Praktische Anweisung zum Teichbau Fuͤr Foͤrster, Oekonomen und solche Personen, die sich weniger mit der Mathematik abgeben. Von Johann Friedrich Riemann . Mit 4 Kupfertafeln . Leipzig , bei Gerhard Fleischer dem Juͤngern. 1798 . Vorrede . E s fehlt zwar keinesweges an Schriften, in denen bereits der Teichbau weitlaͤuftig bearbei- tet ist; allein in den meisten derselben hat man sich hautpsaͤchlich auf die Theorie einge- schraͤnkt, das wirkliche Praktische dagegen mehr aus den Augen gelassen. Solche Werke ha- ben allerdings ihren Werth, aber die Anzahl der Leser, die sie anschaffen, verstehn, und brauchen, ist in der That nur klein, da sie theils zu kostbar, theils zu schwer, theils zu wenig praktisch sind. Wie haͤufig indessen Teiche von Personen angelegt werden, die sich weder mit jenen tiefen Theorien abgeben, noch vom Praktischen selbst etwas verstehen, z. E. von Foͤrstern, Oekonomen, u. s. w. — ist nur zu bekannt. Fuͤr diese ist daher die gegenwaͤr- tige Schrift bestimmt, in der sowohl auf das Noͤthigste aus der Theorie, als auch besonders auf Vorrede . auf das Praktische, Ruͤcksicht genommen ist. Gruͤndlichkeit und Deutlichkeit sind in dersel- ben durchgehends beabsichtigt, und zu dem Ende ist hie und da manches aus der Natur- lehre ꝛc. eingeflossen, das fuͤr geuͤbtere Leser freilich wegbleiben konnte. In wie weit die Arbeit gelungen ist, uͤber- lasse ich dem Urtheil des unpartheiischen Pu- blikums, dem hier der Gesichtspunct gezeigt wird, aus dem die Schrift beurtheilt wer- den muß. Weit entfernt zu glauben, daß das Buch ganz vollkommen seyn werde — denn kein Sterblicher lieferte je etwas ganz Voll- kommenes — werden mir angezeigte Verbes- serungen, oder Abaͤnderungen sachkundiger angesehener Maͤnner, jederzeit sehr angenehm seyn, vorausgesetzt, daß man nicht von der Hoͤflichkeit abweicht und sichs zum Zweck macht, Personalitaͤten und Grobheiten mit gelehrten Sachen zu verwechseln. Der Verfasser . Praktische Anweisung zum Teichbau . Teichb. A Erste Abtheilung . Vorerinnerungen und allgemeine Betrachtungen uͤber Teiche, die dazu gehoͤrigen Anlagen, und mancherlei zu erwaͤgende Umstaͤnde. §. 1. D as Wort Teich bedeutet einen Wasserbe- haͤlter . Gewoͤhnlich setzt man bei diesem Worte mehr eine ansehnliche, als geringe, Groͤße des Was- serbehaͤlters voraus. Wie viel Flaͤchen- oder Kubic- Inhalt indessen ein Teich haben muͤsse, um eigentlich diesen Nahmen zu fuͤhren, ist bis itzt noch nicht ausgemacht; doch muß er wol zum wenigsten einem halben thuͤringischen Waldmorgen, oder 80 Qua- drat-Ruthen, an Flaͤchen-Inhalte gleich kommen, sonst wuͤrde man ihn, wegen seiner geringen Groͤße, spottweise eher einen Sumpf oder Pfuͤtze , als Teich nennen. An mehrern Orten sind die so ge- nannten Pferdeschwemmen von der Art, daß sie unter diese Pfuͤtzen gehoͤren. A 2 Klei- Kleinere Wasserbehaͤlter, vorzuͤglich zum Be- hufe der Fischerei angelegt, nennt man Heller , welcher Nahme durch Abkuͤrzung des Worts, Be- haͤlter, entstanden seyn mag. In Staͤdten legt man auch wol Bassins, Cisternen , oder Archen an, um dem Wassermangel abzuhelfen, welche saͤmtlich — noch kleiner als die vorgenann- ten zu seyn pflegen. So wol diese, als auch die Heller, liegen zwar außer den Grenzen dieses Bu- ches, demohnerachtet aber werden viele der unten folgenden Regeln auch bei ihnen anwendbar seyn, und dazu dienen, richtige Urtheile uͤber solche An- lagen faͤllen zu koͤnnen. §. 2. Teiche duͤrfen keinesweges mit Deichen ver- wechselt werden, von denen sie wesentlich verschie- den sind. Man versteht nemlich im Niedersaͤchsi- schen unter Deichen, aufgefuͤhrte Waͤlle, welche Wasserfluthen und Ueberschwemmungen abhalten sollen. Deiche sind also nichts anders als Daͤmme, und zwar von Teich-Daͤmmen in Ansehung ihrer Zwecke verschieden. Jene nemlich sollen Wasser nur abhalten, und gegen ihre Gewalt sichern, diese hingegen sollen Wasser sammeln helfen. Den Nahmen Daͤmme giebt man zwar auch Erhoͤhun- gen, die in morastigen, sumpfigen, oder sonst durch das Erdreich unwegsamen Gegenden gemacht sind, (wohin die Chausseen gehoͤren) um mittelst ihrer bequemer und sicherer reisen zu koͤnnen. In dem dem Folgenden aber wird insbesondere von den Daͤmmen in so weit die Rede seyn, als sie blos bei dem Teichbau unentbehrlich sind. §. 3. Der Teichbau uͤberhaupt begreift die Anlage und Erbauung der Teiche in sich. Da diese nach §. 1. Wasserbehaͤlter seyn sollen, so er- fordern sie leere Raͤume oder Vertiefungen, welche geschickt sind, Wasser zu fassen und auch zu be- halten. In Ansehung dieser Vertiefungen kann man sich zweierlei Faͤlle denken. Entweder die Natur selbst hat solche Vertiefungen gebildet, in de- nen eine betraͤchtliche Menge Wassers schon fuͤr sich stehen bleiben kann, oder es wird menschliche Kunst erfordert, solche verschlossene leere Raͤume zu bil- den; die erstern koͤnnte man natuͤrliche Teiche nennen, und sie gleich als solche benutzen, wenn ihr Gebrauch nicht zu eingeschraͤnkt waͤre; die letztern wuͤrden dagegen den Nahmen kuͤnstliche bekom- men. Zu jenen gehoͤren die bekannten Erdfaͤlle, und andere ausgewaschene Senken, deren Mitte betraͤchtlich tiefer liegt, als die Raͤnder, die sie umgeben. Zu diesen schicken sich besonders die Thaͤler sehr gut. Man bedient sich der Thaͤler desto haͤufiger, je weniger man auf Erdfaͤlle und Senken Ruͤcksicht nimmt, da solche den Thaͤlern in Ansehung des Nutzens gemeiniglich weit nach- stehen. Um Um die Thaͤler zu verschließen, und dem Wasser das Ablaufen zu verwehren, bedient man sich der Daͤmme, die man queer durch die Thaͤler hindurch fuͤhrt, und dadurch das Wasser mit Ge- walt noͤthigt, zu einer uns beliebigen und moͤgli- chen Hoͤhe anzusteigen, und sich anzusammeln. Dies kann aber nie gerade zu, und ohne einige Vorbereitung oder Nebenarbeiten geschehen. Unter diese gehoͤrt zum Beispiel die Untersuchung und Befestigung des Grundes und der Seiten, auf welche das Wasser und der Damm zu ruhen kom- men soll, und gegen die Wasser und Damm wir- ken. Man hat ferner noch zu bemerken, selbst ein gesammelter Wasservorrath wuͤrde, ohne beliebig vermindert oder vergroͤßert werden zu koͤnnen, (es versteht sich, so weit es die Moͤglichkeit gestattet,) nur wenig oder wol gar keinen Werth fuͤr uns ha- ben, dagegen aber vielleicht Besorgniß zu Schaden geben. Hieraus ergiebt sich die Nothwendigkeit der Wasserabzuͤge bei den Teichen. Nun koͤnnte zwar noch ein Fall vorkommen, der unter den vorigen noch nicht begriffen waͤre, nem- lich der, wo man blos durch Ausgrabung einer Erdflaͤche einen Teich machen wollte. Doch die vielfaͤltigen Schwierigkeiten, die hiebei vorfal- len, besonders in Betreff der Wasserabzuͤge, ma- men diesen Fall aͤußerst rar. Die Ausgrabung wird daher bei Teichen nur dazu besonders ange- wandt, um in einem Thale ꝛc. die Unebenheiten weg- wegzuschaffen, oder eine etwanige Vertiefung um etwas zu vergroͤßern. Der Teichbau beschaͤftigt sich demnach vor- zuͤglich mit der Anlage und Erbauung der Daͤmme, Wasserabzuͤge, und der Bearbeitung des Teichgrundes und seiner Seiten. Die Teich- baukunst ist also die Wissenschaft Teiche anzu- legen und zu erbauen. Die Seiten eines Teiches nennen mehrere Prak- tiker auch die Widerlagen , weil sie einiger- maßen den Daͤmmen als solche dienen. Der Bo- den, auf den das Wasser und der Damm aufzu- ruhen kommt, heißt der Teichgrund ; nach Andern hat er auch wol den Nahmen Teich- sohle . Doch scheint die erstere Benennung die richtigste zu seyn. Diejenige Erdflaͤche, auf wel- cher blos der Damm aufruht, heißt die Damm- sohle . Endlich nennt man den leeren Raum, den ein durch einen Damm verschlossenes Thal bildet, so weit das Wasser in ihm zu stehen kommt, Teichraum . §. 4. Fragte man: worauf man hauptsaͤchlich bei jedem Teiche sein vorzuͤglichstes Augenmerk zu richten habe? so laͤßt sich ohne Schwierigkeit ant- worten: Der Zweck , die Lage und der Bau desselben sind diejenigen Stuͤcke, welche vorzuͤglich Aufmerksamkeit verdienen. Zie- Ziehen wir also den Zweck der Teiche zuerst in Betracht, so muß sich Jeder dabei gleich be- scheiden, daß am Ende dieser Umstand gaͤnzlich auf der Willkuͤhr des Bauherrn beruhe. Jedoch dieß bei Seite gesetzt, ergiebt sich, daß alle Ent- zwecke der anzulegenden Teiche, entweder in dem Vergnuͤgen zu suchen sind, das sie befoͤrdern sol- len, oder in den oͤconomischen Absichten, welche dabei statt finden. Endlich kann beides zugleich gesucht werden, sowohl Vergnuͤgen als Nutzen. Die oͤconomischen Absichten sind sehr mannigfal- tig. Muͤhlen bringen oͤfters viel ein, und sind uͤberall eine unentbehrliche Sache. Gleichwol finden sich nicht an jedem Orte Baͤche, die zu allen Zeiten Wasser genug lieferten, Muͤhlen gehoͤrig zu betreiben. Bergwerke, Schmelz- und Eisenhuͤt- ten, vielerlei Fabriken, u. s. w. machen Maschinen von mancherlei Art nothwendig, deren vortheilhaf- ter Gang allerdings auch mit auf einer hinreichen- den und ununterbeochen vorhandenen Wassermenge beruht. Die Fischerei ist ebenfalls eine nicht gleich- guͤltige Sache. Nach Oertern, wo es gaͤnzlich am Wasser fehlt, muß es nicht selten durch kost- bare Wasserleitungen hingefuͤhret werden, weil man auf Quellen nicht allemal sicher rechnen darf, da solche oftmals im Sommer rein austrocknen, im Winter aber leicht ausfrieren. Man sieht also, daß die Entzwecke der aus oͤconomischen Absichten anzulegenden Teiche, theils in den Vortheilen der Fischerei, theils im Nutzen der Maschinen, theils theils in der Sicherung gegen Wassermangel zu suchen sind. Die mancherlei Absichten der zum bloßen Ver- gnuͤgen angelegten Teiche weitlaͤuftig anzufuͤhren, scheint uͤberfluͤßig zu seyn, zumal da der Sinn fuͤr Vergnuͤgungen, und die Art und Weise sich solche zu machen, bei der so mannigfaltigen Denkungsart der Menschen, so aͤußerst verschieden sind und bleiben muͤssen. §. 5. Der Zweck bei einem anzulegenden Teiche mag seyn welcher er will, so wird — wofern er nur vernuͤnftig ist, — immer sowol die Groͤße des Teiches, um eine proportionirte Wassermenge darin sammeln zu koͤnnen, als auch die Lage des- selben, nach diesem Zwecke bestimmt werden muͤs- sen. In Ansehung der Groͤße, welche dem Teiche gegeben werden soll, merke man: nach Regeln, die unten folgen, kann man fuͤr jedes gegebene verschlossene Thal, oder eine sonstige Vertiefung, ziemlich genau durch Rechnung die Wassermenge finden, die von selbigem gefaßt werden kann. Wir bemerken deshalb hier blos dieß, daß sie sich aus der Hoͤhe des Wasserstandes und der Flaͤche des Teichspiegels ergiebt. Nun haͤngt aber diese Spiegelflaͤche von der Weite des Teichraumes ab, die Tiefe hingegen von der Nei- gung, welche das Thal gegen die Horizontallinie hat. Laͤnge und Hoͤhe der Daͤmme werden also auch auch durch die verlangte Wassermenge, und durch die g e gebene Weite und Tiefe der Thaͤler bestimmt; zuletzt haͤngen sie also gleichfalls von dem vorge- faßten Zwecke ab. §. 6. Was aber die Lage der Teiche betrifft, so ist dieß e in gleich wichtiger Gegenstand, der bei kei- nem Teiche uͤbersehen werden darf, und es ist uͤberaus viel daran gel e gen, die Lage des Teiches so vortheilhaft als moͤglich zu waͤhlen; denn Zeit und Kostenaufwand stehn mit ihr in sehr genauer Verbindung. Teiche sollen dazu dienen, einen betraͤchtlichen Wasse r vorrath zu fassen, den man nach Belieben sparen und abzapfen kann. Man wird nicht so- gleich jeden Ort zu dieser Absicht voͤllig tauglich finden, da die Beschaffenheit der Erdoberflaͤche so sehr verschieden ist. Sie zeigt sich daher den Ab- sichten des Bauherrn mehr oder minder guͤnstig, je nachdem sie viel Muͤhe und Kosten erspart, oder sie vergroͤßert und druͤckender macht. Man muß also hiebei Natur und Kunst zu vereinigen suchen. Je einfacher, schneller und minder kost- spielig dieß geschehen kann, desto gluͤcklicher muß man sich schaͤtzen, und desto vortheilhafter er- reicht man seinen Zweck. Die Lage der Teiche richtet sich besonders nach folgenden zwei Stuͤcken: nach der Absicht des Bauherrn, und nach dem gegebenen Terrein, das man man benutzen soll. In Ansehung der Absicht des Bauherrn muß der Teich so liegen, daß man zu- voͤrderst seinen Hauptzweck durch ihn bestmoͤglichst erreiche. Ist dieser Forderung Genuͤge gethan, so muß der Teich ferner so gelagert werden, daß man außer dem Hauptzwecke, auch die vorzuͤglichsten Nebenzwecke durch ihn erreichen koͤnne. Die letz- tern muͤssen jedoch natuͤrlich dem erstern weichen. Ohnstreitig begreift der Hauptzweck beson- ders auch dieses, daß man gehoͤrig dafuͤr Sorge trage, daß der Teich die vorgeschriebene und benoͤ- thigte Wassermenge nicht allein gut fassen und be- halten moͤge, sondern daß man auch fuͤr den neu anzulegenden Teich so viel Zufluß von frischem und solchem Wasser habe, als man dereinst brauchen wird; ferner — daß der Zufluß auch zur be- stimmten Zeit da seyn, ingleichen ununterbro- chen so folgen koͤnne, wie man es wuͤnscht und noͤthig hat. §. 7. Um die Nebenzwecke zu erreichen, hat man seine Aufmerksamkeit besonders dahin zu richten, daß man die aus einem Teiche herausgehenden Wasser, so vielmal als es nur gesche- hen kann , anderwaͤrts noch benutzen moͤge. Dieß wird desto leichter und richtiger bewerkstel- liget, wenn man vor allen andern Arbeiten erst eine Untersuchung des Gefaͤlles voran gehen laͤßt. Aus dieser Untersuchung ergiebt sich sogleich, ob ob und wie man das Wasser auf mancherlei Art nutzen koͤnne. Die Befolgung dieser Vorsichts- regel wird allen andern Anlagen, die bei Teichen liegen, sie mogen des Wassers benoͤthigt seyn, oder es entbehren konnen, sie moͤgen bereits schon fertig da stehen, oder noch erst in der Folge vielleicht gemacht werden, sehr viel Vortheil bringen. Da, wo man mehrere Teiche beisammen an- legt, muß man besonders sich bemuͤhen, die Wasser aus dem einen Teiche leicht , oder doch gewiß in den oder die andern bringen zu koͤnnen. Zum wenigsten muß dieß, wenn es von den tiefsten Puncten der Striegel nicht geschehen kann, doch von den Fluthbetten hinweg moͤglich seyn. Auf diese Art wird alles Wasser benutzt, das in den Teichen gesammelt worden, oder bei Wassermenge uͤberfluͤßig vorhanden ist, und widrigenfalls unbenutzt vorbei laufen wuͤrde. Eben dieß gilt auch von Wasserleitungen. Bei- spiele von vortrefflich eingerichteten und mit wah- rer Oeconomie angelegten Wasserleitungen findet man im Erzgebuͤrge und auf dem Oberharze. Letz- terer hat hierin besonders dem um den Oberharz sehr verdienten Oberbergmeister, Herrn Stelzner, einem wuͤrdigen Greise, viel zu danken. Endlich hat man noch dieses zu bemerken, ob nicht vielleicht ein einziger anzulegender Teich, der freilich anfangs betraͤchtliche Kosten machen kann, andere in Zukunft vorzurichtende Wasserleitungen und Teiche, ganz und gar entbehrlich machen koͤnne, oder oder doch wenigstens die Anzahl, Laͤnge und Groͤße derselben betraͤchtlich verringern duͤrfte. Kaͤmen z. E. mehrere Teiche, die man noch anzulegen genoͤthigt werden moͤchte, in der gesammten Ko- stensumme noch nicht voͤllig so hoch zu stehen, als ein einziger großer Teich , welcher die an- dern entbehrlich machte, weil er gleiche Dienste thaͤte, so ist es schon um deswillen rathsamer, einen einzigen großen Teich zu bauen, weil dieser weni- ger Aufsicht erfordert, und weil bei einem einzigen nicht so viele Reparaturen statt finden, als bei vie- len kleinern. Da, wo Maschinen durch Wasser getrieben werden sollen, verdient dieß starke Be- herzigung; da hingegen, wo die Teiche blos um der Fischerei willen erbauet werden, sind mehrere und minder große nuͤtzlich. Dieß muͤssen die jedes- maligen Umstaͤnde selbst naͤher zeigen, und desfalls den Ausschlag in der Wahl geben. §. 8. Die Fischerei ist unstreitig ein Hauptaugen- merk bei den mehresten Teichen. Es sey also ver- goͤnnt einiges daruͤber anzufuͤhren. Die Fischerei wird in die zahme und wilde eingetheilt. Die letztere hat in Seen, Fluͤssen und Baͤchen, die erstere in Fischteichen statt. Bei der zahmen nimmt man vorzuͤglich auf Karpfen Ruͤck- sicht. Die Fischteiche zerfallen aber in dreierlei Arten, die ihrer Groͤße nach in gehoͤrigen Verhaͤlt- nissen stehen muͤssen; in Laich-, Streck - und Besatz- Besatz-Teiche . In erstern soll die Brut der Fische erzeugt werden, in den andern wird die erzeugte Brut einige Zeit aufbewahrt, bis sie die zum Versetzen gewoͤhnliche und benoͤthigte Groͤße hat. Die letztere Art Teiche soll dazu dienen, Fische, die aus den Streckteichen in sie versetzt sind, vollends bis zu einer bestimmten Groͤße in ihnen auswach- sen zu lassen. Die Besatzteiche sind wieder Dorf- Feld - und Waldteiche , je nachdem sie in Doͤrfern, Feldern und Waͤldern liegen. Aus der verschiedenen Besetzung der Besatz- und Haupt- teiche entsteht dann die 1, 2, oder 3jaͤhrige Fi- scherei, je nachdem die Fische 1, 2, oder 3 Jahre in den Besatzteichen stehen und wachsen muͤssen. Die oben §. 1. angefuͤhrten Heller machen einen Anhang der Wachs- oder Besatzteiche aus. Man setzt nemlich die aus den Streck- oder aus den Besatzteichen herausgenommenen Fische, in selbige bis zum Verspeisen ein, um sie gleich an der Hand und ohne viel Umstaͤnde zu allen Zeiten haben zu koͤnnen. In Ansehung der Bauart sind alle diese Teiche im Wesentlichen sich gleich, und nur durch ihre Groͤße und Lage verschieden. Die Laich- und Streckteiche, besonders wenn die Karpfenzucht sehr beabsichtiget wird, muͤssen nach Angabe praktischer, Fischer, wenigstens 2 bis 4, und hoͤchstens 4 bis 6 Morgen große Spiegel haben. Sie muͤssen fer- ner mitten in freien Feldern, oder auf freien Wie- sen und andern Plaͤnen, uͤberhaupt also recht in in der Sonne liegen, und nicht an kalte Orte kommen. Je mehr sie daher durch vorliegende, doch weit genug entfernte Berge, hoch gelegene Waldungen, u. s. w. gegen Nord- und Ostwin- de gesichert sind, eine desto vorzuͤglichere Lage haben sie. Der Boden, auf den sie zu liegen kommen, muß groͤßtentheils leimicht , und wo moͤglich, fetticht und schlammicht seyn. Das Was- ser darf in ihnen nicht allzuhoch stehn, sonst ist die Sonne nicht im Stande, dasselbe genugsam zu durch- waͤrmen, auch bleibt es des Fruͤhjahrs zu lange kalt. Zu flach duͤrfen sie aber gleichfalls nicht gemacht werden, sonst wuͤrde das Wasser, welches nicht hoch genug zu stehen kaͤme, ausfrieren, und die Fische dadurch verlohren gehen. Große Baͤche oder Wassergraͤben duͤrfen nicht in die Laichteiche hinein fließen, sondern das meiste Wasser muͤssen sie durch starke Quellen erhalten, die entweder in- nerhalb des Teichraumes, oder gleich nahe dabei liegen; jedoch duͤrfen letztere des Sommers nicht versiegen, wie das sehr oft der Fall ist. Will man nicht blos Karpfen, sondern Hechte, Forel- len, Barsche ꝛc. ziehen, so koͤnnen die Laichteiche einen weit kaͤltern, festern, und mehr steinichten Grund haben, und auch starke Zugaͤnge in sie hin- ein gehen. §. 9. Von weit groͤßerem Umfange, als die eben b enannten Teiche sind, ingleichen von mehrerer Tiefe, Tiefe, koͤnnen die Wachs- oder Besatzteiche seyn. Was in dem vorigen §. wegen des Bodens, der Waͤrme ꝛc. fuͤr die Karpfenzucht gesagt worden ist, gilt ebenfalls auch noch bei diesen Teichen, und fuͤr Hechte, Barsche, Forellen u. dergl., muͤssen auch sie einen mehr steinigen, als leimigen oder schlammigen Grund haben. Besonders lieben die Forellen den Schatten und die Kuͤhlung. Es ist daher sehr dienlich, die Ufer dieser Teiche, in denen man besagte Fischarten ziehen will, mit Erlen zu bepflanzen. Diese wachsen bald auf, machen ein dickes Gebuͤsch, und geben, durch ihre Einfassun- gen, den Teichen ein uͤberaus anmuthiges An- sehen. Die Forellen gehen ferner auch nach recht klarem Wasser. Das muß also solchen Teichen be- staͤndig in Graͤben oder kleinen Baͤchen zugeleitet werden. Auf den Einwand, daß ein Wasser mehr hart, das andere sehr weich sey, kann man so sehr stark eben nicht achten, besonders wenn das Wasser sehr rar ist. Daß sich freilich die Fische in schlechtem Wasser nicht so gut und nicht so lange halten, ist bekannt genug, inzwischen gewoͤhnen sich viele Fische bald an fremdes Wasser, und man findet, wenn das Wasser nicht allzustark in seinen beigemischten Theilen von einander abweicht, in dieser Ruͤcksicht nicht sehr erheblichen Unterschied. Bei allen Fischteichen hat man wol darauf zu sehen, ob die Fische in ihnen auch Nahrung genug genug haben, und ob daher die Lage des Teiches, den man bauen will, guͤnstig oder unguͤnstig zu nennen sey. Die Lehre von der Besetzung der Teiche mit den mancherlei Fischarten gehoͤrt nicht in dieses Buch, inzwischen merke man dieses: bei Laich- teichen rechnet man 12 bis 14 Laichkarpfen auf einen Morgen Spiegel, und davon werden 30 bis 50 Schock Saamenfische gewonnen. Von diesen pflegt man auf 2 Jahre, jedes Jahr die Haͤlfte in die Streckteiche zu setzen. Bei Streckteichen rech- net man auf einen Morgen Spiegel 10 Schock, auch etwas daruͤber. Endlich rechnet man bei den Be- satzteichen, mit vorzuͤglich schoͤnem leimichten Boden, auf 1 Morgen Spiegel, 1 Schock; bei mittelmaͤßigem Boden des Teiches, auf einen Morgen Spiegel, 45 Stuͤck; bei schlechtem Boden auf 3 bis 4 Morgen, 1 Schock dreijaͤhriger Saamenkarpfen zum Besatz. Zur einjaͤhrigen Fischerei nimmt man 3jaͤhrige Setzkarpfen, und zur zwei- und dreijaͤh- rigen, 2 jaͤhrige Setzkarpfen. Wer sich desfalls weiter unterrichten will, der schlage, ausser den neuerlich herausgekommenen Schriften, des Gra- fen von Dhyrn kurze Anleitung zur Teichwirth- schaft, Bresl. 1782. nach, ingleichen die Ber- liner Beitraͤge zur Landwirthschaft, 6r Band, wo man viel Nuͤtzliches uͤber diesen Gegenstand fin- den wird. Teichb. B §. 10. §. 10. Wie man in Ansehung des Terreins Teiche zu lagern habe, laͤßt sich im Allgemeinen nicht ganz genau bestimmen. Am Ende koͤmmt alles darauf hinaus, daß man eines Theils Keinen beeintraͤchti- gen moͤge, wenn man neue Teiche bauet, andern Theils sein Terrein so stark als moͤglich nutze. Was die Beeintraͤchtigung Anderer anbetrift, so erheischt schon die natuͤrliche Billigkeit, Jedem das Seinige zu lassen, und auch buͤrgerliche Gesetze verbieten dieß. Die Art und Weise aber, wie man durch den Teichbau beeintraͤchtigen koͤnne, ist sehr man- nigfaltig. Vorzuͤglich kommen indessen die folgen- den Faͤlle vor. Entweder wird einem Andern das Wasser geraubt, und so entgeht ihm dadurch der sonst erwachsende Vortheil; z. E. koͤnnen Muͤh- len dienen; oder man laͤßt Wasser auf fremde Grundstuͤcke treten, welche dadurch ganz oder zum Theil, waͤre es auch nur einige Zeit lang, un- brauchbar werden, zum wenigsten von ihrer Er- giebigkeit verliehren; oder aber, man sperrt durch den Wasserspiegel Andern den benoͤthigten Abzug an ihren Gewaͤssern. Welcher rechtschaffe- ne Mann wird sich wissentlich hievon was zu Schul- den kommen lassen wollen? Sind aber solche oder aͤhnliche Fehler einmal begangen, so kommen sie oͤfters demjenigen sehr theuer zu stehn, der sie begangen hat. Es spin- nen sich bei solchen Gelegenheiten fast immer Kla- gen, gen, Prozesse und andere Neckereien an, woraus Besichtigungen, u. s. w., oͤfters auch groͤbliche Gewaltthaͤtigkeiten entstehn, die am Ende zum Nachtheil beider Partheien gereichen. Nicht selten muß der beleidigende Theil — wie allezeit zu wuͤn- schen waͤre, — entweder die Schaden bringende Anlage veraͤndern, oder gar wegreissen, oder we- nigstens ihre Erhaltung sehr theuer erkaufen, so daß er sich selbst den groͤßten Schaden gethan hat. Uebereilung, eine am unrechten Orte gezeigte Auto- ritaͤt, Gewaͤlthaberei, und dergleichen schoͤne Tu- genden mehr, erhalten dann ihren wohlverdien- ten Lohn. §. 11. Wenn man sein Terrein, wie billig, aufs hoͤchste benutzen, und den kleinsten Vortheil nicht aus den Augen lassen will, so folge n d araus nach- stehende Regeln: 1) Vor allen Dingen muß man dahin sehen, diejenigen Wasser, die man, ohne Schaden zu thun, haben kann, aufzufangen, und sie in der gehoͤrigen oder verlangten Quantitaͤt, (wie es moͤg- lich ist) mittelst schicklicher Wasserleitungen, dem Teiche zuzufuͤhren. Wo also Quellen, Baͤche, u. s. w. in der Naͤhe sind, muͤssen solche herbei geleitet werden. Man sieht gar zu bald ein, wie wenig vortheilhaft es ist, einen Teich gebauet zu haben, der nur aͤusserst wenig Wasserzugaͤnge hat, und dem man solche auch nicht verschaffen kann. Was Re- B 2 gen- genwetter, Schnee, Thauwetter, liefern, reicht gemeiniglich sehr wenig hin, und wird fuͤrs Ganze unbedeutend; daher die Nothwendigkeit, gleich An- fangs die Wasservorraͤthe zu uͤberschlagen, und gehoͤrig zu vergleichen. 2) Um die Wasser gehoͤrig behalten zu koͤn- nen, muß man in den Thaͤlern solche Stellen waͤh- len, wo das Thal nicht zu flach ist, viel Busen hat, oder mehrere Spiegel bildet. Teiche, die zwei oder drei Spiegel haben, sind die Besten; denn ausserdem, daß sie viel Wasser halten, leidet auch der Damm nicht zu viel. Ferner, wenn das Thal etwas tief ist, braucht man wenig oder gar keine Ausgrabung, um dem Wasser Raum zu ver- schaffen. Man vermeidet aber auch 3) gern solche Stellen, wo der Teich leicht verschlemmt werden kann. Denn, gesetzt auch, daß der Teich viel Spiegel habe, so dauert es doch nicht lange, daß er nicht vom Schlamme um ein gutes Theil ausgefuͤllt wird, wenn die Seiten des- selben unguͤnstig beschaffen sind. Dieß sind sie aber immer in den Faͤllen, wenn viel leichte Stei- ne, Geschiebe, lockeres Erdreich, duͤnne Gestein- Schulfern, u. s. w. dieselben bedecken, wenn sie viel steile Abhaͤnge haben, oder wenn sich auch nur in ihrer Naͤhe viel Leimen oder Thon befindet, der aufgeloͤset, und in den Teichraum hinein gefuͤhrt werden kann. Starke Regenguͤsse unterwaschen uͤberdieß sehr leicht Steine, die nicht in dem Erdbo- den fest stecken, und reissen sie samt den feinern Erd- Erdtheilchen mit fort. Die Stelle beim Striegel leidet, wenn der Teichgrund uͤberschwemmt wird, am allermeisten, weil da der tiefste Punkt ist, nach dem alles zuerst hinstroͤmt. Soll nun der Strie- gel nicht gaͤnzlich verstopft werden, so sieht man sich genoͤthigt, den Teich von Zeit zu Zeit aus- zubringen , das heißt, den Schlamm und an- dern Unrath, der sich in ihm angehaͤuft hat, her- auszuschaffen. Wenn es moͤglich ist, so sucht man fuͤr die Teiche 4) solche Thaͤler, wo derjenige Wind, der vorzuͤglich in der Gegend herrscht, queer uͤber sie hinweg streicht. Alsdann fuͤhrt der Wind das Wasser nicht so heftig gegen den Damm, und die Wellen werden wenigstens unter einem mehr spitzi- gen oder stumpfen Winkel an den Damm angetrie- ben, daher sie leichter abprallen, und bei weitem nicht mit einer solchen Staͤrke und Heftigkeit an- stoßen, als die, welche mehr in einer senkrechten Richtung auf den Damm zutreffen. Aeusserst gern aber waͤhlt man 5) solche Thaͤler, welche hin und wieder sich enge zusammen ziehen; da legt man denn im- mer die Daͤmme an diese engern Stellen des Tha- les. Der Vortheil, den man dadurch erhaͤlt, ist uͤberwiegend. Denn an diesen Orten wird der Damm am kuͤrzesten, und gewinnt auch an Staͤr- ke. Dadurch aber, daß er um ein ansehnliches kuͤrzer wird, erspart man viel Kosten und Zeit, und erreicht dennoch seine Absicht besser als auf eine eine andere Art. Ein Umstand, den man nicht minder in Betrachtung zu ziehen hat, ist endlich dieser, daß man 6) guͤnstige Gestein-Schichtungen nicht aus den Augen setzt. Was wird der noch so accurat und kostbar aufgefuͤhrte Damm helfen, wenn die Gestein-Schichtung so beschaffen ist, daß sie die Wasser durch den Grund oder durch die Seiten abfuͤhrt. (Die Untersuchung des Grundes und der Gestein-Schichten folgt unten mit mehrerm, und bedarf hier keiner weitern Eroͤrterung.) §. 12. Es trifft sich aͤusserst selten, daß sich die im vorhergehenden §. benannten guͤnstigen Umstaͤnde zusammen darboͤten. Man hat sich schon gluͤcklich zu schaͤtzen, wenn deren nur einige vorhanden sind, und nicht zu viel Hindernisse den Bau erschweren. Beim Teichbau finden sich aber vorzuͤglich folgende Hindernisse, die bald mehr bald weniger Kosten machen, bald leicht bald gar nicht gehoben wer- den koͤnnen, als: fremde Territorien, Mangel an Wasser, Mangel an den benoͤthigten Materialien, schlechter Grund, und schlechte Seiten des Teiches. In Ansehung der drei erstern Stuͤcke, laͤßt sich wenig sagen, darauf nicht Jeder von selbst verfallen wuͤrde. Wer sieht z. E. nicht gleich ein, daß es bei fremden angrenzenden Gebieten darauf ankomme, ob man von den Herrn derselben, die Bewilligung zur Anlegung eines Teiches erhalten kann, kann, der auf ihr Gebiete tritt? Findet sich Man- gel an Wasser, so wird alles, wenn man aus fremdem Gebiete vielleicht Wasser herleiten koͤnnte, darauf ankommen, ob uns mit der Verguͤnstigung Graben abzufangen, und sie beliebig zu leiten, ge- willfahret werde? Sollten aber gar keine guten Materialien zum Teichbau zu bekommen seyn, we- der in der Naͤhe noch in einiger Entfernung, so wuͤrde nur der von dem Teiche zu erwartende Vortheil entscheiden lassen, ob man dieses Hinder- niß nicht zu achten habe, wenn auch dadurch großer Kostenaufwand entstuͤnde. Schlechter Grund macht ausserordentlich zu schaffen. Man versteht unter ihm einen solchen Boden, der nicht im Stande ist, auch nur geringe auf ihm ruhende Lasten vor dem Sinken zu bewah- ren; die Mittel ihn einigermaßen tauglich zu ma- chen, werden unten naͤher angegeben; allein es ist zu bedauern, daß man nur selten, unerachtet aller angewandten Muͤhe, Zeit und Kosten, sich ruͤhmen kann, diesem Uebel gaͤnzlich nach Wunsch abgeholfen zu haben, daher es in diesen Faͤllen ge- meiniglich mehr beim guten Willen, als mit einer gluͤcklich vollfuͤhrten Unternehmung sein Bewen- den hat. Sind vollends die Widerlagen auch von aͤhn- licher schlechten Beschaffenheit, so koͤmmt dadurch der Bauherr sehr oft in eine uͤble Lage, wenn er von seinem Vorhaben nicht wol abstehen kann oder will. Die Die Widerlagen hindern aber vorzuͤglich ent- weder wegen aͤusserst schlechter Gestein-Schichtun- gen, oder wegen vieler Geschiebe, oder durch Ver- schlaͤmmen. Der erste dieser Faͤlle ist schwer zu verbessern. Im §. 72. unten wird gezeigt wer- den, was man alsdann zu thun habe . Ist aber nur wegen der Geschiebe und des Verschlaͤmmens etwas zu befuͤrchten, so sind dieß Hindernisse, die sich weit leichter heben lassen, und verschwinden. Ausser den vorgenannten koͤnnen sich noch man- cherlei andere Hindernisse finden, die gleichfalls erheblich sind. Dahin gehoͤren z. E. Mangel an Arbeitern ꝛc. Hier muß sich Jeder nach den Um- staͤnden zu helfen suchen, die ihm durch das Locale und seine eignen Verhaͤltnisse bestimmt werden. §. 13. In den vorhergegangenen §. §. ist im Allge- meinen von den Zwecken und der Lage der Teiche geredet worden. Es bleibt noch uͤbrig, vom Bau der Teiche uͤberhaupt einiges beizubrin- gen, ehe wir zu der speciellen Beschreibung der Arbeiten, und jeder einzeln vorkommenden Stuͤcke fortgehen. So wie bei jedem Baue, also auch bei diesem hat man zu uͤberlegen, was eigentlich ge- bauet werden soll, wovon es gebauet werden kann, welches die schicklichste Zeit dazu ist, endlich wie und durch wen jedes der besondern Stuͤcke erbauet werden muͤsse. Alles andere, worauf man noch Ruͤck- Ruͤcksicht zu nehmen hat, laͤßt sich auf die eben genannten Saͤtze zuruͤck fuͤhren. Die vorzuͤglichsten Stuͤcke, die bei dem Teich- bau erbauet werden muͤssen, sind die Daͤmme und die dazu gehoͤrigen Wasserabzuͤge. Sie sind un- streitig das Wichtigste zu nennen, und verdienen eine ausgezeichnete Aufmerksamkeit, da sowol die Dauer der gesammten Anlage, ingleichen der zu hoffende Nutzen, als auch Sicherheit des Lebens und Eigenthums von ihnen abhaͤngt. Zuerst also einiges uͤber die Daͤmme. Man kann die Daͤmme fuͤglich nach ihrer Rich- tung und nach dem Material eintheilen, von dem sie hauptsaͤchlich aufgefuͤhret werden. In Ansehung der Richtung, die man ihnen giebt, sind sie entweder geradlinigte, oder krummlinigte. Von diesen beiden Arten mehreres im folgenden §. Nach dem Material aber theilt man sie gewoͤhnlich in Erd- und Schutt-, und in gemauerte Daͤmme ein. Von diesen mehreres im §. 16. §. 14. Bei geradlinigten Daͤmmen, das ist, bei sol- chen, deren Richtung, ohne sich seitwaͤrts abzuaͤn- dern, bis an ihr Ende in einem fortlaͤuft, faͤllt dieser Vortheil gleich Jedermann in die Augen, daß man durch sie das Thal in Ansehung des Rau- mes auf dem kuͤrzesten Wege verschließt. Sie ma- chen daher, ausserdem, daß sie gleich gute Dienste thun wie andere Daͤmme, wenn sonst alles gleich ist, ist, den wenigsten Kosten-, Raum- und Zeit-Auf- wand, und sind demnach in so fern den krumm- linigten Daͤmmen allezeit vorzuziehen. Die Letztern hingegen, das sind die, welche ihre Richtung abaͤndern, fordern mehr Raum, machen auch mehr Kosten, und nehmen viel Zeit weg. Demunerachtet aber sind sie sehr brauchbar, weil man vermoͤge derselben Wasser, erforderlichen Fal- les, wie man will, bequem einschließen kann. Sie haben auch noch das sehr Gute an sich, daß sie, vermoͤge ihrer Richtung, den Wellenstoß mehr bre- chen als die geradlinigten, und dadurch viel von seiner Gewalt rauben. Bei so kleinen Gewaͤssern scheint dieser Umstand beim ersten Anblick unbedeu- tend zu seyn. Er ist aber keinesweges so gering- fuͤgig, als man glauben sollte. Die Erfahrung lehrt, daß bei heftigen Windstuͤrmen, dergleichen im Herbste und Fruͤhjahre fast jederzeit sich einzu- stellen pflegen, eine verhaͤltnißmaͤßige Reparatur noͤthig gemacht werden kann, die, wenn sie nur etliche Jahre aufgeschoben wird, bald zu einer an- sehnlichen anwaͤchst. Wie dem Wellenstoße zu be- gegnen oder solcher zu schaͤtzen sey, folgt unten mit mehrerm. §. 15. Zu den krummlinigten Daͤmmen ist noch dieje- nige Art zu rechnen, die in der Mitte aus einem geradlinigten Stuͤcke Damm, an den Seiten aber aus aus krummlinigten oder gleichfalls geraden Fluͤ- geln bestehet. Wo fuͤr die Teiche wenig Tiefe zu bekommen ist, und lange Daͤmme gefuͤhrt werden muͤssen, sind solche Fluͤgel fast jedesmal unentbehrlich. Die Fluͤgel selbst sind nichts anders als Fortsetzungen der Daͤmme, daher sie gleiche Bauart, und alles mit andern Daͤmmen gemein haben. Nach wel- cher Richtung oder Kruͤmmung die Fluͤgel angelegt werden muͤssen, haͤngt lediglich von dem Lokale ab. Sie koͤnnen daher in Ansehung des Dammes, nach Figur 1. oder 2. und 3. liegen. Gleichfalls bestimmt auch das Lokale ihre Laͤnge und Hoͤhe. Ein merkwuͤrdiges Beispiel von Tei- chen, die krumme Daͤmme haben, ist der bei Groß- hartmannsdorf belegene . Er hat eine sehr ansehn- liche Groͤße Eine Frage kann hier noch aufgeworfen wer- den: Ist es rathsam, die Laͤnge eines Dammes nach einer geraden Linie, oder lieber nach einem Bogenstuͤcke, aufzufuͤhren? Vorausgesetzt, daß dieß Bogenstuͤck einen sehr großen Halbmesser hat. Ich glaube, man hat zu unterscheiden, ob der Damm aufgemauert, oder, wie gewoͤhnlich der Fall ist, von Erde, Schutt und groͤßern Steinen aufgefuͤhrt werden soll. Im ersten Falle ist es wol gewiß, daß es wirklich vortheilhaft sey, dem Damme die besagte krumme Gestalt zu geben. Man kann hier die Steine, mittelst mechanischer Kunst- griffe, so hauen und auch legen lassen, daß sie unter unter und gegen einander eine etwas keilfoͤrmige Gestalt bekommen. Freilich wird sie bei einem so großen Radio nicht allzu merklich ausfallen koͤnnen. Doch aber ist der Damm alsdann wie ein Gewoͤlbe- bogen zu betrachten, und muß aus diesem Grunde mehr Festigkeit geben, als ein nach einer geraden Linie aufgefuͤhrter. Auf diese eben genannte Weise werden auch itzt die großen steinernen Wehre angelegt, welche im Grunde auch nur steinerne Daͤmme sind. Ein schoͤnes Beispiel giebt das von dem beruͤhmten saͤch- sischen Maschinen-Direktor, Herrn Mende, bei Gersdorf erbauete. Es versteht sich ohne Be- denken, daß man in diesem Falle nicht die Aus- bauchung der Kruͤmme, sondern die erhabene , oder convexe Seite dem Wasser entgegen setze. Widrigenfalls wuͤrde der Damm mehr verliehren als gewinnen. Bei Erd- und Schutt-Daͤmmen hingegen, kann die bogenfoͤrmige Gestalt nur wenig Nutzen stiften; denn man kann hier wol nicht mit Grunde das, was vorhin von der Keilgestalt der Steine ge- sagt wurde, auf Schutt und Erdreich und andere unbehauene Steine anwenden. Bei diesen ist also die gerade Linie mehr vorzuziehen. Wollte man sagen, der Stoß des Wassers werde durch die Kruͤmmung etwas geschwaͤcht werden, so muß man bedenken, daß ein Teich fast gar keinen Stoß auszustehen hat, und wenn man auch ja etwas zugaͤbe, daß solcher nicht sogar betraͤchtlich seyn seyn werde. Ferner wuͤrde bei einem so flachen Bogen die Richtung des Stoßes nur wenig von der senkrechten abweichen, und daher der Unter- schied des Stoßes gewiß als o anzusetzen seyn. Dieser Einwand waͤre also gaͤnzlich vergebens; be- sonders da die beste Lehrmeisterin, die Erfahrung, an krummlinigten Erd-Daͤmmen gezeigt hat, daß, wenn gleich die Ausbauchung dem Wasser entgegen stand, sich dennoch keine erhebliche Verschieden- heit zwischen geraden und krummlinigten Daͤmmen in Ansehung des Stoßes aͤusserte. Der Wasser- druck aber richtet sich lediglich nach der Hoͤhe des Wassers. Ehe also nicht die Erfahrung hieruͤber was anders an die Hand giebt, hat man sich kei- ne vergebliche Sorge zu machen. §. 16. Nach §. 13. lassen sich die Daͤmme ferner in Erd- und Schutt- und in gemauerte Daͤmme ein- theilen. Hiebei nimmt man Ruͤcksicht sowol auf das bloße Material, aus dem man sie auffuͤhrt, als auch auf die beson d ere unterschiedene Bearbeitung dieses Materials. Daß diese aber mit in Betracht kom- men muͤsse, erhellt daraus, weil von bloßen Thon und Steinen, so gut Erd- und Schutt- als auch gemauerte Daͤmme aufgefuͤhrt werden koͤnnen. Ausser den eben genannten Daͤmmen, koͤnnte man sich zwar noch ganz hoͤlzerne, oder theils von Holz und theils von Erd- und Gestein-Arten auf- gefuͤhrte denken; allein bei Teichen werden solche Daͤmme, Daͤmme, die viel Holz brauchen, in unsern Tagen gar nicht mehr erbauet, da der Holzmangel sich taͤglich mehrt. Ueberdem wuͤrden sie auch nur we- nig Halt, und dagegen ungeheuren Kostenaufwand geben. Sie sind demnach gaͤnzlich zu verwerfen. Schlimm genug, daß man immer noch etwas Holz bei Teichen braucht, und solches nicht ganz ent- behrlich machen kann, man muͤßte denn viel Geld anwenden koͤnnen, welches aber selten der Fall ist. Schon der Nahme Erd- und Schutt-Daͤmme zeigt, was fuͤr Material bei diesen Daͤmmen ge- braucht wird. Ausser d em enthalten sie aber auch noch, zufolge der itzigen Gewohnheit Daͤmme zu bauen, ein gutes Theil Rasen oder Thon. Un- streitig leisten diese Materialien ein gutes Theil mehr Dienste, als die bloße Erde und der Schutt, wie unten naͤher gewiesen wird. Und da sie einer besonders dichten Verbindung faͤhig sind, so hat man sie als vorzuͤgliche Stuͤcke anzusehen, und mit allem Fleiße zu Rathe zu halten und zu benutzen. Die gemauerten Daͤmme kann man entweder von lauter Steinen durch und durch auffuͤhren, oder man errichtet sie nur zum Theil von Steinen, zum Theil von Erde und Schutt. Geschieht das Letz- tere, so wird wiederum entweder vorn dem Was- ser entgegen, und hinten am Damme eine Mauer aufgefuͤhrt, der mittlere Theil zwischen den beiden Mauern dagegen mit Schutt ausgefuͤllt, oder — man macht sie auf die Art, daß man in die Mitte die Mauer legt, vorn und hinten aber Schutt vor- stuͤrzt. stuͤrzt. Der große Oder-Teich auf dem Oberharze ohnweit des Bruchberges, ist auf die Art gemacht, daß er hinten und vorn Mauer hat, das mittlere Theil seines Dammes hingegen ist mit Granitsand ausgefuͤllt. Er leistet die vortrefflichsten Dienste, und ist ein Muster von Festigkeit. Wer von die- sem merkwuͤrdigen Teiche was mehreres zu lesen Lust hat, mag Calvörs Acta historico-chrono- logica mechanica nachschlagen. Wenn man die Kostbarkeit und laͤngere Zeit nicht in Anschlag bringen darf, so ist unstreitig richtig, daß den gemauerten Daͤmmen der Vorzug vor den Erd- und Schutt-Daͤmmen nicht abgespro- chen werden kann. Man darf zu dem Ende nur uͤberlegen, wie viel mehr Dauer, und wie viel mehr Sicherheit sie in Betracht gegen die andern gewaͤhren, zu geschweigen, daß sie wegen der Schwere der Steine und des Moͤrtels nicht so viel Raum wegnehmen, als die Erd- und Schutt- Daͤmme erfordern. §. 17. Wer kann wol zu dem Unternehmen schreiten, einen Teich zu bauen und Daͤmme aufzufuͤhren, ohne vorher eine Beurtheilung uͤber die Staͤrke des zu machenden Werkes angestellt zu haben? Wuͤr- de man nicht denjenigen geradezu unvernuͤnftig und unbesonnen nennen muͤssen, der sich unterfan- gen wollte, der Gewalt einer solchen Menge Was- sers, wie Teiche zu fassen bekommen, aufs Gerathe- wohl wohl und auf eine kostspielige Weise einen Damm entgegen zu setzen, ohne daß er wuͤßte, wie viel Kraft gegen solchen ausgeuͤbt wuͤrde, und mit wie vielem Widerstande er selbiger entge- gen wirkt? Zuverlaͤßig ist hier die Entscheidung nicht schwer, und dennoch finden sich in unsern Tagen so viele Beispiele der Fahrlaͤßigkeit und des Leichtsinnes bei Bauten dieser Art, daß es unbe- greiflich bleibt, wie man da so inconsequent han- deln koͤnne, wo doch so viel auf Sicherheit des Lebens und Eigenthums ankommt. Man erwaͤge nur einigermaßen, wie viel traurige Folgen der Durchbruch eines Dammes in wenig Stunden ver- ursachen kann. Die schoͤnsten angenehmsten Stel- len mancher Gegenden werden oft auf Jahre lang schrecklich verwuͤstet. Und doch ist oͤfters bei solchen Faͤllen die Verheerung der Gegend und die Verwuͤ- stung anderer Anlagen, noch lange nicht so trau- rig, als der Ruin ganzer Familien, welche da- durch ins Elend gerathen koͤnnen, oder gar des Kostbarsten auf der Welt, ich meine, des Lebens beraubt werden. Man bedenke ferner, wie dem- jenigen zu Muthe seyn mag, der sich solche Unfaͤlle durch Leichtsinn oder gar durch Unwissenheit zu Schulden kommen ließ. Die Spuren der Verwuͤ- stungen bleiben freilich warnende Denkmaͤler fuͤr die Nachkommen, zur Schande des, der sie ver- huͤten konnte. Dadurch ist aber keinesweges das Ungluͤck gemildert, oder gar vertilgt! So So wie man aber einen Damm zu schwach machen kann, und ihn dadurch fehlerhaft macht, so kann man gegentheils durch eine uͤbermaͤssig angebrachte Staͤrke , gleichfalls sich vielen Schaden thun. Man wird es freilich am Ende immer weniger tadelhaft finden muͤssen, wenn ein Damm zu stark, als zu schwach erbauet ist. Feh- ler aber bleibt es immer, und man muß jede Ex- treme dieser Art zu vermeiden suchen. Eine allzu große Staͤrke eines Dammes kann leicht der Grund werden, daß ein Teich mit einem so uͤbermaͤßig starken Damme schlechterdiugs nicht im Stande ist, das auf ihn verwandte Kapital gehoͤrig zu ver- interessiren. Bei einem vorsichtigern Baue haͤtte dies dagegen weit leichter und gewisser bewerkstel- ligt werden moͤgen. Man muß es daher als eine Hauptpflicht ansehen, dem Damme eines Theils eine solche Staͤrke zu geben, vermoͤge der er dem Wasser sattsam widerstehn kann; andern Theils alle uͤbermaͤßige Staͤrke zu vermeiden, weil sie offenbar den Nutzen des Bauherrn schwaͤcht. Wie man diese richtige Staͤrke der Daͤmme ausfindig macht, und genau erfaͤhrt, daruͤber geben die itzt folgenden §§ naͤhern Unterricht. §. 18. Berechnung des Wasserdruckes und der Staͤrke der Daͤmme. Der Zweck der Daͤmme ist der, daß sie allen ihnen entgegen wirkenden Kraͤften hinlaͤnglich Teichb. C Wider- Widerstand leisten sollen. Um diesen Widerstand richtig zu schaͤtzen, koͤmmt es darauf an die Kraͤfte zu untersuchen, die zum Theil das Wasser gegen die Daͤmme ausuͤbt, und zum Theil von den Daͤm- men dem Wasser entgegengesetzt werden. Ohne Schwierigkeit finden sich aber A. Von Seiten des Wassers, 1) der Druck desselben, 2) das Eindringen desselben, 3) der Wellenschlag. B. Von Seiten der Daͤmme a ) die zusammen wirkenden Kraͤfte 1) der Schwere, 2) der Reibung; b ) die Cohaͤsion, oder das Zusammenhaͤngen der Theile, woraus der Damm erbauet wird. Von der Berechnung der Kraͤfte des Wassers handelt §. 19 — 34; von der der Daͤmme §. 35. seq. §. 19. Kraͤfte des Wassers, und zwar 1) Druck desselben. Bei einigem Nachdenken uͤber den Druck des Wassers, ergiebt sich, daß er sich auf mehrerlei Arten aͤußern koͤnne, nemlich a ) als senkrecht niederwaͤrts druͤckender, und da wieder nach Beschaffenheit des Bodens, welcher gedruͤckt wird aa ) auf aa ) auf horizontale Flaͤchen, bb ) auf schiefliegende Flaͤchen. b ) als Seitendruck, und zwar wieder α ) gegen senkrecht stehende Flaͤchen, β ) gegen schiefliegende Flaͤchen. c ) Von unten in die Hoͤhe; wobei eben die vorherstehenden Unterschiede statt finden koͤnnen. Das Nachstehende wird zeigen, ob die Kraft des Wassers, bei diesen verschiedenen Arten zu druͤ- cken, einerlei oder verschiedene Wirkungen her- vorbringe. §. 20. Bodendruck des Wassers auf horinzontale Flaͤchen. Das Wasser ist ein fluͤßiger Koͤrper, und als ein solcher betrachtet, wird es außerdem auch nicht ohne Schwere gefunden. Nach Umstaͤnden ist diese bei ihm bald groͤßer bald geringer. Bei einerlei Temperatur desselben, wird man indeß wenig irren, wenn man eine irgendwo gegebene Menge Wassers, im Durchschnitt genommen unter sich selbst fuͤr gleich dicht annimmt. Da die Rich- tung der Schwere durch den Mittelpunkt der Erde geht, so ist sie auch auf eine horinzontale Flaͤche senkrecht. (Man sehe Kaͤstners angewandte Ma- thesin.) Wuͤßte man nun, wie schwer eine bestimm- te Menge Wassers waͤre, z. E. ein Kubicfuß, ferner wie viel solcher Kubicfuße Wasser uͤber ein- ander auf einer horinzontalen Flaͤche staͤnden, so C 2 muͤßten muͤßten solche wol das gesammte Gewicht anzeigen, welches senkrecht diese gegebene Flaͤche druͤckte. Dergleichen Mengen auf einander gesetzter Kubic- fuße, von gleicher Hoͤhe, koͤnnte man sich auf ei- ner horinzontalen Ebne, um und neben ein ander gesetzt, denken, so daß der gesammte Flaͤchenraum der Ebne ganz damit bedeckt waͤre. Die Summe dieser Mengen von Kubicfußen, wuͤrde also gleich- falls das Gewicht seyn, womit das Wasser die be- deckte Flaͤche druͤckte. Hieraus erhellt demnach, daß der senkrechte Druck des Wassers, oder der Bodendruck auf eine horizontale Flaͤche, gleich ist der Hoͤhe des Wasserstandes, in die Flaͤche des Bo- dens, und in das eigenthuͤmliche Ge- wicht des Wassers multiplicirt . Man sieht gleich, daß man diesen Wasserkoͤrper in Ku- bicfußen oder in Kubiczollen ausdruͤcken koͤn- ne — wie man beliebt, oder wie es die Bequem- lichkeit der Rechnung noͤthig machen duͤrfte. Nur muß man alsdenn auch wieder das eigenthuͤmliche Gewicht des Wassers, auf gleiche Weise entweder in Kubicfußen oder Kubiczollen ausdruͤcken. Den Kubicfuß Wasser rechnet man in Praxi ge- woͤhnlich 64 bis 70 Leipziger Pfund schwer. Doch scheint die letztere der so eben angegebnen Groͤßen etwas zu groß zu seyn. Wer einigermaßen mit der Algebra bekannt ist, wird folgende Ausdruͤcke leicht verstehen, da sie in der der Bezeichnung ganz ohne alle Schwierigkeiten sind. Heißt man also uͤberhaupt die vom Was- se gedruͤckte Grundflaͤche b, die Hoͤhe des Wasser- standes a, das spezifische oder eigenthuͤmliche Ge- wicht des Wassers g, so hat man den Bodendruck des Wassers auf horinzontale Flaͤchen = b a g. §. 21. Bodendruck des Wassers auf schiefliegende Flaͤchen. In dem vorigen §. ist angegeben, wie man augenblicklich den Bodendruck des Wassers auf horinzontale Flaͤchen finden koͤnne. Auch so leicht wird hier, den Bodendruck auf schiefliegende Flaͤ- chen zu finden gelehrt. Figur 4. stelle den Durch- schnitt eines Gefaͤßes vor. αβ sey die Grundflaͤche im Profil, so wie αδ = βγ dessen Seiten, die pa- rallel mit einander, und senkrecht auf αβ stehn. In dem Gefaͤße sey eine schiefliegende Flaͤche αγ be- festigt, uͤber welcher das Wasser steht. Nun wird der Druck, oder das Gewicht des die schiefe Ebne druͤckenden Wasserkoͤrpers, folgendergestalt be- stimmt. Man nehme αβ = δγ als Grundlinie an, multiplicire sie mit der Hoͤhe αδ = βγ ; dies Product dividire man durch 2; (weil jedes Dreieck, dergleichen αδγ auch ist, die Haͤlfte von einem Pa- rallelogramme ist, das mit ihm gleiche Hoͤhe und Grundlinie hat.) Dieß erhaltene Product muiti- plicire man wieder mit der Laͤnge des Gefaͤßes, (nemlich so lang, als Wasser wirklich in ihm steht,) so hat man den Kubicinhalt von einem Prisma. Prisma. Nun kann man schließen: Ein Kubic- fuß Wasser wiegt z. E. 64 ℔, wie viel wiegt die Menge der in dem Prisma enthaltenen Kubicfuße? d. h. was wiegt der ganze Wasserkoͤrper? Die ge- fundene Summe zeigt diesen Bodendruck an. Setzt man uͤberhaupt nach Anleitung des vo- rigen §, fuͤr αδ , a; fuͤr αβ , b; und die Laͤnge der schiefliegenden Flaͤche oder Ebne = l; so hat man den Kubicinhalt des die schiefe Ebene druͤ- ckenden Wassers = ½ ( a b l ) den man nun noch mit dem eigenthuͤmlichen Gewicht eines Ku- bicfußes Wassers multipliciren muß. Setzt man diesen gleichfalls wie im vorigen § = g, so wird aus der Formel ½ ( a b l ) nun diese ½ ( a b ) l g. Dieser Bodendruck, so wie der im vorigen § an- gegebne, macht denjenigen, welche Teiche bauen, wenig zu schaffen. Oefters verursacht er gar nicht die mindeste Arbeit, denn groͤßtentheils wird er von der Erde sattsam und willig erduldet und unterstuͤtzt. Er mag daher bei Teichen so stark werden als er will, so schadet das gar nichts, und die Vorrichtungen, die seinetwegen gemacht werden muͤssen, sind blos in demjenigen Falle etwa erheb- lich, wenn bei einem sehr unguͤnstigen Boden, Wasser in solchen hinein gedruͤckt werden koͤnnte, welches alsdann in seinen mancherlei Wegen, un- ter dem Damme hinweg, gleichsam wie in geboge- nen Roͤhren, fortgezwaͤngt wuͤrde. Allein dieß traͤgt sich eben nicht allzuhaͤufig zu. Dagegen zeigt sich der Seitendruck des Wassers von einer weit weit furchtbarern Seite. Wer mannigfaltige und belehrende Beispiele hievon lesen will, findet sie in Buͤsch Mathematik zum Nutzen und Vergnuͤgen. Er bringt mit leichter Muͤhe ungeheure Lasten zum Weichen, welche dem bloßen Ansehn und Urtheil zu Folge, mehr als hinlaͤnglich diesem Feinde zu widerstehn scheinen. §. 22. Seitendruck des Wassers gegen senkrecht stehende Flaͤchen. Um die Gewalt des so gefaͤhrlichen Seiten- drucks zu erforschen, kann man folgende Betrach- tungen anstellen. Die Erfahrung zeigt, daß sich Wasser in Gefaͤßen, oder wie man es sonst auf- fassen oder aufhalten will, allezeit von selbst in eine horizontale Lage auf seiner Oberflaͤche stellt. Vorausgesetzt, daß es sich nur oberwaͤrts frei uͤberlassen, und nicht ganz dicht eingezwaͤngt ist. Stellt man sich bei Figur 6 ein mit Wasser gefuͤll- tes Gefaͤß vor, so wird jede seiner Seitenwaͤnde, welche man nur will, wenn sie weggenommen wird, das Wasser frei herausschießen lassen. Hieraus ergiebt sich, daß das Wasser allerwaͤrts hin ei- nen Seitendruck ausuͤbt. Gesetzt nun, man naͤhme eine Seite des Gefaͤßes, z. E. a b g d, und theilte sie in unendlich viel und sehr nahe an ein ander liegende parallele Streifen ein, so wuͤrde das ober- ste dieser Streifen gar keinen Druck erleiden. Das naͤchst folgende unter dem obersten, litte schon et- was. was. Dasjenige so dem vorigen zunaͤchst folgte, schon wieder etwas mehr; uͤberhaupt also die naͤchst unterwaͤrts folgenden Streifen immer mehr als die vorhergehenden, bis endlich unten das letzte bei gd = hg den ganzen Druck des uͤber ihm stehen- den Wassers aller vorbenannten Streifen erhielte. Der Wasserdruck waͤchst also gleichfoͤrmig mit seiner Hoͤhe. Ferner aber haben rechtwinklichte Dreiecke, dergleichen in Figur 6 a h g ist, die Eigenschaft, daß man durch sie einfoͤrmig wachsende Groͤßen, vorstellen kann. Nun merke man: in jedem recht- winklichten Dreiecke hat man folgende Proportion, ag: gh = an: nk. Wendet man dieß auf vori- ges an, so nehmen die vorhingedachten Streifen ab, wie die Hoͤhen. Die Flaͤche ahg stellt dem- nach den ganzen Seitendruck vor. Diese Flaͤche ist aber die Haͤlfte von a g h i = der Haͤlfte von a g b d (weil a g = a g ingleichen g d = h g; und b d = h i wegen des Parallelismus) also = ½ a g × g h. Um nun den Seitendruck voͤl- lig zu haben, muß voriger Ausdruck noch mit a g multiplicirt werden, woraus also ½ a g × g h × a g oder ½ a g × a g × g h entsteht. Man er- haͤlt also durch Worte ausgedruͤckt, den Seiten- druck, wenn man die bewaͤsserte Sei- tenflaͤche, mit der halben Hoͤhe des Wasserstandes multiplicirt . Da der ausfuͤhrliche Beweis fuͤr diesen Satz, fuͤr die Absicht dieses Buches zu weitlaͤuftig ist, so ver- verweise ich Leser, die sich hieruͤber naͤher unterrich- ten wollen, auf Karstens Lehrbegriff der gesamm- ten Mathematik, Theil 3. pag. 224 folgd. wo sie den Beweis im Extenso ausgefuͤhrt finden. Kurz kann man alles so zusammen fassen: heißt man die Hoͤhe der bewaͤsserten Flaͤche a; die Laͤnge derselben l; so hat man den Seitendruck = ½ a. a. l = ½ a 2 . l. . Da diese Groͤße wiederum in die specifische Schwere des Wassers multiplicirt wer- den muß, so wird der ganze Seitendruck (wenn man, nach dem vorigen § g = der spec. Wasser- schwere setzt,) alsdann = ½ a. a. l g oder = ½ a 2 . l. g. §. 23. Aus vorigem § folgt noch dieses, daß der Sei- tendruck der Hoͤhe des Wasserstandes allezeit pro- portional ist; und zwar oben = o, unten am staͤrksten. Es erhellt noch ferner aus der Geome- trie, daß es voͤllig einerlei ist, ob man die ganze Seitenflaͤche mit der halben Hoͤhe; oder aber die halbe Seitenflaͤche mit der ganzen Hoͤhe multipli- ciren will. Die Producte fallen in beiden Faͤllen gleich aus. Wenn aber der Seitendruck unten am staͤrksten ist, so folgt auch, daß senkrechte Flaͤ- chen, die vom Seitendrucke auszustehn haben, un- ten am meisten Widerstand leisten muͤssen. Dieß gilt also auch von Daͤmmen, die an der bewaͤs- serten (oder der Brust -) Seite senkrecht aufge- fuͤhrt sind. Doch man bauet aus mehrern Gruͤn- den den nicht gern solche Daͤmme, die vorn, dem Wasser entgegen, perpendiculaͤre Flaͤchen haben. Wuͤßte man zum Beispiel auch das nicht, daß der Seiten- druck gegen sie, senkrecht am gefaͤhrlichsten waͤre, so giebt schon die Construction senkrecht aufge- fuͤhrter Daͤmme und Mauern hinlaͤnglichen Grund, dem Wasser entgegen die Mauer flach, oder, wie man sagt, mit einer Boͤschung zu machen. Denn — die letztere braucht weniger Staͤrke, um nicht unter ihrer eignen Last zu unterliegen, als senkrechte, die keine sehr accurate Verbindung oder sattsame Dicke haben. Dieser Wink verdient da- her immer einige Erwaͤgung. §. 24. Seitendruck des Wassers gegen schiefliegende Flaͤchen. Es ist so eben gezeigt worden, daß es fuͤr Daͤmme gar nicht unnuͤtzlich sey, wenn sie mit Boͤ- schungen gemacht werden. Aus diesem Grunde wird es noͤthig den Seitendruck des Wassers gegen solche schiefe Flaͤchen, oder Boͤschungen zu wissen. In Figur 5 sey A B eine schiefliegende Flaͤche im Profil. A C bestimme ihre Neigung gegen den Horizont. Der Wasserstand B D sey = A C; nun weiß man aus den vorigen §§, daß sich der Sei- tendruck gegen senkrechte Flaͤchen lediglich nach der Hoͤhe richte, welche der Wasserstand vor die- ser senkrechten Flaͤche hat. Der Seitendruck des Wassers wird daher, wofern solches nur seine Hoͤhe richtig behaͤlt, immer derselbe bleiben, wie auch auch irgend die Mittel beschaffen seyn moͤgen, es in dieser Hoͤhe zu erhalten, die der Wasserstand hat. Die schiefliegende Flaͤche, oder eine Boͤschung, macht folglich gar keine Aenderung in dem Seiten- drucke, da sie blos ein anderes verschiedenes Mit- tel ist als die senkrechte Flaͤche, besagten Wasser- stand in seiner angenommenen Hoͤhe zu erhalten. Sie hat also auch keinen weitern Einfluß in dieser Ruͤcksicht auf ihn; es gelten daher auch fuͤr den Seitendruck gegen schiefliegende Flaͤ- chen , die Regeln des §. 22, und man erhaͤlt ihn, wenn man, wie dort, die Groͤße oder Hoͤhe, die der Flaͤche Neigung gegen den Hori- zont bestimmt , A C = B D, in die Laͤnge der Flaͤche, und dieß Product in die halbe Hoͤhe des Wasserstandes = ½ D B, multiplicirt . Bleibt also nach den Buchstaben alles wie in den vorigen §§, so ist auch, wie dort, der Sei- tendruck gegen schiefliegende Flaͤchen = ½ a 2 . l. g; voͤllig wie im vorhergehenden. Noch verdient hier folgendes beigebracht zu werden. Eine schiefliegende Flaͤche hat auch von dem Bodendrucke auszustehn; und zwar leidet die schiefe Flaͤche desto mehr oder weniger, je flaͤcher oder je steiler sie ist. Wird also die Boͤschung = o also die Flaͤche senkrecht, so wird auch der Bo- dendruck in Ansehung dieser Boͤschung = o. Bei Bei Teichdaͤmmen erhaͤlt man A C durch die ge- gebene Hoͤhe des Dammes. Doch muß man von dieser noch das, was man an Hoͤhe fuͤr den Wel- lenschlag geben will, erst von der ganzen Hoͤhe des Dammes abziehn. Setzt man also des Dammes ganze Hoͤhe = h, die Hoͤhe des Anschlages = α so wird die Hoͤhe des Wasserstandes oder der bewaͤsserten Flaͤche = h — α seyn. Folglich wird der Seitendruck nach der vorhin angegebenen Formel, wenn man statt a 2 , gehoͤrig substituirt, = ½ ( h — α ) 2 l. g. §. 25. Druck des Wassers von unten in die Hoͤhe. Demjenigen, welcher das so genannte hydro- statische Paradoxon nicht kennt, ist es wirklich auf- fallend, wenn von dem Wasser behauptet wird, daß seine Kraft aufwaͤrts zu druͤcken, eben so er- heblich und fast noch gefaͤhrlicher sey, als der Sei- tendruck desselben. Er wird vielmehr glauben, das Wasser werde durch seine eigne Schwere ruhen, und wenn es nur seitwaͤrts genug ver- wahrt sey, habe es mit ihm weiter nichts zu sa- gen. Wenn man aber Nachrichten uͤber die, an oder in dem Wasser gebaueten Werke, und uͤber ihre Gruͤndung einzieht, wird man bald eines an- dern belehrt. Kurz, fuͤr die Fundamente, wenn sie nicht mit Sorgfalt und Ueberlegung gemacht wer- den, ist das Wasser aͤußerst gefaͤhrlich, indem es stets stets auf den gaͤnzlichen Ruin ausgeht. Wie die- ses zu berechnen sey, wird hier in kurzem gezeigt. In dem vorigen ist schon erwaͤhnt, daß das Wasser frei sich uͤberlassen, nicht eher still steht und ruht, bis es allerwaͤrts in einen gleichen Stand gekommen ist. Eben dieser Umstand ist die Ursach, warum das Wasser, welches sich unter einen Grund einzieht, (zum Beispiel unter ein gemauertes Fun- dament,) selbigen zu heben trachtet. Will man nun wissen, mit welcher Kraft das Wasser solch ein Fundament zu heben vermag, so laͤßt sich dies so ausmitteln: Besagte Kraft ist gleich einem Producte, aus der Groͤße der Flaͤche, welche derjenige Grund hat, unter welchen das Wasser eingedrungen ist, in die Hoͤhe des Wassers, welches vor dem auf benanntem Grunde aufgerichteten Werke steht, und in die Schwere eines Ku- bicfußes Wasser . Man sieht also gleich, daß bei einem tiefen Teiche die Kraft sehr groß seyn muͤsse, denn ein solcher Teich muß, seiner Hoͤhe wegen, auch einen breitern Damm haben. Zu besserer Einsicht des Gesagten, folgt hier ein Exem- pel. Die Grundflaͤche eines Dammes sey 2000 Quadratfuß groß; sie sey durch keine Vasen oder Thonbrust geschuͤtzt, und unter sie habe sich Wasser untergezogen; das Wasser koͤnne aber nicht ganz unter dem Damme hindurch, und stehe 16 Fuß von demselben, mit wie viel Kraft wirkt dieß dieß Wasser empor? Antwort: Mit einer Kraft, die gleich ist 2000 Quadratfuß, multiplicirt in die Hoͤhe 16, oder 32000 Kubicfuß Wassers. Je- der Kubicfuß nur zu 64 ℔ schwer angeschlagen, erhaͤlt man die wahre Kraft des Wassers = 2048000 ℔, diese werden von ihm angewandt, den Damm zu heben. Schon hieraus wird die Nothwendigkeit be- greiflich, zum Teichbau solche Koͤrper zu benutzen, welche sehr schwer sind; ingkeichen sie aufs dich- teste in einander arbeiten zu lassen. Da man beim Grundlegen keine schiefen Flaͤ- chen gebraucht, sondern den Boden, auf welchen der Grund gelegt wird, stets gerade und hori- zontal arbeiten laͤßt, so beduͤrfen solche auch kei- ner weitern Erwaͤhnung, genug daß wir den Effect gegen wagrechte Flaͤchen kennen. §. 26. 2) Eindringen des Wassers. Wir kommen mit diesem § auf die zweite Kraft des Wassers, die solches gegen die Daͤm- me ausuͤbt. Diese ist keine andere, als das Be- streben desselben, in Damm-Materialien einzu- dringen , und sie zu durchnaͤssen , oder we- nigstens ihren Zusammenhang unter einander zu schwaͤchen oder gar aufzuloͤsen. Weil die Damm-Materialien sehr dicht in einander verarbeitet werden, so denkt man sich bei die- diesem Eindringen mehr eine merkliche Befeuch- tung des Materials, als eine solche Durchnaͤssung, bei welcher das Wasser in großen Quantitaͤten und in Masse sichtbar waͤre. Man nimmt eine solche Durchnaͤssung etwa 2 bis 3 Fuß tief unter der Boͤschung wahr, auf welcher das Wasser unmit- telbar aufruht. Hier zeigt sich das Eindringen am staͤrksten, nach und nach aber weiter in den Damm hinein, (oder auch in die Seiten des Tei- ches) verliehrt es sich mehr und mehr, und wird endlich zu jener Befeuchtung, bei der die Was- sertheile nicht mehr stark sichtbar sind, so daß sie mehr gefuͤhlt als gesehen werden. Die verschiedene Wirksamkeit des Eindringens haͤngt theils von dem mehr oder minder festen Zu- sammenhange ab, welchen die zu einem Damme aufgefuͤhrten Materialien entweder schon besitzen, oder durch die Bearbeitung erst bekommen; theils haͤngt sie von der groͤßern oder geringern Anzie- hungskraft ab, welche das Wasser gegen das Ma- terial, und umgekehrt, aͤußert; endlich von den vermehrten oder verminderten Kraͤften, mit denen das Wasser von außen wirkt, und wodurch sein Eindringen erleichtert wird. Ueberhaupt also von dem groͤßern oder kleinern Widerstande, welchen das Eindringen findet, und von dem Anwuchse oder der Abnahme der Kraͤfte des Wassers. §. 27. §. 27. An und vor sich ist das Eindringen des Wassers, wenn die Materialien allerwaͤrts im Damme in glei- chen Verhaͤltnissen gemischt, und gleich dicht un- ter einander verbunden sind, wol ziemlich gleich stark. Wo also noch Verschiedenheit ist, da ruͤhrt solche von den besondern Umstaͤnden her, die in Ansehung der Materialien oder der Bearbeitung obwalten. Ferner ist mit dem Eindringen selbst auch allezeit etwas Wasserdruck verbunden; dieser richtet sich, nach dem Vorhergehenden, stets nach der Hoͤhe des Wasserstandes; wenn solcher also groß ist, so ist auch das Eindringen staͤrker als da, wo der Wasserstand niedriger ist. Wo Wellen entstehn, da wird auch das Ein- dringen des Wassers wirksamer durch den Stoß, welchen die Wellen gegen die ihnen widerstehende Flaͤche ausuͤben. Man sieht uͤberhaupt leicht ein, daß sich des Eindringens Tiefe theoretisch nicht bestimmen laͤßt, und man kann also nur et- wa so viel sagen, daß das Eindringen des Was- sers in einen Damm, wenn das uͤbrige alles gleich ist, der Hoͤhe des Wasserstandes pro- portional seyn muͤsse, und im umgekehr- ten Verhaͤltnisse mit dem Zusammenhange und der Fettigkeit der Materialien stehe. Doch setzt dieses voraus, daß die dem Wasser entgegen- gesetzte Flaͤche nicht ganz außerordentlich verwahrt und gegen das Eindringen des Wassers gesichert sey. Bei Bei der gewoͤhnlichen Art Daͤmme zu bauen, ist es bis itzt noch sehr schwierig, und nur mit- telst schwerer Kosten moͤglich gewesen, dem Was- ser das Eindringen in die ihm vorgebaueten Wer- ke gaͤnzlich zu verwehren. Man kann daher die Frage aufwerfen, wie tief darf wol das Was- ser in einen Damm eindringen, ohne eben dem Damme sehr gefaͤhrlich zu werden? Diese Frage zu beantworten, muß man die Erfahrung zu Huͤlfe nehmen. Bei Daͤmmen von Schutt und Erdreich , die uͤbrigens voͤllig gute Dienste lei- steten, und die an der Brust-Seite aufgebrochen wurden, um Reparaturen an den in ihnen liegen- den Striegeln vorzunehmen, ob gleich die Daͤmme uͤbrigens gut im Stande und hoch genug waren, hat man folgendes gefunden. Das Wasser war an den unversehrt gewesenen Stellen, die blos um der Reparatur willen mit aufgebrochen werden mußten, auf der Teichsohle, bei einer Wasser- stands-Hoͤhe von 50 Fußen, nicht tiefer unter die Boͤschung eingedrungen, als 8 Fuß, an manchen Stellen auch 10 Fuß. Nach der Kappe zu, (oben auf dem Damme) verringerte sich die Tiefe des Eindringens des Wassers in den Damm im- mer mehr, so daß es oben auf der Hoͤhe der Spie- gelflaͤche kaum noch 4 Fuß tief eingedrungen war. Mehrere Versuche stimmen hierinnen uͤber- ein, und man kann in Praxi annehmen, daß das Wasser in solche Daͤmme bis auf ⅛ der Damm- dicke eindringen duͤrfe, ohne sehr nachtheilig zu Teichb. D werden. werden. Freilich dringt das Wasser, da wo im Damme Striegel-Schaͤchte sind, in den Damm gern tief ein, weil besagte Schaͤchte groͤßtentheils auch voll Wasser stehn, wenn der Teich nicht leer ist, ingleichen weil durch die Erschuͤtterung, welche das Ziehen des Striegels und das Auslaufen des Wassers verursacht, das Eindringen desselben be- foͤrdert wird. Wirklich Wasser zeigt sich unter der Boͤ- schungs-Ebne selten tiefer, als 2 bis 2½ Fuß. Da wo Terrassen-Mauer vor dem Damme liegt, dringt das Wasser tiefer ein, weil bei dieser Mauer die Oeffnungen nicht so leicht und so dicht ver- stopft zu werden pflegen, wie bei Erd- und Schutt- Daͤmmen. Bei gemauerten Daͤmmen , die mit Fleiß und gut von Bruchsteinen gearbeitet waren, hat man das Eindringen beinahe eben so tief unter der Boͤschung gefunden, als bei Erd- und Schutt- Daͤmmen. Bei einigen, die aber freilich nicht als Muster dienen koͤnnen, war das Wasser tiefer eingedrungen als in die Erd- und Schutt-Daͤmme. Angewandte Accuratesse hat bei diesen Bestimmun- gen doch noch keinen gewissen Ausspruch thun koͤnnen. §. 28. 3) Wellenschlag des Wassers. Die dritte Kraft endlich, womit das Was- ser den Daͤmmen zu schaden sucht, ist der Wel- len- lenschlag . Daß auch dieser etwas auszurichten im Stande sey, ist sattsam aus den Erzaͤhlungen bekannt, die uns von Reisenden gemacht werden, welche entweder die See selbst, oder wenigstens die Kuͤsten derselben befuhren. Allein zum großen Troste aller derer, welche Teiche bauen muͤssen, koͤn- nen die kleinen Wellen, so auf Teichen entstehn, mit jenen unbaͤndigen Meereswogen gar nicht in Ver- gleichung gebracht werden, deren fuͤrchterliche Ge- walt die Menschen in die schrecklichste Angst, oder gar in unabsehbares Elend zu versetzen vermag. Demohnerachtet aber uͤben auch diese kleinen ge- ringfuͤgig scheinenden Wellen ihre Kraͤfte nur zu sichtbar an unsern Daͤmmen, und waschen die Brustseiten derselben mit der Zeit so ansehnlich aus, daß dadurch betraͤchtliche Reparaturen ent- stehn koͤnnen. Auch ihnen muß man also gleich bei Erbauung der Daͤmme sattsam zuvor kommen, und hinreichenden Widerstand entgegen setzen. Ihre Gewalt etwas naͤher kennen zu lernen, muß man besonders wissen, wodurch sie entstehen , und verstaͤrkt oder geschwaͤcht werden. Die Wellen entstehn aber allezeit durch eine Bewegung des Wassers. Diese kann durch Wind, oͤfters auch, zumal bei Seen, durch innerlich entwickelte Waͤrme, Daͤmpfe u. s. w. oder durch aͤußere ge- waltsame Einwirkungen, hervorgebracht werden. Moͤgen aber die Wellen entstehn wie sie wollen, so ist gewiß, daß die verschiedentlich gemachten Pruͤfun- gen der Gewalt der Wellen bisher immer etwas D 2 schwan- schwankend angestellt worden, und daß daher auch die Resultate dieser Untersuchungen immer noch truͤglich, und fuͤr die Erfahrung nicht ganz befriedigend sind. Da die Sache noch nicht voͤllig berichtigt ist, so kann sie indeß dazu dienen, den Scharfsinn gro- ßer Maͤnner zu uͤben, und man hat Ursach genug den Wunsch zu aͤußern, daß sich der durch viele Bauten, und gleichfalls durch mancherlei hieher gehoͤrende Schriften ruͤhmlichst bekannte Wasserbau- Director, Herr Woltmann , noch weiter mit Mate- rien dieser Art beschaͤftigen, und sie mit seinem schon gewohnten scharfen Blicke berichtigen, oder ergruͤnden moͤge. So erhaͤlt auch wol das Publikum ein neues Geschenk, das es mit Dank annehmen wird. Man kann uͤberhaupt von dem Wellenstoße dieß etwa behaupten, daß er sich nach dem Win- de , nach der Laͤnge, Breite und Tiefe des Wassers , endlich nach dem Winkel richte, unter welchem er an eine Flaͤche anstoͤßt. Hieruͤber noch einiges in den folgenden § §. §. 29. Der Wind hat in der Ausuͤbung seiner Gewalt etwas Außerordentliches. Wer kennt nicht die oft unbegreifliche Staͤrke desselben? Viel Naturkundi- ger leiten ihn aus dem aufgehobenen Gleichgewichte her, das bei stillem Wetter in der Atmosphaͤre als vorhanden angenommen wird. Die Winde selbst greifen in das Wasser ein, und machen Bewegun- gen gen in selbigem; daher bekommen die Wellenstoͤße immer die Richtung des zu solcher Zeit herrschen- den Windes. Oft aber haben auch die Windstoͤße mancherlei, ja den vorgenannten ganz entgegen- gesetzte, Richtungen. Daher entstehen die Kiesel- winde, wie man sie zu nennen pflegt. Sie aͤußern aber ihre Gewalt nicht blos seitwaͤrts umher, son- dern auch auf- und niederwaͤrts, immer dahin wo sie den wenigsten Widerstand finden. Eben diesen Winden, welche von oben nieder wirken, ist wol besonders die Groͤße der Wellen mit zuzuschreiben, indem sie gleichsam wie Keile in das Wasser eindringen, und es seitwaͤrts und in die Hoͤhe zwaͤngen. Ist die in die Hoͤhe getriebene Menge Wassers groß, und also auch schwer, ist ferner die Kraft, mit welcher der Wind seitwaͤrts treibt, auch sehr ansehnlich, so muͤssen die Wellen nothwendig sehr heftig an das ihnen Widerstehende anschlagen. Die Staͤrke des Windes, und seine Geschwindigkeit zu messen, hat man Anemome- ter erfunden, von denen jedoch auch noch bezwei- felt wird, ob sie den gehoͤrigen Grad von Genauig- keit haben, so daß man bei praktischen Arbeiten, nach ihren Angaben sicher und mit Nutzen verfah- ren koͤnne. Sie weitlaͤuftig hier anzufuͤhren, ist gegen den Zweck dieser Schrift; uͤberdies hat fast je- des Handbuch der Naturlehre welche aufzuweisen. §. 30. §. 30. Zu demjenigen, was den Wellenschlag verstaͤrken oder schwaͤchen hilft, gehoͤrt auch noch die Laͤnge, Breite und Tiefe der bewegten Wasserflaͤche. Durch eine groͤßere Laͤnge und Breite bekommen die Wel- len mehr Raum sich auszudehnen, ohne daß sie weitere Hindernisse faͤnden, als die, welche ihnen das Wasser selbst entgegen setzt. Durch die Tiefe des Wassers entsteht bei den Wellen eine derselben proportionirte Hoͤhe, so daß bei groͤßerer Tiefe auch hoͤhere Wellen zum Vorschein kommen. Die Ursach ist: die Windstoͤße, die von oben nieder wir- ken, koͤnnen bei hohem Wasserstande, ungehinderter und tiefer eindringen als bei flachem; denn im letz- tern Falle erreicht der Windstoß sehr bald den Grund. Weil nun solcher gemeiniglich vielfaͤltige Erhoͤhungen und Vertiefungen hat, ferner auch bald mehr spitzig, bald mehr rundlich u. s. w. ge- bildet ist, so bekommen dadurch die Windstoͤße sehr haͤufig ganz niedrige Reflexionsflaͤchen; die Stoͤße prallen demnach unordentlich und entgegengesetzt durch einander, und so geschieht es leicht, daß ein Stoß die Wirkung des andern aufhebt, ehe sie noch wirklich sich genugsam aͤußern kann. Bei tiefem Wasser ist dieß aber nicht der Fall. Der Stoß wird also, da er nicht geschwaͤcht ist, das Wasser mit seiner vollen Kraft heben, und es so aufthuͤrmen koͤnnen, daß daraus jene fuͤrchterlichen Wasserberge entstehn; dieß alles weiset die Erfah- rung an Seen und Kuͤsten sehr augenscheinlich aus. Von Von einer laͤngern und hoͤhern Welle wird aber auch eine groͤßere Flaͤche, z. E. eines Dammes, getroffen, als von einer kleinern; desto nachtheili- ger sind demnach die erstern, und noch oben drein dann, wenn die aͤußere Form der dem Was- ser ausgesetzten Flaͤche so beschaffen ist, daß sie die Gewalt der Wellen eher beguͤnstigt als schwaͤcht; oder — wenn die Bearbeitung und die Materia- lien selbst, dem Auswaschen zu Huͤlfe kommen, statt es zu hintertreiben. §. 31. Ehe wir diesen Gegenstand verlassen, muß zu- vor noch kuͤrzlich des Winkels gedacht werden, un- ter dem die Wellen an Daͤmme ꝛc. anstuͤrmen koͤn- nen. Alle Kraͤfte aͤußern ihre Wirkung dann am staͤrksten, wenn solche senkrecht auf den Wider- stand gerichtet sind. Nimmt man nun an, daß der Wellenstoß horizontal fortwirkt, so wird eine senkrecht gegen ihn stehende Flaͤche staͤrker von ihm getroffen werden, als eine schief entgegengestellte; denn im letztern Falle wirkt der Stoß auch nach den Reflexionsgesetzen, daher prallt er unter dem Win- kel von der Flaͤche wieder ab, unter dem er an sie anprallte, und verliehrt sonach allezeit von seiner Gewalt. Hingegen bei einem Stoße, der senkrecht wirkt, entsteht kein Abprallen seitwaͤrts, mithin leidet der Widerstand weit mehr von der gegen ihn verwandten Kraft. Aus diesem Grunde muß also die die schon oben §. 