Graf Ehrenfried/ in einem Lust-Spiele vorgestellet/ und Mit Ihr: Koͤnigl. Majestaͤt in Pohlen ꝛc. ꝛc. und Churfuͤrstl. Durchl. zu Sachsen ꝛc. ꝛc. allergnaͤdigsten Special -Bewilligung und Freyheit zum Druck befoͤrdert. Anno M. DCC. Personen sind: 1. Ehrenfriedt/ ein Graf/ 2. Feuerfax/ des Grafens Hauptmann/ 3. Fortunatus, des Grafens Capitain-Lieutenant. 4. Friedenschild/ des Grafens Fendrich. 5. Hasenius, des Grafens Secretair, 6. Mirax, des Grafens Stallmeister/ 7. Narruffsky, 8. Pamphylius, des Grafens 2. Cammerdiener. 9. Cursino, 10. Culin, des Grafens 2. Laͤuffer/ 11. Marode, 12. Sylvester, des Grafens 2. Jaͤger/ 13. Damastor, 14. Kilian, des Grafens 2. Heyducken/ 15. Mummelmaͤrten/ des Grafẽns ungetreuer Cammer-Junge. 16. Grethe/ des Grafens Koͤchin. 17. Clare/ des Grafens Haußwirthin/ 18. Leonore/ eine Naͤrrin/ in Graff Ehrenfrie- den verliebt. 19. Servillo, ein Koͤnigl. Page/ 20. Leander, 21. Jucundus, 2. lustige Studenten/ A 2 22. In- 22. Injurius, ein versoffener Advocate. 23. Herr Johannes/ ein lustiger Weinschencke. 24. Walpe/ dessen Frau/ 25. Klunte/ eine alte Troͤdel-Frau/ 26. Thomas/ der Nachtwaͤchter. 27. Courage, ein lustiger Diener/ in Grethen ver- liebt. (Hierzu kommen noch etliche masqvi rte Per- sonen/ welche Graf Ehrenfrieden in die Bad-Stube tragen. Taͤntze sind: 1. Ballet von alten Troͤdel-Weibern. 2. Ballet von Nacht-Waͤchtern. 3. Ballet von des Grafens Hochzeitbittern. Vorstellungen des Schau-Platzes sind: 1. eine Stadt/ 2. Graf Ehrenfrieds Audienz -Gemach. 3. eine Gasse mit einem Weinkeller. 4. Graf Ehrenfrieds Bad-Stube. 5. Graf Ehrenfrieds Nachtlager. 6. Graf Ehrenfrieds Lotterie oder Gluͤcks- Bude. Der Der Schau-Platz præsenti ret eine Stadt/ und im Prospecte zeiget sich Graf Ehrenfrieds Audienz- Ge- Gemach . Erster Handlung Erster Aufftritt. Fortunatus, Marode, Sylvester. I Ch wolte wuͤndschen/ daß Ihr: Excellenz und Hochgraͤffl. Gna- den zu Hause waͤren/ vielleicht stuͤndet ihr Ihm alle beyde an. Wird denn der Herꝛ Graf lange aus- sen seyn? Mein Freund/ das kan ich nicht wis- sen; So bald Er aber von Hofe koͤm̃t/ will ich eurer bey Ihrer Excellenz und Hochgraͤfl. Gnaden schon bestens ge- dencken. Ey ja/ mein Herr Capit. Lieutenant, Er sey immer so guͤtig/ und rede bey dem Herrn Grafen unser bestes/ wir wollen uns schon gegen denselben mit der Zeit danckbar erweisen. Es hat davon gantz nichts zu sagen/ A 3 denn denn mein gnaͤdiger Herr muß ohndem noch zu seinem Staate noch ein paar tuͤchtige Jaͤger halten. Haͤlt denn der Herr Graff ietzt gar keinen Jaͤger? Er haͤlt wohl einen/ allein es ist ein alter Kerl/ der sich nicht mehr mit dem Gesichte behelffen kan. Wo ist denn derselbe? Mein gnaͤdiger Herr hat ihn gestern in seine Graffschafft geschickt/ da soll er ein wenig die Wild-Bahne recognosci- ren/ denn es wurde neulich her bericht/ die Unterthanen schoͤssen daselbst die Hasen so weg. Es hat uns gestern ein alter Jaͤger zwey Meilen von hier begegnet/ vielleicht ist es derselbe gewesen. Wie sah er denn aus? Er hatte einen alten Dachs-Rantzen auff dem Buckel/ und einen erschreckli- chen großen Barth. Ja/ denselben hat er/ denn mein gnaͤ- diger Herr hat ihn immer damit ge- schraubt/ und gesagt: Wenn er sich nicht wuͤrde den grossen Barth abscheeren lassen/ so wolte Er selbst einmal her seyn/ und ihn solchen mit einem Strohwische abbrennen. Sieh! sieh! ist dieser bey dem Herrn Grafen in Diensten? Mein gnaͤdiger Herr hat ihn bißhero nur nur das Gnaden-Brodt gegeben/ und weil er ein alter Kerl ist/ so braucht er ihn manchmahl zu verschicken/ dafuͤr hat er Jaͤhrlich 10. Rthlr. Ey das ist mehr als zu viel vor so ei- nen Jaͤger/ der nicht mehr schiessen kan. Allein/ wie seyd ihr denn in eurer Jaͤ- gerey beschlagen? Versteht ihr denn euer Weydewerck auch recht aus dem Fundamente? Ey dafuͤr hat es keine Sorge/ mein Herꝛ Capitain Lieutenant, ich wolte/ daß mir meine Buͤchse hier reden koͤnte/ da solte er mit grosser Verwunderung hoͤ- ren/ wie viel Rephuͤner ich einmahl da- mit auf einer Weide geschossen/ und wenn mir die Buͤchse dasselbe mahl nicht dreymahl nach einander versaget haͤtte/ so wolte ich einen Schuß gethan haben/ der dobbersche seyn sollen/ so aber flogen von dem abgeschnappe die meisten fort/ und traff also ihrer nicht mehr als sie- benzehn. Rephuͤner? Ja/ mein Herr Capitain Lieutenant, Rephuͤner. Auff einer Weide? Ja auff einer Weide. Was will sich der Herr Capitain Lieu- tenant daruͤber verwundern! Habe ich doch mit meiner Buͤchse hier drey Hasen auff einen Schoß auff einer gros- A 4 sen sen Eiche geschossen; und wenn ich da- zumahl nur gut Zuͤndkraut haͤtte auff der Pfanne gehabt/ daß es geschwinde waͤre loß gegangen/ so haͤtte ich auch wohl noch ein paar Fuͤchse mit ergat- tern wollen/ so aber brannte es langsam ab/ und als die schlauen Fuͤchse das Feuer rochen/ marchir ten sie fort/ die 3. Haͤßgen aber musten Haare lassen. Fuͤchse und Haasen auff einer Eiche? Ja/ mein Herr Capitain Lieutenant, auff einer Eiche sassen sie/ und spielten mit einander. Je habe ich doch mein lebetage der- gleichen nicht gehoͤret/ und bin doch mit meinem Herren Grafen auf so mancher Haasen-Hetze und Fuchsjagt gewesen. Es ist in Wahrheit keine Luͤgen. Das Ding muß ich meinem gnaͤdi- gen Herrn/ sobald er von Hofe koͤmmt/ erzehlen. Das kan der Herr Capitain Lieutenant thun/ und wenn uns der Herr Graf deswegen selbst zur Rede setzt/ koͤnnen wir ihn bey unsern Gewissen nicht an- ders berichten/ alß daß dieses alles wahꝛ sey. Wenn ihr darthun koͤnnet/ daß die- se Dinge mein gnaͤdiger Herr sich ein- bilden kan/ und haͤlts fuͤr keine Schrau- be/ so wird er euch schwerlich von sich las- lassen/ und absonderlich/ wenn ihr die Historie mit den Hasen-schiessen auf der grossen Eiche beweisen koͤnnet. Das muß mein Cammer-Rath hier mit guten Gewissen/ wenn es verlanget wird/ eydlich aussagen. Und wenns der Herr Graf mit den Rephuͤner-schiessen/ auf der Weide miꝛ auch nicht glaͤuben will/ so kanst du mirs eben auch beschweren. Ja/ hertzlich gerne/ wenns verlangt wird. Das waͤre doch viel/ wenn dieses wahr waͤre. Ey wenn ich doch nur damahls gut Zuͤndkeaut haͤtte auff der Pfanne ge- habt/ es haͤtte mir wohl kein Fuchs weit springen sollen. So bald ich aber in des Herrn Grafens Dienste kommen werde/ so will ich mir schon gut Pulver zulegen/ das fix loß brennet. Nicht allein gut Pulver/ sondern ihr muͤßt euch auch auf tuͤchtigen Haasen- Schroot befleißigen/ denn es giebt in meines Herrn seiner Grafschafft er- schrecklich viel Haasen. Ey wir wollen sie schon wegputzen/ denn auff meine Buͤchse kan ich mich so gut verlassen/ als wie der Bock auff sei- ne Hoͤrner. Und mit meiner hier/ will ich mit Willen auch wohl keinen Schuß ver- A 5 feh- fehlen/ denn es ist Damascener- Ge- maͤchte. Je nu nu/ ich wills meinem gnaͤdigen Herrn/ wenn er nach Hause koͤmmt/ so erzehlen/ und euer Bestes gedencken. Wolt ihr nun so gut seyn/ und etwan nach Mittage umb 2. oder umb 3. Uhr/ vor meines gnaͤdigen Herrns sein Zim- mer kommen/ so solt ihr fuͤr andern Au- dienz haben/ und verhoffentlich mit ei- erfreulichen Resolution begnadiget wer- den. Gantz gut/ mein Herr Capitain Lieu- tenant, wir wollen uns hier nicht laͤnger auffhalten/ sondern die bestimmte Zeit schon in Acht zu nehmen wissen; Nur darumb bitte ich nochmahls/ er rede un- ser Bestes/ wir wollen dafuͤr danckbar seyn. Ey ja/ er thue es immer/ wer weiß/ wo wir sonst einander wieder brauchen. Ihr duͤrfft deswegen keine Sorge tragen/ ich wills schone machen. Nun wir wollen uns ohnfehlbar ein- stellen. Das thut/ und nehmt die gesetzte Zeit in Acht. Es soll geschehen. ( Marode und Sylvester gehen ab.) Ande- Anderer Aufftritt. (alleine.) Nun es koͤmmt auch alles zu mir ge- lauffen/ nnd will durch mich bey meinem gnaͤdigen Herrn Befoͤrderung haben. Ja es ist auch fast kein einziger Diener bey meinem Grafen/ der nicht sagen muß/ daß er durch mich sey befoͤrdert worden/ auch zum wenigsten meines Herrn sein so genannter Mummelmaͤr- ten/ der Cammer-Junge/ hat mir sein Gluͤcke zu dancken. Mit diesen beyden Jaͤgeꝛn nun kostet es mir nicht mehꝛ/ als ein einziges Wort/ so sind sie alle beyde Graͤffliche Diener/ zumahl/ wenn ich meinem gnaͤdigen Herrn die Historia von dem siebenzehen Rephuͤner-schuͤßen auf der Weyde/ und das drey Hasen- schuͤßen auff der Eiche erzehlen werde. O mor pleu! wie wird Er die Augen verkehren/ und das Kinn kratzen. An Leuthen fehlt es zwar meinem Grafen nicht/ allein das Kost-Geld und die Be- soldung bleibt immer bey Ihm gar zu lange in der Waͤsche; Warumb? Der liebe Graf verthut selbst so viel/ und wenn es denn nicht zulangen wil/ so heist es: Herr Capitain Lieutenant, schafft Rath/ geht/ nehmt mein Kleid/ meine Halßkrause/ meinen Degen/ meine sei- denen denen Struͤmpffe/ versetzt es/ verscha- chert es/ denn ich muß Geld haben. Ach wie manche schoͤne Nacht habe ich die alte Klunte/ meines Herrn seine Troͤ- del-Frau/ aus dem Bette pochen muͤs- sen/ daß sie mir bald auff meines Herꝛn seine verschammerirten Hosen/ bald auf seine Weste/ oder ein paar Hembden/ Geld lehnen muͤssen; Und wenn es denn zu gesetzter Zeit hat sollen wieder einge- loͤset werden/ so ist hernach bey meinem Herrn Grafen kein Mensch zu Hause gewesen. Itzund stehen nun wieder ein hauffen Sachen versetzt/ ich will gerne sehen/ wenn Er Sie wieder wird einloͤsen lassen. Zwar fragte ich dar- nach auch nichts/ wenn nur die Leute nicht immer zu miꝛ gelauffen kaͤmen/ und qvaͤlten mich so. Doch kan ich die guten Leute auch nicht drumb verdencken/ weil sie wissen/ daß ich meines Herrn seine Hand-Gelder alle unter mir habe/ ja/ es waͤre gut zahlen/ wenn wir nur alle- mahl was haͤtten. Dritter Aufftritt. Klunte und Fortunatus. Gluͤck zu! Herr Capitain Lieutenant, Gluͤck zu! Grossen Danck/ Mutter Klunte/ großen Danck. Was bringet denn ihr guts? Klun- Was soll ich bringen? Ich wolte nur bey dem Herꝛn Capitain Lieutenant ver- nehmen/ ob des Herrn Grafens seine Sachen nicht etwan heute oder Mor- gen wieder koͤnten eingeloͤset werden. Ja/ Mutter Klunte/ ich zweiffele/ ob es so bald wird seyn koͤnnen/ denn mein gnaͤdiger Herr ist itzt gantz nicht bey Gelde. Ey/ ey/ das ist ein schlechter Trost. Ja ich wolte euch gerne helffen/ wenn nur einige Moͤglichkeit da waͤre. Mein Herr Capitain Lieutenant, er kan mirs nicht glaͤuben/ wie mich die Leute aͤngstigen/ wo des Herrn Grafens Sachen stehen/ sie kommen alle Augen- blick zu mir in mein Hauß gelauffen/ und geben mir die allerleichtfertigsten Wort. Die naͤrrischen Leute haben ja Pfand genug fuͤr ihr geliehen Geld/ und wa- rumb dringen sie denn so auf die Ein- loͤsung; Sie sprechen dieses: Die gesetzte Zeit waͤre umb/ keinen Zinß bekaͤmen sie w eiter/ und also muͤste auch das Wort gehalten seyn. Das Wort gehalten seyn? als weñ sich ein grosser Herr/ wie mein Graf ist/ solcher Lappereyen halber eben an das Wort binden muͤste/ ich daͤchte sie koͤn- ten ja wohl noch ein acht oder 14. Tage warten. Klun- Das habe ich ihnen alles schon ge- sagt/ sie wollen sich aber durchaus nicht weisen lassen. Und wenn sie nicht wollen/ so muͤssen sie doch warten/ biß mein gnaͤdiger Herr Geld kriegt. Davon habe ich ihnen auch gesagt/ allein sie gaben mir zur Antwort: Das liessen sie wohl bleiben. Und wenn heu- te oder Morgen der Herr Graf seine Sachen nicht wieder bey sie wuͤrde ein- loͤsen lassen/ so wolten sie sie Ubermor- gen entweder verkauffen/ oder auff den Troͤdel hengen. Ey das waͤre eine schoͤne Schraube/ wenn meines Herrn seine versetzten Sa- chen solten vertroͤdelt werden. Alleine mein Herr Capitain Lieute- nant, was ist aber hierinnen zu thun? Hoͤrt/ ich will mit Ihr. Excellenz, mei- nen gnaͤdigen Herrn/ aus der Sache reden/ kommt nur nach Mittage umb 2. oder umb 3. Uhr/ vor sein Zimmer/ da ist er zu Hause/ und alsdenn solt ihr bey ihm Andienz haben. Es ist gantz gut/ mein Herr Capitain Lieutenant, ich will gleich hingehen/ und die Leute so lange vertroͤsten/ biß ich mit den Herrn Grafen selbst geredet haͤtte. Das thut/ und saget denen Leuten/ daß sie/ ohne Vorbewust meines Herrn/ kein getroͤdele mit seinen Sachen vor- nehmen nehmen solten/ oder mein gnaͤdiger Herr wuͤrde sie auff oͤffentlicher Gasse in den Bock spannen lassen. Gantz wohl/ mein Herr Capitain- Lieutenant, ich will gleich hingehen/ und nach Mittage umb 2. oder 3. Uhr dem Herrn Grafen auffwarten. (Gehet ab.) Das koͤnnt ihr thun. Ich weiß auch nicht/ wie mein gnaͤdiger Herr ist/ daß Er vor gar nichts sorget. Er bekoͤm̃t doch so manchen schoͤnen Ducaten/ und so manch schoͤnes Kleid von Ihrer Koͤ- niglichen Majestaͤt geschencket/ allein es ist Ihm so viel nuͤtze/ als den Kindern ein spitziges Hoͤltzgen/ denn es weiß kein Hencker nicht/ wo Er das Geld alle hinthut. Er hat zwar auff meine Re- commendation einen Cammer-Jungen angenommen/ welchen Er nur seinen Hauß-Dieb nennet/ derselbe Vogel hat Ihn auch schon so viel verschleppt/ daß er den Galgen wohl zehen mahl ver- dienet haͤtte/ und mein Herr Graff ist so gnaͤdig/ und sagt der Kroͤte deßwe- gen nichts/ ja Er heists ihn vielmehr/ als daß Ers ihn verbiethen solte. Ich will noch gerne sehen/ wie Er kuͤnfftig den Staat fort fuͤhren will/ das Kost- Geld faͤllt auch nicht allemahl richtig/ einen Diener nach dem andern nimmt Er an/ und wundert mich nur/ daß die prav- pravsten Leute von der Welt bey Ihm so gerne in Diensten seyn wollen. Ich will mich meiner Qvalitaͤten halber zwar nicht ruͤhmen/ und es meinem Herꝛn Grafen auch nicht vorgeworffen haben/ dennoch aber muß Er selbst ge- stehen/ daß ich Ihn vor etlichen Jahren unter den Luͤneburgischen commandi- ret habe. Er war anfaͤnglich mein Musqvetirer/ hernach mein gefreyter Corporal/ und ich war sein Fendrich. Itzund aber ist Er mein gnaͤdiger Herr/ und ich bin sein getreuer Capitain-Lieu- tenant. Was Er itzund mir befiehlt/ das muß ich thun. Ich kan aber sa- gen/ daß ich alle Libert aͤt bey Ihrer Ex- cellenz und Hoch-Graͤflichen Gnaden habe/ und was Er seinen Geheimbden Raͤthen nicht wissen lassen will/ dasselbe vertrauet Er mir. Warumb? Er weiß wohl/ daß sein Herr Capitain-Lieute- nant verschwiegen ist. Vierdter Aufftritt. Mummel-Maͤrten/ Fortunatus. Mein Herr Capitain-Lieutenant, Er soll geschwinde/ geschwinde nach Hofe zu dem Herrn Grafen kommen. Wo ist denn der Herr Hauptmann und der Herr Fendrich? Sie Sie sind auch bey Ihrer Excellenz dem Herrn Grafen. Soll etwan bey Hofe eine Baͤren- Hetze angestellet werden? Das weiß ich nun nicht; Alleine das weiß ich wohl/ daß der gantze Schloß- Hoff mit lauter Haasen-Netzen umstellt ist/ und wie ich oben neben dem Herrn Grafen zum Fenster heraus guckte/ so sahe ich auch schon ein hauffen Haasen in der Bestallung herumb lauffen. So/ so/ es wird eine Haasen-Jagd angestellet werden/ und da wird der Herr Graf haben wollen/ ich soll diesel- be mit ansehen. Ich dencke wohl/ daß ich den Herrn Capitain-Lieutenant deßwegen habe ruf- fen muͤssen/ drumb halte Er sich nur nicht lange auff/ daß Er noch zu rechte koͤmmt/ sonst moͤchte der Herr Graf schmaͤlen/ und mir wohl gar die Schuld geben/ daß ich so langsam in ausrichten waͤre. Die Haasen-Jagd wird doch ietzo nicht gleich angehen? Man kan nicht wissen/ denn mein Herꝛ der hieß mich geschwinde/ geschwin- de nach euch lauffen/ und rieff mir hin- den nach: Wenn ich nicht alsofort wuͤr- de wieder kommen/ und Euch mitbrin- gen/ so wolte Er mich drey Tage nach einander lassen in den Bock spannen. B So So werden sie gewiß mit dem Haa- sen-Hetzen warten/ biß ich komme? Ja freylich warten Sie auff Euch. Weil das ist/ so komm nur. Ich werde dem Herrn Capitain-Lieu- tenant folgen. (Gehen ab.) Fuͤnffter Aufftritt. Courage und Grethe. So hast du mich gleichwohl recht- schaffen lieb? Ja/ liebes Gretgen/ von Grund der Seelen/ und ich wolte/ daß ich nicht Courage hieße/ wenn ich dich nicht tau- sendmahl lieber habe/ als mich selbsten. Die Worte sind wohl gut/ allein es ist dem hunderten Kerl nicht zu trauen/ und der tausende meynet es mit einem ehrlichen Maͤgdgen nicht allemahl auff- richtig. Das ist alle wahr/ Gretgen. Allein ich wolte nicht mehr wuͤntschen/ als daß du nur in mein Hertze gucken koͤntest/ da soltest du sehen/ wie lieb ich dich haͤtte. Ist das wohl moͤglich/ hast du mich recht don Hertzen lieb? Ja/ Gretgen. Wie lieb aber denn? Ach Ach so lieb/ so lieb/ ich moͤchte dich flugs fuͤr lauter Liebe auff-fressen. Gar auff-fressen? Das waͤr auch ei- ne abscheuliche Liebe. Du Hertzes-Kind/ man redet nur so/ wenn eines das andere recht lieb hat. Ja so/ das ist ein anders. Nun/ wenn ichs