haben/ nicht allein zu be- deuten sondern auch zu versiegeln/ zu versiegeln die Gutthaten/ die uns Christus erworben/ zuvorderst den Schluͤssel zu GOttes Schatz-Kam- mer/ die ἀμνηϛείαν und Vergebung der Suͤnden/ wo wir nur mit demuͤ- thiger/ bußfertiger und glaubiger Gedaͤchtnuß und Passions-Ubung ih- me begegnen/ wie Petrus/ der/ als er an das Wort JEsu gedacht/ bitter- lich geweinet/ dem Raͤtzel vom todten Loͤwen nachdencken/ damit wir das Feyer-Kleid der Gerechtigkeit erlangen/ und als gewuͤrdigte und gehei- ligte Gaͤste erscheinen moͤgen. II. Laudatio \& hymnodia, der Lob-Gesang an sich selbst/ welches auch allhie die praxis, bestehet 1. in agnitione \& meditatione, in forschen und gruͤbeln. Jn dem/ was uns Gott nicht geoffenbaret/ sollen wir bil- lig unsern Fuͤrwitz sparen/ was er aber uns kund gethan/ da sollen wir begierig seyn zu lernen/ und die Außlegung zu wissen. Christus selbs lobts an seinen Zuhoͤrern/ Matth. 13. 11. Euch ists gegeben/ daß ihr das Geheimnuß des Himmelreichs vernehmet/ denn wer da hat/ dem wird gegeben/ daß er die Fuͤlle habe. 2. Evangelizatio- ne, wann die Kinder fragen/ Man hu? was ist das? sollen wir ihnen antworten/ daß ist das Gedaͤchtnuß der Wunder GOttes/ hie gilt das Wort des Engels/ Tob. 12, 8. Der Koͤnige und Fuͤrsten Rath und Heimlichkeit soll man verschweigen/ aber GOttes Werck soll Neunter Theil. J i i man Die Ein und Zwantzigste man herꝛlich preisen und offenbaren. Ursach/ jene stehen allezeit in zweiffelhafftigem Event, diese aber fehlen nimmermehr. Bey andern Mahlzeiten heißts/ μισῶ μνήμονα συμπότην, ein Gast der alles gar genau in das Gedaͤchtnuß schreibt/ ist verhaßt. Ursach/ es gehet viel Unver- nunfft fuͤr. Hier aber je schaͤrfferes Gedaͤchtnuß/ je groͤssere Lieb/ dann es ist alles herꝛlich/ loͤblich und weißlich angeordnet. 3. Gratiarum actio- ne, daher hat auch das H. Abendmahl den Nahmen gewonnen/ daß es Eucharistia, oder Dancksagung titulirt worden. Welche Dancksagung sich dann erzeigen soll Corde, durch heilsame gute Gedancken; auff diese und dergleichen Art und Weise: HErꝛ JEsu wohne du in mir/ hiermit uͤbergib ich dir die Schluͤssel zum Thor meines Hertzens/ wie einem Un- terthanen gebuͤhret/ brauche mich zum Gefaͤß deiner Ehre/ wohne da/ be- wahre es/ sey du der Koͤnig in dieser Stadt/ Gott in diesem Tempel/ Priester in diesem Altar/ Prophet auff dieser Cantzel/ bistu der Braͤuti- gam/ laß mein Hertz deine Braut-Kammer seyn/ damit ich dich kuͤsse/ und mich niemand hoͤhne/ biß du dermal eins die Decke hinweg thun wirst/ und mich geniessen lassen/ was hie im Glauben/ dort im Schauen/ was hie im Sacrament/ dort im Complement/ was hie in der Zeit/ dort in Ewigkeit. Opere, also daß wir die Gegenwart Christi auß dem Tempel des Hertzens leuchten lassen/ die abgoͤttische/ heydnische Tempel vor Zeiten hatten eine eingebildete Majestaͤt/ und schreibet Lipsius von dem Tempel zu Loreto, daß ihn ein Schroͤcken ankom̃en vor der Majestaͤt des Orts. Wie vielmehr soll ein Christ/ ein lebendiger Tempel/ ein χριϛόφορος von sich leuchten lassen Christi Freundlichkeit/ Demuth/ Liebe/ ꝛc. sonderlich die Gedult/ daß er sich zum Creutz gefaßt mache. So bald der Herr den Lob-Gesang gesprochen/ so gehet die Passion an: Also nach dem Sa- cramentlichen Kelch folget der Creutz-Kelch; Massen fromme Christen niemals mehr Anstoͤß/ Anfechtungen/ und scandala haben/ als wann sie zum Tisch des Herrn gehen/ ist alles des Teuffels Werck/ man ruͤste sich dazu. Verbis, mit dem Seraphischen Lob-Gesang/ Esa. 6, 3. Heilig/ Heilig/ Heilig ist der HErꝛ Zebaoth/ alle Lande seind seiner Ehren voll/ dem Gloria in Excelsis, der himmlischen Heerschaaren/ Luc. 2, 14. Ehre sey GOtt in der Hoͤhe/ Friede auff Erden/ und den Menschen ein Wolgefallen. Dem Verwunderungs-Wort Pauli/ Rom. 11, 33. O welche eine Tieffe des Reichthums/ beyde der Weißheit und Erkantnuß GOttes/ wie gar unbegreiff- lich sind seine Gerichte/ und unerforschlich seine Wege/ wer hat des HErꝛn Sinn erkant? Mit dem Lob-Spruch Davids/ Psalm. Predigt. Psalm. 103. 1. seq. Lobe den HErꝛn meine Seele/ und was in mir ist/ seinen heiligen Namen/ Lobe den HErꝛn meine Seele/ und vergiß nicht/ was Er dir Gutes gethan/ der dir alle deine Suͤnde vergibt/ und heilet alle deine Gebrechen/ der dein Le- ben vom Verderben erloͤset/ der dich kroͤnet mit Gnad und Barmhertzigkeit/ der deinen Mund froͤlich macht/ daß du wi- der jung wirst/ wie ein Adler Psal. 111. Jch dancke dem HErꝛn von gantzem Hertzen/ im Rath der Frommen/ und in der Ge- meine. Groß sind die Wercke des HErꝛn/ wer ihr achtet/ der hat eitel Lust daran. Was Er ordnet/ das ist loͤblich und herꝛlich/ und seine Gerechtigkeit bleibet ewiglich. Er hat ein Gedaͤchtnuß gestifftet seiner Wunder/ der gnaͤdige und barm- hertzige HErꝛ . Und Ps. 118. Dancket dem HErꝛn/ dann Er ist freundlich und seine Guͤte waͤret ewiglich. Es sage nun Jsrael/ seine Guͤte waͤhret ewiglich. Man singet mit Freu- den vom Sieg in den Huͤtten der Gerechten/ die Rechte des HErꝛn ist erhoͤhet/ die Rechte des HErꝛn behaͤlt den Sieg. Der Stein/ den die Bauleute verworffen/ ist zum Eckstein worden/ das ist vom HErꝛn geschehen/ und ist ein Wunder fuͤr unsern Augen. Diß ist der Tag den der HErꝛ macht/ Laßt uns freuen und froͤlich darinnen seyn. O HErꝛ hilff/ O HErꝛ laß wol gelingen! Mit welchen Worten wir auch diese Predigt beschliessen. O Herr hilff/ O Herr laß wol gelingen! Dir sey Danck fuͤr alle gute Gedancken/ Gedeyen und Erbauung. Hie ligt die Cron fuͤr deinem Thron. Nicht uns/ sondern deinem Nahmen gib die Ehr. O Herr hilff/ daß dadurch die Unwissende erleuchtet/ die Jrrende bekehret/ das Hertz erneuert/ die Affecten gereiniget/ die Seele getroͤstet werde/ und unser gantzes Leben zu deinem Lob und Preiß/ und Besserung unsers Naͤchsten diene/ biß wir gar heilig und selig werden/ und auß der Zeit in die Ewigkeit/ vom Spiegel-Glauben ins helle schauen/ vom Sacrament ins Complement versetzt/ ewig leben/ und am himmlischen Tisch volle Genuͤge haben und geniessen moͤgen. Amen. J i i ij Anhang Die Erste Anhang Sieben unterschiedlicher Predigten uͤber Das schoͤne und Lehr-reiche Gespraͤch/ so Christus und Martha mit einander gehalten/ beschrieben Luc. Cap. X. vers. 38. seqq. Es begab sich aber/ da sie wandelten/ gieng Er in einen Marckt/ da war ein Weib/ mit Namen Martha/ die nam Jhn auff in ihr Hauß/ und sie hatte eine Schwester/ die hieß Maria/ die satzte sich zu JEsu Fůssen/ und hoͤret seiner Rede zu. Martha aber macht ihr viel zu schaf- fen/ ihm zu dienen. Und sie trat hinzu/ und sprach: Herr/ fragstu nicht darnach/ daß mich meine Schwester laͤßt allein dienen? Sage ihr doch/ daß sie es auch angreiffe. JEsus aber antwoꝛtet und sprach zu ihr: Martha/ Martha/ du hast viel Sorge und Muͤhe. Eines aber ist noth: Maria hat das gute Theil erwehlet/ das soll nicht von ihr genommen werden. Die Predigt. Die Erste Predigt/ Von Martha/ als der Verklaͤgerin ihrer Schwester Mariaͤ. G Eliebte in Christo. Bekannt und offt widerholt ist das judicium und glorwuͤrdige Gericht/ in welchem Salomon der weiseste Koͤnig ein Prob unvergleichlich grosser Weißheit edi rt und abgelegt/ beschrieben 1. Reg. 3, 16. \&c. so da vorgegangen zwischen zwey Weibern/ die in der Hebraͤischen Sprach heissen naschim zonoth, das ist/ in weiterm Verstand Dienst-Weiber/ gedingte Weiber/ die um gewis- sen Lohn allerhand so ehrliche/ so unehrliche Dienst gethan/ und sich zu al- lerhand Geschaͤfften und Wercken brauchen lassen/ wie die Wuͤrthin/ Gastgeberin/ Naͤherin/ Waͤscherin/ und dergleichen zu thun pflegen. Lu- therus hats gedolmetschet zwo Huren/ nicht eben in rigore literæ, als waͤ- ren es offentliche Schandpoͤcken und prostibula geweßt/ die sich zur Un- zucht gebrauchen lassen; Sintemal unter der Regierung und Disciplin Davids und Salomons/ offentliche Schand- und Land-Huren/ nach dem Mosaischen Gesetz/ Deut. 23, 17. Es soll kein Hure seyn unter den Toͤchtern Jsrael/ kein Raum im Land/ weniger einen freyen unge- scheuten Paß und Zutritt fuͤr den Koͤnig und Richter des Lands hatten. Vermuthlich ist die eine/ die Klaͤgerin eine ehrliche/ tugendsame/ keusche Matron geweßt/ fuͤr die andere die beklagte wird niemand wollen schwoͤ- ren/ als die ihre Untugend mit ihren frechen/ leichtfertigen Worten selbs Juxta Re- gulã Theo- log. in Scri- ptura Sac. quædam δοξαϛικῶς dicuntur, Idola Elo- him, Sophi magi, Hie- rusalem ci- vitas san- cta, ita \& meretri- ces, verrathen/ und gnugsam an den Tag gegeben/ was Haar sie sey: sondern οξαϛικῶς, dieweil gemeiniglich solche Leute/ wiewol nicht offentliche doch heimliche Buͤberey und Schand getrieben/ unter denen auch wol etliche fromme/ keusche und unschuldige gewesen seind. Zwischen diesen zweyen Weibern entstund eine controversia und Zanck-Sach von dem Mutter- Recht und Mutter-Lieb: Dann nachdem beyde Muͤtter in einem Zim- mer und Bett beysammen gelegen/ und aber eine die Beklagte ihr eigen Kind ertruckt/ der Klaͤgerin ihr lebendiges Kind gestohlen/ und hingegen das todte Kind ihr an die Arm gelegt/ sie aber das lebendige Kind an ihre Arm genommen/ und also die Kinder außgetauscht; Da entstund ein Zanck unter ihnen/ welches die rechte Mutter/ die Wort waren einerley/ J i i iij diese Die Erste diese sagte/ das lebendige Kind ist mein/ ich liebe es/ als eine Mutter ihr Kind/ jene sagte eben auch die Wort. Das kam Salomon als ein Raͤtzel fuͤr/ er solle richten und schlichten/ einen gerechten Außspruch thun/ und anzeigen/ welches die rechte Mutter waͤre: er bedencket und erweget die Sach wol/ laßt ihm ein Schwerdt bringen/ heißt das leben- dige Kind in zwey Stuck zerhauen/ und einer jeden die Helffte davon ge- ben. Worauff als er das Mutter-Hertz getroffen/ daß es entbrandt/ und dem Kind um sein Leben gebeten/ hat er den Außspruch gethan pro accusatrice, die Klaͤgerin sey die rechte Mutter/ die ϛοργὴ und Mutter- Hertz/ so nicht liegen kan/ habe es gnugsam entdeckt. Hie/ meine Liebsten/ in abgelesener außbund schoͤnen Evangelischen Histori und Geschicht/ ist und erscheinet einer/ der mehr ist als Salomon/ ein Koͤnig uͤber alle Koͤnig groß/ begabet mit nicht bloß erschaffener/ end- licher und gemessener Weißheit/ sondern der nach der Gottheit/ die ewige/ unendliche/ unermeßliche Weißheit selbs/ dessen menschliche Natur ga- zophylacium sapientiæ, ein rechte Schatz-Kammer/ darin alle Schaͤtz der Weißheit verborgen liegen/ ein Tempel/ darin die Fuͤlle der Gottheit leibhafftig wohnet. Hie ist ein mehreres an den Parteyen/ die vor dem Sohn GOttes erschienen/ keine Huren/ oder der Unzucht halben ver- daͤchtige/ sondern zwo ehrliche/ unberuffene/ edele/ Christ-ergebene Weibs- Personen/ Lazari/ des reichen Land-Junckern zu Bethania/ Schwestern/ Martha und Maria/ ohne zweiffel reich/ nahrhafft/ von guten Mitteln/ als welche vermocht mehrmalen Christum mit seinem gantzen Comitat bewuͤrten/ und ehrlich zu gastiren. Wer sie aber von Stand geweßt/ obs ledige Jungfern/ ob verheurathete Weiber/ oder traurige Witt- frauen/ das hat St. Lucas verborgen/ ist uns auch zu wissen so hoch nicht noͤthig. Hie ist mehr gelegen an der controversia, betreffend den besten An- und Erbtheil im Himmelreich/ in himmlischen Guͤtern/ welcher unter diesen zwo Personen der beste Theil an dem lebendigen Schooß- Kind JEsu und seinem Himmelreich gebuͤhre und zukomme. Hie ist ein mehrguͤltiges und kraͤfftigers Schwerdt/ nemlich das Schwerdt des Worts GOttes/ davon St. Paulus ruͤhmet/ Hebr. 4, 12. Das Wort GOttes ist lebendig und kraͤfftig/ und schaͤrffer dann ein zwey- schneidig Schwerdt/ und durchdringet/ biß daß es scheidet Seele und Geist/ auch Marck und Bein/ und ist ein Richter der Gedancken und Sinnen des Hertzens/ und ist kein Crea- tur fuͤr ihm unsichtbar/ es ist aber alles bloß und entdeckt fuͤr sei- nen Augen. Jst Predigt. Jst das jenige Judicium und Gericht/ welches wir dißmal und ins kuͤnfftige zu tracti ren im Nahmen GOttes fuͤrgenommen/ welches nem- lich das Unum necessarium, der Außschuß/ Kern/ Marck und edelste Safft der gantzen heiligen Schrifft/ so viel uns darauß recht zu glauben/ Christlich zu leben/ und selig zu sterben/ zu wissen/ zu lernen und zu ge- niessen vonnoͤthen. Dißmal wollen wir still stehen bey der lieben Martha/ Klaͤgerin/ und derselben Person/ Qualitaͤt/ und wie sie uns von St. Luca abgemahlet worden/ an den Tag legen. Damit aber durch diese zu fol- genden Predigten eine gute præparation gemacht werde/ wolle der Geber alles Guten die edelste Gabe den Heiligen Geist von oben herab reichlich senden und mittheilen. Amen. G Eliebte in Christo. So erscheinet nun anfangs fuͤr un- sern Gemuͤths-Augen die liebe Martha in der positur und Figur/ in welcher sie St. Lucas beschrieben/ abgemahlt und fuͤrgeschrieben hat. I. Tanquam mulier gratiosa, ein begnadetes/ liebes und werthes Weib/ welche der grosse Welt-Heyland und Jungfrauen Sohn/ der See- len-Braͤutigam/ JEsus von Nazareth/ in hoͤchsten/ keuschesten und hei- ligsten Ehren inniglich geliebet/ und solchen seinen Affect undunckel ans Liecht gelegt/ in widerholtem Anspruch und Benamsung ihres Namens Martha/ welche gemeiniglich eine sonderbare Affection und Liebe/ so einer wahren als falschen Liebe in H. Schrifft bedeutet/ e. g. Matth. 7, 21. He rꝛ/ He rꝛ. Marc. 13, 36. 45. Rabbi, Rabbi, Rom. 8, 15. Gal. 4, 6. Abba ὁ πατὴρ, Ach Vater/ lieber Vater. Also auch Martha/ liebe Martha. Was war das Philtrum? was schoͤnes hat der liebe Herr an dieser edeln Martha ersehen/ das ihm so wol gefallen/ daß sie Gnade funden fuͤr seinen Augen? Christus antwortet Cant. 4, 9. Du hast mir/ sagt der Herr/ der See- len-Braͤutigam/ das Hertz genommen/ meine Schwester/ liebe Braut/ mit deiner Augen einem/ und mit deiner Halß-Ketten eine. Des Herrn Augen sehen nach dem Glauben/ der Glaub war das Aug/ wiewol bloͤd/ schwach/ und Pippelaͤugig gnug/ doch in Gnaden an- genommen/ Ursach/ es war dannoch oculus vivus, kein todter Glaub/ son- dern ein lebendiger/ fruchtbarer Glaub/ durch die ungesaͤrbte Liebe thaͤtig/ der wohnete in ihrem Hertzen/ und that sich hell und klar herfuͤr/ εν ὑϖο- δείξει, in der bereitwilligen Auffnam in ihr Hauß/ in mildreicher διακονίᾳ, Bewuͤrthung und Darreichung Speiß und Trancks/ damit sie Christum und seine Juͤnger versorget/ und dasselbe zur Zeit/ da Er mit seinen Juͤn- gern gewandelt hinauff gen Jerusalem/ als das Lamm zur Schlacht- Banck Die Erste Banck/ nach dem kurtz zuvor alle seine Anhaͤnger excommunic irt und in Bann gethan worden. Joh. 9, 22. da man schon die Mord-Glock uͤber ihn gegossen/ und der Befehl erschollen/ man solle Jhn greiffen/ und gefaͤng- lich lieffern/ Joh. 7, 32. nachdem man Jhn als einen Gottslaͤsterer steini- gen wollen/ Joh. 8, 59. c. 10, 32. und also tempore periculo sissimo, zu der Zeit/ da es am gefaͤhrlichsten drein gesehen/ loco periculosissimo, an dem Ort und Marckt Bethanien/ 15. Feld Wegs/ nur eine halbe Meil von der Stadt/ Joh. 11, 18. da man Jhn gar bald außspaͤen koͤnnen/ insonderheit weil Er ohne Scheu bey Tag daselbs eingekehrt/ und nicht bey der Nacht daher geschlichen. Jn solcher Zeit/ an solchem Ort/ bey so gethanen Um- staͤnden erzeiget Jhm Martha die Liebthaten/ mit Dar- und Hindansetzung ihrer Ehr/ ja wol Leibs und Lebens. Hic fructus fidei, das war die schoͤ- ne und edele Frucht/ so von dem guten fruchtbarn Baum dem wahren Glauben gezeuget. Dann so Abraham fuͤr einen grossen Glaubens- Helden erklaͤret worden/ weil er die Engel Go ttes/ ja den Engel-Koͤnig/ den ewigen Sohn GOttes beherberget und gastirt. Gen. 18, 3. Hebr. 13, 2. So der Glaub Rahab dermassen geruͤhmet wird/ daß sie in catalogum Sanctorum, in die Zahl der Heiligen kommen/ weil sie die Kundschaffter beherberget/ so wird ja freylich unserer lieben Martha der einwohnende Glaub nicht abzusprechen seyn. Und ist sich daher desto weniger zu ver- wundern/ daß sie gewesen gratiosa in oculis Domini, daß sie Gnade fun- den fuͤr den Augen des Herrn. II. Mulier Negociosa \& curiosa nimis, ein allzugeschaͤfftiges und sorgfaͤltiges Weib. Ruͤhmlich war an ihr die Haͤußlichkeit/ Emsigkeit/ Arbeit und Sorgfaͤltigkeit; (massen Arbeitsamkeit ein schoͤner Ornat und Zierde eines tugendsamen Weibes/ der Geist Go ttes hat ein solches durch Salomon hoͤchlich gelobt/ Prov. 31, 14. Er vergleicht es einem Kauffmañs Schiff/ das seine Nahrung von ferne bringt/ conf. Syr. 26, 1. seqq. Tit. 2, 5. 1. Tim. 5, 14.) Sie hat grosse Sorg und Muͤhe gehabt/ einen solchen wer- then Gast wol und saͤuberlich zu empfangen/ sie hat zugesehen/ daß das Lo- sament wol und sauber auffgeraumt/ aller Unrath und Unflat außge- fegt/ die Tafel recht gedeckt/ die Pfulwen und Bett-Kuͤssen wol gelegt/ die muͤde Fuͤß sauber gewaschen/ und abgetruͤcknet nach Orientalischem Ge- brauch und Sitt/ daß alle Speiß und Tranck wol gekocht/ und zugericht wuͤrde/ das alles/ sage ich/ war in substantia rei wol gethan/ und nicht zu tadeln: aber an diesem schoͤnen Tugend-Rock hiengen unterschiedliche Kletten/ Zecken und Flecken menschlicher ja Weibischer Schwachheit. Das Nimis, allzuviel Sorg und Muͤhe/ so sie ihr zu schaffen gemacht: Die Predigt. Die ακαιρία und Intempestivi taͤt/ daß sie es zur Unzeit gethan/ nemlich/ da sie GOttes Wort haͤtte hoͤren sollen: die μέριμνα, und fladernde/ uͤberentzige Bauch-Sorg/ περισπασμὸς, die Zerstreuung der vielerley Ge- dancken/ und darauff erfolgende τυρ ασία, tumultuatio, Ermuͤdung/ das herum/ hin und her/ auff- und ablauffen/ daß sie offt nicht gewußt/ wo sie anfangen/ enden und wehren soll: die πίϛασις, daß sie stehend fuͤr den Herrn getretten/ nicht wie Maria in devotion gesessen/ und uͤber das Dieselbigen in ihrer devotion und Andacht turb irt/ und allda aufrecht ge- standen/ tanquam canis ex Nilo bibens, sie hat hurtig ein Maul voll von der Predigt gefaßt/ und damit auff und darvon geloffen. Summa/ die ἀυτάρκεια, eine muͤssige/ faule Gnuͤge/ indem sie sich duncken lassen/ sie habe vorhin schon gnug Glaubens und Liechts/ sie bedoͤrffe keines fernern Wachsthums/ ἀσφαλείας, assecuration, und Verwahrung mehr: Sie hatte fuͤr alles Sorg und Muͤh/ außgenommen das/ was einig noͤthig ge- weßt. Gleich unserer ersten Mutter Evaͤ/ die einen gantzen Garten voll Fruͤchten gehabt/ und den eintzigen Baum des Lebens nicht geachtet: gleich einem der den Tisch mit allerhand Fercul en und Trachten wol be- rathen/ und da man sitzen wil/ noch kein Brod auff dem Tisch gelegt: gleich jenem Muͤller/ der eine Muͤhl gebauen/ und da sie auffrecht gestan- den/ kein Wasser bey der Hand gehabt: gleich jenem Studenten/ der bey einem Handwercks-Mann um ein Stuͤck Brod gebettelt/ und fuͤrgege- ben/ er seye septem artium magister, aber hoͤren muͤssen/ kanstu sieben Kuͤn- ste/ und kanst die Brod-Kunst nicht/ bistu wol ein Thor und Phantast. III. Mulier litigiosa, rixosa, zelosa, imperiosa. Aerger waren die folgende Fehler/ eines bissigen/ zaͤnckischen/ eiferenden/ meisterlosen Wei- bes/ indem sie nicht allein ihrer Schwester fuͤr das Angesicht gestanden/ und sie einer Nachlaͤssigkeit und Faulheit bezuͤchtiget und angeklagt/ quasi re benè gestâ, sondern auch sich nicht entbloͤdet/ dem HErꝛn JEsu selbs unter die Augen zu tretten/ und die Schwester ohne Stirn und Scheu zu verklagen/ ja gar den Herrn zu censi ren und syndici ren: was sagt sie/ HErꝛ/ fragstu nichts darnach/ ου᾽ μέλει σοι; Hastu nicht Sorg/ lassestu dir es nicht angelegen seyn/ ô du unachtsamer sorgloser Mann/ fragstu nicht darnach/ daß mich meine Schwester laßt allein dienen/ und da sitzt/ die Haͤnde in den Gehren legt/ und mir allen Last al- lein auff dem Hals liegen laßt; sags ihr doch/ daß sie es auch an- greiffe/ und die Hauß-Buͤrde helffe erheben/ satis pro imperio, so mußte der Herr die Censur uͤber sich ergehen lassen. War wol ein meisterloser Frevel! darum auch der Gerechte auffs freundlichste sie geschlagen/ und Neunter Theil. K k k Balsam Die Erste Balsam auff ihr Haupt geschuͤttet/ und ihr ihr Unrecht gar saͤuberlich/ artig/ doch empfindlich verwiesen/ weil er gesehen/ daß es nicht auß boß- hafftigem Vorsatz und Ehrgeitz geschehen/ sondern auß Schwachheit und auß gutem Vertrauen der bißher gepflogenen Kundschafft. Anders als Absalom/ der seinen Vater/ aber auß Ehrgeitziger Regiersucht/ auch verklagt/ 2. Sam. 15, 1. seqq. als thue er sein Koͤniglich Ampt nicht/ sitze immer uͤber der Bibel/ tichte Lieder/ spiele in seiner Hoff-Capell auff dem Psalter/ darum koͤnne niemand einige Audientz bey ihme haben. Das war Boßheit/ hie aber Schwachheit/ darum der Herr gar saͤuberlich mit ihr/ als einem schwachen Werckzeug umgegangen/ ihr ihre Fehler nach einander auff das Brod gestrichen/ ihr Hertz gewonnen/ und Schamroth gemacht/ darauff sie worden IV. Mulier obsequiosa, ein gehorsames Weib/ keine uͤppige Dru- silla/ die St. Paulo bald den Rucken gekehrt/ und Urlaub gegeben/ weni- ger eine trutzige/ stoltze Jesabel/ oder Herodias/ die es nicht leiden koͤnnen/ wann man ihr den Eysen geruͤhrt/ sondern darwider gewuͤtet und geraset/ und der Warheit den Tod gedraͤuet: So war Martha nicht geartet/ sie sagte nicht/ was geht den Propheten von Nazareth meine Muͤhe und Ar- beit an/ was darff er mir filtzen; er mag mir wol ein unhoͤfflicher grober socius und Gast seyn/ der mich in meinem Hauß wil reformiren/ wil er die Gutthat nicht annemmen/ so mag er hin lauffen/ wo er her kommen; sondern sie war obsequiosa, die sich lassen mit Schamroth anstreichen/ und nachdem sie sich fuͤr den rechten Spiegel gestellt/ ihre Fehler corrigirt. Ohne allen Zweiffel ist sie alsobald neben ihre Schwester gesessen/ der Predigt fleissig zugehoͤret/ nicht weniger als ihre Schwester/ und ihr her- nach kramen und wiederholen lassen/ was sie versaumt/ wiewol der Evan- gelist Lucas solches expreßè nicht meldet/ doch hat er es uns ad ὑϖόνοιαν hinderlassen/ waͤre es anders/ wuͤrde sie nach diesem nicht so hell und klar ihren hochgewachsenen und heroischen Glauben haben koͤnnen leuchten lassen/ in der herꝛlichen/ uͤber auß schoͤnen und heroischen Glaubens-Con- fession/ welche sie herauß gegeben/ da ihr Bruder kranck worden/ ja gar ge- storben: Dann als der Herr gleichsam den Catechismum repetirt/ und gefragt: Glaubstu das/ daß Jch bin die Aufferstehung und das Le- ben/ und wer an mich glaubet/ der werde leben/ ob er gleich stuͤr- be/ und wer da lebet/ und glaubet an mich/ der werde nimmer- mehr sterben? Joh. 11, 25. 26. ist sie in diese heroische Glaubens-Wort außgebrochen: HErꝛ/ ja ich glaube/ daß du bist Christus der Sohn Gottes/ der in die Welt kom̃en ist/ war ein rechter Helden- Glaub/ Predigt. Glaub/ ein felsiner Glaub/ Petri Glaub/ Matth. 16, 16. Fleisch und Blut hatte ihr das nicht offenbaret/ sondern der Vater im Himmel. V. Mulier gloriosa, eine glorwuͤrdige Himmels-Burgerin/ massen wir an ihrer Seligkeit zu zweiffeln die geringste Ursach nicht haben/ son- dern deren ex judicio charitatis uns zuversichern/ nach dem Wort des Herrn/ wer mich ehret/ den wil ich auch ehren. 1. Sam. 2, 30. und Joh. 12, 26. Wer mir dienen wird/ den wird mein Vater eh- ren. Auff dem Roͤmischen Fabel- und Maͤhrlein-Marckt wird auch dieses verkaufft/ es seye ihr Christus in ihrem Tod erschienen/ und habe sie zur himmlischen Mahlzeit eingeladen/ deßgleichen/ so habe Er ihre Leich-Begaͤngnuß mit seiner Gegenwart geehret. Christus (ita Corn. à Lap. ad Luc. p. 129.) Marthæ morienti appa- ruit, eique præmium hospitalitatis rependit, atque eam ad cœ- leste non hospitium, sed regnum invitavit, dicens: Veni hospita mea dilectissima, quia sicut tu me in domum tuam recepisti, sic ego te in cœlum meum recipiam. Ita habet ejus vita, quæ \& ex Sancto An- tonino addit, Christum suâ præsentiâ sepulturam Sanctæ Mar- thæ honorasse. In Martyrologio Romano wird zu Bestaͤtigung ihrer Heilig- und Se- ligkeit erzehlt/ wie bey dero Grab Koͤnig Clodoveus in Franckreich gene- sen und curirt worden/ und andere Wunder mehr geschehen seyen. Alt- vettelische Fabeln! Glaubwuͤrdiger ists/ Er seye ihr auch nach seiner Aufferstehung/ kurtz vor der Himmelfarth erschienen/ und sie gesegnet/ dergleichen Christus keinen/ als heiligen Personen gethan/ und wer wol- te zweiffeln/ daß der Herr am Juͤngsten Tag/ da sie zur Rechten wird gestellet werden/ ihre Liebes-Werck und Gutthaͤtigkeit/ nicht offentlich werde ruͤhmen und herauß streichen. Matth. 25, 35. Jch bin hungerig geweßt/ und du hast mich gespeiset/ ich bin durstig geweßt/ und du hast mich getraͤncket. Nun M. L. hie stehet die heilige Martha fuͤr den Augen unsers Ge- muͤths und Verstands/ als eine figura und imago, ein schoͤnes Bild/ Nicht I. Status Laicalis imperfecti, \& vitæ activæ, des unvollkommenen Layen/ des Oberkeitlichen/ haͤußlichen und Burgerlichen Lebens-Stands. Als gelte dem der Verweiß/ Martha/ Martha/ ꝛc. wie es die Paͤbstischen Interpretes ins gemein deuten. Ridet (ita Maldonat. in Luc. p. 1040.) Calvinus Monachos, quod duo ex hoc loco vitæ genera esse collegerint, alteram contem- plativam, quæ Mariæ, alteram activam, quæ Marthæ respondeat. K k k ij Quid Die Erste Quid ergò? negat antiquos illos Patres Monachos fuisse, qui ve- ri Monachi fuerunt, cùm omnes tunc Monachos appellat? Hoc enim, quod ipse solis monachis tribuit, nemo eorum non dicit, dicit Basilius, dicit Augustinus, dicit Hieronymus, dicit Cassia- nus, dicit Gregor. illis duobus locis, quos modo citavimus, dicit Beda, \& quis non? Non quod propriè collegerint ex hoc loco, cujus nec ignorabant, nec tacuerunt alium esse sensum: sed quod eas duas mulieres, tanquam exempla duo, alterum con- templativæ, alterum activæ vitæ proposuerint, quibus nullum profectò potuit accommodatius excogitari. Grad als waͤren die Laici lauter Marthaner/ keine Marianer/ da doch die Erfahrung und Histori/ das Exempel Cornelii des Hauptmanns/ Dionysii Areopagitæ, der Lydiaͤ/ ein anders lehren: grad als waͤren die Geistliche im Papstthum lauter Marianer/ da sie doch sich um die entle- digte Guͤter geropfft/ aͤrger als die Spitz-Buben/ vielmehr seind sie Mar- thaner/ die ihnen mit Closter-Geluͤbden/ Ceremonien/ Allfaͤntzereyen/ Wallfarten/ Kirchen-Ornat/ und Pracht/ viel uͤberentzige Muͤhe ma- chen/ und doͤrffen uns noch durch die Feder Besoldi in seinen Christli- chen und erheblichen Motiv en also anklagen: Die gantze Religion der Lutherischen bestehet nur im Predigen/ das ist auff einer blosen Wissenschafft/ deren doch ihre Zuhoͤrer wenig genies- sen/ und wann man einen fragen solt/ was er sein Lebenlang auß den Predigten gelehret/ wird es gewißlich gar nahe zu- sammen gehen. Das Beten ist in der Kirchen kurtz/ und das Singen geschicht mit geringer Andacht/ wird auch hiedurch wenig das Gemuͤth zu GOtt erhaben Jn gemein brauchen die Lutheraner keine Ceremonien/ so zu der innerlichen Er- bauung und rechten Aenderung des Gemuͤths fuͤhren/ das Knien/ Fasten/ Wachen/ Saͤck anziehen/ und anders derglei- chen/ (davon doch die H. Schrifft voll und uͤberhaͤufft) ist bey ihnen gantz abkommen. Da doch Maria viel lieber zu den Fuͤs- sen des HErꝛn JEsu gesessen/ und mit bruͤnstiger Andacht seiner Pre- digt zugehoͤrt/ im Gegentheil Martha ihr gar zu viel Muͤhe mit aller- hand παρέργοις, mit herum lauffen ꝛc. gemacht/ darinnen die Papisten sie mit ihren uͤberfluͤssigen/ unnoͤthigen Ceremonien/ Wallfarten/ ꝛc. nach- ahnen. Viel weniger 2. die Welt-Kinder/ getaufften Heyden/ Esavi- tarum βε ήλων, die ihr Recht der Erst-Geburt um ein Linsen-Muß/ um ein Hand voll weltlicher Vanitaͤten verkauffen/ das beste Gut absolutè hindan Predigt. hindan setzen/ welchen eckelt ab diesem Manna/ als einer losen Speise. Nicht 3. der Sui ten/ porcorum und Schweine/ die das Heilige/ Christum und sein Wort mit Fuͤssen tretten/ durch Hindansetzung/ Verachtung/ Versaumung/ wie die Gadarener/ die Schrifftgelehrten/ Bethlehemi- ten/ Pilatus/ Gallion/ bey deme eine Gott- und Sorg-lose Traͤgheit ge- wohnt/ in dem er ihm unbekante Sachen nicht wollen bekant machen/ und eine solche schoͤne Gelegenheit/ die Theognosiam und Erkanntnuß des einigen wahren lebendigen GOttes/ und in derselben den rechten Weg zur Seligkeit zu erlernen/ nicht bey den vordern Haar-Locken er- griffen/ sondern durchschlieffen und fuͤr uͤber gehen lassen/ er wolte Pau- lo nicht einmal Audientz geben/ Act. 18, 11. 