11. Nr. 4. gegebene Regel nicht als unwichtig angesehn werden. Zu mehrerer Erlaͤuterung dieses und der zwei vorhergehenden § §, merke man noch folgendes. Man taxirt die Gewalt der Wellen auch wol auf nachstehende Art. Die Wellen, die ein Sturm- wind erregt, wirken gegen eine senkrechte Flaͤche, also z. E. gegen einen Damm ohne Boͤschung an der Brustseite, mit einer doppelten Kraft, einmal mit einer anprallenden , zweitens mit einer sinkenden . Wenn man bei entstandenem Win- de das Sinken und Steigen der Wellen beobachtet, so wird man gewahr, daß bei dem Sinken des Wassers, nicht blos eine halbe Welle allein, son- dern von dieser noch eine halbe, und von dieser halben abermahls eine halbe Welle, und so ins Unendliche fort, entsteht. Die niedersinkenden Wellen machen daher eine unendliche abnehmende Progression. Hat man also noͤthig die sinkende Kraft einer Welle zu wissen, so muß man die Summe von einer unendlich abnehmen- den Progression suchen , hiebei aber noch folgendes in Betracht ziehen. Nach den Gesetzen der Hydrostatik ist die Kraft, wodurch eine Welle bis auf eine gewisse Hoͤhe gehoben wird, gleich einem Wasserkoͤrper, der einerlei Grundlinie und Hoͤhe mit ihr hat. Diesen findet man, wenn man den Flaͤcheninhalt mit der Hoͤhe multiplicirt. Kraft und Gegenwirkung sind sich aber gleich, dem- nach muß die Kraft, welche eine Welle bis auf eine eine gewisse Hoͤhe auftreibt, diesem ihrem hydro- statischen Wasserkoͤrper auch gleich seyn. Nun sey z. E. die Hoͤhe einer Welle 1 Fuß, so ist ihre Grundlinie 2 Fuß. Die ihr zukommende Laͤnge sey ebenfalls 1 Fuß, so wird die Welle mit 2 Ku- bicfuß Wasser wirken. Den Kubicfuß Wasser nur zu 64 ℔ gerechnet, wird ein Wind, der eine sol- che Welle von einem Fuße bewegen soll, auf eine Flaͤche von 2 Quadratfußen mit einer Kraft wir- ken muͤssen, die gleich ist 128 Pfunden. Da aber der Wellen Grundlinien bestaͤndig in demselben Ver- haͤltnisse bleiben muͤssen, so werden sich auch die Kraͤfte der Wellen gegen einander verhalten wie die Quadrate der Wellenhoͤhen. Hieraus folgt, daß eine doppelt so hohe Welle auch eine vierfache Kraft verlangt, als diejenige seyn muß, durch welche sie auf 1 Fuß Hoͤhe empor gehoben waͤre. Wird demnach eine Welle von 1 Fuß Hoͤhe, mit einer Kraft des Windes von 128 ℔ ange- worfen , so ist der Stoß, der auch zugleich durch die erfolgende Sinkung vermehrt wird, (die sich nach obigem nach einer abnehmenden Progression verringerte) 64 ℔, die gesammte Wirkung also = 192 ℔. Das Nachtheilige der senkrechten Daͤmme erhellt also abermals. Doch gilt die gleich anfangs des §. 28. gegebene Erinnerung, daß bei gewoͤhnli- chen Teichen nur wenig Erhebliches von dieser da- selbst entstehenden Art Wellen zu befuͤrchten ist. Leser, Leser, welche Lust haben moͤchten, die Rechnung auf andere Art weitlaͤuftig anzustellen, moͤgen den 1ten Theil von Silberschlags Hydrotechnik nachschlagen, wo sie weitere Anleitung finden. Die- jenigen aber, welche tiefer in die Mathematik ge- blickt haben, werden die Schriften des vortreffli- chen Herrn Woltmanns mit so viel Nutzen als Vergnuͤgen lesen koͤnnen, und ihre Wißbegierde nicht unbefriedigt sehen. §. 32. Kraͤfte, mit denen die Daͤmme widerstehen, und zwar 1) Schwere der Daͤmme . In dem Vorhergehenden ist mit Wenigem von den Kraͤften, welche das Wasser ausuͤbt, das beige- bracht worden, was der vorgesetzte Umfang dieses Buches gestattet. Da sich aber in der Natur nicht viel Kraͤfte finden, denen der menschliche Geist zu widerstehen nicht gewagt haͤtte oder noch unter- fangen sollte, wie auch uͤbrigens der Erfolg seyn mag, so ist gleichfalls die Gewalt des Wassers in ihre Schranken gewiesen worden. Kennt man da- her nur ihre Groͤße genau, und weiß man gegen- theils, mit wie viel Staͤrke, und mit was fuͤr Kraͤf- ten Daͤmme widerstehen , so ist die Baͤndi- gung auch selbst der Fluthen leichter, als man glaubt. Dieß fuͤhrt uns auf eine naͤhere Betrach- tung der Daͤmme und auf folgende Saͤtze. Die Die Erfahrung zeigt taͤglich, daß, vermoͤge der Schwere, alle Koͤrper, sich frei uͤberlassen, dem Mittelpunkte der Erde zusenken. Dieß geschieht so lange, bis sie eine Unterstuͤtzung gefunden haben, welche das Gewicht der Koͤrper, die sich senken, voͤl- lig zu tragen vermag. Sind sie unterstuͤtzt, so erleidet die Unterstuͤtzung einen Druck von ihnen, der dem Gewichte derselben, und der uͤber ihnen stehenden Luftsaͤule gleich ist. Dieß Gewicht ist aber so verschieden, als die Koͤrper selbst sind. Der Druck der Luft hingegen richtet sich nach dem groͤ- ßern oder kleinern Umfange, welchen der Koͤrper hat. Je mehr Flaͤche dieser also der Luftsaͤule entgegen setzt, desto schwerer wird er auch gedruͤckt, so wie er gegentheils, bei weniger entgegengesetzter Flaͤche, auch von der Luft geringern Druck erlei- det. (Man betrachtet jedoch bei solchem Drucke der Luft nur denjenigen, der auf die Koͤrper von oben niederwirkt; und gewoͤhnlich bringt man ihn gar nicht in Anschlag, da natuͤrlicher Weise alle Koͤrper an der Luft demselben ausgesetzt sind. Man achtet daher blos auf das Gewicht, welches die Koͤrper haben.) Vergleicht man nun gleich große Stuͤcken der Koͤrper, um ihre Schweren zu erforschen, so er- haͤlt man den Begriff des eigenthuͤmlichen Gewich- tes; da hingegen der Druck, den ein Koͤrper durch seine Schwere aͤußert, das abfolute Gewicht macht, wenn er an und vor sich ohne Vergleichung mit andern, betrachtet wird. Ein Ein Damm besteht aber auf gleiche Weise, wie andere Koͤrper, aus mehreren Stuͤcken und schwe- ren Theilen, die zusammengesetzt und zu einem großen Ganzen verbunden sind. Man kann ihn also fuͤglich als ein Stuͤck ansehn, das mit der Summe der Gewichte seiner Theile den Grund, auf dem er aufruht, niederwaͤrts druͤckt. Das Wasser muß also Gewalt anwenden, um einen sol- chen ihm entgegen gestellten schweren Koͤrper aus dem Wege zu schaffen; das ist: die Schwere eines solchen entgegengesetzten Koͤrpers raubt dem Wasser Kraft, und vermindert sie. Da nun die Schwere so maͤchtig ist und bestaͤndig niederwaͤrts wirkt, so sollte man beim ersten Augenschein glau- ben, eine Kraft, die einen Damm seitwaͤrts fortzu- schieben trachten wolle, muͤsse aͤußerst groß seyn, und das gesammte Gewicht des Dammes weit uͤber- steigen, zumal wenn die Materialien, aus denen der Damm erbauet worden, sehr specifisch oder ei- genthuͤmlich schwer waͤren. Die Erfahrung hat aber gerade das Gegentheil gelehrt, und gezeigt, daß man gewoͤhnlich weit weniger Kraft braucht, selbst solche große Lasten, dergleichen Daͤmme sind, seitwaͤrts fortzuschieben, als man vermuthen moͤch- te. Soll aber eine solche große Last, wie z. E. ein Damm, seitwaͤrts fortgeschoben werden, so kann dieß nicht ohne eine Klemmung und Reiben ge- schehen, welche die Schwere verursacht. Dieß fuͤhrt daher auf das Reiben, oder auf die Friction der Daͤmme. §. 33. §. 33. 2) Friction der Daͤmme. Seit vielen Jahren her, haben sich die Natur- kundiger und Mathematiker bemuͤht, die Staͤrke des Reibens genau ausfindig zu machen. Allein der mannigfaltigen und ernstlichen Bemuͤhungen ungeachtet, hat man durch die bisher angestellten Versuche, es noch nicht dahin bringen koͤnnen, ganz richtige und gewisse Verhaͤltnisse zu entdecken, die fuͤr alle Koͤrper guͤltig waͤren. Der bekannte Gelehrte, Muschenbroek , hat sich besonders in diesem Fache sehr beruͤhmt gemacht, und außer ihm mehrere große Maͤnner, z. E. Amontons, Desaguilier, Belidor ꝛc. Das Reiben zwischen den Koͤrpern entsteht da- durch, daß die Erhabenheiten des einen, in die Vertiefungen des andern eingreifen, und damit die Bewegung hindern, die ein Koͤrper uͤber den an- dern hinweg machen soll. Da die Bildung der Bestandtheile der Koͤrper so aͤußerst verschieden ist, so wird es gewiß schwer halten, jemals ein allgemeines Verhaͤltniß des Reibens zur Schwere ausfindig zu machen, und man wird bei den wahrscheinlichen Angaben der angestellten Versuche stehen bleiben und sich be- gnuͤgen muͤssen, doch einige Richtschnur zu haben. Indessen stimmen die meisten Versuche darin uͤber- ein, daß, um einen Koͤrper seitwaͤrts fortzubewe- gen, gen, eine Kraft erfordert wird, welche dem drit- ten, bisweilen auch dem vierten, Theile der Schwe- re des fortzubewegenden Koͤrpers gleich kommt; oder — daß das Reiben gemeiniglich ⅓ oder ¼ der Schwere des fortzubewegen- den Koͤrpers betrage . Nach dieser Regel richten auch die Mathematiker und Kuͤnstler ihre Rechnungen und Arbeiten ein, indem die Erfah- rung, im Durchschnitt genommen, das Verhaͤltniß von ⅓ fuͤr die Praxis eher noch etwas zu groß als zu klein ausweiset. Von dem Reiben und den Umstaͤnden, wodurch solches entweder vermehrt oder vermindert wird, handelt die Naturlehre weitlaͤnftiger. Vorzuͤglich sind hieruͤber die Lehrbuͤcher des beruͤhmten Herrn Professor Gren in Halle, und des sel. Erxle- ben , mit Nutzen nachzulesen. Wer noch weiter gehen will, muß sich der Schriften bedienen, die sich ausschließlich mit dieser Materie beschaͤftigen, und die man in jedem brauchbaren Handbuche der Mathematik angezeigt findet. §. 34. Von dem Reiben, in so fern es uns hier angeht, muß noch dieses bemerkt werden- Je mehr und je groͤßere Vertiefungen und Erhoͤhungen die Koͤrper haben, welche sich uͤber einander hinweg bewegen sollen, desto groͤßer muß das Reiben werden. Da nun die Oberflaͤche des Erdbodens uͤberhaupt, und also auch die der Thaͤler sehr uneben uneben und rauch gestaltet ist, so sieht man, daß man das im vorigen §. angegebene Verhaͤltniß, auch bei ihnen und den Daͤmmen ganz sicher anwenden koͤnne, da die Materialien der letztern gleichfalls so uneben zu seyn pflegen, als der Erdboden. Wuͤrde man das Reiben der Daͤmme auf der Oberflaͤche der Thaͤler viel kleiner als ⅓ des Gewichtes, das der ganze Damm hat, annehmen, so muͤßte man die Daͤmme zu stark machen. Da- durch aber wuͤrden sie zu sehr in die Kosten laufen, und das kann man doch, ohne Schaden und Be- sorgniß zu haben, vermeiden. Gegentheils, wenn man das Reiben viel groͤßer als ⅓ annimmt, so wird man dem zu folge den Damm viel schwaͤ- cher machen muͤssen. Da wuͤrde er aber im Grunde doch von seiner eigentlichen wahren Staͤr- ke verliehren, und man duͤrfte ihm alsdann mehr Kraͤfte zutrauen, als er in der That besaͤße. Anmerkung . Aus dem bisher Angefuͤhr- ten ist uͤberhaupt der Seitendruck des Wassers be- kannt geworden; man weiß auch, wie viel Friction ein Damm verursacht, oder wie viel Kraft noͤthig wird, ihn seitwaͤrts wegzuschieben; Ferner kann man wissen, wie schwer ein Damm sey, wenn man seinen Kubikinhalt sucht; nun fragt es sich: Wenn eher ist der Damm wirklich gegen den Sei- tendruck des Wassers so gesichert, daß ihm dieser nicht mehr schaden kann? Darauf dient zur Ant- wort: Dann, wenn die Friction des Dammes, sammt der Cohaͤsion (dem Zu- sam- sammenhange) seiner Theile, groͤßer ist, als der Wasserdruck . Dieß leitet auf die eigentliche Berechnung der Staͤrke der Daͤmme. §. 35. Berechnung der noͤthigen Staͤrke der Daͤmme. Um die Friction auszumitteln, war nach dem vorigen §. noͤthig, genau die Schwere des Dammes zu wissen. Wer nur einigermaßen mit der Stereo- metrie bekannt ist, findet des Dammes Kubikin- halt leicht; und wenn dieser erst gefunden ist, kann man, nach Maaßgabe der Schwere eines einzi- gen Kubikfußes vom Damm-Material, sehr bald auch das ganze Gewicht des Dammes bestimmen. Wenn dieß alles richtig und ohne Weitlaͤuftigkeit geschehen soll, so muß man zuvor die Hoͤhe des Wasserstandes wissen; aus dieser ergiebt sich die eigentliche Hoͤhe des Dammes. Ferner muß die Weite des Thales, in welchem der Damm erbauet wer- den soll, gegeben seyn; denn aus dieser findet sich, in Verbindung mit dem so eben Gesagten, die Laͤn- ge des Dammes. Ist dieß alles berichtigt, so hat die Rechnung selbst weiter keine große Schwie- rigkeit. Als Vorbereitung dazu dient folgendes. Ver- suche lehren, daß frei aufgestuͤrztes Erdreich oder Schutt, wenn es sich im Fallen gaͤnzlich uͤberlassen wird, so ziemlich unter einem Winkel vom 45° liegen bleibt, und sich aufthuͤrmt. Daher pflegt die die Basis oder Grundlinie eines dergleichen aufge- schuͤtteten Haufens zweimal so groß zu seyn, als die Hoͤhe desselben. Das wende man auf Daͤmme an, ohne auf das Verstampfen derselben einst- weilen Ruͤcksicht zu nehmen. Will man nun sehen, wie viel ein Damm aus- zuhalten vermag, so denke man sich ein Stuͤck aufgeschuͤtteten Damm, wie Figur 7 zeigt. In ihr ist a b = der Basis des Dammes, c d = seiner Hoͤhe, d e = b g = der Laͤnge des Dammes. Man suche also den Kubikinhalt des besagten Stuͤk- kes. Dieser ist = a d b × d e; dieser Inhalt muß nun in die Schwere eines Kubikfußes Erde oder Schuttes, oder uͤberhaupt des Damm-Materials multiplicirt werden. Diese Schwere ist leicht durch etliche Versuche, die man selbst anstellt, aus- zuforschen, und man thut wol, wenn man lieber die Versuche etwas im Großen als zu sehr im Kleinen anzustellen sich bemuͤht. Nimmt man z. E. einen hoͤlzernen Kasten von 8 Kubikfußen, so kann man leicht durch das arithmetische Mittel fuͤr jeden Versuch erfahren, was die eigentliche Schwe- re sey. Da die Rechnung mit Buchstaben auch hier gar nicht das mindeste Schwere hat, so wollen wir um der Kuͤrze willen a b = β ; c d = α ; d e = b g = λ und das Gewicht eines Kubikfußes von dem zu waͤhlenden Damm-Materiale = γ setzen. Und so hat man denn den Flaͤcheninhalt von a d b = ; Teiche. E folg- folglich den Kubikinhalt des Dammstuͤckes a d b g e = ½ α β λ = Dieß mit γ multiplicirt giebt die Schwere des Dammstuͤckes = ½ α β λ γ . Hie- von muß nun die Friction gesucht werden. Setzt man sie zu ⅓ der gesammten Schwere an, und nennt sie F, so ist F = ⅓. [(½ β α ) λ γ ] = ⅓. . Diese aus dem Gewicht des Dammstuͤcks entstehende Friction kann man als die Kraft ansehn, mit der das Dammstuͤck dem Wasser entgegen wirkt. §. 36. Zur Erlaͤuterung der im vorhergehenden § ge- gebnen Saͤtze, soll hier ein Exempel folgen. Es sey in der siebenten Figur die Hoͤhe des Dammes c d = 12′ die Basis a b = 24′, die Laͤnge des Dammes b g = 36 Fuß, so ist der Inhalt von Quadratfuß; und der Kubikinhalt von Kubikfuß. Wiegt von der Erde, deren man sich zu diesem Dammstuͤcke bedient haͤtte, ein Kubikfuß 80 ℔, so ist die gesammte Last dieses Dammstuͤckes = 414720 Pfund. Von dieser Summe ist die Friction zu ⅓ der Last gerechnet, = ⅓. 414720 Pfund = 138240 Pfund. Dieß ist die Groͤße, mit der das Dammstuͤck dem Wasser entgegen wirkt. Nun Nun suche man nach §. 24 den Seitendruck des Wassers. Dieser war dort = ½ a 2 . l g; Setzt man demnach die Hoͤhe des Wasserstandes, oder a = 12 Fuß, die Laͤnge der bewaͤsserten Seite oder l = 36 Fuß, eines Kubikfuß Wassers Schwere oder g = 64 ℔, so ist der Seitendruck des Wassers gegen dieses Dammstuͤck = 165888 ℔. Vergleicht man diese Summe durch die Sub- traction, mit der obigen Kraft, welche der Damm besitzt, so erhellt, daß der Seitendruck des Wassers, die Staͤrke des Dammes um 27648 ℔ uͤbertref- fe. Um so viel ist folglich der Damm noch zu schwach. Man muß also dem Damme noch an Breite zu- legen, oder seine Basis vergroͤßern; es sey denn, daß man ihm mehr Hoͤhe und zwar so viel geben wollte, bis sein Kubikinhalt eine solche Friction giebt, die groͤßer wird, als der Seitendruck des Wassers. Die Vergroͤßerung der untern Damm- breite ist jedoch so fort noch nicht gleich unumgaͤng- lich noͤthig, denn man bauet in Praxi nie einen Damm, der oben eine solche scharfe Kante haͤtte, wie hier bei dem in Figur 7 vorgestellten Damm- stuͤcke angenommen ist. Man ebnet dagegen alle- zeit einen Damm oben ab und zwar meistens wagrecht, daß man uͤber ihn bequem und sicher hinweg kommen kann. Zudem sucht man auch durch diese Abebnung des Dammes, den Durch- drang des Wassers zu dem innern zu verhuͤten, und das Abspuͤlen zu verwehren. Besagte Ebne heißt E 2 des des Dammes Kappe . Nach Umstaͤnden wird sie bald breiter bald schmaͤler gemacht. Sollen z. E. Fahrwege oder Fußsteige zugleich uͤber den Damm gehen, so kann man sie, bei einer maͤßigen Tiefe des Teiches, nicht wol unter 18 Fuß breit machen; denn weil das Fahren erschuͤttert, darf es nicht so nahe an den Ecken geschehn, weil da zu wenig Widerstand ist, und das Fahren Stuͤcke aus dem Damme auszwaͤngen wuͤrde. Ueberdieß ist mit dem Geschirre und Fuhrwesen, ein zu schmaler Raum nicht wol zu passiren. Die Praktiker haben ein Verhaͤltniß der Breite der Kappe zur Hoͤhe des Dammes gesucht, sind aber bei weitem nicht einstimmig. Gemeiniglich nehmen sie, wenn die Umstaͤnde nicht eine noch groͤßere Breite verlangen, den 3ten Theil der Hoͤhe des Dammes zur Breite der Kappe, und wenn die Daͤmme nicht zu unbedeutend niedrig sind, macht man sie niemals unter 6 bis 8 Fuß breit, voraus- gesetzt daß dann kein Fahrweg uͤber sie gehen soll. §. 37. Wenn ein Damm nach dem vorigen §. eine Kappe erhaͤlt, so sieht man gleich, daß dadurch sein Kubikinhalt betraͤchtlich vermehrt werde. Denn man kann sich nun vorstellen, der Damm bestuͤnde nach Figur 8 erstlich aus einem Parallelepipedo, dessen Grundflaͤche k m p o und dessen Laͤnge m e waͤre; Zweitens aus zwei Prismen, deren Laͤnge gleich- gleichfalls m e = b g und deren Grundflaͤchen m p b, und a k o waͤren. Nun sey noch, wie vorhin, a b = 24 Fuß; k m oder die Kappe 8 Fuß breit; b g = m e, 36 Fuß lang, und des Dammes Hoͤhe c d 12 Fuß hoch, so findet man den Kubikinhalt des Dammstuͤcks, wenn man die Inhalte jedes der drei vorbenannten Stuͤcke zusammen addiret. Es ist also der Kubikinhalt von a b m k i e g = Kubikfuß. Dieß mit 80 ℔ multiplicirt, giebt des Dammes Schwere = 552960 ℔. Hievon ist die Friction = ⅓. 552960 ℔ = 184320 ℔. Nach dem vorigen war aber der Wasserdruck 165888 ℔, folglich uͤber- trifft nunmehro die Kraft des Dammes den Sei- tendruck des Wassers um 18432 ℔, das ist um 184320 weniger 165888 ℔. Dieß zeigt also sehr deutlich, daß die Staͤrke der Daͤmme durch eine Kappe ungemein vermehrt werde. Fuͤr eine jede gegebene Breite und Hoͤhe des Dammes, wuͤrde diese seine Staͤrke dann am groͤß- ten werden, wenn die Kappe der untern Damm- breite gleich gemacht waͤre, welches aber gewiß nur selten, und etwa bei gemauerten Daͤmmen zu ge- schehn pflegt, denen man eine staͤrkere innere Ver- bindung geben kann, als den Erd- und Schutt- daͤmmen. §. 38. §. 38. Zu dem vorigen koͤmmt noch ein neuer bedenk- licher Umstand hinzu. Wenn, wie vorhin durch- gehends angenommen ist, der Wasserstand just der Dammhoͤhe gleich waͤre, so wuͤrde das Wasser trotz der Kappe, bei der geringsten Bewegung desselben, gleich uͤber den Damm hinweg gehen, und ihn ohnfehlbar beschaͤdigen. Der Damm muß aso im- mer noch etwas hoͤher gemacht werden, als der hoͤch- ste Wasserstand seyn soll. Diesen hoͤchsten Wasser- stand muß man so hoch annehmen, als die Winde, die in der Gegend herrschen, wo der Teich gebauet werden soll, das Wasser im Teiche an dem Dam- me in die Hoͤhe treiben moͤchten. Fuͤr unsere Tei- che rechnet man, gewoͤhnlicher Weise, nur 1 Fuß bis 16 Zoll fuͤr die Wellenhoͤhe. Dasjenige Stuͤck aber, um welches die Kappe hoͤher liegt als der hoͤchste Wasserstand, heißt der Anschlag . Man macht ihn selten uͤber 3 Fuß hoch, jedoch auch nie unter 2 Fuß. Um also die gesammte Dammhoͤhe fuͤr einen gegebenen Wasserstand zu haben, muß man noch 3 Fuß zur Hoͤhe des Wasserstandes zu- rechnen. Aus dieser Hoͤhe ergiebt sich dann die Breite der Kappe. Waͤre ein Teich zu bauen, der außerordentlich groß wuͤrde, so kann man beliebigen Falles die Hoͤhe des Anschlages noch etwas ver- mehren. Besonders ist es da nicht schaͤdlich, wo schlechterdings Fahrwege uͤber die Daͤmme gehen muͤssen. Nehmen Nehmen wir also unser voriges Exempel wie- der, und setzen des Dammes Hoͤhe, inclusive des An- schlages, zu 15 Fuß an, das uͤbrige aber alles wie vorhin, so ist des gesammten Dammes Inhalt = Kubikfuß; und diese Summe mit 80 multiplicirt giebt des Dammes Schwere = 691200 Pfund. Davon ist die Friction = ⅓. 691200 ℔ = 230400 ℔. Hievon den Wasserdruck = 165888 subtrahirt, giebt 64512 ℔ als Ueberschuß an Kraft auf Sei- ten des Dammes. Dieser Damm waͤre also stark genug, zumal da die Cohaͤsion seiner Theile, von der unten weiter geredet werden soll, gar nicht in Anschlag gebracht ist. §. 39. Es bleibt noch uͤbrig Anweisung zu geben, wie man aus der gegebenen Hoͤhe des Dammes und des Wasserstandes, die untere Breite oder die Basis des Dammes zu suchen habe. Um der noͤthigen Kuͤrze willen sollen bei diesen Regeln wieder die Buchstaben beibehalten werden, da sie die herr- lichste Uebersicht der ganzen Arbeit geben. Sie sollen auch zu dem Ende ihre vorige Bedeutung be- halten. Gesetzt nun, des Wassers Seitendruck und der Widerstand des Dammes sey voͤllig gleich, so hat man, wenn α = a und λ = l ist, folgende Saͤtze. Es ist nemlich α β woraus und oder demnach also und Dieß ist also die halbe Basis, oder die Haͤlfte der untern Dammbreite, die man dupliren muß, um β oder die ganze Breite zu haben. Um der Bequemlichkeit willen bei der Rechnung und Aus- fuͤhrung, ist hier sowol β als ½ β in Formeln an- gegeben. Wenn also die Richtung und der Platz gegeben ist, worauf der Damm kommen soll, so darf man nur an beiden Enden rechts und links von der Mittellinie, ½ β oder die halbe untere Dammbreite abstecken, und man, ist fertig. Bei der wirklichen Berechnung muß man, wie schon vorhin erinnert worden, nicht vergessen den Anschlag Anschlag mit zur Dammhoͤhe zuzurechnen, um die- sen muß a vergroͤßert werden, und dann wird be- schriebenermaaßen die Grundlinie gesucht. Zum Ueberflusse folgt hier noch ein Exempel. Waͤre wie vorhin der hoͤchste Wasserstand 12 Fuß hoch, also des Dammes Hoͤhe, sammt dem Anschlage 15 Fuß, γ oder die Schwere eines Kubikfußes Damm- Materials = 80 ℔, g oder die Schwere eines Kubikfußes Wassers = 64 ℔, so haͤtte man ½ β = , und substituirt, 18 Fuß, folglich β oder die ganze untere Damm- breite = 36 Fuß. Auf diese Art traͤgt Silber- schlag in seiner Hydrotechnik die Rechnung vor, dem wir hiebei gefolgt sind. §. 40. Folgende Betrachtungen scheinen hier nicht am unrechten Orte zu stehn, da sie weitere Aufschluͤsse uͤber das Vorhergehende mittheilen. Wenn 2 γ = 3 a g ist, so koͤnnte, der Rechnung nach, die halbe Grundlinie just der Hoͤhe gleich seyn, die der Damm bekommen soll. Je mehr hingegen γ gegen g waͤchst, desto kleiner wird der Quotient in dem Bruche, den die Formel bezeichnet. Also wird auch die halbe Grundlinie kleiner als die Hoͤ- he des Dammes. In der Ausuͤbung kann dieß aber keinesweges gelten, indem mancherlei Um- staͤnde staͤnde verbieten und verhindern, daß ½ β kleiner sey als des Dammes Hoͤhe. In diesem Falle wuͤrde zum Beispiel die Abdachung oder Boͤschung schon sehr steil werden, woraus das Unbequeme entstuͤn- de, daß bei Erd- und Schuttdaͤmmen das Erdreich und Material, nur unsicher, und oftermalen gar nicht liegen bliebe. Man muͤßte daher noch andere Mittel anwenden, um den Schutt haltbar und festliegend zu machen, widrigenfalls wuͤrden Re- genguͤsse sehr gefaͤhrlich werden, große Loͤcher aus- waschen und den Damm bald ruiniren. Am ge- schicktesten wuͤrde es seyn, sich in diesem Falle der Maurung zu bedienen. Diese gaͤbe allein dauer- hafte senkrecht aufgefuͤhrte Daͤmme. Aber selbst auch die gemauerten Daͤmme laͤßt man nicht gern ohne einige Boͤschung auffuͤhren. Bei den Alten war es als etwas Nothwendiges anzusehn, der untern Breite des Dammes zu seiner gesammten Hoͤhe, jederzeit das Verhaͤltniß 3 : 1 zu geben. Doch dieß scheint billig etwas zu groß zu seyn, und nur dann moͤchte dieß Verhaͤltniß gerechtfertigt werden koͤnnen, wenn γ oder die specifische Schwe- re eines Kubikfußes Schuttes ꝛc. merklich geringer waͤre, als g die eigenthuͤmliche Schwere eines Ku- bikfußes Wassers. Dieß duͤrfte jedoch nur ein aͤußerst seltener Fall seyn, und man kann daher das Ver- haͤltniß 5 : 2 in Ansehung der untern Dammbreite zu seiner Hoͤhe mit Vortheil brauchen. Die Er- fahrung bestaͤtigt auch dieses durch Anlagen, die nach nach diesem Verhaͤltniß gebauet sind, und bis dato die besten Dienste gethan haben. §. 41. Boͤschung der Daͤmme. Ehe wir noch zu dem Zusammenhange des Damm-Materials weiter schreiten, scheint es nicht undienlich zu seyn, erst hier noch einiges von der Boͤschung der Daͤmme beizubringen, da solche ein sehr zweckmaͤßiges Mittel ist, die Staͤrke derselben ansehnlich zu vermehren, wie wir unten sehen wer- den. Im Vorbeigehn gleichsam, ist ihrer schon erwaͤhnt worden; doch daraus wuͤrden die Leser nicht im Stande seyn, ein richtiges Urtheil uͤber sie zu faͤllen. Ist ein Damm nach Figur 9 aufgebauet, der- gestalt, daß seine vordere (oder Brustseite ) so gut wie die hintere ( die Ruͤckenseite ) nach einer senkrechten Flaͤche aufgefuͤhrt sind, so sagt man, er sey perpendiculair in die Hoͤhe gebracht, oder er habe keine Boͤschung. Hat hingegen ein Profil, durch die Breite des Dammes gezogen, die Form in Figur 10., so sagt man, der Damm hat Boͤschung, oder er ist dossirt . Die Boͤschung ist daher nichts anders, als die Schiefe, nach der seine Seiten aufgefuͤhrt sind. Nun koͤnnen bei den Boͤ- schungen hauptsaͤchlich folgende Fragen in Betracht kommen. Erstlich: wornach richtet sich die Staͤrke der Boͤschung? Zweitens: welches ist die beste Art, sie bei Teich en anzulegen? In In Figur 4 stelle α γ eine schiefe Ebne im Durchschnitte vor. Ihre Neigung gegen den Ho- rizont werde durch die Linie β γ angegeben. Nun erhellt aus der angewandten Mathematik, daß aus der Schwere eines Koͤrpers, der auf einer schiefen Ebne liegt, eine Kraft entsteht, welche den Koͤrper von der schiefen Ebne herab zu treiben trachtet; Ferner, daß diese Kraft mit der Nei- gung der schiefen Ebne in Verbindung stehe. Vor- bemeldete Kraft richtet sich nemlich nach der Hoͤhe, unter der die schiefe Ebne aufgerichtet ist. Diese Hoͤhe, z. E. die Linie β γ , ist nichts anders als der Sinus des Winkels β α γ . So wie also dieser Sinus waͤchst oder kleiner wird, nimmt auch die Kraft zu oder ab, mit welcher der Koͤrper von der schiefen Ebne herabfallen will. Es giebt aber ei- nen Winkel, wo diese Kraft erst sichtbar zu werden anfaͤngt, da sie vorher unter einem kleinern Win- kel sich gar nicht geaͤußert hatte. Dieser Winkel ist 18 Grad 26 Minuten, und man heißt ihn den Ruhewinkel . Wird die Neigung einer Ebne gegen den Horizont groͤßer als 18°26′, so faͤngt der auf einer solchen Ebne bis dahin ruhende Koͤr- per an, seine Ruhe zu verlassen, und herab zu schurren, man muͤßte ihn denn durch eine andere Kraft in seinem Herabgleiten aufhalten. Da nun diese Kraft des Koͤrpers herab zu gleiten, dem Si- nus des Neigungswinkels der schiefen Ebne pro- portionirt ist, so erhellt, daß die Neigung der schie- fen Ebnen in Ansehung des Herabgleitens immer vor- vortheilhafter wird, je weniger sie Hoͤhe hat, das heißt, je flaͤcher sie liegt. Vorausgesetzt, daß man das Herabfallen verhindern wolle. Im entge- gengesetzten Falle muͤßte man, um den Koͤrper recht schnell und gewiß herabschießen zu machen, die schiefe Ebne so stark als moͤglich erheben. Bei ei- ner sehr flach liegenden schiefen Ebne braucht man also sehr wenig Kraft, um den aufliegenden Koͤr- per in Ruhe zu bringen und darinnen zu erhalten. Die Boͤschungen sind aber nichts anders als schiefe Ebnen, deswegen gilt das hier Gesagte voͤl- lig von ihnen; zudem kann man das Damm-Mate- rial als Koͤrper ansehen, die auf einer schiefen Ebne ruhen sollen. In Ansehung des Herabrol- lens beweiset aber auch die Rauhigkeit der Koͤrper viel Wirksamkeit, bei nicht glatten, sondern un- ebnen schiefen Flaͤchen. Wo also Rauhigkeit ist, da wird ein groͤßerer Sinus, oder eine groͤßere Elevation noͤthig, wenn Koͤrper von einer solchen Flaͤche herab rollen sollen. Nach dem Vorigen zeigte auch schon die Erfahrung, daß aufgeschuͤt- tetes Erdreich bei einem Winkel von 45 Graden sicher und derb auf einander ruhe Die Natur scheint also hierin selbst unsere Lehrmeisterin seyn zu wollen, und die zum Bauen vortheilhafteste Boͤschung zu bestimmen. Bei einem kleinern Winkel als 45 Grad liegt das Aufgeschuͤttete nach dem Vorigen um desto fester. Ist aber der Winkel groͤßer, so gleitet das leicht herab, was aufgestuͤrzt wird; wird; man folge demnach der Natur, und man geht nicht unsicher. §. 42. Wir haben so eben gesehen, daß die flachen Boͤschungen den steilen vorzuziehn waren; wenn diese also eine staͤrkere Verbindung der Materia- lien erfordern, um gehoͤrig dauerhaft zu werden, so koͤnnen jene mit weniger dicht verbundenen Theilen schon vorlieb nehmen, ohne an ihrer Brauchbarkeit deswegen viel zu verliehren. Allein man ist sehr oft genoͤthigt, steile Boͤschungen zu ma- chen, und wirklich haben sie einen starken Vortheil auf ihrer Seite, den nemlich, daß sie weit weniger Raum verlangen, worauf man oͤfters viel Ruͤck- sicht zu nehmen genoͤthigt ist. Dann haben sie auch noch das Gute an sich, daß man zu ihnen weit weniger Materialien braucht. Ferner aͤußert sich bei flachen Boͤschungen der große Nachtheil, daß die Naͤsse sehr leicht, und tiefer in sie ein- dringt, als in stelle. Die flachen sind daher eher dem Ruin, in Ansehung der Witterung, un- terworfen. Doch noch etwas sehr unangenehmes haben steile Boͤschungen dadurch, daß sie allezeit einen guten Grund verlangen, um auszudauern, da die flachen sich mit einem schlechtern begnuͤ- gen. Ueberdieß kann der Wasserstoß gegen steile mehr wirksam seyn, als gegen flache. Bei Bei 45 Grad Elevation ist die Grundlinie der Boͤschungen just der Hoͤhe gleich. Bei stei- lern ist sie kleiner, bei flaͤchern aber groͤßer als die Hoͤhe, daher diese mehr Raum erfordern. Daß aber die Boͤschungen den Daͤmmen we- sentlichen Nutzen schaffen, laͤßt sich augenschein- lich mit Folgendem darthun. §. 43. Figur 10 stelle ein Stuͤck Damm vor, das hin- ten und vorn Boͤschung hat. Ist nun die Abda- chung oder Boͤschung an der Brust- und Ruͤcken- seite beiderseits gleich, und 45 Grad, so kann man annehmen, daß der Schwerpunkt dieses koͤr- perlichen Abschnittes oder Dammstuͤckes a b c d e f, in seine Mitte, also irgendwo in n m fallen wer- de, wenn man die Dicke des Abschnittes einstwei- len nicht in Betrachtung ziehet. Sieht man nun das Stuͤck Damm als einen gebogenen Hebel an, des- sen einer Arm n m, der andere a b, der Ruhepunct aber in b waͤre, so erhellt, wenn δ den Druck des Wassers gegen den Damm, und w den Widerstand des Dammes gegen den Wasserdruck bedeutet, in- gleichen wenn δ . n m das Moment des Wasser- drucks, und ½ a b. w = m b. w das Moment des Widerstandes ist, welchen der Damm dem Wasser- druck entgegensetzt, daß — so wie m b. w groͤßer wird, es also auch mehr Widerstand leistet, wenn n m. δ unveraͤnderlich bleibt. Man ist aber im Stande, das Produkt m b. w durch die Vergroͤße- rung rung von m b, beliebig zu vergroͤßern, und zwar, ohne daß man mehr Materialien zum Damme noͤ- thig haͤtte, als deren zur hinlaͤnglichen Sicherheit erfordert werden. Da nun solches mittelst der Boͤ- schung geschehen kann, so folgt nothwendig, daß die Boͤschung nuͤtzlich sey. Um nun jene Vergroͤßerung von m b zu be- werkstelligen, darf man nur dem Damme im Profil eine andere Gestalt geben. Man lege nemlich ein Stuͤck a o d hinten an die Basis des Dammes so an, daß a o = b r werde, und gebe dem Damme nunmehro hinten die Boͤschung c r statt c b, so daß also das Damm-Profil die Gestalt o d c r be- koͤmmt. In diesem Falle wird freilich auch der Schwerpunkt etwas weiter ruͤckwaͤrts, hinter n m fallen, jedoch aber der Hebel immer noch groͤßer werden als vorhin. Am groͤßten wuͤrde er werden koͤnnen, wenn man vorn dem Wasser entgegen, gar keine Abdachung machen muͤßte, also wenn der Damm an der Brustseite senkrecht waͤre. Dann haͤtte er die Gestalt p d c r in der 10ten Figur, und da koͤnnte das ganze Stuͤck a d p hinten hin gelegt werden, wodurch also der Damm die Gestalt a d c b im Profil nach Figur 11 bekaͤme. Doch diese Gestalt widerrathen, außer den in dem Vor- hergehenden schon angefuͤhrten Gruͤnden, auch noch diese, daß der Damm unter diesen Umstaͤn- den vorn sehr geschwaͤcht wuͤrde, wenn der Strie- gelschacht in ihm zu liegen kaͤme, sondern auch Repa- Reparaturen an der Wasserseite kostbarer und ge- faͤhrlicher wuͤrden, als wenn der Damm dossirt waͤre. Solche Daͤmme werden also selten und et- wa nur dann so erbauet, wenn sie eine geringe Hoͤhe haben, z. E. 8 bis 12 Fuß. Giebt man der Brustseite eine Boͤschung von 60 hoͤchstens 65 Grad, der Ruͤckenseite hingegen 45 Grad Abdachung, so hat man fuͤr gemauerte Daͤmme zweckmaͤßige Boͤschungen. Erd- und Schuttdaͤmmen kann man vorn und hinten 45 Grad geben; will man aber die Brust- seite derselben mit einer Terrassenmauer beklei- den, so koͤnnen sie alsdann auch die Boͤschung der gemauerten Daͤmme haben. Ueberhaupt erhellt aus dem Vorigen, sowol vorn als hinten muß Boͤschung seyn, und hinten muß allezeit das Dossement staͤrker, das heißt, flaͤ- cher seyn, als vorn an der Wasserseite, jedoch nie unter 40 Grad. §. 44. Beste Form der Boͤschungen. Terrassenmauern. Da das Wasser durch den Wellenschlag auch die Boͤschungen zu ruiniren sucht, so hat man daruͤber nachgedacht, welches die beste Form und Construction der Boͤschungen seyn moͤchte, um dem Wellenschlage zu widerstehen. Unter den mannig- faltigen bekannten und merkwuͤrdigen krummen Linien, mit denen sich die hoͤhere Mathematik be- Teichb. F schaͤftigt, schaͤftigt, ist besonders die Kettenlinie hiezu tauglich gefunden worden. Denn stoßen die Wel- len an eine Flaͤche, die nach einer Kettenlinie ge- formt ist, so fallen sie vermoͤge der Kruͤmmung dieser Linie nach dem Anstoßen wieder in sich selbst zuruͤck. Sie schaden daher dem Damme wenig oder gar nichts. Allein diese Kettenlinie leidet nicht umer allen Umstaͤnden, sondern nur bei Ter- rassenmauern Anwendung. Denn bei Erd- und Schuttdaͤmmen, deren Boͤschung (an der Brust- seite) man nach dieser Linie auffuͤhren wollte, wuͤrde das Wasser nur zu bald die ganze Flaͤche ruinirt und zu seinem Vortheil so ausgespuͤlt ha- ben, daß man von der Kettenlinie gar nichts mehr wahrnehmen koͤnnte. Gleichfalls wuͤrde man sie vergebens mit Thon oder mit Rasen besetzen, denn auch dieser waͤscht sich aus und herunter in den Teichgrund, und in Kurzem wuͤrde auch da die noch so accurat aufgefuͤhrte Kettenlinie unsichtbar seyn. Ihr Gebrauch schraͤnkt sich also einzig auf Mauern ein. Die Terrassen-Mauer ist nichts anders, als eine von der Brustseite des Dammes aufgefuͤhr- te Mauer, welche das Ausspuͤlen des Dammes, und das Eindringen des Wassers in selbigen ver- wehren soll. Man begreift leicht, daß sie bei gemauerten Daͤmmen uͤberfluͤßig sey, weil da die gemauerten Boͤschungen schon selbst Terrassen- Mauern werden. Ihre Bauart wird unten wei- ter ter erklaͤrt. Um aber die Kettenlinie bei ihr her- vorzubringen, und den Damm darnach zu b lden, wird er erst bis zur benoͤthigten Hoͤhe aufgefuͤhrt, das aͤußere desselben hingegen noch roh und sich selbst uͤberlassen. Dann schlaͤgt man auf der Sohle, und der Kappe des Dammes zwei Pfahle ein, de- ren Laͤnge mit der Dicke der Terrassen-Mauer, wie man solche geben will, ausgeglichen seyn muß. An diese Pfaͤhle befestigt man ein langes, nicht zu derb gedrehtes Seil , welches von einem zum andern reichen muß, und nicht straff angezogen seyn darf. Dieß giebt alsdann die Kettenlinie an. Eine eben so lange Kette thut gleiche Dienste. Durch das Anziehen und Straffmachen des Seils, oder durch das Nachlassen desselben, kann man die Dicke der Terrassen-Mauer beliebig vermehren oder vermin- dern. Figur 29 zeigt die Art des Verfahrens ei- nigermaßen. Man kann die Vorrichtung mit dem Seile auch an einem andern Orte vornehmen lassen, und dann eine Chablone oder Lehrbrett verfertigen, nach welchem die Maurer die Brustseiten-Boͤschung arbeiten muͤssen. Da erhaͤlt man mehrere Ge- nauigkeit. Will man nicht just die Kettenlinie nehmen, so kann man auch die folgende Art brauchen. Die Brustseite des Dammes wird unter einem Boͤ- schungswinkel von 45 Grad, bis zu einem Vier- theil der Dammhoͤhe aufgemauert. Das folgende F 2 zweite zweite und dritte Viertheil der ganzen Dammhoͤhe, fuhrt man unter einem Boͤschungswinkel von 60 bis 65 Grad auf; hoͤchstens steigt man bis 70 Grad. Das letzte Viertheil wird endlich wieder flach unter einem Boͤschungswinkel von 35 bis 45 Grad auf- gefuͤhrt. Die Ruͤckenseite bleibt hingegen, wie oben bestimmt worden. Auch diese Art die Ter- rassen-Mauern aufzufuͤhren, hat die Erfahrung als gut und nachahmungswerth gezeigt, ob sie gleich nicht so vollkommen ist, wie die nach einer Kettenlinie. Hieher gehoͤrt Figur 20. §. 45. 3) Zusammenhang der Damm-Materialien. Endlich kommen wir mit diesem § auf noch ein vorzuͤgliches Verstaͤrkungs-Mittel der Daͤmme, ich meine auf die Cohaͤsion (den Zusammenhang) der Damm-Materialien. Vermoͤge des Zusam- menhangs macht erstlich der Damm allein betrach- tet, ein ganzes, gleichsam fuͤr sich bestehendes Stuͤck aus; zweitens wird durch die Cohaͤsion die genauere Verbindung zwischen den Daͤmmen und den Sei- ten derselben bewirkt. Beides setzt eine naͤhere Vereinigung der vor dem wirklichen Baue getrennt gewesenen Materialien, sowol unter sich als mit andern, voraus. In beiderlei Ruͤcksicht ist diese Vereinigung, vermoͤge des Zweckes der Daͤmme, desto vortheilhafter, je mehr Widerstand sie gegen alle die Kraͤfte aͤußert, welche den Damm zu tren- nen trachten. Wenn also dieser Widerstand so sehr als als moͤglich befoͤrdert werden muß, so ist es noth- wendig die Mittel zu kennen, die ihn am meisten beguͤnstigen. Diese Mittel liegen theils gleich selbst in den zu vereinigenden Koͤrpern, theils in der Art der Zusammenstellung derselben durch die Kunst. Unter den Erstern sind die eigenthuͤmliche Bildung der kleinern Bestandtheile der Koͤrper, die Schwe- re, Verwandschaft und Wahl, Anziehung, Haͤrte, Weichheit, Flußigkeit, Fettigkeit, Magerkeit, end- lich die Luft, die vorzuͤglichsten, deren weitlaͤuftige Erklaͤrung hier nicht statt finden kann, da sie ohnehin in den Lehrbuͤchern der Naturlehre abge- handelt werden. Zu den Letztern aber gehoͤrt hauptsaͤchlich die Veranstaltung, daß die Koͤrper, welche genau vereinigt werden sollen, sich in so viel Punkten, als nur moͤglich ist, un- ter einander beruͤhren . Dieß kann ent- weder durch Abaͤnderung ihrer Form, oder durch Huͤlfe anderer Koͤrper geschehen, vermittelst derer solche Koͤrper, die ihrer Form nach fuͤr sich zu einer genauen Vereinigung untauglich sind, nachmals dazu geschickt werden, das ist — durch Ver- mischung harter und weicher Koͤrper. Weil nun diese Vermischung an und fuͤr sich auch noch mehrere leere Raͤume vorhanden laͤßt, welche oͤf- ters der Zweck derselben nicht gestatten kann, so wird eine neue aͤußere Kraft noͤthig, vermoͤge de- ren die vermischten Koͤrper heftig und so dicht in und an einander gepreßt werden, als es die Um- staͤnde verlangen. Auf diesen Mitteln beruht also also die Cohaͤsion vorzuͤglich, und je nachdem die- selben in solchen Verhaͤltnissen und auf die Art angewandt werden, daß keines von ihnen die guͤn- stige Wirkung des andern aufhebt, wol aber be- foͤrdert, desto staͤrker aͤußert sich auch jener Wi- derstand, ohne den der vortheilhafte Teichbau un- moͤglich waͤre. §. 46. Theoretisch laͤßt sich freilich der Widerstand, den die Cohaͤsion leistet, nicht wol bestimmen; man ist deswegen genoͤthigt die Erfahrung zu Huͤlfe zu nehmen, und den Resultaten zu folgen, welche durch letztere an die Hand gegeben werden. Weil die Koͤrper, die wir um uns finden, in An- sehung des Zusammenhangs aͤußerst verschieden find, so muͤssen daher auch aͤußerst viel Grade des Zusammenhangs entstehen. Um diese Grade zu erforschen, oder sie zu messen, kann man sie nach der großern oder kleinern Gewalt beurtheilen, wel- che erforderlich wird, die Koͤrper zu trennen. Die Gewalt selbst kann man durch Gewichte vorstellig machen, oder ausdruͤcken, auf eine aͤhnliche Art wie Muschenbroeck seine Versuche uͤber die Elastizitaͤt und Festigkeit des Holzes anstellte. Ue- berhaupt giebt uns die Erfahrung folgende Be- lehrung. Wenn man die Koͤrper blos fuͤr sich ohne Verbindung mit andern betrachtet, so haͤn- gen diejenigen Koͤrper, welche mehr dicht und schwe- rer sind als andere, staͤrker zusammen, als lockere und und leichtere. Ferner haben auch die meisten be- kannten harten Koͤrper mehr Zusammenhang als weiche, so wie die fertigen staͤrker als die waͤßri- gen, und die nicht fluͤßigen uͤberhaupt mehr als die fluͤßigen zusammenhaͤngen. Da man aber nicht wol im Stande ist, durch die bloße kuͤnstliche Aenderung der Figur der Ma- terialien, aus bloßen dichten oder sehr schweren Koͤrpern, oder aus bloßen harten oder sehr fetti- gen, u. s. w. ganz allein , nuͤtzliche Daͤmme zu bauen, so muß man sich jedesmal zu einer festen Verknuͤpfung der Koͤrper, — besonders wie sie das Wasser erfordert — der Vermischung mehrer- lei Arten bedienen, man mag ihre Form aͤndern oder nicht. Zu solchen Vermischungen geben denn besonders die fettigen weichen Koͤrper, die mit der Zeit erhaͤrten, und kein Wasser durchlassen, schick- liche Verbindungsmittel ab; harte, schwere und fettigt weiche Koͤrper sind also fuͤr den Teichbau am dienlichsten. Ueber den wirkli- chen Gebrauch derselben giebt die taͤgliche Erfah- rung und das Folgende hinlaͤngliche Auskunft. Allezeit aber wird dabei eine starke Verwicke- lung derselben vorausgesetzt, wenn anders die Verbindung viel Halt bekommen soll. Weil die Cohaͤsion gegen das Eindringen des Wassers sichert, und dieß stets vom Seitendrucke begleitet ist, so widersteht sie auch mittelbarer Weise dem Letztern. Ueber die Cohaͤsion selbst ge- ben Chemie und Naturlehre weitere Aufschluͤsse; um um aber desto deutlicher zu seyn, folgt hier noch einiges uͤber die Auswahl und Guͤte der Damm- Materialien im folgenden §. §. 47. Man kann uͤberhaupt die zum Teichbau benoͤthig- ten und gewoͤhnlichen Materialien mit Ausschluß des Holzes und Eisens, in Ruͤcksicht ihrer Guͤte und des dabei vorausgesetzten Zusammenhangs et- wa so ordnen, wie sie hier auf einander folgen. 1) Voran stehn billig die Gesteinarten; ihnen folgt 2) der Wassermoͤrtel; diesem, 3) Thon und Letten; diesem, 4) Thonhaltige Massen, die weich oder biegsam sind, und (obgleich uneigentlich) in dieser Ruͤcksicht kann man auch hieher den Rasen zaͤhlen, da er sich gut behandeln laͤßt. 5) Feiner Schutt mit Erdreich vermischt, endlich 6) Lockeres Erdreich und Sand. Von den Gesteinarten sind vorzuͤglich folgende sehr geschickt beim Damm- und Teichbau gebraucht zu werden. Granit und seine Abarten; Gneuß, Kieselschiefer, Porphir, Jaspis, Achat, Grau- wacke, Thonschiefer, Hornstein, Sandstein, und alle derbe Kalkarten, die nicht in zu kleinen Stuͤk- ken brechen, oder bald zerfallen. Alle diese sind brauchbar, doch die voranstehenden in der Regel mehr als die beiden letztern Arten. Mehrern Un- terricht terricht von ihnen und allen Gesteinarten uͤber- haupt, giebt die Mineralogie, die besonders die Herren Emmerling, Gerhard, Karsten und Voigt sehr zweckmaͤßig abgehandelt haben. Wenn hier nicht alle moͤgliche Arten von Stei- nen und Gebirgsarten uͤberhaupt aufgefuͤhrt sind, welche beim Teichbau zu brauchen sind, und von dem Locale bestimmt werden koͤnnen, so wird sol- ches der Leser verzeihen, da es nur unnoͤthige Weitlaͤuftigkeiten machen wuͤrde, und man sich allezeit viel nach dem Locale und andern Umstaͤa- den richten muß. Der Wassermoͤrtel, wenn er gut gewaͤhlt ist, ist außerordentlich schaͤtzbar bei allem Wasserbau. Er haͤngt sehr fest unter sich und mit andern Koͤr- pern zusammen, und da er kein Wasser schluckt und durchlaͤßt, so sichert er die Mauern auf die erwuͤnschteste Weise. Wegen seiner Kostbarkeit ist er jedoch bei weitem nicht so in Gebrauch, als er es verdient, und man bedient sich seiner vorzuͤglich da, wo von dem Wasser viel zu besorgen ist, und man gar keine Kosten scheuen darf, zum Beispiel bei den Grundwerken. Vorschlaͤge und Verhaͤlt- nisse zu Wassermoͤrteln sind in unsern Tagen so zahlreich, daß beinahe jeder Mauermeister sich ruͤhmt, eine Menge von Sorten des Wassermoͤrtels angeben zu koͤnnen. Vortreffliche Angaben finden sich in des scharfsinnigen Gelehrten, Herrn Kluͤ- gels Encyclopaͤdie; einem sehr schaͤtzbaren Werke, in welchem das Roͤthigste auch hieruͤber angegeben worden, worden, ohne an Belehrung etwas fehlen zu lassen. Bei weitem nicht so fest haͤngt der Thon zu- sammen, er verliehrt also auch gegen den Moͤrtel an Guͤte. Doch er ist sehr haͤufig zu finden, und laͤßt kein Wasser durch, uͤberdem hat er das Gute, daß er sich nach allen Gestalten, und zwar ohne viel Muͤhe formen laͤßt. Er ist nebst den Kalk- arten das gewoͤhnlichste Verbindungsmittel der Steine. Trocken geworden, bleibt er sehr lange in der ihm gegebnen Gestalt stehn, wofern er nicht durch Gewalt oder durch Naͤsse leidet. Der Letten ist ebenfalls ein feiner sehr bindiger Thon, nur et- was zaͤher. Auch er ist sehr gut zu gebrauchen, und nicht selten substituirt man ihn gaͤnzlich statt des Wassermoͤrtels. Leider aber ist er sehr rar, und deswegen kann man nicht viele ins Große ge- hende Arbeiten damit verfertigen, ob er gleich besser als der schoͤnste Thon ist. Die weichen Thonhaltigen Massen haͤngen zwar nicht so stark zusammen als die vorgenannten, und lassen auch eher Wasser durch; sie sind aber drum auch nutzbar, weil sie sehr haͤufig sind, und sich sehr gut und derb in einander verarbeiten lassen. Der Rasen haͤlt das Wasser sehr gut auf, laͤßt sich bequem, und nach allen Arten, wie man nur will, bearbeiten. Er ist daher fuͤr den Teichbau ein sehr nothwendiges Material geworden, auch ist er gemeiniglich aller Orten anzutreffen. Der Der Leimen (Lehm) hat noch weniger Zu- sammenhang, so auch das gute bindige Erdreich. Gleich den vorigen lassen sich beide Arten zwar be- quem verarbeiten, aber sie widerstehn dem Durch- dringen des Wassers nicht genugsam . Deswegen braucht man sie lieber an der Ruͤckenseite der Daͤmme, als vorn dem Wasser entgegen. Schutt und Erdreich unter einander gemischt, ist zwar ein sehr gewoͤhnliches Damm-Material, aber von einem geringen Zusammenhange, wenn es nicht mit vieler Muͤhe zusammengestampft wird, oder lange Zeit bekoͤmmt, um sich fest auf einan- der einzuliegen. In der Naͤhe des Wassers sind also auch diese Arten nicht allzu brauchbar. Doch muß man sie nehmen, weil sie in Menge an jeden Orten zu haben sind. Sand, und besonders lockerer, hat den aller- wenigsten Zusammenhang. Er schurrt sehr leicht fort, und fließt gleichsam weiter. Wenn er nicht durch andere Mittel, z. E. Saͤuren und andere Fluͤßigkeiten zusammen sintert, und ein Ganzes constituirt, so taugt er sehr wenig, ob er gleich viel Schwere haben kann. Er wird daher nur im Nothfall gebraucht, wo man schlechterdings ande- res Material entbehren muß; und alsdann ist im- mer in Ansehung seiner viel Vorsicht noͤthig. §. 48. Schon §. 46. ist gezeigt worden, welche Ei- genschaften, Materialien fuͤr den Teichbau haben muͤssen; muͤssen; und im vorigen §. ist ihre Guͤte zu die- sem Behufe naͤher beleuchtet. Das Locale muß am Ende den gewissen Ausschlag geben, was man nehmen koͤnne und muͤsse. Gewoͤhnlich zeigt sich dieses unguͤnstig, oder wenigstens nicht gleich so bereitwillig als man es wuͤnschen moͤchte. Nicht selten erschwert eine abgenoͤthigte große Sparsamkeit, die Auswahl, und da muß man oft nehmen, was nur am naͤchsten zur Hand ist, um nur nicht uͤber den gemachten Anschlag zu kommen. Daß alsdann freilich ofters Anlagen entstehn, derentwegen der geschickteste und rechtschaffenste Mann noch nach vielen Jahren, von Leuten, welche die wahre Be- schaffenheit der Dinge nicht kennen, laut und hart getadelt wird, wird Jeder leicht einsehen. Doch was schadet das! Leider tadelt man nur zu gern und selbst unverdienter Weise, wie der Lauf der Dinge heutiges Tages sehr klar ausweiset; und der Tadel trift ja stets zuerst den Director des Baues, und den Bauherrn, der fast immer die mei- ste Schuld hat, zuletzt! Die Gewinnungs- und Foͤrderungs-Art der Materialien, erfordert jedesmal eine vorzuͤgliche Beachtsamkeit. Wo also z. E. mehrere Materia- lien von einerlei Guͤte zu haben sind, untersuche m n, erstlich, welches die am nahe gelegensten sind. Weit gelegene Materialien erfordern theils mehr Aufsicht bei der Gewinnung, widrigenfalls machen sich die Arbeiter auf Kosten das Bauherrn gute Tage. Tage. Theils fordern sie mehr Zeit zur Herbei- fuͤhrung an den fuͤr sie bestimmten Platz; uͤberhaupt mehr Geld- und Zeit-Aufwand. Zweitens unter- suche man, ob auch die Materialien in genugsa- mer Menge vorhanden und leicht zu gewinnen sind. Meistentheils muß man, ehe man noch zur wirkli- chen Gewinnung derselben schreiten kann, erst ei- nige Vorrichtungen machen, die nach den Umstaͤn- den selbst, bald weitlaͤuftig, bald nur kurz, schnell und leicht gemacht werden koͤnnen. Alle solche Vorrichtungen aber sind vergeblich gemacht, wenn sich es der Muͤhe nicht lohnt, und die Materialien nur in sehr sparsamer Quantitaͤt vorhanden sind. Drittens denke man weiter daruͤber nach, ob man eintretende Hindernisse nicht etwa auf eine geschickte, nicht allzu kostspielige Art, heben koͤnne. Hiedurch kann man mehrmals viel gewinnen. So kann z. E. Material von manchen Orten ganz und gar nicht gewonnen zu werden scheinen. Bei einer kleinen gemachten Vorrichtung ist es dagegen sehr vortheilhaft gelegen. In diesem Falle muß naͤhere Bekanntschaft mit den Arbeiten selbst, und eine rich- tige Beurtheilung des vorgegebenen Locale, das Beste thun. Auch ist alsdann der Rath untergebe- ner verstaͤndiger Arbeiter nicht zu verachten, und anzuhoͤren. Endlich giebt eine Uebersicht des Ter- reins hier oͤfters selbst Mittel an die Hand. §. 49. §. 49. Nach §. 13. sind bei den Teichen, naͤchst den Daͤmmen, die Wasserabzuͤge diejenigen Stuͤk- ke, die einen besondern Fleiß, Genauigkeit, und uͤberhaupt Aufmerksamkeit verdienen. Sie geben eines der vorzuͤglichsten Mittel ab, Daͤmme gegen große Wasserfluthen hinlaͤnglich und bequem zu sichern, wofern diese uͤbrigens nur eine genugsame innere Staͤrke, und sattsame Dicke besitzen. Denn weder Dicke noch die beste Bearbeitung der Daͤm- me ist vor sich allein im Stande, sie gegen eine solche Wassermenge zu schuͤtzen, die uͤber den Damm selbst hinweglaufen, und bei der großen Geschicklichkeit des Wassers, sich in die feinsten Risse und Oeffnungen ein udraͤngen, in kurzem sich foͤrm- lich einwaschen, und den Damm stuͤckweise mit fortfuͤhren wuͤrde. Wie viel das Wasser durch sein Einwaschen vermag, kann man fast an jedem Wehre sehen, wo es fast alle 10 Jahre große Repa- raturen giebt. Ohne Abzuͤge wuͤrde aber auch ein Teich einen weit eingeschraͤnktern Nutzen haben, als wenn er mit solchen versehen ist. Wie schwer wuͤrde es z. E. fallen, ihn nur rein auszufischen? Die Wasser wuͤrden also beinahe ungebraucht da stehen muͤssen, ob sie gleich mit vielen Kosten und Beschwerden gesammlet waͤren. Die Wasser-Abzuͤge bei den Teichen zerfallen hauptsaͤchlich in zweierlei Arten. Erstlich in solche, vermittelst deren man den wirklichen Wasservor- rath rath zu allen Zeiten beliebigermaßen ablassen, oder vergroͤßern kann , das sind die soge- nannten Striegel mit ihrem saͤmtlichen Zube- hoͤr; zweitens zerfallen sie in solche, die blos da- zu gebraucht werden, die uͤberfluͤßige Was- sermenge abzufuͤhren , welche im Teiche nicht gespart werden kann, und deren Anhaͤufung dem Damme und Teiche gefaͤhrlich werden moͤchte, das sind die Fluthbetten , die auch wol uneigentlich wilde Fluthen genennt werden. Alle Striegel und Fluthbetten muͤssen sich be- sonders nach folgenden Punkten richten, wenn richtig und zweckmaͤßig verfahren werden soll; 1) nach der ganzen Groͤße des Teiches, also auch nach der zu sammelnden Wassermenge, welche der Teich einst fassen soll; 2) nach Beschaffenheit der mehrern oder min- dern Wasser-Zugaͤnge, und der dieserhalb zu befuͤrchtenden Gefahr; 3) nach der speciellen Absicht, um derentwillen der Teich gebauet wird. Aus eben genannten Stuͤcken ergiebt es sich, ob es noͤthig sey, einen oder zwei, oder wol noch mehrere Striegel, und ein oder zwei Fluthbetten anzulegen; Ferner — wie groß man beide — Striegel und Fluthbetten, zu machen habe, und wo jedes eigentlich hinkommen muͤsse, um den ge- sammten meisten Nutzen zu schaffen. Wie viel Wasser eigentlich fuͤr einen Striegel gerechnet werden werden koͤnne, ist gar nicht ausgemacht. Die An- zahl der Striegel wird deswegen bloß mehr nach einem vernunftigen Gutduͤnken, und nach Maaß- gabe der Umstaͤnde bestimmt, welche etwa hier oder dort, an gewissen Punkten der Teiche und Daͤm- me, Striegel verlangen moͤchten, als daß sie ganz genau und allgemein fest zu setzen waͤre. Gemei- ni g lich nimmt man auf die Hoͤhe der Daͤmme Ruͤck- sicht. Wenn diese also 30 Fuß uͤbersteigt, oder eben voll macht, geben die meisten Praktiker dem Teiche zwei Striegel; unter 30 Fuß Dammhoͤhe hingegen nur einen einzigen, vorausgesetzt daß keine andern Umstaͤnde, z. E. Wassergraͤben, welche von einem bestimmten Punkte hinweg Wasser ablei- ten sollen, noch einen zweiten Striegel noͤthig machen. Wenn ein Damm nicht allzu lang und der Teich nicht allzu groß ist, oder werden soll, giebt man selten uͤber zwei bis drei Striegel. Besser ist es indessen bei vielem Wasser, den Damm zu viel als zu wenig gesichert zu haben. Doch kann dieß auch auf andere, und noch bessere Art geschehen, ich meine durch die vorhin erwaͤhnten Fluthbetten. Denn wenn man diese nach der unten naͤher ange- gebenen Art machen laͤßt, so kann man vermittelst ihrer das Wasser ebenfalls sparen, oder ablassen, wie es noͤthig seyn duͤrfte. Wegen des Ortes, wohin sie gelegt werden muͤs- sen, ingleichen wegen des Materials, welches zu ihrer ihrer Erbauung am schicklichsten oder gewoͤhnlich- sten ist, ferner wegen der besondern Einrichtung, Bearbeitung und alles dessen, was dahin ge- hoͤren moͤchte, wird unten bei der speciellen Beschreibung der einzelnen Stuͤcke, und des eigentlichen Baues der Teiche, des Gehoͤrige rich- tig beigebracht werden, da es hier, ohne unvoll- staͤndig zu seyn, und Mißverstand zu erregen, nicht wol mit wenigem aus einander gesetzt werden kann. Dort wird auch wegen der, bei den Striegeln und so weiter vorkommenden und noͤthigen Ma- schinen , ausfuͤhrlicher zu reden der Platz seyn, weswegen hier dieß alles einstweilen ohne Nach- theil mit Sillschweigen uͤbergangen werden kann. §. 50. Die beste Zeit den Teichbau eigentlich mit wahrem Nutzen vorzunehmen, ist ohnstreitig die, wenn im Fruͤhjahre die starken Froͤste aufgehoͤrt haben, und das Wetter anfaͤngt ruhig, sanft und bestaͤndig zu werden. Achtet man nicht hierauf, und nimmt man den Bau fruͤher vor, wenn es noch stark friert und sehr kalt ist, so geht die Ar- beit schlecht von statten. Bald stehn die Leute Haufenweise bei den Waͤrmfeuern umher, und waͤrmen sich, statt zu arbeiten; bald murren sie und werden verdrießlich, und versaͤumen dadurch. Fer- ner fallen die gefrornen Kluͤmper und Thonstuͤcke, ingleichen der Schutt und der Rasen leicht hohl, und dann lassen sie sich nur mit Muͤhe und den- Teichb. G noch noch nicht vollkommen gut auf einander stampfen. Die ganze Arbeit giebt dann einen schlechten Halt, und wenig Zusammenhang unter den Damm-Ma- terialien, wol aber wird viel Geld und Zeit ver- splittert. Bei Regenwetter ist dieß der aͤhnliche Fall. Die Raͤder an den Laufkarren und an den Wagen, behaͤngen sich stark, daher gehen sie weit schwerer und langsamer. Auch laͤßt sich bei der Naͤsse der Thon und Schutt nicht gleichfoͤrmig genung vertheilen, oder aus einander ziehn. Oder die schon fertige Arbeit wird wieder stark aufge- fahren, ingleichen da, wohin Pferde zu stehn kom- men, stark aufgetreten. Die Wege werden durch die Naͤsse unsicher und hindern dadurch die Schnel- ligkeit der Foͤrderung, und der ganze Bau uͤber- haupt verliehrt an Guͤte uud Ansehn. Wenn daher, auch schon waͤhrend der unternommenen Arbeit, (wie das im Sommer oͤfters geschieht) Regenguͤsse kommen, so ist es sehr rathsam, mit den Arbeiten so lange inne zu halten, bis alles wieder gehoͤrig trocken ist. Besonders hat der Thon die Eigenschaft, daß er, wenn er zu sehr von der Naͤsse durchdrungen ist, sich gar nicht gut stampfen laͤßt; denn so wie er an dem einen Ende mit dem Stampfer niedergetrieben ist, hebt er sich waͤhrend des Zusammenpressens, gleich neben der vom Stampfer getroffenen Stelle, (wo er schon gestampft war) wieder in die Hoͤhe. Doch dieß ist noch nicht das Uebel alles, sondern er borstet auch in großen Rissen entzwei, und muß deßwe- gen gen auf der schadhaften Stelle abermals gestampft werden. Das giebt eine verdrießliche Arbeit, zu- mal da die Staͤmpfer selbst wegen der Elastizitaͤt, die der Thon bekoͤmmt, wieder in die Hoͤhe pral- len, ohne eben viel Dienste gethan zu haben. Der nasse Thon trocknet ferner auch nicht so bald wieder aus, wie etwa naß gewordener Schutt, u. s. w. Wenn man nun unter solchen Umstaͤnden die Arbeit mit dem Thone und Schutte am Damme, ganz und gar muß ruhen lassen, so hat man doch immer Gelegenheit, indessen die Leute wo anders zu beschaͤftigen, wenn die Witterung nicht gar zu arg ist; z. E. bei dem Loßmachen des Schuttes, bei der Reparatur oder Anlegung neuer Wege u. s. f. Man muß sich wol in Acht nehmen, daß man bei dem Baue nicht zu oft von der Arbeit selbst ab- breche, und Feier-Stunden mache. Es ist weit besser, die Arbeiter eine bestimmte Anzahl Stun- den des Tages, und zwar in einem fort arbeiten zu lassen, (ausgenommen wenn sie Mittag ma- chen) weil sonst der Zeitverlust bei den mehrern Zeitabtheilungen, wenn auch nur des Tages eine Viertelstunde versaͤumt wird, und die Zahl der Arbeiter groß ist, sehr ansehnlich werden kann. Geht also nur z. E. binnen drei Tagen eine einzige Viertelstunde an der Arbeit verlohren, und dauert letztere just ein halb Jahr, welches bei ansehnlich großen Teichen sehr leicht moͤglich ist, so buͤßt man etwa 1½ Tag ein, wenn man taͤglich 10 Stunden G 2 zu zu arbeiten rechnet. Jeden Tag dem Manne im Durchschnitt 6 Groschen Arbeitslohn gerechnet, und die Anzahl der Mannschaft zu 150 genommen, verliehrt man bei Beendigung der ganzen Arbeit 56 Rthlr. 6 Gr. Eine Summe die man vielleicht fuͤr uͤbertrieben halten wird, wofern man nicht bei wirklichen Bauten dieser oder andrer Art, zu- gegen gewesen ist, die aber gleichwol sehr genau mit der Wahrheit harmoniret. Ob es aber moͤglich sey, binnen 3 Togen eine Viertelstunde per Manu einzubuͤßen, daruͤber moͤ- gen alle diejenigen entscheiden, welche viel Mann- schaft zu gleicher Zeit unter sich haben arbeiten lassen, und genau auf die Zeit und die Arbeit selbst hinlaͤngliche Aufmerksamkeit richteten. So wie man aber nicht zu fruͤh im Jahre mit der Arbeit anfangen darf, so ist es auch nicht rathsam, zu spaͤt ins Jahr hinein zu warten, oder gar zu spaͤt die Arbeit zu continuiren, sonst erfolgt die nemliche Reihe der ebengedachten Verdruͤßlich- keiten und Nachtheile. Leider aber faͤngt man, nach einer ganz verkehrten Gewohnheit, nur dann erst an, mit der Zeit zu geizen, wenn die beste Jahreszeit verstrichen, noch viel Arbeit vorhanden, und wol gar Mangel an Arbeitern sichtbar gewor- den ist. Nach Belegen von dem ebengesagten darf man sich fast aller Orten nur umsehn, um sie auch gleich zu finden. §. 51. §. 51. Ehe wir noch zu dem Folgenden fortgehen, sey es erlaubt noch einiges von demjenigen beizubrin- gen, was man zu thun habe, ehe man wirklich zur Ausuͤbung oder zu dem eigentlichen Baue schrei- tet. Diesem muß billig voran gehen: 1) Die Verfertigung eines Risses zur Uebersicht des Terreins. Auf diesem Risse muͤssen so- wol die Situationen, als auch Profile des Thales angegeben seyn, in welches der Damm kommen soll, ingleichen von den Thaͤlern, welche Wasserzugaͤnge liefern ꝛc. Aus ei- nem solchen Risse kann man gleich sehen, wie viel Gefaͤlle jeder Punkt hat; daher kann man leicht den Ueberschlag machen und den Punkt angeben, wo der Damm am besten liegt. Zu dem Ende muͤssen auf solch einem Risse auch die Grenzen fremder Gebiete, benachbarte Baͤche, Flusse, Quellen, Berge, auch Hol- zungen, Felder, Wiesen u. s. w. angege- ben seyn, uͤberhaupt also alles, was zu ei- nem vollstaͤndigen Situations-Risse gehoͤrt. Wie diese zu machen sind, siehe Mayers praktische Geometrie. 2) Muß der wirklichen Arbeit vorangehen eine Untersuchung des Grundes, ob auch wirk- lich die Arbeit moͤglich ist. Das vorzuͤglichste Erforderniß des Grundes ist die Faͤhigkeit Wasser zu halten, und Festigkeit. Diese muß man also erforschen. 3) Muß 3) Muß man voraus schicken eine Untersuchung, ob man auch Materialien genug, und um welchen Preiß man sie haben koͤnne. Daher eine Vergleichung der Daͤmme, ob man bei Erd- und Schutt-Daͤmmen, oder bei ge- mauerten am besten thue. 4) Ist noͤthig eine Untersuchung, ob man auch wol Leute oder Arbeiter genug bei der Hand haben koͤnne. Diese sind nicht uͤberall nach Belieben zu haben. Ingleichen muß man uͤberlegen, wie der Bau angegriffen werden muͤsse, stark oder nur schwach; wie es mit den noͤthigen Geraͤthschaften stehe, ob satt- sames Fuhrwerk zu bekommen sey? 5) Ist nicht zu vergessen die Berichtigung fol- gender zwei wichtigen Fragen: a) ob auch wirklich der Bau nuͤtzlich und vor- theilhaft seyn werde, und ob man nicht vielleicht auf andern Wegen wohlfeiler und gleichwol mit eben dem Erfolg sich helfen koͤnne; b) ob die noͤthigen Geld-Resourcen da sind, daß man sich nicht genoͤthigt sehen moͤge, mitten in der Arbeit und in der besten Zeit, den Bau ruhen, oder gar liegen lassen zu muͤssen; daher also die Noth- wendigkeit eines Kosten-Ueberschlages des gesammten Werkes vor dem wirklichen Bau desselben. Dieß Dieß moͤchten die vorzuͤglichsten Punkte seyn, die man vor der Erbauung eines Teiches wol be- herzigen muß; die — so etwa noch fehlen duͤrften, mag der Leser leicht ergaͤnzen. Weil die vor- stehenden Erinnerungen wirklich so sehr nuͤtzlich sind, gleichwol aber nur zu wenig Ruͤcksicht auf sie genommen zu werden pflegt, weil es scheint, daß sie zu bekannt und zu gewoͤhnlich sind, als daß sie vergessen werden koͤnnten, (wogegen aber die Erfahrung maͤchtig streitet, wie man fast taͤglich sehen kann) so sind sie hier um der Vergessenheit desto leichter zu entgehen, gleich mit eingeschaltet, mit der angehaͤngten Bitte, daß jeder Bauherr sich uͤberwinden moͤge, dieselben vor dem wirklichen Baue wenigstens nur einmal zu uͤberdenken. Um der Bequemlichkeit willen folgen hier ei- nige der vorzuͤglichsten beim Teichbau vorkommen- den Aufgaben, und deren Aufloͤsung, welche je- doch zu besserer Uebersicht in einen eignen Abschnitt gebracht sind. Endlich muß noch dieses hier bemerkt werden; die Art und Weise, wie man jedes Stuͤck, das beim Teichbau vorkommt, bauen muͤsse, folgt in der eigentlichen Beschreibung des Baues. Am sicher- sten laͤßt sich aber wol dieser Bau beschreiben, ohne der Deutlichkeit zu schaden, wenn man ihn nach den gesammten vorkommenden Arbeiten eintheilt, und anbei von den Materialien das Noͤthigste bei- bringt. Auf- Aufloͤsung einiger der vorzuͤglichsten mathematischen Aufgaben, die beim Teichbau vorkommen . §. 52. Als eine kurze Vorerinnerung dieses Abschnit- tes, mag erst das hier Folgende gesagt werden. Es ist unmoͤglich und ganz gegen den Zweck dieser Schrift, eine kurze praktische Geometrie in dieselbe einzuschalten; einige Bekanntschaft mit mathema- tischen Arbeiten ist daher in Betreff der folgenden Aufgaben, schlechterdings bei demjenigen Leser vor- ausgesetzt, der sich ihrer bedienen will. Der Nuz- zen und die Vorzuͤge der Mathematik, und der mit ihr so nahe verwandten Buchstabenrechnung, sind zu allgemein anerkannt, als daß deßfalls weit- laͤuftig zu reden noͤthig waͤre, und in den meisten gut eingerichteten Schulen sogar, wird itzt einige Ruͤcksicht darauf genommen. Auch findet man heutiges Tages nicht leicht einen Mann, der — wenn er sich einigermaßen nur mit Bauten selbst abgiebt — nicht auch in etwas das Ansehn haben wollte, in den Anfangsgruͤnden der Mathematik, — wenigstens zum Theil — bekannt zu seyn. Ueberdieß wird doch hoffentlich keiner einem Ignoranten Baue von dieser Art uͤbertragen wol- len? Und ob gleich nicht alle, auf aͤhnliche Weise, und mit gleichem Tieffinne, auch nicht mit so gluͤcklichen Schritten in das Innere der Mathema- tik tik eindringen koͤnnen, wie es das Genie eines Kaͤstners, Kluͤgels, Langsdorf u. s. w. gewagt hat, so ist ein Bauherr denn doch auch berechtigt, von demjenigen, der seine Baue uͤbernehmen will, so viel zu fordern, daß ihm wenigstens einige ma- thematische Kenntnisse nicht mangeln, und daß er sich aus Schriften, die nicht allzu schwer geschrie- ben sind, noch forthelfen und selbst belehren koͤnne. Wer indeß mit diesen Arbeiten gar nicht umzuspringen versteht, thut wol, wenn er sich die noͤthigen Berechnungen von einem tuͤchtigen Ge- ometer, oder auch von einem Markscheider machen laͤßt, wie er denn auch die geometrischen Arbeiten auf der ausgewaͤhlten Stelle des Teiches, gleich- falls von selbigem verrichten lassen kann. Ein solcher, der Markscheidekunst versteht, wird gewoͤhnlich die beim Teichbau vorkommenden ma- thematischen Arbeiten mit am besten zu Stande brin- gen koͤnnen, weil die Instrumente, deren man sich in der ausuͤbenden Markscheidekunst bedient, sehr genau seyn muͤssen, und auch eine ziemliche Schnel- ligkeit gestatten. Die Art und den Gebrauch be- sagter Instrumente zu erklaͤren, findet hier nicht statt, und ich verweise Leser, welche deßfalls sich unterrichten wollen, auf Herrn Professor Lem- pens Markscheidekunst, ein wirklich classisches Werk, wo sie ihre Wißbegierde hinlaͤnglich saͤtti- gen koͤnnen, vorausgesetzt, daß sie vorbereitet ge- nug — daran gehn. Fuͤr die, welche der Algebra nicht nicht zu maͤchtig sind, ist sehr vieles mit Worten ausgedruͤckt, hergesetzt. §. 53. Erste Aufgabe . Einen Damm abzustecken. Aufloͤsúng . Ist ein gewisses Gefaͤlle verlangt, so nehme man, wenn es nicht angebt, den Damm nach Be- lieben dem. Wasser entgegen zu ruͤcken, denjenigen Punkt, wo die Wasser gefangen werden sollen, oder wo man sie sonst etwa benutzen will, als den aͤußersten letzten Punkt in der hinter dem Damme noͤthigen Boschungslinie an. Von da trage man vorwaͤrts dem Wasser entgegen, soͤhlig (das ist wagrecht) die untere Dammbreite ab; die Endpunkte dieser Entfernung bemerke man durch zwei Pfaͤhle. Fer- ner stecke man durch die beiden aͤußersten mit Pfaͤhlen bezeichneten Punkte, der bereits abge- steckten untern Dammbreite, A B in Figur 12 in einem rechten Winkel mit A B, zwei gerade Linien C B D, und E A F, nach den beiden Widerlagen des Dammes hin ab, und mache die Entfernungen E C, wie auch D F, an den Ecken des Dammes = A B, so ist das Verlangte geschehen. Verlaͤngerte man besagte Linien C D und E F an beiden Seiten des Dammes hinan, bis zur Hoͤhe, welche der Damm uͤberhaupt haben soll, so kann kann man aus der Mitte dieser zwei Linien ihrer Entfernung, die Breite der Kappe abstecken, und von der Kappe ihrer Breite Endpunkten, die Boͤ- schungslinien abgeben, nach denen der Damm dossirt werden soll. Bei obiger Aufgabe ist vor- ausgesetzt, daß das Wasser aus dem tiefsten Punkte der Dammsohle noch genutzt werden soll. §. 54. Zweite Aufgabe . Die Lage und Hoͤhe eines Dammes ist gegeben, man verlangt zu wissen, wie weit und wo- hin der Wasserspiegel zu stehen kom- men werde? Aufloͤsung . 1) Man waͤge von dem tiefsten Punkte des Teiches, die verlangte Hoͤhe des Dammes bis zur Flaͤche der Kappe ab, so daß man genau weiß, wo und wie hoch die Kappe hinkoͤmmt. (Dieß kann allenfalls mit einer Schrot- oder rothischen Berg- wage geschehn, wenn man andere Instrumente nicht zu brauchen weiß, oder nicht besitzt.) 2) Von diesem gefundenen hoͤchsten Punkte der Kappenflaͤche messe man das, was man fuͤr den Anschlag rechnen will (nach dem obigen 3ten Fuß z. B.) senkrecht zuruͤck. 3) Von diesem erhaltenen Punkte waͤge man ho- rizontal (wagrecht) immer an dem Berge oder der der Widerlage hinweg, um das Thal herum, bis zum andern Ende des Dammes. 4) Von Zeit zu Zeit schlage man beiher in belie- bigen Entfernungen, (etwa von 6 zu 6 Ru- then) in die durch das wagrechte Abwaͤgen be- stimmten Punkte, Pfaͤhle, so ist man fertig. Mit dem Winkelweiser laͤßt sich dieß noch be- quemer bewerkstelligen, nemlich a) man verrichte 1 und 2 der so eben angegebnen Aufloͤsung, wobei man sich mit Nutzen der Tri- gonom trie bedienen kann. Nehme b) den Winkelweiser, stelle ihn an einen beliebi- gen und bequemen Ort, wo man rund herum sich frei drehen und weit umseh e n kann. c) Nun haͤnge man den Gradbogen an, und lasse ihn auf o Grad einspielen; das ist, man haͤnge ihn voͤllig wagrecht. Bringe d) hierauf den Winkelweiser an seinem Randpunkte in eine wagrechte Ebne, welche durch den, oben in Nr. 2. gefundenen, Punkt geht. e) Endlich visire man wagrecht um sich her, und lasse beliebigermaßen (wie nach Nr. 4. obiger Aufloͤsung) an diejenigen Punkte Pfaͤhle schla- gen, wo man durch den Winkelweiser gegen den Berg oder gegen die Widerlagen sieht. Wenn man nun bei dem Visiren wieder bei den Enden des Dammes ist, so ist man fertig. §. 55. §. 55. Dritte Aufgabe . Den Flaͤcheninhalt eines Teichspiegels anzugeben. Aufloͤsung . 1) Ist sein Spiegel abgesteckt, so erhaͤlt man die Figur des Teiches oder Teichspiegels, am besten durch einen Zug mit dem Haͤnge-Compasse, durch die abgesteckten Punkte. Statt des Haͤnge-Com- passes kann man sich auch des Astrolabii, Meß- tischchens oder einer Bussole bedienen. Man suche also mit welchem Instrumente, und wie man will, die Figur des Teichspiegels. 2) Die erhaltene Figur theile man, nach den Regeln der Geometrie, in Dreiecke, deren Inhalt man jeden besonders berechnet. Endlich addirt man aller und jeder Dreiecke Inhalte, um den ge- sammten Inhalt der Flaͤche zu bestimmen. Der Flaͤcheninhalt eines Dreiecks wird gefun- den, wenn man entweder seine Grundlinie mit der halben Hoͤhe, oder seine ganze Hoͤhe mit der halben Grundlinie multiplicirt. Zur Grundlinie kann man annehmen welche Seite man will, und ein Perpendikel auf diese Linie aus der ihr entge- genstehenden Spitze gezogen, ist seine Hoͤhe. Auch in dieser Aufgabe ist die Trigonometrie vortreflich zu gebrauchen. §. 56. §. 56. Vierte Aufgabe . Die Hoͤhe des Dammes, und die Breite seiner Kappe ist gegeben, man verlangt I. den Quadrat- inhalt des Dammprofils nach der Breite des Dammes zu wissen; sodann auch II. zu er- fahren, wie lang seine untere Breite sey? Aufloͤsung . Fuͤr I. 1) Man verrichte von dem Endpunkte der hinter- sten oder vordersten Abdachungslinie an, mit Haͤnge-Compaß und Gradbogen, einen Zug uͤber den Damm hinweg, bis zum Ende der ent- gegengesetzten Boͤschungslinie des Dammes; be- stimme 2) hierdurch die Neigung und Laͤnge besagter Linien, und da auch die Breite der Kappe gege- ben ist, so verfertige man 3) hievon einen Riß, auf dem man dieser Linien Laͤnge und Neigung, wie auch die Breite der Kappe zwischen diesen Boͤschungslinien auftraͤgt. 4) Endlich schließe man die Figur unten durch ei- ne punktirte Linie, so ist des Dammes Queer- profil fertig. Sodann zerlege man 5) Die Figur in Dreiecke, und in ein Viereck, de- ren Inhalte man berechnet, und zusammen ad- diret. Des Des Vierecks Inhalt ist = seiner Hoͤhe in die Grundlinie multiplicirt. Zu dieser Aufgabe gehoͤrt Figur 13. In ihr ist a d die dem Wasser entge- gengesetzte Seite. d c kann des Dammes Kappe seyn, und c b die hintere Boͤschung, a b aber die gefun- dene untere Dammbreite. Fuͤr II. Dieß erhaͤlt man aus Nr. 4. der so eben ge- lehrten Aufloͤsung, wo man aber 1. 2. und 3. als Vorbereitung zu 4. erst verrichten muß. Auf eine andere Art kann man I. auch auf folgende Weise aufloͤsen. 1) Man bestimme so genau als moͤglich die Laͤnge a d in Figur 13. oder die vordere Boͤschungslinie, so auch b c oder die hintere Boͤschungslinie; hierauf messe man 2) genau die Breite der Kappe, und zwar wag- recht. 3) quadrire a d, so auch die Linie c b, und da die Hoͤhe des Dammes gegeben ist, so quadrire man 4) auch diese Hoͤhe. Subtrahire alsdann 5) das Quadrat von e d, von dem Quadrate von a d; 6) Ferner auch das Quadrat von c f, von dem Quadrate von c b (es ist aber d e Quadrat = c f Quadrat), so erhaͤlt man zwei Differenzen. Aus jeder 7) ziehe man die Quadratwurzel, 8) Diese 8) Diese zwei Qudratwurzeln addire man, und rechne zu dieser Summe noch die Breite der Kappe zu; so hat man nunmehro die untere Dammbreite. Nun trage man 9) auf eine willkuͤhrlich gezogene gerade Linie, ein Stuͤck a e = der einen Wurzel, von a nach b, und so auch die Breite der Kappe an diese auf- getragene Wurzel. Endlich an beide Stuͤcke (an die Wurzel und Kappenbreite) b f = der zweiten Wurzel. Aus beider Wurzeln End- punkten e und f richte man Perpendikel auf, auf denen man die Hoͤhe des Dammes auftraͤgt e d, f c. Diese verbinde man durch eine Linie d c, und ziehe dann a d und c b so ist das Profil fertig, dessen Inhalt man noch berechnen muß. Weil man a d und c b ohne Instrumente nicht recht genau messen kann, so erhaͤlt man auch bei dieser Art nicht jene voͤllige Schaͤrfe und Richtig- keit. Doch dient diese Aufloͤsung an Ort und Stelle dazu, ohngefaͤhr einen Ueberschlag sich gleich machen zu koͤnnen. §. 