wuͤste/ daß es dein rechter Ernst waͤre/ mich zu heyrathen/ und daß du mir hernachmahls auch getreue ver- bleiben woltest/ und nicht irgend extra gehen/ so wolte ich gantz kein Bedencken nehmen/ dir diesen Augenblick noch mein Ja-Wort zu geben. Ja/ Gretgen/ da hast du meine Hand/ und ich bin nicht ehrlich/ wenn ich dich nicht von Hertzen lieben will; aber ‒ ‒ Und was aber? Das Extra- gehen wirst du ja so ge- nau nicht nehmen? Was? extra- gehen? Nein/ Coura- ge, das stuͤnde mir zum wenigsten nicht an/ zu leiden. Weswegen aber nicht? Es ist ja heu- tiges Tages Grand mode? Ey/ Grand mode hin/ Grand mode heꝛ/ wenn ich soll einen Mann nehmen/ so muß er entweder mein Leib-eigen seyn/ oder ich habe die Brieffe von so einem Schatze. Je nu/ nu/ ich frage endlich nichts darnach; Wilstu es nicht haben/ daß ich B 2 manch- manchmahl mit andern Frauenzimmer reden soll/ so must du mirs hingegen auch versprechen/ niemand anders/ als mich alleine/ zu lieben. Das will ich auch thun. Ja/ ihr Frauen-Volck thuts manch- mahl mehr als zu viel. Das erfordert auch ihre Schuldig- keit/ daß Sie ihre Maͤnner rechtschaffen lieb haben sollen. Ja/ Sie solten wohl; aber ‒ ‒ Mit deinem Aber. Es waͤre nicht gut/ wenn das Weibsen ihr Gewissen nicht besser bedencken solte/ als das Mannsen. Es solte wohl/ ja/ wenn Sie es auch thaͤten; allein Sie thuns manchmahl mehr als zu viei/ daß hernach der arme Mann wider sein Wissen und Willen muß Gevatter-Briefe schreiben lassen. Du redest wohl naͤrrisch Zeug/ Cou- rage, wenn du mir dieses nun mit Eyd- lichen Zeugen beweisen soltest/ wie schoͤ- ne wuͤrdest du mit der Luͤgen in Drecke sitzen bleiben? Je Naͤrrchen/ wer wird denn solch Ding beschwehren koͤnnen? man redet nur so/ wie es manchmahl pflegt im Stande der geflickten Hosen her zu ge- hen. Laß uns davon nur stille schweigen/ und von unserer Heyrath reden. Was Was wollen wir lange reden/ du darffst nur Ja sagen/ ob du mich haben wilst oder nicht. Es laͤßt sich ja flugs nicht so thun/ und wenn ich gleich lange Ja spreche/ so muß ich doch erstlich meines gnaͤdigen Gra- fens seinen Consens haben. Alle recht/ Gretgen/ allein du kanst ja nicht eher dem Grafen davon geden- cken/ biß wir mit einander richtig sind. Je nu/ nu/ wenn du mich rechtschaffen lieben wilst/ und auch fuͤr gut halten/ so hast du hiermit meine Hand/ ich sage Ja/ du solst mein lieber Schatz seyn. Du darffst dir deswegen keine Sor- ge machen/ ich will dich schon lieb und werth halten; allein halt du mir auch nur feine gute Farbe. Das verspreche ich dir hiermit/ so wahr ich noch ein ehrliches Maͤdgen bin/ daß ich dir biß in den Tod treu verblei- will. Das ist viel geredt. Das will ich auch halten. Nun weil du das thun wilt/ so hast du hiermit meine Hand auch/ und ver- spreche/ dich so lange zu lieben/ zu ehren/ zu caressi ren/ zu honori ren/ zu charmi- ren/ und zu contenti ren/ biß ich nolens volens werde sprechen muͤssen: Hier liegt Courage nun Bey seinem lieben Weibe/ B 3 Mi Mit seinem Zeit-Vertreibe/ Er kan nicht mehr das Seine thun/ Hier liegt Courage nun. Ey das ist ein schoͤn Stuͤckgen/ das moͤchte ich wohl gerne von dir singen hoͤ- ren. Je das kan ich dir ja wohl leicht zu ge- fallen thun. Hast du denn auch eine gute Stim̃e zu singen? Ey ich kan vortrefflich schlingen/ denn ich bin vor diesen in vierzehen Capellen gewesen. Nun so laß doch hoͤren/ was du kanst. So gieb mir Audienz, und bringe mich nicht aus dem Thone. Ey sing du nur/ ich will gantz fleißig zu hoͤren. Gleich solls angehen. ( Hustet und ( macht naͤrrische Præparatoria. ) singet: Hier liegt Courage nun ꝛc. Nun/ wie hat dir denn das Stuͤckgen gefallen? Ach uͤberaus wohl! und wann ich dich bitten darff/ so singe mirs noch einmahl. Warte/ ich will den andern Verß auch singen/ der geht eben auch auff die Melodey. Ey Ey ja/ mein Schatz/ du wirst mich hoch obligi ren. Alsobald. (singet:) Hier liegt Courage nun/ Der arme Fincken-Ritter/ Und spielet auff der Zitter. Er laͤsset Ring und Lantze ruhn. Hier liegt Courage nun. Ey das Stuͤckgen must du mir zu- kommen lassen. Was wilst du denn damit thun? Ich wills den Herrn Grafen weisen/ denn er haͤlt uͤberaus viel auff curiö se Sachen. Das kan ich wohl thun/ alleine wenn er die Melodey nicht weiß/ wie ers sin- gen soll/ so ist es ihn eben so viel nuͤtze als nichts. Ey wenn gleich. Ob ers schon nicht singet/ so liest er doch gerne solche Din- ge/ und zumahl weils von dem Fincken- Ritter mit drinne stehet. Je nu nu/ komm nur hernach wieder zu mir/ so solst du es haben. Wenn sprechen wir denn einander wieder? Weiß ichs doch selber nicht/ auff den Abend etwan. Es wird halt ich wohl auf den Abend B 4 das das Beste seyn/ daß wir ein wenig wie- der zusammen kommen. Je nu/ wie du wilst; ich habe am Ta- ge eben auch nicht gar zu wohl Zeit/ al- lein welche Zeit treffe ich dich wohl wie- der an? Die Zeit kan ich dir nun eben nicht versprechen/ wenn? Sobald sich aber der Herr Graf mit seinen Leuten hat zuꝛ Ruhe geleget/ so will ich wieder hie seyn/ und deiner warten. Wo schlaͤfft denn dein Herr? Er schlaͤfft in der Stube auf einer Straputzke. Hat er denn kein Bette? Er hat wohl eins/ allein er darff sich ietzo nicht hinein legen. Warum aber nicht? Er hats durch seinen Capitain-Lieu- tenant versetzen lassen/ und ist noch nicht wieder eingeloͤset. Er wird ja nicht ein Narre seyn/ und die Betten versetzen. Ey es ist davon nicht viel zu sagen/ er laͤst wohl das Kleid vom Leibe versetzen wenn er kein Geld hat. Wo schlaffen aber seine Leute? Du hertzes Kind/ die liegen nun alle umb den Grafen auff der Straputzke herumb/ und decken sich mit ihren Roͤ- cken zu. Ich Ich daͤchte aber/ der Herr Graf koͤn- te unmoͤglich so ruhen. Ach ja/ er schlaͤfst sehr wohl. Denn er hat einen Cammer-Jungen/ den heist er nur Mummel-Maͤrten/ der muß ihn/ wenn er sich niederleget/ so lange die Fuͤsse krauen/ biß er einschlaͤfft. Wenn stehet er aber wieder auff? So bald als der Waͤchter hat 1. odeꝛ 2. geruffen/ ist er allard, und weckt seine Leute auff/ wenn sie denn nun nicht ge- schwinde auffstehen/ so nimmt er eine Hose mit Wasser/ und begiesset sie alle miteinander. Ey das stuͤnde mir zum wenigsten nicht an/ und wenn mich mein Herr mit Wasser begiessen wolte/ wenn ich nicht flugs auffstuͤnde/ so er mich weckte/ da muͤste er viel zu thun haben. Allein/ was ein kluger Herre ist/ der wird auch dergleichen Narren-Possen mit seinen Dienern nicht so fuͤrnehmen. Das ist wahr/ der Herr Graf nimmt manchmahl naͤrrisch Zeug mit seinen Leuten vor. Ja/ wenn er klug waͤre/ so thaͤte ers nicht. Neulich so bin ich recht druͤber er- schrocken/ ich dachte/ es waͤre gar Feuer da. Wie so denn? Er hatte seinen Stallmeister in den B 5 Bock Bock gespannet/ und hieng ihn an eine Wand/ und karbatzschte ihn braun und blau/ der Kerl schrie/ wie ein Zahnbre- cher. Was ist denn das fuͤr ein Ding/ das Bock spannen? Er nimmt einen grossen Bruͤgel/ den steckt er ihnen in die Knie-Kehlen/ und bindet die Haͤnde forne auf die Knie- Scheibe mit einem Stricke an den Bruͤ- gel an/ so koͤnnen sie hernach weder sitzen noch stehen/ und damit haͤngt er sie nun an die Wand/ und karbatzschet sie ab. Daruͤber hat er nun groͤste Freude. Die Freude stuͤnde mir zum wenigsten nicht an. Ey bißweilen ist der Herr Graf sehr gut/ nur wenn es ander Wetter werden will/ so ist er keinmahl nicht recht zu Hause/ druͤmb sehe ich gerne/ daß ich einmahl mit Ehren von ihm kaͤme. So gehe nur hin/ und hole deines Grafen seinen Consens, ich will gleich auch zu meinen Herrn gehen/ ob ers zu friedeu ist/ daß ich dich nehmen soll/ da- mit nur einmahl ein Ende draus wird. So bald mein Herr Graf nach Hau- fe koͤmmt/ will ichs ihn gleich sagen/ und auff den Abend so solstu es wieder er- fahren. Adjeu. Adjeu Gretgen. Adjeu. Adjeu. Adjeu. ( Machen Complimente gegen ein- ander/ und gehen an unter- schiedenen Orten ab. Der Prospect eroͤffnet sich. Sechster Aufftritt. Graf Ehrenfried/ Feuerfax/ For- tunatus, Friedenschild/ Mirax, Narruffsky, Pamphilius, Mum- mel-Maͤrten/ Damastor, Ki- lian/ Cursino, Culin. (Hat die Haͤnde in beyden Schuͤ- besaͤcken/ siehet sich in heraus- gehen umb/ und spricht: Da koͤmmt der Hertzog von Toͤlle. Puff! Puff! puff! puff! Das war eine Schraube/ ey Herr Capitain-Lieutenant, das war eine er- schreckliche Schraube! Ja/ Ihr. Excellenz und Hochgraͤffl. Gnaden/ die Schraube war gut. Aber saget mir/ wie euch bey Hofe die Haasen-Hetze gefallen hat. Sehr wohl/ Ihr. Excellenz. Wie denn das Fuchsprellen? Auch sehr wohl/ Ihr. Gnaden/ wenn nur mehr Jaͤger waͤren bey der Hand gewesen. A A propós, mein Herr Capitain-Lieu- tenant, wie stehts denn umb die beyden Jaͤger? Ihr Excellenz, ich dencke/ Sie wer- den wohl vor dero Zimmer stehen. Du Hauß-Dieb/ sich zu/ ob ein paar Jaͤger draussen stehen. Ja/ Ihr. Gnaden/ ich will gleich dar- nach sehen. (Gehet ab.) Ihr. Excellenz werden sich erschreck- lich uͤber die Dinge verwundern/ so die beyden Jaͤger-Pursche mit schuͤßen por- genommen haben. Das ist ja brav/ denn gute Leuthe muß ich zu meiner Jaͤgerey haben. Es ist wahr/ Ihr Excellenz, Jaͤger brauchen sie hoͤchst noͤthig. Siebender Aufftritt. Mummel-Maͤrten [zu den vo- gen.] Ihr Gnaden/ es stehen ein paar Jaͤ- ger draussen/ und fragen nach dem Hn. Capitain-Lieutenant. Ihr Excellenz/ das werden dieselben seyn. Laß Sie doch herein kommen/ Sie sollen Audienz haben. Sie wollen nicht/ Ihr Gnaden. Was Was ist denn die Uhrsache? Ich solte ihnen erstlich wieder sagen/ wie sie Ihre Gnaden tittuli ren solten/ so wolten sie sich hernach gleich præsenti- ren. Als wenn du Vogel nicht wuͤstest/ wie mein Tittel waͤre. Ich weiß ihn wohl/ allein ich weiß ihn aber doch nicht recht. Herr Capitain-Lieutenant, sagt doch den Jungen meinen rechten Tittel. Gantz wohl/ gnaͤdiger Herr. (zum Mummel-Maͤrten.) Sprich zu den beyden Jaͤger-Purschen/ wenn der Herꝛ Graff mit sie reden wuͤrde/ so muͤsten sie Ihn Ihr. Excellenz und Hoch-Graͤfliche Gnaden tittuli ren- Je nu/ nu/ ich wills ihnen schon so vor sagen. (Gehet ab.) Herr Capitain-Lieutenant! Ihr Excellenz, Das muͤssen gescheute Kerl seyn/ weil sie erstlich meinen Tittel zu wissen ver- langen/ damit sie bey der Audienz keinen Pfui dich an einlegen wollen. Ja/ Ihr Excellenz, es sind ein paar vortreffliche Jaͤger-Pursche. Achter Achter Aufftritt. Mummel-Maͤrten/ Marode, Syl- vester und die Vorigen. Ihr. Gnaden/ da bring ich die Kerl. Seyd ihr Jaͤger? Ja/ Ihr. Excell. und Hochgraͤfl. Gnaden. Wo seyd ihr beyde her? Ich bin von Wespenhausen/ und mein Cammerrath da ist von Haasen- dorff gebuͤrtig/ es liegen beyde Doͤrffer eine halbe Meile von ein einander. Seyd ihr sonst schon in Diensten ge- wesen? Wir sind alle beyde 6. gantzer Jahr bey Graf Narrburgen [wenn Ihr. Ex- cellenz und Hochgraͤfl. Gnaden densel- ben gekandt haben/) in Diensten gewe- sen/ wie er aber vor wenig Wochen starb/ so wurden alle seine Bediente ab- gedanckt. Ist der Graf von Narrburg todt? Ja Ihr. Excellenz und Hochgraͤfl. Gnaden/ begraben ist er. Haben Ihr. Excellenz und Hochgraͤfl. Gnaden/ den Herrn Grafen von Narr- burg gekennet? Per renomeé ist er mir bekandt gewe- sen/ und wo mir recht ist/ so sind gar viel Geschlech- Geschlechter/ die sich von Narrburg schreiben. Ach ja/ er hat eine grosse Freundschaft hinter sich gelassen. Nun/ weil ihr bey einen so braveu Herrn in Diensten grwesen seyd/ der auch auff wackere Leute viel gehalten hat/ und ihr beyde von meinen Herrn Capitain-Lieutenant da sehr wohl seyd recommendi ret worden/ so will ich euch in meine Dienste nehmen. Wir bedancken uns fuͤr die Hoch- graͤfl. Gnade. Ich verhoffe auch/ ihr werdet die Jaͤ- gerey so gut verstehen als andere brave Jaͤger-Bursche. Ja/ Ihr. Excellenz und Hochgraͤfl. Gnaden/ so gut als ein Jaͤger/ er mag auch seyn/ wer er will. Und was das Schiessen anbelangt/ so soll mich wohl wohl keiner darinnen leichtlich verrathen/ zumahl wenn fein viel Rephuͤner bey einander sitzen/ und die Buͤchse versagt mir nicht. Und was das Hasen-schiessen anbe- langet/ so soll auch wohl leichtlich keiner uͤber mir seyn/ wenn ich nur allemahl gut Zuͤnd-Kraut auf der Pfanne habe. An guten Pulver und tuͤchtigen Schrote soll es euch leichtlich nicht feh- len/ zumahl was die Haasen-Schrot anbe- anbelanget/ nur befleißiget euch a uff gute Buͤchsen. Ey/ meine Buͤchse soll mir leicht lich nichts verfehlen/ wenn ich nur recht d a- rauff ziele/ wo ich hinschiessen will. Und mit meiner Buͤchse hier/ da w ill ich wohl mit keinem Jaͤger seiner ta u- schen/ denn es ist Damascener -Gemaͤ ch- te/ und ist vortrefflich auff die Haas en eingeschossen. Ey/ Ihr. Excellenz, sie lassen sich do ch das Ding erzehlen. Dieser hier sprich : Er haͤtte mit seiner Buͤchse einmahl 17 Rephuͤner auff einer Weide weggescho s- sen/ und der da 3. Haasen auf einer Ei- che/ das Ding will mir gar nicht in m ei- nen Kopff. Ja warumb nicht/ mein Herr Cap i- tain-Lieutenant, was ein guter Jaͤg er ist/ der muß alles schiessen koͤnnen/ es mag auch seyn wo es will. Das ist alle wahr/ Ihr. Excellenz, a l- leine siebenzehn Rephuͤner von ein er Weide zu schiessen/ und drey Haas en auff einen Schuß von einer Eiche/ da s ist ein bißgen zu viel. Ey/ Herr Capitain Lieutenant, da s ist eine Schraube. Ihr. Excellenz und Hochgraͤfl. Gn a- den/ verzeihen mir/ daß ich sie in da s Wort falle/ und sage Ja/ ich habe 17 Rephuͤner auff einen Schuß von eine r Weid e Weide geschossen/ allein der Herr Ca- pitain Lieut, hat mich nicht recht verstan- den/ denn sie sassen auff einer Weide/ wo man das Vieh weidet/ aber auf keinem Baume nicht/ die man Weide nennet. Ey ja/ das ist ein anders. Aber wie kan denn dieses moͤglich seyn/ daß ihr 3. Haasen von einer Eiche geschossen habt/ da man doch sein Lebetage nicht gehoͤret/ daß ein Haase auff einem Baume geses- sen? Ich dencke immer/ Jaͤger/ es wer- den 3. Eichhoͤrner gewesen seyn. Ey/ Herr Capitain-Lieutenant, lernet ihr mich doch Haasen koͤnnen; Wolte ich doch wohl Euch/ oder den Herrn Grafen gekennet haben/ wenn ihr dazu- mahl droben gesessen/ und wenn die Ei- che auch gleich noch einmahl so lang ge- wesen waͤre. Ich habe in meiner Graffschafft zwar viel tausend Millionen Eichen und an- dere Baͤume/ doch wuͤste ich mich selbst nicht zu erinnern/ daß ich iemahls einen Haasen auf einem Baume sitzen gesehen. Ja/ Ihr: Excellenz, mein Cam̃errath da hat hinter mir gestanden/ wie ich schoß/ der kanns nicht anders sagen/ und wenn mir damahls die Buͤchse nicht so langsam waͤre loß gegangen/ so bm ich kein ehrlicher Kerl/ wenn ich nicht auch noch ein paar Fuͤchse mit treffen wollen/ denn die spielten mit den Haasen auff C der der Eiche/ so bald sie aber das Feuer s e hen/ marchi rten sie fort/ die 3. Haͤaͤßgen aber musten Haare lassen. Ey das ist eine erschroͤckliche Schrau- be! Nein/ Ihr. Excellenz und Hochgraͤf- liche Gnaden/ es ist keine Vexirerey. Wie kan aber das moͤglich seyn? Sie muͤssen mich recht verstehen/ Ihr. Excellenz und Hochgraͤffliche Gnaden. Wie aber? Die Eiche war umbgehackt/ und lag in Pusche. Ey ja/ das ist ein anders. Ja so/ wenn sie gelegen hat/ so kan das wohl moͤglich seyn/ allein es ist doch viel/ drey Haasen auff einmahl zu schies- sen. Je warumb hiessen wir denn Schuͤ- tzen oder Jaͤger/ wenn wir so viel nicht gelernet haͤtten? Ich habe einen alten Jaͤger/ der hat wohl Zeit Lebens nicht drey Haasen uͤ- berall geschossen. Ja/ Ihr. Excellenz und Hochgraͤfl. Gnaden/ vielleicht weiß er den Vorthel nicht recht/ oder ist etwan von sehr bloͤ- den Gesichte. Er giebts immer dem Gesichte schuld/ und ich glaube auch/ daß es wahr ist/ denn daran kan ichs mercken. Er brach- te mir neulich einen jungen Esel aus mei- ner neꝛ Grafschafft geschlept/ welchen er vor ein Reh geschossen hatte; Gestern ha- be ich ihn nun wieder hingeschickt/ wer weiß/ was er ietzund vor rar Wilpret mit bringt. Ja/ Ihr. Excellenz und Hochgraͤfl. Gnaden/ wenn ein Jaͤger kein gut Gesichte hat/ so giebt er keinen gewissen Schuͤtzen ab/ zumahl was das Haasen- schiessen anbelangt. Ey das Rephuͤner-schiessen ist noch kuͤnstlicher/ denn sobald sie nur das Pul- ver riechen/ marchir en sie fort. Ey/ ein Haase wartet auch nicht lan- ge/ zumahl wenn er oͤffters aus dem La- ger gejaget wird. Neundter Aufftritt. Hasenius, und die Vorigen. (Hat einen Befehl in der Hand.) Ihr. Excellenz und Hochgraͤfl. Gn. hier ist der Befehl wegen des Haasen-schies- sens/ geruhen sie denselben zu unter- schreiben? Leset mir doch denselben her/ damit ich hoͤre/ ob er recht ist. (Machet den Befehl auff/ lieset ihn folgender massen: C 2 Ehren- Ehrenveste/ liebe Getreue. W Enn Ihr alle noch frisch und gesund seyd/ hoͤre ichs theils gerne/ und auch theils nicht gerne. Gerne hoͤ- re ichs/ daß Ihr Eure Fron- Dienste noch alle thun und verrichten koͤnnet/ denn wenn Ihr kranck waͤret’/ so muͤste es wohl unterwegens blei- ben. Theils hoͤre ichs auch nicht gerne/ daß Ihr alle noch wohl auf seyd/ und mir aus meinem Gehege so viel Haa- sen wegschiesset/ denn wenn Ihr an einem hitzigen Fieber laͤget/ so liesset Ihr solches wohl bleiben. Derowegen habe ich nicht unterlassen koͤn- nen/ dieses Mandat an euch er- gehen gehen zu lassen/ und gebiethe euch bey meiner hoͤchsten Un- gnade/ daß sich hinfort keiner mehr von euch unteꝛstehe/ mein Gehege zu turbi ren/ oder wo- ferne ich nur das allergering- ste erfahre/ daß einer nur nach einen Haasen geschossen hat/ und wenn Er Ihn auch gleich nicht einmahl getroffen/ so hat mein alter Claus/ der Groß- baͤrtigte Jaͤger schon Ordre bey sich/ daß er alle diejenigen/ so wider diesen Befehl han- deln/ soll ohne eintziges Ein- wenden in den Bock spannen/ und so lange karbatzschen/ biß sie sprechen: sie wollens nicht mehr thun. Wornach Ihr Euch zu achten. GOTT be- fohlen. C 3 Haben Haben Ihr. Excellenz hierbey noch etwas zu erinnern? Der Befehl ist sehr gut/ gebt her/ ich will ihn unterschreiben. Ist keine Fe- der da? Ihr. Gnaden hier ist eine. (Giebt dem Grafen eine Feder.) (Setzt sich an den Tisch in sein Au- dienz- Gemach/ unterschreibet den Befehl/ und als er fertig/ steht er wieder auf/ und spricht:) Da gehet/ Secretair, und siegelt ihn nun. Geruhen Ihr. Excellenz mir Ihr Petschafft zu geben? Herꝛ Capitan-Lieutenant, wo ist denn mein Petschafft? (Heimlich.) Ihr. Excellenz, es stehet mit versetzt. Habt ihr der weile keins nicht? Nein/ Ihr. Excellenz, ich habe keins. Hoͤrt Secretair, ich habe ietzt mein Pet- schafft nicht bey der Hand/ nehmt nur unterdessen euers/ und siegelt damit. Ja/ Ihr Excellenz ich habe auch keins. Wie denn ihr Herr Hauptmann? Ihr. Excellenz und Hochgraͤfl. Gna- den/ ich kan gar nicht schreiben. Ihr/ Fendrich/ habt ihr kein Pet- schafft? Nein/ Ihr. Excellenz; kein Petschafft habe schafft habe ich nicht/ aber einen galan- ten Stoß-Degen habe ich/ der steht Ihr. Excellenz zu Diensten/ wenn sie ihn ver- langen/ und auff denelben koͤnnen sie sich der Tebel holmer verlassen. Hat denn keiner unter euch kein Pet- schafft nicht? Du Haußdieb/ hast du keines? Ihr. Excellenz, was wolt ich denn damit scheren/ bin ich doch mein Lebtage in keine Schule gegangen. Hoͤrt/ Secretair, weil ich mein Cantze- ley-Siegel/ oder Hochgraͤfl. Petschafft nicht bey mir habe/ so nehmt nur einen gantzen Groschen und siegelt damit/ es ist vor meine Unterthanen gut genug. Wollen Ihr. Excellenz mir einen Groschen geben lassen? Habt ihr denn kein Geld nicht? Ihr. Excellenz, ich fuͤhre selten Geld bey mir. Herr Capitain-Lieutenant, gebt doch den Secretair einen gantzen Groschen. Ihr. Excellenz, ich werde wohl von Gelde gar nichts bey mir haben. Und ich habe auch nichts eintzeln bey mir; Herr Hauptmann/ habt ihr kein eintzeln Geld? Ihr. Excellenz, ich werde wohl gar nichts haben. Hat denn keiner kein Geld bey sich? (Suchen alle in den Schuͤbesaͤcken.) C 4 Da Da hab ich noch einen Groschen/ Ihr Excellenz. (Giebt dem Grafen einen Groschen.) Du bist doch noch ein braver Kerl/ wenn keiner kein Geld hat/ so hast du welches. Je was huͤlffe mich denn mein steh- len/ wenn ich keinen Groschen Geld ha- ben wolte. Ey/ das ist eine erschreckliche Schraube. Ey ruͤhme du Vogel dich was bes- sers. Was schierts denn euch. Wenns mein Herr leiden kan/ so hat sich so ein Naseweiser Kerl/ als wie ihr seyd/ nichts druͤm zu bekuͤmmern. Waͤren Ihr. Excellenz nicht zuge- gen/ ich wolte dir deinen diebischen Kopf zu rechte setzen/ du soltest dein Lebetage an mich gedencken. Ja/ sie muͤssen noch alle dicke draussen liegen/ welchen ihr die Koͤpffe zu rechte gesetzt habt. Wo ist denn der Groschen? Hier ist er/ da geht und siegelt den Befehl/ damit er heute noch mit der ex- tra- Post fortgeschickt wird. Ja/ Ihr. Excellenz, es soll geschehen. (will abgehen) Hoͤrt/ (rufft/) Secretair? (Koͤmmt wieder.) Ihr. Excellenz? Da Da nehmt die beyden Jaͤger mit in euer Cabinet, und nehmet sie in Pflicht/ denn sie sollen bey mir Dienste haben. Es soll geschehen/ Ihr Excellenz. Diesem hier/ der die 3. Hasen auf der Eiche geschossen hat/ gebt das Prædicat, als Cammeꝛ-Jaͤger/ und dem da mit den 17. Rephuͤnern/ als Hof- und Feld-Jaͤ- ger. Wie Ihr. Excellenz befehlen. (Zum Jaͤgern.) Gehet alle beyde mit meinem Secretair auff seine Stube/ er soll euch in Pflicht nehmen/ und was die Besoldung und das Kost-Geld an- betrifft/ das soll euch mein Capitain-Lieu- tenant von meinen Hand-Geldern zah- len/ ich will euch schon eine gute Besol- dung machen lassen/ daß ihr damit ver- gnuͤgt seyn sollet. Es ist gantz gut/ Ihr. Excellenz, wir wollen auch schon dafuͤr getreue Dienste leisten. So kommt mit mir in mein Cabinet. Wir werden dem Herrn Secretari chs folgen. ( Hasenius, Marode, Sylvester gehen ab. ) Zehender Aufftritt. Klunte und die Vorigen. Ihr Gnaden sie verzeihen mir/ daß ich so gleich eingehe. C 5 Ihr Ihr haͤttet euch wohl koͤnnen anmel- den lassen/ ob es mir/ als einem grossen Herrn auch waͤre gelegen gewesen. Ihr Gnaden/ sie verzeihen mir/ ich bin eine einfaͤltige Frau/ und weil ich sonst allemahl/ wenn sie zu mir geschickt ha- ben/ immer unangemeldet in ihr Zim- mer gehen duͤrffen/ so verhoffe ich/ sie werdens ietzund auch nicht so genau nehmen. Was ist denn euer Anbringen? Ihr Gnaden/ sie werden sich groß- guͤnstig zu entsinnen wissen/ wie daß ich sie vor etlichen Wochen auff etwas Pfand Geld schaffen muste. Ist es wahr Herr Capitain Lieute- nant? Ja/ Ihr. Excellenz, die Frau/ hat recht. Und weil nun die gesetzte Zeit umb ist/ so wolten die Leute gerne/ daß die Sachen wieder moͤgten eingeloͤset wer- den. Was sagt ihr darzu/ Herr Capitain Lieutenant? Ja/ Ihr. Excellenz, was soll ich sa- gen/ ich kan die Leute freylich nicht da- rumb verdencken/ daß sie das Ihrige fordern. Ist denn viel drauf geborget? Ihr Gnaden/ es werden mit dem ver- goͤl deten Degen auff 40. Rthlr. seyne Ja meine liebe Frau/ es kan itzo wohl noch nicht seyn/ daß ich die Sachen wie- der einloͤsen kan. Sie werden ja noch ein 14. Tage oder was/ mit der Zahlung in Ruhe stehen. Ja/ Ihr Gnaden/ ich zweiffele/ obs die Leute thun werden. Und wenn sie nicht wollen/ so moͤgen sie es bleiben lassen/ sie muͤssen doch war - ten/ biß ich Geld bekomme. Das ist alle wahr/ Ihr Gnaden/ ich habe es den Leuten auch gesagt. Sie gaben mir aber zur Antwort: Und wenn der Herr Graf heute oder mor- gen seine Sachen nicht wieder wuͤrde einloͤsen lassen/ so wolten sie dieselben uͤbermorgen entweder verkauffen/ oder auf den Troͤdel haͤngen/ denn das Wort muͤste gehalten seyn. Die Leute seyn doch gar Narren/ ich thue ihnen was anders auff ihr Wort. Eilffter Aufftritt. Servillo, und die Vorigen. Der Herr Graf soll alsobald nach Hofe kom̃en/ und mit den Damens in die Lotterie gehen. Wird kein Assembleé gehalten? Ich kans nicht wissen/ was auf den Abend geschehen moͤchte. Geht Geht nur/ und sagt/ daß ich bald kommen wolte. Ich werde es auszurichten wissen. (geht ab.) Herr Capitain-Lieutenant. Ihr. Excellenz, was befehlen sie. Was habt ihr vor Geld noch im Vorrath? Ihr. Excellenz, es ist nicht ein Dreyer mehr da? Ja ihr muͤst Rath schaffen. Gantz gerne/ Ihr. Gnaden/ alleine wo denn hernehmen? Ihr. Gnaden/ sie lassen mir nur Pfand geben/ ich will bald Rath schaffen. Hoͤrt/ Troͤdel-Frau! Ihr. Gnaden/ hier bin ich. Koͤnnt ihr mir wohl auf mein ver- schammerirtes Kleid hier/ alsobald 30. Rthlr. Geld schaffen? Warum das nicht/ Ihr. Gnaden? wenn sie mir gnug Pfand geben/ ich will Sie wohl 1000. Thlr. schaffen. Ja/ es hilfft nichts. (Ziehet sein Kleid aus.) Herr Capitain-Lieutenant. Gnaͤdiger Herr. Ihr muͤst mir unterdessen euern Rock so lange lehnen/ biß ich einen andern kriege. Wie Ihr. Excellenz, befehlen. (Zie- het sein Kleid auch aus/ und giebts dem Grafen. Aber was soll denn ich indessen anziehen? Lasset Lasset euch derweile dieses Cammer- dieners seinen Rock geben/ und ziehet ihn so lange an/ biß Rath geschaffet wird. Ey das laß ich wohl bleiben/ daß ich meinen Rock wieder weg lehne. Was verschlaͤgt dirs denn/ du kanst ja leichtlich einen Tag oder was hintern Ofen sitzen/ biß ich ein wenig zu Gelde komme/ hernach solst du gar einen neu- en haben. Vor einem Jahre hieße es auch so/ alleine es verzogen sich wohl 20. Wo- chen/ ehe ich ein Kleid wieder auff den Leib bekam. Ihr Gnaden/ es ist eben nicht groß von noͤthen/ daß er mir sein Kleid lehnen muß/ habe ich doch selbst noch eins/ das ich so lange anziehen kan. Je nu/ wenn dieses ist/ so braucht es keiner andern Sorge. Nun wie wollen sie es denn halten/ Ihr. Gnaden? Da nehmt mein Kleid hier/ und las- set euch dreißig Rthlr. darauff geben/ und die bringet mir hernach nach Hofe. Ja/ Ihr. Gnaden/ es soll keine halbe Stunde ins Land gehen/ so sollen sie L’ argent content haben/ alleine wie soll es denn mit den andern Sachen gehal- ten werden? Sprecht nur/ wenn sie nicht warten wolten/ wolten/ biß ich sie wieder einloͤsen koͤnte/ so moͤchten sie nur dieselben verkauffen/ und mir das Ubrige raus geben. Gantz gut/ Ihr. Gnaden/ ich werde alles schon auszurichten wissen. Das Geld muͤst ihr mir aber bald nach Hofe bringen. Ich will mich schon zu rechter Zeit bey Ihr. Gnaden einstellen. (Gehet ab.) Allons! He! fort in die Lotteri e. (In weggehen/) Puff! Puff! puff! puff! (gehen ab.) [ Ballet, von alten Troͤdel-Wei- bern.] Anderer Handlung Der Schau-Platz zeiget eine Gasse/ und im Prospecte einen Wein-Keller. Erster Aufftritt. Herr Johannes und Jucundus. W Ie viel? Eine gantze Compagnie wird zu dir kommen/ schaffe du nur prav zu fressen und zu sauffen an. Und Und wenn ihrer Tausend kommen/ es ist genug da/ Gott lob! Was hastu denn vor Lampreten alle? Was du haben wilst: Krams-Voͤ- gel/ Rep-Huͤner/ Schneppen/ wilde Schweinskeulen/ Lerchen/ Haasen/ und auch was von Fasanen/ Gott lob! Wo zum Hencker kriegstu denn die Fasanen her? O ho! ich will dir wohl ander Wild- pret weisen. Was denn? Trappen Gott lob! wenn du sie ken- nest. Ich glaͤube/ du hast gar einen Ko- balt/ der dir alles zuschleppt. Je ja/ es hat sich was zu Kobelten. Von rechten Dingen koͤnte es/ daͤch- te ich/ doch nicht zugehen/ daß du allezeit so ein hauffen rar Wildpret immer im Vorrathe hast. Je Momflere! wenn man Geld hat. Nu! da hasts. Das ist wohl wahr/ Bruder/ allein man kan aber nicht allezeit vor Geld et- was bekommen/ was man haben will/ zumahl/ wenn es ausser der Zeit ist. Momflere! komm du zu mir/ wenn du wilst/ du sollst allemahl bey mir ha- ben/ was du verlangest. Das waͤre doch viel. Was Was ich sage/ ich bin kein ehrlicher Mann/ wenns nicht wahr ist. Hoͤre/ Bruder/ ich will ietzo gleich hingehen/ und es etlichen noch sagen/ daß sie sich bald bey dir einfinden sollen. Momflere, ein Wort: (saget Ihm heimlich ins Ohr/) zahlen sie auch wa- cker/ die her kommen wollen? Ey vortrefflich/ Sie haben gantze Schubsaͤcke voll Ducaten bey sich. Was du sagest? In Wahrheit/ du magst mirs glaͤu- ben oder nicht. Mein Tage nicht gehoͤret! Aber/ Momflere, kommen auch Grafen mit? Ja/ Bruder/ nicht alleine Grafen/ sondern auch Fuͤrsten. Ey ne! Auff mein Wort/ es kommen Grafen und Fuͤrsten mit zu dir. Top! Top! ein Schelm/ wenns nicht wahr ist. In deinem Nahmen aber? Es sey in meinem oder in deinem Na- men/ genug/ daß Sie kommen. Nun laß Sie kommen/ bin ich doch schon da. Aber du must dich auch prav lustig mit machen. Momflere, ich will Dinge machen/ die du mein Lebe-Tage nicht wirst gesehen haben/ haben/ aber/ Momflere, vexiren muͤssen Sie mich nicht. Ey du bist ein Narre/ wer wird dich denn vexiren? du bist ein prav Mann. Das bin ich auch/ Gott lob! Nun/ Adjeu/ Herr Bruder/ in einer halben Stunde wollen wir bey dir schmausen. Top! Top! Herr Bruder/ Adio! (Gehet ab.) De gratias, Momflere. (rufft seine Frau:) Dicke! Dicke! Anderer Aufftritt. Johannes/ Walpe. Was wilstu denn/ mein lieber Mann? Frag lange. Ich werde ja fragen duͤrffen/ was es giebt. Gaͤste wollen kommen Weists nu? Laß sie kommen in GOttes Nahmen/ ich will sie schon satt machen. Weists denn auch/ wer alles koͤmmt? Das kan ich nicht wissen/ weist du es aber/ so sage mirs/ damit ich mich ein we- nig drauff schicken kan. Achtzig/ Gottlob! Wie viel? Was ich sage/ auff mein Wort/ auch wohl Neuntzig. D Je Je wer denn alle? Fuͤrsten/ Grafen/ Freyherrn/ Barone - Keine Studenten? Eben auch welche. Wenn sie nur prav Geld haben. Dicke! lauter Ducaten. Hastu sie denn schon gesehn? Auff mein Wort/ gantze Ficken voll haben sie. Nu! So komm denn/ daß wir ein wenig Anstalt in der Kuͤche machen. Dicke/ geh du nur/ und mache die wil- de Schweins-Keule mit zu rechte/ ich will her seyn/ und die grossen Glaͤser immer ausspielen. Ey/ mein Essen soll schon bereit seyn. (gehet ab.) Und an einschencken und anschreiben soll es/ Gottlob/ auch nicht fehlen. (gehet ab.) Dritter Aufftritt. Leonore, Courage. (begegnen einander.) Hoͤre doch/ Courage, hastu den Herrn Grafen nicht gesehen? Hoͤre doch/ Loꝛgen/ hastu des Grafens seine Jungfer Koͤchin nicht gesehen? Ey was habe ich mit der Koͤchin zu thun. Je Je was schiert mich denn der Graf. Nein/ in rechten Ernst/ hastu ihn nicht gesehen? Ja/ ich habe ihn gesehn. Wo denn? Er ließ sich nur vor kurtzen auff einer Zober-Stange von seinen Bedienten nach Hofe tragen. Du daͤmischer Dieb/ es wird eine Ca- rosse gewesen seyn/ worauf er ist nach Hofe gefahren. Ey lerne du mich doch einen Hasen fuͤr eine Kuh ansehen/ ich werde ja wis- sen/ was eine Zober-Stange ist/ oder was eine Carosse ist. Er wird ja solch naͤrrisch Ding nicht vornehmen. Ey er nimmt wohl naͤrrischer Zeug fuͤr/ ist er doch einmahl mit dem Koͤnige im Schlaf-Beltze und einer Feder- Muͤtze auf dem Kopffe/ gar auf die Jagd geritten/ und hat/ wo mir recht ist/ weder Schuh noch Struͤmpffe angehabt. Er hat aber eine schoͤne Carosse, war- um faͤhrt er denn nicht in derselben? Er kan auch nicht immer fahren. Ein grosser Herr/ als wie der Herr Graf ist/ muß ja eine Abwechselung haben. Weistu nicht/ ob er bald wird wieder nach Hause kommen. Ja/ das kan ich dir nicht sagen/ vor Abends koͤmmt er wohl schwerlich wie- D 2 der/ der/ denn es ist ein Gluͤcks-Toͤpffer bey Hofe ankommen/ da ist er mit den Da- mens in die Gluͤcks-Bude gegangen. Ja/ so wird er wohl schwerlich fuͤr Nachts wieder kommen. Ich zweiffele selbst/ daß er vor Mitter- nacht wieder koͤmmt. Ich muß ihn sprechen/ ich treffe ihn auch an/ wo ich will. Nur fruͤh zu ihm gegangen/ da trifft man ihn am allerersten an. Das werde ich auch wohl thun. Wie steht ihr denn beyde mit einan- der/ ist denn eure Sache bald richtig? Ey was soll sie richtig seyn. Drum wolte ich gerne mit ihm daraus reden/ und wenn er nicht will/ wie ich will/ so will ichs an den Koͤnig gelangen lassen/ denn er hat mir meine Ehre recht abge- stohlen. Wenn ich als wie du waͤre/ Lorgen/ und er wolte mir nicht geben/ was ich verlangte/ so wolte ich ihn knall und fall auff die Ehe anklagen. Ey das will ich ohndem schon thun. Ich bin itzo bey einem Advocaten gewesen/ der hat mir ein Supplic gemacht/ das soll ich/ wenn er in Guͤte nicht will/ dem Koͤ- nige selbst uͤbergeben. Ey wo wohnt denn der Affocate? Ich habe nicht gefragt/ wo er wohnt/ so viel ich aber von der Wirthin im Wein- Wein-Keller vernehmen kunte/ so soll er gar viel Franen-Zimmer bedient seyn/ die ihre Ehren-Kraͤntze verlohren ha- ben. Das wird mir gar der rechte seyn/ al- lein/ wie muß er heissen? Die Leute titulirten ihn nur Herr Fleck-Schreiber. Wo trifft man ihn aber an? Er sitzt dort bey Herr Johansen im Wein-Keller/ und hat ein Glaͤßgen Wein fuͤr sich stehen. Ich will doch hernach auch hingehen/ und den Herrn Fleck-Schreiber in einer Sache um Rath fragen. Du hast gewiß auch mit einer zu thun! Ach nein/ es ist sonst was. Darff mans aber nicht wissen? Warum nicht/ das kan ich dir wohl sagen/ ist es doch kein Schelm-Stuͤck. So sage mirs doch. Die gantze Affaire ist diese: Ich habe mich mit des Grafens seiner Koͤchin ver- lobt/ und mein Herr der wills nicht zu- geben/ daß ich das Mensche nehmen soll. Druͤm moͤchte ich gerne mit einem rech- ten Ungerechts macher reden/ was er mir hierinnen fuͤr einen Rath giebt/ denn ich habe gar willens/ ich will ihn bey dem Koͤnige verklagen/ wenn ers nicht zuge- ben will. D 3 Le- Je du hertzer Courage du/ dieser Fleck-Schreiber wird dir bald eine Intru