12. seqq. Wie Felix, der die scharffe Gesetz-Predigt Pauli/ so ihme Lauge nach der Proportion des Grinds auffgegossen/ fuͤr das Gericht des Gewissens/ und wo er da nicht erscheinen wolt/ fuͤr das Juͤngste Gericht citirt/ schnoͤder weiß in Wind geschlagen. Act. 24, 25. Nicht 4. Canum und derer Hunde/ die die Per- len anbellen/ und verfolgen/ wie Herodes/ dem alle Persecutores und ungehorsame Christen folgen/ die sprechen: Lasset uns zerreissen ihre Bande/ und von uns werffen ihre Seile. Ps. 2, 3. Wir wollen nicht/ daß dieser uͤber uns herꝛsche. Luc. 19, 27. Diesen canibus kommen gar nah/ ja seind aͤrger als die Hunde des reichen Schlemmers/ die dem armen Lazaro die Schwaͤren geleckt/ die jenige karge Filtze/ die/ ob sie wol Lazari zu Bethanien Gut haben/ dem armen Lazaro dennoch nicht zu Huͤlff kommen. Es hat eine Christliche Obrigkeit juͤngsthin eine ruͤhmliche/ hochloͤbliche/ dem Goͤttlichen Gesaͤtz gemaͤße Bettel- und Almosen-Ordnung promulg irt/ auff daß Christus mit seinen Bruͤ- dern beherberget/ und mit Nothdurfft versorget wuͤrde: Zu welchem End eine Christliche Burgerschafft um Vermehrung der Buͤchsen ermahnet worden/ und sich dessen versehen/ es werde ein jeder nach dem Vermoͤ- gen/ das ihme Gott dargereicht/ reichlich beytragen. Daß aber bey ei- ner solchen Christlichen Gemein Leute seyn/ die der Proportion nach we- nig oder nichts gesteurt/ das ist unverantwortlich/ un Christlich/ Huͤn- disch/ bevorab wann man noch die Dispensatores mit ungegruͤndetem Argwohn/ wider die Christliche Liebe/ beschweren wil/ dann wann schon der Argwohn Platz haͤtte/ so solten sie doch auff den terminum ultima- tum ad quem, Christum/ und nicht per quem, sehen/ bedencken die Ex- empel der Geitz-Haͤls und Simonisten/ Gehasi/ dem Naeman dannoch in Einfalt des Hertzens gegeben/ ohne murmeln/ 1. Petr. 4, 9. Judaͤ Jscharioth/ daß/ ohnangesehen er ein (wiewol verborgener) Dieb gewesen/ K k k iij ihme Die Erste ihme dennoch Maria Magdalena/ Susanna und Johanna beygetragen/ diese Esauiten/ Suiten und Hunde kommen hie in keine consideration, sind keine Marthaner/ hinauß mit den Hunden/ vor der Thuͤr ist drauß. Sondern Marthaner/ oder Marthaͤ Bruͤder und Schwestern/ de- ren Muster sie ist/ seind die jenigen Christen/ die durch den Tauff-Bund gratios worden/ die Erstlinge des Glaubens und dessen kleine Fuͤncklein empfangen/ den Catechismum dem Wortlaut nach erlernet/ auch GOt- tes Wort bißweilen hoͤren/ die Sacramenta gebrauchen/ Almosen geben/ und sonst ein erbar und politicè untadelich Leben fuͤhren; aber in weltli- chen Dingen/ Schaͤtzen/ Guͤtern/ und dero Begierd zuviel thun/ dieselbe ihnen mehr als die himmlische Schaͤtze und ewige Guͤter lassen angele- gen seyn/ und noch dazu andere von ihrer devotion abhalten/ durch Sonntaͤgliche Spatzier-Fahrten/ Gastereyen/ Spielen/ Kinder und Ge- sind am Gottes-Dienst hindern/ allerhand opera intermissibilia und Ge- schaͤffte zu der Zeit anstellen/ da man in die Kirch gehen soll/ das Baurs- Volck am Soñtag martern und plagen mit Contribution, Schatzung/ Fronen/ Schulden einfordern/ daß also der Same des Evangelii ersti- cken muß. Wann Pfarrer mehr der Meel-als Seel-Sorg sich befleis- sigen/ die Gelehrten mit ihrem Aristotele, Tacito, Galeno, Justiniano so viel ihnen zu schaffen machen/ daß sie daruͤber Mosis und der Prophe- ten vergessen: wann die ἀυτάρκεια allzustarck einreisset/ daß man sich bey dem Catechismo und dessen Wort-Laut/ beym putamine sine nucleo, content irt/ und den außgewickelten und vergewisserten Verstand nicht achtet/ sondern ihm selber eine gewisse Mensur und Maaß seiner schuldi- gen und erkloͤcklichen Wissenschafft erdichtet/ sich beduncken laßt/ wann man etwas weiters forschen und lernen solte/ man moͤchte der Sachen zuviel thun/ und zu weit gruͤblen; Unterdessen in Begierde und Sam- lung zeitlicher Guͤter weder Maaß noch Ziel finden kan. Diese seind Marthaͤ Nachfolger/ allen diesen gilt der Verweiß/ daß sie das gute Theil nicht erwehlen/ sondern sich dessen verlustigt machen. Sprichstu: Ergonè otiandum. Soll man dann nichts thun/ muͤssig gehen/ allezeit in der Kirchen sitzen/ Ampts-Geschaͤfft hindan setzen/ alle Fruͤh-Gebet besuchen? Antwort: O nein! Sechs Tag solt du arbeiten/ doch beten und Kirchen gehen/ wann es Ampts-Geschaͤffte halben seyn kan/ bleibt unverbotten; aber am Sonntag nulla fidejussionis flagitetur exactio, taceat apparitio, advocatio delitescat, sit ille dies à cognitione alienus, Prætoris horrida vox sileat, soll man niemand vor Gericht gebieten/ von niemand Buͤrgschafft fordern/ die Procuratores sollen Predigt. sollen schweigen/ des Richters Stimm soll verstummen/ da soll man keinen Rath oder Gericht besitzen: so lautet des Kaysers Leonis und Antonini Verordnung in Codice de Feriis. Und dann ist der monatliche und wochentliche Bet-Tag vor andern privilegirt/ auß Anstalt unserer andaͤchtigen Vorfahren/ bald nach der Reformation/ veranlaßt durch des Erb-Feinds Wuͤten in Ungarn/ Anno 1532. da man den Psalter zu tractiren/ und die Litaney zu beten angefangen/ und jeder- man agminatim, auch die Schuler und Studenten zur Predigt ange- halten worden. Darum es Professoribus wol anstehet/ wann sie in die- sem Stuck der studierenden Jugend gute Exempel geben. Sprichstu/ ich hoͤre doch/ Martha sey einen Weg als den andern selig worden/ wann sie gleich eben keine so grosse Heiligen-Fresserin geweßt/ als Maria. Jch mag dieser ihren hoͤhern Sitz und aureolam wol goͤnnen/ wann ich nur auch ein Plaͤtzlein im Himmel finde. Antw. O Spott-Vogel/ Gott laßt sich nicht spotten/ haͤtte Martha ihren Kopff auffgesetzt/ nicht parirt/ waͤre sie nicht Schamroth worden/ sondern die oblata beneficia und dargebottene Wolthaten verachtet/ so koͤnte ich sie auß keinem Fundament selig preisen. Wer nicht glaubet/ der wird verdam̃t/ wer nicht hoͤret/ der glaubet nicht/ ist der Himmel-feste Apostolische Sorites. Rom. 10, 17. Ge- dencket an des Loths Weib/ sagt Christus Luc. 17, 32. die war auch dem Zeitlichen zimlich ergeben/ und daher nahrhafft/ aber der Engel war- net sie/ und sagt: Errette deine Seele/ und siehe nicht hinter dich. Gen. 19, 17. Diese Warnung schlaͤgt sie in den Wind/ sie siehet zuruck ex affectu, mit traurigen Augen und Gemuͤth/ daß sie alle das ihre muß da- hinten und im Stich lassen. Was geschicht? Sie wird zur Saltz-Seule verwandelt. Jst geschehen/ nicht allein daß sie uns wuͤrtze/ sondern auch schroͤcke/ ob sie verdam̃t worden/ wissen wir nicht/ wiewol die Wort hart lauten. Sap. 10, 7. Sie stehe da zum Gedaͤchtnuß der unglaubigen Seelen. Doch lernen wir an der metamorphosi so viel/ daß/ wer Go t- tes Wort und Anmahnung verachtet/ der wird verhaͤrtet wie ein Stein/ wie dort Nabal/ die Verhaͤrtung aber ist der nechste Grad zur Verdam̃- nuß. Gedencket der fuͤnff thoͤrichten Jungfrauen/ die hatten auch ein we- nig Oel in den Lampen/ sonst haͤtten sie nicht sorgen doͤrffen/ daß ihnen das Liecht werde außloͤschen. Aber nicht gnug/ an der Mehrung und Waͤhrung/ am Wachsthum mangelte es/ ihr Gewissen predigte ihnen/ daß sie mehr Oehl beduͤrffen/ dessen aber ungeachtet/ liessen sie sich vom Schlaff uͤberwaͤltigen/ die Oel-Sorg hatten sie außgeschwitzt/ daß noth- wendiger weiß ihre Lampen verloͤschen muͤssen/ die klugen aber/ ob sie zwar ein Die Erste ein wenig genickt/ haben sie sich doch wieder ermuntert/ Oel nach und nach immer wieder zugegossen/ das Liecht des Glaubens erhalten/ daß sie nachmals den Braͤutigam mit brennender Lampen empfangen koͤnnen. Darum jene den Sententz muͤssen anhoͤren: Jch kenne euer nicht/ fuͤr der Thuͤr ist draussen. Jst das Urtheil uͤber alle solche Welt-Narren. Dar- um wuͤnsche ich/ und wolte Gott/ daß wie das vermeinte Heiligthum Marthaͤ nach ihrem Tod soll Wunder gethan haben/ also lipsanum vir- tutis, das Heiligthum ihrer Tugend/ Besserung und Schamroth auch bey uns operi re und wuͤrcke das grosse Miracul des Schamroths/ wer biß dato in einem oder dem andern Wahn gesteckt/ der laß ihm denselben benehmen/ so lieb ihme sein Theil Himmelreich. Th. consc. part. 1. p. 452. Vix quicquam cordatius scripsit Justus Lipsius, quam quod suorum admirandorum lectori præscripsit. Verè fateor, ajens, nimia jam etiam cura, an curiositate peccari à plerisque nostrûm, qui omnia antiqua avidè scrutamur, \& in maris illo fundo pænè dicam arenas. Ah! quis fructus est? peccavimus \& nos fortasse olim: sed nunc cum aliis annis mens est alia, \& clamo liberè, quædam esse, quæ malo ignorare quàm discere. Timonis illud mihi sæ- pè in mente. Πουλυμαθημοσυύης ὡς ου᾽ κενώτερον ἄλλο. Das Miracul des Schamroths/ sag ich/ nicht aber des Schamroths/ etwas zu lernen/ dann lernen ist keine Schand. Man hat die Exempel deren/ die/ wann sie gemerckt/ daß ihnen die Hebraͤische Sprach zu wissen von noͤthen/ sich nicht geschaͤmet im Alter solche zu lernen. Ein beruͤhm- ter JCtus bey dieser Stadt/ nach dem er es hoch gebracht/ hat er erst im Alter anfangen Theologiam zu studieren/ vielmehr sollen die Jungen bey Zeiten die Blum ihres Alters/ Gott zu Ehren wol anlegen/ und soll bey ihnen heissen: linquo coax ranis, cras corvis, vanaque vanis. Wol- te Gott/ daß sie in uns operi re und wuͤrcke ὅρεξιν unius necessarii, eine sehnliche Begierde nach der lautern Milch des wachsenden Glaubens/ daß wir allezeit seufftzen mit dem Vater des Monsichtigen/ Marc. 9, 24. Jch glaube/ lieber HErꝛ/ hilff meinem Unglauben. Damit wir auch mit Martha des Glaubens End/ der Seelen Seligkeit davon bringen moͤgen. Darum bitten wir zum Beschluß: Verschaff bey uns O lieber HErꝛ/ Daß wir durch deinen Geist je mehr Jn deiner Erkanntnuß nehmen zu/ Und endlich bey dir finden Ruh. Amen. Die Predigt. Die Andere Predigt/ Von Maria/ der Schwester Marthaͤ/ als der Beklagten. G Eliebte in Christo. Warlich ich sage euch/ wo diß Evangelium geprediget wird in der gantzen Welt/ da wird man auch sagen zu ihrem Ge- daͤchtnuß/ was sie gethan hat. So spricht die War- heit selbs/ Christus JEsus Matth. 26, 13. Ἅυτη γυνὴ, dieses Weib/ die Maria/ Lazari und Marthaͤ leibliche Schwester/ die Maria/ nicht auß Galilaͤa zu Magdala buͤrtig/ die reiche/ gutthaͤtige Nehrerin des HErꝛn Christi/ sonst Maria Magdalena ge- nannt/ weniger die grosse Suͤnderin und weyland grosse/ aber nachge- hends bußfertige Ertz-Hur/ Luc. 7. die Christo/ dem keuschen Jungfrauen Sohn/ die Fuͤsse mit ihren Thraͤnen genetzet/ und mit den Haaren ihres Haupts getruͤcknet/ gekuͤsset und gesalbet. Wie zwar von Alters her diese lugenhafftige und laͤsterliche Sag in dem Roͤmischen Babylon (und wolte Gott nicht auch in unsern Kirchen und Cantzeln!) erschol- len/ und vorgegeben worden/ die Suͤnderin Luc. 7. Maria Magdalena und diese Salberin/ und Lazari Schwester/ seyen nicht drey/ sondern nur ein Weib und eine Person gewesen. Massen sich Baronius unterstehet in seinen Annalibus und Kirchen-Chronic solches mit aller Macht zuer- haͤrten. anno 32. n. 17. O ungeschwungene unverschamte Schand- Lugen! O schnoͤde Laͤsterung! damit beydes die fromme und Gottselige Magdalena und auch Maria Lazari Schwester geschmaͤhet und geschaͤn- det/ und so viel hundert Jahr ohne Grund/ fuͤr offentliche/ verruffene/ wiewol bußfertige Schand-Dirnen außgeschrien worden/ das heißt die Heilige GOttes feyren und in Ehren halten! De Maria Magdalena (verba sunt judicio sissimi nostri Chemnitii, Harm. Evang. cap. 58. p. m. 996.) vulgarissima est opinio, ipsam fuisse peccatricem, quam Christus capite præcedenti in gratiam receperat, cuique peccata sua dimiserat. Imò aliqui faciunt quo- Neunter Theil. L l l que Die Andere que ex ea Mariam, sororem Marthæ \& Lazari. Sed utra que sen- tentia nullum fundamentum habet in historia Evangelica, neque enim frustrà Lucas hic adjicit, \& Marc. 16. ꝟ. 9. repetit, ex Maria Magdalena septem dæmonia exiisse. Inde enim colligere licet, primò illam non fuisse sordidam illam peccatricem. De hac enim Lucas in præcedentibus testatus fuerat, eam adstitisse ad pedes Christi, amarè illacrymatam fuisse, pedes ejus lacrymis ri- gâsse, capillis tersisse, unguento unxisse, crebra oscula fixisse. Christus autem hæc omnia interpretatus est, fuisse signa seriæ pœnitentiæ, qua peccata sua agnoverat, fidem testata sit, \& toto corde eum, qui salutaria æternæ vitæ monita præbuerit, amare cœperit. Talia verò nunquam quisquam de dæmoniacis, quam- diu ejusmodi essent, prædicari audivit. Adhæc, sunt dæmoniacæ etiam ab uno tantum, nedum à septem obsessæ adeò horribiles, \& cuilibet spectanti terrificæ, ut reverà perditè \& prodigiosè li- bidinosus sit, qui fœminam, quæ à diabolo exagitatur \& discru- ciatur in comitatu habere velit. Cùm ergò prior illa à peccato, hæc verò à dæmoniis, quorum exagitatio non peccatum, sed pœna peccati est, liberata fuerit: Quis non videt, duas diversas fuisse? Deinde quoque hæc Maria, quæ cognominatur Magda- lena, non fuit illa Maria, soror Marthæ \& Lazari; eò quod Ma- gdalena fuerit Galilæa, Maria autem Marthæ soror fuerit Judæa, ex castello Bethania, Joh. 11. ꝟ. 1. Anile autem \& nugatorium est, \& omni fundamento Evangelico caret, quod Historia Lombar- dica fabulatur, fuisse Lazarum, Martham \& Mariam ex Regia prosapia oriundos, atque adeò divites, ut non tantùm Bethania \& major pars Hiero solymorum ad ipsorum hæreditatem perti- nuerit, sed etiam ex hac copia Magdalon munitissimum castrum ædificarint, quod Mariæ sorori in habitandum tradiderint, unde ipsa posteà Magdalena dicta fuerit. Hæc extra Scripturam ad- ducta eâdem facilitate rejiciuntur, quâ afferuntur. Et cuivis dili- genti Scripturarum Lectori sponte suâ patet, tres diversas fœmi- nas fuisse, peccatricem Luc. 7. ꝟ. 37. Mariam Magdalenam hîc Luc. 8. ꝟ. 2. \& Mariam sororem Marthæ, Luc. 10. ꝟ. 39. \& Joh. 11, 1. Hæc satis manifesta sunt ex historia Evangelica, sicut etiam Cor- nelius Jansenius, Episcopus Gandavensis, negare non potest. Nihilominus tamen urget receptam Ecclesiæ opinionem, quâ te- netur, eandem fuisse fœminam \& peccatricem, \& ex qua septem dæmo- Predigt. dæmonia sunt ejecta, \& quæ Bethaniæ Christum hospitio exce- pit. Et concludit secundum hanc sententiam esse sentiendum, non obstante eo, quod ex Evangeliis videtur obstare. Sed non perpendit quàm turpè, imò quàm impium \& profanum sit, homi- nis, quisquis is sit, sensum præferre testimonio Evangelii. Origi- nem autem hæc opinio traxisse videtur ex Gregorio Magno, qui super Evangelium de pecccatrice hæc ponit verba: Cogitanti mihi de Mariæ Magdalenæ pœnitentia, flere magis libet quàm dicere. Cujus enim vel saxeum pectus illæ hujus peccatricis la- crymæ ad exemplum pœnitentiæ non emolliant? Ab eo tem- pore in Ecclesia cœptum est peccatricem \& Mariam Magdale- nam pro unâ eâdemque haberi: cùm vetustiores Patres Orige- nes, Chrysostomus, Theophylactus, Ambrosius \& Hieronymus semper pro diversis habuerint. Adeò facilè est \& proclive Dia- bolo errorem in Ecclesiam invehere etiam ex eo, si quando in- signi alicui Doctori inconsideratior aliquis sermo excidit. Et Gerh. Harm. Evang. c. 143. p. m. 97. hæc habet: De hac fœmina (sc. quæ Christum unxit) illud certò constat, quod fuerit illa, quæ Luc. 10. ꝟ. 39. dicitur, sedisse secus pedes Domini, ac verbum ejus stu- diosè audivisse, Marthâ sorore interim in cura rei familiaris oc- cupatâ, cui etiam Christus hoc Elogium perhibet, quod optimam partem elegerit, quæ non possit ei auferri. ꝟ. 42. Certum \& illud est, quod fuerit soror Lazari, Joh. 11. ꝟ. 1. haud ita pridem à Christo resuscitati, cujus beneficii, ut \& aliorum à Christo sibi exhibito- rum memor hoc sumtuosæ unctionis officium gratâ mente re- pendere voluit. Illud verò non solum incertum \& dubium, sed etiam veritati Evangelicæ parùm congruum, quod Baronius Tom. 1. Annal. ann. 32. n. 17. tam confidenter asserit, Mariam hanc esse peccatricem illam, à qua Christus Luc. 7. ꝟ. 37. in domo Simonis Pha- risæi fuerat prius unctus, ac Mariam illam Magdalenam, à qua septem dæmonia Christus ejecisse dicitur , quæ unà cum Maria Jacobi, Salome, Johanna \& aliis ad sepulchrum ungendi corporis Christi causa abiit. Matth. 28. ꝟ. 1. Marc. 16. ꝟ. 1. Luc. 24. ꝟ. 10. Joh. 20. ꝟ. 1. cui etiam Christus primæ omnium post resurrectionem suam apparuit. Marc. 16, 9. quam sententiam Johannes Faber Episcopus Roffensis in libro de una Maria \& Natalis Beda latè confirmare nituntur. Quod enim hæc unctrix non fuerit illa fœmina, cujus mentionem facit Lucas c. 7. ꝟ. 37. duplici confirmari potest argumento. 1. Illa L l l ij apud Die Andere apud Lucam vocatur peccatrix, quia notorio scortationis deli- cto ante unctionem fuerat infamis, hæc verò pietatis \& integri- tatis laude à Johanne \& Christo ipso commendatur nec ullo modo probabile est, quod cum fuerit dives \& honesta, ut ex de- scriptione Johannis colligitur, quæstum corpore mereri volue- rit. 2. Illa fuit Galilæa, quia historia unctionis à Luca descri- pta in Galilæa contigit, hæc verò fuit Judæa ex Bethania oriun- da, ibidemque habitans. Joh. 11. ꝟ. 1. Sondern Maria Bethaniensis, es ist die Maria von und zu Bethania/ das ist/ von Armhausen/ Niderhausen/ Kummerhausen/ Creutzhausen/ in einem solchen Ort/ da Christus der Herr gern eingekehret und ge- wohnet/ als der Hohe und Erhabene/ der in der Hoͤhe und Heiligthum wohnet/ aber auch zu Bethanien/ bey denen/ die demuͤthiges und zerschla- genen Geistes seind/ daß Er sie erquicke/ Esa. 57, 15. 2. Was wird dann die Sage seyn? was wird man von ihr sagen und ruͤhmen? καλὸν ἔργον, daß sie ein gutes Werck an mir gethan/ nemlich sie hat ein Pfund Salben/ mit koͤstlichem/ ungefaͤlschtem Nar- den-Wasser genommen/ dem HErꝛn JEsu erstlich seine Fuͤsse damit ge- salbet/ und mit ihren Haaren getruͤcknet/ darnach das Glaß/ die Buͤchs von Alabaster zerbrochen/ und auff sein Haupt gegossen/ von dessen Ge- ruch das gantze Hauß voll worden. Das war ein gutes Werck/ per omnes causas. Goͤttlich/ weil sie es gethan zu Gott/ dem HErꝛn Mes- sia zu Ehren/ auß Gott/ ex motivo fidei und Trieb des Glaubens/ rum- pantur utilia Judæ, und solte Judas Jscharioth druͤber zerborsten seyn/ der es getadelt/ vernichtet/ und als uͤbel angewendet/ als eine Vergei- dung gescholten/ es sey ein Unrath/ warum/ sagt er/ ist dieses Wasser nicht verkaufft worden um 300. Groschen/ und den Armen gegeben. Marc. 14, 5, 6. O Schalck/ O Dieb! wie gern haͤttestu ein Feder von dieser Ganß gebabt. 3. Ubi? Wo soll und wird diese Sag erschallen? ubi Evangelium, ibi Elogium, wo das Evangelium vom Tod und Aufferstehung Christi wird geprediget werden/ in der grossen/ weiten und breiten Welt/ biß ans Ende der Welt/ da wird der Ruhm der edlen Tugend-Cron Mariaͤ er- schallen. Gleichwie der Geruch von ihrer Salb das gantze Hauß erfuͤl- let: so wuͤrde man auch von ihr singen und sagen/ und also ihre laudes allenthalben singen: das war Mariaͤ ein mnemosynon und Denck- Zeichen/ weit uͤber alle Pyramides, Mausolea und Ehren-Seulen; dann dieses ist von dem H. Geist selbs auffgerichtet worden. Damit Predigt. Damit wir nun/ meine Liebsten/ auch in diesem kleinen angulo und Oertlein der Welt/ bey dieser Versamlung/ des grossen Propheten Chri- sti/ so hoch-betheurte/ und mit einem Warlich versiegelte Weissagung/ so viel an uns/ erfuͤllen/ so wollen wir auch diesen erlaubten Ehren-Dienst erweisen/ und die Quell anzeigen/ auß welcher dieses so hoch gepriesene gu- te Werck geflossen/ deßgleichen das grosse Heiligthum/ dadurch besagtes Werck consecr irt worden/ nemlich den Glauben/ und Vernehmen die Ordnung/ das Mittel und die Schul/ darin sie diesen Glauben erler- net/ und damit zugleich ihre Schwester die Martham/ mit ihren Ankla- gen beschaͤmen und abweisen/ und bescheinen/ daß Martha ein unbefugte Klaͤgerin/ Maria aber eine hoch-ruͤhmliche Tudend-Cron geweßt/ die mit Unrecht von ihrer Schwester einiger Fahr- und Hinlaͤssigkeit bezuͤchtiget worden/ alles nach der description und præsentation des H. Evange- listen Lucaͤ. Daß nun auch dieser Ehren-Dienst Christo dem Herrn selbs zu seinen Ehren gereiche/ uns aber zur Lehr/ Vermahnung und Trost/ wolle der Vater des Liechts mit der Gnad des H. Geistes reichlich bey- wohnen. Amen. G Eliebte in Christo. So erscheinet nun die edle Tugend- Blum/ so zu Bethania gewachsen/ die Maria/ I. tanquam Di- scipula, τεταγμένη, ein wol disponir te/ geschickte/ regulirte/ or- dentliche Schulerin und Juͤngerin des HErꝛn JEsu/ als welche nach ih- res Meisters Lehr in der Berg-Predigt Matth. 6, 33. Trachtet am er- sten nach dem Reich Gottes/ und seiner Gerechtigkeit/ die Pfer- de nicht hinter den Wagen gespannen/ sondern zuvorderst gesucht das Reich GOttes/ und dessen jura, privilegia, und beneficia, in Hoffnung die mantissam und Zugab zeitlicher Guͤter auch zuerlangen. Dann so bald als sie gehoͤret/ JEsus der Prophet von Nazareth seye ankommen/ und habe in ihrer Schwester der Marthaͤ Hauß eingekehret/ so siehet sie nicht zuruck/ laßt alles ligen und stehen/ gedencket/ naͤhen/ spinnen/ wuͤr- cken/ kochen/ sieden/ braten/ Tisch bereiten/ ꝛc. das kom̃t noch wol hernach/ fronte capillata est posthæc occasio calva, das ist ein Mann/ den man nicht allzeit haben kan/ ich muß den Marckt nicht versaumen. Derowe- gen stehet sie eilend auff/ wie sie nachmalen auch gethan/ Joh. 11/ 29. laufft dem Herrn entgegen/ ohne Zweiffel nicht ungleichig/ als haͤtte sie kein Glied im Leib gehabt/ oder stumm/ sondern mit demuͤthigen Geberden/ mit freundlichen holdseligen Worten: Biß willkomm du edler Gast/ mich Suͤnderin nicht verschmaͤhet hast/ und kom̃st ins Hauß herein zu mir/ wie soll ich immer dancken dir. Sie wird ihre andaͤchtige Seuffzer nicht un- L l l iij terlassen Die Andere terlassen haben/ ich bin ein verirret und verlohren Schaaf vom Hause Jsrael/ um welches Willen du in die Welt kommen bist/ Ps. 119. ꝟ. ult. Du hast gesagt/ Jer. 29, 14. So ihr mich von gantzem Hertzen su- chen werdet/ so wil ich mich von euch finden lassen. Ach suche mich/ ich suche dich/ Herr laß dich finden. II. Tanquam discipula devota, eine andaͤchtige/ Christo gantz erge- bene und gelassene Schulerin/ angedeutet durch das Sitzen/ sie satzte sich/ verstehe nicht nur mit dem Leib/ situatione \& positurâ corporeâ, das war ein adiaphorum, und nicht viel daran gelegen/ sondern affectu, ihr Hertz satzte sich/ und war still in ihrem GOtt. Was der Herr seinen Juͤngern kurtz vor seiner Himmelfart befohlen: Jhr solt in der Stadt Jerusalem bleiben/ biß daß ihr angethan werdet mit Krafft auß der Hoͤhe. καθίσατε, stehet in heiliger Sprach/ Luc. 24 49. das ist/ ruhet von euern fleischlichen Sinnen und Gedancken/ von Begierden zu einem Welt-Reich. Das hat Maria gethan/ ihr Hertz hat sich gesetzet und gestillet/ sie hat ihre Gedancken nicht lassen spatzieren/ und zerstreuet wie Martha/ sondern ihre Sinne/ Gedancken/ Affecten zusammen ge- faßt/ und Christo dem Herrn sich gantz gelassen/ in Erwegung/ daß vagirende Gedancken so wenig des Goͤttlichen Worts faͤhig/ als man in ein fliessendes/ und vom Wind erregtes Wasser Buchstaben schreiben kan. Sedebat quasi ecstatica, so gar/ daß sie auch ihrer selbs und ihrer Famæ vergessen/ sich gegen ihrer Schwester Anklagen nicht verthaͤdiget/ sondern/ wie Augustinus wol dafuͤr gehalten/ serm. 27. de verb. Dom. gedacht/ ich habe einen guten Advoca ten an meinem Meister/ dem He rꝛn Christo/ maluit suam causam judici committere, quàm in responden- do laborare. Das heißt/ sie satzte sich. III. Tanquam discipula humillima \& obsequiosa, sie satzte sich zu den Fuͤssen JEsu/ nicht uͤber den Kopff/ oder auff die Nebens-Seit. Es war bey den Hebreern Sitt und Gebrauch/ daß/ wann der Rabbi auff der Catheder gesessen/ so haben sich die Schuler und junge Studenten muͤssen zu den Fuͤssen setzen/ ihre Demuth und Nidertraͤchtigkeit hiemit zu bezeu- gen. Ambrosius in Ep. 1. Cor. c. 1. schreibet: die alte Rabbinen seyen auff der Catheder/ die mittelmaͤssigen auff den Subselli en/ die juͤngste aber auff den storeis humi stratis, Matratzen/ gesessen. Exempla parallela finden wir in der H. Schrifft selbs. Deut. 33, 3. Jn Mosis Segen- und Schwa- nen-Gesang stehet: Die Heiligen in Jsrael (die Jsraeliten rechter Art) sind in deiner Hand/ sie werden sich setzen zu deinen Fuͤssen/ und werden lernen von deinen Worten. Der arme Mensch/ der mit Predigt. mit einer Legion Teuffel besessen geweßt/ nachdem sie Christus außgetrie- ben/ satzte sich zu den Fuͤssen JEsu/ verstehe/ auß tieffster Demuth/ Lehr und Unterricht von Jhm einzunemmen/ Luc. 8, 35. Sonderlich gehoͤret hieher das Exempel des edlen Roͤmers von Tharso, St. Pauli/ welcher/ nachdem er die Encyclopædiam in Patrio gymnasio begriffen/ gen Jeru- salem auff die Hohe Schul gezogen/ und daselbst gesessen zu den Fuͤssen Gamalielis, wie er selbst bekennet/ Act. 22, 3. Jch bin erzogen in dieser Stadt/ zu den Fuͤssen Gamalielis/ gelehret mit allem Fleiß im Vaͤtterlichen Gesetz/ und in solcher Intention satzte sich auch unsere liebe Maria zu den Fuͤssen JEsu. Quantò humilius sedebat, tantò am- plius capiebat, confluit enim aqua ad humilitatem convallis, denatat de tumoribus collis. August. l. cit. Je tieffer und nidriger sie saß/ je mehr sie gefaßt/ dann das Wasser fleußt von den hohen Ber- gen herunter/ und setzet sich in die tieffe Thaͤler. IV. Tanquam discipula Auscultatrix, eine geflissene/ hoͤrende Schu- lerin/ sie hoͤret zu der Rede des HErꝛn JEsu. Sie hat die aͤusser- liche Pædagogiam in acht genommen/ gehoͤret mit leiblichen Ohren/ als durch welche Gott der H. Geist den Glauben geben und wuͤrcken wil. Rom. 10, 17. Aber das war nicht gnug/ sie hoͤrete nicht nur mit aͤusserlichen Ohren/ wie ein thum̃es Schaaf/ sondern auch mit innerlichen Hertzens- Ohren. Gleichwie zu einer leiblichen Music auch musicæ aures, solche Ohren gehoͤren/ die den Schall vernehmen und wol unterscheiden koͤn- nen. Ein Esel/ Hund und Ochs hoͤret auch die Music/ was anlangt den Schall und Thon: Ein Jdiot hoͤret auch einer schoͤnen Music zu/ es ge- fallt ihm wol; aber unter zehen ist kaum einer/ der den innern Geist der Music/ die gratiam und Anmuth/ die harmoni und Vorschmack des ewi- gen Lebens/ das ἀγγελικὸν καὶ ϑει̃ον, mit Christlichen vernuͤnfftigen Hertzens- Ohren fasset/ und andaͤchtig zu Gemuͤth ziehet/ daß die Augen in Zehren schwimmen und schwitzen. Also seind auch Schwein und Hunde in der Kirche/ die hoͤren auch wol den Schall der Predigt/ wie Herodes/ der Jo- hannem den Taͤuffer gern gehoͤret. Felix und Drusilla; aber die den Geist/ den innern Verstand/ Hertz/ Kern/ Geist/ Krafft/ Safft/ Leben und Trost mit lechzendem Hertzen fassen/ und annemmen mit innern Hertzens- Ohren/ sind pauci, pauciores, paucissimi, Ursach/ sie sind voll Geld und Welt/ voll Dorn und Disteln allerhand Wolluͤsten. Eine solche Hoͤrerin war unsere Maria von Bethania nicht. Welches à posteriori \& elogio Christi zuermessen/ indem sie mit solcher Pruden tz und geistlicher Klug- heit Die Andere heit gehoͤret/ daß sie eine herꝛliche Chur und Wahl gethan. Davon wir zu seiner Zeit mit mehrerem hoͤren werden. Und diese Hoͤr-Kunst hat sie von Maria der Mutter GOttes gelernet/ dieselbe hoͤret den Englischen Gruß an/ erweget die Wort in ihrem Hertzen/ es fallt ihr ein Scrupel ein/ sie fra- get nach dem Verstand: Quomodo, wie mag solches zugehen? der Engel beantwortet denselben auß GOttes Wort/ bald folgt die geistliche Con- ception, mir geschehe wie du gesaget hast/ und gleich darauff die Geburt in ihrem Magnificat. So machte es auch unsere Maria/ sie hoͤret die Wort/ nim̃t sie zu Hertzen/ wehlet und erweget dieselbe wol/ und wer wolte laͤug- nen/ daß sie nicht solte den Herrn gefragt haben/ Quomodo, wie das und jenes zu verstehen? dann so war es dazumal braͤuchlich/ daß man in methodo dialogistica gelehret und gelernet. Dem Herrn war auch nichts liebers/ als wann man Jhn gefragt: Darauff nachdem sie den Schatz gewonnen/ hat sie durch den Glauben concip irt/ die Geburt des Glaubens war das edle gute Werck/ dessen droben im Eingang gedacht worden. V. Tanquam discipula καρϖοφόρος, ein frucht-bringende Juͤngerin/ die ihren innern/ inwohnenden/ unverfaͤlschten Hertzens-Glauben mit ei- nem vortreflichen Werck der Liebe bezeuget/ durch welchen auch das Werck gut geheissen worden. Daher Lutherus in margine schreibet: Da siehet man/ daß der Glaube allein das Werck gut machet/ denn alle Vernunfft haͤtte diß Werck verdam̃t/ wie auch die Apostel selbs thaͤten. Dann die Werck sind die besten/ da man nicht weiß/ wie gut sie sind. Judas hatte das Werck beraffelt/ und getadelt/ und fuͤr ein Uberfluß und Verschwendung angesehen. Nein/ sagt der Herr/ laßt sie zu frieden/ Sie hat ein gut Werck an mir gethan/ ihr habt allezeit Armen bey euch/ mich aber habt ihr nicht alle- zeit bey euch. Matth. 26, 10. 11. verstehe als einen Armen/ daß ihr mir in eigener Person Guts thun koͤnnet. Dann/ sagt der Herr ferner/ daß sie das Wasser hat auff meinen Leib gegossen/ hat sie gethan/ daß man mich begraben wird. ꝟ. 12. meinem Begraͤbnuß vorzukom- men/ sie hats gethan/ tanquam Prophetissa realis, zu bezeugen/ daß der Je sus von Nazareth seye der Gesalbte Go ttes/ und daß er sterben werde/ als ein Opffer fuͤr die Suͤnde der gantzen Welt/ mit demselben ein suͤssen Geruch in der Nasen Go ttes erwecken/ und allen Suͤnden-Gestanck ver- treiben. Ja/ er werde auch in diesem seinem Fleisch aufferstehen/ und die Verwesung nicht sehen/ Psalm. 16. Das alles glaubte sie/ ein solch hie- roglyph isch Werck war diese Balsamirung/ darum sie auch unter den Weibern Predigt. Weibern/ die den Herrn nach der Aufferstehung salben wollen/ nicht geweßt. Und auß diesem Glaubens-Trieb war solche Danckbarkeit her- geflossen. VI. Tanquam discipula gloriosa, die auch dieses ihres liebthaͤti- gen/ liebreichen Glaubens-Genossen. Dann so ein kalter Trunck Was- ser solche grosse Verheissung hat/ wie vielmehr ein so koͤstlicher Balsam/ damit sie Christum den Propheten gesalbet. Nun leuchtet sie im Him- mel viel heller als ein Stern/ auff Erden wird ihr Ehr und Ruhm/ der weit groͤsser/ als Alexandri Magni, Platonis, Ciceronis, \&c. nimmer- mehr verloͤschen/ und soll alsdann allererst recht vollkommen angehen/ wann sie die Stimme hoͤren wird: Kommet her/ ihr Gesegneten meines Vaters/ ererbet das Reich/ das euch bereitet ist von Anbegin der Welt/ denn ich bin hungerig geweßt/ und ihr habt mich gespeiset. Jch bin durstig geweßt/ und ihr habt mich ge- traͤncket/ ꝛc. Matth. 25, 34. 35. Es ist aber uͤber dieses alles Maria von St. Luca fuͤrgebildet worden/ sonderlich uns/ als auff welche das Ende der Welt kommen ist/ tanquam discipula Illex, als eine Lockerin. Jm Griechischen Text stehet das Wort Καὶ gar bedencklich/ (ἡ καὶ παρακαθίσασα) Auch hab sie sich gesetzt/ weil sie gesehen/ daß andere/ die dem HErꝛn Christo nachgefolgt/ sich auch gesetzet haben. Particula καὶ (ita annotat Lyser. Harm. cap. 106. p. m. 1969.) emphatica esse vi- detur, innuens, affuisse etiam alios auditores. Sicuti Christus perrarò sine magno comitatu iter fecit. Dum ergò non tantùm Martha, sed etiam La- zarus ipse \& alii domestici occupati erant, ut hunc tantum hofpitem dignè hospitio excipere possent, Maria à domesticis negotiis omnibus feriata, se totam composuit ad audiendum JEsum, \& simul unà cum aliis mulieribus, quæ peregrinæ extra domum advenissent, assedit pedibus JEsu. Dasselbe καὶ gehet uns auch an. Gleichwie sie sich locken lassen zu diesem schoͤnen Gottesdienst: also locket sie uns auch ad sanctam imitationem, zu heiliger Nachfolg. Nicht ad simialem simulationem, sie ist keine Kraͤmerin/ die Maulaffen und Abentheur feyl hat/ sie ist keine Matriar- cha vitæ contemplativæ, das ist/ des faulen/ muͤssigen/ geistlosen Hum- mel-Pfaffen-Moͤnchen-Nonnen- und Closter-Lebens/ wie man solche Mißgeburt im Pabstthum derselben zugesellet. Neunter Theil. M m m Nota Die Andere Nota (ita Corn. à Lap. ad Luc. 10. p. 132.) Martham gerere Typum vitæ activæ, Mariam vitæ contemplativæ, dum sedet, dum tacet, dum interpellata non respondet, quæ denique intus rapta, foris insensibilis redditur. Subscribit Grotius in N. T. p. 719. Errare mihi non videntur veteres, qui in duabus his sororibus exem- plum ponunt, βίου ϑεωρητικου̃ καὶ πρακτικου̃: ut \& Hebræi in Rachele \& Lea. Τῆς γὰρ ψυχῆς ὑμῶν διμερου̃ς ὑϖαρχούσης καὶ τὸ μὲν λογικὸν, τὸ ἄλογον ἐχούσης α᾽ρετὴν ἑκατέρου ὑϖάρχειν συμ έ ηκε, λείαν μὲν του̃ λο- γικου̃, του̃ δὲ ἀλὸγου Ραχὴλ, inquit Philo libro περὶ τῆς εἰς τὰ προπαι- δἐυματα συνόδου, quem magno consensu sequuntur Christiani Scriptores. Umgekehrt/ das Widerspiel ist wahr/ Maria ist eine geflissene Hoͤrerin ge- weßt des Worts GOttes/ Maria Papæa haßt das predigen und hoͤren/ Ursach/ es kostet Muͤh/ waͤre Luther nicht kommen/ und haͤtte die Pfaffen nicht hinder die Buͤcher gejagt/ sie wuͤrden noch wenig predigen/ der uͤbri- ge gantze Gottesdienst bestehet in der Schau/ Meßmachen/ Gauckeley/ Comoͤdianterey/ Alfaͤntzerey/ Affenwerck/ Puppenwerck. Jst also nicht Mariaͤ Tochter/ sondern Mißgeburt. Maria ist eine Lockerin zu lernen die seligmachende himmlische Weißheit/ sie schreibet uns realiter mit ih- rem Exempel folgende Reguln fuͤr: I. Quærite primùm regnum DEI. Trachtet am ersten nach dem Reich GOttes/ und seiner Gerechtigkeit/ der zu gerechneten Gerechtigkeit JEsu Christi/ des innern Gewissen-Friedens/ also daß euch euer Hertz nicht verdam̃t/ und wie ihr dermaleins fuͤr Gott bestehen/ und in seinem gerechten Gericht nicht zu schanden werden wollet. So wird euch das uͤbrige alles zufallen. Matth. 6, 33. Wie Salomon/ der bat um ein gehorsames Hertz/ daß er das Volck des HErꝛn richten moͤge/ und verstehen/ was gut oder boͤse ist. 1. Reg. 3, 9. darauff hat ihme Gott neben seiner unvergleichlichen Weißheit/ Reichthum und Ehre/ und ein langes Leben/ als eine mantissam zugeworffen. Es heißt auch hie/ Aurora Musis amica, Morgenstund hat Gold im Mund/ Gold des Glaubens/ wann man die Bibel lißt/ und das glaubige Gebet erhoͤ- ret wird; Trachtet am ersten darnach/ wer nicht lesen kan/ der gehe in ein Fruͤh-Gebet. Quærite, Trachtet darnach/ so viel immer muͤglich/ verlasset die offentliche Versamlungen nicht/ gedencket an das alte Sprichwort: Predigt hoͤren saumet nicht. Wiewol der freche und verwegene Jesuit und Wort-Feind Scherer in seiner Postill/ in der fuͤnfften Predigt des ersten Sonntags nach der heiligen Drey Koͤnig Tag sich nicht entbloͤden darff Predigt. darff also zu schreiben: Es haben die Lutherischen auch das alte Sprichwort veraͤndert/ das ihnen jetzt lauten muß: Predigt hoͤren versaumet nichts/ und nicht: Kirchen gehen versaumet nichts. Grad/ als wann kein anderer Gottesdienst waͤre/ als Predigt hoͤren. Ein Churfuͤrst von Sachsen hat im 1547. Jahr auch Predigt gehoͤrt/ ist aber daruͤber vom Kayser Carl gefangen/ und am lincken Wang mit einem zimlichen Schram bezeichnet worden. Diese Predigt hat ihme viel versaͤumet und auffgehalten in der Flucht auff Wittenberg zu. Biß hie- her der verlogene Sycophant/ verlogene/ sag ich/ indem er in die Welt hinauß schreyen und schreiben doͤrffen/ es waͤre der Churfuͤrst Johann Friderich/ Christloͤblichen Andenckens/ uͤber der Predigt gefangen und verwundet worden; und darff noch solches auß Sleidano beweisen wol- len/ der zwar meldet/ daß er vor der Schlacht/ und wie es die Umstaͤnde geben/ fruͤh morgens eine Predigt gehoͤret/ spath aber hernach/ sintemal die Schlacht biß in die Nacht hinein gewaͤhret/ gefangen und verwundet worden. Sycophant/ indem er den Lutheranern eine Verfaͤlschung zu- messet; Grad/ als waͤre es unrecht/ die in Predigten allegir te Proverbia nach der hypothesi des jetzigen Stands/ Zeit und auditorii zu accom- modi ren. Moria im gegentheil/ das ist/ virgo fatua, die thoͤrichte Jungfrau/ eine Gottes-vergessene Seele/ kehrets um. O cives, cives, quærenda pecunia primùm, virtus post nummos, wann wir alt werden/ gnug zusammen gescharret/ und uns zu Ruhe begeben/ da ists Zeit ge- nug in die Kirch zu gehen. 