57. Fuͤnfte Aufgabe . Den Kubikinhalt des Grundgrabens anzugeben. Aufloͤsung . Erster Fall. Wenn der Grundgraben oben und unten gleich weit, an beiden Enden nicht dos- sirt, sirt, und auf dem Boden wagrecht gefuͤhrt wor- den ist. 1) Man messe seine Laͤnge und obere Weite, ferner messe man, 2) nachdem der Vertiefungen und Erhoͤhungen des Thales viel oder wenig, oder je nachdem sie betraͤchtlich oder nicht sind, an mehreren oder an weniger Orten, die Tiefen des Grundgra- bens, (Figur 14. d a, c b, c f, g h, i k und so weiter) und nehme statt dieser vielen Tiefen, die mittlere Proportionalzahl, fuͤr die einzi- ge Tiefe des Grabens an. Hierauf 3) multiplicire man die Laͤnge, Weite, und Tiefe, in einander, so hat man das Gesuchte; und zwar in Kubikfußen oder Zollen, je nachdem man mit Fußen oder Zollen gerechnet hat. Zweiter Fall . Wenn der Grundgraben unten enger als oben, aber an den Enden nicht dossirt ist, so kann man 1) die mittlere Proportionalzahl aus der obern und untern Weite, fuͤr die einzige Weite des Grundgrabens suchen, und diese als die Nor- malweite des Grundgrabens ansehn. 2) Verfaͤhrt man nun ferner, wie im vorigen er- sten Falle . 3. ꝛc. verfahren worden. Dritter Fall . Wenn der Grundgraben un- ten enger als oben, auch an beiden Enden dossirt ist. Teichb. H 1) Hier 1) Hier suche man die mittlere Proportionalzahl aus der obern und untern Laͤnge desselben; so auch 2) die mittlere Proportionalzahl fuͤr die einzige Weite desselben aus seiner obern und untern Weite, und verfahre nun 3) voͤllig wie im ersten Falle Nr. 3. Vierter Fall . Wenn der Grundgraben gleich weit und an beiden Enden dossirt ist, so su- che man 1) nur die mittlere Proportionalzahl fuͤr die Laͤnge des Grundgrabens, uͤbrigens bleibt 2) alles wie in Nr. 3. des ersten Falles. Anmerkung . Je nachdem man groͤßere oder geringere Schaͤrfe in der Rechnung braucht, muß man auch, um die mittlern Proportionalzahlen zu erhalten, mehrere oder mindere Messungen anstel- len. Die mittlere arithmetische Proportionalzahl, von der hier bestaͤndig die Rede ist, erhaͤlt man durch das bekannte Verfahren, indem man 2. 3. 4. oder mehr beliebige Groͤßen zusammen addirt, und diese Summe durch die Zahl dividirt, welche anzeigt, wie viel Groͤßen zu einander addiret wor- den. Waͤren z. E. drey Groͤßen addirt, so muͤßte die erhaltene Summe auch durch 3 dividirt wer- den. Bei 8 addirten Groͤßen muͤßte man dagegen mit der Zahl 8 dividiren. §. 58. §. 58. Sechste Aufgabe . Den Inhalt eines Teichdammes zu finden. Aufloͤsung . Erster Fall . Wenn nach Figur 8 des Dammes obere Laͤnge, auf der Kappe m i = der untern Laͤnge und des Dammes Endflaͤchen k b und i g senkrecht, auch die Ebenen der Kappe m i, und der Grundflaͤche a g horizontal und parallel sind. Hier ist der Damm als ein vierseitig rechtwink- lichtes Prisma anzusehn; daher suche man 1) den Quadratinhalt seines Profils, aus der vierten Aufgabe I. seq. oder hier seine Endflaͤche k b, diese multiplicire man 2) in die Laͤnge des Dammes. Es sey in der Figur 8, k m = β ; a b = B; ein Perpendikel von k m auf a b gefaͤllet sey = α , so ist der Endflaͤche k b Inhalt = ½ α ( β + B ) und dieß in des Dammes Laͤnge = L multiplicirt, giebt des Dammes Kubikinhalt gleich ½ α ( β + B ). L. Setzt man zum Exempel β = 8 Fuß, α = 24′ und B = 50′ so waͤre der Quadratinhalt von a k m b = ½. 24. (8 + 50) = 696 Quadratfuß; waͤre nun L = 100 Fuß, so waͤre des Dammes Inhalt = 696. 100 = 69600 Kubikfuß. H 2 Zwei- Zweiter Fall . Wenn des Dammes obere Laͤnge groͤßer als die untere ist. Hier theile man den Damm in ein se krechtes Prisma, a b g h e i k m in Figur 15, und in zwei koͤrperliche Abschnitte a b v t k m und g h r s e i, deren ersteren Figur 16 zeigt, und wo das an- dere in Figur 15 nur in einer Ansicht von oben nieder vorgestellt ist, um die Kupfer zu menagiren. (In Figur 15 sind die koͤrperlichen Abschnitte blos punktirt, das Prisma selbst aber mit Linien ausgezogen, welches man zur bessern Einsicht, nur mit Figur 8 vergleichen darf. Der zweite koͤrper- liche Abschnitt, in Figur 15 mit g h r s e i bezeich- net, sieht gleichfalls aus wie der in Figur 16.) Nun suche man 1) des Prisma a b g h e i k m Inhalt, nach dem ersten Falle dieser Aufgabe; den Inhalt der beiden Abschnitte aber folgendermaßen. 2) Man zerlege jeden der beiden Abschnitte in ein halbes Parallelepivedum t k o p m v, und in zwei Pyramiden t k o a und v m p b nach Figur 16. Da nun dieser Stuͤcke Grundflaͤ- chen und Laͤngen zu finden sind, so hat man die Inhalte leicht, nemlich a) der Inhalt der Pyramide t k o a ist gleich ; wo o a, o k, t k, Linien bedeuten. b) Der b) Der Inhalt der Pyramide v m p b ist gleich , wo b p, p m, v m, gleichfalls Linien bedeuten, die in einander multiplicirt werden. c) Der Inhalt des halben Parallelepipedi t k o p m v ist gleich . Diese drei Inhalte addire man zusammen. Auf gleiche Weise wie itzt bei diesem einen kor- perlichen Abschnitte verfahren ist, suche man denn auch des andern Abschnittes Inhalt. Die Summen dieser gefundenen Inhalte der Abschnit- te, addire man zu der in Nr. 1. dieses zweiten Falles gefundenen, so hat man den Inhalt des Teichdammes. Um die Rechnung noch kuͤrzer und anschauli- cher darzustellen, kann man sich folgender Aus- druͤcke bedienen. Es sey bei der einen Pyramide b p = b; m p = a; m v = 1; ferner sey bei der andern Pyra- mide auf aͤhnliche Art o a = β ; o k = α ; † k = λ , so ist der Inhalt der Grundflaͤche der einen Pyramide = ½ a b; und der Inhalt der andern Pyramide ihrer Grundflaͤche, gleich ½ α β ; folglich der Kubikinhalt der einen Pyramide = ; und der Kubikinhalt der andern Pyramide = ; das heißt: man man mache ein Produkt, aus der Laͤnge, Hoͤhe und Breite jeder Pyramide, und dividire dieß Produkt durch die Zahl 6, so hat man den Kubikinhalt derselben. Bedient man sich bei dem halben Parallelepi- pedo in jedem Abschnitte, gleichfalls der Buchsta- ben, und setzt man m p = k o = a′; und p o = b′; v m = l′. so hat man des halben Parallelepi- pedi Inhalt, gleich ½. a′. b′. l′; das heißt: man mache ein Produkt aus der Hoͤhe, Breite und Laͤnge des halben Parallelepipeidi, und dividire es durch die Zahl 2, so hat man sei- nen Kubikinhalt. Dieß waͤre aber nur erst fuͤr einen einzigen koͤrperlichen Abschnitt, denn jeder Abschnitt hat, nach dem vorigen, zwei Pyramiden und ein Parallelepipedum. Der zweite koͤrperliche Abschnitt muß also auf aͤhnliche Weise berechnet werden, wie gleich im folgenden gezeigt werden soll. Die hier gegebene Zergliederung der koͤrperli- chen Abschnitte mag, um nicht den Leser zu ermuͤ- den, genug seyn. Zu besserer Uebersicht, folgt hier eine Recapi- tulation aller Stuͤcke, wie sie bei einem Teichdam- me berechnet werden muͤssen, in ganz leichten deut- lichen Formeln ausgedruͤckt. Des ganzen Teichdammes Inhalt ist nach den einzelnen Stuͤcken desselben folgender. 1) Inhalt 1) Inhalt des großen Damm-Prismatis, gleich ½ α ( β + B ). L; nach dem ersten Fall dieser Aufgabe Nr. 1 und 2. 2) Inhalt des einen koͤrperlichen Abschnittes, neben dem Damm-Prisma, und zwar Inhalt aa) des einen Pyramidenstuͤckes = ⅙ b. a. l; bb) des andern Pyramidenstuͤckes = ⅙ β. α. λ ; cc) des halben Parallelepipedi = ½ a′. b′. l′; 3) Inhalt des andern koͤrperlichen Abschnittes, und zwar wiederum Inhalt αα ) des einen Pyramidenstuͤckes = ⅙ b~. a~. l~; ββ ) des andern Pyramidenstuͤckes = ⅙ β~. α~. λ~ ; γγ ) des halben Parallelepipedi = ½ α′. β′. λ′ ; Alle diese Summen muß man addiren, um die Hauptsumme, oder den Inhalt des Dam- mes zu haben. Anmerkung . 1) Die Zeichen a ′ α′ oder b~. β~ . sind deshalb ge- braucht, um die Saͤtze deutlicher gegen einan- der stellen zu koͤnuen. Aehnliche Bezeichnungen findet man in des Herrn Professor Lempe trefflichem Werke uͤber die Markscheidekunst. 2) Wenn diese Aufloͤsung etwas zu lang gerathen ist, so wird der Leser solches guͤtigst verzeihen; um der Deutlichkeit willen hat es nuͤtzlich ge- schienen, lieber etwas zu weitlaͤuftig als zu kurz zu seyn. Waͤren schluͤßlich die koͤrperlichen Abschnitte nicht zu sehr in Ansehung der Laͤnge und der andern Maaße Maaße (wie das aber gewoͤhnlich der Fall ist) ver- schieden, so koͤnnte man nur den Inhalt des einen Abschnittes suchen, und diesen dupliren. Allein Genauigkeit erhaͤlt man, wie man gleich einsieht, bei diesem Verfahren nicht, sondern nur ohnge- faͤhr zutreffende Angaben. §. 59. Siebente Aufgabe . Eines Teiches Kubikinhalt zu finden. Aufloͤsung . Erster Fall . Wenn der Teich allerwaͤrts gleich tief, oder wenigstens beinahe gleich tief ist. Hier kann man ihn als eine abgekuͤrzte Pyra- mide ansehn. Die Hoͤhe des Wasserstandes giebt die Hoͤhe der Pyramide ab, und der Spiegel und die Bodenflaͤche des Teiches, die Grundflaͤchen der Pyramide. Nennt man uͤberhaupt des Wasser- spiegels Quadratflaͤcheninhalt B, des Bodens- flaͤche S, die Hoͤhe des Wasserstandes H, so ist des Spiegels Kubikinhalt = ⅓ (B + S + ϒ B S) × H. das heißt mit Worten ausgedruͤckt, 1) man suche den Flaͤcheninhalt der Spiegelflaͤche. 2) ferner den Quadratinhalt der Bodenflaͤche im Teiche; diese Inhalte 3) addire man zusammen. Zu dieser Summe 4) addire man die Quadratwurzel, so aus dem Produkte des Quadratinhalts der Spiegelflaͤche in die Bodenflaͤche des Teiches gezogen worden. 5) Diese 5) Diese gesammte Summe multiplicire man mit ein Dritt-Theil der Hoͤhe des Wasserstandes, so hct man den verlangten Kubikinhalt des Teiches. Zweiter Fall . Wenn der Teich nicht al- lerwaͤrts gleich tief ist, sondern mehrere verschie- dene Tiefen hat, die man nicht aus den Augen setzen kann. In diesem Falle muß man den Teichspiegel in mehrere Stuͤcke zerlegen, deren jedes man nach den durch mittlere Proportionalzahlen bestimmten Hoͤ- hen des Wasserstandes, gleichfalls wie vorhin als abgekuͤrzte Pyramidenstuͤcke berechnet, und des- wegen gelten auch hier die vorhin im ersten Fall gegebnen Regeln. Man kann sich auch folgender Aufloͤsung bedie- nen, die fast noch richtiger ist als die vorige, wenn accurat dabei zu Wecke gegangen wird. Das Ver- fahren ist dieses: 1) Man mache einen sehr genauen Riß von dem Umfange der Spiegelflaͤche des Teiches. Auf diesem Risse theile man, nach Figur 31, 2) die Spieg lflaͤche in Trapezien ein, durch Li- nien, die man parallel mit der Directions-Linie des Dammes zieht. Man suche hierauf 3) nach den Regeln den Geometrie, den Quadrat- inhalt jedes Trapezii (dieser ist = der Summe der beiden Grundlinien des Trapezii, multipli- cirt in die halbe Hoͤhe desselben). Nun suche man 4) durch 4) durch Versuche wie man will aus mehrern Was- sertiefen, die jedes Trapezium hat, eine mitt- lere arithmetische Proportionaltiefe fuͤr jedes Trapezium. Diese gefundene Proportionaltiefe jedes Trapezii multiplicire man 5) in den Quadratinhalt des einer jeden Tiefe zu- kommenden Trapezii, so hat man eines solchen Trapezii Kubikinhalt. Auf gleiche Weise 6) verfahre man bei allen Trapezien, die sich auf dem Risse und der Spiegelflaͤche ergeben, und summire endlich die gesammten Kubikinhalte aller Trapezien zusammen, so hat man des Teiches Wasser-Kubikinhalt. Setzt man z. E. den Flaͤcheninhalt des Trapezii a b c d in Figur 31 = a, seine mittlere Propor- tionaltiefe = t, ferner des Trapezii c d e f Flaͤ- cheninhalt = α und seine mittlere Proportional- tiefe = τ, so ist des erstern Kubikinhalt = a t; und des zweiten Kubikinhalt = α. τ; folglich der Kubikinhalt des Stuͤckes Wasser a e f b = a. t + α. τ und so weiter mit allen Trapezien. Anmerkung . 1) Wo es, nach der Figur des Umfanges des Teichspiegels, Vortheil brin- gen sollte, kann man die Teichspiegel e p g h und h n o g besonders als Pyramidenstuͤcke, nach dem ersten Fall dieser Aufgabe berechnen, das andere Teichstuͤck aber a e f b auf die eben beschriebene Weise. 2) Fuͤr die Ausuͤbung merke man: es ist noͤthig, allen moͤglichen Fleiß auf die Erforschung der Tie- Tiefen des Wasserstandes zu wenden. Wenn also der Teich voll Wasser ist, muß man zu die- sem Behufe vom Damme hinweg gleiche Wei- ten, z. E. a d. c b an den Seiten des Teiches abstecken und sie mit Pfaͤhlen deutlich bezeich- nen. Innerhalb dieser abgesteckten Weiten er- forscht man dann mit Huͤlfe eines Kahnes und Senkbleies die Tiefen des Wassers, und nimmt am Ende der Arbeit die mittleren Proportionaltiefen heraus. Waͤre der Teich leer, so koͤnnte man in- nerhalb eines jeden Trapezii, Messungen nach dem hoͤchsten Wasserstande, von verschiedenen Punkten im Teichraume anstellen, aus denen man nachher durch Rechnung die Tiefe eines je- den Anhaltpunktes unter der Spiegelflaͤche su- chen muͤßte. Das erste Verfahren ist aber be- quemer. Beide sind indeß freilich mit Umstaͤn- den verknuͤpft, die sich jedoch nicht leicht heben lassen, wenn man einmal den Wasservorrath wissen will; indeß erleichtert Bekanntschaft und Gelaͤufigkeit mit solchen Arbeiten, die Muͤhe um sehr vieles. §. 60. Achte Aufgabe . Eines Dammes Profil zu verzeichnen. Aufloͤsung . Gesetzt die Basis des Dammes solle sich zur Hoͤhe desselben verhalten, wie 5: 2, so verfahre man nach Figur 17 folgendergestalt. 1) Man 1) Man ziehe eine gerade Linie a b, von unbe- stimmter Laͤnge, diese nimmt man als eine Ho- riz o ntallinie an; auf sie trage man 2) nach einem beliebigen Maaßstabe 7 bis 8 glei- che Theile auf. Errichte 3) aus III oder IV der Figur ein Perpendikel c d, auf dem man zwei Theile von den auf a b ab- gesteckten, von c nach d traͤgt. 4) Durch des zweiten Theiles Endpunkt e, ziehe man eine blinde Parallellinie g h mit a b. Fer- ner 5) ziehe man aus o eine Linie nach g h, deren Neigung gegen a b, 65 Grad betraͤgt, (wie man will, etwas mehr oder weniger, nachdem man es fuͤr gut findet.) Hierauf trage man 6) von f nach h zu die Breite der Kappe = ⅓ der Hoͤhe des Dammes; von deren Endpunkte i ziehe man endlich noch 7) eine Linie i b, als des Dammes hintere Boͤ- schungslinie, so ist man fertig. §. 61. Neunte Aufgabe . Zu finden, wie viel Kubikfuß Wassers durch eine gegebene Oeffnung eines Striegels in Zeit einer Sekunde durchgehe? Aufloͤsung . Erster Fall . Wenn das Wasser im Teiche immer gleich hoch stehn bleibt. 1) Hier 1) Hier suche man den Quadrat-Inhalt der Oeff- nung, durch die das Wasser bei seinem Ablaufen hindurch geht. 2) Multiplicire diesen Quadrat-Inhalt in die aus dem Gefaͤlle des Wassers entstehende Geschwin- digkeit. Zweiter Fall . Wenn das Wasser nicht auf seiner anfaͤnglichen Hoͤhe stehn bleibt, sondern waͤhrend des Ziehens des Striegels abnimmt. 1) Hier suche man wie vorhin erstlich den Quadrat- Inhalt der Oeffnung, durch die es heraus geht; ferner 2) multiplicire man denselben mit der Geschwin- digkeit, die dem hoͤchsten Gefaͤlle zukoͤmmt, end- lich aber 3) dividire man dieß Produkt mit ⅔, so hat man die Quantitaͤt des Ausgusses. In beiden Faͤllen laͤuft die gefundene Wasser- menge in Zeit einer Sekunde aus. Wenn man also besagte Wassermenge mit 3600 multiplicirt, so hat man die in einer Stunde ausgelaufene Was- sermenge. Wollte man diese mit 24 multiplici- ren, so haͤtte man sodann das Wasser, welches in Zeit eines Tages ablaufen wuͤrde. Die Geschwindigkeit kann man aus der gege- benen Hoͤhe des Falles finden. Man sucht nem- lich die waͤhrend des Falles verflossene Zeit, und dann multiplicirt man die Anzahl der verflossenen Zeit Sekunden mit 31¼ Fuß. §. 62. §. 62. Zehnte Aufgabe . Zu finden, wie lange man mit einer gegebenen Was- sermenge bei einer unveraͤnderten Oeffnung des Abzuges (bei einem Striegelzuge) reichen werde. Aufloͤsung . 1) Man bestimme die im Teiche vorhandene Was- sermenge in Kubikfußen; 2) dividire sie durch die in einem Tage ablaufende Menge von Kubikfußen; der Quotient zeigt die Menge von Tagen an, welche der Teich bei diesem Striegelzuge laufen wird. Heißt man die im Teiche befindliche Menge von Kubikfußen Wassers m; die auslaufende Menge n, so hat man = der Zeit, die der Teich laͤuft. Bei dieser Aufloͤsung wird indeß voraus- gesetzt, daß kein Wasser weiter zulaͤuft, waͤhrend dem daß das Teichwasser abgezapft wird. Laͤuft waͤhrend dem Ablassen des Teiches noch Wasser zu, so veraͤndert sich vorhergehende Aufloͤ- sung in folgende: 1) Man suche die im Teiche befindliche Menge von Kubikfußen Wasser, so auch 2) die Menge des in einem Tage zulaufenden Wassers in Kubikfußen. Ferner suche man 3) die 3) die Menge der in einem Tage ablaufenden Ku- bikfuße Wasser. Nun subtrahire man 4) die taͤglich zulaufende Wassermenge, von der taͤglich ablaufenden. Hier entsteht also ein Rest; mit diesem Reste endlich dividire man 5) die im Teiche befindliche Wassermenge, so hat man die Zeit, wie lange der Teich laufen wird. Nennt man, wie vorhin, das im Teiche vorraͤ- thige Wasser m, das in einem Tage ablaufende n. und das in einem Tage zulaufende α, so laͤuft der Teich uͤberhaupt Tage. §. 63. Eilfte Aufgabe . Der tiefste Punkt des Wassers im Teichraume vor der innern Boͤschung ist gegeben, so auch der Punkt in der Widerlage, wo man den Striegel- Schacht anlegen will; es wird der kuͤrzeste Weg, und dieses Weges Laͤnge nach dem Striegel- Schachte vom tiefsten Punkte im Teichraume hinweg, gesucht. Aufloͤsung . 1) Man verrichte einen Markscheidezug mit Com- paß und Gradbogen, und suche 2) hiedurch, wie viel der Punkt im Teichraume tiefer, als des Striegel-Schachtes hoͤchster Punkt liegt. 3) Suche 3) Suche des besagten Zuges Winkel und Sohlen, und lege diese auf einem Risse zu. 4) Aus dieser soͤhligen Zulage, suche man ferner der beiden gegebenen Punkte Entfernung und Richtung, (nach der man kann ansitzen und ar- beiten lassen) indem man die Endpunkte des Zuges durch eine Linie verbindet, und derselben Laͤnge und Streichen erforschet, so ist das Ge- suchte in dieser letzten Linie gefunden. §. 64. Zwoͤlfte Aufgabe . Man verlangt den Punkt zu wissen, wo man hin- ter dem Damme ansitzen muͤsse, um von da eine Abzugs-Ruͤsche (Striegel-Ruͤsche) nach dem in der Widerlage abgesunkenen Striegel-Schach- te treiben zu koͤnnen. Die Tiefe des besagten Striegel-Schachtes, benebst seiner Lage sind gegeben. Aufloͤsung . 1) Man verrichte von einem beliebigen Punkte im Thale, oder neben der Widerlage, hinter dem Damme hinweg, einen Zug mit Compaß und Gradbogen, bis zu dem hoͤchsten Punkte, wo der Striegel-Schacht abgesunken ist. 2) Nehme des Striegel-Schachtes Teuffe genau, durch Abseigern, oder wie man sonst kann und will. 3) Berechne 3) Berechne, wie viel der in Nr. 1. angegebene Anfangspunkt, tiefer oder hoͤher liegt, als des Striegel-Schachtes tiefster Punkt; (Tiefstes.) 4) Bestimme hierauf uͤber Tage des besagten An- fangspunktes rechte Tiefe, indem man entweder zu der durch Nr. 1 und 3 gefundenen Seiger- teufe zulegt, oder davon abnimmt, oder sie un- veraͤndert laͤßt, wenn sie der Striegel-Schacht- teufe just gleich waͤre, und — indem man den mit einem Pfahle bezeichneten Punkt dar- nach ruͤckt, bis die gehoͤrige Situation desselben herauskommt. Endlich bestimme man 5) die Richtung nach der Weltgegend, in der eine Linie streicht, die zwischen dem Striegel-Schach- te, und dem durch Nr. 4. gefundenen richtigen Punkte die kuͤrzeste ist, und gebe alsdann solche den Arbeitern in der Rosche durch zwei ange- haͤngte Lothe an, die nach besagter Linie Rich- tung gehangen sind. Anmerkung . 1) Man muß den in Nr. 4. gefundenen Punkt noch etwas tiefer legen, als man nach der Be- rechnung thun sollte. Denn das Wasser, wel- ches durch eine solche Roͤsche ablaufen soll, muß etwas Fall haben, um desto schneller ablaufen zu koͤnnen. Wie viel eigentlich dieser Fall be- tragen muͤsse, ergiebt sich aus der soͤhligen Ent- fernung beider Punkte (die man nach der eilf- ten Aufgabe finden kann). Folgt man dem, was Teichb. J bei bei dem Bergbau gewoͤhnlich ist, so erhaͤlt eine Laͤnge von 100 Lachtern, ¼ Lachter Roͤsche oder Fall. Unten bei den Striegel-Roͤschen selbst, wird deßfalls noch weiter geredt. 2) Diese zwei letztern Aufgaben gehoͤren fuͤr Personen, die in der Trigonometrie geuͤbt und bewandert sind. Wer diese nicht versteht, kann sich an diese Arbeiten auch nicht machen, ohne sich merkliche Fehler und Schaden zu gewaͤrtigen. Die Aufgaben muͤssen daher von guten Mark- scheidern, oder fertigen Geometern aufgeloͤset werden, wenn man ihnen nicht gewachsen ist. 3) Wenn hier nicht alle und jede Aufgaben und deren Aufloͤsung hergesetzt worden, die irgend bei dem Teichbau vorkommen, so ist dieß deswe- gen geschehn, weil solche theils zu schwer sind, theils weil man sich oft gleich selbst helfen kann, endlich auch — weil blos von denen, die am gewoͤhnlichsten vorzukommen pflegen, das noͤ- thigste hier hat beigebracht werden sollen. Saͤmmtliche leichte und schwerere Aufgaben, wuͤr- den also in einer weitlaͤuftigern Schrift, als diese seyn soll, Platz finden muͤssen. Die nothwendigsten Saͤtze aus dem Gebiete der allgemeinen Betrachtungen uͤber Teiche, den Teichbau, und das dahin Gehoͤrige, sind im Bishe- rigen auf eine faßliche Weise vorgetragen. Ein- zelne Bemerkungen, die noch etwa hieher gezogen werden werden koͤnnten, sind im Folgenden hin und wieder an schicklichen Orten beigebracht, so daß die Leser keinen Verlust leiden. Wir koͤnnen also hoffentlich, ohne den Vorwurf einer allzu großen Kuͤrze, oder zu sehr gedehnten Weitlaͤuftigkeit zu fuͤrchten, zu dem praktischen Theile uͤbergehn, welches in den folgenden Abtheilungen geschieht. J 2 Zweite Zweite Abtheilung . Specielle Beschreibung der gesammten Arbei- ten und noͤthigen Anlagen bei Teichen. Erstes Hauptstuͤck. Specielle Beschreibung von der Be- arbeitung der Teichgruͤnde, und den Seiten der Teiche . §. 65. N achdem im Vorhergehenden die allgemeinen Be- trachtungen uͤber Teiche uͤberhaupt, so weit sie statt finden konnten, beendigt sind, kann nunmehr zu dem Hauptgegenstande dieser Schrift naͤher zu- geschritten werden. Dem zufolge kommen wir itzt auf die Beschreibung der praktischen Arbeiten und der gesammten Theile und Vorrichtungen, die die sowol beim Teichbau, als bei Teichen selbst an- getroffen werden. Schon im Vorigen wurde er- waͤhnt, daß es der Deutlichkeit der Beschreibung am zutraͤglichsten zu seyn scheint, wenn sie nach derjenigen Ordnung gegeben wird, in der sowol die Arbeiten bei dem wirklichen Bau vorgenommen werden muͤssen, als auch wie jedes der zu einem Teiche gehoͤrigen Stuͤcke, der Zeit nach, angelegt wird. Der Anfang wird daher billig mit einer Nachricht von der Bearbeitung gemacht, die an den Teichgruͤnden und den Widerlagen derselben noͤthig seyn kann. §. 66. Allgemein betrachtet, besteht jede Bearbeitung in einer absichtlichen Umaͤnderung der Gestalt des zu bearbeitenden Objects, die unsere Absichten mit demselben befoͤrdern soll. Immer richtet sie sich nach den Hindernissen, welche das Object unserm Willen entgegen setzt, und nach Maaßgabe dieser Hindernisse muß man bald von der Masse des Objects etwas hinweg nehmen, bald etwas hinzufuͤ- gen, bald einzig und allein den vorhandenen Theilen desselben eine andere Gestalt geben. Dieß alles findet denn auch bei unserm vor uns liegenden Ob- jecte — den Teichgruͤnden statt. Die Bearbeitung eines Teichgrundes wird hauptsaͤchlich durch folgende Umstaͤnde erzwungen. Der Grund ist entweder sehr flach , und die Oberflaͤche desselben sehr uneben , oder — er haͤlt haͤlt kein Wasser , oder — es koͤnnen gar bei- de Faͤlle vereinigt da seyn. Man sieht gleich, daß der erstere Fall der am wenigsten schwierige ist, da hingegen der zweite, oder der letztere, mehr zu schaffen machen muß. Um einem zu flachen Teichgrunde mehrere Tiefe zu geben, bedient man sich des Ausgrabens . Allein ehe man zu dieser Arbeit wirklich schreitet, hat man noch zuvor zu untersuchen, erstlich ob das hinter dem Teiche unterwaͤrts gelegene Ter- rein auch wirklich von der Art sey, daß es das Ausgraben gestatte, oder wenigstens nicht zu sehr erschwere. Bleibt z. E. das Thal auch noch hinter dem Damme sehr flach, und man wollte den Teich- raum tief ausgraben, so wuͤrde man dadurch ge- noͤthigt werden, weit im Thale herauf eine Ruͤsche zu treiben, um durch selbige die im Teiche gesamm- leten Wasser rein abzgpfen zu koͤnnen. Wenn nun nicht gleich unter dem Rasen oder der Oberflaͤche des Thales, f stes Gestein da ist, so kann die Ruͤ- sche sehr kostspielig werden, weil man sie nicht wol verwahren kann, und der Wasserlauf in ihr natuͤrlicher Weise doch immer offen bleiben muß. Da muß man sie denn entweder verzimmern (mit Holz aussetzen), oder man muß sich der unten angegebnen Art sie zu mauren bedienen; dieß ist aber, obgleich sehr dauerhaft, auch sehr theuer. Zum Zweiten hat man wol zu pruͤfen, ob das Ausgraben in der That auch nuͤtzlich sey. Statt einen einen Teich durch das Ausgraben tiefer zu ma- chen, und ihm dadurch mehr Raum, Wasser zu fas- sen, zu verschaffen, thut man oftermalen weit besser, wenn man den Damm etwas auftraͤgt , und so die Hoͤhe desselben vergroͤßert. Hiebei wird aber vorausgesetzt, daß die Seiten des Teiches die- ses Auftragen des Dammes gestatten, oder daß man diese ebenfalls etwas erhoͤhen wolle und koͤnne. Wer einigermaßen darauf Acht gegeben hat, wie viel leichter es ist, irgendwo uͤber Tage , wie die Bergleute zu sagen pflegen, locker umher- liegenden Schutt aufzufuͤllen, und ihn blos wo anders hin abzustuͤrzen, als den nemlichen Schutt aus einem engen Raume und festen Lager, erst zu gewinnen und dann an Ort und Stelle zu fuhren, wird sich bald von der Richtigkeit des hier gegebe- nen Rathes uͤberzeugen. Das Ausgraben kann aber noch ferner eine sehr fatale Folge haben, die man beim ersten Anblick gar nicht bei ihm vermuthet, nemlich diese, daß ein Teichgrund, der zuvor recht sehr gut im Stan- de war Wasser zu halten, nun durch jene Arbeit diese schoͤne Eigenschaft gaͤnzlich verliehrt, und viel Muͤhe und Kosten macht, die man sich selbst zuzu- schreiben hat. Es gehoͤrt also im Ernste eine sehr reifliche Ueberlegung dazu, durch die, mit mehrern Versuchen an dem Terrein verbunden, sich aus- weisen muß, ob das Ausgraben wirklich vorzuneh- men sey, oder ob man ein anderes Mittel zu waͤh- len len habe. Unter diese letztern gehoͤrt z. E. die gaͤnz- liche Verlegung des Teiches an einen andern Ort. §. 67. Das Ausgraben selbst ist eine jener leicht zu begreifenden Arbeiten, die von jedem Ta- g e loͤhner verrichtet werden kann; sie erfordert be- sonders gesunde Knochen, und Emsigkeit durch schnelle Foͤrderungsmittel unterstuͤtzt, wenn sie hurtig von statten gehen soll, so lange man nem- lich blos mit Erd-Arten, Geschieben und Schutt zu thun hat, welcher leicht weggefuͤllt und abge- fahren werden kann. Hier wird das Auszuraͤu- mende im Teichgrunde erst los gehackt, sodann eingefuͤllt und weggefoͤrdert. Wenn hingegen Gestein, also Klippen und große Felsen vorkommen, so wird außer den schon augefuͤhrten Eigenschaften der Arbeiter, auch noch besonders Geschicklichkeit und mehr Verstand erfor- dert. Denn wenn ihnen diese Stuͤcke fehlen, so ruiniren sie nur viel Werkzeuge, machen sich die Arbeit ohne Noth sauer, und schaffen dennoch we- niger, als andere geschickte Leute, bei weniger an- gewandten Kraͤften und kuͤrzerer Zeit. Am rathsamsten ist es, solche Arbeiten nach auf- merksam gemachten Proben, vorsichtig Stuͤck vor Stuͤck, in Zeitraͤumen von 8 zu 8 Tagen, zu ver- dingen. Da werden die Leute durch ihr vorzuͤgli- ches Interesse genoͤthigt, fleißig und behutsam zu Werke Werke zu gehn. Bei der Arbeit, welche Tage- weise bezahlt wird, kann man dieß lange nicht so gut bewerkstelligen. Hier schiene uͤberhaupt kein unschicklicher Platz fuͤr ein ge Bemerkungen und Erinnerungen zu seyn, die uͤber die gute Disposition, Vergleichung der Arbeiten, Auswahl der Leute, Foͤrderung u. s. w. gemacht werden koͤnnten; allein um hier die Ord- nung nicht zu unterbrechen, sollen sie erst am Ende dieses Hauptstuͤcks mit mehrerm beigebracht werden. Die Hauptregel bleibt allezeit fuͤr das Aus- graben folgende: man muß so viel wie moͤglich dahin sehen, alles wegzunehmen, was ohne viele Kosten den Teichraum ver- groͤßern, dem Teichgrunde Nachtheil bringen, und beim Damme selbst ge- braucht werden kann . Diese kurze Regel faßt das Noͤthigste deutlich, und macht Weitlaͤuftig- keit unnoͤthig. Wenn also die Arbeiter zum Losmachen des Wegzuschaffenden angestellt sind, so giebt man ih- nen die noͤthige Foͤrderung. Diese besteht in Schutt- und Lauf-auch Hohlkarren, in denen das Losgemachte weggebracht wird. Dieß bedarf kei- ner weitern Beschreibung. Dasjenige aber, was in Betreff der Seiten des Grundes, die durchs Aus- graben entstehen, gesagt werden muͤßte, wird gleich gehoͤrigen Ortes bei der Bearbeitung der Seiten, mit angefuͤhrt und bemerkt werden. §. 68. §. 68. Wir kommen nunmehro auf eine Arbeit bei den Teichgruͤnden, welche desto haͤufiger noͤthig wird, wenn die im vorigen §. angezeigte nur dann und wann vorkommt. Dieß ist aber keine andere, als das Aus - und Abraͤumen . Gewoͤhnlich ist dieß bei jedem Teichgrunde wenigstens nur zum Theil unentbehrlich, und sollte es auch bloß deß- halb geschehen, um die Fischerei nicht zu verhin- dern. Im Wesentlichen kommt es mit dem Aus- graben voͤllig uͤberein, und wird solches also auch auf gleiche Weise betrieben. Die Unebenheiten, die kleinen Klippen, die maͤßigen Huͤgel, anderer Un- rath ꝛc. werden aus dem Teichgrunde herausge- bracht, und dieß kann mit Lauf-, Hohl- und Pfer- dekarren geschehen, eben so wie beim Ausgraben. Ausgraben, und Aus- und Abraͤumen, sind im Grunde, bloß durch die Quantitaͤt des aus einem Teichgrunde Herauszuschaffenden, verschieden. Wenn mehrere Monate darauf verwandt werden muͤssen, den Grund niederzubringen und viel wegzuschaffen, so gehoͤrt das zum Ausgra- ben . Geringere Quantitaͤten werden dagegen nur ausgeraͤumt ; und wenn bloß Rasen oder et- was Schutt, Hecke und dergleichen abzufuͤhren ist, so wird ein solcher Teichgrund bloß abgeraͤumt ; Unterschiede — die bloß von der, den Arbeiten gegebenen, Benennung (zur bessern Einsicht der Arbeitenden) herruͤhren, und beibehalten werden. Folgen- Folgender Umstand macht bisweilen ungeschick- ten Arbeitern viel Muͤhe. Es trift sich oft, daß das im Teiche zu sammelnde Wasser in Gehoͤlze tritt, so wie sein Spiegel anfaͤngt groͤßer zu wer- den. An diesen Stellen des Gehoͤlzes, die noch zu Teichgrund werden, haut man die Baͤume nebst dem Unterholze nieder, weil sie die Naͤsse nicht wuͤrden vertragen koͤnnen, und fuͤhrt sie ab. Die kleinen Staͤmme des Unterholzes verfaulen bald, nicht so die eigentlichen Staͤmme der Baͤume. Je dicker und von je haͤrterm Holze diese sind, desto laͤngere Zeit halten sie sich unverfault. Sie muͤs- sen daher aus dem Teichraume herausgehohlt wer- den, und besonders ist dieß da noͤthig, wo Teiche zur Fischerei stark gebraucht werden sollen. Um nun diese Staͤmme aus der Erde zu schaffen, um- graͤbt man sie erst einen oder zwei Fuß tief. Dann untergraͤbt man sie, so viel man kann, und sucht sie durch lange und starke Hebel, die man unter sie zwaͤngt, heraus zu wippen. Sitzen sie aber zu fest, so muß man hoͤlzerne, besser eiserne Winden zu Huͤlfe nehmen, und die Staͤmme mit- telst ihrer und eiserner Ketten heraus winden. Sind die Staͤmme von Umfange groß, von dich- tem Holze, und sehr aͤstig, so daß man sie nicht gut in Stuͤcken zerspalten kann, so bohrt man Loͤ- cher in sie hinein, besetzt solche mit Schießpulver, und zersprengt sie. Besser ists, sich diese Arbeit mit den Staͤmmen zu ersparen, und deswegen den Baum, ehe er noch abgehauen wird, rund umher zu zu umgraben, und seinen Fall auf diese Weise nach einer beliebigen Richtung zu bewirken. Da nimmt der Baum, gleich selbst die Wurzeln mit heraus. Doch ist einige Vorsicht hiebei noͤthig, daß man den Baum wenn sein Fall nahe bevor- steht, nicht zu ploͤtzlich umfallen mache, daß die Leute erst retiriren koͤnnen. Zu dem Ende wird er auch, zumal an Abhaͤngen, erst auf einer Haͤlfte bloß umrodet, da, — wo er hinfallen soll. Dann wird von der andern Seite nachgeholfen. In Ansehung des Abraͤumens und auch des Ausgrabens ist noch diese Erinnerung noͤthig, daß man alles, was abgeraͤumt und ausgegraben ist, wenn es noch gebraucht werden kann, gleich vom Anfange der Arbeit und des Baues an, so viel als moͤglich ist, an solche Stellen bringe, wo es zum Behufe des Dammes gleich mit verarbeitet werden kann. Verabsaͤumt man dieß, so entsteht unver- meidlich Kosten- und Zeitaufwand. Der Raum wird gleichfalls nur versperret, und dem allen kann doch leicht abgeholfen werden. Man wende hier nicht ein, daß dieß gar nicht moͤglich sey zu leisten; — so wie ein guter Hausvater jedem Dinge den gehoͤrigen Platz anweiset, ohne es erst viel hin- und herzuwerfen, so ist auch dieses moͤg- lich, wofern es nur gehoͤrig angefangen, und nicht uͤbereilt zu Werke gegangen wird. §. 69. §. 69. Der zweite Umstand, der die Bearbeitung der Teichgruͤnde noͤthig machen kann, ist das Unver- moͤgen des Grundes, Wasser zu halten. Dieser Fall ist immer bedenklich. Doch zum Troste aller, welche Teiche bauen, kommt er selten auf die Art vor, daß der ganze Teichgrund diese uͤble Beschaf- fenheit haͤtte, sondern mehrentheils haben nur einzelne Stellen vorbenannten Fehler. Die Ur- sachen selbst, warum der Teichgrund kein Wasser haͤlt, sind hauptsaͤchlich folgende: Erstlich, ein sehr leichter Boden und lockerer Grund; Zweitens, maͤchtige Lager von Flug- und Triebsande, oder allerhand Steinen und Geschieben; Drittens, Zer- kluͤftungen des Gesteins, dahin auch die sogenann- ten Kalkschlotten gehoͤren; Viertens, tiefer Sumpf und Morast. Wo nun der ganze Teichgrund kein Wasser hal- ten kann, besonders wegen Nr. 1 und 2, da ist das Rathsamste, wenn man große Kosten scheuen muß, solche Stellen zu verlassen, und wenn es sonst moͤglich ist, andere zu waͤhlen. Kann man aber von einer solchen Stelle nicht abgehen, so muß man ent- weder so lange ausgraben und ausraͤumen, bis man einen bessern Boden findet, oder man versucht es mit kuͤnstlichen Mitteln, dem Boden die gehoͤrige Dichtigkeit zu geben. Dahin gehoͤrt denn das Ausschlaͤmmen , und das Aussetzen des Teichgrundes mit Thon oder Rasen. Das Das Ausschlaͤmmen oder Verschlaͤmmen besteht darin, daß man hoch im Teichgrunde ei- nen kleinen maͤßigen Sumpf macht, in welchen zu- fließende Wasser geleitet werden. J diesen Sumpf stuͤrzt man ganz klaren feinen Leimen oder guten Thon, welchen das im Sumpfe befindliche Wasser aufloͤsen und in den weiter unterwaͤrts ge- legenen Teichgrund fuͤhren muß. Ehe also der Damm nicht schon etwas in die Hoͤhe gebracht, oder sonst eine Brustwehr dem thonichten Wasser entgegengesetzt ist, kann man das Ausschlaͤmmen gar nicht vornehmen. Dieß truͤbe Wasser, das aus dem Sumpfe heraus laͤuft, und sich uͤber dem Teichgrunde an den schadhaften Stellen sammlet, verstopft, so wie es sich setzt, die kleinen Loͤcher, und uͤberdeckt sie mit dem praͤzipi- tirten Schlamme und Thone. Man darf daher das Wasser nicht eher von dem Teichgrunde rein ablaufen lassen, bis der Thon in ihm voͤllig ge- sunken, und dasselbe voͤllig klar geworden ist. Damit aber oben im Sumpfe das Wasser den Thon recht gut und leicht aufloͤse, und das Wasser sehr dick und truͤbe in den Teich komme, laͤßt man bei oder in den Sumpf hinein, auf eine Erhoͤhung, einen starken erwachsenen Menschen treten, und durch diesen den Thon rund umher, mit einem eisernen leichten Harken fleißig umruͤhren. Hie- durch wird er ganz klar, und zuletzt alles einem duͤnnen Breie aͤhnlich. Wenn nun eine Portion im im Sumpfe verbraucht ist, so faͤngt man mit der zweiten an, u. s. f. Das Aussetzen mit Thon oder Rasen, ge- schieht auf folgende Art. Man nimmt den Thon, laͤßt ihn ganz klein zerhacken, und ihn an die feh- lerhaften Stellen hinfahren. Da wird er dann duͤnn aus einander gezogen, jedoch so, daß die Schicht selbst etwa 8 bis 10 Zoll hoch bleibt. Wenn er voͤllig umher gestuͤrzt und verbreitet ist, so laͤßt man ihn mit umgekehrten Hacken, recht derb in einander schlagen, und nachher die entstandenen Loͤcher mit anderm Thone wieder ausfuͤllen. Dann wird diese Schicht etwas, doch nicht zu derb uͤber- stampft. Ist dieses geschehen, so stuͤrzt man eine zweite Schicht von eben solchem klaren Thone auf, und wenn auch diese zuvor gehoͤrig umher gezogen worden, so daß alles fein eben liegt, stampft man sie gleichfalls, und zwar itzt mit aller Gewalt, daß sie fertig, beinahe einem Estrich gleich sieht. Diese beiden Thonschichten muͤssen dann etwa 18 Zoll hoch liegen. Man mengt sehr gern unter den Thon, ein Sechstheil der gesammten Menge, Sand oder kleinen Schutt; dadurch bekoͤmmt er eine desto bessere Verbindung. Will man aber die schadhaften Stellen mit Rasen besetzen, so muß zuvor, wenn man es irgend haben kann, erst die Grundschicht von Thon ge- macht werden, auf die nemliche Art wie eben ge- lehrt worden. Dann wird der Rasen, der zu diesem diesem Behufe stuͤckweise in Form gleichseitiger Quadrate, oder nur in langen (2 Fuß langen und 1 Fuß breiten) Streifen gestochen ist, daruͤber hergesetzt, das Gruͤne desselben unten, die Wur- zeln hingegen oben. Zwischen die entstandenen Ritzen wird etwas guter Thon gelegt, solche aus- gefullt, und das ganze nachher derb uͤberstampft, dann ist man mit dieser Arbeit fertig. §. 70. Sind Zerkluͤftungen die Ursachen, warum der Teichgrund kein Wasser haͤlt, so muß man erst den ganzen Teichgrund rein abraͤumen lassen. Dann visitirt man ihn genau und bezeichnet die- jenigen Stellen, welche als untauglich befunden werden, sorgfaͤltig mit kleinen Pfaͤhlen. Diese Zerkluͤftungen, deren unten noch beim Grundgra- ben weiter gedacht werden muß, fuͤllt man sodann mit einer Mischung aus feinem Sande (etwa ⅔) und gutem Thone, (etwa ⅓) die recht trocken gemacht ist, und aus ganz kleinen Stuͤcken besteht, voll. Beiher wird das Eingefuͤllte in den Ritzen, von Zeit zu Zeit mit etwas Wasser begossen, und dann mit dem Einfuͤllen wieder fortgefahren. Oben werden nachmals die Zerkluͤftungen noch ganz dicht mit dem besten Thone ausgeschlagen, und hinter her uͤber sie eine Schicht Thon von 12 Zoll Hoͤhe, und auf diese noch eine zweite Schicht von Rasen, gestampft. Am besten ist es jedoch, lau- ter Thon und gar keinen Rasen dabei zu gebrauchen. Es Es kann sich treffen, daß zwischen den Zer- kluͤftungen, einige kleine oder wenige Stellen gut sind, diese werden aber dennoch auch mit uͤber- deckt, um seitwaͤrts dem Wasser alle Communica- tion mit den Kluͤften abzuschneiden, und dem Tho- ne und Rasen eine desto bessere Verbindung zu geben. Große Kalkschlotten die beinahe zu Tage ausgehen, sind noch weit gefaͤhrlicher als die eben angefuͤhrten kleinen Zerkluͤftungen. In der Naͤhe solcher Schlotten ist man selten versichert festen Grund zu haben; denn dasjenige, was in diesem Jahre vollkommenen Halt versprach, ist vielleicht schon im kommenden eingestuͤrzt. Man darf nur die Oberflaͤche solcher Berge und Gegenden be- trachten, wo Schlotten sind, wie sich da der Boden fast aller Orten senkt, und ganze Stuͤcken einbre- chen. Oefters weiß man die Schlotten, oͤfters auch nicht. Wenn man daher an solchen Orten bauen muß, so ist es dem gluͤcklichen Ohngefaͤhr fast jederzeit zu danken, wenn der Bau gelingt. Weiß man hingegen genau, wo der Ausgang einer Schlotte am Tage ist, so laͤßt man den Ort rein abraͤumen, und sucht ihn noͤthigenfalls erst hin- laͤnglich auszufuͤllen, dann aber legt man, wie vor- hin gesagt worden, eine Schicht Thon oder Ra- sen auf, und hilft sich, so gut als es die Umstaͤn- de erlauben wollen. Teichb. K Weiß Weiß man nicht ganz genau, wo der Ausgang der Schlotte ist, so kann man ihn durch hin und wie- der ausgegossenes Wasser, besser durch Baͤche, die man in die Gegend leitet, wo man sie vermuthet, zu er- forschen suchen, und dann nach dem Bisherge- sagten verfahren. §. 71. Noch schlechterer Teichgrund als alle vorbe- nannte, ist endlich der morastige , und sumpfi- ge . Das Vorzuͤglichste, was man gleich anfangs bei ihm zu beobachten hat, ist dieß, ob man nicht im Stande sey, den Sumpf abzuleiten . Kann man dieß bewerkstelligen, so hat man schon viel gewonnen. Das Ableiten geschieht durch Graͤben, die man von tiefer gelegenen Punkten nach des Sumpfes tiefsten Stellen hinfuͤhrt. Kostbarere Mittel, zum Beispiel das Ausschoͤpfen mit Wasser- schnecken, Pumpen, Schoͤpfraͤdern u. s. w. zu gebrauchen, kann nur im dringendsten Falle ange- rathen werden, wenn nemlich das Ableiten des Wassers gar nicht moͤglich zu machen ist. Da wird aber auch in der That aus der ganzen Anlage sel- ten etwas Gutes entstehen, wofern man nicht Geld genug anzuwenden hat. Ist das Gewaͤsser durch Ableiten, oder auf an- dere Weise gaͤnzlich gewaͤltigt, so untersucht man den Boden, und wenn man ihn ziemlich tauglich glaubt, graͤbt man das Unbrauchbare desselben aus, aus, und verbessert die noch schadhaften Stellen durch Thon, Rasen, auch wol durch Pfaͤhle. Fin- det man den Gebrauch dieser Mittel nicht dienlich, so hilft man dem Boden durch uͤbergestuͤrzten Schutt, der mit vielem Thon vermischt ist, so gut als man kann. Bei der Naͤsse setzt sich der einge- stuͤrzte Schutt besser auf einander und macht den Boden dichter. Oft gelingt dieß zwar, aber eben so oft auch nicht; daher denn diese Art von Arbeit stets mißlich bleibt. Wenn der Sumpf oder Morast gar zu tief und der Boden ganz untauglich ist, so muß man ge- woͤhnlich ihn stehn lassen und andere Anstalten treffen, weil die Kosten gar zu sehr stark anlaufen. Ueberdieß findet sich dann auch an solchen Plaͤtzen wenig guter Grund fuͤr die Daͤmme, und wenn man nicht die kostbarsten Mittel anwendet, so be- kommen diese auch eine schlechte Dauer. Statt eines solchen elenden Teiches, ist es deswegen im- mer rathsamer Wasserkuͤnste anzulegen, die das benoͤthigte Wasser auf beliebige Punkte bringen koͤnnen, ohne so wenig Dauer zu haben. Wie man uͤbrigens den Daͤmmen bei schlechtem Grunde, durch Spundpfaͤhle, Roͤste und Piloti- ren helfe, folgt unten mit mehrerm. Einzelne kleine Stellen, die sich hin und wieder finden, und kein Wasser halten, behandelt man auf gleiche Weise, wie in diesen letztern §§ ange- geben ist, und diese machen wenig Hindernisse. K 2 Mit Mit besonderm Nutzen wendet man das Verschlaͤm- men bei ihnen an, und wenn dieses nur einige Zeit wiederholt ist, wird das Uebel bald und leicht gehoben. Starke Regenguͤsse schlaͤmmen gleichfalls viel feines Erdreich und Steine in die Teichgruͤnde, und bessern sie ohne Kosten und Muͤhe aus, so gut wie Menschenhaͤnde, machen also das Verschlaͤm- men durch die Kunst entbehrlich. Von den Ge- stein-Schichtungen folgt unten das Noͤthigste beim Grundgraben. Ist endlich ein Teichgrund flach und auch zu- gleich nicht wasserhaltig, so hat man Ursach genug auf ihn gar keine Ruͤcksicht zu nehmen, und sich umzusehn, wie man seinen Zweck auf bessern und leichtern Wegen erreichen moͤge. §. 72. Die Teichgruͤnde sind es nicht allein, welche vor ihrem wirklichen Gebrauche erst einige Bearbei- tung verlangen; auch die Seiten dieser Teichgruͤn- de beduͤrfen derselben. Alle Arbeiten, die bei ih- nen vorkommen, kann man eintheilen 1) in die Auffuͤhrung der Seiten, wenn sie fehlen, zu niedrig und zu schwach sind; ferner 2) in die Ausbesserung derselben, wenn sie zwar hoch und dick genug, aber dennoch noch nicht ganz tauglich sind. Wenn die Gegend sehr flach ist, und man da- durch genoͤthigt wird neue Widerlagen aufzufuͤhren, (wofern (wofern man nicht ausgraben will) so muß man sie nach denselben Regeln behandeln, die bei der Auffuͤhrung der Daͤmme zu beobachten sind. Des- halb muß das, was uͤber diese bereits gesagt ist, und unten noch weiter gesagt werden soll, nachge- lesen und angewendet werden. Sind aber wirklich schon Widerlagen da, nur aber zu flach, so merke man dieses. Die von der Natur gebildeten Seiten sind so gut als Daͤmme anzusehn, wie es durch Kunst aufgefuͤhrte Seiten sind; sie haben ja eben den Druck des Wassers und eben die Gewalt der Wellen auszustehn wie eigentliche Daͤmme. Beduͤrfen also diese Seiten einer Erhoͤhung, so muß diese so beschaffen seyn, daß kein Wasser uͤber sie hinweg gehn kann, und daß sie gehoͤrig dicht und stark genug ist. Eigent- lich sollten nun zwar alle Erhoͤhungen der Seiten, in Gestalt von Daͤmmen gemacht werden; traͤgt man sie aber nur einen oder zwei Fuß hoch auf, so macht man eben nicht viel Umstaͤnde mit ihnen, son- dern stuͤrzt sie schlechthin von bloßem Schutte auf, und laͤßt sie blos einmal uͤberstampfen, weil sie nach §. 23. dieß nicht allzusehr noͤthig haben. Werden aber die Erhoͤhungen uͤber 2 Fuß hoch aufgetragen, so muß man sie schon wie kleine Daͤmme behandeln. Da graͤbt man ihnen einen kleinen schmalen Grundgraben, setzt in solchen ei- ne kleine Rasen- oder Thonbrust, und laͤßt hinter und vor solche, Schutt vorstuͤrzen, der nebst der Brust Brust zweimal gestampft wird; bei groͤßerer Hoͤhe, z. E. 10 — 12 Fuß — auch wol schon dreimal, und da verfaͤhrt man voͤllig wie bei großen Daͤm- men. An denjenigen Stellen, wo die Erhoͤhungen am hoͤchsten seyn muͤssen, erhalten sie natuͤrlich auch mehrere Dicke, als da wo sie niedriger seyn koͤn- nen. Erforderten nun die Erhoͤhungen bald eine groͤßere bald eine geringere untere Breite, so nimmt man hierauf dennoch nicht so genaue Ruͤck- sicht, und giebt ihnen lieber eine angemessene durchgaͤngig gleiche Breite , oder wenigstens eine solche, deren Groͤße immer mit der Laͤnge der Erhoͤhung zu- oder abnimmt; nachdem es die Um- staͤnde erheischen, so bekommen sie theils ein besse- res Ansehn, theils — und das ist das Wichtigste — einen bessern Halt. Sind hingegen die Widerlagen hoch genug, aber nur so gebildet, daß sie mehrere Dicke noͤthig haben, so sucht man, nach der im Obigen gegebnen Anleitung, diejenige Dicke der Seite, welche dem Wasser gehoͤrig zu widerstehen faͤhig ist, aus der gegebnen Hoͤhe des Wasserstandes. Diese zeigt dann bald, ob die Widerlage zu schwach und um wie viel ihre Dicke noch zu vergroͤßern ist. Waͤre z. E. die untere Breite oder Dicke der Widerlage 18 Fuß, die Rechnung forderte aber 36 Fuß, so muͤßten zu der gegebnen Dicke der Widerlage noch 18 Fuß zugelegt werden. Nun kann man aber dennoch dennoch noch nicht sogleich zur Verstaͤrkung selbst schreiten, sondern man muß erst noch darauf sehn, ob auch das vorhandene Stuͤck Widerlage tauglich sey oder nicht. Da raͤumt man sie dann im er- sten Falle rein ab, laͤßt das fuͤr die Erhoͤhung be- stimmte Material herbei fuͤhren und in die Hoͤhe bringen und, wie bei solchen Anlagen gewoͤhnlich ist, stampfen. Im zweiten Falle raͤumt man alles Schadhafte gaͤnzlich weg, und macht die Erhoͤhung mit der benoͤthigten Dicke fertig, oder wol gar ganz neu. §. 73. Es muß nun ferner der Ausbesserung der Sei- ten gedacht werden. Da finden sich denn dreierlei Arbeiten, nemlich die Abraͤumung derselben, die Befestigung gegen das Nachstuͤrzen des Gebirges, und die Verwahrung gegen den Durchgang des Wassers; Hoͤhe und Dicke der Widerlagen kom- men also hier gar nicht in Betracht, da sie als hinlaͤnglich angenommen werden. Die Abraͤumung geschieht auf die nemliche Weise, wie im Vorigen bei den Teichgruͤnden gezeigt ist, und die §. 67. fast am Ende gegebene Haupt- regel gilt hier gleichfalls in vollem Maaße. Da aber die Angreifung dieser bekannten Arbeit sich durch das Locale allezeit naͤher an die Hand giebt, so waͤre deßfalls eine weitere Beschreibung un- noͤthig. Die Die Befestigung gegen das Einstuͤrzen der Flaͤ- chen der Widerlage im Teichraume, macht nur selten zu schaffen. Denn dasjenige, was von den Seiten nicht von selbst stehen will, muß man gleich rein mit abraͤumen, und dabei ist es noͤthig, den Seiten der Widerlagen die Gestalt der Boͤ- schungen zu geben. Oben wird also das Meiste abgeraͤumt, unten am Fuße der Widerlage nur ein weniges. Bei einem Winkel von 45 bis 55 Grad, den eine dossirte Widerlage im Teichraume be- koͤmmt, steht dieselbe gewiß. Wollte man aber ja sich auf eine andere Art helfen, so muͤßte man gegen die den Einsturz drohenden Stellen, Fut- termauern vorziehn. Allein in sehr vielen Faͤllen wuͤrde dieses Huͤlfsmittel uͤbel angebracht seyn, weil es besser ist solchen drohenden Schutt gleich an- fangs herein zu hohlen und auszuraͤumen. Man gewinnt hier bei dem dritten Theile der Kosten, mehr Raum und Schutt, den man bei Futter- mauern einbuͤßt. Wegen dieser Mauern koͤmmt unten mehreres vor. Wenn die Widerlagen befuͤrchten lassen, durch zarte Erde, Thon, oder kleinen steinichten Schutt ꝛc. den Teichgrund voll zu schlemmen, so begegnet man diesem folgendergestalt. Laͤngst dem Teichspiegel (etwa eine gute Elle hoͤher, als der hoͤchste Wasser- stand seyn soll) fuͤhre man einen 2 Fuß breiten, und 1½ Fuß tiefen Graben an den Widerlagen hin; dieser wird das, was von den Seiten abge- waschen waschen werden koͤnnte, auffangen. Den Graben selbst leite man nach dem Fluthbette hin, und ge- be ihm gegen dasselbe etwas Fall, und eine Oeff- nung. Dann wird bei Regen das Hineinge- schlaͤmmte mit dem durch das Fluthbette ablaufen- den Wasser davon laufen und den Teich nicht ver- unreinigen. Bei Fischteichen hat man sich jedoch vorzusehn, daß hiedurch den Fischen nicht zu viel , und noch weniger alle Nahrung geraubt werden moͤge. Wenn endlich die Seiten kein Wasser halten wollen, so muß man an den schadhaften Plaͤtzen, mit einem Wasserhaltigen Material vorbauen, oder sie damit bedecken. Thon und Rasen schickt sich auch hierzu am besten; denn steinerne Vorbaue wuͤrden zu viel kosten und dennoch nur weniger dicht seyn, wenn man sie nicht auf eine sehr pretioͤse Art auffuͤhren wollte. Mit Quadern und Wassermoͤrtel koͤnnte es allerdings gut bewerkstelligt werden; aber hier- zu bequemt man sich nur im aͤußersten Nothfalle. Eine hoͤlzerne Befestigung waͤre zwar genugsam Wasserdicht zu machen; allein die Verwahrung der Seiten gegen das Wasser-Durchziehn, auf diese Art bewerkstelligt, ist wegen der wenigen Dauer, ansehnlichen Kosten, und beschwerlichen Repara- turen gaͤnzlich zu verwerfen. Man sucht also den Durchgang des Wassers folgendergestalt zu ver- hindern. Zuerst Zuerst raͤumt man die Seiten rein ab, kehrt allen Staub von ihnen herunter und laͤßt zufoͤr- derst, alle sich vorfindenden Ritzen und Loͤcher, mit Letten oder sonstigem guten Thone derb ausfuͤllen. Damit der Thon desto besser haften moͤge, wird da, wo er hinkommen soll, der Boden oder die Seite mit etwas Wasser begossen, sonst zieht er sich von dem trocknen gern loß. Nun wird, wenn dieß Aus- fuͤllen der Spalten noch nicht hinreichend seyn sollte, vor die Widerlage selbst noch eine Brust vorgesetzt, die entweder aus Thon oder Rasen be- stehen kann. Ist sie von Thon, so wird sie in ei- nem fort, ohne Aosaͤtze zu machen, Fuß fuͤr Fuß laͤngst den Seiten hin vorgelegt, so dicht als moͤg- lich an das Gebirge verbunden, und immer waͤh- rend der Arbeit gestampft. Die Dicke derselben kann 15 bis 18 Zoll betragen. Es ist jedoch nur dann rathsam, eine solche Thonbrust zu waͤhlen, wenn die Widerlagen nicht zu steil , sondern mehr flach abfallen. Wenn das erstere statt findet, so muß man die Brust von Rasen machen; diese kann man gleichsam aufmauern, welches der Thon nicht so gut gestattet, da er fuͤr sich nicht so fest stehn bleibt als Rasen. Solche Bruͤste werden noch uͤber das Ende der schadhaften Stellen etwas hinausgefuͤhrt, um alle Wasser genau abzuhalten. Einzelne kleine unschadhafte Stellen zwischen den untauglichen werden, um die Verbindung der Bruͤste nicht zu schwaͤchen, gleich auch mit uͤberdeckt. Eine Eine solche Brust von Rasen, die nicht mit der weiter unten vorkommenden verwechselt wer- den muß, bekommt den 6ten, 7ten oder 8ten Theil ihrer Hohe zur untern Staͤrke, auf dem Grunde, auf dem sie aufgebauet werden soll, und es ist sehr dienlich, fuͤr sie in dem Teichraume einen kleinen Fuͤllmund zu graben. Bei der Arbeit selbst wird ein Rasen neben dem andern gesetzt, dicht an den Boden, und auf einander gestampft, und alle Ritzen zwischen ihnen und der Widerlage, inglei- chen die groͤßern offen bleibenden Raͤume voͤllig mit weichem Thon ausgeschlagen, daß die Brust fein dicht und dadurch wasserhaltig wird. Hin und wieder kann man auch die Rasen, ei- nen auf den andern, mit einzelnen 12 Zoll lan- gen eichenen, Fingers dicken Pfaͤhlen, anheften. Die Rasen darf man nicht zu kurz und nicht zu lang, auch nicht zu schmal stechen lassen, sonst giebt es viel Zwischenraͤume, die nicht so ganz dicht, als die Rasen selbst sind, ausgestopft werden koͤnnen, und hiedurch leidet die Festigkeit. Unten wird mit Mehrerm ausfuͤhrlicher dargethan, wie eigentlich das Rasensetzen am be- sten betrieben werde. Folgende Betrachtungen uͤber die Anstellung der Arbeiter sind hier mit angehaͤngt. Ob sie gleich nicht eigentlich hier in diese Abtheilung ge- hoͤren, so sind sie doch um des Praktischen willen hieher verlegt worden, welches der Leser zu Gute halten wird. §. 74. §. 74. Die gewoͤhnliche Art, wie die Arbeiter bei saͤmmtlichen vorbenannten Arbeiten angestellt zu werden pflegen, ist diese: Eine Abtheilung der gesammten Menge der Arbeiter, wird dazu beor- dert, Schutt, Steine und Erdreich, ferner eine zweite Abtheilung, Rasen und Thon zu gewin- nen. Gemeiniglich stehen diese Leute an einander hinaus, und jeder gewinnt fuͤr sich, oder gemein- schaftlich mit seinen Nachbarn, wenn die Arbeit zu schwer faͤllt, das Stuͤck Material, oder Schutt, Klippe ꝛc. dessen Wegraͤumung oder Gewinnung noͤthig ist. Diese Personen bekuͤmmern sich nicht darum, wie und wenn eher das Loßgearbeitete fortgeschaft wird. Zu diesem Behufe sind nun andere Abthei- lungen der Leute bestimmt. Von diesen faͤhrt ein kleinerer Theil mit Lauf- und Hohlkarren herbei, und schafft auf selbigen das Gewonnene und Loß- gemachte fort, welches waͤhrend seiner Abwesen- heit von noch einem andern kleinern Theile von Leu- ten aufgeladen ist. Hiezu werden aber doppelte Mengen von Lauf- oder Hohlkarren erfordert, oder man faͤhrt, wie man sagt, mit Wechselkarren. Diese Art ist sehr vortheilhaft, denn da wird nicht so viel Zeit versaͤumt. Was Rasen, Thon, und schwerere Materia- lien sind auch wenn solche weit her anbeigeschaft werden muͤssen, diese werden auf Karren, die mit Pfer- Pferden bespannt sind, oder auch auf Hohlwagen herbeigefuͤhrt. Die Menschen wuͤrden solche nicht schnell genug, und nicht in gehoͤriger Menge an- fuͤhren koͤnnen. Zu diesen Pferdekarren oder Wagen muͤssen jedoch wieder Leute beordert werden, und zwar eine Parthie , die an Ort und Stelle, wo das verlangte Material gewonnen wird, aufladen hel- fen. Die andere Parthie ist an Ort und Stelle, wo das Herbeigefuͤhrte hinkommen soll, und beschaͤftigt sich blos mit dem Abladen. Bei dem Hohl- und Laufkarren aber fehlen die Ablaͤder, denn alle die, welche Schutt ꝛc. karren muͤssen, stuͤr- zen auch selbst ab, ohne Anderer Beihuͤlfe. Wie- der eine neue Abtheilung von Leuten arbeitet das Herbeigefuͤhrte wirklich zu dem verlangten Werke, und da muͤssen welche zum Theil das Material aus einander ziehn, Andere stampfen solches, noch An- dere bessern nach. Kurz — fuͤr jede Beschaͤf- tigung werden Truppe von Leuten an- gestellt, die alle zugleich Jeder seine vorgegebene Arbeit warten, und das Verlangte verfertigen und leisten muͤssen. Man sieht gleich, daß es ein besonderer Vor- theil seyn muͤsse, alle diese Leute gleich uͤbersehn und beurtheilen zu koͤnnen, ob sie fleißig sind und das ihrige redlich thun, ob sie das verlangte Ge- schaͤft richtig betreiben, oder verkehrt behandeln, ob Einer den Andern hindere, u. s. f. Das meiste beruht beruht hiebei auf guter Wahl und richtiger Dispo- sition der Arbeiter und Forderungs-Mittel. Diesen Stuͤcken wollen wir etwas naͤhere Aufmerk- samkeit goͤnnen. §. 75. Man wird sich bei der Wahl seiner Arbeiter sehr gluͤcklich zu schaͤtzen haben, wenn man unter dem vorhandenen Corps von Arbeitern, im Durch- schnitte etwa ⅓ traͤge und ungeschickte, die andern dagegen als fleißige und brauchbare Arbeiter auf- weisen kann. Die Erfahrung widerlegt nur zu gruͤndlich, was man von lauter fleißigen und brauchbaren Arbeitern sich einbilden oder ruͤhmen mag. Man wird bei aller Aufmerksamkeit dennoch fast taͤglich, wenigstens etwas hintergangen, wie man bald gewahr werden kann, wenn man nur Sammelplaͤtze von vielen Arbeitern besuchen und beobachten will. Ueberdieß noͤthigen sehr oft Um- staͤnde, daß man gar so streng nicht seyn darf, und die Leute nehmen muß, wie sie zu haben sind, z. E. in der Erndtezeit, wo viele Personen die Arbeit verlassen, und aufs Feld gehn. Ueberhaupt hat man in Ansehung des Fleißes der Leute dahin zu sehn, daß man sie eines Theils nicht selbst faul mache, andern Theils, daß man die Traͤgern in thatigern Zustand setze. Beides kann leicht geschehen. Wenn man eine Menge von Leuten hat anlegen muͤssen; so werden die fleißigen Arbeiter, wie uͤber- haupt, haupt, mit der Zeit wirklich faul, wenn sie zu dicht, oder ihrer zu viel an eine Arbeit gestellt wer- den. Da faͤngt am Ende Einer nach dem Andern an, sich auf seine Nebenkameraden zu verlassen, und sich selbst zu schonen. Ferner bekommen sie hierdurch Anlaß zu Gespraͤchen oder gar zu Zaͤnke- reien, wodurch Einer den Andern von der Arbeit ablenkt. Daher leidet denn auch die Foͤrderung. Endlich aber kann unter obigen Umstaͤnden leicht Einer den Andern beschaͤdigen, deswegen nehmen sie sich mehr Zeit, als sie sonst wuͤrden gebraucht haben. Eine andere Triebfeder zur Faulheit ist das, wenn das Gewonnene nicht schnell genug wegge- schaft wird. Einmal werden die Leute dadurch in der That gehindert, zweitens glauben sie und Andere, daß schon viel geschehen waͤre, oder daß sie immerfort was thaͤten, weil stets Vorrath ge- nug fuͤr die Foͤrdernden da ist. Die Aufseher selbst werden leicht hiebei getaͤuscht. Endlich ist noch das eine Ursache zur Faulheit, wenn man Fleißigen nicht mehr verdienen laͤßt als Traͤgen, und sie ohne Noth hofmeistert. Im er- sten Falle werden sie gleichguͤltig, da sie sehn, daß die Faulen sich so gut stehen als sie, die doch mehr Ernst bei der Arbeit brauchen; es entsteht also bei ihnen ein gerechtes Mißvergnuͤgen, und daraus Nachlaͤßigkeit. Im letztern Falle, bei zu oͤfterm und unnoͤthi- gem Tadel, macht man sie verdruͤßlich, capricioͤs, und und widerspenstig, und da bekoͤmmt ein Aufseher recht eigentlich seine Noth mit ihnen; besonders wenn sie demselben im Praktischen uͤberlegen sind, und er sie noͤthigenfalls nicht gleich selbst zu Rechte weisen, und ihnen entschlossen die Spitze bieten kann. §. 76. Die traͤgern Personen fleißiger zu machen, giebt es mehrere Mittel. Am besten ist es, wenn man in ihnen Ehrgeiz anzuspornen, und sie da- durch thaͤtiger zu machen sucht. Zu dem Ende verspreche man ihnen verhaͤltnißmaͤßige kleine Praͤ- mien; und haben sie ihre Arbeit gut gethan, so gebe man alsdann ihnen auch das Versprochene, sonst ist alles verlohren. Denn wenn solche Leute zu ihrer Faulheit noch Mißtrauen gesellen, so wer- den sie tuͤckisch, und man kann nichts mehr mit ihnen anfangen, und muß sie fortjagen. Will man keine Praͤmien geben, (die man nach und nach in ein hoͤheres Lohn abaͤndern kann) so stecke man die Faulen gleich anfangs mit unter die besten, treuesten Arbeiter, und gebe letztern, insgeheim oder oͤffentlich, etwas Unteraufsicht uͤber jene. Wenn nun Jeder rasch weg arbeitet, so muͤssen die Traͤgern auch mit fort, und sich mehr anstren- gen, wofern sie nur noch einigermaßen Ehrgefuͤhl haben. Mangelt ihnen dieß aber gaͤnzlich, so ist das Rathsamste, ihnen einen eignen Unteraufseher zu geben, geben, und sie an einen solchen Ort an die Arbeit zu bringen, wo sie den andern allen zur Schau ausstehen. Ein sehr gutes Mittel bleibt auch da die Vorspiegelung eines hoͤhern Lohnes, zu dem man sich aber schlechterdings nicht sogleich, und in allzu kurzer Zeit darf im Geben bereitwillig finden lassen. Denn geschieht dieß, so treiben sie nur zu bald die Arbeit wieder auf ihre vorige Weise, traͤ- ge und fahrlaͤssig, und bleiben nach wie vor, ohn- erachtet des hoͤhern Lohnes, unbrauchbar. Es ist nicht ganz wohlgethan, wenn man die Faulen, um sie zu strafen, an die schwersten Arbei- ten bringt; dadurch werden sie vollends unempfind- lich, und mehr abgeschreckt als ermuntert. Ihnen Schnelligkeit zu geben, muß man sich vorzuͤglich an- gelegen seyn lassen, und das muß man auf meh- rere Arten und durch mancherlei Arbeiten, nicht aber blos durch schwerere , zu erreichen suchen. Endlich kann man sie auch dadurch schrecken, daß man sie auf etliche Wochen ablegt, und ih- nen die Arbeit versagt. Denn da die Faulen nicht so leicht Arbeit gleich wieder bekommen, als die Fleißigen, so werden sie oͤfters genoͤthigt, sich mehr anzugreifen, um nicht ganz und gar ledig zu gehn, und zu hungern. §. 77. Will man nun die Arbeiter in einer Reihe zur Arbeit anstellen, so daß sie seitwaͤrts durch sich Teichb. L seldst selbst nicht eingeschlossen sind, sondern sich frei und bequem bewegen koͤnnen, so darf der Zwischen- raum zwischen zwei neben einander stehenden Per- sonen, nicht wol kleiner seyn, als 3 Fuß. Bes- ser ist es, ihnen 4 Fuß Raum links, und eben so viel rechts zu geben. Nimmt man an, daß jeder Mensch im Durchschnitte genommen klein und groß, 2 Fuß breit sey, so bekommt bei 4 Fuß Zwischen- raum zwischen jedem Paare, Jeder 6 Fuß fuͤr sich, die er bearbeiten muß, welches bei Arbeiten, wo man mit Hacken und Keilhauen zu Werke gehen kann, gar nicht zu viel ist. Waͤre das Wegzuschaffende sehr leicht zu ge- winnen, so koͤnnen sie noch weiter aus einander zu stehen kommen. Dieß zu erfahren, darf man nur Acht geben, wie viel die Arbeiter bei maͤßig ange- strengten Kraͤften, in Zeit einer Viertel- oder hal- ben Stunde verrichten, und nach solchen Beobach- tungen stelle man sie dann an. Wie weit diejenigen, welche die Karren u. s. w. einfuͤllen und beladen muͤssen, hinter den Ge- winnenden stehn sollen, laͤßt sich wegen des Locale, nicht genau bestimmen. Indeß scheint oben angegebene Weite von 4 Fuß Entfernung, zwischen jeden an einander hinaus stehenden Per- sonen, auch fuͤr sie zweckmaͤßig zu seyn, voraus- gesetzt, daß die Beschaffenheit der Foͤrderungsmit- tel nicht mehr erfordert, sonst holen nur die Einfuͤller den Schutt u. s. w. zwischen den Fuͤßen der der Gewinnenden hinweg, welches Versaͤumniß und Neckereien verursacht. Zu allen gefaͤhrlichen Arbeiten muß man die vorsichtigsten und geschicktesten Arbeiter nehmen, selbst wenn sie nicht die Fleißigsten seyn sollten; diese kann man sehr bald aus den Andern heraus- finden. Allzu aͤltliche Personen zu solchen Arbeiten, mit denen Gefahr verknuͤpft ist, zu nehmen, ist auch nicht dienlich; denn oͤfters wird eine ziemliche Schnelligkeit und Gewandheit dabei erfordert, welche Leuten von einigen hoͤhern Jahren schon wieder abzugehn pflegt. Wo viel Kraͤfte und we- niger Geschicklichkeit erfordert werden, ist dieß gleichfalls anzurathen. Junge Leute greifen sich eher mit Nachdruck an, koͤnnen daher auch mehr leisten. Indeß muß man alle Arbeiter anspornen, mehr mit Geschicklichkeit, als durch angewandte große Kraͤfte zu gewinnen. Endlich — — wo nicht Mangel an Arbei- tern dazu noͤthigt, muß man es zu vermeiden su- chen, Weibsleute mit an solche Arbeiten zu neh- men. Theils fehlen ihnen die Dauer und die Kraͤfte, so wie Ueberlegung und Hurtigkeit, theils geben sie nur gar zu leicht Gelegenheit zu versaͤu- menden Neckereien, und mancherlei Verdruͤßlich- keiten. Wenn sie vollends tuͤckisch und ihrer viel bei der Arbeit sind, werden sie die groͤßte Plage fuͤr die Aufseher. L 2 §. 78. §. 78. Die Gewinnungsarten haben zu viel und zu mancherlei praktische Vortheile und Handgriffe, als daß man sie hier alle insbesondere aufzaͤhlen und pruͤfen koͤnnte. Indeß sey es mir erlaubt, wegen der Arbeit mit dem Schutte und demjenigen Ge- birge, welches nicht durch Schlaͤgel und Eisen oder durch Schießen gewonnen werden muß, hier ein Verfahren zu erwaͤhnen, welches außerordent- lich vortheilhaft ist, und nur mit einiger Vorsicht betrieben werden darf, um fast allerwaͤrts ge- braucht werden zu koͤnnen. Ich meine hier nichts anders als das Ver- oder Unterschraͤmen . Die Unterschraͤmung selbst besteht darin: Man un- terhaͤlt in einer zweckmaͤßigen Entfernung von der obern Flaͤche, dasjenige Stuͤck Gebirge, oder die Masse, die man aus ihrem Lager loß gemacht ha- ben will, sowol unten wagrecht , als an beiden Seiten senkrecht . Solch ein Stuͤck sieht dann gemeiniglich einem Wuͤrfel aͤhnlich, der allein an seiner hintern Seite haͤngt, an den andern aber rund herum frei ist. Wie tief man eigentlich die lothrechten und wagrechten Schraͤmme (das sind die gemachten Ein- schnitte, durch die das Stuͤck loßgemacht wird) ma- chen duͤrfe, haͤngt von der Festigkeit der zu gewin- nenden Masse, theils auch von dem Gewicht ab, welches das loßzumachende Stuͤck hat. Bei schwerern, Stuͤcken darf man nicht zu tief unter- schraͤmen, schraͤmen, bei lockern auch nicht; in beiden Faͤl- len koͤnnen die Arbeiter durch das herabsinkende Stuͤck Gebirge ꝛc leicht verschuͤttet werden. Da- her ist hier Vorsicht noͤthig. Haͤngt nun das Stuͤck oder die Masse noch an seinem Ruͤcken fest, so wird sodann von hinten und zwar von seiner Oberflaͤche niederwaͤrts, dieß hangende Stuͤck durch einen neuen senkrechten Ein- schnitt loß gemacht, und so bricht auf einmal ein großes Stuͤck herein, welches die Arbeiter in drei- facher Zeit bei vielem Fleiße vielleicht nicht haͤtten gewinnen koͤnnen, und zerfaͤllt bei seinem Herab- rollen von selbst in kleine Stuͤcke. Hier ist also offenbarer Gewinn an Quantitaͤt, Muͤhe, und Zeit. Das unterschraͤmte Stuͤck muß von Zeit zu Zeit von den Arbeitern visitirt und genau beob- achtet werden, damit es keinen schnellen unverhof- ten Bruch macht. Dieß Unterschraͤmen erfordert aber nothwendig hohe senkrechte Stoͤße (Flaͤchen) an dem Gebir- ge; wo dieses hingegen flach anlaͤuft, ist es nicht raͤthlich, des Unterschraͤmens sich zu bedienen. Wenn die Arbeiter im Tagelohn, und nicht im Gedinge stehn, gehen sie nicht gern daran, weil solch ein hereingeholtes großes Stuͤck, Platz zu neuer reichlicher Gewinnung macht, und sattsam zu thun verschafft. Festes Gestein, dergleichen z. E. an den En- den der Daͤmme in Thaͤlern, bei den Widerlagen ꝛc sich sich zu finden pflegt, muß mit Schlaͤgel und Eisen gewonnen werden. Nur selten wissen gemeine Arbeiter mit diesen Werkzeugen gut umzugehn; daher muß man sich an solchen Orten der Stein- brecher bedienen, oder man legt Bergleute an. Diese verstehn es am besten das Gestein zu zwin- gen. Aber man muß sie unter guter Zucht halten, sonst machen sie sich gar zu gern gute Tage, unter dem Scheine, daß das Gestein aͤußerst fest und fast unbezwingbar sey. Beim Verdingen muß man sich nicht von ihnen uͤberlisten lassen, weil sie oͤf- ters ganze Wochen lang schlecht arbeiten und nichts Erhebliches herausschlagen, damit sie nur bei der Abnahme und dem neuen Verdingen eine ansehn- liche Zulage bekommen. Haben sie diese, so ar- beiten sie mit aller Macht darauf loß, um nun ein rechtes Stuͤck Geld zu erhalten, bei dem sie wieder feiren koͤnnen. Wer nicht der bergmaͤnnischen Arbeiten einigermaßen kundig ist, und ihnen sol- ches praktisch beweisen kann, hat alle moͤgliche Ur- sach auf seiner Hut zu seyn, weil sie ihre Schel- mereien nicht lassen koͤnnen. §. 79. Wenn die Arbeiter das Ihrige treu und fleißig thun muͤssen, so kann auch die Foͤrde- rung des Gewonnenen gut von statten gehn. Die erste und kostspieligste Art derselben ist die mit dem Fuhrwerke. Sie nimmt zwar viel Zeit und Raum weg, und hat uͤberdieß einige andere Un- bequem- bequemlichkeiten; allein sie leistet viel auf einmal, obgleich langs a m, und ist, wie die Erfahrung aus- weiset, fast unentbehrlich. Will man von dem Fuhrwerke keinen Schaden haben, so muß man vorzuͤglich auf zwei Stuͤcke sehn, auf schnelles Auf- und Abladen, und — auf gute Wege. Die Wagen bei diesem Fuhrwerke sind gewoͤhn- lich so beschaffen, daß zwei Bretter an die bloßen Wagenleitern angelehnt sind; zwischen den Wa- genleitern und angelehnten Brettern liegt dann noch ein Bodenbrett, und hinten und vorn sind kleine Schuͤtze vorgestellt. In diesen leeren Raum wird der Schutt, Thon, Rasen ꝛc hinein geladen. Man hat aber auch noch eine andere Art; das sind die sogenannten Thon- oder Leimen-Hoͤh- len; Kaͤsten aus vier Brettern zusammengesetzt, welche hernach uͤber das besagte Bodenbrett ge- stellt werden, und in die man einladet. Bei Er- stern wird, wenn man mit der Fehre an Ort und Stelle angelangt ist, wo abgestuͤrzt werden soll, je- des der beiden angelehnten Bretter aufgehoben und das Aufgeladene abgekratzt. Bei den Letztern hingegen hebt man gleich den ganzen Kasten, jedoch ohne das Bodenbrett, auf, und ladet ab. Weil nun diese mehr fassen, und schneller gebraucht werden koͤnnen, so nehmen sie die Fuhrleute nicht gern. Wird Wird nun bei dem Auf- und Abladen viel Zeit erfordert, so ruhen die Fuhrleute desto besser aus. Dieserwegen muß man bei gutem Wetter fuͤr einen einzigen Wagen vier Personen zum Abladen und fuͤnf zum Aufladen haben. Diese fuͤnf Leute muͤs- sen ihn in Zeit von 8 — 9 Minuten laden, nach Versuchen, die ich unzaͤhlig oft angestellt habe, und da wird es dennoch Keinem sehr sauer, sondern Je- der arbeitet maͤßig und auf die Dauer. Das Abladen selbst braucht nur 3 — 4½ Mi- nuten, wenn sonst keine Saͤumniß entsteht. Am besten stehn die Auflaͤder zwei und zwei auf den beiden Seiten, und einer hinten queer vor; die Ablaͤder bloß zwei und zwei an den Seiten. Die Auflaͤder an den Seiten stehn neben den Ach- senschenkeln, die Ablaͤder aber in der Mitte zwi- schen den Raͤdern; so geht alles sehr schnell um. Im Durchschnitt kann man fuͤr Bretterwagen (keine Thonhoͤhle) 19 Kubikfuß rechnen, die sie jedesmal fahren, weil sie bald weniger bald etwas mehr nehmen, auch der Thon ꝛc sich bald lockerer bald dichter schuttet. Man wuͤrde aber in Praxi ein sehr irriges Re- sultat erhalten, wenn man den eben gerechneten Kubikinhalt, sogleich auf den Kubikinhalt der Daͤmme anwenden, und sagen wollte: also brau- chen wir diese oder jene Anzahl von Fuhren. Denn solcher loßgehauener Schutt, Thon ꝛc setzt sich an und fuͤr sich schon stark in einander, durch Regen, Regen, seine eigne Schwere ꝛc; andern Theils wird er gestampft und ge r uͤttelt, welches viel Raum laͤßt. Die vorgesetzte Kuͤrze gestattet mir nicht, die Versuche benebst der Anfuͤhrung der Re- sultate aus ihnen herzusetzen, die ich im Großen gemacht habe, und deren Erzaͤhlung fuͤr eine an- dere groͤßere ausfuͤhrlichere Schrift bestimmt ist. Wie vielmal einer der benannten Wagen in ei- ner Stunde hin- und herfahren koͤnne, muß sich durch die Entfernung des herbeizufu̓hrenden Mate- rials von dem Bestimmungs-Punkte desselben erge- ben. So hat auch noch die Beschaffenheit der Wege, die das Terrein gestattet, hiebei großen Ein- fluß. Von den Wegen selbst soll sogleich im Nachfolgenden weitere Meldung geschehn. Bei obiger Zeitbestimmung des Ladens ist allzeit sup- ponirt, daß genug Material vorhanden war, und gleich nach der Ankunft des Fuhrmanns geladen werden konnte. Um aber die Schnelligkeit zu ver- mehren, muͤssen die Wagen nach richtig abgetheil- ten Mengen, da seyn, beladen werden, abfahren , und kommen . Ist dieserhalb kei- ne Einrichtung gemacht, so sind oft keine Wagen da, dann sind die Auf- und Ablaͤder muͤßig. Oder es sind ihrer zu viel auf einmal da, da reicht wie- der die Anzahl der Auf- und Ablaͤder nicht hin, Einer muß auf den Andern warten, und so ent- steht lauter Unordnung. Auf die gezeigte Art wird dieß alles vermieden, besonders wenn man fuͤr fuͤr jede Parthie eine gleiche Menge nimmt; z. E. zwei kommen, zwei fahren ab ꝛc Vierspaͤn- nige Wagen taugen nichts, weil sie zu viel Raum wegnehmen, daher also Verkoppelungen entstehn, und auch die kurzen Kehren (Kruͤmmungen) nicht gut ausgefahren werden koͤnnen. Auch wird selten viel mehr als auf einen zweispaͤnnigen auf sie geladen. Vortheil ist also ganz und gar nicht bei ihnen zu erwarten, aber mehrere Kosten. §. 