sche sagen/ wie du es machen solst/ denn das soll ein Mann seyn/ der auff lauter Caͤußgen und Practiqven abge- richtet ist. Ey/ das muß mir gar der rechte seyn. Die Wirthin hat mir Dinge von demselben Fleck-Schreiber erzehlet/ daß man sich hatte putzig druͤber lachen moͤ- gen. Wie so denn? Sie erzehlte mir/ wie daß derselbe Mann so ein vortrefflicher Liebhaber von Frauzimmer waͤre. Ist er denn noch jung? Ey/ es ist ein Stein-alter Mann/ der schon auff der Grube gehet. Was hat er denn nun mit dem Frau- enzimmer gemacht. Er soll sich moͤg’ in ein artiges Maͤd- gen verschammeriret gehabt haben/ und dasselbe haͤtte er auch/ weil er so hefftig in sie verliebt gewesen/ in gelben Damast kleiden lassen/ und hernachmahls nur das Ruͤbsen-Stuͤcke geheissen. Ey warum nicht gaꝛ das Schoten- Stuͤcke. Hat aber dasselbe Frauen- Zimmer den alten Courtisan auch Ge- gen-Liebe bewiesen? So viel ich von der Wirthin ver- nahm/ so haͤtte sie ihm nicht einmahl eine char- charmante Mine gemacht/ vielweniger/ daß sie ihm fuͤꝛ das geschenckte Damaste- ne Kleid sonsten seinen Willen erfuͤllen sollen. Ja/ es geht bißweilen so/ wenn alte Maͤnner mit jungen Maͤdgen loͤffeln wollen/ allein es geschicht ihnen gar recht/ wenn sie hernachmahls fuͤr ihre Spendagen ins Faͤustgen neinaus gelacht werden. Ein artiges Histoͤrgen erzehlte mir die Wirthin von diesem so genandten Fleck-Schreiber: Er haͤtte einsmahls auff einer Hochzeit nach einer Baͤren- Music mit Frauenzimmer nackend um einen Dannen-Baum herumgetantzet/ welches ihm diese Stunde noch uͤbel ausgeleget wuͤrde. Ey das kan ich mir leicht einbilden/ nackend zu tantzen! es koͤmmt gar zu aͤr- gerlich heraus/ weñs doch noch im Hem- de gewesen waͤre. Hernach so sagte mir die Wirthin auch/ wie daß dieser Fleck-Schreiber al- len Leuten dienete/ sie moͤchten recht oder unrecht haben/ wer ihm nur Geld braͤchte/ der waͤre ihm angenehm. Das muß mir gar einer von den rech- ten seyn. Uber eines muste ich recht hertzlich la- chen. Uber was denn? D 4 Leon. Die Wirthin sagte mir/ wie daß eꝛ ein- mahl ein paar Partheyen in einander gehetzt/ uͤber welches Unrecht dieser Fleck-Schreiber von einem Frauenzim- meꝛ in oͤffentlicher Gerichts-Stube waͤ- re ein alter Rock-Seicher geheissen wor- den. Was haͤtte er denn darzu gesaget? Was solte er gesaget haben. Er hatte solches zu registri ren gebethen/ alleine wegen anderer Affai ren hattens die Ge- richten nicht gehoͤret/ und war also die- ses Frauenzimmer noch so mit einem blauen Auge davon gekommen/ sonst haͤtte er ihr unstreitig einen Injuri en- Proceß an den Halß geworffen. Je koͤnte war doch von diesem Fleck- Schreiber eine perfect e Comœdie ma- chen. Ach wenn ichs nur nicht vergessen haͤtte/ was mir die Wirthin alles von den suͤssen Naͤchten/ und noch andern Streichen/ so dieser Fleck-Schreiber soll vorgenommen haben/ erzehlet hat. Es scheint/ als wenn an demselben Affocat en wohl nicht viel gebackens waͤ- re. Er soll aber sehr viel zu thun haben. Ich will doch fuͤr die lange Weile hin gehen fuͤr den Wein keller/ und ihn lassen heraus kommen/ da will ich bald hoͤren/ was er am Schilde fuͤhret. (gehet ab.) Leon. Und ich will Morgen fruͤh/ Graf Eh- renfriedgen eine Visite geben/ und bey ihn hoͤren/ ob er mich nehmen will. (ge- het ab.) Vierdter Aufftritt. (Der Prospect eroͤffnet sich/ und zeiget Herr Johannsen seine Wein-Stube/ worinnen sitzt Injurius, Leander, Jucundus und andere Wein-Gaͤste/ ha- ben ein Musickgen/ und sind sehr lustig mit einander. Inju- rius singet sein Leib-Stuͤckgen wie folget/ und klimpert mit den Haͤnden dazu.) Ach Dannen-Baum ach Dannen- Baum/ Du biß ein edler Zweig/ ꝛc. Fuͤnffter Aufftritt. Herr Johannes/ (mit einem Glase Wein) Momflere, das ist ein Weingen/ und wenn du ihn in der Stadt besser kriegst/ als mein Wein ist/ so bin ich kein ehrli- cher Mann. D 5 Wie Wie vielerley Wein schenckstu denn aus einen Fasse? Je ja/ Gottlob! Komm nur mit hinunter in meinem Keller/ da will ich dir meine Weine weisen/ was ich fuͤr Weine alle habe. Nun allons! Bruder/ trinck mir eins zu! Dein Diener Momflere. (will trin- cken.) Ey/ du must mir auch einen Verß darzu machen. (reimet.) Momflere, das bring ich dir/ In Gesundheit meiner Herrn Gaͤste hier. Es lebe die gantze Compagnie bey mir/ Fuͤr und fuͤr/ Das bring ich dir/ Allhier bey mir. Da hasts! (Trincket und giebt hernach das Glaß Leandern.) Du kanst brave Verse machen Bru- der. Was fehlt ihnen denn? wer weiß/ ob du es so gelernet hast. Ey/ du bist ein braver Mann. Was bin ich/ he! Ein Ein Schelm bist du. In deinen Nahmen. Nein nein Bruder/ du bist ein wacke- rer Mann. Das war ein Wort. Herr Johannes/ da lasse mir noch eins einschencken. (Rufft seine Frau.) Dicke! Dicke! Sechster Aufftritt. Walpe/ [koͤmmt gelauffen.] Was wilstu denn/ lieber Mann! Da hole Wein! Also bald/ (nim̃t das Glaß/ gehtab.) Hoͤre/ Bruder/ wer war gestern bey dir? Gestern war alles voll bey mir. Wer denn? Ein hauffen Cavallier, Studenten/ auch Grafen/ Gottlob! Was denn fuͤr Grafen? Ehrenfriedgen/ Gottlob! der Graf/ wenn du ihn kennest. Kennestu ihn? Warumb solte ich ihn nicht kennen. Ein wackerer Herr. Ist es denn dieser/ welcher so viel Lcu- te haͤlt? Ja/ Momflere, der ists. Was bedienen sie denn alle fuͤr Char- gen bey den Grafen. Einer ist Hauptmann/ Feuerfaxgen/ wenn wenn du ihn kennest/ hernach ist einer Capitain Lieutenant bey ihn/ und auch einer Fendrich/ Friedenschildgen/ wenn du von ihn gehoͤret hast/ es sind alles prave Leute. Fuͤhret er so einen grossen Staat? ey so muß er auch viel Einkommens haben. Je ja/ wenn ichs und du nur haͤtten/ Momflere, wir wolten schon damit aus- kommen. Siebender Aufftritt. Walpe/ [zu den Vorigen/ brin- get Wein.) ( zu Injurio, ) Hier/ mein Herr Fleck- Schreiber/ da ist sein Glaͤßgen. Da bringe sie mir auch noch eins. Gleich/ mein Herr. (nimmt das Glaͤßgen.) Dicke. Was denn/ lieber Mann. Bringe ihn doch eins aus dem gros- sen Fasse an der Mauer/ No. 75. Ey die Weine sind alle gut. Thu du’s/ ich wills haben. Ja doch/ (gehet ab.) Ich will dirs bringen/ Herr Bruder. De gratias, Momflere, Es lebe! Was denn? Es lebe! nun mache fort/ es lebe! Warte/ Warte/ ich will dirs erstlich zutrin- cken. trincket/ und als er get runcken ] Da Bruder/ thu mir nun bescheid/ und mache mir einen Verß darzu. Nu/ Momflere, itzt will ich einen Verß machen/ den du dein Lebetage nicht ge- hoͤret hast. Nu/ mache fort. Es lebe! (reimet.) Es lebe die Sonne von Pohlens Gemuͤthe! Sachsens Treue bleibe alle zeit bey E l b-Strohms Guͤte. Die Hand des HErrn schuͤtze unsern Koͤnig Lebenslang Gemuͤhe/ Die hohen Seulen bleiben allezeit in dessen Segens-Guͤte. Es lebe der Unterthanen Schutz noch 1000. Jahr in froͤlichen Gemuͤthe. So wohl bey mir Und dir/ Als auch in Pohlen weit von hier. Da hasts! (trincket.) Dergleichen hast du mein Tage nicht gehoͤrt. Achter Aufftritt. Walpe/ [zu den Vorigen.] Nun/ da bringe ich den Herrn ei- nen nen Wein/ er ist recht aus dem Mut- ter-Faͤßgen. Solte der recht gut seyn? Und wenn du ihn so gut in der Stadt kriegst/ als wie der Wein ist/ so bin ich ein Schelm. Das bist du auch. In deinen Nahmen. Nein/ Bruder/ in deinen Nahmen. Ja/ du schierst mich wohl. Wenn ich als wie du waͤre/ Herr Brudeꝛ/ ich ließe mich nicht so schimpfen. (Zu Leandern.) Was bin ich/ he! (fast ihn bey den Arme) Was bin ich! Ey du bist ein brav Mann. Das war ein Wort. (Hier agi ret herr Johannes noch al- lerhand possirl iche Schwaͤncke/ Walpe geht ab und zu) Neundter Aufftritt. Fortunatus, zu den Vorigen. Gehorsamer Diener/ meine Herrns/ Ihr Diener/ meine Patrons. Willkommen/ Momflere, willkom̃en! Wo hastu denn Ehrenfriedgen/ deinen Grafen/ bringst du Ihn nicht mit? Nein/ Er ist noch bey Hofe in der Gluͤcks-Bude/ und wird wohl heute schwerlich zu dir kommen. Gewinnt Gewinnt der Graf auch wacker? Was solt Er gewinnen/ Er ist gar selten gluͤcklich. Alleine ich habe aber- mahl was gewonnen. (Zieht ein Schnup Tuch aus dem Schubsacke/) Bruder/ ist das nicht ein schoͤn Schnup- Tuch? Es ist dem Grafen gewesen/ Er hats verspielt. Hats der Herr Capitain-Lieutenant Lusr zu verkauffen/ so will ich einen Han- delsmann darzu abgeben? Es ist mir zwar endlich nicht viel nuͤ- tze/ doch/ weil ich ietzo Geld brauche/ wer mir einen Rthlr. dafuͤr giebt/ der soll es haben. Ey behuͤte Gott/ wer wolte vor ein altes Schnuptuch einen Rthlr. geben; Meine Patrons/ es hat beym Sap- perment viel Geld gekostet/ der Graf hats getragen. Ey das glaͤube ich gar wohl/ allein dafuͤr gebe ich keinen Rthlr. Wenn ich ietzo nicht so gar nothwen- dig Geld brauchte/ ich wolte es selber behalten; so aber muß ich heute mit dem Grafen noch ein bachadie machen. Gebe mir der Herr 4. Groschen baar Geld/ so soll Ers doch haben. Zwey Groschen will ich dem Herrn geben/ wenn er will/ hier ist Geld. So nehme Ers nur dafuͤr hin/ viel- leicht gewinne ich dem Grafen mit des Herrn Herrn 2. Groschen 50 Rthlr. abe. ( Le ander giebt Fortunato 2. Groschen. Momflere, Herꝛ Capitain Lieutenant, was wilstu denn trincken? Herr Bruder/ ich werde hier nicht verziehen koͤnnen/ ich muß gleich wider zum Grafen gehen. Wie du wilst. Ihr Diener/ meine Patrons/ Sie le- ben wohl. Serviteur, Herr Capitain-Lieutenant, und wenn Er wieder was gewinnt/ so komme Er her/ ich wills Ihn wieder ab- handeln. Es kan geschehen/ meine Patrons. (gehet ab.) Der arme Capitain Lieutenant, hat gewiß nicht viel Besoldung bey seinen Grafen. Wie es scheint/ so mag es wohl nicht viel seyn. Nun/ wie ist es denn/ einmahl her- umb getruncken! Allons! Bruder/ deine Gesundheit/ laß mir ein Runda darzu machen. Fort / allo! he! Ein Runda. [Die Musicanten machen ein Runda/ und andere lustige Stuͤckgen/ wor- bey es nach und nach finster wird. Zehen- Zehender Aufftritt. Feuerfax/ Friedenschild/ (und die Vorigen.) Schuldiger Diener/ meine Herren. Serviteur Messieurs. Willkommen Herr Hauptmann/ Momflere. Friedenschildgen/ auch will- kommen. Serviteur Herr Bruder/ wie stehts/ was machst du guts? So/ es muß sich noch leiden/ Gott- lob; setzt euch doch nieder. Wir werden nicht lange verziehen. Was wolt ihr denn trincken? Was hast du denn guts? Sect/ Alacanten- Wein/ Neckerwein/ Moseler/ Spanischen/ Rhein Wein/ auch Land-Wein/ Gottlob. Ich mag keinen Wein tꝛincken/ ich ha- be bey Hofe viel gesoffen. Was wilst du denn? Herr Bruder/ laß uns nur ein gut Glaß Bier geben. Ich habe kein Bier. Hier steht ja welches auf dem Tische? Warumb wolt ihr aber keinen Wein trincken? Es eckelt uns fuͤr den Weine so/ wir haben bey Hofe zu viel gesoffen. Dicke! E Mein Mein Schatz. Hole ihn doch nur ein Glaß Bier. Ja/ lieber Mann. (gehet ab.) Die Herren setzen sich doch zu uns an dem Tisch her. Wir werden nicht lange verziehen. Wir muͤssen wieder zu dem Herrn Grafen nach Hofe gehen. Moͤgen sie doch so lange warten als sie wollen/ deßwegen koͤnnen sie sich ja wohl niedersetzen. Setzt euch doch nieder/ es ist ja Platz genug da. (Sie setzen sich) Wird das Bier bald kommen. Es ist gleich da. Eilffter Aufftritt. Walpe/ (mit einem Glaß Bier zu den Vorigen.) Da bringe ich den Herrn ein Glaß Bier/ sie werdens in der Stadt nicht besser finden. Ey das glaͤube ich ihr gar wohl. Von der Neige haͤttest du ihnen bꝛin- gen sollen. Weßwegen denn? Warumb sauffen sie keinen Wein? Je/ lieber Mann/ wer kan denn die Herren zwingen/ wenn sie nicht wollen. Nu allons, einmahl herumb getrun- cken. Prosit Prosit Herr Bruder/ deiner Dicke Gesundheit. Sie lebe/ meine Dicke/ in meinem Nahinen aber. Allons, ein Runda. ( Jucund. trinckt. ) (Singen.) Runda Runda der Wein ist gut Runda dinellula. Er macht uns einen frischen Muth/ Runda dinellula. Das ist viel! Da thu mir Bescheid/ wir wollen dir auch ein Runda singen. Nun allo he! singt? (Sie fangen alle wieder an zu sin- gen.) Runda Runda der Wein ist gut/ Runda dinellula. Herr Johannes ist ein 15hut/ Runda dinellula. Ein Schelm heist mich so. Ey Bruder wir meinen ja dich nicht. Das war ein Wort. Umb Vergebung mein Herr Fen- drich/ daß ich frage? Haͤlt denn ihr Herr Graff auch viel Volck. Nein/ Monsieur, er hat von gemei- nen Soldaten noch nichts geworben. Aber auf das Fruͤh-Jahr will er etliche Regimenter werben lassen. E 2 Das Das ist viel. Ja/ er muß doch in seiner Grafschaft Soldaten haben/ damit er in Fall der Noth seine Vestungen defendi ren kan. Der Herr Graf aber hat sonst sehr viel Leute. Ja die haͤlt er nur zu seinem Staate. Jch wolte daß es morgen wieder zu Felde gienge/ es solte mir so lieb seyn/ als wenn mir einer 100. species Duca- ten verehrete. Es scheinet/ als wenn der Herr Fen- drich schon mehr waͤre darbey gewesen. Mons. mag mirs glaͤuben oder nicht/ ich bin vor diesen mit gewesen in Un- garn/ vor Ofen/ vor Wien/ vor Stuhl- Weissenburg/ und bald gar mit vor Constantinopel. Item draussen am Rhein vor Mayntz/ vor Bon, Mons, und Namur/ ja ich habe mich der Tebel hol mer so versucht im Kriege/ daß/ wenn ich alles erzehlen solte/ einem die Haare zu Berge stehen wuͤrden. Allein/ ist auch der Herr Fendrich oh- ne blessur en immer davon gekommen? Ja/ Monsieur, das kan ich wohl sa- gen/ daß mir kein Finger ist verletzet worden/ und bin doch in sehr gefaͤhrli- chen Schaꝛmuͤtzeln mit gewesen. Messieurs, sie moͤgen mirs glaͤuben o- der nicht/ ich bin bey der Eroberung Namur mit einer Falckenet-Kugel auff die die Hertz-Cammer geschossen worden/ daß es der Tebel hol mer gepufft hat. Und waͤre nicht durch gegangen? Nein/ Monsieur. Auch kein blauer Fleck? Nicht das geringste war zu sehen; sondern ich langte die Kugel ohne eintzi- ges Verletzen aus dem Busen heraus/ daß sich auch alle meine Cammeraden daruͤber verwunderten. Das ist viel. Herr Bruder/ du magst mirs glaͤu- ben oder nicht/ ich kan diese Stunde noch dieselbe Kugel weisen. Ich daͤchte/ es koͤnte fast unmoͤglich seyn. Mons. Lasse mich nicht schweren/ al- lein es ist der Tebel hohlmer wahr. Daͤchte man doch nicht/ daß dieses von rechten Dingen zu gehen koͤnte? Warum nicht/ Monsieur, Es giebt viel Dinge vor Hauen/ Stechen und Schiessen/ die doch natuͤrlich seyn/ und mancher/ der es nicht weiß/ daͤchte es waͤ- re Hexerey. Solte das wohl moͤglich seyn? Monsieur, schau er: hier habe ich eine Salpeter-Kugel/ die ist ihrer Guͤte hal- ber 200. Rthlr. werth/ wenn ich davon nur einer Linse groß abbreche/ und schmiere mich damit/ so mag einer auff E 3 mich mich hauen/ auff mich stechen/ und auff mich schuͤssen/ es wird nicht durchgehen. Mein lebetage nicht gehoͤrt! So eine Kugel moͤcht ich haben. Wenn Monsieur selbige verlangt/ so kan ich sie ihn schon lassen. Wie theuer denn? Monsieur mag mir nur einen species Ducat en dafuͤr geben. Nein/ mein Herr Hauptmann/ so viel Geld wende ich auff eine Salpeter- Kugel wohl nicht. Hoͤre er Monsieur, weil ich ietzo noth- wendig Geld brauche/ so soll er mir 4. gute Groschen dafuͤr geben. Hier sind 2. Groschen/ kan sie der Herr Hauptmann dafuͤr vergessen/ mehr gebe ich nicht dasuͤr. Weil es der Herr ist/ so will ich sie ihn doch dafuͤr lassen/ damit er nun sieht/ was fuͤr einen Effect dieselbe hat. Hier ist Geld/ mein Herr Haupt- mann. (Giebt ihn 2 Groschen vor die Kugel) Monsieur, der Hencker zerreise mich/ wenn ich ihn nicht zehen Thaler an der- selben Kugel schencke/ denn es ist eine rechte Rarit aͤt. Diesen Degen hier/ Messieurs a vôtre permission (Ziehet den langen Stoß-De- gen auff 3 mahl heraus.) den den wolte ich keinen vor 30. Thlr. geben/ auff denselben kan ich mich verlassen. Wie so/ weil er so lang ist. Nein Monsieur, und wenn tausend andere Klingen ihn nur anruͤhren/ so muͤssen sie alle springen. Wie gehts aber zu? Das will ich dir gleich sagen. [steckt ihn wie der in die Scheide.) Wie denn? Ich habe nicht mehr als eine Erbse groß von des Herrn Hauptmanns sei- ner Salpeter- Kugel mir in Knopff machen lassen/ und davon muͤssen alle andere Klingen springen/ sie moͤgen seyn aus Spanien oder aus Teutschland. Das ist viel. Ja Herr Fendrich/ es wird finster/ wir werden muͤssen marchiren/ der Graf duͤrffte wohl heute zeitlich nach Hause gehen/ und sich schlaffen legen. Es ist wahr/ er sahe ohn dem alle schlaͤf- rig aus. Herr Bruder/ wie viel haben wir Bier? Eine treffliche Zeche/ ein Glaß. Was kostet es? Als wenn du’s irgend nicht wuͤstest. Wie viel denn? Zwey Groschen Gottlob! Hier wird Geld seyn. [G iebt ihn G eld. ) Wolt ihr denn nicht noch eins? E 4 Nein/ Nein/ wir haben nicht Zeit/ ein ander- mahl. Wie du wilst Momflere; aber hoͤre ein Wort. (Saget Feuerfaxen etwas heimlich ins Ohr.) Das Restgen/ Momflere? Was vor ein Restgen. Bey Ehrenfriedgen/ deinen Herrn/ die 16. Kannen