2. Καθίσατε, Sitzet/ nicht eben ratione corporalis situationis, mit dem Leib/ Eglon/ als er vernommen/ Ehud habe Go ttes Wort an ihn/ da stehet er auff von seinem Stul auß Reverentz und Ehrerbietung/ Jud. 3, 21. darin er dann nicht unrecht gethan. Deßgleichen wird auch Constanti- ap. Euseb. lib. 4. de vit. Const. c. 33. no M. dem Christlichen Kayser zu Lob nachgeschrieben/ daß/ als derselbe einsmals eine Sermon von der Begraͤbnuß Christi angehoͤrt/ so seye er die gantze Zeit/ auß Reverentz und Demuth/ gestanden/ ohnangesehen/ ih- me zugemuthet worden/ weil die Sermon sich etwas langs verzogen/ er wolle doch auff den Koͤniglichen Stuhl sitzen. Nein/ sagte er/ das waͤre nicht recht/ daß ich entweders der langen Predigt muͤd werden/ oder mich nidersetzen solte. Sondern sitzet mit den Affect en/ ohne herum schweiffen der Gedancken; Es ist zwar nicht allerdings muͤglich/ die Voͤgel fremder Gedancken vom Opffer weg zutreiben/ aber doch muß man auch das kaͤmpffen nicht unterwegen lassen. Agone opus est. Jm gegentheil M m m ij Moria Die Andere Moria reisset sich ums wol sitzen in der Kirch/ und zerpalgt und zerzanckt sich wol um die Stuͤhle/ aber zu was End? Sedet ut dormiat, sie sitzet/ daß sie schlaffen kan. Zwar es gehet auch Schwachheit mit unter bey den klu- gen Jungfrauen/ sie entschlieffen auch. Eutyches hat sich gesetzt und vom Schlaff uͤbereilen lassen/ ist aber dadurch des Gnaden-Schooß GOttes nicht entsetzet worden/ wo aber vorsetzlich Anlaß gegeben wird/ da man wol zuvor fasten/ und den Leib casteyen koͤnte/ das ist nicht verantwortlich. 3. Καθίσατε ad pedes. Das Haupt ist uns zu hoch/ die Fuͤsse seind Lehrer und Prediger/ zu denen soll man sich setzen/ und sich dessen nicht schaͤmen. Keiner soll ihm zu wol trauen. Paulus selbs ist gesessen zu den Fuͤssen Ananiaͤ/ die edle Roͤmische Weiber zu den Fuͤssen Hieronymi/ und haben Brieff mit ihm gewechselt. Die grosse Creutz-Schwester Ma- ria Koͤnigin in Ungarn zu den Fuͤssen Lutheri/ wann sie seinen Com- mentarium uͤber die vier/ 37. 62. 99. 109. Psalmen mit Gnaden-Danck Saubert. mirac. A. Cõf. p. 140. angenommen/ und mit einem schoͤnen Echo beantwortet. Von Johanne Friderico, Churfuͤrsten Johannis Sohn/ so hernach Magnanimus, der Großmuͤtige genennet worden/ wird zu ewigem Ruhm nachgeschrieben/ daß er in seiner Jugend/ als er 9. Jahr alt gewesen/ seinen Herꝛn Vater hoch gebetten habe/ er wolle ihm vergoͤnnen/ daß er mit andern gemeinen Kindern der Stadt Torgau/ in die Kinderlehr gehen doͤrffte/ da man den Catechismum nicht allein geprediget/ sondern auch examinirt/ da er dann in wahrer Gottesforcht und Erkanntnus der reinen Evangelischen Re- ligion dermassen prosic irt und zugenommen/ daß er mit hohem Verstand preciosum à vili, das Gute von dem Boͤsen unterscheiden/ und von Reli- gions-Sachen/ gruͤndlich urtheilen/ und Gespraͤch halten koͤnnen/ daher er auch auff dem Reichs-Tag zu Augspurg/ als er mit seinem Herꝛn Vater dahin kommen/ etlich mal mit den Papistischen Theologis in ei- ne Conferen tz sich eingelassen/ und sie schamroth gemacht. Zum Exem- pel: als jene auff eine Zeit uͤber der Frag/ ob man den Layen nur die eine Gestalt des Abendmahls/ oder aber beyde Stuck reichen solte? starck be- haupten wolten/ daß nur die eine Gestalt den Layen gebuͤrte: da hat Jo- hann Friderich ihnen ihre Gruͤnde richtig abgelehnet; und dargegen die Wort der Einsatzung starck vorgehalten: bibite ex hoc omnes: Trin- cket alle darauß auß Matth. 26. Worbey jene keine andere Außflucht nehmen koͤnnen/ als daß sie geruffen: Omnes, omnes, i. e. Sacerdotes non Laici. Alle/ alle/ das ist/ die Priester/ nicht die Layen/ der Fuͤrst hin- gegen sagte mit grosser Bescheidenheit/ er koͤnte nicht absehen/ auß was Ursachen das Woͤrtlein omnes, Alle/ eben so viel heissen solte/ als nur die Priester/ Predigt. Priester/ sonderlich weil Paulus auch den Layen zu Corintho den Kelch dargebotten. Als sie es aber nochmalen mit grossem Ungestuͤmm wider- holten/ Omnes, id est, Sacerdotes, da sprach der Fuͤrst mit laͤchlendem Munde: Ergò quid hic dicetis, cum ait Christus: Mundi estis, sed non omnes, i. e. non Sacerdotes. Was wolt ihr dann sagen auff den Spruch Christi/ ihr seyd rein/ aber nicht alle/ das ist (euerer Erklaͤrurg nach) Jhr Layen seyd rein und fromm/ aber nicht die Priester und Pfaffen? darauff sie sich etwas entfaͤrbet/ und dem Fuͤrsten das Zeugnuß geben muͤssen/ daß er in der H. Schrifft wol belesen und geuͤbet. Jm gegentheil Moria sitzt uͤber ihr selbs/ verachtet das offentliche Predigampt/ lißt die Bibel/ wie der Kaͤmmerer/ ohne den rechten Schluͤssel/ deßgleichen des Arnden Buͤcher ohne discretion, geraͤth daruͤber in Geisterey/ Phantasterey und verduͤstert Wesen. Ja es seind wol gar/ die dem Predigampt auff den Kopff sitzen/ und dasselbe meistern/ nicht nur grosse Herren/ denen man predigen muß/ was sie wollen/ oder werffen dem Prediger den Sack vor die Thuͤr; sondern auch Herꝛ Omnis, die dem Geist GOttes sich wider- setzen/ von dem Schwerdt des Geistes sich nicht wollen straffen lassen/ nach deinem Wort wollen wir nicht thun. Darum kein Wunder/ daß hernach das blutige Rach-Schwerdt/ der Tuͤrckische Saͤbel straffen muß/ der allbereit uͤber uns gezuckt/ entbloͤset/ und von weitem glaͤntzet. 4. Audite, hoͤret wie Lydia/ die zwar mit dem aͤusserlichen Ohr ge- hoͤret/ Gott aber hat ihr inwendig das Hertz geoͤffnet/ ihr Hertz hatte wie eine Meer-Schneck den Himmels-Thau des Goͤttlichen Worts angenommen/ und empfangen/ und nachmalen das edele Perlein des Almosens/ so sie an Paulum verwendet/ gebohren. Jm gegentheil hoͤ- ret Moria, wie ein thummes Vieh im Stall/ den Wortlaut/ aber die διά- νοια wird nicht geachtet/ es seind Boͤhmische Doͤrffer/ man erfahrets/ wann man auß den Predigten fragt/ wie man so gar nichts verstanden/ alle aviso und Gassen-Zeitungen kan man nachsagen/ aber die Evangelia des Glaubens seind bey dem meisten und groͤsten Hauffen ἄῤῥητα ῥήματα, davon ist man mauß-still/ man verstummet druͤber. 5. Fructificate, ungite. Zeig mir deinen Glauben auß den Wercken/ die auß dem Trieb des Glaubens herfliessen. Salbet Christum in seinen Gliedern durch reichliches Almosen/ welches eben nicht allezeit in Silber und Gold bestehet/ sondern auch in Wercken/ die edler als Gold und Sil- ber. Geschicht/ wann ein frommer Regent die Gerechtigkeit administr irt/ dem Armen als dem Reichen/ ohne Vortheilsucht/ wann der Jurist/ der Medicus dem Armen umsonst dienet/ wann der Professor die Studiosos M m m iij nicht Die Dritte nicht mit allzugrossen honorariis uͤbernim̃t/ daß sie nicht bestehen koͤnnen/ alles weißlich/ nach der Regul eines Christ-klugen erleuchteten Gewissens. Es geschicht durch milde Stifftungen und Stipendia, dadurch junge Pflantzen zur Ehre Go ttes gezielet/ nutzliche organa zu Vermehrung des Gnaden-Reichs/ in den Schulen erzogen werden/ welche fremde Spra- chen/ verwickelte Knotten in Glaubens-Sachen auffzuloͤsen/ lernen/ und hernach andern Außlaͤndischen damit kramen/ und die Verfuͤhrte bekeh- ren koͤnnen. Gregorius der Zehende/ Pabst zu Rom/ machte ihm unter den Seinigen einen unsterblichen Nahmen/ indem er seine eigene Aposto- lische Rent-Kammer eingerissen/ und ein Collegium zur Fortpflantzung des Glaubens und der Religion fuͤr die Teutschen auffgerichtet/ daß da- selbs Teutsche Studenten erzielet/ als Lock-Voͤgel die Teutschen an sich locken/ und zum Roͤmischen vielmehr Schlangen-Nest als Taub-Hauß bringen sollen. Contrà Moria wendets viel lieber ad causas madidas \& vanas, als pias, auff Panqueten/ Jag-Huͤnde/ Falcken und andere Vani taͤten/ zu Werckzeugen ihrer eigenen Ehr und Herꝛligkeit/ GOttes Ehr mag das Nachsehen haben. Wie nun der Moriæ und allen thoͤrichten Jungfrauen/ die solchen Rath verachten/ und mit Fuͤssen tretten/ ihr Urtheil allbereit gefaͤllet/ Matth. 25, 10. Die Thuͤr ist verschlossen/ ich kenne euer nicht. Sie fah- ren in ihrem Narren-Schiff der Hoͤllen zu/ sie werden dermal eins/ aber zu spat/ die Haͤnde uͤber dem Kopff zusammen schlagen/ und sagen: O wir Narren/ wir haben des rechten Wegs verfehlet/ Sap, 5, 6. Also werden die Marianer gewiß ihres Glaubens geniessen/ hie sollen sie haben mnemosynon eines guten Nahmens/ dort die ewige unverwelckliche Himmels-Cron. Das helff uns JEsus GOttes und Mariaͤ Sohn/ unser Heyland und Gnaden-Thron. Amen. Die Dritte Predigt/ Von Der Predigt Christi/ deren Maria zugehoͤret. G Eliebte in Christo. Unter andern hell-leuchtenden Liechtern und Gotts-gelehrten alten Lehrern/ welche den Gna- den-Himmel/ das Gnaden-Reich Je su Christi von Alters her/ mit Predigt. mit ihren Gaben/ Mund und Weißheit erleuchtet und gezieret/ ist auch ei- ner/ und zwar nicht der nachguͤltigste/ gewesen/ der weyland beraͤhmte Pa- triarch zu Constantinopel/ so im 4. Seculo 400. Jahr nach Christi Geburt flor irt/ gelebt und gelehret/ nahmens Johañes/ mit dem Zunamen Chry- sostomus, das ist/ Guldmund/ oder guldenmuͤndige Lehrer/ nicht allein da- rum/ weil er guldene Aepffel/ in silbern Schalen/ das ist/ das koͤstliche Gold des wahren Glaubens/ 1. Petr. 1, 7. in außerlesenen schoͤnen Worten und Wort-Blumen fuͤrgetragen/ und alle seine Rhetoric und Philosophi e, seine freye Kuͤnste/ die er in der Jugend auff der Hohen Schul zu Athen studirt/ artig an den Mañ gebracht; sondern auch ob flumen eloquentiæ aureum, wegen des guldenen Flußes seiner lieblichen/ kraͤfftigen/ penetri- renden und durchtringenden Suada, dadurch er als mit einem philtro, maͤnniglich an sich gezogen/ also/ daß wann man gehoͤrt/ Johannes Chry- sostomus werde predigen/ so seind die Leute sturmatim und Stroms-weiß zugeflogen/ der Handwercks-Mann hat seine officin und Werck-statt so lang quittirt/ der Kraͤmer seinen Kram zugeschlossen/ die Schiffleut ihre Schiffe verlassen/ Garten-Baur- und Ackers-Leute haben ihre Arbeit auffgeschoben/ und der Predigt zugelauffen. Ja auch ob auream con- stantiam, wegen der guldenen Bestaͤndigkeit in Truͤbsaal. Wie Gold vom Feur nicht versehret noch verzehrt/ sondern gelaͤutert und bewehret wird/ also auch Chrysostomus: Es fuͤhrte dieser Mann ein eifferige und gewaltige παῤῥησίαν, er griff jederman in die Woll/ und zwagte/ wo er Grind gefunden/ nicht nur dem Poͤbel/ sondern auch dem Clero. Zufor- derst hat er die damalige Lehrer und Prediger/ die seiner Inspection un- tergeben/ und nicht eben alle und allezeit zum besten Haußgehalten/ wacker zu Chor getrieben/ dem Hoff und dessen Junckern/ den Grandibus, dem grossen Eunucho und Kaͤmmerer Eutropio gab er in Predigten gewal- tige Griffe: Dem Arianischen General und Kriegs-Obersten Gaina, der fuͤr seine Arianer und Ketzer kurtzum eine Kirch und Religions-Ubung in der Stadt Constantinopel erpracticiren wollen/ widerstund er kraͤff- tiglich/ schonet auch des Kaysers Arcadii selbs und seiner Gemahlin Eu- doxia so gar nicht/ daß er auch diese eins mals in einer Predigt der Jesabel und Herodias verglichen/ daruͤber nicht nur Feur ins Dach kommen/ sondern es brennete auch das gantze Constantinopolitanische Meer/ und mußte der gute Mann seinen Stab in die Hand nemmen/ und ins bitte- re Exilium hinauß wandern. Aber wie Gold im Feur unversehrt bleibt/ also blieb auch Chrysostomus und seine Alethea oder Confession der Warheit bestaͤndig im Glauben und Gedult/ biß ans Ende. Hier Die Dritte Hier in unserm abgelesenen Text ist mehr als Chrysostomus. So Johannes der Patriarch zu Constantinopel diesen schoͤnen Nahmen ei- nes guldenen Munds merit irt/ und doch ein bloser/ suͤndlicher/ sterbli- cher Mensch geweßt/ und in seinem manchmal fleischlichen Eiffer exceß begangen/ bey dem eben nicht allezeit Gold geweßt/ was geglaͤntzet; Wie viel mehr ist ὁ λόγος ὑϖοϛατικὸς, der ewige Sohn GOtts/ des Vaters Rath und ewiges Wort/ der grosse Prophet JEsus von Nazareth/ dessen Haupt das feineste Gold/ Cant. 5, 11. dieses Namens wuͤrdig und werth/ als welcher freylich aurea poma, guldene Paradiß-Aepffel/ mysteria fi- dei, auß dem Schooß seines Himmlischen Vaters herab gebracht/ und uns damit gekramet/ in silbern Schaalen der außerlesensten schoͤnsten Wort/ in Wort-Blumen/ Raͤtzeln/ Figuren/ gnomis, para beln und der- gleichen/ dieselbe vorgetragen/ Er hat mit seiner lieblichen/ gewaltigen/ durchdringenden Suada totos greges bey viel tausenden an und nach sich gezogen/ also/ daß sie im Gedraͤng der Menge einander getretten/ Luc. 12, 1. samtlich uͤber diesen Mann sich verwundert/ uͤber seiner holdseligen Lehr/ die auß seinen Lippen geflossen/ einander angesehen und gesagt: Es hat nie kein Mensch also geredet. Joh. 7, 46. Er ist auch freylich au- rum in ignibus geweßt/ Er hat niemand geschont/ daß auch seinen freyen Muth und wahren Mund seine abgesagte Feinde/ die Pharisaͤer und Schrifftgelehrten fuͤhlen und ruͤhmen muͤssen: Matth. 22, 16. Meister/ wir wissen/ daß du warhafftig bist/ und lehrest den Weg GOt- tes recht/ und du fragest nach niemand/ dann du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Welche Bekañtnuß Er fuͤr Pilato ge- than/ und mit was fuͤr Bestaͤndigkeit Er/ wie Gold im Feur/ außgedau- ret/ das hoͤret E. Lieb jaͤhrlich in der Passions-Histori. Jst derowegen wol wuͤrdig und werth/ daß wir uns mit Maria zu seinen Fuͤssen setzen/ seinen guldenen Mund und aureum λόγον hoͤren/ dann nachdem wir die erste Person Martham in ihrer Sorgfalt/ Mariam in ihrer Andacht/ betrach- tet/ so folget nun/ daß wir Christum in seinem guldenen Mund hoͤren/ was und wie er geprediget. Hievon zu reden zu GOttes Ehr/ und unse- rer Erbauung/ wolle Gott der Himmlische Vater die Gnade des Hei- ligen Geistes mildiglich verleihen/ um JEsu Christi willen. Amen. G Eliebte in Christo. Ob nun wol St. Lucas mit duͤr- ren/ klaren und außgetruckten Worten das Thema der Predigt Christi/ die e r gehalten in dem Hauß Marthaͤ zu Bethanien nicht benamset/ Predigt. benamset; sondern in generali, ins gemein nur dieselbe nennet λόγον eine Rede: Maria hab sich gesetzet zu den Fuͤssen JEsu/ und seiner Rede zugehoͤret. Jedoch wann wir das genaue und hoch anbefohlene ἐρευνᾶν, und die ὑϖόνοιαν in acht nemmen. Wann wir gleich einem Weyd- mann und Jaͤger die cubilia, Nester und Loͤcher/ wo das Wildprett ligt/ recht außspaͤen und außspuͤhren; gleich einem Schatz-Graber und Berg- knappen die Gold-Adern recht forschen und ergraben/ so werden wir den Schatz finden/ wissen und verstehen lernen/ was das Thema geweßt/ und wovon er geprediget/ nemlich mit einem Wort/ die Χριϛοσοφία, die Lehre von Christo/ seiner Person/ Ampt und Gutthaten/ das einig noͤthige/ die allerbeste Lehr/ so von uns nicht kan genommen werden. Die gelehrte/ die vermehrte/ die hell erklaͤrte/ die sehnlich begehrte/ die kraͤfftig bewaͤhrte und verwahrte Kunst uͤber alle Kuͤnste/ die Weißheit uͤber alle andere Weißheit/ die Lehr uͤber alle Lehren/ die Erkanntnuß Christi/ daß aber dem also/ und nicht anders/ erhellet 1. auß dem General-Zweck der H. Prophe- ten/ davon Petrus Act. 10, 43. von JEsu Christo zeugen alle Pro- pheten/ symphonicè, mit einhelligem Mund/ das Zeugnuß JEsu ist der Geist der Weissagung. Apoc. 19, 10. Alle Propheceyung ist eine grosse Lucern auff Christum: Weil nun JEsus von Nazareth der grosse Prophet/ Deut. 18, 15. von dessen Liecht alle Propheten empfangen Gnade um Gnade/ der auß dem Schooß seines Himmlischen Vaters fluenta Sapientiæ, Guͤsse und Fluͤsse himmlischer Weißheit herunter ge- bracht/ und von sich fliessen lassen/ der alles was dunckel geweßt/ als der Phosphorus solte erleuchten/ Mosen/ Propheten/ und Psalmen außlegen/ Luc. 24. das Liecht herum tragen/ und sagen: Heut ist diese Schrifft erfuͤllet fuͤr euern Ohren. Luc. 4, 21. So hat freylich der Herr an diesem Ort nicht gefeyret/ und reflexè von sich selbs/ seinem Messianischen Ampt/ Person und Gutthaten eine holdselige Rede gethan/ und dasselbe modestissimè, zuvermeiden die περιαυτολογίαν, und Selbs-Ruhm/ in ter- tia persona, als der vor seiner Aufferstehung sich selbs nicht fuͤr den Mes- siam außtrucklich angegeben/ außgenommen bey der Samariterin/ Joh. 4, 26. Jch bins/ der mit dir redet. Sonst aber/ so viel characteres an- gezeigt/ die an ihm erfuͤllet worden/ daß es ein Blinder greiffen koͤnnen. Es erhellet 2. ex prædicatis, die e r der Herr in seinem judicio von seiner Rede gethan/ auß denen das Subjectum unschwer zu erkennen geweßt. Maria/ sagt er/ hat den besten Theil erwehlet/ das soll nicht von ihr genommen werden. Eines ist noth. Gibt damit klar zu verste- hen/ daß Er seine Rede concip irt von einem Schatz/ von einer hochwei- Neunter Theil. N n n sen Die Dritte sen Lehr/ die einig noͤthig/ die gut/ die die beste Lehr in dieser Welt/ dero Krafft durch kein Gewalt kan entzogen werden/ wann wir nur per indu- ctionem, alle Kuͤnste/ Wissenschafften und Lehren zusammen fassen/ so werden wir kein einige finden/ die mit diesen Qualitaͤten begabt/ als die Christosophia. Dazu dann 3. kom̃t der effect und Frucht dieser Rede/ auß welcher eben dieses auch zu erhaͤrten. Bald nach dieser Rede stellet der Herr ein Examen an mit der Martha/ Joh. 11, 27. dann nach dem Er gesagt: Jch bin die Aufferstehung und das Leben/ wer an mich glaubet/ der wird Leben/ ob er gleich stuͤrbe/ und wer da le- bet/ und glaubet an mich/ der wird nimmermehr sterben. So fragt er Martham/ glaubstu das? darauff sie geantwortet: HErꝛ ja/ ich glaube/ daß du bist Christus der Sohn GOttes/ der in die Welt kommen ist. Woher hat sie diesen Glauben geschoͤpfft? nicht von Fleisch und Blut/ das hat ihr solches nicht offenbaret/ sondern auß der Predigt Christi zu Bethania. Und wie Martha ihres Glaubens Be- kanntnuß gethan mit Worten/ also auch Maria im Werck und Geber- den/ indem sie des Herrr Haupt und Fuͤsse gesalbet/ dann wie der gros- sen bußfertigen Suͤnderin Luc. 7. aͤusserliches Werck ein perspectiv ge- weßt/ dadurch man in ihr Hertz hinein hat sehen koͤnnen/ die Thraͤnen zeug- ten/ daß der Geist zerschlagen und gedemuͤthiget/ daß das Hertz im Leib verwundet/ und geweinet/ und daß es Goͤttlich betruͤbet seye/ der Kuß zeug- te vom Glauben/ der Oelguß von den wahren Fruͤchten der Buß. Also war die Balsamirung Christi ein Zeichen des schimrenden und leuchten- den Glaubens inwendig in dem Hertzen Mariaͤ. Solte man sie gefragt haben/ warum sie das thue/ wuͤrde sie ohne Zweiffel gesagt haben/ das habe ich auß des He rꝛn Je su Predigt gehoͤret/ die Er neulich gethan zu Be- thania. Jch habe Jhn gesalbet als den He rꝛn Messiam und Gesalbten des Herrn/ als den theursten Hohen-Priester/ als den ewigen Koͤnig uͤber das Hauß Jacob. Jch habe Jhn gesalbet/ weil er wird sterben/ und begraben werden/ aber auch wieder aufferstehen/ als dessen Fleisch die Ver- wesung nicht sehen kan. Und ist gar bedencklich/ daß unter den schwach- glaubigen Weibern/ die auff den Ostertag kommen/ Christi Leichnam zu balsamiren/ Maria von Bethania/ Lazari Schwester/ nicht erschienen/ als deren ein solcher heroischer Glaub beygewohnet/ Krafft dessen sie dafuͤr gehalten/ Er werde nach seinem Tod keines balsamirens bedoͤrffen/ sein Fleisch werde die putredinem und Verwesung/ welche zuverhuͤten die Balsamirung angesehen/ nicht sehen/ er werde gewiß von den Todten aufferstehen/ darum sie lieber den lebendigen als den todten Je sum balsa- miren/ Predigt. miren/ und ihren Glauben damit bezeugen wollen/ sie glaube an Christum/ der von den Todten werde aufferstehen. Wo mag diese Maria diese so hohe/ Geheimnuß-reiche Theologi e studirt haben? warhafftig è λόγῳ Bethaniano, auß der Rede/ die der Herr zu Bethania gethan. Darum bleibts darbey/ Christi Rede seye gewesen Christologia, \& Christoso- phia, die Lehre von Christo. Daß aber der Herr seine Christosophiam und Christ-Weißheit nicht bloß superficialiter und oben hin dem Wortlaut nach/ sondern in einem anmuthigen/ artigen methodo damal tract irt; nicht nur bloß ge- lehrt/ sondern auch vermehrt/ erklaͤrt und bewaͤhrt/ dasselbe erscheinet nicht nur auß den Umstaͤnden der Evangelischen Histori/ sondern auch auß seiner holdseligen Art zu lehren/ da er zu unserm groben/ doͤlpischen/ menschlichen Verstand/ der ihm gelassen/ die Geheimnuß GOttes nicht fassen noch verstehen kan oder wil/ sich per συγκατά ασιν herunter gelas- sen/ und zwar 1. was das Incrementum, die Mehrung und das Wachs- thum betrifft. Es war diese Predigt nicht die erste/ die der Herr zu Bethania gehalten/ dann Er freylich ein modium salis mit Lazaro geges- sen/ biß er sein Freund worden; Er hat aber nicht ταῦτα τάυτως immer- dar einerley/ oder einerley zum zweyten mal gebracht/ dann sonst waͤre Maria nicht so unersaͤttlich begierig gewesen zu hoͤren/ massen unser Na- tur also beschaffen/ daß sie gern von je laͤnger je mehr etwas neues hoͤret/ darum hat Er ihr das himmlische Manna auff ein andere weiß zubereitet als zuvor/ bald diese bald jene Propheceyung vorgenommen und außge- legt/ bald diese bald jene Figur an das Liecht gebracht/ und also das Wachsthum des Glaubens befoͤrdert/ allermassen wie er auff solchen sei- nen methodum selber gedeutet/ Matth. 13, 32. Ein Senffkoͤrnlein ist das kleinest unter allen Saamen/ wann es aber erwaͤchst/ so ist es das groͤste unter dem Kohl/ und wird ein Baum/ daß die Voͤgel unter dem Himmel kommen/ und wohnen unter seinen Zweigen. Deßgleichen in der Cur des Blinden. Marc. 8, 24. An- fangs schencket er ihm nur einen Glast/ daß ihm Menschen vorkommen/ als waͤren es Baͤume/ nachgehends aber hat er ihn dermassen zurecht ge- bracht/ daß er alles scharff sehen konnen. So zuͤndet er in der Erleuch- tung des Menschen an ein kleines Liechtlein in dem Verstand/ welches sich je laͤnger je mehr vergroͤssert/ biß der helle Morgenstern auffgehet/ und die Klarheit des Herrn sich spiegelt mit auffgedecktem Angesicht/ 2. Cor. 3, 18. Wir finden II. Illustramentum Christosophiæ, daß der Herr nicht nur ge- N n n ij lehrt Die Dritte lehrt und vermehrt/ sondern auch klar/ deutlich und anmuthig erklaͤrt/ illumin irt und verstaͤndlich gemacht. Waͤre er obscur mit seiner Lehr umgangen/ wuͤrde weder Maria noch sonst so viel Volcks ihm nachge- loffen seyn/ sondern vielmehr abhorr irt/ weil der menschliche grobe Esels- Verstand so geartet/ daß/ wann man es ihm nicht wol wuͤrtzet/ so mun- det es nicht/ wann himmlische Geheimnuß nicht evident gemacht wer- den/ so wollen sie nicht ins Hertz fliessen/ darum der Herr so viel Wort- Blumen und Gleichnussen erdacht/ die himmlische hohe Ding mit ni- dern Worten/ mit menschlicher Zung außgesprochen/ daß mans greiffen muͤssen/ Er hat nicht nur parrhesia, mit hertzhafftem Mund und Muth/ sondern auch parœmia, durch Sprichwort geredt. Joh. 16, 25. dem Ver- stand desto besser einzubilden/ zur interrogation und Frag zu exciti ren/ ut quod difficilius quæritur, dulcius inveniatur. August. in Psalm. 105. Das was man mit grosser Muͤh und Fleiß suchet und forschet/ mit desto groͤsserer Freud und Lust gefunden werde. Wir fin- den in dieser Rede. III. Excitamentum, daß e r die Begierde Mariaͤ und seiner Zuhoͤrer damit erweckt und geschaͤrfft/ indem e r in die schweren Geheimnussen also- bald eingelegt und insinu irt die heylsamen Lehr-Quellen/ Lebens-Quellen/ Trost-Quellen/ Tugend-Quellen/ die calcaria morum, und Tugend-Spo- ren/ als der abermal unsers Hertzens Haͤrtigkeit wol gewußt/ wo man bey einer schweren Lehr nicht alsobald den Nutzen spuͤrt/ so acht man ihrer nicht. Wann zum Exempel ein Rechen-Meister und Gulden-Schreiber seinen Scholaren die Rechen-Kunst/ sonderlich die schweren Formen/ Regulam de Tri, und andere beybringen soll/ so wil der faule Esel nicht dran/ er mag den Kopff nicht druͤber zerbrechen: Wann er ihm aber die Nutzbarkeiten vorlegt/ sihe/ kanstu diese Kunst/ so wirstu in dem Gewerb und Handthierung/ da viel zu rechnen seyn wird/ gar leichtlich fortkom̃en/ du wirst flugs wissen/ wie hoch die Ehle kom̃t/ niemand wird dir so leicht einen blauen Dunst koͤnnen fuͤr die Augen machen/ die multipl cation ist darzu gut/ die division dortzu/ ꝛc. Also auch Christus/ der beste Didacticus, als der sich aller Verstand nach accommod irt und bequemet. Wir finden IV. Firmamentum, die ἀσφάλειαν, Befestigung/ Bewaͤhrung und Gruͤndung dessen/ was er gelehret. Er hat den Nahmen nicht haben wollen/ als proponi re Er etwas auß seinem eigenen Hirn/ als haͤtte Er es auß sich selbs gesponnen/ Joh. 5, 31. Sondern Mosen/ die Propheten und Psalmen allegir te Er allenthalben/ seine adversarios ad ἀνοιαν us- que zu uͤberweisen/ und also das Hertz zu befestigen/ daß es nicht wancken soll/ Predigt. soll/ und zwar was unsern gegenwaͤrtigen Text anlanget/ so hat unser liebste Heyland seine Christosophiam bewaͤhret auß den Psalmen Da- vids/ und wie Er von Maria ist gesalbet worden/ so hat Er auch von der Salbung geprediget/ Er seye der Gesalbte zu Zion/ den David gemeinet und verstanden/ wann er im 2. Psalm also sagt: Warum toben die Heyden/ und die Leuthe reden so vergeblich? Die Koͤnige im Lande lehnen sich auff/ und die Herren rathschlagen miteinan- der wider den HErꝛn und seinen Gesalbten? Jtem/ wann im 45. Psal. v. 8. steht: Du liebest Gerechtigkeit/ und hassest Gott- loß Wesen/ darum hat dich GOtt/ dein GOtt gesalbet mit Freuden-Oel/ mehr denn deine Gesellen. Sonderlich Psalm. 16, 10. Du wirst meine Seele nicht in der Hoͤlle lassen/ und nicht zu- geben/ daß dein Heiliger verwese. Und hat also Christus profit irt Χριϛοσοφίαν Davidicam, dann gleichwie David seine groͤste Hertzens- Freud gehabt an seinem versprochenen Sohn dem Messia/ massen kein groͤssere Freud nach der Himmels-Freud/ als wann ein Vater Ehr an seinem Sohn siehet/ e. g. da Jacob gehoͤret/ daß sein Sohn Joseph seye ein Groß-Herꝛ in Egypten/ fiel er in ein Ohnmacht: Also hat David zwar groß Creutz und Hertzenleyd an seinem ungerathenen Sohn erlebt/ aber Salomo/ nicht der irdische/ sondern der himmlische war sein delicium und Trost/ dem zu Ehren dichtet und stimmet er manchen schoͤnen Psal- men/ mit Jauchtzen und Frolocken/ da er solches alles im Geist gesehen: Also hat auch sein Sohn der Messias sonderlich seines Groß-Vaters Gedicht und Gesicht/ Lieder und Psalmen alleg irt und gefeyret. Wie nun diesem allem nach bey dieser general Intimation Christli- che Lehrer und Prediger/ als die Ora des himmlischen Chrysostomi, die der Herr selbs gewuͤrdiget/ seine/ als des gulden-muͤndigen Lehrers ora zu nennen/ Jer. 15, 19. still zu stehen und zu lernen haben den rechten/ Go tt wolgefaͤlligen methodum concionandi. Hie stehet die Idea Conciona- toris, der Außbund aller Prediger/ keiner hats je besser gemacht/ wirds auch keiner besser machen koͤnnen. Darum lernet von ihm Thema, Centrum, Scopum omnium concionum, wovon ihr eigentlich/ fuͤrnem- lich/ exochicè predigen solt/ nemlich/ nicht von Fabeln auß den Legenden/ sondern von Christo/ seiner Person/ Ampt und Gutthaten/ daher wil Paulus nichts wissen/ als JEsum Christum den Gecreutzigten/ wer an- ders gesinnet ist/ der prediget mehr Paͤbstisch/ moralistisch und Heydnisch/ als Christlich und Evangelisch. Lernet Thematis methodum, ἄυξησιν, N n n iij Jhr Die Dritte Jhr sollet seyn didactici, lehrhafft/ stehet in der Hauß-Taffel/ und dem- nach semper Augusti, allezeit Mehrer des Glaubens/ plus ultrà, von ei- ner Klarheit zur andern/ nicht ταῦτα ταύτως vorbringen/ sondern άυξη - κῶς, daher ihr auch immer im Studieren sollt wachsen/ denn die Quell ist unerschoͤpfflich/ der Fund-Grund ist unergruͤndlich/ niemand kan außstudieren/ und solte er so alt werden als Mathusalem. Wer das widrige thut/ der ist gleich einem armen Mann/ der in aller seiner Haab und Nahrung nicht mehr/ als ein dutzet Thaler vermag/ wann derselbe immer seine Thaler wolte zehlen sine addito und Zusatz/ und ihm doch einbilden/ er seye gar reich/ er habe satt und gnug/ den wird man fuͤr ei- nen Thoren halten/ massen dergleichen einer geweßt der Engel der Ge- meine zu Laodicea/ Apoc. 3, 17. der sagte: Jch bin reich/ und habe gar satt/ und darff nichts. Lernet die declarationes und Erklaͤrungen/ suchet alle artes organicas, die ihr in der Schul gelernet/ herfuͤr/ dieselbe zu accommodi ren/ die Logic, Rhetoric, Phisoph ie muß alles dienen. Das Wort GOttes ist gleichsam ein Himmel/ darinnen die Sternen sich unter einander beleuchten/ da dann die Perspectiven nicht verbotten/ sondern gebotten werden. Das Wort GOttes ist ein Edelgestein/ dar- um wird der Finger-Ring/ denselben zu fassen/ nicht weg geworffen. Das Wort GOttes ist eine Koͤnigin/ darum muß sie auch ihr Frauen- Zimmer haben/ die ihr auffwarten/ und Dienst leisten. Wer das wi- drige thut/ und immer nur die Schrifft alleg irt ohne Erklaͤrung/ der predigt auff gut Moscowitisch und Barbarisch. Spondan. ad ann. 1579. n. 16. annotat: Conciones apud populum, quibus is eru- diatur, nullas à Sacerdotibus haberi patiuntur, sed quæ à veteribus Doctori- bus Græcis tradita sunt, in suam linguam hanc ob causam traducta, stu dio- sèque conquisita à scripto publicè pronunciant: seu quod homines nullis literis eruditi suo ingenio minus confidant: seu quod propius vero videtur, ne pro curiositate humani ingenii nova inveniendi studio ab antiquitate \& veritate recedatur. Quod \& profectò satius esset à multis nostrorum con- cionatorum observari; quàm ad solam vanitatem, ut faciunt, declamantes, effutire, quæ nec ipsi intelligunt, nec proinde ab auditoribus intelligi pos- sunt. Et tamen ita plerique compositi sunt, ut hujusmodi hominum inani, loquentiam solidæ verbi Dei prædicationi præferant; parùm de fructu ani- mæ curantes modò verba ad aures jucundius sonent. Discite excitare, lernet die Lehr-Quellen und Tugend-Quellen auß dem Text recht herauß ziehen/ und die Lehre von Christo also leicht machen/ daß man ein Anmuth gewinne/ ex. gr. die Lehre von Mittheilung der Ei- genschafften/ Allgegenwart Je su Christi scheinen schwerer zu seyn/ also daß der Auditor und Zuhoͤrer ein Eckel daran hat/ er abhorr irt/ wann man Predigt. man aber den Usum practicum weißt/ so kan man sie ihme mit Lust und ohne Muͤhe beybringen. Die das widrige meynen/ sind gleich den Al- chymisten/ die viel vom Gold-machen ruͤhmen/ kom̃ts zum Treffen/ so ists eine blose Scientia. Lernet die geistliche Firmung/ kom̃t nicht auff- gezogen mit grossen farraginibus dictorum, die memori sehen zu lassen/ sondern arbeitet ein dictum recht auß/ bewahrets fest/ und wickelts auß/ vindic irt es/ wo Noth fuͤrhanden/ unterscheidet Liecht und Finsternuß. Solches fordern euere Zuhorer von euch/ wann sie singen: Laß uns in deiner Liebe/ und Erkanntnuß nemmen zu/ wann sie vor der Pre- digt beten: Weil all unser Heyl daran stehet/ daß wir deines hei- ligen Worts einen rechten Verstand haben/ ꝛc. Jtem/ nach dem H. Abendmahl: daß wir im Glauben an dich/ der durch die Liebe thaͤtig sey/ immer mehr wachsen und zunemmen. Sol- ches thut/ was sie von euch begehren/ dann durch euch wil Gott erhoͤ- ren/ ihr solt seine oracula und Mund seyn/ thut ihrs nicht/ wuchert ihr nicht recht mit euern Talentis, so dencket an den Goͤttlichen Donner- strahl/ Matth. 25, 30. den unnuͤtzen Knecht werffet in die Finster- nuß hinauß/ da wird sein Heulen und Zaͤhnklappen. Jst ein Wort/ daß einem gewissenhafften Prediger soll heiß machen. Wie/ sag ich/ diese ihre Lection Doctores und Studiosi zu behalten. Also auch ihr lieben Zuhoͤrer/ sehet zu/ daß ihr auch gern hoͤret/ der Rede des HErꝛn JEsu zuhoͤret/ wie Maria/ daß ihr auch gern hoͤret Χριϛοσο- φίαν auctam, und je laͤnger je mehr in der Erkanntnuß Christi wachset/ von einer Klarheit in die andere. Daß ihr auch gern die Erklaͤrung hoͤ- ret/ wann sich Christus in euch spiegelt/ daß ihr euch sehnet nach den Lehr- Quellen/ gierig seyt nach der lautern Milch/ nicht nur zu trincken/ son- dern auch im Glauben zuerstarcken/ und solches im Leben zuerweisen/ daß ihr auch die Firmamenta nicht abhorr irt/ ein Abscheuen habt an den controversiis in thesi und antithesi, dann daher kommen die Apostatæ, daß man wehrloß an den Feind gehet/ daß ihr also fest werdet/ und euch nicht muͤsset wehen lassen von allerhand Winden der Lehre. Der Aller- hoͤchste Gott gebe um Christi willen/ durch seinen Heiligen Geist/ daß/ wie es von mir/ in meiner Intention und andaͤchtigem Gebet/ zu euerer armen Seelen Seligkeit gemeynet/ es also auch angenommen werde/ und Frucht bringe. Es woll uns GOtt gnaͤdig seyn/ Und seinen Segen geben: Sein Die Vierte Sein Antlitz uns mit hellem Schein Erleucht ins ewig Leben. Uns segne Vater und der Sohn/ Uns segne GOtt der H. Geist/ Dem alle Welt die Ehre thut/ Fuͤr ihm sich foͤrchten allermeist. Nun sprecht von Hertzen AMEN. Die Vierte Predigt/ Von Dem Einig Noͤthigen. G Eliebte in Christo. Man hu? Was ist das? Also fragten und sagten die Kinder Jsrael in der Wuͤsten/ da sie zum ersten mal das Manna/ so vom Himmel herab geregnet/ und ihnen zugeschnien/ in die Augen bekom- men und gesehen. Man hu, quasi Mahu, was ist das? Dann/ stehet dabey/ sie wußtens nicht/ was es war. Exod. 16, 15. Moses berichtet sie/ was es sey: Es ist das Brod/ daß euch der HERR zu essen gegeben hat: Es ist Himmel-Brod. Gott der Herr hat die Thuͤr des Himmels eroͤff- net/ und auß den Wolcken herab regnen lassen: Es ist Engel-Brod/ durch Geschaͤfft der Engel/ als der Becken/ gebachen/ zugerichtet und bereitet/ und so anmuthig/ safftig/ delicat/ suͤß und gut/ daß/ wann die Engel Speiß haͤtten beduͤrfft/ sie kein andere als dieses Brod wuͤrden begehret haben: Ein sonderbares Brod/ auff eine sonderbare weiß ge- schaffen/ klein wie Reiff/ rund wie Coriander-Saamen/ weich wie But- ter/ so von der Sonnen-Hitz zerschmeltzt/ hart/ wann man es vor der Sonnen auffgelesen/ so hart/ daß mans mit Muͤhlen zerreiben und zer- stossen muͤssen. Num. 11. 