80. Die zweite Art von Foͤrderung ist die, mit einraͤdrigen Laufkarren. Nicht bloß Mangel und Kostbarkeit des Fuhrwesens, sondern vorzuͤglich das Locale und gesammte Terrein, macht sie un- entbehrlich. Bei wenig Raum muß man sich ih- rer allezeit bedienen. Gewoͤhnlich sind sie von ei- ner solchen Groͤße, daß drei Kubikfuß in und auf ihnen gut fortgebracht werden koͤnnen; allein die Karrenlaͤufer fahren selten wirklich so viel. Ein junger rascher Bursche von 18 Jahren, fuͤllt mit- telst Kratze und Trog solch einen Karren, in Zeit von einer Minute mit schon vorhandenem loßge- hauenen Schutt ꝛc, und meistentheils gehn fuͤnf gute Troͤge voll hinein, wenn der Karren noch neu und unversehrt ist. Waͤhrend dem, daß die Kar- ren wechseln, ruht derjenige, der sie fuͤllt, etwas aus, und erholt sich. Bleiben sie zu lange aus, so macht der Einfuͤller ( Anschlaͤger ) unterdes- sen die Troͤge voll, und setzt sie in Bereitschaft. Auch Auch bei diesen Karren ist es sehr gut, wenn die Karrenlaͤufer in gleicher Anzahl da sind, kom- men und abgehn, auch abladen. Um dieß desto besser zu erreichen, ist die Vorsicht noͤthig, den Kar- renlaͤufern ihre gewissen Wege anzuweisen, auf deren einem alle abfahren , auf deren anderm aber die Karren alle kommen; z. E. rechts fahren alle beladene ab, und auf dem Wege links , kommen alle leere Karren zuruͤck. Auf diese Art stoͤßt keiner an den andern, oder faͤhrt in den Weg ꝛc, also ist auch kein Zaudern, Ausbeugen ꝛc noͤthig, folglich nirgends Aufenthalt und Ver- saͤumniß. Auf aͤhnliche Art kann ferner der zu- erst kommende Laufkarren, dießmal rechts des An- schlaͤgers, das naͤchstemal links, oder wenn man lieber will, stets auf die rechte, oder die linke Seite des Anschlaͤgers gesetzt werden muͤssen. Nur darf man nicht zwei, drei oder mehrere neben einander ruͤcken lassen. Wenn auf diese Art gefoͤrdert wird, so muß der Anschlaͤger alle zwei Stunden von einem andern abgeloͤset werden, und der Abgehende kriegt indeß eine leichtere Arbeit, um sich zu erhohlen. §. 81. Dieser eben beschriebenen Foͤrderungsart mit einraͤdrigen Laufkarren, ist diejenige mit zweiraͤ- drigen Handkarren , oder mit Hohlkarren , weit vorzuziehn. Zu bedauren ist indeß, daß sie nicht an allen Orten angewandt werden kann. Ein Ein solcher Handkarren, zwischen dessen zwei kleine Karrenbaͤume sich ein Mensch von 16 Jahren und druͤber einspannt, und an dem hinten noch zwei andere eben so starke junge Leute schieben, hat ei- nen Kasten, der im Lichten 24 Zoll weit, 20 Zoll hoch und 42 Zoll lang ist; sein Kubikinhalt ist folglich 11 Kubikfuß und druͤber. Diesen Hand- karren fuͤllen gewoͤhnlich 21 — 22 gute Troͤge voll aus, und daher gehn beinahe 4⅕ Laufkarren auf ihn allein. Mit schon loßgemachtem Schutt ꝛc wird solch ein Karren gefuͤllt in Zeit von 3½ Mi- nuten und zwar von zwei Personen, die jede mit Kratze und Mulde versehen ist. Von diesen steht auf jeder Seite des Karrens einer, und ladet auf. Die Karrenraͤder duͤrfen nicht zu hoch, doch auch nicht zu klein gemacht werden. Macht man den Radius oder Halbmesser eines solchen Rades 20 Zoll lang, folglich seine ganze Hoͤhe, 3 Fuß 4 Zoll oder auch wol 3 Fuß 6 Zoll, so erhalten sie eine sehr bequeme Groͤße. Ihr Nachtheiliges ist, daß sie erstlich nicht aller Orten gebraucht werden koͤnnen, weil sie mehr Raum fordern als die Laufkarren; zweitens hal- ten sie bei schlechtem Wege und Wetter auch weit schwerer als jene; man stuͤrzt sie auch nicht gaͤnz- lich so geschwind aus als die Laufkarren. Dem- ohnerachtet bleiben sie sehr nuͤtzlich. Bei der Ausstuͤrzung derselben muß man sehr vorsichtig zu Werke gehn; besonders wenn der Damm, auf dem sie sie gebraucht werden sollen, schon etwas hoch in die Hoͤhe gebracht ist. Da koͤnnen sie sich, weil sie hinten, mittelst Aufziehung des Schutzes, und Aufrichtung der Karrenbaͤume ausgestuͤrzt werden, leicht uͤberschlagen, und den, der sich in sie einge- spannt hat, mit fortschleudern. Die Raͤder der- selben verlechzen bei trocknem Wetter sehr leicht; man muß sie daher von Zeit zu Zeit ganz ins Wasser ruͤcken, weil man sie nicht mit zu viel Eisenwerk beschlagen darf, um sie nicht zu schwer zu machen. Von den Wagen haben sie noch den Vortheil, daß alles, was auf sie aufgeladen wird, weit richtiger an Ort und Stelle koͤmmt und nicht so viel davon unterweges verlohren geht, als bei den Wagen, die blos Bretter angelehnet haben. Auch gestatten sie eine weit leichtere und schnellere Wendung, das nicht in Anschlag zu bringen, daß sie uͤber die Haͤlfte eines Wagens an Kubikfußen halten, und in gleicher Zeit bei ungleich wenigern Kosten, wohl dreimal hin und her fahren, indeß der Wagen nur einmal faͤhrt. §. 82. Es wuͤrde unverzeihlich seyn, wenn nicht von den Wegen , die bei jedem Teiche zur Foͤrderung angelegt werden muͤssen, hier das Nothwendigste beigebracht wuͤrde. Das Haupterforderniß dersel- ben ist dieses: Alle Wege muͤssen nicht nur gut zum Fahren, sondern auch so angelegt werden, daß daß man nicht noͤthig hat aller acht oder zehn Tage neue machen zu lassen. Bei dieser Sache beruht sehr viel darauf — wo liegt das zum Damme be- noͤthigte Material? Meistentheils liegt nicht we- nig davon in dem Thale selbst, wo man den Teich bauen will. Hat man nun den benoͤthigten Thon und Rasen, Schutt ꝛc oberhalb des zu erbauen- den Dammes, so ist es rathsam, das nahe vor dem Damme gelegene Material zuerst wegzufah- ren, das entferntere und hoͤher gelegene dagegen zuletzt . Hiedurch gewinnt man dieß, daß man die Wege fast immer so vorrichten kann, daß sie nach dem Damme hin, nicht allzustark aufwaͤrts , sondern wenn nicht gar Berg unter , och meistens horizontal zulaufen. Die Schnellig- keit im Fahren wird hiedurch betraͤchtlich vermehrt und erleichtert, und darauf beruhte nach dem Vo- rigen viel. Bei obiger Vorrichtung der Wege duͤrfen aber auch die Fuhrleute nicht so viel Klagen erheben, und nicht zu viel Lohn fordern. Liegt der Rasen und Thon benebst dem Schut- te ꝛc seitwaͤrts oder — welches das Verdrieß- lichste ist, unterhalb des Dammes , so muß man sich freilich nach den Umstaͤnden, und durch gute Benutzung des gegebenen Terreins zu helfen suchen, wie es gehn will. Allemal aber ist es noͤthig, die Wege nicht zu kurz vor dem Damme zu fassen, sondern ihren Anfang lie- ber in einiger Entfernung von dem Damme zu le- gen, gen, so bleiben sie immer fuͤr die wachsenden Hoͤ- hen des Dammes noch brauchbar. Ihre Inclina- tion soll nicht uͤber 18 Grad steigen, wenn sie auf den hoͤchsten Punkt gekommen sind. Wo Kehren sind, muß man dahin sehen, daß solche weder all- zugeraͤumig noch allzu eng sind, und nicht gefaͤhr- lich werden. Wenigstens muͤssen sich daselbst zwei Wagen im Nothfall ausbeugen koͤnnen. Wo Teiche gebauet werden sollen, ist gewoͤhn- lich schon einiges Wasser vorhanden. Deswegen muͤssen an solchen nassen Stellen, wenn der Grund nicht fest ist, kleine Bruͤcken geschlagen werden; bei kleinen Baͤchen, oder in Wiesen-Suͤmpfen, macht man solche gewoͤhnlich von Knuͤppeln, ( Knuͤppelwege ,) wenn Holz in der Naͤhe ist. Oft hilft man sich durch Aufraͤumung der Graͤben, und durch Ableitung des Wassers. Die Knuͤppel- wege kosten wenig, koͤnnen bald gemacht, und eben so leicht wieder auf- und weggerissen werden. Das Ganze besteht bei ihnen darin, daß man laͤngst des Weges, der gebessert werden soll, Knuͤppelholz von 10 Fuß Laͤnge und von 5 bis 7 Zoll Dicke, queer uͤber legt, und sie alsdann mit etwas Schutt be- stuͤrzen laͤßt, daß die Pferde nicht fallen. Es ist gut, erst unter die queer uͤber zu legenden Knuͤppel, auf beiden Seiten andere der Laͤnge nach unter zu legen, und die Queerknuͤppel daruͤber, so ruinirt man weniger Holz, und man kann sie auch leichter wegreißen. Noch Noch ein wichtiger Umstand kommt bei den Wegen in Betracht; man muß sich, so viel man es irgend moͤglich machen kann, huͤten, blos um der Wege willen Schutt oder Steine erst weit wo an- ders herzuhohlen, und dann in den Teichraum um des Weges willen aufzustuͤrzen. Hiedurch wird der Raum fuͤr das Wasser geschmaͤlert, und doppelte Kosten gemacht, wenn der Weg wieder weggerissen werden soll. Fehler von dieser Art kommen in Menge vor. §. 83. An den saͤmmtlichen Geraͤthschaften, als da z. E. sind Hacken, Keilhauen, Beile, Kratzen, Troͤge, Mulden, Ziegenfuͤße, Seile, Saͤgen, Meissel, Bohrer ꝛc Lauf- und Hohlkarren, Schnu- ren, eiserne Keile, eiserne Schippen, große Schlaͤgel, Faͤustel, Bergeisen, Bergbohrer u. s. f., muß stets, wie sie Namen moͤgen haben, nicht nur das Noͤthigste zum taͤglichen Beduͤrfniß da seyn, sondern man muß noch einen Ueberschuß von ihnen aufweisen koͤnnen, damit die Arbeiter nicht lauern duͤrfen, nicht an die unrechte Arbeit gestellt wer- den muͤssen, endlich daß man auch noch gleich et- liche Leute mehr anlegen koͤnne, wenn Vortheil dabei ist. Weil es an diesen Geraͤthschaften siets bei so vielen Leuten etwas auszubessern giebt, so ist es dienlich, einen Zimmergesellen beiher mit zu hal- ten, der das schadhaft gewordene gleich wieder ausbessert. Ueber Ueber saͤmmtliche Stuͤcke muß ein ordentliches Inventarium gemacht werden, damit man gleich wisse, wie viel von jeder Art da sey, und was man dem Bauaufseher uͤberliefert habe. Dieser uͤbergiebt dann jedem Arbeiter sein benoͤ- thigtes Werkzeug, notirt sich solches an, und laͤßt sich bei dem Abgange des Arbeiters das uͤber- gebene Instrument wieder zustellen. Weil aber fast alle und jede Woche, Arbeiter gehn und kom- men, so muß man beim Schlusse jeder Woche die Leute zusammen rufen, jeden sein Stuck vorzeigen, und solches an einen sichern Ort abliefern lassen, sonst wird manches Stuͤck beim Feierabend mit nach Hause genommen, ohne daß es bezahlt wird. Wer dann das ihm Uebergebene nicht abliefert, er- setzt es, und deswegen muͤssen stets die Arbeiter eine Woche voraus arbeiten, ohne daß solche eher bezahlt werden, als bei ihrem gaͤnzlichen Abgange von der Arbeit. Hierdurch verhindert man auch bei jungen oder traͤgen Personen das oͤftere Ab- gehn und Wiederkommen zur Arbeit, indem man ihnen droht, das verdiente Lohn inne zu behalten. Fruͤh und Abends werden taͤglich die Arbeiter uͤber- zaͤhlt, und angemerkt, wer da ist oder nicht, ob sie zur puͤnktlichen Zeit da sind, u. s. f. Wie es der natuͤrlichen Billigkeit gemaͤß ist, daß die Arbeiter fuͤr den bestimmten Lohn ihre Stunden-Zahl richtig und treu arbeiten, so ist es gleichfalls billig, daß man sie nicht, durch Verheim- Teichb. M lichung lichung der wahren Zeit des Tages, laͤnger arbei- ten lasse. An einsamen Orten, wo bestaͤndig Auf- sicht ist, kann man diesen Betrug sehr leicht aus- uͤben; es ist jedoch sehr unedel gedacht, taͤglich eine halbe Stunde laͤnger arbeiten zu lassen, um sich auf Kosten von Personen zu bereichern, die im Schweiß ihres Angesichtes ihr Brod essen muͤssen. Zweites Hauptstuͤck. Specielle Beschreibung der Arbeiten an den Erd- und Schutt-Daͤmmen, und der hier vorkommenden An- lagen . §. 84. Vom Grundgraben . Sobald die Basis des ganzen Dammes und seiner Fluͤgel, wenn er deren beduͤrfen sollte, aus- gemessen, und hinlaͤnglich mit Pfaͤhlen abgesteckt ist, schreitet man so fort zum Ausbringen des Grundgrabens. Man pflegt nemlich bei jedem Teiche, ehe man den Damm selbst auffuͤhrt, erst einen Graben in der Dammsohle nach der Laͤnge des Dammes auszubringen; diesem leeren ausge- brachten brachten Graben giebt man den Namen Grund- graben . Man graͤbt ihn in der Absicht, um ihn entweder mit Thon, oder mit Rasen, oder auch wol mit beiden zugleich, ganz derb auszufuͤl- len, und dadurch einmal dem Wasser das Durchdringen unter dem Damme hinweg zu ver- wehren, zweitens dem Rasenhaupte, oder der Thonbrust, die im Damme in die Hohe gefuͤhrt wird, einen bessern Grund zu geben, und solche vor dem Sinken zu bewahren. Bis an die Oberflaͤche des Erdbodens im Thale, aus dem Gebirge ꝛc heraus, auf vorgemeldete Art ausgesetzt, nenn man ihn alsdann das Fundament , auch wol schlecht- hin den Grund. §. 85. Soll die Richtung des Grundgrabens dem Endzwecke desselben wirklich angemessen seyn, so sieht man augenblicklich, daß sie die Dammsohle der Laͤnge nach durchlaufen muͤsse; denn auf diese Art wird das Wasser laͤngst dem ganzen Dam- me sich nirgends durchzwaͤngen koͤnnen, wenn an- ders die Struktur des Fundamentes zweckmaͤßig ist. Der Damm kann also nirgends unterhohlt, und nirgends in Schaden gebracht werden. Aber die Dammsohle ist breit, wohin soll man also ei- gentlich den Grundgraben in die Dammsohle legen? Dieß wird auf verschiedene Art angegeben. Es sey Figur 18 a b c d die Grundflaͤche des Dammes die durch e f in zwei gleiche Theile getheilt wird, M 2 die die uͤberall gleiche Breite haben; soll nun der Grundgraben vorwaͤrts von e f dem Wasser ganz in die Naͤhe, oder — just auf e f also in die Mitte des Dammes, oder — hinter e f gelegt werden? Einige sagen, man solle den Grundgraben just auf e f, oder des Dammes Mittellinie setzen, und ihn nach d und a, wie auch von nach b und c, mitten in der Dammsohle durchfuͤhren, so werde also auch das auf das Fundament aufzu- setzende Rasenhaupt, oder die Thonbrust, just in die Mitte des Dammes kommen, also beide Stuͤcke vor- und hinterwaͤrts gleich stark gesichert seyn. Ferner habe unter diesen Umstaͤnden das Rasen- haupt von den vor- und hintenliegenden Seiten des Dammes gleich starken Druck zu erleiden, komme dem Wasser nicht zu nahe, und stehe also desto dauerhafter. Andere sagen dagegen, man solle ihn blos von e nach d, und von f nach c, also uͤber die Mit- tellinie der Dammsohle hinaus, mehr dem Wasser entgegen legen. Fuͤr diese Meinung fuͤhrt man als Gruͤnde folgendes an. Erstlich kommen auf diese Weise die Rasen- oder Thonbrust dem Wasser naͤher entgegen, als bei der vorhergehenden Art. Durch diese Lage aber werde ein weit groͤßeres Stuͤck Damm (dasjenige, so hinter der Thonbrust zu liegen kommt, ist auf diese Weise groͤßer, als das, welches von der Thonbrust dem Wasser entge- gen gen liegt) vor dem Durchdringen des Wassers ge- sichert, da bei der vorigen Art beide Stuͤcke sich nur eben gleich sind. Zweitens — da das Wasser, so gut wie das vor dem Rasenhaupte liegende Stuͤck Damm, stark gegen das Rasenhaupt druͤckt, und solches der Er- fahrung zufolge oͤfters merklich verschiebt, und aus seiner ihm urspruͤnglich gegebnen Lage heraus beugt, welches gefaͤhrlich werden kann, weil große Risse dadurch entstehn, so sey die letztere Art auch in so fern vorzuziehn, weil da das ebengedachte Uebel nicht so leicht vorkomme; denn da sey das hinter der Rasenbrust gelegene Stuͤck geschickter, durch seinen staͤrkern Gegendruck, dem Verschieben der Rasen- und Thonbrust zu widerstehen u. s. w. Abgerechnet, daß sich der Seitendruck auch bei dem Schutte, Gebirge ꝛc nach den Hoͤhen rich- tet, worauf bei der letztern Meinung nicht sattsam Ruͤcksicht genommen zu werden scheint, duͤrfte sie doch wegen des Eindringens des Wassers die rich- tigste seyn, und da sie durch die Erfahrung be- waͤhrt gefunden wird, wollen wir ihr folgen. §. 86. Aus dem Vorigen erhellet deutlich, daß die Ra- sen oder Thonbrust, hinter e f gelegt, eine nicht zu vortheilhafte Lage haben wuͤrde. Soll nun der Grundgraben jenseits e f nach c d gelegt werden, so hat man bei dem Abstecken desselben erst zu pruͤ- fen, ob er fuͤr die, der Brustseite bestimmte Boͤ- schung, schung, auch eine schickliche Lage bekomme? Wenn nemlich in Figur 8. der Boͤschungswinkel k a o, an der Brustseite bestimmt ist, so muß der Grund- graben auf der Basis a so gelegt werden, daß die auf ihn zu erbauende Rasen- oder Thonbrust, oben auf der hoͤchsten Hoͤhe des Dammes, noch in- nerhalb m, oder innerhalb der Kappe falle; also nicht vor k, noch w e niger hinter m. Gern bringt man die obere Dicke der Thonbrust oder des Ra- senhauptes in die Mitte der Kappe. Man richtet auch deshalb den Boͤschungswinkel k a o darauf ein, und verringert oder vergroßert ihn, wobei jedoch das in §. 43. an Ende Gesagte nicht zu ver- gessen ist. Giebt man also nach dem Obigen (§. 40.) der untern Dammbreite zur Hoͤhe des Dammes das Verhaͤltniß 5 : 2, so trage man in Figur 19, wel- che des Dammes untere Breite vorstellen mag, und wo b die bewaͤsserte Seite ist, von b nach a, ⅖ der Breite der Dammsohle; in c errichte man ein Perpendikel, hinter welchem man nach a zu, die Grundgrabenweite traͤgt, so ergiebt sich ein schick- licher Platz fuͤr den Grundgraben. Dieser wird sodann an Ort und Stelle nach gleichen Verhaͤlt- nissen mit Pfaͤhlen abgesteckt. §. 87. Die Weite des Grundgrabens kann man folgendergestalt aus der Hoͤhe des Dammes bestim- men. Man gebe allen Grundgraͤben bei Daͤmmen, die die einen bis 40 Fuß hoch sind, den 3ten Theil der gesammten Dammhoͤhe, zur obern Weite auf der Dammsohle (im Lichten); ferner, allen Daͤmmen von 40 bis 60 Fuß Hoͤhe, nur den 4ten Theil derselben, zur obern Grundgraben- weite. Da der Grundgraben unten auf seiner Sohle enger seyn muß als oben, wie nachher ge- zeigt werden soll, so breche man von der obern Weite 12 bis 18 Zoll ab, davon hat man die un- tere Weite desselben auf der Sohle. Hier hat man Verhaͤltnisse, die weder zu viel Staͤrke, noch zu viel Schwaͤche geben, und die in Praxi gegruͤndet sind. Wenn die Rasenbrust gehoͤrig unterstuͤtzt wer- den soll, so darf man den Grundgraben nicht wol enger machen. Sollten indeß die hier gegebnen Verhaͤltnisse noch zu schwach scheinen, so mag man sie nach Maaßgabe seines Beutels und seiner Be- sorgniß vergroͤßern. Der Grundgraben wird aber deswegen unten enger als oben gemacht, damit das Fundament, bei dem nie ausbleibenden Sinken und Rieder- setzen des Rasenhauptes und der Thonbrust, desto fester in einander getrieben, und also von desto besserer Dauer werde. Denn da es bei dem Nie- derdruͤcken, unterwaͤrts nach den Seiten des Grundgrabens hin, nirgends wol ausweichen kann, so wird es genoͤthigt sich desto mehr in sich selbst zusammen zu begeben. Mit der groͤßern Dichtigkeit waͤchst aber auch seine Dauer. Das Sinken Sinken selbst erfolgt bei allen neu erbauten Daͤm- men und wenn auch die Arbeit mit noch so vielem Fleiße verrichtet worden ist. Ferner stehn die Seiten des Grundgrabens besser, wenn seine un- tere Weite geringer als die obere ist, und Boͤ- schung gegeben werden kann. Die Seiten haben also, wenn der Grundgraben ziemlich lang und tief ist, nicht noͤthig, an schlechten unhaltbaren Stellen so oft und so stark abgefangen zu werden. Dieß Abfangen besteht in einem Verspreitzen derselben, daß sie nicht einstuͤrzen, sondern eine Seite die andere halten muß. Es ist oͤfters ge- fahrvoll, und hindert sehr an Schnelligkeit beim Arbeiten. §. 88. Da in den Grundgraben eine Hauptstuͤtze des ganzen Dammes, die Rasen- oder Thonbrust kom- men soll, so ist leicht zu erachten, daß letztere hin- laͤngliche Unterstuͤtzung erfordern, wenn sie nicht sinken und zerreißen sollen. Ein lockerer, sumpfi- ger oder uͤberhaupt schlechter Boden, kann dieß keinesweges gewaͤhren. Eine unnoͤthige Tiefe des Grundgrabens in festem Gestein, oder sonstigem guten Boden, wuͤrde dagegen vergeblichen Kosten- Aufwand verursachen. Hieraus folgt also: man muß jeden Grundgraben nur so tief niederbringen, bis man einen solchen Grund hat, der der Rasen- oder Thonbrust hinlaͤngliche Sicherheit verspricht. Zu dem Ende ist eine Pruͤfung verschiedener Boͤ- den den nicht undienlich. Die Haupterfordernisse ei- nes guten Grundes sind hier wieder diese, daß er eines Theils fest genug sey und sich nicht senke, andern Theils, daß er Wasser halte. Unter den Gestein-Arten, die viel Festigkeit haben, stehn diejenigen oben an, die man mit Feuersetzen, mit Bohren und Schießen, endlich mit Schlaͤgel und Eisen, wie die Bergleute spre- chen, gewinnen muß. Hieher gehoͤren alle uran- faͤnglichen und aufgesetzten Gebirgs-Arten. Viel davon sind schon oben im §. 47. erwaͤhnt, daher ich dahin verweise. Alle aber auszufuͤhren, ist hier unmoͤglich. Was also auf die sogleich erst benann- te Art gewonnen werden muß, ist beim Teichbau besonders tauglich einen guten Grund abzugeben. Bei diesem braucht man den Grundgraben nicht tief zu machen, es muͤßten denn die in Kurzem nachfol- genden Umstaͤnde dieses noͤthig machen. Eine Tiefe von 4 bis 6 Fuß, allenfalls 8, ist daher schon hinlaͤnglich und giebt ein sicheres Fundament. Nicht so fest sind: dichter Kalkstein, Marmor, die Alabaster-Arten, Sandsteine, und Spath- Arten. Demohnerachtet sind sie immer sehr nuͤtz- lich und brauchbar. Bei ihnen, und besonders bei den Kalkstein- und bei den Spath- und Sand- Arten, muß man schon weit vorsichtiger seyn, als bei Granit, Porphir, Grauwacke, Thonschiefer, Hornstein ꝛc Man muß daher den Grundgra- ben so tief nieder bringen, bis das aͤußere Ansehn derselben, und der Ton, den sie bei dem Beklopfen von von sich geben, mit gutem Grunde auf genugsame Sicherheit schließen lassen. Eine Tiefe von 10 bis 12 Fuß ist auch da oft schon hinreichend. Scheinen sie aber truͤglich, so untersuche man sie ferner durch Bergbohrer, oder man bohre mit sogenannten Luͤcker Bohrern in sie, daß man fuͤhlt, wie das Gestein ist. Da guter Thon und Leimen den Durchgang des Wassers sehr stark verwehret, und wenn er hoch und fest genug liegt, einen sehr guten Boden abgiebt, so kann, in Ansehung der Guͤte des Bo- dens, solcher mit hieher gezaͤhlt werden, ob er gleich in Betreff der Festigkeit seinen Platz ver- liehren wuͤrde. §. 89. Zu demjenigen Boden, welcher in Ansehung der Festigkeit den schlechtesten Grund abgiebt, ge- hoͤrt sogenannter grandiger, kleinkoͤrnig sandiger, torfiger und leichter Erdboden. Sumpfiger ist der allerschlechteste. Beim grandigen, das ist solchem, der aus zusammengehaͤuften kleinen Steinen von der Groͤße einer welschen Nuß und etwas weniges druͤber, besteht, ingleichen aus Erdreich, das sich zwischen diesen Steinen befindet, darf man den Grundgraben nicht wol unter 16 Fuß tief graben, wofern andere unguͤnstige Umstaͤnde nicht eine noch groͤßere Tiefe noͤthig machen. Bei den andern Arten des Bodens untersuche man zufoͤrderst, wie tief sie sind, weil sich vielleicht unter unter ihnen ein guter Boden finden kann. Diese Untersuchung mag man allenfalls so anstellen: Man schlaͤgt einen, zuvor der Laͤnge nach gemessenen Pfahl in den untauglichsten Boden, wo man bauen muß, ein; zeigt er waͤhrend dieses Einrammens, durch fortda erndes schnelles Tieferruͤcken, noch schlechten Boden an, so muß man einen zweiten noch laͤngern nehmen, auch diesen einrammen, und dadurch zu erfahren suchen, wie tief ohngefaͤhr der schlechte Boden reicht. Ruͤckt hingegen der Pfahl anfangs schnell, bald aber langsam, und immer weniger, und bleibt er endlich gar stehen, so ist dieß ein gutes Zeichen, daß sich ein anderer besserer Boden gefunden hat. Solche Versuche muͤssen nun an mehrern Or- ten gemacht und wiederholt werden, daß man nicht hintergangen werde. Denn man koͤnnte just eine einzige, taugliche Stelle treffen, und dann uͤbrigens lauter schlechten Boden finden. Ist nun der gegebene Platz auf die eben gezeigte Art unter- sucht worden, so hat man entweder noch gar kei- nen Grund gefunden, oder es hat sich bereits et- was Grund gezeigt. In jenem Falle muß man entweder von der Arbeit ganz abstehen, oder sich durch Spond- und Fuͤllungspfaͤhle helfen, wobei dann freilich die Kosten ansehnlich wachsen. In diesem Falle aber graͤbt man so lange und so tief nieder, bis sich der Boden wirklich findet. Da wird man denn bald gewahr, ob er in der That fest genug ist, einen guten Grund abzugeben, oder ob ob er gleichfalls noch zu schwach sey. Findet er- steres statt, so stellt man das fernere Tiefergraben ein, und begnuͤgt sich mit der noͤthigen Tiefe. Ist aber auch da der Boden noch nicht dicht genug, so muß er mit eichenen , oder auch nur mit den wohlfeilern ellernen Pfaͤhlen ausgerammt wer- den, daß er Halt bekommt. Bei dieser Befestigung des Bodens durch Pfaͤh- le, werden letztere, wenn man Perronet folgt, von Axe zu Axe jeder Pfahl von dem andern um 3 Fuß entfernet, und durch eine große Rammma- schine in den schlechten Boden eingetrieben. Die Pfaͤhle muͤssen von innen heraus auf der gegebe- nen Flaͤche gerammt werden, nicht aber von außen nach der Mitte desselben hinein. Fuͤr wei- chern Boden werden nicht sowol mehrere, als laͤn- gere Pfaͤhle mit verhaͤltnißmaͤßigen Dicken erfordert, bei festerm Boden kann man dagegen kuͤrzere und duͤnnere brauchen. So bald nun der eingerammte Pfahl mit 25 Schlaͤgen des Baͤrs, nicht mehr als 1½ Linie tiefer ruͤckt, hoͤrt man mit dem Rammen auf. Die Staͤrke der Pfaͤhle bestimmt man gemei- niglich so, daß sie so viel Zolle ins Quadrat dick werden, als sie Fuße lang sind. Das giebt aber bei langen Pfaͤhlen zu viel Dicke, des- wegen giebt Perronet 15 bis 18 Fuß langen Pfaͤhlen, 10 Zoll Dicke, und fuͤr jede 6 Fuß meh- rere Laͤnge, noch 2 Zoll Dicke. Man Man muß nie mehr Pfaͤhle nehmen, als der Boden fassen will, und die Pfaͤhle unten uͤber ih- rem Schwanze etwas kulpicht machen, daß sie nicht so leicht ausgehoben werden; auch muͤssen sie nicht geschnitten, sondern gerissen seyn, sonst brechen sie leicht entzwei. Ist aber der Boden, den man gefunden hat, nicht gar zu schlecht, so versuche man, ob man ihm nicht durch Maurung mit etwas Wassermoͤrtel helfen koͤnne. Hiezu gehoͤren aber große platte und keine kleinen rundlichen Steine. Diese muͤs- sen auf die Art in den Boden hinein getrieben werden, daß alle Steine auf die hohe Kante zu stehen kommen. Mittelst der Handramme oder der sogenannten Jungfer geschieht dieß ziemlich be- quem. Ein Mann, der gut bei Kraͤften ist, kann solche fuͤglich regieren, und da man mit ihr sehr gut in die Ecken umher stoßen kann, so ist sie bei diesen vortheilhafter zu gebrauchen, als eine ganz große Ramme. Will man den Boden mit Quadern bedecken und tuͤchtig zu machen suchen, desto besser: allein bei Teichen ist das bis hieher wenig gebraͤuchlich gewesen. §. 90. Das zweite Erforderniß eines guten Bodens fuͤr den Grundgraben, ist dieß, daß er voͤllig im Stande sey Wasser zu halten. Dieß ist auf jeden Fall eben so noͤthig als die Festigkeit; denn wenn Wasser Wasser unter dem Damme hinweg geht, so kann dieß wegen des Aus- und Unterspuͤlens sehr ge- faͤhelich werden. Bei einem solchen Uebel ist fast allezeit noch das das Traurigste, daß man, wofern es erst einige Zeit gedauert hat, beinahe niemals im Stande ist, ihm ganz wieder abzuhelfen. Stellt man auch noch so sorgfaͤltige Untersuchungen an, die Wege des Wassers zu finden, so trifft man sie doch nur selten genau. Man hat viel Beispiele, daß sich das Wasser mehrere Ruthen lang, und noch laͤnger, in Rissen und Steinscheiden fortzieht, da suche nun einer die Kluft, auf der es sich fort- schleicht. Demohnerachtet wird auf diesen wichti- gen Umstand nur zu selten hinlaͤngliche Ruͤcksicht genommen, und bei dem ersten guten Ansehn des Bodens glaubt man sich gemeiniglich schon sicher genug, und stellt die weitern Pruͤfungen uͤber den Boden und seine Tauglichkeit ein. Große Sparsamkeit ist hier ganz am unrechten Orte angebracht. Man kann freilich nicht eigent- lich durch den Boden hindurch sehen, und apo- dictisch gewiß behaupten, wie er unterwaͤrts beschaf- fen seyn werde. Allein durch einen Erdbohrer kann man sich leicht helfen, und uͤberdieß sieht auch schon ein des Gesteines Kundiger mit vieler Wahrscheinlichkeit voraus, was fuͤr Gestein folgen wird; besonders wenn man auf die umliegenden Stellen, Entbloͤßungen, Fallen, Streichen ꝛc des Gebirges aufmerksam genug ist. Schon Schon oben bei den Teichgruͤnden ist dieses Er- fordernisses, daß ein Boden Wasser halte, gedacht worden. Dort sind auch verschiedene Mittel an- gegeben, wie man den Boden, Wasser dicht machen koͤnne. Allein in einem Grundgraben sind diese nicht allezeit hinlaͤnglich; wenn daher der Boden zu leicht, zu sandig, zu sumpfig und uͤberhaupt zu wenig dicht ist, um Wasser halten zu koͤnnen, so muß man das Durchziehen des Wassers durch ei- ne Wand von Spundpfaͤhlen zu verhindern suchen. Ohnstreitig sind diese Spundpfaͤhle eines der besten Mittel, den Durchzug des Wassers durch schon er- baute oder noch zu erbauende Werke, und durch den Grund zu verhindern. Sie sind zu bekannt, als daß hier eine weitlaͤuftige Beschreibung d erselben Platz haben koͤnnte, und fast jedes Compendium der Baukunst, giebt Unterricht uͤber ihre Struk- tur und ihren Gebrauch. Man sehe Leupold und Belidor weiter nach. Zerkluͤftungen werden, wie oben gezeigt wor- den, behandelt und unwirksam gemacht. Da sie indeß auch sehr gefaͤhrlich sind, so ist es noͤthig, noch etwas naͤher mit ihnen bekannt zu werden. §. 91. Die Zerkluͤftungen zerfallen hauptsaͤchlich in dreierlei Arten: in Gestein-Schichtungen, Gang- Kluͤfte, und Stein-Scheidungen. Die Die erstern machen gewoͤhnlich nicht so große Spalten oder Risse aus, als die beiden letztern. Demohnerachtet zieht sich auf ihnen das Wasser leicht durch. Alle Schichtungen koͤnnen entweder dem Teiche guͤnstig oder unguͤnstig seyn. Beson- ders guͤnstig ist die Schichtung dann, wenn sie mit der Directionslinie des Dammes parallel laͤuft, und wenn die Schichtung dem Teichraume zu- faͤllt , wie Figur 21 zeigt. Dort ist a c d b ei- nes Dammes Queer-Profil, a c ist die bewaͤsserte S e ite des Dammes, a e, g h, i k, sind die par- allelen Schichten, die laͤngst dem Damme hinstrei- chen, hier aber im Queer-Profile angegeben sind. Unter diesen Umstaͤnden waͤre es vergebens die Schichtungen und Risse aͤngstlich verstopfen zu wol- len; denn hier zieht sich das Wasser eher nach dem Teichraume hin, als davon. Aber auch dann noch ist die Schichtung guͤn- stig, obgleich nicht in dem Grade, wie die so eben erwaͤhnte, wenn sie, ihrem Streichen nach, mit der Directionslinie des Dammes einen Winkel von et- wa 30 oder noch wenigern Graden macht, uͤbri- gens aber wie vorhin ihr Fallen nach dem Teich- raume zuwaͤrts behaͤlt. Hier bildet ebenfalls jede Schicht gleichsam ein Obdach gegen das ein- dringende Wasser, und haͤlt es vom Damme ab. Hat also solch ein Gestein keine starken Queerkluͤfte, so kann durchaus das Wasser nicht zu den unter dem Damme liegenden Gestein-Schichten kommen, wie hoch es auch immer im Teiche in die Hoͤhe steigen steigen mag. Schichtungen von dieser Art werden jedoch nur selten angetroffen, viel gewoͤhnlicher sind dagegen die im folgenden § angefuͤhrten. §. 92. Uebersteigt die Schichtung, ihrem Streichen nach, merklich einen Winkel von 30 Grad ( en sie nach Figur 22 mit a b der Directionslinie des Dammes macht, im Grundrisse), so kommen nun auch die Queerseiten der Schichtungen k l, l m, oder n o, o p dem Wasser entgegen. Das Wasser kann daher, selbst wenn auch die Schichtung nach dem Teichraume zufaͤllt , in die Queerseite der Schichtungen eindringen, und in den durch die Natur gebildeten Spalten fortgehen, endlich aber unter dem Damme sich wegschleichen. In diesen Faͤllen — vorigen § mit eingeschlossen — braucht man, wofern der Grund nur fest genug ist, nicht eben allzu tief Grund zu graben. Wol aber hat man dahin zu sehen, daß man die Ritzen der Schichtungen gut verstopfen moͤge, und das sowol von Tage hinein, als auch in dem Grund- graben selbst. In dem Grundgraben geschieht dieß vorzuͤglich auf derjenigen Seite, welche nach dem Damme hinterwaͤrts liegt, also von dem Wasser hauptsaͤchlich gedruͤckt wird. Schraͤnkte man sich bloß auf die dem Wasser zunaͤchst liegende Seite ein, so wuͤrde das Wasser die Mittel, die man zum Verstopfen der Ritze anwendet, wie Keile von dem Teichb. N spitzen spitzen nach dem starken Ende zu, heraustreiben. Dagegen treibt es auf der hintern Seite die Ver- stopfungs-Mittel in das Gestein und in die Spal- ten hinein. Zu mehrerer Versicherung muß auch die Sohle des Grundgrabens, so dicht als moͤglich, verstopft werden. Am gewoͤhnlichsten und am wohlfeilsten ge- schieht alles dieß Verstopfen mit Letten, oder gu- tem Thone, auch wol in dessen Ermangelung, doch nicht so dicht und sicher, mit Rasen. Wenn man es noch genauer suchte, so wuͤrde vielleicht das Beste seyn, die Sohle des Grundgrabens durch einen maͤßig starken Ueberguß mit Wassermoͤrtel zu verwahren, wofern hier nur die Kosten nicht zu sehr im Wege stuͤnden. §. 93. Hat aber das Gestein das entgegengesetzte Fal- len von dem in den vorigen § § angegebenen, so daß also die Schichtungen vom Teichraume hin- weg fallen , wie Figur 23 zeigt, so moͤgen sie parallel oder nicht mit der Directionslinie des Dam- mes fallen, die Schichtung wird alsdann immer unguͤnstig seyn. Wenn demnach a d die bewaͤsserte Seite des Dammes vorstellt, so wird das Wasser, da es nicht bloß seitwaͤrts nach dem Damme hin, sondern auch niederwaͤrts druͤckt, desto leichter in die Stein- schichtungen a g, h i, k l u. s. f. eindringen koͤn- nen, je freier und entbloͤßter die Schichten liegen. Jemehr Jemehr also solcher Schichten sind, desto mehr Wasser wird auch einziehn. Bei diesem Fallen des Gesteins muß man den Grund so tief graben, bis diejenigen Schichten, welche die naͤchsten vor der Boͤschung des Dammes im Teichraume sind, von der Sohle des Teichgrundes angerechnet, kein Wasser mehr unter dem Grundgraben und seiner Sohle hindurch fuͤhren koͤnnen; das ist, bis sie alle zusammen durchsunken sind , oder bis der Grundgraben etwas unter ihnen niedergebracht ist. Dieß reicht aber noch nicht hin, sondern man bringt den Grundgraben, je nachdem die Schich- ten unter einem Winkel von 15, 25, 35, bis 40 Grad fallen , noch um die ganze Tiefe, um ⅔, um die Haͤlfte, oder um ⅓ des Grundgrabens, unter der gefaͤhrlichsten Schichtung nieder. Waͤre zum Beispiel h i in der 46 Figur dieje- nige Schichtung, von der man vermuthen koͤnnte, daß sie den meisten Schaden thun wuͤrde, und man haͤtte sie bei dem Grundgraben in der Tiefe o p ge- funden, so muͤßte man, wenn der Winkel i h o = 15 Grad waͤre, noch um die Tiefe o p unterwaͤrts unter q p graben. Waͤre aber der Winkel i h o = 25 Grad, so graͤbe man nur ⅔ von o p unter- waͤrts, und so endlich beim Winkel i h o = 40 Grad, nur um ⅓ o p nieder, vorausgesetzt, daß der Boden uͤbrigens gut und fest waͤre. Ist der Winkel i h o uͤber 40 Grad, und zwar sehr viel, so braucht der Grundgraben nicht N 2 zu zu tief zu werden. Denn alsdann wird alles sich etwa einziehende Wasser tief in die Erde hineinge- fuͤhrt. Wenn die Schichtungen sehr flach liegen, und weit in den Teichranm hinein in dieser Lage ge- funden werden, so sucht man ihren Ausgang am Tage, zu erschaͤrfen, und selbigen genau zu ver- stopfen. In diesen Faͤllen ist man uͤberhaupt ge- noͤthigt, sehr tiefe Grundgraͤben zu machen, wel- ches schwere Kosten verursacht. Man versucht auch wol das oben angefuͤhrte kuͤnstliche Verschlaͤmmen, und wenn sich der Bodensatz voͤllig gesenkt hat, laͤßt man das Wasser aus dem Teichgrunde ab, und nachher das Vieh auf den Bodensatz treiben, daß solches Letztern tuͤchtig durchknaͤte. Allein dieß sind und bleiben nur schwache Behelfe, und ein tiefer Grundgraben ist ihnen immer vorzuziehn. Es bedarf keines weitern Beweises, daß das so eben Gesagte auch von Gangkluͤften und Stein- scheidungen gelte, da solche gleichfalls Risse und Oeffnungen in dem Gesteine sind. Auch sie muͤssen also auf aͤhnliche Weise behandelt, verstopft, und so dicht als moͤglich gegen das Wasser verwahrt werden. Bei Gangkluͤften ist es noͤthig, solche erst etwas auszuraͤumen und zu erweitern, dann aber sie aus- zufuͤllen. Sind endlich die Schichtungen so beschaffen, daß man gleich sieht, man habe ihrentwegen nichts zu besorgen, (wie in §. 91.) so hat es mit der Grundgrabentiefe sein Bewenden, nach dem was wegen wegen der Festigkeit des Gesteins, wo der Grund gegraben werden soll, an die Hand gegeben wird. §. 94. Die Arbeit selbst, so bei dem Grundgraben vorkoͤmmt, nimmt man folgendergestalt vor. In der nach dem Obigen zu bestimmenden Entfernung, werden die Arbeiter, welche den Grundgraben aus- bringen sollen, in einer Linie laͤngst der Direktion des Dammes angestellt. Zu gleicher Zeit werden ihnen die benoͤthigten Karrenlaͤufer und Anschlaͤger zugegeben, daß gleich die Foͤrderung mit der Ge- winnung verrichtet werde. Der gewonnene ( her- ausgebrachte ) Schutt, Stein, Thon ꝛc wird aussortirt, und nach der verschiedenen Brauchbar- keit eines jeden, auf der Dammsohle, entweder vorn oder hinten hin, hinter dem Grundgraben aufgestuͤrzt. Wenn also z. E. fettiges Erdreich, oder eine Art von Schutt, der sich leicht wieder ver- bindet und versintert, wohin der eisenschuͤssige be- sonders gehoͤrt, sich vorfindet, so wird solcher dem Wasser entgegen, vor den Grundgraben ge- bracht. Doch muß dieß so geschehn, daß der Raum, welchen die Rasen- oder Thonbrust braucht, dadurch nicht versperret oder zu sehr beschraͤnkt werde. Das schlechtere, wie etwa das Grandige, muͤßige Steine ꝛc koͤmmt hinten hin, doch unter eben den Bedingungen, deren sogleich erst er- waͤhnt ist. Regel ist es uͤberhaupt, alle Steine wie sie sind, große und kleine, (die ganz kleinen von von Groͤße einer welschen Nuß und etwas daruͤber abgerechnet) ganz jenseits der Dammsohle hin- aus zu bringen, und sie da aufzustuͤrzen, weil sie in dem Damme selbst mehr schaden als nuͤtzen. Sie machen nemlich leicht Hoͤhlungen, wenn sie blos hingestuͤrzt werden, ohne eine eigentliche bestimmte Lage zu erhalten, lassen sich auch mit anderm Damm-Material nicht so gut verbinden. Liegen sie aber am Ende der Boͤschung hinter dem Damme, so koͤnnen sie doch den Damm noch verstaͤrken helfen, wenn sie außerdem keinen wei- tern Gebrauch verstatten. Ehe aber dieß Hinstuͤrzen des Schuttes u. s. w. zu beiden Seiten des Grundgrabens geschieht, muß als Vorbereitungs-Arbeit noch folgendes voran gehen. Die ganze Dammsohle muß erst rein abge- raͤumet, und aller Rasen von derselben abgesto- chen werden. Dann wird der Boden nach Gut- duͤnten, so viel als moͤglich, eben gemacht, aber nicht gestampft, sondern so locker gelassen als er bei dem Abraͤumen des Rasens ꝛc geworden ist. Ließe man den Rasen stehn, und stuͤrzte gleich den Schutt uͤber ihn her, so bekaͤme letzterer nicht Ver- bindung genug mit dem Boden, wenn er auch wirklich auf solchen mit allem Fleiße aufgerammelt wurde. Findet sich, bei dem Ausgraben des Grundgra- bens, lockerer oder sandiger Boden, so muß man solchen, weil er nicht fuͤr sich ohne fremde Beihuͤlfe stehen bleibt, an den Seiten des Grundgrabens abzu- abzufangen suchen. Gewoͤhnlich gilt dieß nur von mehrern Stellen , nicht den ganzen Sei- ten . Geschieht es nicht, so stuͤrzt mehr herein als noͤthig ist, und muß doch auch mit ausgebracht werden. Oder es beschaͤdigt die Arbeiter, und verstuͤrzt sie. So lange es angehn will, ist es rathsam an den Seiten des Grundgrabens, von der Sohle desselben bis zu Tage aus, kleine Anlaͤufe stehn zu lassen, auf welchen die Karrenlaͤufer den Schutt herauslaufen koͤnnen. Kann man keine Anlaͤufe machen, oder muß man sie beim voͤlligen Zufuͤhren der Stoͤße, mit weghauen, so macht man auch wol ein Gebruͤck . Hiebei erspart man den Leu- ten einige Muͤhe, und sie koͤnnen schnell fahren. Man braucht auch nicht zu viel Leute bei das Aus- fuͤllen zu stellen, welche sich den Schutt in Troͤgen zugeben. Dieses wird allezeit dann noͤthig, wenn der Grundgraben anfaͤngt betraͤchtlich tief zu werden, da kann ein Mann nicht mehr bis zur Dammsohle herausreichen, und braucht also einen zweiten, der ihm seine Last abnimmt, und weiter herausschafft. Kann man aber auch kein Gebruͤck in dem Grundgraben anbringen, (das ist: einen Anlauf von Holz gemacht, der mit Brettern bedeckt ist, damit die Schuttkarren daruͤber bequem und sicher ein- und ausfahren koͤnnen) so muß man sich mit mehrern Menschenhaͤnden zu helfen suchen. Frei- lich ist das Gebruͤck weit vortheilhafter. Die An- lage lage eines solchen hoͤlzernen Anlaufes oder Gebruͤ- ckes gestattet es, daß die Karrenlaͤufer immer nahe bis zu den Arbeitern hinfahren, welche im Grundaraben stehn und Schutt ꝛc loß h a uen. Das Gebruͤck selbst darf weder zu schmal noch zu brei t seyn, ingleichen nicht zu steil, sonst koͤnnen die Karrenlaͤnfer theils sich nicht genug bewegen, oder das Gebruͤck versperret viel Raum, theils kann man leicht auf demselben ausgleiten und samt den Karren stuͤrzen, welches zumal da n n leicht der Fall seyn kann, wenn die Bretter feucht oder naß, oder von dem aufgefahrnen Kothe schluͤpfrig werden. Eine Neigung von 18 Grad gegen den Horizont, ist die beste Schiefe, die man dem Gebruͤck geben kann, alsdann ist auf ihm leicht zu stehen, zu schieben und zu ziehen. §. 95. Gewoͤhnlich sind in solchen Thaͤlern, wo man den Grund graben muß, wenn auch nicht viele, doch einige, Wasser vorhanden. Wenn diese nicht waͤhrend der Arbeit abgeleitet wuͤrden, so traͤten sie ohnfehlbar in den Grundgraben ein, so wie er ihnen nur einigermaßen nahe kaͤme, fuͤllten ihn aus, und machten ihn wenigstens auf einige Zeit unzugaͤnglich und die Arbeit in ihm unmoͤglich, oder aͤußerst beschwerlich. Diese Wasser werden also, ehe noch der Grundgraben in der Gegend ihres Durchflusses ausgebracht wird, aufgefangen, und dann in ein Gerinne geleitet, welches uͤber den den Grundgraben an einer Stelle gelegt ist, wo nicht allzuviel Passage ist, und solche stets frei seyn muß. Wenigstens geschieht dieß fuͤr eine oder et- liche Wochen, und dann wird das Gerinne wie- der an einem andern schicklichen Platze uͤber gelegt, wo es keinem allzu hinderlich faͤllt. Es ist noͤthig, daß dieß stets zu rechter Zeit geschehe, denn ohne- hin finden sich oͤfters bei einiger Tiefe des Grund- grabens, besonders an Wasserreichen Orten, oder wo starke Gangkluͤfte in der Naͤhe des Grundgra- bens sind, Wasser von selbst ein, und zwar in sol- cher Menge, daß solche in einer einzigen Nacht sehr hoch aufgehn. Dann muß man des andern Morgens erst Leute mit Pumpen oder mit Haspeln und Wasser-Tonnen anstellen, welche die aufge- gangenen Wasser wieder gewaͤltigen und niederhal- ten muͤssen, wobei die Arbeit allzeit leidet und die Kosten sich mehren, zumal da sich ein muͤßig ge- wordener Grund nicht mehr so gut bearbeiten laͤßt als ein trockener. Sowol die langen als die kurzen Stoͤße (die Seiten) des Grundgrabens, muͤssen benebst der Sohle desselben, wenn solche bis auf die gehoͤrige Tiefe niedergebracht ist, fein gerade und eben ge- hauen werden, daß das Aussetzen nachher desto besser und dauerhafter geschehn koͤnne. Da die Arbeit uͤbrigens nur darinn besteht, das vorhan- dene Gestein ꝛc. aus dem Grundgraben auszuar- beiten, und heraus zu bringen, so ist weiter keine Schwierigkeit zur richtigen Einsicht derselben vor- handen, handen, und eine weitlaͤuftigere Beschreibung mehr unnuͤtzlich als dienlich, zumal da die noͤthig- sten Erinnerungen wirklich beigebracht sind. Wir koͤnnen also zu einer andern Arbeit fortschreiten. §. 96. Schraͤaͤme . So wie in der Dammsohle der Grundgraben eingehauen wird, muß man auch in beiden Sei- ten des Dammes (in den Widerlagen) die soge- nannten Schraͤaͤme aushauen lassen. Es ist deswegen am rathsamsten, sie gleich bei dem Aus- bringen des Grundgrabens mit vornehmen, und aushauen zu lassen, weil der aus ihnen gewonnene Schutt und Steine sehr bequem mit aus dem Grundgraben gefoͤrdert werden kann, wenigstens zum Theil, ohne daß deßfalls weitere Kosten noͤ- thig werden. Man versteht unter den Schraͤaͤmen, Einschnitte oder Oeffnungen in die Seiten des Dammes gemacht, die von der Grundgraben-Sohle bis zur Kappe des Dammes hinauf gefuͤhrt werden. Sie dienen dazu, daß in ihnen die, aus dem Grund- graben continuirte, Rasen- oder Thonbrust in den Widerlagen in die Hoͤhe gebracht werde; und sol- len dadurch einen desto bessern Zusammenhang zwi- schen dem Damme selbst, und zwischen den Wider- lagen bewirken helfen, ferner das Durchdringen des Wassers zwischen den Enden des Dammes und den anliegenden Seiten verhindern. Ihre Rich- tung laͤuft in der nemlichen senkrechten Ebne fort, fort, in welcher der Grundgraben sein Streichen hat. Vorn beim Anfange, wo sie eben in den Berg hinein gehn, haben sie die obere Weite des Grund- grabens und hinten an ihren Ende die Weite des Grundgrabens auf seiner Sohle. Wie tief sie ei- gentlich in den Berg hinein gefuͤhrt werden muͤs- sen, haͤngt lediglich von dem Gestein ab, aus wel- chem die Berge, oder die Widerlagen des Dammes bestehn. Eine groͤßere oder geringere Dichtigkeit und Festigkeit desselben, macht eine geringere oder groͤßere Tiefe der Schraͤaͤme in den Berg hinein noͤ- thig. Dieß fordert also eine genaue Beobachtung des Gesteines. Man hat aber hierbei nicht blos darauf zu achten, ob das Gestein sehr kluͤftig oder sehr unganz ist (nach der Bergmanns Spra- che) oder aus sehr muͤrbem Gestein besteht, sondern auch darauf, ob es viel von den den Bergleuten bekannten Schlechten und Abloͤsungen hat, auf welchen das Wasser gleichfalls fortgeht. Von Zeit zu Zeit muß man daher bei der Arbeit, das in dem Schraame sich zeigende Gestein beklopfen und hoͤren, wie es beschaffen ist. Das feste laͤßt man, wenn es tief genug eingehauen ist und wirkliche Nutzbarkeit verspricht, stehen, das plunderich- te aber wird so lange, wo es auch sich vorfinden mag, weggeraͤumt, bis man seinetwegen auch sicher seyn kann. Beim Beklopfen des Gesteines hoͤrt man gleich, ob solches fest ist, oder ob es bloße Schaalen sind, die auf anderm, aber untauglichem, Gesteine aufliegen. In jenem Falle klingt der Schall Schall weit heller, in diesem weit mehr hohl und dumpfig. Wenn Schichtungen sich vorfinden, welche fuͤr den Bau unguͤnstig sind, so gilt von ihnen das, was in dem Obigen hieruͤber deutlich gesagt worden, und man sieht sich in solchem Falle genoͤthigt, die Schraͤaͤme tiefer in den Berg hinein zu hauen, um dadurch die schaͤdlichen Schichtungen zu durchschnei- den und weniger gefaͤhrlich zu machen. Unter sol- chen Umstaͤnden ist aber allezeit die andere Wider- lage, die jenseits dem Thale liegt, durch sich selbst gesichert, wofern anders das Gestein seine Schichtung und Streichen, durch das Thal hin- durch und in den jenseitigen Widerlagen behaͤlt, den Fall ausgenommen, wenn die Schichtung mit dem Thale hinab faͤllt und streicht. Die durch sich selbst gedeckte Widerlage bedarf daher keines so tiefen Schraams. Gewoͤhnlich fuͤhrt man jeden Schraam nicht unter 8 — 10 Fuß in den Berg hinein. Wenn die Umstaͤnde nicht mehr fordern, so wird er ge- meiniglich so tief eingehauen, als der Grundgraben tief ist . Von der Sohle des Grundgrabens angerech- net, laͤßt man die Widerlage in den Schraͤaͤmen gern etwas schief liegend anlaufen, so daß der Widerlage Boͤschung in dem Schraame bis zu Tage hinauf, bis an den Ausgang des Schraams, einen Winkel von 60 — 65 Grad betrage; bei gutem Gestein auch wol 70 Grad. Alle Allen den Schutt und Steine, der oberwaͤrts bei einiger Hoͤhe des Schraames uͤber der Damm- sohle, dem Damme gegen uͤber ausgebracht ist, muß man nicht mehr auf die, vielleicht zu der Zeit schon ausgebrachte und gereinigte Grundgraben- Sohle stuͤrzen lassen, oder ihn unten an dem Dam- me gleich mit verbrauchen, sondern solchen immer, so wie er bei steigender Hoͤhe des Schraams aus- gebracht wird, seitwaͤrts neben dem Schraame rechts und links einstweilen an die Widerlagen an- stuͤrzen, vorausgesetzt, daß solche nicht zu steil sind, und dieß Aufstuͤrzen gestatten. Dieß hat einen wesentlichen Vortheil; man braucht nemlich auf diese gezeigte Art, wenn mit der Zeit der Damm in die Hoͤhe waͤchst, wo man in hoͤhern Gegenden des Schuttes also ebenfalls bedarf, solchen nicht aus der Tiefe und von weitem her, muͤhsam wieder in die Hoͤhe fahren zu lassen, weil man ihn nun nur gleich neben den Schraͤaͤmen wegnehmen darf. Man erspart also Kosten und Zeit. Unumgaͤnglich nothwendig ist es just nicht, die Schraͤaͤme gleich in einem fort, fertig aus- hauen zu lassen, sondern man kann sie, so wie der Damm aufgefuͤhrt wird, beiher mit ausbringen und in fertigen Stand setzen. Allein dann muß solches auf die Art geschehn, daß fuͤr die andern Arbeiten kein Aufenthalt dadurch erwachse, oder daß solche nicht an Guͤte leiden. Daher ist es im- mer rathsamer die Schraͤaͤme gleich fertig hauen zu lassen, besonders auch aus dem Grunde, weil man man dann weit besser beurtheilen kann, ob die Widerlagen in den Schraͤaͤmen durchgehends tauglich sind, oder ob sie bloße Schaalen haben, welche oberwaͤrts Halt versprechen, unten aber loß und ohne Festigkeit seyn koͤnnen. Diese Beurtheilung kann aber, bei stuͤckweise vollbrachter Arbeit, nie ganz richtig angestellt werden. §. 97. Setzen des Rasenhauptes oder der Thonbrust. Wenn die Arbeit mit dem Ausbringen des Grundgrabens beendigt ist, so schreitet man zur Auffuͤhrung oder zum Setzen der Thonbrust , und des Rasenhauptes . Die Worte: Rasen- haupt und Rasenbrust, sind von gleicher Bedeutung. Das Rasenhaupt selbst ist nichts anders, als eine von gestochenem und derb auf einander gestampftem Rasen aufgefuͤhrte Wand. Die Thonbrust — ist eine gleiche Wand, nur aber von Thon aufgefuͤhrt. Beider Entzweck ist, dem Wasser den Durchgang durch den feinen Schutt, wovon Daͤmme gewoͤhn- lich mit erbauet zu werden pflegen, gaͤnzlich zu verwehren, und den Damm durch die genaue und starke Verbindung, die sowol Rasen- und Thon- bruͤste unter sich erhalten, als auch mit dem ge- sammten Damm-Material bekommen, eine groͤßere Dauer und Sicherheit zu geben. Bei Erd- und Schuttdaͤmmen hat man also viel Ruͤcksicht auf sie zu nehmen, und sie sind bei jedem Damme als ein Hauptstuck anzusehn, wenn sie nicht gar wegen der der trefflichen Dienste, die sie leisten, unentbehrlich zu nennen sind, welche von beiden Arten dersel- ben man uͤbrigens auch waͤhlen mag. Das Verfahren, den Erd- und Schuttdaͤm- men durch eine Rasen- oder Thonbrust eine groͤßere Staͤrke und Dauer zu geben, ist noch nicht sogar alt, sondern mehr in den neuern Zeiten gebraucht, und wegen seiner besondern Nutzbarkeit allgemei- ner und gewoͤhnlicher geworden. Ehedem pflegte man die Daͤmme gaͤnzlich ohne Rasen- oder Thon- brust aufzufuͤhren. Man stuͤrzte blos den Schutt, den man aus dem Teichraume oder anders woher gewann, zu einem Damme auf, wofern der Schutt nur bindig genug zu seyn schien, um das Wasser nicht durchzulassen. Dieß ergiebt sich aus viel alten ausgebrochenen Daͤmmen, deren Alter Jahrhunderte zaͤhlt, und in denen man nicht die geringste Spur von Rasen- oder Thonbrust wahr- nimmt. Allerdings aber machten die Alten Grundgraͤben, und fuͤllten solche mit Thon aus, um den Damm unterwaͤrts zu verwahren. Den Thon selbst, mit dem sie den kleinen Grund- graben ausfuͤllten, fuͤhrten sie etwa 2 — 3 Fuß hoͤchstens, uͤber die Dammsohle in die Hoͤhe, etwa nach Figur 24, wo a b c d der Grundgraben im Profil ist, und a e d den 2 — 3 Fuß hoch aufge- thuͤrmten Thon bedeutet. Ueber diese kleinen Thon- huͤgel wurde nachher bei Auffuͤhrung des Dam- mes, der Schutt uͤbergestuͤrzt. Der kleine Haufe von Thon mag wahrscheinlich der erste Fingerzeig zu zu den nachmals angebrachten Thon- oder Rasen- bruͤsten gewesen seyn. §. 98. Da nun das Wasser nicht selten an den Daͤm- men der Alten so gut wie noch itzt oͤfters an den unsrigen, große Verwuͤstungen anrichtete, beson- ders an den innern, im Teichraume gelegenen Boͤ- schungen, so gerieth man auf den Einfall, die oͤftern Durchbruͤche und das Durchdringen und Ausspuͤlen des Wassers, durch Thon und Ra- sen zu verhindern. Man legte demnach auf die innere Boͤschung der Daͤmme, entweder eine bloße Thon- oder Rasenschicht auf, oder aber zuerst un- ten eine Schicht Thon, und auf diese noch eine Schicht Rasen. Doch da man auch diese doppel- ten Schichten nicht voͤllig so fest, unter sich selbst und mit dem Damme verbinden konnte, daß sie das Wasser nicht durchnaͤssete oder ausspuͤlete, so machte der, am Unterharze durch seine praktischen Bergmaͤnnischen Einsichten so bekannt gewordene, itzt laͤngst verstorbene Bergdirektor Zacharias Koch , wo ich nicht irre zu Strasberg am Harz, bei dem dortigen ehemaligen bluͤhenden Bergbaue, den ersten Versuch die Rasen- oder Thonbruste in die Daͤmme hinein zu legen, auswendig aber, wie ehemals auch schon gewoͤhnlich gewesen, die Daͤmme durch eingerammte eichene Pfaͤhle, oder auch durch Terrassenmauern, gegen die Gewalt des im Teichraume befindlichen Wassers zu schuͤtzen. Kochs Kochs Versuch hatte den gluͤcklichsten Erfolg, und mehrere von ihm angelegte Teiche und Daͤm- me sollen noch itzt unversehrt und in gutem Zu- stande seyn. Belidor verlangt gleichfalls fuͤr die Daͤmme eine Thonbrust ( Corroi de terre glaise ). Doch da Belidor erst nachher, als die von Koch erbaue- ten Daͤmme laͤngst standen, bekannt gemacht hat, daß man auf diese Art verfahren solle, ist es nicht wahrscheinlich, daß Koch seine Methode aus Frankreich geholt habe. Da indeß das Verfah- ren — wer es auch erfunden haben mag — weiter bekannt wurde, hat es sich wegen seiner ausge- zeichneten Nuͤtzlichkeit bis auf den heutigen Tag er- halten, und wird durchgaͤngig angewandt, wo man nur das Material haben kann. §. 99. Ehe man das Rasensetzen selbst vornimmt, muß noch Folgendes aus Vorsicht beobachtet werden. Wenn der Grundgraben bis zu seiner benoͤthigten Tiefe nieder, und weit und lang genug ausge- bracht ist, so muß man dahin sehen, daß er durch- aus, an allen Stellen, wasserfrei gehalten werde, und kein Schlamm oder feiner Dreck in ihm zu finden sey. Dann visitirt man ihn noch- mals fleißig durch, und sucht, ob man (besonders in der Sohle) keine truͤgliche Stelle finden koͤnne, welche noch Bedenklichkeit verursacht. Findet sich nichts mehr, so laͤßt man hierauf den Anfang ma- Teichb. O chen, chen, und die wirkliche Arbeit vornehmen. Zuerst wird dann die Grundgraben-Sohle zum wenigsten 3 Fuß hoch, lieber aber 4 Fuß hoch mit dem aller- besten Thone oder Leime , den man auftreiben kann, bestuͤrzt, der Thon schichtenweise aus einan- der gezogen, und schichtenweise recht derb ge- stampft. (Jede Schicht ist etwa 6 Zoll hoch.) Dieß geschieht so lange, bis man nicht im Stande ist, Spuren von Fahren oder Gehen uͤber dem ge- stampften Thone zu bemerken. Man kann solches am besten auf diese Art bewerkstelligen, daß nur geringe Portionen Thon oder Leimen auf einmal in den Grundgraben gestuͤrzt werden. Diese zieht man dann aus einander, quetscht sie mit dem Nak- ken einer Keilhaue, oder andern großen Hacke, in alle Loͤcher oder Vertiefungen ein, die sich auf des Grundgrabens Sohle oder in seinen Seiten finden, und laͤßt sie hinter dem Einquetschen her, tuͤchtig uͤberrammeln. Das Ueberrammeln muß wol 3 bis 4mal geschehn, obgleich die Arbeiter saure Ge- sichter dabei zu machen pflegen, und ungern daran gehn. Zum Zeichen, daß der Thon recht fest uͤberrammelt sey, kann dieses dienen, wenn die Stampfer nach dem Niederstoßen wieder etwas in die Hoͤhe, ruͤckwaͤrts fahren. Je staͤrker dieses Zuruͤckfahren des Stampfers sichtbar wird, desto besser ist auch der Thon ge- rammelt. Es ist nicht gut, den Thon in den Grund- graben hinein fahren zu lassen, sondern man thut wol, ihm neben dem Grundgraben her, bis an den den Ort, wo man ihn braucht, anzufahren, abzu- stuͤrzen, und ihn von da in den Grundgraben hin- ein werfen zu lassen. Geschieht dieß nicht, so fahren die Laufkarren erst Gleise in das Gestampf- te, nachher fahren sie ganze Stuͤcken wieder auf, und machen doppelte Arbeit. Ferner wird der Thon alsdann in zu großen Portionen, und also zu hoch auf einmal aufgestuͤrzt, und dieserwegen kann er nicht dicht genug gestampft werden; es entstehu aber auch eben daher sehr leicht große Hoͤhlungen unten im Thone, indeß oben alles dicht gestampft zu seyn scheint. Diese Hoͤhlungen bleiben nachmals offen, und koͤnnen nur selten wieder ausgefuͤllt werden, weil man das einmal Gestampfte nur selten wieder aufreißt, um es wie- der umzuarbeiten. Die Aufseher muͤssen bei dieser Arbeit aͤußerst attent und gewissenhafte Leute seyn. §. 100. Weil es bei der vorigen Arbeit ein Haupt- augenmerk seyn muß, alle Hoͤhlungen in dem Thone zu vermeiden, so darf keine Schicht Thon, welche die Grundsohle bilden soll, und die von neuem auf- getragen wird, ungestampft hoͤher als 6 Zoll seyn. Gestampft muß jede solche Schicht noch etwas we- niger als die Haͤlfte ihrer ersten Hoͤhe betragen. Also bliebe etwa von 6 Zoll aufgestuͤrztem, ganz fein zerhacktem Thone, gestampft 2½ Zoll bis 2¾ Zoll Schicht uͤbrig; wenn der Thon weich ist, oͤfters noch weniger. Daß dieß freilich nicht so O 2 stark stark foͤrdern kann in Ansehung der Schnelligkeit, sieht man leicht ein, aber man gewinnt an Dauer uͤber alle Maßen. Was hiebei fuͤr ein großer Un- terschied obwalte, kann man aus den leicht zu machenden Versuchen sehn, wo man z. E. 12 Zoll hoch Thon, statt 6 Zoll hoch aufstuͤrzen laͤßt. Stampft man diese, 12 Zoll hoch aufgestuͤrzte Thon- schicht, eben so stark, als eine Schicht von 6 Zoll Hoͤhe, so wird man zur Hoͤhe der erstern Schicht 7 Zoll haben und druͤber , bei letzterer nur das gewoͤhnliche. Man sieht also, daß man ein an- sehnliches bei der erstern fertigen Schicht an Hoͤhe mehr habe , als bei der letztern, und daß die Theile nicht alle gleich dicht gestampft seyn koͤnnen. Die Festigkeit ist also bei der erstern Schicht um ein Betraͤchtliches geringer, als bei der letztern schwach aufgetragenen. Ueberhaupt ist noch zu merken, daß der auf- zutragende Thon weder zu weich noch zu hart seyn duͤrfe. Im erstern Falle hebt er sich bei jedem Niederstampfen wieder in die Hoͤhe, und zieht sich von dem unter ihm liegenden fertig bearbeiteten loß. Im zweiten Falle entstehn ebenfalls, wie vor- hin erwaͤhnt worden, jene kleinen Loͤcher und Hoͤh- lungen, weil sich der Thon nicht gut in einander setzen kann. Man muß ferner gar nicht mehr Thon bei den Grundgraben anfahren lassen, als man in einem Tage verbrauchen kann und will; denn sonst bekoͤmmt er eine starke Rinde, welche das derb Stampfen sehr hindert, und wenn es ja ordent- ordentlich gemacht werden soll, weit mehr Kraͤfte erfordert, als noͤthig waͤren, wenn man naͤssern Thon naͤhme und verarbeitete. Alle dergleichen Fehler sind nicht besser wahr- zunehmen, als wenn ein Stuͤck von eben fertig ge- machter Arbeit wieder aufgebrochen wird. Da finden sich Loͤcher in Menge die nicht ausgefuͤllt sind, und man sieht sehr deutlich ein, daß durch- aus dieses Stampfen nicht vorsichtig genug behan- delt werden kann. Wenn der Thon mit Wagen neben den Grund- graben angefahren wird, duͤrfen die Wagen nicht zu nahe anfahren, sonst koͤnnen sehr leicht dadurch die langen Stoͤße des Grundgrabens einschießen und verdorben werden. §. 101. Ist der Grundgraben, nach der so eben gezeig- ten Art, auf seiner Sohle ausgesetzt worden, so wird, wenn man keine Thon-sondern eine Rasen- brust waͤhlt, die Grundschicht von selbiger ferner- hin aufgetragen. Man setzt die Rasen, die zu diesem Behufe in dem Wiesenthale, wo der Teich gebauet wird, oder sonst wo gestochen und herbei gefahren sind, einen so dicht als moͤglich an den andern an, und zwar allezeit so, daß die gruͤne Seite der Rasenstuͤcke unten hin zu liegen komme. Dieß wird bei allen Stuͤcken beobachtet. Die Stuͤcke selbst erhalten eine Laͤnge von 18 bis 20 Zoll, zur Breite 10 bis 12 Zoll. Dick werden sie sie 4 bis 5 Zoll gestochen. Andere wollen die Rasen jedes Stuͤck 16 Zoll ins Gevierte gestochen wissen, und geben ihnen gleichfalls die oben ge- sagte Dicke. Dieß ist im Grunde willkuͤhrlich, wo- fern nur die gestochenen Rasen gut wieder verbun- den werden. Die Rasenstuͤcke werden uͤberhaupt so an einander gesetzt, wie man Quadersteine zu legen gewohnt ist, so nemlich, daß vor dem Schlusse zweier Rasen, und uͤber dem Schlusse von 4 Rasen, stets die Mitte eines dritten vor und uͤber zu liegen komme, und gehoͤrig uͤbergreife, nach Figur 25 und 28. Da wo die Rasen an die Stoͤße des Grundgra- bens anzuliegen kommen, muͤssen sie gleichfalls mit einer Hacke, gut in die kleinen Loͤcher und Vertie- fungen der Seiten des Grundgrabens eingequetscht werden, und wenn die erste Reihe oder Schicht Rasen ganz durchgelegt ist, werden die Ritze, die zwischen den Rasenstuͤcken geblieben sind, mit gu- tem, klein gehacktem Thone ausgefuͤllt, und nach- mals die ganze Rasenschicht dreimal uͤberstampft, worauf sie alsdann fertig ist, und eine neue auf- gesetzt werden kann, ohne daß etwas weiter mit ihr noch erst zu verrichten waͤre. Mit dieser zwei- ten Schicht verfaͤhrt man auf die nemliche Weise wie mit der vorigen, und bei dieser hat man gleich- falls dahin zu sehen, daß wiederum auf den Schluß der Rasen, die Mitte der neu aufzulegenden ge- bracht werde, daß alles gehoͤrig uͤberbinde. In Figur 28 ist der neu aufzulegende Rasen, jedes Stuͤck Stuͤck punktirt angegeben. Figur 26. zeigt ihre Lage im Queerprofil, da ist c d die untere Grund- graben-Weite. Wenn man die Rasen auf diese Art setzen laͤßt, kommen sie wie in einer gut aufgefuͤhrten Mauer uͤber einander zu liegen. Sie erhalten sich also in der ihnen gegebenen Lage desto leichter und sicherer, und machen den Durchgang des Wassers durch diese Wand beinahe unmoͤglich, wenn nicht durch eine aͤußere gewaltsame Kraft dieselbe ange- griffen und zersprengt wird. Legt man dagegen Schluß auf Schluß, ohne die Rasen gehoͤrig uͤber- zubinden, so entstehn zwischen ihnen tiefe und lange Spalten, die natuͤrlicher Weise nicht vor- theilhaft seyn koͤnnen. Die obige Art die Rasen zu setzen ist uͤbrigens gar keine beschwerliche oder saure Arbeit, sondern sie erfordert nur bei dem Setzen etwas weniger Bequemlichkeit, und einige mehrere Aufmerksamkeit. Wenn man daher Personen hat, die mit die- ser Arbeit und besonders mit dem Setzen schnell umzugehn wissen, und denen dieß mechanisch leicht geworden ist, so muß man solche Leute nicht zu oft umwechseln, und an andere Arbeit bringen. Denn beordert man Andere an jener ihre Stelle, so brauchen diese immer etwas mehr Zeit, bis sie sich wieder die Arbeit gelaͤufig gemacht haben. Die Rasenstuͤcke duͤrfen keinesweges in Stuͤk- ken zerrissen werden, so auch an den Enden und Ecken nicht unegal, rauch, oder rund seyn, sonst lassen sich sich solche nicht so richtig und dicht in einander setzen, als solche, die nach geraden Linien abgesto- chen worden. Auf die hier gewiesene Art, wer- den nun die Schichten in dem Grundgraben in die Hoͤhe, eine auf die andere aufgesetzt, bis man endlich mit der Arbeit zu Tage ausgekommen ist. In diesem Falle sagt man alsdann: das Funda- mentist fertig , und der ausgesetzte Grund- graben heißt nunmehro das Fundament . §. 102. Sind die Arbeiten an dem Fundamente been- digt, und ist solches allbereits fertig geworden, so wird diejenige Schicht Rasen, die sich uͤber die Oberflaͤche der Dammsohle wirklich erhebt, zu bei- den Seiten etwas uͤber das Fundament hinaus auf die Dammsohle gelegt, wie Figur 30 zeigt. Man legt diese Rasenschicht an jeder Seite wenigstens 18 Zoll uͤber, ordinair 2 Fuß, und nun faͤngt man an, dem weiter aufzufuͤhrenden Rasenhaupte seine Boͤschung zu geben. Diese soll durch das Uebertreten der Rasenschicht uͤber die Dammsohle, einen desto bessern Fuß erlangen. Die Boͤschung der Rasenbrust ergiebt sich erstens aus der obern Weite des Grundgrabens, benebst dem Uebersprun- ge der ersten Rasenschicht uͤber Tage, auf der Dammsohle; zweitens aus der Breite des Rasen- hauptes auf der Kappe. Weil die Rasen- oder auch die Thonbruͤste nicht zu schwach werden duͤrfen, wenn sie ihren Zweck gut gut erfuͤllen sollen, so verlangen die Praktiker, daß sie auf der Kappe wenigstens noch den achten Theil der Hoͤhe des Dammes zur Dicke haben. Die Boͤschung an der Rasenbrust legt man so an, daß man sie gleich von der Dammsohle, bis zur Kappe hinauf in einer schiefen Ebne zufuͤhrt, nach Figur 27. b. Oder man macht auch wol das Rasenhaupt auf die Art, daß man von der Damm- sohle angerechnet, von 10 zu 10 Fußen Hoͤhe, die Staͤrke derselben etwas verringert, und die Waͤnde der Rasenbrust senkrecht auffuͤhrt. Jene Art bleibt indeß immer die beste, weil da jede Schicht gleich stark unterstuͤtzt wird, da sie an den Waͤnden zu beiden Seiten Boͤschung hat. Bei der Methode, die Rasen- oder Thonbrust zu dossiren, zeigt sich aber auch noch ein anderer wesentlicher Vorzug, welcher bei der letztern Art nicht statt hat. Der an die Boͤschung der Rasen- oder Thonbrust angestuͤrzte Schutt, zieht sich nicht so leicht, und nie so weit von der Boͤschung loß, als wie solches bei Rasenhaͤuptern und Thonbruͤsten mit senkrechten Flaͤchen geschieht. Denn im letztern Falle, in Figur 27. a, muß der Schutt blos durch sich selbst unterstuͤtzt werden und seinen Halt durch seine Schweere und Cohaͤsion be- kommen, weil er von nichts anderm getragen wird; im erstern Falle aber ruht er auf der Schiefe der Boͤschung zum Theil auf, und wenn er auch wegen seiner Lockerheit etwas nachsinkt, so bleibt er er stets auf der Dossirung liegen, und macht also nie solche Spalten. Damit nun die Rasen- oder Thonbrust die ge- hoͤrige Boͤschung erhalte, muß jede Schicht seit- waͤrts fein angeschlagen werden, jedoch so, daß sie nicht schmaͤler wird, als die naͤchst folgende seyn soll, widrigenfalls gaͤbe diese an den Seiten nach, und bekaͤme nicht Halt genug. Denn da ihr die Unterstuͤtzung fehlen wuͤrde, entstuͤnden selbst bei dem Anstuͤrzen des Schuttes dennoch schaͤdliche Hoͤh- lungen, die sich nicht gut verstopfen lassen. §. 103. Wegen des Rasenhaupt-Setzens ist noch noͤthig, Folgendes anzumerken. 1) Einige setzen schlechthin die Dicke der Rasen- oder Thonbrust zu 6 Fuß an. Allein fuͤr sehr niedrige Daͤmme wuͤrde dieß zu stark seyn, und unnoͤthige Kosten machen. Fuͤr sehr hohe Daͤmme waͤre jene Dicke wol zu schwach. Be- haͤlt man hingegen das vorhin angegebene Ver- haͤltniß, so hat man fuͤr alle Hoͤhen der Daͤm- me, eine zweckmaͤßige Staͤrke der Rasenhaͤup- ter und Thonbruͤste auf ihren Kappen. Nun kann man aus der Hoͤhe des Dammes, und der obern und untern Breite der Bruͤste, leicht durch eine Zeichnung, die Boͤschungs-Winkel finden, nach denen man arbeiten lassen muß, zumal da es auf etliche Grade des Winkels so genau genau nicht ankommt, wenn nur die obere Dicke der Bruͤste dadurch nicht leidet. 2) Andere verfahren bei dem Rasensetzen im Fun- damente auf die Art, daß sie vor und hinter den Rasenschichten im Fundamente, noch an beiden Seiten des Grundgrabens, eine 15 Zoll starke, oder nach Maaßgabe der Weite des Grundgrabens, wol noch staͤrkere Schicht ge- stampften Thon, in die Hoͤhe fuͤhren, wie Fi- gur 30 im Profile zeigt; die uͤbrige Behand- lung des Rasenhauptes im Fundamente, bleibt die naͤmliche, so vorhin beschrieben worden. In Figur 30 ist c d die untere Grundgrabenweite, e f die obere. An den Seiten e d, f c, wie auch auf d e liegt Thon, und innerhalb des Thones liegt der Rasen, wie deutlich aus der Figur zu ersehen ist. 3) Viele lassen die Schichten des Rasens, die aus dem Fundamente uͤber Tage herauskommen, gar nicht uͤber die Seiten des Grundgrabens uͤber- greifen, und fuͤhren sie gleich mit ihrer noͤthi- gen Boͤschung bis zur Kappe in die Hoͤhe. Diese Methode scheint nicht verwerflich zu seyn. Denn da zuverlaͤssig jeder Damm, und jede Rasen- oder Thonbrust sich etwas senkt, so wird eine solche Brust, die nicht uͤber des Grundgrabens obere Weite uͤbergreift, sich desto derber und fester in einander setzen koͤnnen, und alles an- dere zu gleicher Zeit sich allmaͤhlig mit nieder- senken. Wenn Wenn aber die Rasen- oder Thonbrust uͤber des Grundgrabens obere Weite uͤbergreift, da kann es geschehn, daß das in Figur 30 unter a b gelegene, und uͤber das Fundament uͤbergreifende, sich weniger senken kann, indeß sich doch das Fun- dament mit den uͤbrigen Theilen senkt. Da wuͤr- den also bei e und f durch die entstandenen Bruͤ- che auch Hoͤhlungen entstehn. 4) Einige wollen die Rasenhaͤupter gaͤnzlich verwer- fen. Sie sagen, der Rasen verwese etwas, und dadurch verliehre der Damm, weil solche Stel- len nicht gehoͤrig dicht blieben. Hierauf laͤßt sich antworten: Ausgebrochene Daͤmme, die uͤber 70 Jahre lang gestanden hatten, und unver- sehrt die herrlichsten Dienste thaten, aber durch ungeheure Wasserfluthen und Mangel an gehoͤ- rig weiten Fluthbetten oder Aufsicht, zu Grun- de gerichtet wurden, beweisen das Gegentheil. Die Rasen in der Rasenbrust waren nicht nur nicht gaͤnzlich verweset, oder sehr locker gewor- den, sondern sie zeigten vielmehr von einer durchgehends zu bemerkenden wuͤnschenswerthen Festigkeit und Dichtigkeit. Freilich mochte al- lerdings diese Festigkeit ihren Grund in dem fleißigen Verstampfen und Verrammeln haben; allein man sieht doch hieraus offenbar, daß der Rasen bei guter Behandlung sehr dicht bleibe. Wird also eine Rasenbrust mit der gehoͤrigen Sorgfalt, welche uͤberhaupt auf jede Anlage verwandt werden muß, dicht gesetzet und ge- stampft, stampft, so thut sie gewiß auch gute Dienste, wie die Erfahrung sattsam zeigt. Indeß mag Jeder nach Belieben Thon- oder Rasenbruͤste waͤhlen. Von den Thonbruͤsten Mehreres im folgenden §. §. 104. Wo Ueberfluß an Thone, und guten Leimen ist, waͤhlt man sehr oft statt des Rasenhauptes ganze Thonbruͤste. Es ist nicht zu leugnen, daß diese sich noch dichter machen lassen, als die von Rasen. Nassen Thon haͤlt auch alles Wasser besser ab, und sie sind daher sehr gut zu gebrauchen. Was Lage, Richtung, Staͤrke, Hoͤhe, und Dossirung anbetrift, so ist bei den Thonbruͤsten al- les dieß, dasselbe wie bei Rasenhaͤuptern. Inglei- chen gilt von ihnen alles, was im Vorigen von der Bearbeitung des Grundgrabens ꝛc. und der Bruͤste selbst gesagt worden ist, so daß dieserhalb keine Wiederhohlung noͤthig seyn wird. Wenn man zum Voraus weiß, daß man nicht allzu viel Schutt so bei der Hand hat, daß man ihn ohne erhebliche Kosten erhalten kann, und den- selben zu Rathe halten muß, weil die Bestuͤrzung der Daͤmme viel Schutt verlangt, so fuͤhrt man auch wol dicht vor dem Rasenhaupte noch eine 2 Fuß dicke oder noch staͤrkere Thonbrust bis zur Kappe hinaus in die Hoͤhe, vorausgesetzt, daß die nach der Berechnung noͤthige Staͤrke des Dammes dabei noch ungeschmaͤlert bleibt. Unter diesen Umstaͤn- Umstaͤnden nun, hat man dahin zu sehen, daß zu gleicher Zeit die Thonbrust und das Rasenhaupt mit einander aufgefuͤhrt, und ganz dicht unter sich verbunden werden, widrigenfalls wuͤrden die schon oben erwaͤhnten gefaͤhrlichen Risse entstehn. Diese Verbindung geschieht am besten folgender- maßen. So wie eine Thon- und Rasen-Schicht etwa 2 Fuß in die Hoͤhe gebracht ist, legt man die Ra- senbrust allemal etwas weiter heraus, auf die Thonbrust, und uͤberbindet hiedurch. Auf die uͤbergelegten Rasen (die man unter diesen Umstaͤn- den gern lang stechen laͤßt, damit sie nicht zu schmal uͤbergreifen) wird wiederum Thon aufge- bracht, und so fortgefahren, bis man die Hoͤhe der Kappe erreicht hat. Wo man Willens ist, außer der Rasenbrust noch eine solche Thonbrust vorn aufzufuͤhren, muß bei dem Ausbringen des Grundgrabens hierauf Ruͤck- sicht genommen werden; es ist nemlich noͤthig, den Grundgraben um so viel weiter zu fassen, daß die vor das Rasenhaupt zu legende Thonbrust auch mit in den Grundgraben hinein komme: denn sie blos auf die Dammsohle aufzusetzen, ist deshalb ver- werflich, weil die Festigkeit des Ganzen darunter leidet. Ueberhaupt aber ist es allemal besser, gleich eine Thon- oder Rasenbrust von groͤßerer Dicke vorzurichten, statt eine Thonbrust vor das Rasenhaupt noch vorzulegen, weil die Verbindung Bei- Beider selten genau genug bewirkt wird, und sol- ches dennoch ein Haupterforderniß bleibt. Schluͤßlich bemerke ich folgendes. Auf die nem- liche Weise wie man die Rasen und Thonbruͤste un- ten auf der Dammsohle, oder in geringer Entfer- nung uͤber derselben behandelt, verfaͤhrt man auch mit ihnen durch alle Hoͤhen hindurch, welche sie bis zur Kappe hinauf ersteigen muͤssen. §. 105. Arbeit mit dem Schutte bei den Daͤmmen . Bei Erd- und Schutt-Daͤmmen wird diese Arbeit fuͤglich sogleich mit vorgenommen, wenn das Fundament fertig geworden ist, und die Thon- brust oder das Rasenhaupt aufgefuͤhrt wird. Die Arbeit selbst besteht eigentlich in nichts anderm, als in der Aufhaͤufung des Schuttes vor und hinter der Rasen- oder Thonbrust, uͤber der Dammsohle, und in sattsamer Verdichtung dieses Schuttes, durch Stampfen. Bei dem Aufhaͤufen und Anfahren des Schuttes fragt es sich: Soll man gleich anfangs den Damm mit seiner untern und voͤlligen ganzen Breite auffuͤhren, oder nur erst das Stuͤck desselben vor- nehmen, in welchem mitten inne die Rasen- oder Thonbrust liegt, das aber nachher, wenn die Bruͤste hoch genug aufgefuͤhrt sind, wieder be- sonders beschuͤttet, und dessen Breite hiedurch so lange vermehrt wird, als es des Dammes Hoͤhe erfordert? Hierauf dient als Antwort: Man thut jeder- jederzeit wohl, wenn man gleich die voͤllige untere Dammbreite vornimmt, und den Damm so auffuͤhrt, daß man, so wie sich seine Hoͤhe vergroͤßert, die Breite desselben nach beiden Boͤschungen, welche der Damm an der Brust- und Ruͤckenseite erhalten soll, vereiniget. Diese Ver- minderung der Breiten bei der wachsenden Hoͤhe, kann man auf die Art vornehmen, daß man schich- tenweise auf 2 bis 3 Fuß, so wie des Dammes Hoͤhe waͤchst, etwas weiter in den Damm herein ruͤckt. Hiedurch erhaͤlt demnach der Damm an- fangs ein treppenfoͤrmiges Ansehn bei seiner Be- arbeitung, wie Figur 47 im Profile zeigt. Bei dieser Art, den Damm aufzufuͤhren, und die Schuttarbeit zu verrichten, hat man allezeit den benoͤthigten Raum sowol fuͤr die Arbeitsleute, als auch fuͤr die Wagen und Karren. Der Damm selbst aber gewinnt durch das Verfahren auch an Festigkeit. Denn durch das oͤftere Hin- und Her- gehen, Fahren, und Stampfen, werden alle auf den Damm aufgestuͤrzte Schichten recht derb und dicht auf einander gezwaͤngt, daß sich also der Schutt nicht so leicht von der Rasenbrust losziehen kann. Von Zeit zu Zeit werden nachher die an den Boͤschungen entstehenden Ecken, welche das treppenfoͤrmige Ansehn dem Damme geben, mit verschuͤttet, daß die ganze Boͤschungs-Ebne rich- tig zum Vorschein koͤmmt. Wenn man aber den Damm erst ganz, oder bis auf eine gewisse Hoͤhe auffuͤhrt, und sodann wie- wieder bestuͤrzt, daß die Breite desselben auch ver- groͤßert werde, so entsteht nie etwas Gutes; denn das angestuͤrzte haͤngt nie so fest mit dem schon in die Hoͤhe gebrachten Stuͤck Damme zusammen, als wenn jede Schicht und also alles gleich dort in Eins gearbeitet wird. Selbst dann, wenn das neu angestuͤrzte derb gestampft wird, (welches aber leider sehr selten zu geschehn pflegt,) zieht es sich dennoch loß, und verursacht Spalten zwischen der Thon- oder Rasenbrust. §. 