Wein/ Nu da hasts. Ja so/ ich dachte du woltest von mir was haben. Nicht doch. Hoͤre Bruder/ ich kan dir keinen bes- sern Rath geben/ als daß du es auffse- tzest/ was es macht/ und bringest es her- nach meinen gnaͤdigen Herrn hin/ wenn er zu Hause ist. Welche Zeit wohl. Komm nur morgen fruͤh um 9. Uhr oder des Nachmittags umb 2. oder 3. Uhr/ so ist er zu Hause/ und als denn kanst du dich nur bey ihm anmelden las- sen. Gantz gut Momfler, ich will hinkom- men. Das thu du nur/ es wird ihn recht lieb seyn. [Steht mit Friedenschilden auff.] Nun ihr Diener meine Herren. Serviteur Herr Hauptman/ Er lasse sich seine Salpeter-Kugel nicht tauren. Es hat nichts zu sagen/ kan ich mir doch schon eine andere wieder machen. Friedens. Serviteur Messieurs, Sie leben wohl. O ihr Diener/ Herr Fendrich. Lebe wohl Momflere, kom̃t auch bald wieder zu mir/ bringt Ehrenfriedgen auch einmahl wieder mit. Wir wollen sehen/ wie es die Gele- genheit geben wird/ Adjeu ! Serviteur. (Feuerfax und Friedenschild ge- hen ab/ Herr Johannes giebt ihm das Geleite.) Was meynstu Bruder/ solten die Dinge wohl wahr seyn mit der Falcke- net-Kugel? Je wer wird denn solch Ding glaͤu- ben. Ich glaube nicht/ daß der Kerl ein- mahl einen todten Hund gesehen hat/ geschweige/ daß er waͤre mir der Falcke- net-Kugel auff die Brust geschossen worden. Ey/ was fehlte denn dem Hn. Haupt- mann mit seiner Salpeter-Kugel/ die er mir vor 2. Groschen verkaufft hat? Wenn du die 2. Groschen versoffen haͤttest/ oder einem armen Menschen dafuͤr gegeben/ vielleicht haͤttest du sie besser angewendet/ als so. Ich habe nur solches aus Spaß ge- than/ ich weiß indem wohl/ daß sie zu nichts hilfft. Die armen Officir er/ sie dachten wun- der/ was sie vor Thaten gethan haͤtten. E 5 Ey Ey/ das sind die rechten Officir er/ man solte wohl was kluges mit sie aus- richten koͤnnen/ zumahl der Fendrich mit seinen Stoß-Degen. Habe ich doch Zeit meiner Tage kei- nen solchen Degen gesehen. Zwoͤlffter Aufftritt. Herr Johannes zu den vori- gen. Allo ! Einmahl herumb getrun- cken! (Nimmt ein Glaß.) Prost Momflere, (trincket.) Es leben alle gute Freunde hier/ Die treue allerbravsten Gaste bey mir/ Das bring ich dir/ Itzund bey mir/ Aus diesem Glase hier. Ein Runda! (Die Musicanten machen ein Runda/ und andere lustige Sachen. Herr Johannes mit seiner Dicke tantzt einmahl/ und machts so gut als er kan. Als der Tantz aus ist/ geht Walpe ab. Die Musicanten spielen weiter fort. Und nach ge- endigter Music/) Drey- Dreyzehender Aufftritt. Walpe/ und die Vorigen. Es ist ein Kerl draussen/ er will gerne ein paar Wort mit dem Herrn Fleck- Schreiber reden. Warum kom̃t er denn nicht herein? Er will nicht/ er sagte: Er haͤtte sich nicht lange auffzuhalten. Wollet ihr ihn wohl sagen/ daß er ein wenig verziehen solte/ ich will gleich zu ihm kommen. Ja/ ich wills ihn sagen mein Herr. (Gehet ab) (Die Music laͤsset sich wieder hoͤren/ Injurius trinckt sein Glaͤßgen aus und taumelt unter waͤrender Mu- sic zur Wein-Stube hinans/ weil er gantz truncken ist/ worauff her- nach der Wein-Keller bedeckt wird. ) Vierzehender Aufftritt. Injurius, Courage. ( Fuͤhret Injurio bey dem Arme. ) Er sehe sich vor mein Herr Fleck schrei- ber/ daß er hier nicht faͤlt. Mein Freund/ lasset ihr mich nur ge- hen/ ich will mich schon nach Hause findẽ. Ey lasse er sich doch immer fuͤhren/ es ist finster auff der Gasse/ damit er nicht etwa ein Ungluͤck nimmt. Es Es hatnichts zu bedeuten/ ich werde mich schon in acht zu nehmen wissen. Man sieht manchmahl wie es geht/ denn die Nacht ist niemands Freund. Ach es thut mir kein Mensche nichts. Das ist wohl alle gut/ mein Herr Fleck-Schreiber; Allein manchmahl ist doch nicht zu trauen/ denn bißweilen traͤgt sichs zu/ daß einer auf den andern einen Groll hat/ und gedencket ihn bey der Nacht daß so genannte Johannes- Brod zuzustellen/ wenn er nun im Fin- stern seinen Feind nicht recht erkennen kan/ so muß hernach wohl gar ein un- schuldiger ehrlicher Mann/ auf welchen man die Intention niemahls gehabt/ den Buckel voll Schlaͤge mit nach Hause nehmen. Dergleichen ist nun wohl nicht zu be- sorgen. Man kan nicht wissen/ trug sichs doch neulich auch zu/ daß einer den andern gerne in die Haare wolte/ und in der grossen Boßheit und Trunckenheit sahe eꝛ nicht einmal/ mit wem eꝛ zu thun hat- te/ und kriegte also eben auch einen un- rechten beym Kopffe. Das ist viel ein anders/ denn wenn man truncken ist/ so kan man sich wohl leichte irren; Ist mirs doch un- laͤngst ebenfalls so gegangen/ daß ich ei- nem Unrechten in die Haare fiel/ allein das das geschahe im Wein-Keller/ und nicht auf offentlicher Gasse. Es kan aber einen auf der Gasse eben auch begegnen/ und zumahl wenn man des Abends immer spaͤte nach Hause ge- het/ wie der Herr Fleck-Schreiber. Wenn es darnach haͤtte gehen sollen/ so muͤste ich schon zum oͤfftern/ das so ge- nannte Johannis-Brod/ bekommen haben/ und zumahl/ weil mir die gantze Stadt fast zu wider ist. Was ist aber die Ursache/ daß ihn die Leute zuwider seyn? Ich mache ihnen immer so viel Intrü- schen/ und daruͤber beschweren sich die Leute so grausam. Was sind denn das vor Dinger/ In- trü schen? Wißt ihr nicht was Intrü schen seyn? Je nein/ Herr Fleck-Schreiber/ ich weiß es nicht. Mein Freund/ Intrü schen sind solche subtile Caͤußgen/ womit man die Leute prav schieret. Ist das aber recht/ daß man die Leu- te schiert? Es mag recht oder nicht recht seyn/ gnug/ daß ich so meine Freude druͤber habe. Und wenn einer einmahl dem Herrn Fleck-Schreiber voꝛ seine Intrü schen den Buckel brav ausblauen wird/ so wer- den den die Leute hernachmahls auch ihre Freude druͤber haben. Dafuͤr hat es gute Wege/ denn mir wird leichtlich niemand nichts thun. Ist es doch alle gut/ aber er sage mir doch/ wenn ich zu ihm kommen soll? Kommt nur Morgen fruͤh zu mir in mein Hauß/ da will ich euch schon mit einem guten Rathe an die Hand ge- hen. Aber mein Herr Fleck-Schreiber/ wenn nur sein guter Rath auch helffen wird. Hilfft er nicht/ so will ich euch hernach schon ein paar Intrü schen mit sagen/ die gewiß gut seyn sollen. Ey ja/ Herr Fleck-Schreiber/ er thu es immer/ ich will schon danckbar dafuͤr seyn. Kommt nur morgen zu mir/ gute Nacht. Ey/ was ich noch fragen wolte/ wo wohnt denn der Herr Fleck-Schreiber? Ich wohne nicht weit von der Schule. Wie frage ich aber nach Ihn? Wenn ihr an die Schule kommt/ so fragt nur nach dem Hause mit dem lee- ren Schilde/ oder nach der Nonnenher- berge/ daselbsten wohne ich. Je nu nu/ mein Herr Fleck-Schrei- ber/ weil ers nicht haben will/ daß ich ihn nach Hause begleiten soll/ so schlaffe er er wohl/ und morgen fruͤh so will ich schon zu ihm kommen. Das koͤnnt ihr thun/ schlafft wohl. Er schlaffe auch wohl/ Herr Fleck- Schreiber/ und sehe zu/ daß er nicht faͤlt. (Gehet ab.) Ey dafuͤr hats gute Wege. (taumelt fort/ und singet: ach Dannenbaum ꝛc.) Funffzehender Aufftritt. ( Vier masqvir te Personen bringen Graf Ehrenfrieden getragen/ wel- cher sich sehr ungebaͤrdig stellet. Mummel-Maͤrten/ von ferne mit einer brennenden Fackel. ) Ihr Bestien/ lasset mich zu frieden/ o- der ich will euch alle vier in dem Bock spannen lassen. Holla! he! Herr Ca- pitain-Lieutenant! Herr Hauptmann! Herr Fendrich! Stallmeister! Cam̃er- Dieneꝛ! Mummel-Maͤrten! Ihr Gnaden/ hier bin ich! Ihr Hundsfoͤtter/ kommt mir zu Huͤlffe. Wer auch helffen koͤnte/ Ihr. Gnadẽ. Geschwind lauff und sieh/ wo meine Leute alle stecken. Je das Gott erbarm/ was will draus werden/ ich muß doch gar Feuer ruffen. (gehet ab.) Ihr verdammten Boͤsewichter/ lasset mich gehen/ oder die Schraube soll euch uͤbel uͤbel bekommen. Holla! he! bin ich denn gantz und gar verlassen? (Die Masqven tragen Graf Ehrenfrieden fort.) Sechzehender Aufftritt. Feuerfax, Fortunatus, Frieden- schild/ Mirax, Narruffsky, Pam- philius mit blossen verrosteten Degen/ Sylvester, Marode mit auffgeschlagenem Hahne/ Cur- sino, Culin, Kilian, Damastor mit Sebeln/ Mummel-Maͤrten leuchtet mit der Fackel. Wo sind die Bestien. Hier hier/ Herr Capitain-Lieutenant, hier. A llons ! Stechet/ hauet/ schlaget/ schuͤsset zu. Steht ihr Hunde. ( Sie stechen und hauen alle auf einen leeren Fleck/ Sylvester, Marode, wollen Feuer geben/ alleine ihre Buͤchsen versagen ihnen allebeyde. ) Liegen sie nun? Man siehet ja hier niemand? Kommt nur hieher/ hier wirds seyn. (fuͤhret sie an eine andere Ecke.) Da ist ja auch kein Mensche. So muͤssen sie sich unsichtbaꝛ gemacht haben/ haben/ denn den Augenblick hatten sie den Herrrn Grafen hier in der Klauße. Vielleicht sind sie mit Ihn durch diese Gasse hier marchi ret. Es kan auch wohl seyn. Das Ding koͤm̃t mir vor/ als wenns ein abgelegter Karn waͤre. Du wirst ja gesehen haben/ wie die Kerl aussahen? Was solte ich nicht gesehen haben/ sie hatten erschreckliche grosse Nasen/ und sahen aus/ wie die leibhasstigen Hen- ckers-Knechte. Sie werden Masqven vor den Ge- sichtern gehabt haben/ damit man sie nicht hat erkennen sollen. Das kan nun auch wohl seyn/ denn ich stund nur von ferne/ und wie der Herr Graf schrie/ daß man ihn zu Huͤlf- fe kommen solte/ so lief ich stracks nach euch/ und nun weiß ich nicht/ wo sie mit hin seyn. Ihr Herren lasset uns ein wenig re- cognosci ren/ vielleicht treffen wir sie an. Der Meynung bin ich auch. Ich rathe es den Kerlen der Tebel hol mer nicht. daß sie sich antreffen lassen. Ey macht auch fort/ wenn wir noch gehen wollen. Allons! leuchte du/ und ihr Herren folget mir alle nach/ und wenn es was setzen moͤchte/ so werdet ihr schon wissen/ was bey der Sache zu thun ist. (ge- hen ab.) F Es Es wird musicirt, und unter waͤhrender Music, eroͤffnet sich eine Bad-Stube/ worinnen Graf Ehrenfried halb ausge- zogen auff einer Schwitz-Bauck sitzet/ eine Masqve haͤlt ihn hinten bey dem Kopffe/ und ein masqvirter Bader schroͤpffet ihn/ die andern sehen zu/ und haben ihre Vexati- ones mit dem Herrn Grafen; nach verrichteter Arbeit tragen sie ihn wieder auf die Gasse/ und lauffen davon.) Siebenzehender Aufftritt. Ehrenfried allein. O ihr vermaledeyeten Furien/ wie habt ihr mich gepeiniget/ und wenn mich die Bestien gleich in dem Bock gespannet/ ich glaube nicht/ daß sie mich aͤrger haͤtten martern koͤnnen/ als durch ihr verzweifeltes Schroͤpffen. Allein ich will mir das Ding schon hinter ein Ohr schreiben/ und es ad no- tam nehmen/ denn der eine Vogel war mir mehr als zu wohl bekandt/ und der andere/ welcher mir das stinckende Wasser ins Gesichte goß/ den wolte ich auch wohl errathen. Aber es hat nichts zu sa- gen/ wer weiß/ wie es die Gelegenheit einmahl wie- der giebet/ daß ich mich revangi ren kan. Doch wun- dert mich bey dieser rencontre nichts mehr/ als daß mich meine Leute so verlassen hatten. Ja/ wenn ich irgend niemand haͤtte? und der verdammte Jun- ge/ mein Mummel-Maͤrten/ kam auch nicht wie- der. Ich will die Hundsfoͤtter alle mit einander in den Bock spannen lassen/ damit sie einandermahl an ihre Auffwartung gedencken. Achtzehender Aufftritt. Mum̃el-Maͤrten mit der Fackel/ Fortun. Feuerf. Friedens. Mirax, Natruffsky, Pamphil. Marod. Sylv. Cursino Culin, Damastor, Kilian. (geht (Gehet etwas zu voran.) Hier her ihr Herren/ hier sind sie. (Kom̃en geschwinde gelauffen mit entbloͤßtẽ Gewehr.) Steht ihr Hunde! Halt! Je halt doch/ es ist der Herr Graf nur allein. Ihr. Excellenz, sie verzeihen uns/ es ist finsier/ wir dachten es waͤren die Boͤse- wichter/ welche Ihr. Excellenz haͤtten umbringen wollen. Ey ihr seyd feine Leute/ nun ist es Zeit daß ihr kommt. Ihr. Gn. wir haben sie ja gesucht. Ey Sapperment! muͤst ihr denn alle von miꝛ gehn/ weñ ich nach Hause fahꝛe? Ihr. Exeellenz, sie werden mich ent- schuldiget halten/ daß ich nicht bin wie- der nach Hofe kommen/ denn die alte Troͤdel-Frau hat mich so lange mit den Gelde auffgehalten. Wie viel hat sie euch deñ auf den Man- tel-Sack und auf die Stiefeln gegeben? Nicht mehr als 5. Rthlr. Wo ist denn das Geld? Morgen fruͤh so soll ich wieder hin- kommen und es holen. Nun/ so vergeßt es auch nicht. Nein/ Ihr. Excellenz, ich wills nicht vergessen. Aber Hꝛ. Hauptmann/ was habt deñ ihr fuͤr eine Excü se/ daß ihr nicht seyd bey der Aufwartung gebliben? Ihr. Ihr. Hochgraͤfl. Gnaden/ die Zaͤhne thaten mir so laͤsterlich weh. Ey/ warumb nicht gar was anders/ ich dencke aber immer Herr Hauptmañ/ das Ding wird eine Schraube seyn. Ey/ behuͤte Gott! wer wird denn Ihr Excellenz mit Luͤgen berichten. Wo stackt aber ihr/ Herr Fendrich? Ihr. Excellenz, ich ließ meine Schuh flicken. Die Entschuldigung mag auch noch hingehen; aber wo waret denn ihr Stallmeister? Ihr. Excellenz, ich war zu Hause und machte das Bette zu rechte. Die Entschuldigung gehet auch noch hin. Weiter? Ich und mein Cammerrath hier/ lies- sen uns die Hosen flicken/ so mussen wir bey de so lange in der Hoͤlle sitzen/ biß der Schneider mit fertig war. Ist denn die Liverey schon wieder zu- rissen? Ihr. Excellenz, haben wir doch noch keine Hosen bey sie bekommen. Warum thut ihr aber die Maͤuler nicht auf? Haben wirs doch wohl 10. mal wegen der Hosen dem Hn. Capitain hier gesagt. Ey/ Herr Capitain Lieutenant, warum lasset ihr den Cammer-Dienern keine Hosen machen? Ihr. Ihr. Excellenz, haben doch meine selbst keinen gantzen Boden mehr. Warum zieht ihr aber keine neue an? Ja/ Ihr. Excell. an anziehen solte es gaꝛ nicht fehlen/ weñ ich nuꝛ welche haͤtte. Warumb lasset ihr euch denn keine machen? Ja/ Ihr. Gnaden/ es waͤre gut ma- chen/ wer nur Geld haͤtte? Nun geduldet euch nur/ ich will euch ehester Tage/ wenn ich werde von meiner Grafschafft die Steuer-Gelder bekom̃en/ alle mit einandeꝛ auf das pro- per ste heraus mundi ren lassen. Aber daß ich weiter frage: wo seyd denn ihr Ubri- gewesen/ wie ich von Hofe fuhre? Nu weñ wirds? habt ihr gar keine Maͤuler? Ihr. Excellenz, was sollen sie sagen/ sie wissen wohl/ daß sie unrecht haben. Damit ihr aber einandermal fein an euere Aufwartung gedencken koͤnnet/ so solt ihr morgen alle sechse in den Bock gespannet werden. Cursino, Culin, Marode Sylvester, Da- mastor und Kilian, knien nieder und sprechen: ) Ey Ihr. Gnaden/ sie wer- den ja das nicht thun. Nu es hilft nichts/ Straffe muß seyn. Was ist denn Ihr. Excell. begegnet/ da sie sind nach Hause ge ahren? Ich wills euch morgen schon erzehlen/ kommt nuꝛ und begleitet mich zur Ruhe/ F 3 damit damit sich meine ermuͤdeten Kraͤffte in etwas erholen koͤnnen. Wie Ihr. Excellenz befehlen werden. ( Cursino, Culin, Marode, Sylvester, Damast. und Kil. knien wieder nieder und sprechen: ) Ihr. Hochgraͤfl. Gn. sie schencken uns immer die Straffe we- gen das Bockspannens. Schert euch nur fort mit zu Bette/ es wird sich morgẽ schon geben. (gehen ab. Neunzehender Aufftritt. (blaͤset mit seinem Hoͤrnichen und singet: Hoͤrt/ ihr Herren/ latzt euch sagen: Der Seiger der hat Zehne geschlagen/ Bewahrt das Feur und auch das Licht Daß kein Schade geschicht. (blaͤset/) Gehet ab. Inwendig wird eine Nacht- Music ge- hoͤret/ und vor Graf Ehrenfrieden Schlaf- Zimmer folgende Aria gesungen: Aria. Ruhe wohl auf deine Schmertzen/ Und vergiß der grossen Noth/ Dachtest du gleich in dem Hertzen: Armer Graf/ itzt koͤmmt dein Tod! Weil du so viel grosse Wunden Durch das Schroͤpffen hast empfun- den. Zwantzigster Aufftritt. (siehet sich umb) Ich Ich sehe wohl/ Courage ist noch nicht hier; ich will ja nicht hoffen/ daß Er mir gar untreu werden wird. Meines Gra- fens seinen Consens habe ich nun weg/ daß ich heyrathen soll/ und das waͤre auch eine schoͤne Sache/ wenn er mich so ruͤm ruͤcken wolte/ und nur so eine Nase machen. Ja ich wolte es wohl die- sen Augenblick verreden/ nimmermehr keinem Kerl mehr zu glaͤuben/ und wenn er auch gleich schwuͤre/ daß ihm die Au- gen zum Kopffe heraus fielen. 