8. Es ist aber auch βρῶμα πνεευματικὸν, ein geist- liches Brod. 1. Cor. 10, 4. Ein verborgenes Manna/ Apoc. 2. Von geist- licher Deutung und Bildung/ nemlich auff ein ander Brod/ welches Moses Predigt. Moses und die glaubigen Jsraeliten im Glauben gegessen. Christus hats auff sich gedeutet/ Joh. 6, 48. Jch bin das Brod des Lebens. Euere Vaͤtter haben Manna gessen in der Wuͤsten/ und sind gestorben. Diß ist das Brod/ das vom Himmel kom̃t/ auff daß wer davon isset/ nicht sterbe. Jch bin das lebendige Brod vom Himmel kommen/ wer von diesem Brod essen wird/ der wird leben in Ewigkeit. Und diß ist nun eben das Brod/ die Speiß/ darzu der Gast seine Wuͤrthin geladen/ der Tisch/ den Er ihr bereitet/ das unum necessarium, das Maria erwehlet. Gleichwie der Hern mehrmalen/ è re natâ, auß gegenwaͤrtiger occasion eine Parabel erdichtet/ und die Gemuͤther vom Jrdischen auffs Himmlische gezogen. E. g. wann Er dort Joh. 4. mit der Samariterin ein holdseliges Gespraͤch gehalten/ und aber seine Juͤn- ger Speiß auffgetragen und gesagt: Rabbi iß/ so sagt der Herr gleich darauff ꝟ. 32. Jch hab eine Speiß zu essen/ da wisset ihr nicht von. Meine Speise ist die/ daß ich thue den Willen deß/ der mich gesandt hat/ und vollende sein Werck. Item Luc. 14. da Er von einem Pharisaͤer Obersten zur Taffel geladen worden/ und unter anderem Gespraͤch einer von den Mit-Gaͤsten gesagt: Selig ist/ der das Brod isset im Reich GOttes. Behend ist der Herr da mit einer Parabel/ von einem grossen geistlichen Gnaden-Mahl/ welches ein Mensch gemacht und viel darzu geladen/ so nichts anders/ als das Evangelium vom Reich GOttes. Also auch/ da Er bey der Martha zu Bethania eingekehret/ und sie ihr mit Tisch bereiten/ sieden/ braten/ kochen/ bachen/ viel Muͤhe gemacht/ solchen koͤstlichen Gast wol zu be- wuͤrthen/ so bereitet der Herr darauff einen geistlichen Tisch/ ladet sie darzu/ mit Vermeldung Eines (nicht wie etliche albere/ ungeschickte Commentatores von ungeuͤbten Sinnen es erklaͤret. q. d. Eine Tracht ist von noͤthen/ mit einer wil ich mich wol contentiren lassen/ sondern Eins/) nemlich Christosophia, die er damal gelehret/ gemehret/ erklaͤret/ bewaͤhret/ wie wir heut acht Tag gehoͤret/ die Christ-Weißheit/ die Er- kanntnuß der Person/ Ampts und Gutthaten des HErꝛn Christi/ der erleuchtete/ gemehrte/ erklaͤrte/ bewaͤhrte Glaub an JEsum Christum/ ist das unum necessarium, welches wir fuͤr dißmal unter der Figur des Manna unius necessarii, zuerklaͤren und fuͤrzutragen uns fuͤrgenom̃en. Der Vater des Liechts wolle mit der Gnad/ Liecht und Beystand des H. Geistes mildiglich hiezu erscheinen. Amen. Neunter Theil. O o o Geliebte Die Vierte G Eliebte in Christo. So ist nun die Christosophia 1. Ne- cessarium necessitate mandati \& medii, keine Chur-freywil- lige Wissenschafft/ die bey uns stuͤnde zu wehlen und zu erkosen oder nicht/ sondern gleichwie das Manna den Kindern Jsrael darum vom Himmel herab geregnet und gegeben worden/ daß sie es essen/ schmaͤ- cken und dauen/ in succum \& sanguinem, in Safft und Krafft ver- wandeln mußten/ wolten sie anders ihre vorhabende Reiß außmessen/ und das Land Canaan frisch und gesund erreichen/ ihre abgemattete Kraͤfften erfrischen/ und nicht erliegen und sterben. Wo nicht? haͤtten sie sich wollen außhuͤngern/ so waͤren sie Moͤrder an ihnen selbs worden. Da es auch dahin kommen/ daß ihnen das Manna nicht mehr munden wollen/ und ihrer Seelen dafuͤr geeckelt/ so sind die gifftige Schlangen herfuͤr gewischt/ und haben dieselbe schmertzlich gepeiniget und erwuͤrget/ Num. 11. \& 21. Also necessitate mandati ist uns gebotten/ Christum in allen seinen Gutthaten zu essen/ es ist keine frey-Chuͤrliche Speiß und blo- ses Schau-Essen/ oder Augen-Weyd/ sondern es hat die Weißheit ihren Tisch bereitet/ und ihre Dirnen außgesandt/ zu laden oben auff die Pallaͤste der Stadt/ wer alber ist/ der mache sich hieher/ und zum Narren sprach sie/ kom̃t/ zehret von meinem Brod/ und trincket des Weins den ich schencke. Prov. 9, 3. 4. 5. und Esa. 55, 1. Wolan/ alle die ihr durstig seyd/ kommet her zum Wasser/ und die ihr nicht Geld habt/ kommet her/ kauffet und esset/ kommet her/ und kauffet ohne Geld/ beydes Wein und Milch. Noͤthig/ necessitate medii, uns zu erquicken/ geistlicher weiß in Anfechtung/ Schwermuth/ geistlicher Ohnmacht/ die Spiritus zu er- frischen/ die Lebens-Adern zu staͤrcken/ das geistliche Leben/ das recht- schaffene Leben in Christo Je su. Gal. 2, 20. anzuzuͤnden und zu verneuern: wo wicht? so muͤßten wir des ewigen Todes sterben/ wir geriethen in den ewigen Hunger/ die feurige Schlangen wuͤrden hie unsere Gewissen ver- wunden nagen und plagen/ dort aber in der ewigen Pein der hoͤllische/ ungeheure grosse Feur-Drach/ dann so lautet die peremptoria Christi, Joh, 6, 51. Wer von diesem Brod essen wird/ der wird leben in Ewigkeit/ er wird nicht sterben verstehe des ewigen Tods/ und ꝟ. 53. Warlich/ warlich ich sage euch: werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschen-Sohns/ und trincken sein Blut/ so habt ihr kein Leben in euch. Das heisset præcisè rund abgeschlagen. Was ist aber das? moͤchte jemand sagen/ was verstehet er durch das Essen? die Capernaiten kunten sich auch nit drein richten/ σκληρὸς λόγος, das Predigt. das ist ein harte Rede! wie kan dieser uns sein Fleisch zu essen geben? sol- len wir Menschen-Fleisch essen? Antwort: Bey den Hebreern ist die Fi- gur und Wort-Blum gar gemein/ daß essen so viel heißt als wissen/ ler- nen/ erkennen/ glauben; und finden wir dergleichen unterschiedliche Ex- empel/ Syr. 15, 3. c. 24, 29. Luc. 14, 15. Apoc. 10, 9. Wann nun ein hungeri- ger/ abgematteter Mensch isset/ die Speiß in Mund nim̃t/ verkaͤuet/ diesel- be wol verdauet/ ihm wol schmecken laßt/ dann einem froͤlichen Her- tzen schmecket alles wol/ was er isset/ Syr, 30, 27. er verwandelts in succum \& sanguinem, es wird auß Speiß und Fleisch ein Ding. Also wil der Herr auch von uns haben/ daß wir als die Hungerige nach der Gerechtigkeit/ die wie der verlohrne Sohn geistlicher weiß Hunger und Kummer gelitten/ an unsers Vaters Hauß dencken/ und wann uns das Himmel-Brod/ das verborgene Manna/ Christus mit allen seinen Gut- thaten in silbern Schalen/ im Evangelio/ wird fuͤrgetragen/ wir ihn mit dem Mund des Glaubens fassen/ wol verdauen per meditationem und geistliche Betrachtung/ wie Maria von Nazareth/ uns lassen wol schme- cken/ uns damit in Anfechtung erquicken/ und in Christum holdselig ver- einigen/ du bist mein/ und ich bin dein/ uns soll der Tod nicht scheiden. II. Unum necessarium. Nicht nur bloß noͤthig/ sondern unicè ne- cessarium, unum heißt in den Schulen indivisum in se, \& divisum ab alio. Gleichwie das Manna abgesondert und geschieden war von allen andern natuͤrlichen Speisen/ sonderbare Art/ Krafft und Natur an sich gehabt/ die Kinder Jsrael hatten/ wie sie sagen und klagen/ in Egypten die Fuͤlle Fleisch und Knoblauch/ Exod. 16. 3. so hat ihnen auch zweymal Gott der Herr Fleisch gegeben/ und Wachtlen angerichtet/ das war zwar delicat, aber nicht noͤthig/ ja wol per accidens schaͤdlich/ dann weil sie allzu gierig darauff gefallen/ haben sie ihnen den Tod an den Hals ge- fressen. Gott wußte wol/ was ihnen einig noͤthig und gut war/ darum gab er ihnen das Manna gantz sonderer Art/ davon sie dermassen erstarck- ten/ daß so lang sie in der Ordnung geblieben/ und davon gegessen/ nicht muͤd noch kranck worden/ unangesehen sie kein Brod gegessen/ noch Wein und starck Getraͤncke getruncken. Deut. 29, 6. Also seind zwar dazumal zun Zeiten Christi allbereit viel Wissenschafften und Kuͤnste im Schwang gegangen/ und in grossem Werth gehalten worden/ nicht allein schwartze Kuͤnste/ zauberische Kuͤnste/ Teuffels-Bannungen/ Politische Sophiste- reyen/ Pharisaͤische und Sadducaͤische Philosophiæ, wie Josephus be- zeuget l. 8. c. 2. sondern es ist auch die Salomonische Weißheit beruͤhmt gewesen/ unter dem Volck GOttes beliebet/ und certo gradu geuͤbet wor- O o o ij den/ Die Vierte den/ sonderlich feine poëmata, ænigmata, Gedicht und Raͤtzel/ feine Po- litic und Oeconomie/ daruͤber sich die Koͤnigin von Mittag nicht gnugsam verwundern koͤnnen. Aber alles abgeschmackt/ theils verbot- ten/ theils nichts nutz zur Seligkeit/ es mundete der Mariaͤ nichts/ al- lein die Christosophia, die von allen Wissenschafften weit weit unter- schieden/ so weit als Himmel und Erden/ als das Himmlische und Jr- dische/ als das Vergaͤngliche und Unvergaͤngliche. III. Unum indivisum in se, ein unverschiedenlicher/ unzertrennlicher und untheilbarer Schatz. Gleichwie das Manna ein solches Gemaͤcht gewesen/ das seine gewisse Maaß gehabt/ wie viel ein jeder samlen und es- sen solte/ nicht zu viel/ noch zu wenig/ doch zur Saͤttigung: Der Herr sagt/ Er wolle Brod geben/ daß sie sollen davon satt werden/ Exod. 16, 12. ein Gomor auff ein jeglich Haupt/ so viel ein gesunder Mensch des Tages zur Speiß von noͤthen hatte/ und essen mochte/ einer viel/ der ander wenig/ aber/ (sagt Moses) da mans mit dem Gomor maß/ fand der nicht/ druͤber/ der viel gesamlet hatte/ und der nicht drunter/ der we- nig gesamlet hatte/ sondern ein jeglicher hatte gesamlet/ so viel er fuͤr sich essen mocht. Exod. 16, 17. 18. Also hat die Christosophia ihr Maaß und Ziel/ und leidet weder Zugang noch Abgang/ weder zu luͤtzel/ noch zu viel/ doch satt. Einem ist mehr zu wissen von noͤthen/ als dem an- dern/ einem Theologo mehr als einem gemeinen Christen/ einem Erleb- ten mehr als einem Kind/ einem Burger mehr als einem Bauren/ doch daß sie alle satt haben/ und keiner zu viel oder zu wenig wisse/ lerne und glaube/ als ihme zu wissen von noͤthen/ der Zweck nemlich/ das geistliche Leben zu erhalten/ gibt Zahl/ Maaß und Gewicht/ wie viel einem jeden zu wissen von noͤthen. Gleichwie einer wolbestelten Republic eine gute be- waͤhrte heilsame Apotheck wol ansteht/ darin man nicht allein Hirsch- horn/ koͤstlichen Bezoar/ Perlin-Wasser/ die in Hinzuͤgen zu gebrauchen/ sondern auch Artzney von allerhand speciebus und Gattungen auff aller- ley Faͤll finden und antreffen kan/ daß nichts breste. Also ists nicht gnug so viel wissen/ als in agone im letsten Abtruck/ im Noth-Knopff und Hin- farth von noͤthen/ da behilfft man sich etwan mit einem einigen safftigen und kraͤfftigen Spruch: Sondern/ was die gantze Zeit uͤber in allerhand Anfechtungen/ derer viel tausenderley casus, dienen kan zur Erhaltung des geistlichen Lebens/ zu Ruh/ Fried und Freud des Gewissens/ die See- le zu nehren/ und sich zu wehren/ wann Anfechtung kom̃t daher/ die einen bald kan verkehren: zu Schutz und Schirm wider allerhand Schatz- Raͤuber/ richtig und troͤstlich zu glauben/ kindlich und zuversichtiglich zu beten/ Predigt. beten/ Christ-gewissenhafft zu leben/ dapffer und ritterlich zu streiten/ und endlich selig abzusterben/ da ist eine gantze vollkommene Christosophia von noͤthen/ die selbs begraͤntzte ἀυτάρκεια hat hie kein statt und platz. Lu- therus schreibet Tom. 6. Witteb. p. 179. Der Glaub soll und muß gantz rund und rein sein/ ob er wol schwach seyn kan/ und an- gefochten werde/ dennoch soll und muß er gantz und nicht falsch seyn. Schwach seyn thut den Schaden nicht/ aber falsch seyn/ das ist der ewige Tod. Die Christosophia ist gleichsam eine Kette/ wann ein Gleich solv irt und auff geloͤßt wird/ so geht die gantze Kett drauff/ also wann in der Christosophia ein Articul fehlt/ so geht die gantze Chri- stosophia zu Grund. Athanasii Symbolum lautet hart/ aber wahr und gewiß; Wer da wil selig werden/ der muß fuͤr allen Dingen den rechten Christlichen Glauben haben/ wer denselben nicht gantz und rein haͤlt der wird ohn Zweiffel ewiglich verlohren seyn. Dann so ein einiges Staͤublein/ das in das zarte Glaubens- Aug kom̃t/ dasselbe verletzt/ so ein einiger Jrthum in einer Grund-Lehr den Seelen-Schiffbruch causi rt/ wie an dem Exempel Hymenæi und seinem Anhang zu ersehen: der hatte in die Corinthische Kirch den Jr- thum von der bloß-geistlichen Aufferstehung des Fleisches eingeschoben/ und also den Glauben der reinen Lehr und guten Gewissens von sich ge- stossen/ aber damit hat er am Glauben Schiffbruch gelitten; Er hat da- mit den seligmachenden Glauben/ und mit demselben die Seligkeit ver- lohren/ dann wo kein gut Gewissen mehr ist/ da ist auch kein rechter selig- machender Glaub. Ein wenig Saurteig versaͤurt den gantzen Teig. Es kan geschehen/ daß wann ein Bruder in der Lehr von der Christlichen Freyheit sich stosset/ verirret und verwirret wird/ er uͤber solchen Jrthum und Stoß verderbe und verlohren werde: So nun ein eintziger Grund- Jrthum die Seele dem Tod in den Rachen liffern kan/ wie wird der je- nigen Seelen gewartet werden/ welche den gantzen Grund miteinander umreisset? Wahr ist es/ es seind die Haupt-Articul der gesunden Lehr nicht eben zu allen Zeiten gleich noͤthig/ es kan seyn/ daß ein und der an- der Christ von dieser und jener Versuchung unangefochten bleibet/ daß ihm also die Wissenschafft derselben Lehr so nothwendig nicht ist/ als ei- nem andern; gleichwol aber muß er immer in der Gefahr stehen/ was jenem widerfahren/ koͤnne ihm auch geschehen: Jst er alsdann nicht wol præserv irt und verwahrt/ so kan er in eine geistliche und toͤdliche Seelen- Kranckheit gerathen/ und des ewigen Heyls verlustigt werden. O o o iij IV. Eli- Die Vierte IV. Eligibile, Wehlwuͤrdig und Churwerth/ wann einem Koͤnig die Tafel gedecket wird/ da alles vollauff und delicat, und aber der Medicus sagt: Jhr Majestaͤt wollen bey dieser eintzigen Tracht bleiben/ die ist gesund: Varietas ciborum est causa morborum, so folget er: Also haͤtten die Kin- der Jsrael nicht sollen geluͤstrig werden nach dem Knoblauch/ Fleisch und Fischen Egypti/ sondern sich mit dem Manna begnuͤgen lassen/ welches Jsraels Artzt/ (der gesagt: Jch bin der Herr dein Artzt/) vom Himmel herab gleichsam ihnen recommend irt und verordnet: Unsere erste Mut- tee haͤtte nicht essen sollen von dem verbottenen Baum/ weil sie aber nicht recht gewaͤhlet/ hat sie ihr und uns den ewigen Tod an den Hals gefressen. Viel besser und kluͤger machte es der Fuͤrstliche Prophet Daniel/ und seine Gesellen/ die contentirten sich mit Zugemuͤssen/ tanquam uno necessario, und einig-noͤthigen/ und bedanckten sich der Koͤniglichen Tractamenten. Also hatte auch David das unum necessarium erwehlet/ Ps. 27, 4. Eins bitte ich vom HErꝛn/ das haͤtte ich gern/ ꝛc. Ps. 86, 11. Erhalte mein Hertz bey dem einigen/ daß ich deinen Namen foͤrchte. h. e. erkenne und ehre. Assaph/ Ps. 73, 25. HErꝛ/ wann ich nur dich habe/ so frage ich nichts nach Him̃el und Erden. Paulus/ 1. Cor. 2, 2. Jch hielte mich nicht dafuͤr/ daß ich etwas wuͤßte unter euch/ ohn allein JEsum Christum den Geereutzigten. Das an- dere alles haͤlt er fuͤr σκύ αλα. Philipp. 3, 8. Und eben ein solche kluge Weh- lerin und Chur-Frau ist auch unsere Maria von Bethanien/ sie laßt der Schwester ihr haͤußliche Klugheit und Sorgfalt/ gehet der Phariseer und Sadduceer Secten muͤssig/ wartet hungerig und durstig auff den Trost Jsrael: Ach daß die Huͤlffe auß Zion uͤber Jsrael kaͤme/ ꝛc. Er kuͤsse mich mit dem Kuß seines Mundes/ fasset ihn mit dem Mund des Glaubens/ sauget auß seinen Bruͤsten die lautere Milch des Evangelij/ verkauet ihn durch heilige meditationes, erquicket sich inniglich/ und wird mit demsel- ben geistlicher weiß vereinbaret/ da es nachmalen dann bey ihr geheissen: Hosianna/ him̃lisch Manna/ das wir essen/ deiner kan ich nicht vergessen. So klug nun diese unsere Maria von Bethanien/ die edle Tugend- Cron geweßt in ihrer Chur und Wahl/ und das rechte unum necessarium getroffen/ und nunmehr solcher ihrer Wahl genossen/ und geniessen wird in Ewigkeit. So thoͤricht und unsinnig haben je und allezeit gethan und gehandelt/ thun und handeln noch alle die jenige unvorsichtige Wehler/ die in Brands Narren-Schiff dem ewigen Tod in Rachen hinein fahren. Nicht allein 1. die Fastidian ten/ die Gallioni sten/ Pilati ner/ die Festia ner/ die von Christo allerdings nichts wissen wollen/ welchen fuͤr dieser losen Speiß Predigt. Speiß eckelt/ die sind warhafftig rechte Selbs-Moͤrder/ die sich muthwil- liger weiß selbs außhuͤngern/ und von dem gifftigen feurigen Gewissens- Wurm nagen und plagen/ verwunden und toͤdten lassen. Nicht allein 2. die Delicia ner in temporalibus, die vor der Welt-Weißheit zur him̃lischen Christ-Weißheit nicht kom̃en koͤnnen. Nicht allein die mit der Schwartz- Kunst/ mit falschen irrigen Lehren behafftet/ die περίεργα, Alfentzerey und fuͤrwitzige Kunst treiben; sondern auch die sonst-erlaubte Kuͤnste nicht in rechter Ordnung zum rechten Gott wolgefaͤlligen Zweck tractiren/ non- necessaria docent \& discunt, necessaria nesciunt, die nicht noͤthige Sa- chen lehren und lernen/ die noͤthige aber nicht forschen/ suchen und begeh- ren zu fassen. Wann zum Exempel der Theologus es beym blosen Wis- sen laßt verbleiben/ von Christo predigt/ kan aber den rechten Safft und Krafft nicht herauß ziehen/ auff welche weiß der Teuffel der beste Theo- logus. Wann der JCtus, der in foro ag irt/ sich bemuͤhet die causas zu ge- gewinnen/ aber in foro Justificationis divino, wie er seiner armen See- le moͤchte rathen und helffen/ nicht sorgfaͤltig ist/ und im geringsten nicht achtet/ und ihme fremde Goͤtter seyn laßt: Wann der Medicus andere am Leib heylt/ sich aber nicht an der Seel/ und die Wunden des Gewissens curiret: Wann der Philosophus excell irt in weltlicher Weißheit/ uͤber seinem Aristotele, Tacito, Polybio, Cicerone sitzt/ da er die Christoso- phiam lernen/ und andere gute Exempel geben solte: Wann der Diale- cticus gute Schluß-Reden macht/ unterdessen aber nicht achtet des Syl- logismi, qui mortis non timet Ergò: Wann der Grammaticus critisi rt/ und die Zungen polirt/ aber die einige rechte Sprach nicht kan: Abba/ lie- ber Vater/ den einigen Nominativum nicht weiß/ Je sum Christum einen Herrn zu nennen. Sonderlich gehoͤren hieher die jenige Oeconomi, die alles auff Chrysum/ nicht aber Christum richten. Die subtilen Alchy- misten/ die mit nichts umgehen als mit Gold machen/ und zwar dasselbe herauß pressen und zwingen auß Steinen/ auß Holtz/ auß Papier/ auß Woll und Tuch/ Frucht und Wein/ offt per fas \& nefas. Die ihre Kinder nicht anziehen ad unum necessarium, sondern zu Vanitaͤten/ gar wenig seind deren/ die sagen: Mein Kind muß ein guter Christ werden/ diese alle sind vor Gott rechte Thoren und Narren/ und rechte Selbs-Moͤrder. Sondern es gehoͤren auch hieher alle Schell-wuͤrdige Thoren/ die das Unum Indivisum nicht beobachten/ das rechte Maaß nicht treffen/ thun der Sachen entweder zu luͤtzel/ oder zu viel/ glauben weniger oder mehr/ als sie wissen und glauben sollen. Das ertz-blinde Pabstthum ist nichts an- ders/ als eine solche verdam̃liche Superstition, da man mehr auß dem un- geschrie- Die Vierte geschriebenen Wort glaubet/ als man nach der geschriebenen Regul glau- ben soll: was Gott zu glauben befohlen/ hat man gar gnau zusam̃en ge- packt/ und in den fidem implicitam eingeflochten/ was aber Gott nicht befohlen zu glauben/ da ist man unersaͤttiich/ und ist des Glaubens kein Ort und End/ und gehet alles finaliter auf die Mariosophiam/ was nem- lich den Muͤnchen traͤumet/ was die Jesuiten fuͤr neue Cultus, Heilig- thum und Wunderwerck erdichten. Zu wenig glauben unsere Irenici und Syncreti sten/ alte und neue/ Pareus und Duræus, M. Anton. de Dom. die friedliedende Hertzen/ Cassander, Grotius, Calixtiner und Julianer/ deren neue Invention kurtz dahin gehet/ wolle man in der Religion Kirchen- Frieden stifften/ so seye das das einige Mittel/ man soll alle Controversi en abschneiden/ so nach den ersten 500. Jahren nach Christi Geburt auffkom- men/ man soll das Quomodo indiscretè bloß abschaffen/ gnug ists/ wann einer glaubet/ daß eine Gnadenwahl seye/ Krafft welcher der wenigste Theil zum ewigen Leben außerkohren; daß Christus warhafftig gegenwaͤr- tig bey uns sey; daß der H. Geist seine Gnad im Wort und Sacramenten anbiete; ob aber die Gnadenwahl bedingt oder unbedingt seye? ob Chri- stus nach der Gottheit allein/ oder aber auch zugleich nach der Menschheit gegenwaͤrtig? ob die Gnade des H. Geistes verlierlich/ oder nicht? das soll man den Schulen zu verfechten geben/ und die Kirch damit unverwor- ren lassen; die Schul termini sollen abgeschnitten werden/ als die in der Schrifft nicht stehen/ hernach soll man den Apostolischen Glauben fein einfaͤltig nach dem Wortlaut/ in dem Verstand/ wie er in den ersten 500. Jahren von den Patribus in Conciliis erklaͤret worden/ annemmen/ das uͤbrige soll man den Schulen uͤberlassen/ die Zaͤncker und Disputan- ten haͤmen und zaͤhmen/ alle drey grosse Religionen toleri ren und dul- ten/ ihre Jrꝛthumme nicht anathematisi ren/ auch Kirchen-Freundschafft und Gevatterschafft fuͤr genehm halten/ und zulassen. Das ist das Irenicum melli-veneficum, und suͤß-gifftige Fund Frieden zu machen. Wo ist aber solche Friedens- Condition in GOttes Wort geweyhet? Waͤre das ein canonisi rt Mittel/ warum hat dann Christus mit den Phariseern und Sadduceern keinen solchen Frieden getroffen? Warum hat Paulus mit den falschen Aposteln sich so zerzanckt uͤber dem Quo- modo und Wie der Aufferstehung. Wie werden die Todten aufferstehen/ und mit welcherley Leib werden sie kommen? 1. Cor. 15, 35. Warum hat Athanasius mit den Arianern sich nicht koͤn- nen stellen/ da es doch nur um das einige Wort/ ὁμοουσία, zu thun geweßt? Warum haben es ihnen die August. Confessores bey der ersten Refor- mation so saur lassen werden/ und auch mit Darsetzung ihres Bluts die Predigt. die strittige Articul wider das Pabstthum verfochten/ wann so ein leichter Weg waͤre geweßt Frieden zu stifften? Aber das ist eben die jenige συλα- γωγία, und Kirchen-Raub/ dafuͤr Paulus seine Colosser so treulich ge- warnet/ Col. 2, 8. Jst eben als wañ ein Sohn das koͤstliche/ reiche ansehn- liche Erb/ so ihm von seinem Vater hinterlassen worden/ wolte in zwey Theil dergestalt partiren/ daß er allein die liquidir te unstrittige Mittel/ Zinß-Brieff und Land-Guͤter fuͤr sich behielte/ die andere illiquida und strittige den Rechts-Gelehrten/ oder auch wol dero Miß-Geburten den Rabulis und Zungen-Droͤschern zu verfechten gebete. Solte der Vater wieder lebendig werden/ und solchen traͤgen Fund warnehmen/ wuͤrde er auch mit seinem Sohn zufrieden seyn? wuͤrde er nicht sagen? O du fau- ler ꝛc. meynestu daß ich das grosse Gut deßwegen zusammen gesparet/ daß du die Zeit auff dem Faul-Bett zubringen/ und andern fremden Leuten meinen sauren Schweiß in die Hand spielen koͤnnest? Es hat irgend ein grosser Herꝛ und Potentat durch den Krieg sein Land und Gebiet erwei- tert/ und sich dermassen befestiget/ daß ihm das erworbene nicht wieder zu nemmen geweßt/ so weit ers vielleicht ohn durch das Kriegs-Schwerdt nimmer wuͤrde gebracht haben. An Carolum M. haben sich die Sachsen genoͤthiget/ er waͤre lieber ruhig gesessen/ nachdem ihm aber Gott der Herr ansehnliche Beuten beschehrt/ hat er auch das erstrittene nicht wieder auß der Faust lassen wollen. Nun verhaͤnget Gott der Herr Rotten und Secten Seiner Kirchen zum besten/ auff daß die verborgene Warheit je laͤnger je mehr herfuͤr kom̃e/ und die Trost-Quellen je laͤnger je mehr bekannt wuͤrden: Wer nun durch das Schwerdt des Geistes sol- chen Trost-Schatz erfochten hat/ thaͤt er auch kluͤglich/ wann er durch ei- nigen Ruck-zug zu vorigem Stand denselben auß respect eines unziem- lichen Friedens schwinden lassen wolte? Sprichstu/ auff diese weise muͤß- ten alle Christen gelehrte Leuthe seyn. Antwort: Wolte Gott/ daß alle das Volck des Herrn weissagte/ Num. 11, 29. Gott hat seinen Geist nicht vergebens im N. Test. uͤber alles Fleisch reichlich außgegossen/ auch auff die Knechte und Maͤgde/ sondern zu dem Ende/ daß Soͤhne und Toͤchter sollen weissagen/ Juͤnglinge Gesichte sehen/ und die Eltesten Traͤu- me/ das ist/ eine vollkommene/ wiewol nach eines jeden Talent abgemesse- ne Erkanntnuß GOttes/ einen recht-erleuchteten/ Gotts-gelehrten/ wol gegruͤndeten Glauben haben. Gradus perfectionis wird erfordert/ nicht perfectio gradus. Mit Verwunderung vernimt man von dem Fleiß und Eiffer/ den die Widertaͤuffer in Religions-Sachen von sich scheinen/ und nichts desto minder ihren secularibus nichts abgehen lassen. Wann Neunter Theil. P p p hierin Die Vierte hierin die Kinder des Liechts den Kindern der Finsternuß nichts nachge- beten/ wann die Sonn- und Feyrtaͤgliche Zeit/ die man mit weltlichen Ubungen und Uppigkeiten manchmal zubringt/ zur Ubung und Wachs- thum des Glaubens angewendet wuͤrde/ wuͤrde vielleicht Liecht und leicht werden/ was jetzt dunckel und schwer fuͤrkom̃t. Sprichstu/ unser Wissen ist Stuckwerck/ und unser Weissagen ist Stuckwerck/ wann aber kom̃en wird das Vollkommene/ so wird das Unvollkom̃ene auff hoͤren/ wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunckeln Wort/ denn aber von Ange- sicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ichs stuckweiß/ denn aber werde ichs er- kennen/ gleichwie ich erkennet bin. 1. Cor. 13. Antw. was folget? Ergò sol- len wir auch das Stuck- und Spiegel-Werck nicht begehren zu wissen/ weil wir das Vollkom̃ene nicht wissen koͤnnen? Ergò auch nicht das ὅτι, weil uns das διότι zu hoch? Ergò soll auch ein Discipel das nicht lernen/ was ihm in der untern Schul auffgegeben worden/ weil er die Academi- sche und Facultaͤtische Studia zu tractiren noch nicht faͤhig? Obwol/ schreibet Luther. Tom. 8. Witteb. in Hagg. p. 561. f. 2. diese Ursachen der Menschwerdung des Sohns GOttes nicht gnugsam koͤn- nen ergruͤndet und gesehen werden/ und werden im ewigen Le- ben besser und eigentlicher erkannt und gesehen werden/ so ist doch vonnoͤthen/ daß wir diese Weißheit in diesem Leben anfa- hen zu betrachten/ daß dadurch Verwunderung und Verlan- gen solcher Goͤttlichen Gemeinschafft in uns entzuͤndet werde/ und daß wir mit danckbarem Hertzen solche grosse Wolthaten ruͤhmen und preisen. Sprichstu/ viel tausend einfaͤltige Leute sind oh- ne diese und dergleichen Wissenschafften selig worden/ was ists dann ei- nem jeden gemeinen Layen zu wissen noth? Antw. Wer weiß? wer dieses Liecht haben kan/ und dasselbe verachtet/ der hat so wol als die Phariseer den Rath GOttes (nach welchem Gott der Herr allen Menschen sein Wort geoffenbaret/ daß es die Albern und Einfaͤltigen soll weiß machen in aller geistlicher Weißheit und Verstand) verachtet. Wer wol wehnet/ dem ist wol/ aber hie wird er sich betrogen befinden. Es ist einem Koͤnig besser/ es traͤume ihm/ er sey ein Bettler/ als einem Bettler/ er sey ein Koͤ- nig/ er habe gnug. Das ist fuͤr dieses mal anzuzeigen geweßt. Jst je eine Zeit gewesen hievon zu handeln/ so ists diese/ da das Calixtinische Gifft schon weit um sich gefressen: Straßburg hat sich zu spieglen an Basel/ Bremen/ Colmar/ die durch diese Principia unmercksam verfuͤhret wor- den/ und wie viel seind schon unter uns/ die die Calixtinische Religion im Busen haben/ und wissens nicht/ affectu \& sensu, ob schon nicht profes- sione, Predigt. sione, darum wir Gott zu bitten/ Er wolle uns behuͤten fuͤr Jrꝛsahl/ da- mit wir nicht klagen muͤssen auß Sap. 5, 4. 6. O wir Narren/ wir haben des rechten Wegs verfehlet. Er wolle uns corda Electoralia geben/ daß wir mit Maria den besten Theil/ das einig-noͤthige erwehlen/ daß wir nicht Meister fuchen mehr/ denn JEsum Christ mit rechtem Glau- ben/ und Jhm auß gantzer Macht vertrauen. Amen. Die Fuͤnffte Predigt/ Von Dem guten Theil/ den Maria erwehlet. G Eliebte in Christo. Gleichwie GOtt der HErꝛ in dem irdischen Paradiß-Garten/ den er selbs unmittel- bar und mit allerhand fruchtbaren Baͤumen/ Gewaͤch- sen und Fruͤchten gezieret/ angefuͤllet/ und also dem Men- schen/ ehe er gewesen/ den Tisch gedecket/ und die Tafel be- reitet/ sonderlich zween benamste/ eminiren de/ designir te Baͤume dem Menschen zur Wahl fuͤrgestellet/ einen unter diesen beeden zuerwehlen. 1. Den todten Baum mitten im Garten/ einen boͤsen Baum/ nicht zwar per se seiner Substantz und Wesen nach/ dann so war es ein Lust- und Schau-Baum/ ein Schau-Essen/ den der Mensch anschauen und be- trachten solte: Als einen verbottenen Bann-Baum/ zur Anzeig domi- nii supereminentis, daß der Mensch allein ein Vasall des grossen Lehen- Herꝛn/ dem er zu gehorsamen schuldig: Als einen Prob-Baum/ an dem Gott der Herr des Menschen freyen Willen pruͤffen wolle/ wohin er sich wuͤrde lencken/ zum Boͤsen oder zum Guten/ zum Leben oder zum Tod/ zum Gehorsam oder zum Ungehorsam/ wurde deßwegen genant der Baum des Erkanntnuß Guten und Boͤsen: Als ein Ehren-Baum/ da der Mensch als einem Luco sacro sein Paradiß-Kirch halten/ und Got- tes dienst verrichten/ seinen Schoͤpffer loben und preisen solte/ wie Lutheri Gedancken dahin gehen: Aber auch als einen Todten-Baum/ im fall er nicht Farb halten wuͤrde/ daruͤber alle Evaͤ Kinder noch heutiges Tages wehe-muͤthigst klagen und sagen muͤssen: Unsere erste Elten haben Heer- P p p ij linge Die Fuͤnffte linge gegessen/ und in eine sauren Apffel gebissen/ und unsere Zaͤhne sind davon stumpff worden. 2. Auff der andern Seiten den Baum des Lebens/ einen safftigen/ kraͤfftigen/ lebendig-machenden Baum/ von dessen Genuß der Mensch solte schoͤpffen ein immer frisches/ gesundes/ immer Freud-froͤliches/ immer-lebendes/ unzerstoͤrliches/ und unsterbliches Leben/ und dessen ge- wisse und unfehlbare Versicherung und Versiglung. Also erzeigen sich hie in dieser Welt/ sonderlich im schoͤnen Paradiß- Garten der Christlichen Kirchen zween sonderbare Baͤum/ so theils per accidens alle sichtbare Creatur/ die fuͤr sich selbs gut und unverwerfflich/ aber derselben unordentliche/ unziemende/ verdam̃liche Genuß/ Aß und Speisung/ der schnoͤde Mißbrauch/ wann man dieselbe der Vanitaͤt un- terwirfft/ aͤngstet/ quaͤlet/ martert/ daß sie zu Gott schreyen/ und um Rach ruffen muß/ Rom. 8. die wuͤrcket den Tod/ dero Sold ist der Tod; theils aber auch per se boͤß/ der pestilentzialische Lugen-Baum/ die grund-stuͤr- tzende und betruͤgliche opinion und Meynung der falschen Lehr/ die Se- curi taͤt/ Desperation, und also ἀϖώλειαν nach sich ziehet/ davon Christus sagt: Matth. 7, 17. Ein fauler Baum bringet arge Fruͤchte. Dem zugegen ist aber auch in der Christlichen Kirchen gepflantzet und gesetzt ein Baum des Lebens/ ein gruͤnes Holtz/ ein Holtz des Lebens/ das im Para- diß Go ttes ist/ Apoc. 2, 7. Das Holtz des Lebens/ das dem Prophetischen Evangelisten Johañi in einer Vision erschienen/ Apoc. 22. 