106. Die so eben gedachten Spalten sind oft meh- rere Ruthen lang und tief. Sie werden unter den vorgenannten Umstaͤnden desto groͤßer und weiter, je hoͤher und laͤnger die Daͤmme sind. Sie haben oftermalen oben eine groͤßere Weite als ein Fuß betraͤgt, besonders wenn anhaltende Hitze waͤhrend der Arbeit eintritt. Sehr oft trift es sich, daß sich diese Spalten von selbst wieder ver- brechen, dann haͤlt es schwer sie ganz genau auszu- fuͤllen, und man hat Ursach mit Vorsicht zu Werke zu gehn, wenn man sie wieder fest verschließen will. Aehnliche Risse entstehen freilich bei den mei- sten Erd- und Schutt-Daͤmmen, die man ganz neu erbauet, und zwar auf gleiche Weise laͤngst der Thon- oder Rasenbrust hinaus. Da solche Arbeiten stets und mit Vortheil in der heißen Jahrszeit verrichtet werden, so trocknet der Schutt, Teichb. P der, der, gegen den Thon oder Rasen gerechnet, weit lockorer ist, auch weit leichter aus, als der Thon. Wenn er also an die Rasen- oder Thonbrust an- gestuͤrzt wird, so verbindet er sich nie so ganz ge- nau, als man wuͤnscht; und da gewoͤhnlicherma- ßen die Arbeiter auf dem Damme mehr an den Seiten herum gehen, mit Karren fahren ꝛc. so wird dadurch an diesen Stellen der Damm fester, auch der daselbst liegende Schutt schwerer gemacht, und durch die fortgepflanzte Erschuͤtterung von dem Fahren, die Trennung bewirkt, indem man die Rasenbruͤste ꝛc. mehr schont, und nicht zu sehr auf oder an ihnen faͤhrt und karret. Doch diese Risse sind mehr unbedeutend, und man darf ih- rentwegen eben nicht in großen Sorgen seyn. Nimmt man nicht gleich die volle untere Dammbreite vor, so haben auch die Arbeitsleute und die Fuhre nicht Raum genug, um sich bequem beregen und ihre Verrichtungen abwarten zu koͤnnen. Daraus entsteht denn nichts als nur Schaden und unnoͤthige Versaͤumniß. Die Steine — welche saͤmmtlich an die Ruͤk- kenseite der Daͤmme gerollt werden, wenn man sie mit bei dem Baue gebraucht, laͤßt man mit etwas ganz klarem Schutte uͤberstuͤrzen. Dieser rieselt zwischen die Oeffnungen der Steine von selbst hin- ein, zumal da ihm die Erschuͤtterung, welche die von Zeit zu Zeit weiter auf- und angestuͤrz- ten Steine verursachen, dabei sehr zu Huͤlfe kommt. Wenn Wenn es aber ja die Noth erforderte, die Steine mit in den Damm hinein zu bringen, weil der andere Schutt ziemlich rar ist, so muß man zu denen Steinen, die in den Damm selbst kommen sollen, nur solche auswaͤhlen, welche entweder der Wuͤrfelfigur ziemlich oder ganz nahe kommen, oder die sogenannten Platten bilden. Dann darf man sie aber dennoch nicht vorwaͤrts, sondern allezeit nur in das hinter der Thonbrust gelegene Stuͤck Damm bringen. Man thut dabei sehr wohl, wenn man sie laͤngst dem Damme hin, in ganz duͤnnen und gleich hohen Schichten vertheilt, daß sie den Damm nicht ungleich druͤcken. Wenn eine solche Steinschicht durch und durch gelegt ist, so uͤberstuͤrzt man sie alsdann mit feinerm Schutte, daß alles recht dicht werde, und zwar dreimal so hoch als die Steinschicht war. Deswegen muͤssen auch nie zwei Steinschichten unmittelbar auf ein- ander gelegt werden, weil sich da der Schutt nicht genug zwischen die Loͤcher einziehen kann, mit dem man die Steine bedeckt. Das Ueberstuͤrzen mit Schutt kann auch gleich beiher mit geschehen, so wie man die Steinschichten legen laͤßt. Die Plat- ten duͤrfen nicht an die Boͤschung gelegt werden, sonst schurren sie leicht an selbiger zum Fuße des Dammes hinab. Die Steine reihenweise an der Boͤschung hinaus zu setzen, und sie nachmals mit Schutt zu uͤberstuͤrzen, ist deswegen nicht dienlich, weil bei dem Ueberstuͤrzen des Schuttes hinter den P 2 Stei- Steinen viel Oefnungen entstehn, und viel Raͤn- der zum Vorschein kommen. §. 107. Allen aufgestuͤrzten Schutt laͤßt man von Leu- ten mit Kratzen, etwa zu 6 Zoll hohen Schichten aus einander ziehn. Wenn er auf diese Weise fein gleich geebnet ist, wird er mit Handstampfen oder Rammeln uͤberstampft. Derjenige Schutt, wel- cher vor der Thon- oder Rasenbrust zu liegen kommt, und die Brustseite des Dammes bilden soll, muß, weil er dem Wasser zunaͤchst koͤmmt, der bindigste und feinste seyn, und durchgehends 3 bis 4 mal uͤberstampft werden. Hinter der Thon- oder Rasenbrust wird der groͤbere hingestuͤrzt, und auch solcher, der sich fuͤr sich selbst nicht so stark verbindet, als der vorwaͤrts gebrauchte. Diesen uͤberstampft man bei ziemlicher Guͤte nur einmal, wenn er schlecht ist, 2 mal. Weil er sich aber nicht so derb zusammensetzt, und wegen seiner geringern Bindigkeit und Guͤte, an anderes Material nicht so leicht anhaͤngt, muß man erst hinter die Thon- oder Rasenbrust und zwischen ihr, einer Elle breit noch von dem vorerwaͤhnten besten und feinen Schutte anstuͤrzen, um die großen Spalten zu verhuͤten. Unmittelbar darf also der schlechte Schutt die Bruͤste nie beruͤhren. Bei dem Rammeln oder Stampfen stellt man 3, 4, 5, oder mehrere Leute, je nachdem sie des Rau- Raumes wegen stehen koͤnnen, neben einander an, und laͤßt sie mit den Rammeln das vorgegebene Stuͤck erst einmal ganz uͤberhin arbeiten. Dann laͤßt man ihnen, wo es noͤthig ist, eine 2te Abthei- lung von eben so viel Mann nachfolgen, oder die erste Abtheilung wieder da anfangen, wo sie bei dem ersten Gange den Anfang machte. Auf diese Weise behandelt man das vorgegebene Stuͤck 3 bis 4 mal, je nachdem es noͤthig ist. Von der- jenigen Abtheilung, welche das Stampfen besor- gen muß, kann gleich eine andere Abtheilung vor- auf gehn, welche auf der Rasenbrust Rasen, oder auf der Thonbrust Thon, ingleichen neben der Brust, Schutt oder Steine setzt, wie es just ver- langt wird; so kann eine Arbeit zugleich mit der andern verrichtet werden, welches immer das vor- theilhafteste ist. Man thut aber wohl, die Leute nicht gar zu dicht einander auf dem Fuße nach- folgen zu lassen, weil sie sich leicht versaͤumen. Das Aufstuͤrzen und Ausgleichen des Schuttes, kann auch ohnehin schneller verrichtet werden, als es die Stampfenden richtig zu bear- beiten vermoͤgen, wenn nicht Personen genug da- bei angestellt sind. Eine Vorsichtsregel ist noch noͤthig hier bei- zubringen. Wenn starker Regen kommt, und bei- des Thon und Rasen auf den Bruͤsten, wie auch der Schutt vor und hinter denselben sehr einge- naͤßt ist, so bekoͤmmt alles bei ploͤtzlich entstande- ner ner Hitze oder Winde, eine sehr starke Rinde. Bei Sonntagen, an welchen die Arbeit nicht fort- zugehen pflegt, ist dieß leicht moͤglich. Da muß denn allezeit bei Erneuerung der Arbeit, erst die hartgewordene Rinde durchgehends aufgehackt, und die Stuͤcke fein gleich und maͤßig groß ge- macht werden, so bindet das neu aufzufahrende Material nicht derb genug an die hartgewordene Rinde an. Besonders der Thon macht diese Be- handlung noͤthig. Auf die hier gezeigte Art und Weise, wird die Schuttarbeit am ganzen Damme durch alle Hoͤhen desselben hindurch verrichtet, und bedarf also keiner weitern Beschreibung. Da die Wasserabzuͤge zum Theil, gleich bei der Auffuͤhrung der Daͤmme von unten auf mit in Be- tracht kommen, so folgt ihrentwegen hier auch gleich das Nothwendigste. Doch soll ihnen zu mehrerer Uebersicht ein besonderer Abschnitt gege- ben werden. Drit- Drittes Hauptstuͤck. Specielle Beschreibung der Wasser- abzuͤge, ihrer Bauart und des weiter dahin gehoͤrigen . §. 108. Vom Striegel . Die Striegel sind bei allen Teichen eine so nuͤtz- liche als kostbare Vorrichtung. Das Wort Strie- gel , bezeichnet uͤberhaupt Abzuͤge bei Teichen, die man bequem aufthun und sperren kann, und durch die man alle gesammleten Wasser in seiner Gewalt hat. Hier ist also der Zapfen mit Zube- hoͤr, der Striegelschacht, die Gerenne, die Roͤ- schen, kurz alles dahin gehoͤrige unter dem Worte Striegel begriffen. Im engern Verstande versteht man unter Striegel, eigentlich den Zapfen selbst, benebst der dazu gehoͤrigen Ausgußoͤffnung, oder dem sogenannten Zapfenloche. Die letztere Be- deutung ist indessen die gewoͤhnlichste. Der Zweck der Striegel ergiebt sich aus der so eben angegebe- nen Beschreibung derselben. Fragt man wie vielerlei Arten von Striegeln es gebe, so laͤßt sich die Antwort wohl am besten aus der Lage der Striegel, und aus dem Mate- rial bestimmen, aus welchem sie hauptsaͤchlich er- bauet werden. Die Die Striegel nach ihrer Lage betrachtet, koͤn- nen theils vor den Damm, theils in den Damm, theils neben dem Damm gelegt werden. Die erstere Art pflegen einige Freistriegel zu nennen, andere geben ihnen auch wohl den Namen Moͤn- che . Doch verbindet man mit dem Worte Moͤn- nich, auch bisweilen noch einen andern Begriff. Die beiden letztern Arten erhalten gewoͤhnlich den Namen Striegel schlechthin, ohne daß man ihnen wegen ihrer Lage noch einen besondern Beinamen gaͤbe. Statt Striegel sagt man uͤberhaupt auch wohl nur Zapfen . Betrachtet man sie aber nach dem Material, aus dem sie bestehen, so kann man sie sowohl von Holz als von Stein verfertigen, und daher hat man hoͤlzerne und steinerne Striegel. Wenn man ihre Absicht einigermaßen erwaͤgt, so liegen sie ohnstreitig an demjenigen Punkte am zweckmaͤßigsten, wo man zu allen Zeiten, sowohl den kleinsten als auch den groͤßten Wasservorrath gaͤnzlich in seiner Gewalt hat. Dieß ist gewiß nir- gends anders der Fall, als wenn man sie an die- jenige Stelle bringt, wo das Wasser am laͤngsten im Teiche stehn bleibt, oder wo sich das Wasser am ersten zu sammlen pflegt, das heißt, an den tiefsten Punct des Teichraumes. Striegel, die von diesen tiefsten Puncten das Wasser abfuͤhren, nennt man Grundstriegel , oder Grundza- pfen . In großen Teichen aber pflegt man auch außer dem Grundstriegel, noch mehrere oder we- nig- nigstens noch einen andern Striegel anzulegen, je nachdem die Teiche viel oder wenig Zugaͤnge ha- ben. Diese laͤßt man die Wasser gemeiniglich bis auf eine gewisse Tiefe abzapfen, und gewoͤhnlich geschieht dieß bis auf 12 oder 16 Fuß uͤber dem tiefsten Puncte des Teiches. Dergleichen Striegel heißt man Helfstriegel, Beistriegel, Ne- benstriegel , auch wohl Oberstriegel . §. 109. An manchen Orten hat man die Gewohnheit, wenn mehrere Striegel vorhanden sind, den Grund- striegel unter das Wasser zu legen, so daß man erst die Wasser durch die Oberstriegel ablassen muß, ehe man zu dem unter Wasser gelegenen Grund- striegel kommen kann. Es will aber dies mehr nachtheilig als vortheilhaft scheinen; denn man kann einen solchen Striegel, wenn der Teich voll ist, gar nicht brauchen. Fuͤr den Fall der Noth ist er demnach als gar nicht vorhanden anzusehen. Man muß daher billig auch die Grundstriegel bis zur Kappe heraus, uͤber den hoͤchsten Wasserstand in die Hoͤhe gehen lassen, oder die Helfstriegel bis auf den tiefsten Punct des Teiches niederfuͤhren, so daß sie also auch Grundstriegel werden. Denn je hoͤher das Wasser steht, und je tiefer es also abgezapft werden kann, desto mehr und desto schnel- ler fließt es aus. Dadurch daß man die Grundstriegel unter Wasser legte, suchte man das vielleicht am meisten zu zu bewirken, daß keiner, ohne Wissen und Willen der Teichbesitzer, die Grundstriegel ziehen koͤnne. Allein dieß kann man auf andere, eben so sichere und nuͤtzlichere Arten auch erhalten; diese Gewohn- heit ist daher ganz irrig und keinesweges nachzu- ahmen. Bei jedem Striegel hat man insbesondere zu bemerken, erstlich die Gerenne und den dazu gehoͤ- renden Wasserkasten; Zweitens den Zapfen oder den eigentlichen Striegel; Drittens den Striegel- schacht, oder Zapfenschacht; Viertens endlich bei solchen Striegeln, die nicht vor dem Damme liegen, die Striegelroͤschen. Jedes dieser Stuͤcke ist wichtig genug, daß ihm einige naͤhere Aufmerk- samkeit gegoͤnnet werde, und da alle diese Stuͤcke gleich von Anfange an, bei dem allmaͤhligen Auf- bauen und Erhoͤhen des Dammes, mit angelegt und besorgt werden muͤssen, so folgen sie auch hier in derjenigen Ordnung, wie man sie gewoͤhnlich an- zulegen pflegt. §. 110. A. Hoͤlzerne Gerenne, und zwar Grund- oder Teichgerenne. Mit diesem Namen bezeichnet man diejenige Rinne, die aus dem im Teichraum liegenden Was- serkasten hinweg, bis in den Damm hinein geht. Wenn also der Striegel im Damme liegt, ist sie zwischen dem Wasserkasten und dem Striegel- oder Zapfengerenne befindlich. Vermittelst des Grund- gerennes sucht man das Wasser aus den tiefsten Punc- Puncten des Teichraumes in das Zapfengerenne, und weiter fort aus diesem in das Abschußgerenne zu leiten. Liegt der Striegel vor dem Damme, so ist es mit dem Zapfengerenne (dessen Beschreibung unten folgt) ein und dasselbe, weil in diesem Falle der Zapfen vor dem Damme bei dem Wasserkasten liegt. Die Lage des Grund-Gerennes richtet sich alle- mal nach der Lage des Striegels, der nach dem Vorigen durch die Beschaffenheit des Thales, in dem man den Teich anlegt, bestimmt wird. Wo in diesem also der tiefste Punct, und also auch der Striegel ist, dahin muß auch das Grund-Ge- renne in seine Naͤhe kommen. Die Richtungslinie desselben muß allezeit auf die Richtungslinie des Dammes senkrecht seyn, sowohl um uͤberfluͤßigen Holzaufwand zu vermeiden, als auch aus dem Grunde, dem Wasser den Abschuß zu erleichtern. Schon aus der Ueberschrift dieses §. ergiebt sich, daß man diese Gerenne aus mehrerm Mate- rial machen koͤnne; wir bleiben indeß hier bei den hoͤlzernen stehn, da von den steinernen unten gleich- falls die weitere Beschreibung nachfolgt. Es bedarf keines weitlaͤuftigen Beweises, war- um das Eichenholz zu diesen Gerennen das beste sey; seine Dauer giebt ihm den Vorzug vor allen andern bei Wasserbauen. Das ellerne Holz, wenn es gehoͤrig stark und gesund anzutreffen ist, dauert in der Naͤsse auch sehr lang, ohne zu fau- len, und ist in dieser Ruͤcksicht gleichfalls sehr schaͤtz- schaͤtzbar und bei Gerennen zu gebrauchen. Je- doch da, wo es Lasten unterstuͤtzen soll, taugt es nicht viel, weil es sehr bruͤchig ist; und dieser Fall, wo das Holz Last tragen muß, kommt besonders bei den Gerennen, an den Deckeln derselben in Betracht. Zu diesen kann also das ellerne Holz nicht genommen werden, weil es uͤberdieß selten von genugsamer Staͤrke zu haben ist. Wo beide Holzarten, Eichen und Ellern, fehlen, muß man lieber gar keine hoͤlzernen Gerenne, sondern stei- nerne waͤhlen. Ein allgemeines Laͤngenmaas fuͤr diese Arten von Gerennen anzugeben, ist platterdings unmoͤg- lich, weil so mancherlei Umstaͤnde seine Laͤnge ab- aͤndern koͤnnen, wohin zum Exempel der Holzman- gel gehoͤrt. Kann man es irgend haben, so sucht man ein solch Stuͤck Holz aus, welches so lang ist, daß es in einem Stuͤcke von dem Wasserkasten fort, nach dem Teichraume zu, wenigstens noch 3 bis 4 Fuß in den Damm selbst hinein reicht. Ist der Damm sehr hoch, und seine Basis oder untere Damm- breite sehr breit, so wird man oftmals genoͤthigt, noch ein oder mehrere Stuͤcke anzuspunden, daß es bis zum Zapfengerenne voͤllig hinreiche. §. 111. Gemeiniglich legt man das Grundgerenne, 7 bis 8 Fuß vor die innere Boͤschungsebene des Dammes, in den Teichraum heraus. Der Grund hiezu ist der, weil das Wasser mit der Zeit etwas von von der Boͤschung der Erd- und Schuttdaͤmme aus- spuͤlt, und bei Daͤmmen, die keine Terraßmauern haben, wenn des Grundgerennes Anfang gar zu nahe am Damme laͤge, solches in kurzem ganz und gar zuschlaͤmmen wuͤrde, ohne daß man es eben hindern koͤnnte. Die innere Weite des Gerennes (im Lichten) ist gewoͤhnlich 12 Zoll. Doch noͤthigt der Man- gel an starkem Holze an mehreren Orten, auch nur mit 10 Zoll vorlieb zu nehmen. Ehedem konnte man sie viel weiter machen, und man fin- det deren 20 bis 22 Zoll weit. Die Backen , das sind die senkrechten Seiten des Gerennes, so auch den Boden desselben, macht man nicht gern unter 6 Zoll dick, sondern wo moͤglich staͤrker als schwaͤcher. Die Tiefe dieses Gerennes ist gewoͤhn- lich seiner Weite gleich. Der ganze Baum, aus dem ein solch Grund- gerenne ausgehauen werden soll, muß zuvor ge- nau vierkantig beschlagen seyn. Alles weiße Holz muß man rein von ihm abarbeiten lassen, denn dieses hat gar keine Dauer; binnen wenig Jahren ist es wie abgefault. Das Kernholz aber wider- steht der Faͤulniß außerordentlich. Zu diesem Be- schlagen wird aber ein Baum erfordert, der ein Betraͤchtliches staͤrker ist, als das Gerenne, das man will machen lassen. Ein Baum, der beschlagen ein bestimmte Dicke haben soll, muß wenigstens um ⅓ der bestimmten Dicke im Durchmesser staͤr- ker seyn. So So wie das Gerenne ausgehauen und ganz fertig geworden ist, muß man es, wenn es nicht moͤglich seyn sollte, solches sogleich an seinen rech- ten Ort und Stelle zu bringen, einstweilen in das Wasser legen. Jedoch muß dieß so geschehn, daß es ganz und gar vom Wasser bedeckt werde. Dieß dient dazu, daß das Holz keine Spalten oder Risse bekoͤmmt, wenn starke Hitze entsteht, oder scharfe Winde wehen. Wenn der Baum noch voll Saftes und nicht in der rechten Zeit des Baͤume- faͤllens gehauen ist, (im Dezember, wiewohl einige Neuere das Gegentheil behaupten) wird diese Vor- sicht desto noͤthiger. Bei Mangel des Wassers muß wenigstens der ausgehauene Baum in starken immerwaͤhrenden Schatten gebracht werden. §. 112. Hat man den Grundgraben so weit ausgesetzt, daß er mit dem Teichgrunde gleich geworden ist, so schreitet man dazu, das Grundgerenne wirklich zu legen. Da solches die Lage und den Abfall so- wohl des Zapfen- als auch des Abschußgerennes bostimmt, ingleichen auch die Striegel-Roͤsche, so ist es eine nothwendige Regel, allezeit mit dem Grundgerenne den Anfang zu machen, und wenn diesem sein rechter Platz angewiesen ist, die an- dern Gerenne hinterdrein zu legen. Ihrer Absicht gemaͤß, muͤssen die Grundgerenne allezeit so ge- legt werden, daß dasjenige Ende derselben ( a in Figur 34), welches in den Wasserkasten hinein- koͤmmt, koͤmmt, etwas hoͤher zu liegen komme, als das hintere Ende b, (in Figur 35 sieht man dieß im Profile am deutlichsten), welches in den Damm hin- ein gehen soll. Diese Erhoͤhung des Grundgerennes ist aber deswegen wirklich noͤthig, weil theils das Wasser besser nach dem Abzugs- und Zapfengerenne hinab schießen kann, theils wegen der bei jedem Teiche gewiß erfolgenden, und nicht aus den Augen zu setzenden Verschlaͤmmung, endlich auch deswegen, weil jedes Gerenne, vermoͤge seiner ihm eigenen Schwere, sich mit der Zeit von selbst etwas zu senken pflegt, oder wie die Arbeitsleute sagen, sich in den Boden einliegt . Man muß also gleich beim Legen des Grund- gerennes hierauf Bedacht nehmen, und es uͤber die Sohle des Dammes und des Teichraumes so viel erhoͤhen, daß es nachmals, wenn die vorge- nannten Umstaͤnde erfolgt sind, dennoch genug Abzug oder Roͤsche behalten moͤge. Wie viel eigentlich diese Erhoͤhung des Grund- gerennes an seinem Ende a, gegen das hintere Ende b betragen solle, kann man nicht wohl allgemein bestimmen, da die Mitwirkung der genannten Um- staͤnde sehr veraͤnderlich seyn kann. Z. E. Haͤtte man viel Verschlaͤmmung vor den Widerlagen des Teiches zu befuͤrchten, oder drohen die Wasserzu- gaͤnge sehr damit, so ist augenscheinlich, daß man die Erhoͤhung vergroͤßern muͤsse, da sie gegen- theils bei guͤnstigen Umstaͤnden nur geringe seyn kann. kann. Eine richtige Beurtheilung muß hier die beste Lehrerin seyn; die meisten Praktiker nehmen indeß diese Erhoͤhung zwischen 12 bis 18 Zoll an, und uͤberschreiten beide Graͤnzen nicht leicht ruͤck- noch vorwaͤrts. An demjenigen Ende, wo das Grundgerenne in den Wasserkasten kommen soll, legt man es auf die Unterlage auf, uͤber welcher der Wasserkasten an- gelegt werden soll. Diese Unterlage besteht aus 4 kleinen, 10 bis 12 Zoll ins Quadrat starken, und und 5 Fuß langen eichenen Schwellchen, die an den Enden zusammengeplattet sind, um ein Gevier- tes zu bilden. Figur 32 zeigt sie im Grundrisse. Dieses Gevierte o p q r, wird da, wo der Wasser- kasten hinkoͤmmt, nach Figur 34 hingelegt, und zwar so tief, daß, wenn das Gerenne darauf ge- bracht wird, letzteres den gehoͤrigen Abschuß er- halte, der nach dem obigen deßfalls Gesagten zu be- stimmen ist; wie Figur 35 zeigt. Das Gevierte wird so gelegt, daß es Grund genug habe, und sich nicht leicht mit seiner Lage verruͤcken, oder heraussenken moͤge. Zu dem Ende kann es mit großen und starken Steinen untermauert, das in- nere Viereck aber mit kleinen Steinen ausgemauert werden. Auf dieß Gevierte wird hierauf das Grundge- renne mit einem starten eisernen Nagel aufgena- gelt. Es ist aber besser, diese Befestigung des Grundgerennes an das Gevierte, von außen als in- innerhalb des Gerennes zu bewerkstelligen zu su- chen, weil das Holz weniger leidet. Da wo das Grundgerenne in den Damm zu liegen kommt, wird es gleichfalls auf eine Unterlage, die eben auch aus einem 16 bis 18 Zoll starken Schwelligen besteht, aufgelegt. In Figur 35. 36. ist diese Unterlage bei c zu sehn. Auch hier- auf wird das Gerenne aufgenagelt, um ihm eine desto sichrere Lage zu geben. Man laͤßt auch wohl das Gerenne erst in die Unterlage ein, und nagelt es dann auf. Unterwaͤrts wird sodann das Gerenne noch mit Rasen unterstoßen, jedoch mit der gehoͤrigen Vorsicht, daß es nicht in Anse- hung der ihm zukommenden Erhoͤhung verruͤckt werde, oder solche uͤberschreite und eine unrechte Lage bekomme. §. 113. Ist man mit der eben beschriebenen Arbeit ganz fertig, so muß alsdann das Grundgerenne zuge- deckt werden. Dieß geschieht mit eichenen 6 Zoll starken ganzen Bohlen, oder auch nur mit Boh- lenstuͤcken, welche die besagte Dicke haben. Die Laͤnge der Bohlenstuͤcke (sie muͤssen queer uͤber die Gerenne gelegt werden, so daß ihre Holzfaͤden mit denen des Grundgerennes rechte Winkel machen) wird durch die Breite des Grundgerennes bestimmt. Ihre Breite selbst richtet sich nach der Beschaffen- heit des Holzes, aus welchem man sie schneiden muß. Oft sind sie bis 24 Zoll, und noch druͤber, Teichb. Q breit. breit. Sind aber ganze Bohlen von solcher Breite zu bekommen, daß sie gesaͤumt uͤber das Gerenne voͤllig uͤberreichen, so nimmt man diese freilich lie- ber als Bohlenstuͤcke. Denn bei letztern hat man mehr zu nageln und auch mehrere Fugen. Dage- gen aber werfen sich die Bohlen gern, wofern man sie nicht dick genug gelassen hat, oder sie sattsam befestigt. Die Bohlen selbst werden, so lang als man sie haben kann, nach dem richtigen Winkel zu- geschnitten und aufgepaßt. Damit aber die Dek- kel der Gerenne, sie moͤgen von Bohlenstuͤcken, oder von ganzen Bohlen gemacht werden, die Ge- renne genau verschließen, muͤssen sowohl die Bak- ken des Gerennes, als auch die Deckel selbst, da wo sie auf die Backen aufzuliegen kommen, ganz genau abgehobelt werden. Eben dieß muß mit den Seitenkanten der Deckel — wo einer an den an- dern anzuliegen kommt, geschehen. Zu dem En- de spundet man sie auch wohl hier mit dem soge- nannten Wasserspunde zusammen; eine Art von Zusammenfuͤgung, welche alle gelernte Zimmer- leute verstehn. Oder man behobelt erst beides, die Backen und Deckel, und legt Schilfblaͤtter dazwi- schen, bevor man sie aufnagelt. Die im Vorigen gegebene Erinnerung, das weiße Holz, bei eichenem, von dem Kernholze zu trennen, und nicht mit bei der Verarbeitung zu gebrauchen, findet gleichfalls hier, und uͤberhaupt bei allen Holzarbeiten statt. Pas- Passen nun die Deckel genau zusammen, so- wohl an einander, als an das Gerenne, so wer- den solche mit tuͤchtigen eisernen Nageln, welche wenigstens eine Laͤnge von 12 Zoll hierzu haben muͤssen, auf die Backen aufgenagelt. Indessen muß, ehe noch wirklich die Deckel laͤngst dem gan- zen Gerenne hinaus aufgelegt werden, noch eine andere Arbeit mit besorgt werden; man muß nem- lich den Wasserkasten gehoͤrig vorrichten. Dieß ist ein, vor der im Teichraume liegenden Oeff- nung des Grundgerennes, befindlicher Kasten, 4 Fuß hoch, lang und auch breit, e f g h in Figur 36. An seinen Seiten ist er mit Loͤchern durch- bohrt. Er soll dazu dienen, die Oeffnung des Grundgerennes, welche leicht durch eingespuͤltes Reisig und andern Unrath verstopft werden koͤnnte, voͤllig frei und offen zu erhalten, damit das Was- ser ungehindert in das Grundgerenne eindringen kann. Die Bohlen, von denen der Wasserkasten gemacht werden soll, muͤssen nach dem so eben er- waͤhnten, 4 Fuß volle Laͤnge haben, 4 bis 6 Zoll dick seyn, und 16 bis 18 Zoll in die Breite mes- sen. An den Enden werden die Bohlen so zusam- mengefuͤgt, daß sie auf das Gevierte r q, welches die Unterlage abgiebt, (Figur 36) genau und rich- tig aufpassen. Auf diese Unterlage werden die Bohlengevierte mit starken Klammern, oder auch mit Bankeisen seitwaͤrts wohl verwahrt, daß es ihnen unmoͤglich wird, irgendwohin auszuwei- chen. Q 2 §. 114. §. 114. Oben auf den Deckel des Wasserkastens macht man eine Fallthuͤre, die nach Belieben, wenn der Teich abgelassen ist, geoͤfnet werden kann. Sie muß eine so große Oeffnung machen, daß ein er- wachsener Mensch im Stande ist, durch sie hinein- zusteigen, und das Innere des Kastens allenfalls vom Schlamme zu saͤubern. Die in die Seiten und in den Deckel des Wasserkastens gebohrten Loͤ- cher, muͤssen zum wenigsten einen Zoll im Durch- messer haben, rund, voͤllig offen seyn, und auch nicht zu sparsam eingebohrt werden, damit das Wasser leicht und auch in sattsamer Menge eindringen koͤnne. Statt dieser Loͤcher, lange und schmale Spal- ten in den Wasserkasten einzuschneiden, ist nicht dienlich; denn durch diese kann schon viel Unrath in den Wasserkasten hinein gehn. Die Loͤcher werden reihenweise in die Bohlen des Wasserkastens gebohrt, und jede Reihe erhaͤlt von der andern, 6 bis 8 Zoll Entfernung. Man bohrt sie gern uͤbers Kreuz, oder in Quincuncem gegen einander, doch seitwaͤrts in den Kasten meh- rere Loͤcher als in den Deckel desselben. Die seit- waͤrts angebrachten Loͤcher verstopfen sich durch die in dem Wasser zu allen Zeiten befindlichen klei- nen Zasern u. s. w. weit weniger, als die in den Deckel eingebohrten. Haͤtte man kein solch starkes Holz und von kei- ner solchen Laͤnge, daß man das Grundgerenne aus einem einzigen Stuͤcke machen koͤnnte, so legt man, bei bei der Zusammensetzung zwoer Stuͤcken, das zweite, welches die sehlende Laͤnge des erstern er- gaͤnzen soll, unter das erste so unter, daß dadurch letzteres in dieß zweite Stuͤck Gerenne wie gewoͤhn- lich eingelassen wird. Ihren Wechsel , das ist, den Ort, wo beide Gerenne an einander stoßen, muß man sehr genau verwahren, damit an dieser Stelle kein Wasser durchziehe. Unter den Wechsel selbst muß jederzeit eine Un- terlage untergelegt werden, welche so breit und so stark ist, daß beide Gerennstuͤcke auf ihr ruhen koͤnnen. Eine Staͤrke von 16 bis 18 Zollen ins Gevierte, reicht hiezu voͤllig hin. Hat man Grund, zu befuͤrchten, das Gerenne moͤchte sich seitwaͤrts ziehen, so kann man dieß durch etliche an den Backen der Gerenne einge- schlagene, 8 bis 9 Fuß lange und eben so viel Zoll dicke Pfaͤhle, zu verhindern suchen, und dadurch die Gerenne noͤthigen in den ihnen angewiesenen Lagern zu bleiben. Dasjenige Stuͤck, welches von dem Grundge- renne in den Damm hinein zu liegen kommt, wird sowohl seitwaͤrts als auch von oben auf den De- ckel, aͤußerst dicht mit Thon (einen Fuß bis 15 Zoll stark) und hinter diesem 2 Fuß stark mit Ra- sen versetzt. Dann wird alles uͤberhaupt derb uͤberstampft, und das Gerenne liegt nun gleichsam in einem dichten Futter von Thon und Rasen ein- gemauert. §. 115. §. 115. Wegen der Grundgerenne merke man schluͤßlich noch dieses: Waͤren gar keine Baͤume von einer sol- chen Staͤrke zu haben, daß sie die benoͤthigte Aus- hoͤhlungsweite und erforderliche Dicke der Backen verstatteten, und man wollte doch auch keine steiner- nen Gerenne nehmen, so kann man diese Gerenne aus geschnittenen Bohlen zusammensetzen, welche die benoͤthigte Dicke haben. Man sieht gleich ein, daß diese sehr sorgfaͤltig gearbeitet seyn, und Stuͤck- weise auf, unter, und an einander verwahrt wer- den muͤssen. Dieß uͤberhaupt zu bewerkstelligen, verfaͤhrt man mit ihnen auf gleiche Weise, wie vor- hin bei den Deckeln ist gezeigt worden, legt erst die Bodenbohle, dann auf solche die Seitenbohlen, uͤber diese endlich die Deckelbohle. Die vorherge- hende wird allezeit in die folgende unterwaͤrts gele- gene, eingelassen, und unter jeden Wechsel kommt eine Unterlage. Da wo die Seitenbohlen auf die Bodenbohle aufzuliegen kommen, muß letztere et- was ausgefalzt seyn, so schließt alles besser an; das Naͤmliche muß auch mit dem Deckel geschehn. Zu mehrerer Sicherheit legt man in bestimmten Wei- ten (gemeiniglich so weit als die Bohlen lang sind) eiserne Ringe um sie, die man vermoͤge eiserner Splitter, nach Belieben mehr oder weniger veren- gen und anziehn kann. Die Ringe muͤssen zu dem Ende so gemacht werden, daß sie aus 2 Stuͤcken bestehen, aus einem, welches unter das Gerenne und ei- einem, welches uͤber das Gerenne zu liegen kommt. Es ist am besten, diesen Ringen solche Schloͤsser zu geben, wie man sie an Ringen, die um starke Wel- len gelegt werden, zu machen pflegt. Dann las- sen sie sich sehr stark anziehen. Die Ringe wer- den fuͤglich uͤber die Wechsel gebracht; denn kom- men sie in die Mitte der Bohlenstuͤcke, so ziehn sich allezeit die Enden derselben uͤber den Wechseln et- was loß, und da beduͤrfen die Gerenne ohnehin die meiste Verwahrung. Damit sich die Bohlenstuͤcke nicht der Laͤnge nach in den Wechseln aus einander dehnen, so hef- tet man sie mit eisernen Klammern zusammen. Dieß muß ohnedem allezeit da, wo Wechsel sind, ge- schehen, um sie gut im Schlusse zu erhalten. Kleine Oeffnungen, die sich bei den Gerennen finden, kann man entweder mit einer Mischung von geschmolzenem Pech und Harze, zu gleichen Thei- len genommen, (worunter etwa ⅙ des gesammten Gewichtes, Terpentin kommen kann) ausgießen, oder welches noch besser ist, mit kleinen breiten, sehr duͤnn zulaufenden scharfkantigen Keilen aus- keilen. Hiebei muß man Acht haben, daß das Holz zum Gerenne und zu den Keilchen selbst, recht trocken ist, und daß durch uͤbermaͤßiges Antreiben der Keile die Oeffnungen nicht groͤßer statt kleiner gemacht werden. Die Keile darf man also nur da stark gebrauchen, wo das Holz eine sehr ge- naue Verbindung von außen hat, und vermoͤge dieser im Stande ist, einer betraͤchtlichen Gewalt zu zu widerstehen, welche seine Trennung bewirken moͤchte. Da das Grundgerenne von einer gewoͤhnlichen Renne, seiner Form nach gar nicht verschieden ist, und leicht von jedem Zimmermann ausgehauen wer- den kann, wenn er nur die gegebenen Maaße bei- behaͤlt, so waͤre eine weitere Beschreibung desselben vergeblich, zumal da Figuren davon gegeben sind. §. 116. 2) Zapfen- oder Striegelgerenne. Unter dem Zapfengerenne versteht man dasjenige Gerenne, in welchem das Zapfenloch ist. Es dient insbesondere dazu, daß man mittelst des in ihm befindlichen Zapfenloches und des Zapfens, die Wasser halten und gehn lassen kann, je nach- dem man durch das Herausziehen oder Niederlassen des Zapfens, das Loch, und also dem Wasser den Durchgang, oͤfnet oder verschließt. Dieß Zapfenge- renne wird in der nehmlichen Richtung fortgelegt, in der gleich anfaͤnglich das Grundgerenne gelegt wur- de. Wo Striegelschaͤchte sind, da geht es allezeit mit- ten und unter ihnen durch, auf der Dammsohle fort bis ins Abschußgerenne. Liegen aber die Striegel vor den Daͤmmen, wodurch die Striegelschaͤchte ent- behrlich gemacht werden, so wird das Zapfenge- renne auch zum Grundgerenne, und letzteres faͤllt daher weg, weil beide nun in einem Stuͤcke ver- einigt sind. Bei seiner Lage hat man noch fer- ner denjenigen Punct, wohin das Zapfenloch (von dem dem kurz nachher die Rede seyn wird) kommen soll, zu bemerken. Bei Striegelschaͤchten, die man in die Daͤmme selbst bringen will, muß nemlich das Zapfengerenne so liegen, daß das in ihm be- findliche Zapfenloch, nebst dem uͤber ihm aufzufuͤh- renden Zapfenschachte, (Striegelschachte) wenig- stens 3 bis 4 Fuß vor der Rasenbrust auf der Kappe zu liegen komme. Hiebei ist die Aufreis- sung eines Profils queer durch den Damm und durch den Zapfenschacht, sehr dienlich. Das Laͤngenmaas der Zapfengerenne koͤnnte man bei hoͤlzernen Gerennen, fuͤr große und kleine Teiche ein und dasselbe seyn lassen, wofern man nur diese Laͤnge auf die Art bestimmte, daß sie dem Striegelschachte im Damme seinen gehoͤrigen Platz anwiese, und zur Befestigung des Gerennes voͤllig hinreichend waͤre. Unter 8 Fuß Laͤnge wuͤr- de man sie freilich nicht machen duͤrfen, sollen die Gerenne anders unter dem Striegelschachte vor- und ruͤckwaͤrts so fest verwahrt werden koͤnnen, daß sie sich nie verruͤcken. Allein es stehen man- cherlei Hindernisse im Wege, die eine allgemeine Laͤnge desselben nicht wohl moͤglich machen. Von diesen soll z. E. nur folgendes bemerkt werden. Da groͤßere und hoͤhere Daͤmme eine breitere Ba- sis, als kleinere und niedrige erfordern; da ferner, wie unten weiter gezeigt werden soll, der Striegel- schacht in einem Damme, 3 bis 4 Fuß vor die Rasen- oder Thonbrust vorwaͤrts gelegt wird, end- lich aber das Holz von einer solchen Staͤrke und belie- beliebigen Laͤnge, als man es zu diesem Gerenne braucht, selten anzutreffen ist, so werden sie bald laͤnger bald kuͤrzer gemacht. Man muß aber so- wohl bei diesen, als den vorbeschriebenen und fol- genden Gerennen immer dahin sehn, die mehrern Zusammenstuͤckungen der Gerenne zu vermeiden, theils weil die Wechsel allemal eine Schwaͤche ge- ben, theils auch, selbst wenn sie noch so accurat gearbeitet und gut verwahrt sind, dennoch immer am ersten leiden, und den Schaden fortpflanzen. Die Hoͤhe der Zapfengerenne richtet sich nach derjenigen, welche das Grundgerenne hat, und muß in der Regel allezeit dieser gleich seyn. Eben dieß gilt von der Weite des Zapfengerennes. Den Backen und den Boden desselben, giebt man glei- chergestalt wie dem andern, nicht unter 6 Zoll Dicke, damit sie etwas ausstehen koͤnnen und desto laͤnger dauerhaft bleiben. §. 117. Man kann das Zapfengerenne nie eher legen, als bis des Grundgerennes Lage voͤllig bestimmt ist. Wenn aber die letztere berichtigt worden, so schadet es nicht, Grund- und Zapfengerenne zu gleicher Zeit zu legen, wenn zuvor die gehoͤrigen Vorberei- tungen gemacht sind. Dem zufolge ist es nicht undienlich, einiges uͤber die Bearbeitung des Zapfengerennes, und seine Verfertigung beizu- bringen. Wenn Wenn der Baum, aus welchem das Zapfen- gerenne ausgehauen werden soll, zwar beschlagen und gevierkantet, dennoch aber noch nicht ausge- hoͤhlt ist, so mißt man an dem untern Ende des Baumes, (dem Stammende,) wo das Holz am staͤrksten ist, wenigstens 3 Fuß herauf, und setzt alsdann das Holz 2 Fuß lang ab, wie Figur 37 zeigt. b c muß also just die Laͤnge, Breite und Dicke eines Deckels haben, und wenn es die Staͤr- ke des Holzes gestattet, lieber noch etwas mehr Dicke bekommen. Es stellt auch in der That nichts anders als einen Deckel des Gerennes vor, durch welchen nur das Zapfenloch kommen soll, und der gleich an dem Gerenne selbst gelassen ist, statt daß die andern Deckel erst aufgenagelt werden muͤssen, um das Gerenne hinlaͤnglich zu bedecken und satt- samen Halt zu haben. Um aber dieß Stuͤck b c, im Ganzen an dem Zapfengerenne zu behalten, wird das unterste Ende des Gerennes g h herum gedreht, so daß diese unterste Seite desselben zu oberst kommt. Nun laͤßt man das Gerenne von e f nach b c aushauen, da es vorher von a d nach g h ausgehauen wurde. Figur 38 zeigt diese Ansicht des so bearbeiteten Gerennes, von unten, so wie Figur 39 die Ansicht des Gerennes von oben, wenn es fertig ausgehauen ist. Das Stuͤck g e in Figur 38 bleibt wie der uͤbrige Theil f h im Ganzen, zum Boden des Geren- nes. Damit nun der Boden des Gerennes wieder ganz zugemacht werde, bedeckt man das Stuͤck e f in Figur 37, so dicht als moͤglich, mit einem ein- einzigen Deckel. Diesen Deckel paßt man auf die Oeffnung im Boden des Gerennes sehr genau auf und ein, und befestigt ihn nachher mit eisernen Klammern an die Renne. Andere hauen auch wohl das Zapfengerenne auf die Art aus, wie Figur 40. 41. 42 zeigt, wo alsdann b c und e f zum wenigsten 5 Fuß lang werden. Dort ist Figur 40 ein Profil, Fig. 41 giebt eine Ansicht des fertigen Gerennes von unten, und Figur 42 eine Ansicht des fertigen Gerennes von oben; das schwarze im Kupfer bedeutet in allen Figuren das Zapfenloch. Es ist willkuͤhrlich, welche von diesen Arten, die Gerenne zu verfertigen, man waͤhlen will. Das Holz, welches ausgehauen wird, muß vor Rissen bewahrt werden, weil sich diese nicht wohl verstopfen lassen. In den Deckel b c koͤmmt so- dann das Zapfenloch . Dieß ist eine viereckte, oder auch kreisfoͤrmige Oeffnung, in welche der Zapfen eingelassen werden soll, um dem Wasser den Abzug zu verwehren. Man thut wohl, sie gleich bei der voͤlligen Ausarbeitung des Gerennes aus dem ganzen Baume, ganz fertig mit aushauen zu lassen, und die Kreisform waͤhlt man deshalb lieber als die eines Quadrates, weil sich bei letzte- rer die Ecken an den Zapfen leicht abarbeiten, stumpf werden, und das Loch nicht mehr so genau verschließen. Dieß ist bei runden Zapfen nicht der Fall. Die obere Oeffnungsweite des Zapfen- lochs macht man um 1 Zoll ins Quadrat, oder im Durch- Durchmesser, weiter , als die des Zapfengeren- nes selbst ist. Daher muͤssen auch die Backen des Gerennes an dieser Stelle etwas staͤrker genommen werden, daß da, wo das Zapfenloch hinkoͤmmt, noch Holz genug bleibt. Bei runden Loͤchern macht man deswegen an der Stelle, wo das Zapfenloch eingehauen werden soll, das Zapfengerenne etwas enger , um desto mehr Holz zu bekommen fuͤr die Backen. Dieß kann man auch bei viereck- ten Loͤchern beobachten. Unterwaͤrts laͤßt man die Oeffnung etwas konisch, oder pyramidenfoͤrmig bei viereckten Loͤchern, zulaufen, so daß der untere Durchmesser des Zapfenlochs von dem obern etwa ½ Zoll verschieden ist. Auf diese Art gearbeitet, wird das Zapfenloch (wenn der Zapfen auf aͤhn- liche Weise gearbeitet ist,) sehr dicht verschlossen. Es finden sich aber auch noch andere Gruͤnde und Um- staͤnde, von denen weiter unten die Rede seyn wird, welche diese Form der Zapfenloͤcher noͤthig machen. §. 118. Zur Vorbereitung laͤßt man, bevor der wirk- liche Anfang mit dem Legen des Zapfengerennes gemacht wird, erstlich da, wohin der Striegel- schacht kommen soll, ein aͤhnliches Gevierte von eichenen Schwellen legen, wie oben bei dem Was- serkasten beschrieben ist. Doch wird jetzt staͤrkeres Holz genommen, als bei dem ebengenannten, und die Dicke und Hoͤhe dieses Schwellholzes kann 16 bis bis 18 Zoll seyn; die Laͤnge der Schwelligen haͤngt von der Weite ab, die man dem Striegel- schachte zu geben gedenkt. Gewoͤhnlich besteht sie in 5 Fußen, damit die kleinen Schwellen gut zu- sammen gekammt werden koͤnnen, und die Striegel- schachtgevierte sicher auf ihnen ruhen moͤgen. Ueber diese Unterlage koͤmmt alsdann das Zapfen- gerenne zu liegen, und zwar so, daß das Zapfenloch just in die Mitte des Striegelschachtes, also auch just auf das Centrum oder die Mitte der Unterlage, zu ruhen kommt. Man muß dieß Zapfengerenne gleichfalls so lagern, daß es nach dem Abschußgerenne etwas weniges Abfall oder Roͤsche hat. Zu dem Ende legt man es entweder unter das Grundgerenne, und dieses in jenes hinein, oder man stoͤßt eines ans andere genau an; in diesem letztern Falle schaͤrft man die beiden Gerenne, das Grundgerenne von außen, das Zapfengerenne dagegen von innen ab, daß man sie beide genau in einander hinein schie- ben kann. Dann laͤßt man sie noch stark zusam- menklammern, und die Wechsel dicht verstopfen. Da man das Zapfengerenne auf aͤhnliche Art wie das Teichgerenne bedeckt, mit hoͤlzernen Dek- keln, Thon ꝛc. so hat auch deswegen hier alles das- jenige seine volle Anwendung, was im 113 §. von den Deckeln und §. 114 von dem Thone ge- sagt ist, ferner das im Betreff der Befestigung und Bearbeitung derselben Angefuͤhrte. Aus Aus Vorsicht verwahrt man auch wohl den Deckel c mit eisernen Baͤndern, die uͤber ihn hinweg gehen, und seitwaͤrts an den Backen des Gerennes angenagelt werden. Die unter dem Zapfengerenne hohl gebliebenen Stellen unterstoͤßt man mit Thone, oder auch mit Rasen, auf die nemliche Weise, wie oben beim Grundgerenne ge- sagt ist. Einige suchen es auch wohl durch tief eingerammte Pfaͤhle zu verwahren, an welche oben nach Figur 33 queer uͤber das Gerenne hinweg, eine Zwinge von dem nemlichen Holze, von dem die Pfaͤhle gemacht sind, befestigt wird. Doch diese Vorrichtung will deshalb entbehrlich scheinen, weil die Last und der Seitendruck des die Gerenne umge- benden Rasens oder Thones allerwaͤrts gegen das Gerenne wirkt, so daß solches, wenn die Arbeit gut gemacht ist, sich weder von der Seite, noch ober- und unterwaͤrts ziehen kann, und unverruͤckt liegen bleiben muß. §. 119. 3) Abzugs- oder Abschußgerenne. Mit dem Namen Abzugs- oder Abschuß- gerenne bezeichnet man das jenige Gerenne, wel- ches von dem Zapfengerenne hinweg, durch den Damm vollends hindurch und zu Tage ausgeht. Es dient dazu, die Wasser, welche durch das Grund- gerenne in das Zapfengerenne gekommen sind, ganz durch den Damm durch zu fuͤhren, und sie im Freien ihrer weitern Bestimmung zu uͤberliefern. Gleich Gleich dem in dem §. 116. bis hieher beschriebe- nen, muß es mit dem Teich- oder Grundgerenne in einer Richtung fort liegen. Da die Striegel- roͤschen diesen Abschußgerennen sehr behuͤlflich sind, und solche sehr erhalten helfen, indem sie den Ge- rennen den Druck wegnehmen, wodurch diese nun nur noch wenig leiden, so werden sie groͤßtentheils von Holze, und nur selten von einem andern Ma- terial gemacht. Man kann zu ihnen weniger dau- erhafte Holzarten nehmen, ohne dieserwegen Ge- fahr zu besorgen zu haben; denn das Wasser laͤuft ja blos in ihnen ab, und da brauchen sie nicht so aͤußerst genau zusammengehalten zu werden. Das Abschußgerenne macht man fast nie aus einem Stuͤcke, es muͤßte denn bei sehr niedrigen Daͤmmen seyn, welche eine minder betraͤchtliche Breite haben, bei der ein sehr langes Stuͤck Holz ausreichen koͤnnte. Wenn man daher mehrere Stuͤcke zusammensetzen muß, so macht man, im Fall daß das Abzugsgerenne nicht aus dem Gan- zen ausgehauen werden koͤnnte, solches aus Boh- lenstuͤcken. Man schneidet also Bohlen von 4 bis 6 Zoll Dicke, und von einer solchen Breite und Laͤnge, als es das vorhandene Holz gestattet. Die- se fuͤgt man nachmals zusammen, daß sie die Ge- stalt einer Rinne bekommen. Da wo das Holz an oder auf einander kommen soll, muͤssen die im Vorigen schon erwaͤhnten Vorsichtsregeln, we- gen des Behobelns und Ausfalzens gleichermaßen beobachtet werden. Denn wenn zu viel Wasser durch durch die Rinne durchliefe, wuͤrde solches den un- ter dem Gerenne befindlichen Boden auswaschen, oder wo Thuͤrstoͤcke in der Striegelroͤsche stehen, solchen durch die viele Naͤsse Gelegenheit geben, sich zu verschieben, und Nachtheil zu verursachen. §. 120. Die Laͤnge des Abschußgerennes uͤberhaupt, ergiebt sich aus der Dicke des Teichdammes, und der Lage des Striegels, weswegen also etwas ganz Gewisses zu bestimmen unmoͤglich ist. Seine Weite dagegen ist die des Zapfengerennes; auch wohl nach dem Auslaufe zu aus dem Damme, noch et- was weiter. Die Hoͤhe desselben ist gleichfalls die nemliche, wie bei dem Zapfengerenne, noch lieber aber etwas groͤßer (etwa 3 bis 4 Zoll) weil das Wasser sprudelt, und leicht uͤberspritzt, wenn der Teich stark gezogen wird. Man legt es, so bald das Zapfengerenne hinlaͤnglich verwahrt ist, und giebt ihm gegen seine Ausgußmuͤndung, wenig oder gar keinen Abfall, daß es also beinahe oder ganz wagrecht liegt. Dieß geschieht aus dem Grunde, weil das Wasser eines Theils schon fuͤr sich stark genug treibt, und wegen des Druckes des im Teiche stehenden Wassers, schnell ausfließt; andern Theils deswegen, weil es sonst vor dem Damme bei der Ausgußmuͤndung, stark und tief auswaschen wuͤrde, wodurch mit der Zeit die Boͤ- schung des Dammes, so wie dieser selbst leiden koͤnnte. Teichb. R Un- Unter den Wechsel des Zapfen- und Abschuß- gerennes, ingleichen in der Mitte des letztern, legt man Unterlagen von 12 bis 14 Zoll starkem Holze unter, welche, nach Erforderniß der Umstaͤnde, laͤn- ger oder kuͤrzer als 4 Fuß gemacht werden. Un- ter die Ausgußmuͤndung des Gerennes koͤmmt eine aͤhnliche Unterlage. Auf besagte Unterlagen na- gelt man das Abschußgerenne, mit eisernen Na- geln, durch den Boden desselben auf; auch wird es an das Zapfengerenne angeklammert, wenn die- ses zuvor auf gleiche Weise ins Abschußgerenne eingelassen ist, wie nach dem vorigen das Teich- und Grundgerenne in das Zapfengerenne eingelas- sen wurde. Man muß auch dieses Gerenne wie bei den vorgenannten geschieht, bedecken; jedoch deckt man dasselbe, da wo Striegelroͤschen in den Damm kommen, vom Ende des Zapfengerennes angerech- net, nur 4 bis 6 Fuß lang zu, und der uͤbrige Theil des Abzugsgerennes nach der Ausgußmuͤn- dung desselben hinwaͤrts, bleibt oben offen. Falls aber keine Striegelroͤschen in den Damm kommen sollen, so muͤssen die Abzugsgerenne durchaus zu- gedeckt werden, welches nach Anleitung des Vori- gen geschieht. Besser ists alsdann, steinerne zu nehmen. Wenn nun auch dieß Gerenne voͤllig richtig gelagert ist, so wird es bei dem Wechsel mit dem Zapfengerenne, oben noch mit Thon und Rasen verstoßen und zwar so weit, als seine Bedeckung reicht. reicht. Der uͤbrige Theil desselben bleibt, ohne seitwaͤrts oder oben bestampft zu werden, frei liegen. Bei einem Abzugsgerenne von Bohlenstuͤcken, wuͤrden sich die Seitenbohlen, (oder die Backen) wenn sie von der Seite her keine Streben oder an- dere Befestigungsmittel haͤtten, frei sich uͤberlassen, leicht verziehen, ohnerachtet die Bohlen auf und an einander genagelt werden. Man bringt des- wegen in dem unbedeckten Theile des Abzugsgeren- nes noch sogenannte Zangen an, welche das Ge- renne sowohl aus einander, als zusammen halten, daß es also gar nicht im Stande ist, sich rechts oder links zu ziehen. Solche Zangen legt man in die Mitte und an die Enden der Gerenne; Figur 43 zeigt sie bei a b c an dem Gerenne. Im uͤbrigen sind die Abzugsgerenne, gemeinen Rinnen ganz aͤhnlich und gleichgestaltet, beduͤrfen daher auch keiner weitern Beschreibung. §. 121. Als einen kleinen Anhang zu dem, was bisher von den hoͤlzernen Gerennen uͤberhaupt gesagt ist, sey es erlaubt noch Folgendes beyzufuͤgen. Die Deckel der Striegelgerenne pflegen immer am er- sten bei hoͤlzernen Gerennen zu leiden und schadhaft zu werden. Die Gerenne selbst bleiben dagegen sehr oft noch gut, und koͤnnen noch eine geraume Zeit, ohne reparirt werden zu muͤssen, liegen blei- ben, wofern nicht besondere Zufaͤlle ihre Unbrauch- R 2 bar- barkeit beschleunigen. Selten liegen diese Deckel der Gerenne (die man auch Pfosten , jedoch ganz uneigentlich so nennt) laͤnger als 70 Jahre. Die meisten derselben werden vor dieser Zeit durch den Druck und die Naͤsse ruinirt, und dann ver- bricht das Gerenne. Dieß Verbrechen der Gerenne giebt eine kostbare, auch wohl gefaͤhr- liche Reparatur. Man muß in diesen Faͤllen groͤßtentheils die Boͤschungen des Dammes weit aufbrechen , und Einschnitte in den Damm machen, um nur erst zu dem schadhaften Gerenne und Deckeln gelangen zu koͤnnen. Solcher Schutt, Erdreich ꝛc. wovon man die Daͤmme zu machen pflegt, bleibt jedoch, wenn er tief ausgegraben wird, und man die Stoͤße meist senkrecht fuͤhrt, nicht gern fuͤr sich allein stehn. Es brechen daher von Zeit zu Zeit Lasten in die Einschnitte herein, und machen gedoppelte Arbeit, wenn man ihnen nicht fruͤh genug zuvor kommt, und das Herein- schießen verwehrt. Dieß geschieht durch das oben schon erwaͤhnte Abfangen . Hiedurch wird aber den Arbeitern der Raum gewaltig versperrt, so daß sie sich oftmals gar nicht weit beregen koͤn- nen, und wenig vollbringen. Koͤmmt vollends Regenwetter waͤhrend solcher Arbeit, so wird sie um desto schwerer, unsicherer, und kostbarer. Die zu machenden Einschnitte muͤssen also nicht senk- recht, sondern treppenfoͤrmig, und oben weiter als unten gemacht werden. Dadurch uͤberhebt man sich der meisten Schwierigkeiten. Figur 44 zeigt einen einen solchen Einschnitt, und Figur 45 einen feh- lerhaften. In beiden ist a b das Profil des Ge- rennes. Ist man mit dem gemachten Einschnitte, bis auf die Deckel oder das Gerenne niedergekommen, so wird der darauf sich noch befindende Schutt, Thon ꝛc. rein abgeraͤumt, alle Deckel visitirt, die schadhaften losgerissen, und an ihre Stelie neue eingewechselt, wenn anders das Gerenne noch brauchbar ist, und nicht etwa in kurzem ebenfalls einer Reparatur bedarf. Hat das Gerenne unter den Deckeln an den Backen etwas gelitten, so nimmt man erst das schadhafte Holz ab, und legt alsdann die neuen Deckel auf. Doch muß man hiebei darauf Acht haben, daß alsdann die Oeff- nungen der Gerenne nicht zu sehr verengt werden. §. 122. Ist aber das Gerenne selbst sehr schadhaft, so daß es keine Dauer mehr verspricht, dann ist es rathsam, die schadhaften Gerenne auch gleich mit herauszureißen, und an die Stelle der alten neue einzulegen. Hiebei sind dann alle im Vorigen bis hieher gegebenen Regeln zu beobachten. Will man aber unzeitig sparen, so brechen die alten Gerenne unter den neu aufgelegten Deckeln zusam- men, und in wenig Jahren muß die Arbeit doppelt vorgenommen werden, da man sie doch auf ein- mal, und mit halb so viel Kosten haͤtte bestreiten koͤnnen. Die Festigkeit der Daͤmme leidet bei sol- chen chen Gelegenheiten allemal, ein Umstand, den man durchaus nicht aus den Augen lassen sollte. Das Material, welches man in dergleichen Einschnitte, bei der Wiederausfuͤllung derselben, wieder von frischem hineinbringt, zieht sich jederzeit von dem alten Material des Dammes etwas loß, und macht Spalten. Denn da das alte Material im Dam- me sich durch die Laͤnge der Zeit dicht auf einan- der gesetzt hat, und der Luft, Regen und Hitze stark widerstehen kann, so muß das neu eingefuͤllte in dem Einschnitte, da es wieder ganz klein gemacht und also sehr locker geworden ist, selbst wenn man es noch so sorgfaͤltig bearbeitet, am ersten weichen und schwinden. Bekommen nun solche Spalten Gemeinschaft mit dem Striegelschachte, so koͤnnen sie, wenn dieser nicht recht dauerhaft und wohl verwahrt ist, gefaͤhrlich werden, weil man, wenn Wasser im Teiche ist, nicht zu der gefaͤhrlichen Stelle kommen und sie verstopfen kann. Das Wasser wird also anfangen zu wuͤhlen und am Ende das eingesetzte Stuͤck gar herauswerfen; wie ich selbst aus Erfahrung bezeugen kann, gieng im Jahre 1787 ein ansehnlicher Teich auf diese Wei- se verlohren, der jedoch auch mit einer unverzeih- lichen Nachlaͤßigkeit behandelt wurde! Wenn nun also die Arbeiten an den Gerennen geendigt sind, so werden die Einschnitte in dem Damme, wie bei einem ganz neuen Damme, voͤl- lig auf die nemliche Weise mit Thon, Rasen und Schutt ausgefuͤllt, und alles an seinen gehoͤrigen Ort Ort und Stelle gebracht, z. E. Rasen in die Ra- senbrust, Schutt hinten und vorn hin, u. s. w. Wenn vorn an der Brustseite des Dammes Ter- rassenmauer aufgefuͤhrt ist, so wird auch solche wieder ausgemauert, wiewohl das nie so fest ge- schehen kann als bei einer neuen, man muͤßte denn Quader haben. Hinten und vorn wird der Damm, wo es noͤthig ist, zur Bekleidung mit feinem Schut- te und sogenanntem Grande bestuͤrzt, daß er wieder gaͤnzlich in seinen vorigen guten Zustand koͤmmt. Ist die Ruͤckenseite des Dammes gruͤn bewachsen, so besaͤet man das neu gemachte Stuͤck entweder mit Heusaamen, oder man besetzt es gleich mit frischen, 2 Fuß langen und einen Fuß breiten Rasenstuͤcken, welche sich bald anwurzeln, besonders wenn sie ein- oder etlichemal derb be- gossen werden. Die ganze Arbeit muß man mit allem moͤglichen Fleiße verrichten, und den Arbei- tern genau auf die Finger sehen. §. 123. B. Steinerne Gerenne. Bisher ist das Noͤthigste von den hoͤlzernen Gerennen gesagt worden; wir kommen nun auf die Beschreibung der steinernen. Es ist kein Zweifel daruͤber, daß man durch die steinernen Gerenne, seinen Zweck eben so gut wie durch die hoͤlzernen erreichen koͤnne, und da letztere von den erstern so außerordentlich in Anse- hung der Dauer uͤbertroffen werden, so wird man ihnen ihnen gern den Vorzug vor den hoͤlzernen einraͤu- men, und dahin einstimmen, daß man billig sich derselben mehr, als bisher geschehen, bedienen solle. (Besonders waͤre dieses allezeit und unwidersprech- lich dann noͤthig, wenn in die Daͤmme keine Strie- gelroͤschen kommen sollen, von deren Vortheil man noch nicht genung uͤberzeugt zu seyn scheint.) Sie machen das Aufbrechen der Daͤmme wegen des Verbrechens der Deckel und Gerenne, ganz ent- behrlich, und sind schon in so fern sehr schaͤtzbar. Man hat blos die Vorsicht bei ihnen anzuwenden, solche Gesteinarten zu waͤhlen, welche sowohl dem Durchdringen des Wassers, als auch der Aufloͤ- sungskraft der Saͤuren und des Wassers selbst, hinlaͤnglich widerstehen, und wenn sie mit Fleiß gearbeitet sind — welches die hoͤlzernen gleichfalls noͤthig machen — so haben sie eine beinahe ewige Dauer, wenn man dieß Wort nicht zu streng neh- men will. Man erwaͤge nur den in unsern Zei- ten so uͤbermaͤßig gestiegenen Mangel des Holzes, der noch obendrein mit jedem Jahre zunimmt; fer- ner den hohen Preiß des Holzes, der gleichfalls fast jaͤhrlich waͤchst, so wird man den Kostenaufwand, und den Unterschied der Kostbarkeit zwischen hoͤl- zernen und steinernen Gerennen, keinesweges so sehr ungleich und auffallend finden, als es beim ersten Anblick scheinen duͤrfte. Man muß oben- drein noch wohl bedenken, daß dergleichen schoͤnes und starkes Holz, als man zu solchen Gerennen u. s. w. braucht, in wenig Jahren gar nicht mehr mehr zu haben seyn wird; und da gar keine Re- paraturen sich bei steinernen Gerennen vorfinden, wenn sie einmal zweckmaͤßig und vorsichtig ange- legt sind, so verinteressiren sie das Kapital, das sie anfangs mehr kosten moͤgen als hoͤlzerne, gewiß sehr richtig und reichlich. Auch hat sich bis jetzt an nutzbaren Steinbruͤchen weit weniger Mangel gezeigt als am Holze selbst, und die Geschaͤftigkeit unsrer Mineralogen laͤßt hoffen, daß sie uns fer- nerhin noch manche unentdeckte nutzbare Stein- bruͤche und Gebirgsarten aufsuchen werden. §. 124. Es fragt sich aber, welche Gesteinart zu den stei- nernen Gerennen sich am besten schicke, sowohl wegen der Dauer, als auch wegen der Faͤhigkeit sich gehoͤrig bearbeiten zu lassen? Da finden sich denn folgende sehr brauchbar, als Granit und seine Abarten, Porphir, Jaspis, Grauwacke, auch wohl Gneus, wiewohl dieser gemeiniglich zu blaͤttricht bricht, und springt. Kieselschiefer, wenn er in großen Massen braͤche, waͤre zwar sehr fest, allein fast unbezwingbar bei der Bearbeitung. Basalt ist vortrefflich zu gebrauchen, so auch die festen Marmorarten. Von den Sandsteinen finden sich wenige, die genugsame Dauer versprechen; sie sind meistens zu locker, um das Durchdringen des Was- sers zu verhindern, und dann werden sie muͤrbe, blaͤttern sich aus einander, und zerfallen wohl gar in großen Stuͤcken. Der Hornstein, Serpentin- stein stein ꝛc. ist auch sehr nutzbar, nicht so der Thon- schiefer, weil dieser das Wasser durchlaͤßt, wegen seiner vielfaͤltigen Zerkluͤftungen. Es wuͤrde zu weitlaͤuftig seyn, alle moͤglichen tauglichen Gestein- arten hier aufzufuͤhren, deswegen hat man blos auf die, schon im vorigen § gegebene Vorsichtsregel zu sehen, keine solchen zu nehmen, welche Wasser durch sich durchlassen, und sich von selbigem oder andern Saͤuren auf- loͤsen lassen , oder solche, die wegen ihrer un- bezwingbaren Festigkeit, keine richtige Bearbei- tung gestatten. Das Locale entscheidet auch bald, was man nehmen koͤnne. Schwerlich wird man so ganz große unzerkluͤftete, oder durch und durch taugliche Stuͤcke antreffen, daß man die Gerenne blos aus etlichen wenigen Stuͤcken zusammen setzen koͤnnte, sondern man muß es sich gefallen lassen, eine betraͤchtliche Anzahl einzelner Gerennstuͤcke zusammen zu fuͤgen. Ein einziges Stuͤck zu su- chen — wuͤrde Thorheit seyn, theils wegen der Zer- kluͤftungen, theils weil ein solch Stuͤck eine ungeheu- re Schwere bekommen, und nur mit aͤußerster Muͤhe und Kostenaufwand zu transportiren seyn wuͤrde. Da diese Zusammenfuͤgung nicht ganz so ge- nau wie bei hoͤlzernen, wegen der Struktur der Gesteinarten, geschehen kann, so ist es um desto noͤthiger, die Wechsel genau und dauerhaft zu ver- wahren. Zu dem Ende klammert man die einzel- nen Stuͤcke, wenn sie voͤllig bis zu der benoͤthigten Tiefe und Weite ausgearbeitet sind, und jedes der- sel- selben an den rechten Ort seiner Bestimmung ge- bracht und eingelagert ist, eines an das andere, so dicht als man nur kann, zusammen. Alle Vor- bereitungen zu dieser Behandlung muͤssen aber schon vorher bei der Bearbeitung der einzelnen Stuͤcke, von dem Steinmetzen oder Maurer ge- macht seyn, z. E. die Loͤcher, in welche die Klam- mern kommen sollen, oder die Falze, worein die Deckel gelegt werden ꝛc. Ehe noch die Gerennstuͤcke zusammengesetzt und solche durch die eisernen Klammern verbunden wer- den, muß man diejenigen Seiten, welche an ein- ander stoßen, mit einer dicken Wassermoͤrtel- Mas- se bestreichen, und dann erst die Steinstuͤcke so zu- sammen und an einander passen, wie sie stehn blei- ben sollen. Was noch von Ritzen uͤbrig bleiben sollte, wird nachher noch ausgeputzt und verstopft. Wem es beliebt, kann folgenden Moͤrtel hiezu ge- brauchen, der sehr fest bindet und nicht vom Wasser aufgeloͤset wird. Man nehme 1 Theil des besten reinen Thons, ⅛ Eisenvitriol, und ⅛ Thranoͤl, dieß genau und schnell mit einander vermischt, und schnell verbraucht, giebt einen trefflichen Wassermoͤrtel. §. 125. Bei dem Einbohren der Loͤcher in die Stein- stuͤcke, worein nachmals die eisernen Klammern kommen sollen, ist es rathsam, solche tiefer in den Stein hinein, immer etwas weiter zu machen. Dieß Dieß hat den Nutzen, daß die Klammern, welche in die Loͤcher eingelassen werden sollen, und, wenn dieß geschehen ist, mit Bley um- oder begossen wer- den muͤssen, desto fester in den Loͤchern fitzen. Es ist nemlich ganz unmoͤglich, daß das dickere Ende der mit Bley begossenen Klammer, durch das aus- sen am Steine engere Loch, sollte herausgehen koͤn- nen. Zu mehrerer Dauer macht man auch noch die Klammern zackigt gestaltet, wie Figur 48 zeigt, damit sich das Bley desto besser um sie herumziehe, und sie recht fasse. Dann kann es desto mehr Wi- derstano gegen das Ausweichen der Klammer ver- ursachen. Ferner kann man die Klammern, um sie fuͤr dem Roste zu schuͤtzen, ehe sie in die Loͤcher wirklich eingeschlagen werden, zuvor durch eine starke Ue- berzinnung zu schuͤtzen suchen. Der bloße Ue- berstrich von guten Firniß bey maͤßiger Waͤrme des Eisens aufgetragen, haͤlt zwar einige Zeit, doch nicht so lange als Verzinnung. Nur weiß man mit dieser nicht aller Orten gut umzugehen. Inwendig in der Rinne selbst, werden die Wech- sel aller Steinstuͤcke, wenn sie nochmals genau mit Wassermoͤrtel ausgestrichen sind, mit Streifen von uͤberzinntem, ¼ Zoll starkem Kupferblech bedeckt. Diese Kupferblechstuͤcken, muͤssen aus einem Stuͤcke geschnitten seyn um das Nieten derselben zu entbeh- ren, und 4 Zoll Breite haben. Da man sie nicht wohl an die Steine annieten kann, werden sie blos auf- gekittet, und nachher durch uͤberzinnte eiserne Staͤ- be, be, welche in Form eines Vierecks geschmiedet sind, das just so groß ist als die Weite des Geren- nes, in dem Gerenne inwendig an und aus einan- der getrieben. Es ist gut, wenn die Kupferblech- streifen, ( Futter ) uͤber die Backen des Geren- nes hinaus reichen, und so von den Deckeln des Gerennes mit angehalten werden. Kann man we- gen der Haltbarkeit des Wassermoͤrtels zwischen den Gerennstuͤcken voͤllig sicher seyn, so mag man die kupfernen Futter gar weglassen, da sie blos den Wassermoͤrtel schuͤtzen sollen, daß er nicht mit der Zeit ausgewaschen werde. §. 126. Die ganze Gestalt der steinernen Gerenne ist uͤberhaupt eine aͤhnliche wie die der hoͤlzernen, aus- genommen, daß man die Backen der steinernen, dicker macht als die der hoͤlzernen, so auch den Boden derselben; uͤbrigens ist, wie leicht zu erach- ten, Lage, Roͤsche, u. s. w. alles bei ihnen wie bei hoͤlzernen. Was die Deckel der steinernen Ge- renne anbelangt, so muͤssen solche von der nem- lichen Gesteinart ausgehauen seyn, aus welcher die Gerennstuͤcken selbst bestehn. Sie muͤssen ge- nau aufgepaßt, und bei Legung derselben gleich- falls zwischen sie und die Gerenne, in den dazu gemachten Falz, erst Wassermoͤrtel gestrichen wer- den, damit auch da kein Wasser durchgehe. Eben dieß muß an derjenigen Kante der Deckel gesche- hen, wo zwey Deckel sich beruͤhren sollen. Nach Nach §. 112. wurde das Grundgerenne bei seinem Anfange im Teichraume, auf ein Geviertes gelegt, daß es eine Unterlage unter sich hat. Eben dieß beobachtet man bei steinernen Gerennen, nur daß man statt des hoͤlzernen Geviertes, eine Un- terlage von großen Steinplatten, oder von Mauer- werk macht. Fuͤr sichern Grund muß ohnehin bei den steinernen Gerennen gesorgt werden, weil sich diese Stuͤcke wegen ihrer Schwere stark einliegen, und deswegen kann man, wenn es noͤthig schei- nen sollte, an mehrern Orten oder gar durchgaͤn- gig Unterlagen fuͤr sie mauern, wobei die zu gebrau- chenden Mauersteine auf die hohe Kante gestellt werden muͤssen, und wenn die Mauer fertig ist, 1 Fuß hoch oder noch mehr mit dicht gestampftem Thon bedeckt werden. Hierauf setzt man alsdann die Gerennstuͤcke. Wenn dieß, so wie auch das Bedecken derselben geschehen ist, so verwahrt man sie gleich den hoͤlzernen, unter- seit- und ober- waͤrts mit allem Fleiße, durch Bedeckung mit Thon oder Rasen, der nachher mit Schutt so wie es die Auffuͤhrung des Dammes verlangt, bedeckt und gestampft wird. Im Teichraume muß man die Oeffnung nicht durch Unvorsichtigkeit verstuͤr- zen lassen. Man befestigt deswegen auch wohl vor die Muͤndung des Gerennes, wenn kein Wasser- kasten davor kommt, (welches jedoch allemal rath- sam ist) ein Gitter von starkem Kupferdrate. Hie- bei ist aber gleichfalls Vorsicht noͤthig, damit nicht etwa mit der Zeit einmal die Oeffnung des Geren- nes nes durch das Gitter selbst verstopft werde. Denn wenn das Gitter loßgerissen, und in das Gerenne hineingetrieben wuͤrde, duͤrfte es solches bald ver- sproͤgeln , und durch den sich davor anhaͤu- fenden Schlamm und andern Unrath, das Ge- renne ganz ausfuͤllen. Wenn solch ein Unfall pas- sirt, muß man den Teich sehr stark ziehn, ob die Gewalt des Wassers das Gitter u. s. w. heraus- treiben will, und von außen von der Ruͤckenseite durch eine lange Stange nachzuhelfen suchen. §. 127. Auf die nemliche Art, wie bei hoͤlzernen, wer- den auch in steinernen Gerennen die Zapfenloͤcher eingearbeitet, so auch nach der oben verlangten Form. Fuͤr das Zapfenloch selbst, hauet man entweder den Stein aus dem Ganzen so aus, daß er eine gewoͤhnliche viereckte Rinne bildet, und also gar kein Deckel noͤthig wird, da dieser so sehr leicht beschaͤdigt werden kann, und bei weitem nicht so leicht zu repariren ist, als bei hoͤlzernen Geren- nen, — oder man hauet eine gewoͤhnliche Rinne nur aus einem so großen Stuͤcke Stein aus, als man es bekommen kann, giebt ihm einen gleich großen einzigen Deckel, und legt solchen unten hin, die steinerne Rinne dagegen oben drauf, so daß der Boden oben zu liegen kommt. In diesen Boden arbeitet man alsdann das Zapfenloch ein. Die Zapfenloͤcher muͤssen genau durch den Za- pfen verschlossen werden koͤnnen. Sind diese Za- pfen- pfenloͤcher in den steinernen Gerennen recht glatt ausgearbeitet, wie man dies sehr wohl zu leisten im Stande ist, zumal bei sehr festen Steinarten, (am besten durch Bohrmaschinen, bei denen der Bohrer genau nach der vorgeschriebenen Oeffnung des Zapfenlochs gestellt werden kann) so haben sie das Gute, daß man den Striegel weit bequemer ziehn kann als bei hoͤlzernen Gerennen; denn bei diesen verquillt der Zapfen sowohl als das Gerenne staͤrker in einander, als bei steinernen Gerennen. Dieß Verquellen aber verursacht manche Be- schwerde. Denn da muß beim Ziehen des Teiches, der Striegelbaum, an welchem der Zapfen ist, sehr stark angegriffen werden; und da entstehn, weil der Striegelbaum bei hohen Daͤmmen nicht wohl aus einem einzigen Stuͤcke Holz gemacht werden kann, in den Schloͤssern der beiden Stuͤcke, aus denen man ihn zusammensetzt, gern Bruͤche. Oefters entstehn sie auch an andern Orten, und dann sind sie desto schaͤdlicher, je naͤher sie sich bei dem Zapfen selbst ereignen. Es kann auch durch die allzugroße Gewalt, die man beim Ziehen des Zapfens anwenden muß, sogar der Deckel loßgeris- sen, oder wenigstens gehoben werden, und man wird genoͤthigt, den Teich rein abzulassen, ohne daß man die Wasser nutzen kann. Bei steinernen Gerennen ist alles dieses nicht zu befuͤrchten, und da bei diesen blos der Zapfen verquillt, so macht er zwar den Striegel gut zu, ver- verschließt aber keinesweges die Oeffnung so stark, daß dadurch Nachtheil entstuͤnde. Hat man keine solche Gesteinart, aus der man das Zapfengerenne aus dem Ganzen machen las- sen koͤnnte, und muß man wie bei hoͤlzernen ver- fahren, so muß der steinerne Deckel mit eisernen Baͤndern an das Gerennstuͤck dicht angeschlossen, und zuvor die beiderseitigen sich beruͤhrenden Stel- len, mit Wassermoͤrtel bestrichen werden, um alle Risse und Oeffnungen, die an unrechten Orten Wasser durchließen, zu verstopfen. Bloßer Was- sermoͤrtel, ohne Eisen zu Huͤlfe zu nehmen, wuͤrde nicht genug halten, und wenn auch die eisernen Baͤnder noch nicht genug an- ziehn wollen, so treibe man sie mit eisernen Kei- len an, daß der ganze Steinblock sammt dem Dek- kel, wie aus dem Ganzen gehauen, dicht werde. Da auch der steinerne Deckel untenhin zu liegen kommt, so hat er lange nicht das auszustehn, als wenn er oben laͤge und das Zapfenloch in ihn einge- hauen waͤre. Wenn also ja irgendwo ein kleiner Riß entstehen sollte, so schadet doch derselbe nur sehr wenig, zumal da der Boden, auf dem das Za- pfengerenne zu ruhen kommt, aus Vorsicht erst mit Thon bedeckt wird. In Ansehung des uͤbrigen verfaͤhrt man voͤllig auf gleiche Weise wie mit den hoͤlzernen Gerennen. Teichb. S §. 128. §. 128. Zapfen oder Striegel. Nach der, §. 109. am Ende, gemachten Er- innerung, folgt itzt die naͤhere Beschreibung des Zapfens selbst. An jedem Zapfen bemerkt man vorzuͤglich zwei Stuͤcke, die jedoch beide in eines vereint sind; ich meine den Zapfen - oder Striegelkopf , und den Striegelbaum . Letztern nennt man auch wohl die Striegelstange, Zapfenstange . Der Zapfen- oder Striegelkopf ist dasjenige Stuͤck Holz, welches das Zapfenloch verschließt; der Strie- gelbaum, ein langes, am Stammende wenigstens 15 Zoll ins Quadrat starkes, Stuͤck Holz, an dem der Zapfen entweder angeschnitten, oder wenigstens befestigt ist, um ihn auf der Kappe, wie man will, regieren zu koͤnnen. Ordinair nimmt man hierzu einen tauneuen beschlagenen Stamm, und richtet ihn zu der benoͤthigten Form zu. Dieß geschieht dadurch, daß man dem Striegelkopfe die naͤmliche pyramidalische oder kegelfoͤrmige Gestalt giebt, wel- che das Zapfenloch hat. Der erwaͤhlte Baum wird deswegen, etwa 4 Fuß vom Stammende her- auf, da wo der Zapfen an ihn angeschnitten wer- den soll, bis auf die durch das Zapfenloch erfor- derlich gemachte Staͤrke, ins Quadrat, oder im Diameter abgearbeitet. Dann schneidet man den Zapfen, nach den durchs Zapfenloch noch genauer bestimmten Maaßen der Laͤnge und Dicke dessel- ben, ben, an. Je nachdem also das Zapfenloch rund oder virreckt ist, wird auch der Striegelkopf in der Gestalt eines umgekehrten Kegels, oder einer vier- seitigen (und zwar abgestumpften) Pyramide ver- fertigt, allezeit aber recht genau darauf Acht ge- geben, daß er sehr genau in das Zapfenloch ein- treten moͤge. Man beobachtet deswegen auch diese Vorsicht, daß man den Zapfen in das Zapfenloch einschnei- det, ehe und bevor noch das Zapfengerenne schon verbauet und mehr unzugaͤnglich gemacht ist; denn da kann man noch am besten sehen, wo es fehlt, und sich ohne viel Muͤhwaltung drehen und wen- den. Gaͤbe man ihm, wenn das Zapfenloch auch aͤhn- lich geformt waͤre, die Gestalt eines Cylinders, oder Parallelepipedi, so wuͤrde man theils ihn nicht gut aus dem Zapfenloche herausziehn koͤnnen, we- gen des durch Naͤsse bewirkten starken Verquellens, welches ohnehin schon bei der Kegelform Muͤhe macht; theils aber wuͤrde auch der Zapfen, wenn er ganz aus dem Zapfenloche herausgezogen wuͤrde, nicht wieder so willig in das Zapfenloch zuruͤck- treten. Da koͤnnte man genoͤthigt werden, um den Striegel wieder ins Gleiß zu bringen, alle Wasser unbenutzt auslaufen lassen zu muͤssen. Der Striegelbaum selbst koͤmmt in dem Strie- gelschachte in die Hoͤhe, senkrecht zu stehn, und mittelst seiner wird der Zapfen gehoben und nieder- gelassen. Wenn der Damm nicht zu hoch ist, so S 2 reicht reicht meistentheils ein einziger Stamm zu Za- pfen und Striegelbaum hin. Ist aber der Damm sehr hoch, so muß man an das unterste Zapfen- stuͤck noch eine Spitze anschließen, damit der ganze Striegelbaum bis zur Kappe voͤllig hinaus reicht. Man muß hiebei wohl dahin sehen, daß diese Schloͤsser, (wo ein Stuͤck an das andere ange- kammt wird) gut verwahrt sind, und keine Bruͤche machen. Denn weil das Wasser im Striegel- schachte so hoch wie im Teiche steht, kann man alsdann nicht zu dem noch im Striegelschachte ste- cken gebliebenen Stuͤcke kommen, und da hat man viel Muͤhe, ehe man das abgerissene wieder befe- stigt, oder das im Wasser steckende herauszieht. Der Striegelbaum muß wenigstens 4 Fuß lang uͤber Tage herausreichen, daß man mit ihm Vor- richtungen machen kann, ihn zu ziehn. §. 129. Striegel- oder Zapfenschaͤchte. Die Striegel- oder Zapfenschaͤchte sind absichtlich gemachte runde oder viereckte Oeffnun- gen, die von der Dammsohle, uͤber dem Zapfen- loche lothrecht in die Hoͤhe bis zu Tage ausgehn. Sie dienen dazu, daß der Striegelbaum (an wel- chem unten der Zapfen ist) in ihnen bis oben her- ausgefuͤhrt werde, um auf der Hoͤhe den Striegel bequem ziehen zu koͤnnen. Die Striegelschaͤchte kommen da vor, wo der Striegel entweder im Damme selbst drinnen, oder vor dem Damme, oder aber aber im Gestein und uͤberhaupt in den Widerlagen liegt. Das in dem Zapfengerenne befindliche Za- pfenloch bestimmt jederzeit den Platz fuͤr den Strie- gelschacht, und letzterer wird so gelagert, daß das Zapfenloch just in den Mittelpunct der Schacht- weite kommt. Dieß geschieht deshalb, daß rund um den Striegelbaum und das Zapfenloch herum, einiger Raum bleibt, um sich bei Reparaturen oder sonstigen Faͤllen, in selbigen bewegen und arbei- ten zu koͤnnen. Da Erdreich und auch Schutt, (welcher nicht eine außerordentlich lange Zeit auf einander geru- het, und dadurch, so wie auch mittelst der in der Erde befindlichen Saͤuren, und der Naͤsse, etwas mehr Zusammenhang und Festigkeit erhalten hat, als gewoͤhnlich der Fall ist,) nicht wohl in einer senkrechten Lage erhalten werden kann, wofern man ihm nicht das Zusammenschießen durch Vor- baue oder Boͤschung verwehrt, und dieß gleich- falls bei Striegelschaͤchten sich ereignen kann, wenn sie auch gleich von Rasen- oder Thonschichten auf- gefuͤhrt werden, so ist es immer noͤthig, sie auszu- fuͤttern, es muͤßte denn seyn, daß sie im festen Gestein niedergebracht wuͤrden. Dieses Niederbrin- gen im Gestein kann aber bei Striegelschaͤchten, die in den Daͤmmen liegen, nicht statt finden, weil diese von unten herauf gemacht werden. Jene Ausfuͤtterung kann nun mit Holz, auch mit Stei- nen geschehn, und davon erhalten denn die Strie- gelschaͤchte im ersten Falle den Namen verzim- mer- merte , im zweiten Falle die Benennung gemau- erte Striegelschaͤchte. Striegelschaͤchte, welche in einen Damm zu liegen kommen, werden entweder ganz in die- sen Damm, oder nur halb hineingelegt, und der uͤbrige Theil ragt im letzten Falle uͤber die Brust- seite des Dammes (die innere Boͤschung) heraus. Beide Arten werden nicht auf einerlei Weise auf- gefuͤhrt, und deswegen soll jede hier besonders be- schrieben werden. §. 