21. Aufftritt. Courage, Grete. Bist du da/ Gretgen? Je sieh da/ Courage, koͤmmst du? Wie du wohl siehest. Du hertzer Courage du/ du kanst mirs nicht glaͤuben/ wie mir so bange nach dir gewesen ist/ ich dachte/ du wuͤrdest gar nicht wieder kommen. Je wenns meinem Herrn seinem Kopffe haͤtte nachgehen sollen/ so wuͤr- dest du mich wohl schwerlich wieder bey dir gesehen haben. Warumb aber? Mein Herr der wills durchaus nicht haben/ das ich dich heyrathen soll. Was ist aber die Ursache? Ja/ du Hertzes-Kind/ das kan ich dir selbst nicht fagen. F 4 Was Was wird aber nun draus? Je was wird draus werden? Das waͤre eine schoͤne Sache/ und ich habe meines Grafens seinen Consens schon weg/ Er hat mir auch schon Gluͤ- cke darzu gewuͤndscht/ und ein Hochzeit- Geschencke versprochen. Ja/ wenn ich dieses auch von meinem Herrn haͤtte bringen koͤnnen/ so aber will Er durchaus nicht. Je wenn Er nicht wolte/ so wuͤste ich schon/ was ich im Sinne haͤtte. Je/ was denn? Wenn ich an deiner Stelle waͤre/ und mein Herr der wolte nicht zugeben/ daß ich solte eine Frau nehmen/ so wolte ich ihm gleich den Stuhl fuͤr die Thuͤre se- tzen/ denn es giebet Herren-Dienste genug bey Hofe. Das ist alle wahr/ Grethgen/ alleine wenn ich dieses auch thaͤte/ und liefe her- nachmahls die gantze Welt durch und durch/ so bekaͤme ich doch keinen solchen guten Herrn wieder/ als ich ietzo habe. Das waͤre viel. Ja/ Grethgen/ das ist wahr. Ich ha- be solche Tage bey ihm/ die ich mir nicht besser wuͤndschen koͤnte/ und ich mag ihn ansprechen umb was ich will/ so giebt er mirs/ nur eine Frau will Er mich nicht nehmen lassen. Was waͤre mir aber das? Weist Weist du was/ Grethgen/ ich bin die- sen Abend bey einem Advocaten gewe- sen/ und erzehlte ihm meine Sache/ der Mann aber hatte sich so bestialisch voll- gesoffen/ daß er nicht einmahl wuste/ was er mir antworten solte/ ich soll aber morgen fruͤh wieder zu ihm kommen. Ach du hertzer Courage ! wenn du die Sache unter die Advocaten spielen wilst/ so werden sie einen Proceß aus dem Consense machen/ der in 20. Jahren nicht aus wird. Ich kan ja leichte mit ihm reden/ da- mit ich nur hoͤre/ ob Ers vor rathsam haͤlt/ daß ich meinen Herrn wegen des Consenses bey dem Koͤnige verklagen soll? Das wolte ich dir nun auch nicht ra- then. Warumb aber nicht? Man sieht/ wie es geht/ wenn man seinen eigenen Herrn bey der hohen O- brigkeit verklagt/ man habe auch recht/ wie man will/ so wird einem armen Die- ner doch nicht geholffen; Mein Rath waͤre/ du gaͤbest Ihm gute Wort/ viel- leicht laͤst Ers noch geschehen; dann zu einem Advocaten zu gehen/ rathe ich dir durchaus nicht. Ich will her seyn/ und morgen fruͤh nuͤchtern noch einmahl mit meinem Herrn aus der Sache reden/ will Er/ F 5 wohl wohl gut/ will Er aber nicht/ so will ich mir ein Klage-Schreiben machen lassen und Ihn ordentlicher weise bey dem Koͤ- nige dieser wegen verklagen. Je nu/ nu/ meinen Willen hast du; Wenn du aber dadurch dir deinen Herrn zum Feinde machest/ so gieb mir die Schuld hernach nur nicht. Ich will das Ding schon machen/ be- kuͤmmere dich nur umb nichts. Aber hoͤ- re/ Grethgen/ umb welche Zeit mag es ietzo wohl seyn? Der Waͤchter hat/ deucht mich/ Eilf- fe geruffen. Ist es denn schon so spaͤt? Es war ja bald 10. Uhr/ wie der Herr Graff mit seinen Leuten nach Hause kam/ und das verzog sich auch wohl eine halbe Stunde; Nun/ wie lange sind wir denn wohl hier? Schlaͤfft denn dein Herr schon? Ach ja/ es ist alles zu Bette. Liegen Sie denn nun alle auff einer Streu? Alle mit einander. Ich moͤchte das Nacht-Lager doch gerne sehen. Verzieh/ ich wil dirs oͤffnen. (Gehet ab.) Ey ja/ Grethgen/ ich wil dir ein an- dermahl wieder was zu Gefallen thun. (Graf Ehrenfrieds Schlaff-Zimmer wird eroͤff- uet/ und zeiget eine Straputzke/ worauff der der Graf mitten unter seinen Leuthen auf der Erden liegt/ und haben sich alle mit ihren Roͤcken zugedeckt.) 22. Aufftritt. Nun wie gefallen dir denn diese Gast- Betten? Ey vortrefflich! liegen sie doch da un- ter einander/ wie Kraut und Ruͤben. Wer ist denn dieses da/ der sich mit dem Kopffe so nahe an des Herrn Grafens seine Wind-Buͤchse geleget hat? Es ist Mummel-Maͤrten/ wie ich dir gestern erzehlet habe/ der muß dem Gra- fen allemahl die Fuͤße krauen/ biß er ein- schlaͤfft/ und uͤber dem krauen schlaͤfft das Aaß nun allemahl selber ein. Ich dachte/ Er haͤtte auch einen Jun- gen/ welchen Er nur seinen Hauß-Dieb hiesse? Das wird ja die Kroͤte seyn; Man darff auch fast nicht das geringste in den Weg legen/ so katzt ers weg/ und mich wundert/ daß das Rabenfell ietzo so fe- ste schlaͤfft/ denn wenn die andern Die- ner im besten Schlaffe seyn/ so stehet der auff/ und visitiret allen die Schubsaͤcke/ und stiehlet weg/ was er kriegt. Was spricht aber der Graf darzu? Was soll Er sprechen; Er lacht druͤ- ber/ und spricht noch wohl gar/ es ist ei- ne Schraube/ wenn er Ihn gleich selbst bestiehlt. Ey Ey du waͤrest recht fuͤr meinen Herrn/ hader potz Velten/ wie wuͤrde Er dich auf die Finger klopffen/ wenn du Ihm was naͤhmest. Ja/ es darff den Diebs-Vogel kein Diener nicht einmahl sauer ansehen/ solche Stuͤcken haͤlt der Graf auf ihn. Aber wer sind denn diese hier? Sieh nur/ ich wil dir sie alle zeigen/ wie sie da liegen: Das in der Mitten ist der Herr Graff/ neben ihm zur Rechten da liegt ein Laͤuffer/ und zur Lincken der andere Laͤuffer. Wer ist denn das uͤber des Herrn Grafens Kopffe? Das ist der Herr Secretar ichs. Der so schoͤne Befehle machen kan? Ja der ists/ und hierunten liegen die beyden Jaͤger/ da liegen die Cammer- Diener und Heyducken/ und hier liegt der Herr Hauptmann und der Herr Fehndrich. Wer ist denn das da auff dem Stu- le? Das ist der Herꝛ Capitain-Lieutenant. Warumb liegt er aber nicht auch mit auff der Straputzke? Es muß eiuer alle Nacht umb die an- dere wachen/ heute ist nun die Reihe an dem Herꝛn Capitain-Lieutenant, allein sie wachen/ daß es besser thaͤte. Wenn steht denn der Graf nun wie- der auff? Ach Ach Er hat keine gewisse Zeit/ manch- mahl steht Er flugs umb 1. umb 2. Uhr auff/ und wenn denn seine Leute nicht gleich mit allard seyn/ so begeußt Er sie uͤber und uͤber mit Wasser. Je nun/ ich dancke/ Gretgen/ daß du mir deines Grafens sein Schlaf-Zim̃er gezeiget hast/ ich wil nun auch gohẽ/ und mich ein wenig in die Boye legen/ damit ich morgen fꝛuͤhe fein bey Zeite aufslehen kan/ und mit meinem Herrn recht nuͤch- terner Weise noch einmahl von dem Consense reden. Ey gieb du Ihm nur gute Worte/ und bitte Ihn/ ich weiß/ Er wirds zu frieden seyn. Je nu/ nu/ ich wil meinen besten Ste- cher dran setzen/ kan ichs in Guͤte so weit bey ihm bringen/ wohl gut/ wo nicht/ so muß ich Ihn doch beym Koͤnige verkla- gen. Schlaff wohl/ Gretgen. Schlaff wohl/ Courage, und sage mir morgen fein bey Zeiten Antwort wieder. Es soll geschehen/ gute Nacht. Gute Nacht. (Gehen ab.) Es wird eine schlaͤfferige Music gehoͤret/ und nach Endigung derselben 23. Aufftritt. Siehe da! steht doch des Herrn Gra- fen seine Schlaf-Stube gar offen. Ich wil ja nicht hoffen/ daß irgend ein Dieb F 7 bey bey Ihm eingebrochen hat/ und Ihn bestehlen wollen. Es koͤnte doch wohl seyn/ weil alles so feste schlaͤfft. Oder hat Er deßwegen die Stuben- Thuͤr mit Fleiß offen gelassen/ daß Er mich etwan hoͤren will/ wie viel ich ruffe. Und wenn ich wissen solte/ daß Ers deswegen gethan haͤtte/ so ruffte ich vor seinem Hause gleich nicht. Denn der Herr Graf ist manchmahl gar zu wunderlich. Neulich so kam Er mir auch auff der Gasse des Nachts nach- gelauffen/ und nahm mir das Horn/ und bließ da- mit durch alle Gassen durch; wie Er aber an das Schloß kam/ und da so ein abscheulich geblase an- fieng/ so kam einer mit einer Karbatzsche zum Schlosse heraus/ und zukarbatzschte da meinen Herrn Grafen braun und blau. Ey wie kam Er hernach so stillschweigend wieder zu mir/ und gab mir mein Hoͤrngen wieder; Ach wie suchte ers hin- ter den Ohren/ und gieng fein saͤuberlich nach Hause. Ich muß aber hier doch wohl ruffen/ da- mit die Leute hoͤren/ welche Zeit es ist/ koͤmmt ie- mand/ und wil mir was thun/ oder das Horn wie- der nehmen/ so habe ich schon Ordre/ wie ich mich verhalten soll. (blaͤset und ruffet:) Hoͤrt/ ihr Herren/ laßt euch sagen: Der Seiger und der hat Zwey geschlagen/ Steht auff/ es wil Tag werden. (blaͤset und gehet ab.) 23. Aufftritt. erwacht/ und rufft seine Leute/ welche aber nicht hoͤren wollen. Holla! he! auff! (reget ( regt sich ) Ihr. Gn was giebts denn? Wasser her/ ich muß die Bursche mun- ter machen/ wenn sie nicht aufstehen wollen. Ihr. Gnaden ich will gleich welches holen. ( haͤnget seinen Rock uͤber die Achseln/ und gehet ab. ) Holla! Herr Capitain Lieutenant! Herr Fendrich! wie ists? wolt ihr nicht auf! he! Hausdieb! wo bleibst du denn mit dem Wasser? ( Inwendig von weiten /) ich brin- ge gleich welches/ Ihr. Gnaden. Wie koͤnnt ihr Leute doch so feste schlaffen? he! Wasser her! 24. Aufftritt. (mit einer Hose Wasser. Da bringe ich Wasser/ Ihr Gnaden. Gib her. (Mummel-Maͤrten giebt dem Grafen die Hose Wasser/ der Graf begiesset sie uͤber und uͤber/ worauff sie ploͤtzlich auff fahren/ und sich alle sitzend possir lich umbsehen. ( spricht ) Ey das war eine Schraube Gelt/ Herr Capitain-Lieut. das war eine erschreckliche Schraube? Ja/ Ihr. Excellenz, das war gar eine nasse Schraube. Warum steht ihr nicht auff/ wenn ich euch ruffe. Ihr. Excell. es ist abeꝛ noch nicht Tag? Ey was frage ich nach dem Tage/ ich stehe stehe auf/ wenn ich will/ es mag Tag o- der Nacht seyn. Soll ich denn den Kasten noch dort holen/ wie mir Ihr Gnaden gestern bey Hofe befohlen haben? So bald es vollends Tag wird/ so gehe hin/ wir wollen indessen her seyn/ und die Nummern machen. Gantz gut/ Ihr Gnaden. Nun allons! fort/ ziehet euch an; wie sitzt ihr da? Soll ich noch mehr Wasser holen lassen? Ach nein/ Ihr. Excellenz, wir wollen uns geschwinde anziehen. (Stehen alle eiligst auff/ ziehen ihre Roͤcke an/ und unter waͤrendem Anziehen wird das Nachtzimmer bedecket.) BALLET von Nachtwaͤchtern. Dritter Dritter Handlung Erster Aufftritt. Der Schau-Platz bleibet eine Stadt/ und wird wieder Tag. Leonore. (mit einem Supplic in der Hand.) Ich muß doch sehen/ ob der Herr Graf auffgestanden ist/ damit ich mit Ihm reden kan/ und wenn Er mich nicht zu seiner Ge- mahlin nimmt/ so will ich schon einen an- dern Weg mit ihm gehen; denn das waͤren keine Kuͤnste/ ein Frauenzimmer kan man leiche zu was bereden/ und haͤtte sich Graf Ehrenfried nicht so hoch vermessen/ daß Er mich heyrathen wolte/ so solte er mich zu sol- chen wolluͤstigen Haͤndeln wohl nicht leicht- lich beredet haben; aber dem sey nun wie ihm sey/ wil Er in Guͤte seinen grausamen Schwuͤren und Prome ssen nicht nachkom̃en/ so wil ich hier dieses Supplic/ welches ich mir gestern einen Advocaten habe machen lassen/ gleich ietzo Ihro Koͤnigl. Maj. per- soͤnlich uͤbergeben/ damit es doch nur kund wird/ wie er mir so erbaͤrmlicher Weise mein Ehren-Schloͤßgen auffgebrochen hat. Will Er mir aber zu meiner Ehre wieder helffen/ so soll es auch die Katze hinter dem Herde nicht einmahl erfahren. Ach! ihr liebes Frauenzimmer/ ich bitte euch umb des Him- G mels mels willen/ trauet doch nimmermehr kei- nem Kerl zu viel/ er mag auch seyn/ wer er will/ sie haben alle den Schelm in Nacken/ und wenn sie auch gleich schwuͤren/ daß ih- nen die Schienebeine knackten/ so ist ihnen doch nichts zu glaͤuben/ denn ich weiß es am besten/ wie es einen hernach gereuet/ denn ich habs aus der Erfahrung mit meinem Grafen/ allein er muß mich heyrathen/ oder ich will meinen Kopff nicht sanfte legen. (Ge- bet ab.) Anderer Aufftritt. Mummel-Maͤrten. (mit einem vier- eckigten Rasten. Je hader der Hencker/ was wird mein Herr Graf noch vor ein rei- cher Herr werden! da habe ich ihm muͤssen einen viereckigten Kasten holen/ denselben wil er zu einem Gluͤcks-Topffe machen/ und alle seine Sachen hinein setzen. Er spricht: weil andere Gluͤcks-Toͤpffer von solcher Pro- fession reich wuͤrden/ warumb solte er es/ als ein Graf/ nicht auch so weit bringen koͤn- nen. Es soll die Person 6. Pfennige geben. Wer nun Lust und Belieben hat/ sein Gluͤ- cke in meines Herrn seiner Schlotterie oder wie er auff Lateinisch den Gluͤckstopff nen- net/ probi ren will/ der kan nur/ wenn die Bu- de eroͤffnet wird/ herbey kommen/ vielleicht hat er das Gluͤcke/ daß er so viel gewinnet/ damit er sich sein Lebetage damit behelffen kan. ( geht ab. ) Drit- Dritter Aufftritt. Leander. Jucundus. Ich wills ja nimmermehr hoffen/ daß der Graf eine Lotterie auffrichten will. So viel mir sein Cammer-Junge auf der Gassen erzehlete/ waͤre es gantz gewiß. Was werden aber fuͤr Raritaͤten hin- ein gesetzet werden? Darum habe ich nun eben nicht gefra- get/ dieses sagte mi r der Junge/ daß die Per- son 6. Pf. geben solte. Ey so werden wohl vortreffliche preti- euse Sachen auffgesetzet werden. Wer weiß denn? Vielleicht steht des Hn. Fendrichs Falconet- Kugel/ und sein grosser langer Stoß-Degen auch mit auff dem Spiele. Ja das war eine grausame Luͤgen von dem Kerl. Ich vermeinte/ sie wuͤrden gestern wie- der kommen/ allein sie blieben aussen/ wie das Roͤhr-Wasser. Vielleicht hat der Herr Hauptmann frische Salpeter-Kugeln gemacht/ die er mit in seines Grafens Gluͤcks-Topff setzen will. Nun wir wollen doch auch hinein gehen/ wenn die Gluͤcks-Bude eroͤffnet wird/ viel- leicht gewinnen wir auch was. Ich wage schon ein paar Dreyer mit dran/ allein wir werden nicht viel gewinnen. Wenn gleich/ ich weiß daß ein hauffen G 2 Volck Volck nur zum Possen hinein gehet/ und sie- het die curieus en Gewinste mit an. Da bin ich gut dafuͤr/ daß Lappereyen genug werden mit auff dem Spiele stehen. Wir wollens doch mit ansehen. Aber wenn soll denn die schoͤne Lotterie eroͤffnet werden? Der Junge sagte/ so bald die Zeddel fer- tig waͤren/ solte es gleich angehen. Ey so haben wir noch Zeit. Wir wollen unterdeßen auff ein Glaͤß- gen Spaniol zu Herr Johansen in Weinkel- ler gehen/ und einen Jungen hin schicken/ der ein wenig recognosci ren soll/ wenn es ange- het. Ich trincke schon ein Glaͤßgen mit/ allein zu dem naͤrrischen Polter-Wirthe komm ich nicht wieder/ denn er schreibet gar zu viel an. So wollen wir an einen andern Ort ge- hen/ es gilt mir alles gleich. Wir wollen stracks hier gegen uͤber ge- hen/ und da koͤnnen wir auch gleich erfahren/ wenn des Herrn Grafens Lotterie wird er- oͤffnet werden. Ich lasse mir alles gefallen. ( gehen ab. ) Vierdter Aufftritt. Cursino. Culin. So ists dein rechter Ernst/ daß du wilst durchgehen? Ich habe die Brieffe von so einen Herrn/ der einen kein Kost-Geld giebt/ man kan ja nicht von der Lufft leben. Cul- Das ist wahr/ und wenn ich bey dem Kuͤ- chen-Jungen bey Hoffe nicht manchmahl von dem verbrandten Schoͤpsen-Braten und verdorbenen Wildprete etwas erbet- telt haͤtte/ ich glaube/ ich waͤre laͤngst verhun- gert. Ey/ es ist ja ausser der Weise/ ist gleich manchmahl ein Heller Geld da/ so nehmens die grossen Diener weg/ und unser einer muß crepi ren. Du hertzer Bruder/ sie kriegen eben auch nicht viel/ gestern hat er nun die 30. Rthl. welche er hat auff den Rock borgen lassen/ in der Gluͤcks-Bude verspielet/ heute ist nun wieder nichts da/ wo zum Hencker will es denn immer herkommen? Drum wird es das beste seyn/ daß man die Lauff-Schuhe anziehet/ und seinen Marsch aus der Stadt nimmt. Je Bruder/ wenn du fort marchi rest/ so gehe ich mit/ alleine wir wollen uns erst vom Grafen unsern Abschied geben lassen. Ey was frag ich nach seinem Abschiede. Wo denckstu aber zu? Ich will wieder nach Italien zu meiner Mutter reisen/ wenn du nun mit wilst/ so mache fort/ denn hier warte ich nicht laͤnger. Wie kommen wir aber fort/ wenn wir kein Geld haben? Je fragstu nicht Dinge/ wo kommen denn die Bettler fort? Ey so werden wir schoͤne Guͤter mit in unser Vaterland bringen. Curs. Das mags thun/ hunger leiden kan ich hier laͤnger nicht. Wie aber/ wenn wir uns in Teutschland nach einen andern Herrn umthaͤten? Du bist wunderlich/ wer wird denn so ein paar nackichte Kerl annehmen/ als wie wir sind/ ja wenn wir noch was auff dem Leibe haͤtten/ so moͤchte es noch seyn/ so aber gehen wir ja/ als wenn wir von dem Galgen ge- fallen waͤren. So mache nur fort/ ich will mit marchi ren/ damit wir mit Ehren aus der Stadt kom- men/ sonst wo es der Graf erfaͤhret/ daß wir durchgehen wollen/ so schickt er uns nach/ und wenn er uns kriegt/ so laͤst er uns alle beyde in den Bock spannen/ und ziehet uns die Mundirung darzu noch aus. Je das geschicht/ darum laß uns nur sehen/ wo der Zimmermann das Loch gelassen hat. So komm nur/ an mir fehlts ja nicht. ( ge- hen ab. ) Es wird musici rt/ und unter waͤhrender Music eroͤffnet sich der Prospect und zeiget Graf Ehrenfrieds Gluͤcks- Bude/ worinnen allerhand Lappereyen und Sachen zu sehen seyn. Der Graf stehet mit Mummel- Maͤrten in der Gluͤcks-Bude/ vor derselben aber stehen alle seine Bedienten/ wie auch andere Leu- te/ und greifft einer nach dem andern hinein/ wor- zu auch endlich Leander, Jucnndus und andere Leute kommen und hinein greiffen/ Mummel-Maͤrten muß die Gewinste anstheilen. Die Sachen/ so da zu sehen/ werden alle heraus gegriffen/ und wird zu iedem Gewinste getrummelt. Einer geht ab/ der an- dere zu/ und nach dem die geltenden Gewinste alle heraus gegriffen seyn/ wird unter waͤbrender Music die Gluͤcks-Bude wieder bedeckt. Fuͤnff- Fuͤnffter