1, 2. welches am Chrystall-klaren Strom gestanden/ zwoͤlfferley Fruͤchten getragen/ und dasselbe alle Monat/ dessen Blaͤtter dienen zur Gesundheit der Heyden/ al- ler Voͤlcker. Fragstu/ wer da? und wer der ist? Er heisset JEsus Christ/ Sanctus Sanctorum, Christus est lignum vitæ, Christus ist das Holtz des Lebens/ deutet und schreibet August. l. 13. de Civ. D. 21. So uͤbel nun/ thoͤricht/ und unsinnig Eva unsere erste Mutter geweh- let/ einen schaͤdlichsten/ schaͤndlichsten Mißgriff und Mißtritt gethan/ den Baum des Lebens fuͤrbey gegangen/ und den Baum mitten im Garten den Todten-Baum erwehlet: So wol hat im gegentheil ihre Gottselige und kluge Tochter die Maria von Bethania erkosen und gewehlet: den unziemlichen/ unzeitigen/ allzu muͤhsamen fladernden/ dem Wort Go ttes hinderlichen Genuß und Gebrauch der Creatur und dero zeitlichen Er- goͤtzlichkeit/ daran sich ihre Schwester bemuͤhet/ so dann auch den gifftigen Baum der Phariseischen und Sadduceischen Jrꝛthum hat sie hindan gesetzt/ und erwehlet den rechten geistlichen Baum des Lebens/ Christum JEsum/ zu dessen Fuͤssen sie sich gesetzet/ seine uͤber-Koͤnigliche Tracta- menten Predigt. menten und himmlische/ Englische mysteria angehoͤret/ gegessen/ sich er- goͤtzt und erquickt/ und also mit einem Wort άγαθὴν μερίδα, das gute Theil/ das nimmermehr soll von ihr genommen werden/ erwehlet und außerkohren. Gleichwie wir nun heut acht Tag das unum necessarium unter der Figur und Bild des Mannaͤ E. L. vorgetragen/ also wollen wir jetzt ἀγαθὴν μερίδα unter der Gestalt des Baums des Lebens E. L. propo- ni ren und wol vorbilden. Welches/ daß es geschehe Go tt zu Ehren/ wolle Er selbst mit seiner Gnade kraͤfftiglich erscheinen. Amen. W Ann demnach Christus unser Heyland von seiner andaͤchtigen/ ihme gantz ergebenen discipula, Schulerin und Zuhoͤrerin ruͤhmet und lobet/ sie habe den guten Theil erweh- let/ so hat er ohn allen Zweiffel seine reflexion und Absehen gehabt/ wie auch heut acht Tag vermeldet worden/ auff die gegenwaͤrtige occasion, und das zubereitete gegenwaͤrtige Gast-Mahl/ so von Martha zugerichtet gewesen/ deßwegen sie sich so aͤngstiglich bemuͤhet/ diesen grossen Herrn wol zu bewuͤrthen und zu gastiren/ daher nim̃t nun der Herr die Figur. Dann gleichwie bey einer irdischen/ weltlichen/ doch ordentlichen/ und wol angestellten Mahlzeit und Gastmahl man den Gaͤsten die Wahl lasset/ keinem wird ein und andere Speiß/ ein und ander Getraͤnck/ was und wieviel er trincken soll/ auff gedrungen/ sondern einem jeden wird die freye Chur und Wahl gelassen. Jnmassen der sonst Heydnische Koͤnig Ahas- verus bey seinem Koͤniglichen Panquet Esth. 1. niemand gesetzt/ was er trincken solt/ sondern verordnet/ daß ein jeglicher solte thun/ wie es ihm wol gefiel/ anders als unsere unmenschliche barbarische Teutschen/ ihrem Abgott dem Sauffauß zu Ehren/ den Gaͤsten die Servitut aufflegten/ son- derliche Gesundheiten/ und damit anders nichts als allerhand Wehetag/ Seuchen und Kranckheiten/ Podagra/ Schwindsucht an den Hals zu sauffen/ da es gleichsam geheissen/ ἢ πίϑι ἢ ἄϖιθι, Vogel sauff/ oder tod. Deßgleichen bitteten auch die edle Hebreische Juͤnglinge und Studenten/ Daniel/ Sadrach/ Mesach und Abed Nego um die Wahl; Jhr Inspe- ctor, der auff sie bestellet war/ hatte Befehl sie zu tractiren mit den besten Bißlein von der Koͤniglichen Tafel/ und dem Wein/ den der Koͤnig selbs tranck/ aber Daniel bittet um Zugemuͤß/ die ihm auch worden/ welches ihm und seinen Gesellen besser zugeschlagen/ als allen andern Juͤnglin- gen/ die von des Koͤnigs Tisch assen. Das waͤre heutiges Tages man- chem so edlen so unedlen Juͤngling nicht gelegen/ Zugemuͤß/ Habern/ Gersten/ Erbsen/ Linsen/ Kraut und Ruben zu essen/ er wuͤrde sie von sich P p p iij stossen/ Die Fuͤnffte stossen/ und nach den besten Bißlein greiffen: Also weil auch der Mariaͤ von Bethanien drey unterschiedliche Tisch und Taffeln gedecket und be- reitet worden/ von drey unterschiedlichen Trachten: Eine war die ὀικοσο- φία und Vernunffts-Klugheit ihrer Schwester Marthaͤ/ so nach dem Fleisch gerochen/ und behafftet gewesen mit einer unziemlichen/ unordent- lichen/ unzeitigen/ und fahrlaͤssigen Sorgfalt und Hindernuß des Worts GOttes: Die andere die α μονοσοφία, Jac. 3, 15. wie dieselbe in den Juͤ- dischen Synagogen fuͤrgetragen worden/ so nichts anders/ als der Pha- risaͤische Saurteig/ und Sadduceische Greuel-Suppen/ lauter Lugen und Mord: und dann die Χριϛοσοφία, eine Koͤnigliche Salomons-Tafel/ uͤberstellt von Himmlischen/ hoch-troͤstlichen Geheimnussen des Reichs Go ttes/ die Christus der grosse Symposiarcha damal in seiner Rede vor- getragen/ so macht sie eine Wahl unter diesen dreyen/ beurlaubet die zwo ersten/ als die ihr nicht gemundet/ die dritte allein hat sie außerkohren/ als ἀγαθὴν μερίδα, das gute Theil/ davon sie das rechte Leben/ lauter Safft und Krafft gesogen. Und zwar I. Bonum sanitatis, vitæ beatæ, das Gute eines geistlichen/ immer frischen und gesunden Lebens/ dann darzu ist der Baum des Lebens im Paradiß geschaffen gewesen/ daß seine Blaͤtter und Fruͤchte dienen solten zur Gesundheit/ Apoc. 22, 3. der Mensch hatte zwar sein Leben empfangen in der Schoͤpffung/ durch das Goͤttliche Anhauchen eines lebendigen Athems/ dieweil aber auch der natuͤrliche Lebens-Safft abgenommen/ so hat derselbe durch Nahrung/ Speiß und Tranck/ von einem gleich guten/ edlen und kraͤfftigen Safft muͤssen ergaͤntzt und ersetzet werden/ fast auff die art und weiß/ wie vinum generosum, ein edler/ koͤstlicher Wein/ soll derselbe conserv irt und erhalten werden/ so muß man im̃er zufuͤllen/ nicht schlechten/ sauren/ weichen/ matten/ abgeschmackten Wein/ weniger Was- ser/ Wein von gleicher Art/ Adel/ Tugend und Wuͤrde/ und so bleibt er alsdann gut: Also soll auch der Lebens-Safft im Menschen gut und ge- sund bleiben/ so muß kein Safft von verfluchten Fruͤchten/ wie wir leider nach dem Fall solche Fruͤchten geniessen/ und deßwegen siechen und sterben muͤssen; sondern von dem safftigen/ kraͤfftigen/ proportionirten/ gleich ed- len Fruͤchten des Lebens-Baums/ davon war der Mensch fuͤr Seuchen/ Kranckheiten und Wehetagen verwahrt/ er wurde zwar auch alt von Jahr-Zeiten/ aber nim̃er von Kraͤfften/ immer bluͤhend/ nimmer verbluͤ- hend/ immer jung/ frisch und wacker/ das Temperament war ad pondus abgemessen. Ein solch bonum sanitatis, eine gute portion haben wir auch an dem Genuß des geistlichen Lebens-Baums/ der Χριϛοσοφίᾳ der Erkannt- Predigt. Erkanntnuß und Glauben an Christum. Wir seind nach dem Fall wie bekandt/ allerhand geistlichen Schwachheiten und Seuchen unterworf- fen/ den geistlichen Lebens-Safft/ das rechtschaffene Leben auß Gott und dessen Erstlinge haben wir empfangen in der Gnad der Widergeburt in der H. Tauff/ soll aber dieselbe fov irt und erhalten werden/ da gehoͤret geistli- cher Lebens-Safft zu/ die febris hectica, die innerliche Seelen-Pest/ die Erb-Lust/ die Erb-Suͤnd/ klebet uns allen an/ wir koͤnnen derselben nicht loß werden: darauß kommen die Fruͤchten der wuͤrcklichen Suͤnden/ manchmal hauet ihm der Mensch selbs schmertzliche/ unheilsame/ toͤdli- che Wunden in sein Hertz und Gewissen hinein/ in denselben und auß der ungeheylten Faͤule wird hernach gezeuget ein beissender/ nagender Wurm/ der unsterbliche Gewissens-Wurm/ die feurige Schlang/ darauff endlich nichts folgen kan/ als der Suͤnden Sold/ der ewige Tod/ Hoͤll und Ver- dam̃nuß. Wo nun Rath? wo Artzney? Christus und seine σοφία ist die Panacea und ἀλεξίκακον, ἀντίδοτον του̃ μὴ ἀϖοθανει̃ν, dein Wort/ dein Evan- gelium/ O HErꝛ JEsu/ die Verheissung/ von dem glaubigen Anblick der ehrnen Schlangen heilet allen Schaden/ Sap. 16, 13. dein edles Balsam- Blut/ das wir geniessen und trincken im H. Abendmahl/ heilet alle Wun- den der Seelen/ der glaubige Anblick deiner/ als des ehrnen Schlaͤngleins/ gilt wider alle gifftige Bisse der hoͤllischen Schlangen/ dein Blut ist ein bewaͤhrtes Mittel fuͤr allen Suͤnden-Schaden/ 1. Joh. 1, 7. Das Blut JEsu Christi als des Sohns macht uns rein von allen Suͤn- den. Hebr. 9, 14. Das Blut JEsu Christi/ der sich selbst ohn allen Wandel/ durch den H. Geist/ GOtt geopffert hat/ rei- niget unsere Gewissen von den todten Wercken/ zu dienen dem lebendigen GOtt. Cap. 10, 22 Durch die Besprengung des Bluts Christi werden wir loß vom boͤsen Gewissen. Wiewol toͤdliche Wunden sind kommen von der Suͤnden/ ist doch ein Artzt gege- ben/ der selber ist das Leben. Christus fuͤr uns gestorben/ der hat das Heyl erworben. Sein Wort/ sein Tauff/ sein Nachtmahl/ dient wider al- len Unfall/ der Heilige Geist im Glauben/ lehrt uns darauff vertrauen. Diß ist nun prima portio, das erste gute Theil/ das Maria erwehlet/ auß der Rede Christi/ damit sie sich getroͤstet wider die Suͤnde und Tod. II. Bonum hilaritatis, vitæ lætæ \& lætificæ. Das gute Theil eines froͤlichen und froͤlich-machenden Lebens. Non est vivere, sed valere vitâ. Wer lebet/ und lebet nicht mit Freuden/ froͤlich und lustig/ der lebet nicht/ das Leben ist ihm ein Straff und Tod/ der Tod das Leben und ein Trost. Hat nun Adam von dem Genuß des Lebens-Baums Leben und Gesund- heit Die Fuͤnffte heit geschoͤpfft/ so ist er auch als ein gesunder und frischer Mensch voller Hertzens-Freud gewesen/ ist der Leib gesund/ so ist auch die Seele froͤlich und muthig/ er hat alle seine Werck angegriffen mit Freuden/ mit Freu- den gefuͤhret und vollfuͤhret/ es ist ihm der Garten- und Acker-Bau nicht schwer ankommen/ und fast nicht anderst als einen Lautenisten und Mu- sicanten/ der auff dem Jnstrument gespielet/ sein Schlagen und Pfeif- fen/ er thuts per ludum. Also ist auch die Christosophia, der Glaub und Erkanntnuß Christi so geartet/ daß sie in einem glaubigen Hertzen wuͤrcket Fried und Freud im Gewissen/ satten Trost wider das forchtsa- me/ traurige und mit der Verzweifflung ringende Gewissen/ GOttes Bruͤnnlein hat Wassers die Fuͤlle/ Ps. 65, 10. Ein einiger Evange- lischer Spruch/ wann derselbe recht außgewuͤrcket und erklaͤret wird/ schaffet mehr Freud/ als alle Welt betruͤben mag/ Trost mitten im Feur- Offen der Truͤbsaal/ als die wir wissen/ daß wir Friede haben mit Gott/ Rom. 5, 1. 3. und daß Truͤbsaal bringet Gedult/ schmertzliche Ubung des Leibs machet starck/ immer Krieg macht resolution, nur die erste Hitz/ sagt der Kriegsmann/ thut weh/ darnach achtet man es nimmer/ man verhaͤrtet darin/ Gedult bringt Erfahrung/ Pruͤfung/ daß man außdauret/ wie Gold im Feur/ Erfahrung bringet Hoffnung/ auß der symmorphia und Gleichfoͤrmigkeit Christi/ daß weil man ihm aͤhn- lich im Creutz/ so werde man ihme auch gleich und aͤhnlich werden in der Herꝛligkeit/ Rom. 8. Hoffnung laßt nicht zu schanden werden/ die gegruͤndete Hoffnung gibt dem Menschen Liecht/ Staͤrcke und lebendigen Trost. Das ist die andere portion der Mariaͤ: Massen sie ohne allen Zweiffel auch mit Traurigkeit behafftet gewesen/ denn Anfechtung lehret auffs Wort mercken/ gemeiniglich sind dieses die andaͤchtigste Zuhoͤrer/ welche Noth/ Creutz und Anfechtung drucket und preßt. III. Bonum ἀθανασίαϲ, vitæ immortalis, dazu ist sonderlich der Baum des Lebens dem Menschen beschert gewesen/ als welches hell und klar abzunemmen auß dem Wort des Herrn Gen. 3, 22. Nun aber ( sc. cavendum, ) daß der gefallene Mensch seine Hand außstrecke/ und breche ab vom Baum des Lebens/ esse und lebe ewiglich. E. wer von dem Baum des Lebens gegessen/ der ist ἄσυλος à morte, sicher und frey von dem Tod gewesen/ ewig lebendig und unsterblich. Justa natura nullam sensisset mortem, vixisset in summa voluptate, in obedien- tia DEI, \& admiratione operum DEI, usque dum tempus mutationis venis- set. Ibi sensisset Adam simile quiddam hujus somni, qui suavlssimus ei ac- cidit, cubanti inter rosas, \& sub amœnissimis arboribus. In co somno esset Predigt. esset mutatus \& translatus in spiritualem vitam, tàm non sentiens dolorem aliquem, quàm non sentit aperiri corpus, \& eximi costam cum carne. Luth. in Gen. p. m. 29. Also ist auch die Christosophia die Kunst der Unsterblichkeit/ φάρμακον ἀθανασίας. Joh. 6, 56. sagt Christus: Euere Vaͤtter haben Manna gegessen/ und sind gestorben/ aber wer mein Fleisch isset/ und mein Blut trincket/ der bleibet in mir/ und ich in ihme/ wie mich gesandt hat der lebendige Vater/ und ich lebe um des Vaters willen/ also wer mich isset/ der wird auch leben um mei- net willen. Daher kein glaubiger Christ eigentlich stirbet/ Christus sagt von dem verstorbenen Toͤchterlein Jairi/ das Kind ist nicht todt/ sondern es schlaͤfft. Marc. 5, 39. und von Lazaro: Lazarus unser Freund schlaͤfft. Joh. 11, 11. Und das meynet der Herr eigentlich/ wann er sagt: Maria hab erwehlet bonum ἀναφαίρετον, ein solches Gut/ das nicht soll von ihr genommen werden/ nicht absolutè und schlechter dings/ sondern per vim extrinsecam, durch aͤusserliche Gewalt/ auff welche weiß/ nemlich Christo/ niemand kein Schaaf auß seinen Haͤnden reissen kan/ Joh. 10, 29. Wann durch die Unmuͤglichkeit eine solche Artzney in der Welt waͤre/ die wider den Tod gewachsen/ wie zwar viel Phantasten mit solcher Phantasi umgegangen/ die ihre Kunst durch eigenes Exempel vernichtet/ so wuͤrde es doch den Verstand haben; Die- se Artzney ist gut und bewaͤhrt/ sie verwahret fuͤr dem Tod/ es seye dann/ daß der Mensch selbs Hand anlege/ ihm Gifft beybringe/ und zu sich nemme/ und also freventlicher und muthwilliger weiß den Lebens-Faden abschneide. Also hat auch die Maria die ἀσυλίαν gehabt/ sie ist in den Baum des Lebens dergestalt eingepfropfft gewesen/ daß sie keine Macht noch Gewalt kunte herauß reissen/ verstehe/ so lang sie in der Diaͤt/ Taxi, Gebet und Gebrauch der heylsamen Mittel/ die Gott zur Seligkeit ver- ordnet/ geblieben. St. Paulus schreibet den besten Commentarium hieruͤber/ Rom. 8, 38. da er aller aͤusserlichen Creaturen gedencket/ allein die Suͤnde hat er excip irt. Jch bin gewiß/ daß weder Tod noch Leben/ weder Engel noch Fuͤrstenthum/ noch Gewalt/ weder Gegenwaͤrtiges noch Zukuͤnfftiges/ weder Hohes noch Tief- fes/ noch keine andere Creatur mag uns scheiden von der Liebe GOttes die da ist in Christo JEsu unserm HErꝛn. Nicht der allererschroͤcklichste Maͤrtyrer-Tod/ nicht das allermuͤhsamste Leben/ wann man mich auch wolte Vogel-frey machen/ nicht die boͤse Engel/ kein Tyranney/ weder gegenwaͤrtige noch zukuͤnfftige Gefahr/ weder die Neunter Theil. Q q q Hoͤhe Die Fuͤnffte Hoͤhe des Creutzes/ noch die Tieffe des Meers allerhand Anfechtungen/ mag uns scheiden von Christo JEsu/ der in mir lebet/ und ich in ihm durch den Glauben/ und von seiner Liebe/ damit er mich geliebet hat/ daß Er sich fuͤr mich in den Tod gegeben. Gal. 2, 20. Nun/ meine Liebsten/ dieser Baum des Lebens/ dieser so safftige/ so le- bendige/ so lebendig-machende Baum/ an dem sich Maria ergoͤtzt/ stehet noch mitten in der Stadt GOttes/ Apoc. 22, 3. Und zwar so ist er arbor ἐυϖρόσιτος, wir haben einen Zugang zu demselben/ da ist keine Englische Quardi/ kein Cherubim/ so mit einem blosen hauenden Schwerdt den Paß verlegt/ sondern da dieser Baum vom Himmel herab kommen/ und zu Bethlehem gepflantzet worden/ haben die Engel sich Heers-weiß herab gethan/ dem menschlichen Geschlecht gratul irt/ und ex συγχα ροσυύῃ und Mit-Freud gesungen: Friede auff Erden/ alle Fehde hat nun ein Ende/ das Schwerdt ist wieder in die Scheide gesteckt. Uns ligt nur ob von unserer Maria zu Bethanien zu lernen prudentem electionem, wie wir eine gute Wahl treffen moͤgen/ unter den jenigen Baͤumen/ die uns noch heutiges Tages zur Prob und Wahl fuͤr Augen schweben/ und auff gewisse weiß ein Leben wuͤrcken. Es stehet da Arbor mundi, der Welt- Baum der weltlichen Fleisches-Lust/ der schnoͤde Mißbrauch der Welt/ und edlen Creaturen GOttes/ daß sie druͤber aͤchzen/ seufftzen/ ach und weh schreyen muͤssen/ sonderlich der edle Wein/ dem wir dieses Jahr nicht viel gutes prognostici ren koͤnnen/ sondern je besser er gerath/ je schnoͤdere Servitut dieser Welt-Baum hat; er wuͤrcket zwar auch ein Leben/ aber vitam politicam, ein bloß zeitliches/ vani taͤtisches Leben der Kinder und Leute dieser Welt/ wie sie David abgemahlt/ die ihr ἀγαθὴν μερίδα und besten Theil allein in dieser Welt haben/ denen Gott der Herr ex inun- danti bonitate, auß uͤberschwenglicher Guͤte/ ihre Baͤuch mit Schaͤtzen fuͤllet/ gibt ihnen Kinder die Fuͤlle/ sie aber lassen ihr uͤbriges ihren Jungen: und zu solchem Zweck werden auch ihre Kinder in der Jugend angezo- gen/ daß es heißt/ mein Kind muß ein Politicus werden/ ein Welt-Mann/ der Christosophi e gedencket niemand. Es wuͤrcket dieser Welt-Baum bey dem grossen rohen Hauffen vitam cyclopicam, ein viehisches Saddu- ceisch Sau-Leben/ wie dann solche Leute auch unter uns/ die im Werck und mit der That bezeugen/ daß sie gleich den Sadduceern/ kein Engel/ Unsterblichkeit der Seelen/ noch Aufferstehung der Leiber glauben. Wir haben ferner von unserer Maria zu lernen/ daß wir auch hind- an setzen den gifftigen Toden-Baum falscher Lehr/ Religion und Jrꝛ- thum der heutigen Phariseer/ deren Aepffel sind von Sodoma/ aͤusserlich schoͤn Predigt. schoͤn/ inwendig Asch/ das ist/ Todt und Gifft/ der schnoͤden Jgnorantz und grund-stuͤrtzenden Jrꝛthum; massen die Phariseer solche grobe Jgno- ranten geweßt/ daß auch einer der Obersten/ Nicodemus/ von der Wi- dergeburt weniger gewußt/ als ein Kind/ und solche Laͤppische Gedancken davon gehabt/ nicht anders/ als wie ein Kind. Jm gegentheil sollen wir mit Maria erwehlen ihren Theil und portion, Mariaͤ Theil ist das gute Theil/ das nicht soll genommen werden. Wollen wir dasselbe recht ge- niessen/ so ist von noͤthen cautela nauseæ, daß uns ja auch nicht eckele ab dieser losen Speise/ massen solche nauseanten seind 1. die ἀυταρκέϛατοι, die allzugnugsame Zuhoͤrer/ die im Zeitlichen unersaͤttlich/ da sie solten begnuͤgsam seyn/ im gegentheil in himmlischen Geheimnussen ihnen selbs eine solche erkleckliche mensur fuͤrschreiben und tichten/ die sie gar bald ge- faßt/ und mit deren sie gar bald fertig seyn/ da heißt es nicht/ plus ultrà, immer weiter/ sondern sie lassen dem himmlischen Salomon seine Koͤ- nigliche Taffel/ und nehmen mit Diogene mit Kaͤß und Brod fuͤr lieb. 2. Die Simplici sten/ die nicht in dem Verstand/ wie es seyn soll/ die einfaͤl- tige Lauterkeit der Lehr/ wie und so fern sie auch den Satanischen Ver- fuͤhrungen entgegen gesetzt/ sondern in dem Verstand/ nach welchem Un- verstand/ Ungeschicklichkeit/ Alberkeit/ wil zu einem Heiligthum geweihet werden/ fassen und lernen. Wahr ist es zwar/ der Einfalt soll man pre- digen/ aber gar nicht/ daß sie einfaͤltig bleibe/ sonder πρὸς τὸ σοφίσαι, daß die albern weise werden/ Ps. 19. Sonst kom̃t der Apostel mit seinem Verweiß/ der sich bekennet ein Schuldner der Weisen und Unweisen. Rom. 1, 14. auß Hebr. 5, 12. Und die ihr soltet laͤngst Meister seyn/ beduͤrfft ihr wiederum/ daß man euch die ersten Buchstaben des Goͤttlichen Worts lehre/ und daß man euch Milch gebe/ und nicht starcke Speiß. 3. Die Prætenden ten/ die eben die jenige difficul taͤt einwenden/ die auch die Juͤnger Christi haͤtten vorwenden koͤn- nen: Wir sind Jdioten/ Fischer/ keine gelehrte Leute/ einfaͤltige Layen wir koͤnnen solche hohe Subtilitaͤten nicht fassen: aber der HErꝛ schalt deßwegen ihren Unglauben/ und ihres Hertzens Haͤrtigkeit/ Marc. 16, 14. O ihr Thoren und traͤges Hertzen/ zu glauben alle dem/ das die Propheten geredt haben. Luc. 24, 25. 4. Die Objicien ten/ die die alte verlegene/ Paͤbstische/ rancida und faule argu- menta vorwerffen/ damit man Lutherum gequaͤlet/ unsere majores seind keine Narren geweßt/ bistu allein witzig/ sind sie denn alle verdam̃t? Wir antworten mit Luthero auß 1. Sam. 2, 3. Lasset auß euerm Mund das alte/ denn der HErꝛ ist ein GOtt der es mercket/ und laͤsset Q q q ij solch Die Fuͤnffte solch Fuͤrnehmen nicht gelingen. Wir verdammen niemand in individuo, thuts aber die Schrifft/ so koͤnnen wirs nicht wehren/ uns gebuͤhret auch nicht die Præfation des Athanasianischen Symboli auß- zukratzen/ welche zwar die hohen Geister die Arminianer superbam præ- fationem nennen/ distingui ren aber/ unter nicht wissen koͤnnen und nicht wissen wollen. Jenes excusi re und entschuldige/ nicht aber dieses. Aber muthwillens wollen sie es nicht wissen/ und gehoͤren unter die Zunfft deren/ die die Finsternuß mehr lieben denn das Liecht/ und dem Herrr sein Abendmal verachten/ die Christus von seinem Himmelreich abwei- set/ Luc. 14. Suchen endlich mit diesen Predigten gar nicht perfectionem sum- mam, und dasselbe ohne discretion der Talen ten/ non perfectionem gradus, sed gradum perfectionis, und dann sonderlich den geistlicher. Hirsch-Durst und seligen Hunger nach der Christosophia, dazu viel hilfft das liebe Creutz/ dann das bittere Creutz macht JEsum recht suͤß/ der bekehrte Schaͤcher erinnert sich alsdann des gruͤnen Holtz des Le- bens/ da er an dem Holtz gehangen: und das ist der jenige Hunger/ wel- chen ich wuͤnsche/ bitte und begehre/ so wird alsdann die Christosophia wol schmecken/ so werdet ihr mit Luthero an allen Baͤumen anklopffen/ ob ihr Christ-Fruͤchten finden moͤchtet/ und mit dem lieben David sagen/ Ps. 16/ 5. Mir ist ein schoͤn Erbtheil worden. und Ps. 116. Jch wil den heilsamen Kelch nehmen und des HErꝛn Nahmen predi- gen. Mit Paulo zustimmen/ Christum lieb haben ist besser dann alles wissen/ besser als seine gantze Encyclopædia, als alle seine chari- smata, Wunder-Glauben/ Wunder-Weißheit/ und dergleichen/ so fern sie nur bloß im Wissen bestehen/ Christum/ sag ich/ lieb haben/ aber nicht mit blinder/ sondern mit erleuchteter Liebe. So wird als dann die Ver- heissung in ihre Krafft gehen/ Apoc. 2, 7. Wer uͤberwindet alle solche tentationes, die nauseam Christosophiæ, alle tentationes der Welt/ den Satan mit seinen Tractamenten/ dem wil ich geben von dem Holtz des Lebens im Paradiß GOttes/ dem Paradiß/ welches Christus dem Schaͤcher bescheiden/ zu essen/ zu saugen und zu geniessen/ immer neue Fruͤchten ohne Eckel und Verdruß/ er soll haben ein immer frisches/ gefundes/ immer Fried-froͤliches/ immer ewig unsterbliches Le- ben/ Leben ohne Tod/ Leben ohne Noth/ Leben ohne Ach und Wehe/ droben in der herꝛlichen Himmels-Hoͤhe. AMEN. Die Predigt. Die Sechste Predigt/ Von Der Chur und Wahl/ die Maria gethan. G Eliebte in Christo. Warum und woher es kom- men/ daß die heiligen Ertz-Vaͤtter und Patriarchen vor der Suͤnd-Flut/ ihren Lebens-Faden so weit außgezogen/ ihr zeitliches Leben in dieser Welt etlich hundert Jahr lang gefristet/ und so hoch/ sonderlich Mathusalem auff 969. Jahr gebracht/ davon haben die Commentatores, sonderlich auch Lutherus Comment. in Gen. 5. unterschiedliche rationes und natuͤrliche Ursachen ersonnen/ erdacht und auff die Bahn gebracht. Und zwar I. Indolem Temperamenti, die Quali taͤt/ Art und Eigenschafft ih- rer noch safftigen und lebhafften/ kraͤfftigen complexion, der edlen und proportionirten/ gleich abgewogenen crasi der humo ren/ die wolthauen- de innerliche Kuchen des Magens/ und der Leber/ die frische/ gesunde Lebens-Quellen und Geisterlein/ so auß dem Hertzen entspringen/ davon der gantze Leib flor irt/ und in staͤt-waͤrendem vigor gegrunet und erhalten worden. II. Salubritatem alimentorum, die Guͤte der Erden-Gewaͤchse/ ehe und dann dieselbe durch die allgemeine Suͤndflut uͤberschwaͤmmet/ ge- schwaͤchet und corrump irt worden. Unum pomum plus tunc salubri- tatis habuit, quàm nunc mille, schreibt Lutherus in Gen. p. 99. Ein Apffel hat dazumal mehr nahrhafften und gesunden Safft und Krafft gehabt als jetzt tausend. III. Temperantiam hominum, indem sich die lieben Vaͤtter der Maͤssigkeit beflissen/ wann die Gottlosen Cains-Kinder gegessen und ge- truncken/ verstehe aͤrger als die bestiæ sich toll und voll gesoffen/ ihre eige- ne Leiber bekrieget/ und ihnen Gewalt angethan/ ihr Natur und Tempe- rament gestuͤrmet/ ihre Tafeln mit mancherley Speisen mit vari etaͤt und luxu uͤberstellet/ so haben die H. Patriarchen sich alles Uberflusses/ auch so gar des sonst edlen Reben-Saffts enthalten/ wie auß dem spaten Reben- Bau des H. Patriarchen Noaͤ nach der Suͤndflut etliche muthmassen. Q q q iij Dann Die Sechste Dann haͤtte Noa dessen Krafft zuvor gefuͤhlet und gewußt/ wuͤrde er sich schwerlich von demselben haben uͤbernemmen lassen. IV. Sonderlich σιτοσοφίαν, \& hinc delectum ciborum, die kluge und scharffsinnige Wissenschafft und Erkanntnuß der Eigenschafften und Kraͤfften der Speisen/ welche sie als ein S. lipsanum Paradisiacum auß dem Paradiß erholt/ und von ihrem Großvater Adam erlernet/ daß sie aller Erden-Gewaͤchs Naturen und Tugenden mit erleuchteter Ver- nunfft erkundiget/ gepruͤfet/ und ein delect angestellet/ die simpliciora, salubriora und puriora erwehlet/ und sich allein mit den jenigen Spei- sen beholffen/ so zu Nehrung und Erfrischung deß Leibes am tauglichsten und bequemsten gewesen. Und darauß ist entsprungen die Longævitas. Daher auch Serarius erzehlet von jenem Bauren. Ante annos 4. aut 5. ait Serar. in Joh. c. 14. p. 348. cum Vogesum, qui ab Alsatia Lotharingiam dispescit, transirem, essemque in Senonensi cœnobio, vocavit ejus loci Abbas è nescio quo ejus montis pago, qui longiusculè aberat, ru- sticum natu grandem, annorum suprà centum plurium. Venit ille pedes, ci- tò satis, \& ad prandium cæteris cum hospitibus adhibitus: ut assedit, \& escis exstructam mensam pluribus, conditioribusque aspexit, cœpit submissiore se- cum voce, ut ab omnibus tamen sonus audiretur; loqui, ac veluti murmu- rate. Tum ei Abaas: Quid mi Pater: (sic revetentiæ causa senem voca- bat) loqueris? an deest quidpiam? eloquere clarius. Isthuc verò est, re- spondit senex, quod loquor: Si tantam talemque mensam semper habuis- sem, tamdiu non vixissem. Gleichwie nun besagter delectus alimentorum das jenige Mittel geweßt/ durch welches sie ihr zeitliches Leben verlaͤngert: Also ist auch dem jeni- gen/ der sich sehnet nach dem allerlaͤngsten/ das ist/ der nach dem immer- waͤhrenden/ nimmer zerstoͤrlichen/ unwandelbaren/ himmlischen/ ewigen Leben trachtet/ vonnoͤthen/ als ein heilsames Mittel/ die geistliche σιτοσοφία und ecloge alimentorum spiritualium, die kluge/ tieff- und scharffsinni- ge Chur und Wahl der geistlichen Seelen-Speiß/ nach dem Exempel unserer lieben Mariaͤ von Bethanien/ die unter denen Speisen/ die ihr so lieblich von ihrer Schwester/ so geistlicher weiß in den Juͤdischen Syna- gogen und der Hauß-Schul des JEsu von Nazareth bereitet und auff- getragen worden/ so wol und kluͤglich gewehlet/ daß sie das einig-noͤthige von dem unnoͤthigen/ den guten/ safftigen/ kraͤfftigen Theil herauß gezogen und gesogen/ und vor dem abgeschmackten gifftigen erkohren/ und hierin sich als eine lobwuͤrdige Chur-Frau und Wehlerin erzeiget/ worauff der Herr klar gedeutet mit dem weit-außsehenden Wort ἐξελέξατο, sie hat erwehlet. Was nun das fuͤr ein Chur und Wahl gewesen/ ist das je- nige/ Predigt. nige/ davon wir etwas weiter in der Forcht des Herrn reden und han- deln wollen. Gott gebe dazu Krafft/ Gnad und Geist. Amen. G Eliebte in Chirsto. So ist nun die Chur und Mahl- Wahl/ welche der grosse καρδιογνώϛης in dem innersten Hertzen der andaͤchtigen Mariaͤ gesehen und gefunden I. Electio exer- citata, ein geuͤbte und habituir te Wahl. Dann das wird an dem/ der unter Speiß uñ Getraͤnck wol kiesen und unterscheiden wil/ erfordert/ daß er einen guten Mund habe/ ein gesunden Geschmack/ der durch Ubung ihm solchen subtilen Geschmack zu wegen gebracht. Wie dann grosse Herren deßwegen ihre Credentzer und Schencken pflegen zu halten/ die ihnen zu solchem Dienst auffwarten muͤssen/ massen des Pharaonis Gen. 40, 1. und Salomons Schencken 1. Reg. 10. 5. gedacht wird. Auß Ermanglung dieser Facultaͤt und Geschicklichkeit entschuldiget sich der fromme/ alte Barsillai gegen dem Koͤnig David/ da er ihm wegen seiner Meriten ein Leib-Geding machen/ und an seiner Koͤniglichen Tafel spei- sen wolte/ er sagte: Jch bin heut achtzig Jahr alt/ wie solt ich ken- nen/ was gut oder boͤse ist/ oder schmecken/ was ich esse oder trincke? Ach es mangelt mir an der Schmack-Krafft/ und Kost- Mund. 2. Sam. 19, 35. Also werden auch zu Unterscheidung und Urtheil der geistlichen Seelen-Speiß αἰοϑητήρια γεγυμνασμένα διὰ τὴν ἕξιν, ge- uͤbte Sinne durch Gewonheit zum Unterscheid des Guten und des Boͤsen/ erfordert/ wie Paulus klaͤrlich bezeuget/ Hebr. 5, 14. und 1. Corinth. 2, 14. Der natuͤrliche Mensch vernim̃t nichts vom Geist GOttes/ es ist ihm eine Thorheit/ und kan es nicht er- kennen/ der geistliche aber richtet alles/ φωτιοϑεὶς τὸν νου̃ν διὰ πνέυμα- τος. Chrysost. nachdem sein Hertz durch den Geist GOttes er- leuchtet worden. Derselbige geistliche Richter ist nicht allein der also im Pabstthum genante geistliche Praͤlat/ Bischoff/ Cardinal/ Pabst/ als welche mehrentheils voller Fleisches/ fleischlicher Jgnorantz/ Frevel/ Stoltz/ ꝛc. Sondern ein jeglicher auß Gott gebohrner Mensch/ der sich in Lesung/ Betrachtung des Goͤttlichen Worts/ im Gebet Anfech- tung wol geuͤbet/ wiewol nach Unterscheid der Talent und Grad/ der soll und kan urtheilen von Lehren/ und Lehrern/ von gesunden und gifftigen Speisen/ von den Geistern und Winden/ von Liechtern und Jrꝛwischen/ von larvirten Woͤlffen und Hirten/ und offt schaͤrffer als die Lehrer selbs. Daher der Herr nicht vergebebens gedancket/ Matth. 11, 25. Jch Die Sechste Jch preise dich Vater und HErꝛ Himmels und der Erden/ daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast/ und hast es den Unmuͤndigen geoffenbaret. Das ist/ daß du durch ein Eselin den Bileam unterwiesen. Ein solche Sinn-geuͤbte Wehlerin und geistliche Richterin ist nun auch gewesen Maria/ die nicht mit unge- waschenem Maul die vorgesetzte Speiß angefallen/ sondern sie hat mit sich gebracht geuͤbte Sinne auß der H. Schrifft. Damal hat man noch von keinem Amadiß/ Schaͤffereyen und andern aͤrgerlichen Buͤchern ge- wußt/ darauß die junge Toͤchter die Complimenten gelernt/ sondern sie haben in den Synagogen Mosen und Propheten hoͤren/ nnd daheim zu Hauß lesen und mediti ren muͤssen. Man hat den Kindern mit der Mutter-Milch die heilige Schrifft eingegossen/ wie Timotheo begegnet/ 2. Tim. 1. auff daß sie hernach als die Jmmen den Honig auß dem Rosen- Stock excerpi ren kunten. Wie auff diese weiß Maria von Nazareth/ als eine solche edle Bien/ auß Mose und Propheten ihr Magnificat zu- sammen gelesen/ welches billig den Nahmen eines Mellificii davon traͤgt. Und eben ein solche war auch diese unsere Maria/ sie hat in Go ttes Wort fleissig medit irt/ dazu die tentationes dapffer geholffen. Es waren damal unterschiedliche Messiaͤ auffkommen/ der Chiliastisch-Juͤdische/ der Sad- duceische Sau-Messias/ der Phariseische Pracht-Messias/ und der He- rodianische Heuchel-Messias: Deßgleichen hatten sich unterschiedliche Religionen herfuͤr gethan und sehen lassen/ die alte Juͤdische/ so sich in drey Secten/ ja in vier abgetheilt/ der Phariseer/ Sadduceer/ Esseer und He- rodianer/ die alle ihren Anhang gehabt/ und ihre Speisen wol gewuͤrtzet/ und in den Schulen auffgetragen. Uber die that sich herfuͤr ein gantz neue Religion/ die Nazarenische Hæresis, Act. 24, 5. da war Kostens und Schmeckens vonnoͤthen/ meditation und Gebet/ sonderlich bey denen/ die nicht wie das thumme Vieh in den Tag gelebt/ sondern ihnen ihr Heyl und Seligkeit angelegen seyn liessen/ die auff den Trost Jsraelis gewar- tet/ und von Hertzen und mit Schmertzen geseufftzet: Ach daß die Huͤlffe auß Zion uͤber Jsrael kaͤme! Ach daß du den Himmel zerrissest/ und her- unter fuͤhrest! Er kuͤsse mich mit dem Kuß seines Mundes! Daher war nun entsprungen bey Maria die ἕξις γευϛικὴ, daß sie mit geuͤbten Sinnen alle probieret/ eredentzet/ die abgeschmackte verworffen/ und die kraͤfftigste/ safftigste/ beste und lieblichste Lehr-Tracht/ und Honig-suͤsse Himmel- Speiß des JEsu von Nazareh erkosen und außerlesen. II. Electio purificata, eine gereinigte Wahl von allen fleischlichen Passionen und Gemuͤthts-Affecten/ eine uneingenom̃ene/ unpartheyische Wahl Predigt. Wahl. Es gibt die Erfahrung/ daß es wahr sey/ was Aristoteles ge- schrieben: Intus existens prohibere alienum, wann der Mund oder die Zung mit einem Geschmack infic irt/ so laßt sie keinen widrigen Geschmack recht kosten/ wann der Mund oder die Zung mit Gall uͤbergossen so kom̃t ihr alle Speiß bitter vor/ eine volle Seele vertritt auch Honig- seim/ Prov. 27, 7. Christus erklaͤrets mit einem Gleichnuß Matth. 9, 17. Manfaßt nicht Most in alte Schlaͤuch/ anders die Schlaͤu- che zerreissen/ und der Most wird verschuͤttet. Ein alt stinckend Faß kan ohne Schaden kein neuen Wein fassen: Also war das Gemuͤth der Juden zu Zeiten Christi mit vorgefaßten Opinio nen und Pharisei- schen Auffsaͤtzen alt und stinckend worden/ darum kunt auch die neue Lehr/ die uͤbernatuͤrliche Geheimnusse des Evangelii nicht penetri ren/ si vas impurum, quicquid infundis acetum. Waͤre nun das Hertz Ma- riaͤ auch also mit dem alten Saurteig behafftet gewesen/ so wuͤrde sie Chri- sti Lehr nicht erwehlet haben/ sondern auff ihren alten Heffen liegen geblieben seyn. Aber ô nein! sie bedienet sich der reflexion und ed- len Krafft ihrer Seelen/ und wie Salomo redet/ circumit cor suum, Eccles. 