130. Striegelschaͤchte, die ganz im Damme liegen, und zwar 1) Verzimmerte. Bis jetzt sind diese die gewoͤhnlichsten gewesen, ob sich gleich weiter unten deutlich ergeben wird, daß die gemauerten weit nutzbarer, und vorzuziehen sind. Die allgemeine Weite fuͤr alle Ar- ten der Striegelschaͤchte uͤberschreitet nicht leicht 4 Fuß im Durchmesser, im Lichten. Bei ei- ner groͤßern Weite wuͤrde man theils den Damm zu sehr durch die große Oeffnung schwaͤchen, der ohnehin jederzeit an dieser Stelle eine Schwaͤ- che bekoͤmmt, theils aber auch eine unnoͤthige Menge Materialien verbrauchen; ferner wird, wenn die Oeffnung nicht rund ist, der Seitendruck in den Schachtstoͤßen in diesem Falle groͤßer, als bei kleinern Oeffnungen, welches sich bei Strie- gelschaͤchten, die mit Holz ausgefuͤttert sind, gar sicht- sichtbar aͤußert. Denn das Holz bekoͤmmt bald Baͤuche, wodurch sich oft der ganze Schacht ver- dreht, so daß er allerwaͤrts aus dem rechten Win- kel koͤmmt, nach dem er doch stets aufgefuͤhrt wird. Enger als 4 Fuß macht man sie aber auch nicht, weil sie sonst nicht die gehoͤrigen Dienste lei- steten. Die Hoͤhen der Striegelschaͤchte richten sich nach der Hoͤhe, welche der Damm bekoͤmmt. Kein Striegelschacht kann eher angefangen und aufge- fuͤhrt werden, bis man die Legung des Grund- und Zapfengerennes vollkommen beendigt hat , sonst wuͤrde ohnstreitig eine dieser beiden Ar- beiten leiden. Ist man aber mit dem Legen des Zapfengerennes fertig, so wird zuerst nach allen vier Seiten des Zapfenloches, sowohl vor als hin- ter dasselbe, und nach den beiden Nebenseiten zu, das Grundgevierte gelegt. Man nennt es auch wohl schlechtweg das Ansteckgevierte . Diese Gevierte, dergleichen Figur 49 zeigt, wer- den aus geschnittenen Bohlen von eichenem gesun- dem Kernholze gemacht, die zum wenigsten 4 Zoll, lieber aber noch eine groͤßere Dicke haben muͤssen. Lang sind sie gemeiniglich 4 Fuß 8 Zoll, bis 5 Fuß voll. Ihre Breite richtet sich nach der Staͤrke des Holzes, das man haben kann; gewoͤhnlich ist sie zwischen 24 bis 30 Zoll, auch wohl schmaͤler als 24 Zoll. Man sucht aber lieber breites als schma- les Holz, um mehr Festigkeit und weniger Fu- gen zu bekommen. Bei sehr großer Breite und ge- geringer Dicke, werfen sich die Bohlen oft, des- wegen muß man sie bald auf diese, bald auf jene Seite legen, uͤberhaupt sie fleißig umwenden las- sen, und sie vor allzuvieler Sonne schuͤtzen, auch nicht beschweren, es muͤßte denn seyn, daß die Last horizontal laͤge, und groͤßeres Umfangs waͤre als die Bohle selbst. §. 131. Die Art, die Bohlen und Gevierte zusammenzu- fuͤgen, ist gewoͤhnlich diese. Man schneidet die Bohlen an den Enden bis auf die Haͤlfte ihrer Breite ein, wie Figur 50 zeigt, und fuͤgt sie dann nach Figur 51 zusammen, nachdem sie zu- vor rein ausgeschnitten, auf einander gepaßt und in den gehoͤrigen Winkel gestellt sind, so daß sie richtig zusammenschließen und zusammengesetzt, aͤhnliche Gevierte geben, als die in Figur 49. Waͤhlt man nun ein vollkommenes Quadrat zur Schachtoͤffnung, wie das bei verzimmerten Strie- gelschaͤchten immer der Fall zu seyn pflegt, so muß der Winkel in allen 4 Ecken ein rechter seyn; eben dieß gilt von einer mehr laͤngern als brei- tern Striegelschachtoͤffnung. Unter diesem Win- kel widerstehn sich auch die Seiten am staͤrksten, welches bei schiefen oder stumpfen Winkeln, wie aus der Mathematik bewiesen werden kann, nicht so gut geschieht. a b in Figur 50 muß nun so viele Zolle breit seyn, als die Bohlendicke betraͤgt, so daß also, wenn die Bohlenflaͤchen aller Bohlen auf auf einander gesetzt werden, solche saͤmmtlich in einer Ebne liegen, und nicht etwa die eine her- aus, die andere hinein stehe. Figur 51 zeigt die richtige, und Figur 52 die unrichtige Arbeit. Man kammt die Bohlenstuͤcke aber auch auf eine andere Art mit Schwalbenschwaͤnzen zusammen, nach Figur 53. Freilich kann man sie durch diese fester zusammenschließen, aber die Zaͤhne verfau- len leichter, als wenn die Bohlen auf die vorbe- schriebene Art, aufs halbe Blatt , wie man sagt, eingeschnitten werden; uͤberdieß laͤßt sich bei Reparaturen die vorige Art besser anwenden als diese. Diese Zusammenfuͤgung mit Schwalben- schwaͤnzen ist also lieber bei Striegeln außer dem Damme gelegen , zu gebrauchen. Da die im Damme liegenden Striegelschaͤchte ohnehin rund um gedruͤckt werden, so brauchte auch die Zusammenfuͤgung der Bohlenstuͤcke nicht so aͤngst- lich zu geschehen, wenn nicht das Wasser solches noͤ- thig machte. §. 132. Durch 2 der Seiten des Grundgeviertes geht das Zapfengerenne hindurch, es muͤssen also auch in diese 2 Bohlenstuͤcke, Einschnitte von solcher Groͤße gemacht werden, daß die Bohlenstuͤcke ge- nau auf das Zapfengerenne anschließen und auf- passen. Zu dem Ende werden auch die 3 Seiten des Zapfengerennes, da wohin das Grundgevierte auf sie sie aufzuliegen koͤmmt, nach der Dicke desselben, etwa 1½ Zoll tief ausgefalzt, daß das Grundge- vierte um desto besser anschließt. Figur 39 zeigt schon bei n, m, o, p diese Ansicht der Ausfalzung des Zapfengerennes von oben nieder. Oefters laͤßt man diese Ausfalzung auch gar weg. Das Grundge- vierte wird auf die Unterlage von eichenen Schwellen, die unter dem Zapfengerenne und unter dem Zapfen- loche liegt, aufgesetzt, und sobald als die einzelnen Stuͤcke zusammengefuͤgt sind, an den Ecken mit starken eisernen Eckeisen und Klammern zusam- mengehalten, unterwaͤrts aber an die Unterlage mit Bankeisen verwahrt. Hat es seine richtige Lage, so wird es an das Zapfengerenne, wenn solches nicht ausgefalzt ist, noch durch kleine buͤchene oder besser eichene Keile angekeilt, damit kein Wasser zwischen durch gehen moͤge. Zum Ueberflusse kann man es auch noch inwendig an das Zapfengerenne anklammern, und dann kann keines von beiden ausweichen oder sich verziehn. Die Sohle wird hierauf, zwischen dem Gerenne und dem Gevierte, mit Thon so dicht als moͤglich verstampft, und auf gleiche Weise hinten und rund um das Gerenne herum, erst eine Schicht Rasen von 12 bis 18 Zoll Breite gesetzt und verstoßen, und an diese noch eine Schicht von Thon gemacht, welches beides so fest wie Estrich werden muß. Auf dieses Grundgevierte koͤmmt nun das 2te, 3te und sofort bis zu dem letzten zu liegen. Das letz- letzte reicht dann endlich zur Kappe hinauf, und beinahe 1 Fuß hoch druͤber, und darzu muß man die Hoͤhe der 3 letzten Gevierte einrichten. §. 133. Nicht nur bei dem Grundgevierte muß man genau dahin sehen, daß es gegen das Zapfenge- renne richtig, im rechten Winkel, voͤllig lothrecht und den Seiten nach horizontal liege, sondern auch bei allen andern hat man wohl Achtung zu geben, daß die Ecken genau uͤber einander und nach dem Lothe zu liegen kommen. Will man je- des Gevierte ans vorhergehende anklammern, so wird dieß gute Dienste thun, und man kann es uͤbers Kreuz verrichten, nemlich erst die vordere und hintere Seite zusammen, dann die beiden an- dern entgegengesetzten, und so wieder von vorn nach Figur 54. Man sucht aber das Durchdringen des Was- sers durch die Gevierte auch dadurch zu mindern, daß man die Gevierte, da wo sie uͤber und auf ein- ander ruhen, mit dem sogenannten halben Spunde versieht; doch scheint dieß mehr Schaden als Vor- theil zu bringen, weil das Holz an den Stellen des halben Spundes zu schwach wird, um der Faͤulniß lange widerstehn zu koͤnnen. Der halbe Spund besteht darin, daß man die Flaͤchen, die auf einander kommen sollen, um das halbe Holz (das ist, nach der vorhin angegebenen Dicke der Bohlen, um 2 Zoll) ausfalzt; und so ein Geviertes in das an- dere dere einlaͤßt. Dieß beobachtet man bei allen bis zur Kappe hinaus, wenn man sich von dem Vor- theil dieses Verfahrens uͤberzeugen kann. So wie der Damm in die Hoͤhe waͤchst, und auch die Gevierte in die Hoͤhe steigen, muß auch immer der Rasen und Thon um den Striegel- schacht mit in die Hoͤhe gebracht werden, und zwar der Rasen immer zunaͤchst an den Gevierten, weil der feine Thon sich mit der Zeit auswaͤscht, wenn er zu nahe ans Wasser koͤmmt. Auf die an- gezeigte Art hingegen koͤnnen hinter den Gevier- ten keine Hoͤhlungen entstehn. Das Schlußge- vierte , das ist, dasjenige, welches oben auf der Kappe das letzte ist, wird wieder wie das Grund- gevierte mit Eckeisen verwahrt, damit es nicht aus einander weichen kann. Sollte dieß Schlußge- vierte nicht hoch genug uͤber die Kappe herausste- hen, so legt man auf und um dasselbe auch wohl ein klein Geviertes von 6 bis 8 Zoll dicken, beho- belten eichenen Schwelligen. Dieß Ueberragen uͤber die Kappe dient aber dazu, daß nicht so leicht Unrath, Steine und dergleichen in den Strie- gelschacht fallen, wodurch das Ziehen des Strie- gels erschwert, oder gar verhindert werden koͤnnte. §. 134. In den Striegelschacht selbst werden Leitern (Fahrten) hineingehangen, und seitwaͤrts befestigt. Gewoͤhnlich heftet man sie mit Fahrthaspen an die Gevierte an, oder man haͤngt sie an eichene La - Lager , welche zu obigem Behufe in die Gevierte eingelassen werden. Zu Ende jeder 24 Fuß lan- gen Fahrt, koͤmmt ein Ruheplatz, die Buͤhne ge- nannt, den man gleichfalls auf Lagerhoͤlzern vor- richtet. Mittelst der Fahrten kann man nach ab- gelassenen Teichwassern, bis zum Grundzapfen hinunter steigen, ihn visitiren, und was etwa noͤ- thig seyn moͤchte, verrichten. Da wo eine Buͤhne ist und eine 2te Fahrt sich anfaͤngt, laͤßt man die folgende Fahrt auf der entgegengesetzten Seite der erstern niedergehen, daß also nicht Fahrt an Fahrt fortlaͤuft, sondern die eine rechts, die an- dere links der Buͤhne haͤngt. Um aber die Striegelstange desto besser in ihrer lothrechten Richtung zu erhalten, bringt man von Zeit zu Zeit in beliebigen Entfernungen, Leitun- gen oder so genannte Zangen an, welche queer durch den Striegelschacht gehn, und zwischen de- nen die Striegelstange auf und nieder bewegt wer- den kann. Figur 55 a, zeigt diese Zangen mit dem Striegelbaume im Grundrisse, Figur b aber im Profil. Die erste dieser Leitungen wird etwa 6 Fuß uͤber dem Zapfengerenne, die zweite in der Mitte der Striegelschachtshoͤhe, die letzte Leitung endlich 6 Fuß unter der Kappenebne angebracht. Die Zangen sind 4 Zoll dick, 12 Zoll breit und 5 Fuß lang. Wo sie mit ihren Enden hinkom- men sollen, werden die Gevierte fuͤr sie ausge- locht , und die Zangen, wenn sie gelegt sind, mit Klammern an die Gevierte befestigt. Man Man muß dabei dahin sehn, daß nicht etwa ein Schloß des Striegelbaumes zwischen die Lei- tung komme; denn wegen der an den Schloͤssern befindlichen eisernen Rinken, wuͤrde der Striegel- baum sich in den Leitungen klemmen, oder gar in der Oeffnung der Zangen haͤngen bleiben. §. 135. Von der Art und Weise die Striegel zu ziehn, wird unten das Noͤthige beigebracht werden. Da- gegen erlaube man mir noch folgende Erinnerun- gen. Wenn ein solcher mit Holze ausgezimmerter Striegelschacht, eine gute Zeitlang gestanden hat, so werden die Enden der Gevierte, wo solche zu- sammengefuͤgt sind, faul, und brechen oftmals rein ab, da sie dem Seitendrucke des hinter ihnen lie- genden Schuttes nicht mehr widerstehn koͤnnen. Das uͤbrige Stuͤck Gevierte kann indessen noch ganz gut seyn, und es herauszureißen und wegzu- werfen, waͤre nicht oͤkonomisch genug gehandelt. Um dieß Holz nun auch zu nutzen, da es sich selbst uͤberlassen nicht mehr stehn kann, weil ihm die Stuͤtze fehlt, wird der Striegelschacht, in dem solches Holz ist, verwandruthet . Dieß besteht in folgenden Arbeiten und Vorrichtungen. Man bringt in jede der 4 Ecken des Striegel- schachtes, dicht an die Gevierte, ein nicht wind- schiefes, recht genau 4kantig gehauenes Stuͤck Holz von 10 Zoll Staͤrke. Die Laͤnge desselben wird gern so lang gemacht, als man es haben kann, um alles alles aus einem Stuͤcke zu bekommen; wenn es moͤglich ist, der Striegelschacht-Tiefe gleich. Geht dieß nicht an, so werden 2 Stuͤck an einander ge- setzt, um die Striegelschacht-Tiefe zu erreichen. Dieß Stuͤck Holz heißt man eine Wandruthe . Im- mer 2 und 2 Wandruthen werden durch starke Spreizen auf das staͤrkste in die Ecken des schad- haften Striegelschachtes getrieben, und auf die Art durch sich selbst in den Ecken erhalten. Die Spreizen zu den in die Ecke getriebenen Wandru- then muͤssen 8 Fuß weit von einander entfernt seyn; noch etwas naͤher als weiter, ist gleichfalls dienlich. Mittelst dieser Wandruthen wird der Strie- gelschacht aus einander gehalten, und wenn auch wirklich alle Zaͤhne oder Enden der Gevierte rein abgefault sind, so kann der Striegelschacht doch keinesweges zusammengehn, weil dieß die Sprei- zen der aus einander getriebenen Wandruthen ver- hindern. Will man, so klammert man auch wohl die Wandruthen, mit sogenannten Futterklam- mern , noch an die Gevierte des Schachtes an. Dieser bleibt also so lange brauchbar, als das Holz — aus dem die Schrote (das sind die einzelnen Bohlenstuͤcke, die immer 4 zusammen- gefuͤgt und zu Gevierten gebildet werden) geschnit- ten oder gehauen worden sind, nur irgend hal- ten will. Gewoͤhnlich liegt neu in einem Striegelschachte gebrauchtes Holz, aus gesunden eichenen Kern- staͤm- staͤmmen, 60 bis 70 Jahr, ehe eine Verwandru- thung noͤthig wird. Je mehr Wasser bestaͤndig im Teiche bleibt, desto besser ist es fuͤr den Striegelschacht; denn eichenes Holz, das in einem fort immer im Wasser liegt, und nicht abwechselnd bald der Luft, bald der Naͤsse ausgesetzt ist, wird immer fester, und ob es gleich beinahe so schwarz aussieht wie Kohle, bleibt es dennoch dauerhaft. So liegen z. E. Grundgerenne von gesundem alten eichenen Kern- holze oft 90 Jahre. Doch ist auch immer ein Wasser zur Erhaltung des Holzes guͤnstiger als das andere. Das Theeren des Holzes, wenn es laͤn- gere Dauer haͤtte, wuͤrde sehr gut zu gebrauchen seyn. Striegelschaͤchte innerhalb der Daͤmme, auf die Art vorzurichten, wie die Bergleute die ihri- gen mit Joͤchern, Bolzen, Tragstempeln, Haupt- hoͤlzern und Pfaͤhlen zu machen pflegen, ist des- wegen nicht anzurathen, weil sie nicht so viele Dauer haben, nicht so dicht sind als die beschrie- benen, und immer was zu repariren geben. Wenn die Striegelschaͤchte in den Widerlagen liegen, geht dieß eher an, auch ist es da ganz gewoͤhnlich. Endlich merke man, einen Striegelschacht zweimal nach einander zu verwandruthen, ist sel- ten rathsam. Einmal weil binnen der ersten Ver- wandruthung das Holz meistentheils schon so viel gelitten hat, daß es nun rein herausgerissen wer- den muß, wenn nicht alles zusammengehn soll. Zwei- Zweitens fehlt auch der Platz, und die 2te Ver- wandruthung wuͤrde desto geringere Dienste lei- sten, je mehr sie, zum Erstenmal angewandt, zu leisten pflegt. §. 136. 2) Gemauerte, ganz im Damme liegende Striegelschaͤchte. Auch diese Arten von Striegelschaͤchten sind, gleich den steinernen Gerennen, bei weitem noch nicht so allgemein im Gebrauch, als sie es in der That verdienen. Freilich koͤnnen sowohl die große Festigkeit der Bruchsteine, als auch die weite Ent- fernung derselben von dem Orte, wo sie genutzt wer- den sollen, ingleichen Mangel an Fuhrwerk ꝛc. einen dergleichen Bau etwas merklich, uͤber den Aufwand eines mit Holz verzimmerten Striegel- schachtes, erheben; allein — da man, wie unten folgen wird, die Verbindung der Steine zu einem Ganzen, gleich stark oder noch staͤrker machen kann, als die durch Holz bewirkte, und da mit genugsa- mer Accuratesse bei dieser Arbeit, alle verdruͤßliche Reparaturen fast gaͤnzlich vermieden werden koͤn- nen, so ist es doch der Vernunft gemaͤßer, lieber die etwas groͤßere Summe aufzuwenden, welche alle Besorgnisse hebt, indeß solche bei einer gerin- gern Summe so wachsen, wie letztere abnimmt. Bei der Lage der von Stein aufgefuͤhrten Striegelschaͤchte hat man zu merken, daß man sie nicht vor die innere Boͤschung der Daͤmme, also Teichb. T gar gar nicht ins Wasser im Teichraume, hineinlegt. Eben dieß gilt in so fern, daß sie auch nicht halb in den Damm, halb außerhalb der Boͤschung des- selben aufgefuͤhrt werden duͤrfen. Mit Quadern und großen Werkstuͤcken wuͤrde sich dergleichen allerdings bewerkstelligen lassen; allein mit diesen bauet man nur sehr selten, und bei Bruchsteinen wuͤrde das Wasser die ihm ausgesetzte Mauer bald zu ruiniren suchen. Also nur in den Daͤmmen, oder neben denselben in den Wiederlagen, moͤch- ten gemauerte Striegelschaͤchte von Nutzen seyn. Uebrigens richtet sich die Lage derselben, gleich der vorhin beschriebenen, nach dem Orte, wo das Za- pfenloch ist. Was die Frage anbetrift — welche Form soll der gemauerte Striegelschacht haben? so wird Niemand laͤugnen, daß eine viereckte Oeffnung fuͤr sie weit unzweckmaͤßiger sey, als fuͤr die ver- zimmerten. Bei der Maurung muß man also die runde kreisfoͤrmige nehmen. Bei dieser Kreisform vereinigt sich sowohl Staͤrke, als auch genugsamer Raum, und doch kann man durch Steine die Kreisform weit leichter bewerkstelligen, als durch Holzwerk, welches viel Kosten, Muͤhe, und den- noch wenig Dauer giebt. Bei der viereckten Form, welche die verzimmerten Schaͤchte haben, gewaͤhren sich die Seiten keine solche Widerlagen; und ein viereckt gemauerter Striegelschacht wuͤrde dennoch, ob er gleich auch noch so gut gearbeitet und gut aufgefuͤhrt waͤre, viel von seinem Halt verliehren, so so bald er nur einige betraͤchtliche Tiefe bekaͤme, und daher bald einstuͤrzen. Bei der zirkelrunden Form erhaͤlt man, wenn die Steine gleichfoͤrmig und nach der Keilgestalt gehauen sind, und auch dem zufolge gemauert werden, allerwaͤrts einen gleichen Druck. Hier muß jedoch dahin gesehen werden, daß die großen Steine und auch die kleinen, ebenfalls in gleichen Mengen rund herum vertheilt werden, sonst bleibt und wird der Druck in der Mauer selbst nicht allerwaͤrts gleich. Man wuͤrde auch die langrunde oder elliptische Form waͤhlen koͤnnen; doch giebt diese nicht einen so gleichen Druck, auch nicht solche Staͤrke wie die runde Form. Wollte man einwenden, man koͤnne die Fahrung in einem runden Striegelschach- te nicht so gut anbringen, so ist dieß ein wirklich nichtiger Einwand, den man durch gute Benutzung des Raumes leicht heben kann. Man bringe den Striegelbaum nur wie gewoͤhnlich in die Mitte der Oeffnung, so behaͤlt man auch in einem Kreise noch Raum genug, und kann die Fahrung bequem einrichten. Ueberhaupt ist also zwischen der Mau- rung eines solchen Striegelschachtes, und zwischen der Auszimmerung ein verzimmerten, in Betreff der Lage und der Groͤße, keine Verschiedenheit. §. 137. Zur Maurung eines Striegelschachtes taugen aber nicht alle und jede Steine; man muß sich T 2 also also solche dazu brechen, wenn sie fehlen sollten, nachdem man vorher die schicklichste dauerhafteste Art, in der umliegenden Gegend des Teichgrundes ausgesucht hat. Da wo Granit, Porphir, Grau- wacke, und uͤberhaupt solche Gesteinarten zu ha- ben sind, welche viel Festigkeit besitzen, und sich doch auch einigermaßen bearbeiten lassen, wird man diesen billig den Vorzug vor Sand- und Kalkstei- nen geben muͤssen, jedoch bei Mangel derselben sich durch andere Huͤlfsmittel zu helfen suchen, z. E. durch gute gebrannte Steine, wenn diese auch je- nen an Dauer nicht beikommen duͤrften. Die Kalk- steine sind freilich die schlechtesten, und daher auch nur im Fall der Noth zu waͤhlen. Man muß also auch in diesem Falle dahin sehen, sehr viel große, und wenig kleine Steine zur Maurung zu be- kommen. Fuͤr die Weite eines gemauerten Striegel- schachtes, sind 4 Fuß im Durchmesser hinlaͤnglich, allenfalls kann man auch 4½ Fuß nehmen. Die- se Weite reicht vollkommen hin, bequem im Strie- gelschachte um den Striegelbaum herum kommen zu koͤnnen, ihn durch Zangen lothrecht zu erhalten, und auch eine gute Fahrung hinein zu bringen. Da aber des Striegelschachtes Fahrung nur sel- ten und nicht immer im Gebrauche ist, so wuͤrde es wirklich auch nicht viel ausmachen, wenn solche auch nicht just die allerbequemste waͤre, wofern man sie sonst nur gesichert haͤtte. Es ist in- deß immer Pflicht, solche gefaͤhrliche Stellen und Wege, Wege, wofern es nur irgend geschehn kann, so gut und bequem als moͤglich zu machen, und die Ar- beiten dadurch erleichtern zu helfen. §. 138. Welche Dicke soll aber die Mauer haben? Soll die Mauer durch sich selbst erhalten werden, ohne unter ihrer eignen Last zu erliegen, und zu- sammen zu stuͤrzen, so muß sie, wenn man ihre innere Verbindung abrechnet, theils dick genug seyn, theils Grund genug haben. Ist der Grund, auf dem die Mauer aufgefuͤhrt werden soll, hin- laͤnglich fest, und die Mauer uͤberdieß unten am Fuße staͤrker als oben, so wird sie das Verlangte desto gewisser leisten; denn nun wird die Mauer durch den Grund und durch sich selbst unterstuͤtzt. Es bleibt demnach noch noͤthig, die obere Dicke dersel- ben ausfindig zu machen. Hier kann man sich mit gutem Grunde der Regeln der Baukunst bedienen. Nimmt man also uͤberhaupt fuͤr die obere Dicke der Mauer auf der Kappe, bei 4 Fuß Laͤnge des Durchmessers der Schachtoͤffnung, 24″ an, so ver- mehre man unten diese Dicke auf jede 12 Fuß Hoͤhe der Striegelschachtmauer um 6 Zoll. Dem- nach erhielte die Mauer bei 12 Fuß Hoͤhe, 30 Zoll untere Dicke; bei 24 Fuß Hoͤhe, 3 Fuß un- tere Dicke; bei 36 Fuß Hoͤhe, 3 Fuß 6 Zoll un- tere Dicke; bei 48 Fuß Hoͤhe, 4 Fuß untere Dicke, u. s. f. fuͤr steigende Hoͤhen der Mauer. T 3 Da Da aber jederzeit die Hoͤhe des Dammes ge- geben ist, und also auch die des Striegelschachtes, und da 4 Fuß eine zweckmaͤßige richtige Weite des- selben abgeben, so findet man allemal leicht durch Rechnung, wie stark die Mauer fuͤr die jedesmal gegebene Hoͤhe, unten auf dem Fundamente seyn muͤsse. Bei der wirklichen Auffuͤhrung der Mauer wird dann fuͤr jede 12 Fuß steigende Hoͤhe dersel- ben, ihre untere Dicke um 6 Zoll verringert , so erhaͤlt endlich die Mauer auf der Kappe ihre gehoͤrige Dicke. Da der Striegelschacht inwendig lothrecht auf- gefuͤhrt werden muß, wodurch er fuͤr alle seine Hoͤhen eine gleiche Weite erhaͤlt, so muß man das, was man dem Vorhergehenden zufolge an der Staͤrke der Mauer von unten hinauf, abzubrechen genoͤthigt wird, an der aͤußern Seite der Mauer abnehmen, wodurch die Mauer also außen gleich- sam eine Treppenform bekoͤmmt, welche durch die mehrern Absaͤtze gebildet wird. Es ist aber rathsam, da — wo sich die Dicke der Mauer verringern soll, keine wirklichen Ab- saͤtze machen zu lassen, sondern die Mauer von diesen Puncten gleich nach und nach, und nur all- maͤhlig einzuziehen. Dann laͤuft ihre aͤußere Flaͤ- che in einem fort in die Hoͤhe und fast unmerk- bar zu. §. 139. §. 139. Soll eine solche Mauer auch ein Mauer- recht haben? Ueber diese Frage merke man Fol- gendes. Dasjenige, was bei den Mauern, und besonders bei den Futtermauern, oder auch bey solchen, durch welche Lasten sollen abgefangen wer- den, das Mauerrecht , oder die Anlage noͤ- thig macht, ist der Seitendruck gegen diese Mau- ern. Diesem Seitendrucke eben, soll die Mauer durch eine, ihrer Hoͤhe verhaͤltnißmaͤßige, Verstaͤr- kung widerstehen. Der gemauerte Striegelschacht steht aber ringsum im Damme, oder im Erdboden. Er leidet also auch rings herum einen Seitendruck. Dieser Seitendruck also muß sich, wenn er rings herum gleich ist, aufheben. Nun ist zwar bei Mauern, welche im Erdboden, und obendrein tief in selbigem stehen, dieser Seitendruck sich nicht allerwaͤrts ganz gleich, (ob er sich schon nach dem Obigen hauptsaͤchlich nach der Hoͤhe rich- tet) wegen der mannigfaltigen verschiedenen keil- foͤrmigen Schichtungen des Gesteines. Bei Daͤmmen aber kann man denselben stets als gleich annehmen, weil in ihnen keine Gestein- schichtungen vorhanden sind, und das Material, das um den Striegelschacht zu liegen koͤmmt, keine widrige Beschaffenheit hat. Eigentlich braucht also wohl ein gemauerter Striegelschacht keine Anlage. Will man ihm aber dennoch welche geben, und sie, wie gewoͤhnlich zu zu geschehen pflegt, dem 5ten Theile der Hoͤhe der ganzen Mauer gleich machen, so wuͤrde dieß eine allzustarke Mauer geben, und der Damm wuͤrde dadurch mehr geschwaͤcht werden, statt daß er, wie eigentlich beabsichtigt wird, durch diese Anlage eine groͤßere Festigkeit und Dauer erhielte. Man sieht also, daß fuͤr diesen Fall ein anderes Verhaͤltniß, als das eben erwaͤhnte, zu waͤhlen ist. Hierzu scheint das Folgende nicht unschicklich zu seyn. Man gebe der Mauer fuͤr jede 3 Fuß ihrer Hoͤhe noch einen Zoll mehrere Dicke zur Anlage, (außer der im Vorigen bestimmten Dicke) so hat man eine fuͤr die Ausuͤbung gut befundene Staͤrke. Gesetzt also, der Damm sey 50 Fuß hoch, die obere Dicke der Mauer allzeit 2 Fuß, so ist die un- tere Staͤrke der Mauer = 2 Fuß vermehrt um 25 Zoll, oder = 4 Fuß 1 Zoll; (wofuͤr man allen- falls auch 4′ setzen mag). Hierzu addirt 50/3 = 16⅔ Zoll, so hat man die untere Dicke der Mauer sammt dem Mauerrechte = 5 Fuß 5⅔ Zoll, wofuͤr man gleichfalls schlechthin 5′ 5″ oder auch 5′ 6″ setzen mag, und welches hinlaͤnglich ist. Wollte man die oben an der Kappe bestimmte Dicke der Mauer, 24 Zoll, fuͤr zu start ausgeben, so muß man bedenken, daß eine solche Mauer von dem im Striegelschachte stehenden Wasser leidet, weil solches die Mauer mit der Zeit auswaͤscht, oder auch wohl die Steine muͤrbe macht und auf- loͤset. Ferner kann auch bei einem großen Teiche die Erschuͤtterung, welche durch das Wasser bei gezo- gezogenem Striegel entsteht, und oftmals sehr hef- tig wird, der Mauer und dem Striegelschachte Nachtheil bringen, wofern sie nicht eine genugsame Staͤrke erhalten. Bei einer Mauer, die eine be- traͤchtliche Dicke hat, kann uͤberdieß ihre innere Verbindung vortheilhafter bewirkt werden, wo- durch die Festigkeit allemal gewinnt. Gesetzt also auch, daß die Mauer etwas weni- ges zu stark wuͤrde, so hat man doch alsdann die Vermuthung, fuͤr Unfaͤllen und Besorgnissen ziem- lich gesichert zu seyn. Die hier angegebene Dicke ist aber auch durch die Erfahrung als tauglich be- funden, und aus diesem Grunde immer zu bil- ligen. §. 140. Ein solcher gemauerter Striegelschacht bedarf aber im Grundgraben eines Fundamentes. Dieß sein Fundament muß mit Vorsicht und Fleiße an- gelegt werden, da die Last des Striegelschachtes, der auf dasselbe zu ruhen kommt, nicht klein ist. Wenn aber dieß Fundament sich nur einigermaßen merklich senkte, so wuͤrde die Striegelschachtmauer ohnfehlbar, selbst bei der besten Struktur, Risse be- kommen, und schadhaft werden. Nun fragt sichs, wie man dieß Fundament von Steinen oder von Thon und Rasen machen koͤnne, daß es Halt be- komme? Der Boden oder die Sohle des Grund- grabens moͤgen, um einen sichern Grund fuͤr die T 5 Strie- Striegelschachtmauer abzugeben, uͤbrigens beschaf- seyn wie sie wollen, so merke man zufoͤrderst die- ses, daß es, wie aus §. 116. oben noch erinnerlich seyn wird, hoͤchst fehlerhaft ist, den Striegelschacht in die Rasen- oder Thonbrust hinein zu legen, und daß solcher von den letztern wenigstens 3 Fuß ent- fernet bleiben muß. Da aber, nach dem Obigen, die Rasenbrust un- ten auf der Dammsohle staͤrker als oben wird, und eine Boͤschung erhaͤlt, so kommen dennoch die Striegelschaͤchte unten auf der Dammsohle, groͤß- tentheils immer noch nahe genug an den Fuß der Rasen- oder Thonbrust, wofern nicht der Zapfen ganz im Teichraume, oder halb im Damme und halb im Freien uͤber der innern Boͤschung des Dammes heraußen liegen soll. Unter diesen Um- staͤnden koͤmmt das Fundament des Striegelschach- tes, dem Fundamente des Rasenhauptes so nahe, daß man gleich einsieht, man muͤsse ersteres sehr wohl verwahren, wenn man Steine dazu gebrau- chen will, wofern es nicht dem Wasser zum Fun- damente im Grundgraben Wege bahnen soll. Dieß zu verhindern, verfaͤhrt man folgen- dergestalt. Die Sohle worauf der Striegelschacht zu stehn kommen soll, untersucht man zuvor ganz genau, und wenn solche entweder schon vor sich von Natur gut gefunden, oder in diesen schicklichen Zustand durch die oben schon angefuͤhrten Mittel (Pfaͤhle) versetzt ist, so schlaͤgt man eine 6 Zoll hohe Schicht des des besten Thones darauf, und wendet auf das Stampfen desselben den moͤglichsten Fleiß. Auf diese Thon- Schicht faͤngt man nun an das Fun- dament aufzumauern. Die Steine werden hie- bei schmal gehauen, keilformig zugespitzt, und saͤmmtlich auf die hohe Kante gestellt. Es versteht sich, daß sie so nahe zusammen gesetzt werden; als sichs nur will thun lassen. Mit einer Handram- me muß man sie derb in einander zwaͤngen, und dabei keine Muͤhe sparen lassen, weil diese Hand- rammen leicht sind, und nicht sehr schwer auffal- len. An der nach der Rasen- oder Thonbrust hin- waͤrts gelegenen Seite, fuͤhrt man noch eine Schicht Thon, oder lieber Rasen, 12 Zoll dick in die Hoͤhe, um den Durchgang des Wassers auch dahin zu verwehren. Man macht auch wohl auf der entgegengesetzten Seite herum, eine gleiche Schicht bis zu Tage heraus uͤber die Dammsohle. So wie man zu dieser heraufgekommen ist mit dem auf die eben gezeigte Art fortgesetzten Mauern, hoͤrt man auf, und legt das Gerenne. Alsdann verfaͤhrt man weiter wie gewoͤhnlich bei gemauerten Striegelschaͤchten nach dem Folgen- den verfahren werden muß. Diese Art, das Striegelschachtfundament zu machen, hat das Gute, daß sich solches nicht viel senkt, da sich die Steine nicht zusammendruͤcken lassen. Nur muß es, so dicht als irgend geschehen kann, mit Steinen ausgesetzt, und immer derb ge- stampfet werden, ehe eine neue Schicht aufge- mau- mauert wird. Wenn dieß Rammen mit einer gro- ßen Rammmaschine geschehen kann, wo der Baͤr recht schwer ist, so ist dieß so noͤthig als nuͤtzlich, weil die kleinen Handrammen nur fuͤr den Noth- fall dienen, und weit weniger leisten. Es ist auch rathsam, das fertig gewordene Striegelschachtfundament erst eine Zeit lang ruhen zu lassen, ehe man weiter darauf aufmauert, da- mit man sieht, ob es sich senkt. §. 141. Man bedienet sich aber auch folgender Metho- de mit Rasen und Thon. Man macht erst dieß Striegelschachtfundament, just so wie das im Grundgraben, fertig; hernach rammelt man das- selbe mit eichenen Pfaͤhlen aus, welche der Tiefe dieses Fundamentes und der Last des Striegel- schachtes proportionirlich lang und stark sind. Denn der bloße Rasen oder Thon wuͤrde sich, ohn- erachtet des Stampfens, bei der so großen Last des Striegelschachtes dennoch etwas senken. Alsdann legt man auf die Pfaͤhle einen ordentlichen Rost, und diesen mauert man nachmals, wenn das Ge- renne gelegt ist, weiter auf. Kann man ein Striegelschachtfundament von Quadern machen, so ist das ohnstreitig das aller- beste, wenn sie gehoͤrig unter- vor- und ruͤckwaͤrts, wie auch an den Seiten, mit Thon verwahrt wer- den. Auch die Verklammerung derselben ist hie- bei sehr dienlich. Es Es bedarf keines weitlaͤuftigen Beweises, daß das Fundament der Striegelschaͤchte groͤßer seyn muß als der Umfang, welchen der Striegelschacht unten auf der Dammsohle hat, um eine desto bes- sere Basis abzugeben. Hat man nun den Grund fuͤr den steinernen Striegelschacht hinlaͤnglich gelegt, so daß man zur wirklichen weitern Aufmaurung schreiten kann, so weiset man zuvor dem Striegelgerenne seinen ge- hoͤrigen Platz und Lage an, richtet es so, daß sein Zapfenloch just in die Mitte des Schachtes komme, und mauert dann getrost um dasselbe herum. Bei- her werden auch die andern Arbeiten am Damme selbst z. E. mit dem Rasen, Thone, Schutte ꝛc. angefangen oder fortgesetzt. Da man aber nur selten im Stande ist, sich der gehauenen Steine zum Ausmauern des Striegelschachtes zu bedienen, so fragt es sich abermals, wenn man Bruchsteine nehmen muß, welche Maurung soll man waͤhlen, die nasse oder trockne? Weil im Striegelschachte doch wohl die meiste Zeit uͤber, wo nicht gar im- mer — etwas Wasser steht; so ist kein Bedenken die nasse (mit Kalk gemachte) Maurung zu verwer- fen, weil das Wasser den Kalk gar bald aufloͤsen, und dieß Bindungsmittel zerstoͤren wuͤrde. Woll- te man freilich so kostbar bauen und Wassermoͤrtel gebrauchen, so ist allerdings diesem der Vorzug nicht abzusprechen. Dieß ist jedoch ein seltener Fall, und daher nimmt man gewoͤhnlich die trockne Maurung. Teichb. U Aber Aber auch bei dieser scheint erstlich untersucht werden zu muͤssen, ob die sogenannte scharfe Mau- rung, oder lieber die mit Moos gemachte zu waͤh- len sey. Da bei der scharfen die Verbindung, durch die schickliche Lage, und durch das genaue in einander Passen der Steine bewirkt wird, und man also kein weiteres Verbindungsmittel ge- braucht, welches die Steine mehr zusammen halten sollte, hingegen bei der Maurung mit Moos, die- ses statt des Kalkes, Lehms oder uͤberhaupt jedes andern Moͤrtels, die Verbindung zu Wege bringen soll; da ferner das Moos nach einiger Zeit ver- weset, und auch nicht genug im Stande ist, die Zwischenraͤume der Steine dicht genug auszufuͤllen: so scheint die trockne scharfe Maurung zu dieser Art von Bauen die zweckmaͤßigste zu seyn, zumal da sie nicht viel mehr Muͤhe als die vorerwaͤhnten macht, und doch die groͤßte Dauer verspricht. §. 142. Aber selbst bei dieser scharfen trocknen Mau- rung verdient es noch einige Ueberlegung, ob man Scheibenmaurung oder Stirnmaurung anwenden, oder beide Arten mit einander verbinden soll. Bei der Stirnmaurung werden die Steine saͤmmt- lich auf die hohe Kante gestellet, und dabei treibt man sie gleichsam wie Keile, in die vorhandenen Oeffnungen ein, welche die neben einander ste- henden Steine zum Vorschein bringen. Ein an- derer wichtiger Vortheil, der sich bei dieser Mau- rung rung zeigt, ist der, daß die Steine im Bogen weit besser zusammengedruͤckt werden, als bei der bloßen Scheibenmaurung, vorausgesetzt, daß die Steine saͤmmtlich auf die rechte Art — das heißt, nicht von innen heraus, sondern von außen hinein nach der Schachtoͤffnung zu, wie dieß bei allen Bogen geschehen muß — angetrieben werden. Zu dem Ende muß ihre Gestalt, in Ansehung der Laͤnge, Breite und Hoͤhe, der Lage, die sie jedesmal haben muͤssen, zuvor angepaßt werden. Eine solche Mauer zeigt alsdann im Wasser eine außerordent- liche Festigkeit. Bei der Scheibenmaurung hingegen ist das Verfahren ganz anders. Bei dieser werden blos die Steine mit ihren breitesten Bahnen (Flaͤchen) uͤber und an einander fort gelegt, wie sie zusam- men passen wollen. Da kann man aber die so noͤthige und nuͤtzliche Keilform der Steine nicht gut herausbringen, auch nicht einmal anwenden. Der Seitendruck gegen eine solche Mauer kann sich daher wirksamer zeigen. Weil aber auch fer- ner die Steine, platt uͤber einander gelegt, nicht so genau auf einander passen, und viel Oeffnung un- ter sich machen, so muß man haͤufig Zwicksteine gebrauchen, um die Oeffnung auszufuͤllen, und die Mauer gehoͤrig dicht zu machen und sattsam zu verbinden. Wenn nun eine dergleichen Mauer fertig ist, und durch eine Erschuͤtterung, oder durch sonsti- gen Druck nur erst ein einzig Zwicksteinchen weicht U 2 und und herausfaͤllt, so bekoͤmmt der naͤchst uͤber ihm gelegene, gleich dadurch mehr Raum und weni- gern Widerstand, um gleichfalls ausweichen zu koͤn- nen. Weicht also auch dieser, so koͤmmt nun die Reihe an immer groͤßere, und die Mauer wird natuͤrlicher Weise bald schadhaft und findet ihren Untergang, da sie ihr eigenes Gewicht nicht mehr zu tragen, im Stande bleibt. Die Stirnmaurung behaͤlt also mit Recht vor der Scheibenmaurung in diesen Faͤllen den Vor- zug, und wenn gleich bei ersterer das Auszwicken auch noͤthig und rathsam ist, so kann es doch bei ihnen weit besser und bequemer verrichtet werden. Denn wenn es von hinten herein geschieht, so ist da stets mehr Raum, und der Druck bleibt immer hinter dem Zwicksteine, und treibt ihn in die Mauer hinein, statt heraus. Eine Stirnmauer braucht auch von ihrer innern Seite heraus nur wenig verzwickt zu werden, welches bei der Schei- benmaurung nicht der Fall ist. §. 143. Einige sind der Meinung, man muͤsse, zu desto besserer Dauer der gemauerten Striegelschaͤchte, wechselsweise sowohl Scheiben- als Stirnmaurung gebrauchen. Hiegegen laͤßt sich aber mit Grund einwenden, daß die platten Flaͤchen der Steine bei der Scheibenmaurung, nie recht gut auf die Steine der Stirnmauer aufpassen, und eben so umgekehrt. Hiebei bekommen sie also eine schlechte un- unsichere Lage. Diese ihnen zu benehmen, muͤßte man wieder viel auszwicken, welches mit vielen kleinen Steinchen geschieht. Man muß aber bei jeder Mauer, der Fugen so wenig zu machen su- chen, als sich es will thun lassen; eine ganz feste Verbindung hat man also, ohnerachtet des Ver- zwickens nicht zu hoffen, zumal da leider, wie man bald gewahr werden kann, der guten Arbei- ter so wenige sind. Ob man nun gleich dahin sehen muß, daß des Auszwickens so wenig gemacht werde, als moͤg- lich ist, so ist doch das Obige keinesweges so zu deuten, als wenn das Auszwicken ganz unnuͤtz und verwerflich sey. Es ist allerdings noͤthig, die offen bleibenden Ritzen durch dieses Mittel zu verstopfen, welches das geschickteste ist, die Loͤcher dicht zu ver- schließen; nur seine Anwendung soll daher zu vermindern gesucht werden. Hiezu dient denn vorzuͤglich, erstlich, daß die Steine nicht zu klein, sondern von maͤßiger Groͤße sind, zweitens, daß sie viel glatte ebne Bahnen haben. Diejenigen Steine, welche der Keilfigur, und laͤnglichen Vierecken am naͤchsten kommen, sind die besten. Fehlt ihnen aber die richtige Gestalt, so muß man ihnen durch das Behauen zu Huͤlfe kommen. Hierzu muͤssen die Maurer besonders angehalten werden, da sie gewohnt sind, sich die Arbeit leicht und bestmoͤg- lichst bequem zu machen, ohne daß ihnen eben der Vortheil des Bauherrn sehr am Herzen laͤge. §. 144. §. 144. Da wo das Striegelgerenne vermauert wird, muß man sich vorzuͤglich, großer und ganzer Plat- ten bedienen, die nicht leicht zerspringen, auch keine Risse haben, und die Steine so dicht, als es geschehn kann, an das Gerenne anzwaͤngen. Die etwanigen Ritzen verstopft man noch be- stens mit gutem Thone, weit besser mit Wassermoͤr- tel, den man an dieser Stelle nie weglassen sollte. Man mauert auch wohl zu diesem Behufe, (wel- ches sehr gut gethan ist) uͤber das Striegelgerenne vorn und hinten, in der Striegelschachtmauer ei- nen kleinen uͤberspringenden Bogen, den man nachher ganz fuͤr sich mit Wassermoͤrtel und Bruch- steinen, (besser noch mit eigentlich dazu ausgehaue- nen Steinen) ausmauert und verschließt. Dieß hat den Vortheil, daß man immer ohne Schaden der Striegelschachtmauer, das Gerenne verschlies- sen, und die vorhandenen Oeffnungen verstopfen kann. Rund um die Striegelschachtmauer herum wird, wie bei den mit Holz ausgesetzten Striegel- schaͤchten, gleich von der Sohle des Dammes her- auf, zuerst eine 18 Zoll breite Schicht des besten Rasens gelegt, und dieser recht fest unter sich und an die Mauer angestampft. Hinter diese Rasen- schicht setzt man wieder eine zweite von Thon oder gutem Leimen, welche eben so wie die vorige be- handelt wird. Beide Schichten, Thon und Ra- sen, sen, werden nun immer zu gleicher Zeit rund um die Striegelschachtmauer herum, und bis zur Kap- pe hinaus in einem fort aufgefuͤhrt, so wie des Dammes Hoͤhe waͤchst, und die Striegelschacht- mauer selbst hoͤher aufgefuͤhrt wird. Alle diese besagten Arbeiten haben weiter keine Schwierig- keiten, und werden bekanntermaßen verrichtet, da- her sie keiner langen Beschreibung beduͤrfen. In- deß merke man dieses noch, so wie der Damm hoͤ- her, und also auch der Striegelschacht beiher von Zeit zu Zeit mit aufgefuͤhrt wird, muß man von 20 zu 20 Fuß, oder wenn man anders will, von 24 Fuß zu 24′, Buͤhnenloͤcher und Anfaͤlle, gleich mit in die Striegelschachtmauer einmauern, in welche man nachmals die Lager fuͤr die Buͤh- nen , an den Enden der Fahrten hinlegen laͤßt. Ein gleiches muß auch wegen der Zangen beobach- tet werden, welche ebenfalls in die Mauer zu lie- gen kommen, und den Striegelbaum in seiner loth- rechten Richtung erhalten sollen, daß er nicht schwanken kann. Geschieht die Anlegung der Buͤhnenloͤcher und Anfaͤlle nicht gleich waͤhrend des Aufmauerns des Striegelschachtes, so muß man nachher, wenn der Striegelschacht fertig ist, wieder Loͤcher in die Mauer mit Gewalt einbrechen; hiedurch leidet eines Theils die Mauer selbst, welches man doch durch die waͤhrend des Mauerns angebrachten Schwibbogen uͤber den Loͤchern verhindern kann; andern Theils liegen auch die Lager in solchen un- unregelmaͤßig gestalteten und gewaltsam eingebro- chenen Loͤchern nicht so fest, und lassen sich auch nicht so bequem und sattsam verwahren, als in re- gelmaͤßig gebildeten. Wollte man gar keine Buͤhnenloͤcher machen lassen, und die Lagerhoͤlzer zu den Buͤhnen und Fahrten bloß an die Waͤnde antreiben, und ver- spreitzen, oder sie schlechthin mit eisernen Fahrt- haspen in den Stoͤßen befestigen, so bekaͤmen sie wenig Halt, und wuͤrden nur Ungluͤck anrichten. Wenn die Striegelschachtmauer bis zur Kappe hinaufgestiegen ist, und ihre benoͤthigte Hoͤhe er- reicht hat, so waͤhlt man zu den letzten oben liegen- den Steinen, große Stuͤcke (besser noch Werkstuͤcke), daß die Mauer nicht so leicht aufgerissen werden moͤge, und ein gefaͤlliges Ansehn erhalte. Man klammert auch wohl diese großen Deckplatten zu- sammen, daß sie nicht verschoben werden koͤnnen. Zuletzt wird die Mauer noch inwendig hier und da verzwickt, wo etwa solches noͤthig waͤre, und wenn fuͤr die Maurer im Schachte ein Geruͤste gemacht ist, solches behutsam herausgerissen. Gemeinig- lich aber wird ein solcher Schacht ohne inwendiges Geruͤste, und bloß von außen herum aufgemauert, weil man da immer handthieren kann, wie man will. Man legt auch wohl bisweilen Bretter queer uͤber die Oeffnung des Schachtes, um sicher an die innern Seiten u. s. w. kommen zu koͤnnen. Wenn Wenn das Striegelhaus gleich mit in einem fort aufgemauert werden soll, so fuͤhrt man die Striegelschachtmauer bis unter das Dach des Strie- gelhauses in die Hoͤhe. Nur bricht man ihr noch ½ Fuß von ihrer obern Dicke ab, daß sie also ge- gen 18 Zoll Staͤrke behaͤlt. Da wo die Thuͤr ins Striegelhaͤuschen kommen soll, wird die Oeff- nung dazu gleich eingemauert, und bei dem Mau- ern die Hasphaken und Krampen nicht vergessen, mittelst deren die Thuͤr angehangen und verschlossen werden soll. Sowohl die Hasphaken, als auch der Krampen, oder die Klinke, wo das Schloß der Thuͤr hinkommen soll, muͤssen lange An- geln haben, die an ihren Spitzen 2 bis 3 Zoll lang umgebogen sind, daß sie derb in der Mauer haften, und nicht ausgezogen werden koͤnnen. §. 145. Striegelschaͤchte, die theils im Damme, theils im Teich- raume liegen. Allgemein heißen alle Striegelschaͤchte, deren Lage außerhalb des Dammes, und im Wasser ist, sie moͤgen nun ganz , oder zum Theil vor der innern Boͤschung stehen, Freistriegel . Von diesen folgen hier zuerst diejenigen, wel- che noch im Damme selbst liegen, und von dem Teichwasser nur halb, oder mehr oder weniger um- geben werden. §. 146. §. 146. 1) Freistriegel, die noch im Damme liegen. Um diese Freistriegel fuͤglich von jenen zu un- terscheiden, welche ganz im Teichraume und gar nicht mehr im Damme liegen, hat man angefan- gen, erstern den Namen halbe , letzteren dage- gen den Namen ganze Freistriegel zu geben. Bei dem Worte „halb“ schraͤnkt man sich nicht so ge- nau auf die wirkliche Haͤlfte der ganzen Striegel- schachthoͤhe ein, sondern man behaͤlt diese Benen- nung fuͤr eine groͤßere oder kleinere Groͤße immer bei, wenn nur der Striegelschacht wirklich noch im Damme liegt, sey uͤbrigens dieß so weit als es wolle. Gemeiniglich werden sie bis jetzt von Holz ge- macht, das heißt, sowohl der im Damme als der im Freien vor dem Damme befindliche Theil dersel- ben. Man sieht auch bald ein, daß es thoͤricht seyn wuͤrde, denjenigen Theil dieser Striegel- schaͤchte, der vor der Boͤschung liegt, von Brust- steinen zu machen, obgleich der im Damme lie- gende Theil davon erbauet worden seyn kann. Das Wasser wuͤrde dieß Stuͤck bald zerstoͤren. Wollte man diesen im Wasser stehenden Theil von Holz, den uͤbrigen von Stein machen, so muß man be- denken, daß es schwierig werden duͤrfte, das Holz- werk auf das Mauerwerk so dauerhaft zu verbin- den, daß wirklich eine feste Arbeit entstuͤnde, und daß hiebei viel Aufmerksamkeit noͤthig waͤre, in- glei- gleichen auch viel Geschicklichkeit. Ein anderes wuͤrde es seyn, wenn man das gemauerte Stuͤck von Quadern auffuͤhrte. Da die Maaße in allen Stuͤcken voͤllig diesel- ben sind, wie bei den im Vorigen abgehandelten, so kann hier gleich von dem Verfahren und der Be- arbeitung geredet werden, welche bei ihnen, wenn sie, wie gewoͤhnlich geschieht, von Holz aufgefuͤhrt werden, vorzukommen pflegt. Sobald als das Teich- und Zapfengerenne gelegt ist, und seine gehoͤrige Befestigung und son- stige Verwahrung erhalten hat, auch das Zapfen- loch gehoͤrig an Ort und Stelle gebracht ist, (wel- ches man durch eine Zeichnung erforschen kann, wenn die Boͤschung des Dammes sammt ihrem Boͤ- schungswinkel, und auch die Laͤnge bekannt ist, um welche der Striegel aus dem Damme hervor- ragen soll,) so schreitet man zur wirklichen Erbau- ung des halben Freistriegels. Hier verfaͤhrt man fast auf die nemliche Art, wie oben angezeigt wor- den ist, nur mit dem Unterschiede, daß erst auf die Schwellenunterlage unter dem Zapfenloche, auf jede Ecke eine eichene Saͤule, von 10—12′ Zoll Dicke ins Quadrat, gesetzt wird. Figur 56 zeigt sie bei a im Aufrisse. Gewoͤhnlich erhalten diese Saͤulen eine Laͤnge von 16 Fuß, doch bei hohen Daͤmmen nicht gern darunter, weil sonst der Ver- zapfungen zu viel werden, wodurch Schwaͤche ent- steht. Diese 4 Saͤulen werden unter einander durch Queerriegel, c, wagrecht in einer Weite von 8 Fuß, 8 Fuß, sodann auch noch durch Kreuzbaͤnder b so verbunden, daß sie genugsamen Halt bekommen, und sowohl seitwaͤrs einigen Druck ausstehn, als auch von oben nieder Last tragen koͤnnen. Um diese 4 Ecksaͤulen herum, werden hierauf aͤhnliche Bohlengevierte (Schrotstuͤcke), wie die in §. 131. oben beschriebenen, von gleicher Staͤrke, Breite, und bloß mit wenig abgeaͤnderter Laͤnge, ingleichen mit voͤllig derselben Behandlungsart ge- setzt, wie bereits gezeigt worden. Bei diesen Schroten bedient man sich vorzuͤglich der Schwal- benschwaͤnze, um sie an den Ecken zusammenzufuͤ- gen, weil sie nicht so viel auszustehen haben, als die oben erwaͤhnten. §. 147. Oberwaͤrts, wo die Saͤulen ihr Ende erreicht haben, wird uͤber je zwei derselben, ein Stuͤck Holz gelegt, das aus einer maͤßig starken Eiche gehauen, und 12 bis 14 Zoll ins Quadrat dick ist. In das eine Ende jedes dieser zwei Stuͤcke, muͤssen Zapfenloͤcher eingehauen seyn, welche auf die im vorigen §. beschriebenen, und oben mit Za- pfen versehenen Saͤulen aufpassen. Dadurch kom- men sie auf diesen Ecksaͤulen fest aufzuliegen. Das andere Ende jedes der zwei Stuͤcke wird in den Damm hinein gelegt, und mit Schutt und Rasen bedeckt; zu dem Ende muͤssen sie so lang geschnit- ten werden, daß sie weit genug in den Damm hineinreichen, und dieß kann wegen der verschiede- nen nen Hoͤhe und Dicke der Daͤmme, auch wegen an- derer Umstaͤnde, welche hierbei in Betracht kom- men, nicht allgemein bestimmt werden; daher wird denn diese ihre Laͤnge bald groͤßer, bald klei- ner. In den Damm selbst muͤssen sie indessen we- nigstens vier Fuß lang hinein zu liegen kommen; jedes dieser Lagerhoͤlzer, wie zum Beispiel A und B in Figur 56 und 57, ist in Bezug auf die Ecksaͤu- len als ein Plattstuͤck anzusehen, und heißt eine Zange . Diese Zangen dienen dazu, daß sich die vier Ecksaͤulen des Striegelschachtes nicht seitwaͤrts, auch nicht in den Teichraum hinein senken koͤnnen, ferner — daß sie dem Striegelschachte uͤberhaupt mehr Haltbarkeit gegen das Umstuͤrzen geben. Fi- gur 56 und 57 zeigt dabei die ganze Vorrichtung deutlich, und α γ bedeutet dort des Dammes Boͤ- schung im Teichraume. Es ist noͤthig, daß diese Zangen, da wo sie in den Damm zu liegen kommen, etwas hoͤher ge- legt werden, als auf den Zapfen der Ecksaͤulen, da- mit sie, wenn sich nachmals der Damm etwas senkt, wodurch sie also sich auch mit senken, nicht die Eck- saͤulen verschieben, aus dem Lothe draͤngen, und also den Striegelschacht ruiniren. Vorn uͤber den Saͤulen verbindet man sie mit Queerblaͤttern, besser aber durch Riegel, wie Fi- gur 57 bei d im Grundrisse deutlich zeigt. Man verriegelt sie auch wohl noch dann, wenn sie in der Hoͤhe des zweiten oder dritten Aufsatzes von Saͤu- Saͤulen, schon weit vor der Boͤschungsebne des Dammes heraußen liegen. §. 148. Auf das erste Paar Zangen, wie A in Figur 56 im Profile zeigt, werden sodann wieder 4 andere Saͤulen gesetzt, welche uͤber den untersten voͤllig lothrecht stehn, und gleich den vorigen, mit Rie- geln, Kreuzbaͤndern, u. s. w. verwahrt werden muͤs- sen. Anterwaͤrts setzt man sie allezeit mit Zapfen in die Zangen ein, wozu vorher die Zangen gehoͤrig gelocht werden. Je nachdem nun der Damm hoch oder niedrig ist, kommt ein zweiter oder gar dritter Aufsatz von aͤhnlichen 4 Saͤulen uͤber einander, und end- lich aus dem Damme vor der innern Boͤschungs- ebne in den Teichraum heraus, die aber alle durch Zangen gesichert werden. Hinter jeden dieser Saͤulenaufsaͤtze kommt noch auf jede Zange eine Strebe e, von 10—12 Zoll Dicke, welche das Saͤulwerk nach dem Damme zu, unbeweglich haͤlt, und 16 bis 18 Fuß lang ist. Beiher werden auch die Gevierte, (oder Schrote) so wie das Saͤulwerk aufgesetzt ist, mit an die Eck- saͤulen befestigt, damit ihrentwegen kein Aufent- halt bei der Auffuͤhrung des Dammes entstehe. Ferner wird, so weit als das Holzwerk im Damme steht, wie bei den andern vorigen Arten von Strie- gelschaͤchten, hinter die Gevierte eine Schicht Ra- sen und Thon gestoßen, und solche gut verstampft. Ist Ist nun das Saͤulwerk uͤber die Boͤschung des Dammes, der Hoͤhe nach herausgestiegen, so fuͤhrt man doch die Gevierte um das Saͤulwerk, noch 8 bis 10 Fuß in die Hoͤhe, damit der vor der Boͤ- schung liegende, und herabschurrende Schutt, Steine ꝛc. nicht in den Schacht fallen koͤnne und ihn verstuͤrze. Wenn nun diese Gevierte hoch ge- nug aufgefuͤhrt sind, so wird der Schacht uͤber ih- nen mit 3 Zoll dicken Bohlen zugeschlagen, jedoch die Oeffnung fuͤr die Striegelstange nicht zu sehr verengt, doch auch nicht zu weit gelassen. Ein Spielraum von ½ bis ¾ Zoll, den der Striegel- baum an jeder seiner 4 Seiten bekoͤmmt, ist hin- laͤnglich, ihm eine freie Bewegung auf und nieder zu verschaffen. Dasjenige Saͤulwerk aber, das man von die- ser Hoͤhe an, noch ferner aufsetzen muß, um uͤber den hoͤchsten Wasserstand zu kommen, oder auch darauf das Striegelhaus erbauen zu koͤnnen, wird gemeiniglich noch so hoch aufgefuͤhrt, bis die uͤber dasselbe gelegten Blattstuͤckchen, in einer horizonta- len Ebne mit der Kappe des Dammes liegen. Sollte nun hiezu ein Aufsatz allein nicht reichen, so muß man mehrere dergleichen uͤber einander sez- zen, und zu Ende eines jeden Aufsatzes wieder Zangen in den Damm legen. Diese Zangen muͤs- sen um desto laͤnger werden, je mehr sich der Strie- gelschacht bei anwachsender Hoͤhe des Dammes so- wohl als seiner selbst, von der Boͤschung entfernt. Weil aber diese Zangen, wenn sie hoch nach der Kap- Kappe zu, zu liegen kommen, nicht weit in den Damm einreichen, so verriegelt man sie an dem hintern Ende nochmals, und schlaͤgt vor den Rie- gel in jede Ecke, wenn die Zangen richtig gelegt sind, einen Pfahl oder mehrere, von 8 Zoll Dicke und 10 bis 12 Fuß Laͤnge. In Figur 57 sind sie bei den letzten Riegeln d mit hingezeichnet. Dann koͤnnen sich die Zangen nicht aus dem Damme her- ausziehn. Der oberste und letzte Aufsatz von Saͤulen darf nicht allzuhoch uͤber die horizontale Ebne der Kappe erhaben seyn, weil man sonst nicht gut auf den Stegen , von denen gleich die Rede seyn soll, zu der Striegelstange, oder dem Striegelhaͤuschen kommen kann. Man thut daher wohl, wenn man gleich anfangs den Ueberschlag von der gan- zen Hoͤhe des Dammes und der Laͤnge des Saͤul- werks macht, und den saͤmmtlich zu errichtenden Saͤulenaufsaͤtzen gleiche Hoͤhen zu geben sucht, welche zusammen addirt, der Hoͤhe des Dammes gleich kommen. Auch bei der Zimmerarbeit selbst schafft dieß Vortheil, weil alsdann in den Maaßen weniger Irrung seyn kann. §. 149. Sobald man mit dem aufgerichteten Saͤul- werke die Hoͤhe des Dammes erreicht hat, macht man die vier Saͤulen des obersten oder letzten Auf- satzes, der Kappenhoͤhe gleich, auch wohl noch etwa 6 Zoll hoͤher als die Kappe selbst ist, schnei- det det sodann, wie bei allen vorigen Saͤulen geschah, die noͤthigen Zapfen an, und legt von dem Damme hinweg nach den obersten vier Saͤulen, nachdem sie zuvor mit kleinen Rahmen bedeckt sind, Stege hin. Diese Stege D in der 58sten Fig. sind den vor- benannten Zangen aͤhnlich, und von tannenem Holze (etwa Viertel- oder halben Staͤmmen), deren Laͤnge sich nach dem Abstande des obersten Saͤu- lenaufsatzes vom Damme richtet und zugeschnit- ten werden muß. Da wo nun diese Stege — gewoͤhnlich legt man nur 2 neben einander, — auf die Kappe selbst aufzuruhen kommen, wird erst eine 12 Zoll dicke eichene Unterlage hingelegt, f in Fig. 58, deren Laͤnge durch die Weite bestimmt wird, welche zwischen den beiden Stegen bleiben soll. Weil nun gemeiniglich ein Steg von dem andern 2 bis 3 Fuß im Lichten entfernt wird, so schneidet man die Unterlage auch nicht unter 5 Fuß lang. Sie wird laͤngst der Directionslinie des Dammes auf die Kappe gelegt, und die beiden Stege mit ihrem starken Ende darauf gebracht, die, wenn sie gehoͤrig liegen, noch mit zoͤlligen gros- sen eisernen Nageln angenagelt werden. Mit dem schwachen Ende legt man die Stege auf die Nahmen des obersten Saͤulaufsatzes, und befe- stigt sie mit eisernen Baͤndern, oder noch besser mit Schrauben auf solche. Queer uͤber die zwei Stege kommen sodann eicheue zwei Zoll starke Bohlenstuͤcke zu liegen, im- mer eines dicht an das andere, bis der Weg auf Teichb. X den den Stegen hin ganz sicher und gangbar gewor- den ist. Auch diese werden angenagelt, daß sie der Wind nicht abwerfen kann, oder daß sie nicht gestohlen oder verschoben werden. Damit man aber auf diesem hoͤlzernen Wege desto dreister uͤber die Stege zum Striegelhause E in Figur 78, gelangen moͤge, werden auf die Stege (auch wohl nur zur Ersparniß der Kosten, auf einen Steg) an deren beiden Enden und in der Mitte Saͤulchen g von 4 Fuß Laͤnge aufgerich- tet. Diese stuͤtzt man seitwaͤrts durch kleine Stre- ben h, und legt eine Lehne i auf sie, an der man sich beim Gehen uͤber die Stege anhalten kann. Manchmal werden die Stege ganz uͤberbauet. Zu dem Ende setzt man mehrere 8 Fuß lange Saͤu- len, in der gewoͤhnlichen Saͤulenweite auf die Stege, verriegelt sie unter einander, legt Rahmen und kleine Balken uͤber sie, und setzt ein kleines Gesperre darauf, zu einem Holzschindel- oder bloßem Bretterdache. Seitwaͤrts verschlaͤgt man sodann das Saͤulwerk auf den Stegen, mit Bret- tern, oder man stickt die Fache mit Fachstacken und Fachgerten aus. Die Fache mit Lehm zu be- werfen, oder gar auszumauern, ist nicht dienlich, weil dieses einmal die Stege zu sehr belaͤstigt, und zweitens, weil der Regen bald alles auswaschen wuͤrde. Wenn die Stege sehr lang werden, ist es nicht schaͤdlich, doppelte Stege auf einander zu legen, weil einfache sich leicht beugen, dann muͤssen sie aber den- dennoch auch in ihrer Mitte unterstuͤtzt werden, daß sie dem Striegelschachte nicht zu sehr zur Last fallen. Dieß kann auf solche Art geschehn, daß man gleichsam gewoͤhnliche Bruͤckenjoche von Holz unter sie in den Damm setzt, worauf sie ruhen koͤn- nen. Allenfalls koͤnnte man sie auch armiren , wenn es noͤthig scheinen sollte. Zum Striegelhause , (das ist eine Ueber- bauung des Striegels mit Waͤnden und Dach, in die man hinein gehn und den Striegel bequem ziehn, nachmals aber denselben verwahren kann, daß keiner so leicht zum Striegel kommen moͤge, Figur 58, E) werden auf die Stege selbst, oder auf 2 Lager, k, die uͤber die 4 Striegelschachtsaͤulen gelegt sind, noch 4 eichene 8 Fuß hohe Saͤulen ll gesetzt; diese verriegelt man unter einander, und macht Sturmbaͤnder zwischen die Saͤulen, aus- genommen da, wo von den Stegen her der Ein- gang hinkommen soll, und bedeckt sie mit einem Bretter-Stroh- oder Schindeldache. Der Boden des Striegelhauses wird rund um den Striegel- baum herum, mit eichenen 3 Zoll dicken Bohlen belegt, und solche aufgenagelt. Vorn vor den Stegen her, koͤmmt eine Thuͤr davor, die etwas enger ist, als die Stege von einander entfernt lie- gen, die also beinahe 2½ Fuß weit gemacht wird. Die Thuͤr selbst darf nicht in das Haͤuschen hin- ein, sondern herausgehen, wenn sie geoͤfnet ist, sonst wuͤrde sie den ohnehin schon sehr beschraͤnkten Raum des Haͤuschens sehr versperren. Daß sie X 2 ver- verschlossen werden muͤsse, bedarf keiner Erin- nerung. Wenn man in die Waͤnde des Striegelhaͤus- chens kleine 4 Zoll lange und weite Loͤcher macht, in jede Wand nur eines oder 2, so kann der ganze Teichspiegel groͤßtentheils aus solchen uͤbersehn, und Wildpret oder Enten ꝛc. aus dem Haͤuschen sehr bequem geschossen werden, ohne daß man sichtbar dabei wird, und das Wildpret zuvor verscheucht. §. 150. 2) Freistriegel, die ganz vor dem Damme liegen. Diese Striegel erhalten von Manchen den Na- men Moͤnche oder Moͤnniche. Woher diese son- derbare Benennung gekommen seyn mag, laͤßt sich schwerlich genau angeben. Vielleicht ruͤhrt sie da- her, daß in den Zeiten der dicksten Finsterniß, wo der Glaube an Gespenster, Hexen und uͤber- haupt Geistererscheinungen, noch die Welt mehr tyrannisirte, als Gottlob jetzt der Fall ist, — ein furchtsamer Kopf, der des Abends bei einem vollen Teiche vorbei passirte, in einem altgewordenen Striegelhaͤuschen einen Moͤnnich zu erblicken glaub- te. Eine Erscheinung, worauf ihn die vierschroͤtige kulpigte Figur sowohl dieser Herren als des Strie- gelhaͤuschens leicht fuͤhren konnte. Der entdeckte Irrthum mit der erblickten vorgeblichen Erschei- nung gab vielleicht Anlaß, dieß Striegelhaus spott- weise Monnich zu nennen, welche Benennung nach- her allgemeiner geworden seyn mag. Viel- Vielleicht hieß auch der, welcher zuerst den Striegelschacht vor den Damm bauete, Moͤnnich, und ihm zum Andenken behielten diese Striegel den besagten Namen. Moͤnnich, heißen aber auch Einige uͤberhaupt das gesammte Holzwerk bei allen Striegeln, die vor dem Damme liegen, z. E. die Saͤulen, Riegel, Streben, Zangen ꝛc. Hier und in der Folge be- zeichnet dieser Name indeß nur solche Striegel, die ganz vor dem Damme, von der Teichsohle an bis oben hinauf von Holz erbauet sind. Was ihre Bauart betrifft, so ist zwischen ih- nen, und den zuletzt abgehandelten, nicht viel Verschiedenheit. Bei diesen (den Moͤnchen) koͤmmt das Zapfengerenne gleich vor den Damm in den Teichgrund zu liegen. Zuvoͤrderst legt man also unter das Zapfengerenne, dahin wo das Zapfen- loch ist, ein gleiches Schwellengevierte von eiche- nem Holze, und von der nemlichen Groͤße, wie solches §. 117. oben verlangt worden. Nur aber sind die Schwellenunterlagen die hier gebraucht werden, in der Dicke von obigen verschieden; denn diesen muß man eine Staͤrke von 20 Zoll, und wo moͤg- lich noch druͤber geben, damit sie der auf ihnen auf- zubauenden Last des Striegelschachtes, genugsa- men Widerstand leisten koͤnnen, und eine geraume Zeit ausdauren. Auf diese Schwellenunterlage wird das Za- pfengerenne aufgelegt, und gehoͤrig angeklammert. Dann werden voͤllig, wie im Vorigen verlangt wur- de, de, die vier Saͤulen, welche den Untersatz ausmachen sollen, auf die Unterlage aufgesetzt, und auf die- sen wird nachher das uͤbrige Holz- und Saͤulwerk weiter aufgefuͤhrt, welches gaͤnzlich nach Anleitung des vorigen gesagten, mit Kreuzbaͤndern, kleinen Plattstuͤcken, Riegeln, Streben ꝛc. versehn, und wohl verwahrt wird. Indeß fallen hier die Zan- gen gewoͤhnlichermaaßen ganz weg, ob es gleich scheint, daß auch hier sie gar nicht am unrechten Orte angebracht waͤren. §. 151. Weil aber durch den Mangel der Zangen diesem Saͤulwerke viel von Festigkeit abgeht, so hat man dieß, obgleich minder zureichend, durch ein ande- res Mittel zu ergaͤnzen gesucht. Es werden nemlich um den Fuß des Striegels herum, große Streben von allen 4 Seiten her gegen das Saͤulwerk des 2ten Aufsatzes aus dem Teichraume angesetzt, und durch Schrauben und starke Klammern an selbiges angezogen. Dadurch vergroͤßert sich denn natuͤr- lich die Basis des ganzen Holzwerkes sehr, und der Umsturz desselben bei tiefen Teichen wird nicht so leicht moͤglich. Ueberhaupt muß man hier da- hin sehen, untenhin etwas staͤrkeres Holz zu neh- men als gewoͤhnlich, oben aber das schwaͤchere. Dann liegt auch der Schwerpunct des ganzen Saͤul- und Holzwerks tiefer, und das Ganze steht fester. Gemeiniglich kommen auf jede Seite des Saͤulwerks, 2 solche große Streben von 12 und mehr mehr Ellen Laͤnge, und 10 bis 12 Zoll Dicke. Zwischen jedes Paar dieser Streben kommen 2 Rie- gel; auf der Teichsohle aber kommen sie auf Soh- len zu stehen, und werden in solche versetzt und angeklammert, daß sie gar nicht weichen koͤnnen. Unten auf dem Teichgrunde werden, um die Saͤulen herum, Schrote von Bohlen gesetzt und angenagelt, oder zusammengefuget; diese sol- len den bekannten Wasserkasten abgeben. Deswe- gen werden denn auch die Schrote zwischen dem Saͤulwerke hindurch zugedeckt, und blos in der Mitte des Deckels ein Loch eingeschnitten, in wel- chem die Striegelstange auf- und niedergehen kann. An den 4 Seiten des Kastens werden just, wie oben von dem Wasserkasten gelehrt worden, Loͤcher eingebohrt, durch welche das Wasser in den Ka- sten eindringen, doch solchen nicht verschlaͤmmen kann. Die Hoͤhe dieses Kastens weicht von der ge- woͤhnlichen oben angezeigten (§. 113.) meisten- theils betraͤchtlich ab, und ist 8 bis 10 Fuß, auch wohl etwas weniger, je nachdem der Zapfen weit oder nahe vor die Brustseite des Dammes zu liegen kommt. Die uͤbrige gesammte Arbeit ist voͤllig dieselbe, wie sie im Vorigen bei den halben Freistriegeln be- schrieben worden, das etwa ausgenommen, daß hier uͤber dem Wasserkasten keine Bohlengevierte in die Hoͤhe gefuͤhrt werden, und daß bloß das Saͤulwerk frei auf einander gesetzt, an einander an- geklammert, und so in die Hoͤhe gebracht wird. Um Um Weitlaͤuftigkeit zu vermeiden, muß ich mich daher auf das Vorige beziehn, zumal da Figur 59 und 60 eine hinlaͤnglich deutliche Vorstellung von diesen Striegeln giebt. In Figur 60 sind die an- zusetzenden Streben mit ihren Riegeln angegeben, und da sind qq die Sohlen, tt die Streben selbst, oo die Riegel. §. 152. Zug- und Roͤhrenstriegel. Bei kleinen flachen Teichen bedient man sich auch folgender 2 Arten von Striegeln, erstlich des Zuges , und dann auch wohl des Roͤhrenstrie- gels . Der Zug, Zugstriegel , den gleichfalls ei- nige Moͤnnich nennen, hat den großen herrlichen Vortheil, daß die Vorrichtung bei ihm ganz leicht ist, und daß man aͤußerst wenig Holz zu ihm ge- braucht; denn das, was die Gerenne ꝛc. noͤthig ma- chen, ist sehr wenig. Man verfaͤhrt folgendergestalt mit ihm. So wie das Grundgerenne gelegt worden, richtet man von den Enden eines eichenen 9 bis 10 Fuß lan- gen Schwellens oder Lagers, dessen Richtung mit der des Dammes parallel ist, (nach Figur 61, g f ) zwei Staͤnder aa auf, die man oben durch eine kleine, wenigstens 4 Fuß lange Holbe b verbindet. Diese Staͤnder muͤssen gleichfalls von eichenem Holze, und ihrer Hoͤhe — (welche der des Dammes gleich gleich ist,) — gemaͤß und proportionirlich stark seyn. Gewoͤhnlich 14 Zoll ins Quadrat. Ob sie nun gleich im Teichraume senkrecht auf der Unterlage g f aufgerichtet sind, nach Figur 62, so bekommen sie doch nach Figur 61 auch noch gegen einander eine Neigung, daß sie also oben naͤher zusammen stehn als unten. Den Winkel b g f macht man nicht leicht uͤber 70 Grad, doch auch nicht unter 55, und hiernach werden die Un- terlagen g f , u. s. w. kuͤrzer oder laͤnger, wie es eben noͤthig ist. Zu mehrerer Befestigung des Wasserkastens e, und des in ihm liegenden Grund- gerennes i, wird neben die Unterlage g f, gleich noch eine zweite a in Figur 62, gelegt, deren Entfernung von g f etwa 18 Zoll betraͤgt. Ueber die kleinen Holben b, kommen alsdann die Stege cc zu liegen, auf denen man nach dem Zugstriegel hingehen kann. Zwischen diesen bei- den Stegen geht dicht an der Holbe b herauf, der Striegelbaum d, an dem wie gewoͤhnlich unten der Zapfen ist, der in den Wasserkasten e, und in das darinnen liegende Gerenne i geht, welches alles nach Anleitung des Obigen behandelt und verfertigt wird, und in der Figur blos punctirt angegeben ist. Damit sich aber dieser Striegelbaum nicht von der Holbe hinweg, zwischen den Stegen hindurch, nach dem Teichraume zu ziehen moͤge, so wird oben queer uͤber die Stege, hinter ihm eine eiser- ne starke Klammer vorgeschlagen, welche mit den Ste- Stegen und der Holbe eine viereckte Oeffnung bil- det, in welcher der Striegelbaum auf und nieder gehn kann. Durch die Striegelstange bohrt man in Entfernungen von 2 Zoll uͤbers Kreuz, 4 bis 6 Loͤcher, von der Staͤrke eines Zolles, durch welche ein eiserner Nagel von gleicher Staͤrke gesteckt wer- den kann. Will man nun den Teich ziehen, so faßt man mit einem 8 Fuß langen und 6 Zoll dik- ken Hebel, unter dem besagten eisernen Nagel im Striegelbaume, unter, stuͤtzt den Hebel einen Fuß weit von dem Nagel auf eine Unterlage, und druͤckt ihn hinten nieder, so geht die Striegelstan- ge in die Hoͤhe. Uebrigens werden sie ganz nach dem Vorigen behandelt. Auf diese Striegel kommen selten Striegelhaͤu- ser, weil dazu erst eine andere weitlaͤuftigere Vor- richtung gemacht werden muͤßte, um das Haͤuschen zu tragen. Die Stege aber werden auf die Holbe mit 1 Zoll starken, und nach Befinden langen ei- sernen Naͤgeln aufgeheftet, und zu mehrerer Sicher- heit, klammert man auch noch die Holbe auf die Staͤnder an. §. 153. Der Roͤhren striegel, Rennstriegel , ist noch einfacher als alle vorigen, nur nach der bisher gewoͤhnlichen Art nicht so bequem, schnell, und genau zu ziehn. Ein 30 oder 28 Zoll starker Baum, wo moͤglich von eichenem Holze, dessen Laͤnge der um 3 oder 4 Fuß vermehrten Hoͤhe des Dam- Dammes gleich ist, wird nach Figur 63 so behauen, daß das Stammende desselben, auf 3 oder 3½ Fuß lang voͤllig rund und unbehauen bleibt, a b in der Figur. An diesem Ende wird die Schaale abge- schaͤlt, (auch kann man den Splint abnehmen,) und der Baum an ein Feuer gelegt, daß er schwarz brennt, wodurch seine Haͤrte etwas vermehrt wird. Oberhalb dieses Absatzes von 3 Fuß vollen Holzes, wird der Baum vierkantig beschlagen, und zwar so, daß jede Flaͤche recht eben, und eine gegen die andere voͤllig winkelrecht werde, wie b c zeigt. Dieß beschlagene Stuͤck wird hierauf an einer der 4 Flaͤchen, an welcher man will, ausgehoͤhlt, voͤllig so, als wollte man eine Krippe aushauen. Man nimmt zum Aushoͤhlen stets die am meisten aͤstige Seite, dann springt der Boden nicht so stark, als wenn die Aeste noch darinnen sind. Die Backen d d dieser Rinne, wie sie einstweilen heißen mag, bleiben jeder 6 Zoll stark, auch wohl nur 5, je nachdem der Baum stark war. Auf die entgegen- gesetzte Flaͤche von der ausgehoͤhlten Seite, wird unten am vollen Holze eine Oeffnung von 9 bis 10 Zoll Weite ins Gevierte ausgehauen, in welche gleich das Abschußgerenne e in Figur 64 zu liegen kommt, das hier mit dem Zapfengerenne ein und dasselbe wird. Man laͤßt aber dieß Loch auch wohl gar weg und stoͤßt das Zapfen- und Abschuß- gerenne schlechtweg nur an den Baum an, der auf vorbenannte Weise ausgehoͤhlt worden. Die- sen Baum oder diese Rinne, nennt man den Sturz - baum , baum , auch wohl den Rennbaum . Wenn er ganz fertig ausgehauen ist, wird er mit dem Stammende, da wohin der Zapfen eigentlich kom- men soll, ehe noch der Damm in dieser Gegend aufgefuͤhrt wird, gewoͤhnlich 3 oder 4 Fuß vor die Boͤschung des Dammes in den Teichgrund, ( δ γ in Figur 64 und 65) hineingesetzt, gehoͤrig nach dem Lothe gerichtet, daß er ganz senkrecht steht, durch große Steine in der Teichsohle befe- stigt, und auf aͤhnliche Art, wie man Thorsaͤulen zu setzen pflegt, eingerammt. Die ausgehoͤhlte Seite des Sturzbaums koͤmmt nach dem Teichspiegel zu stehen, wenn nemlich der Baum unten fuͤr das Zapfengerenne gelocht wird. Ist dieß aber nicht der Fall, so wird die ausge- hoͤhlte Seite nach der Brustseite des Dammes hin- waͤrts gestellt. Der Baum darf nie tiefer in die Erde gesetzt werden, als bis an den Anfang des beschlagenen Holzes, also just so tief wie der Stamm rund gelassen ist. Damit er sich jedoch nachmals nicht senken koͤnne, muß man das Loch, in welches er zu stehen koͤmmt, auf der Sohle mit Platten verwahren. Ueberhaupt ist es besser, das rundgelassene Ende des Sturzbaumes lieber 5 bis 6 Fuß lang zu nehmen, wenn man das Holz so haben kann. Glaubt man indessen, daß er nicht sicher stehen wer- de, bei 3 Fuß angenommener Laͤnge des vollgelasse- nen Stammes, so stuͤtzt man ihn seitwaͤrts noch durch ein Paar Streben, die etwa 5 Fuß Laͤnge erhalten. §. 154. §. 154. Ist der Sturzbaum auf die eben verlangte Weise gerichtet, so wird sogleich das Abschußge- renne an ihn angestoßen, mit einer eisernen Buͤch- se an den Rennbaum angebuͤchset, und seit- und oberwaͤrts so mit eisernen Klammern angeheftet, daß es fest liegen bleiben muß. Alsdann bedeckt man das Gerenne, und fuͤhrt es uͤber die Damm- sohle hinaus, alles so — wie oben gezeigt wor- den. Dann kann das Wasser frei und ungehindert durch den Damm hindurch fortlaufen. Um aber die Wasser zu halten, bedient man sich folgender leichten Anstalt. Man saͤget kleine eichene Bretterstuͤcke, aus 1 zoͤlligen Bohlen, wel- che auf allen Seiten sodann behobelt werden, daß sie recht glatt sind, und theils recht genau an ein- ander, theils eben so genau an den Rennbaum pas- sen. Alle diese Bretterchen erhalten eine solche Laͤnge, welche der Breite des Rennbaumes vor der ausgehoͤhlten Oeffnung gleich ist. Diese Schutz- bretterchen h, i, k ꝛc. in Figur 65, werden nun unten auf der Teichsohle, vor die Oeffnung des Rennbaumes vorgelegt, genau auf- und angepaßt, und angenagelt, und man setzt sie vor der Rinne so hoch in die Hoͤhe, als man den Wasserstand haben will. Die untersten dieser Schutzbretter nagelt man ganz fest auf, die andern in der Hoͤhe folgenden heftet man jedes nur leicht an, daß man sie be- quem loß machen kann. Will Will man diese Schutzbretter nicht annageln, so macht man gleich anfangs in die Backen des Rennbaumes, da wo die Rinne ausgehauen ist, Nuthen oder Falze, in welche die Schutzbretterchen eingelassen werden koͤnnen. Vorn vor diese Schutz- bretterchen koͤmmt alsdann von dem rundgelassenen Stuͤcke an, eine 3 Finger breite Leiste , in die Hoͤhe herauf, hinter welcher die Schutzbretterchen in den Nuthen liegen, daß sie nicht heraus ins Wasser fallen koͤnnen. Diese Leiste wird unten in eine eiserne Huͤlse gesteckt, oder angenagelt, wel- ches von beiden man fuͤrs beste haͤlt, damit sie nicht abgleite. Oben hingegen wird die Leiste freigelassen, dann kann man sie an die Schutzbret- ter an- und abhalten. Oben zu Ende der Leiste — die so lang seyn muß, daß sie stets uͤber den hoͤch- sten Wasserstand herausreicht, — macht man ei- nen Wirbel , durch den man die Leiste anklam- mern kann, wenn von den Schutzbretterchen wel- che entweder weggenommen, oder neu zugesetzt sind. Durch das Wegnehmen oder Vorsetzen dieser Schutzbretter wird demnach diese Art von Strie- geln gezogen (das heißt, das Wasser abgelassen) oder zugesetzt, (das Wasser gehalten) wie auch uͤbrigens das Wegnehmen und Vorsetzen der Schutzbretter geschehen mag. Daß man aber noͤthigenfalls zu dem Renn- baume uͤber das Wasser im Teiche hinweg kommen koͤnne, werden seitwaͤrts, parallel mit der Richtung des des Dammes, 2 Loͤcher in die Backen des Renn- baumes gehauen, durch welche man ein 6 Zoll ins Gevierte dickes eichenes Lagerholz, f, in Figur 64 und 65 stecken, und Bretter darauf legen kann. Will man inzwischen den Rennbaum nicht durch- lochen, so nagelt man dieß Lagerholz, oder auch nur eine starke Leiste hinten an den Rennbaum an; auf diese legt man die Bretter auf, und befestigt sie mit etlichen Bankeisen an den Rennbaum. Besser ist es indessen, zwei kleine leichte Stege, g, vom Damme hinweg nach dem Rennbaum hinzu- legen, da entgeht man der Gefahr noch mehr; auch kann man die auf die Stege aufgelegten Bret- ter wegnehmen, daß keiner zum Rennbaume kom- men kann. Es ist dieser Art von Striegeln nicht abzu- sprechen, daß sie sehr einfach sind, und sehr gerin- ge Kosten machen, und gleichfalls gute Dienste thun. Allein sie lassen sich nicht so gut stellen wie andere, auch nicht bequem zumachen, besonders wenn erst etliche Fuß Wasser aus dem Teiche gelas- sen sind, so daß der Teich etwa noch halb gespannt ist, und man denselben wieder voll haben will. Hier macht es allezeit einige Umstaͤnde, die Schutz- bretter wieder vorzusetzen, und sie an den Renn- baum und an sich selbst unter einander dicht anzu- schließen. Daher ist die vorhingedachte Vorrich- tung mit der Leiste vor den Schutzbretterchen sehr dienlich. Wollte man dem Unbequemen dadurch abhelfen, daß man den Rennbaum durch einen Schie- Schieber zu oͤfnen und zu schließen suchte, so hat dieß auch wieder das Unangenehme, daß sich der Schieber, weil er verquillt, schwer in die Hoͤhe ziehen, und beinahe eben so schwer niederdruͤcken laͤßt, wodurch am Ende der Rennbaum und die gesammte Vorrichtung leidet. Ueberhaupt sind diese zwei letztern Striegel- arten nur bei flachen Teichen, oder bei Weihern zu gebrauchen. Bei großen und tiefen Teichen hingegen muß man andere waͤhlen. Die Einrich- tung der vorgemeldeten Striegel zeigt Figur 63, 64, 65, so deutlich, daß keine weitlaͤuftige Be- schreibung davon noͤthig wird. §. 