Aufftritt. In Jurius [mit verbundenen Kopffe/] Herr Johannes. Da hasts nu! Es hat nichts zu bedeuten/ die Hosen sollen ihn schon dafuͤr auffgebunden werden. Ich war dein Gluͤcke noch/ Momflere. Wie so? Halb todt haͤtte er dich geschmissen/ auff mein Wort. Er soll mir die Schmertzen theuer gnug bezahlen. Je ja/ es ist was zu bezahlen da. Es wird sich schon weisen. Du fingest aber an. Davon ist nun gantz kein Wort zu geden- cken/ wenn die Sache vor dem ordentlichen Richter koͤmmt/ so soll sichs schon geben. Ehrlich Gottlob! du wirst die Schlaͤge wohl behalten muͤssen. Ich will ihn schon solche Intrü schen machen/ daß er Zeit Lebens an mich gedencken soll. Es klagt dich aber kein Mensche/ nu! Was schere ich mich umb die Leute/ ob sie Mitleiden mit mir haben oder nicht/ ich fra- ge nicht eine Hare darnach. O ho/ wenns so ist/ will ich gerne nichts sagen. Bruder? ich bin kein ehrlicher Mann/ wenn ich nicht die gantze Familie mit allen ihren Adhærent en biß in die Grube verfolgen will. Was hilfft dichs aber Momflere? G 4 Injur. Das ich so meine Freude druͤber habe. Momflere, und wenn ich dir rathen soll/ so thu du’s nicht/ auf mein Wort/ ich bin kein ehrlicher Mann/ du wirst wieder geschoren. Darauff laß ichs ankommen/ ich versichre dich/ daß mir leichtlich keiner soll gewachsen seyn. Dencke du an mich wenns nicht geschicht/ denn ich kenne einen Gottlob! Er hat mich auch manchmahl geschoren. Wen meynestu denn? Den dorte/ wegen der falschen Zeugen. Weists nu? Ich kan dich nicht verstehen. Wie du neulich sagtest. Ich weiß mich noch nicht drauf zu besinnen. Momflere weists denn nicht mehr/ wie du neulich sagtest/ du haͤttest einen Bauer 6. Guͤlden gegeben/ daß er haͤtte falsch uͤber ihn schweren muͤssen. Weists nu? Ach dort/ ja/ O der Kerl ist mir viel zu leichte/ denn ich habe ihn schon manche Intrü- sche gemacht. Dencke du an mich/ wenn er dich nicht wieder schiert. Dafuͤr ist mir gar nicht bange. Ich weiß was ich weiß/ und wenn dirs nicht gehen wird/ als sonst iemanden/ so sage daß ich kein ehrlicher Man bin. Ich lasse es darauff ankommen. Was wilstu aber darnach machen/ wenns so geschicht? Injurius. Ey/ laß mich mit solchen Lappereyen un- geschoren. Bruͤdergen/ ein Schelm ders falsch mit dir meynet/ nu! und ich wolte/ daß du fuͤr deine Schlaͤge 1000. Rthlr. schmertze-Geld bekaͤ- mest/ vielleicht huͤlffe michs auch was. Ich lasse deꝛ Sache ihren ordentlichen Lauf/ es wird sich mit der Zeit schon geben. Ja wenn die Zeugen auch gut vor dich aus- gesaget haͤtten? Warumb das nicht/ und wenn deine Kerl die Wahrheit verschwiegen haben/ so muß ich dich ebenfalls abhoͤren lassen. Ein Schelm thut das/ und darzu wuͤrde dichs auch fein viel helffen. Wie so denn? Momflere, du schmist ja aus/ nu! was wilst du denn machen? Ey du must sagen/ jener haͤtte ausge- schlagen. Und ich solte druͤber schweren? Wie anders? Und wenn du mir 10. Ducaten gaͤbest/ ich thaͤte das Ding nicht. Du kanst aber leichte schweren/ es hat ja nichts zu bedeuten. Je behuͤte mich mein Gott dafuͤr! Waͤre es nun nicht eine Sache/ wenn du mir diesen Gefallen erwiesest. Nicht tausend Ducaten wolte ich nehmen/ hohl mich GOtt! nicht 10. tausend. Aber Momflere weistu was/ laß den Bauer wiedeꝛ G 5 ho holen/ der uͤber jenen dorte/ wie du wohl weist/ vorm Jahre falsch geschworen hat/ und gieb ihn noch einmahl 6. fl. er thuts schon. Ja/ was weiß derselbe Mann von dieseꝛ Affaire? Warumb hatte er aber uͤber jenen ge- schworen/ vor 6. fl. und falsch? Nu? Ja ietzo moͤchte es nicht angehen. Merckstu was? du wirst die Schinertzen und die Beulen wohl behalten muͤssen. Ja wenn die Wunden nicht thaͤten. Auch Wunden Gottlob! Wie viel denn? Greiff nur mit der Hand hieher/ so wir- stu sie alle an dem Griffe haben koͤnnen. ( fuͤhlet Injurio auff dem Kopff. ) O ho! sind doch das keine! ( zehlet. ) 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. keine mehr? ne/ 7. Gottlob/ auch wohl 8. Wenn mir nur der Kopff nicht so ge- schwollen waͤre. Schad’t dirs aber was am Gedaͤchtnisse? Es schadet mir wohl nichts/ allein die In- trü schen wollẽ mir doch nicht mehꝛ so beyfal- len/ wie sonst. Hast du deñ auch einem Wund-Zeddel ein- gegeben? Ich habe auff eine iedwede Wunde den Barbier einen Zeddel machen lassen. Auch schon auff dem Rathhause? Wie sonsten? O ho! Straffe Gottlob! duͤrffte doch wol gefallen? Daran wird es nicht gnug seyn/ ich will ihn schon anders scheren. Joh. Momflere, wenn ich dir rathen solte/ so ver- truͤge ich mich mit dem Manne wieder/ und liesse ihn was zum Besten geben. Daraus wird nimmehr nichts/ weil die Welt stehet. Wie du wilst. Ich will ihn noch druͤcken/ daß er sein Tage an mich gedencken soll. Meinethalben/ wenn die Schlaͤgerey nur bey mir nicht waͤre vorgegangen. Was kanst du dafuͤr/ deswegen komm ich doch wohl wieder zu dir. Wenn denn? Ich will nur erstlich zum Balbier gehen/ und mich verbinden lassen/ hernach so will ich gleich auff ein Glaͤßgen zu dir kommen. Top! Ein Wort ein Mann. Ein Schelm der nicht koͤmmt. Was ich sage. Adjeu. ( gehet ab. ) Dein Diener Momflere. (Indem Injurius fortgehet/ sieht Herr Johannes ihn hinten mit einer hoͤnischen Mine nach/ und spricht:) Sieben Wunden/ Gottlob/ auch wohl achte oder 9. ( gehet ab ) Sechster Aufftritt. (hat ein Paͤctgen unterm Arme.) Je da waͤr ich wohl ein rechter Baͤrenheuter/ daß ich einen Augenblick laͤnger bey dem Grafen bliebe. Ich dachte wohl/ daß es so ablauffen wuͤrde/ denn man dencke nur/ was er vor naͤr- risch rische Dinge vornim̃t/ da setzt er so ein Hauffen Sachen auf das Spiel/ und hat mehr Tref- fer als Fehler auf den Nummern/ so muß er ja verspielen. Nun/ er hat ja auch nicht das Geringste mehr in seinen Vermoͤgen/ und ich habe die Briefe von so einen Herrn/ wenn er er nichts hat. Keinen Heller Kost-Geld habe ich/ weil ich bey ihm bin/ von ihm bekommen/ und wenn ich mir durch Stehlen manchmahl nicht ein Accidens gemacht haͤtte/ so wuͤrde ich wohl schmaͤle Bissen bey ihn haben fressen muͤssen. Weil aber die Freude nun ein Ende hat/ und nichts mehr bey dem Herrn Grafen vor mich zu holen ist/ so hab ich incognito von ihn meinen Abschied genommen/ er mag sich nun den Hn. Capitain Lieutenant des Nachts die stinckigten Knochen krauen lassen/ biß er einschlaͤfft/ ich habe Stanck genug bey meiner Naͤchtlichen Auffwartung von ihm verschlu- cken muͤssen. Ich will schon sehen/ wo ich einen andern Herrn kriege/ der mir satt zu fressen giebt/ daß ich mich nicht mehr auff das Pro- movi ren legen darff/ denn sonst/ wenn ich groͤs- ser wuͤrde/ duͤrffte ich eine Gewohnheit drauß machen/ und mit der Zeit gar an den Galgen kommen. ( will abgehen. ). Siebender Aufftritt. Mummel-Maͤrten / Mirax, Narruffsk. Pamph. (Kriegt ihn hinten bey den Ermel.) Halt Vogel/ wo wilstu hinaus? Warum denn/ was gehts denn euch an? Last ihr mich immer gehen. Mirax. Warte nur/ wir muͤssen anders mit dir reden. Was hab ich denn mit euch zu thun/ lasset ihr mich immer ungeschoren. Helfft doch dem Vogel halten/ daß er uns nicht durchgehet. ( Pamph. Narruffsky, greif- fen Mummel-Maͤrten an. ) Halt du/ wir muͤssen besser mit dir reden. Hoͤre Dieb/ was hast du in dem Paͤckgen? Ey was gehts denn euch an? es ist meine schwartze Waͤsche/ ich will sie zu meiner Waͤscherin tragen. Nein nein/ wir muͤssen sehen was du ein- gepackt hast. ( Mirax macht das Paͤctgen auf/ und schuͤttet einen Hauffen alte Hembden und Lumpen auffs Theatrum und spricht: Vogel sind das deine Hembden? Wem werden sie sonst seyn? Je Herr Stallmeister/ da ist mein Ober- hembde mit dabey/ welches mir vor 4. Wo- chen aus dem Coffre ist gestohlen worden. Und dieses sind meine 2. Hembden/ welche mir vorgestern nur wegkommen sind. Und dieses ist meine Nestel-tuchene Krau- se/ welche ich mir vor 2. Tagen bey dem Ita- liener gekaufft habe. Ja/ gleich so/ als wenn ein bunteꝛ Hund nicht dem andern aͤhnlich saͤhe. Was ist denn dieses da. Je was zum Hencker ist denn das vor eine Binde? Je das ist des Herrn Capit. Lieutenant s seine Sontags- Scherpe, die er von dem Hn. Grafen hat verehrt bekommen. Mir. Je du Haußdieb/ kanst du so wacker ein- packen? Habe ichs nicht immer gesagt/ der Vo- gel wuͤrde einmahl nehmen was er kriegte/ und fort marchir en. Ja/ das hab ich laͤngst immer gedacht. Ist es doch auch eingetroffen/ ie du Hauß- dieb du. Ihr duͤrfft mir nur meine Sachen zufrie- den lassen/ sonst seyd ihr aͤrgere Diebe als ich. Kanstu denn sagen/ daß die 2. Hembden auf deinen Miste gewachsen seyn? Und meinestu denn dieses Ober-Hembde sey deine? Du must wohl dein Lebtage viel Nestel- tuchene Halß-Krausen getragen haben. Achter Aufftritt. Fortunatus, und die Vorigen. Habt ihr den Vogel angetroffen? Ja/ mein Herr Capitain-Lieutenant, wir ha- ben ihn noch ergattert. Was zum Hencker seyn das fuͤr Sa- chen da? Das ist unsere gute Waͤsche/ die hat der Vogel alle mit eingepackt. Was ist denn dieses hier? Keñt denn der Herr Capitain-Lieutenant das Ding nicht? Je das ist ja meine Sontags-Scherpe/ welche mir der Herr Graf geschencket hat. Ey! ey! bistu nicht ein Vogel? Mum. M. Last euchs lieb seyn/ Herr Capitain- Leutenant / daß ihr sie hier antrefft/ ich habe es zu euern besten gethan/ daß ich sie so lange bey mir auffgehoben habe. Ey du bist der rechte Auffheber du. Warum nicht/ denn wenn ihr sie bey der Hand gehabt/ ihr haͤttet sie doch nur ver- setzt/ oder um ein liederlich Geld im Wirths- Hause veꝛkaufft/ so aber habe ich sie euch nur aussgehoben. Heist denn das auffgehoben/ wenn man eines andern seine Sachen heimlicher Wei- se wegnimmt. Zum wenigsten wird es auch kein Diebstuͤck seyn. Was waͤr es denn sonsten? Je wenn ihrs so nehmen wolt/ so seyd ihr eben auch ein Dieb. Je du Vogel du/ halts Maul. Als wenn es irgend nicht wahr waͤre mit dem Petschaffte? Was denn vor ein Petschafft? Ey ja doch? habt ihr nicht neulich des Grafens sein Petschafft in den Wirths- Hause einen Paruqven-Macher vor 4. Gr. verkaufft? Was sagstu? Was sagst du? als wenn es irgend nicht wahr waͤre/ der Mann hat mirs selbst gesagt/ er wird mirs nicht aus den Fingern saugen/ ihr habts ihn erstlich vor einen Thl. gebothen. Hat denn der Graf davon ein Wort gewust. Fortunatus. Das ist mi t des Herrn Grafens sei- nen Consens geschehen/ und darum hastu dich nichts zu bekuͤmmern. Wo will denn der Herr Graf was davon gewust haben/ denn wie er euch ge- stern/ da der Befehl wegen des Hasens- Schiessens solte gesiegelt werden/ fragte/ wo sein Petschafft waͤre/ so sagtet ihr heimlich zu ihme/ es stuͤnde mit versetzt/ allein ich wuste es besser. Wenn ich euch da nun auch haͤtte be- schaͤmen wollen/ was wuͤrden denn die Leute gedacht haben? Je du Bestie du halts Maul. Fort ihr Kammer-Dieners/ zieht dem Vogel die Li- vray aus/ mein gnaͤdiger Herr will es haben/ und last den Dieb hernach an Galgen lauf- fen. ( geht ab. ) Fort/ raus mit der Jacke/ der Grafe wills haben. (ziehen ihn aus.) Da nehmt die alte Huͤlle immer hin/ wenn ich sie nicht behalten soll/ sie ist ohne dem nicht 6. Pf. werth. Genug/ daß es der Graf so befohlen hat. Da habt ihr sie/ tragt sie euern Gra- fen hin/ und sprecht/ er soll sie in seine Gluͤcks- Bude hengen/ vielleicht gewinnt eꝛ damit sei- ne Sachen wieder. Mit solchen Reden kanstu Vogel nur stil- le schweigen/ oder wir weꝛden dir zu guter letzt noch einen Buckel voll Schlaͤge mit auf den Weg geben. Mum. Thuts/ wenn ihrs nicht lassen koͤnnt. Wir haͤtten keine Ehre davon. Wenn du aber ein rechtschaffener Kerl waͤrst/ wie wir/ so soltest du schon laͤngst ein paar Ohrfeigen weg haben/ so aber bistu nur ein Junge. Wenn ich gleich ein Junge bin/ so hab ich doch von dem Grafen nicht so viel Ohr- feigen gekriegt/ als ihr. Geht nur fort ihr Herrn/ nehmt euere Sachen und vermenget euch nuꝛ nicht weiteꝛ mit ihn/ es hat keiner keine Ehre davon. (Nehmen ein ieder seine Waͤsche/ und gehen davon.) Nehmt die lausigten Lumpen immer hin/ wenn ihr mir sie nicht lassen wolt/ ich will doch wohl sehen/ wo ich andere kriege. Das mahl so einen Grafen gedienet und nimmer- mehr wieder. Ich will zehnmahl lieber bey Ho- fe einen Pagen aufwarten/ als so einen Herrn/ da habe ich doch fatt zu fressen/ und darf mir den Hunger nicht durch Stehlen vertreiben. Daß des Grafens beyde Laͤuffer ihren Abschied auch hinter der Thuͤre genommen haben/ hat sie nichts anders als der liebe Hunger darzu gebracht/ und wenn er sie antraͤffe/ er liesse ih- nen die Livray eben auch ausziehen; Aber es mag immer seyn/ was frage ich nach den alten schaͤbichten Rocke/ bin ich doch mit allen Pa- gen- Jungen bekañt/ und der eine ist auch mein Vetter/ zu dem will ich hingehen/ und ihm mein Ungluͤck klagen/ vielleicht hilfft er mir/ daß ich auch ein Pagen- Junge werde/ wenn ich mich gleich von dem Pferde auff den Esel setzen muͤ- ste. ( gehet ab. ). H Neundte Neundter Aufftritt. Courage, Grethgen. Habe ich dirs nicht gesagt/ Courage, daß ein gut Wort manchmahl mehr hilfft/ als sonsten was. Das ist wahr/ Grethgen/ ich gab mei- nẽ Herrn deinetwegen vortreffl. gute Wor- te/ und es haͤtte mich laͤsterlich verdꝛiessen sol- len/ wenn er mir den Consens abgeschlagen haͤtte. Gelt! es ist so besseꝛ/ als wenn du zu den Advocat en waͤrest gegangen? Ach/ du hertzes Kind/ ich waͤre ohndem nicht zu ihm gegangen; denn es hat mir heute fruͤhe eine Frau erzehlet/ daß derselbe Fleck-Schꝛeiber gantz nichts studieret haͤtte/ denn die Caͤußgen die er bißweilen macht/ heist er nur lauter Intrü schen/ und mit sol- chen Intrü schen fuͤhret er so manche ehrliche Leute in die Processe hinein/ daß sie hernach- mahls Ach und Weh uͤber ihn schreien. Ey ich weiß gar wol/ ich wolte dirs im- mer gestern sagen/ daß du zu demselben Manne nicht gehen soltest/ denn es ist ein rechter Ehren-Kraͤncker. Je warum thut er aber das? Je weiß mans denn? Neulich so hat e r ein paar Partheyen in einander gehetzt/ und in seinen Concipirt en Klag-Schreiben solche Anzuͤgligkeiten gebraucht/ daß ich dirs nicht sagen kan. Mich wundert aber/ daß so einen Calu- mniant en das Handwerck nicht gelegt wird. Grete Ey! es hat immer drauf gestanden/ daß ihm die spitzige Feder hat sollen verschnitten werden/ und stehet auch noch drauff. So ein Mensch/ der eines andern seine Ehre abschneiden will/ und ist selbst hinten und forne mit Peche besudelt/ der ist nicht werth/ daß ihn der Erdboden traͤgt. Er wuͤrde dir ein schoͤnes Supplic gemacht haben. Ich dancke meinen GOtt/ daß ich den- selben Fleckschreiber nicht habe von noͤthen gehabt/ denn wenn mir der Kerl meinen Herrn mit unbescheidenen Worten ange- griffen haͤtte/ und ich haͤtte hernach das Ding dem Koͤnige uͤbergeben/ ich wuͤste nicht/ was ich ihm gethan haͤtte. Ach! es sind ihm wegen seiner anzuͤgli- chen Injuri en halber in diesem Jahre wol uͤ- ber 20. Rthlr. Straffe zuerkandt worden. Ey du magst mir der rechte Advocate seyn. In einer benachbarten Stadt nicht weit von hieꝛ/ so hat eꝛ sich schon in 2. Jahren nicht sehen lassen duͤrffen/ wenn er sich da blicken laͤst/ so nimmt ihn deꝛ Rath daselbst gleich in Arrest. Was hat er denn da gethan? Nach seiner gewoͤhnlichen Art/ soll er auch nichts als lauter Schmaͤh-Worte in einer daselbst eingegebenen Klage-Schrifft gebraucht haben/ weswegen ihm 10. Rthlr. Straffe zuerkant worden/ und dieselben hat er noch nicht abgetragen. H 2 Courage. Mich wundert/ daß von der hohen O- brigkeit so einen Practiqv enmacher seiner un- verantwortl. anzuͤglichkeiten halber/ nicht mit ernstlicher Straffe auf die unnuͤtzen Schelm-Finger geklopt wird. Es wundert mich selbst/ daß ihnen so viel nachgesehen wird/ und wenn mein Hꝛ. Graf so einen Advocat en in seinen Lande haͤtte/ und er griffe ehrliche Leute in Schrifften so an/ wie dieser Fleck-Schreiber/ so will ich nicht ehrlich seyn/ wenn er ihn nicht alle Ta- ge dreymal in den Bock spannete/ und kar- batzschte ihn so lange/ biß er spraͤche: er wol- te es unterwegens lassen. So ein Kerl waͤr auch nichts bessers werth. Wer hat dir aber diesen Fleck-Schrei- ber zugewiesen? Hoͤre nur/ Fraͤul Lorgen/ die mit dei- nen Herrn hat zu thun gehabt/ die begegne- te mir gestern auf der Gassen/ und fragte nach den H. Grafen; wie ich ihr nun zur Ant- wort gab/ daß eꝛ wohl moͤchte bey Hofe seyn/ und sie ihn gerne sprechen wolte/ so erzehlte sie mir/ wie daß sie bey einen Advocat en ge- wesen waͤre/ und sich lassen ein Supplic ma- chen/ dasselbe moͤchte sie/ wenn der Herr Graf nicht wolte/ wie sie/ dem Koͤnige geben/ und ihn verklagen. Ach potz tausend/ sie ist heute bey mei- nen Herrn flugs gantz fruͤhe gewesen/ was sie aber vor Bescheid bey ihn bekommen/ das