7, 26. Sie kehret ihr Hertz um/ zu suchen Weißheit und Kunst. q. d. Ey bin ich auch recht dran? Vielleicht ist die Pharisaͤische Religion recht/ vielleicht ist die Nazarenische gut? sie abstrahi rts und ziehets ab von allen vorgefaßten Meynungen/ legt alle fleischliche Affect en und Passionen von sich/ und kostet mit reinem Mund. III. Electio dialectica, eine dialecti sche/ das ist/ solche Wahl/ da sie die Lehren und Glaubens-Articul der unterschiedenen Religionen geko- stet/ angebissen/ gegen einander verglichen/ auff die Wag gelegt/ und eine der andern vor gezogen. Dann das geschicht bey einem Gast-Mahl/ die Credentzer und Schencken seind darzu geordnet/ daß sie eine Speiß gegen der andern halten sollen. So machte es Daniel und seine Gesellen/ sie halten die Koͤnigliche Tractamenten/ und dero Art und Krafft gegen den Zugemuͤssen. Solche Wehlerin war auch Maria/ sie spielet in ihrem Hertzen und Gemuͤth/ sie disput irt mit ihr selbs/ sie confer irt die Lehren und deroselben Gruͤnde mit einander; und zwar die Sadduceische Sau- Religion/ aber sie siehet/ daß es ein Religion ohne Trost und ohne Hoff- nung; die Pharisaͤische Auffsaͤtze/ und eingebildete Selbs-Gerechtigkeit/ traut ihr aber nicht wider den grimmigen Zorn GOttes mit derselben zu bestehen; die Herodianische Hoff-Religion/ welche aber nichts anders/ als außwendig Heucheley und Syncretisterey/ inwendig Epicureismus und Atheismus. Neunter Theil. R r r Habue- Die Sechste Habuerunt (ita Chemnit. Harm. cap. 83. p. m. 1575.) Herodiani aulicam quan- dam Theologiam, quam tempori accommodabant, sicque \& Pharisæis \& Sadducæis sese probabant. Herodes enim cum Pharisæis externam Judaismi professionem retinebat: intus verò \& in cute cum Sadducæis omnem Reli- gionem ridebat; \& tantùm mundanam potentiam, opes \& dignitates quære- bat. Quales hodie etiam multi inveniuntur, qui singularem quandam \& politicam dexteritatem vel industriam esse arbitrantur; si latam illam \& la- tè vagantem religionem colant, qua externâ \& blandâ conversatione sese omnibus probare student, interim sinceriorem animi pietatem rident, atque fidem in Christum omnes spernunt, præstabilius esse existimantes, ut ita vi- tæ suæ rationes instituant, quo hujus mundi bonis frui ipsis liceat, quàm ut de futuræ vitæ felicitate, de qua dubitant, cum quoquam litigent. Sie halt gegen einander den Phariseischen Gluͤck-Messiam/ der wider die Roͤmer rebelliren solte/ den Sadduceischen Sau-Messiam/ dessen man in jener Welt nicht/ und allein die denselben hier erleben/ wuͤrden zu geniessen haben. Diese alle confer irt sie mit der Person/ Lehr/ Ampt/ und Gutthaten deß neu-erstandenen Propheten zu Nazareth/ vergleicht diese und jene Lehren mit der Schrifft/ wie die edle Berrhoenser gethan/ ob sichs also verhielte/ εἰ ταῦτα σύμφωνα ται̃ς γραφαῖς, ob die Trachten nach der Regul des himmlischen Archiatri zugerichtet? macht in ihrem Hertzen folgenden/ buͤndigen/ kraͤfftigen/ unauffloͤßlichen Syllogismum. Welche Person alle die notas Messianas erfuͤllet/ dero Lehr ist als Goͤtt- lich und Himmlisch anzunehmen und zu erwehlen. Der Je sus von Na- zareth ist eine solche Person/ ꝛc. E. die Major erhellet auß Go ttes Wort der H. Schrifft/ die Minor auß der gegenwertigen experien tz. Darauff schließt sie: E. ist diese seine Tracht die einig-noͤthige/ warhaffte beste Tracht/ worauff dann folgen muͤssen IV. Electio anathematica, dann so geschichts/ wann der Credentzer den Wein und die Speiß gekieset/ und nicht just/ sondern gifftig/ schaͤdlich und toͤdlich befunden/ so speyt er auß: Also gehoͤret auff die Erkanntnuß der falschen Lehr das anathema, das Pfui dich/ der Fluch. August. tract. 6. in Johann. erklaͤrets durch das Gleichnuß Christi selbs/ der/ als Er den vermyrꝛten Essig-Tranck gekostet/ nicht trincken wollen. Excipi- te verba contradicentium, respuenda non transglutienda, \& visceri- bus danda. Facite inde, quod fecit Dominus, quando illi obtulerunt amarum potum, gusta vit \& respuit, sic \& vos audite \& abjicite. Hoͤ- ret die Wort der Widersacher/ die ihr verspeyen/ und nicht in den Leib hinab schlucken sollet/ zwar an/ aber thut mit densel- ben/ was Christus gethan/ dann da man Jhm einen herben und Predigt. und bittern Tranck gebracht/ hat Er ihn zwar versucht/ aber wieder außgespyen; Also auch ihr/ hoͤret und verwerffet sie. Also hat auch hie Maria proced irt. O Ade! Ade! Pfuy dich/ gute Nacht Judenthum! Ade Sau-Messias! Ade Pracht-Messias! der Tod ist in euern Toͤpffen. Salve, im gegentheil/ JEsu von Nazareth/ biß willkomm du edler Gast. Jch lasse dich nicht. Mich und Dich soll nim- mermehr nicht scheiden. Wie dann endlich darauff kommen V. Electio apprehensiva, dann so gehet es/ wann ein hungeriger oder durstiger lechzender Magen die Wahl getroffen/ und die rechte heil- same Speiß und Tranck angetroffen/ so hungert und verlanget er mit al- ler Macht/ er fallet drauff wie ein Adler auffs Aaß/ wie Esau auff das Linsen-Gericht/ wie die Kinder Jsrael auff die Wachtlen/ er sauget Safft und Krafft herauß/ und verliebet sich in die Speiß so inniglich/ daß er sie in succum \& sanguinem convert irt/ es wird auß Lieb ein Leib/ hic scopus electionis, das ist der Wahl-Zweck. Das thut auch unsere liebe Maria/ die wird zu einer hæretica, den verbannten/ verhassten/ und allbe- reit zum Tod verurtheilten Kaͤtzer-Meister JEsum von Nazareth/ uͤber den die Mord-Glock schon gegossen/ der von den Phariseern nicht anders wurde gehalten als ein πτῶμα, cadaver und Todten-Aaß/ den nim̃t sie an zu einem keuschen Buhlen/ Seelen-Braͤutigam und Bruder/ in aller keuschester Liebes-Flamm. Wo der Schatz/ da war auch das Hertz. Jn ihrem Gemuͤth/ Sinnen und Gedancken leuchtete es alles von JEsu/ und dem Glantz der Prophetischen Schrifften; Jhre Affect en brenneten von lauter Goͤttlichen Liebes-Flammen/ alle Lebens-Quellen springen empor Jhm entgegen/ sie ruͤstet ihres Hertzens Hauß/ besser als Martha/ sauber und rein auß/ daß dieser werthe Gast bey ihr einkehre/ und Herberg suche: Sie hat alle ihre Freud an Jhm/ ihre Augen und Hertz ergoͤtzet sie damit/ die edelste Krafft der Seelen/ ihr Will ergibt sich ihm gaͤntzlich/ sie eiffert uͤber Jhn/ sie hoͤret Jhn gern reden/ sie ist willig zu lieben und zu lei- den/ ihr Mund ist voll Ruͤhmens. Omne quod loquitur sponsa, te so- nat, te redolet, Bernhard. Dann sie ja nicht wie ein κωφὸν πρόσωπον, und wie ein Oel-Goͤtz da gesessen/ sondern des Hertzens Grund ist gequollen in den Mund. Daß heißt ἐξελέξατο. So weit fuͤhret uns die Figur von der geistlichen Mahl-Wahl/ das ist das edle Senff-Korn/ das so hoch gewachsen. Jst alles kein rhethori sche exaggeration und politische fiction, sondern alles noch zu wenig/ Christus stellet uns ein Ideam fuͤr/ die muß nun perfect seyn/ wiewol nicht im hoͤchsten Grad/ doch in sub- stantiæ sinceritate, und warhafften Lauterkeit. R r r ij Jst Die Sechste Jst nun Maria von Bethania die außbund schoͤne machina, ein herꝛ- lich Gemaͤch des H. Geistes/ zur Idea, Exemplar/ Muster und Beyspiel/ uns von Christo fuͤrgestellet/ so laßt uns auch von derselben lernen 1. Ele- ctionis disciplinam, wie man die Lehren und Religionen/ consequenter auch Predigten und Schrifften/ von einander unterscheiden soll/ und zwar auß was Hertzen/ affecten und methodo? nemlich mit geuͤbten Sinnen/ hinweg mit aller ungleichen/ blinden und unverstaͤndigen Cen- sur, ne sutor ultrà crepidam, ne sus Minervam, ne ovum gallinam, ne asinus ad lyram. Wie offtmal sich Predigten muͤssen hecheln lassen von denen/ die es nicht verstehen/ und nicht wissen/ auß was Geist/ Eiffer und reflexion ein und ander locus tract irt worden. Sondern mit geuͤbten Sinnen/ sage ich/ und so ist alsdann das officium electorale und discre- tion allgemein. Anders als der Papist sagt: das Schaaf soll von dem Hirten nicht urtheilen/ welches zwar war de ove bruta, von einem thum- men/ unverstaͤndigen Schaaf/ nicht aber von einem auß GOttes Wort erleuchteten/ gehorsamen/ Christ-vernuͤnfftigen Zuhoͤrer. Die besten Kieser aber sind die angefochtene und verzagte Hertzen. Was dem Pro- pheten Ezechiel in einem Prophetischen Gesicht begegnet/ daß er auff Goͤttlichen Befehl einen zusammen gelegten Brieff essen mußte/ der ihm in seinem Mund wie Honig ward/ Ezech. 3, 1. Das muß ein rechter Christ auff gewisse weiß auch thun/ er muß die Schrifft gleichsam essen und verdauen/ so wird es ihm zu lauter Honig werden. Es muß die Wahl purific irt seyn von aller præsumption und falschen Einbildung. Daher hangen die Papisten und Calvinisten an ihren alten Schlaͤuchen/ Sitten und Gewonheiten/ das neue Evangelium kan nicht penetri ren. Auch sollen wir uns selbs nicht zu wol trauen/ es koͤnnen tentationes kommen/ die unsern Glauben disputir lich machen/ dazu gehoͤret nun eine reflexion und ist vonnoͤthen appetitus pædagogiæ \& asphaliæ, die Be- gierde der Unterweisung/ Handleitung/ und festen Gewißheit/ Luc. 1, 4. der rohe Catechismus ist nicht gnug. Es muß die Wahl seyn Electio dialectica, niemand soll quid pro quo glauben/ wie jener Baur zu seinem Fuͤrsten gesagt: Solt ich meinem Gnaͤdigen Herꝛn nicht so viel zu gefallen thun/ und seine Religion annemmen/ die gaͤng und geb ist. Sondern man muß die edle Warheit erforschen/ suchen/ er- gruͤnden/ und wann man sie gefunden/ soll folgen anathematizatio, und Verspeyung aller falschen Lehr/ ein heilige Apostasia und Abfall/ sancta hæresis, 2. Tim. 2. ein sehnlicher Adlers-Hunger nach der reinen Speiß/ daß wo der Schatz ist/ auch das Hertz seye. II. Electio- Predigt. II. Electionis necessitatem. Es stehet nicht in unserer freyen Chur/ ob wir wehlen wollen oder nicht. Hie stehet necessitas mandati, der klare Befehl: Sehet euch fuͤr fuͤr den falschen Propheten. Pruͤfet die Geister. Mein Kind/ vermahnet Syrach c. 38, 5. pruͤfe/ was deinem Leib gesund ist/ und sihe was ihm ungesund ist/ das gib ihm nicht. Jm Alten Testament ist der Unterscheid gebotten unter rei- nen und unreinen Thieren/ Lev. 11, 1. Das Ceremoniale judaicum ist laͤngst verschwunden/ aber das morale bleibt immer fort und fort Neces- sitas interdicti, das außtruckliche Verbott/ Werdet nicht der Men- schen Knechte. 1. Cor. 7, 23. Es hat unsere Majores die liebe Liber taͤt und Freyheit zu erkauffen/ Gut und Blut gekostet/ die lasset uns nicht wieder verlieren. Necessitas periculi, die augenscheinliche Gefahr. Was hat den Alcoran und Mahometismum außgebruͤtet/ als der Wahl- Haß? da man des Katzen-Balgens muͤd worden/ und eine saturam oder gemengte Religion auß der Christlichen/ Juͤdischen und Mahometi- schen gekocht/ und zusammen gebuttert. Was hat den Anti-Christ ge- staͤrcket/ und so kraͤfftige Jrꝛthum eingefuͤhret/ und in blinde Gefangen- schafft die Gewissen gestuͤrtzt/ als eben auch dieser Wahl-Haß? Was gebieret die Calixtinische Simplici taͤt anders als implicitam fidem, den eingewickelten Kohlers-Glauben im Pabstthum/ blinde Lieb/ Erbauung ohne Gegenwehr? III. Laßt uns aber auch von Maria anfristen zur Nachfolg/ dann so ein Weib/ ein einfaͤltiges Weibs-Bild/ ein schwacher Werckzeug/ die Wahl-Kunst und Chur so wol ihr lassen angelegen seyn: wie viel mehr wil solches gebuͤhren den Maͤnnern/ den sophis, den Weisen/ daß sie nach dem Exempel Mosis/ ( der die Schmach Christi fuͤr groͤsser Reichthum geachtet/ als die Schaͤtze Egypti/ Hebr. 11, 26.) die him̃lische Christosophiam fuͤr ihr summum bonum und hoͤchstes Gut/ darnach sie in dieser Welt trachten sollen/ halten. Wie viel mehr Christ- lichen Obrigkeiten und Regenten/ als die auch Rechenschafft geben muͤs- sen von den Seelen ihrer Unterthanen/ daß sie mit dem Hauptmann Cornelio recht wehlen/ der hatte fuͤr sich seinen Heydnischen Glauben/ und desselben unterschiedliche Secten/ in Syria erfuhr er die Juͤdische Religion/ und deroselben mancherley Gattungen/ so kam damal eben auch die Christliche Religion/ von dem entstandenen Je su von Nazareth auff die Bahn; Er haͤtte aber gern gewußt/ welches die einige/ rechte und gewisse Lehre sey/ durch welche unfehlbar selig zu werden. Darum betet er immer zu Gott/ und laßt nicht nach/ biß ihm Gott einen Engel ge- R r r iij sandt/ Die Sechste sandt/ der ihm einen rechten Wegweiser/ nemlich Petrum zugewiesen. Jnsonderheit und fuͤrnemlich Doctoribus Ecclesiæ, die thun ihrem Ampt nicht gnug auff der Cantzel/ wann sie allein bauen/ und nicht auch zugleich das Schwerdt des Geistes fuͤhren/ und den Elenchum treiben/ darum sie in ihrem Gewissen verbunden/ gruͤndlich/ sine calumnia, auß eigener degustation und Versuchung/ als Credentzer und Schencken die Jrꝛthum fuͤrzutragen und kraͤfftiglich denselben zu widersprechen/ daß die Zuhoͤrer hernach ihrem Gesind/ das mit falscher Religion angesteckt/ zusprechen/ und die Kinder dafuͤr warnen koͤnnen/ sonderlich das Hertz/ als welches ein Wurtzel aller Ketzereyen/ fuͤr allen Versuchungen und Anfechtungen verwahren koͤnnen. IV. Soll billig diese Maria schamroth machen/ nicht nur die negli- gentes, die diese Wahl und Kiesung versaumen/ verachten und in Wind schlagen/ unterdessen alle niedliche Bißlein und Speisen/ und was an ei- ner jeden das beste/ bald finden/ deßgleichen den guten Wein wol kiesen koͤnnen/ auch solches ihren Jungen bey Zeiten instilliren/ und das Maul verleckern/ aber die Seelen-Weid/ die Seelen-Speiß nicht achten. Son- dern auch die contrà eligentes, die boͤse schaͤdliche und verdam̃liche Fehl- Griff thun/ und fuͤr Christum Barrabam erwehlen. Wer erzittert nicht ob dieser Histori/ wann er sie lißt und hoͤret/ und geschicht doch taͤglich/ wann der alte Adam das guldene Goͤtzen-Kalb Christo vorzeucht: und zwar in allen Staͤnden/ jederman baut an diesem guldenen Kalb/ das heißt Mammon/ Gold- und Gelt-Goͤtz/ darum laufft und rennt man/ da- rum werbt und wirbt man/ das ist der scopus, dadurch man zu Ehren sucht zu kommen/ dat census honores. Christus muß dahinten stehen/ wo man zu groͤsserer Ehre Christi etwas nur dencken wil/ so darff mans nicht wagen noch sagen: die alte Schlaͤuch nem̃en den neuen Most nicht an/ man hat sich der Repuls gewiß zu versehen/ so bald es etwas kosten moͤchte/ so halt mans mit Juda/ wozu soll dieser Unrath? Nun es stehet ein erschroͤckliches Wort 1. Cor. 16, 22. So jemand den HErꝛn JE- sum nicht lieb hat/ der sey Anathema/ Maharam Motha. Jst der alte Kirchen-Fluch/ wider die außgesprochen/ die kein Lehren und Wehren nicht annem̃en wollen/ da alles wolte desperat seyn: der Herr wird kommen und richten/ da wird das Lachen werden theur/ wann alles wird vergehn im Feur/ und der Herr spott-weiß sagen: Hi sunt Dii tui, diß seind euere Goͤtter/ heißt die euch nun helffen/ die ihr erwehlet habt/ Jch kenne euch nicht. Jch beuge schließlich mit Paulo auß Eph. 3, 14. die Knie meines Hertzens gegen dem Vater unsers HErꝛn JEsu Christi/ Predigt. Christi/ der der rechte Vater ist/ uͤber alles/ was da Kinder heißt im Him- mel und auff Erden/ daß Er euch Krafft gebe/ Christum zu wohnen in euern Hertzen/ und durch die Liebe eingewurtzelt und gegruͤndet werden. Auch erkennen/ daß Christum lieb haben viel besser sey/ denn alles wis- sen/ Christum/ den wahren/ nicht Chiliastischen/ Phantastischen/ fal- schen Christum/ lieb haben mit erleuchteter/ nicht blinder Lieb/ lieben mit flammenden Affecten, besser seye den alles wissen/ alle Wissen- schafften/ alle inventiones, in der Welt reich/ groß/ gluͤckselig/ und geehrt zu werden/ daß wir mit Mose die Schand Christi hoͤher achten/ als alle Schaͤtze Egypti/ und nachmalen von Hertzen beten und singen moͤgen: Ach GOtt wie manches Hertzenleid Begegnet mir in dieser Zeit/ Der schmale Weg ist Truͤbsal voll/ Den ich zum Himmel wandern soll. Wo soll ich mich den wenden hin? Zu dir HErꝛ JEsu steht mein Sinn/ Bey dir mein Hertz Trost/ Huͤlff und Rath/ Allzeit gewiß gefunden hat. Niemand jemals verlassen ist/ Der sich verlassen auff JEsum Christ. Ob mir gleich Leib und Seel verschmacht/ So weistu HErꝛ/ daß ichs nicht acht/ Wann ich dich hab/ so hab ich wol/ Was mich ewig erfreuen soll. JEsu du edler Braͤutgam werth/ Mein einiger Trost auff dieser Erd: An dir allein ich mich ergoͤtz/ Weit uͤber alle guͤldne Schaͤtz: So offt ich nur gedenck an dich/ All mein Gemuͤth erfreuet sich. JEsu mein Trost/ hoͤr mein Begier: O mein Heyland waͤr ich bey dir! AMEN. Die Die Siebende Die Siebende Predigt/ Von Dem Urtheil und Gericht Christi/ uͤber die Wahl Mariaͤ. G Eliebte in Christo. Wo ihr in ein Hauß gehet/ so gruͤsset dasselbe/ spricht Christus der Herr in der Instruction, mit deren Er seine Juͤnger abgefertiget/ das Evangelium vom Himmelreich zu predigen/ Matth. 10, 12. Wo und So seind die beede bedenckliche termini und Ziel/ nach denen sie sich zu richten. Wo/ sagt er/ ihr in in ein Hauß gehet/ verstehe/ nicht Schwein- oder Hunds-Stall/ son- dern ein Gruß-wuͤrdiges Hauß/ wann ihr in eine Stadt oder Marckt gehet/ so erkundiget euch/ ob jemand darinnen/ der es werth sey. Der hungerig und durstig/ der sich fuͤr den unwerthesten halt/ wie der Hauptmann zu Capernaum/ der sich freuet mit Zacheo/ Christum mit seinem Wort auffzunemmen/ und seinem Hauß Heyl zu zuziehen/ der euch einladet wie die andaͤchtige Purpur-Kraͤmerin. Wo sie nun in ein solches gewuͤrdigtes Gast-Hauß kommen/ was sollen sie da thun? sollen sie laͤhr daher kommen? oder unhoͤfflich und unbescheidenlich mit der Thuͤr zur Stub hinein fallen/ wie Grobianer und Maul-Fran- cken? Nein/ sondern gruͤsset dasselbe/ bringet den Gruß zum Willkomm mit/ wuͤnschet ihnen alles Gutes/ bringet mit ein Hertzens-Gruß/ ein Wunsch der auß dem Hertzen quillet in den Mund/ und also den Mund- Gruß/ Schalom lecha, Friede sey mit euch/ der Friede GOttes/ welcher hoͤher ist/ dann alle Vernunfft/ bewahre euere Hertzen und Sinne in Christo Je su. Gott berathe euch mit allerhand geistlich- und leiblichem Segen/ nicht aber allein den Mund-Gruß/ sondern den Mund-Gruß be- gleitet mit einem real- Gruß eines Apostolischen/ Gnadenreichen/ Trost- und Heyl-trieffenden Hauß-Weyh- und Gast-Dancks der H. Absolu- tion/ sonderlich der Ubergab des H. Geistes und seiner Gaben. Was nun Christus der Herr seinen Juͤngern zugemuthet/ und Er ernstlich anbefohlen/ das hat e r auch selbs zuvor manchmal exemplific irt/ und Predigt. und ihnen auch in diesem Stuck ein ὑπογραμμόν Muster und Fuͤrschrifft hinterlassen/ wie zu andern Zeiten und Orten/ also auch in unserer gegen- waͤrtigen Histori/ die sich begeben zu Bethanien in dem Marckt/ da Er hinauff gen Jerusalem/ als ein Schaaf zur Schlacht-Banck gewallet/ und in dem Hauß der edlen und nahrhafften Martha/ der Schwester La- zari/ samt seinen Juͤngern eingekehrt/ als in einem Ort/ da Er auch je- mand gefunden/ die seines Grußes werth war/ und nach demselben ge- hungert und gelechzet/ nemlich die außerwehlte Glaubens- und Tugend- Cron/ Mariam. Das war das Wo? das So folget alsobald dar- auff/ so gruͤsset er dasselbe auß dem Abgrund seines liebreichen/ flammen- den/ inbruͤnstigen Hertzens/ Er laßt seinen Hertzens-Gruß quillen in ein holdseliges Elogium und Lob-Spruch/ Eines ist noth/ Maria hat das gute Theil erwaͤhlet/ samt dem edelsten Præsent und Gab/ dem H. Geist/ als dem osculo Trinitatis, der vom Vater als dem Kuͤsser/ vom Sohn/ dem Gekuͤßten/ als die angehauchte Liebe außgehet/ welcher massen er auch auff das Oster-Fest seine Juͤnger mit dem Himmlischen Kuß dem H. Geist angehauchet/ den Glauben gestaͤrcket/ und die Fruͤch- te des Glaubens erwecket/ darauff der Real- Gruß und Gast-Danck ge- folget/ nemlich das Judicium reale, der Außschlag in der differen tz der zwo Schwestern/ so auff seiten Mariaͤ war Judicium absolutorium \& paracleticum, ein Loͤß- und Trost-Gericht/ auff seiten Marthaͤ aber Nu- theticum \& Zelopoëticum, ein Anmahnung- und Eiffer-wuͤrckendes Gericht/ alles auff Art und Weiß/ wie wir mit mehrerm vernehmen wer- den. Wir haben die zwo streitende Parteyen/ die zwo Schwestern/ Mar- tham die Geschaͤfftige/ wie auch Mariam die Andaͤchtige/ eine nach der andern besehen und betrachtet: haben uns zu den Fuͤssen des himmlischen Chrysostomi gesetzet: besehen seine Christosophiam, als das unum ne- cessarium, das einige Perlin/ auffgestellt in der himmlischen Tafel/ die damal Christus bereitet: den niedlichsten und besten Bissen/ den Maria erwehlet: auch dero kluge und geistliche Wahl zu Hertzen gezogen/ ist nichts mehr uͤbrig/ als zum Beschluß der Gast-Danck/ und die Hauß- Weyh/ der real- Gruß/ damit der Herr das Hauß geweyhet und ge- segnet/ nemlich Judicium, das Gericht und Urtheil/ welches Christus/ wiewol still und geheim/ doch wuͤrcklich und warhafftig gefuͤhrt/ und den zwo Schwestern zum Nachdencken hinterlassen. Davon auch dißmal fruchtbarlich zu reden/ wolle Gott der H. Geist seine Gnad und Segen reichlich beschehren. Amen. Neunter Theil. S s s Geliebte Die Siebende G Eliebte in Christo. So ist nun erstlich das Gericht und Urtheil/ welches Christus uͤber die zwo Parteyen/ zweyer lieben Schwestern gefaͤllet/ Judicium absolutorium, ein Loͤß- Gericht auff seiten der Mariaͤ/ sie wird von der Anklag absolv irt. Dann nachdem der Herr in dem Hauß Marthaͤ ankommen/ und Martha sich bemuͤhet/ Hauß-Ehr einzulegen; Maria aber zu den Fuͤssen JEsu nider- gesessen/ und den gantzen Last der Wuͤrthschafft ihrer Schwester auff dem Hals liegen lassen/ so siehet sie es mit schelen Augen an/ sie zuͤrnet und eif- fert uͤber ihre Schwester/ und legt eine foͤrmliche Klag ein/ HErꝛ/ sagt sie/ fragstu nichts darnach/ daß mich meine Schwester laßt al- lein dienen/ sage ihr doch/ daß sie es auch angreiffe. Billig verkla- ge ich diese meine Schwester/ die muͤssige/ die faule/ sie dienet dir nicht mit Auffwarten/ wie sie billig solte/ sie legt die Hand nicht an den Herd und Tisch/ sondern in den Gehren/ sie handelt wider die Lieb/ laßt mich allein dienen/ und begehet einen grossen Unverstand/ und das thut sie lecurè, oh- ne deinen Verweiß; Ja Herr/ die Warheit zu sagen/ du connivir st/ du siehest nicht einmal saur darzu/ du staͤrckest sie in ihrer Faulkeit/ du achtest es nicht/ du bist deßwegen ohne einige Sorg. Maria die rea schweigt gantz still/ opffert die Klag auff ihrem Go tt/ uͤberlaßt die Verantwortung ihrem Advocaten Christo/ der spricht auch recht und schlecht/ er handelt nicht allein als ein treuer Advocat/ Patron/ Anwald und Fuͤrsprech/ und widerspricht allen eingefuͤhrten Klagen: Nein/ es ist nicht also/ Martha/ Martha/ du bist uͤbel daran/ du uͤbereilest dich/ Maria ist nicht faul und muͤssig/ sie thut das Werck Go ttes/ das ist Glauben/ Joh. 6. Sie ist eine kluge Wehlerin/ sie dienet mir besser als du/ in dem sie meinem Willen Gehorsam leistet/ suchet zum ersten das Reich GOttes/ sie laßt dich nicht allein dienen/ sondern sie wuͤnschet/ daß du mir dienest/ wie sie/ sie greiffet das Werck an/ nemlich das unum necessarium, das gute Theil/ und con- vertirt s in succum \& sanguinem. Nicht allein aber/ sag ich/ handelt Er/ als ein getreuer Advocat/ sondern auch als ein weiser/ gerechter/ und gar guͤtiger Richter/ dann dieweil Martha Jhn den Herrn selbst fuͤr par- teyisch angegeben/ als der da connivi re/ und durch die Finger sehe/ auch daruͤber ihm gleichsam ein Verweiß gegeben/ es sey keine Providen tz bey ihm/ Er achte keiner guten Werck nicht/ so bringt er die Sach fuͤr einen andern/ und ihro der Martha selbs unverwerfflichen/ gantz unpassionir- ten Richter/ ihr eigen Hertz und Gewissen/ wie Samuel gethan. 1. Sam. 12, 3. Siehe/ hie bin ich/ antwortet wider mich fuͤr dem HErꝛn. Also sagt der Herr auch wuͤrcklich: Komme Martha/ laßt uns mit einander rechten/ Predigt. rechten/ was hastu fuͤr Fehler an mir? Jsts nicht also/ mein liebe Martha/ geben ist seliger dann nehmen. Act. 20, 35. Wer gibt/ der hat die Ehr/ wer nim̃t/ der muß dancken/ das letste/ nemlich das nehmen/ kan der selig- ste Gott nicht thun/ Er ist viel zu edel und zu hoch dazu/ darum wird der Mensch lieb und angenehm bey Gott/ nicht auß Wercken/ nicht auß me- ri ten/ auff daß sich nicht jemand ruͤhme. Gedenckestu nicht an Cain/ der vermeinte auch/ er wolle durch sein Opffer-Werck durchtringen/ und bey Gott sich einkauffen/ ja da er wuͤrcklich gesehen/ daß das himmlische Opffer-Feur auff Abels Opffer gefallen/ so sagt er/ nun ist keine Provi- den tz GOttes/ Gott richtet nicht recht. Gedenckestu nicht an Esau/ der ihm viel zu schaffen gemacht mit Rennen und Lauffen/ da doch Jacob den Vaͤtterlichen Segen und das Recht der Erst-Geburt davon getragen/ und kein Fuß drum muͤd gemacht. Jst dir schon entfallen/ was ich mehrmal geprediget: Die Ersten werden die Letsten/ und die Letsten die Er- sten seyn. Nun aber du wilt geben/ und Ehr davon haben/ Maria wil nehmen/ sie erwehlet das beste. Wie kanstu dich denn uͤber sie erzuͤrnen/ in dem sie erst thut/ was Gott gefaͤllig/ sie suchet GOttes Ehr/ du suchest deine eigene Ehr. Hat nicht Eva unrecht gethan/ daß sie nach dem Todten- Baum gegriffen/ und den Baum des Lebens auß der Acht gelassen? Ha- ben nicht die Kinder Jsrael sich versuͤndiget/ daß sie ab dem Manna ein Eckel gewonnen? daher sie auch nachmalen den Tod an den Wachtlen gefressen: Haͤttest du gelebt vor der Suͤndflut/ wuͤrdest du nicht besser ge- than haben/ wañ du mit den Ertz-Vaͤttern maͤssig gelebt/ wuͤrdest du nicht auch mit Daniel und seinen Gesellen lieber Zugemuͤß/ als die Koͤnigliche Tractamenten erwehlet haben? Wie kanstu dann deine liebe Schwester verdencken/ daß sie die geistliche/ einig-nothwendige/ alleredelste Seelen- Speiß erwehlet/ und dir deine irdische/ vergaͤngliche/ leibliche Speiß/ den Sadduceischen Saͤuen ihre Trebern/ den Pharisaͤischen Heuchlern ihre Sodomische Aepffel gelassen. Jetzt mache die Conclusion selbs reflexo judicio, du wirst mit Warheit nicht anders koͤnnen/ als absolvi ren. Ey so absolvi re ich sie auch/ in effectu, wiewol die Wort nicht exprim irt/ Maria sey getrost/ sey loß von allen Anklagen. Wen die Warheit frey macht/ der ist recht frey. Joh. 8, 32. 36. II. Judicium Paracleticum, ein Trost-Gericht und Urtheil/ dann wer kan ergruͤnden und außsprechen/ den innern Hertzens-Trost/ die Freud und Frieden/ der in dem Hertzen der lieben Mariaͤ nach solchem Judicio entstanden. Es war die liebe Maria ein angefochtenes Hertz/ dann allein Anfechtung des Hertzens lehret auffs Wort mercken. S s s ij Wann Die Siebende Wann Angst da ist/ so suchet man dich Herr/ bitter Creutz macht JE- sum suͤß/ inwendig Forcht/ außwendig Streit: Sie fuͤhlete Anstoͤß von ihrer Schwester/ die mit ihr geeiffert/ nun die war geschweigt/ und in ih- rem Gewissen uͤberwiesen; sie sahe die gegenwaͤrtige Gefahr/ von dem geistlichen Synedrio, sie war ein apostatica und hæretica, und also in Leibs- und Lebens-Gefahr behafft/ dieweil albereit die Mord-Glock uͤber sie gegossen/ wie uͤber den gantzen Anhang Christi/ sie war wuͤrcklich ex- communic irt und im Kirchen-Bann/ Joh. 9, 22. Der blut-duͤrstige Be- fehl ist erschollen/ man soll Christum den obersten Kaͤtzermeister und Meutmacher greiffen/ und gefaͤnglich lieffern/ Joh. 7, 32. Wo nun Trost wider diese Anfechtung und augenscheinliche Gefahr? Maria hat einen Schatz erwehlet/ der soll nimmer von ihr genommen werden/ darum ge- dencket sie/ nem̃en sie den Leib/ Gut/ Ehr/ Kind und Weib/ laß fahren da- hin/ das Reich/ der Schatz/ das beste Theil koͤnnen sie mir nicht rauben/ das Reich das Himmelreich muß mir doch bleiben. Das hoͤchste Gut macht rechten Muth/ dabey ich bleib/ wag Gut und Leib/ Gott helff mir uͤberwinden/ wie ihre Creutz-Schwester Maria in Ungarn gesungen. Sie hatte Anfechtung von den fulminibus legis, den blitzenden Gesetz-Stra- len. Deut. 27. Verflucht sey jederman/ der nicht halt alles/ so in dem Buch des Gesetzes geschrieben stehet. Hie ist der Meliz, der Advocat/ der spricht ein Vor-Urtheil/ ein starck præjudicium, dann wie Christus hie selber absolvirt in regno gratiæ, dem Reich der Gnaden/ so wird das Urtheil gelten in regno gloriæ, droben im Himmel. Und so sei- ner Juͤnger absolution so starck/ daß/ was von ihnen auff Erden geloͤset worden/ auch im Him̃el loß seyn solte/ wie vielmehr wird solche Staͤrcke und Krafft haben absolutio Dominica, wann der Herr selber die Abso- lution gesprochen/ und die Loͤsung angekuͤndet? Der Haupt- und Quell- Trost/ der ihr trauriges und Trost-begieriges Hertz er quicket/ ist die ἀσφά- λεια Electionis, daß sie eine sey von den außerwehlten Chur-Kindern GOttes/ denen alles zum besten dienen muß/ eine Mit-Erbin Christi/ de- ren Nam im Him̃el angeschrieben. Der Schluß ist Himmel-fest: Wer Christum und seine Weißheit/ als das unum necessarium und besten Theil erwehlet/ der hat das grosse Gluͤck/ das Erbtheil der Heiligen im Liecht erlanget/ die Verheissung ist Sonnen-klar/ Joh. 14, 21. Wer mich liebet/ der wird von meinem Vater geliebet/ E. erwehlt/ omnis di- lectus electus, der Vater/ als ein Vater/ wird ihn in sein Goͤttlich Testa- ment einschreiben/ und in dasselbe einverleiben/ und ich werde ihn auch lieben/ als einen Mit-Bruder und Mit-Erben/ du bist mein und ich bin dein/ Predigt. dein/ und Joh. 16, 27. sagt abermal Christus/ der Vater selbs hat euch lieb/ darum daß ihr mich liebet/ und glaubet/ daß ich von Gott außgegangen bin. Die Engel des Liechts haben wol gewehlet/ unter dem Guten und Boͤsen/ Gehorsam und Ungehorsam/ und daher erweh- let/ und in der Cron der Bestaͤndigkeit dermassen befestiget worden/ daß sie in Ewigkeit nicht mehr darauß fallen koͤnnen. David hat seinen Go tt außerwehlet/ der soll sein Liecht und Heyl/ seine Burg und Felß seyn/ den er hertzlich geliebet/ darum hat ihn auch Gott außerwehlt/ Ps. 89/ 4. Jch habe einen Bund gemacht mit meinem Außerwehlten/ ich habe David meinem Knecht geschworen. und ꝟ. 20. Jch habe einen Helden erweckt/ der helffen soll/ ich habe erhoͤhet einen Außer- wehlten auß dem Volck. Also auch/ weil Maria ihr zum einigen und edelsten Schatz Christum erwehlet/ so ist sie versichert/ daß so lang sie in solcher Goͤttlichen Ordnung und Diaͤt werde verharren/ dieser Schatz nimmer von ihr solle genommen werden. Wuͤrcklich und warhafftig kan auff sie applic irt werden in dem Hohelied Salomonis/ die Wort der Sulamithin: sie spricht gleichsam Cant. 5, 10. Mein Freund ist auß- erkohren unter viel Tausenden. ꝟ. 15. außerwehlt wie Cedern. Darauff antwortet der himmlische Braͤutigam durch ein Echo, Cant. 6, 7. 8. 9. Sechzig ist der Koͤniginnen/ und achzig der Kebswei- ber/ und der Jungfrauen ist keine Zahl. Aber eine ist meine Taube/ meine Fromme/ eine ist ihrer Mutter die Liebste/ und die Außerwehlte ihrer Mutter. Da sie die Toͤchter sahen/ preiseten sie dieselbe selig/ die Koͤniginnen und Kebs-Weiber lobeten sie. Wer ist die/ die herfuͤr bricht wie die Morgen- roͤthe/ schoͤn wie der Mond/ außerwehlt wie die Sonne/ schroͤcklich wie die Heerspitzen? III. Judicium Zelopoëticum \& nutheticum, dann moͤchte jemand sagen/ was hat die gute Martha davon/ gehet sie laͤhr auß? sie wird auff diese weiß mit ihrer haͤußlichen Arbeitsamkeit verdamt worden seyn. O nein/ meine Liebsten/ es hatte dieselbe wol grosse Schwachheit und Bre- sten an ihr/ wie droben allbereit angezogen worden. Nicht loͤblich war an ihr die πολυϖραγμοσυν́η, die ἀκαιρία und Intempestivi taͤt/ daß sie ihre Ar- beit zur Unzeit gethan/ nemlich/ da sie GOttes Wort haͤtte hoͤren sollen: die μέριμνα, und fladernde uͤberentzige Bauch-Sorg: περισπασμὸς, die Zer- streuung der vielerley Gedancken/ und darauff erfolgende τυρ ασία, tu- multuatio, Ermuͤdung/ das herum-hin- und her-auff- und ab-lauffen/ daß sie offt nicht gewußt/ wo sie anfangen/ enden und wehren soll: Die S s s iij πίϛασις, Die Siebende πίϛασις, daß sie stehend fuͤr den Herrn getretten/ nicht wie Maria in devotion gesessen/ und uͤber das Selbige in ihrer devotion turb irt/ sonder- lich die αὐτάρκεια, daß sie nach dem Wachsthum und Befestigung des Glaubens nicht getrachtet; Aber darum verdam̃t und verstoßt sie der Herr nicht/ massen bey ihr noch anzutreffen ein glimmendes Toͤchtlein/ das in ihrem Hertzen geschimmert/ ein lebendiger/ fruchtbarer Glaub/ der sich herfuͤr gethan/ in διακονίᾳ πολλῇ, in ihrem geschaͤfftigen Dienst und Auffwartung/ und dasselbe zur Zeit/ da es gefaͤhrlich drein gesehen/ nur allein mangelte das Incrementum ihres Glaubens. Aber das ists/ das der Herr gethan/ er hat einen Eiffer-Geist in ihrem Hertzen erwe- cket/ an statt des suͤndlichen Neid-Eiffers wider ihre Schwester/ einen hei- ligen/ Goͤttlichen Eiffer der Nachfolg. Gleichwie Jacob den Joseph vor allen andern als den Nasir und Außerwehlten geliebt/ und ihm einen bunten Rock deßwegen machen und anziehen lassen/ davon die uͤbrigen Bruͤder kein Haß- und Neid-Feur/ sondern ein Liebes-Feur anzuͤnden solten. Also ist auch eben dieses GOttes alter Brauch je und allezeit ge- wesen. Deut. 32, 21. sagt der Herr: Sie haben mich gereitzt an dem das nicht GOttes ist/ mit ihrer Abgoͤtterey haben sie mich er- zuͤrnet/ und ich wil sie wider reitzen an dem/ das nicht ein Volck ist/ an einem naͤrrichten Volck wil ich sie erzuͤrnen. Paulus al- leg irt es Rom. 10, 19. Der erste Moses spricht: Jch wil euch eif- fern machen uͤber dem/ das nicht mein Volck ist/ und uͤber ei- nem unverstaͤndigen Volck wil ich euch erzuͤrnen. Und von sol- chem Eiffer sagt er weiter Rom. 11, 13. 