155. Liegende Striegel. Zu den Striegeln, welche im Teichraume vor dem Damme liegen, gehoͤren auch die sogenannten liegenden . Sie erhalten diese Benennung da- her, weil bei ihnen die Striegelstange, die bei al- len vorigen, die ihrer bedurften, senkrecht in die Hoͤhe gieng, flach liegt, und auf der Boͤschung des Dammes im Teichraume herauf geht. Bei diesen liegenden Striegeln bleibt durch- aus die Anlage des Zapfen- und Abschußgerennes dieselbe, wie bei der vorhergehenden, und Grund- und Zapfengerenne sind ein und dasselbe. Nur das Zapfenloch erhaͤlt eine andere Richtung; denn bei den liegenden Striegeln wird es nach derjeni- gen gen Richtung und Schiefe in das Gerenne einge- locht, welche die Striegelstange hat und verlangt. Weil nun dieß allemal einige Schwierigkeit fuͤr die Arbeiter verursacht, so ist es rathsam, das Zapfenloch nicht eher ganz fertig zu machen, bis die Boͤschung des Dammes voͤllig zu Stande ge- bracht ist, die Striegelstange ihre gehoͤrige Lage er- halten hat, und die Vorrichtung mit derselben so weit gediehen ist, daß der Striegelbaum so auf und nieder gelassen werden kann, wie es verlangt oder nothig wird. Dann loche man das Zapfen- loch gehoͤrig aus, und schneide den Zapfen mit al- ler Genauigkeit zu, so erhaͤlt man die Arbeit gut, und auch in der Folge Bequemlichkeit. Ueber dem Zapfenloche faͤllt alles Saͤulwerk weg, wie man gleich selbst einsieht. Ueberhaupt genommen sind diese Striegel sehr vortheilhaft. Man erspart außerordentlich am Holze und Arbeitsloͤhnen, weil man blos kleine niedrige Leitungen auf der Brustseite des Dammes anzulegen hat. Diese Leitungen, innerhalb deren die Striegelstange ihren Weg auf und nieder neh- men muß, kann man wie gewoͤhnlich und auf fol- gende Art machen. Nach Figur 66 legt man in die Boͤschung des Dammes im Teichraume 2 Grundsohlen a, in ei- ner Entfernung von 12 Zoll von einander, von der Kappe herab bis auf die Teichsohle gerade her- unter. Diese werden unten auf der Teichsohle in einen kleinen Queerschwellen b von 14 Zoll Dicke Teichb. Y ins ins Gevierte eingezapft; so auch oben auf der Kappe, oder bei dem Anfange der Grundsohlen, wo dieser irgend nur hinzuliegen kommen mag. Wenn mehrere Grundsohlen an einander an- gestoßen werden muͤssen, wegen der Laͤnge der Boͤ- schung des Dammes im Teichraume, so geschieht ein gleiches, allemal kurz vor dem Wechsel der bei- den der Laͤnge nach zusammengestoßenen Grundsoh- len, zwischen jedem neben einander liegenden Paare. Auch in der Mitte der Laͤnge der Grund- sohlen geschieht dieß. Will man, so legt man auch unter die Wechsel (die man jederzeit mit eisernen Ringen umgiebt, und mit eisernen Schrauben ver- wahrt) selbst, Unterlagen unter. Diese Grund- sohlen nennt man auch Streckbaͤume , welche nicht mit denen der Bergleute zu verwechseln sind. Sind nun diese Streckbaͤume in die Brustseite des Dammes eingelegt, so wird der zwischen ihnen be- findliche Raum mit Rasen dicht ausgesetzt; oder wenn eine Terraßmauer vor die Boͤschung koͤmmt, werden die Streckbaͤume mit in selbige eingelassen, und wohl ein- und ausgemauert. Auf diese Streckbaͤume werden in Entfernun- gen von 12 zu 12 Fuß, Paare von 2½ Fuß ho- hen, und 6 bis 8 Zoll ins Quadrat starken Saͤul- chen c in Figur 67 gesetzt, und zwar jederzeit so, daß sie nicht auf der Boͤschung des Dammes, sondern auf der Sohle desselben senkrecht stehen. Oben queer uͤber jedes Paar koͤmmt eine kleine Holbe d , von gleicher Staͤrke, und 26 bis 28 Zoll Zoll Laͤnge. Zwischen diese Dockenpaare wird auf der Boͤschung hinunter, die Striegelstan- ge e in Figur 68, mit ihrem angeschnittenen Za- pfen g gelegt. Damit sie aber nicht auf der Boͤ- schung selbst aufruhen, werden unter ihr kleine 6 Zoll dicke und 18 Zoll lange Walzen f, mit Fin- gersdicken eisernen Zapfen angebracht. Diese Za- pfen laufen in Pfadeisen , die in die Docken rechts und links eingeschlagen sind; man muß hie- bei wohl beobachten, daß alle diese Zapfen vor der Boͤschung des Dammes in eine einzige gleiche schiefe Ebne zu liegen kommen, welches mit- telst eines accuraten langen Richtscheides erforscht werden kann, wenn man solches auf 2 Walzen auflegt, und die naͤchstfolgenden darnach richtet. Widrigenfalls wuͤrde der Striegelbaum nicht auf allen Walzen aufruhen, sondern hier hoͤher dort tiefer liegen, wodurch er endlich sich senken, oder wenigstens sehr holpericht auf und nieder gehen wuͤrde. Der Striegelbaum muß aber auch, wenn er auf den Walzen ruht, noch hinreichenden Raum zwischen sich und der kleinen Holbe d behalten, (etwa 1 Zoll) welche uͤber jedes Paar Docken koͤmmt. §. 156. Es ist nicht undienlich, auch uͤber der Striegel. stange aͤhnliche kleine Walzen anzubringen; dadurch erhaͤlt man, wenn der noͤthige Spielraum gegeben Y 2 ist, ist, den Striegelbaum in einem vortheilhaften glei- chen Gange, welcher das Ziehn und Zusetzen des- selben sehr erleichtert. Zu dem Ende muß aber auch der Striegelbaum allerwaͤrts eine gleiche Dicke bekommen, und an den Stellen, wo die Walzen ihn treffen, behobelt werden, sonst entsteht viel Friction und die gesuchte Erleichterung ver- schwindet. Ganz dicht vor dem Zapfenloche muß ein Paar Docken gesetzt werden, die vor- und ruͤck- waͤrts mit Streben gestuͤtzt und wohl befestigt sind. Dieses Docrenpaar muß den Zapfen genau in der Zapfenlochoͤffnung erhalten, daß er sich nirgends klemme. Weil es aber moͤglich waͤre, daß der Zapfen mit der Striegelstange beim Ziehen des Teiches, unvermuthet und ganz und gar heraus gezogen werden moͤchte, welches nachtheilig ist bei einem vollgespannten Teiche, so wird vor diesem letzten Dockenpaare, durch die Striegelstange ein eiserner, 1 Zoll starker, 18 Zoll langer Wehrna- gel gesteckt, und durch Splitten so in die Strie- gelstange befestigt, daß er aus selbigen auf beiden Seiten gleich weit heraus tritt. Wird nun der Striegel ganz und aufs staͤrkste gezogen, so tritt der eiserne Nagel (wenn sein Loch in der Striegel- stange so abgemessen und gewaͤhlt ist, daß der Za- pfen doch noch 2 Zoll im Zapfenloche steckt,) vor das unterste Dockenpaar vor, und es ist unmoͤg- lich, ihn ganz aus dem Zapfenloche herauszu- ziehen. Die Die Staͤrke der Striegelstange ergiebt sich aus dem Obigen, wie auch aus der Entfernung der Streckbaͤume und der darauf gesetzten Docken. Oben am Ende des Striegelbaumes auf der Kappe, wird sodann eine der unten folgenden Vorrichtungen angebracht, den Striegelbaum zu ziehen. Wer die Kosten mit den Streckbaͤumen nicht anwenden will, schlaͤgt auch wohl nur statt der auf die Streckbaͤume gesetzten Docken, 8 Zoll dicke Pfaͤhle, in obiger angegebenen Richtung in den Damm ein, und befestigt an diese Pfaͤhle die Pfad- eisen, worein die Walzen kommen; man muß aber auch uͤber die Pfaͤhle Holben uͤbernageln. Allein die Pfaͤhle verziehen sich leicht, und diese Methode giebt wenig Accuratesse, weswegen sie nicht oft gebraucht wird. Weil die Docken auf den Streckbaͤumen fuͤr sich, nicht lange stehn wuͤrden, ohne sich zu ver- ziehn, so muͤssen sie von unten herauf aus dem Teichraume nach oben zu, jedes Paar fuͤr sich, mit kleinen 24 Zoll langen Streben h gestuͤtzt wer- den. Diese Streben sind so stark, als jede Docke ist, die sie stuͤtzen sollen; man setzt sie in die Streck- baͤume, in ein dazu ausgelochtes Loch mit einem angeschnittenen Zapfen ein, und verwahrt jede Strebe oben an die Docke, der sie zur Stuͤtze die- nen soll, mit eisernen Nageln, oder noch besser mit Schrauben. Bei Bei allen ihren Vorzuͤgen hat indessen diese Art von Striegeln das Unguͤnstige an sich, daß sie — wenn der Damm nicht ziemlich steil dossirt ist, nicht gern das Zapfenloch rein und fest zu- setzen, welches man bei senkrecht stehenden Strie- gelstangen nicht so zu befuͤrchten hat. Daß unten um den Zapfen und sein Gerenne ein Wasserkasten kommen muͤsse, versteht sich von selbst. Der uͤbrige Bau hat keine Schwierigkeit, auch keine besondern Einrichtungen, die nicht saͤmmtlich aus den Figuren 66, 67 und 68 zu er- sehen waͤren, daher das Gesagte genug seyn mag. §. 157. Striegel, die weder im Damme noch im Teichgrunde, sondern in den Widerlagen liegen. Endlich folgen die in den Widerlagen gelege- nen Striegel. Diese Art, die Striegelschaͤchte zu placiren, ist und bleibt ohnstreitig die vortheilhaf- teste unter den bisher genannten und gewoͤhnlichen Arten. Von den Vortheilen, welche diese Strie- gelschaͤchte uͤberhaupt gewaͤhren, merke man kuͤrz- lich folgendes. Es ist bei ihnen ganz und gar nicht noͤthig, den Damm durch die Striegelschacht- oͤfnung oder einen andern Ausschnitt, wie er auch heißen mag, zu schwaͤchen. Hiedurch erhaͤlt dem- nach der Damm eine betraͤchtlich groͤßere Staͤrke und Dauer, die bei allen vorgenannten Arten nicht erlangt werden kann. Blos bei gemauerten Daͤm- men, men, die von Quadern aufgefuͤhrt sind, und deren unten weiter erwaͤhnt werden soll, ist es moͤglich, eine noch groͤßere Festigkeit hervorzubringen. Fer- ner hat man bei dieser Art von Striegeln, wenn nur das Fundament des Dammes gut gelegt ist, die Widerlagen wohl verwahrt sind, und der Damm sonst nicht leichtfertig behandelt, oder zu schwach erbauet ist, gar keine Reparaturen zu machen, diejenigen ausgenommen, welche mit der Laͤnge der Zeit, durch das Ausspuͤlen und Anschla- gen des Wassers entstehen duͤrften; diese sind aber in der That sehr gering, wenn man nur einige Aufmerksamkeit auf den Damm verwendet, und ihn jaͤhrlich etlichemal visitirt, und das Schadhafte gleich anfangs ausbessert. Endlich fallen bei dieser Art von Striegelschaͤchten, bei großen Tei- chen alle Besorgnisse weg, welche man wegen der Verwahrung der Striegel, bei haͤufigen Wasser- fluthen immer haben muß, da man bei solchem Bau, wie uͤberhaupt beim Wasserbau, nicht genug vor- sichtig seyn, und zu Werke gehn kann. Gesetzt also, der Striegel muͤßte reparirt wer- den, so bleibt dennoch das Hauptstuͤck, der Damm, in Sicherheit. Alle diese Vortheile sind von Er- heblichkeit, und nicht aus den Augen zu setzen. §. 158. Wir kommen jetzt auf den Platz, der ihnen ei- gentlich anzuweisen ist. Dieser wird ihnen theils neben dem Damme, theils etwas hinter dem Dam- Damme angewiesen. Es ist zwar im Grunde gleichguͤltig, ob man sie rechts oder links des Dam- mes anlegen will, jedoch legt man sie gern so in die Widerlagen, daß, wenn das Gebirge Steinschei- dungen, Kluͤfte oder Gaͤnge hat, diese vom Damme hinweg nach dem Striegelschachte zu- waͤrts fallen ; alsdann kann der Damm sowohl, als das Fundament desselben nicht leiden. Aus gleichem Grunde legt man sie auch lieber, wenn es das Locale gestattet, hinter die Directionslinie des Dammes. Wenn aber die Beschaffenheit des Locale solches nicht leiden will, so legt man sie mit dem Damme in einer geraden Richtung fort, mehr oder weniger tief in die Widerlagen hinein, je nachdem es die Umstaͤnde erfordern. Waͤre z. E. in der Naͤhe des Dammes sehr schlechtes Gestein, aber weiter in die Widerlage hinein gutes, so sieht man gleich, daß man den Striegelschacht tiefer in das gute Gestein hinein legen muͤsse. Jedoch darf man sie auch nicht allzuweit in die Widerla- gen hinein legen, weil sonst die Striegelroͤschen, die hiebei unentbehrlich sind, und deren in kurzem weitlaͤuftiger gedacht werden soll, zu lang und zu kostbar werden koͤnnen. Wenn es das Locale gestattet, ist es am sicher- sten — wofern Striegelschacht und Fluthbette in Collision kommen, und man gezwungen ist, Fluth- bette und Striegelschacht zugleich auf ein und die- selbe Seite des Dammes zu legen, — den Strie- gelschacht zunaͤchst an dem Damme an, hinter die- sem sem aber das Fluthbette zu bringen. Kann es aber irgend geschehen, so ist es immer besser ge- than, beide zu trennen, und auf die eine Seite das Fluthbette, auf die andere Seite den Striegel zu legen; dann kann weder Striegelschacht, noch das durch das Fluthbette durchstroͤmende Wasser, dem Damme gefaͤhrlich werden. Hieruͤber entscheidet das Locale am richtigsten. Gleich den vorgenannten Arten von Striegel- schaͤchten, koͤnnen auch diese entweder mit Holz oder mit Stein ausgefuͤttert werden. In beiden Faͤl- len muß man sie nach dem, was desfalls oben ge- sagt ist, behandeln. Da indeß die Widerlagen der Daͤmme — wenn gleich nicht allezeit, doch fast immer aus festem Gestein bestehen, und nur dann und wann hievon Ausnahmen vorkommen, so wer- den diese Striegelschaͤchte, wo nicht ganz und gar, doch zum Theil, besonders von unten herauf, wo der Striegelschacht tiefer nieder koͤmmt, aus festem Gestein gehauen, wodurch viel Holz erspart und ihre Dauer sehr befoͤrdert wird. Die Weite und Laͤnge derselben ergiebt sich aus dem Vorigen. Ihre Tiefe richtet sich nach dem tiefsten Puncte der Teichsohle vor dem Damme; so tief also dieser un- ter demjenigen Puncte liegt, wo der Striegelschacht in den Widerlagen abgesunken werden soll, so viel Teuffe muß derselbe auch erhalten. §. 159. §. 159. Da die Arbeiten, welche diese Striegelschaͤchte erfordern, mit denen, welche beim Auffuͤhren des Dammes vorkommen, in keiner solchen Verbin- dung stehen, daß die Verrichtung der einen Arbeit von der Vollendung der andern abhienge, so koͤn- nen diese Striegelschaͤchte vor oder waͤhrend des Auffuͤhrens des Dammes selbst fertig gemacht werden. Ueberhaupt also kann man die Arbeit vornehmen, wie es Zeit, Gelegenheit, die Menge von vorhandenen Arbeitsleuten ꝛc. gestatten. Die Arbeit selbst nimmt man, nach Beschaffen- heit des vorgefundenen Gebirges, vor. Was weg- gefuͤllt werden kann, wird erst weggebracht, und wenn es zu gebrauchen ist, nahe an die Hoͤhe der Kappe gestuͤrzt, daß man dann schon Vorrath von Schutt ꝛc. in der Hoͤhe findet, und solchen nicht erst tief von unten herauf karren muß. Festes Ge- stein wird mit Schlaͤgel und Eisen, oder mit Boh- ren und Schießen gewonnen, alles — auf die ge- woͤhnliche, auch im Obigen schon beruͤhrte Weise, so daß desfalls alle Erinnerungen entbehrlich sind. Dagegen merke man Folgendes. Wenn sich waͤhrend des Absinkens des St gelschachtes schlechtes Wetter einstellt, so hin- dert dieß die Arbeit nicht so sehr, als bei den vori- gen Arten den Striegelschacht anzulegen. Hier bauen die Arbeitsleute uͤber , und arbeiten, in- dem sie gegen Regen und Wetter sicher sind, immer fort fort. Die naͤhere Art und Weise, diese Striegel- schaͤchte ins Werk zu richten, ist eigentlich diese. Wenn die Striegelschaͤchte ins feste Gestein zu stehen kommen, so werden sie nach den oben ange- gebenen Weiten so tief abgesunken, als noͤthig ist, um den Abfluß des Wassers aus dem Teiche gehoͤ- rig zu befoͤrdern. Bei diesem Absinken hat man dahin zu sehen, daß alle Stoͤße (innere Seiten) des Schachtes nicht holpericht, sondern fein eben ge- arbeitet werden, und daß also keine Buckel von dem Gesteine stehen bleiben. Dieß raubt einmal vielen Raum, und giebt zweitens auch dem Strie- gelschachte ein schlechtes Ansehen. Gute Aufsicht beim Niederbringen des Schachtes, und Aufmerk- samkeit auf das Schwachmachen kann dieß hin- laͤnglich verhindern, und blos dann, wenn alles Gestein herausgeschossen werden muß, und gar nicht durch Schlaͤgel und Eisen gezwungen werden kann, ist es nicht so genau zu verlangen, weil das Grubenpulver bald mehr bald weniger in das Ge- stein einreißt, und die Buckels nur mit Muͤhe zu- gefuͤhrt werden koͤnnen, und viel Gezaͤhe rui- niren. Dieß ist jedoch nicht immer der Fall. Ferner muß man streng darauf Acht haben, daß der Striegelschacht gut nach dem Lothe gearbeitet werde, und keine schiefen Winkel und Richtung be- komme. Auch dieß hat seine Nachtheile, jedoch vorzuͤglich bei der Verzimmerung. Endlich muß auch der Schacht durchaus seine obere gehoͤ- rige Weite behalten, und nur wenig auf dem Tief- Tiefsten desselben, von besagter Weite ab- weichen. §. 160. Steht aber der Striegelschacht nicht durchgaͤn- gig im festen Gestein, sondern muß er ganz oder hier und dort verzimmert werden, so behan- delt man ihn folgendergestalt. Vor allen andern faßt man ihn jetzt etwas wei- ter, weil eines Theils das Holzwerk (die Verzim- merung) selbst, den Raum etwas verengt, zwei- tens weil auch die bei der wirklichen Verzimme- rung vorfallenden Arbeiten mehreren Raum ver- langen. Wo also der Schacht unten im Festen steht, da muß der innere Raum der Verzimme- rung, besagter Weite des Schachtes im Ganzen gleich seyn. Der Zwischenraum der Gevierte , womit der Schacht ausgezimmert wird, darf nicht uͤber 3 Fuß betragen, weil sonst die Pfaͤhle, mit denen man den Schacht verschießt , zu sehr von dem Seitendrucke leiden. Die Gevierte, die man in den Schacht hinein bringt, und welche beson- ders das Gebirge aus einander halten, mittelst der hinter ihnen geschlagenen Pfaͤhle, bestehen aus den Joͤchern , und den Haupthoͤlzern . Jene sind die langen, diese die kleinen Stuͤcke Holz, welche zu einem laͤnglichen rechtwinklichten Viereck zusammengesetzt werden. Diese Gevierte werden horizontal in der vor- hin angegebenen Weite, (3 Fuß) unter einan- der , der , in dem Schachte nieder, angebracht. Weil aber die Gevierte fuͤr sich allein nicht ruhen koͤn- nen, so kommen allezeit zwischen zwei naͤchste Ge- vierte (die man uͤberhaupt auch wohl schlechthin Joͤcher nennt) 3 Fuß lange, 8 bis 9 Zoll ins Quadrat starke, viereckte, auch wohl runde Saͤul- chen oder Stuͤtzen an die 4 Ecken zu stehen, die man Bolzen nennt. Diese muͤssen die Gevierte aus einander, und in ihrer wagerechten Lage erhal- ten. Sowohl Joͤchern als Haupthoͤlzern, giebt man 12 Zoll Hoͤhe und 8 Zoll Breite. Ihre Laͤn- ge ist diejenige, welche der Schacht bekommen soll. Die Joͤcher macht man aber gemeiniglich, wenn der Striegelschacht im Lichten nicht ganz viereckt werden soll, 5 ½ Fuß lang, die Haupthoͤlzer nur 4 ½ Fuß. Soll aber der Striegelschacht eine voͤllig vier- eckte Figur bekommen, so erhalten Joͤcher und Haupthoͤlzer gleiche Laͤnge, die sich dann nach der dem Schachte bestimmten Oeffnungsweite richtet. Die Pfaͤhle, welche hinter diese Joͤcher geschla- gen werden, muͤssen am Kopfe (dem obern Ende) wenigstens 2 ½ Zoll, in der Mitte aber noch 2 Zoll stark seyn. Unten (am Schwanze ) macht man sie etwas duͤnner, etwa 1 Zoll stark. Sie wer- den 3 bis 6 und 8 Zoll breit, je nachdem das Holz zu haben ist, und 4 ½ bis 5 Fuß lang. Alle muͤssen in der Regel von eichenem Holze seyn, welches recht gesund ist, und vor der Bearbeitung zu Pfaͤhlen erst geschaͤlt wurde. Man schlaͤgt sie von von oben nieder, und zwar so hinter die Joͤcher und Haupthoͤlzer, daß der naͤchstfolgende untere Pfahl, mit seinem Kopfe den Schwanz des naͤchst obern, vom Gevierte hinweg nach dem Gebirge hinaus treibe, wie Figur 69 zeigt. Wird der Schacht tief, und steht er durchgaͤngig im Gezim- mer, so muß er, besonders wenn viel Druck zu be- fuͤrchten ist, noch durch Kreuz - und Trage- stempel verwahrt und gesichert werden, wobei man sich, wie uͤberhaupt bei dieser Arbeit, der Holz- arbeiter von Bergwerken mit Nutzen bedient, da sie diese Arbeiten mit besondern Handgriffen zu vollenden wissen. Das unterste Gevierte wird fast auf das Ge- stein aufgelegt, oder auf selbiges, wenn es nicht uͤberall aufruhen kann, doch so gelagert und befe- stigt, daß die andern Gevierte, die uͤber ihm sind, fest und unerschuͤtterlich liegen, und die verlang- ten Dienste thun, ohne Nachtheil oder Ungluͤck besorgen zu lassen. §. 161. Wenn die Zimmerung so tief in den Schacht hinein gehn sollte, daß sie nahe an und um das Zapsengerenne koͤmmt, so muß man unten auf die Sohle, wo das Zapfengerenne liegt, etliche starke Schrotgevierte bringen, damit man das Zapfenge- renne darinnen wohl verwahren kann. Haben diese Schrotgevierte viel zu tragen, so muß man zu der oben angegebenen Staͤrke derselben, etwa 2 Zoll 2 Zoll und druͤber zulegen. Wo viel Druck gegen sie statt findet, gilt dieß gleichfalls. Da wo nun das Zapfengerenne durch diese Bohlenstuͤcke durch- gehn soll, muͤssen solche so weit ausgenommen wer- den, als das Zapfengerenne breit ist. Sind nach- mals die Schrotstuͤcke um das Gerenne herum ge- bracht, und gehoͤrig gelagert, so keilet man letzte- res in erstere ein. Hiebei muͤssen alle Keile moͤg- lichst dicht an einander geschlagen, und von glei- cher Laͤnge, Dicke und Schiefe gemacht werden. Auf dieß untere Bohlengevierte wird sodann ein zweites, und nach Befinden der Umstaͤnde noch mehrere gelegt, bis man auf solche die wirkliche Pfahl - oder Bolzenzimmerung anfangen kann, die man, so weit als noͤthig ist, im Schachte anwendet. Wenn man aber auf der Sohle keine Boh- lengevierte braucht, so kann man das Zapfengeren- ne blos durch 2 oder 4 Bohlenstuͤcke durchgeben lassen, welche man gegen die Stoße der kleinen Roͤsche antreibt, die durch diesen Striegelschacht geht, und dann keilt man sie wie gewoͤhnlich ein. Die Ritzen, welche die Bohlen an den Stoͤßen der ganzen Striegelroͤsche (die mit eingeschlossen, welche die Wasser aus dem Teiche zum Zapfengerenne her- leitet) machen, muß man gleichfalls wohl versto- pfen, und man thut dies e rwegen sehr wohl, wenn man die Roͤsche uͤber, unter, und neben dem Za- pfengerenne, vom Teiche her nach dem Striegel- schachte zu, wenigstens 4 Fuß lang, ganz und gar mit mit Thon und Rasen aussetzt, und alles dicht ver- stampft. Hiebei muß besonders dahin gesehen werden, daß bei dem Verstampfen der Roͤsche, in der First derselben, (der obern Flaͤche) keine Oeff- nungen oder Ritze bleiben, welches leicht moͤg- lich ist. Damit aber das Zapfengerenne eine desto sichre- re Lage haben, und nicht so leicht verruͤckt werden moͤge, macht man noch folgende Vorrichtungen. Man laͤßt zu beiden Seiten der Laͤnge des Zapfen- gerennes, in jedem der Schachtstoͤße, rechts und links ein Buͤhnloch und einen kleinen dazu gehoͤ- renden Schraam hauen (der verschiedentlich auch wohl Anfall genennt wird, und welche Benen- nung oben gebraucht ist), also uͤberhaupt zwei Buͤhnloͤcher und zwei Schraͤme. In diese Buͤhu- loͤcher legt man zwei eichene Lagerhoͤlzer, von 10 bis 12 Zoll Staͤrke, queer uͤber das Zapfengeren- ne hinweg, und verkeilt diese Lager in die Schraͤ- me und Buͤhnloͤcher aufs staͤrkste, daß sie sich auch nicht im mindesten regen koͤnnen. Gleichermaßen verkeilt man auch das Zapfengerenne unter den La- gern; und allen uͤbrigen offenen Raum zwischen dem Gerenne und den Lagern, wo nur Wasser durch- gehen moͤchte, stampft man dicht mit Thon, oder mit Rasenstuͤcken aus. Auf diese Art kann die Erschuͤtterung, welche das Ziehen des Striegels verursacht, nie schaͤdlich werden. Figur 70 zeigt diese Vorrichtung, und da ist a b das Gerenne, c c sind die Lagerhoͤlzer, d die Striegelstange, e f die die Weite des Striegelschachtes, f g die Tiefe desselben, a h ist die Hoͤhe der Striegelroͤsche, und uͤberhaupt die ganze Figur ein Profil queer durch den Striegelschacht. Allenfalls kann man auch das Gerenne an die Lager anklammern, wenn man es dienlich finden sollte. Aus Vorsicht muß man indessen bisweilen nach den Keilen in den Schraͤmen und Buͤhnloͤ- chern ꝛc. sehn, um solche etwas anzutreiben, wenn sie sich losgezogen haben. Sind die Keile verfault oder zu sehr morsch geworden, so wechselt man neue an ihre Stelle ein. Die Verzimmerung mit Pfaͤhlen ist leicht aus der Figur 69 zu ersehen, und zu begreifen, und die meisten Bergleute, deren man doch immer einige bei einem solchen Bau noͤthig hat, wissen sich darein zu finden. Mehreres findet man in Dingelstedts Grubenzimmerung. Das uͤbrige bei diesen Striegelschaͤchten wird gaͤnzlich nach Anleitung des oben Gesagten verrich- tet und behandelt, weswegen man nur dort nach- lesen darf. §. 162. Striegelroͤschen . Ehe wir noch von den Striegeln gaͤnzlich Ab- schied nehmen, muß zuvor der Striegelroͤ- schen gedacht werden. Man versteht darunter gewoͤhnlich eine von dem Striegelschacht hinweg- laufende, durch den Damm oder durch die Wider- Teichb. Z la- lagen gemachte unterirrdische Oeffnung, in wel- cher das Abzugsgerenne liegt, oder die selbst als solches dient. Bei Striegeln, die außer dem Dam- me, und außer dem Teichraume, also in den Wi- derlagen liegen, reicht diese Roͤsche auch vom Za- pfen hinweg noch vorwaͤrts in den Teichraum hin- ein, um von da die Wasser erst dem Zapfen zuzu- fuͤhren . Wo dieß aber nicht der Fall ist, dient sie besonders dazu, daß man zu allen Zeiten nahe zum Zapfen und Striegelschachte kommen kann; bei Reparaturen ist das sehr wichtig. Viele lassen die Striegelroͤschen ganz weg, weil sie solche fuͤr eine zu große Oeffnung in den Daͤm- men ansehn, welche diesen immer eine betraͤchtliche Schwaͤche geben. Dieser Umstand ist nun wohl nicht ohne einiges Gewicht; allein man wird durch die gemauerten Roͤschen diesen Einwand, wo nicht ganz und gar, dennoch groͤßtentheils entkraͤften koͤnnen, wenn bei der Woͤlbung derselben die be- noͤthigte Sorgfalt angewendet wird. Ihr Nutzen zeigt sich besonders in dem Falle, wenn der Striegelbaum beschaͤdigt ist, und der Teich voll Wasser steht. Oder — wenn sich das Zapfen- oder Grundgerenne verstopft hat. Un- ter diesen Umstaͤnden steht der Striegelschacht stets voll Wasser. Man kann aber dem Uebel nicht wohl abhelfen, wenn nicht der Striegelschacht wasserleer gemacht ist, in den alsdann Je- mand hinein faͤhrt und den Schaden ausbessert; das das Abzapfen eines solchen vollen Striegelschach- tes kann inzwischeu nur durch Auspumpen desselben, oder durch Wasserziehen, oder so ge- schehen, daß Jemand eine Oeffnung in den Strie- gelschacht an der Sohle desselben hinein macht. Durch eine Striegelroͤsche kann das Letztere sehr leicht und ohne Gefahr geschehen, da hingegen die andern Huͤlfsmittel sehr kostspielig und muͤhsam, oͤfters auch gefaͤhrlich oder ganz unzulaͤnglich sind. Noch ein Fall, wo die Striegelroͤschen ihre Nutzbarkeit sehr deutlich darthun, ist dieser: Weil das Abzugsgerenne, wenn keine Striegelroͤsche angelegt wird, durchaus mit Deckeln zugedeckt werden muß, und solche sowohl vom Drucke des Schuttes, als auch vom Verstopfen viel leiden, so kann man, wenn sie mit der Zeit einbrechen, dem Uebel nicht anders wieder abhelfen, und das Ge- renne wieder herstellen, als wenn man auf die oben gedachte Art, den Damm aufroͤschet, und neue Deckel statt der schadhaften auflegt. Wenn nun der Schade weit im Damme drinnen liegt, so wird solche Arbeit unbequem, kostbar, und mit- unter gefaͤhrlich. Ist hingegen eine Striegelroͤsche vorhanden, so braucht man keine Deckel, und man kann an den Gerennen und am Striegelschachte, wenn etwas schadhaft ist, weit leichter machen was man will, ohne daß der Damm im geringsten dabei leidet. Z 2 §. 163. §. 163. Man kann die Striegelroͤschen sowohl verzim- mern, als ausmauern. Von jenen soll hier, von diesen in den nachfolgenden §§. geredet werden. Die mit Holz verzimmerten Striegelroͤschen sind bis jetzt die gewoͤhnlichsten gewesen. Im Lichten macht man sie 5 Fuß hoch, oben 2 ⅙ Fuß, un- ten 2 ½ Fuß weit. Sie bekommen diese Weite gleich anfangs und deswegen, daß man zu dem Einwech- seln neuer Thuͤrstoͤcke, Kappen, Pfaͤhle u. s. w. Raum genug behalten moͤge. Die Laͤnge einer jeden Striegelroͤsche richtet sich nach der untern Breite des Dammes, und nach der Lage des Striegel- schachtes. Liegt solcher neben dem Damme, so koͤmmt auch die Striegelroͤsche in die Widerlagen des Dammes, und in diesem Falle muß ihre Laͤnge durch das Locale bestimmt werden. Ihr Mund- loch faͤllt dann hinter die aͤußere Boͤschung des Dammes, und derjenige Punct, wo die Roͤsche von Tage in das Gebirge hinein getrieben werden soll, muß durch eine Messung richtig bestimmt werden, damit die Roͤsche nicht zu hoch oder zu tief, gegen den tiefsten Punct in der Striegelschachtsohle, an- gesetzt werde und eintreffe. Da die Roͤsche Abfall haben muß, so kann man ihr die bei dem Bergbau gewoͤhnliche Roͤsche , auf 100 Lachter, ¼ Lachter Roͤsche geben. Giebt man ihnen zu viel Roͤsche, so waschen die Wasser leicht leicht den Boden aus, wenn nicht das Gestein sehr fest ist; zu wenig Roͤsche macht, daß das Wasser nicht schnell genug abzieht und stehn bleibt. Soll nun eine Striegelroͤsche in den Damm kommen, so muß man gleich, wenn der Grundgra- ben ausgesetzt, oder das Fundament fertig ist, die Gerenne legen. Wenn dieser ihre Lage bestimmt worden, so faͤngt man an, von der Ruͤckenseite des Dammes herein, die zur Striegelroͤsche noͤthi- gen Thuͤrstoͤcke zu setzen, und diese setzt man so lange fort, bis man an die Stelle des Striegel- schachtes gelangt ist. Jedes Paar Thuͤrstoͤcke, weil immer zwei und zwei gegen einander rechts und links des Abschußgerennes gesetzt werden, wird laͤngst der Striegelroͤsche, nicht weiter als hoͤchstens 3 ½ Fuß weit von einander entfernt. Wo man es haben kann, muͤssen solche von ei- chenem Holze gemacht werden; in dessen Ermange- lung nimmt man tannenes, das freilich weit gerin- gere Dauer hat. Ihre Dicke ist 8 Zoll, ihre Breite 10 Zoll, und ihre Laͤnge richtet sich nach der Hoͤhe, welche der Striegelschacht bekommen soll. Bei der Setzung dieser Thuͤrstoͤcke, welche gleichsam Saͤulen abgeben, hat man dahin zu sehn, daß sie unten etwas weiter von einander ent- fernt werden als oben, damit sie sich nicht ein- waͤrts beugen; dann stellen sie gewoͤhnliche Stre- ben vor. Zu besserer Verwahrung derselben auf dem Fundamente, legt man unter sie sogenannte Grundsohlen , daß sie sich nicht das Funda- ment, ment, auf welchem sie senkrecht aufstehn, einsen- ken moͤgen. Wenn die Dammsohle hinter dem Fundamente dergleichen ebenfalls noͤthig machte, so muͤssen auch da die Grundsohlen continuirt wer- den. §. 164. Weil aber die Thuͤrstoͤcke fuͤr sich nicht stehen wuͤrden, ohne eine Verbindung unter sich selbst zu haben, so koͤmmt oben uͤber jedes Paar eine Kappe . In Figur 71, ist solche bei c und die Thuͤrstoͤcke bei a mit der Grundsohle b zu sehn. Diese hoͤlzernen Kappen stellen gleichsam die Platt- stuͤcke uͤber den Saͤulen vor, sind 28 bis 30 Zoll lang, und etwas weniger dick und breit als die Thuͤrstoͤcke selbst. Durch ihr Eingeschneide Figur 72, halten sie die Thuͤrstoͤcke aus einander, daß diese sich nicht zusammen neigen koͤnnen. Zu dem Ende erhalten auch die Thuͤrstoͤcke oben Eingeschneide, so daß die Kappen genau daran passen. Es ist rath- sam, beide — Kappen und Thuͤrstoͤcke, aus geris- senem, nicht aus geschnittenem Holze zu machen; denn letzteres zersplittert gern, weil es selten nach dem Faden geschnitten wird, und macht Bruͤche. Wenn nun die Thuͤrstoͤcke gesetzt und die Kap- pen aufgelegt sind, so werden laͤngst denselben aus- serwaͤrts, eichene Bohlen in Figur 71, e von 2 Zoll Dicke und noch druͤber, auf einander in die Hoͤhe gesetzt, und an die Thuͤrstoͤcke angenagelt. Diese Bohlen muͤssen wenigstens noch 1 Fuß laͤnger seyn, als als die Entfernung von 2 Paar Thuͤrstoͤcken, da- mit die Bohlen nicht so leicht von einander, und von den Thuͤrstoͤcken abschnappen. Auf diese Art werden beide Seiten der Striegelroͤsche zugemacht. Statt der Bohlen kann man sich auch, wiewohl mit geringerer Dauer, solcher eichenen Pfaͤhle be- dienen, als in §. 160. angefuͤhrt und beschrieben sind. Diese Pfaͤhle muͤssen dicht genug geschlagen werden, und zwar so, daß stets die Koͤpfe der fol- genden, uͤber die Schwaͤnze der vorhergehenden uͤbergreifen, nach Figur 73, d. Hiedurch wird das Eindringen des Schuttes, der beiher mit an den Seiten der Striegelroͤschen aufgefuͤhrt wird, abgehalten, und dieß Verfahren, durch solche Pfaͤhle den Schutt seitwaͤrts abzuhalten, heißt man das Verschießen . Hinter die Bohlen oder hinter die Pfaͤhle schlaͤgt man gern erst eine 16 Zoll starke Rasen- wand, (auch wohl Thon) und wenn diese fertig geworden ist, so stuͤrzt man beiher auch gleich Schutt an dieselbe an, daß sie sich nicht loszieht und alles in eine Arbeit koͤmmt. Bei weiter fortgesetzter Arbeit werden endlich auch die Kappen, erst mit Bohlen oder mit Pfaͤh- len bedeckt, dann ½ Fuß hoch Rasen darauf gelegt, und hierauf der Damm wie gewoͤhnlich mit Schutt ꝛc. weiter aufgebauet. Man kann auch die Kappen gleich anfangs mit Bohlen oder Pfaͤh- len bedecken, nur muͤssen solche bei der Arbeit nicht verruͤckt werden. Um Um aber bequem durch die Roͤsche hindurch kommen zu koͤnnen, schlaͤgt man auch wohl, wenn schon die Kappen bedeckt sind, zwischen jedes Paar Thuͤrstoͤcke, Spreizen von 3 bis 4 Zoll Staͤrke uͤber die Abschußgerenne. Diese Spreizen heißen Stége , und auf sie legt man geschnittene Boh- lenstuͤcke, (Pfosten) auf denen man gehn kann. Mehrentheils aber laͤßt man sie weg, um den Raum zu gewinnen. Will man diese Roͤschen ganz berg- maͤnnisch anlegen, so sehe man zu weiterm Unter- richte uͤber diese Holzarbeit, des vortrefflichen: von Oppels Bericht vom Bergbau, nach, wo auch die Verzimmerung mit abgehandelt ist. Striegelroͤschen, die nicht in den Damm, son- dern in die Widerlagen kommen, und auch ver- zimmert werden muͤssen, werden auf gleiche Art mit dem Holzwerte behandelt, nur daß man da nicht noͤthig hat, viel Schutt hinter und uͤber die Pfaͤhle zu fahren, weil der Schutt, so wie die Roͤsche weiter in den Berg hinein getrieben wird, immer beiher gleich oben und an den Seiten, mit abgefangen und verschossen werden muß. §. 165. Wir kommen jetzt auf die gemauerten Striegel- roͤschen. Auch diese macht man von gleicher Weite wie die verzimmerten, nur ihre Hoͤhe wird abgeaͤn- dert; denn diese betraͤgt bei gemauerten Striegel- roͤschen gewoͤhnlich nur 4 Fuß im Lichten. Zur Zur Woͤlbung des Bogens uͤber die Roͤsche kann man so gut flache Bogenstuͤcke als volle halb- kreisfoͤrmige nehmen, da sie allerwaͤrts Druck und Gegendruck bekommen. Ein Fuß Bogendicke ist daher auch voͤllig hinlaͤnglich fuͤr sie, und die Staͤrke der Mauer kann da, wo der Bogen auf- zuruhen kommt, 16 bis 18 Zoll seyn. Ein Haupterforderniß ist es, daß man dem ganzen Gewoͤlbe einen guten Grund verschaffe, und die stehende Mauer der Roͤsche nach dem Damme zu etwas dossire, wie bei den Futtermauern zu ge- schehen pflegt. Das Mauerrecht kann ¼ der Hoͤhe der gesammten Mauer betragen, daß sie desto dau- erhafter und gegen allen Druck sattsam gesichert werde. Da wo die Mauer der Naͤsse nicht zu stark aus- gesetzt ist, kann man sich der Maurung mit Moͤr- tel bedienen, wie man ihn gewoͤhnlich von Kalk zu machen gewohnt ist. Wo hingegen die Mauer ins Wasser oder solchem nahe kommt, muß man Wassermoͤrtel, oder auch die oben angefuͤhrte scharfe Maurung gebrauchen, vorausgesetzt, daß man nur Bruchsteine und keine Quader zu vermauren hat. Inzwischen, auch bei letztern ist der Was- sermoͤrtel sehr dienlich, und der oben angegebene ist nicht zu theuer und von großer Festigkeit. Da wo die Mauer dem Striegelschachte nahe kommt, muß man aus Vorsicht, sowohl hinter der stehenden Mauer, als auch vorzuͤglich uͤber dem ge- mauerten Bogen, 1½ Fuß stark Thon derb auf- stam- stampfen, um alle Naͤsse von der Mauer abzuhal- ten. Jedoch darf dieß nicht eher geschehen, als bis die Mauer schon ihre volle Festigkeit erhalten hat; denn sonst wuͤrde die durch das Stampfen verursachte Erschuͤtterung, der Mauer ohnfehlbar nachtheilig werden. Dieß Ueberdecken der Mauer mit Thon ist uͤberhaupt der ganzen Roͤsche, so wie allen Gewoͤlben, die im Schutte u. s. w. stehn, sehr zutraͤglich. Die Mauer selbst wird in dem fuͤr sie aufge- worfenen kleinen Grundgraben aufgefuͤhrt, und nachmals uͤber Lehrbogen, welche die beliebige Ge- stalt des Bogens haben, den man der Roͤsche ge- ben will, fertig gemacht. Eine Arbeit, die jeder maͤßig verstaͤndige Mauermeister verrichten kann. Ist die ganze Mauer von der Ruͤckenseite des Dammes an, in einem fort bis an den Striegel- schacht hingefuͤhrt, und das Gewoͤlbe fertig, so wird entweder das Grundgerenne hinein geschoben und ordentlich gelegt, wie es sich nach dem Obigen gehoͤrt, oder man laͤßt fuͤr das Wasser gleich einen kleinen Graben einmauern, (welches noch besser ist) der in der Mitte tief, an beiden Seiten ziemlich hoch ist, und von Wasserdichten Steinen, die nicht zu klein sind, verfertigt wird. Am rathsam- sten ist es indeß allemal, diesen gemauerten Gra- ben mit der Mauer der Striegelroͤsche selbst, nicht in Verbindung zu bringen, weil man doch oͤfters repariren muß, wenn bestaͤndig Wasser aus dem Teiche geht; man muͤßte denn auch diesen Graben mit mit Wassermoͤrtel machen wollen. Da bleibt denn in beiden Faͤllen die Striegelroͤschenmauer unange- fochten, und wird bei den Reparaturen gar nicht beruͤhrt. §. 166. Fluthbetten . Fluthbetten, wilde Fluthen, Aus- fluthen , sind seitwaͤrts in oder neben den Daͤm- men gemachte große Oeffnungen (Ausschnitte), durch welche bei schnellen und starken Wasserergies- sungen, die uͤberfluͤßige Menge desselben, die man nicht nutzen kann oder will, abzieht. Eigent- lich ist es willkuͤhrlich, ob man die Fluthbetten rechts oder links eines Dammes legt. Jedoch wenn man sonst keine weitern Absichten bei ihrer Anlage hat, als den Ablauf des Wassers und Festigkeit dersel- ben, so liegen sie auf derjenigen Seite am besten, wo die Gesteinschichten vom Damme hinweg nach den Widerlagen zu, fallen und streichen. Unter diesen Umstaͤnden und Beschaffenheiten des Gestei- nes ziehn sich die Wasser, die etwa in kleinen Kluͤften durch die Sohle und die Seiten des Fluth- bettes gehn moͤchten, vom Damme hinweg in die Widerlagen, koͤnnen also dem Damme keinen Nach- theil bringen. Allein sowohl in diesen als in den- jenigen Faͤllen, wo die Gesteinschichten dem Dam- me zufallen, muß man sie dennoch nie zu nahe bei das Ende des Dammes bringen, und wenn uͤber- haupt das Gestein in den Widerlagen unguͤnstig faͤllt, faͤllt, ist es nothwendig, sie weiter von den Daͤm- men zu entfernen, und sie tiefer in die Widerla- gen hinein zu legen. Wenn die Entfernung derselben vom Damme betraͤchtlich ist, so muß man vorher, ehe man sie wirklich anlegt, von dem Ende der Kappe des Dammes hinweg, bis zu dem beliebigen Puncte, wo man sie hinbringen will, abwaͤgen, damit sie gleich anfangs gehoͤrig tief angesetzt werden koͤn- nen, und die Sohle derselben nicht zu flach oder zu tief ausgebracht werde. Auch muß man dar- auf Ruͤcksicht nehmen, daß sie dem am Damme auf- gestuͤrzten Schutte nicht zu nahe kommen, und den Damm bei ihrem Ausflusse beschaͤdigen koͤnnen. Wenn Graͤben, Wasserleitungen in Roͤhren, und andere Anlagen, unterhalb des Dammes, und zumal gleich in der Naͤhe desselben vorhanden sind, muß man darauf Acht haben, ob man die uͤber- fallenden Wasser nicht gleich wieder benutzen koͤnne, oder ob sie nicht diesen saͤmmtlichen Anlagen hier oder dort sehr schaͤdlich werden duͤrften. Wo Wie- sen am Damme liegen, muß dieß ebenfalls bemerkt werden, und so koͤnnen mehrere Umstaͤnde eintre- ten, welche ihre Lage bald hier bald dorthin ver- legen. Indessen kann man sich oͤfters helfen, ohne die Fluthbetten wo anders hin zu verlegen. Z. E. bei Graͤben, welche in der Naͤhe derselben sind, wendet man so viel daran, und laͤßt sie an denje- nigen Stellen, wo die Wasser aus den Fluthbetten in sie hineintreten, oder queer durch sie hindurch fal- fallen — wie das oͤfters sich ereignen kann, — uͤberbauen. Da schießt das Wasser uͤber den Gra- ben hinweg, und kann keinen Unrath, Steine ꝛc. in den Graben hinein fuͤhren. Das Ueberbauen selbst kann mit Holz oder Stein geschehn. §. 167. Die Fluthbetten gewaͤhren den Daͤmmen sehr viel Sicherheit gegen Ausbruͤche und Ueberschwem- mungen, wenn sie gehoͤrig weit und tief angelegt sind. Man lernt sie nicht besser schaͤtzen, als bei Wolkenbruͤchen, oder wenn des Fruͤhjahrs der im Winter gefallene und angehaͤufte Schnee, durch ploͤtzlich entstandenes Thauwetter, eine groͤße Was- sermenge auf einmal in die Teiche stroͤmen laͤßt. Weit entlegene Teiche, zu denen die Waͤrter nicht so schnell kommen, und die Striegel gleich ziehn koͤnnen, gerathen in solchen Faͤllen oͤfters in keine geringe Gefahr, und koͤmmt man ihnen nicht zu rechter Zeit zu Huͤlfe, so brechen sie gar aus, und werden ruinirt. Man sollte glauben, das Was- ser griffe bei diesen Ausbruchen zuerst die Brust- seite des Dammes an; allein man irrt sich, das uͤberstroͤmende Wasser reißt sich stets zuerst auf der Ruͤckenseite des Dammes kleine Graͤben ein, die sich bald durch das Aus- und Unterwaschen ver- groͤßern, da die Dammerde und der Schutt nicht allzu schwer ist. So wie aber erst unterwaͤrts die Unterstuͤtzung des Schuttes wegfaͤllt, so geben die hoͤher gelegenen Schichten immer mehr nach, bis zur zur Kappe hinauf, senken sich, und das uͤberstroͤ- mende Wasser bekoͤmmt immer groͤßere Oeffnungen zum Durchstroͤmen, wobei sich mit der groͤßern ausstroͤmenden Quantitaͤt, auch die Gewalt und Schnelligkeit desselben vergroͤßert, die, wenn sie erst die Oeffnung 8 bis 10 Fuß tief, und eben so weit gemacht hat, desto reißender und un- aufhaltbarer wird, und sich groͤßtentheils mit dem gaͤnzlichen Ausbruche des Dammes endigt. Allem dem helfen die Fluthbetten sattsam ab, wenn sie, wie es die jedesmalige Groͤße des Teiches erfor- dert, gehoͤrig weit und tief angelegt werden. Die Weite der Fluthbetten richtet sich haupt- saͤchlich nur nach der Groͤße des Teiches und sei- nes Spiegels. Gewoͤhnlich macht man sie fuͤr maͤßige Teiche, 16 bis 20 Fuß weit, fuͤr große Teiche bis 28 Fuß weit. Die Beschaffenheit der Zugaͤnge des Wassers in den Teich muß hiebei mit in Betracht gezogen werden. Kleinere Teiche erhalten zwischen 12 bis 16 Fuß weite Fluthbet- ten. Unter maͤßig großen Teichen verstehe ich sol- che, die wenigstens 5 thuͤringische Waldmorgen Teichspiegel Flaͤche haben, bei dem hoͤchsten Was- serstande. Große Teiche sind dann solche, die uͤber 10 solcher Morgen, auf ihrem groͤßten Spiegel, Flaͤcheninhalt haben. Die Tiefe derselben macht man von der Kappe des Dammes niederwaͤrts gerechnet, nie unter 8 Fuß. Bei großen Teichen kann sie bis auf 12 Fuß steigen. Soll Soll aber eine so große Wassermenge auf ein- mal durch das Fluthbette gehen koͤnnen, ohne ihm durch das Reißen, und durch das Emporheben der Flaͤchen desselben, nachtheilig zu werden, so darf man sie nicht schlechtweg auf das Gerathewohl bloß ausbringen und sie dann ihrem Schicksale uͤberlas- sen, sondern man muß ihnen durch eine wohlge- gruͤndete und dauerhafte Verbindung, gegen die Gewalt des Wassers, hinlaͤngliche Sicherheit schaf- fen. Dieß kann sowohl durch Holzwerk, als durch Maurung geschehn, und daher finden sich gemau- erte und mit Holz ausgesetzte Fluthbetten. Von letztern soll im folgenden §., von erstern weiter un- ten geredet werden. §. 168. 1) Fluthbetten, die mit Holz verwahrt werden. Bei allen Fluthbetten, also auch bei diesen, hat man erstlich die Befestigung des Bodens der- selben, zweitens ihrer Waͤnde zu betrachten. Wo nun Holz gebraucht werden soll, verfaͤhrt man folgendermaaßen. Sobald als das Fluthbette bis auf die benoͤ- thigte Weite und Tiefe, wobei fuͤr die Dicke jeder aufzufuͤhrenden Wand und des Bodens, 1 Fuß rechts und links an der Weite, und eben so viel zum wenigsten an der Tiefe zugegeben werden muß, — ausgebracht ist, und der Grund, uͤber welchen die Wasser ausfließen sollen, eine solche Beschaffenheit hat, daß er von dem Wasser in kur- zem zem ausgewaschen, und also jede der Seitenwaͤnde bald einstuͤrzen wuͤrde, schafft man eichenes Holz her- bei, um den Grund und die Seiten zu verwahren. Dieß kann auf gleiche Art geschehen, wie man die hoͤlzernen Wehre zu erbauen pflegt. Man legt bei dem Eingange in das Fluth- bette einen Vorfluther an; nur daß man hier gewoͤhnlich nicht so viel Pfaͤhle einzurammen noͤ- thig hat, als bei den Heerden zu geschehen pflegt. Diese Art, den Grund des Fluthbettes (die Sohle desselben) zu verwahren, hat das sehr Gute, daß, wenn ja einmal ein Feld schadhaft ge- worden ist, die um selbiges herum oder anliegen- den Felder, nicht dadurch leiden, sondern unver- sehrt bleiben, und bei den Reparaturen nicht an- gerissen zu werden brauchen. Die Festigkeit des Ganzen gewinnt hiebei außerordentlich. Man schlaͤgt also nur, wo es noͤthig ist, beim Anfange und Ende jeder Grundschwelle des Fluthbettes, Pfaͤhle unter sie ein, daß die Grund- schwellen Halt bekommen, wenn sie seitwaͤrts nicht genugsam verwahrt werden koͤnnen, welches nur selten der Fall ist. Waͤre es also nicht wohl moͤglich, nach Figur 74 die Schwelle a b zu befestigen, so ramme man bei a und b, eichene 8 Zoll ins Gevierte starke Pfaͤhle ein, an dieser ihre Koͤpfe schneide man Za- pfen an, und lege dann uͤber die Breite des Fluth- bettes die Schwelle a b auf die Pfaͤhle auf, nach- dem sie zuvor gehoͤrig zu den Zapfen an den Pfaͤh- len len gelocht worden ist. Auf gleiche Weise ver- fahre man bei c d, e f, g h; alsdann lege man auf diese Grundschwellen laͤngst den Seitenwaͤn- den des Fluthbettes hinaus, andere Schwellen ll, welche auf die Queerschwellen gut eingelassen, und durch eiserne Nagel an einander angezogen werden muͤssen. Die Queerschwellen kann man zuvor, wenn es die Breite des Fluthbet- tes noͤthig macht, durch Mittelschwellen verbin- den. Ferner errichte man auf diese Schwellen, nach der gegebenen Hoͤhe des Fluthbettes, doch nicht unter 9 Fuß lang geschnittene Saͤulen m m in Figur 75 von eichenem Holze und gewoͤhnlicher Saͤulenstaͤrke; da sie dem Seitendrucke gleichfalls widerstehen sollen, darf man sie nicht wohl uͤber 4 Fuß im Lichten von einander entfernen; besser ist es, sie naͤher zu setzen. Auf diese Saͤulen kommen nachmals Plattstuͤcke n n zu liegen, in welche die so eben genannten Saͤulen m m, gleichfalls ein- gezapft werden. Da aber die Seitenwaͤnde wegen des Seiten- drucks sich in kurzem gegen einander neigen wuͤr- den, so ist es noͤthig, daß sie erst durch Riegel o, und oben noch durch Queerbalken p, Fig. 75. ver- bunden, und durch diese aus einander gehalten werden. Diese Queerbalken unterstuͤtzt man un- terwaͤrts durch kleine Streben, q, in Fig. 76; dann koͤnnen sie sich gar nicht senken. Es ist aber nicht erforderlich, daß uͤber jede Saͤule der Seitenwand ein solcher Queerbalken mit Teichb. A a Stre- Streben komme, sondern man kann sie nur um die dritte oder vierte Saͤule anbringen, bis zu Ende des Fluthbettes. Will man diese Queerbalken nicht gebrauchen, so muß man das Saͤulwerk der Seitenwaͤnde, durch Verankerung an beiden Seiten, haltbar zu ma- chen suchen. §. 169. Wenn Beides, Saͤul- und Grundwerk, fertig ist, so wird ersteres verschaalt , letzteres aber ausgemauert. Die Verschaalung besteht aus geschnittenem eichenen Holze, oder aus Bohlen, welche an und uͤber einander, hinter die Saͤulen und vor das Ge- birge gelegt werden, daß dieses nicht zwischen den Saͤulen durchfallen, und das Fluthbette verstuͤr- zen kann. Wenn es der Raum leidet, so heftet man sie wechselsweise an die Saͤulen mit eisernen Nageln an; wenn man aber hierzu nicht kommen kann, so stoͤßt man sie nur zwischen das Saͤulwerk und das Gebirge, und treibt sie von oben nieder so dicht auf einander an, daß nur wenig oder nichts, zwi- schen zwei auf einander liegenden Bohlen durch- zurollen im Stande ist. Auf diese Art verfaͤhrt man bis zur ganzen Hoͤhe des Saͤulwerks hinauf, und bis ans Ende der Laͤnge desselben, auf bei- den Seiten des Fluthbettes; dann ist die Verschaa- lung mit Bohlen fertig. Mit Mit zerspaltenem Holze geht man auf gleiche Weise zu Werke, nur wird dieß nicht so accurat; starkes geschnittenes Holz ist dagegen sehr gut auf aͤhnliche Art zu gebrauchen. Die zwischen dem Grundwerke leer gebliebenen Felder mauert man so aus, daß alle Mauersteine auf die hohe Kante gesetzt werden, und moͤglichst dicht an einander kommen. Weil aber dennoch im- mer kleine Oeffnungen zwischen den Mauersteinen bleiben, so wird jedes ausgemauertes Feld, etwa 2 bis 3 Finger hoch mit Sande bedeckt, dann nimmt man einen Harken , der enggestellte Zinken hat, und zieht den ausgestreueten Sand immer hin und her, auf dem gemauerten Felde, bis sich davon die kleinen Loͤcherchen ganz ausfuͤllen. Wenn kein Sand mehr auf dem Pflaster uͤbrig ist, so beschuͤt- tet man es uͤberall mit etlichen Eimern Wasser, und wenn der Sand dadurch sich in den Loͤchern gesetzet hat, so streuet man abermals frischen dar- auf, und harkt ihn auf gleiche Weise hin und her. Dieß treibt man so lange, bis alle Loͤcherchen voll sind, und nichts mehr fassen koͤnnen. Es ist gut, wenn man in das Wasser zum Be- gießen des Pflasters eine gute Portion des besten Thones einruͤhrt, und solchen darinnen aufloͤset. Dieses Thonwasser verbindet den Sand desto besser. Wenn im Teiche selbst, truͤbes Wasser ist, wie sich das bei neuen Teichen oft zutraͤgt, so schlemmt dieß die Loͤcher von selbst zu, wofern sie nicht allzugroß sind. Endlich werden alle fertig ausgemauerten A a 2 Fel- Felder mit einer Handramme noch stark uͤber- stampft, damit sich alle Steine fest in einander klemmen. §. 170. 2) Gemauerte Fluthbetten. Weit rathsamer ist es allemal, bei den Fluth- betten das Holzwerk, so viel als irgend moͤglich ist, wegzulassen, und dafuͤr Maurung zu nehmen. In diesem Falle mauert man Grund- und Seitenwaͤn- de gleich in eins auf, da erhaͤlt man ein festes dau- erhaftes Werk. Hiebei geht man denn folgender- gestalt an die Arbeit. Wenn das Fluthbette gehoͤrig weit und tief aus- gehauen ist, so faßt man die Sohle und macht sie, wenn sie fuͤr sich selbst keinen tauglichen Boden ab- giebt, Mauer und Futtermauern zu tragen, — entweder durch Pfaͤhle oder durch einen gemauerten Grund, geschickt solche zu unterstuͤtzen. Bei dem Eingange in das Fluthbette, vom Teiche her nach dem Damme zu, fangen sich die, seitwaͤrts etwas in die Seiten zuruͤckgelegten Fut- termauern an, wie Figur 77 zeigt, und gehn den beiden Stoͤßen des ausgehauenen Gebirges nach, bis ans Ende des Fluthbettes hintern Damm. Die Dicke dieser Futtermauern richtet sich nach der Hoͤhe, bis auf die man sie auffuͤhren muß. Man gebe ihnen oben fuͤr 10 Fuß Hoͤhe nicht unter 2 Fuß, fuͤr 15 Fuß nicht unter 2½ Fuß obere Dicke. Da sie vom Seitendrucke zu leiden haben, so be- duͤr- duͤrfen sie am Fuße gleichfalls eines Mauerrechts, wie andere Mauern, die man hinlaͤnglich sichern will. Dieß kann in dem 5ten Theile der gan- zen Hoͤhe der Mauer bestehn. Aus diesen gegebe- nen Stuͤcken findet man dann die Dicke der Fut- termauern auf dem Grunde, da sie selten hoͤher als 15 Fuß werden, gleich ihrer obern Dicke, wo- zu das Mauerrecht addirt ist . Das Mauerrecht selbst, kann man vor der Arbeit und Auffuͤhrung der Mauern, in 4 Theile theilen, und einen Theil davon vorn zur Boͤschung der Mauer an der Wasserseite, die andern 3 Theile desselben hinter die Mauer — der druͤckenden Last des Ge- birges entgegen legen. Allenfalls kann man auch den Futtermauern kleine Pfeiler nach der in Figur 77 angezeigten Form ansetzen, welche sehr gute Dienste thun. Nach diesen Bestimmungen mauert man die Seitenwaͤnde auf, bis sie ihre benoͤthigte Hoͤhe und Laͤnge haben, ingleichen auch den Boden des Fluthbettes. Der letztere wird indeß nur 15 bis 18 Zoll hoch mit Steinen gepflastert. Zum Mauern der vorgenannten Stuͤcke, nimmt man lieber große und platte, als kleine und mehr rund gebildete Steine, weil die Mauer von dem durch das Fluthbette stroͤmenden Wasser sehr angegriffen und erschuͤttert wird. Aus gleichem Grunde darf man auch nur trockne Maurung gebrauchen, man muͤßte denn Was- Wassermoͤrtel nehmen. Quader sind auch hier das allerbeste Material. Nach einiger Meinung ist in dem Vorigen die Dicke der Futtermauern, vielleicht als etwas zu stark angegeben. Da aber zu vermuthen steht, daß da, wo Teiche gebauet werden, kein allzugroßer Mangel an Bruchsteinen seyn wird, so mag die an- gegebne Dicke leicht beibehalten und entschuldigt werden, zumal da bei der trockenen Maurung, wenn auch diese bei ihrer Struktur die groͤßte Sorgfalt und Fleiß erhaͤlt, dennoch gegen eine andere mit gutem Moͤrtel aufgefuͤhrte Mauer, et- was an Staͤrke und Festigkeit abgehn duͤrfte. Wenn die Mauern hoch genug sind, so belegt man sie oben mit großen Stein- oder Schieferplat- ten, um allenfalls auf ihnen hin und her gehn zu koͤnnen, ohne Steine von ihnen herabzustoßen. Dann und wann in diese Futtermauern, Holz- saͤulen mit daran gesetzten Stendern einzumauern, wodurch man oͤfters aber sehr irrig solche Mauern fester zu machen gedenkt, ist ganz falsch, weil es die genaue und gute Verbindung der Mauer un- ter sich selbst hindert und schwaͤcht, anstatt sie zu befoͤrdern. Den Boden des Fluthbettes kann man mit Vor- theil, nach Figur 78, in besondern Feldern mau- ern lassen; diese halten sehr gut, und wenn etwas schadhaft geworden, kann es leicht ausgebessert wer- den, ohne daß die angelegenen Felder leiden. Eine Hauptbedingung ist es ferner, daß man den geman- erten erten Boden des Fluthbettes, wenn er fertig ist, recht stark stampfe, daß die Steine eine recht feste Lage bekommen. Die uͤbrige Behandlung ergiebt sich von selbst ohne weitere Erinnerungen. §. 171. Da die Widerlagen der Daͤmme oftermals aus festem Gestein bestehn, so kann man vielleicht beide Futtermauern, und bei Holzwerk beide Seitenwaͤn- de, oder zum wenigsten eine derselben ersparen. Das Fluthbette wird nemlich aus dem festen Gestein ausgehauen, wobei man Acht giebt, wie das Ge- stein geschichtet ist, faͤllt, und streicht. Auf der- jenigen Seite also, wo man befuͤrchten muß, daß die Gesteinlagen, wegen der Schichtung, nicht wer- den ruhig bleiben, und uͤber kurz oder lang her- einschurren, und das Fluthbette verschuͤtten, muß man vorbauen und sie bei Zeiten abfangen. Dieß geschieht alles nach dem Vorhergehenden. Wenn das Gestein nur etliche und zwanzig Ruthen lang und breit seine Schichtung behaͤlt, so ist das Verbauen immer nur auf der einen Seite noͤthig. Denn wenn nach Figur 79 das Stuͤck a b c d ausgebracht ist, und solches das Fluthbette im Profil bedeutet, so wird die Seite a b keiner wei- tern Verwahrung von außen her beduͤrfen, weil die Schichten a e, f g in sich selbst Unterstuͤtzung und Verwahrung haben, vermoͤge der ihnen von der Natur angewiesenen Lage. Ganz anders ver- haͤlt es sich mit der entgegengesetzten Seite d c; denn denn bei dieser sind die Stuͤcken d und h i kei- nesweges gegen das Hereinstuͤrzen gesichert, wel- ches den Seitendruck verursachen kann. Hier ist also eine Seitenwand noͤthig, und diese desto staͤrker zu machen, je hoͤher und steiler d k wird. Auf dieser Seite muß man dasjenige Ge- stein, welches sehr locker und rollig ist, und eine allzuhohe Seitenwand erfordern wuͤrde, gleich an- fangs bei dem Ausbringen des Fluthbettes, rein abraͤumen und abfuͤllen lassen, daß der Druck, wo nicht ganz gehoben doch vermindert werde, und keine doppelten Kosten aufzuwenden sind. Bei so hohen und steilen Waͤnden, kann auch fuͤr die Ar- beiter Lebensgefahr entstehen, wenn man nicht sehr vorsichtig ist, weil die Arbeiter, welche vor den Stoͤßen stehen muͤssen, das hoch uͤber ihnen Gelegene nicht so vor Augen haben, und daher nicht so beobachten koͤnnen, als das, so niedriger liegt. Wenn daher große Stuͤcke bei der Erschuͤt- terung sich losziehn, und endlich herabfallen, so koͤnnen oͤfters die Arbeiter nicht schnell genug ent- rinnen, und werden also, weil sie ohnehin be- taͤubt werden, und nicht wissen, wohin sie gleich retiriren sollen, verstuͤrzt, und ihrer gesunden Glieder oder gar des Lebens beraubt. Wird die Mauer an einer Seite sehr lang, und ist der Seitendruck nicht gar zu sehr zu fuͤrch- ten, so kann man hin und wieder, wenn und wo es die Festigkeit leidet, Bogen in die Mauer machen, und und dadurch an den Kosten etwas ersparen, ohne daß die Mauer selbst, an Guͤte verloͤre. Damit aber die aus den Fluthbetten sich her- abstuͤrzenden Wasser, welche durch ihren Fall eine betraͤchtliche Gewalt erlangen, unten am Damme oder auf dem Thalgrunde nicht zu sehr einwuͤhlen und Schaden anrichten, ist es sehr rathsam, große Steine, welche sehr fest sind und viele Ecken und scharfe Kanten haben, hinzulegen. Auf diesen zerschellt das ausgestroͤmte Wasser in lauter kleine Theile, und verliert seine Gewalt. Diese Stelle darf ohnehin dem Damme nicht gar zu nahe ge- bracht werden, sondern muß wenigstens 12 Fuß von der aͤußern Boͤschung, und dem Fuße des Dammes entfernt seyn. Will man nach der, dem Schusse des Wassers am meisten ausgesetzten Seite, eine Mauer vorziehn, so ist das ebenfalls nicht zu verwerfen. Bei Sonnenschein giebt das uͤberfluͤßige, aus dem Fluthbette stroͤmende Wasser durch seinen Fall auf die vorgelegten Steine, den Augen ein angenehmes Schauspiel. §. 172. Es ereignet sich gar nicht selten, daß auch Fahrwege uͤber die Daͤmme hinweg gehn, und mei- stentheils geschieht dieß laͤngst der Directionslinie derselben. Eigentlich sollten nun zwar gar keine solchen Fahrwege auf Teichdaͤmmen geduldet wer- den, weil sie die Daͤmme gar zu sehr beschaͤdigen. Denn die eingefahrnen Gleisen setzen sich voll Was- ser; ser; dieses zieht sich in die Daͤmme ein, durchweicht sie immer tiefer, und deswegen koͤnnen sie immer- mehr ausgefahren werden. Auch zieht sich, zu- mal bei neuen Daͤmmen, der Schutt durch das Ruͤtteln und Stoßen der Wagen, von dem Rasen- haupte oder der Thonbrust loß, oder das Wasser waͤscht Graͤben vom Damme herab; kurz, die Folge des Fahrens ist fast immer Nachtheil. Wenn es aber ja nicht zu aͤndern seyn sollte und nothwendig die Fuhre uͤber einen Damm ge- stattet werden muß, so ist es noͤthig, die Kappe gegen die Gewalt des Fuhrwerks hinreichend zu verwahren. Dieß kann fuͤglich auf die Art gesche- hen, daß man, wenn der Damm allbereits fertig geworden ist, die Kappe mit ziemlich langen und auf die hohe Kante gestellten Steinen, pflastern laͤßt. Dann stuͤrzt man einen Fuß hoch Sand auf dieses Pflaster, und gestattet nicht, daß binnen dem ersten halben Jahre nach Vollendung des neuen Dammes daruͤber gefahren werde. Wird nach Verlauf dieser Zeit der Damm wirklich befahren, so muß gleich anfangs immer noch frische Bedek- kung (Sand) auf das Pflaster gefahren, und die Kappe recht gut damit bedeckt gehalten werden, daß sich entweder gar keine Gleisen einfahren konnen, oder die eingefahrnen gleich wieder aus- fuͤllen. Um dieser Fahrwege willen, muß man denn auch die Fluthbetten bis auf eine gehoͤrige Breite zudecken, daß man sie mit dem Geschirre passiren kann. kann. Solch eine Bedeckung des Fluthbettes stellt gleichsam eine Bruͤcke vor. Will man nun diese Bruͤcken von Holz ma- chen, so legt man zuerst, sowohl an derjenigen Seite des Fluthbettes, die zunaͤchst am Damme liegt, als auch an der andern an der Widerlage, einen eichenen Lagerschwellen, parallel mit diesen Seitenwaͤnden, doch in einer Entfernung von 4 Fuß (zum wenigsten,) von den innern Flaͤchen des Fluthbettes, damit bei Holzwerk die Blattstuͤcke der Waͤnde und diese selbst, bei Maurung aber die Futtermauern, nicht leiden moͤgen. Auf diese Schwellen oder Lager werden Queer- balken von 16 bis 20 Zoll Staͤrke ins Quadrat, uͤber das Fluthbette uͤber gelegt, deren Laͤnge sich nach der Weite desselben richtet, so auch nach der- jenigen Laͤnge, um welche diese Queerbalken, uͤber die Waͤnde des Fluthbettes und die daselbst befind- lichen Lager, uͤberreichen sollen. Gewoͤhnlich legt man 3 solcher Queerbalken uͤber, und wenn man die Ueberfahrt recht sicher machen will, 4 dersel- ben. Ihre Entfernung — man mag so viel Queerbalken uͤberlegen und die Bruͤcke so breit ma- chen, als man will — sey hoͤchstens 4 Fuß im Lichten. Ueber diese Queerbalken legt man wieder halbkluͤftig gespaltenes eichenes Holz von 8 bis 10 Zoll Dicke. Die Laͤnge des Kluftholzes muß der Breite des Fahrweges und der Bruͤcke angemessen seyn. Will man 3 Queerbalken legen, und soll jeder von dem andern 4 Fuß entfernet seyn, so wird wird man dem Kluftholze nicht unter 13 Fuß Laͤn- ge geben duͤrfen, wenn es gut aufgenagelt und auch noch etwas uͤber die Queerbalken ( Lagerbal- ken ) hinweg reichen soll, um diese fuͤr der Naͤsse zu schuͤtzen. Seitwaͤrts wird das Kluftholz etwas behauen, daß es desto besser an einander stoͤßt, und dann mit seiner breiten Seite, und mit langen eisernen ½ zoͤlligen Nageln, auf die Lagerbalken aufgena- gelt. Bei iesem Legen und Aufnageln des Kluft- holzes verfaͤhrt man so, daß man das breite Ende des einen Stuͤckes, gegen das schmale Ende des andern legt; so wird Staͤrke und Schwaͤche, wie auch das Breite und das Schmale des Kluftholzes gleichfoͤrmig vertheilt. Auf das Kluftholz wird nachher 1 Fuß hoch Schutt aufgefahren, recht geharkt, und etwas zu- sammengestoßen, daß die Pferde sicher auftreten koͤnnen, und das Holz nicht unmittelbar von den Wagen angegriffen werde. Dieß ist die leichteste Methode, solche Bruͤcken zu machen. Besser aber ist die folgende. §. 173. Wenn man solche hoͤlzerne Ueberfahrten recht ordentlich machen will, so verfaͤhrt man mit der Legung der Lager und Lagerbalken, wie im vori- gen § gezeigt worden. Zur Bedeckung der Lager- balken nimmt man aber nicht Kluftholz, sondern ge- gespaltenes und nach allen 4 Seiten behauenes Holz, von der erforderlichen Laͤnge; oder man nimmt besonders dazu geschnittenes Holz. Dieß legt man dann dicht an einander hinweg, uͤber die Lagerbalken queer uͤber, und nagelt es auf, und dahin, wo die Radespuren hinkommen, nagelt man wieder auf das schon aufgenagelte geschnittene oder behauene Holz, Bohlenstuͤcke von 18 bis 20 Zoll Laͤnge, 3 bis 4 Zoll Dicke, und beliebiger Breite, auf und dicht an einander hinweg. Da leidet dann das queer uͤber die Lagerbalken gelegte Holz desto weniger, und kann sehr lange liegen, beson- ders, wenn man es mit etwas Sand bestuͤrzt, daß die Pferde nicht unmittelbar mit den Hufeisen das- selbe angreifen koͤnnen. Wenn die Weite des Fluthbettes sehr betraͤcht- lich ist, und 16 Fuß uͤberschreitet, so waͤhlt man in diesen Faͤllen fuͤr das uͤbergehende Fuhrwerk, lieber einen gehoͤrig starken und weiten gemauerten Bogen. Weil dieser aber bei einer großen Weite entweder zu hoch, oder zu flach werden duͤrfte, als daß er bei der bekannten Art und Weise zu mauren, die unsern Mauermeistern eigen ist, Dauer und voͤllige Sicherheit fuͤr die uͤberfahrenden Lasten ver- spraͤche, so nimmt man lieber 2 kleinere Bogen. Da hat man denn in Acht zu nehmen, daß die Bo- gen und Widerlagen hinreichenden Grund, Staͤr- ke, und Festigkeit bekommen, und daß die Pfeiler zwischen den Bogen nicht zu dick werden, um den schnellen Abzug des Wassers nicht zu verhindern. Aus Aus diesem Grunde wuͤrden Bogen, nach Halbkrei- sen geformt, hier sehr fehlerhaft angebracht seyn; bei der mehrentheils geringern Weite dieser Bo- gen, muß man daher stets flache waͤhlen, die mit der gehoͤrigen Vorsicht und Aufmerksamkeit anzu- legen sind. Ueber die Anlage und Berechnung der Bruͤckenpfeiler und Widerlagen, sehe man Beli- dors Ingenierkunst nach. §. 174. Ehe wir noch die Fluthbette verlassen und wei- ter gehen, muͤssen hier noch einige Erinnerungen beigebracht werden. Wenn Ueberfahrten uͤber die Fluthbette gemacht werden, so ist es noͤthig, solche an beiden Seiten nicht frei zu lassen, sondern sie mit einem Gelaͤn- der zu versehen; und damit dieses nicht beschaͤdigt wird, setzt man an die 4 Enden und in die Mitte der Gelaͤnder, Radstoͤße an, daß die Raͤder demselben nicht zu nahe kommen. Dergleichen Gelaͤnder sollten uͤberhaupt, da wo Fahrwege uͤber die Daͤmme gehen, nie fehlen, sondern von der Kappe angerechnet, wenigstens 4 Fuß hoch in einem fort, an der Kappe hinaus, von dem einen Ende des Dammes bis zum andern gefuͤhrt wer- den, wie zum Beispiel an dem schoͤnen und großen Oderteichdamme auf dem Oberharze nicht ver- nachlaͤßigt ist. Dadurch wird mit wenigen Kosten, oft großes Ungluͤck verhuͤtet. Vorn Vorn bei dem Eingange in die Fluthbette, kann man, um benoͤthigten Falles die Wasser zu sammlen, einen Schutz anbringen, den man auf- zieht oder niederlaͤßt, je nachdem die Umstaͤnde dieß oder jenes verlangen. Wie es die Muͤller mit ihren Schuͤtzen zu machen pflegen, kann man auch hier verfahren. Man bringe nemlich eine liegende Welle an, auf welche die an dem Schutzbrette be- findlichen Ketten aufgewickelt werden. Ans Ende der Welle koͤmmt an einer Seite ein Klinkhaken , der entweder in Vertiefungen, die in die Welle ge- macht sind, eingreift, oder in ein kleines eisernes gezahntes Rad faßt, welches an derjenigen Welle befestigt ist, um die sich die Ketten aufwinden. Sind die Zaͤhne an einem solchen Rade nicht all- zugroß und weit von einander entfernt, so kann man den Schutz dadurch sehr genau stellen. In die Aufwindewelle werden 3 oder 4 Loͤcher von 1½ Zoll Staͤrke gebohrt, in welche man Pfloͤcke von 18 Zoll Laͤnge mit ihrer Spitze einsteckt, und die Welle mittelst derselben umdreht. Oder, man macht ein Kammrad von 3 Fuß im Durchmesser an die Aufwindewelle; in dieses Kammrad steckt man von 8 zu 8 Zollen, Kaͤmme, die 6 Zoll lang und 1½ Zoll dick sind, und hier voͤllig rund bleiben. An diesen Kaͤmmen kann man anfassen, und das Rad mit der Welle um- drehn, und also den daran haͤngenden Schutz auf- winden. Die Ketten, an denen der Schutz an der Welle haͤngt, muͤssen saͤmmtlich gleich lang ange- heftet heftet seyn, damit der Schutz bei dem Aufwin- den allerwaͤrts gleich hoch von dem Boden aufge- zogen werde. Die Friction, die bei dem Aufziehen des Schuz- zes in den Nuthen entsteht, ist hier von keinem erheblichen Belange; wer solche inzwischen konnen lernen will, mag Herrn Hofrath Kaͤstners Hy- drodynamik, und andere dahin einschlagenden Schriften nachlesen. §. 175. Rechen . Noch ein Stuͤck, das mit den Fluthbetten in Verbindung steht, ist der Rechen . Er besteht aus einer Menge zwischen Stuͤtzen dicht neben einander gestellter hoͤlzerner Staͤbe, die unten und oben in Holz eingelassen sind, daß sie sich nicht be- wegen und von dem Wasser mit fortgefuͤhrt wer- den koͤnnen. Stehen die Staͤbe senkrecht, so heißt das alsdann ein stehender Rechen , im Ge- gensatze des liegenden, bei welchem die Staͤbe schief gegen eine horizontal Ebne, (z. E. gegen das Was- ser) gestellt sind, wo sie alsdann mehr liegen als stehen. Man bringt die Rechen gewoͤhnlich vor den Eingang der Fluthbette, und sie sollen dazu dienen, den Durchgang der groͤßern Fische durch das Fluthbette zu verhindern, wenn die Wasser im Teiche durch solches abziehen. Ihre Figur ist eigentlich willkuͤhrlich; doch macht man sie entwe- der der nach einer geraden Linie, oder in Form eines Dreiecks. Die letztern zieht man deshalb vor, weil das Laub und Reisig, welches auf dem Was- ser schwimmt, und beim Ausfließen des Wassers mit aus dem Teiche durch das Fluthbette durchzu- gehen trachtet, sich nicht so stark zwischen die Staͤbe des Rechens setzt, und sie nicht so leicht verstopft, wie bei erstern geschehen soll. Die Laͤnge eines jeden Rechens richtet sich nach der Weite des Fluthbettes, vor welchen sie vorge- stellt werden sollen. Ihre Hoͤhe ist 6 bis 8 Fuß mit der Holzdicke der Schwellen und Rahmen, je nachdem die Fluthbette flaͤcher oder tiefer sind. Zu den geradlinigten Rechen braucht man, nach Figur 80, 2 Docken b b, von 8 Zoll Staͤrke ins Gevierte. Sie werden an die Enden der Weite des Fluthbettes, bei dem Eingange in das- selbe, eingerammt. In diese Docken kommt unten auf den Boden des Fluthbettes die kleine Schwel- le c, in welche die Staͤbe eingesetzt werden, wenn zuvor die Docken und die Schwelle gehoͤrig fest- gesetzt und gelegt sind. Oben uͤber die, in die untere Schwelle eingesetzten Staͤbe, koͤmmt der Rahmen a zu liegen, in welchen gleichfalls die Staͤbe eingelassen werden. Sowohl bei dieser als bei der folgenden Art Rechen, werden die Staͤbe viereckt geschnitten oder gehauen, und zwar 2 Zoll ins Quadrat stark. Ihre Laͤnge ergiebt sich aus der Hoͤhe, die man dem Rechen nach Maasgabe der Tiefe des Fluth- Teichb. B b bettes bettes geben will. Die Entfernung der Staͤbe in den Rechen darf weder zu enge, noch zu weit seyn; denn im ersten Falle wuͤrde das Wasser ver- hindert, schnell zwischen den Staͤben durchlaufen zu koͤnnen; im zweiten Falle wuͤrden die Fische zwischen den Staͤben durchgehen, und aus dem Teiche hinweg kommen; dieß waͤre aber ganz gegen die Absicht der Rechen. Die Entfernung zweier Staͤbe darf daher im Lichten hoͤchstens nur 2 Zoll betragen. Die Loͤcher zu den Staͤben werden in die Schwellen und Rahmen auf die Art einge- meisselt, daß die Ecken derselben so gegen die lange Seite des Holzes gerichtet sind, wie Figur 83 zeigt. Sind die Staͤbe gesetzt, so werden die Docken, Rahmen, und Schwellen, bei i, k, l und m, ver- nagelt, und dann ist der Rechen fertig. Um aber hinter ihm stehen oder gehen, und das vorgeschwom- mene Laub, Reisig ꝛc. aus dem Teiche heraus schoͤpfen zu koͤnnen, legt man in der Mitte der Hoͤhe des Rechens einen Steg lang an ihm hin- aus, auf dem man von einer Seite des Fluthbet- tes zur andern gelangen mag. §. 176. Zu einem dreieckten Rechen sind mit den Schwellen und Docken aͤhnliche Vorrichtungen noͤthig, wie bei den im vorigen § erwaͤhnten; und wenn hier im Saͤulenwerke nicht viel veraͤndert wird, wird, so kommen doch die Staͤbe anders zu stehen. Auch ist mehreres Holz noͤthig. Es werden naͤmlich außer den vorigen, hier noch 2 Schwellen e e in Figur 81, und 2 Blatt- oder Rahmstuͤcke h h, nebst einer Saͤule g in Fi- gur 82 erfordert. Die Saͤule g koͤmmt alsdann an die Spitze des Dreiecks, welches der Rechen bilden soll. Uebrigens bleibt die Behandlungs- art dieselbe wie im vorigen §, und hat nichts Schwieriges. Man muß wohl darauf bedacht seyn, den Rechen sowohl auf dem Grunde, als an den Seiten des Fluthbettes, sehr fest anliegen zu machen, er mag uͤbrigens ein gerader oder dreieckter seyn. Vernachlaͤßigt man dieß, so koͤnnte er bei großem und hohem Wasser wohl gar gehoben werden, und die Fische durchgehen. Wo kleine Fischteiche sind, oder auch oͤfters da, wo nur Graͤben in oder aus Teichen heraus gehen, macht man kleine Rechen vor, an denen sich das Laub ansammlet, und dann von Zeit zu Zeit ausgeworfen wird. Die Forellenspruͤnge sind auch eine Art von Rechen, und zwar liegen sie, statt daß andere Rechen meistentheils senkrecht stehen. Die Schiefe aller liegenden Rechen kann 45 Grad seyn. Figur 84 zeigt sie von der Seite, wo a b der Wasserstand seyn mag. Die stehenden Rechen sind indessen bei weitem die gewoͤhnlichsten. Man kann an die Rechen eben so gut Wasser- schuͤtze anbringen, wie bei Fluthbetten ohne Rechen. B b 2 Ver- Verbindet man die Schuͤtze und Rechen mit einan- der, so koͤmmt man noch wohlfeiler dazu, als wenn Schutze und Rechen, jeder allein angelegt werden. Man kann sie naͤmlich sehr bequem an den zwei Docken der Rechen, die an den Enden des Fluth- bettes stehen, mit andringen; doch muß es so ge- schehen, daß durch das Aufziehen der Schuͤtze der Rechen nicht leidet. Bei Striegelroͤschen neben den Daͤmmen in den Widerlagen macht man auch vor das Mundloch im Teichraume kleine Rechen vor, und zwar des- wegen, um den Unrath von der Roͤsche abzuhalten, durch welchen sonst die Oeffnung des Zapfengeren- nes leicht verstopft werden koͤnnte. §. 