kan ich dir nicht sagen. Courage. Und derselben erzehlte ich auch/ wie ich und du ein paar werden wolten/ und daß mein Herr darein nicht consenti ren wolte/ so recommendir te sie mich an diesen so ge- nannten Fleck-Schreiber/ und erzehlte mir erschreckliche Schwaͤncke von ihm/ die sie von Herr Johannsen seiner Frau im Weinkel- ler erfahren haͤtte. Wo hat die Wirthin aber drum gewust? Derselbe Fleckschreiber liegt alle Abende da/ und saͤusst/ daß er nicht mehr stehen kan/ hernach klettert er an den Waͤnden nach Hause/ wie ich denn selbst gestern mit Au- gen gesehen habe. Warestu denn auch in dem Weinkeller? Nein/ ich liesse ihn nur heraus ruffen/ und wie er kam/ so kunte er auf keinen Beine stehen/ viel weniger daß er ein klug Wort mi r mir haͤtte reden sollen. Ey das sind miꝛ die rechten Advoca ten/ die aus Tag Nacht/ und aus Nacht Tag machẽ. Aber hoͤre doch Gretgen/ weil ich nun meines Herrn seinen Consens habe/ und du deines Grafen seinen/ wie wollen wir denn unsere Sachen nun anstellen? Ich weiß mein Treu nicht/ wie wir es anstellen werden. Rede doch mit dem Grafen wegen des Hochzeit-Geschencks/ wie daß wiꝛ beyde nun richtig waͤren. Ach! du hertzes Kind/ darvon darf ich ihn itzo kein Wort gedencken. H 3 Courage. Warumb aber nicht? Fragstu warumb? als wenn du es et- wa nicht wuͤstest/ daß er sich eine Gluͤcks- Bude zugelegt/ und darinnen alle seine Mo- bilien verspielet hat. Je warumb nimmt er solche naͤrrische Dinge vor/ und bringt sich muthwillig umb das Seinige. Ich kan es wohl sagen/ daß er Zeit seiner Tage noch nicht so melancholi sch gewesen ist/ als ietzo/ zumahl/ da ihm seine beyden Laͤuf- fer uud der Cammer-Junge/ sein Haußdieb/ mir der Livrey durchgegangen seyn. Von den Laͤuffern habe ich nichts ge- hoͤrt/ aber von dem Jungen das weiß ich/ ich dachte aber/ den haͤtten sie wieder ertappt/ und die Livrey ausgezogen? Ja/ von dem hat der Herr Graf die Liv- rey auch wieder bekommen/ aber von den an- dern nicht. Wo ist denn dein Herr? Er sitzt drinnen in seinem Zimmer/ und hat sich gantz geistlich angezogen/ und ließt stets in einem großen Buche/ ich horchte vor- hin ein bißgen zu/ da hoͤrte ich/ daß er sagte/ Er wolte das Hof-Leben gantz cassi ren/ und ein Apt werden. Was machten aber seine Leute? Dieselben stunden alle in langen Maͤn- teln umb ihn herumb/ und hatten ein iedwe- der ein Buch unter dem Arme. Ich dencke/ weil er alles in seinem Gluͤcks-Topffe zugesetzt hat/ so wil er gar ein Pietiste werden. Grete. Je Zeit waͤre es/ wenn er einmahl sein Leben aͤndern wolte. Ach laß dir nur nicht Leid dafuͤr seyn/ er wird das Ding nicht lange treiben. Alleine/ wie machen wir es mit nnserer Hochzeit? Hoͤre Gretgen/ suche du nur deinen Braut-Schmuck immer zu rechte/ ich wil mein Braͤutigams-Kleid auch auskehren/ und wil mit Fraͤulein Lorgen reden/ wenn die es so weit bringt/ daß der Graf sie hey- rathen muß/ so koͤnnen wir hernach flugs mit unterlauffen. Es ist gantz gut/ Courage, allein/ wenn nun nichts drauß wird? Je wird nichts drauß/ so wird nichts drauß/ so machen wir vor uns Hochzeit/ und streichen das Hochzeit-Geschencke hernach vor uns alleine ein. Je nun/ wie du wilst/ es soll an mir nicht fehlen/ ich wil gleich gehen/ und meinen Braut-Schmuck anlegen/ damit ich im Fall der Noth flugs fix und fertig bin. Das thu du/ ich will dergleichen thun/ und wenn ich von Fraͤulein Lorgen erfahren kan/ wie es mit ihrem Beylager stehet/ so wil ich dir gleich Antwort wissen lassen. Nun so mache nur fein bald/ damit wir einmahl zusammen kom̃en. ( gehen ab. ) [Der Prospect eroͤffnet sich.] Zehender Aufftritt. H 4 Graf Graf Ehrenfried/ (in einem schwartzen Habite/ kleinem Uberschlag/ kurtzen Maͤntelgen und schwar- tzen Sammet-Muͤtzgen/ mit einem schmalen Huͤt- gen/ ingleichen Feuerfax/ Fortunatus, Friedenschild/ Mirax, Narruffsky, Pamphilius, Marode, Sylvester, Da- mastor und Kilian/ (alle in langen schwar- tzen Maͤnteln/ und ein iedweder ein Buch unterm Arme.) A de/ du Wollust-Welt/ mit allen deinen Schaͤtzen/ Mein Wandel soll hinfort ein from̃es Leben seyn. Ade/ du Koͤnigs-Hoff/ du vormahls mein Ergoͤtzen/ Ich werde hinfort nicht mehr bey dir sprechen ein. Das Schicksal hat mich nun gefuͤhrt in einen Orden/ Wo nichts als Froͤmmigkeit und heilges Wesen ist/ Dem Himmel sey gedanckt/ daß ich bin Apt geworden/ Dieweil mein Hertze nun das Zeitliche vergißt. Ihre Hochwuͤrden/ was werden aber Ihro Majestaͤt von der ploͤtzlichen Veraͤnde- rung dencken? Sagt mir doch nur/ mein Herr Capitain-Lieutenant, wie ichs auff der Welt besser haben koͤnte/ als so? Ich habe ja mein schoͤnes Auskommen von so vielen Kloͤster- Intraden, das ich bey Hofe nicht habe. Das ist wahr/ Ihre Hoch-Ehrwuͤr- den/ Sie haben vortreffliche Intraden, allein ihre Graffschafft traͤgt Sie doch auch was rechtes ein. Diesen ungeachtet/ so bin ich des Hof- Lebens so uͤberdruͤßig/ als wenn ichs mit Loͤffeln gefressen haͤtte. Wie Ihro Hochwuͤrden belieben/ wenn wenn Sie uns nur auch mit der Zeit zu gu- ten Chargen helffen koͤnnen. Darauff habt ihr euch zu verlassen/ es soll kein halbes Jahr ins Land gehen/ so solt ihr alle mit einander Patres seyn. Wir bedancken uns/ Ihro Hochwuͤrden/ vor die allzugrosse Sorgfalt fuͤr Dero ge- treue Diener. (besinnt sich) Ein Apt seyn und das Hofe-Leben cassi ren? Nein/ der Koͤ- nig moͤchte auch dencken/ ich waͤre gar ein Baͤrenhaͤuter und haͤtte kein Hertz im Leibe/ fort/ laßt uns den Habit wieder ablegen/ (schreyet) puff! Puff! puff! ( gehen ab. ) Eilffter Aufftritt. Je daß doch solchen Practiqven-machern flugs die Haͤlse gebrochen waͤren mit ihren verma- ledeyten Intrü schen. Man dencke nur/ da ließ ich mir gestern bey dem so genanndten Fleck-Schreiber ein Supplic machen wegen meines Grafens/ und sagte ihm doch alles vor/ wie ers machen solte/ so hat der Mann Zeug hinein gesetzt/ und den Grafen so her unter gemacht/ daß es die Schweine nicht einmahl gefressen haͤtten. Und wenn der Koͤnig nicht so allergnaͤdigst gewesen waͤre/ und Mitleiden mit meinem Z ustande ge- habt/ ich wuͤrde fein viel damit ausgerichtet haben/ so aber hat er mir versprochen/ der Graf solte und muͤste mich heyrathen/ Er H 5 wolte wolte gleich zu ihm schicken/ und ihm bey sei- ner hoͤchsten Ungnade ansagen lassen/ wo- fern Ers nicht thun wolte/ solte ihm von Stund an der Hoff verbothen seyn. Ich dencke/ Graf Ehrenfriedgen wird sich auch solches nicht weigern/ bin ich ihm zuvor gut genug gewesen/ so kan Er ietzo auch mit mir zu frieden seyn/ und mich zu seiner Frau Ge- mahlin machen. Ihro Majestaͤt haben mir auch auff das Beylager 4000. Rthlr. Hoch- zeit-Geschencke zugesagt/ und wenn der Graf das hoͤren wird/ daß ich so viel Geld bekommen werde/ so wird Er sich wohl nicht lange sperren. Drumb wil ich geschwinde/ geschwinde gehen/ vielleicht kan heute noch gar Hochzeit werden. Zwoͤlffter Aufftritt. Clare, Fortunatus. Ich muß meinen Hauß-Zinß haben/ oder das Ding muß anders werden. Je seyd ihr nicht eine wunderliche Fran/ ie tragt doch deßwegen keine Sorge/ mein gnadiger Herr bezahlt euch alles/ und wenns 1000. Rthlr. waͤren. Das heist immer so/ er haͤtte mich laͤngst bezahlen koͤnnen. Das soll auch geschehen. Wenn er das Geld genommen das er manchmahl liederlich verspielt/ und in den Gluͤcks-Topff gesetzt/ eꝛ haͤtte mich 100. mal bezahlen koͤnnen. Es ist wohl wahr/ allein ein grosser Herr muß ja woran seine Luft haben. Er muß aber auch darbey seinen Respect in acht nehmen/ und sich umb so eines bagatels willen/ nicht so vielmahl mahnen lassen. Fort. Je meine Frau! grosse Herren/ wie mein Herr Graf ist/ die machens bißweilen nicht anders. Es ist aber nicht gut/ und wenn ich ja ein grosser Herr seyn wolte/ als wie der Herr Graf auch wuͤrck- lich einer ist/ so schaffte ich mir auch ein eigen Hauß/ und liesse mir wegen des Hauß-Zinses/ keine solche Verdrießligkeit machen. Was brauchts aber mein gnaͤdiger Herr/ daß er sich hier in dieser Stadt ein Hauß kauffte/ ja wenn er continuè hier wohnte/ er hat in seiner Grafschafft wohl 10. Haͤuser. Ey das glaͤube ich gar wohl/ ich bin eine arme Frau gegen dem Herrn Grafen/ und wenn ich mir an ei- nen frembden Orte eine Stube miethete/ und solte mich die Hauß-Wirthin um den Hauß-Zinß mahnen lassen/ ich daͤchte es waͤre mir eine grosse Schande. Ja/ ich kan mir nicht helffen/ es ist kein Geld da. So hoͤre ich mein Wunder/ ich soll noch laͤnger war- ten? Ach nein/ der Herr Capitain-Leutenant kans nur den Herrn Grafen hinterbringen/ wofern ich heut oder morgen wegen des Hauß-Zinses nicht con- tenti ret wuͤrde/ so wolte ich seine Stube zuschliessen/ und wolte weder ihn/ noch iemand von seinen Leuten wieder in mein Hauß lassen. (gehet ab.) Das waͤr auch was schoͤnes/ und mein Herr Graf duͤrffte wohl wider seinen Willen Hochzeit machen muͤssen/ wo wolte er deñ hernach seine Braut hinfuͤhren/ bey Hofe wuͤrde sichs auch nicht wol schi- cken/ weil alle Gemaͤcher schon besetzt seyn. Dreyzehnder Aufftritt. (koͤmmt geschwind gelauffen.) Herr Capitain-Lieut. er soll geschwind zum Herrn Grafen kommen/ die Stuͤcke sollen geloͤset werden/ daß darzu Anstalt gemacht wird. Liegt denn alles an mir/ die Commission koͤnte ja wohl der Hꝛ. Hauptman oder Fendrich uͤber sich nehmen. Der Herr Graf trug es ihnen allen beyden auf/ al- lein lein Sie entschuldigten sich und sagten: Sie wuͤsten keinen Bescheid um die Ladung/ haͤtten auch ihr leb- tage keines loßbrennen sehen. Vierzehnder Aufftritt. Damastor, und die Vorigen. Wo bleibst du denn so lange/ hastu es denñ dem Hn. Capit. Lieut. noch nicht gesagt wegen der Stuͤcken? Ja/ ich weiß es schon. Ey er soll geschwinde geschwinde kommen/ seine neue Braut ist angekommen. Wenn dieses ist/ so muß ich doch wohl gehen. Funffzehnder Aufftritt. Kilian, Damastor. Je Bruder/ werden wir auf der Hochziit nicht fressen? Narre/ heiß es doch keine Hochzeit/ bey vornehmen Leuten nennt man es ein Beylager. Ey es mag heissen wie es will/ wenn ich mich nur ein- mahl recht satt sresse . Ey ich wills auch nicht schonen. Komm laß uns gehen/ damit wir nichts bey der Auf- wartung versaͤumen. Es ist wahr/ sonst kriegen wir bey der Braut keine Hochzeit-Krausen. (gehen ab.) Sechzehnder Aufftritt. Courag. Grete /(beyde in ihren Hochzeitkleidern.) Nun es ist auch eine Liebe unter den beyden Leu- ten/ ich kan dirs nicht sagen. Wer haͤtte das Ding dencken sollen/ daß so ge- schwinde was aus dem Beylager werden solte? Ja/ mein Schatz/ das macht der Koͤnig/ und ehe der Graf sich den Koͤnig haͤtte zum Feinde gemacht/ er haͤtte eher nocheine dazu genom̃en/ die 6. mahl haͤtte tauffen lassen. Wenn soll denn das Beylgger angehen? Morgen gleich/ und ietzo wird die Zusage geschehu. Courag. Ey so muͤssen wir das Ding auch nicht versaͤumen/ daß wir uns dabey mit einstellen/ sonst duͤrfften wir hernach vergessen werden. Freylich haben wir hohe Zeit. So kom̃ mein liebsteꝛ Schatz/ du suͤsser Zuckerstengel/ Du liebes Gretgen du/ komm laß uns eiligst gehn. Ich folge dir mein Kind/ Cour. du bleibest doch mein Engel/ (geschehn. So kuͤsse mich einmal/ Cour. es soll geschwind ( kuͤssetsie/ gehen ab ) Siebzehnder Aufftritt. Graf Ehrenfr. Leon. beyde in seltsamẽ Hochzeit Schmucke. Fortunatus, als ein Hochzeitbitter/ Feuerfax/ Friedenschild / Mirax, Narruffsky, Pamphilius, Damastor, Kilian, Marod. Sylvest. in neuen Halßkrausen mit rothen Schleiffen/ etl. Hochzeitbitteꝛ u. Schalmeypeiffeꝛ gehn voran. Weil es der Himmel also beschlossen/ und der Koͤnig will es so haben/ so mags drum seyn/ sie sollen meine Gemahlin werden/ hier ist meine Hand. Und hier ist meine Hand/ daß ich den Herrn Grafen allezeit mit gebuͤhrender Liebe und Treue biß in das Grab werde verbunden seyn. Allons, Herr Capit. Lieut, respective Herr Hoch- zeitbitter/ lasset die Stuͤcken loß brennen. Ihr. Execllenz, es ist keines geladen. Ich hab es ja befohlen/ daß Salve soll gegeben werdẽ. Ihr. Excell. es ist kein Pulver da gewesen. Warum habt ihr keins holen lassen? Ja/ Ihr. Excell. ich hab kein Geld gehabt. Allons: der Hertzog von Toͤlle! puff! schreyet Puff! puff! Achzehnder Aufftritt. Courage, Greth. und die Vorigen. (Schiesset einen Puffer loß.) Das Puff klinget ein bißgen besser. Wer hat dir dieses besohlen? Courag Herr Graf/ das war ein Freuden-Schuß. Wo hastu das Gewehr bekommen? Mein Herr hats neulich in der Gluͤcks-Bude ge- wonnen/ und mir verehrt. Du haͤttest aber erst sollen um Perdon bitten. Ja Herr Graf/ das hab ich nicht gewust/ ich dach- te/ weil es an ein Puff! puff! gehet/ so must du auch mit loßpuffen. Gnaͤd. Herr/ sie halten es ihn immer zu gute/ denn es ist mein Schatz. Nun/ weil es so ist/ so mag es seyn/ und weil du mir so lange Zeit ehrlich und treu gedienet hast/ so solt ihr morgen auf meinen Beylager mit unterlauffen/ da- mit es euch nicht viel Unkosten verursacht. Ich bedancke mich/ gnaͤd. Herr/ vor die grosse Gnade. Auch grossen Danck/ Hꝛ. Graf/ vor das gute Anerbietẽ Herr Hochzeitbitter? Ihr. Excellenz. Ihr moͤget heut noch nach Hofe gehen/ und den Koͤnig mit seiner gantzen Hofstadt auf mein Beylager bittẽ. Ihr. Eccellenz und Hochgraͤfl. Gu. es soll geschehen. Und meinet wegen bittet Ihn auch/ vielleicht krieg ichauch ein Hochzeit-Geschencke. Ey das war eine erschroͤckliche Schranbe. Du kanst wohl selber bitten/ wen du haben w ills t/ und darzu werden Ihr. Majest. wohl sein viel von deiner Person wissen. Ey wer weiß denn/ vielleicht bin ich be i Hofe so gut bekandt/ als ihr auf dem Troͤdel und Brandte- wein-Hause/ wo ihr den Herrn Grafen neulich sein Petschafft vor 4. Groschen verkaufft habt. Stille itzund von solchen Discoursen, und last uns auf den morgenden Tag bedacht seyn. Ich wolte daß es schon morgen waͤre/ und auch schon wieder Abend/ und ich laͤge auch schon im Bette und schlieffe/ und haͤtte meinen Schatz in Arme/ und wuͤste auch schon wie es ‒ ‒ (umbfasset Courag en.) Nu nu/ du wirsts ja nicht versaͤumen. Neun- Neunzehnder Aufftritt. Herr Johannes zu den Vorigen. Top! es lebe! Sieh da/ Bruder Poltermatz/ wo koͤmst du her? Ein Schelm heist mich so/ Ihr. Gnaden. Nu Narr/ du wirst nicht boͤse werden. In deinen Nahmen ja. Ey du bist ein brav Mann. Ehrlich Gottlob! das bin ich auch. Du bist mein lieber Bruder/ ein Schelm muͤste dich tadeln. Das war ein Wort. Was bringstu denn guts/ Bruͤder? Ihr. Gn. ein klein Restgen. (langet einen Auszug aus den Schubsacke.) Wie viel ist es denn? Sechzehn/ Gottlob. (giebt ihn den Zeddel.) Sechzehn Kan n en? Ja Ihr. Gnaden/ nicht mehr als Sechzehn. Hoͤre Bruder/ ich werde morgen Beylager haben/ nnd darzu muß ich ohndem noch mehr Wein bey dir holen lassen/ nimm den Zeddel nur so lange wieder zu dir/ u nd brings hernach in eine Summa. W as du sagst? Auf mein Wort/ dieses hier soll meine Gemahlin wer den. Ei ne! Es ist nicht anders; wie gefaͤlt dir denn meine Braut. Ein wacker Mensch/ schoͤne/ wohl gewachsen/ und auch fein q vappelich/ Gottlob. Du wirst ja auch zu mir zur Hochzeit kommen? Top! Mache nur/ daß es bald wird/ ich will schon kommen. Aber guten Wein must du mir zukommen lassen. Momflere, ich will dir einen Wein lassen/ desgle- chen du dein Lebtag nicht getruncken hast. Das waͤre ja brav. Joh. Und wenns nicht wahr ist/ so bin ich ein Schelm. Das bist du auch. In deinen Nahmen ja! Nein Bruder/ in deinen Nahmen. Ja/ du schterst mich wohl. Nein/ Bruder/ es ist so boͤse nicht gemeynet/ du bist ein brav Mann. Was bin ich/ he! Ein brav Mann bist du. Das war ein Wort. Kommt lasset uns fein bald zum Hochzeit-Schmau- se schicken. Denn mor gen ist d er Tag/ da neues Gluͤcke lacht. Je Gretg en, wie will ich dich an mein Hertze druͤckẽ/ Ein Schel m, der es auch nicht fein appetit lich macht Mein allerliebst er Graf, wie halten wirs de nn morgen ? An welchem Oꝛt soll denn das Hochzeit- Fest geschehn? Dafuͤr laß ich allhier die Ho chzeit-Bi tter sorgen/ Dieselben werden schon auf das Logis mit sehn. Momfler, komm du zu mir/ und s chlaf b ey meiner Dicke/ Laß deine Braut mit mir in deinen Namen gehn. Nein/ Bruder Poltermatz/ ich dancke fuͤr das Gluͤcke . Ein Schelm/ der heist mich so . Du wirst ja Schertz verstehn. In deinen Nahmen Ja/ Du bist mein lieber Bruder/ Ich halte viel auf dich/ ich will nicht ehr lich sein. Momfler und leb ich gleich bißweilen mit in Lu der, Hab’ ich doch bey der Stadt Gottlob den besten Wein. Auf! Hochzeitbitter auf! schickt euch zum Grand-Balletre, Und exercir et noch einmahl den neuen Tantz; Hernach/ mein werther Graf/ so gehen wir zu Bet te Greth Und morgen setz ich auf/ den schoͤnsten Blume n- Krantz. Ballet von des Grafens Hochzeitbittern.