14. Weil ich der Heyden Apo- stel bin/ wil ich mein Ampt preisen. Ob ich moͤchte die/ so mein Fleisch sind/ zu eiffern reitzen/ und ihrer etliche selig machen. Æneas Sylvius gedencket einer Histori/ so sich zu Kaysers Caroli Magni Zeiten zugetragen und begeben/ die sich kuͤrtzlich also verhaͤlt: Jn Kaͤrn- ten herꝛschete ein Hertzog/ mit Namen Igno, der hatte nach Anleitung Kayser Carls den Christlichen Glauben angenommen/ und das Land- Volck auch beredet/ sich dazu zu bekennen und tauffen zu lassen; Aber die Land-Herren/ der Adel und Ritterschafft hiengen noch gar hart der alten Heydnischen Abgoͤtterey an/ und wolten keine Christen werden/ biß und so lang sie ihr Herꝛ/ Hertzog Igno mit einer fuͤrsichtigen/ sehr weißen/ und zu- gleich wunderbaren That zum Christlichen Glauben braͤchte. Anno 790. ließ er außschreiben/ er wolte ein groß Panquet halten/ und lude darzu alle seine Unterthanen/ Land-Herren/ Edle/ Ritter/ Burger und Bauren. Wie nun auff bestim̃ten Tag jederman sich einstellete/ der angebottenen/ freyen/ Predigt. freyen/ froͤlichen Mahlzeit zu geniessen/ ordnete es Hertzog Igno also/ daß zunechst an seiner Tafel/ die zum Christlichen Glauben bekehrte Burger und Bauren rings herum sitzen muͤssen/ denen ließ er koͤstliche Speiß und Tranck in silbernen Schuͤsseln und guldenen Credentzen fuͤrtragen/ so wol als ihm selber: die Land-Herren/ Edelleuth und Ritterschafft mußten hinter und unter dem Land-Volck sitzen/ und ward ihnen die Speiß und Tranck in irdenen Schuͤsseln und Kruͤgen auffgesetzt. Das namen die Land-Staͤnde und Ritterschafft fuͤr eine grosse Schmach auff/ fertigten etliche ab/ dem Hertzogen uͤber der Tafel zu zusprechen: warum er sie so schmaͤhlich und veraͤchtlich tractire? denen gab der Hertzog in Freund- lichkeit diese Antwort: Er haͤtte das Panquet als ein Christlicher Herꝛ angerichtet/ nicht nach dem aͤusserlichen/ sondern nach dem innerlichen Ansehen/ aͤusserlich wuͤßte er wol/ daß sie ihrer Ankunfft/ Stammens und Ampts halben die gemeine Leut uͤbertreffen/ und ihnen vorzuziehen waͤ- ren: aber weil sie mit ihren Hertzen und Seelen noch an den Goͤtzen hien- gen/ und mit Abgoͤtterey sich verunreinigten/ waͤren sie fuͤr Gott schwartz/ heßlich/ und von seinem Reich der ewigen Glori und Seligkeit weit abge- sondert/ und wo sie sich nicht bekehrten/ wuͤrden sie von der Tafel Go ttes ewig geschieden bleiben: Diese gemeine Leuthe aber/ ob sie wol Adels/ aͤus- serlichen Herkommens und Ansehens nach/ geringer und veraͤchtlicher waͤren/ als sie/ so waͤren sie doch wegen der innerlichen Gestalt ihnen weit vorzuziehen/ dann durch das angenommene Wort GOttes/ durch die Tauff und Glauben an Christum/ haͤtten sie gereinigte Hertzen/ schnee- weisse Seelen/ waͤren nun Kinder GOttes/ und haͤtten die gewisse Hoff- nung ewig bey Gott dem Herrn froͤlich und selig zu seyn und zu leben. Es gehet im Reich Christi nicht anders her/ die ersten muͤssen die letsten/ und die letsten die ersten seyn. Da sie nun diese Antwort gehoͤret/ haben sie derselben nachgedacht/ und durch Eingebung und Wuͤrckung des H. Gei- stes/ auch Lust zum Christlichen Glauben bekommen/ und seind hernach von beeden Bischoffen zu Saltzburg Virgilio und Arnone gelehret/ be- kehret und getaufft worden/ und gesagt: Ey! so wollen wir den Bauren nichts nachgeben/ und dem Himmelreich Gewalt anlegen/ und zu uns reissen. Also zielet Christus gaͤntzlich ad scopum æmulationis, zum Eiffer/ zum Schamroth. Er lobt die Mariam so hoch und wol/ daß Martha anfangt zu eiffern und zu gedencken/ so wil ich dann meiner Schwester nichts nachgeben/ kan sie zu den Fuͤssen JEsu sitzen/ so wil ichs auch thun. Haͤtte sie sich gesteiffet/ Christi Wort uͤbel auffgenommen/ und nicht leiden wollen/ wie Jesabel und Herodias/ daß man ihr den Eyßen geruͤhrt/ Die Siebende geruͤhrt/ und gesagt: Was gehet mich der Prophet von Nazareth an/ wil er meine Gutthat nicht annehmen/ so mag er seinen Stab weiter setzen/ was bringt er fuͤr neue Subtilitaͤten und Novitaͤten fuͤr/ meynet er dann/ er wolle mich zu einer Doctorin und Rabbinin machen/ auff diese weiß ergeistert er mich/ und fordert zu viel von mir/ und macht mich kleinmuͤ- thig: Haͤtte sie/ sage ich/ solcher massen dem Herrn begegnet/ so waͤre sie warhafftig mit den thoͤrichten Jungfrauen/ die zwar auch Oel in den Lampen gehabt/ aber nicht gnug/ ins ewige Darneben gerathen. Nein/ das thut sie nicht/ sondern so saumselig sie vor geweßt/ so eiferig und fleis- sig war sie hernach/ also daß sie ihres gewachsenen Glaubens ein herꝛlich Specimen gethan/ zur Zeit ihres zu gestandenen Hauß-Creutzes/ in ihrem examine Catechetico, Joh. 11, 24. 27. Gleichwie nun Christus der Herr erst-erzehlter massen sein Wo und So fuͤrtrefflich in acht genom̃en/ und das Hauß zu Bethanien mit seinem Gruß-Segen beseliget; also leuchtet er auch sonderlich dem Pre- dig-Ampt fuͤr: Er sagt gleichsam: Was ich zu meinen Juͤngern sage/ das sage ich allen/ ihr solt mein Mund seyn/ meine Wort nicht letz verstehen/ und mißdeuten/ sondern auch gleicher gestalt judici ren/ und zwar 1. in fo- ro externo, ihr werdet zu allen Zeiten fuͤr euch haben zwo Schwestern/ aber zwo Stieff-Schwestern/ die wahre und falsche Kirch/ Lehr und Reli- gion/ sonderlich die Babylonische Braut dort/ hie das Christ-schwangere/ mit der Soñen bekleidete Weib/ Apocal. 12. deren jene diese anklagt/ durch den Mund Valeriani M. Ubi sunt vestra cilicia, flagella, jejunia? Laßt sehen/ wo seind euere selbs-erwehlte uͤbernommene Bussen/ Fasten/ Geiß- len? Erzehlet darauff eine grosse Anzahl der grossen Heiligen seines Or- dens/ was fuͤr erbaͤrmliche Bussen und opera supererogationis, sie uͤber- nom̃en/ mit Vermeldung/ wann Gott solche grosse Marter und Pein nicht ansehen wolte/ so muͤßte kein Providentz seyn. Da gehoͤret nun zu Judicium illuminatum, conscientiæ convictivum, ein erleuchtetes Ur- theil/ dadurch das Gewissen uͤberzeuget wird. Das mercket ihr Studiosi Theologiæ, lernet recht disputi ren/ elenchisi ren/ den statum contro- versiæ ex historia certaminum wol formi ren/ und verstehen/ leset Bel- larminum und Calvinum selbs mit eigenen Augen/ damit ihr nicht seyd ἄλογα ζῶα, unvernuͤnfftige Thiere/ Ep. Jud. ꝟ. 10. sondern kraͤfftig und buͤndig argumenti ren/ und ad αύ τοκα τάκρισιν den Widersprechern das Maul stopffen koͤnnet/ verlaßt euch nicht auff miracula, Gott werde/ wie dorten im Concilio Niceno soll geschehen seyn/ durch einen Jdioten den Arianischen Philosophum bekehren/ autoritate verbi, non claritate veritatis. Sozom. l. 1. 18. Lernet Predigt. Lernet aber auch recht judici ren II. in foro conscientiæ interno, in dem innern Gewissens-Gericht. Dann ihr werdet allezeit fuͤr euch haben dreyerley conscientias, mit denen ihr zu thun haben werdet/ wollet ihr conscientiosè gehen. 1. Conscientiam cauteriatam, ein brandmaliges Gewissen/ das sind die/ die in ihren Suͤnden ohne Buß immer hin gehen/ mit ihrem Ochsen-Kauff immer so viel zu thun finden/ daß sie an Christi Tafel nicht koͤnnen erscheinen/ denen ab dieser losen Speise eckelt/ die sich mit ihrem rohen Catechischmo dem Wortlaut nach begnuͤgen/ und dabey ihrer Seligkeit versichern/ ja noch wol laͤstern doͤrffen/ was sie nicht ver- stehen. Solche Atheistische Hertzen soll zwar das Ministerium nicht per- sonaliter verdammen/ auch wann sie schon todt seyn/ dann uns gebuͤhret nicht Gott dem Herrn in seinem hoch-adelichen Richter-Ampt Ein- griff zu thun/ sondern wir sollen warten biß der Herr kom̃t: weßwegen St. Petrus so gar auch den Verraͤther Judam nicht verdam̃t/ sondern nur gesagt: Er sey gegangen εἰς ἴδιον τόπον, in seinen Ort. Wohin/ weiß Gott! Aber unterdessen koͤnnen und sollen sie dem Wort GOttes nicht wehren/ welches also lautet: Wer nicht glaubet/ der wird verdam̃t werden. Marc. 16, 16. Wer an den Sohn nicht glaubet/ der wird das Leben nicht sehen/ sondern der Zorn GOttes bleibet uͤber ihm. Solch Verdam̃nus ist recht. Sie sollen und koͤnnen auch nicht das Symbolum Athanasii außkratzen/ welches ich nicht vergebens noch einmal wiederhole/ Wer da wil selig werden/ der muß fuͤr allen Dingen den rechten Christlichen Glauben haben/ wer densel- ben nicht gantz und rein haͤlt/ der wird ohne Zweiffel ewiglich verlohren seyn. Es erfordert und wil haben den rechten Glauben. Schwacher Glaub verdammet nicht/ aber falscher Glaub/ den reinen Glauben/ ohn Gifft-falscher Lehre/ den gantzen Glauben/ alle articulos solatifluos \& sanctificos, darauß Trost und heiliges Leben fliesset/ auch die harte Speiß nicht außgenommen/ anders als die Calvinisten/ die ihr absolutum decretum und blosen Rathschluß/ als ihr cor \& palladium, wie dann auch die Lehre de communicatione Idiomatum, und Mitthei- lung der Eigenschafften/ zwar nicht auß den Buͤchern außkratzen/ aber als eine harte Speiß von der Cantzel verweisen/ anders als Christus/ der in der Schule zu Capernaum solche Lehre vorgetragen/ daruͤber seine Juͤnger außgeruffen/ σκληρὸς λόγος, das ist eine harte Rede/ wer kan sie hoͤren? Joh. 6, 60. 2. Conscientiam Marthanicam, das sind die/ die das Wort hoͤren/ Christum beherbergen/ beym Beicht-Stuhl sich einfinden/ das Hochwuͤr- Neunter Theil. T t t dige Die Siebende dige Sacrament des H. Abendmahls gebrauchen/ aber doch unterdessen mit Faulwitz umgehen/ das unum necessarium versaumen/ fuͤr dem Wachsthum und asphalia des Glaubens abhorrir en/ nicht mehr ler- nen/ als sie gelernet/ dieselbe soll man freylich nicht condemni ren/ es laßt sich nicht sagen/ der vierte Theil vom Acker/ von diesem particular audi- torio werde allein selig/ die uͤbrigen aber seyen verdam̃t/ massen solches Christus nicht gesagt/ sondern Johannes (nicht der Evangelist/ auff des- sen Lehr wir erbauet/ sondern) Chrysostomus, der war Lumen non Numen, nicht αὐτὸς ἔφα, dessen Wort eben kein Sacramenta Ecclesiæ, er hat auch offtmal unzeitig geeiffert/ sondern zelopoëticè und nutheticè anfristen: Jhr lieben Leut/ das ist euch auch zu wissen noͤthig/ habt ihr es biß daher nicht gewußt/ so wisset es jetzund/ habt ihr euch mit Martha viel zu schaffen gemacht/ so thut dem HErꝛn Christo die Ehr an/ und ruhet in ihm/ lernet recht/ gantz und rein glauben/ ἀκρὸν λά ε, καὶ μέσον ἕξις, ihr werdets doch zum hoͤchsten nicht bringen/ sondern nur auff dem nidersten Grad bleiben/ unterdessen stehet die perfection bey Christo/ der ist uns von Gott gemacht zur Weißheit/ 1. Corinth. 1. III. Conscientiam Marianam, da heißts/ absolvite, troͤstet/ troͤstet mein Volck/ troͤstet sie wider der Welt Haß/ mit der Liebe GOttes. Omnis Deo dilectus mundo exosus, Joh. 15, 19. Waͤret ihr von der Welt/ so haͤtte die Welt das ihre lieb/ weil ihr aber nicht von der Welt seyd/ sondern ich habe euch von der Welt erwehlet/ darum hasset euch die Welt. Troͤstet Trost-hungerige und Trost- wuͤrdige Hertzen wider des Gesetzes Fluch und Schrecken des Goͤttlichen strengen Gerichts/ mit dem Evangelischen Vorbescheid: Wer an den Sohn glaubet/ der hat das ewige Leben/ und kom̃t nicht ins Gericht/ sondern er ist vom Tod zum Leben hindurch gedrun- gen. Joh. 3, 24. Wann Christus euer Advocat und Fuͤrsprech fuͤr euch/ wer wil wider euch seyn? Rom. 8, 31. Der hoͤchste Trost ist die asphalia und Gewißheit der Außerwehlung: Dann gleichwie Adam im Stand der Unschuld unfehlbar hat gewiß seyn koͤnnen seiner confirmation, das ist/ seiner himmlischen Ehren-Cron/ daß er auß dem irdischen ins himm- lische Paradiß solte und wuͤrde ohne Noth und Tod versetzt werden/ doch so er des verbottenen Baums sich muͤssigen/ und des Lebens-Baums ge- horsamlich geniessen wuͤrde: Ja gleichwie ein frommes/ liebes gehorsa- mes Kind zu seinem Vater/ das hertzliche/ kindliche/ unfehlbare Ver- trauen haben kan/ es werde ihm mit der Zeit das Erb-Gut nicht fehlen/ doch so es in solchem Gehorsam standhafftig verharren/ und der jenigen Unfug Predigt. Unfug und Laster keines begehen wuͤrde/ um deß willen die Enterbung in den Rechten erlaubt und zugelassen: Vielmehr hat ein glaubiges Hertz sich zu seinem him̃lischen Vater/ dem Vater der Barmhertzigkeit/ der Quellen aller Vaͤtterlichen Liebe und Treue gaͤntzlich zuversehen/ es werde ihm das Kind-Recht nicht fehlen/ das Himmelreich muͤsse ihm werden/ so es nur durch beharꝛlichen unbußfertigen Unglauben/ sich selbs seiner Hoffnung nicht verlustig machen/ sondern vielmehr in wahrer Buß und bestaͤndigem Glauben biß an den letsten Seufftzer verharren werde. Und dieses war mein Scopus, Zweck und Ziel in dieser Histori/ nem- lich die Christosophiam zu recommendir en/ alles zu dem End/ daß die athei stische Hertzen durch Schroͤcken des Gewissens moͤchten gelocket werden: Sind dieselbe getroffen worden/ daß sie daruͤber anfangen zu bellen/ so dancke ich Gott/ der seinem Wort solche Krafft gegeben/ und wuͤnsche/ daß sie noch ferner betruͤbt und kleinmuͤtig werden. Von Pto- lomæo dem Koͤnig in Egypten schreibet Valerius Max. l. 8. c. 9. daß er Hegesiæ dem Philosopho Cyreniaco, der immer von des Menschen Elend disser irt und gesagt/ und die Leute zu weinen gemacht/ ja gar ihr etliche in Verzweiffelung und Selbs-Mord gestuͤrtzet/ ihm das Hand- werck und Philosophi ren nidergelegt: Also moͤchten auch Welt-Kinder gedencken/ ey was soll das seyn/ was ist von noͤthen/ daß man die Leut traurig mache/ und ihnen ein Angster einjage/ es moͤchte ein ohne das melancholischer Mensch durch dergleichen Predigten zur desperation und Verzweiffelung verleitet werden: Aber die Meynung hat es nicht/ sondern daß die stein-harte und felserne Gewissen reg werden/ und mit den Zuhoͤrern Petri sprechen moͤgen: Jhr Maͤnner/ lieben Bruͤ- der/ was sollen wir thun? Actor. 2, 37. und mit dem Kaͤrckermeister: Liebe Herren/ was soll ich thun/ daß ich selig werde? Act. 16, 30. Seind es aber Marthaner/ so werden sie sich durch diese Predigt nicht schroͤcken lassen/ so wenig als Martha/ denn sie haben gehoͤrt/ daß sie Christus nicht verdam̃t/ aber doch zum Eiffer gereitzt/ und dieser Eif- fer zum Wachsthum im Glauben ist eben auch das/ was ich suche. Wer diesem Rath folget/ den wirds nicht reuen/ sondern am Juͤngsten Tag dafuͤr dancken. Nicht wissen ist keine Suͤnd/ sondern nicht wissen wol- len. Seinds Marianer/ die gern und mit Andacht zu den Fuͤssen Je su sitzen/ so haben sie davon lauter Trost: Jsrael hat dennoch Gott zum Trost/ wer nur reines Hertzens ist: Trost wider die Welt/ wider das zar- te Gewissen/ wider die Anfechtung der Gnaden-Wahl/ Trost in Truͤbsal/ daß weil sie beruffen ad συμπάϑειαν, so seyen sie auch beruffen ad συνδόζαν, T t t ij nach Register nach dem was Paulus sagt/ Rom, 8, 17. Sind wir denn Kinder/ so sind wir auch Erben/ nemlich GOttes Erben/ und Mit-Er- ben Christi/ so wir anders mit leiden/ auff daß wir auch mit zur Herꝛligkeit erhaben werden. Darum moͤgen sie wol ihrem Hertzen zusprechen und singen: Darum ob ich schon dulde Hie Widerwaͤrtigkeit; Wie ich auch wol verschulde/ Kom̃t doch die Ewigkeit/ Jst aller Freuden voll/ Dieselb ohn einigs Ende Dieweil ich Christum kenne/ Mir wiederfahren soll. AMEN. Erstes Register/ Begreiffend den Jnhalt aller Predigten/ so in diesem Neunten Theil begriffen. Eingangs-Predigten. Die I. Von des XXIII. Psalms Urheber/ Materi und Jn- halt/ Form und Gestalt/ Zweck und Ziel. Pag. 1 . Die II. Von dem HErꝛn als Davids Hirten. 15 . Die III. Vom Hirten. 28 . Die IV. Von David/ als dem Schaaf. 43 . Die V. Vom Schaaf-Stall. 58 . Die VI. Von der Thuͤr des Schaaf-Stalls. 71 . Die VII. Von der Thuͤr des Hirten. 85 . Die IIX. Von dem Thuͤr-Huͤter. 97 . Die IX. Von der Weyd auff gruͤner Auen. 112 . Die X. Von frischem Wasser des H. Geistes. 124 . Predigten der Predigten. Predigten uͤber die Wort der Einsatzung des H. Abendmahls. Die Erste/ von dem Namen des H. Abendmahls. 136 . Die Andere/ von der Beschreibung der heiligen Evangelisten/ und de- ro einhelligem Mund. 147 . Die Dritte/ vom eigentlichen und buchstaͤblichen Verstand der Wort/ das ist mein Leib. 161 . Die Vierte/ von der Nacht/ da der HErꝛ JEsus verrathen ward/ als der Zeit/ wann das H. Abendmahl ist eingesetzt worden. 177 . Die Fuͤnffte/ von der Vorbereitungs-Handlung Christi zum heiligen Abendmahl. 190 . Die Sechste/ von dem Wuͤrth und Gastgeber des H. Abendmahls/ Christo JEsu. 205 . Die Siebende/ von dem Brod/ als dem einen sichtbarn Element des H. Abendmahls. 220 . Die Achte Predigt/ von dem Leib JEsu Christi/ als dem einen unsicht- baren wesentlichen Stuck des H. Abendmahls. 232 . Die Neunte/ von dem Wein/ als von dem andern sichtbaren Element des H. Abendmahls. 245 . Die Zehende/ von dem Blut Christi/ als dem andern wesentlichen und unsichtbarn Stuck des H. Abendmahls. 258 . Die Eilffte/ von dem Blut Christi/ als dem Blut des Neuen Testa- ments. 273 . Die Zwoͤlffte/ von denen/ fuͤr welche Christus sein Blut vergossen. 285 . Die Dreyzehende/ von der Sacramentlichen Handlung Christi. 295 . Die Vierzehende/ von der warhafftigen wesentlichen Gegenwart des Leibs und Bluts Christi im H. Abendmahl. 319 . Die Fuͤnffzehende Predigt/ von dem Gebrauch des H. Abendmahls unter beeden Gestalten. 337 . Die Sechszehende/ von dem Mund-Sacramentlichen Essen und Trincken des Leibs und Bluts JEsu Christi. 358 . Die Siebenzehende/ von Niessung der Unwuͤrdigen. 378 . Die Achtzehende/ von dem Zweck- und End-Ursach/ warum Christus das H. Abendmahl eingesetzt/ nemlich der Vergebung der Suͤnden. 394 . T t t iij Die Register Die Neunzehende/ von der Gedaͤchtnuß des Leydens und Todes JEsu Christi. 407 . Die Zwantzigste/ von dem Hochzeitlichen Ehren-Kleid der wuͤrdigen Vorbereitung. 417 . Die Ein und Zwantzigste/ von dem Lob-Spruch der suͤssen Wunder- thaten/ die Christus im H. Abendmahl gestifftet. 427 . Anhangs-Predigten/ von Christi und Marthaͤ Gespraͤch/ Luc. X. Die Erste/ von Martha/ als der Verklaͤgerin/ ihrer Schwester Ma- riaͤ. 439 . Die Andere/ von Maria der Schwester Marthaͤ/ als der Beklagten. 449 . Die Dritte/ von der Predigt Christi/ deren Maria zugehoͤrt. 462 . Die Vierte/ von dem Einig Noͤthigen. 472 . Die Fuͤnffte/ von dem guten Theil/ den Maria erwehlt. 483 . Die Sechste/ von der Chur und Wahl/ die Maria gethan. 493 . Die Siebende/ von dem Urtheil und Gericht Christi uͤber die Wahl Mariaͤ. 504 . Das Ander Register Die denckwuͤrdigsten Sachen begreiffend. A Bendmahl heißt ει̃πνον κυριακὸν 139 . Mensa Dominica ibid . Te- stamentum ibid . Eucharistia 180 . Synaxis ibid . ἀγάπη ibid . Sacrificium 141 . Mysterium 142 . War- um es so viel Namen 144 . soll zuvor recht erkant werden als genossen ibid . Wird mit allen seinen Geheimnussen im Papstthum nicht voͤllig erklaͤrt 145 . ist ein recht συο ίτιον, eucharisticum epulum 150 . das rechte Opfer-mahl ibid . wird Joh. 6 . nicht beschrieben 151 . Jst in der Nacht eingesetzet 181 . Jn welchem Jahr ibid . Wann und wie zu empfangen 186 . ist der rechte Zehr- pfenning 189 . hat Christus mit gewis- ser Ordnung gehalten 193 . Jst von Christo in seiner hoͤchsten Liebe gestiff- tet 211 . Jst Christi Schied-Jmbiß 212 . von Christo in einem Saal gehalten 213 . Kan auch den Krancken zu Hauß communic irt werden ibid . mit was positur zu empfangen 215 . Gibt nicht nur Christi Leib/ sondern offer irt auch die Krafft seines Leibs 228 . Jst eine troͤstliche Speiß den Muͤhseligen 244 . Eine der denckwuͤrdigsten Sachen. Eine Wunder-Speiß 430 . warum es von den Vaͤttern ein Opffer genannt? 317 . Ob es zu zweyen malen von Chri- sto eingesetzt? 354 . Frucht und Nutz ist Ablaß der Suͤnden 396 . wird wider die Papisten erwiesen 402 . wird zu unterschiedenen Sachen illicitè ange- wendet 399 . welchen es nicht soll gege- ben werden 424 Abendmahls admiranda 429 . seqq . Abendmahls Einsatzungs-Wort. suche Einsatzung. Abendmahls-Gaͤste pruͤfet Gott 419 . sollen dieselbe Mahlzeit recht unter- scheiden 420 . ihre Unwuͤrdigkeit be- trachten 421 . Sollen sich um das rech- te Hochzeit-Kleid bewerben 423 . Wuͤrdige welche? 426 . unwuͤrdige welche? ibid . Abendmahls herum tragen bey den Pa- pisten ein Gauckelspiel 221 . Jst mit seinen Ceremonien vom Roͤm. Pabst erdichtet. Abendmahls Niessung wuͤrcket eine geist- liche Vereinigung 174 . unter beeder Gestalt ist in GOttes Wort fund irt 340 . ist uͤber tausend Jahr im Brauch gewesen 344 Abendmahls unwuͤrdige Gaͤste machen sich schuldig des Leibes Christi 242 Ablaß der Sunden ist Gott ruͤhmlich 397 . ist der guldene Himmel-Schluͤssel 398 . buͤrdet dem Menschen keine Be- schwerden auff. ibid . dessen seind wir versichert 399 Absalon Davids Schaͤffer-Herꝛ 18 Admiranda bey Einsetzung und in dem H. Abendmahl 429 Agapæ der Alten was sie gewesen 141 . Altar sind ein Mittel-Ding in unserer Kirchen 215 Americaner Wissenschafft von Christo 318 Amnistia ist die Quell aller burgerlichen Wolfarth 398 Antoninus wird von getrunckener Chri- sten-Milch geschlacht 433 Appetit menschlichen Hertzens ist uner- saͤttlich 128 Application des Todes Christi zur Se- ligkeit allein nothwendig 294 Arbeitsamkeit ist ein schoͤner Weiber- Ornat 480 Aristoteles vom Schwanen-Gesang 427 Aufidi in Piceno soll ein hostia zu Fleisch worden seyn 429 Auffopfferung Jsaccs von Gregorio Nysseno betrachtet 295 Augspurg. Confession von den gefuͤrste- ten Bistum̃en in Teutschen Landen 40 Augusti Clementz gegen Cinna dem Kayser-Moͤrder 397 Augustinus, was er von geistlichen Ge- saͤngen gehalten/ 2 . von dem 6 . Cap. Johannis 153 Aussatz/ ist ein Suͤnden-Bild 258 Außerwehlten zu gut hat Christus nicht allein sein Blut vergossen 388 Au da Christus seine Schaaf weidet was? 114 . B. Bann-Formul der Heyden von ihren Sacris 143 Basel zu Sulceri Zeiten noch orthodox 335 Baum des Todes im Paradis 483 . des Lebens 484 . was seine Tugend gewesen 486 Register 486 . 488 . beede finden sich in Christ- licher Kirchen ibid . die sollen wir kluͤg- lich unterscheiden 490 Beicht der Papisten ein Judas Beicht 132 Bellarminus vom Gewalt des R. Pabsts 25 . Vom Nutz des Abendmahls 402 Bellarmini Behuͤlff die Traditiones zu erweisen 247 Berengarius hat von den Worten der Einsatzung einen grossen Absprung ge- than 158 . widerrufft seine Meynung 159 Bergius wird refut irt 332 Bernhardus von der Danckbarkeit die wir Christo unserm Herrn schuldig 27 Beruff der Prediger wie er geschehen soll. 105 . seqq. geschicht von Menschen und ist doch Goͤttlich 108 . geschicht bey mei- sten Reformirten allein durch das Presbyterium 109 . leidet heutiges Tages grosse Confusion 119 . seqq. Besold. der Mammeluck von der Luthe- raner Religion 444 Bettag zu Straßburg zu feyren 447 Beza dichtet einen solœcismum in den Einsatzungs-Worten 276 Bezæ Meynung von den sichtbaren Ele- menten im H. Abendmahl 250 Bibel ist in vorigen seculis durch Glossen schaͤndlich vergifftet worden 121 . ver- gifft durch Calvinische Glossen 122 Bildnuß derer so man liebte pflegten die Alten auff der Brust zu tragen 408 Blut such Christi Blut. der Menschen ist unrein 266 Blutfluͤssige Weib richtet Christo eine statuam auff 415 Blut-Goͤtzerey der Papisten 264 . seq. Brigitta soll Christi Blut gefunden ha- ben 262 Brod so ungesaͤurt heisset die Schrifft Brod des Elends 201 . im Reich Got- tes essen ist die hoͤchste Seligkeit 205 . im H. Abendmahl ein rechtes Schau- Brod 221 . seq. bleibt in seinem Wesen Brod 223 . wie es in unsern Kirchen im Brauch wird probirt 225 . dienet nicht ad satietatem, sed sanctificatio- nem ibid . mag gesaͤurt oder ungesaͤurt seyn 226 . Jst ein Mahlzeichen 227 . arrha 228 . Organum exhibitionis ib . Exemplum dehortationis 250 . ad- hortationis ibid . hat im H. Abend- mahl Wunder-Krafft ibid . wird nicht verwandelt 302 . hat Christus gebro- chen 305 . wie? 306 . Wie es Christus den Juͤngern gegeben 310 . wie in der ersten Kirchen den Communicanten gegeben worden? ibid . Brod der Juden wie es gestalt gewesen 305 Brod brechen was es bey den Juden ge- heissen 225 . ist heut zu Tag ein indiffe- rens 306 . gehoͤrt nach Calvinischer Lehr zu dem Wesen des H. Abendmahls ib . ist kein Bildung des Leydens Christi 308 . soll man den hungerigen 318 Buceri Klag uͤber der Straßburgischen Kirchen-Gebaͤu 65 Buchstaͤblicher Verstand ist ohne grosse Ursach nicht zu verlassen 165 Bund zwischen Gott und Jsrael mit Blut gemacht 278 . seq. was er seye 278 . Gottes mit uns/ ist ein Testament- licher Bund 279 . den sollen wir fest halten/ der denckwuͤrdigsten Sachen. halten 283 . wird durch Suͤnde gebro- chen 284 . ist condition irt ibid . Buͤndnuß der Heyden wurden mit Blut versigelt 273 . der Teutschen ibid . Busbe quii relation was die Tuͤrcken von dem Lebens-Ziel halten 98 Buxtorff von der Juden Ruͤst-Tag 198 C. C Alvinisten troͤsten ohn Nachtruck 132 lassen sich an die signa im Abend- mahl nicht binden 251 . Wollen den Krancken zu Hauß nicht communici- ren 213 Canaan woher es das Milch-Land ge- heissen 20 Canon Missæ ist in der ersten Kirchen unbekant 316 . dessen Complement hat Gregorius verfertiget ibid . Grego- rianus und Ambrosianus ibid . Canonicat der Lutherischen wie fern pas- sirlich 40 Carlstads Schwarm vom H. Abend- mahl 159 Carolus V. betrachtet in seinem Closter seine Thaten 412 Casaubonus vom Brod-Brechen der Juden 307 Cataphryges brauchten Menschen-Blut mit Meel gebachen zu Celebri rung des Abendmahls 223 Catilinæ Blut-Buͤndnuß 274 Charistia ein Ort der Mahlzeiten bey den Alten 147 Christosophia ist die hoͤchste Weißheit 465 . das einig noͤthige 474 . ist ein un- theilbarer Schatz 476 . ist gleich einer Kett 477 . ist wahl-wuͤrdig 478 . wird von unterschiedlicher Art Leuten ver- acht 479 . ist ein bonum sanitatis 486 . das gute Theil eines froͤlichen Lebens 487 . ein Kunst der Unsterblichkeit 489 Christus ist des XXIII. Psalms Kern und Stern 8 . Ein Hirt 9 . hat unter uns gewohnet 15 . ist nach seiner menschlichen Natur ein gemachter Herꝛ 18 . ist ein Eigenthums-Herꝛ ib . hat seine Schaaf theur erkaufft 19 . ein Siegs-Herꝛ und starcker Hirt ibid . der Uberwinder des hoͤllischen Loͤwens 20 . Jst ein reicher und reichmachender Herr ibid . Fuͤllet seine Schaaf mit allerhand Gnaden-Schaͤtzen 21 . ein allmaͤchtiger Herr 22 . ein eintziger Hirt 23 . hat seine Unter-Hirten ibid . Jst Pastor Catholicus 46 . Jst nicht ohngefehr nach seiner Geburt in ein Vieh-Stall geleget worden 58 . ist die Thuͤr zum geistlichen Schaaf-Stall 75 . Hat alle Qualitaͤten einer Thuͤr 78 . Jst zu einem Ertz-Hirten gesalbet 88 . weydet seine Schaͤfflein auff gruͤner Au 118 . Jst die fruͤh-gejagte Hindin 124 . Traͤncket seine Schaaf 130 . hat viel figuͤrliche Reden gebraucht 164 . auch in seinen letsten Reden ibid . Ob er in den Ostern den Juden anticip irt 183 . Warum er zur Hoͤllen gefahren 286 . Jst in Jsaac gebildet 297 . Wie und woher er nach seiner Auffersteh- ung gesehen worden 331 . Jst Wuͤrth und Speiß zugleich im H. Abendmahl 429 . der Stiffter des H. Abendmahls U u u 209. Register 209 . darum ein hospes Philanthro- pus 341 . ist der rechte Chrysostomus und Gulden-Mund 464 . wie und was er gelehret zu Bethanien 467 . seq. Christi Blut hat edle Weins-Kraͤfften 254 . ist nectar immortalitatis 250 . so im Abendmahl genossen/ ist kein ver- bluͤmtes Blut 261 . so in seinem Leiden auff die Erde gefallen/ ob im Abendmahl noch gegenwaͤrtig 262 . Ob dessen reli- quiæ noch befindlich ibid . Ob es ver- faulet 263 . dessen Wuͤrde 265 . ist ein heiliges Blut 266 . ein Mensch-Goͤtt- liches Blut 267 . ein vergossen Blut 268 . Opffer-Blut 269 . voll heylsamer Gutthaten ib . ist fuͤr alle vergossen 289 . auch fuͤr die damalige Hoͤllenbraͤnd 295 Christi Gegenwart im H. Abendmahl/ wie fern sie zwischen uns und den Cal- vinisten streitig 321 . wird auß dem Buchstaben der Einsatzung erwiesen 322 . wie sie geartet 325 . auß Calvini- schen Principiis beschrieben 329 . Jst keine palea 332 . hat reichen Nutzen 333 . Christi Gewalt wie groß? 22 Handlungen und Geschicht sind nicht plumbs-weiß geschehen 58 Hirten-Ampt ist der Grund unsers Vertrauens 26 . Hirten-Eigen- schafften 35 . Stimme sollen wir in acht nemmen 38 Christi Hoͤllen-Predigt 286 Christi Leib im H. Abendmahl ist nicht ins gemein corpus antitypicum 235 . nicht corpus mysticum ibid . nicht so fern er in seinem natuͤrlichen Stand betrach- tet wird 236 . Jst sein persoͤnlicher Leib 236 . Ob er quantitativè gegenwaͤrtig ibid . mit was Qualitaͤt 238 . Wie er fuͤr uns gegeben 239 . Jst ein Liebes- Gnaden-Geschenck 241 . seqq. Ob er noch heut zu Tag Blut habe? 262 . Jst fuͤr alle dahin gegeben 289 . Wird ohne Abgang dispensi rt 318 . dessen Eigen- schafft hebt seine wesentliche Gegen- wart im H. Abendmahl nicht auff 330 Christi Marter-Bild durch Glauben im Hertzen auffzurichten 271 Christum erkennen ist das einige noͤthige 474 . den muͤssen wir geistlich essen ib . Jst ein Baum des Lebens 486 . seq. macht froͤliches Leben 487 . bringt Un- sterblichkeit 489 Christen gerathen offt in geistliche Ohn- machten 128 . Alte hatten vor der Em- pfahung des heiligen Abendmahls ih- re Buß-Ubungen 143 . haben die Ge- heimnuß Christlicher Religion geheim gehalten 144 . haben den Sacramen- ten unterschiedene Namen gegeben ib . seind geistliche Soldaten 340 . wurden von den Heyden der Menschen-Fresse- rey bezuͤchtiget 358 Chrysostomus de harmonia Verborum S. Cœnæ 157 . wird gelobt 462 Churfuͤrst in Sachsen/ Johann Friderich gehet zu Torgau in die Kinderlehr 460 . Machet zu Augspurg die Papistische Theologos schamroth ibid . Clemens VI. laßt dem Frantzoͤsischen Koͤnig die Empfahung des H. Abend- mahls unter beeder Gestalt zu 339 Clodovæus soll bey Marthaͤ Grab gesund seyn worden 443 Combachius von dem Streit zwischen den Lutherischen und Calvinisten von der der denckwuͤrdigsten Sachen. der Gegenwart Christi im H. Abend- mahl 321 Concil. Trident. von der Meß 321 . Zu Costnitz raubt den Kelch den Layen 346 Concomitantia der Papisten hat keinen Grund 236 . 350 . dero Gruͤnde umge- stossen 355 Conon wird im Gefaͤngnuß von seiner Tochter gesaͤuget 369 Constantinus M. hat den Gewalt der Obrigkeit und Prediger in der Kir- chen artig sequestr irt 24 . nennet sich einen Bischoff ausser der Kirchen 107 . Bezeuget grosse Affection im Predigt hoͤren 137 . 