177. Bekleidung der Erd- und Schuttdaͤmme. Wenn der ganze Teich fertig ist, und die Ar- beiten am Damme und seinen Anlagen so weit ge- bracht sind, daß die Vollendung des Werkes bevor- steht, so bleibt noch uͤbrig den Damm zu beklei- den . Die Bekleidung ist also die letzte Arbeit, und dient weniger und fast gar nicht dazu, dem Damme mehrere Sicherheit und Staͤrke zu verschaf- fen, als seinem außern Ansehn, etwas mehreres Ge- faͤlliges zu geben. Ueberhaupt besteht sie darinn, daß man den aufgefuͤhrten Damm, der gewoͤhnlich bis dahin unansehnlich ist, (wegen der vielen Unebenheiten) an seiner Brust- und Ruͤckenseite, ingleichen auf der der Kappe, uͤber und uͤber von der Kappe an, an beiden Boͤschungen ganz hinab mit feinem Schutte uͤberstuͤrzt. Hier wird denn vorzuͤglich dahin ge- sehen, daß oben auf der Kappe alles fein wage- recht eingeebnet werde, daß die Directionslinien und Kanten des Dammes auf der Kappe so gerade als moͤglich, parallel fortlaufend, und recht scharf sichtbar werden, endlich daß alle Ausbauchungen und Vertiefungen durch den uͤbergestuͤrzten Schutt, an den Boͤschungen sich verlieren, jede Boͤschung also einer geraden Flaͤche, die gleichsam auf den Damm aufgelegt ist, gleich komme. Bei gemauerten Daͤmmen muß diese Beklei- dung natuͤrlicherweise wegen der Maurung selbst wegfallen. Der Schutt, dessen man sich zur Be- kleidung bedienen will, muß gaͤnzlich von allen Steinen, die groͤßer als ein Ei sind, gereinigt wer- den, und — wenn man ihn von mancherlei Arten haben kann, sehr bindig seyn, daß er bald fest werde, bewachse, und durch Regen nicht so leicht ab- oder ausgewaschen werde. Blos leimiger, und feinem Sande aͤhnlicher Schutt, ist demnach ebenfalls untauglich, so gut wie große Steine. Eisenschuͤßiger Schutt hat deswegen vor allen den Vorzug. Das Auswaschen zu verhindern, laͤßt man auch wohl den fertig bekleideten Damm, vor einem nahe zu erwartenden Regen, mit Heusaa- men bestreuen, daß er bald bewaͤchst. Weil die Steinplatten leicht schurren, und der Naͤsse Gele- genheit geben, sich ohne Muͤhe neben ihnen einzu- wa- waschen, so muß man sie bei der Bekleidung weg- lassen. Nicht selten pflegt man vor der wirklichen Be- kleidung erst in den Damm und zwar an der Brustseite, mehrere Reihen 5 Fuß langer und 3 bis 4 Zoll ins Gevierte dicker, ellerner oder eiche- ner Pfaͤhle zu schlagen, denen man in der Reihe fort 3 Fuß Entfernung giebt. Jede Reihe Pfaͤhle wird nach der Directionslinie des Dammes geschla- gen, und erhaͤlt von der folgenden Reihe 5 Fuß Abstand. Die Pfaͤhle selbst muͤssen alle in Quin- cuncem geschlagen werden. Dann steht jeder ge- gen der Mitte den 2 in der obern und untern Reihe befindlichen gegen uͤber. Sie verhindern in etwas das Abwaschen, brechen auch den Wel- lenstoß, wenn sie dick genug geschlagen werden. Koͤmmt an die Brustseite Terraßmauer, so ist daselbst die Bekleidung ganz unnoͤthig, so auch die Pfaͤhle. Die scharfen Kanten der Kappe bepflanzt man gern an beiden Boͤschungen des Dammes mit jungen Weiden, deren Wurzeln tief eindringen, und dadurch der Kappe Halt verschaffen. Wenn Fahrwege uͤber die Daͤmme gehen, ist dieß vorzuͤg- lich nuͤtzlich. Vier- Viertes Hauptstuͤck. Specielle Beschreibung der Arbeiten und Anlagen bei gemauerten Daͤmmen . §. 178. In dem Vorhergehenden ist bisher die Rede von Erd- und Schuttdaͤmmen gewesen, und das dahin Gehoͤrige saͤmmtlich, so wie es die Grenzen dieses Buches verstatteten, abgehandelt worden. Es bleibt daher noch uͤbrig, der gemauerten Daͤm- me nun gleichfalls zu gedenken, und — ob sie gleich viel seltener gewaͤhlt werden, da sie mehr in die Kosten fallen, als die eben beschriebenen — auch von ihnen das Noͤthigste beizubringen. Nicht blos im Allgemeinen, wie das nothwen- dig der Fall seyn muß, sondern auch in vielen spe- ciellen Stuͤcken, kommen die gemauerten Daͤmme, mit denen die von Erde und Schutt errichtet wer- den, genau uͤberein. Was daher im Vorigen von der Lage, von den Maaßen, und — so weit von der bloßen Maurung die Rede war — von der Bearbeitung der ganz gemauerten Striegelschaͤch- te, der steinernen Gerenne, des Zapfens, der Za- pfenstange, der zu ihnen gehoͤrigen Zangen, der gemauerten Striegelroͤschen und Fluthbette, wegen der Rechen, Gelaͤnder und Bruͤcken, — gesagt war, das hat auch hier seine volle Anwendung, und und braucht deshalb nicht von neuem gesagt zu werden; wobei jedoch vorausgesetzt wird, daß man bei gemauerten Daͤmmen noch weit wenigern oder fast gar keinen Gebrauch vom Holze und der Holzarbeit macht, den Zapfen, Rechen, und das Fluthbette ausgenommen. Diese Daͤmme weichen daher in so fern von Erd- und Schuttdaͤmmen, nur in der Bearbeitung im Großen hauptsaͤchlich ab, und was außer dem so eben Angefuͤhrten, noch bei ihnen von dem Obigen anwendbar seyn moͤchte, wird Jeden gleich die ge- sunde Vernunft lehren. Nach §. 16 werden die gemauerten Daͤmme vorzuͤglich auf zweierlei Art aufgefuͤhrt, nemlich 1) so, daß man sie durch und durch mauert, und sie blos von Steinen und Moͤrtel erbauet, ohne sich auch mit des Schuttes zu bedie- nen, oder 2) so, daß man sie zum Theil von Mauer, zum Theil mit Schutt auffuͤhrt. Dieß kann aber wieder auf verschiedene Weise, und zwar a ) so geschehen, daß die Mauer in der Mit- te, und der Schutt vor und hinter ihr liegt, oder b ) so, daß der Schutt in der Mitte ist, vorn und hinten dagegen Mauer vorsteht. Wird nun die erste Art, oder diejenigen, wel- che ganz gemauert werden, von Quadern, und nicht von Bruchsteinen aufgefuͤhrt, und koͤmmt zwischen die Quader ein guter haltbarer Moͤrtel; wer- werden ferner die Quader unter sich selbst gehoͤrig verbunden: so verdienen diese Daͤmme ohn- streitig bei weitem den Vorzug vor allen andern. Solche Daͤmme von sattsamer Dicke, und auf ei- nem guten Fundamente angelegt, sind vermoͤgend Jahrhunderten zu trotzen, und allen gegen sie wir- kenden Kraͤften aͤußerst zu widerstehen; vorausge- setzt, daß außer den genannten, auch die andern noͤthigen Vorsichtsregeln, sowohl in Ansehung der Anlage, als auch des Baues selbst, beobach- tet sind. Diese Daͤmme uͤbertreffen aber auch gewoͤhn- lich alle andere Arten von Teichbauten sehr an- sehnlich an Kosten. Deswegen gehoͤren zu ihnen betraͤchtliche Vorschuͤsse, wenn sie nicht mit Scha- den sollen aufgefuͤhrt worden. Ingleichen erfor- dern sie meistentheils wegen der Herbeischaffung der Quader und des andern dazu gehoͤrigen theuern Makerials laͤngere Zeit zum Bau. Ein merkwuͤr- diger Teichdamm von dieser Art ist in Frankreich bei Saint Ferriol, von Paul Riquet de bon repos angelegt, der bis jetzt seines gleichen in der Welt nicht hat. Will man aber gemauerte Daͤmme nicht von Quadern, sondern von Bruchsteinen auffuͤhren, ohne sich dabei eines Wassermoͤrtels zu bedienen, so scheinen die zwei vorhin unter a und b bemerk- ten Arten, sie aufzufuͤhren, dienlicher zu seyn, zu- mal da sie nicht so theuer zu stehen kommen. Dieß sind denn auch die gewoͤhnlichern Methoden, und nach nach der unter b angefuͤhrten, ist der bekannte große Oderteichdamm auf dem Oberharze nweit Oderbruͤck, erbauet worden, der unter t ange- legten, und eben so gut erbaueten Daͤmmen billig mit oben an zu stehen verdient. Schon oben ist dieses Teiches erwaͤhnt, und zum Nachlesen auch eine gute Schrift angefuͤhrt. Um der Deutlichkeit nicht zu schaden, soll jede dieser Arten von gemauerten Daͤmmen, fuͤr sich naͤher betrachtet werden. Die Leser sind dann im Stande, desto richtigere Urtheile uͤber sie zu faͤllen. Zuvor aber folgen hier noch einige Betrachtungen, die zwar eigentlich in der ersten Abtheilung mit Platz haben sollten, jedoch um eine desto deutlichere Uebersicht der Arbeiten bei gemauerten Daͤmmen zu geben, hieher verlegt sind. §. 179. Eine wichtige Frage, die sich bei naͤherer Be- trachtung der gemauerten Daͤmme gleich aufdringt, ist diese: Wie dick soll eigentlich eine solche Mauer werden, die einen durch und durch steinernen Damm vorstellen soll? und wie dick wird die Mauer dann werden muͤssen, wenn Mauer und Schutt zugleich den Damm bilden sollen? Hierauf dient uͤberhaupt zur Antwort: Man sieht gleich, daß im ersten Falle diese Dicke, der benoͤthigten Staͤrke des Dam- mes , mit der solcher dem Wasserdrucke entgegen wirken soll, entsprechen muͤsse. Im zweiten Falle hingegen ist es an und fuͤr sich willkuͤhr- lich , lich , wie stark man die Mauern machen will, wofern nur — sie moͤgen liegen wo sie wol- len, — ihr Gewicht, sammt dem des beiher mit zum Damme gebrauchten Schuttes, Moͤrtels ꝛc. , voͤllig hinlaͤnglich ist, dem Wasserdrucke zu widerstehen . Beides — Wasserdruck und Gegenwirkung der Daͤmme, ist oben in den allgemeinen Betrachtun- gen zu finden gelehrt worden. Man wende also jene Regeln auch in diesen Faͤllen an. Bei dem ersten Falle, wenn der Damm ganz von Stein erbauet wird, ist gar keine Schwierig- keit. Denn da die Hoͤhe des Dammes, der ge- mauert werden soll, durch die benoͤthigte Hoͤhe des Wasserstandes im Teiche, zu welcher noch die Hoͤhe des Anschlags addirt wird, jedesmal gegeben ist, so lasse man alles, wie oben bei der Berechnung der benoͤthigten Staͤrke der Daͤmme gesetzt ist, und er- forsche nur das Gewicht eines Kubicfußes derjeni- gen Gesteinart und des Moͤrtels, die man bei dem Bau des Dammes hauptsaͤchlich brauchen will oder kann. Diese gefundene Schwere darf man dann nur in der obigen Berechnung statt γ in den Formeln substituiren, und die Rechnung, wie dort hinlaͤnglich gezeigt ist, anstellen. Dann legt man die Verstaͤrkung, die man dem Damme noch durch die Kappe geben will, an die Brust- und Ruͤk- kenseite desselben an, so ergiebt sich daraus die Boͤ- schung vorn und hinten, und hiernach kann man alsdann arbeiten lassen. In- Indessen merke man Folgendes: Weil das Ge- wicht eines Kubicfußes, der aus einem ganzen Stuͤck Stein gehauen wurde, schwerer ist, als das Gewicht eines Kubicfußes desselben Gesteines, der aus Stuͤcken zusammengesetzt ist, (weil hier viele Raͤume entstehen, die bei dem dichten Kubic- fuße ausgefuͤllt sind und fehlen,) so muß man das gefundene Gewicht eines Kubicfußes von dichtem Gestein noch etwas vermindern , ehe man es in obiger Formel statt γ substituirt, sonst wuͤrde man ein falsches Resultat erhalten. Diese Verminderung kann man uͤberhaupt zu ½ der Schwere eines solchen Kubicfußes ansetzen, und also nur ⅘ von derselben in Rechnung bringen. Am besten thut man wohl, man nimmt das durch selbst gemachte Versuche gefundene Gewicht eines Kubicfußes, der aus Gesteinstuͤcken zusam- men gesetzt ist, in der Rechnung zum Behufe der Praxis an, so erhaͤlt man nachmals in der Aus- uͤbung nicht zu wenig, sondern eher mehr, weil bei der Maurung selbst, die leeren Zwischenraͤume noch mit Moͤrtel und Zwicksteinen ausgefuͤllt werden. §. 180. Bei dem zweiten der im vorigen §. angefuͤhr- ten Faͤlle, wenn nemlich die Mauer in die Mitte oder an die Außenseiten des Dammes kommen soll, suche man entweder zwischen dem Gewichte eines Kubicfußes Schutt, und derjenigen Gestein- art, art, von welcher hauptsaͤchlich der Damm aufge- fuͤhrt werden soll, durch Versuche die mittlere Pro- portional-Schwere, und substituire solche statt γ in der vorhin angefuͤhrten Formel; oder — man erforsche fuͤr die zur Probe angenommene Dicke des Dammes, die eigentliche Schwere sowohl der ge- sammten Mauer, als auch des gesammten Schut- tes in diesem Damme, alles nach Anleitung des Obigen, und addire diese beiden gefundenen Summen der Schwere eines jeden (sowohl des Schuttes als auch der Mauer). Diese Hauptsum- me vergleiche man dann ferner noch mit dem ausgemittelten Wasserdrucke , woraus sich bald ergiebt, ob der Damm zu schwach, oder zu stark, oder eben recht sey. Endlich lege man die Verstaͤrkung, die man dem Damme durch die Kappe geben will, an die Brust- und Ruͤckenseite an, so ist man fertig. Allein die verschiedene Lage der Mauern macht dennoch auch eine verschiedene Bestimmung der Dicke derselben. Soll nemlich die Mauer in die Mitte des Dammes kommen, so bleibt es voͤllig willkuͤhrlich, wie dick man sie oben an der Kappe und unten auf dem Grunde machen will, wofern man nur ihre Festigkeit moͤglichst vollkommen zu machen sucht; denn alsdann muß allezeit so viel Schutt vor und hinter sie gestuͤrzt werden, bis der Damm durch sein saͤmmtliches Gewicht, die gegen den Wasserdruck benoͤthigte Friction giebt; und Lasten hat eine solche Mauer auch nicht zu tragen. Sol- Sollen aber die Mauern vorn und hinten an des Dammes Boͤschungen kommen, so muß man da abermals unterscheiden; die Mauern an der Boͤschung bekommen Seitendruck auszustehen, oder nicht. Im letzten Falle, wenn die Boͤschung z. E. 45° oder drunter ist, ist es gleichfalls willkuͤhrlich, wie dick man sie machen will doch giebt man ih- nen dann oben an der Kappe nie gern unter 2 Fuß Dicke, damit sie Festigkeit genug erhalten. Wirkt aber ein Seitendruck gegen die Mauer, wie z. E. bei Boͤschungen uͤber 45° so muͤssen sie im Betreff ihrer Dicke wie Futtermauern beurtheilt werden. Hieruͤber mehreres im folgenden §. §. 181. Die Erfahrung zeigt, daß Mauern, die nur auf der einen ihrer groͤßten Seitenflaͤchen seitwaͤrts gedruͤckt werden, weit mehr leiden als Mauern, deren beide Seitenflaͤchen einem Seitendrucke aus- gesetzt sind. Solche Mauern muͤssen also eine jenem Seitendrucke gewachsene Staͤrke und Dicke bekommen. Jene erhalten sie durch eine genaue Verbindung, diese — richtet sich nach ihrer Hoͤhe. Wenn nun ein gemauerter Damm an seinen Außenseiten solche Mauern haben soll, so gebe man ihnen nach ihrer gegebenen Hoͤhe eine solche Dicke, wie sie der vortreffliche Belidor bestimmt. Zu dem Ende steht hier eine kleine Tabelle, aus welcher die Dicke dieser Mauern, wie sie besagter Autor ange- angegeben hat, gleich ohne Muͤhe zu finden ist. Man darf solche daher bei der Ausfuͤhrung nur nachsehen, so erspart man sich alle Weitlaͤuftigkeit. Fuͤr noch groͤßere Hoͤhen kann man in aͤhnlichen Verhaͤltnissen zulegen. Den 5ten Theil der Hoͤhe der Mauer nimmt man zum Mauerrechte, und so erhaͤlt man also die un- untere Dicke der Mauer auf dem Grunde, gleich der obern Dicke, zu der das Mauerrecht ad- dirt ist. Dieß Mauerrecht muß aber auf den aͤußern Seiten des Dammes, und nicht an den innern Flaͤchen der Mauer angesetzt werden. Aus ihm ergiebt sich auch die Boͤschung des Dammes, die man je- doch noch abaͤndern kann, durch die Vergroͤßerung und Verringerung der Kappenbreite und des Boͤ- schungswinkels. Bei gemauerten Daͤmmen macht man die Boͤ- schungen vorn und hinten gern gleich, und hinten besonders nicht gern unter 45 Grad, weil sie sonst zu viel von der Witterung und Naͤsse leiden. Weil ein Damm von Quadern, wegen der Fi- gur der Werkstuͤcke, eine bessere Verbindung hat, als einer von Bruchsteinen, so braucht er auch we- niger Boͤschung als letzterer. Ohne Boͤschung aber zu mauern, ist nie rathsam. §. 182. Grundlegen unter gemauerten Daͤmmen. Es bedarf keines weitlaͤuftigen Nachdenkens, daß gemauerte Daͤmme einen sichern Grund haben muͤssen, und daß mithin auf solchen viel — wo nicht gar noch mehr Ruͤcksicht zu nehmen ist, als bei Erd- und Schuttdaͤmmen gefordert wurde. Bei letztern hilft man sich, nach dem Obigen, außer- ordentlich durch die sattsam beschriebenen Thon- und Rasenbruͤste; gemauerte Daͤmme hingegen, beson- besonders wenn sie gaͤnzlich von Steinen aufge- fuͤhrt werden sollen, fordern aller Orten auf der Dammsohle festen Grund, und nicht blos vorn, oder in der Mitte derselben. Durch die Vernachlaͤßigung des Grundes koͤn- nen bei solchen gemauerten Daͤmmen, so gut wie bei andern großen Gemaͤuern, Spalten und Risse entstehen, die allezeit sehr nachtheilig sind, wenn sie gleich nicht immer den Ruin des ganzen Werks nach sich ziehen. Man muß demnach fuͤr gemau- erte Daͤmme, die man ganz von Steinen auffuͤhren will, auch auf der ganzen Dammsohle Grund graben . So breit werden dann auch die Schraͤme. Werden aber die Daͤmme nur zum Theil von Mauer und zum Theil von Schutt erbauet, so er- haͤlt der Schutt, wenn er in der Mitte zwischen den Mauern liegt, ebenfalls Grundgraben, jedoch nicht so tief als die vor und hinter ihm liegende Mauer. Liegt dagegen die Mauer in der Mitte, so er- haͤlt der Schutt an der Brustseite so gut wie die Mauer etwas Grundgraben, das hintere Theil Schutt an der Ruͤckenseite aber keinen. Die Tiefe aller dieser Grundgraͤben richtet sich nach Beschaffenheit des Bodens und der Groͤße der auf ihn aufzulegenden Last. Bei Mauern also nach der Hoͤhe und Dicke derselben. Bei schlechten Boden macht man den Grundgraben, wenn er noch so beschaffen ist, daß kein Rost ge- Teichb. C c legt legt werden muß, ⅓ oder ⅖ der Hoͤhe der Mauer tief, auch wohl bei dringenden Umstaͤnden noch tiefer. Bei mittelmaͤßigen Boden kann man den Grund ¼ und bei guten Boden ⅕ oder ⅙ der Mauer Hoͤhe zur Tiefe geben. Die Breite dieser Grundgraben richtet sich na- tuͤrlich nach der untern Breite der Mauer, und wegen des Dossements, welches die Mauer bekom- men muß, wird sie stets noch etwas vergroͤßert. Die Laͤnge derselben ergiebt sich aus der Damm- sohlenlaͤnge, der sie stets gleich koͤmmt. Fuͤr den Schutt kann der Grundgraben vorn oder in der Mitte des Dammes hoͤchstens ⅛ der Tiefe des fuͤr eine Mauer an dieser Stelle auszu- bringenden Grundgrabens bekommen. §. 183. Hier kann denn auch noch folgende Frage: soll in die halbgemauerten, und halb von Schutt aufgefuͤhrten Daͤmme eine Thon- oder Rasen- brust kommen oder nicht? mit beantwortet werden. Wer solche Daͤmme bauet, und keine Kosten scheuen darf, kann recht wohl noch eine Rasen- brust oder eine von Thon in diese Daͤmme hinein- legen, und dann muß fuͤr diese Thon- oder Ra- senbruͤste auch gleich mit Grund gegraben werden. Besonders moͤchte wohl in dem Falle, wenn man die Maner in die Mitte legt, und vor und hinter solche Schutt gestuͤrzt wird, die Brust nicht un- dienlich seyn. Da muͤßte man denn die Thon- oder oder Rasenbrust dem Wasser von der Mauer ent- gegen, und zwar dicht an die Mauer anlegen. Ihre Staͤrke waͤre nach den obigen Regeln auszu- mitteln, wie auch uͤbrigens der Damm gebauet werden moͤchte. Gegentheils bestehen Daͤmme mit Futter- mauern ohne Thon und Rasenbrust sehr wohl, wenn sie gehoͤrig stark und mit der benoͤthigten Sorgfalt bei der Arbeit, und von solchen Schutte erbauet sind, der nicht allzuschlecht ist, wie z. E. Sand. Daß sich indeß auch der Sand im Fall der Noth bearbeiten laͤßt, sieht man an den mehr- mals erwaͤhnten Oderteichdamme, der zwischen seinen Futtermauern wie Falvoͤr sagt, groͤßtentheils von Granitsand erbauet ist. Wie uͤbrigens der Grund selbst behandelt wer- den muͤsse, wenn er untauglich seyn sollte, sowohl die Mauer als den Schutt zu tragen, zeigen die schon oben gegebenen Regeln hinlaͤnglich an, da das dort gesagte auch hier nothwendig statt fin- den muß; man sehe deshalb im obigen nach, wie man sich bei schlechten Grunde zu verhalten habe. §. 184. Arbeit des Mauerns selbst. Was die eigentliche Arbeit des Mauerns be- trifft, so kann von ihr in gedraͤngter Kuͤrze geredet werden, da eines Theils das Mauern eine sehr be- C c 2 kann- kannte Arbeit, andern Theils auch hier und dort manches erwaͤhnt ist, das hieher Bezug hat. Im wesentlichen kommt diese Arbeit bei den ver- schiedenen Arten der gemauerten Daͤmme dennoch uͤberein; was also noch Unterschied macht, be- ruht auf der Verschiedenheit der Materialien, ih- rer Struktur, und des Platzes den man ihnen an- weiset. Betrachten wir also zuerst die ganz und gar gemauerten Daͤmme, so lassen sich solche so- wohl von Bruchsteinen, als von Quadern er- bauen, und bei jenen ist dieß wieder auf zweierlei Art vorzuͤglich ins Werk zu richten, naͤmlich auf gemeine Art, und mit gegossenen Mauern. Bei der Auffuͤhrung solcher Daͤmme, die theils aus Mauer, theils aus Schutt bestehen, fin- den die oben angezeigten Arten gleichfalls statl. Von allen giebt das folgende weitere Nachricht. §. 185. Auffuͤhrung durch und durch mit Bruchsteinen gemauerter Daͤmme und zwar auf gemeine Art. So wie die Arbeiten am Grundgraben been- digt sind, wird die Grundlage, (Grundschicht,) durch den ganzen Grundgraben hindurch gesetzt, (die Bearbeitung des Grundgrabens geschieht wie bei Erd- und Schuttdaͤmmen.) Zu dem Ende schuͤt- tet man von dem Moͤrtel, dessen man sich bedienen will, etwa 3 Zoll hoch auf die Grundgrabensohle. In In diesen Moͤrtel setzt man die Steine, die mehr groß und breit als klein und schmal ausgesucht wer- den. Der Moͤrtel selbst, darf nicht zu fluͤßig und nicht zu steif seyn. So wie er angemacht ist, muß er nicht erst lange unverbraucht stehen, weil sonst seine Kraft zum Binden verlohren geht, sondern gleich verarbeitet, und nur soviel davon gemacht werden, als auf einmal verbraucht wird. Diese nun fertige Grundschicht wird alsdann mit einer Handramme, waͤhrend der Moͤrtel noch weich ist, maͤßig und nur ein einzigmal uͤberstampft, damit die Steine sich etwas einliegen. Besser ist es aber, die Steine gleich bei dem Verbinden, mit dem Moͤr- tel so derb zu setzen oder zu legen, als es noͤthig scheint, weil der Moͤrtel durch das Stampfen leicht im Binden gehindert werden kann. Deswe- gen ist es sehr dienlich, noch vor der Maurung selbst, erst die Grundgrabensohle einen Fuß hoch mit gutem Thon, recht dicht zu uͤberstampfen. Auf diese unterste Grundschicht, mauert man im folgenden auf gleiche Weise, weiter auf, bis zu Tage heraus, wobei man sich uͤberhaupt alle Muͤhe geben muß daß die Mauer so dicht als moͤg- lich werde. So wie die Mauer uͤber die Dammsohle her- ausragt, sortirt man mit Fleiß die vorhandenen Bruchsteine aus, und bestimmt alle langen und platten Steine, vorn zur Boͤschung der Brustseite. Auf naͤmliche Art muß auch fuͤr die Ruͤckenseite ge- sorgt werden. Die uͤbrigen mehr runden und klei- kleinern Steine nimmt man in der Mitte. (Es ist auch noͤthig alle sogenannten Wassersteine zu verwerfen.) Alsdann muß dem Mauermeister der Boͤschungswinkel an der Brust und Ruͤcken- seite genau angegeben werden, daß die Boͤschung nicht unrichtig gemauert, uneben, und um ihr Ansehn gebracht wird. Deswegen muß der Auf- seher selbst von Zeit zu Zeit nachmessen, und die Winkel visitiren. Wenn Gerenne und Striegelschaͤchte in den Damm kommen, muß man ihrentwegen gleich bei Zeiten die gehoͤrigen Anstalten treffen, und die Gerenne, nachdem sie zuvor 1 Fuß hoch mit Thon rund um uͤberstampft sind, dicht vermauern, den Striegelschaͤchten hingegen ihre gehoͤrige Oeffnung geben, und sie aufmauern. Hiebei braucht man jedoch die Vorsicht, daß man das ganze Fundament im Grundgraben, 14 Tage oder 3 Wochen ruhig stehen laͤßt, damit es sich, ehe man weiter aufmauert, erst etwas setzet. Dadurch gewinnt die Festigkeit. Wo moͤglich fuͤhrt man die Mauer allerwaͤrts immer gleich hoch auf, damit sie nirgends ungleichen Druck bekoͤmmt, waͤh- rend sie ihre voͤllige Festigkeit noch nicht hat, weil dadurch nur Risse entstehen. Auf diese sehr leicht zu begreifende Weise wird der ganze Damm bis zur Kappe hinauf aufgemauert. Die Kappe selbst wird, so bald der Damm so weit fertig ist, mit großen Steinen, die auf die hohe Kante gesetzt sind, gepflastert, und die Entfer- nun- nungen von 20 zu 20 Fußen mit steinernen ge- hauenen Pfeilern von 16 Zoll Dicke und 7 bis 8 Fuß Laͤnge, versehen, welche man an den Kan- ten der Kappe in der angegebenen Weite, und 4 Fuß hoch uͤber die Kappe heraus setzt, und zwischen diese, nachher tannene Latten, Balken ꝛc. befestigt werden, damit der Damm dadurch ein Gelaͤnder erhaͤlt. Dann bedeckt man das Pflaster einen Fuß hoch mit Sand. Wenn der Damm den Fluthbetten sich stark naͤhert, so fuͤhrt man gern uͤber diese, wenn es noͤthig ist, die steinernen ge- woͤlbten Bogen gleich in einer Arbeit mit auf, um dem ganzen mehrere Verbindung zu geben. Auch mauert man fuͤr die Rechen gleich das noͤ- thige Holzwerk mit ein; dann erhaͤlt es einen desto sichern Stand, und auch mehr Ansehn. Ist der Damm auf eine betraͤchtliche Hoͤhe uͤberall durch die Maurung empor gebracht, so pflegt dann die Herbeischaffung des Materials sehr oft, und wenn der Damm sehr hoch werden soll, jederzeit schwer zu fallen; zumal dann, wenn die Widerlagen zur Foͤrderung unguͤnstig gebildet sind. Da muß man sich durch Ruͤstungen helfen. Die Construction dieser Ruͤstungen verstehen die meisten Maurer selbst, theils kann man sie auch aus ar- chitectonischen Handbuͤchern erlernen. Auf der Ruͤstung wird das Material an Ort und Stelle geliefert, und bei Beendigung der ganzen Mauer reißt man solche von oben nieder wieder weg. Was Was das uͤbrige noch anbelangt, so kann man sich daselbst leicht helfen und finden, da die Arbeit bekannt genug ist, und wenig Schwierigkeiten hat, die uͤberdies bald zu heben sind. §. 186. Auffuͤhrung durch und durch gemauerter Daͤmme, mit Bruch- steinen, und zwar mit gegossenen Mauern. Zufoͤrderst mache man die Sohle des Grund- grabens ganz fertig, alsdann lege man die Grund- schicht laͤngst dem ganzen Grundgraben hindurch, voͤllig so wie im vorigen § gezeigt worden. Nach Beendigung dieser Arbeit macht man gewoͤhnlich Felder in dem Grundgraben 2 bis 3 Ruthen lang, und von der vollen Grundgrabenbreite. Die Hoͤhe dieser Felder ist willkuͤhrlich, doch laͤßt man sie nicht gern 6 Fuß uͤbersteigen. Diese Felder oder Abtheilungen genau zu verschließen, setzt man queer durch die Grundgraben Bretter, immer ein Zopfende gegen das Stammende des andern folgenden, und auf eine aͤhnliche Weise, auch uͤber und auf einander. Hieraus entsteht also eine or- dentliche Bretterwand. Deswegen ist es rathsam, lauter gesaͤumte Breter zu nehmen, weil diese ge- nauer und ohne viel Muͤhe auf einander passen, als ungesaͤumte. Damit aber diese Bretterwand lothrecht, und fest stehen bleibe, schlaͤgt man in Entfernungen von von 6 bis 8 Fußen, hinter und vor sie, Pfaͤhle ein, welche dicht an der Bretterwand anliegen muͤssen. Oder man befestigt sie, durch gedoppelte Latten, die man zu beiden Seiten der Wand uͤbers Kreuz von unten nach oben hinlegt; zwischen die- sen Latten liegen alsdann die Bretter fest inne und koͤnnen nicht weichen. Nur kann man die Latten, wenn ein Feld beendigt ist, nicht so leicht wegneh- nehmen, als Pfaͤhle. Diesen eingeschlossenen Raum mauert man mit großen und kleinen Steinen aus, jedoch gaͤnzlich ohne Moͤrtel. Hat nun diese Mauer die Hoͤhe er- reicht, welche fuͤr das Feld bestimmt ist, so laͤßt man den Moͤrtel fluͤßig, und in gehoͤriger Quan- titaͤt anmachen, und gießt solchen entweder mit- telst hoͤlzernen Rinnen, die man uͤber die trockene Mauer herlegt, oder aus großen Eimern uͤber das ausgemauerte Feld her. Dieß geschieht so lange, bis sich der fluͤßige Moͤrtel in alle Oeffnungen ein- gezogen, und solche nach und nach ausgefuͤllt hat. Um dieß desto besser zu bewerkstelligen, laͤßt man etliche Personen mit leichten Handrammen die Mauer etwas erschuͤttern; und wenn bei diesen so eben erwaͤhnten Uebergießen der Mauer, der Moͤr- tel nicht in allzugroßer Quantitaͤt, sondern maͤßig uͤber die Mauer hergegossen wird, und mehrere Personen an mehreren Stellen dieß zugleich verrich- ten, so ist man seines guten Erfolgs desto ge- wisser. Durch- Durchaus aber muß man mit dem Uebergießen in einem fort so lange anhalten, bis das ganze Feld fertig ausgegossen ist. Das pflegt dann der Fall zu seyn, wenn sich beim Roͤtteln der Steine (wo- durch das noͤthige Ausweichen der Luft erlangt wird) denuoch kein duͤnner Moͤrtel mehr einziehen will, und sich hoch uͤber der Mauer aufzuthuͤrmen anfaͤngt. Besonders muß man an denjenigen Orten, wo man spuͤrt, daß sich der Wind aus der Mauer her- aus begiebt, waͤhrend des Uebergießens sehr lang- sam zu Werke gehen, sonst entstehen unten leere Raͤume. Nach Verlauf einiger Zeit (4 bis 6 Stun- den) setzt sich der eingegossene Moͤrtel, wenn gleich das Feld ganz voll und ausgegossen war, etwas zusammen, und macht oben leere Raͤume, zwischen den obersten Steinen des Feldes. Dieserhalb muß ein Arbeiter etwas neuen fluͤßigen Moͤrtel uͤberlau- fen lassen, daß er noch mit dem zuvor eingegosse- nen gleich in einem binde, sonst entstehen zu viel Absaͤtze, die ohnedem bei diesem Verfahren unver- meidlich sind, und dennoch soviel nur irgend ge- schehen kann, verringert werden muͤssen. Der Moͤrtel muß eigentlich Wassermoͤrtel seyn, doch bedient man sich auch nur an der Brustseite des Wassermoͤrtels, hinten und in der Mitte des Dammes dagegen, des Kalkes. Die Bretterwaͤnde bleiben so lange stehen, bis der Moͤrtel satt gebnnden hat, und waͤhrend die- ser Zeit muß die Mauer schlechterdings vor aller Er- Erschuͤtterung bewahret werden, ingleichen verhin- dert man es streng, daß kein Schutt und derglei- chen auf sie gestuͤrzt wird, dadurch wuͤrde an der Oberflaͤche des Feldes dem folgenden Stuͤcke Mauer und dem Moͤrtel die Gelegenheit genom- men, sich genau an das untere anzuschließen. §. 187. Auf diese Art und Weise wird alsdann ein Grundgraben, ein Stuͤck oder Feld, nach dem an- dern erst ausgemauert, dann ausgegossen, und wenn alle Felder neben einander fertig sind, so werden auch die zwischen je 2 Feldern gebliebenen Zwischenraͤume genau visitiret, dann mit einem duͤnnen feinen Besen gereiniget, und jederzeit mit Wassermoͤrtel genau ausgegossen. Am besten thut man, gleich mehrere Felder neben einander auszumauern, und sie dann auch auf einmal ausgießen zu lassen. Da kann man auch mehrere Bretterwaͤnde ersparen, deren Her- ausreißung zwischen 2 dicht an einander stehen- den Feldern immer einige Schwierigkeit macht, wofern nicht Zwischenraum genug gelassen wird, welchen man doch so viel nur geschehen kann, ein- zuschraͤnken sucht, weil er viel Wassermoͤrtel kostet. Die Bearbeitung mehrerer Felder auf einmal, erfordert aber auch eine hinlaͤngliche Anzahl Arbei- beiter, Vorrath genug an Materialien, und ge- naue naue Aufsicht, wenn sie nicht mehr schaden als nuͤtzen soll. Sobald man aus dem Fundamente uͤber die Dammsohle herauskoͤmmt, muß man gleichfalls uͤber Tage fuͤr die Mauer solche hoͤlzerne Bret- terwaͤnde auffuͤhren wie im Grundgraben, und auf die naͤmliche Weise fortfahren, wie eben ge- zeigt ist. Hierbei hat man zu bedenken, daß die hoͤlzernen Waͤnde an der Brust- und Ruͤckenseite, (jedes Feld hat deren itzt 4, statt im Grundgra- ben nnr 2, genau nach dem Boͤschungswinkel ge- richtet werden muͤssen, ferner — daß so wie ein neues Feld neben dem vorhergehenden vorgenom- men werden soll, die Bretterwaͤnde dieses mit den Boͤschungen des vorhergehenden genau passen, und einen und denselben Winkel machen, sonst wird die Boͤschung und ganze Arbeit holpericht. Wenn auch hier uͤber Tage wieder eine Feldeshoͤhe durch den ganzen Damm hindurch vollendet ist, so setzt man die zweite, dritte, und alle folgenden bis zur ganzen Hoͤhe des Dammes hinauf, uͤber die untern Felder auf, und gießt sie auf gleiche Weise aus, wobei man in Ansehung der Boͤschung stets die noͤthige Sorgfalt beweiset. Gerennen, Striegelschaͤchten und Roͤschen, wird ihr rechter Platz zuvor angewiesen, und dann die Felder so eingetheilet, daß besagte Stuͤcke just in die Mitte, nie ans Ende eines Feldes kom- men; deswegen legt man auch uͤberhaupt gern die Mit- Mitte eines naͤchst obern Feldes, uͤber den Schluß der zwei zunaͤchst untern. Weil die Striegelschaͤchte ganz ausgegossen wer- deu duͤrften, so muͤssen sie um ihre Oeffnung ganz offen zu behalten, innen mit Bretterwaͤnden ausgesetzt seyn, um die man erst trocken herum Mauer auffuͤhrt, und solche alsdann ausgießt; auch muß das Zapfenloch wohl vor dem Eindrin- gen des Moͤrtels verwahret werden. Dieses muß man denn auch in Ansehung der Gerenne, Strie- gelroͤsche u. s. w. beobachten, zumal da man in der Gegend dieser Stuͤcke lauter Wassermoͤrtel nimmt. Ohne Ruͤstung geht es mit diesen Daͤmmen nie- mals ab, denn man darf eines Theils nicht so- gleich wieder auf das gemauerte auftreten, oder darauf handthieren, andern Theils lassen sich die Materialien nicht wohl auf bessere Art herbeischaf- fen. Wenn man aber ja genoͤthiget ist, frisch ge- mauerte Felder zu betreten, so muͤssen sie vorher wohl mit Brettern zugedeckt seyn, daß kein Un- rath darauf falle, oder ihre Oberflaͤche beschaͤdigt werde. Alles uͤbrige am Damme, Kappe, Striegel- haus, u. s. w. wird nach den vorigen behandelt. Anmerkung . Es ist sehr rathsam die Fun- damente auf diese hier angezeigte Art, zu ma- chen, nicht so verhaͤlt es sich mit den Daͤmmen selbst . Denn da man nothwendig die letztern nur Stuͤck vor Stuͤck verfertigen kann, so entste- hen hen immer da, wo die Bretterwaͤnde gestanden haben, in den Mauern Trennungen, weil die Steine in jedem Falle besonders fuͤr sich gemauert werden, also keine durchaus fortlaufende Verbin- dung unter sich erhalten. Diese Trennungen sind aber allemal sehr schaͤdlich; uͤberdieß gehoͤren zu dieser Arbeit sehr gewissenhafte Arbeiter, die nicht uͤbereilt zu Werke gehn. §. 188. Auffuͤhrung durch und durch gemauerter Daͤmme mit Quandern. Da die Quader sehr bekanntes Baumaterial sind, so ist es nicht noͤthig von ihnen eine weit- laͤuftige Beschreibung zu machen. Sie sind haupt- saͤchlich von dreierlei Art, eigentliche Wuͤrfel, El- lenstuͤcke, Durchbinder, die saͤmmtlich bei einerlei Breite und Dicke, nur durch ihre Laͤnge verschie- den sind. Groͤßere Stuͤcke als die Quader, und nach regelmaͤßigen Figuren behauen, heißt man Werkstuͤcke . Sollen Daͤmme von ihnen erbauet werden, so ist es eines der noͤthigsten Erfordernisse, daß sie nicht winkelrecht behauen, und wo moͤglich von genau passenden gleichen, oder verhaͤltnißmaͤßigen Groͤßen gemacht sind. Sind Sind nun die Quader in hinlaͤnglicher Menge herbeigeschaft, so macht man erst nach den obi- gen das Fundament fertig, und wenn dieses be- endigt ist, setzt man die Steine so in die Hoͤhe, daß einer an den andern gehoͤrig anschließt, und uͤber die 2 untere voͤllig uͤbergreift. Zwischen die Quader streicht man Wassermoͤrtel, da man nicht allzu viel dazu braucht. Die Ritzen zwischen den Steinen in der Mitte des Dammes, gießt man auch wohl nur auf die vorhin beschriebene Art aus, und eben dieß beobachtet man in den Schraͤaͤmen an den Enden des Dammes, wenn zuvor die Qua- der recht dicht an die Stoͤße in den Schraͤaͤmen angelegt sind. An der Brust- und Ruͤckenseite, klammert man auch wohl jeden Steiu an und mit andern, die auf, neben, oder unter ihm liegen, mit eisernen Klammern zusammen, und vergießt die Loͤcher mit Blei. Mitten im Damme selbst, ist diese Ver- wahrung durch Klammern unnoͤthig. Auf gleiche Art und Weise, wie man bei der ersten, zweiten und dritten Schicht mit Quadern verfaͤhrt, fuͤhrt man denn alle uͤbrigen bis zur Hoͤhe des Dammes auf, und wenn nur die Steine gut behauen sind, und die Leute einigen Verstand haben die die Maurung verrichten, so hat die ganze Arbeit nichts schwieriges, zumal da im uͤbrigen ganz nach dem, was im vorigen gesagt ist, ver- fahren werden muß. Indessen merke man noch dieses, daß man bei der Maurung selbst, dahin zu zu sehen hat, daß die Quader nicht zu sehr an ih- ren Ecken und Kanten leiden. Denn je mehr von diesen beschaͤdigt werden, desto mehr Oeffnungen entstehen zwischen den Steinen, die man nachher mit Moͤrtel auszufuͤllen sich genoͤthigt sieht, da sie doch eben so dicht mit Stein haͤtten ausgefuͤllt seyn koͤnnen, welches noch besser war. Ferner kann man die Quader nicht von solchen Steinen hauen, die schon von Natur der Naͤsse ziemlich wi- derstehen, so ist es rathsamer sie wegzulassen, und Bruchsteine dafuͤr zu nehmen, die jene schlechte Eigenschaft nicht haben. Saugen die Quader gar das Wasser ein, so sind sie gaͤnzlich zu verwerfen. Da versteht sichs denn aber, daß dieß vor dem Bau erst untersucht werden muͤsse. Um die Steine zu probiren, kann man etliche Quader im Herbste aushauen lassen und sie waͤgen; dann laͤßt man sie den naͤchsten Winter hindurch im freien liegen, und wiegt sie des Fruͤhjahrs wieder. Der groͤs- sere oder kleinere Unterschied in den Herbst- und Fruͤhjahrsgewichten, zeigt sodann von der gerin- gern oder groͤßern Guͤte derselben. Sowohl Gerenne, als Striegelschaͤchte und Roͤschen, koͤnnen in diesen Daͤmmen vortrefflich vorgerichtet werden, deswegen weiset man jeden gleich den gehoͤrigen Platz an, und mauert sie mit einem fort mit auf. Wird der Damm sehr hoch, so macht es viel Muͤhe die Steine hinaufzuschaffen, daher muͤssen sie entweder mit Huͤlfe hoͤlzerner Geruͤste, und Ge- bruͤ- bruͤcken hinauf geschafft werden, oder man muß sie mittelst mehrerer Kraniche hinauf ziehen. Beides giebt eine kostspielige Arbeit. Deswe- gen sieht man gern dahin, daß entweder der Damm von seiner Mitte aus, nach seinen beiden Enden zu- waͤrts, oder von dem einen Ende nach dem an- dern hin, sanft ansteigend aufgefuͤhrt werde. Da kann man sich lange und oft ohne Kraniche helfen, und nimmt allenfalls ein Gebruͤck. Dasjenige Stuͤck alsdann, das zuletzt aufgefuͤhrt wird, muß freilich mit etwas mehr Muͤhe vollendet werden. Man gewinnt aber dennoch immer. Auch bei diesen Daͤmmen bedeckt man die Kappe mit Sand, um sie gegen die Naͤsse zu schuͤtzen. §. 189. Auffuͤhrung solcher Daͤmme, die theils aus Mauer, theils aus Schutt bestehen, und zwar solcher, die vorn und hinten Fut- termauern, in der Mitte aber Schutt haben. Nach dem, was aus dem Vorigen bereits erhellt, hat die Auffuͤhrung dieser Daͤmme keine Schwie- rigkeiten, und was von ihnen noch beizubringen seyn duͤrfte, besteht in Folgendem. Die Mauern dieser Daͤmme werden nach dem Obigen, wie Futtermauern behandelt und betrach- tet, und ihre Dicke, nach ihrer Hoͤhe, in der §. 181 gegebenen Tabelle aufgesucht. So wie also die Dammsohle gehoͤrig bearbei- tet ist, die Grundgraben fertig, und die Funda- Teichb. D d men- mente fuͤr die Futtermauern geendigt sind, so faͤngt man an, beides Schutt und Futtermauern zugleich mit einander aufzufuͤhren. Man sieht auch hier gleich, daß man diese Futtermauern von Quadern oder von Bruchsteinen machen kann und letztere zwar wiederum theils mit Wassermoͤrtel, theils mit anderm, theils nur mit trockner Maurung. Es ist indessen stets am dienlichsten, Moͤrtel zu gebrau- chen, weil dadurch die Mauer mehr Festigkeit er- haͤlt. Wenn man es fuͤr gut befindet, kann man an der Brustseite, etliche Fuß von dem Wasser her in den Damm hinein, Wassermoͤrtel nehmen, die andere Mauer hingegen mit gewoͤhnlichem ver- fertigen. Die Maurung selbst hat uͤbrigens, so wie die Auffuͤhrung des ganzen Dammes, nichts Beson- deres, und wird nach dem Vorhergehenden ver- richtet. Den Schutt zwischen den Futtermauern bear- beitet man auf die nemliche Weise wie im Obigen schon angezeigt worden. Da wo er an die Mauer anzuliegen kommt, muß er recht dicht angestampft werden, jedoch ohne der Mauer dadurch zu scha- den. Auch muß der Brustseite entgegen, und dicht an die Mauer, erst etwas guter Thon, dann der beste Schutt gestampft und gebracht werden, und die hier und da entstandenen Risse fuͤllt man sorgfaͤltig aus. Beides, Schuttarbeit und Maurung, laͤßt man bestaͤndig mit einander continuiren, daß keine ge- gen gen die andere zuruͤck bleibt, sonst entsteht nur Ver- saͤumniß; die Kappe dieser Daͤmme wird wie die der Erd- und Schuttdaͤmme geformt und beklei- det. In Ansehung des Uebrigen, z. E. der Ge- renne, Striegelschaͤchte, Fluthbette, und Roͤschen, bleibt alles wie in dem Vorigen. Schluͤßlich merke man noch dieses: Man thut bei den vorgenannten Arten von gemauerten Daͤm- men sehr wohl, vorn an der Brustseite, und zwar da wo der Striegel im Damme liegt, eine 3 Fuß breite Treppe in der Boͤschung dieser Daͤmme in gerader Linie von der Striegelschachtoͤffnung auf den Striegelkasten los zu mauern, damit man leicht von der Kappe herab in den Teichraum kom- men kann, wenn der Teich leer ist, ohne daß man erst laͤngst dem Damme hinaus, und von der flachen Seite der Widerlagen in den Teichraum herein gehen muß. Beim Fischen eines Teiches zeigt sich der Nutzen einer solchen Treppe besonders, in- gleichen auch bei Reparaturen des Teiches. Ohne sie muß man entweder mit Lebensgefahr auf der Boͤschung hinab klettern, und da kann man nichts mit sich fortbringen, z. E. Holz, Fische und der- gleichen, oder jenen langen Umweg machen. Bei Erd- und Schuttdaͤmmen ist sie gleichfalls sehr dienlich, doch nicht so gewoͤhnlich, weil man da leichter in den Schutt eintreten, und auf und nieder klettern kann. Dadurch leidet aber alle- mal die Boͤschung; denn wenn viel Personen auf diese Art auf ‒ und absteigen, so werden in den D d 2 feuch- feuchten und locker gewordenen Schutt viel Loͤcher eingetreten, oder viel Steine von ihr herabgestoßen, die in den Teichraum fallen, leicht Jemand beschaͤ- digen koͤnnen, oder wenigstens mit der Zeit wieder ausgebracht und weggeraͤumt werden muͤssen, da der Striegel davon leiden kann. Erhaͤlt nun vol- lends ein solcher Erd- und Schuttdamm eine Ter- rassenmauer, so wird sie ganz unentbehrlich, weil es mit dieser gleiche Bewandniß hat, wie mit den Futtermauern obiger Daͤmme. §. 190. Auffuͤhrung der aus Mauer und Schutt bestehenden Daͤmme, und zwar derer, wo die Mauer in der Mitte, vorn und hinten aber Schutt vorliegt. Es bleibt noch uͤbrig, von solchen Daͤmmen etwas zu gedenken, welche in der Mitte Mauer haben, um die vorn und hinten Schutt vorgestuͤrzt ist. Diese Art Daͤmme ist bis jetzt am wenigsten in Gebrauch gekommen, und wo man sich ihrer bedient hat, ist es mehr an laufenden Gewaͤssern als an stehenden geschehen; oder man hat alten, zu schwachen, sonst indessen noch brauchbaren Daͤmmen, ingleichen an verschiedenen Orten schad- haften Daͤmmen, die man beiderseits aus oͤcono- mischen Absichten noch beibehalten mußte, durch dieses Verfahren zu helfen gesucht. Mangel an Thon und Rasen, koͤnnen auch hierzu rathen. Fragt man also, was sie fuͤr Werth in Beziehung auf die die andern Arten Daͤmme zu bauen besitzen, so kann man ohne Bedenklichkeit versichern, daß sie, wenn gleich nicht so gut als Erd- und Schuttdaͤm- me mit Thon- oder Rasenbruͤsten, oder von Qua- dern und mit gegossenen Mauern erbauet, immer den Vorzug vor solchen behaupten, die nach der bei den Alten gebraͤuchlich gewesenen Methode er- richtet werden. Gaͤbe man aber diesen in der Mitte mit Mauer versehenen Daͤmmen eine Rasen- oder Thonbrust, so wuͤrden sie dadurch vielleicht nutzbarer als jene mit Futtermauern, weil letztere leicht in den Kosten hoͤher steigen koͤnnen als die, welche in der Mitte die Mauer haben, und gleichwohl nicht mehr an Festigkeit liefern. Was die Bearbeitung dieser Daͤmme betrifft, so erhellt, daß sie gaͤnzlich nach den im Vorigen ge- gebenen Anweisungen betrieben werden kann. Da wird also erst fuͤr die Mauer im Damme ein Fundament gelegt, und wenn eine Rasenbrust ne- ben die Mauer kommen soll, auch fuͤr diese, so wie uͤberhaupt fuͤr den ganzen Damm, der Grund ge- sichert. Dann nimmt man die Arbeit mit dem Mauern und dem Schuttaufstuͤrzen weiter und zwar so vor, daß immer beides in gleichen Hoͤhen voll- bracht werde, und die benoͤthigten Grade von Fe- stigkeit erhalte. Wegen der Boͤschungen, Strie- gel, Gerenne, Roͤschen u. s. w. beobachtet man die gehoͤrige Vorsicht in Betreff ihrer Lage und Bauart, und vollendet auch diese Daͤmme auf gleiche gleiche Weise wie die vorbenannten, so daß des- falls nichts zu erinnern uͤbrig bleiben moͤchte, als dieß, daß man die Mauer so gut mit Wassermoͤr- tel, als mit bloßem gewoͤhnlichen Kalkmoͤrtel errich- ten koͤnne, und daß man wegen der Schuttarbeit nur oben bei den Erd- und Schuttdaͤmmen, wegen der Maurung hingegen in dieser Abtheilung nach- sehen duͤrfe, um es auf diese Art von Daͤmmen anzuwenden. §. 191. Terraßmauer-Arbeit . Ehe wir noch von den gemauerten Daͤmmen gaͤnzlich Abschied nehmen, ist es noͤthig, noch der Bearbeitung der schon oben erwaͤhnten Terraß- mauern in etwas zu gedenken. Die Haupterfordernisse bei ihrer Bearbeitung und Errichtung sind, 1) daß sie mit einem guten Grunde versehen werden, ferner 2) daß man sie dick und stark genug macht, 3) daß die Steine ihre richtige Lage und Stel- lung bekommen, und die Mauer fest genug werde. Das Fundament, oder der Grund der Terraß- mauer muß natuͤrlich eben so gut beschaffen seyn, wie der einer jeden andern Mauer, die nicht in kurzem ruinirt seyn soll. Wenn also vor dem Dam- me an der Brustseite der Grund nicht tauglich ist, zu locker, zu naß, zu unsicher durch Gesteinkluͤfte u. s. u. s. f. so muß er zuvor ausgegraben, oder durch Verstampfen mit Thon, durch Pilottiren, (Aus- rammeln mit Pfaͤhlen) oder durch Spondpfahl- waͤnde, gesichert werden, wie es das jedesmalige Locale erheischt. Aber selbst dann, wenn der Boden noch so gut ist, macht es die Terraßmauer noͤthig, erst vor dem Damme etwas aufzugraben, einen kleinen Grund- graben fuͤr die Mauer vorzurichten, und aus die- sem heraus nachher die Mauer aufzufuͤhren. Die Ursach hiezu ist diese, weil alsdann die Mauer dem Verschieben am Fuße nicht zu sehr ausgesetzt ist, und desto fester stehet. Wuͤrde aber die Mauer zu schwach gemacht, so koͤnnte sie dann nur wenig oder gar nichts nuͤtzen, und sie duͤrfte den Teich eher bald verstuͤrzen hel- fen, statt dem Damme zur Erhaltung zu dienen. Man mache daher diese Mauern oben an der Kap- pe, nie unter 2 Fuß dick. Ob nun gleich die Mauer auf einer schiefen Ebne (der Boͤschung von Schutt) aufruht, so ist es doch noͤthig, daß sie unten am Fuße etwas mehr Dicke erhalte, als oben auf der Kappe des Dammes. Man vermehre also auf jede 10 Fuß Hoͤhe der Mauer, ihre obere Dicke um 3 Zoll, so erhaͤlt man fuͤr den Fuß der Terraßmauer eine schickliche Dicke im Grundgra- ben derselben. Aber weder Fundament, noch Dicke, wird die Mauer lange vor dem Einfallen bewahren, wofern nicht die Steine eine schickliche Lage bekommen, und und die Festigkeit befoͤrdern helfen. Deswegen duͤrfen schlechterdings bei einer Terraßmauer keine kleinen und rundlichen Steine gebraucht werden, sondern nur große Platten, oder solche, die feine und lange Bahnen haben. Bedient man sich nun solcher Steine, so setze man sie auch so gegen die Boͤschungslinie und Flaͤche nach der der Damm dossirt werden soll, daß sie aller Orten senkrecht auf besagte Linie oder Flaͤche stehen, und daß der Damm genau die vorgeschrie- bene Dossirung erhaͤlt. Dieß wird am besten so erreicht, wenn man die Platten nicht auf die hohe Kante, sondern auf die breite Seite legt, und im- mer einen Stein lang genug uͤber deu andern uͤber- binden laͤßt, beiher auch die zwischen den Platten entstehenden Oeffnungen mit kleinern Zwicksteinen ausfuͤllt. Die ganz kleinen Oeffnungen hinter der Mauer und zwischen den Steinen selbst, fuͤllt man gleich bei dem Aufmauern mit Grand, oder fei- nem Sande aus, der mit gutem Thon um die Haͤlfte versetzt ist. Wo man aber noch Steine einzwaͤngen kann, ist es besser diese zu gebrauchen. Will man einen nicht zu fluͤßigen Wassermoͤr- tel bei der ganzen Terraßmauer brauchen, so ist die- ser das schicklichste Mittel, der Mauer eine unge- meine Haltbarkeit zu geben. Die Regel, die Steine platt uͤber einander, und auf die Boͤschungslinie senkrecht zu mauern, darf man durchaus nicht aus den Augen lassen, o nst werden die Steine bald ein Spiel des Was- sers sers und fallen heraus, zumal da sich jede Mauer ewas zu senken pflegt. Ueberhaupt hat es eine Terraßmauer besonders noͤthig, daß man allen Fleiß auf sie verwendet, und alles beobachtet, was zur Auffuͤhrung einer gu- ten Mauer, worunter auch das fleißige Behauen der Steine, zu der fuͤr ihre sichere Lage noͤthigen Form mit begriffen ist, irgend gehoͤren mag, und wenn dieß geschieht, wird sie auch nie die Dien- ste versagen, die man sich von ihr zu versprechen ein Recht hat. Was in §. 189 wegen der Treppe am Damme herab, in den Teichraum hinein, gesagt ist, gilt auch bei diesen Mauern, so wie das uͤbrige, was nach dem Vorigen bei ihnen mit Nutzen anzuwen- den waͤre. An- Anhang . §. 192. Einige Vorrichtungen die Striegel zu ziehen. S obald man durch den Striegel wirklich Wasser aus dem Teiche herausgehen laͤßt, sagt man, der Teich oder Striegel ist gezogen . Dieser Aus- lauf wird dem Wasser dadurch verstattet, daß man den im Zapfenloche derb eingesetzten Zapfen etwas luͤftet, wodurch das Wasser Gelegenheit erhaͤlt, unter ihm weg und durch den Damm hindurch auszulaufen. Diese Luͤftung oder Erhebung des am Striegelbaume befindlichen Zapfens, ist wegen der Schwere dieses Stuͤcks Holzes, zumal bei tie- fen Teichen, nicht so leicht zu bewerkstelligen, und macht beinahe allezeit eine mechanische Vorrichtung noͤthig, ausgenommen bei den Rennstriegeln. Von diesen Vorrichtungen sollen hier nun einige be- schrieben werden, so weit es die vorgesetzte Kuͤrze erlauben will. Eine der einfachsten Arten den Striegel zu ziehen, die schon §. 152 erwaͤhnt wurde, ist diese, daß daß man durch den Striegelbaum mehrere Loͤcher von 1 Zoll Weite einbohrt. In diese Loͤcher steckt man beim wirklichen Ziehen einen eisernen Nagel von besagter Staͤrke, der durch die Striegelstange hindurch geht, und auf beiden Seiten 4 Zoll lang herausragt. Die Laͤnge dieses Nagels ergiebt sich also aus der Striegelbaumdicke, zu der noch 8 Zoll addirt werden. Mittelst einer 8 bis 10 Fuß langen und 5 bis 6 Zoll dicken Stange, die als Hebel dient, faßt man unter den, aus dem Striegelbau- me 4 Zoll herausstehenden eisernen Nagel unter, und druͤckt ihn — nachdem zuvor ganz dicht an den Striegelbaum unter das Ende des Hebels, ein nach Maaßgabe der Umstaͤnde und des staͤrkern und des schwaͤchern Ziehens des Striegels, groͤße- res oder kleineres Kloͤtzchen, oder Stein unterge- legt ist, welches des Hebels Ruhepunkt abgiebt — mit sammt dem Striegelbaume, in dem er steckt, so weit als man kann, in die Hoͤhe. Ist nun der Zapfen mittelst dieses Hebels in die Hoͤhe gebracht, so muß ein anderer Gehuͤlfe an den Striegelbaum ein Kloͤtzchen unter den eiser- nen Nagel unterstecken, welches just so groß ist, daß es den Baum auf der benoͤthigten Hoͤhe er- haͤlt, auf welche ihn die auf dem Hebel liegende Person aufwaͤrts gezwaͤngt hat. Wegen dieses untergestuͤtzten Kloͤtzchens kann der Striegelbaum nachher sich selbst uͤberlassen, und lange auf ein und derselben Hoͤhe erhalten werden, wenn der Hebel unter dem eisernen Nagel weggenommen ist. Man Man sieht aber hieraus, daß erstlich — eine einzige Person auf die oben gezeigte Art, den Striegel fast gar nicht, oder nur mit der aͤußersten Muͤhe ziehen kann, und daß dieses Verfahren un- sicher ist, weil man die ausfließende Wassermenge nicht voͤllig so in seiner Gewalt hat, als noͤthig ist. Zweitens, wenn kein Striegelhaͤuschen auf dem Striegel steht, so kann das untergestuͤtzte Kloͤtzchen, durch Ruͤtteln und Austoßen leicht ver- ruͤckt werden, der Zapfen niederschießen, und den Teich zusetzen, wenn man just die Wasser am noͤ- thigsten braucht. Es sind daher mehrere Versuche gemacht worden, die Striegel auf eine leichte, siche- re, und solche Weise zu ziehen, daß man den benoͤ- thigten Abfluß des Wassers mehr in seiner Gewalt habe, als bei der eben beschriebenen Art. In den nachstehenden §§. folgen daher noch einige andern Vorrichtungen, von denen sich die Leser die ihnen gefaͤlligen auslesen moͤgen. §. 193. Eine gute Vorrichtung den Striegel zu ziehen ist die, wo man in dem Striegelhause eine solche Winde anbringt, wie die Brunnenwinden zu seyn pflegen, um die sich eine an den Striegelbaum be- festigte Kette aufwindet. Neben der an der Welle befindlichen Kurbel, durch welche die Winde auf- gedreht wird, und deren Arm nicht zu klein seyn darf, (etwa 15 bis 18 Zoll) ist an der Seite oder an dem Holze, worauf die Winde ruht, ( Haspel - stuͤtze ) stuͤtze ) eine 2 Fuß lange maͤßig starke Kette befe- stigt, die an ihrem herabhaͤngenden Ende einen ziemlich langen Haken hat. So wie nun, mittelst der Kurbel und der Winde, die Striegelstange bis auf die beliebige Hoͤhe aufgewunden ist, schlaͤgt dieselbe Person die kleine Kette um die Handhabe der Kurbel herum, und haͤngt sie mit dem Haken hoch oder tief, wie es noͤthig ist, in ihre eignen Ge- lenke ein; dadurch bleibt alsdann der Striegelbaum auf der ihm gegebenen Hoͤhe. Man sieht gleich ein, daß diese Kurbel nicht zu schwach seyn duͤrfe, weil sonst auch das Eisen bricht. Sicherer geht man daher, wenn man eine Klinke anbringt, welche in Vertiefungen eingreift, die in der Welle fuͤr die Klinke gemacht sind, und auf diese Art das Zuruͤckgehen der Striegelstange verhindert. Die Kette an dem Striegelbaume, und an der Winde, darf ja nicht zu schwach, und auch nicht zu lang an den Striegelbaum geschuͤrzt seyn, weil sie sonst leichter reißt, als wenn sie kurz (et- wa 2 Fuß) und stark genug ist. Diese Art die Striegel zu ziehen, scheint uͤber- haupt bequemer als die vorige zu seyn, erfordert aber auch mehr Kraft, den Striegelbaum zu heben, theils weil der Striegelbaum leicht schief angezo- gen wird, theils weil der Hebel der Kraft weit kleiner ist. Den schiefen Gang des Striegelbaumes kann man indessen leicht durch Streichwalzen, die man an ihn herum bringt, verhindern. Dagegen aber sind auch die Ketten bei starken Froͤsten dem Sprin- Springen sehr ausgesetzt, wobei die Personen leicht beschaͤdigt werden koͤnnen, die den Striegel ziehen wollen. §. 194. Noch eine andere Art ist diese. In den Strie- gelbaum koͤmmt oben bei der Oeffnung des Strie- gelschachtes, eine 2½ Zoll dicke, und 4 Zoll breite, auch 4 Fuß lange, gegossene eiserne gezahnte Stange, deren Zaͤhne 2¼ Zoll dick seyn, und von der Stange etwa 3 Zoll hervorstehen muͤssen. Die Axen der Zaͤhne koͤnnen 4¾ Zoll von einander ste- hen. Oben und unten an den Enden der gezahn- ten Stange wird sie mit starken eisernen Stuͤcken, die um den Striegelbaum und die gezahnte Stange herumgehen, dicht angeschlossen, so daß sie an dem Striegelbaume sich nicht im mindesten verruͤcken kann. In diese gezahnte Stange greift ein Tril- ling, mit eisernen Stecken, der an einer der so eben beschriebenen Winde (s. vor. §.) aͤhnlichen Welle befindlich ist; diese Winde mit dem Trillinge wird durch eine Kurbel bewegt, und hat ein Sperrad und einen Klinkhaken, wodurch man den Striegel- baum auf und nieder lassen kann, je — nachdem man die Kurbel umdreht. Damit man auch hier den Striegelbaum desto besser in seiner lothrechten Linie erhaͤlt, bringt man in verschiedenen Hoͤhen Streichwaͤlzchen an, die 4 Zoll im Durchmesser haben, und gegen 16 Zoll lang sind. Aber Aber auch diese Vorrichtung treffen die schon bei den vorigen gemachten Besorgnisse. Man hat ihnen jedoch durch eine hier folgende Abaͤn- derung abzuhelfen gesucht. Wenn man naͤmlich die gezahnte Stange und die Streichwalzen deibe- haͤlt, so bringt man, statt der Winde und des eiser- nen Trillings, ein eisernes gezahntes Bogenstuͤck an, dessen Theilung und Zaͤhne, denen in der ge- zahnten Stange am Striegelbaume correspondiren. Dieses eiserne Bogenstuͤck wird an ein hoͤlzernes an- geschlossen, das an einer Welle oder Hebel befe- stigt ist; dann greift es in die gezahnte Stange ein, und so wie man das Bogenstuͤck mit einem Hebel aufwaͤrts druͤckt, koͤmmt auch der Striegel- baum mit in die Hoͤhe. §. 195. Eine weit bessere Vorrichtung ist die hier fol- gende. Man bediene sich einer Schraube ohne Ende, naͤmlich — man bringe an der Striegel- stange ein den vorigen aͤhnliches gezahntes eiser- nes Stuͤck Stange an; in dieses greife ein eiserner Trilling, an dessen Welle ein eisernes 18 Zoll ho- hes Sternrad steckl. Die Schraube ohne Ende liege uͤber demselben, und greife in seine Zaͤhne ein, weshalb die Zaͤhne an dem Sternrade schief stehen muͤssen, wie es die Gewinde der Schraube ohne Ende verlangen. Durch eine Kurbel, die einen halben Hub von 18 Zoll hat, werde die Schraube ohne ohne Ende bewegt, so hat man die ganze Vorrich- tung im Wesentlichen. An der Striegelstange duͤrfen die Streichwal- zen, und uͤber den Zapfen der Wellen, die Deckel nicht vergessen werden, auch darf die Walze, die am Striegelbaume hinterwaͤrts, der gezahnten ei- sernen Stange gegenuͤber steht, nicht zuruͤckgetrie- ben werden koͤnnen, wenn die Striegelstange sich stark an sie anlehnt. Deswegen ist es gut, sie tief an den Zapfen einzulassen, wodurch sie viel Strebe bekoͤmmt. Um aber den gehobenen Striegelbaum in der Hoͤhe zu erhalten, kann man sich der vorhin, in §. 193. angezeigten Art mit der kleinen Kette und Haken bedienen. Wenn die gezahnte Stange im Striegelbaume dazu vorgerichtet ist, so kann man gleich die Schraube ohne Ende in die Striegelstange eingrei- fen lassen, da ist die Vorrichtung noch kuͤrzer, er- fordert aber viel Genauigkeit, wenn sie gut wer- den soll. §. 196. Abermals eine andere Art den Striegel zu zie- hen ist diese: In der Hoͤhe des Saͤulwerks im Striegelhaͤuschen, ist oben unterm Dache eine große Schraubenmutter, von 6 Zoll Dicke, und 12 Zoll Breite ins Quadrat, in ein Lagerholz eingelassen, und rings umher durch Keile und Ringe von Ei- sen wohl befestigt. In diese Mutter greift eine eiser- eiserne Schraube ein, die genau dazu paßt, jedoch darf sie nicht zu gedraͤngt gehn, weil Mutter und Schraube geschmiert werden muͤs- sen; Mutter und Schraube muͤssen auch nothwen- dig gleiche Gewinde haben, daß man die Schraube so hoch und so tief auf und nieder schrauben kann, wie man will und die Schraube reicht. An dem untern Ende hat die Schraube einen Kopf, der in ein Stuͤck Holz eingelassen, und durch eiserne Ringe so daran befestigt ist, daß er nicht herausg eh n kann. Statt dieses Kopfes kann auch ein soge- nanntes Blatt dienen. In das Holz, worein der Schraubenkopf der Laͤnge nach befestigt ist, wird wiederum der Laͤnge nach, ein 5 bis 6 Zoll starker Nagel gesteckt, der durch eine eiserne Huͤlse geht, und dessen Kopf unter dieser Huͤlse liegt, die oben an der Striegelstange angeklammert ist. Auf die Art ist dann die Schraube oben in der Mutter, und unten mittelst des eisernen Ragels in der Huͤlse an der Striegelstange, beweglich. Steckt man nun in Loͤcher, die in jenes 2 Fuß langes Holz gebohrt sind, woran der Nagel und die Schraube befestigt ist, Hebel ein, und dreht die Schraube um, so wird der Striegelbaum, der wegen des Kopfes des besagten eisernen Nagels, mittelst der Huͤlse nicht von der Schraube loskom- men kann, nothwendig mit in die Hoͤhe gehoben, da gleichfalls die Mutter der Schraube oben auf dem Lager fest liegt. Zu dem Ende muß die Schrau- benmutter durch eine starke Holzverbindung ge- Teichb. E e sichert sichert seyn. Auf diese Art kann man durch Vor- und Ruͤckwaͤrtsschrauben, die Striegelstange hoch und niedrig heben, wie man will. Wenn die Zapfenstange so weit nieder ist, daß sie das Zapfenloch just verschlossen hat, so macht man sich an die Zapfenstange ein Merkmal, sonst koͤnnte man gegentheils das Zapfenhaͤuschen von der Kappe abschrauben. Bei dieser ganzen Vorrichtung braucht man wenig Kraft, wenig Raum, und kann accurater, als bei allen vorigen Arten, die Striegelstange heben und niederlassen. Man macht auch wohl an die Striegelstange, von unten an bis oben hinaus, die Anzahl der Fuße seiner Hoͤhe, von 1 Fuß an, bis zum Ende der Stange; da kann man immer an der Stange sehen, wie hoch das Wasser im Teiche ist; die Nummern muͤssen aber so gesetzt seyn, daß 1 zu unterst bei dem Zapfen, die hoͤchste Nummer dagegen oben bei dem Ende der Striege stange steht. Dann kann man zu allen Zeiten seinen Vor- rath uͤberschlagen. Ohne Zweifel lassen sich ohne viel Muͤhe noch mehr Arten, die Striegel zu ziehen, ausfindig machen, z. E. eine solche, wo die Striegelstange auf aͤhnliche Art, wie die Zugstange bei Pumpen, gehoben wuͤrde, und dergleichen mehr; der Leser hat indessen hier die bisher gebraͤuchlichsten, die er er nach eigner Willkuͤhr und nach Befinden| der Umstaͤnde beibehalten, oder seinen Absichten ge- maͤß abaͤndern mag. Bei den liegenden Striegeln, merke man noch schluͤßlich, ist die Schraube ohne Ende am vortheilhaftesten anzubringen. §. 197. Etwas vom Kostenanschlage. Wenn der Bauanschlag uͤberhaupt, eine ge- naue und ausfuͤhrliche Anzeige der Baumateria- lien und Kosten ist, die bei einem vorzunehmen- den Baue, zur Vollendung desselben statt haben, so leuchtet es gleich deutlich ein, daß man zu dem- selben, wenn man sicher gehn, und nicht aufs Gerathewohl verfahren will, Folgendes zu wissen noͤthig habe: 1) Die richtige Groͤße sowohl des zu erbauenden ganzen Werkes, als auch seiner Theile; 2) Den Preis der erforderlichen Baumateria- lien; 3) Den Lohn der Arbeiter. Bei jedem dieser Stuͤcke setzt man voraus, daß man wisse, wie es richtig angewendet werde. Ist nun die Groͤße des zu errichtenden Werkes E e 2 be- bekannt, so ergiebt sich daraus, wie viel man von den verschiedenen Baumaterialien b rauche, und dann kann man den Preis derselben ausfindig machen; in so fern ist also wenig Schwierigkeit, und fuͤr einen einigermaßen mit Bauwesen be- kannten Mann, fast gar keine. Weit unsicherer sind dagegen die Loͤhne der Arbeitenden. Von diesen ist es bekannt, daß sie nicht nur fast in jedem Jahre, im Allgemeinen, sich veraͤndern, sondern auch insbesondere bei- nahe in jedem Vierteljahre anders ausfallen. Tausenderlei Umstaͤnde, die hier weitlaͤuftig anzu- fuͤhren unnuͤtz seyn wuͤrde, zeigen dabei die Macht ihres wirklichen, oder oͤfters nur eingebilde- ten Einflusses. Zeit, Witterung, Preis der Lebensmittel und anderer unentbehrlicher Be- duͤrfnisse, Menge oder Seltenheit der Ar- beiter, die zum Arbeiten noͤthigen Geraͤthschaf- ten , und Thiere , u. s. w., steigern und ernie- drigen die Loͤhne, ohne daß es allezeit in un- serer Gewalt steht, dabei die gehoͤrigen Graͤnzen festzusetzen, die der Billigkeit gemaͤß, und unsern Wuͤnschen angemessen sind. Oft werden wir un- widerstehlich durch ihren Druck mit fortgefuͤhrt, ohnerachtet wir ihm noch so heftig widerstreben. Man sieht also, daß in Ansehung ihrer, schlechter- dings nichts allgemein Guͤltiges bei den Arbeiten festzusetzen ist, und das Laͤndlich, Sittlich , muß fast jederzeit zur Richtschnur genommen wer- den, den, bei dem es jedoch freisteht, auf die Billig- keit der Arbeiter Anspruch zu machen. Indeß hat die Erfahrung viel gute Regeln gegeben, bei de- ren Beobachtung beide Theile, Arbeiter und Bau- herr, sich wohl befinden. In neuern Zeiten hat sich besonders der Herr Landbaumeister Huth dem Geschaͤfte unterzogen, solche durch Erfahrung an die Hand gegebene Regeln zu sammlen und das Publicum damit in seinem Bauanschlage zu be- lehren. Da die Festigkeit des Erdreichs und Gestei- nes, die Tiefe , bis zu der es ausgegraben wer- den soll, und die Weite der Wegschaffung desselben, nothwendig beim Bearbeiten des Grun- des , die Hauptstuͤcke sind, welche den Lohn bestim- men, so hat Herr Huth einen mittelmaͤßig festen Boden angenommen, und darnach folgende Ta- belle berechnet. Wenn man naͤmlich das Erdreich loszumachen, oder zu graben, und in die Schuttkarren einzu- werfen, fuͤr die Schachtruthe obersaͤchsisches Maaß 6 Groschen rechnet, und fuͤr das Wegkarren als- dann zu diesem Arbeitslohn auf jede 50 Schritt weit, fuͤr eine dergleichen Schachtruthe obersaͤch- sisches Maaß 1 gr. 6 pf. zulegt, so kommt das Arbeitslohn fuͤr Losmachen und Wegkarren Fuͤr Zu mehrerer Bequemlichkeit ist auch hier der Preis bei rheinischem Maaße beigesetzt. Bei der Bearbeitung der Mauern von Bruch- steinen, bezahlt man ihre Auffuͤhrung nach Ku- bikfußen oder Ruthen , nach der vorzurich- tenden oder wegzulassenden Ruͤstung und Hoͤhe der Mauer. 1. Bei niedrigen Mauern, wo nicht geruͤstet wird, fuͤr den Kubikfuß saͤchsisches Maaß 2¼ Pfennig, also fuͤr die Kubikruthe zu 256 Kubikfuß, 2 Thaler. 2. Bei hohen Mauern, welche Ruͤstung erfor- dern, zahlt man fuͤr Verfertigung der Ruͤ- stung, Abreißen derselben, Foͤrderung der Baumaterialien auf selbige, und wirkliche Maurung, fuͤr jede um 12 Fuß steigende Hoͤhe, Hoͤhe, mehr wie folget, wenn man fuͤr 12 Fuß Hoͤhe der Mauer fuͤr eine Schacht- ruthe 1 thlr. 12 gr. rechnet, à Schachtruthe bei 24′ Hoͤhe 1 thl. 18 gr. — — — 36 — 2 thl. — — — — 48 — 2 thl. 12 gr. — — — 60 — 3 thl. 4 gr. — — — 72 — 3 thl. 20 gr. bis 4 thl. — Bei Mauern von Quadern koͤmmt sehr viel auf die Haͤrte der Steine an. Sind diese nicht zu hart, so zahlt man bei niedrigen Mauern fuͤr die Quader zu behauen à Schock — thl. 12 gr. — selbige zu vermauern à Schock — thl. 12 gr. Bei hohen Mauern , wo geruͤstet wird, fuͤr die ganze Arbeit, bis die Mauer fertig ist, fuͤr Ver- maurung eines Schockes, bei einer Hoͤhe der Mauer von 12 Fußen 16 gr. bei 24 Fuß Hoͤhe der Mauer à Schock 1 thl. 10 gr. ‒ 36 — — — — 1 thl. 12 gr. ‒ 48 — — — — 1 thl. 16 gr. ‒ 60 — — — — 1 thl. 20 gr. ‒ 72 — — — — 2 thl. — Sind aber die Steine sehr fest , so wird fuͤr das Behauen wohl die Haͤlfte , oder gar das Ganze des vorhin angegebenen Lohnes, zuge- legt. §. 198. §. 198. Das Arbeitslohn fuͤr die Bearbeitung der Daͤmme von Erde und Schutt , nemlich fuͤr das Losmachen des benoͤthigten Schuttes, des An- karrens desselben, des Planirens, des Rammelns mit Handrammen, des Dossirens an der Brust- und Ruͤckenseite, benebst der Unterhaltung der noͤthigen Geraͤthschaften und Ruͤstung, bestimmt Herr Huth folgendermaßen. Er rechnet an Arbeitslohn fuͤr eine Schacht- ruthe Damm, nach der verschiedenen Entlegenheit des Schuttes, nach beistehender Tabelle Wenn Wenn der Boden sehr fest ist , muß an Lohne zugelegt werden, oder — man laͤßt die Leute unter guter Aufsicht, im Tagelohn arbeiten. Was die Holzarbeit anbetrift, so wird solche nach der Dicke des Holzes, nach der mehrern oder mindern kuͤnstlichen Ausarbeitung , und nach der Festigkeit desselben bezahlt. Gemei- niglich rechnet man eine bestimmte Summe fuͤr je- den laufenden Fuß . Dieß kann jedoch nicht allgemein bestimmt werden, und man muß desfalls mit den Zimmerleuten eine billige Uebereinkunft zu treffen suchen. Da die Holzarbeiten so verschieden sind, und zu mancherlei Loͤhne haben, als daß sie hier aufge- fuͤhrt werden koͤnnten, so ist es am dienlichsten, desfalls die erwaͤhnte Schrift des Herrn Huth , zu gebrauchen, da sie sattsame Auskunft und viel gruͤndliche Regeln giebt. Was endlich die Fuhrloͤhne anbelangt, so rich- ten sich diese theils nach dem Futterpreise , der Theurung des Geschirres, Schwere der Lasten, Weite des Weges , auf dem sie sollen gefahren werden, theils nach der guͤnstigen oder unguͤnstigen Beschaffenheit des We- ges . Lauter Umstaͤnde, die keine allgemeine Be- stimmung zulassen, wobei man also der Billigkeit und hergebrachten Forderungen folgen muß. Meh- Mehrern Unterricht suche man in Buͤchern, die von Bauanschlaͤgen und vom Wasserbau han- deln. Ueberhaupt gehoͤrt die ganze Lehre von Bau- anschlaͤgen, in die Baukunst, und muß nach den Regeln, welche diese desfalls vorschreibt, beurtheilt und angewendet werden. Am besten thut man, wenn man die saͤmmtlichen Arbeiten, nach dem Rathe peaktischer Maͤnner, vorsichtig und billig zu verdingen, oder in Accord zu geben sucht. §. 199. Etwas uͤber die Auftragung der Daͤmme. Ein beim Teichbau sehr haͤufig vorkommender Fall ist der, daß man Daͤmme erhoͤhen, oder wie man dieß mit einem eignen Namen zu benennen pflegt, auftragen muß. Die Veranlassung zu dieser Arbeit liegt gemeiniglich in folgenden Zwecken: 1) in einer beabsichtigten Vergroͤßerung der Wassermenge; 2) in einer beabsichtigten Sicherung der Daͤm- me gegen das Ueberspuͤlen; 3) in einer beabsichtigten Passage uͤber diese Daͤmme. Je- Jedem dieser angefuͤhrten Zwecke gemaͤß — welchen uͤbrigens man wirklich haben mag — muß sowohl die Groͤße, um die erhoͤht werden soll, als auch die Arbeit selbst, bestimmt werden. Die wirklichen Groͤßen der Erhoͤhung fuͤr jeden dieser Zwecke, lassen sich jedoch schlechterdings nicht all- gemein angeben, weil zuletzt alles auf der Will- kuͤhr des Bauherrn, und der Conjunctur der Um- staͤnde und des Terreins beruht. Sucht man sich also durch das Auftragen eine groͤßere Wassermenge zu verschaffen, und hat die Hoͤhe bestimmt, um die ein Damm noch em- por gebracht werden soll, so ist zufoͤrderst — wenn die ganze Sache in Betreff der Widerlagen, Gren- zen und so fort, moͤglich ist, noͤthig auszumitteln, wie viel man dem bereits vorhandenen Damme, bei vergroͤßerter Hoͤhe desselben, an Dicke zulegen muͤsse. Diese Dicke kann nicht bloß nach dem neu aufzutragenden Stuͤcke Damm, allein beurtheilt werden, sondern nach der neuen Hoͤhe des Wasser- standes, die durch besagte Erhoͤhung bewirkt wer- den soll. Dieß setzt also eine Berechnung und Vergleichung des Wasserdrucks bei der neuen Wasserstandshoͤhe , mit der Kraft des alten Dammes voraus. Die Staͤrke eines solchen alten Dammes wird nach dem Obigen aus dem Kubikinhalte desselben, und aus der Schwere seines Materials gefunden, wo- wovon man die Friction sucht. (Siehe 1 ste Ab- theilung.) Nach dem Obigen sucht man auch die Staͤrke des Wasserdruckes fuͤr die neue Wasser- standshoͤhe. Wenn man nun ferner die untere Breite eines Dammes ausmittelt, welcher dem Wasserdrucke bei der verlangten neuen Wasser- standshoͤhe voͤllig gewachsen ist, und davon die untere Breite des alten Dammes abzieht, so weiß man daraus, um wie viel man die Breite des al- ten Dammes zu vergroͤßern hat, bis der Damm seine gehoͤrige untere Staͤrke erhaͤlt. Mittelst der, aus der ganzen neuen Dammhoͤhe sich ergebenden Breite der neuen Kappe, lassen sich sodann auch die beiden neuen Boͤschungen finden, wenn man den Damm vorn und hinten bestuͤrzen will, oder muß, oder wenigstens die eine neue Boͤschung, wenn man alle neue Verstaͤrkung des Dammes auf eine Seite legt. Eben so verfaͤhrt man denn auch in den beiden andern Faͤllen, wo man um des Ueberspuͤlens, oder um der Passage willen auftraͤgt; alles — nach Anleitung des Obigen. Wenn man nun an die Arbeit selbst geht, so pruͤft man den ganzen Damm, ob und wo er schadhaft ist, oder ob er durchgehends mit Nutzen zu gebrauchen seyn duͤrfte. In jenem Falle reißt man das Schadhafte weg, bessert es aus, und traͤgt sodann die die Erhoͤhung auf. Da pflegt man jedoch die neue Verstaͤrkung des Dammes, — wenn es der Raum im Thale verstattet, — dem Wasser im Teichraume entgegen zu legen. Im letzten Falle erhoͤht man ohne weiteres Bedenken, wie man will, und es das Locale verstattet. Allezeit aber muß vor der Auftragung selbst, der Rasen von dem alten Damme gaͤnzlich rein ab- gehackt werden, um die Verbindung des neuen Schuttes mit dem im alten Damme befindlichen, desto besser zu bewirken. Auch hier wird sodann der Schutt, wenn er angestuͤrzt ist, erst geebnet, dicht an den alten Damm angekratzt, um alle Hoͤhlungen zu vermeiden, und dann dreimal uͤber- stampft. Es ist sehr dienlich, an den alten Damm an, und zwischen die neue Verstaͤrkung, Thon statt des Schuttes zu stuͤrzen; dadurch wird die Ver- bindung desto inniger. Diesen Thon behandelt man wie eine Thonbrust. Man legt aber auch wohl bei einer Auftra- gung, an dem alten Damme eine Rasenbrust her- auf, und vor diese stuͤrzt man nochmals den be- noͤthigten Schutt vor. Solche Rasen- oder Thon- bruͤste muͤssen jedoch in diesen Faͤllen allezeit an die Brustseite kommen. Ihre Dicke kann ⅔ einer neu- neuen Rasenbrust seyn, die fuͤr eine solche neue Hoͤhe des Dammes noͤthig waͤre. Im uͤbrigen geht man wie bei Auffuͤhrung ei- nes neuen Dammes zu Werke. Wenn gegen Ueberspuͤlen des Wassers und um der Passage willen erhoͤht wird, folgt man gleich- falls diesen und den oben gegebnen Regeln, und im letzten Falle pflastert man die Kappe nach Re- geln des Straßenbaues. §. 200. Einige der brauchbarsten Schriften, die von Teichen und vom Teichbau handeln, oder dabei zu gebrauchen sind. Viele dieser Schriften enthalten zwar von dem eigentlichen Teichbau keine weitlaͤuftigen Nachrich- ten; doch sind sie wegen der in ihnen befindlichen praktischen und theoretischen Regeln oft sehr brauchbar, und deshalb hier mit angefuͤhrt. A. G. v. Muͤnnichens Unterredung zweier guten Freunde von Teichsachen, insonderheit vom Teichbau auf einem betruͤgerischen Grunde. Ol- denburg 1720. An- Anleitung zum Wasserbau, herausgegeben von M. L. Willig. Goͤttingen 1757. Joh. Wilh. Hoͤnert, etwas von der Teicharbeit. Bremen 1764. Albert Brahms Anfangsgruͤnde der Teich- und Wasserbaukunst. Bremen 1767—1773. Boͤsens (Jobst) Anleitung zum Wasserbau, Goͤttin- gen 1769. Picards Abhandlung vom Wasserwaͤgen. Berlin 1770. J. W. A. Hunrichs praktische Anleitung zum Teich- Siel- und Schlangenbau. Bremen 1770 und 1771. Joh. Esaias Silberschlag ausfuͤhrlichere Abhand- lung der Hydrotechnik. Leipzig 1772. J. W. A. Hunrichs Zusaͤtze zur Berichtigung und Ergaͤnzung der praktischen Anleitung u. s. f. Bremen 1782. K. Ch. Langsdorf drei oͤkonomisch-physikalisch-ma- thematische Abhandlungen. Einige Berechnungen uͤber die vortheilhafte Be- nutzung angelegter Sammelteiche ꝛc. Erfurt 1785. K. Ch. K. Ch. Langsdorf saͤmmtliche den Wasserbau be- treffende Schriften und Uebersetzungen. (zum gruͤndlichen Unterrichte ganz unentbehrlich.) Beitraͤge zum praktischen Wasserbau, von C. F. Wiebeking. Duͤsseldorf 1792. Woltmans Beitraͤge zur hydraulischen Architectur. Druckfehler, die sich wegen der Entfernung des Verfassers vom Druckorte wesentlich eingeschlichen. Seite. Zeile. steht lies 7 18 entrichten entrichteten 8 2 von diesem von diesen Zeiten 9 17 Quellwasser Quellwaͤsser 16 8 wohleingerichten wohlgeeichten 27 3 seyen seyn 35 15 1920 1950 37 9 duͤrfen daͤrsen — 16 gebraucht verbraucht 38 23 duͤrfen daͤrfen 44 4 duͤrfen daͤrfen 45 4 indem fuͤr ein indem ein — 7 duͤrfe daͤrfe 46 5 weitern weitere 49 17 reiches Halleiner 52 7 340,600 340,560 53 1 meine meyne 55 9 große große Faͤsser 58 12 23 kr. 20 kr. 62 17 1,235,996 fl. 1,245,996 fl. 69 13 ist Lauingen noch beizusetzen. Seite. Zeile. steht lies 71 19 die erstern die erstere 72 16 koͤnne kann 76 11 quodsi quod si — 13 defiere deficere 77 2 in des in den Im Inhalt auf der zweiten Seite lies in der lezten Zeile: gegen die vergange- nen Zeiten , und auf der Schlußseite in der dritten Zeile: zugestandenen verschie- denen Nutzungen .