459 . Ob er durch die Tauff vom Aussatz erlediget 260 Coriolanus von der Roͤmischen Kirchen Weitlaͤuffigkeit 66 Corneri Verfaͤlschung des Lieds: Es ist das Heyl uns kommen her/ ꝛc. 113 Creutz vertreibet die Sicherheit 130 Cuntz von Kauffen des Edeln Boͤß- wichts That 86 Curren ten eilen durch die Postill zur Pro- motion 96 Cyprianus vom Gebrauch des H. Abend- mahls unter beeder Gestalt 345 D. D Ancksagung Christi bey Einsetzung des Abendmahls was? 298 . war kein actus vulgaris 299 Dancksagen wie wir Christo sollen fuͤr die Einsetzung des H. Abendmahls 434 Daniels Wahl in den Speisen ist der heutigen Welt nicht gelegen 485 David ein sinnreicher Poet/ und geistrei- cher Musicus 4 . hat in seinen Psalmen die Geheimnuß Christlicher Lehr leicht und liecht fuͤrgetragen ibid . Ein Bauren-Knecht aber kein Bauren- Bengel 5 . Ein Philosophischer Pfeif- fer ibid . seine Poësis ist heutiges Ta- ges gantz verborgen 10 . Von Gomaro vergeblich gesucht ibid . Jst die He- breische Nachtigal 12 . Ein treuer Hirt seines Volcks 34 . hat allerhand schoͤne Schaaf-Tugenden 51 Davids Kinder zur Arbeit angezogen 17 Wie sie Priester genennet worden 18 Demosthenis Maͤhr von des Esels Schatten 136 Dietenbergers Bibel wird censi rt 67 weiset wie die Papisten vor Zeiten die Bibel vergifft 121 Dionysius weiset Damocli sein Wolleben 192 Disputi ren verwerffen die Syncreti sten 480 Durst der Seelen wird auch durch Chri- stum erweckt 129 . wird von Christo ge- stillt 130 . der Welt nach Geld/ Wein ꝛc. 133 E. E Bionitæ brauchten Wasser in Cele- brir ung des Abendmahls 289 Edelmanns am Saͤchsischen Hoff unver- nuͤnfftig Judicium vom Vollsauffen 54 Egyptier trugen bey ihren Mahlzeiten ei- nen Todten-Kopff herum 212 Ehr der Kinder gegen die Eltern wie sie beschaffen seyn solle 28 Einfaͤltigkeit in Glaubens-Sachen ist verbotten 54 . welche erlaubt 145 U u u ij Ein- Register Einsatzung des H. Abendmahls ist mit gewisser Ordnung geschehen 193 . mit gewissen Umstaͤnden 196 Einsatzungs-Wort des H. Abendmahls haben figuͤrliche Reden/ und wo? 165 dero wesentliche Wort leiden keinen Tropum ib . haben nach der Schwaͤr- mer Lehr viel tropos 168 . werden lite- raliter, orthodoxè erklaͤrt 171 . dero sensus literalis wird erwiesen/ ibid . \& seqq. den soll man fest halten 176 . haben keinen solœcismum 276 . uͤber Brod und Wein im Abendmahl ge- sprochen wuͤrcken nach Paͤbstischer Lehr dreyerley 300 . werden von den Refor- mirten metonymicè außgelegt 327 Empfahung des H. Abendmahls soll mit Forcht und Zittern geschehen 193 . wie offt 187 . seq. muß nicht nothwendig nuͤchtern geschehen 196 . erfordert gute præparation 197 . 417 . und bestehet solche in Reinigung 200 . Erinnerung unsers Exilii Paradisiaci 200 . De- muth 201 . Pruͤfung 202 . soll mit de- votion geschehen 216 . mit hertzlicher Liebe des Naͤchsten 218 . erfordert Gott- selige Zubringung der vorher und nachgehender Zeit 416 Engel ob sie warhafftig gegessen? 365 Erinnerung der Suͤnden worzu sie uns dienen soll 406 Erkanntnuß seiner selbs an den ersten El- tern zu lernen 421 . wird bey wuͤrdigen Gaͤsten des H. Abendmahls erfordert ibid . Esel wird nach Empfahung der hostien von Frantzosen lebendig begraben/ Re- gen zu wegen zu bringen 401 Essen bey dem H. Abendmahl ist dreyer- ley 196 . Jst/ wie es die H. Schrifft of- fenbahret/ unterschiedlich 432 . heißt zu- weilen/ lernen 475 Geistliches Essen was es seye 361 . ist Wuͤrdigen und Unwuͤrdigen gemein 362 . ist bey Niessung des H. Abend- mahls nicht außgeschlossen. ibid . Muͤndliches Essen/ such muͤndliche Nies- sung. Essen der Reformirten des Leibs Christi im Abendmahl ist inanducatio Icaria 374 . ist kein Sacramentliche Niessung 375 Evaͤ Verfuͤhrung durch den Teuffel/ be- schrieben 161 . seq. ist durch die Philo- sophi e geschehen 320 Evangelium wird gruͤnem Graß vergli- chen 114 . seq. war vor Zeiten und noch unterm Pabst theur 122 . ist theur in Calvini Schul ibid . Jst das aͤlteste Testament 279 Evangelische Pericopæ bedoͤrffen wol ei- ne Musterung 121 F. F Atum Evangelischer Christen ist hy- potheticum nicht absolutum 98 Forschen muß man in der Schrifft 12 Francken liebten zu uralten Zeiten die Musicam und Gesaͤnge 3 Friedenschluß verbiet den Elenchum nicht 356 Fuͤrsten Paͤbstischer Religion haben sich dessen/ so wider den Pabst geschrieben/ nichts anzunemmen 356 Fußwaschung Christi eine Juͤdische Cere- moni 200 . bedeutet unser Reinigung ibid . sollen wir geistlich nachthun 217 . Gastreyen der denckwuͤrdigsten Sachen. G. G Astreyen sind nicht mit sinnlosen Ge- bratens-Geigern zu zieren 14 . der Al- ten hatten viel Namen 147 . waren Syssitia ibid . Charistia fœderalia \&c. ib . wurden mit Gespraͤchen gezieret 150 Gedaͤchtnuß der Menschen ist schwach 407 . der Goͤttlichen Gebott wie zuwe- gen zu bringen ibid . im Abendmahl er- fordert/ hebt Christi Gegenwart nicht auff 409 . Christi bey Empfahung des H. Abendmahls soll seyn ein Buß-Ge- daͤchtnuß 411 . Ein glaubiges Trost- Gedaͤchtnuß 413 . Ein Lob- und Danck- Gedaͤchtnuß ibid . Geist H. ist der Thor-Huͤter des geistli- chen Schaaf-Stalls 100 . hat durch die H. Maͤnner Gottes geredt 102 . ist der gewisseste Interpres der Schrifft 103 . oͤffnet unsere Hertzen und Ohren Gottes Wort zu hoͤren ibid . sendet Prediger 105 . wird dem Wasser ver- glichen 125 . warum er in Tauben-Ge- stalt erschienen? 394 Geistliche im Pabstthum ropffen sich wie Spitz-Buben um die geistliche Guͤter 444 Genugsamkeit in Glaubens-Sachen ist unrecht 441 Gesang/ vorher war alles verschkossen/ ꝛc. wie zu verstehen? 287 . Ein feste Burg. laͤugnet die wesentliche Gegenwart Christi nach dem Fleisch nicht 330 Gesaͤng seind von den Heyden geliebt worden 3 . Geistliche hat Augustinus geliebt 2 . hat das Pabstthum den Layen entzogen 3 . in Cloͤstern nichts als bruͤl- len ibid . als ein sonderbare Gnaden- Gab Gottes/ durch Lutherum in un- sern Kirchen eingefuͤhrt ibid . Gesaͤng/ so in unsern Kirchen uͤblich/ von wem sie gemacht ibid . Gideons Traum Geheimnuß-reich 376 Glaub ist der Seelen-Schmuck 245 . des- sen Fruͤchten ibid . Muß nicht noth- wendig empfunden werden 256 . soll mit Wercken erwiesen werden 461 Gluͤck suchet und wuͤnschet alle Welt 71 Gluͤck-Haͤfen seind in foro conscientiæ nicht zu billigen 72 . seind abgoͤttisch 82 . Ein Diebs-Sack ibid . Gluͤcks-Wunsch/ ist manchmal suͤndlich 72 Gnostici brauchten abscheuliche Materi in Celebrir ung des Abendmahls 223 Gomarus hat in Untersuchung der Da- vid schen Poësi delir irt 10 Gott ist den Menschen gleich worden in Christi Menschwerdung 15 . fuͤhret in H. Schrifft viel Majestaͤtische/ herꝛli- che und erschroͤckliche Namen 16 . hold- selige liebliche Namen ibid . hat sich deutlich im Wasser abgebildet 127 . ist der rechte Pactolus voll guͤldenen Gna- den-Schaͤtzen ibid . Gottes Leutseligkeit worin sie erschienen 15 Lieb gegen uns ist in der Vaters-Liebe gebildet 115 Namen Jehovah ist voll grossen Ver- standes 17 . eines Hirten begreifft in sich ein Hauffen alles Guten 16 Gregorius Nyssenus von der Auffopffe- rung Jsaacs 295 Griechen suchen Beweiß ihrer ungesaͤur- U u u iij ten Register ten Brod in der Chronologi 183 . hal- ten solche fuͤr noͤthig 226 Grynæus Apostata 95 . hat die gantze Pfaltz deform irt ibid . Guͤlden Vellus der Heyden was es bedeu- tet 117 H. H Andwercker haben boͤse Gewonheiten 82 Harlemische Belagerung 395 Harmoni der Wort des Abendmahls 157 Hebreer zierten ihre Convivia mit Mu- sicken 11 Henricus IV. vermacht sein Hertz den Je- suiten 241 Herꝛ des andern was eigentlich seye 18 Herodianer hatten eine politische Reli- gion 498 Heyden hielten Zeit und Vorbereitungen in acht/ bey denen die sie ihre Sacra leh- reten 142 Heil-Brunn Christi durch Lutherum wie- der auffgegraben 133 Hirsch-Durst nach frischem Wasser 124 Hirt heisset Gott/ und wird darmit alle sein Guͤtigkeit verfasset 16 . leiblicher war zu Davids Zeiten kein nachguͤl- tige Person 17 . geistlicher in Curia Romana ein Regent 30 Hirten waren vor Zeiten reiche Leute 20 . maͤchtige Leut 22 . Hirten sind Lehrer und Prediger Gleichnuß-weiß 23 . Geistliche haben einen erbettenen Ge- walt ibid . heissen auch die weltliche Obrigkeit 24 Hirten-Stand der einfaͤltigste und aͤl- teste/ aber vor Zeiten auch ein edeler Stand 17 Hochzeitlich Kleid 423 Hohepriester seind zu Christi Zeiten von Gottes Ordnung abgesprungen 93 Hoͤren Gottes Worts wie es solle geartet seyn 461 Hoͤrer des Worts Gottes sollen Mariaͤ nachfolgen 449 . von Maria der Mut- ter Gottes lernen 450 Hostien soll zu Fleisch worden sein 429 Huss warum er verbrandt worden 346 Hyæna ein Thier von Wolffs-Art 56 . laͤßt sich heut zu Tag in den Irenicis hoͤren ibid . Calvinische hat Basel und die gantze Pfaltz verfuͤhrt. 57 J. J Acob der Ertzvater ist ein guter Phy- siologus 5 . 43 . hat solches von dem Engel Gottes 44 . hat in seinem Te- stament sine tropis geredet 167 Jacobs Kunst-Stuͤck mit seinen Staͤben ist heutiges Tages nicht nachzumachen 44 . wird unfuͤglich in dem Catechis- mus-Buͤchlein als ein Exempel des Diebstahls dem achten Gebott zugefuͤ- get ibid . ist ein Vorbild anff Christum ibid . \& seq. Jacobus Rex Angliæ klaget uͤber die Pra- xin seiner Religions-Verwandten Koͤ- nige abzusetzen 109 Jehovah ist Gottes Nam/ von wenig Buchstaben/ aber voll reichen Ver- stands 17 Ignatius vom Gebrauch des Abendmahls unter beeder Gestalt 345 Igno Hertzog in Kaͤrndten wie er die Land- Herren/ Adel und Ritterschafft zu dem Christlichen Glauben gebracht 510 . seq. Jndia- der denckwuͤrdigsten Sachen. Jndianer Catechismus-Lehr 122 Innocentii III. Constitution wann man communiciren soll 186 Instrumentum pacis Ferd. III. wurde vom Roͤm. Pabst angefeindet und fuͤr null erklaͤrt 32 Johannes warum er historiam Cœnæ nicht auffnotirt 151 Jrꝛthum/ auch ein einiger in der Grund- Lehr causi rt der Seelen Schiff-Bruch 477 . solle man meiden 490 Jsaacs Auffopfferung 295 Judas hat von Christo mit dem Bissen keines wegs den Teuffel empfangen 47 wann er den Bissen empfangen 291 Jst des Roͤmischen Pabsts Typus 337 war ein Dieb ibid . soll jeden zehenden Pfenning gestohlen haben ibid . Juden haben in ihren Synagogen fuͤr- nemlich den Psalter getrieben 13 Judicia der Leut von den Predigten 137 Juckende Ohren heutiger Welt 137 . \& seq . Julii Bestaͤttigung seiner Buͤndnuß mit Maximiliano 400 Juris Consultus zu Straßburg studirt in hohem Alter Theologiam 448 Justinianus II. wird meineydig und von Gott gestrafft. 283 K. K αισαροπαπία ist heut zu Tag in Er- wehlung der Prediger gemein 109 Karge Filtz aͤrger als die Hund 445 Kaͤtzer sollen nach Paͤbstischer Lehr mit Feur und Schwerdt gestrafft werden 31 Kaͤtzereyen dienen ex accidenti der Kir- chen Gottes. 487 Kelch den Christus gebraucht von Beda beschrieben 248 . ist nach Salmerons Vorgeben zu Valentia ibid . bedeut metonymicè den Wein ibid . soll ein Quart Weins gehalten haben 340 . im H. Abendmahl ist ein gemeines Gut 350 Kelch so die Kirch zu Tertulliani Zeiten gebraucht/ waren mit Christi Hirten- Bild gezieret 37 Kelch-Raub wird im Papstthum bemaͤn- telt 339 . Jm Conc. Trid. confirm irt 348 . Jst ein Kirchen-Raub 349 . 356 Kelchs restitution ward von Kayser und Koͤnigen gesuche 352 Kinder der Koͤnige/ Fuͤrsten und Edlen zu alten Zeiten als abgetheilte Herren zur Arbeit angezogen 17 . Davids be- dienten in ihres Vaters Staat unter- schiedene Aempter ibid . warum sie Priester in H. Schrifft heissen 18 Kirch Christi hieniden auff Erden ist in Christi Geburts-Stall gebildet 59 . Ein Schaaf-Stall 60 . seq. ein schoͤne Au und Gottes Lust-Garten 61 . ist si- tu irt in Lycaonia der Welt 62 . ein Graß-Au 63 . ein Ruhstatt ibid . dero wahre Gestalt 65 . ist fuͤr der Welt un- sichtbar 65 . ist ein heiliger Stall ibid . wird durch loͤbliche Potentaten be- schuͤtzet 69 . ist nicht schlechter Dings unfehlbar 79 Evangelische ist eine der drey Haupt- Kirchen in Teutschland 66 . ist ein ge- ringer Hauffen ibid . Reformirte hat Mangel an gesunder Weyde 67 . verfolgt die Evangelische ibid . Roͤmische Register Roͤmische ein Lycaonia 62 . dero bestaͤn- digen splendorem hat Roma subter- ranea verrathen 65 . pranget mit ihrer Weite 66 . halt auch fuͤr ihre rechte Glieder die Gottlosen 67 . hat die leben- dige Quell verlassen 132 Kirchen-Gebaͤu solten reinlich gehalten werden 65 Kirchen-Gewalt wird von den Romani- sten angezogen zu Bemaͤntelung des Kelch-Raubs 535 Kirchen-Lehrer vom 6. Cap. Johann. 153 Kuͤnst und Wissenschafften soll man in rechter Ordnung zu Gottes wolgefaͤl- ligem Zweck tracti ren. 479 L. L Ayen sollen und koͤnnen ihnen das A- bendmahl nicht selbs außspenden 210 Layen-Stand ob er an Martha gebildet 443 Leben ohne Freud ist aͤrger dann der Tod 487 Leibfall ein Stuck Roͤmischer Schinderey 32 . waren Mahlzeiten bey den alten Begraͤbnussen 148 . Christi wie zu be- gehen 415 Lerius von Administri rung des Abend- mahls in der Neuen Welt 250 Leutseligkeit Go ttes worin sie erschienen 15 Liebe Gottes gegen uns ist in der Vaters- Lieb gebildet 115 Lob. Gesangs Christi bey Einsetzung des H. Abendmahls contenta 429 . Wel- chen wir Christo fuͤr das H. Abend- mahl schuldig 433 Lob-Spruch des Lieds/ Es ist das Heyl uns ꝛc. 112 Lobwasser laßt Christum in seinen Gesaͤn- gen auß 8 Lohn empfahen macht keinen Miedling 40 Lombardus einer der ersten Zaͤncker von den Worten des Abendmahls 158 . hat die Transsubstantiation zu erst er- dacht 804 Lucaͤ Evangelium ziehet Paulus als sein eigenes an 156 Ludovicus Pius lebet 40 . Tag allein durch taͤgliche Empfahung des Abend- mahls 399 Lutherus von den Hymnis Prudentii 3 . von Wort-Blumen 10 . von der Tuͤr- cken Meynung/ was die Sterb-Stund belanget 99 . vom 6. Cap. Johan. 154 . vom geistlichen Fußwaschen 217 . von Bekehrung irriger Lehrer 335 . hat die Pfaffen hinter die Buͤcher gejagt 458 der Obrigkeit das jus Episcopale wie- derum zu wegen gebracht 26 . Wird von Leone X. mit Bann-Strahlen auß der Roͤmischen Kirchen getrieben 27 Lutheri Gewißheit vom rechten Verstand der Wort des Abendmals 170 . Schrei- ben an den Rath zu Straßburg 335 Lutheraner werden von Calvinisten mit schroͤcklichen Calumnien beleget 359 M. M Anna was es gewesen 232 . Jst ein Brod gewesen von geistlicher Bil- dung 472 . war Brod him̃lischen Ur- sprungs 233 . von unbekandter Materi ibid . weiß und durchscheinend ibid . obs allerhand Geschmack gegeben? 234 hatte eine geistliche Bedeutung ibid . Mantua der denckwuͤrdigsten Sachen. Mantua zeiget reliquias von Christi Blut 263 Marci Evangelium von Petro canoni- sirt 156 Maria zu Bethanien ist eine Juͤngerin Je su 453 . andaͤchtig 454 . demuͤtig und gehorsam 454 . ein geflissene Hoͤ- rerin 455 . ein Thaͤterin des Worts 450 . ein kluge Chur-Frau 478 . wußte die Seelen-Speiß wol zu pruͤfen 496 . hat ihres liebthaͤtigen Glaubens ge- nossen 457 . dero sollen wir nachfolgen ibid . ist kein typus des Kloster-Lebens ibid . Papæa hasset das Predigen 458 . warum sie nicht kom̃en Christum am Ostertag zu salben 466 . War ein Weib von guten Mitteln gewesen 438 . wes Stands ibid . Maria Magdalena ist nicht Maria die grosse Suͤnderin 449 . wird wider Ba- ronium vindic irt ibid . Maria die Mutter Gottes hat Christum auch geistlich empfangen 369 Marter-Bild Christi im Hertzen glaubig auffzurichten 271 Martha ein begnadetes Weib 439 . war geschaͤfftig/ 440 . Bissig/ zaͤnckisch/ 441 gehorsam 442 . von heroischem Helden- Glauben ibid . ein Himmels-Burge- rin 443 . dero soll Christus erschienen seyn ibid . bey dero Grab solle Clodo- veus gesund worden seyn ibid . kein Bild des Layen-Stands ibid . Bild glaubiger Christen 446 . dero lipsana sollen Wunder gethan haben 448 Martinus R. P. wickelt die Teutschen wi- der die Boͤhmen auff 347 Mauritii des Juͤngern Land-Grafen in Hessen Judicium vom Verstand der Erklaͤrung der Einsatzungs-Wort 175 Melanchton vom Verstand der Wort des Abendmahls 171 Melchisedechs Gastmahl ist kein Fuͤrbild des Meß-Opffers 317 Mensa Solis 221 . 233 Meß ist Cor \& Palladium des Papst- thums 310 . hat abentheurliche Ceremo- nien ibid . dero unterschiedliche actus 311 . die dabey uͤbliche Auffopfferungs- Wort ibid . dero End und Zweck ibid . Jst nach Paͤpstlicher Lehr ein Versoͤhn- Opffer ibid . dero vermeinte Nutzbar- keit 312 . hat bey Papisten herꝛliche Elo- gia ibid . Jst ein Greuel und Scheu- sal 313 . wird erwiesen seqq. Jst ein Gauckel-Spiel 315 . des Roͤmischen Fischers Geld-Netz ibid . ein mono- polium 316 Meß-Mißbraͤuch seind auch im Conci- lio Trid. taxirt 338 Meß-Opffer im Papstthum worauff es sich gruͤnde 239 Methodus concionandi ist von Christo zu lernen 469 Metonymia in den Einsatzungs-Wor- ten wird gern gestanden 277 Mizmor was es heisse 9 Mohren-Koͤnigin gebieret eine weisse Geburt 44 Morgenlaͤndische Art Mahlzeit zu halten 211 Moscowiten leiden keine Predigten 470 Muͤndliche Niessung wird von den Cal- vinisten calumnirt 359 . 370 . ist Bezæ ein Sach/ dessen sich der Teuffel solte schaͤmen ibid . Paræo ein Palæa ibid . X x x Was Register Was anlangt den Leib mit dem Brod ist kein natuͤrliches Essen 360 . nicht ein bloß geistlich Essen 361 . was sie seye 363 . ist kein Essen des Leibes Christi am Brod ibid . geschicht im Abendmahl mit dem Mund/ aber nicht auff muͤnd- liche weiß 365 . ist in den Patribus fun- dirt 366 . wird vindicirt wider die Ein- wuͤrff der Calvinisten 372 . ist ein troͤst- liches Geheimnuß 368 . 376 Musica ein Stuck eines guten lehrhafften methodi 2 . dazu vom H. Geist selbst canonisi rt ibid . dero Ursprung in der Kirchen 3 N. N Acht vor Außzug Jsraels in Egypten beschrieben 177 . da Christus das Abendmahl eingesetzt beschrieben 183 der Truͤbsal ist die rechte Zeit/ wann das Abendmahl zu halten 187 Nachtigallen wie sie ihre Jungen singen lehren 12 Neuberger von Vollkommenheit des To- des Christi 292 O. O Blaten seind warhafftigs Brod 224 waren vor dem Papstthum schon im Gebrauch 225 Obrigkeiten heissen Hirten 24 . 34 . haben das Jus Episcopale 24 . haben ihr Bi- schoffs-Recht auß Mißhelligkeit im Papstthum verlohren ib . seind Maͤr- tyrer 29 . so nicht recht ihr Ampt ver- walten/ seind Schergen ibid . Antheil bey Vocation der Kirchen-Diener 107 . sollen kein Pfarrer allein setzen ibid . Obrigkeitliche Stand ist von GOtt ge- adelt 29 Ohnmachten des Glaubens 128 Ordnung so Christus im ersten Abend- mahl gehalten 193 Oster-Lamm mußte vier Tag fuͤr Ostern abgesondert werden 197 Ostern der Juden wie sie gehalten wur- den 194 P. P Apst zu Rom ist Pastor larvatus 24 . Clemens VI. gebiet auch den Engeln 25 . kan nach Bellarmini Meynung auß Suͤnden Tugenden machen ibid . hat alle characteres eines Tyrannen 26 . de facto ein Koͤniglicher Monarch 30 . ein Blut-Richter 31 . ein Kriegs- mann ib . hat das Bischoffliche Recht allein zu sich gezogen 109 . ist ein grosser Kelch-Dieb 321 . wird verglichen mit Juda Jscharioth 337 . hat die Schaͤtze der Welt an sich gezogen 338 . ver- kaufft Christi Leib und Blut um Geld ibid . Papsts Gewalt von Bellarmino be- schrieben 25 . Tyrañey unermaͤßlich 26 . Wolffs-Stimm 85 Papisten wollen bloß mit ungesaͤurtem Brod das Abendmahl gehalten haben 226 Papstthum ist nichts als ein verdam̃liche Superstition 479 Patriarchen vor der Suͤndflut/ warum sie so lang gelebt 495 Paulus Speratus wird geruͤhmet 112 Παρεδόϑη in den Einsatzungs-Worten wie zu verstehen? 184 . seq. Peruani seind Menschen-Fresser 371 Pepu- der denckwuͤrdigsten Sachen. Pepuziani brauchten Brod und Kaͤß zur celebri rung des Abendmahls 223 Philosophie hem̃et den Lauff des Worts GOttes 320 Plinius von Nachtigallen 12 . vom Wolff 42 Poësis des Davids und der Hebreer ist heutiges Tags gantz verborgen 14 Prediger koͤnnen sich rechtmaͤssiger Vo- cation getroͤsten 96 . sollen durch drey- erley Stim̃en elig irt werden 105 . seqq. sollen nach Christi Exempel ihre Schaafe weyden 120 . seq. so recht- schaffene Hirten auch in Zion theur 122 . seind geistliche Wasser-Schoͤpffer 130 . seind allein Christi Cooperarii in Außspendung des H. Abendmahls 210 . soll man gern hoͤren 460 . sollen den methodum concionandi von Christo lernen 469 Prediger seind Hirten 23 . haben einen er- bettenen Gewalt ibid . haben die Ideam ihrer Pflicht an Christo dem Ertz-Hir- ten zu sehen 40 . moͤgen wol Lohn nem- men ibid . muͤssen lieben und leyden 41 . Gehen nicht alle durch die rechte Thuͤr in den Schaaf-Stall 95 . seind Ora Christi 469 Predigern hat der H. Geist den Titul der Ehrwuͤrde selbsten gegeben 29 Prediger-Ampt ist Onus Angelicis hu- meris tremendum 29 Predigampts Werben wie es muͤsse ge- schehen 95 Predigten von Glaubens-Articuln ge- hen den Leuten schlecht ein 138 . hoͤren saumet nicht 458 Propheten woher sie Treuffer genennet 14 Propheceyungen seind Lucernen zu Chri- sto 465 Prudentii hymni werden von Luthero hoch æstim irt 3 Pruͤfung wie sie geschehen soll 202 Psalmen Davids vom H. Geist eingege- ben 6 . deß 23 . Tichter/ Ticht-Zeit ibid . von wem er rede 8 . quâ formâ 10 . quo fine ibid . ist bonum Ecclesiæ commune 11 Pyrrhus wurde der Ehren-Glori nimmer satt 128 R. R Echenkunst wuͤrdiger Communican- ten 202 Reich Gottes soll man fuͤr allen Dingen suchen 458 Reichen dieser Welt traumet bald von sonderbarer Gewogenheit GOttes 53 Robertus Straßburgischer Bischoff hat zu erst im Muͤnster daselbs predigen lassen 42 Roͤmischen Babylons Priester mangeln Gottes Beruffs zu dem was sie thun 94 S. S Aal darin Christus das Abendmahl gehalten auß Nicephor. beschrieben 213 Sacramenta seind ausser dem usu keine Sacramenta 173 . Erfordern ein we- sentliches aͤusserliches Element 224 ist ein sacrum juramentum 340 Sacramentliche Vereinbarung im A- bendmahl 172 Salmeron von Christi Dancksagung bey Einsetzung des Abendmahls 299 X x x ij Salo- Register Salomons Urtheil zwischen zweyen Weibern 437 Saurteig der Suͤnden soll man außfe- gen 198 Schaaf lieben die Music 6 . Christi sind alle Menschen 47 . doch allein seind rechte Schaaf/ die τεταγμένοι 46 Schaafs Natur und Eigenschafft 50 Schaͤffer waren im Alten Testament reiche Leute 20 Schau-Brod des Alten Testaments Bedeutung 220 Scherers Lugen vom Churfuͤrst Johann Friderich in Sachsen 459 Schlaff wird vom Tod der Frommen und Gottlosen gebraucht 382 Schlaffen soll man nicht in der Kirchen 460 Schmuck der Christen ist der Glaub 245 Schrifft ist die Thuͤr/ durch welche Chri- stus in den Schaaf-Stall eingegangen 88 . Janua optima 92 . die ewige und alleinige Thuͤr 93 . ist der Canal/ dar- durch uns Christus traͤncket 130 Schuler der Hebreer sassen bey der Lehrer Fuͤssen 454 Schwanen-Gesang/ was davon zu hal- ten 427 . wird auff Christum applic irt 428 Selig werden erfordert agonismum und ringen 84 Sensus literalis der Einsatzungs-Wort/ such Einsatzung. Serapion empfangt mit in Wein ge- dauchtem Brod das Abendmahl 344 Serarii relation von einem alten Lothrin- gischen Bauren 494 Sicilianische Vesper 178 Sigismundus wird von Zisca geschlagen 347 . laßt den Boͤhmen beede Gestalt im Abendmahl zu ibid . Solis mensa bey den Æthiop en 221 . 233 Solœcismus ist in den Einsatzungs-Wor- ten nicht 276 Sonntag wie nach Kayserlichem Recht zu feyren 446 Spartaner werden durch Lycurgum vom Geitz entwehnet 83 Speiß so leiblich gegessen wird/ ist darum nicht so bald ein Bauch-Speiß 370 . wird nicht nothwendig zu nicht ge- macht 372 Speiß der Seelen erfordert einen gesun- den Geschmack 495 . kan von allen Wiedergebornen geurtheilet werden 495 . muß ohne inficir ten Mund ge- pruͤfet werden 497 . 501 . so nicht gut/ soll man außspeyen 498 . gesunde soll man mit Lust geniessen 499 . seqq. Stall darin Christus gelegen ein Schaaf- Stall 58 . ein indicium der streitenden Kirchen 59 Straßburg hat grosse Tyrañey der Paͤpst und ihrer Bischoͤffe erfahren 26 . war ihren Bischoͤffen vor Zeiten eine gute reiche/ aber wol außgesogene Melck- Kuh 32 . ist der Infici rung mit dem Calvinismo nahe gewesen 42 Straßburgische Allmosen-Ordnung 445 Suͤnd ist ein geistlicher Aussatz 258 . der Jugend wann sie auffkoppet/ wie ihr zu begegnen 406 Syncreti sten seind Hyænæ 56 . seq. Glau- ben zu wenig 480 . suchen boͤsen Frie- den zu stifften in den dissiden ten Reli- gionen ibid . Syssitia der denckwuͤrdigsten Sachen. Syssitia ein Art der Mahlzeiten bey den Alten 147 T. T Acitus von der Teutschen Liedern 3 Tauben sind in Belagerungen zu Brieff tragen gebraucht worden 395 Tempel zu Jerusalem war der Juden Pfarꝛ-Kirch 13 Testament Alt- und Neues seind wesent- lich unterschieden 280 Neues Fundament ist Christi Blut 282 ist condition irt 284 Testaments-Wort sollen und muͤssen ge- wiß seyn 166 . heissen das letste Gericht 167 . Guͤter im Abendmahl gehen alle an 290 Teuffel ist kein Herꝛ der Welt 22 . bracht listige Raͤnck in Verfuͤhrung Evaͤ 161 . braucht Verblendung zu Hinderli- stung menschlichen Hertzens 162 . ist Gottes Aff 274 . bringt allewegen die alte Lugen auff die Bahn 359 Teuffel werden im Papstthum durch das Sacramentdes Abendmahls beschwo- ren 401 Teuffels Gewalt ist gebunden 22 . Macht ist kein Zeichen der Ohnmacht Christi ibid . Teutsche wie sie ihre Buͤndnuß machten 273 Thor-Wacht ist eine heilsame Anstalt in einer Republic 97 Thuͤr zum geistlichen Schaaf-Stall ist Christus 79 . dero Qualitaͤten 78 zum Himmel/ dichtet Bellarmin. ausser Christo 77 . ist eng 81 des Jubel-Jahrs 77 Thyestes hat seinen eigenen Sohn ge- fressen 358 Tisch-Gespraͤch wurden vor Zeiten durch sondere Notarios auff gezeichnet 150 Transsubstantiation im Papstthum ge- lehret 299 . wordurch sie geschehe 300 . wird von Papisten mit Gleichnussen erklaͤrt 301 . ist im Papstthum ein my- sterium ibid . ist ein Gedicht 302 . Ex- crementum Antichristianum 303 . von Innocentio III. bestaͤttiget 304 . ist des Anti-Christs Gauckeley ib . wird mit falschen Wunder-Wercken unter- stuͤtzet ibid . gebieret abscheuliche Con- sequenti en 305 Tropi der Schwaͤrmer/ so sie in den Wor- ten der Einsatzung gesuͤcht 168 . koͤn- nen in drey classes getheilt werden 169 Trunck hat Christus zur Letz herum gehen lassen/ nach Juͤdischem Gebrauch 195 Tuͤrcken foͤrchten die Pest nicht 98 . glau- ben ein fatum absolutum ibid . Του̃το bedeutet das gantze complexum sa- cramentale 276 . 323 . beziehet sich allein auff die Actus Regios im H. Abend- mahl 307 V. V Eraͤnderung des Menschen geschicht durchs Wort und Creutz 54 Verdammen der widerwertigen Lehrer wie es gemeynet 492 Vereinigung ist dreyerley 355 Vereinigung des Brods und Leibs Chri- sti im Adendmahl wie sie geartet oder nicht 328 Versoͤhnung sollen wir dem Neben-Men- schen anbieten 188 . wird zu wuͤrdiger X x x iij Nies- Register Niessung erfordert 203 . soll vor dem Abendmahl empfahen hergehen 416 Verworffene seind auch Schaafe Christi 47 Viel bedeut zu weilen alle 291 Vnschuld pflegte man vor Zeiten durch das H. Abendmahl zu probiren 400 Unterscheid der Sacramentlichen und geistlichen Niessung 152 Unwissenheit in Glaubens-Sachen so sie muthwillig/ ist verdam̃lich 146 Unwuͤrdige machen sich im Abendmahl des Leibs Christi schuldig 242 . begehen ein Sacrilegium 355 . essen ex accidenti Gifft und Tod 357 . wer sie seyen? 380 . sie gehet nach Goͤttlicher Jntention der Abendmahls-Schatz auch an 381 . em- pfangen auch den Leib Christi ib . wird erwiesen auß der Schrifft ibid . wider Calvinische Einwuͤrff vindici ret ibid . erwiesen durch Judaͤ Exempel 386 . auß der Analogia fidei 387 . auß den P. P. vindic irt von Einwuͤrffen der Vernunfft 389 . von Gott gestrafft und dero Exempel 391 Unwuͤrdigkeit haͤlt manchen vom Abend- mahl ab 191 W. W Achsthum des Glaubens ist noͤthig 482 Wahl der Kirchendiener wie sie geschehen solle 105 Wasser kein wesentlich Element des A- bendmahls 249 . wird von etlichen im Abendmahl auß Furcht getruncken ib . ohne Abendmahl zu gebrauchen hat Innocentius III. dispensi rt Wasser heißt der H. Geist 126 Wasser war im Juͤdischen Land ein gros- ses Kleinod 127 Weiber zu Rom durfften kein Wein trin- cken 246 Wein dessen wird in den Einsatzungs- Worten nicht außtrucklich gedacht 247 . daß Ehristus im Abendmahl ge- braucht wird probirt 248 . seqq. ist so viel zum Abendmahl noͤthig allenthal- ben befindlich 250 . an dessen Qualitaͤt ist man nicht gebunden 251 . Jst im Abendmahl ein Zeichen 252 . ein Sigill 256 . ein Mittel das Vertrauen zu er- wecken ibid . Anfristung zur wuͤrdigen Vorbereitung 257 . gemaͤnget mit Wasser ob Christus gebraucht ibid . wurde von der Morgenlaͤndischen Kirchen gebraucht 252 . wird vom Conc. Trid. als noͤthig befohlen 252 . muß manche Heimlichkeit verrathen 420 Weinkeller Christi was? 246 Welt suchet zu erst Geld 459 . ist eine Lycaonia 62 Widertaͤuffer Fleiß in Religions Sa- chen 481 Wie? in Glaubens Sachen fragen ist nicht alles verdam̃lich 145 Wiker eines Teutschen tapffern Helden mannliche That 18 Wissenschafft von Christo hat ihr Maaß und Ziel 480 . soll zunehmen 482 Woͤlff in der Kirchen soll man fliehen 41 von rechten Hirten unterscheiden 54 . seq. Wolffs-Stimm des Roͤm. Papsts 55 . des Calvinischen Jrꝛgeists. ib . \& seq . Wort Gottes ein herꝛlcher Schatz 319 . seqq. der denckwuͤrdigsten Sachen. seqq. dem ist Satan gefehr 320 . wird durch die betruͤgliche Philosophie ver- lohren ibid . mit was Reverentz zu hoͤ- ren 459 . ist im Himmel 470 Wort-Blumen sind in der H. Schrifft gemein 10 Wunder-Werck so die Transsubstantia- tion bestaͤttigen sollen/ seind erdichtet 804 Wuͤnsche welche die besten 71 . seq. Wuͤrden seind Buͤrden 28 Z. Z Eit von 5 . Jahren der Heyden die ihre initiandi außstehen mußten 142 Zeno Const. Kayser suchet aberglaubi- sche Art das Bistum zu Constant. zu bestellen 105 Zisca nim̃t sich der Hussiten an 347 Zeugnuß der alten Kirchen-Lehrer vom 6 . Cap. Johannis 153 Zuhoͤrer sollen ihre Prediger discerni ren und lieben 97 . dero einhellige Stim- men bey Election der Prediger kom- men von Gott 106 . Zuͤrcher wie sie den ihrigen das Brod im Abendmahl reichen 310 Zwinglii Traum von Erklaͤrung der Ein- satzungs-Wort 159 Register der Biblischen Spruͤche/ so zum theil an statt der Texte/ sind abgelesen/ zum theil sonsten kuͤrtzlich erklaͤret und angezogen worden. Gen. _ _ Cap. _ _ vers. _ _ Pag. 2. _ _ 16. 17. _ _ 162 . 28. _ _ 12. _ _ 75 . 30. _ _ 11. _ _ 71 . Exod. _ _ 4. _ _ 16. _ _ 106 . 16. _ _ 13. _ _ 432 . 15. _ _ 472 . 20. _ _ 12. _ _ 28 . 24. _ _ 4. _ _ 274 . seq. 25. _ _ 30. _ _ 220 . 32. _ _ 22. _ _ 24 . Lev. _ _ 14. _ _ 4. _ _ 260 . 16. _ _ 2. _ _ 76 . 23. _ _ 5. _ _ 181 . 24. _ _ 5. seq. _ _ 220 . Deut. _ _ 6. _ _ 6. 7. 8. _ _ 407 . Jud. _ _ 7. _ _ 13. 14. _ _ 378 . 1. Sam. _ _ 10. _ _ 5. _ _ 5 . 2. Sam. _ _ 8. _ _ 18. _ _ 17 . 15. _ _ 1. seq. _ _ 442 . 23. _ _ 2. _ _ 6 . 1. Reg. _ _ 3. _ _ 16. _ _ 437 . Psalm. _ _ 23. tot. _ _ 1 . 37. _ _ 25. _ _ 52 . 42. _ _ 1. seq. _ _ 124 . 69. _ _ 11. _ _ 13 . 105. _ _ 15. _ _ 96 . 119. _ _ ult. _ _ 46 . Cant. _ _ 2. _ _ 4. _ _ 245 . 8. _ _ 6. _ _ 408 . Es. _ _ 54. _ _ 12. _ _ 75 . 60. _ _ 11. _ _ 75 . 65. _ _ 10. _ _ 113 . Hose. _ _ 11. _ _ 15. _ _ 117 . Amos. _ _ 6. _ _ 5. _ _ 14 . Sap. _ _ 10. _ _ 7. _ _ 447 . Matth. _ _ 7. _ _ 15. _ _ 40 . 10. _ _ 12. _ _ 504 . 18. _ _ 19. 20. _ _ 105 . 21. _ _ 23. _ _ 85 . 22. _ _ 12. _ _ 417 . 26. _ _ 20. _ _ 450 . 13. _ _ 449 . Luc. _ _ 2. _ _ 38. _ _ 3 . Luc. Register der Biblischen Spruͤche. Cap. _ _ vers. _ _ Pag. Luc. _ _ 5. _ _ 8. _ _ 190 . 10. _ _ 38. _ _ 437 . seqq. 14. _ _ 15. _ _ 205 . 17. _ _ 11. seq. _ _ 258 . seq. 18. _ _ 9. _ _ 80 . 22. _ _ 25. _ _ 33 . 24. _ _ 30. _ _ 354 . Joh. _ _ 1. _ _ 14. _ _ 16 . 2. _ _ 17. _ _ 13 . 6. _ _ 1. seq. _ _ 151 . 7. _ _ 37. _ _ 126 . 46. _ _ 92 . 10. _ _ 1. seq. _ _ 74 . 8. _ _ 93 . 9. _ _ 81 . 14. _ _ 9. \& 127 . 26. _ _ 49 . 13. _ _ 10. _ _ 220 . 17. _ _ 12. _ _ 47 . seq. Cap. _ _ vers. _ _ Pag. Joh. _ _ 18. _ _ 28. _ _ 183 . 20. _ _ 19. _ _ 237 . 21. _ _ 17. _ _ 30 . Act. _ _ 2. _ _ 42. _ _ 307 . 11. _ _ 47. _ _ 3 . 3. _ _ 21. _ _ 331 . Rom. _ _ 8. _ _ 38. _ _ 489 . 1. Cor. _ _ 10. _ _ 16. _ _ 172 . 22. _ _ 139 . 325 . 11. _ _ 20. _ _ 139 . 28. _ _ 202 . 2. Cor. _ _ 11. _ _ 3. _ _ 161 . Col. _ _ 1. _ _ 12. _ _ 81 . 2. _ _ 8. _ _ 319 . 3. _ _ 16. _ _ 2 . Tit. _ _ 3. _ _ 4. _ _ 15 . 1. Petr. _ _ 3. _ _ 19. 20. _ _ 285 . 1. Joh. _ _ 4. _ _ 4. _ _ 335 . Apoc. _ _ 22. _ _ 18. _ _ 190 . ERRATA. Pag. 6. lin. 2. Panegyricum. p. 8. l. 12. Mit solchen. p. 9. l. 28. kraͤncke sie. p. 10. l. 3. wie das zwitzern. p. 11. l. 11. ee hat Gott. p. 21. l. 24. zeiten. p. 23. l. 7. Liecht und Wonne. p. 24. l. 14. sich hoͤchlich. p. 42. l. 8. Sie seind zwar durch grosse Gnad und panicos terrores von dem ꝛc. pro durch was grosse Gnad ꝛc. p. 43. l. 17. flecketen pro flecken. p. ead. l. 27. Gutthaten außschleußt pro Gutthaten. p. 50. l. 1. quas pro quos. p. 56. l. 16. ἀλλοίωσιν. p. 69. l. 8. zug omittatur. p. 72. l. 33. post vocab. Reichs Gottes/ adde, das Gluͤck sucht. p. 73. l. 18. post voc. ich adde werde. p. ead. l. ult. leg. zuruck kommen. p. 75. 17. l. bekomme. p. 77. l. 23. zu eroͤffnen. p. 88. l. 21. hat mich pro mich. p. ead. l. 34. leg. David so bald ihn Gott pro David den Gott. p. 109. l. 2. gemahlt. p. ead. l. 4. leg. Schluͤssel Gewalt an/ und hat als ein monopola. pro der als ein monopola \&c. p. 133. l. 31. wir trincken/ wir aber duͤrsten. p. 315. l. 9. Zahl pro Jahre.